Decision ID: 68ee0bd6-403d-4c46-92ba-f1bd447c7597
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1965
,
Taxifahrer
, meldete sich am
7.
Januar 2021
(Eingangs
datum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, zum Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung (Härtefallregelung) gestützt auf
die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19-Verordnung Erw
erbsausfall) an (Urk. 6/17
). Mit Verfü
gu
ng vom 1
1
.
Februar
2021
verneinte die Ausgleichskasse einen Anspruch auf eine Corona-Erwerbs
ausfallentschädigung
mangels selbständiger Erwerbstätigkeit
(Urk. 6/21
). Die dagegen vom Versicherten am
8
.
März 2021
(Eingangsdatum
) erhobene Einsprache (Urk. 6/22
) wies die Ausgleichskasse mit Entscheid vom
1
4.
April 2021
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
0.
Mai 2021 Beschwerde und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und
Zusprache
einer Corona-Erwerbs
ersatzentschädigung. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der un
entgeltlichen Prozessführung (
Urk. 1.
S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
Juni 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5),
was dem Beschwerdeführer am 1
8.
Juni 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk
.
7). Mit Eingabe vom 1
4.
Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer
je
weils
die erste Seite der
Steuererklärung
en
2018
und
2019
ein (
Urk.
8,
Urk.
9/1-2
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Verordnun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohenden schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf maximal sechs Monate; vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Verwal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise auch auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützen - am 20. März 2020 die Covid-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall. Die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall wurde rück
wirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt und der Geltungszeitraum bis zum
16. September 2020 befristet (Art. 11 Abs. 2). Seit Inkrafttreten hat die Verord
nung
zahlreiche
Änderung
en
erfahren und gilt nu
nmehr bis zum 31. Dezem
ber
2021 (Art. 11 Abs. 5). Mit dem Covid-19-Gesetz vom 25. September 2020 wurde rückwirkend per 17. September 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung geschaffen (Art. 15 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 3 Covid-19-Gesetz).
1.2
Nach
Art. 2 Abs. 3
bis
der
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
(gültig vom 17. März bis zum 16. September 2020)
sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (
ATSG
)
anspruchsberechtig
t, wenn sie aufgrund der
bundes
rätlichen
Mass
nahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
, obwohl sie nicht zur Schliessung des
Betriebs verpflichtet oder direkt vom Veranstaltungsv
erbot betroffen waren, einen
Erwerbsausfall er
leiden und ihr für die Bemessu
ng der Beiträge der AHV massge
bendes Ein
kommen für das Jahr 2019 zwischen Fr. 10‘
000.-- und Fr. 90‘000.-- liegt.
1.3
Nach dem (rückwirkend) seit dem 17. September 2020 gültigen Art. 2 Abs. 3
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (eingefügt mit der Änderung vom 4. November 2020)
sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12 ATSG
, die
nicht zur Schliessung des Betriebs verpflichtet oder direkt vom Veranstaltungs
verbot betroffen waren
, anspruchsberechtigt wenn:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b.
sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; und
c.
sie im Jahre 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbsein
kommen von mindestens
Fr.
10
'000.-- erzielt haben; diese Voraussetzung gilt
sinn
ge
mäss, wenn die Tätigkeit nach d
em Jahr 2019 aufgenommen wurde;
wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen
Jahres ausgeübt, so gilt diese
Vor
aus
setzung proportional zu deren Dauer
Nach Art. 2 Abs. 3
ter
Satz 1 Cov
id-19-Verordnung Erwerbsausfall
gilt die Erwerbs
t
ä
tig
keit als massgeb
lich eingeschränkt, wenn im Vergleich zum durchschnitt
lichen monatlichen Ums
atz der Jahre 2015-2019 pro Monat eine Erwerbseinbusse
von mindestens 55 Prozent (in der vom 17. September bis zum 18. Dezember 2020
gültigen Fassung) bzw. mindestens 40 Prozent (in der vom 19. Dezember 2020 bis 31. März 2021 gültigen Fassung) bzw. mindestens 30 Prozent (in der Fassung gültig ab 1. April 2021) vorliegt
.
1.4
Bei
Selbständige
rwerbenden
ist
bezüglich der Anspruchsberechtigung
entschei
dend, ob sie von der Ausgleichs
kasse als solche anerkannt sind
(vgl. Kreis
schrei
ben
über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des
Coro
navirus
- Corona-Erwerbsersatz
, KS CE
, Stand: 4. November 2020,
Rz
. 1025
)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
erwog im
angefochtenen Entscheid, der Beschwerde
füh
rer
sei
zum Zeitpunkt der Unterbrechung der Erwerbstätigkeit nicht
bei ihr
als
selbständigerwerbende
Person erfasst gewesen. Gemäss Weisung des Bundesam
tes für
Sozialversicherungen bilde letzteres
Voraussetzung für einen Anspruch auf
eine Corona-
Erwerbsausfallentschädigung (Urk. 2).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer ein,
er sei
«seit 2016-2017» als Taxifahrer selbständig erwerbstät
ig. Entsprechend habe er sich in den
Steuererklärung
en der letzten Jahre als
selbständigerwerbend
deklariert. Die Ausgleichskasse erhalte «alle detaillierten Auskünfte» von den Steuerbehörden
,
nachdem die AHV/IV-Beiträge abgerechnet und in Rechnung gestellt worden seien. B
ei
m
Steueramt s
ei er als
selbständigerwerbend
erfasst. Zudem erhalte er eine Krankenkassen
prä
mien
verbilligung (
Urk.
1).
3.
3.1
Fest steht, dass
ein 2013 erfolgter Antrag des Beschwerdeführers um Anschluss bei der Ausgleichskasse als
s
elbständigerwerbender
Taxifahrer
(
Urk.
6/1) mangels Nachweises einer selbständigen Erwerbstätigkeit
anfangs 2014
abgelehnt und der
Beschwerdeführer seither als
unselbständigerwerbend
eingestuft wurde (vgl.
Urk.
6/4, vgl. auch
Urk.
6/2 f.);
ein (rückwirkender) Anschluss als
Selbständiger
werbender
bei der Ausgleichskasse
erfolgte
einzig
für das Jahr 2016
aufgrund einer entsprechenden Meldung
durch das
S
teueramt
(
vgl. Schreiben vom 1
6.
Dezem
ber 2020,
Urk.
6/14
).
D
ie
für diesen Zeitraum geschuldeten Sozialver
sicherungsbeiträge
(vgl.
definitive Beitragsverfügung vom 1
6.
Dezember 2020,
Urk.
6/15)
blieb der Beschwerdeführer jedenfalls bis Ende J
anuar 2021 schuldig (
vgl. die gebührenpflichtige Mahnung vom 2
5.
Januar 2021,
Urk.
6/18 f.
)
.
Er
stellte inzwischen
ein
Gesuch um Corona-Erwerbsausfallentschädigung
für den
Zeitraum
vom
17.
September
bis 3
1.
Oktober
2020 (Urk. 6/17
, vgl. auch
Urk.
6/20
)
.
3.2
Indem der Beschwerdeführer - seinen beschwerdeweisen Vorbringen folgend (
Urk.
1) – seit 2016/2017 als Taxifahrer
zwar
selbständig erwerbstätig
gewesen sein soll
,
ab dem 1. Januar 201
7
indes
nicht mehr bei der Ausgleichskasse
als
Selbständigerwerbender
angeschlossen
war,
hat
bzw. hätte
er
es pflichtwidrig unterlassen, sich bei d
erselben
anzumelden
(vgl. Art. 64 Abs. 5 des Bundes
ge
setzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
, AHVG).
Daran vermag
bzw. vermöchte
weder seine
Selbstdeklaration als
Selbständigerwerbender
in den Steuer
erklärungen 2018/2019 (
Urk.
9/1-2) noch die
Zusprache
einer Kranken
kassenprämienverbilligung (
Urk.
3/1) etwas zu ändern
.
Ob mit je der ersten Seite der beiden Steuererklärungen 2018 und 2019 eine selbständige Erwerbstätigkeit glaubhaft gemacht worden ist, kann offenbleiben. Der Beschwerdeführer setzte sich nämlich mit seinen beiden Anmeldungen vom 7. Januar und 2. Februar 2021 (Urk. 17 und Urk. 6/20) selber mehrfach in einen unauflösbaren Widerspruch, in
dem er in der ersten Anmeldung angab, die Geschäftstätigkeit am 1. Januar 2020 aufgenommen zu haben, während er in der zweiten Anmeldung behauptete, seit dem Jahre 2016 selbständig erwerbstätig zu sein. Ein vergleichbar grosser Wider
spruch besteht im selbstdeklarierten Umsatz vom 17. September bis 31. Oktober 2020 von Fr. 5'500.-- in der ersten Anmeldung gegenüber Fr. 800.-- in der zwei
ten Anmeldung. Wird die Angabe in der ersten Anmeldung zum Nennwert ge
nommen, die als Aussage der ersten Stunden mit überwiegender Wahrscheinlich
keit weniger von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst gewesen ist (vgl. BGE 121
V 47 E. 2a), liegt bei einem in der zweiten Anmeldung deklarierten durchschnittlichen Monatsumsatz von Fr.
3'004.-- gar keine Erwerbseinbusse vor.
Zusammenfassend scheitert das Begehren des Beschwerdeführers an selbstver
schuldeter Beweislosigkeit und am Erfordernis der Erwerbseinbusse.
4.
Der angefochtene Entscheid erweist sich
nach dem Gesagten
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
D
as Gesuch um unentgeltliche Prozessführung erweist sich unter Hinweis auf
Art.
61
lit
.
f
bis
des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsgesetzes (ATSG) als
gegenstandslos.