Decision ID: 8967e717-377d-5ddf-a198-cf3919a82069
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 14. Juni 2010 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.1).
Die IV-Stelle liess im Rahmen der Frühintervention die medizinische Situation von A._
durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) abklären (IV-act. 5). Gemäss der
Auskunft des Hausarztes, Dr. med. B._, FMH Innere Medizin, vom 22. Juni 2010
bestand wegen einer vermuteten Talusnekrose und der Zeichen eines Morbus Sudeck
eine eingeschränkte Belastbarkeit des rechten Beins (IV-act. 6, act. 15). Aufgrund der
aufgetretenen Probleme am rechten Knie sei geplant, beim Versicherten eine Knie-
Prothese einzusetzen. Dieser sei derzeit in seiner früher ausgeübten Tätigkeit als
Metallbearbeiter (Hilfsarbeiter) zu 100 Prozent arbeitsunfähig. Den von der IV-Stelle
eingeholten Akten liess sich entnehmen, dass der Versicherte am 26. April 2009 im
Treppenhaus zu seiner Wohnung ausgerutscht war. Am 22. Juni 2006 waren bei der
Erstbehandlung durch Dr. med. C._, FMH Allgemein Medizin, eine Distorsion am
rechten Fuss diagnostiziert und eine 100-prozentige Arbeitsunfähigkeit festgestellt
worden (Fremdakten, act. 3). Der Versicherte hatte nach abgeschlossener Behandlung
einen Rückfall erlitten und aufgrund anhaltender Schmerzen am 16. September 2009
Dr. B._ konsultiert. Dieser hatte ein MRI vom rechten Fuss des Versicherten
anfertigen lassen und eine alte (konsolidierte) Fraktur des Os naviculare, ein Fragment,
eine Gelenksstufenbildung und eine Fissur festgestellt. Der Hausarzt hatte den
Versicherten beim Spezialisten im Kantonsspital St.Gallen behandeln lassen
(Fremdakten, act. 8, vgl. act. 11, act. 22).
A.b Dr. med. D._, Spezialarzt Orthopädie FMH, Sportarzt (SGSM), teilte auf
Anfrage von RAD-Arzt Dr. med. E._ mit, dass die Knieoperation für den 4. November
2010 geplant sei (IV-act. 6). Dr. E._ hielt im Gesprächsprotokoll vom 3. Juni 2010
fest, dass theoretisch eine adaptierte 100-prozentige Arbeitsfähigkeit (8 Stunden pro
Tag) vorliege, jedoch die Umsetzung angesichts der Operation fraglich sei (IV-act. 15).
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Gemäss FI-Vortriage-Protokoll vom 8. Juli 2010 war beim Versicherten ein
Eingliederungspotential vorhanden (IV-act. 17). Die Sachbearbeiterin führte weiter aus,
sie werde zuerst die Operation respektive die Stabilisierung des Gesundheitszustandes
abwarten, bevor sie einen Auftrag an die Eingliederungsberatung erteile (IV-act. 18/2).
Die IV-Stelle erliess am 26. Juli 2010 eine entsprechende Mitteilung an den
Versicherten (IV-act. 20).
A.c Am 4. November 2010 wurde der Versicherte in der Klinik F._ von Dr. D._
am rechten Knie operiert (Arthroskopie und Plicaresektion, Shaving, laterale
Teilmeniskektomie, offene Zystenexcision, IV-act. 30; act. 39; act. 44). Dr. D._
berichtete am 23. Mai 2011, der Versicherte leide neu auch an Schmerzen im linken
Knie, die bisher nicht adäquat hätten abgeklärt werden können. Die Arbeitsfähigkeit
des Patienten müsse gutachterlich beurteilt werden (IV-act. 39, act. 46). Gemäss einem
Austrittsbericht der Klinik F._ vom 10. November 2010 war der Versicherte ca. drei
Wochen arbeitsunfähig (IV-act. 44). Aufgrund der danach eingegangenen
medizinischen Akten kam RAD-Arzt Dr. E._ am 5. August 2011 zum Schluss, dass
die Folgen des Unfalls vom 26. April 2009 ausgeheilt seien und sicher angenommen
werden könne, dass die Operation am rechten Knie zu einer Verbesserung des
Gesundheitszustandes geführt habe. Die Ursache der Knieschmerzen im linken Bein
sei noch offen. Tätigkeiten mit ständigem Gehen und Stehen seien medizinisch derzeit
nicht geeignet. Im Arztbericht von Dr. D._ seien aber keine objektivierbaren
Funktionseinschränkungen, die gegen eine volle Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit sprächen, beschrieben. Deshalb sei ein Eingliederungspotential vorhanden
(IV-act. 46). Die Eingliederungsberaterin sprach mit dem Versicherten im Oktober 2011
über seine berufliche Situation und seine Bewerbungsdossiers (IV-act. 49, act. 51).
Gemäss dem Antrag zur Abklärung / Berufliche Massnahme sollte ein geeignetes
Berufsfeld in einer adaptierten Tätigkeit (körperlich leicht und überwiegend im Sitzen)
für die versicherte Person ermittelt werden. Dazu erfolgte eine Massnahme zur
beruflichen Abklärung vom 19. März bis 15. Juni 2012 in der Durchführungsstelle G._
(IV-act. 58).
A.d Der Versicherte teilte der Eingliederungsverantwortlichen am 28. März 2012 mit,
dass er während seiner Tätigkeit bei der G._ starke Schmerzen im linken Knie habe
und dass nachts sein operiertes rechtes Knie derart stark brenne, dass es ihn um den
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Schlaf bringe (IV-act. 67/4). Er informierte die Eingliederungsverantwortliche am 30.
März 2012 darüber, dass Dr. D._ eine Infektion im Knie festgestellt habe. Ihm sei eine
Physiotherapie verordnet worden. Er sei diese Woche zu 100 Prozent bzw. 50 Prozent
arbeitsunfähig geschrieben (IV-act. 67/4).
A.e Der neue Hausarzt des Versicherten Dr. med. H._, FMH Allgemeinmedizin,
gab in seinem Arztbericht vom 26. April 2012 als Diagnosen eine generalisierte
Arthropathie, Anzeichen einer Fibromyalgie, eine Meniskusläsion am rechten Knie
sowie eine Chondropathie am rechten Knie an (IV-act. 64/1). Er erwähnte in seiner
Anamnese die Problematik, dass sich das Skelettsystem des Patienten schon länger
(zwei bis drei Jahre) in diesem Zustand befinde. Deshalb prognostizierte er eine
Tendenz zur Fixation und Chronifizierung der Symptome (IV-act. 64/2). Neben der
medikamentösen Behandlung empfahl er eine Physiotherapie und legte die
Arbeitsunfähigkeit des Patienten ab dem 2. April 2012 auf 50 Prozent fest (IV-act. 64/2).
Als zumutbare, behinderungsangepasste Tätigkeiten kämen wechselbelastende
Tätigkeiten, Bücken, Über-Kopf-Arbeiten, Rotation im Sitzen/Stehen, Treppensteigen
sowie Heben/Tragen von 10-15kg Gewicht in Erwägung (IV-act. 64/4). Am 12. Juni
2012 wurde der Versicherte auch am linken Knie operiert (IV-act. 66/5; vgl. IV-act.
77/2).
A.f Die Eingliederungsverantwortliche zog in ihrem Schlussbericht vom 25. Juni
2012 das Fazit, dass nebst den gesundheitlichen Einschränkungen auch IV-fremde
Faktoren dazu beitragen würden, dass der Versicherte keine Arbeitsstelle im ersten
Arbeitsmarkt finde. Dieser habe keinen Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung der
Invalidenversicherung (IV-act. 68/1). Die IV-Stelle kündigte mit einem Vorbescheid vom
13. Juli 2012 die Abweisung des Begehrens um berufliche Massnahmen an. Als
Begründung führte sie an, dass eine weitere Unterstützung nicht erfolgsversprechend
sei (IV-act. 70, act. 71, vgl. IV-act. 69). Die gleichlautende Verfügung vom 1. Oktober
2012 wurde vom Versicherten nicht angefochten (IV-act. 75).
A.g Dr. med. I._, FHM Radiologie, fertigte am 7. September 2012 ein MRI (nativ
und nach Kontrastmittel) vom linken Knie des Versicherten an. Gemäss seinem Bericht
vom 10. September 2012 stellte er eine Chondropathie, generalisiert Grad II, sowie eine
erhebliche Reizhoffaitis und eine mässiggradige Reizsynovitis fest. Er führte aus,
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ansonsten liege ein normales Kernspintomogramm des linken Kniegelenks vor. Es
bestehe kein Nachweis für eine erneute Meniskusruptur (IV-act. 74).
A.h Gemäss dem Verlaufsbericht von Dr. D._ vom 31. Oktober 2012 hatte sich der
Gesundheitszustand des Versicherten seit April 2012 verschlechtert. Dr. D._ hielt
fest, neu bestehe ein lumbovertebrales Syndrom. Trotz der beiden Eingriffe im
November 2010 am rechten und im Juni 2012 am linken Knie bestünden weiterhin
therapieresistente ventrale Knieschmerzen. Die Schmerzen in den Knien träten vor
allem bei Belastung auf. Eine Miacalcicbehandlung bei Osteodystrophie links sei
nutzlos gewesen. Die lumbalen Schmerzen seien bisher nicht behandelt worden. Des
Weiteren bestünden unveränderte Schmerzen im linken oberen Sprunggelenk.
Diesbezüglich sei keine Therapie durchgeführt worden. Aufgrund des bisherigen
Verlaufs sei die Prognose eher ungünstig (IV-act. 77). Vorwiegend stehende und
gehende Tätigkeiten mit häufigem Knien und Treppenlaufen seien nicht mehr
vollumfänglich zumutbar. Weitere Einschränkungen müssten gutachterlich beurteilt
werden. Insbesondere müssten die Lendenwirbelsäule und das obere Sprunggelenk
links mittels MRI weiter abgeklärt und beurteilt werden. Dr. D._ empfahl eine
orthopädisch-rheumatologische und eine psychiatrische Begutachtung des
Versicherten (IV-act. 77/4).
A.i Hausarzt Dr. H._ beurteilte den Gesundheitszustand des Versicherten in
seinem Verlaufsbericht vom 25. Januar 2013 als stationär bis verschlechtert. Er stellte
keine Änderung der Diagnose fest (rezidivierende Myalgien, Neuralgie, Arthopathien
und LWS-Syndrom; IV-act. 84/1). Er führte aus, die Belastbarkeit von Knien und
Rücken und das Tragen von schweren Gewichten beeinträchtigten den Versicherten
bei der bisherigen Tätigkeit. Er schätzte eine vierstündige Beschäftigung pro Tag in der
bisherigen Tätigkeit als zumutbar ein, hielt aber fest, es liege eine verminderte
Leistungsfähigkeit im Gesamtbild (Flexibilität, Mobilität und Kraft) vor. Es sei fraglich,
ob die Arbeitsfähigkeit des Patienten verbessert werden könne (IV-act. 84/2). Andere
Tätigkeiten seien nicht zumutbar. Eine weitere Beurteilung des Gesamtbildes war
gemäss Dr. H._ aus medizinischer Sicht nicht mehr notwendig (IV-act. 84/3).
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A.j In der Stellungnahme des RAD vom 8. Februar 2013 wurden zur Rentenprüfung
die erwähnten Berichte von Dr. D._ und Dr. H._ beigezogen. RAD-Arzt Dr. med.
J._ beurteilte auf der Grundlage dieser Berichte die zumutbare Arbeitsfähigkeit im
angestammten sowie im adaptierten Tätigkeitsbereich (IV-act. 85). Er gab an, schon
aufgrund der dokumentierten strukturellen Veränderungen an den unteren
Extremitäten, insbesondere auch der Kniegelenke, kämen Tätigkeiten mit viel Stehen
und Gehen, kniend, in der Hocke sowie das Heben und Tragen von Lasten über 10 kg
nicht mehr in Frage. Die lumbalen Schmerzen habe er dabei (noch) gar nicht
berücksichtigt, da sie von Dr. D._ nicht objektiviert worden seien. Für die
angestammte Tätigkeit ergebe sich daher eine Arbeitsfähigkeit von 0 Prozent, für eine
bein- bzw. rückenadaptierte Tätigkeit könne aber nach dem aktuellen Kenntnisstand
von einer 100-prozentigen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (IV-act. 85/2).
Betreffend die Frage, ob ergänzende medizinische Abklärungen angezeigt seien,
entbehrten die ärztlichen Berichte aus versicherungsmedizinischer Sicht einer gewissen
Substanz (IV-act. 85/2). Die Antworten von Dr. H._ im Verlaufsbericht seien teilweise
„verwirrend“ (IV-act. 85/1). „Mit Erstaunen“ sei zur Kenntnis zu nehmen, dass Dr. D._
in seinem Bericht ein abklärungsbedürftiges Krankheitsbild (lumbovertebrales
Syndrom) umschreibe, aber von sich aus keine weitergehende Abklärung (der
Wirbelsäule) veranlasst habe (IV-act. 85/2).
A.k Gemäss dem Bericht von Dr. D._ vom 5. März 2013 lag beim Versicherten
eine hochgradige Osteodystrophie der distalen Tibia und des medialen Malleolus sowie
weniger des Talus mit deutlicher Reizsynovialitis des linken oberen Sprunggelenkes vor
(IV-act. 92/2). Die IV-Stelle bat die beiden behandelnden Ärzte mit Schreiben vom 19.
April 2013 um die Zustellung der Bildgebung zu diesem Bericht (IV-act. 95 f.). Dr. D._
reichte am 2. Mai 2013 den MRI-Bericht vom 25. Januar 2013 betreffend das linke
obere Sprunggelenk ein. Er fügte an, dass der Versicherte bei ihm nicht wegen
Wirbelsäulenbeschwerden in Behandlung sei und dementsprechend keine Abklärungen
durchgeführt worden seien (IV-act. 98). Dr. H._ sandte dem RAD am 3. Mai 2013
eine CD mit den MRI-Aufnahmen des linken oberen Sprunggelenkes zu (IV-act. 97).
RAD-Arzt Dr. J._ hielt am 16. Mai 2013 fest (IV-act. 101/2), dass im MRI eine
krankhafte Veränderung im Knochenstoffwechsel der unteren Extremitäten
dokumentiert sei. Eine Erkrankung im Wirbelsäulenbereich mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit sei von keinem der beiden behandelnden Ärzte dokumentiert worden.
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Es bleibe bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 0 Prozent in der angestammten
und 100 Prozent in der adaptierten Tätigkeit. Er verwies dabei auf die Stellungnahme
des RAD vom 8. Februar 2013 (IV-act. 85). Gestützt auf die aktuelle RAD-
Stellungnahme nahm die IV-Stelle am 17. Juni 2013 den Einkommensvergleich vor (IV-
act. 104). Sie stellte das Valideneinkommen als Hilfsarbeiter aus dem Jahr 2011 dem
Invalideneinkommen bei einer Arbeitsfähigkeit von 100 Prozent in einer adaptierten
Tätigkeit gegenüber. Daraus resultierte keine Erwerbseinbusse (IV-act. 104). Gemäss
dem Feststellungsblatt vom 17. Juni 2013 war der Versicherte in einer körperlich
leichteren, vorwiegend sitzenden Tätigkeit arbeitsfähig und er konnte in einer
geeigneten Erwerbsmöglichkeit auf dem freien, ihm offen stehenden Arbeitsmarkt
dasselbe Einkommen erzielen wie zuletzt als Hilfsarbeiter (IV-act. 105/2).
A.l Mit einem Vorbescheid vom 26. Juni 2013 wurde dem Versicherten die
Abweisung seines Rentenbegehrens angekündigt (IV-act. 107). Der Versicherte bat am
27. August 2013 darum, seinen Invaliditätsgrad neu zu überprüfen. Er habe psychische
Probleme und in der Zwischenzeit sei bei ihm ein Bandscheibenvorfall festgestellt
worden. Er werde die entsprechenden Berichte und Stellungnahmen nachreichen (IV-
act. 111/1). Am 4. September 2013 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten eine
einmalige Fristerstreckung bis 4. Oktober 2013 zur ergänzenden Stellungnahme (IV-act.
113). Der Versicherte reichte innert erstreckter Frist keine weiteren Unterlagen ein. Mit
einer Verfügung vom 15. Oktober 2013 wurde sein Rentenbegehren abgewiesen (IV-
act. 114).
A.m Der Sohn des Versicherten gab am 18. Oktober 2013 bei der IV-Stelle persönlich
(IV-act. 115) einen psychiatrischen Bericht vom 5. August 2013 von Dr. med. K._,
FHM Psychiatrie und Psychotherapie (IV-act. 116), sowie Röntgen- und MRI-Bilder und
einen Bericht von Dr. med. L._, FMH Radiologie, vom 13. August 2013 ab. Die
Aufnahmen dokumentierten u.a. eine dehydrierte Bandscheibe L3/4 (IV-act. 117). Der
RAD prüfte innerhalb der Beschwerdefrist, ob ein neuer medizinischer Sachverhalt
vorlag. RAD-Arzt Dr. J._ konnte dabei keinen Befund von Relevanz für die
Gesamtbeurteilung des Falles ermitteln (IV-act. 118/1). Er hielt fest, die vom Psychiater
angegebene Diagnose (Anpassungsstörung mit depressiver Symptomatik im Rahmen
einer belastenden psychosozialen Situation) habe keinen IV-relevanten Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit (Therapieempfehlung war vom Versicherten abgelehnt worden; vgl. IV-
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act. 116/2). Den strukturellen Veränderungen an der Lendenwirbelsäule könne zwar ein
gewisser Krankheitswert zugesprochen werden, es lägen jedoch keine kompetenten
Berichte der Behandler vor und die 100-prozentige Arbeitsfähigkeit sei bei einer
rückenadaptierten Tätigkeit weiterhin gegeben. Die Einholung weiterer medizinischer
Unterlagen dränge sich nicht auf (IV-act. 118/2). Die IV-Stelle teilte dem Versicherten
am 4. November 2013 mit, dass sie an der abweisenden Rentenverfügung vom
15. Oktober 2013 festhalte (IV-act. 119).
B.
B.a Der Versicherte erhob am 14. November 2013 fristgerecht Beschwerde gegen
die Rentenverfügung. Er beantragte sinngemäss, die Verfügung sei aufzuheben und
seine Invalidität sei neu zu prüfen. Er ersuchte um die unentgeltliche Prozessführung.
Zur Begründung führte er an, dass er aufgrund seiner Rücken- und Knieproblematik
auch in einer leichten Tätigkeit körperlich eingeschränkt sei und dass die psychischen
Beschwerden eine volle Leistungsfähigkeit verhinderten. Aufgrund seiner somatischen
und psychischen Erkrankung begebe er sich im Januar/Februar 2014 in eine Reha in
M._. Die Austrittsberichte würden sicherlich Aufschluss über seine gesundheitliche
Gesamtsituation geben (act. G. 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 20. Januar
2014 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung brachte sie vor, dass der RAD
die medizinische Aktenlage gewürdigt habe und dass die dokumentierten somatischen
Gesundheitsbeschwerden gewisse qualitative Einschränkungen, aber keine
quantitative Beeinträchtigung in der Leistungsfähigkeit zu begründen vermöchten. Die
nach Verfügungserlass eingereichten medizinischen Unterlagen zeigten gemäss RAD
keine wesentlichen pathologischen Befunde und die psychiatrische Diagnose habe
keinen IV-relevanten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer sei in einer
adaptierten Tätigkeit zu 100 Prozent arbeitsfähig (act. G. 5).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 21. Januar 2014 wurde dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung von
den Gerichtskosten) entsprochen (act. G 6).
B.d Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 8).
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Erwägungen
1.
1.1 Zwischen den Parteien ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers
umstritten. Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben gemäss Art. 28
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20)
Versicherte, die kumulativ ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können,
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
Prozent invalid sind. Eine Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 Prozent, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 Prozent invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent vor, so besteht Anspruch auf eine halbe
Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent auf eine Viertelsrente.
1.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
2.
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2.1 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades muss vorliegend unstrittig ein
Einkommensvergleich gemäss Art. 16 ATSG vorgenommen werden. Dieser ist nur
möglich, wenn dem Valideneinkommen ein bestimmtes Invalideneinkommen
gegenübergestellt werden kann. Was dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung
seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen noch zuzumuten ist, muss im Einzelfall und
auf der Grundlage einer medizinischen Beurteilung bestimmt werden. Wurde eine
zumutbare Tätigkeit für den Versicherten ermittelt, muss abgeklärt werden, ob für diese
Tätigkeit eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht. Dies setzt eine
rechtsgenügliche Abklärung der medizinischen Situation voraus.
2.2 Bei vorliegender Aktenlage ist fraglich, ob der Sachverhalt genügend abgeklärt
worden ist und dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit genügt. Der
Beschwerdeführer leidet gemäss den bei den Akten liegenden medizinischen Berichten
an Beschwerden am linken und rechten Knie und am linken oberen Sprunggelenk
aufgrund krankhafter Veränderung im Knochenstoffwechsel der unteren Extremitäten,
an einem lumbovertebralen Syndrom sowie an strukturellen Veränderungen an der
Lendenwirbelsäule und an psychischen Beschwerden. Die Einschätzung einer 100-
prozentigen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ist aufgrund von Unklarheiten
im Sachverhalt schwer nachzuvollziehen. Der Sachverhalt erscheint aus folgenden
Gründen nicht rechtsgenüglich erstellt:
2.2.1 Der Beschwerdeführer leidet unter anderem an Schmerzen in den unteren
Extremitäten. Nach der Operation am rechten Knie haben fortwährende ventrale
Schmerzen bestanden (IV-act. 77/2). Ob der Beschwerdeführer auch bei einer leichten,
wechselbelastenden Tätigkeit an Schmerzen im zuerst operierten rechten Knie leidet,
ist dem Sachverhalt nicht zu entnehmen. Des Weiteren sieht Dr. D._, welcher den
Beschwerdeführer operiert hat, die Notwendigkeit, dass weitere Einschränkungen
gutachterlich beurteilt werden müssen (IV-act. 77/4). Eine entsprechende
Begutachtung bzw. eine fachärztliche Abklärung, die sich spezifisch mit den
Einschränkungen des rechten Knies nach der Operation auseinandersetzen würde,
fehlt aber.
2.2.2 Nach der Operation des linken Knies haben ebenfalls weiterhin therapieresistente
ventrale Schmerzen bestanden (IV-act. 77/2). Der behandelnde Radiologe hat nach der
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Operation ein MRI erstellt und dabei eine Chondropathie zweiten Grades sowie eine
erhebliche Reizhoffaitis und mässiggradige Reizsynovitis festgestellt (IV-act. 74).
Gemäss Dr. D._ hätten die Schmerzen im linken Knie weiter abgeklärt werden
müssen und weitere Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit bedurften einer
gutachterlichen Beurteilung (IV-act. 77/2). Nach dem Befund des Radiologen ist den
Akten keine entsprechende fachärztliche Abklärung des linken Knies mehr zu
entnehmen. Dies ist nicht nachvollziehbar, weil die nun in beiden (operierten) Knien
auftretenden Schmerzen eine erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht
ausschliessen. Ob bzw. in welchem Ausmass in diesem Zustand weiterhin leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten möglich sind, kann anhand der vorliegenden Akten
nicht beurteilt werden.
2.2.3 Hinzu kommt, dass unveränderte Schmerzen im linken oberen Sprunggelenk
bestanden haben und hier nur ein MRI durchgeführt worden ist (IV-act. 99; vgl. IV-act.
77/2). Aus den Akten ist aber keine weitere fachärztliche Abklärung des linken oberen
Sprunggelenkes ersichtlich. Da mehrere Gelenke der unteren Extremitäten krankhaft
verändert sind, hätte der RAD eine orthopädische bzw. rheumatologische Abklärung
veranlassen müssen, um die Arbeitsfähigkeit korrekt einschätzen zu können.
2.2.4 Selbst als Dr. D._ beim Beschwerdeführer ein lumbovertebrales Syndrom
sowie strukturelle Veränderungen an der Lendenwirbelsäule diagnostiziert hat, sind
keine weiteren medizinischen Abklärungen erfolgt, obwohl der Orthopäde eine weitere
Abklärung der Schmerzen in der Lendenwirbelsäule sowie eine Begutachtung weiterer
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit als notwendig erachtet hat. RAD-Arzt Dr. J._
hat in seiner Stellungnahme vom 16. Mai 2013 die fehlenden Abklärungen wohl als
Abwesenheit von Gesundheitsbeschwerden aufgefasst und sich in der Lage gesehen,
eine 100-prozentige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit zu attestieren. Als
sich aufgrund eines MRI von Dr. L._ später herausgestellt hat, dass der
Beschwerdeführer u.a. an einer dehydrierten Bandscheibe gelitten hat, hat der RAD
immer noch keine Veranlassung für weitere Abklärungen im Zusammenhang mit der
Arbeitsfähigkeit gesehen und in seiner Stellungnahme vom 30. Oktober 2013 befunden,
dass die Erkrankung im Wirbelsäulenbereich mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit von
keinem der behandelnden Ärzte genügend dokumentiert worden sei. Das Fehlen von –
nach eigener Aussage – „kompetenten Berichten“ (IV-act. 118/2) hat der RAD-Arzt als
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Beleg dafür betrachtet, dass beim Beschwerdeführer keine weiteren gesundheitliche
Leiden vorliegen. Dr. J._ hat sich mit den ihm bereits vorliegenden medizinischen
Berichten begnügt, einen Abklärungsbedarf verneint und den Beschwerdeführer zu 100
Prozent adaptiert arbeitsfähig befunden. Einschränkungen, die sich sowohl in den
unteren Extremitäten als auch im Bereich der Lendenwirbelsäule äussern, sind in ihrem
Zusammenwirken als komplex zu erachten. Hier rein auf Einzelberichten basierend die
Arbeitsfähigkeit einschätzen zu wollen, ist nicht zielführend.
2.2.5 Bezüglich der psychischen Verfassung des Beschwerdeführers hat der
zuständige RAD-Arzt auf einen Bericht über ein einmaliges psychiatrisches
Erstgespräch (IV-act. 116/2) abgestellt, ohne dass weitere psychiatrische Berichte
vorgelegen haben. Er hat dieses Erstgespräch gar als relevante „Diagnose“ eingestuft.
Der behandelnde Psychiater hat in seinem Bericht jedoch betont, dass lediglich ein
einmaliges Gespräch stattgefunden habe, und er hat sich bei den psychischen
Befunden nur dahingehend geäussert, dass entsprechende „Hinweise“ vorlägen.
2.2.6 Da allein schon die einzelnen Gesundheitsbeschwerden des Beschwerdeführers
nicht abschliessend abgeklärt worden sind, kann keine überzeugende
Gesamtbeurteilung der medizinischen Situation vorliegen. Zwar hat der RAD-Arzt
angegeben, dass die vom Beschwerdeführer nachgereichten Befunde (IV-act. 116, act.
117) keine Relevanz für die Gesamtbeurteilung hätten. Den Akten ist jedoch keine
Gesamtbeurteilung aller gesundheitlichen Einschränkungen, die interdisziplinär allen
Beschwerden und deren Wechselwirkungen Rechnung tragen würde, zu entnehmen.
Vielmehr hat die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei genauerer Betrachtung allein auf
den (im Übrigen nicht vollständig abgeklärten) Kniebeschwerden beruht. Weiter ist
anzuführen, dass die Beschwerdegegnerin nicht die Austrittsberichte aus der
Rehaklinik M._ abgewartet hat, obwohl der Beschwerdeführer explizit darauf
hingewiesen hatte. Diese Austrittsberichte haben dem RAD offenbar nicht vorgelegen.
2.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Frage der Arbeitsfähigkeit für
adaptierte Tätigkeiten anhand der vorliegenden Akten nicht schlüssig beantwortet
werden kann. Die Beschwerdegegnerin ist ihrer Abklärungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
also nur ungenügend nachgekommen. Damit ist die angefochtene Verfügung in
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes erlassen worden. Sie ist als rechtswidrig zu
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qualifizieren und deshalb aufzuheben. Da es nicht die Aufgabe des
Versicherungsgerichtes sein kann, die versäumten Sachverhaltsabklärungen der
Beschwerdegegnerin nachzuholen, ist die Sache zur weiteren Abklärung des
medizinischen Sachverhalts und zur anschliessenden neuen Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur weiteren Sachverhaltsabklärung empfiehlt
sich ein polydisziplinäres Gutachten.
3.
Die Aufhebung einer angefochtenen Verfügung und die Rückweisung an die
Verwaltung zur Durchführung weiterer Abklärungen gilt rechtsprechungsgemäss
hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen als vollständiges Obsiegen der
Beschwerde führenden Partei. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat deshalb die
gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG zu erhebenden und angesichts des durchschnittlichen
Aufwands auf Fr. 600.-- festzusetzenden Gerichtskosten zu bezahlen.