Decision ID: 0cb8716f-8d4b-426f-abb8-44921a0fb230
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am Samstag, 5. September 2009, fuhr X um 02.00 Uhr mit dem Personenwagen
"Peugeot" in S. Bei einer Kontrolle stellte die Polizei bei ihm Alkoholmundgeruch fest.
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Die Blutprobe ergab eine minimale Blutalkoholkonzentration (abgekürzt: BAK) von
1.57 Gew.-‰. Der Führerausweis wurde ihm auf der Stelle abgenommen.
X war der Führerausweis bereits vom 11. Dezember 2004 bis 10. April 2005 wegen
Angetrunkenheit während vier Monaten entzogen. Er hatte damals einen
Personenwagen mit einer BAK von mindestens 1.96 Gew.-‰ gelenkt. Vom 10.
November 2005 bis 9. Februar 2006 war ihm der Führerausweis aufgrund einer am 27.
August 2005 verursachten Auffahrkollision während drei Monaten entzogen.
B.- Das Strassenverkehrsamt eröffnete am 17. September 2009 gegenüber X ein
Verfahren zur Abklärung der Fahreignung, kündigte die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung an und verbot ihm vorsorglich das Führen von
Motorfahrzeugen aller Kategorien. Mit Bussenverfügung des Untersuchungsamts St.
Gallen vom 21. September 2009 wurde X wegen Führens eines Motorfahrzeugs in
fahrunfähigem Zustand zu einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je
Fr. 70.-- und zu einer Busse von Fr. 1'500.-- verurteilt. Das Strassenverkehrsamt
ordnete mit Zwischenverfügung vom 15. Oktober 2009 eine verkehrsmedizinische
Untersuchung im Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen (abgekürzt:
IRM) an.
Im Gutachten vom 4. Januar 2010 kam der Verkehrsmediziner gestützt auf die
Untersuchung vom 20. November 2009 zum Schluss, bei X sei von einer
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchsproblematik mit Suchtgefährdung auszugehen.
Die Fahreignung könne nicht befürwortet werden. Er empfahl eine mindestens
sechsmonatige ärztlich kontrollierte und fachtherapeutisch betreute Alkoholabstinenz.
Mit Verfügung vom 12. Februar 2010 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis bei einer Sperrfrist von zwölf Monaten auf unbestimmte Zeit. Für die
Aufhebung des Entzugs wurde eine kontrollierte und fachlich betreute Alkoholabstinenz
(Arzt und Beratungsstelle) von mindestens sechs Monaten, eine Haaranalyse alle sechs
Monate und eine verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung verlangt. Einem allfälligen
Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
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C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 1. März
2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Rechtsbegehren, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen sei die Verfügung der Vorinstanz in allen Punkten
aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung (Verfügung eines angemessenen,
befristeten Warnungsentzugs) an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dem Rekurs sei die
aufschiebende Wirkung zu erteilen. Das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden
Wirkung wurde vom Abteilungspräsidenten mit Verfügung vom 28. April 2010
abgewiesen. Die Vorinstanz liess sich am 5. Mai 2010 vernehmen.
D.- Am 29. Juni 2010 wurden vom IRM zusätzliche Akten eingeholt. Diese wurden den
Parteien am 13. August 2010 zugestellt. Sowohl der Rekurrent als auch die Vorinstanz
verzichteten auf eine Stellungnahme dazu.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten

wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 1. März 2010 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent macht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. Er rügt, die
angeblichen Messergebnisse für Ethylglucuronid (abgekürzt: ETG) des auswärtigen
Labors in München seien nicht aktenkundig dokumentiert und könnten deshalb nicht
überprüft werden. Aus den Akten geht nicht hervor, dass der Rekurrent im
vorinstanzlichen Verfahren die Herausgabe der oben erwähnten Akten beantragt hat.
Eine Gehörsverletzung liegt deshalb nicht vor. Im Übrigen wurden die entsprechenden
Akten im Rekursverfahren beigezogen und dem Rekurrenten zur Stellungnahme
unterbreitet, wobei er darauf verzichtet hat.
bis
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3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz dem Rekurrenten den Führerausweis
gestützt auf das verkehrsmedizinische Gutachten vom 4. Januar 2010 zu Recht wegen
einer verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchsproblematik mit Suchtgefährdung auf
unbestimmte Zeit entzogen hat.
a) Bestehen Zweifel an der körperlichen oder psychischen Fahreignung eines
Fahrzeugführers, sind medizinische, psychologische oder psychiatrische Abklärungen
vorzunehmen (Art. 11b Abs. 1 lit. a und b der Verordnung über die Zulassung von
Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr, SR 741.51, abgekürzt: VZV). Wird
dabei festgestellt, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Erteilung nicht oder
nicht mehr bestehen, muss der Führerausweis entzogen werden (Art. 16 Abs. 1 SVG).
In diesen Fällen dient der Entzug des Ausweises der Sicherung des Verkehrs vor
ungeeigneten Fahrzeugführern (Sicherungsentzug). Der Entzug wird grundsätzlich auf
unbestimmte Zeit ausgesprochen (Art. 16d Abs. 1 Ingress SVG).
aa) Wegen fehlender Fahreignung wird einer Person der Führerausweis entzogen, wenn
sie an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b
SVG), wie beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit (vgl.
Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl
1999 S. 4462 ff., S. 4491). Die Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht, wenn die
betroffene Person regelmässig so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit
vermindert wird und sie diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den
eigenen Willen nicht zu überwinden oder zu kontrollieren vermag. Der Begriff der
Trunksucht oder der Alkoholabhängigkeit im Sinn des Strassenverkehrsgesetzes ist
nicht identisch mit demjenigen im medizinischen oder gesellschaftlichen Sinn. Art. 16d
Abs. 1 lit. b SVG geht von einem mehr oder weniger lang dauernden, als Sucht zu
bezeichnenden Zustand aus, bei welchem die Gefahr besteht, dass der Betroffene die
Sicherheit des Strassenverkehrs beeinträchtigt, wenn er ein Fahrzeug führt. Dabei ist
nicht erforderlich, dass der Süchtige gerade im Zeitpunkt, da über die Erteilung oder
den Entzug des Führerausweises entschieden wird, fahrunfähig ist; massgebend ist die
potenzielle Gefahr. Immerhin genügt die blosse Möglichkeit einer späteren Gefährdung
nicht. Die Trunksucht muss derart sein, dass der Betroffene mehr als jede andere
Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich ans Steuer eines Fahrzeuges zu setzen in einem
– dauernden oder zeitweiligen – Zustand, der das sichere Führen nicht mehr
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gewährleistet. Nach der Rechtsprechung darf auf fehlende Fahreignung geschlossen
werden, wenn der Fahrzeugführer nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht,
dass er im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt. Dieses
Verständnis der Trunksucht erlaubt es, auch bloss suchtgefährdete Personen, bei
denen aber jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt, vom Strassenverkehr
fernzuhalten (vgl. BGE 129 II 86, E. 4.1 mit Hinweisen), wenn sie das Führen von
Motorfahrzeugen und einen die Fahrfähigkeit beeinträchtigenden Alkoholkonsum nicht
hinreichend sicher trennen können (R. Seeger, Fahreignung und Alkohol, in: Probleme
der Verkehrsmedizin, hrsg. vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich, 1999).
bb) Der Untersuchungsgrundsatz verlangt von der Verwaltung und vom Gericht die
richtige und vollständige Abklärung des massgebenden Sachverhalts, d.h. die
Ermittlung der materiellen Wahrheit (vgl. F. Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2.
Aufl. 1983, S. 207). Je tiefer in den Persönlichkeitsbereich eingegriffen wird, desto
sorgfältiger ist diesem Grundsatz nachzuleben (vgl. R. Schaffhauser, Zur Entwicklung
von Recht und Praxis des Sicherungsentzugs von Führerausweisen, in: AJP 1/1992, S.
17 ff., insbesondere S. 33, N 58). Da ein Sicherungsentzug stark in den
Persönlichkeitsbereich eingreift, ist eine genaue Abklärung der persönlichen
Verhältnisse des Betroffenen in jedem Fall und von Amtes wegen vorzunehmen. Nach
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kommt den - neben den chemischen und
hämatologischen Laborbefunden - für den Nachweis einer Trunksucht erforderlichen
Abklärungen eine besondere Bedeutung zu, wenn ein einziger Blutwert erhöht und
allenfalls grenzwertig ist und wenn gleichzeitig keine Alkoholabhängigkeit gemäss
ICD-10 diagnostiziert wird. Dies muss vor allem dann gelten, wenn sich alle
Laborbefunde im Normbereich bewegen. Unter diesen Umständen ist ein Gutachter
verpflichtet, eine gründliche Prüfung der persönlichen Verhältnisse (Einholen von
Fremdberichten, einlässliche Aufarbeitung der konkreten Trunkenheitsfahrten,
Erforschung der Trinkgewohnheiten und des Trinkmusters des Betroffenen und dessen
subjektive Einstellung dazu) und eine körperliche Untersuchung vorzunehmen, mit
besonderer Berücksichtigung von alkoholbedingten Hautveränderungen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6A.31/2003 vom 4. August 2003, E. 5.2 mit Hinweis auf BGE 129 II 82,
E. 6.2.2). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Haaranalyse eine
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zuverlässige Methode für den Nachweis einer Alkoholproblematik (Urteil des
Bundesgerichts 6A.8/2007 vom 1. Mai 2007).
cc) Die Beweismittel, und damit auch das verkehrsmedizinische Gutachten, unterliegen
der freien richterlichen Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 58 Abs.
1 VRP). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ärztlichen Gutachten
Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar
begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit bestehen (BGE 123 V 331 E. 1c). In Sachfragen weicht das Gericht nur
aus triftigen Gründen von einer gerichtlichen Expertise ab (BGE 133 II 384 E. 4.2.3).
Das gilt auch für verkehrsmedizinische Gutachten.
b) Der Rekurrent macht im Wesentlichen geltend, sowohl die Labor- und Urinwerte als
auch die körperliche Untersuchung hätten keine verkehrsmedizinischen
Besonderheiten ergeben; objektive Anhaltspunkte für eine wirkliche Suchterkrankung
fehlten. Der Hausarzt habe bisher keine Problematik bezüglich Alkohol- oder
Drogenkonsums erkennen können. Die Haaranalyse habe den verhältnismässig tiefen
ETG-Wert von 40 pg/mg im Segment 0-2 cm ab Haut ergeben. Es sei unerklärlich,
weshalb dennoch alle anderen, ebenfalls für diese mittel- bis kurzfristige Zeit
ermittelten Messwerte, negativ seien. Die Messung von ETG im Haar weise eine
Messunsicherheit von +/- 25% auf. Der Wert könne somit auch bloss bei 30 pg/mg
liegen, was gegen einen relevanten Alkoholkonsum sprechen würde. Insbesondere
lasse sich ein Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit auch nicht mit dem zweiten
Ereignis vor rund fünf Jahren begründen; umso weniger, als ein verkehrsrechtliches
Ereignis dazwischen zwar aufgetreten, aber nicht im Zusammenhang mit Alkohol
gestanden habe.
c) aa) Der Verkehrsmediziner gab im Gutachten vom 4. Januar 2010 (act. 8/8) die
Angaben des Rekurrenten zur Krankenvorgeschichte und sozialen Situation, zum
Alkohol sowie zu den FiaZ-Ereignissen wieder.
Der Rekurrent berichtete über Alkoholkonsum etwa ein- bis zweimal pro Woche. Er
trinke dann in einem Restaurant eine bis drei Stangen Bier zum Feierabend. Zu Hause
trinke er nie Alkohol. Etwa ein- bis dreimal im Monat trinke er bis zu fünf Stangen Bier,
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wenn er im "Ausgang" sei. Der letzte Alkoholkonsum habe am 10. September 2009
stattgefunden. Die grösste konsumierte Alkoholmenge in letzter Zeit habe zehn Mal
0.5 Liter Bier betragen. Damals sei er betrunken gewesen und habe am nächsten
Morgen einen "Kater" verspürt. Er habe mit 18 Jahren erstmals Kontakt mit Alkohol
gehabt. Diese Trinkgewohnheiten seien in etwa unverändert geblieben. Phasenweise
habe er aber eine Zunahme des Alkoholkonsums bemerkt, wenn er unter Belastung
stehe, z.B. am Arbeitsplatz oder wegen Problemen mit der Ehefrau. Es seien immer
wieder monatelange Trinkpausen vorgekommen, da er wegen des Arbeitsdrucks keine
Zeit für Alkoholkonsum gehabt habe, viel habe fahren müssen und keine Lust auf
Alkohol gehabt habe.
Im August 2009 habe er Probleme mit seiner Ehefrau gehabt. Er sei darum angespannt
und schnell genervt gewesen. Am 5. September 2009 habe er Alkohol konsumiert. Ein
Kollege habe ihn mit seinem Auto nach W chauffiert. Dort seien sie in ein Restaurant
gegangen. Insgesamt habe er zehn Flaschen Bier getrunken. Daraufhin sei der Kollege
mit dem eigenen Auto weggefahren, um andere Kollegen zu treffen. Er habe auf dessen
Rückkehr gewartet und ihn angerufen, er solle ihn abholen; er sei jedoch nicht
erschienen. Dann sei er selbst wütend geworden und deshalb trotz vorgängigen
Alkoholkonsums gefahren. Nach 200 Metern sei er in eine Polizeikontrolle geraten. Bei
Antritt der Fahrt habe er die Alkoholwirkung wohl gespürt, die Promillezahl aber
niedriger geschätzt. Er habe sich fahrfähig gefühlt. Beim Ereignis im Dezember 2004
sei es ihm Rahmen eines Firmenanlasses zu Alkoholkonsum gekommen. Er sei um
14.30 Uhr nach Hause gefahren. Daraufhin habe ihn ein Kollege angerufen und
dringend gebeten, bei ihm vorbeizukommen. Darum sei er ohne zu überlegen in sein
Auto gestiegen. Als Konsequenz aus dem letzten FiaZ-Ereignis habe er wenige Tage
später den Alkoholkonsum gänzlich eingestellt und sei auch bereit, in Zukunft die
Alkoholabstinenz einzuhalten.
Gegenüber der Polizei und anlässlich der Blutentnahme im IRM gab der Rekurrent an,
er habe vom 4. September 2009, ca. 23.00 Uhr, bis 5. September 2009, 01.55 Uhr, vier
Flaschen Bier à 5 dl getrunken.
Die Angaben des Rekurrenten zur konsumierten Alkoholmenge in der Nacht vor der
Trunkenheitsfahrt waren nur in der Ereignisnacht bagatellisierend. Anlässlich der
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verkehrsmedizinischen Untersuchung gab er sogar eine konsumierte Alkoholmenge an,
welche zu einer massiv höheren BAK geführt hätte. Die Vorbringen zu den normalen
Trinkgewohnheiten stehen aber im Widerspruch zur Trunkenheitsfahrt vom 5.
September 2009, denn die Alkoholisierung war mit 1.57 bis 2.00 Gew.-‰ erheblich. Es
lag ein mittelschwerer Rauschzustand vor. Trotzdem fühlte sich der Rekurrent nur
leicht angetrunken und fahrfähig. Dies deutet auf eine erhebliche Alkoholgewöhnung
hin. Aus der Beurteilung des Verkehrsmediziners geht hervor, bei den beiden FiaZ-
Vorfällen seien hohe BAK-Werte als Ausdruck einer Alkoholgewöhnung infolge eines
normabweichenden Trinkverhaltens festgestellt worden. Es sei von einer
Bagatellisierung der Trinkgewohnheiten auszugehen. Zudem werde der Alkoholkonsum
durch Belastungen beeinflusst, was Zeichen eines psychischen Verlangens zum
Trinken in bestimmten Situationen sei.
Diese Schlussfolgerungen sind ausführlich dargelegt und nachvollziehbar. Daran ändert
auch nichts, dass die angegebenen konsumierten Alkoholmengen vor dem FiaZ-
Ereignis vom 5. September 2009 nicht völlig unrealistisch sind. Bagatellisiert hat er
jedoch den üblichen Alkoholkonsum in den Monaten davor.
bb) Die körperliche Untersuchung sowie die Urin-Untersuchung waren unauffällig. Auch
die Fremdauskunft seitens des Hausarztes ergab keine Hinweise auf eine
Alkoholproblematik. Bei der Blutuntersuchung der alkoholrelevanten Parameter vom
16. November 2009 war einzig der GPT-Wert erhöht, was im Gutachten bezüglich
Alkohol als eher unspezifisch bezeichnet wird.
Dem stehen die Ergebnisse der Haaranalyse gegenüber. Anders als bei der
Laboranalytik zur Überprüfung des Alkoholkonsums anhand der in der Regel aus dem
Blut ermittelten Parameter CDT, GGT, GOT, GPT und MCV, mit welchen der
Alkoholkonsum nicht direkt nachgewiesen werden kann, handelt es sich bei der
forensisch-toxikologischen Haaranalyse auf ETG um eine direkte, beweiskräftige
Analysemethode. ETG ist ein nicht oxydatives Nebenprodukt des Stoffwechsels von
Trinkalkohol. Weil es ein Abbauprodukt von Alkohol ist, belegt dessen Nachweis den
Konsum von Alkohol. Aufgrund des Kopfhaar-Längenwachstums von ca. 1 cm pro
Monat lassen sich Aussagen über den Alkoholkonsum während der entsprechenden
Zeit vor der Haarentnahme machen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.8/2007 vom 1.
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Mai 2007, E. 2.3). Ein positiver ETG-Befund ist stets Beweis für einen zurückliegenden
Alkoholkonsum (A. Th. Nguyen, Fahreignungsbeurteilung mit Hilfe der Haaranalyse auf
Ethylglucuronid, ein Stoffwechselprodukt von Trinkalkohol [Ethanol], Zürich 2008,
S. 22). Eine ETG-Konzentration von mehr als 30 pg/mg Haar deutet auf einen
chronischen exzessiven Alkoholmissbrauch von über 60 g Ethanol/Tag hin. Bei einer
Konzentration zwischen 8 und 30 pg/mg kann ein moderater Alkoholkonsum
angenommen werden. Ein chronischer Alkoholmissbrauch kann jedoch nicht sicher
ausgeschlossen werden. Eine Konzentration von weniger als 8 pg/mg wird im Sinne
einer Alkoholabstinenz oder eines sehr geringen Alkoholkonsums gewertet (Nguyen,
a.a.O., S. 276; vgl. auch www.labkrone.de neues Fenster, unter Analysenverzeichnis/
Ethylglucuronid, aufgesucht im Juli 2010; vgl. auch U. Grimm, Beurteilung der
Fahreignung und Aussagemöglichkeit der Laborparameter, publiziert auf
www.fosumos.ch neues Fenster, unter Referate). Beim Rekurrenten wurde bei der
Haaranalyse ein ETG-Wert von 40 pg/mg (Segment 0–2 cm) ermittelt. Selbst wenn man
eine Messungenauigkeit von +/- 25% und damit bestenfalls einen ETG-Wert von 30 pg/
mg annehmen würde, liegt diese Konzentration nicht mehr im unteren Bereich, wo von
einem geringen Alkoholkonsum gesprochen werden könnte. Vielmehr belegt sie einen
doch beträchtlichen Alkoholkonsum innerhalb der letzten zwei Monate vor dem
Untersuch, also im Zeitraum von September bis November 2009. Bereits eine
Konzentration von 30 pg/mg entspricht einem täglichen Alkoholkonsum von über 60 g
oder 1.5 Litern Bier. Im Gutachten wird dazu ausgeführt, das Analysenergebnis der
Haarprobe spreche für einen regelmässigen und übermässigen Alkoholkonsum im
erfassten Zeitraum. Der Rekurrent habe hingegen von vergleichsweise geringen
moderaten Konsumgewohnheiten berichtet, wobei es aber zu grösseren
Konsummengen (bis fünf Liter Bier) kommen könne. Demzufolge bagatellisiere er seine
Konsumgewohnheiten.
Nach der Fahrt in angetrunkenem Zustand vom 5. September 2009 hat der Rekurrent
die Trinkmenge demnach nicht verringert, sondern in den zwei Monaten bis zum
Untersuch regelmässig und übermässig Alkohol konsumiert. Der Vorfall vermochte den
Rekurrenten also trotz der negativen Folgen (Strafverfahren, Fahreignungsabklärung)
nicht von einer Fortsetzung des Alkoholkonsums abhalten. Seine Behauptung, er habe
wenige Tage nach dem FiaZ-Ereignis den Alkoholkonsum gänzlich eingestellt, wird
durch die nachgewiesene ETG-Konzentration widerlegt. Seit Eröffnung des Verfahrens
http://www.labkrone.de/ http://www.labkrone.de/ http://www.fosumos.ch/ http://www.fosumos.ch/
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zur Abklärung der Fahreignung am 17. September 2009 hat er damit keinerlei
Bemühungen unternommen, eine Abstinenz einzuhalten. Im Weiteren bagatellisiert er
sein Trinkverhalten, indem er angibt, ein- bis zweimal pro Woche eine bis drei Stangen
Bier und ein- bis dreimal pro Monat bis zu fünf Stangen Bier zu trinken. Mit diesen
angegebenen Konsummengen wären keinesfalls ETG-Werte von über 30 pg/mg
erreichbar. Im Urin kann mittels ETG lediglich eine Alkoholabstinenz bis zu fünf Tagen
zuverlässig nachgewiesen werden (vgl. www.labkrone.de neues Fenster, unter
Analysenverzeichnis/Ethylglucuronid). Dasselbe gilt für die Blutwerte GOT, GGT und
CDT. Diese normalisieren sich bei Abstinenz innerhalb weniger Tage. Die unauffälligen
Blut- und Urinwerte stehen damit nicht im Widerspruch zu einem regelmässigen und
übermässigen Alkoholkonsum in der Zeit nach dem FiaZ-Ereignis vom 5. September
2009.
cc) Der Gutachter kommt aufgrund dieser Feststellungen zum Schluss, es sei von
einem verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch auszugehen, der mit Suchtgefährdung
einhergehe. Genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Alkoholabhängigkeit gemäss
ICD-10 bestünden nicht, eine derartige Problematik könne aber auch nicht
ausgeschlossen werden. Die Fahreignung könne nicht befürwortet werden.
dd) Das verkehrsmedizinische Gutachten erscheint nachvollziehbar, widerspruchsfrei
und schlüssig. Beim Rekurrenten konnte ein missbräuchlicher Alkoholkonsum
hinreichend nachgewiesen werden. Auch im Selbstbeurteilungsfragebogen "Audit"
erzielte der Rekurrent einen Punktewert von 9-10 (nicht wie fälschlicherweise im
Gutachten steht von 5-10; act. 15/1); wobei bei mehr als acht Punkten eine
Alkoholabhängigkeit als wahrscheinlich angenommen wird. Er hat sich in fünf Jahren
zwei Trunkenheitsfahrten zu Schulden kommen lassen (11. Dezember 2004 und 5.
September 2009), wobei in beiden Fällen mit minimalen BAK von 1.96 und 1.57 Gew.-
‰ erhebliche Alkoholisierungsgrade vorlagen. Bei beiden Trunkenheitsfahrten konnte
er Trinken und Fahren nicht trennen, weshalb der nachgewiesene missbräuchliche
Alkoholkonsum verkehrsrelevant ist. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
genügt es, dass ein Fahrzeuglenker zum Alkoholmissbrauch neigt (BGE 129 II 82, E.
4.1 mit Hinweisen).
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d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht auf das
verkehrsmedizinische Gutachten vom 4. Januar 2010 abgestellt, die Fahreignung des
Rekurrenten gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG verneint und den Führerausweis auf
unbestimmte Zeit entzogen hat. Es besteht keine mildere Massnahme, mit der
gewährleistet werden könnte, dass der Rekurrent nicht in fahrunfähigem Zustand am
Verkehr teilnimmt. Der damit verbundene Eingriff in die Persönlichkeitssphäre des
Rekurrenten ist angesichts der auf dem Spiel stehenden öffentlichen Interessen der
Sicherheit von Passagieren und anderen Verkehrsteilnehmern erforderlich und
angemessen und liegt nicht zuletzt auch in seinem eigenen, wohlverstandenen
Interesse (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 6A.15/2000 vom 28. Juni 2000, E. 4).
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'700.--, worunter die
Gebühr für den Entscheid hinsichtlich der aufschiebenden Wirkung von Fr. 200.--,
erscheint angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 511 und 522 des Gerichtskostentarifs, sGS
941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- ist zu verrechnen.