Decision ID: 25442707-0287-5e3b-b8dc-6e2c4ac2c4c5
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Versicherungsleistungen (Taggelder, IV-Rente)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war bei der B._ AG seit 11. März 1985 als angelernter Anschläger für
Schiebe- sowie Spezialtüren tätig und dadurch bei der Suva unfallversichert. Am 29.
Juli 2003 zog er sich während den Betriebsferien eine Schnittverletzung an der linken
Mittelhand zu (UV-act. 1, 4). Die Suva anerkannte ihrer Leistungspflicht. Nach ärztlichen
Behandlungen und Abklärungen stellte sie die Taggeldleistungen mit Verfügung vom
27. Januar 2005 per 31. Januar 2005 ein. Da dem Versicherten die Möglichkeit zur
Verfügung stehe, eine seinem Leiden angepasste Tätigkeit ohne Lohneinbusse
auszuführen, seien die Voraussetzungen für die Ausrichtung weiterer Geldleistungen
(Taggeld, Rente) nicht erfüllt. Gemäss kreisärztlicher Beurteilung könne der Anspruch
auf Ausrichtung einer Integritätsentschädigung erst später geprüft werden (UV-act. 55).
Diese Verfügung wurde im anschliessenden Einspracheverfahren (Entscheid vom 11.
Juli 2005; UV-act. 79) und im Beschwerdeverfahren (Entscheid des st. gallischen
Versicherungsgerichts vom 28. Februar 2006, UV 2005/77; UV-act. 83) bestätigt. Mit
Verfügung vom 16. Oktober 2006 sprach die Suva dem Versicherten eine
Integritätsentschädigung auf der Basis einer Integritätseinbusse von 15% zu (UV-act.
91). Diese Verfügung bestätigte sie mit Einspracheentscheid vom 1. Juni 2007 (UV-act.
112).
A.b Am 14. September 2009 reichte die Arbeitslosenversicherung der Suva für den
Versicherten eine Schadenmeldung (Rückfall) ein (UV-act. 121), nachdem der Ver
sicherte seit Juni 2009 im Kantonsspital St. Gallen untersucht und behandelt worden
war (UV-act. 121a, 131). Die Suva erbrachte Versicherungsleistungen und stellte diese
mit Schreiben vom 5. Dezember 2009 wieder ein mit dem Hinweis, dass von weiteren
Therapien keine wesentliche Verbesserung der Situation zu erwarten sei (UV-act. 137).
Anlässlich einer erneuten Konsultation im Kantonsspital St. Gallen am 17. Dezember
2009 klagte der Versicherte über eine zunehmende Hyposensibilität an den Fingern II
und IV der linken Hand (UV-act. 138). In der Verfügung vom 17. Januar 2012 hielt die
Suva fest, dass sich (seit Frühling 2008) im Vergleich zur kreisärztlichen Abschluss
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untersuchung vom 9. Oktober 2006 keine Verschlechterung ergeben habe, womit auch
weiterhin von einer vollen Arbeits- und Erwerbsfähigkeit für die bei Fallabschluss
vorhandene Schontätigkeit bestehe. Es seien daher keine weiteren Geldleistungen
(Taggelder, Integritätsentschädigung, Rentenleistungen) geschuldet (UV-act. 170). Die
gegen diese Verfügung von Rechtsanwalt lic. iur. D. Ehrenzeller, Teufen, für den Ver
sicherten erhobene Einsprache (UV-act. 171) wies die Suva mit Einspracheentscheid
vom 19. März 2012 ab (UV-act. 174).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Rechtsanwalt Ehrenzeller für den Ver
sicherten mit Eingabe vom 4. Mai 2012 Beschwerde mit den Anträgen, der Entscheid
sei aufzuheben, und dem Beschwerdeführer seien spätestens ab August 2009 die
gesetzlichen Leistungen zu erbringen (Taggelder, eventualiter UVG-Invalidenrente in
der Höhe von mindestens 50%; die bisherige Integritätsentschädigung von 15% sei auf
35% zu erhöhen). Eventualiter sei der Einspracheentscheid aufzuheben und eine
neutrale Begutachtung anzuordnen. Insbesondere sei auch Ziff. 3 der Verfügung
(Einspracheentscheid) vom 19. März 2012 aufzuheben und die unentgeltliche
Verbeiständung im Anhörungs- und Einspracheverfahren zu gewähren. Für das
Beschwerdeverfahren sei die unentgeltliche Verbeiständung ebenfalls zu gewähren. Zur
Begründung legte der Rechtsvertreter unter anderem dar, ein Einkommensvergleich,
wie er in einem vergleichbaren Fall (Unbrauchbarkeit einer Hand; Urteil des
Bundesgerichts vom 22. November 2007, U 499/06) zur Rentenzusprechung geführt
habe, sei vorliegend nicht angestellt worden. Der Integritätsschaden sei mit dem
Verlust einer Hand (40%) gleichzusetzen. Dr. med. J._, Facharzt FMH für Neurologie
und für Psychiatrie und Psychotherapie, sei erst im November 2010 aufgrund der sich
weiter verschlechternden Situation eingeschaltet worden, nachdem zuvor eigentliche
neurologische Fachabklärungen unterblieben seien. Von Anfang an sei eine neutrale
Abklärung an einer handchirurgischen Abteilung unter Beizug eines Neurologen
verlangt worden. Hierauf sei die Beschwerdegegnerin nicht eingegangen, weshalb
zusätzlich eine Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw. der Abklärungspflicht geltend
gemacht werde. Ein Rückfall liege zweifellos vor, z.B. ab dem Frühling 2008, wo
erstmals ein CRPS diagnostiziert worden sei. Dies gehe einher mit der zunehmenden
Hypersensibilität der linken Hand, wodurch die medizinische und erwerbliche Situation
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nicht mehr vergleichbar gewesen sei mit dem Zustand während des ersten
Einspracheverfahrens. Der Kreisarzt habe seine Einschätzung (UV-act. 166) nicht auf
objektivierbare medizinische Sachverhalte abgestützt, sondern sich mit
Äusserlichkeiten beschäftigt, welche belanglos seien. Dass der Beschwerdeführer
seine Jacke und auch sonst die Kleidung angeblich ohne sichtbare Probleme habe
ablegen können, erstaune nach sieben Jahren Übung nicht besonders. Es handle sich
um fixe Bewegungsmuster, welche einem eingespielten Schmerz-Vermeidungsmuster
folgen würden. Mit der Arbeitsfähigkeit habe dies nichts zu tun. Die gesundheitliche
Verschlechterung könne von der Beschwerdegegnerin gar nicht rechtsgenüglich
bestritten werden, weil keine diesbezüglichen Abklärungen getroffen worden seien. Die
Aussagen von Prof. Dr. med. C._, Kantonsspital St. Gallen, würden eine relevante
Beschwerdeverstärkung gegenüber den früheren ärztlichen Feststellungen belegen.
Heute lägen klare Belege für insbesondere neurologische Probleme vor, welche
deckungsgleich seien mit den Unfallfolgen, und zu einer praktischen Einarmigkeit
führen würden. Es könne sodann nicht behauptet werden, die Ausführungen in der
Einsprache seien als aussichtslos einzustufen. Die unentgeltliche Verbeiständung im
Einspracheverfahren und auch im vorgängigen Verwaltungsverfahren sei daher zu
gewähren.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 8. Juni 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des angefochtenen Entscheids. Zur
Begründung verwies sie auf die Darlegungen im angefochtenen Einspracheentscheid
und führte unter anderem aus, nach Lage der Akten könne in keinem Zeitpunkt von
einer Verschlechterung des Gesundheitszustands die Rede sein. Dieser sei vielmehr
seit dem ablehnenden Rentenbescheid der Beschwerdegegnerin von Anfang 2005
unverändert und stabil geblieben. Da anspruchsbegründende Tatsachen zur
Diskussion stehenden würden, trage der Beschwerdeführer die Folgen der
Beweislosigkeit. Weitere medizinische Abklärungen würden sich erübrigen. Den
kreisärztlichen Ausführungen (UV-act. 166) komme volle Beweiskraft zu. Ob die
Diagnose eines CRPS (Complex Regional Pain Syndrome) auf das Beschwerdebild des
Beschwerdeführers zutreffe, sei nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt. Ein solches werde lediglich verdachtsweise angenommen
bzw. für möglich gehalten (UV-act. 117, 161, 166.1). Ohne Verschlechterung des
Gesundheitszustands könne weder eine Revision des Rentenentscheids noch ein
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erneuter Anspruch auf Taggeld oder eine Erhöhung der Integritätsentschädigung zur
Diskussion stehen.
B.c Mit Replik vom 20. September 2012 bestätigte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers seine Anträge und Ausführungen (act. G 12). In der Duplik vom 8.
Oktober 2012 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Standpunkt fest (act. G 14).
B.d Auf das Schreiben des Versicherungsgerichts vom 15. Februar 2013 (act. G 16)
reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 18. Februar 2013 eine Kopie
seines Schreibens an die Beschwerdegegnerin vom 19. August 2010 ein (act. G 17).
Hierzu nahm die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 28. Februar 2013 Stellung und
hielt unter anderem fest, dass auf den Antrag betreffend die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren nicht eingetreten werden könne (act. G
19).

Erwägungen:
1.
Streitig ist vorliegend, ob sich seit der am 27. Januar 2005 verfügten und mit
Einspracheentscheid vom 11. Juli 2005 sowie Entscheid des Versicherungsgerichts
vom 28. Februar 2006 (UV 2005/77) bestätigten Einstellung der Taggeldleistungen ohne
Rentenzusprechung bzw. nach der am 16. Oktober 2006 verfügten und mit
Einspracheentscheid vom 1. Juni 2007 bestätigten Zusprechung einer
Integritätsentschädigung auf der Basis einer Integritätseinbusse von 15% beim
Beschwerdeführer eine Verschlechterung des Gesundheitszustands an der linken Hand
ergeben hat. Ändern sich die tatsächlichen Verhältnisse nach einem verfügten
Fallabschluss (ohne Rentenzusprache), entfällt zwar die Möglichkeit einer
Rentenrevision gemäss Art. 17 ATSG (früher: Art. 22 Abs. 1 UVG), weil sich diese
Bestimmung auf die Revision laufender Renten bezieht. Eine Anpassung an geänderte
unfallkausale Verhältnisse kann im Unfallversicherungsrecht aber dadurch bewirkt
werden, dass ein Rückfall oder Spätfolgen des seinerzeit rechtskräftig beurteilten
Unfallereignisses geltend gemacht werden (Urteil des Bundesgerichts [bis 31.
Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG]) vom 24. Juni 2002, U
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109/01, E. 4b mit Hinweis auf RKUV 1994 Nr. U 189 S. 139). Die Beschwerdegegnerin
legte im angefochtenen Einspracheentscheid (E. 1) die rechtlichen Voraussetzungen
der Leistungspflicht bei Rückfällen/Spätfolgen zutreffend dar; hierauf ist zu verweisen.
2.
2.1 Im Bericht des Kantonsspitals St. Gallen, Klinik für Orthopädische Chirurgie, vom
1. Juli 2004, wurden beim Beschwerdeführer ein chronisches Schmerzsyndrom der
linken Hand bei Status nach komplexer Handverletzung sowie Status nach
Ringbandrekonstruktion von Mittel- und Ringfinger und Rekonstruktion der radialen
Fingernerven vom 17. Februar 2004 bestätigt. Bezüglich der Schmerzen sei
chirurgischerseits keine Besserung zu erwarten. Eine Schmerztherapie werde für
sinnvoll gehalten. Aus chirurgischer Sicht bestünden keine Bedenken, dass der
Beschwerdeführer die linke Hand zumindest teilweise zur Arbeit einsetze (UV-act. 42).
Am 31. August 2004 bestätigten die Ärzte der Klinik für Orthopädische Chirurgie, dass
keine Operationsindikation bestehe und die Behandlung abgeschlossen werden könne
(UV-act. 47). Dr. med. D._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, berichtete am 10.
September 2004, dass seines Erachtens ein ausgesprochenes Rentenbegehren des
Patienten vorliege. Es seien jedoch primär berufliche Massnahmen angezeigt (UV-act.
49). Vom 13. Oktober bis zum 24. November 2004 hielt sich der Beschwerdeführer in
der Rehaklinik E._ auf. Ab dem 25. November 2004 wurde ihm für eine ganztägige
leichte Arbeit, initial mit vermehrten Pausen von 40 Minuten pro Tag, eine volle
Arbeitsfähigkeit attestiert. Obwohl die funktionellen Einbussen an der linken Hand
erheblich seien, sei aber doch mehr Restfunktionalität möglich, als er zeige. Den durch
die Klinik organisierten Arbeitsversuch zur Anpassung und Angewöhnung habe der
Beschwerdeführer nicht wahrnehmen wollen. Bei absolut fehlender Motivation und
Verantwortungsbereitschaft werde eine Kündigung von Seiten des Arbeitgebers nicht
zu vermeiden sein (UV-act. 50, 51). Am 26. Januar 2005 teilte der Arzt der Rehaklinik
E._ ergänzend mit, nach ca. 4 Wochen könne davon ausgegangen werden, dass
keine zusätzlichen Pausen mehr nötig seien (UV-act. 54). Einen zumutbaren
Arbeitsplatz bei der bisherigen Arbeitgeberin lehnte der Beschwerdeführer in der Folge
ab (UV-act. 66, 67). Am 29. April 2005 kündigte er das Arbeitsverhältnis (UV-act. 71).
Kreisarzt Dr. med. F._, Facharzt FMH für Chirurgie, hielt im Bericht der ärztlichen
Abschlussuntersuchung vom 9. Oktober 2006 unter anderem fest, subjektiv habe sich
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der Zustand an der linken Hand nicht verbessert, aber auch nicht wesentlich
verschlechtert. Objektiv würden sich reizfreie Narben mit einer mässiggradigen
Bewegungseinschränkung im Bereich der Langfinger II-IV sowie fortgesetzter
Überempfindlichkeit mit elektrisierenden Schmerzangaben zeigen. Die Kraftentfaltung
der linken Hand sei deutlicher eingeschränkt, insbesondere für den Faustschluss. Auch
würden sich fortgesetzt trophische Störungen im Bereich der Langfinger II-IV zeigen.
Es sei von einem Dauerzustand auszugehen. Weitere ärztliche Behandlungen seien
derzeit nicht notwendig. Das Rückfallrecht bleibe vorbehalten (UV-act. 89). Den
Integritätsschaden schätzte der Arzt gleichentags auf 15%. Nach Tabelle 3 werde der
Verlust der Finger (Mittel- und Endglieder) II bis IV mit 15% eingestuft. In Analogie
entspreche im vorliegenden Fall der funktionelle Verlust diesem Zustand (UV-act. 90).
Am 10. Januar 2007 hielt Dr. F._ ergänzend fest, ein Fingerverlust liege beim
Beschwerdeführer anatomisch nicht vor. Er habe gewisse Funktionseinschränkungen
im Bereich der Finger II bis IV. Die Finger seien jedoch in ihrer Funktion nicht abhanden
gekommen. Somit sei die Einschätzung mit 15% schon sehr grosszügig ausgelegt. Sie
resultiere vor allem daraus, dass die Sensibilitätsstörungen im Bereich der Hohlhand
hier als erschwerend mit eingerechnet worden seien, welche für sich allein die
Erheblichkeitsgrenze nicht erreichen würden (UV-act. 106).
2.2 Dr. med. G._, Facharzt für Anästhesie, berichtete am 5. März 2008 über die
Behandlung des Beschwerdeführers, welcher ihm zur Schmerztherapie bei CRPS
(Complex Regional Pain Syndrome) zugewiesen worden war (UV-act. 117). Im Bericht
vom 9. Mai 2008 hielt Dr. med. H._, FMH für Chirurgie, unter anderem fest, die
Beschwerden seien mehr oder weniger die ähnlichen, wie sie bereits im November
2004 von der Rehaklinik E._ beschrieben worden seien. Die dort aktuellen Probleme
mit Hyperpathie sowie Bewegungseinschränkung, Kälteempfindlichkeit etc. könnten
unter dem Titel CRPS (Sudeck) subsumiert werden. Dies sei bereits im August 2004 im
Kantonsspital St. Gallen beschrieben worden. Da aus handchirurgischer Sicht keine
Optimierungsmöglichkeit bestehe, habe er den Beschwerdeführer dem
Schmerztherapeuten Dr. G._ vorgestellt. Nach seiner Beurteilung vom 5. März 2008
bestünden die ganze Zeit starke Schmerzen. Dieser Befund sei typisch für ein CRPS.
Aufgrund der Anamnese und der Verletzungen müsse von einem CRPS Typ II
ausgegangen werden. Für jede Arbeit mit Belastung der linken Hand, welcher Art auch
immer, sei keine Arbeitsfähigkeit gegeben. Eine Arbeitsfähigkeit für die Hand nicht
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belastende Arbeiten müsse im Rahmen einer Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit eruiert werden. Eine Arbeitsfähigkeit sei seines Erachtens aufgrund
der Fähigkeiten des Beschwerdeführers nicht gegeben. Der Beschwerdeführer stehe
seit Februar 2008 wegen CRPS der linken Hand bei ihm in Behandlung. Die Rehaklinik
Belllikon habe im Bericht vom 23. November 2004 die entscheidende Diagnose des
CRPS nicht gestellt. Somit sei ihre weitere Schlussfolgerung als nicht relevant zu
betrachten. Aufgrund der Akten seit August 2004 und seinem Befund vom Februar
2008 gehe er von einem stabilen Zustand aus. Eine Verbesserung sei nicht aufgetreten
(UV-act. 152). Nachdem die Beschwerdegegnerin hierfür für drei Monate
Kostengutsprache geleistet hatte (UV-act. 119), brach der Beschwerdeführer die
Behandlung im Juli 2008 ab (UV-act. 120). Prof. C._ hielt im Bericht vom 23. Juni
2009 unter anderem fest, die Möglichkeiten einer erneuten operativen Therapie an der
linken Hand seien sehr eingeschränkt. Mit dem Patienten sei die Neurolyse im Bereich
der Hohlhand besprochen worden, um den Versuch der Schmerzreduktion zu
unternehmen (UV-act. 121a). Diese Neurolyse wurde in der Folge durchgeführt (UV-act.
130) und anschliessend Ergotherapie zur Desensibilisierung empfohlen (UV-act. 132).
Hierfür erteilte die Beschwerdegegnerin Kostengutsprache (UV-act. 133). Dr. med.
I._, Facharzt für Innere Medizin FMH, bescheinigte eine volle Arbeitsunfähigkeit vom
10. August bis 2. September 2009. Ab 3. September 2009 bestand gemäss diesem
Arzt wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (UV-act. 132a). Am 12. November 2009
bestätigte Prof. C._, die Neuronombeschwerden seien unverändert im Vergleich zum
Zustand vor der Operation; diese hätten aber nicht zugenommen. Bei unveränderter
klinischer Situation ohne Verschlechterung sei keine weitere operative Therapie als
sinnvoll zu erachten. Die Fortsetzung der Ergotherapie wie auch der analgetischen
Therapie werde empfohlen. Eine Reintegration in Bezug auf manuelle Tätigkeiten der
linken Hand sei nicht möglich (UV-act. 135). Im Bericht vom 18. Dezember 2009
wiederholte Prof. C._ diese Einschätzung und bescheinigte für die linke Hand eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit bis auf weiteres (UV-act. 138). Kreisarzt Prof. Dr.
Engelhardt hielt hierzu am 12. Januar 2010 fest, bei der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit durch das Kantonsspital St. Gallen handle sich um eine isolierte
Betrachtung der linken Hand. Sie sei daher nur eingeschränkt verwertbar. Unter
Berücksichtigung von Adaptionen sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit (eines
funktionellen Einhänders) auszugehen (UV-act. 140; vgl. auch UV-act. 139). Dr.
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Schaden legte im Bericht vom 20. November 2010 unter anderem dar, es sei denkbar
("senkbar"), dass der aktuelle Zustand mit der ausgeprägten Kausalgie der linken Hand
als Folge eines CRPS anzusehen sei. Aktuell seien die erforderlichen Kriterien eines
CRPS nicht (mehr) gegeben. Er habe den Patienten im Verlauf nicht beurteilen können.
Er empfehle die Anbindung des Patienten an eine handchirurgische oder
schmerztherapeutische Ambulanz (UV-act. 166.1). Prof. C._ bestätigte am 20. Juli
2011 auf Anfrage der Beschwerdegegnerin, dass der eigentliche Begriff des CRPS Typ
II in keinem der Berichte (des Kantonsspitals von 2004) genannt werde, so dass davon
auszugehen sei, dass diese Diagnose im Rahmen der Nachkontrollen nicht gestellt
worden sei. Definitionsgemäss liege beim CRPS Typ II eine Läsion eines Nervs vor.
Dies sei sicher beim Beschwerdeführer der Fall. Auch die geschilderten Beschwerden
und Befunde mit Hypersensibilität und Schmerzauslösung seien bei einem CRPS Typ II
zu finden, so dass retrospektiv ein CRPS Typ II wohl kaum ausschliessbar sei.
Prinzipiell sei es denkbar, dass nach vier Jahren eines posttraumatischen Verlaufs,
insbesondere bei stattgehabten Revisionen, sich ein CRPS Typ II entwickeln könne
(UV-act. 161). Dr. Schaden bestätigte am 5. Dezember 2011 seine früheren
Ausführungen. Der Befund sei seit dem Erstkontakt in seiner Sprechstunde, am 17.
November 2010, unverändert. Aus seiner Sicht bestehe für die linke Hand eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 169).
3.
3.1 Unbestritten ist, dass hinsichtlich der Verletzung der linken Hand des
Beschwerdeführers und der daraus resultierenden Beschwerden und Einschränkungen
ein kausaler Zusammenhang zum Unfall vom 29. Juli 2003 besteht. Fest steht im
Weiteren, dass die Ablehnung von Geldleistungen (Taggeld, Rente), unter
Zugrundelegung einer uneingeschränkten Zumutbarkeit einer dem Handschaden
adaptierten Tätigkeit, mit dem Entscheid des Versicherungsgerichts vom 28. Februar
2006 (UV 2005/77) in Rechtskraft erwuchs. Gestützt auf die Beurteilung der Rehaklinik
E._ (vgl. UV-act. 50, 51, 54) wurde dabei von der ganztägigen uneingeschränkten
Zumutbarkeit einer leichten Tätigkeit ausgegangen, wie sie dem Beschwerdeführer von
seiner Arbeitgeberin - bei gleichem Lohn wie für die früher ausgeübte (nicht mehr
zumutbare) Tätigkeit - angeboten und von diesem abgelehnt worden war (vgl. UV-act.
66, 67). Als nicht zumutbar wurden Tätigkeiten bezeichnet, bei denen mit der linken
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Hand repetitiv oder mit Kraft Gegenstände im Grobgriff gehalten werden müssen,
feinmotorische Tätigkeiten links, Tätigkeiten mit Vibrationen/Schlägen auf die linke
Hand, Tätigkeiten mit Kälteexposition und Tätigkeiten auf Leitern oder Gerüsten. Der
Beschwerdeführer hatte sich in der Rehaklinik E._ als "funktioneller Einhänder"
präsentiert (vgl. UV-act. 51 S. 3). Im Entscheid vom 28. Februar 2006 (UV 2005/77) war
das Versicherungsgericht zum Schluss gekommen, durch die Ablehnung der ihm
angebotenen Tätigkeit habe der Beschwerdeführer seine Schadenminderungspflicht
verletzt, weshalb er bei der Prüfung der Rentenfrage so behandelt werde, als ob er die
angebotene Arbeit angenommen hätte (Hinweis im Entscheid auf Urteil des EVG vom
22. Oktober 2001, I 224/01, E. 3b/bb). Da es dem Beschwerdeführer mit der
angebotenen Arbeitsstelle möglich gewesen wäre, trotz seiner körperlichen Limitierung
an einem gesicherten Arbeitsplatz ohne Einbusse denselben Lohn wie bei seiner
angestammten Tätigkeit zu erzielen, verbleibe kein Erwerbsausfall (Entscheid, a.a.O., E.
3f). Wenn der Beschwerdeführer in diesem Verfahren geltend machen lässt, dass
angesichts der Berichte von Prof. C._ und Dr. J._ die Verfügung vom 27. Januar
2005, der Einspracheentscheid vom 11. Juli 2005 (UV-act. 79) und der
Gerichtsentscheid vom 28. Februar 2006 (UV-act. 83) in Wiedererwägung zu ziehen
seien (act. G 12 S. 5), ist festzuhalten, dass eine Wiedererwägung des - den
Einspracheentscheid vom 11. Juli 2005 bestätigenden -
Versicherungsgerichtsentscheids zum vornherein als unzulässig ausser Betracht fällt
(vgl. Art. 58 Abs. 2 VRP/SG; sGS 951.1). Ebenfalls rechtskräftig wurde die Verfügung
betreffend Integritätsentschädigung (15% Einbusse) vom 16. Oktober 2006. Die
Beschwerdegegnerin anerkennt sodann die Heilkostenübernahme für die ab 2008
durchgeführten Behandlungen der linken Hand (vgl. UV-act. 119, 120, 133, 166 S. 8).
Abzuklären ist dementsprechend ausschliesslich, ob ab Frühling 2008 sich die
Situation an der linken Hand in einer Weise verschlechtert hat, dass Arbeitsfähigkeit
und Integritätsschaden neu festgelegt werden müssen.
3.2 Hinsichtlich der im Frühling 2008 erstmals gestellten Diagnose eines CRPS an der
linken Hand (UV-act. 117, 152) ist festzuhalten, dass Dr. H._ (UV-act. 152 S. 1) ein
Beschwerdebild bestätigte, welches mit dem bereits im November 2004 von den
Ärzten der Rehaklinik E._ (UV-act. 51) bzw. von Dr. F._ im Oktober 2006 (UV-act.
89) angeführten Beschwerdebild übereinstimmt. Dr. H._ ging denn auch von einem
stabilen Zustand der linken Hand seit August 2004 aus (UV-act. 152 S. 2 Ziff. 3). Wenn
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dieser Arzt festhielt, dass ein CRPS (Sudeck) bereits im August 2004 im Kantonsspital
beschrieben worden sei (UV-act. 152 S. S. 1), so trifft dies mit Blick auf den
entsprechenden Bericht (UV-act. 47) und auch gemäss den nachträglichen
Darlegungen von Prof. C._ (UV-act. 161) nicht zu. Sodann erscheint das Abstellen
auf Beschwerdeschilderungen des Beschwerdeführers ("..es bestehen die ganze Zeit
starke Schmerzen.."; UV-act. 152 S. 1) vom Beweiswert her insofern eher
problematisch, als der damalige Hausarzt Dr. K._ bereits im September 2004 ein
"ausgesprochenes Rentenbegehren" (UV-act. 49 und 45) vermerkt und die Rehaklinik
E._ im November 2004 fehlende Compliance, Motivation und
Verantwortungsbereitschaft konstatiert hatte (UV-act. 51 S. 2). Der Hinweis von Dr.
H._, wonach störend sei, dass die Rehaklinik E._ von einem Arbeitsversuch
abgesehen und diesem keine Chance gegeben habe, realistischerweise erfüllt zu
werden (UV-act. 152 S. 2 Mitte), bedarf insofern einer wesentlichen Ergänzung, als vor
dem Klinikaufenthalt bereits mehrere Arbeitsversuche mit leichter Arbeit gescheitert
waren und der Beschwerdeführer ein nach dem Klinikaufenthalt unterbreitetes
zumutbares Arbeitsangebot seiner Arbeitgeberin überhaupt nicht nutzte und das
Arbeitsverhältnis in der Folge selbst auflöste (UV-act. 66, 67, 71). Im Entscheid vom 28.
Februar 2006 bejahte das Versicherungsgericht diesbezüglich wie erwähnt
(vorstehende E. 3.1) eine Verletzung der Schadenminderungspflicht. Hätte der
Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis nicht aufgelöst bzw. den angebotenen
Arbeitsplatz angetreten, wäre er aller Wahrscheinlichkeit nach wie vor dort tätig, zumal
die Arbeitgeberin damals ein langfristiges Arbeitsverhältnis in Aussicht gestellt hatte.
Sodann vermag die Feststellung des Psychiaters und Neurologen Dr. Z._, dass ein
CRPS "denkbar" sei (UV-act. 166.1, 169), noch keine solche Diagnose darzutun oder
sogar zu belegen. Dies umso weniger, als dieser Arzt die Kriterien eines CRPS im
November 2010 als nicht gegeben erachtete; dies bestätigte er Ende 2011 (UV-act.
166.1, 169). Im Bericht von Dr. Z._ vom 25. April 2012 wurde die CRPS-Diagnose
überhaupt nicht mehr angeführt (act. G 1.2).
3.3 Nachdem Prof. C._ in den früheren Berichten vom 31. August 2004 (UV-
act. 47) und vom 23. Juni und 12. November 2009 (UV-act. 121a, 135) ein CRPS weder
diskutiert noch erwähnt hatte, erachtete er es retrospektiv als "kaum ausschliessbar"
bzw. "denkbar", dass sich ein CRPS Typ II unter den konkreten Verhältnissen
entwickeln könne (UV-act. 161). Auch auf der Grundlage dieser Darlegungen lässt sich
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eine CRPS-Diagnose im Nachhinein nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegen; die blosse Möglichkeit genügt hierfür nicht. Die
Bescheinigung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit bis auf Weiteres (UV-act. 138) durch
Prof. C._ erfolgte in ausschliesslicher Betrachtung der Situation an der linken Hand,
ohne Einbezug einer adaptierten Tätigkeit. Bereits im Entscheid vom 28. Februar 2006
(UV 2005/77, E. 3e) wurden die Angaben von Prof. C._ als nicht aussagekräftig
angesehen. Konkrete medizinische Gründe, aus welchen der Beschwerdeführer mit der
unversehrten (dominanten) rechten Hand und der linken Hand in Zudien-Funktion im
Sinn der Festlegung der Rehaklinik E._ (UV-act. 51 S. 2 oben) nicht vollumfänglich
tätig sein könnte, lassen sich den Akten nicht entnehmen. Hierbei ist zu beachten, dass
auch der Hausarzt Dr. I._ nach vorübergehender operationsbedingter
Arbeitsunfähigkeit im August 2009, welche von der Beschwerdegegnerin anerkannt
wurde (vgl. UV-act. 161 S. 8; Beschwerdeantwort, II.2. 2. Absatz), ab 3. September
2009 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bescheinigte (UV-act. 132a). Im Übrigen lässt
sich die Feststellung von Dr. J._ betreffend das Bestehen von relevanten
Einschränkungen an der linken Hand (act. G 1.2) bereits dem Abschlussbericht der
Rehaklinik E._ von 2004 entnehmen (UV-act. 51 S. 3).
3.4 Im Nachgang zum Bericht von Prof. C._ vom 20. Juli 2011 ordnete die
Beschwerdegegnerin eine Untersuchung des Beschwerdeführers an. Nach
Durchführung derselben kam der Suva-Kreisarzt und Orthopädische Chirurg Dr. med.
L._ im Bericht vom 20. Oktober 2011 zum Schluss, objektiv würden sich in der
Hohlhand reizfreie Narbenverhältnisse mit einer Bewegungseinschränkung im Bereich
der Langfinger II bis IV sowie Überempfindlichkeit mit elektrisierenden
Schmerzangaben vor allem im Bereich der Fingerbeeren, aber auch der linken
Hohlhand zeigen. Die Kraftentfaltung sei deutlich herabgesetzt. In der Hohlhand seien
trophische Störungen vor allem im Narbenbereich erkennbar. Durch den letztmaligen
operativen Eingriff am 11. August 2009 habe sich keine wesentliche Veränderung im
objektiven Befund ergeben. Die Symptomatik sei weitgehend gleich geblieben. Eine
Verschlechterung im Vergleich zur kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 9.
Oktober 2006 sei nicht festzustellen. Aus Untersuchersicht sei dem Beschwerdeführer
daher auch weiterhin die ihm angebotene Schonarbeit zuzumuten. Diese Einschätzung
betreffe auch den Zeitraum seit Fallabschluss im Jahr 2006, ausgenommen den
üblichen prä- und postoperativen Zeitrahmen nach letztmaligem operativem Eingriff im
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August 2009. Die Notwendigkeit einer gutachterlichen Stellungnahme hinsichtlich einer
allfälligen Zustandsverschlimmerung sei nicht nachzuvollziehen (UV-act. 166 S. 7, 8).
Das von Dr. L._ geschilderte Beschwerdebild stimmt mit dem seit 2004 ärztlich
bestätigten Beschwerdebild überein. Die kreisärztliche Berichterstattung, welche auch
die medizinischen Vorbefunde anführt, hatte denn auch in erster Linie den Zweck, eine
Veränderung/Verschlechterung der Situation an der linken Hand aufgrund einer
konkreten Untersuchungssituation zu eruieren. Dabei kam vorab den klinischen
Befunden und Beobachtungen eine erhebliche Bedeutung zu. Die Feststellungen im
Bericht, wonach der Beschwerdeführer die linke Hand unter anderem beim Ablegen
der Kleider ohne sichtbare Probleme einsetze und nach Abschluss der Untersuchung
die Jacke problemlos unter Zuhilfenahme der linken Hand wieder anziehen könne (UV-
act. 166 S. 7), geben einen Hinweis auf das Alltagsverhalten mit Bezug auf den
Gebrauch der linken Hand und sind in diesem Sinn - zusammen mit den medizinischen
Befunden - beweisrelevant. Angesichts der in E. 3.1. und 3.2 geschilderten Umstände
erscheint die Beurteilung als nachvollziehbar, überzeugend und mit den früheren Akten
in Einklang stehend. Konkrete Anhaltspunkte, welche gegen die Beurteilung von Dr.
L._ sprechen würden, liegen nicht vor. Im Übrigen ergibt sich die Feststellung, dass
keine Zustandsverschlechterung an der linken Hand überwiegend wahrscheinlich
dokumentiert ist, unabhängig vom kreisärztlichen Bericht bereits aus den weiteren
ärztlichen Stellungnahmen (vorstehende E. 3.2 und 3.3). Dementsprechend fehlt es
auch an einem Anlass für weitere medizinische Abklärungen. Eine Rückfallmeldung
führt bei unveränderten medizinischen Verhältnissen nicht zu einer Neuprüfung der
bereits im Zeitpunkt des Fallabschlusses bestehenden gesundheitlichen
Einschränkungen bezüglich Unfallkausalität und deren Auswirkungen auf die Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit (Urteil des Bundesgerichts U 109/01, a.a.O., E. 4c). Damit ist in
diesem Verfahren auch ein Einkommensvergleich, wie ihn der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers verlangt (act. G 1 S. 4 unten), nicht vorzunehmen. Es bleibt
vielmehr im Ergebnis bei den Feststellungen des Versicherungsgerichts im Entscheid
vom 28. Februar 2006 (vgl. vorstehende E. 3.1).
4.
4.1 Gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG wird einer gesuchstellenden Person im
Verwaltungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, "wo die Verhältnisse
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es erfordern". Nach der Praxis wird ein entsprechender Anspruch im
Verwaltungsverfahren und im Einspracheverfahren unter engen Voraussetzungen
bejaht, nämlich wenn die gesuchstellende Person finanziell bedürftig ist, die
Rechtsbegehren bzw. die verfolgten Rechtsansprüche nicht aussichtslos sind und die
(anwaltliche) Verbeiständung geboten ist (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A., Art.
37 Rz 18 und Art. 52 Rz 46; Urteil des EVG vom 25. März 2003, I 864/2002, E. 3). Ein
Verfahren gilt als aussichtslos, wenn die Gewinnaussichten kaum mehr als ernsthaft
bezeichnet werden können und eine Anhebung eines Verfahrens geradezu als
rechtsmissbräuchlich zu bezeichnen wäre (Kieser, a.a.O., Art. 61 Rz 107 mit Hinweis
auf BGE 98 V 119). Dagegen hat ein Begehren nicht als aussichtslos zu gelten, wenn
sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur
wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die
notwendigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess
entschliessen oder davon absehen würde (BGE 129 I 135, 128 I 236). Hinsichtlich der
sachlichen Gebotenheit der unentgeltlichen anwaltlichen Verbeiständung sind die
Umstände des Einzelfalls, die Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften
sowie die Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens zu berücksichtigen. Dabei fallen
neben der Komplexität der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts
auch in der Person des Betroffenen liegende Gründe in Betracht, wie etwa seine
Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden. Falls ein besonders starker Eingriff in die
Rechtsstellung des Bedürftigen droht, ist die Rechtsverbeiständung grundsätzlich
geboten, andernfalls bloss, wenn zur relativen Schwere des Falls besondere
tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten hinzukommen, denen die gesuchstellende
Person auf sich alleine gestellt nicht gewachsen ist (Urteil des EVG vom 29. September
2005, I 369/2005, E. 2.2). Die sachliche Notwendigkeit wird nicht allein dadurch
ausgeschlossen, dass das in Frage stehende Verfahren von der Offizialmaxime oder
dem Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, die Behörde also gehalten ist, an der
Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhaltes mitzuwirken. Abgesehen davon, dass
die Offizialmaxime allfällige Fehlleistungen der Behörde nicht zu verhindern vermag, ist
zu bedenken, dass sie nicht unbegrenzt ist. Sie entbindet die Beteiligten nicht davon,
durch Hinweise zum Sachverhalt oder Bezeichnung von Beweisen am Verfahren
mitzuwirken (BGE 130 I 183f. Erw. 3.2 und 3.3 mit Hinweisen). Die Offizialmaxime
rechtfertigt es jedoch, an die Voraussetzungen, unter denen eine anwaltliche
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Verbeiständung sachlich geboten ist, einen strengen Massstab anzulegen (AHI 2000
S. 164 Erw. 2b; Urteil des EVG vom 7. September 2004, I 75/04, E. 2.2). Die
Notwendigkeit einer anwaltlichen Mitwirkung wurde vom EVG etwa bejaht mit dem
Hinweis auf den eingetretenen geteilten Verfahrensgang betreffend berufliche
Massnahmen und Rente sowie einen im fraglichen Verfahren ergangenen kantonalen
Nichteintretens- und Überweisungsbeschluss, wodurch sich die Situation anders
darstelle als "in einem erstmaligen, weitgehend vorgezeichneten und damit
problemlosen Abklärungsverfahren" (Urteil des EVG vom 30. Mai 2001, I 686/2000, E.
2b).
4.2
4.2.1 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellte den Antrag auf unentgeltliche
Verbeiständung am 23. Juli 2010 bereits für das Verwaltungsverfahren (UV-act. 149).
Diesen Antrag wiederholt er in der Beschwerdebegründung des vorliegenden
Verfahrens ausdrücklich (act. G 1 S. 9), wobei im formellen Antrag von
"Anhörungsverfahren" die Rede ist (act. G 1 S. 2), und stellt ihn zudem auch für das
Einspracheverfahren. Die Beschwerdegegnerin hatte den Antrag für das
Verwaltungsverfahren im Schreiben vom 12. August 2010 abgelehnt mit der
Begründung, dass der blosse Hinweis auf eine "Komplexität" noch keinen
entsprechenden Anspruch begründe. Hierfür notwendige qualifizierte Gründe seien aus
den Akten nicht ersichtlich (UV-act. 151). In der Eingabe vom 14. November 2011 wies
der Rechtsvertreter darauf hin, dass er gegen die Ablehnung der unentgeltlichen
Verbeiständung am 19. August 2010 protestiert habe und der Antrag weiterhin erhoben
bleibe (UV-act. 168 S. 4). Das Schreiben vom 19. August 2010 reichte er in diesem
Verfahren nachträglich ein (act. G 17).
4.2.2 Die Eingabe des Rechtsvertreters vom 19. August 2010, mit welcher er sich
gegen die Ablehnung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im
Abklärungsverfahren verwahrte, erfolgte kurz nach Zustellung der formlosen Mitteilung
vom 12. August 2010 (UV-act. 151), wobei er den Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung in der Eingabe vom 14. November 2011 erneut bekräftigte (UV-
act. 168 S. 4). Die formlose Mitteilung der Ablehnung der unentgeltlichen
Verbeiständung für das Verwaltungsverfahren konnte somit keine Rechtsbeständigkeit
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erlangen (vgl. BGE 134 V 145; BGE 122 V 367 E. 3 mit Hinweisen). In dieser Situation
hätte die Ablehnung formell verfügt werden müssen, was nach Lage der Akten bislang
noch nicht geschehen ist. In der Einsprache gegen die Verfügung vom 17. Januar 2012
beantragte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung ausschliesslich für das Einspracheverfahren (UV-act. 171,
Anträge Ziff. 3). Der Einspracheentscheid vom 13. März 2012 konnte somit die Frage
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren zum vornherein
nicht zum Gegenstand haben. Hierauf kann dementsprechend im vorliegenden
Beschwerdeverfahren nicht eingetreten werden.
4.3 Den Antrag auf Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das
Einspracheverfahren (UV-act. 171 Anträge Ziff. 3) lehnte die Beschwerdegegnerin im
angefochtenen Einspracheentscheid (Dispositiv Ziff. 3) ab mit dem Hinweis auf die
Aussichtslosigkeit des Verfahrens. - Die Anspruchsvoraussetzung der Bedürftigkeit ist
unbestritten und aktenkundig (act. G 4.3) erfüllt. Zu klären ist die Frage, ob die
Voraussetzungen der Erforderlichkeit und der fehlenden Aussichtslosigkeit gegeben
sind. Die ab 2008 erstellten ärztlichen Berichte der Dres. H._, G._, C._ und J._
schufen eine aktenmässige Ausgangslage, welche eine Interpretation der zum Teil
gegensätzlichen ärztlichen Feststellungen und eine eingehende Würdigung erforderlich
machte (vgl. vorstehende E. 3). Durch die medizinisch nicht zum vornherein klare
Situation mit Vermutungsdiagnosen von Spezialärzten und Bescheinigung von nicht
näher begründeten Arbeitsunfähigkeiten ergab sich eine Ausgangslage, welche nicht
mit einem weitgehend vorgezeichneten und damit problemlosen Abklärungsverfahren
(vgl. vorstehende E. 4.1) gleichgesetzt werden kann. Die medizinische Aktenlage bei
Anhängigmachung der Beschwerde war insbesondere nicht dergestalt, dass die
Notwendigkeit weiterer Abklärungen zum vornherein ausgeschlossen werden konnte.
In diesem Sinn lässt sich die Anspruchsvoraussetzung der Erforderlichkeit der
unentgeltlichen Verbeiständung nicht in Abrede stellen. Die Beschwerde war auch nicht
offensichtlich aussichtslos. Bei dieser Sach- und Rechtslage ist die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren zu bewilligen. Die Angelegenheit ist
zur Festlegung der Entschädigungshöhe an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
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5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde, soweit darauf
einzutreten ist, unter Aufhebung von Ziff. 3 des Einspracheentscheids vom 19. März
2012 teilweise gutzuheissen und die Sache zur betraglichen Festlegung der
Entschädigung aus unentgeltlicher Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.2 Der Beschwerdeführer lässt auch für dieses Verfahren die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung beantragen. Die diesbezüglichen Voraussetzungen sind erfüllt,
wenn der Prozess nicht offensichtlich aussichtslos, die Partei bedürftig und die
Verbeiständung durch einen Anwalt notwendig oder doch geboten ist (Art. 61 lit. f
ATSG; BGE 103 V 47; Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A., Art. 61 ATSG Rz 104). Die
vorstehenden Erwägungen (E. 4.2) kommen sinngemäss auch hier zur Anwendung, so
dass die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu bewilligen ist. Zufolge Gewährung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung hat der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers Anspruch auf Ersatz der Kosten der Prozessführung und
Vertretung nach gerichtlicher Festsetzung durch den Staat. Im Umfang des teilweisen
Obsiegens, welches ermessensweise auf einen Viertel festgelegt wird, hat der
Beschwerdeführer Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Ausgehend
von der Pauschalentschädigung bei vollem Obsiegen von Fr. 4'000.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer
mit Fr. 1'000.-- zu entschädigen. Für die verbleibenden Fr. 3'000.-- hat der Staat
aufgrund der bewilligten unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Umfang von 80%
(Art. 31 Abs. 3 AnwG; sGS 963.75), d.h. mit einem Betrag von Fr. 2'400.--
aufzukommen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird, soweit darauf einzutreten ist, in dem Sinn teilweise
gutgeheissen, dass Ziff. 3 des Einspracheentscheids vom 19. März 2012 aufgehoben
und die Sache zur betraglichen Festlegung der Entschädigung aus unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren an die Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen wird. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
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2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
3. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer mit Fr. 1'000.-- zu
entschädigen.
4. Der Staat hat den Rechtsbeistand des Beschwerdeführers mit Fr. 2'400.-- zu
entschädigen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 22.04.2013 Art. 6 UVG. Art. 11 UVV. Art. 37 Abs. 4 ATSG. Neuanmeldung von Unfallfolgen im Rahmen einer Rückfallmeldung nach vorangegangener rechtskräftiger Ablehnung weiterer Geldleistungen (Taggeld, Rente). Unentgeltliche Verbeiständung im Einsprache- und Beschwerdeverfahren (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen vom 22. April 2013, UV 2012/41).
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