Decision ID: f00a763d-eca4-492c-8c0d-7ae7c8aeb7e5
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1981, ist Mutter einer 2008 geborenen Tochter (Urk. 6/3 Ziff. 3.1). Von Dezember 2002 bis zum 31. August 2009 war sie als Produktionsmitarbeiterin in einer Grossbäckerei angestellt (Urk. 6/12/3-4 Ziff. 2.1 und 2.7, S. 9 oben). Unter Hinweis auf Schmerzen in der Schulter, im Nacken und im rechten Bein meldete sie sich am 15. Mai 2009 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/3 Ziff. 6.2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche (
Urk. 6/12, Urk. 6/17) und medizinische (Urk. 6/7, Urk. 6/10/5-6, Urk. 6/13, Urk.
6/20) Abklärungen und zog Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 6/9) bei. Mit Verfügung vom 3. November 2010 (Urk. 6/28, Urk. 6/27) sprach die IV-Stelle der Versicherten ab dem 1. März 2010 eine ganze Rente zu.
Die IV-Stelle führte anlässlich einer im Januar 2013 eingeleiteten Rentenrevision (Urk. 6/41 S. 2) eine Haushaltabklärung durch (Urk. 6/52). Am 17. März 2013 teilte sie der Versicherten mit, dass unverändert ein Anspruch auf eine ganze Rente bestehe (Urk. 6/54).
1.2
Im April 2016 wurde erneut eine Revision eingeleitet (Urk. 6/55 S. 3). Die IV-Stelle holte unter anderem ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 6. Oktober 2016 (Urk. 6/67) erstattet wurde. Am 29. November 2016 (Urk. 6/73) erliess sie den Vorbescheid. Die Versicherte brachte dagegen Einwände (Urk. 6/78) vor. Mit Verfügung vom 10. Februar 2017 (Urk. 6/84 = Urk. 2) hob die IV-Stelle die Rente für die Zukunft auf.
2.
Die Versicherte erhob am 6. März 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 10. Februar 2017 (Urk. 2). Sinngemäss ersuchte sie um Aufhebung der Verfügung und um die
Weiterausrichtung der bisherigen Invalidenrente (Urk. 1 S. 1 Mitte).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 19. April 2017 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde. Mit Gerichtsverfügung vom 4. Mai 2017 wurde die Beschwerdegegnerin aufgefordert, eine Stellungnahme des psychiatrischen Gut
ach
ters und ihres Regionalärztlichen Dienstes (RAD) einzuholen (Urk. 7 S. 2 Dispositiv Ziff. 2 und E. 2.2). Die betreffenden Akten (Urk. 11/1-2) wurden dem Ge
richt am 30. August 2017 (Urk. 10) zugestellt. Kopien der Akten wurden der
Beschwerdeführerin am 7. September 2017 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des
Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl
massgeblichen
(hypothetischen) Sachverhalts bestehen (
BGE
144 I 28 E.
2.2,
130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen
). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend (
„
allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Aufhebung der Rente damit, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin gemäss den medizinischen Ab
klärungen spätestens seit September 2016 verbessert habe. Ab diesem Zeitpunkt bestehe in einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (Urk. 2 S. 1). Grundlage der Beurteilung der Beschwerdegegnerin bildete das psychiatrische Gutachten vom 6. Oktober 2016 (Urk. 2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor, dem psychiatrischen Gutachten könne nicht gefolgt werden. Der Gutachter habe eine Zwangsstörung als Krankheit ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit bezeichnet. Es sei logisch, dass er zu diesem Schluss gekommen sei, weil er sich mit ihren Zwängen gar nicht auseinander
gesetzt habe. Wenn man wissen wolle, inwiefern sie durch Zwänge in ihrer Leis
tungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei, müsse man
danach fragen. Weiter müsse danach gefragt werden, welche Zwänge sie wie oft repetieren müsse und wie hoch der Zeitaufwand der Zwangshandlungen sei. Der Gutachter wisse nur sehr ungenau oder gar nicht, wie sich die Zwänge manifestieren würden (Urk. 1 S. 2 Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin habe sodann aus Angst Informationen über schwere psychische Erkrankungen in ihrer Familie zurückgehalten (Urk. 1 S. 2 Ziff. 4).
2.3
Mit Verfügung vom 3. November 2010 wurde der Beschwerdeführerin ab dem 1. März 2010 eine ganze Rente zugesprochen. Strittig und zu prüfen ist im vor
liegenden Verfahren, ob sich ihr Gesundheitszustand seit November 2010 ver
bessert hat und ob die Beschwerdegegnerin die laufende Rente zu Recht revi
sionsweise aufgehoben hat.
3.
3.1
Dr. med. Y._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 11. September 2009 ein psychiatrisches Gutachten zuhanden des Krankentag
geld
versicherers (Urk. 6/7/5-15).
Dr. Y._ führte aus, die Beschwerdeführerin habe Angst vor allem. Ihre Zwänge hätten mit einem vermehrten Drang begonnen, sich wiederholt die Hände zu waschen und Türen und den Ofen in ihrer Wohnung zu kontrollieren. Immer wieder habe sie das Bedürfnis, alle Türen im Haus sowie die Fenster und Schränke zu öffnen. Zwischenzeitlich habe sie Atemnot. Sie ermüde rasch und habe keine Kraft. Wenn sie diese Gedanken habe, müsse sie sofort handeln. In ihr sei jemand anderer, der sage, dass sie diesen „Befehl” ausführen müsse. Ihre Schwester komme jeden Tag und unterstütze sie mittags und abends. Am Abend komme ihr Ehemann nach Hause (S. 5 Ziff. 5 oben). Sie sei am Arbeitsplatz auffällig gewor
den. Ihre Arbeitskolleginnen hätten gefragt, weshalb sie gewisse Sachen mache und warum sie so langsam arbeite (S. 5 Ziff. 5 Mitte).
Die Beschwerdeführerin sei bei einem Psychiater in Behandlung. Die Behandlung
habe anfangs wöchentlich stattgefunden. Aktuell erfolge die Behandlung in eine
m Rhythmus von zwei Wochen (S. 5 Ziff. 6).
Dr. Y._ nannte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Zwangsstörung, Zwangsgedanken und -handlungen gemischt (ICD-10 F42.2) und eine leichtgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.01). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er spezifische Phobien (Höhenangst, Tierphobien, Dunkelheit (ICD-10 F40.2, S. 7 Ziff. IV). Für das Vorliegen einer zum Untersuchungszeitpunkt komorbiden leichtgradig ausge
prägten depressiven Störung sprächen die Eigenangaben der Beschwerdeführerin sowie der aktuelle psychopathologische und psychometrische Untersuchungs
be
fund (S. 8 unten). Die Beschwerdeführerin sei gegenwärtig in psychischer Hinsicht deutlich in ihrer psychosozialen und psychophysischen Leistungsfähigkeit einge
schränkt. Die Zwangssymptome würden einen grossen Raum in ihrem Tagesab
lauf einnehmen. In psychiatrisch körperlicher Hinsicht bestünden keine Ein
schrän
kungen. In sozialer Hinsicht bestünden hinsichtlich des Kommunikations
verhaltens deutliche Einschränkungen (S. 8 unten). Aus psychiatrischer Sicht bestehe zum Untersuchungszeitpunkt unter den Bedingungen der freien Wirt
schaft keine verwertbare Arbeitsfähigkeit (S. 9 oben).
Es handle sich um eine relevante psychische Störung mit deutlichen Beein
trä
chtigungen der psychophysischen und psychosozialen Leistungsfähigkeit (S. 10 Ziff. 1 d).
3.2
Dr. med. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberarzt, A._, nannte im Zwischenbericht vom 19. September 2009 (Urk. 6/9/17-18) als Diagnosen Zwangsgedanken und –
handlungen
ge
mischt und spezifische Phobien (Höhenangst, Tierphobien, Dunkelheit (S. 1 oben).
3.3
Die Beschwerdeführerin ist seit dem 8. September 2009 bei Dr. med. B._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, in ambulanter Be
handlung (Urk. 6/13 Ziff. 1.2). Dr. B._ attestierte im Bericht vom 4. Januar 2010 (Urk. 6/13) für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit der Beschwerdeführerin seit dem 8. September 2009 bis auf unbestimmte Zeit eine Arbeitsun
fähigkeit von 100 %. Die Ärztin gab weiter an, infolge der Zwangshandlungen bestünden ein gehemmter Handlungsfluss und eine schnelle Erschöpfbarkeit infolge der Anspannung und der Zwänge. Die Symptome wirkten sich dahin
gehend aus, dass die Beschwerdeführerin durch ein extrem langsames und ge
hemmtes Arbeiten und eine verminderte Belastbarkeit beeinträchtigt sei (Ziff. 1.6-1.7). Es sei mit einer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit und mit einer Abnahme der Zwänge zu rechnen (Ziff. 1.8). Die Therapie müsse noch mindestens sechs bis zwölf Monate weitergeführt werden (Ziff. 1.9).
3.4
Am 8. Juni
2010 wurde die Beschwerdeführerin durch Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, untersucht. Dr. C._ führte im Bericht vom 9. Juli 2010 (Urk. 6/20) aus, bezüglich der ange
gebenen Angst vor Dunkelheit und dem Alleinsein seien von der Beschwer
deführerin keine konkreten Antworten zu erhalten, welche Ängste denn dahinter
stecken würden und was sie im Dunkeln oder beim Alleinsein zu befürchten habe (S. 2 Ziff. 3 unten).
Zur Anamnese wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe eine Krankheit, bei der sie immer alles wiederholen müsse. Dies betreffe Hände waschen, ge
schlossene Flaschen öffnen und schliessen und das Öffnen von Türen und Fenstern und anderes mehr. Sie habe eine Stimme in sich, die ihr dies als Befehl gebe. Sie müsse dann tun, was die Stimme ihr sage, sonst würden eine innere Unruhe und Kopfschmerz auftreten. Seit über zwei Jahren gehe das so. Es habe nach der Geburt ihrer Tochter und insbesondere nach dem Wiedereinstieg an ihrem Arbeitsplatz angefangen (S. 2 Ziff. 4). Bis heute seien die Symptome eher gleichgeblieben und unverändert, trotz pharmakologischer und gesprächsthera
peutischer Behandlung. Bis vor drei bis vier Monaten habe sie gar nichts mehr machen können. Nun habe sie angefangen, Dinge zu verändern und beispiels
weise wieder selber zu kochen und zu putzen. Bis heute benötige sie für den Haus
halt die Unterstützung ihrer Schwester. Am Abend und an den Wochenen
den brauche sie die Unterstützung ihres Ehemannes (S. 3 Ziff. 4 oben).
Die Beschwerdeführerin wirke von der Stimmung her depressiv, resigniert, mutlos und latent auch verzweifelt. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei erhalten, jedoch deutlich eingeengt. Es bestehe eine fragliche Wahrnehmungsstörung in Form einer ihr Befehle erteilenden Stimme, was sie zu tun und zu lassen habe. Weiter bestehe ein deutlicher Anhaltspunkt für überwiegend Ich-
dystone
Zwangs
handlungen und weniger Anhaltspunkte für Zwangsgedanken. Die Ge
dächt
nisleistungen seien nicht sicher einschätzbar. Bei der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin seien kindlich abhängige Züge aufgefallen (S. 4 Mitte).
Dr. C._ nannte als Diagnosen eine Zwangsstörung mit einer Mischung von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, eine Angststörung mit phobischen Zügen, eine anhaltende ängstlich depressive Verstimmung und eine durch Nahrungskarenz bedingte Untergewichtigkeit. Als
Differentialdiagnose nannte er eine anhaltende wahnhafte Störung mit paranoiden (Stimmenhören), zwanghaften und ängstlich depressiven Symptomen sowie anorektischen Elementen (S. 4 Ziff. 9).
Nach den Unterlagen und den Angaben der Beschwerdeführerin bestünden der
zeit glaubhaft keine körperlichen, die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Sympto
me. Es sei plausibel nachvollziehbar, dass sich bei der Beschwerdeführerin nach der Geburt ihrer Tochter eine massive psychische Störung mit vorwiegenden Zwangsgedanken und –
handlungen
, ausgeprägten Ängsten und einer jetzt mani
festen Unterernährung entwickelt habe. Bei der Untersuchung habe sich eine bei weitem nicht altersentsprechende junge Frau, mit kindlich abhängigem, teilweise auch trotzig wirkendem und ausweichendem Verhalten gezeigt, die keine Ver
antwortung zu übernehmen bereit sei (S. 4 Ziff. 10). Unabhängig von der genauen psychiatrischen Diagnose erscheine bei der Beschwerdeführerin seit Oktober 2008 bis heute und weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % gut nachvollziehbar und plausibel. Ebenso erscheine nachvollziehbar, dass eine adäquate, störungs-spezifische Behandlung aufgrund der Sprachbarriere mühsam sei. Therapieerfolge seien recht bescheiden, wenngleich durchaus vorhanden (S. 5 Ziff. 10). Auf dem freien Arbeitsmarkt sei derzeit keine Arbeitsfähigkeit gegeben (S. 5 Ziff. 11 Mitte).
3.5
Die Beschwerdegegnerin sprach der Beschwerdeführerin daraufhin mit Verfügung vom 3. November 2010 (Urk. 6/28 S. 1-2) ab dem 1. März 2010 eine ganze Rente zu.
4.
4.1
Dr. B._ (vorstehend E. 3.3) gab im Bericht vom 25. März 2013 (Urk. 6/44) zur Anamnese an, seit dem letzten Bericht vom Januar 2010 habe sich hinsichtlich der psychischen Verfassung der Beschwerdeführerin praktisch keine Veränderung ergeben. Eine
Verhaltenstherapie habe nicht den erhofften Erfolg gebracht. Eine Änderung der Medikation habe eine Erleichterung der psychischen Anspannung, aber keine Verringerung der Zwangshandlungen gebracht. Die Patientin sei praktisch von sämtlichen Aufgaben im Haushalt und in der Betreuung ihrer Tochter befreit. Sie lebe mit der Schwiegermutter im gleichen Haushalt, die ihr alles abnehme. Nur zu Beginn der Therapie sei es zu einer leichten Abnahme der Zwänge gekommen. Seither seien keine Fortschritte mehr erzielt worden (S. 1 f. Ziff. 1.4).
Dr. B._ bestätigte daher für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Hilfs
arbeiterin seit dem 8. September 2009 voraussichtlich dauerhaft eine Arbeits
un
fähigkeit von 100 % (Ziff. 1.6).
4.2
Die Beschwerdegegnerin führte am 5. März 2014 eine Haushaltabklärung durch. Im Abklärungsbericht vom 12. März 2014 (Urk. 6/52) wurde die Beschwerde
führerin als zu 100 % Erwerbstätige qualifiziert (S. 3 Ziff. 2.5).
4.3
4.3.1
Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Chefarzt Klinik Teufen, erstattete am 6. Oktober 2016 (Urk. 6/67) ein psychiatrisches Gut
achten im Auftrag der Beschwerdegegnerin. Die Untersuchung der Beschwer
de
führerin fand am 21. September 2016 statt (S. 1).
Dr. D._ führte zur Anamnese aus, die Explorandin wohne bei ihrem Bruder. Ihre Tochter lebe bei der Schwester, da sich die Beschwerdeführerin nicht in der Lage fühle, alleine für ihr Kind zu sorgen (S. 6 Ziff. 3.2 unten). Nach der Geburt der Tochter habe sie noch während eines Jahres beim letzten Arbeitgeber in einer Bäckerei gearbeitet. Aus gesundheitlichen Gründen habe sie diese Stelle aufge
geben (S. 7 Ziff. 3.4). Sie leide seit der Kindheit unter Ängsten. Zum Beispiel habe sie sich als Kind nicht alleine zu Hause aufhalten können. Nach der Geburt der Tochter habe sie ihre Arbeit wiederaufgenommen. Danach hätten sich die Krankheitssymptome langsam entwickelt. Bei der Tätigkeit in der Bäckerei habe sie Brot in Schachteln packen und dabei die Brotstücke zählen müssen. Mit der Zeit habe sie die Brotstücke nicht mehr zählen können. Sie habe zwar gezählt, die Anzahl Stücke in den Schachteln sei aber falsch gewesen. Eine innere Stimme habe ihr gesagt, dass sie anstatt sieben nur vier oder dann acht Stücke einpacken müsse. Ihre Vorgesetzte habe ihr gesagt, dass sie auch nicht mehr schnell genug arbeite (S. 7 Ziff. 3.5 oben). Es seien Gedanken aufgetreten, dass sie die Arbeit nicht mehr ausführen solle. Ihre Gedanken hätten ihr befohlen, aufzustehen und etwas zu unternehmen oder nichts zu machen, weshalb sie mit der Zeit krank geworden sei. Die anderen Mitarbeiter hätte sie angestarrt (S. 7 Ziff. 3.5 Mitte). Die direkte Frage, ob die Beschwerdeführerin von aussen Stimmen gehört habe, habe sie verneint. Sie habe selbst gewusst, dass ihr Zustand nicht normal sei. Seit 2010 habe sie nicht mehr gearbeitet (S. 7 Ziff. 3.5 Mitte).
Anfänglich habe sie sich derart schlecht gefühlt, dass sie das Haus nicht mehr verlassen habe und sich auch nicht mehr um ihr Kind habe kümmern können. Ihre Tochter sei deswegen bei den Schwiegereltern in der Türkei untergebracht gewesen. Mit der Zeit habe sie sich wieder besser gefühlt. Gewisse Dinge störten sie aber immer
noch. Wenn sie sich zum Beispiel in einem geschlossenen Raum befinde, müsse sie ein Fenster öffnen, um atmen zu können. Früher habe sie den Haushalt nicht mehr erledigen können, weil sie ständig die gleichen Gegenstände geputzt habe. Jetzt könne sie die Haushaltsarbeiten zwar langsam, aber wieder selber durchführen (S. 7 Ziff. 3.5 unten). Im Juli 2016 habe sie in die Türkei fliegen müssen, weil sich der Zustand ihres Ehemannes verschlechtert habe. Es sei ihm wegen Herzbeschwerden ein Stent eingesetzt worden. Sie habe sich während drei bis vier Wochen in der Türkei aufgehalten (S. 7 f.).
Seit drei Wochen wohne das Kind der Beschwerdeführerin wieder in der Schweiz und gehe in die dritte Schulklasse. Die Beschwerdeführerin wohne bei ihrem Bruder und sehe ihre Tochter nun täglich. Sie putze zu Hause, was ihr aber viel Zeit wegnehme wie auch das Kochen. Die Tochter wisse nicht, dass die Mutter krank sei (S. 8 oben).
4.3.2
Das Gespräch sei von einer Türkisch sprechenden Dolmetscherin übersetzt worden
. Die Explorandin habe klare, intermittierend unpräzise beziehungsweise nicht kon
sistente Angaben über ihre Lebensgeschichte gemacht, aber ohne Hinweise auf Störungen der mnestischen Funktionen (Gedächtnisfunktionen, Merk
fähigkeit, Auffassungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit). Im formalen Denken sei sie geordnet gewesen. Sie habe über ihre Zwangsgedanken ohne spürbare vegetative Aufregung berichtet und ohne Einengung auf irgendwelche Gedanken. Inhaltlich hätten sich keine Hinweise für Wahnideen, Halluzinationen oder Ich-Störungen ergeben. Nach dem Ausbruch der Zwangsgedanken habe die Explorandin ihren Zustand als realitätsfremd erlebt, womit ein psychotisches Erleben seit Beginn der Erkrankung ausgeschlossen werden könne. Die Explorandin habe im Affekt ängstlich gewirkt, allerdings ohne Hinweise auf eine
Deprimiertheit
. Die affektive Schwingungsfähigkeit
und der Elan
vitae
seien erhalten gewesen (S. 8 Ziff. 4.1 unten).
Der Gesamtscore der Panik- und Agoraphobie-Skala weise mit 15.9 Punkten einen schweren Grad der Beeinträchtigung durch eine Angststörung hin. Die Beschwerdeführerin habe in sämtlichen Unterskalen einen erhöhten Wert gehabt (S. 9 Ziff. 4.2 unten).
4.3.3
Dr. D._ stellte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine Zwangs
störung, vorwiegend Zwangshandlungen (ICD-10 F42.1), eine Klaustrophobie (ICD-10 F40.2) und einen schädlichen Nikotingebrauch (ICD-10 F17.1, S. 10 Ziff. 5 oben).
Dr. D._ führte in der Beurteilung aus, die Beschwerdeführerin habe sich bei der Untersuchung vom 21. September 2016 abgesehen von einer leichten Ängst
lichkeit in psychopathologischer Hinsicht ganz unauffällig präsentiert. Bei fehl
enden weiteren psychiatrischen Erkrankungen in einem grossen Familienkreis könne eine genetische Vorbelastung für die Entwicklung einer psychiatrischen Erkrankung ausgeschlossen werden (S. 10 Ziff. 6 Mitte). Anamnestisch sowie akten
mässig sei die Kindheit der Explorandin ohne gravierende traumatische Ereignisse verlaufen. Es hätten sich daher keine Hinweise für eine Persönlich
keits
störung ergeben. Ebenso bestünden keine Hinweise für ein anhaltend auf
fälliges Verhaltensmuster bezüglich Kognitionen, Wahrnehmungen und sozialer Interaktionen sowie auf anhaltende Störungen der Impuls- und Affektkontrolle im Erwachsenenalter. Prämorbide psychische Probleme mit Krankheitswert inklu
sive einer Persönlichkeitsstörung auch im Erwachsenenalter könnten daher klar ausgeschlossen werden. Die Beschwerdeführerin habe ihre berufliche Tätigkeit nach der Geburt einer gesunden Tochter im Jahr 2008 wiederaufgenommen. Dies habe aus Sicht des Referenten zu einer psychophysischen Überforderung, zu einer Angstakzentuierung und zum
Ausbruch einer Zwangsstörung geführt (S. 10 Ziff. 6 unten).
Dem psychiatrischen Gutachten von Dr. Y._ vom 11. September 2009 sei neben den vom behandelnden Psychiater postulierten Zwangsgedanken und Zwangs
handlungen sowie spezifischen Phobien auch eine leichtgradige depres
sive Episode zu entnehmen. Es sei eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % mit reser
vierter Prognose attestiert worden. RAD-Arzt Dr. C._ habe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit Oktober 2008 bestätigt. Der Beschwerde
führerin sei daher ab dem 1. März 2010 eine ganze Rente zugesprochen worden (S. 10 f.). Aus Sicht des Referenten könne die von Dr. Y._ und Dr. C._ dokumentierte Zwangsstörung mit einer leichten depressiven Symptomatik und die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % als absolut plausibel angenommen werden. Nach dem Ausbruch der Zwangsstörung im Jahr 2008 sei die Explo
ran
din bei Dr. Z._ in ambulanter psychiatrischer Behandlung gestanden, wobei die Therapie aufgrund der sprachlichen Barriere vordergründig auf eine Psycho
pharmakotherapie fokussiert worden sei. Dies sei objektiv als mangelhaft zu betrachten (S. 11 oben).
Die Beschwerdeführerin habe sich schliesslich bei Dr. B._ in eine psy
chiatrisch-psychotherapeutische Behandlung begeben, die in ihrer Muttersprache erfolge. Die etablierten therapeutischen Massnahmen inklusive einer Gesprächspsychotherapie und einer fachgerechten Psychopharmakotherapie hätten anlässlich der Exploration vom 21. September 2016 sowohl anamnestisch als auch objek
tiv eine merkliche Verbesserung des psychischen Zustandes der Explorandin gezeigt. Zu betonen sei, dass die Exploration aufgrund der Besonderheit der gutachterlichen Situation (Rentenrevision) erschwert gewesen sei und die Explo
randin zum Teil nicht konsistente Angaben über ihre Aktivitäten gemacht habe (S. 11 Mitte).
Es entziehe sich dem Auftrag des Gutachters, die Häufigkeit der Reisen in die Türkei genau zu eruieren. Trotz einer Flugangst sei die Explorandin während des Sommers zu ihrem Ehemann und ihrer Tochter in die Türkei gereist. Sodann habe sie sich weiterhin als unbeholfen und von ihrer Verwandtschaft abhängig bezeichnet. Weiter habe sie über eine gänzliche Passivität tagsüber berichtet und habe dann Putzzwänge angegeben. So habe sie den ganzen Tag die Wohnung putzen müssen, habe sich aber mit der Tochter nach deren Schulabschluss unter
halten und diese abends wieder ihrer Schwester übergeben. Aus Sicht des Referenten sei nicht nachvollziehbar, warum die Explorandin und ihre Tochter in der Schweiz nicht unter dem gleichen Dach wohnen würden. Ebenfalls bleibe ein Rätsel, dass sie ihre psychischen Probleme bei angegebener voller Passivität vor ihrer 11-jährigen Tochter verstecken könne. Schliesslich habe sie anlässlich der Untersuchung nicht
dekonditioniert
gewirkt. Über die schwere Phase ihrer Erkran
kung habe sie mit einer emotionalen Distanz und in der Vergangen
heits
form berichtet. Damit könne objektiv von einer deutlichen Verbesserung der diagnostizierten Zwangsstörung ausgegangen werden. Weder anamnestisch noch objek
tiv bestünden gegenwärtig Hinweise für eine depressive Symptomatik. Da
mit könne nicht von einer eigenständigen und selbstunterhaltenden depressiven Störung, sondern von einer vorübergehenden Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion im Verlauf seit 2009 ausgegangen werden. Die vom Referenten erho
bene Klaustrophobie sowie die aktenmässig dokumentierten weiteren spezifischen Phobien (Höhenangst, Tierphobien, Dunkelheit) schränkten die Arbeitsfähigkeit der Explorandin sozialmedizinisch nicht ein. Diese könnten auch gegenwärtig bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt werden. Bei der Be
schwerdeführerin seien gegenwärtig abgesehen von einer leicht eingeschränkten geistigen Flexibilität und Selbstbehauptungsfähigkeit ganz unauffällige psycho
kognitive Funktionen festzustellen (Gedächtnisfunktionen, Konzentrationsver
mögen, Merkfähigkeit, Auffassungsvermögen, Anpassung an Regeln und Rou
tine
, Planung und Durchführung von Aufgaben, Durchhaltefähigkeit, Kontakt
fähig
keit, Antrieb und Psychomotorik). Für adaptierte Tätigkeiten könne daher objek
tivierbare keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert werden (S. 11 unten).
Nach achtjähriger Arbeitslosigkeit und bei einer störungsbedingten Vermei
dung
s
haltung könne der Explorandin zwecks Gewöhnung an regelmässige Arbeits
zeiten und an eine geregelte Tagesstruktur sowie zum Abbau der Vermei
dungs
haltung über das RAV ein Arbeitstraining von zirka drei Monaten angeboten werden (S. 11 f.). Bei einem sehr unterstützenden Familiennetz könne beim Ver
bleib der Tochter in der Schweiz auch nicht von einer zusätzlichen psychosozialen Belastung ausgegangen werden. Deshalb bestehe auch diesbezüglich kein Hinder
nis für eine berufliche Wiedereingliederung. Bei einem Gymnasialabschluss könn
e bei der Beschwerdeführerin auch von mindestens durchschnittlichen intellektu
ellen Ressourcen ausgegangen werden. Die Beschwerdeführerin verfüge daher bei einer beruflichen Wiederintegration über genügend Ressourcen, um ihre Deutsch
kenntnisse zwecks sozialer Integration zu verbessern (S. 12 oben).
4.3.4
Eine Fliessbandtätigkeit mit sehr hohen Anforderungen an die psychische Belast
barkeit und an die geistige Flexibilität, die zudem mit einer allgemeinen Durch
haltefähigkeit verbunden sei, sei bei einer diagnostizierten Zwangsstörung nicht geeignet. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit könne daher im Längsschnitt keine Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Gemäss den Akten sei die Explorandin insofern seit Oktober 2008 zu 100 % arbeitsunfähig, welche weiterhin bestätigt werden könne (S. 12 Ziff. 7.1 und 7.2). In einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeits
fähigkeit von 100 %. Tätigkeiten mit sehr hohen Anforderungen an die Konzen
tration, die geistige Flexibilität und an die allgemeine Durchhaltefähigkeit (zum Beispiel Fliessbandtätigkeiten, Tätigkeiten mit sehr häufigen und schnellen Wechseln der Arbeitsabläufe) sowie Nachtarbeiten seien nicht geeignet (S. 12 Ziff. 7.3 und 7.4). Die bisherige Therapie im ambulanten Setting sei lege
artis
durchgeführt worden. Dies habe sowohl zu einer subjektiven als auch objektiven Verbesserung des psychischen Zustandes der Explorandin geführt (S. 12 Ziff. 8.1).
Die erhobenen Untersuchungsbefunde stimmten mit den anamnestischen Anga
ben bezüglich des Aktivitätsniveaus der Explorandin nicht überein (S. 14 Ziff. 8.4.4).
4.4
Med.
pract
. E._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Prävention und Gesundheitswesen, RAD, führte in einer Stellungnahme vom 21. November 2016 (Urk. 6/71 S. 4 f.) aus, gemäss dem psychiatrischen Gutachten von Dr. D._ vom 6. Oktober 2016 bestehe in Bezug auf die bisherige Tätigkeit eine verminderte psychische Belastbarkeit und ein reduziertes Durchhalte
ver
mögen. Nicht in Frage kämen sodann Nachtarbeiten oder Tätigkeiten mit einem schnellen Wechsel der Arbeitsabläufe. Eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit sei in einer Tagesschicht ganztätig möglich (S. 4 unten). In einer angepassten Tätigkeit gemäss Belastungsprofil bestehe seit dem Zeitpunkt der Begutachtung eine Arbeitsunfähigkeit von 0 %. Der Gesundheitszustand habe sich verbessert (S. 5 oben).
Es liege ein Gesundheitsschaden vor, der sich längerfristig auf die Arbeits
fähig
keit in der angestammten Tätigkeit auswirke. In einer angepassten Tätigkeit bestehe jedoch aufgrund einer Verbesserung des Gesundheitszustandes keine Einschränkung mehr. Die Zwangserkrankung könne durch eine psychiatrische Behand
lung gut verbessert werden. Auf das psychiatrische Gutachten könne abge
stellt werden (S. 5 Mitte).
4.5
Med.
pract
. E._ führte in einer weiteren Stellungnahme vom 27. Juni 2017 (Urk. 11/1) S. 1 f.) zuhanden des
hiesigen Gerichts aus, die Erhebung der Familienanamnese sei Bestandteil jeder psychiatrischen Exploration. Das Vorhandensein psychischer Erkrankungen in der Herkunftsfamilie gebe je
doch lediglich einen Hinweis auf die genetische Vorbelastung bezüglich des Auftretens psychischer Erkrankungen. Sie habe keinen Einfluss auf die Bewertung der Arbeitsfähigkeit. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei der Verschweigen
von weiteren Familienangehörigen mit einer psychischen Erkrankung nicht von herausragender Bedeutung.
Der psychiatrische Gutachter habe die Zwangserkrankung als Erkrankung ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilt, während die behandelnden Fachärztin von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgehe. Hierbei handle es sich um eine andere Beurteilung desselben Sachverhaltes. Im Zweifelsfalle sei auf die Beur
teilung des externen Gutachters abzustellen.
4.6
Dr. D._ nahm am 7. August 2017 (Urk. 11/2) zu den Ergänzungsfragen der Beschwerdegegnerin Stellung.
Die Beschwerdegegnerin stellte dem Gutachter die Frage, welche Zwänge die Beschwerdeführerin wie oft repetieren müsse. Dieser gab dazu an, die Explo
ran
din habe während der psychiatrischen Untersuchung vom 21. September 2016 über einen Putzzwang berichtet. Ansonsten habe sie über keine weiteren Zwänge berichtet (S. 1 Ziff. 1).
Die Beschwerdegegnerin stellte weiter die Frage, wie hoch der Zeitaufwand für die Zwangshandlungen sei. Dr. D._ antwortete darauf, die Explorandin habe berichtet, dass sie manchmal morgens bis abends zu Hause geputzt habe. Die Frage nach dem Zeitaufwand könne nicht beantwortet werden (S. 1 Ziff. 2).
Das Ergebnis des Aufmerksamkeits- und Belastungstests (Panik und Agora
pho
bie) sei sowohl qualitativ als auch quantitativ stark unterdurchschnittlich beziehungsweise als nicht auswertbar ausgefallen. Die Beschwerdeführerin habe objektiv ganz unauffällige Funktionen aufgewiesen (Gedächtnisfunktionen, Kon
zen
tration-,
Auffassungsvermögen, Merkfähigkeit). Die erhobenen Testergebnisse hätten nicht mit den objektiven Befunden übereingestimmt. Allgemein seien Testergebnisse solange aussagekräftig, als sie mit den objektiven Befunden über
einstimmten. Eine so grosse Diskrepanz zwischen den objektiven Befunden und den Testergebnissen sei entweder auf eine Sprachbarriere oder auf die Besonder
heit der gutachterlichen Situation und nicht auf objektive mnestische Defizite zurückzuführen. Die Panik- und Agoraphobie-Skale habe auf eine schwerwie
gende Beeinträchtigung durch die Angststörung der Explorandin hingewiesen. Aus psychiatrischer Sicht sei aber die Einschätzung der Funktionsfähigkeit im Sinne des ICF relevant. Diese werde gestützt durch die psychiatrischen und psy
chometrischen Befunde. Letztlich sei auch die Erhebung der objektiven psychi
schen Befunde und die Gesamteinschätzung nach AMDP relevant und die Anzahl der durch Testfragen erreichten Symptome. Da sich zum Zeitpunkt der Unter
suchung und auch in wesentlichen Phasen in der Vergangenheit trotz gewisser Symptome keine relevanten Beeinträchtigungen von Funktionen auf die kogni
tiven und affektiven Ebenen gezeigt habe, müsse an der Beurteilung im Gutachten festgehalten werden (S. 1 f. Ziff. 3).
5.
5.1
Dr. D._ ging im psychiatrischen Gutachten vom 6. Oktober 2016 davon aus, dass die Beschwerdeführerin trotz der Diagnose einer Zwangsstörung im Hinblick auf eine angepasste Tätigkeit nicht mehr in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er weiter eine Klaustrophobie und einen schädlichen Nikotingebrauch. Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er keine. Er kam zum Ergebnis, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin massgeblich verbessert hat. Nach seiner Einschätzung
kann ihr die angestammte Tätigkeit als Mitarbeiterin am Fliessband seit Oktober 2008 zwar nicht mehr zugemutet werden. Für eine ange
passte Tätigkeit attestierte er jedoch eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (E. 4.3.3 hiervor).
Die behandelnde Psychiaterin Dr. B._ attestierte demgegenüber seit dem 8. September 2009 eine voraussichtlich dauerhafte Arbeitsunfähigkeit von 100 % (E. 4.1 hiervor).
5.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren,
die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141
V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1).
Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig,
wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. zur Publikation in der Amtlichen Sammlung bestimmtes Urteil des Bundesgerichts 8C_409/2017 vom 2
1.
März 2018 E. 4.3).
5.4
Das psychiatrische Gutachten von Dr. D._ erfüllt die Anforderungen der
Recht
sprechung an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens. Darin werden
die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin dargelegt. Es beruht weiter auf einer fachärztlichen psychiatrischen Untersuchung und berück
sichtigt die geklagten Beschwerden in angemessener Weise.
Die Beschwerdeführerin machte geltend, der psychiatrische Gutachter habe sich nicht mit ihren Zwängen auseinandergesetzt (Urk. 1 S. 2 Ziff. 3). Dr. D._ ging jedoch auf die Zwangsstörung der Beschwerdeführerin ein. Er führte diese auch als Diagnose, jedoch ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf. Ergänzend äusserte er sich in der Stellungnahme vom 7. August 2017 dahingehend, dass die Beschwerdeführerin über einen Putzzwang berichtet habe. Weitere Zwänge habe sie nicht erwähnt. Weiter habe sie angegeben, dass sie zu Hause manchmal von morgens bis abends geputzt habe (E. 4.6 hiervor). Der Gutachter wies in diesem Zusammenhang sodann auf nicht konsistente Angaben der Beschwerdeführerin hin. So habe sie einerseits über eine gänzliche Passivität tagsüber berichtet, da
ihre Schwägerin, mit der sie zusammenwohne, alle Aufgaben übernehme (vgl. E.
4.
1 hiervor). Andererseits müsse sie den ganzen Tag die Wohnung putzen (E. 3.3.3). Die Beschwerdeführerin gab gemäss dem Gutachten zudem selber an, dass es ihr wieder
besser gehe als zu Beginn der Erkrankung. Der Gutachter begründete die Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin weiter mit Verweis auf die erfolgreiche Therapie durch Dr. B._, während bei der vorherigen Behandlung durch Dr. Z._ noch eine sprachliche Barriere bestanden hatte. Dr. D._ äusserte sich in der Stellungnahme vom 7. August 2017 sodann zum Ergebnis des Aufmerksamkeits- und Belastungstest. Dabei gab er an, dass eine grosse Diskrepanz zwischen objektiven Befunden und den Test
ergebnissen nicht auf objektive mnestische Defizite zurückgeführt werden könne. Relevant sei sodann die Einschätzung der Funktionsfähigkeit im Sinne des ICF (E. 4.6 hiervor). Weiter wies er darauf hin, dass sich die Beschwerdeführerin an
läss
lich der Exploration in psychopathologischer Sicht ganz unauffällig präsen
tiert habe (E. 4.3.3). Soweit die Beschwerdeführerin vorbrachte, dass in ihrer
Familie doch psychiatrische Erkrankungen vorgekommen seien (Urk. 1 S. 2 Ziff.
4), handelt es sich dabei lediglich um ein Indiz, wobei diesem, wie der RAD der Beschwerdegegnerin feststellte (vgl. E. 4.5 hiervor), keine massgebliche Bedeu
tung bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit beigemessen werden kann. Der Gut
achter legte sodann dar, dass die von Dr. Y._ und Dr. C._ festgestellte leichte depressive Episode (E. 3.1 und 3.4 hiervor), anlässlich der Begut
achtung vom 21. September 2016 nicht mehr festgestellt werden konnte (E. 4.3.3 hiervor). Dies spricht ebenfalls für eine Verbesserung des Gesundheitszustandes.
Das Gutachten vermag daher auch in der Beurteilung der medizinischen Situation und in den Schlussfolgerungen zu überzeugen. Trotz der Kritik der Beschwer
deführerin erweist sich das Gutachten von Dr. D._ als beweistauglich. Soweit sich die Beschwerdeführerin zur Unabhängigkeit des Gutachters im Hinblick auf die ihm erteilten Gutachtensaufträge äusserte (Urk. 1 S. 1
unten), ist die Kritik nicht geeignet, den Beweiswert des Gutachtens in Zweifel zu ziehen.
5.5
Die nachvollziehbar und überzeugend begründete Einschätzung des psychia
tri
schen Gutachters ist gegenüber der Beurteilung durch Dr. B._ vorzu
ziehen. In diesem Zusammenhang ist zudem auf den Grundsatz hinzuweisen, wonach Berichte der behandelnden Ärzte aufgrund der auftragsrechtlichen Ver
trauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 253 E. 3b/cc). Dies gilt für einen allgemein praktizierenden Hausarzt wie auch für einen behandelnden Spezialarzt (Urteil des Bundesgerichts I 803/05 vom 6. April 2006 E. 5.5).
Auch nach Prüfung der Standardindikatoren ist von einer Verbesserung des Ge
sundheitszustandes der Beschwerdeführerin auszugehen. Gemäss Dr. D._ ver
mögen die Angaben der Beschwerdeführerin im Hinblick auf die Prüfung der Konsistenz nicht zu überzeugen. So konnte die Beschwerdeführerin trotz einer von ihr beschriebenen Flugangst mehrere Reisen in die Türkei unternehmen. Der Gutachter erachtete es auch als wenig plausibel, dass die Beschwerdeführerin ihre psychischen Probleme gemäss ihren Angaben vor ihrer Tochter habe verstecken können (E. 4.3.3 hiervor). Es bestehen daher Zweifel am Verhalten der Beschwer
de
führerin. Zum Indikator des Behandlungs- und Eingliederungserfolges wies Dr. D._ darauf hin, dass die Behandlung durch Dr. B._ erfolgreich war, dass jedoch noch Verbesserungspotential besteht. So ging der Gutachter
davon aus, dass die Beschwerdeführerin mittels einer Wiedereingliederungs
mas
s
nahme des RAV in einer angepassten Tätigkeit wieder eine volle Arbeitsfähigkeit erlangen könne. Damit stehen der Beschwerdeführerin auch ausreichend Resso
urcen für eine berufliche Wiedereingliederung zur Verfügung (vgl. E. 4.3.3).
5.6
Der medizinische Sachverhalt ist nach dem Gesagten gestützt auf das psy
chiatrische Gutachten von Dr. D._
als dahingehend erstellt zu erachten, dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin nicht mehr zugemutet werden kann. In einer angepassten Tätigkeit ist jedoch seit der Begutachtung von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % auszugehen.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange
passten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt
worden wäre. Aus
nah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) be
rech
net werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28
E. 3.3.2; BGE 128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundesgerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
6.3
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung auf ein
Validen
einkommen
von Fr. 70'101.-- ab (Urk. 2 S. 2 oben), welches sie anhand von
Tabel-lenlöhnen
ermittelte (Urk. 6/70 S. 1).
Gemäss den Angaben im Arbeitgeberbericht vom 11. Dezember 2009 hätte die Beschwerdeführerin 2009 einen Verdienst von Fr. 52'000.-- erzielt (Urk. 6/12 Ziff. 2.10). Nach den weiteren Angaben im Bericht erzielte die Beschwerde
füh
rerin 2007 einen Verdienst von Fr. 46'596.55 und im Jahr 2008 von Fr. 36'000.65 (Urk. 6/12 Ziff. 2.12). In Anbetracht der Schwankungen in den Vorjahren kann nicht unbesehen auf den für das Jahr 2009 angegebenen Verdienst von Fr. 52'000.-- abgestellt werden. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Be
schwer
degegnerin für die Bestimmung des
Valideneinkommens
Tabellenlöhne herangezogen hat.
Die Beschwerdeführerin verrichtete als Produktionsmitarbeiterin ein volles Arbeits
pensum (Urk. 6/12 Ziff. 2.9). Gemäss LSE 2012 Tabelle TA1 (LSE 2012 S. 35) hätte sie in einer einfachen Tätigkeit körperlicher oder handwerklicher Art (Kompe
tenzniveau eins) ein durchschnittliches Einkommen von Fr. 4'112.-- pro Monat erzielen können. Bei einer wöchentlichen
Arbeitszeit im Jahr 2016 von 41.7 Stunden und einer Nominallohnentwicklung 0.7 % im Jahr 2013, 0.8 % im Jahr 2014, 0.4 % im Jahr 2015 und 0.7 % im Jahr 2016 (Tabelle T1.10, Nominallohnindex, 2011-2016) ergibt sich ein Einkommen von Fr. 52'791.-- (Fr. 4'112.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.007 x 1.008 x 1.004 x 1.007). Als
Validenein
kommen
sind daher Fr. 52'791.— zu veranschlagen.
6.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
ge
be
nen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.
3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1,
126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu ver
wenden (
BGE 143 V 295 E. 4.1.3
; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Da
ten bei Rentenrevisionen vgl.
BGE 143 V 295 E. 4.2.2,
142 V 178 E. 2.5.8.1
,
133 V 545 E. 7.1). Der
Beizug
der
Lohnstatistik erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegeben
heiten des Einzelfalles nicht möglich ist (v
gl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592
E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, IVG, 3. Aufl., N 55
und 89 zu
Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Wird das Inva
li
deneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnitts
werten ermit
telt,
ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit so
ll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merk
male, wie Art und
Ausmass
der Behinderung, Lebensalter, Dienst
jahre, Natio
na
lität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir
kungen auf die Lohnhöhe haben können
(BGE 124 V 321 E.
3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurch
schnitt
lichem erwerblichem Erfolg verwerten
(BGE 126 V 75 E.
5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach
pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.
2; 134 V 322 E.
5.2 und
126 V 75 E.
5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Inva
liden
einkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist
(BGE 126 V 75 E.
5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs
einfliessen
und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dür
fen (Urteile des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E.
4.1.1
und
8C_805/2016 vom 22. März 2017 E.
3.1
mit Hinweisen).
6.5
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens sind ebenfalls Tabellenlöhne her
anzuziehen. Dabei ist ebenfalls von LSE 2012 Tabelle TA1 auszugehen. Nachdem der Beschwerdeführerin Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die psychische Belastbarkeit, die geistige Flexibilität und die allgemeine Durchhaltefähigkeit nicht mehr zugemutet werden können (E. 4.3.4), ist auf dem Tabellenlohn ein Abzug von 15 % vorzunehmen. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die Beschwerdeführerin gegenüber anderen Arbeitnehmerinnen aufgrund des eingeschränkten Belastungsprofils Lohneinbussen in Kauf zu nehmen hat. Dies führt verglichen mit dem
Validenienkommen
zu einer Erwerbseinbusse von 15 % und damit zu einem Invaliditätsgrad von 15 %. Da der Invaliditätsgrad deutlich unter 40 % liegt, besteht revisionsweise kein Rentenanspruch mehr.
6.6
Zusammenfassend ergibt sich, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin seit Oktober
2016 dahingehend verbessert hat, dass ihr eine angepasste Tätigkeit zu 100 % zugemutet werden kann. Bei einem Invaliditätsgrad von neu 15 % hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch zu Recht verneint.
Die angefochtene Verfügung vom 10. Februar 2017 erweist sich demzufolge als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf Fr. 800.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwer
deführerin aufzuerlegen.