Decision ID: 0b5464fc-8378-455a-a6b9-baa9517644e2
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957,
ist seit dem Herbstsemester 2015 im Bachelor-Stu
diengang Theologie an der Universität
Y._
immatrikuliert
(
Urk.
7/64) und
begann
daneben die kirchliche Ausbildung zum Pfarramt, wobei sie
vom 1
5.
Januar bis 1
5.
Juli 2018 das ekklesiologisch-praktische Semester
(
EPS,
Urk.
7/55)
absolvierte
und
am
6.
Februar 2019 Bescheid über die Zulassung zu
r
weiteren
kirchlichen
Ausbildung erhielt
(
Urk.
7/69).
Die Versicherte
arbeitete
vom
1.
September 2012 bis 3
1.
August 2017 als Lehrbeauftragte
im Umfang von drei Wochenlektionen
beim Departement Schule und Sport der Stadt
Z._
(
Urk.
7/77 und
Urk.
7/90-91) und dann befristet
vom
1.
Oktober 2018
bis 3
1.
Juli 2019
im Umfang von 30
%
bei
A._
als Sachbearbeiterin Treuhanddienst (
Urk.
7/
97
-98
,
Urk.
7/
101-102,
Urk.
7/103-104).
1.2
Am
2
3.
August 2019
meldete sich die Versicherte beim Regionalen Arbeitsver
mittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung im Umfang von
50
%
an (
Urk.
7/
120
) und stellte am
2
8.
August 2019
einen Antrag auf Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung ab
1.
August 2019
(
Urk.
7/
116
-119
).
Mit Verfügung vom
2
5.
Oktober 2019
(
Urk.
7/
59
-62
) verneinte die
Syna
Arbeits
losenkasse (nachfolgend: Kasse) einen Anspruch der Versicherten auf Arbeitslo
senentschädigung mit der Begründung, sie habe die Mindestbeitragszeit nicht erfüllt und sei auch nicht von der Erfüllung der Beitragszeit befreit. Die von der Versicherten dagegen am
1
9.
November 2019
erhobene Einsprache (
Urk.
7/
53
-54
) wies die Kasse mit Entscheid vom
2
8.
November 2019 (
Urk.
7/46
-50
=
Urk.
2) ab.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
2
8.
November 2019
(
Urk.
2) erhob die Ver
sicherte am
8.
Januar 2020
Beschwerde und beantragte
sinngemäss
die Ausrich
tung von Arbeitslosenentschädigung ab
1.
August 2019
(
Urk.
1 S. 1 Mitte).
Mit Beschwerdeantwort vom
1
3.
Februar 2020
(
Urk.
6) schloss die Kasse auf Abweisung der Beschwerde, was der Versicherten am
1
4.
Februar 2020
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) hat eine versicherte Person Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wenn sie:
a.
ganz oder teilweise arbeitslos ist (Art. 10);
b.
einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11);
c.
in der Schweiz wohnt (Art. 12);
d.
die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreicht hat noch eine Altersrente der AHV bezieht;
e.
die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14);
f.
vermittlungsfähig ist (Art. 15) und
g.
die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17).
1.2
Nach
Art.
9
Abs.
1 AVIG gelten - soweit das Gesetz nichts anderes vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit zweijährige Rahmenfristen. Die Rah
menfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (
Art.
9
Abs.
2 AVIG), und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (
Art.
9
Abs.
3 AVIG).
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenent
schädigung besteht darin, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat (Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während min
destens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die versicherte Person sämtliche Anspruchsvorausset
zungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG).
1.3
Von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind gemäss
Art.
14
Abs.
1 AVIG Per
sonen, die innerhalb der Rahmenfrist (
Art.
9
Abs.
3) während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und die Beitragszeit nicht erfüllen konnten wegen:
a.
einer Schulausbildung, Umschulung oder Weiterbildung, sofern sie während mindestens zehn Jahren in der Schweiz Wohnsitz hatten;
b.
Krankheit (
Art.
3
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts
,
ATSG)
, Unfall (
Art.
4 ATSG) oder Mutterschaft (
Art.
5 ATSG), sofern sie während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz hatten;
c.
eines Aufenthaltes in einer schweizerischen Haft- oder Arbeitserziehungsan
stalt oder in einer ähnlichen schweizerischen Einrichtung.
Nach dem klaren Wortlaut von
Art.
14
Abs.
1 AVIG muss die versicherte Person durch einen der in dieser Bestimmung genannten Gründe an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung gehindert worden sein. Zwischen dem Befrei
ungsgrund und der Nichterfüllung der Beitragszeit muss ein Kausalzusammen
hang bestehen. Dabei muss das Hindernis während mehr als zwölf Monaten bestanden haben. Da eine Teilzeitbeschäftigung mit Bezug auf die Erfüllung der Beitragszeit einer Vollzeitbeschäftigung gleichgestellt ist (
Art.
11
Abs.
4 Satz 1
der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
und die Insol
venzentschädigung,
AVIV
), liegt die erforderliche Kausalität zudem nur vor, wenn es der versicherten Person aus einem der in
Art.
14
Abs.
1
lit
. a bis c AVIG genannten Gründe auch nicht möglich und zumutbar war, ein Teilzeitarbeitsver
hältnis einzugehen (BGE 139 V 37 E. 5.1 mit Hinweisen).
Ebenfalls von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind Personen, die wegen Trennung oder Scheidung der Ehe, wegen Invalidität (Art. 8 ATSG) oder Todes des Ehegatten oder aus ähnlichen Gründen oder wegen Wegfalls einer Invalidenrente gezwungen sind, eine unselbständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder zu erweitern. Diese Regel gilt nur dann, wenn das betreffende Ereignis nicht mehr als ein Jahr zurückliegt und die betroffene Person beim Eintritt dieses Ereignisses ihren Wohnsitz in der Schweiz hatte (Art. 14 Abs. 2 AVIG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
8.
November 2019 (
Urk.
2) aus,
aus den Unterlagen gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin
während der Rahmenfrist für die Beitragszeit
nur 10.327 Monate einer beitragspflichtigen Beschäftigung nachweisen könne (10 Monate bei
A._
und 0.327 Monate beim Departement Schule und Sport), womit die Anspruchsvoraussetzung (Mindestbeitragszeit von 12 Monaten) nicht erfüllt sei (S. 3 Mitte). Die
Beschwerdeführerin selber gebe an, dass sie sich noch min
destens bis Januar 2020 im Theologie-Studium befinde und zudem eine kirchliche Ausbildung absolviere. Der Befreiungsgrund Studium komme nur zur Anwen
dung, wenn das Studium entweder erfolgreich abgeschlossen oder abgebrochen worden sei, wobei der Nachweis des (Vollzeit-)Studiums von mehr als 12 Monaten während der Beitragsrahmenfrist und die Exmatrikulation bzw. das Abschluss
diplom der Ar
beitslosenkasse vorgelegt werde
sowie die Kausalität gegeben sein müsse. Im Weiteren sei die Pensionierung des Ehemannes kein Befreiungsgrund im Sinne von
Art.
14
Abs.
2 AVI
G, wie
auch Arbeitslosigkeit des einen
Eheteils
kein ähnlicher Grund sei. Es liege kein unerwartetes, zeitlich nicht voraussehbares Ereignis vor, wodurch die Beschwerdeführerin in eine finanzielle Zwangslage gera
t
en sei (S. 4 Mitte).
2.2
Dagegen
brachte
die Beschwerdeführerin
in ihrer Beschwerde
im Wesentlichen
vor
(
Urk.
1),
dass das kirchliche Praktikum vom 1
5.
Januar bis 1
5.
Juli 2018 zur Befreiung der Beitragszeit gemäss AVIG anzurechnen sei (S. 1 unten). Grundsätz
lich würde sie auf Teilzeitbeschäftigung neben dem Studium setzen und suche deshalb Arbeit. Dies nicht erst seit dem sie sich am 2
3.
August 2019 beim RAV angemeldet habe. Sie habe dies getan, weil sie keine Arbeit gefunden habe und weil sie habe absehen können, dass sie ab dem
1.
September 2019 wegen der Pensionierung ihres getrennt wohnenden Ehemannes ohne Lebensunterhalt dastehen und sie sich also in einer gegenüber vorher verschärften finanziellen Zwangslage befinden würde (S. 1 unten).
2.3
Streitig ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenentschädigung und in diesem Rahmen die Frage, ob die Anspruchsvoraussetzung der Erfüllung der Beitragszeit oder Befreiung von deren Erfüllung (
Art.
8
Abs.
1
lit
. e AVIG) gegeben ist.
3.
3.1
Vorliegend hat sich
die
Beschwerdeführer
in
am
2
3.
August 201
9
beim RAV angemeldet (
Urk.
7/120
). Damit ist die Beschwerdegegnerin gestützt auf
Art.
9
Abs.
3 AVIG zu Recht von einer Rahmenfrist vom
2
3.
August 2017 bis 2
2.
August 2019
ausgegangen (
Urk.
2 S.
1
unten
).
Nach Lage der Akten steht sodann weiter fest, d
ass die Beschwerdeführerin vom
1.
September 2012 bis 3
1.
August 2017 als Lehrbeauftragte im Pensum von 12
%
beim Departement Schule und Sport in
Z._
(
Urk.
7/77,
Urk.
7/90
-91
)
und zuletzt vom
1.
Oktober 2018 bis 3
1.
Juli 2019 in einem befristeten Anstellungsverhältnis als Sachbearbeiterin Treuhand
dienst bei
A._
in einem Pensum von 30
%
tätig
war
(
Urk.
7/97
-98
)
.
3.2
Für die von der Beschwerdeführerin im Rahmen des im September 2015 aufge
nommenen Theologie-Vollzeitstudium
s
absolvierten kirchlichen Praktika
kann vorliegend
nur schon aufgrund der fehlenden beitragspflichtigen Entschädigung
nicht von einer als Beitragszeit anrechenbaren unselbständigen Erwerbstätigkeit gesprochen werden.
Weiter
handelt es sich beim
EPS
um die theologisch-um
setzende und kirchliche
Ausbildung, die die Kirchen verantworten, während
die
theologisch-grundlegende
Ausbildung an der Universität
Y._
absolviert wird. Mit anderen Worten stellt das EPS
ein Praxissemester für Theologie
-
studierende dar und ist damit
- wie die Beschwerdeführerin selbst ausführte (
Urk.
1 S. 2 oben) - obligatorischer Bestandteil auf dem Weg zum Pfarrberuf
(vgl. zum Ganzen
https://www.bildungkirche.ch/ausbildung/kirchliche-ausbil
-
dung-der-konkordats
kirchen-im-theologiestudium
)
.
Damit steht ohne Weiteres fest, dass die Beschwerdeführerin die fraglichen Praktika
zu Ausbildungs- und nicht zu
Erwerbszwecken absolviert hat und deshalb n
icht von einer als Beitragszeit anrechenbaren unselbständigen Erwerbstätigkeit gesprochen werden kann.
Diese Schlussfolgerung rechtfertigt sich insbesondere mit Blick auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts, wonach für die Annahme eines Zwischen
-
verdienstes kein Raum bleibt, wenn die in Frage stehende Tätigkeit nicht zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit, sondern in erster Linie zu Ausbildungszwecken, mithin zum Erwerb von Kenntnissen, aufgenommen wurde (vgl. Urteile des Bundesgerichts
C
247/05 vom 1
7.
Januar 2006, C 308/02 vom 2
7.
Juli 2005,
C
297/03 vom 1
4.
Juni 2004, C 193/03 vom 1
6.
Januar 2004, C 21/03 vom
4.
August 2003 sowie ARV 1998 Nr. 49 S. 287 f. mit Hinweisen
).
3.3
Nach dem Gesagten
ging die Beschwerdegegnerin zu Recht davon aus, dass die Beschwerdeführerin
innert der ab
2
3.
August 2017
laufenden Rahmenfrist
insge
samt
weniger als 12 Monate in einem A
rbeitsverhältnis gestanden
hat
und
die Beitragszeit
damit
nicht erfüllt
ist.
Soweit die Beschwerdeführerin
schliesslich
vorbrachte, dass in Bezug auf die von ihr bei der
A._
geleistete
n
Arbeit die Sonderregelung
in
Art.
13
Abs.
4 AVIG («Beitragszeit in Berufen mit häufig wechselnden oder befristeten Anstellungen») geprüft werden müsse (vgl.
Urk.
1 S. 4 unten),
kann ihr nicht gefolgt werden, handelt es sich doch
hierbei
nicht um einen der in
Art.
8 AVIV aufgeführten Berufe.
Unter dem Blickwinkel von
Art.
13
Abs.
1 AVIG besteht
somit
kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung.
Damit bleibt zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit (
Art.
14 AVIG) gegeben sind.
4.
4.1
Gemäss
Art.
14
Abs.
1
lit
. a AVIG sind Persone
n, die innerhalb der Rahmenfris
t
während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und die Beitragszeit wegen einer Schulausbildung, Umschulung oder Weiterbildung nicht erfüllen konnten
,
von der Erfüllung der Beitragszeit befreit, sofern sie während mindestens zehn Jahren Wohnsitz in der Schweiz hatten. Als Ausbildung gilt jede systematische, auf der Grundlage eines ordnungsgemässen oder zumindest faktisch anerkannten (üblichen) Lehrganges beruhende Vorberei
tung auf eine künftige Erwerbstätigkeit (BGE 122 V 43 E. 3c/
aa
).
Eine Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit gestützt auf
Art.
14
Abs.
1
lit
. a AVIG setzt nach der Rechtsprechung einen Kausalzusammenhang zwischen der Nichterfüllung der Beitragszeit und dem geltend gemachten Befreiungsgrund voraus. Um wirklich kausal für die fehlende Beitragszeit zu sein, muss das Hin
dernis während mehr als zwölf Monaten bestanden haben, da der versicherten Person bei kürzerer Verhinderung während der zweijährigen Rahmenfrist nach
Art.
9
Abs.
3 AVIG genügend Zeit verbleibt, um eine ausreichende beitragspflich
tige Beschäftigung auszuüben (B
GE 121 V 342 f. E. 5b mit Hin
weisen; Gerhard Gerhards, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Bd. I, N 10 und 18 zu
Art.
14). Da sodann eine Teilzeitbeschäftigung mit Bezug auf die Erfüllung der Mindestbeitragszeit ein
er Vollzeitbeschäftigung gleich
gestellt ist, liegt der für die Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Ausbildung und ungenügender Beitragszeit nur vor, wenn es der versi
cherten
Person nicht möglich und zumutbar war, zumindest ein Teilzeitarbeits
verhältnis einzug
ehen (ARV 2000 Nr. 28 S. 147 E
. 2c mit Hinweisen).
4.2
In der vom
2
3.
August 2017 bis 2
2.
August 2019
dauernden Rahmenfrist für die Beitragszeit war die Beschwerdeführerin
Theologiestudentin
an der
Universität
Y._
, wobei
das
von ihr
in dieser Zeit
vom 1
5.
Januar bi
s 1
5.
Juli 2018 absol
vierte EPS
- wie vorstehend dargelegt (vgl. vorstehend E. 3.
2
)
-
Ausbildungsbe
standteil war
und damit
unter
Art.
14
Abs.
1
lit
. a AVIG zu subsumieren
ist
(vgl.
AVIG-Praxis ALE, B
187
;
vgl. auch Riemer-Kafka, Bildung, Ausbildung und Wei
terbildung aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht, in: SZS 48/2004 S. 221
).
Die
Beschwerdeführerin
stand
in der massgebenden Rahmenfrist
grundsätzlich
wäh
rend mehr als zwölf Monaten in einer Ausbildung.
Ein Befreiungsgrund ist jedoch nur dann zu bejahen, wenn es der versicherten Person nicht möglich und zumut
bar war, auch nur eine Teilzeitbeschäftigung als
arbeitnehmende
Person auszu
üben
(vgl. vorstehend E. 4.1)
.
Das Erfordernis der Kausalität zwischen fehlender Beitragszeit und Verhinderung an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung zwingt dazu, im Einzelfall zu prüfen, ob und in welchem Umfang die Verhinderung begründet war.
Die Beschwerdeführerin
arbeitete in der Rahmenfrist neben dem Studium
als Sachbearbeiterin Treuhand in einem Pensum von 30
%
.
Daraus folgt
, dass
sie
mit dem Studium
- mit Ausnahme während der Zeit des in der Rahmenfrist absol
vierten
sechsmonatigen Praktikums -
nicht
zu 100
%
ausgelastet
und ihr neben der Ausbildung die gleichzeitige Ausübung einer beitragspflichtigen (Teilzeit-)Beschäftigung möglich
(
und zumutbar
)
war
.
Damit ist der Kausalzusammenhang zwischen der fehlenden Beitragszeit und der Verhinderung an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung infolge
Ausbildung (
Urk.
14
Abs.
1
lit
. a
) nicht gegeben,
war
es de
r
Beschwerdeführer
in
wie dargelegt
offensichtlich möglich, im Umfang von 30
%
einer Arbeitstätigkeit nachzugehen.
Dafür spricht insbesondere auch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin neben dem Studium
auf Teilzeit
beschäftigung setzt
e,
Arbeit suchte und sich schliesslich
- weil sie keine Arbeit gefunden und habe absehen können, dass sie ab dem
1.
September 2019 wegen der Pensionierung des Ehemannes ohne Lebensunterhalt dastehen würde (vgl.
Urk.
1 S. 1 unten) -
am 2
3.
August 2019
im Umfang von 50
%
beim RAV anmeldete
und der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stellte (vgl.
Urk.
7/116-119,
Urk.
7/120)
.
4.3
Die
Beschwerdeführer
in
kann sich sodann
auch
nicht darauf berufen, dass die
Pensionierung des
getrenntlebenden
Ehepartners
einen ähnlichen
(Befreiungs-)
Grund
wie die Invalidität (
Art.
8 ATSG) oder der Tod eines Ehegatten (
Art.
14
Abs.
2 AVIG)
darstell
t
. Von einem
«
ähnlichen Grund
»
kann lediglich dann aus
gegangen werden, wenn die versicherte Person durch ein unerwartetes, zeitlich nicht voraussehbares Ereignis in eine finanzielle Zwangslage geraten
(vgl. AVIG-Praxis ALE, B196)
und dadurch gezwungen
ist,
eine unselbständige Erwerbstä
tigkeit aufzunehmen
.
Es
ist
zwar
durchaus
verständlich
, dass die Beschwerdefüh
rerin durch
die Pensionierung und
den Wegfall der vom getrenntlebenden Ehe
mann geleisteten
finanziellen
Unterstützung
in eine verschärfte finanzielle Zw
angslage geraten
.
Bei einer Pensionierung handelt es sich
jedoch
offen
sichtlich
nicht
um ein
unerwar
tetes
, zeitlich nicht voraussehbare
s
Ereig
nis.
So war der Tag der Pensionierung und damit auch Versiegen der
finanziellen Unter
stützung des
getrenntlebenden
Ehemannes
- ob diese rechtlich überhaupt geschuldet war oder nicht -
voraussehbar und die Beschwerdeführerin konnte sich frühzeitig auf die neue Situation einstellen und Vorbereitungen treffen. Dies hatte
sie
nach Lage der Akten auch gemacht.
So meldete
sie
sich im Hinblick auf die Pensionierung offenbar bereits
im August 2018 und damit
ein Jahr vor der Pensionierung beim RAV an
, meldete sich dann aber wegen «fehlender Unterstützung» wieder ab und
begann
dann auf eigene Initiative
hin
ab Oktober 2018 eine befristete Teilzeittätigkeit bei
A._
, welche zweimal verlängert wurde (vgl.
Urk.
1 S. 4
Ziff.
2.2.4). Weiter haben sich die
Eheleute
im Hinblick auf die Pensionierung rechtlich beraten lassen,
wobei die Eheleute aufgrund des (richterlich bewilligten) Getrenntlebens
zwei ganze Renten anstatt nur einer Ehe
paarrente erhalten werden (vgl.
Urk.
7/88-89).
Schliesslich führte die Beschwer
deführerin selbst aus, dass sie sich im August 2019 beim RAV angemeldet habe, weil sie keine Arbeit gefunden habe und
habe absehen können, dass sie ab
1.
Sep
tember 2019 wegen der Pensionierung des Ehemannes ohne Lebensunterhalt dastehen würde (
Urk.
1 S. 1).
Bei einer Pensionierung handelt es sich nicht um einen programmwidrigen, unvorbereiteten und plötzlich eintretenden Lebens
sachverhalt,
wie dies bei den
in
Art.
14
Abs.
2 AVIG
erwähnten Ereignissen
(Tren
nung, Scheidung, Invalidität, Tod)
der Fall ist.
D
ie Beschwerdeführerin musste damit nach dem Gesagten aus wirtschaftlicher Notwendigkeit nicht in verhältnis
mässig kurzer Zeit neu disponieren
, womit in der Pensionierung des Ehepartners kein Befreiungsgrund im
Sinne von
Art.
14
Abs.
2 AVIG
liegt
.
Das Bundesgericht sah in diesem Sinne auch in der Aussteuerung eines Ehegatten aus der Arbeits
losenversicherung keinen Befreiungsgrund (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_729/2011
vom 1
5.
November 2012 E. 8), was mit der vorliegenden Situation in Auswirkung
und Tragweite vergleichbar ist.
5
.
Nach
dem
Gesagten ist demnach nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegeg
nerin
mit
Verfügung vom
2
5.
Oktober 2019 (
Urk.
7/59-62)
und dem diese
bestä
tigenden
Einspracheentscheid
(
Urk.
2)
mangels Erfüllung der Anspruchsvoraus
setzung der Beitragszeit beziehungsweise Befreiung hiervon für die Zeit
ab 2
3.
August 2019
einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenent
schädigung verneinte.
Dagegen vermögen auch die von der Beschwerdeführerin weitschweifig verfassten weiteren Ausführungen nichts zu ändern.
Die gegen den
Einspracheentscheid
vom
2
8.
November 2019
erhobene Beschwerde ist daher abzuweisen.