Decision ID: ba101c69-da69-4767-bcb9-abd34793080e
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1951, ist seit 21. August 1967 als Pflegeassistentin am
S
pital
Y._
angestellt und
war
in dieser Eigenschaft bei der Unfallversicherung Stadt Zürich gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie am 11. Oktober 2010 beim Umlagern eines Patienten eine Verletzung der rechten Schulter erlitt (
Urk.
9/G01).
Anlässlich der Erstbehandlung vom 8. November 2010 (
Urk.
9/M3) wurde ein subacromiales Schmerzsyndrom der rechten Schulter mit Verdacht auf
eine
Supraspinatussehnenläsion diagnostiziert. Eine bildgebende Untersuchung ergab eine Rotatorenmanschettenruptur, welche am 7. Januar 2011 operiert wurde (
Urk.
9/J10).
Mit Verfügung vom 15. Juli 2011 (
Urk.
9/G10) verneinte die Unfallversicherung Stadt Zürich eine Leistungspflicht für das Ereignis vom 11. Oktober 2010. Die dagegen am
14. September 2011 erhobene (
Urk.
9/J2) und am 20. Oktober 2011 begründete (
Urk.
9/J4) Einsprache wies die Unfallversicherung Stadt Zürich am 9. Mai 2012 ab (
Urk.
9/J7 =
Urk.
2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 9. Mai 2012 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 13. Juni 2012 Beschwerde mit dem
Antrag auf Aufhebung des angefochte
nen Entscheides und Zusprache der
ihr zustehenden
gesetzlichen Leistungen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
2.
Juli 2012 (
Urk.
8) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 26. Oktober 2012 an ihrem Antrag fest (
Urk.
13), ebenso die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 19. November 2012 (
Urk.
16). Dies wurde der Beschwerdeführerin am 26. November 2012 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versi
cherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbe
handlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.3
Nach der Rechts
prechung bezieht sich das Be
griffsmerkmal der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der ä
ussere Faktor allenfalls schwer
wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Le
bensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.4
D
er Bundesrat
hat
in Art. 9 Abs. 2
der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
folgende Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkran
kung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den U
nfällen gleichgestellten Körper
schädigungen ist abschliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
1.5
Hinsichtlich der unfallähnlichen Körperschädigungen hat das Bundesgericht in Fortsetzung der Rechtsprechung zu den Leistungsvoraussetzungen daran festge
halten, dass mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit sämtliche Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs erfüllt sein müssen. Besondere Bedeutung kommt dabei der Voraussetzung eines äusseren Ereignisses zu, also eines ausserhalb des Kör
pers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles. Wo ein solches Ereignis mit Einwirkung auf den Körper nicht stattgefun
den hat, und sei es auch nur als Auslöser eines in Art. 9
Abs.
2 lit. a-h UVV aufgezählten Gesundheitsschadens, liegt eine eindeutig krankheits- oder dege
nerativ bedingte Gesundheitsschädigung vor. Dabei schliesst ein degenerativer Vorzustand eine unfallähnliche Körperverletzung nicht aus, sofern das unfallähnliche Ereignis einen Vorzustand verschlimmert
oder erst manifest werden lässt. Erforderlich und hinreichend für die Bejahung eines äusseren Faktors ist, dass diesem ein gesteigertes Schädigungspotential zukommt, sei es zufolge einer allgemeinen gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Un
kontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führenden Faktors (BGE 129 V 466 E. 4.3).
Kein unfallähnliches Ereignis liegt in all jenen Fällen vor, in denen der äussere Faktor mit dem (erstmaligen) Auftreten der für eine der in Art. 9
Abs.
2 lit. a-h UVV enthaltenen Gesundheitsschäden typischen Schmerzen gleichgesetzt wird. Auch nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors, wenn das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschreiben in der Lage ist; denn für die Bejahung eines äusseren, auf den menschlichen Körper schädigend ein
wirkenden Faktors ist stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gestei
gertes Gefährdungspotential innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein gestei
gerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche Be
tätigungen zutreffen kann. Der äussere Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial ist sodann auch zu bejahen, wenn die in Frage stehende Lebensverrichtung einer mehr als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers, insbesondere seiner Gliedmassen, gleichkommt. Wer hingegen beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Schädigung nach Art. 9
Abs.
2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung berufen.
Erfüllt ist demgegenüber das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, so etwa beim plötzlichen Aufstehen aus der Hocke, bei heftigen und/oder belastenden Bewegungen und bei durch äussere Einflüsse unkontrollierbaren Änderungen der Körperlage (BGE 129 V 466 E. 2.2 und 4.2; Urteil des Bundesgerichts U 94/03 vom 31. Okt
ober 2003
E. 2.1). Dabei kommt es beim Begriffsmerkmal der Plötzlichkeit im Rahmen der unfallähnlichen Körperschädigungen nicht so sehr auf die Dauer einer schädi
genden Einwirkung an, als vielmehr auf ihre Einmaligkeit. Keine unfallähnliche Körperschädigung liegt demgemäss vor, wenn eine Verletzung im Sinne von Art. 9
Abs.
2 lit. a-h UVV ausschliesslich auf wiederholte, im täglichen Leben laufend auftretende Mikrotraumata zurückzuführen ist, welche eine allmähliche Abnützung bewirken und schliesslich zu einem behandlungsbedürftigen
Gesundheitsschaden führen (BGE 116 V 148 E. 2c mit Hinweisen; Alfred Bühler, Die unfallähnliche Körperverletzung, in: SZS 1996 S. 88).
1.
6
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die „Aussagen der ersten Stunde“ ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob sich am 11. Oktober 2010 ein Unfall oder ein unfallähnliches Ereignis ereignet hat und ob dies zu einer Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin führt.
2.2
Die Beschwerdegegnerin führte aus, es sei aufgrund der Aussagen der ersten Stunde davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin beim Umlagern ei
nes Patienten eine Schulterverletzung zugezogen habe.
Erst in der Einsprachebegründung habe sie erwähnt, dass der Patient angeblich 100 kg gewogen habe. Ein ungewöhnlicher äusserer Faktor sei nicht beschrieben worden und das Gewicht des Patienten allein reiche dafür nicht aus, da eine Umlagerung
auch
schwergewichtiger Patienten zu den Routineaufgaben einer Pflegeassistentin gehöre und zudem eine weitere Pflegerin bei der Umlagerung geholfen habe. Auch eine unfallähnliche Körperschädigung sei zu verneinen (
Urk.
2 S. 3 ff.
;
Urk.
16 S. 2 ff.
).
Aktenkundig sei lediglich ein normaler Ablauf einer Patientenmobilisation (
Urk.
8 S. 4).
2.3
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, sie habe zusammen mit einer Arbeits
kollegin am 11. Oktober 201
0
einen nach ihrer Schätzung etwa 100 kg schweren Patienten umgelagert, indem sie ihn gemeinsam nach etwa fünfmali
gem leichten Heben auf die andere Seite gel
agert hätten
. Beim dritten Heben habe sie bemerkt, dass in ihrer rechten Schulter etwas passiert sei und es hätten sich sofort leichte Schmerzen eingestellt. Sie sei zuvor bereits einige Male bei diesem Patienten gewesen, um ihm zu helfen. Weiter sei sein Bett sehr weich gewesen, was die Hochhebebewegun
g und Umlagerung stark erschwert habe
. Zudem sei sie bloss 152 cm gross und das Bett sei eher hoch gestellt gewesen, weshalb sie für die Hebebewegung mehr
Kraft aus dem Schulterbereich habe
aufwenden müssen (
Urk.
1 S. 2-3).
Die Verletzung sei Folge der Umlagerung vom 11. Oktober 201
0
und damit ein unfallähnliches Ereignis (
Urk.
1 S. 4 unten f.). Sie habe das erste Auftreten des Schmerzes eindeutig auf die ruckartige Be
wegung beim Hochheben des Patienten zurückgeführt, während sie zuvor noch nie Schulterschmerzen verspürt habe. Das Hochrücken eines so schweren Pati
enten mittels mehrmaligem Anheben sei keine alltägliche Lebensverrichtung
(
Urk.
1 S. 7 f.). Es
habe sich um
eine gesteigerte Gefahrenlage
gehandelt
(
Urk.
13 S. 6).
3.
3.1
Der Unfallmeldung vom 14. März 2011 (
Urk.
9/G1) für das
Ereignis
vom 11. Oktober 2010 ist hinsi
chtlich der Unfallbeschreibung F
olgendes zu entnehmen: „Umlagern eines MS-Patienten (zusammen mit Arbeitskollegin)“. In der Rubrik „Statistik“ wird bezüglich des Hergangs „unkoordinierte Bewegung“ angegeben, in der Rubrik „Verletzungen“ wird „Schulter rechts Riss“ erwähnt.
Zum Unfallhergang führte die Beschwerdeführerin am 2
2.
April 2011 folgendes aus (
Urk.
9/G5
Ziff.
2): „Beim Umlagern eines MS-Patienten. Ich wollte die Pati
entin ein Stück nach oben heben“.
3.2
Die Ärzte der Schulter- und Ellbogensprechstunde an der
K
linik
Z._
diagnostizierten mit Bericht vom
8.
November 201
0
(
Urk.
9/M3) ein subacromiales Schmerzsyndrom Schulter rechts mit Verdacht auf
eine
Supra
spinatussehnenläsion. Die Beschwerdeführer
i
n berichte, dass sie seit etwa drei
einhalb Wochen unter Schulterschmerzen leide
. Ein Unfallereignis w
e
rd
e
ver
neint. Sie arbeite als Pflegeassistentin und müsse teilweise schwer heben.
3.3
Dr.
med.
A._
, Oberarzt
K
linik
Z._
, diagnostizierte nach Durchführung weiterer bildgebender Untersuchungen eine Rotatorenmanschettenruptur
(
Urk.
9/M4), welche a
m
7.
Januar 2011 operiert
wurde
. Es handle sich um eine unfallähnliche Körperschädigung. Die Beschwerdeführerin habe seit ei
ner Mobilisation eines MS-Patienten Schmerzen in der rechten Schulter und sei vorher beschwerdefrei gewesen. Offenbar habe es aus sprachlichen Gründen ein Missverständnis gegeben und der Fall sei bisher als Krankheit abgewickelt wor
den. Dies sei in der heutigen Sprechstunde aufgefallen (Bericht vom
2.
März 2011;
Urk.
9/M1).
3.4
Mit Bericht vom 1
7.
August 2011 (
Urk.
9/M7) stellten die Ärzte der Abteilung Orthopädie an der
K
linik
Z._
folgende Diagnose (S. 1):
Frozen Shoulder mit und bei:
Schulterarthroskopie, Bicepstenotomie, subacromiale
r
Dekompression, Acromioplastik und Rotatorenmanschettenrekonstruktion rechts am
7.
Januar 2011 bei Supraspinatussehnenruptur transmural, vordere 2/3 mit Bicepstendinopathie Schulter rechts
Die Beschwerdeführerin sei als Pflegeassistentin weiterhin arbeitsunfähig. Die schrittweise Arbeitsaufnahme werde nun empfohlen. Eine Arbeitsunfähigkeit von 60
%
sei bis zum Monatsende attestiert, danach solle ein sukzessiver Auf
bau durch den Hausarzt erfolgen (S. 2).
4.
4.1
Nachdem ein ungewöhnlicher äusserer Faktor
im Sinne von Art. 4 ATSG
weder aktenkundig ist noch geltend gemacht wird, ist davon auszugehen, dass sich am 1
1.
Oktober 2010 kein Unfall im Rechtssinn ereignet hat.
Somit ist die Frage zu prüfen, ob es sich um ein unfallähnliches Ereignis gehandelt hat.
4.2
Die er
littene
Rotatorenmanschettenruptur lässt sich
grundsätzlich
in
die Katego
rie der in
Art. 9 Abs. 2 UVV
genannten
Körperschädigungen einordnen
(vgl. vorstehend E. 1.4
)
.
Zur Frage des sinnfälligen Ereignisses
findet sich folgende Kasuistik:
Bejaht wurde
bei Männern die äussere schädigende Einwirkung beim Aufheben oder Abstellen von Gewichten von 40 bis 50 kg (BGE 116 V 145 E. 4 S. 149) und beim Umlagern eines Heizkörpers von über 5 m Länge und einem Gewicht von über 100 kg von einem Wagen auf einen Arbeitsbock
(nicht publizierte
E. 3b des Urteils BGE 123 V 43; vgl. auch BGE 129 V 466 E. 4.1 S. 468).
Im Urteil U 148/04 vom
2.
Dezember 2004 E. 2.3 hatte das
damalige
Eidgenössische Ver
sicherungsgericht das Anheben und anschliessendes Abdrehen einer
zirka
20 kg schweren Waage durch einen Mann zu beurteilen; es hat erkannt, dass von ei
ner im Rahmen der üblichen Arbeit und unter normalen Bedingungen erfolgten Bewegung auszugehen sei, sodass der äusser
e Faktor infolge fehlenden gestei
gerten
Schädigungspotenzial
s
und somit ein unfallähnliches Ereignis zu vernei
nen sei. Im Urteil 8C_656/2008 vom 1
3.
Februar 2009
(
E. 3.3
)
hat das Bundes
gericht entschieden, beim Heben eines bepackten
zirka
20 kg schweren Koffers durch eine Frau sei ein äusserer Faktor rechtsprechungsgemäss zu verneinen; es fehle an einem gesteigerten Schädigungspotenzial. Zum selben Schluss kam das Bundesgericht auch im Urteil 8C_696/2009 vom 1
2.
November 2009
(
E. 6.2
)
, als es zu entscheiden hatte, ob ein beim Ausziehen eines 25 bis 30 kg schweren Rucksackes erlittener Sehnenriss als unfallähnliche Körperschädigung zu quali
fizieren sei. Gleich entschied das Bundesgericht bei einer Frau, welche bei Umzugsarbeiten eine etwa 15 kg schwere Bücherkiste mit etwas Schwung anhob und dabei starke Schulterschmerzen verspürte (Urteil 8C_867/2009 vom 1
7.
März 2009 E. 3.3). Demgegenüber ist gemäss höchstrichterlicher Rechtspre
chung ein äusserer Faktor zu bejahen beim Anheben eines 15 kg schweren, sperrigen Plastiktisches mit gleichzeitiger Drehbewegung, um diesen auf dem
Rücken zu transportieren (Urteil U 123/04 vom
5.
Juli 2004 E. 3.3)
,
oder beim Aufspringen von einem Bürostuhl aus Freude über
einen günstigen Geschäfts
abschluss
(U 159/06 vom 2
9.
August 2006 E. 3.2).
4.3
Ein
zur Bejahung eines äusseren Faktors notwendiges
gesteigertes Schädigungspotential
im Sinne einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage oder des
Hinzutreten
s
eines
z
ur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führenden Faktors
(vgl. vorstehend E. 1.5
)
ist vorliegend nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben:
Die
Beschwerdeführerin
hat
anlässlich der Frage
der Beschwerdegegnerin
nach dem Unfallhergang
zuerst
nicht
geltend gemacht
, es habe sich um einen 100 kg schweren Patienten gehandelt und sie sei infolge der wiederholten Mobilisation des Patienten,
der
weichen Matratze und ihrer Körpergrösse beim Umlagern z
usätzlich handicapiert gewesen
. Sie hat lediglich - und
obwohl in der Unfallmeldung noch von einer unkoordinierten Bewegung die Rede war
-
das Umlagern und Hochheben
des Patienten
erwähnt. Dies ist i
m Lichte der „Aussagen der erste
n Stunde“ (vgl. vorste
hend E. 1.6
)
zu würdigen, z
umal die Beschwerdeführerin die
nach ihrer Dar
stellung erschwerenden Umstände erst nach Erhalt des Einspracheentscheides und mit
anwaltlicher
Hilfe vorbrachte (vgl.
Urk.
9/J4)
.
Selbst wenn es sich
aber tatsächlich
um einen 100 kg schweren Patienten gehandelt hat und die Körpergrösse der Beschwerdeführerin wie auch die weiche Matratze zu berücksichtigen wäre
n
,
ist festzustellen, dass
das Umlagern von Patienten
egal welchen Gewichts
grundsätzlich zu den üblichen Tätigkeiten einer Pflegefachperson
gehört
.
Die Beschwerdeführerin
gab
selbst
an
, dass das Umlagern der Patienten zu ihren normalen Aufgaben gehört (vgl.
Urk.
1 S. 2).
Weder ist dadurch eine gesteigerte Gefahrenlage gegeben noch wurde dadurch
ein
zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führ
ender Faktor geschaffen
, selbst wenn es sich um einen sehr schweren Patienten gehandelt hat
.
Die
Beschwerdeführerin
hat
das Umlagern
zudem
nicht allein, sondern zusammen mit einer Kollegin
vorgenommen
. Sie hat demnach
um das Gewicht des Patienten gewusst
, ansonsten sie die Umlagerung alleine hätte durchführen können
.
Wie sie beschwerdeweise geltend machte, arbeiten die Pflegepersonen
denn auch
nicht bei jeder Patientenumlagerung zu zweit (vgl.
Urk.
1 S. 3).
Es ist
somit
an
zunehmen, dass sie
auf das Gewicht des Patienten und
die Umstände ihrer eigenen Körpergrösse und der Matratzenqualität vorbereitet war, was sowohl einer gesteigerten Gefahrenlage als auch einer Unkontrollierbarkeit der Handlung entgegensteht.
Darüber hinaus reicht e
inschiessender Schmerz allein - welcher nicht beschrieben wurde - zur Annahme eines unfallähnlichen Ereignisses nicht aus
(vgl. vorstehend E. 1.5
)
.
Es ist
somit
anzunehmen, dass es sich bei
der
in Frage stehende
n
Lebensverrichtung
um
eine physiologisch normale und psy
chologisch beherrschte
Beanspruchung des Körpers
handelte
.
B
erufsbedingt häufige Handlungen
wie das Umlagern von schweren Patientinnen und Patien
ten
sind
jedoch
geeignet, kleinere wiederholte, im täglichen Leben laufend auf
tretende Mikrotraumata zu verursachen, welche eine allmähliche Abnützung bewirken und schliesslich zu einem behandlungsbedürftigen Gesundheitsschaden führen (vgl. vorstehend E.
1.5)
, der nicht auf ein unfallähnliches Ereignis zurückzuführen ist.
4.4
Somit fehlt es an einem äusseren,
ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen
und damit unfallähnlichen
Ereignis.
Damit liegt eine rein
degenerative oder
k
ran
k
heits
bedingte Gesundheitsschädigung vor.
Auf die Einschätzung von
Dr.
A._
, wonach es sich um eine unfallähnliche Körperschädigung gehandelt habe (vgl. vorstehend E. 3.3), kann nicht abgestellt werden, ist die unfallversicherungsrechtliche Beurteilung doch Aufgabe der Rechtsanwendung.
Dr.
A._
leitete seine Schlussfolgerung zudem
offenbar
aus der unfallversicherungsrechtlich unzulässige
n
Annahme ab, wonach die gesundheitliche Schädigung schon dann als durch einen Unfall verursacht gilt, wenn sie nach diesem aufgetreten ist (Formel
„post hoc, ergo propter hoc“).
Die Beschwerdegegnerin hat somit ihre Leistungspflicht zu Recht verneint. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.