Decision ID: 5c43e872-7847-5809-8389-8eef007695b7
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der ersten Ehefrau des Beschwerdeführers mit Verfügung des damals
zuständigen Bundesamtes für Flüchtlinge (BFF) vom 24. August 2001 ge-
stützt auf Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG Asyl gewährt wurde,
dass der Beschwerdeführer gemäss der Trauungsmitteilung vom 6. April
2009 seine erste Ehefrau heiratete,
dass ihm mit Verfügung des damals zuständigen Bundesamtes für Migra-
tion (BFM) vom 29. Juli 2009 gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG (SR 142.31)
die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt und ihm Asyl gewährt wurde,
dass die Ehe des Beschwerdeführers gemäss Mitteilung der zuständigen
Zivilstandsbeamtin vom 7. Januar 2015 am 5. November 2014 gerichtlich
aufgelöst wurde,
dass die Tochter B._ des Beschwerdeführers am (...) in der
Schweiz zur Welt kam,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21. Juni 2017 beim SEM ein
Gesuch um Einbezug seiner Tochter in seine Flüchtlingseigenschaft ein-
reichte,
dass das SEM dieses Gesuch mit Verfügung vom 28. Juli 2017 (Eröffnung
am 31. Juli 2017) ablehnte,
dass der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
22. August 2017 Beschwerde erhob und dabei sinngemäss die Aufhebung
der angefochtenen Verfügung und den Einbezug seiner Tochter in seine
Flüchtlingseigenschaft gestützt auf Art. 51 Abs. 3 AsylG beantragte,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen
(Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG;
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
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dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten (vgl. BVGE
2014/26 E. 5),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich
vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften-
wechsel verzichtet wurde,
dass gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG Ehegatten, eingetragene Partnerinnen
oder Partnern von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder als Flücht-
linge anerkannt werden und Asyl erhalten, wenn keine besonderen Um-
stände dagegen sprechen, wobei auch in der Schweiz geborene Kinder
von Flüchtlingen als Flüchtlinge anerkannt werden, sofern keine besonde-
ren Umstände dagegen sprechen (vgl. Art. 51 Abs. 3 AsylG),
dass das SEM zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen aus-
führte, der Einbezug von in der Schweiz geborener Kinder setze mindes-
tens die originäre Flüchtlingseigenschaft eines Elternteils voraus, was im
Falle der Tochter des Beschwerdeführers nicht gegeben sei, weshalb vor-
liegend besondere Umstände vorlägen,
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dass somit die in Art. 51 Abs. 3 AsylG genannte Ausnahmebedingung, wo-
nach bei „besonderen Umständen“ keine Übertragung der Flüchtlingsei-
genschaft stattfinde, zur Anwendung gelange und sich die Asylgewährung
nicht rechtfertige,
dass der Beschwerdeführer diesen Ausführungen in seiner Rechtsmittel-
eingabe nichts Substanzielles entgegenhielt, sondern im Wesentlichen
wiederholte, seine Tochter sei gestützt auf Art. 51 Abs. 3 AsylG in seine
Flüchtlingseigenschaft einzubeziehen, und ergänzte, er könne bei der tür-
kischen Botschaft keinen Reiseausweis für seine Tochter erhalten, weil er
persönlich vorsprechen müsste, was er aber nicht tun könne, da er als Po-
litiker aus der Türkei geflohen sei und es für ihn zu gefährlich wäre, die
türkische Botschaft zu betreten,
dass vorliegend zu prüfen ist, ob die Vorinstanz zu Recht von besonderen
Umständen gemäss Art. 51 Abs. 3 AsylG ausgegangen ist, die gegen den
Einbezug der Tochter in die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers
sprechen,
dass eine Person, welcher die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden
ist, gemäss geltender Praxis zu Art. 51 AsylG die Flüchtlingseigenschaft
nur dann an ihre Angehörige weiterübertragen kann, wenn ihr die originäre
(materielle) Flüchtlingseigenschaft zukommt (vgl. BVGE 2013/21 E. 3.3;
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-
sion [EMARK] 2003 Nr. 11 E. 8),
dass anspruchsberechtigte Personen gemäss Art. 51 AsylG also kein Fa-
milienasyl erhalten, wenn deren Familienangehörige ihrerseits bloss die
abgeleitete (formelle) Flüchtlingseigenschaft besitzen (vgl. EMARK 1997
Nr. 1, EMARK 1998 Nr. 9, EMARK 2000 Nr. 23, EMARK 2003 Nr. 11),
dass der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG derivativ als
Flüchtling anerkannt und ihm Asyl gewährt wurde,
dass er demnach die Flüchtlingseigenschaft nicht weiterübertragen kann,
dass nach dem Gesagten besondere Umstände im Sinne von Art. 51
Abs. 3 AsylG vorliegen, die einem Einbezug der Tochter des Beschwerde-
führers in dessen Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung entge-
genstehen,
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dass die Vorinstanz das Gesuch um Einbezug der Tochter in die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers somit zu Recht ablehnte,
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1
AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass bei diesem Verfahrensausgang die Kosten dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzuset-
zen sind (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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