Decision ID: 0428ef71-86e9-490c-8a1e-9116fcb6b48e
Year: 2007
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 09.02.2007 Art. 56 Abs. 1 ATSG, Art. 46 Abs. 1 lit. a VwVG: Die Sistierung des Verwaltungsverfahrens kann entgegen der höchstrichterlichen Praxis durchaus die Gefahr eines nicht wieder gutzumachen Nachteils entstehen lassen, so dass auf eine gegen die Sistierungsverfügung gerichtete Beschwerde einzutreten ist. Es ist gerechtfertigt, das EL-Verfahren bis zum Abschluss der Sachverhaltsabklärung im IV-Verfahren der Ehefrau des  zu sistieren, denn es wäre verfahrensökonomisch unsinnig, wenn die Arbeitsunfähigkeit der Ehefrau des EL-Ansprechers parallel durch die IV-Stelle und durch die EL-Durchführungsstelle abgeklärt werden müsste (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Februar 2007, EL 2006/30).
Der Präsident
hat
am 9. Februar 2007
in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Niedermann, Neugasse 55,
9000 St. Gallen,
gegen
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St.Galler Gerichte
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV (Sistierung des Einspracheverfahrens)

in Erwägung gezogen:
I.
A.- Die IV-Stelle sprach S._ am 10. Januar 2005 eine halbe Invalidenrente zu. Am 14.
Januar 2005 meldete er sich zum Bezug einer Ergänzungsleistung an. Seine Tochter
gab der EL-Durchführungsstelle am 1. Februar 2005 an, die Mutter sei krank und könne
nicht arbeiten. Die EL-Durchführungsstelle empfahl eine Anmeldung bei der
Invalidenversicherung, ansonsten ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet
werden müsse. Mit einer Verfügung vom 4. Mai 2005 wies die EL-Durchführungsstelle
das Gesuch um die Ausrichtung einer Ergänzungsleistung ab. Sie hatte einen
Einnahmenüberschuss ermittelt, u.a. weil sie ein hypothetisches Erwerbseinkommen
der Ehefrau des Versicherten berücksichtigt hatte. Der Versicherte erhob Einsprache
gegen diese Verfügung. Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache ab. Zur
Begründung der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau
führte die EL-Durchführungsstelle in ihrem Einspracheentscheid aus, weder eine
Gesundheitsbeeinträchtigung noch die Arbeitsmarktlage verunmöglichten die
Verwertung der Erwerbsfähigkeit. Der Versicherte erhob am 31. Oktober 2005
Beschwerde gegen diesen Einspracheentscheid. Er reichte dem Versicherungsgericht
ein Zeugnis von Dr. med. X._ vom 18. Februar 2005 ein. Dr. med. X._ hatte
angegeben, die Ehefrau des Versicherten sei seit März 2005 bis auf weiteres
vollständig arbeitsunfähig.
B.- Unmittelbar nachdem er gegen die Abweisung seines Leistungsgesuches vom 14.
Januar 2005 Beschwerde erhoben hatte, reichte der Versicherte am 3. November 2005
ein neues Leistungsbegehren ein. Die EL-Durchführungsstelle erklärte zwar am 22.
November 2005, sie sistiere die Behandlung dieses neuen Leistungsgesuches "bis zum
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definitiven Entscheid des Versicherungsgerichts". Aber bereits am 30. November 2005
forderte sie den Rechtsvertreter des Versicherten auf, einen Arztbericht betreffend die
Ehefrau einzureichen, in welchem die Diagnose, die Höhe der Arbeitsunfähigkeit sowie
deren Beginn und Dauer und die Gründe für die Arbeitsunfähigkeit angeführt seien. Dr.
med. X._ teilte am 5. Dezember 2005 mit, die Ehefrau des Versicherten leide an
einem KHK mit Angina pectoris und an einer deutlichen depressiven Entwicklung. Für
eine körperlich leichte Arbeit betrage die Arbeitsunfähigkeit seit März 2005 100%. Der
Rechtsvertreter des Versicherten ersuchte die EL-Durchführungsstelle am 12.
Dezember 2005, die Ergänzungsleistung rückwirkend ab 1. März 2005 entsprechend
anzupassen und nachzuzahlen. Die EL-Durchführungsstelle erklärte am 22. Dezember
2005, sie halten an der Sistierung des Verfahrens zur Prüfung des am 3. November
2005 gestellten neuen Leistungsbegehrens bis zum rechtskräftigen Gerichtsurteil fest.
Der Rechtsvertreter des Versicherten wandte am 28. Dezember 2005 ein, der
Sachverhalt habe sich grundlegend geändert, denn die Ehefrau sei seit März 2005
vollständig arbeitsunfähig und der Versicherte erhalte seit August 2005 keine
Krankentaggelder mehr, was eine Veränderung der PK-Rente zur Folge habe. Unter
diesen Umständen sei der Sistierungsentscheid unhaltbar. Die EL-Durchführungsstelle
forderte den Rechtsvertreter des Versicherten am 12. Januar 2006 auf, sämtliche
vorhandenen ärztliche Berichte und eine Stellungnahme des Arztes betreffend die
Behandlung der Depression einzureichen. Der Rechtsvertreter des Versicherten
übermittelte der EL-Durchführungsstelle am 20. Januar 2006 je einen Bericht von Dr.
med. Y._ vom 29. November 2005 und von Dr. med. X._ vom 18. Januar 2006. Dr.
med. Y._ hatte ausgeführt, die Ehefrau des Versicherten leide an einer koronaren
Herzkrankheit, an einer Hypertonie, an einer Hypercholesterinämie und an Adipositas.
Er habe eine invasive Abklärung vorgeschlagen, was von der Ehefrau des Versicherten
aber verweigert worden sei. Dr. med. X._ hatte angegeben, die Depression werde
weder medikamentös noch psychiatrisch behandelt. Mit einer Verfügung vom 16.
Februar 2006 wies die EL-Durchführungsstelle das zweite Leistungsgesuch, das sie auf
die Zeit ab dem Anmeldemonat, also auf die Zeit ab November 2005 bezog, mit der
Begründung ab, trotz der neuen Grundlagen müsse weiterhin ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet werden.
C.- Der Versicherte liess am 20. Februar 2006 Einsprache gegen diese
Abweisungsverfügung erheben. Er machte geltend, es fehle eine Begründung dafür,
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dass weiterhin ein hypothetisches Erwerbseinkommen seiner Ehefrau angerechnet
werde. Bekanntlich sei seine Ehefrau seit März 2005 zu 100% arbeitsunfähig und damit
auch für die Arbeitslosenkasse vermittlungsunfähig. Für die Zeit ab dem 1. März 2005
seien noch Arztberichte einzuholen. Mit einer verfahrensleitenden Verfügung vom 10.
April 2006 sistierte die EL-Durchführungsstelle die Behandlung der Einsprache. Sie
führte zur Begründung aus, die Ehefrau des Versicherten beziehe keine Invalidenrente,
sie habe noch nicht einmal ein entsprechendes Gesuch gestellt. Es sei nicht die
Aufgabe der EL-Durchführungsstelle, ein "Ersatz-IV-Verfahren" durchzuführen, um die
Invalidität der Ehefrau des Versicherten zu bestimmen. Vielmehr sei die Ehefrau des
Versicherten gehalten, sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
anzumelden, wenn sie sich arbeitsunfähig fühle. Damit erübrige es sich, auf die
eingereichten medizinischen Akten einzugehen.
D.- Am 12. Mai 2006 hiess das Versicherungsgericht die gegen den
Einspracheentscheid vom 29. September 2005 betreffend das erste Leistungsgesuch
vom 14. Januar 2005 erhobene Beschwerde teilweise gut. Es wies die Sache zu
weiteren Sachverhaltsabklärungen und zur anschliessenden neuen Entscheidung über
das erste Leistungsgesuch an die EL-Durchführungsstelle zurück. Dazu gehörte auch
die Abklärung einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit der Ehefrau des Versicherten. Das
Gericht führte diesbezüglich zur Begründung des Rückweisungsantrages aus, Dr. Z._
habe in seinem Zeugnis vom 8. Februar 2005 keine bestimmte Arbeitsunfähigkeit
angegeben. "Unter diesen Umständen wären die gesundheitlich bedingten
Voraussetzungen einer Erwerbstätigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers noch
weiter abzuklären gewesen" (Erw. 2.f.). Die EL-Durchführungsstelle teilte dem
Rechtsvertreter des Versicherten am 10. Juli 2006 mit, die vom Gericht angeordneten
ergänzenden Abklärungen seien auch für das sistierte Einspracheverfahren von
Bedeutung. Es sei deshalb gerechtfertigt, das Einspracheverfahren weiterhin zu
sistieren, bis die Abklärungen abgeschlossen seien. Am 28. August 2006 forderte die
EL-Durchführungsstelle den Rechtsvertreter des Versicherten auf, Auskunft über den
Lohn und den Taggeldanspruch zu geben. Gleichzeitig sistierte sie das Verfahren bis
zum Vorliegen einer rechtskräftigen Verfügung der Invalidenversicherung betreffend
das Rentengesuch der Ehefrau. Der Rechtsvertreter des Versicherten erklärte am 27.
September 2006, er sei mit der Sistierung nicht einverstanden, denn es gehe nicht an,
den EL-Anspruch des Versicherten vom Ergebnis des IV-Verfahrens der Ehefrau
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abhängig zu machen. Ausserdem setze sich die EL-Durchführungsstelle mit der
Sistierung über das Urteil vom 12. Mai 2006 hinweg, denn das Gericht habe die
Anweisung erteilt, die Frage der Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens der Ehefrau unabhängig von einem allfälligen IV-Entscheid
unverzüglich an die Hand zu nehmen.
E.- Bereits am 23. Mai 2006 hatte der Versicherte Beschwerde gegen die Sistierung
des Einspracheverfahrens betreffend sein zweites Leistungsgesuch erheben lassen. In
seiner Beschwerdebegründung vom 26. September 2006 liess der Versicherte
sinngemäss beantragen, die Verfügung vom 10. April 2006 sei vollumfänglich
aufzuheben und die EL-Durchführungsstelle sei anzuweisen, die im Urteil vom 12. Mai
2006 angeordneten Abklärungen insbesondere zum hypothetischen Einkommen seiner
Ehefrau beförderlich an die Hand zu nehmen. Zur Begründung liess er ausführen, zur
Bestimmung eines seiner Ehefrau anzurechnenden hypothetischen
Erwerbseinkommens könnten die Art. 14a und 14b ELV nicht analog herangezogen
werden. Vielmehr sei gestützt direkt auf Art. 3c Abs. 1 lit. g ELG zu prüfen, ob ein
Verzicht auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens anzunehmen sei. Wenn die EL-
Durchführungsstelle auf das Ergebnis des IV-Verfahrens abstellen wolle, ziehe sie Art.
14a und 14b ELV analog heran, was nicht zulässig sei. Die EL-Durchführungsstelle
wolle sich zu Unrecht an die IV-Organe binden. Sie müsse selbst eine Berechnung an
die Hand nehmen. Im Urteil vom 12. Mai 2006 sei mit keinem Wort erwähnt worden,
dass ein IV-Entscheid die Voraussetzung für die Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens sei. Wenn die EL-Durchführungsstelle das gleichwohl tue, suspendiere sie
das Urteil. Es stehe fest, dass die Ehefrau seit mindestens März 2005 dauernd
arbeitsunfähig sei. Dies gehe klar aus den Zeugnissen und Berichten von Dr. med.
Y._ und von Dr. med. X._ hervor.
F.- Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 6. Oktober 2006 die Abweisung der
Beschwerde.
G.- Der Beschwerdeführer liess am 20. Oktober 2006 verschiedene Akten aus dem
Verfahren betreffend das IV-Rentengesuch seiner Ehefrau einreichen.
II.
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1.- Gemäss Art. 56 Abs. 1 ATSG kann gegen Verfügungen, gegen welche eine
Einsprache ausgeschlossen ist, Beschwerde erhoben werden. Gemeint sind die
verfahrens- und prozessleitenden Verfügungen (Art. 52 Abs. 1 ATSG). Art. 56 Abs. 1
ATSG nennt keine Voraussetzung der Anfechtbarkeit, denn diese Bestimmung fällt
nicht unter den Verweis auf das VwVG in Art. 55 Abs. 1 ATSG, so dass Art. 45 VwVG (in
der bis 31. Dezember 2006 geltenden Fassung) nicht anwendbar ist. In Art. 45 VwVG
wird als Bedingung der Anfechtbarkeit einer verfahrensleitenden Verfügung ein
drohender nicht wieder gutzumachender Nachteil aufgestellt. Da nicht davon
auszugehen ist, dass der ATS-Gesetzgeber mit dem Wortlaut des Art. 56 Abs. 1 ATSG
bewusst die besondere Eintretensvoraussetzung des drohenden nicht wieder
gutzumachenden Nachteils hätte aufgeben wollen, muss rechtsprechungsgemäss
angenommen werden, dass eine verfahrensleitende Verfügung eines
Sozialversicherungsträgers nur dann mittels einer Beschwerde angefochten werden
kann, wenn diese Verfügung einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken
könnte (vgl. das Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 22. November
2006, H 111/06, Erw. 3.4). Eine Sistierungsverfügung lässt nach ständiger
Rechtsprechung keine Gefahr eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils
entstehen, es sei denn, die Sistierung würde die versicherte Person aus dem
finanziellen Gleichgewicht bringen oder sie zu kostspieligen oder sonstwie
unzumutbaren Massnahmen zwingen. Die Rechtsprechung verweist hierbei auf den
Entzug der aufschiebenden Wirkung eines gegen eine leistungsherabsetzende oder
leistungseinstellende Revisionsverfügung gerichteten Rechtsmittels (vgl. das Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 22. November 2006, H 111/06, Erw. 4.1).
Dieser Vergleich überzeugt nicht, denn die Interessenlagen sind völlig verschieden.
Beim Entzug der aufschiebenden Wirkung steht dem Interesse des betroffenen
Leistungsbezügers an der aufschiebenden Wirkung und damit an der (vorläufigen)
Weiterausrichtung der Leistung ein sehr starkes Interesse des
Sozialversicherungsträgers gegenüber, die Leistungsreduktion oder –einstellung sofort
vornehmen zu können, um nicht später Leistungen zurückfordern und gegebenenfalls
die Rückforderung als uneinbringlich abschreiben zu müssen. Das Interesse des
betroffenen Leistungsbezügers an der Beibehaltung der aufschiebenden Wirkung des
Rechtsmittels muss also besonders stark sein, um gegen das Interesse des
Sozialversicherungsträgers bestehen zu können. Im Zusammenhang mit der
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Voraussetzung des drohenden nicht wieder gutzumachenden Nachteils geht es nur um
die Beschränkung der Beschwerdemöglichkeit auf Fälle, in denen ein ausreichendes
Interesse an der Vermeidung einer Verfahrenssistierung besteht. Es soll also nicht zu
belanglosen Beschwerdeverfahren kommen. Daraus folgt, dass bereits ein deutlich
weniger starkes Interesse an der Vermeidung einer Sistierung genügt, um eine
Anfechtung der Sistierungsverfügung zu rechtfertigen. Es reicht, wenn dem von der
Sistierung betroffenen Bürger ein Nachteil droht, der nicht als geradezu belanglos zu
qualifizieren ist, denn damit besteht ein schutzwürdiges Interesse an einer Anfechtung
der Sistierungsverfügung. Diese Bedingung ist im vorliegenden Fall erfüllt, denn dem
Beschwerdeführer droht der Gang zum Sozialamt oder die private Verschuldung, weil
er wohl nicht in der Lage sein wird, den Lebensunterhalt seiner Familie ohne eine
Ergänzungsleistung zu bestreiten. Wenn er sich in dieser Situation gegen die Sistierung
des Verfahrens zur Prüfung seines EL-Gesuches wehren will, hat dies kein
überflüssiges Beschwerdeverfahren zur Folge. Dem Beschwerdeführer droht somit
durch die angefochtene Sistierungsverfügung ein nicht wieder gutzumachender
Nachteil, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.- Die Beschwerdegegnerin hat ein erstes Leistungsgesuch abgewiesen. Der
Beschwerdeführer hat diese Abweisung angefochten, was schliesslich zu einem
Beschwerdeverfahren Anlass gegeben hat. Während dieses Beschwerdeverfahren
noch hängig war, hat der Beschwerdeführer ein zweites Leistungsgesuch gestellt. Die
Beschwerdegegnerin ist auf dieses zweite Leistungsgesuch eingetreten. Dies war
zulässig, denn wenn das hängige Beschwerdeverfahren mit einer Bestätigung der
Abweisung des ersten Leistungsgesuches geendet hätte, wäre keine rechtzeitige
Neuanmeldung mehr möglich gewesen, auch wenn allenfalls aufgrund einer noch
während des laufenden Beschwerdeverfahrens eingetretenen Sachverhaltsveränderung
eigentlich ein EL-Anspruch entstanden wäre. Das bedeutet, dass zwei zu
verschiedenen Zeiten eingereichte Leistungsgesuche, die sich auf ein und dieselbe
Leistungsart beziehen, Anlass zur Durchführung zweier getrennter und eigenständiger
Verfahren bieten können. Diese beiden eigenständigen Verfahren werden durch zwei
selbständige Verfügungen, Einspracheentscheide oder Urteile abgeschlossen, es sei
denn, die Verwaltung würde ausdrücklich eine Verfahrensvereinigung anordnen.
Betreffen die beiden Gesuche eine auf unbestimmte Zeit zuzusprechende Leistung,
muss das spätere Leistungsgesuch das erste, hängige Leistungsgesuch inhaltlich
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verändern. Das erste Leistungsgesuch beinhaltet dann nur noch das Ersuchen um die
Zusprache einer auf die Zeit bis und mit dem Vormonat der Einreichung des zweiten
Gesuches beschränkten Leistung. Dies muss sogar dann gelten, wenn das erste
Leistungsgesuch in dem Zeitpunkt, in dem das zweite Leistungsgesuch eingereicht
wird, gerade Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens bildet. Das zweite
Leistungsgesuch führt also zu einer Veränderung des Streitgegen¬standes eines
hängigen Beschwerdeverfahrens. Auch im vorliegenden Fall ist von zwei getrennten
Verfahren zur Prüfung der Leistungsgesuche vom 14. Januar 2005 und vom 3.
November 2005 auszugehen. Deshalb kann der Rückweisungsentscheid des
Versicherungsgerichts vom 12. Mai 2006 keine Bedeutung für das vorliegend strittige
Sistierungsproblem haben, denn dieses Problem besteht ausschliesslich im
Zusammenhang mit der Behandlung des zweiten Leistungsbegehrens, während der
Rückweisungsentscheid vom 12. Mai 2006 nur das erste Leistungsbegehren betroffen
hat. Umgekehrt können der hier angefochtene Sistierungsentscheid bzw. das
entsprechende Urteil keine Bedeutung für das nach wie vor laufende Verfahren zur
Prüfung des ersten Leistungsgesuches haben. Die Beschwerdegegnerin kann also im
vorliegend zu beurteilenden Zusammenhang zum vornherein keine wie auch immer
gearteten Anweisungen zur Sachverhaltsabklärung gemäss dem Urteil vom 12. Mai
2006 missachtet haben und der Entscheid der Beschwerdegegnerin, das Verfahren zur
Prüfung des ersten Leistungsgesuches ebenfalls zu sistieren, bildet nicht Gegenstand
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
3.- a) Die Beschwerdegegnerin hat das Einspracheverfahren nicht bis zum Vorliegen
eines rechtskräftigen Entscheides über das Invalidenrentengesuch der Ehefrau des
Beschwerdeführers sistiert, um Art. 14a Abs. 2 ELV analog anwenden können, sondern
um eine unnötige Doppelspurigkeit in der Abklärung des medizinischen Sachverhalts
zu vermeiden, um von der besonderen Sachkenntnis der IV-Organe bei der Ermittlung
der Erwerbsunfähigkeit einer Person profitieren zu können und um einen Widerspruch
zwischen einer EL- und einer IV-spezifischen Bemessung der Erwerbsunfähigkeit zu
vermeiden. Es ist der Beschwerdegegnerin also ausschliesslich darum gegangen, den
Sachverhalt klären zu lassen, der für die Frage einer allfälligen Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau gestützt direkt auf Art. 3c Abs. 1 lit. g
ELG massgebend ist.
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b) Die mit der Sistierung des Einspracheverfahrens verbundene Verzögerung in der
Behandlung des EL-Gesuches des Beschwerdeführers ist irrelevant, denn bei einer
gründlichen medizinischen Abklärung im Auftrag der Beschwerdegegnerin hätte
ebenfalls eine lange Verfahrensdauer resultiert. Wenn der Beschwerdeführer sich
darauf beruft, dass die Verzögerung in der Behandlung seines Leistungsgesuches
unzulässig sei, so kann das nur so interpretiert werden, dass er eine Beurteilung
anhand der von ihm selbst eingereichten Arztberichte verlangt. Sinngemäss wirft er der
Beschwerdegegnerin also vor, sie habe das Einspracheverfahren unnötigerweise
sistiert, weil weitere Abklärungen überflüssig seien. Es stehe nämlich mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass seine Ehefrau seit März 2005 für alle in
Frage kommenden Erwerbstätigkeiten vollständig arbeitsunfähig sei. Dieser Vorwurf ist
nicht gerechtfertigt, denn die in den Akten liegenden Arztberichte vermögen diese
Behauptung des Beschwerdeführers nicht als überwiegend wahrscheinlich erscheinen
zu lassen. Die Diagnose einer koronaren Herzkrankheit steht zwar aufgrund des
Berichtes von Dr. med. Y._ vom 29. November 2005 fest. Es fehlt aber eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung aus kardiologischer Sicht, weil Art und Ausmass der
Beschwerden und der daraus allenfalls resultierenden Arbeitsunfähigkeit nicht bekannt
sind. Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat sich nämlich geweigert, die an sich
notwendige invasive Abklärung vornehmen zu lassen. Dr. med. X._ hat letztmals am
18. Januar 2006 die Diagnose einer Depression angegeben. Er verfügt aber weder über
die Fachkenntnisse noch über die Erfahrung eines Psychiaters. Hinzu kommt, dass
Hausärzte erfahrungsgemäss dazu neigen, die pessimistische Selbsteinschätzung ihrer
Patienten zu übernehmen und gegenüber der Sozialversicherung zu verteidigen. Den
von Hausärzten abgegebenen Arbeitsfähigkeitsschätzungen kann deshalb zum
vornherein nur eine geringe Überzeugungskraft beigemessen werden. Hinzu kommt,
dass sowohl in bezug auf die Herzkrankheit als insbesondere auch in bezug auf
angebliche Depression die Möglichkeit besteht, dass durch eine zumutbare
Behandlung eine Verbesserung des Gesundheitszustandes und damit auch der
Arbeitsfähigkeit erreicht werden könnte. Als Verzicht auf die Erzielung eines
anrechenbaren Erwerbseinkommens muss nämlich auch jenes Verhalten qualifiziert
werden, das in der Weigerung besteht, sich einer zumutbaren medizinischen
Behandlung zu unterziehen. Die in den Akten liegenden, vom Beschwerdeführer
eingereichten Arztberichte haben somit keine überzeugende definitive
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Arbeitsfähigkeitsschätzung zugelassen, so dass die Frage nach einem allfälligen
hypothetischen Erwerbseinkommen der Beschwerdeführerin nicht hat beantwortet
werden können. Weitere medizinische Abklärungen sind unerlässlich gewesen.
c) Die Antwort auf die Frage nach einem Verzicht auf die Erzielung eines
Erwerbseinkommens hängt nicht nur von der Arbeitsunfähigkeit allein, sondern auch
von weiteren Umständen wie insbesondere der beruflichen Qualifikation und Erfahrung
der betreffenden Person und der aktuellen Arbeitsmarktlage ab. Das ändert aber nichts
daran, dass die Arbeitsunfähigkeit die notwendige Grundlage der Beurteilung bildet.
Die Auffassung, wonach das Verfahren zur Bemessung der Invalidität keine präjudizielle
Bedeutung für die Frage nach einem allfälligen Einkommensverzicht habe, so dass sich
eine Sistierung des EL-Verfahrens für die Dauer des IV-Verfahrens nicht rechtfertigen
lasse (vgl. BVR 1995 S. 230 ff., Erw. 9), ist nicht richtig. Das Verfahren der IV-Stelle hat
in seinem ersten Teil, der Ermittlung der Arbeitsunfähigkeit und der Art der
behinderungsbedingt noch in Frage kommenden Tätigkeiten, sehr wohl präjudizielle
Bedeutung für die Frage des Verzichts auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens. Da
die Abklärung der Arbeitsunfähigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers durch die
Beschwerdegegnerin selbst nicht weniger Zeit erfordert hätte als die Abklärung im
Rahmen des IV-Verfahrens, besteht kein schutzwürdiges Interesse des
Beschwerdeführers daran, das Einspracheverfahren nicht zu sistieren. Das Interesse
der Beschwerdegegnerin an der Vermeidung von Doppelspurigkeiten bei der
Sachverhaltsabklärung und der Gefahr von im weitesten Sinn widersprüchlichen
Entscheiden überwiegt. Damit erweist sich die Sistierung des Einspracheverfahrens
grundsätzlich als gerechtfertigt.
4.- Die Sistierung muss allerdings auf die Zeit bis zum Abschluss der medizinischen
Sachverhaltsabklärungen beschränkt sein, denn ab diesem Zeitpunkt wird Klarheit über
die Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers bestehen. Es ist nicht
notwendig, das Ergebnis der Invaliditätsbemessung abzuwarten, da der
Invaliditätsgrad EL-rechtlich irrelevant ist. Es muss der Beschwerdegegnerin genügen,
wenn sie über die von der IV-Stelle erhobenen Beweismittel zur Arbeitsunfähigkeit der
Ehefrau des Beschwerdeführers verfügt. Sie kann nicht bis zum rechtskräftigen
Entscheid im IV-Verfahren zuwarten, um so auch noch die Würdigung der
medizinischen Beweismittel in bezug auf deren Überzeugungskraft durch die IV-Stelle
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übernehmen zu können. Diesbezüglich erweist sich die angefochtene
Sistierungsverfügung als rechtswidrig. Die Anordnung der Sistierung bis zum Vorliegen
eines rechtskräftigen IV-Rentenentscheides ist aufzuheben und durch die Anordnung
zu ersetzen, dass die Sistierung mit dem Abschluss der medizinischen Abklärung durch
die IV-Stelle ende.
5.- Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde insofern teilweise
gutzuheissen, dass die Befristung der Sistierung des Einspracheverfahrens bis zum
Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheides über das IV-Rentengesuch der Ehefrau des
Beschwerdeführers aufgehoben und durch die Befristung bis zum Abschluss der
Abklärungen zur Arbeitsunfähigkeit ersetzt wird. In übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen. Der teilweise obsiegende Beschwerdeführer hat einen Anspruch auf eine
reduzierte Parteientschädigung (Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG). Die Höhe der
Parteientschädigung ist nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen (Art. 61 lit. g Satz 2 ATSG). Unter
Berücksichtigung dieser Kriterien erschiene eine Parteientschädigung von Fr. 1500.-
als angemessen. Dieser Betrag ist entsprechend dem Ausmass des Obsiegens zu
reduzieren. Da die Beschwerde im Hauptpunkt abzuweisen ist, rechtfertigt sich eine
Reduktion auf Fr. 600.-. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer also mit
Fr. 600.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat der Präsident
als Einzelrichter im Verfahren gemäss Art. 9 VVsG