Decision ID: 11b071bb-7c62-43a7-a296-c142f2906401
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 15. Dezember 2005 erstmals zum Bezug von IV-Leistungen an
(IV-act. 1). Dr. med. B._, Arzt für Allgemeine Medizin, berichtete am 30. März 2006
(IV-act. 15), der Versicherte leide an einer hypertensiven und koronaren Herzkrankheit
(St. n. 5-fach HCBP 05) und an COPD mit Anstrengungsdyspnoe. Ausserdem bestehe
ein St. n. Sequesterektomie und Enukleation L5/S1 rechts (1999) bei mediolateraler
Diskushernie mit Wurzelreizsymptomatik S1 rechts. Am 13. Oktober 2006 gab er
ergänzend an, der Versicherte weise keinerlei Arbeitsmotivation auf. Seit längerer Zeit
würden ergebnislos Antidepressiva eingesetzt (IV-act. 18). Am 27. Februar 2007
erfolgte eine interdisziplinäre RAD-Untersuchung. Im Bericht vom 29. März 2007 führte
der Untersucher aus (IV-act. 28), er habe folgende Diagnosen erhoben: Koronare
Dreigefässerkrankung (5-fach aorto-koronarer Bypass), leichte obstruktive
Ventilationsstörung, Diskushernie auf Höhe L5/S1 mit Wurzelreizsymptomatik S1 rechts
(Sequestrektomie und Enukleation 1999), Diabetes mellitus Typ IIb, arterielle
Hypertonie und - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - Adipositas. Er führte weiter
aus, es sei zu einem sehr guten Ergebnis der kardialen Revaskularisierung gekommen.
Unter einer ergometrischen Belastung mit bis zu 107 Watt seien keine Zeichen einer
koronaren Insuffizienz zu provozieren gewesen. Diese Leistung entspreche einer
mittelschweren Dauerbelastbarkeit. Der Versicherte habe über Luftnot bei körperlicher
Belastung geklagt. Die Lungenfunktionsprüfung habe eine leichtgradige obstruktive
Ventilationsstörung ergeben. Für eine leidensadaptierte Tätigkeit (körperlich leichte bis
mittelschwere Arbeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 15 kg, ohne
Zwangshaltungen der Wirbelsäule, ohne Exposition gegenüber Kälte, Nässe, Zugluft
oder die Atemwege reizenden Staub, Dampf oder Rauch, ohne Nacht-, Schicht- oder
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Fliessbandarbeit mit hohem Takt) bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 75%. Die
psychiatrische Untersucherin stellte fest, dass eine Neurasthenie (DD: Dysthymie)
vorliege, welche die Arbeitsfähigkeit des Versicherten nicht beeinträchtige. Die IV-Stelle
berücksichtigte eine Arbeitsunfähigkeit von 25% und einen Tabellenlohnabzug von
10% und ermittelte so einen Invaliditätsgrad von 32,5% (IV-act. 31). Mit einer
Verfügung vom 12. Juli 2007 wies sie das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act.
41). Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens liess der Versicherte dem
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen einen Bericht von Dr. med. C._ vom
Röntgen-Institut und MR-Zentrum vom 19. September 2007 einreichen (IV-act. 63).
Laut diesem Bericht bestand auf der Höhe L5/S1 eine kleine, medio-rechtslaterale
Rezidivhernie mit Kontakt zur Nervenwurzel S1 im rezessalen Anteil bds. und
vermuteter Nervenwurzelirritation S1 bds. möglicherweise mit leicht rechtsseitiger
Bevorzugung, eine leichte Diskusprotrusion auch auf der Höhe L4/5 (subligamentäre
kleinvolumige Hernie L4/5) ohne Nachweis einer Nervenwurzelkompression auf diesem
Niveau, eine Spondylarthrose der unteren LWS und eine minime linkskonvexe
Skoliosefehlhaltung. Dr. med. Z._ vom RAD wies am 24. Januar 2008 darauf hin (IV-
act. 65), dass bei einer Gegenüberstellung der MRI-Befunde 06/00 und 09/07 keine
wesentliche Veränderung im Bereich der Bandscheibenetage L5/S1 festzustellen sei.
Auch die Etage L4/5 sei grundsätzlich unverändert beschrieben worden. Der Bericht sei
deshalb nicht geeignet, arbeitsfähigkeitsrelevante Funktionsdefizite aufzuzeigen. Am 4.
September 2008 reichte der Rechtsvertreter des Versicherten weitere Berichte ein (IV-
act. 71-2). Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, hatte
dem Hausarzt am 8. Mai 2008 mitgeteilt (IV-act. 73-1), der Versicherte leide an einer
mittelschweren depressiven Episode. Psychopharmakologische und
psychotherapeutische Interventionen seien wenig erfolgversprechend. Am 18. August
2008 hatte er dem Rechtsvertreter des Versicherten angegeben, aus rein
psychiatrischer Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50% (IV-act. 73-5).
Das Gericht ermittelte einen Invaliditätsgrad von 36% und wies die Beschwerde am 6.
Januar 2009 ab (IV-act. 76).
B.
B.a Der Versicherte wurde am 20./21. Januar 2010 erneut zum Bezug von IV-
Leistungen angemeldet (IV-act. 82). Sein Rechtsvertreter machte geltend, im
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Gerichtsentscheid sei vermutet worden, dass höchstens leichte depressive
Verstimmungen bestünden. Das sei seit spätestens anfangs 2009 nicht mehr der Fall.
Der psychische Gesundheitszustand habe die Aufnahme einer psychotherapeutischen
Behandlung und dann sogar einer mehrmonatigen stationären Therapie erforderlich
gemacht. Die psychische Problematik stelle eine Ende 2008/Anfang 2009 eingetretene
erhebliche Verschlechterung dar. Med. prakt. E._, Psychiatrie-Dienste, hatte dem
Rechtsvertreter am 17. Dezember 2009 angegeben (IV-act. 83-4 f.), der Versicherte sei
im Januar 2009 erstmals ambulant behandelt worden. Wegen der Therapieresistenz
bzw. der weiteren Verschlechterung der depressiven Symptomatik sei eine
Hospitalisation (15. Mai bis 1. September 2009) in der Klinik F._ erfolgt. Der
Versicherte sei mit der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode entlassen
worden. Er klage über ausgeprägte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen,
die auch im Gespräch auffielen. Weiter klage er über Kurz- und
Langzeitgedächtnisstörungen, die ebenfalls im Gespräch deutlich würden. Die
Grundstimmung sei gedrückt, nur wenig auflockerbar und insgesamt in der
Schwingungsfähigkeit eingeschränkt. Lust-, Freud- und Hilflosigkeit würden immer
wieder deutlich. Der Antrieb sei erheblich beeinträchtigt. Der Versicherte beschreibe
sowohl agoraphobische als auch sozialphobische Ängste. Med. prakt. E._ stellte
folgende Diagnosen: Mittelgradige depressive Episode und V. a. Angststörung. Er
betrachtete den Versicherten als zu 100% arbeitsunfähig. Dr. med. G._ vom RAD
hielt am 6. April 2010 fest, es sei eine Verschlechterung anzunehmen (IV-act. 87). Die
IV-Stelle gab eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung in Auftrag (IV-act. 89). H._,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie/Psychosomatik, führte in ihrem Gutachten vom
28. März 2011 u.a. aus (IV-act. 102), med. prakt. I._ vom Psychiatrie-Zentrum J._
habe am 16. März 2011 telephonisch angegeben, der Versicherte sei nicht motiviert für
eine intensive sozialpsychiatrische Behandlung, denn er wolle weder am
tagesklinischen noch am ergotherapeutischen L._imalprogramm teilnehmen. Eine
depressive Störung liege mit Sicherheit nicht vor, weshalb die Medikamente reduziert
bzw. ausgeschlichen würden und der Versicherte nur noch ein Schlafmittel erhalte. Sie
habe den Verdacht, dass der Versicherte nur noch aus sozialversicherungsrechtlichen
Gründen in die niederfrequente Behandlung komme. H._ führte in ihrem Gutachten
weiter aus, auf die Frage nach dem aktuellen Datum und dem Anwesenheitsort habe
der Versicherte ein falsches Datum angegeben und er habe gesagt, er wisse nicht, wo
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er sich befinde. Fast gleichzeitig sei er aber in der Lage gewesen zu berichten, dass er
zweiwöchentlich in psychiatrischer Behandlung sei, und er habe den Namen des Arztes
sowie die Bezeichnung und Dosierung der Medikamente angeben können. Diese
Inkonsistenz sei nicht zu vereinbaren gewesen mit einer etwaigen zeitlichen oder
örtlichen Desorientiertheit. Auffassungsstörungen hätten nicht vorgelegen, denn der
Versicherte habe die gestellten Fragen verstanden und er habe sich ausreichend
konzentrieren können. Subjektiv hätten starke Einschränkungen des
Langzeitgedächtnisses bestanden. Das habe aber wegen der inkonsistenten
Untersuchungsbefunde nicht geklärt werden können. Der Versicherte habe sich nicht in
der Lage gesehen, bereits drei kurze Begriffe wörtlich zu wiederholen. Das
Langzeitgedächtnis sei nachweislich nicht beeinträchtigt gewesen. Das formale Denken
sei bis auf eine leichte Verlangsamung und die Angabe häufigen Grübelns über die
Krankheiten nicht auffällig gewesen. Es habe keine Hinweise auf Zwangs- oder
Wahnsymptome gegeben. Die affektive Resonanzfähigkeit sei voll gegeben gewesen.
Subjektiv habe eine ausgeprägte Störung der Vitalgefühle mit dauernder Müdigkeit und
Lustlosigkeit bestanden. Der Versicherte habe häufige Traurigkeit mit Weinen
angegeben, was aber nicht habe objektiviert werden können. Der Versicherte sei
hochgradig klagsam und jammerig gewesen und habe über seine verschiedenen
körperlichen Erkrankungen berichtet. Der Antrieb sei leicht gesteigert gewesen. Der
Versicherte sei motorisch unruhig gewesen und im Zimmer umhergegangen. Auf
energische Aufforderung hin habe er sich dann aber wieder auf seinen Stuhl gesetzt.
Auffallend seien demonstrativ-angestrengte Blickfixierungen nach oben oder in die
Ferne mit verkrampften Mund- und Zungenbewegungen im Rahmen solcher Episoden
oder bei einfachen Fragen gewesen. Insgesamt habe sich der Eindruck eines
inkonsistenten Verhaltensablaufs mit theatralischen und gleichzeitig suggestiblen
Anteilen ergeben, denn der Versicherte habe auf energisch-deutliche Anweisungen hin
sein Verhalten wieder umstellen und der Situation anpassen können. An zirkadianen
Störungen hätten sich nächtliche Unruhe und Schlafwandeln erheben lassen. Bei
ausgeprägtem Krankheitsgefühl hätten ein sozialer Rückzug und eine anhaltende
Gereiztheit bestanden. Bei der zweiten Untersuchung (mit Dolmetscher) sei der
Versicherte zu Ort, Zeit und Person voll orientiert gewesen. Lediglich bezüglich des
Wochentags sei er etwas unsicher gewesen. Die Auffassung sei nicht gestört gewesen.
Zur Prüfung der Konzentration sei eine einfache Subtraktionsaufgabe (100 - 7, 93 - 7
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usw.) gestellt worden. Diese sei bereits beim ersten Schritt abgebrochen worden
(Antwort: 86). Auf die Frage, was 2 + 2 ergebe, habe der Versicherte 2 angegeben. Als
Begründung habe er auf die mangelnde Schulbildung verwiesen. Von drei vorgesagten
Begriffen (Zitrone, Schlüssel, Ball) habe er nach 10 L._. keinen mehr erinnert, wobei
er erstaunt gewesen sei und angegeben habe, er könne sich an die Frage selbst nicht
mehr erinnern. Das formale Denken sei leicht verlangsamt und grübelnd gewesen. Das
gereizt-aggressive, leicht depressiv gefärbte Zustandsbild bei guter affektiver
Schwingungsfähigkeit sei gegenüber der ersten Untersuchung nicht verändert
gewesen. Die motorische Unruhe und die hochgradige Klagsamkeit seien ebenfalls
unverändert gewesen. In ihrer Zusammenfassung hielt die Gutachterin fest, die Frage,
ob es ihm seit 2007 schlechter gehe, habe der Versicherte zwar bejaht, aber er habe
sich dabei auf die Gesamtheit seiner Beschwerden und nicht explizit auf ein
psychisches Leiden bezogen, obwohl sich objektiv nur im psychischen Bereich neue
Befunde ergeben hätten. Diese stammten aus der ambulanten und der stationären
Behandlung. Sie zeigten für 2008 und 2009 übereinstimmend eine mittelgradige
depressive Störung. Deshalb sei es möglich, dass der Versicherte vorübergehend an
einer depressiven Störung gelitten habe. Aus psychiatrischer Sicht habe spätestens zu
den Untersuchungszeitpunkten (21. Juni und 19. Juli 2010) keine depressive Störung
mehr bestanden. Es liege eine neurasthenische Störung vor, die durch eine anhaltende
körperliche Schwäche und Erschöpfung bereits nach geringen Anstrengungen und
durch eine gesteigerte Ermüdbarkeit charakterisiert sei. Der Versicherte leide unter
Schwindelgefühlen, Spannungskopfschmerzen, anhaltenden Schlafstörungen,
Reizbarkeit und leichten depressiven Symptomen, die aber keiner schwereren
depressiven Störung entsprächen. Die mangelnde therapeutische Wirksamkeit der
Antidepressiva sei darauf zurückzuführen, dass gar keine depressive Erkrankung
vorliege. Psychopathologisch zeigten sich keine Veränderungen zu den im RAD-Bericht
vom 27. März 2007 festgestellten Befunden. Die Alltagsaktivitäten und die
Tagesstrukturen seien nahezu gleich geblieben. Zusammenfassend lägen keine
Faktoren vor, die unwillentliche psychische Faktoren bzw. deren Einschränkungen und
damit eine mögliche psychische Erkrankung, welche die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigen würde, beträfen. Die im Rahmen der Neurasthenie bestehenden
Beschwerden seien nicht so ausgeprägt, dass sie eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit
rechtfertigen würden. Der psychopathologische Befund mit seinen Inkonsistenzen und
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den demonstrativen und appellativen Verhaltensstrukturen sowie der
Behandlungsverlauf sprächen nicht für eine Dominanz unwillentlicher,
bewusstseinsferner Anteile, die Krankheitswert hätten. Die Limitierungen und
Hindernisse seien willentlich überwindbar. Die in mehreren Berichten gestellte
Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung widerspreche nicht der 2007 und
aktuell wieder gestellten Diagnose einer Neurasthenie, denn es sei möglich, dass der
Versicherte vorübergehend an einer depressiven Störung gelitten habe. Die Symptome
einer Neurasthenie seien nämlich durchgehend vorhanden gewesen und hätten sich
nur im Ausprägungsgrad vorübergehend verändert.
B.b Dr. med. G._ vom RAD qualifizierte dieses Gutachten als in sich
widerspruchsfrei, schlüssig und plausibel nachvollziehbar (IV-act. 103). Anhand der
Berichte der Klinik F._ und des Psychiatrie-Zentrums J._ könne davon
ausgegangen werden, dass die depressive Störung im Maximum von Januar 2009 bis
Juni 2010 gedauert habe. Die IV-Stelle nahm einen Einkommensvergleich vor, bei dem
sie - ausgehend von einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 0% - für das Validen- und für
das zumutbare Invalideneinkommen denselben Betrag einsetzte, so dass sich keine
Invalidität ergab (IV-act. 106). Mit einem Vorbescheid vom 22. Juni 2011 kündigte sie
dem Versicherten die Abweisung seines "Erhöhungsgesuchs" an (IV-act. 109). Der
Versicherte liess am 29. August 2011 einwenden (IV-act. 110), gemäss der
Einschätzung des RAD habe ab Januar 2009 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bestanden. Demnach habe er ab Januar 2010 einen Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, die frühestens ab Oktober 2010 auf wenigstens eine halbe
Invalidenrente herabgesetzt werden dürfe. Die somatische Seite des
Gesundheitszustands sei seit viereinhalb Jahren nicht abgeklärt worden, obwohl eine
chronische Verschlechterung geltend gemacht werde. Er verlange eine umfassende
Abklärung bei der MEDAS St. Gallen. Dabei müssten richtige MRI der LWS angefertigt
werden. Ausserdem seien ein Belastungs-EKG, eine Lungenfunktionsprüfung und eine
Begutachtung der kognitiven Leistungsfähigkeit durchzuführen. Der Eingabe des
Versicherten lag ein Schreiben von med. prakt. I._ von den Psychiatrie-Diensten vom
15. August 2011 bei (IV-act. 111). Letztere hatte darin ausgeführt, sie habe zusammen
mit dem Sohn des Versicherten die somatische Anamnese und den somatischen
Behandlungsablauf in den letzten drei Jahren nochmals genau eruiert. Das klinische
Bild mache es wahrscheinlich, dass sich die somatische Situation in dieser Zeit
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tatsächlich stark verschlechtert habe. Es sei unabdingbar, die kardiale
Leistungsfähigkeit und die orthopädische Schmerzsituation fachärztlich abzuklären.
Das gelte auch für die Lungenfunktion. Zudem werde eine neurologische Testung
erfolgen. Mit einer Verfügung vom 9. September 2001 wies die IV-Stelle das
"Erhöhungsgesuch" ab (IV-act. 112).
C.
C.a Der Versicherte liess am 3. Oktober 2011 Beschwerde erheben und die Zusprache
einer ganzen Invalidenrente rückwirkend ab Januar 2010 und mindestens einer halben
Invalidenrente rückwirkend ab Oktober 2010 beantragen; eventualiter sei die
Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(act. G 1). Zur Begründung machte der Rechtsvertreter insbesondere geltend, die
angefochtene Verfügung werfe dem Beschwerdeführer vor, er habe bei der
Neuanmeldung nur eine Verschlechterung seines psychischen Gesundheitszustands
angegeben. Das treffe zwar "vordergründig" zu, habe die Beschwerdegegnerin aber
nicht von der "somatischen Abklärungspflicht" entlastet. Die Akten enthielten
genügend Anhaltspunkte dafür, dass sich der somatische Zustand in den letzten
Jahren erheblich verschlechtert habe, so dass die Beschwerdegegnerin entsprechende
Abklärungen hätte vornehmen müssen. Nötig sei eine Begutachtung in neurologisch/
rheumatologischer, kardiologischer und neuropsychologischer Hinsicht durch die
MEDAS. Zudem stehe fest, dass bis Sommer 2010 ein Arbeitsunfähigkeitsgrad von
100% aus psychiatrischer Sicht bestätigt sei.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 4. November 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie machte sinngemäss geltend, der Beschwerdeführer habe
nur glaubhaft gemacht, dass eine psychische Verschlechterung eingetreten sei. Das sei
allerdings nur temporär der Fall gewesen. Aus somatischer Sicht habe der
Beschwerdeführer nichts geltend gemacht. Er sei der Ansicht, dass kostenintensive
Abklärungen nötig seien, auch wenn es keine objektiven Anhaltspunkte für
Verschlechterungen in somatischer Hinsicht gebe. Es wäre sinnvoll gewesen, wenn der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers einen Bericht des Hausarztes eingereicht
hätte. Im Übrigen seien anhaltende Schmerzstörungen nicht invalidisierend. Es sei
deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer immer noch zu 36% invalid
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sei. Da ein Rentenanspruch aufgrund des Anmeldedatums frühestens ab Juli 2010
bestehen könne, bestehe zum Vornherein kein zeitlich beschränkter Rentenanspruch
für die Zeit davor.
C.c In der Replik vom 16. Februar 2012 (act. G 12) liess der Beschwerdeführer darauf
hinweisen, dass gemäss dem Bericht von med. prakt. I._ vom 15. August 2011 der
Eindruck bestanden habe, der Allgemeinzustand und die somatische
Beschwerdesymptomatik hätten sich erheblich verschlechtert. In einem Bericht der
Uniklinik Balgrist vom 23. September 2011 werde eine Nervenwurzelschädigung im
LWS-Bereich erwähnt. Damit sei eine schwere organische Erkrankung als Ursache der
Schmerzen nachgewiesen. Die neuropsychologische Testung habe den dringenden
Verdacht auf ein hirnorganisches Syndrom ergeben. Eine weitergehende neurologische
Abklärung sei notwendig. Gemäss einem Bericht von Dr. med. K._ über eine
kardiologische Abklärung vom 14. September 2011 (act. G 12.4) waren die geklagten
belastungsabhängig auftretenden stichartigen Thoraxschmerzen als funktionelle
muskuloskelettale Beschwerden zu werten. Im Übrigen bestanden keine objektivierten
Hinweise für das Vorliegen einer relevanten koronaren Perfusionsstörung. PD Dr. med.
L._, Wirbelsäulenchirurgie, hatte am 23. September 2011 berichtet (act. G 12.3), er
habe eine chronische Lumboischialgie und einen St. n. Dekompression L5/S1 von
rechts (1999) diagnostiziert. Es bestünden chronische Schmerzen seit der Operation
1999. Der Beschwerdeführer mache einen stark leidenden Eindruck. Das aktuelle MRI
habe keine morphologischen Befunde ergeben, die eine aktuelle Wurzelkompression
erklären würden. Nicht auszuschliessen seien neurogene Schmerzen bei
Nervenwurzelschädigung von früher. Dies könne jedoch nur im Rahmen einer
neurologischen Untersuchung differenziert werden. Gemäss einem Bericht von M._,
M.Sc. in Psychologie, vom 15. September 2011 (act. G 12.2) hatte keine validierbare
neuropsychologische Testung erfolgen können. Die Untersucherin gab an, die Testung
sei durch die dürftigen Deutschkenntnisse, die mangelnde Konzentrationsfähigkeit und
die als schwer einzuschätzende Auffassungsstörung verunmöglicht worden. Die Fragen
zur Schul- und Berufsausbildung und zu den subjektiven Beschwerden hätten vom
Beschwerdeführer nur vage und in knappen Worten beantwortet werden können. Das
Aufgabenverständnis sei stark beeinträchtigt gewesen. Der Beschwerdeführer habe
selbst einfachste Aufgabenstellungen nicht verstanden. Er habe zwar die Instruktion
des Sub-Tests "Symbole zählen" verstanden, aber er habe sich deutlich verzählt. Die
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Tempoleistung sei weit unterdurchschnittlich gewesen. Beim Interferenz-Untertest
habe das Instruktionsverständnis gefehlt. Der Beschwerdeführer habe eine wahllose
Buchstabenfolge aufgesagt, die nicht verwertbar gewesen sei. Aus der
Verhaltensbeobachtung erscheine eine zerebrale Insuffizienz wahrscheinlich. Beim TMT
sei der Beschwerdeführer nicht imstande gewesen, die Zahlen in aufsteigender
Reihenfolge miteinander zu verbinden, ohne dass es zu Auslassungen gekommen
wäre. Beim Testlauf hätten dem Beschwerdeführer viele Hilfestellungen gegeben
werden müssen, damit er den Test habe beenden können. Die Zeitlimite sei deshalb
weit überschritten worden. Med. prakt. I._ hatte am 6. Oktober 2011 gegenüber dem
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ausgeführt (act. G 12.1), die neuen Diagnosen
lauteten: Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren und
dringender Verdacht auf ein hirnorganisches Syndrom mit Verhaltensstörungen und
eingeschränkter kognitiver Leistungsfähigkeit. Der Ursprung der Schmerzproblematik
sei nämlich eine ausreichend schwere organische Erkrankung und nicht ein
depressives Zustandsbild gewesen. Das habe zu einer reaktiven psychischen Störung
geführt. Da der Beschwerdeführer bei der Behandlung in den letzten Monaten
insbesondere durch psychomotorische Unruhe, Vergesslichkeit und
Auffassungsstörungen aufgefallen sei, sei eine neuropsychologische Testung erfolgt,
welche die Existenz eines hirnorganischen Syndroms im Sinn einer zerebralen
Insuffizienz ergeben habe. Damit könnten die depressiven Episoden erklärt werden.
Nötig sei eine neurologische Abklärung der chronischen Schmerzproblematik der LWS
und des vermuteten hirnorganischen Syndroms in einer neurologischen Rehaklinik, um
die Arbeitsfähigkeit abzuklären. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine
Arbeitsfähigkeit mehr.
C.d Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht mehr vernehmen.

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung - dem Dispositiv
gemäss - ein Erhöhungsgesuch abgewiesen. Dass für die Formulierung des
Verfügungsdispositivs diese Wortwahl getroffen worden ist, kann nicht nachvollzogen
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werden, denn tatsächlich hat die Beschwerdegegnerin nicht ein Gesuch um die
Erhöhung einer früher rechtskräftig zugesprochenen, laufenden Invalidenrente, sondern
ein erneutes Rentengesuch, das nach einer früheren rechtskräftigen Abweisung eines
ersten Rentengesuchs gestellt worden ist, abgewiesen. Dazu muss sie vorher auf
dieses neue Rentengesuch eingetreten sein. Ist eine Rente wegen eines zu geringen
Invaliditätsgrads verweigert bzw. ein Rentengesuch abgewiesen worden, so wird eine
neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen des Eintretens auf ein
Rentenrevisionsgesuch (analog) erfüllt sind, d.h. wenn mit der Neuanmeldung glaubhaft
gemacht wird, dass eine anspruchserhebliche Änderung des Invaliditätsgrads
eingetreten ist (Art. 87 Abs. 4 i.V.m. Abs. 3 IVV, seit dem 1. Januar 2012 Art. 87 Abs. 3
i.V.m. Abs. 2 IVV). Gelingt es nicht, eine anspruchserhebliche Veränderung des
Invaliditätsgrads glaubhaft zu machen, erlässt die IV-Stelle eine
Nichteintretensverfügung. Entgegen dem Wortlaut der genannten
Verordnungsbestimmung ist nicht direkt eine Veränderung des Invaliditätsgrads
glaubhaft zu machen. Es genügt, wenn eine Veränderung eines für die
Invaliditätsbemessung relevanten Sachverhaltselements (i.d.R. des
Arbeitsfähigkeitsgrads) glaubhaft gemacht wird und daraus eine leistungsrelevante
Veränderung des Invaliditätsgrads resultieren kann. Die rechtskräftige Abweisung des
ersten Rentengesuchs des Beschwerdeführers beruhte auf einer Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Erwerbstätigkeit von 75%. Die Reduktion der Arbeitsfähigkeit hatte
ihre Ursache einzig in der Beeinträchtigung der somatischen Gesundheit. Mit der
Neuanmeldung im Januar 2010 hat der Beschwerdeführer depressive Episoden
geltend gemacht, die seit anfangs 2009 chronisch und stark aufträten. Diese Angaben
sind durch Berichte der Psychiatrie-Dienste Süd vom Herbst 2009 gestützt worden.
Damit war eine erhebliche Verschlechterung des Arbeitsfähigkeitsgrads und damit
indirekt des Invaliditätsgrads glaubhaft gemacht, so dass die Beschwerdegegnerin zu
Recht auf die Neuanmeldung eingetreten ist.
2.
2.1 Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf
von sechs Monaten nach der Geltendmachung des Rentenanspruchs nach Art. 29 Abs.
1 ATSG. Gemeint ist damit die Anmeldung zum Rentenbezug. Die Anmeldung des
Beschwerdeführers datiert vom 20./21. Januar 2010. Damit kann frühestens ab 1. Juli
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2010 ein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehen. Die von Dr. G._ vom RAD am 6.
April 2011 erwähnte vollständige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers zwischen
Januar 2009 und Juni 2010 kann demnach keinen Rentenanspruch begründen.
2.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit
nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern können (Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG), die während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen
sind (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) und die nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG), denn ein Rentenanspruch besteht erst ab diesem
Invaliditätsgrad (Art. 28 Abs. 2 IVG). Berufliche Eingliederungsmassnahmen kommen
allein schon aufgrund des Alters des Beschwerdeführers bzw. der verbleibenden
kurzen erwerblichen Aktivitätsdauer nicht in Frage. Ob medizinische Massnahmen
eingliederungsrelevant sein können, kann erst geprüft werden, wenn die Art und das
Ausmass der Beeinträchtigung der somatischen und der psychischen
Gesundheitsbeeinträchtigung feststeht. Grundlage der Prüfung der Erfüllung des
sogenannten Wartejahrs bildet die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
adaptierten Hilfsarbeit vor dem 1. Juli 2010. Die ab diesem Datum bestehende
Arbeitsfähigkeit bildet ein wichtiges Element bei der Invaliditätsbemessung. Dies
rechtfertigt es, zunächst die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Sachverhaltswürdigung in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in
einer adaptierten Hilfsarbeit auf ihre Rechtmässigkeit zu prüfen, d.h. es ist zu klären, ob
der Beschwerdeführer tatsächlich weiterhin in einer behinderungsadaptierten
Hilfsarbeit zu 75% arbeitsfähig ist, wie die Beschwerdegegnerin im
Beschwerdeverfahren sinngemäss eingeräumt hat.
2.3 Die Beschwerdegegnerin hat die bei der Prüfung der ersten Anmeldung zum
Rentenbezug festgestellten somatischen Probleme, die damals dazu geführt hatten,
dass auch für eine behinderungsadaptierte Tätigkeit nur eine Arbeitsfähigkeit von 75%
bestanden hatte, im Rahmen der Prüfung der zweiten Anmeldung ignoriert. Sie hat sich
auf das Ergebnis einer Abklärung des psychischen Gesundheitszustands gestützt, wie
wenn nur in diesem Bereich eine Einschränkung vorgelegen hätte. Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die
Untersuchungspflicht gemäss Art. 43 ATSG unabhängig von der mit der
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Neuanmeldung glaubhaft gemachten Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustands auch den somatischen Gesundheitszustand betroffen hat, denn
angesichts der Art der im ersten Verwaltungsverfahren ermittelten Beeinträchtigungen
bestand durchaus die Möglichkeit, dass seither auch in dieser Hinsicht eine
Verschlechterung eingetreten sein könnte. Die Beschwerdegegnerin hätte also auch
eine Verlaufsbegutachtung in Bezug auf die Wirbelsäulenproblematik und die kardiale
Situation vornehmen müssen. Da weder die Neuanmeldung noch das Gutachten von
med. prakt. H._ Hinweise auf eine objektiv bestehende zerebrale Problematik
enthalten haben, hat diesbezüglich keine Abklärungspflicht bestanden. Dem
Einkommensvergleich zur Ermittlung des Invaliditätsgrads ist ein Arbeitsfähigkeitsgrad
von 100% zugrunde gelegt worden, weil med. prakt. H._ aus der Sicht ihres
Fachgebiets keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festgestellt hatte. Erst im
Rahmen des Beschwerdeverfahrens hat die Beschwerdegegnerin eingeräumt, dass der
Arbeitsfähigkeitsgrad 75% betrage, so dass weiterhin von einem Invaliditätsgrad von
36% auszugehen sei. In der Beschränkung der medizinischen Abklärung auf den
psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ist eine Verletzung der
Untersuchungspflicht zu erblicken. Dies allein lässt die angefochtene Verfügung aber
noch nicht als rechtswidrig erscheinen. Das würde nämlich voraussetzen, dass die
angefochtene Verfügung als Folge der Verletzung der Untersuchungspflicht nicht auf
dem effektiv bestehenden Sachverhalt beruhen würde und somit inhaltlich falsch wäre.
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ist im Rahmen der laufenden
Behandlung weiter abgeklärt worden. Dessen Rechtsvertreter hat die entsprechenden
Berichte dem Gericht eingereicht. Gemäss dem Bericht über die kardiologische
Abklärung vom 14. September 2011 hat sich die Situation seit der Bypassoperation -
und damit auch seit der Abweisung des ersten Rentengesuchs - nicht verändert. In
Bezug auf die kardiale Beeinträchtigung kann die Verletzung der Untersuchungspflicht
also keinen Fehler bei der Invaliditätsbemessung bewirkt haben. Das gilt auch in Bezug
auf die orthopädische Seite der Wirbelsäulenproblematik. Gemäss dem
entsprechenden Bericht vom 23. September 2011 ist in einem neu erstellten MRI
nämlich weder eine Spinalkanalstenose noch eine Wurzelkompression zu erkennen
gewesen. Die klinische Untersuchung hat zwar einen Hinweis auf eine Einschränkung
ergeben, aber der Untersucher hat offen gelassen, ob diese mögliche Einschränkung
auf eine schmerzbedingte Minderinnervation des Fusshebers und -senkers rechts oder
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auf die mangelnde Kooperation des Beschwerdeführers zurückzuführen sei. Er hat
deshalb eine neurologische Abklärung empfohlen. Aus der Sicht seines Fachgebiets
hat er keine arbeitsfähigkeitsrelevante Beeinträchtigung festgestellt. Angesichts der
anlässlich der beiden psychiatrischen Untersuchungen durch med. prakt. H._ zutage
getretenen Aggravationstendenz des Beschwerdeführers muss davon ausgegangen
werden, dass auch die orthopädische Untersuchung vom 23. September 2011 durch
ein solches Verhalten des Beschwerdeführers beeinflusst worden ist. Die festgestellte
Einschränkung hat sich also mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aus der
mangelnden Kooperation des Beschwerdeführers ergeben, so dass sich eine
Abklärung allfälliger neurologischer Folgen der Wirbelsäulenbeeinträchtigung erübrigt.
Eine solche Abklärung würde keine Verschlimmerung gegenüber dem anlässlich der
RAD-Untersuchung vom 27. Februar 2007 ermittelten Befund aufzeigen, so dass davon
auszugehen ist, dass nicht nur aus orthopädischer, sondern auch aus neurologischer
Sicht keine die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit stärker als im Jahr 2007
beeinträchtigende Schädigung der Wirbelsäule vorliegt. Auch in dieser Hinsicht hat das
Unterbleiben einer Abklärung im Auftrag der Beschwerdegegnerin also im Ergebnis
keinen Fehler bei der Invaliditätsbemessung bewirkt. Med. prakt. I._ hat eine
chronische Schmerzstörung und nicht mehr eine depressive Erkrankung diagnostiziert,
weil die Schmerzproblematik durch eine ausreichend schwere organische Krankheit
und nicht durch ein depressives Zustandsbild ausgelöst worden sei. Diese Diagnose
beruht auf einem Irrtum in Bezug auf die Schwere der somatischen, insbesondere von
der Wirbelsäule ausgehenden Beschwerden. Die Abklärung durch den RAD im Jahr
2007 und die Abklärung durch med. prakt. H._ im Jahr 2010 zeigen deutlich, dass
die vom Beschwerdeführer immer wieder geklagten Beschwerden in ihrer Stärke weit
von der objektiven Beschwerdesituation abgewichen sind. Der Beschwerdeführer hat -
für die aus der Sicht nicht eines Therapeuten, sondern eines unabhängigen
Sachverständigen urteilenden Ärzte ohne weiteres erkennbar - seine Beschwerden
stark übertrieben geschildert. Med. prakt. I._ und M._, M.Sc. in Psychologie, haben
die Diskrepanz offenbar nicht erkannt und deshalb die geklagten massiven
Beschwerden fälschlicherweise als objektiv vorhanden betrachtet. Da der
Beschwerdeführer immer nur an Beschwerden gelitten hat, die weit weniger stark
gewesen sind, als er selber angegeben hat, überzeugt die Auffassung von med. prakt.
H._, dass es an einer schweren organischen Krankheit als Ursache einer
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Schmerzstörung fehle und dass von einer Neurasthenie auszugehen sei. Zu prüfen
bleibt, ob tatsächlich ein hirnorganisches Syndrom mit Verhaltensstörungen und einer
eingeschränkten kognitiven Leistungsfähigkeit vorliegt, wie med. prakt. I._
angenommen hat. Wenn diese Frage zu bejahen wäre, könnte wohl nicht an der
Diagnose einer Neurasthenie und auch nicht an der entsprechenden
Arbeitsfähigkeitsschätzung von med. prakt. H._ (100%) festgehalten werden. Ein und
dieselben Symptome sind von med. prakt. H._ und M._, M.Sc. in Psychologie,
vollkommen verschieden gewürdigt worden. Die Unfähigkeit des Beschwerdeführers,
beginnend mit 100 jeweils 7 zu subtrahieren oder 2 und 2 zusammenzuzählen, ist von
med. prakt. H._ als Aggravation/Simulation qualifiziert worden. Obwohl sie als
erfahrene Psychiaterin und Psychotherapeutin die Möglichkeit einer zerebralen
Insuffizienz hat in Betracht ziehen müssen, hat sie in ihrem Gutachten diese
Möglichkeit nicht einmal erwähnt. Für sie ist die Aggravation/Simulation also
offenkundig gewesen. Sie hat den Versuch des Beschwerdeführers, Beschwerden
vorzutäuschen, durchschaut. Das gilt nicht nur für die als Beispiel genannten
Fehlleistungen beim Rechnen, sondern auch für die übrigen demonstrierten
Einschränkungen wie z.B. die angebliche Unfähigkeit, drei kurze Begriffe zu
wiederholen oder sich auch nur an die entsprechende Frage zu erinnern, sowie
motorische Unruhe, die med. prakt. H._ (nicht aber M._, M.Sc. in Psychologie)
immer hat unterbinden können, indem sie den Beschwerdeführer energisch
aufgefordert hat, sich hinzusetzen. Die von M._, M.Sc. in Psychologie, geschilderte
massive Auffassungsstörung ist von med. pract. H._ nicht festgestellt worden. Bei ihr
hat der Beschwerdeführer die Aufgabenstellungen verstanden. Der Bericht von M._,
M.Sc. in Psychologie, enthält kein Indiz dafür, dass an die Möglichkeit einer
Aggravation/Simulation auch nur gedacht worden wäre. Das Verhalten des
Beschwerdeführers während der Abklärung scheint ohne weiteres im gezeigten
Umfang als zerebral bedingt gewürdigt worden zu sein, obwohl die seit Jahren
andauernde ambulante und auch stationäre psychiatrische Behandlung nie eine
zerebrale Störung aufgezeigt hatte. Unter diesen Umständen kann der
neuropsychologischen Diagnose - und damit auch der psychiatrischen Diagnose und
der Arbeitsfähigkeitsschätzung durch med. prakt. I._ - keine Überzeugungskraft
beigemessen werden. Die entsprechenden Berichte vermögen auch keine Zweifel an
der Richtigkeit der Angaben von med. prakt. H._ zu wecken. Demnach steht auch in
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psychiatrischer und neuropsychologischer Hinsicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer nicht stärker in
seiner Gesundheit beeinträchtigt ist als zum Zeitpunkt der RAD-Untersuchung bzw. der
Abweisung seines ersten Rentengesuchs.
2.4 Zusammenfassend steht fest, dass der Arbeitsfähigkeitsgrad des
Beschwerdeführers nach wie vor 75% beträgt. Da auch die übrigen Elemente des
Einkommensvergleichs keine Veränderung erfahren haben, ist entsprechend der
höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. etwa BGE 133 V 108 ff. E. 5.2 m.H.) davon
auszugehen, dass der Invaliditätsgrad nach wie vor 36% beträgt, wie das Gericht in
seinem Entscheid vom 6. Januar 2009 festgestellt hatte. Da bei diesem Invaliditätsgrad
kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht, hat die Beschwerdegegnerin die erneute
Anmeldung zum Rentenbezug zu Recht abgewiesen.
3.
Da sich die angefochtene Verfügung als rechtmässig erweist, ist die gegen sie
erhobene Beschwerde abzuweisen. Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung, weshalb auch das entsprechende Begehren
abzuweisen ist. Da ihm am 30. November 2011 die unentgeltliche Rechtspflege
bewilligt worden ist, hat sein Rechtsbeistand einen Anspruch auf eine Entschädigung
durch den Staat. Diese Entschädigung beträgt gemäss Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen
Anwaltsgesetzes 80% der Entschädigung, die bei einem Obsiegen geschuldet wäre.
Der Fall des Beschwerdeführers ist dem Rechtsbeistand bereits aus dem früheren
Beschwerdeverfahren bekannt gewesen. Das bedeutet, dass insbesondere das
Aktenstudium weniger Zeit in Anspruch genommen hat. Die entsprechende
Zeitersparnis wird aber dadurch kompensiert, dass der Rechtsbeistand die während
des Beschwerdeverfahrens weiterlaufende medizinische Behandlung verfolgt und die
entsprechenden Berichte dem Gericht eingereicht hat, womit er teilweise eine
Verletzung der Untersuchungspflicht der Beschwerdegegnerin im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens kompensiert hat. Dies rechtfertigt es, doch von einem
durchschnittlichen Vertretungsaufwand auszugehen, der praxisgemäss mit einer
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
decken wäre. Der Staat hat den Rechtsbeistand also mit Fr. 2'800.-- zu entschädigen.
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Der unterliegende Beschwerdeführer hätte an sich für die Kosten des
Beschwerdeverfahrens aufzukommen. Angesichts des durchschnittlichen
Beurteilungsaufwands ist die Gerichtsgebühr auf Fr. 600.-- festzusetzen. Zufolge der
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege wird der Beschwerdeführer aber von der
Bezahlung dieser Gebühr befreit. Er wird aber darauf hingewiesen, dass er nachträglich
zur Bezahlung dieser Gebühr und zur Rückzahlung der seinem Rechtsbeistand
ausgerichteten Entschädigung verpflichtet werden kann, wenn seine wirtschaftlichen
Verhältnisse dies in Zukunft einmal erlauben sollten (Art. 99 Abs. 2 VRP/SG i.V.m. Art.
123 Abs. 1 ZPO).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP