Decision ID: abdccf83-c14b-43c8-b7f5-b30eb6151a2d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Brandstiftung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, II. Abteilung, vom 23. September 2016 (DG160002)
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Anklage:
Die Anklageschriften der Staatsanwaltschaft See/Oberland, Büro A-1, vom
17. Dezember 2015 bzw. 13. Januar 2016 sind diesem Urteil beigeheftet (Urk. 43;
Urk. 53).
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte A._ ist schuldig der Brandstiftung im Sinne von Art.
221 Abs. 1 StGB.
2. Die Beschuldigte A._ wird bestraft mit 27 Monaten Freiheitsstrafe, wo-
von bis und mit heute 64 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Es wird eine ambulante Behandlung der Beschuldigten A._ im Sinne
von Art. 63 StGB angeordnet.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
5. Die mit Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 19. März 2012 gegen die
Beschuldigte A._ ausgefällte, bedingte Freiheitsstrafe von 6 Monaten
wird widerrufen.
6. Der Beschuldigte B._ ist schuldig der Brandstiftung im Sinne von Art.
221 Abs. 1 StGB, des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB so-
wie des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Ver-
bindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.
7. Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit 27 Monaten Freiheitsstrafe sowie
mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 50.– und einer Busse von Fr.
300.–.
8. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 18 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (9 Monate) wird
die Freiheitsstrafe vollzogen, wobei bis und mit heute 58 Tage durch Haft
erstanden sind.
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9. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
10. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte B._ die Busse
schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Ta-
gen.
11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 15. Dezember
2015 beschlagnahmten Gegenstände:
- 1 Umhängetasche, beige - 1 iPhone 5, weiss mit schwarzem Cover (mit Plastikhülle und La-
degerät) - 1 Mobiltelefon der Marke Nokia (mit Ladegerät) - 1 Mobiltelefon der Marke Nokia (ohne Akku)
werden nach Eintritt der Rechtskraft definitiv eingezogen und vernichtet.
12. Die Beschuldigten A._ und B._ werden verpflichtet, dem Privatklä-
ger C._ unter solidarischer Haftung den Betrag von Fr. 18'605.32 zu-
züglich 5% Zins seit 18. August 2014 zu bezahlen. Im Übrigen wird die
Schadenersatzforderung von C._ auf den Zivilweg verwiesen.
13. Der Privatkläger C._ wird mit seinem Genugtuungsbegehren auf den
Zivilweg verwiesen.
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14. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 6'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'500.00 Gebühr für das Vorverfahren A._
Fr. 1'500.00 Gebühr für das Vorverfahren B._
Fr. 3'390.65 Auslagen MIG A._
Fr. 264.35 Auslagen MIG B._
Fr. 13'940.00 Auslagen (Gutachten) A._
Fr. 5'246.50 Auslagen (Gutachten) B._
Fr. 900.00 Auslagen Polizei A._
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
15. Die Entschädigung von Rechtsanwältin lic. iur. X._ für die amtliche Ver-
teidigung der Beschuldigten A._ wird auf Fr. 17'871.35 festgesetzt,
nämlich: Fr. 16'223.65 für den Aufwand, Fr. 323.20 für Barauslagen und
Fr. 1'324.50 für die Mehrwertsteuer.
Es wird vorgemerkt, dass bereits eine Akontozahlung von Fr. 6'507.– geleis-
tet worden ist.
16. Die Entschädigung von Rechtsanwalt lic. iur. Y._ für die amtliche Ver-
teidigung des Beschuldigten B._ wird auf Fr. 12'699.70 festgesetzt,
nämlich: Fr. 11'212.– für den Aufwand, Fr. 547.– für Barauslagen und
Fr. 940.70 für die Mehrwertsteuer.
17. Die Entschädigung von Rechtsanwalt MLaw Z._ für die unentgeltliche
Vertretung des Privatklägers wird auf Fr. 7'273.45 festgesetzt, nämlich:
Fr. 6'314.– für den Aufwand, Fr. 420.70 für Barauslagen und Fr. 538.75 für
die Mehrwertsteuer.
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18. Die Kosten werden den beiden Beschuldigten wie folgt auferlegt:
a) A._
Fr. 3'000.00 ; Hälfte der Gerichtsgebühr
Fr. 1'500.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 3'390.65 Auslagen MIG
Fr. 13'940.00 Auslagen (Gutachten)
Fr. 900.00 Auslagen Polizei
Fr. 22'730.65 Total für A._
b) B._
Fr. 3'000.00 ; Hälfte der Gerichtsgebühr
Fr. 1'500.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 264.35 Auslagen MIG
Fr. 5'246.50 Auslagen (Gutachten)
Fr. 10'010.85 Total für B._
19. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen
− Fr. 17'871.35 amtliche Verteidigung von A._ für RAin lic. iur.
X._ und
− Fr. 12'699.70 amtliche Verteidigung von B._ für RA lic. iur.
Y._
werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachfor-
derung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO jeweils gegenüber dem Vertretenen.
20. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers Fr. 7'273.45
werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachfor-
derung gegenüber beiden Beschuldigten unter solidarischer Haftung ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten 1:
(Urk. 100 S. 1 f. i.V.m. Urk. 124 S. 1 f.; Urk. 157 S. 1 f.)
1. In Abänderung der Ziffer 1, Ziffer 2, Ziffer 3, Ziffer 4 und Ziffer 5 des Urteils des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 23. September 2016 sei die Beschuldigte vom Vorwurf der Brandstiftung im  von Art. 221 Abs. 1 StGB vollumfänglich freizusprechen.
2. Eventualiter zum Rechtsbegehren Nr. 1 sei in Abänderung der Ziffer 1, Ziffer 2, Ziffer 3, Ziffer 4 und Ziffer 5 des Urteils des  Dielsdorf vom 23. September 2016 die Beschuldigte als Gehilfin gemäss Art. 25 StGB zur Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB zu verurteilen und es sei:
a. die verfügte unbedingte Freiheitsstrafe von 27 Monaten  zu reduzieren, d.h. auf 6 Monate festzusetzen, wobei die erstandene Untersuchungshaft von 64 Tagen  sei;
b. es sei vom Widerruf der bedingten Freiheitsstrafe von 6  gemäss Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 19. März 2012 abzusehen;
c. es sei die reduzierte Freiheitsstrafe zu Gunsten einer  Massnahme gemäss Art. 63 Abs. 2 StGB ;
d. eventualiter zu lit. c sei zur Einleitung einer ambulanten Massnahme eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 63 Abs. 3 StGB anzuordnen;
e. und subeventualiter zu lit. d sei eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 60 StGB anzuordnen.
3. Im Falle eines Freispruchs sei der Beschuldigten eine  inkl. Genugtuung von mindestens CHF 12'800.– zzgl. 5 % seit 18. August 2014 auszurichten.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 7.7 %  8 % MwSt.) zu Lasten des Staates.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten 2:
(Urk. 98 S. 2 f. bzw. Urk. 126 S. 1 f. i.V.m. Prot. II S. 48; Urk. 155 S. 2 f.)
1. Ziff. 7 Dispositiv des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben. Der Beschuldigte B._ sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer Busse von CHF 300.–. Die erstandene Haft sei an die Strafe anzurechnen.
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2. Ziff. 8 Dispositiv des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben. Unter einer  einer Probezeit von 2 Jahren.
3. Ziff. 12 Dispositiv sei aufzuheben. Der Beschuldigte B._ sei zu verpflichten, dem Privatkläger C._ den Betrag von CHF 18'605.32 zuzüglich 5 % Zins seit 18. August 2014 zu . Im Übrigen sei die Schadenersatzforderung von C._ auf den Zivilweg zu verweisen.
4. Ziff. 18 Dispositiv sei aufzuheben. Die Kosten seien dem  B._ im Umfang von CHF 10'010.85 .
5. Ziff. 1 bis 5, 12 und 18 Dispositiv des Urteils in Sachen A._ seien aufzuheben. A._ sei von sämtlichen Vorwürfen  und angemessen zu entschädigen.
6. Die Kosten des Berufungsverfahrens und der anwaltlichen  seien auf die Staatskasse zu nehmen.
c) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 108 S. 1 f., Urk. 123 S. 1; Urk. 154 S. 2)
1. Die Beschuldigte 1 A._ sei mit einer Freiheitsstrafe von 54 Monaten zu bestrafen.
d) Des Vertreters der Privatklägerschaft:
(Urk. 116 S. S 1 f.)
1. Es seien die Berufungen der Beschuldigten A._ und B._ vollumfänglich abzuweisen und es sei das Urteil des  Dielsdorf vom 23. September 2016 im Verfahren DG160002-D zu bestätigen.
2. Den Beschuldigten seien sämtliche Kosten des  aufzuerlegen.
3. Es sei für die Aufwendungen der unentgeltlichen  im Berufungsverfahren dem Rechtsvertreter des  eine Entschädigung (inkl. MWST) gemäss beiliegender Honorarnote aus der Staatskasse zu entrichten.
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Erwägungen:
I.
1.1 Mit Urteil vom 23. September 2016 sprach das Bezirksgericht Dielsdorf die
Beschuldigte der Brandstiftung und den Beschuldigten der Brandstiftung, des
Hausfriedensbruchs und des geringfügigen Diebstahls schuldig. Es bestrafte die
Beschuldigte mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 27 Monaten und ordnete
vollzugsbegleitend eine ambulante Massnahme an. Ferner widerrief es den be-
dingten Strafvollzug betreffend eine früher ausgefällte Freiheitsstrafe. Den Be-
schuldigten bestrafte es mit einer teilweise vollziehbaren Freiheitsstrafe von 27
Monaten, einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 50.– und einer
Busse von Fr. 300.–. Sodann entschied es über die Verwendung beschlagnahm-
ter Gegenstände, die Zivilforderung des Privatklägers und regelte die Kostenfol-
gen des Verfahrens unter Berücksichtigung der von den Anwälten bis zum Zeit-
punkt der Hauptverhandlung vom 1. September 2016 geltend gemachten Auf-
wände (Urk. 97 S. 54 ff.; vgl. Prot. I S. 8, 28 f.). Mit Beschluss vom 28. September
2016 befand es schliesslich noch über die Anwaltshonorare für die Aufwände
nach der Hauptverhandlung, deren Übernahme auf die Gerichtskasse und den
Nachforderungsvorbehalt (Prot. I S. 29 f.).
1.2 Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 18) meldeten die beiden Be-
schuldigten je rechtzeitig Berufung an (Urk. 89; Urk. 90Art. 399 Abs. 1 StPO). Am
3. Februar 2017 versandte die Vorinstanz das begründete Urteil an die Parteien
(Urk. 95 f.) und übermittelte in der Folge die Anmeldung der Berufung zusammen
mit den Akten dem Obergericht.
2.1 Am 15. bzw. 25. Februar 2017 (Datum des Poststempels) liessen beide Be-
schuldigten der erkennenden Kammer je rechtzeitig ihre schriftliche Berufungser-
klärung einreichen (Urk. 98; Urk. 100; Urk. 95/1; Urk 95/3; Art. 399 Abs. 3 i.V.m.
Art. 90 StPO). Die Staatsanwaltschaft erklärte unter dem 31. März 2017 fristge-
recht Anschlussberufung (Urk. 108; Urk. 104; Urk. 105/4). Der Privatkläger äus-
serte sich innert der ihm mit Präsidialverfügung vom 9. März 2017 angesetzten
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Frist (Urk. 104; Urk. 105/2) nicht und verzichtete damit auf eine Anschlussberu-
fung.
2.2 Am 23. März 2017 gingen das vom Beschuldigten B._ ausgefüllte Da-
tenerfassungsblatt (Urk. 107) und am 6. April 2017 Belege zu seinen finanziellen
Verhältnissen ein (Urk. 109/1-6). Ferner liess die Staatsanwaltschaft der erken-
nenden Kammer den ausgedruckten E-Mail-Verkehr zwischen dem Beschuldigten
und Staatsanwalt lic. iur. Burkhard vom 25. Mai 2018 zukommen, in welchem der
Beschuldigte geltend macht, die Tat auf die Beschuldigte abgeschoben zu haben,
um selber besser dazustehen (Urk. 113). Am 23. August 2018 erklärte der Privat-
kläger seinen Verzicht auf Teilnahme an der Berufungsverhandlung und reichte
eine schriftliche Stellungnahme mit dem Antrag auf Bestätigung des erstinstanzli-
chen Urteils unter Entschädigung der Aufwendungen des unentgeltlichen Rechts-
beistandes aus der Staatskasse ein (Urk. 116).
3. Die Berufungsverhandlung fand am 31. August 2018 in Anwesenheit der
beiden Beschuldigten, ihrer amtlichen Verteidiger und des Vertreters der Ankläge-
rin statt (Prot. II S. 4 ff.). Das Gericht beschloss im Anschluss an diese, bei Dr.
med. D._ eine Ergänzung des Gutachtens betreffend die Beschuldigte 1 ein-
zuholen (Prot. II S. 49 f.). Das Verfahren wurde in der Folge mit dem Einverständ-
nis der Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft (Prot. II S. 49) unter Bekannt-
gabe an die Privatklägerschaft (Urk. 133 f.; vgl. auch Urk. 152) schriftlich fortge-
führt. Der Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft wurde eine Frist zur Einrei-
chung allfälliger Ergänzungsfragen angesetzt (Prot. II S. 49 f.), welche von der
Beschuldigten mit Eingabe vom 4. September 2018 wahrgenommen wurde (Urk.
131). Mit Beschluss vom 3. Oktober 2018 passte das Gericht die Fragestellung an
den Gutachter daraufhin teilweise an (Prot. II S. 52). Der Gutachtensauftrag er-
folgte unter dem 4. Juli 2019 (Urk. 144; vgl. auch Urk. 142 f.). Das ergänzte Gut-
achten ging am 25. September 2019 hierorts ein (Urk. 149). Die abschliessenden
Berufungsbegründungen der beiden Beschuldigten und der Verzicht der Staats-
anwaltschaft auf eine Vernehmlassung zum Ergänzungsgutachten datieren vom
30. September, 7. Oktober und 11. November 2019 (Urk. 154; Urk. 155; Urk. 157:
vgl. auch Prot. II S. 54 f.). Eine Berufungsantwort der Staatsanwaltschaft ging in-
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nert der mit Verfügung vom 22. November 2019 angesetzten Frist nicht ein, wes-
halb androhungsgemäss Verzicht auf eine solche anzunehmen ist (Urk. 160 f.).
Am 9. Januar 2020 gingen ergänzende Honorarnoten der Parteivertreter ein
(Urk. 166 - Urk. 168). Das Verfahren ist damit spruchreif.
II.
1. Der Beschuldigte beantragt im Berufungsverfahren eine Reduktion der erst-
instanzlich gegen ihn ausgefällten Freiheitsstrafe unter Gewährung des bedingten
Strafvollzugs bei einer Probezeit von lediglich zwei Jahren und eine Reduktion der
Höhe des Tagessatzes der gegen ihn ausgefällten Geldstrafe. Im Übrigen akzep-
tiert er das in seiner Sache gefällte Urteil, beantragt aber zusätzlich einen Frei-
spruch der Beschuldigten vom Vorwurf der Brandstiftung, die Aufhebung ihrer
Verpflichtung zur (solidarischen) Leistung von Schadenersatz an den Privatkläger
und zur Bezahlung von Verfahrenskosten sowie die Ausrichtung einer angemes-
senen Entschädigung an die Beschuldigte (Urk. 98; Urk. 155). Die Beschuldigte
ihrerseits akzeptiert den Vorwurf nicht, bei der anklagegegenständlichen Brand-
stiftung als Mittäterin gehandelt zu haben. Mit ihrer Berufungserklärung beantrag-
te sie eine Verurteilung wegen Gehilfenschaft (Urk. 100). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung und in ihrer abschliessenden Stellungnahme beantragte sie in
ihrem Hauptstandpunkt neu einen Freispruch vom Vorwurf der Brandstiftung
(Urk. 124) und verband mit diesem neu auch eine Anfechtung des Zivilpunkts
(Dispositivziffer 12) und einen Antrag auf eine Haftentschädigung (Urk. 100 S. 1
f.). Sie begründete dies mit dem E-Mail des Beschuldigten an die Staatsanwalt-
schaft vom 25. Mai 2018, in welchem der Beschuldigte die alleinige Verantwor-
tung für die Tat übernahm (Urk. 124 S. 2). Ihre Berufung richtet sich ferner gegen
den Strafpunkt, den Widerruf des bedingten Strafvollzugs bezüglich einer früher
gegen sie ausgefällten Freiheitsstrafe und gegen die Modalitäten des Vollzugs der
angeordneten ambulanten Massnahme bzw. (eventualiter) gegen die ambulante
Massnahme an sich (Urk. 124 S. 1; Urk. 157 S. 1; vgl. auch [teilweise abwei-
chend] Urk. 100). Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zielt (einzig) auf
eine schärfere Bestrafung der Beschuldigten A._ (Urk. 108; Urk. 123).
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2. Ein Beschuldigter kann ein Rechtsmittel nur ergreifen, wenn und soweit er
ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des ange-
fochtenen Entscheids hat (vgl. Art. 382 Abs. 1 StPO). Das ist nur der Fall, soweit
er durch den Entscheid selbst und unmittelbar in seinen Interessen tangiert ist.
Greift ein Entscheid allein in die Position einer mitbeschuldigten Person ein, fehlt
einem Beschuldigten diesbezüglich die Rechtsmittellegitimation (vgl. BSK StPO-
ZIEGLER/KELLER, Art. 382 N. 1). Soweit der Beschuldigte mit seiner Berufung
auf eine Abänderung des Entscheides zugunsten der Beschuldigten A._
zielt, ist auf diese daher nicht einzutreten. Das betrifft seine Anträge Ziffer 3 (Ab-
änderung von Dispositivziffer 12), 4 (Abänderung von Dispositivziffer 18) und 5
(Abänderung der Dispositivziffern 1 bis 5, 12 und 18).
3.1 Die Beschuldigte liess in ihrer Berufungserklärung die Regelung der Scha-
denersatzforderung des Privatklägers und der Kostenfolgen im erstinstanzlichen
Urteil unangefochten, was mit Blick auf ihren ursprünglichen Antrag im Schuld-
punkt (Verurteilung wegen Gehilfenschaft zu Brandstiftung) folgerichtig war. Sie
beschränkte ihre Berufung folglich zulässig auf den Schuldpunkt, die Sanktion
(einschliesslich Widerruf) und die Anordnung bzw. die Modalitäten der Massnah-
me. Diese Beschränkung der Berufung ist verbindlich. Eine Ausdehnung des Be-
rufungsantrags auf bisher nicht angefochtene Teile des Urteils ist nach Ablauf der
gesetzlichen Frist von 20 Tagen nicht mehr möglich (vgl. Art. 399 Abs. 4 StPO).
Da der Entscheid der Vorinstanz im Schuldpunkt zu bestätigen ist (vgl. nachfol-
gend E. III.), besteht von vornherein auch keine Veranlassung, die Überprüfung
des vorinstanzlichen Entscheids in Anwendung von Art. 404 Abs. 2 StPO auf nicht
angefochtene Punkte auszudehnen.
3.2 In Rechtskraft erwachsen ist das vorinstanzliche Urteil vom 23. September
2016 damit hinsichtlich der Dispositivziffern 6 (Schuldspruch B._), 7 teilweise
(Busse B._), 10 (Ersatzfreiheitsstrafe B._), 11 (Verwendung beschlag-
nahmter Gegenstände), 12 (Schadenersatz) und 13 (Genugtuung) sowie 14 bis
20 (Kostenfolgen), was vorab festzustellen ist. Lediglich pro memoria ist an dieser
Stelle zudem zu erwähnen, dass auch der das Urteil ergänzende Beschluss der
Vorinstanz vom 28. September 2016 unangefochten geblieben ist.
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III. (Schuldpunkt Beschuldigte A._)
1.1 Der Privatkläger betrieb den Imbissstand E._ in F._. Unmittelbar
daneben hatte er einen VW Golf Variant abgestellt. Am 18. August 2014 gegen 10
Uhr abends verschüttete der Beschuldigte gemäss seinem durch das übrige Un-
tersuchungsergebnis gedeckten Geständnis (Urk. 13/3; Urk. 13/4; Urk. 15; Urk. 74
S. 27 ff.; Prot. II S. 42 ff.; vgl. auch Urk. 27/11) bei diesem Fahrzeug Benzin. Die-
ses hatte er gleichentags abends in Winterthur bei der Tankstelle "G._" ge-
kauft und abgefüllt in einen Kanister in einer blauen Tasche aus Leinenstoff mit
öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuss an den Tatort transportiert. Das Benzin
zündete er sodann mithilfe eines Feuerzeugs und eines Stofflappens an, worauf
sich das Feuer blitzartig ausbreitete und auf das Fahrzeug und den Imbissstand
übergriff. Fahrzeug und Imbissstand brannten in der Folge komplett aus. Es ist zu
Recht unbestritten, dass der Beschuldigte sich dadurch der Brandstiftung im Sin-
ne von Art. 221 Abs. 1 StGB schuldig gemacht hat. Der entsprechende Schuld-
spruch ist rechtskräftig. Zu prüfen bleibt die strafrechtliche Verantwortung der Be-
schuldigten A._ für diese Tat.
1.2.1 Die Anklägerin geht davon aus, dass die Beschuldigte A._ als Mittäterin
an der Tat beteiligt war. Sie wirft ihr zusammengefasst vor, an der Planung und
Durchführung der Tat gleichmassgeblich mit dem Beschuldigten zusammenge-
wirkt zu haben. Sie habe von allen Vorgängen Kenntnis gehabt und diese wie der
Beschuldigte gewollt, was sich insbesondere darin zeige, dass sie die Idee, einen
Brand zu legen, schon zuvor mehrfach und auch am Tattag vorgängig der ankla-
gegegenständlichen Ereignisse geäussert habe, dass sie zusammen mit dem Be-
schuldigten zur Tankstelle gegangen und dort mit ihm zusammen Benzin gekauft
habe, dass sie in der Folge unter ihrer Führung zusammen mit dem Beschuldig-
ten zum Tatort gegangen und dort in unmittelbarer Nähe zum Beschuldigten ge-
standen sei, als dieser den Brand entfachte, ohne dass sie während des gesam-
ten Geschehens je interveniert hätte (Urk. 53).
1.2.2 Die Verteidigung stellt in ihrem Hauptstandpunkt jede strafrechtlich relevante
Beteiligung der Beschuldigten A._ in Abrede. In ihrem Eventualstandpunkt
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geht sie von einer Tatbeteiligung der Beschuldigten als Gehilfin aus (Urk. 124 S. 2
ff.; vgl. auch Urk. 84 S. 3 ff.).
2.1.1 Die Vorinstanz legte ihrem Entscheid in tatsächlicher Hinsicht die Schilde-
rung der Ereignisse durch den Beschuldigten anlässlich der delegierten polizeili-
chen Einvernahme vom 16. September 2014 (Urk. 13/4) zugrunde. Der Beschul-
digte bestätigte diese Schilderung in der Konfrontationseinvernahme mit der Be-
schuldigten A._ am 22. Oktober 2014 insgesamt und bezogen auf konkrete
Einzelheiten (gemeinsamer Entschluss bzw. Äusserungen der Beschuldigten
A._ im Vorfeld der Tat, Anwesenheit der Beschuldigten A._ beim Befül-
len des Kanisters, Bemerkung betr. Brandspur und Ausschalten der App "...") als
richtig (Urk. 15 S. 3, 7 f., 10, 15, 19) und wiederholte sie im Übrigen im Rahmen
einer erneuten Darstellung der Ereignisse im Wesentlichen, obwohl er die Ver-
antwortung für das Vorgefallene stärker auf sich nahm. Die Aussagen des Be-
schuldigten anlässlich der delegierten polizeilichen Einvernahme vom 16. Sep-
tember 2014 (Urk. 13/4) sind folglich zulasten der Beschuldigten verwertbar.
2.1.2 Gemäss diesen äusserte die Beschuldigte im Vorfeld der Tat immer wieder,
sie wolle, dass der Privatkläger nichts mehr habe, man solle ihm ins Knie schies-
sen, ihn zusammenschlagen. Die Stimmung war nach Einschätzung des Be-
schuldigten hasserfüllt (Urk. 13/4 S. 2). Es war immer die Idee der Beschuldigten
A._, es dem Privatkläger heimzuzahlen. Eine Brandlegung beim Imbiss war
schon länger ein Thema (Urk. 13/4 S. 5). Sie erzählte, der Privatkläger habe ihr
alles genommen, sie geschlagen. Er habe ihren spanischen Pass und dann habe
sie immer wieder die Vergewaltigungsakten, die der Privatkläger bei sich habe. Er
habe einen Taser, er habe eine Pistole und es sei viel auf sie geschossen wor-
den. Der Privatkläger habe Feinde (Urk. 13/4 S. 5). Der Entschluss, einen Brand
beim Imbiss zu legen, entstand am Tattag. Es war ein gemeinsamer Entschluss.
Die Beschuldigte sagte, sie wolle es dem Privatkläger heimzahlen. Irgendwann
sagte der Beschuldigte, "Ja, dänn gömmer" (Urk. 13/4 S. 5). Kurz bevor sie zur
Tankstelle gingen, sagte die Beschuldigte am damaligen Wohnort der Beschuldig-
ten (...-strasse), sie stelle ihr Handy ab, damit man sie nicht orten könne
(Urk. 13/4 S. 4, 7 f.). Die Beschuldigten gingen dann zur Tankstelle, wobei die
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Beschuldigte zur Eile mahnte, weil sie sonst den Zug verpassen würden (Urk.
13/4 S. 5). An der Tankstelle füllte der Beschuldigte einen Kanister mit Benzin und
verstaute ihn in der mitgeführten blauen Leinentasche. Dann gingen die Beschul-
digten auf den Zug (Urk. 13/4 S. 3). Die Beschuldigte wusste, was sich in der mit-
geführten Tasche befand und was der Zweck der Fahrt nach F._ war (Urk.
13/4 S. 8). In H._ (Bahnstation nahe F._) angekommen, gingen die Be-
schuldigten zusammen zum Imbiss bzw. zum dort abgestellten Auto. Die Be-
schuldigte lief zuerst über die Bahngeleise in ein Gebüsch. Sie lief voraus; der
Beschuldigte hätte selber nicht mehr gewusst, wo er hätte lang laufen müssen
(Urk. 13/4 S. 3). Die Beschuldigte führte den Beschuldigten zum Auto und stand
neben ihm, als er das Benzin anzündete (Urk. 13/4 S. 6, 12, vgl. auch S. 9 f.). Sie
wollte, dass er den Brand legt (Urk. 13/4 S. 13). Nach der Brandlegung löschte
die Beschuldigte mit Bier die brennenden Hosen des Beschuldigten und äusserte,
das nächste Mal solle er eine Brandspur legen (Urk. 13/4 S. 3, 12). Nach dem
Verlassen des Tatorts zog die Beschuldigte A._ den Beschuldigten B._
in eine Waldlichtung und sagte, man könne sich dort gut verstecken. Sie lachte
und sagte, der Privatkläger habe nun auch alles verloren (Urk. 13/4 S. 3, 14). Auf
der Busfahrt zurück erklärte sie dem Buschauffeur, dass sie in der Quelle ... ge-
wesen seien (Urk. 13/4 S. 3). Am Tag nach der Tat ging die Beschuldigte in die
Stadt und kaufte dem Beschuldigten zwei Hosen und forderte ihn auf, die alten zu
entsorgen, sie in den Container an der ...-strasse zu werfen (Urk. 13/4 S. 4, 13).
Diese Angaben zum Verhalten der Beschuldigten A._ waren Teil einer um-
fassenden, detaillierten, lebensnahen und in sich stimmigen Schilderung der Er-
eignisse durch den Beschuldigten (vgl. Urk. 13/4). Sie waren nicht verbunden mit
einer Relativierung seines eigenen Verhaltens bzw. seiner Verantwortung für das
Geschehene, so dass ausgeschlossen werden kann, dass er diese lediglich
machte, um selber besser dazustehen. Sie widersprechen dem übrigen Ermitt-
lungsergebnis nicht bzw. werden durch dieses betreffend die erklärte Absicht, ei-
ne Ortung zu verhindern, die Anwesenheit an der Tankstelle, die gemeinsame
Fahrt nach H._ und das Gespräch mit dem Buschauffeur bestätigt (Urk. 8-10;
Urk. 14/7; Urk. 16; zur Verwertbarkeit als ergänzende Beweismittel BGE
6B_729/2014 E. 2.4, vgl. auch BGE 6B_510/2013 E. 1.3.2 zur Notwendigkeit
- 15 -
rechtzeitiger Beweisanträge). Dass die Beschuldigte auf den Privatkläger nicht gut
zu sprechen war und der Scheidungskonflikt mit dem Privatkläger ihr Denken im
Vorfeld der Tat beherrschte, lässt sich auch aus ihren eigenen Aussagen schlies-
sen (Urk. 12/1 S. 9 ff.; Urk. 12/2 S. 8; Urk. 12/3 S. 6; Urk. 15 S. 19 ff.; Urk 75
S. 28 f.; vgl. auch SMS-Verkehr gemäss Anhang zu Urk. 14/5 und Urk. 12/1
S. 9 ff.). Der Beschuldigte seinerseits hatte gemäss seinen Angaben in der poli-
zeilichen Befragung vom 16. September 2014 keinen Streit mit dem Privatkläger;
der Privatkläger habe ihm lediglich einmal ein Bier verweigert (Urk. 13/4 S. 17).
Von einem einmaligen verbalen Disput um ein Bier zwischen ihm und dem Be-
schuldigten spricht auch der Privatkläger (Urk. 14/5 S. 8; zur Verwertbarkeit als
ergänzendes Beweismittel BGE 6B_729/2014 Erw. 2.4, vgl. auch BGE
6B_510/2013 Erw. 1.3.2 zur Notwendigkeit rechtzeitiger Beweisanträge). Es be-
steht folglich keine Veranlassung an ihrer Glaubhaftigkeit zu zweifeln. Das gilt um
so mehr als der Beschuldigte in der Konfrontationseinvernahme mit der Beschul-
digten u.a. explizit dabei blieb, dass es nicht allein seine Idee gewesen sei, das
Feuer zu legen und er gemeinsam mit der Beschuldigten zur Tankstelle gegangen
sei, um Benzin zu kaufen. Sie hätten sich in diesem Zeitpunkt schon entschieden
gehabt, mit dem gekauften Benzin nach F._ zu fahren und einen Brand zu
legen. Er habe den Kanister mit Benzin gefüllt und ihn bezahlt. Die Beschuldigte
sei beim Befüllen neben ihm gestanden. Sie habe das Befüllen mitbekommen
(Urk. 15 S. 4 ff., 9 ff.). Danach seien sie gemeinsam nach F._ gefahren (Urk.
15 S. 12). Die Beschuldigte habe dabei gewusst, was er in der Tasche mitgeführt
habe, wobei er diese Überzeugung damit begründete, dass er ihr den Kanister
gekauft und ihn bei der Tankstelle in die Tasche getan habe (Urk. 15 S. 13). In
H._ seien sie ausgestiegen und gemeinsam Richtung dieses Autos gegan-
gen (Urk. 15 S. 13). Er habe dort das Feuer angezündet. Die Beschuldigte sei ne-
ben ihm gestanden (Urk. 15 S. 15). Sie habe nicht versucht, ihn an der Brandle-
gung zu hindern (Urk. 15 S. 16). Die Angaben machte er erneut im Rahmen einer
insgesamt detaillierten und differenzierten Deposition (vgl. Urk. 15). Insbesondere
unterschied er immer nachvollziehbar zwischen seinem Handeln und dem Wissen
der Beschuldigten, wirkte ehrlich bemüht zu erklären, wie es zu der ihm rückbli-
ckend selber nicht mehr verständlichen Tat gekommen war, setzte sich ernsthaft
- 16 -
mit von seinen Angaben/Erinnerungen abweichenden Ermittlungsergebnissen
auseinander (vgl. z.B. Urk. 15 S. 11) und zeigte dabei eher eine Neigung, die Be-
schuldigte in Schutz zu nehmen, als sie zu belasten. Von seinen bei der Polizei
deponierten Angaben wich er einzig insofern eindeutig ab, als er neu angab, er
wisse nicht, wer in H._ auf dem Weg zum Tatort vorausgegangen sei, und
die Bewegung zum Tatort eher als gemeinsames Stolpern schilderte. Immerhin
gab er erneut zu Protokoll, dass er die Orientierung nicht mehr gehabt habe, fügte
aber wiederum relativierend an, dass das wohl auch für die Beschuldigte gelte
(Urk. 15 S. 14). Die Relativierung überzeugt jedoch nicht, war die Beschuldigte
A._ doch ortskundig und der Weg den Gleisen entlang gemäss ihrer Aussa-
ge derjenige, den sie üblicherweise wählte (Urk. 75 S. 30). Es überrascht denn
auch nicht, dass der Beschuldigte anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung erneut angab, dass er den Weg zum Tatort um 21:45 Uhr in der Nacht allei-
ne nicht gefunden hätte (Urk. 74 S. 33 f.).
2.1.3 Im Berufungsverfahren behauptet der Beschuldigte, er habe die Tat alleine
ausgeführt und sie auf die Beschuldigte abgeschoben, um besser dazustehen. Er
habe die Tat schon drei Tage im Voraus alleine geplant. Er betont, schon immer
gelogen zu haben, um sich aus Situationen herauszureden, und in der Vergan-
genheit auch u.a. gegen die Beschuldigte gewalttätig gewesen zu sein, weshalb
er eine Therapie für Gewalt und Konflikte besuchen wolle (Urk. 98 S. 2; Urk. 113
S. 1 f.; Prot. II S. 42 ff.). Das überzeugt allerdings nicht. Wie erwogen verband der
Beschuldigte seine Aussagen zur Rolle der Beschuldigten A._ zu keinem
Zeitpunkt mit einer Relativierung seines eigenen Verhaltens bzw. seiner Verant-
wortung für das Geschehene. Seine Behauptung, er sei grundsätzlich lügenhaft
und gewalttätig, findet in den Akten zudem keinerlei Stütze. Die einzigen akten-
kundigen körperlichen Aggressionen des Beschuldigten datieren vom Dezember
2017 (Urk. 120; vgl. auch Prot. II S. 32). Anhaltspunkte für grundsätzlich lügenhaf-
tes Verhalten des Beschuldigten fehlen gänzlich. Selbst die Beschuldigte attes-
tierte ihm, dass sie ihn als einen sehr, sehr ehrlichen Menschen kennengelernt
habe. Deshalb denke sie, dass er es wiedergegeben habe, wie er es an diesem
Tag empfunden habe. Er sei ein sehr ehrlicher und guter Mensch (Urk. 15 S. 26).
Dass er ein Schlägertyp sei, verneinte sie vor Vorinstanz ausdrücklich (Urk. 75
- 17 -
S. 13). Er sei ein bis zwei Mal verbal grob geworden und habe sie einmal ge-
schupft, aber das sei im Affekt gewesen (Urk. 75 S. 13). Sich selber beschrieb sie
danach gefragt, wer von ihnen eher gröber auffällig geworden sei, als manchmal
etwas impulsiv (Urk. 75 S. 13), was darauf hinweist, dass Aggressionen in der
Beziehung zwischen den beiden Beschuldigten jedenfalls bis zur erstinstanzlichen
Hauptverhandlung eher von der Beschuldigten A._ als vom Beschuldigten
ausgingen. Dass es sich bei der Behauptung, die Tat alleine geplant und diese
dann in den Einvernahmen auf die Beschuldigte A._ abgeschoben zu haben,
um einen Versuch handelt, die Beschuldigte entgegen den tatsächlichen Gege-
benheiten aus dem Schussfeld zu nehmen, zeigt auch eine Analyse des Aussa-
geverhaltens des Beschuldigten. Die Tendenz, die Rolle der Beschuldigten zu re-
lativieren, war bereits in der Konfrontationseinvernahme vom 22. Oktober 2014
erkennbar. Zwar beschrieb er das äussere Geschehen damals im Wesentlichen
identisch wie in der vorangegangenen delegierten polizeilichen Einvernahme, be-
tonte aber stärker seine eigene Verantwortung und den Interpretationsspielraum
bei der Bewertung fremden Verhaltens (vgl. Urk. 15 S. 6 ff., 14, 15 f., 19 f.). Er
bestätigte beispielsweise, wie der Entschluss, einen Brand zu legen, entstanden
war und blieb dabei, dass es ein gemeinsamer gewesen sei. Er betonte aber
auch, dass dieser Entschluss aus Anspannung, Wut und Verzweiflung entstanden
sei und er zum Schluss einfach falsch reagiert habe. In seiner Ernsthaftigkeit
glaube er nicht, dass die Beschuldigte es wirklich gewollt hätte (Urk. 15 S. 6 ff.).
Oder er blieb dabei, dass die Beschuldigte im Zeitpunkt der Brandlegung neben
ihm gestanden sei und dann erwähnt habe, dass er eine Benzinspur hätte legen
sollen (Urk. 15 S. 15), erklärte aber, dass er nicht wisse, ob die Beschuldigte ge-
nau dann auch gewollt habe, dass er den Brand lege (Urk. 15 S. 16) bzw. dass
sie das (Benzinspurlegen) nicht so gewollt hätte (Urk. 15 S. 15). Oder er gab zu
Protokoll, ja, er habe es auch so verstanden, dass die Beschuldigte ihm gegen-
über erwähnt habe, dass sie mittels des Mobiltelefons geortet werden könne; ir-
gendwas wegen einer App. Ob sie diese bewusst ausgeschaltet habe, wisse er
nicht (Urk. 15 S. 19). In der Schlusseinvernahme machte er dann erstmals gel-
tend, die Idee zur Tat sei ihm schon vorher gekommen. Die Beschuldigte sei un-
schuldig; er habe sie mitgerissen und gesagt: "Jetzt gehen wir." Sie habe mit ih-
- 18 -
rem Exmann nochmals reden wollen. Er sei parallel dazu gelaufen und ausge-
steuert (Urk. 17 S. 3). Die beiden Beschuldigten wären gemäss dieser Darstellung
also gemeinsam aber mit unterschiedlichen Absichten nach F._ gefahren.
Dass dies mit den in den Einvernahmen vom 16. September 2014 und 22. Okto-
ber 2014 detailliert geschilderten Abläufen nicht vereinbar ist, bedarf keiner weite-
ren Erläuterung. Und eine in sich überzeugende Schilderung der Ereignisse, die
die neue Darstellung des Beschuldigten stützen würde, fehlt. Insbesondere trug
der Beschuldigte eine solche auch anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung nicht vor. Zwar blieb er dort dabei, dass es seine Idee gewesen sei, den
Brand zu legen (Urk. 74 S. 28) und betonte, dass die Beschuldigte bei der Brand-
legung nicht am Tatort gestanden sei (Urk. 74 S. 35). Er erklärte aber auch, an-
lässlich der polizeiliche Einvernahme die Wahrheit gesagt zu haben (Urk. 74
S. 30). Ferner bestätigte er seine Schilderung betreffend den Kauf des Benzins
und der Fahrt nach H._ als richtig und gab erneut an, dass er den Weg zum
Tatort um 21:45 Uhr in der Nacht alleine nicht gefunden hätte (Urk. 74 S. 33 f.).
Weiter erklärte er, er hätte das Unterfangen abgebrochen, wenn die Beschuldigte
gesagt hätte, er solle aufhören und sie würden jetzt nach Hause gehen (Urk. 74
S. 36). Ein eigenes Motiv für die Tat vermochte der Beschuldigte sodann nicht
überzeugend zu beschreiben; er verwies auf unerlaubte Schusswaffen, die der
Privatkläger halte und betonte im Übrigen einfach, dass er schuld sei (Urk. 74
S. 29). Zunächst hatte er als Motiv denn auch die Schläge angegeben, die die
Beschuldigte A._ während 23 Jahren vom Privatkläger habe ertragen müs-
sen (Urk. 74 S. 28). Sein Bemühen, die Schuld vor Vorinstanz auch auf kritische
Nachfragen hin ganz auf sich zu nehmen, wirkt denn auch hilflos (vgl. Urk. 74
S. 30 ff.). Er verneinte zwar, dass die Grundidee für die Tat von der Beschuldigten
gekommen sei (Urk. 74 S. 33). Eine abweichende Schilderung der Ereignisse bis
zum Entschluss, den Imbiss in Brand zu stecken, fehlt jedoch. Vielmehr sprach
der Beschuldigte die Beschuldigte A._ im Ergebnis einzig von ihrer morali-
schen Verantwortung frei, indem er betonte, sie sei vom Privatkläger massiv unter
Druck gesetzt worden (Urk. 74 S. 33) bzw. er, der Beschuldigte, habe die böse
Energie gehabt zu sagen: "Jetzt gömer" (Urk. 74 S. 37). Auf die Frage, wo die
Beschuldigte bei der Brandlegung gestanden sei, wich er aus. Er betonte zu-
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nächst, er habe die Tat selber begangen, erklärte auf erneute Nachfrage, er habe
im Feuertanz nicht mehr gewusst, wo sie gestanden sei und verwies auf Vorhalt
seiner früheren Aussagen schliesslich auf seine Alkoholisierung (Urk. 74 S. 35),
die damals allerdings keine Rolle mehr gespielt haben konnte. Die Aussage, wo-
nach die Beschuldigte zu ihm gesagt habe, er solle das nächste Mal eine Brand-
spur legen, bestritt er, ohne allerdings erklären zu können, wie diese originelle
Äusserung Eingang in das Protokoll gefunden hatte (Urk. 74 S. 36). Bereits zuvor
hatte er erfolglos versucht, seine zunächst als wahr bestätigten Aussagen bei der
Polizei auf unzulässigen Druck und Protokollierungsfehler zurückzuführen (Urk.
74 S. 30-32). Und auf Vorhalt seiner Aussage, wonach die Beschuldigte im Ver-
steck am Tatort gelacht und gesagt habe, nun habe der Privatkläger auch alles
verloren, verweigerte er die Aussage (Urk. 74 S. 37). Anlässlich der Berufungs-
verhandlung betonte er erneut seine Verantwortung, blieb aber mit seinen Anga-
ben im Einzelnen vage (Prot. II S. 42 ff.). Eine seine Behauptung, für alles alleine
verantwortlich zu sein, stützende Darstellung der Ereignisse fehlte.
2.1.4 Zusammengefasst erweisen sich die Aussagen des Beschuldigten vom
16. September 2014 (Urk. 13/4), aus welchen zu schliessen ist, dass die Be-
schuldigte A._ zwar an der Brandlegung nicht aktiv mitwirkte, sich aber im
Übrigen von der Entschlussfassung bis zur Entsorgung der angesengten Hosen
am Geschehen bewusst und (mit-)bestimmend beteiligte, als glaubhaft.
2.2.1 Die Beschuldigte lenkte den Verdacht in der ersten polizeilichen Befragung
am 27. August 2014 zunächst auf den damals noch mit ihr verheirateten Privat-
kläger: Man habe ihr gesagt, dass bestimmt ihr Mann den Brand gelegt habe. Er
habe immer gesagt, dass er alles vernichten würde, damit er sie bei der Schei-
dung nicht auszahlen müsse (Urk. 12/1 S. 3, vgl. auch S. 12 [Fragen 112/113]).
Sie selber sei das letzte Mal vor ca. zwei Monaten in F._ gewesen (Urk. 12/1
S. 8). Die Brandnacht habe sie zusammen mit dem Beschuldigten in Winterthur
verbracht (Urk. 12/1 S. 12, 14). Nach den Fragen zu ihren persönlichen Verhält-
nissen und auf die Frage, ob sie Ergänzungen/Korrekturen anzubringen habe, er-
klärte sie schliesslich, ihr Freund, der Beschuldigte, habe den Brand gelegt. Sie
gestand dabei ein, den Beschuldigten zum Tatort begleitet zu haben. Sie machte
- 20 -
aber geltend, davon ausgegangen zu sein, dass er ihren Mann verklopfen wolle.
Der Beschuldigte habe nur gesagt, dass er mit ihrem Mann abrechnen wolle; es
sei nie die Rede davon gewesen, den Imbissstand abzufackeln. Ferner behaupte-
te sie, sie habe ihn von der Tat abhalten wollen (Urk. 12/1 S. 17, 19 f., 23), sie
habe nicht gewusst, dass der Beschuldigte Benzin gekauft gehabt habe (Urk. 12/1
S. 19) und als sie beim Imbissstand angekommen sei, habe der Beschuldigte den
Scheiss schon gemacht gehabt (Urk. 12/1 S. 19 f.). Dabei blieb sie im Ergebnis
auch in der Hafteinvernahme (Urk. 12/2 S. 3 ff.), in der delegierten polizeilichen
Einvernahme vom 23. September 2014 (Urk. 12/3 S. 1 ff. ), in der Konfrontations-
einvernahme mit dem Beschuldigten B._ (Urk. 15 S. 3, 10 f., 19 ff.), in der
Schlusseinvernahme (Urk. 19) sowie in der Befragung vor Vorinstanz (Urk. 75
S. 28) und im Berufungsverfahren (Prot. II S. 34 ff.). Ihre Aussagen sind insofern
konstant. Im Detail passte sie ihre Angaben aber laufend den Vorhalten bzw. dem
jeweils aktuellen Ergebnis der Ermittlungen an und verstrickte sich dabei wieder-
holt in Widersprüche. Sie wich konkreten Fragen immer wieder aus, flüchtete in
Erinnerungslücken, begründete weitschweifig und schilderte Nebensächlichkeiten
ausufernd. Ihre Ausführungen wirken ferner teilweise theatralisch. Eine in sich
stimmige eigene Darstellung der Ereignisse fehlt. Ihre Aussagen waren vielmehr
erkennbar vor allem darauf ausgerichtet, sich situativ soweit als möglich von der
Tat ihres Lebensgefährten zu distanzieren.
2.2.2 Im Einzelnen ist dazu beispielhaft folgendes festzuhalten: Zu Beginn des
Verfahrens gab die Beschuldigte an, in der Brandnacht zuerst im Restaurant
I._ gewesen zu sein, was man bei der Durchleuchtung ihres Handys feststel-
len könne. Dann sei ihr Akku leer gewesen und sie sei nach Hause. Dort habe sie
ihr Natel aufgeladen und sich eine Weile hingelegt, vielleicht eine Stunde; sie ha-
be den Arm in der Schleife und starke Schmerzen gehabt. Dann sei sie wieder ins
I._ und sei dort bis dieses geschlossen habe mit dem Beschuldigten gewe-
sen. Dann seien sie in die J._ und schliesslich nach Hause. Sie sei die ganze
Zeit mit dem Beschuldigten zusammen gewesen (Urk. 12/1 S. 12). Nachdem sie
den Beschuldigten als Täter bezeichnet hatte, erklärte sie dann, sie und der Be-
schuldigte hätten sich beim Restaurant I._ getrennt (Urk. 12/1 S. 19). Sie sei
nach Hause gegangen, sie habe Schmerzen gehabt und eine Tablette gebraucht.
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Er habe gesagt, er müsse bei der Tankstelle noch etwas besorgen. Sie sei zu-
hause gewesen, als der Beschuldigte ihr ein SMS geschrieben habe, dass er
nach F._ gehe, er habe noch eine Abrechnung zu machen. Sie habe ge-
dacht, dass es um den Bauwagen gehe. Sie sei dann zum Bahnhof geeilt und ha-
be ihm gesagt, dass er keinen Scheiss machen solle. Er habe gesagt, dass er ei-
ne Abrechnung zu machen hätte. Er habe aber nicht gesagt, was er vorhabe. Sie
habe gedacht, er wolle den Privatkläger verklopfen (Urk. 12/1 S. 19, 23). Nach der
Beziehung zwischen dem Beschuldigten B._ und dem Privatkläger gefragt
gab sie zunächst zu Protokoll, diese seien sich beim Umzug ein paar Mal begeg-
net. Damals sei der Privatkläger hervorgeschossen gekommen und der Beschul-
digte habe versucht, den Privatkläger zu beruhigen (Urk. 12/1 S. 8). Später erklär-
te sie bezogen auf die Brandnacht, der Beschuldigte sei so rasend verrückt auf
den Privatkläger gewesen bzw. der Beschuldigte sei ziemlich aufgebracht gewe-
sen. Sie habe versucht ihn abzuhalten bzw. ihn zu beruhigen, habe das aber nicht
gekonnt (Urk. 12/1 S. 17, 20). Ferner gab sie ohne Bezug zur jeweiligen Frage
und ohne Details zu nennen an, der Privatkläger sei zwei Mal auf den Beschuldig-
ten los (Urk. 12/1 S. 19) bzw. er habe diesen bis aufs Blut provoziert (Urk. 12/1 S.
20). Was den Beschuldigten, der ursprünglich deeskalierend auf den Privatkläger
eingewirkt haben soll, gerade am Tattag auf die Idee hatte kommen lassen, mit
dem Privatkläger abzurechnen, bleibt offen. In der folgenden Hafteinvernahme
beschrieb sie dann zwar eine als Drohung bezeichnete Äusserung des Privatklä-
gers, er werde ihre Anwältin anzeigen, als Auslöser für die Fahrt nach F._.
Der Beschuldigte habe gesagt, dass es jetzt reiche und er jetzt nach H._ fah-
re. Seine Absicht, den Privatkläger zu verklopfen, soll er dabei mit den Worten, er
werde ihm eine pfeffern bzw. er nehme ihn so richtig daran, abweichend von ihren
ersten Aussagen ausdrücklich kundgetan haben (Urk. 12/2 S. 3 f.). Welche Ge-
fühle die "Drohung" in ihr auslöste und wie der Beschuldigte von der "Drohung"
erfuhr, liess die Beschuldigte offen und spielte die Virulenz ihres Konflikts mit dem
Privatkläger herunter; sie habe keinen Kontakt mehr mit letzterem gehabt, habe
nur noch zwei, drei SMS geschrieben und habe dem Streit aus dem Weg gehe
wollen (Urk. 12/2 S. 3). Ausserdem schilderte sie sich erneut als diejenige, die be-
ruhigend auf den Beschuldigten habe einwirken wollen und generell als die Ver-
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nünftige und Fürsorgliche in der Beziehung, während sie die Kampfkraft des Be-
schuldigten, der nun bereits mehrfach vom Privatkläger bedroht und körperlich
angegriffen worden sein soll (Urk. 12/2 S. 3), mit dem Hinweis auf dessen Ver-
gangenheit als Schwinger und Karate-Meister in den Fokus rückte (Urk. 12/2 S. 3
ff.). Sich selber bezog sie erst gegen Ende der Einvernahme und nur insoweit in
den Konflikt ein, als sie zugab, dass sie mit dem Beschuldigten schon mehrmals
darüber gesprochen habe, dass letzterer den Privatkläger verklopfe, weil der Pri-
vatkläger sie 23 Jahre lang verprügelt und bedroht und auch gedroht habe, den
Beschuldigten zu verprügeln (Urk. 12/2 S. 8). Dass sie den Beschuldigten, der
etwas an der Tankstelle habe besorgen wollen, dorthin nicht begleitet habe, gab
sie erneut an. Nach einem Hinweis darauf, dass die Tankstelle videoüberwacht
sei, wollte sie sich jedoch abweichend von ihrer ersten Aussage nicht mehr beim
Restaurant I._ sondern an der Tankstelle von ihm verabschiedet haben (Urk.
12/2 S. 7) und nur rasch das Akkuladegerät für das Handy geholt haben. Auf Vor-
halt ihrer tags zuvor gemachten Aussage, sie sei nach Hause, weil sie eine
Schmerztablette gebraucht habe, wich sie aus (Urk. 12/2 S. 5). Ferner soll der
Beschuldigte ihr neu nicht mehr per SMS sondern telefonisch mitgeteilt haben, er
gehe jetzt auf den Zug (Urk. 12/2 S. 6). In der folgenden delegierten polizeilichen
Einvernahme blieb sie dabei, mit dem Beschuldigten zur Tankstelle und dann das
Ladekabel für das Handy holen gegangen zu sein. In den Tankstellenshop sei sie
nicht gegangen (Urk. 12/3 S. 3). Dass sie ein SMS vom Beschuldigten erhalten
habe, habe sie - soweit sie wisse - nicht gesagt. Beim Staatsanwalt habe sie ge-
sagt, dass sie mit dem Beschuldigten beim Bahnhof abgemacht gehabt habe
(Urk. 12/3 S. 4). Ein Telefonat erwähnt sie nicht mehr. Aufgefordert zu schildern,
was sich an der Tankstelle zugetragen habe, flüchtete sie sich in Erinnerungslü-
cken (Urk. 12/3 S. 4). Sie betonte einzig, dass sie bereits morgens mit dem Trin-
ken begonnen hätten und der Beschuldigte sie jeden Tag wegen des Bauwagens
unter Druck gesetzt habe, wobei sich der Druck gemäss ihren Aussagen darauf
beschränkte, sie aufzufordern, sich um einen Stellplatz zu kümmern. Sie hätten
deswegen viel Streit gehabt und so sei es auch am Morgen des Brandtags gewe-
sen (Urk. 12/3 S. 4). Auf die Fragen, wessen Idee es gewesen sei, den Brand zu
legen, wich sie wieder aus. Sie räumte zwar ein, dass sie eines Tages gesagt ha-
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be, dass sie nichts mehr vom Bauwagen hören wolle, dass sie ihn einstampfen
oder verbrennen wolle, betonte im Übrigen aber erneut ihre Hilflosigkeit im Um-
gang mit dem Beschuldigen, allerdings neu vorwiegend angesichts dessen per-
sönlichen Probleme. Schliesslich hielt sie inzwischen zum dritten Mal gefragt,
wessen Idee die Brandlegung gewesen sei, fest, dass es jedenfalls nicht ihre ge-
wesen sei (Urk. 12/3 S. 5). Die Aussage des Beschuldigten, es sei ein gemein-
samer Entschluss gewesen, stellte sie in Abrede. Es sei ja ihr Eigentum gewesen
und sie hätte dem Privatkläger mit einer Scheidung mehr schaden können, weil er
sie dann hätte auszahlen müssen (Urk. 12/3 S. 6). Obwohl sie bis zu diesem Zeit-
punkt nie behauptet hatte, in der Brandnacht aus eigenem Interesse nach
F._ gefahren zu sein, stellte ihre Verteidigerin ihr schliesslich die Ergän-
zungsfrage, was sie, die Beschuldigte A._, denn in F._ habe erledigen
wollen. Darauf schilderte die Beschuldigte, dass sie im Restaurant I._ über
den Bauwagen gesprochen hätten. Es habe ihr den Deckel gelupft. Sie sei aufge-
standen, habe ihre Tasche genommen und gesagt, es reiche nun. Sie gehe nach
F._ zu ihrem Bauwagen. Wenn sie etwas finden würde, werde es richtig
Krach geben. Sie habe sich vergewissern wollen, ob es stimme, dass der Privat-
kläger ihren Bauwagen schon verkauft habe. Wenn es so gewesen wäre, hätte es
so richtig Ärger gegeben. Der Beschuldigte habe sie nicht allein gehen lassen
wollen und gesagt, er komme mit (Urk. 12/3 S. 6). Damit stellte sie ihre bisherige
Schilderung auf den Kopf: Nun war es ihr Ärger und ihr Entschluss, nach F._
zu fahren, und es war der Beschuldigte, der sie begleitete. Dieser hätte sich, ihre
Aussage, sie habe von seinem Entschluss und dem mitgeführten Benzin nichts
gewusst, als wahr vorausgesetzt, ohne erkennbare Anzeichen zu einer bei glei-
cher Gelegenheit zu verübenden Brandstiftung entschlossen und die dazu nötigen
Vorbereitungshandlungen (Benzinkauf) umgehend in die Tat umgesetzt. Eine Dy-
namik, die ein solches Verhalten denkbar machen würde, schilderte die Beschul-
digte aber nie. Dass die ursprünglich behauptete rasende Wut des Beschuldigten
mit einer solchen Annahme schlechterdings unvereinbar ist, sei lediglich der Voll-
ständigkeit halber erwähnt. In der Konfrontationseinvernahme zielte die Beschul-
digte zunächst erneut mit Aussagen zur Bedeutung des Imbiss darauf, sich von
einem gemeinsamen Tatplan zu distanzieren. Anders als in den vorangegange-
- 24 -
nen Einvernahmen, in denen sie dessen finanziellen Wert im Rahmen der güter-
rechtlichen Auseinandersetzung betont hatte, legte sie nun aber Wert auf die
Feststellung, dass sie an ihm keinerlei Interesse gehabt habe. Er sei ihr so was
von egal gewesen. Er sei herabgewirtschaftet gewesen (Urk. 15 S. 19). Sie pass-
te ihre Aussage also erneut an. Dass sie mit ihrer neuen Darstellung die Aussa-
gen des Beschuldigten im Ergebnis eher stützte als widerlegte, weil sie mit ihnen
sinngemäss einräumte, dass ein Brand des Imbiss anders als ein Brand des
Bauwagens (Urk. 15 S. 20) für sie weder emotional noch finanziell ein Problem
darstellte, war ihr dabei wohl nicht bewusst. Im Übrigen beantwortete sie die Fra-
ge, ob sie gewusst und gewollt habe, dass der Brand durch den Beschuldigten
gelegt werde, wiederum ausweichend und ausufernd. Einzig die Anstiftung ver-
neinte sie klar (Urk. 15 S. 20). Die Fahrt nach F._ war weiterhin auf ihre Initi-
ative zustande gekommen; es ging ihr um den Bauwagen (Urk. 15 S. 21). Dazu
aufgefordert zu schildern, wie der Beschuldigte auf ihre Ankündigung reagiert ha-
be, beantwortete sie die Frage nicht, schilderte Einzelheiten des Tagesablaufs,
flüchtete sich dann aber in Erinnerungslücken, wenn es um entscheidende Fra-
gen, wie etwa die Geschehnisse an der Tankstelle und nach dem Verlassen der-
selben ging (Urk. 15 S. 21 f.). Auf die Frage, ob ihr bewusst gewesen sei, dass sie
mit einem Kanister Benzin nach F._ gefahren seien, betonte sie wieder, dass
ihr an diesem Tag, so glaube sie, gar nichts bewusst gewesen sei und ihr auch
das nicht bewusst gewesen sei, um dann anzufügen, "vermutlich unbewusst, ja"
(Urk. 15 S. 23). Eine zusammenhängende, nachvollziehbare Schilderung der Dy-
namik des Tages aus der Sicht der Beschuldigten A._ fehlt; die Darstellung
bleibt bruchstückhaft. Einzig ihr Verhalten am Tatort schildert sie ausführlich und
im Ergebnis so wie bereits in der ersten polizeilichen Befragung, nämlich dass es
bereits gebrannt habe, als sie dazu gekommen sei (Urk. 15 S. 23 f.). Allerdings
hatte sie als Grund für ihr späteres Eintreffen am Brandort ursprünglich angege-
ben, dass sie aufgrund ihres Knieleidens nicht so schnell habe laufen können
(Urk. 12/1 S. 20), während sie nun behauptete, Ausschau nach dem Wohnmobil
des Privatklägers und ihrem Bauwagen gehalten zu haben (Urk, 15 S. 23). An-
lässlich der Schlusseinvernahme erklärt sie bestimmt, dass sie nicht in der Tank-
stelle gewesen sei. Im Licht der anlässlich der Konfrontationseinvernahme gel-
- 25 -
tend gemachten Erinnerungslücken vom Staatsanwalt zu Recht danach gefragt,
ob sie das jetzt wieder sagen könne, relativierte sie sofort, soweit sie sich erinnern
könne, sei sie nicht dabei gewesen (Urk. 19 S. 4). Auf die Frage, wo sie denn ge-
wesen sei, gab sie wiederum bestimmt und neu an, sie sei beim Spielplatz gewe-
sen und habe eine geraucht (Urk. 19 S. 4). Noch einmal dazu aufgefordert, den
Sachverhalt aus ihrer Sicht zu erzählen, erklärte sie zunächst, sie könne sich an
die ganze Situation, an den ganzen Tag nicht erinnern. Sie wisse nicht mehr, was
abgelaufen sei. Sie könne sich nur an kurze Momente erinnern und sie bleibe bei
dem, was sie ausgesagt habe (Urk. 19 S. 5). Nach den kurzen Situationen ge-
fragt, an die sie sich erinnern könne, gab sie zu Protokoll, sie könne sich erinnern,
dass sie im I._ gewesen seien und dort getrunken hätten. Dann wisse sie
nicht, was den ganzen Tag gelaufen sei. Ihre Erinnerung setzte dann aber auf der
Fahrt nach F._ und der Billettkontrolle, welche mit Bussen wegen Schwarz-
fahrens geendet hatte, wieder ein. Dann könne sie sich eigentlich erst wieder er-
innern, dass sie auf dem hinteren Platz beim Imbiss gestanden sei. Sie habe ih-
ren Bauwagen gesucht und das Wohnmobil, da sie ihren Mann habe zur Rede
stellen wollen, wobei sie die Situation vergleichsweise ausführlich schilderte. Als
sie dann zum Beschuldigten gekommen sei, sei alles schon in Flammen gestan-
den (Urk. 19 S. 5). Die Aussagen zeigen exemplarisch, dass die Beschuldigte
sich immer dann zu erinnern vermochte, wenn sie glaubte, sich mit ihrer Darstel-
lung helfen zu können, während sie sich für heikle Phasen des Geschehens
(Tankstelle, Weg vom Bahnhof zum Tatort) jedenfalls dann in Erinnerungslücken
flüchtete, wenn sie mit Detailfragen konfrontiert wurde. Dass die Aussagen der
Beschuldigten, wonach sie bei der Brandlegung nicht neben dem Beschuldigten
stand, im Übrigen inhaltlich nicht überzeugen, weil sie ihren Lebensgefährten in
diesem Fall nicht mehr ohne gravierendere Folgen mit einem Bier hätte löschen
können, hat bereits die Vorinstanz zutreffend erwogen (Urk. 97 S. 17, 25). Anläss-
lich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung blieb sie dann bei der Darstellung der
Ereignisse, wie sie sie im Lauf des Vorverfahrens entwickelt hatte (Urk. 75
S. 29 ff.). Im Zusammenhang mit dem Kauf des Benzins und dessen Transport
wich sie erneut aus, machte Erinnerungslücken geltend, obwohl sie sich ansons-
- 26 -
ten offensichtlich zu erinnern vermochte, und verwies auf ihre bisherigen Aussa-
gen (Urk. 75 S. 35 f.).
2.2.3 Zusammengefasst erweisen sich die Aussagen der Beschuldigten A._,
soweit sie nicht durch das übrige Untersuchungsergebnis positiv bestätigt werden,
als unglaubhaft.
2.3 Im Ergebnis ist folglich im Wesentlichen gestützt auf die Aussagen des Be-
schuldigten anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 16. September 2014
davon auszugehen, dass die Idee, den Imbiss anzuzünden, von der Beschuldig-
ten ausging. Mit der Brandlegung wollte sie sich am Privatkläger, mit dem sie im
Streit um das eheliche Vermögen stand, rächen, ihm sein aus ihrer Sicht in ver-
schiedener Hinsicht unmögliches Verhalten ihr gegenüber heimzahlen. Der Be-
schuldigte stimmte der Idee schliesslich mit den Worten "Ja, dänn gömmer" zu.
Der Brand sollte mit Hilfe von Benzin aus der nahegelegenen Tankstelle gelegt
werden. Kurz bevor die Beschuldigten gemeinsam zu dieser aufbrachen, deakti-
vierte die Beschuldigte die auf ihrem Handy installierte App "..." mit dem Ziel, eine
Ortung zu verhindern. Ausserdem mahnte sie zur Eile, weil sie sonst den Zug
verpassen würden. An der Tankstelle füllte der Beschuldigte in Anwesenheit der
Beschuldigten einen Kanister mit Benzin, den er darauf im Tankstellenshop be-
zahlte, wobei offen bleiben kann, ob die Beschuldigte beim Bezahlen anwesend
war. Danach verstaute der Beschuldigte den mit Benzin gefüllten Kanister aus-
serhalb des Tankstellenshops in Anwesenheit der Beschuldigten in die mitgeführ-
te Leinentasche. Gemeinsam begaben sich die Beschuldigten zum Bahnhof und
fuhren nach H._. Dort angekommen stiegen sie aus. Der Beschuldigte trug
die Leinentasche. Die ortskundige Beschuldigte A._ ging den Weg zum
nachmaligen Tatort voraus und führte den Beschuldigten zum Auto. Dort entzün-
dete der Beschuldigte im Beisein der Beschuldigten A._ das Feuer u.a. mit
Hilfe des mitgeführten Benzins. Nach der Brandlegung löschte die Beschuldigte
mit Bier die brennenden Hosen des Beschuldigten und äusserte, das nächste Mal
solle er eine Brandspur legen. Nach dem Verlassen des Tatorts zog die Beschul-
digte A._ den Beschuldigten in eine Waldlichtung und sagte, man könne sich
dort gut verstecken. Sie lachte und sagte, der Privatkläger habe nun auch alles
- 27 -
verloren. Auf der Busfahrt zurück erklärte sie dem Buschauffeur, dass sie in der
Quelle ... gewesen seien. Am Tag nach der Tat entsorgte der Beschuldigte auf
Aufforderung der Beschuldigten die bei der Tat getragenen Hosen. Die Beschul-
digte A._ ging in die Stadt und kaufte dem Beschuldigten zwei neue Hosen.
3.1.1 Der Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB macht sich schuldig,
wer vorsätzlich zum Schaden eines anderen oder unter Herbeiführung einer Ge-
meingefahr eine Feuersbrunst verursacht. Die Herbeiführung einer Gemeingefahr,
etwa durch ein mögliches Übergreifen auf benachbarte Gebäude oder andere Sa-
chen, wird der Beschuldigten von der Anklage nicht vorgeworfen. Es bleibt damit
die Tatbestandsvariante der Verursachung einer vorsätzlichen Feuersbrunst zum
Schaden eines anderen. Sie setzt voraus, dass eine dem Täter fremde Sache
vom Brand betroffen ist. Die Brandstiftung an einer eigenen Sache ist nicht straf-
bar, wenn mit der Feuerbrunst keine Gemeingefahr verbunden ist.
3.1.2 Unbestritten ist, dass das beim Imbiss abgestellte Fahrzeug "VW Golf Vari-
ant" im Eigentum des Privatklägers stand (Urk. 12/1 S. 5). Was den Imbissstand
betrifft, behauptete die Beschuldigte dagegen wiederholt, dieser gehöre ihr
(Urk. 12/1 S. 3 f.; Urk. 12/3 S. 6), wobei sie diese Behauptung teilweise mit der
Bemerkung verband, sie habe diesen bezahlt (Urk. 12/1 S. 3 f.). Die Finanzierung
eines Gegenstandes sagt allerdings nichts über die Eigentumsverhältnisse an
diesem aus. An beweglichen Sachen, zu denen auch Fahrnisbauten gehören (vgl.
Art. 677 ZGB), wird bei Ehegatten, die dem Güterstand der Errungenschaftsbetei-
ligung unterstehen, Miteigentum zu gleichen Teilen angenommen, sofern (im Be-
streitungsfall) nicht Alleineigentum eines Ehegatten nachgewiesen ist (Art. 181
ZGB; Art. 200 ZGB). Von den Eigentumsverhältnissen zu unterscheiden sind die
güterrechtliche Zuordnung von Vermögenswerten (vgl. Art. 200 Abs. 3 ZGB) und
Investitionen einer güterrechtlichen Masse in einen Vermögenswert der anderen
(vgl. Art. 209 Abs. 3 ZGB). Dass die Beschuldigte und der Privatkläger dem Gü-
terstand der Errungenschaftsbeteiligung unterstanden und die Beschuldigte kein
Alleineigentum geltend machte, ergibt sich aus der Bemerkung der amtlichen Ver-
teidigerin der Beschuldigten zum Scheidungsverfahren anlässlich der polizeilichen
Befragung vom 27. August 2014 (Urk. 12/1 S. 4 [Frage 34]) und der Aussage der
- 28 -
Beschuldigten anlässlich der Hafteinvernahme, wo sie erklärte, es sei im Schei-
dungsverfahren darum gegangen, ob sie ihre Investition - und eben nicht den
Vermögenswert an sich - vollumfänglich zurückerhalte oder bloss zu 50%
(Urk. 12/2 S. 2). Aus den Aussagen des Privatklägers (Urk. 14/5 S. 4 [Frage 36])
ist nichts Anderes zu schliessen. Damit steht fest, dass jedenfalls kein Alleinei-
gentum der Beschuldigten A._ am Imbissstand bestand. Der Imbissstand
gehörte entweder dem Privatkläger (sofern eine entsprechende Behauptung sei-
nerseits von der Beschuldigten A._ nicht bestritten war), oder es bestand der
Vermutung von Art. 200 ZGB folgend Miteigentum der Eheleute zu gleichen Tei-
len. Der durch die Feuersbrunst verursachte Schaden betraf damit auch beim Im-
bissstand einen "anderen" im Sinne von Art. 221 StGB (vgl. PK StGB-
TRECHSEL/CONINX 2018. Art. 221 N. 3).
3.2.1 Die Beschuldigte A._ handelte selber nicht tatbestandsmässig im Sinne
von Art. 221 Abs. 2 StGB. Eine Verurteilung wegen Brandstiftung setzt daher vo-
raus, dass ihr das tatbestandsmässige Verhalten des Beschuldigten B._ zu-
gerechnet werden kann, sie also als dessen Mittäterin agierte.
3.2.2 Mittäterschaft ist die gemeinschaftliche Verübung einer Straftat in bewuss-
tem und gewolltem Zusammenwirken. Als Mittäter gilt nach der bundesgerichtli-
chen Umschreibung, wer bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines
Delikts vorsätzlich in massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt,
so dass er als Hauptbeteiligter dasteht (statt vieler BGE 120 IV 265 Erw. 2.c). Der
Mittäter wirkt bei der Fassung des Tatentschlusses mit oder macht sich den Vor-
satz der übrigen an der Tat Hauptbeteiligten später (spätestens bis zur Vollen-
dung des Delikts) zu eigen, wobei eine konkludente Erklärung genügt. Er ist be-
wusst und gewollt Teil des Ganzen, des gemeinsamen deliktischen Unterneh-
mens, akzeptiert die Rolle eines Hauptbeteiligten und beherrscht als solcher den
zur Tatbestandsverwirklichung führenden Geschehensablauf durch seinen Tatbei-
trag zusammen mit den übrigen Beteiligten (BGE 118 IV 397 Erw. 2b mit Hinwei-
sen; vgl. BSK StGB-FORSTER, Vor Art 24 N. 7 ff.; PK StGB-TRECHSEL/JEAN-
RICHARD 2018, Vor Art. 24 N. 10 ff.). Die blosse Anwesenheit bei der Tat kann
dabei genügen, sofern der Täter dadurch entscheidend ermutigt wird, ihm dies die
- 29 -
erforderliche Sicherheit für bzw. bei der Tatausführung gibt (BGE 125 IV 134 E. 3;
BGE 88 IV 53; vgl. auch STRATENWERT, AT 1, 4. Aufl., Bern 2011, § 13 Rz 57).
Von der Mittäterschaft zu unterscheiden ist die Teilnahme an einer fremden Straf-
tat als Anstifter (Art. 24 StGB) oder Gehilfe (Art. 25 StGB). Der Anstifter motiviert
den Täter, ruft dessen Tatentschluss vorsätzlich hervor und ist damit für eine von
mehreren Ursachen der Tat verantwortlich. Er will, dass der Täter die Haupttat
begeht, hat selber aber keinen Tatherrschaftswillen und macht sich den Tatent-
schluss des Haupttäters auch nicht nachträglich zu eigen. Sein Einfluss be-
schränkt sich auf die Bildung des Tatentschlusses. Ob die Tat verübt wird, hängt
alsdann nicht mehr von ihm ab; er hat keine Tatherrschaft (BSK StGB-FORSTER
Art. 24 N. 3, 36). Der Gehilfe unterstützt den zur Tat entschlossenen Täter, fördert
das tatbestandsmässige Verhalten wissentlich und willentlich. Sein Beitrag erhöht
die Erfolgschancen des tatbestandserfüllenden Verhaltens, bleibt jedoch unterge-
ordneter bzw. punktueller Natur und braucht für die Realisierung der Straftat nicht
conditio sine qua im Sinne der Äquivalenztheorie zu sein (BSK StGB-FORSTER
Art. 24 N. 3). Als blosser Teilnehmer an einer fremden Tat kontrolliert er den Lauf
der Ereignisse sowenig (mit) wie der Anstifter bzw. entscheidet nicht mit den an-
deren Beteiligten über die tatsächliche Begehung der Tat. Bei der Entscheidung,
ob jemand Mittäter, Anstifter oder Gehilfe bei einer Tat ist, ist eine Gesamtwürdi-
gung der Tatumstände vorzunehmen (vgl. PK StGB-TRECHSEL/JEAN-RICHARD
2018, Vor Art. 24 N. 10; DONATSCH/TAG, Strafrecht I, 9. Aufl., Zürich 2013, § 15
1.1).
3.2.3 Der Beschuldigte schilderte seine Äusserung "Ja, dänn gömmer" als Reakti-
on auf die Idee der Beschuldigten A._, den Imbiss anzuzünden, und als Be-
siegelung des entsprechenden gemeinsamen Tatplans. Dass das auch dem Ver-
ständnis der Beschuldigten entsprach und sie den Tatentschluss in der Folge bis
zur Tatausführung mittrug, zeigt sich darin, dass sie vor dem Verlassen der ge-
meinsamen Wohnung Massnahmen traf, um eine Ortung zu verhindern, wobei
entgegen der Verteidigung (Urk. 124 S. 8) unerheblich ist, ob ihr Vorgehen tat-
sächlich zweckdienlich war bzw. "lediglich" ein selbstbegünstigendes Verhalten
darstellte, den Beschuldigten danach während des gesamten für sie erkennbar
auf die Brandlegung gerichteten Geschehens begleitete und ihn nach der Brand-
- 30 -
legung darüber belehrte, dass er das nächste Mal eine Brandspur legen solle
bzw. lachte und sagte, der Privatkläger habe nun auch alles verloren. Eine blosse
Mitläuferin war sie nicht. Vielmehr wirkte sie aktiv auf die Umsetzung des Tatent-
schlusses hin, indem sie vor dem Verlassen der Wohnung zur Eile mahnte, weil
sie sonst den Zug verpassen würden, und dem Beschuldigten in H._ ange-
kommen den Weg zum Tatort wies. Nach der Brandlegung war wiederum sie es,
die den Weg in ein Versteck wies. Sie war es, die dem Busfahrer gegenüber aktiv
um ein Alibi bemüht war und den Beschuldigten anwies, die anlässlich der Tat ge-
tragenen Hosen zu entsorgen. Das alles wiederlegt die These der Verteidigung,
dass sich eine von der Beschuldigten in ihrer Emotionalität geäusserte Idee der
Brandlegung mit der Bemerkung des Beschuldigten ("Ja, dänn gömmer") verselb-
ständigte und in einer von der Beschuldigten A._ nicht mehr beeinflussbaren
Tat des Beschuldigten endete. Vielmehr war die Beschuldigte A._ die trei-
bende Kraft hinter dem Tatentschluss und übernahm danach im Rahmen des
gemeinsamen deliktischen Unternehmens arbeitsteilig mit dem Beschuldigten die
organisatorischen Aufgaben, die sie aufgrund ihrer körperlichen Konstitution
übernehmen konnte. Sie war gewollt Teil des Ganzen und akzeptierte die Rolle
einer Hauptbeteiligten. Wenn der Beschuldigte vor Vorinstanz angab, er hätte das
Unterfangen abgebrochen, wenn die Beschuldigte gesagt hätte, er solle aufhören
und sie würden jetzt nach Hause gehen (Urk. 74 S. 36), erscheint das im Übrigen
nicht nur aus Sicht des Beschuldigten, der kein von der Beschuldigten unabhän-
giges Motiv für die Tat hatte, als glaubhaft. Vielmehr war sich zweifellos auch die
Beschuldigte jederzeit bewusst, dass ihr Lebensgefährte nur solange handeln
würde, als sie sich mit ihm solidarisierte, war sie doch die treibende Kraft hinter
dem Tatentschluss gewesen und diente die Tat einzig dazu, sich für (vermeintlich)
ungerechtes Verhalten des Privatklägers ihr gegenüber zu rächen. Ohne sie wäre
es nicht zur Tat gekommen. Zusammengefasst besteht kein Zweifel, dass die Be-
schuldigte A._ die Rolle eines Mittäters akzeptierte und ausfüllte.
3.3 Die Beschuldigte A._ ist folglich in Bestätigung des vorinstanzlichen
Entscheides der Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB schuldig zu
sprechen.
- 31 -
IV. (Strafpunkt Beschuldigter B._)
1. Der Beschuldigte hat die im Rahmen der Strafzumessung (noch) zu beurtei-
lenden Straftaten (Brandstiftung und Hausfriedensbruch) vor Inkrafttreten der seit
1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des Straf-
gesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts; AS 2016 1249) begangen. Das
geltende (neue) Recht ist daher auf diese nur anzuwenden, sofern es für den Be-
schuldigten im konkreten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2 Abs. 2
StGB; DONATSCH, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder [Hrsg.], Kommentar
zum StGB, 20. Auflage 2018, Art. 2 N 10). Das ist nicht der Fall, da das geltende
(neue) Sanktionenrecht grundsätzlich keine mildere Bestrafung vorsieht, sondern
im Gegenteil auf eine Verschärfung im Bereich der Geldstrafe und kurzen Frei-
heitsstrafe zielt, und eine Gesamtstrafenbildung gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB,
welche zu einem für den Täter günstigeren Ergebnis führt, vorliegend nicht zur
Diskussion steht. Die Art. 186 StGB und Art. 221 Abs. 1 StGB blieben (in ihrem
Wortlaut) durch die Revision unberührt.
2.1 Die zu beurteilende Brandstiftung wird mit Freiheitsstrafe von einem bis zu
zwanzig Jahren bestraft (Art. 221 Abs. 1 StGB; Art. 40 aStGB). Aussergewöhnli-
che Umstände, welche es angezeigt erscheinen lassen würden, diesen Strafrah-
men gegen unten zu verlassen, bestehen nicht. Die Strafe für die Brandstiftung ist
vorliegend mithin innerhalb des ordentlichen Strafrahmens zu bemessen, wobei
aufgrund des Verschlechterungsverbotes von vornherein keine Freiheitsstrafe von
mehr als 27 Monaten ausgefällt werden kann. Der zusätzlich zu beurteilende
Hausfriedensbruch ist unter Berücksichtigung des Verschlechterungsverbots ku-
mulativ mit einer Geldstrafe von maximal 10 Tagessätzen Geldstrafe zu ahnden
(Art. 186 StGB; Art. 34 aStGB). Die von der Vorinstanz ausgefällte Busse von
Fr. 300.– für den vom Beschuldigten ferner begangenen geringfügigen Diebstahl
ist rechtkräftig. Diesbezüglich erübrigen sich weitere Ausführungen.
2.2 Innerhalb des Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem Ver-
schulden des Täters, wobei Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Tä-
ters sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind
- 32 -
(Art. 47 Abs. 1 StGB; vgl. zu den Einzelheiten: BGE 123 IV 49 E. 2; BGE 136 IV
55; Urk. 39 S. 6 f.).
3.1 Die Brandstiftung durch den Beschuldigten führte zur vollständigen Zerstö-
rung des vom Privatkläger betriebenen Imbissstandes und des unmittelbar hinter
dem Imbissstand abgestellten Personenwagens. Wie hoch der Sachschaden ge-
nau war, kann offen bleiben. Er bewegte sich aber jedenfalls im Bereich von meh-
reren Fr. 10'000.– und war auch unter Berücksichtigung des Umstandes erheb-
lich, dass er (zugunsten des Beschuldigten von Miteigentum des Privatklägers
und der Beschuldigten am Imbissstand ausgehend) teilweise die Beschuldigte
traf, die durch ihre Tatbeteiligung in diesen eingewilligt hatte. Die konkrete Ge-
fährdung weiterer fremder Vermögenswerte oder die konkrete Gefährdung von
Menschen wird dem Beschuldigten nicht vorgeworfen. Auch die mit dem Brand -
wie grundsätzlich mit jedem anderen - verbundenen abstrakten Gefahren waren
insgesamt überschaubar, handelte es sich dabei doch nicht um einen Grossbrand
(vgl. Urk. 3 S. 2 f.). Nicht zu übersehen ist immerhin, dass der Brand zu einem
Betriebsunterbruch der Bahn von 41 Minuten führte (Urk. 3 S. 2). Die Tat war so-
dann zwar nicht von langer Hand geplant. Tatentschluss und Tatausführung lagen
zeitlich allerdings dennoch auseinander und die Beschuldigten trafen eigentliche
Vorbereitungshandlungen, bevor sie sich vergleichsweise umständlich zum Tatort
begaben. Das Vorgehen offenbart daher zwar keine besonders grosse aber den-
noch eine erhebliche kriminelle Energie. Zusammengefasst darf die Tat unter Be-
rücksichtigung des Ausmasses des Taterfolges und der Art und Weise der Her-
beiführung desselben objektiv keinesfalls bagatellisiert werden. Allerdings kann
auch nicht ausser Acht gelassen werden, dass auch im Rahmen des Grundtatbe-
standes (Art. 221 Abs. 1 StGB) in jeder Hinsicht deutlich gravierendere Taten
denkbar sind. Das objektive Verschulden ist vor diesem Hintergrund als noch
leicht zu qualifizieren.
3.2 In subjektiver Hinsicht fällt erschwerend ins Gewicht, dass der Beschuldigte
direktvorsätzlich handelte. Ein unmittelbares persönliches Interesse an der Tat
hatte er nicht. Er übernahm letztlich das Motiv der Rache am Privatkläger von der
Beschuldigten und handelte in diesem Sinn verwerflich. Gleichzeitig wollte er aber
- 33 -
mit der Tat der Beschuldigten seine Unterstützung zeigen, er wollte ihr quasi ei-
nen Gefallen tun (vgl. Urk. 22 S. 43; Urk, 76 S. 8). Insofern diente die Tat zusätz-
lich der Stabilisierung seiner Beziehung zur Beschuldigten, von welcher er bis
heute offensichtlich emotional abhängig ist. Dazu kommen die am Tattag beste-
hende Alkoholisierung und die aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung bestehen-
de Unausgeglichenheit von Wahrnehmen, Denken, Antrieb und Impulskontrolle,
die gemäss überzeugender gutachterlicher Einschätzung zwar nicht zu einer
Verminderung seiner Schuldfähigkeit führten, die grundsätzliche Bereitschaft zur
Tatverübung aber förderten (Urk. 22/5 S. 43 f.). Die dadurch (emotionale Abhän-
gigkeit, Alkoholisierung, von der Normalbevölkerung abweichendes, deliktfördern-
des Denken, Fühlen, Handeln aufgrund der Persönlichkeitsstörung) bewirkte ein-
geschränkte Freiheit des Beschuldigten, sich gegen die Tat zu entscheiden, ist
verschuldensrelativierend zu berücksichtigen. Insgesamt relativiert das subjektive
Tatverschulden das objektive merklich, so dass das Verschulden insgesamt als
leicht zu qualifizieren ist.
3.3 Das insgesamt leichte Verschulden rechtfertigt innerhalb des sehr weiten
Strafrahmens eine Einsatzstrafe von um die 30 Monate Freiheitsstrafe.
4.1.1 Der Beschuldigte wurde in K._ nach einer ausserehelichen Affäre sei-
ner Mutter geboren. Die Verhältnisse im Elternhaus waren schwierig. Seine Mut-
ter hatte psychische Probleme. Sein Vater war im Kinderheim aufgewachsen, hat-
te Alkoholprobleme und war gewalttätig. Mit der Erziehung der insgesamt fünf
Kinder waren die Eltern komplett überfordert. Der Beschuldigte kam deshalb im
Alter von vier Jahren mit seinen vier Halbgeschwistern in ein katholisches Kinder-
heim, wo er bis zum 16. Lebensjahr auch die Schule besuchte. Das Leben im
Kinderheim beschreibt der Beschuldigte als sehr streng, als eine Art Strafmilitär.
Er sei dort regelmässig geschlagen worden, und es habe oft Kollektivstrafen ge-
geben. Besuche der Eltern habe es bestenfalls sporadisch gegeben. Dennoch
sehe er die Zeit im Kinderheim heute nicht nur negativ. In der Schule war er nach
eigenem Bekunden schlecht, musste ein Schuljahr wiederholen, hatte zum Schul-
abschluss dann aber doch gute Noten. Nach der Schule kam er zu einer Pflege-
familie im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Dort erlebte er ebenfalls Gewalt durch
- 34 -
die psychisch kranke Pflegemutter; der Pflegefamilie wurde aufgrund der Miss-
handlungen schliesslich das Sorgerecht entzogen. Die begonnene Lehre als Au-
tomonteur brach der Beschuldigte ein halbes Jahr vor dem Abschluss ab; er habe
nicht mehr zur Schule und von der Pflegefamilie weg gehen wollen. Vom Militär-
dienst wurde er nach drei Wochen freigestellt, weil er sich unerlaubt von der
Truppe entfernte. Als er es ein Jahr später noch einmal probieren wollte, wurde er
nicht mehr aufgenommen. Danach lebte er eine Zeitlang bei seinem Vater und
holte das Leben nach. Eine Berufsausbildung war ihm nicht mehr wichtig. In den
folgenden rund 20 Jahren war er in verschiedenen Berufen (Gastgewerbe, auf
Montage, im Transport- und Zügelgewerbe) tätig und konnte von seinen Arbeits-
einkünften gut leben. Schliesslich zog er sich bei der Arbeit im Zügelgewerbe
Bandscheibenprobleme zu und bezog deshalb ab dem Jahr 2001 eine volle IV-
Rente, wobei gemäss seinen Angaben auch die Traumatisierung in seiner Kind-
heit bei der Rentengewährung eine Rolle spielte. Er ist seit Jahren schwer alko-
holabhängig und leidet an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung. Der Be-
schuldigte war zweimal verheiratet. Aus der ersten, 1991 geschiedenen Ehe
stammen zwei Kinder. Der Sohn ist geistig behindert und wuchs in einer Behin-
derteneinrichtung auf. Er hat eine Anlehre als Landschaftsgärtner absolviert. Die
1989 geborene Tochter wurde wegen Überforderung der Eltern in der Kinderer-
ziehung fremdplatziert und besuchte eine Hotelfachschule. Der Beschuldigte hat
zu keinem der Kinder mehr Kontakt. Bei der zweiten Ehe handelte es sich ge-
mäss seinen Angaben um eine Zweckehe. Sie blieb kinderlos und wurde 2005
geschieden. Ende 2013 trennte er sich von seiner damaligen Freundin, was zu
einem Alkoholabsturz führte. Die Beschuldigte lernte er im Mai/Juni 2014 kennen.
Er und sie lebten im Tatzeitpunkt zusammen und setzten die Beziehung nach der
Entlassung aus der Untersuchungshaft fort. Ab Mitte März 2015 lebten sie ein
Jahr zusammen in Spanien. Nach einem Selbstmordversuch der Beschuldigten
ging der Beschuldigte vorübergehend auf Distanz. Er zog im August 2016 zurück
in die Schweiz. Hier traf er die Beschuldigte kurze Zeit später wieder. Heute lebt
er mit ihr zusammen in Schaffhausen. Er beschäftigt sich mit Literatur und Philo-
sophie. Er malt und schreibt Gedichte, spaziert gerne und betreibt Krafttraining. Er
lebt von einer (ganzen) IV-Rente und Ergänzungsleistungen. Seine Einkünfte be-
- 35 -
laufen sich auf rund Fr. 2'400.– monatlich. Er teilt sich die Lebenshaltungskosten
mit der Beschuldigten, die im gleichen Haushalt lebt und Einkünfte aus einer IV-
Rente und Ergänzungsleistungen in vergleichbarer Höhe wie er hat. Die Miete für
die gemeinsame Wohnung beträgt Fr. 1'540.– im Monat. Seine Krankenkassen-
prämie kostet monatlich Fr. 416.80. Schulden hat er abgesehen von denjenigen
gegenüber dem Privatkläger aus dem Delikt keine (Urk. 13/1 S. 7; Urk. 17 S. 10
ff.; Urk. 22/5 S. 11 ff., 33 f., 37 f.; Urk. 107; Urk. 109/1-6; Prot. I S. 3 ff.; Prot. II
S. 21 ff.).
4.1.2 Mit der Verteidigung sind diese Lebensgeschichte und die Lebensumstän-
de des Beschuldigten als sehr schwierig zu bezeichnen. Soweit sie dazu beige-
tragen haben, dass der Beschuldigte Halt auch in selbstzerstörerischen Bezie-
hungen sucht und sie Ursache und/oder Folge seiner Alkoholabhängigkeit und
der kombinierten Persönlichkeitsstörung sind, wurden sie allerdings bereits bei
der Bewertung des subjektiven Tatverschuldens berücksichtigt und fliessen nach-
folgend in die Bewertung seiner Vorstrafenlosigkeit ein. Darüber hinaus haben sie
keine strafzumessungsrelevante Bedeutung.
4.2.1 Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf, was - wie die Verteidigung
richtig geltend macht (Urk. 81 S. 4 f.; Urk. 126 S. 5) und auch die Anklägerin ein-
räumt (Urk. 76 S. 8) - in seinen seit Jahren schwierigen Lebensumständen mit
langjähriger schwerer Suchtkrankheit keine Selbstverständlichkeit ist. Seine Vor-
strafenlosigkeit ist daher ausnahmsweise sehr leicht strafmindernd zu berücksich-
tigen (BGE 136 IV 1). Die Verurteilung vom 16. April 2018 wegen eines Vorfalls
vom 20./21. Dezember 2017 erfolgte erst nach dem erstinstanzlichen Urteil. Der
Vollständigkeit halber ist in diesem Zusammenhang noch festzuhalten, dass sich
bei dieser Ausgangslage auch die Frage der Ausfällung einer Zusatzstrafe ge-
mäss Art. 49 Abs. 2 StGB von vornherein nicht stellt (BGE 138 IV 113).
4.2.2 Der Beschuldigte bestritt eine Tatbeteiligung einzig im Rahmen der ersten
polizeilichen Befragung und der Hafteinvernahme, anlässlich welcher er nicht ver-
teidigt war (Urk. 13/1). Bereits fünf Tage später legte er jedoch aus der Untersu-
chungshaft heraus schriftlich ein Geständnis ab und erklärte, sein negatives und
gefährliches Handeln zu bereuen (Urk. 13/3). Zwar hatte die Beschuldigte ihn zu
- 36 -
diesem Zeitpunkt bereits belastet und bestätigten weitere Abklärungen ihre Belas-
tungen (Urk. 8 und 9). Allerdings schilderte er in der auf sein schriftliches Ge-
ständnis folgenden delegierten polizeilichen Einvernahme in Gegenwart seines
amtlichen Verteidigers das Geschehen umfassend und mit Details, über die ohne
seine Aussage bestenfalls hätte spekuliert werden können. Das gilt insbesondere,
was das Zusammenwirken mit der Beschuldigten betrifft. In der Konfrontations-
einvernahme mit der Beschuldigten wiederholte er seine Darstellung mit lediglich
geringen Abweichungen. Seine eigene Tatbeteiligung relativierte er in der Folge
nie. Er versuchte lediglich die Beschuldigte zu entlasten, in dem er seine eigene
Verantwortung betonte, ohne aber den Geschehensablauf grundsätzlich anders
zu schildern. Sodann erklärte er immer wieder glaubhaft, seine Tat zu bereuen.
Zusammengefasst hätte dem Beschuldigten seine Täterschaft wohl auch ohne
sein Geständnis nachgewiesen werden können. Eine genaue Vorstellung über die
Abläufe gewannen die Strafverfolgungsbehörden aber einzig aufgrund seiner
Aussagen. Seine in eigener Sache vollumfängliche und bezogen auf die Beschul-
digte zumindest teilweise Kooperation erleichterte folglich das Strafverfahren be-
deutend. Das Geständnis des Beschuldigten in eigener Sache ist zudem zweifel-
los Ausdruck tiefer Reue und Einsicht. Das Geständnis, das insgesamt weitge-
hend kooperative Verhalten bei der Aufklärung der Straftat sowie die Einsicht und
Reue wirken folglich merklich strafmindernd.
4.3 Insgesamt führt die Täterkomponente zu einer Reduktion der Einsatzstrafe
für die Brandstiftung um einen Fünftel. Weitere Gründe für eine Strafreduktion be-
stehen nicht. Namentlich stellt der Zeitablauf seit der Tat weder ein Strafmilde-
rungs- noch ein Strafminderungsgrund dar, da erst rund ein Drittel der Verjäh-
rungsfrist verstrichen ist und der Beschuldigte in der Zwischenzeit erneut bestraft
werden musste.
5.1 Zusammengefasst ist der Beschuldigte für die Brandstiftung mit 24 Monaten
Freiheitsstrafe zu bestrafen. Daran anzurechnen sind 58 Tage erstandener Unter-
suchungshaft.
5.2 Die von der Vorinstanz auf 10 Tagessätze festgesetzte Höhe der Geldstra-
fe für den Hausfriedensbruch ist ferner ohne Weiteres zu bestätigen. Die Vorder-
- 37 -
richter gingen insoweit richtig von einem Strafrahmen von einem Tagessatz Geld-
strafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe aus (Art. 186 StGB; Art. 34 aStGB), be-
werteten die Tat in objektiver und subjektiver Hinsicht zutreffend als Bagatelle und
gewichteten die Täterkomponente zu Recht neutral (Urk. 97 S. 34). Die Höhe des
Tagessatzes ist angesichts des sich am Existenzminimum bewegenden Einkom-
mens des Beschuldigten dem Antrag der Verteidigung folgend auf Fr. 30.– festzu-
setzen.
6.1 Die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Straf-
vollzugs sind sowohl für die Geldstrafe als auch die Freiheitsstrafe gegeben
(Art. 42 Abs. 1 StGB).
6.2 In subjektiver Hinsicht setzt sie voraus, dass die Ausfällung einer unbeding-
ten Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer
Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB); es genügt das Feh-
len einer ungünstigen Prognose (BGE 134 IV 5). Der Beschuldigte konnte bis zur
Tat mit 51 Jahren mit seiner Sucht und seiner kombinierten Persönlichkeitsstö-
rung sozialverträglich umgehen und zwar bereits seit Jahren auch ohne den stabi-
lisierenden Einfluss einer Erwerbstätigkeit. Er ist nicht vorbestraft. Gemäss
FOTRES besteht bei ihm bezogen auf das Delikt Brandstiftung zwar eine geringe
bis moderate strukturelle Rückfallgefahr. Allerdings ist auch ohne jegliche Verän-
derung bzw. auch ohne Therapie oder andere risikosenkenden Massnahmen eine
langfristige Rückfallfreiheit wahrscheinlich (Urk. 22/5 S. 27). Dazu kommt, dass er
sich 58 Tage in Untersuchungshaft befand und seine Tat bereut. Eine ungünstige
Prognose kann ihm bei dieser Ausgangslage nicht gestellt werden. Die Geldstrafe
und die Freiheitsstrafe sind daher bedingt auszufällen. Angesichts der aufgrund
seiner erneuten Straffälligkeit nach Erlass des erstinstanzlichen Urteils leicht ge-
trübten Legalprognose ist die Probezeit auf drei Jahre festzusetzen. Der Vollstän-
digkeit halber ist anzufügen, dass der Umstand, dass der Beschuldigte sich inzwi-
schen in einer Suchtbehandlung befindet, nichts an der leicht getrübten Legal-
prognose ändert, da er nicht nur ein Suchtproblem hat und die nicht unproblema-
tische Beziehung zur Beschuldigten A._ weiterbesteht.
- 38 -
V. (Strafe/Widerruf/Massnahme Beschuldigte A._)
1.1 Die Beschuldigte beging die heute zu sanktionierende Tat innerhalb der mit
Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 19. März 2012 für eine Freiheitsstrafe
von sechs Monaten angesetzten fünfjährigen Probezeit. Es stellt sich daher die
Frage des Vollzugs derselben. Dieser ist gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB anzuord-
nen, sofern der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen
begeht und deshalb zu erwarten ist, dass er weitere Straftaten verüben wird, also
aufgrund der erneuten Straffälligkeit eine eigentliche Schlechtprognose besteht
(BGE 134 IV 143). Das ist vorliegend der Fall. Die Beschuldigte leidet gemäss
überzeugender gutachterlicher Einschätzung u.a. an einer deutlich ausgeprägten
emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ und einer schwe-
ren Alkoholabhängigkeit, die eine voraussichtlich mehrjährige intensive Therapie
erfordert. Die erneute Straffälligkeit steht damit in Zusammenhang. Ihre psychi-
schen Störungen werden seit 2017/2018 zwar durch ihre körperlichen Erkrankun-
gen überlagert, was zu einer Senkung der vom Gutachter zunächst als deutlich
erhöht beurteilten Rückfallgefahr für Delikte aus dem Spektrum im Zusammen-
hang mit Brandstiftung und Irreführung der Rechtspflege oder Begünstigung führt
(Urk. 23/3 S. 74 ff., 83 ff.; Urk. 149 S. 13 f.). Allerdings können zumindest die kör-
perlich bedingten Einschränkungen auf der Handlungsebene durch das Zusam-
menwirken mit Dritten kompensiert werden. Der Gutachter sieht derzeit denn vor
allem aufgrund des weiterbestehenden gegenseitigen Einflusses bzw. der Abhän-
gigkeit zwischen den beiden Beschuldigten auch weiterhin eine relevante Rück-
fallgefahr (Urk. 149 S. 14). Dem ist beizupflichten, wobei mit Blick auf das Fehlen
einer Schlechtprognose beim Beschuldigten der Vollständigkeit halber anzufügen
ist, dass auch ein blosser Versuch der Anstiftung zu einem Verbrechen wie der
Brandstiftung strafrechtlich relevant wäre (Art. 24 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 221
Abs. 1 StGB, Art. 10 Abs. 2 StGB und Art. 40 Abs. 2 StGB).
Es ist folglich in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils der Vollzug der mit Urteil
des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 19. März 2012 ausgefällten Freiheitsstrafe an-
zuordnen.
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1.2 Die Beschuldigte hat die zu beurteilende Straftat vor Inkrafttreten der seit
1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des Straf-
gesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts; AS 2016 1249) begangen. Das
geltende (neue) Recht ist daher auf diese nur anzuwenden, sofern es für die Be-
schuldigte im konkreten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2 Abs. 2
StGB; DONATSCH, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder [Hrsg.], Kommentar
zum StGB, 20. Auflage 2018, Art. 2 N 10). Art. 221 Abs. 1 StGB blieb durch die
Revision unberührt und Art. 40 StGB statuiert auch in seiner neuen Fassung eine
Höchstdauer der Freiheitsstrafe von 20 Jahren. Die Anwendung des geltenden
(neuen) Rechts kann insoweit bei der Bemessung der Strafe für die Brandstiftung
nicht zu einem günstigeren Ergebnis für die Beschuldigte führen. Hingegen hat
der Widerruf des mit Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 19. März 2012 für
eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten gewährten bedingten Strafvollzugs ge-
mäss der revidierten Bestimmung von Art. 46 Abs. 1 StGB zur Folge, dass aus
der widerrufenen und der neuen Strafe in sinngemässer Anwendung von Art. 49
StGB eine Gesamtstrafe zu bilden ist. Das führt zu einer insgesamt tieferen Stra-
fe. Das neue Sanktionenrecht wirkt sich gemessen an der im Tatzeitpunkt gelten-
den Rechtslage (vgl. BGE 134 IV 241) in dieser Hinsicht für die Beschuldigte
günstiger aus, zumal die Gewährung des bedingten Strafvollzugs für die neu aus-
zufällende Strafe in ihrem Fall unabhängig von der Strafhöhe angesichts der auf-
grund der erwähnten psychischen Störungen und Abhängigkeiten bestehenden
Rückfallgefahr ausser Betracht fällt.
2.1 Was den für die Brandstiftung massgeblichen gesetzlichen Strafrahmen be-
trifft, kann auf die entsprechenden Ausführungen zum Beschuldigten verwiesen
werden (E. IV.1 f.). Aussergewöhnliche Umstände, welche es angezeigt erschei-
nen lassen würden, den von einem bis zu zwanzig Jahren Freiheitsstrafe reichen-
den ordentlichen Strafrahmen gegen unten zu verlassen, bestehen auch unter
Berücksichtigung der leicht verminderten Schuldfähigkeit der Beschuldigten
A._ (Urk. 23/3 S. 83) nicht. Die Strafe für die Brandstiftung ist vorliegend mit-
hin auch in ihrem Fall innerhalb des ordentlichen Strafrahmens zu bemessen. Ei-
ne Erhöhung der erstinstanzlich ausgefällten Strafe von 27 Monaten Freiheitsstra-
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fe ist dabei grundsätzlich möglich, da die Anklägerin mit ihrer Anschlussberufung
eine Freiheitsstrafe von 54 Monaten beantragt.
2.2 Innerhalb des weiten ordentlichen Strafrahmens ist die Strafe nach dem
Verschulden der Beschuldigten zuzumessen, wobei ihr Vorleben und ihre persön-
lichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf ihr Leben zu berücksichtigen
sind (Art. 47 Abs. 1 StGB; vgl. zu den Einzelheiten: BGE 123 IV 49 E. 2; BGE 136
IV 55; Urk. 39 S. 6 f.).
3.1 Die Brandstiftung führte zur vollständigen Zerstörung des vom Privatkläger
betriebenen Imbissstandes und des unmittelbar hinter dem Imbissstand abgestell-
ten Personenwagens. Wie hoch der Sachschaden genau war, kann offen bleiben.
Er bewegte sich aber jedenfalls im Bereich von mehreren Fr. 10'000.– und war
auch unter Berücksichtigung des Umstandes erheblich, dass er (zugunsten des
Beschuldigten von Miteigentum des Privatklägers und der Beschuldigten am Im-
bissstand ausgehend) teilweise die Beschuldigte selber traf. Die konkrete Gefähr-
dung weiterer fremder Vermögenswerte oder die konkrete Gefährdung von Men-
schen wird der Beschuldigten nicht vorgeworfen. Auch die mit dem Brand - wie
grundsätzlich mit jedem anderen - verbundenen abstrakten Gefahren waren ins-
gesamt überschaubar, handelte es sich dabei doch nicht um einen Grossbrand
(vgl. Urk. 3 S. 2 f.). Nicht zu übersehen ist immerhin, dass der Brand zu einem
Betriebsunterbruch der Bahn von 41 Minuten führte (Urk. 3 S. 2). Die Tat war so-
dann zwar nicht von langer Hand geplant. Tatentschluss und Tatausführung lagen
zeitlich allerdings dennoch auseinander und die Beschuldigten, denen die Tatbei-
träge gegenseitig zuzurechnen sind, weshalb auch irrelevant ist, dass die Be-
schuldigte das Feuer nicht selbst legte, trafen eigentliche Vorbereitungshandlun-
gen, bevor sie sich vergleichsweise umständlich zum Tatort begaben. Das Vorge-
hen offenbart daher zwar keine besonders grosse aber dennoch eine erhebliche
kriminelle Energie. Zusammengefasst darf die Tat unter Berücksichtigung des
Ausmasses des Taterfolges und der Art und Weise der Herbeiführung desselben
objektiv keinesfalls bagatellisiert werden. Allerdings kann auch nicht ausser Acht
gelassen werden, dass auch im Rahmen des Grundtatbestandes (Art. 221 Abs. 1
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StGB) in jeder Hinsicht deutlich gravierendere Taten denkbar sind. Das objektive
Verschulden ist vor diesem Hintergrund als noch leicht zu qualifizieren.
3.2 In subjektiver Hinsicht fällt erschwerend ins Gewicht, dass die Beschuldigte
direktvorsätzlich handelte. Bei der Tat trieben sie Wutgefühle sowie ihr Bedürfnis
nach Rache und nach einer endgültigen Lösung im Konflikt mit dem Privatkläger
an. Ihre negativen Emotionen standen tatzeitaktuell unmittelbar mit Meinungsver-
schiedenheiten im Rahmen des Scheidungsverfahrens in Zusammenhang, die al-
lerdings nicht über die mit einem solchen Verfahren üblicherweise verbundenen,
sachlich lösbaren Differenzen hinausgingen. Entsprechend verwerflich erscheinen
die Beweggründe der Beschuldigten. Allerdings war sie gemäss ihren Angaben
vom Privatkläger jahrelang geschlagen und gedemütigt worden. Dass der Privat-
kläger die ehelichen Verhältnisse und Probleme anders sieht, ist anzunehmen
(vgl. Urk. 14/5), und es ist auch möglich, dass er dies zumindest teilweise zu
Recht tut (vgl. Urk. 14/3). Wie es sich damit genau verhält, lässt sich bei der ge-
gebenen Aktenlage jedoch nicht entscheiden und kann auch offen bleiben. Straf-
prozessual genügt die Feststellung, dass die Darstellung der Beschuldigten
A._ nicht gänzlich unglaubhaft ist, und sie daher, da sie nicht widerlegt wer-
den kann, dem Urteil zugrunde zulegen ist. Verstanden als Folge einer jahrelan-
gen Traumatisierung relativiert sich die Verwerflichkeit der Wut- und Rachegefüh-
le als Tatmotiv leicht. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Beweggründe
der Beschuldigten für die Tat letztlich egoistischer Natur waren. Ferner schreckte
sie nicht davor zurück, den Beschuldigten, der mit ihrer Auseinandersetzung mit
dem Privatkläger nichts zu tun hatte, in ihre Racheaktion einzubinden. Jedoch war
sie gemäss überzeugender gutachterlicher Einschätzung bei der Tatbegehung als
Folge ihrer schweren Persönlichkeitsstörung und ihrer Alkoholisierung am Tattag
leicht vermindert schuldfähig (Urk. 23/3 S. 68 ff.), was sich leicht verschuldensre-
lativierend auswirkt. Insgesamt relativiert das subjektive Tatverschulden das ob-
jektive merklich, so dass das Verschulden auch bezogen auf die Beschuldigte
insgesamt als leicht zu qualifizieren ist.
3.3 Das insgesamt leichte Verschulden rechtfertigt eine Einsatzstrafe von um
die 30 Monate Freiheitsstrafe.
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4.1 Die Beschuldigte wuchs als Kind zweier Alkoholiker vornehmlich in Kinder-
heimen und Pflegefamilien auf. Ihre Kindheit und Jugend war geprägt durch den
Mangel an emotionalen Bindungen und durch körperliche und sexuelle Gewalt. Ihr
Vater verstarb früh. Das Verhältnis zur Mutter war immer angespannt. Zu ihren
beiden Halbgeschwister hat sie keinen Kontakt. In der Schule war sie rebellisch.
Eine Lehre brach sie ab. Eine Berufsausbildung machte sie auch in der Folge
nicht. Nach dem Erhalt des Führerausweises war die Beschuldigte als Taxi- und
Kleinbuschauffeurin tätig und führte später ab dem 22. Altersjahr während rund
zehn Jahren ein Taxigeschäft, das sie selber aufgebaut hatte. Aus dieser Tätigkeit
hat sie heute noch Schulden von Fr. 180'000.–.1999 wurde ihr aufgrund von Au-
genproblemen, Depressionen und Arthrose eine volle IV-Rente zugesprochen.
Diese bezieht sie bis heute. Zusätzlich erhält sie Ergänzungsleistungen und eine
Hilflosenentschädigung. Insgesamt verfügt sie über ein monatliches Einkommen
von ca. 2'800.– Mit 19 Jahren ging sie eine erste Ehe ein. Die Scheidung erfolgte,
als die zweite Tochter ein Jahr alt war. Zu ihren beiden Töchtern und ihrem En-
kelkind hat sie keinen engeren Kontakt. Ihre zweite Ehe mit dem Privatkläger ging
sie in den 90er Jahren ein. Im April 2015 wurde die Ehe auf der Basis einer
Scheidungskonvention (Urk. 20/1) geschieden. 2014 lernte sie den Beschuldigten
kennen, mit dem sie heute zusammen lebt. Sie leidet an einer deutlich ausge-
prägten Borderlinestörung, einer posttraumatischen Belastungsstörung, einer
langjährigen schweren multiplen Abhängigkeitserkrankung und ist körperlich u.a.
durch eine schwere Arthrose beeinträchtigt (Urk. 19 S. 11 f.; Urk. 23/3 S. 21 ff.;
Urk. 75 S. 7 ff.; Prot. II S. 8 ff.; Urk. 149 S. 3 ff.). Diese Lebensgeschichte und Le-
bensumstände der Beschuldigten sind wie diejenigen des Beschuldigten sehr
schwierig. Sie lassen sich jedoch von den psychiatrischen Diagnosen, die ihrer-
seits untereinander in direktem Zusammenhang stehen (Urk. 23/3 S. 78), nicht
trennen (Urk. 23/3 S. 84) und wirken sich daher über die Berücksichtigung im
Rahmen der Bewertung der subjektiven Tatschwere hinaus nicht strafmindernd
aus.
4.2 Die Beschuldigte weist zwei Vorstrafen auf. Die Hintergründe der Verurtei-
lung zu einer Geldstrafe von 160 Tagessätze zu 6 Euro in Spanien vom 18. De-
zember 2015 sind unbekannt. Sie hat daher bei der Strafzumessung unberück-
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sichtigt zu bleiben. Leicht straferhöhend wirkt sich dagegen die Vorstrafe vom
19. März 2012 wegen Irreführung der Rechtspflege und Begünstigung sowie die
Tatsache aus, dass die Beschuldigte während der damals angesetzten Probezeit
erneut straffällig wurde.
4.3 Die Beschuldigte bestreitet bis heute jede strafrechtlich relevante Tatbetei-
ligung (vgl. Prot. II S. 34 ff.). Eine Strafminderung wegen eines Geständnisses
oder aufgrund von Einsicht und Reue entfällt. Auch sind keine weiteren Strafmin-
derungsgründe ersichtlich.
4.4 Zusammengefasst führt die Täterkomponente zu einer leichten Erhöhung der
Einsatzstrafe um drei Monate.
5.1 Die Strafe für das heute neu zu beurteilende Delikt ist folglich auf 33 Mona-
te Freiheitsstrafe festzulegen.
5.2 In Anwendung des Asperationsprinzips ist diese unter Berücksichtigung der
vom Bezirksgericht Dielsdorf mit Urteil vom 19. März 2012 ausgefällten Freiheits-
strafe von sechs Monaten angemessen zu erhöhen. Dabei beschränkt sich das
Ermessen des Gerichts auf die in sinngemässer Anwendung von Art. 49 Abs. 2
StGB vorzunehmende Asperation zwischen der rechtskräftigen und der für die
neue Tat auszusprechenden Strafe (vgl. BGE 142 IV 265 Erw. 2.4.2; BGE
6B_297/2009 Erw. 3.2). Es rechtfertigt sich eine Erhöhung der Strafe auf 36 Mo-
nate.
5.3 Die Beschuldigte ist folglich unter Einbezug der zu widerrufenden Strafe mit
36 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen. An die Strafe sind die im Rahmen des
vorliegenden Verfahrens erstandenen 64 Tage Untersuchungshaft sowie 130 Ta-
ge erstandener Haft im Verfahren, welches zum Urteil des Bezirksgerichts Diels-
dorf vom 19. März 2012 führte (Urk. 101), zu berücksichtigen.
6. Die heute auszufällende Freiheitsstrafe könnte aufgrund ihrer Höhe noch
teilbedingt ausgefällt werden (Art. 43 StGB). In subjektiver Hinsicht müssten aller-
dings die Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 1 StGB erfüllt sein (BGE 134 IV 14).
Die Gewährung des teilbedingten Vollzugs wäre so nur beim Fehlen einer un-
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günstigen Prognose möglich (BGE 134 IV 5). Das ist wie bereits eingangs erwo-
gen nicht der Fall. Die Beschuldigte wurde nur gut zwei Jahre nach der Verurtei-
lung durch das Bezirksgericht Dielsdorf vom 19. März 2012 und obwohl sie da-
mals 130 Tage in Haft verbracht hatte, erneut straffällig. Sie leidet an einer deut-
lich ausgeprägten emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-
Typus, die in Kombination mit ihrer Alkoholabhängigkeit auch unter Berücksichti-
gung der das Rückfallrisiko senkenden überlagernden körperlichen Erkrankungen
weiterhin die Gefahr erneuter Straftaten aus dem bekannten Deliktspektrum mit
sich bringt. Die derzeit vergleichsweise stabilen Lebensumstände ändern daran
nichts, da diese sich als labile Faktoren jederzeit einschneidend verändern kön-
nen und die Gefahr erneuter Straftaten hauptsächlich von den festgestellten psy-
chischen Störungen und Abhängigkeiten ausgeht (Urk. 23/3 S. 75 ff., 82 ff.;
Urk. 149 S. 13 f.; vgl. auch E. V.1.1). Der Rückfallgefahr muss mit einer mehrjäh-
rigen Psychotherapie und medikamentöser Unterstützung verbunden mit der Kon-
trolle des Substanzkonsums entgegentreten werden (Urk. 23/3 S. 84; Urk. 149 S.
16). Die Legalprognose der Beschuldigten ist mithin ungünstig und kann mit ei-
nem lediglich teilbedingten Vollzug der heute auszufällenden Freiheitsstrafe nicht
günstig beeinflusst werden.
7.1 Die Beschuldigte ist gemäss überzeugender gutachterlicher Einschätzung
massnahmebedürftig sowie ausreichend massnahmefähig und -willig. Es existie-
ren etablierte und nachgewiesen erfolgreiche Therapien, mit welchen der durch
die Störungen der Beschuldigten hervorgerufenen Gefahr erneuter Delinquenz er-
folgreich entgegengetreten werden kann, wobei eine ambulante Massnahme nach
Art. 63 StGB als zweckmässig und ausreichend erscheint. Die Notwendigkeit ei-
ner stationären Behandlung ergibt sich gemäss dem Ergänzungsgutachten vom
23. September 2019 weder aus aktuellem Risiko- noch Symptomprofil (Urk. 23/3
S. 78 f., 84 f.; Urk. 149 S. 14 ff.). Die Anordnung einer ambulanten Massnahme
erweist sich sodann auch als verhältnismässig (Art. 56 Abs. 2 StGB). Zwar hat
sich das Rückfallrisiko durch die derzeit bestehenden körperlichen Einschränkun-
gen reduziert, es besteht jedoch weiterhin und das auch bezogen auf die schwer-
wiegende Deliktskategorie der Brandstiftung. Es ist folglich in Bestätigung des
- 45 -
vorinstanzlichen Entscheides eine ambulante Massnahme der Beschuldigten im
Sinne von Art. 63 StGB anzuordnen.
7.2 Der Gutachter hält in seinem Ergänzungsgutachten sodann nachvollziehbar
dafür, dass die Durchführung der ambulanten Massnahme während des Strafvoll-
zugs aufgrund der körperlichen Erkrankungen der Beschuldigten kaum vorstellbar
und wenig erfolgversprechend erscheine und bei einer vollzugsbegleitenden The-
rapie mit einer Verschlechterung des psychischen Befindens, der Motivation zur
Therapie und einer Intensivierung des Medikamentenkonsums zu rechnen wäre
(Urk. 149 S. 14 ff.). Der Strafvollzug würde mithin den Erfolg der Therapie ernst-
lich gefährden. Ein besonderes Rückfallrisiko, das einem Aufschub des Strafvoll-
zugs zugunsten der ambulanten Massnahme entgegenstehen würde, besteht bei
der inzwischen körperlich beeinträchtigten Beschuldigten sodann nicht, nachdem
der Gutachter eine stationäre Behandlung auch unter Hinweis auf deren aktuelles
Risikoprofil als nicht notwendig erachtet (Urk. 149 S. 15) und sie seit der Tat bzw.
ihrer Entlassung aus der Untersuchungshaft im Jahr 2014, abgesehen von einer
kleineren, im Einzelnen nicht beurteilbaren Verurteilung in Spanien, strafrechtlich
nicht mehr in Erscheinung getreten ist. Der Strafvollzug ist daher in Anwendung
von Art. 63 Abs. 2 StGB zugunsten der ambulanten Massnahme aufzuschieben.
VI.
1. Die Beschuldigte unterliegt im Schuld- und Strafpunkt, dringt mit ihrem An-
trag betreffend den Aufschub des Strafvollzugs zugunsten der ambulanten Mass-
nahme jedoch durch. Der Beschuldigte B._ obsiegt mit seiner Berufung in ei-
gener Sache weitgehend und unterliegt mit seiner Berufung zugunsten der Be-
schuldigten A._. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft führt zu ei-
ner im Ergebnis geringfügigen Erhöhung der Freiheitsstrafe der Beschuldigten.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Berufungsverfahrens,
mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, der unentgeltlichen Ge-
schädigtenvertretung und des Ergänzungsgutachtens vom 23. September 2019,
zu 1/2 der Beschuldigten A._ und zu 1/8 dem Beschuldigten B._ aufzu-
erlegen. Im Übrigen (3/8) sind die Kosten einschliesslich derjenigen des Ergän-
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zungsgutachtens vom 23. September 2019 auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art.
428 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigungen und der unentgeltlichen Ge-
schädigtenvertretung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen und angesichts der
absehbar dauerhaft schlechten finanziellen Lage der beiden Beschuldigten abzu-
schreiben.
2.1 Die amtliche Verteidigerin der Beschuldigten A._ ist für ihre Bemühun-
gen im Berufungsverfahren mit Fr. 25'316.– (inkl. MwSt.) zu entschädigen (Urk.
118/2; 118/3; 132; vgl. auch Urk. 138 und 139/1-3; Urk. 158/2; Urk. 166).
Was die von der amtlichen Verteidigerin der Beschuldigten A._ geltend ge-
machte Höhe ihrer Entschädigung betrifft, ist einerseits darauf hinzuweisen, dass
Rechtsabklärungen mit Ausnahme von aussergewöhnlichen Rechtsfragen ge-
mäss Leitfaden für amtliche Mandate der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons
Zürich (S. 55 des Leitfadens) nicht zu entschädigen sind. Die geltend gemachte
Entschädigung ist daher um die Aufwandpositionen "Literatur abholen in ETH-Bib"
vom 14. Februar 2017 von Fr. 166.67 (exkl. MwSt.) sowie "Berufungserklärung
und rechtliche Recherche (Gehilfin, Massnahmen)" vom 22. Februar 2017 von
Fr. 1'000.– (exkl. MwSt.) zu kürzen (Urk. 118/2 S. 2), zumal sich in diesem Fall
keine aussergewöhnlichen Rechtsfragen stellen. Andererseits ist darauf hinzu-
weisen, dass die Kosten nur in ihrer effektiven Höhe zu entschädigen sind. Die
von der amtlichen Verteidigerin in ihren Honorarnoten jeweils (zusätzlich zu den
Barauslagen) aufgeführte Kostenpauschale von 3 bis 4 % ist daher bei der Fest-
setzung ihres Honorars nicht zu berücksichtigen.
Ferner ist zu bemerken, dass der amtlichen Verteidigerin der Beschuldigten
A._ an ihr Honorar für das zweitinstanzliche Verfahren gemäss Verfügung
vom 9. Mai 2019 eine Akontozahlung in der Höhe von Fr. 15'000.– geleistet wur-
de (Urk. 140), die bei der Auszahlung zu berücksichtigen sein wird.
2.2 Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten B._ ist für seine Bemühun-
gen im Berufungsverfahren mit Fr. 6'794.– (inkl. MwSt.) zu entschädigen
(Urk. 167).
- 47 -
2.3 Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers ist für seine Bemühun-
gen im Berufungsverfahren mit Fr. 1'713.– (inkl. MwSt.) zu entschädigen
(Urk. 117; Urk. 168).