Decision ID: e788cca4-93b7-4e89-981e-ace22fcad16e
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Die X AG mit Sitz in A bezweckt unter anderem das Führen eines Garagenbetriebs
mit einer Autoservicestelle und der Ausführung von Reparaturen aller Art. Mit Schreiben
vom 6. November 2015 autorisierte der Auto Gewerbe Verband Schweiz, Sektion St.
Gallen-Appenzell und Fürstentum Liechtenstein (nachfolgend: AGVS), das
Unternehmen im Rahmen des sogenannten Reparaturbestätigungsverfahrens (RBV)
Nachkontrollen bei leichten Motorwagen und Anhängern (je bis 3,5 t) durchzuführen.
Die X AG wurde ermächtigt, die ordnungsgemässe Behebung von Mängeln, die
anlässlich der amtlichen Prüfung durch das Strassenverkehrsamt festgestellt wurden,
zu bestätigen. Die Bewilligung wurde bis 31. Dezember 2016 befristet und am 9.
Dezember 2016 um ein weiteres Jahr verlängert.
B.- Am 5. September 2016 wurde der Personenwagen MINI Cooper S (Stamm-Nr.
000.000.000) beim Strassenverkehrsamt einer amtlichen periodischen Nachprüfung
unterzogen. Dabei stellte der Experte verschiedene Mängel fest. Er beanstandete die
Scheibenwischer hinten (Vermerk: "ersetzen"), die Kontrollschildbeleuchtung ("instand
stellen"), die Querlenker-Gummilagerungen ("beidseitig ersetzen"), den Motor ("Oel
unten undicht") und den Schalldämpfer hinten ("ersetzen/undicht"). Der für die
Reparaturbestätigungen zuständige Mitarbeiter der X AG bescheinigte am 20.
September 2016, dass alle auf dem Prüfbescheid vom 5. September 2016 aufgeführten
Beanstandungen fachgerecht behoben und entsprechend mit den geeigneten
marktüblichen Mitteln überprüft worden seien. In der Folge wurde das Fahrzeug
verkauft. Der neue Fahrzeughalter liess den MINI Cooper S hinsichtlich der
beanstandeten Mängel beim Strassenverkehrsamt überprüfen. Dieses stellte am 16.
Dezember 2016 fest, dass einzig das hintere Scheibenwischerblatt ersetzt worden sei
und die übrigen Mängel nach wie vor bestünden.
C.- Mit Verfügung vom 13. Januar 2017 entzog das Strassenverkehrsamt (Prüfstelle
Winkeln) der X AG die Berechtigung zur Durchführung von Nachkontrollen und Abgabe
von Reparaturbestätigungen mit sofortiger Wirkung. Es warf ihr eine Falschbestätigung
im Zusammenhang mit der Prüfung eines Personenwagens des Typs MINI Cooper S
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vor. Die X AG erhob dagegen mit Eingabe vom 27. Januar 2017 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Sie beantragte, die Verfügung des
Strassenverkehrsamtes sei kostenfällig aufzuheben, und es sei festzustellen, dass sie
bei der Nachkontrolle des fraglichen Fahrzeugs ihre Sorgfaltspflicht nicht verletzt habe
und der Entzug der Berechtigung zur Nachkontrolle und Reparaturbestätigung
rechtswidrig erfolgt sei. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie, dem Rekurs
sei superprovisorisch die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Der Präsident teilte der
Rekurrentin mit Schreiben vom 1. März 2017 mit, die Voraussetzungen für den Erlass
einer superprovisorischen Verfügung seien nicht erfüllt. Über die Frage der
aufschiebenden Wirkung werde er nach Eingang der Vernehmlassung der Vorinstanz
entscheiden. Letztere nahm am 20. März 2017 Stellung und beantragte die Abweisung
des Rekurses und des Antrags um Erteilung der aufschiebenden Wirkung. Der
Rekurrent erhielt Gelegenheit, sich zur vorinstanzlichen Eingabe zu äussern und dem
Gericht mitzuteilen, ob er am Begehren um Erteilung der aufschiebenden Wirkung
festhalte; darauf verzichtete er stillschweigend.
Auf die Ausführungen der Parteien zur Begründung der Anträge wird, soweit

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 27. Januar 2017 wurde rechtzeitig
eingereicht und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Umstritten ist, ob die Vorinstanz der Rekurrentin die am 9. Dezember 2016 erteilte
Autorisierung zur Ausübung der Nachkontrollen für das Jahr 2017 zu Recht für zwölf
Monate entzog.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
a) Gemäss Art. 11 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
darf der Fahrzeugausweis nur erteilt werden, wenn das Fahrzeug den Vorschriften
entspricht, verkehrssicher ist und die vorgeschriebene Haftpflichtversicherung besteht.
Verkehrssicher ist ein Fahrzeug, dessen Beschaffenheit und Zustand es erlauben, das
Fahrzeug ohne Gefährdung anderer in Verkehr zu bringen. Das verkehrssichere
Fahrzeug zeichnet sich bezüglich Beschaffenheit und Zustand durch das Fehlen
verkehrsgefährdender Mängel aus (René Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Band I: Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln,
Bern 2002, N 234). Bevor ein Fahrzeugausweis erteilt wird, ist das Fahrzeug einer
amtlichen Prüfung zu unterziehen (Art. 13 Abs. 1 SVG). Der Bundesrat schreibt
regelmässige Nachprüfungen für Fahrzeuge vor (Art. 13 Abs. 4 SVG), wobei die
Zulassungsbehörde diese Nachprüfung Betrieben oder Organisationen übertragen
kann, welche für die vorschriftsgemässe Durchführung Gewähr bieten (Art. 33 Abs. 1
der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge, SR 741.41,
abgekürzt: VTS).
Wurden bei der Nachprüfung eines Fahrzeuges Mängel festgestellt, so musste das
Fahrzeug früher nach der Reparatur nochmals beim Strassenverkehrsamt zu einer
Nachkontrolle vorgeführt werden. Am 2. Oktober 2013 vereinbarten das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen und der AGVS Sektion
St. Gallen-Appenzell und Fürstentum Liechtenstein, das bisherige
Nachkontrollverfahren des Strassenverkehrsamts durch ein RBV zu ersetzen und
dieses auf den AGVS zu übertragen (Vereinbarung für ein Reparaturbestätigungs-
Verfahren, nachfolgend: Vereinbarung RBV). Namentlich können zertifizierte
Fachbetriebe die Reparatur dem Strassenverkehrsamt auf dem Postweg bestätigen;
die Nachkontrolle des beanstandeten Fahrzeugs beim Strassenverkehrsamt entfällt in
diesen Fällen. Gestützt auf die Vereinbarung RBV kann der AGVS mit den
Fachbetrieben aus dem Fahrzeuggewerbe Einzelvereinbarungen über eine Teilnahme
am RBV abschliessen.
b) Die Vorinstanz erwog, mit der Einführung des RBV sei die verfahrensmässige
Vereinfachung der amtlichen periodischen Nachprüfung bezweckt worden. Es dürfe
nicht der Anschein erweckt werden, dass damit systembedingt ein Qualitätsabbau und
eine Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit in Kauf genommen werde. Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
involvierten Unternehmen seien deshalb in der Pflicht, für die Wiederherstellung der
Betriebssicherheit der beanstandeten Fahrzeuge zu sorgen. Jeder Betrieb müsse sich
bewusst sein, dass er mit der Abgabe einer Reparaturbestätigung eine öffentliche
Funktion ausübe. Die Falschbestätigung der Rekurrentin habe mehrere erhebliche
Mängel betroffen, weshalb eine Verwarnung oder Ermahnung nicht in Frage komme,
sondern die Autorisierung zur Ausübung von Nachkontrollen fristlos zu entziehen sei.
Hinsichtlich des Verdachts der Rekurrentin, die neuen Teile seien nach der Kontrolle
vom 20. September 2016 wieder ausgebaut worden, sei festzustellen, dass sich
anlässlich der Überprüfung vom 16. Dezember 2016 durch die Vorinstanz keine
Anzeichen dafür ergeben hätten, dass die entsprechenden Schrauben kürzlich gelöst
worden seien. Selbst wenn, wie die Rekurrentin ebenfalls vermutet habe, anstelle des
MINI Cooper S mit der Stammnummer 000.00.000 ein anderes Fahrzeug vorgeführt
worden sei, könne dies an der Sanktion nichts ändern. Es liege in der Verantwortung
der autorisierten Garage, das Fahrzeug zu identifizieren. Falls sie dazu nicht in der Lage
sei, müsse ihr die Bewilligung zur Bestätigung von Reparaturen ohnehin entzogen
werden.
Die Rekurrentin hielt dem im Wesentlichen entgegen, die Geschäftspartnerin des
Verkäufers des MINI Cooper S habe ausgeführt, es sei ein Mechaniker beauftragt
worden, die Mängel zu beheben. Er sei dafür entschädigt worden, weshalb davon
auszugehen sei, dass er die Reparaturarbeiten tatsächlich ausgeführt habe.
Unerklärlich sei, weshalb sich der Verkäufer zum Sachverhalt nicht geäussert habe und
auch nicht bereit gewesen sei, entsprechende Dokumente auszuhändigen. Der
Vorinstanz sei vorzuwerfen, dass sie, ohne den Sachverhalt genau abgeklärt zu haben,
auf eine Falschbestätigung geschlossen habe. Sie habe nicht geprüft, ob der MINI
Cooper S repariert und ihr (der Rekurrentin) in repariertem Zustand vorgeführt worden
sei, welche Arbeiten der Mechaniker des vormaligen Eigentümers in Rechnung gestellt
habe, ob das Fahrzeug wieder zurückgebaut worden sei oder ob ihr ein anderer Mini
Cooper S, beispielsweise mit gefälschter Stammnummer, gezeigt worden sei. Dass der
Verkäufer des Fahrzeugs weder den Namen des Mechanikers bekanntgegeben, noch
die von diesem ausgestellte Rechnung ausgehändigt habe, verstärke die Vermutung,
dass in diesem Beziehungsfeld etwas nicht korrekt abgelaufen sei. Indessen ergebe
sich daraus nicht, dass sie sich etwas vorwerfen lassen müsse.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
c) aa) Die Rekurrentin stützte sich in der Verfügung auf die Vereinbarung RBV. Gemäss
Ziffer 3 bestätigt der private Fachbetrieb mit der Unterschrift und dem Firmenstempel
auf dem Prüfbescheid (Reparaturbestätigung) der Vorinstanz, dass er alle festgestellten
und schriftlich festgehaltenen Mängel ordnungsgemäss und vollständig behoben habe
und diese mit geeigneten, marktüblichen Mitteln überprüft worden seien. Die
Bestätigung hat die Wirkung einer amtlichen Nachkontrolle. Die als berechtigt
bezeichneten Personen werden vom AGVS erfasst und aktualisiert. Diese stehen dem
Strassenverkehrsamt in Form einer Liste zur Verfügung. Die detaillierten Personendaten
können vom Strassenverkehrsamt beim AGVS auf Antrag abgerufen werden (Ziffer 6).
bb) Die In der Bewilligung des AGVS vom 6. November 2015 autorisierte Fachperson
bestätigte am 20. September 2016 namens der Rekurrentin, dass alle auf dem
Prüfungsbescheid des Strassenverkehrsamts vom 5. September 2016 aufgeführten
Beanstandungen fachgerecht behoben und mit den geeigneten marktüblichen Mitteln
überprüft worden seien (act. 10/2). Anlässlich der am 16. Dezember 2016 von der
Vorinstanz durchgeführten Kontrolle wurde jedoch festgestellt, dass diese Mängel, mit
Ausnahme des Ersetzens des Scheibenwischerblatts, nicht behoben waren. Die
Vorinstanz ging deshalb von einer Falschbestätigung aus. Der Einwand der
Rekurrentin, die vorgenommenen Reparaturen könnten nach dem 20. September 2016
rückgebaut worden sein, erscheint nicht wahrscheinlich. Die Vorinstanz führte
nachvollziehbar aus, dass ein solches Vorgehen Spuren hinterlassen hätte. An den
beanstandeten Teilen seien solche jedoch nicht festzustellen gewesen. Insbesondere
hätten sich keine Hinweise darauf ergeben, dass Verschraubungen, beispielsweise an
Auspuff und Querlenkern, gelöst worden seien. Auch die Vermutung, es könnte ihr ein
anderer MINI Cooper S mit gefälschter Stammnummer gezeigt worden sein, hilft ihr
nicht weiter. Als kontrollierender Fachbetrieb muss sie in der Lage sein, ein Fahrzeug
einwandfrei zu identifizieren (vgl. Art. 33 Abs. 1 lit. a SVG). Dies ist insbesondere
anhand der Fahrgestell-Nummer ohne weiteres möglich. Die Rekurrentin führte
gegenüber der Vorinstanz im Schreiben vom 21. Dezember 2016 deshalb auch aus, sie
werde künftig jeweils sowohl den Kilometerstand als auch die Chassis-Nummer
kontrollieren (act. 10/7). Aus den Akten ergeben sich zudem keine konkreten Hinweise
darauf, dass die Rekurrentin betrügerischen Machenschaften zum Opfer gefallen sein
könnte, wie sie vorbrachte. Insbesondere trifft nicht zu, dass unbekannt ist, wen der
frühere Eigentümer mit der Instandstellung des MINI Cooper S beauftragte. Die
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rekurrentin selbst hielt im Schreiben vom 21. Dezember 2016 fest, C habe sich um die
Reparatur gekümmert (act. 10/7). Die Abklärungen der Vorinstanz ergaben, dass es
sich dabei um D gehandelt habe, wobei dieser lediglich den Auspuff notdürftig mit
Auspuffpaste abgedichtet und den Motor gereinigt habe (act. 9 Ziff. 6). Angesichts der
ähnlichen Schreibweise ist davon auszugehen, dass es sich dabei um die gleiche
Person handelte.
Auf die in diesem Zusammenhang beantragte Befragung der Fachperson der
Rekurrentin und des früheren Eigentümers des MINI Cooper S kann verzichtet werden,
da nicht ersichtlich ist und von der Rekurrentin auch nicht ausgeführt wurde, ob und
inwiefern diese Personen zur Erhellung des Sachverhalts beitragen könnten.
Insbesondere können am Verfahren nicht beteiligte Dritte vom Gericht nicht verpflichtet
werden, Dokumente einzureichen oder sich zum Fall zu äussern. Vorliegend handelt es
sich um ein rein administratives und nicht um ein strafrechtliches Verfahren. Zudem
stehen keine "civil rights" in Frage, weil mit der angefochtenen Verfügung nicht in
massgeblichem Umfang in Rechte und Verpflichtungen privatrechtlicher Natur
eingegriffen wurde (vgl. BGer 1C_242/2013 vom 17. Mai 2013 E. 2.2; zum Begriff der
"civil rights" BGE 130 I 388 E. 5.1). Im Übrigen nahm der Käufer des Fahrzeugs
gegenüber dem Rechtsvertreter der Rekurrentin durch seine Geschäftspartnerin zum
Vorfall bereits Stellung. Die entsprechenden E-Mails liegen den Akten bei. Allfällige
Ergänzungen oder Bestätigungen der Fachperson hätte die Rekurrentin schriftlich
einreichen können. Der Mitarbeiter verliess das Unternehmen erst per Ende des Jahres
2016. Die Beweisanträge sind deshalb abzuweisen (vgl. dazu Kölz/Häner/Bertschi,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 536
f.).
cc) Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz der
Rekurrentin eine Falschbestätigung vorwarf. Zu prüfen ist, ob der fristlose Entzug der
Bewilligung zulässig und angemessen war.
d) aa) In Ziffer 11 der Vereinbarung RBV wurden Qualitätsanforderungen und
Sanktionen festgelegt. Danach verhängt die Vorinstanz Sanktionen gegen Fachbetriebe
(Ermahnung, Verwarnung oder Entzug der Bewilligung) in Absprache mit dem AGVS
(Abs. 2). Wiederholte oder schwerwiegende Verletzungen der Einzelvereinbarung,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
insbesondere eine Falschbestätigung der Reparatur, berechtigen die Vorinstanz, die
Vereinbarung mit dem fehlbaren Fachbetrieb fristlos zu kündigen (Abs. 3).
bb) Die Vorinstanz informierte den AGVS mittels Kopie der Verfügung vom 13. Januar
2017 über die Sanktion. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Massnahme mit
ihm abgesprochen wurde und er dagegen nicht opponierte; aus den Akten ergeben
sich jedenfalls keine anderen Hinweise. Ein Verstoss gegen die Vereinbarung RBV liegt
somit nicht vor (vgl. Entscheid der Verwaltungsrekurskommission IV-2014/58 vom 26.
Februar 2015 E. 5a, im Internet abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
cc) Gemäss der Vereinbarung RBV ist die Vorinstanz berechtigt, im Falle wiederholter
oder einer schwerwiegenden Verletzung der Kontrollpflicht die Einzelvereinbarung
fristlos zu kündigen. Als schwerwiegende Verletzung gilt namentlich eine
"Falschbestätigung der Reparatur". Bei dieser Ausgangslage war die Vorinstanz
berechtigt, aber nicht verpflichtet, der Rekurrentin die Bewilligung für ein Jahr zu
entziehen. Es lag in ihrem pflichtgemässen Ermessen über die Sanktion zu
entscheiden. Durch das Ermessen erhalten die Verwaltungsbehörden einen Spielraum
für den Einzelfall. Dies bedeutet aber nicht, dass sie in ihrer Entscheidung völlig frei
sind. Sie sind vielmehr an die Verfassung gebunden und müssen insbesondere das
Rechtsgleichheitsgebot, das Verhältnismässigkeitsprinzip und die Pflicht zur Wahrung
der öffentlichen Interessen befolgen (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 409).
Die Vorinstanz begründete die einschneidende Sanktion im Wesentlichen mit dem
öffentlichen Interesse an der Verkehrssicherheit. Es sei sicherzustellen, dass die
Qualitätsanforderungen auch von den autorisierten Unternehmen gewährleistet
würden. Das Verhalten der Rekurrentin beurteilte sie hinsichtlich des Verschuldens als
nicht mehr leicht, da mehrere erhebliche Mängel nicht behoben worden seien. Dem ist
zuzustimmen, und zwar auch dann, wenn die von der Vorinstanz festgestellten
Schäden weder die Betriebssicherheit des Fahrzeugs noch die Sicherheit anderer
Verkehrsteilnehmer in erheblichem Masse beeinträchtigt haben sollten. Kommt hinzu,
dass die Undichtheit der Ölwanne nach der Aussenreinigung unter Umständen nicht
leicht erkennbar war. Ebenso ist nicht auszuschliessen, dass die Aussenbeleuchtung
eines Fahrzeugs nach der Reparatur erneut ausfallen könnte. Ins Gewicht fällt aber,
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dass die Rekurrentin die Behebung nicht nur einer, sondern mehrerer Mängel
bestätigte, weshalb ein Versehen oder eine blosse Nachlässigkeit auszuschliessen ist.
Es gibt deshalb Zweifel, ob sie die an sie delegierte staatliche Kontrollaufgabe stets mit
der notwendigen Sorgfalt ausführte. Daran besteht indes ein erhebliches öffentliches
Interesse, denn die Fahrzeugprüfungen und die Nachkontrollen bezwecken die
Erhaltung der Verkehrssicherheit. Ein mangelhaftes oder nachlässiges Kontrollverhalten
führt dazu, dass Fahrzeuge zum Verkehr zugelassen werden, die nicht verkehrssicher
sind; dadurch können andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. Das Verhalten der
Rekurrentin ist deshalb als schwerwiegende Verletzung der Einzelvereinbarung gemäss
Ziffer. 11 Abs. 3 der Vereinbarung RBV zu qualifizieren, die zu Recht mit einem
fristlosen Entzug der Bewilligung sanktioniert wurde. Die Massnahme erscheint zudem
verhältnismässig, da sie auf ein Jahr befristet wurde und die Rekurrentin am 14. Januar
2018 ein Gesuch um Wiedererteilung der Autorisierung stellen kann. Insgesamt
überwiegt das öffentliche Interesse an der Betriebssicherheit der Fahrzeuge das private
Interesse der Rekurrentin, weiterhin Nachkontrollen durchführen zu können, deutlich.
e) Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die Rekurrentin für das
Verhalten ihrer Fachperson einzustehen hat. Ein Entlastungsbeweis steht ihr nicht offen
(BSK OR I-Wiegand, 6. Aufl. 2015, Art. 101 N 2 ff.). Inwieweit sie allenfalls Rückgriff auf
ihren Mitarbeiter nehmen kann, wie sie das im Schreiben vom 21. Dezember 2016
gegenüber der Vorinstanz in Betracht gezogen hatte, ist jedoch nicht Gegenstand
dieses Verfahrens.
f) Zusammenfassend ist der Rekurrentin im Zusammenhang mit der Nachprüfung des
MINI Cooper S (Stamm-Nummer 000.000.000) eine nicht vorschriftsgemässe Kontrolle
vorzuwerfen. Sie bestätigte, dass die auf dem Prüfungsbescheid der Vorinstanz vom
5. September 2016 aufgeführten Beanstandungen fachgerecht behoben worden seien.
Anlässlich einer Nachkontrolle durch die Vorinstanz wurde jedoch festgestellt, dass die
Kontrollschildbeleuchtung, die Querlenker-Gummilager, die Ölwanne und der hintere
Schalldämpfer nicht repariert wurden. Dass die Vorinstanz unter diesen Umständen
davon ausging, die Rekurrentin biete keine Gewähr mehr für die vorschriftsgemässe
Durchführung der Nachprüfungen (Art. 33 Abs. 1 VTS), ist nicht zu beanstanden, zumal
die Rekurrentin in der Stellungnahme vom 21. Dezember 2016 selbst gewisse
Unzulänglichkeiten in ihren Arbeitsprozessen einräumte. Sie fasste deshalb
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verschiedene Änderungen ins Auge; unter anderem werde künftig die Unterschrift des
Auftraggebers konsequent eingefordert (act. 10/7). Der Entzug der Bewilligung zur
Ausübung von Nachkontrollen für mindestens ein Jahr ist in der Vereinbarung RBV
vorgesehen und erscheint der Schwere des Verstosses (Falschbestätigung)
angemessen. Der Rekurs ist deshalb abzuweisen. Mit dem Entscheid in der Sache wird
das Begehren um Erteilung der aufschiebenden Wirkung hinfällig.
3.- Die Kündigung der Einzelvereinbarung zwischen dem AGVS und der Rekurrentin
erfolgte zum Schutz der Verkehrssicherheit. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn die
Rekurrentin während eines Rechtsmittelverfahrens weiterhin am RBV teilnehmen
könnte. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen. Es besteht kein Anspruch auf
Entschädigung der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).