Decision ID: 314d9066-312c-44da-b3e8-5a0a1dfd8b6a
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
AXA Versicherungen AG, General Guisan-Strasse 40, Postfach 357,
8401 Winterthur,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ war aufgrund ihrer Tätigkeit als Pflegeassistentin im Alterszentrum B._ bei
der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) gegen die Folgen von Unfällen
versichert, als sie am 7. Oktober 2010 durch die Arbeitgeberin melden liess, am 15.
September 2010 während der Pflege eines Bewohners den Fuss abgedreht und dabei
eine unbestimmte Verletzung erlitten zu haben (act. G 3.1/A1). Die Versicherte
konsultierte am 28. September 2010 Dr. med. C._, Orthopädie am Rosenberg (act. G
3.1/M1). Dieser hielt im Bericht vom 5. Oktober 2010 fest, die Versicherte habe
Schmerzen im Mittelfuss links nach einer Distorsion angegeben. Als Befund führte er
eine Druckdolenz im Bereich von TMT (Tarsometatarsal-Gelenk) I und II und als
Diagnose eine Lisfranc-Distorsion an. Auf dem Röntgenbild vom 28. September 2010
hatte sich keine Fraktur gezeigt. Am linken Fuss werde eine funktionelle
Nachbehandlung durchgeführt. Die Versicherte habe sich zudem für die Operation links
entschieden. Nach ergänzenden Angaben der Versicherten (act. G 3.1/A2) und einer
zusätzlichen telefonischen Befragung vom 25. Oktober 2010 durch die AXA zum
Hergang des Ereignisses vom 15. September 2010 teilte diese der Versicherten mit
Schreiben vom 8. Dezember 2010 mit, dass weder ein Unfall noch eine unfallähnliche
Körperschädigung vorliege. Sie lehne deshalb eine Leistungspflicht aus der
obligatorischen Unfallversicherung ab (act. G 3.1/A4). Die Versicherte erklärte sich mit
undatiertem Schreiben damit nicht einverstanden (act. G 1.3/A5). Die AXA hielt am 22.
Februar 2011 verfügungsweise an der Leistungsablehnung fest (act. G 1.3/A6).
A.b Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte mit Eingabe vom 21. März 2011
Einsprache (act. G 1.3/A8). Am 13. Februar 2012 legte die AXA den Schadenfall ihrem
beratenden Arzt, Dr. med. D._, zur Beurteilung vor (act. G 1.3/M14), die dieser am 28.
Februar 2012 abgab (act. G 1.3/M15). Mit Einspracheentscheid vom 1. März 2012 wies
die AXA die Einsprache der Versicherten vom 21. März 2011 ab (act. G 1.3/A24).
B.
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B.a Gegen diesen Entscheid erhob die Versicherte mit Eingabe vom 13. April 2012
Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid sei
aufzuheben und es seien ihr für das Ereignis vom 15. September 2010 die gesetzlichen
Leistungen auszurichten (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 8. Mai 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.c Mit Replik vom 10. Mai 2012 hielt die Beschwerdeführerin am gestellten
Rechtsbegehren fest (act. G 5).
B.d Mit Schreiben vom 24. Mai 2012 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine
einlässliche Duplik, hielt jedoch an ihrem Antrag ebenfalls fest (act. G 7).
B.e Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt

der übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin als Trägerin der obligatorischen
Unfallversicherung für die Folgen des Ereignisses vom 15. September 2010
leistungspflichtig ist. Die Beschwerdegegnerin hat den Unfallbegriff (Art. 4 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]), die Rechtsprechung zum Unfallbegriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des
äusseren Faktors (BGE 134 V 72, 130 V 117) sowie die beweisrechtlichen Grundlagen
im angefochtenen Entscheid zutreffend dargelegt. Gleiches gilt bezüglich des Begriffs
der unfallähnlichen Körperschädigungen, die auch ohne ungewöhnliche äussere
Einwirkung Unfällen gleichgestellt sind (Art. 6 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20] in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 der Verordnung
über die Unfallversicherung [UVV; SR 832.202]), wobei am Erfordernis des äusseren
Faktors festzuhalten ist (BGE 129 V 466; Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juli 2009,
8C_346/2009, E. 3). Darauf ist zu verweisen.
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2.
2.1 Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren
Faktors kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung
bestehen (RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b; Alfred
Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 176 f.). In
einem solchen Fall ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in der
Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung
gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat, was beispielsweise dann zutrifft, wenn
die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einen Gegenstand anstösst oder
wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrbewegung ausführt
oder auszuführen versucht (RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4.a; Rumo-Jungo,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 3. Aufl. 2003, S. 27 mit Hinweisen). Dass es tatsächlich zu
einem Sturz kommt, wird mithin nicht vorausgesetzt. Immerhin ist festzuhalten, dass
der Nachweis eines Unfalls bei Schädigungen, die sich auf das Körperinnere
beschränken, insofern strengen Anforderungen unterliegt, als die unmittelbare Ursache
der Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt werden muss; denn
ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren
Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine
krankheitsbedingte Ursache besteht (RKUV 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4d). Die
Rechtsprechung bejaht das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors
ausserdem dann, wenn beim Heben oder Verschieben einer Last ein ganz
ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt und es so zu einer Schädigung kommt. Es
muss jedoch von Fall zu Fall geprüft werden, ob die Anstrengung im Hinblick auf
Konstitution und berufliche oder ausserberufliche Gewöhnung der betreffenden Person
ausserordentlich war (vgl. BGE 116 V 136 E. 3b; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2).
2.2 Gemäss Unfallmeldung vom 7. Oktober 2010 drehte die Beschwerdeführerin am
15. September 2010 während der Pflege eines Bewohners den Fuss ab und erlitt dabei
eine unbestimmte Verletzung (act. G 1.3/A1). In einem von der Beschwerdegegnerin
zugestellten Fragebogen zum Hergang des Ereignisses vom 15. September 2010 teilte
die Beschwerdeführerin am 10. Oktober 2010 mit, dass sie ihre Beschwerden auf einen
Transfer eines Bewohners in den Rollstuhl zurückführe. Auf die Frage, ob es sich dabei
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um eine gewohnte Tätigkeit gehandelt habe, und ob diese unter normalen äusseren
Umständen verlaufen sei, antwortete sie mit "Ja". Die Frage, ob sich dabei etwas
Besonderes (z.B. Ausgleiten, Sturz etc.) ereignet habe, verneinte sie (act. G 1.3/A2).
Anlässlich einer zusätzlichen telefonischen Befragung durch die Beschwerdegegnerin
vom 25. Oktober 2010 schilderte die Beschwerdeführerin, sie habe beim Transfer eines
Bewohners vom Bett in den Rollstuhl eine blöde Bewegung gemacht. Sie könne leider
auch nicht mehr dazu sagen (act. G 1.3/A3). Nachdem ihr die Beschwerdegegnerin
sodann mit Schreiben vom 8. Dezember 2010 mitgeteilt hatte, dass sie eine
Leistungspflicht aus der obligatorischen Unfallversicherung ablehne, führte die
Beschwerdeführerin in einem undatierten Schreiben aus, dass es sich bei der
Mobilisation bzw. dem Transfer eines schweren Bewohners vom Bett in den Rollstuhl
um ein unvorhergesehenes Ereignis gehandelt habe. Der Bewohner sei während der
Mobilisation bzw. beim Transfer kollabiert. Durch seine Bewusslosigkeit sei er vom Bett
gerutscht. Sie habe ihn mit aller Körperkraft halten müssen und er sei mit dem ganzen
Gewicht von ca. 90 kg an ihr gehangen. Durch diesen Notfall habe sie sich so
hinstellen müssen, dass sie ihn nicht habe fallen lassen oder selbst gestürzt sei. Durch
den massiven Druck und die Überlastung des linken Fusses, sei sie mit dem Fuss in
der Schiene weggeknickt bzw. habe eine Bewegung gemacht, die ihr kurz Schmerzen
verursacht habe. Sie habe die Schmerzen zunächst nicht als schlimm empfunden. Erst
als sie nicht mehr habe laufen können, habe sie sich durch einen Arzt abklären lassen
(act. G 1.3/A5). Die Ereignisschilderung in der Beschwerde vom 13. April 2012
entspricht schliesslich - abgesehen davon, dass die Beschwerdeführerin hierin nicht
von einem Wegknicken des Fusses, sondern von einer komischen und falschen
Bewegung spricht - weitestgehend derjenigen im vorgenannten Schreiben (act. G 1).
2.3 Damit beurteilt werden kann, ob das Ereignis vom 15. September 2010 einen
Unfall im Rechtssinn darstellt, ist vorweg zu klären, wie sich das Geschehen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ereignet hat. Diesbezüglich ist festzustellen, dass
die grundsätzlich übereinstimmenden Sachverhaltsschilderungen der
Beschwerdeführerin in ihrem undatierten Schreiben und in ihrer Beschwerdeeingabe
vom 13. April 2012 nicht mit den früheren Darlegungen in Einklang gebracht werden
können. Die späteren Schilderungen stellen das fragliche Ereignis in verschiedenen
Einzelheiten dar bzw. umfassen erhebliche Ergänzungen und neue
Sachverhaltselemente, die nicht mehr nur als ergänzende Aussagen mit einem höheren
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Detaillierungsgrad qualifiziert werden können, sondern als Abweichungen und somit
widersprüchliche Angaben bewertet werden müssen.
Grundsätzlich ist es durchaus denkbar und auch möglich, dass sich das Ereignis, wie
von der Beschwerdeführerin in den späteren Unterlagen geschildert, ereignet hat.
Unter Berücksichtigung der Rechtsprechung zur Aussage der ersten Stunde (BGE 121
V 47 E. 2a; RKUV 2004 Nr. U 524, S. 546) kann jedoch der Beweis dafür nicht als mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erbracht betrachtet werden. Nachdem der neue
Sachverhalt erstmals im Nachgang an das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 8.
Dezember 2010 bzw. die Kenntnisnahme über deren Leistungsablehnung (act. G 1.3/
A4) erfolgte, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die neue Darstellung des
Ereignisses von versicherungsrechtlichen Überlegungen beeinflusst ist, was diese
wenig glaubwürdig macht. Es liegt viel eher nahe, dass wesentliche
Sachverhaltselemente, die das Vorliegen eines Unfalls zumindest erwägenswert
machen (Halten eines ca. 90 kg schweren, bewusstlosen Bewohners; Verhindern eines
eigenen Sturzes; massiver Druck auf den Fuss und Überlastung desselben;
Wegknicken mit dem Fuss), nicht vergessen gehen und bereits von Anfang an, aber
sicher auf konkrete Nachfrage hin, angeführt werden. So hatte die Beschwerdeführerin
im Fragebogen der Beschwerdegegnerin vom 10. Oktober 2010, wo genügend Platz
zur Formulierung bestand, die Möglichkeit, das Ereignis gestützt auf konkrete Fragen
ausführlich zu schildern. Anlässlich des Telefongesprächs mit der Beschwerdegegnerin
vom 25. Oktober 2010 (act. G 1.3/A3) erklärte die Beschwerdeführerin sodann
ausdrücklich, sie könne leider auch nicht mehr dazu sagen. Dass sie sich dann im
Nachgang an die Leistungsablehnung plötzlich doch wieder detailliert an den
Geschehensablauf erinnern können sollte, erscheint unter diesen Umständen
zweifelhaft. Bei der Beurteilung, ob ein Unfall im Rechtssinn vorliegt, ist somit von den,
vor dem Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 8. Dezember 2010 abgegebenen
Sachverhaltsschilderungen auszugehen. Aus diesen geht jedoch in keiner Weise
hervor, dass die Beschwerdeführerin am 15. September 2010 einen Unfall erlitten
hätte. Offensichtlich transferierte sie an diesem Tag einen Bewohner vom Bett in den
Rollstuhl (vgl. act. G 1.3/A2 f.). Sie bejahte im Fragebogen der Beschwerdegegnerin,
dass es sich dabei um eine gewohnte Tätigkeit gehandelt habe, was bei einer
Pflegeassistentin wohl auch den Tatsachen entspricht. Dass ein solcher
Arbeitsvorgang eine gewisse körperliche Anstrengung erfordert und es dadurch zu
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einer Krafteinwirkung auf verschiedene Körperteile kommt, steht ausser Frage.
Allerdings ist damit noch keine ausserordentliche Anstrengung ausgewiesen. So
mutete sich die Beschwerdeführerin offensichtlich ohne weiteres zu, den Bewohner
allein vom Bett in den Rollstuhl zu bringen. Den ersten Schilderungen ist sodann auch
kein programmwidriger Bewegungsablauf zu entnehmen. Damit die körpereigene
Bewegung der Verdrehung des Knies das gemäss Art. 4 ATSG erforderliche
Tatbestandsmerkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, muss sie zusätzlich aus einer
eindeutig programmwidrigen Bewegung im Sinn der Erwägung 2.1 hervorgegangen
sein. Dass etwas Besonderes, wie ein Ausgleiten, ein Sturz etc., vorgefallen wäre,
wurde jedoch von der Beschwerdeführerin im Fragebogen vom 10. Oktober 2010
ausdrücklich verneint. Ein mit einem Sturz oder einem Ausgleiten vergleichbarer
programmwidriger Bewegungsablauf ist auch mit der Aussage der Beschwerdeführerin
anlässlich des Telefongesprächs vom 25. Oktober 2010, sie habe eine "blöde
Bewegung" gemacht, nicht belegt. Zum einen handelt es sich dabei nicht um einen klar
abgrenzbaren Begriff, d.h. eine "blöde Bewegung" kann sich mannigfaltig darstellen.
Zum andern bestimmt die subjektive Betrachtungsweise des Betroffenen entscheidend
mit, was als blöd wahrgenommen wird und was nicht. Insofern erscheint es durchaus
auch möglich, dass bereits eine normale Drehbewegung als "blöde Bewegung"
bezeichnet wird, weil sie als zusätzliches Moment wahrgenommen wurde.
Entsprechend wurde in der Unfallmeldung ein Abdrehen des Fusses angeführt. Es ist
eine Erfahrungstatsache, dass im alltäglichen Bewegungsablauf Verdrehungen von
Körperteilen nichts Aussergewöhnliches darstellen. Wie intensiv die Muskulatur, die
Knochenstruktur oder die Gelenke des linken Fusses im Sinn einer klar abgegrenzten
Belastungssituation durch ein Verdrehen übermässig beansprucht wurden, wird im
konkreten Fall nicht bestimmbar ausgeführt.
2.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall unter Würdigung
sämtlicher Umstände ein Unfall im Rechtssinn nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist.
3.
3.1 Zu prüfen bleibt, ob eine der in Art. 9 Abs. 2 UVV abschliessend aufgeführten
unfallähnlichen Körperschädigungen vorliegt. Dr. C._ stellte in seinem Bericht vom
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5. Oktober 2010 (act. G 3.1/M1), wie bereits erwähnt, die Diagnose einer Lisfranc-
Distorsion. Grundsätzlich handelt es sich bei einer nach einer Gelenksverdrehung
auftretenden Distorsion definitionsgemäss um eine Bandverletzung im Sinne von Art. 9
Abs. 2 lit. g UVV (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 262. Aufl. Berlin 2010, S.
479; Alfred M. Debrunner, Orthopädie, orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S.
1097; Maurer, a.a.O., S. 205; Urteil des EVG vom 30. August 2001, U 277/99; Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. März 2007, UV 2006/74; LGVE
2004 II Nr. 43, S. 367), welche gerade im Bereich des Fussgelenks eine häufige
Verletzung darstellt. Angesichts der verschiedenen Schweregrade von Distorsionen
können sie im Einzelfall einem unfallähnlichen Ereignis ohne Programmwidrigkeit im
Sinne eines ungewöhnlichen äusseren Faktors entstammen. Wie dargelegt (vgl.
Erwägung 2.3) ist es jedoch im vorliegenden Fall fraglich, ob tatsächlich eine Distorsion
stattgefunden hat. Insofern stellt sich in Bezug auf die Beurteilung des Vorliegens einer
unfallähnlichen Körperschädigung im Sinn von Art. 9 Abs. 2 UVV speziell die Frage,
inwieweit die von Dr. C._ gestellte Diagnose der Distorsion überhaupt als
massgebend zu betrachten ist. Die Beschwerdeführerin gab ihm gegenüber an, sie
habe Schmerzen im Mittelfuss links nach einer Distorsion vor einigen Tagen. Dr. C._
erhob zwar im Rahmen seiner Untersuchung den für eine solche Diagnose typischen
Befund einer Druckdolenz im Bereich von TMT I und II, erfasste im Übrigen aber keine
weiteren Befunde. Insbesondere zeigten sich offenbar die für eine Lisfranc-Distorsion
ebenfalls typischen Befunde einer Schwellung und Instabilität oder von
Belastungsschmerzen nicht (vgl. dazu Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. S. 441;
Pschyrembel, a.a.O., S. 479; www.medicalsportsnetwork.de/.../Sportverletzungen-am-
Fuss.html, Abfrage am 31. Oktober 2012). Als Therapie vermerkte Dr. C._ (nur) eine
funktionelle Nachbehandlung. Die Massgeblichkeit der Distorsions-Diagnose ist
letztlich aber vor allem dadurch in Zweifel zu ziehen, dass eine allfällige solche - wie
von Dr. D._ in seiner Beurteilung vom 28. Februar 2012 (act. G 3.1/M15) festgehalten
- einen ausgeprägten krankheits- bzw. degenerationsbedingten Vorzustand gerade des
linken Mittelfusses betroffen hat, weshalb sich die Beschwerdeführerin bereits
mehreren operativen Eingriffen hatte unterziehen müssen, und der Vorzustand auch
nach dem Ereignis vom 15. September 2010 umfassende weitere Therapien bedingt
hat. Dr. C._ hatte die Beschwerdeführerin am 11. Dezember 2009 mit der Diagnose
OSG links: kontrakter Spitzfuss mit/bei: St. n. Infekt Grosszehe 1994, St. n.
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Grosszehenamputation und Arthrodese im Grundgelenk 2004, St. n.
Tarsaltunnelrevision 05/2005 mit konsekutivem Infekt, Spitzfussbildung, St. n
perkutaner Tenotomie und Verlängerung der Sehne des Musculus tibialis posterior
02/2008, an PD Dr. med. M. Weber, Chefarzt Orthopädische Klinik von der Spital Netz,
Bern AG, überwiesen (act. G 3.1/M10). Insbesondere im Zeitpunkt der
Distorsionsproblematik stand eine weitere, mit diesem Vorzustand im Zusammenhang
stehende Operation des linken Fusses zur Diskussion. Dr. C._ hielt in seinem Bericht
vom 5. Oktober 2010 (act. G 3.1/M13) fest, die Beschwerdeführerin habe sich für die
Operation links in Bern entschieden. Sie werde den Operationstermin per Mail
mitteilen. Bereits am 24. Februar 2011 führte Dr. Weber bei der Beschwerdeführerin
eine Verlängerung der Achillessehne, eine Neurolyse im Tarsaltunnel sowie eine quere
komplette Fasziotomie am distalen dorsalen Unterschenkel durch, wobei als
Operationsdiagnose ein Spitzfuss links genannt wurde (act. G 3.1/M6). Am 21. April
2011 folgte durch Dr. Weber eine Sesamektomie medial und lateral 1. Strahl und
Exostosenabtragung Fuss links. Als Operationsdiagnosen wurden eine Metatarsalgie 1.
Strahl Fuss links, ein St. n. Grosszehenamputation und MTP I-Arthrodese links 2004
sowie ein St. n. dorsalem Release bei kontraktem Spitzfuss links 2011 festgehalten
(act. G 3.1/M6). In sämtlichen medizinischen Akten, insbesondere in den
Verlaufsberichten über die Nachkontrollen, wurde demgegenüber eine Distorsion in
keiner Weise mehr erwähnt (vgl. act. 3.1/M7-M9, act. G 3.1/M11-M12). Aufgrund der
vorstehenden Darlegungen muss damit in Bezug auf den linken Fuss der
Beschwerdeführerin von einem Gesundheitszustand mit umfassenden,
zusammenhängenden gesundheitlichen Schädigungen ausgegangen werden. Vor
diesem Hintergrund kann letztlich offen bleiben, ob eine Distorsion stattgefunden hat
oder nicht. Folgen einer unfallähnlichen Körperschädigung scheinen jedenfalls
insgesamt betrachtet überwiegend wahrscheinlich nicht vorzuliegen.
3.2 Die Frage, ob zudem eine schädigende äussere Einwirkung bzw. ein
unfallähnliches Ereignis vorliegt, braucht unter diesen Umständen nicht beantwortet zu
werden. Der Vollständigkeit halber ist dennoch auf die Kasuistik des EVG (BGE 129 V
466) hinzuweisen ist, wonach die normale Drehbewegung mit einem Körperteil lediglich
eine alltägliche Lebensverrichtung darstellt. Die Intensität eines schädigenden äusseren
Faktors wird auch in diesem Fall erst durch ein davon unterscheidbares, zur
Unkontrollierbarkeit der Verrichtung führendes, äusseres Moment, d.h. mit einer
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heftigen und/oder belastenden Bewegung, erreicht. Im vorliegenden Fall ist das
gesteigerte Schädigungspotential, d.h. auch dasjenige im Sinne einer an sich
geringfügigen traumatischen Gelenksverdrehung mit auftretender Distorsion und damit
nur einem unfallähnlichen Ereignis ohne Programmwidrigkeit im Sinn eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors entstammend, zweifelhaft und damit nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit glaubhaft gemacht.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 1. März 2012 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP