Decision ID: e69da3c6-45e1-5a1a-80f6-27331d2c2c5b
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Jakob, Rosenbergstrasse 42b,9000 St.
Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 11. Mai 2009 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Im Gesuchsformular gab sie u.a. an, sie habe die Primar- und die Realschule besucht
und dann von 1993 bis 1996 den Beruf der Coiffeuse erlernt. Die Schweizerische Post
teilte der IV-Stelle am 26. Mai 2009 mit (IV-act. 10), sie habe die Versicherte bis 3.
Januar 2009 als Betriebsmitarbeiterin Logistik beschäftigt. Der Lohn habe sich 2007
auf Fr. 69'425.-- und 2008 auf Fr. 70'506.-- belaufen. Dr. med. B._, Innere Medizin
FMH, berichtete der IV-Stelle am 21. September 2009 (IV-act. 18), die Versicherte leide
seit Januar 2009 an anhaltenden psychosozialen Friktionen. Diese hätten Müdigkeit,
Schwindel und Motivationsprobleme zur Folge. Bei der Arbeit sei die Versicherte
verlangsamt und sie sei unkonzentriert. Vorläufig bestehe eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit. Dr. med. C._, Assistenzärztin, und Dr. med. D._, Oberarzt und
Leiter des Ambulatoriums für Sozialpsychiatrie in X._, teilten am 30. Oktober 2009
mit (IV-act. 25), es liege eine Erschöpfungsdepression vor. Die Versicherte fühle sich
als Hausfrau und Mutter ausgelastet und könne sich nicht vorstellen, wieder auswärts
arbeiten zu gehen. Sie sei aktuell zu 100% arbeitsunfähig. Eine langfristige Prognose
könne noch nicht gestellt werden, sie sei jedoch angesichts der blanden Vorgeschichte
bei einer regelmässigen therapeutischen Begleitung als eher günstig einzuschätzen. Dr.
C._ und Dr. D._ gaben am 5. Februar 2010 an (IV-act. 29), sie könnten die
Entwicklung des Gesundheitszustands nicht beurteilen, da die Versicherte die
Behandlung abgebrochen habe. Dr. med. E._, Spezialärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, bei der die Versicherte seit Dezember 2009 in Behandlung stand,
berichtete am 21. September 2010 (IV-act. 35), als Diagnose kämen eine Neurasthenie
oder ein Verdacht auf eine ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) im
Erwachsenenalter (mit Erschöpfungssymptomen) in Frage. Die Kindheit der
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Versicherten sei von der psychischen Störung der Mutter geprägt gewesen. Diese habe
an einer Angststörung mit psychosomatischen Störungen ohne körperliches Substrat
gelitten. Sie habe die Familie und die Ärzte tyrannisiert. Es bestehe keine aktuelle
Medikation. Die Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit sei zu empfehlen, damit die
Versicherte dem "krankmachenden Milieu" zuhause entkommen könne. Die
Arbeitsfähigkeit könne nicht beurteilt werden. Da Dr. med. F._ vom RAD von einer
Arbeitsfähigkeit von 50% (steigerbar auf 80%) ausging (IV-act. 36), wurden die
Möglichkeiten einer beruflichen Eingliederung geprüft. Dr. E._ teilte am 2. März 2011
mit (IV-act. 48), dass sich eine Wiedereingliederung im geschützten Rahmen mit einem
Beschäftigungsgrad von 30-50% positiv auf die Diagnose auswirken würde. Mit einer
Mitteilung vom 11. April 2011 bewilligte die IV-Stelle eine berufliche Abklärung (IV-act.
53). Die Massnahme wurde vorzeitig abgebrochen, weil die Versicherte sich nicht in der
Lage sah, zu mehr als 30% zu arbeiten (IV-act. 57). Die durchführende Institution, die
G._ gmbh, gab am 1. Juni 2011 an (IV-act. 60), nachdem die Versicherte bereits in
den ersten Wochen krankheitshalber ausgefallen sei, habe man ihr Pensum auf 30%
reduziert, um ihr einen einfacheren Einstieg zu ermöglichen. Die Versicherte habe
angegeben, dass bereits die Steigerungsankündigung zu einer Migräne geführt habe.
Da die Zielsetzung eines mindestens 50%igen Einsatzes nicht habe erreicht werden
können, sei das Arbeitstraining am 24. Mai 2011 beendet worden. Am 2. August 2011
erging eine entsprechende Mitteilung (IV-act. 69). Dr. B._ gab am 16. August 2011 an
(IV-act. 70), die Versicherte könne zu 20-30% einer körperlich leichten Hilfsarbeit
nachgehen. Dr. E._ berichtete am 7. September 2011 (IV-act. 72), der
Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär. Die Behandlung bestehe in der
Einnahme eines Antidepressivums und in einer begleitenden Psychotherapie. Aufgrund
des psychischen Zustands (Erschöpfungsdepression) bestehe eine verminderte
Leistungsfähigkeit. Die Arbeitsfähigkeit betrage aber mindestens 50%. Eine
Berufsberatung wäre sinnvoll.
A.b Dr. F._ vom RAD empfahl eine psychiatrische Begutachtung (IV-act. 73). MR Dr.
med. H._, Eidg. Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, beeideter und
gerichtlich zertifizierter Sachverständiger in Österreich, führte in seinem Gutachten vom
8. Dezember 2011 aus (IV-act. 78), die Versicherte leide an einer mittelgradigen
depressiven Störung bestehend seit mindestens 1/09 und - ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit - an einer Neurasthenie. Das neurasthenische Beschwerdebild sei
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gekennzeichnet durch rasche Erschöpfung, vermehrte Müdigkeit, anfangs vermehrte
Unruhe mit Reizbarkeit und häufigem Streit bei der Arbeit und in der Familie,
Schlafstörungen, Lustlosigkeit und Antriebsminderung. Ausserdem bestünden soziale
Belastungen mit Angst vor sozialem Abstieg und Existenzängsten. Die Versicherte fühle
sich rasch überfordert mit Konzentrationsschwierigkeiten und eingeengtem Denken.
Aufgrund der mittelgradigen depressiven Störung seien die emotionale Belastbarkeit,
die geistige Flexibilität, der Antrieb, die Interessen, die Motivation und die
Dauerbelastbarkeit beeinträchtigt. Ausserdem bestünden Somatisierungstendenzen
(rezidivierende Kopfschmerzen, Neigung zu rezidivierenden Infekten). Er habe
Ressourcen und Restaktivitäten erheben können. Trotz der mittelgradigen depressiven
Störung sei keine Beeinträchtigung der Schmerzverarbeitung und -bewältigung
anzunehmen. Damit bestehe keine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere,
Ausprägung und Dauer und die Versicherte verfüge über die notwendigen Ressourcen
für den Umgang mit den Schmerzen und den neurasthenischen Beschwerden. Die
Schmerzen und die Symptome der Neurasthenie seien mit einer zumutbaren
Willensanstrengung ausreichend überwindbar. Es seien auch keine weiteren
massgebenden Kriterien (chronische körperliche Begleiterkrankungen usw.) erkennbar.
Trotz der zu erhebenden Störungen sei eine zumutbare Willensanstrengung zur
Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit anzunehmen. Aus rein psychiatrischer Sicht
könne in einer adaptierten Tätigkeit seit 1/09 eine 60%ige Arbeitsfähigkeit bei vollem
Stundenpensum angenommen werden. Für die angestammte Tätigkeit bei der Post sei
von einer Arbeitsfähigkeit von 40% auszugehen. Adaptiert seien Tätigkeiten ohne
erhöhte emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck, ohne erforderliche geistige
Flexibilität, ohne vermehrte Kundenkontakte, ohne Nachtarbeit und ohne
überdurchschnittliche Dauerbelastung. Nach dem bisherigen Krankheitsverlauf sei
innerhalb eines Jahres eine Besserung des psychischen Zustandsbilds mit einer
Leistungssteigerung (75%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit) zu
erwarten. Berufliche Massnahmen seien aussichtsreich, die Versicherte zeige
diesbezüglich eine gewisse Motivation. Der Verdacht von Dr. E._ auf ein ADHS im
Erwachsenenalter könne nicht bestätigt werden (keine typischen Symptome). Die
mittelgradige depressive Störung mit zugrunde liegender Neurasthenie sei ein
psychisches Leiden mit Krankheitswert. Obwohl sich neben der Arbeitslosigkeit auch
finanzielle und existenzielle Probleme wegen der zusätzlichen Erkrankung des
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Ehemanns erheben liessen, überwögen die psychosozialen Faktoren nicht. Auf die
Frage, ob zur Neurasthenie eine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere
vorliege, antwortete Dr. H._, neben der Neurasthenie lasse sich eine mittelgradige
depressive Störung erheben. Trotz dieser Störung sei keine Beeinträchtigung der
Schmerzverarbeitung und -bewältigung anzunehmen. Somit bestehe keine psychische
Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer und die Versicherte
verfüge über ausreichende Ressourcen für den Umgang mit den Schmerzen und den
neurasthenischen Beschwerden. Die Schmerzen und die Symptome der Neurasthenie
seien mit einer zumutbaren Willensanstrengung ausreichend überwindbar. Dr. med.
I._ vom RAD notierte am 10. Januar 2012 (IV-act. 79-2), das Gutachten sei
umfassend, konsistent, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei. Es liege eine
mittelgradige depressive Störung vor, die sich aus einer Neurasthenie entwickelt habe.
Die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit betrage 60%. Das Defizit-/
Ressourcen-Profil sei gut herausgearbeitet, aber die Diskussion über die Komorbidität
sei etwas verwirrend, weil primär eine autonome depressive Erkrankung vorliege.
A.c Der Rechtsdienst der IV-Stelle ging davon aus, dass die Neurasthenie die
Grunderkrankung sei, die zur Entstehung einer mittelgradigen depressiven Störung
geführt habe. Letztere sei das Ergebnis v. a. der belastenden psychosozialen Situation,
die bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung auszuklammern sei. Die Foerster'schen Kriterien
seien nicht erfüllt, weshalb von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen
sei. Dementsprechend ergab der Einkommensvergleich keine Invalidität (IV-act. 81-2).
Mit einem Vorbescheid vom 20. Februar 2012 (richtig: 20. Januar 2012) kündigte die IV-
Stelle der Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 83). Die
Versicherte liess am 21. Februar 2012 einwenden (IV-act. 98), der Sachverhalt sei
unvollständig abgeklärt worden. Am 22. März 2012 machte die (damalige)
Rechtsvertreterin ergänzend geltend (IV-act. 100), gemäss den Angaben von Dr. H._
habe die Neurasthenie keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit; zur Neurasthenie
liege keine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere vor. Es frage sich nun,
ob neben der Neurasthenie und der mittelgradigen depressiven Störung ein weiteres
psychisches Leiden vorliege. Zur Diskussion stehe der Verdacht auf ADHS im
Erwachsenenalter. Die behandelnde Psychiaterin nehme zur Zeit entsprechende
Abklärungen vor. Dr. H._ habe die Aussage, der Verdacht auf ADHS im
Erwachsenenalter habe nicht bestätigt werden können, nicht begründet. Deshalb
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müssten weitere und umfassendere Abklärungen in dieser Hinsicht getätigt werden. In
Bezug auf die mittelgradige depressive Episode habe Dr. H._ angegeben, es liege
primär eine autonome depressive Erkrankung vor. Der Rechtsdienst der IV-Stelle
verkenne, dass eine eigenständige Depression vorliege. Im Übrigen hätte bei der
Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens ein "Leidensabzug" von wenigstens
15% berücksichtigt werden müssen, weil die Versicherte einen Anfangslohn erhalten
würde, der niedriger wäre als derjenige einer langjährigen Angestellten und weil sie nie
auf ihrem erlernten Beruf (Coiffeuse) habe arbeiten können und auch sonst keinerlei
Berufserfahrung habe. Das Valideneinkommen belaufe sich nicht auf Fr. 59'614.--,
denn die Versicherte habe 2007 und 2008 Fr. 69'425.-- und Fr. 70'506.-- verdient. Die
IV-Stelle wies das Rentengesuch mit einer Verfügung vom 4. April 2012 ab (IV-act.
102). Sie begründete das mit einem Invaliditätsgrad von 0%.
B.
B.a Die Versicherte liess am 15. Mai 2012 Beschwerde erheben und die Zusprache
einer Dreiviertelsrente rückwirkend ab 1. Januar 2010 beantragen; eventualiter sei das
Verfahren zur Vornahme ergänzender medizinischer Abklärungen sowie zur erneuten
psychiatrischen Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G 1).
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin führte zur Begründung insbesondere aus,
das Gutachten von Dr. H._ sei unvollständig, weil es den Verdacht der behandelnden
Psychiaterin auf das Bestehen einer ADHS im Erwachsenenalter ohne weitere
Abklärung und Begründung negiere. Das Gutachten sei auch widersprüchlich, weil es
zwar das Bestehen einer Komorbidität verneine, jedoch gleichzeitig eine Einschränkung
des Gesundheitszustands in einem invalidisierenden Ausmass attestiere. Schliesslich
sei es auch verwirrend in Bezug auf die Ausführungen betreffend die
Schmerzüberwindung, weil primär eine autonome depressive Erkrankung vorliege.
Selbst wenn auf dieses Gutachten abgestellt werde, sei die seitens des Rechtsdienstes
der Beschwerdegegnerin gezogene Schlussfolgerung medizinisch unhaltbar. Die
Abklärungen betreffend ADHS im Erwachsenenalter dauerten zwar noch an, aber es
könne bereits mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vom Bestehen dieser Krankheit
ausgegangen werden. Die typischen Auffälligkeiten bei einer an ADHS leidenden
Person seien geeignet, die Arbeitsfähigkeit zu beeinträchtigen. Weil Dr. H._ die
Diagnose ADHS ohne jede Abklärung pauschal verneint habe, erfülle sein Gutachten
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die Anforderungen der bundesgerichtlichen Praxis nicht und sei deshalb unvollständig.
Das Gutachten sei auch widersprüchlich, denn wenn eine autonome depressive
Erkrankung in der Form einer mittelgradigen depressiven Störung für die
Arbeitsunfähigkeit verantwortlich sei, dann schössen die Ausführungen zur
Überwindbarkeit der Schmerzen und der neurasthenischen Beschwerden mangels
Relevanz am Ziel vorbei. Die Invalidisierung stütze sich auf die depressive Störung und
eben gerade nicht auf die Neurasthenie. In sämtlichen ärztlichen Berichten sei der
Gesundheitszustand als stationär bezeichnet worden. Dr. H._ gehe aber davon aus,
dass sich die Arbeitsfähigkeit innerhalb eines Jahres auf 75% steigern lasse. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hielt zusammenfassend fest, dass mit der
Bestätigung der mittelgradigen depressiven Störung als eigenständige Krankheit von
invalidisierendem Ausmass keine weiteren Abklärungen bezüglich der Zumutbarkeit der
Schmerzüberwindung mit Blick auf die Neurasthenie mehr nötig seien. Mit Blick auf die
Depression liege eine Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer
vor. Deshalb sei auf die attestierte Arbeitsunfähigkeit abzustellen. Massgebend für die
Bemessung des Valideneinkommens sei der zuletzt erzielte Lohn. Bei der Ermittlung
des zumutbaren Invalideneinkommens sei von einem durchschnittlichen Jahreslohn
von Fr. 52'056.-- auszugehen. Davon sei ein Abzug von 15% zu machen, was bei
einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 60% ein Einkommen von Fr. 26'548.55 ergebe.
Verglichen mit dem Valideneinkommen von Fr. 69'965.50 resultiere eine Einbusse von
Fr. 43'416.95. Das entspreche einem Invaliditätsgrad von 62%.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 27. Juni 2012 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie machte sinngemäss geltend, es sei nicht erkennbar, wieso
die Feststellung von Dr. H._, es lägen keine Symptome vor, die auf eine ADHS
hindeuten würden, falsch sein sollte. Selbst wenn eine ADHS vorläge, könnte sie nicht
invalidisierend sein. Sie hätte sich nämlich im Kindesalter entwickelt und deshalb
Auswirkungen auf den schulischen und beruflichen Werdegang der
Beschwerdeführerin gehabt. Diese habe die Schule aber normal absolviert und dann
einen Beruf erlernt. Von 1999 bis 2008 habe sie in einem Vollpensum arbeiten können.
Das zeige, dass eine allfällige ADHS keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben
könne. Demnach seien weitere Abklärungen diesbezüglich überflüssig. Die
diagnostizierte Neurasthenie sei unbestrittenermassen nicht invalidisierend. Die
Entwicklung des Gesundheitszustands zeige, dass sich die Depression aus der
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Neurasthenie ableite. Die Beschwerdeführerin sei durch die Überforderung
(Vollzeitpensum, Nachtarbeit, Kinder) überfordert gewesen, was dazu geführt habe,
dass sie "ausgebrannt" gewesen sei. Dabei handle es sich um psychosoziale Faktoren,
die keine Invalidität begründen könnten. Die Aussage von Dr. H._, die
psychosozialen Umstände überwögen nicht, sei nicht nachvollziehbar, denn Dr. H._
leite die mittelgradige depressive Störung ja gerade aus der Neurasthenie bzw. den
belastenden psychosozialen Umständen ab. Das Fehlen einer antidepressiven
Medikation spreche gegen eine invalidisierende Depression. Es sei keine massgebende
psychische Komorbidität vorhanden. Das Valideneinkommen betrage Fr. 70'506.--. Die
selbstverschuldete Arbeitslosigkeit sei nicht invalidisierend, d.h. es sei von einem
zumutbaren Invalideneinkommen von ebenfalls Fr. 70'506.-- auszugehen. Selbst bei
einem zumutbaren Invalideneinkommen von lediglich Fr 51'368.-- (Durchschnittslohn
der Hilfsarbeiterinnen) würde nur ein Invaliditätsgrad von 28% resultieren.
B.c Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin wandte am 30. August 2012
insbesondere ein (act. G 6), entscheidend sei, dass Dr. H._ bezüglich der
mittelgradigen depressiven Störung von einem autonomen Leiden ausgegangen sei.
Zudem habe er eine invalidisierende Gesundheitsbeeinträchtigung attestiert. Er habe
aber nur in einem Satz erwähnt, dass keine ADHS vorliege. Weder habe er erklärt, wie
er das abgeklärt habe, noch habe er seine Auffassung begründet. Damit sei sein
Gutachten unvollständig. Die ADHS könne aufgrund ihrer organischen Ursache nicht
durch eine zumutbare Willensanstrengung überwunden werden. Es sei plausibel, dass
sie sich erst im Zusammenhang mit der kompletten Überlastungssituation störend
bemerkbar gemacht habe. Gemäss dem Zwischenbericht von Dr. E._ entspreche die
von Dr. H._ umschriebene Symptomatik weitgehend den Symptomen der ADHS.
Diese wirke sich sehr wohl auf die Leistungspflicht der Beschwerdeführerin aus. Die
Beschwerdegegnerin gehe fälschlicherweise davon aus, dass sich die Depression aus
der Neurasthenie ableite. Dr. H._ sei sehr wohl in der Lage gewesen, diese zwei
Diagnosen sauber auseinander zu halten. Die mittelgradige Depression und die
neurasthenischen Beschwerden bestünden nebeneinander. Die Beschwerdegegnerin
habe die mittelgradige depressive Störung willkürlich auf psychosoziale Faktoren
zurückgeführt. Dr. H._ sei zum gegenteiligen Schluss gelangt, nämlich dass die
psychosozialen Faktoren nicht überwögen. Die Beschwerdeführerin werde seit längerer
Zeit mit dem Medikament Concerta behandelt. Dieses werde sowohl bei ADHS als
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auch bei therapieresistenten Depressionen eingesetzt. Dr. E._ hatte in einem an den
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin adressierten Bericht vom 17. Juli 2012 (act. G
6.1) u. a. festgehalten, die ADHS könne sowohl mit Störungen der Impulsivität und mit
Hyperaktivität, aber auch mit einem Aufmerksamkeitsdefizit einhergehen. Die
Beschwerdeführerin weise die Symptome der Hyperaktivität und der
Aufmerksamkeitsstörung auf. Unter der Behandlung mit Concerta habe sich das
Zustandsbild erheblich gebessert. Die Beschwerdeführerin arbeite seit dem 1. Mai
2012 teilzeitlich als Verkaufshilfe in einer Bäckerei. Sie habe sich dort gut bewährt. Sie
leide an einer ADHS im Erwachsenenalter und an einer Erschöpfungsdepression.
B.d Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht mehr vernehmen.

Erwägungen:
1.
Anspruch auf eine Invalidenrente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern können (Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG), die während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen
sind (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) und die nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG), denn ein Rentenanspruch besteht erst ab diesem
Invaliditätsgrad (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.
Die Post als letzte Arbeitgeberin hat angegeben, die Beschwerdeführerin sei ab
4. Januar 2009 krankheitsbedingt nicht mehr zur Arbeit erschienen. Dr. B._ hat als
Beginn der Arbeitsunfähigkeit ebenfalls den 4. Januar 2009 angegeben. Dr. H._ hat
diese Angaben in seinem Gutachten als überzeugend qualifiziert und deshalb den
Beginn der Arbeitsunfähigkeit ebenfalls auf Januar 2009 datiert. Besteht eine
Arbeitsunfähigkeit in mindestens dem von Dr. H._ angegebenen Ausmass von 40%,
so ist das in Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG vorgesehene Wartejahr im Januar 2010 erfüllt
gewesen, so dass ein allfälliger Rentenanspruch ab 1. Januar 2010 zu prüfen ist.
Sowohl im Zusammenhang mit der Erfüllung des Wartejahrs als auch im
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Zusammenhang mit der Invaliditätsbemessung stellt sich also die Frage nach der
überwiegend wahrscheinlichen Arbeitsunfähigkeit in der Zeit ab 4. Januar 2009. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr. B._ und des Ambulatoriums für
Sozialpsychiatrie (0%) vermögen nicht zu überzeugen, zum einen weil sie aus einer
therapeutischen Sicht heraus abgegeben worden sind, zum andern weil darauf
hingewiesen worden ist, dass bei einer geeigneten Therapie mit einer baldigen
Besserung zu rechnen sei. Eine in dieser Erwartung abgegebene
Arbeitsfähigkeitsschätzung kann nicht geeignet sein, als Grundlage einer
notwendigerweise auf lange Dauer angelegten Invaliditätsbemessung zu dienen. Die
während der beruflichen Abklärung beobachtete Arbeitsleistung der
Beschwerdeführerin ist ebenfalls nicht geeignet, die Grundlage der
Invaliditätsbemessung zu bilden, da sie im Ergebnis nur die Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin wiedergespiegelt hat. Das dürfte auch für die von Dr. B._ nach
der beruflichen Abklärung angegebene Arbeitsfähigkeit von 20-30% gelten. Der Bericht
von Dr. E._, in dem die Arbeitsfähigkeit auf wenigstens 50% geschätzt worden ist,
dürfte zwar auf einer längerfristig ausgerichteten Betrachtung beruht haben, da
gleichzeitig eine Berufsberatung empfohlen worden ist. Aber grundsätzlich gilt auch für
sie, dass sie von einer behandelnden Ärztin abgegeben worden ist, was praxisgemäss
als gegen ihre Überzeugungskraft sprechend zu betrachten ist. Immerhin ist sie als
Indiz dafür zu würdigen, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung des Gutachters Dr. H._
richtig ist. Dr. H._ hat seine Einschätzung aus rein gutachterlicher Sicht abgegeben.
Das bedeutet, dass er den Arbeitsfähigkeitsgrad objektiv (d.h. unter Berücksichtigung
einer zumutbaren Willensanstrengung zur Übermittlung der subjektiven
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung) ermittelt hat und dass die Einschätzung - unter
Berücksichtigung der innert Jahresfrist erwarteten Steigerung der Arbeitsfähigkeit von
60% auf 75% - grundsätzlich langfristig ausgerichtet gewesen ist. Die Ausführungen
von Dr. H._ lassen darauf schliessen, dass er die Untersuchung lege artis
vorgenommen hat. Dass er den von Dr. E._ geäusserten Verdacht auf das Vorliegen
einer ADHS im Erwachsenenalter verneint, dies aber nicht weiter begründet hat, ist
zwar als Schwäche des Gutachtens zu werten, ändert aber bei der Gesamtwürdigung
nichts daran, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung als überwiegend wahrscheinlich
richtig zu betrachten ist. Es muss nämlich davon ausgegangen werden, dass Dr. H._
als erfahrener Gutachter den Verdacht auf ein ADHS sorgfältig geprüft hat und dass
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das Ergebnis dieser Prüfung negativ gewesen ist. Gemäss den Angaben von Dr. H._
hat die Mehrfachbelastung der Beschwerdeführerin durch die Schichtarbeit, die
Haushaltsbesorgung und die Kinderbetreuung zunächst eine Neurasthenie
(Erschöpfungssyndrom) ausgelöst. Diese ist gekennzeichnet gewesen durch rasche
Erschöpfbarkeit, vermehrte Müdigkeit, anfangs vermehrte Unruhe mit Reizbarkeit und
häufigem Streit bei der Arbeit und der Familie, Schlafstörungen, Lustlosigkeit und
Antriebsminderung. Das psychische Zustandsbild hat sich dann verschlechtert und es
hat sich zusätzlich eine mittelgradige depressive Störung entwickelt. Die Symptome
des neurasthenischen Beschwerdebildes sind erhalten geblieben. Dr. H._ hat diese
Kombination aus Neurasthenie und mittelgradiger depressiver Störung in Bezug auf die
neurastheniebedingten Beschwerden als durch eine zumutbare Willensanstrengung
überwindbar qualifiziert. Die von ihm angegebene Arbeitsunfähigkeit beruht also nicht
auf den Auswirkungen der Neurasthenie, sondern auf denjenigen der mittelgradigen
depressiven Störung. Deren typische Symptome wie Antriebsminderung,
Konzentrationsstörungen, Merkfähigkeitsstörungen, eingeengtes Denken usw. lassen
sich durch eine Willensanstrengung nicht überwinden, da sie nicht oder nur
ansatzweise willentlich beeinflusst werden können. Der Alltag der Beschwerdeführerin
zeigt aber, dass noch erhebliche Ressourcen bestehen, so dass die
Beschwerdeführerin noch verschiedenen Aktivitäten (Haushaltbesorgung,
Kinderbetreuung) nachgehen kann. Deshalb kann die mittelgradige depressive Episode
keine vollständige Arbeitsunfähigkeit bewirkt haben. Im Gegenteil ist davon
auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit in einem erheblichen Ausmass erhalten
geblieben ist. Dies deckt sich mit der von Dr. H._ angegebenen Arbeitsfähigkeit.
Dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit mit
60% deutlich höher ist als in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin
bei der Post (40%), ist nachvollziehbar. Vergleicht man nämlich die Charakteristika
einer adaptierten Arbeit (keine emotionale Belastung, kein erhöhter Zeitdruck, kein
Bedarf nach geistiger Flexibilität, keine Nachtarbeit, keine überdurchschnittliche
Dauerbelastung) mit den Anforderungen, welche die frühere Arbeit bei der Post stellen
würde, so ist offensichtlich, dass diese frühere Arbeit weitgehend nicht adaptiert ist.
Die Symptome der mittelgradigen depressiven Episode würden sich hier erheblicher
stärker auf die Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin auswirken als in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit. Dass die Neurasthenie und später - teilweise indirekt -
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auch die mittelgradige depressive Episode ihre Ursache in den belastenden
psychosozialen Verhältnissen gehabt haben, in denen die Beschwerdeführerin seit
Jahren lebte, ist in Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit irrelevant, denn deren direkte
Ursache ist die Krankheit mit ihren belastenden Symptomen und nicht die
psychosoziale Situation. Diese ist zwar die Ursache der Krankheit, aber das ist in der
rein final ausgerichteten Invalidenversicherung irrelevant. Selbst wenn man für die
Zukunft eine ideale psychosoziale Situation fingieren würde (was wohl nur unter
Berufung auf die - damit aber völlig überdehnte - IV-spezifische
Schadenminderungspflicht möglich wäre), wäre die Arbeitsunfähigkeit nicht einfach
wieder zu 100% gegeben, denn die Krankheit würde sich nur allmählich wieder
zurückbilden. Die Beschwerdeführerin ist somit seit Januar 2009 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu 40% und in der früheren
Tätigkeit bei der Post zu 60% arbeitsunfähig. Sie hat somit das Wartejahr im Januar
2010 erfüllt, so dass ein Rentenanspruch ab 1. Januar 2010 zu prüfen ist.
3.
Die für den Rentenanspruch massgebende Invalidität ist gemäss Art. 16 ATSG durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das die versicherte
Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Als
Folge der Erwerbsunfähigkeit ihres Ehemanns wäre die Beschwerdeführerin im
hypothetischen "Gesundheitsfall" auf ein möglichst hohes Erwerbseinkommen
angewiesen. Als Coiffeuse oder als Hilfsarbeiterin in der Privatwirtschaft wäre es ihr
nicht möglich, ein Einkommen zu erzielen, das höher wäre als dasjenige, das sie an
ihrem (früheren) Arbeitsplatz bei der Post erhalten würde. Deshalb ist anzunehmen,
dass die Beschwerdeführerin auch in den Jahren ab 2009 ihre Arbeitsstelle bei der
Post behalten hätte, wenn sie gesund geblieben wäre. Ihre "Validenkarriere" besteht
deshalb in der hypothetischen weiteren Ausübung der angestammten Tätigkeit bei der
Post. Davon ist auch die Beschwerdegegnerin ausgegangen. Sie hat das
Valideneinkommen aber im Rahmen des Verwaltungsverfahrens nicht anhand des 2008
effektiv ausbezahlten Lohns von Fr. 70'506.-- ermittelt. Stattdessen hat sie den Betrag
von Fr. 59'614.-- als Valideneinkommen in den Einkommensvergleich eingesetzt.
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Dieser Betrag stammt ebenfalls aus dem von der Post ausgefüllten
Arbeitgeberfragebogen. Auf die Frage, ob der Lohn der Arbeitsleistung entspreche,
hatte die Post angegeben, der Leistungslohn betrage Fr. 0.--, der Anteil Soziallohn Fr.
59'614.--. Dabei dürfte es sich aber nicht um einen Soziallohn im rechtlichen Sinn,
sondern um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (allenfalls die Krankentaggelder)
gehandelt haben, die der Beschwerdeführerin nach dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
ausgerichtet worden ist. Für das Valideneinkommen ist dieser Betrag nicht
massgebend. Auszugehen ist von dem - hypothetischen - Lohn, den die
Beschwerdeführerin im Jahr 2010 erzielt hätte, wenn sie gesund geblieben wäre. Der
Jahreslohn 2008 hat Fr. 70'506.-- betragen. Der allgemeinen Nominallohnentwicklung
bis 2010 angepasst ergibt das ein Valideneinkommen von Fr. 72'461.--. Die
angestammte Tätigkeit bei der Post könnte noch zu 40% ausgeübt werden. Das ergibt
ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 28'984.--. Über den
Arbeitsunfähigkeitsgrad hinausgehende Nachteile hätte die Beschwerdeführerin bei der
Post nämlich nicht in Kauf zu nehmen. Die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse von
Fr. 43'477.-- entspricht einem Invaliditätsgrad von 60%. Da die Beschwerdeführerin
den erlernten Beruf der Coiffeuse seit langer Zeit nicht mehr ausgeübt hat, kommt die
Wiederaufnahme dieser Tätigkeit als "Invalidenkarriere" nicht in Frage. Die
Beschwerdeführerin könnte aber zu 60% einer adaptierten Hilfsarbeit nachgehen. Der
Durchschnittslohn der Hilfsarbeiterinnen hat sich im Jahr 2010 auf Fr. 52'790.--
belaufen (vgl. die von der Informationsstelle AHV/IV herausgegebene Textausgabe des
IVG, Stand 1. Januar 2012, Anhang 2). Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 60% ergibt
das ein Jahreseinkommen von Fr. 31'674.--. Die Beschwerdeführerin würde als
Arbeitnehmerin für einen potentiellen Arbeitgeber verschiedene Nachteile gegenüber
einer gesunden Hilfsarbeiterin aufweisen. Diese Nachteile (Gefahr
überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen, Unfähigkeit zur Leistung von Überstunden
bzw. zu einer vorübergehenden Anhebung des Beschäftigungsgrads, fehlende
Flexibilität in Bezug auf den Arbeitsplatz, Bedarf nach besonderer Rücksichtnahme
usw.) stellen betriebswirtschaftlich betrachtet zusätzliche Lohnkosten dar, die bei
gesunden Hilfsarbeiterinnen nicht anfallen. Deshalb müsste die Beschwerdeführerin
ihre Arbeitskraft zu einem unterdurchschnittlichen Lohn anbieten, um dieselbe Chance
auf einen Arbeitsplatz zu haben wie eine gesunde Hilfsarbeiterin. Diese Lohnnachteile
sind allerdings nicht genau bezifferbar. Deshalb wird praxisgemäss ein pauschaler
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Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen. Im vorliegenden Fall erscheint ein Abzug von
10% als angemessen. Das ergibt ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr.
28'507.--. Die Erwerbseinbusse von Fr. 43'954.-- entspricht einem Invaliditätsgrad von
(aufgerundet) 61%. Grundsätzlich besteht somit ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente.
4.
Ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht nur, wenn die Erwerbsfähigkeit der
Beschwerdeführerin nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen verbessert
werden kann (Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG). Der Grundsatz "Eingliederung vor Rente" (vgl.
etwa U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A., Vorbemerkungen N. 47) umfasst medizinische
und berufliche Eingliederungsmassnahmen. Von medizinischen Massnahmen ist nur
bei langfristiger Betrachtung eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit zu erwarten.
Sollte sich in der Zukunft eine erhebliche Verbesserung einstellen, wird die
Beschwerdegegnerin der entsprechenden Erhöhung der Erwerbsfähigkeit im Rahmen
eines Rentenrevisionsverfahrens (Art. 17 Abs. 1 IVG) Rechnung tragen. Das vorliegende
Verfahren kann nicht bis zum Zeitpunkt sistiert werden, in dem eine allfällige
Verbesserung erreicht sein wird, denn eine rentenrelevante Invalidität liegt gemäss Art.
8 Abs. 1 ATSG bereits dann vor, wenn voraussichtlich für eine längere Zeit eine
teilweise Erwerbsunfähigkeit vorliegen wird. In Bezug auf die berufliche Eingliederung
ist festzuhalten, dass eine Wiedereinschulung (Art. 17 Abs. 2 IVG) in den Beruf der
Coiffeuse keine rentenrelevante Eingliederung wäre, weil auch in diesem Beruf eine
Arbeitsunfähigkeit von wenigstens 40% bestehen würde und weil das durchschnittliche
Lohnniveau dieses Berufs erheblich unter dem Valideneinkommen, d.h. dem Lohn liegt,
den die Beschwerdeführerin an ihrem angestammten Arbeitsplatz bei der Post erzielen
könnte. Auch bei einer erfolgreichen Wiedereinschulung käme es also nicht zu einer
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit. Die einzige berufliche Eingliederungsmöglichkeit,
die dazu führen würde, dass die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin wesentlich,
d.h. rentenrelevant besser wäre, ist eine sogenannte höherwertige Umschulung, also
eine berufliche Ausbildung, die der Beschwerdeführerin eine deutlich höhere berufliche
Qualifikation und damit auch ein deutlich höheres Lohnniveau verschaffen würde. Das
Einkommen müsste neu so hoch sein, dass behinderungsbedingte Erwerbseinbusse -
trotz der Arbeitsunfähigkeit von 40% und trotz des hohen Valideneinkommens - unter
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40% zu liegen käme. Ob die Beschwerdeführerin über die Fähigkeiten verfügt, die nötig
sind, um einen solchen Beruf zu erlernen, ist von der Beschwerdegegnerin nicht
berufsberaterisch abgeklärt worden, weil diese von einem Invaliditätsgrad von weniger
als 40% ausgegangen ist. Die Frage kann vorliegend unbeantwortet bleiben, denn
angesichts der Art und der Schwere der Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit
ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nicht umschulungsfähig, d.h. nicht
in der Lage ist, sich erfolgreich einer qualifizierten Berufsausbildung zu unterziehen.
Sollte sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in der Zukunft so weit
verbessern, dass die Beschwerdeführerin eine qualifizierte Umschulung absolvieren
kann, wird die Beschwerdegegnerin anschliessend ein Rentenrevisionsverfahren
eröffnen und gegebenenfalls dem Eingliederungserfolg durch eine Herabsetzung oder
Aufhebung der Invalidenrente Rechnung tragen. Da somit auch die Voraussetzung des
Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG erfüllt ist, steht fest, dass die Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf eine Dreiviertelsrente hat.
5.
Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen und der Beschwerdeführerin ist mit
Wirkung ab 1. Januar 2010 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Die
Beschwerdegegnerin, an welche die Sache zurückzuweisen ist, wird den Betrag der
Dreiviertelsrente zu ermitteln und eine entsprechende Nachzahlung auszurichten
haben. Da die Beschwerdeführerin vollumfänglich obsiegt, hat sie einen Anspruch auf
eine volle Parteientschädigung. Diese ist angesichts des als durchschnittlich zu
wertenden Vertretungsaufwands praxisgemäss auf Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die vollumfänglich unterliegende
Beschwerdegegnerin hat für die Kosten des Gerichtsverfahrens aufzukommen. Auch
der Beurteilungsaufwand ist als durchschnittlich zu werten, so dass die Gerichtsgebühr
praxisgemäss auf Fr. 600.-- festgesetzt wird. Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
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