Decision ID: a5ff6e1b-bc62-4123-acff-1ff006d96b3e
Year: 2020
Language: de
Court: BS_APG
Chamber: BS_APG_001
Canton: BS
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
Mit Entscheid vom 10. August 2020 erkannte das Appellationsgericht, dass Beschwerden von A_ vom 15. November 2019 im Verfahren BEZ.2019.80 abgewiesen werden, dass eine Beschwerde von A_ vom 24. Januar 2020 im Verfahren BEZ.2020.4 gutgeheissen wird und dass das Beschwerdeverfahren BEZ.2020.32 betreffend eine Beschwerde vom A_ vom 9. Juni 2020 als gegenstandslos abgeschrieben wird. Es wies das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren BEZ.2019.80 ab und auferlegte A_ die Gerichtskosten des Beschwerdeverfahrens BEZ.2019.80 von CHF 1'000.–. Auf die Erhebung von Gerichtskosten für die Beschwerdeverfahren BEZ.2020.4 und BEZ.2020.32 verzichtete es.
Mit Eingabe vom 18. Oktober 2020 ersucht A_ (Gesuchsteller) unter den Aktenzeichen BEZ.2019.80, BEZ.2020.4 und BEZ.2020.32 sinngemäss um Erlass der Gerichtskosten von CHF 1'000.– oder um deren Stundung bis zu seiner Entlassung aus dem Strafvollzug und zur Verbesserung seiner finanziellen Lage.

Erwägungen
1.
1.1
Für den nachträglichen Erlass der Verfahrenskosten ist der Einzelrichter zuständig (§ 43 Abs. 3 des Gerichtsorganisationsgesetzes [GOG, SG 154.100]).
1.2
Ein Erlassgesuch kann gestellt werden, sobald der Entscheid über die Gerichtskosten in Rechtskraft erwachsen ist (
Sterchi
, in: Berner Kommentar, 2012, Art. 112 ZPO N 2). Da die Beschwerde in Zivilsachen gegen einen Beschwerdeentscheid im Sinn der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO, SR 272) die Rechtskraft grundsätzlich nicht hemmt (vgl. BGE 146 III 284 E. 2.3.5 S. 288 f.), ist der Entscheid vom 10. August 2020 im Zeitpunkt seiner Eröffnung in Rechtskraft erwachsen. Auf das Erlassgesuch betreffend die Gerichtskosten des Beschwerdeverfahrens BEZ.2019.80 ist somit einzutreten. Nicht einzutreten wäre auf das Erlassgesuch hingegen, soweit es sich auch auf die Beschwerdeverfahren BEZ.2020.4 und BEZ.2020.32 bezöge. Da dem Gesuchsteller für diese Beschwerdeverfahren keine Gerichtskosten auferlegt worden sind, wäre das Erlassgesuch insoweit von vornherein gegenstandslos. Obwohl der Gesuchsteller sein Gesuch unter allen drei Aktenzeichen stellt, ist aufgrund des Inhalts des Gesuchs davon auszugehen, dass sich dieses auf die Gerichtskosten des Beschwerdeverfahrens BEZ.2019.80 beschränkt.
2.
2.1
Gemäss Art. 112 Abs. 1 ZPO können die Gerichtskosten gestundet oder bei andauernder Mittellosigkeit erlassen werden. Ein gesetzlicher Anspruch auf endgültigen Erlass besteht nicht, wird im Rahmen einer pflichtgemässen Ermessensausübung aber grundsätzlich dann bejaht, wenn die pflichtige Partei die Mittellosigkeit nachweist und sie nicht selbst verschuldet hat (AGE DG.2017.40 vom 22. November 2017 E. 2, DG.2017.10 vom 22. März 2017 E. 2 und DG.2016.3 vom 11. April 2016 E. 2.1; vgl.
Jenny
, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Auflage, Zürich 2016, Art. 112 N 2). Von einer dauernden Mittellosigkeit ist nur mit grosser Zurückhaltung auszugehen. Zu prüfen ist, ob voraussichtlich die Gerichtskosten während der zehnjährigen Verjährungsfrist gemäss Art. 112 Abs. 2 ZPO nicht mehr bezahlt werden können (AGE DG.2017.40 vom 22. November 2017 E. 2, DG.2017.10 vom 22. März 2017 E. 2 und DG.2016.3 vom 11. April 2016 E. 2.1; vgl.
Jenny
, a.a.O., Art. 112 N 5). Mit dem Gesuch um nachträglichen Erlass der Gerichtskosten dürfen sodann nicht die strengeren Voraussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege, die im hängigen Verfahren zu beantragen ist, umgangen werden (AGE DG.2017.40 vom 22. November 2017 E. 2, DG.2017.10 vom 22. März 2017 E. 2 und DG.2016.3 vom 11. April 2016 E. 2.1; vgl.
Jenny
, a.a.O., Art. 112 N 2). Der nachträgliche Erlass der Gerichtskosten setzt deshalb zusätzlich voraus, dass das Rechtsmittel nicht offensichtlich aussichtslos erscheint (AGE DG.2016.18 vom 29. September 2016 E. 2, DG.2016.3 vom 11. April 2016 E. 2.1; vgl.
Jenny
, a.a.O., Art. 112 N 2).
2.2
Da sich der Gesuchsteller zurzeit im Strafvollzug befindet, ist es glaubhaft, dass er derzeit nicht in der Lage ist, die Gerichtskosten zu bezahlen. Der Gesuchsteller hat aber nicht begründet, weshalb es ihm nach seiner Entlassung aus dem Strafvollzug nicht möglich sein sollte, ein Erwerbseinkommen zu erzielen, mit dem er nach der Deckung seines Grundbedarfs und seiner Unterhaltspflichten auch die Gerichtskosten von CHF 1'000.– bezahlen kann. Damit fehlt es bereits an der Voraussetzung der andauernden Mittellosigkeit. Mit dem Entscheid vom 10. August 2020 wurde das Gesuch des Gesuchstellers um unentgeltliche Rechtspflege wegen Aussichtslosigkeit der Beschwerde abgewiesen. Folglich würden mit dem Erlass der Gerichtskosten die Voraussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege umgangen. Auch aus diesem Grund ist das Gesuch abzuweisen.
2.3
Da die derzeitige Unfähigkeit des Gesuchstellers zur Bezahlung der Gerichtskosten auf den Strafvollzug zurückzuführen ist, kann von vorübergehenden finanziellen Schwierigkeiten ausgegangen werden, die eine Stundung rechtfertigen. Da die Entwicklung der finanziellen Lage des Gesuchstellers nach seiner Entlassung aus dem Strafvollzug mangels diesbezüglicher Angaben nicht konkret vorhersehbar ist, ist die Stundung nur bis zum 31. Dezember 2021 zu gewähren.