Decision ID: cb8a29c6-6e49-45e5-9ae2-aaad093d59f6
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1961 geborene
X._
war seit November 2008
bei der Y._
AG
vollzeitlich
als
Vorsorgeberater tätig. Am 26. August 2013 rutschte der Versicherte im Badezimmer aus und prellte sich das linke Knie, welches am 2. Oktober 2013 operiert wurde.
Die
Helsana Versicherungen
AG (nachfolgend:
Helsana
) trat
zunächst bis zum 1. Oktober 2013
als Unfall
versicherung
und danach als Krankentaggeldversicherung
auf den Schaden ein, leistete Taggelder und überna
hm die Heilungskosten (Urk. 6/5
). Am
26. März 2014
(Eingangsdatum)
liess die Helsana die Anmeldung
zum Leistungsbezug
von
X._
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zu
kommen
(Urk.
6/4-7
). In der Folge tätigte die
IV-Stelle medizinische und erwerb
liche Abklärungen und zog die Akten der
Helsana
- so auch deren vertrauens
ärztlichen (orthopädischen) Untersuchungsbericht vom 6. Mai 2014 (Urk. 6/16) -
bei
.
Mit Entscheid vom 2. Juni 2014 reduzierte die Helsana ihre Krankentaggeld
leistungen schrittweise und stellte diese per 8. Juli 2014 ein (Urk. 6/19 S. 9 f.).
Auf entsprechende Aufforderung hin (Urk. 6/27) gab der Versicherte am 30. März 2015 die ihn behandelnden Ärzte und Kliniken an (Urk. 7/28), woraufhin die IV-Stelle dort Arztbericht einholte (Urk. 6/30-31). Im Weiteren liess die IV-Stelle
X._
durch die
Z._
polydisziplinär be
gutachten
(
Z._
-
Gutachten
vom
12. Oktober 2015, Urk. 6/43
).
Dr.
med. A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
nahm
in seiner
(
ab
schliessenden
)
Stellungnahme vom 30. Oktober 2015
eine versicherungs
medizinische Beurteilung vor (vgl. Feststellungsblatt für den Beschluss vom 7. Mai 2019, Urk. 6/157 S. 7-9).
Nachdem sich der Gesundheitszustand des Versicherten verschlechtert hatte (im Sinne eines Rückfalls betreffend Knie, vgl. Urk. 6/46 und Urk. 6/50)
, tätigte die IV-Stelle weitere medizinische Ab
klärungen (Urk. 6/54 und Urk. 6/61).
X._
erlitt
am 15. Dezember 2015
einen Autounfall
und
wurde
bei der Diagnose
Lendenwirbelkörper (LWK)1- und LWK2-Fraktur
und Stauchungs
fraktur des Brustbeines
am
Folgetag operiert
. Die Helsana trat auf den Schaden ein, übernahm die Kosten der Heilbehandlung und richtete Taggelder aus
(vgl. bei
gezogene Akten
, Urk. 6/69).
Nachdem im Mai 2016 eine
Re-Ruptur der
Supraspinatussehne
rechts nach
Rotatorenman
schetten
-R
ekonstruktion von 2002 festgestellt
worden war
, erfolgte am 6. Juli 2
016 eine weitere Operation (Urk. 6/79).
Am 18. Oktober 2016 wurde das
Osteosynthesematerial
der Operation vom 16. Dezember 2015 entfernt und eine
Spondy
lodese
L5/S1 durchgeführt (vgl. Urk. 6/100
).
Am 24. März 2017 fiel der Versicherte zu
h
ause die Treppe hin
unter und zog sich dabei diverse Prellungen und Rippenbrüche zu, wobei auch
die
Supraspinatussehne
an der rechten Schulter riss
(vgl. Urk. 6/107). Daraufhin liess die Helsana - mit Zusatzfragen seitens der IV-Stelle (Urk. 6/140) -
X._
durch die
Z._ AG
polydisziplinär begutachten (
Z._
-Gutachten vom 6. November 2018, Urk. 6/143). Zum Gutachten nahm RAD-Arzt
Dr.
A._
am 11. Dezember 2018 Stellung (Urk. 6/157 S. 17 f.).
Mit Verfügung vom 14. März 2019 sprach die Helsana für die Unfallereignisse vom 15. Dezember 2015 und vom 24. März 2017 dem Versicherten mit Wirkung ab 1. Oktober 2018 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 17 % (bei einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit) sowie eine Integritätsentschädigung in der Höhe von Fr. 6'300.-- zu (Urk. 6/150).
Mit Schreiben vom 22. April 2019 machte
X._
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend (Urk. 6/152, unter Beilage eines Berichtes der ambulanten neurologischen Sprechstunde des
Kantonsspitals B._
vom 6. Februar 2019, Urk. 6/153), wozu sich RAD-Arzt
Dr.
A._
am 6. Mai 2019 erneut äusserte (Urk. 6/157 S. 19 f.). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom
7. Mai 2019, Urk. 6/160
, Einwand vom 1. Juni 2019, Urk. 6/162
)
sprach die IV-Stelle
- gestützt auf die versicherungsmedizinische Beurteilung des RAD (vgl. Feststellungsblatt Einwand vom 30. Juli 2019, Urk. 6/164 S. 3 f.) -
dem
Ver
sicherten mit Verfügung vom
3. August 2020 (Urk. 2)
b
ei einem Invaliditätsgrad von 50
% eine vom 1.
September 2014
bis
28. Februar 2018
befristete
halbe
Invalidenrente zu
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2. September 2020 Beschwerde und beantragte, es sei ihm mit Wirkung ab dem 1. September 2014 eine halbe und ab dem 1. März 2016 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; eventuell sei ein gerichtliches Gutachten anzuordnen; subeventuell sei
die Sache zwecks weiterer Abklärungen a
n die Vorinstanz zurückzuweisen (Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 16. Oktober 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 6/1-180),
was dem Beschwerdeführer am 21. Oktober 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Mit Ein
gabe vom 16. April 2021 reichte der Beschwerdeführer das
auftrags
der Helsana
(nach dem Rückzug ih
rer Verfügung vom 14. März 2019
)
- unter Verzicht
der IV-Stelle
auf Beteiligung (Urk. 6/179) - erstellte interdisziplinäre Gutachten der
C._
-Begutachtung
en des Universitätsspitals D._
vo
m 2. März 2021 ein (Urk. 9-10). Mit Verfügung vom 7. Juli 2021 wurde das
C._
-Gutachten vom 2. März 2021 der Beschwerdegegnerin zur Stellungnahme zugestellt (Urk. 11). Mit Ein
gabe vom 24.
September 2021 verwies die B
eschwerdegegnerin auf die
Stellung
nahme
des
RAD
vom
8. September 2021 (Urk. 13-14).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Ein
kommensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorge
nommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothe
tische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und
40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts
9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil
8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentvergleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dür
fen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese ab
stellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf das polydisziplinäre
Z._
-Gutachten
vom 12. Oktober 2015
davon aus, dass de
m
Beschwerdeführer
aufgrund des
Unfall
s
vom 26. August 2013
ab September 2014 (
frühester
möglicher Rentenbeginn
)
sowohl die angestammte Tätigkeit als Vorsorgeberater im Aussendienst als auch eine gleichermassen angepasste Tätig
keit zu 50 % zumutbar
gewesen
sei.
Aus dem im Nachgang zu den am 15. Dezember 2015 (Autounfall) und am 24. März 2017 (Treppensturz) ereigneten Unfallereignissen eingeholten poly
disziplinären
Z._
-Gutachten vom 6. November 2018 ergebe sich, dass
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers trotz dieser Unfälle und einiger durchgeführter Operationen
- ohne zu einer länger als drei Monaten dauernden Arbeitsunfähigkeit zu führen -
zwar seit der Erstbegutachtung nicht wesentlich verändert
habe, dass ihm
aber
ab November 2017
die Ausübung einer weiter an die neu hinzugetretenen Behinderungen angepassten
Tätigkeit zu 80 % zumutbar sei.
Für die Zeit vom 1.
September
2014
(Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG und Art. 29 Abs. 1 IVG) bis
28. Februar 2018
(Verbesserung ab
November 2017
plus 3 Monate, Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]) habe
der
Beschwerdeführ
er
bei einem Invaliditätsgrad von 50 %
Anspruch auf eine
halbe
Invalidenrente. Für den nachfolgenden Zeitraum (ab 1.
März
2018) ermittelte die Beschwerdegegnerin
ohne
Gewährung eines leidensbedingten Abzuges einen
rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 37
%.
2.2
Der Beschwerdeführer beantragte im Hauptstandpunkt mit seiner Beschwerde (Urk. 1), dass ihm ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente ab September 2014 und ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ab März 2016 zustehe und er überdies einen über den 28. Februar 2018 hinausgehenden (unbefristeten) Rentenanspruch habe.
Sube
ventuell
bringt
er
vor
, dass weitere Abklärungen nötig sind, da auf das
Z._
-Gutachten 6. November 2018 nicht abgestellt werden könne.
3.
3.1
Im polydisziplinären (
orthopädisch-
traumatologischen
, internistischen,
neur
o
logischen und psychiatrischen)
Z._
-Gutachten vom
12. Oktober 2015 (Urk. 6/43
),
werden die
eingeholten und bis zur Begutachtung aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst
(S. 4-8)
, weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden.
In
der Konsensbeurteilung
wurden folgende
Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt:
-
Lumbovertrebrales
Schmerzsyndrom mit/bei
-
Rumpfmuskulärer
Dysbalance
bei defizitärer Rumpfmuskulatur
-
im MRI des LWS vom 2. Juni 2014 beschriebener
radikulärer
Läsion
L5/S1
-
Im
aktuellen
MRI der LWS dokumentierte
Spondylolisthesis
L5/S1
Meyerding
I/II mit begleitenden
Neuroforamenstenosen
und
Spondylart
h
rosen
sowie präsakraler Diskushernie
-
Weiter nicht
neurokompressive
Diskushernie L1/2
-
Status nach Wurzelinf
iltration links Klinik E._
2014 mit
seither nach eigenen Angaben anhaltenden therapieresistenten
lu
mbovert
ebralen
und
lumboischialgieformen
,
in das linke Bein
ausstrahlenden Schmerzen
-
Gonarthrose links mit/bei
-
Degenerativen Kniegelenkbinnenschäden
-
Status
nach
häuslichem Unfall im Bad mit Kontusion des linken
Kniegelenks am 26. August 2013
-
Status nach ASK des linken Kniegelenks am 2. Oktober 2013,
laterale und mediale
Teilmeniskektomie
und
Knorpeldébridement
medial
-
Postoperativ chro
n
isch anhaltender Kniegelenkreizzustand
-
Im aktuellen MRI des linken Kniegelenks beschriebene
muciode
Degeneration der medialen und lateralen Rest
meniskusanteile,
fortgeschrittene retropatellare Arthrose,
florider
Gelen
k
erguss
-
Nachvollziehbare Belastungsinsuffizienz des linken Kniegelenks
-
Gonarthr
o
s
e rechts mit/bei
-
I
m aktuellen MRI beschriebene degenerative mediale
Meniskopathie
III mit begleitender medialer
Se
itenbandtendinopathie
,
ausgeprägte
Retropatellararthro
se mit
fl
o
ridem
Gelenkerguss, grossvolumiger
Bakerzyste
-
Nachvollziehbare Belastungsinsuffizienz des rechten Kniegelenks
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblieben folgende Diagnosen:
-
Anam
nestisch Status nach
Arthrotomie
der rechten Schulter 2002 ohne
verbliebene klinisch-funktionelle Einbussen
-
Anamnestisch Status nach Vorderarm
f
raktur rechts ohne verbliebene
klinisch-funktionelle Einbussen
-
Psoriasis
vulgaris
-
Zustand nach Tonsillektomie
-
Missempfindungen lateral am linken Unterschenkel,
differential
diagnostisch diskrete Läsion bei L5 links
Im Rahmen dieser polydisziplinären gutachterlichen Abklärung seien beim Beschwerdeführer ausschliesslich orthopädisch-somatische Befunde im Bereich der LWS und beider Kniegelenke auszumachen gewesen. Der übrige Bewegungs
apparat gelte orthopädisch-
traumatologisch
als altersassoziiert. Die weitere
neurologische und internistische Abklärung habe keine Beeinträchtigungen erge
ben. Auch im Rahmen der psychiatrischen Abklärung
seien keine Beeinträchtigungen feststellbar gewesen. Bei den vorliegenden orthopädischen Befunden und Diagnosen sei die Belastbarkeit beider Kniegelenke und der LWS beim Beschwerdeführer deutlich beeinträchtigt. Die Beschwerden am gegen
seitigen Kniegelenk hätten sich wahrscheinlich «aufgepfropft» und gründeten auf der vermehrten fehlstatischen Belastungsnotwendigkeit des rechten Kniegelenks bei schmerzhafter Belastungsinsuffizienz des gegenseitigen Kniegelenks. Die tief
lumbalen Rückenschmerzen seien
ätiopathogenetisch
getrennt zu bewerten und gründeten auf der MRI-bestätigten
Diskopathie
einerseits sowie auf der Diagnose einer bereits chirurgisch formulierten
Spondylolyse
und
Anteriolisthese
L5 über S1
Meyerding
I/II. Es seien nur noch rückenadaptierte und an den Befund der beiden Kniegelenke adaptierte leichte Tätigkeiten möglich. Die derzeitige Tätig
keit als selbständig von Zuhause aus arbeitender Vorsorgeberater bei der
Y._
entspreche in idealer Weise einer angepassten Tätigkeit. Der Beschwerde
führer sei in der Lage, nach eigenem Ermessen sei
ne
Arbeitsposition wechseln zu können und sich seine Arbeitszeit selbständig einzuteilen.
Längerfristiges Sitzen provoziere tieflumbale Rückenschmerzen, sodass Bewegungspausen und auch gelegentliches Abliegen die Rückenbeschwerden ausrei
chend zum Abklingen brächten. Es
sei somit ein mehr oder weniger ganztägiges Pensum möglich, die obigen Einschränkungen ergäben aber eine Leistungsminderung von circa 50 %. Aussendiensttätigkeiten mit Besuch von Kunden, verbunden mit längerem Gehen, Treppensteigen etc. seien ungünstig.
In der Zusammenschau sei der Beschwerde
führer weder längerfristig für überwiegend sitzende geschweige für stehende oder umhergehende Tätigkeiten geeignet.
Den
sitzenden Tätigkeiten ständen das Rückenleiden und gehenden Tätigkeiten - beispielsweise mit dem häufigen Ein- und Aussteigen in einem PKW, Treppensteigen - die Kniegelenkbefunde ent
gegen.
Gemäss dem im polydisziplinären Konsens festgelegten
Belastungs-
/
Ressourcenprofil
seien nur noch leichte, wechselbelastende rückenadaptierte und beide Kniegelenke schonende Tätigkeiten möglich. Bei der vorliegenden Rückenpathologie seien keine Arbeiten in Zwangshaltungen wie vor
nüber
gebeugt stehend, kniend, hockend, kauernd, mit repetitiven Bewegungs
anforderungen an den Rumpf
möglich. Das Heben, Tragen und B
ewegen von Lasten sei mit 10 Kilogramm limitiert. Bei der bilateral vorliegenden Kniegelenks
pathologie seien insbesondere Arbeiten kniend, hockend, verbunden mit häufigem Treppensteigen, Aufenthalt auf unebenem Gelände, Gerüsten und Leitern ausgeschlossen. Die zumutbare Gehstrecke sei mit 1000 Metern beziehungsweise einer Zeit von circa 15 Minuten limitiert.
Der Beschwerdeführer sei als Vorsorgeberater bei der
Y._
AG mit Tätigkeiten in einem häuslichen
Büro zu circa 50 % arbeitsfähig. Eine Restarbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von nur noch zu circa 50 % gelte auch für leidensadaptierte Tätigkeiten. Die Beschwerden am linken Kniegelenk datierten seit einem Kontusionstrauma nach einem Unfall vom 26. August 201
3.
Die stattgehabten operativen und konser
vativen Behandlungsmassnahmen hätten bis jetzt keine nachhaltige Besserung bewirken können. Für eine operative Behandlungsindikation
w
ie
beispielsweise eine TEP-Implantation bestehe bei diesem erst 54-jährigen Beschwerdeführer noch keine hinreichende
indikative
Begründung. Zusammenfas
s
end bestehe retrospektiv im Längsverlauf seit dem Unfallereignis im August 2013 durch
gehend eine Restarbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 50 %. Die Prognose sei offen. Eine operative Stabilisierung des präsakralen LWS-Segmentes L5/S1 sei naturgemäss möglich, jedoch derzeit noch nicht zwingend indiziert.
Bei einem adäquaten Verhalten, das heisse bei einer hinreichenden Entlastung der LWS und der Kniegelenke und bei Beachtung der Belastungskriterien am Arbeitsplatz bestehe die Möglichkeit einer spontanen Beschwerdeminderung. Der Verlauf bleibe abzuwarten. Mittel- bis langfristig würden gegebenenfalls eine
Spondylo
dese
L5/S1 und eine bilaterale Kniegelenk-TEP-Versorgung notwendig werden.
3.2
Im polydisziplinären (orthopädisch-
traumatologischen
, rheumatologischen, und psychiatrischen)
Z._
-Gutachten vom 6. November 2018 (Urk. 6/143), welches im Auftrag der Helsana erstattet wurde, wurden
- unter Einbezug der
eingeholten und bis zur Begutachtung aktenkundigen medizinischen Berichte
(S. 3-22)
-
folgende unfallrelevante
n
Diagnosen gestellt:
-
Status nach geschlossener Reposition und dorsaler perkutaner
Spondylodese
Th12-L3 und
Implantation
eines
Titan-Wirbelkörperersatzes
L1 und L2 infolge
Unfallereignis
vom 15. Dezember 2015 mit verbliebener
Bewegungseinschränkung
-
Rechtsseitige
Rotatorenmanschetten
-Re-Ruptur infolge Unfallereignis
vom 24. März 2017 mit verbliebener Bewegungseinschränkung
-
Lumbospondylogenes
Syndrom bei Status nach Wirbelkörperfraktur L1, L2
und
Spondylodese
Im Weiteren wurden nachfolgende nicht-unfallrelevante Diagnosen genannt:
-
Gonarthrose beidseits
-
Senk-Spreiz-Fuss beidseits
-
Epikondylitis
medialis
humeri
beidseits
-
Status nach
Spondylodese
L5/S1 vom 18. Oktober 2016 ohne Hinweise auf
eine
neuroradikuläre
Symptomatik
-
Impression der Deckplatte LWK 1 ohne Funktionseinbusse
-
Geringgradige
Omarthrose
und AC-Arthrose rechts
-
Psoriasis
Bei der orthopädisch-
traumatologischen
Untersuchung habe beim Beschwerde
führer eine Bewegungsei
n
schränkung der LWS imponiert. Bei Überprüfung de
r LWS-Funktionen habe sich eine
sichtbare Lendenstreckensteife mit messbar ein
geschränkten
Fin
ger-Boden-Abstand von 47 Zentimetern gefunden. Die im
thorakolumbalen
Übergang verlaufende Operationsnarbe sei reizlos und weise eine erhaltene
Hautverschieblichkeit
auf. Die paralumbale Muskulatur sei seiten
gleich
ge
ring
gradig
atrophiert.
Weder liessen sich Druck- noch
Bewegungs
dolenzen
erheben. Der neurologische Status im Bereich der unteren Extremitäten sei unauffällig,
insbesondere
liessen sich keine Nervenwurzelirritationen erheben.
Radiologisch
liessen sich aufgrund der durchgeführten Röntgenaufnahme vom 12. September 2018 eine
mässiggradige
multisegmentale
Chondrose
der LWS so
wie multisegmentale
geringgradige
Gefügestörungen
L2/3 - L4/5 bei einer Facettengelenksarthrose L
WK 4/5 nachweis
en. Im Segment L5/S1 mit inter
vertebralen
Spacern
sowie bezüglich des Wirbelkörperersatzes LWK 2 liessen sich auch radiologisch keine Lockerungszeichen erkennen und korrespondierten inso
fern mit dem erhobenen klinischen Befund. Die vom Beschwerdeführer beklagten Beschwerden seien jedoch aufgrund der zunehmenden degenerativen Veränderungen im Anschlusssegment L4/5 und den oben beschriebenen
gering
gradige
n
Gefügestörungen
zu erklären. An beiden Kniegelenken finde sich eine von der Norm abweichende Konturenzeichnung. Insbesondere imponiere die Wulstbildung im Bereich des inneren Gelenkspaltes beidseits als knöcherne Deformierung einer voranschreitenden Gonarthrose als auch eine beidseitige Kapselschwellung. Zusätzlich fänden sich rechtsseitig das positive Zeichen
einer tanzenden Patella sowie ein beidseitiges retropatellares Reiben bei Durch
bewegung der Kniegelenke. Die Beinachsen seien in Form eines
Genu
varum
beid
seits konfiguriert.
Die bei der Untersuchung erhobenen Befunde mit zusätzlich
endgradiger
Beugeeinschränkung korrespondierten mit den aktuellen Röntgen
aufnahmen, welche eine
geringgradige
mediale Gonarthrose und Zeichen für eine beidseitige Retropatellar-Arthrose auswiesen. In diesem Zusammenhang sei auch die eingeschränkte funktionelle
Untersuchung mit Hinweis des Beschwerde
führers auf Schmerzzunahme in beiden Kniegelenken nachvollziehbar. Im Bereich der rechten Schulter finde sich eine druckind
o
lente, 9 Zentimeter lange, leicht eingezogene Operationsnarbe sowie
keloidartige
veränderte
Arthroskopie
zugänge
. Eine
Druckdolenz
lasse sich im Bereich dieser anatomischen Punkte nicht erheben.
Hingegen
sei
die schulterumgebende Muskulatur im Vergleich zur kontralateralen Seite leicht
verschmächtigt
. Es habe sich ein Druckschmerz im Bereich des
Processus
coracoides
sowie der
Bizepssehne
gefunden. Die aktive
Beweglichkeit der rechten Schulter sei
endgradig
vor allem hinsichtlich Elevation und Abduktion eingeschränkt. Die Krafttests für die Ke
n
nmuskeln seien rechts
seitig abgeschwächt gewesen. Die
Imping
e
mentzeichen
seien rechtsseitig positiv gewesen, ausserdem habe sich ein Druckschmerz über dem
Epicondylus
medialis
beidseits gefunden.
Die klinischen Befunde fänden ihre Bestätigung im aktuell durchgeführten MRI der Schulter vom
21. September 2018 mit Nachweis einer
transmuralen
Ruptur der
Supraspinatussehne
. Im Vergleich zum MRI vom 9. August 2017 sei jedoch - abgesehen von einer
geringgradigen
Omarthrose
und leicht aktivierten AC-Gelenksartrose - keine Veränderung eingetreten. Die erhobenen Untersuchungsbefunde mit Nachweis von
Fun
ktionseinschränkungen der LWS, des rechten Schultergelenks sowie beider Kniegelenke bedingten die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers.
Mittelschwere und schwere Tätigkeiten könnten dem
Beschwerdeführer nicht zugemutet werden. Ebenso seien Zwangshaltungen der LWS,
beider Kniegelenke sowie Überkopf
arbeiten, Tätigkeiten in Schulterhöhe sowie repetitive Rotationsbewegungen mit der rechtsseitigen oberen Extremität nicht zumutbar. Repetitives Treppengehen sowie das Steigen auf Leitern und Ger
ü
ste sowie axiale Stauchungsbelastungen seien zu vermeiden.
Zumutbar
sei eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit mit der Möglichkeit, die Körperposition nach eigenem Wohlbefinden auszusuchen
(S. 25 f.)
D
ie Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Vorsorgeberater, welche mit Home-Office, telefonischer Beratung sowie Kundenbesuchen verbunden sei,
sei
mit 50 % einzuschätzen. Die Einschränkung gründe vornehm
lich auf den ermittelten pathologischen Kniegelenksbefunden. Längere Auto
fahrten über 45 Minuten seien mit dem Rückenleiden nicht zu vereinbaren
. In einer dem Leiden adaptierten Tätigkeit entsprechend dem vorformulierten Belastungsprofil sei eine 80%ige Arbeitsfähigkeit einzuschätzen. Entsprechend bestehe in der bisherigen Tätigkeit unfallbedingt eine Arbeitsfähigkeit von 80 % (20%ige Arbeitsunfähigkeit wegen des bestehenden Rückenleidens). Nicht-unfall
bedingt bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70 % (30%ige Arbeitsunfähigkeit zurückzuführen auf die beidseitigen Gonarthrosen). Gesamthaft bestehe
in der angestammten Tätigkeit als Vorsorgeberater
demnach eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. In einer Verweistätigkeit bestehe unfallbedingt eine Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 90 % (10%ige
Arbeitsunfähigkeit
wegen des verbliebenen Rückenleidens). Nicht-unfallbedingt bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 90 % (we
gen der beidseitigen Gona
rthrosen). In einer leidensangepassten Tä
tigkeit bestehe daher eine Arbeitsfähigkeit von 80 % (S. 55
)
.
Retrospektiv betrachtet sei die Arbeitsfähigkeit
in jeglicher Tätigkeit
vom 15. Dezember
2015
bis 15. März 2016 aufgehoben gewesen. Ab dem 16. März bis 5. Juli 2016 sei
in der bisherigen Tätigkeit
von einer 50%igen
und in einer leidensadaptierten Tätigkeit von einer
80%igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Ab dem 6. Juli 2016 (Schulterarthroskopie rechts) bis Januar 2017 könne infolge der im Oktober 2016 durchgeführten
Spondylodese
L5/S1 die Arbeitsfähigkeit als aufgehoben angesehen werden. Ab Februar 2017 bis zum Unfallereignis am 24. März 2017 könne eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit und eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
zugemutet werden. Nach dem
Unfall
vom 24. März 2017 sei die Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit bis Ende
Mai
2017 aufgehoben gewesen. Vom 1. Juni
2017 bis zur Schulteroperation am 4. September 2017 könne eine 50%ige beziehungsweise 80%ige Arbeitsfähigkeit angenommen wer
den. Vom 4. September bis 4. Dezember 2017 habe die Arbeitsfähigkeit 0 % betragen. Seit dem 5. Dezember 2017 bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
(S. 58 f.).
Aus rheumatologischer Sicht ergäben sich keine Anhaltspunkte für ein entzündliches rheumatisches Leiden, weder anamnestisch noch klinisch und labormässig, insbesondere liege keine
Psoriasisarthritis
vor (S. 26).
Dem Beschwerdeführer seien Tätigkeiten mit Wechselbelastung, abwechselnd sitzend/stehend und gehend, mit einer
Gewichtslimite
von 10 Kilogramm zumut
bar. Aus rheumatologischer Sicht sei er in der bisherigen gut adaptierten Tätigkeit als Versicherungsvertreter im Home-Office und mit telefonischer Beratung zu 80 % arbeitsfähig. Eine Einschränkung bestehe darin, dass er wegen der Rücken
beschwerden nicht längere Zeit Auto fahren könne.
Unfallbedingt bestehe in der bisherigen
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Nicht-unfallbedingt bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70 %, woraus aus rheumatologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50 % resultiere. In einer Verweistätigkeit bestehe unfall
bedingt eine Arbeitsfähigkeit von 90 %. Nicht-unfallbedingt bestehe wegen der Gonarthrosen eine Arbeitsfähigkeit von 90 %. Gesamthaft bestehe in einer leidensangepassten Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit.
Im Erstgutachten von 2015 sei die Gehstrecke mit 1000 Metern beziehungsweise einer Zeit von 15 Minuten limitiert; die Gehfähigkeit habe sich inzwischen etwas verbessert, so
dass die damals beurteilte Arbeitsfähigkeit von 50 % auf 80 % angehoben werden könne. Im Vergleich zum orthopädischen Status von 2015 habe sich der Finger-Boden-Abstand von 25 Zentimeter auf 45 Zentimeter erhöht und es sei kein Kletterphänomen mehr feststellbar (S. 70).
Im retrospektiven Verlauf zeige sich, dass der Beschwerdeführer bis 2015 zu 100 % gearbeitet habe, danach wegen rezidivierender Unfälle aber nicht mehr
,
bis ihm auf den 31. Dezember 2017 gekündigt worden sei. Im Gutachten von 2015 sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit sowohl für die bisherige als auch für eine leidensadaptierte Tätigkeit eingeschätzt
worden. Nach dem Unfallereignis vom Dezember 2015 sei er bis circa März 2016 zu 100 % und danach wieder zu 50 % arbeitsunfähig gewesen. Postoperativ nach der
Spondylodese
-Operati
on und den
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktionen sei er jeweils vorübergehend zwei Monate arbeitsunfähig gewesen. Ansonsten sei der Beschwerdeführer aus rheumatologischer Sicht seit circa November 2017 zu 80 % arbeitsfähig.
Im psychiatrischen Gutachten wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer am 15. Dezember 2015 und am 24. März 2017 zwei Unfälle erlitten habe, in dessen Zusammenhang
er Schmerzen berichte.
Bei fehlendem Nachweis krankhafter beziehungsweise unfallbedingter psychiatrischer Störungen sei
in psychiatrischer Hinsicht
weder
das Belastungsprofil
noch die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (S. 79 f.
).
3.3
Im Bericht
des
B._
vom 6. Februar 2019 über die ambulante neurologische Sprechstunde (Urk. 6/153) wurden folgende Diagnosen gestellt:
-
Zervikobrachialgie
rechts mit rezidivierender Fühlstörung im rechten Arm
-
Anamnese
:
seit
2
Monaten
rezidivierende Fühlstörungen im
rechten Arm
-
Neurostatus (29. Januar 2019): AHV-Schweregefühl rechts, aber
keine manifesten Paresen, BSR und RPR rechts abgeschwächt,
sensibel an den Armen keine Defizite
-
ENMG (29. Januar 2019): DML
Nervus
medianus
rechts leicht
verlängert auf 4.14
ms
, sensible NLG
Nervus
medianus
rechts mit
42.0 m/s leicht herabgesetzt, somit
Befund
eines leichten CTS
rechts; keine pathologischen Befunde Ke
n
nmus
k
eln C5, C6 und C7
rechts
-
MRI HWS (31. Januar 2019):
Foramenstenosen
mit Kompression C5
beidseits und C7 beidseits
-
Prozedere:
differentialdiagnostisch zentrale Genese erwägen unter
anderem
wegen der rezidivierenden Sensibilitätsstörungen
-
Residuelle
Schulterschmerzen rechts bei
-
Status nach
arthroskopischer
Re-Re-Rekonstruktion
Supraspinatus
rechts vom 4. September 2017 bei Re-Ruptur
-
Status nach
arthroskopischer
Rekonstruktion
Supraspinatus
rechts
vom 6. Juli 2016
-
Status nach offener
Rotatorenmanschetten
-R
e
konstruktion rechts
vom 20. September 2002
-
Sensomotorisches CTS rechts
Der Beschwerdeführer sei wegen rezidivierenden Sensibilitätsstörungen im rechten Arm (
attackenartig
für eine halbe
Stunde mit
Betroffe
nsein
aller Finger der rechten Hand und
mit
manchmal
Kopfschmerzen danach) vorstellig geworden. Im neurologischen Untersuchungsbefund seien a
b
gesehen von den
auffälligen
Gangproben wegen der Knieschmerzen keine sensomotorischen Defizite an den Armen aufgefallen
, allerdings seien die C6-Reflexe rechts ab
geschwächt.
In der elektrophysiologischen Diagnostik habe sich der Befund eines leichten sensomotorischen CTS auf der rechten Seite ergeben, ansonsten seien die Befunde normal gewesen; insbesondre habe sich keine
Denervierungsaktivität
im
Muskulus
biceps
brachii
als Kennmuskel für C6 (ebenso nicht für C5 und C7) gefunden und auch die F-Wellen für den
Nervus
medianus
beidseits seien unauf
fällig gewesen.
Das
mit der Frage einer C6-Wurzel-Kompression veranlasste MRI der HWS habe
neuroforaminale
Engen mit Kompression der Wurzeln C5 und C7 beidseits, aber nicht C6 ergeben. Dennoch sei von einer
Zervikobrachialgie
als Ursache der Beschwerden auszugehen. Die Schmerzen im rechten Arm sprächen gegen Migräne-Auren und auch gegen eine zentrale Genese der Symptomatik
Es sei eine konservative Therapie mit NSAR und Physiotherapie empfohlen und bei Therapieresistenz gegebenenfalls eine sukzessive Infiltration der Wurzeln C5 und C7 rechts.
3.4
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens ging
das
C._
-Gutachten vom 2. März 2021 (
Urk. 10) ein, welches
auftrags
der Helsana - unter Verzicht auf Beteiligung der IV
-Stelle (Urk. 6/179) -
unfallbezogen
erstellt wurde. Dabei sind
f
ür die richterliche Beurteilung eines Falles grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
Im interdisziplinären (internistischen, neurologischen, orthopädischen, psychiatrischen)
C._
-Gutachten vom 2. März 2021 wurden folgende
unfall
kausale somatische Diagnosen aufgeführt:
-
LWK-1 und -2 F
raktur am 15. Dezember 2015 (Verkehrsunfall) mit/bei:
-
Status nach geschlossener Reposition und dorsaler perkutaner
Spondylodese
(Fixateur intern, VIPER 2) Th12/13, Thorakotomie
links und Implantation eines Titan-Wirbelkörperersatzes L1/L2 am
16. Dezember 2015
-
Status nach Entfernung d
es
Osteosynthesemater
ials
Th12/L3 am
18. Oktober 2016
-
Stauchungsfraktur des Corpus
sterni
-
Traumatische (p
art
ielle,
tra
n
smurale
) Re-Re-Ruptur
Supraspinatussehne
und traumatische
art
i
ku
l
arseitige
Partialruptur der
Infraspinatussehne
Schulter rechts am 24. März 2017 (Treppensturz) mit/bei:
-
Cuff-Arthropathie
Grad 3 nach Hamada mit/bei Status nach
arthroskopischer
double-
row
Re-Re-Rekonstruktion der
Supraspinatussehne
(2x-Helix-Anker) und
subakromialer
Dekompression des rechten Schultergelenks am 4. September 2017
-
Status nach
undislozierter
Spondylophytenfraktur
BWK9/10
paramedian rechts, geheilt
-
St
atus nach Ri
ppenfraktur C1 link, geheilt
In somatischer Hinsicht
wurden zudem
noch folgende unfallfremde Diagnosen
gestellt
:
-
Chronisches Lumbal- und
Lumbosak
r
alsyndrom
bei degenerativer
Spondylodese
mit/bei:
-
Spondylodese
L5 mit
Anterolisthesis
L5/S1
-
Hernierung
der Bandscheiben L1/L2 und L5/S1 mit bilateraler
f
oraminaler
Einengung und Nervenw
u
rzelkompression L5
-
L5-Syndrom beidseits
-
Spondylarthrosen
betont auf Höhe L3/4 und L4/5
-
Status nach dorsaler
Spondylodese
L5/S1 mit
Foraminotomie
(
Laminektomie
beidseits) und
interkorporeller
Fusion am
18. Oktober 2016
-
Chronisches
Zervikalsyndrom
bei degenerativer zervikaler
Spondylodese
mit/bei:
-
osteodiskale
Foramenostenosen
C4/C5 beidseits und C6/C7 beidseits
-
Komp
re
ssion der Wurzeln C5/C7 beidseit
s
-
Osteochondrose
Typ
Modic
1 der Segmente C4/C5 und C6/C7
-
Aktivierte AC-Gelenksarthrose Schulter rechts bei
-
Status nach
arthroskopischer
double
row
Rekonstruktion bei Re-
Ruptur der
Supraspinatussehne
(2x Helix-Anker),
Bicepstenodese
(1x
Jugger-Knot
),
subakromialer
Dekompression
mit
Bursektomie
und
Acromioplastik
Schulter rechts am 6. Juli 2016
-
Status nach offener,
transossärer
Rotatorenmanschetten
-
Rekonstruktion
der
Supraspi
natussehne
Schulter rechts am
20. September 2002
-
Medial und retropatellar betonte
Pangonarthrose
(
Varusgonarthrose
)
beidseits mit/bei:
-
Status nach Kniekontusion links vom 26. August 2013
-
Status nach Arthroskopie des linken Knie
g
elenks mit lateraler und
medialer
Te
ilmenisk
ek
tomie
und
Ch
ondroplastik
am 2. Oktober
2013
-
Ausschluss einer Psoriasis-
Ar
thropathie
nach Punktion der
Kni
egel
enke
-
Status nach Arthro
skopie des rechten Kniegelenks am
10. November 2015
Im Weiteren wurde auf psychiatrischem Fachgebiet eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), aktuell unter antidepressiver Medikation mit
Amitriptylin
, mit leichtgradig ausgeprägten paranoiden Symptomen, mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert (S. 19). Der Erkrankungsbeginn
liege vor circa 2 Jahren. Es bestehe p
hasenweise
ein dysfunktionaler Umgang mit Schmerzen im Rahmen der Depression bei verschiedenen unfallbedingten und unfallfremden orthopädischen Diagnosen des Thorax, der Wirbelsäule, der rech
ten Schulter und der Kniegelenke, welche objektivierbar seien.
Unfallbedingt bestehe orthopädisch eine Gesamteinschränkung der Arbeitsfähig
keit in der bisherigen Tätigkeit als Vorsorgeberater von 30 %, wobei 20 % auf das Rückenleiden (LWK-1 und LWK-2 Fraktur) und 10 % auf die Schulter
beschwerden (Status nach Re-Ruptur der
Supraspinatussehne
zurückzuführen seien. Begründet sei die Einschränkung durch den vermehrten Zeitbedarf (zum Einlegen von Pausen zur Entlastung des Rückens) und durch das langsamere Arbeitstempo aufgrund der Schmerzen. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe unfallbedingt orthopädisch eine Gesamteinschränkung der Arbeitsfähig
keit von 20 %, wobei hierbei je 10 % auf den Rücken beziehungsweise die Schulter entfielen
(S. 15 f.)
.
Aus psychiatrischer Sicht sei es in den letzten eineinhalb bis zwei Jahren zu einer zunehmenden Einschränkung der Durchhaltefähigkeit gekommen, weshalb auf
grund der mittelschweren depressiven Symptomatik eine relevante Einschränkung vorliege. Aufgrund des sozialen Rückzugs sei der Beschwerde
führer in den sozialen Interaktionen aktuell stark eingeschränkt, sodass er in seinem bisherigen Beruf als Vorsorgeberater nicht mehr arbeitsfähig sei. In einer angepassten zumutbaren Tätigkeit (eine Arbeit, welche ihn kognitiv weder über
fordere noch unterfordere, mit sozialen Interaktionen in einem bekannten Umfeld und in einer wohlwollenden, stützenden Arbeitsumgebung) wäre ihm ein Zeit
pensum von 60 % möglich. Es bestehe eine zusätzliche quantitative Leistungs
einbusse durch die verringerte Konstanz bei der Arbeit und die verringerte Belastbarkeit in sozialen Interaktionen, wodurch aus psychiatrischer Sicht ohne
Berücksichtigung der orthopädischen Einschränkungen für die angepasste Arbeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % vorliege (S. 21 f.)
.
In der interdisziplinären Konsensbeurteilung wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 15. Dezember 2015 eine
L
WK-1 und LWK-2 Fraktur und beim Unfall vom 24. März 201
7 eine
Supraspinatussehnen
-Ruptu
r der rechten Schulter erlitten habe. Unfallkausale Restfolgen dieser Unfälle seien
thorakolumbale
Rückenschmerzen in der oberen LWS mit Funktions
einschränkung sowie rechtsseitige Schulterbeschwerden mit verbliebenen Funktionseinschränkungen. Die im psychiatrischen Gutachten diagnostizierte mittelgradige Depression sei als teilkausal zu den Unfällen zu sehen. Die bisherige Tätigkeit als Vorsorgeberater sei nicht durchführbar, d
i
es wegen der mittel
gradigen Depression. Verweistät
igkeiten seien in einem 30%i
gen
Pensu
m möglich, wobei 50 % dieser 70%i
gen Einschränkung auf die Depression und additiv dazu 20 % auf die
muskoskelettalen
Beschwerden (Rücken und Schulter rechts) zurückzuführen seien. Berufsmassnahmen seien nicht angezeigt, die Tätigkeit als Vorsorgeberater wäre bereits eine optimal angepasste Tätigkeit (S. 5).
3.5
Am 8. September 2021 nahm
Dr.
A._
vom RAD Stellung zum
C._
-Gutachten vom 2. März 2021 (Urk. 14) und wies darauf hin, dass die erneute polydisziplinäre
C._
-Begutachtung etwas mehr als zwei
Jahre
nach derjenigen durch die
Z._
stattgefunden habe. Aus rein versicherungsmedizini
sch
-orthopädischer Sicht
habe
das aktuelle Gutachten kein wesentlich anderes Ergebnis als das vorher
gehende, abgesehen von einer teilweise unterschiedlichen Formulierung der Diagnosen und einer geringfügig anderen Bewertung der Arbeitsfähigkeit, ob
wohl in letzterem ausschliesslich die unfallbedingten
Diagnosen
berücksichtigt würden: gemäss
Z._
bestehe in der bisherigen und zugleich
angepassten
T
ätigkeit
eine 80
%ige
Arbeitsfähigkeit
, gemäss
C._
bestehe in der bisherigen Tätigkeit eine 70%ige
Arbeitsfähigkeit
und in einer angepassten Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Während aber im letzten
Z._
-Gutachten aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
gestellt worden sei, sei dies im aktuellen
C._
-G
utachten gän
zlich anders. So bestehe seit circa 1.5 bis 2 Jahren eine depressive Episode, aktuell unter anti
depressiver Medikation mittelgradig ausgeprägt (ICD-10: F32.1) mit sogar leicht
gradig
ausgeprägten
paranoiden Symptomen. Im
psychiatrischen
Teilgutachten werde
sogar ausgeführt, dass der Beschwerdeführer die Kriterien einer schweren depressiven Episode erfüllen würde, wenn man auf die Anzahl der Symptome nach ICD-
1
0 abstützen würde. Folglich werde zum Zeitpunkt der
C._
-Begutachtung für die bisherige
Tätigkeit
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und für eine angepasste
Tätigkeit
noch eine Arbeitsfähigkeit von 50 % postuliert
.
Der beigezogene RAD-Psychiater
Dr.
med. F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ergänzte die Stellungnahme dahingehend, dass
er festhielt,
auf das psychiatrische Teilgutachten
könne ab
gestellt werden (Urk. 14 S. 3).
4.
4.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 Gesetz über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Eine Rückweisung an den Versicherungsträger
ist
möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer
bisher vollständig ungeklärten Frage
begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrens
garantien) unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klar
stellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 139 V 99 E. 1.1, 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 8. September 2020 E. 2.1)
.
4.2
Die Beschwerdegegnerin führte in ihr
er Verfügung vom 3. August 2020
aus, dass gestützt auf das polydisziplinäre
Z._
-Gutachten vom 6. November 2018 zwar davon auszugehen sei, dass sich die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seit der Erst-Begutachtung durch die
Z._
im Jahr 2015 nicht wesentlich verändert habe - mit Ausnahme der kurzzeitigen Unfall-beziehungsweise Rekonvaleszenz-bedingten höheren Arbeitsunfähigkeiten -, er aber dennoch ab November 2017 zu 80 % in einer behinderungsangepassten Tätigkeit arbeitsfähig sei (Urk. 2). Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers soll sich von 50 % auf nun 80 % erhöht haben, obwohl sich der Gesundheitszustand offensichtlich mit den beim Auto
unfall und dem Treppensturz erlittenen Verletzungen verschlechtert hat und das bisher formulierte Belastungsprofil weiter
eing
eschränkt werden musste, was nicht plausibel erscheint. Insbesondere kann der blosse Hinweis, dass sich die Gehstrecke zwischenzeitlich etwas gebessert habe - ohne entsprechend dar
gelegten Befund -, keine solche Erhöhung der Arbeitsfähigkeit begründen.
Im Weiteren verzichtete die Beschwerdegegnerin in der irrigen Annahme, dass gegen ihre Verfügung vom 3. August 2020 (Urk. 2) keine Beschwerde erhoben worden sei (vgl. 6/179), auf eine Beteiligung am interdisziplinären
C._
-Gut
achten 2. März 2020, welches die Helsana in Auftrag gab und deshalb lediglich unfallbezogen erstellt wurde (Urk. 10). Darin kamen die Gutachter zum Schluss, dass schon aufgrund der unfallkausalen Restfolgen (Rücken und Schulter rechts) aus somatischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % in der
bisherigen Tätigkeit und von 20 % in einer angepassten Tätigkeit vorliege. Die weiteren zahlreichen unfallfremden Diagnosen (S. 11) wurden dabei nicht berücksichtigt und führen wohl aufgrund ihrer Erheblichkeit - insbesondere im Sinne einer gesamthaften Würdigung - zu einer höheren Arbeitsunfähigkeit.
Diesem Umstand pflichtete auch RAD-Arzt
Dr.
A._
in seiner versicherungs
medizinischen Beurteilung vom 8. September 2021 bei, indem er festhielt, dass beim
C._
-Gutachten bei fast gleicher Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Ver
gleich zum älteren
Z._
-Gutachten nur die unfallbedingten Diagnosen berück
sichtigt worden seien (Urk. 1
4
S. 3).
Neu hinzugetreten ist seit circa anfangs 2019 ein depressives Leiden, welches den Beschwerdeführer gemäss psychiatrischer Beurteilung zusätzlich und erheblich einschränke. So sei ihm die bisherige Tätig
keit als Vorsorgeberater nicht mehr zumutbar und auch eine angepasste Tätigkeit sei ihm nur im Umfang von 50 % möglich
(Urk. 10 S.
19 ff.)
.
Gemäss psychiatrischer RAD-Stellungnahme von Dr.
F._
kann
auf das psychiatrische
C._
-Teilgutachten ab
gestellt werden (Urk. 1
4
S. 3). Die Entwicklung einer solchen Depression als teilkausale Folge der diversen (unverschuldeten) erlittenen Unfälle mit den daraus resultierenden Schmerzen, Funktionsbeeinträchtigungen sowie dem damit zusammenhängenden Verlust der sozialen Funktion (Arbeits
losigkeit, sozialer Rückzug) erscheint ohne Weiteres nachvollziehbar (Urk. 10 S. 20 f.).
4.3
Die Entwicklung des psychischen Leidens sowie dessen ausgeprägte Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
trat ab circa Anfang 2019 ein und somit erst nach dem
Z._
-Gutachten vom 6. November 2018, weshalb zu jenem Zeitpunkt auch (noch) keine psychiatrische Störung diagnostiziert werden konnte (vgl. E. 3.3). Da aber für die
richterliche Beurteilung eines Falles grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des V
erwaltungsverfahrens massgebend sind, sind die neuen Feststellungen
im Zusammenhang mit der vor Erlass der angefochtenen Verfügung vom 3. August 2020 aufgetretenen psychiatrischen Erkrankung
ab Anfang Januar 2019
zu berücksichtigen.
Indem die Beschwerdegegnerin sich nicht am von der Helsana in Auftrag gegebenen
C._
-Gutachten beteiligte und dieses deshalb nur unfallbezogen erstellt wurde, blieb d
ie Entwicklung des psychischen Leidens ab Anfang 2019 sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ungeklärt.
Unter diesen Umständen rechtfertigt sich eine Rückweisung
an die Verwaltung (vgl. hierzu E. 4.1). Diese hat den
Gesundheitszustand
ganzheitlich
, das heisst
psychiatrisch und
insbesondere auch im Zusammenwirken mit den zahlreichen
unfallbedingten und unfallfremden
somatischen Beschwerden
sowie
deren
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
abzuklären
und hernach über das Leistungsbegehren neu
zu
entscheide
n
.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
waltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung sowohl für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E. 11.1 mit Hinweis), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozess
entschädigung hat
,
die ohne Rücksicht auf den Streitwert, nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgerichts,
GSVGer
) zu bemessen und beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) auf Fr. 2’4
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.