Decision ID: 6bccd7aa-4efb-4b59-974b-261000e0be86
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 6. August 2009 (IV-act. 7) zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an. Sie sei gelernte _. Seit 1993 leide sie an einer Depression.
Zuletzt sei sie seit Oktober 2008 als Pflegehelferin angestellt und übe daneben (seit
2002) zu 5 % eine Reinigungstätigkeit aus. - Dr. med. B._, FMH Allgemeine Medizin,
gab am 25. September 2009 (IV-act. 10) als Diagnosen der Versicherten eine
mittelgradige depressive Episode vor dem Hintergrund einer narzisstischen
Selbststörung und rezidivierende Rückenbeschwerden mit St. n. lumboradikulärem
Schmerzsyndrom L5 rechts, Diskusprotrusionen L4/5 und L5/S1, mehrsegmentalen
Spondylarthrosen sowie Osteochondrose L5/S1 an. - Die genannte psychiatrische
Diagnose hatte die Klinik L._ in einem Austrittsbericht vom 21. Mai 2007 (IV-
act. 10-14 f.) über einen Aufenthalt der Versicherten vom 6. März 2007 bis 15. Mai 2007
gestellt. Die Klinik hatte damals erwähnt, es sei frühestens auf Anfang Juni 2007 eine
sukzessive Wiederaufnahme der beruflichen Teilzeittätigkeit geplant (keine neuen
Angaben im Arztbericht vom 26. Januar 2010, IV-act. 23). - Dr. med. C._,
Spezialärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, gab im Arztbericht vom
5. Oktober 2009 (IV-act. 13) an, die Versicherte sei als M._-helferin im Mai 2007 zu
50 % arbeitsunfähig gewesen und sei seit 4. Juli 2009 und bis auf weiteres zu 80 %
(IV-act. 13-3) arbeitsunfähig, zurzeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von zwischen 20 und
50 % im Erwerbsbereich und von 50 % im Haushaltbereich. Auf längere Sicht betrage
sie im Erwerbsbereich wahrscheinlich zwischen 40 und 50 % (IV-act. 13-4). - Aufgrund
einer Abklärung der Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt vom 9. Dezember 2009 (IV-
act. 24) wurde angenommen, die Versicherte wäre ohne Gesundheitsschaden mit
grösstmöglicher Wahrscheinlichkeit voll erwerbstätig (IV-act. 25-4). - Mit Verfügung
vom 15. September 2010 (IV-act. 33) sprach ihr die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
A.a.
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des Kantons N._ bei einem Invaliditätsgrad von 55 % (bei Arbeitsfähigkeit von 45 %
in der angestammten und einer adaptierten Tätigkeit, vgl. IV-act. 28-1) ab 1. Februar
2010 eine halbe Rente (samt Kinderrenten) zu.
Anlässlich einer auf Februar 2011 vorgesehenen (IV-act. 27) Revision erklärte die
Versicherte, nach einem Klinikaufenthalt sei sie wieder auf dem Stand wie bei der
letzten IV-Abklärung (IV-act. 41). Gemäss Austrittsbericht der Klinik L._ vom
16. Februar 2011 (IV-act. 39) war die Versicherte vom 1. November 2010 bis
10. Februar 2011 zum zweiten Mal dort hospitalisiert gewesen. Diagnostiziert worden
war eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive
Episode ohne somatisches Syndrom. - Dr. C._ berichtete am 26. April 2011 (IV-
act. 46), die Versicherte habe sich 2010 bei diversen Belastungen zunehmend
überfordert und völlig erschöpft gefühlt, sich sozial zurückgezogen und ihre Wohnung
schliesslich nicht mehr verlassen können. Sie sei zunehmend aggressiv geworden. Ab
1. Oktober 2010 sei sie voll arbeitsunfähig geschrieben worden. Seit dem 15. Februar
2011 sei sie noch zu 60 % arbeitsunfähig. - Gemäss Mitteilung vom 3. Juni 2011 (IV-
act. 49) blieb es bei der bisherigen Rente.
A.b.
Am 21. September 2011 (IV-act. 59) füllte die Versicherte im Sinn eines
Anpassungsgesuchs eine neue Anmeldung aus und gab an, es bestünden seit
22. August 2011 Rückenschmerzen, stärker im Brustbereich. In den Monaten
September bis November 2011 wurden in der Klinik O._ MRs von BWS/
Rippenthorax, LWS, Schulter rechts und Knie rechts erstellt (IV-act. 56). Die Uniklinik
Balgrist gab im Bericht vom 25. Januar 2012 (IV-act. 68) an, es bestünden ein Schulter-
Impingement subacromial bds. mit Biceps-Tendinopathie und Vd. a. Läsion des M.
supraspinatus rechts. - Die Versicherte beantragte am 15. März 2012 eine Umschulung
in eine Bürotätigkeit (IV-act. 71) und die IV-Berufsberatung erachtete am 25. April 2012
für sie als sinnvoll, einen entsprechenden Arbeitsplatz zu suchen und berufsbegleitend
die Schule zu besuchen (IV-act. 75). - Am 22. März 2012 (Fremd-act. 2-50 ff.) hatte
Dr. med. D._, FMH Innere Medizin, spez. Rheumatologie, der beratende Arzt einer
Krankentaggeldversicherung, über eine konsiliarische Untersuchung berichtet. Es
bestehe eine 2-Etagen-Problematik. Die Versicherte leide an einer radikulären L5-
Reizsymptomatik links bei Diskushernie mediolateral links L4/L5 mit Kontakt zur
Nervenwurzel L5 links ohne sensomotorische Ausfälle und Status nach diskretem
A.c.
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thorakolumbalem Morbus Scheuermann sowie an einer Impingementproblematik am
rechten Schultergelenk bei mässiggradiger osteophytenbildender AC-Gelenksarthrose
rechts. Auf beiden Etagen handle es sich zwar um moderate Befunde, doch sei die
Tätigkeit als M._-Mitarbeiterin mit einem 45 %-Pensum (und Aufteilung in 80 %
personenbezogener und 20 % haushaltbezogener Leistung) für das lumbale
Achsenskelett und die rechte Schulterregion zu anstrengend. In einer
behinderungsangepassten Tätigkeit wäre bereits eine Arbeitsfähigkeit von 50 %
bezogen auf ein volles Pensum zumutbar. Die Spontanbewegungsabläufe seien ohne
grosse Einschränkung möglich und man beobachte kaum ein Schonverhalten. Die
Therapie sei nicht ausgeschöpft. Es stehe noch ein Arthro-MRI aus; die Situation sei
noch nicht abschliessend beurteilbar. - Nach dem Arthro-MRI der Schulter vom 9. Mai
2012, das gemäss Radiologie eine flache, 20 %-ige Partialruptur der
Supraspinatussehne und Zeichen der Bizepssehnen-Tendinopathie ergeben hatte (IV-
act. 77-2), und nach subacromialen Infiltrationen beider Schultergelenke berichtete die
Uniklinik Balgrist dem betreffenden Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der
Invalidenversicherung am 10. Mai 2012 (IV-act. 78), es habe sich eine leicht
tendinopathisch veränderte Supraspinatussehne, aber ohne Ruptur, gezeigt. Da die
Versicherte statt weiterer Infiltrationen eine definitive Lösung wünsche, sei eine
diagnostische Schulter-Arthroskopie mit ggf. Biceps-Tenodese geplant. - Am 28. Juni
2012 hielt die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons N._ fest, die
Versicherte fühle sich zu beruflichen Massnahmen nicht mehr in der Lage (IV-act. 80),
und erliess eine entsprechende Mitteilung (IV-act. 81). Das Kantonsspital P._ erklärte
am 5. Juli 2012 (IV-act. 82), seit zwei bis drei Wochen schränkten die Versicherte (mehr
als die AC-Arthropathie und das subacromiale Impingement) massive
Nackenschmerzen mit intermittierend Lähmungserscheinungen im Bereich der Finger
ein. - Dr. med. E._, FMH Allgemeine Innere Medizin, wies die Versicherte mit
Schreiben vom 27. September 2012 (IV-act. 85) wegen unklarer Gefühlsstörungen und
Schwächezuständen des rechten Arms bei psychosozialer Belastungssituation und
inkonsistenten klinischen Zeichen für eine fragliche PHS rechts zur neurologischen
Abklärung weiter. Am 5. November 2012 (IV-act. 89-9 ff., vgl. auch IV-act. 89)
berichtete Dr. med. F._, Spezialarzt für Neurologie FMH, Dr. E._, er könne die
intermittierenden Schmerzen und Parästhesien im Bereich des rechten Armes der
Versicherten diagnostisch auch nicht näher definieren. Von der Klinik her liege kein
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spezifisch einem Nerven oder einer Wurzel zuzuordnender Ausfall vor. Neurographisch
gebe es keine Hinweise auf ein lokales Entrapment. Das HWS-MRI sei weitgehend
normal ausgefallen. - Dr. E._ erklärte im IV-Arztbericht vom 9. November 2012 (IV-
act. 90-8), die Sachlage sei ihm nicht klar. - Ein bidisziplinäres (rheumatologisches und
psychiatrisches Gutachten von Dr. med. G._ und [...] Dr. med. H._ vom 23. Februar
2013 (IV-act. 93) ergab gemäss Zusammenfassung (IV-act. 93-50), dass (verkürzt
wiedergegeben) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, ein
lumbospondylogenes Syndrom rechts mehr als links und Schulterschmerzen rechts
mehr als links von Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien. Rheumatologisch war
unter anderem eine Fibromyalgie als Diagnose ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit angenommen worden (vgl. IV-act. 93-43), psychiatrisch waren eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung und Probleme in der Beziehung zum Partner
als solche Diagnosen genannt worden (vgl. IV-act. 93-72). Die Versicherte sei in einer
adaptierten Tätigkeit zu 100 % ganztags arbeitsfähig. Ab 1. November 2010 sei sie bis
zum 20. Februar 2011 (sc. aus psychiatrischen Gründen) in jeglicher Tätigkeit zu 100 %
arbeitsunfähig und hernach bis zum 26. April 2011 zu 60 % arbeitsunfähig gewesen.
Der Verlauf ab Mai 2011 (bis zur Begutachtung) könne mangels Dokumentation nicht
sicher angegeben werden. - Mit Verfügung vom 30. April 2013 (IV-act. 124) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons N._ die Ausrichtung der Rente
wegen einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit der Versicherten anpassungsweise ein.
Es liege noch ein Invaliditätsgrad von 10 % vor. - Auf eine Beschwerde (sie liegt soweit
ersichtlich nicht bei den Akten) trat das Sozialversicherungsgericht des Kantons N._
am 18. Juni 2013 nicht ein (IV-act. 103). - Dr. C._ hatte in einem ärztlichen Zeugnis
vom 9. Mai 2013 (IV-act. 99) aber erklärt, es bestehe bei der Versicherten eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, vor
dem Hintergrund einer narzisstischen Selbststörung. Wegen ihrer starken Schmerzen
habe ihr Hausarzt die Versicherte als M._-Pflegerin voll arbeitsunfähig geschrieben
und eine Anmeldung bei der Invalidenversicherung mit dem Ziel einer beruflichen
Neuorientierung in die Wege geleitet. Die Versicherte habe die Stelle verloren, sei in
eine prekäre soziale Lage gestürzt und habe sich massiv verschuldet. Und nun habe
die Invalidenversicherung eine berufliche Wiedereingliederung abgelehnt und die
bisherige Rente aufgehoben. Unter dieser psychosozialen Belastung entgleise die
Versicherte, klage über quälende Existenz- und Zukunftsängste. Zeitweise leide sie
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B.
unter Schlaflosigkeit. Die Schmerzen und die depressive Verstimmung würden sich
gegenseitig negativ beeinflussen. Es werde eine erneute psychiatrische Hospitalisation
eingeleitet. Zurzeit sei die Versicherte voll arbeitsunfähig.
Am 19./26. September 2013 meldete sich die Versicherte im Kanton Q._ neu an
(IV-act. 104). Die IV-Stelle trat mit Verfügung vom 3. Dezember 2013 (IV-act. 116) auf
die Neuanmeldung nicht ein.
A.d.
Am 6./11. November 2014 (IV-act. 117) stellte die Versicherte wiederum ein neues
Gesuch, nunmehr an die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen.
Sie leide seit 2001 an Depressionen und Schmerzen. Seit dem 28. Juli 2014 sei sie voll
arbeitsunfähig.
B.a.
Mit einem Schreiben vom 21. September 2014 (IV-act. 118) hatte Dr. C._ sie an
die Tagesklinik R._ überwiesen, weil sie unter ihrer psychosozialen
Belastungssituation entgleise, ihre Wohnung kaum verlasse, Begegnungen vermeide
und (unter anderem) an Schmerzen und Ängsten leide. Bald nach Aufnahme einer
Arbeit zu 60 % im März 2014 habe sie sich überfordert gefühlt. - Am 30. November
2014 (Fremd-act. 4-19 f.) bestätigte Dr. C._ einer Krankentaggeldversicherung, die
Versicherte fühle sich seit Juni 2014 überfordert, habe begonnen, an Kraftlosigkeit und
multiplen körperlichen Schmerzen zu leiden, sei ungeduldig und zunehmend gereizt
geworden. Seit 31. August 2014 sei sie voll arbeitsunfähig. Sie habe die Wohnung
während Wochen nicht mehr verlassen und habe - weil sie eine schwer zu bändigende
Aggression gegen sich in sich gespürt habe - Angst gehabt, Mitmenschen zu
begegnen. Sie könne vereinzelt Begegnungen aushalten, leide aber stark an einer
Rückzugstendenz und sei deswegen zunehmend sozial isoliert. Die Versicherte befinde
sich seit 2001 in ihrer ambulanten Behandlung. - In ihrem IV-Arztbericht vom 6. April
2015 (IV-act. 150, Beiblatt von 2011) erklärte Dr. C._, es bestünden bei der
Versicherten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
depressive Episode ohne somatisches Syndrom, und akzentuierte Persönlichkeitszüge
mit emotional instabilen Anteilen, und zwar seit Jahren bzw. seit August 2014. Seit dem
31. Oktober 2014 sei sie voll arbeitsunfähig. Eine Beschäftigung im Pflegebereich sei
kontraindiziert; die Kontaktfähigkeit zu Dritten sei herabgesetzt und die Versicherte
B.b.
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neige in der akuten Phase der depressiven Störung zur Reizbarkeit und zu schwer zu
bändigenden Aggressionen. Es mangle zudem an Durchhaltefähigkeit und an der
Fähigkeit zum Vorausplanen, was beides in Pflegeberufen äusserst wichtig sei.
Nachdem der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung die volle
Arbeitsunfähigkeit für vorläufig nachvollziehbar gehalten hatte (IV-act. 152), wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen am 14. April 2015 einen
Anspruch auf berufliche Massnahmen ab (IV-act. 155).
B.c.
Dr. med. I._, Allgemeine Innere Medizin FMH (behandelnd seit 15. Januar 2014),
berichtete im Arztbericht vom 25. Mai 2015 (IV-act. 160) von einem rezidivierenden
akuten lumbovertebralen Schmerzsyndrom der Versicherten, nicht weiter abgeklärt. Die
Versicherte habe ihn seit 15. Januar 2014 wiederholt wegen Schmerzen aufgesucht,
die vom Bewegungsapparat ausgingen. Am 25. Juli 2014 sei, ausgelöst durch eine
Überlastungssymptomatik, eine depressive Episode mit somatischen Symptomen
aufgetreten. Am _. September 2014 habe die Versicherte einen Unfall mit Kontusion
des linken Vorfusses erlitten. Die Mithilfe in der Pflege alter Menschen dürfte aus
körperlichen Gründen keine für die Versicherte adaptierte Tätigkeit sein. - Dr. med.
J._, Allgemeine Innere Medizin FMH (behandelnd seit 20. Januar 2016), gab im IV-
Arztbericht vom 7. April 2016 (Eingangsdatum, IV-act. 177) an, die Versicherte sei vom
14. bis 15. November 2015 in der Klinik S._ gewesen. Sie habe immer wieder
Schmerzen im Rücken und in der Schulter und ausserdem Existenzängste. Es
bestünden keine Einschränkungen körperlicher, geistiger oder psychischer Art. Die
bisherige Tätigkeit sei der Versicherten voll zumutbar. Der Arzt stellte die Frage, ob ein
Rentenbegehren vorliege (IV-act. 177-3). - Die Klinik S._ gab im Austrittsbericht vom
24. November 2015 (IV-act. 180) an, die Versicherte sei nach einer notfallmässigen
Konsultation im Spital T._ aufgrund einer Krisensituation mit depressiver
Symptomatik zugewiesen worden. Es liege eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome vor, DD bipolare affektive
Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome.
Unter anderem wurde ein St. n. Mischintoxikation in suizidaler Absicht erwähnt, mit
Hospitalisation im Spital U._ im Juni 2015.
B.d.
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Dr. C._ gab im Arztbericht vom 12. April 2016 (IV-act. 181) an, der
Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär, der Verlauf sehr ungünstig. Es
bestünden starke Zukunftsängste und Hoffnungslosigkeit. Die Versicherte sei durch
eine chronische Erkrankung des Ehemannes privat zusätzlich belastet worden. Die
bisherige Tätigkeit sei unmöglich geworden, ob eine andere Tätigkeit zumutbar sei, sei
unklar.
B.e.
Am 19. Juli 2016 (IV-act. 191) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der
Versicherten mit, sie sehe eine bidisziplinäre Verlaufsuntersuchung vor. - Am
26. August 2016 (IV-act. 196) teilte die Versicherte mit, sie werde am 31. August 2016
an der LWS (Höhe 4/5) operiert werden.
B.f.
Am 3. Oktober 2016 (IV-act. 199, bidisziplinäre Zusammenfassung IV-act. 199-1
bis 5) erstatteten [...] Dr. med. H._ und Dr. med. K._ ihr bidisziplinäres
(psychiatrisches und orthopädisch-traumatologisches) Gutachten. Als Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bezeichneten sie bidisziplinär (erstens) ein
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie mit kleiner
mediolateraler Diskushernie L4/5 sowie L5/S1, Osteochondrose im Segment L5/S1,
Facettengelenksarthrose betont von L3 bis S1 beidseits und ein Status nach
mikrochirurgischer Diskektomie im Segment L4/5 und Foraminotomie L5 links am
31.08.2016, (zweitens) eine Belastungseinschränkung im Bereich des rechten
Schultergelenks bei beginnender AC-Gelenksarthrose und Tendinopathie der langen
Bizepssehne und (drittens) eine Agoraphobie ohne Panikstörung. Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit seien eine Endgliedamputation im Bereich des rechten
Zeigefingerendgliedes, gegenwärtig ohne Beschwerdevortrag und ohne
Funktionseinschränkung, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, bei Problemen in der
Beziehung zum Ehepartner, in Verbindung mit Wohnbedingungen und ökonomischen
Verhältnissen, in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit und durch
negative Kindheitserlebnisse und bei ungenügender familiärer Unterstützung. Sehe
man von den beklagten agoraphobischen Ängsten ab, so bestehe im Vergleich zur
Referenzsituation ein im Wesentlichen unveränderter psychischer Gesundheitszustand.
Die agoraphobischen Symptome habe die Versicherte erstmals bei der Begutachtung
vorgetragen; sie seien in den zahlreichen Berichten der behandelnden Psychiaterin
B.g.
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nicht dokumentiert. Die psychosoziale Situation habe sich weiter zugespitzt; ohne die
psychosozialen Probleme, welche das Bild dominierten, wäre die Psychopathologie
bland. In der zuletzt ausgeübten und in adaptierter Tätigkeit sei die Versicherte
(psychiatrisch gesehen) voll arbeitsfähig (dass die Tätigkeit nicht in geschlossenen
Räumen erfolgten sollte, tangiere das Leistungsprofil in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit nicht). Auch orthopädisch sei der Sachverhalt im Vergleich zur
Referenzbegutachtung als im Wesentlichen unverändert einzustufen. Der
orthopädischen Beurteilung (der Arbeitsfähigkeit) sei zu folgen, da auf psychiatrischem
Fachgebiet keine Arbeitsunfähigkeit vorliege. Aus orthopädischer Sicht sei die
Versicherte für mehr als gelegentlich mittelschwere körperliche Arbeiten mit
Körperposition überwiegend im Stehen und Gehen - darunter die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit als Pflegehelferin, seit November 2011 - nicht mehr arbeitsfähig. Ausserdem
bestünden diverse Einschränkungen (etwa betreffend Heben und Tragen von Lasten,
repetitive stereotype Bewegungsabläufe, repetitive kraftvolle Drehbewegungen des
rechten Armes auf Schulterhöhe; im Einzelnen IV-act. 199-3 f.). Unter Einhaltung der
erwähnten qualitativen Schonkriterien sei der Versicherten eine
behinderungsangepasste, überwiegend im Sitzen zu verrichtende und intermittierend
wechselnd (sitzend und stehend) belastende Tätigkeit quantitativ bei vollem Pensum
unlimitiert (100 %) zumutbar. In einer adaptierten Tätigkeit habe von 2009 bis
31. August 2016 keine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden. Für die Zeit seit
der damaligen Operation (31. August 2016) bestehe für die angestammte wie eine
adaptierte Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit. Es sei davon auszugehen, dass die
Versicherte nach einer postoperativen Rekonvaleszenzzeit von ca. drei bis sechs
Monaten unter geeigneten rehabilitativen Massnahmen in der Lage sei, sukzessiv in
eine adaptierte Tätigkeit integriert zu werden (vgl. IV-act. 199-2 ff.).
Am 14. November 2016 ging ein Bericht der O._ Klinik P._ vom 7. November
2016 (IV-act. 203) über Untersuchungen vom 4. und vom 8. November 2016 ein.
Danach lag klinisch eine Peroneusparese rechts vor. Elektroneurographisch liessen
sich eine Leitungsverzögerung und partielle -blockierung am Fibulaköpfchen
lokalisieren, elektromyographisch zeige sich bereits eine pathologische
Spontanaktivität als Hinweis auf eine schwerere Schädigung des Nervs mit
Unterbrechung von Axonen. Bildgebend seien keine intrinsischen Veränderungen am
B.h.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/28
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Nerv zu beobachten. Die Weichteilschwellung im Bereich des Fibulaköpfchens könnte
aber auf eine chronische Drucksituation hindeuten. - Der RAD hielt am 4. Januar 2017
(IV-act. 205) fest, daraus ergebe sich keine weitere funktionelle Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit.
Mit Vorbescheid vom 16. Januar 2017 (IV-act. 210) teilte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen der Versicherten mit, ihr
Gesuch um Rentenleistungen werde abgewiesen, da sich ihr Gesundheitszustand seit
der Verfügung vom 30. April 2013 nicht erheblich verändert habe. - Am 9. März 2017
(IV-act. 218) wandte die Versicherte ein, sie sei auch in einer leidensadaptierten
Tätigkeit nicht voll arbeitsfähig. Sie verweise auf die beigelegten Berichte von Dr. C._
und des Ambulatoriums (der Psychiatrischen Dienste) V._ (W._). Der im
Ambulatorium behandelnde Psychologe habe bei ihr als neue Diagnose den Verdacht
auf eine Traumafolgestörung gestellt; diese Diagnose werde weiter abgeklärt. Sie weise
auf die Diagnose einer Agoraphobie hin. Mit dieser Diagnose sei es ihr nicht möglich,
mit vollem Pensum zu arbeiten. Sie bemühe sich weiterhin um Arbeit im Teilpensum.
Zurzeit habe sie drei kleine Reinigungsstellen, was in etwa ihrer Leistungsfähigkeit
entspreche. Sie sei bereit für eine berufliche Eingliederung, doch sei verständlich, dass
sie mit ihren Erkrankungen nicht sofort voll einsteigen könnte. Ihr Anspruch auf
Leistungen der Invalidenversicherung sei nochmals zu prüfen, zumindest seien noch
die Ergebnisse der weiteren diagnostischen Abklärung und Behandlung bei den W._
abzuwarten. - Dr. C._ hatte am 11. Februar 2017 (IV-act. 218-2) festgehalten, die seit
Jahren in wechselnder Schwere bestehende rezidivierende depressive Störung könne
gegenwärtig nicht ganz remittiert sein. Die langdauernden depressiven Episoden, die in
der Vergangenheit zu wiederholten Klinik-Aufenthalten geführt hätten, und die
Ausgrenzung aus einer persönlich stabilisierenden Arbeitswelt habe die Versicherte in
ihren Ressourcen erschüttert. Entgegen der gutachterlichen Sicht bestehe keine volle
Arbeitsfähigkeit, auch nicht, wenn man die psychosoziale Beeinträchtigung ausser Acht
liesse. - Die Psychiatrischen Dienste V._ hatten am 9. März 2017 (IV-act. 219) in
einem ärztlichen Verlaufsbericht (nach zwei Konsultationen; ab 13. Februar 2017)
erklärt, es lägen die bekannte rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode, und die Agoraphobie ohne Panikstörung vor.
Differenzialdiagnostisch könnte eine bipolare Störung II erwogen werden. Zusätzlich
B.i.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/28
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C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Advokat Nicolai Fullin für die Betroffene am
22. Mai 2017 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei
eine Invalidenrente nach den gesetzlichen Bestimmungen zu entrichten, eventualiter
seien weitere medizinische Abklärungen zum Gesundheitszustand und zur
Arbeitsfähigkeit durchzuführen und sei danach über den Rentenanspruch zu
entscheiden. Die Beschwerdegegnerin begründe die Ablehnung einer Rente mit der
theoretischen Möglichkeit der Beschwerdeführerin, ein rentenausschliessendes
Einkommen zu erzielen. Sie stelle sich auf den Standpunkt, deren Arbeitsfähigkeit sei
gemäss dem Gutachten [hier nach interdisziplinärem Konsens datiert] vom 3. Oktober
2016 im Moment nicht wesentlich eingeschränkt. Streitig sei demnach, ob die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin inzwischen wieder so stark eingeschränkt sei,
könne eine Komorbidität in Form einer Traumafolgeerkrankung aufgrund von
Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend angenommen werden. Die Versicherte
sei in ihrer Verkehrs-, Gruppen- und Durchhaltefähigkeit und in der Fähigkeit zur
Selbstpflege eingeschränkt und partiell assistenzbedürftig. Die aktuelle Arbeitsfähigkeit
an ihrem gegenwärtigen Arbeitsplatz werde auf maximal 40 % geschätzt. - Der RAD
hielt am 10. April 2017 (IV-act. 220) fest, am Stellenwert des Gutachtens vom
3. Oktober 2016 ändere sich nichts. Da sich die Beurteilungen nicht auf mechanistische
Quantifizierungen stützen liessen, seien die Ergebnisse in gewissem Grad vom
individuellen Ermessen der Ärzte abhängig. Im psychopathologischen Befund nach
AMDP habe das Behandlungsteam der W._ auf eine Quantifizierung des
Schweregrades der als pathologisch beschriebenen Parameter verzichtet. Im Muster
hätten sich keine grundsätzlichen Abweichungen zum Befund bei der Begutachtung
abgezeichnet. Die festgestellte Affektinkontinenz werde in ihrem Kontrast zum
freundlichen und zugewandten, leicht verschlossenen Sozialkontakt und im Kontrast
zur unauffälligen Psychomotorik weder qualitativ noch quantitativ erläutert. Das
Ergebnis der W._ sei ähnlich wie jenes von Dr. C._ vom April 2016 (vor der
Begutachtung).
Mit Verfügung vom 10. April 2017 (IV-act. 221) wies die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle des Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch der Versicherten vom November
2014 mit Bezug auf Rentenleistungen ab.
B.j.
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dass das rentenwirksam wäre. Damit ein erneuter Rentenanspruch entstehen könne,
müsse sich ihr Gesundheitszustand seit der Einstellungsverfügung vom 30. April 2013
erheblich verschlechtert haben. Für jenen Entscheid sei das Gutachten [hier nach
interdisziplinärem Konsens datiert] vom 23. Februar 2013 Grundlage gewesen. Dass im
jüngeren Gutachten eine Agoraphobie ohne Panikstörung erwähnt werde, müsse als
neu bzw. als Veränderung des Gesundheitszustands gewertet werden. Deshalb habe
eine Neuprüfung der Arbeitsfähigkeit stattzufinden. Dem psychiatrischen Teilgutachten
liege insbesondere die Fiktion zugrunde, dass die sozialpsychiatrischen
Belastungsfaktoren ausgeklammert werden könnten. Der Gutachter gehe somit nicht
vom bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell aus, das in der modernen Medizin heute
gelte und auch von der WHO aufgegriffen werde. Das ATSG gehe gemäss dem
Kommentar (von Ueli Kieser, ATSG, 3. A., Rz 8 zu Art. 6) in den Art. 3 und 6 von diesem
Krankheitsmodell aus. Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren könnten sich
gemäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung mittelbar (nicht direkt oder
unmittelbar, aber indirekt oder teilkausal) invaliditätsbegründend auswirken, wenn sie
einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhielten oder den Wirkungsgrad
der Folgen eines Gesundheitsschadens verschlimmerten, der unabhängig von den
invaliditätsfremden Elementen bestehe. Der für Rentenleistungen der
Invalidenversicherung geltende enge Begriff des Gesundheitsschadens klammere
Wechselwirkungen von Psyche, Soma und sozialem Umfeld nur insoweit aus, als es
darum gehe, die für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit kausalen versicherten
Faktoren zu umschreiben. Soweit ein verselbständigter Gesundheitsschaden im
Rechtssinn gegeben sei, sei für dessen Anspruchserheblichkeit nicht bedeutsam, ob
soziale Umstände bei seiner Entstehung eine massgebende Rolle gespielt hätten. Einer
lege artis diagnostizierten psychischen Krankheit könne der invalidisierende Charakter
nicht mit dem blossen Hinweis auf eine bestehende psychosoziale oder soziokulturelle
Belastungssituation abgesprochen werden. Das Bundesgericht wolle also
ausschliessen, dass allein aufgrund psychosozialer und soziokultureller Faktoren direkt
auf das Vorliegen einer Gesundheitsstörung geschlossen werde, ohne dass eine lege
artis diagnostizierte dauernde und erhebliche Gesundheitsstörung mit Krankheitswert
und entsprechenden funktionellen Einschränkungen vorliege. Das klinische
Beschwerdebild dürfe somit nicht einzig in Beeinträchtigungen bestehen, die von den
belasteten soziokulturellen Faktoren herrührten, sondern habe davon psychiatrisch zu
unterscheidende Befunde zu umfassen, beispielsweise eine von depressiven
Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im
fachmedizinischen Sinn oder einen damit vergleichbaren Leidenszustand. Aufgabe des
medizinischen Gutachters bleibe es aber, den Gesundheitsschaden nach rein
medizinischen Grundsätzen zu beurteilen, was einschliesse, dies nach dem in der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/28
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Medizin geltenden bio-psycho-sozialen Gesundheitsmodell zu tun. Der Gutachter [...]
H._ habe seiner Beurteilung stattdessen, wie er offengelegt habe, das
"verrechtlichte" bio-psychische Gesundheitsmodell zugrunde gelegt. Er habe zwar
erwähnt, dass sämtliche Bewertungen auf medizinisch-theoretischer Grundlage
geschehen seien und keine rechtlichen Aspekte implizierten, in der Folge habe er
indessen eine "nichtmedizinische" Ausscheidung von soziokulturellen Faktoren
vorgenommen. Dr. C._ bringe es in ihrer Stellungnahme vom 11. Februar 2017 auf
den Punkt, wenn sie anführe, die langjährige, in wechselnder Schwere bestehende
rezidivierende depressive Störung der Beschwerdeführerin könne nicht ganz remittiert
sein. Die langdauernden depressiven Episoden, die in der Vergangenheit wiederholt zu
Klinik-Aufenthalten geführt hätten, hätten die Beschwerdeführerin in ihren Ressourcen
erschüttert. Auch bei Ausklammerung von psychosozialen Beeinträchtigungen bestehe
keine vollständige Arbeitsfähigkeit. Im Gutachten sei denn auch die Ressourcenprüfung
anhand der Standardindikatoren nicht überzeugend ausgefallen. Wichtig sei aber der
weitere Verlauf der Erkrankung der Beschwerdeführerin: Am 9. März 2017 hätten die
W._ die depressive Störung als gegenwärtig mittelgradig beurteilt. Sie hätten auch
eine bipolare Störung II als Differenzialdiagnose erwogen. Die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin hätten sie auf maximal 40 % geschätzt. Auch dieser Bericht zeige,
dass der Gesundheitszustand deutlich schlechter und die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin deutlich tiefer sei, als es von den Gutachtern angenommen
worden sei. Es bestünden diagnostische Unklarheiten und die depressive Symptomatik
habe möglicherweise seit der Begutachtung wieder zugenommen. Das überrasche bei
einer rezidivierenden Depression nicht. Umso unverständlicher sei deshalb, dass die
Gutachter dieser Erkrankung auch im längerfristigen Gefüge keine Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit beigemessen hätten. Die umfangreichen Akten zeigten, dass die
rezidivierende Depression die Arbeitsfähigkeit immer wieder erheblich eingeschränkt
habe und die Belastung am Arbeitsplatz negative Auswirkungen gehabt habe. Unter
Belastung nähmen die depressiven Verstimmungszustände jeweils zu, was von den
Gutachtern nicht berücksichtigt worden sei. Insgesamt überzeuge das Gutachten
deshalb nicht. Die psychosozialen Faktoren müssten mitberücksichtigt werden. Sie
hätten auch keinen verselbständigten Charakter, so dass man sie klar abtrennen
könnte. Dr. C._ habe zudem festgehalten, die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin läge auch bei Ausklammerung dieser Faktoren nicht bei 100 %.
Seit der Begutachtung scheine ausserdem eine deutliche Verschlechterung eingetreten
zu sein. Auch deshalb könne auf das Gutachten von [...] H._ nicht mehr abgestellt
werden.
D.
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In ihrer Beschwerdeantwort vom 4. September 2017 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Gutachten von [...] H._
und Dr. K._ vom 3. Oktober 2016 entspreche den Anforderungen der
Rechtsprechung. Darauf könne abgestellt werden. Bereits im Rahmen des
Einwandsverfahrens habe der RAD ausführlich zu den Berichten von Dr. C._ vom
11. Februar 2017 und der W._ vom 9. März 2017 Stellung genommen. Zu den (sc.:
früheren) Berichten von Dr. C._ habe auch der Gutachter selber Stellung genommen.
Danach sei nicht von einer schweren Depression, sondern von einer akuten
Belastungsreaktion auszugehen (S. 86 des Gutachtens). Die psychischen Symptome
seien eindeutig der psychosozialen Belastungssituation -
invalidenversicherungsfremden Faktoren - zuzuordnen. Bezüglich der agoraphobischen
Ängste sei keine Therapieempfehlung angesprochen worden, weil keine
Arbeitsunfähigkeit vorliege. Unter Massgabe eines bio-psycho-sozialen
Krankheitskonzeptes sei gemäss dem Gutachten eine adäquate sozialpsychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung mit einem psychosozialen Coaching dringend
anzuraten. Die Beschwerdeführerin finde sich bei der Lösung ihrer finanziellen und
verwaltungsrechtlichen Probleme nicht mehr zurecht und verstricke sich dabei
zunehmend in Beziehungsprobleme. Ein invalidisierender psychischer
Gesundheitsschaden könne nur gegeben sein, wenn das klinische Beschwerdebild
nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung finde,
sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasse. Auch bei einer
diagnostizierten Depressionsstörung seien daher das Beschwerdebild prägende
psychosoziale Belastungsfaktoren bei der Beurteilung der Frage, ob ein
invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege, zu beachten und auszuklammern. Die
rechtsanwendenden Behörden hätten mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die
ärztliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere die genannten Belastungsfaktoren) mitberücksichtigten, die
sozialversicherungsrechtlich unbeachtlich seien. Wo psychosoziale Einflüsse das Bild
prägten, sei bei der Annahme einer rentenbegründenden Invalidität Zurückhaltung
geboten. Der Gutachter sei zur Ansicht gelangt, dass die Psychopathologie der
Beschwerdeführerin von psychosozialen Problemen mit reaktiven psychischen
Symptomen dominiert würden. Wären diese Probleme nicht vorhanden, wäre die
Psychopathologie bland. Auf die medizinisch-theoretische Einschätzung des
Gutachters könne abgestellt werden. Der bio-psycho-soziale Krankheitsbegriff sei im
Rahmen der Arbeitsunfähigkeit nach Art. 6 ATSG nicht massgebend. Art. 17 Abs. 1
ATSG gelange nicht zur Anwendung, weil bisher keine Dauerleistungen ausgerichtet
worden seien. Die neu gestellte Diagnose habe keine quantitative (sondern lediglich
eine qualitative) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge. Die Gutachter hätten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/28
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nicht nur den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Vergleich zur
Referenzlage beurteilt, sondern auch die Arbeitsfähigkeit aktuell eingeschätzt.
E.
Mit Replik vom 3. Oktober 2017 hält der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin an
den Rechtsbegehren fest. Im Bericht der W._ vom 9. März 2017 lediglich eine
abweichende Beurteilung des gleichen Gesundheitszustands zu sehen, werde der
Sache nicht gerecht. Die Beschwerdegegnerin habe nicht erwogen, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zwischen der Begutachtung und der
letzten Untersuchung durch die beiden behandelnden Ärzte weiter verschlechtert
haben könnte. Die behandelnden Ärzte hätten zudem auch den Längsschnitt der
Erkrankung und die bei der Beschwerdeführerin fehlenden Ressourcen berücksichtigt.
Diese Berichte würden erhebliche Zweifel am Gutachten wecken, so dass auf es nicht
abgestellt werden könne. Auch die Berichte der behandelnden Ärzte seien bei der
Beweiswürdigung des Gerichts mitzuberücksichtigen. Die Beschwerdegegnerin
gestehe ein, dass [...] H._ bereits eine rechtliche Beurteilung vorgenommen habe,
weshalb sie den Bericht als direkt anwendbar betrachte. Sie halte es für richtig, dass er
auch rechtliche Überlegungen anstelle. Die Beurteilung vermische jedoch medizinische
und rechtliche Aspekte in unzulässiger Weise. Nur wenn die medizinischen Grundlagen
klar seien, könne auch eine rechtliche Würdigung durch den Rechtsanwender
vorgenommen werden. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin werde eine
neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen von Art. 87 Abs. 3 IVV erfüllt
seien. Trete die Verwaltung - wie hier - auf eine Neuanmeldung ein, habe sie zu prüfen,
ob die glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrads auch tatsächlich
eingetreten sei, und zwar analog zum Verfahren nach Art. 17 ATSG.
F.
Die Beschwerdegegnerin hat am 26. Oktober 2017 an ihrem Antrag festgehalten und
im Übrigen auf die Erstattung einer Duplik verzichtet.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt die angefochtene Verfügung vom 10. April 2017, mit welcher die
Beschwerdegegnerin das Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin vom November
2014 - mit Bezug auf ihren Rentenanspruch - abwies. Es handelte sich beim Gesuch
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um eine Neuanmeldung, nachdem die Beschwerdegegnerin am 30. April 2013 den
Rentenanspruch anpassungsweise eingestellt hatte und nachdem auf eine neue
Anmeldung vom 19./26. September 2013 nicht eingetreten worden war. - Die
Beschwerdegegnerin ist auf das Gesuch vom November 2014 eingetreten, was
angesichts des eingelegten Schreibens von Dr. C._ vom 21. September 2014
(Überweisung der Beschwerdeführerin an eine Tagesklinik) nicht zu beanstanden ist.
Tritt die Verwaltung auf eine Neuanmeldung ein, so hat sie das neue Leistungsgesuch
in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 130 V 253 E. 3.3). - Die
Beschwerdeführerin lässt im Hauptstandpunkt die Zusprache einer Invalidenrente nach
den gesetzlichen Bestimmungen beantragen (eventualiter vorweg weitere medizinische
Abklärungen; nicht aber berufliche Massnahmen).
2.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.
Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Der Arzt sagt, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen
bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist (vgl. BGE 107 V 17 =
ZAK 1982 S. 34). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte
sind im Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE
132 V 99 f. E. 4, BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
2.2.
Nach der Rechtsprechung (BGE 143 V 418 E. 7.1 f., vom 30. November 2017; also
nach der Erstellung des Gutachtens vom 3. Oktober 2016 ergangen, vgl. aber [statt
vieler] Bundesgerichtsurteil 9C_700/2015, E. 3.2, wonach eine neue Rechtsprechung
im Grundsatz sofort und überall anwendbar ist und nicht nur für künftige, sondern für
alle im Zeitpunkt der Änderung hängigen Fälle gilt) sind grundsätzlich (bei Ausnahmen
nach dem jeweiligen Beweisbedarf) sämtliche psychischen Erkrankungen einem
strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 (vom 3. Juni 2015) zu unterziehen,
denn bei sämtlichen psychischen Störungen bestehen trotz variierender Prägnanz der
erhebbaren Befunde im Wesentlichen vergleichbare Beweisprobleme. Für die
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/28
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3.
Der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin wurden im
Zusammenhang mit dem vorliegend zu beurteilenden IV-Gesuch vom November 2014
im September 2016 (Begutachtungen am 16. September 2016 [vgl. IV-act. 199-6 und
Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens sind nach dem genannten BGE 141
V 281 in der Regel diverse Standardindikatoren beachtlich, die in zwei Kategorien
systematisiert werden, nämlich einerseits in der Kategorie des funktionellen
Schweregrads und anderseits in jener der Konsistenz. Zum funktionellen Schweregrad
sind die Komplexe "Gesundheitsschädigung" (mit den Aspekten der Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde, des Behandlungs- und Eingliederungserfolgs oder der
entsprechenden Resistenz und der Komorbiditäten), "Persönlichkeit" (mit
Persönlichkeitsdiagnostik und persönlichen Ressourcen) und "Sozialer Kontext" zu
berücksichtigen. In der Kategorie der Konsistenz geht es um Gesichtspunkte des
Verhaltens, namentlich um eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in
allen vergleichbaren Lebensbereichen und um behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281
E. 4.1.3). Soweit die festgestellte Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer
ähnlichen Erscheinung beruht oder unter dem Einfluss der Folgen der Erzielung eines
sekundären Krankheitsgewinns steht (der rechtlich grundsätzlich unbeachtlich zu
bleiben hat, vgl. BGE 130 V 352), liegt nach der Rechtsprechung regelmässig keine
versicherte Gesundheitsschädigung vor. Hinweise darauf ergeben sich (im
Zusammenhang mit einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung entwickelt)
namentlich, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen
und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen
angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische
Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene
Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im
Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE
141 V 281 E. 2.2).
Die Rechtsanwender überprüfen die ärztlichen bzw. gutachterlichen Angaben nach
der Rechtsprechung (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2.2) frei, insbesondere darauf hin, ob die
Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das
heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (vgl. Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie,
ob die versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter
Grundlage erfolgt ist (vgl. Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG).
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/28
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IV-act. 199-100 und 109]) bidisziplinär begutachtet (bidisziplinäres Gutachten vom
3. Oktober 2016; zum orthopädisch-traumatologischen Aspekt vgl. unten E. 4, zum
psychiatrischen unten E. 5).
4.
Aus dem orthopädisch-traumatologischen Teilgutachten (IV-act. 199-100 ff.) wird
ersichtlich, dass die Vorbefunde zur Kenntnis genommen worden sind. Auch die von
der Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerden wurden berücksichtigt. Es wurde
festgehalten, sie beklage in erster Linie eine konstant vorhandene, aber
belastungsabhängig exazerbierende Schmerzsymptomatik im Bereich der HWS mit
Schmerzfortleitung in das rechte Schultergelenk. Daneben bestehe seit 2005 eine
lumbospondylogene Beschwerdesymptomatik mit Schmerzfortleitung in beide Beine
(IV-act. 199-110), derentwegen vor 16 Tagen eine Diskektomie mit Fenestration L4
links durchgeführt worden sei. Diesbezüglich sei die Beschwerdeführerin noch deutlich
schmerzgeplagt. Die zuvor vorhanden gewesene Gefühlsstörung im Bereich der Beine
sei jedoch deutlich regredient. Schliesslich beklage die Beschwerdeführerin auch einen
ISG-Druckschmerz beidseits und Beschwerden im Bereich des rechten Kniegelenks
(IV-act. 199-111 ff.).
4.1.
Bei der orthopädisch-traumatologischen Begutachtung wurden die klinischen
Befunde erhoben und in nachvollziehbarer Weise beschrieben und es konnten aktuelle
radiologische Bildgebungen beurteilt werden (vgl. IV-act. 199-121 bis 146).
Diagnostisch ergaben sich einerseits ein chronisches lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie (verkürzt wiedergegeben) und anderseits eine
Belastungseinschränkung im Bereich des rechten Schultergelenks bei beginnender
AC-Gelenksarthrose und Tendinopathie der langen Bizepssehne.
4.2.
Beurteilend wurde festgehalten, es habe sich in den einzelnen durchgeführten
Testverfahren eine durchgehende Konsistenz der Untersuchungsbefunde ohne
massgebliche Bewegungseinschränkung der einzelnen Gelenke ergeben. Die Mobilität
der LWS erweise sich 16 Tage nach der Operation nachvollziehbarerweise noch als
eingeschränkt (IV-act. 199-152). Die Beschwerdeführerin sei in der biomechanischen
Funktion der Lendenwirbelsäule und des rechten Schultergelenkes limitiert (IV-
act. 199-156). In uneingeschränkter Übereinstimmung mit der Einschätzung der
Gutachterin Dr. G._ von 2013 sei ab November 2011 von einer anhaltenden
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Pflegehelferin auszugehen (IV-act. 199-158). Für eine behinderungsangepasste,
überwiegend im Sitzen, intermittierend wechselnd belastend im Gehen und Stehen
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/28
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5.
auszuübende Tätigkeit bestehe eine quantitativ unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100 %
(vgl. IV-act. 199-157 i.V.m. -156 f.). Im zeitlichen Verlauf habe für eine adaptierte
Tätigkeit mit dem beschriebenen Leistungsbild seit der ersten Antragstellung im Jahr
2009 bis zum 31. August 2016 keine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Aufgrund der kürzlich erfolgten Operation bestehe zurzeit eine volle Arbeitsunfähigkeit
für jegliche Tätigkeit und eine Wiedereingliederung sei nicht möglich. Nach einer
postoperativen Rekonvaleszenzzeit von etwa drei bis sechs Monaten sei die
Beschwerdeführerin wieder in der Lage, sukzessiv in eine adaptierte Tätigkeit integriert
zu werden.
Die gutachterliche Beurteilung basiert auf vollständigen Untersuchungen und
Kenntnissen der Vorakten. Die Schlussfolgerungen sind überzeugend begründet. Zu
beachten ist, dass trotz kurz vorher erfolgter Operation schon bei der Begutachtung
das HWS-Leiden (vor demjenigen auf Höhe der - operierten - LWS) für die
Beschwerdeführerin vordringlich war (IV-act. 199-110 ff.). Für eine weitere
Arbeitsunfähigkeit macht sie zudem einzig psychiatrische Gründe geltend. Auf das
Ergebnis der orthopädisch-traumatologischen Begutachtung kann daher abgestellt
werden. Es ist demnach davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in
adaptierter Tätigkeit vom 31. August 2016 bis längstens Ende Februar 2017 (spätester
Zeitpunkt des Ablaufs der postoperativen Phase) arbeitsunfähig war.
4.4.
Im psychiatrischen Teilgutachten (IV-act. 199-6 ff.) findet sich die Wiedergabe der
Vorakten (IV-act. 199-10 bis 72). Bei der Begutachtung wurde die Anamnese erhoben.
Der Gutachter erfragte Angaben der Beschwerdeführerin zum aktuellen psychiatrischen
Leiden, darunter namentlich Angaben zum Tagesverlauf und zur Selbsteinschätzung
der Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdeführerin beklagte vor allem eine rasche
Erschöpfbarkeit und innere Blockiertheit. Sie habe keine Lebenskraft mehr; sie habe
ihre Kräfte in den beiden unglücklichen Ehen gelassen. Sie habe ausserdem Angst, in
verschlossenen Räumen (z.B. einem Zug oder einem Lift) zu sein (vgl. IV-act. 199-81).
Der Gutachter erhob in der Folge den Psychostatus (IV-act. 199-84 f.) und die
Blutserumspiegelparameter (IV-act. 199-86 f.).
5.1.
Den Darlegungen zum Befund (IV-act. 199-84 f.) lässt sich unter anderem
entnehmen, dass das inhaltliche Denken der Beschwerdeführerin auf die
psychosozialen Probleme eingeengt sei. Dabei hätten aversive Kognitionen bestanden.
Die Stimmungssituation sei während des Untersuchungsverlaufs leicht gedrückt
gewesen, mit depressiver Verstimmung infolge der erheblichen anhaltenden
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/28
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psychosozialen Probleme. Die Schwingungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei leicht
eingeschränkt, aber auslenkbar gewesen. Es habe keine Hinweise auf einen
Interessensverlust oder auf eine Freudlosigkeit gegeben. Auch ein Antriebsmangel sei
nicht erkennbar gewesen. Es seien subjektive Klagen über Müdigkeit und Erschöpfung
geäussert worden, ausserdem Zukunftsängste und Platzängste. Panikattacken hätten
nicht bestanden, doch ein Vermeidungsverhalten. Klinisch hätten sich Hinweise auf
eine Akzentuierung der Persönlichkeit mit abhängigen Anteilen gefunden. -
Diagnostiziert wurde (als Hauptdiagnose; mit Einfluss lediglich auf die qualitative
Arbeitsfähigkeit) eine Agoraphobie ohne Panikstörung (IV-act. 199-96).
Beurteilend hielt der Gutachter fest, es habe bei der Exploration erneut eine sub
depressive Grundstimmung der Beschwerdeführerin im Rahmen der multiplen und
wachsenden psychosozialen Problematiken bestanden. Neben der finanziellen
Problematik hätten nun die im Zusammenhang mit der Scheidung auftretenden
Schwierigkeiten im Vordergrund der Beschwerdesymptomatologie gestanden. Das
psychopathologische Bild werde dadurch dominiert. Die psychosozialen Probleme
seien konsumierend, weshalb die nachfolgenden subjektiven Müdigkeits- und
Erschöpfungsgefühle der Beschwerdeführerin nachvollziehbar würden. Innerhalb eines
Jahres sei sie schon zum zweiten Mal umgezogen, was mit erheblichen Anstrengungen
verbunden sei. Die auf die prekäre soziale Situation folgenden psychischen Symptome
stünden eindeutig im Zusammenhang mit den multiplen psychosozialen
Belastungssituationen der Beschwerdeführerin. Es handle sich damit eindeutig um ein
invalidenversicherungsfremdes Geschehen, das einer sozialpsychiatrischen Lösung
bedürfe. Schon im ersten Gutachten habe er (der Gutachter) festgehalten, dass unter
Massgabe eines bio-psycho-sozialen Krankheitskonzeptes eine adäquate
sozialpsychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung der Beschwerdeführerin mit
einem sozialen Coaching dringend anzuraten wäre. Die Beschwerdeführerin finde sich
in der Lösung ihrer finanziellen und verwaltungsrechtlichen Probleme nicht mehr
zurecht. Diese Hilfestellung habe sie (sc. in der Folge) abgelehnt. Nun sei das
psychische Störungsbild im Wesentlichen unverändert. Die psychosoziale Situation
habe sich noch weiter zugespitzt. Insofern habe die behandelnde Psychiaterin recht,
wenn sie erkläre, der Verlauf sei ungünstig gewesen (IV-act. 199-93). Die
Beschwerdeführerin habe agoraphobische Ängste angegeben, die seit etwa zwei
Jahren bestünden. Das sei diskrepant zu den Berichten von Dr. C._, die in dieser Zeit
mehrfach berichtet habe. Für eine bipolare Störung habe sich zudem kein Anhaltspunkt
ergeben. Die Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin sei sicherlich durch die
Probleme in der Kindheit mitgeprägt. Es habe sich eine verminderte psychische
Resilienz ergeben, welche Anfälligkeiten für die psychische Stabilität [bzw. für eine
5.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/28
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Instabilität] infolge der psychosozialen Probleme begünstige. Die Psychopathologie
trete aber eindeutig infolge dieser Probleme auf und nicht umgekehrt. Durch die
Eheprobleme und die Scheidung habe sich die psychosoziale Situation wieder
verschärft. Wie sich bisher gezeigt habe, seien diese Probleme auf rein medizinischer
Ebene nicht zu lösen (IV-act. 199-94). Die Blutserumspiegelmessung habe ergeben,
dass das Antidepressivum Venlafaxin im therapeutischen Bereich gelegen habe. Das
schlafanstossende Antidepressivum Trazodon und alle (recte wohl: beide; die
Beschwerdeführerin gab diesbezüglich nur Voltaren und Novalgin an und es wurden
entsprechend auch nur die Wirkstoffe Diclofenac und Metamizol geprüft, vgl. IV-
act. 199-87) Analgetika seien nicht nachweisbar gewesen, was auch durch ein "rapid
cycling" nicht zu erklären sei, da nicht einmal Spuren hätten nachgewiesen werden
können. Das lasse den Leidensdruck der Beschwerdeführerin hinterfragen (IV-
act. 199-94). Es bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der
zuletzt ausgeübten und in einer adaptierten Tätigkeit. Aus rein psychiatrischer Sicht sei
eine Wiedereingliederung jederzeit möglich (IV-act. 199-97).
Vorweg ist anzumerken, dass die Gutachter (beide) zu Unrecht davon ausgingen,
dass das Sozialversicherungsgericht des Kantons N._ die Einwände der
Beschwerdeführerin gegen die ehemalige Einstellung der Rente (vom April 2013)
verhandelt und die Einstellung bestätigt habe (vgl. Orthopäde, IV-act. 199-105, -108,
-151; Psychiater IV-act. 199-89). Das Gericht ist jedoch auf die Beschwerde nicht
eingetreten (IV-act. 103).
5.4.
Der Gutachter der Psychiatrie hielt fest, alle seine Bewertungen im Zusammenhang
mit der Arbeitsfähigkeit seien auf medizinisch-theoretischer Grundlage erfolgt und
würden keine rechtlichen Aspekte implizieren. Bei der Bewertung der beruflichen
Leistungsfähigkeit seien unter anderem die bundesgerichtlichen Vorgaben -
Standardindikatoren - und das IV-Rundschreiben Nr. 339 berücksichtigt worden (IV-
act. 199-96).
5.5.
Unter den Gesichtspunkten dieser Standardindikatoren ist im Einzelnen zu
erwähnen, dass der Gutachter in den Befunden leichte Beeinträchtigungen feststellte
(IV-act. 199-84 f.). Zur Frage des Behandlungs- und Eingliederungserfolgs ist dem
Gutachten zu entnehmen, dass die psychiatrische Therapie die eigentlichen -
psychosozialen - Probleme nicht zu lösen vermöge. Sie sollte aber auf eine
Bereitschaft der Beschwerdeführerin hinwirken, bezüglich jener Probleme Hilfe
anzunehmen. Auf medizinischer Ebene seien diese nicht zu lösen. Bei der
Beschwerdeführerin fallen des Weiteren die Agoraphobie, die anhaltende somatoforme
5.5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/28
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Schmerzstörung und die rezidivierende depressive Störung, bei der Begutachtung
remittiert, als Komorbiditäten zusammen (IV-act. 199-96), was als Erschwernis zu
werten ist. Dazu kommt - ebenfalls erschwerend -, dass ihre Persönlichkeitsstruktur die
Beschwerdeführerin gemäss dem Gutachten für psychische Instabilität anfällig macht,
dass also ihre psychische Resilienz vermindert ist (vgl. IV-act. 199-94). Was den Aspekt
einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen betrifft, lässt sich dem Gutachten entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin wegen der Rückenschmerzen vor- und nachmittags abliege. Die
Nachbarin helfe ihr bei den Tätigkeiten, die sie nicht selbst erledigen könne (vgl. IV-
act. 199-82). Dies sind ersichtliche Einschränkungen; im Übrigen pflegt sie Kontakte,
nimmt Termine wahr, macht Besorgungen und versorgt _ Hunde (IV-act. 199-82).
Aus den Akten ist bekannt, dass im Jahr 2007 und über den Wechsel von 2010/2011
zwei längere Klinikaufenthalte (gut zwei und ca. dreieinhalb Monate lang; daneben ein
weiterer zweitägiger Aufenthalt) stattgefunden hatten; zurzeit der Begutachtung
erfolgten einmal monatlich psychiatrische Konsultationen (IV-act. 199-83). Die
Beschwerdeführerin selbst erkennt gemäss Angaben bei der Begutachtung bei sich
keine Ressourcen (IV-act. 199-82). Der Leidensdruck wurde im Gutachten wegen
Noncompliance bei der medikamentösen Behandlung (IV-act. 199-94) in Frage gestellt;
das betrifft die beiden erwähnten Schmerzmittel und Trittico (vgl. oben E. 5.3 sowie IV-
act. 199-82 und -87). Im orthopädisch-traumatologischen Teilgutachten wurden keine
Hinweise auf eine Noncompliance gefunden (IV-act. 199-154). Der Gutachter der
Psychiatrie erwähnte ausserdem wie oben dargelegt eine Diskrepanz im
Zusammenhang mit den agoraphobischen Ängsten, die nach Angaben der
Beschwerdeführerin seit zwei Jahren bestünden, aber von Dr. C._ nicht erwähnt
worden seien. Die Psychiaterin hatte in einem Arztbericht vom 30. November 2014
(Fremd-act. 4-19 f.) allein (aber immerhin) eine Angst der Beschwerdeführerin erwähnt,
Mitmenschen zu begegnen. Wie bei der orthopädischen Begutachtung festgestellt,
hatten sich weder bei der Anamneseerhebung noch bei der klinischen Untersuchung
Hinweise auf eine etwaige Verdeutlichungstendenz gezeigt (IV-act. 199-155; die Tests
wurden von ihr im Gegenteil regelrecht durchgeführt, vgl. z.B. IV-act. 199-127, -129). -
Die beweismässigen Aspekte (Standardindikatoren) wurden demnach bei der
Begutachtung berücksichtigt.
Der Gutachter der Psychiatrie hat sich auch mit dem Verlauf und mit
abweichenden Beurteilungen auseinandergesetzt. Er erklärte, nach seinem letzten
Gutachten (vom Januar bzw. Februar 2013) habe Dr. C._ am 9. Mai 2013 eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig, diagnostiziert und diese
mit der prekären sozialen Lage mit massiver Verschuldung begründet. Sie habe
5.6.
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berichtet, die Beschwerdeführerin entgleise unter der schwierigen psychosozialen
Situation. Damit habe die behandelnde Psychiaterin beschrieben, dass die sehr
schwierige soziale Lage das psychopathologische Bild dominiere. Ihr sei offensichtlich
nicht bewusst, dass diese Probleme invaliditätsfremde Faktoren darstellen würden.
Auch im Überweisungsbericht in die Tagesklinik vom 21. September 2014 habe sie auf
die prekäre soziale Lage der Beschwerdeführerin hingewiesen, die zu deren sozialem
Rückzug geführt habe. Sie habe auch berichtet, weil der Lebenspartner krank
geworden sei, sei die Beschwerdeführerin in eine depressive Krise gestürzt. In ihrem
Bericht vom 6. April 2015 sei die Diagnose geändert worden. Die Diagnosen der Klinik
S._ erachtete der Gutachter nicht als nachvollziehbar. Denn der Eintrittsgrund sei
eine schwere affektive Reaktion auf ein vorausgegangenes psychosoziales Ereignis
(Streit mit dem Vermieter wegen finanzieller Probleme) gewesen. Es sei von einer
akuten Belastungsreaktion auszugehen (vgl. IV-act. 199-91 f.).
Im psychiatrischen Gutachten wurde schliesslich festgehalten, es liege kein
invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vor, der die
Beschwerdeführerin durch handicapierende Funktionsstörungen mittel- und langfristig
in der Arbeitsfähigkeit einschränke. Kurzfristig könne es durch die - seit der letzten
Begutachtung weiter zugespitzten - psychosozialen Probleme zu
Arbeitsunfähigkeitszeiten gekommen sein (IV-act. 199-95). Die Psychopathologie der
Beschwerdeführerin werde von diesen Problemen (mit reaktiven psychischen
Symptomen) dominiert (vgl. IV-act. 199-95). Die psychosozialen Belastungsfaktoren
seien als invalidenversicherungsfremd einzustufen und von den Fähigkeitsstörungen zu
trennen, die durch krankheitsbestimmte Störungen hervorgerufen würden (IV-
act. 199-98). Die erhebliche Diskrepanz zur Beurteilung der behandelnden Psychiaterin
liege im Umstand, dass sie auch sozialpsychiatrische Belastungsfaktoren
mitberücksichtige (vgl. IV-act. 199-3 und -97).
5.7.
Die Beschwerdeführerin lässt geltend machen, der Gutachter der Psychiatrie sei
von einem unmassgeblichen Krankheitsmodell ausgegangen. Die psychosozialen
Faktoren könnten sich zudem dann mittelbar invaliditätsbegründend auswirken, wenn
sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den
Wirkungsgrad der Folgen eines Gesundheitsschadens verschlimmern würden, der
unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehe.
5.7.1.
Das Bundesgericht hat den bio-psycho-sozialen Krankheitsbegriff als im Rahmen
der Arbeitsunfähigkeit nach Art. 6 ATSG rechtlich nicht massgebend bezeichnet (BGE
143 V 418 E. 6) und es als rechtmässig erachtet, dass [schon] ein medizinischer
5.7.2.
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Gutachter sich nicht von diesem Modell hat leiten lassen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom
25. September 2019, 9C_436/2019 E. 4.2.4). - Wenn der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang eine Schwierigkeit erkennt, so erfolgt
das insofern zu Recht, als eine rechtliche Überprüfung der zumutbaren Leistung einer
versicherten Person dann massgeblich erschwert wäre, wenn ein Arzt bei der
medizinischen Beurteilung aus juristischen Gründen vorweg Befunde ausblendete und
diese gar nicht mehr erkenntlich wären. Anders ist es allerdings, wenn er lediglich
darauf achtet, dass er ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (vgl. Art. 7 Abs. 2 erster Satz
ATSG), und darauf, dass die versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf
objektivierter Grundlage erfolgt (vgl. Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG), wie es die
Rechtsprechung vorsieht (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2.2). - Entscheidend ist im Ergebnis
jedenfalls allgemein die nach einem weitgehend objektivierten Massstab
vorzunehmende Beurteilung, ob und inwiefern die versicherte Person trotz ihres ärztlich
diagnostizierten Leidens zumutbarerweise einer angepassten Arbeit nachgehen kann
und ihr schliesslich die Verwertung ihrer (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren
Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch zumutbar ist (vgl. BGE
141 V 281 E. 3.7.3 und BGE 139 V 547, BGE 127 V 294).
Das Beschwerdebild mitprägende psychosoziale und soziokulturelle
Belastungsfaktoren, soweit sie unmittelbar (direkt) die Symptomatik beeinflussen und
nicht bloss mittelbar eine (verselbstständigte) Gesundheitsschädigung aufrechterhalten
oder ihre (unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden) Folgen
verschlimmern, sind nach der Rechtsprechung als nicht invalidisierende und damit
nicht versicherte Faktoren auszuscheiden. Ein invalidisierender psychischer
Gesundheitsschaden kann nur gegeben sein, wenn das klinische Beschwerdebild nicht
einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet,
sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 15. März 2017, 8C_14/2017 E. 5.3). Allerdings: "Soweit ein
verselbständigter Gesundheitsschaden im Rechtssinne gegeben ist (vgl. BGE 127 V
294 E. 5a S. 299), ist für dessen Anspruchserheblichkeit nicht bedeutsam, ob soziale
Umstände bei seiner Entstehung eine massgebende Rolle
spielten" (Bundesgerichtsurteil vom 20. Dezember 2011, 9C_776/2010 E. 2.3.3;
wiedergegeben in BGE 139 V 547 E. 3.2.2, vgl. auch Bundesgerichtsurteil vom
7. Februar 2012, 9C_736/2011 E. 2.3.3).
5.7.3.
Vorliegend hat der medizinische Gutachter, wie sich aus dem oben Dargelegten
ergibt, eine eigenständige psychiatrische Erkrankung, die von Einfluss auf die
5.7.4.
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6.
7.
(quantitative) Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin wäre, ausgeschlossen. Es handle
sich um auf psychosoziale Probleme hin reaktive psychische Symptome. Ohne diese
Probleme wäre die Psychopathologie bland (vgl. IV-act. 199-95).
Diese gutachterliche medizinische Beurteilung erscheint stichhaltig, weil sie auf
einer Kenntnis der Vorakten und auf einer fachärztlichen Untersuchung
(Verlaufsbegutachtung nach einem schon früheren Gutachten) basiert und
nachvollziehbar begründet ist. Die abweichende Beurteilung der behandelnden Ärzte
vermag dagegen im Beweiswert nicht anzukommen.
5.8.
Aus den nach der Begutachtung vom September 2016 ergangenen Berichten ist
für den vorliegend massgeblichen Sachverhalt (bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung am 10. April 2017) nichts relevant Anderes anzunehmen. Die gemäss dem
Bericht der O._ Klinik P._ vom 7. November 2016 (IV-act. 203) festgestellte
Peroneusparese rechts bewirkt nach Auffassung des RAD (vom 4. Januar 2017, IV-
act. 205) keine zusätzliche Einschränkung einer - bereits anderweitig unter bestimmte
Voraussetzungen gesetzten - adaptierten Tätigkeit.
6.1.
Es kann mit dem RAD (IV-act. 220, vom 10. April 2017) davon ausgegangen
werden, dass sich aus dem Bericht der W._ vom 9. März 2017 keine Aspekte
ergaben, die nicht auch bei der (jüngeren) Begutachtung schon bekannt gewesen
wären. Die W._ wies auf das Vorliegen der bekannten rezidivierenden depressiven
Störung hin (IV-act. 219-2). Anhaltspunkte für eine bipolare Störung hatte der
Gutachter nicht gefunden (vgl. IV-act. 199-94). Es kann angenommen werden, dass die
Diagnoseerhebung im Gutachten vollständig erfolgte. Der Bericht der W._ vom
9. März 2017 wurde nach zwei Konsultationen abgegeben und hatte damit im Vergleich
zum Gutachten eine wesentlich schmälere Basis. Von einer wesentlichen Veränderung
im Zeitablauf nach der Begutachtung vom September 2016 ist damit nicht
auszugehen.
6.2.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (lit. c). Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach
7.1.
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8.
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art. 29 Abs. 1 ATSG. - Wurde die Rente nach Verminderung des Invaliditätsgrades
aufgehoben, erreicht dieser jedoch in den folgenden drei Jahren wegen einer auf
dasselbe Leiden zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit erneut ein rentenbegründendes
Ausmass, so werden bei der Berechnung der Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
früher zurückgelegte Zeiten angerechnet (vgl. Art. 29 IVV).bis
Zusammenfassend ergibt sich nach dem Dargelegten, dass die
Beschwerdeführerin ehemals aus psychiatrischen Gründen einen Rentenanspruch
gehabt (eine Wartezeit also bestanden) hatte. Dieser war aufgrund einer in einem
Gutachten vom 23. Februar 2013 festgestellten vollen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit gemäss (in Rechtskraft erwachsener)
Verfügung vom 30. April 2013 wegen entsprechenden Wegfalls eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades anpassungsweise eingestellt worden. Im
November 2014 stellte die Beschwerdeführerin ein neues Gesuch. Gemäss dem
Gutachten vom 3. Oktober 2016 bestand in der Tätigkeit als Pflegehelferin (über den
Zeitpunkt der Renteneinstellung hinaus, seit November 2011) weiterhin
Arbeitsunfähigkeit. Für eine (unter verschiedenen Kriterien) adaptierte Tätigkeit war die
Beschwerdeführerin gemäss diesem Gutachten später für eine Zeit vom 31. August
2016 nach einer Rückenoperation bis längstens Ende Februar 2017 auch in adaptierter
Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig, davor und danach aber war sie dafür voll
arbeitsfähig. Die genannte vorübergehende postoperative Arbeitsunfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit geht demnach einerseits auf ein anderes (als das psychische)
Leiden zurück und trat anderseits erst eine lange Zeit (namentlich mehr als drei Jahre)
nach dem Wiedererreichen der vollen Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit und der
Leistungseinstellung ein, während welcher der Beschwerdeführerin bereits ein Wechsel
in eine adaptierte Tätigkeit (mit einer entsprechenden neuen Validenkarriere) zumutbar
gewesen war. Bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit im August 2016
ist demnach von einem weiteren Versicherungsfall auszugehen (vgl. dazu das
Bundesgerichtsurteil vom 3. Juli 2013, 9C_677/2012 [im Unterschied zu jenem vom
5. Oktober 2017, 9C_412/2017, mit erheblich geringerem zeitlichem Abstand; vgl. auch
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1. September 2014,
IV 2012/173 E. 5.2). Die Voraussetzungen für einen Rentenanspruch wurden im
vorliegend zu beurteilenden Zeitraum nicht erfüllt.
7.2.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtmässig.7.3.
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Was den Anspruch auf berufliche Massnahmen betrifft, ist anzumerken, dass sich die
Beschwerdeführerin dazu im Juni 2012 nicht mehr in der Lage gefühlt hatte (vgl. IV-
act. 80). Auch bei der Begutachtung vom September 2016 erachtete sie sich noch als
nicht arbeitsfähig; es gebe für sie mit ihren multiplen Beschwerden keine adaptierte
Tätigkeit (IV-act. 199-120). In ihrem Einwand vom 9. März 2017 (IV-act. 218) hielt sie in
der Folge fest, mit ihren Erkrankungen sei es ihr nicht möglich, mit vollem Pensum zu
arbeiten bzw. sofort voll einzusteigen, doch bemühe sie sich weiterhin um Arbeit im
Teilpensum und sei bereit für eine berufliche Eingliederung. - In Anbetracht der
aktenkundigen krankheitsbedingten Beeinträchtigungen - wenn sie auch in adaptierter
Tätigkeit nicht quantitativ arbeitsunfähig machen - wird die Beschwerdeführerin
voraussichtlich erfolgreich einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung geltend machen
können.
9.