Decision ID: 5bb91257-bc0a-50bd-b063-f467a5160e82
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die Q._ AG mit Sitz in X._ ist Eigentümerin des Grundstücks Nr. 00_, Grundbuch
X._, mit einer Fläche von 83'500 Quadratmetern, auf welchem ihre Rechtsvorgängerin,
die Y._ AG, einen Textilveredelungsbetrieb führte. Aufgrund des sehr hohen
Abwasseranfalls wurde für das Grundstück im Jahr 1969 ein Gewässerschutzbeitrag
von CHF 350'000 erhoben. Die damalige Eigentümerin erstellte zudem mit Kosten von
CHF 435'000 ein Ausgleichs- und Absatzbecken mit Neutralisationsanlage, das auch
heute noch in Betrieb ist. Im Jahr 1999 wurde der Textilveredelungsbetrieb
aufgegeben. Die Gebäude Vers.-Nrn. 01_, 02_, 03_ und 04_ auf dem Grundstück
wurden am 5. April 2006 mit Neuwerten von insgesamt CHF 9'895'000 geschätzt. Im
Jahr 2014 wurden sie renoviert und zu einem medizinischen Labor mit rund 300
Arbeitsplätzen umgebaut. In der Folge wurde deren Neuwert mit unangefochten
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rechtskräftig gewordener amtlicher Schätzung vom 12. Januar 2015 auf
CHF 20'615'000 festgesetzt.
B. Das Grundbuchamt X._ erhob von der Q._ AG mit Rechnung Nr. 110.12/2015 vom
30. März 2015 eine Nachbelastung für den Kanalisationsanschlussbeitrag von
CHF 214'400 (zwei Prozent der Differenz der Neuwerte von CHF 10'720'000). Der
Gemeinderat X._ wies die dagegen am 13. April 2015 erhobene Einsprache am
20. Oktober 2015 unter Verzicht auf die Erhebung einer Entscheidgebühr ab. Die
Verwaltungsrekurskommission hiess den von der Q._ AG dagegen erhobenen Rekurs
am 8. Mai 2017 gut und hob den Einspracheentscheid und die ihm zugrundeliegende
Rechnung auf.
Die Verwaltungsrekurskommission begründete ihren Entscheid im Wesentlichen damit,
am 7. Februar 1969 sei für das Grundstück Nr. 00_ aufgrund der anfallenden sehr
grossen Mengen an stark verschmutztem Abwasser ein Gewässerschutzbeitrag von
CHF 852'425 ermittelt worden, während der nach Grundstücksfläche und Neubauwert
berechnete Beitrag CHF 96'567.70 betragen hätte. Mit der Leistung der
Gewässerschutzabgabe von CHF 350'000 sei der Sondervorteil für die intensive
industrielle Nutzung der öffentlichen Abwasseranlagen mit einer Ablieferung von bis zu
200'000 Kubikmetern Abwasser pro Jahr abgegolten gewesen. Mit der aktuellen
Nutzung falle die Grundeigentümerin nicht unter die Spezialbestimmung für Industrie
und Gewerbe. Der Neuwert sämtlicher Gebäude auf dem Grundstück habe 1969
CHF 6'751'000, entsprechend CHF 21'720'000 aufgewertet bis ins Jahr 2014,
betragen. Mit dem Gewässerschutzbeitrag von CHF 350'000 sei der gegenüber der
ordentlichen Nutzung weit höhere Sondervorteil für die Ablieferung von
ausserordentlich hohen und stark verschmutzten Abwassermengen abgegolten
worden. Werde davon der Flächenbeitrag von CHF 12'555.90 abgezogen, entspreche
der verbleibende Gebäudebeitrag von CHF 337'444.10 Gebäudeneuwerten von
CHF 22'500'000 (1,5 Prozent) beziehungsweise CHF 16'900'000 (2 Prozent) im Jahr
1969, entsprechend CHF 72'000'000 beziehungsweise CHF 54'000'000 aufgewertet
bis ins Jahr 2014. Die Neubauwerte sämtlicher Gebäude auf dem Grundstück gemäss
Schätzung vom Januar 2015 lägen mit CHF 29'347'000 weit darunter, selbst wenn eine
erheblich geringere Preissteigerung für Industriebauten gegenüber Wohnbauten
angenommen würde. Aus der Verdoppelung der Neuwerte der vier zu Labors
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umgebauten Lagerhallen seit der letzten Schätzung aus dem Jahr 2006 ziehe die
Eigentümerin keinen zusätzlichen Sondervorteil. Müsste sie zusätzlich zum geleisteten
Beitrag von CHF 350'000 nochmals über CHF 200'000 bezahlen, läge ein erhebliches
Missverhältnis vor, welches die Faustregel "je mehr Vorteil, desto höher die Abgabe"
verletzte.
C. Die Politische Gemeinde X._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 9. Mai
2017 versandten Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe
vom 22. Mai 2017 und Ergänzung ihres Rechtsvertreters vom 23. August 2017
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, unter Kostenfolge sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und ihre Beitragsverfügung in der Höhe von
CHF 151'000 zu bestätigen, eventuell die Angelegenheit zur neuen Entscheidung an
die Vorinstanz zurückzuweisen.
Die Vorinstanz verwies am 15. September 2017 auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheides und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die
Q._ AG (Beschwerdegegnerin) beantragte mit Vernehmlassung vom 13. November
2017, die Beschwerde sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge abzuweisen.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheides und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin zur Begründung ihrer Anträge sowie
die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin
setzt sich für die Rechtmässigkeit des von ihr erhobenen Anschlussbeitrags zur Wehr
und ist dementsprechend zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 45 Abs. 1 VRP;
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 447).
Die Beschwerde gegen den am 9. Mai 2017 versandten Rekursentscheid wurde mit
Eingabe vom 22. Mai 2017 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 23. August 2017 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
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Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2.
2.1. Gemäss Art. 74 Abs. 2 Satz 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) tragen die Verursacher die Kosten der Vermeidung
und Beseitigung schädlicher oder lästiger Einwirkungen auf den Menschen und seine
natürliche Umwelt. Gemäss Art. 60a Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Schutz der
Gewässer (Gewässerschutzgesetz; SR 814.20, GSchG) sorgen die Kantone dafür, dass
die Kosten für Bau, Betrieb, Unterhalt, Sanierung und Ersatz der Abwasseranlagen, die
öffentlichen Zwecken dienen, mittels Gebühren oder anderer Abgaben den
Verursachern überbunden werden.
Art. 15 ff. des kantonalen Vollzugsgesetzes zur eidgenössischen
Gewässerschutzgesetzgebung (sGS 752.2, GSchVG) setzen diese bundesrechtlichen
Vorgaben um. Nach Art. 15 GSchVG erhebt die politische Gemeinde Abgaben für
Erstellung und Betrieb von Abwasseranlagen. Art. 16-19 GSchVG regeln die Gebühren,
Art. 20 und 21 GSchVG die Beiträge. Die politische Gemeinde kann nach Art. 20 Abs. 1
GSchVG Beiträge von den Grundeigentümern des Einzugsgebietes erheben. Die
besonderen Verhältnisse bei den einzelnen Grundstücken können im Rahmen der
Bemessung nach Art. 21 GSchVG berücksichtigt werden. Die Beiträge können nach
der Fläche oder dem Wert des im Einzugsgebiet gelegenen Bodens (lit. a), dem Wert
der im Einzugsgebiet gelegenen Bauten und Anlagen (lit. b) und den besonderen
Vorteilen für den Grundeigentümer (lit. c) bemessen werden (Abs. 1), die
Bemessungsgrundlagen können miteinander verbunden werden (Abs. 2), und die Höhe
der Beiträge für Bauten und Anlagen mit ausserordentlich grossem oder kleinem
Abwasseranfall oder frachtmässiger Belastung kann besonders geregelt werden
(Abs. 3).
Das seit 1. Januar 2010 anwendbare Abwasserreglement der politischen Gemeinde
X._ sieht in Art. 23 die Deckung der Kosten für Erstellung und Betrieb der öffentlichen
Abwasseranlagen durch Gebühren der Grundeigentümer für die Behandlung und
Beseitigung des Abwassers (lit. a), Beiträge der Grundeigentümer im Einzugsgebiet
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(lit. b) und die Abgeltung von Bund und Kanton (lit. c) vor. Art. 25 ff. des
Abwasserreglements regeln die Gebühren, Art. 30 ff. die Beiträge. Der Eigentümer
eines Grundstücks, das durch einen öffentlichen Kanal erschlossen wird, hat gemäss
Art. 30 des Abwasserreglements auf jede der auf der erfassten Fläche erstellte Baute
oder Anlage einen einmaligen Beitrag zu entrichten. Erfährt ein Gebäude oder eine
Anlage, für welche der Gebäudebeitrag gemäss Art. 30 bereits geleistet ist, infolge
baulicher Veränderung eine Wertvermehrung, so ist entsprechend Art. 31 Abs. 1 Satz 1
für den Mehrwert eine Nachzahlung von zwei Prozent oder – wenn anfallendes nicht
verschmutztes Abwasser zur Versickerung gebracht wird – 1,5 Prozent des Mehrwerts
zu leisten. In Sonderfällen, zu denen unter anderem Gewerbe- und Industriebetriebe,
die eine ausserordentlich hohe oder tiefe Abwassermenge oder frachtmässige
Belastung aufweisen, gehören, kann der Gemeinderat gestützt auf Art. 32
Gebäudebeiträge den besonderen Verhältnissen anpassen. Die Zahlungspflicht
entsteht für Gebäudebeiträge gemäss Art. 34 Ingress und lit. a des
Abwasserreglements mit der Erteilung der Baubewilligung.
Übergangsrechtlich bestimmt Art. 42 Abs. 2 des Abwasserreglements, dass Beiträge,
die vor dem Vollzugsbeginn des Reglements am 1. Januar 2010 fällig wurden, nach
den Bestimmungen des Reglements über die Finanzierung der Aufwendungen für den
Gewässerschutz (Gewässerschutzfinanzierungsreglement) vom 7. November 1995
abzurechnen sind. Art. 4, 5 und 8 jenes am 1. Februar 1996 in Kraft getretenen
Reglements enthielten inhaltlich mit Art. 30, 31 und 34 des jetzt geltenden
Abwasserreglements im Wesentlichen übereinstimmende Regelungen; das
Übergangsrecht war nicht geregelt (act. 14-24/4). Das
Gewässerschutzfinanzierungsreglement löste seinerseits die seit 19. August 1968
angewendete Verordnung über die Finanzierung der Aufwendungen für den
Gewässerschutz ab, dessen Art. 1 Abs. 1 Ingress und lit. a in Verbindung mit Art. 2 und
8 die Finanzierung der Kosten für den Bau, Betrieb und Unterhalt des öffentlichen
Kanalisationsnetzes, der zentralen Kläranlagen und der weitern Verbandsanlagen durch
einmalige Beiträge der Grundeigentümer, bemessen nach Fläche und Neubauwert der
Gebäude oder aber bei gewerblichen und industriellen Liegenschaften, die im
Verhältnis zu ihrem Neubauwert einen ausserordentlich hohen Abwasseranfall
aufweisen, nach der Belastung der Anlagen.
2.2.
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2.2.1. In tatsächlicher Hinsicht gehen die Verfahrensbeteiligten übereinstimmend davon
aus, dass sich die Neuwerte der sanierten und umgebauten Gebäude Vers.-Nrn. 01_,
02_, 03_ und 04_ auf dem Grundstück Nr. 00_ von CHF 9'895'000 gemäss
amtlicher Schätzung vom 5. April 2006 auf CHF 20'615'000 gemäss amtlicher
Schätzung vom 12. Januar 2015 erhöht haben. Unbestritten ist auch, dass sich damit
der auf dem Recht auf Einleitung des Abwassers in die öffentliche Kanalisation
beruhende wirtschaftliche Sondervorteil erhöht, und dass diese Erhöhung des
Sondervorteils entsprechend Art. 31 Abs. 1 Satz 1 des Abwasserreglements geeignet
ist, eine Nachbelastung für den Kanalisationsanschluss von zwei Prozent des
Mehrwerts – soweit er auf bauliche Massnahmen und nicht auf die Bauteuerung
zurückzuführen ist – auszulösen. Bei Berücksichtigung der Bauteuerung entsprechend
dem Schweizerischen Baupreisindex 1998-2017 hat sich der Neuwert der vier
Gebäude von CHF 9'895'000 (Stand April 2006 113.9) auf rund CHF 11'085'000 (Stand
Oktober 2014 127.6) erhöht. Auf bauliche Massnahmen zurückzuführen wäre damit
eine Erhöhung des Neuwertes um CHF 9'530'000 (Neuwert 2014 CHF 20'615'000
abzüglich aufgewerteter Neuwert 2006 CHF 11'085'000), womit sich die
Nachbelastung auf CHF 190'600 reduzieren würde. Ob eine solche Anpassung
erforderlich ist, kann indessen offenbleiben, wenn sich die Nachbelastung aus anderen
Gründen insgesamt nicht rechtfertigt.
2.2.2. Umstritten ist, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang diese Nachbelastung
mit früheren, dem Gebäudebeitrag gemäss Art. 30 des Abwasserreglements
entsprechenden Leistungen bereits abgegolten ist. Dabei gehen die
Verfahrensbeteiligten übereinstimmend davon aus, dass für das Grundstück Nr. 00_
im Jahr 1969 entsprechend Art. 2 Abs. 1 und Art. 8 der Verordnung der Politischen
Gemeinde X._ über die Finanzierung der Aufwendungen für den Gewässerschutz vom
6. Dezember 1967 (act. 14-24/2 und 3) ein einmaliger Beitrag von CHF 350'000 an die
Erstellung, die Erweiterung und allfällige Erneuerung der Gewässerschutzanlagen
entrichtet wurde. Bei der Festlegung wurden einerseits die Höhe der aufgrund der
Belastung der Kanäle, Spezialbauwerke und der Abwasserreinigungsanlage durch das
auf dem Grundstück betriebene Gewerbe provisorisch berechneten
Gewässerschutzabgabe von CHF 852'425 und anderseits die Errichtung eines
Ausgleichsbeckens durch die Rechtsvorgängerin der Beschwerdegegnerin (vgl.
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act. 14-11/1), welches zusammen mit einer Neutralisationsanlage Kosten von
CHF 435'000 verursachte, berücksichtigt.
Das geltende Abwasserreglement wird seit 1. Januar 2010 angewendet. Für die
Gebäudebeiträge geht es davon aus, dass die Zahlungspflicht mit der Erteilung der
Baubewilligung entsteht. Für bereits bestehende, an den Abwasseranlagen
angeschlossene Gebäude entstand deshalb keine Zahlungspflicht. Für die vier
Gebäude Vers.-Nrn. 01_, 02_, 03_ und 04_ wurde deshalb kein Gebäudebeitrag in
Anwendung von Art. 30 des Abwasserreglements erhoben. Bei wortgetreuer
Anwendung von Art. 31 Abs. 1 des Abwasserreglements, der für die Nachzahlung
voraussetzt, dass bereits ein Gebäudebeitrag nach Art. 30 des Abwasserreglements
geleistet wurde, käme deshalb die Bemessung des Anschlussbeitrags nach den
Nachzahlungsregeln nicht zum Tragen. Indessen anerkennt die Beschwerdeführerin,
die ihren Anspruch auf Art. 31 des Abwasserreglements stützt, dass das Reglement –
was auch in der Übergangsbestimmung von Art. 42 Abs. 2 zum Ausdruck kommt –
davon ausgeht, für diese Gebäude seien nach früherem Recht geschuldete und
geleistete Gebäude- und allenfalls Flächenbeiträge zu berücksichtigen.
2.2.3. Die Beschwerdeführerin geht im Ergebnis davon aus, der früher für das
Grundstück Nr. 586 geleistete Beitrag sei lediglich als ordentlicher Gebäudebeitrag –
und damit nicht im vollen Umfang – zu berücksichtigen. Der Wortlaut von Art. 31 des
Abwasserreglements knüpft zwar einzig an den bei üblichen Verhältnissen angefallenen
Gebäudebeträgen an und erwähnt bei besonderen Verhältnissen insbesondere
aufgrund ausserordentlich hoher Abwassermengen oder frachtmässiger Belastung
gemäss Art. 32 Abs. 1 und 2 Ingress und lit. a des Abwasserreglements erhobene
höhere Gebäudebeiträge nicht ausdrücklich. Die Auffassung der Beschwerdeführerin,
die sich auf den Wortlaut von Art. 31 Abs. 1 des Abwasserreglements stützen kann,
hätte indessen zur Folge, dass für das Grundstück Nr. 00_ nebst den von der
Rechtsvorgängerin der Grundeigentümerin im Jahr 1969 selbst getragenen Kosten für
Abwasseranlagen von CHF 435'000 und dem damaligen Anschlussbeitrag von
CHF 350'000 – teuerungsbereinigt entsprechend CHF 1'326'590 und CHF 1'067'371
(vgl. www.bfs.admin.ch, Statistiken finden/05 Preise/Landesindex der
Konsumentenpreise /Online-Indexierung), zusammen rund 2,4 Millionen Franken –
noch – dem Beschwerdeantrag entsprechend – CHF 151'000 zu leisten wären.
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Bei der Veranlagung des Nachzahlungsbeitrags ist indessen das Äquivalenzprinzip,
welches für den Bereich der Kausalabgaben das Verhältnismässigkeitsprinzip und das
Willkürverbot (Art. 5 Abs. 2 und Art. 9 BV) konkretisiert, zu beachten. Es bestimmt, dass
eine Gebühr oder ein Beitrag nicht in einem offensichtlichen Missverhältnis zum
objektiven Wert der Leistung stehen darf und sich in vernünftigen Grenzen halten
muss. Der Wert der Leistung bemisst sich nach dem wirtschaftlichen Nutzen, den sie
dem Pflichtigen bringt, oder nach dem Kostenaufwand der konkreten
Inanspruchnahme im Verhältnis zum gesamten Aufwand des betreffenden
Verwaltungszweigs, wobei schematische, auf Wahrscheinlichkeit und
Durchschnittserfahrungen beruhende Massstäbe angelegt werden dürfen. Es ist nicht
notwendig, dass die Gebühren in jedem Fall genau dem Verwaltungsaufwand
entsprechen; sie sollen indessen nach sachlich vertretbaren Kriterien bemessen sein
und nicht Unterscheidungen treffen, für die keine vernünftigen Gründe ersichtlich sind.
Bei der Festsetzung von Verwaltungsgebühren darf deshalb innerhalb eines gewissen
Rahmens auch der wirtschaftlichen Situation des Pflichtigen und dessen Interesse am
abzugeltenden Akt Rechnung getragen werden (BGE 141 I 105 E. 3.3.2 mit Hinweisen).
Vorliegend verlangt das Äquivalenzprinzip, dass bei der Veranlagung des
Nachzahlungsbeitrags auch früher geleistete, den besonderen Abwasserverhältnissen
Rechnung tragende höhere Anschlussbeiträge berücksichtigt werden.
2.2.4. Auszugehen ist vom Anschlussbeitrag, wie er bei einem erstmaligen Anschluss
des Grundstücks Nr. 00_ an die Kanalisation nach dem geltenden Abwasserreglement
zu leisten wäre. Dieser Beitrag wird auch von der Beschwerdeführerin, welche das
Reglement erlassen hat, als dem Äquivalenzprinzip gerecht werdend, erachtet. Gemäss
Schätzung vom 12. Januar 2015 betragen die Neuwerte sämtlicher Gebäude auf dem
Grundstück Nr. 00_ insgesamt CHF 29'270'000 (vgl. act. 14-18/3). Der wirtschaftliche
Sondervorteil, der dem Grundstück mit dem Anschluss an die Abwasseranlagen bei
den bestehenden, nicht von einer ausserordentlich hohen Abwassermenge oder
frachtmässigen Belastung geprägten Verhältnissen zukäme, wäre mit einem
Anschlussbeitrag von CHF 585'400 (zwei Prozent) beziehungsweise CHF 439'050 (1,5
Prozent, wenn sämtliches nicht verschmutztes Abwasser zu Versickerung gebracht
wird) abzugelten. Der von der Beschwerdegegnerin und ihrer Rechtsvorgängerin als
Eigentümerinnen des Grundstücks Nr. 00_ im Jahr 1969 geleistete Beitrag von
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CHF 350'000 – teuerungsbereinigt rund 1,07 Millionen Franken - übersteigt diesen
Betrag indessen nach wie vor. Offenbleiben kann unter diesen Umständen, ob und in
welchem Ausmass die von der Rechtsvorgängerin der Beschwerdegegnerin ebenfalls
im Jahr 1969 selbst getragenen Kosten von CHF 435'000 – teuerungsbereinigt rund
1,33 Millionen Franken – für die Erstellung der nach wie vor betriebenen
Abwasseranlage anzurechnen wäre.
Damit ist offenkundig, dass selbst der wirtschaftliche Sondervorteil, der sich für das
Grundstück bei neuer Überbauung mit den im Zeitpunkt der Schätzung vom 12. Januar
2015 bestehenden Gebäuden und neuem Anschluss an die Kanalisation ergäbe,
abgegolten ist.
2.2.5. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen an diesem Ergebnis nichts zu
ändern. Sie macht geltend, mit dieser Lösung sei die Beschwerdegegnerin für immer
von jeglichen Nachzahlungen freigesprochen. – Abgaben müssen auf einer
ausreichenden formellen gesetzlichen Grundlage beruhen. Lässt sich eine solche – wie
festgestellt – dem geltenden Recht nicht entnehmen, fehlt es auch an der Grundlage für
die Veranlagung von Beiträgen. Insoweit ist es auch nicht von Bedeutung, dass sich
aus dem Schreiben der politischen Gemeinde vom 7. Februar 1969 selbstverständlich
nicht ableiten lässt, die Beschwerdegegnerin sei von der Leistung künftiger
rechtmässiger Beiträge im Zusammenhang mit der Abwasserbeseitigung befreit. Die
Verneinung der Pflicht zur Leistung einer Nachzahlung führt auch nicht zu einer
Verletzung des Rechtsgleichheitsgebots. Dass andere Abgabepflichtige in der Situation
der Beschwerdeführerin mit Nachzahlungen belastet wurden, ist nicht ersichtlich und
würde wie dargelegt den geltenden abgaberechtlichen Grundsätzen widersprechen.
Abgesehen davon könnte die Beschwerdeführerin aus der rechtswidrigen Handhabung
der Grundlagen für die Erhebung von Nachzahlungen keinen Anspruch darauf ableiten,
auch die Beschwerdegegnerin entgegen den Rechtsgrundlagen zu veranlagen.
Sodann bringt die Beschwerdeführerin vor, es dürfe nicht die Beitragserhebung im Jahr
1969 für einen Sonderfall einfach rückwirkend auf die damalige Zeit in eine
Beitragserhebung nach Gebäudeneuwert uminterpretiert werden. – Dem ist
entgegenzuhalten, dass mit den Beiträgen und den Nachzahlungen dazu das Recht,
von einem Grundstück und den darauf bestehenden Gebäuden und Anlagen
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anfallendes Abwasser der Kanalisation zuzuführen, abgegolten wird. Die Reduktion der
Nutzungsintensität hinsichtlich des Abwasseranfalls darf nicht dazu führen, dass im
Zusammenhang mit der höheren Nutzungsintensität geleistete höhere Beiträge
dahinfallen. Mit Blick auf das Äquivalenzprinzip ist nicht nachvollziehbar, weshalb die
Abgeltung von Mehraufwendungen von einer Anrechnung ausgeklammert sein soll.
3. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist
dementsprechend abzuweisen.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von CHF 1'500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Da die Beschwerdeführerin überwiegend
finanzielle Interessen vertritt, ist auf deren Erhebung nicht zu verzichten (Art. 95 Abs. 3
VRP). Die Gebühr ist mit dem von ihr in der gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss
zu verrechnen.
Die Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin für das Beschwerdeverfahren
ausseramtlich ermessensweise – der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin hat
keine Kostennote eingereicht – mit CHF 2'400 zuzüglich CHF 96 Barauslagen zu
entschädigen. Die Mehrwertsteuer ist nicht einzubeziehen, da die Beschwerdegegnerin
selbst mehrwertsteuerpflichtig ist und die Mehrwertsteuer als Vorsteuer in Abzug
bringen kann.