Decision ID: 225c7d08-d85f-4d1d-b1cd-d5b8ee99396f
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Der brasilianische Staatsangehörige A._ (nachfolgend „A._“) wird verdächtigt, durch Missbrauch von Überweisungsträgern deutscher Banken Gelder von deren Kunden auf sein Konto oder auf Konten von  überwiesen haben zu lassen und die Kunden so geschädigt zu . Unter anderem wird ihm vorgeworfen, dass er bzw. seine  und mutmassliche Mittäterin B._ (nachfolgend „B._“) am 28. Juli 2004 bei der Landesbank C._ in Z._ einen  eingereicht haben, gemäss welchem vom Konto eines  ein Betrag von € 5'709.74 mit dem Bestimmungszweck „B._/A._“ auf das Konto von B._ überwiesen werden ; der Überweisungsträger sei dabei mit einer unleserlichen Unterschrift eines angeblichen Mitarbeiters des Reisebüros versehen worden. Im  auf die Richtigkeit des Überweisungsträgers hätten Angestellte der Bank die Überweisung auf das Konto der B._ veranlasst, von  A._ selbst am 29. Juli 2004 an einem Geldautomaten € 2'500.-- abgehoben habe.
Gestützt auf einen Haftbefehl des Amtsgerichts Y._ vom 17.  2004 wegen Betrugs und Urkundenfälschung ersuchte Interpol X._ am 18. November 2004 um Inhaftnahme von A._ zwecks späterer Auslieferung.
Am 18. November 2004 wurde A._ in der Schweiz verhaftet und am folgenden Tag in provisorische Auslieferungshaft versetzt. Nachdem er mit seiner vereinfachten Auslieferung nicht einverstanden war, erliess das Bundesamt für Justiz am 22. November 2004 einen , der A._ am 24. November 2004 eröffnet wurde.
B. Mit fristgerechter Eingabe vom 3. Dezember 2004 führt A._  bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und , es sei der Auslieferungshaftbefehl sofort aufzuheben und er sei sofort auf freien Fuss zu setzen. Weiter stellt er den Antrag, es sei das deutsche Auslieferungsbegehren schon jetzt endgültig abzuweisen (BK act. 1).
Das Bundesamt für Justiz beantragt in seiner Vernehmlassung vom 8.  2004 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde (BK act. 3).
Der Beschwerdeführer liess sich innert angesetzter Frist nicht mehr .
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Für den Auslieferungsverkehr und die vorläufige Auslieferungshaft  der Schweiz und Deutschland sind primär das Europäische  vom 13. Dezember 1957 (EAÜ, SR 0.353.1) sowie der Vertrag vom 13. November 1969 zwischen der Schweizerischen  und der Bundesrepublik Deutschland über die Ergänzung des EAÜ und die Erleichterung seiner Anwendung (Zusatzvertrag, SR 0.353.913.61) massgebend. Wo Übereinkommen und Zusatzvertrag nichts anderes bestimmen, findet auf das Verfahren der Auslieferung und der vorläufigen Auslieferungshaft ausschliesslich das Recht des ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 EAÜ), vorliegend also das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG, SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSV, SR 351.11).
2. 2.1 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts bildet die Verhaftung des
Beschuldigten während des ganzen Auslieferungsverfahrens die Regel (BGE 117 IV 359, 362 E. 2a; vgl. zum Ganzen Urteil der Anklagekammer 8G.8/2004 vom 9. Februar 2004 E. 1). Eine Aufhebung des  und eine Haftentlassung rechtfertigen sich nur ausnahmsweise. Dies ist der Fall, wenn der Beschuldigte sich voraussichtlich der  nicht entzieht und die Strafuntersuchung nicht gefährdet (Art. 47 Abs. 1 lit. a IRSG), wenn er den so genannten Alibibeweis erbringen und ohne Verzug nachweisen kann, dass er zur Zeit der Tat nicht am Tatort war (Art. 47 Abs. 1 lit. b IRSG), wenn er nicht hafterstehungsfähig ist oder  Gründe – z.B. enge und insbesondere familiäre Beziehungen zur Schweiz – vorliegen, die eine weniger einschneidende Massnahme  (Art. 47 Abs. 2 IRSG; Urteil 1A.170/1997 vom 10. Juni 1997 E. 3a; veröffentlicht in Pra 2000 Nr. 94 S. 569), oder wenn sich die Auslieferung als offensichtlich unzulässig erweist (Art. 51 Abs. 1 IRSG). Offensichtlich unzulässig kann ein Auslieferungsersuchen sein, wenn ohne jeden Zweifel und ohne weitere Abklärungen ein Ausschlussgrund vorliegt (vgl. BGE 111 IV 108, 110 E. 3a). Im Übrigen sind Vorbringen gegen die Auslieferung als solche oder gegen die Begründetheit des Auslieferungsbegehrens nicht im vorliegenden Beschwerdeverfahren, sondern im eigentlichen  zu prüfen. Diese Regelung soll es der Schweiz , ihren staatsvertraglichen Auslieferungspflichten nachzukommen. Die ausnahmsweise zu gewährende Haftentlassung ist deshalb an strengere Voraussetzungen gebunden als der Verzicht auf die gewöhnliche Untersu-
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chungshaft in einem Strafverfahren oder die Entlassung aus einer solchen (vgl. BGE 111 IV 108, 110 E. 2).
2.2 Im vorliegenden Fall macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen gel-
tend, der Haftbefehl des Amtsgerichts Y._ enthalte in den dem  vorgeworfenen Sachverhalten 2-4 keinen fassbaren dringenden Tatverdacht. Bei all diesen Fällen sei es nicht zur Gutschrift gekommen, so dass ohnehin höchstens Versuch im Spiel wäre. Der Haftbefehl gebe in keiner Weise an, weshalb der Verfolgte aus dieser Transaktion einen  gehabt hätte. Auch der am 29. Juli 2004 getätigte, vorgeworfene Bezug von € 2'500.-- vom Konto von B._ sei haltlos. Das Bundesamt für Justiz habe deshalb diese Sachverhalte beim Auslieferungshaftbefehl nicht berücksichtigt. Aufgenommen worden sei lediglich ein angeblicher Betrug im Betrag von € 5'709.74. Auch hier bestehe kein Verdacht – schon gar kein dringender – einer Straftat. Der die Auslieferung anbegehrende Staat bringe somit wider Treu und Glauben schwere Straftatbestände ins Spiel, nur um die Auslieferung aufgrund deren abstrakten Strafandrohung  zu können. Dies sei ein Verstoss gegen den schweizerischen ordre public. Das Erfordernis einer freiheitsbeschränkenden Sanktion im Höchstmass von einem Jahr nach dem Recht der Schweiz gemäss Art. 35 Abs. 1 lit. a IRSG werde nicht erfüllt und die Auslieferung habe zu . Schliesslich trägt der Beschwerdeführer vor, dass ihm zwar das Spezialitätsprinzip von Art. 38 Abs. 1 lit. a IRSG erläutert worden sei, doch könne er nicht davon ausgehen, dass der die Auslieferung betreibende Staat dies einhalten werde, nachdem er [der Beschwerdeführer] mit völlig unzulänglichen Mitteln verfolgt werde.
2.3 Dem kann insgesamt und im Einzelnen nicht gefolgt werden. Zunächst ist
festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 47 Abs. 1 IRSG geltend macht, welche eine Aufhebung des Auslieferungshaftbefehls und eine Haftentlassung rechtfertigen würden. Vielmehr erhebt er , welche seines Erachtens der Auslieferung als solcher entgegenstehen. Hierzu ist zu bemerken, dass es – wie eingangs erwähnt – grundsätzlich nicht Sache der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts ist, im , einzig die Auslieferungshaft betreffenden Verfahren über die  des Auslieferungsbegehrens selbst zu befinden. Dies hat im Auslieferungs- und gegebenenfalls in einem sich daran anschliessenden Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren (Art. 25 IRSG) zu geschehen. Entsprechend können derartige Einwendungen des Beschwerdeführers  insofern berücksichtigt werden, als sich hieraus eine offensichtliche Unzulässigkeit der Auslieferung (Art. 51 Abs. 1 IRSG) ergibt. Dabei ist in Bezug auf Einwände hinsichtlich des Sachverhalts zu beachten, dass die
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schweizerischen Behörden grundsätzlich an die entsprechende Darstellung im Auslieferungsbegehren gebunden sind. Es ist Aufgabe des  Sachrichters, sich über das Bestehen dieser Tatsachen und über die Schuld des Verfolgten auszusprechen (BGE 123 II 279, 281 E. 2b; Urteil des Bundesgerichtes 1A.102/2002 vom 10. Juni 2002 E. 3.2). Ausnahmen von diesem Grundsatz rechtfertigen sich dann, wenn der unterbreitete Sachverhalt offensichtliche Irrtümer, Widersprüche oder Lücken aufweist, die den von den ersuchenden Behörden aufgezeigten Verdacht sofort zu entkräften vermögen (BGE 118 Ib 111, 121 f. E. 5b; vgl. auch BGE 122 II 422, 431 E. 3c).
Im vorliegenden Fall sind in den Ausführungen im Haftbefehl des  Y._ vom 17. November 2004 (BK act. 1.4) prima facie weder Irrtümer noch Widersprüche oder Lücken zu erkennen. Vielmehr wird –  in Bezug auf den Sachverhalt vom 28./29. Juli 2004 – im Einzelnen geschildert, was dem Beschwerdeführer in tatsächlicher Hinsicht  wird. Von einer offensichtlichen Unzulässigkeit des  kann diesbezüglich jedenfalls nicht die Rede sein. Nichts anderes ergibt sich mit Blick auf den – grundsätzlich ebenfalls im  selbst zu prüfenden – Einwand der Verletzung des . Die Beschwerde erweist sich mangels konkreter,  Hinweise auch hier als unbegründet.
2.4 Zusammenfassend ist die Beschwerde abzuweisen.
3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten zu tragen (Art. 48 Abs. 2 IRSG i.V.m. Art. 214 ff. sowie Art. 245 BStP und Art. 156 Abs. 1 OG). Es ist eine Gerichtsgebühr von Fr. 800.-- anzusetzen (Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht, SR 173.711.32).
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