Decision ID: 515a5a75-2535-559c-8b64-c0f34b9690d4
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1974, verfügt über keine Berufsausbildung (Urk. 7/3/5). In der Schweiz übte er verschiedene Hilfstätigkeiten für diverse Arbeitgeber aus und arbeitete zuletzt bis Mitte 2010 als Lackierhelfer bei der Y._ (Urk. 7/11, 7/15/2, 7/39/10-13 und 7/52). Danach war er arbeitslos gemeldet. Im Jahr 2013 arbeitete er – vermittelt durch das Sozialamt – einige Monate in einer Schreinerei sowie in der Z._ (Urk. 7/54/5). Schliesslich meldete er sich im September 2014 wegen einer Depression zum Leistungsbezug bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), an (Urk. 7/3).
Diese holte einen Auszug aus dem individuellen Konto (Urk. 7/11) sowie einen Bericht bei den behandelnden Fachpersonen des A._ ein (Urk. 7/16) und führte ein Standortgespräch mit dem Versicher
ten durch (Urk. 7/15). Sodann teilte sie diesem mit formloser Mitteilung vom 18. Mai 2015 mit, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen derzeit nicht mög
lich seien (Urk. 7/20), und kündigte ihm mit Vorbescheid vom 21. Mai 2015 die Verneinung eines Rentenanspruchs an (Urk. 7/22). Dagegen erhob der Ver
sicherte, vertreten durch die Sozialen Dienste der Stadt Zürich (Urk. 7/32), Ein
wand (Urk. 7/26; Begründung Urk. 7/31) unter Beilage je eines Berichts des B._ (B._; Urk. 7/29) sowie des Hausarztes (Urk. 7/30). In der Folge beauftragte die IV-Stelle Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, mit einer Begutachtung des Versicherten (Urk. 7/36). Ihr Gutachten datiert vom 22. Januar 2016 (Urk. 7/39). Dazu äusserte sich der Versicherte mit Eingabe vom 17. Februar 2016 (Urk. 7/44) unter Beilage einer Stellungnahme des B._ (Urk. 7/43). Letztere unterbreitete die IV-Stelle der Gutachterin, die dazu am 6. Juni 2016 Stellung nahm (Urk. 7/46). Zusätzlich reichte der Versicherte mit Schreiben vom 16. Juni 2016 (Urk. 7/49) einen Abklärungsbericht der Institution Verhaltensneurologie D._ ein (Urk. 7/48). Nach einem Gespräch bei der Eingliede
rungsberaterin am 7. September 2014 (Urk. 7/54/4 ff.) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit formloser Mitteilung vom 14. September 2016 den Abschluss der beruflichen Eingliederung mangels subjektiver Eingliederungsfähigkeit mit (Urk. 7/53). Nach Vorliegen eines Verlaufsberichts des B._ (Urk. 7/55) und einer abschliessenden Stellungnahme des Versicherten (Urk. 7/57) sowie gestützt auf diverse Beurteilungen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; Urk. 7/58) verneinte die IV-Stelle letztlich mit Verfügung vom 31. Januar 2017 einen Ren
tenanspruch des Versicherten (Urk. 2).
2.
Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte mit Eingabe vom 1. März 2017 Beschwerde. Darin beantragte er, es sei ihm rückwirkend ab März 2015 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter sei ein weiteres Gutachten einzuholen. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Pro
zessführung (Urk. 1 S. 2; Beilagen Urk. 3/3-4), die ihm mit Verfügung vom 11. April 2017 bewillig wurde (Urk. 8). Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeant
wort vom 6. April 2017 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht,
welcher
die ver
sicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein ren
tenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4). Die Annahme eines
solchen
setzt eine psychiat
rische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinwei
sen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Gemäss BGE 143 V 418 (E. 7) sind
dabei
neu sämt
liche psychischen Leiden, laut BGE 143 V 409 (E. 4.5.2) namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen
(Änderung der Rechtsprechung).
1.3
Es bleibt anzufügen, dass j
e stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwer
debild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte
psy
chische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das kli
nische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychi
schen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Per
son dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog, das psychische Leiden des Beschwerdeführers sei behandelbar und begründe keine längerfristige Arbeitsunfähigkeit. Eine Persön
lichkeitsstörung sei von der Gutachterin widerlegt worden, es bestünden nur akzentuierte Persönlichkeitszüge. Der Beschwerdeführer verfüge über gute soziale Kompetenzen und korrekte Umgangsformen, seine Kognition wirke ungestört. Indes fühle er sich von widrigen psychosozialen Umständen an der Befriedigung seines Lebensentwurfs gehindert. Die berufliche Eingliederung sei auf seinen Wunsch hin abgeschlossen worden, obschon ihm entsprechende Massnahmen zur Ermittlung und schrittweisen Steigerung der Leistungsfähigkeit zumutbar gewe
sen wären (Urk. 2).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer die Berichte des A._, des B._ sowie der Verhaltensneurologie D._ mit abweichender Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitseinschätzung entgegen (Urk. 1 S. 6 f.). Weiter beanstandete er die Argumentation der Gutachterin Dr. C._. So habe das Arbeitsverhältnis vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit geendet, weshalb die Dauer des Arbeitsverhältnisses nicht im Widerspruch zu den Diagnosen der Behandler stehe. Die Gesprächstherapie sei ab März 2015 einzig mangels weitergehender Kostendeckung durch die Krankenkasse auf zwei
wöchentlich reduziert worden. Diskrepanzen zwischen der subjektiven Beschwer
deklage und den objektiven Befunden bestünden keine, zumal erstere gut mit den Diagnosen der Behandler vereinbar sei. Schliesslich habe die Gutachterin nicht zwischen Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit unter
schieden und verkannt, dass die psychosoziale Belastungssituation nicht Ursache, sondern Folge der Erkrankung sei (Urk. 1 S. 7 f.). Darüber hinaus habe die Beschwerdegegnerin sein rechtliches Gehör verletzt, indem seine Stellungnahme weder der Gutachterin noch dem RAD vorgelegt, noch im Feststellungsblatt thematisiert worden sei. Werde nicht auf die Berichte der Behandler abgestellt, sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und seine Stellungnahme als solche zu behandeln. Sollte diese nach Auffassung des Gerichts nichts am Beweiswert des Gutachtens ändern, sei ein weiteres Gutachten unabdingbar (Urk. 1 S. 9 f.).
3.
3.1
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a).
Hinsichtlich des vorliegend strittigen Beweiswertes des psychiatrischen Gutach
tens von Dr. C._ vom 22. Januar 2016 ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinandersetzt (was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist), in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abge
geben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Expertin in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, und ob die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschwe
ren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich machte (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozial
versicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärzt
liche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
3.2
Dr. C._ diagnostizierte ein Stottern (ICD-19: F98.5) mit leichtgradiger Soziophobie (ICD-10: F40.1), eine Dysthymia (ICD-10: F34.1) und anamnestisch einen Status nach einer Anpassungsstörung (ICD-10: F43.23). Dazu stellte sie diverse Z-Diagnosen, konkret akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1) sowie Probleme mit Bezug auf Berufstätigkeit oder Arbeitslosigkeit (ICD-10: Z56), auf die Wohnbedingungen und die wirtschaftlichen Verhältnisse (ICD-10: Z59), den engeren Familienkreis, einschliesslich familiärer Umstände (ICD-10: Z63) und die soziale Umgebung (ICD-10: Z60; vgl. Urk. 7/39/28 f.). Sie kam zum Schluss, der Beschwerdeführer sei aus rein psychiatrischer Sicht in seiner Arbeitsfähigkeit in den bisherigen Tätigkeiten als Hilfsarbeiter, Hilfsmaler, Reinigungsfachkraft und Umzugshilfe sowie in allen hinsichtlich seines Alters und seiner Kenntnisse in Betracht kommenden Tätigkeiten nicht eingeschränkt (Urk. 7/39/31). Insofern geht der Einwand des Beschwerdeführers, die Gutachterin habe nicht zwischen Diagnosen mit und ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit unterschieden, von vornherein fehl (vgl. E. 2.2).
3.3
3.3.1
Dazu erläuterte die Gutachterin zunächst die wesentlichen Ereignisse und Lebens
umstände des Beschwerdeführers, wobei dieser Teil der gutachterlichen Feststel
lungen soweit ersichtlich unstrittig ist. Die Entwicklung des Beschwerdeführers scheine geprägt gewesen zu sein von der sehr traditions- und kulturtypischen Dominanz des Vaters als Respektsperson, in Wechselwirkung mit den wohl hohen Erwartungen an ihn als ältesten Sohn und im Spannungsfeld der Kulturen, zwischen denen er hin- und hergerissen bleibe. Als er mit vier Jahren zum Vater in die Schweiz gekommen sei, habe er sich der Herausforderung stellen müssen, Deutsch zu lernen. Seit damals bestehe ein Stottern, was er in Zusammenhang mit einem Wutausbruch des Vaters bringe. Moderne neurologopädische Erkennt
nisse würden diesbezüglich allerdings nicht mehr von einer psychogenen Ätio
genese ausgehen. Hänseleien hätten Scham- und Insuffizienzgefühle sowie die heute als habituell zu bezeichnende soziale Zurückhaltung und Fokussierung auf die Familie induziert und zementiert. Soweit ersichtlich sei er bis zur Rückkehr nach Istanbul fünf Jahre später in logopädischer Behandlung gewesen. Aufgrund dieses Bedingungsgefüges in der ersten Lebensdekade hätten sich selbstunsichere Züge angebahnt bzw. der Beschwerdeführer sei fortan mit einer zentralen Selbst
wertproblematik behaftet gewesen (Urk. 7/39/23 f.).
3.3.2
Als 17-Jähriger sei er in die Schweiz zurückgekehrt und habe auf Geheiss des Vaters den Haushalt geführt sowie auf Abruf in der Verkaufslogistik gearbeitet. Dabei habe er seine Deutschkenntnisse auffrischen müssen. Er habe über mehrere langjährige Anstellungen berichtet: 4-5 Jahre im Verkauf der Migros, 3 Jahre in der Metzgerei des Vaters und 71⁄2-8 Jahre als Hilfsmaler bei der Y._. Dazwischen sei er als Transport-/Umzugsmitarbeiter oder in Reinigungsinstituten tätig gewe
sen. Dabei beschreibe er auch Frust über die oft unbefriedigenden Anstellungs
verhältnisse sowie das Gefühl, ausgenützt und willkürlich entlassen worden zu sein sowie sich nie eine sichere Existenz aufgebaut zu haben. Wiederkehrende Konflikte mit Vorgesetzten oder Mitarbeitern seien nicht eruierbar, die letzte Kün
digung sei aufgrund mangelhafter Leistungen erfolgt. Zwischenzeitlich sei er wiederholt und stets bei uneingeschränkter Vermittlungsfähigkeit arbeitslos gewesen. Seit Dezember 2012 sei er nun ausgesteuert (Urk. 7/39/24 f.).
3.3.3
Aus den Angaben des Beschwerdeführers gehe ein recht geschlossenes Familien
system nach traditionellem Muster hervor. Seine Autonomiewünsche hätten den Entscheidungen des Vaters weichen müssen. Als verletzend und erschütternd bezeichne er die Untreue des Vaters, der die Familie im Stich gelassen und sich im Jahr 1998 habe scheiden lassen. Die Mutter und eine Schwester seien später in die Türkei zurückgekehrt. Der Vater habe wieder geheiratet, aus Respekt halte der Beschwerdeführer den Kontakt aufrecht. Im Jahr 2012 hätten er und sein Bruder (mit ebenfalls lädierter Biographie mit Scheidung und hoher Verschul
dung) sodann die Wohnung wegen Mietzinsausständen verloren. Seither bestehe eine desolate Wohnsituation. Die Brüder würden in einem Zimmer hausen und mit fünf Mitbewohnern Bad und Küche teilen.
Der Beschwerdeführer sei fünf mehrmonatige bis einjährige Partnerschaften ein
gegangen, die aus nachvollziehbaren, nicht mit einer etwaigen Psychopathologie zu verbindenden Gründen (nicht geteilter Kinderwunsch, Untreue oder zu kom
plex erscheinende Persönlichkeit der Partnerin) beendet worden seien. Aus der Beschreibung seiner Haltung gegenüber Frauen würden Selbstwertprobleme, zum Teil auch soziokulturelle Dilemmas (Angst, der Sklave einer reichen Frau zu wer
den), hervorgehen. Eine herbe Enttäuschung und vor allem Kränkung stelle die Ablehnung seines Heiratsantrags im Jahr 2006 dar, angeblich weil er stellenlos gewesen und von den Brauteltern abgelehnt worden sei. Er beschreibe zwar eine depressive Reaktion, sei aber dennoch eine neue Beziehung eingegangen. Insge
samt verbinde er die Enttäuschungen in seinen Beziehungen direkt mit seiner psychosozialen Situation. Überhaupt scheine sich insbesondere seit dem Verlust der letzten Arbeitsstelle seine Selbstwahrnehmung als infolge von Ausgrenzung («Ausländerhass», Islamophobie) und unverschuldeter Fürsorgeabhängigkeit an der Verwirklichung seines Lebensentwurfs verhinderte Person verdichtet zu haben (Urk. 7/24 f.).
3.4
3.4.1
Daraus schlussfolgerte Dr. C._ einleuchtend, dass nach dem Verlust der letzten Arbeitsstelle sowie der Aussteuerung eine Anpassungsstörung mit Exis
tenzängsten, vermischt mit Agitation, Frust und Wut aufgetreten zu sein scheine, die im August 2013 zur Überweisung an das A._ und seither der psychiatrischen Attestierung einer Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Der Beschwerdeführer nehme seither stützende psychologische Gespräche wahr, indes habe zu keiner Zeit eine konsequente psychopharmakologische Behandlung installiert werden können. Einerseits bekunde er, nur kleine Tablet
ten (Aerius 5 mg) schlucken zu können, andererseits habe er die angebotenen Tropfen (Cipralex, Surmontil) aufgrund des Alkoholgehalts aus religiösen Grün
den abgelehnt. Eine psychogene Schluckstörung könne indes nicht abgegrenzt werden, da er beim Essen nicht eingeschränkt sei (Urk. 7/39/25 f.).
Insoweit vermag der Hinweis des Beschwerdeführers, dass die Krankenkasse die Kosten für eine intensivere Gesprächstherapie nicht übernehme (vgl. E. 2.2), nichts an der Feststellung zu ändern, dass er bisher nicht alle Therapiemöglich
keiten ausgeschöpft hat (vgl. auch Urk. 7/55/2 f.), was gegen einen erheblichen Lei
densdruck spricht. Im Übrigen konnte bis zum Erlass der angefochtenen Verfü
gung offenbar auch keine logopädische Behandlung etabliert werden (vgl. Urk. 7/55/3).
3.4.2
Weiter legte die Gutachterin in nachvollziehbarer Weise dar, dass eine ver
schiedentlich beschriebene Schlafstörung als Störung des Tag-Nachtrhythmus bei fehlender Tagesstruktur und externen Störfaktoren (gleiches Zimmer wie der schichtarbeitende und zu unregelmässigen Zeiten heimkehrende Bruder, Betriebs
lärm eines Nachtkiosks, vier bellende Hunde der Nachbarin, sonstiger Lärm der Nachbarn) imponiere. Eine vom Versicherten beschriebene Tendenz zu kontrol
lieren, ob die Tür geschlossen sei, könne nicht mit einer Zwangsstörung verbun
den werden. Die geklagten täglichen Cephalea würden am ehesten als Span
nungskopfschmerzen imponieren, nicht als psychiatrische Krankheit. Eine vom Beschwerdeführer mit dem Stottern verbundene Tendenz, sich (bei Unbekannten) tendenziell unwohl zu fühlen und zurückzuhalten aus Angst, sich zu blamieren bzw. ausgelacht oder kritisiert zu werden, sei als leichtgradige Soziophobie ein
zuschätzen (Urk. 7/39/26).
3.4.3
Ebenso schlüssig erläuterte die Gutachterin, es sei gut möglich, dass der Beschwerdeführer in der Interaktion mit Menschen, denen er die Schuld für seine belastete psychosoziale Situation zuweise (Behörden, Sozialamt) oder die ihn im Alltag «nerven» oder «provozieren» würden, dysphorisch oder impulsiv-gereizt reagiere. Zumindest deute er dies an und wirke auch in den ersten Minuten der Untersuchung provozierend und despektierlich. Gleichermassen sei aber feststell
bar, dass er dieses Verhalten gut steuern könne und absolut in der Lage sei, sich Situationen adäquat anzupassen, wenn dies so gesellschaftlich oder zum eigenen Vorteil erwünscht sei. So habe er sich nach ihrem Hinweis auf seine Mitwirkungs
pflicht sehr rasch und sehr gut angepasst und sich als absolut schwingungsfähi
ger, kooperativer, freundlicher, sozial adäquat und korrekt interagierender Mann entpuppt, wenngleich mit Sinn für Drama und Theatralität sowie einer narzissti
schen Sehnsucht nach Anerkennung. Auch sei es in der Erwerbsbiographie zu keinem Zeitpunkt zu einem Eklat oder abrupten Abbruch einer Anstellung, ungenügender Loyalität oder fehlendem Engagement oder ähnlichem gekommen (vgl. hierzu im Detail Urk. 7/39/11 f. ferner Urk. 7/52).
Ein rigides, in allen Lebenslagen auftretendes, inadäquates Verhaltens- oder Interaktionsmuster könne somit nicht festgestellt werden, wie dies Grundvoraus
setzung für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nach der ICD-10-Klassifikation sei. Zentral sei die Feststellung der willentlichen Modulations
fähigkeit des Verhaltens und der Interaktionsmuster beim Beschwerdeführer. Die beschriebene Dynamik lasse aber auf eine Manifestation von akzentuierten Per
sönlichkeitszügen (narzisstisch-kränkbar, allenfalls impulsiv, gegebenenfalls ängstlich-vermeidend) im Sinne von ICD-10: Z73.1 schliessen. Als neuro
tischwertige Persönlichkeitsvariante würden diese die Arbeitsfähigkeit nicht tangieren. Der Beschwerdeführer sei sehr wohl in der Lage, in Arbeits- und Sozialbeziehungen (z.T. jahrelang) Ausdauer und Verbindlichkeit an den Tag zu legen und Befriedigung zu finden. Eine überdauernde, krankheitswertig gestörte Affektivität oder Impulskontrolle seien keineswegs belegt. Er weise ein norm
variantes Streben nach Bedürfnis- und Lebensentwurfsbefriedigung auf, an der er sich durch widrige psychosoziale Umstände gehindert fühle, sowie an sich gute soziale Kompetenzen und korrekte Umgangsformen; die Kognition sei gänz
lich ungestört (Urk. 7/39/26 f.).
3.4.4
Bei der zurückliegend beschriebenen depressiven Symptomatik handle es sich um ein reaktives Geschehen. Es seien keine wiederkehrenden rezidivierenden depres
siven Phasen abgrenzbar. Vielmehr liege eine andauernde dysphorisch-dysthyme Verstimmung im Kontext der vielschichtigen Belastungssituation vor. Die habituellen Verstimmungszustände im Zusammenhang mit weitreichender Unzu
friedenheit und frustrierter Selbstbetrachtung seien als neurotisch im Sinne einer dysthymen Veranlagung zu bezeichnen. Eine Dysthymia nach ICD-10: F34.1 habe als neurotische Variante keine arbeitsmedizinische Relevanz.
In der Begutachtung habe der Beschwerdeführer (neben der zeitweisen Fixierung auf das geschilderte Frustrations- bis Ungerechtigkeitserleben) mit einer an sich vorwiegend euthymen bzw. in der Interaktionssituation adäquat modulierbaren Affektivität imponiert. Daneben trete Dysphorie auf, wenn er auf die Themen Arbeit, Frauen, Polizei und Finanzen fokussiere. In diesem Kontext ventiliere er Verbitterung, Enttäuschung, Wut, Trauer sowie oft Schuldzuweisungen an Dritte. Eine aktuelle klinische Depression werde auch psychometrisch durch die gegen
wärtig niedrigen Scoren auf der Hamilton- und der Montgomery-Asberg-Depres
sionsskala widerlegt. Ein sozialer Rückzug liege nicht vor, der Beschwerdeführer pflege habituell und mit Verbindlichkeit Kontakte zu seiner Familie (Telefonate, viermal pro Jahr Reise in die Türkei) und bezeichne sich ansonsten als vom Charakter her zurückgezogene Person (Urk. 7/39/28).
4.
4.1
Soweit sich der Beschwerdeführer auf die abweichende Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitseinschätzung der ihn behandelnden Psychologin lic. phil. E._ und die mit ihr zusammenarbeitenden Psychiater beruft, ist vorweg auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass behandelnde Arztpersonen bzw. Therapie
kräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag de
r therapeutisch tätigen (Fach-)
Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits (BGE 124 I 170
E. 4
) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Ein
schätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abwei
chende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige
–
und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende
–
Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil
des Bundesgerichts
8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2
mit Hinweisen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]
).
4.2
4.2.1
Wie Dr. C._ in ihrer kritischen Würdigung der bereits im Zeitpunkt der Begutachtung vorhandenen Arztberichte festhielt, wurden im Bericht des A._ vom 9. Dezember 2014 eine seit Kindheit bestehende rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depres
sive Episode (ICD-10: F33.10), und eine soziale Phobie (ICD-10: F40.1) diagnos
tiziert. Diesbezüglich sei dem Beschwerdeführer eine 100%-Arbeitsunfähigkeit seit dem Jahr 2011 attestiert worden (vgl. Urk. 7/16/6-9).
4.2.2
Die Gutachterin legte unter Hinweis auf die von ihr diagnostizierte neurotisch-dysthyme bis dysphorische Verstimmungsveranlagung dar, dass der Bericht keinerlei Aufzeichnung einer Krankheitsentwicklung enthalte, welche die Annahme einer rezidivierenden depressiven Störung beweisen würde. Die soziale Phobie liege zwar tatsächlich vor, sei aber als leichtgradig einzustufen und in Zusammenhang mit dem Stottern zu bringen, das die Behandlerin im Bericht ignoriert habe. In den bisherigen, nicht primär kommunikativen Tätigkeiten sei diese Beeinträchtigung denn auch irrelevant. Im Weitern sei im Bericht versäumt worden, die vielschichtige psychosoziale Belastungssituation zu beleuchten und diagnostisch festzuhalten (vgl. Urk. 7/39/32 f.).
4.2.3
In Ergänzung zu den zutreffenden Ausführungen der Gutachterin zu den
Ver
säumnissen im Bericht des A._ ist somit her
vorzuheben, dass darin im Wesentlichen die gleichen Sachverhalte wie im Gut
achten beschrieben wurden: Stottern, durch Umzüge und das schwierige Verhält
nis zum Vater geprägte Kindheit, Ablehnung des Heiratsantrags, Konflikte mit Mitbewohnern und Zuspitzung der finanziellen Schwierigkeiten Anfang 2013. Das Stottern wurde im Bericht also nicht gänzlich ignoriert, fand jedoch keinen Eingang in die relevanten Diagnosen. Zusätzlich erwähnt wurden im Bericht „Konflikte an Arbeitsstellen“, die nicht weiter erörtert wurden, aber (nach mehr als einem Jahr Therapie) in der Gesamtschau auch nicht zu einer in der Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers begründeten Diagnose führten. Dass dieser in der Eingliederungsberatung im September 2016 erstmals akten
kundig die Beendigung der letzten Anstellung mit Mobbing bzw. einer Auseinan
dersetzung mit einem Albaner in Zusammenhang brachte (Urk. 7/54/5), erfordert daher aufgrund des augenfälligen Zeitpunkts dieses Vorbringens und der Singu
larität des Ereignisses kein erneutes Abwägen der anamnestischen Angaben. Nicht zu überzeugen vermag im Übrigen die im Bericht attestierte volle Arbeits
unfähigkeit bereits ab dem Jahr 2011, zumal sich hierfür keine Begründung findet und Behandlungsbeginn erst im August 2013 war.
4.3
4.3.1
Wie Dr. C._ im Gutachten weiter konstatierte, stellte die Behandlerin im Bericht des B._ vom 16. Juni 2015 zusätzlich die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung nach ICD-10: F61.0 (Urk. 7/29).
4.3.2
Die Gutachterin wies darauf hin, dass hierbei erneut versäumt worden sei, diese zu begründen bzw. anhand der ICD-10-Kriterien zu prüfen. Es werde auch nicht erläutert, von welcher konkreten „Kombination“ ausgegangen werde. Unter
Hin
weis auf ihre eigenen Ausführungen liege eine Persönlichkeitsstörung entschie
den nicht vor. Es verwundere zudem, dass die Behandlerin diese Diagnose erst nach zwei Jahren Therapie gestellt habe (vgl. Urk. 7/39/32 f.).
4.3.3
Erwähnenswert sind aus Sicht des Gerichts zusätzlich die im Vergleich zum Vor
bericht des A._ abgeschwächten, in sich nicht vollends schlüssigen Angaben zur Arbeits- und Eingliederungsfähigkeit. So ist dem Bericht des B._ zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer mindestens seit Beginn der Behandlung im August 2013 in der angestammten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei. Es seien berufliche Massnahmen angezeigt, da er alleine nicht ins Erwerbsleben zurückfinde. Problematisch sei hier jedoch die soziale Inter
aktionsstörung im Rahmen der Persönlichkeitsstörung. Aufgrund der erhöhten Kränkbarkeit seien eine wohlwollende Atmosphäre und intensive Betreuung am Arbeitsplatz unerlässlich. Ansonsten sei davon auszugehen, dass der Beschwer
deführer mit Widerstand/Verweigerung reagiere, so wie es sich bei jedem sozialen Kontakt und auch in der Therapie zeige. Eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeits
markt sei derzeit nicht möglich bzw. unrealistisch (Urk. 7/29). Damit wurde einerseits nicht mehr rückwirkend eine Arbeitsunfähigkeit attestiert und anderer
seits eingeräumt, dass der Beschwerdeführer in einem entsprechenden Umfeld (Wohlwollen, enge Führung) durchaus arbeiten kann.
4.4
Im Einklang mit ihren eigenen diagnostischen Überlegungen sah die Gutachterin den Bericht des Hausarztes vom 13. Juli 2015 (Urk. 7/30/2), welcher eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 1. bis 10. September 2013 „wegen psychosozialer Belas
tungssituation“ attestiert habe (vgl. Urk. 7/39/32 f.).
4.5
4.5.1
Schliesslich nahm Dr. C._ in der Gutachtensergänzung vom 6. Juni 2016 auch zum nach der Begutachtung verfassten Bericht des B._ vom 22. Januar 2016 Stellung. Darin wurde mit Bezug auf die kombinierte Persönlichkeitsstörung präzisiert, es bestünden passiv-aggressive, narzisstische, histrionische und emo
tional instabile (impulsive) Anteile. Das Verhalten sei deutlich und selbst der Gut
achterin im einmaligen Untersuch aufgefallen. So habe der Beschwerdeführer auch in der Begutachtung erst darauf hingewiesen werden müssen, wie man sich zu verhalten habe. Ebenso wenig sei das impulsive Verhalten kontrollierbar, so habe er sogar ungewollt einmal seine Mutter geschlagen.
Die psychosozialen Probleme seien nicht Ursache, sondern Folge dieses Verhal
tens. So sei dem Beschwerdeführer vom Sozialamt ein Zimmer in einer Wohnge
meinschaft zugeteilt worden, aufgrund von Konflikten mit der Mitbewohnerin und weil er sich gestört gefühlt habe, sei er jedoch umgezogen und müsse jetzt mit dem Bruder in einem Zimmer leben. Auch sei es für ihn eine zu grosse Krän
kung gewesen, als versucht worden sei, über das Sozialamt mit der „Jobkarte“ eine niedrigprozentige Beschäftigung aufzugleisen. Weinend habe er berichtet, er könne nicht in einer solchen Einrichtung arbeiten.
Im Übrigen sei die Depression rezidivierend, da eine klar abgrenzbare Episode mit Schlafstörungen, depressiver Stimmung und einer Gewichtszunahme von 10 kg nach dem abgelehnten Heiratsantrag bzw. der Trennung von der Partnerin berichtet werde. Auch seien neu die Verdachtsdiagnosen
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyper
aktivitätsstörung
(ADHS) und kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten ICD-10: F81.3) zu stellen. Der Beschwerdeführer sei diesbezüglich für eine neuropsy
chologische Untersuchung angemeldet. Hinzu komme mit Blick auf die medizi
nischen Massnahmen, dass aufgrund der bekanntlich schwierig zu behandelnden Persönlichkeitsstörung auch die Compliance niedrig sei.
4.5.2
Dr. C._ betonte in ihrer Stellungnahme, dass auch in diesem B._-Bericht keine neuen medizinischen Fakten oder Tatsachen vorgebracht worden seien, die nach der ICD-10-Klassifikation geeignet wären, ihre Diagnosen oder arbeits
medizinischen Schlussfolgerungen zu widerlegen bzw. nicht schon von ihr gewürdigt worden seien. Die Argumentation, der Beschwerdeführer könne sein Verhalten nicht modulieren, weil er zuerst von ihr habe darauf hingewiesen wer
den müssen, wie man sich zu verhalten habe, sei nicht nachvollziehbar, zumal er sein Verhalten dann tatsächlich korrigiert habe (Urk. 7/46).
4.5.3
Die Überlegungen der Gutachterin erscheinen wiederum schlüssig. So wird in den diagnostischen Leitlinien vorweg festgehalten, dass Persönlichkeitsstörungen tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster umfassen, die sich in explizit „starren Reaktionen“ auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen. Bei den Kriterien wird hervorgehoben, dass die Störungen immer in der Kindheit oder Jugend beginnen und sich auf Dauer im Erwachsenenalter manifestieren. Das auffällige Verhaltensmuster sei andauernd und gleichförmig, tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend und führe meistens zu deutlichen Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungs
fähigkeit (Dilling/Mombour/Schmidt [
Hrsg.], Internationale Klassifikation psychi
scher Störungen, ICD-10, Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, 1
0.
Aufl. 2015, S.
274-277).
Wie im Gutachten ausführlich dargelegt (vgl. E. 3.4.3), indizieren weder die Erwerbsbiographie (vgl. ferner auch Urk. 7/48/1, Urk. 7/52 und E. 4.2.3) noch das Beziehungsleben des Beschwerdeführers oder sein Verhalten in der Untersuchung (vgl. ferner auch Urk. 7/48/2) ein sich seit der Kindheit bzw. Jugend manifestier
tes, invariables und deutlich normabweichendes Verhaltensmuster. In Bezug auf die Persönlichkeitsstörung von vornherein fehl gehen nach dem vorstehend Gesagten sowohl die Argumentation des B._, das diese einzig mit dem Verhal
ten in der Begutachtung und einer Tätlichkeit gegen die Mutter begründete, als auch die Argumentation des Beschwerdeführers, der früheren Arbeitsverhältnis
sen jegliche Aussagekraft absprach.
4.5.4
Sodann deutet die Chronologie (Verlust der letzten Stelle im Jahr 2010, Verlust der Familienwohnung im Jahr 2012, Abhängigkeit vom Sozialamt ab Anfang 2013, Beginn einer inkonsequenten psychotherapeutischen und pharmakologi
schen Behandlung im August 2013) keineswegs auf die psychischen Beschwerden als Ursache der psychosozialen Belastungssituation hin. Vielmehr drängt sich die Frage auf, ob die zunehmend belastende Situation letztlich zu einer verselbstän
digten psychischen Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte. Diese Frage verneinte die Gutachterin in einer Gesamtschau ihrer Befunde und der Akten und stellte lediglich Z-Diagnosen. Wichtige Aspekte, die sie hierbei über
sah, werden weder in den vorstehend diskutierten Berichten der Behandlungsper
sonen noch in der vom Beschwerdeführer selbst vorgenommenen „Konsistenz
prüfung“ (vgl. E. 2.2 und Urk. 7/44) genannt. Im Übrigen wurde im Bericht des B._ die rezidivierende depressive Störung mit einer ersten Episode im Jahr 2005 begründet, der Beginn der Erkrankung also nicht mehr in der Kindheit ver
mutet.
4.6
4.6.1
Ergänzend ist auf das Ergebnis der neuropsychologischen Abklärung der erwähn
ten Verdachtsdiagnosen in der Verhaltensneurologie D._ hin
zuweisen. Gemäss Bericht vom 5. April 2016 fanden sich insgesamt „unspezi
fische Minderleistungen“, insbesondere bei exekutiv-attentionalen Aufgaben mit Konzentrationsfluktuationen, Einschränkungen der fokussierten Aufmerksamkeit und mentalen Flexibilität bzw. Ideenproduktion, eine verminderte Handlungspla
nung und Strukturierungsfähigkeit sowie Impulskontrolldefizite. Dominiert hät
ten in der Testsituation eine eingeschränkte Belastbarkeit mit reduzierter Frust
rationstoleranz sowie affektiven Auffälligkeiten (Adynamie, Lustlosigkeit, Verle
genheit) bei jedoch stets gegebener Kooperation. Zudem sei ein flüchtiges, ten
denziell unflüssiges Sprechen mit z.T. Satzteilabbrüchen und Wiederholungen aufgefallen; unter Berücksichtigung der eigenanamnestischen Angaben sei dies am ehesten als Residuum der frühkindlichen Sprechstörung (Stottern) interpre
tierbar, differentialdiagnostisch akzentuiert im Rahmen der Fremdsprachigkeit (Urk. 7/48/2).
Bei der Prüfung des kognitiven Leistungsvermögens habe der Beschwerdeführer einen Kennwert im leicht reduzierten Bereich (IQ 74) erzielt. Allerdings sei auf
grund der dargelegten konzentrativen und attentionalen-energetischen Minder
leistungen von einer gewissen negativen Konfundierung der Testergebnisse und einer erschwerten Interpretierbarkeit auszugehen. Unter Berücksichtigung der Schul- und Berufsbiographie sei anzunehmen, dass die allgemeine Intelligenz mindestens im Bereich einer Lernbehinderung oder im unteren Normbereich liege. Hinweise auf eine Intelligenzminderung bestünden nicht. Ebenso wenig fänden sich Hinweise auf eine schwerwiegende Störung des Gedächtnisses bzw. der Speicherfähigkeit, der Visuokonstruktion und Wahrnehmung oder der schrift
sprachlichen Fähigkeiten, insbesondere nicht auf eine kombinierte Störung schu
lischer Fertigkeiten (Urk. 7/48/3).
Das testpsychologische Profil sei unter Berücksichtigung der anamnestischen Erhebungen und der Vorgeschichte im Rahmen konstitutioneller Faktoren res
pektive einer frühkindlich erworbenen Hirnentwicklungsstörung (Differential
diagnose bei bekannter Sprechstörung und Verdacht auf eine Lernbehinderung) interpretierbar. Differentialdiagnostisch sei eine Akzentuierung respektive Kon
fundierung durch die affektive Störung und psychologische Phänomene bei Angabe einer deutlichen psychischen Belastung und depressiven Verstimmung anzunehmen. Eine primäre Aufmerksamkeitsstörung in der Kindheit respektive eine ADHS mit Bestand im Erwachsenenalter im eigentlichen Sinne könne nicht klar ausgemacht werden, die exekutiv-attentionalen Schwächen interpretiere man am ehesten im Rahmen vermindert kognitiver Ressourcen bei Verdacht auf eine Lernbehinderung (Urk. 7/48/3).
4.6.2
Die Neuropsychologin und die Verhaltensneurologin kamen, ausgehend von den testpsychologischen Werten, aber auch der [vom Beschwerdeführer] beschriebe
nen schwierigen psychischen Situation, zum Schluss, dass ein Wiedereinstieg ins Berufsleben und eine Stellenfindung zum jetzigen Zeitpunkt deutlich erschwert sei. In Anbetracht des allgemeinen Leistungsvermögens im unteren/unterdurch
schnittlichen Bereich und aufgrund der beschriebenen Lern- und attentionalen Schwäche sei anzunehmen, dass der Beschwerdeführer die beste
henden Defizite nicht vollständig zu kompensieren vermöge und er wenige Fer
tigkeiten besitze, um erhöhte Anforderungen zu bewältigen. Die Eingliederungs
fähigkeit für einfache, idealerweise manuelle/handwerkliche Tätigkeiten mit eher geringem kognitivem Anforderungsprofil wie im Beruf als Maurer oder einem äquivalenten Arbeitsfeld dürfte in rein kognitiver Hinsicht mit entsprechender Unterstützung durch die Invalidenversicherung als günstig beurteilt werden. Der erfolgreiche Wiedereinstieg und das Aufrechterhalten einer längerfristigen Tätig
keit dürfte jedoch besonders von der psychischen Stabilität und dem Arbeitsum
feld abhängig sein (Urk. 7/48/3).
4.6.3
Demnach konnte bei näherer Untersuchung also keine der Verdachtsdiagnosen, weder ein ADHS noch eine kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten, bestä
tigt werden. Zudem konnte eine Intelligenzminderung ausgeschlossen werden. Auszumachen waren lediglich „unspezifische Minderleistungen“ im Rahmen „konstitutioneller Faktoren bzw. einer frühkindlich erworbenen Hirnentwick
lungsstörung“, differentialdiagnostisch im Rahmen der angegebenen deutlichen psychischen Belastung und depressiven Verstimmung. Die Eingliederungsfähig
keit in eine kognitiv nicht anforderungsreiche Tätigkeit wurde dementsprechend als günstig beurteilt, eine Arbeitsunfähigkeit folgerichtig erst gar nicht themati
siert. Im Übrigen wurde die Notwendigkeit von Eingliederungsmassnahmen nicht allein mit den testpsychologischen Werten, sondern auch mit den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers (allenfalls seiner Behandlerin) zu den psychi
schen Beschwerden begründet. In Anbetracht dessen zu prüfen wäre wohl, ob das Ergebnis der neuropsychologischen Abklärung in der RAD-Stellungnahme vom 28. Juni 2016 nicht überbewertet wurde, indem ein Gesundheitsschaden als aus
gewiesen erachtet wurde, der einen Wiedereinstieg ins Berufsleben erschweren „kann“, weshalb mittels beruflicher Massnahmen zuerst die Leistungsfähigkeit zu ermitteln und schrittweise zu steigern sei (Urk. 7/54/4). Diese Frage kann indes offengelassen werden (vgl. E. 5.2).
4.7
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich aus dem Verlaufsbericht des B._ vom 11. November 2016 weder mit Bezug auf die Diagnosestellung, noch hinsichtlich der beanspruchten Therapie irgendetwas Neues im Vergleich zu den vorstehenden zusammengefassten Berichten ergibt. Auffällig wiederum sind die angegebenen erheblichen Einschränkungen beim Belastungsprofil, welche sich weder im Rahmen des Gutachtens noch in der neuropsychologischen Abklärung bestätigen liessen und nur bedingt mit der zuvor selbst bejahten Teilnahmefähig
keit an beruflichen Massnahmen vereinbar sind (vgl. Urk. 7/55).
5.
5.1
Zusammenfassend ist somit vollumfänglich auf das Gutachten von Dr. C._ abzustellen, welche sowohl die Vorakten, als auch die geklagten Beschwerden und das Ergebnis ihrer eingehenden Untersuchung umfassend würdigte und ihre medizinischen Schlussfolgerungen unter Einbezug der Biographie des Beschwer
deführers nachvollziehbar begründete. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind somit eine Dysthymia und unspezifische kognitive Minder
leistungen, die sich indes in Tätigkeiten mit geringem kognitivem Anforderungs
profil, wozu neben Maurer auch Reinigungsfachmann und Hilfsmaler zählen dürften, nicht auswirken.
Eine Dysthymie ist nach der im gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10 ent
haltenen Umschreibung eine chronische depressive Verstimmung, die weder schwer noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Krite
rien einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung zu erfüllen. Findet sich im Psychostatus nur eine Dysthymie, so kann dies rechtsprechungsgemäss wohl eine Einbusse an Leistungsfähigkeit mit sich bringen, kommt aber für sich allein betrachtet nicht einem Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes gleich. Diese Schlussfolgerung, die sich auf medizinische Empirie abstützt und damit eine Rechtsfrage darstellt, ist freilich nicht absolut zu setzen; eine dysthyme Störung kann die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall erheblich beeinträchtigen, wenn sie zusammen mit anderen Befunden - wie etwa einer ernsthaften Persönlichkeitsstörung - auftritt (Urteile des Bundesgerichts 8C_623/2013 vom 11. März 2014 und 9C_146/2015 vom 19. Januar 2016 E. 3.2, je mit Hinweisen). Diese Grundsätze wurden durch die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 nicht relativiert (Urteil des Bundesgerichts 9C_146/2015 vom 19. Januar 2016
E 3.2 mit Hinweis; vgl. Urteile
des Bundesgerichts 8C_162/2015 vom 30. September 2015 E. 3.3.3
; vgl. ferner auch Urteile des Bundesgerichts
8C_130/2017 vom 30. November 2017 E. 8.1 und
8C_303/2016 vom 1
8.
Juli 2016
E.5).
Vorliegend besteht indes keine massgebliche Komorbidität. Die
gestellten
Diag
nosen aus der Z-Kategorie (Kapitel XXI) des ICD-10 Systems sind für Fälle vor
gesehen, in denen Sachverhalte als "Diagnosen" oder "Probleme" angegeben sind, die nicht als Krankheit, Verletzung oder äussere Ursache unter den Kategorien A00-Y89 klassifizierbar sind. Diese Belastungen fallen als solche nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens (Urteil des Bundesgerichtes 9C_894/2015 vom 25. April 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).
Insofern sind sie auch in ihrer Summe nicht der von der Rechtsprechung beispielhaft erwähnten Persönlich
keitsstörung gleichzusetzen.
5.2
Dementsprechend eindeutig fällt auch das Ergebnis des
strukturierte
n
Beweisver
fahren
s,
wie es in BGE 141 V 281
definiert wurde, aus.
Mit Bezug auf die Aus
prägung der für die Diagnose der anhaltenden affektiven Störung relevanten Befunde (BGE 141 V 281
E. 4.3.1.1
) waren die Kriterien für eine depressive Epi
sode nicht erfüllt. Es konnte
nur eine Dysthmya festgestellt werden. E
ine Behand
lungsresi
stenz (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2
)
ist unstrittig nicht ausgewiesen. Eine konsequente oder gar stationäre Therapie fand zu keiner Zeit statt.
In Bezug auf den Indikator "Komorbiditäten" (BGE 141 V 281
E. 4.3.1.3
)
bestehen wie erwähnt nur Z-Diagnosen. Im Übrigen sind auch keine ernsthaften somatischen Beschwerden, die den Beschwerdeführer in den vergangenen Jahren zu nennens
werten Arztbesuchen oder Therapieversuchen veranlasst hätten, aktenkundig. D
er soziale Kontext (BGE 141 V 281 E. 4.3.3) zeigt einen Versicherten, der
regelmäs
sige soziale Kontakte innerhalb der Familie pflegt, in einer grossen Wohngemein
schaft lebt, wöchentlich in die Moschee und manchmal in den türkischen Verein geht, regelmässig spaziert und in die Stadt geht, wo er auch isst und gerne das Kino besucht (vgl. Urk. 7/54/5 und Urk. 7/3917-19).
Unter dem Aspekt der "Ko
n
sistenz" (BGE 141 V 281 E. 4.4
) ist neben den erwähnten sozialen Aktivitäten
und der inkonsequenten Beanspruchung einer wirkungsvollen Therapie
zu berück
sichtigen, dass der Beschwerdeführer
regelmässig in sein Heimatland reist. Im Übrigen wird sein Alltag vorwiegend durch den Geldmangel und die desolate Wohnsituation, nicht aber durch die psychischen Beschwerden bestimmt
(vgl. Urk. 7/39/29).
Zusammenfassend
läs
st sich somit auch anhand der Standardindi
katoren gemäss BGE 141 V 281 – und damit aus der Optik des Rechtsanwenders, welcher die ärztlichen Einschätzungen und Schlussfolgerungen auf ihre konkrete sozialver
sicherungsrechtliche Relevanz und Tragweite hin zu prüfen hat (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2, Urteil
des Bundesgerichts 9C_106
/2015
vom 1. April 2015
E. 6.3) – keine für die Invaliden
versicherung massgebliche Arbeitsunfähigkeit
eruieren, selbst wenn die Persön
lichkeit des Beschwerdeführers teilweise schwierige Züge aufweist.
5.3
Fest steht denn auch, dass eine Eingliederungsfähigkeit letztlich von sämtlichen untersuchenden Arztpersonen und Therapeuten irgendwie bejaht wurde, es dem Beschwerdeführer jedoch an der subjektiven Eingliederungsbereitschaft mangelt. So erklärte er nach Kenntnisnahme sämtlicher Untersuchungsergebnisse in der Eingliederungsberatung nochmals, dass er sich nicht in der Lage fühle, an Mass
nahmen teilzunehmen, und den Rentenentscheid abwarten wolle. Bei Bedarf würde er sich melden (Urk. 7/54/5).
Wie das Bundesgericht im Urteil 8C_111/2018 vom 21. August 2018 E. 6.3 und 6.4 erneut betonte, stellt der Eingliederungswille der versicherten Person eine elementare Verhaltensregel dar, die auch ohne vorgängige Aufklärung seitens der Verwaltung im Rahmen der Schadenminderungspflicht Bestand hat. Zwar kön
nen b
erufliche Massnahmen unter anderem
auch
dazu dienen, subjektive Einglie
derungshindernisse im Sinne
einer
Krankheitsüberzeugung
der versicherten Per
son zu beseitigen
. Es bedarf indes
sen
auch diesfalls eines Eingliederungswillens bzw. einer entsprechenden Mot
ivation der versicherten Person. Ist der subjektive Eingliederungswille – wie vorliegend – zu verneinen, entfällt der Anspruch
auf Eingliederungsmassnahmen und zwar ohne dass zunächst ein Mahn- und Bedenk
zeitverfahren gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG durchzuführen wäre.
6.
6.1
Zur Eventualbegründung des Beschwerdeführers ist anzumerken, dass das recht
liche Gehör i
m Kontext mit Expertengutachten
i
nsbesondere das Recht
beinhaltet
, Kenntnis vom Inhalt des Gutachtens zu nehmen und dem Experten ergänzende Fragen zu stellen. Von der Beantwortung der Ergänzungsfragen durch den Experten kann abgesehen werden, wenn davon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 130 II 425 E. 2.1., 125 I 127 E. 6c/cc, 124 V 94 E. 4b, 122 II 464 E. 4a, 122 III 219 E. 3c, SVR 2014 UV Nr. 32 S. 106, 8C_834/2013 vom 1
8.
Juli 2014 E. 5.1; zum Ganzen Urteil des Bundesge
richts 8C_738/2014 vom 1
5.
Januar 2015 E. 6.2-3).
Der Gehörsanspruch verlan
gt zudem, dass eine Behörde die
Vorbringen des vom Entscheid Betroffenen tatsächlich hört und prüft. Daraus folgt die Pflicht, ihren Entscheid zu begründen. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesent
lichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in vol
ler Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (Urteil des Bundes
gerichts 8C_215/2016 vom 2
2.
Juni 2016 E. 3.2 mit Hinwe
is auf BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
6.2
Es ist somit nicht ersichtlich, inwiefern die Beschwerdegegnerin das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzte, indem sie der Gutachterin nur die Stel
lungnahme des B._ zum Gutachten, nicht aber sein Begleitschreiben vom 17. Februar 2016 (Urk. 7/44) vorlegte, und sich auch im Feststellungsblatt nicht explizit dazu äusserte. Darin wurden keine neuen medizinischen Fakten oder Tat
sachen vorgebracht, die der Gutachterin nicht bekannt waren. Es handelte sich lediglich um eine abweichende Beweiswürdigung, wobei in Bezug auf die wesentliche Frage nach einer invalidisierenden Persönlichkeitsstörung und depressiven Störung sowohl im ergänzten Gutachten als auch in den Erwägungen der angefochtenen Verfügung hinreichend argumentiert wurde.
7.
Damit ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin in der angefochte
nen Verfügung gestützt auf das Gutachten von Dr. C._ einen invalidisie
renden Gesundheitsschaden und damit einen Rentenanspruch verneinte. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
8.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- festzusetzen.
Die Kosten sind entsprechend dem Verfahrensausgang
dem Beschwerdeführer aufzuer
legen, unter Berücksichtigung der ih
m
gewährten
unentgeltlichen Prozessführung
jedoch
einstweilen a
uf die Gerichtskasse zu nehmen.