Decision ID: b2baa379-75ee-433b-a7bf-495445e6e4b9
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 196
9
, arbeitete ab 2004 mit einem Pensum von 60 % als Pflegehelferin
a
m
Y._
(Urk. 6/8/6). Per 30. Juni 2009 wurde dieses Anstellungsverhältnis von der Arbeitgeberin gekündigt (Urk. 6/14/9-10).
Bereits am 2./3. März 2009 hatte sich
X._
unter Hinweis auf starke Schmerzen im ganzen Körper (vgl. auch Urk. 6/5/3) zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung angemeldet (Urk. 6/8-9; vgl. auch Urk. 6/4 [Früherfassung]). Nach Abklärung der beruflich-erwerblichen und me
dizinischen Verhältnisse (Einholung eines Auszuges aus dem individuellen Konto [Urk. 6/10] sowie
Beizug
der von der Krankenversicherung der Versi
cherten veranlassten interdisziplinären Abklärung [Urk. 6/29/3-14] sowie wei
terer Arztberichte) und nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(vgl. etwa Urk. 6/35) wies die IV
Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten mit Verfü
gung vom 5. September 2012 (Urk. 2) ab mit der Begründung, dass ein
renten
ausschliessender
Invaliditätsgrad von 6,4 % (0 % im Erwerbsbereich [Anteil 60 %] beziehungsweise 16 % im Haushaltsbereich [Anteil 40 %]) vorliege.
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 8. Oktober 2012 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 5. September 2012 sei aufzuheben und es seien der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen zukommen zu lassen. Es sei ihr insbesondere eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
Eventualiter sei betreffend dem aktuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin durch das angerufene Gericht ein
polydiszipli
näres
Gutachten einzuholen.
Subeventualiter
sei der vorliegende Fall zur weiteren
Sachverhaltsab
klärung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen.
2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens seien der
Beschwerdegegne
rin
aufzuerlegen und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflich
ten, der Beschwerdeführerin eine angemessene Entschädigung für ihre anwaltlichen Aufwendungen (zzgl. 8 % MWST) zu bezahlen.
Eventualiter sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Prozess
führung
zu bewilligen und es sei ihr [...] ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
Die IV
Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 6. November 2012 (Urk. 5) auf A
bweisung der Beschwerde, was der
Versicherten am 14. November 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit
einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperli
che Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unter
schiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicher
ten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die ent
sprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraus
setzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352; vgl. auch
BGE 139 V 547
E. 3 ff.).
Diese im Bereich der
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze werden rechtsprechungsgemäss bei der Würdigung des invalidisierenden Cha
rakters von
Fibromyalgien
(BGE 132 V 65 E. 4), dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (SVR 2007 IV Nr. 45 S. 150, I 9/07 E. 4 am Ende),
Chro
nic
Fatigue
Syndrome (CFS; chronisches Müdigkeitssyndrom) und Neurasthenie (Urteile 9C_662/2009 vom 17. August 2010 E. 2.3; 9C_98/2010 vom 28. April 2010 E. 2.2.2 und I 70/07 vom 14. April 2008 E. 5), bei dissoziativen Bewe
gungsstörungen (Urteil 9C_903/2007 vom 30. April 2008 E. 3.4), bei einer HWS-Verletzung (Schleudertrauma) ohne organisch nachweisbare
Funktionsfä
lle
(BGE 136 V 279) sowie bei nicht organischer
Hypersomnie
(BGE 137 V 64
E. 4.1 und 4.2 mit Hinweisen) analog angewendet, nicht hingegen,
wenn sich die Frage nach der invalidisierenden Wirkung einer
Cancer-related
Fatigue
stellt (
BGE
139 V 346
E. 3
mit Hinweisen
).
„
Burn
out“ als solches fällt nicht unter den Begriff der invaliditätsrechtlich erheb
lichen Gesundheitsbeeinträchtigungen; es stellt grundsätzlich keinen inva
lidisierenden Gesundheitsschaden dar (Urteil des Bundesgerichts
9C_537/2011 vom 28. Juni 2012
E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.6
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter an
derem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte
Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, so
zialen und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode be
stimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittel
ten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 ff. E. 3.3 mit Hin
weisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.7
1.7.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.7.2
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten darf und soll das Ge
richt der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
1.8
Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer versi
cherten Person sind - analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) - verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhält
nissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beein
trächtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicher
ten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, be
gründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom 6. April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61
E. 6.2 und 128 V 93 f. E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und
Umfang der Behinderung im Haushalt massgebend, sondern gelten analog für jenen Teil ei
nes Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tä
tigkeit von teilerwerbstätigen Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2).
Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfah
ren kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Grundsätzlich jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht, das heisst wenn die Beurteilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht (AHI 2004 S. 137 E. 5.3). Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztli
chen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (Urteile des Bundesgerichts 9C_086/2009 vom 11. November 2010 E. 7.2 und 9C_631/2009 vom 2. Dezember 2009 E. 5.1.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung vom 5. September 2012 (Urk. 2) im Wesentlichen aus, dass aus medizinischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Pflegehelferin sowie in einer behinderungsangepassten Tätigkeit bestehe. Gemäss der Abklärung vom 26. Januar 2010 bestehe im Haushaltsbereich, der einen Anteil von 40 % ausmache, eine Einschränkung von 16 %. Daraus ergebe sich insgesamt ein rentenausschliessender
Invalidi
tätsgrad
von 6,4 % (60 % von 0 % plus 40 % von 16 %). Die Neurasthenie so
wie die postulierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung gehörten zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nach
weisbare organische Grundlage, welche keinen IV
relevanten
Gesundheitsscha
den
au
s
wiesen. Der psychopathologische Befund spreche aus psychiatrischer Sicht keineswegs für eine Störung, welche die ICD
10-Kriterien für eine depres
sive Episode/Störung erfüllen würde. Als auffallende psychopathologische Be
funde werde einzig Folgendes erwähnt: deutlich depressiv-resigniert, aber af
fektiv adäquat kontrolliert (bei unauffälligen
amnestischen
/kognitiven Funktio
nen, unauffälligem formalen Denken, inhaltlich problemzentriert). Eine schwere psychische
Komorbidität
sei nicht ausgewiesen.
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend machen, dass sie gemäss den behandelnden Ärzten des
Z._
zu 100 % arbeitsunfähig sei. Neben den psychischen Beschwerden würden auch die körperlichen ihre Leistungsfähigkeit enorm einschränken. Die Beschwerdegegnerin habe die angefochtene Verfügung auf medizinische Beur
teilungen gestützt, die nicht überzeugten. Aufgrund der offensichtlichen Kom
plexität des Krankheitsbildes wäre die Einholung eines polydisziplinären Gut
achtens zwingend gewesen. Dies habe die Beschwerdegegnerin unterlassen. Nur schon deshalb sei die angefochtene Verfügung aufzuheben. In ihrer interdis
ziplinären Stellungnahme (zuhanden der Krankenversicherung der Beschwer
deführerin) attestierten
Dr.
med.
A._
und
Dr.
med.
B._
eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung und eine schwach ausgeprägte Neurasthenie.
Dr.
B._
habe aber die vom
Z._
diagnosti
zierte mittelgradige depressive Episode
verneint
. Weshalb dem so sein sollte, lasse sich dem Bericht von
Dr.
B._
nicht entnehmen. Er diskutiere die abwei
chende Diagnose nicht. Insofern genüge der Bericht von
Dr.
B._
den
Quali
tätsanforderungen
nicht. Es komme ihm kein Beweiswert zu. Die von
Dr.
A._
und
Dr.
B._
gemachten Ausführungen seien nicht nur tendenziös, sondern offensichtlich auch aktenwidrig, wenn sie die Beschwerdeführerin als sich selbst limitierend und nur mit bescheidener Compliance beschrieben. Das
Z._
habe zutreffend festgehalten, dass die Be
schwerdeführerin unter einer mittelgradigen depressiven Episode, einer anhal
tenden
somatoformen
Schmerzstörung, einem chronischen
Panvertebralsyn
drom
mit
Fehlform
und Fehlhaltung der Wirbelsäule, einer
Hyperlaxität
, einer muskulären
Dysbalance
, einer beginnenden
Fibromyalgie
sowie einer Adipositas leide. Deshalb sei sie sowohl in der angestammten als auch in einer
behinde
rungsangepassten
Tätigkeit vollumfänglich arbeitsunfähig. Im Zusammenhang mit dem Bericht von
Dr.
B._
sei weiter darauf hinzuweisen, dass eine
Symp
tomaufnahme
gänzlich fehle und zudem keinerlei Fremdanamnesen erhoben worden sei
en
. Der Bericht von
Dr.
B._
sei eben kein Gutachten, sondern le
diglich ein Konsilium; zudem habe er nicht sorgfältig gearbeitet. Entgegen der Auffassung von
Dr.
B._
sei die psychische
Komorbidität
zu bejahen, handle es sich doch bei der Depression um eine eigenständige Störung, welche als Folge der Schmerzen und der
Schmerzstörung zu betrachten
sei (Urk. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
3.
3.1
Der Leitende Arzt
Dr.
med.
C._
und der Spitalfacharzt
Dr.
med.
D._
von der
E._
,
wo die Beschwerdeführerin vom 27. Januar bis 23. Februar 2009 hospitalisiert war, hielten in ihrem Bericht vom 23. Februar 2009 (Urk. 6/23; vgl. auch Urk. 6/24) folgende Diagnosen fest:
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei/mit
-
degenerativen Veränderungen im LWS-Bereich, segmentale Dege
neration L4/5 und L5/S1 ohne Wurzelkompression
-
Beginnende
Fibromyalgie
-
Fersensporn links
-
Adipositas
-
Cervikocephalgie
-
Depression
-
Muskuläre
Dysbalance
und
Hyperlaxizität
der Gelenke
-
Status nach Sturz August
(richtig wohl: Januar)
2004
Man habe die
multilokulären
Beschwerden nicht auf einen einheitlichen Nenner bringen können. Es seien keine relevanten entzündlichen Prozesse gefunden worden. Die Tender Points der
Fibromyalgie
seien inkonstant und nicht dem üblichen Verteilungsmuster entsprechend gewesen. Eine relevante Depression habe sich nicht feststellen lassen. Zudem seien die Beschwerden insgesamt sehr wechselhaft gewesen; es seien durchaus Phasen von relativer Beschwerdearmut und freien Bewegungsabläufen vorgekommen, so dass von einer
Selbstlimitie
rung
und von einer
Invalidisierungstendenz
ausgegangen werden müsse.
3.2
In ihrem Bericht vom 21. April 2009 (Urk. 6/22/6-8; vgl. auch Urk. 6/29/15-19) stellten die Psychologin
F._
,
med.
pract
.
G._
,
Facharzt FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
phil.
H._
,
klinischer Psychologe und Supervisor, vom
Z._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) bestehend seit 3/2007
2.
Anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (F45.4) bestehend seit 1/2004
3.
Chronisches
Panvertebralsyndrom
mit
Fehlform
und Fehlhaltung der WS, degenerative Veränderungen L4/5 und L5/S1 ohne
Wur
zelkompression
,
Hyperlaxität
und muskuläre
Dysbalance
bestehend seit 1/2004
4.
Beginnende
Fibromyalgie
(M79.0) bestehend seit 2007
Die Stimmung der Beschwerdeführerin sei deutlich depressiv-resigniert. Sie sei affektiv adäquat kontrolliert, im Gesprächsverlauf mitteilungsaktiv. Kognitiv sei sie in Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis unauffäl
lig. Ihr Denken s
ei
formal beweglich und inhaltlich problemzentriert. Es lägen keine Anhaltspunkte für psychotische Erlebniswelten (Wahn, Wahrnehmungs- oder Ich-Störungen) vor. Aufgrund der immer stärker werdenden und sich aus
weitenden körperlichen Schmerzen sei zurzeit eine Leistungssteigerung ausge
schlossen. Die Abnahme der körperlichen Fähigkeiten sei enorm. Sie leide unter schneller Ermüdung und Kraftlosigkeit. Sie könne nur wenig Gewicht (etwa 1 kg) tragen. Zudem habe sie auch beim Stehen, Sitzen und Bewegen grosse Mühe. Im Haushalt sei sie auf die Hilfe von Drittpersonen angewiesen. Als Krankenpflegerin sei sie aufgrund der vorhandenen Symptome (starke körperli
che Schmerzen, Schwindel, Übelkeit, Kraftlosigkeit und Erschöpfung) seit 4. August 2008 zu 100 % arbeitsunfähig.
3.3
Dr.
med.
B._
,
Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem Bericht (psychiatrisches Konsilium) vom 22. August 2009 (Urk. 6/29/9-14) aus, dass die Beschwerdeführerin bei klarem Bewusstsein und in den übli
chen Qualitäten (zeitlich, örtlich, situativ und autopsychisch) orientiert sei. Ge
dächtnis- und Aufmerksamkeitsleistung seien intakt, letztere gleich bleibend im Laufe des zweistündigen Gesprächs. Der Denkprozess sei geordnet,
themenge
recht
strukturiert, zielgerichtet und präzis in der Formulierung. Die Beschwer
deführerin habe Sinn für Humor, sei formal unauffällig und lasse der Schilde
rung ihrer Beschwerden sehr viel Raum, wobei aber die Ablenkung zu anderen Themen durchaus möglich sei. Es lägen keinerlei Hinweise (wie etwa Hemmung, Blockaden, schleppender Gedankengang, eingeengte Inhalte, Ausdruck von Schuldgefühlen) für ein aktuell noch bestehendes relevantes depressives
Zu
standsbild
vor. Das Intelligenzniveau beurteile er kursorisch als durchschnitt
lich, eher höher als der bloss achtjährigen Grundschulausbildung entsprechend (S. 4).
Psychomotorisch lägen unauffällige Verhältnisse vor; der Antrieb wirke nicht vermindert. Auch im affektiven Bereich spreche nichts für das aktuelle Vorlie
gen eines depressiven Zustandsbildes (S. 5).
Aufgrund der ihm zugestellten Akten sowie seiner eigenen Untersuchung könne er aus psychiatrischer Sicht die im
Z._
ge
stellte Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) bestätigen, jedoch nicht diejenige einer depressiven Episode, weil dafür keinerlei Hinweise gegeben seien. Es bestehe vermutlich auch eine schwach ausgeprägte Neurasthenie (ICD-10 F48.0) mit Schwindel,
Konzentrationsstörun
gen
, Kraftlosigkeit und
Schlafstörungen. Die Persistenz und Ausweitung der im Anschluss an einen Bagatellunfall während der Schwangerschaft Anfang 2004 erstmals aufgetretenen Rückenschmerzen deute er als Ausdruck der für die Be
schwerdeführerin durch die Geburt ihres zweiten Kindes aufgrund des spärli
chen Einkommens ihres Ehemannes zu gross gewordenen Last der Verantwor
tung. Den beiden diagnostizierten psychischen Störungen komme für keine Tä
tigkeit, die der Beschwerdeführerin aus somatischen Gründen möglich sei, eine arbeitsfähigkeitseinschränkende Wirkung zu, auch nicht partiell (S. 6).
3.4
Dr.
med.
A._
,
Spezialarzt FMH für Innere Medizin sowie für Physikalische Medizin und Rehabilitation, hielt in seinem Bericht vom 2. September 2009 (Urk. 6/29/3-8) fest, dass die Beschwerdeführerin über andauernde lumbale, grossräumig sich ausbreitende Schmerzen und psychische Beschwerden klage. Der Versuch der Beschwerde
führerin
, ihre Rücken- und anderweitigen körperli
chen Beschwerden mit dem
bagatellären
Unfallereignis 2004 zu erklären, dürfte wohl eher dem Zweck
externaler
anstelle einer
internalen
Attribuierung der vorliegenden gesundheitlichen und psychosozialen Situation dienen. Bildgebend (MRI der Lendenwirbelsäule vom 22. November 2007) liessen sich keine für Kreuzschmerzen bei Symptomträgern prädikative
Abnormalitäten
erkennen. Aus somatischer Sicht solle der Fall abgeschlossen werden. Inwiefern der Be
schwerdeführerin ihre angestammte Tätigkeit in der Krankenpflege medizinisch-theoretisch zumutbar bleibe, sei der psychiatrischen Beurteilung vorbehalten.
3.5
Dr.
A._
und
Dr.
B._
kamen in ihrer interdisziplinären Stellungnahme am 28. August 2009 (Urk. 6/29/8) zum Schluss, dass aus somatischer Sicht chro
nisch-unspezifische, diagnostisch nicht-klassifizierbare Schmerz- und ander
weitige körperliche Beschwerden vorlägen, die keine Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit begründeten. Aus psychiatrischer Sicht sei
en
eine anhaltende
so
matoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine schwach ausgeprägte Neurasthenie (ICD-10 F48.0) zu diagnostizieren. Auch die genannten psychi
schen Leiden hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Interdisziplinär beurteilt sei die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig.
3.6
Dr.
med.
I._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der
Beschwerdegegne
rin
erklärte am 28. Oktober 2009, dass das
bidisziplinäre
Gut
achten (mithin die Berichte der
Dres
.
A._
und
B._
)
die gestellten Fragen umfassend beantworte, die geklagten Beschwerden berücksichtige, in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt worden sei und in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge einleuchtend sei. Ebenso würden die gezogenen Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer Weise hergeleitet. Auch für
eine adaptierte Tätigkeit sei von jeher eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gege
ben. Wesentliche Einschränkungen im Haushalt müssten durch eine
Haushalts
abklärung
festgestellt werden (Urk. 6/33/4).
3.7
Mag.
J._
,
klinische Psychologin, med.
pract
.
G._
und
Dr.
phil
H._
vom
Z._
äusserten sich in ihrem Bericht vom 27. Mai 2010 (Urk. 6/40) dahingehend, dass die körperlichen Beschwerden (Kopf- und Rückenschmerzen, Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich, ausstrahlend auf den ganzen Körper, Taubheitsgefühle an den Füssen, Übelkeit, Schwindel, Kraftlosigkeit, aufgeschwollene und steife Hände) die Leistungsfä
higkeit der Beschwerdeführerin enorm einschränkten. Da die körperlichen Schmerzen zunehmend stärker würden, sei auf längere Sicht keine Verbesserung der Leistungsfähigkeit zu erwarten. Durch die Arbeitsunfähigkeit habe sie einen grossen Identitätsverlust erlebt. Aufgrund der belastenden Situation habe sie depressive Symptome entwickelt (Wertlosigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen, Insuffizienzgefühle, Lust- und Interesselosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Ängste).
3.8
Dr.
B._
erklärte am 25. Juli 2011, dass sich die Widerlegung der vom
Z._
diagnostizierten mittelgradigen depressi
ven Episode zwanglos aufgrund der psychopathologischen Untersuchungsbe
funde ergebe. Weiter sei daran festzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin weder in psychiatrischer noch in somatischer Hinsicht die Voraussetzungen für eine relevante
Komorbidität
zu ihrer psychogenen Störung erfüllt seien (Urk. 6/65).
3.9
Med.
pract
.
G._
und
Dr.
H._
hielten in ihrem Bericht vom 28. September 2011 (Urk. 6/73) an ihrer Auffassung fest, dass eine mittelgradige depressive Episode vorliege. Die Beschwerdeführerin sei zu 100 % arbeitsunfä
hig. Als „positives Leistungsbild“ wurde Folgendes formuliert: „Die Pat. kann noch kochen, heben ca. 0.5 kg, 10 Min. gehen, dann wieder Pause, Mitfahren im Auto ca. 1.5 Std. (Pat. hat keinen Fahrausweis und fährt daher selber nicht), die Reise nach
K._
werde im Auto zurückgelegt, immer wieder Pausen, we
gen Reise mehrere Jahre nicht in
K._
,
2010 und 2011 aber Besuch dort.“ Das „negative Leistungsbild“ wurde folgendermassen umschrieben: „Kein Ein
kaufen, Pat. muss immer wieder liegen nach 10. Min. Hausarbeit, an schlechten Tagen ist die Pat. den ganzen Tag im Bett.“ Der Bericht von
Dr.
B._
wurde von med.
pract
.
G._
und
Dr.
H._
dahingehend kritisiert, dass eine Symptomaufnahme und Fremdanamnesen fehlten und er sich „alleine auf sei
nen eigenen Psychostatus“ stütze. Die Beschwerdeführerin leide an einer deutli
chen Depression. Diese sei eine eigenständige Störung beziehungsweise eine ei
genständige Folge der Schmerzen und der Schmerzstörung. Die Symptome der
Depression würden nicht verschwinden, falls die Beschwerdeführerin keine Schmerzen mehr hätte. Daher sei die
Komorbidität
gegeben.
3.10
Dr.
med.
L._
,
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom RAD erläuterte am 14. Dezember 2011, dass auf die Beurteilung von med.
pract
.
G._
nicht abgestellt werden könne, weil er die somatischen und psychischen Beschwerden nicht ausreichend voneinander differenziere. Aus
versicherungs
medizinischer
Sicht sei festzuhalten, dass depressive und oft auch neurastheni
sche Symptome häufig im Rahmen einer
somatoformen
Schmerzstörung vor
kämen. Chronische Schmerzen belasteten einen Patienten unter Umständen schwer. Die Abklärung einer zusätzlichen Depression sei wichtig. Eine solche sei im Rahmen der psychiatrischen Teilbegutachtung durch
Dr.
B._
nachvollzieh
bar ausgeschlossen worden. Dem Vorwurf des Rechtsvertreters der Beschwer
deführerin, dass das Gutachten von
Dr.
B._
unzulänglich sei und eine
Symp
tomaufnahme
gänzlich fehle, könne nicht zugestimmt werden. Eine solche finde sich auf S. 3 des Berichts von
Dr.
B._
vom 22. August 2009. Zudem handle es sich um eine interdisziplinäre Begutachtung mit körperlicher
Beschwerdeerhe
bung
im Teilgutachten von
Dr.
A._
.
Dass sich
Dr.
B._
auf seine eigene Untersuchung stütze und keine fremdanamnestischen Angaben (etwa wie med.
pract
.
G._
beim stark involvierten Ehemann der Beschwerdeführerin) einge
holt habe, sei aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht zu monieren. Hinzu
weisen sei aber auf die im interdisziplinären Gutachten erhobene
Fremdanam
nese
beim letzten Arbeitgeber, dem
Y._
(Urk. 6/83/3-5).
3.11
Dr.
B._
äusserte sich am 14. Januar 2012 dahingehend, dass es sich bei der von ihm gestellten Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung um eine Ausschlussdiagnose handle in dem Sinne, als die von der Beschwerde
führerin angeführten Schmerzen nicht ausreichend auf somatischem Wege er
klärbar seien. Die finanziell angespannte Situation der Familie und auch eine gewisse ethnische Entwurzelung betrachte er als psychosozial belastende Ele
mente. Einen therapeutisch nicht mehr angehbaren innerseelischen Konflikt könne er nicht feststellen. An der Motivation der Beschwerdeführerin, mit eige
ner Anstrengung und therapeutischer Hilfe gegen ihre Beschwerden anzu
kämpfen, hege er gewisse Zweifel. Ein sozialer Rückzug sei nicht ausgewiesen; die Beschwerdeführerin spreche vom Spazieren „von
Bänkli
zu
Bänkli
“ (Urk. 6/77).
3.12
Dr.
L._
ergänzte am 19. März 2012, dass aus versicherungsmedizinisch-psychiatrischer Sicht eine Neurasthenie (ICD-10 F48.0) ausgewiesen sei. Für die postulierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sehe
Dr.
B._
psychosoziale Probleme als ursächlich an. Therapeutisch nicht mehr
angehbare innerseelische Konflikte würden nicht festgestellt. Ein sozialer Rück
zug in allen Lebensbereichen sei nicht ausgewiesen. Die vom behandelnden Arzt, med.
pract
.
G._
,
attestierte depressive Episode sei nicht nachvollzieh
bar. Eine schwere psychische
Komorbidität
sei nicht ausgewiesen (Urk. 6/83/5).
4.
4.1
Aus dem Haushaltsbericht vom 8. Februar 2010 (Urk. 6/32) geht hervor, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsbeeinträchtigungen weiterhin ihrer bishe
rigen Tätigkeit mit einem Pensum von 60 % nachginge. Die Abklärungsperson erachtete diese Angabe als plausibel. Im Weiteren führte die Abklärungsperson eine Haushaltsabklärung an Ort und Stelle durch und stellte dabei unter Be
rücksichtigung der von der Beschwerdeführerin geklagten
Gesundheitsbeein
trächtigungen
sowie der Familien- und Wohnverhältnisse, technischen Ein
richtungen und der örtlichen Lage eine Einschränkung von 16 % im
Haushalts
bereich
fest.
4.2
Hinsichtlich der Statusfrage ist festzuhalten, dass dazu in der Beschwerdeschrift keine Ausführungen gemacht wurden. Da die von der Beschwerdegegnerin der Invaliditätsgradbemessung zugrunde gelegten Werte (eine 60%ige Erwerbstätig
keit sowie eine 40%ige Tätigkeit im Haushalt) auf den Angaben der Beschwer
deführerin basieren, von der Abklärungsperson für plausibel erachtet wurden und mit dem früheren Beschäftigungsgrad übereinstimmen, ist von den ge
nannten Werten auszugehen.
Weiter ist festzuhalten, dass dem Haushaltsbericht grundsätzlich auch hinsicht
lich der festgestellten Einschränkung von 16 % voller Beweiswert zukommt, erfüllt er doch sämtliche in E. 1.8 genannten Anforderungen der höchstrichterli
chen Praxis an derartige Berichte.
Die Beschwerdeführerin bestritt denn auch
die Schlussfolgerungen nicht.
5.
5.1
5.1.1
Die Beschwerdeführerin liess in formeller Hinsicht rügen, dass die
Beschwerdegeg
nerin
angesichts der offensichtlichen Komplexität des vorliegen
den Falles zwingend ein polydisziplinäres Gutachten hätte einholen müssen. Sie hätte sich nicht mit den interdisziplinären Berichten der
Dres
.
A._
und
B._
begnügen dürfen. Dem ist entgegenzuhalten, dass sich der medizinische Sachverhalt – entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin – nicht
besonders komplex präsentiert. Im Wesentlichen geht es um die Beurteilung der geklagten (somatischen) Schmerzen und der psychischen
Gesundheitsbeein
trächtigungen
. Dabei ist zu beachten, dass sowohl
Dr
.
A._
als auch
Dr.
B._
über eine fachärztliche Spezialausbildung und entsprechende Berufs
erfahrungen verfügen und sie die aus ihren Untersuchungen resultierenden Fol
gerungen gemeinsam besprochen haben (vgl. Urk. 6/29/8). Zudem ist nicht er
sichtlich, von welchen weiteren Fachspezialisten die Beschwerdeführerin noch hätte untersucht werden sollen, da die – vorliegend in Frage kommenden - Fachgebiete bereits von
Dr.
A._
und
Dr.
B._
,
welche Facharzttitel für In
nere Medizin, Physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell
Rheumaer
krankungen
, sowie für Psychiatrie und Psychotherapie führen, abgedeckt wer
den.
5.1.2
Des Weiteren liess die Beschwerdeführerin rügen, dass die Ausführungen von
Dr.
A._
und
Dr.
B._
nicht nur tendenziös, sondern auch aktenwidrig seien, weil sie die Beschwerdeführerin als erheblich selbstlimitierend und mit bescheidener Compliance beschrieben hätten. Zudem habe
Dr.
B._
in seinem Bericht weder eine Symptomaufnahme festgehalten noch Fremdanamnesen er
hoben.
Die Beschwerdeführerin liess den Bericht von
Dr.
B._
– im Anschluss an med.
pract
.
G._
- als tendenziös kritisieren, weil darin gewisse Ausdrücke (etwa „besoffenes Huhn“) verwendet worden seien (vgl. Urk. 1 S. 7). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Bericht von
Dr.
B._
tatsächlich sehr viele „umgangs
sprachliche“ Ausdrücke enthält, wobei aber die meisten derartigen Ausdrücke anlässlich der Untersuchung von der Beschwerdeführerin selbst gebraucht und sie von
Dr
.
B._
in seinem Bericht lediglich wiedergegeben wurden. Zudem wurden die Ausdrücke sowohl von med.
pract
.
G._
als auch in der Be
schwerdeschrift aus dem Zusammenhang gerissen: So kann beispielsweise – entgegen dem in der Beschwerde erweckten Eindruck – nicht die Rede davon sein, dass
Dr.
B._
die Beschwerdeführerin als „besoffenes Huhn“ bezeichnet hätte. Vielmehr hatte die Beschwerdeführerin gegenüber
Dr.
B._
ausgeführt, dass sie, obwohl ihr Schlaf sehr schlecht sei, auf die Einnahme
schlafanstossen
der
Medikamente verzichte, weil sie nach der früheren Einnahme eines solchen Medikamentes den nachfolgenden Tag „wie ein besoffenes Huhn“ verbracht habe (vgl. Urk. 6/29/11). Insgesamt erreicht
Dr.
B._
durch die Wiedergabe der Aussagen der Beschwerdeführerin, dass sich dem Leser ein plastisches Bild des Untersuchungsgesprächs präsentiert. Was daran tendenziös sein sollte, ist nicht nachvollziehbar. Festzuhalten ist weiter, dass die Beschwerdeführerin nicht rü
gen liess,
Dr.
B._
hätte ihre Aussagen unzutreffend wiedergegeben.
Weshalb die Berichte von
Dr.
A.
_
und
Dr.
B._
insgesamt tendenziös und aktenwidrig sein sollten, weil sie die Beschwerdeführerin als erheblich
selbstli
mitierend
und mit bescheidener Compliance beschrieben haben, ist nicht nach
vollziehbar. Es ist die Aufgabe von medizinischen Experten auch insoweit ihre Auffassung darzulegen.
Im Übrigen hatten bereits
Dr.
C._
und
Dr
.
D._
,
welche die Beschwerdeführerin während ihres Aufenthaltes in der
E._
behandelten, den Eindruck einer bestehenden Selbstlimitierung und ei
ner
Invalidisierungstendenz
gewonnen (vgl. E. 3.1).
Schliesslich erweisen sich auch die Rügen, dass
Dr.
B._
weder eine
Symptom
aufnahme
festgehalten noch Fremdanamnesen erhoben habe, als nicht stichhal
tig.
Dr.
B._
hielt nämlich zum einen auf S. 3 seines Berichts die von der Be
schwerdeführerin geklagten Beschwerden im Einzelnen fest. Zum anderen ist zu berücksichtigen, dass die Berichte von
Dr.
A._
und
Dr.
B._
als Einheit (interdisziplinäre Abklärung) zu betrachten sind. Im Bericht von
Dr.
A._
,
der auch von
Dr.
B._
zur Kenntnis genommen wurde und dem er in der interdis
ziplinären Stellungnahme zugestimmt hatte, finden sich durchaus auch
fremd
anamnestische
Erhebungen (vgl. dazu auf S. 5 die telefonischen Auskünfte des ehemaligen Arbeitgebers der Beschwerdeführerin).
5.
2
F
estzuhalten
ist
, dass die Berichte der
Dres
.
A._
und
B._
sämtliche in E. 1.7.1 wiedergegebenen Anforderungen erfüllen. Sie sind für die streitigen Belange umfassend, beruhen auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigen die geklagten Beschwerden und die
Vorakten
. Sie sind einleuchtend und nach
vollziehbar. Namentlich legt
Dr.
B._
in seinem Bericht vom 22. August 2009 (Urk. 6/29/9-14) nachvollziehbar dar, weshalb er die zuvor vom
Z._
gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Epi
sode nicht bestätigen könne. Er führte diesbezüglich aus, dass in seiner zwei
stündigen Untersuchung keinerlei Hinweise für ein aktuell noch bestehendes relevantes depressives Zustandsbild vorhanden waren (wie etwa Hemmung, Blo
ckaden, schleppender Gedankengang, eingeengte Inhalte, Ausdruck von Schuldgefühlen).
Es liege vielmehr eine
somatoforme
Schmerzstörung sowie eine leicht ausge
prägte Neurasthenie vor (vgl. E. 3.3). Aus somatischer Sicht kam
Dr.
A._
zum Schluss, dass die von der Beschwerdeführerin geklagten
Gesundheitsbeein
trächtigungen
diagnostisch nicht klassifizierbar seien. Bildgebend liessen sich keine für Kreuzschmerzen bei Symptomträgern prädikative
Abnormalitäten
er
kennen (vgl. E. 3.4 und 3.5). Die beiden Ärzte waren der Ansicht, dass die ge
nannten psychischen und somatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hätten. Interdis
ziplinär beurteilt sei sie in ihrer angestammten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig.
Diese Einschätzungen der
Dres
.
A._
und
B._
,
die jeweils über spezifisches fachärztliches Wissen und entsprechende Erfahrung verfügen, sind in sich stimmig und widerspruchsfrei; sie vermögen zu überzeugen. Sie werden über
dies auch von
Dr.
L._
,
die sich insbesondere den Einschätzungen von
Dr.
B._
anschloss, gestützt (vgl. E. 3.10 und 3.12).
Auch die
Dres
.
C._
und
D._
hatten festgehalten, dass sich eine relevante Depression (obschon sie diese Diagnose in ihrem Katalog erwähnten) während des Aufenthalts in der
E._
nicht habe feststellen lassen (E. 3.1
; Urk. 6/23
).
5.3
Demgegenüber ist hinsichtlich der Einschätzungen des
Z._
(namentlich auch derjenigen des Psychiaters med.
pract
.
G._
)
vorauszuschicken, dass es sich dabei um behandelnde Psychiater und Psycholo
gen handelt. Wie bereits in E. 1.7.2 ausgeführt wurde, ist in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Dies gilt nicht nur für Hausärzte im engeren Sinne, sondern auch für andere behandelnde Ärzte (und Psychologen). Deshalb kommt den Berichten des
Z._
insoweit ein geringerer Beweiswert zu.
In inhaltlicher Hinsicht können die Berichte des
Z._
vor allem deshalb nicht überzeugen, weil sie einerseits den von der Beschwerdeführerin geklagten körperlichen Beschwerden ein ausserordentlich grosses Gewicht beimessen. So ist etwa dem Bericht vom 21. April 2009 zu ent
nehmen, dass die Beschwerdeführerin unter starken körperlichen Schmerzen (Ausdehnung auf den gesamten Körper), Schwindel, Übelkeit, Kraftlosigkeit und totaler Erschöpfung leide, weshalb sie zu 100 % arbeitsunfähig sei (Urk. 6/22/8). Andererseits ist festzuhalten, dass diese Angaben der Beschwerdeführerin – so
weit ersichtlich – im
Z._
offenbar nicht hin
terfragt wurden. An sämtlichen Berichten war – soweit ersichtlich – kein soma
tisch tätiger Arzt beteiligt; die Berichte wurden
einzig
von Psychiatern und Psychologen verfasst. Diese Berichte und Einschätzungen vermögen deshalb nicht zu überzeugen.
In psychiatrischer Hinsicht wurde als Befund einzig eine deutlich depressiv-resignierte Stimmung geschildert (
Urk.
6/22/6-8 S. 2 unten), ohne dass die Umstände einer daraus resultierenden vollständigen Arbeitsunfä
higkeit geschildert wurden.
5.
4
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass vorliegend auf die nachvollziehbaren und schlüssigen Berichte der
Dres
.
A._
und
C._
beziehungsweise auf ihre interdisziplinäre Einschätzung abzustellen ist (Urk. 6/29/8): Danach liegen aus somatischer Sicht chronisch-unspezifische, diagnostisch nicht-klassifizierbare
Schmerz- und anderweitige körperliche Beschwerden vor, die keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit begründen. Aus psychiatrischer Sicht ist eine anhal
tende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine schwach ausge
prägte Neurasthenie (ICD-10 F48.0) zu diagnostizieren. Auch die genannten psychischen Leiden haben keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Interdis
ziplinär beurteilt betrage die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit 100 %.
6.
6.1
In Bezug auf die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der diagnostizierten
somatoforme
n
Schmerzstörung
und der
Neurasthenie
ist Folgendes anzumer
ken:
Aufgabe des begutachtenden Arztes oder der begutachtenden Ärztin im Rahmen der Invaliditätsbemessung bei Vorliegen einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung oder eines vergleichbaren ätiologisch unklaren
syndromalen
Zustandes ist es, sich dazu zu äussern, ob eine psychische
Komorbidität
oder weitere Umstände gegeben sind, welche die Schmerzbewältigung im Hinblick auf eine erwerbliche Tätigkeit behindern. Gestützt darauf haben die
rechtsan
wendenden
Behörden zu entscheiden, ob der Gesundheitsschaden invalidisie
rend ist, das heisst zu prüfen, ob eine festgestellte psychische
Komorbidität
hinreichend erheblich ist und ob einzelne oder mehrere der festgestellten wei
teren Kriterien in genügender Intensität und Konstanz vorliegen, um gesamthaft den Schluss auf eine im Hinblick auf eine erwerbliche Tätigkeit nicht mit zu
mutbarer Willensanstrengung überwindbare Schmerzstörung zu erlauben (Urteil des Bundesgerichts 9C_482/2010 vom 21. September 2010 E. 4.3);
dies ist mit
hin eine Rechtsfrage, welche nicht durch die Mediziner zu beantworten ist (Ur
teil des Bundesgerichts 8C_345/2012 vom 17. September 2012 E. 3.5.2). D
ie Prüfung schliesst die Beurteilung der Frage ein, inwiefern die ärztliche Ein
schätzung der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit invaliditätsfremde Ge
sichtspunkte (insbesondere psychosoziale und soziokulturelle
Belastungsfakto
ren
) mitberücksichtigt (Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2009 vom 7. Mai 2010 E. 5.1). Auf die Diagnose der Neurasthenie sind die im Bereich der
somatofor
men
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze anzuwenden (vgl. dazu oben E. 1.3 sowie Urteil des Bundesgerichts 8C_142/2013 vom 20. November 2013).
6.2
Wie ausgeführt ist – entgegen der Auffassung des
Z._
– gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
B._
nicht vom Vorliegen ei
ner Depression auszugehen.
Mangels relevanter psychischer
Komorbidität
richtet sich die Frage nach der ausnahmsweisen Unüberwindbarkeit der diagnostizierten
somatoformen
Schmerzstörung und der Neurasthenie nach den von der Praxis aufgestellten Alternativkriterien: Ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens ist nicht zu verzeichnen (vgl. dazu etwa die Ausführungen im Abklärungsbericht betref
fend Betreuung und Begleitung der jüngsten Tochter der Beschwerdeführerin [Urk. 6/32/6-7]). Einen therapeutisch nicht mehr angehbaren innerseelischen Konflikt konnte
Dr
.
B._
nicht feststellen (vgl. E. 3.11). Auch das Kriterium „Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Be
handlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperati
ver Haltung der versicherten Person“ ist vorliegend nicht erfüllt. Wie ausgeführt wurde, äusserte
Dr.
B._
wiederholt Zweifel an der Compliance der Beschwer
deführerin. Ob die Kriterien „chronische körperliche Begleiterkrankungen“ sowie „ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder pro
gredienter Symptomatik ohne längerd
auernde Rückbildung“
bis zu einem ge
wissen Grad als erfüllt anzusehen sind, obwohl die von der Beschwerdeführerin geklagten körperlichen Beschwerden diagnostisch nicht klassifizierbar sind (vgl. E. 3.5), kann vorliegend offen bleiben. Insgesamt wären vorliegend auch beja
hendenfalls nicht genügend Kriterien erfüllt beziehungsweise wären die gege
benen Kriterien nicht in genügend ausgeprägter Weise vorhanden; deshalb kann vorliegend in keinem Fall auf eine ausnahmsweise Unüberwindbarkeit der durch die
somatoforme
Schmerzstörung und die Neurasthenie hervorgerufenen Ein
schränkungen geschlossen werden.
6.3
Aus dem Gesagten folgt, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch die
somatoforme
Schmerzstörung und die Neurasthenie im
invalidenversiche
rungsrechtlichen
Sinn
nicht
eingeschränkt wird, und zwar auch dann nicht, wenn die Einschätzung der
Dres
.
A._
und
B._
,
dass durch die genannten Gesundheitsbeeinträchtigungen bereits aus
rein
medizinischer Sicht keine Ar
beitsunfähigkeit begründet werde, zu absolut wäre.
Die Beschwerdeführerin ist somit – gestützt auf die interdisziplinäre Beurteilung der
Dres
.
A._
und
B._
- als vollständig arbeitsfähig zu betrachten, und zwar sowohl aus somatischer und als auch aus psychischer Sicht.
7.
Somit ist die Bemessung des Invaliditätsgrades durch die Beschwerdegegnerin, die im mit 60 % gewichteten Erwerbsbereich von einer Einschränkung von 0 % und im Haushaltsbereich (Gewichtung 40 %) von einer Einschränkung von 16 % (gewichtet 6,4 %) ausging, nicht zu beanstanden
,
soweit überhaupt von
einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten Einschränkung ausgegangen werden kann.
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.
8.
8.1
Vorliegend sind
bei der Beschwerdeführerin
die Voraussetzungen zur Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und zur Bestellung eines unentgeltli
chen Rechtsbeistandes gemäss
§
16 des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht
(
GSVGer
) erfüllt
(vgl. Urk. 9/1)
.
8.2
Mit Honorarnote vom 8./10. März 2014 (Urk. 11) macht Rechtsanwalt Grimmer einen Aufwand von 7 Stunden und 5 Minuten sowie Barauslagen von insge
samt Fr. 96.
(zuzüglich Mehrwertsteuer) geltend, was angemessen erscheint. Bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 200.
(zuzüglich Mehrwertsteuer) ergibt sich ein Entschädigungsanspruch von Fr. 1‘512.65 (= 7
1
/
12
x Fr. 200.
+ Fr. 96.
) zuzüglich Mehrwertsteuer, mithin Fr. 1‘633.65 (= Fr. 1‘512.65 x 1,08). Demzufolge ist Rechtsanwalt Grimmer mit Fr. 1‘633.65 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädi
gen.