Decision ID: ede42ea2-d47e-4c07-b39a-d9bde2097378
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
hat sich ergeben:
I. Mit Verfügung vom 1. November 2010 entzog das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich A den Führerausweis wegen mittelschwerer Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz für die Dauer von einem Monat mit Wirkung vom 1. bis 28. Februar 2011.
Den von A hiergegen geführten Rekurs wies die Sicherheitsdirektion Kanton Zürich, Rekursabteilung, mit Entscheid vom 4. November 2011 ab. Der Ausweisentzug wurde am 19. März 2012 vom Verwaltungsgericht (VB.2011.00778) und mit Urteil vom 29. August 2012 (1C_253/2012) vom Bundesgericht bestätigt.
II.
Am 6. Oktober 2012 gab A eine an das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich gerichtete eingeschriebene Sendung auf, in der sich sein Führerausweis sowie ein Schreiben befunden haben sollen, worin er um dessen Rücksendung per 6. November 2012 bat.
Mit Schreiben vom 29. Oktober 2012 teilte das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich A mit, die Entzugsverfügung vom 1. November 2010 sei in Rechtskraft erwachsen, und räumte ihm eine zehntätige Frist ein, um allfällige Wünsche zur Festsetzung des Abgabetermins bekanntzugeben.
Mit Eingabe vom 6. November 2012 ersuchte A das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, ihm den Führerausweis zu retournieren, nachdem er diesen gestützt auf das rechtskräftige Bundesgerichtsurteil bereits für einen Monat zurückgegeben und die verfügte Entzugsdauer damit erstanden habe.
In seinem Antwortschreiben an A vom 12. November 2012 bestritt das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, ein entsprechendes Schreiben bzw. eine entsprechende Zusendung erhalten zu haben. Praxisgemäss habe damit der Vollzug des Führerausweisentzugs weder begonnen noch könne er als erstanden betrachtet werden. A wurde erneut eine zehntätige Frist zur Festsetzung eines Abgabetermins gewährt.
Mit Schreiben vom 18. November 2012 hielt A an seinen Ausführungen fest und bestand darauf, den Führerausweis an das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich eingesandt zu haben.
Am 30. November 2012 erwiderte das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, dass es aufgrund seiner Praxis, wonach das kommentarlose Einsenden des Führerausweises ohne Absprache mit der Behörde weder einen Vollzug des Ausweisentzugs noch einen entsprechenden Vertrauenstatbestand darstelle, keine Rolle spiele, ob und wann die fragliche Zustellung erfolgt sei. Demnach könne seinem Anliegen, den Vollzug des Führerausweisentzugs für erstanden zu betrachten, keine Folge geleistet werden. Eine Anordnung betreffend die Vollzugsdaten werde A in den nächsten Tagen erhalten und bleibe er bis zum festgesetzten Termin fahrberechtigt.
Mit Verfügung vom 13. Dezember 2012 (offenbar versandt an eine nicht mehr aktuelle Privatadresse von A) setzte das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich die Vollzugsdaten auf die Zeit vom 18. Februar bis 17. März 2013 fest.
III.
Mit Eingabe vom 19. Dezember 2012 erhob A bei der Sicherheitsdirektion Kanton Zürich, Rekursabteilung, Rekurs gegen das Schreiben des Strassenverkehrsamts vom 30. November 2012 und beantragte in der Hauptsache, die "Verfügung vom 30. November 2012" aufzuheben und festzustellen, dass der gegen ihn verfügte Führerausweisentzug erstanden sei. Mit Rekursentscheid vom 28. Mai 2013 deutete die Sicherheitsdirektion Kanton Zürich, Rekursabteilung, das eingereichte Rechtsmittel in einen Rekurs gegen die Verfügung vom 13. Dezember 2012 um und wies ihn ab, soweit sie darauf eintrat. Die Vollzugsdaten wurden neu festgesetzt auf den Zeitraum vom 1. bis 31. Juli 2013.
IV.
Mit Beschwerde vom 28. Juni 2013 beantragte A dem Verwaltungsgericht, den Rekursentscheid vom 28. Mai 2013 aufzuheben und das Verfahren zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei der Rekursentscheid aufzuheben und festzustellen, dass der mit Verfügung vom 1. November 2010 verfügte Entzug des Führerausweises erstanden sei. Subeventualiter sei der Rekursentscheid aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, einen Nichteintretensentscheid in Bezug auf den gegen die "Verfügung vom 30. November 2012" gerichteten Rekurs zu fällen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.
Mit Präsidialverfügung vom 1. Juli 2013 wies das Verwaltungsgericht die Beschwerdegegnerin an, mit Bezug auf den infrage stehenden Führerausweisentzug einstweilen keine Anordnungen im ADMAS-Register einzutragen bzw. eine allenfalls bereits veranlasste Eintragung über einen Entzug des Führerausweises vom 1. bis 31. Juli 2013 wieder löschen zu lassen.
Am 15. Juli 2013 verzichtete die Sicherheitsdirektion Kanton Zürich, Rekursabteilung, auf eine Vernehmlassung.
Das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich liess sich nicht vernehmen.

Der Einzelrichter erwägt:
Der Einzelrichter erwägt:
1. Die grundsätzliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur Beurteilung von Beschwerden gegen administrative Massnahmen im Strassenverkehr findet ihre Grundlage in § 41 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG). Die Behandlung entsprechender Beschwerden erfolgt durch den Einzelrichter (§ 38b Abs. 1 lit. d Ziff. 1 VRG), sofern sie nicht wegen grundsätzlicher Bedeutung der Kammer zur Beurteilung überwiesen werden (§ 38b Abs. 2 VRG). Da kein Anlass für eine Überweisung besteht, ist der Entscheid durch den Einzelrichter zu fällen.
1. Die grundsätzliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur Beurteilung von Beschwerden gegen administrative Massnahmen im Strassenverkehr findet ihre Grundlage in § 41 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG). Die Behandlung entsprechender Beschwerden erfolgt durch den Einzelrichter (§ 38b Abs. 1 lit. d Ziff. 1 VRG), sofern sie nicht wegen grundsätzlicher Bedeutung der Kammer zur Beurteilung überwiesen werden (§ 38b Abs. 2 VRG). Da kein Anlass für eine Überweisung besteht, ist der Entscheid durch den Einzelrichter zu fällen.
2. 2.1 In E. 1.3 des Rekursentscheids vom 28. Mai 2013 sprach die Vorinstanz dem Schreiben vom 30. November 2012, den der Beschwerdeführer in seinem Rekurs angefochten hat, den Verfügungscharakter ab, weil dieser durch die Mitteilung weder beschwert sei noch seine Interessen zum betreffenden Zeitpunkt tangiert seien. Das Schreiben könne somit nicht als eine mit Rekurs anfechtbare Verfügung im Sinn von § 19 Abs. 1 VRG qualifiziert werden. In der Annahme, der Rekurrent habe nach wie vor ein Interesse am Rekursverfahren, deutete die Vorinstanz den Rekursantrag des Beschwerdeführers in E. 2.3 dahingehend um, als damit eine Aufhebung der Verfügung vom 13. Dezember 2012 gefordert werde, trat in der Folge auf den Rekurs insoweit ein und wies ihn ab. Nicht eingetreten ist die Vorinstanz dagegen auf den Antrag des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin anzuweisen, ihm kostenlos einen neuen Führerausweis auszustellen (E. 6).
2.2 Gemäss § 23 Abs. 1 VRG muss eine Rekursschrift einen Antrag und dessen Begründung enthalten. Der Antrag hat klar, eindeutig und unbedingt zu sein und kann nach Ablauf der Rekursfrist grundsätzlich nur noch reduziert, hingegen nicht mehr erweitert werden (VGr, 2. Juni 2010, VB.2009.00708, E. 8; Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 23 N. 14 f., auch zum Folgenden). Ob der Rekurs einen klaren und eindeutigen Antrag enthält, ist danach zu beurteilen, wie die Rekursschrift bei objektiver Betrachtung verstanden werden muss. Dass der Rechtsmittelkläger zur Durchsetzung seiner Interessen den Antrag besser anders gestellt hätte, kann keine Rolle spielen; es kommt nur darauf an, was sich aus der Rekursschrift selber herauslesen lässt (RB 1982 Nr. 21). Soweit der Wille des Rekurrenten bereits aus dem Antrag hervorgeht, muss er nicht unter Zuhilfenahme der Begründung oder sonstiger Umstände eruiert werden (vgl. VGr, 13. Januar 2010, VB.2009.00656, E. 1.4).
Im vorliegenden Fall umfasste das Rechtsbegehren des Beschwerdeführers an die Vorinstanz allein die Aufhebung der von ihm als Verfügung betrachteten Mitteilung vom 30. November 2012 und liess insofern keinen Interpretationsspielraum offen. Zum Zeitpunkt der Rekurserhebung vom 19. Dezember 2012 wie auch während der verbleibenden Dauer der Rekursfrist war dem Beschwerdeführer die Verfügung vom 13. Dezember 2012 noch nicht rechtsgültig eröffnet und ihm deren Existenz unbekannt: Obwohl der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin in seinem Schreiben vom 6. November 2012 eine Adressänderung bekanntgegeben und sie darum gebeten hatte, die weitere Korrespondenz wie bis anhin an seine Geschäftsadresse zu senden, stellte die Beschwerdegegnerin besagte Verfügung an die frühere Privatadresse des Beschwerdeführers zu. Dort wurde sie offenbar von dessen betagten Mutter in Empfang genommen und wurde dem Beschwerdeführer gemäss eigener Vermutung erst am 18. Februar 2013 übergeben, nachdem er mit Erhalt der Rekursvernehmlassung vom 10. Januar 2013 von der Verfügung überhaupt Kenntnis erlangt hatte (vgl. die vorinstanzliche Aufforderung zur Stellungnahme vom 7. Februar 2013). Auf sein Gesuch hin stellte ihm die Beschwerdegegnerin schliesslich am 11. März 2013 die betreffende Verfügung in Kopie zu.
2.3 Die Annahme, der Beschwerdeführer habe mit seinem Rekurs vom 19. Dezember 2012 die ihm damals noch unbekannte Verfügung vom 13. Dezember 2012 anfechten wollen, erweist sich als nicht nachvollziehbar und widerspricht auch seinem später manifestierten Willen: Nach Ziff. 12 seiner Beschwerdeschrift vom 28. Juni 2013 sah der Beschwerdeführer von einer späteren Anfechtung der Verfügung vom 13. Dezember 2012 ab, weil er im betreffenden Zeitraum nicht auf sein Fahrzeug angewiesen, dafür beruflich sehr stark belastet gewesen sei. Die Vorinstanz hat den Rekursantrag des Beschwerdeführers demnach unter unzulässiger Annahme eines Rekurswillens umgedeutet und ihn in Bezug auf die Verfügung vom 13. Dezember 2012 an die Hand genommen. Der Rekursentscheid ist aus diesem Grund rechtfehlerhaft und insoweit aufzuheben.
2.4 Hebt das Verwaltungsgericht die angefochtene Anordnung auf, so kann es selbst entscheiden (§ 63 Abs. 1 VRG) oder die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, insbesondere wenn mit der angefochtenen Anordnung nicht auf die Sache eingetreten oder der Tatbestand ungenügend festgestellt wurde (§ 64 Abs. 1 VRG).
Der Beschwerdeführer beantragt primär, die Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen, weil er sich durch die Umdeutung seines Rekurses ohne vorgängige Stellungnahme in seinem Gehörsanspruch verletzt sieht. Eine Ausdehnung des Rekursantrags auf die Verfügung vom 13. Dezember 2012 käme aber selbst nach Anhörung des Beschwerdeführers einer unzulässigen Erweiterung des mit dem Rekursantrag fixierten Streitgegenstands gleich (vgl. vorn E. 2.2 Abs. 1). Die Rückweisung der Angelegenheit erweist sich damit als zwecklos und würde lediglich einen formalistischen Leerlauf darstellen. Gleiches gilt für seinen Subeventualantrag, die Sache zur Ausfällung eines Nichteintretensentscheids hinsichtlich seines gegen das Schreiben vom 30. November 2012 gerichteten Rekurses auszufällen. Vielmehr kann das Verwaltungsgericht selber in der Sache entscheiden.
Der Beschwerdeführer beantragt primär, die Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen, weil er sich durch die Umdeutung seines Rekurses ohne vorgängige Stellungnahme in seinem Gehörsanspruch verletzt sieht. Eine Ausdehnung des Rekursantrags auf die Verfügung vom 13. Dezember 2012 käme aber selbst nach Anhörung des Beschwerdeführers einer unzulässigen Erweiterung des mit dem Rekursantrag fixierten Streitgegenstands gleich (vgl. vorn E. 2.2 Abs. 1). Die Rückweisung der Angelegenheit erweist sich damit als zwecklos und würde lediglich einen formalistischen Leerlauf darstellen. Gleiches gilt für seinen Subeventualantrag, die Sache zur Ausfällung eines Nichteintretensentscheids hinsichtlich seines gegen das Schreiben vom 30. November 2012 gerichteten Rekurses auszufällen. Vielmehr kann das Verwaltungsgericht selber in der Sache entscheiden.
3. Gegenstand eines Rechtsmittelverfahrens kann nur sein, was Gegenstand des angefochtenen Entscheids war bzw. nach richtiger Gesetzesanwendung hätte sein sollen (VGr, 21. Januar 2009, VB.2008.00537, E. 1.2, mit Hinweisen; Kölz/Bosshart/Röhl, § 52 N. 3). Seinen Rekurs richtete der Beschwerdeführer gegen das Schreiben vom 30. November 2012, den er nach wie vor als anfechtbare Verfügung im Sinn von Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG) betrachtet. Die Verfügung vom 13. Dezember 2012 bildet auch in diesem Verfahren nicht Streitgegenstand.
3.1 Mit anfechtbaren Anordnungen im Sinn von § 19 und § 41 VRG sind Verfügungen gemeint. Die Verfügung ist ein individueller, an den Einzelnen gerichteter Hoheitsakt, durch den eine konkrete verwaltungsrechtliche Rechtsbeziehung rechtsgestaltend oder feststellend in verbindlicher und erzwingbarer Weise geregelt wird (Kölz/Bosshart/Röhl, Vorbem. zu §§ 4–31 N. 11 f. mit Hinweisen). Abzustellen ist dabei allein auf den materiellen Verfügungsbegriff; die fehlende Verfügungsform bedeutet mit anderen Worten nicht, dass keine Verfügung vorliegt (vgl. VGr, 11. Mai 2005, PB.2005.00002, E. 4.2 Abs. 1 f., mit Hinweisen; Alfred Kölz/Isabelle Häner/Martin Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. A., Zürich 2013, N. 888). Verfügungscharakter weisen indessen nur Vorgänge auf, mit denen die Behörde Rechtswirkungen anstrebt (Jürg Bickel/Magnus Oeschger/Andreas Stöckli, Die verfahrensfreie Verfügung. Ein Beitrag zu einem übersehenen Konzept des VwVG, ZBl 110/2009, S. 593 ff., S. 596, auch zum Folgenden; vgl. auch Susanne Genner, Zur Abgrenzung von Rechtsakt und Realakt im öffentlichen Recht, AJP 2011, S. 1153 ff. Ziff. 2.1). Fehlt einer Anordnung die Regelungsabsicht, d. h. der immanente Wille, ein Rechtsverhältnis zu regeln, liegt keine Willenserklärung (Verfügung) vor. Ob der Inhalt einer Erklärung als verbindlich gewollt geäussert ist, beurteilt sich nach dem Grundsatz von Treu und Glauben (Rolf Heirich Haltner, Begriff und Arten der Verfügung im Verwaltungsverfahrensrecht des Bundes [Artikel 5 VwVG], Zürich 1979, S. 30; vgl. auch Kölz/Häner/Bertschi, N. 888). Anhand dieses Kriteriums ist die nicht auf rechtliche Wirkung gerichtete Tatsachenfeststellung (Wissenserklärung) von der auf rechtliche Wirkung abzielenden Feststellungsverfügung zu unterscheiden (Haltner, S. 114).
3.2 Die Mitteilung vom 30. November 2012 enthält neben einem allgemeinen Hinweis auf die Praxis der Beschwerdegegnerin zum (vorzeitigen) Vollzug eines Führerausweisentzugs folgenden (letzten) Abschnitt:
"Nach dem Gesagten kann Ihrem Anliegen, den Entzug des Führerausweises für erstanden zu betrachten, keine Folge geleistet werden. Sie werden in den nächsten Tagen eine Anordnung betreffend die Vollzugsdaten erhalten. Bis zum festgesetzten Termin des Vollzugsbeginns bleiben Sie fahrberechtigt."