Decision ID: 0f7fc545-cdde-55a3-8481-c283bbf27433
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 22. Februar 2011 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 5). Er gab an, in B._ habe er eine Lehre als C._
absolviert; in der Schweiz sei er stets nur als Fabrikmitarbeiter tätig gewesen. Er leide
an psychischen Problemen. Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, von der Klinik E._ berichtete am 9. März 2011 gegenüber dem
RAD-Arzt Dr. med. F._ (IV-act. 24), der Versicherte leide an einer schizophreniformen
Psychose mit zunehmendem Residuum, depressiver Typ. Vom ._ November bis
zum ._ Dezember 2010 sei er in der tagesklinischen Reha der Klinik E._ gewesen;
eine Psychotherapie beanspruche er seit dem 30. Oktober 2010. Im 1. Arbeitsmarkt sei
eine Tätigkeit nicht zumutbar, im geschützten Rahmen könne eine Tätigkeit zu 50%
ausgeübt werden. Die letzte Arbeitgeberin gab am 7. April 2011 an (IV-act. 27), der
Versicherte sei vom 1. Juni 2009 bis zum 30. September 2010 als Schichtführer/
Induktionshärter tätig gewesen; sie habe das Arbeitsverhältnis aus wirtschaftlichen
Gründen gekündigt. Der Beschwerdeführer habe in einem 100%-Pensum gearbeitet
(42 Std. pro Woche). Zuletzt habe er einen Bruttomonatslohn (ohne Schichtzulagen und
Überzeitauszahlung) von Fr. 5'700.-- erhalten (IV-act. 27-9).
A.a.
Am 26. April 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 29)t, aufgrund
seines Gesundheitszustandes seien keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich.
A.b.
Am 30. Mai 2011 berichtete der Hausarzt Dr. med. G._ (IV-act. 32), Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin, der Versicherte leide an wahnhaften Störungen mit
religiösem Wahn und Angststörungen und an einer schizophreniformen Psychose,
Depression mit zunehmendem Residuum. Der Versicherte sei seit dem 1. Oktober 2010
A.c.
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bis auf Weiteres sowohl in der bisherigen als auch in einer behinderungsangepassten
Tätigkeit voll arbeitsunfähig.
Am 10. Juni 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 34), zur medi
zinischen Abklärung erachte sie eine monodisziplinäre (psychiatrische) Begutachtung
als notwendig. Am 23. September 2011 erstattete Dr. med. H._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, sein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 37). Er
gab an, der Versicherte leide mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit an einer
leichten depressiven Episode; diese begründe eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit für jede
in Frage kommende Tätigkeit, wobei während dem Klinikaufenthalt in E._ eine volle
Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe. Keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe
der Status nach einer wahnhaften Störung 1996. Hinweise für psychotische Symptome
seien nicht vorhanden. Der RAD-Arzt Dr. med. I._ notierte am 3. Oktober 2011 (IV-
act. 38), auf das Gutachten von Dr. H._ könne vollumfänglich abgestellt werden. Mit
einem Vorbescheid vom 5. Oktober 2011 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 40 und 41).
A.d.
Am 14. Februar 2012 liess der Versicherte ein Arztzeugnis der Psychiatrischen
Klinik J._ vom 2. Februar 2012 einreichen (IV-act. 50 und 51). Darin war festgehalten
worden, dass der Versicherte vom 6. Dezember 2011 bis zum 2. Februar 2012 in
stationärer Behandlung gewesen sei, während der eine volle Arbeitsunfähigkeit
bestanden habe. Dem Abschlussbericht vom 3. Februar 2012 war zu entnehmen (IV-
act. 58), dass die Fachpersonen der Psychiatrischen Klinik J._ folgende Diagnose
gestellt hatten: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
psychotische Symptome. Sie hatten weiter angegeben, beim Versicherten sei ein guter
Verlauf beobachtet worden. Die depressive Episode befinde sich in Teilremission; bei
einer fortgeführten Behandlung der Depression sei eine teilweise Wiederherstellung der
Arbeitsfähigkeit denkbar. Der RAD-Arzt Dr. I._ notierte am 8. Juni 2012 (IV-act. 59),
beim Versicherten sei im Dezember 2011 eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes eingetreten. Offen sei der aktuelle Stand respektive wie lange
sich die Verschlechterung auswirke. Am 27. Februar 2012 berichteten Dr. med. K._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und Dr. D._ von der Klinik E._
(IV-act. 66), der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit
intermittierenden religiösen Wahnideen im Rahmen der schweren depressiven
A.e.
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Episoden. In der bisherigen Tätigkeit sei er voll arbeitsunfähig. Am 7. Dezember 2012
berichteten die Fachärzte von einem stationären Gesundheitszustand (IV-act. 70). Am
14. März 2013 hielt der RAD-Arzt Dr. F._ fest (IV-act. 74), aufgrund der neuen
Berichte sei eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung durchzuführen.
Am 20. September 2013 erstellte Dr. H._ sein psychiatrisches Verlaufsgutachten
(IV-act. 82). Er führte aus, der Versicherte habe in der Hamilton Depressionsskala
praktisch die gleiche Punktzahl erreicht wie bei der letzten Untersuchung. Weil die
mindestens leichte depressive Episode seit längerer Zeit bestehe, müsse nach ICD-10
die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gestellt werden. Die
rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leichter depressiver Episode
begründe höchstens eine 30%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für alle in Frage
kommenden Tätigkeiten. Die neuropsychologische Abklärung durch Dr. phil. L._ vom
8. September 2013 (vgl. IV-act.82-38 ff.) ergab bei einer möglichen 100% Präsenzzeit
(8.5 Stunden pro Tag) eine 10%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Dr. L._
begründete die Leistungsverminderung mit einer knapp altersdurchschnittlichen
Arbeitsgeschwindigkeit. Er führte aus, eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sei
ohne Betreuung möglich; eine ideal adaptierte Tätigkeit sei überschaubar und klar
geregelt, repetitiv gestaltet und weise einen leicht verminderten Produktionsdruck auf.
Der RAD-Arzt Dr. F._ notierte am 3. Oktober 2013 (IV-act. 83), auf das Gutachten von
Dr. H._ könne abgestellt werden. Am 3. Dezember 2013 verfügte die IV-Stelle die
Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 91).
A.f.
Am 17. Januar 2014 liess der Versicherte beim Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen Beschwerde gegen die Verfügung vom 3. Dezember 2013 erheben und die
Ausrichtung einer ganzen Rente beantragen (IV-act. 93). Die Beschwerdegegnerin
beantragte am 17. März 2014 die Abweisung der Beschwerde (IV-act. 98). Mit einem
Entscheid vom 18. November 2016 (IV 2014/38) hob das Versicherungsgericht die
Verfügung vom 3. Dezember 2013 auf; es wies die Sache zur weiteren Abklärung und
zur anschliessenden Neuverfügung im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle zurück
(IV-act. 115). Zur Begründung führte es aus, dass weder die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Psychiater noch diejenige von Dr.
H._ überzeugten. Dr. H._ habe nicht begründet, wieso die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers wegen der leichten depressiven Störung in jeglicher in Frage
A.g.
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kommenden Tätigkeit um 30% eingeschränkt sei. Auch sei nicht nachvollziehbar,
weshalb eine leichte Depression auch in einer adaptierten Hilfsarbeit eine erhebliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30% zur Folge habe. Weiter divergierten die
von Dr. H._ erhobenen Befunde mit denjenigen des neuropsychologischen
Gutachters. Und letztlich seien sowohl Dr. H._ als auch der neuropsychologische
Gutachter von einer einfachen Hilfsarbeit (Maschinenbediener) als angestammte
Tätigkeit ausgegangen, obwohl der Versicherte zuletzt als Schichtführer eine
verantwortungsvolle Leitungsfunktion ausgeübt habe. Diese Tätigkeit als Schichtführer
sei aber nicht mit den Adaptionskriterien des neuropsychologischen Gutachters
vereinbar. Daher sei eine psychiatrische Neubegutachtung notwendig, die sich
insbesondere auch mit dem Verlauf der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
als Schichtführer/Induktionshärter sowie in einer adaptierten Tätigkeit ab 2010 zu
befassen habe.
Am 7. März 2017 berichtete der Hausarzt Dr. G._ (IV-act. 129), der Versicherte
leide an wahnhaften Störungen mit religiösem Wahn (diagnostiziert in der
psychiatrischen Klinik M._ im Jahr 1996), an einer schizophreniformen Psychose,
Depression Typ mit zunehmendem Residuum, und an einer sozialen Isolation. Nach
wie vor sei er in der angestammten Tätigkeit voll arbeitsunfähig. Am 7. Juni 2017 gaben
die Fachärzte der Klinik E._ an (IV-act. 140), sie hätten beim Versicherten eine
schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv, diagnostiziert; der Versicherte sei seit
dem 2. November 2010 voll arbeitsunfähig.
A.h.
Am 9. Oktober 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 154), zur
Klärung der Leistungsansprüche sei eine psychiatrische Untersuchung notwendig. Dr.
med. N._ erstattete am 19. Juli 2018 ein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 162). Sie
gab an, sie habe folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
erhoben: Schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv, DD: rezidivierende
depressive Störung intermittierend schwer ausgeprägt mit psychotischer Symptomatik.
In den Untersuchungen habe der Versicherte primär depressiv gestimmt imponiert; die
Kardinalsymptome einer Depression seien deutlich ausgewiesen gewesen:
Energielosigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit, depressive Grundstimmung sowie
Interessensverlust. Der Antrieb sei herabgesetzt und das Selbstvertrauen sei
beeinträchtigt gewesen. Die rezidivierende depressive Phase bestehe seit Jahren. Der
A.i.
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Versicherte weise auch Ich-Störungen im Sinne einer Derealisation und
Depersonalisation auf; er habe angegeben, Lichtsignale zu empfangen bzw. das Gefühl
zu haben, dass seine Seele aus dem Körper hinaustrete. Der Versicherte habe
eindeutig depressiv imponiert; die psychotische Symptomatik sei anamnestisch
beschrieben worden, habe aber zum Begutachtungszeitpunkt nicht florid vorgelegen.
Die gutachterliche Konsistenzprüfung habe Hinweise auf Inkonsistenzen ergeben. Der
Versicherte habe teilweise Beschwerden vage geschildert und im Rahmen der
Exploration demonstrativ leidend gewirkt. Eventuell lägen eine Symptomausweitung
und eine langjährige Dekonditionierung vor. Weitere Diskrepanzen fänden sich bei den
Laborwerten; der Medikamentenspiegel sei weitgehend herabgesetzt nachweisbar und
nicht im empfohlenen Bereich gewesen. Zusammenfassend könne davon ausgegangen
werden, dass der Versicherte schon längst ein chronifiziertes Zustandsbild aufweise,
weshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit 2011 eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bestehe. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als C._ sei der
Versicherte seit ca. 2013 als arbeitsunfähig anzusehen. Auch in einer
leidensadaptierten Tätigkeit bestehe seit 2013 keine Restarbeitsfähigkeit mehr.
Lediglich im geschützten Rahmen sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit gegeben. Auf
Nachfrage der IV-Stelle ergänzte Dr. N._ am 24. Dezember 2018 ihr psychiatrisches
Gutachten (IV-act. 172), wobei sie im Wesentlichen die bereits gemachten
Ausführungen wiederholte. Am 7. Januar 2019 hielt der RAD-Arzt Dr. med. O._ fest
(IV-act. 173), auch nach der Rückfrage an die Gutachter sei eine schizoaffektive
Störung nicht überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen. Die Inkonsistenzen und
Diskrepanzen seien nicht ausgeräumt worden.
Am 24. April 2019 berichtete der Hausarzt Dr. G._ von unveränderten Diagnosen
(IV-act. 184). Er gab an, es bestehe eine anhaltende volle Arbeitsunfähigkeit. Auch die
behandelnden Psychiater der Klinik E._ gaben am 24. April 2019 (IV-act. 186) einen
unveränderten Verlauf der depressiven Symptomatik seit 2018 an. Unter etablierter
antipsychotischer Behandlung habe der Versicherte keine psychotischen Symptome
aufgewiesen.
A.j.
Am 21. Juni 2019 vermerkte Dr. O._, dass ein psychiatrisches Obergutachten
notwendig sei (IV-act. 193). Am 24. Oktober 2019 erstattete Dr. med. P._ sein
A.k.
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Er führte aus, einige Inkonsistenzen würden auf eine mässige Authentizität des
präsentierten Beschwerdebildes hindeuten; dies sei jedoch nicht derart krass
ausgeprägt, dass eine Simulation vorliege. Es liege ein abnormes Krankheitsverhalten
vor, weil der Versicherte mit den diagnostizierten Störungen in maladaptiver Weise
umgehe. Somit müsse der Schluss gezogen werden, dass das voll invalidisierende
Störungsbild - im Gegensatz zu den früheren depressiven Episoden - nur einen
mässigen Schweregrad aufweise. Ein wesentlicher Teil der beruflichen Untätigkeit lasse
sich auf das abnorme Krankheitsverhalten zurückführen, ein weiterer Teil auf die IV-
fremden Elemente wie schlechte schulische und berufliche Voraussetzungen, Sprach-
und Mentalitätsbarrieren, missliche familiäre Situation mit Scheidung und Rollenverlust,
Alimentenverpflichtungen, hohe Schulden und ungünstige Mentalität mit passiver
Heilserwartung bei bescheidener Intelligenz. Da der Versicherte die 5 3⁄4 Stunden der
gutachterlichen Untersuchung plus die An- und Rückreise ohne sichtbare
psychiatrisches Obergutachten (IV-act. 198). Er gab an, folgende Diagnosen erhoben
zu haben:
Rezidivierende depressive Störung (F32) mit–
Status nach schwerer, depressiver Episode mit psychotischen Symptomen–
Status nach schwerer, depressiver Episode ohne psychotische Symptome–
Aktuell Dysthymia (F34.1) resp. depressive Begleitverstimmung zu anhaltender
somatoformer Schmerzstörung (F45.4) mit abnormem Krankheitsverhalten
–
Akzentuierte Persönlichkeit mit sensitiv-paranoischen und ängstlich-vermeidenden
Zügen (Z73.1)
–
Lernbehinderung (F81.3)–
Status nach Nasenoperation bei Septumdeviation mit persistierender
Atembehinderung
–
Verdacht auf obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS)–
Multiple Allergien–
Vegetative Hyperlabilität mit situativ bedingter Blutdruckerhöhung–
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Erschöpfungszeichen überstanden habe, könne in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit von
einer zumutbaren Präsenzzeit in der Grössenordnung von 6 Stunden ausgegangen
werden. Dabei bestehe aufgrund der gehobenen geistigen Beanspruchung eine
20%ige Leistungseinschränkung. Somit ergebe sich eine zumutbare Arbeitsfähigkeit
von 50 bis 60%, wobei in Anbetracht der psychophysischen Dekonditionierung der
tiefere Wert initial wohl realistischer sei. Zum zeitlichen Verlauf führte der Gutachter
Folgendes aus: "In Übereinstimmung mit der Einschätzung des Exploranden kann
davon ausgegangen werden, dass der Verlauf seit der letzten Hospitalisation von 2012
ein mehrheitlich stabiler war (mit horizontaler Verlaufskurve des Leistungsvermögens).
(Uneinigkeit besteht eher bezüglich des konkreten prozentualen
Arbeitsfähigkeitsgrades!). In den letzten zwei bis drei Jahren scheint sogar noch eine
gewisse zusätzliche Stabilisierung und damit relative Verbesserung eingetreten zu
sein." Bezüglich einer angepassten Tätigkeit führte der Gutachter aus, dass diese
weder körperlich noch psychomental höhere Ansprüche an Kondition, Denkvermögen
und Selbständigkeit stellen dürfe. Die Tätigkeit müsse also ein hohes Mass an
Routineanteilen enthalten, auch dürften keine hohen Anforderungen an die
Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit des Exploranden gestellt werden.
Zwangshaltungen und übermässige Beanspruchungen von Nacken und Schultergürtel
seien zu vermeiden. Ein reizarmes Klima sei zu bevorzugen. Aufgrund des
hochexpressiven Ausdrucksverhaltens bezüglich Missbefindlichkeiten sei eine gewisse
Toleranz von Seiten der Leitung und der Mitarbeiterschaft erforderlich. Auch hier sei
eine Präsenz von 6 Stunden pro Tag zumutbar, wobei eine 10%ige
Leistungseinschränkung bestehe. Damit errechne sich für adaptierte Tätigkeiten eine
zumutbare Arbeitsfähigkeit von zumindest 60%, was durch Beseitigung der
Dekonditionierung mit zunehmender Routinisierung allenfalls noch steigerbar sei (bis
max. 70%). Der RAD-Arzt Dr. O._ kam am 8. November 2019 zum Schluss (IV-act.
202), auf das psychiatrische Gutachten von Dr. P._ könne abgestellt werden.
A.l. Mit einem Vorbescheid vom 11. Dezember 2019 kündigte die IV-Stelle dem
Beschwerdeführer an (IV-act. 206), sie beabsichtige ihm infolge eines Invaliditätsgrades
von 40% ab dem 1. Oktober 2011 eine Viertelsrente auszurichten. Am 30. Januar 2020
liess der Beschwerdeführer einwenden (IV-act. 209), ihm sei ab Oktober 2011
mindestens eine halbe Rente zuzusprechen. Eventualiter sei vorerst eine
neuropsychologische Begutachtung durchzuführen. Zur Begründung führte er im
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Wesentlichen aus, der Gutachter Dr. P._ lege seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
"einfach die Tatsache zugrunde, dass der Versicherte die gutachterliche Untersuchung
ohne sichtbare Erschöpfungszeichen überstanden habe. Es könne deshalb von einer
Präsenzzeit von bis 6 Stunden ausgegangen werde. Dies bei einer reduzierten
Leistungsfähigkeit von (mindestens initial) 20%. Deshalb sei medizinisch-theoretisch
von einer Arbeitsfähigkeit angestammt von 50% auszugehen". Grundsätzlich werde
eine Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestritten. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung für die angestammte Tätigkeit sei insgesamt nicht
nachvollziehbar. Auch stehe die Umschreibung einer adaptierten Tätigkeit in einem
Widerspruch zu den Anforderungen an die angestammte Tätigkeit als Schichtführer.
Weiter sei neben einem Teilzeitabzug auch ein "Leidensabzug" vorzunehmen. Am 30.
April 2020 hielt ein Mitarbeiter der IV-Stelle fest (IV-act. 211), dass die Einwände des
Versicherten bezüglich der gutachterlichen Einschätzung zur angestammten
beruflichen Tätigkeiten stichhaltig schienen. Aus juristischer Sicht werde daher
empfohlen, auf die adaptierte Arbeitsfähigkeit abzustellen. Am 19. Juni 2020 verfügte
die IV-Stelle bei einem IV-Grad von 40% die Ausrichtung einer Viertelsrente ab dem 1.
Oktober 2011 (IV-act. 218 f.; in zwei Verfügungen aufgeteilt, da sich die Rentenbeträge
aufgrund der Ehescheidung ab dem 1. April 2015 änderten).
B.
B.a. Am 25. August 2020 liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
Beschwerde gegen die Verfügungen vom 19. Juni 2020 erheben (act. G 1). Er
beantragte deren Aufhebung und die Zusprache mindestens einer halben Rente ab
Oktober 2011. Eventualiter seien die Verfügungen aufzuheben und vorerst sei
zusätzlich eine neuropsychologische Begutachtung anzuordnen und durchzuführen. Er
führte ergänzend zu den bereits erhobenen Einwänden aus, die Kriterien, die eine
adaptierte Tätigkeit erfüllen müsse, seien nicht mit den Anforderungen an die
angestammte Tätigkeit als Schichtführer vereinbar. Im Einkommensvergleich sei mit
einer adaptierten Arbeitsfähigkeit von höchstens 60% und nicht von 70% zu rechnen.
B.b. Am 12. Oktober 2020 beantragte die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, das
Versicherungsgericht habe sie im Rückweisungsentscheid vom 18. November 2016 (IV
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2014/38) nicht angewiesen, eine zusätzliche neuropsychologische Begutachtung
durchzuführen. Der Beschwerdeführer sei in der Lage, seine Dekonditionierung selber
zu überwinden, weshalb auf eine mögliche Arbeitsfähigkeit von 70% für eine adaptierte
Tätigkeit abgestellt werden könne. Das Gutachten sei, wie auch der RAD festgestellt
habe, schlüssig; auf es könne abgestellt werden. Ein "Leidensabzug" sei nicht
vorzunehmen, da der Beschwerdeführer auch körperlich mittelschwere Tätigkeiten
ausführen könne und die gesundheitlichen Einschränkungen in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung für adaptierte Tätigkeiten bereits hinreichend berücksichtigt
worden seien. Auch ein Teilzeitabzug sei nicht angebracht.
B.c. In der Replik vom 14. Dezember 2020 liess der Beschwerdeführer an seinen
Beschwerdeanträgen festhalten (act. G 10). Ergänzend führte er aus, bezüglich der
Arbeitsfähigkeitsschätzung für die angestammte Tätigkeit dürfe aus einer 5 3⁄4-
stündigen gutachterlichen Untersuchung ohne sichtbare Erschöpfungszeichen nicht die
zumutbare Präsenzzeit in der angestammten Tätigkeit "in der Grössenordnung von 6
Stunden" abgeleitet werden. Die angestammte Tätigkeit als Schichtleiter könne nicht
verglichen werden mit einem Setting bei einem Gutachter während knapp sechs
Stunden (unterbrochen durch eine 1.5-stündige Mittagspause). Insgesamt seien die
Widersprüche im Gutachten derart gravierend, dass nicht darauf abgestellt werden
könne. Auch habe sich die Schlafapnoe verschlechtert, was aus dem Bericht der
ResMed vom 2. November 2020 (act. 10.1) hervorgehe. Aufgrund der Lernbehinderung
des Beschwerdeführers rechtfertige sich die eventualiter beantragte
neuropsychologische Begutachtung.
B.d. Am 22. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer folgende Arztberichte ein:
Bericht von Dr. med. Q._, Facharzt für Pneumologie und Allgemeine Innere Medizin,
vom 26. November 2020 (act. G 12.1), und Arbeitsunfähigkeitszeugnis von Dr. G._
vom 27. Mai 2019 (act. G 12.2). Dr. Q._ hatte angegeben, dass eine obstruktive
Schlafapnoe vorliege. Dr. G._ hatte den Versicherten am 27. Mai 2019 vom 1. Januar
2012 bis 31. Mai 2019 voll arbeitsunfähig geschrieben.
B.e. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 14).
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Erwägungen
1.
2.
Eine versicherte Person hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
1.1.
Für die Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens kommt
den Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit in der
Regel eine zentrale Rolle zu. Zur Klärung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit hat die
Beschwerdegegnerin zuerst ein Gutachten und dann ein Verlaufsgutachten bei Dr.
H._ eingeholt; die darin abgegebenen Arbeitsfähigkeitsschätzungen haben jedoch
gemäss dem Entscheid des Versicherungsgerichts vom 18. November 2016 (IV
2014/38) nicht überzeugt. Gemäss den Vorgaben des Versicherungsgerichts hat die
Beschwerdegegnerin dann ein neues psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben.
Das entsprechende Gutachten von Dr. N._ hat jedoch der überzeugenden und
nachvollziehbaren Prüfung durch den RAD (vgl. IV-act. 173) aus medizinischer Sicht
nicht standgehalten. Daraufhin hat die Beschwerdegegnerin ein psychiatrisches
Gutachten bei Dr. P._ eingeholt. Auf dieses Gutachten hat die Beschwerdegegnerin
bei der Bemessung des Invaliditätsgrades abgestellt. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die
von Dr. P._ angegebene Arbeitsfähigkeit mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegt ist.
1.2.
Als Erstes ist zu prüfen, ob das Gutachten von Dr. P._ die vom Bundesgericht
vorgegebenen Anforderungen an ein medizinisches Gutachten erfüllt. Ein Gutachten
hat einen ausreichenden Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange umfassend ist,
2.1.
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auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation
einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 125 V 351,
E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die vom Bundesgericht
in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare
psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen Erkrankungen,
insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen, anwendbar erklärten
Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143 V 409 und 143 V 418).
Dr. P._ hat die relevanten Vorakten gewürdigt, den Beschwerdeführer persönlich
untersucht und dessen subjektive Klagen aufgenommen und im Rahmen der
Anamnese und der objektiven Befunderhebung die entsprechenden Ergebnisse
festgehalten. Anschliessend hat Dr. P._ die objektiven Befunde in ihrer Art und
Schwere gewürdigt und die Herleitung seiner erhobenen Diagnosen überzeugend
geschildert. Weiter hat er sich mit den bisherigen Behandlungen auseinandergesetzt,
zur Konsistenz und Plausibilität Stellung genommen und die verbleibenden Ressourcen
aufgezeigt. Abschliessend hat er Arbeitsfähigkeitsschätzungen sowohl für die
angestammte als auch für eine leidensadaptierte Tätigkeit abgegeben. Der RAD-Arzt
hat die von Dr. P._ erhobenen Diagnosen als überzeugend erachtet (RAD-
Stellungnahme vom 8. November 2019, IV-act. 202). Daran vermögen die neu
eingereichten Berichte (act. G 10.1 und 12.1) keine Zweifel zu wecken, da sie sich
insbesondere mit der Schlafapnoe befassen, die jedoch nach der medizinischen
Erfahrung so gut therapierbar ist, dass sie keine Arbeitsunfähigkeit bewirkt. Aus rein
medizinischer Sicht vermag das jüngste Gutachten von Dr. P._ also, anders als die
vorangehenden Gutachten, zu überzeugen, d.h. der rein medizinische Sachverhalt
steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest.
2.2.
Zu prüfen bleibt, ob die von Dr. P._ für die angestammte und insbesondere für
eine behinderungsadaptierte Erwerbstätigkeit abgegebenen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen zu überzeugen vermögen. Dr. P._ hat in seinem
Gutachten ausgeführt, dem Beschwerdeführer sei sowohl in der angestammten als
auch in einer adaptierten Tätigkeit eine Präsenzzeit von sechs Stunden pro Tag
möglich. Er hat dies allerdings nur damit begründet, dass der Beschwerdeführer der 5
3⁄4 Stunden (plus An- und Rückreise) dauernden Untersuchung ohne sichtbare
Erschöpfungszeichen habe folgen können. Bei der angestammten Tätigkeit hat Dr.
P._ eine zusätzliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit von ca. 20%, bei einer
adaptierten Tätigkeit eine zusätzliche Einschränkung von 10% angegeben. Diese
2.3.
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Methode der Festsetzung der möglichen Präsenzzeit für berufliche Tätigkeiten und
damit der Arbeitsfähigkeit kann nicht überzeugen, denn die gutachterliche
Untersuchung hat zufällig rund sechs Stunden (effektiv aufgrund der Mittagspause
wohl sogar deutlich weniger als sechs Stunden) betragen; daraus kann offensichtlich
nicht auf eine gleich hohe mögliche Präsenzzeit in jeder beruflichen Tätigkeit
geschlossen werden. Vielleicht hätte der Beschwerdeführer auch einer achtstündigen
Begutachtung ohne Erschöpfung folgen können, sodass Dr. P._ wohl von einer
annähernd 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen wäre. Wie der Beschwerdeführer
zu Recht moniert hat, kann eine Begutachtungssituation, also eine ruhige, geordnete
Situation in einem weitgehend geschützten Rahmen, nicht mit einer beruflichen
Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt und schon gar nicht mit der angestammten
Tätigkeit als Schichtführer mit deren erhöhten Anforderungen an die Kommunikations-
und Kooperationsfähigkeit, die Stressresistenz usw. verglichen werden. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen gestützt auf die Begutachtungsdauer können demnach
nicht überzeugen. Weiter hat Dr. P._ nicht überzeugend dargelegt, warum zusätzliche
Leistungseinschränkungen von 20% für die angestammte und von 10% für eine
adaptierte Tätigkeit bestehen. Bei der angestammten Tätigkeit hat er lediglich
vermerkt, dass aufgrund der höheren geistigen Beanspruchung wohl grössere
Abstriche gemacht werden müssten, wobei er nicht angegeben hat, worin diese
Abstriche bestehen würden. Zur Leistungseinschränkung in adaptierten Tätigkeiten
fehlt gar jede Begründung. Demnach besteht ein Bedarf nach einer
Begründungsergänzung betreffend die Arbeitsfähigkeitsschätzungen für die
angestammte und für eine adaptierte Erwerbstätigkeit.
Dr. P._ hat für eine adaptierte Tätigkeit festgehalten, diese dürfe weder
körperlich noch psychomental höhere Ansprüche an die Kondition, das Denkvermögen
und die Selbständigkeit sowie keine hohen Anforderungen an die Kommunikations-
und Kooperationsfähigkeit des Beschwerdeführers stellen. Sie müsse also ein hohes
Mass an Routinearbeiten enthalten. Zu vermeiden seien Zwangshaltungen und
übermässige Beanspruchungen von Nacken und Schultergürtel. Ein eher reizarmes
Klima sei angesichts der sensitiven und angstbereiten Grundkonstitution zu
bevorzugen. Im Hinblick auf das hochexpressive Ausdrucksverhalten des
Beschwerdeführers bezüglich Missbefindlichkeiten sei unter Umständen eine gewisse
Toleranz von Seiten der Leitung und der Mitarbeiterschaft vonnöten. Aufgrund dieser
Adaptionskriterien ist dem Beschwerdeführer die angestammte Erwerbstätigkeit
offensichtlich nicht mehr zumutbar. Die Adaptionskriterien sind nämlich nicht vereinbar
mit der Tätigkeit als Schichtführer, bei der u. a. Qualitätssicherung, Planung,
Organisation und Koordination und damit Selbständigkeit sowie
2.4.
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Kommunikationsfähigkeit notwendig sind. Es wird also noch ergänzend zu erklären
sein, weshalb trotz der nicht erfüllten Adaptionskriterien eine Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Schichtführer gegeben sein soll.
Der Beschwerdeführer hat sich im Februar 2011 zum Rentenbezug angemeldet.
Seit dem 30. Oktober 2010 ist er aufgrund der durch die behandelnden Ärzte
attestierten Psychose als Schichtführer beim letzten Arbeitgeber durchschnittlich zu
mehr als 40% arbeitsunfähig gewesen (IV-act. 24-1 und 26-1). Unter der
Berücksichtigung des sogenannten Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG und der
sechsmonatigen Frist nach Art. 29 Abs. 1 IVG ist der potentielle Rentenbeginn auf den
Oktober 2011 festzusetzen. Die Angaben von Dr. P._ zum retrospektiven Verlauf der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sind sowohl für die angestammte als auch für
die adaptierte Tätigkeit unzureichend. Dr. P._ hätte für die Zeit ab dem 1. Oktober
2011 (potentieller Rentenbeginn) den Verlauf der Arbeitsfähigkeiten genau angeben
müssen. Er hat jedoch bezüglich der angestammten Tätigkeit lediglich ausgeführt, die
Arbeitsfähigkeit sei seit der letzten Hospitalisation von 2012 mehrheitlich stabil
gewesen. In den letzten zwei bis drei Jahren sei noch eine gewisse zusätzliche
Stabilisierung und damit eine relative Verbesserung eingetreten. Ähnlich vage sind die
Angaben bei der Arbeitsfähigkeitsfähigkeitsschätzung für eine adaptierte Tätigkeit. Dr.
P._ hat auf einen horizontalen Verlauf der Leistungskurve seit der letzten
Hospitalisation 2011/2012 hingewiesen hat und gleichzeitig eine tendenzielle
Verbesserung in den letzten zwei bis drei Jahren angegeben. Trotz der erwähnten
"relativen" bzw. "tendenziellen" Verbesserung hat Dr. P._ keine Veränderung der
Arbeitsfähigkeit angegeben, obwohl aufgrund des mutmasslich verbesserten
Gesundheitszustandes auch eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten gewesen
wäre. Die retrospektiven Arbeitsfähigkeitsschätzungen sind also noch zu präzisieren
und ergänzend zu begründen. Insbesondere ist zu klären, weshalb Dr. P._ von einer
gleichbleibenden Arbeitsunfähigkeit ausgegangen ist, obwohl er gleichzeitig eine
tendenzielle bzw. relative Verbesserung der Leistungskurve angegeben hat.
2.5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Gutachten von Dr. P._ aus
medizinischer Sicht überzeugt, sodass auf den erhobenen medizinischen Sachverhalt,
d.h. auf die Diagnosen und die damit verbundenen Symptome abzustellen ist.
Hingegen überzeugt die (rückwirkende und aktuelle) Arbeitsfähigkeitsschätzung sowohl
für die angestammte als auch für eine adaptierte Tätigkeit nicht. Die
Beschwerdegegnerin hat den Sachverhalt also nicht ausreichend abgeklärt, indem sie
Dr. P._ nicht im Rahmen des mit den angefochtenen Verfügungen abgeschlossenen
Verwaltungsverfahrens aufgefordert hat, die Begründung seiner
2.6.
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3.
Arbeitsfähigkeitsschätzungen so zu ergänzen, dass diese widerspruchslos und
nachvollziehbar ist. Die angefochtene Verfügung ist damit in Verletzung der
Untersuchungspflicht bzw. des massgebenden Beweismasses ergangen; sie muss
folglich aufgehoben werden. Da es nicht die Sache des Versicherungsgerichtes sein
kann, die ureigenste Aufgabe der Beschwerdegegnerin – die Sachverhaltsabklärung –
zu übernehmen, muss die Sache zur Ergänzung des Gutachtens von Dr. P._ im Sinne
der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden. Die
verfahrensökonomisch sinnvollste Vorgehensweise dürfte darin bestehen, bei Dr. P._
eine Präzisierung bzw. Ergänzung seiner Begründung für die angegebenen aktuellen
Arbeitsfähigkeiten in der angestammten Tätigkeit als Schichtführer und in einer
behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit und ebenso für die massgebende Zeit in der
Vergangenheit einzuholen. Nach der Auffassung des Bundesgerichts ist die
Rückweisung in einem solchen Fall zulässig (vgl. BGE 137 V 264, E. 4.4.1.4, laut dem
eine Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen werden kann, wenn lediglich eine
Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung der gutachtlichen Ausführungen erforderlich
ist; vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts vom 15. November 2019, 8C_525/2019,
E. 3.3).
Demnach sind die beiden angefochtenen Verfügungen aufzuheben und die Sache
ist im Sinne der Erwägungen zur Sachverhaltsergänzung und zur anschliessenden
neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
2.7.
Das Gericht ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden. Es kann eine
Verfügung zu Ungunsten der Beschwerde führenden Partei ändern. Den Parteien ist
vorher die Gelegenheit zur Stellungnahme sowie zum Rückzug der Beschwerde zu
geben (Art. 61 lit. d ATSG). Die st.gallische Praxis zu Art. 56 Abs. 1 VRP (sGS 951.1)
sieht eine dem Art. 61 lit. d ATSG entsprechende Vorgehensweise vor (vgl. Rizvi/
Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege [VRP],
Praxiskommentar, N. 11 ff. zu Art. 56 VRP). Demnach ist nicht gestützt auf den Art. 61
lit. d ATSG, sondern gestützt auf den Art. 56 Abs. 1 VRP bzw. die dazu entwickelte
Praxis zu prüfen, ob hier die Gelegenheit zur Stellungnahme und zum
Beschwerderückzug zu geben ist. Sowohl der klare Wortlaut des Art. 61 lit. d ATSG als
auch die diesbezüglich klare st.gallische Praxis sieht die Pflicht, die Möglichkeit zur
Stellungnahme und zum Beschwerderückzug zu geben, nur für den Fall vor, dass das
Gericht selbst beabsichtigt, in peius zu entscheiden. Das Bundesgericht hat in dieser
Beschränkung auf einen direkten in peius-Entscheid des Gerichts eine
ausfüllungsbedürftige (unechte) Lücke geortet, zunächst bezogen auf jene Fälle, in
3.1.
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denen die Rückweisung zur weiteren Abklärung des Sachverhalts mit Sicherheit eine
Verschlechterung der Stellung der Beschwerde führenden Partei ergeben hätte. Nach
der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichts muss nun aber neu vor praktisch
jeder Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung des Sachverhalts die
Gelegenheit zur Stellungnahme und zum Beschwerderückzug gegeben werden (vgl. U.
Kieser ATSG-Kommentar, 4. A., N. 168 zu Art. 61 ATSG; ausgenommen sind nur jene
Rückweisungen, die mit Sicherheit eine Verbesserung ergeben werden). Das soll selbst
dann gelten, wenn überhaupt nicht absehbar ist, welches Ergebnis (unverändert,
verbessert oder verschlechtert) die zusätzlichen Abklärungen der Verwaltung liefern
würden und wenn die Beschwerde führende Partei dem kantonalen
Versicherungsgericht die Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren
Sachverhaltsabklärung beantragt hat. Das führt erfahrungsgemäss oft – und auch im
hier zu beurteilenden Fall – zu einer absurden Situation, denn die Beschwerde führende
Person muss darauf hingewiesen werden, dass ihr Rückweisungsantrag gutgeheissen
werden könnte und dass sie dies durch einen Rückzug der Beschwerde verhindern
könne. Rechtlich weitaus problematischer ist, dass das kantonale Versicherungsgericht
in allen Fällen, in denen die Rückweisung zur weiteren Abklärung des Sachverhalts
nicht mit Sicherheit zu einer Verschlechterung führen würde, nicht in der Lage ist, der
Beschwerde führenden Partei jene Informationen zu liefern, die nötig sind, um eine
sinnvolle Entscheidung betreffend Beschwerderückzug zu fällen. Wenn nämlich, was
meist der Fall ist, offen ist, ob die weiteren Abklärungen der Verwaltung keine
Veränderung, eine Verbesserung oder eine Verschlechterung bringen werden, kann das
kantonale Versicherungsgericht keine Prognose abgegeben, so dass die Beschwerde
führende Partei nicht entscheiden kann, ob es richtig ist, die Beschwerde
zurückzuziehen. Hier verfehlen die Einräumung der Möglichkeit zur Stellungnahme und
der Hinweis auf die Möglichkeit, einer allfälligen Verschlechterung durch einen
Beschwerderückzug zu entgehen, offensichtlich ihr Ziel, die Beschwerde führende
Partei vor dem "Schlag auf die hilfesuchende Hand" zu bewahren. Die Möglichkeit zur
Stellungnahme und der Hinweis auf die Möglichkeit, die Beschwerde zurückzuziehen,
sind also inhaltslose Formalien. Daran vermag auch das Argument nichts zu ändern,
dass in dem an den gerichtlichen Rückweisungsentscheid anschliessenden
Verwaltungsverfahren keine Möglichkeit mehr besteht, das mit der aufgehobenen
Verfügung Zugestandene zu "retten", um sich so unrechtmässige (Art. 25 Abs. 1 Satz 1
ATSG) Leistungen zu verschaffen. Der Sinn und Zweck des Art. 61 lit. d ATSG bzw. der
Praxis zu Art. 56 Abs. 1 VRP besteht nämlich ausschliesslich darin, es der Beschwerde
führenden Partei zu ermöglichen, sich mehr Leistungen zu verschaffen, als ihr aufgrund
des effektiven Sachverhalts und/oder der massgebenden Normen zustehen würden.
Zusammenfassend hat es das Versicherungsgericht aus diesen Gründen bewusst
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unterlassen, den Beschwerdeführer auf eine mögliche Gutheissung seines
Rückweisungsantrages und auf die Möglichkeit, dies durch einen Beschwerderückzug
zu verhindern, hinzuweisen.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung als volles Obsiegen des
Beschwerdeführers zu werten (vgl. BGE 132 V 235 E. 6.1). Dementsprechend ist die
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Versicherungsgericht wird dem Beschwerdeführer dessen Kostenvorschuss
zurückerstatten.
3.2.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu betrachten ist. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (sGS
963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat keine Honorarnote eingereicht. In einem durchschnittlich
aufwendigen IV-Rentenfall spricht das Versicherungsgericht neu eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu. In einer Plenarsitzung vom 25. Mai 2021 haben die Versicherungsrichterinnen und
Versicherungsrichter nämlich beschlossen, die durchschnittlichen Ansätze für die
Parteientschädigungen um Fr. 500.-- zu erhöhen. Aus Praktikabilitätsgründen soll diese
Praxisänderung sofort auf alle hängigen Fälle Anwendung finden. Diese
Übergangsregelung führt dazu, dass die Beschwerdegegnerin einen Nachteil erleidet,
indem sie allein deswegen eine um Fr. 500.-- höhere Parteientschädigung ausrichten
muss, weil die vor der Praxisänderung erhobene Beschwerde erst nach dem
entsprechenden Plenumsbeschluss vom 25. Mai 2021 beurteilt wird. Die
Beschwerdegegnerin soll dies gemäss dem Beschluss des Richterplenums allerdings
im Interesse der Praktikabilität in Kauf nehmen müssen. Die von der
Beschwerdegegnerin eingereichten Akten beinhalten u.a. vier medizinische Gutachten.
Damit erweist sich sowohl das Aktenstudium als auch die Ausarbeitung der
Beschwerdebegründung als überdurchschnittlich aufwendig, so dass eine pauschale
3.3.
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