Decision ID: dcfe782b-d0b9-4c46-9300-e1042cb3e304
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Maschinist bei der B._ AG angestellt
und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva)
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 14. Mai 1998 zog er sich durch eine
Fehlmanipulation an einer Maschine eine Schnitt-Quetsch-Verletzung an der linken
Hand zu. Im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) wurde eine drittgradige offene
Zweietagentrümmerfraktur Metacarpale II links diagnostiziert. Die Verletzung wurde
gleichentags operativ behandelt (proximale Zugschrauben-Adaptionsosteosynthese,
überbrückender Mini-Fixateur, volare Gefäss-Nerven-Revision). Nachdem der
Versicherte sich bis 18. Mai 1998 im KSSG aufgehalten hatte, konnte er am 25. August
1998 bei der Arbeitgeberin im Umfang von 50 % wieder eine leichtere Tätigkeit
aufnehmen (Suva-act. 3, 26). Am 18. November 1998 wurde im KSSG ein weiterer
operativer Eingriff vorgenommen (Teno- und Arthrolyse im Grundgelenk Strahl II,
Metallentfernung). Ab dem 16. Januar 1999 arbeitete der Versicherte wieder halbtags.
Mit Beurteilung vom 24. März 1999 befand der untersuchende Kreisarzt Dr. med.
C._, Spezialarzt FMH für orthopädische Chirurgie, den Versicherten ab 29. März
1999 als zu 75 % und ab 19. April 1999 als voll arbeitsfähig (Suva-act. 3). Den
Integritätsschaden schätzte Dr. C._ unter Berücksichtigung einer mässiggradigen
Beweglichkeitseinschränkung im Grundgelenk Dig. II links mit leichtem Rotationsfehler
(15°) und wegen der angegebenen Beschwerden auf 5 % (Suva-act. 4; vgl. ferner lit. A
im Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. März 2001,
UV 1999/108, Suva-act. 100-6 ff.).
A.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 3/15
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Mit Verfügung vom 11. Mai 1999 sprach die Suva dem Versicherten eine
Integritätsentschädigung auf der Basis eines Integritätsschadens von 5 % zu. Ferner
wurde festgestellt, eine ärztliche Behandlung sei nicht mehr notwendig, weshalb diese
als abgeschlossen betrachtet werde (Suva-act. 7). Die gegen diese Verfügung
erhobene Einsprache (Suva-act. 8) wies die Suva mit Entscheid vom 24. September
1999 ab, soweit sie darauf eintrat (Suva-act. 9). Die dagegen erhobene Beschwerde
wurde vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 28. März
2001 teilweise gutgeheissen, der Einspracheentscheid vom 24. September 1999
aufgehoben und die Sache an die Suva zurückgewiesen, damit diese nach
ergänzender Abklärung im Sinn der Erwägungen über die Leistungsansprüche des
Versicherten neu verfüge (Suva-act. 100-6 ff.).
A.b.
Am 22. Januar 2002 verfügte die Suva eine Integritätsentschädigung von
insgesamt 10 % (Suva-act. 15). Am 4. Juni 2002 wurde der Versicherte erneut operiert
(ausgedehnte Tendocapsulolyse MP-II, Beckenspan, Beckenspanplastik und
Korrekturosteotomie CMC-II und Meta-II links; Suva-act. 101-41) und weilte vom 29.
Januar bis 5. März 2003 in der Rehaklinik Bellikon (Suva-act. 100-1 f.). Mit Verfügung
vom 5. November 2003 eröffnete die Suva dem Versicherten, es werde ihm ab
November 2003 eine Rente gestützt auf eine Erwerbsunfähigkeit von 17 %
ausgerichtet. Hinsichtlich der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei eine mindestens 50 %-
ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Eine körperlich leichte Tätigkeit ohne Heben und
Tragen von Lasten über fünf Kilogramm sei hingegen ganztags zumutbar. Auf dem
allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt könne er ein Einkommen von Fr. 47'389.--
erzielen. Der Vergleich mit dem Valideneinkommen von Fr. 56'875.-- ergebe die
Erwerbseinbusse von 17 %. Ein wahrscheinlicher Kausalzusammenhang der
Schmerzen im Arm- und Schulterbereich wurde verneint, ebenso die Adäquanz der
psychischen Beschwerden (Suva-act. 100-18 ff.). Die Verfügung wurde mit
Einspracheentscheid vom 19. Februar 2004 bestätigt (Suva-act. 35). Dieser Entscheid
blieb unangefochten. Am 20. Januar 2007 und 1. März 2013 bestätigte die Suva den
unveränderten Rentenanspruch (Suva-act. 49, 70).
A.c.
Bei anhaltenden Beschwerden unterzog sich der Versicherte am 17. März 2014
(partielle Metallentfernung und Stellungskorrektur des Metacarpale-II diaphysär) und
17. Februar 2015 (Metallentfernung und Tendocapsulolyse im Bereich MP-II links)
A.d.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 4/15
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B.
weiteren Eingriffen an der linken Hand; Suva-act. 126-2, 150-1, 169-3). Am 6. Juli 2016
wurde er durch med. pract. D._, Fachärztin für Chirurgie, kreisärztlich untersucht und
beurteilt (Suva-act. 169).
Vom 9. bis 21. November 2016 wurde eine Strahlentherapie an der linken Hand
durchgeführt (Suva-act. 176-2 f.). Auch diese führte nicht zu einer
Beschwerdereduktion (Suva-act. 178).
A.e.
Ab dem 1. Mai 2019 war der Versicherte in einem Pensum von 30 % für die E._
GmbH als Chauffeur (Kiosk- und Zeitschriftenlieferant) tätig (Suva-act. 221, 226-2). Ab
dem 21. Mai 2019 bescheinigte Dr. med. F._ dem Versicherten eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 226-1). Mit Bericht vom 22. April 2020 führte Dr. F._
aus, dass der Versicherte am 21. Mai 2019 bei der Arbeit auf die linke Hand gestürzt
sei und seitdem an unerträglichen Handschmerzen links leide. Er sei aktuell für jegliche
Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig (Suva-act. 233). Per 31. März 2020 wurde das
Arbeitsverhältnis von der E._ GmbH gekündigt (Suva-act. 257-1). Am 30. Juni 2020
führte Dr. F._ aus, dass es seit Beginn des Jahres 2018 nochmals zu einer deutlichen
Verschlechterung des Gesundheitszustands des Versicherten gekommen sei. Im
Rahmen der Arbeit als Chauffeur hätten die Beschwerden nochmals zugenommen, mit
Schwellung der linken Hand, pochendem Dauerschmerz mit Ausstrahlungen bis ins
Genick und anschliessender Verschlechterung sowohl des psychischen als auch des
physischen Zustands (Suva-act. 249). Mit Arztbericht vom 30. Oktober 2020 attestierte
Dr. F._ dem Versicherten weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Suva-act.
277).
B.a.
Mit Bericht vom 30. November 2020 diagnostizierte der behandelnde Dr. med.
G._, Psychiatrie und Psychotherapie, eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig schwere depressive Episode, nach psychotraumatischem Schockerleben
und bei chronischem unfallbedingtem Schmerzsyndrom, einen Status nach
Belastungsstörung, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie eine
andauernde Dekonditionierung und Persönlichkeitsänderung bei langjährig frustranen
Behandlungen der Unfallfolgen und sich ergebender Therapieresistenz. Er bescheinigte
dem Versicherten bei dauerhaft psychophysischer Dekonditionierung eine volle
B.b.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/15
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Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit. Seit Anfang des Jahres 2018 sei es nochmals
zu einer wesentlichen gesundheitlichen Verschlechterung gekommen. Der misslungene
Arbeitsversuch habe ihn nochmals zurückgeworfen und mit Sicherheit sei nach dessen
Scheitern (Sommer 2019) gar keine Arbeitsleistung auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr
denkbar (Suva-act. 278).
Am 15. Februar 2021 gab Dr. med. H._ vom versicherungsmedizinischen Dienst
der Suva, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, eine
Aktenbeurteilung ab (Suva-act. 292-2 f.).
B.c.
Mit Verfügung vom 20. Februar 2021 schloss die Suva den (Rück-)Fall
rückwirkend per 31. August 2019 ab und lehnte einen Anspruch auf weitere
Versicherungsleistungen ab. Auf die Rückforderung bereits bezahlter Heilkosten wurde
verzichtet (Suva-act. 303).
B.d.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur.
Ronald Pedergnana, St. Gallen, am 24. März 2021 Einsprache erheben. Es sei ein
bidisziplinäres (orthopädisches und psychiatrisches) Gutachten zu erstellen für die
Frage, wie gross die Leistungsfähigkeit des Versicherten noch sei (Suva-act. 306-1).
B.e.
Am 1. Juni 2021 wurde der Versicherte von Dr. H._ kreisärztlich untersucht. Am
7. Juni 2022 reichte dieser seine Beurteilung ein (Suva-act. 334).
B.f.
Mit Schreiben vom 11. Juni 2021 zog die Suva die Verfügung vom 20. Februar
2021 zurück (Suva-act. 336). Mit Schreiben vom 23. Juni 2021 an den Rechtsvertreter
des Versicherten führte die Suva aus, dass nach nochmaliger eingehender Prüfung des
Berichts über die kreisärztliche Untersuchung vom 7. Juni 2021 die Terminierung
gemäss Verfügung vom 20. Februar 2021 korrekt gewesen sei. Aus dem Bericht von
Dr. H._ lasse sich keine Verschlechterung des Gesundheitszustands bezugnehmend
auf die objektivierbaren Unfallfolgen ableiten. Zu den psychischen bzw. nicht
objektivierbaren Beschwerden werde keine Stellung genommen, zumal die Adäquanz
der psychischen Beschwerden zum Unfall vom 14. Mai 1998 mit der Verfügung vom 5.
November 2003 resp. dem Einspracheentscheid vom 19. Februar 2004 bereits
rechtskräftig abgewiesen worden sei (Suva-act. 339). Am 23. Juni 2021 wurde der
Rechtsvertreter des Versicherten eingeladen, zum Untersuchungsbericht von Dr. H._
B.g.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/15
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C.

Erwägungen
1.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragte mit Einsprache vom 24. März
2021 (Suva-act. 306-1), mit Stellungnahme vom 31. August 2021 (Suva-act. 360) und
vom 7. Juni 2021 Stellung zu nehmen (Suva-act. 340), wovon er am 31. August 2021
Gebrauch machte (Suva-act. 360).
Mit Entscheid vom 15. September 2021 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-
act. 367).
B.h.
Gegen den Einspracheentscheid vom 15. September 2021 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer), weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Pedergnana,
am 15. Oktober 2021 Beschwerde erheben und beantragen, dass der
Einspracheentscheid vom 15. September 2021 aufzuheben, ein multidisziplinäres
(orthopädisches, neurologisches und psychiatrisches) gerichtliches Gutachten zur
Klärung der Höhe der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers beim asim in Basel
oder bei der Medas Luzern zu erstellen und dem Beschwerdeführer eine UVG-Rente
nach Massgabe dieser Begutachtung zuzusprechen sei. Es sei dem Beschwerdeführer
die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin; act. G 1).
C.a.
Mit Schreiben vom 29. Oktober 2021 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer umfassenden Beschwerdeantwort, beantragte die vollumfängliche
Beschwerdeabweisung und verwies auf die Begründung im Einspracheentscheid vom
15. September 2021 (act. G 3).
C.b.
Am 10. November 2021 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwalt Pedergnana entsprochen (act. G 4).
C.c.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.d.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/15
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auch mit Beschwerde vom 15. Oktober 2021 (act. G 1) die Klärung der
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers mittels Gutachtens. Nach Massgabe der
Begutachtung sei ihm eine Invalidenrente der Unfallversicherung auszurichten (act. G 1
S. 2). Im Streit liegt damit einzig die Frage, ob dem Beschwerdeführer ein höherer
Rentenanspruch als die seit November 2003 ausgerichtete Invalidenrente zusteht.
Keiner eingehenden Prüfung bedarf es bezüglich der aufgeworfenen Frage (act. G 1 S.
5 Ziff. 20), ob die Beschwerdegegnerin nach dem Rückzug der Verfügung vom 20.
Februar 2021 (Suva-act. 303, 336) aus formell-rechtlicher Sicht eine neue Verfügung
hätte erlassen müssen (anstelle eines sinngemäss erneuten Abstellens auf die
Verfügung vom 20. Februar 2021 [Suva-act. 339]). Zum einen hat der anwaltlich
vertretene Beschwerdeführer im Verwaltungsverfahren nicht gegen dieses Vorgehen
opponiert (Suva-act. 360), zum anderen ist nicht ersichtlich, dass Gehörsansprüche
verletzt worden wären. Schliesslich käme eine Rückweisung auch einem prozessualen
Leerlauf gleich, was aus prozessökonomischen Gründen zu vermeiden ist.
2.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Invalidität ist gemäss
Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (zum Begriff der Erwerbsunfähigkeit siehe Art. 7 Abs.
1 und 2 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.1.
Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach nur für
Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/
Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum
schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG];
Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli
[Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK
UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/15
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Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). Während es
Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu
beurteilen, obliegt es dem Rechtsanwender, die Frage nach dem adäquaten
Kausalzusammenhang zu beantworten (KOSS UVG-Nabold, N 53 zu Art. 6; BSK UVG-
Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; Urteil des Bundesgerichts
vom 12. Mai 2021, 8C_15/2021, E. 7.3). Im Bereich der klar ausgewiesenen
organischen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem
natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen
Kausalität deckt (vgl. BGE 117 V 365 E. 5d/bb mit Hinweisen auf Lehre und
Rechtsprechung; BGE 118 V 291 f. E. 3a). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch
nicht (hinreichend) fassbar, bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht
automatisch auch die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs. In diesen
Fällen ist eine eigenständige Adäquanzbeurteilung vorzunehmen (vgl. nebst vielen
Urteil des Bundesgerichts vom 29. Mai 2012, 8C_849/2011, E. 2, 5; vgl. weiter BGE
134 V 11 E. 2).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Bezüglich Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E.
3a mit Hinweisen). Berichte und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und Ärztinnen einholen, können
beweistauglich sein. An deren Beweiswürdigung sind indes strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt im Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3). Erachtet das
Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/15
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3.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht keine Anpassung der
seit November 2003 ausgerichteten Invalidenrente, basierend auf einem
Invaliditätsgrad von 17 %, vorgenommen hat.
bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne
Weiterungen abschliessen (vgl. BGE 135 V 469 E. 4.3.2 mit Hinweisen). Diesfalls
besteht kein Anspruch auf Beizug versicherungsexterner medizinischer Gutachten
(BGE 122 V 157).
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG in der hier anwendbaren, bis Ende
2021 geltenden Fassung; materielle Revision). Anlass zur Rentenrevision gibt jede
wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente,
die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustands
revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand,
veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung.
Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich
gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 10
f. E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen
ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische
Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen
verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist
in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage. Liegt in diesem Sinne
ein Revisionsgrund vor, ist – in einem zweiten Schritt – der Rentenanspruch in
rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend zu prüfen, wobei keine Bindung an
frühere Beurteilungen besteht. Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis
zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche
Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige
Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (Urteil des Bundesgerichts vom 30. Mai 2022,
9C_26/2022, E. 2.1 f., mit Hinweisen).
3.1.
Vorliegend ist der Sachverhalt im Zeitpunkt der letzten rentenzusprechenden
rechtskräftigen Entscheidung vom 19. Februar 2004 (Suva-act. 35) mit demjenigen im
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/15
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Zeitpunkt des streitigen Einspracheentscheids vom 15. September 2021 (Suva-act.
367) zu vergleichen. Entscheidend ist, ob sich daraus eine Verschlechterung des
unfallkausalen Gesundheitszustands mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ergibt.
Der medizinische Sachverhalt präsentierte sich bis zur ursprünglichen
Rentenzusprache ab November 2003 wie folgt: Der Beschwerdeführer erlitt am 14. Mai
1998 eine offene Zweietagentrümmerfraktur Metacarpale II links. Aufgrund dessen
hatte er sich initial zwei operativen Eingriffen zu unterziehen (vgl. im Sachverhalt lit.
A.a). Danach zeigte sich klinisch eine mässiggradige Funktionseinschränkung im
Grundgelenk Dig. II links mit einer eingeschränkten Flexion im MP-Gelenk (40 Grad)
und ein Rotationsfehler von knapp 15 Grad sowie eine leichte Verkürzung des zweiten
Strahles. Bei der Greiffunktion war am Zeigefinger eine leichte Einschränkung
feststellbar mit einer Sperrdistanz beim Faustschluss von einem Zentimeter (Suva-act.
3-2). Bei anhaltenden Schmerzen wurde am 14. Juni 2002 eine weitere Operation
durchgeführt (ausgedehnte Tendokapsulolyse MP II, Beckenspan, Beckenspanplastik
und Korrekturosteotomie CMC-II und Meta-II links; Suva-act. 101-40 f.). Vom 29.
Januar bis 5. März 2003 wurde der Beschwerdeführer in der Rehaklinik Bellikon
behandelt. Im Austrittsbericht vom 17. März 2003 von Dr. med. I._, Assistenzarzt,
und Dr. med. J._, FMH Plastische und Wiederherstellungschirurgie spez.
Handchirugie, wurden (weiterhin) Schmerzen im Handgelenk sowie im Bereich der
Stellungskorrektur, ein Flexionsdefizit des Dig. II im MP-Gelenk, ein Flexions-/
Extensionsdefizit im Handgelenk sowie eine Kraftminderung der linken Hand
beschrieben. Im Weiteren wurden Schmerzen zervikal und im Bereich der Schulter links
aufgeführt. Ferner hatte ein Röntgenuntersuch vom 29. Januar 2003 eine konsolidierte
Situation, das Osteosynthesematerial in situ sowie keine Lockerungszeichen gezeigt
(Suva-act. 100-1 f.). Mit Bericht vom 29. Juli 2003 führten die Dres. I._ und J._ aus,
dass die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit bei einer Gewichtslimite von fünf
Kilogramm in Beachtung der rein organischen Unfallfolgen 100 % betrage. Ein
Kausalzusammenhang zwischen der Handverletzung links und der zervikalen
Schmerzproblematik sowie den Schmerzen im Schulterbereich sei zwar möglich, aber
nicht wahrscheinlich (Suva-act. 100-54). Gestützt auf diesen Sachverhalt resp. die
genannte Beurteilung einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit erging
bei errechneter Erwerbseinbusse von 17 % der rentenzusprechende Entscheid vom 19.
Februar 2004, wobei von einer nicht hinlänglich ausgewiesenen natürlichen Kausalität
der zervikalen Schmerzproblematik und der Schmerzen im Schulterbereich und von
einer fehlenden Adäquanz der psychischen resp. organisch nicht hinlänglich
erklärbaren Beschwerden ausgegangen wurde (Suva-act. 35). Der Einspracheentscheid
vom 19. Februar 2004 blieb unangefochten, womit die genannte Sachlage als
3.3.
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Vergleichsbasis zum Gesundheitszustand per 15. September 2021 heranzuziehen ist.
Ob allfällige aktuell bestehende psychische resp. organisch nicht hinlänglich erklärbare
Beschwerden trotz rechtskräftig verneinter Adäquanz in die Revisionsbeurteilung
miteinzubeziehen sind, bedarf keiner abschliessenden Klärung, nachdem der adäquate
Kausalzusammenhang auch im Zeitpunkt der Revisionsprüfung zu verneinen ist (vgl.
nachfolgende E. 3.5). Immerhin ist zu erwähnen, dass der von der Beschwerdegegnerin
postulierte kategorische Ausschluss der psychischen resp. organisch nicht hinlänglich
erklärbaren Beschwerden wegen einer ursprünglich rechtskräftig verneinten Adäquanz
nicht zwingend erscheint. So ist zumindest denkbar, dass sich eine zukünftige
Zurechnung solcher Beschwerden (bei Rückfällen) nach langer somatischer
unfallkausaler Leidensgeschichte aufdrängen kann.
Nach der Rentenzusprache unterzog sich der Beschwerdeführer weiteren
Behandlungen. In Bezug auf die unfallkausale Problematik an der linken Hand wurden
am 17. März 2014 und 17. Februar 2015 abermals operative Eingriffe durchgeführt (vgl.
im Sachverhalt lit. A.d). Am 6. Juli 2016 wurde der Beschwerdeführer von med. pract.
D._ kreisärztlich beurteilt. Diese beschrieb bei Untersuch von Unterarm/Handgelenk/
Hand links im Verlauf der Strecksehnen eine leichte Druckdolenz, jedoch nicht so stark
wie im Bereich des Epicondylus, eine leichte Druckdolenz im Bereich des distalen
Radius/Radiusstyloids und im Bereich des radialen Carpus, eine deutliche Druckdolenz
von dorsal im Bereich der Narbe, weniger über dem DRUG und der ulnaren Seite.
Weiter beschrieb sie keinen Achsenstauchungsschmerz im Bereich des Daumens oder
des zweiten Strahls. Die Fingerextension war nahezu vollständig, lediglich im Bereich
des PIP Dig. II verblieb ein leichtes Extensionsdefizit von 20 Grad. Der Faustschluss
war vollständig und es war keine Sperrdistanz vorhanden. Die Kreisärztin
diagnostizierte aktuell Restfunktionseinschränkungen an der linken Hand mit
erheblicher Symptomausweitung und chronifiziertem Schmerzsyndrom. Der Vergleich
zur kreisärztlichen Abschlussuntersuchung 1999 zeige keine namhaften Unterschiede,
ausser dass der Rotationfehler nicht mehr nachweisbar sei, nach zwischenzeitlich
erfolgter Korrekturosteotomie. Ausserdem werde die Beweglichkeit etwas schlechter
demonstriert, dies aber nicht signifikant. Die zuletzt durchgeführten Operationen hätten
leider keine namhafte Besserung des Zustandsbilds bringen können, insbesondere sei
auch das subjektive Beschwerdeerleben gleich. Objektiv – aus rein somatisch
unfallchirurgischer Sicht – stelle sich die Situation ebenfalls unverändert dar, weshalb
sich auch keine Veränderungen hinsichtlich Integritätsentschädigung oder
Zumutbarkeit ergeben würden (Suva-act. 169). Vom 9. bis 21. November 2016
unterzog sich der Beschwerdeführer einer komplikationslosen Strahlentherapie an der
linken Hand (Suva-act. 176-2 f.), welche nicht zu einer Beschwerdereduktion führte
3.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/15
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(Suva-act. 178). Am 1. Juni 2021 wurde eine kreisärztliche Untersuchung durch Dr.
H._ durchgeführt. Dessen Befunde deckten sich weitestgehend mit denjenigen von
med. pract. D._ (Suva-act. 334-10). Auch Dr. H._ diagnostizierte sodann aktuell
Restfunktionseinschränkungen an der linken Hand mit erheblicher
Symptomausweitung und chronifiziertem Schmerzsyndrom. Beurteilend führte er aus,
dass sich auch nach dem Ereignis vom 21. Mai 2019 keine signifikante Änderung des
klinischen fachorthopädischen Befunds zu den diversen Voruntersuchungen ergebe.
Weiterhin wirke der Beschwerdeführer bei der Anamneseerhebung schmerzgeplagt,
vornehmlich angesichts des chronifizierten Schmerzsyndroms der linken Hand mit
Ausstrahlung in den gesamten linken Arm bis zum Kopf. Dies sei bereits in der
kreisärztlichen Untersuchung im Jahr 2016 vom Beschwerdeführer angegeben worden.
Nachdem sich sowohl klinisch als auch bildgebend-radiologisch ein identischer Befund
zu 2016 zeige und sich an der Arthrosesituation im Bereich der Mittelhand nichts
verändert habe und ebenso keine Anschlussarthrosen ersichtlich seien, habe sich auch
an der Einschätzung der Integritätsentschädigung von 10 % keine Änderung ergeben.
Die sowohl von der Hausärztin Dr. F._ als auch vom behandelnden Psychiater Dr.
G._ getätigte Aussage, dass es seit 2018 nochmals zu einer wesentlichen
gesundheitlichen Verschlechterung gekommen sei, beziehe sich aufgrund des klinisch
identischen Untersuchungsbefunds von 2016 im Vergleich zu aktuell daher
überwiegend wahrscheinlich auf das psychische Befinden (Suva-act. 334-12 ff.).
Die Beurteilungen der Kreisärzte med. pract. D._ und Dr. H._ wurden lege artis
und in Kenntnis und Würdigung der Vorakten (inklusive der Bildgebungen und
sämtlicher Eingriffe) erstellt. Sie beruhen auf eigenständigen und umfassenden
Untersuchungen mit entsprechender Befunderhebung und befassen sich mit den
geklagten Beschwerden. Es sind keine Anhaltspunkte erkennbar, dass objektiv
wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Namentlich wurden auch
die revisionsrechtlich relevanten Vergleiche gezogen und medizinisch schlüssig
begründet, weshalb nicht von einer unfallkausalen somatischen Verschlechterung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers seit dem Jahr 2004 resp. von einer
veränderten objektivierbaren unfallkausalen Befundlage, welche die geltend gemachte
verstärkte Schmerzproblematik erklären könnte, auszugehen ist. Was der
Beschwerdeführer gegen diese Beurteilungen vorträgt, vermag keine auch nur geringen
Zweifel daran zu begründen. Es liegen auch keine anderslautenden Einschätzungen zur
unfallkausalen somatischen Problematik im Vergleich zum Zustand aus dem Jahr 2004
im Recht. Die vom Beschwerdeführer zur Diskussion gestellten Wechselwirkungen
zwischen der physischen und der psychischen Problematik sind nicht in Abrede zu
stellen und werden auch von Dr. H._ bestätigt (Suva-act. 334-15). Bei diesen geltend
3.5.
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gemachten psychischen resp. organisch nicht hinlänglich erklärbaren Beschwerden/
Schmerzen ist indes bei objektivierter Betrachtung des Unfallereignisses, der dabei
erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden und der objektiven Folgen auch aktuell, in
Anwendung der Rechtsprechung nach BGE 115 V 133, der adäquate
Kausalzusammenhang zu verneinen. Beim Ereignis vom 14. Mai 1998 handelte es sich
in Anlehnung an die Rechtsprechung (vgl. dazu die Beispiele in Rumo-Jungo/ Holzer,
a.a.O., S. 65 ff.) um einen mittelschweren Unfall im engeren Sinne. Damit bedarf es für
die Bejahung eines adäquaten Kausalzusammenhangs der Erfüllung von drei
Adäquanzkriterien (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 29. Januar 2010,
8C_897/2009, E. 4.5, und vom 7. Dezember 2009, 8C_487/2009, E. 5 mit Hinweis),
wobei die Folgen der organisch nicht ausgewiesenen Beschwerden nicht in die
Beurteilung miteinzubeziehen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2010,
8C_903/2009, E. 4.6). Die Kriterien der besonders dramatischen Begleitumstände oder
besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls, der Schwere oder besonderen Art der
erlittenen Verletzungen, insbesondere ihrer erfahrungsgemässen Eignung, psychische
Fehlentwicklungen auszulösen und der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert, sind ohne weiteres zu verneinen (vgl. Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 70 ff.). Nicht erfüllt ist auch das Kriterium des schwierigen
Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikation. Zwar musste sich der
Beschwerdeführer mehreren Eingriffen und Therapien unterziehen. Besondere
somatische Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt hätten, sind aber nicht
erkennbar. Dass keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte, reicht nicht zur
Annahme dieses Kriteriums (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2008,
8C_252/2007, E. 7.6). Nachdem der Beschwerdeführer bereits rund drei Monate nach
dem Unfall eine leichte Tätigkeit in einem Teilpensum wiederaufnehmen konnte und in
der Folge – ausser während des Heilungsprozesses nach Eingriffen – aus somatischer
Sicht überwiegend wahrscheinlich immer zu 100 % arbeitsfähig blieb, ist das Kriterium
des Grads und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit nicht erfüllt. Damit
kann offenbleiben, ob die Kriterien der körperlichen Dauerschmerzen und der
ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung erfüllt sind, zumal sie, wenn
überhaupt, sicherlich nicht in besonders ausgeprägter Weise vorliegen. Da somit
höchstens zwei der zu berücksichtigenden Kriterien erfüllt sind, diese jedoch in nicht
besonders ausgeprägter Weise, ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem
Unfall vom 14. Mai 1998 und den psychischen resp. organisch nicht hinlänglich
erklärbaren Beschwerden auch im Zeitpunkt der Revisionsprüfung zu verneinen. Damit
kommt dem Unfall auch aktuell überwiegend wahrscheinlich keine massgebende
Bedeutung für die Entstehung dieser Problematik zu, womit diese, selbst bei einer
Wechselwirkung mit den unfallkausalen somatischen Folgen, nicht in die
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4.