Decision ID: 57627565-0786-5c37-a1f6-cf7854010f51
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 14. Novem-
ber 2015 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.
B.
B.a Am 24. November 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt und
am 30. August 2017 wurde der Beschwerdeführer vom SEM einlässlich zu
seinen Asylgründen angehört.
Dabei brachte er vor, er sei ethnischer Kurde und stamme aus dem Dorf
B._ nahe der Stadt C._ in der Provinz D._, wo er bis
zu seiner Ausreise am (...) bei seiner Familie gelebt habe.
Anfang (...) sei er von der syrischen Armee aufgeboten worden, sich bei
der Einrückungsstelle in C._ zu melden. Diesem Aufgebot sei er
nachgekommen. Von ihm sei verlangt worden, sein Blut in E._ tes-
ten zu lassen, was er ebenfalls gemacht habe. Am nächsten Tag sei er mit
dem Ergebnis des Blut(gruppen)tests in C._ sein Militärbüchlein ab-
holen gegangen. Am (...) oder (...) habe er für die Musterung nach
D._ gehen müssen, wo er als diensttauglich eingestuft und vorerst
nach Hause geschickt worden sei. Am (...) habe er den Befehl erhalten,
sich bei der Einrückungsstelle in C._ zu melden. Diesem Aufruf sei
er nicht gefolgt. Am (...) habe er Syrien illegal verlassen und sei in den
F._ gegangen. Während (...) bis (...) Jahren habe er dort gelebt und
gearbeitet. Schliesslich sei er in die G._ weitergereist, über die so-
genannte «Balkan-Route» nach H._ gelangt und letztlich am (...) in
die Schweiz eingereist.
Er beantrage Asyl in der Schweiz, weil er aufgrund der schwierigen Lage
in Syrien um sein Leben habe fürchten müssen und auch, weil sowohl die
kurdische Miliz wie auch die syrische Armee ihn für den Militärdienst hätten
rekrutieren wollen. Falls er vom I._ erwischt worden wäre, hätten
sie ihn als Kurde getötet. Wenn er von J._ erwischt worden wäre,
hätten sie ihn auch getötet. Nach seiner Ausreise, im Jahr (...), seien so-
wohl die kurdische als auch die reguläre syrische Armee zu seinem Vater
nach Hause gekommen und hätten gesagt, er (Beschwerdeführer) müsse
ins Militär einrücken.
B.b Der Beschwerdeführer reichte je im Original seine Identitätskarte so-
wie die vom SEM auf dem Beweismittelcouvert (vgl. SEM act. A1) wie folgt
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bezeichneten Beweismittel (BM) zu den Akten: Militärische Vorladung (vom
(...); BM 1), Bluttest für Militär (vom [...]; BM 2), Empfangsbestätigung für
militärische Vorladung (für eine Einberufung auf den [...]; BM 3), Einrü-
ckungsentscheid C._ vom (...) (BM 4) und Militärbüchlein, ausge-
stellt am (...) in C._ (BM 5).
C.
Mit Verfügung vom 11. April 2019 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab
und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Zufolge Unzulässigkeit des
Vollzugs der Wegweisung ordnete es die vorläufige Aufnahme des Be-
schwerdeführers an.
D.
Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
11. Mai 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte,
es seien die Ziffern 1–3 des angefochtenen Entscheids aufzuheben und es
sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren.
Eventuell sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Der Beschwerde lagen eine Auskunft der Schweizerischen Flüchtlingshilfe
(SFH) Länderanalyse vom 23. März 2017, eine Kopie von Artikel 99 des
syrischen Strafmilitärgesetzes samt Übersetzung und eine Fürsorgebestä-
tigung bei.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 15. Mai 2019 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
F.
Die Vorinstanz liess sich mit Eingabe vom 22. Mai 2019 zur Beschwerde
vernehmen.
G.
Innert der mit Instruktionsverfügung vom 27. Mai 2019 angesetzten Frist
ging keine Replik des Beschwerdeführers ein.
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Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2010 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015 [SR 142.31]).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der
Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21
Abs. 1 VGG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung vom 11. April 2019 die vorläufige Auf-
nahme des Beschwerdeführers zufolge Unzulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs angeordnet. Auf den Eventualantrag, es sei jedenfalls die Unzu-
lässigkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen, ist deshalb nicht
weiter einzugehen.
4.
4.1 Die verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls
geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
4.2 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Untersuchungsgrund-
satzes und der Verletzung der Begründungspflicht (vgl. Beschwerde,
Ziff. 3.6, S. 9). Inwiefern die Vorinstanz den Untersuchungsgrundsatz ver-
letzt haben sollte, begründet er indessen nicht. Solches ist aus den Akten
auch nicht ersichtlich, wobei festzuhalten ist, dass die Vorinstanz entgegen
den Ausführungen in der Rechtsmittelschrift den Beweiswert der einge-
reichten Beweismittel nicht in Frage gestellt hat.
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Der Beschwerdeführer substantiiert auch nicht, inwiefern die Vorinstanz
die Begründungspflicht verletzt haben sollte. Solches ist auch aus den Ak-
ten nicht ersichtlich. Er kritisiert lediglich die Würdigung seiner Vorbringen
durch die Vorinstanz. Die Tatsache, dass die Vorinstanz diese anders be-
urteilte als vom Beschwerdeführer erwünscht, betrifft jedoch nicht den An-
spruch auf rechtliches Gehör, sondern die materielle Würdigung. Nicht er-
forderlich ist sodann, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2 S. 70). Im Übrigen zeigt die Be-
schwerde selbst, dass eine sachgerechte Anfechtung möglich war. Die
Rüge geht fehl.
4.3 Die Rügen erweisen sich als unbegründet. Es besteht keine Veranlas-
sung, die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen.
5.
5.1 Weiter brachte der Beschwerdeführer vor, seinem besten Freund
(N ...), mit welchem er aus Syrien ausgereist sei und der am selben Tag
das Asylgesuch gestellt habe, sei in der Schweiz am (...) Asyl gewährt wor-
den. Damit rügt er sinngemäss eine Verletzung des Grundsatzes der
Rechtsgleichheit.
5.2 Gemäss Art. 8 BV sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich. Das
Rechtsgleichheitsgebot ist insbesondere verletzt, wenn hinsichtlich einer
entscheidwesentlichen Tatsache rechtliche Unterscheidungen getroffen
werden, für die kein vernünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen
besteht, oder wenn Unterscheidungen unterlassen werden, die aufgrund
der Verhältnisse hätten getroffen werden müssen (BGE 136 V 231 E. 6.1,
mit weiteren Hinweisen).
5.3 Dem Rechtsgleichheitsgebot ist nicht zu entnehmen – und aus Grün-
den des Persönlichkeits- sowie des Datenschutzes ist es auch unzuläs-
sig –, dass die Vorinstanz sich in ihren Entscheiden mit anderen Verfahren
auseinandersetzt und Unterschiede in Sachverhalt und rechtlicher Würdi-
gung darlegt. Vielmehr hat sie jeden Einzelfall auf der Grundlage der dar-
gelegten Vorbringen gebührend auf seine Asylrelevanz zu beurteilen. Al-
leine der Umstand, dass in Fällen mit ähnlich erscheinenden Eckdaten un-
terschiedliche Entscheide getroffen wurden, lässt jedenfalls noch nicht auf
eine unbegründete Ungleichbehandlung schliessen. Im vorliegenden Fall
wurden die gemäss dem Beschwerdeführer vergleichbaren tatsächlichen
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Verhältnisse im aufgeführten Vergleichsfall nicht näher spezifiziert. Im Üb-
rigen bestehen auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass die Vor-
instanz ohne vernünftigen Grund neue rechtliche Unterscheidungen einge-
führt oder vernünftige rechtliche Unterscheidungen unterlassen hätte.
Die Rüge der Verletzung des Rechtsgleichheitsgebots erweist sich daher
als unbegründet.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Gemäss Art. 3 Abs. 3 AsylG sind keine Flüchtlinge Personen, die wegen
Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausge-
setzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt
zu werden. Vorbehalten bleibt die Einhaltung der Flüchtlingskonvention.
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält (Art. 7 AsylG).
7.
7.1 Die Vorinstanz verweigerte die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers im Wesentlichen mit dem Argument, dass nicht al-
len Wehrdienstverweigerern oder Deserteuren im Fall einer Rückkehr nach
Syrien eine asylrelevante Verfolgung durch das Regime drohe, sondern
nur jenen, bei denen davon ausgegangen werden müsse, dass ihnen auf-
grund zusätzlicher, einzelfallspezifischer Faktoren vom syrischen Regime
eine regierungsfeindliche Haltung unterstellt werde. Diese Einschätzung
entspreche der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts. Der Beschwerde-
führer falle nicht in diese Kategorie, in seinem Fall lägen keine einzelfall-
spezifischen Risikofaktoren vor, die ein politisches Profil begründen könn-
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ten. Der ihm möglicherweise drohenden Bestrafung aufgrund der Wehr-
dienstverweigerung, bei der ein «real risk» bestehe, werde durch die Fest-
stellung der Unzulässigkeit des Vollzugs Rechnung getragen. Bei der vor-
gebrachten prekären Sicherheitslage handle es sich sodann um Folgen
des Bürgerkriegs in Syrien und damit nicht um eine flüchtlingsrechtlich re-
levante Verfolgung.
7.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Rechtsmittelschrift, er
habe der Aufforderung, sich beim syrischen Militär zu melden, nicht Folge
geleistet und das Verbot, Syrien zu verlassen, missachtet, weshalb ihm bei
einer Rückkehr eine unverzügliche und asylrelevante Inhaftierung drohe.
Das Assad-Regime betrachte ihn als Dienstverweigerer und Verräter. Die
zu erwartenden Sanktionen seien nicht gemeinrechtlich, sondern politisch
begründet. Seine moralische und weltpolitische Anschauung habe ihn an
der Teilnahme von Kampfhandlungen gehindert, weshalb die Verfolgung
klarerweise auch an seine politische Anschauung im Sinne von Art. 3 AsylG
anknüpfe und asylrelevant sei. Zudem werde er auch durch die Partei der
K._ und die L._ (kurdisch, L._) verfolgt und verfüge
deshalb über keine innerstaatliche Fluchtalternative.
7.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung fest, soweit der Beschwer-
deführer ergänzend geltend mache, dass seine Wehrdienstverweigerung
und seine illegale Ausreise dahin zu verstehen seien, seine moralische und
weltpolitische Anschauung hätten ihn daran gehindert, zu den Waffen zu
greifen, sei den Anhörungsprotokollen keine konkrete politische Aktivität im
Sinne von Art. 3 AsylG zu entnehmen. Soweit er seine Zugehörigkeit zu
einer bestimmten sozialen Gruppe, mithin den Kurden erwähne, sei auf die
aktuelle Rechtsprechung zu verweisen, wonach das Bundesverwaltungs-
gericht eine Kollektivverfolgung der Kurden in Syrien verneine. Betreffend
die in der Beschwerde vorgebrachte Verfolgung der K._ und
L._ lasse sich in den Anhörungsprotokollen kein konkretes Schutz-
ersuchen erkennen, zumal der Beschwerdeführer angegeben habe, er sei
bereits ausser Landes gewesen und der Aufruf zur Rekrutierung sei Pflicht
für alle gewesen. Im Übrigen würden Rekrutierungsbemühungen durch die
K._ und die L._ gemäss bundesverwaltungsrechtlicher
Rechtsprechung mangels eines Verfolgungsmotivs und mangels hinrei-
chender Intensität keine Asylrelevanz entfalten.
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Seite 8
8.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich mit der Frage der flüchtlings-
rechtlichen Relevanz der Bestrafung von Wehrdienstverweigerern und Re-
fraktären im syrischen Kontext in BVGE 2015/3 befasst. Dabei kam es vor
dem Hintergrund der analysierten Lageberichte zum Schluss, dass eine
drohende asylbeachtliche Verfolgung dann anzunehmen sei, wenn die
Dienstverweigerung als Ausdruck der Regimefeindlichkeit aufgefasst
werde, wenn also die drohende Strafe nicht allein der Sicherstellung der
Wehrpflicht dienen würde, sondern damit zu rechnen sei, dass der Be-
schwerdeführer als politischer Gegner qualifiziert und als solcher unver-
hältnismässig schwer bestraft würde (BVGE 2015/3 E. 6.7.3). Das Gericht
erachtete die genannten Voraussetzungen im Falle eines syrischen Re-
fraktärs als erfüllt, der der kurdischen Ethnie angehörte, einer oppositionell
aktiven Familie entstammte und bereits in der Vergangenheit die Aufmerk-
samkeit der staatlichen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen hatte,
indem er sich politisch exponiert hatte (BVGE 2015/3 E. 6.7.3).
Das Gericht geht demnach davon aus, dass bei Wehrdienstverweigerung
im syrischen Kontext jedenfalls dann eine asylrelevante Strafe in begrün-
deter Weise zu befürchten ist, wenn zusätzliche exponierende Faktoren
gegeben sind, welche darauf schliessen lassen, dass eine Person als Re-
gimegegner angesehen wird und somit aus politischen Gründen eine un-
verhältnismässige Strafe zu befürchten hätte. Hingegen geht das Gericht
in ständiger Praxis nicht davon aus, dass «einfachen», «herkömmlichen»
syrischen Wehrdienstverweigerern, also solchen, bei denen keine Anknüp-
fungspunkte für die Annahme des Vorliegens eines Verfolgungsmotivs im
Sinne des Art. 3 AsylG ausgemacht werden können, mit genügender Wahr-
scheinlichkeit eine die Schwelle der Asylrelevanz erreichende Strafe droht.
In zahlreichen, in der Folge des Entscheids BVGE 2015/3 ergangenen,
nicht publizierten Urteilen hat das Bundesverwaltungsgericht diese Praxis
betreffend Dienstverweigerer und Deserteure aus Syrien gefestigt (vgl.
BVGE 2015/3; zuletzt bestätigt im Referenzurteil des BVGer E-2188/2019
vom 30. Juni 2020 E. 5.1.2 und E. 6.2.4 [zur Publikation vorgesehen]).
8.2 Im hier zu beurteilenden Fall geht das Bundesverwaltungsgericht in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz davon aus, dass der Beschwerdefüh-
rer neben der dargelegten Wehrdienstverweigerung keine weiteren einzel-
fallspezifischen Risikofaktoren aufzuzeigen vermochte. Zwar gehört der
Beschwerdeführer der kurdischen Ethnie an. Dies stellt aber keinen Risi-
kofaktor für ihn dar, zumal weder aus seinen Aussagen an den Befragun-
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/3
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gen noch aus der Beschwerdeschrift hervorgeht, dass er zusätzliche expo-
nierende Faktoren aufweisen würde, welche ihn als Regimegegner er-
scheinen liessen. So hat er zu Protokoll gegeben, nie an Demonstrationen
teilgenommen (vgl. SEM act. A21 F22) und nie Probleme mit den syrischen
Behörden gehabt zu haben (vgl. a.a.O. F43), namentlich sei er auch nie in
Haft gewesen (vgl. a.a.O. F44). Soweit der Beschwerdeführer ausführte,
er habe sich aus politischer Überzeugung dem Militärdienst entzogen, hat
sich diese Gesinnung bis zur Ausreise nicht nach aussen manifestiert. Es
liegen auch keine Indizien dafür vor, dass die syrischen Sicherheitsbehör-
den den Beschwerdeführer als Regimegegner identifiziert hätten und er als
solcher bei einer Rückkehr nach Syrien eine über die Bestrafung der Wehr-
dienstverweigerung hinausgehende Behandlung zu erwarten hätte. Etwas
anderes vermag er auch nicht aus dem dargelegten einmaligen Behörden-
besuch bei ihm zu Hause abzuleiten, bei dem sein Vater im Jahr (...) nach
seinem Verbleib gefragt worden sei (vgl. a.a.O. F70). Aus den Akten geht
sodann nicht hervor, dass er einer oppositionell aktiven Familie entstam-
men würde. So hat sein älterer Bruder, welcher (...) Jahre Militärdienst ge-
leistet und ordentlich entlassen worden sei, gemäss den Angaben des Be-
schwerdeführers nie Probleme mit dem Militär gehabt (vgl. a.a.O. F50 ff.)
und seine Eltern, seine (...) Schwestern und seine (...) Brüder lebten nach
wie vor in B._ (vgl. a.a.O. F27 und F30). Mit Blick auf die oben ge-
nannte Praxis (vgl. E. 8.1) kann daher nicht mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit davon ausgegangen werden, der Beschwerdeführer werde
aufgrund der Nichtbefolgung des Aufgebots zum Militärdienst als Regime-
gegner betrachtet und habe als solcher eine politisch motivierte Bestrafung
im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten.
8.3 Hinsichtlich der in der Beschwerdeschrift erstmals geltend gemachten
Furcht vor einer Zwangsrekrutierung durch die K._ oder die
L._ (vgl. Beschwerde, Ziff. 3.5, S. 8 f.) hat die Vorinstanz in ihrer
Vernehmlassung zu Recht festgestellt, dass diesbezüglich das Vorliegen
einer begründeten Furcht vor einer Verfolgung asylrelevanten Ausmasses
zu verneinen ist (vgl. Urteil des BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015
E. 5.3 [als Referenzurteil publiziert]). Bezeichnenderweise blieben diese
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz vom Beschwerdeführer man-
gels Einreichen einer Replik denn auch unbestritten.
8.4 Nach dem Gesagten bestehen insgesamt keine konkreten Anhalts-
punkte dafür, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus
Syrien einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt war oder dass im heu-
tigen Zeitpunkt eine begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung zu
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bejahen wäre, selbst wenn von einer tatsächlichen Wehrdienstverweige-
rung des Beschwerdeführers auszugehen wäre.
8.5 Schliesslich führt eine illegale Ausreise aus Syrien nicht zur Annahme,
dass einer syrischen Person bei einer Rückkehr in ihr Heimatland mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung
droht. Zwar ist aufgrund der illegalen Ausreise und der längeren Landes-
abwesenheit davon auszugehen, dass bei einer Wiedereinreise nach Sy-
rien eine Befragung durch die heimatlichen Behörden stattfindet. Da der
Beschwerdeführer aber keine Vorverfolgung erlitten hat und nicht davon
auszugehen ist, dass er vor dem Verlassen Syriens als regimefeindliche
Person ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten ist, kann mit hinrei-
chender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass er als staatsge-
fährdend eingestuft würde. Ferner ist auch nicht aktenkundig, dass er sich
seit seiner Ausreise exilpolitisch betätigt hätte. Somit ist nicht davon aus-
zugehen, er könnte nach einer (hypothetischen) Rückkehr als regimefeind-
liche Person ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten (vgl. Urteil des
BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3 [als Referenzurteil pu-
bliziert]; bestätigt beispielsweise im Urteil des BVGer E-2791/2019 vom
22. Juni 2020 E. 6.5)
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft zu
Recht verneint und das Asylgesuch des Beschwerdeführers folgerichtig ab-
gelehnt.
9.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
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11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit Zwischen-
verfügung vom 15. Mai 2019 die unentgeltliche Prozessführung gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und keine massgeblichen Verände-
rungen der finanziellen Verhältnisse ersichtlich sind, sind keine Verfahrens-
kosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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