Decision ID: 38440902-7187-5f05-aadd-45925659dc56
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der am 19. November 1940 geborene A._ (nachfolgend: Versi-
cherter oder Beschwerdeführer) ist Schweizer Staatsangehöriger (Vorak-
ten 32/4) und bezieht seit dem 1. Dezember 2005 eine ordentliche Alters-
rente (Vorakten 9). Er wanderte im September 2007 (Vorakten 10, 13) nach
Thailand aus. Im Oktober 2017 (Vorakten 33/2) stellte er bei der SVA
F._ per E-Mail sinngemäss einen Antrag auf Kinderrente zu seiner
Altersrente und gab an, er sei seit dem 16. August 2016 mit C._
verheiratet, welche einen minderjährigen Sohn (D._) in die Ehe ge-
bracht habe, sodass er Anspruch auf eine Kinderrente habe. Das E-Mail
des Beschwerdeführers wurde von der SVA F._ am 9. November
2017 (Vorakten 33/1) an die Schweizerische Ausgleichskasse (nachfol-
gend: SAK oder Vorinstanz) weitergeleitet. Auf Ersuchen der SAK (Vorak-
ten 35) sandte der Beschwerdeführer dieser am 23. November 2017
(Vorakten 36) das Formular «Zusatzfragebogen zur Prüfung des An-
spruchs auf eine Pflegekinderrente» zu, worin der Beschwerdeführer fest-
hielt, sein Stiefsohn lebe seit dem Jahr 2008 mit ihm im selben Haushalt,
die Kindsmutter habe er jedoch erst im August 2016 geheiratet.
A.b Mit Verfügung vom 23. Januar 2018 (Vorakten 45) teilte die Vorinstanz
dem Beschwerdeführer mit, aus den erhaltenen Unterlagen gehe hervor,
dass D._, geboren am 18. März 2002, nicht in derselben Hausge-
meinschaft wohne. Selbst falls die Hausgemeinschaft bestehen würde, be-
stünde nur ein Rentenanspruch, falls ein Gerichtsurteil vorläge, wonach
der biologische Vater des Kindes nicht zu Unterhaltszahlungen verpflichtet
werden könne, welche mindestens einen Viertel der tatsächlichen Unter-
haltskosten decken würden. Der Antrag auf Kinderrente werde daher ab-
gewiesen (Vorakten 50/1, S. 1).
A.c Der Beschwerdeführer reichte gegen die Verfügung vom 23. Januar
2018 am 17. Februar 2018 (Postaufgabe; Vorakten 47) Einsprache ein, und
teilte mit, er habe festgestellt, dass der Wohnungswechsel seines Stiefsoh-
nes bisher nicht gemeldet worden sei, was sie nun nachgeholt hätten. Aus
den Dokumenten sei ersichtlich, dass sein Stiefsohn mit ihm zusammen-
wohne. Der Beschwerdeführer legte seinem Schreiben einen Auszug aus
dem Zivilregister (Vorakten 47/2; Übersetzung Vorakten 47/3), einen Aus-
zug aus dem Hausbuch (Vorakten 47/5; Übersetzung Vorakten 47/4) und
eine Kopie der Identitätskarte seines Stiefsohnes (Vorakten 47/6) bei.
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A.d Mit Schreiben vom 12. Juni 2018 (Vorakten 50) informierte die SAK
den Beschwerdeführer sinngemäss darüber, dass aus den eingereichten
Unterlagen hervorgehe, dass sein Stiefsohn, D._, am 8. Februar
2018, jedoch nicht bereits im Februar 2008, zu ihm gezogen sei. Die SAK
ersuchte den Beschwerdeführer um Einreichung einer Kopie der Heirats-
urkunde (Heirat im 2016) sowie um Belege aus welchen hervorgehe, dass
der Beschwerdeführer für den Lebensunterhalt seines Stiefsohnes auf-
komme. Weiter sei das Scheidungsurteil einzureichen oder ein anderweiti-
ges Dokument, welches belege, dass der leibliche Vater nicht zu Unter-
haltszahlungen verpflichtet werden könne.
A.e Mit Brief vom 6. Juni 2018 (Vorakten 51) orientierte der Beschwerde-
führer die SAK darüber, dass er das Scheidungsurteil nicht einreichen
könne. Am 5. Juli 2018 (Vorakten 53/1) übermittelte der Beschwerdeführer
der SAK einen Auszug aus dem Zivilstandsregister (Vorakten 53/2ff.), eine
Kopie des Scheidungszertifikats (Vorakten 53/5f.), eine Quittungskopie
vom 23. Mai 2018 (Vorakten 53/7), wonach «Mrs. D._» die Schul-
gebühren bezahlt hat und eine Kopie des Versetzungsbescheids betref-
fend den leiblichen Vater vom 13. August 2016 (Vorakten 53/8f.). Der Be-
schwerdeführer führte aus, sein Stiefsohn lebe ausschliesslich bei ihm, seit
dessen leiblicher Vater im August 2016 in eine andere Provinz versetzt wor-
den sei. Weiter brachte der Beschwerdeführer vor, das Scheidungsurteil
könne er nicht einreichen, da der leibliche Vater seines Stiefsohnes dieses
nicht aushändigen wolle. Seine Ehefrau sei lediglich im Besitze eines
Scheidungszertifikats.
A.f Die Vorinstanz wies mit Einspracheentscheid vom 15. August 2018
(Vorakten 55) die Einsprache des Beschwerdeführers ab. Zur Begründung
brachte sie sinngemäss vor, es seien keine Heiratsurkunde eingereicht und
keine tauglichen Urkunden vorgelegt worden, welche belegen würden,
dass D._ bereits ab Februar 2008 an der gleichen Adresse wie der
Beschwerdeführer wohnhaft gewesen sei. Zudem sei kein Scheidungsur-
teil mit dem Hinweis auf Alimentenzahlungen vorgebracht worden.
Schliesslich seien auch keine Belege mit dem Vermerk der einzahlenden
Person eingereicht worden, welche nachweisen würden, dass der Be-
schwerdeführer für den Lebensunterhalt seines Stiefsohnes aufkomme.
A.g Gegen den Einspracheentscheid vom 15. August 2018 opponierte der
Beschwerdeführer mit E-Mail vom 27. August 2018 (Vorakten 59/1). Er
machte geltend, dass er alle verlangten Unterlagen eingereicht habe und
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ersuchte um Überprüfung der Angelegenheit. Weiter fragte er, ob der An-
trag von unterschiedlichen Instanzen bearbeitet werde, sodass Ungereimt-
heiten entstehen würden. Mit Brief vom 27. September 2018 (Vorakten 60)
brachte er erneut vor, dass er die verlangten Dokumente eingereicht habe
und erkundigte sich nach dem Verlauf seines Antrags. Mit E-Mail vom
2. November 2018 (Vorakten 61) monierte er erneut, dass er die verlangten
Dokumente eingereicht habe. Zudem beklagte er sich, dass seine Schrei-
ben nicht beantwortet würden. Im Brief vom 15. November 2018 (Vorakten
66/1) wiederholte der Beschwerdeführer seine Anliegen.
A.h Die SAK teilte dem Beschwerdeführer mit E-Mail vom 19. November
2018 (Vorakten 63/2) mit, der Einspracheentscheid sei mittlerweile in
Rechtskraft erwachsen. Es bestehe kein Rechtsanspruch auf materielle
Behandlung eines Wiedererwägungsgesuchs. Eine Ausnahme bestehe le-
diglich für den Tatbestand der Revision, das heisse für jene Tatsachen und
Beweismittel, die nach dem Erlass der Verfügung entdeckt würden und de-
ren Beibringung zuvor nicht möglich gewesen sei. Die Akten seien über-
prüft worden und die verlangten Urkunden würden weiterhin nicht vorlie-
gen, sodass kein Revisionsgrund gegeben sei. Es sei daher nicht möglich,
auf den Einspracheentscheid zurückzukommen.
A.i Nachdem sich der Beschwerdeführer mit Brief vom 30. November 2018
(Postaufgabe; Vorakten 67/1) an die Direktion der SAK gewandt hatte, wur-
den die Akten am 31. Januar 2019 (Vorakten 70; BVGer act. 2) an das
Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet. Gleichentags wurde der Be-
schwerdeführer von der Vorinstanz über diese Weiterleitung informiert
(Vorakten 73).
B.
Der Beschwerdeführer teilte am 18. Februar 2019 (Postaufgabe; BVGer
act. 7) dem Bundesverwaltungsgericht mit, die von der SAK geforderten
Unterlagen habe er dieser bereits zugesandt. Er frage sich, wie man eine
Einsprache wegen fehlender Dokumente ablehnen können, obwohl man
gleichzeitig bestätige, diese Dokumente erhalten zu haben.
C.
Mit Brief vom 19. Februar 2019 (BVGer act. 6) bestätigte das Bundesver-
waltungsgericht dem Beschwerdeführer den Eingang der Beschwerdeein-
gabe vom 27. August 2018 mit Ergänzungen vom 27. September 2018,
2. November 2018 und 19. November 2018, und ersuchte um Mitteilung
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einer Korrespondenzadresse in der Schweiz. Dieser Aufforderung kam der
Beschwerdeführer am 11. März 2019 (Postaufgabe; BVGer act. 9) nach.
D.
Vernehmlassungsweise beantragte die Vorinstanz am 3. Mai 2019 (BVGer
act. 12), die Beschwerde sei abzuweisen und der angefochtene Ein-
spracheentscheid zu bestätigen. Zur Begründung brachte sie vor, eine Kin-
derrente zur Altersrente für sein Stiefkind stehe dem Beschwerdeführer un-
ter anderem nur zu, wenn das Pflegeverhältnis unentgeltlich sei. Unent-
geltlich sei das Pflegeverhältnis, wenn die an die Pflegeeltern für das Kind
von dritter Seite erbrachten Leistungen weniger als einen Viertel der tat-
sächlichen Unterhaltskosten decken würden. Auch nach thailändischem
Recht sei der Kindesunterhalt zu regeln. Aus diesem Grund sei die Vorlage
des Scheidungsurteils erforderlich, und das vom Beschwerdeführer vorge-
legte Scheidungszertifikat genüge nicht. Sei der Kindsvater laut Schei-
dungsurteil zu Unterhalt verpflichtet, so sei er vorderhand für den Unterhalt
zu belangen. Weiter müsste es auch in Thailand mindestens teilweise mög-
lich sein, Ausgaben zu belegen.
E.
Replikweise bestätigte der Beschwerdeführer am 31. Mai 2019 (Postauf-
gabe; BVGer act. 14) sinngemäss seine bisherigen Anträge sowie deren
Begründung und brachte ergänzend vor, sein Stiefsohn lebe ausschliess-
lich bei ihm, seit dessen leiblicher Vater im August 2016 in eine andere
Provinz versetzt worden sei. Sein Stiefsohn habe kein Bankkonto, also
gebe es auch keine Belege für allfällige Banküberweisungen. Zudem wür-
den sie in der tiefsten Provinz wohnen, wo selten bis nie mit Kreditkarte
bezahlt werde. Ausserdem würden sie Kleider, Schuhe und Essen auf dem
Dorfmarkt kaufen, wo keine Quittungen ausgestellt würden. Was er jedoch
mittels einer Quittung der Schule G._ belegen könne, sei die Be-
zahlung der Semesterkosten der Schule. Schliesslich hielt der Beschwer-
deführer fest, es sei ihm nicht möglich, das Scheidungsurteil beizubringen,
da sich der leibliche Vater seines Stiefsohnes weigere, dieses Dokument
herauszugeben.
F.
Duplikando bestätigte die Vorinstanz am 12. Juli 2019 (BVGer act. 16) ihre
bisherigen Anträge und deren Begründung.
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Seite 6
G.
Mit unaufgeforderter Eingabe vom 30. Juli 2019 (Postaufgabe; BVGer act.
18) brachte der Beschwerdeführer vor, die Vorinstanz habe nie verlangt,
dass die Quittungen der Schule auf den Namen des Beschwerdeführers
lauten müssten. Die Quittungen seien auf seine Ehefrau ausgestellt wor-
den, da sie sich um «solche Angelegenheiten» kümmere.
H.
Mit Verfügung vom 17. Oktober 2019 (BVGer act. 24) ersuchte das Bun-
desverwaltungsgericht den Beschwerdeführer, die thailändische Heiratsur-
kunde und das Scheidungsurteil einzureichen. Weiter stellte das Bundes-
verwaltungsgericht fest, dass die aktenkundigen Quittungen der Schule auf
den Stiefsohn bzw. die Ehefrau des Beschwerdeführers ausgestellt wur-
den. Der Beschwerdeführer solle daher mittels Unterlagen belegen, dass
er seinem Stiefsohn, D._, bzw. seiner Ehefrau, C._, das
Geld für die Bezahlung der Schulgebühren gegeben habe.
I.
Am 11. November 2019 (BVGer act. 25) reichte der Beschwerdeführer die
folgenden Belege ein: thailändische Heiratsurkunde der Eheleute
A._ (BVGer act. 25/1), bereits aktenkundige Zahlungsbeleg der
Schule lautend auf den Stiefsohn (BVGer act. 25/2, Übersetzung BVGer
act. 25/3), Zahlungsbelegung der Schule lautend auf die Ehefrau des Be-
schwerdeführers (BVGer act. 25/4, Übersetzung BVGer act. 25/5) sowie
eine Quittung von True Money Kiosk (Geldautomat) betreffend Bezahlung
von Fernsehrechnungen (BVGer act. 25/8) und Stromrechnungen lautend
auf die Ehefrau des Beschwerdeführers (BVGer act. 25/9).
J.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterla-
gen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung der vorliegenden
Streitsache zuständig (Art. 85bis Abs. 1 AHVG [SR 831.10] sowie Art. 31,
32 und 33 Bst. d VGG [SR 173.32]).
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Seite 7
1.2
1.2.1 Die Vorinstanz wies mit Verfügung vom 23. Januar 2018 (Vorakten
45) und Einspracheentscheid vom 15. August 2018 (Vorakten 55) das Kin-
derrentengesuch des Beschwerdeführers ab. Hiergegen opponierte der
Beschwerdeführer mit E-Mail vom 27. August 2018 (Vorakten 59/1). Er
brachte vor, alle geforderten Unterlagen, ausser das Scheidungsurteil, ein-
gereicht zu haben und bat um Überprüfung des Entscheides (vgl. Bst. A.g
hiervor). Mit Eingaben vom 27. September 2018 (Vorakten 60), 2. Novem-
ber 2018 (Vorakten 61) und 15. November 2018 (Vorakten 66/1) machte
der Beschwerdeführer erneut geltend, dass er die verlangten Dokumente
bereits eingereicht habe (vgl. Bst. A.g hiervor). Die Vorinstanz teilte dem
Beschwerdeführer mit E-Mail vom 19. November 2018 (Vorakten 63) mit,
dass der Einspracheentscheid in Rechtskraft erwachsen sei, kein An-
spruch auf materielle Beurteilung eines Wiedererwägungsgesuchs be-
stehe und kein Revisionsgrund gegeben sei (vgl. Bst. A.h hiervor).
1.2.2 Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG (SR 830.1) kann der Versicherungsträ-
ger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zu-
rückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichti-
gung von erheblicher Bedeutung ist. Gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung liegt das Zurückkommen auf formell rechtskräftige Verfügungen
beim Fehlen eigentlicher Revisionsgründe im Ermessen des Versiche-
rungsträgers (Urteil des Bundesgerichts 9C_245/2015 vom 19. August
2015 E. 4.3). Revisionsgründe betreffen eine mögliche ursprüngliche Feh-
lerhaftigkeit der Verfügung, namentlich wenn die versicherte Person oder
der Versicherungsträger nach Erlass der Verfügung erhebliche neue Tat-
sachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor
nicht möglich war (Art. 53 Abs. 1 ATSG).
1.2.3 Der Beschwerdeführer brachte im E-Mail vom 27. August 2018
(Vorakten 59) weder erhebliche neue Tatsachen vor, noch reichte er Be-
weismittel ein, deren Beibringung zuvor nicht möglich gewesen wäre, viel-
mehr machte er geltend, die von der SAK einverlangten Dokumente bereits
eingereicht zu haben. Folglich kann sein E-Mail vom 27. August 2018 nicht
als Revisionsgesuch betrachtet werden.
Dies erkannte denn auch die Vorinstanz in ihrem Brief vom 31. Januar 2019
(Vorakten 73) an den Beschwerdeführer, indem sie diesem schrieb, «Ihrer
Korrespondenz zu schliessen verstehen wir heute, dass Sie mit unserem
Einspracheentscheid nicht einverstanden waren. Sie hätten alsdann, wie
auf der Rechtsmittelbelehrung auf dem Einspracheentscheid angegeben,
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Seite 8
schriftlich beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben müssen.
Um Ihre Rechte zu wahren, leiten wir die massgebende Korrespondenz an
das Bundesverwaltungsgericht weiter, zwecks Prüfung, ob Ihre Eingaben
nach Erlass des Einspracheentscheids als Beschwerde entgegengenom-
men werden können». Aus diesem Passus im Brief an den Beschwerde-
führer geht hervor, dass auch die Vorinstanz nicht mehr davon ausgeht,
dass ein Revisionsgesuch vorlag. Weiterungen hierzu erübrigen sich da-
mit.
1.3
1.3.1 Gemäss Art. 52 Abs. 1 VwVG (SR 172.021) hat die Beschwerde-
schrift die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und
die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal-
ten. Aus der Beschwerde muss der unmissverständliche Wille einer Person
hervorgehen, als Beschwerdeführende auftreten zu wollen und die Ände-
rung einer bestimmten, sie betreffenden und mittels Verfügung geschaffe-
nen Rechtslage anzustreben (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren
vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.211). Bei von
Laien verfassten Beschwerdeschriften dürfen in sprachlicher und formeller
Hinsicht keine strengen Anforderungen gestellt werden. Ein sinngemässer
Antrag, der sich – unter Zuhilfenahme der Begründung – aus dem Zusam-
menhang ergibt, ist ausreichend (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O.
Rz. 2.211). Genügt eine nicht offensichtlich unzulässige Beschwerde die-
sen Anforderungen nicht, so räumt die Beschwerdeinstanz dem Beschwer-
deführer eine kurze Nachfrist zur Verbesserung ein, verbunden mit der An-
drohung, nach unbenutztem Fristablauf auf Grund der Akten zu entschei-
den (Art. 52 Abs. 2 und 3 VwVG).
1.3.2 Der Beschwerdeführer verlangte mit Eingaben vom 27. August 2018
(Vorakten 59/1), 27. September 2018 (Vorakten 60/1), 2. November 2018
(Vorakten 61) und 15. November 2018 (Vorakten 66/1) die Überprüfung
des Entscheides der SAK (vgl. Bst. A.g hiervor) und gelangte schliesslich
mit Brief vom 30. November 2018 (Postaufgabe; Vorakten 67/1) an die Di-
rektion der SAK. Der Beschwerdeführer wollte somit zweifellos die Über-
prüfung des Einspracheentscheides vom 15. August 2018 erwirken. Die
Frage im E-Mail vom 27. August 2018 (Vorakten 59), ob mehrere Instanzen
seinen Antrag bearbeiten würden, zeigt, dass ihm der Instanzenzug nicht
bekannt war. Er hatte offenbar auch die Rechtsmittelbelehrung nicht ver-
standen, so wandte er sich statt an das Bundesverwaltungsgericht an die
Direktion der SAK. Als die Unterlagen von der SAK später an das Bundes-
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Seite 9
verwaltungsgericht weitergeleitet und der Beschwerdeführer hierüber infor-
miert worden war, teilte er umgehend mit Brief vom 18. Februar 2019 (Post-
aufgabe; BVGer act. 7) dem Bundesverwaltungsgericht mit, die von der
SAK verlangten Dokumente habe er dieser eingereicht, daher sei die Be-
gründung im Einspracheentscheid nicht nachvollziehbar. Da der Be-
schwerdeführer auf einer Überprüfung des Entscheides beharrte und dies
auch nochmals gegenüber dem Bundesverwaltungsgericht manifestierte,
ist der Beschwerdewille aus den Akten zweifellos ersichtlich. Somit stellt
das E-Mail vom 27. August 2018 eine Beschwerde gegen den Einsprache-
entscheid vom 15. August 2018 dar.
1.3.3 Das E-Mail vom 27. August 2018 erfüllt die Formerfordernisse ge-
mäss Art. 52 Abs. 1 VwVG nicht, jedoch wandte sich der Beschwerdeführer
auch noch mit Brief vom 27. September 2018 (Vorakten 60/1) an die Vor-
instanz und holte damit die eigenhändige Unterschrift nach. Die Be-
schwerde vom 27. August 2018 erfüllt damit zusammen mit der Beschwer-
deverbesserung vom 27. September 2018 die Formerfordernisse nach
Art. 52 Abs. 1 VwVG.
1.3.4 Als Zwischenergebnis ergibt sich, dass das E-Mail vom 27. August
2018 als Beschwerde und der Brief vom 27. September 2018 als Be-
schwerdeverbesserung zu qualifizieren sind.
1.4 Die Eingabe vom 27. August 2018 an die SAK erfolgte innerhalb der
30-tägigen Beschwerdefrist (Art. 50 VwVG; Art. 60 Abs. 1 ATSG). Die Be-
schwerde gegen einen Einspracheentscheid der SAK ist laut Art. 85bis
AHVG an das Bundesverwaltungsgericht zu richten, jedoch schadet die
Einreichung bei einer unzuständigen Behörde nicht, denn die Frist gilt als
gewahrt (Art. 39 Abs. 2 ATSG) und die unzuständige Behörde hat die Ein-
gabe unverzüglich an die zuständige Stelle weiterzuleiten (Art. 30 ATSG).
Der Beschwerdeführer hat somit rechtzeitig Beschwerde gegen den Ein-
spracheentscheid vom 15. August 2018 erhoben.
1.5 Der Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Einsprache-
entscheids durch diesen besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an dessen Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung
der Beschwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG; Art. 59 ATSG). Auf die
fristgerecht (vgl. E. 1.4 hiervor) und, nach erfolgter Beschwerdeverbesse-
rung, formgerecht (vgl. E. 1.3 hiervor) eingereichte Beschwerde ist daher
einzutreten.
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Seite 10
1.6 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unange-
messenheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).
2.
2.1 Das Sozialversicherungsverfahren ist, wie auch der Sozialversiche-
rungsprozess, vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach hat die
verfügende Behörde, wie auch das Gericht, von Amtes wegen aus eigener
Initiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Par-
teien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a). Der Untersuchungsgrund-
satz gilt indessen nicht unbeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwir-
kungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2 m.H.).
2.2 Im Sozialversicherungsrecht und somit auch im Bereich der AHV gilt,
sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, das Beweismass
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Die blosse Möglichkeit eines be-
stimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Ge-
richt hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen
möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE
126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je m.H.). Die Beweise sind – dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung entsprechend – frei, das heisst
ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu wür-
digen (BGE 125 V 351 E. 3a).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist Schweizer Bürger und wohnte im Zeitpunkt
des Erlasses des angefochtenen Einspracheentscheides vom 15. August
2018 in Thailand. Die Schweiz hat mit Thailand keinen Staatsvertrag über
Leistungen der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung abge-
schlossen. Für die materielle Beurteilung des vorliegenden Anspruchs auf
Kinderrenten aus der AHV sind daher ausschliesslich die schweizerischen
Rechtsvorschriften anzuwenden.
3.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
gebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands
Geltung hatten (BGE 130 V 445 E. 1.2.1).
C-651/2019
Seite 11
3.3 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 15. August 2018) eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1).
4.
4.1 Personen, welchen eine Altersrente zusteht, haben für jedes Kind, das
im Falle ihres Todes eine Waisenrente beanspruchen könnte, Anspruch auf
eine Kinderrente. Für Pflegekinder, die erst nach der Entstehung des An-
spruchs auf eine Altersrente in Pflege genommen werden, besteht kein An-
spruch auf Kinderrente, es sei denn, es handle sich um Kinder des andern
Ehegatten (Art. 22ter Abs. 1 AHVG).
Dies trifft vorliegend zu, denn beim Stiefsohn D._, für welchen der
Beschwerdeführer eine Kinderrente beantragt, handelt es sich um das leib-
liche Kind der Ehefrau des Beschwerdeführers.
4.2 Pflegekindschaft im weiten Sinne liegt vor, wenn ein Unmündiger in der
Obhut von Personen lebt, die nicht seine Eltern sind. Sie ist kein selbst-
ständiges Rechtsinstitut, sondern ein faktisches Familienverhältnis, dem
das Recht einzelne Wirkungen des Kindesverhältnisses beilegt (Urteil EVG
H 123/02 vom 24. Februar 2003 E. 2 mit Hinweis auf CYRIL HEGNAUER,
Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl.1999, S. 76 N 10.04 sowie Urteil
BVGer C-5523/2009 vom 9. Mai 2012 E. 3.3.1 mit Hinweis auf
TUOR/SCHNYDER/SCHMID/JUNGO, ZGB, das Schweizerische Zivilgesetz-
buch, 14. Aufl., 2015, § 43 Rz. 1 ff. und 25 und PETER MÖSCH PAYOT,
Rechtsstellung der Pflegeeltern, Zeitschrift für Kindes- und Erwachsenen-
schutz [ZKE] 2011, S. 87 ff., S. 89).
4.3 Nach der Rechtsprechung zu Art. 49 AHVV gilt als Pflegekind im Sinne
dieser Bestimmung ein Kind, das sich in der Pflegefamilie tatsächlich der
Lage eines ehelichen Kindes erfreut und dessen Pflegeeltern die Verant-
wortung für Unterhalt und Erziehung wie gegenüber einem eigenen Kind
wahrnehmen. Das sozialversicherungsrechtlich wesentliche Element des
Pflegekindverhältnisses liegt in der tatsächlichen Übertragung der Lasten
und Aufgaben auf die Pflegeeltern, die gewöhnlich den leiblichen Eltern
zufallen; auf den Grund dieser Übertragung kommt es nicht an (BGE 140
V 458 E. 3.2; Urteil BGer 8C_336/2014 vom 20. August 2014 E. 1; Urteil
EVG H 123/02 vom 24. Februar 2003 E. 2).
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Seite 12
4.4 Die Pflegekindschaft erscheint in zahlreichen Formen, die sich in
Zweck, Dauer, Beschaffenheit der aufnehmenden Stelle, in der finanziellen
Ausgestaltung und den rechtlichen Grundlagen unterscheiden; insoweit
können die von den Pflegeeltern eingegangenen öffentlich-rechtlichen
Pflichten nicht von vornherein unberücksichtigt bleiben, wenn Letztere die
Deckung des mit Kinderrenten pauschal abzugeltenden Lebensunterhalts
betreffen (UELI KIESER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AHVG,
3. Aufl. 2012, Art. 22ter, Rz. 3 m.H. auf ZAK 1992 124 E. 3b).
4.5 Pflegekinder müssen unentgeltlich zu dauernder Pflege und Erziehung
aufgenommen sein. Die Unentgeltlichkeit des Pflegekindverhältnisses wird
bejaht, wenn die von dritter Seite erbrachten Leistungen weniger als einen
Viertel der so ermittelten Unterhaltskosten ausmachen (vgl. Wegleitung
über die Renten [RWL] in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung [Gültig ab 01.01.2003; Stand: 1.1.2018]
Rz. 3310; ZAK 1958 S. 335; ZAK 1973 S. 573; sowie KIESER, a.a.O.,
Art. 22ter, Rz. 4).
5.
Der Anspruch auf eine Kinderrente für Pflegekinder ist anhand von drei Kri-
terien zu prüfen (Urteil des BVGer C-5877/2018 vom 2. September 2019
E. 4):
– Bestehen einer Hausgemeinschaft (vgl. E. 5.1 hiernach);
– Bestreitung des Lebensunterhalts (vgl. E. 5.2 hiernach);
– Unentgeltlichkeit des Pflegeverhältnisses, insbesondere Uneinbring-
lichkeit der Unterhaltsbeiträge des leiblichen Vaters (vgl. E. 5.3 hier-
nach).
Diese drei Kriterien müssen kumulativ vorliegen, das heisst, wird ein einzi-
ges Kriterium nicht erfüllt, besteht kein Anspruch auf eine Kinderrente.
5.1
5.1.1 Der Beschwerdeführer gab im Formular «Zusatzfragebogen zur Prü-
fung des Anspruchs auf eine Pflegekinderrente» sinngemäss an, dass sein
Stiefsohn seit 2008 mit ihm im selben Haushalt wohne, er die leibliche Mut-
ter jedoch erst im August 2016 geheiratet habe (vgl. Bst. A.a hiervor). In
Anwendung von Art. 22ter AHVG konnte demnach der Anspruch auf eine
Kinderrente erst nach der Heirat entstehen, sodass die Verhältnisse im
Jahr 2008 nicht ausschlaggebend sind, was der Beschwerdeführer zu
Recht replikweise vorbrachte (BVGer act. 14).
C-651/2019
Seite 13
5.1.2 Um das Bestehen einer Hausgemeinschaft zu belegen, reichte der
Beschwerdeführer den Versetzungsbescheid vom 13. August 2016 (Vorak-
ten 53/8f.) bei, wonach der leibliche Vater des Stiefsohnes des Beschwer-
deführers per 1. September 2016 von der Provinz H._ in die Provinz
I._ versetzt wurde. Im Schreiben vom 5. Juli 2018 (Vorakten 53)
und in der unaufgeforderten Eingabe vom 29. Juli 2019 (BVGer act. 18)
führte der Beschwerdeführer aus, seit der Versetzung des leiblichen Vaters
in eine andere Provinz habe sein Stiefsohn ausschliesslich mit ihm und
dessen leiblichen Mutter im selben Haushalt gewohnt. Sein Stiefsohn habe
gar nicht woanders wohnen können, als bei ihnen.
5.1.3
5.1.3.1 Auf der Identitätskarte des Stiefsohnes D._ wurde am
23. März 2017 (Vorakten 44/3) als Adresse Hausnummer 190 angegeben.
Dem Auszug aus dem Einwohnerregister vom 23. November 2017 (Vorak-
ten 44/7) ist zu entnehmen, dass der Stiefsohn des Beschwerdeführers am
13. Juni 2013 in die Wohnung Hausnummer 190 eingezogen war. Der Um-
zug in die Wohnung Hausnummer 321 wurde am 8. Februar 2018 gemel-
det (Vorakten 47/2ff). Am 12. Februar 2018 lautete auch die Adresse auf
der Identitätskarte von D._ Hausnummer 321 (Vorakten 47/6).
5.1.3.2 Der Beschwerdeführer gab im Brief vom 23. Juni 2008 (Vorakten
18) als seine Adresse 321 [...] (Adresse) an. Diese Adresse wurde in den
nachfolgenden Lebensbescheinigungen bestätigt (Vorakten 22, 24, 25, 26,
27, 28. 30, 38, 68).
5.1.3.3 Aus der Identitätskarte der leiblichen Mutter von D._ ist er-
sichtlich (Vorakten 44/4), dass sie am 16. August 2016 in der Wohnung
Hausnummer 321 wohnhaft war. Zudem lautet das «Hausregister» auf ih-
ren ledigen Namen «E._» (Vorakten 47/4) und es ist ersichtlich,
dass die Hausnummer 321 am 6. März 2008 erstellt worden war.
5.1.3.4 Der Beschwerdeführer selber hielt am 23. November 2017 (Vorak-
ten 36/2) im Formular «Zusatzfragebogen zur Prüfung des Anspruchs auf
eine Pflegekinderrente» als Adresse seiner Ehefrau 321 [...] (Adresse) und
als Adresse des leiblichen Vaters seines Stiefsohnes 190 [...] (Adresse)
fest. Die Adressangabe des Beschwerdeführers in Bezug auf den leibli-
chen Vater des Stiefsohnes datiert nach dessen Versetzung in eine andere
Provinz im August 2016. Somit ist überwiegend wahrscheinlich (vgl. E. 2.2.
hiervor), dass der leibliche Vater von D._ im November 2017 unter
der Hausnummer 190 gemeldet war. Im November 2017 war auch
C-651/2019
Seite 14
D._ unter derselben Hausnummer 190 wie sein leiblicher Vater ge-
meldet (Vorakten 44/7). Die Adresse von D._ wurde erst per 8. Feb-
ruar 2018 zu Hausnummer 321 geändert (vgl. E. 5.1.3.1 hiervor).
D._ war damit erst ab Februar 2018 unter derselben Hausnummer
wie seine leibliche Mutter und sein Stiefvater gemeldet.
5.1.4 Als Zwischenfazit ergibt sich, dass aufgrund der Akten nicht zu bean-
standen ist, dass die Vorinstanz ab Februar 2018 eine Hausgemeinschaft
zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Stiefsohn annahm. Das Kri-
terium des Bestehens einer Hausgemeinschaft war damit im Zeitpunkt des
Einspracheentscheides vom 15. August 2018 erfüllt.
5.2
5.2.1 In Bezug auf die Bestreitung des Lebensunterhalts brachte der Be-
schwerdeführer sinngemäss vor, dass er für den Unterhalt seines Stiefsoh-
nes aufkomme (BVGer act. 1, 7, 14). Hierzu reichte er jedoch weder ge-
genüber der Vorinstanz noch gegenüber dem Bundesverwaltungsgericht
Belege ein, die dies nachweisen könnten. Sowohl die Vorinstanz als auch
das Bundesverwaltungsgericht machten den Beschwerdeführer auf diesen
Umstand ausdrücklich aufmerksam. Wie nachfolgend zu zeigen ist, reichte
der Beschwerdeführer zwar Unterlagen ein, jedoch nicht die von der Vor-
instanz und vom Bundesverwaltungsgericht verlangten Belege.
5.2.2 Die Vorinstanz verlangte vom Beschwerdeführer die Einreichung von
Belegen, welche beweisen, dass der Beschwerdeführer für den Unterhalt
seines Stiefsohnes aufkommt (Vorakten 50/2). Der Beschwerdeführer
reichte jedoch im vorinstanzlichen Verfahren Quittungen ein, welche bele-
gen, dass der Stiefsohn (Vorakten 53/7) die Rechnungen der Schule be-
zahlt hat. Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers verlangte die
Vorinstanz nicht Quittungen lautend auf die «Familie A._» (BVGer
act. 25), sondern explizit solche die auf den Beschwerdeführer selber lau-
ten. Dies geht auch aus dem von der Vorinstanz an den Beschwerdeführer
gerichtete Schreiben vom 12. Juni 2018 (Vorakten 50/1) hervor, worin die
Vorinstanz dem Beschwerdeführer mitteilte, «wollen Sie uns bitte Unterla-
gen einreichen, die geeignet sind zu belegen, dass Sie den Lebensunter-
halt des Stiefkindes D._ bestreiten (z.B. Rechnungen von Schul-
und/oder Studiengebühren, welche von Ihnen übernommen worden sind)».
Aus diesem an den Beschwerdeführer persönlich gerichteten Schreiben
geht unmissverständlich hervor, dass der Beschwerdeführer belegen soll,
dass er selber und nicht seine Ehefrau oder sein Stiefsohn die Rechnungen
bezahlt hat. Der Hinweis des Beschwerdeführers, dass er gegenüber der
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Seite 15
SAK belegen müsse, dass die «Familie A._» die Rechnungen be-
zahlt habe, ist folglich aktenwidrig.
5.2.3 Da die beim Bundesverwaltungsgericht eingereichten Quittungen der
Schule auf den Steifsohn (BVGer act. 2/10, act. 2/16, act. 14/7) bzw. die
leibliche Mutter (BVGer act. 14/8) lauten, gab das Bundesverwaltungsge-
richt dem Beschwerdeführer Gelegenheit (BVGer act. 24), zu belegen,
dass er der leiblichen Mutter das Geld für die Begleichung der Rechnungen
der Schule gegeben hat und verlangte die Einreichung von Bankauszügen
oder anderweitigen Belegen. Der Beschwerdeführer reichte bis dato we-
der, Quittungen die auf seinen Namen lauten ein, noch Belege dafür, dass
er der Kindsmutter oder seinem Stiefsohn Geld gegeben hat. Der Be-
schwerdeführer reichte auch keine Bankauszüge ein, obwohl er nachweis-
lich über ein Bankkonto verfügt, denn die AHV-Altersrente wird auf sein
Bankkonto bei der Credit Suisse (Vorakten 13) überwiesen. Mit Schreiben
vom 11. November 2019 (BVGer act. 25) reichte der Beschwerdeführer die
bereits aktenkundigen Dokumente (Scheidungszertifikat und Quittungen
lautend auf seinen Stiefsohn und seine Ehefrau; BVGer act. 25/1-25/5),
eine Bestätigung eines vom Beschwerdeführer beigezogenen Rechtsan-
walts, wonach weder der Beschwerdeführer noch seine Ehefrau in Thai-
land Steuern bezahlen würden (BVGer act. 25/6; act. 25/7) sowie Quittun-
gen betreffend Bezahlung TV-Rechnung und Stromrechnungen ein (BVGer
act. 25/8f.). Bei der Quittung betreffend Bezahlung der TV-Rechnung ist
nicht ersichtlich, wer diese bezahlt hat. Die Stromrechnungen lauten auf
den ledigen Namen der Ehefrau des Beschwerdeführers «E._».
Aus der Quittung über 3'496.- Baht ist nicht ersichtlich, dass jemand ande-
res als die Ehefrau des Beschwerdeführers diesen Betrag bezahlt hätte.
Hinzukommt, dass Hausnummer 321 unter dem ledigen Namen der Ehe-
frau des Beschwerdeführers «E._» geführt wird (Vorakten 47/4),
sodass auch kein Beleg vorliegt, wonach der Beschwerdeführer für die Lo-
giskosten seines Stiefsohnes aufkommen würde.
5.2.4 Mit Replik vom 31. Mai 2019 (Postaufgabe; BVGer act. 14) brachte
der Beschwerdeführer vor, sein Stiefsohn habe kein Bankkonto, daher
gebe es auch keine Belege für allfällige Banküberweisungen. Zudem wür-
den sie in der tiefsten Provinz wohnen, wo selten bis nie mit Kreditkarte
bezahlt werde. Kleider, Schuhe und Essen würden sie auf dem Dorfmarkt
kaufen, wo niemand Quittungen ausstellen würde.
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5.2.5 Wie das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil C-4405/2017 vom
20. Februar 2019 E. 6.4.1 erkannte, sind für Ausgaben für Schule, Versi-
cherungen, Arztrechnungen, Haushaltskosten und Unterhaltskosten auch
in Thailand zumindest teilweise Belege erhältlich. Dies zeigt sich auch da-
ran, dass die Schule eine Quittung ausstellte, nur lautet diese nicht auf den
Beschwerdeführer, so dass dieser daraus nichts zu seinen Gunsten ablei-
ten kann.
5.2.6 Als Zwischenfazit ergibt sich, dass keine Quittungen oder anderwei-
tige Belege lautend auf den Beschwerdeführer vorliegen, sodass nicht er-
sichtlich ist, ob der Beschwerdeführer tatsächlich für den Lebensunterhalt
von D._ aufkommt. Eine abschliessende Beurteilung der Frage des
Unterhalts erübrigt sich vorliegend jedoch, da, wie nachfolgend zu zeigen
ist (vgl. E. 5.3 hiernach), bereits mangels Einreichung des Scheidungsur-
teils und damit mangels Beleg für die Unentgeltlichkeit, kein Anspruch auf
eine Kinderrente besteht.
5.3
5.3.1 In Bezug auf die Unentgeltlichkeit brachte der Beschwerdeführer vor,
dass die leiblichen Eltern seines Stiefsohnes sich «gütig getrennt» hätten
und beide das Sorgerecht haben würden (Replik; BVGer act. 14). Aus den
Aussagen des Beschwerdeführers geht hervor, dass sich die leiblichen El-
tern über die Kinderbelange geeignet haben. Es ist überwiegend wahr-
scheinlich, dass diese Vereinbarung zwischen den beiden Elternteilen
schriftlich erfolgt ist, zumal der Beschwerdeführer selber von der Existenz
eines Scheidungsurteils berichtete. Er brachte jedoch vor, dieses nicht ein-
reichen zu können, da der leibliche Vater das Scheidungsurteil nicht aus-
händigen wolle, wohl aus Furcht für Unterhaltszahlungen belangt zu wer-
den. Aus den Hinweisen des Beschwerdeführers muss geschlossen wer-
den, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Scheidungsurteil auch
die finanziellen Kinderbelange geregelt wurden.
5.3.2 Trotz Nachfragen seitens der Vorinstanz und des Bundesverwal-
tungsgerichts reichte der Beschwerdeführer statt des Scheidungsurteils
einzig ein Scheidungszertifikat ein, aus welchem jedoch keine Hinweise zu
den Kinderbelangen zu entnehmen sind. Aus dem Umstand, dass der leib-
liche Vater das Scheidungsurteil offenbar nicht (mehr) herausgeben
möchte, kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. Es
ist vorliegend nicht einzusehen, warum der Beschwerdeführer als er das
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Seite 17
Scheidungsurteil gemäss eigenen Angaben in den Händen hatte, keine Ko-
pien erstellt hat. Die Vorinstanz warf dem Beschwerdeführer folglich zu-
recht vor, dass er die notwendigen Belege nicht eingereicht hat.
5.3.3 Hinzukommt, dass der leibliche Vater des Stiefsohnes des Beschwer-
deführers sich offenbar um D._ kümmerte, denn gemäss Aktenlage
(vgl. E. 5.1 hiervor) war er bis Februar 2018 an derselben Adresse wie
D._ wohnhaft, womit überwiegend wahrscheinlich ist, dass der leib-
liche Vater bis Februar 2018 mit D._ in einer Hausgemeinschaft
lebte. Solange nicht feststeht, ob der leibliche Vater seine Elternrechte auf-
geben hat und in welchem Umfang er sich auch noch nach Februar 2018
am Unterhalt von D._ beteiligte, ist nicht von einem unentgeltlichen
Pflegeverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Stiefsohn
auszugehen.
6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer zwar Zah-
lungsbelege eingereicht hat, jedoch lauten diese nicht auf ihn selber, so-
dass daraus nicht ersichtlich ist, dass er selber und nicht seine Ehefrau
oder Dritte für den Unterhalt seines Stiefsohnes aufkommen. Auch auf
Nachfragen seitens des Bundesverwaltungsgerichts (BVGer act. 24) wur-
den keine einschlägigen beweistauglichen Unterlagen zugestellt. Ebenfalls
wurde das Scheidungsurteil, trotz Aufforderung seitens des Bundesverwal-
tungsgerichts (BVGer act. 24), bis dato nicht eingereicht. Damit ist nicht
belegt, dass der Beschwerdeführer unentgeltlich für den Unterhalt seines
Stiefsohnes aufkommt, sodass der angefochtene Einspracheentscheid
vom 15. August 2018 nicht zu beanstanden ist. Hingegen erweist sich die
Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen und der angefoch-
tene Einspracheentscheid zu bestätigen ist.
7.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
7.1 Das Beschwerdeverfahren ist für die Parteien kostenlos (Art. 85bis
Abs. 2 AHVG), sodass keine Verfahrenskosten zu erheben sind.
7.2 Weder die obsiegende Vorinstanz noch der unterliegende Beschwer-
deführer haben einen Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 1 und
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Seite 18
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] und
Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).