Decision ID: 9508cb50-86c4-5219-9880-5df43464197c
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X lenkte am 9. September 2008 um 23.05 Uhr seinen Personenwagen "Mercedes"
mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000000 auf der S.-Strasse in G. Auf der Höhe F.
wurde er von der Kantonspolizei St. Gallen kontrolliert. Die wegen Atemalkoholgeruchs
durchgeführten Atemlufttests ergaben umgerechnet Blutalkoholkonzentrationen von
0,5 und 0,55 Gew.-‰. X anerkannte unterschriftlich den tieferen Wert.
Am 16. September 2008 lenkte X um 17.55 Uhr denselben Personenwagen mit einer
Geschwindigkeit von 100 km/h auf der Überholspur der Autobahn A1 in Othmarsingen/
AG in Richtung Zürich. Dabei hielt er zum vorausfahrenden Personenwagen über eine
Strecke von rund 1'100 Metern einen Abstand von maximal 15 Metern ein. Vom
Gerichtspräsidium Lenzburg wurde er am 19. Mai 2009 wegen grober
Verkehrsregelverletzung durch ungenügenden Abstand beim Hintereinanderfahren
schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je
Fr. 220.-- und zu einer Busse von Fr. 300.-- verurteilt. Die von ihm dagegen erhobene
Berufung wies das Obergericht des Kantons Aargau am 16. November 2009 ab; in
teilweiser Gutheissung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft des Kantons
Aargau wurde die Busse auf Fr. 500.-- erhöht. Die gegen das Urteil des Obergerichts
erhobene Beschwerde, mit der unter anderem eine willkürliche Beweiswürdigung und
eine Verletzung von Art. 90 Ziff. 2 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und
Art. 12 Abs. 1 VRV geltend gemacht wurden, wies das Bundesgericht am 25. Februar
2010 ab (Urteil 6B_3/2010).
B.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen sistierte das
gegenüber X am 22. Oktober 2008 eröffnete Administrativverfahren antragsgemäss bis
zum rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens und entzog ihm – nach Gewährung
des rechtlichen Gehörs mit Schreiben vom 15. April 2010 – wegen der Vorfälle vom
9. und vom 16. September 2008 mit Verfügung vom 7. Juni 2010 den Führerausweis
für die Dauer von 3 Monaten.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Vertreter mit Eingabe vom 18. Juni
2010 und Ergänzung vom 28. Juli 2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission
mit dem Antrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei die angefochtene
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verfügung abzuändern und die Dauer des Führerausweisentzugs von 3 Monaten auf
einen Monat herabzusetzen. Auf die Ausführungen zur Begründung des Antrags wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Im Rekursverfahren wurden die
vollständigen Strafakten beigezogen. Die Vorinstanz verzichtete am 25. August 2010
auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 18. Juni 2010 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 28. Juli 2010 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Mit dem Rekurs wird eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch
die Vorinstanz geltend gemacht. Die Vorinstanz habe dem Rekurrenten zwar die
Möglichkeit eingeräumt, Wünsche zum Vollzugsbeginn einzubringen, sei in der
Verfügung aber auf das mit der besonderen Sanktionsempfindlichkeit begründete
Ersuchen, die Massnahme in den Monaten Dezember 2010 oder Januar 2011 zu
vollziehen, nicht eingegangen.
In Ziff. 4 der angefochtenen Verfügung vom 7. Juni 2010 wird der Rekurrent
verpflichtet, den Führerausweis spätestens auf den 7. Juli 2010 einzusenden. Warum
dem Wunsch des Rekurrenten zum Vollzugszeitpunkt nicht entsprochen wurde, wird
nicht begründet. Damit ist die Vorinstanz ihrer Begründungspflicht, wie sie Art. 24
Abs. 1 lit. a VRP vorsieht und aus Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt: BV) abgeleitet wird (vgl. BGE
129 I 232 E. 3.2), nicht nachgekommen. Entgegen dem Hinweis auf die formelle Natur
des Anspruchs zieht diese Verfahrenspflichtverletzung unter Berücksichtigung der
konkreten Umstände jedoch nicht die Aufhebung der angefochtenen Verfügung nach
sich. Im Allgemeinen ist eine Heilung von Verfahrensfehlern aus Gründen der
Prozessökonomie nämlich dann zulässig, wenn dem Betroffenen dadurch kein Nachteil
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erwächst (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St.
Gallen 2003, Rz. 731 mit Hinweisen). Da dem Rekurs vom 18. Juni 2010 gemäss
Art. 51 Abs. 1 VRP von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukam und der
Führerausweis deshalb einstweilen nicht abgegeben werden musste (vgl. act. 3), ist
Ziff. 4 der angefochtenen Verfügung aufgrund des Zeitablaufs hinfällig geworden und
es besteht kein Anlass zu deren formellen Aufhebung. Dem Rekurrenten ist aufgrund
der fehlenden Begründung damit kein Nachteil erwachsen. Selbst bei Gutheissung des
Rekurses müsste die Vorinstanz nach Rechtskraft für den einmonatigen
Führerausweisentzug eine neue Vollzugsanordnung mit dem neuen zeitlichen Rahmen
für den Vollzugsbeginn erlassen. In der neuen Vollzugsanordnung wird die Vorinstanz
jedenfalls auf allfällige neue Wünsche des Rekurrenten zum Vollzugszeitpunkt
einzugehen haben.
3.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind
(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
4.- In tatsächlicher Hinsicht ist angesichts der im Strafverfahren gemachten
Feststellungen zu Recht unbestritten, dass der Rekurrent am 16. September 2009 um
17.55 Uhr als Lenker eines Personenwagens auf der Überholspur der Autobahn A1 in
Othmarsingen in Fahrtrichtung Zürich bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h über
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eine Strecke von 1'100 Metern einen Abstand von höchstens 15 Metern zum
voranfahrenden Personenwagen eingehalten hat. Dadurch hat er Art. 34 Abs. 4 SVG in
Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt:
VRV), wonach der Lenker namentlich beim Hintereinanderfahren einen ausreichenden
Abstand zu wahren hat, so dass er auch bei überraschendem Bremsen des
voranfahrenden Fahrzeugs rechtzeitig halten kann, verletzt.
5.- Umstritten ist im Rekurs einzig die rechtliche Qualifikation der Widerhandlung vom
16. September 2008 im Administrativverfahren. Es wird geltend gemacht, die
Administrativbehörde habe die Tatsachen unabhängig vom Strafrichter selbständig zu
würdigen (vgl. dazu nachfolgend E. 5a). Die strafrechtlichen und die
administrativrechtlichen Qualifikationen der Verkehrsregelverletzungen im
Strassenverkehrsrecht würden sich nicht decken (vgl. dazu nachfolgend E. 5b).
Schliesslich sei die Vorinstanz selbst bei der Eröffnung des Administrativverfahrens von
einer mittelschweren Widerhandlung ausgegangen (vgl. dazu nachfolgend E. 5c).
a) Nach der ständigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind die
Administrativbehörden an die rechtliche Würdigung durch den Strafrichter hinsichtlich
Gefährdung und Verschulden nur – aber immerhin – dann gebunden, wenn die
Würdigung sehr stark von der Würdigung von Tatsachen abhängt, die der Strafrichter
besser kennt als die Verwaltungsbehörde. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn
der Strafrichter den Beschuldigten persönlich einvernommen hat (BGE 120 Ib 312
E. 4b, 119 Ib 158 E. 3c/bb, 104 Ib 359). Im Strafverfahren befragte der
Gerichtspräsident Lenzburg anlässlich der mündlichen Verhandlung einerseits den
Rekurrenten als Angeschuldigten und anderseits den rapportierenden Polizeibeamten
als Zeugen. Die unter anderem auf das Ergebnis dieser Befragungen gestützte
Verurteilung des Rekurrenten wegen grober Verkehrsregelverletzung im Sinn von
Art. 90 Ziff. 2 SVG wurde sowohl durch das Obergericht des Kantons Aargau (Urteil
vom 16. November 2009) als auch durch das Bundesgericht (Urteil vom 25. Februar
2010) bestätigt. Unter diesen Umständen ist die Administrativbehörde, die sich
lediglich auf die im Polizeirapport festgehaltenen Tatsachen und nicht auf weitere
durch die Befragungen ermittelte Feststellungen stützen kann, an die rechtliche
Würdigung durch den Strafrichter hinsichtlich der mit der Verkehrsregelverletzung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verbundenen Schwere des Verschuldens und der Gefährdung gebunden. Eine
offensichtlich falsche Beurteilung durch den Strafrichter ist nicht ersichtlich.
b) Gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG begeht eine schwere Widerhandlung, wer durch
grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt. Mit der am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Änderung
des Strassenverkehrsgesetzes hat der Gesetzgeber den Wortlaut der Bestimmung
gänzlich dem strafrechtlichen Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG angeglichen. Eine
materielle Änderung zum früheren Recht ist nicht gewollt (vgl. Art. 16 Abs. 3 lit. a SVG
in der bis 31. Dezember 2004 geltenden Fassung des Strassenverkehrsgesetzes, AS
1959 S. 679, abgekürzt: aSVG; vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4489; R. Schaffhauser,
Die neuen Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 161 ff., insbesondere S. 186).
Entgegen der im Rekurs vertretenen Auffassung stimmt damit Art. 90 Ziff. 2 SVG in
Fortführung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 16 Abs. 3 lit. a aSVG mit
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG überein (vgl. BGE 123 II 37 E. 1b mit Hinweis auf 120 Ib 285).
Die dreifache Abstufung der Schwere der Widerhandlungen im Administrativrecht im
Gegensatz zur doppelten Abstufung im Strafrecht führt deshalb dazu, dass die
einfache Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90 Ziff. 1 SVG die leichte und die
mittelschwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16a und 16b SVG umfasst.
Dementsprechend führt die bundesgerichtlichen Feststellung im Strafverfahren, der
Rekurrent habe am 16. September 2008 mit dem Einhalten eines Abstandes von
weniger als 0,6 s oder 1/6 des Tachos eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinn von
Art. 90 Ziff. 2 SVG begangen, im Massnahmenrecht zur Anwendung von Art. 16c
Abs. 1 lit. a SVG.
c) Schliesslich kann der Rekurrent auch nichts zu seinen Gunsten ableiten, wenn die
Vorinstanz bei der Eröffnung des Administrativverfahrens am 22. Oktober 2008 von
einer mittelschweren Widerhandlung und erst nach Bekanntwerden der Anwendung
von Art. 90 Ziff. 2 SVG durch den Strafrichter von einem schweren Fall ausgegangen
ist. Mit der Sistierung des Administrativverfahrens bis zum rechtskräftigen Abschluss
des Strafverfahrens mit der Abweisung der Beschwerde durch das Bundesgericht am
25. Februar 2010 entsprach die Vorinstanz dem Begehren des Rekurrenten vom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
13. Dezember 2008 (act. 18/9). In der Eröffnung des Administrativverfahrens kann nicht
eine behördliche Auskunft oder Zusicherung erblickt werden, die es dem Betroffenen
erlauben würde, sich mit Erfolg auf den Grundsatz des Vertrauensschutzes zu berufen.
Aufgrund ihrer Stellung im Verfahren kann die Aussage, es werde die Anwendung von
Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG ins Auge gefasst, nicht als vorbehaltlos angesehen werden,
sondern steht vielmehr unter dem Vorbehalt der abschliessenden Würdigung durch die
Behörde. Insoweit handelt es sich nur um eine vorläufige Meinungsäusserung. Die
Vorinstanz hat denn auch im Sistierungsentscheid vom 15. Dezember 2008 (act. 18/10)
ausdrücklich festgehalten, sie werde bei ihrer Beurteilung wesentlich auf den
rechtskräftigen Strafentscheid abstellen. Der Rekurrent erhielt deshalb im
vorinstanzlichen Verfahren am 15. April 2010 (act. 18/14) auch Gelegenheit, sich zur
Anwendung von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG zu äussern.
6.- Schliesslich ist im Rekurs nicht bestritten, dass der Rekurrent am 9. September
2008 ein Motorfahrzeug mit einer – umgerechneten – Blutalkoholkonzentration von
mindestens 0,5 Gew.-‰ gelenkt hat. Er hat dadurch Art. 31 Abs. 2 und Art. 55 Abs. 6
SVG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 der Verordnung der Bundesversammlung über
Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr (SR 741.13), wonach Fahrunfähigkeit wegen
Alkoholeinwirkung in jedem Fall als erwiesen gilt, wenn der Fahrzeugführer eine
Blutalkoholkonzentration von 0,5 Gew.-‰ oder mehr aufweist, verletzt. Da der
Rekurrent kein Motorfahrzeug mit einer als qualifiziert geltenden
Blutalkoholkonzentration von 0,8 Gew.-‰ oder mehr gelenkt hat, hat die Vorinstanz zu
Recht eine leichte Widerhandlung angenommen und ihre Verfügung auch auf Art. 16a
Abs. 1 lit. b SVG gestützt.
7.- Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Nach einer
schweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens 3 Monate entzogen
(Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG). Nach Art. 16a Abs. 2 SVG wird der Lernfahr- und
Führerausweis nach einer leichten Widerhandlung für mindestens einen Monat
entzogen, wenn in den vorangegangenen 2 Jahren der Ausweis entzogen war oder
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eine andere Administrativmassnahme verfügt wurde. Die fehlbare Person wird nach
Art. 16a Abs. 3 SVG verwarnt, wenn in den vorangegangenen 2 Jahren der Ausweis
nicht entzogen war und keine andere Administrativmassnahme verfügt wurde. Werden
durch mehrere Handlungen mehrere Entzugsgründe gesetzt, ist Art. 49 des
Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt: StGB) sachgemäss
anzuwenden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6S.270/2006 vom 5. September 2006,
E. 5.2, und 6A.2/2003 vom 21. Februar 2003, E. 2.1 mit Hinweisen zum früheren
Recht). Dementsprechend ist die für die schwerste Widerhandlung auszufällende
Massnahme angemessen zu erhöhen.
Die Vorinstanz hat die Dauer der Massnahme auf die Mindestentzugsdauer von 3
Monaten gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG beschränkt. Damit hat sie den
Bemessungskriterien gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG und einer allfälligen Erhöhung in
analoger Anwendung von Art. 49 StGB angemessen Rechnung getragen. Die geltend
gemachte erhöhte Sanktionsempfindlichkeit des Rekurrenten im Zusammenhang mit
der Ausübung seines Berufs und sein bisher ungetrübter automobilistischer Leumund
erlauben es nicht, die gesetzliche vorgeschriebene Mindestentzugsdauer zu
unterschreiten (vgl. BGE 132 II 234 E. 2.3 mit Hinweisen auf die
Entstehungsgeschichte).
8.- Dementsprechend erweist sich der Rekurs als unbegründet und ist abzuweisen.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint
angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens besteht kein Anspruch auf die Entschädigung ausseramtlicher Kosten
(vgl. Art. 98 und 98 VRP; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 182 ff.).