Decision ID: 8dc63613-03fb-553e-974d-0f6ab973807b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Verein X._ in Liquidation (nachfolgend: Beschwerdeführer)
führte gestützt auf einen Rahmenvertrag sowie jährliche Leistungsverein-
barungen mit dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich (nach-
folgend: Vorinstanz) arbeitsmarktliche Massnahmen (AMM) durch und er-
hielt dafür Beiträge aus der Arbeitslosenversicherung. Dabei handelte es
sich um Motivationssemester (SEMO) und Programme zur vorübergehen-
den Beschäftigung (PvB). Der Rahmenvertrag (gültig vom 1. August 2019
bis zum 31. Juli 2023) regelte die grundsätzlichen Bedingungen der
Rechtsbeziehung und sah vor, dass die Vorinstanz bei Bedarf die zu er-
bringenden Leistungen jährlich mittels separater Leistungsvereinbarung,
welche die Leistungsmenge sowie die näher zu spezifizierenden Leis-
tungsinhalte umfasst, im Sinne eines Abrufs bestellt. Vergütet wurde die
jährlich effektiv angefallenen, nachgewiesenen und anrechenbaren Kosten
für die Durchführung der Beschäftigungsmassnahmen. Die vom 1. August
2019 bis zum 31. Juli 2020 geltende Leistungsvereinbarung regelte den
Abruf der AMM (Bezeichnung der AMM) für den genannten Zeitraum.
A.b Mit Urteil vom 14. Juli 2020, 9 Uhr, eröffnete das zuständige Bezirks-
gericht den Konkurs über den Beschwerdeführer und beauftragte das Kon-
kursamt Aussersihl-Zürich mit dem Vollzug.
A.c Mit "Abrechnungsverfügung" vom 8. Dezember 2020 verfügte die Vor-
instanz gegenüber dem Beschwerdeführer eine Rückforderung durch die
kantonale Arbeitslosenkasse von Fr. 22'451.55 für das Programm (Bezeich-
nung der AMM) im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2020.
A.d Mittels dieser Verfügung meldete die Vorinstanz die Forderung von
Fr. 22'451.55 im Konkurs über den Beschwerdeführer an.
B.
Mit Eingabe vom 23. Dezember 2020 erhob das Konkursamt Aussersihl-
Zürich gegen diese Verfügung Beschwerde vor Bundesverwaltungsgericht
und ersuchte gleichzeitig um Einstellung des Beschwerdeverfahrens i.S.v.
Art. 207 Abs. 2 SchKG (zit. in E. 2.4). Das Konkursamt erklärte, es erhebe
die Beschwerde zur Wahrung allfälliger Gläubigerrechte, die Forderung be-
ruhe auf öffentlichem Recht und sei gegenwärtig noch nicht rechtskräftig
veranlagt.
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C.
Mit Instruktionsverfügung vom 29. Dezember 2020 holte das Bundesver-
waltungsgericht Angaben und Unterlagen zum Zeitpunkt der Konkurseröff-
nung und zur Grundlage der Rückforderung ein. Diese gingen am 4. und
am 6. Januar 2021 ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfügungen
nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968
(VwVG, SR 172.021; Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Ju-
ni 2005 [VGG, SR 173.32]) und beurteilt auch Beschwerden gegen Verfü-
gungen kantonaler Instanzen, soweit ein Bundesgesetz gegen ihre Verfü-
gungen die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vorsieht
(Art. 33 Bst. l VGG). Ferner ist es zuständig für die Beurteilung von Be-
schwerden gegen Verfügungen der Instanzen oder Organisationen aus-
serhalb der Bundesverwaltung, die in Erfüllung ihnen übertragener öffent-
lich-rechtlicher Aufgaben des Bundes verfügen (Art. 33 Bst. h VGG). Das
Bundesverwaltungsgericht ist auch zuständig für die Beurteilung von Be-
schwerden gegen Entscheide und Beschwerdeentscheide des SECO so-
wie gegen Entscheide der Ausgleichsstelle, die gestützt auf das Arbeitslo-
senversicherungsgesetz ergehen (Art. 101 des Arbeitslosenversiche-
rungsgesetzes vom 25. Juni 1982 [AVIG, SR 837]). Ausserdem beurteilt
das Bundesverwaltungsgericht auf Klage als erste Instanz Streitigkeiten
aus öffentlich-rechtlichen Verträgen des Bundes, seiner Anstalten und Be-
triebe und der Organisationen i.S.v. Art. 33 Bst. h VGG. Nachfolgend ist
jedoch vorab zu prüfen, ob ein taugliches Anfechtungsobjekt vorliegt.
2.
2.1 Zur Verhütung und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit leistet die Versi-
cherung u.a. finanzielle Beiträge für arbeitsmarktliche Massnahmen für
versicherte Personen (Art. 7 Abs. 1 Bst. b AVIG). Die Versicherung erbringt
finanzielle Leistungen für arbeitsmarktliche Massnahmen zu Gunsten von
versicherten Personen und von Personen, die von Arbeitslosigkeit bedroht
sind (Art. 59 Abs. 1 AVIG). Die Versicherung kann Organisationen der Ar-
beitgeber und Arbeitnehmer, gemeinsamen Einrichtungen der Sozialpart-
ner, Kantonen und Gemeinden sowie anderen öffentlichen und privaten In-
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stitutionen Beiträge an die Kosten der Durchführung von arbeitsmarktli-
chen Massnahmen gewähren (Art. 59cbis Abs. 1 AVIG). Sie erstattet den
Organisationen die nachgewiesenen und notwendigen Kosten zur Durch-
führung von arbeitsmarktlichen Massnahmen (Art. 59cbis Abs. 2 AVIG). Die
zuständige Amtsstelle gewährt durch Verfügung oder Leistungsvereinba-
rung Beiträge an die Veranstalter von arbeitsmarktlichen Massnahmen
(Art. 81d Abs. 1 der Arbeitslosenversicherungsverordnung vom 31. August
1983 [AVIV, SR 837.02]).
2.2 Der verfügten Rückforderung liegt eine Leistungsvereinbarung zu-
grunde. Die Vorinstanz macht somit eine Forderung aus öffentlich-rechtli-
chem Vertrag gegenüber dem Beschwerdeführer geltend, wofür die Klage
nach Art. 35 VGG vorgesehen ist, was denn auch im Rahmenvertrag aus-
drücklich festgehalten ist ("Für die Beurteilung von Streitigkeiten aus dem
vorliegenden verwaltungsrechtlichen Vertrag ist das Bundesverwaltungs-
gericht zuständig [Art. 35 lit. a VGG]"). Die Vorinstanz hat demnach dies-
bezüglich keine Verfügungskompetenz. Die Konkurseröffnung über den
Beschwerdeführer führt zwar dazu, dass die Klage nicht mehr erhoben
werden kann, ändert aber nichts an der diesbezüglichen fehlenden Verfü-
gungskompetenz der Vorinstanz, da sie Vertragspartnerin des Beschwer-
deführers ist. Die Verfügung erweist sich damit als fehlerhaft.
2.3 Eine Verfügung ist nur ausnahmsweise nichtig, wenn der ihr anhaf-
tende Mangel besonders schwer und offensichtlich oder zumindest leicht
erkennbar ist und die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit
nicht ernsthaft gefährdet wird. Als Nichtigkeitsgrund kommen namentlich
die sachliche und funktionelle Unzuständigkeit der verfügenden Behörde
in Betracht, es sei denn, der verfügenden Behörde komme auf dem betref-
fenden Gebiet allgemeine Entscheidungsgewalt zu, sowie schwerwiegen-
de Verfahrensfehler (BGE 139 II 243 E. 11.2 m.H.; BGE 137 III 217
E. 2.4.3). Das Fehlen der Verfügungskompetenz der Vorinstanz mit Bezug
auf die Rückforderung ist angesichts der ausdrücklichen Regelung im Rah-
menvertrag ein offensichtlicher Mangel und führt ohne weiteres zur Nich-
tigkeit der angefochtenen Verfügung. Die Nichtigkeit einer Verfügung ist je-
derzeit und von sämtlichen staatlichen Instanzen von Amtes wegen zu be-
achten; sie kann auch im Rechtsmittelweg festgestellt werden (BGE 140 III
651 E. 3; BGE 139 II 243 E. 11.2) und ist im Urteilsdispositiv festzustellen
(BGE 132 II 342 E. 2.3). Nichtigen Verfügungen geht jede Verbindlichkeit
und Rechtswirksamkeit ab. Die Frage der Rückforderung kann mangels
Verfügungsbefugnis der Vorinstanz somit nicht streitgegenständlich wer-
den.
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2.4 Eine Konversion der (nichtigen) Verfügung in eine blosse Forderungs-
anmeldung scheidet mangels Zuständigkeit des Bundesverwaltungsge-
richts für das Konkursverfahren des Beschwerdeführers aus. Ohnehin
wurde die Forderung gemäss Angaben des Konkursamtes bereits (mittels
der fraglichen Verfügung) angemeldet. Bei der eingegebenen Forderung
handelt es sich um eine Konkursforderung, d.h. sie ist vor der Konkurser-
öffnung entstanden. Das Konkursamt hat diese zu erwahren (Art. 244 des
Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs vom 11. April 1889
[SchKG, SR 281.1]). Dass die Forderung noch nicht rechtskräftig veranlagt
ist, führt nicht zur Sistierung nach Art. 207 Abs. 2 SchKG. Die Bestimmung
setzt voraus, dass das Verwaltungsverfahren im Zeitpunkt der Konkurser-
öffnung bereits rechtshängig ist bzw. die (nachmalig) angefochtene Verfü-
gung bereits zugestellt worden ist (vgl. HEINER WOHLFART/CAROLINE B.
MEYER, in: Adrian Staehelin/Thomas Bauer/Daniel Staehelin [Hrsg.], Bas-
ler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs II,
2. Aufl., Basel 2010). Die Konkurseröffnung erfolgte hier am 14. Juli 2020.
Da die Abrechnung vom 8. Dezember 2020 nach der Konkurseröffnung zu-
gestellt wurde, liegt kein Anwendungsfall von Art. 207 Abs. 2 SchKG vor.
2.5 Der Entscheid über die fragliche Rückforderung ergeht im Rahmen des
Kollokationsverfahrens. Wird die Forderung nicht oder nicht im vollen Um-
fang kolloziert, steht es der Vorinstanz frei, gegen die Masse zu klagen
(Art. 250 Abs. 1 SchKG).
3.
Mangels tauglichen Anfechtungsobjekts ist auf die Beschwerde nicht ein-
zutreten.
4.
Die Beschwerdeinstanz auferlegt in der Entscheidungsformel die Verfah-
renskosten, bestehend aus Spruchgebühr, Schreibgebühren und Baraus-
lagen, in der Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die
Spruchgebühr richtet sich nach Umfang und Schwierigkeit der Streitsache,
Art der Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien (Art. 63 Abs. 4bis
VwVG). In Anwendung von Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht (VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend auf die Erhebung von Verfah-
renskosten zu verzichten.
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