Decision ID: 9402cb6e-21cd-5587-aced-ecdc86ac0f1f
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb am 16. Februar 1984 den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie B. Am
6. Januar 2019, 18.39 Uhr, meldete eine Drittperson der Notrufzentrale, dass X auf dem
Rastplatz Oftringen in seinem Auto sitze, über Brustschmerzen klage und am ganzen
Körper zittere. Gemäss Kurzeinschätzung der ausgerückten Ambulanz seien
möglicherweise Herzprobleme ursächlich für die geäusserten Symptome gewesen.
Nach einem Untersuch im Kantonsspital Aarau habe X seine Heimfahrt von Bern nach
St. Gallen ohne grösseren Verzug fortsetzen können.
B.- Gestützt auf den Informationsbericht der Kantonspolizei Aargau vom 7. Januar
2019 informierte das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen X
am 29. Januar 2019 darüber, dass aufgrund der rapportierten medizinischen Probleme
Zweifel an seiner Fahreignung bestünden und eine verkehrsmedizinische Untersuchung
der Stufe 3 bei Dr.med. Y vorgesehen sei. X nahm dazu am 25. Februar 2019 Stellung
und machte zusammengefasst geltend, dass der Zwischenfall auf ein
Zusammenkommen unglücklicher Lebensumstände und seine damals belastende
Lebenssituation zurückzuführen sei. Zwischenzeitlich habe er die gleiche Strecke von
Bern nach St. Gallen in beide Richtungen selbst bei den widrigsten Bedingungen ohne
Stopp und Probleme befahren. Mit Verfügung vom 28. Februar 2019 ordnete das
Strassenverkehrsamt eine verkehrsmedizinische Untersuchung (Stufe 3) an, welcher
sich X am 22. März 2019 unterzog.
Im Kurzgutachten vom 22. März 2019 wurde der Verdacht auf eine Alkoholkrankheit
geäussert; ansonsten ergaben die Untersuchungen keine Hinweise auf eine fehlende
Fahreignung. Der Gutachter empfahl, dass X eine Alkoholkarenz oder zumindest eine
kontrollierte Alkoholeinnahme anstreben sollte, und zwar unter Beobachtung der MCV-,
der Leber- und der CDT-Werte. Die Ergebnisse aus dem Gutachten befand das
Strassenverkehrsamt als widersprüchlich und nicht schlüssig, weshalb es X am
16. April 2019 eine verkehrsmedizinische Untersuchung der Stufe 4 beim Institut für
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Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen (IRM SG) in Aussicht stellte. Dazu äusserte
sich der erstbegutachtende Arzt am 7. Mai 2019 dahingehend, dass er diese
Massnahme als übertrieben und nicht verhältnismässig erachte. Am 22. Mai 2019 liess
X durch seine Rechtsvertreterin zur vorgesehenen Untersuchung Stellung nehmen. Er
wies darauf hin, dass er die gutachterliche Empfehlung bereits umgesetzt habe und bei
seiner neuen Hausärztin Termine wahrnehme. Mit Verfügung vom 23. Mai 2019 ordnete
das Strassenverkehrsamt eine verkehrsmedizinische Untersuchung der Stufe 4 an.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 11. Juni
2019 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Er
beantragte, die Verfügung vom 23. Mai 2019 sei aufzuheben und es sei auf die
verkehrsmedizinische Untersuchung beim IRM zu verzichten. Stattdessen sei
entsprechend der gutachterlichen Empfehlung am 22. September 2019 bei Frau
Dr.med. Z, St. Gallen, ein Bericht zum MCV, zu den Leberwerten und zum CDT sowie
eine Stellungnahme zur Einnahme der Blutdruckmedikation und der Compliance
bezüglich Alkoholkarenz einzuholen. Die Vorinstanz verzichtete am 21. Juni 2019 auf
eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sach-entscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 11. Juni 2019 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- a) In formeller Hinsicht rügt der Rekurrent eine Verletzung des rechtlichen Gehörs,
weil die Vorinstanz ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen und auf die
Vorbringen des Gutachters sowie jene in seiner Stellungnahme vom 22. Mai 2019 nicht
eingegangen sei. Sie habe ohne ausreichende Begründung entschieden, dass eine
zusätzliche Untersuchung durch das IRM (Stufe 4) erfolgen solle.
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b) Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 der Bundesverfassung
(SR 101, abgekürzt: BV) leitet das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung auch die
Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. BGE 133
III 439 E. 3.3, 133 I 270 E. 3.1, 129 I 236 E. 3.2, 126 I 102 E. 2b). Als
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz, dass die
Behörde die Vorbringen der vom Entscheid oder der Verfügung in ihrer Rechtsstellung
Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt und ihren Entscheid vor
diesem Hintergrund begründet (vgl. Steinmann, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/
Vallender, Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014,
Art. 29 N 49). Der von einem Entscheid oder einer Verfügung Betroffene soll wissen,
warum die Behörde entgegen seinem Antrag entschieden hat; die Begründung muss
deshalb so abgefasst sein, dass er den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls
sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III 439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/
Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage 2016, N 1071). Dies ist nur
möglich, wenn sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittel-instanz sich über die
Tragweite des Entscheids oder der Verfügung ein Bild machen können; in diesem
Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Behörde leiten liess und auf welche sich der Entscheid oder die Verfügung stützt.
Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen
muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid oder die Verfügung
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1; Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., N 1071). Umfang und Dichte der Begründung richten sich generell
nach den Umständen (Steinmann, a.a.O., Art. 29 N 49). Ist die Sachlage klar und sind
die anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese Rechtsnormen
genügen, während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von Ermessen oder
unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht fallenden
Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (BGE 112 Ia 110 E. 2b,
104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., Art. 29 N 49). Die Begründungspflicht, welche aus
dem Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV fliesst, hat der
st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP ausdrücklich
festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die Verfügung unter anderem die Gründe
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enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen VerwGE B 2009/211 vom 18. März
2010 E. 2.1, im Internet abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch).
c) Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass das Kurzgutachten
vom 22. März 2019 widersprüchlich und nicht schlüssig sei und sie deshalb eine
verkehrsmedizinische Untersuchung der Stufe 4 vorsehe. Weiter gibt sie an, dass sie
sowohl das Schreiben von Dr.med. Y vom 7. Mai 2019 als auch die Stellungnahme der
Rechtsvertreterin des Rekurrenten vom 22. Mai 2019 erhalten und zur Kenntnis
genommen habe. Dem Antrag, von einer verkehrsmedizinischen Untersuchung beim
IRM (Stufe 4) sei abzusehen, könne nicht nachgekommen werden. Dem Kurzgutachten
lasse sich eindeutig entnehmen, dass der Rekurrent täglich mehr als einen Liter Bier
und ebenfalls eine Flasche Wein konsumiere, was für einen Alkoholüberkonsum
spreche und eine vertiefte Fahreignungsabklärung samt Haaranalyse erfordere. Dies
zeigt, dass sich die Vorinstanz mit den Vorbringen und Anträgen des Rekurrenten
auseinandergesetzt hat. Die angefochtene Verfügung ist zwar knapp, aber jedenfalls
noch so abgefasst, dass sich der Rekurrent über deren Tragweite ein Bild machen und
sie sachgerecht anfechten konnte. Insgesamt genügt die Begründungsdichte den
Anforderungen an das rechtliche Gehör.
3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht an der Fahreignung des
Rekurrenten zweifelte und eine verkehrsmedizinische Untersuchung der Stufe 4
anordnete.
a) aa) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist neben der
Fahrkompetenz die Fahreignung (Art. 14 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes,
SR 741.01, abgekürzt: SVG). Dieser Begriff umschreibt die körperlichen und geistigen
Voraussetzungen, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die
Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Gemäss
Art. 14 Abs. 2 SVG verfügt über Fahreignung, wer das Mindestalter erreicht hat (lit. a),
die erforderliche körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen
von Motorfahrzeugen hat (lit. b), frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen beeinträchtigt (lit. c), und wer nach seinem bisherigen Verhalten
Gewähr bietet, als Motorfahrzeugführer die Vorschriften zu beachten und auf die
Mitmenschen Rücksicht zu nehmen (lit. d).
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bb) Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 SVG). Art. 16d SVG regelt den Führerausweisentzug wegen fehlender
Fahreignung. Danach werden der Lern- oder Führerausweis einer Person unter
anderem dann auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn ihre körperliche und geistige
Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, ein Motorfahrzeug sicher zu führen
(Abs. 1 lit. a). Darunter fallen alle die Fahreignung ausschliessenden medizinischen und
psychischen Gründe (BGE 133 II 384 E. 3.1; BBl 1999 S. 4491). Nach Art. 16d Abs. 1
lit. b SVG ist sodann nicht geeignet, ein Fahrzeug zu führen, wer an einer Sucht leidet,
welche die Fahreignung ausschliesst, wie beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und
Arzneimittelabhängigkeit (vgl. Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes
vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4462 ff., S. 4491). Der Suchtbegriff des
Verkehrsrechts deckt sich jedoch nicht mit dem medizinischen Begriff der
Alkoholabhängigkeit und erlaubt, auch bloss suchtgefährdete Personen, bei denen
aber jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt, vom Führen eines Motorfahrzeugs
fernzuhalten (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_701/2017 vom 14. Mai 2018 E. 2.1
und 2.2 mit Hinweis auf BGE 129 II 82 E. 4.1).
cc) In Bezug auf die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit (Art. 16d Abs. 1
lit. a SVG) wird für den Sicherungsentzug keine exakte Diagnose einer Krankheit oder
eines Gebrechens vorausgesetzt; entscheidend ist, ob aufgrund einer Beeinträchtigung
derselben die Fahreignung ausgeschlossen ist (Verkehrssicherheitsrelevanz). Die
Leistungsunfähigkeit muss von einer gewissen Dauer sein. Die körperliche
Leistungsfähigkeit bezieht sich dabei auf die rein physische Fähigkeit, ein Fahrzeug
sicher zu führen, während die psychische Leistungsfähigkeit die für den
Strassenverkehr relevanten kognitiven Hirnleistungsfunktionen betrifft (vgl. BSK SVG-
Rütsche/D'Amico, Basel 2014, Art. 16d N 40 ff.). Die Fahreignung kann auch durch das
Zusammenspiel verschiedener derartiger Beeinträchtigungen entfallen, selbst wenn die
einzelnen Faktoren für sich genommen keine fehlende Fahreignung zu begründen
vermöchten (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 16d
N 19).
Weil der Sicherungsentzug tief in den Persönlichkeitsbereich des Betroffenen eingreift,
sind in jedem Fall und von Amtes wegen die persönlichen Verhältnisse genau
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abzuklären. Das Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen,
namentlich die Frage, ob ein medizinisches Gutachten eingeholt werden soll, richtet
sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen Ermessen der
Entzugsbehörde (Ph. Weissenberger, a.a.O., Art. 16d N 3).
dd) Bestehen Zweifel an der Fahreignung einer Person, so wird diese einer
Fahreignungsuntersuchung unterzogen (Art. 15d Abs. 1 SVG). Absatz 1 von Art. 15d
SVG nennt in den lit. a bis e beispielhaft die fünf wichtigsten Fälle, die Zweifel an der
Fahreignung begründen und deren Abklärung in der Regel obligatorisch machen, und
zwar bei Fahren in angetrunkenem Zustand mit einer Blutalkoholkonzentration von
1,6 Gewichtspromille oder mehr oder mit einer Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg
Alkohol oder mehr (lit. a), Fahren unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln oder bei
Mitführen von Betäubungsmitteln, welche die Fahrfähigkeit stark beeinträchtigen oder
ein hohes Abhängigkeitspotenzial aufweisen (lit. b), Verkehrsregelverletzungen, die auf
Rücksichtslosigkeit schliessen lassen (lit. c), der Meldung einer IV-Stelle nach Art. 66c
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (SR 831.20; lit. d) oder der
Meldung eines Arztes, dass eine Krankheit vorliege, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen ausschliesst (lit. e). Die Liste in Art. 15d Abs. 1 SVG ist nicht
abschliessend (BGer 1C_445/2012 vom 26. April 2013 E. 3.2; BBl 2010 S. 8500).
Sofern kein Sondertatbestand nach Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e SVG vorliegt, kann eine
Fahreignungsuntersuchung auch gestützt auf die Generalklausel in Abs. 1 angeordnet
werden. Die Behörden dürfen somit auch eine Fahreignungsabklärung anordnen, wenn
kein Grund nach lit. a bis e vorliegt. Anlass für die Abklärung der Fahreignung können
deshalb grundsätzlich alle Hinweise auf eine Einschränkung der körperlichen oder
geistigen Leistungsfähigkeit geben, und zwar unabhängig davon, ob sie einen Bezug
zum Strassenverkehr aufweisen oder nicht. So verhält es sich etwa bei einer
Verlangsamung der Reaktionen (vgl. etwa BGer 6A.17/2006 vom 12. April 2006), bei
geistigen Absenzen oder bei Krankheiten wie Epilepsie, Diabetes, Alzheimer,
Parkinson, Schizophrenie und dergleichen (Weissenberger, a.a.O., Art. 15d N 53). Der
Entscheid über das Erfordernis einer Fahreignungsabklärung gemäss Art. 15d Abs. 1
SVG steht in jedem Fall im pflichtgemässen Ermessen der kantonalen Behörde. Von
Bedeutung sind deshalb auch blosse Indizien, die beispielsweise auf eine
verkehrsrelevante Alkoholproblematik hindeuten (vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 15d
N 28). Ein verkehrsmedizinisches Gutachten drängt sich somit immer dann auf, wenn
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hinreichend konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die ernsthafte Zweifel an der
Fahreignung des Betroffenen aufkommen lassen (BGer 1C_445/2012 vom 26. April
2013 E. 3.2).
b) Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung fest, dass sich dem
Kurzgutachten vom 22. März 2019 eindeutig entnehmen lasse, dass der Rekurrent
täglich mehr als einen Liter Bier und ebenfalls eine Flasche Wein konsumiere, was für
einen Alkoholüberkonsum spreche. Dies erfordere eine vertiefte
Fahreignungsabklärung samt Haaranalyse, weshalb eine verkehrsmedizinische
Untersuchung angeordnet werde.
c) Im Rekurs wird dem entgegengehalten, dass im Kurzgutachten fälschlicherweise
aufgeführt worden sei, dass der Rekurrent täglich sowohl einen Liter Bier als auch eine
Flasche Wein trinken würde; angegeben habe er einen Weinkonsum von einer Flasche
pro Tag oder einen Bierkonsum von einem Liter pro Tag. Zudem habe sich der
Rekurrent nie alkoholisiert in ein Fahrzeug gesetzt. Der Gutachter habe sodann
festgehalten, dass eine Fahrtauglichkeit der Stufe 1 vorliege und sich zum Zeitpunkt
der Untersuchung insbesondere keine neurologischen Einschränkungen hätten finden
lassen. Im Ergebnis sei eine fehlende Fahreignung verneint worden. Aus medizinischer
Sicht habe der Gutachter empfohlen, dass der Rekurrent eine Alkoholkarenz oder
zumindest eine kontrollierte Alkoholeinnahme anstreben solle. Sodann sollte nach
sechs Monaten ein Bericht der zukünftigen Hausärztin eingefordert werden mit
Kontrolle des MCV, der Leberwerte und des CDT. Diese Massnahme sei gemäss
Gutachter ausreichend; der geplante Untersuch beim IRM (Stufe 4) erscheine ihm
hingegen als übertrieben und nicht verhältnismässig.
d) Der Anordnung der ursprünglichen verkehrsmedizinischen Untersuchung lag der
polizeilich rapportierte Vorfall vom 6. Januar 2019 zugrunde, wonach der Rekurrent in
den frühen Abendstunden auf der Autobahn von Bern Richtung St. Gallen aufgrund
plötzlich auftretender Brustbeschwerden und Zitterns seine Fahrt unterbrechen
musste. Auslöser war mithin ein medizinisches Problem, welches die Vorinstanz zur
Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung der Stufe 3 veranlasste.
Gemäss Art. 5a lit. c Ziff. 4 der Verkehrszulassungsverordnung (SR 741.51,
abgekürzt: VZV) erfassen Untersuchungen auf Stufe 3 unter anderem
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verkehrsmedizinische Untersuchungen von Ausweisinhabern während oder nach
schweren körperlichen Beeinträchtigungen durch Unfallverletzungen oder Krankheiten.
Da anlässlich dieses Untersuchs jedoch die Vermutung geäussert wurde, dass beim
Rekurrenten "mit grösster Wahrscheinlichkeit" eine Alkoholerkrankung vorliege,
veränderte sich die Beurteilungsgrundlage für die Vorinstanz massgeblich. Die
Alkoholproblematik war von der ursprünglichen Untersuchung nach Stufe 3 nicht
erfasst. Vielmehr ergaben sich erst daraus weitere Zweifel an der Fahreignung des
Rekurrenten, indem neben medizinischen Bedenken nun auch eine mögliche
Suchtproblematik im Raum stand. Gerade aus der Kombination von einzelnen
Eignungsschwächen kann sich nämlich eine fehlende Fahreignung ergeben, indem
diese zwar nicht einzeln, jedoch in Verbindung miteinander die Fahreignung
ausschliessen. Dies kann insbesondere bei einem (bloss) punktuellen bis
regelmässigen Missbrauch fahrfähigkeitsbeeinträchtigender Substanzen anzunehmen
sein, der (noch) nicht zu einer Sucht oder Abhängigkeit geführt hat, aber im
Zusammenspiel mit medizinischen Beeinträchtigungen, wie z.B. einer ungenügend
eingestellten Zuckerkrankheit und eines zu wenig lang stabilisierten Schlaf-Apnoe-
Syndroms, eine Ungeeignetheit bewirken kann. Dazu ist eine vertiefte medizinische
Untersuchung und Abklärung erforderlich. Was den Rekurrenten letztlich zum Anhalten
zwang, ist bis heute unklar und dem Gutachter wurde nicht erlaubt, zusätzliche Akten
des Hausarztes in Bern einzusehen (vgl. act. 9/17), was zusätzliche Bedenken an der
Fahreignung begründen kann. Genügen die Abklärungen des Gutachters und andere
zur Verfügung stehende Informationen nicht, um die Fahreignung zu verneinen,
bestehen aber begründete Zweifel fort, muss ein zusätzliches Gutachten eingeholt
werden (vgl. Weissenberger, Administrativrechtliche Massnahmen bei Alkohol- und
Drogengefährdung, in: R. Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht
2004, St. Gallen 2004, S. 105 ff., S. 122 mit weiteren Hinweisen).
e) Insgesamt und mit Blick auf den nunmehr zu beurteilenden Sachverhalt mit einer
möglichen Alkoholproblematik ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz eine
verkehrsmedizinische Untersuchung der Stufe 4 angeordnet hat. Diese erfasst alle in
Frage kommenden Untersuchungen zur Fahreignung (vgl. Art. 5a Abs. 1 lit. d VZV).
Der ursprüngliche Untersuch auf Stufe 3 war medizinisch begründet und setzte sich mit
dem möglichen Alkoholproblem nicht vertieft auseinander. Dies erklärt zwar, dass der
Gutachter die Fahreignung unter medizinischen Gesichtspunkten bejaht, hingegen lässt
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eine Trinkmenge von "täglich mehr als ein[em] Liter Bier" und "ebenfalls täglich
Weinkonsum im Rahmen einer Flasche pro Tag" erhebliche Zweifel an der Fahreignung
des Rekurrenten offen. Aus diesem Grund ist nachvollziehbar, dass die Vorinstanz das
Erstgutachten als widersprüchlich und nicht schlüssig erachtete. Ursache des
Ereignisses vom 6. Januar 2019 und allgemein die Auswirkungen des Alkoholkonsums
des Rekurrenten auf seine Fahreignung sind bislang ungeklärt geblieben. Diese
Abklärung ist indes nicht (mehr) auf der Stufe 3 vorzunehmen (vgl. Art. 5a Abs. 1 lit. c
VZV), weshalb sich Rückfragen an den erstbegutachtenden Arzt erübrigten. Auch vor
diesem Hintergrund ist das Vorgehen der Vorinstanz nicht zu beanstanden. Daran
ändert letztlich nichts, dass die vom Rekurrenten anlässlich des Kurzgutachtens
angegebene Trinkmenge falsch angeführt worden sein soll. Dieser Einwand scheint
zudem unglaubwürdig, zumal dieser erst im Rekurs vom 11. Juni 2019 vorgebracht
wurde. Das Gutachten vom 22. März 2019 wurde dem Rekurrenten von der Vorinstanz
anlässlich des rechtlichen Gehörs bereits am 16. April 2019 zugestellt und ist ihm am
18. April 2019 zugegangen (vgl. act. 9/20, 22). Die Rüge der (vermeintlichen)
Falschangabe hätte sich somit bereits im vorinstanzlichen Verfahren aufdrängen
müssen, stützt sich die Anordnung doch gerade auf jene Angaben. Selbst unter
Berücksichtigung eines allfälligen redaktionellen Versehens lässt der Konsum eines
Liters Bier oder einer Flasche Wein pro Tag Zweifel an der Fahreignung aufkommen
und rechtfertigt die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung nach
Art. 15d Abs. 1 SVG.
Wie bereits erwähnt war das mögliche Alkoholproblem des Rekurrenten noch nicht
Gegenstand der vorausgehenden Untersuchung. Folglich fanden darin, abgesehen
vom MCV-Wert, auch die massgeblichen Blutparameter CDT, GGT, GPT, GOT keine
Berücksichtigung. Ein einzelner Biomarker aus dieser Gruppe lässt keine gesicherten
Rückschlüsse über Alkoholkonsumgewohnheiten einer Person zu. Soll der primäre
Verdacht eines chronischen Alkoholüberkonsums ausgeschlossen oder bestätigt
werden, muss auf jeden Fall eine Haaranalyse auf Ethylglucuronid durchgeführt werden
(vgl. Wick/Keller/Menn, Sind pathologische Blutlaborwerte ein Indikator für die
zusätzliche Untersuchung der Haare auf Ethylglucuronid in der verkehrsmedizinischen
Begutachtungspraxis?, in: Strassenverkehr 1/2014, S. 34 ff.). Zu berücksichtigen ist
ferner, dass vorliegend die Kombination zwischen der möglichen Alkoholproblematik
und der unklaren gesundheitlichen Beeinträchtigung Zweifel an der Fahrfähigkeit des
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Rekurrenten hervorruft und somit eine verkehrsmedizinische Untersuchung höherer
Stufe indiziert ist. Falls eine Alkoholsucht im medizinischen Sinne nicht eindeutig
diagnostiziert werden kann bzw. nur einzelne Laborbefunde auffällig sind, drängen sich
besonders gründliche Untersuchungen auf (vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 15d N 54).
4.- Damit ergibt sich, dass der Hinweis im Kurzgutachten vom 22. März 2019 auf eine
sehr wahrscheinliche Alkoholerkrankung eine Fahreignungsabklärung nach Art. 15d
Abs. 1 SVG mittels einer verkehrsmedizinischen Untersuchung der Stufe 4 rechtfertigt.
Dass sich der Rekurrent bereits durch die gutachterliche Empfehlung für einen
massvolleren Umgang mit Alkohol veranlasst sah, lässt die vorgesehene Untersuchung
nicht als obsolet erscheinen. Der mit der Untersuchung verbundene Eingriff ist
verhältnismässig. Der Rekurs ist dementsprechend abzuweisen und die Anordnung der
verkehrsmedizinischen Untersuchung zu bestätigen. Dem abschliessenden Einwand
des Rekurrenten, er verfüge seit über 30 Jahren über eine "Kulturglatze" und es wäre
ihm nicht möglich, seine Haare (für eine gutachterliche Haarprobe) wachsen zu lassen,
ist entgegenzuhalten, dass die Untersuchung von Brust-, Arm- und Beinhaaren eine
valide Alternative zur Überprüfung des Alkoholtrinkverhaltens ist, wenn Kopfhaare nicht
zur Verfügung stehen (B. Liniger, Ethylglucuronid-Haaranalytik: Vergleich von Kopf-
und Nicht-Kopfhaaren, in: R. Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2013, Bern 2013, S. 37 ff., S. 39). Im Übrigen können auch aus
einer verweigerten Mitwirkung am verkehrsmedizinischen Untersuch negative Schlüsse
auf die Fahreignung gezogen werden (vgl. BGer 1C_445/2012 vom 26. April 2013
E. 3.3 mit Hinweis auf BGE 124 II 559 E. 5a).
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen.