Decision ID: 4d2c9959-3442-478c-bb01-b3923286a164
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 15. Juni 2010 bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug (berufliche Integration/Rente) an. Bezüglich ihrer gesundheitlichen
Beeinträchtigungen verwies die Versicherte auf ihren behandelnden Hausarzt, Dr. med.
B._, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH (act. G 4.1/1). Dieser gab beim Gespräch
vom 23. Juni 2010 zwischen ihm und Dr. med. C._, Fachärztin für Arbeitsmedizin
FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) an, dass die Versicherte an einem
Ganzkörperschmerzsyndrom (vorwiegend Nacken und Rücken), einer ausgebrannten,
wahrscheinlich inaktiven Echinokokkus-Zyste (Abklärungen USZ, Gastroenterologie)
und an einer psychischen Überlagerung leide, weshalb dringend ein Reha-Aufenthalt
(rheumatologisch für intensive Therapien und psychotherapeutisch) empfohlen sei. Aus
diesen Gründen schrieb der Hausarzt die Versicherte denn auch seit dem 18. Januar
2010 zu 100% arbeitsunfähig (act. G 4.1/16; act. G 4.1/18 S. 3). Die D._ AG
bestätigte eine Anstellung der Versicherten als Mitarbeiterin Produktion seit dem 17.
Oktober 2000 und ein aktuelles AHV-pflichtiges Einkommen von Fr. 47'060.-- (act. G
4.1/18).
A.b Gestützt auf eine entsprechende Zielvereinbarung vom 15. November 2010 teilte
die IV-Stelle der Versicherten am 23. November 2010 mit, ihr werde Beratung und
Unterstützung beim Erhalt des derzeitigen Arbeitsplatzes gewährt (act. G 4.1/29). Die
Versicherte solle ab dem 3. Januar 2011 einen Arbeitsversuch, voraussichtlich
beginnend in einem Teilpensum, starten (act. G 4.1/26).
A.c Der Hausarzt der Versicherten bestätigte bis zum 31. Dezember 2010 eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit, ab dem 1. Januar 2011 noch eine 50%ige (act. G 4.1/31).
A.d Die Versicherte startete am 5. Januar 2011 den vereinbarten Arbeitsversuch in
einem 50%-Pensum (act. G 4.1/42).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.e Das bestehende Arbeitsverhältnis wurde am 12. September 2011 per 31. Januar
2012 durch die Arbeitgeberin aufgelöst (act. G 4.1/66 S. 54). Gemäss dem Protokoll
der IV-Stelle vom 9. Dezember 2011 habe die Besprechung mit der Case Managerin
der D._ AG ergeben, dass die Versicherte nie versucht habe, das Arbeitspensum von
50% zu erhöhen (act. G 4.1/42).
A.f Mit Vorbescheid vom 3. Januar 2012 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an,
das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen werde abgewiesen (act. G 4.1/49).
Gegen diesen Vorbescheid erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic.
oec. HSG Fritz Dahinden, am 20. Januar 2012 Einwand mit den Anträgen, es seien
medizinische Abklärungen zur Arbeitsunfähigkeit der Versicherten zu treffen und im
Nachgang zu diesen Abklärungen über den Anspruch auf berufliche Massnahmen zu
entscheiden. Des Weiteren sei davon Vormerk zu nehmen, dass über den
Rentenanspruch noch nicht entschieden worden sei und eventuell das vorliegende
Verfahren bis zum rechtskräftigen Abschluss der Rentenprüfung zu sistieren sei (act. G
4.1/50).
A.g Mit Schreiben vom 9. Mai 2012 wurde die Versicherte zu einer Untersuchung
durch den RAD aufgeboten (act. G 4.1/61). Am 21. Juni 2012 wurde die Versicherte
sowohl rheumatologisch wie psychiatrisch durch die RAD-Ärzte Dr. med. E._,
Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation
FMH, und Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, untersucht. Rheumatologisch wurde ein generalisiertes Schmerzsyndrom des
Bewegungsapparates ohne adäquates organisches Korrelat, und psychiatrisch eine
depressive Störung (aktuell noch leicht, partiell mittelgradige depressive Episode mit
somatischen Symptomen), ein ausgeprägtes Restless-Legs-Syndrom und eine
typische/einfache Migräne ohne Aura mit Prodromi diagnostiziert. Die bisherige
Tätigkeit sei aus rheumatologischer Sicht nicht mehr geeignet. Bei geeigneter Adaption
und allenfalls durchschnittlicher Belastung sollte ein 4.5-stündiges Tätigkeitspensum
pro Tag (Pausen nicht eingerechnet) ohne Leistungsminderung möglich sein (act. G
4.1/77).
A.h Mit einer weiteren Zielvereinbarung vom 19. Februar 2013 wurde die
Wiedereingliederung in der freien Wirtschaft/den ersten Arbeitsmarkt festgelegt. Die IV-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Stelle unterstützte die Versicherte dabei in der Arbeitsvermittlung (act. G 4.1/86).
Zudem war die Versicherte sechs Monate in einem Einsatzprogramm und absolvierte
einen OKP-Kurs (Orientierung - Kommunikation - Praktikum; act. G 4.1/91).
A.i Am 26. Juli 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen werde abgewiesen, wobei betreffend Rente später eine
separate Verfügung erfolge (act. G 4.1/93).
A.j Mit Vorbescheid vom 21. Februar 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, ab dem 1. Januar 2011 eine Viertelsrente zuzusprechen. Der Versicherten
werde ab diesem Zeitpunkt in einer leidensadaptierten leichten wechselbelastenden
Tätigkeit ohne Bewegungsstereotypen und ohne länger dauernde statische Belastung
sowie weder Kälte noch Nässe-Exposition eine 50%ige Arbeitsfähigkeit mit voller
Leistung bestätigt. Bei der Festlegung des Invalideneinkommens sei auf die Zahlen der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) abgestellt worden. Durch
einen Einkommensvergleich (Valideneinkommen: Fr. 47'531.--, Invalideneinkommen:
Fr. 24'954.--) resultiere ein Invaliditätsgrad von 48% (act. G 4.1/108).
A.k Gegen diesen Vorbescheid erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am 24.
März 2014 Einwand mit dem Antrag, es sei der Versicherten eine halbe IV-Rente
zuzusprechen. Die Bemessung des Valideneinkommens von Fr. 47'531.-- erweise sich
als zutreffend. Jedoch erfolge die Bemessung des Invalideneinkommens nach
Tabellenlöhnen, wobei das kurze Zeit später realisierte Anstellungsverhältnis
unberücksichtigt geblieben sei. Nach Rechtslage sei das Invalideneinkommen nach
dem tatsächlich erzielten Verdienst zu bemessen. Die Voraussetzungen des stabilen
Arbeitsverhältnisses und der zumutbaren Ausschöpfung der verbleibenden
Arbeitsfähigkeit seien erfüllt, weshalb von einem Invalideneinkommen von Fr. 23'400.--
ausgegangen werden müsse, womit ein Invaliditätsgrad von 50.77% resultiere.
Vorsorglich führte der Rechtsvertreter aus, bei der Parallelisierung sei für das
Valideneinkommen bei den Tabellenlöhnen nicht der Totalwert, sondern der in der
konkreten Branche übliche Wert massgebend, wobei vorliegend die Position 26,
Herstellung von elektronischen Erzeugnissen, im Vordergrund stehe. Dabei resultiere
eine Unterdurchschnittlichkeit von 17.2% (100% : Fr. 57'402.25 x Fr. 47'531.-- ./.
100%), abzüglich von 5% somit ein massgebender Prozentsatz von 12.2%, welcher
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beim Invalideneinkommen zu berücksichtigen sei. Zudem sei beim
Invalideneinkommen, welches auf dem Totalwert (Fr. 53'255.30) der LSE beruhe, ein
leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn von 10% zu gewähren, womit, unter
Berücksichtigung der Arbeitsunfähigkeit von 50%, ein anrechenbares
Invalideneinkommen von Fr. 21'041.15 und somit ein Invaliditätsgrad von 55.73%
resultiere (act. G 4.1/109).
A.l Mit Verfügung vom 25. August 2014 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine
Viertelsrente ab 1. Januar 2011 zu. Die IV-Stelle führte aus, im Arbeitsvertrag der
Versicherten seien weder die Arbeitszeiten noch das Arbeitspensum aufgeführt. Nach
so kurzer Zeit könne nicht von einem stabilen Arbeitsverhältnis ausgegangen werden.
Ob die Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise ausgeschöpft werde, sei nicht
ausgewiesen. Ein Leidensabzug sei zudem nicht angebracht, da eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit mehrfach bestätigt worden sei. Als hypothetisches Valideneinkommen
gelte das Einkommen, das die Versicherte unter Berücksichtigung der gesamten
Umstände überwiegend wahrscheinlich erzielen würde, wenn sie nicht invalid
geworden wäre. Ein zusätzlicher Abzug aufgrund der Einschränkungen könne nicht
berücksichtigt werden, da diese bereits in der medizinischen Arbeitsunfähigkeits-
Schätzung beachtet worden seien (act. G 4.1/113).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 25. August 2014 erhebt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin am 19. September 2014 Beschwerde. Die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Januar 2011
eine halbe IV-Rente zuzusprechen und eine angemessene ausseramtliche
Entschädigung zu entrichten. Unbestritten seien weiterhin das Valideneinkommen von
Fr. 47'531.-- und die Arbeitsunfähigkeit von 50%, bestritten hingegen das
Invalideneinkommen und der Invaliditätsgrad. Der Rechtsvertreter führt aus, die
Beschwerdegegnerin habe offenbar schon am 30. Oktober 2013 einen
Einkommensvergleich, basierend auf Tabellenlöhnen, vorgenommen. Diese Daten
seien ohne Berücksichtigung des vorgelegten Arbeitsvertrages übernommen worden.
Das Invalideneinkommen sei nach dem tatsächlich erzielten Verdienst zu bemessen.
Die Voraussetzungen dafür seien erfüllt. Das Arbeitsverhältnis dauere nun bereits acht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Monate. Bezüglich der Ausschöpfung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit in zumutbarer
Weise führt der Rechtsvertreter aus, die wöchentliche Arbeitszeit von 22.5 Stunden
entspräche genau den in medizinischer Hinsicht festgestellten Gegebenheiten. Die
Beschwerdeführerin vermöge sodann beinahe wieder an die früheren Lohnverhältnisse
anzuknüpfen. Es sei unerfindlich, weshalb die Beschwerdeführerin nach Eintritt des
Gesundheitsschadens ein höheres Lohnniveau als zuvor erreichen solle. Zusätzlich zu
der im Einwand zum Vorbescheid gemachten Ausführungen betreffend Bemessung
des Invalideneinkommens sowie dem Invaliditätsgrad macht der Rechtsvertreter
geltend, dass selbst ohne leidensbedingten Abzug von 10% noch ein Invaliditätsgrad
von 50.81% und somit der Anspruch auf eine halbe IV-Rente ausgewiesen wäre (act. G
1).
B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 20. November 2014 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Invalideneinkommen könne
dem noch erzielten Einkommen gleichgesetzt werden, wenn angenommen werden
könne, die Versicherte nutze ihre verbleibende Arbeitsfähigkeit im Sinne der
zumutbaren Erwerbstätigkeit voll aus, das erzielte Einkommen den Arbeitsleistungen
entspreche (kein Soziallohn) und zu erwarten sei, dass ein solches Einkommen auch
anderweitig auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt dauernd auf zumutbare Weise erzielt
werden könne oder besonders stabile Arbeitsverhältnisse vorlägen. Der Arbeitsvertrag
der Beschwerdeführerin sei nicht datiert und es fehlten Angaben betreffend allfälliger
Teilzeitarbeit bzw. Pensum. Die Beschwerdeführerin sei Gesellschafterin bei der
Arbeitgeberin, mit einem Stammanteil beteiligt und ihr Sohn der Eigentümer
(Gesellschafter und Geschäftsführer). Es sei demnach fraglich, ob der ausbezahlte
Lohn einem marktüblichen Lohn und somit der Arbeitsleistung entspräche (act. G 4).
B.c In der Replik vom 12. Januar 2015 führt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin aus, dem Arbeitsvertrag lasse sich zweifelsohne entnehmen, dass
die Anstellung ab 1. Februar 2014 erfolgte. Es sei zutreffend, dass der Vertrag keine
ausdrücklichen Angaben zum Arbeitspensum enthalte, dies aufgrund der Tatsache,
dass seit Jahren nur noch eine Arbeitsfähigkeit von 50% bestanden habe und dies dem
Geschäftsführer, Sohn der Beschwerdeführerin, bekannt gewesen sei. Sie sei zudem
schon seit Jahren an der GmbH beteiligt, auch als sie noch bei der D._ AG angestellt
gewesen sei, und die Führung der GmbH sei während all dieser Jahre ausschliesslich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
durch den Sohn erfolgt. Eine frühere Anstellung sei zudem gar nicht möglich gewesen,
da die GmbH erst mit Umzug am 14./15. Januar 2014 ein eigentlicher
Restaurationsbetrieb geworden sei, in welchem neben der Beschwerdeführerin und
deren Sohn nun auch ein Pizzaiolo und eine Serviceangestellte beschäftigt seien. Die
Beschwerdeführerin sei somit auf den frühestmöglichen Zeitpunkt angestellt worden.
Es sei unerfindlich, wie die Beschwerdeführerin einen höheren Basislohn als vor Eintritt
des Gesundheitsschadens sollte erzielen können. Dies werde von der
Beschwerdegegnerin jedoch angenommen, wenn beim Valideneinkommen auf einen
Grundlohn von Fr. 47'531.-- und beim Invalideneinkommen auf einen von Fr. 49'907.--
abgestellt werde (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 5. Februar 2015 auf eine Duplik (act. G 9).

Erwägungen
1.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin.
1.1 Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) durch einen Einkommensvergleich
ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und zumutbaren
Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das die
versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, Anspruch auf eine Rente (lit. a),
wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige
auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
Streitig im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist die Höhe des Invalideneinkommens
und somit der daraus resultierende Invaliditätsgrad bzw. Rentenanspruch.
2.1 Die Anmeldung der Beschwerdeführerin erfolgte am 15. Juni 2010, wobei ihr ab
18. Januar 2010 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit durch den Hausarzt attestiert worden
ist, ab dem 1. Januar 2011 dann noch eine 50%ige (act. G 4.1/31). Das Wartejahr
gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b. IVG, während dem eine durchschnittlich mindestens
40%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden haben muss, ist somit im Januar 2011
abgelaufen.
2.2 Der Hausarzt der Beschwerdeführerin hat mehrfach eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin bescheinigt. Dr. med. G._, Facharzt für
Rheumatologie/Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, hält im Arztbericht vom
7. Juli 2012 fest, dass eine leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne dauerndes Stehen
und ohne starke Fingerbelastung sowie nur seltenem Bücken und Tragen von Lasten
nicht über 15kg ganztags zu 100% zumutbar sei (act. G 4.1/72 S. 2). Der
rheumatologische Untersuchungsbericht von RAD-Arzt Dr. E._ bestätigt auch eine
100%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit, wobei eine leichte
Wechselbelastung ohne Bewegungsstereotypien und ohne länger dauernde statische
Belastungen sowie das Vermeiden von Kälte- und Nässeexpositionen zu empfehlen sei
(act. G 4.1/77 S. 7). Der psychiatrische Untersuchungsbericht von RAD-Arzt Dr. F._
hält eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 4.5 Stunden pro Tag (Pausen
nicht eingerechnet) fest. Dabei hätten folgende Diagnosen Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit: depressive Störung (aktuell noch leichte, partiell mittelgradige
depressive Episode mit somatischen Symptomen); ausgeprägtes Restless-Legs-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Syndrom; typische/einfache Migräne ohne Aura mit Prodromi. Die Einschätzung des
RAD-Arztes Dr. F._ berücksichtigt alle psychiatrisch und neurologisch relevanten
ärztlichen Berichte (vgl. act. G 4.1/77 S. 14 f.). Betreffend die Arbeitsfähigkeit in der
bisherigen aber auch adaptierten Tätigkeit wird ausgeführt, dass für eine überwiegend
leichte, sitzende Tätigkeit mit hoher konzentrativer Beanspruchung und geringer
Möglichkeit zur Wechselbelastung, aus psychiatrisch-neurologischer Sicht die
Voraussetzung für eine etwa 4.5-stündige Tätigkeit (Pausen nicht gerechnet) gegeben
sei. Da sich aus den Akten keine Mängel an der Beurteilung ergeben, ist vorliegend auf
diese abzustellen.
3.
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des frühestmöglichen
Beginns des Rentenanspruchs massgebend, vorliegend das Jahr 2011, wobei Validen-
und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige
rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu
berücksichtigen sind (BGE 129 V 222).
3.1
3.1.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird
in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen
müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 135 V 59 E. 3.1). Das
Valideneinkommen ist so konkret wie möglich - in der Regel gestützt auf den vor Eintritt
der Invalidität tatsächlich allenfalls während einer längeren Zeitspanne erzielten
Durchschnittsverdienst - zu bestimmen. Hat eine versicherte Person aus
invaliditätsfremden Gründen ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen bezogen,
ist diesem Umstand bei der Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu
tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken
mit einem bescheideneren Einkommen begnügen wollte. Praxisgemäss wird diese so
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
genannte Parallelisierung der Vergleichseinkommen entweder auf Seiten des
Valideneinkommens durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten
Lohnes oder durch Abstellen auf statistische Werte oder aber auf Seiten des trotz
Invalidität realisierbaren Verdienstes durch eine entsprechende Herabsetzung des
statistischen Wertes vorgenommen. Ergibt sich, dass das Einkommen vor Invalidität
mehr als 5% unter üblicherweise für die gleiche Tätigkeit entrichteten Gehältern lag,
hat im Rahmen des darauf durchzuführenden Einkommensvergleichs die
Parallelisierung der Vergleichseinkommen zu erfolgen (Urteil des Bundesgerichts vom
26. Februar 2010, 8C_683/2009 E. 3.1 und E. 4.1).
3.1.2 Gemäss IK-Auszug bezog die Beschwerdeführerin bei der D._ AG in den
Jahren 2001-2009 ein regelmässiges Einkommen (vgl. act. G 4.1/96 S. 1 f.). Gemäss
Angabe der Arbeitgeberin verdiente die Beschwerdeführerin zuletzt brutto Fr. 47'060.--
(13 x Fr. 3'620.--) im Jahr (act. G 4.1/18). Gemäss IK-Auszug war allerdings das
tatsächliche AHV-pflichtige Jahreseinkommen in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der
massgeblichen Arbeitsunfähigkeit regelmässig höher. Unter Berücksichtigung der
letzten fünf Jahre (2005-2009) und der Nominallohnentwicklung bis 2011 resultiert
dabei ein durchschnittliches Jahreseinkommen von gerundet Fr. 51'008.-- (Indexierung
jedes einzelnen Jahreslohnes 2005-2009 auf das Jahr 2011; Summe geteilt durch fünf).
3.1.3 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin führt richtig aus, dass das
tatsächlich erzielte Valideneinkommen bei einer Parallelisierung mit den
branchenüblichen Löhnen zu vergleichen ist, und nicht auf den Totalwert für den
gesamten privaten Sektor gemäss LSE-Tabelle TA1 abgestellt werden darf (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 26. Februar 2010, 8C_683/2009 E. 4.3). Im Hinblick auf die
frühere Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Mitarbeiterin in der Produktion und die
Branche der früheren Arbeitgeberin rechtfertigt es sich, vom Tabellenwert der Position
26 (Herstellung von elektronischen Erzeugnissen) in TA1 der LSE-Tabelle 2010
auszugehen. Dieser belief sich für Frauen bei Arbeiten mit Anforderungsniveau 4 auf Fr.
4'554.-- monatlich. Da die Beschwerdeführerin bei der alten Arbeitgeberin ein Pensum
von 40 Stunden pro Woche absolvierte, kann eine Hochrechnung auf die
betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit unterbleiben. Unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung bis 2011 ergibt sich ein Monatslohn von Fr. 4'598.15 (Fr.
4'554.-- / 2579 x 2604), was einem Jahreslohn von Fr. 55'178.-- entspricht. Verglichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mit dem tatsächlichen Verdienst von Fr. 51'008.--, den die Beschwerdeführerin an ihrer
früheren Stelle im Jahr 2011 verdient hätte, resultiert eine Unterdurchschnittlichkeit von
7.6%. Lediglich im 5% übersteigenden Umfang von 2.6% ist diese gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei der Parallelisierung der Vergleichseinkommen
zu berücksichtigen.
3.2 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Übt sie
nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders
stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr
verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint
zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches Erwerbseinkommen gegeben, können die LSE-Tabellenlöhne herangezogen
werden (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Juli 2014, 8C_7/2014, E. 7.1).
3.2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Beschwerdegegnerin könne nicht
wissen, ob ein stabiles Arbeitsverhältnis vorliege, da sie sich offenbar nie mit dem
Arbeitgeber in Verbindung gesetzt habe. Zudem seien seitens des Arbeitgebers absolut
keine Beanstandungen erfolgt und es bestünden auch keinerlei Hinweise auf eine
Kündigung. Sie sei seit dem 1. Februar 2014 als Küchenhilfe in der H._ GmbH
beschäftigt (act. G 1.11). Bis Verfügungserlass am 25. August 2014 dauerte dieses
Arbeitsverhältnis allerdings erst sieben Monate, weshalb aufgrund der Dauer noch nicht
von einem besonders stabilen Arbeitsverhältnis ausgegangen werden kann (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Januar 2013, 8C_799/2012; vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts vom 11. April 2012, 8C_825/2011, E. 4.3.2, wo ein im
Verfügungszeitpunkt seit elf Monaten dauerndes Arbeitsverhältnis als nicht besonders
stabil qualifiziert wurde). Zudem handelt es sich gemäss Ausführungen der
Beschwerdeführerin um einen neuen Betrieb. Per 14./15. Januar 2014 sei ein
Restaurant mit Take Away, Pizzeria, Kebab übernommen worden, welches 40 bis 50
Sitzplätze besitze. Das Unternehmen in dieser Form existierte somit im Zeitpunkt der
Rentenverfügung auch erst seit siebeneinhalb Monaten - vorher habe es sich um einen
Kleinbetrieb/Take Away mit ein paar wenigen Sitzplätzen gehandelt - weshalb auch
dessen Zukunft ungewiss ist. Des Weiteren handelte es sich gemäss
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Handelsregisterauszug um ein Familienunternehmen, in welchem die
Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Verfügung am 25. August 2014 mit einem
Stammanteil beteiligt war, somit auch Mitspracherechte hatte (unterdessen wurde die
Beschwerdeführerin als Gesellschafterin gelöscht). Unter den gesamten Umständen
kann somit nicht von einem besonders stabilen Arbeitsverhältnis ausgegangen werden.
Anzufügen ist noch, dass die Tätigkeit wohl nicht der im RAD-Bericht beschriebenen
adaptierten Tätigkeit entspricht. Dieser ging aus rheumatologischer Sicht von einer
leichten Wechselbelastung ohne Bewegungsstereotypien und ohne länger dauernde
statische Belastungen sowie das Vermeiden von Kälte- und Nässeexpositionen aus,
sowie aus psychiatrisch-neurologischer Sicht von Tätigkeiten mit gut strukturierten
Abläufen, mit klar umschriebenen Anforderungen ohne parallele Mehrfachaufgaben und
einer massvollen Arbeitsverdichtung. Günstige Faktoren wären zudem eine ruhige,
störungsarme Umgebung und eine offene, kommunikative Atmosphäre. Aufgrund der
Restless-Legs-Erkrankung sei eine körperlich überwiegend leichte, allenfalls nur
gelegentlich mittelschwere Tätigkeit zu bevorzugen. Unter dem Gesichtspunkt, dass
die Tätigkeit als Küchenhilfe insgesamt wohl eher hektisch und hauptsächlich im
Stehen zu erledigen ist, erscheint diese nicht als eine adaptierte Tätigkeit. Lediglich das
angebliche Pensum der Beschwerdeführerin soll mit der Arbeitsfähigkeit des RAD-
Berichtes von 4.5 Stunden pro Tag übereinstimmen. Die Beschwerdegegnerin hat
folglich bei der Bemessung des Invalideneinkommens richtigerweise auf die
Tabellenlöhne abgestellt.
3.2.2 Für das Invalideneinkommen ist im Folgenden vom Totalwert für den gesamten
privaten Sektor gemäss LSE-Tabelle 2010 TA1 Sektor 4 für Frauen auszugehen. Dieser
betrug im Jahr 2011 Fr. 53'367.--.
4.
4.1 Das oben genannte Einkommen von Fr. 53'367.-- (E. 3.2.2) kann erst nach
Vornahme der Parallelisierung um 2.6% (E. 3.1.3) in die
Einkommensvergleichsrechnung eingesetzt werden. Dazu ist es um 2.6% zu
reduzieren, womit sich ein parallelisiertes Invalideneinkommen von Fr. 51'979.-- ergibt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2 Die Beschwerdeführerin ist gemäss RAD-Bericht für 4.5 Stunden pro Tag (Pausen
nicht eingerechnet), somit für 22.5 Stunden in der Woche, arbeitsfähig. Vom obigen
Invalideneinkommen ausgehend (E. 4.1), welches auf einer wöchentlichen
Normalarbeitszeit von 41.7 Stunden beruht, ergibt dies ein Invalideneinkommen von Fr.
28'046.-- (Fr. 51'979.-- / 41.7 x 22.5).
5.
5.1 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn)
allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass
persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung,
Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können. Der Abzug soll
aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall
nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht
übersteigen. Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich
leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Sind hingegen
leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar, ist allein deswegen auch bei
eingeschränkter Leistungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt, weil der
Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4 bereits eine Vielzahl von leichten und
mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Dezember
2014, 9C_630/2014, E. 2.1 mit weiteren Verweisen).
5.2 Der RAD-Bericht berücksichtigt bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bereits alle
gesundheitlichen Einschränkungen. Aus neurologischer Sicht seien der
Beschwerdeführerin Tätigkeiten mit gut strukturierten Abläufen, mit klar umschriebenen
Anforderungen ohne parallele Mehrfachaufgaben, und mit Blick auf die somatischen
Aspekte der Restless-Legs-Erkrankung körperlich überwiegend leichte, allenfalls nur
gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten zumutbar, aus neurologischer Sicht eine leichte
Wechselbelastung ohne Bewegungsstereotypien und ohne länger dauernde statische
Belastungen. Bei geeigneter Adaption und allenfalls durchschnittlicher Belastung sollte
ein 4.5-stündiges Tätigkeitspensum (Pausen nicht gerechnet) ohne
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Leistungsminderung zu bewältigen sein. Der Beschwerdeführerin sind somit nicht nur
leichte Tätigkeiten zumutbar. Auch die Konditionen, welche bei einer adaptierten
Tätigkeit für günstig erachtet werden, rechtfertigen keine zusätzliche Reduktion des
Invalideneinkommens, da sie bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bereits
berücksichtigt worden sind. Weitere abzugsbegründende Merkmale sind nicht
ersichtlich bzw. bereits über die Parallelisierung der Vergleichseinkommen
berücksichtigt.
5.3 Wird dem Valideneinkommen von Fr. 51'008.-- (vgl. E. 3.1.2) das
Invalideneinkommen Fr. 28'046.-- gegenübergestellt, so resultiert ein Invaliditätsgrad
von 45%. Selbst die Vornahme eines Tabellenlohnabzuges von max. 5% ergäbe einen
Invaliditätsgrad von 47% und damit weiterhin Anspruch auf eine Viertelsrente.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig und die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig
vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis
IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Diese ist der unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen unter Anrechnung des von ihr bezahlten Kostenvorschusses von Fr.
600.--. Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.