Decision ID: 297c02a7-2e6e-576e-8fed-7bba7cd341b3
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach 29,
8887 Mels,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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vertreten durch Fürsprecherin Dr. iur. Marianne Sonder, Rossimattstrasse 17,
3074 Muri b. Bern,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war bei der B._ AG mit Arbeitsort bei der C._ GmbH angestellt und
dadurch bei der Suva unfallversichert, als sie am 27. September 2010 einen
Arbeitsunfall erlitt. Sie hatte mit der rechten Hand in die von ihr bediente Verpackungs-
Maschine gefasst, um einen eingeklemmten Gegenstand (Patrone) zu entfernen, wobei
die Drehbewegung des Schweiss- und Schneidbalkens unerwartet einsetzte (vgl. UV-
act. 15, 36, 63). Hierbei zog sie sich Verbrennungen an drei Fingern der rechten Hand
zu, welche in der Klinik für Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen
behandelt wurden (UV-act. 5, 11). Dr. med. D._, FMH Allgemeine Medizin, legte am
15. Dezember 2010 dar, dass der Verlauf und die aktuellen Hautverhältnisse an einen
Sudeck erinnern würden. Es bestehe nach wie vor eine volle Arbeitsunfähigkeit (UV-
act. 23). Nach Durchführung von weiteren ärztlichen bzw. ergotherapeutischen
Behandlungen und Abklärungen gab die Suva der Versicherten am 4. April 2012
bekannt, dass eine Behandlung nicht mehr notwendig sei. Heilkosten- und
Taggeldleistungen würden auf den 1. Mai 2012 eingestellt (UV-act. 168).
A.b Nach Vornahme der ärztlichen Abschlussuntersuchung vom 3. Mai 2012 (UV-act.
169) eröffnete die Suva der Rechtsschutzversicherung der Versicherten am 5. Juni
2012 und der Versicherten selbst am 8. Juni 2012 verfügungsweise, dass ein
adäquater Kausalzusammenhang zwischen den psychischen Beschwerden und dem
Unfall vom 27. September 2010 zu verneinen sei. Ein Anspruch auf Rente sei, bei
einem Valideneinkommen von Fr. 50'310.-- und einem zumutbaren
Invalideneinkommen von Fr. 47'310.-- (Erwerbseinbusse von 5.96%), nicht
ausgewiesen (UV-act. 184-186). Der Krankenversicherer erhob am 6. Juni 2012
Einsprache (UV-act. 187), zog diese jedoch am 18. Juni 2012 wieder zurück (UV-act.
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191). Die Versicherte liess am 2. Juli 2012 Einsprache erheben (UV-act. 195). Mit
Einspracheentscheid vom 19. Juli 2012 wies die Suva die Einsprache ab (UV-act. 198).
Mit Verfügung vom 25. Juli 2012 wies sie den Anspruch auf Integritätsentschädigung
ab (UV-act. 200). Hiergegen liess die Versicherte am 24. August 2012 Einsprache
erheben (UV-act. 201).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 19. Juli 2012 erhob Rechtsanwalt lic. iur. R.
Braun, Mels, für die Versicherte am 11. September 2012 Einsprache mit den Anträgen,
der Einspracheentscheid und die Verfügung vom 5. Juni 2012 seien aufzuheben; der
Beschwerdeführerin seien ab 1. Mai 2012 weiterhin die gesetzlichen
Versicherungsleistungen auszurichten. Zur Begründung legte er unter anderem dar,
nach den übereinstimmenden ärztlichen Angaben seien die Unfallfolgen noch nicht
ausgeheilt. Trotzdem habe die Beschwerdegegnerin den Fall per 1. Mai 2012
abgeschlossen. Die Beurteilung in der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 3.
April 2012 vermöge nicht zu überzeugen. Wenn der Kreisarzt von einer vollen Arbeits-
und Vermittlungsfähigkeit ausgehe, so wohl darum, um die Voraussetzungen für einen
Fallabschluss zu schaffen. Effektiv liege nach wie vor eine erhebliche Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit vor. Aufgrund der laufenden medizinischen Massnahmen werde
zudem eine Verbesserung angestrebt und als möglich betrachtet. So werde die
Beschwerdeführerin mittlerweile in der Schmerzsprechstunde des Kantonsspitals St.
Gallen (UV-act. 205) betreut. Pendent und noch vorzunehmen sei weiter eine
neurologische Abklärung. Dies, nachdem sowohl der Hausarzt als auch das
Kantonsspital St. Gallen und der Ergotherapeut auf ein mögliches komplexes
regionales Schmerzsyndrom (CRPS) hingewiesen hätten. Bei der vom Kantonsspital
am 20. Januar 2012 bestätigten vollständigen Regredienz des CRPS handle es sich
lediglich um eine Momentaufnahme. Ebenfalls noch nicht erfolgt sei eine psychiatrische
Abklärung. Unter diesen Gesichtspunkten seien die Voraussetzungen für den
Fallabschluss durch die Beschwerdegegnerin (noch) nicht gegeben. Selbst wenn
letzteres der Fall wäre, was ausdrücklich bestritten werde, so habe die
Beschwerdegegnerin zu Unrecht die Adäquanz der psychischen Beschwerden
verneint. Es habe sich um einen Unfall aus dem mittleren Bereich gehandelt, der
allerdings nicht an der Grenze zu den leichten Fällen einzuordnen sei. Es seien mehrere
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der in diesem Bereich zu prüfenden Adäquanzkriterien erfüllt. Die psychischen
Beschwerden könnten daher bei der Rentenprüfung nicht ausgeklammert werden. Die
Rentenprüfung könne nicht durchgeführt werden, da insbesondere eine Einschätzung
der Leistungsfähigkeit fehle, welche alle massgeblichen Gesichtspunkte umfasse. Bei
der Rentenberechnung erscheine ein Leidensabzug von 10% angesichts der
Einschränkungen an der dominanten Hand als zu tief. Vielmehr wäre ein solcher im
Bereich von 20% anzusetzen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 14. November 2012 beantragte Rechtsanwältin Dr.
M. Sonder, Muri, für die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung verwies sie auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid und hielt
unter anderem fest, der Nachweis, dass weitere medizinische Massnahmen zu einer
Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit führen könnten, sei nicht
erbracht. In keinem Arztbericht werde eine entsprechende Prognose gestellt. Es könne
nicht mit einer namhaften Besserung gerechnet werden. Es sei davon auszugehen,
dass die Behandlungsmöglichkeiten der physischen Unfallfolgen ausgeschöpft seien.
Der Einwand des verfrühten Fallabschlusses gehe somit fehl. Weitere Abklärungen
seien nicht angezeigt. Dies gelte auch mit Bezug auf zusätzliche psychiatrische
Abklärungen. Solche seien in der Rehaklinik Bellikon erfolgt. Zudem fehle der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen den geklagten, organisch nicht erklärbaren Störungen
und dem Unfall, so dass die Frage nach der natürlichen Kausalität nicht weiter
untersucht werden müsse. An der Zuordnung des Unfalls zum mittleren Bereich im
Grenzbereich zu den leichteren Fällen sei festzuhalten. Das Kriterium der physisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit liege nicht in einer solchen Ausprägung vor, dass es als
einziges Kriterium zu einer Bejahung der Adäquanz führen könnte. Nachdem keine
physisch bedingte Schmerzursache vorliege, lasse sich der Abzug beim
Invalideneinkommen von 10% nicht beanstanden. Eine Verletzung des
Ermessensspielraums sei nicht gegeben.
B.c Mit Replik vom 30. November 2012 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seinen Standpunkt und reichte weitere Arztberichte ein (act. G 8).
Am 9. Januar 2013 legte er einen Bericht der Klinik Valens vom 17. Dezember 2012 ins
Recht (act. G 10). In der Duplik vom 17. Januar 2013 hielt die Rechtsvertreterin der
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Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest und nahm zu den eingereichten Berichten
Stellung (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin den Fallabschluss mit Prüfung des
Rentenanspruchs zu Recht auf den 1. Mai 2012 festlegte und die Adäquanz der
psychischen bzw. organisch nicht objektivierbaren Beschwerden verneinte. Sie legte
im angefochtenen Entscheid (Erwägungen 2 und 4) die rechtlichen Voraussetzungen
des Vorliegens eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Unfall und
somatischen/psychischen Störungen sowie des Fallabschlusses und der
Rentenausrichtung zutreffend dar; darauf kann verwiesen werden.
2.
2.1 Dr. D._ führte im Bericht vom 11. Februar 2011 mit Bezug auf die beim Unfall
vom 28. September (richtig: 27. September) 2010 verletzten Finger der rechten Hand
unter anderem aus, dass sich aktuell eine Besserung abzuzeichnen scheine. Mit einem
Arbeitsversuch sollte nicht länger zugewartet werden. Ein Teilpensum sei bei
entsprechend geeigneter Arbeit möglich (UV-act. 39). Im Bericht des Kantonsspitals St.
Gallen vom 11. Februar 2011 wurde festgehalten, dass aus medizinischer Sicht ein
Arbeitsversuch für leichte Arbeiten ab 14. Februar 2011 zu 100% möglich sei. Eine
weitere Kontrolle im Kantonsspital sei nicht geplant (UV-act. 40). Eine kreisärztliche
Untersuchung durch Dr. med. E._, Facharzt FMH für Chirurgie, vom 21. Februar 2011
ergab unter anderem eine aktuell verbliebene keloid-artige Wunde an der
Transplantatentnahmestelle und eine Überempfindlichkeit der Finger III und IV mit
erheblicher Bewegungseinschränkung in den distalen Interphalangealgelenken III/IV
und Schmerzhaftigkeit. Für eine Alternativtätigkeit im Betrieb sei eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit zu besprechen. Sollte dies nicht möglich sein, sei allenfalls ein
Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon zu evaluieren. Von Seiten der
Sensibilitätsstörungen sei mit weiterer Besserung zu rechnen (UV-act. 43). Im
Nachgang zu einem stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Rehaklinik
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Bellikon vom 8. Juni bis 27. Juli 2011 wurde im Austrittsbericht vom 28. Juli 2011 unter
anderem festgehalten, die arbeitsbezogenen relevanten Probleme seien permanente
Schmerzen in den Fingern III-V der rechten Hand mit Einschränkung der Beweglichkeit
und ausgeprägter Berührungssensibilität in diesem Bereich. Die angestammte Tätigkeit
als Produktionsmitarbeiterin sei nicht mehr zumutbar. Für ein Zumutbarkeitsprofil sei es
noch verfrüht (UV-act. 66). Gestützt auf eine kreisärztliche Untersuchung hielt Dr. med.
F._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, am 21. September 2011 fest, seit der
Voruntersuchung vor 7 Monaten habe sich keine wesentliche Verbesserung des
Zustands ergeben. Die Beschwerdeführerin beklage im Rahmen einer
Symptomausweitung jetzt Armschmerzen rechts. Die vorgebrachten Beschwerden
seien so ausgeprägt, dass die rechte Hand auch im Alltag nicht eingesetzt werde und
bisher berufliche Integrationsmassnahmen nicht ins Auge hätten gefasst werden
können. Bei der klinischen Untersuchung sei vor allem die erhebliche
Funktionseinbusse der Langfinger III und IV eindrücklich; dies bei einer ausgeprägten
Berührungsempfindlichkeit. Insgesamt gehe er eher davon aus, dass der Endzustand
weitgehend erreicht sei. Aufgrund der derzeitigen Situation bestehe im Bereich der
rechten Hand eine wesentliche Verminderung der Einsetzbarkeit. Zumutbar sei rein
somatisch eine Tätigkeit, bei der die rechte Hand nicht für kraftvolles Zupacken
eingesetzt werden müsse und bei der nur leichte feinmotorische Arbeiten anfallen
würden, die mit dem Spitzgriff Daumen/Zeigefinger durchgeführt werden könnten
(leichte Haltetätigkeiten). Für eine derartige sehr leichte Tätigkeit sei die
Beschwerdeführerin seines Erachtens ganztags einsetzbar. Sofern sich (bei der
Kontrolluntersuchung im Kantonsspital St. Gallen) keine Therapieoption ergebe, sei der
Fallabschluss zu prüfen (UV-act. 90).
2.2 Am 17. Oktober 2011 empfahlen die Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen,
Sensibilisierungsübungen am Mittel- und Ringfinger in der Ergotherapie durchzuführen
(UV-act. 100). Kreisarzt Dr. F._ befürwortete am 1. November 2011 die Durchführung
der Ergotherapie (UV-act. 104). Am 22. Dezember 2011 berichteten die Ärzte des
Kantonsspitals, bei Verdacht auf ein beginnendes CRPS sei nun eine Therapie
einzuleiten. Die Analgesie und die ergotherapeutischen Massnahmen seien
fortzusetzen. Zusätzlich werde die Einleitung einer Psychotherapie empfohlen (UV-act.
119). Im Bericht vom 23. Januar 2012 wurde von Seiten des Kantonsspitals aufgrund
einer vollständigen Regredienz des CRPS empfohlen, die Therapie abzusetzen (UV-act.
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140). Am 8. März 2012 verfügte die IV-Stelle den Abschluss der beruflichen
Massnahmen mit dem Hinweis, die Beschwerdeführerin fühle sich nicht in der Lage,
einer Erwerbstätigkeit im Rahmen der attestierten Arbeitsfähigkeit nachzugehen (UV-
act. 159; vgl. auch UV-act. 181: Verneinung des Rentenanspruchs). Die Ärzte des
Kantonsspitals hatten am 5. März 2012 berichtet, aus handchirurgischer Sicht könne
der Patientin keine Therapie mehr geboten werden. Sie werde dem Schmerzdienst
vorgestellt (UV-act. 160). Dr. D._ hielt am 9. April 2012 fest, psychisch sei die
Beschwerdeführerin sehr angeschlagen. Es sei eine schmerzmodulierende
Psychotherapie ins Auge gefasst worden (UV-act. 172). Die ärztliche
Abschlussuntersuchung vom 3. Mai 2012 durch Dr. med. G._, Facharzt für Chirurgie
FMH, ergab, dass die von der Patientin beschriebenen massiven Schmerzen am dritten
und vierten Finger rechts nach Verbrennungsverletzung vom klinischen Befund her
nicht nachvollziehbar seien. Bereits der Ergotherapeut habe eine Inkonsistenz
festgestellt. Dies zeige sich auch bei der aktuellen Untersuchung. Speziell auffällig sei
die Tatsache, dass nach einer Leitungsanästhesie des dritten und vierten Fingers die
Beschwerdesymptomatik und die Hypersensibilität unverändert vorgelegen hätten.
Eine Aggravation bzw. Symptomausweitung mit somatoformer Schmerzstörung sei
deshalb sehr wahrscheinlich. Medizinisch-theoretisch sei für leichte bis mittelschwere
manuelle Tätigkeit rechts eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben. Eine starke mechanische
Belastung des dritten und vierten Fingers sei aufgrund der Hauttransplantation zu
vermeiden. Es sei ein Endzustand erreicht; von weiterer Behandlung sei keine
Verbesserung des Zustandsbilds zu erwarten. Die Ergotherapie könne sistiert werden.
Der Fall sei abzuschliessen. Eine Integritätsentschädigung sei nicht geschuldet (UV-act.
169).
2.3 Die Ärzte des Schmerzzentrums des Kantonsspitals St. Gallen diagnostizierten am
3. Mai 2012 ein chronifiziertes Schmerzsyndrom und beschrieben die durchgeführte
medikamentöse Schmerztherapie (UV-act. 205). Im Bericht des Kantonsspitals St.
Gallen vom 8. Mai 2012 wurde unter anderem festgehalten, unmittelbar nach einer
nochmaligen Testinfiltration bestehe nach wie vor Hypersensibilität im Bereich der
Fingerspitze des Mittelfingers. Der restliche Ringfinger könne ohne Schmerzen berührt
und bewegt werden. Aus handchirurgischer Sicht könne der Beschwerdeführerin keine
Therapie angeboten werden, weshalb die Behandlung mit dem heutigen Tag
abgeschlossen werde. Die Patientin sei im Schmerzzentrum angebunden und werde
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sich dort nochmals melden (UV-act. 177). Kreisarzt Dr. G._ wiederholte in der
Beurteilung vom 20. Juli 2012 seine Darlegungen im früheren Bericht und hielt
zusätzlich fest, dass die Ausdehnung der Verbrennung am III. und IV. Finger sehr
gering sei und funktionell keine wesentlichen Einschränkungen bestünden. Es fänden
sich lokal tadellose Verhältnisse, eine gute periphere Durchblutung und ein absolut
stabiler Weichteil- und Hautmantel. Auch der Faustschluss mit dem III. und IV. Finger
sei praktisch vollständig möglich. Aufgrund dessen liege gemäss Suva-Tabelle 18.3 der
Integritätsschaden unter 5% (UV-act. 199). Im Bericht der Kliniken Valens vom
17. Dezember 2012 wurden als Diagnosen eine anhaltende Funktionsstörung der
rechten Hand nach Arbeitsunfall vom 28. September (richtig: 27. September) 2010,
eine beginnende somatoforme Schmerzstörung, ein chronisches
zervikospondylogenes und zervikozephales Syndrom rechts sowie eine arterielle
Hypertonie angeführt. Bezüglich der medikamentösen Therapie dränge sich aus
psychiatrischer Sicht keine psychopharmakologische Behandlung auf. Aus
somatischer Sicht könnte allenfalls eine Therapie mit Lyrica versucht werden. Aufgrund
der somatoformen Schmerzstörung auf Grundlage eines deutlichen Schonverhaltens
und verstärkter Unsicherheit erscheine eine stationäre muskuloskelettale Rehabilitation
mit besonderem Fokus auf die Schmerzverarbeitungsstörung wichtig. Bei
Durchführung in der Klinik Valens werde dabei ein deutlicher Schwerpunkt auf eine
regelmässige psychotherapeutische Behandlung gelegt. Bezüglich Arbeitsfähigkeit
seien die Befunde der Basistests der körperlichen Leistungsfähigkeit aufgrund der
Selbstlimitierung nicht verwertbar (vgl. act. G 10.3 S. 2). Medizinisch-theoretisch
erscheine eine leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne starke Belastung der rechten
Hand mindestens halbtags als realistisch (act. G 10.1).
3.
3.1 Unbestritten und aufgrund der medizinischen Akten als belegt zu erachten ist, dass
die verbliebene Beeinträchtigung aufgrund der Fingerverletzung an der rechten Hand
der Beschwerdeführerin in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang
zum Unfall vom 27. September 2010 steht. Zu prüfen ist vorab, ob die
Beschwerdegegnerin auf den 1. Mai 2012 zu Recht von einem Fallabschluss ausging.
Der Abschluss des Falls durch den Unfallversicherer im Sinn von Art. 19 Abs. 1 UVG
bedingt, dass von weiteren medizinischen Massnahmen keine namhafte Besserung
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des Gesundheitszustands mehr erwartet werden kann, nicht aber, dass eine ärztliche
Behandlung nicht länger erforderlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4.
November 2008, 8C_467/2008, E. 5.2.2.2.). Es genügt für eine weiterdauernde
Übernahme der Behandlungskosten nicht, dass eine Therapie lediglich eine
unbedeutende Besserung erhoffen lässt oder dass für eine namhafte Besserung nur
eine weit entfernte Möglichkeit besteht (A. Maurer, Unfallversicherungsrecht, 2. A.,
Bern 1989, S. 274). Von einer namhaften Besserung des Gesundheitszustands kann
auch dann nicht gesprochen werden, wenn eine therapeutische Massnahme mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nur die sich aus einem stationären
Gesundheitsschaden ergebenden Beschwerden für eine begrenzte Zeit zu lindern
vermag (RKUV 2005, 388).
3.2
3.2.1 Nachdem in den Berichten von Dr. E._ vom 21. Februar 2011 und der
Rehaklinik Bellikon vom 28. Juli 2011 durch Fortsetzung der Behandlung von einer
weiteren Besserung der Sensibilitätsstörungen, der Fingerbeweglichkeit und der
Schmerzsymptomatik ausgegangen worden war (UV-act. 43, 66), berichtete Dr. F._
am 21. September 2011, dass durch die Behandlung keine wesentliche Besserung des
Zustands eingetreten sei; er ging von einer Symptomausweitung aus und erachtete den
Endzustand als weitgehend erreicht (UV-act. 90). Hierauf befürworteten sowohl die
Ärzte des Kantonsspitals im Oktober 2011 als auch Dr. F._ eine Ergotherapie (UV-
act. 100, 104), wobei der Hausarzt Dr. D._ sich hiervon allerdings keine Besserung
versprach (UV-act. 105). Bereits am 17. März 2011 hatte der behandelnde
Ergotherapeut bestätigt, dass Zeichen eines CRPS den Verlauf zusätzlich erschwert
hätten. Gleichzeitig wies er jedoch darauf hin, dass die Beschwerdeführerin bei
Beobachtung in der Therapie eine deutlich höhere Berührungsintensität an der
verletzten Hand ertrage als in einer Testsituation (UV-act. 45). Letzteres bestätigten die
Ärzte des Kantonsspitals am 22. Dezember 2011 (UV-act. 119 S. 2). Der in jenem
Bericht ebenfalls geäusserte Verdacht auf ein beginnendes CRPS (UV-act. 119) wurde
bereits am 23. Januar 2012 ausgeräumt mit dem Hinweis auf eine vollständige
Regredienz des CRPS und der Empfehlung, die entsprechende Therapie abzusetzen.
Es werde eine spezielle Narbentherapie empfohlen, um die Hypersensibilisierung der
Finger und die damit verbundenen Schmerzen zu bessern (UV-act. 140). Die im Verlauf
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weitergeführte ambulante Ergotherapie führte zu keiner wesentlichen Besserung der
Beschwerden (vgl. act. G 10.2). Mit E-Mail vom 18. Februar 2012 teilte Dr. D._ mit, er
rechne nicht damit, dass sich (mit weiterer Physiotherapie) etwas verbessern werde. Er
halte Ausschau nach einem albanisch oder serbisch sprechenden Psychiater (UV-act.
151). Die Ärzte des Kantonsspitals verneinten am 5. März 2012 eine weitere
Therapiemöglichkeit aus handchirurgischer Sicht mit der Begründung, dass bei nicht
positivem Ansprechen auf die Testinfiltration nicht von einer lokalen Schmerzursache
ausgegangen werde (UV-act. 160). Dies bestätigten sie nach einer nochmaligen
Testinfiltration im Mai 2012 (UV-act. 177). Die späteren Behandlungen betrafen im
Wesentlichen den nicht-somatischen (psychiatrischen) Bereich und unfallfremde
Gegebenheiten (vgl. act. G 8.1/4-7, G 10.1). Der Ergonomie-Therapeut der Kliniken
Valens bestätigte im Bericht vom 30. November 2012 eine schmerzbedingt allgemein
verminderte Belastbarkeit, welche mit den bestehenden Befunden nicht allein erklärt
werden könne. Er vermerkte sodann eine erhebliche Symptomausweitung (act. G 10.3).
Gemäss Bericht der interdisziplinären Schmerzsprechstunde, Psychosomatik, vom
5. Dezember 2012 erklärte der Ehemann der Beschwerdeführerin, dass aus seiner
Sicht die Funktionseinschränkung der rechten Hand gar nicht einmal im Vordergrund
stehen würde. Viel mehr beschäftige ihn der Umstand, dass seine Frau nach einer
halben Stunde Spaziergang ins Bett falle und gar nichts mehr machen könne (act. G
10.4 S. 2).
3.2.2 Von einer lediglich momentanen (nicht dauerhaften) Regredienz des CRPS (act.
G 1 S. 8) kann angesichts der geschilderten Aktenlage nicht ausgegangen werden,
zumal es an Anhaltspunkten für das Weiterbestehen/Wiederauftreten eines CRPS fehlt.
Was das vom Schmerzzentrum des Kantonsspitals im Mai 2012 diagnostizierte
chronifizierte Schmerzsyndrom und die dort angeordnete medikamentöse
Schmerztherapie betrifft (UV-act. 205), ist festzuhalten, dass
Schmerzlinderungsmassnahmen allein wie dargelegt den Fallabschluss hinsichtlich der
organisch objektivierbaren Beschwerden nicht hindern (RKUV 2005, 388). Für die
Bejahung eines medizinischen Endzustands wird sodann keine vollständige
Schmerzfreiheit vorausgesetzt (vgl. Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 3. A., S. 145). Die Beschwerdegegnerin nahm somit mit Bezug auf
die somatisch-objektive Situation der rechten Hand zu Recht den Fallabschluss im
Sinn von Art. 19 Abs. 1 UVG - als Voraussetzung für die Rentenprüfung - auf den 1.
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Mai 2012 an, zumal in jenem Zeitpunkt keine Eingliederungsmassnahmen der IV mehr
liefen (UV-act. 159, 181).
3.3
3.3.1 Zu klären ist sodann die Frage der zumutbaren Arbeitsfähigkeit. Von Seiten der
Rehaklinik Bellikon wurde Ende Juli 2011 im Austrittsbericht festgehalten, dass der
Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin nicht mehr
zumutbar sei. Für ein Zumutbarkeitsprofil sei es jedoch noch verfrüht, da sich die
Patientin in der medizinischen Phase befinde und (durch ambulante Ergotherapie) von
einer weiteren Verbesserung der Fingerbeweglichkeit und Schmerzsymptomatik
auszugehen sei. Ein Arbeitsversuch zu therapeutischen Zwecken für sehr leichte
Arbeiten mit Einsatz der rechten Hand als Hilfs- bzw. Zudienhand sei zu empfehlen.
Dies könne zusätzlich eine allmähliche Desensibilisierung unterstützen (UV-act. 66). Im
Zeitpunkt des Austrittsberichts der Rehaklinik liess sich somit die Frage der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit noch nicht abschliessend beantworten. Am 21. September
2011 erachtete Kreisarzt Dr. F._ - bei trotz Weiterbehandlung unveränderter Situation
an der Unfallhand seit sieben Monaten und Symptomausweitung auf den rechten Arm -
aus somatischer Sicht einen ganztägigen Einsatz in einer sehr leichten feinmotorischen
Tätigkeit (leichte Haltetätigkeiten ohne Notwendigkeit des kraftvollen Zupackens mit
der rechten Hand) als zumutbar (UV-act. 90). Die in der Folge von den Ärzten des
Kantonsspitals am 22. Dezember 2011 vermerkte volle Arbeitsunfähigkeit wurde zum
einen vor dem Hintergrund des dort geäusserten Verdachts auf ein beginnendes CRPS
bestätigt (UV-act. 119). Der CRPS-Verdacht wurde jedoch wie erwähnt kurze Zeit
später insofern hinfällig, als das CRPS als regredient bezeichnet wurde (UV-act. 140).
Zum anderen hatten die Ärzte des Kantonsspitals am 22. Dezember 2011 auf einen
wechselnden klinischen Befund bzw. auf den Umstand hingewiesen, dass je nach
Ablenkung der Beschwerdeführerin die Hypersensibilität (der Finger der rechten Hand)
deutlich wechsle. Überdies führten sie augenscheinlich starke Probleme der
Beschwerdeführerin mit der Unfallverarbeitung an (UV-act. 119). Die in jenem Bericht
bescheinigte volle Arbeitsunfähigkeit hatte somit zum einen die
Unfallverarbeitungsprobleme sowie Inkonsistenzen und zum anderen einen später
ausgeräumten Diagnoseverdacht als Ursache.
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3.3.2 Im späteren Bericht vom 23. Januar 2012 wurde lediglich festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin ihre (angestammte) Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin nicht
aufnehmen könne; zur Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Arbeit äusserte sich der
Bericht nicht bzw. schloss eine solche nicht aus (UV-act. 140). Dr. D._ begründete
sodann am 9. April 2012 die von ihm bescheinigte Arbeitsunfähigkeit im Wesentlichen
mit psychischen Problemen und wies auf die Notwendigkeit einer
schmerzmodulierenden Psychotherapie hin. Ein somatischer Grund für die
Arbeitsunfähigkeit findet sich in jenem Bericht und auch in den späteren Berichten
dieses Arztes nicht (UV-act. 172; act. G 8.1/4-7). Dr. G._ bestätigte hierauf am 3. Mai
2012 aus somatischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit in einer der Handsituation
adaptierten Tätigkeit ohne starke mechanische Belastung des 3. und 4. Fingers (UV-
act. 169). Konkrete Anhaltspunkte, aufgrund welcher diese Einschätzung anzuzweifeln
wäre, ergeben sich weder aus den Akten noch aus den Eingaben der
Beschwerdeführerin. Das vom Schmerzzentrum des Kantonsspitals im Mai 2012
diagnostizierte chronifizierte Schmerzsyndrom und die dort angeordnete
medikamentöse Schmerztherapie (UV-act. 205) vermögen keine organisch
objektivierbaren Beschwerden und eine daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit zu
belegen. Insbesondere wurde in jenem Bericht auch keine Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit in Aussicht gestellt. Im Bericht der Kliniken Valens vom 30. November
2012 wurde sodann festgehalten, dass infolge beobachteter erheblicher
Symptomausweitung die Resultate der physischen Leistungstests für die Beurteilung
der zumutbaren Belastbarkeit nur teilweise verwertbar seien. Dabei sei das Ergebnis
der psychiatrischen Abklärung zu berücksichtigen. Es sei davon auszugehen, dass bei
gutem Effort eine bessere Leistung erbracht werden könnte, als bei den Leistungstests
gezeigt worden sei (act. G 10.3 S. 2). Der von den Ärzten der Kliniken Valens am 17.
Dezember 2012 bescheinigten medizinisch-theoretischen mindestens halbtägigen
Zumutbarkeit einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit ohne starke Belastungen der
rechten Hand liegen auch unfallfremde Diagnosen und psychiatrische Diagnosen
zugrunde (act. G 10.1). Eine nochmalige somatische Begutachtung der rechten Hand
vermöchte in dieser Situation überwiegend wahrscheinlich nicht zu neuen bzw.
"besseren" Erkenntnissen zu führen. Für die von der Beschwerdeführerin mit Hinweis
auf ein mögliches CRPS beantragte neurologische Abklärung (act. G 1 S. 7) besteht in
Anbetracht der am 20. Januar 2012 bestätigten vollständigen Regredienz des CRPS
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(UV-act. 140) und die nicht lokale, d.h. nicht auf die beim Unfall verletzten Finger
bezogene, Ursache der Schmerzen (vgl. UV-act. 160, 177) kein zureichender Anlass.
Zu prüfen bleibt die Frage der adäquaten Unfallkausalität der psychischen bzw.
organisch nicht objektivierbaren Beschwerden. Mit Bezug auf diese Beschwerden und
die daraus allenfalls resultierende Arbeitsunfähigkeit kann die Frage der natürlichen
Unfallkausalität, wie nachstehend zu zeigen ist, offen bleiben (vgl. SVR 1995 UV Nr. 23,
68 E. 3c).
4.
4.1 Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall
und einer anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung
der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist nach der Rechtsprechung (BGE 115 V 133 E. 6;
SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31) vom Unfallereignis auszugehen. Der Voraussetzung des
adäquaten Kausalzusammenhangs kommt die Funktion einer Haftungsbeschränkung
zu (BGE 123 V 102 E. 3b; SVR 1999 UV Nr. 10, SVR 2001 UV Nr. 8, je mit Hinweisen).
Dabei ist auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Hierzu gehören auch
jene Versicherten, die auf Grund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger
sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde (BGE 125 V 462 E.
5c mit Hinweisen). – Zum Unfall vom 27. September 2010 kam es, weil die
Beschwerdeführerin mit der rechten Hand einen eingeklemmten Gegenstand (Patrone)
aus der von ihr bedienten Verpackungsmaschine entfernen wollte. Hierbei setzte die
Drehbewegung des Schweiss- und Schneidbalkens unerwartet ein, wodurch drei
Finger der rechten Hand eingeklemmt wurden (vgl. UV-act. 15, 36, 63). Daraus
resultierten, obschon ein Arbeitskollege die Maschine durch das sofortige
Unterbrechen der Stromzufuhr zum Stehen brachte und die Hand durch manuelles
Zurückdrehen des Transportbandes befreite (UV-act. 63 S. 2), Verbrennungen an drei
Fingern der rechten Hand.
4.2 Mit Blick auf die von der Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid (E. 3)
dargelegte Rechtsprechung zur Einordnung der Unfallschwere bei Handschäden ist
aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs vorliegend von einem mittelschweren
Ereignis auszugehen, welches jedoch nicht im Grenzbereich zu den schweren Unfällen
liegt, sondern viel eher dem Grenzbereich zu den leichten Ereignissen zuzuordnen ist
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(vgl. insbesondere auch die Kasuistik im Urteil des Bundesgerichts 4. Juni 2009,
8C_77/2009, E. 4.1). Der Unfall ereignete sich weder unter besonders dramatischen
Begleitumständen noch war er - objektiv betrachtet - von besonderer Eindrücklichkeit,
zumal ein Arbeitskollege die Maschine durch das sofortige Unterbrechen der
Stromzufuhr zum Stehen brachte und die Hand durch manuelles Zurückdrehen des
Transportbandes befreite (UV-act. 63 S. 2; vgl. Urteil des EVG vom 30. November
2004, U 300/03, Sachverhalt A. und E. 3.4). Die Beschwerdeführerin erlitt dabei
Verbrennungen an drei Fingern der rechten Hand. Der von Seiten des Kantonsspitals
am 22. Dezember 2011 geäusserte Verdacht auf ein beginnendes CRPS (UV-act. 119)
erhärtete sich nicht. Vielmehr wiesen die Ärzte bereits am 23. Januar 2012 auf eine
vollständige Regredienz des CRPS und empfahlen, die entsprechende Therapie
abzusetzen (UV-act. 140). Rechtsprechungsgemäss ist einem CRPS bzw. einer
Algodystrophie zwar grundsätzlich die Eignung zuzubilligen, eine psychische
Fehlentwicklung auszulösen (vgl. dazu E. Wehking: Das komplexe regionale
Schmerzsyndrom [CRPS] in Abgrenzung psychogener Störungen, in:
Versicherungsmedizin 59 [2007] Heft 1; Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 27. Juli 2007, UV 2006/89, und vom 18. Oktober 2005, UV 2005/28).
Konkret wurde ein solches Geschehen jedoch nicht nachgewiesen und der geäusserte
Diagnose-Verdacht wurde innert kürzester Zeit ausgeräumt. Aufgrund von späteren
Testinfiltrationen konnte eine lokale (d.h. auf die verletzte Stelle bezogene)
Schmerzursache ausgeschlossen werden (UV-act. 160, 177). Somit lagen im Nachgang
zum Unfallereignis vom 27. September 2010 keine somatischen Beschwerden vor, die
erfahrungsgemäss geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, weshalb
das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung nicht als
erfüllt zu betrachten ist. Das von der Beschwerdeführerin angeführte Urteil des
Bundesgerichts vom 13. Februar 2012, 8C_435/2011 (act. G 8 S. 2), betrifft
insbesondere auch hinsichtlich der Frage der besonderen Art der Verletzung einen mit
den vorliegenden Umständen nicht vergleichbaren Sachverhalt (vgl. Urteil, a.a.O., E.
4.27 und 4.3: Unfall hatte bei einer Versicherten mit kriegsbedingt erhöhter
Vulnerabilität eine ausgeprägte Phobie vor Hitzequellen zur Folge). Das Gericht hielt in
jenem Urteil im Übrigen fest, dass Verbrühungen nicht ohne Weiteres geeignet seien,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen (Urteil, a.a.O., E. 4.2.7).
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4.3 Nicht erfüllt ist das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen
Behandlung (vgl. dazu Urteil des EVG vom 1. April 2005, U 325/04 E. 3.2.2). Von
somatischer (handchirurgischer) Seite konnte der Beschwerdeführerin im März 2012
keine Therapie mehr angeboten werden (UV-act. 160); der diesbezügliche
Behandlungsabschluss erfolgte im Mai 2012 (UV-act. 177) und damit rund ein Jahr und
acht Monate nach dem Unfall (vgl. auch UV-act. 169). Spätere Behandlungen betrafen
eine (im Wesentlichen medikamentöse) Schmerztherapie (UV-act. 205), welcher keine
somatisch-organisch objektivierbare Ursache zugrunde lag. Die ärztlichen
Konsultationen betrafen zudem zum Teil Untersuchungen und Abklärungen, welche
nicht mit Behandlungen gleichgesetzt werden können. Anhaltspunkte für eine ärztliche
Fehlbehandlung liegen nicht vor und werden von der Beschwerdeführerin auch nicht
geltend gemacht. Den medizinischen Akten lassen sich zwar gewisse Probleme im
Heilungsverlauf entnehmen. Allerdings kann nicht von erheblichen Komplikationen oder
einem besonders schwierigen Heilungsverlauf ausgegangen werden (vgl. Urteil des
EVG a.a.O., U 325/04, E. 3.2.2 Mitte). Besondere Gründe, welche die Heilung
beeinträchtigt haben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. Februar 2006, U 79/05),
sind vorliegend nicht gegeben. Eine Erschwerung der Therapierbarkeit ergab sich
(einzig) dadurch, dass die Hypersensibilität je nach Situation und Ablenkung der
Beschwerdeführerin unterschiedlich ausfiel (vgl. UV-act. 45 S. 2, 119 S. 2, 160).
4.4 Der Beschwerdeführerin wurde ab Erstbehandlung am Unfalltag eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert (UV-act. 34). Im Februar 2011 erachtete Dr. E._ eine
50%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit als grundsätzlich realisierbar (UV-
act. 43). Am 21. September 2011 sprach sich Dr. F._ für eine ganztägige
Einsatzfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer sehr leichten Tätigkeit aus (UV-act.
90). Dr. D._ vermerkte am 9. April 2012 chronifizierte Schmerzen und psychische
Beschwerden mit der Notwendigkeit einer schmerzmodulierenden Psychotherapie als
Begründung für die von ihm bescheinigte Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 172). Die
somatischen Unfallfolgen waren spätestens im März bzw. Mai 2012 abgeheilt (UV-act.
160, 177). Dr. G._ bestätigte am 3. Mai 2012 dementsprechend die volle
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Arbeit (UV-act. 169). Das Kriterium des Grads und
der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit lässt sich bei diesem Sachverhalt
nicht bejahen. Nach Lage der medizinischen Akten machte die Beschwerdeführerin seit
dem Unfall dauerhafte Schmerzen geltend, welche allerdings bald von psychischen
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bzw. nicht organisch objektivierbaren Problemen überlagert bzw. durch diese
begründet waren. Aus der Inkonsistenz der Angaben (vgl. IV-act. 119 S. 2) und der
Tatsache, dass lokale Infiltrationen keine Veränderung der Beschwerdesymptomatik
brachte (UV-act. 160, 177), schloss Dr. G._ auf eine Aggravation bzw.
Symptomausweitung (UV-act. 169 S. 4). Das Kriterium der körperlichen
Dauerschmerzen kann dementsprechend - wenn überhaupt - höchstens geringgradig
als erfüllt gelten.
4.5 Da somit höchstens eines der zu berücksichtigenden Kriterien (geringgradig) erfüllt
ist, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu verneinen. Dabei ist darauf
hinzuweisen, dass gemäss Rechtsprechung für die Bejahung einer Unfallkausalität
bereits bei mittelschweren Unfällen (Schleudertrauma-Bereich) im engeren Sinn -
soweit ein solcher entgegen den Darlegungen in E. 4.2 zu bejahen wäre - die Erfüllung
von mindestens drei Adäquanzkriterien vorausgesetzt wird (Urteil des Bundesgerichts
vom 29. Januar 2010, 8C_897/2009, E. 4.5).
5.
5.1 Zu prüfen bleibt, ausgehend von der in E. 3.3 dargelegten
Zumutbarkeitsbeurteilung, der Rentenanspruch. Für die Festlegung des
Valideneinkommens 2012 von Fr. 50'310.-- (Fr. 3'870.-- x 13) ging die
Beschwerdegegnerin von den Angaben einer Unternehmung aus (Blumer Kunststoffe
AG) aus, bei welcher die Beschwerdeführerin bis Ende 2008 gearbeitet hatte (UV-act.
175 Beilage). Sie stellte zu Recht nicht auf das bei einer Temporär-Firma erzielte
unregelmässige Einkommen auf Stundenlohn-Basis (Fr. 18.03 pro Stunde
[einschliesslich Gratifikation]; UV-act. 170) ab. Sie erachtete das Einkommen von
Fr. 50'310.-- – nach Durchführung eines Vergleichs mit dem Durchschnitts-Einkommen
2012 von Frauen gemäss Lohnstrukturerhebung im Anforderungsniveau 4 von Fr.
54'258.-- (vgl. zur Berechnung UV-act. 183 S. 2 unten) – als unterdurchschnittlich und
kam zum Schluss, dass das Invalideneinkommen unter Berücksichtigung des
Erheblichkeits-Grenzwerts von 5 % um 2.27 % herabzusetzen sei (E. 5 des
angefochtenen Entscheids). Dies wird von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht
beanstandet.
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5.2 Das zumutbare Invalideneinkommen ist gestützt auf die Lohnstrukturerhebung
(LSE) zu ermitteln und dabei auf Tabelle 1 (Privater Sektor) Niveau 4 (einfache und
repetitive Tätigkeiten) abzustellen. Zugrunde zu legen sind – wie beim
Valideneinkommen – die Zahlen des Jahres 2012. Die Beschwerdeführerin wäre in der
Lage, ihre Restarbeitsfähigkeit in sämtlichen Branchen zu verwerten, weshalb vom
allgemeinen Durchschnittslohn aller Branchen auszugehen ist. Aus der LSE 2008 TA 1
Niveau 4 ist für Frauen ein Monatssalär von Fr. 4'116.-- ersichtlich. Das hieraus
errechnete Jahressalär von Fr. 49'392.-- basiert auf 40 Wochenstunden und ist auf die
betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit (41.7 Stunden) aufzurechnen. Nach
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung resultiert für 2012 ein Betrag von
Fr. 54'192.--. Nach der Rechtsprechung ist ein Abzug vom Invalideneinkommen
gerechtfertigt, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass eine versicherte
Person, die gesundheitsbedingt lediglich noch leichtere Hilfsarbeiten ausführen kann,
ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg zu verwerten in der Lage ist. Zudem
können weitere persönliche und berufliche Merkmale (Alter, Dauer der
Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad) Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben (BGE 126 V 75). Die
Beschwerdegegnerin ging von einem Abzug von 10% aus. Bei der Überprüfung dieses
Abzugs darf das Gericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen (BGE 126 V 75). Solche triftigen Gründe sind konkret
nicht ersichtlich, zumal eine durch die somatisch-organische Situation der rechten
Hand bedingte Schmerzursache nicht ausgewiesen ist. Nach Berücksichtigung des
10%-Abzugs sowie des Unterdurchschnittlichkeitsabzugs von 2.27% resultiert ein
zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 47'456.--. Aus dem Vergleich mit dem
Valideneinkommen von Fr. 50'310.-- ergibt sich kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 19. Juli 2012 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 24.06.2013 Art. 6 UVG. Art. 18 und 19 Abs. 1 UVG. Frage des Eintritts des gesundheitlichen Endzustands bzw. des Behandlungsabschlusses. Unfallkausalität von psychischen Beschwerden nach Fingerverletzung. Höhe des Invaliditätsgrads (Entscheid des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 24. Juni 2013, UV 2012/71).
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