Decision ID: f1d60005-29cc-4ef8-bb2b-37128b912b78
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
96
, ist bei der
Assura
-Basis SA (nachfolgend
Assura
) obligatorisch
krankenpflegeversichert (Urk. 8
/1).
Im Jahr 2008 erlitt
er
einen septischen Schock mit Mul
t
iorganbeteiligung und verlor
in der Folge
beide Unterarme und beide Unterschenkel.
Es fand eine prothetische Versorgung des
Versicherte
n
statt
(
Urk.
3
/1-3,
Urk.
13/
101-105
)
.
Mit Schreiben vom
2
2.
Februar
2018
ersuchte der Versicherte die
Assura
um Kostenübernahme für eine Handtransplantation, welche am
Y._
in Philadelphia durchgeführt werden sollte (
Urk.
8/
13
). Nach Vorlage der Akten an ihre Vertrau
e
nsärztin,
Dr.
med.
Z._
,
praktische Ärztin und Ärztin für Arbeitsmedizin
, verneinte die
Assura
mit Schreiben
vom 1
9.
März und 2
4.
April 2018
die Kostenübernahme für den beantragten Eingriff
(
Urk.
8/10,
Urk.
8/12
)
.
Nachdem sich d
er Versicherte mit Schreiben vo
m
1
7.
April und
1
4.
Mai 2018
(Urk.
8/9
,
Urk.
8/11
) gegen den abschlägigen Bescheid der
Assura
gewandt hatte,
hielt die
Assura
mit
Verfügung vom
4
.
Juli
2018 (Urk.
8/6
) an ihrem ablehnenden Entscheid fest.
Die vom Versicherten am 3
0.
August 2018 erhobene Einsprache, worin er die Kostenübernahme für die beidseitige Handtransplantation im
Y._
und eventuell die Kostenübernahme für die Durchführung eines individuellen Heilversuches in der Schweiz beantragte (Urk.
8/5
), wies
die
Assura
mit
Einsprachee
nts
cheid
vom 2
4.
Oktober 2018
(Urk.
8/3
= Urk. 2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am
26
.
November 2018
Beschwerde gegen den
Einsprache
entscheid
vom
24
.
Oktober
201
8
(Urk. 2) und beantragte, dieser sei
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Kosten der beid
seitigen Handtransplantation am
Y._
(USA) zu über
nehmen. Eventuell sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die Kosten einer beidseitigen Handtransplantation am
A._
in der Schweiz zu übernehmen (
Urk.
1 S. 2).
Die
Assura
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
6
.
Januar
2019 die Abweisung der Beschwerde (Urk.
7
).
Dies wurde dem Beschwerdeführer am 19.
März 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
9).
Mit Gerichtsverfügung vom 20.
März 2019 wurden die Akten der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich in Sachen des Beschwerdeführers
beigezogen (
Urk.
10)
.
Mit
Schreiben vom 2
1.
März 2019
ersuchte das Gericht
d
as
Bundesamt für Gesundheit (BAG)
um Beantwortung der gestellten Fragen
(
Urk.
11). Am 1
5.
April 2019 (
Urk.
17) reichte der Beschwerdeführer einen Bericht aus einer Zeitschrift ein (
Urk.
18)
. Mit Schreiben vom
2.
Mai 2019 (
Urk.
19) beantwortete das BAG die gestellten Fragen.
Mit Gerichtsverfügung vom
2.
Juli 2019 wurden der Beschwerdegegnerin die beigezogenen Akten (
Urk.
13/1-470) zur Einsicht sowie die Eingabe
n
des Beschwerdeführers
und des BAG
(
Urk.
17-19) zur Kenntnis zugestellt (
Urk.
22). Am
9.
Juli 2019 wurde dem Beschwerdeführer eine Kopie der Eingabe des BAG (
Urk.
19) zugestellt (
Urk.
24).
Am 1
5.
August 2019 erfolgte eine Instruktionsverhandlung, anlässlich welcher sich die Parteien einigten, bei
Prof.
Dr.
med.
B._
, Chefärztin Hand
chirurgie und Chirurgie der peripheren Nerven, Klinik für Plastische und Hand
chirurgie,
C._
,
D._
,
ein Gutachten einzuholen (Protokoll S.
5
).
Am 1
4.
April 2020 erstattete Prof.
B._
ihr Gutachten (
Urk.
37, Urk.
38/1-7),
zu welchem
die Beschwerdegegnerin am
5.
Juni 2020 (
Urk.
42) und der Beschwerdeführer am 2
6.
August 2020 (
Urk.
47) Stellung nahmen.
Am 7.
Sep
tember 2020 wurden die Eingaben der Parteien der Gegenpartei zur Kenntnis
nahme zugestellt (
Urk.
48).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) übernimmt die obligatorische Krankenversicherung die Kosten für die Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen. Art. 25 Abs. 2 KVG enthält einen Katalog von Leistungen, die unter die Über
nahmepflicht der Krankenversicherer fallen.
1.2
Die Übernahmepflicht des Krankenversicherers wird durch Art. 32 Abs. 1 KVG begrenzt. Danach sind nur jene Leistungen zu vergüten, welche wirksam,
zweck
mässig
und wirtschaftlich sind (
sogenannte WZW-Kriterien
), wobei die Wirksam
keit nach wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen sein muss.
Eine Leistung ist wirksam, wenn sie geeignet ist, das angestrebte diagnostische oder therapeutische Ziel zu erreichen (BGE 137 V 295 E. 6.1). Die
Zweckmässig
keit
fragt nach dem diagnostischen oder therapeutischen Nutzen der Anwendung im Einzelfall unter Berücksichtigung der damit verbundenen Risiken, gemessen am angestrebten Heilerfolg der möglichst vollständigen Beseitigung der körper
lichen oder psychischen Beeinträchtigung sowie allenfalls an der Missbrauchs
gefahr (BGE 137 V 295 E. 6.2). Das
Wirtschaftlichkeitserfordernis
bezieht sich auf die Wahl unter mehreren
zweckmässigen
Diagnose- oder Behandlungs
alternativen. Bei vergleichbarem medizinischem Nutzen ist die kostengünstigste Variante beziehungsweise diejenige mit dem besten Kosten/Nutzen-Verhältnis zu
wählen. Wo es nur eine Diagnose- oder Behandlungsmöglichkeit gibt, ist nach dem allgemeinen Grundsatz der
Verhältnismässigkeit
(Art. 5 Abs. 2 der Bundes
verfassung, BV) die Leistung zu verweigern, wenn zwischen Aufwand und Heil
erfolg ein grobes Missverhältnis besteht (BGE 136 V 395 E.
7.4; vgl.
Eugster
, Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, SBVR, 3. Auflage, 2016, S. 507 ff.).
2.
2.1
Wie bereits im Beschluss vom 3
1.
Oktober 2019 festgehalten, beschränkt das Gericht das Beweisthema nachfolgend einstweilen auf die Frage, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf die
Durchführung der gewünschten Op
eration zulasten der obligatorische
n
Kra
nkenpflegeversicherung in der Schweiz hat (
Urk.
30
Ziff.
4), weshalb auf den Anspruch
und die entsprechenden Vorbringen
des Beschwerdeführers auf Durchführung der Händetransplantation
im Ausland, namentlich in den USA,
nachfolgend nicht
näher
eingegangen wird.
Strittig und zu prüfen ist
demnach
, ob
die vom Beschwerdeführer beantrag
t
e beidseitige Händetransplantation die Kriterien der Wirksamkeit,
Zweckmässigkeit
und Wirtschaftlichkeit
gemäss
Art.
32
Abs.
1 KVG (vorstehend E. 1.2)
erfüllt.
2.2
Die Beschwerdegegnerin begründete den
Einspracheentscheid
(
Urk.
2)
damit,
dass auf die vertrauensärztliche
Einschätzung von
Dr.
Z._
abgestellt werden
könne
. Demnach sei
eine Handtransplantation mit einer
lebenslangen Immun
suppression
verbunden, welche Nebenwirkungen
wie etwa Herzrhythmus
störungen, schwere Infekt-Anfälligkeit und Malignome
hervorrufe und
zu einer deutlichen Verkürzung der Lebenserwartung der Patienten
fü
hren könn
e
(S. 3
Ziff.
3.2
, S. 6
Ziff.
6
).
Weiter sei die Datenlage zu den Langzeitverläufen der bisher durchgeführten H
andtransplantationen ungenügend.
D
as erforderliche Kriterium der Zweckmässigkeit
sei
vorliegend nicht erfüllt (S. 4 f.
Ziff.
3.3-3.4).
Ebenso
wenig sei das Kriterium der
Wirtschaftlichkeit erfüllt (S. 5
Ziff.
4).
Auch
seien
die
Voraussetzungen für eine Kostenübernahme für eine Behandlung im Ausland nicht
gegeben
(S. 5 f.
Ziff.
5).
2.3
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass bei ihm nicht nur beide Unterarme
,
sondern auch beide Unterschenkel hätten amputiert werden müssen und sich bei ihm eine Handtransplantation besonders positiv auswirken würde, indem dadurch seine maximale Abhängigkeit von Dritt
personen wesentlich reduzie
rt werden könnte
.
Zudem wiesen transplantierte Hände im Vergleich zu Prothesen den immensen Vorteil eines sensiblen und motorisch kontrollierbaren Organs auf (S. 6
Ziff.
10-11).
Überdies sei auch die
Tragezeit von Prothesen beschränkt
(
S. 6
f.
Ziff.
12
).
Wenn sein Leidensdruck nicht enorm gross wäre, würde er sich nicht diesem Risiko einer beidseitigen Handtransplantation aussetzen, welche in der Tat eine lebenslange Immun
suppression inklusive deren Nebenwirkungen zur Folge habe
. Es gebe keine gleichwertige Alternative, und eine solche bestehe insbesondere nicht in der prothetischen Versorgung (S. 7
f.
Ziff.
14).
Zudem sei die Argumentation der Beschwerdegegnerin was die Immunsuppressio
n
anbelange
nicht überzeugend
,
und es sei
ein Gesuch beim
BAG
um Bewilligung für ein Projekt betreffend lokale Immunsuppression hängig
(S. 8
f.
Ziff.
16
-1
8
).
Auch leuchte die Differenzierung zur Nierentransplantation nicht ein (S. 9
Ziff.
19). Soweit die Beschwerdegegnerin vorbringe, dass die Möglichkeit bestehe, dass sich unter Immunsuppression über Jahrzehnte Malignome entwickeln könnten, gelte dies für alle Transplantationen. Zudem sei es seinem Entscheid zu überlassen, ob er sich, sofern den
n noch
not
wendig, einer Immunsuppression mit den damit einhergehenden Neben
wirkungen unterziehen und ob er das Risiko eine
s
Malignoms
eingehen wolle (S.
9 f.
Ziff.
20)
. Auch das Kriterium der Wirtschaftlichkeit sei vorliegend erfüllt, da im Falle einer Transplantation infolge der Reduktion seiner Abhängigkeit von Drittpersonen und seiner Verbesserung der Erwerbsfähigkeit massiv Kosten ein
gespart werden könnten. Es sei unberücksichtigt geblieben
, dass Handprothesen an raschen Verschleisserscheinungen litten und mehrmals jährlich erneuert werden müssten (
S. 6 f.
Ziff.
12,
S. 10 f.
Ziff.
23-26).
Demnach
sei das Kriterium der Wirtschaftlichkeit
wie auch
jenes der Zweckmässigkeit
erfüllt
(S. 11
Ziff.
27).
Da davon auszugehen sei,
dass eine Händetransplantation in der Schweiz nicht
durchgeführt werden könne
, seien die Kosten für eine solche am
Y._
in Philadelphia von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen, zumal die
Voraussetzungen
e
rfüllt seien (S. 11 ff.
Ziff.
29-33
).
2.4
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
7) führte die Beschwerdegegnerin aus, dass bei einer erfolgreichen Handtransplantation zwar eine vermehrte Unabhängigkeit zu erwarten sei,
jedoch diese Vor
teile die erheblichen Nachteile
wie die lebenslange Immunsuppression, den mangelnden Wirksamkeitsnachweis und die ethischen Bedenken nicht wettzumachen vermöchten (S. 3
Ziff.
2). Zudem würden bei der Transplantation von Extremitäten unterschiedliche Gewebetypen übertragen. Die Funktionalität sei nicht wie beispielsweise bei einer Nierentransplantation
kurz nach dem Eingriff
unmittelbar auf Normalniveau gegeben. Es bedürfe vielmehr einer langwierigen, etwa ein bis zwei Jahre dauernden intensiven
Rehabilitation
,
um eine Funktionalität auf Prothesenniveau zu erreichen (S. 4
Ziff.
3).
Aktuell ste
he
die vom Beschwerdeführer genannte Behandlungsmethode der lokalen Anwendung von immunsuppressiven Medikam
enten noch nicht zur Ver
fügung
(S. 4 f.
Ziff.
4)
. Sämtliche weltweit verfügbaren gesundheits
ökonomischen Betrachtungen ergäben, dass die Kosten der Handtransplantation die Kosten einer Prothesenversorgung weit überstiegen. Auch der Verschleiss der Prothesen sei bereits in diesen Folgekosten einkalkuliert. Die vom Beschwerde
führer weiter gelte
nd gemachten anfallenden Kosten
wie
Hilflosen
ent
schädigung
, Renten
leistungen
und
Mehrkosten für Begleitpersonen/Transport
seien für die vor
liegende Beurteilung der anfallenden Kosten im Bereich der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung
irrelevant (S. 5
Ziff.
6).
3.
3.1
Anhand des von
Prof.
B._
am 1
4.
April 2020
erstatteten Gerichtsgutachten
s
(
Urk.
37) ist nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin eine Leistungs
pflicht für die vom Beschwerde
führer beantragte beidseitige Hand
transplantation trifft und damit
namentlich
, ob
dieser Eingriff gemäss Art.
32
Abs.
1 KVG die
WZW-
Kriterien erfüllt
(vorstehend E. 1.
2
)
.
Anzumerken ist an dieser Stelle
, dass die
Begutachtung
des Beschwerdeführers
durch Prof.
B._
am
2
6.
März 2020 mit dessen Einverständnis aufgrund der Covid-19 Pandemie lediglich mittels Audio- und Videoübertragung stattgefunden hat (
Urk.
37 S. 1). Da sich
nachfolgend
die wesentlichen Fragen
anhand der allgemein gehaltenen Ausführungen von Prof.
B._
abschliessend
beantwor
ten lassen, schmälert die nicht
stattgefundene direkte
Untersuchung des Beschwerdeführers den Beweiswert
ihres
Gutachtens
nicht.
3.2
Den Schilderungen des Beschwerdeführers in seiner Beschwerdeschrift (vor
stehend E. 2.
3
) aber auch dem Gutachten von Prof.
B._
lässt sich
zur jetzigen Situation des Beschwerdeführers
entnehmen,
dass
er
ausser zur Schlafenszeit permanent auf Unterstützun
g und Begleitung angewiesen sei
,
sobald er sich bewegen möchte oder müsse. Während er die Beinprothesen gut toleriere, hätten ihm die Armprothesen trotz verschiedener Testprothesen keinen funktion
e
llen Gewinn erbracht. Zusätzlich benötige er viel Pflege für die vier Stümpfe. Auch leide er unter Rückenschmerzen, weil das
Schreiben mit seinen Vorderarm
stümpfen nur langsam gehe und es zu Verspannungen komme.
Er habe viele bionische,
myoelektrische
Prothesenmodelle getestet, welche trotz guter Vorder
armlänge nicht funktioniert hätten (
Urk.
37
S. 6 f.
Ziff.
4). Die Prothesen
halterungen seien schwer
,
und er habe nie die geplanten fünf Funktionen der bionischen Prothese seinen B
edürfnissen entsprechend umsetz
en können. Er sei
auc
h mit Prothesen extrem abhängig
. Als sportliche Aktivität könne er nur das Schwimmen ausüben und dies auch nur mit Spezialprothesen (
Urk.
37
S. 7 oben).
3.3
Zum konkret zu erwartenden therapeutischen Nutzen der beidseitigen Hand
transplantation im Einzelfall des Beschwerdeführers lässt sich den Ausführungen von Prof.
B._
entnehmen,
dass alle Empfänger einer Hand- oder oberen Extremitäten-Transplantation eine protektive Sensibilität, 91
%
eine taktile Sensibilität und 82
%
eine gewisse
diskriminative
Sensibilität aufwiesen.
Sie bestätigte, dass alle Empfänger eine Unabhängigkeit in den tägliche
n
Aktivitäten erlangen würden (
Urk.
37
S. 6
Ziff.
3). Weiter führte Prof.
B._
aus, dass der Beschwerdeführer mit
den
transplantierten Händen sei
ne
Unterschenkelprothesen nach Erreichen einer sensiblen und motorischen Funktion wahrscheinlich selber anziehen und sein Leben selbständiger gestalten könne. Die enorme Abhängigkeit mache dem Beschwerdeführer psychisch zu schaffen
,
und er würde durch den Gewinn der Autonomie enorm funktionell aber auch psychologisch profitieren (
Urk.
37
S. 7 f.
Ziff.
5
-
7).
Weiter bringe er die
körperlichen
Voraussetzungen für einen erfolgreichen Eingriff sowie die höchste Motivation für diese Behandlung
mit
(
Urk.
37
S. 5 f.
Ziff.
2).
3.
4
Auch
wenn der Beschwerdeführer
von einer erfolgreich verlaufenden beidseitigen Händetransplantation hinsichtlich seiner Selbständigkeit und damit auch psychisch profitieren würde, ist ein solcher Eingriff mit
erheblichen Risiken ver
bunden, welche
vorliegend
n
icht ausgeblendet werden könn
en. Unerheblich ist dabei, dass der Beschwerdeführer, wie er geltend machte (vorstehend E. 2.
3
), bereit sei,
diese Risiken einzugehen.
Im Vordergrund steht der Umstand, dass, wie
Prof.
B._
aus
führte
, für alle Transplantationen eine lebenslange Einnahme von immunsupprimierenden Medikamenten unabdingbar
ist
, um eine Abstossung des Transplantates oder den Verlust des Transplantates zu vermeiden
. Weiter bestätigte Prof.
B._
die Aus
führungen der Vertrauensärztin
Dr.
Z._
vom 2
1.
September 2018
(Urk.
8/4
), wonach die Immunsuppression das Risiko für die Entwicklung von gewissen onkologischen Krebsarten und metabolischen Problemen wie Blutzucker
erkrankungen und Infektionserkrankungen erhöhe
(
Urk.
37 S. 4
Ziff.
1 Mitte).
Soweit der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde geltend machte, dass die Beschwerdegegnerin verschwiegen habe, dass es
dem Team
vo
n
Prof.
B._
schon im Jahr 2013 weltweit erstmals gelungen sei, langfristig und nur mit einer lokal abgegebenen Medikamentendosis die Abstossung eines transplantierten Gliedes zu verhindern (
Urk.
1
S. 8 f.
Ziff.
17
-18), handelt es sich dabei, wie aus seinen weiteren Ausführungen hervorgeht, lediglich um ein Forschungsergebnis an
Ratten (
Urk.
1 S. 9
Ziff.
18). Entgegen den Angaben des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 9
Ziff.
18) verneinte das BAG in seiner Stellungnahme vom
2.
Mai 2019 (
Urk.
19), dass ein Projekt im Zusammenhang mit lokaler Immunsuppression hängig sei.
Prof.
B._
nannte denn auch als zeitlichen Rahmen, in
welchem
die Erhältlichkeit von neuen Methoden der Immunsuppression beim Menschen zu erwarten sei
, fünf bis sieben Jahre (
Urk.
37
S. 10 f.
Ziff.
11-12).
Weiter hielt Prof.
B._
fest, dass im ersten Jahr in vier von fünf Hand
transplantationen eine akute, aber medikamentös reversible, behandelbare Abstossung in Kauf genommen werden müsse. Es sei bei etwa 17
%
von uni- oder bilateral Handtransplantierten ein sekundärer Verlust des Transplantates aus verschie
den Gründen dokumentiert (
Urk.
3
7 S. 4 Mitte).
Sodann führte Prof.
B._
aus, dass
als
Lebensdauer von soliden Organen (Niere, Herz, Leber, Lunge) zwischen sechs bis 15 Jahre angegeben werde. Es sei anzunehmen, dass bei Handtransplantationen mit einer ähnlichen Lebensdauer gerechnet werden könne. Es gebe aber bereits
seit 2011 zwei
Handtrans
plantierte mit Trans
plantaten in
einem
Alter von über zehn Jahren, welche nicht h
ätten gewechselt werden müssen
. An einer anderen Stelle sprach
Prof
.
B._
dann von einigen Hand
transplantierten mit über zehnjährigen Transplantaten
(
Urk.
37
S. 4
Ziff.
1 unten,
S. 12
Ziff.
13).
Aus
der angegebenen Anzahl respektive
der Formulierung von Prof.
B._
, dass «einige» Handtransplantiere Transplantate von über zehn Jahren hätten, muss
geschlossen werden, dass die durchschnittliche Funktions
dauer
deutlich
unter
zehn
Jahren liegt, dies vor dem Hintergrund, dass Prof.
B._
ausführte, dass bislang mehr als 120 Hand- und obere Extremitäten-Transplantationen weltweit durchgeführt worden seien (
Urk.
37 S.
2 unten).
Weiter hielt Prof.
B._
fest, dass
gestützt auf die weltweiten Erfahrungen mit Handtransplantationen
die Transplantation
en
von Händen und Armen sechs oder mehr Jahre nach der Transplantation gute motorische und sensible Funktionen aufwiesen (
Urk.
37 S. 4
Ziff.
1 oben).
An einer anderen Stelle führte sie aus, dass der Beschwerdeführer darüber informiert sei, dass er lange Zeit (zwei bis drei Jahre) Therapie nach der Handtransplantation benötigen würde
,
und je nach Ver
lauf weitere Eingriffe notwendig seien (
Urk.
37 S. 9 Mitte).
Zu berücksichtigen ist d
a
mit
der weitere
gewichtige
Aspekt, dass es nach der erfolgten Transplantation noch mehrere Jahre benötigt, bis überhaupt ein zufriedenstellendes Funktionsniveau der transplantierten Hände erreicht werden kann.
Dies führt zu einer weiteren Verkürzung der Zeitspanne bis zur Abstossung der Transplantate, in welcher überhaupt von einem guten
Funktionsniveau
gesprochen werden kann.
In Anbetracht der massiven Risiken und Einschränkungen durch die Immun
suppression sowie der im Verhältnis relativ kurzen Dauer der gewünschten
Funktionsfähigkeit
der Handtransplantate muss vorliegend
trotz
zweifelsohne ausgewiesenem Leidensdruck des Beschwerdeführers und seinem verständlichen Wunsch nach mehr Autonomie
d
as
eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin begründende Erfordernis der Zweckmässigkeit im Sinne von
Art.
32
Abs.
1 KVG
verneint werden.
3.
5
Aufgrund des Gesagten erfüllt die vom Beschwerdeführer beantragte beidseitige Handtransplantation das Kriterium der Zweckmässigkeit im Sinne von
Art.
32
Abs.
1 KVG
nicht
.
Da die Voraussetzungen von
Art.
32
Abs.
1 KVG kumulativ erfüllt sein müssen, erübrigt sich eine weitere Prüfung des Erfordernisses der Wirtschaftlichkeit.
Es besteht demnach keine Leistungspflicht der Beschwerde
gegnerin für den beantragten Eingriff
aus der obligatorischen Kranken
pflegever
sicherung
.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
4
.
Besteht ein Zusammenhang zwischen
einem
Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen, können die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferlegt werden. Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn die Verwaltung zur Klärung der medizini
schen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise abgestellt hat, welche die Anforderungen an eine medizinische Beur
teilungsgrundlage nicht erfüllt (
vgl.
BGE 140 V 70 E. 6.1 mit Hinweisen).
Vor
liegend gelangte das Gericht nach einem ersten Studium der Akten zum Schluss, dass sich aufgrund der vorliegenden Akten der Leistungsanspruch des Beschwer
deführers nicht
abschliessend
beurteilen lasse. Anlässlich der am
15.
August 2019
durchgeführten Instruktionsverhandlung einigten sich die Parteien, bei Prof.
B._
eine Begutachtung durchführten zu lassen
, damit hernach eine einge
hende
Prüfung der WZW-Kriterien erfolgen könne.
Es
lag eine Verletzung der Abklärungspflicht durch die
Beschwerdegegnerin
vor, welche es
in analoger Anwendung der genannten Rechtsprechung
rechtfertigt,
ihr
die Kosten des Gerichtsgutachtens im Betrag von Fr.
3‘231
.-- (Urk.
39
) zu überbinden
(vgl.
BGE 139 V 496)
.