Decision ID: df6afda5-cd40-41e0-bd02-3d436745cc64
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Am 9. April 2019 beschloss der Gemeindevorstand B._ gestützt auf
Art. 21 KRG über das ganze Gemeindegebiet eine zweijährige
Planungszone. Dieser Beschluss wurde im Kantonsamtsblatt publiziert. Im
Publikationstext wurde(n) der Zweck der Planungszone bzw. die
Planungsziele wie folgt umschrieben:
a) Prüfung einer Reduktion der Bauzonen (vor allem der Wohn-, Misch- und Zentrumszonen) entsprechend den Vorgaben von Art. 15 Abs. 1 und 2 RPG sowie des kantonalen Richtplans (KRIP-S) vom 20. März 2018;
b) Umsetzung der weiteren Vorgaben von Art. 15 RPG sowie des kantonalen KRIP-S vom 20. März 2018, insbesondere betreffend Förderung einer hochwertigen baulichen Siedlungsentwicklung nach innen und Siedlungserneuerung (KRIP-S, Ziff. 5.1.2, Handlungsanweisungen).
Gleichzeitig wurde im Publikationstext darauf hingewiesen, dass in der
Planungszone nichts unternommen werden dürfe, was die neue Planung
erschweren oder dieser entgegenstehen könnte. Bauvorhaben dürften
nicht bewilligt werden, wenn sie den rechtskräftigen sowie den
vorgesehenen neuen Planungen und Vorschriften oder dem sich in
Erarbeitung befindlichen kommunalen räumlichen Leitbild widersprechen
könnten (Art. 21 Abs. 2 KRG). Baubewilligungen seien während der
Planungszone ausserdem dann zurückzustellen, wenn das Bauvorhaben
unüberbaute Flächen einer Wohn-, Misch- und Zentrumszone
beanspruche, die entweder ausserhalb des weitgehend überbauten
Gebiets lägen (insbesondere potenzielle Auszonungsflächen gemäss der
gesamtkantonalen Erhebung im Rahmen des Richtplans) oder die aus
anderen Gründen (z.B. Freihaltung aus ortsbild- oder
denkmalpflegerischen Gründen) nicht überbaut werden sollten.
2. Mit Datum vom 7. Oktober 2019 reichte die A._ AG bei der Gemeinde
B._ ein Baugesuch betreffend den Umbau einer bestehenden
Mobilfunkanlage mit neuem Mast und neuen Antennen auf der
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Parzelle Z.1._ (Gebäude C._) ein, welches von der
Grundeigentümerin der Parzelle Z.1._ mitunterzeichnet wurde.
3. In der Folge wurde das Baugesuch öffentlich aufgelegt. Innerhalb der
Auflagefrist gingen bei der Gemeinde B._ keine Einsprachen ein. Mit
Entscheid vom 14. April 2020 sistierte der Gemeindevorstand B._ das
Baugesuch der A._ AG. Er begründete seinen Entscheid im
Wesentlichen damit, dass am 9. April 2019 über das ganze
Gemeindegebiet eine Planungszone erlassen worden sei.
4. Hiergegen erhob die A._ AG (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
15. Juni 2020 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Sie stellte folgende Anträge:
1. Der Entscheid des Gemeindevorstands B._ vom 14. April 2020 betreffend Sistierung des Baugesuchs [...] für einen Umbau der bestehenden Mobilfunkanlage auf der Parzelle Z.1._ mit neuen Masten und neuen Antennen [...] sei aufzuheben.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (zzgl. MWST).
Begründend führte sie im Wesentlichen aus, dass Mobilfunkanlagen von
der vorliegenden Planungszone in sachlicher Hinsicht nicht erfasst seien.
Schliesslich seien auch keine (weiteren) Gründe ersichtlich, die eine
Sistierung des Bauverfahrens rechtfertigen würden, was insbesondere für
die fehlenden Vollzugsempfehlungen gelte.
5. In ihrer Vernehmlassung vom 20. August 2020 beantragte die Gemeinde
B._ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne; unter gesetzlicher
Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie machte im Wesentlichen geltend,
dass das Bauvorhaben durchaus vom Erlass der Planungszone,
insbesondere lit. b Abs. 3, gedeckt sei. Die Beschwerdeführerin
interpretiere hier den Text der Planungszone zu eng.
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6. Das Departement für Volkswirtschaft und Soziales (nachfolgend:
Beigeladener) wies in seiner Vernehmlassung vom 28. August 2020 unter
anderem daraufhin, dass die am 9. April 2019 beschlossene Planungszone
nicht im Hinblick auf die Einführung von nutzungsplanerischen Vorschriften
über Mobilfunkantennen auf dem Gemeindegebiet B._ erlassen
worden sei, wie dies in den letzten Monaten einige Bündner Gemeinden
getan hätten. Vielmehr sei die Planungszone im Hinblick auf die Sicherung
der Prüfung einer Bauzonenreduktion entsprechend den Vorgaben von
Art. 15 RPG resp. des KRIP-S vom 20. März 2018 sowie im Hinblick auf
die Sicherung der Umsetzung weiterer Vorgaben von Art. 15 RPG und des
KRIP-S vom 20. März 2018 erlassen worden. Vor diesem Hintergrund sei
es problematisch, wenn die Beschwerdegegnerin die Sistierung eines
Baugesuchs für eine Mobilfunkantenne mit der erwähnten Planungszone
rechtfertige.
7. Mit Schreiben vom 30. September 2020 hielt die Beschwerdeführerin
replicando an ihren bisherigen Anträgen fest. Sowohl die
Beschwerdegegnerin als auch der Beigeladene verzichteten mit Schreiben
vom 12. Oktober 2020 (Poststempel) bzw. 5. Oktober 2020 (Eingang) auf
die Einreichung einer Duplik. Der Beigeladene hielt allerdings fest, dass er
sich in keiner Art und Weise als Beschwerdepartei fühle, zumal es
vorliegend um eine Baute resp. Anlage innerhalb der Bauzone gehe.
8. Am 17. März 2021 beschloss der Gemeindevorstand B._ die
Verlängerung der seit April 2019 geltenden Planungszone um zwei Jahre.
Dieser Beschluss wurde im Kantonsamtsblatt publiziert. Das Departement
für Volkswirtschaft und Soziales stimmte der Verlängerung der
Planungszone zu.
9. Mit Schreiben vom 26. Mai 2021 ersuchte der Instruktionsrichter die
Beschwerdegegnerin um Edition des in ihrer Vernehmlassung vom
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20. August 2020 erwähnten kommunalen Richtplans sowie des
kommunalen räumlichen Leitbildes.
10. Am 3. Juni 2021 (Eingang) reichte die Beschwerdegegnerin das
kommunale räumliche Leitbild, einen Zonenplan sowie einen
Erschliessungsplan ein. Gleichzeitig wies sie daraufhin, dass kein
kommunaler Richtplan existiere.
11. Mit Schreiben vom 12. Juli 2021 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie
auf eine Stellungnahme zu den von der Beschwerdegegnerin eingereichten
Unterlagen verzichte und an ihren bisherigen Anträgen sowie den
dazugehörigen Ausführungen vollumfänglich festhalte.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
die eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Entscheid des
Gemeindevorstands B._ vom 14. April 2020, womit das Baugesuch
der Beschwerdeführerin sistiert wurde (insbesondere mit der Begründung
der Unterstellung des Baugesuchs unter die Planungszone). Gemäss
Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen
Entscheide von Gemeinden, soweit diese nicht bei einer anderen Instanz
angefochten werden können oder nach kantonalem oder eidgenössischem
Recht endgültig sind. Der angefochtene Entscheid des
Gemeindevorstands vom 14. April 2020 ist weder endgültig noch kann er
bei einer anderen Instanz angefochten werden. Die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde fällt demzufolge in die Zuständigkeit des
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angerufenen Gerichts. Ob die Sistierung des Baugesuchs zur Folge hat,
dass anstelle der in Art. 52 Abs. 1 VRG vorgesehenen 30-tägigen Frist die
in Art. 52 Abs. 2 VRG vorgesehene 10-tägige Frist zur Anwendung
gelangen müsste, kann vorliegend offenbleiben, zumal ein Nichteintreten
mangels Wahrung der Rechtsmittelfrist im vorliegenden Einzelfall zu einem
formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen
würde (Prozessökonomie). Nachdem die übrigen Prozessvoraussetzungen
zu keinen Bemerkungen Anlass geben, kann auf die Beschwerde
eingetreten werden.
2. Vorliegend ist unbestritten und steht fest, dass der Gemeindevorstand
B._ am 9. April 2019 über das ganze Gemeindegebiet eine
Planungszone erlassen hat, welche einstweilen bis April 2023 gilt.
Umstritten ist demgegenüber die Frage, ob das Bauvorhaben der
Beschwerdeführerin (Umbau einer bestehenden Mobilfunkanlage mit
neuem Mast und neuen Antennen auf der Parzelle Z.1._ [Wohnzone
C, Art. 22 des Baugesetzes der Gemeinde B._]) unter den sachlichen
Geltungsbereich der Planungszone fällt bzw. der Planungszone zu
unterstellen und insofern zu Recht sistiert worden ist. Dies gilt es
nachfolgend zu prüfen.
3. Die Planungszone stellt das klassische Instrument zur Sicherung künftiger
Planungen dar (vgl. WALDMANN/HÄNNI, Stämpflis Handkommentar SHK
zum Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 27 Rz. 2 m.w.H.). Wird der
Erlass oder die Änderung der Grundordnung oder eines Quartierplans in
die Wege geleitet, kann der Gemeindevorstand für die davon betroffenen
Gebiete eine Planungszone erlassen (Art. 21 Abs. 1 des
Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden [KRG; BR 801.100]).
In einer Planungszone darf gemäss Art. 21 Abs. 2 KRG nichts
unternommen werden, was die neue Planung erschweren oder dieser
entgegenstehen könnte. Insbesondere dürfen Bauvorhaben nur bewilligt
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werden, wenn sie weder den rechtskräftigen noch den vorgesehenen
neuen Planungen und Vorschriften widersprechen (vgl. auch Art. 27 Abs. 1
Satz 2 des Bundesgesetzes über die Raumplanung
[Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700]). Mit der Planungszone werden also
nicht gemeinhin sämtliche Bauvorhaben im Planungsbereich
verunmöglicht. Vielmehr soll nur, aber immerhin, die Erstellung derjenigen
Einrichtungen verboten werden, die der im Gang befindlichen Planung
widersprechen. Nicht planungsrelevante Sachverhalte bleiben
unangetastet. Baubewilligungen bleiben damit weiterhin möglich, solange
die konkrete Baute bzw. Nutzungsänderung den künftigen
planungsrechtlichen Festlegungen nicht derogiert. Die Frage der künftigen
planungsrechtlichen Festlegungen bzw. der Planungsvorstellungen
bestimmt sich dabei nicht ausschliesslich nach den Absichten während der
Verfügung der Planungszone, sondern es sind auch die mittlerweile
gewonnenen Ansichten und neu formulierten Planungsideen und -ziele zu
berücksichtigen (BERNER, Luzerner Planungs- und Baurecht, Bern 2012,
Rz. 672 m.w.H.).
4. Im Publikationstext der am 9. April 2019 vom Gemeindevorstand B._
über das ganze Gemeindegebiet erlassenen Planungszone werden die
Planungsziele wie folgt umschrieben:
a) Prüfung einer Reduktion der Bauzonen (vor allem der Wohn-, Misch- und Zentrumszonen) entsprechend den Vorgaben von Art. 15 Abs. 1 und 2 RPG sowie des kantonalen Richtplans (KRIP-S) vom 20. März 2018;
b) Umsetzung der weiteren Vorgaben von Art. 15 RPG sowie des kantonalen KRIP-S vom 20. März 2018, insbesondere betreffend Förderung einer hochwertigen baulichen Siedlungsentwicklung nach innen und Siedlungserneuerung (KRIP-S, Ziff. 5.1.2, Handlungsanweisungen).
Daraus geht hervor, dass die Planungszone im Hinblick auf die Anpassung
der Ortsplanung an die Vorgaben des am 1. Mai 2014 in Kraft getretenen
teilrevidierten Raumplanungsgesetzes (RPG1) und des gestützt darauf
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angepassten kantonalen Richtplans (KRIP-S) erlassen wurde. Letzterer
wurde am 20. März 2018 von der Regierung des Kantons Graubünden
beschlossen und am 10. April 2019 vom Bundesrat (mit Vorbehalten)
genehmigt.
4.1. Mit der Teilrevision des Raumplanungsgesetzes (RPG1) sollte die
Zersiedelung eingedämmt und - als Folge einer verstärkt nach innen
gelenkten Siedlungsentwicklung - das Kulturland besser geschützt werden
(Botschaft vom 20. Januar 2010 zur Teilrevision des
Raumplanungsgesetzes, BBl 2010 1056 Ziff. 1.3.1). Vor diesem
Hintergrund wurde der Artikel 15 wie folgt angepasst:
1 Die Bauzonen sind so festzulegen, dass sie dem voraussichtlichen Bedarf für 15 Jahre entsprechen.
2 Überdimensionierte Bauzonen sind zu reduzieren. 3 Lage und Grösse der Bauzonen sind über die Gemeindegrenzen hinaus
abzustimmen; dabei sind die Ziele und Grundsätze der Raumplanung zu befolgen. Insbesondere sind die Fruchtfolgeflächen zu erhalten sowie Natur und Landschaft zu schonen.
4 Land kann neu einer Bauzone zugewiesen werden, wenn:
a) es sich für die Überbauung eignet;
b) es auch im Fall einer konsequenten Mobilisierung der inneren Nutzungsreserven in den bestehenden Bauzonen voraussichtlich innerhalb von 15 Jahren benötigt, erschlossen und überbaut wird;
c) Kulturland damit nicht zerstückelt wird;
d) seine Verfügbarkeit rechtlich sichergestellt ist; und
e) damit die Vorgaben des Richtplans umgesetzt werden. 5 Bund und Kantone erarbeiten zusammen technische Richtlinien für die
Zuweisung von Land zu den Bauzonen, namentlich die Berechnung des Bedarfs an Bauzonen.
Zudem wurde den Kantonen mit dem neuen Artikel 8a ausdrücklich
vorgegeben, zu welchen Themen sich ihre Richtpläne im Bereich
"Siedlung" zu äussern haben. Die Fragen im Zusammenhang mit der
Dimensionierung und der allfälligen Verkleinerung zu grosser Bauzonen
sowie die Strategien, um eine hochwertige Siedlungsentwicklung nach
innen zu bewirken, sollten neu zwingend Thema des kantonalen Richtplans
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sein (vgl. Botschaft vom 20. Januar 2010 zur Teilrevision des
Raumplanungsgesetzes, BBl 2010 1056 Ziff. 1.3.1 und 1069 Ziff. 2.3.4).
4.2. In Nachachtung von Art. 8a i.V.m. Art. 15 RPG bestimmt der kantonale
Richtplan KRIP-S für Gemeinden mit überdimensionierter Wohn-, Misch-
und Zentrumszone (WMZ) - worunter auch die Beschwerdegegnerin fällt
(vgl. KRIP-S, 5.2-15 ff., beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 4) - was
folgt: "Gemeinden mit [...] überdimensionierter WMZ beschliessen nach
Erlass des kantonalen Richtplans Siedlung eine Planungszone bezüglich
potenzieller Auszonungsflächen gemäss der gesamtkantonalen Grundlage
und weiterer selbst eruierter Auszonungsflächen. [...] (KRIP-S, 5.2-12 [Bf-
act. 4])." Zudem weist er sämtliche Gemeinden dazu an, gestützt auf eine
Siedlungsanalyse in einem kommunalen räumlichen Leitbild die Ziele,
Strategien und Umsetzungsmassnahmen zur Förderung einer
hochwertigen baulichen Siedlungsentwicklung nach innen und von
Siedlungserneuerung zu definieren. [...] (KRIP-S, 5.1-10 [bzw. Ziff. 5.1.2,
Handlungsanweisungen] [Bf-act. 4])."
5. Nach dem Gesagten bezweckt die Planungszone also im Wesentlichen die
Sicherung künftiger Planungen im Zusammenhang mit der Eindämmung
der Zersiedelung, dem besseren Schutz des Kulturlandes sowie einer
hochwertigen baulichen Siedlungsentwicklung nach innen und
Siedlungserneuerung. Dabei ist - wie nachfolgend zu zeigen sein wird -
nicht ersichtlich, inwiefern das beschwerdeführerische Bauvorhaben
(Umbau einer bestehenden Mobilfunkanlage mit neuem Mast und neuen
Antennen auf der Parzelle Z.1._) unter den sachlichen
Geltungsbereich der Planungszone fallen bzw. den künftigen
planungsrechtlichen Festlegungen derogieren könnte.
5.1. Gemäss dem kommunalen räumlichen Leitbild, welches am 12. Mai 2020
vom Gemeindevorstand B._ als wegweisendes Strategieinstrument
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beschlossen wurde (vgl. kommunales räumliches Leitbild [KRL] S. 5),
erfolgt die Prüfung der Reduzierung der WMZ-Reserven in der Gemeinde
B._ in drei Schritten: "1. Nicht erschlossene oder nicht überbaubare
WMZ-Reserven am Siedlungsrand auszonen [...]. 2. Nicht überbaute
WMZ-Reserven am Rand der Siedlung resp. ausserhalb des weitgehend
überbauten Gebietes für eine Auszonung ins Auge fassen [...]. 3.
Umzonung von siedlungsgliedernden WMZ-Reserven innerhalb der
Siedlung in eine Nichtbauzone. Freihaltung aus ortsbildschützerischen
Gründen (vgl. KRL S. 58)." Bei der Parzelle Z.1._, welche überbaut
und erschlossen ist, handelt es sich somit nicht um eine potenzielle
Auszonungsfläche (vgl. auch die gesamtkantonalen Grundlagen gemäss
KRIP-S, 5.2-13 [Bf-act. 4]) und es ist somit von vornherein nicht ersichtlich,
inwiefern das beschwerdeführerische Bauvorhaben (Umbau einer
bestehenden Mobilfunkanlage mit neuem Mast und neuen Antennen auf
der Parzelle Z.1._ [Gebäude C._]) den künftigen
planungsrechtlichen Festlegungen im Zusammenhang mit der
Eindämmung der Zersiedelung und dem besseren Schutz des Kulturlandes
derogieren könnte. Die Ausführungen im Publikationstext, wonach
Baubewilligungen während der Planungszone ausserdem dann
zurückzustellen seien, wenn das Bauvorhaben unüberbaute Flächen einer
WMZ beanspruche, die entweder ausserhalb des weitgehend überbauten
Gebiets lägen (insbesondere potenzielle Auszonungsflächen gemäss der
gesamtkantonalen Erhebung im Rahmen des Richtplans) oder die aus
anderen Gründen (z.B. Freihaltung aus ortsbild- oder
denkmalpflegerischen Gründen) nicht überbaut werden sollten (vgl. Abs. 5
bzw. lit. b Abs. 3), ändern hieran nichts, zumal das beschwerdeführerische
Bauvorhaben keine unüberbaute Fläche einer WMZ beansprucht. Wenn
die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung geltend macht, im Erlass
der zur Diskussion stehenden Planungszone sei verfügt worden, dass
Baubewilligungen unter anderem dann zurückzustellen seien, wenn sie aus
ortsbild- oder denkmalpflegerischen Gründen nicht realisiert werden
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sollten, so widerspricht dies dem klaren Wortlaut von Abs. 5 bzw. lit. b
Abs. 3 des Publikationstextes und es braucht nicht näher darauf
eingegangen zu werden.
5.2. Zwar trifft es zu, dass im kommunalen räumlichen Leitbild vom 12. Mai
2020, Kapitel 6.19 "Mobilfunk", (sinngemäss) festgehalten wird, dass die
Standorte der 5G-Antennen unter Berücksichtigung des Ortsbildes und des
Landschaftsschutzes unter vorheriger Orientierung der Bevölkerung
festgelegt werden sollen (vgl. KRL S. 59; vgl. auch die Vernehmlassung
der Beschwerdegegnerin). Gleichzeitig wird unter dem Titel
"Handlungsanweisungen" allerdings was folgt festgehalten: "Kurzfristige
Massnahmen ergreifen (Planungszone), damit die Standorte neuer
Antennenstandorte geplant und abgestimmt werden können
[Hervorhebungen durch das Gericht]." Dies deutet daraufhin, dass die
Sicherung einer koordinierten Standortplanung von Mobilfunkantennen
(gerade) nicht Zweck der vorliegend zur Diskussion stehenden, bereits am
9. April 2019 erlassenen Planungszone ist (wobei sich aus den im
Publikationstext umschriebenen Planungszielen nichts anderes ergibt [vgl.
dazu vorstehende Erwägungen 4 - 5]). Mit dem Hinweis auf das
kommunale räumliche Leitbild vom 12. Mai 2020, Kapitel 6.19 "Mobilfunk",
lässt sich die Unterstellung des Baugesuchs unter die Planungszone somit
von vornherein nicht rechtfertigen. Hinzu kommt, dass sich die von der
Beschwerdegegnerin beabsichtigte Planung im Bereich Mobilfunk gemäss
vorstehend zitierter Handlungsanweisung ohnehin nur auf die Koordination
neuer und nicht - wie das Bauvorhaben der Beschwerdeführerin - auf
bisherige Antennenstandorte bezieht. Unter dem Titel "Strategie" wird
zudem was folgt festgehalten: "[...] Bestehende Hochspannungsmasten,
Antennen etc. sollen vor der Erstellung neuer Antennenstandorte in erster
Priorität genutzt werden (vgl. KRL S. 59 [Hervorhebungen durch das
Gericht])." Im Übrigen ist nicht ersichtlich und wird von der
Beschwerdegegnerin auch nicht dargelegt, inwiefern das
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beschwerdeführerische Bauvorhaben den im kommunalen räumlichen
Leitbild definierten Zielen, Strategien und Umsetzungsmassnahmen zur
Förderung einer hochwertigen baulichen Siedlungsentwicklung nach innen
und von Siedlungserneuerung derogieren könnte.
6. Es ist somit nicht ersichtlich, dass das Bauvorhaben der
Beschwerdeführerin (Umbau einer bestehenden Mobilfunkanlage mit
neuem Mast und neuen Antennen auf der Parzelle Z.1._) unter den
sachlichen Geltungsbereich der Planungszone fällt, weshalb die Sistierung
des Baugesuchs von vornherein nicht mit dessen Unterstellung unter die
Planungszone gerechtfertigt werden kann.
7.1. Soweit ersichtlich begründet die Beschwerdegegnerin die Sistierung des
Baugesuchs auch damit, dass seitens der zuständigen Behörden des
Bundes nicht alle Bedenken betreffend die neuen Antennen ausgeräumt
worden seien. Dies zeige sich unter anderem darin, dass der Bundesrat
das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
(UVEK) damit beauftragt habe, eine Vollzugshilfe für den Umgang mit den
neuen Antennen zu erarbeiten; der Gemeindevorstand könne erst nach
Vorliegen dieser Vollzugshilfe über das vorliegende Baugesuch
entscheiden (vgl. angefochtener Entscheid Ziff. II./1./dritter Absatz).
7.2. Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts kann offenbleiben, ob das
Ausstehen der Vollzugshilfe die Sistierung des Baugesuchs hätte
rechtfertigen können. Denn in der Zwischenzeit, d.h. seit dem 23. Februar
2021, liegt die Vollzugshilfe für den Umgang mit den neuen adaptiven
Antennen vor
(https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/dokumentation/medienmitteilun
gen/anzeige-nsb-unter-medienmitteilungen.msg-id-82401.html, zuletzt
besucht am 14. September 2021), womit der von der Beschwerdegegnerin
geltend gemachte Sistierungsgrund weggefallen ist. Lediglich der
https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/dokumentation/medienmitteilungen/anzeige-nsb-unter-medienmitteilungen.msg-id-82401.html https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/dokumentation/medienmitteilungen/anzeige-nsb-unter-medienmitteilungen.msg-id-82401.html
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Vollständigkeit halber sei festzuhalten, dass das Bundesamt für Umwelt
(BAFU) bereits zuvor Empfehlungen für den Umgang mit adaptiven
Antennen herausgegeben (vgl. insbesondere die "Informationen zu
adaptiven Antennen und 5G [Bewilligung und Messung]" vom 31. Januar
2020, Bf-act. 9) und festgehalten hatte, dass unter Berücksichtigung dieser
Empfehlungen Entscheide zu adaptiven Antennen und zu 5G-
Basissationen rechtssicher begründet werden könnten (vgl. Bf-act. 9 S. 4).
Entsprechend führte auch der Bundesrat in einer Antwort auf eine Frage
aus dem Nationalrat vom 3. März 2020 unter anderem Folgendes aus:
"Das BAFU hat die kantonalen Fachstellen am 31. Januar 2020 informiert,
wie 5G-Anlagen bis zum Vorliegen einer Vollzugsempfehlung beurteilt
werden sollen. Das METAS hat zudem eine Methode veröffentlicht, wie 5G-
Strahlung gemessen werden kann. Damit können die Baugesuche aus
Sicht des Bundes rechtssicher beurteilt werden (Bf-act. 10; vgl. auch Bf-
act. 11)."
8. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde somit als begründet, weshalb der
angefochtene Entscheid vom 14. April 2020 in Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben und das Baubewilligungsverfahren fortzuführen
ist.
9.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdegegnerin als
unterliegende Partei die Kosten des vorliegenden Verfahrens zu tragen
(vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG). Die Staatsgebühr wird ermessensweise auf
CHF 2'500.-- festgelegt (vgl. Art. 75 Abs. 2 VRG).
9.2.1. Darüber hinaus hat die Beschwerdegegnerin der obsiegenden
Beschwerdeführerin die durch den vorliegenden Rechtsstreit verursachten
notwendigen Kosten zu ersetzen (vgl. Art. 78 Abs. 1 VRG). Die
Parteientschädigung wird gemäss Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die
Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
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(Honorarverordnung, HV; BR 310.250) i.V.m. Art. 19 des kantonalen
Anwaltsgesetzes (BR 310.100) durch die urteilende Instanz nach
Ermessen festgesetzt. Ausgangspunkt bildet die Kostennote (Art. 2 Abs. 2
HV). Dabei hat insbesondere der vereinbarte Stundensatz üblich
(vgl. Art. 3 Abs. 1 HV) und der geltend gemachte Aufwand angemessen
und für die Prozessführung erforderlich zu sein.
9.2.2. Der beschwerdeführerische Rechtsvertreter reichte dem Gericht mit
Schreiben vom 11. November 2020 eine Kostennote über CHF 4'997.30
ein (Honorar nach Zeitaufwand von CHF 4'640.-- [= 14.50 h à CHF 320.--]
zzgl. 7.7 % MWST [= CHF 357.30]). Der geltend gemachte Aufwand von
14.50 Arbeitsstunden erscheint dem Gericht als angemessen. Es liegt
allerdings keine Honorarvereinbarung im Recht, weshalb der geltend
gemachte Stundenansatz von CHF 320.-- auf CHF 240.-- herabzusetzen
ist (vgl. statt vieler Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
[VGU] R 17 86 vom 17. April 2018 E.5.2). Zudem ist die
Beschwerdeführerin vorsteuerabzugsberechtigt (UID-Registernummer
Z.2._), weshalb keine Mehrwertsteuer geschuldet ist (vgl. dazu PVG
2015 Nr. 19). Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin somit
eine aussergerichtliche Entschädigung von CHF 3'480.-- (exkl. MWST) zu
bezahlen.
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