Decision ID: 2db05df1-f02c-5484-ab9e-12c8556fb228
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Nachdem ein Rentengesuch vom 18. August 2008 mit in Rechtskraft erwachsener
Verfügung vom 19. Juni 2014 definitiv abgewiesen worden war (vgl. IV-act. 125 sowie
das zum vorangegangenen Verfahren ergangene Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 10. Juni 2013, IV 2011/204) meldete sich A._ am
1. September 2016 (Eingangsstempel Sozialversicherungsanstalt des Kantons
St. Gallen [SVA]) erneut wegen starken Schmerzen in beiden Knien zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (Berufliche Integration/Rente [act.
G 5.1/125 f.]). Aus den eingereichten ärztlichen Unterlagen ging hervor, dass sich der
Gesuchsteller in der Zwischenzeit am 19. November 2015 im Spital B._ einer
Implantation einer Knietotalprothese links unterzogen hatte, die subjektiv nicht die
erhoffte Verbesserung der Kniebeschwerde gebracht hatte (act. G 5.1/137). Mit
Stellungnahme vom 4. Oktober 2016 ging der RAD Ostschweiz davon aus, dass sich
die gesundheitliche Situation des Ansprechers seit der letzten Anspruchsabweisung
mit möglicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit verändert haben könnte. Weiter ging
er von einem instabilen Gesundheitszustand aus (act. G 5.1/139).
A.a.
In der Folge holte die IV-Stelle St. Gallen weitere Arztberichte ein, namentlich beim
Spital B._ und bei der Klinik C._. Daraus ging hervor, dass am 16. Januar 2017 in
A.b.
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der Klinik C._ ein Wechsel der Knietotalprothese links vorgenommen worden war
(act. G 5.1/155.4 f.).
Mit Bericht vom 18. Mai 2017 diagnostizierte der Hausarzt des Versicherten,
Dr. med. D._, Allgemein- und Sportmedizin, Chirotherapie, einen Zustand nach Knie-
Totalendoprothese links im November 2015 sowie einen Wechsel der
Totalendoprothese im Januar 2016 (richtig: 2017). Weiter teilte Dr. D._ der IV-Stelle
St. Gallen mit, auch nach dem Wechsel der Totalendoprothese bestehe weiterhin eine
starke Bewegungseinschränkung am linken Knie. Die Beugung betrage nur 90 Grad
unter Schmerzen. Zudem beständen Ruheschmerzen. Die Prognose sei nicht
absehbar. Die gegenwärtige Behandlung bestehe in einer Physiotherapie und einer
Behandlung mit Antiphlogistika. Dr. D._ fügte an, dass die Ursache der Schmerzen
zurzeit unklar sei. In seiner angestammten Tätigkeit als F._ sei der Versicherte ab
November 2015 bis heute zu 100 % arbeitsunfähig. Zudem hielt Dr. D._ rein sitzende
oder stehende, sowie alle anderen mit Zwangshaltungen verbundenen Tätigkeiten (wie
knien, kauern, bücken, Treppen steigen, Lasten heben etc.), aber auch
wechselbelastende Tätigkeiten für unzumutbar. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit
mit durchschnittlicher Belastung wäre hingegen möglich (act. G 5.1/161).
A.c.
Mit Arztbericht vom 22. Mai 2017 (Eingangsstempel IV-Stelle) diagnostizierte die
Klinik C._ (Dr. med. E._, Chefarzt Orthopädie, Chirurgie und Traumatologie) einen
Status nach Knietotalprothese-Wechsel links am 16. Januar 2017 mit/bei Status nach
(Implantation einer) Knietotalprothese links im November 2015 und
Narkosemobilisation im Januar 2016. Es bestehe eine eindrückliche Quadrizeps-
Hypotrophie; das Kniegelenk sei reizlos und ergussfrei. Als Therapieempfehlung für den
Muskelaufbau wurde die Fortführung der Physiotherapie mit intensivem Aufbautraining
genannt. Zur Arbeitsfähigkeit konnte die Klinik keine Angaben machen (act. G 5.1/163).
A.d.
Mit Stellungnahme vom 30. Mai 2017 ging der RAD Ostschweiz noch immer von
einem instabilen Gesundheitszustand aus, weshalb bei Dr. E._, Klinik C._, weitere
Arztberichte einzuholen seien (act. G 5.1/165). Am 23. Juni 2017 ging ein Bericht von
Dr. E._ an Dr. D._ vom 15. Juni 2017 bei der IV-Stelle ein. Demnach seien fünf
Monate nach dem Knietotalprothese-Wechsel links wieder progrediente Schmerzen im
peripatellären Bereich vorhanden, wodurch der Versicherte im Alltag deutlich
A.e.
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eingeschränkt werde. Seinen Beruf als F._ könne er dadurch zum jetzigen Zeitpunkt
nicht ausüben. Die Situation könne allenfalls durch eine zuwartende Haltung und
Fortführung der Physiotherapie und eine allfällige Wiedervorstellung beim
Schmerztherapeuten verbessert werden (act. G 5.1/166). Die Klinik G._ stellte in
ihrem Bericht an Dr. D._ vom 12. September 2017 die Indikation eines erneuten
Wechsels der Knietotalendoprothese (act. G 5.1/170). Da Dr. E._ nun von einem auf
tiefem Niveau stabilisierten Gesundheitszustand, jedoch von einer nicht
nachvollziehbaren vollständigen Arbeitsunfähigkeit des Versicherten in seiner Tätigkeit
als F._ ausgehe, regte der RAD die Einholung eines monodisziplinären
orthopädischen Gutachtens an (act. G 5.1/171).
Dieses wurde bei Dr. med. H._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, Neurologie I._ AG, Polydisziplinäre
Begutachtungsstelle MEDAS, in Auftrag gegeben (act. G 5.1/174). Am 13. Dezember
2017 erstattete Dr. H._ sein Gutachten. Darin diagnostizierte er - mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit - Funktionsstörungen des linken Kniegelenks bei einliegender
Knietotalendoprothese links nach zweimaligem Prothesenwechsel am 16. Januar 2017
und am 18. Oktober 2017 sowie eine Funktionsstörung des rechten Kniegelenks bei
aussenseitig aufgebrauchter Gelenkfläche. Eine Diagnose ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit stellte Dr. H._ nicht. Angesichts der röntgenologisch ideal platzierten
Endoprothese sei nach Ablauf der Rehabilitation (geschätzt Ende März 2018) mit
Belastbarkeit des linken Kniegelenks für leichte, überwiegend sitzende Tätigkeiten zu
rechnen. Raue Belastungen mit Treppen- oder Leiternsteigen, überwiegend stehende
Tätigkeiten, Tätigkeiten mit häufigem Hinhocken oder Hinknien seien dem Versicherten
bei einliegender Knietotalendoprothese links und jetzt auch nachgewiesener
fortgeschrittener aussenseitig betonter Gonarthrose rechts mit vollkommen
aufgebrauchtem Gelenkspalt dauerhaft nicht mehr möglich. Bei regelrechtem
Heilverlauf bestehe in der angestammten Tätigkeit als Autoverkäufer ab dem 1. April
2018 dauerhaft eine Arbeitsfähigkeit von 30 % (administrative Tätigkeiten,
Verwaltungstätigkeiten, Verkaufstätigkeiten). In einer leidensadaptierten Tätigkeit wie
oben beschrieben bestehe nach den therapiebedingten Unterbrechungen ab 1. April
2018 eine volle Arbeitsfähigkeit, sodass der Versicherte aus rein orthopädischer Sicht
ab April 2018 beruflich eingegliedert werden könnte (act. G 5.1/176).
A.f.
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Mit Stellungnahme vom 19. Januar 2018 hielt der RAD dafür, dass auf das Gut
achten abzustellen sei (act. G 5.1/177). Im Feststellungsblatt vom 14. Februar 2018
hielt die IV-Sachbearbeitung fest, dass sich der Versicherte nach telefonischer
Rücksprache weder in der bisherigen noch in einer adaptierten Tätigkeit arbeitsfähig
fühle und die Rentenprüfung wünsche. Am 14. Februar 2018 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, es bestehe kein Anspruch auf berufliche Massnahmen (act.
G 5.1/181.1).
A.g.
Mit Einkommensvergleich vom 28. Mai 2018 ging die IV-Stelle von einem auf 2016
aufgewerteten Valideneinkommen von Fr. 73'304.-- und von einem
Invalideneinkommen von Fr. 67'022.--, somit von einem Invaliditätsgrad von 8,57 %
aus (act. G 5.1/193). Mit Vorbescheid vom 28. Mai 2018 stellte sie dem Versicherten
die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (act. G 5.1/195).
A.h.
Mit Einwand vom 25. Juni 2018 und Ergänzung des Rechtsvertreters vom
12. September 2018 machte der Versicherte geltend, dass in seiner bisherigen, bereits
weitgehend adaptierten Tätigkeit als Autoverkäufer eine Arbeitsunfähigkeit von 70 %
bestehe. Dass in einer leidensadaptierten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestehen
solle, werde jedoch bestritten. Zum einen seien die Beschwerden im rechten Knie
sowie im Rücken unberücksichtigt geblieben. Zum anderen habe Dr. D._ bereits im
August 2016 eine Arbeitsfähigkeit im leidensadaptierten Bereich von höchstens 50 %
attestiert. Im Weiteren sei die bisherige Therapie nicht wie vom Gutachter erwartet
verlaufen. So werde der Versicherte vom behandelnden Oberarzt der Klinik G._ Dr.
med. J._, seit dem 1. April 2018 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. Insbesondere
habe der Knieprothesenwechsel im Oktober 2017 nicht zu einer Linderung der starken
Schmerzen geführt, weshalb Dr. J._ weiterhin von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit
in der angestammten und von einer Arbeitsunfähigkeit (gemeint wohl: Arbeitsfähigkeit)
von höchstens 30 % in jeglicher leidensadaptierten Tätigkeit ausgehe, sofern der
Versicherte dabei regelmässige Pausen machen und sein Knie und seinen Rücken
regelmässig entlasten könne. Dr. J._ gehe überdies davon aus, dass sich der aktuelle
Zustand aus orthopädischer Sicht nicht weiter verbessern lasse. Bei einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 % ergebe sich unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs
von 15 % ein Invaliditätsgrad von 61 %, bei einer Arbeitsfähigkeit von lediglich 30 %
gar ein solcher von 76,7 %, weshalb dem Versicherten mindestens eine
A.i.
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Dreiviertelsrente zustehe. Beim Versicherten handle es sich überdies um einen 58-
jährigen Mann ohne Berufsausbildung, der mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes
nicht mehr vertraut sei. Ohne erfolgreiche berufliche Eingliederungsmassnahmen sei
nicht von einer zumutbaren Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auszugehen,
sondern von der Arbeitsunfähigkeit in seiner angestammten Tätigkeit, was zu einem
Anspruch auf eine ganze Rente führe (act. G 5.1/196 und 203).
Mit Stellungnahme vom 27. September 2018 ging der RAD erneut von einem
instabilen Gesundheitszustand aus und regte die Einholung der seit der Begutachtung
neu verfassten Berichte der Klinik G._ an (act. G 5.1/204). Nachdem aus den
eingegangenen Unterlagen hervorging, dass sich der Versicherte am 2. August 2018
bei Prof. Dr. med. K._, Facharzt FMH Neurologie, zur neurologischen Beurteilung
vorgestellt hatte, Prof. Dr. K._ die geklagten Schmerzen aber neurologisch nicht
hinreichend erklären konnte, veranlasste der RAD eine orthopädisch-psychiatrische
Verlaufsbegutachtung (act. G 5.1/225).
A.j.
Am 20. Februar 2019 erstattete Dr. H._ sein neues orthopädisches Gutachten.
Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er Funktionsstörungen des
linken Kniegelenks bei einliegender Knietotalendoprothese links, sowie eine
Funktionsstörung des rechten Kniegelenks bei aussenseitig aufgebrauchter
Gelenkfläche. Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte er keine. Bei
vielfachen Kniegelenkoperationen links mit 2-maligem Knieprothesenwechsel liege eine
Belastungsminderung der linken unteren Extremität vor. Nicht mehr möglich seien
Arbeiten überwiegend stehend mit häufigem Treppen oder Leitern steigen. Das Heben
und Tragen von Lasten über 10 Kilogramm sollte unterbleiben, ebenso das Gehen auf
unebenem Untergrund. Bei einer Beugefähigkeit von über 90° sollten sitzende,
kurzfristig stehende und gehende Tätigkeiten ohne Einschränkung möglich sein. In den
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der Klinik G._ und des Hausarztes werde allein auf die
Selbsteinschätzung des Versicherten abgestellt, während in der vorliegend
abzugebenden Schätzung auch die Befundtatsachen zu berücksichtigen seien.
Zwischen der Diagnose einer subjektiv geäusserten Schmerzsymptomatik und der
Einschätzung der Leistungsfähigkeit bestehe kein unmittelbarer Zusammenhang.
Zudem sei die gutachterlich attestierte, optimal angepasste berufliche Einsetzbarkeit
(sitzend mit der Möglichkeit, kurzzeitig aufzustehen) dem üblichen Tagesablauf nicht
A.k.
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allzu fern. Angesichts der regelrechten Implantatlage, der erreichbaren Beweglichkeit
mit Beugung über 90° und voller Streckmöglichkeit des linken Kniegelenks sowie im
Vergleich verbesserter Muskelummantelung des linken Beins seien körperlich
hinreichende Ressourcen vorhanden, sodass zumindest optimal adaptierte Tätigkeiten
weit überwiegend sitzend ohne Pensumseinschränkung zumutbar seien (act.
G 5.1/231).
Der psychiatrische Gutachter, med. pract. L._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Neurologie I._ AG, fand keinen ausreichenden Anhalt für eine
psychische Erkrankung, weder mit noch ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Auffallend sei lediglich die seit 20 Jahren konsumierte Alkoholmenge.
Dementsprechend veranschlagte er die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
(auch) in der angestammten Tätigkeit auf 100 % bei fehlender Notwendigkeit für eine
angepasste Tätigkeit (act. G 5.1/232).
A.l.
In der Konsensbeurteilung gingen die Gutachter davon aus, dass aus
orthopädischer Sicht Funktionsbeeinträchtigungen von Seiten des linken Kniegelenks
beständen. Beim orthopädischen Gutachter kämen jedoch Zweifel am Ausmass der
geklagten Beschwerden auf, da es Hinweise auf nicht dem geklagten Umfang
entsprechende Funktionsbeeinträchtigungen gebe. Als inkonsistent könne unter
anderem die fehlende Modulierbarkeit der Schmerzsymptomatik gewertet werden, die
weder durch Medikamente noch durch rehabilitative Massnahmen noch durch
Physiotherapie oder operative Massnahmen änderbar gewesen sei.
Psychiatrischerseits ergäben sich bezogen auf eine psychische Beeinträchtigung oder
Erkrankung keine Hinweise auf eine Simulation oder Aggravation. Von psychiatrischer
Seite ergebe sich kein ausreichender Anhalt für eine psychische Erkrankung mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Nach orthopädischer Einschätzung könne der
Versicherte in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit 2 - 3 Stunden ohne Einschränkungen
der Leistung tätig sein, was einer Gesamtarbeitsfähigkeit von 30 % entspreche. Diese
Einschätzung gelte ab 1. April 2017. Psychiatrischerseits gebe es keine Notwendigkeit
für eine angepasste Tätigkeit. Nach orthopädischer Empfehlung bestehe eine
angepasste Tätigkeit in einer überwiegend sitzenden Tätigkeit, die kurzfristig gehend
und stehend, ohne häufiges Treppen- oder Leiternsteigen, ausgeführt werde. Für eine
A.m.
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B.
derartige Tätigkeit sei der Versicherte 100 % arbeitsfähig. Diese Angabe gelte ab
1. April 2017 (act. G 5.1/233).
Nach Einholung des medizinischen Einverständnisses des RAD verfügte die IV-
Stelle am 30. März 2019 die Abweisung des Rentenanspruchs. Dabei ging sie
wiederum von einem Valideneinkommen von Fr. 73'304.--, einem Invalideneinkommen
von Fr. 67'022.-- und somit von einer Erwerbseinbusse von (gerundet) 9 % aus (act.
G 5.1/234 f.).
A.n.
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 20. Mai 2019
mit dem Antrag auf deren Aufhebung. Ausserdem sei dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Zur Begründung wird im Wesentlichen
vorgebracht, die Beschwerdegegnerin stelle zu Unrecht auf das Gutachten von Dr.
H._ ab. Dieses sei in verschiedener Hinsicht mangelhaft. So sei dem Rechtsvertreter
trotz des bekannten Vertretungsverhältnisses der Gutachtenauftrag nicht im Voraus
angezeigt worden. So sei es dem Beschwerdeführer nicht möglich gewesen, seine
Einwände gegen den vorgesehenen Gutachter sowie seine Ergänzungen zum
Gutachten anzubringen. Somit sei das rechtliche Gehör verletzt. Zudem beständen
ernsthafte Zweifel daran, ob der Gutachter auf Grund seiner Vorbefasstheit mit der
Materie nicht von Amtes wegen hätte in den Ausstand treten müssen. Auf Grund der
formellen Mängel sei nicht auf das Gutachten abzustellen. Vielmehr sei bei Dr. med.
M._, Facharzt für orthopädische Chirurgie, ein Gerichtsgutachten einzuholen.
Eventualiter sei die Sache zwecks Einholung eines unabhängigen Gutachtens an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Materiell weiche das Gutachten von Dr. H._ in
erheblichem Mass von den übrigen medizinischen Befunden ab. So gehe der
behandelnde Oberarzt der Klinik G._, Dr. J._, von keiner Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit aus. In jeglicher adaptierten Tätigkeit, bei welcher der
Beschwerdeführer das Knie regelmässig entlasten und Pausen einlegen könne, gehe
Dr. J._ von einer Arbeitsfähigkeit von zwei bis drei Stunden pro Tag (rund 30 %) aus.
Diese Einschätzung teile auch der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. D._. Mit
Schreiben vom 28. Oktober 2018 habe er keinerlei Arbeitsfähigkeit mehr attestiert.
Ausserdem sei zu beachten, dass der Beschwerdeführer seine angestammte Tätigkeit
B.a.
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bereits weitgehend adaptiert habe. Er habe sein Unternehmen so umstrukturiert, dass
er einen möglichst grossen Anteil seiner Arbeit im Sitzen habe ausführen können. Es
sei daher nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdegegnerin bei dieser
weitgehend adaptierten Tätigkeit von einer 30 %igen Arbeitsfähigkeit ausgehe, dem
Beschwerdeführer aber für ausschliesslich administrative und Tätigkeiten in der
Verwaltung und im Verkauf eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit attestiere. Weiter könne auf
Grund des beruflichen Werdegangs des Beschwerdeführers die Verwertung der
Restarbeitsfähigkeit nicht ohne Weiteres angenommen werden. Auf Grund des
fortgeschrittenen Alters des Beschwerdeführers sei ihm sodann ein Leidensabzug zu
gewähren. Er sei zum Verfügungszeitpunkt XX-jährig gewesen. Er verfüge über keine
Ausbildung und insbesondere keine kaufmännische Ausbildung. Weiter sei ihm die
Selbsteingliederung auf Grund der lange ausgeübten selbstständigen Erwerbstätigkeit
nicht zuzumuten. Bei einem Invalideneinkommen von 30 % des LSE-Tabellenlohns er
gebe sich ein Invaliditätsgrad von 72.57 %. Berücksichtige man zusätzlich einen
Leidensabzug von 25 % ergebe sich gar ein Invaliditätsgrad von 79.43 %. Damit
bestehe jedenfalls ein Anspruch auf eine ganze Rente (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 25. Juni 2019 beantragt die Verwaltung die
Abweisung der Beschwerde. Da es sich um eine Verlaufsbegutachtung gehandelt
habe, sei erneut Dr. H._ damit beauftragt worden. Es sei nicht ersichtlich, weshalb
dieser Gutachter im Hinblick auf die erneute Würdigung des Sachverhalts befangen
sein sollte. In Bezug auf die geltend gemachte Gehörsverletzung verwies die
Beschwerdegegnerin auf die Stellungnahme ihres Fachbereichs (act. G 5).
B.b.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 4. Juli 2019 wird dem Beschwerdeführer
die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt (act. G 6).
B.c.
Mit Replik vom 14. Oktober 2019 reicht der Rechtsvertreter einen
Sprechstundenbericht von Dr. J._ vom 19. Juli 2019 ein. Daraus sei zu entnehmen,
dass beim Beschwerdeführer auch eine lateral betonte Gonarthrose am rechten Knie
diagnostiziert werde. Zurzeit scheine daher auch an diesem Knie eine Gelenksprothese
notwendig zu sein. Zudem beantragt der Rechtsvertreter die Einholung einer Auskunft
bei Dr. J._, die sich über die Arbeitsfähigkeit ausspricht. Die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers sei zurzeit ungenügend abgeklärt. Sowohl die Schmerzen als auch
B.d.
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Erwägungen
1.
die Arthroseschäden am rechten Knie seien gutachterlich ungenügend abgeklärt. Diese
zentralen inhaltlichen Beanstandungen könnten nicht in einem Verlaufsgutachten,
sondern bloss durch eine unabhängige inhaltliche Neubeurteilung behoben werden.
Eine solche habe nicht durch eine erneute Begutachtung beim gleichen Gutachter
ermöglicht werden können, da die Gefahr von Bestätigungsfehlern (confirmation bias)
beim vorbefassten Gutachter zu gross sei (act. G 12).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine weitere Stellungnahme (act. G 14).B.e.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.1.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.2.
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2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a). Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten,
den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer
Spezialärzte (sogenannte Administrativgutachten) darf voller Beweiswert zuerkannt
werden, solange "nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit" der Expertise
sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470).
1.4.
2.1.
Vorliegend stellte die Beschwerdegegnerin auf das medizinische Gutachten der
Neurologie I._ AG, Dr. H._ und med. pract. L._, ab. Dagegen bringt der
Beschwerdeführer zunächst vor, die Auftragserteilung an die Gutachter sei in
verschiedener Hinsicht mangelhaft gewesen. So sei der Gutachtenauftrag dem
Rechtsvertreter trotz des bekannten Vertretungsverhältnisses nicht im Voraus
angezeigt worden. Damit sei es dem Beschwerdeführer nicht möglich gewesen, seine
Einwände gegen den vorgesehenen Gutachter sowie seine Ergänzungen zum
Gutachten anzubringen. Die Beschwerdegegnerin habe damit gegen das in Art. 44
ATSG formulierte rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verstossen. Zwar trifft zu,
dass bei einem Vertretungsverhältnis die Nennung des Gutachters an die Vertretung zu
erfolgen hat (Art. 37 Abs. 3 ATSG). Nach der Rechtsprechung ist jedoch nicht jede
mangelhafte Eröffnung einer Verfügung oder einer Mitteilung im weiteren Sinn
2.1.1.
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schlechthin nichtig mit der Konsequenz, dass etwa die Rechtsmittelfrist nicht zu laufen
beginnen könnte, oder dass - wie vorliegend - die Aufforderung zur Teilnahme an
Abklärungsmassnahmen unbeachtlich wäre. Aus dem Grundsatz, dass den Parteien
aus mangelhafter Eröffnung keine Nachteile erwachsen dürfen, folgt vielmehr, dass
dem beabsichtigten Rechtsschutz schon dann Genüge getan wird, wenn eine objektiv
mangelhafte Eröffnung trotz ihres Mangels ihren Zweck erreicht. Das bedeutet nichts
anderes, als dass nach den konkreten Umständen des Einzelfalls zu prüfen ist, ob die
betroffene Partei durch den gerügten Eröffnungsmangel tatsächlich irregeführt und
dadurch benachteiligt worden ist. Richtschnur für die Beurteilung dieser Frage ist der
auch in diesem prozessualen Bereich geltende Grundsatz von Treu und Glauben, an
welchem die Berufung auf Formmängel in jedem Fall ihre Grenze findet (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. November 2010 [9C_791/2010] E. 2.2 mit Hinweisen). Zudem
gilt, dass sich nicht auf einen Eröffnungsfehler berufen kann, wer mit zumutbarem
Aufwand die Folgen einer mangelhaften Eröffnung abwenden könnte (Ch. Auer/M.
Müller/B. Schindler, VwVG Kommentar, 2. Aufl., 2019, Art. 11 Rz 30).
Vorliegend hätte sich der Beschwerdeführer nach Erhalt der Mitteilung vom
8. Januar 2019 (act. G 5.1/228) ohne Weiteres an die Beschwerdegegnerin oder an
seinen Rechtsvertreter wenden können, wenn er mit der Mitteilung bzw. mit der
Begutachtung nicht einverstanden gewesen wäre oder Fragen dazu gehabt hätte. Er
fand sich indessen ohne Weiteres am 19. Februar 2019 zur Untersuchung in N._ ein.
Nebst - noch zu behandelnden - materiellen Einwänden gegen das Gutachten wird
auch im vorliegenden Verfahren nicht geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe
zusätzliche konkrete Fragen (Ergänzungsfragen) an die Gutachter stellen wollen.
Sodann werden - nebst dem ebenfalls sogleich zu behandelnden Einwand der
Befangenheit von Dr. H._ und dem damit verbundenen Vorschlag eines eigenen
Gutachters - auch keine begründeten Einwände gegen die Person des Gutachters oder
dessen fachliche Eignung erhoben. Insgesamt ist nicht ersichtlich, dass dem
Beschwerdeführer aus der mangelhaften Eröffnung der Mitteilung vom 8. Januar 2019
ein Nachteil erwachsen wäre. Zumindest aber entstand dem Beschwerdeführer kein
Nachteil, den er - durch blosse Nachfrage bei seinem Rechtsvertreter - nicht selber
rechtzeitig hätte abwenden können. Der Beweiswert des Gutachtens wird durch den
gerügten Eröffnungsfehler somit nicht geschmälert.
2.1.2.
2.2.
Im Weiteren macht der Beschwerdeführer in formeller Hinsicht geltend, der Gut
achter Dr. H._ sei auf Grund seiner Vorbefassung mit der Materie (Erstellung des
2.2.1.
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Erstgutachtens vom 13. Dezember 2017) befangen gewesen. Dabei beruft er sich auf
den Ausstandsgrund des Art. 10 Abs. 1 lit. d VwVG (Befangenheit aus anderen
Gründen [vorliegend einschlägig ist der allerdings gleichlautende Ausstandsgrund
gemäss Art. 36 Abs. 1 ATSG]). Entgegen der beschwerdeführerischen Ansicht stellt
eine Vorbefassung - namentlich auf Grund einer vorangegangenen Begutachtung -
nicht per se einen Ausstandsgrund dar. Vielmehr ist danach zu fragen, ob das Ergebnis
der (neuen) Begutachtung nach wie vor als offen und nicht vorherbestimmt erscheint.
Kann die Offenheit bejaht werden, ist die Besorgnis der Voreingenommenheit trotz
Vorbefassung unbegründet. Eine unzulässige Vorbefassung liegt auch nicht bereits
dann vor, wenn die Amtsperson (Gutachter) zu ungünstigen Schlussfolgerungen für die
betreffende Partei gelangt ist (Urteile des Bundesgerichts vom 15. März 2011
[8C_781/2010] E. 7.1 mit Hinweisen u. a. auf BGE 132 V 110 E. 7.2.2 und vom 14.
Oktober 2016, 9C_434/2016, E. 5.2 mit Hinweisen). Hingegen kann ein
Ausstandsgrund vorliegen, wenn die Gutachtensperson den Eindruck erweckt, sich
bereits von vornherein eine feste Meinung über den Ausgang des Verfahrens gebildet
zu haben, also nicht mehr neutral zu sein (Ueli Kieser, ATSG Kommentar, 4. Aufl., Art.
36 N 15 f.).
Der Beschwerdeführer legt nicht dar noch ist aus dem Gutachten oder aus den
weiteren Akten ersichtlich, dass Dr. H._ in seinem zweiten Gutachten vom
20. Februar 2019 voreingenommen gewesen wäre. Sein Auftrag bestand darin, auf
Grund der seit der Erstbegutachtung aufgelaufenen Berichte der behandelnden Ärzte
(Dr. D._ und Dr. J._, Klinik G._) die Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht zu
reevaluieren und insbesondere Stellung zu beziehen zu den abweichenden
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der genannten Ärzte. Dass der Experte bei im
Wesentlichen unveränderter objektiver Befundlage einer regelrechten Implantatlage
sowie reizlosen bzw. sogar gebesserten postoperativen Verhältnissen wiederum zu der
gleichen Schlussfolgerung einer weitgehenden Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
gelangte, stellt jedenfalls weder eine Voreingenommenheit noch einen
Bestätigungsfehler (confirmation bias) und damit keine unzulässige Befangenheit dar.
Im Übrigen besteht - entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers und wie in der
nachfolgenden materiellen Besprechung noch zu erörtern sein wird - zwischen der
medizinischen Beurteilung des Gesundheitszustands durch den Experten und durch
die behandelnden Ärzte kein wesentlicher Unterschied (wohl aber in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung). Somit ist das Gutachten nun in materieller Hinsicht frei zu
würdigen (Art. 61 lit. c ATSG).
2.2.2.
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3.
Der Beschwerdeführer bestreitet im Wesentlichen die orthopädische Beurteilung
durch Dr. H._, während er gegen die psychiatrische Teilbegutachtung durch med.
pract. L._ und dessen Arbeitsfähigkeitsschätzung keinerlei Einwände erhebt.
Namentlich macht er geltend, die medizinische Beurteilung des orthopädischen
Experten widerspreche jener der behandelnden Ärzte. Dies trifft jedoch nicht zu. So
können sich - wie der Experte - weder der Hausarzt Dr. D._ noch Dr. J._ (noch die
früheren Operateure Dr. Z._ und Dr. E._) die persistierenden, diffusen Schmerzen
am linken Knie trotz regelrechter Implantatlage und unauffälliger Wundheilung erklären.
Während Dr. D._ in seinem letzten Verlaufsbericht vom 28. Oktober 2018 vom
Erreichen des Endstadiums (chronischer Schmerzzustand) ausgeht und die Therapie -
nebst der auswärtig durchgeführten Physiotherapie - nur noch in der Abgabe von
Schmerzmitteln besteht (act. G 5.1/210.2), scheint auch Dr. J._ zunehmend ratlos zu
sein. So hielt er in seinem letzten Bericht vom 5. Juni 2018 fest, aus orthopädischer
Sicht könne kein klarer Hinweis für die vom Beschwerdeführer geklagten Schmerzen
gefunden werden. In der Folge hielt er eine neurologische Abklärung für angezeigt (act.
G 5.1/223.1). Eine solche wurde am 2. August 2018 durch Prof. Dr. K._
vorgenommen, doch auch dieser Arzt konnte auf seinem Fachgebiet keine Ursache für
den chronischen Knieschmerz links finden. Hingegen fand er eine weitgehend intakte
Koordination und ein flüssiges Gangbild inklusive sicherem Strichgang vor, wenn auch
mit Hinken links. Insgesamt konnte er an den unteren Extremitäten einen
altersentsprechenden Befund ohne relevante motorische Defizite erheben (act.
G 5.1/210.5 f.). Die vom orthopädischen Gutachter gestellte Diagnose -
Funktionsstörungen des linken Kniegelenks bei einliegender Knietotalendoprothese
und Funktionsstörung des rechten Kniegelenks bei aussenseitig aufgebrauchter
Gelenkfläche (womit auch widerlegt ist, dass die Beschwerden am rechten Knie nicht
berücksichtigt worden seien) - steht damit im Einklang mit den Ausführungen der
behandelnden Ärzte.
3.1.
Auf Grund der gegebenen Befundlage erscheint die vom Gutachter
vorgenommene Umschreibung der noch möglichen Tätigkeiten als plausibel. So
erscheint nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer keine schweren körperlichen
Tätigkeiten (Heben, Tragen über 10 kg) und auch keine Tätigkeiten mit starker
Belastung des Bewegungsapparates, insbesondere der Beine und der Knie, mehr
ausüben kann. Mit der Angabe, der Beschwerdeführer sei in der angestammten
Tätigkeit als Autoverkäufer noch zwei bis drei Stunden pro Tag bzw. 30 % arbeitsfähig,
ist wohl die Ausgestaltung der Tätigkeit gemeint, wie sie in den Akten beschrieben
3.2.
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bzw. wie sie dem Gutachter geschildert wurde. So führte der Beschwerdeführer
gegenüber Dr. H._ im ersten Gutachten aus, dass er die Autos angekauft,
zurechtgemacht und wieder weiterverkauft habe. Er habe den Kunden die Fahrzeuge
präsentieren müssen und sei dabei viel auf dem Gelände (500 - 600 m ) herumgelaufen
(act. G 5.1/176.8; vgl. auch 36.3 f.). Auch anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle
(Betätigungsvergleich) vom 27. Oktober 2009 gab er an, dass er den Fahrzeugunterhalt
vernachlässigen müsse und eigentlich auf eine Teilzeit-Aushilfe angewiesen sei (act.
G 5.1/36.3, 36.5 und 36.8). Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H._ betreffend die
angestammte Tätigkeit stimmt denn auch mit dem Ergebnis der AOS überein, die
ebenfalls eine Einschränkung von 70 % ergab (act. G 5.1/36.9). Insofern erscheint eben
die angestammte Tätigkeit - entgegen der nun vertretenen Ansicht des
Beschwerdeführers und selbst des RAD (vgl. act. G 5.1/171) - nicht als bereits
weitgehend angepasst. Jedenfalls hat das hiesige Gericht bereits im Urteil vom 10. Juni
2013 festgestellt, dass dem Versicherten die Aufgabe der selbstständigen und die
Aufnahme einer unselbstständigen Tätigkeit zumutbar sei, da bei letzterer eine
geringere Erwerbseinbusse bestehe (E. 3.4). Im Weiteren leuchtet auch ein, dass dem
Beschwerdeführer körperlich leichte Tätigkeiten, die überwiegend sitzend auszuüben
sind mit der Möglichkeit kurzzeitig aufzustehen, weitestgehend zumutbar sind.
Demgegenüber ist rein medizinisch-theoretisch nicht nachvollziehbar, weshalb die
Dres. D._ und J._, die ja grundsätzlich vom gleichen objektiven Befund ausgehen
und die Schmerzen ebenfalls nicht objektivieren können, von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten (Dr. D._ [act. G 5.1/210.3]) bzw. von einer
Arbeitsfähigkeit auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit von lediglich 30 - 40 % bzw.
von 2 - 3 Stunden pro Tag ausgehen (Dr. J._), zumal auch Dr. J._ postoperativ
davon ausging, dass die Schmerzmittel Fentanyl und Targin im weiteren Verlauf
auszuschleichen seien, also nicht mehr benötigt würden (act. G 5.1/208, 213 und
218.2).
2
Anzufügen bleibt, dass die von Dr. D._ im Bericht vom 28. Oktober 2018
erwähnte massive geistige Einschränkung (act. G 5.1/210.4) in den übrigen
medizinischen Berichten sowie im psychiatrischen Gutachten keine Entsprechung
findet. Zwar erwähnt der psychiatrische Experte etwa einen auffälligen Alkoholkonsum
(7 dl Rotwein täglich seit 20 Jahren [act. G 5.1/232.17 und 232.21]). Bekannt ist zudem
der chronische Schmerzmittelkonsum (vgl. act. G 5.1/218.2). Indessen geht der
psychiatrische Gutachter - wie auch der Neurologe Prof. Dr. K._ (act. G 5.1/210.5) -
von einem allseits wachen und bewusstseinsklaren und zu allen Qualitäten orientierten
Geisteszustand sowie einer nicht eingeschränkten Konzentration und Aufmerksamkeit
aus. Zudem lägen keine Anhaltspunkte für eine anhaltende somatoforme
3.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/20
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4.
Schmerzstörung oder eine Schmerzstörung mit psychischen und somatischen
Faktoren vor (act. G 5.1/232.18 ff). Auch in den übrigen ärztlichen Berichten - ausser im
erwähnten Bericht von Dr. D._ - wurde nirgends über eine die geistigen Fähigkeiten
beeinträchtigende Suchtproblematik oder gar offenkundige geistig-intellektuelle oder
kognitive Defizite berichtet. Es ist somit anzunehmen, dass der geistige
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers trotz bestehender Risikofaktoren nicht
erheblich eingeschränkt ist und demzufolge keine (zusätzliche) relevante
Einschränkung der körperlich noch möglichen Arbeitsfähigkeit zu bewirken vermag.
Dies ergibt sich auch aus der Konsensbeurteilung der beiden Gutachter (act.
G 5.1/233.6 f.). Zusammenfassend ist somit auf das bidisziplinäre Gutachten
abzustellen.
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Sachverhalt bis zur angefochtenen
Verfügung vom 30. März 2019 zu beurteilen ist (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis).
Auf nachträgliche Verschlechterungen des Gesundheitszustands - wie in der Replik
vom 14. Oktober 2019 impliziert wird - ist im vorliegenden Verfahren nicht einzugehen.
Im Übrigen ergibt sich auch aus dem replicando eingereichten Sprechstundenbericht
von Dr. J._ vom 19. Juli 2019 keine wesentliche Veränderung des Gesundheits
zustands, werden darin doch lediglich die bekannten diffusen Schmerzen am linken
Kniegelenk bei fehlender Schwellungsneigung oder Überwärmung und ansonsten
unauffälligen Verhältnissen beschrieben. Jedoch besteht gemäss diesem Bericht eine
(offenbar zunehmend symptomatische) lateral betonte Gonarthrose rechts (act. G 12.1).
3.4.
Der Beschwerdeführer geht davon aus, dass er keinerlei Tätigkeiten mehr ausüben
könne. Zuletzt gab er gegenüber der IV-Sachbearbeitung an, er könne nichts mehr
machen und fühle sich auch in anderen Tätigkeiten nicht arbeitsfähig. Er war mit der
Rentenprüfung einverstanden, woraufhin die IV-Stelle das Leistungsbegehren
betreffend berufliche Massnahmen abgeschlossen hatte (act. G 5.1/180.6 und 181).
Insofern der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren geltend macht, die
Selbsteingliederung sei ihm nicht zuzumuten (Beschwerde, Ziff. 24), verhält er sich
widersprüchlich. Bei entsprechender Bereitschaft zu beruflichen
Eingliederungsmassnahmen hätte die Beschwerdegegnerin jedoch solche
aufzunehmen (Art. 8 und 15 ff. IVG).
4.1.
Mithin ist der Einkommensvergleich vorzunehmen: Beim Valideneinkommen
rechtfertigt es sich, von dem durch das hiesige Gericht mit Urteil vom 10. Juni 2013
(E. 4.3) erhobenen Wert von Fr. 68'985.-- auszugehen. Da die angestammte Tätigkeit
4.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/20
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seither bereits durch die gesundheitliche Einschränkung beeinträchtigt gewesen war
und per November 2015 ganz aufgegeben wurde, sind allfällige nach dem genannten
Urteil in selbstständiger Stellung erzielte Einkünfte nicht mehr repräsentativ (wobei die
Jahresabschlüsse der Y._ GmbH in den Jahren ab 2015 nur noch Verluste auswiesen
[act. G 5.1/188 - 192]). Mit der Beschwerdegegnerin ist dieser Betrag sodann auf das
Jahr 2016 und somit auf Fr. 73'304.-- aufzurechnen (vgl. Einkommensvergleich vom
28. Mai 2018 [act. G 5.1/193]). Dieses Valideneinkommen wird denn auch vom
Beschwerdeführer nicht bestritten (vgl. Beschwerde, Ziff. 24 f.).
Beim Invalideneinkommen ging das Versicherungsgericht im Urteil vom 10. Juni
2013 noch von einem Tabellenwert 2008 (erstmalige Anmeldung) von Fr. 59'979.--
(Tabellenwert 2008, ehemaliges Anforderungsniveau 4) aus und billigte dem
Beschwerdeführer gemäss den damaligen Feststellungen des RAD-Arztes Dr. O._
vom Juni 2010 eine Reduktion des Rendements in adaptierter Tätigkeit von 12 % zu
(vermehrter Pausenbedarf von einer Stunde pro Tag [act. G 5.1/58.8]). Zudem billigte
es dem Beschwerdeführer auf Grund des eingeschränkten Spektrums von lediglich
noch körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten einen Leidensabzug von
10 % zu, was schliesslich zu einem Invalideneinkommen von Fr. 47'504.-- und zu
einem Invaliditätsgrad von rund 31 % führte (E. 4.4 und 4.6). An der durch das Gericht
bereits festgestellten Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit (E. 3.5) hat sich seit dieser
Einschätzung nichts Grundlegendes geändert. So sind dem Beschwerdeführer nach
wie vor leichte sitzende Tätigkeiten mit der Möglichkeit, kurzzeitig aufzustehen,
ganztags möglich. Vorliegend geht die Beschwerdegegnerin von einem
Invalideneinkommen von 67'022.-- aus (Feststellungsblatt vom 28. Mai 2018 [act.
G 5.1/193]). Dies liegt leicht unter dem LSE-Wert 2016 (T1 Skill level, Kompetenzniveau
1, Männer, Total, 41,7 Stunden) von Fr. 67'416.-- (Fr. 5'389.-- x 12 : 40 x 41,7), jedoch
leicht über dem entsprechenden Tabellenwert 2016 gemäss IVG-Ausgabe 2019
Informationsstelle AHV/IV, Anhang 2, von Fr. 66'803.--. Es erscheint somit als valabler
Ausgangspunkt. Entgegen der damaligen Annahme von Dr. O._ gehen die heutigen
Gutachter nicht von einem zusätzlichen Pausenbedarf aus. Indessen ist dem
Beschwerdeführer auf Grund seines eingeschränkten Leistungsspektrums nach wie vor
ein sogenannter Leidensabzug zuzubilligen.
4.3.
Im Weiteren beantragt er, es sei ihm auf Grund seines fortgeschrittenen Alters ein
zusätzlicher Abzug zu gewähren. Nach der Rechtsprechung wird das fortgeschrittene
Alter, obschon an sich ein invaliditätsfremder Faktor, als Kriterium anerkannt, das die
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit reduzieren kann (BGE 138 V 457 E. 3.1). Vor
liegend ist zwar nicht von der Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit des
4.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/20
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Beschwerdeführers auszugehen. Indessen ist zu berücksichtigen, dass er im
Verfügungszeitpunkt (März 2019) 59 Jahre alt war. Zu berücksichtigen ist indessen
auch, dass er spätestens nach dem in Rechtskraft erwachsenen Urteil vom 10. Juni
2013 - mithin im Alter von 53 Jahren - wusste, dass ihm die Aufgabe der
selbstständigen Erwerbstätigkeit und damit die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit in
unselbstständiger Stellung zuzumuten war. Dass der Beschwerdeführer in all den
Jahren auf eine entsprechende Verwertung verzichtet hat und mittlerweile in einem
fortgeschrittenen Alter steht, hat grundsätzlich nicht die Invalidenversicherung zu
vertreten. Zu berücksichtigen ist aber, dass er in der Zeit ab November 2015 drei Mal
operationsbedingt ganz oder teilweise arbeitsunfähig geschrieben war, was eine
Eingliederung erschwert haben dürfte. Es rechtfertigt sich deshalb, in einer
Gesamtwürdigung der Umstände von einer Reduktion des Tabellenlohns um 15 %
auszugehen. Das Invalideneinkommen beträgt somit Fr. 56'969.-- (Fr. 67'022 x 85 %).
Dies entspricht einem Invaliditätsgrad von 22,3 % ([Fr. 73'304.-- - Fr. 56'969.--]:
Fr. 73'304.-- x 100). Selbst wenn man dem Beschwerdeführer - wie im Urteil vom
10. Juni 2013 - zusätzlich ein vermindertes Rendement von 12 % (vermehrter
Pausenbedarf) zubilligen wollte, würde sich ein Invalideneinkommen von Fr. 50'132.--
(Fr. 67'022.-- x 88 % x 85 %) sowie ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von
31,6 % ergeben ([Fr. 73'304.-- - Fr. 50'132.--]: Fr. 73'304.-- x 100).
Daraus resultiert kein Rentenanspruch ab dem Zeitpunkt, ab dem von einer vollen
Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit auszugehen ist. Gemäss dem
ersten Gutachten von Dr. H._ ist dies durchgehend ab dem 1. April 2018 der Fall (act.
G 5.1/176.15). In seinem zweiten Gutachten geht Dr. H._ (und mit ihm med. pract.
L._ im Konsens) davon aus, dass eine volle Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit bereits ab 1. April 2017 möglich war (act. G 5.1/231.16). Dies ist damit zu
erklären, dass die vollumfängliche adaptierte Arbeitsfähigkeit jeweils lediglich für
kürzere Zeiträume unterbrochen war, wie dies der tabellarischen Auflistung im ersten
Gutachten zu entnehmen ist (IV-act. G 5.1/176.15). Die adaptierte Arbeitsfähigkeit war
vom 19. November 2015 bis 28. Februar 2016 etwas mehr als drei Monate vollständig
aufgehoben und anschliessend bis zum 30. Juni 2016 für drei Monate um 50%
eingeschränkt. Anschliessend war sie ab dem 1. Juli 2016 bis zum 15. Januar 2017 für
sechseinhalb Monate vollständig erhalten. Ab dem 16. Januar 2017 bis zum 31. März
2017 war sie für zweieinhalb Monate aufgehoben und vom 1. April 2017 bis zum 17.
Oktober 2017 für mehr als sechs Monate wieder intakt. Anschliessend war sie ab dem
18. Oktober 2017 bis Ende März 2018 nochmals für fünfeinhalb Monate eingeschränkt.
Insgesamt dauerte die Arbeitsunfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten seit der letzten
rechtskräftigen Abweisung eines Rentenanspruches am 19. Juni 2014 bzw. seit der
4.5.
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5.