Decision ID: 50bfc7b8-b1e9-588c-a970-2a351b86e591
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 29. Juli 2014 in der Schweiz um Asyl
nach. Mit Verfügung vom 20. August 2015 anerkannte ihn das SEM als
Flüchtling gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG (SR 142.31) und gewährte ihm
Asyl.
B.
B.a Mit Eingabe vom 29. September 2015 stellte der Beschwerdeführer
beim SEM ein Gesuch um Familienzusammenführung mit seiner in Eritrea
lebenden Ehefrau sowie den drei gemeinsamen Kindern. Dabei reichte er
seine Eheurkunde, die Geburtsurkunde seiner Ehefrau und diejenigen sei-
ner Kinder (jeweils in Kopie) sowie sechs Fotos (zwei Aufnahmen der Ehe-
frau mit den Kindern, zwei Aufnahmen der Kinder und zwei Aufnahmen der
Eheleute mit einem ihrer Kinder) zu den Akten.
B.b Mit Verfügung vom 31. Dezember 2015 bewilligte das SEM die Ein-
reise der Ehefrau und der gemeinsamen Kinder in die Schweiz nicht und
lehnte das Gesuch um Familienzusammenführung ab. Zur Begründung
führte es im Wesentlichen an, die Voraussetzungen für einen Familien-
nachzug aus dem Ausland gemäss Art. 51 Abs. 1 und Abs. 4 AsylG seien
nicht erfüllt, da der Beschwerdeführer vor seiner Flucht aus Eritrea mit sei-
ner Ehefrau und den Kindern nicht in einem gemeinsamen Haushalt gelebt
und eine Familiengemeinschaft gebildet habe. Dass das fehlende Zusam-
menleben auch auf die Militärdienstpflicht und damit auf äussere Umstände
zurückzuführen sei, ändere an dieser Einschätzung nichts.
B.c Auf die am 9. Februar 2016 dagegen erhobene Beschwerde trat das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-810/2016 vom 15. Februar 2016 in-
folge abgelaufener Beschwerdefrist nicht ein.
C.
C.a Mit Eingabe vom 18. April 2016 ersuchte der Beschwerdeführer beim
SEM um Wiedererwägung der Verfügung vom 31. Dezember 2015 sowie
erneut um Familienzusammenführung mit seiner in Eritrea lebenden Ehe-
frau sowie den drei gemeinsamen Kindern.
C.b Mit Schreiben vom 16. August 2016 forderte das SEM den Beschwer-
deführer auf, bis zum 29. August 2016 verschiedene Fragen zur Beziehung
zwischen ihm und den im Gesuch eingeschlossenen Familienangehörigen
– vor und nach seiner Ausreise aus dem Heimatstaat – zu beantworten.
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Ferner gab es ihm Gelegenheit, innert derselben Frist weitere Informatio-
nen und sachdienliche Dokumente bezüglich seines Gesuchs einzu-
reichen.
C.c Mit Schreiben vom 25. August 2016 beantwortete der Beschwerdefüh-
rer die Fragen des SEM. Gleichzeitig legte er acht weitere Fotos (sechs
Aufnahmen der Hochzeitsfeier und zwei Aufnahmen seiner Kinder) ins
Recht.
C.d Mit Verfügung vom 22. September 2016 trat das SEM auf das Wieder-
erwägungsgesuch vom 18. April 2016 – mangels Erfüllung der Anforderun-
gen an ein begründetes Gesuch im Sinne von Art. 111b AsylG – nicht ein
und erklärte die Verfügung vom 31. Dezember 2015 für rechtskräftig. Diese
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
D.
Am 11. Januar 2017 reichte der Beschwerdeführer ein weiteres Wiederer-
wägungsgesuch ein, welches vom SEM am 6. März 2017 – infolge wieder-
holt gleicher Begründung – gemäss Art. 111b Abs. 4 AsylG formlos abge-
schrieben wurde.
E.
Mit Eingabe seiner neu mandatierten Rechtsvertreterin vom 29. Juni 2020
liess der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein drittes Wiedererwä-
gungsgesuch stellen.
Zur Begründung führte er im Wesentlichen an, die Argumentation der Vo-
rinstanz in der Verfügung vom 31. Dezember 2015 halte der aktuellen
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts nicht Stand. Ausserdem
liege ein Arztbericht der Universitären Psychiatrischen Dienste G._
vom 3. Juni 2020 vor, der für die Beurteilung der Voraussetzungen zur Ge-
währung von Familienasyl relevant sei. Sowohl die Veränderung der
Rechtslage, als auch der Inhalt des Arztberichtes sei ihm anlässlich der
Erstbesprechung mit seiner Rechtsvertreterin vom 5. Juni 2020 zur Kennt-
nis gelangt. Daher sei auf das vorliegende Wiedererwägungsgesuch ein-
zutreten und ein neuer Entscheid zu fällen. Materiell führte er unter Verweis
auf das Urteil des BVGer D-982/2016 vom 10. September 2018 E. 5.2.1
sowie die Urteile E-3698/2016 vom 15. April 2019 und E-1721/2019 vom
28. Juni 2019 die Voraussetzungen zur Erteilung des Familienasyls aus,
namentlich vorbestandene Familiengemeinschaft und Trennung durch
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Flucht (insbesondere das Vorliegen von zwingenden Gründen für die Un-
möglichkeit eines Zusammenlebens in einem gemeinsamen Haushalt),
legte dar, dass diese vorliegend erfüllt seien, und bezeugte unter ausführ-
licher Schilderung seiner Kontaktbemühungen seit seiner Ausreise insbe-
sondere seinen Wunsch nach Wiederaufnahme respektive Fortführung der
getrennten Familiengemeinschaft. Im Übrigen machte er geltend, aufgrund
der Trennung von seiner Familie an Depressionen zu leiden und sich seit
dem 27. September 2018 in psychotherapeutischer Behandlung zu befin-
den. Lediglich eine Familienzusammenführung könne einer Chronifizie-
rung mit erneuter Verschlechterung der Symptomatik entgegenwirken. Zu-
sammenfassend sei festzuhalten, dass die Voraussetzungen für die Ertei-
lung einer Einreisebewilligung zugunsten seiner Ehefrau und den gemein-
samen Kindern erfüllt seien. Besondere Umstände, die gegen eine Famili-
enzusammenführung in der Schweiz sprächen, seien keine vorhanden. Die
Führung des Familienlebens in F._ sei weder der Ehefrau und den
Kindern, noch dem Beschwerdeführer zumutbar. Im Übrigen fühle er sich
wohl in der Schweiz und gehe in der Zwischenzeit einer Erwerbstätigkeit
nach.
Dem Gesuch lagen – nebst einer Vollmacht vom 5. Juni 2020 – ein Tou-
ristenvisum für F._ (gültig vom 1. Oktober 2018 bis 31. Oktober
2018), zwei Flugtickets von Zürich nach H._ vom 1. Oktober 2018
und 15. Mai 2019, ein Arbeitsvertrag vom 19./23. September 2019, zahlrei-
che Ausdrucke der Kontakte zwischen dem Beschwerdeführer und seiner
Ehefrau über die sozialen Medien (datiert zwischen dem 10. August 2019
und dem 9. Mai 2020) sowie ein ärztliches Zeugnis der Universitären Psy-
chiatrischen Dienste G._ vom 3. Juni 2020 bei.
F.
Mit Verfügung vom 15. Juli 2020 – tags darauf eröffnet – trat das SEM auf
das Wiedererwägungsgesuch vom 29. Juni 2020 nicht ein.
Zur Begründung führte es aus, im Wiedererwägungsgesuch werde weder
das Bestehen einer seit der früheren Verfügung veränderten Sachlage,
noch das Vorliegen von wiedererwägungsrechtlich relevanten neuen Tat-
sachen oder Beweismitteln geltend gemacht, sondern vielmehr die bereits
im ordentlichen Verfahren geltend gemachten Vorbringen wiederholt. Dem
Gesuch seien somit keine Gründe zu entnehmen, welche zu einer wieder-
erwägungsweisen Überprüfung der rechtskräftigen Verfügung vom 31. De-
zember 2015 Anlass geben würden. Folglich sei auf das Wiedererwä-
gungsgesuch nicht einzutreten.
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G.
Mit Eingabe vom 17. August 2020 (Datum des Poststempels) focht der Be-
schwerdeführer – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – diesen Ent-
scheid beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte, die vorinstanz-
liche Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das
Wiedererwägungsgesuch einzutreten und dieses materiell zu prüfen.
Eventualiter seien die vorinstanzlichen Verfügungen vom 15. Juli 2020 und
vom 31. Dezember 2015 aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, sei-
ner Ehefrau und den drei gemeinsamen Kindern die Einreise in die
Schweiz zu bewilligen, das Gesuch um Familienzusammenführung gutzu-
heissen und diese in seine Flüchtlingseigenschaft einzubeziehen. In ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses.
Zur Begründung führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen an, er habe
in seinem Wiedererwägungsgesuch nicht eine Veränderung der Sachlage,
sondern eine Veränderung der Rechtslage beziehungsweise eine nach-
trägliche Unrichtigkeit der Verfügung vom 31. Dezember 2015 vorgebracht,
was die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung «völlig ignoriert» und
damit seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe. Aufgrund des
vorliegenden Sachverhalts sowie der aktuellen Rechtsprechung des Bun-
desverwaltungsgerichts wäre die Vorinstanz verpflichtet gewesen, auf sein
Wiedererwägungsgesuch einzutreten und das Gesuch materiell zu prüfen.
Wie im Wiedererwägungsgesuch ausführlich dargelegt, habe sich die Pra-
xis des Bundesverwaltungsgerichts zu seinen Gunsten «geändert» und die
Begründung der Vorinstanz, welche damals zur Ablehnung des Gesuchs
um Familienzusammenführung geführt habe, sei zum heutigen Zeitpunkt
nicht mehr zulässig. Es handle sich hierbei zwar nicht um eine Gesetzes-
änderung, jedoch sei die Gerichtspraxis aufgrund des Rechtsgleichheits-
gebots sowie des Rechts auf Familienleben zwingend zu berücksichtigen.
Im Übrigen wiederholte er das bereits in seiner Eingabe vom 29. Juni 2020
vorgebrachte (vgl. oben Bst. E.).
H.
Mit Schreiben vom 19. August 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.
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Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art.
48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist –
unter dem Vorbehalt der E. 5.3 – einzutreten (Art. 108 Abs. 6 AsylG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich
und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren nach
den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG (Art. 111b
Abs. 1 AsylG).
4.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-
fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem
blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi-
onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (vgl. zum so-
genannten «qualifizierten Wiedererwägungsgesuch» BVGE 2013/22 E. 5.4
m.w.H.). Darüber hinaus sind Revisionsgründe, welche sich auf Beweis-
mittel abstützen, welche erst nach Abschluss eines Beschwerdeverfahrens
entstanden sind, stets unter dem Titel der Wiedererwägung bei der Vo-
rinstanz einzubringen, da solche neu entstandenen Beweismittel keine
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Grundlage für ein Revisionsverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht
abgeben können (Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 Abs. 2 Bst. a [letzter Satz]
BGG; vgl. BVGE 2013/22). Nach Art. 66 Abs. 2 VwVG liegen Revisions-
gründe unter anderem dann vor, wenn eine Partei neue erhebliche Tatsa-
chen oder Beweismittel vorbringt (Bst. a). Neue Beweismittel im Sinne von
Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG müssen entweder den Beweis für neue erheb-
liche Tatsachen oder den Beweis für Tatsachen erbringen können, deren
Existenz oder Eigenschaften im Beschwerdeverfahren respektive im Ver-
fahren vor dem SEM zum Nachteil des Beschwerdeführers unbewiesen
geblieben sind. Eine nachträgliche Änderung der Rechtsprechung oder
des Gesetzes bildet keinen zulässigen Wiedererwägungsgrund. Denn bei
Rechts- und Praxisänderungen handelt es sich weder um eine nachträgli-
che Änderung des entscheidwesentlichen Sachverhalts noch um einen Re-
visionsgrund (vgl. AUGUST MÄCHLER, in: Kommentar zum Bundesgesetz
über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 66 N 18).
5.
5.1 Anfechtungsgegenstand der vorliegenden Beschwerde ist der Nicht-
eintretensentscheid vom 15. Juli 2020. Das Beschwerdeverfahren be-
schränkt sich somit auf die Prüfung der Frage, ob die Vorinstanz zu Recht
auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetre-
ten ist.
5.2 Die Beschwerdeinstanz enthält sich – sofern sie den Nichteintretens-
entscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen
Prüfung; sie hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1
m.w.H.).
5.3 Soweit der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe eventuali-
ter die Gewährung von Familienasyl beantragt, ist nach dem Gesagten auf
das entsprechende Rechtsbegehren nicht einzutreten.
6.
6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer wirft der
Vorinstanz eine Verletzung der Begründungspflicht (respektive allgemein
des Anspruchs auf rechtliches Gehör) vor.
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Seite 8
6.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in
ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle
form- und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klä-
rung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die
Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid
gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentli-
chen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen
und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die
Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184
E. 2.2.1).
6.3 Vorliegend ist keine Verletzung des rechtlichen Gehörs beziehungs-
weise der Begründungspflicht ersichtlich. Die Vorinstanz hat in ihrem Ent-
scheid vom 15. Juli 2020 zwar in knapper Form, aber hinreichend und zu-
treffend erläutert, warum die Eintretensvoraussetzungen nicht gegeben
sind. Insbesondere hat die Vorinstanz festgehalten, was zulässige Wieder-
erwägungsgründe sein können, namentlich eine nachträglich veränderte
Sachlage und neu erfahrene Tatsachen oder neue Beweismittel, hat die
Eintretensvoraussetzungen in diesem Licht geprüft und das Wiedererwä-
gungsgesuch ausdrücklich dahingehend gewürdigt, dass keine solchen
Gründe, namentlich (echte oder unechte) Noven, geltend gemacht worden
seien. Im Übrigen zeigt die Beschwerdeeingabe, dass eine sachgerechte
Anfechtung der vorinstanzlichen Verfügung ohne weiteres möglich war.
6.4 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen.
7.
7.1 Sodann ist das SEM mit zutreffender Begründung zu Recht auf das
Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten, zumal
der Beschwerdeführer, wie er in der Beschwerde selber einräumt, keine
nachträgliche Veränderung der Sachlage geltend macht, sondern lediglich
eine – im Wiedererwägungsverfahren nicht massgebliche – Veränderung
der Rechtsprechung. Andere zugelassene Wiedererwägungsgründe bringt
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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er nicht vor. Auch aus dem eingereichten Beweismittel geht keine Verän-
derung des dem Entscheid vom 31. Dezember 2015 zugrundeliegenden
Sachverhalts hervor. Solches wird in der Beschwerde auch nicht geltend
gemacht.
7.2 Die Anrufung der Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-982/2016
vom 10. September 2018, E-3698/2016 vom 15. April 2019 und
E-1721/2019 vom 28. Juni 2019 ist nach dem Gesagten unbehelflich. Denn
die Anrufung von nach Abschluss des ordentlichen Verfahrens ergangenen
Urteilen ist – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers und wie oben
bereits festgestellt (vgl. oben E. 4.2) – als Wiedererwägungsgrund nicht
zugelassen.
7.3 In Bezug auf das angebotene Beweismittel – das ärztliche Zeugnis der
Universitären Psychiatrischen Dienste G._ vom 3. Juni 2020 – ist
weiter festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer gemäss Aktenlage
und auch seinen eigenen Angaben zufolge seit dem 27. September 2018
in ambulanter psychotherapeutischer Behandlung befindet. Entsprechend
darf ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass die im vorgelegten
Beweismittel enthaltene Diagnose im Berichtszeitpunkt keineswegs neu
gewesen, sondern nach damals über zweijähriger Behandlungsdauer aus
Vorberichten längst bekannt und die Frist von 30 Tagen im Zeitpunkt des
Wiedererwägungsgesuches vom 29. Juni 2020 – entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers – abgelaufen war. Unbesehen dessen geht aus dem
angerufenen Beweismittel keine rechtsrelevante Veränderung des dem
Entscheid vom 31. Dezember 2015 zugrundeliegenden Sachverhalts her-
vor.
7.4 Im Übrigen macht der Beschwerdeführer im Wiedererwägungsgesuch
mehrheitlich dasselbe geltend, was bereits in der verspäteten Beschwerde
vom 9. Februar 2016 vorgetragen wurde. Der Sinn der Wiedererwägung ist
jedoch nicht die erneute rechtliche Würdigung eines bereits hinlänglich er-
stellten und endgültig beurteilten Sachverhalts (vgl. EMARK 1999 Nr. 4
E. 5a S. 24 f.) und dient insbesondere nicht dazu, eine verpasste Be-
schwerdefrist zu ersetzen (vgl. EMARK 2000 Nr. 24 E. 3b S. 217 f.). Es ist
unzulässig, ein rechtskräftig abgeschlossenes Verfahren unter dem Titel
eines Wiedererwägungsgesuchs faktisch zu wiederholen, indem die recht-
liche Beurteilung der verfügenden Behörde (erneut) in Frage gestellt wird
(vgl. Urteile des BVGer D-6630/2016 vom 2. November 2016 E. 7.1 und
D-5989/2013 vom 30. Oktober 2013 E. 7.1).
D-4122/2020
Seite 10
7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Eintretensvoraussetzun-
gen nicht gegeben sind und die Vorinstanz auf das Wiedererwägungsge-
such folgerichtig nicht eingetreten ist.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf ein-
zutreten ist.
9.
9.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und Rechtsverbeiständung (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG).
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu-
weisen, da die Begehren, wie sich aus den vorstehenden Erwägungen
ergibt, als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraussetzun-
gen von Art. 65 Abs. 1 VwVG – ungeachtet der geltend gemachten Bedürf-
tigkeit des Beschwerdeführers – nicht erfüllt sind. Folglich ist auch das Ge-
such um unentgeltliche Rechtsverbeiständung abzuweisen.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1'500.–
festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses wird mit vorliegendem Urteil gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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