Decision ID: ef3c1cfe-1bf5-5872-8a94-e7cf3beff899
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 3. Juni 2013 zum ersten Mal in der
Schweiz um Asyl. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, im
November 2012 von zwei Personen mit einer Waffe bedroht worden zu
sein. Er habe ihnen sein Motorrad überlassen müssen. Im Frühling 2013
sei er beschuldigt worden, sein (...) den Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE) zur Verfügung gestellt zu haben. Er sei in der Folge von vermumm-
ten Personen geschlagen und mit einer Waffe bedroht worden. Zudem sei
er aufgefordert worden, sich innerhalb einer Woche im Armeelager in
B._ zu melden. Daraufhin habe er Sri Lanka zusammen mit seiner
Ehefrau M. und seinen beiden Kindern verlassen.
Das Asylgesuch von M. und den gemeinsamen Kindern schrieb das SEM
am 1. Oktober 2013 ab, nachdem diese die Schweiz wieder verlassen hat-
ten.
B.
Mit Verfügung vom 2. Oktober 2015 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch vom
3. Juni 2013 ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der
Schweiz und deren Vollzug an. Den geltend gemachten Übergriff im Zu-
sammenhang mit dem Motorrad qualifizierte das SEM mangels Verfol-
gungsmotiv im Sinne von Art. 3 AsylG (SR 142.31) als nicht asylrelevant.
Hinsichtlich der vorgebrachten Ereignisse vom Frühling 2013 kam die Vo-
rinstanz zum Schluss, dass diese die Anforderungen an die Glaubhaftma-
chung nicht erfüllten.
C.
Die dagegen erhobene Beschwerde vom 4. November 2015 lehnte das
Bundesverwaltungsgericht (BVGer) mit Urteil E-7097/2015 vom 20. No-
vember 2015 ab. Zur Begründung wurde in materieller Hinsicht im Wesent-
lichen auf die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen.
D.
Ein gegen dieses Urteil gerichtetes Revisionsgesuch vom 24. Dezem-
ber 2015 wegen Verletzung von Ausstandsvorschriften wies das Bundes-
verwaltungsgericht mit Urteil E-8433/2015 vom 15. November 2016 ab.
E-20/2021
Seite 3
E.
Mit Eingabe vom 20. Februar 2017 ersuchte der Beschwerdeführer das
Bundesverwaltungsgericht um Revision des Urteils E-8433/2015, zog sein
Gesuch dann jedoch zurück, weshalb das Bundesverwaltungsgericht das
Verfahren mit Entscheid E-1146/2017 vom 11. April 2017 von der Ge-
schäftskontrolle abschrieb.
II.
F.
Mit schriftlicher Eingabe vom 10. Mai 2017 ersuchte der Beschwerdeführer
ein zweites Mal um Asyl. Mit Verfügung vom 25. Oktober 2017 verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers erneut, lehnte
das Mehrfachgesuch ab, soweit es darauf eintrat, verfügte die Wegweisung
aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Den als gefälscht erkann-
ten Haftbefehl zog es ein. Zur Begründung führte das SEM unter anderem
aus, soweit der Beschwerdeführer geltend gemacht habe, dass M. und sein
Adoptivsohn sich am 22. September 2015 zu einer Befragung durch das
Criminal Investigation Department (CID) hätten begeben müssen, datiere
dieses Ereignis vor dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-7097/2015 vom 20. November 2015, weshalb es sich allenfalls um einen
Revisionsgrund handle, der vor dem Bundesverwaltungsgericht vorge-
bracht werden müsste. Sodann habe der Beschwerdeführer nicht glaubhaft
machen können, dass M., welche gemäss seinen Angaben mit den Kindern
freiwillig nach Sri Lanka zurückgekehrt sei, zwischen 2015 und anfangs
2017 mehrere Male vom CID aufgesucht und dabei vergewaltigt worden
sei, weil man ihn gesucht habe. Ausserdem sei auch als unglaubhaft zu
qualifizieren, dass die sri-lankischen Behörden über seine Asylgesuchstel-
lung in der Schweiz informiert seien und dies bei den angeblichen Behelli-
gungen gegenüber M. thematisiert worden sei.
G.
Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 27. Novem-
ber 2017 wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-6720/2017 vom
1. März 2019 ab. Zur Begründung bestätigte es in materieller Hinsicht im
Wesentlichen die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung.
E-20/2021
Seite 4
III.
H.
Mit Eingabe vom 25. April 2019 stellte der Beschwerdeführer beim SEM
ein Gesuch um Wiedererwägung der Verfügungen vom 25. Oktober 2017
und vom 2. Oktober 2015. Er berief sich dabei im Wesentlichen auf die
veränderte Sicherheitslage in Sri Lanka nach den Terrorangriffen vom
21. April 2019.
I.
Mit Verfügung vom 29. August 2019 wies das SEM das Gesuch um Wie-
dererwägung ab, erklärte die Verfügungen vom 2. Oktober 2015 und vom
25. Oktober 2017 für rechtskräftig sowie vollstreckbar und stellte fest, einer
allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
J.
Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 30. Septem-
ber 2019 wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-5050/2019 vom
23. Oktober 2019 ab. Zur Begründung wurde im Wesentlichen auf die
vorinstanzliche Verfügung verwiesen.
IV.
K.
Mit Eingabe vom 28. September 2020 an das SEM ersuchte der Beschwer-
deführer erneut um Asyl.
Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, M. und seine Kinder
seien am (...) 2015 nach Sri Lanka zurückgekehrt. Da das CID davon er-
fahren habe, habe es in der Folge M., seine zwei Kinder und seinen Adop-
tivsohn verhört. M. sei dann festgenommen worden und man habe ihr mit-
geteilt, sie müsse im Gefängnis bleiben, bis er nach Sri Lanka zurückkehre.
Später sei sie freigelassen worden, weil sie geweint habe. Man habe aber
von ihr verlangt, dass sie ihren Ehemann (Beschwerdeführer) dem CID
übergebe, sobald sich dieser wieder in Sri Lanka befinde. Ausserdem sei
ihr untersagt worden, sich von C._ zu entfernen.
Daraufhin habe das CID M. und seine Kinder oft zu Hause aufgesucht und
sie belästigt. Vom 7. bis am 9. November 2019 habe das CID seinen Sohn
D. festgehalten und ihn über den Beschwerdeführer befragt. Das CID habe
ihm gedroht, seine ganze Familie zu erschiessen, wenn er jemandem da-
von erzähle. Vom 29. Juni bis am 1. Juli 2020 habe das CID D. erneut
E-20/2021
Seite 5
befragt und ihm gedroht damit fortzufahren, bis der Beschwerdeführer zu-
rückkehre und sie ihn verhaften könnten.
Er werde zu Unrecht beschuldigt, 2013 zweimal unbekannten Personen
sein (...) zur Verfügung gestellt zu haben. Man habe damit Menschenhan-
del betrieben. Das CID handle ohne Beweise und kriminell.
Falls das SEM seine Vorbringen als unglaubhaft qualifiziere, könne es Kon-
takt mit seiner Familie aufnehmen oder sie persönlich in Sri Lanka befra-
gen.
L.
Mit Verfügung vom 27. November 2020 eröffnet am 1. Dezember 2020
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, wies sein Mehrfachgesuch ab, verfügte seine Wegweisung
aus der Schweiz sowie deren Vollzug und erhob eine Gebühr von
Fr. 600.–.
M.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
31. Dezember 2020 an das Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er be-
antragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei seine
Flüchtlingseigenschaft festzustellen sowie ihm Asyl zu gewähren. Eventu-
aliter sei die Sache zur erneuten Prüfung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Subeventualiter sei er wegen Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.
In prozessualer Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses, und um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung.
Nebst einer Kopie der angefochtenen Verfügung legte er der Beschwerde
eine Fürsorgebestätigung der D._ vom 3. Dezember 2020 bei.
N.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 6. Ja-
nuar 2021 vor (vgl. Art. 109 Abs. 6 AsylG).
O.
Mit Zwischenverfügung vom 6. Januar 2021 forderte die zuständige In-
struktionsrichterin den Beschwerdeführer auf, innert Frist eine Beschwer-
deverbesserung nachzureichen.
E-20/2021
Seite 6
P.
Mit Eingabe vom 14. Januar 2021 kam der Beschwerdeführer dieser Auf-
forderung fristgerecht nach. Gleichzeitig machte er ergänzende Angaben
zur Beschwerde und reichte unter anderem folgende Beweismittel zu den
Akten:
- eine handschriftlich ausgefüllte Eingangsbestätigung vom 24. Dezem-
ber 2020 in fremder sowie englischer Sprache der Human Rights
Commission (HRC) von Sri Lanka betreffend eine von M. eingereichte
Beschwerde desselben Datums (im Original),
- ein auf Englisch verfasstes Schreiben der HRC Sri Lanka an M. vom
30. Dezember 2020, gemäss welchem die Beschwerde bezüglich der
Todesdrohung gegenüber ihr und dem Beschwerdeführer durch unbe-
kannte Personen am 24. Dezember 2020 registriert worden sei (im Ori-
ginal).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist fristgerecht eingereicht worden. Mit der Nachrei-
chung der Originalunterschrift des Beschwerdeführers im Rahmen der Be-
schwerdeverbesserung erfüllt die Beschwerdeschrift auch die Formerfor-
dernisse. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teil-
genommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise
Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
E-20/2021
Seite 7
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
E-20/2021
Seite 8
5.
5.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führt die Vorinstanz im Wesentlichen
aus, der Beschwerdeführer habe in den vorangegangenen Asylverfahren
nicht glaubhaft machen können, dass er wegen der Entwendung seines
(...) durch Unbekannte im Jahr 2013 Probleme mit den sri-lankischen Si-
cherheitskräften gehabt habe und gesucht werde. Zudem habe er bezüg-
lich der geltend gemachten Suche durch die Sicherheitskräfte gefälschte
Dokumente eingereicht (m.H.a. die Urteile des BVGer E-7097/2015 und
E-6720/2017). In seinem Mehrfachgesuch bringe er die geltend gemachten
Probleme seines Sohnes mit dem CID und die fortwährende Suche nach
ihm in Verbindung mit Ereignissen, die bereits mehrfach als nicht glaubhaft
gewertet worden seien. Daher seien die erneuten und angeblich andauern-
den Bemühungen des CID, ihn zur Rückkehr nach Sri Lanka zu bewegen,
indem sein Sohn D. mehrfach kurzzeitig festgenommen worden sein solle,
als nicht glaubhaft zu qualifizieren. Diese Sachverhalte beruhten lediglich
auf Behauptungen seinerseits, ohne dass sie durch Beweismittel belegt
worden wären.
Bei dieser Sachlage könne auf weitere Abklärungen, wie die Kontaktnahme
mit seiner Familie oder den Besuch seiner Familie, verzichtet werden.
Seine Vorbringen hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge-
mäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft
werden müsse. Demzufolge erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht, so
dass sein Mehrfachgesuch abzulehnen sei.
5.2 Dem hält der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 31. Dezem-
ber 2020 im Wesentlichen entgegen, er könne die Situation seiner Familie
nicht beweisen. Da er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka befürchte vom
CID festgenommen und gefoltert zu werden, könne er aber unmöglich dort-
hin zurückkehren.
Mit Eingabe vom 14. Januar 2021 führt er bezugnehmend auf die damit
neu eingereichten Beweismittel (vgl. oben Sachverhalt Bst. P) ergänzend
aus, M. habe im Dezember 2020 bei der HRC Sri Lanka in C._ Be-
schwerde gegen das Verhalten der Behörden gegenüber seiner Familie
eingereicht, nachdem er M. dazu aufgefordert habe, weil die Schweizer
Asylbehörden seine Vorbringen nach wie vor nicht geglaubt hätten. M.
habe sich all die Jahre zuvor nicht getraut, sich an die HRC zu wenden,
aus Angst, das CID würde davon erfahren. Im Schreiben der HRC stehe
zwar nicht, was M. genau berichtet habe, es handle sich um eine sehr sum-
E-20/2021
Seite 9
marische Zusammenfassung. Sie habe der HRC aber von den Verhaftun-
gen ihres Sohnes durch das CID und dem Druck, der auf ihn ausgeübt
werde, berichtet. Das Regionalbüro C._ der HRC sei sicherlich be-
reit, die von M. zu Protokoll gegebenen Fakten zu bestätigen. Ein Protokoll
sei M. nicht ausgehändigt worden. Die HRC werde weder von sich aus
weitere Abklärungen treffen noch etwas gegen das Verhalten des CID un-
ternehmen oder dieses gar stoppen können. Dies alleine schon aufgrund
des Risikos, dass M. und der Familie deswegen ernsthafte Nachteile zu-
gefügt werden könnten. M. habe zudem einen Brief geschrieben, den er
nach erfolgter Übersetzung einreichen werde.
6.
6.1 Wird nach einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren ein Gesuch um
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft aufgrund einer nachträglichen, mit-
hin nach Rechtskraft des Asylentscheids eingetretenen Veränderung der
Sachlage eingereicht, ist dieses als neues Asylgesuch zu prüfen (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.6). Vorliegend ist festzustellen, dass die Vorinstanz die
Eingabe vom 28. September 2020 bezüglich der geltend gemachten Ereig-
nisse vom November 2019 sowie von Juni/Juli 2020 – die Festnahmen und
Bedrohungen von D. – zu Recht als Mehrfachgesuch im Sinne von
Art. 111c AsylG entgegengenommen und geprüft hat.
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht kommt in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz zum Schluss, dass der Beschwerdeführer keine in entscheiden-
der Hinsicht veränderte Sachlage in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft
und die Ablehnung seiner bisherigen Asylgesuche darzutun vermag. Zur
Vermeidung von Wiederholungen kann vollumfänglich auf die zutreffenden
Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. Zu-
sammenfassung oben E. 5.1). Ergänzend ist Folgendes festzuhalten:
6.3 Soweit der Beschwerdeführer im Verlauf des Beschwerdeverfahrens
nun doch noch Beweismittel einreicht, sind diese nicht geeignet, zu einer
anderen Einschätzung zu gelangen. Aus diesen beiden Beweismitteln geht
lediglich hervor, dass M. bei der HRC Sri Lanka am 24. Dezember 2020
eine Beschwerde eingereicht habe, da sie und der Beschwerdeführer von
unbekannten Personen mit dem Tod bedroht worden seien. Bereits auf-
grund dessen, dass darin lediglich eine subjektive – und inhaltlich in keiner
Weise spezifizierte Wahrnehmung von M. wiedergegeben wird, weisen die
beiden Beweismittel keine relevante Beweiskraft auf. Die Aussage des Be-
schwerdeführers in seiner Eingabe vom 14. Januar 2021, seine Ehefrau
habe dem HRC auch von den Ereignissen rund um D. berichtet, erweist
E-20/2021
Seite 10
sich als reine Behauptung. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Be-
schwerdeführer und M. als Adressaten der Drohungen aufgenommen wor-
den sein sollten, D. demgegenüber nicht. Auch das Argument für die späte
Meldung der Bedrohungen überzeugt nicht. Es ist nicht ersichtlich, weshalb
sich M. über Jahre hinweg nie Unterstützung gesucht hätte, weil sie sich
vor Konsequenzen seitens des CID gefürchtet habe – obwohl das Asylge-
such des Beschwerdeführers bereits mehrfach abgewiesen worden war –
und dies nun plötzlich doch getan habe.
6.4 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, das
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat demnach sein erneutes
Mehrfachgesuch vom 28. September 2020 zu Recht abgelehnt. Das
diesbezügliche Beschwerdebegehren ist abzuweisen. Abzuweisen ist auch
der nur eventuell gestellte Rückweisungsantrag zwecks erneuter Prüfung.
Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung zutreffend festgehalten,
weitere Abklärungen erübrigten sich, weil der Sachverhalt hinreichend
erstellt sei. Gleiches gilt auf Beschwerdestufe; insbesondere ist nicht
ersichtlich, weshalb es an den Asylbehörden liegen sollte, bei der HRC
weitere Abklärungen vorzunehmen.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
E-20/2021
Seite 11
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, sind das
flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzuges
beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrecht-
lichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen
Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka für sich allein lässt
den Wegweisungsvollzug nach konstanter Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts nicht als unzulässig erscheinen. Auch der EGMR hatte
sich wiederholt mit der Gefährdungssituation für Tamilen auseinanderge-
setzt, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müs-
sen (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013,
Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, Urteil vom
31. Mai 2011, Beschwerde Nr. 41178/08; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom
20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil
vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritan-
nien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Dabei unter-
streicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen
sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung.
Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung, ob Betroffene ernsthafte
Gründe für die Befürchtung ihrer Festnahme und Befragung vorbringen
können, verschiedene Aspekte beziehungsweise persönliche Risikofakto-
ren in Betracht gezogen werden (vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark,
E-20/2021
Seite 12
a.a.O., § 94; EGMR, E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O., § 13 und 69 so-
wie das Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016).
Nachdem der Beschwerdeführer nicht darlegen konnte, dass er bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka befürchten müsste, die Aufmerksamkeit der sri-
lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf
sich zu ziehen (vgl. E. 6), bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm
würde aus demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung in
seinem Heimatstaat drohen. Alleine aus seiner tamilischen Ethnie und dem
Umstand, dass er nach mehrjähriger Landesabwesenheit aus der Schweiz
nach Sri Lanka zurückkehrt, ergibt sich auch bei einer heutigen Rückkehr
– über einen sogenannten Backgroundcheck (Befragungen, Überprüf-
ungen von Auslandaufenthalten, Tätigkeiten in Sri Lanka und im Ausland)
hinaus – keine ernsthafte Gefahr von Folter oder unmenschlicher Behand-
lung. Daran vermögen der Regierungswechsel vom November 2019 sowie
die seitherigen Entwicklungen in Sri Lanka nichts zu ändern (vgl. statt vieler
Urteil des BVGer E-4915/2020 vom 14. Januar 2021 E. 6.10).
Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich demzu-
folge weiterhin als zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Das Bundesverwaltungsgericht geht auch heute nicht von einer Situation
allgemeiner Gewalt in Sri Lanka aus (vgl. statt vieler das bereits erwähnte
Urteil E-4915/2020 E. 8.3.2 mit Hinweisen). Die individuellen Zumutbar-
keitskriterien wurden in den vorherigen Verfahren eingehend geprüft. Da
der Beschwerdeführer diesbezüglich keine neuen Sachumstände geltend
machte, hat das SEM in der angefochtenen Verfügung zu Recht auf die ihn
betreffenden Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-6720/2017 (vgl.
E. 9.5) und E-5050/2019 (vgl. E. 8.2 m.w.H.) verwiesen. Auch auf Be-
schwerdeebene macht er nichts geltend, das an dieser Einschätzung et-
was ändern könnte. Schliesslich ergeben sich aus den Folgen des Regie-
rungswechsels vom November 2019 ebenfalls keine Hinweise individueller
Art auf eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers.
E-20/2021
Seite 13
Das SEM hat folglich auch die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu
Recht bejaht.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der
Eingaben auf Beschwerdestufe und die vorgelegten Beweismittel näher
einzugehen. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Es verbleibt der Entscheid über die Kosten und Entschädigungen.
10.1 Die Behandlung des Gesuches um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses erübrigt sich mit dem vorliegenden abschliessenden
Urteil in der Sache.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG ist unbesehen von der belegten Bedürftigkeit abzuweisen,
weil sich die Beschwerde entsprechend den vorstehenden Erwägungen
bereits bei Eingang des Begehrens als aussichtlos erwiesen hat. Demzu-
folge hat der Beschwerdeführer die Verfahrenskosten in der Höhe von
Fr. 1’500.– zu tragen (Art. 1 ‒ 3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
10.3 Nachdem sich die Beschwerde als aussichtslos im Sinne des Geset-
zes erwiesen hat, ist auch das Gesuch um Beigabe einer amtlichen
Rechtsvertretung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen.
E-20/2021
Seite 14