Decision ID: a12b0d30-4656-4595-b2c2-ed8be1e4a22c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre 1991 geborene
X._
war
seit dem
1.
September 2015 bei der
Y._
AG als Bauhilfsarbeiter angestellt und als solcher
bei der
Suva
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert.
Am 2
7.
November 2015 zog sich der Versicherte bei einem Arbeitsunfall einen Bruch im Bereich des rechten Ellenbogens zu (
Urk.
8/2). Die Erstbehandlung erfolgte im Spital
Z._
, wobei
sich die Fachärzte für
eine konservative Behandlung mittels Ruhig
stellung
entschieden
(Hospitalisation vom 2
7.
November bis
1.
Dezember 2015;
Urk.
8/10/2). Mit Schreiben vom 1
6.
Dezember 2015 informierte die Suva über die Leistungsübernahme im Zusammenhang mit dem Unfall (
Urk.
8/6).
Am
4.
April 2016 unterzog sich der Versicherte einer Operation, wobei eine Korrek
turosteotomie mit Plattenosteosynthese sowie eine offene
Arthrolyse
durchge
führt wurde
n
(Hospitalisation vom
4.
bis 1
0.
April 2016;
Urk.
8/35,
Urk.
8/42). Ein weiterer operativer Eingriff erfolgte am
3.
November 2016 (Osteosynthese
materialentfernung, offen
e
Arthrolyse
, Vorverlagerung des
N.
ulnaris
;
Urk.
8/93; Hospitalisation vom
3.
bis 1
0.
November 2016,
Urk.
8/100
).
1.2
Nach
den kreisärztlichen
Beurteilung
en
vom
am 1
3.
und 2
0.
März 2017 (
Urk.
8/132
,
Urk.
8/137
) sowie
der
Untersuchung vom
7.
April 2017 (
Urk.
8/137,
Urk.
8/144) informierte die Suva m
it Schreiben vom
4.
Mai 2017 über die Leis
tungseinstellung
per 3
0.
Juni 2017 (
Urk.
8/153). Mit Verfügung vom
5.
Oktober 2017 lehnte die Suva ei
nen Rentenanspruch des Versicher
ten ab und sprach ihm
ausgehend von einer Integritätseinbusse von 10
%
eine Integritätsentschädigung zu (
Urk.
8/178), wogegen die Vertreterin des Versicherten Einsprache erhob (
Urk.
8/186).
Am 2
0.
Dezember 2017 fand eine operative Untersuchung des Ellbogens rechts unter single-
shot
IS-Block statt
(
Urk.
8/193/2).
Nach abschliessender kreisärztli
cher Untersuchung
vo
m 1
6.
Oktober 2018 (
Urk.
8/213) hielt die Suva mit
Ein
spracheentscheid
vom 3
0.
November 2018 an ihrer Einschätzung gemäss Verfü
gung vom
5.
Oktober 2017 fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die
Vertreter
in des Versicherten am 2
1.
Januar 2019
Beschwerde und beantragte, es sei die Sache zur Einholung eines externen Gutachtens, ins
besondere einer Hand-EFL, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1
S.
2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
Februar 2019 beantragte die Beschwerdegegne
rin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7 S. 2), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
2.
Februar 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt
ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen
sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
2
7.
November
2015
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und i
n dieser Fassung zitiert werden.
1.
2
Für die Bestimmung des Inva
liditätsgrades wird gemäss Art.
16
des
Bundesgeset
z
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
das Erwerbs
einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
1.3
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges
3.
Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen
zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der Integritätsschäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typische Schäden prozentual gewichtet (RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (
Ziff.
1
Abs.
1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (
Ziff.
1
Abs.
2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (
Ziff.
1
Abs.
3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilwei
ser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 % des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (
Ziff.
2).
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrätli
chen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Feinras
ter) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff.
1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Pro
zentsatz des Integritätsschadens für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewähr
leistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
dam
it, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. G
estützt auf die Lohnangaben aus der Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP)
könne er dabei
ein Invalideneinkommen von Fr. 61'376.-- erzielen, was
bei
Berücksichtigung des unbestrittenen
Valideneinkommens
von
Fr.
62'234.-- zu keiner massgebenden Erwerbseinbusse führe. Ein Anspruch auf eine Invali
denrente sei dabei zu Recht verneint worden (
Urk.
2 S. 5).
Bezüglich der Integri
tätsentschädigung sei gestützt auf die kreisärztliche Einschätzung sowie die Suva Tabelle 1 von einem Integritätsschaden von 10
%
auszugehen (S. 7).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass
entgegen der kreisärztlichen Einschätzung klar von einer funktio
nellen
Einarmigkeit
auszugehen sei (
Urk.
1 S. 5). Fakt sei, dass die Bewegung Flexion/Extension mit einem Bewegungsumfang von 130-75-0° deutlich einge
schränkt sei, was objektiviert und nicht von der Hand zu weisen sei. Die Bewe
gungseinschränkung und das beschriebene Profil liessen keinen anderen Schluss zu, als von einer objektivierten funktionellen
Einarmigkeit
auszugehen
sei
. Eine externe Begutachtung und eine Hand-EFL seien unter den genannten Aspekten zwingend angezeigt (S. 6). Weiter sei das Zumutbarkeitsprofil der ausgewählten DAP medizinisch-funktionell unhaltbar, das Invalideneinkommen sei
vielmehr
anhand der LSE zu ermitteln, wobei ein leidensbedingter Abzug in der Höhe von 20 bis 25
%
angezeigt sei (S. 7 f.). Daneben führe der Funktionsverlust des Ellbo
gengelenks
zu einer massiven Einschränkung, was zu einer Integritätsentschädi
gung von mindestens 30
%
führen müsse (S. 9).
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie (Kreisarzt Suva), führte in seiner medizinischen Beurteilung vom 1
3.
März 2017 aus, dass beim rechten Ellbogen von einer Bewegungsstörung von 0-10-125° aus
zugehen sei, was bei einem Referenzwert
gemäss der Suva Tabelle 1
in den Aus
massen 0-90-135° zu einem Integritätsschaden von 10
%
führe (
Urk.
8/132).
In seiner ärztlichen Beurteilung
vom 2
0.
März 2017 führte er zudem aus, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht von einem Endzustand auszugehen sei. In einer angepassten Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sei der Beschwerdefüh
rer zu 100
%
arbeitsfähig. Gewichtsbelastungen >5kg, repetitive Tätigkeiten sowie das Bedienen von Maschinen und Apparaten seien für die recht
e
obere Extremität aus dem Tätigkeitsprofil auszuschliessen (
Urk.
8/136 S. 2).
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation (Kreis
arzt Suva), führte anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom
7.
April 2017 aus, dass
neben den bekannten Ellbogenbeschwerden ein Verdacht auf eine Krankheitsverarbeitungsstörung bestehe.
Die Flexionseinschränkung habe im Verlauf weiter zugenommen und liege eher bei 95-100°, was auch durch die in Fehlstellung verheilte
Ulna
nicht erklärbar sei. Hinweise für ein CRPS habe er heute ebenfalls nicht gesehen. Er empfehle eine psychiatrische Abklärung,
gege
benenfalls eine psychiatrische beziehungsweise psychotherapeutische Behand
lung,
wobei er den Endzustand deswegen zurückstellen möchte
. D
ie Integritäts
entschädigung werde später gegebenenfalls neu beurteilt (
Urk.
8/144 S. 4 f.).
3.3
Am 2
0.
Dezember 2017 wurde am
C._
eine umfassende Ellbogengelenksun
tersuchung in Regionalanästhesie durchgeführt. Dies zum Ausschluss einer will
kürlichen beziehungsweise schmerzinhi
bierten Bewegungseinschränkung.
Beim schmerzfreien Patienten habe sich eine freie Pro- und Supination mit 90-0-90° gezeigt, wobei die Beweglichkeit für die Flexion/Extension auch unter völ
liger Ausschaltung des Schmerzes und der Motorik mit einem Bewegungsumfang von 130-75-0° deutlich eingeschränkt sei. Obwohl der Anschlag federnder Natur gewesen sei und einer Weichteilrestriktion gleichkomme, sei auch mit moderater K
raftanwendung keine wesentliche
Ve
rbesserung zu erreichen gewesen (
Urk.
8/193/2-3).
3.4
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Chiru
rgie (Kreisärztin Suva), ging anlässlich
ihrer
abschliessenden
kreisärztlichen Untersuchung vom
1
6.
Oktober 2018 von den folgenden Diagnosen aus (
Urk.
8/213 S. 9):
-
Status nach Anpr
alltrauma Kranhaken an rechten Ellbogen/Unterarm 2
7.
November 2015 mit
-
I. gradig offener
Monteggia
-like-
lesion
mit proximaler
Ulnaschaftfrak
tur
und
undislozierter
Radiuskopffraktur rechts
-
Initial konservative Therapie mit Ruhigstellung im Oberarmgips vom 2
7.
November 2015 bis am 1
0.
Februar 2016
-
4.
April 2016
:
Korrektur-Osteotomie der proximalen
Ulna
, Platten-Osteosynthese sowie offene
Arthrolyse
des Ellbogengelenks bei ausge
prägter
Arthrofibrose
, daraus resultierender funktioneller Ankylose mit weitgehend fixierter Flexionsstellung und einge
s
chränkter
Umwende
bewegung
-
3.
November 2016: OSME, offene
Arthrolyse
und subkutane Vorverla
gerung des
N.
ulnaris
Ellbogengelenk
-
Resultierende deutliche Bewegungseinschränkung (Extensionsein
schränkung ab 90°) Ellbogen rechts mit Mal Union der proximalen
Ulna
mit Abweichung nach radial um ca. 20°
Von einer weiteren Behandlung sei nicht mehr überwiegend wahrscheinlich eine namhafte Verbesserung zu erwarten, diese Annahme stimme auch mit der Beur
teilung von PD
Dr.
med.
E._
, leitender Arzt Orthopädie Obere Extremitäten der
Klinik F._
,
überein, der von weiteren insbesondere operativen Massnah
men
abr
ate
. Die bisherige
Tätigkeit erfordere schweres bimanuelles Arbeiten und sei nicht mehr zumutbar.
Dem Beschwerdeführer sei eine sehr leichte bis leichte Tätigkeit in voller Präsenz zuzumuten. Gewichtsbelastungen >5kg, repetitive Tätigkeiten sowie das Bedienen von Maschinen und Apparaten seien für die rechte obere Extremität aus dem Tätigkeitsprofil auszuschliessen. Weiter sollten Schläge und Vibrationen auf die rechte obere Extremität vermieden werden, zudem sei wegen der verminderten Haltefunktion kein Besteigen von Leitern und Gerüsten möglich. Der Beschwer
deführer sei sicherlich deutlich bessergestellt als ein funktionell Einhändiger, die rechte obere Extremität sei jedoch nur
als
Hilfshand/-arm einsetzbar und nicht für kraftvolle Arbeiten die bimanue
lles Hantieren benötigen würden (S. 10).
Bei der von
Dr.
A._
festgehaltenen Bewegungsstörung (0-10-125°) handle es sich wohl um einen Tippfehler (gemeint wohl: 0-90-125°). Heute finde sich eine Beweglichkeit von 0-90-130°, was gegenüber dem Referenzwert von 0-90-135° nur eine leichte Schlechterstellung bedeute, sodass
an der Einschätzung des Integritätsschadens in der Höhe von 10
%
festgehalten werden könne. Aufgrund der Untersuchung in Narkose habe die deutliche Bewegungseinschränkung objektiviert werden können, welche mit den aktuell möglichen chirurgischen Möglichkeiten nicht mehr angegangen werden könn
e
. Bezüglich de
s
Schmerzge
schehen
s
seien Restbeschwerden und auch eine belastungsabhängige Progredienz der Beschwerden nachvollziehbar (S. 11).
4.
4.1
Bezüglich der Kritik der Vertreterin des Beschwerdeführers an der kreisärztlichen Einschätzung ist anzumerken, dass sich die Beschwerde im Kern nicht gegen die medizinische Einschätzung richtet, sondern vielmehr
zum Inhalt hat
, dass der Beschwerdeführer aufgrund des
festgehaltenen Tätigkeitsprofils in einer Ver
weistätigkeit stärker eingeschränkt
sei
. So wird in der abschliessenden kreisärzt
lichen Einschätzung ein Bewegungsumfang von 0-90-130° anerkannt, weiter
ergibt sich die erhebliche Einschränkung der rechten oberen Extremität aus dem Anforderungsprofil an eine angepasste Tätigkeit. Wie sich die anerkannten erheblichen Einschränkungen auswirken, ist dabei im Rahmen der Ermittlung des Invalideneinkommens zu bestimmen.
Was den medizinischen Sachverhalt betrifft, ist die Einschätzung von
Kreisärztin Dr.
D._
nicht zu beanstanden. Insbesondere würdigt sie die in der Untersuchung am
C._
gewonnenen Erkenntnisse, welche insbesondere zur Frage der psy
chischen Überlagerung Klarheit schaffen konnte
n
. Bei dieser Sachlage drängen sich keine weiteren medizinischen Abklärungen auf.
Dass in einer optimal ange
passten Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen ist, ergibt sich im Übrigen auch aus dem Bericht
von Dr.
E._
vom 30. Mai 2017. Dieser hielt fest,
das Handicap
sei
nicht zu verleugnen, er denke aber, dass der Beschwer
deführer in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig geschrieben werden könne
(
Urk.
8/157 S. 2).
4.2
Nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts bietet der bei der Inva
lidi
tätsbemessung massgebliche ausgeglichene Arbeitsmarkt für versicherte Per
so
nen, welche funktionell als Einarmige zu betrachten sind und überdies nur noch leichte Arbeiten verrichten können, genügend realistische Betätigungsmög
lich
keiten. Zu denken ist dabei etwa an einfache Überwachungs-, Prüf- und Kon
troll
tätigkeiten sowie an die Bedienung
und Überwachung von (halb)automati
schen Maschinen oder Produktionseinheiten
, die nicht den Einsatz beider Arme und beider Hände voraussetzen
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen).
Aufgrund der zitierten Rechtsprechung ist somit auch im konkret vorliegenden Fall grundsätzlich eine Verwertbarkeit der verbliebenen Leistungsfähigkeit anzu
nehmen, was zur Durchführung eines Einkommensvergleichs führt.
5.
5.1
Hinsichtlich des
Valideneinkommens
ging d
ie Beschwerdegegnerin zutreffend von einem Stundenlohn von
Fr.
26.-- sowie einer Gratifikation von
Fr.
2.16 aus, was bei einer Arbeitszeit von 42.5 Stunden pro Woche
bei ausgebliebener Lohn
entwicklung
per 2017 zu einem Jahreseinkommen von
Fr.
62'234.-- führt (
Urk.
8/176 S. 2,
Urk.
8/2,
Urk.
8/167).
5.2
5.2.1
Für die Ermittlung des Invalideneinkommens
zog die Beschw
erdegegnerin DAP-Profile heran.
Übt
die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit
aus
, so können nach der Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne gemäss der vom Bun
desamt für Statistik periodisch herausgegebenen Schweizerischen Lohnstruk
turerhebung (LSE) oder die Zahlen der Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP) der Suva herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 mit Hinweis).
Bei Heran
ziehen der DAP hat sich die Ermittlung des Invalideneinkommens auf mindestens fünf zumutbare Arbeitsplätze zu stützen. Zusätzlich sind Angaben zu machen über die Gesamtzahl der aufgrund der gegebenen Behinderung in Frage kommen
den dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den
Tiefstlohn
sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Behinderun
gsprofil ent
sprechenden Gruppe
(BGE 139 V 592 E. 6.3 mit Hinweis).
Bei der Prüfung der konkreten Profile ist aufgrund des Anforderungsprofils ins
besondere beachtlich, dass an der
rechten oberen Extremität eine erhebliche Bewegungseinschränkung besteht und repetitive Tätigkeiten zu vermeiden sind. Vor diesem Hintergrund erscheint die Tätigkeit gemäss DAP-Nummer 380711
(
Urk.
8/175 S. 23 ff.)
unrealistisch. Die entsprechende Tätigkeit in der Elektronik-Montage erfordert dabei sehr oft eine leichte/feinmotorische Tätigkeit, welche der Beschwerdeführer entsprechend seiner Behinderung mit der linken Hand verrich
ten müsste. Konkret müsste der Beschwerdeführer dabei elektronische Kompo
nenten auf Leiterplatten setzen, Handlöten, selten schrauben,
abbeugen
und zuschneiden. Dies erscheint sowohl aufgrund der Funktionsausfalls der rechten oberen Extremität als auch aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer Rechtshänder ist, ausgeschlossen.
Darüber hinaus erscheint auch die Tätigkeit gemäss DAP-Nummer 4459 (Urk. 8/175 S. 15 ff.; Spedition) den Möglichkeiten des Beschwerdeführers nicht zu entsprechen. So müsste dieser sehr oft im mittel
schweren Bereich Schrauben oder Bohren (Bestellungen zusammenstellen und einpacken), was aus den obgenannten Gründen
ebenfalls
nicht möglich sein dürfte, es sei denn, man nimmt gravierende Minderleistungen in Kauf.
Insgesamt stellen die beigebrachten DAP-Profile keine verlässliche Grundlage für die Ermittlung des Invalideneinkommens dar, sodass praxisgemäss auf die Durch
schnittswerte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung abzustellen ist.
5.2.2
Gestützt auf die Daten der LSE 2016 ist dabei
von einem monatlichen Einkommen
von Fr. 5‘340.-- auszugehen (LSE 2016 TA1_tirage_skill_level, Kompetenzniveau 1
). Nach Berücksicht
igung der durchschnittlichen Ar
beitszeit von 41,7 Stunden pro Woche (www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeits
zeit, detaillierte Daten, Normalarbeitsstunden)
sowie der bis 2017 eingetretenen
Nominallohnentwicklung (Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939
= 100], Männer, Stand 2016:
2239, Stand 2017: 2249
; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detail
lierte Daten, Lohnentwicklung)
ergibt sich per 2017
ein Jahreseinkommen von Fr.
67'101.75.
Das Bundesgericht nimmt bei faktischer
Einhändigkeit
oder Beschränkung der dominanten Hand als
Zudienhand
eine erheblich erschwerte Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt an, welche einen lei
densbedingten Abzug in der Höhe von 20 - 25 % vom Tabellenlohn zu rechtfer
tigen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_58/2018 vom 7. August 2018
E.
5.3 mit zahlreichen Hinweisen). Aufgrund der
Einschränkungen in der Funktion der dominanten rechten Hand, welche lediglich noch als
Zudienhand
eingesetzt werden kann
,
erscheint
dabei ein leidensbedingter Abzug i
n der Höhe von 20 % angezeigt, was zu einem noch erzielbaren Invalidenein
kommen von
Fr.
53'681.40 führt.
5.2.3
Aus den Ausführungen zum per 2017 erzielbaren Invalideneinkommen ist ersichtlich, dass das
Valideneinkommen
des Beschwerdeführers
unterdurch
schnittlich
sein könnte
.
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus
) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditätsbe
messung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Ein
kommensniveau begnügen wollte. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohneinbussen entweder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleichmäs
sig zu berücksichtigen sind (BGE 141 V 1 E. 5.4). Diese Parallelisierung der Ein
kommen kann praxisgemäss entweder auf Seiten des
Valideneinkommens
durch eine entsprechende
Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herabsetzung des statistischen Wertes erfolgen (BGE 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1). Eine Parallelisierung ist indessen nur vorzunehmen, wenn die Differenz zum massge
benden Durchschnitt deutlich ist. Deutlich unterdurchschnittlich im Sinne von
BGE 134 V 322
E. 4 ist der tatsächlich erzielte Verdienst, wenn er mindestens 5
%
vom branchenüblichen LSE-Tabellenlohn abweicht (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.2).
Die Parallelisierung der Einkommen trägt somit dem Umstand Rechnung, dass die versicherte Person
als Invalide
realistischerweise nicht den Tabellenlohn erzielen kann, weshalb ein entsprechend tieferes
Invalideneinkommen
anzuneh
men ist. Kann tatsächlich oder
zumutbarerweise
ein durchschnittliches Invaliden
einkommen erzielt werden, dann besteht kein Grund, ein aus wirtschaftlichen Gründen unterdurchschnittliches
Valideneinkommen
auf ein durchschnittliches hochzurechnen. Denn mit einer solchen Vorgehensweise würden in gesetzwidri
ger Weise Einkommenseinbussen berücksichtigt, die nicht gesundheitlich bedingt sind. Entsprechend der gesetzlichen Regelung ist somit das (zumutbare) Invali
deneinkommen nicht demjenigen Einkommen gegenüberzustellen, das ohne Gesundheitsbeeinträchtigung bei vollständiger Ausschöpfung des wirtschaftli
chen Potenzials
zumutbarerweise
hätte erzielt werden können, sondern demjeni
gen, das konkret erzielt worden wäre (BGE 135 V 58 E. 3.4.3).
Sind die Voraussetzungen der
Einkommensparallelisierung
erfüllt, weil die versi
cherte Person aus invaliditätsfremden Gründen infolge fehlender Berufsausbil
dung und mangelhafter Sprachkenntnisse ein unterdurchschnittliches
Validen
einkommen
erzielt hatte, welches um mindestens 5
%
unter dem branchenübli
chen LSE-Tabellenlohn liegt, so vermögen dieselben Faktoren
praxisgemäss nicht zusätzlich auch noch einen Leidensabzug zu begründen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.2).
Bei der Durchführung der Parallelisierung ist mit Blick auf eine dem Grundsatz der Rechtsgleichheit genügende Invaliditätsgradermittlung zu vermeiden, dass diese – bei einer kontinuierlich ansteigenden Differenz zwischen tatsächlich erzieltem Lohn und branchenüblichem Durchschnittseinkommen – ab Erreichen des
Erheblichkeitsgrenzwertes
von mindestens 5
%
gegebenenfalls eine sprung
hafte Erhöhung des Invaliditätsgrades zur Folge hat. Es ist daher nur in dem Umfang zu parallelisieren, in welchem die prozentuale Abweichung den
Erheb
lichkeitsgrenzwert
von 5
%
übersteigt, bezweckt doch die Parallelisierung praxis
gemäss nur die Ausgleichung einer deutlichen – also nicht jeder kleinsten – Abweichung des tatsächlich erzielten Verdienstes vom tabellarisch bestimmten branchenüblichen Referenzeinkommen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.3).
Zur Ermittlung des massgeblichen Referenzeinkommens ist
der branchenspezifi
sche Lohn für Bauarbeiter bei der Ausübung einfacher Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art der LSE 2016 heranzuziehen. Dieser beträgt
Fr.
5'508.--, was unter
Anpassung
an die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit
im Hoch- und Tiefbau von
41.
6 Stunden sowie der bis 2017 eingetretenen
Nominallohn
entwicklung
im Baugewerbe (
Bundesamt für Statistik,
T1.1.10,
Nominallohnindex
2011-2018,
Männer, 2010 = 100, 2016 = 102.9, 2017 = 103.2
)
per 2017
ein Jah
reseinkommen von Fr.
68'940.25 ergibt
.
Vergleicht man das massgebende Referenzeinkommen gemäss LSE
per
2017
von
Fr.
68'940.25
mit dem erzielten
Valideneinkommen
in der Höhe von
Fr.
62'234.-- ergibt sich eine Abweichung von
9.
727
%
(Fr.
68'940.25
-
Fr.
62'234.--
/
Fr.
68'940.25
x 100 =
9.727
).
Das
Valideneinkommen
ist demnach bis zur Erheb
lichkeitsschwelle von 5
%
zu parallelisieren, was zu einem massgebenden Jah
reseinkommen von Fr.
65
'493.25
und zu einem
Invaliditätsgrad von 1
8
%
führt ([
Fr.
65'493.25
- Fr. 53'681.40] x 100 / Fr.
65'493.25
=
18.03
).
Für die Zeit ab
1.
Juli 2017 hat der Beschwerdeführer demnach Anspruch auf eine Invalidenrente ausgehend von einem Invalidit
ätsgrad von 1
8
%
.
6.
6.1
In Bezug auf den medizinischen Sachverhalt ist unbestritten, dass der Beschwer
deführer an einer objektivierten eingeschränkten Beweglichkeit des rechten Ell
bogens im Umfang von 0-90-130° sowie an Restbeschwerden mit belastungsab
hängiger Progredienz leidet.
6.2
Die Bemessung der Integritätsentschädigung richtet sich laut Art. 25 Abs. 1 UVG nach der Schwere des Integritätsschadens. Diese beurteilt sich nach dem medizi
nischen Befund. Bei gleichem medizinischem Befund ist der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär bemessen. Die Integri
tätsentschädigung der Unfallversicherung unterscheidet sich daher von der pri
vatrechtlichen Genugtuung, mit welcher der immaterielle Nachteil individuell un
ter Würdigung der besonderen Umstände bemessen wird. Es lassen sich im Ge
gensatz zur Bemessung der Genugtuungssumme im Zivilrecht (vgl. BGE 112
II
131 E. 2) ähnliche Unfallfolgen miteinander vergleichen und auf medizinischer Grundlage allgemein gültige Regeln zur Bemessung des Integritätsschadens auf
stellen; spezielle Behinderungen der Betroffenen durch den Integritätsschaden bleiben dabei unberücksichtigt. Die Bemessung des Integritätsschadens hängt so
mit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalles ab; auch geht es bei ihr nicht um die Schätzung erlittener Unbill, sondern um die medizinisch-theo
retische Ermittlung der Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integri
tät, wobei subjektive Faktoren ausser Acht zu lassen sind
(BGE 115 V 147 E. 1, 113 V 218 E. 4b mit Hinweisen; RKUV 2001 Nr. U 445 S. 555 ff.).
6.3
Zur Bestimmung der Höhe der Integritätsentschädigung stützte sich die Be
schwerdegegnerin auf die Tabellen Integritätsentschädigung gemäss UVG. Gemäss der Tabelle 1 (Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an der oberen Extremität) ist bei einer Beweglichkeit des Ellbogens im Umfang von 0-90-135° ein Schaden von 10
%
anzunehmen. Die anlässlich der kreisärztlichen Untersu
chung vom 1
6.
Oktober 2018 festgestellte Einschränkung von 0-90-130° ent
spricht dieser Bewegungseinschränkung nahezu genau, sodass die Einschätzung von
Dr.
D._
nicht zu beanstanden ist.
Somit ist von einer zutreffenden Festset
zung des Integritätsschadens in der Höhe von 10
%
auszugehen, was in diesem Punkt zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
7.1
Zusammenfassend ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde festzustellen, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Juli 2017 Anspruch auf eine Invalidenrente b
ei einem Invaliditätsgrad von 1
8
%
hat; im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer
,
welcher im Hauptunkt der Rente obsiegt, eine um einen Fünftel reduzierte, angemessene
Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.