Decision ID: b8efe4cc-5dad-520b-850e-74af355939ce
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
W._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Dr. iur. Claudia Oesch, c/o Schwager Mätzler Schneider,
Poststrasse 23, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
Die 1954 geborene W._ meldete sich am 21. November 2005 zum Leistungsbezug
bei der Invalidenversicherung an. Nach Durchführung von medizinischen Abklärungen
stellte die IV-Stelle St. Gallen der Versicherten mit Vorbescheid vom 1. Februar 2007
die Abweisung des Rentenanspruchs in Aussicht. Es liege ein IV-Grad von 19 %
(Einkommen ohne Behinderung von Fr. 52'000.-- und mit Behinderung von Fr.
42'000.--) vor (IV-act. 26). Nach Eingang des Einwands des Rechtsvertreters der
Versicherten (IV-act. 27, 32) und nach Durchführung von weiteren Abklärungen verfügte
die IV-Stelle am 12. September 2007 im Sinn des Vorbescheids, wobei sie den IV-Grad
auf 20 % festlegte (IV-act. 48).
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte am 9. Oktober 2007 durch ihren
damaligen Rechtsvertreter Beschwerde erheben mit den Anträgen, die Verfügung sei
aufzuheben, und der Beschwerdeführerin seien die ihr zustehenden gesetzlichen
Leistungen der IV zu erbringen; es sei ihr insbesondere eine ganze IV-Rente
zuzusprechen; eventualiter sei ein neues interdisziplinäres Gutachten, welches über die
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin Auskunft gebe,
einzuholen und anschliessend über den Leistungsanspruch neu zu befinden. Zur
Begründung führte der Rechtsvertreter unter anderem aus, im Widerspruch zur
gesamten medizinischen Aktenlage nehme die Beschwerdegegnerin an, dass die
Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Leistung von 80 %
erbringen könne. Die Beschwerdeführerin sei gemäss den behandelnden Ärzten auch
in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig. Das ABI-Gutachten
berücksichtige das Beschwerdebild nicht umfassend. So hätten die Gutachter in der
Anamnese zwar Konzentrations- und Gedächtnisstörungen festgehalten, doch würden
diese in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in keiner Weise erwähnt und gewürdigt.
Keine rechtsgenügliche Berücksichtigung in der gutachterlichen Beurteilung des ABI
hätten auch die kollapsbedingten Stürze der Beschwerdeführerin gefunden. Sie habe
dadurch Verletzungen in Form von Prellungen erlitten. Die Beschwerdeführerin habe
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anlässlich der Begutachtung entgegen der Darstellung der Gutachter angegeben, sie
habe schon mehrere Stürze erlitten, da sie die Kontrolle verloren habe, könne bezüglich
einer möglichen Ursache jedoch keine näheren Angaben machen; am ehesten seien
diese auf eine Schwäche im rechten Bein zurückzuführen. In der im Gutachten
vorgenommenen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht fänden sich
(entgegen der Auffassung der Gutachter) keine Hinweise darauf, dass die
Kollapsneigung berücksichtigt worden sei. Ebenfalls unberücksichtigt geblieben seien
die vom behandelnden Psychiater festgestellten Schlafstörungen. Die psychiatrische
Untersuchung durch das ABI habe bedeutend weniger als 30 Minuten gedauert. Die
Gutachter hätten sich mit dem Verhalten und den geklagten Beschwerden der
untersuchten Person nicht genügend auseinander gesetzt. Die ABI-Gutachter hätten
übersehen, dass die Beschwerdeführerin als Antidepressiva Efexor und Surmontil (vgl.
IV-act. 11), und nicht Trimin, einnehme. Das der Beschwerdeführerin in einer niedrigen
Dosis verordnete Trimin ziele auf eine Verbesserung des Nachtschlafs. Trotz der
Einnahme von Trimin schlafe die Beschwerdeführerin schlecht. Die Gutachter seien von
einem unzutreffenden medizinischen Sachverhalt ausgegangen. Indem die Gutachter
abstrakt auf eine allgemeine Erfahrung verweisen würden, hätten sie nicht die
Umstände des konkreten Falls berücksichtigt. Auch in Anbetracht der Tatsache, dass
die Gutachter das Einräumen von Flaschen für die Beschwerdeführerin als nicht mehr
zumutbar erachten würden, sei die Behauptung einer Hebe- und Traglimite von 10 kg
offensichtlich widersprüchlich und nicht nachvollziehbar. Auch seien die Abklärungen
des orthopädischen ABI-Gutachters betreffend Fibromyalgie mangelhaft gewesen.
Selbst wenn von einer Restarbeitsfähigkeit ausgegangen werde, sei diese in
Anbetracht der gesundheitlichen Beschwerden und des Alters der Beschwerdeführerin
wirtschaftlich nicht mehr verwertbar. Selbst wenn eine wirtschaftliche Verwertbarkeit
der Arbeitsfähigkeit angenommen werde, sei gemäss ABI-Gutachten von einer
Arbeitsfähigkeit von 80 % mit um 20 % reduzierter Leistung und damit von 64 %
auszugehen. Beim Invalideneinkommen sei ein Leidensabzug von 25% vorzunehmen.
Die Beschwerdegegnerin habe sich hinsichtlich der bereits im Einwandverfahren
bemängelten Nichtberücksichtigung eines Leidensabzuges nicht geäussert. Sie sei
ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen und habe insofern den Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt. Im weiteren habe es die Beschwerdegegnerin trotz
begründeten Antrags in der Einwandbegründung auf Ausrichtung einer
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Parteientschädigung für das Einwandverfahren unterlassen, hierzu Stellung zu nehmen.
Durch die aktenwidrige und willkürliche Beweiswürdigung der Beschwerdegegnerin sei
während des Einwandverfahrens eine Parteientschädigung ohne weiteres geschuldet.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 14. Dezember 2007 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung legte sie unter
anderem dar, der Meinung der neutralen ABI-Gutachter sei ein grösserer Stellenwert
beizumessen als derjenigen der erfahrungsgemäss nicht ganz unbefangenen
behandelnden Ärzte. Die Diagnose einer Fibromyalgie würde an der Rentenablehnung
nichts ändern. Die ungelernte Beschwerdeführerin könne nach wie vor einer
adaptierten Hilfsarbeiterinnentätigkeit ganztags nachgehen. Da es statistisch nicht
nachgewiesen sei, dass solche leichten Tätigkeiten schlechter als schwerere entlöhnt
würden, sei beim Invalideneinkommen kein Leidensabzug zu berücksichtigen. Ob die
Beschwerdeführerin aufgrund des vermehrten Pausenbedarfs eine Leistung von nur
80 % erbringen könne, könne offenbleiben. So oder anders liege eine allfällige
Erwerbseinbusse unter 40%.
B.c Mit Replik vom 15. Januar 2008 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seine Anträge und Ausführungen (act. G 6). Es müsse davon
ausgegangen werden, dass die ABI-Gutachter einseitig zugunsten der
Beschwerdegegnerin ausgesagt hätten. Nebst den gravierenden (inhaltlichen) Mängeln
fehle dem ABI-Gutachten auch aus diesem Grund jeglicher Beweiswert.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 8).
B.e Mit Schreiben vom 19. Juni 2008 liess die Beschwerdeführerin durch ihre
nunmehrige Rechtsvertreterin, Frau Dr. iur. Claudia Oesch, St. Gallen, unter anderem
bekanntgeben, ihr Gesundheitszustand habe sich weiter verschlechtert; sie habe sich
am 14. März 2008 in Spitalbehandlung begeben müssen.

Erwägungen:
1.
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Streitig ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine IV-Rente hat. Die
Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Entscheid (Erwägung 1) die rechtlichen
Grundlagen der Rentenzusprechung zutreffend dar; darauf ist zu verweisen. - A._,
FMH Psychiatrie/Psychotherapie, bestätigte am 27. Januar 2006 eine seit dem 1.
Dezember 2005 bei der Beschwerdeführerin bestehende 50%ige Arbeitsunfähigkeit in
der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kantinenangestellte aufgrund einer rezidivierenden
depressiven Störung. Andere Tätigkeiten seien, sofern sie nicht von starkem sozialem
Stress geprägt seien, zumutbar (IV-act. 13). Dr. med. B._, FMH Innere Medizin und
Rheumatologie, stellte am 1. Februar 2006 die Diagnosen eines chronischen
lumbospondylogenen Schmerzsyndroms rechts, eines chronischen Schmerz- und
Schwellungszustandes im Fuss rechts (multifaktoriell bedingt), einer rezidivierenden
depressiven Störung, einer PHS Typ Supraspinatus links, einer Interkostal-Neuralgie
Th6/Th7 links und einer sekundären Fibromyalgie. Seit dem 25. April 2005 bestehe in
der bisher ausgeübten Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit. Der Beschwerdeführerin
seien keine anderen Tätigkeiten zumutbar. Sie sei durch das Rückenleiden invalidisiert
(IV-act. 15). Eine Abklärung in der Ärztlichen Begutachtungsinstitut GmbH (ABI), Basel,
ergab gemäss Gutachten vom 14. November 2006 als Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte
Episode, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und ein chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik. In der
angestammten Tätigkeit bestehe bleibend eine volle Arbeitsunfähigkeit, da aus
orthopädischer Sicht einzelne Arbeitsteile nicht mehr zumutbar seien. Für körperlich
leichte Tätigkeiten in wechselnder Position mit einer Hebe- und Traglimite von 10 kg
bestehe eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 80% bei ganztägiger Präsenz mit um 20
% reduzierter Leistung aufgrund eines etwas erhöhten Pausenbedarfs und einer
leichten Verlangsamung des Arbeitstempos. Die 20%ige Reduktion der Arbeitsfähigkeit
wurde mit psychischen Gegebenheiten begründet (IV-act. 21). Der Kardiologe Dr. med.
C._ hatte am 5. Mai 2006 über eine Untersuchung der Beschwerdeführerin (IV-act.
36) berichtet.
Dr. B._ bestätigte am 12. März 2007 ihre Feststellungen vom 1. Februar 2006. Im
weiteren legte sie unter anderem dar, es sei unklar, was der ABI-Gutachter unter einer
leidensadaptierten Tätigkeit meine. Die Tätigkeit als Betriebsassistentin, welche die
Patientin zuletzt ausgeübt habe, sei bereits eine leichte, adaptierte körperliche
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Tätigkeit. Die subjektiv von Seiten der Patientin angegebene Beeinträchtigung der
Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung erachtete die Ärztin demgegenüber als
für den Alltag irrelevant und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 37). In
einer Gutachtenergänzung vom 11. Juli 2007 nahmen die ABI-Gutachter zu den
Berichten von Dr. B._ und Dr. C._ Stellung. Sie hielten unter anderem fest, ein
postoperativer Zustand und degenerative Veränderungen könnten nicht eine generelle
Arbeitsunfähigkeit begründen. Indem die Hebe- und Traglimite auf 10 kg festgelegt und
längerdauernde Zwangshaltungen der unteren Wirbelsäule ausgeschlossen worden
seien, sei aufgrund allgemeiner Erfahrung bei den vorliegenden objektivierbaren
Befunden keine wesentliche Schmerzprovokation zu erwarten. Die Beschwerdeführerin
habe berichtet, dass sie wiederholt Harassen habe transportieren müssen, um
anschliessend mit Zwangshaltungen des Rückens die Getränke einzuräumen, weshalb
diese Tätigkeit als ungeeignet erachtet worden sei. Bei der von Dr. C._ geschilderten
Problematik (multiple Stürze bei Kollapszuständen unklarer Genese) sei auffallend,
dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung nicht von Kollapszuständen
gesprochen habe, sondern die erlittenen Stürze auf eine intermittierend auftretende
Beinschwäche zurückgeführt habe, für die sich jedoch keine objektivierbaren Befunde
hätten erheben lassen. Offenbar sei es bei den erwähnten Ereignissen auch nie zu
relevanten Verletzungen gekommen, und in den Akten fänden sich keine Hinweise,
dass deswegen eine spezifische Behandlung eingeleitet worden wäre. Entsprechend
könne dieser Symptomatik bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit keine zusätzliche
Wertigkeit beigemessen werden (IV-act. 41). Der RAD-Arzt beurteilte am 16. August
2007 das ABI-Begutachtungsresultat als nachvollziehbar und begründet. Weder Dr.
B._ noch Dr. C._ würden neue Gesundheitsschäden aufdecken (IV-act. 43). Im
Bericht vom 3. Oktober 2007 hielt Dr. B._ fest, die bei der Beschwerdeführerin
bestehenden Depressionen seien schlimmer geworden. Der Allgemeinzustand habe
sich verschlechtert. Wegen des chronischen Rückenproblems befinde sich die
Beschwerdeführerin in physiotherapeutischer Dauertherapie. Sodann bestehe ein
Status nach tiefer Venenthrombose rechts. Sie sei weder psychisch noch körperlich in
der Lage, einer geregelten leichten Tätigkeit nachzugehen (IV-act. 56).
2.
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2.1 Die Beschwerdeführerin lässt den Beweiswert des ABI-Gutachtens in Frage
stellen, indem sie geltend macht, die ABI-Gutachter hätten einseitig zugunsten der
Beschwerdegegnerin ausgesagt und ein "versicherungsfreundliches" Gutachten erstellt
(act. G 6). Der allgemeine Hinweis auf das auftragsrechtliche Verhältnis zwischen der
ABI GmbH und der Beschwerdegegnerin und ein offenbar gegen den Gutachter Dr.
med. D._ in einem anderen Zusammenhang laufendes Strafverfahren vermögen
allerdings für sich allein - ohne konkrete Anhaltspunkte - die Abhängigkeit oder
Befangenheit der Gutachter oder medizinisch-fachliche Mängel (vgl. dazu auch
Christian A. Ludwig, Gutachten-Clearing, Suva: Medizinische Mitteilungen Nr. 79, 117)
nicht zu belegen. Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist
die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Es liegen sich widersprechende Einschätzungen vor.
Während Dr. B._ sowohl für die bisherige Tätigkeit der Beschwerdeführerin als
Kantinenangestellte als auch für jede andere Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit
bescheinigte (IV-act. 56), schätzten die ABI-Gutachter die Arbeitsfähigkeit auf 80% "mit
um 20 % reduzierter Leistung aufgrund eines etwas erhöhten Pausenbedarfs und einer
leichten Verlangsamung des Arbeitstempos" (IV-act. 21 S. 19). Die Gutachter
begründeten die erwähnte 20%ige Einschränkung mit psychischen Gegebenheiten.
Den Einwand der Widersprüchlichkeit der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (act. G 1 S.
13) räumten die Gutachter an sich überzeugend mit dem Hinweis darauf aus, dass der
Beschwerdeführerin das Tragen von Harassen von der Gewichtsbelastung her nicht
zumutbar und das Einräumen von Getränken mit Zwangshaltungen des Rückens
verbunden sei (IV-act. 41). Die im weiteren geltend gemachten Konzentrations- und
Gedächtnisstörungen erachtete auch Dr. B._ als für den Alltag irrelevant und ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 37). Zum Einwand der Beschwerdeführerin,
die ABI-Gutachter seien zu Unrecht von der Einnahme von Trimin (statt Efexor und
Surmontil) als Antidepressivum ausgegangen, hielt die Beschwerdegegnerin zu Recht
fest, Trimin und Surmontil würden den gleichen Wirkstoff enthalten (Triminpramin);
Trimin sei ein Generika des Originalpräparates Surmontil (IV-act. 61). Die Feststellung
der ABI-Experten betreffend Unterdosierung bzw. unregelmässige Einnahme eines
Triminpramin-Präparates sei somit berechtigt (act. G 4 S. 5). Unklar bleibt jedoch, ob
die angeführte 20%ige Leistungseinschränkung die 80 %ige Arbeitsfähigkeit weiter
einschränkt - wie dies von der Beschwerdeführerin geltend gemacht wird - oder ob die
Leistungseinschränkung bereits in der Arbeitsfähigkeitsschätzung enthalten ist. Dem
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psychiatrischen Teilgutachten lässt sich dazu keine eindeutige Aussage entnehmen,
indem dort lediglich die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20 % festgehalten und
übrigen darauf hingewiesen wurde, dass die Beschwerdeführerin daher aus
psychiatrischer Sicht der angestammten Tätigkeit ganztägig mit einer leicht reduzierten
Leistungsfähigkeit nachgehen könne (IV-act. 21 S. 10). Auch aus der ergänzenden
Stellungnahme der ABI-Gutachter vom 11. Juli 2007 (IV-act. 41) ist dazu keine klärende
Feststellung ersichtlich. Der Auffassung der Beschwerdegegnerin, es könne
offenbleiben, ob die Beschwerdeführerin aufgrund des vermehrten Pausenbedarfs eine
Leistung von nur 80 % erbringen könne, da eine allfällige Erwerbseinbusse in jedem
Fall unter 40 % liege, kann insofern nicht zugestimmt werden, als es einen Unterschied
macht, ob der IV-Grad bei 20 oder bei 36% (ohne Berücksichtigung eines
Leidensabzuges) liegt, zumal die Einschränkung im Wesentlichen psychische
Hintergründe hat und daher zusätzlich auch ein Leidensabzug vorzusehen wäre. Die
Beschwerdegegnerin wird durch eine weitere Anfrage bei den ABI-Gutachtern zu klären
haben, von welcher Einschränkung sie mit welcher Begründung - im Ergebnis -
ausgingen. Alsdann wird der IV-Grad neu zu prüfen sein. Die Frage, inwiefern die
Beschwerdegegnerin ihre Begründungspflicht im Zusammenhang mit der Prüfung des
Leidensabzuges verletzte (vgl. act. G 1 S. ), kann bei diesem Sachverhalt offenbleiben.
2.2 Die medizinische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht
ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet dem begutachtenden Arzt daher praktisch immer
einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische
Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung der Divergenz von medizinischem
Behandlungs- und Abklärungsauftrag (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] i/S P. vom 13. Juni 2001 [I 506/00]) kann es nicht angehen, eine
medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und
zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher
zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an solchen vorgängig geäusserten
abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich hingegen, wenn die
behandelnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, welche im
Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben und die geeignet sind,
zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des EVG vom 13. März 2006 i/S G.
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[I 676/05], Erw. 2.4). Zu beachten ist im weiteren, dass bei Zusammentreffen
verschiedener Gesundheitsbeeinträchtigungen sich deren erwerblichen Auswirkungen
in der Regel überschneiden, weshalb der Grad der Arbeitsunfähigkeit diesfalls aufgrund
einer sämtliche Behinderungen umfassenden ärztlichen Gesamtbeurteilung zu
bestimmen ist. Eine blosse Addition der mit Bezug auf einzelne Funktionsstörungen
und Beschwerdebilder geschätzten Arbeitsunfähigkeitsgrade ist nicht zulässig (Urteil
des EVG vom 3. März 2003 i/S E. [U 850/02] Erw. 6.4.1).
2.3 Die Beschwerdeführerin lässt einwenden, die Abklärungen des orthopädischen
ABI-Gutachters betreffend Fibromyalgie seien mangelhaft gewesen. - Die Fibromyalgie
(Synonym: Tendomyalgie) ist eine rheumatologische Erkrankung, die durch einen
generalisierten und chronischen Schmerz des osteoartikulären Systems charakterisiert
ist und generell begleitet wird von einer Konstellation essenziell subjektiver Störungen
(wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Gefühl der Niedergeschlagenheit, Kopfschmerzen,
funktionelle Probleme des Harn- und Stuhldrangs). Es existieren zwei Formen der
Fibromyalgie, die primäre und die sekundäre Fibromyalgie (vgl. Pschyrembel,
Klinisches Wörterbuch, Berlin 2004, S. 568 f.; Springer Lexikon Medizin, Berlin 2004, S.
691 f.). Während sich die fibromyalgischen Symptome bei beiden Formen auf die
gleiche Art manifestieren, unterscheidet sich die sekundäre - die dreimal häufiger
verbreitet ist - von der primären Fibromyalgie dadurch, dass sie mit anderen
Krankheiten (z.B. degenerativ rheumatologischen) verbunden ist. Für die primäre Form
der Fibromyalgie (schmerzhafte Druckpunkte in Absenz jeder anderen, insbesondere
entzündlichen Krankheit) konnte bisher keine Ätiologie ermittelt werden. Da die
Fibromyalgie auf Grund ihrer ungewissen Ätiologie weder in die Kategorie der
psychischen oder psychosomatischen noch in diejenige der organischen
Gesundheitsschädigungen eingeordnet werden kann, entwickelt sich in der Literatur
eine generelle Tendenz, von einer Kombination dieser beiden Elemente mit einem
Vorrang der psychosomatischen Faktoren auszugehen (Urteil des EVG vom 13. April
2006 i/S J. [I 288/04] Erw. 5.1). Die Fibromyalgie und die anhaltende somatoforme
Schmerzstörung weisen Gemeinsamkeiten hinsichtlich ihrer klinischen Manifestation
und der unklaren Pathogenese auf. Bei beiden Beschwerdebildern erweist es sich als
in gleichem Masse schwierig, das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit zu eruieren, weil sich
eine allfällige Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit nicht bereits aus der Diagnose einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung oder einer Fibromyalgie ableiten lässt.
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Insbesondere erlaubt die Befunderhebung allein keinerlei Rückschlüsse auf die
Intensität der Schmerzen, deren Entwicklung oder die Prognose im konkreten Fall. Mit
Blick auf diese gemeinsamen Charakteristiken sind - aus rechtlicher Sicht und
angesichts des gegenwärtigen Standes der medizinischen Wissenschaft - die
Prinzipien, welche die Rechtsprechung im Rahmen der somatoformen
Schmerzstörungen entwickelt hat, in Fällen, in welchen die Frage zu klären ist, ob die
diagnostizierte Fibromyalgie invalidisierende Auswirkungen hat, analog anzuwenden
(Urteil, a.a.O., Erw. 5.2 mit Hinweisen). Auch bei einer Fibromyalgie besteht damit die
Vermutung, dass diese Erkrankung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren
Willensanstrengung überwindbar sind (BGE 131 V 50). Wie bei den anhaltenden
somatoformen Schmerzstörungen können allerdings bestimmte Umstände, welche die
Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den
Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die
für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher
Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Falle einer Fibromyalgie anhand der
nachfolgenden - für die Beurteilung der Auswirkungen einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung aufgestellten - Kriterien. Im Vordergrund steht die
Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung
und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische
körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit
unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein
sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht
mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch
aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die
Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder
stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz
kooperativer Haltung der versicherten Person (BGE 130 V 352). Je mehr dieser Kriterien
zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher
sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung
zu verneinen (Urteil vom 13. April 2006 a.a.O., Erw. 5.2). Der orthopädische ABI-
Gutachter kam unter anderem zum Schluss, es fänden sich klinisch keine Hinweise für
eine sekundäre Fibromyalgie, die auf Grund der Kriterien des ACR (American College of
Rheumatology) ausgeschlossen werden könne (IV-act. 21 S. 16). Dr. B._ legte im
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Bericht vom 12. März 2007 in diesem Zusammenhang dar, bei der klinischen
Untersuchung weise die Patientin die diagnostisch typischen Tenderpoints für eine
Fibromyalgie auf. Es sei ihr deswegen unklar, wie der ABI-Gutachter eine Fibromyalgie
ausschliessen könne. Dies sei jedoch für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht von
Belang, da das Hauptproblem der Rücken sei (IV-act. 37). In der Gutachtenergänzung
vom 11. Juli 2007 hielten die ABI-Gutachter fest, da die Diagnose einer Fibromyalgie
nach Dr. B._ für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht von Belang sei, werde
darauf nicht detailliert eingegangen, zumal die Wertigkeit der Diagnose ohnehin nicht
ganz unzweifelhaft sei (UV-act. 41). Dr. B._ erachtete die allfällige Fibromyalgie für
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit soweit ersichtlich einzig deswegen nicht von
Belang, weil sie sich - neben der aus der Sicht der Ärztin für jede Tätigkeit
bestehenden rückenbedingten Einschränkung - nicht (erhöhend) auf die
Arbeitsfähigkeit auszuwirken vermöchte (Überschneidung der Einschränkungen). Die
ABI-Gutachter hätten somit auf dieses Problem - entgegen ihrer Auffassung -
zumindest eingehen müssen. Immerhin erscheinen postoperative Schmerzzustände
wie die hier geklagten nicht zum vorneherein unglaubwürdig. Eine eingehendere
Erörterung wäre umso mehr am Platz, als die Wertigkeit der Diagnose der Fibromyalgie
von den Gutachtern als "nicht ganz unzweifelhaft" bezeichnet wird. Die offenbar
bestehenden Zweifel bleiben damit im Raum stehen. Inwiefern die in diesem
Zusammenhang von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien als erfüllt bzw. nicht
erfüllt anzusehen sind, lässt sich aufgrund des ABI-Gutachtens nicht abschliessend
beurteilen. Anlässlich der wie dargelegt noch vorzunehmenden Anfrage an die ABI-
Gutachter wird auch dieser Punkt zu klären sein.
3.
Der damalige Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragte in der Begründung
des Einwandes gegen den Vorbescheid (IV-act. 35 S. 12) die Ausrichtung einer
Parteientschädigung. In diesem Verfahren stellte er diesen Antrag erneut. Nach Art. 52
Abs. 3 ATSG werden für das Einspracheverfahren in der Regel keine
Parteientschädigungen zugesprochen. Nach der Lehre lässt jedoch der Wortlaut dieser
Bestimmung - über den Fall der unentgeltlichen Vertretung hinaus - die Zusprechung
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einer Parteientschädigung auch bei Vorliegen sonstiger besonderer Umstände zu, etwa
bei besonderen Aufwendungen oder Schwierigkeiten (U. Kieser, ATSG-Kommentar,
Zürich 2003, Rz 28 zu Art. 52 ATSG). Nach Wegfall des Einspracheverfahrens in der
Invalidenversicherung erscheint es sachlich grundsätzlich gerechtfertigt, die
Entschädigungsregelung des Einspracheverfahrens auch für das wiedereingeführte
Vorbescheidsverfahren anzuwenden. Die Beschwerdeführerin lässt geltend machen,
die Parteientschädigung sei durch die aktenwidrige und willkürliche Beweiswürdigung
der Beschwerdegegnerin sowie aufgrund ihrer (der Beschwerdeführerin)
Rechtsunkenntnis und der anspruchsvollen Komplexität (IV-act. 35 S. 12) geschuldet.
Eine Stellungnahme der Beschwerdegegnerin zum erwähnten Antrag des früheren
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin findet sich weder in der angefochtenen
Verfügung noch in der Beschwerdeantwort. Eine abschliessende Prüfung des
Entschädigungsanspruchs kann daher mangels entsprechender Verfügungsgrundlage
in diesem Verfahren nicht erfolgen. Auch dies wird die Beschwerdegegnerin noch
nachzuholen und über die Frage der Parteientschädigung im Vorbescheidsverfahren zu
verfügen haben.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
Verfügung vom 12. September 2007 teilweise gutzuheissen und die Sache zur
Vornahme der Abklärungen und zu anschliessender erneuter Prüfung des
Rentenanspruchs an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1 IVG). Unter Berücksichtigung
des Verfahrensaufwandes wird die der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu
auferlegende Gerichtsgebühr auf Fr. 600.-- festgesetzt. Der Beschwerdeführerin wird
der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückerstattet. Die Beschwerdeführerin hat bei
diesem Verfahrensausgang Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Es
rechtfertigt sich, diese auf pauschal Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
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