Decision ID: 56297e0c-eb0d-412f-848c-12a8512aefb4
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Gehilfenschaft zu grober Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht in Strafsachen, vom 31. August 2020 (GG190043)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 28. Oktober
2019 (Urk. 33) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist einer strafbaren Handlung nicht schuldig und wird frei-
gesprochen.
2. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
28. Oktober 2019 beschlagnahmte Gegenstand iPhone 8, mit Ladekabel
(A011'956'131) wird nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils dem Be-
schuldigten auf erstes Verlangen innerhalb von drei Monaten herausgege-
ben und ansonsten durch die Lagerbehörde (Lagerort: Bezirksgerichtkasse
Dietikon) vernichtet.
3. Dem Beschuldigten werden als Genugtuung für die zu Unrecht erlittene Haft
Fr. 200.00 aus der Gerichtskasse zugesprochen.
4. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die
Gerichtskasse genommen.
5. Rechtsanwalt MLaw X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger zusätzlich zur mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland vom 28. Oktober 2019 bereits überwiesenen Akontozah-
lung von Fr. 3'500.45 mit Fr. 6'512.65 (inkl. Barauslagen und 7.7 % MwSt.)
aus der Gerichtskasse entschädigt.
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Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. 75 S. 3)
1. Der Beschuldigte A._ sei schuldig zu sprechen der groben  der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in  mit Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 33 Abs. 2 SVG, Art. 34 Abs. 1
Satz 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV sowie Art. 25 StGB.
2. Die erstandene Haft sei anzurechnen.
3. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten sowie einer Busse von CHF 800.00.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von 2 Jahren.
5. Es sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen bei schuldhafter  der Busse festzusetzen.
6. Es sei über die Rückgabe der einzig als Beweismittel beschlagnahmten
Gegenstände zu entscheiden.
7. Es seien die Kosten für das Vor-, Haupt- und Berufungsverfahren dem
Beschuldigten anteilsmässig aufzuerlegen.
b) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 76 S. 2)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 31. August 2020
(GG190043) sei zu bestätigen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 7.7 % MwSt) zulasten
des Staates.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung
1. Das eingangs im Dispositiv erwähnte Urteil des Bezirksgerichts Dietikon,
Einzelgericht in Strafsachen, vom 31. August 2020 wurde den Parteien nach
durchgeführter Hauptverhandlung am selben Tag mündlich eröffnet und im Dis-
positiv mitgeteilt (Prot. I S. 7 ff., 42 ff.). Die Vorinstanz verhandelte gleichzeitig mit
dem vorliegenden Fall auch die von der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
(nachfolgend: Staatsanwaltschaft) im gemeinsam geführten Untersuchungsver-
fahren erhobenen separaten Anklagen gegen die Mitbeschuldigten B._ und
C._ (Urk. 25 und 29), welche zwar administrativ von der Erstinstanz in ge-
trennten Verfahren geführt, jedoch von Anfang an und bis zur mündlichen Haupt-
verhandlung gemeinsam behandelt wurden (Prot. I S. 3 ff., 8 ff.). Die Staatsan-
waltschaft meldete am 1. September 2020 Berufung an (Urk. 54), worauf die be-
gründete Ausfertigung des Urteils (Urk. 61) den Parteien am 18. September 2020
zugestellt wurde (Urk. 60/1-2). Die Berufungserklärung der Staatsanwaltschaft
vom 28. September 2020 erfolgte rechtzeitig (Urk. 62). Der Beschuldigte verzich-
tete innert angesetzter Frist auf Anschlussberufung und verlangte die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 66). Die Staatsanwaltschaft legte auch in den
Verfahren gegen die Mitbeschuldigten C._ und B._ Berufung ein, wel-
che von der hiesigen Kammer unter den Verfahrensnummern SB200394 und
SB200396 zusammen mit dem vorliegenden Fall verhandelt werden. Die Parteien
der drei Verfahren wurden nach Terminrücksprache am 8. Februar 2021 zur ge-
meinsamen Berufungsverhandlung auf den 26. Oktober 2021 vorgeladen
(Urk. 71). Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte die Staatsanwaltschaft
und die Verteidigung die eingangs aufgeführten Anträge (Prot. II S. 3 f.; Urk. 75 S.
3; Urk. 76 S. 2), und als Vorfrage im Sinne von Art. 339 Abs. 2 StPO wurde von
der Verteidigung die Verwertbarkeit der Videoaufnahme sowie mangels Gewäh-
rung der Teilnahmerechte die Verwertbarkeit sämtlicher Aussagen der beiden
Mitbeschuldigten im Vorverfahren moniert (Urk. 74). Die vorfrageweise gestellten
Anträge wurden abgewiesen, was den Parteien anlässlich der Berufungsverhand-
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lung mündlich eröffnet und begründet wurde (Prot. II S. 6 f.; vgl. nachstehend,
Erw. II.). Nach erfolgter Befragung der Beschuldigten in Anwesenheit ihrer amtli-
chen Verteidigungen (Prot. II S. 7 ff.) erweist sich das Verfahren als spruchreif.
2. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO).
Die Staatsanwaltschaft ficht mit ihrer Berufung das vorinstanzliche Urteil in der
Sache vollumfänglich an, weshalb auch die damit zusammenhängenden Folge-
punkte des Urteils, wie zum Beispiel die Nebenfolgen, vor allem der Zivilpunkt
sowie Kosten- und Entschädigungsregelungen, aber auch Entscheidungen über
Einziehungen, als angefochten gelten (vgl. dazu SCHMID/JOSITSCH, Schweizeri-
sche Strafprozessordnung, Praxiskommentar [kurz: Praxiskommentar StPO],
3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 399 N 18; HUG/SCHEIDEGGER in: Donatsch/
Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-
ordnung StPO [kurz: ZH Kommentar StPO], 3. Aufl. 2020, N 19 und 20 zu
Art. 399; SPRENGER in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar,
Schweizerische Strafprozessordnung [kurz: BSK StPO], 2. Aufl., Basel 2014,
Art. 437, N 31 f.). Demzufolge ist das vorinstanzliche Urteil in keinem Punkt in
Rechtskraft erwachsen und vollumfänglich zu überprüfen.
II. Prozessuales
1. Konfrontationsanspruch / Teilnahmerechte
1.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung rügte die Verteidigung erneut als Vor-
frage im Sinne von Art. 339 Abs. 2 StPO die Verwertbarkeit sämtlicher Aussagen
der beiden Mitbeschuldigten im Vorverfahren mangels Gewährung der Teilnah-
merechte (Urk. 74 S. 2). Zur Begründung führte sie aus, dem Beschuldigten
A._ hätten im Vorverfahren in Bezug auf die Einvernahmen der beiden Mit-
beschuldigten die Teilnahmerechte gewährt werden müssen und es hätten Kon-
frontationseinvernahmen stattfinden müssen. Da der Beschuldigte zu keinem
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Zeitpunkt auf seine Teilnahmerechte verzichtet habe, seien die Aussagen der
beiden Mitbeschuldigten zu seinen Lasten nicht verwertbar (Urk. 74 S. 3). Die vor-
frageweise gestellten Anträge der Verteidigung wurden abgewiesen, was den
Parteien anlässlich der Berufungsverhandlung mündlich eröffnet und begründet
wurde (Prot. II S. 6 f.; vorstehend, Erw. I.1.).
1.2. Die Vorinstanz verneint in ihrer Urteilsbegründung die Verwertbarkeit der
gestützt auf die Delegationsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 26. September
2018 von der Polizei durchgeführten Einvernahmen von
- B._ vom 23. Oktober 2018 (Urk. 5/1-2) und 24. September 2019
(Urk. 5/3) und von
- C._ vom 23. Oktober 2018 (Urk. 6/1) und 2. September 2019
(Urk. 6/2)
hinsichtlich allfälliger sich aus ihnen ergebenden, den Beschuldigten belastenden
Aussagen. Sie erwägt, weder der Beschuldigte noch seine amtliche Verteidigung
seien zugegen gewesen und sie hätten auch im Nachhinein keine Möglichkeit ge-
habt, ihre Teilnahmerechte zu wahren. Einer Verwertbarkeit zugunsten des Be-
schuldigten stehe jedoch nichts entgegen (Urk. 61 S. 5).
1.3. Die Staatsanwaltschaft macht in prozessualer Hinsicht zunächst geltend, die
Einvernahmen der Beschuldigten seien vollumfänglich verwertbar, da die Teil-
nahmerechte der Beschuldigten zu keinem Zeitpunkt verletzt worden seien. Sie
hätten sich zu keinem Zeitpunkt gegenseitig belastet, weshalb eine Konfrontati-
onseinvernahme nie erforderlich gewesen und seitens der Beschuldigten auch nie
beantragt worden sei. Es sei ihnen stets Akteneinsicht gewährt worden, auch in
Bezug auf die Einvernahmen der Mitbeschuldigten (Urk. 62 S. 2; Urk. 75 S. 7 f.).
1.4.
1.4.1. Gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO haben die Parteien das Recht, bei Beweis-
erhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und
einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Dieses spezifische Teilnahme- und
Mitwirkungsrecht fliesst aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 107 Abs. 1
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lit. b StPO). Es darf nur in den gesetzlich vorgesehenen Fällen eingeschränkt
werden (Art. 101 Abs. 1, Art. 108, Art. 146 Abs. 4 und Art. 149 Abs. 2 lit. b StPO;
BGE 143 IV 397 E. 3.3.1; 141 IV 220 E. 4.4; 139 IV 25 E. 4.2 mit Hinweis). Nach
Art. 147 Abs. 4 StPO dürfen Beweise, die in Verletzung der Bestimmungen von
Art. 147 StPO erhoben worden sind, nicht zulasten der Partei verwendet werden,
die nicht anwesend war (BGE 143 IV 397 E. 3.3.1, 457 E. 1.6.1; 139 IV 25 E. 4.2
und 5.4.1; Urteil 6B_1080/2020 vom 10. Juni 2021 E. 5.1).
1.4.2. Soweit die Polizei nach Eröffnung der Untersuchung Einvernahmen im Auf-
trag der Staatsanwaltschaft durchführt, stehen den Verfahrensbeteiligten die Ver-
fahrensrechte zu, die ihnen bei Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft zu-
kommen (Art. 312 Abs. 2 StPO; Urteile 6B_1080/2020 vom 10. Juni 2021 E. 5.5;
6B_886/2017 vom 26. März 2018 E. 2.3.1; 6B_217/2015 vom 5. November 2015
E. 2.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 423; vgl. auch BGE 139 IV 25 E. 4.2 f.; je mit
Hinweisen). Daraus folgt, dass die Parteien das Recht haben, bei Einvernahmen,
welche die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft während deren Untersu-
chung durchführt, anwesend zu sein und Fragen zu stellen (BGE 143 IV 397
E. 3.3.2; Urteile 6B_1080/2020 vom 10. Juni 2021 E. 5.5; 6B_128/2018 vom
8. Februar 2019 E. 2.2.2; je mit Hinweisen; 6B_217/2015 vom 5. November 2015
E. 2.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 423).
1.4.3. Der in Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte Anspruch der beschuldigten
Person, den Belastungszeugen Fragen zu stellen, ist ein besonderer Aspekt des
Rechts auf ein faires Verfahren. Er wird als Konkretisierung des rechtlichen Ge-
hörs (Art. 29 Abs. 2 BV) auch durch Art. 32 Abs. 2 BV gewährleistet. Eine belas-
tende Zeugenaussage ist grundsätzlich nur verwertbar, wenn der Beschuldigte
wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und hinreichende Ge-
legenheit hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Belastungs-
zeugen zu stellen (BGE 133 I 33 E. 3.1; 131 I 476 E. 2.2; je mit Hinweisen). Dies
gilt auch betreffend die Einvernahme von Auskunftspersonen (Urteil
6B_1039/2014 vom 24. März 2015 E. 3.3.1 mit Hinweisen). Damit die Verteidi-
gungsrechte gewahrt sind, muss der Beschuldigte namentlich in der Lage sein,
die Glaubhaftigkeit einer Aussage prüfen und den Beweiswert in kontradiktori-
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scher Weise auf die Probe und infrage stellen zu können (BGE 133 I 33 E. 3.1;
131 I 476 E. 2.2; 129 I 151 E. 3.1 und E. 4.2; Urteil 6B_383/2019 vom 8. Novem-
ber 2019 E. 8.1.2, nicht publ. in: BGE 145 IV 470; je mit Hinweisen). Dies setzt in
aller Regel voraus, dass sich der Einvernommene in Anwesenheit des Beschul-
digten (nochmals) zur Sache äussert (Urteile 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021
E. 1.3.4; 6B_1003/2020 vom 21. April 2021 E. 2.2 mit Hinweis; 6B_886/2017 vom
26. März 2018 E. 2.3.2; 6B_542/2016 vom 5. Mai 2017 E. 2.4; 6B_764/2015 vom
6. Januar 2016 E. 1.7.3; 6B_839/2013 vom 28. Oktober 2014 E. 1.4.2;
6B_369/2013 vom 31. Oktober 2013 E. 2.3.3). Beschränkt sich die Wiederholung
der Einvernahme aber im Wesentlichen auf eine formale Bestätigung der früheren
Aussagen, wird es dem Beschuldigten verunmöglicht, seine Verteidigungsrechte
wirksam wahrzunehmen. Nach der Rechtsprechung stellt im Übrigen das wörtli-
che Vorhalten unverwertbarer Aussagen eine unzulässige Verwertung im Sinne
von Art. 141 Abs. 4 StPO dar (BGE 143 IV 457 E. 1.6.1; Urteile 6B_14/2021 vom
28. Juli 2021 E. 1.3.4; 6B_1080/2020 vom 10. Juni 2021 E. 6.1; 6B_1003/2020
vom 21. April 2021 E. 2.2; 6B_542/2016 vom 5. Mai 2017 E. 2.4; 6B_764/2015
vom 6. Januar 2016 E. 1.7.3; 6B_839/2013 vom 28. Oktober 2014 E. 1.4.2;
6B_369/2013 vom 31. Oktober 2013 E. 2.3.3).
1.4.4. Bei Einvernahmen in separat geführten Verfahren besteht nach der Recht-
sprechung kein Anspruch auf Teilnahme nach Art. 147 StPO (BGE 141 IV 220
E. 4.5; 140 IV 172 E. 1.2.3). Der separat Beschuldigte hat in den abgetrennten
Verfahren zudem nicht denselben Anspruch auf Akteneinsicht wie eine Partei
(Art. 101 Abs. 1 StPO). Diese Einschränkung der Teilnahmerechte von Beschul-
digten in getrennten Verfahren im Vergleich zu Mitbeschuldigten im gleichen Ver-
fahren ist vom Gesetzgeber implizit vorgesehen und hinzunehmen (BGE 140 IV
172 E. 1.2.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_23/2021 vom 20. Juli 2021 E. 3.3).
1.4.5. Angesichts der schwerwiegenden prozessualen Folgen einer Verfah-
renstrennung im Sinne von Art. 30 StPO, durch welche dem Beschuldigten (be-
zogen auf Beweiserhebungen in den anderen Verfahren) auch das Verwertungs-
verbot von Art. 147 Abs. 4 StPO verloren geht, weil er insoweit keine Verletzung
seines Teilnahmerechts geltend machen kann, ist nach der Rechtsprechung an
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die Voraussetzungen einer Verfahrenstrennung ein strenger Massstab anzulegen
(Urteile des Bundesgerichts 6B_23/2021 vom 20. Juli 2021 E. 3.3 mit Hinweisen).
Eine Verfahrenstrennung ist unter dem Gesichtswinkel des Anspruchs auf ein fai-
res Verfahren bei mutmasslichen Mittätern und Teilnehmern insbesondere dann
problematisch, wenn der Umfang und die Art der Beteiligung wechselseitig bestrit-
ten sind und damit die Gefahr besteht, dass der eine Mitbeschuldigte die Verant-
wortung dem andern zuweisen will. Belasten sich Mittäter und Teilnehmer gegen-
seitig und ist unklar, welcher Beschuldigte welchen Tatbeitrag geleistet hat, be-
steht bei getrennten Verfahren die Gefahr widersprechender Entscheide (Urteil
des Bundesgerichts 6B_23/2021 vom 20. Juli 2021 E. 3.3 mit Hinweisen).
1.4.6. Gemäss Art. 389 Abs. 3 StPO ist die Rechtsmittelinstanz verpflichtet, auch
von Amtes wegen für eine rechtskonforme Beweiserhebung und damit aus eige-
ner Initiative für die nötigen Ergänzungen besorgt zu sein (BGE 143 IV 288
E. 1.4.2; Urteile 6B_257/2020 vom 24. Juni 2021 E. 5.3.2 [zur Publ. vorgesehen];
6B_1087/2019 vom 17. Februar 2021 E. 1.2.2). Bei Verletzung der Teilnahme-
rechte der beschuldigten Person im bisherigen Verfahren kann sie gestützt auf
diese Bestimmung die Verletzung der Beweisvorschriften durch die Einvernahme
der Tatbeteiligten unter Wahrung des Teilnahme- und Konfrontationsanspruchs
heilen (vgl. Urteil 6B_135/2018 vom 22. März 2019 E. 2.5).
1.5.
1.5.1. Im vorliegenden Fall wird den Beschuldigten B._, A._ und
C._ einerseits vorgeworfen, je als Lenker eines Fahrzeugs selbst eine grobe
resp. eine qualifiziert grobe Verletzung des Strassenverkehrsgesetzes begangen
zu haben und andererseits wird den Beschuldigten B._ und A._ zusätz-
lich vorgeworfen, je durch das Filmen der betreffenden SVG-Verletzung mit dem
Mobiltelefon Beihilfe zu diesen Verkehrsregelverletzungen begangen zu haben.
Die Beschuldigten belasteten sich in casu nicht gegenseitig, das fragliche Fahr-
zeug gelenkt zu haben. Im Gegenteil blieb die Frage, wer welches Fahrzeug ge-
lenkt hatte, unbestritten, so dass weder Umfang noch Art der den Beschuldigten
zur Last gelegten Beteiligung wechselseitig bestritten war. So stützt sich denn
sowohl die Untersuchung als auch die Anklage hauptsächlich auf die sicherge-
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stellten Aufnahmen der Mobiltelefone, welche die Verkehrsregelverletzungen do-
kumentieren und woraus sich – zusätzlich zum ersten auf dem Mobiltelefon si-
chergestellten Foto – erst der Tatverdacht ergab (Urk. 1 S. 3; 3 S. 4 f.). Die Vo-
rinstanz qualifiziert denn auch die private Videoaufnahme als entscheidendes
Beweismittel (Urk. 61 S. 13), das sie dann jedoch bezüglich Dossier 1 (D._-
strasse E._ [Ortschaft]) nicht verwertet, worauf noch zurückzukommen sein
wird. Mithin war die Verfahrenstrennung nach Abschluss der Untersuchung vor-
liegend zulässig, zumal keine Gefahr bestand, dass sich die Beschuldigten die
Verantwortung für die von ihnen begangenen Verkehrsregelverletzungen gegen-
seitig zuschieben.
1.5.2. Indem die drei Beschuldigten B._ und A._ sowie C._ anläss-
lich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung Gelegenheit hatten, den jeweils ande-
ren Beteiligten Ergänzungsfragen zu stellen, da alle drei Verfahren zusammen
verhandelt wurden, ist deren Recht auf mindestens einmalige persönliche Kon-
frontation während des Verfahrens (siehe vorstehend E.1.3.3.) gewahrt, so dass –
entgegen der Ansicht der Vorinstanz – sämtliche Aussagen der Mitbeteiligten
B._ und C._ uneingeschränkt verwertbar sind.
2. Verwertbarkeit der Videoaufnahme
2.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung rügte die Verteidigung zudem erneut
als Vorfrage im Sinne von Art. 339 Abs. 2 StPO die Verwertbarkeit der Videoauf-
nahme. Zur Begründung führte sie aus, der Beschuldigte A._ habe die Vide-
oaufzeichnung ohne das Wissen der beiden Mitbeschuldigten spontan, unbedarft
und zu persönlichen Erinnerungszwecken aufgenommen, sodass eine unrecht-
mässige Datenbearbeitung im Sinne des Bundesgesetzes über den Datenschutz
vorliege. Entgegen der Behauptung der Staatsanwaltschaft liege kein verbotenes
Aufstellen für ein Rennen auf der Gegenfahrbahn vor, weshalb in Übereinstim-
mung mit der Vorinstanz die hypothetisch rechtmässige Erreichbarkeit der Vi-
deosequenz als Ganzes zu verneinen sei. Zudem würden weder einfache noch
grobe Verletzungen von Verkehrsregeln schwere Straftaten im Sinne von Art. 141
Abs. 2 StPO darstellen. Entsprechend falle die Interessenabwägung von Vornhe-
rein zuungunsten der Verwertung des rechtswidrig erlangten privaten Beweismit-
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tels aus und die aus der Videosequenz gewonnenen Erkenntnisse sowie sämtli-
che darauf basierenden Untersuchungen dürften nicht zu Lasten des Beschuldig-
ten A._ verwendet werden (Urk. 74 S. 3 f.). Die vorfrageweise gestellten An-
träge der Verteidigung betreffend die Verwertbarkeit der Videoaufnahme wurden
ebenfalls abgewiesen, was den Parteien anlässlich der Berufungsverhandlung
mündlich eröffnet und begründet wurde (Prot. II S. 6 f.; vorstehend, Erw. I.1.).
2.2. Die Staatsanwaltschaft macht im Wesentlichen geltend, es handle sich bei
der Videoaufnahme bezüglich Dossier 1 (D._-strasse E._) um eine
rechtmässige private Videoaufnahme des Bruders des Beschuldigten B._.
Da eine Einwilligung sämtlicher Beteiligter vorliege, seien keine Persönlichkeits-
rechte verletzt worden. Der Beschuldigte B._ habe mit den anderen Beteilig-
ten die Tat vorbereitet und A._ habe nicht eine unbekannte Drittperson ge-
filmt, sondern die an der Tat Beteiligten selbst. Sie macht damit sinngemäss gel-
tend, die von der Vorinstanz zur Persönlichkeitsverletzung angeführte Rechtspre-
chung sei hier nicht einschlägig. Ausserdem weist die Staatsanwaltschaft darauf
hin, dass die Videoaufnahme hypothetisch rechtmässig hätte durch die Strafver-
folgungsbehörden durch eine mobile oder stationäre Geschwindigkeitsmessung
erlangt werden können. Durch eine Lasermessung wäre auch der ganze Ablauf
gefilmt worden, inklusive Beschleunigung und Dauer der Fahrt, wobei Anlass für
die Aufnahme das verbotene Aufstellen des BMW für das Rennen auf der Gegen-
fahrbahn gewesen wäre. Die Videoaufnahme sei daher strafprozessual verwert-
bar (Urk. 62 S. 3; Urk. 75 S. 8 ff.).
2.3. Die Vorinstanz geht in Bezug auf die Videoaufnahme in Dossier 1 (D._-
strasse E._) trotz ihrer Feststellung, dass der Beschuldigte B._ freie
Sicht auf das Handy seines hinter ihm fahrenden Bruders A._ gehabt habe
und grundsätzlich habe wahrnehmen können, dass er von hinten und der Mitte
der Fahrbahn aus gefilmt worden sei, zumindest im Zweifel für den Angeklagten
davon aus, dass B._ nicht gewusst habe, dass er zum Zeitpunkt des Vorfalls
gefilmt worden sei. Die Vorinstanz beurteilt die Filmaufnahme deshalb als heim-
lich erfolgt und gegen Art. 12 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes über den Daten-
schutz vom 19. Juni 1992 (DSG; SR 235.1) verstossend sowie mangels Rechtfer-
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tigungsgrund als rechtswidrig (Urk. 61 S. 7 f.). Da vorliegend eine einfache Tatbe-
gehung und eine Fahrt auf einer Strecke von lediglich 75 Metern ohne konkrete
Gefährdung anderer Personen gegeben sei, liege keine schwere Straftat im Sinne
der Rechtsprechung vor, weshalb die Videoaufnahme und die daraus gewonne-
nen Erkenntnisse nicht verwertet werden dürften (Urk. 61 S. 10 f.).
2.4.
2.4.1. Gemäss Art. 141 Abs. 1 StPO dürfen Beweise, welche von den Strafbe-
hörden in strafbarer Weise oder unter Verletzung von Gültigkeitsvorschriften er-
hoben worden sind, nicht verwertet werden, es sei denn, ihre Verwertung sei zur
Aufklärung schwerer Straftaten unerlässlich. Hat ein Beweis, der nach Art. 141
Abs. 2 StPO nicht verwertet werden darf, die Erhebung eines weiteren Beweises
ermöglicht, ist dieser gemäss Art. 141 Abs. 4 StPO nicht verwertbar, wenn er oh-
ne die vorhergehende Beweiserhebung nicht möglich gewesen wäre.
Von Privaten rechtswidrig erlangte Beweismittel sind nach der Rechtsprechung
nur verwertbar, wenn sie von den Strafverfolgungsbehörden rechtmässig hätten
erlangt werden können und zudem eine Interessenabwägung für deren Verwer-
tung spricht. Bei dieser Interessenabwägung sind dieselben Massstäbe anzule-
gen wie bei staatlich erhobenen Beweisen. Je schwerer die zu beurteilende Straf-
tat ist, umso eher überwiegt das öffentliche Interesse an der Wahrheitsfindung
das private Interesse der beschuldigten Person daran, dass der fragliche Beweis
unverwertet bleibt. Die Verwertung ist damit nur zulässig, wenn dies zur Aufklä-
rung schwerer Straftaten unerlässlich ist (BGE 147 IV 9 E. 1.3.1; 146 IV 226 E. 2;
146 I 11 E. 4.2; 143 IV 387 E. 4.4; 131 I 272 E. 4.1.2). Als schwere Straftaten im
Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO fallen vorab Verbrechen in Betracht. Entschei-
dend ist indes nicht das abstrakt angedrohte Strafmass gewisser Tatbestände,
sondern die Schwere der konkreten Tat aufgrund der gesamten sie begleitenden
Umstände. Dabei kann auf Kriterien wie das geschützte Rechtsgut, das Ausmass
dessen Gefährdung resp. Verletzung, die Vorgehensweise und kriminelle Energie
des Täters oder das Tatmotiv abgestellt werden (BGE 147 IV 16 E. 6; 147 IV 9
E. 1.4.2). Rechtmässig von Privaten erlangte Beweismittel sind ohne Einschrän-
kungen verwertbar (BGE 147 IV 16 E. 1.2; Urteile des Bundesgerichts
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6B_902/2019 vom 8. Januar 2020 E. 1.2; 6B_741/2019 vom 21. August 2019
E. 5.2).
2.4.2. Nach der Rechtsprechung stellen einfache und grobe Verletzungen der
Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 1 und 2 SVG als Übertretungen und Verge-
hen keine schweren Straftaten im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO dar (BGE 146
IV 226 E. 4 ). Demgegenüber handelt es sich bei der Straftat der qualifiziert gro-
ben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG um ein Verbre-
chen mit einem angedrohten Strafmaximum von vier Jahren Freiheitsstrafe. Damit
ist nach der Rechtsprechung die Voraussetzung für die Annahme einer schweren
Straftat im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO erfüllt (vgl. BGE 146 I 11 E. 4.2; Urteil
des Bundesgerichts 6B_1404/2019 vom 17. August 2020 E. 1.4).
2.4.3. Das Erstellen von Videoaufnahmen im öffentlichen Raum, auf welchen
Personen oder Autokennzeichen erkennbar sind, stellt ein Bearbeiten von Perso-
nendaten im Sinne von Art. 3 lit. a und lit. e DSG dar (BGE 146 IV 226 E. 3.1 mit
Hinweisen). Gemäss Art. 4 Abs. 4 DSG muss die Beschaffung von Personenda-
ten und insbesondere der Zweck ihrer Bearbeitung für die betroffene Person er-
kennbar sein. Die Missachtung dieses Grundsatzes stellt eine Persönlichkeitsver-
letzung dar (Art. 12 Abs. 2 lit. a DSG). Gemäss Art. 13 Abs. 1 DSG ist eine Ver-
letzung der Persönlichkeit widerrechtlich, wenn kein Rechtfertigungsgrund – na-
mentlich die Einwilligung des Verletzten, ein überwiegendes privates oder öffentli-
ches Interesse oder das Gesetz – vorliegt (BGE 147 IV 16 E. 2.2; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1404/2019 vom 17. August 2020 E. 1.3). Das Recht auf Achtung
des Privatlebens soll insbesondere verhindern, dass jede private Lebensäusse-
rung, die in der Öffentlichkeit stattfindet, der Allgemeinheit bekannt wird. Der Ein-
zelne soll sich nicht dauernd beobachtet fühlen, sondern in gewissen Grenzen
selber bestimmen dürfen, wer welches Wissen über ihn haben darf und welche
personenbezogenen Begebenheiten und Ereignisse seines persönlichen Lebens
einer breiteren Öffentlichkeit verborgen bleiben sollen (BGE 147 IV 16 E. 2.2,
übers. in Pra 110 [2021] Nr. 55).
2.4.4. Ist also ein Beweismittel von einer Privatperson unter Missachtung der im
Datenschutzgesetz verankerten Grundsätze (Art. 12 DSG) erhoben worden, muss
- 15 -
in einem ersten Schritt geprüft werden, ob Rechtfertigungsgründe nach Art. 13
DSG vorliegen. Kann die Widerrechtlichkeit der Persönlichkeitsverletzung durch
einen Rechtfertigungsgrund beseitigt werden, ist das Beweismittel uneinge-
schränkt verwertbar. Ist das Beweismittel als rechtswidrig einzustufen, sind in ei-
nem zweiten Schritt die im Strafprozess massgebenden Voraussetzungen der
Verwertbarkeit im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO zu prüfen (BGE 147 IV 16
E. 2.2, übers. in Pra 110 [2021] Nr. 55).
2.5.
2.5.1. Im Hinblick auf die Würdigung der Aussagen der Beteiligten ist vorab auf
zeitliche Umstände hinzuweisen, die den Schluss nahelegen, dass gleichlauten-
den Aussagen nicht per se eine erhöhte Glaubhaftigkeit zuerkannt werden kann,
da die Sicherstellung des Mobiltelefons von B._ anlässlich einer Patrouillen-
kontrolle am 18. Juni 2017 erfolgt war (Urk. 3 S. 1; Urk. 11/1-2), die gleichzeitige
Verhaftung und getrennte Befragung der Beschuldigten B._, A._ und
C._ dagegen erst am 23. Oktober 2018 stattfand (Urk. 3 S. 4). Somit liegt es
– auch unter Berücksichtigung der jahrelangen Freundschaft bzw. der Verwandt-
schaft – nahe, dass sie sich in Bezug auf Befragungen im Zusammenhang mit Fo-
tos oder Videos vom Mobiltelefon des Beschuldigten B._, Autos betreffend,
abgesprochen haben. Übereinstimmende Aussagen sind daher mit der gebotenen
Zurückhaltung und Sorgfalt zu würdigen.
2.5.2. Aus den Aussagen der Beteiligten ergibt sich schlüssig, dass es für sie klar
war, dass A._ den Vorgang auf der D._-strasse in E._ (Dossier 1)
mit seinem Mobiltelefon filmt, wie nachstehend aufgezeigt wird:
a) Alle drei Beteiligten bestätigen unabhängig voneinander und übereinstim-
mend, dass man sich am fraglichen Tag im Sommer 2016 getroffen hatte und sich
die Situation auf der D._-strasse in E._ derart zutrug, dass sich B._
mit dem BMW 328i auf der linken (Gegen-) Fahrbahn, C._ im Porsche 911
rechts auf der korrekten Fahrbahn neben ihm und A._ in seinem BMW 530
hinter den beiden eher mittig auf der Fahrbahn befand. Ebenfalls unbestritten
blieb, dass B._ und C._ am ersten Fussgängerstreifen kurz angehalten
haben und dass nachher beide von ihren Positionen je auf ihrer Fahrbahnseite mit
- 16 -
hoher Beschleunigung (bzw. "kurz Gas geben") losgefahren sind und so noch et-
was weiter auf der D._-strasse Richtung F._-strasse fuhren, wobei
ihnen A._ ebenfalls auf seiner Position folgte (Urk. 5/1 S. 3, 5; Urk., 5/3 S.
5 f.[B._]; Urk. 6/1 S. 3 ff. [C._]; Urk. 7/1 S. 2 f., 5 [A._]) und das
Geschehen mit seinem Mobiltelefon aufnahm (Urk. 7/1 S. 7). Aus dieser unbestrit-
tenen Positionierung der Fahrzeuge, dem kurzen Anhalten vor dem ersten Fuss-
gängerstreifen und dem in praktisch gleichbleibender Positionierung der drei
Fahrzeuge auf der gesamten Breite der D._-strasse fortgesetzten Fahrt ist zu
schliessen, dass diese Fahrweise und das Vorgehen in irgendeiner Art zuvor un-
ter den Beteiligten besprochen worden sein muss, ansonsten nicht erklärbar ist,
weshalb man sich für eine Absprache, wo man essen gehen will (dazu nachfol-
gend mehr), derart mit seinen Fahrzeugen auf einer Quartierstrasse aufstellt und
in der eingenommenen Position weiterfährt.
b) A._ sagte in der Erstbefragung nach Vorhalt des Videos auf die Frage,
warum er das gemacht habe, sie hätten die Autos gewaschen und Fotos ge-
macht; sie hätten gelacht und geraucht, dann seien sie gefahren (Urk.7/1 S. 3).
Auf die Frage, weshalb gefilmt worden sei, gab er an: "Als Erinnerung, weil wir
gewusst haben, dass es kein Rennen ist" (Urk. 7/1 S. 4 F/A 35). Sodann erklärte
A._, er habe das Video nachher an seinen Bruder geschickt, aber veröffent-
licht habe er es nicht (Urk. 7/1 S. 4 F/A 37-39). Im Zusammenhang mit dem Vor-
wurf, es habe sich um ein illegales Strassenrennen gehandelt, sagte A._, es
sei kein illegales Rennen gewesen, es sei gar kein Rennen gewesen, darum hät-
ten sie auch ein Video gemacht als Erinnerung (Urk. 7/1 S. 6). Rund elf Monate
später deponierte A._ von sich aus auf den Vorhalt, er habe die beiden ande-
ren Lenker durch das Filmen in ihrem Tun bestärkt, dass diese nicht gewusst hät-
ten, dass er filme. Er habe die Aufnahme seinem Bruder versendet, damit es die-
sem als Erinnerung bleibe (Urk. 7/2 S. 2 und 4). Er führt weiter aus, sein Bruder
sei neben Herrn C._ herangefahren und anstatt zu telefonieren, hätten sie
über die heruntergelassenen Fenster gesprochen, weil sie zusammen hätten es-
sen gehen wollen (Urk. 7/2 S. 2 F/A 5). Anlässlich der Berufungsverhandlung
führte der Beschuldigte A._ aus, C._ habe damals den Porsche neu ge-
kauft. Sie hätten dann das Auto gewaschen, und als Erinnerung für spätere Zeiten
- 17 -
habe er ein Video gemacht. Das Video sei für ihn gewesen, und zu einem späte-
ren Zeitpunkt habe er es dann seinem Bruder geschickt. Er habe einfach ein Vi-
deo machen wollen, weil die Autos so schön geglänzt hätten. B._ und
C._ hätten nicht gewusst, dass er sie gefilmt habe (Prot. II S. 29 ff.).
Die ersten und tatnäheren Aussagen des Beschuldigten A._ in Bezug auf die
Videoaufnahme erscheinen authentischer und glaubhafter, da sich daraus die Mo-
tivation für das Filmen ergibt. Mehrfach und auch in späteren Einvernahmen be-
kräftigte er immer wieder, dass es sich bei diesem Vorgang nicht um ein Rennen
gehandelt habe, und erklärte, dass sie solches nie tun würden, auch weil sie alle
auf den Führerschein angewiesen seien (Urk. 7/1 S. 5 f.). Mithin erklärt er plausi-
bel, dass die Filmaufnahme gerade deshalb gemacht wurde, weil sie davon aus-
gegangen waren, dass es kein Rennen war, was sie (Mehrzahl), mithin die Betei-
ligten, wussten. Das impliziert, dass alle Beteiligten darüber im Bilde waren, was
als Strassenrennen gilt und dass ein Rennen illegal sowie auch das Filmen eines
solchen verboten ist. Dass er in der zweiten Befragung fast ein Jahr später neu
angibt, die beiden Beschuldigten B._ und C._ hätten nicht gewusst,
dass sie gefilmt werden, erscheint vor dem Hintergrund der ersten und eindeuti-
gen Aussagen, bei welchen A._ noch von "wir" spricht und als Begründung
für das Filmen darauf verweist, dass sie offensichtlich davon ausgegangen waren,
nichts Illegales zu tun, weshalb auch gefilmt werden konnte und durfte, als reine
Schutzbehauptung. Dies umso mehr, als ihm im Laufe des fortschreitenden Ver-
fahrens aufgrund der Vorhalte klar geworden sein musste, dass das, was sie ge-
macht hatten, möglicherweise doch nicht erlaubt und straflos war. Es ist mithin auf
die ersten glaubhaften Aussagen des Beschuldigten A._ abzustellen.
c) Nachdem B._ auf Vorhalt des Videos zu Dossier 1 in der ersten Befra-
gung zunächst noch auf alle Fragen eine Antwort verweigert hatte (Urk. 5/2
S. 7 ff. [zeitlich erste Befragung bei der Polizei]), gab er am Abend desselben Ta-
ges zu, der Fahrer des auf dem Video ersichtlichen BMW 328i gewesen zu sein
und bezeichnete auch die Mitbeteiligten namentlich. Er bestritt, dass es sich um
ein Rennen gehandelt habe, sagte mangels entsprechender Fragen aber nichts
über die Entstehung der Videoaufnahme aus (Urk. 5/1). Gegenüber der Staats-
- 18 -
anwaltschaft sagte er nur, er könne wegen dem Video nicht mehr sagen und sie,
d.h. er und der Beschuldigte C._, hätten nicht gewusst, dass sein Bruder ein
Video aufnimmt (Urk. 5/3 S. 2 f.). Auf die Frage, wen er mit "wir" meine, sagte der
Beschuldigte B._ unter anderem: "Wir haben abgemacht für später und er
(sc. C._) ist losgefahren. Es hat keinen Zusammenhang, dass wir ein Video
aufnehmen und dann beschleunigen" (Urk. 5/3 S. 3 F/A 11). Weiter antwortete er
auf die Frage, wie das Video auf sein Mobiltelefon gekommen sei: "Da bin ich mir
nicht ganz sicher. Mein Bruder schickte es mir, so wie ich mich erinnere. Es war
als Erinnerung, weil Herr C._ ein neues Auto hatte. Bei ihm zu Hause haben
wir auch ein Foto gemacht, dies als Erinnerung" (Urk. 5/3 S. 3 F/A 14). Weiter
sagte B._ aus, auf dem Video sehe man, dass er am Beschleunigen gewe-
sen sei und habe schauen können, ob es gut gewesen sei, um auf die rechte Sei-
te zu kommen. Er habe keine Lust gehabt, in das Auto seines Bruders zu fahren.
Er habe geschaut, dass er nicht in dessen Auto gefahren sei (Urk. 5/3 S. 6 F/A
29). Vor der Vorinstanz verneinte der Beschuldigte B._, von der Aufnahme
mit dem Handy durch seinen Bruder gewusst zu haben und gab an, er habe nicht
in den Rückspiegel auf das hintere Auto geschaut, weil er mit dem Beschuldigten
C._ kommuniziert habe; was hinten gelaufen sei, habe er nicht beobachtet
(Prot. I S. 14 f.). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung sagte der Beschuldig-
te B._ erneut aus, er habe seinen Bruder nicht wahrgenommen und nicht ge-
sehen, dass dieser gefilmt habe (Prot. II S. 22). Auf Vorhalt, dass er das hinter
sich und dem Beschuldigten C._ in der Strassenmitte fahrende Auto seines
Bruders kaum habe übersehen können, räumte er ein, das sei ihm schon klar ge-
wesen, aber er habe keine Zeit gehabt, um wahrzunehmen, was Sache sei (Prot.
II S. 22).
Diese Aussagen verdeutlichen, dass der Beschuldigte B._ zwar bemüht war,
das Wissen um die Aufnahme des Videos durch seinen Bruder zu verneinen, sei-
ne Wortwahl (wie z. B. "dass wir ein Video aufnehmen") aber trotzdem klar zum
Ausdruck bringt, dass sie (Mehrzahl), mithin alle drei Beteiligten, davon ausge-
gangen waren, dass A._ die Szene auf der D._-strasse mit seinem Mo-
biltelefon filmt. Zudem widerspricht sich der Beschuldigte B._ in Bezug da-
rauf, ob er in den Rückspiegel schaute und den Verkehr hinter ihm beachtete oder
- 19 -
nicht. Bezüglich des Einbiegens ohne seinen hinter ihm fahrenden Bruder zu be-
hindern, hat er wohl in den Rückspiegel geschaut, will aber bezüglich Wahrneh-
mung des Mobiltelefons seines Bruders, das dieser direkt über dem Lenkrad hielt,
nichts gesehen haben und will nicht in den Rückspiegel geschaut haben. Aus die-
sen sich widersprechenden Angaben ergibt sich zusammen mit der Wortwahl,
dass sie (die Beteiligten) ein Video aufnähmen, dass der Beschuldigte B._
wusste, dass er, resp. die Szene auf der D._-strasse, von seinem Bruder ge-
filmt wurde und dass er damit zumindest konkludent einverstanden war.
d) C._ gab in der ersten Einvernahme an, B._ sei zufällig auf der
Strasse zu ihm und dem Beschuldigten A._ gestossen, als er zusammen mit
diesem – je mit einem Auto – von der "..." in E._ herkommend Richtung
F._-strasse (sc. dem Ausgangspunkt) gefahren sei. Nach seiner Aussage
zeigt die Szene auf dem Video, wie er B._ die Nachricht mitgeteilt habe, dass
sie die Autos an der F._-strasse abstellen und mit einem bzw. zwei Autos
essen gehen würden. Dabei sei kein Rennen abgemacht worden (Urk. 6/1 S. 2, 3,
9). Dass A._ filme, sei ihm "sicher nicht" klar gewesen und da sie an dem
Tag einen Ausflug zum Fotoschiessen gemacht hätten, habe A._ ohne sein
Wissen ein Video gemacht (Urk. 6/1 S. 4 F/A 17). Weiter sagte er aus: "Also es ist
so, wir sind auf der Strasse still gestanden; damit der Verkehr nicht behindert
wird, haben wir kurz beschleunigt" (Urk. 6/1 S. 6 F/A 36). Und weiter: "Ich wollte
nicht mein Handy während der Fahrt betätigen, also habe ich mich entschieden,
kurz die Information an Herr B._ auf der Strasse mitzuteilen. Zu diesem Zeit-
punkt befand sich weder vor noch hinter uns ein weiteres Fahrzeug" (Urk. 6/1 S. 6
F/A 37); "ich habe ihm (sc. B._) ein Handzeichen durch das Fenster, also ein
Stopzeichen, gemacht" (Urk. 6/1 S. 6 F/A 38). Gegenüber der Staatsanwaltschaft
sagte C._ sodann aus, er habe das Video bei der Polizei zum ersten Mal ge-
sehen, er habe es nie bekommen. Er habe nicht gewusst, dass er gefilmt worden
sei und er sei auch nicht gefragt worden, ob er mit der Aufnahme einverstanden
sei (Urk. 6/2 S. 5 f.). Er bestätigte alsdann auch vor der Vorinstanz, das Video zu-
vor nicht gesehen zu haben, auch nicht, als er nach diesem Vorfall auf der
D._-strasse zusammen mit dem Beschuldigten A._ essen gegangen
sei. Auch sei dort das Video nicht erwähnt worden (Prot. I S. 22). Anlässlich der
- 20 -
Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte C._ ebenfalls aus, um nicht
mit dem Handy während der Fahrt zu telefonieren, habe er mit B._ über das
Fenster kommuniziert. Sie hätten besprochen, was sie unternehmen würden. Da-
nach habe er ein bisschen beschleunigt, sicher einmal um die Fahrspur freizuge-
ben, damit sie nicht den ganzen Verkehr blockieren würden. Das Video habe er
bis zur Einvernahme nicht einmal gesehen. Er habe sich auch nicht auf das Auto
hinter ihnen geachtet, sondern auf die Kommunikation mit B._ (Prot. II S. 36
ff.). Auf die Frage, ob er bemerkt habe, dass der Beschuldigte A._ hinter
ihnen gefahren sei, sagte er aus, das höre er nicht einmal im Auto (Prot. II S. 39).
Die Aussage des Beschuldigten C._ bezüglich Zweck und Motiv der Anhal-
tung mitten auf der Strasse erscheint als nicht glaubhaft. Daran vermag auch
nichts zu ändern, dass der Beschuldigte A._ den Umstand des gemeinsa-
men späteren Essens in der zweiten Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft
dann auch erwähnt. Zum einen erscheint die Begründung für die Anhaltung als
nachgeschoben und mit dem Beschuldigten C._ abgesprochen, da der Be-
schuldigte A._ solches in der ersten Befragung mit keinem Wort erwähnt.
Zum anderen erscheint ausgeschlossen, dass Letzterer als Lenker des dritten
und hintersten Fahrzeugs aus eigener Wahrnehmung verstehen konnte, was sein
Bruder und der Beschuldigte C._ in den beiden vorderen Fahrzeugen durch
das geöffnete Fenster miteinander sprachen. Schliesslich ist aus seiner zweiten
Aussage zu schliessen, dass sie im Zeitpunkt der Videoaufnahme bereits abge-
macht hatten, dass sie zusammen essen gehen wollten, andernfalls er selbst das
in dem Moment noch nicht hätte wissen können. Dieses Wissen aber impliziert
seine Aussage, "weil wir zusammen essen gehen wollten" (Urk. 7/2 S. 2). Damit
erweist sich die Geschichte, die der Beschuldigte C._ in Bezug auf den
Grund für die Rückkehr an die F._-strasse (Wäsche waschen durch Ehefrau)
angab, als völlig unglaubhaft und als reine Schutzbehauptung, abgesehen davon,
dass die drei Fahrzeuglenker einfach via Handy (Freisprechanlage) oder mittels
kurzem Anhalten an einer für den ruhenden Verkehr geeigneten Stelle ihre Ab-
sprache hätten treffen können, ohne die gesamte Strassenbreite durch das Ne-
beneinanderfahren für jeglichen anderen Verkehr zu blockieren. Zudem verfängt
die Aussage des Beschuldigten C._ schon alleine deshalb nicht, da zwischen
- 21 -
der Stelle, an der sie die Beschleunigung gemäss Anklagevorwurf begannen (1.
Fussgängerstreifen vor der Verzweigung G._-strasse), bis zum nahe gelege-
nen Wohnort des Beschuldigten C._ an der F._-strasse nur eine kurze
Wegstrecke liegt (Urk. 6/2 Beilage Auszug aus GIS Browser) und man die Ange-
legenheit ohne weiteres dort hätte besprechen können. Die Aussage des Be-
schuldigten C._, er habe das Video erstmals bei der Polizei gesehen, er-
scheint insbesondere deshalb als unglaubhaft, weil es er selbst und der Beschul-
digte A._ waren, die unterwegs waren, um Fotos ihrer Autos zu machen,
zumal der Beschuldigte C._ den von ihm gefahrenen Porsche erst zwei Mo-
nate davor gekauft hatte und er damit für ihn noch neu war, wie sich aus den
diesbezüglich deckungsgleichen Aussagen ergibt (Urk. 7/2 S. 4; Urk. 6/1 S. 2;
Urk. 5/3 S. 3). Zu diesem Zweck gingen sie die Autos gemäss übereinstimmen-
den ersten Aussagen zuerst waschen. Der Beschuldigte A._ sagte sodann
aus, dass er auch vom Porsche des Beschuldigten C._ Fotos gemacht
(Urk. 7/1) und eines gar auf Instagram gepostet habe (Urk. 7/2 S. 3). B._
sagte insoweit übereinstimmend aus, dass sie bei C._ zuhause auch ein Fo-
to gemacht hätten, dies als Erinnerung, weil es ein neues Auto gewesen sei
(Urk. 5/3 S. 3). Angesichts des Umstandes, dass man zwecks Erstellen von Fotos
mit den Autos, namentlich dem neu gekauften Porsche, unterwegs war und auch
noch am Zielort an der F._-strasse ein Foto machte, erscheint es als lebens-
fremd und unglaubhaft, dass der Beschuldigte C._ aufgrund der gesamten
Umstände nicht zumindest damit rechnete und es hinnahm, dass sein Freund
A._, der auch sein Auto fotografiert hatte, die Szene auf der D._-strasse
mit seinem Handy aufnehmen würde. Dieser Schluss drängt sich anhand der un-
bestritten gebliebenen Positionierung von A._ auf der Mitte der Strasse und
damit zwischen den beiden vorausfahrenden Beschuldigten B._ und
C._ geradezu auf, da solch auffälliges Verhalten C._ nicht entgangen
sein konnte. Dies umso weniger, als er selbst aussagte, dass sich kein Fahrzeug
vor ihnen und hinter ihnen aufgehalten hatte, woraus unzweifelhaft der Schluss
gezogen werden kann, dass er die mittige Positionierung von A._ erkannt
haben musste. Dabei ist davon auszugehen, dass er durch den Blick nach hinten
zur Prüfung der Verkehrslage gleichzeitig das von A._ über dem Lenkrad
- 22 -
gehaltene Mobiltelefon sah. Auch erweist sich die Aussage von C._, er habe
das Video nicht – zumindest spätestens beim gemeinsamen Essen – gesehen,
schliesslich auch deshalb als unglaubhaft, weil es der allgemeinen Lebenserfah-
rung entspricht, dass die Beteiligten ihre Fotos und Videos austauschen, nach-
dem sie erstellt worden sind, zumal man gerade fürs Fotoshooting unterwegs war.
e) Es verbleibt daher zusammengefasst kein unüberwindbarer Zweifel, dass
der Beschuldigte A._ die Beschleunigungsszene mit den nebeneinander her-
fahrenden B._ und C._, wenn nicht gar mit ausdrücklicher vorheriger
Absprache und Billigung, zumindest mit konkludenter Einwilligung dieser beiden
Beschuldigten mit seinem Mobiltelefon aufnahm. Es handelt sich mithin weder um
eine heimliche noch um eine rechtswidrige Aufnahme, weshalb die Videoaufnah-
me zu Dossier 1 (D._-strasse E._) rechtmässig entstanden und unein-
geschränkt verwertbar ist.
III. Sachverhalt
1. Anklage
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 28. Oktober 2019 wirft dem Be-
schuldigten A._ zu Dossier 1 vor, vorsätzlich dazu Hilfe geleistet zu haben,
dass jemand durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr
für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt, indem der Mitbeschuldig-
te B._ zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt zwischen dem 25. Juli
2016 und dem 7. September 2016 auf der D._-strasse in E._ auf der
Höhe kurz vor der Verzweigung mit der G._-strasse als Lenker des BMW
328i neben dem Mitbeschuldigten C._, der einen Porsche 911 Turbo lenkte,
mit einer Geschwindigkeit von 8.4 km/h hergefahren sei, wobei C._ die Nor-
malspur und der Beschuldigte B._ die Gegenfahrbahn in Fahrtrichtung
H._ befahren habe. Sie hätten konkludent den gemeinsamen Entschluss ge-
fasst, gleichzeitig Gas zu geben. Auf der Höhe des dortigen ersten Fussgänger-
streifens habe C._ sein Fahrzeug mit einer Beschleunigung von durchschnitt-
lich 6.4 m/s2 über eine Strecke von rund 75 Metern auf eine Endgeschwindigkeit
von 63 km/h statt der dort erlaubten 50 km/h beschleunigt. Der Beschuldigte
- 23 -
B._ habe gleichzeitig sein Fahrzeug mit einer Beschleunigung von mindes-
tens 6.6 m/s2 über dieselbe Strecke von rund 75 Metern auf der Gegenfahrbahn
auf eine Endgeschwindigkeit von 64 km/h beschleunigt, wobei C._ schneller
gewesen sei und sich nach rund 75 Metern vor den Beschuldigten B._ abge-
setzt habe. Diese Fahrt auf der Gegenfahrbahn habe Letzterer trotz mehrerer Zu-
fahrten links und rechts der D._-strasse Höhe Liegenschaft Nr. ..., zweier
Fussgängerstreifen, einer linksseitigen Bushaltestelle mit wartenden Fahrgästen
und trotz des Umstandes, dass sein Kontrahent mit mehr als 60 km/h neben ihm
gefahren sei, unternommen. Die übrigen Verkehrsteilnehmer, namentlich die vor-
trittsberechtigten Fussgänger, welche ihre Aufmerksamkeit beim Betreten des
Fussgängerstreifens zunächst dem von links nahenden Verkehr widmen, hätten
nicht mit zwei mit 63 km/h resp. 64 km/h nebeneinander fahrenden Fahrzeugen
auf der D._-strasse rechnen müssen und es habe die Gefahr bestanden,
dass diese in Verkennung der erhöhten Geschwindigkeit der beiden Beschuldig-
ten ihr Vortrittsrecht geltend machen würden. Angesichts der genannten gefahre-
nen Geschwindigkeiten und des gegenüber einem korrekt mit 50 km/h fahrenden
Fahrzeug um 10.6 Metern resp. 11.5 Metern verlängerten Anhalteweges hätten
die Mitbeschuldigten eine erhöhte abstrakte Unfallgefahr geschaffen, die sie zu-
mindest in Kauf genommen hätten. Der Beschuldigte A._ sei während der
gesamten Fahrt hinter den Mitbeschuldigten her in einem BMW 530d gefahren
und habe die gesamte geschilderte Fahrt gefilmt, was Letztere auch gewollt und
gewusst hätten und wodurch der Beschuldigte A._ die Mitbeschuldigten in ih-
rem Tatentschluss bestärkt habe. Sinngemäss (durch Anfügen der entsprechen-
den Gesetzesbestimmung, Art. 25 StGB) wirft die Anklage dem Beschuldigten
A._ Gehilfenschaft zur groben Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 33 Abs. 2 SVG,
Art. 34 Abs. 1 Satz 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV sowie Art. 25 StGB vor
(Urk. 33 S. 3 und 4).
2. Standpunkt des Beschuldigten
2.1. Der Beschuldigte bestreitet, dass ein Beschleunigungsrennen stattgefunden
habe und beteuert, die Mitbeschuldigten B._ und C._ hätten nicht ge-
- 24 -
wusst, dass er filmte und dadurch die Letztgenannten in ihrem Tatentschluss be-
stärkt habe (siehe E. II.2.4.1a und Urk. 54 S. 5 ff. und 7; Urk. 76 S. 3 ff.; Prot. II
S. 34). Weiter macht der Beschuldigte im Wesentlichen geltend, es habe sich vor-
liegend nicht um eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln gehandelt, da die Mit-
beschuldigten B._ und C._ das erlaubte Geschwindigkeitslimit um 13
km/h bzw. 14 km/h überschritten hätten und eine grobe Verkehrsregelverletzung
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vorliege, wenn innerorts die zuläs-
sige Höchstgeschwindigkeit um 25 km/h überschritten werde (Urk. 54 S. 8). We-
der beim ersten noch beim zweiten Fussgängerstreifen hätten sich Fussgänger
aufgehalten, weshalb eine Verletzung von Art. 33 Abs. 2 SVG nicht vorliege
(Urk. 54 S. 10). Das auf dem Video ersichtlich kurze Linksfahren sei notwendig
gewesen, um auf die korrekte Fahrspur gelangen zu können, so dass auch eine
Verletzung des Rechtsfahrgebotes nicht erfüllt sei (Urk. 54 S. 10). Schliesslich
macht der Beschuldigte geltend, die angeklagten Zuwiderhandlungen stellten ein-
fache Verkehrsregelverletzungen dar, die bereits verjährt seien, weshalb das Ver-
fahren einzustellen sei (Urk. 54 S. 11). Für den Eventualfall, dass doch eine grobe
Verkehrsregelverletzung anzunehmen sei, habe das Filmen der zur Diskussion
stehenden Fahrt keinen Einfluss auf den (angeblichen) Tatentschluss von
B._ und C._ gehabt, da diese nicht gewusst hätten, dass sie gefilmt
werden (Urk. 54 S. 11). Bei diesen Depositionen blieb der Beschuldigte auch vor
der Berufungsinstanz (Urk. 76 S. 3 ff. ; Prot. II S. 29 ff.).
3. Sachverhalt
3.1. a) Aus der von A._ mit seinem Handy erstellten Videoaufzeichnung
(Urk. 10/6 CD-Datenträger FOR, kurz 10/6/CD) ergibt sich in Minuten der Auf-
nahme angegeben resp. gemäss den ebenfalls auf dieser CD gespeicherten Ein-
zelframes, was folgt: Zu Beginn der Aufnahme sind über dem oberen Teil des
Lenkrads das Cockpit und die Motorhaube im Vordergrund auf einer mit Bäumen
gesäumten Strasse ohne Leitlinie im Hintergrund (also vor dem Filmenden befind-
lich) links (auf der Gegenfahrbahn) ein schwarzer BMW und rechts daneben ein
schwarzer Porsche 911 zu sehen, die langsam, im Schritttempo auf einen Fuss-
gängerstreifen zu rollen, dort fast zum Stillstand kommen (00:00-00:03) und bei
- 25 -
Erreichen des Fussgängerstreifens praktisch gleichzeitig voll beschleunigen
(00:04) und – leicht versetzt – nebeneinander her fahren bis der BMW die links an
der Bushaltestelle zu sehenden Personen erreicht (00:08) und die Aufnahme ab-
bricht (00:09). Aus der Aufnahme ergibt sich sodann im Detail, dass die Brems-
lichter des BMW bis zum Erreichen des ersten Fussgängerstreifens bis 00:01 auf-
leuchten (siehe dazu auch Einzelframes IMG_0008.003-0008.060), dann nicht
mehr und ab 00:02 bis 00:03 erneut aufleuchten (siehe dazu auch Einzelframes
IMG_0008.061-0008.101), der Fahrer also die Bremse betätigt hat, und dann de-
finitiv ablöschen, als der Fahrer beschleunigt (siehe dazu auch Einzelframes ab
IMG_0008.102). Ein ähnliches Verhalten ist auch beim Porsche festzustellen: Er
rollt ohne Aufleuchten der beiden hinteren Bremslichter und des dritten (mittleren)
Bremslichts (bis 00:01) an den Fussgängerstreifen heran (siehe dazu auch Ein-
zelframes IMG_0008.003-0008.060), betätigt entsprechend dem Aufleuchten der
Bremslichter dann bis 00:02 die Bremse (siehe dazu auch Einzelframes
IMG_0008.061-0008.079), worauf er sie wieder los lässt und dann bei ca. 00:04
voll beschleunigt. Auf Höhe des Endes der Einmündung der G._-strasse be-
findet sich der Porsche bereits mit der Front seines Fahrzeuges vor dem BMW
(00:05; siehe dazu auch Einzelframes IMG_0008.193-0008.200) und diese Positi-
on (rechts vor dem BMW) behält er bis zum Erreichen der an der Bushaltestelle
wartenden Personen (ca. 00:07; siehe dazu auch Einzelframes IMG_0008.294-
0008.259) und bis zum Abbruch der Filmaufnahme (00:09) mittels Absenken des
Handys und Grossaufnahme des Tourenzählers (Einzelframe IMG_0008.272-
0008.276) bei.
b) Die Videoaufnahme hält – was sich anhand der kurzen 9 Sekunden dauern-
den Sequenz und den Einzelframes ergibt – ungefiltert und offensichtlich unbear-
beitet fest, wie die beiden vor dem Aufnehmenden fahrenden Fahrzeuglenker
beim ersten Fussgängerstreifen vor der Einmündung der G._-strasse fast
aus dem Stillstand dem Motorengeräusch und der zurückgelegten Wegstrecke
entsprechend voll beschleunigen und versetzt nebeneinander bis auf Höhe der an
der Bushaltestelle wartenden Personen versetzt auf einer mit Bäumen gesäumten
Strasse ohne Mittellinie fahren. Der Filmaufnahme kommt daher als Sachbe-
- 26 -
weismittel eine sehr hohe Beweiskraft zu. An der Authentizität bestehen keine
Zweifel.
3.2. a) Das Forensische Institut Zürich zeigt in seinem Gutachten vom 23. April
2019 über die Auswertung der Videoaufzeichnung (kurz: Gutachten FOR;
Urk. 10/6) auf, wie die Fragestellung und der Auftrag der Staatsanwaltschaft lau-
teten und welche Unterlagen für die Untersuchung zur Verfügung standen
(S. 2 f.). Die angewendete Untersuchungsmethode der schrittweisen Betrachtung
von Videos in Einzelframes, der Zuordnung von Fahrzeugen zu ortsfesten Fix-
punkten, die Messung der dazwischen zurückgelegten Wegstrecke in Luftauf-
nahmen aus geometrischen Informationssystemen oder vor Ort und die Berech-
nung der Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen den Fixpunkten sowie die Be-
rechnung der Zeitbasis anhand der Videoaufzeichnungsfrequenz und der Zeit-
dauer pro Videoframe wird im Detail in einfacher und verständlicher Weise be-
schrieben (S. 3 f.). Sodann wird erklärt, dass sie für die Bestimmung der Durch-
schnittsgeschwindigkeit anhand ortsfester Fixpunkte die Videoframes resp. das
Fahrzeug derart den ortsfesten Fixpunkten zuordnen würden, dass der gewählte
Fixpunkt am Beginn der Auswertesequenz vom Fahrzeug sicher noch nicht er-
reicht war und am Ende der Auswertesequenz vom Fahrzeug sicher passiert war.
Damit werde zugunsten eines Beschuldigten einer bestimmten Strecke eine ma-
ximale Anzahl Videoframes resp. eine maximale Zeitdauer zugeordnet, wobei die
berechnete Geschwindigkeit auf ganze km/h abgerundet würde (S. 3). Derart eru-
ierte Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen zwei ortsfesten Fixpunkten seien
unter Verweis auf Art. 7 VSKV-ASTRA, Gutachten zu amtlichem Geschwindig-
keits-Messungen resp. den dazugehörigen Weisungen des ASTRA, als Mindest-
wert ohne weiteren Toleranzabzug zu verstehen. Das Gutachten hält fest, dass
die auszuwertende Videosequenz 9.4 s resp. 282 Videoframes à 33.33 ms enthal-
te, die auf der CD ersichtlich seien. Die Zuordnungsmöglichkeiten der Fahrzeuge
zu ortsfesten Fixpunkten hätten sich aufgrund der kurzen Videosequenz und der
Videoqualität auf die Fussgängerstreifen Nr. 1 und Nr. 2 vor und nach der Ein-
mündung der G._-strasse in die D._-strasse beschränkt. Das habe die
Bestimmung der Ausgangsgeschwindigkeiten, die Berechnung der durchschnittli-
chen Geschwindigkeit und Beschleunigungen sowie die Berechnung der Endge-
- 27 -
schwindigkeiten beim zweiten Fussgängerstreifen für die beiden gefilmten Fahr-
zeuge ergeben (S. 4). Das Gutachten hält in der Folge detailliert und nachvoll-
ziehbar fest, dass der (sc. von B._ gelenkte) BMW mit durchschnittlich 6.6
m/s2 beschleunigt und bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von 8.4 km/h am Ende
der Auswertestrecke von 23.5 m (Distanz zwischen dem ersten und zweiten Fix-
punkt, d.h. zwischen dem ersten und zweiten Fussgängerstreifen) in einer Zeit-
dauer von 2.333 s eine Geschwindigkeit von 64 km/h erreicht habe (Seite 5, 6 f.
und 8). Der (sc. von C._ gelenkte) Porsche habe wenige Zehntelsekunden
vor dem BMW mit durchschnittlich 6.4 m/s2 beschleunigt und bei gleicher Aus-
gangsgeschwindigkeit wie der BMW am Ende der Auswertestrecke von 23.5 m in
einer Zeitdauer von 2.367 s eine Geschwindigkeit von 63 km/h erreicht (S. 6 f.
und 8). Auf die Frage, wie die Geschwindigkeitsberechnung zu interpretieren sei,
wenn der Porsche 911 mit 63 km/h langsamer als der BMW 328i mit 64 km/h un-
terwegs sei und dennoch am Ende der Fahrstrecke vorne liege (Urk. 10/7), erläu-
terte der für die Hauptsachbearbeitung zuständige Gutachter, dass die zur Verfü-
gung stehenden Methoden nur die Berechnung von durchschnittlichen resp. wäh-
rend der Auswertedauer konstanten (Hervorhebung hinzugefügt) Beschleunigun-
gen zulasse, die Beschleunigungen von Fahrzeugen jedoch nicht konstant seien
und zudem die Gaspedalstellung in nicht rekonstruierbarer Weise variiere. So
könne es sein, dass der Porsche zunächst stärker und dann schwächer als der
BMW beschleunigt und so einen Teil des Vorsprungs herausgeholt habe. Wie be-
reits im Gutachten erwähnt, erklärten sich die Gutachter den in der Videoaufnah-
me feststellbaren Vorsprung des Porsche am Ende der Auswertungsstrecke
hauptsächlich mit dem bereits am Auswertebeginn sichtbaren Vorsprung und mit
der etwas früher einsetzenden Beschleunigung des Porsche (Urk. 10/8).
b) Das Gericht beurteilt die Schlüssigkeit eines Gutachtens frei (Art. 10 Abs. 2
StPO) und ist nicht an den Befund oder die Stellungnahme des Sachverständigen
gebunden. Es hat vielmehr zu prüfen, ob sich aufgrund der übrigen Beweismittel
und der Parteivorbringen ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der gut-
achterlichen Darlegungen aufdrängen. Auch wenn das gerichtlich eingeholte Gut-
achten grundsätzlich der freien Beweiswürdigung unterliegt, darf das Gericht in
Fachfragen nicht ohne triftige Gründe von ihm abrücken und muss Abweichungen
- 28 -
begründen. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht
auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen kann gegen das Verbot will-
kürlicher Beweiswürdigung verstossen (Art. 9 BV; BGE 142 IV 49 E. 2.1.3; 141 IV
305 E. 6.6.1, 141 IV 369 E. 6.1; je mit Hinweisen).
c) Die Expertise des Forensischen Instituts Zürich wurde gestützt auf Art. 182
ff. StPO im Auftrag der Staatsanwaltschaft vom Fachbereichsleiter Unfäl-
le/Technik, dem Sachverständigen dipl. Automobil.-Ing. FH I._, unter der
Hauptsachbearbeitung von Unfallanalytiker und dipl. Automobil-Ing. FH/HTL
J._ sowie der Kontrolle durch die Leitende Wissenschafterin MSc Forens.Sci.
K._ erstellt und erläutert (Urk. 10/6 und 10/8). An der Fachkompetenz zu
zweifeln, besteht keinerlei Anlass. Das Gutachten legt nachvollziehbar und
schlüssig dar, welche Untersuchungen auf welcher Grundlage stattgefunden hat-
ten und welche Kriterien wie gewichtet und berücksichtigt wurden. Dass die Be-
rechnungen der Beschleunigung und der Geschwindigkeiten den Gesetzmässig-
keiten aus der klassischen Physik folgen (Urk. 10/6 S. 5), erscheint sachlich und
logisch. Die Darlegungen der Gutachter überzeugen in jeder Hinsicht, zumal die
Bestimmung der durchschnittlichen Geschwindigkeit der gefilmten Fahrzeuge an-
hand ortsfester Fixpunkte vorgenommen werden konnten. Wenn die Gutachter
aufgrund des Umstandes, dass der BMW winklig und im besseren Licht sichtbar
war als der Porsche, die Zuordnung zu den ortsfesten Fixpunkten anhand des
BMW vornahmen, weil er mit geringeren Toleranzen zugeordnet werden konnte
als der Porsche (Urk. 10/8), ist dies nicht zu beanstanden und auf die ermittelte
Ausgangs- und Endgeschwindigkeit des BMW sowie die Beschleunigung mit
6.6 m/s2 kann ohne weiteres abgestellt werden. Dass sich die Zuordnung des
Porsche aufgrund der Kameraposition schwieriger gestaltete und dort grössere
Toleranzen zu berücksichtigen waren (Urk. 10/8), erscheint ebenfalls schlüssig
und nachvollziehbar. Aufgrund der Visionierung der Filmaufnahme bestätigt sich
die Feststellung im Gutachten, wonach der BMW und der Porsche vor dem Be-
schleunigen praktisch gleich schnell (resp. langsam) fuhren, so dass die gut-
achterliche Feststellung, für den Porsche sei von derselben Ausgangsgeschwin-
digkeit auszugehen (Urk. 10/6 S. 6) plausibel und vertretbar erscheint und letztlich
überzeugt. Die im Gutachten aufgezeigten Berechnungen der durchschnittlichen
- 29 -
Beschleunigung und der Endgeschwindigkeit des Porsche sind vor dem Hinter-
grund der physikalischen Gegebenheiten als logisch und mathematisch korrekt zu
beurteilen. Dass für den Porsche eine minimal kleinere Endgeschwindigkeit als für
den BMW (63 statt 64 km/h) resultiert, erklären die Gutachter ebenfalls schlüssig
mit dem bereits am Auswertebeginn sichtbaren Vorsprung des Porsche gegen-
über dem BMW und der etwas früher einsetzenden Beschleunigung (Urk. 10/6
S. 6 und 10/8). Auf die vom FOR ermittelten Werte bezüglich Ausgangs- und
Endgeschwindigkeit sowie Beschleunigung in Bezug auf die Auswertestrecke von
23.5 m zwischen den ortsfesten Fixpunkten kann somit zweifelsfrei abgestellt
werden. Weiter ist festzuhalten, dass die durchschnittliche Beschleunigung des
vom Beschuldigten B._ gelenkten BMW von 6.6 m/s2 gemäss Gutachten im
Bereich der maximal möglichen Beschleunigung im eruierten Geschwindigkeitsin-
tervall lag (Urk. 10/6 S. 6) und auch die durchschnittliche Beschleunigung des
Porsche mit 6.4 m/s2 vom Gutachter als aussergewöhnlich hoch beurteilt wird,
wobei diese aber noch klar unterhalb der maximal möglichen Beschleunigung des
Porsche lag (Urk. 10/6 S. 7). Auch an der Feststellung im Gutachten, wonach an
der Stelle, wo ein aus der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h brem-
sendes Fahrzeug zum Stillstand komme, ein mit denselben Parametern aus einer
Geschwindigkeit von 64 km/h bremsendes Fahrzeug noch 11.5 m bis zum Still-
stand zurücklegen resp. ein solches aus einer Geschwindigkeit von 63 km/h
bremsendes Fahrzeug noch weitere 10.6 m zurücklegen würde, sind nachvoll-
ziehbar dargelegt (Urk. 10/6 S. 7). Auch auf diese Schlussfolgerungen der Gut-
achter kann somit abgestellt werden.
d) Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass das ASTRA als Verordnungsgeber
gestützt auf die Verweisung in Art. 106 SVG mit der Strassenverkehrskontrollver-
ordnung vom 22. Mai 2008 (VSKV-ASTRA; SR 741.013.1) verbindlich Bestim-
mungen erlassen hat, welche insbesondere Geschwindigkeitskontrollen im Stras-
senverkehr bezüglich der zulässigen Messsysteme, den Anforderungen an das
Kontroll- und Auswertungspersonal sowie die durch Messsysteme festgestellten
Widerhandlungen (Art. 2-5). Entsprechend der Anordnung, dass in erster Linie
Geschwindigkeitsmessungen mit den in Art. 6 VSKV-ASTRA aufgeführten ver-
schiedenen Messmethoden durchgeführt werden sollen, werden die bei solchen
- 30 -
Messungen vorzunehmenden Sicherheitsabzüge in Art. 8 VSKV-ASTRA festge-
legt. Allerdings wird bereits durch den Wortlaut in Art. 7 VSKV-ASTRA ("kann")
deutlich, dass Geschwindigkeitsüberschreitungen auch anders als mit den aufge-
führten Messsystemen und nicht anlässlich einer Verkehrskontrolle festgestellt
werden können. Entsprechend hält Ziffer 21 der Weisungen des ASTRA über po-
lizeiliche Geschwindigkeitskontrollen und Rotlichtüberwachung im Strassenver-
kehr vom 22. Mai 2008 fest, dass die Ermittlung der Geschwindigkeit durch Fach-
expertisen (z. B. bei der Abklärung von Unfällen oder Widerhandlungen im Stras-
senverkehr) und die freie Beweiswürdigung durch die Gerichte von den vorliegen-
den Weisungen unberührt bleiben (Abs. 3) und die in der Fachexpertise ermittelte
Geschwindigkeit bzw. die allenfalls zu berücksichtigenden Sicherheitsabzüge ab-
schliessend sind, d. h. dass die nachträgliche zusätzliche Anwendung der in der
VSKV festgelegten Sicherheitswerte nicht zulässig ist (Abs. 4). Im Gutachten wird
ausdrücklich auf den Umstand hingewiesen, dass und weshalb im vorliegenden
Fall kein Sicherheitsabzug von der festgestellten Geschwindigkeit vorzunehmen
ist. Vor dem Hintergrund der aufgeführten Rechtslage erscheint dies zum einen
korrekt und zum anderen aufgrund der angewandten Untersuchungsmethode
auch überzeugend. Es besteht daher keinerlei Anlass, davon auszugehen, dass
der Gutachter gesetzlich vorgeschriebene Toleranzabzüge nicht vorgenommen
hätte, wenn solche anwendbar gewesen wären. Zudem ist darauf hinzuweisen,
dass der Gutachter stets Annahmen zu Gunsten der Beschuldigten respektive ei-
ner geringstmöglichen Geschwindigkeit getroffen und die berechnete Geschwin-
digkeit schliesslich noch abgerundet hat. Auf die Ergebnisse des Gutachtens FOR
ist daher uneingeschränkt für die Urteilsfindung abzustellen.
3.3. Bereits die einfache Betrachtung der Filmaufnahme ergibt ohne Zweifel,
dass die beiden Lenker – ohne ersichtliche Absprache aber offensichtlich auf
Verabredung hin – den ersten Fussgängerstreifen als Startpunkt für die gleichzei-
tige Beschleunigung ihrer Fahrzeuge abgemacht haben, da sie augenscheinlich
bemüht sind, dort gleichzeitig und im Schritttempo anzukommen, was sich daraus
ergibt, dass der BMW-Fahrer schon mit gebremstem Tempo darauf zuhält, aber
auch der Porschefahrer beim Erreichen des Fussgängerstreifens noch bremst,
bevor sie dann beide – wiederum ohne erkennbares Zeichen – gleichzeitig ent-
- 31 -
sprechend den Motorengeräuschen und wie ersichtlich voll beschleunigen, wobei
der BMW hinter dem Porsche zurückbleibt, da er – wie sich aus dem Video und
noch genauer aus den Einzelframes ergibt – länger auf der Bremse geblieben ist
als der Porschefahrer. Mit letzter Deutlichkeit belegen die Einzelframes wie oben
dargestellt, dass es weder Zufall war, dass beide gleichzeitig beim ersten Fuss-
gängerstreifen bremsten und dann voll beschleunigten, noch dass es einfach da-
rum ging, irgendetwas wegen eines nachfolgenden Essens abzumachen, denn
dann wäre ein "Extrahalt" beim ersten Fussgängerstreifen nicht nötig gewesen.
Ausserdem wäre in einem solchen Fall zu erwarten, dass sich der Lenker des
schwarzen BMW, B._, nach der Abmachung des Treffpunkts, hinter den sich
bereits Ende der Einmündung klar vor ihm befindenden von C._ gelenkten
Porsche auf der rechten und korrekten Fahrspur eingereiht hätte. Dem war indes-
sen nicht so, wie sich zweifelsfrei aus dem Video ergibt, und er behielt statt des-
sen seine Fahrt auf der Gegenfahrbahn noch mindestens bis zur Höhe der Bus-
haltestelle mit den wartenden Personen bei. Die Aussagen des Beschuldigten
B._ vor Vorinstanz, wonach er auch schnell beschleunigt habe, "nachdem"
C._ gegangen sei, und er nach Letzterem auch schnell beschleunigt habe,
um einzuspuren, d.h. "um auf die rechte Spur zu gehen" und um "einfach weg von
der linken Spur" zu kommen (Prot. I S. 16 f.), was er so anlässlich der Berufungs-
verhandlung erneut zu Protokoll gab (Prot. II S. 21 f.), schildern nicht das tatsäch-
liche Geschehen. Weiter sagte der Beschuldigte B._ aus, er habe "nicht
gleichzeitig" mit C._ beschleunigt (Urk. 5/3 S. 5 und 15; Prot. I S. 16). Als sie
gesagt hätten, dass sie sich dort treffen würden und C._ dann losgefahren
sei, sei er "nach ihm losgefahren" und auf die Frage, ob er die Fussgänger auf
dem Trottoir auf der linken Seite gesehen habe, antwortete er "als ich rechts war
schon, ja" (Prot. I S. 16). Auch diese Aussagen erweisen sich gestützt auf die Vi-
deoaufnahme schlicht als falsch, auch betreffend die Position des Beschuldigten
B._ in Bezug auf die wartenden Personen, denn diese erreichte er noch auf
der linken Seite und damit auf der Gegenfahrbahn. Seine diesbezüglichen Aussa-
gen sind als reine Bestreitungen ohne jeden Realitätsbezug zu qualifizieren. Auf
sie kann nicht abgestellt werden. Ebenso wenig kann auf die Aussagen von
C._ abgestellt werden, der in klarem Widerspruch zur Videoaufnahme – ins-
- 32 -
besondere dem Umstand, dass er unmittelbar vor dem Beschleunigen und auf
gleicher Höhe mit dem BMW beim ersten Fussgängerstreifen noch bremste – vor
Vorinstanz angegeben hatte, er habe hundertprozentig nicht gleichzeitig mit dem
Beschuldigten B._ beschleunigt (Prot. I S. 22), wenngleich er auch anlässlich
der Berufungsverhandlung an dieser Darstellung festhielt (Prot. II S. 43). Vollends
unglaubhaft ist sodann, dass er deshalb nach dem Stillstand auf der Strasse be-
schleunigt haben will, damit der Verkehr nicht behindert werde (Urk. 6/1 S. 6 F/A
36 und Urk. 6/2 S. 8 F/A 41). Offensichtlich und keiner weiteren Erklärung bedarf,
dass der Verkehr bereits durch das Aufstellen der Fahrzeuge von B._ und
C._ nebeneinander auf der gesamten Breite der Fahrbahn und der Positio-
nierung von A._ dahinter und in der Mitte der Fahrbahn massiv behindert
wurde, da ein regelkonformes Passieren der Autos weder für nachfolgenden noch
entgegenkommenden Verkehr möglich war, und zwar auf der gesamten Länge,
auf welcher beide Fahrzeuglenker ihre Autos beschleunigten. Der Einwand des
Beschuldigten C._, er habe mit B._ durch das offene Fenster kommuni-
zieren wollen, weil er sein Handy nicht während der Fahrt habe benützen wollen
(Urk. 6/1 S. 6 F/A 36 und 37), der, so scheint es, seine Gesetzestreue verdeutli-
chen sollte, verfängt jedoch angesichts seines dokumentierten tatsächlichen Ver-
haltens keineswegs und vermag die Aussagekraft der Videoaufnahme und der er-
klärten Motivation dazu durch A._ nicht zu schmälern. Aus der Videoauf-
nahme sowie aus dem Gutachten FOR ergibt sich jedoch ohne unüberwindbare
Zweifel, dass die Beschuldigten B._ und C._ als Lenker des BMW resp.
des Porsches aus einer Geschwindigkeit im Schritttempo (8.4 km/h) beim ersten
Fussgängerstreifen unmittelbar vor der nicht vortrittsberechtigten Einmündung der
G._-strasse in die D._-strasse einen Beschleunigungswettbewerb be-
gonnen haben, der sich gestützt auf die Videoaufnahme mindestens über einen
zweiten Fussgängerstreifen und an der Bushaltestelle mit wartenden Personen
und dem dortigen (dritten) Fussgängerstreifen vorbei über eine Distanz in der
Grössenordnung von etwa 80 Metern erstreckte (Urk. 10/6 S. 4 und Beilage [Or-
thophoto]). Aus der Aussage des Beschuldigten C._ ergibt sich indessen,
dass sie bis zur Einmündung in die F._-strasse noch so weiter gefahren sind,
denn er sagte vor Vorinstanz aus, wenn das Video noch ein oder zwei Sekunden
- 33 -
länger gegangen wäre, dann würde man sehen, wie er und der Beschuldigte
B._ abbremsen, weil sie ziemlich sicher dort rechts abgebogen seien (Prot. I
S. 24), was sich mit seiner Aussage deckt, wonach sie nach der Aufnahme des
Videos gemeinsam in die F._-strasse eingebogen seien (Urk. 6/2 S. 9), und
wofür er zum Beweis das entsprechende Foto einreicht (Urk. Foto 2, Beilage zu
Urk. 6/2). Daraus und gestützt auf die Videoaufnahme, auf welcher zu sehen ist,
dass sowohl B._ als auch C._ zuletzt noch ihre Positionen versetzt ne-
beneinander eingenommen hatten und dort keine Bremslichter aufleuchteten
(Urk. 10/6/CD Einzelframe IMG_0008.271) sowie dass der Tourenzähler des von
A._ gelenkten BMWs gemäss Einzelframes IMG_0008.272 bis
IMG_0008.282 von ca. 3'400 Umdrehungen pro Minute auf ca. 3'600/3'700 Um-
drehungen pro Minute steigt (Urk. 10/6/CD), lässt sich der Schluss ziehen, dass
die beiden Fahrzeuglenker bei Absenken des Handys auf den Tourenzähler des
BMW 530d xDrive T des Beschuldigten A._ nochmals bzw. weiterhin be-
schleunigten und erst vor der Verzweigung F._-strasse ihre Fahrzeuge ab-
bremsten. Damit ist die angeklagte Distanz von 75 Metern, über welche sich der
Beschleunigungswettbewerb erstreckte, in jedem Fall erstellt. Dieser fand unbe-
stritten an einem sonnigen Tag (Urk. 4/1 [Fotobogen]; Urk. 10/6/CD) statt, wobei
zugunsten der Beschuldigten von einem Wochenende auszugehen ist, da sie
werktags gearbeitet hätten (Urk. 63 S. 14) und es sich aufgrund ihrer diesbezüg-
lich übereinstimmenden Angaben um einen Sonntagnachmittag gehandelt haben
musste (Urk. 7/1 S. 4; 7/2 S. 7 [A._]; Urk. 6/1 S. 7 [C._]). Dieser Sonn-
tag muss gestützt auf die übereinstimmenden Zeiträume, wann die involvierten
Fahrzeuge eingelöst bzw. in Verkehr gesetzt waren, auf die Daten zwischen dem
25. Juli 2016 und dem 7. September 2016 eingegrenzt werden (Urk. 1 S. 4 und 3
S. 2). Der angeklagte Sachverhalt der Haupttat ist somit als erstellt der rechtlichen
Würdigung zugrunde zu legen.
3.4. Aufgrund der Aussagen der Beschuldigten A._ und B._ ergibt sich
ohne verbleibende unüberwindliche Zweifel, dass alle drei Beteiligten davon aus-
gegangen waren, dass A._ den Beschleunigungswettbewerb zwischen
B._ und C._ mit seinem Mobiltelefon filmt (siehe dazu die Beweiswürdi-
gung oben E. II.2.5.2.). Aufgrund der eigenen Aussage des Beschuldigten
- 34 -
A._, es sei als Erinnerung gefilmt worden, weil sie gewusst hätten, dass es
kein Rennen sei (Urk. 7/1 S. 4 F/A 35, siehe oben E. II.2.5.2.), ist auch zu schlies-
sen, dass er mit dem Beschleunigungswettbewerb der beiden anderen zumindest
konkludent einverstanden war. Das wird auch durch seine Zugabe bestätigt, wo-
nach ihnen bewusst gewesen sei, dass es Kinder dort haben könnte, aber sie hät-
ten sich zuerst umgesehen (Urk. 7/1 S. 2 F/A 14). Auch er (sc. der Beschuldigte
A._) sei der Meinung, so wie sie gefahren seien, verliere man nicht die Be-
herrschung und es wäre nichts passiert (Urk. 7/1 S. 5 F/A 44). Sie hätten vorher
geschaut, führen die Strecke täglich und nur wegen ein wenig Gas geben könne
kein Unfall entstehen (Urk. 7/1 S. 6 F/A 54; Urk. 7/1 S. 7 F/A 37).
IV. Rechtliche Würdigung
1. Rechtsgrundlagen
1.1. a) Art. 90 Abs. 2 SVG erfüllt, wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln
eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. In
objektiver Hinsicht setzt die grobe Verkehrsregelverletzung voraus, dass der Täter
eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und die
Verkehrssicherheit ernsthaft gefährdet. Dabei genügt eine erhöhte abstrakte Ge-
fährdung. Wesentliches Kriterium für die Annahme einer erhöhten abstrakten Ge-
fahr ist die Nähe der Verwirklichung. Die allgemeine Möglichkeit der Verwirkli-
chung einer Gefahr genügt demnach nur zur Erfüllung von Art. 90 Abs. 2 SVG,
wenn in Anbetracht der Umstände der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder
gar einer Verletzung naheliegt (BGE 143 IV 508 E. 1.3;142 IV 93 E. 3.1; 131 IV
133 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_761/2019 vom 9. März 2020 E. 2.3.1; je
mit Hinweisen).
b) Subjektiv erfordert der Tatbestand ein rücksichtsloses oder sonst schwer-
wiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein schweres Verschulden, bei fahrläs-
siger Begehung mindestens grobe Fahrlässigkeit (BGE 142 IV 93 E. 3.1 mit Hin-
weisen; Urteile des Bundesgerichts 6B_1467/2019 vom 20. Februar 2020
E. 2.2.1; 6B_994/2019 vom 29. Januar 2020 E. 3.1.1). Diese ist zu bejahen, wenn
sich der Täter der allgemeinen Gefährlichkeit seiner Fahrweise bewusst ist. Grobe
- 35 -
Fahrlässigkeit kommt aber auch in Betracht, wenn der Täter die Gefährdung an-
derer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht, also unbewusst
fahrlässig handelt. Die Annahme einer groben Verkehrsregelverletzung setzt in
diesem Fall voraus, dass das Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrs-
teilnehmer auf Rücksichtslosigkeit beruht. Rücksichtslos ist unter anderem ein
bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern. Dieses kann auch in
einem blossen (momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen
bestehen (BGE 131 IV 133 E. 3.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_973/2020 vom
25. Februar 2021 E. 2.1; 6B_992/2020 vom 30. November 2020 E. 2.2;
6B_761/2019 vom 9. März 2020 E. 2.3.1; je mit Hinweisen). Je schwerer die Ver-
kehrsregelverletzung objektiv wiegt, desto eher wird Rücksichtslosigkeit subjektiv
zu bejahen sein, sofern keine besonderen Gegenindizien vorliegen (BGE 142 IV
93 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_992/2020 vom 30. November 2020
E. 2.2; je mit Hinweisen). Grundsätzlich ist von einer objektiv groben Verletzung
der Verkehrsregeln auf ein zumindest grobfahrlässiges Verhalten zu schliessen.
Die Rücksichtslosigkeit ist ausnahmsweise zu verneinen, wenn besondere Um-
stände vorliegen, die das Verhalten subjektiv in einem milderen Licht erscheinen
lassen (Urteil 6B_761/2019 vom 9. März 2020 E. 2.3.1 mit Hinweisen). Solche
entlastenden Umstände hat das Bundesgericht bei der Mehrheit der Geschwin-
digkeitsüberschreitungen verneint. Gute Witterungs-, Strassen- und Verkehrsver-
hältnisse stellen keine besonderen Umstände im Sinne der Rechtsprechung dar
(Urteile des Bundesgerichts 6B_300/2021 vom 14. Juli 2021 E. 3.2.1;
6B_505/2020 vom 13. Oktober 2020 E. 1.1.1; 6B_1204/2016 vom 24. Mai 2017 E.
3.3.1; 6B_33/2015 vom 5. Mai 2015 E. 1.2; je mit Hinweisen).
1.2. Was der Täter weiss, will und in Kauf nimmt, betrifft sogenannte innere Tat-
sachen und ist somit Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der festge-
stellten Tatsachen der Schluss auf Fahrlässigkeit, Eventualvorsatz oder direkten
Vorsatz begründet ist (BGE141 IV 369 E. 6.3; 137 IV 1 E. 4.2.3; 135 IV 152
E. 2.3.2; je mit Hinweisen). Da sich insoweit Tat- und Rechtsfragen teilweise
überschneiden können, hat das Sachgericht die in diesem Zusammenhang rele-
vanten Tatsachen möglichst erschöpfend darzustellen, damit erkennbar wird, aus
welchen Umständen es auf Fahrlässigkeit, Eventualvorsatz oder direkten Vorsatz
- 36 -
geschlossen hat (in Bezug auf Eventualvorsatz: BGE 133 IV 1 E. 4.1, 133 IV 9
E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_992/2020 vom 30. November 2020 E. 2.2; je
mit Hinweisen).
1.3. Zu prüfen ist vorliegend weiter, ob sich der Beschuldigte A._ der Gehil-
fenschaft zur groben Verkehrsregelverletzung durch das Filmen derselben schul-
dig gemacht hat, da die allgemeinen Bestimmungen des StGB (darunter auch die-
jenigen über die Teilnahme, Art. 24 und 25 StGB) nach Art. 100 Ziff. 2 und 3 SVG
auch auf den Vergehens- und Verbrechenstatbestände des Strassenverkehrs-
rechts anwendbar sind.
a) Als Gehilfe im Sinne von Art. 25 StGB erweist sich, wer zu einem Verbre-
chen oder Vergehen vorsätzlich Hilfe leistet, die Tat jedoch nur durch einen un-
tergeordneten Tatbeitrag unterstützt. Nach der Rechtsprechung gilt als Hilfeleis-
tung jeder kausale Beitrag, der die Tat fördert, so dass sich diese ohne Mitwir-
kung des Gehilfen anders abgespielt hätte. Der Gehilfe fördert eine Tat, wenn er
sie durch einen untergeordneten Tatbeitrag unterstützt bzw. wenn er die Ausfüh-
rung der Haupttat durch irgendwelche Vorkehren oder durch psychische Hilfe er-
leichtert. Die Hilfeleistung muss tatsächlich zur Tat beitragen und die Erfolgs-
chancen der tatbestandserfüllenden Handlung erhöhen. Nicht erforderlich ist,
dass es ohne die Beihilfe nicht zur Tat gekommen wäre (BGE 132 IV 49 E. 1.1;
129 IV 124 E. 3.2; 121 IV 109 E. 3a). Der Tatbeitrag des Gehilfen muss spätes-
tens bis zur Beendigung der Haupttat geleistet werden, andernfalls er für diese
nicht kausal ist (BGE 122 IV 211 E. 3b/dd; 121 IV 109 E. 3a; 118 IV 312 E. 1a; Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_97/2019 vom 6. November 2019 E. 2.3; je mit Hinwei-
sen). Psychische Hilfe leistet nach der Rechtsprechung, wer den Täter in irgend-
einer Form zur Tat ermutigt, seine Tatentschlossenheit stützt oder bestärkt,
dadurch etwa, dass er Hilfe zusagt, letzte Zweifel und Hemmungen des Täters
beseitigt oder ihn davon abhält, den Entschluss wieder aufzugeben (BGE 79 IV
145; Urteile des Bundesgerichts 6B_628/2018 vom 16. August 2018 E. 3.1;
6B_894/2009 vom 19. Januar 2010 E. 1.5.3). Der Gehilfe bestärkt den Täter in
dessen Tatentschluss auch durch aktive, motivierende Zustimmung, welche die
Straftat fördert, oder auch durch bestärkendes Lob, Anfeuern, etc. (Forster in:
- 37 -
Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019 [kurz: BSK StGB], N 23 zu Art. 25
StGB). Neben Handlungen wie Beschaffen einer Waffe oder Schmiere stehen
kann auch an sich harmloses Alltagsverhalten als Gehilfenschaft strafbar sein,
wenn der Handelnde wusste oder damit rechnete, dass er damit das deliktische
Verhalten eines anderen fördert (BGE 121 IV 109; 119 IV 289; 117 IV 186), wobei
hinsichtlich der Kriterien zur Abgrenzung zu nicht strafbaren Alltagshandlungen in
der Lehre verschiedene Ansätze vertreten werden (siehe dazu: Trechsel/Geth in:
Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar Schweizerisches Strafgesetzbuch,
4. Aufl. 2021 [kurz: Praxiskommentar], N 7 zu Art. 25; Forster BSK StGB, N 30 ff.
zu Art. 25 StGB). Die blosse innere Billigung der Tat eines anderen, welche diese
nicht kausal fördert, genügt jedoch nicht (BGE 113 IV 84 E. 4; Trechsel/Geth,
Praxiskommentar, N 4 zu Art. 25; Forster BSK StGB, N 25 zu Art. 25 StGB).
b) Art. 25 StGB erfordert subjektiv, dass der Gehilfe weiss oder damit rechnet,
eine bestimmt geartete Straftat zu unterstützen, und dass er dies will oder in
Kauf nimmt; mithin genügt Eventualvorsatz (BGE 132 IV 49 E. 1.1.; Urteile des
Bundesgerichts 6B_628/2018 vom 16. August 2018 E. 3.1; 6B_97/2019 vom
6. November 2019 E. 2.3). Es genügt, wenn der Gehilfe den Geschehensablauf
voraussieht, d.h. die wesentlichen Merkmale des vom Täter zu verwirklichenden
strafbaren Tuns erkennt. Einzelheiten der Tat braucht er hingegen nicht zu ken-
nen (BGE 132 IV 49 E. 1.1; 128 IV 53 E. 5f/cc; Urteile 6B_224/2017 vom 17. No-
vember 2017 E. 3.2.2.; 6B_836/2015 vom 28. April 2016 E. 1.3; je mit Hinweisen).
Um solcher Art psychische Hilfe zu leisten muss der Gehilfe die Absicht des
(Haupt-)Täters kennen, der mithin den Tatentschluss bereits gefasst haben muss
(BGE 132 IV 49 E. 1.1; 121 IV 109 E. 3a; Urteile des Bundesgerichts 6B_628/
2018 vom 16. August 2018 E. 3.1; 6B_608/2017 vom 12. April 2018 E. 6.1).
2. Rechtsanwendung
2.1. a) Vorliegend fand der Beschleunigungswettbewerb zwischen B._ und
C._ innerorts auf einer nicht richtungsgetrennten und auf beiden Seiten mit
einem Radstreifen markierten Quartierstrasse statt, die zum einen auf beiden Sei-
ten von Bäumen, einem Trottoir und Wohnhäusern gesäumt war und zum ande-
ren nebst der G._-strasse Einmündungen von Wegen und (in Fahrtrichtung
- 38 -
F._-strasse auf der rechten Seite) auch Parkplätze aufwies, die unmittelbar
seitlich an die Fahrbahn grenzen (Urk. 4/1 S. 1, 7 und 8; Urk. 10/6/CD). Unbestrit-
tenermassen und wie mittels Videoaufnahme dokumentiert hielten sich an der in
Fahrtrichtung linker Seite befindenden Bushaltestelle zwei Personen stehend auf
dem Trottoir und eine im Wartehäuschen sitzende Person auf (Urk. 10/6/CD und
Einzelframes IMG_0008.267). In Anbetracht dieser konkreten Umstände lag der
Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer Verletzung von Personen nahe,
zumal angesichts des bebauten Wohngebietes und der Tageszeit jederzeit mit
Fussgängern, Velofahrern und anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen war, die
von den einmündenden Häusern und Wegen auf die D._-strasse einbiegen
oder diese auf den Fussgängerstreifen unvermittelt betreten könnten. Wegen der
auf den genannten Parkplätzen abgestellten Autos und der Bäume, welche die
Sicht auf das angrenzende Trottoir und die einmündenden Wege teilweise ver-
deckten, ist – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 76 S. 4 f.) – trotz
geradliniger Strassenführung nicht von einer uneingeschränkt übersichtlichen Si-
tuation auszugehen. Entsprechend mussten die Beschuldigten B._ und
C._ mit dem Auftreten anderer Verkehrsteilnehmer rechnen, nachdem sie
weder Einsicht in den von der G._-strasse herannahenden Verkehr hatten
noch voraussehen konnten, ob sich andere Verkehrsteilnehmer von dem angren-
zenden Gebiet rund um den G._ näherten. Diese Verkehrsteilnehmer muss-
ten jedoch ihrerseits nicht davon ausgehen, dass ein Fahrzeug mit übersetzter
Geschwindigkeit und auf der Gegenfahrbahn herannaht, bzw. dass die Fahrbahn
von zwei nebeneinander herfahrenden Fahrzeugen praktisch blockiert ist. Damit
bestand in Anbetracht der konkreten Strassensituation nicht nur eine theoretische
abstrakte, sondern aufgrund der konkreten Umstände eine erhöhte abstrakte Ge-
fährdung der übrigen Verkehrsteilnehmer einerseits durch die Überschreitung der
Höchstgeschwindigkeit um 14 km/h resp. 13 km/h und andererseits durch das
krass regelwidrige Verhalten seitens der Beschuldigten B._ und C._, die
die gesamte Breite der Fahrbahn, inklusive Gegenfahrbahn, benützten, nur um
die Beschleunigung ihrer Fahrzeuge miteinander zu vergleichen und die beiden
Fahrzeuge nebeneinander her auf der D._-strasse zu lenken. Dabei verletz-
ten die Mitbeschuldigten Beschuldigte B._ und C._ mehrere grundle-
- 39 -
gende und wesentliche zum Schutze anderer Verkehrsteilnehmer erlassene Ver-
kehrsvorschriften: B._ fuhr auf der Gegenfahrbahn, statt rechts auf seiner
Fahrbahnhälfte zu fahren (Art. 34 Abs. 1 Satz 1 SVG), beide Fahrzeuglenker
passten ihre Geschwindigkeit weder der Höchstgeschwindigkeit an (Art. 4 Abs. 1
lit. a VRV) noch den sich unmittelbar vor ihnen befindenden Fussgängerstreifen,
die sie besonders zu vorsichtiger Fahrweise verpflichteten (Art. 33 Abs. 2 SVG),
und sie richteten ihre Geschwindigkeit ebenso wenig nach den konkreten Sicht-
verhältnissen aus (Art. 32 Abs. 1 SVG). Es bleibt festzuhalten, dass das von
C._ und dem Mitbeschuldigten B._ geschaffene Risiko der konkreten
Gefährdung von sich im Zeitpunkt des Vorfalls im Bereich des Beschleunigungs-
wettbewerbs aufhaltenden Verkehrsteilnehmern unabhängig von Schulferien als
hoch zu beurteilen ist, da tagsüber immer auch mit Kindern zu rechnen ist, welche
sich im Quartier bewegen. Das Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände im Sinne
der oben zitierten Rechtsprechung ist zu verneinen. Dass vorliegend kein Kind auf
die Strasse gerannt und kein Velofahrer oder Automobilist auf die D._-
strasse eingebogen ist, vermag die Beschuldigten nicht zu entlasten, zumal der
Tatbestand keine konkrete Gefahr verlangt. Diese Umstände stellen letztlich ein-
zig eine glückliche Fügung dar. Die Beschuldigten haben durch ihre Fahrweise
zweifellos den Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung erfüllt. Da eine
qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung nicht angeklagt wurde, erübrigt es sich,
darauf einzugehen, ob ihnen angesichts der konkreten Situation und des durchge-
führten Beschleunigungsrennens nicht gar noch ein härterer Vorwurf im Sinne von
Art. 90 Abs. 3 SVG (Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen) hätte gemacht
werden müssen, selbst wenn die blosse Geschwindigkeitsüberschreitung nur eine
einfache Verkehrsregelverletzung dargestellt hätte.
b) Die grobe Verkehrsregelverletzung der Beschuldigten B._ und C._
ist aber auch in subjektiver Hinsicht als rücksichtslos zu werten. Aufgrund der er-
stellten, wenn auch eventuell spontan erfolgten, Absprache, ab dem ersten Fuss-
gängerstreifen voll zu beschleunigen, ist zumindest von einer eventualvorsätzli-
chen Geschwindigkeitsüberschreitung auszugehen. Bei den weiteren Verkehrsre-
gelverletzungen durch das Beschleunigungsrennen ist gar Vorsatz anzunehmen,
da sich der Beschuldigte B._ ja von Anfang an auf der Gegenfahrbahn posi-
- 40 -
tionierte, um den Wettbewerb zu starten. Da alle Beteiligten, so auch der Be-
schuldigte B._, den Ort des Geschehens bestens kannten, wussten sie um
die Parkfelder sowie die einmündenden Wege und Strassen. Der Beschuldigte
B._ räumte denn auch selber ein, dass er die Gefahr dort – gemeint im All-
gemeinen – schon sehe (Urk. 5/1 S. 3 F/A 24). Im konkreten Fall verneinen sie
jedoch eine grosse Gefahr für sich und andere Verkehrsteilnehmer geschaffen zu
haben. B._, weil er nicht zu schnell gefahren sei, bzw. weil er nur auf 50
km/h habe beschleunigen wollen (Urk. 5/1 S.4; Urk. 5/3 S. 5 F/A 22 und 23), resp.
weil er zuvor geschaut habe, ob ein Auto komme und da keines gekommen sei,
sei er neben ihm (sc. C._) und auf der Gegenfahrbahn gefahren (Urk. 5/1
S. 5; Urk. 5/3 S. 6). C._, weil die kurze Beschleunigung sei spontan gewesen
und aus seiner Sicht nie eine Bedrohung, da sie keine grossen Geschwindigkei-
ten erreicht hätten (Urk. 6/1 S. 6 und 8; Prot. II S. 40) bzw. er habe keine Gefahr
gesehen, er habe eigentlich auf die ganze Strecke von rund 200 Metern freie
Sicht gehabt (Prot. I S. 23; Prot. II S. 40 ff.). Die Angaben der Mitbeschuldigten
erhellten, dass sie rücksichtslos die Interessen anderer Verkehrsteilnehmer nicht
bedacht hatten. Es wird ihnen ja kein direkter Gefährdungsvorsatz unterstellt, je-
doch die Inkaufnahme der Erfüllung des Tatbestands. Besondere Umstände, die
ihr Verhalten subjektiv ausnahmsweise in einem milderen Licht erscheinen lies-
sen, sind nicht ersichtlich. Verkehrsregeln sind im Bereich ihrer Gültigkeit resp.
Signalisation einzuhalten. Diese waren den Beschuldigten bekannt, jedoch haben
sie sie nach eigenem Gutdünken für sich als nicht relevant erachtet. Damit haben
sich die Beschuldigten B._ und C._ ohne Zweifel rücksichtslos gegen-
über den Interessen der anderen Verkehrsteilnehmer verhalten, zu deren Schutz
die entsprechenden Vorschriften erlassen wurden. Sie erfüllen mithin bezüglich
der Haupttat den Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG sowohl in objektiver als auch
in subjektiver Hinsicht.
2.2. Aufgrund des Umstands, dass der Beschuldigte A._ zum Zwecke der
Aufnahme der fraglichen Fahrt der beiden Mitbeschuldigten B._ und C._
den von ihm gelenkten BMW 530d praktisch mittig auf der Strasse positionierte,
muss davon ausgegangen werden, dass er dies in erster Linie deshalb tat, um die
Beschleunigungsfahrt der beiden Mitbeschuldigten aus einer Position mit der bes-
- 41 -
ten Übersicht aufzunehmen. Er wurde dadurch jedoch auch Teil der durch die Po-
sitionierung der drei Fahrzeuge entstandenen Blockierung der Strasse für die üb-
rigen Verkehrsteilnehmer. Dies zusammen mit seinen eigenen Aussagen (siehe
oben E. III.3.4.) verdeutlicht, dass er die massive Verletzung diverser Verkehrsre-
geln durch seinen Bruder und C._ nicht nur wahrgenommen hatte, sondern
diese ebenfalls wollte bzw. in Kauf nahm, weshalb er – um die Beschleunigung
festzuhalten – zudem auf Höhe der Bushaltestelle die Handykamera auch gezielt
auf den Tourenzähler richtete (siehe oben E. III.3.1.a, 3.3. am Ende sowie
Urk. 10/6/CD, Einzelframes IMG_0008.272 bis IMG_0008.282). Er war mithin bei
dieser Fahrt nicht nur ein unbeteiligter Dritter oder ein blosser "Zuschauer", son-
dern bestärkte die Tatentschlossenheit der Fahrer und motivierte diese zur Straf-
tat, indem er den Beschleunigungswettbewerb mitsamt der nachfolgenden Weiter-
fahrt von Beginn an filmte. Dadurch hielt er die Mitbeschuldigten auch davon ab,
von ihrem Vorhaben allenfalls wieder abzurücken. Nach der allgemeinen Le-
benserfahrung ist davon auszugehen, dass Fahrer gerade im Wissen darum,
dass sie gefilmt werden, etwa ihr Rennen oder ihren Geschwindigkeitsexzess o-
der ihre Schleuderfahrt aus Furcht, als Versager dazustehen, nicht abbrechen.
Das Verhalten des Beschuldigten A._ hatte vorliegend – wie aus der Ge-
samtheit der Beweismittel ohne unüberwindliche Zweifel zu schliessen ist – einen
unterstützenden, ermutigenden Effekt auf die Haupttäter. Ob das Wissen des Be-
schuldigten A._ über das bevorstehende Beschleunigungsmessen der Mit-
beschuldigten und sein – zumindest konkludent geäussertes Einverständnis durch
seine Bereitschaft zum Filmen – und seine Aufstellung hinter den Kontrahenten in
der Mitte der Strasse zur Annahme einer Mittäterschaft ausreicht, kann vorliegend
offen bleiben. Zum einen fehlte ihm klarerweise die Tatmacht, unmittelbaren und
direkten Einfluss auf die Fahrweise der Mitbeschuldigten zu nehmen und zum an-
deren folgte er diesen mit einer wesentlich tieferen Geschwindigkeit, wie dem
Gutachten FOR zu entnehmen ist (Urk. 10/6 S. 4 unten). Er bestärkte jedoch die
vorausfahrenden Kontrahenten durch das Filmen in deren Tatentschluss, was
folglich als Gehilfenschaft im Sinne von Art. 25 StGB zu würdigen ist. Indem der
Beschuldigte A._ die wesentlichen Grundzüge der Haupttat (gleichzeitige
volle Beschleunigung fast aus dem Stand und damit einhergehend deutliche Ge-
- 42 -
schwindigkeitsüberschreitung und Verletzung mehrerer Verkehrsregeln, insbe-
sondere des Rechtsfahrgebotes) bereits zu Beginn der Filmaufnahme voraussah
und mit der Erfüllung des Straftatbestandes zumindest der groben Verkehrsregel-
verletzung rechnete, ist vorliegend auch in subjektiver Hinsicht Gehilfenschaft ge-
geben.
2.3. Der Beschuldigte A._ ist daher der Gehilfenschaft zur groben Verlet-
zung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art.
32 Abs. 1 SVG, Art. 33 Abs. 2 SVG, Art. 34 Abs. 1 Satz 1 SVG und Art. 4a Abs. 1
lit. a VRV schuldig zu sprechen.
V. Strafe und Vollzug
1. Standpunkt der Parteien
1.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Bestrafung des Beschuldigten mit einer
Freiheitsstrafe von 7 Monaten und einer Busse von Fr. 800.– unter Gewährung
des bedingten Strafvollzuges bei einer Probezeit von 2 Jahren für die Freiheits-
strafe (Urk. 62 S. 2; Urk. 75 S. 3).
1.2. Der Beschuldigte macht geltend, die in der Anklageschrift umschriebenen
Zuwiderhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz seien höchstens als ein-
fache Verkehrsregelverletzung zu qualifizieren, was eine Übertretung darstelle
und mit einer Busse zu sanktionieren sei. Da als Tatzeitpunkt der Zeitraum vom
25. Juli 2016 bis 7. September 2016 umschrieben werde, sei die Verjährung ge-
stützt auf Art. 109 StGB drei Jahre später und damit Mitte 2019 eingetreten, wes-
halb das Verfahren infolge Verjährung einzustellen sei (Urk. 76 S. 5 f.).
2. Allgemeine Strafzumessungsregeln
2.1. Der Richter misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu (Art. 47
StGB). Das Verschulden des Täters ist namentlich anhand aller einschlägigen ob-
jektiven Elemente zu ermitteln, die man aus der Tat selber ableitet, insbesondere
die Schwere der Verletzung des rechtlich geschützten Guts, den verwerflichen
Charakter der Tat und die Art ihrer Ausführung. In subjektiver Hinsicht werden die
Intensität des deliktischen Willens sowie die Beweggründe und die Ziele des Tä-
- 43 -
ters berücksichtigt. Zu diesen Schuldkomponenten sind die mit dem Täter selber
verbundenen Faktoren hinzuzurechnen, so die Vorstrafen, das Ansehen, die per-
sönliche Lage (Gesundheitszustand, Alter, familiäre Verpflichtungen, berufliche
Situation, Rückfallgefahr usw.), die Strafempfindlichkeit sowie das Verhalten nach
der Tat und im Verlaufe des Strafverfahrens (BGE 141 IV 61 E. 6.6.1 [Pra 104
(2015) Nr. 68]; 136 IV 55 E. 5 S. 57 ff.; 134 IV 17 E. 2.1 S. 19 f.; 129 IV 6 E.6.1
S. 20 f.).
2.2. Wird eine Geldstrafe ausgesprochen richtet sich die Bemessung der Tages-
satzanzahl nach dem Verschulden des Täters (Art. 34 Abs. 1 StGB). Dabei gelten
die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. StGB (BGE 134 IV 60 E. 5.3
S. 66).
2.3. Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des or-
dentlichen Strafrahmens der (schwersten) Strafbestimmung unter obligatorischer
Berücksichtigung der einzelnen Strafzumessungsfaktoren festzusetzen. Durch
Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe wird der ordentliche Strafrahmen
jedoch nicht automatisch erweitert. Dieser ist nur zu verlassen, wenn ausserge-
wöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe
im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8 mit Hin-
weisen).
2.4. Der Gesetzgeber hat für den Bereich der leichteren und mittleren Kriminalität
die Geldstrafe als die der Freiheitsstrafe vorgehende Regelsanktion vorgesehen
(BGE 134 IV 82 E. 4.1). Das Bundesgericht bekräftigt auch in seiner neueren
Rechtsprechung den Vorrang der Geldstrafe gegenüber der Freiheitsstrafe im
Strafbereich von bis sechs Monaten und die Ungleichartigkeit von Freiheitsstrafe
und Geldstrafe (BGE 144 IV 217 E. 3.3.3 und 3.6). Es hält dabei unter Hinweis
auf den Gesetzgeber auch nach der Änderung des Sanktionenrechts ausdrücklich
am Prinzip der Zulässigkeit einer Gesamtstrafe nur bei gleichartigen Strafen unter
Anwendung der konkreten Methode fest. Dass die anzuwendenden Strafbestim-
mungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt nicht (BGE 144 IV 313
E. 1.1.1; 144 IV 217 E. 3.3.4 und 3.5.4; BGE 137 IV 57 E. 4.3.1). Das Gericht hat
sich zur Wahl der Strafart für die konkreten Delikte zu äussern und hat – nach
- 44 -
Festsetzung einer hypothetischen Einsatzstrafe für das schwerste Delikt – na-
mentlich bei alternativ zur Verfügung stehender Geld- oder Freiheitsstrafe für die
weiteren Delikte im Hinblick auf das Gebot der Verhältnismässigkeit anzugeben,
warum sie für diese weiteren Taten jeweils eine Freiheitsstrafe für erforderlich hält
(BGE 144 IV 217 E. 3.5.4, 4.1 und 4.3). Ferner ist einleitend festzuhalten, dass
bei der Wahl der Sanktionsart als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit einer
bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld
sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen ist (BGE 134 IV 97 E. 4.3).
Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Verfügung ste-
henden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regel-
fall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Be-
troffenen eingreift (BGE 138 IV 120 E. 5.2). Hält das Gericht im Rahmen der Ge-
samtstrafenbildung für einzelne Delikte im konkret zu beurteilenden Fall unter Be-
achtung des Verhältnismässigkeitsprinzips eine Geldstrafe nicht mehr für schuld-
adäquat und zweckmässig, hindert Art. 41 Abs. 1 StGB sie nicht daran, auf Ein-
zelfreiheitsstrafen von weniger als sechs Monaten zu erkennen, wenn die daraus
zu bildende Gesamtstrafe sechs Monate übersteigt (BGE 144 IV 217 E. 4.3).
2.5. Gemäss Art. 42 Abs. 4 aStGB kann eine bedingte Strafe mit einer Busse
nach Art. 106 StGB verbunden werden (sog. Verbindungsbusse). Mit der Verbin-
dungsbusse soll im Bereich der Massendelinquenz die Möglichkeit geschaffen
werden, eine spürbare Sanktion zu verhängen. Die Bestimmung dient in erster Li-
nie dazu, die Schnittstellenproblematik zwischen der gemäss Art. 105 Abs. 1
StGB stets unbedingten Busse für Übertretungen und der bedingten Geldstrafe
für Vergehen zu entschärfen. Auf Massendelikte, die im untersten Bereich bloss
mit Bussen geahndet werden, soll auch mit einer unbedingten Sanktion reagiert
werden können, wenn sie die Schwelle zum Vergehen überschreiten. Insoweit,
also im Bereich der leichteren Kriminalität, verhilft Art. 42 Abs. 4 StGB zu einer
rechtsgleichen Sanktionierung. Die Verbindungsbusse trägt ferner dazu bei, das
unter spezial- und generalpräventiven Gesichtspunkten eher geringe Drohpotenti-
al der bedingten Geldstrafe zu erhöhen. Dem Verurteilten soll ein Denkzettel ver-
abreicht werden können, um ihm den Ernst der Lage vor Augen zu führen und
zugleich zu zeigen, was bei Nichtbewährung droht (BGE 146 IV 145 E. 2.2; 134
- 45 -
IV 1 E. 4.5, BGE 134 IV 60 E. 7.3.1 mit Hinweisen). Die bedingte Strafe und die
Verbindungsbusse müssen in ihrer Summe schuldangemessen sein. Die Verbin-
dungsbusse darf also zu keiner Straferhöhung führen. Der Verbindungsbusse darf
gegenüber der bedingten Strafe nur untergeordnete Bedeutung zukommen. Die
Obergrenze beträgt grundsätzlich einen Fünftel (BGE 146 IV 145 E. 2.2; 135 IV
188 E. 3.3 f.; BGE 134 IV 1 E. 4.5.2 und E. 6.2 f.; je mit Hinweisen).
2.6. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist das richtige Verhältnis der
Strafen unter Mittätern als Element der Strafzumessung zu berücksichtigen: Hat
das Gericht im gleichen Verfahren mehrere Mittäter zu beurteilen, so ist bei der
Verschuldensbewertung mit zu berücksichtigen, in welchem gegenseitigen Ver-
hältnis die Tatbeiträge stehen. Der Grundsatz der Gleichbehandlung und Gleich-
mässigkeit der Strafzumessung gebietet, dass sich jeder für den ihm zukommen-
den Anteil an der Unrechtmässigkeit der Tat zu verantworten hat. Ist der Tatbei-
trag gleichwertig, so führt das zunächst zu einer gleichen (objektiven) Schuldein-
schätzung. Erst wenn auch die subjektive Vorwerfbarkeit identisch ist und sich
überdies namentlich die individuellen Täterkomponenten gleichmässig auswirken,
drängt sich die gleiche Strafe für beide Mittäter auf. Häufig liegen jedoch unglei-
che Strafzumessungsfaktoren vor, weil sich die subjektive Verschuldensbewer-
tung oder die persönlichen Verhältnisse unterscheiden. In diesen Fällen kann es
zu unterschiedlichen Strafen kommen. Der Grundsatz der Gleichmässigkeit ist nur
verletzt, wenn es der Richter bei der Festlegung der einzelnen Strafen unterlässt,
im Sinne einer Gesamtbetrachtung beide Strafzumessungen in Einklang zu brin-
gen. Die Berücksichtigung des richtigen Verhältnisses der Strafe zu derjenigen
des Mittäters kann als eigenes und zusätzliches Element der Strafzumessung be-
trachtet werden (BGE 135 IV 191 E. 3.2 mit Hinweisen). Ist aus formellen Grün-
den nur über einen Mittäter zu urteilen, während die Strafe der anderen bereits
feststeht, so geht es darum, einen hypothetischen Vergleich anzustellen. Das Ge-
richt hat sich zu fragen, welche Strafen es ausfällen würde, wenn es sämtliche
Mittäter gleichzeitig beurteilen müsste. Dabei hat es sich einzig von seinem
pflichtgemässen Ermessen leiten zu lassen. Es wäre mit der richterlichen Unab-
hängigkeit unvereinbar, müsste es sich gegen seine Überzeugung einem anderen
Urteil anpassen. Die Autonomie des Gerichts kann zur Folge haben, dass die
- 46 -
Strafen von Mittätern, die nicht im selben Verfahren beurteilt werden, in einem
Missverhältnis stehen. Dies ist verfassungsrechtlich unbedenklich und hinzuneh-
men, solange die in Frage stehende Strafe als solche angemessen ist. Allerdings
ist zu verlangen, dass in der Begründung auf die Strafen der Mittäter Bezug ge-
nommen und dargelegt wird, weshalb sich diese nicht als Vergleichsgrösse eig-
nen. Es besteht kein Anspruch auf "Gleichbehandlung im Unrecht", wenn nach
Auffassung eines Mittäters gegen den anderen Mittäter eine zu milde Strafe aus-
gefällt wurde (BGE 135 IV 191 E. 3.2 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts
6B_1422/2019 vom 28. Mai 2021 E. 6.3.3; 6B_496/2020 vom 11. Januar 2021
E. 3.5.2; 6B_1366/2016 vom 6. Juni 2017 E. 4.8.2).
3. Konkrete Strafzumessung
3.1. Der Beschuldigte hat die Tathandlungen vor dem am 1. Januar 2018 in Kraft
getretenen neuen Sanktionenrecht (in Kraft seit dem 1. Januar 2018; AS 2016
1249; BBl 2012 4721) verübt. Nach Art. 2 Abs. 2 StGB ist das neue Recht jedoch
nur anzuwenden, wenn es für den Täter milder ist. Im Rahmen der genannten
Änderung des Sanktionenrechts wurden insbesondere die Art. 34, und 40 bis 43
StGB revidiert. Da die Neufassung von Art. 34 Abs. 1 StGB nur noch eine maxi-
mal mögliche Geldstrafe von 180 Tagessätzen vorsieht, ist das neue Recht für
den Beschuldigten nicht milder und daher das alte anzuwenden.
Art. 90 Abs. 2 SVG sieht für die grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine Sankti-
on von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor. Gemäss der zur Zeit
der Tatbegehung im Jahre 2016 in Kraft stehenden Fassung von Art. 34 Abs. 1
StGB (kurz aStGB) beträgt die Geldstrafe höchstens 360 Tagessätze.
Der Gehilfe ist gestützt auf Art. 25 StGB und in Anwendung von Ar. 48a StGB
zwingend milder zu bestrafen, da ihn im Verhältnis zum Haupttäter ein reduziertes
Verschulden trifft (BGE 136 IV 55 E. 5.6).
3.2. Die Haupttäter begingen zusammen eine schwerwiegende grobe Verkehrs-
regelverletzung und sind dafür mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten (isoliert
betrachtet) zu bestrafen. Der Tatbeitrag des Beschuldigten A._ bestand
hauptsächlich im Festhalten des Beschleunigungswettbewerbs der Mitbeschuldig-
- 47 -
ten mit seinem Mobiltelefon, aber gleichzeitig war er Teil der Strassenblockade,
die sich durch die Positionierung der drei Fahrzeuge zu diesem Zweck ergab.
Zwar hatte der Beschuldigte A._ keinen unmittelbaren direkten Einfluss auf
die Fahrzeuge der Mitbeschuldigten und damit auch nicht auf die gefahrene Ge-
schwindigkeit oder deren Fahrweise. Dennoch kann sein Tatbeitrag auch nicht als
völlig untergeordnet bezeichnet werden. Aufgrund der konkreten Umstände ist zu
schliessen, dass der Beweggrund der Fahrt für alle Beteiligte das Erlebnis des
Wettstreits zwischen dem von B._ gefahrenen BMW 328i und dem von
C._ gefahrenen Porsche 911 bei möglichst voller Beschleunigung ihrer Fahr-
zeuge und die Vorbeifahrt/Weiterfahrt der beiden Fahrzeuge nebeneinander war
und die daraus gezogene Freude bzw. Befriedigung, die zum wiederholten Nach-
Erleben per Videoaufnahme festgehalten wurde. Der Beschuldigte A._ un-
terstützte die Haupttäter mithin massgeblich bei deren Vorhaben. Obwohl er nicht
als Mittäter zu betrachten ist, verhielt sich der Beschuldigte A._ ähnlich ver-
antwortungslos wie die vorausfahrenden Beschuldigten, indem er diese durch
seine Bereitschaft, die Situation filmisch festzuhalten, von Anfang an unterstützt
hatte. Es ist nicht ersichtlich und wurde auch nicht dargetan, dass der Beschuldig-
te zu irgendeinem Zeitpunkt eingegriffen hätte, um die Fahrer etwa zur Tempore-
duktion oder zu korrekter Fahrweise aufzufordern. Zudem war die Sicht des Be-
schuldigten A._ auf die Verkehrssituation durch die vor ihm und (teilweise
versetzt) nebeneinander herfahrenden Mitbeschuldigten zusätzlich stark einge-
schränkt und ist davon auszugehen, dass er durch die Filmaufnahme während
des Fahrens auch abgelenkt war und dem übrigen Verkehrsgeschehen weniger
Aufmerksamkeit schenkte, was das Gefährdungspotential durch seine Beteiligung
erhöhte. Insgesamt erscheint daher das Verschulden des Gehilfen A._ vor-
liegend zwar geringer als dasjenige der Haupttäter, nicht aber massgeblich gerin-
ger. Das Tatverschulden von A._ ist daher zwar nicht als schwer, aber doch
als erheblich zu qualifizieren, weshalb die Ausfällung einer Geldstrafe nicht mehr
schuldadäquat erscheint. Nach dem Gesagten ist die Einsatzstrafe entsprechend
dem immer noch erheblichen Verschulden mit 8 Monaten Freiheitsstrafe zu be-
messen.
- 48 -
3.3. Der Beschuldigte A._ wohnt mit seiner Ehefrau und seinem dreijährigen
Sohn zusammen. Er arbeitet als Kranführer bei der Firma L._ AG und ver-
dient dort knapp Fr. 5'700.– netto pro Monat plus einen 13. Monatslohn. Seine
Frau arbeitet in einem Pensum von 50% als Fachangestellte Gesundheit im Spital
M._, wodurch sie ein zusätzliches Einkommen von rund Fr. 2'400.– verdient
(Urk. 67/1 S. 2; Prot. II S. 14 f.). Zu seinen persönlichen Verhältnissen hat der Be-
schuldigte A._ anlässlich der Berufungsverhandlung des weiteren ausge-
führt, dass die Wohnungsmiete monatlich Fr. 1'455.– betrage, er Fr. 15'000.–
Vermögen besitze und keine Kreditkartenschulden, aber ein offenes Leasing ha-
be. Sein Einbürgerungsgesuch sei aufgrund des hängigen Strafverfahrens sistiert
worden (Prot. II S. 15 f.). Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten Umstände.
3.4. Der Beschuldigte A._ ist nicht vorbestraft und auch sonst ergeben sich
keine strafmildernde oder strafmindernde Umstände, so dass er wegen Gehilfen-
schaft zur groben Verletzung der Verkehrsregeln mit einer Freiheitsstrafe von 8
Monaten zu bestrafen ist.
3.5. Die erstandene Haft von einem Tag ist gemäss Art. 51 StGB und Art. 110
Abs. 7 StGB ohne weiteres auf die Freiheitsstrafe anzurechnen.
4. Vollzug und Verbindungsbusse
4.1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs
Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte
Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Ver-
brechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 aStGB). Wurde der Täter in-
nerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens
sechs Monaten oder einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt,
so ist der Aufschub nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen
(Art. 42 Abs. 2 aStGB). In einem solchen Fall wird die ungünstige Prognose ver-
mutet (BGE 134 IV 6 f. E. 4.2.3.).
4.2. Da der Beschuldigte heute mit einer Freiheitsstrafe von weniger als zwei
Jahren zu bestrafen ist, kommt der bedingte Vollzug objektiv in Frage. Auch ver-
- 49 -
fügt der Beschuldigte als verheirateter Familienvater über ein soziales Umfeld,
das ihm Motivation genug sein kann, nicht erneut straffällig zu werden. Es ist
vielmehr anzunehmen, dass er sich durch die bedingte Strafe und die weiteren
Konsequenzen dieses Strafverfahrens genügend beeindrucken lassen wird, um
sich künftig wohl zu verhalten. Es liegen somit keine Umstände vor, die das Vor-
liegen der günstigen Prognose zu erschüttern vermögen. Dem Beschuldigten ist
der bedingte Strafvollzug zu gewähren. Die Probezeit ist praxisgemäss wie bei
Ersttätern üblich auf zwei Jahre festzusetzen.
4.3. Die Staatsanwaltschaft beantragt zusätzlich zur Freiheitsstrafe die Ausfäl-
lung einer Verbindungsbusse in der Höhe von Fr. 800.– (Urk. 62 S. 2; Urk. 75
S. 3), ohne dies näher zu begründen (Urk. 75 S. 29; Prot. II S. 45 f.).
Da sich vorliegend die sog. Schnittstellenproblematik nicht stellt (bei der groben
Verkehrsregelverletzung handelt es sich um eine multiple Verletzung wesentlicher
Verkehrsvorschriften und nicht einzig um eine Geschwindigkeitsüberschreitung),
der Beschuldigte mit einer einjährigen Freiheitsstrafe sanktioniert wird und er be-
reits durch das vorliegende Verfahren, insbesondere auch die Verhaftung, nach-
haltig beeindruckt sein dürfte, ist von der Ausfällung einer Verbindungsbusse im
Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB abzusehen.
5. Fazit
Der Beschuldigte A._ ist wegen Gehilfenschaft zur groben Verkehrsregelver-
letzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG mit einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten
zu bestrafen, unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs bei einer Probezeit
von 2 Jahren.
VI. Beschlagnahmte Gegenstände
1. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte mittels Verfügung vom 28. Oktober
2019 das unter der Asservaten-Nummer A011'956'131 sichergestellte iPhone 8
des Beschuldigten mit Ladekabel zu Beweiszwecken (Urk. 33 S. 4). Sie überlässt
den Entscheid, wie damit zu verfahren sei, dem Gericht (Urk. 62 S. 2 Ziffer 6).
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2. Ist die Beschlagnahme eines Gegenstands oder Vermögenswertes nicht
vorher aufgehoben worden, so ist über seine Rückgabe an die berechtigte Per-
son, seine Verwendung zur Kostendeckung oder über seine Einziehung im En-
dentscheid zu befinden (Art. 267 Abs. 3 StPO).
3. Nachdem von Seiten der Staatsanwaltschaft keine Opposition gegen die
Rückgabeanordnung im angefochtenen erstinstanzlichen Urteil erhoben worden
ist und eine solche auch nicht begründet wurde, steht einer Rückgabe an den
durch vormaligen Besitz offenkundig berechtigten Beschuldigten nichts im Wege.
Entsprechend sind das iPhone 8 mit Ladekabel dem Beschuldigten A._ nach
Eintritt der Vollstreckbarkeit auf erstes Verlangen herauszugeben.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Gestützt auf Art. 428 Abs. 3 StPO hat die Rechtsmittelinstanz von Amtes
wegen auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden,
wenn sie selber ein neues Urteil fällt und nicht kassatorisch entscheidet (GRIESSER
in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers, Kommentar zur Schweizerischen Straf-
prozessordnung, 3. Aufl. 2020 [kurz: ZH Komm. StPO], N 14 zu Art. 428).
1.2. Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrens-
kosten, wenn sie verurteilt wird. Ausgenommen sind die Kosten der amtlichen
Verteidigung, wobei Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt, wonach für diese
Kosten auf den Beschuldigten Rückgriff genommen werden kann, sobald es seine
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.
1.3. Der Beschuldigte wird verurteilt, so dass er grundsätzlich die Kosten der Un-
tersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens zu tragen hat. Nachdem
das Einzelgericht des Bezirksgerichts Dietikon infolge des Freispruchs keine Ge-
richtsgebühr festgesetzt hat, ist dies nunmehr nachzuholen. Gestützt auf die
§§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 GebV OG ist die Gerichtsgebühr unter Be-
rücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeitauf-
wands des Gerichts und der Berücksichtigung der gleichzeitigen Behandlung der
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Parallelverfahren auf Fr. 1'000.– festzusetzen. Die Vorinstanz hat die Entschädi-
gung für den amtlichen Verteidiger des Beschuldigten für die Aufwendungen sei-
ner anwaltlichen Vertretung gestützt auf dessen Honorarnote auf Fr. 6'512.65
(inkl. Barauslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) festgesetzt. Dies ist ohne weiteres
zu bestätigen, da sich der Aufwand gestützt auf die Anwaltsgebührenverordnung
und den konkreten Umständen des vorliegenden Falles entsprechend als not-
wendig und angemessen erweist.
2. Zweitinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
2.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob bzw. inwieweit ei-
ne Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheissen
werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015 E. 2.4.1
mit Hinweisen; bestätigt in 6B_10/2015 vom 24. März 2015 E. 4.2.1). Für die Kos-
tenauflage gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO sind nicht die rechtliche Würdigung und
die Anzahl der angeklagten Tatbestände, sondern der zur Anklage gebrachte Le-
benssachverhalt massgebend (Urteil des Bundesgerichts 6B_803/2014 vom
15. Januar 2015 E. 3.5). Wird der Entscheid im Rechtsmittelverfahren nur unwe-
sentlich abgeändert, können die Kosten nach dem Verursacherprinzip auferlegt
werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_318/2016 vom 13. Oktober 2016 E. 4.1 mit
Hinweisen).
2.2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahrens ist in Anwendung von
Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. §§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 GebV OG un-
ter Berücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeit-
aufwands des Gerichts und in Berücksichtigung der gleichzeitigen Behandlung
der Parallelfälle für dieses Verfahren auf Fr. 2'000.– festzusetzen.
2.3. Die Staatsanwaltschaft obsiegt mit ihren Anträgen vollumfänglich. Ihm sind
daher ausgangsgemäss die Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen, wobei
die Kosten für die amtliche Verteidigung zunächst auf die Gerichtskasse zu neh-
men sind. Gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO hat der Beschuldigte die Kosten der
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amtlichen Verteidigung dem Staat zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftli-
chen Verhältnisse erlauben.
2.4. Die amtliche Verteidigung macht für ihre Aufwendungen und Barauslagen im
Berufungsverfahren Fr. 4'070.10 geltend (Urk. 73). Das geltend gemachte Hono-
rar steht im Einklang mit den Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung und er-
weist sich grundsätzlich als angemessen. Zuzüglich des Aufwandes für die heuti-
ge Befragung des Beschuldigten vor Schranken ist Rechtsanwalt MLaw X._
pauschal mit einem Honorar von Fr. 5'000.– (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse
zu entschädigen.