Decision ID: 9130a18c-8435-4b6b-8c7e-8511327c33bd
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit
– am 31. Mai 2013 in Rechtskraft erwachsenem (Urk. 2/1 S. 4) – Beschluss vom 24. April 2013 schied das Amtsgericht
Z._
, Abteilung für Familiensachen, die am 22. Juni 1984
zwischen
X._
und
Y._
geschlossene Ehe (Urk. 2/1). Im Rahmen der Regelung des Vorsorgeausgleichs
verwies das
Gericht hinsichtlich der beiden
Konten von
Y._
bei der
Freizügigkeitsstiftung der Zürcher Kantonalbank
(ZKB)
auf die von den Eheleuten am 22. November 2010
geschlossene Vereinbarung über die
Scheidungsfolgen
(Urk. 2/1 S. 2
und Urk. 2/2
). Darin wurde die hä
lftige Teilung des
Freizügigkeits
kapitals
festge
halten.
2.
Mit Eingabe vom 31.
Oktober 2013 beantragten
X._
und
Y._
,
es seien die Guthaben von
Y._
bei
der Freizügigkeitsstiftung der Z
KB
(Konto-Nr.
A._
und
B._
) sowie auf dem Säule 3a
-Konto bei der Vorsorgestiftung der ZKB
(Konto-Nr.
C._
) per Datum des Scheidungsurteils hälftig zu teilen und es sei der daraus resultierende
Anteil
X._
auf
ein durch die Z
KB
zu eröffnendes Konto zu überweisen (Urk. 1).
3.
Mit rechtskräftigem Beschluss vom 22. November 2013 trat das hiesige Gericht auf
die Klage hinsichtlich der Teilung des Guthabens des Säule 3a-Kont
os von
Y._
mangels
sachlicher Zuständigkeit nicht ein (Urk. 4).
4.
4.1
Mit Verfügung vom 15. J
anuar 2014 wurde den Scheidungsparteien die von der Freizügigkeitsstiftung der Z
KB
per 31. Dezember 2012 respektive per Datum der Rechtskraft des Scheidungsurteils gemeldeten zu teilenden
Freizügigkeits
leistungen
(Konto-Nr.
A._
und
B._
) zur Kenntnis gebracht und ihnen Gelegenheit gegeben, Anträge zu stellen. Gleichzeitig
wurde
Y._
aufgefordert
, sich über den Verbleib des Vorbezugs von Fr. 1‘500‘000.-- im Rahmen der Wohneigentumsförderung zu äussern
(Urk. 9).
4.2
Mit Schreiben
vom 29. Januar 2014 teilten die Scheidungsparteien mit, der
Vorbezug
sei zwecks Tilgung der auf ihrem Wo
hneigentum an der
D._
lastenden Hypothek
getätigt worden. Das Haus sei am 1. Juli 2011 verkauft und der Ertrag hälftig geteilt worden
. In der Folge
hätten sie ihren jeweiligen Anteil
in selbst genutztes Wohneigentum in
E._
und
F._
investiert
(Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 122 Abs. 1 des Zivilgesetzbuches (ZGB) hat jeder Ehegatte Anspruch auf die Hälfte der nach dem Freizügigkeitsgesetz (Bundesgesetz über die Freizü
gigkeit in der beruflichen Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge
[
FZG
]
) für die Ehedauer zu ermittelnden Austrittsleistung des anderen Ehegatten, wenn ein Ehegatte einer Einrichtung der beruflichen Vorsorge angehört oder beide Ehegatten einer solchen angehören und bei keinem Ehegatten ein Vorsorgefall eingetreten ist.
1.2
Haben sich die Ehegatten über die Teilung der Austrittsleistungen sowie die Art der Durchführung der Teilung geeinigt und legen sie eine Bestätigung der beteiligten Einrichtungen der beruflichen Vorsorge über die Durchführbarkeit der getroffenen Regelung und die Höhe der Guthaben vor, die für die Berech
nung der zu teilenden Austrittsleistungen massgebend sind, so wird die Verein
barung mit der Genehmigung durch das Gericht auch für die Einrichtungen der beruflichen Vorsorge verbindlich (Art.
280 Abs.
1 und 2 der Zivilprozessord
nung [
ZPO
]
).
1.3
Nach Art. 281 Abs. 3 ZPO überweist das Scheidungsgericht - falls keine Verein
barung über die Teilung der Austrittsleistungen der beruflichen Vorsorge im Sinne von Art. 280 ZPO zustande kommt beziehungsweise falls das
Scheidungs
gericht
den zu überweisenden Betrag bei gegebenen Voraussetzungen nicht selbst festlegt (Art. 281 Abs. 1 ZPO) – die Streitsache nach Eintritt der Rechts
kraft des Entscheides über das Teilungsverhältnis von Amtes wegen an
das gemäss FZG
zuständige Gericht.
Uneinigkeit im Sinne des Gesetzes liegt auch dann vor, wenn die Ehegatten eine Einigung erzielt haben, aber keine Bestätigung der Vorsorgeeinrichtung über die Durchführbarkeit der getroffenen Regelung beibringen können. Das Schei
dungs
urteil entfaltet
diesfalls
gegenüber der Vorsorgeeinrichtung, die im
Scheidungs
verfahren
nicht Partei ist, keine Rechtskraft, und entsprechend kann der Scheidungsrichter dieser gegenüber keine verbindlichen Anordnungen treffen; vielmehr hat er lediglich über das Teilungsverhältnis zu befinden und
wie vorstehend dargelegt - die Streitsache an das zuständige Gericht zu über
weisen. Dieses führt die Teilung auf Grund des vom Scheidungsgericht bestimmten Schlüssels von Amtes wegen durch, wobei die Vorsorgeeinrichtung in diesem Verfahren Parteistellung geniesst (
BGE 130 III 336 E. 2.5 mit w
eiteren
Hinweisen
sowie Art. 25a Abs. 2 FZG
).
1.4
Nicht anders verhält es sich im internationalen Verhältnis:
Ausländische
Vor
sorgeregelungen
können gemäss Art. 25 des Bundesgesetzes über das Int
er
nationale Privatrecht
anerkannt und vollstreckt werden, sofern
dem aner
kannten Urteil im Vergleich zu einem entsprechenden inländischen keine anders
arti
gen, wesentlich w
eitergehenden Wirkungen zukommt
(BGE 130 III 336 E. 2.5 mit weiteren Hinweisen).
2.
Das
Amtsgericht
Z._
hat vorliegend durch den Verweis auf die Vereinbarung über die Scheidungsfolgen den Grundsa
tz und das Ausmass der Teilung, d.h. den Teilungsschlüssel,
für die beiden Freizügigkeitskonten von
Y._
bei der Freizügigkeitsstiftung der Z
KB
bestimmt
. Das Amts
gericht hat damit keine Anordnung getroffen, die über die Teilungsregel von Art. 122 Abs. 1 ZGB hinausgeht.
Der Beschluss des Amtsgerichts
Z._
,
Abteilung für Familiensachen,
vom 24. April 2013
kann somit aner
kannt werden, soweit diese
r
das Verhältnis der Aufteilung des schweize
rischen Vorsorgeguthabens
von
Y._
bei
der
Frei
zügigkeitsstiftung
der ZKB
festlegt.
3.
3.1
Die hälftig zu teilende
Freizügigkeitsleistung von
Y._
setzt sich aus dem
auf den beiden Freizügigkeitskonten bei der
Freizügigkeitsstiftung der Z
KB
angesparten Freizügigkeitskapital
zusammen. Dieses beträgt auf dem Konto-Nr.
A._
Fr. 325‘097.50
(Fr. 20‘032
.50 Freizügigkeitskonto und Fr.
305‘065.-- Wertschriften [Urk. 7])
und
auf dem Konto-Nr.
B._
Fr. 156‘
110.25 (Fr.
1‘265.25 Freizügigkeitskonto und Fr. 154‘845.-- Wert
schriften
[
Urk. 8
]
)
.
Hinsichtlich der unter dem Punkt „Freizügigkeitskonto“ aufgeführten Guthaben ist allerdings zu bea
chten, dass es sich dabei um die Saldi
per 31. Dezember 2012 handelt (vgl. Urk. 7 S. 1 und Urk. 8 S. 1). Die gemeldeten Zahlen sind demnach
im Rahmen der obligatorischen Vorsorge aufgrund der
in Art. 12 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge (BVV 2) aufgeführten Zinssätze respek
tive im überobligatorischen Bereich
gestützt auf die von der
Freizügigkeits
stiftung
der Z
KB
angegebenen Zinssätze (Urk. 7 S. 5 und Urk. 8 S.
5)
aufzu
zinsen
(
Zins
usanz
: 12 x 30 Tage; 360/360, vgl.
Urteil des damaligen Eid
genössischen
Ver
siche
rungsgerichts
H 148/03
vom 10.
November 2003 E.
3.4):
- Zins von 1 % vom 1. Januar bis 31. Januar 201
3
(30 Tage gemäss genannter
Zinsusanz
) auf Fr. 20‘032.50: Fr.
16.70; addiert mit Fr. 20‘032.50 = Fr. 20‘049.20
- Zins von 0,5 % vom 1. Februar 2013 bis 31. Mai 2013 (120 Tage) auf Fr. 20‘0
32
.
5
0: Fr. 33.40; addiert mit Fr. 20‘049.20 = Fr. 20‘082.60
- Zins von 1
.5
%
(obligatorischer Anteil)
vom 1. Januar bis 31.
Mai
2013
(150
Tage) auf Fr. 1‘265.25: Fr.
7.90
; addiert mit Fr. 1‘265.25 = Fr. 1‘
273.15
Die hälftig zu teilende Freizügigkeitsleistung
von
Y._
beläuft sich damit auf
insgesamt
Fr. 481‘26
5
.
75
(Fr. 20‘082.60 + Fr. 305‘065.-- + Fr. 1‘
273
.
15
+ Fr. 154‘845.--).
3.2
Eine Hinzurechnung
des im Rahmen der Wohneigentumsförderung getätigten Vorbezugs von Fr.
1‘500‘000.-- zur Austrittsleistung kann angesichts der geschil
derten Umstände
(vgl.
Sachverhalt
4.2
hievor
und
Urk. 11) ausser Acht bleiben.
3.3
Zusammenfassend ergibt sich eine Transferleistung zu Gunsten
von
X._
und zu Lasten
von
Y._
in der Höhe von Fr. 240‘
632.
90
(= 1⁄2 x Fr. 481‘
265
.
75
)
.
Da die Teilung gemäss der Meldung der Freizügigkeitsstiftung der Z
KB
durch
führbar ist, ist diese zu verpflichten, den Betrag von Fr. 240‘
632.
90
zu Lasten von
Y._
auf ein von
X._
zu bezeichnendes Konto zu überweisen.
4.
Rechtsprechungsgemäss ist die einem ausgleichsberechtigten Ehegatten im Falle der Scheidung zustehende Austrittsleistung vom massgebenden Stichtag der Teilung (Datum der Rechtskraft des Scheidungsurteils) an bis zum Zeitpunkt der Überweisung oder des Beginns der Verzugszinspflicht zu verzinsen (vgl. Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts B 17/06 vom 6. Juni 2006 E. 4.
1-
2). Dabei hat die Vorsorgeeinrichtung für den Bereich des
Obliga
tori
ums
auf der Austrittsleistung den Mindestzinssatz von Art. 12
BVV 2 (
von 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2013 mindestens 1.5 % p.a. und ab 1. Januar 2014 mindestens 1.75
% p.a. [Art. 12
lit
.
g-h
BVV 2]) oder den allenfalls höheren reglementarischen Zins zu vergüten. Für den Fall des Eintritts der Verzugszinspflicht (nach Ablauf von dreissig Tagen seit Rechtskraft des vorliegenden Entscheids) beliefe sich der anzuwendende Zinssatz auf den BVG
Mindestzinssatz plus einem Prozent (Art. 2 Abs. 4 FZG und Art. 26 Abs. 2 FZG in Verbindung mit Art. 7 der Freizügigkeitsverordnung
[FZV]
).
Im Rahmen der überobligatorischen Vorsorge gilt in erster Linie der reglementarische Zinssatz. Sieht das Reglement keinen Zinssatz vor, rechtfertigt es sich, subsidiär den in Art. 12 BVV 2 vorgesehenen Mindestzinssatz anzuwenden.
Demzufolge ist die
X._
geschuldete Freizügigkeitsleistung im Sinne der Erwägungen zu verzinsen, und zwar
die Guthaben der obligatorischen Vorsorge
zu mindestens 1.5 % ab 31. Mai 2013 (Datum der Rechtskraft des
Scheidungsurteils) respektive zu mindestens 1.75 % ab 1. Januar 2014 beziehungsweise nach Eintritt eines allfälligen Verzugsfalles nach dem g
enannten höheren Verzugszins
. Für die Guthaben aus der überobligatorischen Vorsorge ist das anwendbare
Reglement massge
be
nd
.