Decision ID: b8a12eac-4603-4eab-8596-9593beeb4310
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960,
meldete sich e
rstmals am 1
3.
Mai 2014 unter Hinweis auf die Folgen eines am 2
9.
Juni 2013 erlittenen Autounfalls bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/7 S. 5
Ziff.
6.2).
Die Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische
so
wie
erwerbliche Situation ab und zog
insbesondere
die Akten der Suva (
Urk.
8/10;
Urk.
8/22;
Urk.
8/26
) b
ei. Diese stellte die
Leistungen per 3
0.
November 2014 ein (vgl. Verfügung vom 1
0.
November 2014,
Urk.
8/22/16-17;
Einspracheentscheid
vom 1
3.
April 2015,
Urk.
8/26/19-26).
Mit Verfügung vom 2
4.
September 2015 (
Urk.
8/29) verneinte die IV-Stelle
einen Leistungsanspruch
des Versicherten
.
1.2
Am 2
9.
Juni 2018 meldete sich der Versicherte
unter Beilage eines ärztlichen Be
richts (
Urk.
8/31) sowie
unter Hinweis auf psychische Probleme erneut zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
8/32
S. 6
Ziff.
6.1;
Urk.
8/33
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/38;
Urk.
8/42) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
4.
September 2018 (
Urk.
8/45 =
Urk.
2) auf das neue Leistungsbegehren des Versicherten nicht ein.
2.
Der Versicherte erhob am
3.
Oktober 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
4.
September 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, auf das Leistungsbegehren einzutrete
n und den An
spruch auf eine Invalidenr
ente abzuklären (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
8.
November 2018 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
7.
Dezember 2018 (
Urk.
10) zur Kenntnis gebracht und gleichzeitig antrags
gemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Ver
änderung des Invaliditätsgrades
auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.2
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung ver
pflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dement
sprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weni
ger hohe Anforderungen stellen
. Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Ein
tretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf
Art.
87
Abs.
3 IVV Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der
Eintretensfrage
, wenn die Verwal
tung auf die Neuanmeldung
ei
ngetreten ist (BGE 109 V 108 E.
2b
mit Hinweisen;
vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 7
1 E.
2.2 mit Hinweisen).
1.3
Mit
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweige
rung immer wieder mit
gleich lautenden
und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen mu
ss (BGE 109 V 108 E. 2a, 262 E.
3). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht da
hingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwür
dig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungs
begehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hinsicht allsei
tig zu prüfen (BGE 117 V 198 E.
3a und E
. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E.
5.2, 7
1 E.
2.2 mit Hinweisen).
1.4
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3
; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2
).
1.5
Da die versicherte Person im Rahmen der Neuanmeldung die massgebliche
Tat
sachenänderung glaubhaft zu mache
n hat, spielt der Untersuchungsgrund
satz
, wo
nach das Gericht (oder die Verwaltung) für die richtige und vollständige Abklä
rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat, insoweit nicht. M
ithin
kommt der versicherten Person
ausnahmsweise eine Beweisführungslast
zu. Wird
in der Neuanmeldung kein
Eintretenstatbestand
glaubhaft gemacht, sondern bloss
auf ergänzende Beweismittel, insbesondere Arztberichte hingewiesen, die noch
beigebracht würden oder von der Ver
waltung beizuziehen seien, ist der versicher
ten Person eine angemessene Frist
zur Einreichung der Beweismittel anzusetzen. Diese Massnahme setzt voraus, dass die ergänzenden Beweisvorkehren geeignet sind, den entsprechenden Beweis zu erbringen. Sie ist mit der Androhung zu ver
binden, dass ansonsten gegebenenfalls auf Nichteintreten zu erkennen sei. Das
selbe gilt, wenn der Neuanmeldung zwar ärztliche Berichte beigelegt sind, diese indessen so wenig
substanziiert
sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse allenfalls rechtfertigen würde.
Diesfalls
ist die IV-Stelle zur Nachforderung weiterer Angaben nur verpflichtet, wenn den – für sich allein
ge
nommen nicht Glaubhaftigkeit b
egründenden – Arztberichten kon
krete Hin
weise entnommen werden können, wonach möglicherweise eine mit weiteren
Erhebun
gen erstellbare rechtserhebliche Änderung vorliegt. Ergeht eine
Nich
teintretens
verfügung
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens, das den Erfor
dernissen betref
fend Fristanse
tzung und Androhung der Säumnis
folgen genüg
t, legen die Gerichte ihrer beschwerdeweisen Überprüfung den Sachverhalt zu Grunde, wie er sich der Verwaltung bot. Für das Beibringen neuer Beweismittel bleibt im anschliessenden Gerichtsverfahren kein Raum mehr (BGE 130 V 64 E. 5.2.5, Urteil des Bundesge
richts 8C_844/2012 vom 5. Juni 2013 E. 2.1-2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fest, es hätten keine Veränderungen festgestellt werden können.
Den ärztlichen Berichten von med.
pract
.
Y._
könnten keine medizinischen Aspekte entnommen wer
den, die eine Veränderung des Gesundheitszustandes aus versicherungsmedizini
scher Sicht darstellen würden.
Beim Bericht vom 1
3.
Mai 2018 handle es sich in diversen Passagen um eine Kopie des Arztberichtes aus dem Jahr 201
4.
Auf das neue Gesuch könne deshalb nicht eingetreten werden (S. 1
f.
).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (
Urk.
1),
sein psychischer Gesundheitszustand habe sich seit dem Jahr 2015 massiv ver
schlechtert und es sei eine psychische Verwahrlosung festzustellen. Die Hoffnun
gen
von
2014 auf eine psychische Erholung hätten sich nicht erfüllt.
S
eit
dem Jahr
2016
sei er
psychisch regelrecht eingebrochen. Dabei trete der im Jahr 2013 erlittene Unfall in den Hintergrund. Massgebend zur Verschlechterung des Ge
sundheitszustandes hätten neben einem offensichtlich inneren psychischen Krankheitsverlauf folgende
Umstände bei
ge
tragen:
D
er sich progredient massiv verschlechternde Gesundheitszustand der Ehefrau, welche heute praktisch zu ei
nem Pflegefall geworden sei
, die zunehmend schwierigere Betreuung des an Epi
lepsie erkrankten Sohnes und der frühe Krebstod der Tochter im August 201
6.
Hinsichtlich des Gesundheitszustandes existiere allein das Arztzeugnis von med.
pract
.
Y._
. Dieser bestätige eine Arbeitsunfähigkeit, äussere sich jedoch nicht zu den Ursachen und den Veränderungen seit dem Jahr 201
5.
Die geltend gemachten Umstände seien allerdings
rechtserhebliche Sachumstände, welche eine Prüfung einer allfälligen Invalidität erfordern würden. Dies könne nur durch eine psychiatrische Begutachtung erfolgen. Die Umstände seit der Ablehnung
im Jahr
2014 hätten sich massi
v und dramatisch verändert (S. 3 ff.
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin – mangels einer glaubhaft gemachten Veränderung des Gesundheitszustandes seit der letztmaligen materi
ellen Prüfung – zu Recht nicht auf das neue Leistungsbegehren eingetreten ist.
3.
3.1
B
ei der letztmaligen materiellen Prüfung, in deren Rahmen ein Leistungsanspruch verneint wurde (vgl. Verfügung vom 2
4.
September 2015,
Urk.
8/29),
stellte sich die massgebende medizinische Aktenlage
wie folgt dar:
3.2
Die am 2
9.
November 2013 im
Z._
durchgeführte Magnetreso
na
n
ztomographie (MRI) der Halswirbelsäule
(HWS)
zeig
t
e keine traumatischen oder posttraumatischen Veränderungen
und keine Neurokompression, sondern einzig
eine diskrete Dilatation der
Canalis
centralis
des Rückenmarks auf Höhe C6/7 mit einer leichten
Hydromyelie
(vgl. Bericht vo
m 2
9.
November 2013,
Urk.
8/22/59
).
3.3
Dr.
med.
Dr.
sc. nat.
A._
, Fachärztin für Neurologie, führte mit Be
richt vom 1
5.
Januar 2014 (
Urk.
8/22/45-46) aus, dass der Beschwerdeführer Be
funde bei einem ungünstigen Verlauf nach einem HWS-Beschleunigungstrauma und einem Schädelhirntrauma zeige. Inwieweit die psychische Belastung des Be
schwerdeführers durch den Zustand der Ehefrau, die auch gerne in ihr Heimatland zurückgehen möchte, sowie der Arbeitslosigkeit und der Geldsorgen für den ak
tuellen Zustand mitverantwortlich sei, könne sie nicht beurteilen (S. 2).
3.4
Am
3.
Februar 2014 erfolgte ein Ambulantes Assessment in der
B._
(vgl. Bericht vom 1
0.
Februar 2014,
Urk.
8/22/71-75). Dabei wurde festge
stellt, dass sich insgesamt
beträchtliche rehabilitations- oder eingliederungsrele
vante Faktoren im sozialen Umfeld ergäben, welche sich negativ auf den Hei
lungsprozess auswirken könnten (S. 3). Es werde eine psychologische Beurteilung und Behandlung
sowie eine intensivierte ambulante Therapie
empfohlen.
Der Be
schwerdeführer zeige eine mässige Leistungsbereitschaft. Die Befundlage sei so
matisch nur wenig ergiebig (S. 4).
3.5
Das am 2
0.
Mai 2014 im
Z._
erfolgte MRI des
Neurocraniums
war unauffällig und ergab keinen Hinweis für eine traumatische oder posttraumati
sche Läsion. Es zeigten sich keine Durchblutungsstörungen
oder
Hinweise für eine frische oder alte Einblutung.
Es wurden r
egelrechte Signale der Hirnstrukturen
festgestellt
(vgl. Beric
ht vom 2
0.
Mai 2014,
Urk.
8/22/39
).
3.6
Mit Bericht vom
4.
Juni 2014 (
Urk.
8/12/1-5) nannte
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
die
folgende
n
, hier gekürzt aufgeführte
n
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5):
-
Autounfall vom 2
9.
Juni 2013 mit/bei:
-
k
raniozervikalem
Beschleunigungstrauma (
KZBT
)
Quebec-Task-Force (
QTF
)
II
-
Hyposensibilität parietal rechts
-
l
eichtgradige Schwerhörigkeit beidseits, rechtsbetont
-
Diabetes mellitus Typ 2, Erstdiagnose (ED) Februar 2008
-
normale MRI-Untersuchung der HWS und des Schädels
-
p
sychosoziale Dekompensation in Überlastungssituation
Sodann führte er die folgenden, hier gekürzt aufgeführten Diagnosen ohne Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 5):
-
Verdacht auf koronare Herzkrankheit, kein Nachweis von koronaren Ver
kalkungen (Computertomographie vom
4.
November 2010)
-
lumbales
spondylogenes
Syndrom
-
Status nach Hepatitis B, 2000
-
Schmerzen Unterbauch linksbetont
-
grenzwertige
Hyperlipidämie
, ED Januar 2007
-
Diabetes mellitus Typ 2, ED Februar 2008
-
unauffällige Koloskopie März 2007, Verdacht auf Colon
irritabile
, innere Hämorrhoiden Stadium I-II (
Proktoskopie
vom Februar 2013)
-
kleine, axial gleitende
Hiatushernie
mit deutlich chronischen
Refluxspu
ren
Es erfolge eine regelmässige wöchentliche psychotherapeutische
Behandlung
. Die Prognose sei abhängig vom weiteren Verlauf (S. 2
Ziff.
1.4-1.5). Seit dem Unfall
ereignis bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (S. 2
Ziff.
1.6).
Einschrän
kungen bestünden aufgrund der psychosozialen Belastungssituation, die Frau sei schwer krank, in
der
Türk
ei seit Verletzungen Autounfall
sowie
den
eigenen Be
schwerden. Das Konzentrations- und Auffassungsver
mögen, die Anpassungsfä
higkeit
sowie die Belastbarkeit und Fahrtauglichkeit seien im Rahmen der post
traumatisch ausgelösten Belastungsreaktion mit depressiver Grundstimmung
ein
geschränkt
(S. 2
Ziff.
1.7, S. 4).
3.7
M
ed.
pract
.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte mit Bericht vom 1
5.
September 2014 (
Urk.
8/18/6-9)
eine mittelgradige depres
sive Störung (ICD-10 F32.1) sowie einen Verdacht auf eine posttraumatische Be
lastungsstörung (
PTBS,
ICD-10 F43.1) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
auf
(S. 1
Ziff.
1.1). Er behandle den Beschwerdeführer seit dem
7.
Juli 2014 (S. 1
Ziff.
1.2). Seit dem erlittenen Autounfall bestehe eine durchge
hende Arbeitsunfähigkeit. Es bestünden klar depressive Symptome wie Stim
mungstief, Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, deutliche Vergesslich
keit, schwere Ängste, Ein- und Durchschlafstörungen, ein Mangel an Antrieb und eine leichte Erschöpfbarkeit. Zudem bestünden A
l
b
träume, Nervosität, Selbstun
sicherheit
sowie
teilweise Panikattacken und eine Über
er
regung.
Der Beschwer
deführer
könne sich zwar nicht an das Unfallereignis erinnern und habe keine klaren Backflashs. Der Symptomkomplex deute jedoch auf eine PTBS hin, wes
halb zumindest eine Verdachtsdiagnose zu stellen sei. Trotz Intensivierung der Behandlung
zeige
sich nur bedingt eine Verbesserung des Zusta
ndsbildes
. Der Beschwerdeführer sei aus rein psychiatrischer Sicht vollständig arbeitsunfähig. Eine stationäre Therapie stehe immer wieder zur Diskussion, sei jedoch bisher noch nicht durchgeführt worden
. Die Prognose scheine ungünstig
(S. 2
Ziff.
1.4). Es erfolge eine psychotherapeutische Behandlung in kognitiver Verhaltensthera
pie im wöchentlichen Setting (S. 3
Ziff.
1.5).
3.8
Am 2
7.
Oktober
und
7.
November 2014 erklärte Suva
-Kreisarzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Chirurgie, dass keine objektivierbare
n
unfallbedingte
n
struk
turelle
n
Läsion
en
nachweisbar sei
en
(vgl.
Urk.
8/22/26;
Urk.
8/22/28).
3.9
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Neurologie, informierte mit Bericht vom
1.
Dezember 2014 (
Urk.
8/22/21-22) über die verhaltensneurologisch-neuropsy
chologische Untersuchung des Beschwerdeführers. Diese
r
zeige lediglich eine sprachliche Gedächtnisschwäche sowie eine quantitativ leicht eingeschränkte nicht-sprachliche
Ideenproduktion. Qualitative Auffälligkeiten seien nicht fest
stellbar. Insgesamt würden die Befunde und die subjektiven Beschwerden gut mit der derzeitigen schwierigen psychosozialen Situation und der depressiven Symp
tomatik korrelieren. Kognitive Befunde als
residuelle
Folgen des Verkehrsunfalles würden sich nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststellen lassen. Die psychische Problematik (Kündigung der langjährigen Arbeitsstelle bereits vor dem Unfallereignis, finanzielle Schwierigkeiten, Erkrankung der Ehefrau, der Tochter und des Sohnes, räumliche Trennung von der Ehefrau und dem Sohn, die in
ihre Heimat zurückgekehrt seien)
stehe derzeit im Vordergrund (
S. 2).
3.10
Mit Stellungnahme vom
3.
Juli 2015
erwähnte
Dr.
med.
F._
, Fach
arzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), als Diagnose mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit die beim Unfall vom 2
9.
Juni 2013 erlittene HWS-Distorsion, welche als reine Unfallfolge anzusehen sei und daher mit der Suva koordiniert werden könne. Es werde s
odann ein deutlicher sozialer Rü
ckzug an
gegeben, während gleichzeitig von einer Steiger
u
ng der Sauna- und Badbesuche gesprochen werde. Die genannten Konzentrations-, Gedächtnis- und Merkfähig
k
eitsstörungen hätten in der
Untersuchung bei
Dr.
E._
nicht bestätigt wer
den können. Kognitive Befunde als Folgen des Verkehrsunfalles würden sich nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststellen lassen. Zudem werde auf die schwierige psychosoziale Situation hingewiesen
. Befundhinweise für plötzli
che Panikattacken seien ebenfalls nicht geschildert worden. Der Beschwerdefüh
rer sei vom 2
9.
Juni 2013 bis 3
0.
November 2014 in jeglicher Tätigkeit vollstän
dig arbeitsunfähig gewesen. Eine angepasste Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer weiterhin zumutbar. Eine Besserung des Gesundheitszustandes sei zu erwarten (vgl.
Urk.
8/27 S. 5 f.).
3.11
Eine ergänzende psychiatrische RAD-Stellu
ngnahme durch med.
pract
. G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erfolgte
gleichentags
. Dieser gab an, dass die Verdachtsdiagnose einer PTBS ohne Flashbacks nicht nachvoll
ziehbar sei. Der psychopathologische Befund sei schwer zu werten. Die angege
benen Konzentrations-
,
Gedächtnis- und Merkfähigkeitsstörungen würden nicht quantifiziert. Die teilweisen Panikattacken würden nicht erläu
t
ert. Zudem bleibe unklar, ob
die
Störung nicht
teilweise
auf die hohe sedierende Medikation zu
rückzuführen sei. Die Diagnose einer mittelgradigen depre
ssiven Störung sei nicht b
elegt. Der ausführliche neuropsychologische Bericht von
Dr.
E._
beschreibe einige psychosoziale Belastungen und zeige keine gravierenden neuropsycholo
gischen Befunde. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer
aufgrund der vielfältigen psychosozialen Belastungen
de
pressive Symptome zeige. Diese seien
jedoch nicht
invaliditätsrelevant. Eine ei
genständige mittel
gradige Depression liege nic
ht vor (vgl.
Urk.
8/27 S. 6 f.)
.
4.
4.1
Bei der
vorliegenden Neuanmeldung lag
der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 2
4.
September 2018 (
Urk.
2) folgende
r
medizinischer
Bericht
vor:
Med.
pract
.
Y._
diagnostizierte m
it Bericht vom 1
3.
Mai 2018 (
Urk.
8/31) eine mittelgradige depressive Störung (ICD-10 F32.1) und äusserte den Verdacht auf eine
PTBS
(ICD-10 F43.1)
.
Seit dem erlittenen Autounfall bestehe eine durchge
hende Arbeitsunfähigkeit. Es bestünden klar depressive Symptome wie Stim
mungstief, Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, deutliche Vergesslich
keit, schwere Ängste, Ein- und Durchschlafstörungen, ein Mangel an Antrieb und eine leichte Erschöpfbarkeit. Zudem bestünden Al
b
träume, Nervosität, Selbstun
sicherheit
sowie
teilweise Panikattacken und eine Über
er
regung.
Der Beschwer
deführer
könne sich zwar nicht an das Unfallereignis erinnern und habe keine klaren Backflashs. Der Symptomkomplex deute jedoch auf eine PTBS hin, wes
halb zumindest eine Verdachtsdiagnose zu stellen sei. Trotz Intensivierung der Behandlung habe sich nur bedingt eine Verbesserung des Zustandsbildes gezeigt. Der Beschwerdeführer sei aus rein psychiatrischer Sicht vollständig arbeitsunfä
hig. Eine stationäre Therapie stehe immer wieder zur Diskussion, sei jedoch bisher noch nicht durchgeführt worden.
Die Prognose sei ungünstig.
Es erfolge eine psychotherapeutische Behandlung in kognitiver Verhaltenstherapie im zweiwö
chentlichen Setting (S. 1 f.).
4.2
Mit RAD-Stellungnahme vom 1
0.
Juli 2018 erkannte
Dr.
med.
H._
, prak
tische Ärztin, dass
ein
Vergleich
der
Anamnese sowie
der
Befunde und Diagnosen
im Bericht vom 1
5.
September 2014
des behandelnden Psychiaters med.
pract
.
Y._
mit denjenigen im Bericht vom 1
3.
Mai 2018
keine medizinischen As
pekte erg
e
be, die eine Veränderung des Gesundheitszustandes aus versicherungs
medizinischer Sicht nachvollziehbar begründen würden.
Es sei m
ehrheitlich
eine
wörtliche Übernahme grösserer Passagen des Berichtes aus
dem Jahr
2014
erfolgt
(vgl.
Urk.
8/37 S. 2).
5.
5.1
Mit dem
seit der letztmaligen materiellen Beu
rteilung eingereichten
ärztlichen
Bericht
v
on med.
pract
.
Y._
(vorstehend E. 4.1
)
vermag der Beschwerdeführer keine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes glaubhaft darzutun.
So
stellt
med.
pract
.
Y._
dieselben
Diagnosen
wie bereits im September 2014 und er
hebt den fast identischen psychopathologischen Befund
. Auch seine Ausführun
gen zur Anamnese stimmen – grösstenteils wortwörtlich – überein. Bereits damals erachtete er den Beschwerdeführer als seit dem Unfallereignis durchgehend
voll
ständig
arbeitsunfähig. Auch Art und Umfang der
psychotherapeutischen und -pharmakologischen
Behandlung sind weitestgehend unverändert geblieben mit dem einzigen Unterschied, dass zuvor ein wöchentliches psychotherapeutisches Setting stattfand, welches nun
lediglich noch
im zweiwöchentlichen Rahmen er
folgt
. Die grundsätzliche Notwendigkeit einer stationären Behandlung wurde ebenfalls bereits erwähnt
(vgl.
Urk.
8/18/6-9 S. 1
ff.
Ziff.
1.1,
Ziff.
1.4;
Urk.
8/31 S. 1
f.).
Aus medizinischer Sicht wird
mit diesem Bericht
somit
keinerlei Verän
derung des psychischen Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht.
5.2
Im Rahmen der letztmaligen materiellen Beurteilung erachtete die Beschwerde
gegnerin mangels eines relevanten unfallfremden Leidens den Entscheid der Un
fallversicherung als massgebend
(vgl.
Urk.
8/27 S. 5
f
f.;
Urk.
8/29 S. 2).
Für eine se
ither
in somatischer Hinsicht
eingetretene Veränderung
ergeben sich
in den Akten
keine
rlei
Anhaltspunkte und wurden vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht. Was den psychischen Gesundheitszustand
des Beschwerdefüh
rers
anbelangt, so wurde
damals
ein allfälliges Leiden gestützt auf die RAD-Stellu
ngnahme von med.
pract
.
G._
insbesondere aufgrund der vielfältigen ps
ychosozialen Belastungsfaktoren
als nicht invaliditätsrelevant beurteilt
(vgl.
Urk.
8/27 S. 6 f
.
).
Dabei war nebst der angespannten finanziellen Situation bereits bekannt, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers krank war, der Sohn an Epilep
sie leidet und die Tochter an Brustkrebs erkrankt ist
(vgl.
Urk.
8/12/1-5 S. 2
Ziff.
1.7;
Urk.
8/22/21-22 S. 1 f.;
Urk.
8/22/45-46 S. 2;
Urk.
8/22/71-75 S. 3
).
Erstaunlicherweise
äusserte sic
h der behandelnde Psychiater med.
pract
.
Y._
hierzu in keinem seiner Berichte.
Im Zusammenhang mit diesen vom Beschwer
deführer
nun
für seine Verschlechterung geltend gemachten Umstände
(vgl.
Urk.
1 S. 3 f.)
ist aktenkundig einzig ausgewiesen,
dass die Tochter zwischenzeit
lich im August 2016 verstorben ist (vgl.
Urk.
8/35). Inwiefern sich dies möglich
erweise auf den psychischen Gesundheitszustand des
Beschwer
-
deführers
ausge
wirkt hat, wird von medizinischer Seite her nicht beleuchtet. Allein der Umstand des Todes genügt
(noch)
nicht zur Glaubhaftmachung einer
rechtserheblichen
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes.
5.3
Nach dem Gesagten ist somit festzuhalten, dass verglichen mit der letztmaligen materiellen Beurteilung eine erhebliche gesundheitliche Verschlechterung nicht glaubhaft dargelegt wurde. Die
Beschwerdegegnerin traf
daher
auch keine Pflicht zur Vornahme von weiteren Abklärungen des Sachverhaltes (vorstehend E. 1.5).
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über
die Invaliden
versicherung, IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge bewilligter unentgeltli
cher Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).
6.2
Mit Verfügung vom
7.
Dezember 2018 (
Urk.
10)
wurde unter anderem darauf hin
gewiesen, dass gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht die Möglichkeit besteht, dem Gericht vor Fällung des Endentscheides eine detaillierte Zusammenstellung über den bisherigen Zeitaufwand und die bisher angefallenen Barauslagen einzureichen, und dass das Gericht im Unterlassungsfall die Entschä
digung nach Ermessen festsetzt.
Bis dato wurde keine entsprechende Honorarnote eingereicht, weshalb der unent
geltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt
Dr.
Kurt Meier, Zürich, beim gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzügli
ch
MWSt
) ermessenweise mit
Fr.
1'8
00.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichts
kasse zu entschädigen ist. Der Beschwerdeführer wird auf die Nachzahlungs
pflicht gemäss
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.