Decision ID: 152fc21b-554e-5a80-af6c-7d2a40ca1cce
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Paul Rechsteiner, Oberer Graben 44,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenaufhebung
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 9. Januar 2003 zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Gemäss
einem zuhanden der Krankentaggeldversicherung erstellten Gutachten der Zentrum für
Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene (AEH) GmbH vom 15. Januar 2003 litt sie an
einem chronifizierten generalisierten undifferenzierten Schmerzsyndrom mit einer
ausgeprägten somatoformen Schmerzstörung, psychosozialen Belastungssituationen
in der Vergangenheit und einer prolongierten depressiven Anpassungsstörung (IV-
act. 8–5 ff.). Die Sachverständigen hatten eine mittel- bis langfristige vollständige
Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten attestiert. Das im Gutachten erwähnte
psychiatrische Consiliargutachten wurde von der IV-Stelle nicht beigezogen. Die Klinik
für Innere Medizin des Kantonsspitals St. Gallen hatte am 6. September 2002 die
Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms erwähnt und eine kurzfristige Arbeitsunfähigkeit
von 100 Prozent attestiert (IV-act. 8–17 ff.). Die Ärzte hatten eine schnellstmögliche
Rückkehr an den Arbeitsplatz nach Einleiten der Therapien empfohlen. Das Pensum
sollte ihrer Ansicht nach initial 50 Prozent betragen und dann gesteigert werden.
Dr. med. B._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 1. Juli
2003 (IV-act. 11), der Bericht der AEH GmbH könne als Gutachten qualifiziert werden,
da die Schlussfolgerungen ausführlich begründet worden seien. Es sei von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit ab dem 24. Juli 2002 auszugehen, nachdem anlässlich
der ambulanten Untersuchung in der Klinik für Innere Medizin des Kantonsspitals
St. Gallen ebenfalls eine vollständige Arbeitsunfähigkeit festgestellt worden sei und die
prognostischen Aussagen nicht verwertbar seien. Weitere medizinische Abklärungen
seien nicht nötig. Mit einer Verfügung vom 6. November 2003 sprach die IV-Stelle der
Versicherten ab dem 1. Juli 2003 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (IV-
act. 17). Den Invaliditätsgrad von 76 Prozent hatte sie anhand der so genannten
gemischten Methode berechnet, wobei sie – ohne vorgängige Haushaltsabklärung –
von einem erwerblichen Anteil von 70 Prozent und von einer Einschränkung im
Haushalt von lediglich 20 Prozent ausgegangen war (IV-act. 15).
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A.b Im November 2012 forderte die IV-Stelle die Versicherte, deren Hausarzt und
deren behandelnden Psychiater auf, verschiedene Fragen zum Gesundheitszustand
der Versicherten zu beantworten. Die Versicherte machte geltend, ihr Zustand habe
sich verschlechtert; sie leide seit Monaten an zusätzlichen Beinbeschwerden (IV-
act. 45). Der Psychiater Dr. med. C._ führte aus, der Gesundheitszustand sei
unverändert schlecht; die Versicherte verlasse kaum noch ihre Wohnung (IV-act. 48).
Der Hausarzt Dr. med. D._ verneinte ebenfalls eine Veränderung des Gesundheits
zustandes (IV-act. 49). Der RAD-Arzt Dr. med. E._ notierte am 25. Januar 2013 (IV-
act. 50), die Versicherte leide an einem Beschwerdebild im Sinne der Schluss
bestimmungen zur so genannten IV-Revision 6a (6. Revision des IVG, erstes Mass
nahmenpaket). Als Komorbidität werde in den Arztberichten eine prolongierte depres
sive Anpassungsstörung mit Somatisierung beschrieben. Eine chronische körperliche
Begleiterkrankung oder ein mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder
progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission lägen nicht vor. Auch lasse
sich kein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens erkennen.
Ebenso wenig liege ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer
innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewältigung vor. Schliesslich liessen sich den Akten auch keine Hinweise auf
ein unbefriedigendes Behandlungsergebnis entnehmen. Weitere Unterlagen seien aus
medizinischer Sicht nicht einzuholen. Ein Mitarbeiter des Rechtsdienstes notierte am
29. Januar 2013 (IV-act. 51), eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver
Reaktion sei rechtsprechungsgemäss nicht invalidisierend. Vorliegend seien die so
genannten Foerster’schen Kriterien nicht erfüllt, womit kein Rentenanspruch bestehe.
Mit einem Vorbescheid vom 13. Februar 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie die laufende Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden
Monats aufzuheben gedenke (IV-act. 54). Dagegen wendete die Versicherte am
21. Februar 2013 ein (IV-act. 56), ihr Gesundheitszustand sei nicht genügend abgeklärt
worden. Die IV-Stelle könne den Bericht von Dr. C._ nicht einfach ohne weitere
Abklärungen übergehen. Sie beantrage daher die Durchführung weiterer medizinischer
Abklärungen. Ihrem Schreiben legte sie diverse medizinische Berichte bei (IV-act. 57).
Der RAD-Arzt Dr. E._ nahm am 12. April 2013 Stellung zu diesen Berichten (IV-
act. 58). Er führte aus, dass diese an seiner früheren Einschätzung nichts änderten.
Gesamthaft sei der Gesundheitszustand als im Wesentlichen unverändert zu
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qualifizieren, wobei weiterhin keine Notwendigkeit zur Einholung weiterer Berichte
bestehe. Am 15. April 2013 verfügte die IV-Stelle wie vorangekündigt (IV-act. 59).
B.
B.a Am 16. Mai 2013 liess die nun anwaltlich vertretene Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 15. April 2013
erheben (act. G 1). Sie liess die Aufhebung der Verfügung beantragen und zur
Begründung im Wesentlichen ausführen, der Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt.
Dem der Beschwerde beigelegten und in den Akten der Beschwerdegegnerin nicht
enthaltenen Consiliargutachten von Dr. med. Dr. phil. F._ zuhanden der AEH GmbH
lasse sich entnehmen, dass eine ernsthaftere psychiatrische Diagnose als von der
Beschwerdegegnerin bzw. deren RAD-Ärzten angenommen gestellt worden sei.
Wiedereingliederungsmassnahmen seien sodann gar nicht erst geprüft worden.
Gesamthaft erweise sich die angefochtene Verfügung als rechtswidrig, weil sie auf
einem ungenügend abgeklärten Sachverhalt beruhe.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. Juni 2013 die Abweisung der Be
schwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die behandelnden
Ärzte hätten einen unveränderten Gesundheitszustand attestiert. Zudem sei
unumstritten, dass ein Leiden im Sinne der Schlussbestimmungen zur IV-Revision 6a
vorliege. Eine interdisziplinäre Begutachtung sei deshalb nicht notwendig. Aus dem
Umstand, dass die Beschwerdeführerin für die weitere Ausrichtung ihrer bisherigen
Rente kämpfe, lasse sich ohne Weiteres darauf schliessen, dass sie sich nicht als
arbeitsfähig sehe. Es liege auf der Hand, dass sie daher nicht ernsthaft an
Eingliederungsmassnahmen interessiert sei. Falls sie ihr Interesse nicht bloss aus
prozesstaktischen Gründen bekundet habe, könne sie sich ohne Weiteres bei der IV-
Stelle melden.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 21. August 2013 an ihrem Antrag festhalten
(act. G 8).

Erwägungen:
1.
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1.1 Gemäss lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen der Änderung des IVG vom
18. März 2011 (6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket) werden Renten, die bei
pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweis
bare organische Genese gesprochen worden sind, innerhalb von drei Jahren seit
Inkrafttreten dieser Gesetzesänderungen überprüft, wobei die Rente herabzusetzen
oder aufzuheben ist, wenn die Voraussetzungen von Art. 7 ATSG nicht erfüllt sind.
Keine Anwendung findet diese Bestimmung auf Personen, die im Zeitpunkt des
Inkrafttretens dieser Gesetzesänderungen das 55. Altersjahr zurückgelegt haben oder
im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine
Rente der Invalidenversicherung beziehen (Abs. 4). Diese Bestimmung ist am 1. Januar
2012 in Kraft getreten (AS 2011 5672). Der Gesetzgeber hat damit bezweckt, eine
rechtliche Grundlage zur Anpassung laufender Renten zu schaffen, die vor dem
1. Januar 2008 wegen „somatoformer Schmerzstörungen, Fibromyalgie und ähnlicher
Sachverhalte“ zugesprochen worden waren. In der Botschaft hat der Bundesrat
ausgeführt, dass eine Rente in Abweichung von Art. 17 ATSG auch dann anzupassen
sei, wenn weder eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes noch der
erwerblichen Verhältnisse vorliege, sofern die Überprüfung durch die IV-Stelle ergebe,
dass eine somatoforme Schmerzstörung, eine Fibromyalgie oder ein ähnlicher
Sachverhalt vorliege und gemäss Art. 7 ATSG als überwindbar zu qualifizieren sei. Eine
Herabsetzung oder Aufhebung dürfe allerdings nur nach eingehender Prüfung des
Sachverhaltes erfolgen. In jedem Fall seien die in BGE 130 V 352 formulierten Kriterien
zu prüfen. Zudem sei dem bisher berechtigterweise erfolgten Rentenbezug sowie der
dadurch entstandenen Situation angemessen Rechnung zu tragen. So sei in jedem
einzelnen Fall eine Güterabwägung vorzunehmen und auf dieser Basis zu entscheiden,
ob eine Anpassung im konkreten Fall als verhältnismässig erscheine (BBl 2010 1911;
vgl. auch Amtl. Bull. SR 2010 661 ff. und Amtl. Bull NR 2010 2116 ff.). Es handelt sich
bei dieser Schlussbestimmung um ein neues, im ATSG nicht vorgesehenes
Korrekturinstrument für bestimmte formell rechtskräftige Rentenverfügungen. Der
Gesetzgeber hat einen Bedarf gesehen, laufende Renten, auf die heute die in BGE 130
V 352 eingeführte Bundesgerichtspraxis anzuwenden wäre, nachträglich einer
Überprüfung im Sinne dieser Praxis zu unterziehen. Die Renten sollen aufgehoben oder
herabgesetzt werden können, wenn sie dieser nachträglichen Überprüfung nicht
standhalten, und zwar auch dann, wenn weder die Voraussetzungen für eine
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Rentenanpassung (Art. 17 ATSG) noch jene für eine Revision (Art. 53 Abs. 1 ATSG)
oder eine Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) erfüllt sind. Es handelt sich also um
eine Anpassung von formell rechtskräftigen Rentenverfügungen an eine geänderte
Bundesgerichtspraxis.
1.2 In einem Verfahren nach lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen zur IV-Revision 6a
ist zuerst – gewissermassen im Sinne einer Eintretensprüfung – zu klären, ob die
Voraussetzungen für eine Überprüfung und allfällige Anpassung des Rentenanspruchs
gegeben sind. Dabei stellt sich insbesondere die Frage, ob die Rente aufgrund eines
Leidens im Sinne dieser Bestimmung zugesprochen worden ist. Hierfür ist der
damalige Sachverhalt relevant. Ist diese Frage zu bejahen und sind auch die übrigen
Voraussetzungen (Alter der versicherten Person, Dauer des Rentenbezuges, dreijährige
Überprüfungsfrist ab Inkrafttreten der Änderung) erfüllt, ist das eigentliche Verfahren
zur (umfassenden und sorgfältigen) Überprüfung und allfälligen Anpassung des
Rentenanspruchs von Amtes wegen zu eröffnen. Diese Überprüfung hat der
geänderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung Rechnung zu tragen, denn der
Verfügung, mit der das Verfahren abgeschlossen wird, muss die aktuelle
höchstrichterliche Rechtsprechung zugrunde liegen. Das bedeutet, dass der
Invaliditätsgrad unter Berücksichtigung der Vorgaben der aktuellen Praxis neu zu
ermitteln ist. Selbstverständlich muss der Rechtsanwendung aber auch der aktuelle
Sachverhalt zugrunde gelegt werden. Das fordert bereits der Untersuchungsgrundsatz
(Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Gesetzgeber hat zudem keine Korrektur ex tunc, sondern
vielmehr eine Anpassung ex nunc vorgesehen. Die Frage, die es zu beantworten gilt,
lautet also nicht: „Wie hoch ist der Invaliditätsgrad im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache beim damaligen Stand der Akten, aber unter Berücksichtigung der
aktuellen Rechtsprechung gewesen?“ Vielmehr ist die aktuelle Praxis auf den aktuellen
Sachverhalt anzuwenden. Zu beantworten ist also die Frage: „Wie hoch ist der
Invaliditätsgrad im jetzigen Zeitpunkt unter Berücksichtigung des aktuellen
Sachverhaltes und des jetzt geltenden Rechts?“ Der Gesetzgeber hat die
Vergangenheit nämlich auf sich beruhen lassen, das heisst die laufenden Renten nur
für die Zukunft korrigieren wollen. Dies zwingt dazu, das aktuelle Recht bzw. die
aktuelle Praxis auf den aktuellen Sachverhalt anzuwenden. Im Übrigen lässt sich
bereits dem Wortlaut der fraglichen Bestimmung entnehmen, dass eine allfällige
Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung eine sorgfältige und umfassende
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Überprüfung des massgebenden Sachverhaltes voraussetzt. Würde nämlich aus der
Bejahung der Voraussetzungen für die Überprüfung direkt die Aufhebung der Rente
folgen, hätte der Gesetzgeber gewiss nicht die Möglichkeit einer Herabsetzung der
Rente erwähnt, sondern direkt die Aufhebung der Rente angeordnet.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin hat bei der Eröffnung des aktuellen Verfahrens im
November 2012 ihr 55. Altersjahr noch nicht vollendet gehabt. Ihre Rente hat sie im
damaligen Zeitpunkt noch nicht 15 Jahre lang bezogen.
2.2 Im Sinne der oben erwähnten „Vorprüfung“ bleibt also einzig noch zu klären, ob
das Leiden, das zur Rentenzusprache geführt hat, unter den Anwendungsbereich der
Schlussbestimmungen zur IV-Revision 6a fällt, das heisst, ob es sich um ein patho
genetisch-ätiologisch unklares Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Genese
handelt. Problematisch ist, dass es sich hierbei nicht um einen juristischen terminus
technicus handelt. Der Begriff stammt vielmehr aus dem medizinischen Fachgebiet,
wo er allerdings in der Regel bloss als eine Art behelfsmässige Umschreibung für
Syndrome bzw. Symptomenkomplexe verwendet wird, für die keine spezifischere
Diagnose gestellt werden kann. Schon in medizinischer Hinsicht erweist sich der
Begriff also als unspezifisch. Als Tatbestandselement, das heisst als eine von mehreren
(juristischen) Voraussetzungen für die Anordnung einer bestimmten Rechtsfolge,
erweist er sich als so unbestimmt, dass er als Kriterium zur Eingrenzung von konkreten
Anwendungsfällen kaum mehr taugen kann. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung
seit dem Leitentscheid BGE 130 V 352 zeigt dies deutlich: Der Anwendungsbereich ist
laufend um weitere Beschwerdebilder erweitert worden. Sind zunächst bloss
somatoforme Schmerzstörungen darunter gefallen, sind bald Fibromyalgien,
Neurasthenien und schliesslich Distorsionstraumata der Halswirbelsäule (so genannte
Schleudertraumata) darunter subsumiert worden. Heute haben die Rechtsanwender die
Frage anhand des unspezifischen Begriffs und einer lückenhaften, uneinheitlichen
bundesgerichtlichen Kasuistik zu beantworten. Dabei gerät unter anderem in der Praxis
immer mehr in Vergessenheit, dass nicht entscheidend ist, ob ein solches
pathogenetisch-ätiologisch unklares Beschwerdebild ohne nachweisbare organische
Genese vorliegt, sondern vielmehr, ob den betroffenen Personen zugemutet werden
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kann, trotz eines solchen Leidens einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, das heisst ihre
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung zu „überwinden“. Wenn – wie vorliegend – die
Rentenzusprache letztlich gestützt auf ein psychiatrisches (Consiliar-) Gutachten erfolgt
ist, in dem die Zumutbarkeit der „Überwindung“ der auf einem solchen syndromalen
Leiden fussenden Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung verneint worden ist, stellt sich die
Frage, ob die Rentenzusprache dennoch „bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Genese“ erfolgt ist. Ebenso fraglich
ist, ob diese Voraussetzung auch erfüllt ist, wenn ein Leiden zur Diskussion steht, für
welches das Bundesgericht vor Inkrafttreten der IV-Revision 6a noch nicht die
Anwendung der Regeln gemäss BGE 130 V 352 statuiert hat. Anders ausgedrückt:
Kann die Ausdehnung des Anwendungsbereiches dieser Praxis durch das
Bundesgericht auch zu einer Ausdehnung des Anwendungsbereiches der
Schlussbestimmung zur IV-Revision 6a führen? Die Anwendung dieser
Schlussbestimmung erweist sich also aufgrund des leider sehr offenen
Anwendungsbereiches als überaus problematisch.
2.3 Gemäss dem Gutachten der AEH GmbH litt die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt
der Rentenzusprache zwar im Wesentlichen an einem chronifizierten generalisierten
undifferenzierten Schmerzsyndrom, welches unter den Anwendungsbereich der
Schlussbestimmungen zur IV-Revision 6a fällt. Der psychiatrische Consiliarius hatte
aber eine prolongierte schwere gemischte depressive „Anpassungsstörung“ mit
Somatisierung und deutlichen Hinweisen für eine dysfunktionale innerpsychische
Fehlverarbeitung (auf dem Boden einer traumatisierten psychischen Entwicklung mit
Vulnerabilität bei „prädikativer Biographie“) im Rahmen einer intelligenten, engagierten
und arbeitsmotivierten Persönlichkeitsstruktur diagnostiziert (act. G 1.1.4, S. 4), von der
nicht ohne Weiteres behauptet werden kann, sie falle unter den vom Bundesgericht
geprägten Begriff der pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen
Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Genese. Im von der
Beschwerdegegnerin erwähnten Urteil des Bundesgerichtes 9C_153/2012 vom
15. Oktober 2012 ist nämlich nicht die Auffassung vertreten worden, es handle sich bei
einer Anpassungsstörung um ein solches Beschwerdebild. Vielmehr hat das
Bundesgericht bezogen auf jenen Fall ausgeführt, die dort – zusätzlich zu einer
somatoformen Schmerzstörung – diagnostizierte Anpassungsstörung sei nicht von so
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer, dass sie die Willensanstrengung zur
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Überwindung der durch die somatoforme Schmerzstörung verursachten
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung als unzumutbar erscheinen lasse (E. 4.3). Zur
Begründung hat das Bundesgericht allerdings ausgeführt, Anpassungsstörungen seien
im Grenzbereich dessen zu situieren, was überhaupt noch als krankheitswertig und
potentiell invalidisierendes Leiden gelten könne. Im vorliegenden Fall hat im Zeitpunkt
der Rentenzusprache aber gemäss dem überzeugenden psychiatrischen
Consiliargutachten von Dr. Dr. F._ eine schwere Störung vorgelegen, von der
keineswegs behauptet werden kann, sie sei im Grenzbereich dessen zu situieren, was
überhaupt noch als krankheitswertig gelten könne. Dem Consiliargutachten lässt sich
weiter entnehmen, dass sich Dr. Dr. F._ mit der Frage der Überwindbarkeit der
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung auseinandergesetzt und diese weitgehend verneint
hat. Weil er aber ausgeführt hat, dass die objektivierbare depressive Psychopathologie
auf dem Boden einer chronischen psychodynamisch herleitbaren Schmerzsymptomatik
(„Fibromyalgiesyndrom“) „aufgepfropft“ sei (act. G 1.1.4, S. 4), ist insgesamt eher
davon auszugehen, dass das Bundesgericht auch diese Störung in der vorliegenden
Ausprägung als pathogenetisch-ätiologisch unklares Beschwerdebild ohne
nachweisbare organische Genese qualifizieren und entsprechend die Zulässigkeit der
Überprüfung des Rentenanspruchs bejahen würde. Folglich muss davon ausgegangen
werden, dass die Voraussetzungen für eine nachträgliche Überprüfung der
Rentenzusprache und eine allfällige Anpassung an die geänderte Bundesgerichtspraxis
erfüllt gewesen sind.
3.
3.1 Die Überprüfung hat sich auf eine Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. E._ be
schränkt, der im Wesentlichen bloss dargelegt hat, weshalb seines Erachtens die so
genannten Foerster’schen Kriterien nicht erfüllt seien. Seine Ausführungen setzen un
zulässigerweise voraus, dass für die Beurteilung des aktuellen Rentenanspruchs auf
das über zehn Jahre alte Gutachten der AEH GmbH abgestellt werden könne. Zwar
haben die behandelnden Ärzte auf eine entsprechende Nachfrage hin ausgeführt, der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich nicht wesentlich verändert.
Allein aufgrund dieser eher vagen Angaben kann aber nicht gestützt auf das über
zehn Jahre alte Gutachten der AEH GmbH über den aktuellen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin befunden werden, zumal aktenkundig ist, dass diese
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zwischenzeitlich unter anderem zweimal an der Wirbelsäule hat operiert werden
müssen. Die vom Gesetzgeber geforderte sorgfältige Überprüfung des
Rentenanspruchs setzt allseitige Untersuchungen bezüglich des aktuellen
Gesundheitszustandes der betroffenen Person voraus. Die Sache ist deshalb an die
Beschwerdegegnerin zur Durchführung der unterlassenen Untersuchungen
zurückzuweisen, wobei sich eine bidisziplinäre (oder allenfalls polydisziplinäre)
versicherungsexterne Abklärung empfiehlt, da die Beschwerdeführerin immerhin
zweimal am Rücken operiert worden ist. Nach der Durchführung der notwendigen
Untersuchungen wird die Beschwerdegegnerin prüfen, in welchem Ausmass die
Beschwerdeführerin erwerbstätig wäre, wenn sie gesund wäre, und allenfalls, in
welchem Ausmass die Beschwerdeführerin bezüglich der Haushaltstätigkeiten ein
geschränkt ist. Anschliessend wird die Beschwerdegegnerin über den aktuellen
Rentenanspruch umfassend neu befinden.
3.2 Im Verwaltungsverfahren nicht geprüft und deshalb von der angefochtenen Ver
fügung (bzw. vom vorliegenden Beschwerdeverfahren) nicht erfasst ist ein allfälliger
Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Entschädigung für eine leichtgradige
Hilflosigkeit gemäss Art. 42 Abs. 3 IVG i.V.m. Art. 38 Abs. 1 lit. a IVV. Sollte die
Beschwerdeführerin krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage sein, den eigenen
Haushalt zu besorgen, wäre die Frage zu beantworten, ob sie ohne eine Begleitung
durch eine Drittperson noch selbständig leben könnte, wofür wohl die Durchführung
einer Haushaltsabklärung unumgänglich wäre (vgl. den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. April 2014, IV 2013/412). Es ist
davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin noch über einen allfälligen Anspruch
der Beschwerdeführerin auf eine Hilflosenentschädigung verfügen wird.
4. Gesamthaft ist die Beschwerde also dahingehend gutzuheissen, dass die
angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und zur
anschliessenden Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Die
gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu erhebenden und angesichts des durchschnittlichen
Aufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten hat die
Beschwerdegegnerin zu tragen, weil die Rückweisung zu weiteren Abklärungen
praxisgemäss hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen als Obsiegen der
Beschwerde führenden Partei zu qualifizieren ist. Die Beschwerdegegnerin hat der
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Beschwerdeführerin sodann eine angesichts der wenigen Akten unterdurchschnittliche
Parteientschädigung von 2’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) auszurichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP