Decision ID: ad405946-7bc8-4ab0-8043-d73b726e12f9
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967,
reiste im Jahr 1998 in die Schweiz ein
und war - laut eigenen Angaben - seit dem Jahr 2000 als Hausmann tätig (vgl. Urk. 7/10)
.
Am
8.
März 2018 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der So
zial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf Depres
sio
nen sowie eine chronisch obstruktive
Pneumopathie
(COPD) zum Bezug von Leis
tungen der Invaliden
versicherung an (Urk. 7/10). Die IV-Stelle nahm Ab
klä
run
gen in er
werblicher und medizinischer Hinsicht vor, holte die Berichte der behan
delnden Ärzte (Urk. 7/17, Urk. 7/21, Urk. 7/22,
Urk.
7/28) sowie einen Aus
zug aus dem Individuellen Konto des Versicherten (IK-Auszug; Urk. 7/14) ein. Gestützt auf die Stellungnahme
n
der Ärzte des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD),
Dr.
med.
Z._
, Allgemeine M
edizin FMH, sowie
Dr.
med.
A._
, Fachärztin orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom 2
6.
res
pektive 2
7.
Oktober 2018
am
3
0.
Oktober 2018 visiert von
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 31. Ok
to
ber 2018 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/31). Da
gegen erhob der Ver
si
cherte am 2
9.
November 2018 (Urk. 7/37) sowie ergänzend am 2
3.
Januar 2019 (Urk. 7/40) Einwand. Mangels ausgewiesenen Gesundheits
schadens verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
6.
März 2019 wie vorbe
schie
den einen Anspruch auf
Leistungen
der Invaliden
versicherung (Urk. 7/45 = Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 2
9.
März 2019 Beschwerde und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Be
schwer
de
geg
nerin sei zu verpflichten, ihn als voll arbeitstätig zu qualifizieren. Ferner sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurück
zu
wei
sen. In prozessualer
Hinsicht beantragte er die Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung (Urk. 1)
und legte die Unterstützungsbestätigung
der
Stadt Zürich
zu den Akten (
Urk.
3)
.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
2.
Mai 2019 (Urk. 6
) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
7.
Mai 2019 wurde dem
Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zur K
enntnisnahme zuge
stellt (Urk. 8
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingere
ichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und
Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi
tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE
140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare
Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE
143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
6.
März 2019 (
Urk.
2)
sowie in der Be
schwerdeantwort vom
2.
Mai 2019 (
Urk.
6)
hielt die Beschwerdegegnerin fest, die medizinische Abklärung habe ergeben, dass keine gesundheitlichen Ein
schrän
kungen bestünden, die eine längerfristige Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit hätten.
Eine berufliche Tätigkeit sowie die Aufgaben im Haushalt seien dem Beschwerdeführer aus medizinisch-theoretischer Sicht vollumfänglich zu
mutbar.
Ferner
sei der Beschwerdeführer nicht aus gesundheitlichen Gründen auf Einglie
de
rungs
massnahmen angewiesen, sondern weil er in der Schweiz nie er
werbs
tätig gewesen sei. Ein Anspruch auf Eingliederungs
mass
nahmen der Invaliden
ver
si
che
rung bestehe deshalb nicht.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 2
9.
März 2019 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
durch die Beanspruchung von Leistun
gen der Sozialhilfe verpflichte er sich zur voll
zeitlichen
Erwerbstätigkeit bis zur Existenz
deckung. Entsprechend sei er nicht als 100
%
im Haushalt, sondern als voll er
werbstätig zu qualifizieren. In diesem Zusammenhang sei auch die Mög
lich
keit von beruflichen Eingliederungsmassnahmen zu prüfen. Ferner sei die Abklärung des medizinischen Sachverhalts nicht rechtsgenügend vorgenommen wor
den. Die vorliegenden Unterlagen würden verschiedene schwerwiegende Lück
en und Mängel vorweisen, welche eine abschliessende Beurteilung der Arbeits
fähigkeit ver
unmöglichten.
3.
3.1
Bei persistierendem Husten sowie neu auftretenden Schmerzen im Bereich der Rippen wurde der Beschwerdeführer am 2
3.
April 2015 im Stadtspital
C._
vorstellig. Die Ärzte diagnostizierten als Ursache der Beschwerden eine Rippenkontusion bei Status nach dreiwöchigem Husten. Eine
Lungenembolie habe bei negativem
D-Dimer ausgeschlossen
werden können
.
Nebenbefundlich
habe sich im Röntgen-Thorax eine fraglich narbige Veränderung im rechten Ober
lappen gezeigt
(vgl. Arztbericht vom 2
4.
April 2015,
Urk.
7/21/1).
Am 23. Au
gust 2015 begab sich der Beschwerdeführer bei akuter Dyspnoe erneut ins
C._
. Die Atemnot
habe sich in den letzten
Tagen schleichend
verschlimmert
.
Überdies habe sich sein chronischer Husten in den letzten Monaten nicht ver
än
dert. Bei Verdacht auf COPD-Exazerbation erfolgte eine Therapie mit
Solu
medrol
und
Ipramol
Inhalation, worauf der Beschwerdeführer rasch angesprochen habe (vgl. Arztbericht vom 2
3.
August 2015,
Urk.
7/17/17).
Im Oktober 2016 wurde der Beschwerdeführer abermals im
C._
vorstellig und
klagte
über wieder auf
tretende nächtliche Dyspnoe. Diese
könne er von der CO
PD-Dyspnoe
unterschei
den. Für die CO
PD Grad
I nehme er täglich
Ipramol
ein,
bei Atemnot Cort
ison
, worunter er
eine sofortige Besserung der CO
PD-verbundenen Beschwer
den bemerke.
Die Ärzte führten aus, i
n der Blut
entnahme hätten sich keine Hin
weise für einen Infekt oder
Eosinophilie
gezeigt.
Ausserdem könne elektro
kardio
graphisch und laborchemisch ein ACS
(a
kutes Koronarsyndrom) ausgeschlossen werden (vgl. Arztbericht vom
9.
Ok
tober 2016,
Urk.
7/21/2)
.
Zur Abklärung
der
Arbeitsfähigkeit bei persistierender Belastungsdyspnoe fand am 6./
7.
Oktober 2016 eine
pneumologische
Untersuchung im
C._
statt
.
Die berichtenden Ärzte
verwiesen auf eine CT-Verlaufskontrolle im August 2016,
die
neben der bekann
ten
Noduli
im lateralen Mittellappen ein verkalktes Granulom im linken
superio
ren
Unter
lappen gezeigt habe.
Die Bodyplethysmographie habe eine
leicht fixierte Obstruk
tion bei
normale
r
CO-Diffusionskapazität ergeben.
D
ie Ärzte
hielten
lun
gen
funk
tionell eine COPD GOLD-Stadium 1 fest
und
empfahlen
einen Stopp der syste
mischen Prednison-Therapie, ins
besondere um im Rahmen einer Ver
laufs
kontrolle eine Lungen
funktion ohne Einnahme von systemischen Steroiden durch
führen zu können
. Die inhalative Therapie mit
Flutiform
könne unverändert fortgeführt werden
(vgl. Arztbericht vom 2
6.
Ok
tober
2016,
Urk.
7/17/9)
.
Auf
grund der Dyspnoe wurde der Beschwer
de
führer im November 2016 ausserdem bei
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Pneumologie,
zweimal
vorstellig. Ab
klärungen hätten eine leichte-mittelschwere obstruktive Ventilationsstörung mit einem FEV1 von 79
%
im Rahmen einer CO
PD bei bekanntem Lungenemphysem
ergeben (vgl. Arztbericht vom
2.
Oktober 2018,
Urk.
7/28).
3.2
Aufgrund der seit 2015 bestehenden anfallsartigen Schwellungen im Hals und konsekutiver Luftnot wurde der Beschwerdeführer zur
allergologischen
Ab
klä
rung bei Ve
rdacht auf C1-Inhibitor-Mangel a
ns Universitätsspital
E._
überwiesen. Zur Abklärung einer möglicherweise zugrundeliegenden System
er
krankung
seien die Leber-, Nieren-, Schilddrüsen- und Entzündungsw
ert
e bestimmt worden, welche alle normwertig seien.
E
in hereditäres Geschehen sei bei normalen C4- und C1-Komplementfaktoren extrem unwahrscheinlich. Bei nega
tiven
Antinukl
e
äre
n
-
A
ntikörpern sowie Anti-SSA und -SSB sei eine Auto
immun
erkrankung ebenfalls sehr unwahrscheinlich. Die
Tryptase
, als Hinweis für eine
Mastozytose
, sei normwertig. Der
Atopiescreen
und die Bestimmung der spe
zi
fi
schen IgE gegen Hausstaubmilben und Schimmelpilzen habe keine Hinweise auf eine
allergologische
Ursache der Beschwerden erbracht. Am ehesten handle es sich um ein erworbenes,
histaminvermitteltes
An
g
ioödem
, welches gut auf Anti
histaminika und systemisches Kortison anspreche (vgl. Arztbericht vom
2.
März 2017,
Urk.
7/17/10).
3.3
Aufgrund der pulmonalen
Noduli
wurde im November 2017 im Rahmen der Behandlung bei
Dr.
D._
ein Verlaufs-CT durchgeführt, welches in der Grösse weitgehend stationäre, kleine pulmonale
Noduli
zeigte
(vgl. CT vom 2
0.
No
vem
ber 2017,
Urk.
7/17/7)
.
3.4
Zur Arbeitsfähigkeit
machte keiner der behandelnden Ärzte Angaben, unter anderem mit der Begründung, dass
die aktuelle Tätigkeit des Beschwerdeführers unklar sei (vgl. Arztbericht vom 2. Ok
tober 2018,
Urk.
7/28).
Die
Hausärztin
Dr.
med.
F._
, FMH Allgemeine Innere Medizin und Kardiologie, attestierte dem Beschwerdeführer keine Arbeitsunfähigkeit
. Im Vordergrund stünden
aktuell
diffuse Muskelschmerzen
(vgl. Arztbericht vom 2
0.
März 2018,
Urk.
7/17).
3.5
Seit September 2016 war der Beschwerdeführer bei
lic
. phil.
G._
, Psy
cho
loge, und
Dr.
med.
H._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, in Be
handlung.
In ihrem Arztbericht vom 2
6.
Juli 2018
(
Urk.
7/22)
konstatierten sie,
der Beschwerdeführer sei bereits im März 2010 infolge einer akuten Krise (Ängste und Depression) in
ihrer
Behandlung gewesen
. Die kurze depressive Reaktion habe in fünf Konsultationen sowie mittels Medikation behandelt werden können.
Die zweite Anmeldung in ihrer Praxis sei durch die Sozialen Dienste erfolgt zwecks Abklärung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit.
Aktuell berichte
der Be
schwer
deführer von nächtlichen Atemdepressio
nen und Er
stickungs
ge
fühlen im Zusammenhang mit der COPD und dem
Angio
ödem
an der
Uvula, von Panikattacken, von Angstträumen und Nahtoderlebnis
sen.
Ein- und Durchschlafprobleme würden ihn am meisten belasten. Eine Medi
kation zur Schlafverbesserung lehne er aus Angst vor vermehrten nächtlichen Er
stickungs
anfällen, auf die er unter einer solchen Medikation nicht adäquat reagieren könnte, ab.
Panikattacken habe er keine mehr, sofern er Cortison in Reserve habe. Ängste vor Atemnot im Schlaf würden aber weiterhin bestehen.
Die behandeln
den
Fachpersonen
konstatierten, der Beschwerdeführer wirke be
wusst
seinsklar und voll orientiert. Es gebe weder formale Denkstörungen noch aktuelle Ich-Störun
gen. Sie hielten jedoch passagere, aktuell remittierte Sinnes
störungen (Stimmen
hören, visuelle Halluzi
na
tion) fest. Weiter zeige sich eine chronisch gedrüc
kte, dys
phorische Stimmung, im T
herapieverlauf jedoch auch aufhellbar. Der Be
schwer
de
führer sei fähig zu lachen. Im therapeutischen Ge
spräch sei er häufig
affekt
inkontinent
, zeige Scham-, Bestrafungs- und Schuld
gefühle.
Sein Antrieb sei
vermindert und es seien eine erhöhte Reizbarkeit, eine erhöhte Ver
letzbarkeit, Traurigkeitsgefühle, Konzentrationsstörungen und Ge
dächt
nis
probleme festzu
stellen. Sie
nannten folgende
psychiatrische
Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezidivierende depressive Störung, mittelgradig (ICD-10 F33.1
)
,
seit Septem
ber 2016
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwer mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3
)
,
seit Ende März 2018, unter erhö
hter Medi
ka
tion teilremittiert
-
Nicht näher bezeichnete Angststörung (ICD-10: F41.9; vor nächtlicher Atem
not/Erstickungsgefühlen) bei:
-
c
hronische
r
obstruktive
r
Lungenkrankheit mit
zentrilobulärem
Lun
gen
emphysem beidseits (Erstdiagnose Mai 2015)
-
e
rworbenes
Angioödem
,
histaminvermittelt
: mehrmalige Schwel
lungen der Uvula und Gaumensegel mit lebensbedrohlicher Atemnot
-
Differenzialdiagnose:
Traumafolgestörung
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien der Status nach Anpassungs
störung, der Status nach Nikotinabusus, der Status nach Panikattacken mit Hyper
ventilationen, die Hypertonie sowie der Vitamin D Mangel.
Die behandeln
den
Fachpe
r
sonen
erachteten den Beschwerdeführer auf dem ersten Arbeitsmarkt
pri
mär
in
folge der COPD nicht arbeitsfähig. Im eigenen Haushalt für die Selbst
ver
sorgung sei der Beschwerdeführer
zu 50
%
arbeitsfähig.
3.6
Zu den gesamten
Vorakten
nahm RAD-Arzt
Dr.
Z._
am 2
6.
Oktober 2018 Stellung. Die von den behandelnden
Psychiatern
attestierte vollständige Arbeits
unfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt, primär infolge der COPD, sei fachfremd erfolgt und mit der Diagnose der COPD GOLD I (später ACOS Asthma-COPD-
Overlap
-Syndrom) mit FEV1 von 80
%
und nur leichter fixiert
er Obstruktion mit normaler CO-D
iffusion nicht erklärbar. Auch das erworbene
Angioödem
,
hista
min
vermittelt
, führe nur kurz zu einer Beeinträchtigung (4-8h), danach sei der Beschwerdeführer
wieder einsatzfähig.
Dementsprechend sei für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit vonseiten der Lungenbefunde keine relevante längere Arbeits
unfähigkeit gegeben (vgl.
Urk.
7/30 S. 4). RAD-Ärztin
Dr.
A._
ergänzte, die genannte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwer
mit psychotischen Symptomen
,
(ICD
-10: F33.3) seit Ende März 2018 sei aufgrund des beschriebenen Verlaufs und der psychopathologi
schen Befunde nicht nachvollziehbar. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei deshalb kein dauerhafter Gesundheitsschaden ausgewiesen (vgl.
Urk.
7/30 S. 5).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist in erster Linie strittig, ob die
Beschwerdegegnerin
zu Recht davon ausging, dass
der Beschwerdeführer
im Gesundheitsfall zu
10
0
%
im Aufgabenbereich (Haushalt) tätig wäre.
4.2
O
b eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beein
träch
ti
gung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbs
tä
tigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungs
aufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Aus
bildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungs
verfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesund
heitsfall ausgeübten (Teil-
)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungs
recht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (
vgl.
BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2
, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E.
3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beur
teilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
4.3
Laut Aktenlage erwarb der aus dem Kosovo stammende Beschwerdeführer
eine
n
dem
Diplom der Handelsmittelschule
gleichwertigen Abschluss
(vgl.
Urk.
7/22/22) und war
nach einer Militärdienstzeit in Albanien
von September 1996 bis Februar 1998 als persönlicher Leibwächter eines Abge
ordneten des Par
laments von Albanien
tätig
(vgl.
Urk.
7/22/23).
Der Beschwerde
führer reiste
über Deutschland kommend
im Jahr 1998 in die Schweiz ein und heiratete im März 2000 seine mittlerweile geschiedene Ehefrau
(Scheidung im Oktober 2015)
, mit der er drei Kinder hat (Jahrgänge 2005, 2007 und 2010; vgl.
Urk.
7/34)
In der Schweiz habe er mehrere Hilfsarbeiter
tätigkeiten ausgeführt, seit 2003/2004 aber keine reguläre Anstellung mehr ge
habt (vgl.
Urk.
7/22/3).
Gemäss Handelsregister des Kantons Zürich war der Be
schwer
de
führer vom 3
1.
Oktober 2007 bis
7.
Januar 2008 als Gesellschafter mit Einzel
zeichnungsberechtigung der
I._
eingetragen (vgl. Internet-Handelsregisterauszug).
Im I
ndividuellen Konto sind,
ausser einem kleinen, von den
S
ozialen
Einrichtungen und Betrieben stammenden Lohn, keine Erwerbseinkommen eingetragen (
Urk.
7/2,
Urk.
7/14).
4.4
Die sozialversicherungsrechtliche Qualifizierung nahm die Beschwerdegegnerin zur Hauptsache gestützt auf
die Angaben des Beschwerdeführers im Rahmen der Anmeldung zum Leistungsbezug vor, wonach er seit dem Jahr 2000 Hausmann
sei (vgl.
Urk.
7/10). Indes liess die Beschwerdegegnerin
die Beurteilung der Frage, welcher Tätigkeit der Beschwerdeführer ohne gesundheitliche Beeinträchtigung nachgehen würde, anhand erhobener objektiver sozialer und wirtschaftlicher Ver
hältnisse ausser Acht. So
wurde nicht abgeklärt, mit welchen
finanziel
len Mitteln
der Beschwerdeführer
als Gesunde
r
sein
Leben bestreiten
und welchen Aufgaben
bereich er erfüllen würde
. Ausweislich der Akten wurde
er
im
Oktober 2015
geschieden
,
wobei der Ex-Frau die alleinige elterliche Sorge für die gemeinsamen Kinder zugesprochen wurde (vgl.
Urteil des Bezirks
gerichts Zürich vom 2
0.
Okto
ber 2015,
Urk.
7/34)
.
Er
soll
keinerlei
Vermögen
haben hat keinen Anspruch auf Unterhaltszahlungen seiner geschiedenen Ehefrau. Er
ist voll
um
fänglich auf die Sozialhilfe angewiesen.
Grundsätzlich ist es
zwar
nicht
Sache der Inva
li
den
ver
si
cherung, die Ein
busse in einer Tätigkeit auszu
gleichen, welche im hypo
thetischen Gesundheitsfall nicht aus
ge
übt würde (Urteile des Bundes
gerichts
9C_552/2016 vom
9.
März 2017 E.
4.2 mit weiteren Hinweisen und 9C_49/2008 vom 2
8.
Juli 2008 E. 3.3
). A
n
gesichts dessen,
dass sich für den Beschwerdeführer - mit der
Zusprache
der alleinigen elterlichen Sorge an die Ex-Frau - aus den Akten seit Oktober 2015 keinen Aufgabenbereich mehr ergibt, zumal die Kinder ausser an den Wochen
enden bei ihren Grosseltern wohnen und während der Arbeitszeit der Ex-Ehefrau primär durch diese und nur vertretungsweise durch den Beschwerde
führer betreut werden
sollen
,
ist
noch
nicht mit überwiegender Wahr
schein
lich
keit ausge
wiesen, dass der Beschwerdeführer auch nach Wegfall des Auf
gaben
bereichs keiner Erwerbs
tätig
keit nachgehen würde.
D
ass die Beschwer
de
gegnerin keine Haushaltsabklärung durchgeführt hat und den
hypothetischen Status nie gefragt hat
,
stellt
eine Verletzung der Abklärungs
pflicht im Sinne von Art.
43 ATSG
dar
(vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 8C_533/2010 vom 3. De
zem
ber 2010 E. 5)
.
Dies wiegt umso schwerer, als keine abschliessende medizinische Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit vorliegt
(vgl. nachfolgend E. 4.5). Die behandelnden Fachpersonen machten keine oder vage Angaben zur Arbeits
fähigkeit in einer möglichen Erwerbstätigkeit oder im Aufgabenbereich und die RAD-Ärzte stützten sich einzig auf diese Akten ohne eigene Untersuchungsbe
funde zu erheben.
4.5
Hierzu ist der
Vollständigkeit halber
anzufügen
, dass
in medizinischer Hinsicht divergente Beurteilungen darüber bestehen, ob der diagnostizierten rezidivieren
den depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symp
to
men
,
(ICD-10: F33.3) ein inva
li
den
versicherungsrechtlich relevanter Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit zukommt. RAD-Ärztin Dr.
A._
hielt diesbezüglich in ihrer Stellung
nahme vom 2
7.
Oktober 2018 fest, dass sich die
schwere depres
sive Störung mit psychotischen Symptomen
nicht dauer
haft auf die Arbeitsfähig
keit auswirke
,
und führte aus, dass die Einschätzung de
r
be
han
delnden Psychiater nicht begründet und nachvollziehbar sei (
vgl. E. 3.5
).
Wohl
ergeben sich aus dem psychiatrischen Arztbericht wenig Angaben zu den objektiven Befunden und lässt sich die schwere depressive Störung mit psychotischen Symptomen anhand der Ausführungen nicht nachvollziehen, zumal der Beschwerdeführer angab, un
ter erhöhter Medikation weniger Stimmen im Kopf zu hören und
er
auch keine visuellen Halluzinationen mehr habe (vgl.
Urk.
7/22/4). Indes beruht die Stellung
nahme der
RAD
-Ärztin
auf keiner persönlichen Untersuchung und konnte sie sich lediglich auf die unzuläng
lichen Befunde der behandelnden
Therapeuten
abstüt
zen.
Schliesslich begrün
de
ten
Dr.
H._
und
lic
. phil.
G._
die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers zwar primär infolge der COPD,
eine invalidenversiche
rungs
rechtliche Relevanz der diagnostizierten depressiven Störung wurde damit aber nicht
gänzlich
ausge
schlossen.
Solange Anhaltspunkte für eine psychiatri
sche Erkrankung vorliegen und weitere Sachverhaltsabklärungen möglich sind, darf
im Rahmen des Unter
suchungs
grundsatzes (Art. 61
lit
. c ATSG)
die Folge
der Beweislosigkeit für einen invali
denversicherungsrechtlich relevanten Gesund
heitsschaden nicht greifen
(vgl.
BGE 138 V 218 E. 6 S. 221; 117
V 261 E. 3b S.
264 mit Hinweis)
.
Schlüssige medizinische Ausführungen, die eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im nunmehr anzuwendenden strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 erlauben würden, liegen hier nicht vor. Die Prüfung der invalidenversicherungsrechtlich relevanten Beeinträchtigungen ist nicht mög
lich, da sich die gegebenen Arztberichte sowie die Stellungnahmen der RAD
Ärzte nicht eingehender dazu äussern.
4.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung
an die Vorinstanz zurückweisen, insbesondere
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache einge
treten oder der Sachverhalt ungenügen
d festgestellt wurde (§ 26 Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Zur abschlies
senden Klärung sind
weitere Angaben über die gesamten Umstände (persönliche, familiäre, soziale und erwerbliche) eines Statuswechsels sowie über die medi
zini
schen Verhältnisse notwendig.
Die Sache ist daher unter Aufhebung der angefochtenen Ver
fü
gung vom
6.
März 2019
an die Beschwerde
gegnerin zurück
zu
weisen zur umfassenden,
rechtsgenüglichen
Beurteilung eines möglichen Status
wechsels sowie zur
medizinischen Beurteilung der Arbeits- und Leistungs
fä
hig
keit. Gestützt auf diese Abklärungen wird sie in Berück
sichtigung des gesund
heitlichen Verlaufs erneut über den
Leistungs
anspruch des Beschwerde
führers zu entscheiden haben.
In dem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Das vorliegende Verfahren geht um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen, es ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind dabei nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Damit erweist sich das Gesuch um unent
geltliche Prozessführung als gegenstandslos.