Decision ID: e9602134-979f-4123-b5f6-e1339b09aacc
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung
Berufungen gegen ein Urteil des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Horgen vom 29. Juni 2011 (FE070180)
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Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2, Urk. 3, Prot. I S. 3, S. 50):
Es sei die Ehe der Parteien gestützt auf Art. 112 ZGB zu scheiden,  gerichtlicher Regelung der Scheidungsfolgen.
Urteil des Bezirksgerichtes Horgen vom 29. Juni 2011 (Urk. 161):
1. Die Ehe der Gesuchsteller wird geschieden.
2. Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Gesuchsteller verpflichtet
hat, an die Kosten des Unterhalts der gemeinsamen, mündigen Tochter
C._, geboren tt.mm.1992, monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten
eines jeden Monats Unterhaltsbeiträge in der Höhe der ihm ausbezahlten
Kinderrenten von AHV und E._ (derzeit in der Höhe von Fr. 1'965.–)
zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder vertraglicher Kinder- respektive Ausbil-
dungszulagen zu bezahlen, erstmals ab Rechtskraft des Scheidungsurteils
bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung oder bis
der Anspruch auf Bezug der Kinderrenten erlischt. Diese Unterhaltsbeiträge
sind an die Gesuchstellerin zu bezahlen, solange die Tochter C._ in
deren Haushalt lebt und gegenüber dem Gesuchsteller keine andere Zahl-
stelle bekannt gibt.
Zudem wird davon Vormerk genommen, dass der vorgenannte Unterhalts-
beitrag im Rahmen der direkten Überweisung der AHV-Kinderrente an die
Gesuchstellerin im Umfang von Fr. 928.– monatlich getilgt wird.
3. Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Gesuchsteller verpflichtet
hat, sich an ausserordentlichen Kosten für C._ (z.B. Zahn- und Kiefer-
korrekturen) nach vorher eingeholtem Einverständnis und nach Vorlage der
Rechnungen hälftig an den nicht von anderen Kostenträgern (wie insbeson-
dere durch Versicherungen) gedeckten Kosten zu beteiligen.
4. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin persönlich lebens-
länglich monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 2'915.– zu bezahlen, zahlbar
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monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats, erstmals ab
Rechtskraft des Scheidungsurteils.
5. Die Unterhaltsbeiträge gemäss Ziffern 2 und 4 werden nicht indexiert.
6. Die Ansprüche der Parteien nach Art. 124 ZGB werden durch die lebens-
länglichen Unterhaltsbeiträge des Gesuchstellers an die Gesuchstellerin
persönlich abgegolten.
Das Begehren um einen darüber hinausgehenden Ausgleich wird abgewie-
sen.
7. Das Begehren um Sicherstellung der lebenslangen Rente wird abgewiesen.
8. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin in Abgeltung der gü-
terrechtlichen Ansprüche eine Ausgleichszahlung von Fr. 28'662.– zu bezah-
len, zahlbar innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Scheidungsurteils.
Im Übrigen behält jede Partei vom ehelichen Vermögen, was sie derzeit be-
sitzt oder auf ihren Namen lautet.
9. Die Schulden verbleiben im internen Verhältnis bei derjenigen Partei, auf
welche sie lauten.
10. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf Fr. 9'000.–.
11. Die Gerichtskosten werden dem Gesuchsteller zu 40% und der Gesuchstel-
lerin zu 60% auferlegt, der Anteil der Gesuchstellerin jedoch zufolge Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse ge-
nommen. Die Gesuchstellerin wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 92
ZPO ZH hingewiesen.
12. Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, dem Gesuchsteller eine reduzierte Par-
teientschädigung von Fr. 500.– zu bezahlen.
13. (Schriftliche Mitteilung)
14. (Berufung)
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Berufungsanträge:
I. Berufung des Gesuchstellers (Erstberufung)
Gesuchsteller (Urk. 162):
"1. Es sei Ziffer 4 des Urteils des Bezirksgerichts Horgen vom 29. Juni 2011,
S. 36, wie folgt zu ändern: '4. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der  persönlich lebenslänglich monatliche Unterhaltsbeiträge von CHF 712 eventualiter von CHF 2'134 zu bezahlen, ...'
2. Es sei Ziffer 8 des Urteils des Bezirksgerichts Horgen vom 29. Juni 2011,
S. 36, wie folgt zu ändern: '8. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der  in Abgeltung der güterrechtlichen Ansprüche eine  von maximal CHF 10'931 zu bezahlen, ...'
3. Es sei Ziffer 11 des Urteils des Bezirksgerichts Horgen vom 29. Juni 2011,
S. 36 f., wie folgt zu ändern: '11. Die Gerichtskosten werden dem  zu 10% und der Gesuchstellerin zu 90% auferlegt, ...'
4. Es sei Ziffer 12 des Urteils des Bezirksgerichts Horgen vom 29. Juni 2011,
S. 37, wie folgt zu ändern: '12. Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, dem Gesuchsteller eine Parteientschädigung von CHF 1'000 zu bezahlen.'
5. Der Berufungsbeklagten seien die Kosten dieses Berufungsverfahrens anzu-
lasten."
Gesuchstellerin (Urk. 169):
"1. Die Berufung des Gesuchstellers/Beklagten/Berufungsklägers sei abzuwei-
sen.
2. Der Berufungskläger sei zu verpflichten, der Berufungsbeklagten für das vor-
liegende Berufungsverfahren einen Prozesskostenvorschuss von Fr. 4'000.– zu bezahlen. Eventualiter sei der Berufungsklägerin die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung durch die Unterzeichnete zu .
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Berufungsklä-
gers."
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II. Berufung der Gesuchstellerin (Zweitberufung)
Gesuchstellerin (Urk. 190/162):
"1. In Gutheissung der Berufung seien die in Ziff. 4 des angefochtenen Urteils
auf Fr. 2'915.00 angesetzten Unterhaltsbeiträge auf Fr. 4'740.00 zu erhöhen.
2. In Gutheissung der Berufung sei Ziff. 5 des angefochtenen Urteils aufzuhe-
ben und es seien die Unterhaltsbeiträge für die Gesuchstellerin zu .
3. In Gutheissung der Berufung sei Ziff. 7 des angefochtenen Urteils aufzuhe-
ben und es die Vorsorgeeinrichtung des Gesuchstellers anzuweisen, die  für die Gesuchstellerin gemäss Ziff. 1 der Berufung direkt auf das Konto der Berufungsklägerin zu überweisen.
4. In Gutheissung der Berufung sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin
im Sinne einer angemessenen Teilentschädigung nach Art. 124 ZGB den Betrag von Fr. 50'000.00 zu bezahlen.
5. Ziff. 11 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und es seien die Kosten
des vorinstanzlichen Verfahrens dem Gesuchsteller zu 60% und der  zu 40% aufzuerlegen, der Anteil der Gesuchstellerin jedoch  der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6. Ziff. 12 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und es sei der Gesuch-
stellerin eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 500.00 zu bezahlen.
7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Berufungsbeklag-
ten.
8. Der Berufungsklägerin sei für das Berufungsverfahren die unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsverbeiständung durch die Unterzeichnete zu gewähren."
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Erwägungen:
I.
1. Die Parteien heirateten am tt. März 1992. Sie haben eine gemeinsame
Tochter, C._, geboren am tt.mm.1992 (Urk. 4/2, Urk. 4/3). Die Parteien leben
seit dem 1. Mai 2005 getrennt. Mit Verfügung des Einzelrichters im summarischen
Verfahren am Bezirksgericht Horgen vom 5. Juli 2005 wurde C._ für die
Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut der Gesuchstellerin gestellt und die
Vereinbarung über die weiteren Nebenfolgen des Getrenntlebens vorgemerkt
bzw. genehmigt (Urk. 5/17).
2. Am 19. Juli 2007 ging das gemeinsame Scheidungsbegehren bei der Vo-
rinstanz ein (Urk. 1, Urk. 3). Für den Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens
kann auf das angefochtene Urteil verwiesen werden (Urk. 161 S. 2 f.). Am 29. Ju-
ni 2011 fällte die Vorinstanz das eingangs im Dispositiv aufgeführte Urteil.
3. Am 28. Juli 2011 ging hierorts rechtzeitig die Berufungsschrift des Ge-
suchstellers ein (Urk. 162, Urk. 160/1). Die Berufungsanträge sind eingangs auf-
geführt. Der Gesuchsteller leistete fristgerecht einen Vorschuss von Fr. 6'000.–
(Urk. 166). Die Berufungsantwort datiert vom 24. Oktober 2011 (Urk. 169). Am
17. November 2011 nahm der Gesuchsteller zum Gesuch um Leistung eines Pro-
zesskostenvorschusses, zum Armenrechtsgesuch, zu den neu eingereichten Un-
terlagen und zu den mit diesen Unterlagen in Zusammenhang stehenden Be-
hauptungen Stellung (Urk. 174). Am 31. Januar 2012 erging die Vorladung zur
Verhandlung betreffend Prozesskostenvorschuss / unentgeltliche Rechtspflege
und zur Einigungsverhandlung sowie die Aufforderung zur Urkundenedition (Urk.
182).
4. Am 8. September 2011 ging hierorts ebenfalls rechtzeitig die Berufungs-
schrift der Gesuchstellerin ein (Urk. 191/162, Urk. 160/2). Die Berufung der Ge-
suchstellerin wurde unter der Geschäfts-Nr. LC110057 angelegt. Die Berufungs-
anträge sind eingangs aufgeführt. Mit Beschluss vom 20. September 2011 wurde
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das Armenrechtsgesuch abgewiesen und die Gesuchstellerin zur Leistung eines
Kostenvorschusses aufgefordert (Urk. 191/165). Am 21. November 2011 stellte
die Gesuchstellerin den Antrag auf Leistung eines Prozesskostenvorschusses
durch die Gegenpartei und ersuchte – eventualiter – erneut um Gewährung des
Armenrechts (Urk. 191/171). Der Gesuchsteller nahm am 6. Januar 2012 Stel-
lung (Urk. 191/175). Am 31. Januar 2012 wurden die Parteien auf den 14. März
2012 zur Verhandlung betreffend Prozesskostenvorschuss / unentgeltliche
Rechtspflege und zur Einigungsverhandlung vorgeladen sowie zur Urkundenediti-
on aufgefordert (Urk. 191/178).
5. Anlässlich der Verhandlung vom 14. März 2012 schlossen die Parteien –
nach Durchführung einer persönlichen Befragung – folgende
Vereinbarung (Urk. 190, 191/180):
"1. Die Parteien erklären übereinstimmend, dass die Dispositiv Ziffern 1 bis 3
des Urteils des Bezirksgerichts Horgen vom 29. Juni 2011 (FE070180) nicht
angefochten werden und demzufolge mit dem heutigen Tag in Rechtskraft
erwachsen.
2. Der Gesuchsteller verpflichtet sich, der Gesuchstellerin persönlich monatli-
che Unterhaltsbeiträge im Sinne von Art. 125 ZGB wie folgt zu bezahlen.
- Fr. 3'500.– ab Rechtskraft des diese Vereinbarung genehmigenden Ur-
teils bis 31. März 2013
- Fr. 3'000.– ab 1. April 2013 bis zum Eintritt der Gesuchstellerin ins or-
dentliche AHV-Alter
- Fr. 1'700.– unbefristet ab Eintritt der Gesuchstellerin ins ordentliche AHV-
Alter
zahlbar monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten jeden Monats.
Der Unterhaltsbeitrag ist aktiv und passiv unvererblich und unabänderlich.
Im Umfang von Fr. 1'700.– fällt der Unterhaltsbeitrag auch im Falle der Wie-
derverheiratung der Gesuchstellerin nicht dahin.
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3. Der Unterhaltsbeitrag gemäss Ziffer 2 hievor basiert auf dem Landesindex
der Konsumentenpreise des Bundesamtes für Statistik, Stand Ende Februar
2012 mit 99.1 Punkten (Basis Dezember 2010 = 100 Punkte). Er ist jeweils
im Fr. 1'700.– übersteigenden Umfang auf den 1. Januar eines jeden neuen
Jahres, erstmals per 1. Januar 2013, dem Stand des Indexes per Ende No-
vember des Vorjahres anzupassen. Die Anpassung erfolgt gemäss folgender
Formel:
Neuer Unterhaltsbeitrag = alter Unterhaltshaltsbeitrag x neuer Index alter Index
Weist der Gesuchsteller nach, dass sich sein Einkommen nicht im Umfange
der Teuerung erhöht hat, so erhöht sich der Unterhaltsbeitrag (im Fr. 1'700.–
übersteigenden Umfang) an die Gesuchstellerin nur im Verhältnis der tat-
sächlichen eingetretenen Einkommenserhöhung.
4. Der Anspruch der Gesuchstellerin aus Vorsorgeausgleich (angemessene
Entschädigung im Sinne von Art. 124 ZGB) wird durch die Unterhaltsbeiträge
gemäss Ziffer 1 hiervor abgegolten.
5. Der Gesuchsteller verpflichtet sich, der Gesuchstellerin in Abgeltung ihrer
güterrechtlichen Ansprüche eine Ausgleichszahlung von Fr. 28'500.– zu be-
zahlen, zahlbar innert 30 Tagen ab Rechtskraft des diese Vereinbarung ge-
nehmigenden Urteils.
Im Übrigen behält jede Partei, was sie derzeit besitzt oder auf ihren Namen
lautet. Die Schulden verbleiben im internen Verhältnis bei derjenigen Partei,
auf welche sie lauten.
6. Mit Erfüllung dieser Vereinbarung erklären sich die Parteien güter- und ehe-
rechtlich vollständig auseinandergesetzt.
7. Die Vereinbarung basiert auf folgenden finanziellen Grundlagen:
Einkommen Gesuchsteller: Fr. 7'501.60 netto (ohne Kinderrenten) Einkommen Gesuchstellerin: ca. Fr. 1'700.– netto; ab 1. April 2013:
Fr. 2'300.– (hypothetisch)
Bedarf Gesuchsteller: Fr. 3'726.– (Grundbetrag Fr. 1'100.–; Miete Fr. 1'300.– KVG Fr. 296.–; Weitere Gesundheitskosten Fr. 100.–, Hausrat/Haftpflicht Fr. 30.–,
Telefon/Billag Fr. 150.–, Steuern Fr. 750.–)
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Bedarf Gesuchstellerin (allein): Fr. 3'512.95 (Grundbetrag Fr. 1'200.–; Miete Fr. 1'300.–; KVG Fr. 252.95; Weitere Gesundheitskosten Fr. 100.–, Hausrat/ Fr. 60.–, Telefon/Billag Fr. 150.–, Steuern Fr. 300.–, Fahrspesen Fr. 150.–)
Vermögen Gesuchsteller: Fr. 23'584.– per 31.12.2011 Vermögen Gesuchstellerin: Fr. 0.–
8. Die Parteien übernehmen die Gerichtskosten beider Instanzen je zur Hälfte.
9. Sie verzichten für beide Instanzen gegenseitig auf Prozessentschädigung.
[10.] Die Gesuchstellerin zieht ihre Gesuche um Leistung eines Prozesskosten-
vorschusses und die eventualiter gestellten Armenrechtsgesuche zurück.
[11.] Die Parteien verzichten auf weitere Ausführungen in den beiden (zu vereini-
genden) Berufungsverfahren und ersuchen um Genehmigung dieser Verein-
barung."
II.
1. Die selbständig eingereichten und bis anhin separat geführten Berufun-
gen beschlagen das gleiche Scheidungsverfahren und sind aus Zweckmässig-
keitsgründen zu vereinigen (Art. 125 ZPO). Geschäfts-Nr. LC110057 ist somit mit
Geschäfts-Nr. LC110046 zu vereinigen und unter dieser Nummer weiterzuführen.
Geschäfts-Nr. LC110057 ist als dadurch erledigt abzuschreiben. Die Akten aus
Geschäfts-Nr. LC110057 sind als Urk. 191/161-180 zu den Akten des vorliegen-
den Verfahrens zu nehmen.
2. Mit der in Ziffer 1 der Vereinbarung abgegebenen Erklärung sind die Dis-
positiv-Ziffern 1 bis 3 des angefochtenen Urteils am 14. März 2012 in Rechtskraft
erwachsen, was vorzumerken ist. Von dem in der Vereinbarung erklärten Rück-
zug der Gesuche um Leistung eines Prozesskostenvorschusses und der eventua-
liter gestellten Armenrechtsgesuche ist ebenfalls Vormerk zunehmen.
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III.
1. a) Das angefochtene Urteil wurden den Parteien am 1. bzw. 7. Juli 2011
zugestellt. Damit ist auf das Berufungsverfahren die eidgenössische Zivilprozess-
ordnung (ZPO) vom 19. Dezember 2008 anzuwenden (Art. 405 Abs. 1 ZPO).
Demgegenüber richtete sich das erstinstanzliche Verfahren nach der zürcheri-
schen Zivilprozessordnung (ZPO/ZH; Art. 404 Abs. 1 ZPO).
b) Das Gericht genehmigt die Vereinbarung über die Scheidungsfolgen,
wenn es sich davon überzeugt hat, dass die Ehegatten sie aus freiem Willen und
nach reiflicher Überlegung geschlossen haben und sie klar, vollständig und nicht
offensichtlich unangemessen ist (Art. 279 Abs. 1 ZPO). Im Bereich des Vorsorge-
ausgleichs hat das Scheidungsgericht den Sachverhalt von Amtes wegen festzu-
stellen (Art. 277 Abs. 3 ZPO) und sich von der Angemessenheit der getroffenen
Regelung zu überzeugen.
c) Ziffer 4 der Vereinbarung ist infolge eines Redaktionsversehens dahinge-
hend zu berichtigen, als der Anspruch der Gesuchstellerin aus Vorsorgeausgleich
durch die Unterhaltsbeiträge gemäss Ziffer 2 der Vereinbarung abgegolten wird.
2. a) Der Gesuchsteller wurde per 30. April 2009 pensioniert (Urk. 91/4, Urk.
103/4), weshalb der Vorsorgeausgleich nach Art. 124 ZGB durchzuführen ist. Die
Gesuchstellerin hat Anspruch auf eine angemessene Entschädigung, die sich
primär am gesetzlichen Konzept der hälftigen Teilung der Austrittsleistungen ge-
mäss Art. 122 ZGB zu orientieren hat, soweit dies im konkreten Einzelfall möglich
ist (BGE 133 III 401, 404).
b) Im vereinbarten Unterhaltsbeitrag ist ein Vorsorgeanteil von rund
Fr. 1'700.– enthalten, welcher der Gesuchstellerin lebenslänglich erhalten bleibt.
Die Vorsorgeeinrichtung des Gesuchstellers bezifferte die während der Ehe er-
worbene Freizügigkeitsleistung per 30. April 2009 auf Fr. 566'226.20 (Urk. 143/5).
Unter Hinzurechnung einer Barauszahlung (1996) von Fr. 106'000.– (FamKomm
Scheidung/Baumann/Lauterburg, N 42 zu Art. 124 ZGB) und nach Abzug von
Einkäufen aus "Eigengut" von mindestens Fr. 37'100.– zuzüglich BVG-Zins von
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2. April 2002 bis 30. April 2009 (Art. 22 Abs. 3 FZG; Urk. 32/8 in Verbindung mit
Urk. 15/15) errechnet sich ein Teilungssubstrat von rund Fr. 627'000.–, wovon der
Gesuchstellerin grundsätzlich die Hälfte (Fr. 313'500.–) zusteht.
c) Der Gesuchsteller ist nicht in der Lage, die angemessene Entschädigung
in Form einer Kapitalleistung zu erbringen. Sie muss daher in Rentenform er-
bracht werden. Seit 1. Mai 2009 bereits ausgerichtete Rentenbetreffnisse sind
nicht in Abzug zu erbringen (FamKomm Scheidung/Baumann/Lauterburg, N 33 ff.
zu Art. 124 ZGB; a.M. BGE 131 III 1, 8 f.); da die Gesuchstellerin bereits seit
1. Mai 2009 vom Renteneinkommen des Gesuchstellers in Form von Unterhalts-
zahlungen profitiert (der vorsorglich festgesetzte Unterhaltsbeitrag beträgt
Fr. 3'385.30 [Urk. 108]), ist als Rechnungstag der Verrentung der 1. Mai 2009
einzusetzen.
d) Ein Geschiedenen-Witwenrentenanspruch ist ungewiss und allenfalls in
der Höhe des BVG-Obligatoriums und im Leistungen anderer Versicherungen
(AHV/IV) übersteigenden Umfange zu erwarten (Art. 20 Abs. 2 BVV2). Die Ver-
rentung hat daher auf das Leben des Mannes zu erfolgen (FamKomm Schei-
dung/Baumann/Lauterburg, N 76 zu Art. 124 ZGB). Wird ein Kapital (Barwert) von
Fr. 313'500.– per 1. Mai 2009 mit einem Kapitalisierungszinsfuss von 2% verren-
tet, ergibt sich eine Jahresrente von Fr. 20'460.– bzw. eine monatliche Rente von
Fr. 1'710.–. Mit einer monatlichen, lebenslänglichen Rente von Fr. 1'700.– wird
die Gesuchstellerin angemessen entschädigt.
3. Die Gesuchstellerin verfügt über eine Matur und war vor der Ehe als Ein-
käuferin in einem Industriebetrieb in F._ [Staat in Europa] tätig. Nach Ehe-
schluss war sie in der Schweiz praktisch nicht mehr erwerbstätig (Prot. I S. 15, S.
31; Urk. 21 S. 12, Urk. 5/16 S. 4). Bereits in Eheschutz- und Massnahmeverfah-
ren war der Gesuchstellerin – basierend auf einer Vereinbarung – ab 1. August
2006 ein hypothetisches Einkommen von Fr. 1'700.– angerechnet worden (Urk.
5/16+17, Urk. 89 S. 6 f.). Diese Einkünfte wurden von der Gesuchstellerin im Jah-
re 2011 denn auch annähernd erzielt (Urk. 187/26+27). Mit einem Unterhaltsbei-
trag von Fr. 1'800.– (nebst den für den Vorsorgeaufbau "reservierten" Fr. 1'700.–)
vermag die Gesuchstellerin den in Ziffer 7 der Vereinbarung deklarierten Bedarf
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zu decken. Um ihren Bedarf ab 1. April 2013 bei einem um Fr. 500.– reduzierten
Unterhaltsbeitrag weiterhin decken zu können, wird die Gesuchstellerin ihr Ein-
kommen auf rund Fr. 2'300.– erhöhen müssen. Die damit geforderte Ausdehnung
der Erwerbstätigkeit trägt der sie treffenden Erwerbsobliegenheit einerseits und
ihrem Alter sowie ihren gesundheitlichen Problemen (Urk. 171/3, Urk. 189 S. 6 f.)
andererseits gebührend Rechnung. Die einzige Tochter der Parteien war bereits
am tt.mm.2008 sechzehn Jahre alt geworden. Die der Gesuchstellerin gewährte
Umstellungsfrist erscheint nicht unrealistisch kurz. Ab Eintritt ins AHV-Alter kommt
die Gesuchstellerin in den Genuss von (eigenen) Versicherungsleistungen, so
dass sich die Herabsetzung des Unterhaltsbeitrages auf Fr. 1'700.– rechtfertigt.
Der Gesuchsteller vermag seinerseits mit den ihm verbleibenden Einkünften von
Fr. 4'000.– bzw. Fr. 4'500.– (ab 1. April 2013) seinen eigenen Bedarf zu bestrei-
ten. Die vereinbarte Unterhaltsregelung ist damit genehmigungsfähig.
4. Die Parteien haben in Ziffer 2 der Vereinbarung eine Änderung des ge-
samten Unterhaltsbeitrags ausgeschlossen (Art. 127 ZGB) und in Ziffer 3 der
Vereinbarung eine automatische Anpassung des Fr. 1'700.– übersteigenden Teils
des Unterhaltsbeitrags an die Teuerung vorgesehen (Art. 128 ZGB). Diese Rege-
lung ist so zu verstehen, dass eine (nachträgliche) Änderung des Unterhaltsbei-
trags mit Ausnahme der Teuerungsanpassung gemäss Ziffer 3 der Vereinbarung
ausgeschlossen ist.
Im Übrigen ist die Vereinbarung klar und vollständig. Sie wurde aus freiem
Willen und nach reiflicher Überlegung abgeschlossen und ist daher zu genehmi-
gen.
5. Ihren Berufungsantrag auf Sicherstellung der Unterhaltsverpflichtung in
Form einer Schuldneranweisung (Urk. 191/162 S. 2 und S. 10 f.) hat die Gesuch-
stellerin nicht explizit zurückgezogen. Die Parteien haben in der Vereinbarung je-
doch auf eine Schuldneranweisung verzichtet, so dass keine solche anzuordnen
ist. Im Übrigen hätte auf diesen Antrag ohnehin nicht eingetreten werden können,
da er eine Klageänderung bedeutet (Art. 317 ZPO). In der Replik hatte die Ge-
suchstellerin nämlich noch gestützt auf Art. 124 ZGB die Sicherstellung der Ent-
schädigungsente in Form einer Bankgarantie beantragt (Urk. 105 S. 3, S. 19).
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IV.
Vereinbarungsgemäss sind die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Ver-
fahrens den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen. Der Anteil der Gesuchstellerin für
das erstinstanzliche Verfahren ist zufolge der ihr gewährten unentgeltlichen Pro-
zessführung (Urk. 89) einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen unter Hinweis
darauf, dass sie zur Nachzahlung der ihr erlassenen Gerichtskosten und Ausla-
gen für die Vertretung verpflichtet werden kann, wenn sie in günstige finanzielle
Verhältnisse kommen sollte (§ 92 ZPO/ZH). Für das erst- und zweitinstanzliche
Verfahren sind aufgrund der gegenseitigen Verzichtserklärungen keine Prozess-
entschädigungen zuzusprechen.