Decision ID: b9f0aad6-dd31-41bc-8cbe-0b1dc3aaf3f6
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Dr. H._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Haus Eden, Paradiesweg 2,
Postfach, 9410 Heiden,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Ergänzungsleistung zur AHV
Sachverhalt:
A.
A.a Dr. H._ bezieht seit Juni 2006 eine Altersrente und Ergänzungsleistungen (EL).
Gemäss dem Entscheid EL 2007/18 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 26. Juni 2007 war in der EL-Berechnung ab Anspruchsbeginn für die Ehefrau des
Versicherten ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 18'892.-- (bei einer
Arbeitsfähigkeit von 55 %) anzurechnen. Das Gericht wies die Sache zu
entsprechender Neuberechnung der EL an die EL-Durchführungsstelle
(Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, SVA) zurück. Dieser Entscheid
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.b Mit Verfügungen vom 11. Oktober 2007 sprach die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherten unter Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens für die
Ehefrau von Fr. 18'892.-- ab 1. Juni 2006 eine monatliche EL von Fr. 1'242.-- und ab
1. Januar 2007 von Fr. 1'754.-- zu (EL-act. 53), die sie mit Verfügung vom
22. November 2007 per 1. März 2007 auf Fr. 1'805.-- erhöhte (EL-act. 47).
B.
B.a Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter beantragte mit Schreiben vom 3. März 2008 in
Vertretung des Versicherten, auf den Einbezug des hypothetischen Einkommens für die
Ehefrau zu verzichten. Die Ehefrau habe sich seit mehr als einem halben Jahr intensiv,
aber erfolglos um Arbeit bemüht (EL-act. 34-1). Die EL-Durchführungsstelle kam
diesem Anpassungsantrag nach, verzichtete auf die Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens und sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 13. März 2008 ab
1. März 2008 eine EL von Fr. 2'999.-- zu (EL-act. 32). Im Beiblatt zur Verfügung wies
sie den Versicherten darauf hin, dass sich seine Ehefrau weiterhin um Arbeit bemühen
müsse, und nannte die gewünschten Anforderungen an die Bewerbungen (EL-act. 33).
B.b Auf die Aufforderung vom 4. August 2008 (EL-act. 30) hin stellte der
Rechtsvertreter des Versicherten der EL-Durchführungsstelle mit Schreiben vom
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30. September 2008 Stellenbemühungen für März und April 2008 zu und wies darauf
hin, dass die Ehefrau des Versicherten unterdessen zu 100 % arbeitsunfähig sei (EL-
act. 28). Die EL-Ausrichtung erfolgte daraufhin weiter ohne Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens (vgl. EL-act. 19).
C.
C.a Mit Schreiben vom 23. Juni 2009 teilte die EL-Durchführungsstelle dem
Rechtsvertreter des Versicherten mit, dessen Ehefrau habe seit längerem keine
Arbeitsbemühungen mehr erbracht. Aufgrund des eingereichten Arztzeugnisses vom
8. April 2009 gehe man davon aus, dass sie in dem vom Versicherungsgericht
festgestellten Umfang (55 %) eine Erwerbstätigkeit ausüben könnte. Daher werde die
EL ab 1. Oktober 2009 reduziert (EL-act. 13). In der Folge setzte die EL-
Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung des Versicherten mit Verfügung vom
10. September 2009 ab 1. Oktober 2009 unter Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens von Fr. 18'892.-- auf Fr. 2'134.-- herab (EL-act. 6).
C.b Dagegen erhob der Rechtsvertreter des Versicherten am 22. September 2009
Einsprache. Er beantragte die Ausscheidung des hypothetischen Einkommens (EL-
act. 3).
C.c Der Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen drohte
dem Versicherten mit Schreiben vom 11. Januar 2010 eine reformatio in peius an. Man
gehe davon aus, dass seine Ehefrau zu 100 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen
könnte, sodass das hypothetische Einkommen anzupassen sei und sich neu ein EL-
Anspruch von Fr. 1'411.-- ergebe (EL-act. 116). Der Rechtsvertreter zog die Einsprache
nicht zurück (EL-act. 117), woraufhin die EL mit Einspracheentscheid vom 8. Februar
2010 gemäss Androhung herabgesetzt wurden. Der angefragte Arzt des Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) der Invalidenversicherung habe am 7. Januar 2010
festgehalten, dass in den Jahren 2006 und 2007 nur Diagnosen aufgelistet worden
seien, die generell keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Retrospektiv
beurteilt scheine deshalb die deklarierte Arbeitsunfähigkeit in jener Zeit nicht
ausreichend begründet. Ab 2008 kämen Diagnosen hinzu, die mindestens
vorübergehend eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit haben könnten. Man gehe
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davon aus, dass die Ehegattin zu 100 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen könnte
(act. G 1.1.1).
D.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt Dr. Peter Sutter
für den Betroffenen am 23. Februar 2010 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers beantragt dessen Aufhebung. Die mit Wirkung ab 1. Oktober
2010 (korr.: 2009) zugesprochenen EL seien unter Ausschluss eines hypothetischen
Einkommens für die Ehegattin neu zu berechnen. Eventualiter sei die Sache zur
entsprechenden Neuberechnung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
habe im ersten Verfahren bei der Bemessung des hypothetischen Einkommens der
angeschlagenen Gesundheit der Ehefrau Rechnung getragen. Die Ehefrau habe
aufgrund ihrer Herkunft, Ausbildung, Sprachkenntnisse und mangelnden Erfahrung auf
dem Arbeitsmarkt keine Chancen. Sie habe sich im Zeitraum eines Dreivierteljahres
erfolglos um über 100 Stellen beworben, wovon 60 Bewerbungen dokumentiert seien.
Nun könne von ihr wohl nicht erwartet werden, dass sie für den Rest ihres Lebens
weiterhin Arbeitsbemühungen nachweise, wenn einmal erstellt sei, dass die
Voraussetzungen für die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens nicht gegeben
seien. Hinzu komme der Umstand, dass sie sich vor diesem Hintergrund wohl auch
wieder ihrer Hauptaufgabe als Hausfrau und Mutter zuwenden dürfe. Im Übrigen sei die
Ehefrau des Beschwerdeführers auch aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage,
ein Erwerbseinkommen zu erzielen. Von einem 55 % übersteigenden zumutbaren
Arbeitspensum könnte erst ausgegangen werden, wenn eine abweichende
Arbeitsfähigkeitsschätzung eines Arztes vorliege, welche diejenige von Dr. med. A._,
Allgemeine Medizin FMH, auf die das Gericht im Verfahren EL 2007/18 abgestellt habe,
überzeugend widerlege. Die Aktennotiz des RAD-Arztes habe kaum Beweiswert, weil
dieser die Ehefrau nicht persönlich untersucht habe. Zudem sei die Einschätzung im
Januar 2010 rückwirkend bis ins Jahr 2007 erfolgt, ohne dass eine entsprechende
medizinische Dokumentation vorhanden wäre. Im Übrigen ziehe die
Beschwerdegegnerin aus der Notiz des RAD-Arztes unzutreffende Schlussfolgerungen.
Dieser empfehle "aufgrund der Gesundheitsschäden" eine IV-Anmeldung im Hinblick
auf eine rentenrelevante Erwerbsunfähigkeit. Darum gehe es aber nicht, weil die
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Ehefrau des Beschwerdeführers eben aus invaliditätsfremden Gründen in Verbindung
mit gesundheitlichen Beschwerden realistischerweise auf dem heutigen Arbeitsmarkt
kein Einkommen erzielen könne, und zwar auch dann nicht, wenn sie ihre
Lohnansprüche deutlich unter einen Marktlohn reduziere (act. G 1). Mit der
Beschwerde reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers Nachweise von
Stellenbemühungen für die Zeit von September 2007 bis April 2008 ein (act. G 1.1.2).
E.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 19. April 2010 die
Abweisung der Beschwerde. Die vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen im
Entscheid EL 2007/18 vorgenommene Reduktion des angerechneten Einkommens sei
grösstenteils wegen der gesundheitlichen Probleme der Ehefrau erfolgt. Somit sei die
vom RAD-Arzt vorgeschlagene IV-Anmeldung nicht abwegig. Denn dadurch, dass das
Gericht von einer Arbeitsfähigkeit von 55 % ausgegangen sei, habe es der Ehefrau
faktisch mindestens eine Viertelsrente zugesprochen. Da diese Rente nur faktisch
gesprochen worden sei, wirke sie sich auf der Einnahmenseite weder beim
Renteneinkommen noch beim hypothetischen Einkommen, das dann über Art. 14a der
Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) berechnet werden müsste, aus. Der
Beschwerdeführer werde demnach bei der EL-Berechnung besser gestellt. Und dies,
obwohl nie eine medizinische Abklärung stattgefunden habe und die 55 %-ige
Arbeitsfähigkeit nicht ausgewiesen sei. Obschon es sich bei der RAD-Stellungnahme
lediglich um eine Stellungnahme aufgrund der Akten handle, dürfte es einer
medizinischen Fachperson im Gegensatz zu medizinischen Laien durchaus möglich
sein, aus versicherungsmedizinischer Sicht zu bestimmen, ob die angegebenen
Diagnosen sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten oder nicht. Daher könne der
Stellungnahme keineswegs der Beweiswert abgesprochen werden. Die nachträglich
eingereichten standardisierten Bewerbungen seien im Übrigen weder qualitativ noch
quantitativ genügend (act. G 5).
F.
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Der Beschwerdeführer lässt in der Replik vom 22. April 2010 an seinen Anträgen
gemäss der Beschwerde festhalten. Betreffend Qualität und Quantität der
Bewerbungen habe sich seine Ehefrau peinlichst genau an die Anweisungen und
Empfehlungen der Arbeitslosenkasse gehalten. Die Kritik an Qualität und Quantität der
Bewerbungen erscheine geradezu treuwidrig, nachdem die Beschwerdegegnerin
während Monaten nicht auf das Schreiben des Rechtsvertreters vom 30. September
2008 reagiert habe, mit dem die letzten Bewerbungen eingereicht worden seien und die
Annahme geäussert worden sei, es seien keine weiteren Bewerbungen mehr
erforderlich (act. G 7).
G.
Die Beschwerdegegnerin hält mit Schreiben vom 30. April 2010 an ihrem
Abweisungsantrag fest und verzichtet auf weitere Ausführungen (act. G 9).

Erwägungen:
1.
Streitig und im vorliegenden Verfahren zu überprüfen ist die Anpassung in Form einer
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens für die Ehefrau des
Beschwerdeführers ab Oktober 2009. Die rechtlichen Grundlagen für die Anrechnung
wurden bereits im Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen EL
2007/18 vom 26. Juni 2007 dargelegt. Zwar ist auf den 1. Januar 2008 das neue
Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) in Kraft getreten. Es ersetzt das ELG vom
19. März 1965 in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung. In materieller
Hinsicht haben sich jedoch weder die vorliegend relevanten Bestimmungen noch die
einschlägige Rechtsprechung geändert.
2.
2.1 Nach Art. 17 Abs. 2 ATSG wird jede formell rechtskräftig zugesprochene
Dauerleistung von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich
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verändert hat. Nach Art. 25 Abs. 1 ELV ist die jährliche Ergänzungsleistung bei Eintritt
einer voraussichtlich längere Zeit dauernden Verminderung oder Erhöhung der vom
ELG anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen sowie des Vermögens zu
erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben (vgl. lit. c).
2.2 Zu prüfen ist vorab, ob die Ehefrau des Beschwerdeführers über eine
Restarbeitsfähigkeit verfügt und ob diese verwertbar ist. Im Entscheid vom 26. Juni
2007 stellte das kantonale Versicherungsgericht in antizipierender Beweiswürdigung
auf das ärztliche Zeugnis des Hausarztes Dr. A._ ab, welcher der Ehefrau eine
Arbeitsfähigkeit von 50 bis 60 % attestiert hatte (vgl. E. 3d; vgl. act. 69-13/13). Im
Arztbericht vom 24. September 2008 nannte Dr. A._ die Diagnosen
Autoimmunthyreoiditis mit latenter Hypothyreose, Eltroxinsubstitution, chronische
Beinvaricosis mit venöser Insuffizienz, chronischer Eisen- und Vitamin-B12-Mangel,
Übergewicht, episodische Kopfschmerzen vom Spannungstyp, chronische
Periarthropathie der linken Schulter, Tendinopathie Supraspinatussehne und
Zervikalsyndrom bei muskulärer Dysbalance. Das Zervikalsyndrom bestehe seit Anfang
September 2008. Ab 1. September 2008 sei die Ehefrau für ca. acht Wochen voll
arbeitsunfähig. Danach sei mit einer Arbeitsfähigkeit von etwa 50 % auch in einer
leidensangepassten Tätigkeit zu rechnen (EL-act. 28-2). Am 8. April 2009 berichtete
Dr. A._, die Ehefrau des Beschwerdeführers habe sich am 31. März 2009 mit einem
erneuten Schub der chronischen Schulterperiarthropathie in seiner Sprechstunde
gemeldet. Das Zervikalsyndrom habe sich leider auch verschlechtert. Ab 1. April 2009
bestehe für ca. zehn Wochen voraussichtlich keine Arbeitsfähigkeit mehr (EL-act. 17-2).
Im Bericht vom 24. August 2009 diagnostizierte Dr. A._ zusätzlich eine schmerzhafte
Rhizarthrose rechts. Ab 21. August 2009 bestehe für zehn bis zwölf Wochen wiederum
keine Arbeitsfähigkeit mehr (EL-act. 8-2). Prof. Dr. med. B._, Facharzt FMH für
Chirurgie, vom RAD hielt in einer Aktenbeurteilung vom 7. Januar 2010 fest, in den
Jahren 2006 und 2007 seien nur Diagnosen aufgelistet worden, die generell keine
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Gemäss seiner retrospektiven
Dossierbeurteilung scheine deshalb die deklarierte Arbeitsunfähigkeit in jener Zeit nicht
ausreichend begründet. Ab 2008 kämen Diagnosen hinzu, die mindestens
vorübergehend eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit haben könnten. Eine höhere
Arbeitsunfähigkeit als 45 % bis maximal 50 % werde in der ganzen Zeit aber nur
kurzfristig attestiert. In den Arztzeugnissen seien keine Funktionsausfälle beschrieben.
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Generell glaubhaft seien Phasen von vorübergehenden Verschlechterungen der
aufgelisteten Gesundheitsschäden des Bewegungsapparates über wenige Wochen.
Eine grundlegende Verschlechterung seit dem Urteil des Versicherungsgerichts sei
nicht ausgewiesen. Prof. Dr. B._ empfahl eine IV-Anmeldung. Die medizinischen
Abklärungen zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit würden Klarheit darüber schaffen, ob
ein rententangierender Erwerbsausfall bestehe (EL-act. 115).
2.3 Die Diagnosen haben sich seit dem Zeugnis von Dr. A._ vom 4. April 2007
insofern verändert, als neu die Rhizarthrose rechts, das Zervikalsyndrom und die
Periarthropathie der linken Schulter hinzugekommen sind. Prof. Dr. B._ misst diesen
Diagnosen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit keine weitergehende Relevanz zu. Er
zweifelt retrospektiv an der Zuverlässigkeit der dem ersten Gerichtsurteil zugrunde
liegenden Arbeitsfähigkeit von 55 %. Eine anhaltende Verschlechterung und damit eine
Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit schliesst er aus. Diese Stellungnahme erlaubt noch
keine abschliessende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Dr. A._ berichtete
wiederholt von vollständiger vorübergehender Arbeitsunfähigkeit. Zwar erscheint als
plausibel, dass es immer wieder auch zu Verbesserungen kam. Ob diese stabil und
anhaltend sind und die Arbeitsfähigkeit tatsächlich in der Grössenordnung von gut
50 % zu liegen kam, ist jedoch noch nicht hinreichend belegt.
3.
3.1 Zu prüfen ist im Weiteren, ob die Ehefrau des Beschwerdeführers hinreichende
Arbeitsbemühungen unternommen und damit bewiesen hat, dass sie eine allfällige
verbleibende Restarbeitsfähigkeit nicht verwerten kann. Sollte diese Frage bejaht
werden, könnten weitere Abklärungen zum Gesundheitszustand der Ehefrau und zur
Restarbeitsfähigkeit unterbleiben.
3.2 Im Anschluss an das Urteil EL 2007/18 des Versicherungsgerichts hat die Ehefrau
sich um Arbeit bemüht und dies gegenüber der Beschwerdegegnerin belegt, sodass
diese ab 1. März 2008 auf die Anrechnung von hypothetischem Erwerbseinkommen
verzichtete. Am 23. Juni 2009 teilte die Beschwerdegegnerin dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers mit, sie werde ab 1. Oktober 2009 erneut ein hypothetisches
Einkommen anrechnen, weil die Ehefrau sich nicht mehr um Arbeit bemüht habe (EL-
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act. 13). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hält erneute Stellenbemühungen
der Ehefrau für unzumutbar. Dem ist nicht zuzustimmen. Wird durch erfolglose
Arbeitsbemühungen einmal der Beweis erbracht, dass die Arbeitsfähigkeit zur
massgeblichen Zeit aus arbeitsmarktlichen Gründen nicht verwertet werden kann, so
hat sich die betreffende Person zwar nicht unter allen Umständen ohne Unterbruch
weiter kontinuierlich zu bewerben. Die EL-Durchführungsstelle kann aber in
regelmässigen Abständen erneut überprüfen, ob die Arbeitsmarktlage unterdessen eine
Arbeitsaufnahme zulässt, und die betreffende Person zur Wiederaufnahme/
Intensivierung der Arbeitsbemühungen anhalten. Dies hat sie vorliegend indirekt getan,
indem sie mit Schreiben vom 23. Juni 2009 ankündigte, ab Oktober 2009 wieder ein
Einkommen anzurechnen. Dieses Schreiben war so zu verstehen, dass die Ehefrau des
Beschwerdeführers in dieser Übergangsfrist ihre Arbeitssuche wiederaufnehmen
müsse und dass ein allfälliger Nachweis der Erfolglosigkeit der Bemühungen
gegebenenfalls dazu führen könnte, dass für sie weiterhin kein Einkommen
angerechnet würde. Zwar wäre eine ausdrückliche Abmahnung durch die EL-
Durchführungsstelle zu begrüssen gewesen. Aber obwohl diese explizite Abmahnung
der Schadenminderungspflicht im Sinn eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens fehlt,
versetzte das Schreiben vom 23. Juni 2009 den rechtskundigen Vertreter des
Beschwerdeführers doch ohne weiteres in die Lage, zu erkennen, dass die Ehefrau
erneut belegen musste, keine Arbeit zu finden, ansonsten für sie ein hypothetisches
Einkommen angerechnet würde. Für diesen Nachweis hatte sie gut drei Monate Zeit –
anders kann die im Juni 2009 angesetzte Übergangsfrist bis Oktober 2009 nicht
verstanden werden. Dennoch belegte die Ehefrau des Beschwerdeführers ab Juni 2009
keine Arbeitsbemühungen. Somit erfolgte die Anrechnung des Einkommens ab
Oktober 2009 grundsätzlich zu Recht, dies unter der Voraussetzung, dass aus
medizinischer Sicht noch eine verwertbare Restarbeitsfähigkeit vorhanden war. Folglich
kann die Frage nach der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit nicht offen
gelassen werden. Die Sache ist entsprechend an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese medizinische Abklärungen vornehme. Sinnvollerweise hat
eine polydisziplinäre Begutachtung der Ehefrau des Beschwerdeführers zu erfolgen.
Dies erachtete offenbar auch Prof. Dr. B._ vom RAD als sinnvoll. Im EL-rechtlichen
Zusammenhang nicht notwendig ist grundsätzlich, dass die Ehefrau des
Beschwerdeführers sich vorab bei der Invalidenversicherung anmeldet. Auch der EL-
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Durchführungsstelle obliegt eine Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG), sodass
sie von Amtes wegen notwendige medizinische Abklärungen zu veranlassen hat.
3.3 Zu den früher eingereichten bzw. den einzureichenden Arbeitsbemühungen ist
Folgendes anzumerken: Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat für die
Stellenbewerbungen die Hilfe des RAV in Anspruch genommen. Dieses hat offenbar
den Bewerbungsbrief aufgesetzt. Der Ehefrau kann nun nicht im Nachhinein
vorgeworfen werden, dieses Schreiben sei bei einer potentiellen Stellenvergabe "nicht
zielführend", weil die Ehefrau darauf hingewiesen habe, nicht über Erfahrung zu
verfügen. Wie der Rechtsvertreter in der Replik zu Recht geltend macht, kann dies
einem möglichen Arbeitgeber auch signalisieren, dass die Ehefrau sich mit einem
unterdurchschnittlichen Lohn zufrieden geben würde. Im Übrigen hatte die Ehefrau des
Beschwerdeführers diese Formulierung bereits in ihren Bewerbungen ab September
2007 verwendet – damals hatte die Beschwerdegegnerin Qualität und Quantität als
zureichend beurteilt und ab 1. März 2008 kein Einkommen mehr angerechnet. Sollte sie
nun andere Erwartungen haben und etwa die monatlichen acht Bewerbungen (anders
als 2007/2008) als quantitativ unzureichend beurteilen, so hätte sie dies der Ehefrau
des Beschwerdeführers explizit mitteilen müssen.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und die Sache ist zur medizinischen Abklärung des Gesundheitszustands und der
Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers und zur anschliessenden
entsprechenden Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sollte die
Arbeitsfähigkeit der Ehefrau aus medizinisch-theoretischer Sicht auf über 55 %
geschätzt werden, ohne dass Hinweise auf eine Verbesserung des
Gesundheitszustandes seit März 2007 (für die Beurteilung im unangefochten
rechtskräftig gewordenen Gerichtsentscheid EL 2007/18 massgebender Zeitpunkt)
vorliegen, so hat es mangels relevanter Sachverhaltsveränderung bei den damals als
massgeblich erachteten 55 % auch in Bezug auf die EL-Berechnung ab 1. Oktober
2009 sein Bewenden.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
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4.3 Da die Rückweisung zur Neubeurteilung praxisgemäss als volles Obsiegen gilt
(ZAK 1987 S. 268 E. 5a), hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine ungekürzte
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53