Decision ID: 1c8e051b-f55d-5270-b0e3-7dbf5da7723f
Year: 2017
Language: de
Court: AR_KG
Chamber: AR_KG_005
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Zur C.-Gruppe gehören insbesondere die C. Holding AG sowie deren Tochtergesellschaft C. AG, Schweiz.
Medizinal- und Sanitätsgeschäft, St. Gallen (nachfolgend: C. AG). U. wurde 2006 Verwaltungsrat der letztge-
nannten Gesellschaft, 2010 der C. Holding AG. 2009 wurde U. zudem auf der Basis eines Einzelarbeitsvertra-
ges als Vorsitzender der Geschäftsleitung der C. AG eingesetzt. Am 17. Mai 2013 sprach die C. AG die fristlo-
se Kündigung des Arbeitsverhältnisses aus.
In der Folge kam es in mindestens 3 Kantonen (Obwalden, St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden) zu diversen
Gerichtsverfahren zwischen U. und Gesellschaften der C.-Gruppe.
B. Am 20. Mai 2016 liess U. beim Einzelrichter des Kantonsgerichts Appenzell Ausserrhoden ein Arrestgesuch
gegen die C. Holding AG stellen, mit dem Begehren, es seien für eine Arrestforderung von Fr. 119‘755.83
sämtliche Forderungen, Kontokorrentguthaben und Barschaften in in- und ausländischer Währung, Wertschrif-
ten, Depots, Edelmetalle, sonstige Vermögenswerte sowie sämtliche Herausgabeansprüche aus Depotverträ-
gen und Treuhandverhältnissen gegenüber der Bank, insbesondere Guthaben auf den Konti unter der Bank-
beziehung x. (IBAN Nr. CH79 y.) mit Guthaben aller Unterkonti, lautend auf die Schuldnerin, zu arrestieren. Als
Grund der Forderung nannte U. Verwaltungsratshonorare, Schaden aus missbräuchlicher Aberkennung der
Aktionärsstellung, Parteientschädigung und Gerichtskosten.
Gleichentags stellte der angegangene Richter antragsgemäss den Arrestbefehl zu Handen des Betreibungs-
amtes Appenzeller Hinterland aus.
C. Am 6. Juni 2016 erhob die C. Holding AG Arresteinsprache an den Einzelrichter des Kantonsgerichts Ap-
penzell Ausserrhoden mit den eingangs aufgeführten Anträgen.
Mit Entscheid vom 26. Oktober 2016 wies der Arrestrichter die Arresteinsprache ab, überband der Einspreche-
rin die Gerichtskosten von Fr. 450.00 und verpflichtete sie zur Bezahlung einer Parteientschädigung von Fr.
5‘807.60 an die Gegenpartei.
D. Beim Vollzug des Arrestbefehls stellte das Betreibungsamt Appenzeller Hinterland fest, dass keine Gutha-
ben der C. Holding AG bei der Bank bestehen. Das Betreibungsamt erklärte das Dahinfallen des Arrests und
gab die verarrestierten Forderungen/Gegenstände gemäss Arresturkunde wieder frei.
Gerichtsentscheid AR GVP 29/2017, Nr. 3707
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E. Mit Schriftsatz vom 27. Februar 2017 liess die C. Holding AG beim Einzelrichter des Obergerichts Be-
schwerde gegen den Arresteinspracheentscheid führen. U. liess sich dazu am 30. März 2017 vernehmen.
Weitere Eingaben sind nicht erfolgt.

Aus den Erwägungen:
1.6 Neue Anträge, neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel sind im Beschwerdeverfahren grund-
sätzlich ausgeschlossen (Art. 326 Abs. 1 ZPO). Von diesem Verbot ausgenommen sind nach Art. 326 Abs. 2
ZPO in Verbindung mit Art. 278 Abs. 3 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG, SR
281.1) Arrestverfahren. Das Bundesgericht hat offengelassen, ob nach Art. 278 Abs. 3 SchKG nur echte No-
ven oder auch unechte Noven berücksichtigt werden können (BGE 140 III 466 E. 4.2.3). Lehre und kantonale
Rechtsprechung sind mehrheitlich der Auffassung, vor der Rechtsmittelinstanz könnten nur echte Noven vor-
gebracht werden, d.h. solche Tatsachen, die erst nach dem Entscheid über die Arresteinsprache bzw. nach
dem letzten Parteivortrag im Einspracheverfahren eingetreten sind (vgl. etwa: FELIX MEIER-DIETERLE, in: Hunke-
ler [Hrsg.], Kurzkommentar SchKG, 2. Aufl. 2014, N. 15 zu Art. 278 SchKG ; HANS REISER, in: Basler Kommen-
tar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs II, 2. Aufl. 2010, N. 46 zu Art. 278 SchKG; FELIX H. BOL-
LER, Neuere Rechtsprechung im Arrestrecht, AJP 2015, S. 1296 f.; THOMAS SPRECHER, Prozessieren zum
SchKG unter neuer ZPO, SJZ 107/2011, S. 282; Beschluss und Urteil des Obergerichts Zürich PS150016 vom
20. Februar 2015 E. 4.1 und 4.6).
1.7 Weil die Anschlussbeschwerde ausgeschlossen ist (Art. 323 ZPO), kann auf den - nicht formell gestellten -
Antrag des Beschwerdegegners auf Erhöhung der Parteientschädigung für das erstinstanzliche Verfahren nicht
eingegangen werden.
1.8 Unter dem Titel „Beschwerdelegitimation“ sind die Zulässigkeitsvoraussetzungen zu prüfen (vgl. Art. 59 ZPO).
Dazu gehören etwa das Vorliegen eines Beschwerdeobjekts, die Geltendmachung eines Beschwerdegrunds und das
Rechtsschutzinteresse der Beschwerdeführerin. Fehlt es an einer Zulässigkeitsvoraussetzung, ist auf die Beschwer-
de nicht einzutreten.
Der Beschwerdegegner hat geltend gemacht, die verarrestierten Konti bei der UBS AG wiesen keine Guthaben
auf. Die Beschwerdeführerin hat dies im Rahmen des Replikrechts nicht bestritten. Der Beschwerdegegner
stützt sich auf eine Bestätigung des Betreibungsamtes Appenzeller Hinterland vom 21. November 2016. Bei
dieser handelt es sich klarerweise um ein echtes und damit auch nach Ansicht der Lehre zulässiges Novum.
Aus dieser Bestätigung ergibt sich, dass die im Arrestbefehl aufgeführten Vermögensobjekte in Tat und Wahr-
heit wertlos sind. Folgerichtig hat das Betreibungsamt den Hinfall des Arrestes erklärt. Es wird nicht übersehen,
dass das vorgenannte Schreiben des Betreibungsamtes Appenzeller Hinterland an den Rechtsvertreter des
Beschwerdegegners gerichtet war und somit der Beschwerdeführerin vor der Erhebung der Beschwerde even-
tuell nicht bekannt gewesen ist. Die Beschwerdeführerin hatte als Inhaberin der verarrestierten Konti aber auch
ohne Mitteilung des Betreibungsamtes Kenntnis vom Stand ihrer eigenen Guthaben bei der UBS AG. Obwohl
ihr bewusst war oder sein musste, dass das Arrestobjekt ohne Wert war, hat sie Beschwerde erheben lassen,
um den Arrest in Frage zu stellen. Dafür ist der Beschwerdeführerin das Rechtsschutzinteresse abzusprechen
(REISER, a.a.O., N. 11 am Schluss zu Art. 278 SchKG; ARTHO VON GUNTEN, Die Arresteinsprache, 2001, S. 19).
Bei einer anderen Ausgangslage ist das Kantonsgericht Graubünden, Beschwerdekammer, in seinem Urteil
SKG 07 49 vom 30. Januar 2008 zu einem anderen Schluss gekommen: Beschwerdeführerin war im bündner
Verfahren die Drittschuldnerin und das Betreibungsamt hat den Arrest nicht hinfällig erklärt bzw. aufgehoben.
Auf die Beschwerde kann deshalb nicht eingetreten werden.