Decision ID: 52d15e73-dc45-4d95-ac22-195d2c4545b9
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog unter anderem für den Zeitraum vom 1. März 2013 bis zum 31. März
2014 für seine drei Kinder Familien- bzw. Ausbildungszulagen der Kantonalen
Familienausgleichskasse. Am 31. März 2014 meldete die Arbeitgeberin von A._ der
Familienausgleichskasse, dass die Familienzulagen ab 1. April 2014 direkt an B._
ausbezahlt werden sollen (act. G 3.1/7). Am 17. April 2014 stellte zudem B._ selber
ein Gesuch um Ausrichtung von Familienzulagen (act. G 3.2/1). Diesem Antrag wurde
mit Verfügungen vom 14. April 2014 und 19. Mai 2014 entsprochen (act. G 3.1/9 und
10, G 3.2/2). Mit Entscheid des Kreisgerichts C._ vom 27. Mai 2014 betreffend
Eheschutzmassnahmen wurde festgestellt, dass er und seine Ehefrau B._ seit Ende
Februar 2013 getrennt leben. Zudem wurde A._ verpflichtet, B._ mit Wirkung ab
dem 1. Januar 2014 monatlich im Voraus die folgenden Unterhaltsbeiträge zu
bezahlen: für die Kinder D._, E._ und F._ je Fr. 800.-- zuzüglich Kinder- bzw.
Ausbildungszulagen, sowie für B._ persönlich Fr. 100.-- (zuzüglich Leasingraten für
das Auto [act. G 3.1/13]).
A.b Mit Schreiben vom 16. Juni 2014 an die Sozialversicherungsanstalt machte B._
geltend, ihr Mann sei im Februar 2013 aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Er
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
habe wohl die Familienzulagen erhalten, aber nie an sie weitergeleitet. Die drei Kinder
wohnten allesamt in ihrem Haushalt und sie sei allein für deren Unterhalt, sei es
finanziell oder erzieherisch, verantwortlich (act. G 3.2/3). Mit Verfügungen vom 7. Juli
2014 stellte die Sozialversicherungsanstalt die Ausrichtung von Familien- und
Ausbildungszulagen an die Arbeitgeberin von A._ nunmehr per 28. Februar 2013 ein
und richtete sie ab 1. März 2013 an die Arbeitgeberin von B._ aus (act. G 3.1/11 und
G 3.2/4).
A.c Mit Verfügung vom 8. Juli 2014 (die jedoch der Arbeitgeberin zugestellt wurde)
forderte die Sozialversicherungsanstalt von A._ die im Zeitraum vom 1. März 2013
bis zum 31. März 2014 an ihn ausgerichteten Familien- und Ausbildungszulagen in
Höhe von Fr. 6‘500.-- (2013) und Fr. 1‘950.-- (2014), total somit Fr. 8‘450.-- zurück (act.
G 3.1/11). Dagegen liess A._ am 16. Juli 2014 Einsprache erheben. Gemäss
Gerichtsentscheid vom 27. Mai 2014 sei er erst ab dem 1. Januar 2014 verpflichtet, die
Familienzulagen weiterzuleiten. Bis 31. Dezember 2013 hätten sie ihm jedoch
zugestanden. Demzufolge anerkenne er die Rückforderung für 2014 im Umfang von Fr.
1‘950.-- (act. G 3.1/13). Mit Entscheid vom 28. November 2014 wies die
Familienausgleichskasse die Einsprache ab. Aus dem genannten Gerichtsentscheid
gehe hervor, dass die Parteien seit Ende Februar 2013 getrennt seien und dass die
Kinder seither bei der Mutter lebten, weshalb sie unter deren Obhut gestellt worden
seien. Der Einsprecher sei auf Grund der ehelichen Beistandspflicht verpflichtet
gewesen, die Ehefrau weiterhin finanziell zu unterstützen. Dass im Gerichtsentscheid
die Kinderunterhaltsbeiträge mit Wirkung ab 1. Januar 2014 festgelegt worden seien,
bedeute nicht, dass er seine Ehefrau für die Zeit davor nicht hätte finanziell
unterstützen müssen. Vielmehr hätte er im Rahmen der finanziellen Beistandspflicht der
Ehefrau nach Aufhebung des gemeinsamen Haushalts Ende Februar 2013 die von ihm
bezogenen Familienzulagen unverzüglich weiterleiten müssen, was er
unbestrittenermassen nicht getan habe. Der Zulagenbezug durch den Einsprecher sei
damit ab 1. März 2013 unrechtmässig gewesen (act. G 1.2).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 14. Januar
2015 mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 28.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
November 2014. Das Eheschutzgericht habe in seinem Entscheid vom 27. Mai 2014
festgehalten, dass die Eheleute A._ und B._ seit März 2013 (genauer: seit Ende
Februar 2013) getrennt lebten. Unterhalt sowie Kinder- und Ausbildungszulagen seien
jedoch erst per 1. Januar 2014 geschuldet. Das Gericht sei zum Schluss gekommen,
dass der Beschwerdeführer während der ersten Phase des Getrenntlebens von März
bis Dezember 2013 für den gesamten Bedarf der Familie aufgekommen sei, weshalb
für diese Periode kein Unterhalt geschuldet sei. Dabei habe das Gericht um die
Zulagen gewusst und diese in seinem Entscheid berücksichtigt. Die Kinder- und
Ausbildungszulagen seien für die Periode von März bis Dezember 2013 dem
Beschwerdeführer zugesprochen worden. Dem könne sich die verfügende Behörde
nicht entziehen (act. G 1).
B.b Mit Eingabe vom 23. Januar 2015 beantragt die Verwaltung Abweisung der

Beschwerde und verweist auf die Erwägungen im Einspracheentscheid (act. G 3).
B.c Nach erfolgter Akteneinsicht reicht der Rechtsvertreter am 26. Februar 2015 eine
weitere Eingabe ein. Anlässlich der Eheschutzverhandlung vom 26. März 2014 habe die
Ehefrau bestätigt, dass der Beschwerdeführer seit der Trennung die Rechnungen für
die Familie bezahlt habe, weshalb der Unterhalt erst ab Januar 2014 geregelt werden
solle. Am 16. Juni 2014 habe sie der Sozialversicherungsanstalt in
rechtsmissbräuchlicher Weise mitgeteilt, dass sie seit Februar 2013 alleine sowohl für
die Kindererziehung zuständig sei als auch für deren Finanzierung aufkomme. In der
Anmeldung vom 17. April 2014 habe sie noch angegeben, dass die Trennung per 1.
Januar 2014 erfolgt sei und die Familienzulagen erst ab 1. April beantragt würden.
Damit sei sie ebenfalls davon ausgegangen, dass der finanzielle Anspruch für 2013
abgegolten sei (act. G 8).
Erwägungen
1.
Nach Art. 1 des Bundesgesetzes über die Familienzulagen vom 24. März 2006
(abgekürzt: FamZG, SR 836.2) in Verbindung mit Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes
vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(abgekürzt: ATSG, SR 830.1) wird eine formell rechtskräftig zugesprochene
Dauerleistung von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich
verändert hat. Nach Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen
zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht
zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt.
2.
2.1 Art. 7 Abs. 1 FamZG regelt die Anspruchskonkurrenz. Haben mehrere Personen für
das gleiche Kind Anspruch auf Familienzulagen, steht dieser in folgender Reihenfolge
zu: der erwerbstätigen Person (lit. a), der Person, welche die elterliche Sorge hat oder
bis zur Mündigkeit des Kindes hatte (lit. b), der Person, bei der das Kind überwiegend
lebt oder bis zu seiner Mündigkeit lebte (lit. c), der Person, auf welche die
Familienzulagenordnung im Wohnsitzkanton des Kindes anwendbar ist (lit. d), der
Person mit dem höheren AHV-pflichtigen Einkommen aus unselbstständiger
Erwerbstätigkeit (lit. e) und schliesslich der Person mit dem höheren AHV-pflichtigen
Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit (lit. f). Nachdem der
Beschwerdeführer und seine Ehefrau bis im Februar 2013 in einem gemeinsamen
Haushalt lebten und die Kinder unter der Obhut beider Elternteile standen, und zudem
der Beschwerdeführer das höhere Erwerbseinkommen erzielte (und immer noch
erzielt), stand ihm der Anspruch auf Kinder- und Ausbildungszulagen zu (lit. e).
Dementsprechend wurden die Familienzulagen mit der ursprünglichen
leistungszusprechenden, in formelle Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 25.
Januar 2010 an ihn ausgerichtet (act. G 3.1/2; bestätigt in den Verfügungen vom 26.
November 2012 und vom 15. August 2013 [act. G 3.1/4 und 6]). Unbestrittenermassen
lösten die Ehegatten jedoch Ende Februar 2013 den gemeinsamen Haushalt auf,
sodass die Kinder ab März 2013 nur noch bei der Mutter lebten. Diese nachträgliche
und erhebliche Veränderung im Sachverhalt hatte zur Folge, dass der Zulagenanspruch
ab diesem Zeitpunkt auf die Mutter überging (lit. c) und die künftige Auszahlung
entsprechend angepasst werden musste (Revision nach Art. 17 Abs. 2 ATSG). Die
Anpassung erfolgte mit den Verfügungen vom 7. Juli 2014 (act. G 3.1/11 und G 3.2/3).
Die öffentlich-rechtliche Zuweisung des Anspruchs auf Familienzulagen ist zwingender
Natur und kann weder von den Eltern noch vom Ehegericht abgeändert werden. So
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wollte denn der Gesetzgeber mit Einführung der Bundesgesetzgebung eine Regelung
des Anspruchs auf Familienzulagen für alle Fälle erreichen, wobei dieser – wie etwa
auch im Verhältnis zur Arbeitslosenversicherung in Art. 22 Abs. 2 lit. b AVIG postuliert -
in erster Linie an die Erwerbstätigkeit der Eltern anknüpfen sollte. Die nach Art. 4 Abs. 2
lit. b aKZG/SG noch vorgesehene Wahlmöglichkeit der Eltern, wenn das Kind unter
gemeinsamer Obhut stand, wurde dagegen fallen gelassen (vgl. UELI KIESER/MARCO
REICHMUTH, Bundesgesetz über die Familienzulagen, Praxiskommentar, Art. 7 Rz 4
und 5). Der Umstand, dass vorliegend die Parteien - und mit ihnen das
Eheschutzgericht - eine Unterhaltsregelung für die Zeit vor Januar 2014 nicht für
notwendig erachtet haben, ändert an dieser gesetzlichen Regelung nichts. Die
Eheschutzrichterin hat denn auch nirgends explizit festgehalten, der Beschwerdeführer
habe einen Anspruch auf die Zulagen. Vielmehr hat sie sich dazu nicht geäussert. Der
Beschwerdeführer war somit ab März 2013 nicht mehr anspruchsberechtigt, womit
sein Leistungsbezug ab diesem Zeitpunkt unrechtmässig wurde. Im Übrigen leitete er
auch jene Zulagen nicht weiter, auf die selbst nach seiner Meinung kein Anspruch
bestand (Januar bis März 2014). Dies führt zu einer entsprechenden
Rückerstattungspflicht (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Art. 17 Rz 15)
2.2 Die Höhe des zurückgeforderten Betrags ist vorliegend nicht umstritten und
entspricht den im fraglichen Zeitraum von März 2013 bis März 2014 bezogenen
Familienzulagen. Für D._ bezog der Beschwerdeführer ab 1. Dezember 2012 eine
Ausbildungszulage, somit während der gesamten fraglichen Dauer (act. G 3.1/4 und 6).
Die Rückforderung beträgt Fr. 3‘250.-- (13 x Fr. 250.--). Für E._ und F._ bezog der
Beschwerdeführer je Kinderzulagen, somit während der gesamten fraglichen Periode
(act. G 3.1/6). Die Rückforderung beträgt Fr. 5‘200.-- (13 x Fr. 200.-- x 2), total somit Fr.
8‘450.--.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
3.2 Soweit dem Beschwerdeführer die Rückerstattung nicht möglich sein sollte, hat er
die Möglichkeit, innert 30 Tagen nach Rechtskraft der Rückforderung bei der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin ein Erlassgesuch zu stellen (Art. 25 Abs. 1 ATSG in Verbindung
mit Art. 4 ATSV).