Decision ID: c4c9e949-ecfe-55df-80dd-588f16e437bd
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Grämiger, LL.M., Bronschhoferstrasse 2,
9500 Wil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen und Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._, meldete sich im November 2006 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an. Seit 1. März 1991 arbeite er als Gärtner (Vorarbeiter) und
Maschinist bei der B._ AG. Bei einem Verkehrsunfall am 25. September 2005 habe er
sich Verletzungen am rechten Knie zugezogen. Seit dem Unfall bestehe eine volle
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 1).
A.b Im Arztbericht vom 5. Dezember 2006 stellt die behandelnde Assistenzärztin der
Orthopädischen Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen die Diagnose eines Status
nach Tibiaplateaufraktur mit knöchernem Ausriss des hinteren Kreuzbandes. Die
bisherige Tätigkeit sei bei verminderter Leistungsfähigkeit noch zumutbar; dabei sollten
keine knienden Tätigkeiten durchgeführt werden und auch schwere Lasten vermieden
werden. Eine adaptierte Tätigkeit sei bei reduzierter Leistung ganztags möglich. Es
wurde zu einer Umschulung geraten in eine Tätigkeit, die vorwiegend im Sitzen
durchgeführt werden könne (IV-act. 20). Med. prakt. C._, Allgemeine Medizin, hielt im
Arztbericht vom 4. Januar 2007 fest, dass dem Versicherten die schweren Arbeiten als
Landschaftsgärtner nicht mehr zumutbar seien. Für eine leichte sitzende Tätigkeit sollte
nächstens eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erlangt werden (IV-act. 27/1-4). Am 1. und
2. November 2007 erfolgte eine rheumatologische Begutachtung des Versicherten (inkl.
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit; EFL) durch die AEH Zentrum für
Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG. Im entsprechenden Gutachten
(nachfolgend: AEH-Gutachten) vom 18. August 2008 wurde mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit ein vorderer Knieschmerz rechts diagnostiziert. Für die angestammte
Tätigkeit gemäss Arbeitsbeschreibung des Versicherten (50% Baggerführertätigkeiten
und 50% Mitarbeit im Gartenbau) bestehe eine medizinisch-theoretische
Restarbeitsfähigkeit von 40%. Unter Berücksichtigung der Arbeitsbeschreibung durch
die Arbeitgeberin, welche jedoch Lücken aufweise, wäre die Tätigkeit theoretisch
ganztags mit zwei Stunden vermehrten Pausen, d.h. im Rahmen von 75% zumutbar. In
einer angepassten Tätigkeit (überwiegend sitzende Tätigkeit, welche die Möglichkeit
des kurzzeitigen Aufstehens und/oder Umhergehens beinhalte) sei der Versicherte
unter Berücksichtigung der Geschichte, der objektiven Befunde und der Resultate der
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Belastbarkeitstests mit Sicherheit ganztags (mit vermehrten Pausen von zwei Stunden
über den Tag verteilt) arbeitsfähig (IV-act. 45). Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der
Invalidenversicherung führte in der Stellungnahme vom 10. September 2008 aus, das
AEH-Gutachten sei umfassend, aber nicht in allen Punkten nachvollziehbar. Auf die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit könne abgestellt
werden. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sei die
Begründung für die vermehrten Pausen von zwei Stunden über den Tag verteilt nicht
überzeugend. In einer dem Leiden ideal angepassten Tätigkeit würden sich die
funktionellen Einschränkungen des rechten Kniegelenks nicht auswirken, weshalb
medizinisch-theoretisch von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (IV-act.
48).
A.c Mit Schreiben vom 4. Dezember 2008 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass die Arbeitsvermittlung mangels subjektiver Arbeitsfähigkeit abgeschlossen werde
(IV-act. 53).
A.d Im Vorbescheid vom 4. Dezember 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, dass er bei einem Invaliditätsgrad von 12% keinen Anspruch auf eine Rente
habe (IV-act. 52). Gegen den Vorbescheid erhob der Versicherte am 5. Januar 2009
Einwand und beantragte die Ausrichtung einer Invalidenrente (IV-act. 55). Mit
Verfügung vom 27. April 2009 lehnte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid den
Anspruch auf eine Invalidenrente ab (IV-act. 56).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Grämiger,
Wil, im Namen des Versicherten eingereichte Beschwerde vom 14. Mai 2009 mit den
Anträgen, die Verfügung vom 27. April 2009 sei aufzuheben, die Sache sei zur
Durchführung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen und Arbeitsvermittlung
sowie zur Einholung einer unabhängigen spezialärztlichen Begutachtung und
anschliessender Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Eventuell sei dem Beschwerdeführer eine mindestens 50%ige Invalidenrente aufgrund
eines Invaliditätsgrads von mindestens 60% auszurichten; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wird im
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Wesentlichen ausgeführt, dass das AEH-Gutachten erhebliche Mängel aufweise. Der
Beschwerdeführer sei in seiner bisherigen Tätigkeit als Folge des Unfalls zu 100%
erwerbsunfähig. Die im AEH-Gutachten festgestellte Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit von 75% sei rein theoretisch. Aufgrund konsistenter und
belastungsabhängig zunehmenden Schmerzen sei eine solche ganztägige Arbeit (mit
zwei Stunden vermehrten Pausen über den ganzen Tag verteilt) unrealistisch. Wenn auf
die 75%ige Arbeitsfähigkeit abgestellt würde, ergäbe sich bei einem
Valideneinkommen von Fr. 67'501.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 38'988.--
sowie einem Leidensabzug von 30% ein Invaliditätsgrad von 59.6%. Allerdings seien
bisher keine Eingliederungsmassnahmen durchgeführt worden. Die
Beschwerdegegnerin habe bei der Berechnung des Invalideneinkommens anhand der
Lohnstrukturtabelle zu Unrecht eine Aufrechnung auf eine 45 Stunden-Woche
vorgenommen. Die Annahme der Beschwerdegegnerin, wonach der Beschwerdeführer
die angebotene Arbeitsvermittlung abgelehnt habe, sei falsch und aktenwidrig (act. G
1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 9. Juli 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Auf das Begehren um Rückweisung zur Durchführung
einer Arbeitsvermittlung sei nicht einzutreten, da dieser Anspruch mit separater
Mitteilung abgeschlossen worden sei. Die im AEH-Gutachten festgelegte zumutbare
Arbeitsfähigkeit von 75% für die angestammte, körperlich wohl eher belastende
Tätigkeit als Gartenbauarbeiter und Maschinist erscheine plausibel. Jedoch vermöge
die für angepasste Tätigkeiten attestierte Einschränkung in Form eines Bedarfs an zwei
Stunden Pausen über den Tag verteilt aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht zu
überzeugen. Die RAD-Ärzte hätten in ihrer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht mit dem subjektiven Empfinden von
Schmerzen begründet werden könne. Für eine angepasste Hilfsarbeitertätigkeit
bestehe daher eine in quantitativer Hinsicht uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit.
Gestützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin belaufe sich das
Valideneinkommen für das Jahr 2006 auf Fr. 65'000.--. Das Invalideneinkommen
betrage unter Verwendung der Tabellenlöhne der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) Fr. 59'197.-- (Privater Sektor, Anforderungsniveau 4). Ein
leidensbedingter Abzug falle vorliegend nicht in Betracht. Aus der Gegenüberstellung
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der Vergleichseinkommen resultiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von
rund 9% (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 9. September 2009 führt der Beschwerdeführer aus, dass die in
der Beschwerde beantragte Durchführung der beruflichen Eingliederung unter
Kostenfolge als gegenstandslos abzuschreiben sei. An den übrigen gestellten Anträgen
hält er unverändert fest (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G
8).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 27.
April 2009 ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten
der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat.
Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über die
noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals
geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-
Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese
übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die
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5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine
substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage
gebracht hat. Nachfolgend werden die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des
ATSG, IVG und IVV wiedergegeben.
2.
2.1 Vorab gilt es den Gegenstand der angefochtenen Verfügung zu definieren. Mit
Schreiben vom 4. Dezember 2008 teilte die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer den Abschluss der Arbeitsvermittlung mit (IV-act. 53). Gegen diese
Mitteilung wehrte sich der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 17. Dezember 2008
und beantragte weiterhin die Durchführung der erforderlichen Massnahmen für die
Arbeitsvermittlung (IV-act. 54). Der Beschwerdeführer bringt durch sein Schreiben
offensichtlich zum Ausdruck, dass er mit dem Abschluss der Arbeitsvermittlung nicht
einverstanden ist und verlangt - soweit die Beschwerdegegenerin seinem Antrag nicht
folgen sollte - zumindest sinngemäss eine beschwerdefähige Verfügung. In der
angefochtenen Verfügung vom 27. April 2009 hält die Beschwerdegegnerin in dieser
Hinsicht an ihrem Standpunkt unverändert fest und führt explizit aus, dass die
Arbeitsvermittlung mangels subjektiver Arbeitsfähigkeit nicht möglich sei. Die
Ablehnung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung ist somit als Gegenstand der
angefochtenen Verfügung zu betrachten und bildet vorliegend auch Streitgegenstand,
nachdem der Beschwerdeführer in der Beschwerde vom 14. Mai 2009 die
Durchführung der Arbeitsvermittlung weiterhin beantragte und die Beschwerdegegnerin
erstmals mit Schreiben vom 18. Mai 2009 auf das Begehren um Arbeitsvermittlung
reagierte (vgl. IV-act. 64). Mit Schreiben vom 19. Juni 2009 teilte die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit, dass aufgrund des Gesuchs um
berufliche Massnahmen weitere Abklärungen notwendig seien (act. G 6.1). Damit kann
der entsprechende Antrag auf Arbeitsvermittlung als gegenstandslos abgeschrieben
werden, wie der Beschwerdeführer in seiner Replik erklärt (act. G 6). Die Tatsache,
dass das Begehren um berufliche Massnahmen somit erst nach dem Zeitpunkt der
Beschwerdeerhebung gegenstandslos geworden ist und der Beschwerdeführer daher
gezwungen war, diesbezüglich Beschwerde zu erheben, gilt es bei der
Kostenverteilung und beim Anspruch auf eine Parteientschädigung zu berücksichtigen.
Vorliegend ist nach dem Gesagten somit lediglich zu prüfen, ob die
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Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu
Recht abgelehnt hat.
2.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.3 Die Rentenabstufungen nach Art. 28 IVG geben bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
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Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
3.
3.1 Zu prüfen ist vorab, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt. Konkret gilt es zu
klären, ob gegen das AEH-Gutachten Indizien vorliegen, welche geeignet sind, Zweifel
an dessen Zuverlässigkeit aufkommen zu lassen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
3.2 Der Beschwerdeführer macht gegen das AEH-Gutachten geltend, dass dieses
aufgrund einer kurzen Untersuchung erfolgt und schliesslich erst knapp ein Jahr nach
der Untersuchung abgeliefert worden sei. Die Aussagen stünden zum Teil auch im
Widerspruch mit früheren Angaben und Arztberichten sowie mit dem beruflichen und
privaten Hintergrund des Beschwerdeführers. Die Festlegung der Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit auf 75% (ganztägige Arbeit mit zwei Stunden vermehrten
Pausen) sei rein spekulativ.
3.2.1 Dem Gutachten ist nicht zu entnehmen, wie lange die Untersuchung
gedauert hat. Im Aufgebot vom 17. Oktober 2007 zur Begutachtung ist ersichtlich, dass
für das Gespräch und die Untersuchung durch den Arzt eine Stunde eingeplant wurde
(IV-act. 38/3). Eine generelle Zeitvorgabe, wie lange eine Untersuchung zu dauern hat,
existiert nicht. Die Dauer der Untersuchung ist u.a. abhängig von der Art und Schwere
der Krankheiten oder Verletzungen sowie von der Anzahl der geklagten Beschwerden.
Vorliegend stehen hauptsächlich die Beschwerden im rechten Knie im Vordergrund,
weshalb eine stündige Untersuchung kaum als zu kurz angesehen werden kann.
Ohnehin ist bei einer Begutachtung entscheidend, ob die Untersuchung mit Befragung
ausreichend Auskunft gibt über den Krankheitsverlauf sowie die aktuell geklagten
Beschwerden des Exploranden. Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt (vgl. Ziff.
1.2, 1.3 und 2 des AEH-Gutachtens; IV-act. 45/4-6), weshalb das AEH-Gutachten von
daher nicht zu beanstanden ist.
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3.2.2 Zwischen der Begutachtung und der Ausfertigung des Gutachtens sind
beinahe zehn Monaten vergangen. Allerdings kann aus dieser relativ langen Zeitspanne
nichts gegen die Zuverlässigkeit des AEH-Gutachtens abgeleitet werden. Insbesondere
sind den Akten keine Hinweise zu entnehmen – und es wird vom Beschwerdeführer
auch nicht geltend gemacht –, dass sich der Gesundheitszustand seit der
Begutachtung anfangs November 2007 bis zum Zeitpunkt der angefochtenen
Verfügung wesentlich und dauerhaft verschlechtert hätte.
3.2.3 Inwiefern die Erkenntnisse im AEH-Gutachten mit früheren Angaben und
Arztberichten im Widerspruch stehen, wird vom Beschwerdeführer nicht genauer
ausgeführt. Hinweise für solche widersprüchliche Aussagen sind den vorliegenden
Akten nicht zu entnehmen. Insbesondere stellt eine unterschiedliche Einschätzung der
Restarbeitsfähigkeit gegenüber anderen ärztlichen Berichten noch keinen Widerspruch
dar.
3.2.4 Die anlässlich der Begutachtung durchgeführte Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit dient der Beurteilung der beruflichen physischen Belastbarkeit. Die
Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers wurde u.a. gestützt auf die Resultate
dieser Belastbarkeitstests festgelegt, weshalb nicht von einer rein theoretischen
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden kann. Insgesamt kann somit festgehalten
werden, dass die Einwände des Beschwerdeführers gegen das AEH-Gutachten dessen
Beweiswert nicht zu erschüttern vermögen.
3.3 Die Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, dass das AEH-Gutachten grundsätzlich
beweiskräftig sei. Es berücksichtige die geklagten Beschwerden, stütze sich auf
eingehende Untersuchungen und sei in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden. In
Abweichung von der gutachterlichen Schlussfolgerung, wonach in einer angepassten
Tätigkeit eine 75%ige Arbeitsfähigkeit bestehe, sei aus IV-rechtlicher Sicht allerdings
davon auszugehen, dass für angepasste Hilfsarbeitertätigkeiten eine in quantitativer
Hinsicht uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe.
3.3.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei der Annahme einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit auf die Stellungnahme des RAD vom 10. September 2008, wonach die
gutachterliche Begründung für den zusätzlichen Pausenbedarf von zwei Stunden in
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einer angepassten Tätigkeit nicht überzeugend sei. Das Empfinden von Schmerzen sei
subjektiv und könne daher nicht als Begründung für eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit dienen (IV-act. 48/2). Im AEH-Gutachten wird aufgrund des
konsistenten Schmerzverhaltens, der kaum wesentlich korrigierbaren funktionellen
Voraussetzungen und des wohl fixierten, aber ausserhalb des Bewusstseins stehenden
Angst-/Vermeidensverhaltens von einem zusätzlichen Pausenbedarf ausgegangen.
Diese Begründung erscheint plausibel und ist nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer
leidet an ausgewiesenen Kniebeschwerden, weshalb nicht ausschliesslich von
subjektiv empfundenen Schmerzen ausgegangen werden kann. Ausserdem halten die
Gutachter funktionelle Einschränkungen fest, welche offensichtlich selbst in einer
angepassten Tätigkeit zusätzliche Pausen erfordern. Das Gutachten ist bezüglich der
Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit somit nicht zu
beanstanden. Im Übrigen gilt es festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung selbst von einem zusätzlichen Pausenbedarf ausging und
dementsprechend dem Beschwerdeführer einen Leidensabzug von 10% gewährte. Ein
zusätzlicher Pausenbedarf ist allerdings nicht über den sogenannten Leidensabzug
abzugelten, sondern es gilt ihn bei der verbliebenen Restarbeitsfähigkeit zu
berücksichtigen.
3.4 Weitere Einwände gegen die Zuverlässigkeit des AEH-Gutachtens werden von
den Parteien nicht geltend gemacht. Festzuhalten bleibt, dass die Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit – je nach Arbeitsbeschreibung – zwischen
40 und 75% variiert und mithin für die Ermittlung des Invalideneinkommens nicht
geeignet ist. Nachdem allerdings das Gutachten bezüglich der übrigen
Schlussfolgerungen, namentlich in der Beurteilung der 75%igen Arbeitsfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit zu überzeugen vermag, fällt die unzureichende Festlegung
der Arbeitsfähigkeit im angestammten Bereich nicht ins Gewicht und vermag an der
Beweiskraft des AEH-Gutachtens nichts zu ändern. Zu prüfen gilt es daher –
ausgehend von einer Restarbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 75% – die
erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung.
3.5 Die obigen Erwägungen haben gezeigt, dass die medizinische Aktenlage eine
hinreichende Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers
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ermöglicht. Dem Antrag des Beschwerdeführers, es sei eine unabhängige
spezialärztliche Begutachtung durchzuführen, kann daher nicht stattgegeben werden.
4.
4.1 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die
Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Es ist in der Regel vom
letzten Lohn, welchen die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
erzielt hat, auszugehen (Urteil des EVG vom 16. Mai 2001, I 42/01, E. 3a, mit
Hinweisen). Diese Praxis wird mit der empirischen Feststellung begründet, dass die
bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall in der Regel weitergeführt worden wäre (Urteil
des EVG vom 29. August 2002, I 97/00, E. 1.2). Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen,
in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes
Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 76 f. E. 3b/aa und
bb, mit Hinweisen). Für die Ermittlung des Validen- und Invalideneinkommens ist auf
den Zeitpunkt des möglichen Rentenbeginns abzustellen, weshalb die Einkommen für
das Jahr 2006 zu ermitteln sind.
4.2 Für das Valideneinkommen ist demnach auf das vom Beschwerdeführer vor dem
Eintritt des Gesundheitsschadens bei der B._ AG erzielte Einkommen abzustellen. Im
Jahr 2006 hätte der Beschwerdeführer gemäss Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin
ein Jahreseinkommen von Fr. 65'000.-- erzielt (IV-act. 11/2), welches somit als
Valideneinkommen herangezogen werden kann.
4.3 Das Invalideneinkommen ist vorliegend anhand der Tabellenlöhne der LSE zu
ermitteln, da der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung keine
Tätigkeit ausgeübt hat. Im Jahr 2006 lag der Durchschnittslohn für eine
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Hilfsarbeitertätigkeit bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden bei Fr. 4'732.--
(LSE-Tabelle TA1, Privater Sektor, Anforderungsniveau 4). Aufgerechnet auf die 2006
vorherrschende durchschnittliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden ergibt sich bei einem
75% Pensum ein Jahreseinkommen und somit ein Invalideneinkommen – ohne Abzug
– von Fr. 44'398.--.
4.4 Zu beurteilen bleibt die Frage, in welchem Umfang ein sogenannter Leidensabzug
auf dem Invalideneinkommen vorzunehmen ist. Nach der Rechtsprechung können die
statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass versicherte Personen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der
Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412
E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage sind. Dabei
handelt es sich um einen allgemeinen behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78
E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen – auch von invaliditätsfremden Faktoren – des konkreten Einzelfalles ab
(namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische Vornahme des Leidensabzuges ist
unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481
E. 4.2.3 mit Hinweisen).
4.5 Unter Berücksichtigung, dass der Beschwerdeführer im Vergleich zur früher
ausgeübten Tätigkeit nur noch leichte Arbeiten verrichten kann und selbst dabei
gewissen Einschränkungen (überwiegend sitzend) unterliegt, erscheint ein
Leidensabzug von 10% als angemessen. Das Invalideneinkommen beläuft sich
demnach auf Fr. 39'958.--.
4.6 Aus der Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens ergibt
sich somit ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 39%.
5.
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5.1 Im Sinn der Erwägungen ist die Beschwerde betreffend berufliche Massnahmen
abzuschreiben und betreffend dem Anspruch auf eine Rente abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Davon hat
die Beschwerdegegnerin einen Betrag von Fr. 200.-- zu tragen, nachdem das
Begehren um berufliche Massnahmen erst nach Beschwerdeerhebung als
gegenstandslos abgeschrieben werden konnte. Den Restbetrag von Fr. 400.-- hat der
Beschwerdeführer zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist im
Umfang von Fr. 400.-- daran anzurechnen und im Umfang von Fr. 200.--
zurückzuerstatten.
5.3 Da das Begehren um berufliche Massnahmen erst nach dem Zeitpunkt der
Beschwerdeerhebung als gegenstandslos abgeschrieben werden konnte, rechtfertigt
es sich für die entsprechenden Aufwendungen eine Parteientschädigung in der Höhe
von Fr. 500.-- zuzusprechen (vgl. BGE 110 V 57 E. 3a).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP