Decision ID: e3469a5d-e892-4ab8-a239-1798ec61a078
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 11. September 2022 in der Schweiz um
Asyl nach.
B.
Die Abnahme der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers war (...) nicht
möglich; entsprechend konnte kein Abgleich mit der europäischen Finger-
abdruck-Datenbank «Eurodac» durchgeführt werden (vgl. Akten der Vo-
rinstanz [SEM-act.] 7/2; 9/2; 12/2). Seine Angaben bei der Gesuchsregist-
rierung und der Personalienaufnahme (SEM-act. 2/2; 4/1; 8/9; 13/3), die
ihm an der Schweizer Grenze abgenommenen Unterlagen (SEM-act. 6/25)
sowie die eingereichte schwedische Aufenthaltsbewilligung – gültig bis (...)
– ergaben, dass der Beschwerdeführer bereits (...) in Schweden ein Asyl-
gesuch gestellt hatte und er dort am (...) als Flüchtling anerkannt worden
war.
C.
Anlässlich des persönlichen Gesprächs vom 22. September 2022 gemäss
Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-
ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-
nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-
stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend:
Dublin-III-VO) führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er lebe
bereits seit ungefähr acht Jahren mit einem internationalen Schutzstatus in
Schweden. Er werde dort jedoch von einem Paar, mit welchem er zuvor
eine sexuelle Beziehung gehabt und zusammengelebt habe mittels porno-
graphischen Aufnahmen von ihm bedroht und erpresst. Er habe die Auf-
nahmen gestohlen und in einen Fluss geworfen, woraufhin das Paar, das
über enge Verbindungen zur Polizei und zum «Ministerium» verfüge, bei
der Polizei Anzeige erstattet habe. Er sei deshalb von ihm unbekannten
Personen zuhause angegriffen und geschlagen worden. Später sei er von
zwei Polizisten für einen angeblichen Bluttest in ein Spital gebracht wor-
den, wo man ihm eine Spritze verabreicht habe, deren Inhalt man ihm auch
auf Nachfrage nicht mitgeteilt habe. Er habe deshalb bei der Polizei An-
zeige erstattet, jedoch habe ihm dort niemand geholfen. Auch die Anzeige
gegen das Paar habe nichts gebracht. Er habe aus Angst vor weiteren An-
griffen nicht mehr nach Hause gehen können und habe deshalb auf der
Strasse geschlafen. Das Paar habe Geld und Macht und er fürchte sich bei
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einer Rückkehr nach Schweden vor weiteren Angriffen. Zudem würden we-
gen seiner sexuellen Orientierung auch seine Freunde nichts mehr mit ihm
zu tun haben wollen. Er leide aufgrund seiner Angst unter Schlafproble-
men.
D.
Am 23. September 2022 ersuchte das SEM die schwedischen Behörden
um Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf die Rückfüh-
rungsrichtlinie Nr. 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in
den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehö-
riger (Rückführungsrichtlinie) sowie das bilaterale Rückübernahmeabkom-
men zwischen Schweden und der Schweiz und das Europäische Abkom-
men zur Übernahme der Verantwortung für Flüchtlinge (SR 142.305).
E.
Die schwedischen Behörden stimmten dem Ersuchen am 30. September
2022 zu und bestätigten, dem Beschwerdeführer am 23. Dezember 2015
den Flüchtlingsstatus zuerkannt zu haben (SEM-act. 17/2).
F.
Die Vorinstanz unterbreitete dem Beschwerdeführer am 8. November 2022
den ablehnenden Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Der Beschwerde-
führer äusserte sich dazu mit Schreiben vom 9. November 2022.
G.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung trat das SEM in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. a Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Weg-
weisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. Ferner wurde der Kan-
ton Bern mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt und die Aushändi-
gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Be-
schwerdeführer angeordnet.
H.
Mit Schreiben vom 11. November 2022 erklärte die bisherige Rechtsvertre-
terin das Mandatsverhältnis für beendet.
I.
Mit in englischer Sprache verfasster Laienbeschwerde vom 15. November
2022 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer,
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die Verfügung vom 9. November 2022 sei aufzuheben und auf sein Asyl-
gesuch sei einzutreten. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewäh-
rung der aufschiebenden Wirkung sowie der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
J.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
16. November 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Parteieingaben vor den Behörden des Bundes sind grundsätzlich in ei-
ner schweizerischen Amtssprache abzufassen (Art. 70 Abs. 1 BV und
Art. 33a Abs. 1 VwVG). Indes wird aus prozessökonomischen Gründen auf
eine Rückweisung der englischsprachigen Beschwerdeeingabe verzichtet,
zumal diese grundsätzlich verständlich ist. Der vorliegende Entscheid
ergeht in deutscher Sprache (Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist fristgerecht eingereicht worden. Sie enthält zudem
Rechtsbegehren, die Unterschrift des Beschwerdeführers sowie eine
– wenn auch nur rudimentäre – Begründung. Da an eine Laienbeschwerde
keine hohen formellen Anforderungen zu stellen sind, ist die Eingabe – mit
Ausnahme der Einreichung der Beschwerde nicht in einer Amtssprache –
als formgerecht zu qualifizieren. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren
vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung
besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Be-
schwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie
Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.4 Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung
zu (Art. 55 Abs. 1 VwVG) und das SEM hat der Beschwerde die aufschie-
bende Wirkung nicht entzogen (Art. 55 Abs. 2 VwVG). Auf das Gesuch, der
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Beschwerde sei aufschiebende Wirkung zu erteilen, ist daher mangels
Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
4.
Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt –
als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schrif-
tenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln (Art. 111a
Abs. 1 und 2 AsylG).
5.
Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht einge-
treten, wenn die asylsuchende Person in einen sicheren Drittstaat nach
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher
aufgehalten hat. Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen
Feststellungen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5
Abs. 1 AsylG besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG).
Durch den Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden
sämtliche Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Frei-
handelsassoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
5.1 Das SEM stellt in der angefochtenen Verfügung fest, dass Schweden
ein sicherer Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG sei, der
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Beschwerdeführer dort als Flüchtling anerkannt sei und Schweden sich am
30. September 2022 bereit erklärt habe, ihn zurückzunehmen.
Weiter führt die Vorinstanz aus, gemäss Art. 25 Abs. 2 VwVG sei einem
Begehren um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft in der Schweiz nur
dann zu entsprechen, wenn ein schutzwürdiges Interesse nachgewiesen
werde. Dieser Nachweis könne aber nicht gelingen, wenn bereits ein Dritt-
staat die Flüchtlingseigenschaft festgestellt und ihm Schutz vor Verfolgung
gewährt habe, was vorliegend der Fall sei. Er könne nach Schweden
zurückkehren, ohne eine Rückschiebung in Verletzung des Non-Refoule-
ment-Prinzips zu befürchten. Auf sein Asylgesuch werde somit nicht einge-
treten.
Sodann sei der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich.
Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Bedrohung
durch Drittpersonen sei festzuhalten, dass Schweden ein Rechtsstaat mit
einer funktionierenden, schutzwilligen und -fähigen Polizeibehörde sei und
er sich bei einer Furcht vor Übergriffen an die zuständigen staatlichen
Stellen wenden könne. Die Schilderungen des Beschwerdeführers be-
treffend angeblich verweigertem Schutz durch die schwedische Polizei
hätten sodann keine konkreten Hinweise für eine gegenteilige Annahme
enthalten. Schweden habe ausserdem die Richtlinie 2011/95/EU des euro-
päischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 (Qualifika-
tionsrichtlinie) umgesetzt. Entsprechend können sich Personen mit Schutz-
status darauf berufen und diese nötigenfalls auch gerichtlich einfordern.
Auch könne er sich jederzeit an private und internationale Organisationen
wenden.
Hinsichtlich seines Gesundheitszustandes sei festzuhalten, dass der me-
dizinische Sachverhalt vorliegend als ausreichend erstellt erachtet werde,
um eine Zulässigkeit und Zumutbarkeit der Überstellung nach Schweden
beurteilen zu können. Eine drohende Verletzung von Art. 3 EMRK aufgrund
der geschilderten gesundheitlichen Beeinträchtigungen sei nicht anzuneh-
men. Ebenfalls könne ausgeschlossen werden, dass eine medizinische
Notlage bestehe und sich sein Gesundheitszustand bei einer Rückkehr
nach Schweden drastisch verschlechtern würde. Schweden verfüge zu-
dem über eine ausreichende medizinische Infrastruktur.
5.2 Der Beschwerdeführer hält dem in seiner Rechtsmitteleingabe sinnge-
mäss entgegen, sein Leben sei in Schweden in Gefahr. Er habe auf der
Strasse gelebt, weil er sich gefürchtet habe, in seinem Zuhause aufgesucht
zu werden. Er habe versucht, in eine andere Stadt zu ziehen, das nütze
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jedoch nichts. Er werde trotzdem gefunden und habe dann wieder die glei-
chen Probleme. Er sei von einer Gruppe von schlechten Menschen ausge-
nutzt und gezwungen worden, Dinge zu tun, die er nicht habe tun wollen.
Diese würden ihn weiterhin wie einen Sklaven behandeln wollen, weshalb
er nicht nach Schweden zurückkehren wolle.
5.3 Das SEM hat seinen Nichteintretensentscheid zutreffend damit begrün-
det, dass der Beschwerdeführer nach Schweden und damit in einen siche-
ren Drittstaat gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, wo
er sich vorher aufgehalten hat und als Flüchtling anerkannt worden ist. Mit
der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der Erteilung einer (verlän-
gerbaren) Aufenthaltsbewilligung haben die schwedischen Behörden dem
Beschwerdeführer Schutz vor Verfolgung gewährt, so dass er nach Schwe-
den zurückkehren kann, ohne eine Rückschiebung in Verletzung des Non-
Refoulement-Gebotes befürchten zu müssen. Der Beschwerdeführer hat
denn auch weder im erstinstanzlichen Verfahren noch auf Beschwerde-
ebene vorgebracht, es würde ihm in Schweden eine Rückschiebung in sei-
nen Heimatstaat unter Verletzung des Refoulement-Verbots drohen. Die
schwedischen Behörden haben sich am 30. September 2022 bereit erklärt,
den Beschwerdeführer zurückzunehmen. Das SEM hat demzufolge zu
Recht ein schutzwürdiges Interesse des Beschwerdeführers an der Fest-
stellung der Flüchtlingseigenschaft in der Schweiz verneint und ist gestützt
auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG zu Recht auf das Asylgesuch nicht einge-
treten.
6.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt
oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je
m.w.H.). Die Wegweisung wurde somit zu Recht angeordnet.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
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der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
Vorliegend ist einzig der Vollzug der Wegweisung nach Schweden einer
Prüfung zu unterziehen, nicht aber ein solcher in den Heimat- oder Her-
kunftsstaat des Beschwerdeführenden.
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
7.3 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die Ver-
mutung, dass sie ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalten. Gestützt
auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegwei-
sung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (vgl. Anhang
2 der Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung sowie der
Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL, SR 142.281]).
Es obliegt der betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzu-
stossen. Damit dies gelingt, hat sie ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzu-
bringen, dass die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten
Einzelfall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz ge-
währen oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen wür-
den respektive dass sie im in Frage stehenden Staat aufgrund von indivi-
duellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in
eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. statt vieler das Urteil des
BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4).
7.4 Das SEM hat die Vorbringen des Beschwerdeführers in der angefoch-
tenen Verfügung ausführlich gewürdigt und zutreffend dargelegt, weshalb
seine Überstellung nach Schweden völkerrechtlich zulässig und zumutbar
ist. Zwecks Vermeidung von Wiederholungen kann vollumfänglich auf die
entsprechenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung und die
vorstehende Erwägung 5.1 verwiesen werden. Der Beschwerdeführer be-
schränkt sich in seiner Eingabe vom 15. November 2022 darauf, seine im
vorinstanzlichen Verfahren geltend gemachten Vorbringen in zusammen-
gefasster und vager Form zu wiederholen (vgl. E. 5.2). Damit gelingt es
ihm nicht, die in Art. 6a AsylG und Art. 83 Abs. 5 AIG enthaltenen Legalver-
mutungen umzustossen. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich dem-
nach als zulässig und zumutbar.
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7.5 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
Vermutung, dass Schweden seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen
nachkommt und eine Wegweisung in diesen Staat auch zumutbar ist, um-
zustossen. Da die schwedischen Behörden ihrer Rückübernahme zuge-
stimmt haben, ist der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu be-
zeichnen. Die Vorinstanz ist somit zu Recht von der Zulässigkeit, Zumut-
barkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen. Eine An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (vgl. Art. 83 Abs. 1-
4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf diese
einzutreten ist.
9.
9.1 Mit dem vorliegenden Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
9.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich
aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeich-
nen sind.
9.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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