Decision ID: d7cf2099-5051-59a8-9d11-a8aa68ebc5df
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 2. Februar 2015 wegen eines Lupus erythematodes und
einer Polyneuropathie zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1; zu den
gesundheitlichen Leiden siehe den Bericht der Klinik für Rheumatologie am
Kantonsspital St. Gallen [KSSG] vom 1. Oktober 2015, IV-act. 37). Dr. med. B._,
Ärztin in der Abteilung Neurologie am KSSG, empfahl zur Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit eine polydisziplinäre Begutachtung (Bericht vom 8. März 2017, IV-
act. 92, insbesondere S. 3 unten). Der behandelnde Dr. med. C._, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin, bescheinigte der Versicherten für die angestammte
Tätigkeit als Sekretärin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Bericht vom 15. Mai 2017
[Datum Posteingang IV-Stelle], IV-act. 114).
A.a.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 14. November und 6. Dezember
2017 polydisziplinär (rheumatologisch, internistisch, psychiatrisch und neurologisch) in
der SMAB AG, Bern, begutachtet (IV-act. 131-1). Die SMAB AG teilte der IV-Stelle am
28. Dezember 2017 mit, dass vor der abschliessenden Beurteilung die Ergebnisse der
im Januar 2018 geplanten bildgebenden Abklärungen abgewartet werden müssten (IV-
act. 130). Am 23. Februar 2018 wurde das Gutachten ausgefertigt. Die Gutachter
diagnostizierten folgende Leiden, denen sie eine Auswirkung auf die «Arbeitsfähigkeit
(letzte Tätigkeit)» beimassen: 1. ein systematischer Lupus erythematodes mit fraglich
damit assoziierter sensibler axonaler Polyneuropathie der unteren Extremitäten,
beidseitiger Skleritis und asymptomatischem kleinem Perikardergruss, regredient unter
Prednison; 2. ein Lumbovertebralsyndrom unklarer Ätiologie, vermutlich degenerativ
bedingt. Die bisherige Bürotätigkeit könne als vollständig leidensangepasst angesehen
A.b.
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werden. Die Arbeitsfähigkeit werde auf 100% geschätzt. Die bisher von den
behandelnden Ärzten eingeschätzten Arbeitsunfähigkeiten («50% ab 22.09.2014, 80%
ab 28.01.2015, 100% ab dem 15.01.2017») seien in diesem Ausmass aufgrund der
vorliegenden Akten zu akzeptieren. Ab dem Datum vom 15. Januar 2017 dürfte
dagegen wohl von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (IV-
act. 131, insbesondere S. 13 und 16). Der RAD-Arzt Dr. med. D._, Facharzt für
Prävention und Gesundheitswesen, hielt das Gutachten der SMAB AG für umfassend
und schlüssig (Stellungnahme vom 2. März 2018, IV-act. 132).
Mit Vorbescheid vom 7. März 2018 zeigte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 136). Dagegen erhob die Versicherte am
26. April 2018 Einwand und beantragte, es sei ihr eine ganze Rente, eventualiter eine
halbe Rente zuzusprechen. Sie brachte vor, das Gutachten der SMAB AG sei
mangelhaft und nicht beweiskräftig (IV-act. 140). Sie reichte u.a. einen Bericht der
Klinik für Rheumatologie am KSSG vom 13. März 2018 ein, worin ausgeführt wurde,
aus rheumatologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit der Versicherten mit Sicherheit
nicht zu 100% gegeben und deutlich geringer einzustufen. Mit in die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit sei neben der entzündlich-rheumatologischen Grunderkrankung auch
die neurologische, ophthalmologische und psychische/psychosomatische Komponente
miteinzubeziehen (IV-act. 140-6 ff.; siehe auch die ergänzende Eingabe der
Versicherten vom 12. Juni 2018, IV-act. 142). Die SMAB AG hielt in der Stellungnahme
vom 24. Juli 2018 an ihrer bisherigen Arbeitsfähigkeitsschätzung fest (IV-act. 149). In
der Stellungahme vom 30. Juli 2018 vertrat der RAD-Arzt Dr. D._ die Ansicht, die
Experten der SMAB AG hätten sich in überzeugender Weise mit den von der
Versicherten vorgebrachten Einwänden auseinandergesetzt (IV-act. 150). Die
Versicherte zweifelte die gutachterliche Beurteilung weiterhin an (Stellungnahme vom
17. August 2018, IV-act. 154) und reichte einen weiteren Bericht der Klinik für
Rheumatologie am KSSG vom 9. August 2018 ein (IV-act. 153).
A.c.
Am 22. August 2018 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs (IV-
act. 155), wogegen die Versicherte am 20. September 2018 Beschwerde erhob (IV-
act. 159; Verfahren IV 2018/316) und u.a. einen neuropsychologischen
Untersuchungsbericht der Klinik für Neurologie am KSSG ins Recht legte. Darin wurden
leicht bis mittelgradige kognitive Funktionsstörungen beschrieben und die dadurch
A.d.
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bedingte Beeinträchtigung auf 30 bis 50% geschätzt (IV-act. 162). Die IV-Stelle
widerrief daraufhin am 23. Oktober 2018 die Verfügung vom 22. August 2018 und
stellte die Durchführung weiterer Abklärungen in Aussicht (IV-act. 173; zu den
Beweggründen der IV-Stelle siehe das Besprechungsprotokoll vom 23. Oktober 2018,
IV-act. 168; zum Abschreibungsbeschluss des Versicherungsgerichts vom
20. November 2018, IV 2018/316, siehe IV-act. 182).
Die Versicherte reichte am 22. November 2018 (IV-act. 181) eine konsiliarische
Beurteilung von Dr. med. E._, Facharzt für Neurologie, vom 19. November 2018 ein.
Dieser diagnostizierte einen Verdacht auf eine spinozerebellare Ataxie (Erstsymptome
ungefähr 2012), einen systemischen Lupus erythematodes sowie eine rezidivierende
(Epi-)Skleritis beidseits, DD im Rahmen des systemischen Lupus erythematodes (IV-
act. 180). Am 22. November 2018 wurde die Versicherte von Dr. med. F._, Chefarzt
der Klinik G._, konsiliarisch beurteilt. Er stellte als Hauptdiagnosen: 1. ein
chronisches Schmerzsyndrom der Lenden-/Becken-/Hüftregion mit Punctum maximum
Sakroilialgelenke und Sitzbeinhöcker sowie 2. eine ataktische Gangbildstörung und
Sensibilitätsstörung bei vorbeschriebener axonaler Polyneuropathie und systemischem
Lupus erythematodes. Es habe sich unter Einbezug der Beurteilung von Dr. E._ mit
hoher Wahrscheinlichkeit eine wegweisende Verdachtsdiagnose ergeben, sodass die
neurologische Grunderkrankung als behandlungsführend gelten müsse. Zunächst solle
eine Fortsetzung der diagnostischen Klärung im Rahmen des neurologischen
Fachgebiets erfolgen (IV-act. 188). Dr. med. H._, «Oberärztin i.v.» an der Klinik für
Rheumatologie am KSSG, empfahl im Schreiben an die IV-Stelle vom 11. Dezember
2018 die Durchführung einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (IV-
act. 185).
A.e.
Am 12. August 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten ihre Absicht mit, bei der
SMAB AG ein polydisziplinäres (allgemein-/internistisches, neurologisches,
neuropsychologisches, psychiatrisches und rheumatologisches) Verlaufsgutachten in
Auftrag zu geben (IV-act. 214). Die Versicherte lehnte eine Verlaufsbegutachtung durch
die SMAB AG ab, da deren Erstgutachten mangelhaft sei (IV-act. 215). Mit
Zwischenverfügung vom 19. August 2019 ordnete die IV-Stelle eine
Verlaufsbegutachtung durch die SMAB AG an (IV-act. 218).
A.f.
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B.

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit
der von der Beschwerdegegnerin angeordneten polydisziplinären
Verlaufsbegutachtung bei der SMAB AG mit dem Referenzzeitpunkt Februar 2018
(siehe hierzu IV-act. 212 und IV-act. 214).
Gegen die Zwischenverfügung vom 19. August 2019 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 18. September 2019. Die Beschwerdeführerin beantragt
darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Rückweisung
an die Beschwerdegegnerin, damit diese über den Rentenanspruch entscheide.
Eventualiter sei statt der SMAB AG eine andere Abklärungsstelle gemäss Swissmed@p
für die Verlaufsbegutachtung sowie Abklärung zu beauftragen. Die Beschwerdeführerin
wiederholt ihre Kritik an der gutachterlichen Einschätzung und der Anordnung einer
Verlaufsbegutachtung (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 19. November
2019 die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin habe keine Gründe
dargetan, welche auf eine Befangenheit der einzelnen Experten der SMAB AG
schliessen lassen würden. Ausserdem sei deren Auffassung, es gehe nicht um die
Einholung eines Verlaufsgutachtens, falsch. Nach der Auffassung des RAD liege mit
der spinozerebellaren Ataxie eine neue medizinische Diagnose mit möglicher
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor (act. G 5).
B.b.
Die Beschwerdeführerin teilt am 6. Dezember 2019 ihren Verzicht auf eine
Akteneinsicht mit (act. G 7).
B.c.
Bei der Anordnung eines Gutachtens handelt es sich um eine Zwischenverfügung
(Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG] in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021]). Eine solche
kann unter anderem dann angefochten werden, wenn ein nicht wieder gutzumachender
Nachteil droht (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. April
1.1.
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2010, B 2009/197, E. 2.5; vgl. auch BGE 138 V 275 E. 1.2.1). Für die Beurteilung des
nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Kontext des sozialversicherungsrechtlichen
Abklärungsverfahrens mit seinen spezifischen Gegebenheiten ist zu beachten, dass
das medizinische Administrativgutachten in der Regel die wichtigste medizinische
Entscheidgrundlage im Beschwerdeverfahren bildet. Die Mitwirkungsrechte der
versicherten Personen müssen daher bereits vor der Begutachtung durchgesetzt
werden können, bevor präjudizierende Effekte eintreten. Mit Blick auf das begrenzte
Überprüfungsvermögen der rechtsanwendenden Behörden genügt es daher nicht, die
Mitwirkungsrechte erst nachträglich, bei der Beweiswürdigung im Verwaltungs- und
Beschwerdeverfahren, einzuräumen (vgl. BGE 138 V 276 E. 1.2.2). Des Weiteren darf
auch nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Anordnung medizinischer
Untersuchungen an einer Person «zweifellos» einen Eingriff in das Grundrecht der
persönlichen Freiheit (Art. 10 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft [BV; SR 101]) darstellt (BGE 136 V 126 E. 4.2.2.1 mit Hinweisen).
Als solcher muss die Anordnung einer Begutachtung die Voraussetzungen von Art. 36
BV erfüllen, was im Bestreitungsfall gerichtlich überprüfbar sein muss. Auf die
Beschwerde ist daher einzutreten, was von den Parteien auch nicht bestritten wird.
Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) statuiert die Sachverhaltsabklärung von
Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu
befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung
kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich der Notwendigkeit, des
Umfangs und der Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zu. Was zu
beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den
Untersuchungsgrundsatz hat der Sozialversicherer den Sachverhalt soweit zu ermitteln,
dass er über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit entscheiden kann. Der Untersuchungsgrundsatz
wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der versicherten Person. Danach hat sich
diese den ärztlichen oder fachlichen Untersuchungen zu unterziehen, wenn sie
zumutbar sind. Nach dem Wortlaut von Art. 43 Abs. 1 und Abs. 2 ATSG müssen diese
aber auch notwendig und somit von entscheidender Bedeutung für die Erstellung des
rechtserheblichen Sachverhalts sein (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Mai 2007,
U 571/2006, E. 4.1 mit Hinweisen). Diese Grundsätze ergeben sich zwingend aus der
im Rahmen der Prüfung der Rechtmässigkeit eines Grundrechtseingriffs
vorzunehmenden Verhältnismässigkeitsprüfung (Art. 36 Abs. 3 BV). Zu ergänzen bleibt,
dass die konkret angeordnete Abklärungsmassnahme demnach auch geeignet bzw.
tauglich sein muss, ein aussagekräftiges Beweisergebnis zu liefern.
1.2.
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2.
Die Beschwerdeführerin bringt gegen die Beauftragung der Gutachter der SMAB AG
vor, es bestehe ein Anschein der Befangenheit (act. G 1, Rz 26 ff.).
Dem von der Beschwerdegegnerin erkannten Abklärungsbedarf bzw. der
Notwendigkeit einer Verlaufsbegutachtung liegt eine neue medizinische Diagnose
(spinozerebellare Ataxie) mit möglicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zugrunde
(Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. D._ vom 29. Juli 2019, IV-act. 217). Bei der
spinozerebellaren Ataxie handelt es sich um eine autosomal-dominant erbliche,
progrediente degenerative Ataxie mit Kleinhirnatrophie und gegebenenfalls
extrazebellarer Beteiligung (Pschyrembel, 267. Auflage, Berlin 2017, S. 169).
2.1.
Vorliegend ist von Bedeutung, dass Dr. E._ bei der Befundung der am
20. Dezember 2017 durchgeführten MRI-Abklärung des Neurocraniums (siehe hierzu
IV-act. 131-90) eine - wenn auch leichtgradige - Atrophie des Cerebellums (Kleinhirn)
feststellte. Zudem führte er aus, «das langsam progrediente ataktische Syndrom seit
ungefähr dem 40. bis 45. Lebensjahr mit Dysarthrie sowie auch sensibler
Polyneuropathie ist in der Gesamtschau des bisherigen Verlaufs auch bei negativer
Familienanamnese sehr verdächtig auf eine spino-cerebelläre Ataxie respektive eine
idiopathische Ataxie des Erwachsenenalters. Die im Vordergrund stehende Rumpf- und
Extremitäten-Ataxie, die leichtgradige Dysarthrie (klinisch noch ohne Dysphagie) sowie
die neurographisch und nadelmyographisch rein sensible und axonale Polyneuropathie
sind grundsätzlich die Kernsymptome einer spino-cerebellären Ataxie» (konsiliarische
Beurteilung vom 19. November 2018, IV-act. 180-3 unten). Ausserdem gab Dr. E._ in
der Diagnoseliste an, dass Erstsymptome («ES») seit zirka 2012 bestünden (IV-
act. 180-1). Mit anderen Worten bestehen gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass die
spinozerebellare Ataxie bereits vor der Begutachtung durch die SMAB AG vorlag.
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin bereits anlässlich der Begutachtung in der
SMAB AG über kognitive Defizite berichtete (IV-act. 131-47), die mit der später im
Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung vom 20. August 2018 geschilderten
Leiden vereinbar sind (IV-act. 162). Bereits anlässlich des vom 11. Oktober 2016 bis
15. Januar 2017 durchgeführten Arbeitsversuchs zeigten sich kognitive Schwächen der
Beschwerdeführerin (IV-act. 83; zur früheren Wahrnehmung kognitiver Defizite durch
den ehemaligen Arbeitgeber der Beschwerdeführerin siehe dessen Stellungnahme vom
23. August 2018, IV-act. 161-4). Die neuropsychologischerseits festgestellten Befunde
und bescheinigte Arbeitsunfähigkeit bildeten Anlass für den Widerruf der
Rentenverfügung vom 22. August 2018 bzw. den zuvor erkannten Abklärungsbedarf
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
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(siehe das Besprechungsprotokoll der Beschwerdegegnerin vom 23. Oktober 2018, IV-
act. 168). Die von der Beschwerdegegnerin auf den Referenzzeitpunkt «2/2018» (IV-
act. 212 und IV-act. 214) in Auftrag gegebene Verlaufsbegutachtung erweist sich
demnach von vornherein für den ausgewiesenen Abklärungsbedarf als ungeeignet.
Vielmehr ist der Gesundheitszustand für den gesamten für die Beurteilung des am
2. Februar 2015 eingereichten Rentengesuchs massgebenden Zeitraum unter dem
Aspekt der spinozerebellaren Ataxie abklärungsbedürftig. Ergänzend ist zu bemerken,
dass der Fragekatalog der Beschwerdegegnerin keine für eine Verlaufsbeurteilung
konkrete Fragestellung enthält, sondern dem Fragekatalog für eine Erstbegutachtung
entspricht (IV-act. 213). Dies deutet ebenfalls darauf hin, dass eine retrospektiv
uneingeschränkte Abklärungsmassnahme im Raum steht.
Mit Blick auf die vorliegend gebotene zeitlich umfassende Zweitbegutachtung ist
der Vorwurf der Beschwerdeführerin, eine neuerliche Begutachtung durch die SMAB
AG sei nicht mehr ergebnisoffen (act. G 1, Rz 26 ff., und G 7), zuzustimmen, wie sich
aus nachstehenden Überlegungen ergibt:
2.3.
Wie bereits erwähnt, bestehen gewichtige Anhaltspunkte, dass bereits im
Zeitpunkt der Begutachtung in der SMAB ein ataktisches Leiden mit möglicher
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestanden hatte (siehe vorstehende E. 2.2). Dieser
Eindruck wird durch den Bericht der Klinik für Neurologie am KSSG vom 18. Oktober
2017 verstärkt, worin u.a. ein klinisches Bild einer sensorischen Ataxie beschrieben
wurde (IV-act. 131-80). Dieser Bericht wird zwar in der Voraktendarstellung des
Gutachtens der SMAB AG vom 23. Februar 2018 erwähnt (IV-act. 131-11 oben).
Trotzdem fehlt darin, insbesondere in dessen neurologischen Teil, eine erkennbare
Auseinandersetzung mit der im Raum stehenden Ataxie, womit davon auszugehen ist,
dass diese Thematik übersehen bzw. übergangen wurde. Der neurologische Gutachter
beliess es bei der Würdigung der Akten bei der Feststellung, dass ausführliche Berichte
der Neurologischen Klinik am KSSG vorlägen, welche schlüssig seien. Zu erwähnen sei
jedoch, dass hinsichtlich der Diagnose «Polyneuropathie» Unsicherheiten bestünden,
da eine Suralis-Biopsie im Januar 2018 unauffällig gewesen sei. Für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit sei dies aber unerheblich (IV-act. 131-58).
2.3.1.
Hinzu kommt, dass fraglich erscheint, ob die SMAB-Gutachter, insbesondere der
neurologische Experte, die Ergebnisse der MRI des Neurocraniums vom 20. Dezember
2017 (IV-act. 131-90) selbst befundet haben, fiel ihnen die - wenn auch leichte -
Kleinhirnatrophie im Gegensatz zu Dr. E._ (siehe hierzu vorstehende E. 2.2 zu Beginn)
nicht auf. Die medizinische Fachliteratur geht davon aus, dass Röntgenbilder den
2.3.2.
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Gutachtern vorzuliegen haben und von ihnen selbst zu sichten und befunden sind. Dies
vor allem deshalb, weil dem Radiologen unter Umständen Einzelheiten entgangen sein
könnten, die dem versierten Kliniker vertraut sind (Entscheid des Versicherungsgerichts
vom 8. Juli 2009, IV 2008/48, E. 3.2.1 mit Hinweis auf H. Fredenhagen, Das ärztliche
Gutachten, 3. Auflage, 1994, S. 100; J. Meine, Die ärztliche Unfallbegutachtung in der
Schweiz - Erfüllt sie die heutigen Qualitätsanforderungen, in: Swiss Surg 1998; 4: 55).
In der allgemeinen - wohl vom federführenden Rheumatologen erstellten (IV-act. 131-1)
- Voraktendarstellung findet sich bloss eine rudimentäre Zusammenfassung der
Abklärungsergebnisse (IV-act. 131-11 unten). Namentlich im neurologischen Teil fehlt
jeglicher Bezug zu diesen bildgebenden Abklärungsergebnissen (IV-act. 131-54 ff.).
Auch in der Stellungnahme der SMAB AG vom 24. Juli 2018 (IV-act. 149) fehlen
diesbezüglich erhellende Ausführungen.
Im Licht dieser Umstände hätten die SMAB AG-Gutachter im Rahmen der
unbestritten gebotenen Abklärung ihre eigene ursprüngliche Einschätzung zu
hinterfragen bzw. zur eigenen ursprünglichen Ersteinschätzung eine Zweitmeinung zu
verfassen. Eine ergebnisoffene Abklärung ist dadurch nicht mehr gewährleistet.
Vielmehr ist zumindest ein Anschein der Befangenheit der SMAB AG bzw. von deren
Experten zu bejahen.
2.3.3.
Der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass die gutachterliche Beurteilung an
Widersprüchen leidet und das Erstgutachten der SMAB AG deshalb auch keine
taugliche Grundlage für eine Verlaufsbegutachtung ab Februar 2018 wäre. So
diagnostizierten die Gutachter in der Gesamtbeurteilung «mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit» bezogen auf die angestammte Tätigkeit sowohl einen systemischen
Lupus erythematodes als auch ein Lumbovertebralsyndrom (IV-act. 131-13). Dies lässt
sich mit der gutachterlich bescheinigten uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für die
angestammte Tätigkeit nicht vereinbaren (IV-act. 131-16). Widersprüchlich erscheint
zudem die retrospektive Arbeitsfähigkeitsbeurteilung. Die Gutachter übernahmen im
gesamtgutachterlichen Teil für die Zeit ab 22. September 2014 bis 15. Januar 2017 die
in den Vorakten bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten (IV-act. 131-16), obschon diese im
federführenden rheumatologischen Teilgutachten - zumindest teilweise - nicht für
nachvollziehbar gehalten wurden (IV-act. 131-30 unten) und in den übrigen
Teilgutachten rückwirkend keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wurde (IV-act. 131-39,
-52 und -58). Die Anordnung einer blossen Verlaufsbegutachtung erscheint angesichts
dieser Mängel auch unter Berücksichtigung des der Beschwerdegegnerin zustehenden
Ermessenspielraums bei der Anordnung von Abklärungsmassnahmen (siehe hierzu
vorstehende E. 1.2) nicht mehr vertretbar.
2.3.4.
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3.