Decision ID: 398c4b7d-18fa-4676-b7e8-3e39e512ceb1
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1964, ist Mutter von drei erwachsenen Kindern (Urk. 9/4 Ziff. 3.1). Seit März 2013 übte sie zusammen mit ihrem Ehemann die Hausleitung einer Cafeteria aus (Urk. 9/36 S. 3 Ziff. 2.1). Unter Hinweis auf Schmerzen und eine depressive Stimmung meldete sie sich am 30. Mai 2014 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/4 Ziff. 6.2). Am 7. Januar 2015 teilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Versicherten mit, dass eine ihr gewährte Massnahme im Bereich Arbeitsvermittlung und Arbeits
platzerhalt (vgl. Urk. 9/29) abgeschlossen werde (Urk. 9/33).
Am 15. Mai 2015 (Urk. 9/39) wandte sich die Versicherte erneut an die IV-Stelle. Diese tätigte medizinische (Urk. 9/57-58, Urk. 9/60, Urk. 9/115-116, Urk. 9/124, Urk. 9/126) und erwerbliche (Urk. 9/92) Abklärungen und erteilte am 26. Juli 2016 Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining (Urk. 9/83). Die Massnahme wurde am 16. September 2016 abgebrochen (Urk. 9/96).
1.2
Die IV-Stelle zog in der Folge Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 9/102) bei und holte ein
bidisziplinäres
Gutachten (Urk. 9/141, Urk. 9/143) ein. Am 9. August 2017 erliess sie den Vorbescheid (Urk. 9/146). Die Versicherte brachte dagegen Einwände (Urk. 9/162) vor. Mit Verfügung vom 17. November 2017 (Urk. 9/165 = Urk. 2) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf IV-Leistungen.
2.
Die Versicherte erhob am 22. Dezember 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. November 2017 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihr die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu
erbrin
-gen. Insbesondere sei ihr ab 1. Dezember 2014 eine ganze Rente auszurichten (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-2 oben). Verfahrensrechtlich beantragte die Versicherte die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechts
vertretung (Urk. 1 S. 2 Ziff. 3 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 6. Februar 2018 (Urk. 8) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 20. Februar 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Der Rechtsvertreter reichte am 20. Juli 2018 die Honorarnote (Urk. 12) und weitere Akten (Urk. 13/1-2) ein. Kopien derselben wurden der Beschwerde
geg
nerin mit Verfügung vom 9. August 2018 zugestellt (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte im angefochtenen Entscheid einen Anspruch auf IV-Leistungen. In medizinischer Hinsicht stellte sie auf das eingeholte
bidis
ziplinäre
rheumatologische und psychiatrische Gutachten ab. Betreffend das Ergebnis der Abklärungen stellte sie fest, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin mit einer adäquaten rheumatologischen und psychiatrischen
Behandlung verbessern könne. Nach Abschluss der medizinischen Massnahmen könne daher von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (Urk. 2 S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte unter anderem vor, das Bezirksgericht Zürich habe ihren früheren Partner der Vergewaltigung, der sexuellen Nötigung und wegen mehrfacher Tätlichkeiten für schuldig befunden und ihn zu einer unbe
dingten Freiheitsstrafe von 41 Monaten verurteilt (Urk. 1 S. 10 Ziff. 19). Wenige Wochen nach den traumatischen Geschehnissen vom 10. April 2015 habe sich ihr psychischer Zustand dramatisch verschlechtert. Sie habe zunehmend unter wiederkehrenden Intrusionserlebnissen wie Flashbacks, Albträumen und unter weiteren Symptomen gelitten (Urk. 1 S. 10 f. Ziff. 20).
Unbegreiflich sei, dass die Beschwerdegegnerin keine weiteren Abklärungen ver
anlasst habe, obwohl im Einwand gegen den Vorbescheid seit der Begutachtung eine gesundheitliche Verschlechterung geltend gemacht worden sei. Dies bedeute eine Verletzung von Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG (Urk. 1 S. 17 f. Ziff. 3). Das
bidisziplinäre
Gutachten erweise sich in vielerlei Hinsicht als mangelhaft und
erfülle die Kriterien der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht (Urk. 1 S. 18 f.
Ziff. 36).
2.3
Streitig ist, ob ein Rentenanspruch besteht.
Dabei ist vorwegzunehmen, dass es sich beim Schreiben der Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin mit dem Titel «Wiederanmeldung» vom 15. Mai 2015 (Urk. 9/39) nicht um eine Neuanmeldung handelte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Beschwerdegegnerin über die Anmeldung der Beschwerdeführerin vom 30. Mai 2014 (Urk. 9/4) und allfällige Leistungsansprüche noch nicht abschliessend ent
schieden. Die Leistungsansprüche inklusive eines Rentenanspruches sind daher nachfolgend im Rahmen der Erstanmeldung der Beschwerdeführerin vom 30. Mai 2014 zu prüfen.
Die Beschwerdeführerin rügte sodann eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S. 17 Ziff. 33). Zunächst gilt es jedoch zu prüfen, ob auf die von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen
rheumato
-logischen und psychiatrischen Teilgutachten abgestellt werden kann. Falls auf das
bidisziplinäre
Gutachten nicht abgestellt werden kann und weitere medizi
nische Abklärungen erforderlich sind, kann die Verletzung des Gehörsanspruches der Beschwerdeführerin offengelassen werden.
3.
3.1
Dr. A._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Bericht vom 21. April 2015 (Urk. 9/46) zur Anamnese aus, die Beschwerde
führerin habe die Behandlung temporär abgebrochen und am 23. März 2015 wie
deraufgenommen. Dieser sei die Arbeitsstelle gekündigt worden. In einer neuen Beziehung sei es zudem zu Schlägereien, Gewalt und sexueller Nötigung ge
kommen, was schliesslich in der polizeilichen Verhaftung des Freundes geendet habe (S. 1 unten). Dr. A._ nannte als psychiatrische Diagnosen eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), und einen Zustand nach anhaltender Erschöpfung (ICD-10 F48.0, S. 1 oben).
3.2
Vom 12. August bis 23. September 2015 war die Beschwerdeführerin in der Klinik B._, Psychiatrie C._, in stationärer Behandlung (Urk. 9/57 S. 1). D._, Psychologin, und E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberärztin, stellten im Austrittsbericht vom 12. Oktober 2015 (Urk. 9/57) folgende psychia
trische und somatische Diagnosen:
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode vor dem Hintergrund einer
Traumafolgestörung
-
systemischer Lupus erythematodes (SLE)
-
Periarthropathia
humeri
rechts
-
Osteopenie der Hüfte
-
undifferenzierte Polyarthritis der Hände seit 2014
-
Herpes simplex-Infektion Auge links
D._ und E._ führten weiter aus, die depressive Symptomatik habe sich im Behandlungsverlauf von einer mittelgra
digen hin zu einer leichtgradigen Depression zum Zeitpunkt des Austrittes aus der Klinik gebessert. Die antidepressive Medikation sei im Behandlungsverlauf unverändert beibehalten worden (S. 2 unten).
3.3
Die Ärzte der Klinik für Rheumatologie, Universitätsspital F._, stellten im Bericht vom 22. Oktober 2015 (9/60/1-5) folgende – hier verkürzt wieder
g
e
gebene - Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 f. Ziff. 1.1):
-
undifferenzierte Polyarthritis, Erstmanifestation März 2014
-
am ehesten im Rahmen einer SLE, Differentialdiagnose induzierter SLE (
Salazopyrin
)
-
Periarthropathia
humeri
rechts
-
Status nach Kontusion am 27. November 2013
-
Rx
Schulter rechts 5. März 2014:
mässiggradige
Omarthrose rechts; mit Knocheninfarkten kompatible
Sklerosezonen
Humeruskopf und
Hume
russchaft
proximal
-
MRI Schulter Juni 2015:
subakromiale
Bursitis und Zeichen des
suba
kromialen
Impingements
mit
Osteophyten
-Bildung am Unterrand des
Akromions
;
intratendinöse
Partialruptur der Supraspinatussehne, aus
geprägte
Tendinopathie
mit zusätzlich
artikularseitiger
kleiner Ruptur; Hochstand des Schulter-Kopfes, ausgeprägte
Bizepssehnen-Tendinon
pathie
mit massiver
Auftreibung
im intraartikulären Anteil, Differen
tialdiagnose: formell höhergradige Partialruptur; Ganglion im Bereich des rechten
Sulcus
bicipitalis
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Ärzte Zoster
ophtalmicus
rechts, September 2015, Osteopenie und eine mittelgradige depressive Störung (S. 1 f. Ziff. 1.1).
Zur Anamnese wurde ausgeführt, die Schulterschmerzen rechts hätten im An
schluss an eine Kontusion der Schulter im November 2013 begonnen. Im Februar 2014 sei es plötzlich zu akuten Schmerzen im linken Kniegelenk mit begleitender Unterschenkelschwellung gekommen. Zudem sei es zu einem Gewichtsverlust von 11 kg und während einiger Monate zu einer depressiven Verstimmung und zu anhaltendem Fieber gekommen. Im Mai 2014 habe sich das klinische Bild einer undifferenzierten
Oligoarthritis
mit
polymyalgiformem
Beschwerdebild ergeben mit erhöhter humoraler Entzündungsaktivität und leicht positiven ANA. Es sei eine immunsupprimierende Therapie mit initial MTX gestartet worden. Die The
rapie sei im Verlauf mehrmalig geändert worden. Hierunter sei es zum Rückgang der Allgemeinsymptome gekommen bei persistierenden Schmerzen in den Hän
den. Insbesondere habe die Patientin aktuell wieder vermehrt Beschwerden im Sinne einer Tendovaginitis
stenosans
. Zudem bestünden vermehrt Schmerzen im Bereich der rechten Schulter. Beides sei nach einer
Cortisoninfiltration
im Juli 2015 lediglich passager besser geworden (S. 2 f. Ziff. 1.4).
Die Ärzte der Klinik für Rheumatologie gaben zur Arbeitsfähigkeit in der bis
he
rigen Tätigkeit an, bei der Patientin bestünden Schmerzen im Bereich der Hände, was zu einer Einschränkung der Fein- und Grobmotorik führe. Auch für körper
lich belastende Tätigkeiten bestünden Einschränkungen (S. 3 Ziff. 1.7). Für die
bisherige Tätigkeit attestierten sie eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % (S. 4
Ziff. 1.7).
3.4
Die Ärzte der Universitätsklinik G._ stellten im Austrittsbericht vom 3. März 2016 (Urk. 9/71) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Rotatorenmanschettenruptur
(PASTA Supraspinatus), massive
Bizepsten
dinopathie
mit subtotaler Ruptur Schulter rechts, nach Sturz vom 27. November 2013 und Status nach mehreren
Cortisoninfiltrationen
, letztmals September 2015
-
systemischer Lupus erythematodes
-
Osteopenie
-
mittelgradige depressive Störung
-
Tendovaginitis
stenosans
Dig
. IV Hand rechts
-
Status nach Zoster
ophthalmicus
, September 2015
-
Nikotinabusus
3.5
Im Wesentlichen dieselben Diagnosen stellten die Ärzte des F._ mit Bericht vom
15. September 2016 (Urk. 9/104). Dr.
H._
, Assistenzarzt, Uni
versitätsklinik G._, gab im Bericht vom 2. November 2016 (Urk. 9/115/6-8) an, für die Tätigkeit als Hauswartin sei bis zum 19. Juni 2016 ein Zeugnis mit einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % ausgestellt worden (S. 2 Ziff. 1.6). Für die genaue Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bedürfe es einer detaillierten arbeits
medizinischen Beurteilung (S. 3 Ziff. 1.7).
3.6
Dr. I._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, gab
in einem nicht datierten Bericht (Eingangsdatum 16. November 2016, Urk. 9/116
/1-5)
an, es bestehe keine Arbeitsfähigkeit (S. 2 Ziff. 1.7). Wiederein
gliederungsmassnahmen seien wegen Progredienz der Krankheit abgebrochen worden (S. 2 Ziff. 1.6).
3.7
Dr. A._ führte im Bericht vom 23. November 2016 (Urk. 9/117) aus, sie gehe von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, aus, die sich auf dem Boden einer
Traumafolgestörung
im Sinne einer post
traumatischen Entwicklungsstörung ausgebildet habe. Darüber hinaus be
stehe ein Zustand nach anhaltender Erschöpfung als Folge verschiedener psychosozialer Belastungsfaktoren.
Aufgrund der somatischen und psychischen Mehrfacherkrankungen der Be
schwer
deführerin habe sich ihr Zustand in den letzten zwei Jahren zunehmend verschlechtert. Trotz konstanter therapeutischer Massnahmen könne kaum mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Bei der mehrfach trau
matisierten Frau mit einer Reihe von somatischen Schwierigkeiten bestehe An-spruch auf eine ganze Rente (S. 2 unten).
3.8
Vom 26. September bis 14. November 2016 erfolgte ein weiterer Aufenthalt in der Klinik B._ (Urk. 9/122 S. 1).
E._ und J._, Fachpsychologin für Psycho
therapie FSP, C._, nannten im Bericht vom 9./10. Februar 2017 (Urk. 9/124/1-6) als psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, bestehend seit Frühjahr 2013, vor dem Hintergrund einer
Traumafolgestörung
(ICD-10 F33.1), und eine posttraumatische Belastungsstörung, akut seit der Vergewaltigung mit Todesangst 2015 (ICD-10 F43.1, S. 1 Ziff. 1.1).
Zur Anamnese wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei in sehr schwierigen und belastenden Familienverhältnissen in Österreich aufgewachsen. Im Alter von 11 bis 13 Jahren habe sie wiederholt sexuellen Missbrauch erlebt. Die Eltern hätten ihren Aussagen keinen Glauben geschenkt.
Ihr erster Ehemann und ihre Tochter seien 1990 bei einem Unfall ums Leben ge
kommen. Mit ihrem zweiten Ehemann habe sie zusammen als Hauswart-Ehepaar gearbeitet. Die letzte Arbeitsstelle sei ihr 2015 aufgrund einer multiplen Schmerz
problematik bei bekanntem Lupus erythematodes gekündigt worden. Ein Wieder
eingliederungsversuch sei missglückt. Nach der Trennung von ihrem Ehemann sei
eine folgende Beziehung von massiver physischer, psychischer und sexueller Gewalt geprägt gewesen. Nach einer Vergewaltigung und massiven Gewaltan
wendungen habe sie ihren Partner bei der Polizei angezeigt. Er sei zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden (S. 2 Ziff. 1.4). Als Befunde be
stünden Stimmungsschwankungen, eine beeinträchtigte Konzentration, eine inner
e Unruhe und eine latente Suizidalität. Weiter bestünden verhaltensbestimmende Ängste, Zukunftsängste und Panikattacken sowie Flashbacks, Schlafstörungen mit Alb
träumen, ein sozialer Rückzug, Schmerzen, ein mangelndes Selbstwert
gefühl und Schuldgefühle (S. 2 Ziff. 1.4 Mitte).
E._ und J._ attestierten für die Tätigkeit als Hauswartin seit September 2016 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Im Rahmen der psychischen Erkrankung bestünden eine verminderte Konzentrationsfähigkeit sowie eine verminderte Belastbarkeit. Die Patientin könne sich nicht über eine längere Zeitspanne konzentrieren. Sie ermüde rasch, sei wenig belastbar und leide unter körperlichen Symptomen wie Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen (S. 2 f. Ziff. 1.6 und 1.7).
3.9
Die Ärzte der Klinik für Rheumatologie, F._, gaben im Bericht vom 24. Februar 2017 (Urk. 9/127/5-9) zum Verlauf an, bezüglich der rheumatologischen Be
schwer
den im Rahmen des systemischen Lupus erythematodes sei es zu einer Zunahme
der Gelenksbeschwerden, insbesondere im Bereich der Schultern und der Ellenbogen beidseits sowie der Fingergelenke gekommen, worauf im Januar 2016 eine Therapie mit
Plaquenil
begonnen worden sei. Im Juli 2016 sei zu
sätzlich
Benlysta
initiiert worden. Unter den Therapien zeige sich aktuell eine 60%ige Besserung der Beschwerden (S. 3 f. Ziff. 1.4). Für die Patientin stünden aktuell vor allem Gelenkschmerzen in den Fingern (
Synovitiden
, MCP/PIP) sowie im Ellenbogen rechts im Vordergrund mit einer Kraftminderung in den Fingern und einer Morgensteifigkeit von zirka einer Stunde.
Unter diesen Umständen bestehe aus rheumatologischer Sicht bezüglich der ange
stammten Tätigkeit als Hauswartin eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Es müsse eine Umschulung erfolgen. Für die genaue Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei allen
falls eine Begutachtung mit einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit nötig (S. 4 Ziff. 1.4 oben). Im angestammten Beruf als Hauswartin könne ab sofort mit einer Arbeitsfähigkeit von 50 % gerechnet werden (S. 5 Ziff. 1.9).
3.10
Die Beschwerdeführerin ist seit Mai 2016 bei Dr. K._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, Rehaklinik Bethanien, in Behandlung (Urk. 9/126 Ziff. 1.2). Dr. K._ attestierte in einem am 13. März 2017 eingegangenen Bericht (Urk. 9/126) für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Die genannte Arbeitsunfähigkeit gelte bis eine neue Therapie besser wirke (S. 1 Ziff. 1.6). Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit könne zirka in einem halben Jahr beurteilt werden. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei nicht möglich (S. 2 Ziff. 1.7).
3.11
3.11.1
Dr. L._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, erstattete am 28. Juni 2017 (Urk. 9/141) im Rahmen einer
bidisziplinären
Begutachtung der Beschwerdeführerin das rheumatologische Teilgutachten. Die Untersuchung erfolgte am 19. Juni 2017 (S. 1).
Die Gutachterin führte zur Anamnese aus, die Beschwerdeführerin habe Schmer
zen in beiden Händen, den Ellenbogen, in den Schultern und in den Füssen ange
geben. Wenn sie eine halbe Stunde am Computer arbeite, würden Krämpfe in den Händen auftreten. Sie habe Mühe, mit den Händen einen Reissverschluss zu ge
brauchen (S. 128 Ziff. 7.2 oben). Schmerzmittel verwende sie nur bei Bedarf. Seit
mehr als einem Jahr nehme sie morgens für die Nerven eine Tablette
Cipralex
20mg
ein. Bei Panikattacken verwende sie bei Bedarf
Temesta
exp
. (S. 130 Ziff. 7.4).
3.11.2
Dr. L._ stellte folgende rheumatologische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 140 Ziff. 9.1):
-
systemischer Lupus erythematodes (Erstmanifestation März 2014 und Erstdiagnose März 2015) mit
-
Arthralgien und Arthritiden, vor allem an beiden Händen, reduzierter Kraft und Morgensteifigkeit mit Tendovaginitis
stenosans
Dig
. IV und V beidseits
-
Status nach erfolgreicher Operation der Tendovaginitis
steonosans
Dig
. IV rechts am 20. November 2015
-
rezidivierenden
enoralen
Mukosa-Läsionen
-
aktuell keine Mukosa-Läsionen
-
Fieberschüben ab 2014
-
seit einem Jahr kein Fieberschub mehr
-
Angabe eines Gewichtsverlustes von mehr als 10 kg im Jahr 2014
-
initial im Mai 2014 deutlich erhöhten Entzündungszeichen und Besse
rung im Verlauf und
-
aktuell: normalen Entzündungszeichen mit
-
im Mai 2014 stark erhöhtem Wert der Anti-DNS mit Besserung im Ver
lauf, aktuell grenzwertig erhöhte Anti-
ds
-DNS
IgG
ohne entsprechende homogene Fluoreszenz mit
-
vermindertem C3-Komplement, Juli 2015 und aktuell normalen Werten von C3 und C4 mit
-
verschiedenen Basistherapien ab Mai 2014
-
aktuell
Plaquenil
200mg ab 12. Januar 2016 und
Belimumab
ab 26. Juli 2016
mit deutlicher Verbesserung der Beschwerden und der Laborbefunde ab September 2016
-
bildgebenden (MRI Juni 2017) entzündlichen Veränderungen der Flexor-
Sehnen der linken Hand (Tendovaginitis), vor allem
Dig
. II und
Dig
. IV auf Höhe der MCP-Gelenke und der proximalen Phalangen und dis
kreten
Synovitiden
im distalen DRUG sowie MCP II, IV und V ohne eindeutige Usuren sowie ödematöse Verdickung und Kontrast
mittel
aufnahme des palmaren Segmentes des
skapholunären
Ligamentes
-
verminderte Belastbarkeit und Beschwerden der rechten Schulter bei
-
Status nach Sturz auf die rechte Schulter am 29. November 2013 mit Partialruptur der Supraspinatus-Sehne und
Bizps-Tendinopathie
mit arthroskopischer Behandlung am 3. März 2016 mit Rekonstruktion der
Rotatorenmanschetten
(PASTA-
Repair
),
Bizpes
-Tenotomie sowie suba
cromialer Dekompression
Dr. L._ nannte sodann als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 141 Ziff. 9.2):
-
Nikotin-Abusus
-
Hypercholesterinämie
-
Osteoporose
-
aktuell ohne medikamentöse Therapie
-
Tendovaginitis des Ringfingers (
Dig
. IV) der rechten Hand mit
-
operativer A1-Ringband-Spaltung am 20. November 2015 mit gutem Resultat
-
Status nach Zoster
ophtalmicus
rechts, September 2015
-
Status nach Hyperthyreose bei Basedow mit medikamentöser Behandlung 2005 mit
Tapazole
und aktuell normaler Schilddrüsenfunktion
Etwa im März 2014 seien bei der Beschwerdeführerin ausgedehnte Gelenkbe
schwerden aufgetreten. Ein Jahr danach sei ein systemischer Lupus erythe
ma
to
des diagnostiziert worden, wobei deutliche pathologische Laborbefunde nachge
wiesen worden seien. Seither sei die Beschwerdeführerin mit verschiedenen Basis
mitteln behandelt worden. Im November 2015 sei eine Tendovaginitis
steno
sans
des Ringfingers der rechten Hand chirurgisch behandelt worden, worauf sich die Beschwerden deutlich gebessert hätten. Am 3. März 2016 sei eine Arthros
kopie der rechten Schulter durchgeführt worden. Ab Juli 2016 sei neu das Basis
mittel
Benlysta
zusammen mit
Plaquenil
angewandt worden. Bereits nach kurzer Zeit sei es zu einer eindrücklichen Besserung der Beschwerden und der Labor
befunde gekommen. Auch das Körpergewicht habe sich stabilisiert (S. 142 Ziff. 10 oben).
Die Haut der Explorandin sei sonnengebräunt. Eine Sonnenempfindlichkeit be
stehe offenbar nicht. Sonnenempfindlichkeit sei eines der 14 ACR-Kriterien für die Diagnose eines systemischen Lupus erythematodes. Offene Stellen im Mund seien nicht vorhanden. Bei offen Stellen im Mund handle es sich um ein weiteres Kriterium für Lupus. Der normale Gang sei unauffällig wie auch der Zehen- und Fersengang. Alle drei Wirbelsäulen-Abschnitte seien normal beweglich. Radiku
läre Zeichen seien nicht vorhanden.
Bei der direkten Prüfung der Beweglichkeit des rechten Schultergelenkes zeige die Beschwerdeführerin deutliche Einschränkungen. Bei Ablenkung bewege sie die rechte Schulter aber normal. Alle übrigen grossen peripheren Gelenke seien normal beweglich. Gelenksergüsse,
Synovitiden
oder überwärmte Gelenke seien nicht vorhanden (S. 142 Ziff. 10 unten). Die postoperative Röntgenuntersuchung der rechten Schulter zeige eine gute Lage des eingebrachten Ankers ohne Locke
rungszeichen. Wesentliche degenerative Veränderungen seien nicht sichtbar. Die Ganzkörper-EOS-Röntgenuntersuchung vom Juni 2017 habe eine leichte Arthro
se der ISG beidseits ergeben bei normalen bildgebenden Befunden an den Hüft-, Knie- und Sprunggelenken beidseits. Die Röntgenbilder beider Füsse vom Juni 2017 zeigten leichte degenerative Veränderungen, jedoch ohne entzündliche Ver
änderungen und ohne fokale Weichteilschwellungen (S. 143 oben). Die Rönt
gen
untersuchungen beider Hände vom Juni 2017 zeigten leichte degenerative Verän
derungen, jedoch keine entzündlich-
erosive
Veränderungen. Die Skelett
struktur
der Hände weise auf eine verminderte Knochendichte hin. Die MRI-Untersuchung der linken Hand vom Juni 2017 zeige Tendovaginitiden der Beuge
sehnen, vor allem des Zeige- und des Ringfingers auf Höhe der MCP-Gelenke und der proxi
malen Phalangen und diskrete
Synovitiden
im distalen DRUG und der MCP-Ge
lenke II; IV und V. Diese Befunde seien am ehesten durch den systemischen Lupus erythematodes verursacht worden (S. 143 Mitte).
Die
antinukleären
Antikörper (ANA
)
hätten sich bei der Untersuchung in einem normalen Bereich befunden. Der Wert für
ds
-DNS-
Ig
Antikörper habe sich im oberen Grenzbereich befunden. Das Basismittel
Plaquenil
sei im Blut im thera
peutischen Bereich nachweisbar gewesen. Dagegen sei das Antidepressivum
Cipralex
nicht im Blut vorhanden gewesen (S. 144 oben).
Die Beschwerdeführerin erfülle gegenwärtig nur zwei der elf ACR-Kriterien für die Klassifikation eines systemischen Lupus erythematodes, nämlich Arthritis und grenzwertig erhöhte
ds
-DNS-
IgG
-Antikörper. Auch von den erweiterten SLICC-Kriterien erfülle sie nur 2 von 17 Kriterien. Für die Diagnose müssten mindestens vier Kriterien vorhanden sein. Die Beschwerdeführerin erfülle daher gegenwärtig die Kriterien nicht. Da für die Diagnose eines Lupus erythematodes sowohl gemäss den ACR- sowie nach den SLICC-Kriterien diese auch kumulativ über einen beliebigen Zeitraum erfüllt sein könnten, könne die Diagnose dennoch weiterhin bestehen bleiben. Zweifellos handle es sich jedoch um einen milden Verlauf mit guter Besserungstendenz (S. 144 Mitte).
Seit der Diagnose eines Lupus erythematodes im März 2015 sei es zu einer deut
lichen Besserung der klinischen Beschwerden gekommen. Auch das Körper
ge
wicht habe sich stabilisiert. Die pathologischen Laborbefunde hätten sich ein
drücklich gebessert und seien unterdessen alle normal bis auf einen grenzwertig erhöhten Wert des Anti-DNA
IgG
, dessen diagnostische Bedeutung nicht ge
sichert sei. Die Tendovaginitis
stenosans
der rechten Hand sei im November 2015 erfolgreich operiert worden. Die arthroskopische Behandlung der rechten Schulter im März 2016 habe ebenfalls zu einem sehr guten Resultat geführt. Die Be
schwerdeführerin könne daher eine angepasste Tätigkeit ausüben mit einer zusätzlichen Pause von einer Stunde pro halben Tag wegen einer vermehrten Müdigkeit, welche möglicherweise durch den systemischen Lupus erythematodes induziert sei (S. 144 unten).
Der Handeinsatz sei bei der Untersuchung beidseits normal gewesen. Die Be
schwerdeführerin sei mit einer gut gefüllten Handtasche sowie einem vollen Plastiksack zur Untersuchung gekommen. Die Handtasche und den Plastiksack
habe sie problemlos hantieren können. Diskrepant dazu sei die gezeigte maximale Handkraft von 20-27 % rechts und 27-31 % links. Aus rheumatologischer Sicht gebe es keine Ursache für eine derart stark verminderte Handkraft beidseits. Sicher habe bei der Messung eine Selbstlimitierung bestanden (S. 145).
3.11.3
Die Beschwerdeführerin habe von 2009 bis 2011 berufsbegleitend den eidge
nössischen Fachausweis als Hauswartin erworben. Im Rahmen der letzten
Anstel-lung
bei der Stiftung M._ habe sie mit einem Pensum von 50 % an 20.5 Stunden pro Woche gearbeitet. Unter anderem habe sie die Hausleitung, die Führung einer Cafeteria, die Hauswartung und die Mitarbeiterführung in zwei Häusern innegehabt. Die Hausleitung habe sie mit ihrem Ehemann ausgeübt (S. 146 Ziff. 11.1 Mitte).
Die Beschwerdeführerin benötige aufgrund des systemischen Lupus erythema
to
des eine körperlich leichte Tätigkeit, die das Hantieren von Lasten bis zu 10 kg beinhalte (leichtes Belastungsniveau). Weiter könne sie nicht in Kälte, Nässe oder bei grossen Temperaturschwankungen arbeiten. Ebenso könne sie keine Tätigkeit mit grossen Anforderungen an die Feinmotorik der Hände ausüben und auch eine Tätigkeit mit stark repetitiver Belastung der Hände sei nicht möglich (S. 147 Mitte). Bei Berücksichtigung dieser Einschränkungen könne die Beschwerde
füh
rerin bezogen auf ein Pensum von 100 % zu 100 % arbeiten. Sie benötige jedoch pro halben Tag eine zusätzliche Pause von einer Stunde wegen erhöhter Müdig
keit. Geeignet seien die angestammten Tätigkeiten im Bürobereich, zum Beispiels als Geschäftsführerin der N._ GmbH mit Buchhaltung und Büroarbeiten. In der angestammten Tätigkeit bei der Stiftung M._ könne sie die meisten Teilbereiche ausübten wie Hausleitung, Führung der Cafeteria, Mitarbei
terführung in zwei Häusern, Materialbestellungen etc. Den Teilbereich Hauswar
tung könne sie dagegen nicht mehr ausüben. Weiter könne sie als Verkäuferin
beziehungsweise als Einzelhandelskauffrau leichte Gegenstände verkaufen (S. 147
unten).
Der Rheumatologe des F._ habe die Beschwerdeführerin im Oktober 2015 für die angestammte Tätigkeit als zu 50 % arbeitsfähig eingeschätzt. Zudem habe er ausgeführt, dass für mittel- bis schwerbelastende Tätigkeiten, Überkopfarbeiten und Tätigkeiten mit hoher Anforderung an die Feinmotorik eine verminderte Leis
tungsfähigkeit bestehe. Die Beschwerdeführerin sei daher spätestens ab dem 22. Oktober 2015 in einer angepassten Tätigkeit wieder im angestammten Aus
mass arbeitsfähig gewesen. Nach der Handoperation vom 20. November 2015 sei ihr bis zum 20. Dezember 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert worden. Nach der Schulterarthroskopie vom 3. März 2016 sei sie bis zum 19. Juni 2016 für jegliche Tätigkeiten arbeitsunfähig gewesen. Nachdem der weitere Verlauf ab Oktober 2015 in den medizinischen Akten nicht eindeutig dokumen
tiert sei, gelte die von Dr. L._ attestierte Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit von 100 % mit einer Pause von einer Stunde pro halben Tag seit der rheumatologischen Untersuchung vom 19. Juni 2017 (S. 148 Ziff. 11.2).
Die Beschwerdeführerin habe bei der Untersuchung keine Schmerzmittel verwen
det. Die medikamentöse Schmerztherapie habe daher ein grosses Optimierungs
potenzial. Die letzte Physiotherapie sei im Juni 2016 erfolgt. Solange sie Be
schwerden angebe, sollte die Beschwerdeführerin regelmässig physiotherapeu
tisch
betreut werden (S. 149 Ziff. 12.1). Sie habe eine gute Prognose. Es sei wahrscheinlich, dass sie lang andauernd arbeiten könne (S. 149 Ziff. 12.3).
3.12
3.12.1
Dr. O._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Klinik P._, erstattete am 11. Juli 2017 (Urk. 9/143) das psychiatrische Teilgutachten mit interdisziplinärer Zusammenfassung.
Dr. O._ führte zur Anamnese aus, die Beschwerdeführerin habe sich als Kind stets zurückgezogen verhalten, oft Angst verspürt und viel Zeit alleine verbracht. Der Vater habe sich aggressiv gezeigt und die Kinder oft geschlagen, weshalb sich die Explorandin vor ihm gefürchtet habe. Ab ihren 11. Lebensjahr hätten während drei Jahren sexuelle Übergriffe durch einen erwachsenen Angestellten ihres Vaters stattgefunden. Danach sei das Ganze aufgeflogen, als der Angestellte versucht habe, auch ihre Schwester zu belästigen (S. 10 Ziff. 3.3). Die Beschwer
deführerin habe 1983 einen Sohn geboren. 1984 habe sie geheiratet. Fünf Jahre nach der Geburt ihrer Tochter im Jahre 1985 seien der Ehemann und ihre Tochter bei einem Autounfall ums Leben gekommen. 1992 oder 1993 habe sie zum zwei
ten Mal geheiratet. Aus dieser Ehe seien 1993 Zwillingssöhne zur Welt ge
kommen. Der Ehemann habe oft Alkohol getrunken und gespielt (S. 11 Ziff. 3.3 oben). Die Beschwerdeführerin habe nach der Geburt der Zwillinge stundenweise geputzt und in einer Maschinenfabrik gearbeitet. Danach sei sie während acht Jahren mit ihrem Ehemann als Hauswartin in einer Schule tätig gewesen. Sie habe eine Ausbildung als Hauswartin begonnen, die sie wegen einer zu grossen Belastung wieder habe abbrechen müssen. Von 2012 bis 2014 habe sie bei der Stiftung M._ zu 50 % die Hausleitung innegehabt (S. 11 Ziff. 3.5).
2012 seien psychische Probleme aufgetreten. Die Explorandin habe nicht mehr
geschlafen, einen unheimlichen Druck gehabt und das Gefühl verspürt, sie komme
nicht mehr vorwärts. Alles sei ihr schwergefallen. Es seien Suizidgedanken auf
getreten, weil sie nicht mehr gewusst habe, wie sie aus der Situation heraus
finden könne. Sie habe sich mit allem überfordert und ihrem Ehemann gegenüber aus
geliefert gefühlt (S. 11 Ziff. 3.6). Nach einem Wohnungswechsel sei sie in der neuen Dienstwohnung wieder von ihrem Ehemann abhängig geworden. Schon beim Umzug habe sie eine grosse Blockade verspürt. Sie habe bloss noch geweint
und sei schliesslich zusammengebrochen. Dr. A._ habe ihr
Cipralex
verschieben, worauf sie weitergearbeitet habe. Mittlerweile sei ein Lupus diagnos
tiziert worden. Die Explorandin bekunde Mühe zu verarbeiten, dass sie immer wieder an ihre Grenzen stosse. Der Lupus ermüde sie sehr (S. 12 oben).
Im April 2015 sei sie mit einem Syrer eine Beziehung eingegangen. Der Mann habe sie geschlagen und vergewaltigt. Zuletzt habe eine Freundin der Beschwer
deführerin die Polizei gerufen. Seit April 2015 ertrage sie keine Nähe mehr. Sie leide immer wieder unter Panikattacken und schlafe sehr schlecht (S. 12 Mitte). Die Behandlung bei Dr. A._ habe sie abgebrochen. Diese habe sie beschimpft, weil sie sich auf eine Beziehung mit einem Asylanten eingelassen habe. Bei der neuen Psychiaterin habe sie zum ersten Mal über die Traumata in der letzten Beziehung sprechen können (S. 12 unten). Die Beschwerdeführerin suche die neue Psychiaterin zweimal pro Woche auf. In der Zwischenzeit sei sie zum Islam konvertiert und bete fünfmal am Tag (S. 13 oben).
Die Beschwerdeführerin fühle sich gegenwärtig vordergründig durch ihre körper
lichen Beschwerden eingeschränkt. Sie verspüre ständig Schmerzen. Viele Ge
len
ke könne sie kaum bewegen. Auch psychisch fühle sie sich nicht gut (S. 13 Mitte).
3.12.2
Die Explorandin habe während des Gespräches in Bezug auf ihre Lebensge
schichte und die Krankheitsentwicklung klare und präzise Angaben gemacht, jedoch mit zunehmender Verzögerung. Dies deute auf eine eingeschränkte Konz
entrationsausdauer hin. Ansonsten bestünden unauffällige mnestische Funktionen
. Die Beschwerdeführerin sei im formalen Denken verlangsamt und stark eingeengt auf die negative Zukunftsperspektive gewesen. Inhaltlich hätten sich keine Hinweise für Wahnideen, Halluzinationen oder Ich-Störungen ergeben. Im Affekt habe die Explorandin bedrückt, innerlich angespannt, unruhig und affekt-labil gewirkt. Die affektive Schwingungsfähigkeit und der Elan
vitae
seien re
du
ziert gewesen. Der Antrieb sei vermindert und motorisch wenig lebhaft gewe
sen. Hinweise für eine Selbst- oder Fremdgefährdung hätten sich nicht ergeben (S. 13 Ziff. 4.1).
Dr. O._ nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit soma
tischen Symptomen (ICD-10 F33.11). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen schädlichen Nikotingebrauch (S. 14 Ziff. 5).
Für die Zeitspanne zwischen März 2014 und Februar 2017 seien den medizi
ni
schen Akten in diagnostischer Hinsicht initial eine schwere Depression mit Sui
zidgedanken und eine schwere Traumatisierung in der Kindheit, eine rezidivie
rende depressive Störung und eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung sowie eine akute posttraumatische Belastungsstörung seit der Vergewaltigung mit Todesangst 2015 zu entnehmen. Aktenmässig könne seit der initial schweren depressiven Symptomatik im März 2014 im Verlauf von mehrheitlich mittelgra
digen depressiven Symptomen mit einer kurzen, vorübergehenden leichten bis mittelgradigen depressiven Symptomatik ausgegangen werden. Seit 2015 seien aktenmässig psychische Folgen der sexuellen und psychischen Gewalt durch den letzten Partner sowie eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung bezieh
ungsweise eine posttraumatische Belastungsstörung zu entnehmen, seit dem Be
richt vom 27. September 2016 (S. 14 Ziff. 6).
Die Beschwerdeführerin habe bei der Untersuchung durch den Referenten vom 15. Juni 2017 in psychopathologischer Hinsicht eine eingeschränkte Konzentra
tionsausdauer, einen verlangsamten Gedankengang und eine gedankliche Einen
gung auf die negative Zukunftsperspektive aufgewiesen. Zudem hätten eine
Deprimiertheit
, eine innere Anspannung, eine Affektlabilität, eine eingeschränkte affektive Schwingungsfähigkeit sowie ein eingeschränkter Elan
vitae
, Antriebs-störungen und eine verminderte Psychomotorik bestanden. Ergänzend bestünden anamnestische Angaben über Ein- und Durchschlafstörungen und eine rasche körperliche und geistige Erschöpfung bei einer doch erhaltenen Tagesstruktur. Es könne daher von einer mittelgradigen depressiven Symptomatik ausgegangen werden (S. 14 f. Ziff. 6).
Aufgrund der anamnestischen Angaben könne keine Aussage bezüglich einer möglichen genetischen Vorbelastung für die Entwicklung psychiatrischer Erkran
kungen gemacht werden. Die Beschwerdeführerin habe eine sehr belastende Kind
heit verbracht, wobei die frühe Kindheit ohne gravierende traumatische Ereig
nisse im Sinne von Misshandlungen oder einem Missbrauch verlaufen sei. Bei der Explorandin könne daher nicht von der Entstehung einer Persönlich
keitsstörung in der Kindheit ausgegangen werden. Trotz mehrfacher Traumatisierungen wäh
rend der Kindheit und der Pubertät habe sie bis zum Erwachsenen
alter keine Verhaltensstörungen oder sonstige psychische Störungen mit Krank
heitswert auf
gewiesen (S. 15 oben). Die Beschwerdeführerin habe 1983 einen unehelichen Sohn zur Welt gebracht. Ein Jahr danach habe sie geheiratet. Fünf Jahre später habe sie bei einem Autounfall ihren Ehemann und die gemeinsame Tochter ver
loren. Offenbar dank vieler intellektueller Ressourcen und Persönlich
keitsresso
urcen habe sie trotz mehrerer Lebensschicksale ein unauffälliges Leistungs
niveau aufgewiesen. Bei fehlenden Hinweisen auf ein anhaltend auffälliges Verhaltens
muster bezüglich Kognitionen, Wahrnehmungen und sozialen Inter
aktionen so
wi
e
bei fehlenden Hinweisen auf anhaltende Störungen der Impuls-
und Affekt
kon
trolle könnten prämorbide psychische Probleme mit Krankheits
we
rt inklusive einer Persönlichkeitsstörung klar ausgeschlossen werden (S. 15 oben).
Aufgrund der sehr glaubhaft geschilderten anamnestischen Angaben könne seit 2011 von einer zunehmenden Ausschöpfung der psychophysischen Ressourcen ausgegangen werden, was eine depressive Entwicklung zur Folge gehabt habe. Unter den etablierten therapeutischen Massnahmen habe das Leistungsniveau der Explorandin in einer beruflichen Tätigkeit von 50 % aufrechterhalten werden können. Eine weitere Ausschöpfung der Ressourcen habe Anfang 2014 zu einer schweren depressiven Dekompensation geführt. Es sei ihr daher ab dem 19. Februar 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert worden (S. 15 Mitte). Nach einer stationären Behandlung in der Zürcher Höhenklinik
W._
sei ihr ab dem 15. August 2015 eine Arbeitsfähigkeit von 40 % attestiert worden. Dabei könne der Beschwerdeführerin aufgrund der postulierten mittelgradigen depressiven Symptomatik ab August 2014 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bezieh
ungsweise eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bescheinigt werden. Seit August 2014 könne von vorwiegend mittelschweren depressiven Episoden ausgegangen werden. Seitdem könne ihr im Längsschnitte eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert werden. Auch anlässlich der Exploration vom 15. Juni 2017 habe die Beschwerdeführerin eine mittelschwere depressive Symptomatik aufgewiesen. Es müsse von einer längeren Entwicklung der depressiven Störung ausgegangen werden, die auf eine Vielzahl von Lebensschicksalsschlägen und auf sehr trau
matische Lebensereignisse zurückzuführen sei. Aufgrund der Blutanalyse seien die Therapieoptionen weitgehend nicht ausgeschöpft. Die Beschwerdeführerin habe während der letzten Partnerschaft physische und seelische Gewalt erlebt. Die von ihr geschilderte Symptomatik und das Ausmass der traumatischen Ereig
nisse erfüllten die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung aber nicht.
Diese Diagnose könne aus Sicht des Referenten daher nicht bestätigt werden (S. 15 unten).
3.12.3
Dr. O._ attestierte für die bisherige und für eine adaptierte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (S. 16 Ziff. 7.1 und 7.3). Von Februar bis Mitte August 2014 habe in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden. Ab Mitte August 2014 bestehe im Längsschnitt eine Arbeitsunfähig
keit von 50 % (S. 16 Ziff. 7.2). Nicht geeignet seien Tätigkeiten mit sehr hohen Anforderungen an die Konzentrationsausdauer, an die geistige Flexibilität und an die psychische Belastbarkeit sowie Tätigkeiten mit sehr viel Kundenkontakt und Nachtarbeiten (S. 16 Ziff. 7.4).
Die bisherige Therapie sei teilweise fachgerecht durchgeführt worden. Die Psy
chopharmakotherapie habe aber ein grosses Optimierungspotential (S.
16 Ziff. 8.1.1
). Ergänzend zur bereits etablierten ambulanten psychiatrisch-psycho
therapeutischen Behandlung benötige die Explorandin dringend eine Optimie
rung der Psychopharmakotherapie. Gemäss Blutanalyse liege die Konzentration des Antidepressivums
Escitalopram
weit unter dem therapeutischen Bereich (S. 16 Ziff. 8.1.3). Die therapeutischen Massnahmen sollten zu einer Verbesserung der Lebensqualität der Explorandin und zur Wiederherstellung einer vollen Arbeits
fähigkeit führen. Die Massnahmen seien ihr medizinisch absolut zumutbar (S. 16 Ziff. 8.1.4).
Bei der Explorandin könne unter einer fachgerechten psychiatrisch-psycho
the
rapeutischen Behandlung mit einer erheblichen Verbesserung ihres psychischen Zustandes gerechnet werden. So könne mit der Wiederherstellung einer vollen Arbeitsfähigkeit innerhalb von maximal zwei Monaten nach Einleitung einer fachgerechten Psychopharmakotherapie gerechnet werden (S. 17 Ziff. 8.3).
3.12.4
In seiner Stellungnahme zu früheren ärztlichen Einschätzungen hielt Dr. O._ fest, eine rezidivierende depressive Störung könne bestätigt werden.
Eine posttraumatische Belastungsstörung trete als verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder auf eine Situation einer ausser
ge
wöhnlichen Bedrohung oder eines katastrophenartigen Ausmasses auf, die bei fast jeder Person eine tiefe Verzweiflung hervorrufe. Gewalt in der Ehe könne nicht als eine aussergewöhnliche Bedrohung oder ein katastrophenartiges Aus
mass eingestuft werden. Dies insbesondere, weil die Explorandin nie schwere körperliche Verletzungen aufgewiesen oder erlitten habe. Die posttraumatische Ängstlichkeit der Explorandin vor dem Täter könne teilweise auf eine depressiv bedingte Selbstwertproblematik zurückgeführt werden. Die Beschwerdeführerin zeige keine Störungen der sozialen Interaktionen im Sinne einer posttrau
mati
schen Vermeidungshaltung, sondern depressiv bedingte Rückzugstendenzen (S. 18
Ziff. 8.6).
3.12.5
Dr. L._ und Dr. O._ gaben in der interdisziplinären Zusammenfassung an, für die bisherige Tätigkeit könne aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähig
keit von 50 % attestiert werden. Aus rheumatologischer Sicht werde eine Arbeits
fähigkeit von 100 % attestiert, mit einer zusätzlichen Pause von einer Stunde pro halben Tag (S. 19 Ziff. 9.2.1). Für andere adaptierte Tätigkeiten be
stehe aus psy
chiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Aus rheumatologischer Sicht bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 100 % mit einer zusätzlichen Pause von einer Stunde pro halben Tag (S. 19 Ziff. 9.2.3). Die Explorandin benötige ergänzend zur etablierten Behandlung dringend eine Optimierung der Psychopharmako
therapie. Ebenfalls benötige sie dringend eine schlaffördernde Medikation (S. 20 Ziff. 9.3.1). Für adaptierte Tätigkeiten könne eine berufliche Eingliederung initial zu 50 % und zwei Monate nach Einleitung einer fachge
rechten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung zu 100 % erfolgen (S. 20
Ziff. 9.3.2.2).
3.13
Dr. Q._, Facharzt für Chirurgie und für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionalärztlicher Dienst der Be
schwerdegegnerin (RAD), führte in der Stellungnahme vom 17. Juli 2017 (Urk. 9/144
S. 6 ff.) aus, das
bidisziplinäre
Gutachten von Dr. L._ und Dr. O._ beantworte die gestellten Fragen umfassend und berücksichtige die geklagten Beschwerden. Weiter sei es in Kenntnis und Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt worden, leuchte in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge ein und die Schlussfolgerungen seien nachvollziehbar hergeleitet worden (S. 6 unten).
Auf rheumatologischem Fachgebiet seien der Beschwerdeführerin gemäss Belas-
tungsprofil
leichte Tätigkeiten möglich ohne Heben, Tragen und Transportieren von mittelschweren und schweren Lasten und ohne beidseitiges Arbeiten in einer
Armvorhalteposition, ohne Überkopfarbeiten, ohne Vibrationseinwirkungen, oh
ne erhöhte Anforderungen an die Kraft und Haltefunktion der Hände, ohne repetitive Beanspruchung der Hände und ohne erhöhte Anforderungen an das feinmoto-
rische
Geschick der Hände. Nicht möglich seien sodann Arbeiten in Kälte, Nässe oder unter grossen Temperaturschwankungen. Von psychiatrischer Seite seien Tätigkeiten möglich ohne hohe Anforderungen an die Konzentrationsausdauer, die geistige Flexibilität und die psychische Belastbarkeit sowie Nachtarbeiten.
In der bisherigen Tätigkeit als Hauswartin habe von Mitte Februar bis Mitte August 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden. Seit Mitte August 2014 bestehe für diese Tätigkeit auf Dauer eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (S. 7 unten).
In einer angepassten Tätigkeit gemäss Belastungsprofil habe von Mitte Februar bis Mitte August 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden. Von Mitte August 2014 habe während dreier Monate nach Beginn der psychiatrischen The
rapie eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestanden. Drei Monate nach Beginn der psychiatrischen Therapie bestehe auf Dauer voraussichtlich eine Arbeitsunfähig
keit von 0 %. Während der stationären psychiatrischen Behandlung sowie vom 20. November bis 20. Dezember 2015 und vom 3. März bis 19. Juni 2016 könne eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert werden. Durch die vorgeschlagene
psychiatrische und rheumatologische Therapie sei mit einer wesentlichen Besse
rung des Gesundheitszustandes zu rechnen (S. 8 oben).
Durch die Fortsetzung der bereits etablierten ambulanten psychiatrisch-psycho
therapeutischen Behandlung und die Optimierung der Psychopharmakotherapie bei einem Psychiater sowie auf rheumatologischem Fachgebiet durch die Durch-
führung einer Physiotherapie sowie Optimierung der Schmerzmitteltherapie könne
mit einer Reduktion der Arbeitsfähigkeit auf 0 % gerechnet werden (S. 8 unten).
3.14
Dr. R._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Rheu
matologie, nahm am 21. September 2017 (Urk. 9/160) Stellung zum rheumatolo
gischen Teilgutachten von Dr. L._ vom 28. Juni 2017. Die behandelnde Ärztin stellte fest, bei der Beschwerdeführerin bestehe ein systemischer Lupus erythematodes. Die Erkrankung äussere sich vorliegend in Form von Arthritiden (vor allem an den Händen und Füssen), in einem Raynaud-Phänomen,
polymyal
gieformen
Beschwerden, einer Fatigue und einer Depression. Therapeutisch sei eine Basistherapie mit
Plaquenil
etabliert worden. Da dies nicht ausgereicht habe, um die Krankheitsaktivität genügend zu kontrollieren, seien im Verlauf
Belimu
mab
und bei weiterhin ungenügender Krankheitskontrolle
Imurek
hinzugegeben worden. Leider habe sich in der Folge gezeigt, dass das Mittel
Imurek
nicht tole
rierbare Nebenwirkungen verursacht habe. Es sei daher abgesetzt worden. Dem
zufolge sei keine optimale Kontrolle der Krankheitsaktivität erreicht worden. Nach den letzten zwei Infusionen von
Belimumab
habe sich jeweils ein schwerer Infekt mit der Notwendigkeit der
Hospitalisation
und einer mehrtägigen intra
venösen Antibiose ergeben. Momentan könne daher auch dieses Medikament nicht mehr eingesetzt werden. Aus den genannten Gründen könne in absehbarer Zeit nicht mit einer guten Krankheitskontrolle gerechnet werden (S. 1 unten). Die Beschwerden (Arthritiden,
polymyalgieforme
Schmerzen, Fatigue) hätten deutlich zugenommen. Aus rein rheumatologischer Sicht sei eine volle Arbeitsfähigkeit daher nicht realistisch. Die Arbeitsfähigkeit könne auch mittels Physiotherapie nicht erhöht werden (S. 1 f.; vgl. auch die Stellungnahme vom 15. Dezember 2017, Urk. 3/19 sowie 3/20).
3.15
Dr. K._ nahm am 31. Oktober 2017 (Urk. 9/159) Stellung zum Teilgutachten von Dr. L._. Er führte aus, die Beschwerdeführerin sei, insbesondere wegen Gelenkbeschwerden sowie einer raschen Ermüdbarkeit, nicht voll arbeitsfähig. Manuelle Arbeiten beziehungsweise Arbeiten, welche eine Ausdauerleistung erforderten, seien nicht zumutbar.
Verschiedene Therapien des Lupus seien nicht vertragen worden. Eine potentere Behandlung des Lupus sei daher nicht möglich. Die früheren Behandlungen mit
Imurek
und
Benlysta
hätten wegen Unverträglichkeit abgebrochen werden müssen
. Die Grundtherapie beschränke sich deshalb auf
Plaqeunil
, was die Aktivität und die Auswirkungen des Lupus nur teilweise beeinflussen könne. Auch eine soge
nannte analgetische Optimierung werde nicht weiterhelfen. Im Gengenteil werde eine verstärkte Medikation zu vermehrter Ermüdbarkeit führen (S. 1).
Die von Dr. L._ im rheumatologischen Teilgutachten aufgeführten SLE-Kriterien seien für die Diagnose eines
Lypus
erythematodes nicht zu verwenden. Diese stellten Klassifikationskriterien dar zwecks Einschluss von Patienten in Studien (S. 2; vgl. auch die Stellungnahme vom 15. Dezember 2017, Urk. 3/19 sowie 3/20).
3.16
Dr. Q._, RAD, gab in einer weiteren Stellungnahme vom 17. November 2017 (Urk. 9/164 S. 3) zu den neu eingereichten Akten an, mit den Stellung
nah
men von Dr. R._ und Dr. K._ würden keine neuen Befunde mitgeteilt. Es werde nur berichtet, dass das Medikament
Imurek
nicht vertragen werde und die
Belimumab
-Infusionen wegen schwerem Infekt hätten abgesetzt werden müssen. Dabei sei nur lapidar mitgeteilt worden, dass sich alle Beschwerden verschlechtert hätten, ohne dass die Art der Verschlechterung ersichtlich sei. Eine Veränderung der Stellungnahme vom 17. Juli 2017 sei nicht erforderlich.
3.17
Die Ärzte der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, F._, erstatteten am 13. Dezember 2017 (Urk. 3/13) einen Abklärungsbericht nach Gesprächen mit der
Beschwerdeführerin in der Sprechstunde für posttraumatische Belastungsstö
rungen vom 3. und 17. Oktober sowie vom 20. November 2017. Die Ärzte nannten
als Diagnosen eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) nach wiederholten gewalttätigen und sexuellen Übergriffen seit der Kindheit bis ins Erwachsenenalter und eine Akzentuierung der Persönlichkeit mit selbstun
sicheren und
dependenten
Zügen (ICD-10 Z73.1, S. 1). Sie empfahlen eine Be
hand
lung in der Tagesklinik der
Clienia
, Psychiatriezentrum Männedorf (S. 2 unten).
3.18
E._ hielt mit Bericht vom 13. Dezember 2017 im Wesentlichen an ihrer früheren Einschätzung (vgl. E. 3.8) fest.
3.19
S._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 19. Dezember 2017 (Urk. 3/18) über die Behandlung der Be
schwer
deführerin. Sie nannte als Diagnosen eine komplexe
Traumafolgestörung
(post
trau
matische Belastungsstörung, ICD-10 F43.1), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), akzentuierte Persön
lichkeitszüge (selbstunsicher und
dependent
, ICD-10 Z73.1), eine Agoraphobie (ICD-10 F40.0) und eine Panikstörung (ICD-10 F41.0, S. 2 Ziff. 2). S._ attestierte seit dem Beginn der Behandlung am 6. September 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (S. 2 Ziff. 4).
4.
4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
-
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E.
3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren
einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben
, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E.
2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E.
4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Jan
uar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Von der Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzu
sehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (vgl. zum Ganzen BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2).
5.
5.1
Gemäss den medizinischen Abklärungen leidet die Beschwerdeführerin von rheu
matologischer Seite im Wesentlichen an einem systemischen Lupus
erythema
to-des
mit Arthralgien und Arthritiden, sowie an einer verminderten Belastbarkeit und Beschwerden an der rechten Schulter (E. 3.11.2 hiervor). Dr. L._ kam im rheumatologischen Teilgutachten vom 28. Juni 2017 zum Ergebnis, dass in einer Verweistätigkeit gemäss Belastungsprofil eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bestehe, wobei die Beschwerdeführerin pro halben Tag zusätzlich eine Pause von einer Stunde benötige. Die Gutachterin ging dabei davon aus, dass die attestierte Arbeitsfähigkeit seit dem Bericht der Ärzte des F._ vom 22. Oktober 2015 gelte (E. 3.11.3).
Dr. O._ nannte im psychiatrischen Teilgutachten vom 11. Juli 2017 als Diag
nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen (E. 3.12.2). Der Gutachter attestierte zwar für die bisherige und eine angepasste Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Gleichzeitig ging er jedoch davon aus, dass die Be
schwerdeführerin bei
Optimierung d
er Psychopharmakotherapie in zwei Mona
ten
wieder eine Arbeitsfähigkeit von 100 % erreichen könne (E. 3.12.3 und 3.12.4). Die Beschwerdegegnerin ging in der Folge gestützt auf das
bidisziplinäre
Gut
achten davon aus, dass der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der medizini
schen Massnahmen in einer behinderungsangepassten Tätigkeit eine volle Arbeits
fähigkeit zugemutet werden könne.
Dr. R._, Dr. K._ und E._ beanstandeten in den
Stellungnahmen vom 21. September, vom 31. Oktober 2017 und vom 13. Dezem
be
r
2017 die Einschätzung durch Dr. L._ und Dr. O._ (vorstehend E. 3.14, 3.15 und 3.18).
5.2
Dr. O._ hat im psychiatrischen Teilgutachten vom 11. Juli 2017 die von den Ärzten der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, F._, und von E._ gestellte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (E. 3.8 und E. 3.17 hiervor) verworfen. Zur Begründung hielt er fest, dass Gewalt in der Ehe die Voraussetzungen für die Diagnose nicht erfüllen würde (E. 3.12.4).
Zunächst ist der Sachverhalt dahingehend zu präzisieren, dass die Beschwerde
führerin von ihrem letzten Partner unter anderem wiederholt geschlagen sowie vergewaltigt worden ist. Die Beschwerdeführerin reichte dem hiesigen Gericht hierzu das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 21. Oktober 2015 gegen den letzten Partner und das zweitinstanzliche Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 26. Mai 2016 (Urk. 3/15-16) ein. Das Obergericht des Kantons Zürich erkannte den Täter gemäss dem in Rechtskraft erwachsenen erstinstanzlichen Urteil des Bezirksgerichts Zürich der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 des Strafgesetzbuches (StGB), der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB und der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 und 2
lit
. c StGB für schuldig und erkannte, dass er mit einer Freiheitsstrafe
von 41 Monaten zu bestrafen ist (Urk. 3/16 S. 18 Dispositiv Ziff. 1 und S. 19 Dis
positiv Ziff. 1). Zudem ist darauf hinzuweisen, dass nach der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen eine posttraumatische Belastungs
störung als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereig
nis oder
eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Aus
masses
(kurz oder
langanhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde, entsteht. Hierzu gehören unter anderem Opfer von Folterung, Terroris
mus, Vergewaltigung oder anderen Verbrechen zu sein (ICD-10 Kapitel V, S. 207, 10. Aufl.).
Damit nennt die
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen ausdrück
lich eine Vergewaltigung als mögliches Ereignis, welches geeignet ist, eine PTBS hervorzurufen, wobei es nicht von Bedeutung ist und sein kann, ob die sexuelle Gewalt während einer Ehe oder Partnerschaft erfolgte.
Vor diesem Hintergrund kann der Einschätzung durch Dr. O._ betreffend die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung keineswegs gefolgt werden. Dies umso mehr als in der Anamnese des psychiatrischen Teilgutachtens von Missbrauchserfahrungen der Beschwerdeführerin bereits in der Kindheit die Rede ist (E. 3.12.1) und zwischenzeitlich eine komplexe PTBS diagnostiziert wurde (vgl. E. 3.17 und E. 3.19).
Weiter vermag nicht zu überzeugen, dass der Gutachter zwar eine Arbeits
fähigkeit von 50 % attestierte, gleichzeitig aber für den Fall der Anwendung einer Psychopharmakotherapie und einer schlaffördernden Medikation von einer Ver-besserung der Arbeitsfähigkeit auf eine Arbeitsfähigkeit von 100 % innerhalb von zwei Monaten ausging (E. 3.12.3 hiervor). Weder berücksichtigte er die bereits erfolgten Therapien noch erscheint überwiegend wahrscheinlich angesichts der Diagnosen, dass eine neue Therapie derart schnell eine solche Steigerung der
Arbeitsfähigkeit ermöglicht hätte. Richtigerweise hätte abgewartet werden müssen
,
ob die statuierte gesundheitliche Verbesserung auch tatsächlich umgesetzt werden
könnte, wofür eine erneute Untersuchung der Beschwerdeführerin erforderlich gewesen wäre.
Schliesslich kann gestützt auf das psychiatrische Teilgutachten von Dr. O._ bei der Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung kein strukturiertes Beweisverfahren durchgeführt werden (vgl. E. 4.2 hiervor), zumal keine aus
sage
kräftige und verwertbare Beurteilung der relevanten Indikatoren erfolgte (Urk. 9/143
S. 17 Ziff. 8.4). Auf das psychiatrische Teilgutachten von Dr. O._ kann somit, wie dargelegt aus diversen Gründen, nicht abgestellt werden.
5.3
Dr. L._ empfahl der Beschwerdeführerin die Anwendung von Physiothe
rapie (E. 3.11.3). Die behandelnde Rheumatologin Dr. R._ bestritt demgegen
über nachvollziehbar, dass bei diesem Krankheitsbild mittels Physiotherapie eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erreichen ist (E. 3.14), was bereits die Aus
sagekraft des Teilgutachtens in Frage stellt. Mit der Kritik von Dr. K._ an
den von
Dr.
L._
bei der Diagnosestellung verwendeten SLE-Kriterien (E. 3.15
) kann sodann auf das rheumatologische Teilgutachten von Dr. L._ ebenfalls nicht abgestellt werden, ganz abgesehen davon, dass es schwer fällt auf eine Arbeitsfähigkeit von 100 % zu schliessen, zumal die von Dr. L._ genannten Pausen von je einer Stunde pro halben Tagen einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von zirka 75 % gleichkommen. Nach der Kritik durch Dr. R._ und Dr. K._ kann somit auch auf das Teilgutachten von Dr. L._ nicht abgestellt werden. Die Teilgutachten von Dr. L._ und Dr. O._ erfüllen die Anforderungen der Rechtsprechung an ein medizinisches Gutachten (E. 4.1 hiervor) nicht. Die Sache ist daher zur ergänzenden Abklärung des medizinischen Sachverhaltes an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.4
Zusammenfassend erweist sich der medizinische Sachverhalt in rheumatolo
gi
scher und psychiatrischer Hinsicht trotz des vorliegenden
bidisziplinären
Gut
achtens als ungenügend abgeklärt. In psychiatrischer Hinsicht bestehen insbe
sondere keine Grundlagen, um ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen abgesehen davon, dass es auch bezüglich Diagnosen nicht zu überzeugen vermag. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie eine neue Begutachtung veranlasst. Anschliessend hat sie über einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin erneut zu verfügen. In diesem Sinne ist die Beschwerde vom 22. Dezember 2017 gutzuheissen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens-
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf Fr. 900.-- festzusetzten und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
waltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte dem Gericht am 20. Juli 2018 die Honorarnote ein, wobei er einen Aufwand von 24.4 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 300.-- geltend machte (Urk. 12 S. 2). Der gerichtsüblich zu entschädigende Ansatz beläuft sich auf Fr. 220.-- (inklusive Mehrwertsteuer von 8
% beziehungsweise 7.7 % und Barauslagen), von dem abzuweichen keine Gründe bestehen.
In Bezug auf den geltend gemachten Aufwand von 24.4 Stunden hielt der Rechtsvertreter zusammengefasst fest, es hätten umfangreiche Recherchen getä
tigt und Berichte erhältlich gemacht werden müssen. Zudem habe das Gutachten, welches eklatante Mängel aufweise, in Kleinarbeit bearbeitet werden müssen. Auch sei kein Einkommensvergleich durchgeführt worden, womit der geltend ge
machte Aufwand insgesamt gerechtfertigt sei (Urk. 12 S. 2).
Dem Rechtsvertreter ist einerseits zugute zu halten, dass die im Beschwerde
ver
fahren neu eingereichten psychiatrischen Berichte (Urk. 3/13, Urk. 3/17-18) sowie die Gerichtsurteile des Bezirksgerichts Zürich und des Obergerichts des Kantons Zürich (Urk. 3/15-16) unter anderem dazu beigetragen haben, die Ausführungen und Schlussfolgerungen im Teilgutachten von Dr. O._ und damit dessen Be
weiswert in Frage zu stellen, womit ein gewisser Mehraufwand im Rahmen der Beschwerdeerhebung durchaus Berücksichtigung finden kann. Die neu einge
reichten Berichte in somatischer Hinsicht (Urk. 3/19-20) waren inhaltlich jedoch bereits bekannt, da entsprechende Berichte von Dr. R._ und Dr. K._ schon im Rahmen des
Einwandverfahrens
eingereicht worden waren (vgl. E. 3.14-15). Ein zusätzlicher Mehraufwand hierfür drängt sich somit nicht auf. Im Weiteren ist die detaillierte Auseinandersetzung eines Rechtsvertreters mit einem Gutachten im Rahmen fast jeder hier zu beurteilenden Beschwerde unerlässlich und kann nicht ohne Weiteres einen derart erhöhten Aufwand rechtfertigen, insbesondere wenn der Rechtsvertreter selber und auch das Gericht zum Schluss kam, dass gewisse Mängel des Gutachtens geradezu auffällig waren (zum Beispiel Nichtbe
urteilbarkeit der Standardindikatoren, 10 Stunden zusätzliche Pausen pro Woche aber doch 100%ige Arbeitsfähigkeit). Es ist ferner im Rahmen des Üblichen, dass in der Beschwerde zur Invaliditätsbemessung Stellung genommen wird, auch wenn die IV-Stelle eine solche nicht vorgenommen hat, wobei zu bemerken ist, dass die Ausführungen des Rechtsvertreters hierzu nur rund eine Seite betrugen (Urk. 1 S. 29 f. Ziff. 55 und S. 36 Ziff. 67).
Zusammengefasst erscheint vorliegend – nicht zuletzt auch angesichts der Urteilslänge – ein im Vergleich mit einem durchschnittlichen IV-Verfahren erhöhter Aufwand zwar als gerechtfertigt. Der vom Rechtsvertreter geltend ge
machte Aufwand von 24.4 Stunden erscheint jedoch nach dem Gesagten als überhöht. Insbesondere der Aufwand für das Verfassen der Beschwerdeschrift von 16.8 Stunden erscheint überhöht. In Anbetracht der nötigen Aufwendungen in Bezug auf die eingereichten Berichte, des üblichen zu berücksichtigenden Auf
wands im
Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit dem Gutachten und der erforderlichen Ausführungen zum Einkommensvergleich erscheint ein – im Vergleich mit ähnlich gelagerten Fällen – zeitlicher Aufwand von insgesamt 17 Stunden als angemessen. Da die Beschwerde vom 22. Dezember 2017 datiert, wird vorliegend nebst dem gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 220.— die Mehrwertsteuer von 8 % berücksichtigt, was einen Betrag von Fr. 4'039.20 ergibt, zu welchem es die Barauslagen von 3 % zu addieren gilt, womit eine Prozess
entschädigung von Fr. 4'160.40 resultiert. Die Beschwerdeführerin ist daher mit Fr. 4'160.40 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
6.3
Bei diesem Ausgang des Verfahren erweist sich das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung (Urk. 1 S. 2 Ziff. 3 oben) als gegenstandslos.