Decision ID: 7e4d163e-81fb-4bb2-b767-bbdc93ed3eeb
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
47
, bezieht seit dem 1.
September
20
10
eine
AHV-Rente
(Urk.
11/A
).
Am
31. August 2010 m
eldete er sich
bei
m
Amt für Zusatz
leistungen zur AHV/IV der Stadt Zürich
(nachfolgend: AZL)
zum Bezug von Zu
satzleistungen (ZL) an (Urk.
11/6). Das AZL richtete ihm ab
September 2010
Er
gänzungsleistungen
(EL)
, Beihilfe und Gemeindezuschüsse aus (Urk. 11/98/1-6). Mit Schreiben vom
6. Juni 2012 teilte er dem AZL mit, dass er
ab
dem
1.
Juli 2012
ein
en
Untermieter habe, der für die Hälfte des
Nettom
ietzinses
und der Neben
kosten
aufkomme (Urk. 11/51).
Mit Verfügung vom 8. Juni 2012 berech
nete das AZL die Zusatzleistungen neu und reduzierte
ab dem 1.
Juli 2012 die
Ergän
zungs
leistung
von Fr. 16‘290.-- (Urk. 11/98/5 S. 3) auf Fr. 10‘716.-- pro Jahr. Ausser
dem verneinte
es
ab 1. Juli 2012
den Anspruch auf den
Gemeinde
zu
schuss
(Urk. 11/98/7 S. 3).
Dage
gen erhob
der
Versicherte mit
E-Mail
vom
25. Juni 2
0
12
(Urk. 11/55),
ergänzt mit E-Mail vom 29. Juni und 4. Juli 2012 (
Urk.
11/56) sowie
bestätigt mit Unterschrift vom
6.
August 2012 (
Urk.
11/58),
Einsprache und rügte
die Streichung des Gemeindezuschusses
. Mit
Einsprache
entscheid
vom
27. August 2012
wies
das AZL
die Einsprache
ab
(Urk. 2).
2.
Gegen diesen Entscheid erhob
der
Versicherte mit Eingabe vom
25. September 2012
Beschwerde und beantragte
sinngemäss
, der
Einspracheentscheid
vom 27. August 2012
sei
aufzuheben und es sei
ihm der Gemeindezuschuss ab dem 1. Juli 2012
weiterhin
zuzusprechen
(Urk. 1
S. 2
). Die Beschwer
de
gegnerin schloss in der
Beschwer
deantwort vom
7. Januar 2013
auf Abweisung der Be
schwerde (Urk.
10
S. 2
).
Der Beschwerdeführer hielt in der Replik vom 31. Ja
nuar 2013
sinngemäss
an seinen Anträgen fest (Urk. 14 S. 2). Die
Beschwerde
gegnerin
reichte keine
wei
tere Stellungnahme
ein
(
Urk.
17).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Vor
aussetzungen nach Art. 4-6 des seit dem 1. Januar 2008 gülti
gen Bundes
geset
zes über Ergän
zungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
versi
cherung vom 6. Oktober 2006 (ELG) erfüllen, Zusatzleis
tungen bestehend aus
Ergänzungs
leistungen, Beihilfen und Zuschüssen zur Deckung ihres
Existenz
be
darfs
(Art. 2 Abs. 1 ELG; §§ 1, 13, 15 und 20 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Zusatz
leistungen zur eidgenös
sischen Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
versicherung, ZLG).
1.2
Die Ergänzungsleistungen bestehen aus der jährlichen Ergänzungsleistung, wel
che monatlich ausbezahlt wird (Art. 3 Abs. 1
lit
. a ELG), sowie aus der Vergü
tung von Krankheits- und Behinderungskosten (Art. 3 Abs. 1
lit
. b ELG). Die jährliche Ergänzungsleistung hat dem Betrag zu entsprechen, um den die aner
kannten
Ausgaben
die
anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG).
Ergänzungsleistungen werden ausgerichtet, um Bezügerinnen und Bezü
gern von Renten der Alters- und Hinterlassenen- oder der Invaliden
ver
siche
rung das Existenzminimum zu gewährleisten, ohne dass die Ver
sicherten Sozial
hilfe beziehen müssen; mit ihnen soll der Grundbedarf gedeckt werden. Dabei besteht kein Anspruch auf volle Vergütung aller effektiv anfallenden Auslagen (
Urteil
des Bundesgerichts
9C_787/2011
vom 2
0.
April 2012
E. 4.2)
.
1.3
1.3
Gemäss §
§
15 und 19a
Abs.
3 des Gesetzes über die Zusatzleistungen zur eidge
nössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ZLG) finden die Vorschriften, die für die jährliche Ergänzungsleistung nach
Art.
9 ff. ELG gelten, entsprechende Anwendung auf die Beihilfen und Zuschüsse, soweit im ZLG nichts Abweichendes bestimmt ist.
Gemäss
§
20
Abs.
1 ZLG können die Gemeinden Gemeindezuschüsse zu den Beihilfen gewähren, die nicht als Einkommen anzurechnen sind.
Soweit für die Gemeindezuschüsse nichts Abweichendes bestimmt ist, gelten für diese laut
§
20a ZLG die allgemeinen Verfahrensbestimmungen des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
Art.
27-61)
.
1.
4
1.4.1
Nach
Art.
1
Abs.
1
der V
erordnung
der Stadt Zürich
über den Vollzug des
ZLG
und die Gewährung von Gemeindezuschüssen (Zusatzleistungsverordnung
; AS
831.110
)
gewährt
die
Stadt
Zürich
Gemeindezuschüsse zu den Zusatz
leistun
gen gemäss
dieser (
Zusatz
leistungs
-)Verordnung.
Die Gemeindezuschüsse be
ste
hen
gemäss
Abs.
2
dieser Bestimmung
aus
jährlichen Gemeindezuschüssen
(
a)
,
Pflegekostenzuschüssen
(b),
Einmal
zulagen
(
c)
und
ausser
ordentlichen
Gemein
dezuschüssen
(d).
A
usserordentliche Gemeindezuschüsse
können
Zusatzleistungsberechtigten der Stadt Zürich
z
ur Überbrückung einmaliger und wegen besonderer Umstän
de
ein
getretener Notlagen ge
währt werden
(
Art.
11
Abs.
1
Zusatzleistungsver
ord
nung
)
.
1.4.2
Die Frage, ob der jährliche Gemeindezuschuss für den Unterhalt
nicht oder nur teil
weise benötigt wird, ist
nach
Art.
1
Abs.
1 der
Ausführungsbestimmungen zur
Zusatzleistungs
verordnung der Stadt Zürich
(
AZVO
; AS 831.111
)
primär auf
g
rund
einer wirtschaftlichen Betrach
tungs
weise zu entscheiden.
Bei der Beur
teilung der wirtschaftlichen Situation werden sämtliche
Einnahmen voll
um
fänglich berücksichtigt
(
Abs.
2)
.
1.4.3
G
emäss Art. 2
lit
. a
AZVO
ist
d
er jährliche Gemeindezuschuss
b
ei
Allein
stehen
den
, die mit anderen volljährigen
Personen im gleichen Haus
halt leben, welche nicht in
der gleichen Berechnung der Zusatzleistungen einbe
zo
gen
sind und k
einen Anspruch auf eine Kinder-
beziehungsweise
Waisenrente
zur AHV/IV begründen, zu verweigern
.
A
uf eine Anwendung von Art. 2
AZVO kann ausnahmsweise verzichtet werden
, wenn a) damit ein Sozialhilfebezug verhindert werden kann, oder b) die pau
schale Verweigerung des jährlichen Gemeindezuschusses zu einem stossenden Ergebnis führen würde
(Art. 3 AZVO).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen Entscheid auf den Stand
punkt,
der Gemeindezuschuss sei dem Beschwerdeführer zu verweigern, da er seine Wohnung mit einem Untermieter teile. Ob der Beschwerdeführer über ein Vermögen von weniger als Fr. 8‘000.-- verfüge, wie er geltend gemacht habe, spiele diesbezüglich keine Rolle. Unerheblich sei auch, dass sein Wohnpartner Sozia
lhilfe beziehe. Dies
bedeute
gerade
, dass dessen Bedarf inklusive
Wohn
kosten
durch die Sozialleistungen abgedeckt sei. Zudem bestehe keine ge
setz
li
che Pflicht des Beschwerdeführers zu dessen Unterstützung, weshalb ein Ab
wei
chen von der Vorschrift in
Art.
2 AZVO nicht geboten sei. Auch
sei offen
sicht
lich, dass der Beschwerdeführer selbst auch bei Streichung des
Gemeinde
zu
schusses
keine Sozialhilfe beziehen müsste, zumal bei der Er
mittlung des An
spruchs auf Zusatzleistungen keinerlei fiktive Einnahmen oder Ver
mö
gens
werte im Sinne von
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG (Verzichtsvermögen und -ein
kommen) angerechnet würden
(
Urk.
2 S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer
macht
dagegen
geltend
,
er betrachte es als seine eheliche Pflicht
als Ehemann
, seine von ihm
seit dem
1.
Juli 2003
getrennt lebende Ehe
frau
finanziell zu unterstützen, zumal sie nicht geschieden seien. Daher
habe er beschlossen, ab dem 1.
Juli 2012 einen Untermieter in seiner Wohnung auf
zu
nehmen, damit die Wohnungskosten geteilt werden könnten und er selber eini
germassen finanziell überlebensfähig bleibe (Urk. 1, Urk. 14 S. 2).
3.
3.1
Der in
Art.
2
lit
. a AZVO getroffenen Regelung, wonach die Gemeindezuschüsse insbesondere bei Alleinstehenden, die mit anderen volljährigen Personen im gleichen Haushalt zusammenleben, verweigert werden, liegt die Überlegung zu
grunde, dass sie infolge des gemeinsamen Wirtschaftens tiefere Lebenshaltungs
kosten haben, ähnlich wie verheiratete Personen, denen ein geringerer
Lebens
bedarf
zugestanden wird (Urteile des Sozialversicherungsgerichts
ZL.2011.00099 vom
5.
April 2013, ZL.2006.0009 vom 2
4.
September 2007 mit weiteren Hinweisen).
3.2
Der Beschwerdeführer bewohnt eine Zweizimmerwohnung, für die er bis 3
0.
September 2012 monatlich
Fr.
929.-- einschliesslich Nebenkosten (
Urk.
11/53) und ab
1.
Oktober 2012
Fr.
936.-- (
Urk.
11/81) zahlte. Gemäss Untermietvertrag vom
1.
Juli 2012 (
Urk.
11/52), stellte er dem Untermieter eines der beiden Zimmer sowie die Mitbenützung von Wohnzimmer, Küche, Bad, Waschküche und Kellerabteil zu einem monatlichen Mietzins von
Fr.
465.-- zu
züglich
Fr.
14.-- für Elektrisch,
Fr.
22.-- für Gas und
Fr.
6.-- für Radio/TV, somit total für
Fr.
507.-- im Monat zur Verfügung.
Für eine weitergehende Beteiligung des Untermieters an den Haushaltkosten, etwa für Lebensmittel, Wasch- oder Reinigungsmittel, bietet die Aktenlage keine Anhaltspunkte. Bei solchen Verhältnissen kann nicht von einer Haushalt- oder Wirtschaftsgemeinschaft gesprochen werden, die gemäss
Art.
2
lit
. a AZVO zur Verweigerung des Gemeindeszuschusses führt. Denn von dieser Bestimmung sind nur Formen des Zusammenlebens wie Konkubinate, Wohn- und
Familien
gemeinschaften
erfasst, die die Lebenshaltungskosten jeder daran beteiligten Person merklich verringern (Urteil des Sozialversicherungsgerichts
ZL.2011.00999 vom
5.
April 2013 mit Hinweis auf die Weisung des Stadtrates an den Gemeinderat vom
8.
Juni 2005 (GR Nr. 2005/222;
www.gemeinderat-zuerich.ch
). Ein reines Untermietverhältnis hingegen, bei dem beide Parteien ei
nen eigenen Haushalt führen und sich lediglich die Kosten für die Miete teilen, wirkt sich auf die Lebenshaltungskosten nicht aus, so dass hier auch keine Bes
serstellung gegenüber von Ehepaaren oder Familiengemeinschaften gegeben ist.
Die Verweigerung des Gemeindezuschusses gestützt auf
Art.
2
lit
. a AZVO erweist sich damit als unzulässig.
3.3
Das soeben Gesagte hat zur Folge, dass dem Beschwerdeführer die gesamten Einnahmen aus dem Untermietverhältnis als Einkommen anzurechnen sind und anderseits der gesamte Mietzins - sofern er den anrechenbaren Maximalbetrag nicht übersteigt, was hier nicht zutrifft - an anerkannte Ausgabe zu berücksich
tigen ist (vgl. Urteil des Sozialversicherungsgerichts ZL.2013.00020 vom 3
0.
Januar 2014). Die tatsächlich geleisteten Zahlungen ergeben sich aus der Zusammenstellung auf der Rückseite von
Urk.
11/82 und beliefen sich in den Monaten Juli bis September 2012 auf total
Fr.
1‘479.2
0.
Die Beschwerdegegnerin, an welche die Sache zurückzuweisen ist, wird den Anspruch des Beschwerdeführers auf Ergänzungs- und Zusatzleistungen sowie auf den Gemeindezuschuss ab
1.
Juli 2012 neu zu berechnen beziehungsweise neu zu prüfen und anschliessend erneut darüber zu befinden haben.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen