Decision ID: 30c1c7be-551b-4998-b495-bcc45cbebe90
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1988 geborene
X._
,
gelernter
Auto
mobil-Assistent EBA/Auto
monteur EFZ (
Urk.
7/5/3)
, reiste im Februar 1991 in die Schweiz ein und arbeitete zuletzt
seit August 2006
in einem 100%-Pensum in der
Y._
in
Z._
(Urk.
7/6
und Urk.
7/26
).
Am
2
6.
Juli 2015
erlitt er
bei einer Schlägerei
ein mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma (
Urk.
7/1/13)
. Die Suva als zuständige Unfallversicherung erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (
Urk.
7/
1/156
).
Am 2
0.
Juli 2016
(Eingangsdatum) meldete
sich der Versicherte unter
Hinweis auf eine Kopfverletzung und Nasen-/Kieferfrakturen bei
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leis
tungsbezug an
(
Urk.
7/
6
).
Zur Abklärung der medizinischen und erwerb
lichen Verhältnisse zog die
IV-Stelle zunächst die
Akten
des Unfallversicherers Suva (
Urk.
7/
1
) sowie einen Auszug aus dem individuellen Konto
des Versi
cherten
bei
(
Urk.
7/
13
)
,
forderte Arztberichte ein (
Urk.
7/16,
Urk.
7/18,
Urk.
7/20-21,
Urk.
7/24,
Urk.
7/27-28
)
und holte einen Arbeitgeberbericht ein (
Urk.
7/26)
.
Mit Mitteilung vom 2
8.
Februar 2017 wurde
dem Versicherten eine berufliche Abklä
rung
gewährt (
Urk.
7/41
ff.
). Sodann nahm die IV-Stelle einen Bericht des
A._
zu den Akten (
Urk.
7/43) und
holte
einen weiteren Arbeitgeberbericht ein
(
Urk.
7/46). Mit Mitteilung vom 7.
November 2017 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten
mit, dass aufgrund der stark im Vordergrund stehenden Schmerzproblematik
gemeinsam entschieden worden s
e
i
, die
beruf
liche
Abklärung vorzeitig zu beenden (
Urk.
7/75).
Nachdem die Suva die IV-Stelle am
15.
November 2017
darüber in Kenntnis gesetzt hatte, dass sie im Rahmen des Fal
lab
schlusses ein
polydisziplinäres (neurologisches, psychiatrisches und neuropsychologisches)
Gutachten in Auftrag
gegeben werde
,
schloss sich
die IV-Stelle
mit
Zusatzfragen
an
(
Urk.
7/
77-81
).
Das Gutachten
wurde am
17.
Septem
ber 2018
durch die
B._
unter der Federführung von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie,
erstattet
(
Urk.
7/
83/705
-808
)
.
Na
ch Erhalt des Gutachtens sowie den
aktuellen
Unfallakten
(Urk.
7/83
/1-704 und
Urk.
7/
84) stellte
die IV-Stelle
dem Versicherten
mit Vorbescheid vom
2
3.
November 201
8
die Abweisung des
Renten
begehrens in Aussicht
(Urk.
7/86).
Dagegen erhob d
er
Versicherte
am 3. Dezember 2018
Einwand
(Urk. 7/
89-90
) und reichte mit
Eingabe
vom 1
8.
Februar
2019
das Urteil
des Bundesgerichts
6B_964/201
8
vom 18.
Dezember 2018
aus
dem Strafverfahren
ins Recht (
Urk.
7/93).
Mit Verfügung vom 2
1.
Oktober 2019 wies die
IV-Stelle das Leis
tungsbegehren de
s
Versicherten ab
(
Urk.
2
)
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
1.
November
2019 Beschwerde und bean
tragte, es sei
en
ihm in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
nach beweis
wertiger Abklärung des medizinischen Sachverhalts die ihm zustehenden IV-Leistungen, insbesondere eine Rente, zuzusprechen
.
Überdies
sei vom Gericht ein medizinisches Gutachten in Auftrag zu geben, welches die seit dem 26.
Juli 2015 eingetretene Arbeitsunfähigkeit beweiswertig abkläre
(
Urk.
1). Mit Beschwerde
antwort vom
6.
Dezember
2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6
), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
12. Dezem
ber
2019 angezeigt wurde. (
Urk.
8
).
3
Im
unfall
versicherungsrechtlichen Verfahren des Beschwerdeführers
Nr.
UV
.
2020.00109
erging das Urteil am heutigen Tag.
4
.
Auf
die
Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte
Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf
den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Einschrän
kungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitge
hend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, BGE 131 V 49 E. 1.2; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.1).
Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
einschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggra
vatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.2; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 6.1 und 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.2).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Kons
tellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durchfüh
rung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.4).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann
ausserdem
dort von einem struktu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehr
lich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifika
tion oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicher
ten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, dass
gestützt auf das
v
on der Suva in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten
unter Ausschluss der
Hospitali
sationszeiten
keine langandauernde Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen sei
. Die Gut
achter hätten sich, entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers, eingehend mit den Vorberichten, insbesondere
dem
MRI vom
2
6.
September
2018
(richtig: 2
6.
Juni 2018)
und den geklagten Beschwerden des Beschwerdeführers befasst. Sie
hätten
die Argumente der bereits
involvierten
Mediziner
gewürdigt
und
hätten
ihre allenfalls abweichende Einschätzung
schlüssig begründet
. Im Konsens sei
e
n sie
nachvollziehbar
zum Schluss gekommen, dass nur noch minimale bis leichte gesundheitliche Defizite
objektivierbar
seien
. In der angestammten Tätigkeit
bestehe
, unter
Ausklammerung
er
he
blicher Diskrepanzen im Verhalten, motiva
tionaler
Aspekte
sowie
aggravatori
s
cher
Elemente
,
keine relevante gesundheit
lich
e
Einschrän
ku
ng
.
Das Gutachten vom 1
7.
September 2018 vermöge den beweis
rechtlichen Anforderungen zu genügen und bilde daher
eine
verlässliche Grundla
ge für den Leistu
n
g
sentscheid. Die vorliegenden medizinischen Akten erlaubten eine fundierte und umfassende Einschätzung der sich stellenden
Fragen. Zweifel an der Vollständigkeit oder Richtigkeit der bisherigen Abklä
rungen
bestünden
nicht. Von den medizinischen Akten beziehungsweise Beweis
mitteln im Strafverfahren seien keine
relevanten
neuen Erkenntnisse zu
erwarten
. In antizipierter Beweiswürdigung könne daher auf deren
Beizug
verzichtet werden
. Aufgrund dieser Tatsachen habe der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt,
letztin
stanzlich
sei
das schweizerische Bundesgericht
aufgrund der medizinischen Akten im Strafverfahren
zur Auffassung gekommen, dass
er
offensichtlich
Opfer einer schweren Kö
r
perverletzung im Sinne
von
Art.
122 StGB
geworden
sei. Die Täter
seien
schuldig gesprochen
worden
. Der schweren Köperverletzung
mache
sich
unter
anderem
schuldig
, wer einen Menschen bleibend arbeitsunfähig mache. Der Entscheid der Beschwerdegegnerin widerspreche diametral den von den Strafge
richten
rechtskräftig
gefällten Urteilen.
Durch die Nichtberücksichtigung der Strafakten habe die Beschwerdegegnerin ihre Abklärungspflicht gemäss Art.
43 ATSG
verletzt
.
Des Weiteren stehe d
as Gutachten im
Widerspruch
zur
Beurteilung
des Suva
-
Psychiaters
Dr.
D._
, der
wegen des
Gehirnschaden
s
und
der
damit verbundenen Defizite noch eine verblieben
e
Leistung
sfähigkeit
von höchstens drei
Stunden
im
E._
, also im
2.
Arbeitsmarkt
, gesehen habe. Die Widersprüche zwischen der Beurteilung der
Dres
.
C._
,
F._
und
G._
verglichen mit allen übrigen fachärztlichen Beurtei
lungen seien nicht überbrückbar
.
Sodann habe die
Beschwerdegegnerin das polydisziplinäre Gut
achten übernommen
,
obwohl er
(der Beschwerdeführer)
im Voraus
die Integrität und Kompetenz von
Dr.
C._
angezweifelt und vorgeschlagen habe, die neuro
logische Abklärung im
H._
bei Chefarzt Prof.
Dr.
I._
durchführen
zu lassen
. Hinzu komme, dass
auch
seine Zusatzfrage zum natürlichen Kausal
zusammenhang ohne triftige Begründung abgelehnt worden sei.
Demnach erfülle das
vorliegende
Gutachten
die
invaliden
versicherungs
rechtlichen Vorausset
zungen
eines
polydisziplinären
Gutachtens
nach BGE 137 V 210 ff.
nicht.
Darüber hinaus
leide
auch
das Gutachten an verschiedenen Widersprüchen (
Urk.
1
Ziff.
15.).
Auch müssten b
ei derart schwe
ren organischen Verletzungen
die Funk
tionseinschränkungen gemäss ICF
(
International
Classification
of
Functioning
,
Disability
and
Health
)
erfasst und
gewürdigt
werden, was nicht geschehen sei.
Ebenso sei
der Längsverlauf nicht
beurteilt
worden. Werfe man ihm
dysfunkti
onales Sch
m
erzerleben und Schme
rzverhalten
vor
, so müsse die Arbeitsfähig
k
eitsbeurteilung
von
einer
allfälligen
Aggravation bereinigt werden
, was ebenso nicht erfolgt sei.
Der medizinische Sachverhalt müsse daher beweiswertig abge
klärt werden
(
Urk.
1)
.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom
21. Oktober 2019
im Wesentlichen auf das
von der Suva in Auftrag gegebene
polydisziplinäre
Gutachten
unter der Federführung von
Dr.
C._
vom
17.
September 2018
ab (Urk.
7/83/705-819
). Darin werden die bis zur Begutachtung de
s
Beschwerde
führer
s
aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (
Urk.
7/83/707-713,
Urk.
7/83/733-742 und
Urk.
7/83/758-784
), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nach
folgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
3.2
Dr.
med. C._
, Facharzt für Neurologie
und zertifizierter med. Gut
achter SIM
, Prof.
Dr.
rer
. nat.
G._
,
Diplom-Psychologe
, zertifizierter neuropsychologischer Gutachter SIM,
und
Dr.
med. F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
sowie zertifizierter Gutachter SIM
,
erhoben
im Gutachten vom
1
7.
September 2018 folgende Diagnosen (Urk.
7/83/723):
-
Traumatische Hirnverletzung vom 26.07.2015 mit nich
t
dislozierter
Kalotten
fraktur
frontal median mit Sprengung der
Sut
u
ra
sagittalis
sowie
Fraktur des
Processus
frontalis
maxillae
rechts und des Os nasale beidseits, akutem
Subduralhämatom
rechts
frontal
und
Subarachnoidalblutung
rechts
fr
o
nto
-temporal sowie sekundärer
intraparenchymatöser
Einblu
tung im
Gyrus
frontalis
inferior links und im
Gyrus
frontalis
medius
sowie Kontusionen
frontal
rechts
und an der
Frontobasis
sowie
temporo
-polar beidseits
-
V.a. posttraumatische
Anosmie
-
Fraglich authentische Kopfschmerzpräsentation bei negativen Medika
mentenspiegeln
-
Sonstige
organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10: F07.8) mit minimaler bis leichter neuropsychol
og
ischer Funktions
störung und minimaler psychiatrischer Störung, dysfunktionalem Schmerzerleben und –verhalten sowie Verdeutlichung und Aggrava
tion
-
Vorbestehende Lese- und Rechtschreibschwäche
Interdisziplinär hielten die Gutachter fest, bei der aktuellen
neurologischen
Begut
achtung habe der Beschwerdeführer seit dem Ereignis vom 2
6.
Juli 2015
über anhaltende Kopfschmerzen (mit mehrheitlichen Features eines Spannungs
kopfschmerzes) und angeblich täglichem
Analgetikaverbrauch
, welcher «formal» die diagnostischen ICHD-3beta-Kritieren eines Kopfschmerzes bei
Analgetika
übergebrauch
erfülle
, geklagt
. Die hier bestimmten Medikamentenspiegel hätten jedoch für die angegebenen Substanzen
Metamizol
(
Novalgin
) und
Acemetacin
(
Tilur
) negative Resultate ergeben, d.h. beide Substanzen seien im Blut nicht
nachweisbar gewesen, was gegen die angegebene tägliche Einnahme spreche. Insoweit könne die Diagnose eine
s
Analgetikaübergebrauchs
kopfschmerzes
nicht gestellt werden. Die
A
uthen
ti
zität der
Kopfschmerzen
müsse daher auch insge
samt kritisch hinterfragt werden. Fokal-
neurologisch
bestehe, abgesehen von einer Anosmie, die vor
Gewährung
einer
diesbezüglichen unfallbedingten Integ
rit
ä
t
sentschädigung noch ORL-ärztlich validiert werden müsse, ein unauf
fälliger Befund. Anhand der in der Bildgebung nach
gew
i
e
senen frontalen bzw.
fronto
-basalen Läsionen wären die
neuropsychologischen
Beschwerden
zumin
dest
teilweise aus
neurologischer
Sich
t
«theoretisch» als unfallkaus
a
l
postkontu
sionell
nachvollziehbar
. Aufgrund
erhebliche
r
Inkonsistenzen
, wie in allen Teil
gutachten
aufgezeigt
worden sei, und Auffälligkeiten in den neuropsycholo
gischen Symp
tom
validierungsverfah
r
en müsse der Anteil
authentischer Defizite
im
Detail
jedoch
offen
bleiben.
Auf neuropsychologischem Gebiet liessen sich keine Gesund
heitsschäden mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit auf ein organisches Substrat zurückführen. Insbesondere liessen sich die Aufmerksamkeitsfunktionen der Beurteilung der verkehr
spsychologischen
Unter
suchung vom 2
5.
August 2016 folgend als intakt bewerten. Die in der aktuellen Untersuchung gezeigten Minderleistungen in der Reaktions- und Verar
b
eitungs
geschwindi
g
keit und im Arbeitsgedächtnis liessen sich nicht als authentische, d.h. organisch bedingte
,
neuropsychologische Funktionsstörungen
interpretieren
. Dagegen
entsprächen
die als stabil bewerteten Minderleistungen in der
phonolo
gischen Ideenprodu
k
t
ion un
d
im verzögerten Abruf von Einzelwörtern einer minimalen bis leichten
neuropsychologischen
Funktionsstörung (ICD-10 F07.8). Ein Zusammenhang mit dem
Ereignis
vom 2
6.
Juli 2015 sei
aufgrund
der in
der MRT vom
2
6.
Juni 2018
festgestellten
f
r
ontalen Läsionen möglich
.
Auf psychiat
rischem
Gebiet sei eine mögliche Kernsymptomatik mit mindestens dem Beweis
grad der
überwiegenden
Wahrscheinlichkeit auf ein organisches Substrat zurück
zuführen. Sie sei jedoch nicht wirklich abgrenzbar und valide belegbar und müsse medizinisch-theoretisch geschätzt werden. Deswegen sei diese nicht genau erfassbare (hirn-)organisch bedingte Kernsymptom
a
tik der Diagnose sonstige organi
sche Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer
Krankheit
,
Schädigung
oder
Funktionsstörung
des Gehirns (ICD-10: F07.7) zugeordnet worden. Die tatsächlich
erlebten
Beschwerden und
Defizite
liessen sich aufgrund von Verdeutlichung und Aggravation nur
erschwert
einordnen
. Das als valide
bestimmbare
Ausmass an Symptomen und funktionellen Defiziten sei im Bereich
einer
minimal bis l
e
ichten Störung. Selbst für diese
bestünden
erhebliche dys
f
unk
tionale Komponente
n
mit ausge
p
r
ä
g
ter Vermeidung,
resultierender
Dekondi
tionierung
und
Senkung der
Schmerzschwelle
. Hierbei liege aus rein psychiat
rischer Sicht ein motivationaler Faktor vor. Die – auch bei
Berücksichtigung
der
vorliegenden
Schädigung
–
zumutbare
Will
e
ns
anstrengung
sei aus psychiat
rischer Sicht vom
Beschwerdeführer
nicht aufgebracht worden. Die organisch
direkt
bedingten
Symptome
und
funktionellen
Defizite seien somit nur ein
kleiner
Teil
der als minimal bi
s
leicht
eingeschätzten
real erlebten Symptomatik. Sie sei
en
damit höchstens minimal zu gewichten (
Urk.
7/83/
724-
725)
.
Als unfallfremde Faktoren lägen ein dysfunktionales Schmerzerleben und –verhalten vor. Dieses sei keine Diagnose im Sinne des ICD-10 oder des DSM-V, insbesondere nicht mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Erstmals aufgetreten seien die Symptome während des ersten Aufenthaltes in der
J._
wenige Wochen nach dem Unfall. Sie führten zu einer
Chronifizierung
des bisherigen Beschwerdebildes mit einem faktischen Scheitern der bisherigen Reintegrationsversuche in die angestammte berufliche Tätigkeit sowie der beruflichen Abklärungsmassnahmen (
Urk.
7/83/729)
.
3.3
Zur Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, der
tatsächlich erlebte und
nicht durch dysfunktionales Sch
m
e
rzerleben und –verhalten verstärkte und
chronifi
zierte
Gesundheitsschaden sei aus fach
psychiatrischer Sicht lediglich minimal bis leicht. Aus diesem resultiere keine Einschränkung in Bezug auf die angestammte
berufliche
Tätigkeit als Automobilfachmann und Automechaniker. Die
Arbeits
fä
higkeit
in der angestammten Tätigkeit als Werkstattleiter
sei
aufgr
und der möglicherweise unfallbe
d
i
ngten minima
len bis l
e
ichten Störung im Berei
ch der
phonologischen
Flüssigkeit
und des Abrufs verbaler Einzelinformationen aus
neuropsychologischer
Sicht nicht eingeschränkt. Die aufgezeigten Minderleis
tun
gen einzelner kognitiver Funktionen seien nur unter hoher kognitiver Belastung feststellbar. Die für den Alltag relevanten
sprachlichen Leistungen (Wort
findu
n
g
, Sprachverständnis)
erwiesen
sich bei der aktuellen
neuropsycholo
gischen
Begut
achtung als unbeeintr
ächtigt. Beim Abruf kontextgebu
n
d
ener/alltagsnaher
sprachlicher
Informationen habe der Beschwerdeführer
überdurchschnittliche
Leistungen
gezeigt. Allfällig
e
Einbussen beim Erinnern
von
Einzelinformationen (z.B. Namen,
Umsetzen
von
umfangreichen
Aufträgen) liessen sich aus
neuropsy
chologischer
Sicht
gut
mit alltäglichen und in de
n
meisten Arbeitsprozessen
bereits
etablierten
Hilfsmittel
n
wie Notizen oder Checklisten
kompensieren. Durch eine minimale bis leichte Störung sei die Funktionsfähigkeit nur in Berufen mit sehr hohen kognitiven Ansprüchen eingeschränkt. Sowohl die angestammte Tätigkeit wie auch allfällige angepasste Tätigkeiten auf dem Bildungsniveau des Beschwerdeführers gehörten nicht in diese Kategorie. Somit seien auch bei ange
passten Tätigkeiten auf dem Bildungsniveau des Beschwerdeführers aus neu
ropsychologischer Sicht keine Einschränkungen zu erwarten. Eine Einschränkung durch die Beeinträchtigung beim Abruf von Einzelinformationen sei einzig zu
erwarten, wenn sich der Beschwerdeführer im Rahmen einer theoretischen Aus
bildung/Umschulung umfangreiche Lerninhalte aneignen müsste. Auch aus psy
chiatrischer und neurologischer S
icht bestünden keine beruflich
massgeblichen Einschränkungen
(
Urk.
7/83/727-728)
.
Die unfallfremden Faktoren hätten aus rein medizinisch-theoretischer Sicht keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Auf neurologisch-neuropsychologischem Gebiet sei dem nichts weiter hinzuzu
fügen (
Urk.
7/83/729).
Aufgrund der unkonkreten und inkonsistenten Antworten, der Verdeutlichung und der Aggravation sei die genaue Angabe des zeitlichen und prozentualen Ver
laufs der Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht möglich. Aufgrund der Schwere der traumatischen Hirnverletzung sei es überwiegend wahrschein
lich, dass zumindest initial eine Arbeitsunfähigkeit für die bisherige Tätigkeit oder auch für angepasste Tätigkeiten des ersten Arbeitsmarktes bestanden habe. Mit Sicherheit gelte dies für die Zeit der Hospitalisierung im
H._
und in der
J._
. Auch direkt anschliessend sei überwiege
nd wahr
scheinlich von einer 100
%
-
igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Zunehmend sei dieser Effekt jedoch durch Auswirkungen des dysfunktionalen Schmerzerlebens und -verhaltens
überlagert und abgelöst worden, sodass zwischenzeitlich im psy
chiatrischen Gebiet mit
überwiegender
Wahrscheinlichkeit
keine Arbeitsunfähig
keit mehr ausgewiesen
werden könne, weder für die bisherige noch für eine angepasst
e
Tät
ig
keit des
ersten
Arbeitsmarktes
(
Urk.
7/83/
7
30
).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer stellt
e
sich auf den Standpunkt, dass auf
d
as
polydiszip
linäre
Gutachten der
B._
vom 17. September 2018
(
Urk.
7/83/705-819
)
nicht abgestellt werden könne. Er rügt
e
in formeller Hinsicht,
das polydisziplinäre Gutachten sei aus dem UVG-Verfahren übernommen worden, oh
ne BGE 137 V 210 ff
.
zu beachten. Nach der besagten Rechtsprechung
seien Gutachter, wenn immer möglich einvernehmlich zu bestellen, was
vorlie
gend nicht der Fall gewesen sei. Wenn die IV
-Stelle
ein polydisziplinäres Gut
achten
in Auftrag gebe
, müsse die
Gutachterstelle gemäss Art. 72
bis
IVV bestellt werden. Das vorliegende Gutachten erfülle die IV-rechtlichen Voraussetzungen eines polydisziplinären Gutachtens nicht
(
Urk.
1
Rz
. 14
.2-14.4
).
4.2
Gemäss
höchstrichterlicher Rechtsprechung
ist es
konstante Praxis
,
dass Invali
den- und Unfallversicherung auf die vom anderen Versicherer eingeholten medi
zinischen Berichte abstützen bzw. sich - wo notwendig - mit ergänzenden Fragen anschliessen und nur in jenen Fällen separate Abklärungen anordnen, in welchen
spezifische Fragen des jeweiligen Vers
icherungsgebiets zu klären sind.
Gerade auch aus dem angerufenen Untersuchungsgrundsatz (
Art.
43
Abs.
1 resp.
Art.
61
lit
. c ATSG) ergibt sich kein Anspruch auf separate Begutachtung; vielmehr ist der Versicherer infolge des Untersuchungsgrundsatzes gehalten, sämtliche vor
handenen medizinischen Berichte beizuziehen und nur dann zusätzliche Abklä
rungen anzuordnen, wenn sich aus den Akten der Sachverhalt für die zu prüfen
den Fragen nicht hinreichend erstellen lässt
(
Urteil
des Bundesgerichts
8C_621/2013 vom 3
0.
Januar 2014
E. 5 in
fine
)
.
Demnach
ist der
Sozialversiche
rungsträger befugt, ja sogar gehalten
, auch nicht von ihm selber veranlasste ärzt
liche Berichte und Gutachten zu berücksichtigen, soweit diese zur Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes beitragen können, und die Verfahrensgrund
sätze, welche namentlich in BGE 137 V 210 umschrieben wurden,
beschlagen
grundsätzlich die medizinischen Gutachten, welche der mit dem streitigen sozial
versicherungsrechtlichen Leistungsanspruch befasste Versicherungsträger selber einholt (Urteil des Bundesgerichts 8C_15/2015 vo
m 3
1.
März 2015 E. 6.4
;
vgl. auch BGE 138 V 318 E. 6
).
4.
3
D
a
vorliegend
ausschliesslich im Nachgang zu einem Unfall aufgetretene
Ein
schränkungen
abzuklären sind
,
lässt sich der
rechtserhebliche Sachverhalt voll
ständig anhand der Akten der Suva sowie des von ihr in Auftrag gegebenen Gut
achtens
samt Antworten auf die IV-spezifischen Zusatzfragen
erstellen, weshalb keine Notwendigkeit zur Einholung eines
separate
n
Gutachten
s durch die
Beschwer
degegnerin bestand
.
Sodann
hat nicht die
Invalidenversicherung
,
sondern
die Suva
den Begutachtungsauftrag erteilt
, weshalb
die
Beschwerde
gegnerin
auch darauf abstellen kann,
wenn
sie
die Gutachter
stelle
nicht nach
Art.
72
bis
IVV bestellt
hat
.
Indem die Suva
bei der Einholung die
Mitwirkungs- und Parteirechte
berücksichtigte
(vgl.
Urk.
7/83/565,
Urk.
7/83/573-596)
, kommt dem
polydisziplinäre
n
Gutachten
vom 17.
September 2018
der
B._
auch
der
nämliche Beweiswert
wie einer nach Art.
44 ATSG ein
geholten Expertise
zu
. Somit
konnte die IV-Stelle
aus verfahrensrechtlicher Sicht
vollständig auf das
polydisziplinäre Gutachten vom 17.
September 2018 abstel
len. Daran vermag auch der behauptete Umstand der Befangenheit der Gutachter nichts zu ändern, zumal
auf ein Weiterzug der
Suva-Verfügung vom 2
8.
März 201
8 (
Urk.
7/83/591 f.) explizit verzichtet wurde (vgl.
Urk.
7/83/595 f.), weshalb
sich die Rüge
grundsätzlich
als verspätet erweist (
Urk.
3/11
; vgl. zum Ganzen
UV
.
2020.00109
E. 5
)
,
ausser es ergäben
sich aus
Umständen
der
gutachterlichen Untersuchungen
oder dem Gutachten selbst
Hinweise auf Befangenheit, was hier jedoch zu verneinen ist und auch nicht geltend gemacht wurde
.
5.
5
.1
Der Beschwerdeführer
macht
e
im Weiteren geltend,
das polydisziplinäre Gutach
ten
erfülle
die Voraussetzungen für eine beweiswertige Expertise nicht und
kriti
sierte das Gutachten inhaltlich
in verschiedener Hinsicht (vgl.
Urk.
1
Rz
.
14.1
1
5
-16).
5.2
Entgegen der Argumentation des Beschwerdeführers erfüllt d
as
polydisziplinäre
Gutachten der
B._
vom 17. September 2018
(Urk.
7/83/
705-
819
)
die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweis
kräftige ärzt
liche Entscheidungsgrundlagen (vgl. E. 1.
6
)
. Es
beruht auf umfassen
den fachärzt
lichen
neurologischen, neuropsychologischen und
psychiatrischen Untersu
chun
gen und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) verfasst
(Urk.
7/83/707-713, Urk.
7/83/733-742 und Urk.
7/83/758-784
)
. Die vorhan
denen Arztberichte wurden sorgfältig gewürdigt (
Urk.
7/83/719-720
, Urk.
7/83/750-752
und Urk.
7/83/791-797
). Die
Gutachter
haben detaillierte Befunde und hieraus begründete Diagnosen erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten de
s
Beschwerdeführer
s
ausführlich ausei
nander
gesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusammen
hänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nach
vollziehbar begründet.
5.3
Der Beschwerdeführer machte weiter
geltend,
es sei
nicht nachvollziehbar,
wes
halb
gemäss den Gutachtern
keine Beschränkung der
Arbeitsfähigkeit
vorliegen soll
e
, da das MRI des
Gehirns
vom 2
6.
Juni 2018
offensichtlich
weiterhin
unfall
bedingte Befunde
ergeben
habe.
Diesbezüglich
ist
anzumerken,
dass funktionale oder leistungsmässige Einschränkungen sich weder direkt aus einer Diagnose noch aus bildgebenden Befunden ergeben, sondern vorab durch klinische Unter
suchungen der medizinischen Fachperson. D
ie Gutachter aller Teilbereiche
führ
ten
ausführliche Untersuchungen durch (Urk.
7/83/714-718,
Urk.
7/83/742-748/ und
Urk.
7/83/784-790) und
konnten
dabei
erhebliche Inkonsistenzen,
Verdeut
lichungstendenzen
so
wie
eigentliche
aggravatorische
Elemente
nachvollziehbar
nachweisen.
So hielt
der
neuro
psychologische
Teilgutachter
schlüssig
fest
,
d
ie
A
ufmerks
a
m
ke
i
tsfunktionen
liessen sich der
Beurteilung
der verkehrspsychol
o
gischen
Untersuchung
vom 2
5.
August 2016 folgend als unbeeinträchtigt bewer
ten. Die in der
aktuellen
Untersuchung
gezeigten Minderleistungen i
n
Aufmerk
samkeitsfunkt
i
onen seien nicht valide, sondern primär durch
motivationale Aspekte geprägt
(
Urk.
7/83/749-753
).
Der
psychiatrische
Teilgutachter
zeigte auf
,
dass sich die tatsächlich erlebten Beschwerden und Defizite aufgrund von Ver
deutlichung und Aggravation n
ur erschwert einordnen liessen, wobei das als
valide bestimmbare Ausmass an Symptomen und funktionellen Defiziten höchs
tens im Bereich einer minimalen bis leichten Störung liege (
Urk.
7/83/791-798
)
.
Nachdem
der
federführende
gutachterliche Neurologe in seiner umfassenden
klinisch-neurologischen
Untersuchung
(
Urk.
7/83/717) fokal-neurologisch
bis auf eine mögliche Anosmie
–
deren
Ausmass in Bezug auf einen
allfälligen
Anspruch auf I
ntegritätsentschädigung im
unfall
versicherungsrechtlichen Ver
fahren
Nr. UV
.
2020.00109
E. 2.1
behandelt wird
-
einen unauffälligen Befund
erhob
en hatte
,
konnte er
sich
den
nachvollziehbaren und konkludenten Ausfüh
rungen
der übrigen Teilgutachter
unter dem Hinweis auf
die
Inkonsistenz bezüg
lich des
Analge
tikaverbrauch
s
anschliessen
(Urk.
7/83/7
20
-72
3
).
Somit ergeben sich
erhebliche Hinweise dafür, dass die
durch den Beschwerdeführer geltend gemachte
n psychiatrischen und neuropsychiatrischen
Leistungseinschränkung
en
durch Aggravation begründet
sind
. Eine Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit im Sinne von
Art.
6 und
Art.
7 ATSG ist vor diesem Hintergrund nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit erstellt
.
Demnach kann den Gutachtern gefolgt werden, wenn sie unter Berücksichtigung der Befunde im MRI vom 26.
Juni 2018 keinen neurologischen sowie
medizi
nisch-theoretisch
lediglich einen minimalen bis leichten psychiatrischen Gesund
heitsschaden und eine minimale bis leichte neuropsychologische Funktions
störung für gegeben erachteten, welche jedoch ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
in der angestammten Tätigkeit bleib
t
(E.
3.3).
Die gutachterlichen Schlussfolgerungen erscheinen umso begründeter, als
sich der Beschwerdeführer anlässlich der verkehrspsychologischen
Abklärung
(Expertise vom 1
2.
September 2016, Urk.
7/83/657-670) im Rahmen der ver
kehrsmedizinischen
Begutachtung
bei
Dr.
med.
K._
, Verkehrs
m
edizinerin
SGRM, (Expertise vom 1
5.
September 2016
, Urk.
7/83/671-678)
ohne namhafte kognitive
Einschränkungen, insbesondere ohne Defizite in der Daueraufmerk
samkeit, und mit einem unauffällig
en
, kooperativen und durchwegs der Situation angepasstem Auftreten präsentierte
(
Urk.
7/83/668-669)
, mithin
er in dieser Begutachtung angab,
alleine bis nach Kroatien mit dem Auto gefahren zu sein
, was hohe Anforderungen an die Konzentration stellt
(
Urk.
7/83/662-663
).
Daran vermag auch das beschwerdeweise vorgebrachte Argument, er habe bei den medizinischen Experten in der verkehrsmedizinischen und verkehrspsycholo
gischen Untersuchung seine Situation beschönigt, da er zu seiner wenigstens geringfügigen teilweisen beruflichen Integration auf den Führerausweis a
nge
wiesen sei, nichts zu ändern.
I
n den Akten
finden sich keine
Indizien
dafür, dass der Beschwerdeführer
nur kurze
Strecken zu fahren in der Lage wäre
, zumal er allein mit dem Auto zur gutachterlichen Untersuchung fuhr
(
Urk.
7/83/716;
vgl.
auch die Anmerkung des neuropsychologischen Gutachters,
Urk.
7/83/747)
und seine Ehefrau offenbar erst im Dezember 2016 Autofahren lernte (
Urk.
7/83/353).
Ferner
steht die neuropsychologische Präzisierung
im Rahmen der Arbeitsfähig
keit, wonach
die Funktionsfähigkeit des Beschwerdeführers
durch die minimale bis leichte Störung
nur in Berufen mit sehr hohen kognitiven Ansprüchen einge
schränkt
sei
-
wovon die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers
sowie
allfällige andere angepasste Tätigkeiten auf seinem Bildungsn
iveau ausgenom
men seien -
oder
sofern
er sich
im Rahmen einer theoretischen Ausbil
dung
/Umschulung
umfangreiche Lehrinhalte anei
gnen müsste
(Urk.
7/83/752-753)
,
keinesfalls in eklatante
n
Widerspruch zur gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
.
Der
neuropsychologische
Teilgutachter
betont
e durch die
se
Präzisierung
einzig
, dass
sich die
minimale bis leichte Störung im Bereich der phonologischen Flüssigkeit und des Abrufs verbaler Einzelinformationen
eben nicht auf die
bisherige Tätigkeit auswirkt
, weshalb
unerheblich bleiben kann
, ob eine
Ausbildung/
Umschulu
ng nun aufgrund der minimalen bis leichten
Funk
tionsstörung gleich unmöglich wäre
, wie vom Beschwerdeführer
behauptet
.
Nach dem Gesagten
stellte
die Beschwerdegegnerin
zu Recht auf die
lege
artis
erfolgte medizinische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, welche den massge
benden normativen Rahmenbedingungen entspricht,
ab
. Unter den gegebenen Umständen erübrigt
sich die Durchführung
des vom Beschwerdeführer
geforder
ten
strukturierten Beweisverfahrens
(E. 1.
4
)
.
5.4
Sodann
führte der Beschwerdeführer aus,
das
polydisziplinäre
Gutachten sei mit der psychiatrischen Beurteilung des Kreisarztes der Suva
Dr.
D._
vom
6.
De
zember 2016
(
Urk.
7/83/339-366)
nicht vereinbar
.
Dem ist entgegenzuhalten, dass die Gutachter sämtliche
von
Dr.
D._
erhobenen Befunde
berücksichtigten
und in
ihre
Beurteilung einfliessen liessen
(Urk.
7/83/711,
Urk.
7/83/736-737 und
Urk.
7/83/774-780)
.
Auch
wurde in der umfassenden Beurteilung im psychiat
rischen Teilgutachten immer wieder Bezug auf die Einschätzung von
Dr.
D._
genommen. Der psychiatrische Teilgutachter führte unter anderem die zahl
reichen
anlässlich der Begutachtung
festgestellten
Inkonsistenzen
auf und hielt fest, wenn solche nicht aufgedeckt würden, ein Untersucher durchaus den Ein
druck von nachvollziehbaren und h
irnorganisch bedingten und über
dies nicht therapierbaren Defiziten und Symptomen gewinnen könne, wie dies wohl im Falle der Beurteilung von
Dr.
D._
geschehen
sei
(
Urk.
7/
83/791-797).
Diese Aus
führungen überzeugen, weshalb
die
abweichende
n
Diagnose
n
und Beurteilung
en
von
Dr.
D._
das
Gutachten
nicht
zu
entkräften
vermögen
.
5.5
Überdies
trifft
auch der Einwand
, wonach
das polydisziplinäre Gutachten im Widerspruch zum Abklärungsbericht vom 27. Oktober 2017 des
E._
stehe
,
nicht zu
. Nach der Rechtsprechung ist die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheits
schädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungs
fachleute auf Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistungen zu beantworten (Urteil des Bundesgerichts 8C_334/2018 vom
8.
Januar 2019
E. 4.2.1, 9C_396/2014 vom 1
5.
April 2015 E. 5.4, je mit Hinweisen). Einer konkret leistungsorientierten beruflichen Abklärung kann bei offensichtlicher und erheb
licher Diskrepanz zwischen einer medizinischen Einschätzung und der erbrachten Leistung zwar nicht jegliche Aussagekraft für die Beurteilung der Restarbeits
fähigkeit abgesprochen werden. Um ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annah
men zu begründen ist jedoch erforderlich, dass während einer ausführlichen beruflichen Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhältnis/-einsatz der versi
cherten Person die Leistung effektiv realisiert wurde und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierbar ist (Urteile des Bundesgerichts 8C_661/
2019 vom 2
3.
Januar 2020 E. 4.2
). Dem
Abklärungsbericht
kann jedoch keine Einschätzung der Berufsfachleute zur objektiv realisierbaren Restarbeits
fähigkeit entnommen werden. Daraus erhellt vielmehr, dass vorwiegend auf die Aussagen des Beschwerdeführers abgestellt wurde (Urk.
7/
70
/
8-12)
, wonach
sich der Beschwerdeführer von Beginn der Abklärung an mit einer Präsenzzeit von vier Stunden pro Tag deutlich überlastet sah (
Urk.
7/
80
/
11). Sodann erklärte der psychiatrische Teilgutachter schlüssig, dass in der beruflichen Abklärung die Motivation des Beschwerdeführers ebenfalls schwankend und teils ungenügend gewesen sei und dass dies einen relevanten Teil der demonstrierten funktionellen Defizite erkläre. Dort, wo im
E._
die mangelnde Motivation die Aufgabener
füllung nicht deutlich moduliert habe, habe der Beschwerdeführer durchaus normgerechte Leistungen erbringen könne
n
(
Urk.
7/83/793). Demnach präsentiert sich das polydisziplinäre Gutachten durchaus im Einklang mit dem Abklärungs
bericht vom 2
7.
Oktober 2017 des
E._
.
5
.
6
Zusammenfassen
d
ist das
von der Suva in
Auftrag gegebene
polydisziplinäre
Gutachten
somit
voll beweiskräftig. Von weiteren Abklärungen, wie vom Beschwer
deführer gefordert, sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d m
it Hinwiesen
und BGE
136 I 229 E. 5.3
) zu verzichten ist. Soweit der Beschwerde
führer gestützt auf den strafrechtlichen Sachverhalt sowie die Beweismittel im Strafverfahren auf eine relevante gesundheitliche Einschränkung schliessen lassen will, ist darauf hinzuweisen
,
dass selbstredend von der strafrechtlichen
Qualifikation der schweren
Körperverletzung
nicht ohne Weiteres auf einen blei
benden, sich auf die Arbeitsfähigkeit
auswirkenden
Gesundheitsschaden geschlossen werden kann
– zumal gemäss
Art.
122
Abs.
1
des Strafgesetzbuches (
StGB
)
bereits derjenige eine schwere Körperverletzung begeht, der vorsätzlich einen Menschen lebens
gefährlich
verletzt
, was
nach dem Gutachten vom 1
3.
Ok
tober 2015 von
Dr.
med.
L._
durch die
Bewusstlosigkeit
gegeben war (
Urk.
3/5 S. 9 f.
).
Nichts
Anderes
geht aus
den Strafurteilen
hervor.
6.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens. Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfah
rensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetz
lichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr.
9
00.-- festzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen
.