Decision ID: 2b54be69-b3a4-5bff-8135-51b2e3b3a631
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 15. Januar 2009 erstmals in der
Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Erstbefragung machte er geltend, er
stamme aus B._, sei nie politisch tätig gewesen und habe weder
Probleme mit den Behörden noch mit der Polizei oder dem Militär gehabt.
Im Rahmen der Anhörung vom 4. Mai 2009 führte er im Wesentlichen aus,
er habe für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) Geld und Gold ge-
sammelt sowie Plakate geklebt. Zudem habe er die Eelam People's De-
mocratic Party (EPDP) unterstützt, indem er Propaganda für die Organisa-
tion gemacht habe. Im Jahre 2006 seien zwei Kollegen, die ebenfalls die
EPDP unterstützt hätten, von Unbekannten entführt worden. Aus Angst,
ebenfalls Nachteile zu erleiden, sei er im Juli 2008 zu einem Cousin in
C._, in der Nähe von Colombo gegangen. Einmal sei er in Colombo
von der Armee kontrolliert worden. Schliesslich habe er, weil er Angst vor
den Soldaten gehabt habe, am 13. September 2008 beziehungsweise 13.
Januar 2009 Sri Lanka mit einem echten Pass und einem gefälschten Vi-
sum verlassen.
A.b Mit Verfügung vom 3. Juni 2010 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete zufolge
Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Aufnahme
an. Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
Mit Verfügung vom 1. September 2011 hob die Vorinstanz die vorläufige
Aufnahme des Beschwerdeführers auf, setzte ihm Frist zur Ausreise und
beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Die
dagegen eingereichte Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht
mit Urteil E-5477/2011 vom 13. März 2012 ab.
C.
Am 18. Oktober 2013 reichte der Beschwerdeführer ein zweites Asylge-
such ein. Zur Begründung berief er sich auf die bereits im ersten Verfahren
geltend gemachte Unterstützung der LTTE. Diese Tätigkeit habe er mit drei
anderen Personen ausgeübt. Von diesen würden zwei seit 2008 als ver-
misst gelten. Er vermute, dass sie von einer paramilitärischen Organisation
entführt und getötet worden seien. Deshalb sei auch er einer hohen Verfol-
E-5502/2015
Seite 3
gungsgefahr seitens der sri-lankischen Behörden ausgesetzt. Zwischen-
zeitlich habe er erfahren, dass er in seinem Elternhaus von Unbekannten
gesucht worden sei. Diese hätten damit gedroht, an seiner Stelle seine
Schwester zu entführen. Schliesslich sei er bei einer Rückkehr gefährdet,
weil er aus der Region D._ stamme, in einem kritischen Alter sei
und sich längere Zeit in der Schweiz aufgehalten habe.
D.
Die Vorinstanz teilte dem Beschwerdeführer am 21. November 2013 mit,
die Einreichung des zweiten Asylgesuchs unter altem Recht habe per se
den Vollzugsstopp zur Folge.
E.
Mit Eingabe vom 1. Mai 2015 wandte sich der Beschwerdeführer mit einer
zusammenfassenden Stellungnahme erneute an die Vorinstanz und ver-
langte einen umgehenden positiven Asylentscheid.
F.
Mit Schreiben vom 30. Oktober 2014 teilte die Vorinstanz dem Beschwer-
deführer mit, es habe eine neue Lagebeurteilung zu Sri Lanka vorgenom-
men und die Kriterien, die zu einer möglichen Gefährdung führen könnten,
aktualisiert. Das Entscheid- und Vollzugsmoratorium zu Sri Lanka vom
26. Mai 2014 werde aufgehoben. Dazu gewährte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer das rechtliche Gehör und gab ihm Gelegenheit, mitzutei-
len, ob die Lageentwicklung in Sri Lanka für ihn neue Gefährdungsele-
mente nachziehe beziehungsweise ob allfällige Vollzugshindernisse vorlie-
gen würden. In der Antwort vom 14. November 2014 verwies der Be-
schwerdeführer auf seine bisherigen Ausführungen. Weiter führte er an, er
sei letztmals im Januar 2014 zu Hause gesucht worden. Erneut sei der
Familie mit der Entführung einer Tochter gedroht worden. Die Mutter gehe
davon aus, dass es sich bei den Unbekannten um Mitglieder der EPDP
handle.
G.
Mit Verfügung vom 16. Februar 2015 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den
zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung.
E-5502/2015
Seite 4
H.
Mit Eingabe vom 26. März 2015 reichte der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung
ein. Im Rahmen der Vernehmlassung ersetzte die Vorinstanz mit Verfügung
vom 31. Juli 2015 ihren Entscheid vom 15. Februar 2015. In der Folge
schrieb das Bundesverwaltungsgericht das hängige Beschwerdeverfahren
E-1991/2015 mit Abschreibungsentscheid vom 12. August 2015 als gegen-
standslos geworden ab.
I.
Mit Eingabe vom 7. September 2015 reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfü-
gung vom 31. Juli 2015 ein und beantragte, der Entscheid sei aufzugeben
und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, wegen Verletzung des
Gleichheitsgebotes, eventualiter des rechtlichen Gehörs, subeventualiter
wegen Verletzung der Begründungspflicht, subsubeventualiter wegen un-
vollständiger und unrichtiger Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts, subsubsubeventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen
und ihm Asyl zu erteilen, subsubsubsubeventualtier sei die Undurchführ-
barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen.
Mit der Rechtsmitteleingabe reichte der Beschwerdeführer die im Beilagen-
verzeichnis aufgeführten Beweismittel 1 bis 17 zu den Akten.
J.
Am 16. September 2015 bestätigte der Instruktionsrichter dem Beschwer-
deführer den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der
Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-
gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist insoweit
einzutreten.
E-5502/2015
Seite 5
2.
2.1 Die Beschwerde richtet sich gegen eine Verfügung, mit der ein Mehr-
fachgesuch abgewiesen wird. Diese Verfügung allein bildet den Gegen-
stand des vorliegenden Verfahrens. Soweit in der Rechtsmitteleingabe
frühere Verfahrensstadien kritisiert werden, sind diese durch den Streitge-
genstand nicht gedeckt. Insoweit ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
2.2 Die Rechtsmitteleingabe ist umfangreich (48 Seite) und nur ein kleiner
Teil betrifft die konkrete Beschwerdesache. Weitgehend enthält die Be-
schwerde allgemeine Ausführungen ohne konkreten Bezug zum Be-
schwerdeführer. Darauf sowie auf die persönlich adressierte Kritik an ein-
zelne Mitglieder der Vorinstanz, die unsachgemäss ausfällt, ist nicht weiter
einzugehen.
2.3 Trotz ihres Umfanges erweist sich die Beschwerde als offensichtlich
unbegründet. Sie ist deshalb im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit
mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Wei-
terungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a
Abs. 1 und 2 AsylG). Mit dem vorliegenden Urteil erhält der Beschwerde-
führer Kenntnis über die Zusammensetzung des Spruchkörpers, womit der
entsprechende Antrag gegenstandslos wird.
3.
3.1 Mit der Beschwerde kann im Asylpunkt eine Verletzung von Bundes-
recht sowie eine unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG), im Übrigen
richten sich die Rügen nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.2 Die Beschwerde enthält folgende Rügen: Verletzung des Gleichheits-
gebotes (E. 4), Verletzung des rechtlichen Gehörs (E. 5) in Form des
Äusserungsrechts (E. 5.2), des Untersuchungsgrundsatzes (E. 5.3) und
der Begründungspflicht (E. 5.4), rechtsfehlerhafte Feststellung des Sach-
verhalts (E. 6) sowie mehrere Bundesrechtsverletzungen (E.7).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Rechtsgleichheitsge-
bots. Nach dem Vollzugsstopp für abgewiesene tamilische Asylsuchende
habe die Vorinstanz die Einschätzung der Lage in Sri Lanka überarbeitet
E-5502/2015
Seite 6
und eine neue Praxis begründet. Gemäss dieser sollten sämtliche Asylvor-
bringen in einem Folgeverfahren neu geprüft werden, unabhängig von ei-
ner bereits erfolgten rechtskräftigen Beurteilung und unabhängig davon, ob
überhaupt Neues vorgebracht werde. Gründe, die bereits in einem abge-
schlossenen Verfahren vorgebracht worden seien, müssten sowohl in Be-
zug auf die Glaubhaftigkeit als auch ihre Asylrelevanz vollständig neu über-
prüft werden. Das Gleichbehandlungsgebot sei vorliegend verletzt, weil im
neuen Verfahren des Beschwerdeführers keine Anhörung durchgeführt
worden sei und er nicht als Flüchtling anerkannt oder vorläufig aufgenom-
men werde.
4.2 Gemäss Art. 8 BV sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich. Das
Gleichheitsgebot verlangt, dass Gleiches gleich (Gleichheitsgebot) und
Ungleiches ungleich (Differenzierungsgebot) behandelt werden soll. Das
Rechtsgleichheitsgebot ist verletzt, wenn hinsichtlich einer entscheidwe-
sentlichen Tatsache rechtliche Unterscheidungen getroffen werden, für die
ein vernünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen nicht ersichtlich
ist, oder wenn Unterscheidungen unterlassen werden, die aufgrund der
Verhältnisse hätten getroffen werden müssen (BGE 136 V 231 E. 6.1). In-
des besteht kein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht (MÜLLER/
SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz: im Rahmen der Bundesverfassung,
der EMRK und der UNO-Pakte, 4. Aufl. 2008, S. 677 f.; KIENER/ KÄLIN,
Grundrechte, 2. Aufl. 2013, S. 423 f.).
4.3 Der Beschwerdeführer verkennt zum einen, dass die Verwaltungsbe-
hörden Einzelfälle zu beurteilen hat. Weder hat die Vorinstanz ohne ver-
nünftigen Grund neue rechtliche Unterscheidungen eingeführt, noch hat
sie vernünftige rechtliche Unterscheidungen unterlassen. Seit der Wieder-
aufnahme der Entscheidtätigkeit in Sri Lanka Fällen hat sie auch keine Ver-
waltungspraxis begründet, wonach alle Tamilen als Flüchtling anerkannt
oder vorläufig aufgenommen würden. Selbst wenn in vergleichbaren Fällen
die Flüchtlingseigenschaft oder die vorläufige Aufnahme womöglich ohne
rechtlichen Grund zuerkannt worden wäre, könnte der Beschwerdeführer
daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten, weil es keine Gleichbehandlung
im Unrecht gibt. Der Antrag, positive Verfügungen sowie die dazugehören-
den Dossiers heranzuziehen, ist deshalb abzuweisen, zumal solche Verfü-
gungen in der Regel nicht begründet werden. Zum anderen verkennt der
Beschwerdeführer, dass die Verwaltungsbehörden auch verfahrensrechtli-
che Normen zu berücksichtigen haben. Gerade das Gleichbehandlungs-
gebot gebietet, dass alle Asylverfahren nach Massgabe der jeweiligen Ver-
fahrensordnung gleich behandelt werden. Die Vorinstanz hat daher zuerst
E-5502/2015
Seite 7
zu bestimmen, ob die Vorbringen in einem ordentlichen Asylverfahren oder
einem ausserordentlichen Verfahren (unter geltendem Recht: Wiedererwä-
gungsverfahren [Art.111b AsylG] und Verfahren auf Mehrfachgesuch
[Art.111c AsylG]) zu behandeln sind. Ausserordentliche Gesuche sind
schriftlich und begründet einzureichen, wobei unbegründete und wieder-
holt gleich begründete formlos abzuschreiben sind (Art. 111b Abs. 1 und 2,
Art. 111c Abs. 1 und 2 AsylG). Schon deshalb trifft nicht zu, dass sich die
Prüfungspflicht auch auf jene Fälle erstrecke, in denen nichts Zusätzliches
vorgebracht wird. Im vorliegenden Fall sind die Ausführungen ohnehin
nicht nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer hat mit dem zweiten Asylge-
such Neues vorgebracht, was die Vorinstanz gemäss den Vorschriften des
Mehrfachgesuchs (schriftlich und begründet) entgegengenommen und ge-
prüft hat. Entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen Ansicht be-
steht aber im Rahmen dieses Nachfolgeverfahrens, wie auch des Wieder-
erwägungsverfahrens, kein Anspruch auf eine mündliche Befragung. Sol-
ches sieht das Gesetz weder unter altem noch neuem Recht vor (vgl. auch
CARONI/MEYER/OTT/SCHEIBER, Migrationsrecht, 3. Aufl. 2014, S. 343). Die
Rüge, die Vorinstanz habe das Gleichheitsgebot verletzt, ist unbegründet.
Bei dieser Sachlage besteht keine Veranlassung zur Edition der bereits be-
kannten Gutachten bei der Vorinstanz. Der entsprechende Antrag ist abzu-
weisen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer rügt weiter eine Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs in mehrfacher Hinsicht.
5.2 Zunächst wird beanstandet, dass er vor Erlass der angefochtenen Ver-
fügung nicht angehört worden sei. Dies sei umso stossender, als er letzt-
mals am 4. Mai 2009 im Rahmen des Erstverfahrens befragt worden sei.
Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Die Verfassungsnorm räumt allerdings keinen Anspruch auf münd-
liche Anhörung ein (BGE 134 I 140 E. 5.3, BGE 130 II 425 E. 2.1). Das
Gesetzesrecht kann indes einen solchen Anspruch vorsehen (BGE 134 I
140 E. 5.3), was aber für das Verwaltungsverfahrens im Allgemeinen nicht
zutrifft (WALDMANN/ BICKEL, in: Praxiskommentar VwVG, 2009, Nr. 37 zu
Art. 30 VwVG). In besonderen Sachlagen oder aus der Natur des zu re-
gelnden Rechtsverhältnisses kann eine mündliche Anhörung geboten sein
(WALDMANN/ BICKEL, a.a.O. Nr. 37 zu Art. 30 VwVG). So hat der Gesetzge-
ber für das erste Asylverfahren eine mündliche Anhörung vorgesehen
E-5502/2015
Seite 8
(Art. 29 Abs. 1 und 2 VwVG), nicht hingegen für ausserordentlichen Nach-
folgeverfahren unter altem wie neuem Recht (Art. 111b und Art. 111c
AsylG).
Der Beschwerdeführer verkennt die rechtliche Konzeption. Auch übersieht
er, dass das Gericht die vormalige Beschwerde im Verfahren E-7020/2013
nicht wegen der zwischen der letzten Anhörung und dem Entscheid verstri-
chenen Zeit gutgeheissen hat. Diese Frage hat es offengelassen und das
Verfahren wegen unvollständiger Sachverhaltsfeststellung gutgeheissen.
Der Beschwerdeführer hat das zweite Asylgesuch schriftlich und begründet
eingereicht. Darüber hinaus hat die Vorinstanz ihm das rechtliche Gehör
zur Wiederaufnahme der Entscheidtätigkeit in Sri-Lanka-Fällen mit Schrei-
ben vom 30. Oktober 2014 gewährt und ihn ausdrücklich aufgefordert, auf-
grund der Lageentwicklung in Sri Lanka allenfalls neue, ihn betreffende
Gefährdungselemente und Vollzugshindernisse zu nennen sowie allfällige
persönliche Änderungen oder wesentliche Begebenheiten einzubringen.
Mit der Eingabe vom 14. November 2014 hat der Beschwerdeführer sein
diesbezügliches Äusserungsrecht wahrgenommen. Mit ihrer Vorgehens-
weise hat die Vorinstanz dem Beschwerdeführer somit das rechtliche Ge-
hör hinreichend gewährt. Eine Gehörsverletzung liegt insoweit nicht vor.
5.3 Unter dem Titel der Verletzung des rechtlichen Gehörs rügt der Be-
schwerdeführer weiter eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, da
die Befragungen im Rahmen des ersten Asylverfahrens kurz und ober-
flächlich ausgefallen seien.
Indes verkennt der Beschwerdeführer die Tragweite der behördlichen Un-
tersuchungspflicht. Diese hat ihre Grenze in der Mitwirkungspflicht des Be-
schwerdeführers (Art. 8 AsylG), welcher im Übrigen auch die Substanziie-
rungslast trägt (Art. 7 AsylG). Zur Feststellung des Sachverhalts wurden
dem Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen genügend offene als
auch konkrete Fragen gestellt. Im Rahmen der Beantwortung dieser Fra-
gen obliegt es dem Beschwerdeführer, den Sachverhalt frei von Unstim-
migkeiten und inhaltlich substantiiert darzutun. Der Beschwerdeführer hat
die ihm unterbreiteten Fragen meist mit nur einem oder zwei Sätzen sehr
kurz beantwortet. Für die Behauptung, dass seitens des Befragers kein Er-
zählfluss zugelassen worden sei, sind den Protokollen sodann auch keine
Hinweise zu entnehmen. Ferner hat der zur Beobachtung der Durchfüh-
rung einer korrekten Anhörung anwesende Hilfswerksvertreter in seiner
Bestätigung weder Bemerkungen zur Fragestellung noch zur Befragung
als solcher angeführt. Weitergehend wird in der Eingabe nicht substantiiert
E-5502/2015
Seite 9
dargelegt, inwiefern die Vorinstanz im Einzelnen den Untersuchungsgrund-
satz verletzt haben soll. Solches ist auch nicht ersichtlich.
5.4 Weiter rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung der Begründungs-
pflicht. Die Vorinstanz habe die familiäre, insbesondere die finanzielle Si-
tuation der Familie im Heimatland im neuen Asylverfahren nicht gewürdigt.
Auch diese Rüge geht fehl. Gemäss konstanter Rechtsprechung muss der
Entscheid so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn sachgerecht anfech-
ten kann. Es müssen die Überlegungen kurz genannt werden, von denen
sich die Behörde leiten liess und auf die sie ihren Entscheid stützt (BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Der Beschwerdeführer verkennt, dass es keine gene-
relle Praxis der Aufnahme wegen Unzumutbarkeit in Sri-Lanka Fällen gibt,
mithin insoweit auch keine besonders intensive Begründung erforderlich
ist. Sodann ist, entgegen seiner Ansicht, die finanzielle Situation der Fami-
lie im Heimatland bei der Beurteilung der Zumutbarkeit des Vollzugs der
Wegweisung unerheblich. Weitergehend hat die Vorinstanz in der ange-
fochtenen Verfügung hinreichend dargelegt, gestützt worauf, namentlich
auch die vom Rechtsvertreter bislang genannten Quellen, und aus welchen
Gründen sie den Vollzug als zumutbar erachtet. Der ledige Beschwerde-
führer habe eine gute Schulbildung, verfüge über Berufserfahrungen und
habe Verwandte, die ihn bereits einmal unterstützten hätten. Die Be-
schwerde selbst zeigt denn auch, dass eine sachgerechte Anfechtung
möglich war. Damit erweist sich die Rüge der Verletzung des rechtlichen
Gehörs auch in diesem Punkt als unzutreffend.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer rügt weiter, eine unvollständige und unrichtige
Sachverhaltsfeststellung. Die Vorinstanz habe die Verfolgungssituation im
Zusammenhang mit den behördlichen Behelligungen, die finanzielle Lage
der Familie sowie aktuelle Länderinformationen nicht berücksichtigt.
6.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel. Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegenüber un-
vollständig, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachum-
stände berücksichtigt werden (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfah-
ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 630).
E-5502/2015
Seite 10
Die Vorinstanz ist nicht verpflichtet, die Aussagen wörtlich wiederzugeben;
es genügt eine sinngemässe Wiedergabe. Gemäss konstanter Rechtspre-
chung muss sie in der Verfügung auch nicht jedes einzelne, sondern die
entscheidwesentlichen Vorbringen entweder im Rahmen des Sachverhal-
tes oder der Würdigung nennen (statt vieler: Urteil des BVGer E-6467/13
vom 25. Februar 2014). Darüber hinaus muss sie auch die Grundlagen ih-
rer Lageanalyse nicht im Einzelnen aufführen. Vorliegend hat die Vor-
instanz in der angefochtenen Verfügung die Vorbringen des Beschwerde-
führers im Rahmen des ersten und des zweiten Asylgesuchs sowie die ak-
tuelle Lage und damit die in der Eingabe aufgeführten Punkte, soweit diese
erheblich sind, einerseits im Sachverhalt, andererseits bei den Erwägun-
gen hinreichend berücksichtigt. Weiter legt der Beschwerdeführer mit dem
blossen Aufführen einzelner Punkte nicht substantiiert dar, inwiefern der
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt sein soll und inwiefern
diese Umstände im Hinblick auf den Entscheid im Einzelnen rechtswesent-
lich sein sollen. Solches ist auch nicht ersichtlich. Die erhobene Rüge er-
weist sich als unzutreffend.
6.3 Insgesamt erweisen sich sämtliche formellen Rügen sowie die Rüge
der unrichtigen Sachverhaltsfeststellung als nicht zutreffend. Bei dieser
Sachlage besteht keine Veranlassung, den Beschwerdeführer anzuhören.
Der entsprechende Beweisantrag ist abzuweisen.
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen im Sinne
von Art. 3 AsylG grundsätzlich Asyl.
7.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG). Glaubhaft gemacht ist die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 7 AsylG, wenn die Behörde ihr
Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält
(Abs. 2). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Abs. 3).
7.3 Die Anforderungen an das Glaubhaftmachen hat das Bundesverwal-
tungsgericht in BVGE 2010/57 (E. 2.2 und 2.3) dargelegt und folgt dabei
ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen.
E-5502/2015
Seite 11
7.4 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen
an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. Der Beschwerdeführer
habe in wesentlichen Punkten widersprüchlich, unsubstantiiert, stereotyp,
vage sowie ohne Hinweise auf Realkennzeichen und damit insgesamt
nicht glaubhaft ausgesagt. Insbesondere habe er unvereinbare Angaben
zum Ausreisezeitpunkt aus Sri Lanka, zu seinem politischen Engagement
und den damit verbunden Problemen mit den heimatlichen Behörden ge-
macht. In Bezug auf sein politisches Engagement wäre im Rahmen der
Mitwirkungspflicht zwingend zu erwartet gewesen, dass er seine diesbe-
züglichen Aktivitäten nenne. Auch sei er nicht in der Lage gewesen, die
Dauer seiner Unterstützung der LTTE anzugeben oder für welche Wahlen
er Propaganda zu Gunsten der EPDP gemacht habe oder wann die Ent-
führung der Jugendlichen stattgefunden hätten.
Zu Art. 3 AsylG führt die Vorinstanz aus, bei der neuen Lagebeurteilung
seien insbesondere die spezifische Situation tamilischer Rückkehrer, die
Berichte über Festnahmen und Folter sowie die allgemeine Menschen-
rechtslage berücksichtigt worden, mithin die vom Rechtsvertreter genann-
ten Quellen. Es treffe zu, dass die sri-lankischen Behörden gegenüber Per-
sonen tamilischer Ethnie, welche nach einem Auslandaufenthalt nach Sri
Lanka zurückkehren würden, eine erhöhte Wachsamkeit zeigen. Die ethni-
sche Zugehörigkeit und die fünfjährige Landesabwesenheit alleine reichten
indes gemäss Praxis nicht, um von Verfolgungsmassnahmen auszugehen.
Es sei möglich, dass der Beschwerdeführer überall und jederzeit von sri-
lankischen Sicherheitskräften kontrolliert und auf den Posten mitgenom-
men werde. Diesen Massnahmen, denen ein Grossteil der tamilischen Be-
völkerung im ganzen Land ausgesetzt sei, komme gemäss Praxis aufgrund
mangelnder Intensität kein Verfolgungscharakter zu.
Schliesslich sei auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer aus den gel-
tend gemachten Gründen im Elternhaus gesucht worden sei und Unbe-
kannte gedroht hätten, die Schwester mitzunehmen.
7.5 Betreffend die als nicht glaubhaft erachteten Vorbringen rügt der Be-
schwerdeführer, die Vorinstanz habe diesbezüglich den Massstab des
Glaubhaftmachens nicht richtig angewendet und verletze damit Bundes-
recht.
E-5502/2015
Seite 12
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Glaubhaftigkeitsprüfung
im Entscheid vom 3. Juni 2010 sei fehlerhaft, bildet dies nicht Gegenstand
des vorliegenden Verfahrens. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen
Ansicht hat die Vorinstanz an keiner Stelle geschlossen, weil die Vorbrin-
gen aus dem ersten Asylverfahren rechtskräftig als unglaubhaft qualifiziert
worden seien, seien auch die neuen Vorbringen unglaubhaft beziehungs-
weise hat sie auch nicht pauschal an der früheren Glaubhaftigkeitsprüfung
festgehalten.
Die vorinstanzliche Beweiswürdigung in Bezug auf das Glaubhaftmachen
ist nicht zu beanstanden. In der angefochtenen Verfügung wird im Einzel-
nen dargelegt, aus welchen Gründen die Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers widersprüchlich, unsubstantiiert, stereotyp, vage und ohne Realkenn-
zeichen und damit insgesamt nicht glaubhaft sind. Was in der Rechtsmit-
teleingabe dagegen vorgebracht wird, ist nicht geeignet, die Aussagen in
einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Entgegen der in der Eingabe
vertretenen Ansicht hat der Beschwerdeführer das Ausreisedatum nicht
von sich aus spontan, sondern auf eine konkretisierende Frage hin, welche
die Unstimmigkeit erkennen liess, korrigiert (Akten Vorinstanz A13/12 S. 5).
Weiter vermag er auch mit den ausführlichen Erklärungen zur politischen
Situation in D._ während der Zeit des Waffenstillstandes die offen-
sichtlich unvereinbaren Angaben betreffend seines politischen Engage-
ments nicht zu entkräften. Anlässlich der Erstbefragung hat er ausdrücklich
sowohl jegliches politisches Engagement als auch jegliche Probleme mit
den heimatlichen Behörden verneint und sein Asylgesuch einzig damit be-
gründet, dass Jugendliche vom Militär verhaftet würden. Diese Aussagen
hat er unterschriftlich als der Wahrheit entsprechend anerkannt (Akten Vo-
rinstanz A1/10 S. 8). Dabei hat er sich behaften zu lassen. Dies umso mehr,
als er auch bei der Erstbefragung im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht
(Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG) gehalten ist, die wesentlichen Gründe für seine
Ausreise zu nennen. Sodann hat der Beschwerdeführer im ersten Asylver-
fahren geltend gemacht, er sei alleine für die LTTE tätig gewesen und habe
mit zwei Kollegen für die EPDP Propaganda gemacht. Weil diese entführt
worden seien, fürchte er ebenfalls um Benachteiligungen. Demgegenüber
führt er im zweiten Gesuch aus, mit drei Personen zusammen Geld und
Gold für die LTTE gesammelt zu haben. Weil diese verschollen seien und
davon ausgehen sei, dass sie entführt und getötet worden seien, habe er
sich in einer Bedrohungslage befunden und deshalb die Heimat verlassen.
Insoweit sind seine Vorbringen offensichtlich unvereinbar. Dass sodann
klar sein soll, dass zwei dieser LTTE-Mitaktivisten von Paramilitärs getötet
wurden, ist eine durch nichts belegte Behauptung. Weitergehend legt der
E-5502/2015
Seite 13
Beschwerdeführer mit dem sinngemässen Festhalten an der Tatsächlich-
keit seiner Vorbringen nicht dar, inwiefern die Vorinstanz zu Unrecht auf
Unglaubhaftigkeit geschlossen hat. Solches ist auch nicht ersichtlich. Um
Wiederholungen zu vermeiden, kann auf die zutreffenden Erwägungen in
der angefochtenen Verfügung verwiesen werden.
Der Beschwerdeführer kann somit kein politisches Engagement glaubhaft
machen. Damit ist der im Rahmen des zweiten Asylgesuch neu geltend
gemachten Suche nach ihm sowie den angeblich angedrohten Entführung
der Schwester die Grundlage entzogen.
7.6 Betreffend Art. 3 AsylG hält der Beschwerdeführer in der Rechtsmittel-
eingabe daran fest, er habe die LTTE in einer wichtigen Funktion unter-
stützt und gehöre zudem zur sozialen Gruppe der abgewiesenen tamili-
schen Asylgesuchsteller. Als solcher werde er bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aufgrund eines Generalver-
dachts der Unterstützung der LTTE verdächtigt, verhaftet sowie unter An-
wendung von schwerer Folter verhört und auf unbestimmte Zeit inhaftiert.
Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sind in Sri
Lanka unter anderem Personen einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausge-
setzt, die verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung gestanden und
sie unterstützt zu haben, die nach der Flucht behördlich gesucht wurden
oder Rückkehrer aus der Schweiz, denen nahe Kontakte zu den LTTE un-
terstellt werden (BVGE 2011/24 E. 8). Solches konnte der Beschwerdefüh-
rer nicht glaubhaft machen. Auch vermag er aufgrund seiner ethnischen
Zugehörigkeit, der mehrjährigen Landesabwesenheit und dem Umstand,
dass er ein Asylgesuch in der Schweiz eingereicht hat, keine Verfolgungs-
gefahr abzuleiten (BVGE 2011/24 E. 9.4). Der Beschwerdeführer weist so-
mit entgegen seiner Ansicht kein Risikoprofil auf. Schliesslich kommen we-
der Massnahmen, die über einen sogenannten "Background check" (Be-
fragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen
noch Personenkontrollen, denen ein Grossteil der tamilischen Bevölkerung
im ganzen Land ausgesetzt sind, aufgrund mangelnder Intensität Verfol-
gungscharakter im Sinne von Art. 3 AsylG zu (Urteil des BVGer E-
5097/2014 vom 20. Oktober 2014 E. 5).
7.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nichts
vorgebracht, das geeignet wäre, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen
oder glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat das zweite Asylgesuch des
Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/24
E-5502/2015
Seite 14
8.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge-
such ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt we-
der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen
Anspruch auf Erteilung einer solchen (BVGE 2009/50 E. 9). Die Vorinstanz
hat die Anordnung der Wegweisung demnach zu Recht verfügt.
9.
9.1 Der Vollzug der Wegweisung ist nach Art. 83 Abs. 3 AuG (SR 142.20)
unzulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Wei-
terreise der Ausländerin in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat
entgegenstehen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33
Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zu-
lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver-
fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe
[FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-
sungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (BVGE 2011/24 E. 10.4).
Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wie-
derholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkeh-
renden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Es
müsse jedoch im Einzelfall eine Risikoeinschätzung vorgenommen werden
(Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013,
Nr. 10466/11, Ziff. 37).
Aus den Aussagen des Beschwerdeführers und den Akten ergeben sich
keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaf-
fung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/24
E-5502/2015
Seite 15
9.2 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AuG unzumutbar
sein, wenn der Ausländer oder die Ausländerin im Heimat- oder Herkunfts-
staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt
und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt.
Der Beschwerdeführer stammt aus B._ (10 km von D._ ent-
fernt, Nordprovinz), mithin nicht aus dem Vanni Gebiet (BVGE 2011/24
E. 12–13). In B._ lebte er im Haus der Familie, zusammen mit sei-
nen Eltern und Schwestern. Er verfügt dort demnach über ein familiäres
und soziales Umfeld. Sodann hat er eine gute Schulausbildung und Be-
rufserfahrungen im Verkauf von E._ (Sri Lanka) und F._
(Schweiz), weshalb ihm zuzumuten ist, bei einer Rückkehr eine neue Exis-
tenz aufzubauen. Gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts stellen blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten jedenfalls
keine existenzbedrohende Situation dar, die gegen die Zumutbarkeit des
Vollzug spricht (statt vieler: Urteil des BVGer E-5508/2013 vom 3. Oktober
2013). Insoweit vermag der Beschwerdeführer weder aus der angeblich
schwierigen finanziellen Situation seiner Familie noch der Dauer des Auf-
enthalts in der Schweiz noch den angeführten Fällen etwas zu seinen
Gunsten abzuleiten. Der Vollzug der Wegweisung ist zumutbar.
9.3 Schliesslich ist der Wegweisungsvollzug auch als möglich (Art. 83 Abs.
2 AuG) zu bezeichnen. Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zu-
ständigen Vertretung seines Heimatlandes die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, BVGE 2008/34
E. 12).
9.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. An diesem Schluss ver-
mögen auch die eingereichten Beweismittel 4 und 5 sowie der auf CD zu-
sammengestellte Länderbericht nichts zu ändern. Die Anordnung einer vor-
läufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG).
10.
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun-
desrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106
Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/24
E-5502/2015
Seite 16
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-
rerenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und, in Anbetracht der um-
fangreichen Beschwerdeschrift sowie der zahlreich zu sichtenden Beweis-
mittel auf insgesamt Fr. 900.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
E-5502/2015
Seite 17