Decision ID: ede4202b-f478-4d6c-bc19-08741d432c4b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit
Beschluss
des Amtsgerichts
Z._
,
Familiengericht
, vom
2
8.
Januar
2016
wurde die Ehe von
Y._
und
X._
geschieden
(
Urk.
2/6).
Der Beschluss
ist am gleichen Tag in Rechts
kraft erwachsen, wobei Ziffer 2
,
4.
Absatz mit Beschluss vom 2
4.
Februar 201
6 wegen eines offensichtlichen Diktat- bzw. Schreibversehens berichtigt wurde (
Urk.
2/6 Anhang)
.
Das Gericht ordnete gemäss Ziffer 2 der berichtigten Version des
Beschlusses
den Ausgleich der Guthaben von
Y._
bei der
Rendita
Freizügigkeitsstiftung und der
PostFinance
Vorsorgestiftung der
A._
(richtig:
PostFinance
Vorsorgestiftung 3a
)
im Sinne der gerichtlich genehmigten Vereinbarung der Scheidungsparteien an (
Urk.
2/6 S. 2 und Anhang S. 2). In dieser Vereinbarung einigten sich die Scheidungsparteien auf eine hälftige Teilung der Guthabenstände
von
Y._
bei der
Rendita
Freizügigkeitsstiftung und der
PostFinance
Vorsorgestiftung 3a
per 3
1.
Juli 2014 (
Urk.
2/7).
Mit Eingabe vom
1
5.
März 2016 liess
X._
durch Rechtsan
walt
Armin
Bendlin
die Durchführung der Teilung gemäss Scheidungs
urteil und Überweisung ihre
r Anteile beantragen
(Urk. 1).
2.
Auf
Aufforderung
des Gerichts
mit Verfügung vom 2
1.
März 2016
(Urk. 3)
teil
ten die
PostFinance
Vorsorgestiftung 3a am 29. März 2016 (
Urk.
5-6) und die
Rendita
Freizügigkeitsstiftung am
5.
April 2016 (
Urk.
7) die per 3
1.
Juli 2014
aufgezinsten
Vorsorgeguthaben von
Y._
mit und bestätig
ten die Durchführbarkeit der Teilung.
Mit Verfügung vom
1
2.
April 2016
wur
de
n
die eingeholte
n
Abrechnung
en
den Scheidungsparteien zugestellt und ihnen Frist zur Stellungnahme angesetzt
.
X._
wurde aus
serdem Frist angesetzt, um dem Gericht die Kontoangaben der von ihr zu eröff
nenden Vorsorgekonten zu übermitteln (
Urk.
8).
X._
liess am 1
1.
April 2016 (
Urk.
9) sowie am 1
9.
April 2016 (
Urk.
10) und
Y._
am 2
0.
April 2016 (
Urk.
11) Stellung nehmen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 122 Abs. 1 des Zivilgesetzbuches (ZGB) hat jeder Ehegatte Anspruch auf die Hälfte der nach dem Freizügigkeitsgesetz (Bundesgesetz über die Freizü
gigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge, FZG) für die Ehedauer zu ermittelnden Austrittsleistung des anderen Ehegatten, wenn ein Ehegatte einer Einrichtung der beruflichen Vorsorge angehört oder beide Ehegatten einer solchen angehören und bei keinem Ehegatten ein Vorsorgefall eingetreten ist.
1.2
Haben sich die Ehegatten über die Teilung der Austrittsleistungen sowie die Art der Durchführung der Teilung geeinigt und legen sie eine Bestätigung der beteiligten Einrichtungen der beruflichen Vorsorge über die Durchführbarkeit der getroffenen Regelung und die Höhe der Guthaben vor, die für die Berech
nung der zu teilenden Austrittsleistungen massgebend sind, so wird die Verein
barung mit der Genehmigung durch das Gericht auch für die Einrichtungen der beruflichen Vorsorge verbindlich (Art. 280 Abs. 1 und 2 der Zivilprozessord
nung (ZPO).
1.3
Nach Art. 281 Abs. 3 ZPO überweist das Scheidungsgericht - falls keine Verein
barung über die Teilung der Austrittsleistungen der beruflichen Vorsorge im Sinne von Art. 280 ZPO zustande kommt beziehungsweise falls das
Schei
dungsgericht
den zu überweisenden Betrag bei gegebenen Voraussetzungen nicht selbst festlegt (Art. 281 Abs. 1 ZPO) – die Streitsache nach Eintritt der Rechtskraft des Entscheides über das Teilungsverhältnis von Amtes wegen an das gemäss Freizügigkeitsgesetz (FZG) zuständige Gericht.
Uneinigkeit im Sinne des Gesetzes liegt auch dann vor, wenn die Ehegatten eine Einigung erzielt haben, aber keine Bestätigung der Vorsorgeeinrichtung über die Durchführbarkeit der getroffenen Regelung beibringen können. Das Schei
dungsurteil entfaltet
diesfalls
gegenüber der Vorsorgeeinrichtung, die im
Schei
dungsverfahren
nicht Partei ist, keine Rechtskraft, und entsprechend kann der Scheidungsrichter dieser gegenüber keine verbindlichen Anordnungen treffen; vielmehr hat er lediglich über das Teilungsverhältnis zu befinden und - wie vorstehend dargelegt - die Streitsache an das zuständige Gericht zu überweisen. Dieses führt die Teilung auf Grund des vom Scheidungsgericht bestimmten Schlüssels von Amtes wegen durch, wobei die Vorsorgeeinrichtung in diesem Verfahren Parteistellung geniesst (Art. 25a Abs. 2 FZG).
1.4
Gemäss
Art.
4
Abs.
3 der Verordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung für Beiträge an anerkannte Vorsorgeformen (BVV 3) können Ansprüche auf Altersleistungen dem Ehegatten ganz oder teilweise vom Vorsorgenehmer abgetreten oder vom Gericht zugesprochen werden, wenn der Güterstand anders als durch Tod aufgelöst wird. Die Einrichtung des Vorsorgenehmers hat den zu übertragenden Betrag an eine vom Ehegatten bezeichnete Einrichtung nach Artikel 1 Absatz 1 oder an eine Vorsorgeeinrichtung zu überweisen; vorbehal
ten bleibt Artikel
3.
1.5
Nicht anders verhält es sich im internationalen Verhältnis:
Ausländische
Vorsor
geregelungen
können gemäss Art. 25 des Bundesgesetzes über das Inter
nationale Privatrecht (IPRG) anerkannt und vollstreckt werden, sofern
dem anerkannten Urteil im Vergleich zu einem entsprechenden inländischen keine andersartigen, wesentlich weitergehenden Wirkungen zukommen
(BGE 130 III 336 E. 2.5 mit weiteren Hinweisen).
1.
6
Im vorliegenden Fall hat das Amtsgericht
Z._
den
Grundsatz und das Aus
mass der Teilung, also den Teilungsschlüssel,
für das Freizügigkeitskonto
von
Y._
bei der
Rendita
Freizügigkeitsstiftung
und das Vorsorgekonto 3a bei der
PostFinance
Vorsorgestiftung 3a im Sinne der von den Scheidungsparteien getroffenen Vereinbarung festgelegt
. Das Amtsgericht
Z._
hat damit keine Anordnung getroffen, die über die Teilungsregel von Art. 122 Abs. 1 ZGB
hinausgeht. Das Scheidungsurteil kann somit ohne Weite
res anerkannt werden, soweit dieses das Verhältnis der Auf
teilung des schwei
zerischen Vorsorgeguthabens von
Y._
fest
legt.
Nachdem diesbezüglich eine Vereinbarung zwischen den Parteien vorliegt, steht auch der Teilung des Vorsorgeguthabens 3a nichts im Wege.
2.
2.1
Die hälftig zu teilende Freizügigkeitsleistung von
Y._
beläuft sich gemäss Angabe der
Rendita
Freizügigkeitsstiftung
vom
5.
April 2016
per dem von den Scheidungsparteien vereinbarten Stichdatum 3
1.
Juli 2014
auf Fr. 322‘552.35
. Die
Vorsorgeeinrich
tung
hat die Durchführbarkeit
der Teilung bestätigt (Urk. 7).
X._
hat somit einen Anspruch von Fr.
161‘276.1
8
.
Beide Scheidungsparteien erklärten sich mit dieser Teilung ausdrücklich einverstanden (
Urk.
10 und
Urk.
11).
Demnach ist die
Rendita
Freizügigkeitsstiftung
zu verpflichten, den Betrag von Fr.
161‘276.1
8
zulasten des Freizügigkeitskontos
Nr.
B._
von
Y._
auf das Freizügigkeitskonto
von
X._
bei der
Rendita
Freizügigkeitsstiftung (Postkonto
C._
)
zu über
weisen.
2.2
Das gemäss Vereinbarung der Scheidungsparteien hälftig zu teilende
Vorsorgegut
haben
3a von
Y._
beläuft sich gemäss Angabe der
PostFinance
Vorsorgestiftung 3a vom 2
9.
März 2016 per dem von den Scheidungsparteien vereinbarten Stichdatum 3
1.
Juli 2014 auf Fr. 101‘147.45. Die
Vorsorgeeinrich
tung
hat die Durchführbarkeit der Teilung bestätigt (Urk. 5).
X._
hat somit einen Anspruch von Fr. 50‘573.72.
Beide Scheidungsparteien erklärten sich mit dieser Teilung aus
drücklich einverstanden (
Urk.
10 und
Urk.
11).
Demnach ist die
PostFinance
Vorsorgestiftung 3a zu verpflichten, den Betrag von Fr. 50‘573.72 zulasten des Vorsorgekontos 3a Nr.
D._
von
Y._
auf das Vorsorgekonto 3a Nr.
E._
von
X._
bei der
PostFinance
Vorsorgestiftung 3a zu über
weisen.
3.
3.1
Rechtsprechungsgemäss (vgl. Urteil des damaligen Eidgenössischen
Versiche
rungsgerichts
vom 6. Juni 2006, B 17/06) ist die einem ausgleichsberechtigten Ehegatten im Falle der Scheidung zustehende Austrittsleistung vom massgeben
den Stichtag der Teilung an bis zum Zeitpunkt der Überweisung oder des Beginns der Verzugszinspflicht zu verzinsen. Dabei hat die Vorsorgeeinrichtung den Mindestzinssatz von Art. 12 BVV 2 (ab 1. Januar 201
4
1.
75
%
p.a
) oder den allenfalls höheren reglementa
rischen Zins zu vergüten. Für den Fall des Eintritts der Verzugszinspflicht (nach Ablauf von dreissig Tagen seit Rechtskraft des vorliegenden Entscheids) beliefe sich der anzuwendende Zinssatz auf den BVG-Mindestzinssatz plus ein Prozent (Art. 2 Abs. 4 FZG und Art. 26 Abs. 2 FZG in Verbindung mit Art. 7 der
Freizü
gigkeitsverordnung
).
Demzufolge ist die
X._
geschuldete Freizügigkeitsleistung im Sinne vorstehender Erwägung zu verzinsen, und zwar zu mindestens 1.
75
%
ab
3
1.
Juli 2014
beziehungsweise nach Eintritt eines allfälligen
Verzugsfal
les
nach dem genannten höheren Verzugszins.
3.2
Für die Guthaben
der Säule 3a besteht kein gesetzlicher Mindestzins. Demzu
folge ist der
X._
geschuldete Anteil am Vorsorgeguthaben 3a von
Y._
ab 3
1.
Juli 2014 zum reglementarischen bzw. vertraglich geschuldeten Zinssatz zu verzinsen.
4.
Das Verfahren vor dem hiesigen Gericht ist grundsätzlich kostenlos (Art. 73 Abs. 2 BVG in Verbindung mit § 33 Abs. 1 des Gesetzes über das
Sozialversi
cherungsgericht
[
GSVGer
]).
In der vorliegenden Konstellation kann nicht von einem Obsiegen oder Unterlie
gen ausgegangen werden, da sich das Verfahren auf den Vollzug der vom Scheidungsgericht angeordneten Teilungen der Austrittsleistungen beschränkt.
Dementsprechend rechtfertigt es sich nicht, vorliegend Prozessentschädigungen zuzusprechen.