Decision ID: 9da62119-6f74-45f8-acbe-8ba9e7ffdef5
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965,
meldete sich am
1.
Mai 2001 bei der Invalidenversi
che
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/1). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Graubünden sprach ihm mit Verfügung vom 2
4.
Mai 2002
bei einem Invaliditätsgrad von 53 % eine halbe Rente
ab Februar 2001 zu
(vgl.
Urk. 6/13
,
Urk.
6/289
lit
. A
).
Die IV-Stelle für Versicherte im Ausland hob die halbe
R
ente mit Verfü
gung vom 14. April 2014
auf
(vgl. hierzu Urk. 9/137 und Urk. 9/
176
S. 3
lit
. D). Die dage
gen vom Versicherten erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwal
tungsgericht mit Urteil vom 17. September 2015 in dem Sinne gutgeheissen, als die Verfügung aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen wurde, damit diese, nach erfolgter polydisziplinärer Abklärung, über den Rentenanspruch neu ver
füge (Urk. 6/176).
Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, veranlasste sodann ein polydisziplinäres Gutachten, das von den
Ärzten des Y._
am 24. August 2016 erstattet wurde (Urk. 6/215), und hob mit Verfügung vom 24. Januar 2018 die bisher ausgerichtete Rente per Ende Mai 2014 auf (Urk. 6/266). Das hiesige Gericht hob diese Verfügung mit Urteil vom 1
2.
November 2018 im Verfahren Nr. IV.2018.00187 mit der Feststellung auf,
dass der Versicherte ab Juni 2014 Anspruch auf eine
Viertelsrente
habe (
Urk.
6/282
). Das Bundesgericht hob mit Urteil vom
5.
März 2019 das kantonale Urteil und die Verfügung vom 2
4.
Januar 2018 auf und wies die Sache zu ergänzenden Abklärunge
n an die IV-Stelle zurück (Urk.
6/289).
1.2
Die IV-Stelle veranlasste sodann ein polydisziplinäres Gutachten, das von den Ärzten des
Z._
am 3
0.
März 2020 erstattet wurde (
Urk.
6/328)
,
und lehnte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/337,
Urk.
6/340) mit Verfügung vom 2
9.
Mai
2020 e
ine Erhöhung der Rente ab (Urk.
6
/
350 =
Urk.
23
/2).
Mit Verfügung vom 1
6.
Juli 2020 sprach sie dem Beschwerdeführer rückwirkend ab Juni 2014 eine halbe Rente zu (
Urk.
6/
354
=
Urk.
2).
2.
2.1
A
m 1
2.
Juni 2020
erhob der Versicherte
Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
9.
Mai 2020 (
Urk.
23
/2
; Prozess Nr. IV.2020.00381
) und beantragte, diese sei aufzuheben
,
es sei ihm die per Ende Mai 2014 eingestellte Rente weiterhin zu gewähren
sowie
ab September 2016 eine ganze Rente zuzusprechen, und es sei
i
hm
die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung zu bewilligen (
Urk.
23
/1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3
1.
Juli 2020 (
Urk.
23
/5) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 1
9.
August 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
23
/7).
2.2
Am
2.
September 2020 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die Ver
fügung vom 1
6.
Juli 2020 (
Urk.
2) und beantragte, es sei ihm ab September 2016 eine ganze Rente zuzusprechen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
9.
Oktober 2020 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 1
9.
Oktober 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
2.3
Am 1
3.
November 2020 veranlasste das Gericht eine ergänzende Stellungnahme der
Z._
-Gutachter (vgl.
Urk.
9), die am 3
1.
Dezember 2020 erstattet wurde (
Urk.
13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 2
7.
Januar 2021 auf eine Stel
lungnahme dazu (
Urk.
19). Der Beschwerdeführer nahm am
9.
Februar 2021 dazu Stellung (
Urk.
20), was den Parteien am 1
2.
Februar 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
21).
Am 2
9.
Dezember 2020 (
Urk.
10)
hatte
der Beschwerdeführer ferner zwei augen
ärztliche Berichte
vom
3.
November 2020 (
Urk.
11/1) und vom 1
0.
Dezember 2020 (
Urk.
11/2)
ein
gereicht
.
2.4
Mit Verfügung vom 2
3.
März 2021
wurde der Prozess Nr. IV.2020.00381 in Sachen
der Parteien mit dem Prozess Nr. IV.2020.00570 vereinigt und unter dieser Pro
zessnummer weitergeführt. Der Prozess Nr. IV.2020.00381 wurde als
dadurch
erledigt abgeschrieben und
dessen Akten im vorliegenden Prozess als
Urk.
23/0-8
geführt (
Urk.
23/8,
Urk.
24). Ausserdem
wurde dem Beschwerdeführer im Hin
blick auf eine allfällige Rückweisung und damit möglicherweise verbundene Verschlechterung Gelegenheit zur Stellungnahme und zum allfälligen Beschwer
derückzug gegeben (
Urk.
24). Er erklärte am 2
5.
März 2021, an der Beschwerde festzuhalten (
Urk.
26), was der Beschwerdegegnerin am 2
9.
März 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
27).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1
.
2
G
emäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1
.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
be
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich
des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
weisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1
.4
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungs
interner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das An
stellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
inter
nen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2
.
2
.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
23
/2) davon aus, der Beschwerdeführer sei in einer Verweistätigkeit ab 2014 zu 60
%
und ab April
2019
zu 50
%
arbeitsfähig gewesen. Somit liege nun die gleiche Ein
schätzung vor wie bei der erstmaligen
Rentenzusprache
und es bestehe kein Revi
sionsgrund. Die im Mai 2014 eingestellte halbe Rente werde ab Juni 2014 wieder ausgerichtet (S. 2 oben).
2
.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
23/
1), er könne, wenn überhaupt, nur in einem geschützten Bereich als arbeitsfähig angesehen werden (S. 2
Ziff.
3b). Die Auffassung, es sei keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten, sei aus näher dargelegten Gründen unzu
treffend (S. 3
Ziff.
3c).
Die erhobenen neuropsychologischen Defizite seien voll
umfänglich zu seinen Gunsten zu würdigen (S. 3 f.
Ziff.
3d). Dass der Haupt
gutachter gar keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit anführe, sei absolut nicht nachvollziehbar (S. 4
Ziff.
3f). Bei der Invaliditätsbemessung sei ein
Leidensabzug von 25
%
angezeigt, um seiner fehlenden Selbsteinglie
de
rungs
fähigkeit Rechnung zu tragen (S. 5).
2
.3
Das Bundesgericht führte in seinem Urteil vom
5.
März 2019 (
Urk.
6/289) unter Bezugnahme auf das 2016 erstattete Gutachten (vgl. nachstehend E.
5.3
) aus, es sei ab Juni 2016 ein Revisionsgrund (vgl. vorstehend E. 2.2) gegeben (S.
4 f.
E.
5.1.1).
Sodann bestünden gewichtige Anhaltspunkte, dass sich der Gesund
heits
zu
stand aus somatischer
Sicht
seit der (im
August
2016 erfolgten) Begutachtung erheblich verschlechtert habe (S.
6
E. 5.2).
Auch sei die Sache in Punkten, die für die - beschwerdeweise gerügte -
Standardindikatorenprüfung
allenfalls von Be
deu
tung sein könnten, nicht spruchreif (S. 6 f. E. 5.3
)
. Ferner sei
ungeklärt,
ob
die Arbeitsaufgabe im Jahr 2002 gesundheitliche Gründe gehabt habe, was für die Bemessung des
Valideneinkommens
von Bedeutung sei (S. 7 f. E. 5.4.2).
Die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin begründete es unter anderem damit, dass offene Fragen zum Belastungsprofil aus Sicht der Atemwegser
kran
kung und zur Selbsteingliederungsfähigkeit nach über 15 Jahre
n
Rentenbezugs
dauer sowie Hinweise auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach der Begutachtung
bestünden
(S.
8
E. 6).
2.4
Strittig und zu prüfen ist, ob
und gegebenenfalls wie die vom Bundesgericht aufgeworfenen Fragen
zu beantworten sind
und wie es
sich
demzufolge mit dem
Gesundheitszustand und
der
Arbeitsfähigkeit
im Zeitverlauf verhält
.
Nicht Gegenstand des vorliegenden - die Verfügungen vom 2
9.
Mai und 1
6.
Juli 2020 betreffenden - Verfahrens sind die im Dezember 2020 eingereichten augen
ärztlichen Berichte vom November/Dezember 2020 (
Urk.
11/1-2).
3
.
3
.1
Die
Rentenzusprache
ab Februar
2001
basierte im Wesentlichen auf dem rheu
matologisch-psychi
atrischen Gutachten
der Ärzte
des
Spitals A._
vom 20. August 2001 (Urk. 10/13/1-12). Darin wurden folgende Diagnosen mit rele
vantem Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit genannt (S. 9 Mitte):
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung bei
-
funktionell mechanischem
thorako-spondylogenem
Syndrom
-
Epicondylitis
humeri
radialis
rechts
Als Diagnose mit relevantem Krankheitswert wurde ein Asthma bronchiale bei Nikotinabusus genannt (S. 9 Mitte).
3
.2
Aus rheumatologischer Sicht wurde festgehalten, die Rückenschmerzen würden als funktionell-mechanisches
thorakospondylogenes
Syndrom mit ungenügender
Kraftausdauer der Rückenextensoren eingestuft. Als mögliche Ursache der unter
schiedlichen Gelenkbeschwerden bestehe eine allgemeine
Bandlaxität
. Ein Fibro
myalgiesyndrom liege nicht vor. Die Arbeitsfähigkeit sei seitens des Bewegungs
apparates auf mindestens 50 % zu schätzen un
d verbessere sich nach einer Re
habilitation auf 75-100 % (S. 8 unten). Der Rheumatologe stellte im Rahmen sei
ner Untersuchung ein hörbares
endexpiratorisches
Giemen im Rahmen einer
chronic
obstructive
pulmonary
disease
(
COPD
)
bei chronischem Nikotinkonsum fest (Urk. 10/13/18-19 S. 2 oben).
3
.3
Im psychiatrischen Teilgutachten (Urk. 10/13/13-17) wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer leide seit mehreren Jahren an einem Schmerzsyndrom, für das es keine ausreichende körperliche Erklärung gebe und das am ehesten den Kri
terien einer somatoformen Schmerzstörung entspreche. Die Belastungen, die mit der Er
öffnung eines Kebab-Standes einhergegangen seien, seien als Auslöser für die Schmerzproblematik denkbar (S. 4 Mitte). Das vorliegende psychiatrische Krankheitsbild reduziere die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers um etwa 50 % (S. 5 Mitte). Die Langzeitprognose sei ungewiss, da bereits eine Chroni
fi
zierung bestehe. Als prognostisch günstig sei die Tatsache zu werten, dass der Be
schwerdeführer nach wie vor zu etwa 40 % für den eigenen Betrieb arbeite
(S. 5 unten).
3
.4
Im Rahmen der Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter fest, dass eine Objek
tivierung der vom Beschwerdeführer geklagten Symptomatik schwerfalle. So pass
ten die im
thorako
-lumbalen Übergangsbereich liegenden Schmerzen nicht mit den Symptomen im Bereich des rechten Beins im Sinne einer radikulären Symptomatik zusammen. Zeichen eines entzündlichen Prozesses hätten sich we
der klinisch noch labormässig eruieren lassen. Der Beschwerdeführer zeige offen
sichtlich einen Leidensdruck (S. 9 unten). In der bisherigen Tätigkeit seien Ein
schränkungen hinsichtlich der körperlich schwereren Arbeiten wie Heben von schweren Gewichten und Putzen vorhanden. Sämtliche administrativen Tätigkei
ten seien jedoch zumutbar (S. 9 f.). Gesamthaft resultiere aus rheumatologischer und psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (S. 10 oben). Die aktu
elle Arbeit entspreche grösstenteils den Erfordernissen einer angepassten Tätig
keit. Für schwere Tätigkeiten bestehe eine dauerhafte Einschränkung der Arbeits
fähigkeit von 50-60 % (S. 10). Nach Durchführung der geforderten beruflichen und medizinischen Massnahmen dürfte die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit zwischen 75 % und 100 % liegen (S. 10 unten).
4
.
4
.1
Vom 14. Juli bis 3. August 2015 befand sich der Beschwerdeführer in der
Klinik B._
. Im Austrittsbericht der Ärzte der
B._
vom 21. September 2015 (Urk. 10/254/5-8
=
Urk.
6/274/26-29
) wurden folgende psy
chiatrischen Diagnosen genannt (S. 1 Mitte):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
Die Ärzte der
B._
führten aus, der Beschwerdefüh
rer gehe kaum noch aus dem Haus und
verbringe den ganzen Tag im Bett oder vor dem Fernseher
(S. 1 unten). Im Vordergrund stünden eine starke Anspannung und innere Unruhe
, Hoffnungslosigkeit mit Gedankenkreisen und starken Ein- und Durchschlafstö
rungen (S. 3 oben). Sie empfahlen die ambulante Weiterbehandlung und eine Optimierung der antidepressiven Therapie. Eine erneute stationäre Therapie der depressiven Störung erscheine indiziert (S. 4 Mitte).
Vom 5. August bis zum 30. Oktober 2015 war der Beschwerdeführer wiederum in
der
B._
hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 2. Dezember 2015
(Urk. 10/184/5-8) wurde ausgeführt, hin
sicht
lich der Symptomatik habe in den Be
reichen
Schlaf, Antrieb, Nervosität, An
spannung und Lebensmüdigkeit eine stück
weite Verbesserung, jedoch keine Re
mission erreicht werden können (S. 3 Mitte
).
4
.2
Dem Bericht der Ärzte des Spitals
C._
, Pneumologie, vom 1. März
2016 (Urk. 10/192/1-3) sind folgende Diagnosen zu entnehmen (S. 1):
-
chronisch obstruktive
Pneumopathie
GOLD Stadium II, Risikogruppe B
-
gehäufte
Infektexazerbationen
-
aktuell signifikant reversible obstruktive Ventilationsstörung, normale CO-Diffusion
-
Risikofaktor: persistierender Nikotinkonsum
-
lokalisierte Bronchiektasen im rechten Unterlappen mit
Sekretan
schoppung
-
koronare Herzkrankheit
-
arterielle Hypertonie
-
Diabetes mellitus, wahrscheinlich Typ 2
-
schwere depressive Episoden
Die behandelnden Ärzte führten aus, dass neben der ausgebauten inhalativen Therapie ein Rauchstopp sowie eine regelmässige körperliche Aktivität essentiell sei
en
. Beides könne sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner psychischen Ver
fas
sung derzeit nicht vorstellen (S. 3 oben).
4
.3
Die
Ärzte
des
Y._
erstatteten a
m
24. August 2016
ein
polydisziplinäre
s
Gutachten
im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(Urk. 10/215)
,
basier
end
auf einer
allgemein
internistischen,
einer psychiatrischen
,
ei
ner rheumatologischen
, einer kardiologischen
und einer
pneumologischen
Unter
suchung sowie den
ihnen überlasse
nen Akten (vgl. S. 1
unten
).
Sie nannten die
folgende
n
D
iagnosen mit Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S.
30
Ziff. 5.1
):
-
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom
-
zervikospondylogenes
Syndrom bei leichten bis mässigen degenera
tiven Veränderungen und bei anamnestisch Status nach HWS-Distor
sion anlässlich Autounfall 2004
-
thorakospondylogenes
Syndrom bei leichter Wirbelsäulenfehlform und -
fehlhaltung
-
lumbospondylogenes
Syndrom bei leichten degenerativen LWS-Verän
de
rungen
-
Impingement
-Syndrom linke Schulter
-
Verdacht auf
Sulcus
ulnaris
Syndrom beidseits
-
koronare Herzkrankheit/Koronarsklerose
-
Asthma bronchiale
-
sacculäre
Bronchiektasen und Verdichtung im rechten
posterobasalen
Lungenunterlappen
-
Immunglobulin-Subklasse 4-Mangel
Zudem wurden unter anderem folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit genannt (S. 30 Ziff. 5.2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
Störung durch Alkohol, schädlicher Gebrauch
-
Verdacht auf Hepatopathie (Differentialdiagnose: medikamentös-tox
isch)
Anlässlich der Exploration habe der Beschwerdeführer
über
weitgehend therapie
resistente konstante generalisierte Rückenschmerzen mit Ausstrahlung gegen beide Schultern, gegen die Flanken und gegen das Becken, zudem
über
inter
mittierend auf
tretende Handgelenkschmerzen, eine allgemeine Angespanntheit, Unruhe, Ängste, einen Reizhusten mit Atemnot bereits beim Gehen in der Ebene und eine konstant vorhandene Müdigkeit geklagt (S. 31 oben).
Der psychiatrische Gutachter führte aus, dass der Beschwerdeführer freundlich und angepasst gewesen sei und die gestellten Fragen ausführlich beantwortet habe. Er habe durchwegs schwer geatmet und ein Giemen gezeigt. Er habe vor allem
somatische Beschwerden mit diffusen, ausgeweiteten Schmerzen im Bew
e
gungsapparat und Atembeschwerden angegeben (S. 16 unten). Beim Beschwer
deführer bestehe diagnostisch eine leichte depressive Episode, gekennzeichnet durch verminderte Freudeempfindungsfähigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit, Schlaf
störungen, verminderten Appetit und negative Zukunftsperspektiven. Es sei im Verlauf auch zur Verschlechterung der depressiven Symptomatik mit Klinikbe
handlung und teilstationärer Behandlung gekommen. Die somatischen Beschwer
den liessen sich mit somatischen Befunden nich
t hinreichend objektivieren. Di
a
gnostisch handle es sich um eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Es bestünden deutliche psychosoziale und emotionale Belastungsfaktoren, auch mit lebensgeschichtlichen Belastungen. Der Beschwerdeführer betreibe einen regel
mässigen Alkoholkonsum, rauche Zigaretten und es bestehe eine Analgetika-, aber auch Benzodiazepin- und
Hypnotikamedikation
, wodurch die Symptomatik verschlechtert werden könne. Diagnostisch handle es sich um einen schädlichen Substanzgebrauch (S. 19 unten). Das alkoholspezifische CDT sei nicht patholo
gisch erhöht gewesen, was gegen einen chronischen
Äthylismus
spreche (S.
17 Mitte). Aus psychiatrischer Sicht bestehe in allen Tätigkeiten, die auch somatisch angepasst seien, eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 20 unten).
Aus Sicht des Bewegungsapparates sei dem Beschwerdeführer eine leicht bis mässiggradig eingeschränkte körperliche Belastbarkeit, insbesondere des Achsen
s
ke
letts, zu attestieren, so dass körperlich schwere Tätigkeiten nicht mehr, kör
per
lich mittelschwere Tätigkeiten nur mit einer Einschränkung von 50 % zumut
bar seien, wogegen in einer körperlich leichten Tätigkeit mit nur leichter Rücken
belastung eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Bei der Untersuchung des Be
wegungsappara
tes habe eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Ausmass der sub
jektiv geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden imponiert (S. 31
Mitte).
Aus kardiologischer Sicht weise der Beschwerdeführer eine koronare Herzkrank
heit bei normaler Pumpfunktion auf. In der
Fahrradergometrie
sei der Beschwer
deführer mit Erreichen von 33 % der Soll-Leistung schlecht leistungsfähig gewe
sen. Aus kardiologischer Sicht seien körperlich schwere und mittelschwere Tätig
keiten momentan nicht zumutbar. Hingegen best
ehe in einer körperlich nicht o
der leicht belastenden Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 31 unten).
Aus pneumologischer Sicht wurde ausgeführt, dass anamnestisch seit dem 30. Lebensjahr ein Asthma bronchiale bestehe. Computertomografisch hätten sich im Februar 2016 erstmals
sacculäre
Bronchiektasen im rechten
posterobasalen
Un
terlappen mit Verdacht auf konsolidierende Pneumonie gefunden. Laborche
misch zeige sich zudem ein Immunglobulin-Subklasse 4-Mangel als möglicher Co-Fak
tor für
gehäufte
Infektexazerbationen
(S. 29 Mitte). Aus rein pneumolo
gischer Sicht bestehe für körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten eine volle Ar
beitsunfähigkeit. In einer körperlich leichten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähig
keit von 70 % (S. 31 unten)
Im Rahmen der Gesamtbeurteilung wurde festgehalten, für die Diskrepanz zwi
schen dem Ausmass der subjektiv geklagten Beschwerden und den objektivier
baren Befunden sei eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung verantwort
lich.
Zudem könnten aktuell eine leichte Episode einer rezidivierenden depres
siven Störung und eine Störung durch Alkohol, schädlicher Gebrauch,
diagnos
tiziert
werden, welche sich jedoch nicht einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit aus
wirken wür
den (S. 31 f.). Dem Beschwerdeführer könne für sämtliche körperlich schweren und mittelschweren Tätigkeiten eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Hingegen bestehe in einer körperlich leichten, adaptierten Tätigkeit eine Arbeits- und
Leistungsfähigkeit von 70 % (S.
33 Mitte). Das
Pensum
könnte vollschichtig umgesetzt werden
, dies
mit
einem
erhöhte
n
Pausenbedarf von 10-15 Minuten pro Stunde und leicht reduziertem Rendement (S. 32 oben). Schon im Jahr 2002 sei die MEDAS nach Abheilung der
Epicondylitis
von einer baldigen Arbeitsfähigkeit von 75-100 % ausgegangen (S. 33 unten). Die aktuellen Anga
ben zur Arbeitsfä
higkeit seien mindestens seit der Verfügung der IV-Stelle für
Versicherte im Aus
land vom 14. Februar 2014 anzunehmen (S. 32 oben). Es ha
ndle sich um eine Besserung des Zustandes, die eigentlich schon lange zu erwarten gewesen, jedoch erst im Jahr 2013 überprüft worden sei (S. 34 oben).
4
.4
Im Bericht der Ärzte der Universitätsklinik
D._
, Orthopädie, vom 20. Januar 2017 (Urk. 10/233/1-2) wurde erwähnt, dass der Beschwerdeführer bereits im Sitzen kurzatmig sei.
4
.5
Die Ärzte des Spitals
C._
, Pneumologie, führten im Bericht vom 15. Februar 2017 (Urk. 10/233/6-8) aus, der Beschwerdeführer habe anlässlich der aktuellen Verlaufskontrolle zunehmende Belastungsdyspnoe beklagt, so dass er auch All
tags
aktivitäten praktisch nicht mehr bewältigen könne. In einer
Fahrradergomet
rie
mit
Pulsoxymetriemessung
habe der Beschwerdeführer nur gerade 23 % der Soll-Leistung erreicht; ihm müsse eine sehr schwer eingeschränkte Leistungsfä
higkeit attestiert werden. Die Inhalationstherapie sei weiterzuführen, vordringlich sei die Teilnahme an einer pulmonalen Rehabilitation (S. 2 f.).
4
.6
Die Ärzte der Universitätsklinik
D._
, Orthopädie, nannten im Bericht vom 9. Juni 2017 (Urk. 10/254/1-2
=
Urk.
6/274/22-23
) unter anderem folgende Dia
gnosen (S. 1 Mitte):
-
AC-
Gelenksarthropathie
sowie subacromiales
Impingement
Schulter rechts
-
arti
k
ularseitige
Partialruptur der Supraspinatussehne, AC-Arthropathie, subacromiales
Impingement
Schulter links
-
Epicondylitis
humeri
radialis
links
Der Beschwerdeführer habe bezüglich der linken Schulter von den Infiltrationen soweit gut profitiert, auch wenn er nicht komplett beschwerdefrei sei. Seit Anfang Mai habe er nun aber auch Beschwerden in der rechten Schulter (S. 1 unten).
4
.7
Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Be
richt vom 21. Juni 2017 zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers (Urk. 10/254/3-4
=
Urk.
6/274/24-25
) aus, dass der Beschwerdeführer seit Juli 2014 alle zwei bis drei Wochen zu ihm in die Praxis komme. Seit Beginn der Therapie habe sich sein Gesundheitszustand betreffend Depressionen und auch Lungenfunktion schrittweise und deutlich verschlechtert (S. 1). An eine Arbeits
tätigkeit sei weiterhin nicht zu denken (S. 2).
4
.8
Die Ärzte des Spitals
C._
, Pneumologie, nannten im Bericht vom 2
9.
November
2017 (
Urk.
6/262) über die p
neumologische Verlaufskontrolle
vom 2
0.
Oktober bis
2
9.
November 2017
die gleichen Diagnosen wie i
m März 2017 (vorstehend E.
5.2). Der COPD Assessment-Test vom 3
0.
Oktober 2017 habe 30 von 40 Punkten erge
ben, vereinbar mit einer schweren Beeinträchtigung durch die COPD (S. 2 Mitte).
4
.9
Die Ärzte des Spitals
C._
, Pneumologie, nannten mit Bericht vom 1
6.
Mai 2019
(
Urk.
6/296
=
Urk.
6/303/2-8
) nebst den bisher gestellten Diagnosen (vorstehend E. 5.2) einen übermässigen Alkoholkonsum, eine Kapsulitis mit chronischer AC-Gelenkssymptomatik rechts und eine
Impingement
-Symptomatik und AC-Ge
lenks-Arthropathie mit partieller Supraspinatus-Sehnenläsion Schulter links und Inf
iltration zirka Mai 2017 (Ziff.
2.5 Nr. 6-8).
A
u
s pneumologischer Sicht sei aufgrund der rasch progredienten Verschlech
te
rung der Lungenfunktion von einer anhaltend schweren Einschränkung auszu
gehen. Rein lungenfunktionell bestehe eine medizinisch theoretische Ateminva
lidität von mindestens 60
%
. Mitberücksichtigt werden müssten jedoch auch die ausgedehnten somatischen Beschwerden und insbesondere die psychische Situation (
Ziff.
2.7).
4
.10
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Hausarzt des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
6/296
Ziff.
1.1), führte mit Bericht vom
1
7.
Mai 2019 aus, die Beschwerden hätten sich in den letzten Jahren zunehmend ver
schlechtert. Aus seiner Sicht sei und bleibe der Patient dauerhaft zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
6/297/7).
4
.11
Dr.
E._
(vorstehend E. 5.7) nannte mit Bericht vom
1.
Juli 2019 (
Urk.
6/300/8-12) als Diagnosen eine zunehmend therapieresistente depressive Symptomatik und die COPD (
Ziff.
2.2) und attestiert
e
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom
2.
Juli 2014 bis 2
8.
Februar 2030 (
Ziff.
1.3).
4
.12
Vom 1
9.
Juni bis 2
7.
Juli 2019 weilte der Beschwerdeführer stationär im Reha
zentrum
G._
, wo mit Austrittsbericht vom
8.
August 2018 (
Urk.
6/307/10-
16) die folgenden, hier verkürzt angeführten Diagnosen genannt wurden (S. 1):
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Differentialdiagnose (DD) mit Panikattacken
-
schädlicher Gebrauch von Benzodiazepinen (ICD-10 F13.4)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2O
)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
-
Kapsulitis mit chronischer Schulter- und AC-Gelenkssymptomatik rechts
-
Impingement
-Symptomatik und AC-Gelenks-Arthropathie mit partiel
ler Supraspinatus-Sehnenläsion Schulter links
-
chronisch obstruktive
Pneumopathie
, aktuell GOLD-Stadium 3, Risiko
gruppe D
-
lokalisierte Bronchiektasen im rechten Unterlappen
-
koronare Herzkrankheit
-
Diabetes mellitus, wahrscheinlich Typ 2
-
Kapsulitis mit chronischer Schulter- und AC-Gelenkssymptomatik rechts
In der Beurteilung wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe während des Auf
enthalts vier von fünf Benzodiazepinen ausschleichen und absetzen können
, womit subjektiv und objektiv eine Verbesserung der Selbstwirksamkeit und eine
Regredienz
der Ängste habe beobachtet werden können (S. 4 oben).
4
.13
Am 2
0.
und 2
1.
August 2019 war der Beschwerdeführer im Universitären Herz
zentrum, Universitätsspital
H._
,
hospitalisiert, wo mit Austrittsbericht vom 2
2.
August 2019 (
Urk.
6/311/2-6) die folgenden, hier verkürzt angeführten Diagnosen genannt wurde (S. 1 f.):
-
Ausschluss koronare Herzkrankheit (KHK)
-
subsegmentale Lungenembolie im
laterobasalen
Unterlappen rechts und
laterobasalen
Unterlappen links, Erstdiagnose (ED) 1
7.
August 2019
-
chronisch obstruktive
Pneumopathie
, GOLD Stadium III, Risikogruppe D
-
Diabetes mellitus, wahrscheinlich Typ 2, ED unklar
-
metabolisches Syndrom
-
schwere depressive Episoden und generalisierte Angststörung
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
Nach am 2
1.
August 2019 erfolgter Koronarangiographie sei der Beschwerde
führer ins Spital
C._
zurückverlegt worden (S. 2 Mitte).
5
.
5
.1
Am 2
0.
März 2020 erstatteten die Ärzte des
Z._
ein polydisziplinäres Gut
achten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/328).
Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (
Urk.
6/327)
, die Angaben des Beschwerdeführers (S.
9
ff.
Ziff.
4.1),
sowie
ein allgemeininternistisches (
Urk.
6/326), ein pneumo
logisches (
Urk.
6/330), ein rheumatologisches (
Urk.
6/331), ein psychiatrisches (
Urk.
6/334) und ein neuropsychologisches (
Urk.
6/329) Teilgutachten.
5
.2
Im Rahmen der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (S. 9 ff.
Ziff.
4) nannten sie folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 11 f.
Ziff.
4.2):
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0)
-
Asthma-COPD-
Overlap
-Syndrom (ACOS)
-
Asthma bronchiale, Diagnose 2003
-
Nikotinabhängigkeit,
Precontemplation
, >60
py
-
Bronchiektasen im
posterobasalen
Unterlappen rechts
-
Schulter-
Impingement
rechts mehr als links und
Supraspinatus
tendino
pathie
beidseits
-
Epicondylopathia
humeri
radialis
und
ulnaris
beidseits
-
chronisches
Zervikovertebralsyndrom
bei leichtgradigen degenerativen HWS-Veränderungen (Röntgenbilder vom 2
9.
Juni 2016)
-
begleitende muskuläre Dysbalance am Schultergürtel beidseits (M. tra
pezius und Mm.
rhomboidei
)
-
Störungen durch Alkohol, gegenwärtig ständiger Substanzgebrauch
(ICD-10
F10.25)
-
Störung durch Sedativa, gegenwärtig ständiger Substanzgebrauch von Tranquilizern (ICD-10 F13.25)
Ferner nannten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 12 f.):
-
Status nach Problemen in Beziehung zu 2 Ehepartnerinnen (ICD-10 Z63.0) mit Status nach Scheidung von 2 Ehen
-
Probleme in Verbindung mit Wohnbedingungen und ökonomischen Verhältnissen (ICD-10 Z59), finanzielle Probleme,
Sozialamtabhängigkeit
-
Status nach Problemen in Verbindung mit Ausbildung und Bildung (ICD-10 Z55)
-
atypische familiäre Situation (ICD-10 Z60.1) mit Alleinleben (ICD-10 Z60.2)
-
Immunglobulin Subklasse 4 Mangel
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
chronisches
thorakospondylogenes
und
lumbospondylogenes
Schmerz
syn
drom bei leichtgradigen degenerativen BWS- und LWS-Verände
rungen (Röntgenbilder der BWS und LWS vom 2
9.
Juni 2016)
-
l
eichtgradiger Knick-Senkfuss links mehr als rechts, kompensierbar
-
S
preizfüsse
-
deu
tliche Zeichen einer Schmerzfehlverarbeitung mit pseudoneuro
logi
schen
Ausfällen, variablen Bewegungsausmassen der Halswirbelsäule
(HWS)
und der Hüftgelenke, 3/5 positiven
Waddell
-Zeichen und 13/18
positiven Fibromyalgie-Druckpunkten, nicht einem rheumatologischen
Krankheitsbild entsprechend
-
me
hrfaktoriell
bedingte geringe neuropsychologische Testleistungen
5
.3
Zu den funktionellen Auswirkungen der Befunde und Diagnosen führten die Gutachter aus, es bestünden aus pneumologischer Sicht Einschränkungen für Tätigkeiten mit atemwegsreizenden Stoffen oder in andauernder Kälte, Nässe oder bei starken Temperaturschwankungen.
A
us rein rheumatologischer Sicht
sei es
schwierig, die eigentlichen funktionellen Auswirkungen der genannten Diagno
sen abzuschätzen, da die Aussagekraft der klinischen Untersuchung
durch die Zeichen der Schmerzfehlverarbeitung
beeinträchtigt werde. Diese betreffe nicht nur die Region der Halswirbelsäule, sondern insbesondere auch der Schulter
gelenke rechts mehr als links und auch der Ellbogengelenke. Es erscheine unter Annahme eines somatischen Kerns der Beschwerden aus rheumatologischer Sicht im Verlauf wegen Zunahme der Beschwerden und der klinischen Befunde eine verstärkte Einschränkung im Sinne von qualitativen und quantitativen Beein
träch
tigungen vorzuliegen (S. 13
Ziff.
4.3). Dem Versicherten seien repetitive Bewegungen mit Belastung der schmerzhaften Region an den Ellbogengelenken derzeit nicht mehr zumutbar, wie auch Tätigkeiten auf oder über der Schulter
horizontalen sowie Arbeiten mit spezifischer Belastung der Halswirbelsäule. Gewichtmässig bestehe
weiterhin nur in einer körperlich leichten Tätigkeit eine fehlende zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Dies entspreche auch schon den Angaben im letzten Vorgutachten.
5
.4
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, aus psychiatrischer Sicht könne der Versicherte in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit an einem Kebab-Stand wei
terhin 5 Stunden täglich ohne Verminderung des Rendements eingesetzt werden. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes müsse ab 2016 angenommen werden.
A
us pneumologischer Sicht
erlaubten die aktuellen Daten
lediglich die Feststellung einer gesicherten Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ab April 201
9.
Dabei seien lediglich leichte körperliche Tätigkeiten durchführbar (S. 15
Ziff.
4.7).
Zur Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (S. 16 ff.
Ziff.
4.8) führten sie aus, aus rheumatologischer Sicht sei eine adaptierte Tätigkeit wie folgt zu definieren:
Körperlich leichte Arbeit unterhalb der Schulterhorizontalen und ohne repetitive Belastungen der Muskelansätze im Ellbogenbereich bezüglich des Tennis- und Golfellbogens beidseits sowie ohne spezifische Belastung der Halswirbelsäule im Sinne einer wiederholt oder längerdauernd vornüber geneigten oder
reklinierten
Haltung oder einer Tätigkeit mit repetitiven Torsionsbewegungen (S. 16).
In einer derart adaptierten Tätigkeit bestehe aus rheumatologischer Sicht im Ge
gensatz zur letzten Beurteilung im
Y._
-Gutachten von 2016 nicht mehr eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
, sondern im Sinne einer Leistungseinbusse aufgrund
der
multilokulären
Beschwerden mit organischem Kern noch eine Restarbeits
fähi
gkeit geschätzt von 80
%
(S. 16
unten). Die Einschränkung um 20
% be
gründe sich durch einen erhöhten Pausenbedarf beziehungsweise ein etwas ver
mindertes Arbeitstempo, wobei ausdrücklich festgehalten werde, dass die erwähn
ten Zeichen der Schmerzfehlverarbeitung bei dieser Beurteilung nicht berück
sichtigt seien
(S. 16 f.).
Weiterhin gelte in einer mittelschweren Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit um 50
%
und in einer körperlich schweren und/oder die Halswirbelsäule spezifisch belastenden Tätigkeit beziehungsweise Arbeiten auf oder über der Schulterhorizontalen eine Einschränkung um 100
%
, wobei dies den Angaben im Vorgutachten entspreche (S. 17 oben).
Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit je nach Belastungsprofil um 50
%
bezie
hungsweise um 100
%
gelte
weiterhin seit dem letzten Gutachten von 201
6.
Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20
%
(zuvor keine Einschränkung) in einer adaptierten Tätigkeit gelte gemäss Aktenlage seit Mai 2017, da damals die ersten fachärztlichen Abklärungen wegen des zusätzlichen
Schulter-Impinge
ments
rechts erfolgt seien und auch
periarthropathische
Ellbogenbeschwerden erwähnt würden.
Diese Einschränkung um 20
%
gelte vorerst andauernd. Die neuropsychologischen Befunde seien mangels Validität für eine Bemessung der Arbeitsfähigkeit und das Erstellen eines Belastungsprofils
nicht verwertbar
. Aus pneumologischer Sicht erlaubten die aktuellen Daten lediglich die Feststellung einer gesicherten Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ab April 201
9.
Dabei seien ledig
lich leichte körperliche Tätigkeiten durchführbar (S. 17 Mitte).
Es müsse, wie im psychiatrischen Fachgutachten umfangreich dargelegt, eine Verschlechterung ab 2016 angenommen werden. Es habe somit in einer ideal adaptierten Tätigkeit auf Grund der psychischen Problematik ab 2016 noch eine Arbeitsfähigkeit von 5 Stunden pro Tag bestanden (S. 17 unten). Ab April 2019 könn
t
en
d
ie
Gutachter
auf Grund der pneumologischen Problematik
eine weitere Verschlechterung nachvollziehen
, s
either besteh
e
in einer
leichten adaptierten Tätigkeit eine Einschränkung von 50
%
.
Die aus rheumatologischer Sicht atte
stierte Einschränkung s
ähen sie
nicht teiladditiv, diese
sei
mit der Einschränkung
von 50
%
bei leichten
Tätigkeiten gebührend berücksichtigt
(S. 18 oben)
.
5
.5
In der Diskussion von Belastungsfaktoren und Ressourcen führten die Gutachter aus, der Versicherte sei in einigen Funktions- und Fähigkeitsstörungen leicht bis mittelgradig beeinträchtigt. Ein gewichtiger Teil der Funktionseinbussen sei auf
Alkohol- und Tranquilizer-Überkonsum zurückzuführen. Die Testresultate zeigten
keine spezifischen Ressourcen. Im Alltag sei der Explorand aber in der Lage, grundlegende Anforderungen wie Körperpflege, Einkauf etc. selbständig zu erledigen, auch könne er öffentliche Verkehrsmittel benutzen (S. 14
Ziff.
4.5).
Betreffend Konsistenzprüfung führten sie aus, es bestehe keine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus, es werde aber eine gleichmässige Ein
schränkung geklagt. Der Leidensdruck sei gross (S. 14
Ziff.
4.6). Die geklagten Funktionseinbussen seien aus psychiatrischer Sicht nicht durchwegs plausibel, sie könnten nur teilweise nachvollzogen werden und mit der depressiven Fehlent
wicklung erklärt werden (S. 14 f.). Aus rein pneumologischer Sicht bestünden keine Inkonsistenzen. In der klinischen rheumatologischen Untersuchung bestün
den deutliche Zeichen einer Schmerzfehlverarbeitung, sodass einige Befunde inkonsistent und auch nicht plausibel seien (S. 15 oben). Dies betreffe insbe
son
dere die im Fachgutachten beschriebenen pseudoneurologischen
senso
-motori
schen Ausfälle an den Armen und Beinen. Auch die aktiv bessere Beweglichkeit der Halswirbelsäule im Vergleich zu der passiven Untersuchung sei im Sinne einer Inkonsistenz zu werten, wobei der Gutachter diese der Schmerzfehlverarbeitung zuschreibe (S. 15).
Aus neuropsychologischer Sicht bestünden insofern Inkonsistenzen, als der Ver
sicherte mit den in der Untersuchung gezeigten Leistungen nicht
dazu in der Lage wäre, weitgehend selbständig zu leben und selbständig
den
öffentlichen Verkehr
zu benutzen. Auch spiegel
te
n sich im Gespräch keine
kognitiven Dysfunktionen
in der Art und Ausprägung, wie dies den Testleistungen
entsprechen würde
(S. 15
Mitte)
.
5
.6
Betreffend medizinische Massnahmen und Therapien mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, Abstinenz sowohl bezüglich
des
Alkohols wie auch ein deutlich mässigerer Gebrauch von Tranquilizern müssten therapeutisch angegangen und verlangt werden.
Aus pneumologischer Sicht könne die Arbeitsfähigkeit erst nach Durchführung einer Spiroergometrie nach Absolvierung einer ambulanten pulmonalen Rehabilitation und Durchführung eines medizinisch begleiteten Rauchstoppversuches
schlüssig beurteilt werden
. Für die Zukunft sei ein Rauchstopp zur Stabilisierung der Lungenfunktion und damit auch der Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
relevant
(S. 18
Ziff.
4.10).
6
.
6
.1
Am 3
1.
Dezember 2020 erstatteten die
Z._
-Gutachter
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, und
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine ergänzende Stellungnahme (
Urk.
13).
6
.2
Zum funktionellen Schweregrad äusserten sie sich wie folgt: Der
Versicherte
sei
von 1986 bis 2001 in einer ersten Ehe verheiratet
gewesen
und Vater von zwei
1988 und 1992 geborenen
Söhnen
gewor
d
en
. Nach einem schweren Erlebnis
sei er
2002
in die Türkei
geflüchtet
, wo er
von 2005 bis zur Trennung 2012 erneut verheiratet gewesen
und noch einmal Vater von
zwei
2005 und 2011 geborenen
Kindern
geworden sei. Es könne
davon ausgegangen, dass er in dieser Zeit trotz den psychiatrischen Vorbelastungen
u
nd der Schmerzstörung sozial habe
funk
tionieren können, sodass bezüglich
dem funktionellen Schweregrad ausgesagt werden
könne
, dass bis zu seiner Rückkehr
aus der Türkei in die Schweiz 2013 kein relevanter funktioneller Schweregrad der
Funktionseinbussen angenommen werden
könne (S. 3 Mitte). Obschon bereits in einem Gutachten von 2013
von einem schädlichen Alkoholkonsum
gesprochen
worden sei
,
sei
dieser in den beiden psychiatrischen Klinikaufenthalten
von 2015 (vgl. vorstehend E. 5.1)
nicht diagnostiziert
worden, es habe sich jedoch eher ein deutlicher Ü
berkonsum an Tranquilizern
mit erschwerter Einsichtsfähigkeit des Versicherten
gezeigt. Es stelle sich die
Frage, ob ab 2013 bis heute wesentliche Veränderungen in der psychiatrischen
Diagnostik und in den Komorbiditäten aufgetreten
seien
.
Der ab
2013
behandelnde
Psychiater
Dr.
E._
beschreibe
eine Zunahme der invalidi
sie
renden
Schmerzstörung und einer
zusätzlichen Komorbidität von rezidivierenden Depressionen
und gleichzeitig noch durch die COPD,
welche
die Arbeitsfähigkeit zusätzlich
beeinträchtige
(S. 3 unten)
.
2014 und 2015
habe
der Versicherte jeweils wegen schwerer depressiver
Episode bei chronischer Schmerzstörung und zusätzlichem Benzodiazepine-Konsum
hos
pitalisiert werden
müssen
.
Von
August bis September 2015
sei eine
dritte
psy
chia
trische H
ospitalisation
erfolgt, dies
erneut wegen schwerer depressiver Epi
sode,
chronischer Schmerzstörung und
Tranquilizerüberkonsum
. Es
habe
im Bereich
Schlafantrieb, Nervosität, Anspannung und Lebensmüdigkeit eine stückweise
Verbesserung erzielt
und der Versicherte
habe
in einem Flug in die Türkei
für die Scheidung der zweiten Ehe am
3.
November 2015
zurückkehren
können.
Im August
2016
sei er
im
Y._
begutachtet
worden
. Diesmal
seien
erneut eine rezi
divierende depressive Störung, eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung,
und
eine Störung durch Alkohol diagnostiziert
worden
(S. 4)
.
Es
seien
jedoch leichte Tätigkeiten
als
zu 70
%
,
vollschichtig, zumutbar erachtet worden (S. 4
f.)
.
6
.3
Am
1.
Juli
2019
habe
Dr.
E._
e
inige Funktionsbeeinträchtigungen
beschrieben: Der Versicherte sei
erschwert fähig sich an Regeln und Routinen anzupassen
,
Planung und Strukturieren
von Aufgaben
gelängen
nur erschwert
, er sei
wenig flexibel und kaum umstellungsfähig,
könne
persönliche Kompetenzen kaum ein
setzen
, habe
Mühe, Sachverhalte differenziert
und kontextbezogen aufzufassen und angemessen Schlussfolgerungen zu ziehen.
Die Durchhaltefähigkeit
sei
prak
tisch aufgehoben. Die Selbstbehauptungsfähigkeit
sei stark abgemindert (S. 5 oben).
Aus der Stellungnahme von
Dr.
E._
gehe
nicht hervor, dass der Versicherte einen massiven Alkohol- und Tablettenüberkonsum
eingegangen
sei
, was natürlich aus psychiatrischer Sicht ausgesprochen wichtig
festzuhalten
wäre
(S. 5 Mitte).
Im Juli
20
19
sei
eine Hospitalisation in der
Rehak
linik
G._
erfolgt
, wo eine generalisierte
Angststörung, differentialdiagnostisch mit Panikattacken diagnostiziert
worden sei
. Erneut
sei
eine schwere depressive Episode festgehalten
worden
, eine chronische
Schmerzstörung und ein schädlicher Gebrauch von Ben
zodiazepinen
(S. 5 unten)
.
Dem Versicherten
sei es gelungen,
vier von fünf Ben
zodiazepinen ausschleichen. Es
sei
zu einer
Verbesserung der Selbstwirksamkeit und eine
Regredienz
der Ängste
gekommen
. Es
könne
also
davon ausgegangen werden, dass zwischen 2014 und heute kein durchwegs funktioneller
Schwere
grad von Beeinträchtigung vorgelegen ha
be (S. 6 oben)
.
6
.4
Betreffend d
iagnoserelevante Befunde
führten die Gutachter aus:
verminderter Antrieb, reduziert schwunglos im
psychodynamischen Gesamteindruck
,
Affekte teilnahmslos müde. Psychisch
sei d
er
Versicherte
ratlos,
scheu, überfordert und unsicher, wenig zielstrebig. Im Denken zeig
e
er Perseverationstendenz
und
ver
gesse
einiges von sich aus zu berichten, was mit dem Alkohol- und
Tranquili
zerabusus
zusammenhängen dürfte. In Stimmung und Affekt
sei
er deutlich
affektarm, deutlich affektlabil
(S. 6 Mitte)
.
Anlässlich der Begutachtung
sei
der
Versicherte nur
als
leichtgradig depressiv
klinisch erlebt und eingestuft
worden
. Im zeitlichen Längsverlauf
sei
die De
pressivität
in der Intensität
wechselhaft ausgeprägt. Im Vordergrund
hätten
die Ängste, die funktionellen
Beeinträchtigungen durch die Ängste im Bereich der Atmung und der ungünstige
therapeutische Selbstheilungsversuch mit ständigem Alkoholkonsum und ständige
m
Tranquilizerkonsum
gestanden (S. 6 unten)
.
Es k
önne
also psychiatrisch gesichert davon ausgegangen werden, dass sowohl
durch
die Sedativa-Einnahme
als auch
durch den ständigen Alkoholkonsum einige
der Funktionsbeeinträchtigungen
wie Vigilanz, Antrieb, affektive Leistungsfähig
keit massgeblich negativ zusätzlich beeinträchtigt w
ü
rden,
mithin liessen sich
alle
Funktionsbeeinträchtigungen
(nicht?)
mit einer real bestehenden schwersten fixierten
depressiven Erkrankung, auch nicht mit einer über Jahre bestehenden schwersten
Angststörung
,
erklären, sie w
ür
den zusätzlich durch den Substanz
mittelabusus negativ
beeinträchtigt
(S. 6 f.).
Insofern
sei
die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde wechselhaft, zwischen
leicht bis mittelgradig ausge
prägt, nie schwer, nie vollständig, zumal der Versicherte
seine soziale Funktions
fähig
keit
habe aufrechterhalten
können
(S. 7 oben).
6
.5
Betreffend
Behandlungs- und Eingliederungserfolge respektive
-
Resistenz
sei
be
reits im Gutachten erwähnt
worden
, dass es deutlich ungünstig
sei
, wenn
die Behandler in der Praxis
Dr.
E._
ständig von einer ausgesprochenen ungünstigen
und chronifizierten psychiatrischen Fehlentwicklung ausg
ing
en, in ihren Berich
ten aber
nichts davon berichte
te
n, dass
der
Versicherte
ständig Alkohol und Tranquilizer konsumier
e
. Dies
dürfte
ein Hauptfaktor
sein
, weshalb
sich
der Ver
sicherte in seinem Selbstwerterleben
ständig negativ erlebe
, keine Ressourcen glaub
e
mehr mobilisieren zu können,
weil er sich seinem Suchtverhalten zu
wende, was gleichzeitig zusätzlich wiederum
teilweise psychisch schädigend
sei
. Dies müsste aber therapeutisch angegangen werden
. Es sei
davon aus
zugehen
, dass es möglich gewesen wäre
,
in den letzten Jahren seinen
Suchtmi
ttelkonsum konsequent anzugehen (S. 7 Mitte).
6
.6
An
Komorbiditäten liege
ein chronifiziertes, psychisch relevant überlagertes Rückenleiden seit 1996 und seit 2006 oder 2007
eine COPD vor.
Eine wesentliche psychiatrische Komorbidität
könne
nicht ausgemacht
werden. Eine relevante Per
sönlichkeitsstörung lieg
e
nicht vor. Auch körperlich
hätten
sich keine wese
nt
lichen Komorbiditäten ergeben (S. 7 unten).
6
.7
Der Versicherte sei
von der Persönlichkeitsstruktur eher unsicher, ratlos, rasch überfordert,
zeig
e
ein etwas
appellatives
Hilflosigkeitserleben. Es
könne
davon ausgegangen
werden, dass er nach dem Scheitern der zweiten Ehe und der Rück
kehr in die Schweiz
ab 2014 sozial und beru
flich den Anschluss verpasst hab
e
, was gesichert geeignet gewesen
sei
, dass er depressiv dekompensiert
und
zu
nehmend Ängste entwickelte
habe sowie
auch auf ungünstige Selbstheilungs
versuch
e
zurückgreif
e
.
Trotzdem
könne
im Längsverlauf nicht von einer Persön
lichkeitsstörung gesprochen
werden. Der Versicherte ha
be
immerhin in der Türkei auch das Gymnasium besucht,
habe
dann allerdings wegen politischen Schwie
rigkeiten 1980 oder 1982 in die
Schweiz ausreisen
müssen
, wo er immer als ungelernter Arbeiter
ge
arbeitete und am Schluss
selbständig
ein
en
Kebabstand
ge
führt
habe (S. 7 f.).
Die Zusprache einer halben Rente
ab 2001
sei
ein Umstand, der letztendlich
an der Persönlichkeitsentwicklung des Versicherten mitgewirkt haben dürfte.
Trotz
dem
sei
ihm die soziale Funktionsfähigkeit auch in einer zweiten Ehe und erneutem
Vater
werden von zwei Kindern in der Türkei 2003 und 2013 gut ge
glückt, was
nicht auf eine relevante beeinträchtigte Persönlichkeit hinweis
e
, im Gegenteil
könne
davon
ausgegangen werden, dass der Versicherte immer wieder fähig
gewesen sei
, persönliche
Ressourcen zu mobilisieren (S. 8 Mitte).
6
.8
Der soziale Kontext
sei
sicher komplex. Der Versicherte
habe
zwei Ehen
durch
lebt
. Gesichert ha
be
er 2002 eine massive narzisstische
Kränkung erlebt, als seine Gattin nach 16 Jahren Ehe ihn mit einem anderen Mann
betr
ogen
und ihn ver
anlasst
hab
e, in die Türkei auszuwandern. Immerhin
habe er
sich dort
nochmals verheiratet und
sei
nochmals Vater von zwei Kindern
geworden
. Schon
deshalb könne
davon
ausgegangen werden, dass
er
in seinen persönlichen Kompetenzen und im Sozialbereich trotz und mit den
Schmerzen immer
habe
funktionieren können. Zumindest
sei
aus der Türkeizeit zwischen
2003 und 2013 keine psychia
trische Behandlung bekannt, auch
habe
kein Aufenthalt
in einer psychia
trischen Klinik stattgefunden (S. 8 unten). Nach
der Rückkehr in
die Schweiz
habe
der Versicherte kein Berufsauskommen mehr
gehabt und sei
auf die
Invalidenver
sicherung
beziehungsweise Ergänzungsleistungen
angewiesen
gewesen.
Dass dies
geeignet gewesen sein könnte, dass er zunehmend depressiv dekompensierte
und zunehmend Ängste entwickelte,
könne
nachvollzogen werden. Das Ausmass der
Folgen der Depression und der Angststörung reich
t
en jedoch nicht aus, um ein vollständiges
invalidisierendes Leiden davon abzuleiten
(S. 9 oben)
.
6
.9
Auf der Verhaltensebene zeig
e
der Versicherte keine relevante histrionische Aggravationstendenz
, e
her zeig
e
er eine deutliche Rückzugstendenz, ha
be
sich auch
von seinen
sozialen Funktionsfähigkeiten eher verabschiedet, sich mehrheit
lich zurückgezogen,
was allerdings auch mit
dem Suchtverhalten zusammen
hänge (S. 9 Mitte).
Es besteh
e
keine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen ver
gleichbaren
Lebensbereichen
und
nie eine vollständige Einschränkung der Fähig
keiten.
Eine mittel
gradige Beeinträchtigung
könne
in Planung und Strukturierung
von Aufgaben,
Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit, Selbst
behauptungsfähigkeit
und Kontaktfähigkeit zu Dritten ausgemacht werden, eben
so in Spontanaktivitäten
(S. 9 unten).
Der Leidensdruck schein
e
zumindest gemäss den Akten zwischen 2014 und 2019 eher
zugenommen zu haben.
D
ie
Angststörung
beziehungsweise
Panik-Störung und die Depression
seien
im Ausmass
unterschiedlich
von leicht mittelgradig bis
schwer ausgeprägt. Dazu komm
e
, dass der Versicherte seit Jahren ungünstige Selbstheilungsversuche
eingegangen
sei
, dass neu auch eine Störung durch Alkohol, ständiger
Substanzgebrauch und Störung durch Sedati
v
a, ständiger Substanzgebrauch angenommen
werden
müsse
. Dieses Suchtverhalten
könne
der Versicherte jedoch aufgrund seiner Ressourcenmobilisierungsfähigkeit angehen.
Nehme
er keine Drogen und
keinen Alkohol mehr ein, könnte sein Leistungs
vermögen wieder wie früher auf 50
%
gesteigert werden
(S. 10)
.
7
.
7
.1
Dem Versicherten wurde im Jahr 2002 eine halbe Rente ab Februar 2001 zuge
sprochen. Eine im Jahr 2014 ergangene rentenaufhebende Verfügung wurde 2015 vom damals zuständigen Bundesverwaltungsgericht aufgehoben und die Sache wurde zurückgewiesen, damit nach ergänzenden Abklärungen neu verfügt werde (
Urk.
6/176). Eine weitere Verfügung vom 2
4.
Januar 2018, mit welcher die Rente per Ende Mai 2014 aufgehoben wurde, wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 1
2.
November 2018 aufgehoben und es wurde dem Beschwerdeführer eine
Viertelsrente
ab Juni 2014 zugesprochen (
Urk.
6/282). Dieses Urteil und die Ver
fügung vom 2
4.
Januar
2018
wurden vom Bundesgericht mit Urteil vom
5.
März 2019 aufgehoben und die Sache wurde zu ergänzenden Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen (
Urk.
6/289).
Die ab Februar 2001 zugesprochene halbe Rente hat somit im Ergebnis bis heute Bestand gehabt; die Verfügungen von 2014 und 2018, mit denen sie aufgehoben werden sollte, wurden ihrerseits aufgehoben, ebenso das Urteil des hiesigen Ge
richts, das eine Herabsetzung auf eine
Viertelsrente
bewirkt hätte.
7
.2
Das Bundesgericht hielt in seinem Urteil vom
5.
März 2019 (
Urk.
6/289) fest, Streitgegenstand (des damaligen Verfahrens) «
bildet die von der Vorinstanz
(...)
dem Beschwerdeführer zugesprochene
Viertelsrente
der Invalidenversicherung ab
1.
Juni 2014 - in Herabsetzung der seit
1.
Febr
uar 2001 bezogenen halben Rente
, und ob der Anspruch ab einem Zeitpunkt vor Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
4.
Januar 2018 zu erhöhen ist.
» (S. 3 E. 2).
Ferner führte das Bundesgericht unter anderem aus, der Zeitpunkt der Änderung (des Gesundheitszustandes) und damit auch der Rentenherabsetzung sei unklar. Aus näher genannten Gründen sei auf den Juni 2016 abzustellen: «
Somit konnte der Rentenanspruch frühestens im Oktober 2016 ändern (
...
), die halbe Rente somit frühestens auf Ende dieses Monats herabgesetzt oder aufgehoben werden. In diesem Zeitpunkt (
...
) hatte der Beschwerdeführer die halbe Rente seit mehr als fünfzehn Jahren (ab
1.
Februar 2001) bezogen, was die Frage aufwirft, ob er über eine genügende Selbsteingliederungskapazität verfügt, was Voraussetzung für die revisionsweise Herabsetzung oder Aufhebung der halben Rente ist
(...).» (S. 4 f. E.
5.1.2 am Ende).
Schliesslich hielt das Bundesgericht auch fest, es bestünden «gewichtige Anhalts
punkte, dass sich der Gesundheitszustand aus somatischer Sicht seit der Begut
achtung erheblich verschlechtert hat, welche Anlass für weitere Abklärungen gewesen wäre», dies insbesondere in pneumologischer Hinsicht und bezogen auf eine im Gutachten von 2016 (vgl. vorstehend E. 5.3) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannte Schulterproblematik (S. 6 E. 5.2).
7
.3
Die Ausführungen des Bundesgerichts dürften so verstanden werden, dass dieses eine Verbesserung des Gesundheitszustands im Juni 2016 angenommen hat, die zu einer Herabsetzung oder Aufhebung der bisherigen Rente ab Oktober 2016 hätte Anlass geben können, gleichzeitig aber den damals
vorhanden
en medizi
nischen Unterlagen Anhaltspunkte für eine zwischenzeitliche Verschlechterung
entnommen und deshalb weitere Abklärungen veranlasst hat.
Diese Abklärungen haben in der vorliegend angefochtenen Verfügung gemündet, mit welcher die Beschwerdegegnerin festgehalten hat, der Gesundheitszustand
habe
sich im Vergleich zur
Rentenzusprache
ab Februar 2001 nicht
revisions
rele
vant geändert, weshalb sie eine Erhöhung des Rentenanspruchs - den sie nun
mehr als auch ab Juni 2014 bestehend anerkannte (
Urk.
2) - ablehnte (Urk.
23
/2).
7
.4
Der Standpunkt, es sei keine revisionsrelevante Veränderung des Sachverhalts ersichtlich, ist mit den Ausführungen im Urteil des Bundesgerichts von 2018 (
Urk.
6/289) nicht vereinbar. Das Bundesgericht hat ausgeführt, im
Unterschied zur medizinischen Aktenlage
bei der 2002 erfolgten
Rentenzusprache
, wo vor allem eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung bei fraktionell mechani
schem
thorako-spondylogenem
Syndrom und eine
Epicondylitis
humeri
radialis
rechts eine Rolle
ge
spielt
hätt
en,
sei
2016
im
Y._
-Gutachten
eine (rezidivierende) depressive Störung
diagnostiziert worden. Ferner hätten sich (gemäss den Anga
ben des Beschwerdeführers)
die At
emwegbeschwerden verschlimmert und n
eu
sei
zudem eine koronare Herzkrankheit/Koronarsklerose festgestellt
worden, womit ein Revisionsgrund ausgewiesen sei (S. 4 f. E. 5.1.1)
.
Gleiches gilt für den Ver
gleich des eben dargelegten 2002 massgebenden Sachverhalt
s
mit den im
Z._
-Gutachten von 2020 genannten Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, so namentlich eine Panikstörung, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode, ein Asthma-COPD-
Overlap
-Syndrom (ACOS), ein Schulter-
Impingement
vor allem rechts, eine
Epicondyl
opathia
humeri
radialis
und
ulnaris
beidseits, ein chronisches
Zervikovertebral
syndrom
bei leichtgradigen degenerativen HWS-Veränderungen, Störungen durch Alkohol, gegenwärtig ständiger Substanzgebrauch und eine Störung durch
Sedativa, gegenwärtig ständiger Substanzgebrauch von Tranquilizern (vo
rstehend E. 6.2).
Bezogen auf die gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist somit vom Vorliegen eines Revisionsgrunds auszugehen. Damit ist d
er Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3
).
7
.5
Zu den funktionellen Auswirkungen der Befunde und Diagnosen wurde im
Z._
-Gutachten von 2020 ausgeführt, aus pneumologischer Sicht bestünden Einschränkungen für Tätigkeiten mit atemwegsreizenden Stoffen oder in andau
ernder Kälte, Nässe oder bei starken Temperaturschwankungen. Aus rheumato
logischer Sicht erscheine unter Annahme eines somatischen Kerns der Beschwer
den im Verlauf wegen Zunahme der Beschwerden und der klinischen Befunde eine verstärkte Einschränkung im Sinne von qualitativen und quantitativen Beeinträchtigungen vorzuliegen und dem Versicherten seien repetitive Bewegun
gen mit Belastung der schmerzhaften Region an den Ellbogengelenken derzeit nicht mehr zumutbar, wie auch Tätigkeiten auf oder über der Schulterhori
zon
talen sowie Arbeiten mit spezifischer Belastung der Halswirbelsäule. Gewicht
mässig bestehe weiterhin nur in einer körperlich leichten Tätigkeit eine fehlende zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Dies entspreche auch schon den Angaben im letzten Vorgutachten (vorstehend E. 6.3).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt, aus psychiatrischer Sicht könne der Versicherte in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit an einem Kebab-Stand weiter
hin 5 Stunden täglich ohne Verminderung des Rendements eingesetzt werden. Eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes müsse ab 2016 angenommen werden. Aus pneumologischer Sicht erlaubten die aktuellen Daten lediglich die Feststellung einer gesicherten Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ab April 2019
, d
abei seien lediglich leichte körperliche Tätigkeiten durchführbar. Eine adaptierte Tätigkeit sei aus rheumatologischer Sicht
eine k
örperlich leichte Arbeit unterhalb der Schulterhorizontalen und ohne repetitive Belastungen der Muskelansätze im Ellbogenbereich bezüglich des Tennis- und Golfellbogens beidseits sowie ohne spezifische Belastung der Halswirbelsäule im Sinne einer wiederholt oder länger
dauernd vornüber geneigten oder
reklinierten
Haltung oder einer Tätigkeit mit repetitiven Torsionsbewegungen
; dafür
bestehe aus rheumatologischer Sicht im Gegensatz zur letzten Beurteilung im
Y._
-Gutachten von 2016 nicht mehr eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
, sondern im Sinne einer Leistungseinbusse aufgrund der
multilokulären
Beschwerden mit organischem Kern noch eine Restarbeits
fähigkeit geschätzt von 80
%
.
Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit je nach Belastungsprofil um 50
%
beziehungsweise um 100
%
gelte weiterhin seit dem letzten Gutachten von 201
6.
Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20
%
(zuvor keine Einschränkung) in einer adaptierten Tätigkeit gelte gemäss Akten
lage seit Mai 2017, da damals die ersten fachärztlichen Abklärungen wegen des zusätzlichen Schulter-
Impingements
rechts erfolgt seien und auch
periarthropa
thische
Ellb
ogenbeschwerden erwähnt würden
(
vorstehend E. 6.4
).
Somit ist gemäss der nachvollziehbaren - und
indikatorengestützten
(vgl. vorste
hend E. 7) - gutachterlichen Beurteilung von einer Arbeitsfähigkeit
von 80
%
seit (Juni) 2016 aus rheumatologischer Sicht, einer solchen
von 60 % aus psy
chiatrischer Sicht (5 Stunden pro Tag = 25 Wochenstunden : 41.7 = 0.6) seit (Juni) 2016
und einer
solchen aus pneumologischer Sicht von 50
%
seit April 201
9
auszugehen.
Da die diesbezüglichen Einschränkungen sich nicht kumulieren, ist somit die Arbeitsfähigkeit mit 60
%
ab Juni 2016 und 50
%
ab April 2019 zu beziffern.
7
.6
Die vom Bundesgericht bemängelte ungenügende Berücksichtigung der Stand
ard
indikatoren (vorstehend E. 3.3) dürfte mittels der vom Gericht eingeholten ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme (vorstehend E. 7) behoben sein.
Nicht geklärt hat die Beschwerdegegnerin hingegen - entgegen den Anweisungen des Bundesgerichts (vorstehend E. 3.3) - die Frage, ob die Arbeitsaufgabe im Jahr 2002 gesundheitliche Gründe gehabt habe, und die Frage der Selbstein
gliede
rungsfähigkeit nach über 15 Jahren Rentenbezugsdauer.
Die Sache ist deshalb in Aufhebung der angefochtenen Verfügungen an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die vom Bundesgericht aufgeworfe
nen Fragen kläre und sodann - ausgehend von dem vorstehend festgelegten Grad
der Arbeitsfähigkeit (E. 8.5) - die Invaliditätsbemessung vornehme und über den Rentenanspruch verfüge. In diesem Sinne sind die Beschwerden gutzuheissen.
8
.
8
.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
sind ermessensweise auf
Fr. 9
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerde
gegn
erin aufzu
erle
gen
.
8
.2
Die Beschwerdegegnerin hat es unterlassen, von den
Z._
-Gutachtern eine zusammenhängende Stellungnahme zu den praxisgemäss massgebenden Stand
ard
indikatoren einzuholen, weshalb dies vom Gericht nachgeholt werden musste (vgl.
Urk.
9). Somit ist sie zu verpflichten, die entsprechenden Kosten von
Fr.
2'100.-- (
Urk.
14) zurückzuerstatten.
8
.3
Dem obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht eine Partei
entschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zu
züglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf
Fr.
2'900.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die Beschwerden werden in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügungen der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 2
9.
Mai 2020 und 1
6.
Juli 2020 aufgehoben und die Sache an diese zurückgewiesen wird, damit sie nach erfolgten Abklärungen im Sinne der Erwägungen neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
900
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Gerichtskasse die Kosten der ergän
zen
den gutachterlichen Stellungnahme
von
Fr.
2’100
.-- zu
erstatten
.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
4.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2’900
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
5.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
14
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
6.