Decision ID: e0992070-6bc0-4fd2-9ac7-d07c2ed8eccf
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ reiste am 18. April 2001 in die Schweiz ein und stellte unter diesem Namen,
geb. 5. Juli 1980, von Algerien, ein Asylgesuch. Obschon das Asylgesuch am 29. Juni
2001 rechtskräftig abgelehnt und er aus der Schweiz weggewiesen worden war, reiste
er nicht aus. Dem damals zuständigen Migrationsamt des Kantons Zürich gelang es
nicht, den Ausländer zu identifizieren.
In den folgenden Jahren wurde A._ wiederholt straffällig und verbüsste zahlreiche
Gefängnisstrafen. Dazwischen tauchte er jeweils unter. Mit Entscheid des Kreisgerichts
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St. Gallen vom 26. August 2020 wurde er wegen zahlreicher Delikte zu einer
Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einer Busse verurteilt. Zudem wurde er für zehn
Jahre des Landes verwiesen. Während der Verbüssung der Freiheitsstrafe leitete das
nunmehr zuständige Migrationsamt des Kantons St. Gallen Abklärungen zur
Identifikation von A._ ein. Am 25. Mai 2021 teilte Interpol Algerien mit, gemäss
Fingerabdruckvergleich handle es sich bei A._ um B._, geb. 5. Juli 1977, in X._
(Algerien). Das Migrationsamt ersuchte die algerischen Behörden in der Folge um
Identifizierung und Ausstellung eines Laissez-Passer. Bis anhin erfolgte keine
Rückmeldung.
B.
Nach Entlassung aus dem Strafvollzug wurde A._ alias B._ gestützt auf den
Haftbefehl des Migrationsamts vom 28. Oktober 2021 am 7. November 2021 in
Ausschaffungshaft genommen. Die Haft wird im Ausschaffungsgefängnis in Bazenheid
vollzogen. Nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung bestätigte die zuständige
Einzelrichterin der Verwaltungsrekurskommission am 10. November 2021 den
Haftbefehl gegen A._ alias B._ vom 28. Oktober 2021 und genehmigte die
Ausschaffungshaft für drei Monate bis 6. Februar 2022. Die dagegen erhobene
Beschwerde wies das Verwaltungsgericht mit Entscheid vom 20. Dezember 2021 ab
(Verfahren B 2021/252). Mit Entscheid vom 4. Februar 2022 wurde die Verlängerung
der Ausschaffungshaft um drei Monate bis 6. Mai 2022 vom zuständigen Einzelrichter
der Verwaltungsrekurskommission genehmigt.
C.
Auf Ersuchen des Migrationsamts vom 29. April 2022 und nach Durchführung einer
mündlichen Verhandlung genehmigte die zuständige Einzelrichterin der
Verwaltungsrekurskommission die Verlängerung der Ausschaffungshaft mit Entscheid
vom 6. Mai 2022 um weitere drei Monate bis 6. August 2022 (Ziffer 1 des Dispositivs).
Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung (Ziffer 2). Auf die
Erhebung amtlicher Kosten wurde verzichtet (Ziffer 3) und das Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung abgewiesen (Ziffer 4).
A._ alias B._ wurde in der Zeit der Haft mehrmals vom Migrationsamt befragt
(10. Dezember 2021, 24. März und 28. April 2022). Dabei gab er stets an, er werde
nicht nach Algerien zurückreisen. Er wolle künftig in Frankreich leben, um dort zu
heiraten. Es sei ihm nicht möglich, Reisepapiere zu besorgen.
D.
A._ alias B._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 9. Mai 2022 ausgehändigten
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Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe seiner
Rechtsvertreterin vom 17. Mai 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den
Anträgen, die Ziffern 1, 2 und 4 des angefochtenen Entscheids seien aufzuheben und
der Beschwerdeführer sei umgehend aus der Ausschaffungshaft zu entlassen. In
formeller Hinsicht ersucht er um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung.
Die Vorinstanz verzichtete am 20. Mai 2022, das Migrationsamt (Beschwerdegegner)
am 27. Mai 2022 auf eine Vernehmlassung. Der Beschwerdeführer reichte dazu keine
Stellungnahme mehr ein.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und auf die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten sowie die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer –
mit dem angefochtenen Entscheid wurde die gegen ihn verfügte Ausschaffungshaft
verlängert, und er ist wegen der der Beschwerde entzogenen aufschiebenden Wirkung
nach wie vor in Haft – ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Der Beschwerdeführer hat die Beschwerde gegen den ihm am
9. Mai 2022 ausgehändigten Entscheid mit Eingabe vom 17. Mai 2022 rechtzeitig
erhoben (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP). Die Eingabe erfüllt in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, der Wegweisungsvollzug nach
Algerien sei nicht absehbar. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei das
Ausweisungsverfahren nicht mehr schwebend, wenn die seit längerem unternommenen
Bemühungen um Ausstellung eines Laissez-Passer durch die heimatlichen Behörden
der betroffenen Person vereitelt würden. Eine vage Möglichkeit, dass das
Vollzugshindernis durch Einlenken dieser Behörden in absehbarer Zeit wegfallen
könnte, reiche nicht aus. Die Anfrage zur Identifikation des Beschwerdeführers sei seit
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rund zehn Monaten bei den algerischen Behörden hängig. Eine Antwort sei bis dato
nicht erfolgt. Es gebe keine Hinweise, dass dies bald geschehen könnte, womit heute
völlig unklar sei, ob und wann sich das ändern werde. Es lägen keine Anzeichen in
diese Richtung vor. Es sei auch nicht ersichtlich, dass er selbst den Prozess
beschleunigen könnte. Sein gewichtiges privates Interesse an der persönlichen Freiheit
überwiege das öffentliche Interesse an der Wegweisung angesichts einer Haftdauer
von mittlerweile insgesamt zwölf Monaten. Mildere Mittel wie Eingrenzung oder
Meldepflicht hätten geprüft werden müssen. Die Haft sei nicht mehr verhältnismässig.
3.
Der Beschwerdeführer beanstandet weder dass Verfahren der richterlichen
Haftüberprüfung durch die Vorinstanz noch das Vorliegen eines vollstreckbareren
Wegweisungstitels, noch eines Haftgrunds, noch besonderer Hindernisse beim Vollzug
im Sinn von Art. 79 Abs. 2 AIG. Ebenso werden weder die Einhaltung des
Beschleunigungsgebots noch die Umstände des Haftvollzugs gerügt. Zu prüfen bleibt
damit, ob die Ausschaffung rechtlich und tatsächlich möglich sowie die Haft
verhältnismässig ist.
4.
Nach Art. 80 Abs. 6 lit. a des Bundesgesetzes über Ausländerinnen und Ausländer und
über die Integration (SR 142.20, AIG) darf die Ausschaffungshaft nur angeordnet oder
aufrechterhalten werden, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht aus rechtlichen oder
tatsächlichen Gründen undurchführbar ist. Nach Art. 5 Ziff. 1 lit. f der Europäischen
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMKR)
muss das Ausweisungsverfahren schwebend sein, was voraussetzt, dass mit dem
Vollzug der Wegweisung, zu deren Sicherstellung die Ausschaffungshaft
ausschliesslich dient, ernsthaft zu rechnen ist (BGE 125 II 217 E. 3b/bb mit Hinweisen).
Wie es sich mit der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Einzelnen verhält,
bildet Gegenstand einer nach pflichtgemässem Ermessen vorzunehmenden Prognose.
Massgebend ist, ob der Wegweisungsvollzug mit hinreichender Wahrscheinlichkeit
innert absehbarer Zeit möglich erscheint oder nicht. Die Haft verstösst gegen Art. 80
Abs. 6 lit. a AIG und ist zugleich unverhältnismässig, wenn triftige Gründe
dafürsprechen, dass die Wegweisung innert vernünftiger Frist nicht vollzogen werden
kann. Unter dem Blickwinkel von Art. 80 Abs. 6 lit. a AIG ist die Haft indes nur
aufzuheben, wenn keine oder bloss eine höchst unwahrscheinliche, rein theoretische
Möglichkeit besteht, dass die Wegweisung vollzogen werden kann, nicht indessen bei
einer ernsthaften, wenn auch allenfalls (noch) geringen Aussicht hierauf. Triftige Gründe
4.1.
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für die Undurchführbarkeit des Vollzugs liegen in der Regel bloss dann vor, wenn die
Ausschaffung auch bei gesicherter Kenntnis der Identität oder der Nationalität des
Betroffenen bzw. trotz seines Mitwirkens bei der Papierbeschaffung mit grosser
Wahrscheinlichkeit als ausgeschlossen erscheint. Zu denken ist etwa an eine
ausdrückliche oder zumindest klar erkennbare und konsequent gehandhabte
Weigerung eines Staates, gewisse Staatsangehörige zurückzunehmen (BGE 130 II
56 E. 4.1.3; BGer 2C_768/2020 vom 21. Oktober 2020 E. 5.1 mit Hinweisen). Unter
Vorbehalt einer Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung durch die betroffene Person
ist die Frage nach der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 80
Abs. 6 lit. a AIG nicht notwendigerweise im Hinblick auf die maximale Haftdauer,
sondern vielmehr mit Blick auf einen den gesamten Umständen des konkreten Falls
angemessenen Zeitraums zu beurteilen (vgl. zum Ganzen BGer 2C_512/2020 vom
15. Juli 2020 E. 3.3 mit zahlreichen Hinweisen).
Fest steht, dass der Beschwerdeführer aus Algerien stammt. Er selbst ist indessen
nicht bereit, seiner ihn treffenden Mitwirkungspflicht bei der Papierbeschaffung wie
auch seiner Ausreisepflicht nachzukommen. Dass die Wegweisung bisher nicht
vollzogen werden konnte, ist damit in erster Linie auf sein unkooperatives Verhalten
zurückzuführen. Es wäre für ihn ohne Weiteres möglich, beim algerischen Konsulat ein
Ersatzreisepapier zu beantragen, was sich auch daran zeigt, dass er eigenen Angaben
zufolge in Frankreich sogleich einen Pass beantragen würde. Gemäss unbestritten
gebliebenen Angaben des Beschwerdegegners sind sowohl freiwillige als auch
begleitete Ausschaffungen nach Algerien zudem möglich.
Sein unkooperatives Verhalten wirkt sich sodann auch nicht förderlich auf die für die
Identifikation notwendigen Abklärungen im Heimatland Algerien aus. Die vom
Migrationsamt veranlassten Interpolabklärungen ergaben indes, dass der
Beschwerdeführer in Algerien unter der Identität B._, geb. 5. Juli 1977, registriert ist.
Aus Datenschutzgründen dürfen diese Angaben von Interpol Algerien den algerischen
Behörden aber nicht weitergegeben werden; ein Umstand, der zu Verzögerungen bei
der Papierbeschaffung führt. Noch während des Strafvollzugs ersuchte das SEM die
algerischen Behörden am 14. Juli 2021 um Identifikation des Beschwerdeführers und
Ausstellung eines Laissez-Passer. Seither erinnert das SEM die algerische Vertretung in
der Schweiz regelmässig an die noch ausstehende behördliche Identifizierung des
Beschwerdeführers. Dass bisher noch keine Antwort eingetroffen ist, kann nicht den
Schweizer Behörden angelastet werden. Bei der Wahl ihres Vorgehens muss den
Vollzugsbehörden ein gewisser Spielraum zugestanden werden. Dies gilt insbesondere
4.2.
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hinsichtlich der Kontaktaufnahme zu ausländischen Stellen; die dabei zu beachtenden
diplomatischen Gepflogenheiten sind ihnen am besten bekannt. Im Interesse einer
andauernden erspriesslichen Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Botschaftspersonal
soll und darf bei Rückfragen eine gewisse Zurückhaltung geübt werden; gerade in
dieser Hinsicht kommt der Einschätzung der Vollzugsbehörden erhebliches Gewicht zu.
Die Tatsache, dass die ausländischen Behörden sich oft mit einer Antwort Zeit lassen,
gebietet einzig, innert nützlicher Frist an sie zu gelangen, da sonst viel Zeit ungenutzt
verstreicht und das Risiko steigt, dass der Betroffene innerhalb der maximal zulässigen
Haftdauer nicht ausgeschafft werden kann. Der Kontakt mit ihnen ist anschliessend im
Rahmen vertretbarer Fristen aufrecht zu erhalten, was vorliegend offenkundig
geschehen ist (vgl. BGer 2A.715/2004 vom 23. Dezember 2004 E. 2.3.1 mit Hinweisen,
2A.502/2002 vom 23. Oktober 2002 E. 2.1, 2A.115/2002 vom 19. März 2002 E. 3d).
Auch wenn seit der ersten Identifikationsanfrage einige Zeit verstrichen ist, liegt nach
wie vor ein ernsthaft und mit Nachdruck vorangetriebenes hängiges
Wegweisungsverfahren vor. Dass die algerischen Behörden sich generell weigerten,
Anerkennungen auszusprechen und Ersatzreisepapiere auszustellen, trifft nicht zu.
Erfahrungsgemäss besteht somit im heutigen Zeitpunkt eine nicht bloss theoretische,
sondern eine tatsächlich plausible, wenn auch allenfalls (noch) geringe Aussicht auf
Identifikation und anschliessendem Vollzug der Wegweisung. Bei einer
Gesamthaftdauer von 18 Monaten erscheint die Verlängerung der bis anhin sechs
Monate dauernden Ausschaffungshaft um drei Monate auch im Hinblick auf die für den
Wegweisungsvollzug noch verbleibende Haftdauer als zulässig. Mildere Massnahmen
wie Eingrenzung oder Meldepflicht vermögen den Wegweisungsvollzug nicht
hinreichend sicherzustellen, nachdem der Beschwerdeführer sich in der Vergangenheit
wiederholt nicht an behördliche Anordnungen gehalten hat.
Zusammenfassend erweist sich die Anordnung der Haft daher insgesamt betrachtet
und gestützt auf das Verhalten des Beschwerdeführers als geeignet und erforderlich,
um seine Ausreise sicherzustellen. Sie verstösst angesichts des gewichtigen
öffentlichen Interesses an der Wegweisung des für zehn Jahre des Landes verwiesenen
Beschwerdeführers auch nicht gegen das Übermassverbot. Dieser befindet sich
mittlerweile seit bald sieben Monaten in Ausschaffungshaft. Selbst unter
Berücksichtigung der von ihm erwähnten sechs Monate Ausschaffungshaft in früheren
Jahren – wobei er danach wohl nach Frankreich ausgereist ist – ist die gesetzlich
zulässige Höchstdauer von 18 Monaten im heutigen Zeitpunkt so oder anders nicht
tangiert. Die Beschwerde ist diesbezüglich abzuweisen.
4.3.
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Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer beantragt die Aufhebung von Ziffer 4 des
angefochtenen Entscheids der Vorinstanz, worin sein Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung abgewiesen wurde. Ein ausdrücklicher Antrag auf Zusprechung
einer solchen Entschädigung für das vorinstanzliche Verfahren und eine weitere
Begründung dazu fehlen allerdings in der Beschwerde. Aufgrund der berechtigten
Interessen des Beschwerdeführers ist dieser Antrag indessen als ausreichend
begründet entgegenzunehmen.
4.4.
Die unentgeltliche Rechtspflege wird gewährt, wenn der Gesuchsteller bedürftig ist und
das von ihm angestrebte Verfahren nicht aussichtslos erscheint. Die bedürftige Partei
hat gestützt auf Art. 29 Abs. 3 Satz 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) einen Anspruch darauf, dass ihr auf Gesuch hin ein
unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt wird, falls dies zur Wahrung ihrer Rechte
notwendig erscheint; nach Art. 31 Abs. 2 Satz 2 BV muss jede Person, welcher die
Freiheit entzogen wird, die Möglichkeit haben, ihre Rechte – in einer den Umständen
angemessenen, wirksamen Weise – geltend zu machen. Das Erfordernis der fehlenden
Aussichtslosigkeit ist bei einem Freiheitsentzug von einer gewissen Intensität bzw.
Dauer im Hinblick hierauf jeweils sachgerecht zu relativieren und das Kriterium der
Erfolgsaussichten differenziert zu handhaben (BGE 134 I 92 E. 3.2.3). Das
Bundesgericht hat in diesem Zusammenhang festgestellt, dass dem Ausländer bei der
Haftverlängerung nach drei Monaten bzw. einer Haftanordnung von über drei Monaten
eine schwere Freiheitsbeschränkung droht, die für ihn mit rechtlichen und tatsächlichen
Schwierigkeiten verbunden ist, denen er – auf sich selber gestellt – mangels Kenntnis
der Sprache und der hiesigen Verhältnisse nicht gewachsen erscheint. Es ist ihm in
dieser Situation selbst in "einfachen" Fällen kaum möglich, das administrative
Haftverlängerungsverfahren ohne anwaltliche Hilfe zu verstehen. Die wirksame
Geltendmachung seiner Rechte setzt deshalb spätestens in diesem
Verfahrensabschnitt voraus, dass einem Antrag auf unentgeltliche Verbeiständung
entsprochen wird (BGE 139 I 206 E. 3.3.1). Nach spätestens drei Monaten Haft ist
daher einem mittellosen Ausländer im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren auf Gesuch
hin in jedem Fall ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen (M. Businger,
Ausländerrechtliche Haft, Zürich/Basel/Genf 2015, S. 287 f.).
4.5.
Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens war die zweite Verlängerung der
Ausschaffungshaft nach sechs Monaten um weitere drei Monate. Die Vorinstanz
4.6.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_526%2F2016+&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-I-92%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page92 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_526%2F2016+&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-I-92%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page92
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erwog, bei weiteren Verlängerungen nach einer ersten Verlängerung sei eine
unentgeltliche Rechtsverbeiständung nur noch in Ausnahmefällen zu gewähren. Dem
Gesuchsteller sei bereits bei der ersten Verlängerung ein Rechtsvertreter unentgeltlich
bestellt worden. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ergibt sich indessen ab
einer Haftdauer von drei Monaten ein Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung, und zwar nicht nur bei der erstmaligen Verlängerung, sondern –
auf entsprechenden Antrag hin - auch bei jeder weiteren Verlängerung, zumal der
Eingriff in die Rechtsstellung des Betroffenen mit zunehmender Haftdauer je länger
desto schwerer wiegt. Die Vorinstanz hat den Antrag des Beschwerdeführers auf
unentgeltliche Rechtsverbeiständung somit zu Unrecht abgewiesen. Die Beschwerde
ist in diesem Punkt gutzuheissen und dem Beschwerdeführer für das vorinstanzliche
Verfahren Rechtsanwältin Sonja Comte, Zürich, als unentgeltliche Rechtsbeiständin zu
bestellen.
Der Staat hat die Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers für die ausseramtlichen
Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens somit zu entschädigen. Wird vor
Verwaltungsrekurskommission die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt,
gelangt die staatliche Honorarordnung für die Vorbereitung und Durchführung des
Verfahrens der Verwaltungsrechtspflege zur Anwendung (Art. 30 lit. b Ziff. 2 des
Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG). Bei unentgeltlicher Prozessführung wird das
Honorar um einen Fünftel herabgesetzt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor der Einzelrichterin im
Verwaltungsjustizverfahren pauschal CHF 1'000 bis CHF 7'500 (Art. 22 Abs. 1 lit. c der
Honorarordnung; sGS 963.75, HonO). Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten
Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach
Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den
wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO).
Die Rechtsvertreterin hat im vorinstanzlichen Verfahren eine Kostennote eingereicht,
worin ausgehend von einem Aufwand von 5.25 Stunden à CHF 200 (Anwalt) und 0.5
Stunden à CHF 50 (Praktikant) sowie Barauslagen von CHF 16.30 – ein Honorar von
CHF 1'116.30 (ohne Mehrwertsteuer) geltend gemacht wird (act. 7/5). Dieses Honorar
erscheint als angemessen. Ein Antrag auf Mehrwertsteuerzuschlag wurde nicht gestellt
(vgl. Art. 29 HonO). Die Rechtsvertreterin darf von ihrem Mandanten kein zusätzliches
Honorar fordern (Art. 11 HonO). Der Beschwerdeführer ist zur Nachzahlung der
Kosten aus unentgeltlicher Rechtspflege und Rechtsverbeiständung an den Staat
4.7.
bis
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5.
Zusammenfassend ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und Ziffer 4 des
angefochtenen Entscheids der Vorinstanz vom 6. Mai 2022 aufzuheben. Das Gesuch
um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im vorinstanzlichen Verfahren ist
gutzuheissen und Rechtsanwältin Sonja Comte, Zürich, als unentgeltliche
Rechtsbeiständin zu bestimmen. Der Staat hat die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers aus unentgeltlicher Rechtspflege für das vorinstanzliche Verfahren
mit CHF 1'116.30 zu entschädigen.
6.
verpflichtet, sobald er dazu in der Lage ist (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit
Art. 123 Abs. 1 ZPO).
Der Entscheid über das Begehren um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren fällt in die Zuständigkeit des
Abteilungspräsidenten (Art. 99 Abs. 1 und 2 VRP in Verbindung mit Art. 119 Abs. 3 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO, und Art. 6 Abs. 2 des Reglements
über die Organisation und den Geschäftsgang des Verwaltungsgerichts, sGS 941.22).
Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Kostenerhebung) kann als gegenstandslos geworden abgeschrieben werden, da auf
die Erhebung von Kosten für das Beschwerdeverfahren zu verzichten ist (vgl.
nachfolgend E. 8.1).
6.1.
Grundsätzlich gelten für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Beschwerdeverfahren die zuvor genannten Kriterien. Allerdings rechtfertigt sich im
Rechtmittelverfahren insofern ein etwas strengerer Massstab, als die Haft bereits von
einem Gericht geprüft worden ist. Bei offensichtlich unbegründeten oder gar
unzulässigen Beschwerden können diese als aussichtslos taxiert werden (Businger,
a.a.O., S. 288). Davon ist indessen vorliegend nicht auszugehen, zumal sich die
Beschwerde in Bezug auf die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im vorinstanzlichen
Verfahren als begründet erweist. Dem Beschwerdeführer ist daher für das
Beschwerdeverfahren antragsgemäss Rechtsanwältin Sonja Comte, Zürich, als
unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen.
6.2.
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7.
Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens
zu zwei Dritteln vom Beschwerdeführer zu tragen; ein Drittel der Kosten trägt der Staat
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 1'500 erscheint angemessen
(Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Auf die Erhebung der
Kostenanteile ist beim Beschwerdeführer gestützt auf Art. 97 VRP und beim Staat
gestützt auf Art. 95 Abs. 3 VRP zu verzichten.
7.1.
Der Staat hat die Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers aus unentgeltlicher
Rechtspflege für die ausseramtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens zu
entschädigen. Wird vor Verwaltungsgericht die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
gewährt, gelangt die staatliche Honorarordnung für die Vorbereitung und Durchführung
des Verfahrens der Verwaltungsrechtspflege zur Anwendung (Art. 30 lit. b Ziff. 2 des
Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG). Bei unentgeltlicher Prozessführung wird das
Honorar um einen Fünftel herabgesetzt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Verwaltungsgericht pauschal
CHF 1'500 bis CHF 15'000 (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung; sGS 963.75,
HonO). Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar
nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen,
der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
bemessen (Art. 19 HonO).
Die Rechtsvertreterin hat eine Kostennote eingereicht, worin ausgehend von einem
Aufwand von 9.25 Stunden à CHF 200 sowie Barauslagen von CHF 16.30 – ein
Honorar von CHF 1'866.30 (ohne Mehrwertsteuer) geltend gemacht wird (act. 3/4).
Dieses Honorar erscheint angesichts des grösstenteils bereits im vorinstanzlichen
Verfahren angefallenen und bereits dort entschädigten Aufwands als zu hoch.
Angemessen für das Beschwerdeverfahren erscheint ein reduziertes Honorar von 1'200
zuzüglich der geltend gemachten Barauslagen von CHF 16.30. Ein Antrag auf
Mehrwertsteuerzuschlag wurde nicht gestellt (vgl. Art. 29 HonO). Die Rechtsvertreterin
darf von ihrem Mandanten kein zusätzliches Honorar fordern (Art. 11 HonO). Der
Beschwerdeführer ist zur Nachzahlung der Kosten aus unentgeltlicher Rechtspflege
und Rechtsverbeiständung an den Staat verpflichtet, sobald er dazu in der Lage ist
(Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 123 Abs. 1 ZPO).
7.2.
bis
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