Decision ID: b2417866-95ae-4595-9798-1bbe0ed9b1fc
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war vom 1. November 2007 bis 30. November 2009 bei der D._
beschäftigt und dadurch bei der Personalvorsorgestiftung C._
berufsvorsorgerechtlich versichert (act. G12.5).
A.a.
Der Versicherte war vom 9. bis 25. April 2008 aufgrund einer Panikstörung und
akzentuierter Persönlichkeitszüge stationär behandelt worden (vgl. act. G12.20, S. 3).
Nachdem der Versicherte am 1. Mai 2009 von unbekannten Personen tätlich
angegriffen worden war, hatten ihm die behandelnden Ärzte der Psychiatrischen
Dienste E._ aufgrund einer Panikstörung als Anpassungsstörung nach schwerem
Trauma vom 1. Mai bis Ende Juni 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% und ab 1. bis
14. Juli 2009 eine solche von 50% attestiert (vgl. act. G12.20, S. 4). Weiter hatte der
Versicherte der C._ eine Arbeitsunfähigkeit vom 30. Oktober bis 31. Dezember 2009
gemeldet (vgl. act. G12.10).
A.b.
Der Versicherte hatte sich am 16. Oktober 2009 erstmals zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) angemeldet (vgl. act. G12.18, S. 6).
A.c.
In den Jahren 2010 und 2011 befand sich der Versicherte in ambulanter psychia
trischer Behandlung. Dr. med. F._, Innere Medizin FMH, hielt den Versicherten am
11. April 2011 in einer adaptierten Tätigkeit als zu 100% arbeitsfähig (vgl. act. G12.20,
S. 7).
A.d.
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Die Vorsorgeeinrichtung G._, bei welcher der Versicherte aufgrund seiner im
April 2011 angetretenen Tätigkeit bei der H._ AG (vgl. act. G23) versichert war, teilte
mit Schreiben vom 16. Juni 2011 mit, sie werde die Leistungen bei Invalidität und
Todesfall, welche die BVG-Minimalrisikoleistungen überstiegen, mit einem Vorbehalt
versehen. Dieser sei auf fünf Jahre befristet und beziehe sich auf eine längere oder
dauernde Arbeitsunfähigkeit oder das Eintreten des Todes im Zusammenhang mit dem
Leiden, welches die regelmässige Einnahme der antidepressiv wirkenden Medikamente
Temesta, Prazine und Citalopram erfordere. Für das Leiden, welches zur Anmeldung
bei der Invalidenversicherung geführt habe, schliesse sie die Gewährung von
Risikoleistungen aus (act. G21.4).
A.e.
Ab 1. Januar 2012 war der Versicherte bei der I._ beschäftigt, deren
Arbeitnehmer bei der Vorsorgestiftung der I._ (Rechtsnachfolgerin: Pensionskasse
B._) berufsvorsorgerechtlich versichert waren (vgl. act. G1). Der Versicherte erklärte
am 15. Februar 2012 gegenüber der B._, er leide unter Panikattacken und nehme
das Medikament Temesta ein (act. G21.2).
A.f.
Dr. F._ berichtete am 12. Juni 2012 über Panikattacken und eine Dyslipidämie.
Die letzte Arbeitsunfähigkeit wegen einer Panikattacke sei vom 5. bis 23. Oktober 2011
gewesen. Seither bestünden keine Arbeitsunfähigkeiten mehr, der Versicherte werde
mit Citalopram und Temesta behandelt. Eine Anmeldung bei der IV sei erfolgt, der
Versicherte arbeite aber weitgehend normal (act. G21.9).
A.g.
Die B._ bestätigte dem Versicherten am 9. Juli 2012, dass er seit dem 1. Januar
2012 unter Vorbehalt bei ihr versichert sei. Der Vorbehalt betreffe die Verminderung
oder den Verlust der Erwerbsfähigkeit aufgrund von Panikattacken und deren Folgen
sowie alle Leiden, die im Zusammenhang mit der regelmässigen Einnahme der
Medikamente Temesta und Citalopram stünden. Sie führe den Vorbehalt der
Vorsorgeeinrichtung G._ weiter. Dieser erlösche am 15. Juni 2016 (act. G21.10).
A.h.
Am 20. Februar 2013 wies die IV-Stelle des Kantons K._ das Leistungsbegehren
um weitere berufliche Eingliederungsmassnahmen sowie die Ausrichtung einer
Invalidenrente ab (act. G12.12).
A.i.
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Am 30. September 2014 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von
Leistungen der IV an (act. G12.19).
A.j.
Dr. med. L._, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am
4. November 2014 über eine Panikstörung (ICD-10: F41.0). Diese sei erstmals 2005
aufgetreten, dann zunehmend rezidivierend ab April 2006 und seit Sommer 2014
wieder mit zunehmender Kadenz der Attacken. Der Versicherte arbeite seit 1. Januar
2012 als Aussendienstmitarbeiter bei der I._. Wegen Leistungsmangels sei ihm am
20. August 2014 gekündigt worden. Der Hausarzt habe ihn vom 13. Mai bis 11. Juni
2014 infolge eines Burnouts zu 100% krankgeschrieben. Seit 5. Juni 2014 habe Dr.
L._ dem Versicherten aufgrund der mittelgradigen Depression eine Arbeitsunfähigkeit
von 100% attestiert. Dem Versicherten sei höchstens noch eine Tätigkeit in einem
geschützten Umfeld auf minimalem Leistungsniveau zumutbar (act. G21.12).
A.k.
Im Auftrag der IV-Stelle des Kantons K._ wurde der Versicherte im Juli 2015
durch Dr. med. M._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, abgeklärt. In
seinem Gutachten vom 20. Juli 2015 listete dieser als Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine episodisch-paroxysmale Angst (Panikstörung, ICD-10: F41.0), eine
schizotype Störung (ICD-10: F21), akzentuierte ängstlich-vermeidende
Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1) und eine Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0)
auf. In der angestammten Tätigkeit sei der Versicherte seit Mitte Mai 2014 zu 100%
arbeitsunfähig. In adaptierten Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 30% (act.
G12.20). RAD-Arzt Dr. med. N._, Facharzt Allgemeine Medizin FMH, befand gestützt
darauf am 4. September 2015, in einer adaptierten Tätigkeit habe von Mai 2014 bis zur
Begutachtung eine Arbeitsfähigkeit von 0%, danach eine solche von 30% bestanden
(act. G12.16).
A.l.
Mit Verfügung vom 3. Juni 2016 sprach die IV-Stelle K._ dem Versicherten mit
Wirkung ab 1. Mai 2015 eine ganze Invalidenrente zu. Sie errechnete für den Zeitraum
vom 1. Mai bis 13. Juli 2015 einen Invaliditätsgrad von 100%, ab 14. Juli 2015 einen
solchen von 71% (act. G12.18).
A.m.
Die B._ und die C._ verneinten mit Schreiben vom 13. September 2016 bzw.
24. November 2017 ihre Leistungspflicht (act. G1.3, G12.11).
A.n.
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B.
Der Versicherte (nachfolgend: Kläger) erhob am 4. Januar 2018 die vorliegende
Klage gegen die B._ (nachfolgend: Beklagte 1) und die C._ (nachfolgend: Beklagte
2). Er beantragte, die Beklagte 1 sei zu verpflichten, ihm aus dem Vorsorgeverhältnis
spätestens ab dem 1. Mai 2014 (gemeint wohl: 2015) eine Invalidenrente aufgrund
eines Invaliditätsgrades von 100% und ab dem 1. Juli 2015 eine Invalidenrente
aufgrund eines Invaliditätsgrades von 71% gemäss den gesetzlichen und
reglementarischen Bestimmungen auszurichten. Weiter sei die Beklagte (gemeint:
Beklagte 1) zu verpflichten, ihn auf den frühestmöglichen Zeitpunkt von der
Beitragspflicht zu befreien und ihm auf den Invalidenleistungen einen Verzugszins von
5% spätestens ab dem Zeitpunkt der Klageeinreichung zu bezahlen. Es sei ihm die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (act. G1).
B.a.
Mit Schreiben vom 31. Januar 2018 wies die Verfahrensleitung das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege formlos ab (act. G6).
B.b.
Die Beklagte 2 beantragte mit Klageantwort vom 8. März 2018, die Klage sei
bezüglich ihr abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei; unter Kostenfolge zu Lasten
des Klägers (act. G12).
B.c.
Die Verfahrensleitung sistierte das Verfahren auf Antrag der Beklagten 1 zwecks
Vergleichsbemühungen am 4. April 2018 (act. G15 f.). Nachdem diese gescheitert
waren (vgl. act. G19), hob die Verfahrensleitung die Sistierung am 10. Juli 2018 auf (act.
G20).
B.d.
Mit Klageantwort vom 17. August 2018 beantragte die Beklagte 1, die Klage
gegen sie sei teilweise abzuweisen. Sie führte aus, sie habe den Kläger unter einem
Gesundheitsvorbehalt aufgenommen. Die Ursachen, die zur Invalidität des Klägers ab
Mai 2015 geführt hätten, seien identisch mit jenen, welche Anlass zum Vorbehalt
gegeben hätten. Aufgrund des Beweismangels bezüglich der Arbeitsunfähigkeit bei
Aufnahme der Tätigkeit bei der I._ anerkenne sie die grundsätzliche Leistungspflicht
gegenüber dem Kläger. Diese beschränke sich aufgrund des Vorbehalts jedoch auf die
obligatorischen Mindestleistungen (act. G21).
B.e.
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Erwägungen
1.
Gemäss Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) bezeichnet jeder Kanton ein Gericht, das als
letzte kantonale Instanz über Streitigkeiten u.a. zwischen Vorsorgeeinrichtungen und
Anspruchsberechtigten entscheidet. Im Kanton St. Gallen ist nach Art. 65 Abs. 1 lit. e
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) das
Versicherungsgericht zuständig für Streitigkeiten nach Art. 73 BVG. Gerichtsstand ist
nach Art. 73 Abs. 3 BVG der Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder der Ort des
Betriebes, bei dem der Versicherte angestellt wurde. Vorliegend ist die örtliche
Zuständigkeit des angerufenen Versicherungsgerichts zu bejahen, weil die Beklagte 1
ihren Sitz in St. Gallen hat (act. G1). Infolge der vorliegenden passiven subjektiven
Klagenhäufung besteht ein einheitlicher Gerichtsstand und die örtliche Zuständigkeit ist
bezüglich der Klage gegen die Beklagte 2 ebenfalls zu bejahen (vgl. BGE 133 V 488, E.
4). Da auch sämtliche übrigen prozessualen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die
Klage einzutreten.
2.
Vorliegend zu prüfen ist der Anspruch des Klägers auf eine Invalidenrente gegenüber
der Beklagten 1. Die Beklagte 1 hat inzwischen ihre grundsätzliche Leistungspflicht
anerkannt, womit ein Anspruch des Klägers gegenüber der Beklagten 2 entfällt (vgl.
act. G21). Dieser Schluss erweist sich - wie sich nachfolgend ergibt - als korrekt.
In seiner Replik vom 13. September 2018 hielt der Kläger an seinen
Rechtsbegehren fest. Er machte geltend, es sei zu seinen Gunsten davon auszugehen,
dass der Vorbehalt der G._ unverändert weitergeführt worden sei. Die im Gutachten
von Dr. M._ erwähnten Diagnosen seien von den fraglichen Vorbehalten nicht
tangiert (act. G23).
B.f.
Die Beklagte 2 verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G25).B.g.
Mit Duplik vom 6. November 2018 hielt die Beklagte 1 an ihrem Antrag fest und
führte aus, sämtliche psychischen Beschwerden des Klägers seien vom Vorbehalt
erfasst (act. G28).
B.h.
bis
Nach Art. 23 lit. a BVG hat (im Obligatoriumsbereich) Anspruch auf
Invalidenleistungen der beruflichen Vorsorge, wer im Sinne der Invalidenversicherung
2.1.
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zu mindestens 40 % invalid ist und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache
zur Invalidität geführt hat, versichert war. Nach Art. 24 Abs. 1 BVG setzt der Anspruch
auf eine volle Invalidenrente eine mindestens 70%-ige Invalidität im Sinn der IV voraus
(lit. a). Eine Dreiviertelsrente kommt zur Ausrichtung bei mindestens 60%-iger
Invalidität (lit. b). Eine halbe Rente wird bei mindestens hälftiger Invalidität (lit. c) und
eine Viertelsrente bei mindestens 40%-iger Invalidität ausgerichtet (lit. d). Gemäss Art.
14 Abs. 1 bis 3 des Reglements (gültig ab 1. Januar 2014) der Beklagten 1 besteht ein
Anspruch auf eine Invalidenrente für versicherte Personen, die im Sinne der IV zu
mindestens 40% invalid sind. Der Grad der Invalidität entspricht dem von der IV
festgestellten Invaliditätsgrad. Beträgt der Invaliditätsgrad 70% oder mehr, wird eine
volle Invalidenrente ausgerichtet. Bei einem Invaliditätsgrad zwischen 40% und 70%
besteht Anspruch auf eine Invalidenrente im Umfang des Invaliditätsgrades (act.
G21.1).
Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung
geschuldet, welcher der Ansprecher bei Eintritt des versicherten Ereignisses
angeschlossen war. Dieser Zeitpunkt fällt mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat. Die Versicherteneigenschaft muss
nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise
auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Für eine
einmal - aus während der Versicherungsdauer aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit -
geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig, selbst
wenn sich nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert (Art.
26 Abs. 3 BVG e contrario; BGE 123 V 263 f. E. 1a, 118 V 45 E. 5). Damit die frühere
Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig bleibt, ist allerdings nicht nur erforderlich, dass
die Arbeitsunfähigkeit zu einer Zeit einsetzte, als die versicherte Person ihr
angeschlossen war, sondern auch, dass zwischen dieser Arbeitsunfähigkeit und der
Invalidität sowohl ein sachlicher als auch ein zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE
123 V 264 f. E. 1c, 120 V 117 ff. E. 2c/aa f. mit Hinweisen).
2.2.
Die IV-Stelle des Kantons K._ ging in ihrer Verfügung vom 3. Juni 2016 gestützt
auf das Gutachten von Dr. M._ (vgl. act. G12.20) von einer durchgehenden
erheblichen Arbeitsunfähigkeit seit 13. Mai 2014 (Beginn des Wartejahres im Sinne von
Art. 28 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR
831.20]) aus (act. G12.18). In diesem Zeitpunkt war der Kläger bei der Beklagten 1
versichert. Für die Zeit davor sind zwar wiederholt kurzzeitige Arbeitsunfähigkeiten
aktenkundig (act. G12.10, G12.20, G21.9), eine relevante Arbeitsunfähigkeit über einen
längeren Zeitraum ist jedoch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Der
2.3.
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3.
Die Beklagte 1 macht geltend, sämtliche beim Kläger gestellten Diagnosen unterlägen
dem Gesundheitsvorbehalt, weshalb sie nur die obligatorischen Mindestleistungen zu
entrichten habe (act. G21). Der Kläger bestreitet dies (act. G23).
Kläger war im Gegenteil vom 1. November 2007 bis 30. November 2009 bei der D._
und im Jahr 2011 bei der H._ AG offenbar ohne erhebliche Einschränkungen
arbeitstätig (vgl. act. G12.5, G23). Es ist damit davon auszugehen, dass die
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache schlussendlich zur Invalidität geführt hat, während
der Versicherungsdeckung durch die Beklagte 1 eingetreten ist. Der zeitliche und
sachliche Zusammenhang zwischen der Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität ist
sodann unbestritten gegeben. Die Leistungspflicht der Beklagten 1 ist somit
grundsätzlich zu bejahen. Im Folgenden ist jedoch deren Umfang zu beurteilen.
Gemäss Art. 331c des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (OR; SR 220) dürfen Vorsorgeeinrichtungen für die
Risiken Tod und Invalidität einen Vorbehalt aus gesundheitlichen Gründen machen.
Dieser darf höchstens fünf Jahre betragen. Vorbehalte dürfen nur im
überobligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge angebracht werden (Hans-Ulrich
Stauffer/Basile Cardinaux, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht zur beruflichen Vorsorge, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2019, S.
506 ff.). Beim Vorbehalt handelt es sich um eine individuelle, konkrete und zeitlich
begrenzte Einschränkung des Versicherungsschutzes in Einzelfällen. Der
gesundheitliche Vorbehalt muss somit explizit ausformuliert und datumsmässig
festgesetzt sein sowie der versicherten Person mit der Aufnahme in die
Vorsorgeeinrichtung mitgeteilt werden (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 24. November 2003, B 110/01, B111/01, E. 4.3). Der
Vorbehalt muss ausdrücklich, das heisst unter Angabe der Beeinträchtigung, datiert
und schriftlich zum Zeitpunkt des Eintritts in die Vorsorgeeinrichtung erfolgen (SVR
2017 BVG Nr. 39 [9C_806/2015]). Laut Art. 3 des Reglements der Beklagten 1 haben
die aufzunehmenden Arbeitnehmer nach Antritt des Arbeitsverhältnisses mittels eines
von der Pensionskasse zur Verfügung gestellten Formulars eine Erklärung über ihren
Gesundheitszustand abzugeben. Die Pensionskasse kann diese Erklärung ihrem
Vertrauensarzt zur Begutachtung vorlegen oder aufgrund der Angaben in der Erklärung
auf Kosten der Pensionskasse eine ärztliche Untersuchung anordnen. Bis zur
Bestätigung der vorbehaltlosen Aufnahme durch die Pensionskasse entspricht der
Versicherungsschutz den obligatorischen Leistungen gemäss BVG. Die Pensionskasse
kann aufgrund der Ergebnisse der Gesundheitsprüfung einen Gesundheitsvorbehalt für
3.1.
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die Risikoleistungen aussprechen, der jedoch höchstens 5 Jahre - ab Eintritt in die
Pensionskasse gerechnet - dauert. Tritt innerhalb dieser Vorbehaltsdauer ein
Vorsorgefall oder eine Arbeitsunfähigkeit ein, deren Ursache zur Invalidisierung oder
zum Tod führt, und bestand für dessen bzw. deren Ursache ein Vorbehalt, werden die
von der Pensionskasse auszurichtenden Risikoleistungen lebenslang auf die
obligatorischen Leistungen gemäss BVG gekürzt. Für einen Vorbehalt ist die in der
früheren Vorsorgeeinrichtung bereits abgelaufene Dauer des Vorbehalts anzurechnen
(act. G21.1).
Die G._ brachte am 16. Juni 2011 einen Vorbehalt an. Dieser bezog sich auf eine
längere oder dauernde Arbeitsunfähigkeit oder das Eintreten des Todes "im
Zusammenhang mit dem Leiden, [...] welches die regelmässige Einnahme der
antidepressiv wirkenden Medikamente Temesta, Prazine und Citalopram erfordert." Sie
hielt weiter fest, sie schliesse die Gewährung von Risikoleistungen für das Leiden,
welches zur Anmeldung bei der Invalidenversicherung geführt habe, aus (act. G21.4).
Die Beklagte 1 legte am 9. Juli 2012 folgenden Vorbehalt fest: "Verminderung oder
Verlust der Erwerbsfähigkeit aufgrund von Panikattacken und deren Folgen, allen
Leiden, die im Zusammenhang mit der regelmässigen Einnahme der Medikamente
Temesta und Citalopram stehen, ergibt keinen Anspruch auf
Erwerbsunfähigkeitsleistungen. Das heisst, wir führen den Vorbehalt der G._ weiter.
Er erlischt am 15. Juni 2016." (act. G21.10). Der Kläger erachtet den Vorbehalt der
Beklagten 1 als unklar und widersprüchlich (act. G23). Wie nachfolgend ausgeführt,
trifft dies jedoch nicht zu.
3.2.
Temesta wird zur Behandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen
verwendet. Ebenfalls ist eine Zusatzbehandlung von Angstzuständen bei Depressionen
und Schizophrenien möglich. Citalopram ist zur Behandlung von Depressionen, Panik-
und Zwangsstörungen indiziert. Prazine wird schliesslich zur Therapie von
psychotischen Störungen sowie Erregbarkeit und Hyperaktivität bei
Verhaltensstörungen eingesetzt (vgl. die entsprechenden Einträge unter https://
compendium.ch). Citalopram und allenfalls (unterstützend) Temesta sind damit zur
Behandlung von Panikstörungen indiziert. Damit entsteht kein Widerspruch zur
Übernahme des Vorbehalts der G._ und dem Ausschluss für den Verlust der
Erwerbsfähigkeit aufgrund von Panikattacken und deren Folgen. Zudem geht aus dem
Schreiben der Beklagten 1 klar hervor, dass sie den Vorbehalt der G._ übernehmen
wollte, auch wenn das Medikament Prazine nicht konkret erwähnt wurde. Wie die
Beklagte 1 plausibel ausführt, wurden wohl nur Temesta und Citalopram aufgeführt,
weil der Kläger in seiner Erklärung vom 15. Februar 2012 sowie Dr. F._ in seinem
3.3.
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Bericht vom 12. Juni 2012 eine entsprechende Medikation angegeben hatten (act.
G21.2). Auch der ursprüngliche Vorbehalt der G._ ist nicht als widersprüchlich zu
betrachten. Wie der Kläger richtig vorbringt, ist Prazine entgegen dem Wortlaut des
Vorbehalts (vgl. act. G21.4) nicht antidepressiv wirkend (act. G23). Die G._ wollte
jedoch offensichtlich mit Prazine behandelte Beeinträchtigungen ebenfalls vom
Vorbehalt erfassen. Dass es der G._ nicht ausschliesslich um den Ausschluss von
depressiven Erkrankungen ging, ergibt sich zudem aus dem Zusatz, wonach sie
Leistungen ausschloss für das Leiden, welches zur Anmeldung bei der
Invalidenversicherung geführt hatte (act. G21.4). Der Kläger bzw. die behandelnden
Ärzte hatten stets über Panikattacken berichtet (vgl. act. G12.20).
Die IV-Stelle des Kantons K._ stützte sich bei ihrer Rentenverfügung vom 3. Juni
2016 aus medizinischer Sicht im Wesentlichen auf die Beurteilung von Dr. M._.
Dieser hatte in seinem Gutachten vom 20. Juli 2015 als Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine episodisch-paroxysmale Angst (Panikstörung; ICD-10: F41.0), eine
schizotype Störung (ICD-10: F20.3), akzentuierte ängstlich-vermeidende
Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1) sowie eine Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0)
aufgelistet (act. G12.20). Die Panikstörung und die ängstlich-vermeidenden
Persönlichkeitszüge fallen unter den Vorbehalt, da sie mit Citalopram bzw. Temesta
behandelt werden können. Da Prazine bei psychotischen Störungen, zu welchen auch
die von Dr. M._ diagnostizierte schizotype Störung gehört, indiziert ist, wird auch
jene vom Vorbehalt erfasst (vgl. https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/
icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2014/block-f20-f29.htm, zuletzt abgerufen am 22.
Oktober 2019). Eine Somatisierungsstörung ist durch mehrere persistierende
körperliche Beschwerden, die mit den mit diesen Symptomen im Zusammenhang
stehenden übermässigen und maladaptiven Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen
verbunden sind, charakterisiert. Die Symptome werden nicht absichtlich produziert
oder vorgetäuscht und können bekannte medizinische Krankheiten begleiten.
Unabhängig davon, ob die Symptome auf eine andere medizinische Störung
zurückzuführen sind, sorgen sich die Patienten extrem über die Symptome und ihre
möglichen katastrophalen Folgen und sind sehr schwer zu beruhigen. Typisch ist eine
anhaltend hohe Angst um die Gesundheit oder die Symptome. Eine krankhafte
Angststörung hat ähnliche Manifestationen, mit der Ausnahme, dass körperliche
Symptome fehlen oder minimal sind (vgl. https://www.msdmanuals.com/de/
profi/psychische-st%C3%B6rungen/somatische-symptome-und-%C3%A4hnliche-st
%C3%
B6rungen/somatisierungsst%C3%B6rung, zuletzt abgerufen am 22. Oktober 2019).
3.4.
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4.
Weiter sind sich die Parteien uneinig über den Beginn des anerkannten
Rentenanspruchs aus dem obligatorischen Bereich. Die IV-Stelle des Kantons K._
hielt in ihrer Verfügung vom 3. Juni 2016 fest, der Kläger sei seit 13. Mai 2014 dauernd
nicht mehr arbeitsfähig und sprach ihm nach Ablauf des Wartejahres ab 1. Mai 2015
eine ganze Invalidenrente zu (act. G1.2). Die Beklagte 1 verweist jedoch zu Recht auf
Art. 14 Abs. 4 ihres Reglements (act. G21). Demgemäss beginnt der Anspruch auf eine
Invalidenrente nach einer Wartefrist von 24 Monaten, sofern die versicherte Person
anstelle des vollen Lohnes Taggelder erhält, die mindestens 80% des entgangenen
Lohnes betragen und die Taggeldversicherung vom Arbeitgeber mindestens zur Hälfte
finanziert wurde. Ansonsten beginnt der Anspruch auf eine Invalidenrente mit dem
Beginn des Anspruchs auf eine Rente der IV (act. G21.1). Der Kläger erhielt unbestritten
bis zum 11. Mai 2016 Krankentaggelder (vgl. act. G21.13 f.). Dementsprechend hat der
Kläger ab dem 12. Mai 2016 einen Rentenanspruch.
5.
Praxisgemäss sind die kantonalen Berufsvorsorgegerichte nicht gehalten, die
Rentenberechnung detailliert vorzunehmen, sondern es reicht aus, wenn sie nur dem
Grundsatz nach über den Leistungsanspruch entscheiden und die Sache zur Ermittlung
des Rentenbetrags an die zuständige Vorsorgeeinrichtung überweisen. Dies hat das
Bundesgericht insbesondere mit Hinweis auf die Gebote der Einfachheit und Raschheit
des Verfahrens nach Art. 73 Abs. 2 BVG begründet, wobei es auch die Nähe zum
Eine Somatisierungsstörung ist folglich mit Angst verbunden und daher allenfalls der
Behandlung mit Temesta zugänglich.
Zusammenfassend fallen damit sämtliche Erkrankungen des Klägers, welche die
zur Invalidität führende Arbeitsunfähigkeit verursachten, unter den Vorbehalt. Selbst
wenn die Somatisierungsstörung vom Vorbehalt ausgenommen wäre, bestünde
insofern keine Leistungspflicht, als diese offenbar nur eine nebensächliche Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit hat. Dr. M._ hatte diesbezüglich festgehalten, diagnostisch
sei von einer schizotypen Störung auszugehen. Daneben bestehe eine Panikstörung
mit deutlich depressiver Färbung. Die vom Kläger geltend gemachten somatischen
Beschwerden ohne organisches Korrelat würden die Diagnose einer somatoformen
Störung nahelegen (act. G12.20). Letztere, bzw. die von Dr. M._ synonym
diagnostizierte Somatisierungsstörung, liegt damit nur vermutungsweise vor und steht
offensichtlich nicht im Vordergrund. Die Beklagte 1 trifft damit aufgrund des
Gesundheitsvorbehalts im überobligatorischen Bereich keine Leistungspflicht.
3.5.
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Sozialversicherungsprozess betont hat (BGE 129 V 450 E. 3.4). Die Sache ist damit zur
Festsetzung der Rentenbeträge an die Beklagte 1 zu überweisen.
6.
Laut dem Reglement der Beklagten 1 (Abkürzungen und Begriffe bzw. Anhang 5; act.
G21.1) richtet sich der Verzugszinssatz nach Art. 7 der Verordnung über die
Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (FZV; SR
831.425). Demnach entspricht der Verzugszinssatz dem BVG-Mindestzinssatz plus
einem Prozent. Der BVG-Mindestzinssatz beträgt seit 1. Januar 2017 ein Prozent (vgl.
Art. 12 lit. j der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge [BVV 2; SR 831.441.1]). Der Verzugszinssatz beträgt folglich zwei
Prozent. Die Leistungspflicht besteht gestützt auf Art. 105 Abs. 1 OR ab dem Datum
der Klageerhebung vom 4. Januar 2018 (act. G1).
7.
Bezüglich der Beitragsbefreiung hält Art. 14 Abs. 11 des Reglements der Beklagten 1
Folgendes fest: "Wird eine versicherte Person arbeitsunfähig, leistet die Pensionskasse
nach Ablauf der Lohnfortzahlung die Beiträge des Rentenplans im Rahmen der
Arbeitsunfähigkeit. Eine Arbeitsunfähigkeit von weniger als 40% begründet keinen
Anspruch auf eine Befreiung von der Beitragszahlung. Nach Anspruchsbeginn auf eine
Invalidenrente werden die Beiträge im Rentenplan von der Pensionskasse nach
Massgabe der Rentenabstufung geleistet" (act. G21.1). Dementsprechend hat der
Kläger nach Ende der Lohnfortzahlung, das heisst ab 12. Mai 2016, einen Anspruch auf
Beitragsbefreiung (vgl. Art. 324a Abs. 1 und 4 OR, Urteil des Bundesgerichts vom 5.
Dezember 2002, 4C.275/2002, E. 2.1).
8.
Nach dem Gesagten ist die Klage insofern teilweise gutzuheissen, als die Beklagte
1 zu verpflichten ist, dem Kläger im obligatorischen Bereich mit Wirkung ab 12. Mai
2016 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Ferner hat die Beklagte 1 dem Kläger auf
die Leistungen einen Verzugszins von zwei Prozent seit 4. Januar 2018 zu bezahlen.
Die Sache ist zur Rentenberechnung an die Beklagte 1 zu überweisen. Weiter hat die
Beklagte 1 den Kläger ab 12. Mai 2016 von Beitragszahlungen zu befreien. Im Übrigen
ist die Klage abzuweisen.
8.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG).8.2.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind dem teilweise obsiegenden Kläger in
Anwendung von Art. 98 Abs. 1 und Art. 98bis des st. gallischen Gesetzes über die
8.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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