Decision ID: b63415ec-6e48-5279-be98-2f81b7569a19
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 28.06.2017 Art. 28 IVG. Beweiswürdigung. Nachteil der Beweislosigkeit. Gestützt auf das aktuellste medizinische Gutachten ist davon auszugehen, dass der Versicherte in einer leidensadaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig ist. Er ist somit in der Lage, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen. Abweisung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Juni 2017, IV 2014/413). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_611/2017. Entscheid vom 28. Juni 2017 Besetzung Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika  und Michaela Machleidt Lehmann; Gerichtsschreiberin Lea Hilzinger Geschäftsnr. IV 2014/413 Parteien A._, Beschwerdeführer, vertreten durch Rinon Memeti, Schaffhauserstrasse 439, 8050 Zürich, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente Sachverhalt
Entscheid Versicherungsgericht, 28.06.2017
A.
A.a A._ meldete sich im September 2006 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zum Bezug einer Invalidenrente an (IV-act. 1). Er gab an, seit September 2005 an
starken Kopfschmerzen und einem variablen Blutdruck zu leiden. Seit dem 3. Januar
2006 sei er voll arbeitsunfähig. Er sei in B._ aufgewachsen und habe in C._ den
Titel Master of Science erworben. Zuletzt sei er als Qualitätsvorausplaner tätig
gewesen. Gemäss dem IK-Auszug hatte der Versicherte im Jahr 2004 ein
Erwerbseinkommen von Fr. 73'500.-- (Fr. 72'731.-- + Fr. 769.--) und im Jahr 2005 ein
solches von Fr. 60'834.-- (Fr. 42'840.-- + Fr. 17'994.--) erzielt (IV-act. 5). Die D._ AG
berichtete der IV-Stelle am 14. September 2006, dass sie den Versicherten vom 9. Mai
2005 bis 31. Mai 2006 als Qualitätsvorausplaner beschäftigt habe (IV-act. 8). Das
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Arbeitsverhältnis sei einvernehmlich wegen Krankheit aufgelöst worden. Der
Monatslohn des Versicherten habe Fr. 5'100.-- betragen. Die E._ AG berichtete der
IV-Stelle am 2. Oktober 2006, dass sie den Versicherten vom 1. März 2000 bis 31.
Dezember 2004 als Labor-Mitarbeiter Abt. Forschung & Entwicklung beschäftigt habe
(IV-act. 11). Die Kündigung sei aufgrund einer Neuorganisation erfolgt. Der Versicherte
würde heute ohne Gesundheitsschaden Fr. 5'400.-- pro Monat verdienen.
A.b Dr. med. F._, Allgemeine Medizin, gab in seinem Bericht vom 10. Oktober 2006
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (IV-act. 13):
• Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung mit Kribbelparästhesien,
attackenartige Zephalea
• geringgradige Bandscheibenprotrusion HWK 4/5
• arterielle Hypertonie mit rezidivierenden hypertensiven Krisen.
Der Versicherte sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit wegen einer schweren
Einschränkung der Konzentration seit dem 2. Januar 2006 voll arbeitsunfähig. Sofern
sich die täglich bestehenden Kopfschmerzen und die Konzentrationsprobleme nicht
besserten, werde auch eine andere Tätigkeit nicht zumutbar sein. Das Zentrum G._
erklärte am 18. Juli 2007, dass es sich bei den Kopfschmerzen um chronische
posttraumatische Kopfschmerzen mit migräneartigem Charakter handle (IV-act. 33-26
ff.). Eine genauere Beurteilung erfolge nach der Einsicht in die noch fehlenden
Unterlagen und nach der weiteren Abklärung. Es sei möglich, dass die Schmerzen
durch die tägliche Einnahme von Analgetika auch im Sinne eines
medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerzes zusätzlich ungünstig beeinflusst
würden.
A.c Im September 2007 wurde der Versicherte durch die Medas Zentralschweiz
polydisziplinär (allgemeinmedizinisch, neurologisch, psychiatrisch) begutachtet
(Gutachten vom 18. Januar 2008, IV-act. 24). Die Diagnosen mit wesentlicher
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Somatisierungsstörung
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- Kopfschmerzen vom Spannungstyp, teils Übergang in Migräne
- Verdacht auf Analgetikaüberkonsum mit Kopfschmerztriggering
- Hemidysästhesie ohne sicheres organisches Korrelat
- unbestimmter Schwindel, zum Teil mit vasovagalen Synkopen anamnestisch
- psychosomatische Persönlichkeitsstruktur.
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gaben die
Gutachter u.a. an:
• Arterielle Hypertonie mit teils stark schwankenden Werten
- Status nach rezidivierenden hypertensiven Krisen 09/2005 und 01/2006
- ohne hypertensive Kardiopathie
• Adipositas (BMI 33.2)
• Nikotinabusus (4-5 Zigaretten täglich/20 py).
Die Gutachter kamen in ihrer polydisziplinären Beurteilung zum Schluss, dass dem
Versicherten die angestammte Tätigkeit als Bau- bzw. Qualitätsingenieur aufgrund der
damit verbundenen grossen Verantwortung und den hohen Leistungsanforderungen
lediglich noch zu 50 % zumutbar sei. Limitierend erweise sich die
Somatisierungsstörung bzw. die psychosomatische Persönlichkeitsstruktur, die
belastungsabhängig die chronische Kopfschmerzsymptomatik negativ beeinflusse. In
einer beruflichen Tätigkeit ohne hohe Leistungsanforderungen (z.B. einfachere
Büroarbeiten in einem technischen Betrieb) sei der Versicherte aufgrund der
Kopfschmerzen bzw. der Somatisierungsstörung noch zu 80 % arbeitsfähig. RAD-Arzt
Dr. med. H._, Facharzt für Chirurgie, bezeichnete das Gutachten am 24. Januar 2008
als umfassend und konsistent (IV-act. 25).
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A.d Im August 2008 absolvierte der Versicherte im Auftrag des RAV ein zweiwöchiges
Praktikum (IV-act. 50). Seine Arbeitsleistung war als absolut ungenügend taxiert
worden. Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärte in seinem
Bericht vom 30. August 2008 zuhanden der IV-Stelle (IV-act. 57), dass die
psychiatrische Diagnostik durch die Medas Zentralschweiz mit der genügenden
Sorgfalt erfolgt sei. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung sei demgegenüber fachlich
ungenügend gewesen. Im Bemühen, die Grenzen seiner Belastbarkeit zu sprengen,
habe der Versicherte in der Vergangenheit mehrfach Schwächeanfälle erlitten, wobei er
gestürzt sei und sich verletzt habe. Der Versicherte begebe sich durch
Überanstrengung gesundheitlich derart in Gefahr, dass die erstrangige ärztliche
Verantwortung, Schaden vom Patienten fernzuhalten, zwingend verlange, dem
Versicherten keine Arbeitsleistung zuzumuten. Die Medas Zentralschweiz empfahl am
26. September 2008 wegen der erfolglosen Eingliederungsbemühungen und der
divergierenden ärztlichen Beurteilungen eine Verlaufsbegutachtung (IV-act. 72).
A.e Die (allgemeinmedizinische, psychiatrische und neuroophthalmologische)
Verlaufsbegutachtung fand im Dezember 2008 statt (Gutachten der Medas
Zentralschweiz vom 13. Mai 2009, IV-act. 92). In allgemeinmedizinischer und
psychiatrischer Hinsicht stellten die Gutachter keine wesentlichen Änderungen seit der
Vorbegutachtung fest. Der ophthalmologische Gutachter führte aus, dass die
Arbeitsfähigkeit aus ophthalmologischer Sicht aufgrund der messbaren Parameter 100
% betragen müsste. Eine gewisse Erschwerung des Lesens ergebe sich aus der
(schwierig prüfbaren) eingeschränkten Sakkadengeneration, welche insbesondere
langes Lesen verunmögliche. Unter Einbezug der (nicht zu überprüfenden) subjektiven
Angaben der erschwerten Erfassung von bewegten Bildinhalten ergebe sich eine
deutlich eingeschränkte Arbeitsfähigkeit von maximal 50 %. Arbeiten mit erhöhten
Ansprüchen an die visuelle Aufnahmefähigkeit und Arbeiten mit häufigeren
Fokuswechseln sowie mit bewegten, reich detaillierten und kleinen Bildinhalten kämen
nicht in Frage. Bei allen Arbeiten müssten frei wählbare Pausen, in denen der
Versicherte die Augen schliessen könne, möglich sein (IV-act. 92-21 f.). Die Gutachter
schätzten die Arbeitsfähigkeit in polydisziplinärer Hinsicht für die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit wie auch für behinderungsangepasste Tätigkeiten auf 50 %. Die RAD-Ärzte
Dr. H._ und Dr. med. J._ (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) erklärten
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am 12./23. Juni 2009, dass die gutachterliche Verlaufsbeurteilung nachvollziehbar sei,
weshalb auf sie abgestützt werden könne (IV-act. 93).
A.f Mit Verfügungen vom 14. Oktober 2009 und 9. November 2009 sprach die IV-Stelle
dem Versicherten für die Zeit ab 1. Oktober 2008 eine Viertelsrente und ab 1. Januar
2009 eine halbe Rente zu (IV-Grad von 50 %, IV-act. 101, 106, 108). Das
Versicherungsgericht hiess die gegen diese Verfügungen erhobenen Beschwerden am
10. August 2011 teilweise gut; es hob die angefochtenen Verfügungen auf und wies die
Sache zur weiteren medizinischen Abklärung und zur anschliessenden Neuverfügung
an die IV-Stelle zurück (IV 2009/428). Das Gericht erwog, dass sich den medizinischen
Akten keine objektivierbare Ursache der Kopfschmerzen, des Schwindels und der
Ohnmachtsanfälle entnehmen lasse. Die Einschätzung, wonach der Versicherte aus
ophthalmologischer Sicht auch in leidensadaptierten Tätigkeiten zu 50 %
arbeitsunfähig sei, sei gestützt auf die Aktenlage nicht überzeugend. Allerdings
bestünden Hinweise, dass der psychiatrische Gutachter die Ohnmachtsanfälle
unterschätzt habe.
A.g Im November 2011 wurde der Versicherte interdisziplinär (neurologisch und
psychiatrisch) durch die Medas Ostschweiz begutachtet (Gutachten vom 27. Januar
2012, IV-act. 149). Die Hauptdiagnosen mit Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Hochgradiger Verdacht auf Analgetika-induzierten Dauerkopfschmerz
- Anteile von Kopfschmerzen vom Spannungstyp sowie von Migräne
- Mischkopfschmerzen
- Kriterien eines posttraumatischen Kopfschmerzes nicht sicher erfüllt
- Status nach Implantation eines occipitalen Neurostimulators.
Als Nebendiagnosen gaben die Gutachter u.a. an:
• Arterielle Hypertonie, ungenügend eingestellt
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• Adipositas
• Nikotinkonsum
• akzentuierte Persönlichkeit mit narzisstischen und histrionischen Zügen.
Die Gutachter erklärten, dass die Arbeitsfähigkeit nicht endgültig beurteilt werden
könne, da zunächst ein stationärer Analgetikaentzug durchgeführt werden müsse.
A.h Am 12. April 2012 wurde der Versicherte von der IV-Stelle aufgefordert, sich einem
Analgetika-Entzug zu unterziehen (IV-act. 155). Dieser fand vom 4. bis 9. Juli 2012 im
Kantonsspital K._ mit anschliessender vierwöchiger Rehabilitation in der Klinik L._
statt (IV-act. 166, IV-act. 176). Dr. F._ berichtete der IV-Stelle am 16. Oktober 2012
über eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes (IV-act. 171). Die stationäre
Entzugstherapie habe dem Versicherten keinerlei Besserung der
Beschwerdesymptomatik gebracht. Die vorgängige Behandlung müsse nun wieder
etabliert werden. RAD-Arzt Dr. med. M._ notierte am 15. November 2012, dass der
korrekt durchgeführte Analgetika-Entzug vollumfänglich gescheitert sei (IV-act. 172).
Dr. rer. nat. N._, Zentrum O._, berichtete der Rechtsvertreterin des Versicherten
am 23. Juni 2013 (IV-act. 200), dass der Analgetikaentzug ein Misserfolg gewesen sei.
Es habe einzig nachgewiesen werden können, dass der Versicherte die Medikamente
unbedingt benötige. Die Medikamente seien schnellstmöglich wieder auf das
vorhergehende Niveau angehoben worden. Unter den wieder eingeführten
Medikamenten hätten die Drop Attacks deutlich abgenommen; vor allem könne der
Versicherte die Attacken eher beherrschen, indem er sich festhalten oder kontrolliert
absitzen könne. Die Kopfschmerzen liessen sich jedoch weder durch Medikamente
noch durch interventionelle Therapien wesentlich reduzieren. An eine Arbeitsfähigkeit
des Versicherten sei langfristig nicht zu denken.
A.i Im Oktober 2013 fand eine polydisziplinäre (internistische, neurologische und
psychiatrische) Verlaufsbegutachtung durch die Medas Ostschweiz statt (Gutachten
vom 9. Dezember 2013, IV-act. 213). Die Gutachter gaben die folgenden Diagnosen mit
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit an:
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• Nicht eindeutig zu klassifizierender Dauerkopfschmerz, am ehesten bei
Analgetika- und Triptanübergebrauch
- Mischkopfschmerzen, anteilig mit Kopfschmerzen vom Spannungstyp sowie
Migräne ohne Aura
- Kriterien eines posttraumatischen Kopfschmerzes weiterhin nicht sicher erfüllt.
Als Nebendiagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nannten die
Gutachter u.a.:
• Nicht organischer Schwindel
• kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und histrionischen Zügen
• arterielle Hypertonie mit Neigung zu hypertensiven Krisen unter 4-facher
Pharmakotherapie
• Adipositas mit einem BMI von 38 kg/m2
• Status nach Nikotinabusus, vor vier Monaten sistiert.
Die Gutachter hielten in der polydisziplinären Beurteilung fest, dass der
Medikamentenentzug wahrscheinlich deshalb gescheitert sei, weil die psychische
Problematik mit den narzisstischen und histrionischen Zügen und den psychosozialen
Komponenten beim Medikamentenentzug kaum mitberücksichtigt worden sei. In der
neurologischen Untersuchung hätten sich keine signifikanten Auffälligkeiten gefunden.
Der Versicherte habe weiterhin insgesamt drei Arten von Kopfschmerzen beschrieben:
Ein Dauerkopfschmerz, ein Spannungskopfschmerz und ein episodisch, ca. 5-9 Mal
pro Monat auftretender, stärkster, stechender, zum Teil pulsierender und frontal
betonter Kopfschmerz von wenigen Minuten Dauer mit Drop Attacks. Die
Medikamentenentzugstherapie habe lediglich zu einer leichten Reduktion der
eingenommenen Bedarfsmedikation geführt. Gemäss den Kriterien der Internationalen
Kopfschmerzgesellschaft liege weiterhin die Verdachtsdiagnose eines
Dauerkopfschmerzes, am ehesten bei Analgetika- und Triptanübergebrauch, vor. Das
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zur definitiven Diagnosestellung erforderliche Kriterium D („Der Kopfschmerz
verschwindet oder kehrt innerhalb von zwei Monaten nach Beendigung der
Triptaneinnahme wieder zu seinem früheren Auftretensmuster zurück“) sei jedoch
weiterhin nicht erfüllt. Durch den überlagerten Kopfschmerz bei Triptanübergebrauch
liessen sich die primär zugrundeliegenden Kopfschmerzen nicht mehr eindeutig
differenzieren. Die Drop Attacks, welche mit den starken Kopfschmerzattacken
einhergingen, seien bereits in der Vergangenheit eingehend abgeklärt worden, ohne
dass eine erklärende Diagnose habe gefunden werden können. Das berichtete
Schwindelgefühl dürfte einem nicht-organischen Schwindel entsprechen. In der
Untersuchung hätten sich weder Hinweise für einen peripher-vestibulären noch für
einen zentralen Schwindel gefunden. In Zusammenhang mit den Kopfschmerzen
zeigten sich hypertensive Entgleisungen. Differentialdiagnostisch könnten diese als
Nebenwirkung der Triptaneinnahme während der Attacken gesehen werden. Hypotonie
könne ebenfalls eine Nebenwirkung darstellen. Im Zusammenhang mit den
Kopfschmerzen bei Triptanübergebrauch stelle sich auch die Frage, inwieweit ein
Suchtverhalten vorhanden sei. In der psychiatrischen Exploration sei erneut
aufgefallen, dass sich der Versicherte ein Umfeld aufgebaut habe, in dem er als schwer
krank bestätigt werde. Es habe sich wiederum eine narzisstische und histrionische
Komponente, die sich nun nicht mehr als akzentuiert darstelle, sondern als
Persönlichkeitsstörung beurteilt werden könne, gefunden. Hinweise auf eine affektive
Störung im Sinne einer depressiven Erkrankung oder einer Angststörung, einer Störung
aus dem schizophrenen Formenkreis oder aus dem Formenkreis der
Somatisierungsstörung, hätten sich aktuell keine gezeigt. Aus psychiatrischer Sicht
dürften eine starke Selbstlimitierung des Versicherten sowie eine Überlagerung der
Kopfschmerzproblematik durch die narzisstische aber auch histrionische Komponente
vorliegen. Der Versicherte fühle sich weiterhin vor allem aufgrund der Kopfschmerzen
nicht arbeitsfähig. Als Ressourcen könnten das Fehlen von internistischen Handicaps
sowie das Fehlen von fokal neurologischen Defiziten genannt werden. Das
Eingliederungspotential dürfte einerseits durch narzisstische und histrionische
Persönlichkeitszüge und andererseits durch das soziale Umfeld erschwert sein, in
welchem der Versicherte in seiner Krankheit bestärkt und „gepflegt“ werde. Aus rein
psychiatrischer Sicht sei bezüglich der Persönlichkeitsstörung eine zumutbare
Willensanstrengung im versicherungsmedizinischen Sinne gegeben. Die Gutachter
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kamen zum Schluss, dass der Versicherte aufgrund der Kopfschmerzsymptomatik auf
stressbehaftete Tätigkeiten sowie Tätigkeiten im Nachtdienst und
Wechselschichtbetrieb verzichten sollte. Aus wohlwollender neurologischer Sicht
bestehe für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Qualitätsingenieur seit dem 19.
Dezember 2007 allenfalls eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit, da es sich um stressbesetze
Tätigkeit handle. In einer voll adaptierten Tätigkeit sei der Versicherte seit dem 19.
Dezember 2007 zu 100 % arbeitsfähig (siehe auch präzisierendes Schreiben der
Medas Ostschweiz vom 3. Februar 2014, IV-act. 219). RAD-Arzt Dr. M._ bezeichnete
das Gutachten am 20. Januar/7. März 2014 als umfassend und in sich stimmig (IV-act.
216, 222).
A.j Mit Vorbescheid vom 9. April 2014 (IV-act. 226) kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten bei einem IV-Grad von 11 % die Abweisung des Rentengesuchs an. Zur
Begründung führte sie an, dass dem Versicherten die angestammte Tätigkeit, in
welcher er im Jahr 2007 ein Jahreseinkommen von Fr. 67'361.-- hätte erzielen können,
nicht mehr zumutbar sei. In einer leidensadaptierten Verweistätigkeit bestehe seit dem
19. Dezember 2007 eine volle Arbeitsfähigkeit. Gemäss dem vom Bundesamt für
Statistik ermittelten Durchschnittseinkommen wäre es dem Versicherten im Jahr 2007
möglich gewesen, ein Jahreseinkommen von Fr. 60'167.-- zu erzielen. Dagegen liess
der Versicherte am 30. Mai 2014 einwenden (IV-act. 231), es sei völlig unverständlich,
weshalb die Gutachter der Medas Ostschweiz krampfhaft daran festhielten, dass der
Kopfschmerz auf einen Analgetika- und Triptanübergebrauch zurückzuführen sei. Aus
dem Fehlen organisch nachweisbarer Befunde lasse sich nicht direkt auf eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit schliessen. Im vorliegenden Fall seien die
Schmerzen sowie die Drop Attacks umfangreich dokumentiert und anerkannt. Zudem
seien in den Akten mittelschwere depressive Episoden sowie Angstzustände
festgehalten. Der Versicherte getraue sich wegen der Drop Attacks kaum mehr alleine
aus dem Haus. Wegen der Angstzustände verzichte er auch auf das Autofahren. Die
Verletzungen, die er sich durch die Drop Attacks zugezogen habe, verhinderten
praktisch jede selbständige Tätigkeit und führten zu einem verstärkten Rückzug aus
allen Lebensbereichen. Auch die übrigen Foerster-Kriterien seien erfüllt. Daraus könne
geschlossen werden, dass sich die Beschwerden des Versicherten und deren Folgen
nicht überwinden liessen. Das Gericht habe in seinem Entscheid vom 10. August 2011
erwogen, dass die Gutachter der Medas Zentralschweiz die Ohnmachtsanfälle
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möglicherweise unterschätzt hätten. Trotzdem hätten weder die Medas Ostschweiz
noch die IV-Stelle oder der RAD die Drop Attacks in ihre neue Beurteilung
miteinbezogen. Die durch die überfallartig und nicht voraussehbaren
Kopfschmerzattacken erfolgenden Stürze machten eine dauernde Überwachung bei
der Verrichtung einer Tätigkeit notwendig. Zudem müsste eine sofortige ärztliche
Behandlung im Falle von Stürzen sichergestellt sein. Die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit sei dem Versicherten daher nicht zumutbar. Bei der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit seien auch das Alter sowie der Umstand, dass der Versicherte
wegen der Drop Attacks auf das Autofahren verzichte und somit in seiner Mobilität
eingeschränkt sei, zu berücksichtigen. Der Arbeitsmarkt kenne keine Tätigkeit, die alle
genannten Kriterien erfülle. Zudem habe es die IV-Stelle versäumt, die konkreten
Arbeitsmöglichkeiten zu bezeichnen, welche für den Versicherten in Frage kämen.
Selbst wenn aus medizinischer Sicht von einer teilweisen oder vollen Arbeitsfähigkeit
für leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen wäre, wäre diese auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nicht verwertbar. Sollte die IV-Stelle dennoch von einer Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit ausgehen, wäre ein Abzug vom Tabellenlohn von 25 %
gerechtfertigt. Sollte dem Versicherten keine ganze Rente zugesprochen werden, wäre
eine Neubegutachtung erforderlich, um die Auswirkungen der Drop Attacks auf die
Erwerbsfähigkeit abklären zu lassen.
A.k Dr. M._ notierte am 18. Juni 2014 (IV-act. 232), dass sich die Gutachter der
Medas Ostschweiz aus der Sicht des RAD im Gutachten vom 9. Dezember 2013 mit
der Problematik der Sturzattacken hinlänglich auseinandergesetzt hätten. Mit
Verfügung vom 22. Juli 2014 (IV-act. 233) wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei
einem IV-Grad von 11 % aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab. Bezüglich
des Einwandes verwies sie auf die RAD-Stellungnahme vom 18. Juni 2014. Zudem
wies sie darauf hin, dass ein Leidensabzug bei Vorliegen einer vollen Arbeitsfähigkeit
mit den genannten Spezifikationen nicht geschuldet sei.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
15. September 2014 Beschwerde erheben (act. G 1 und G 3). Sein Vertreter beantragte
die Aufhebung der Verfügung und die rückwirkende Zusprache einer ganzen Rente ab
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4. März 2007. Zudem stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung
von den Gerichtskosten). Des Weiteren verlangte er die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung. Ergänzend zu den Einwänden im Vorbescheidverfahren machte der
Vertreter geltend, dass die Medas Ostschweiz die Kopfschmerzen und deren Folgen
nicht ernst genommen und in ungenügender Weise in die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit habe einfliessen lassen. Die behandelnden Ärzte hätten dem
Beschwerdeführer eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Der Beschwerde
lag u.a. eine Auflistung von Dr. F._ vom 9. September 2014 über alle Stürze des
Beschwerdeführers bei (act. G 1.1 Beilage 6). Im Jahr 2011 sei es zu 52, im Jahr 2012
zu 76, im Jahr 2013 zu 89 und im Jahr 2014 zu bisher 60 Stürzen gekommen. Wegen
der Stürze hätten im Jahr 2011 drei, im Jahr 2012 zwei, im Jahr 2013 vier und im Jahr
2014 bisher zwei hausärztliche Konsultationen stattgefunden. Die Stürze hätten u.a.
Rissquetschwunden, Schürfungen, Hämatome und Nasenbluten nach sich gezogen.
Die Tochter des Beschwerdeführers hatte in einer Stellungnahme vom 13. September
2014 (act. G 1.1 Beilage 7) ausgeführt, dass ihr Vater es seit dem Jahr 2007 aufgrund
der Schmerzen, der Drop Attacks und der ständigen Angst nicht mehr schaffe, seinen
Alltag alleine zu bewältigen. Er pflege eigentlich nur noch Kontakte mit ihr und ihrer
Mutter. Die Stürze seien ihrem Vater sehr peinlich. Auch aus Angst, in der Öffentlichkeit
eine Drop Attack zu erleiden, habe er sich mehr und mehr zurückgezogen und sei fast
nur noch zuhause. Um ihre Mutter nicht zu belasten, versuche er, die Stürze zu
verbergen. Die Drop Attacks seien ein unkalkulierbares Risiko und verunmöglichten ein
geregeltes Leben.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 31. Oktober 2014
die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, dass es sich
beim Dauerkopfschmerz des Beschwerdeführers um ein syndromales Leiden handle,
welches mit einer somatoformen Schmerzstörung vergleichbar sei. Beim
Beschwerdeführer liege keine psychiatrische Komorbidität im invalidisierenden
Schweregrad vor. Auch die Foerster-Kriterien seien nicht erfüllt. Aufgrund des relativ
harmlosen psychiatrischen Befundes ohne Hinweise auf eine affektive oder gar
psychotische Störung hätten die Gutachter der Medas Ostschweiz dem
Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht zu Recht eine volle Arbeitsfähigkeit
attestiert. Tätigkeiten, die dem Anforderungsprofil des Beschwerdeführers
entsprächen, seien auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus vorhanden. Die
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Drop Attacks seien hierbei nicht zu berücksichtigen, weil keine Befunde vorhanden
seien, die diese erklären könnten.
B.c Das Gericht bewilligte am 3. November 2014 das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für das Beschwerdeverfahren (act. G
7).
B.d In seiner Replik vom 4. Dezember 2014 (act. G 9) machte der Vertreter des
Beschwerdeführers ergänzend geltend, bei der diagnostizierten Depression handle es
sich um einen verselbständigten Gesundheitsschaden. Die Depression sei in die
Beurteilung der willentlichen Leidensüberwindung miteinzubeziehen. Dasselbe gelte für
die körperlichen Begleiterscheinungen (arterielle Hypertonie, Kribbelparästhesie,
Tinnitus, Adipositas etc.). Der soziale Rückzug des Beschwerdeführers sei viel
ausgeprägter, als die Beschwerdegegnerin annehme. Die Beschwerdegegnerin habe
keine ganzheitliche Prüfung der psychisch relevanten Komorbidität und der weiteren
Morbiditätsfaktoren vorgenommen. Aus objektiver Sicht sei nicht davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer über die psychischen Ressourcen verfüge, die es im
erlaubten, mit seinen Schmerzen umzugehen und einer Arbeit nachzugehen. Die
Mehrheit der Stürze erfolge in Abwesenheit irgendwelcher Personen. Dies und die
damit einhergehenden Folgen sprächen eindeutig gegen willentlich überwindbare bzw.
simulierte Leiden.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 10 f.).
B.f Am 19. Juni 2017 zog der Vertreter des Beschwerdeführers den Antrag auf
Durchführung einer mündlichen Verhandlung zurück (act. G 12).

Erwägungen
1.
Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss Art. 60
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung der
Verfügung einzureichen. Die angefochtene Verfügung datiert vom 22. Juli 2014, die
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Beschwerde ist aber erst am 15. September 2014 erhoben worden. Die Verfügung ist
dem Vertreter gemäss eigener Aussage am 23. Juli 2014 zugestellt worden.
Gesetzliche oder behördliche Fristen, die nach Tagen oder Monaten bestimmt sind,
stehen vom 15. Juli bis und mit dem 15. August still (Art. 38 Abs. 4 lit. b ATSG). Die
Frist hat also erst am 16. August 2014 zu laufen begonnen. Der letzte Tag der Frist ist
auf den Sonntag, 14. September 2014 gefallen. Ist der letzte Tag der Frist ein Sonntag,
so endet sie am nächstfolgenden Werktag (Art. 38 Abs. 3 Satz 1 ATSG). Der Vertreter
des Beschwerdeführers hat am 15. September 2014 und somit am letzten Tag der Frist
Beschwerde erhoben. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2.
2.1 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem IV-Grad von 11 % verneint.
2.2 Der Beschwerdeführer hat sich bereits im September 2006 zum Bezug einer
Invalidenrente angemeldet und eine Arbeitsunfähigkeit seit dem 3. Januar 2006 geltend
gemacht. Gemäss Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG, SR 831.20) entsteht ein Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs
Monaten nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Nun ist aber nach dem
(lückenfüllend geschaffenen) Übergangsrecht der 5. IV-Revision die altrechtliche
Regelung des Rentenbeginns weiter anzuwenden, sofern das Wartejahr vor dem
Zeitpunkt des Inkrafttretens (1. Januar 2008) zu laufen begonnen hat und die
Anmeldung bis spätestens Ende Juni 2008 erfolgt ist (vgl. das vom Bundesamt für
Sozialversicherungen herausgegebene IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember
2007 sowie die Modifikation in BGE 138 V 475). Nach aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG entsteht
der Rentenanspruch ‒ unabhängig vom Datum der Anmeldung ‒ unmittelbar mit der
Erfüllung des Wartejahres. Ein Anspruch auf Nachzahlung besteht grundsätzlich aber
nur für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate (aArt. 48 Abs. 2 IVG). Da sich
der Beschwerdeführer innert zwölf Monaten nach Eintritt der geltend gemachten
Arbeitsunfähigkeit zum Leistungsbezug angemeldet hat, würde ein allfälliger
Rentenanspruch frühestens ab 1. Januar 2007 entstehen. Nachfolgend ist somit zu
prüfen, ob der Beschwerdeführer in der Zeit vom 1. Januar 2007 bis 22. Juli 2014
(Verfügungserlass) einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
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3.
3.1 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art.
8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsun¬fähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.2 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
4.
4.1 Um das Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers vom 1. Januar 2006 (frühestmöglicher Beginn des Wartejahres) bis
22. Juli 2014 mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen.
4.2 Der Beschwerdeführer hat insbesondere geltend gemacht, an drei verschiedenen
Arten von Kopfschmerzen (Dauerkopfschmerz, Spannungskopfschmerz und
episodische Kopfschmerzattacken mit plötzlichen Sturzereignissen) zu leiden. Seine
Konzentrationsfähigkeit sei durch die Kopfschmerzen stark eingeschränkt; er könne die
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Konzentration nur ca. 10-15 Minuten aufrechterhalten (IV-act. 213-29). Zudem leide er
unter Schwindel. Der Beschwerdeführer fühlt sich für jegliche Tätigkeiten voll
arbeitsunfähig.
4.3 Im aktuellsten Gutachten der Medas Ostschweiz vom 9. Dezember 2013 sind die
Sachverständigen zum Schluss gekommen, dass es sich beim Dauerkopfschmerz am
ehesten um einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz bei Analgetika- und
Triptanübergebrauch handle. Die primär zugrundeliegenden Kopfschmerzen liessen
sich deshalb nicht mehr eindeutig differenzieren. Für die Drop Attacks haben die
Gutachter der Medas Ostschweiz keine erklärende Diagnose gefunden. Auch den
angegebenen Schwindel haben sie als nicht-organisch eingestuft. Die hypertensiven
Entgleisungen sind differentialdiagnostisch als Nebenwirkung der Triptaneinnahme
beurteilt worden. Der psychiatrische Gutachter med. pract. Q._ hat eine starke
Selbstlimitierung sowie eine Überlagerung der Kopfschmerzproblematik durch eine
narzisstische und histrionische Komponente festgestellt. Hinweise für eine affektive
Störung im Sinne einer depressiven Erkrankung oder einer Angststörung, für eine
Störung aus dem schizophrenen Formenkreis oder für eine Störung aus dem
Formenkreis der Somatisierungsstörung hat er nicht feststellen können. Die Gutachter
der Medas Ostschweiz haben sich das Ausmass der geltend gemachten
gesundheitlichen Probleme also weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht
erklären können. Obwohl der neurologische Gutachter in der neurologischen
Untersuchung keine signifikanten Auffälligkeiten gefunden hat (IV-act. 213-47), hat er
dem Beschwerdeführer mit der Begründung, dass es sich um eine stressbehaftete
Tätigkeit handle, für die angestammte Tätigkeit als Qualitätsingenieur „wohlwollend“
eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Da die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit im Ergebnis für den Rentenentscheid nicht relevant ist, kann offen gelassen
werden, ob diese Einschätzung überzeugt. Für adaptierte Tätigkeiten haben die
Gutachter der Medas Ostschweiz dem Beschwerdeführer nämlich eine volle
Arbeitsfähigkeit attestiert.
4.3.1 Der Vertreter des Beschwerdeführers hat geltend gemacht, dass die Gutachter
der Medas Ostschweiz die aktenkundige Depression und die Angstzustände nicht
berücksichtigt hätten. Tatsächlich wird in den Akten der behandelnden Ärzte vereinzelt
eine depressive Symptomatik erwähnt; insbesondere hat die Klinik R._ dem
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Beschwerdeführer im Bericht vom 7. September 2006 eine mittelschwere depressive
Episode diagnostiziert (siehe UV-Fremdakten, nicht nummeriert). Der
Beschwerdeführer hat während des Verwaltungsverfahrens nie geltend gemacht, an
einer depressiven Symptomatik zu leiden. Weder sein Hausarzt noch sein langjähriger
Psychiater haben gemäss der Aktenlage je eine depressive Erkrankung diagnostiziert.
Damit übereinstimmend haben die psychiatrischen Gutachter der Medas
Zentralschweiz und der Medas Ostschweiz keine Hinweise für eine Erkrankung aus
dem depressiven Formenkreis gefunden. Dass der Beschwerdeführer Angst vor einer
Kopfschmerzattacke bzw. einer Drop Attack hat, ist nachvollziehbar. Dies bedeutet
jedoch nicht, dass eine psychiatrische Störung von Krankheitswert vorliegt. Bis anhin
ist beim Beschwerdeführer nie eine Angststörung diagnostiziert worden. Die
Argumentation des Vertreters des Beschwerdeführers ist daher nicht stichhaltig.
4.3.2 Der Vertreter des Beschwerdeführers hat weiter vorgebracht, es sei völlig
unverständlich, weshalb die Gutachter der Medas Ostschweiz weiterhin von einem
medikamenteninduzierten Kopfschmerz ausgegangen seien. Der Beschwerdeführer hat
einen gescheiterten Medikamentenentzug hinter sich. Die Gutachter der Medas
Ostschweiz haben ihre (nicht gesicherte) Diagnose eines medikamenteninduzierten
Kopfschmerzes damit begründet, dass bei der Entzugstherapie die kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und histrionischen Zügen sowie die
psychosozialen Komponenten kaum berücksichtigt worden seien. Zudem haben sie die
Frage aufgeworfen, ob möglicherweise ein Suchtverhalten vorhanden sei. Aus der Sicht
eines medizinischen Laien erscheint es durchaus nachvollziehbar, dass der
Medikamentenentzug aufgrund der von den Gutachtern genannten Gründe nicht
erfolgreich gewesen ist. Angesichts des weiterhin sehr hohen Triptangebrauchs (13 bis
14 Tabletten Relpax à 80 mg pro Monat, IV-act. 213-32) des Beschwerdeführers
leuchtet es daher ein, dass die Gutachter an ihrem Verdacht eines
medikamenteninduzierten Kopfschmerzes festgehalten haben.
4.3.3 Der Vertreter des Beschwerdeführers hat ausserdem kritisiert, dass die
Gutachter der Medas Ostschweiz die Kopfschmerzen und deren Folgen nicht ernst
genommen und deshalb in ihrer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ungenügend
berücksichtigt hätten. Dieses Vorbringen wird durch die Arbeitsfähigkeitsschätzungen
der behandelnden Ärzte gestützt: Dr. F._ (Hausarzt), Dr. N._ (Facharzt
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Anästhesiologie und Intensivmedizin, Facharzt Interventionelle Schmerztherapie) und
Dr. I._ (Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie) sind übereinstimmend davon
ausgegangen, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung einer Erwerbstätigkeit
wegen der Kopfschmerzen (und der damit verbundenen Sturzattacken und
Konzentrationsstörungen) nicht mehr zumutbar sei. Die Gutachter der Medas
Ostschweiz haben sich die geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen in
ihrem Ausmass nicht erklären können. Sie haben also den Beweis, dass der
Beschwerdeführer an gesundheitlichen Problemen leidet, die erhebliche Auswirkungen
auf seine Arbeitsfähigkeit haben, nicht erbringen können. Die Beweisproblematik spitzt
sich im vorliegenden Fall dadurch zu, dass die Gutachter der Medas Ostschweiz und
der Medas Zentralschweiz anlässlich ihrer Untersuchungen erhebliche Inkonsistenzen
festgestellt haben: Bereits bei der ersten Begutachtung durch die Medas
Zentralschweiz im September 2007 sind dem psychiatrischen Gutachter Dr. med. S._
Hinweise für Selbstlimitierungen aufgefallen (IV-act. 24-34). Bei der zweiten
Begutachtung im Dezember 2008 hat er dann deutliche Inkonsistenzen festgestellt. Er
hat darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer während der fast zweistündigen
Konsultation leidend gewirkt habe, ohne jedoch ein grosses Mitgefühl zu wecken. Die
affektiven Äusserungen des Beschwerdeführers seien manieriert (gekünstelt,
übertrieben, unecht, unnatürlich, theatralisch) gewesen (IV-act. 92-34). Wie im
Erstuntersuch sei der Beschwerdeführer trotz aktuell erhöhter Schmerzintensität in der
Lage gewesen, die Konzentration während des fast zweistündigen Interviews
aufrechtzuerhalten (IV-act. 92-36). Als widersprüchlich hat Dr. S._ auch erachtet,
dass sich der Beschwerdeführer von einem „Zusammenbruch“ wegen heftiger
Kopfschmerzen in der neuropsychologischen Untersuchung innert Minuten erholt
hatte. Gemäss Dr. S._ wäre zu erwarten gewesen, dass die Konzentrationsfähigkeit
des Beschwerdeführers über längere Zeit eingeschränkt gewesen wäre, da heftige
Kopfschmerzen in der Regel erst nach längerer Zeit abklängen. Weiter ist Dr. S._
davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer die Stürze bewusstseinsnah erlebt
(IV-act. 92-38). Die dissoziativen Zeichen (veränderte Stimmlage, in die Ferne
gerichteter Blick, teilweise parathyme Affektlage) hat Dr. S._ differentialdiagnostisch
als Ausdruck einer histrionischen Überlagerung der Schmerzpräsentation im Sinne
einer Aggravation interpretiert (IV-act. 92-38). Die dritte Begutachtung ist im November
2011 durch die Medas Ostschweiz erfolgt. Das Verhalten des Beschwerdeführers hat
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auf den psychiatrischen Gutachter med. pract. Q._ teilweise theatralisch gewirkt (IV-
act. 149-25). Med. pract. Q._ hat zudem aufgezeigt, dass der Beschwerdeführer
nicht wie bis anhin behauptet Ohnmachtsanfälle erleidet, sondern während der
Kopfschmerzattacken bei Bewusstsein ist (IV-act. 149-26). Im vierten Gutachten vom 9.
Dezember 2013 hat med. pract. Q._ dargelegt, dass der Beschwerdeführer stark
limitiert und die Kopfschmerzproblematik durch die narzisstische aber auch
histrionische Komponente überlagert ist (IV-act. 213-38). Die Divergenz zwischen der
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter der Medas Ostschweiz und jener der
behandelnden Ärzte lässt sich also dadurch begründen, dass sich die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Ärzte hauptsächlich auf die
subjektiven Angaben des Beschwerdeführers stützen, während die Gutachter der
Medas Ostschweiz die geltend gemachten gesundheitlichen Einschränkungen anhand
der objektivierbaren pathologischen Befunde und der gezeigten Inkonsistenzen kritisch
gewürdigt respektive einer Plausibilitätsprüfung unterzogen haben. Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass sich die Gutachter der Medas Ostschweiz eingehend mit der
Kopfschmerzproblematik auseinandergesetzt haben. Dass die Gutachter die geltend
gemachten Kopfschmerzen und deren Folgen nicht unkritisch in ihrer
Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt haben, überzeugt angesichts der geringen
objektivierbaren Befunde und der erheblichen Inkonsistenzen. Vor diesem Hintergrund
ist in antizipierender Beweiswürdigung auch davon auszugehen, dass eine Befragung
der Ehefrau, der Tochter und des Nachbarn zu den Drop Attacks keine weiterführenden
Erkenntnisse hinsichtlich der dem Beschwerdeführer objektiv noch zumutbaren
Arbeitsleistung liefern würden.
4.3.4 Der ophthalmologische Gutachter der Medas Zentralschweiz hat dem
Beschwerdeführer im Gutachten vom 13. Mai 2009 eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit in
jeglicher Tätigkeit attestiert. Das Gericht hat bereits im Rückweisungsentscheid vom
10. August 2011 dargelegt, weshalb diese Einschätzung nicht überzeugt (siehe IV
2009/428 Erw. 3.2). Die Gutachter der Medas Ostschweiz haben in der Folge auf eine
ophthalmologische (d.h. augenärztliche) Zusatzbegutachtung verzichtet. Begründet
haben sie dies damit, dass der Beschwerdeführer die Augensymptomatik während der
Begutachtung nur noch am Rande geschildert habe und sie die Symptomatik als
Teilgeschehen der vaskulären Ereignisse im Rahmen der Kopfschmerzen sähen.
Differentialdiagnostisch könnte es sich um Aurasymptome handeln. Die Symptome
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seien damit nicht augenärztlicher, sondern neurologischer Natur (IV-act. 152). Aus den
Akten geht hervor, dass die Sehstörungen jeweils im Rahmen der Schmerzattacken
aufgetreten sind (IV-act. 149-15). Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der
ophthalmologische Gutachter gestützt auf die objektiven Befunde aus augenärztlicher
Sicht keine Arbeitsunfähigkeit hat feststellen können, erscheint der Verzicht auf eine
weitere ophthalmologische Untersuchung als vertretbar.
4.3.5 Während die Gutachter der Medas Ostschweiz die Kopfschmerzen als (am
ehesten) medikamenteninduziert qualifiziert haben, sind die Gutachter der Medas
Zentralschweiz von einer Somatisierungsstörung ausgegangen. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der beiden Gutachterstellen unterscheiden sich zudem
insoweit, als die Gutachter der Medas Ostschweiz für adaptierte Tätigkeiten von einer
100 %igen Arbeitsfähigkeit und die Gutachter der Medas Zentralschweiz von einer
leicht reduzierten Arbeitsfähigkeit von 80 % ausgegangen sind. Der psychiatrische
Gutachter der Medas Zentralschweiz hat weder die Diagnose einer
Somatisierungsstörung noch die daraus resultierende 20 %ige Arbeitsunfähigkeit
ausreichend begründet. Seine Arbeitsfähigkeitsschätzung vermag daher keine
ernsthaften Zweifel an derjenigen der Gutachter der Medas Ostschweiz zu wecken.
4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Ausmass der geltend gemachten
Kopfschmerzen und deren Folgen aus medizinischer Sicht nicht erklärbar sind. Hinzu
kommt, dass der Beschwerdeführer bei den gutachterlichen Untersuchungen
erhebliche Inkonsistenzen gezeigt hat. Da der Beschwerdeführer den Nachteil der
Beweislosigkeit zu tragen hat (vgl. BGE 117 V 261 E. 3b), ist gestützt auf das
Gutachten der Medas Ostschweiz vom 9. Dezember 2013 für adaptierte Tätigkeiten
von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Ob der Beschwerdeführer in der
angestammten Tätigkeit als Qualitätsingenieur mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
tatsächlich zu 50 % arbeitsunfähig ist, kann offen gelassen werden. Hinweise, dass die
Arbeitsunfähigkeit in der Vergangenheit vorübergehend höhergradig gewesen wäre,
sind nicht ersichtlich, weshalb diese Arbeitsfähigkeitsschätzung für adaptierte
Tätigkeiten rückwirkend ab 1. Januar 2006 gilt.
5.
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5.1 Somit bleibt noch der Einkommensvergleich zu überprüfen. Der Beschwerdeführer
hat im Jahr 2004 ein Erwerbseinkommen von Fr. 73'500.-- erzielt. Per 31. Dezember
2004 ist ihm gekündigt worden. An der nächsten Arbeitsstelle hat er dann einen
wesentlich tieferen Lohn erzielt, nämlich Fr. 60'834.-- (Jahr 2005). Da die Kündigung
der besser bezahlten Arbeitsstelle nicht wegen mangelhafter Leistungen des
Beschwerdeführers, sondern wegen einer Neuorganisation erfolgt ist, ist für das
Valideneinkommen auf das im Jahr 2004 erzielte Erwerbseinkommen abzustellen; es ist
nämlich davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nicht freiwillig auf das bisher
erzielte Einkommen verzichtet hat, sondern aufgrund der damaligen Arbeitsmarktlage
gezwungen gewesen ist, eine schlechter bezahlte Arbeitsstelle anzunehmen. Da die
Grundlage des Validen- und des Invalideneinkommens nicht der tatsächliche, sondern
der ausgeglichene Arbeitsmarkt bildet, ist für die Ermittlung des Valideneinkommens
auf das im Dezember 2004 erzielte Erwerbseinkommen abzustellen. Angepasst an die
Nominallohnentwicklung hat das Valideneinkommen im Jahr 2007 somit Fr. 76'180.--
betragen (siehe T39 der Lohnentwicklung 2014 des Bundesamtes für Statistik). Als
Invalidenkarriere kommt lediglich eine einfache, nicht stressbehaftete Tätigkeit wie z.B.
eine einfachere Bürotätigkeit in einem technischen Betrieb in Frage. Der
Beschwerdeführer hat in der Schweiz nie auf seinem erlernten Beruf als Bauingenieur
gearbeitet. Die Ausübung einer Hilfsarbeit ist ihm insbesondere deshalb zumutbar, weil
dadurch − wie nachfolgend aufgezeigt wird − verhindert werden kann, dass er eine
rentenbegründende Erwerbseinbusse erleidet. Das Invalideneinkommen ist somit
anhand des durchschnittlichen Einkommens eines Hilfsarbeiters zu berechnen. Dieses
hat im Jahr 2007, aufgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von
41.7 Stunden, Fr. 60'167.-- betragen (siehe Anhang 2 der IVG-Ausgabe der
Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2015). Zwar wirkt sich das fortgeschrittene Alter
des Beschwerdeführers (im Verfügungszeitpunkt fast 55 Jahre) insoweit etwas
lohnmindernd aus, als ein Arbeitgeber für ältere Arbeitnehmer höhere Beiträge an die
Pensionskasse zu bezahlen hat als für jüngere Arbeitnehmer. Dieser Nachteil wird
allerdings dadurch aufgewogen, dass der Beschwerdeführer über eine sehr gute Schul-
und Berufsausbildung und gemäss eigenen Angaben über eine hohe
Leistungsbereitschaft verfügt. Die geltend gemachte Unfähigkeit, Auto zu fahren, hat
keinen Einfluss auf die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit. Die meisten
Arbeitsstellen sind gut an die öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen. Tätigkeiten im
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Nachtdienst und im Wechselschichtbetrieb, wo der Beschwerdeführer möglicherweise
auf ein Auto angewiesen wäre, fallen ohnehin nicht in Betracht (IV-act. 213-50). Ein
Tabellenlohnabzug ist im vorliegenden Fall somit nicht angezeigt. Bei einem
Valideneinkommen von Fr. 76'180.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 60'167.--
resultiert ein IV-Grad von 21 %. Da der IV-Grad unter 40 % liegt, hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine IV-Rente.
5.2 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die Gerichtsgebühr
in der Höhe von Fr. 600.-- ist dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien. Eine Partei,
der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur Nachzahlung der
Gerichtskosten verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1]).
6.2 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf
eine Parteientschädigung (vgl. Art. 61 lit. g ATSG). Ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung hat er nicht gestellt, da die Rechtsvertretung nicht berufsmässig
und damit unentgeltlich erfolgt ist (act. G 3 f.).