Decision ID: 8fc4c3ac-ac75-52bf-9a75-56ee509ebcb5
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
F._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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berufliche Eingliederungsmassnahmen
Sachverhalt:
A.
A.a F._, Jahrgang 1964, wurde wegen eines Rückenleidens von der IV-Stelle im
Rahmen beruflicher Massnahmen in den Jahren 1992 und 1993 eine einjährige
Ausbildung zum Industriearbeiter bezahlt (IV-act. 44). Er arbeitete daraufhin zu 100% in
der Metallverarbeitungsbranche (IV-act. 72).
A.b Am 15. November 2007 erlitt der Versicherte eine Auffahrkollision, die eine
Distorsion der Halswirbelsäule nach sich zog. Im April 2008 meldete er sich erneut zum
IV-Leistungsbezug an (IV-act. 1). Vom 9. April bis 6. Mai 2008 hielt er sich in der
Rehaklinik Bellikon auf. Im Austrittsbericht vom 7. Mai 2008 wird neben der HWS-
Distorsion hingewiesen auf eine breitbasige Diskusherniation C3/4 und C6/7, beidseits
präforaminal bis an die Nervenwurzel reichend ohne Nachweis einer Kompression.
Zudem werden eine breitbasige Diskusherniation Th2/3 und Th3/4 ohne
Wurzelkompression, ein zervikothorakales, zervikobrachiales Schmerzsyndrom
linksbetont und eine leichte Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion
gemischt erwähnt. Als Metallzuschneider sei der Versicherte aktuell nicht arbeitsfähig.
Eine andere leichte bis mittelschwere Arbeit sei ganztags zumutbar, wenn HWS-
Zwangspositionen auf ein Minimum reduziert würden (IV-act. 73-5 f.). Per Ende August
2008 wurde dem Versicherten seine Arbeitsstelle gekündigt (IV-act. 79).
A.c Nach Rückfrage beim IV-internen Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 82)
verneinte die IV-Stelle einen Anspruch des Versicherten auf berufliche Massnahmen
und wies zudem darauf hin, dass auch kein Rentenanspruch bestehe. Für
Unterstützung bei der Stellensuche könne sich der Versicherte an das Regionale
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) wenden (IV-act. 85). Rechtsanwalt lic. iur. Roland
Hochreutener wies in Vertretung des Versicherten mit Schreiben vom 8. Oktober 2008
darauf hin, dass gemäss den medizinischen Unterlagen nach wie vor erhebliche
Einschränkungen der funktionellen Leistungsfähigkeit bestünden. Der Versicherte sei
zweifellos bereit und motiviert, an sämtlichen ihm möglichen und zumutbaren
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Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Sollte die IV-Stelle nicht bereit sein, auf
ihren Ablehnungsentscheid zurückzukommen, ersuche man um Erlass einer
anfechtbaren Verfügung (IV-act. 90-1).
A.d Die IV-Stelle verneinte folglich mit Verfügung vom 2. März 2009 einen Anspruch
des Versicherten auf berufliche Massnahmen. Es bestehe auch kein Rentenanspruch.
Aus medizinischer Sicht bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit in der angelernten Tätigkeit
als Industriemitarbeiter sowie in jeder dem Leiden angepassten Tätigkeit. Bei der
Stellensuche sei der Versicherte ebenfalls nicht eingeschränkt (act. G 1.1.1).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde des Rechtsvertreters des
Versicherten vom 3. April 2009. Er beantragt die Aufhebung der Verfügung und die
Gewährung der gebotenen Eingliederungsmassnahmen, insbesondere von
Integrationsmassnahmen und Arbeitsvermittlung. Eventualiter sei die Sache zur
Durchführung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen. Im Einklang mit den behandelnden Ärzten würden
sich insbesondere gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen
zur sozialberuflichen Rehabilitation und/oder Beschäftigungsmassnahmen dringend
aufdrängen. Auch ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung sei zu bejahen. Dies gelte umso
mehr, als im psychosomatischen Konsilium vom 5. Mai 2008 eine Anpassungsstörung
diagnostiziert und die Notwendigkeit der Fortsetzung psychotherapeutischer
Gespräche als indiziert eingestuft worden sei. Darüber hinaus sei der
Beschwerdeführer jederzeit zur Teilnahme an medizinischen Abklärungen bereit
gewesen und habe auch Arbeitsversuche durchgeführt (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 14. Mai 2009
die Abweisung der Beschwerde. Aus dem Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon gehe
deutlich hervor, dass der Beschwerdeführer sich als nicht arbeitsfähig erachte. Es sei
eine Symptomausweitung und Selbstlimitierung festgestellt worden, wobei der
Beschwerdeführer einzelne Belastungstests unter Angabe von Beschwerden vorzeitig
abgebrochen habe, bevor eine funktionelle Limite erkennbar gewesen sei. Bei der
psychosomatischen Abklärung hätten sich ängstliche und depressive Symptome im
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Rahmen einer behandlungsbedürftigen Anpassungsstörung gezeigt, der die Ärzte aber
zu Recht keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zugemessen hätten. Die Einschätzung
der Ärzte, der Beschwerdeführer sei in einer adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig,
erscheine als schlüssig. Das Arztzeugnis von Dr. med. A._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, vom 27. August 2008 enthalte keine Begründung für die attestierte
volle Arbeitsunfähigkeit. Dr. med. B._ beantworte im Bericht vom 19. März 2009 die
Frage nicht, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer in welchem Ausmass noch
zumutbar seien. Der Neurologe Dr. med. C._ beschreibe im Bericht vom 22. August
2008 keine neurologischen Ausfälle und verneine eine Verletzung des Nervensystems.
Auch Dr. med. D._, Facharzt FMH für Oto-Rhino-Laryngologie, lasse im Bericht vom
3. November 2008 eine Einschätzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit vermissen.
Solange der Beschwerdeführer der Ansicht sei, dass ihm seine Schmerzen die
Ausübung einer Erwerbstätigkeit verunmöglichten, seien sämtliche
Eingliederungsbemühungen von vornherein zum Scheitern verurteilt. Ihm fehle die
arbeitsvermittlungsspezifische subjektive Eingliederungsfähigkeit (act. G 4).
B.c Der Beschwerdeführer lässt mit Replik vom 8. Juni 2009 an seinen Anträgen
festhalten. Er habe der Beschwerdegegnerin im Rahmen einer Besprechung vom
10. Juni 2008 mitgeteilt, dass er sehr gerne arbeiten würde, wenn er eine
rückenschonende Tätigkeit ausführen könnte. Auch Dr. A._ habe in einem Telefonat
mit der zuständigen Ärztin des RAD vom 25. Juni 2008 die subjektive
Eingliederungsbereitschaft betont (act. G 7).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 19. Juni 2009 auf eine weitere
Stellungnahme (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben, und weil bei
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der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung
vom 2. März 2009 eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 132 V 215 Erw. 3.1.1;
Urteil 8C_589/2007 vom 14. April 2008, Erw. 3), sind vorliegend die seit 2008 geltenden
materiellen Bestimmungen anzuwenden.
1.2 Streitig und im vorliegenden Verfahren zu überprüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf Eingliederungsmassnahmen, worunter auch Arbeitsvermittlung
und Integrationsmassnahmen zu subsumieren sind.
2.
2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität unmittelbar
bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese
notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern,
und die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen in medizinischen Massnahmen, in
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung, in
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung,
Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (Art. 8
Abs. 3 IVG).
2.2 Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50%
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) sind, haben gemäss Art. 14a Abs. 1 IVG Anspruch auf
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung, sofern
dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung von Massnahmen beruflicher Art
geschaffen werden können. Als Integrationsmassnahmen gelten nach Abs. 2 gezielte,
auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur sozialberuflichen
Rehabilitation und Beschäftigungsmassnahmen. Gemäss der Botschaft des
Bundesrats vom 22. Juni 2005 zur Änderung der IVG (5. Revision) sollen die
Eingliederungsinstrumente insbesondere für die Gruppe von psychisch kranken
Personen durch die Schaffung von Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung verbessert werden. Mit den Integrationsmassnahmen sollen
dort, wo sich dies im Rahmen eines konkreten Eingliederungsplans als notwendig
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erweist, die Voraussetzungen für weitergehende Massnahmen beruflicher Art
geschaffen werden (BBl 2005 4523).
2.3 Gemäss Art. 18 Abs. 1 IVG haben arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) Versicherte, die
eingliederungsfähig sind, Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines
geeigneten Arbeitsplatzes (lit. a) sowie auf begleitende Beratung im Hinblick auf die
Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (lit. b). Wie der Botschaft des Bundesrats zur 5.
IV-Revision zu entnehmen ist, sieht Art. 18 IVG vor, dass alle stellenlosen Personen, die
ihre bisherige Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können,
Anspruch auf Arbeitsvermittlung durch die IV haben, somit auch Hilfsarbeiterinnen und
Hilfsarbeiter, die in einer angepassten Hilfstätigkeit noch voll arbeitsfähig sind. Durch
die Ausweitung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung der IV, die auf die Vermittlung
von gesundheitlich eingeschränkten Personen spezialisiert ist, können die
Eingliederungsinstrumente für unqualifizierte Versicherte verbessert werden. Dabei ist
eine enge Zusammenarbeit mit dem RAV vorgesehen (BBl 2005 4522 und 4524). Der
Bundesrat bezeichnete in der Botschaft das bestehende System in Bezug auf
Arbeitsvermittlung als unzureichend. Ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung sei bisher nur
gegeben gewesen, wenn die versicherte Person bei der Suche einer geeigneten
Arbeitsstelle wegen ihres Gesundheitszustands Schwierigkeiten habe oder
invaliditätsbedingt spezielle Anforderungen an den Arbeitsplatz oder den Arbeitgeber
stelle. Die IV sei bisher nicht für andere Gründe der erschwerten Stellensuche, wie
Stellenmangel auf dem Arbeitsmarkt, eingetreten. Angesichts des angespannten
Arbeitsmarktes fänden jedoch gesundheitlich eingeschränkte Hilfskräfte nur schwer
eine neue, der Behinderung angepasste Stelle, was oft zur Aussteuerung bei der ALV
und durch die lange Arbeitslosigkeit zu einer Verstärkung der ursprünglichen
gesundheitlichen Probleme bzw. zu zusätzlichen psychischen Schwierigkeiten führe
(BBl 2005 4522). Art. 18 Abs. 1 IVG wurde vom Parlament unverändert angenommen
und somit auch die vom Bundesrat vorgeschlagene Interpretation (vgl. Protokoll der
Nationalratssitzung vom 21. März 2006 S. 28 sowie Protokoll der Ständeratssitzung
vom 25. September 2006 S. 3, Amtliches Bulletin 05.052). Indem der Gesetzgeber im
Ergebnis eine "materielle" authentische Interpretation des Gesetzes vorgenommen hat,
ist die bisherige Praxis des Bundesgerichts, die voll arbeitsfähigen Hilfsarbeitern einen
Anspruch auf Arbeitsvermittlung verwehrte, als unzureichend beurteilt worden. Folglich
haben auch in der angestammten Tätigkeit gesundheitsbedingt eingeschränkte
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Hilfsarbeiter, die in einer adaptierten Tätigkeit vollumfänglich arbeitsfähig sind,
Anspruch auf Arbeitsvermittlung (vgl. den Entscheid IV 2007/493 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Juni 2009, Erw. 3).
2.4 Gemäss Art. 18a Abs. 1 IVG können während der erforderlichen Anlern- oder
Einarbeitungszeit für längstens 180 Tage Einarbeitungszuschüsse gewährt werden.
Nach der Botschaft des Bundesrats soll sichergestellt werden, dass die versicherte
Person und ihr Arbeitgeber gerade auch in der Anfangsphase eines neuen
Arbeitsverhältnisses auf die Unterstützung von Fachpersonen aus der IV zählen
können. Durch Einarbeitungszuschüsse soll in der konkreten Situation abgeklärt
werden, ob die versicherte Person den Anforderungen einer konkreten Arbeitsstelle
gewachsen ist (BBl 2005 4565).
3.
3.1 Im Zeitpunkt der IV-Anmeldung war das Arbeitsverhältnis des Beschwerdeführers
bei der E._ AG noch ungekündigt. Die Arbeitgeberin bejahte am 5. Mai 2008 die
Frage, ob sie betreffend betriebsinterner Umplatzierungsmöglichkeiten an einer
Hilfeleistung durch die Invalidenversicherung interessiert sei (IV-act. 72-2). Am 10. Juni
2008 teilte der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin telefonisch mit, er habe
zwei Wochen zuvor die Kündigung erhalten. Er sei verzweifelt und wisse nicht mehr,
wie er weiter vorgehen solle. Nach einer Rückenoperation habe er 14 Jahre lang
gearbeitet. Seit dem Verkehrsunfall würden ihn ständige Rückenschmerzen plagen.
Zudem habe er Existenzängste. Sehr gerne würde er arbeiten gehen, wenn er eine
rückenschonende Tätigkeit ausführen könnte (IV-act. 79). Am 25. Juni 2008 telefonierte
Dr. A._ mit der zuständigen Ärztin des RAD und teilte dieser mit, dass der
Beschwerdeführer nach einer Umschulung frage, wozu er sich motivieren lassen
könnte. Die Ärztin des RAD hielt fest, das Eingliederungspotential sei "jetzt
wahrscheinlich deutlich besser" (IV-act. 82). Im internen Feststellungsblatt vom 10. Juli
2008 verwies der zuständige Sachbearbeiter hingegen darauf, dass in der
angestammten Tätigkeit aktuell keine, in einer adaptierten hingegen eine volle
Arbeitsfähigkeit bestehe. Das Gesuch um berufliche Massnahmen werde somit
abgeschlossen, der Versicherte werde ans RAV verwiesen (IV-act. 83).
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3.2 Der von der Beschwerdegegnerin als massgeblich betrachtete Austrittsbericht der
Rehaklinik Bellikon vom 7. Mai 2008 verneint "aktuell" eine Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Metallzuschneider. Die Anforderungen in Bezug auf das
Heben schwerer Lasten seien zu hoch. Es sei davon auszugehen, dass die bisherige
Tätigkeit mit der Zeit wieder aufgenommen werden könne. Eine Wiedereingliederung in
den Arbeitsprozess sei aktuell schwierig angesichts der anhaltenden Beschwerden und
der Tatsache, dass der Beschwerdeführer sich nicht arbeitsfähig fühle (IV-act. 73-5 ff.).
Am 19. März 2009 gab Dr. B._ an, den Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit
für voll arbeitsunfähig zu halten (IV-act. 104-20).
3.3 Nach Lage der Akten fand zu keiner Zeit ein Eingliederungsgespräch statt.
Offenbar wurde eine Frühintervention im Sinn von Art. 7d IVG seitens der
Beschwerdegegnerin verpasst. Auch die Durchführung von Integrationsmassnahmen
wurde nicht geprüft. Dies vermag zu erstaunen; zumindest im Zeitpunkt des Austritts
aus der Rehaklinik Bellikon war eine Arbeitsunfähigkeit von über 50% in der
angestammten Tätigkeit (vgl. Art. 6 Satz 1 ATSG) ausgewiesen; vermutlich hielt diese
längerfristig an. Integrationsmassnahmen insbesondere in Form von
Beschäftigungsmassnahmen wären folglich jedenfalls in Frage gekommen. Selbst
wenn tatsächlich eine Selbstlimitierung vorliegen sollte, lässt dies entgegen der Ansicht
der Beschwerdegegnerin noch nicht darauf schliessen, dass keinerlei subjektive
Eingliederungsbereitschaft des Beschwerdeführers gegeben sei. Er selbst hatte sich
gegenüber der Beschwerdegegnerin und gegenüber seinem Hausarzt Dr. A._ anders
geäussert. Dr. C._ hatte am 22. August 2008 zudem festgehalten, eventuell empfehle
sich, zur beruflichen Wiedereingliederung die Hilfe eines Case Managers in Anspruch
zu nehmen (IV-act. 90-5). Dr. D._ hatte am 4. November 2008 Aggravation und
Simulation mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen (IV-
act. 104-11).
3.4 Bei dieser Aktenlage erscheint – insbesondere auch mit Rücksicht auf das
komplexe Wirbelsäulenleiden und unter Berücksichtigung des Willens des
Gesetzgebers bei der 5. IV-Revision – nicht nur Arbeitsvermittlung als angezeigt,
sondern es sind grundsätzlich auch Integrationsmassnahmen zu prüfen. Während die
Arbeitsvermittlung läuft, können insbesondere geeignete Beschäftigungsmassnahmen
eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Im Übrigen können die Chancen des
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Beschwerdeführers, einen Arbeitsplatz zu erhalten, möglicherweise dadurch erhöht
werden, dass den potentiellen Arbeitgebern die Gewährung von
Einarbeitungszuschüssen für den Beschwerdeführer in Aussicht gestellt wird. Dadurch
würde sich deren finanzielles Risiko, das sie bei einer Anstellung des
Beschwerdeführers möglicherweise fürchten, erheblich vermindern.
4.
4.1 Die angefochtene Verfügung ist bei Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese im Sinn der
Erwägungen eine eingehende Eingliederungsberatung vornehme und prüfe, ob
geeignete Integrationsmassnahmen – insbesondere Beschäftigungsmassnahmen –
zum Einsatz gelangen können. Parallel dazu ist Arbeitsvermittlung angezeigt, in deren
Rahmen sich die Gewährung von Einarbeitungszuschüssen als sinnvoll erweisen
könnte.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt vollumfänglich, sodass ihr als
nicht von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten befreiter selbstständiger
öffentlich-rechtlicher Anstalt die ganze Gerichtsgebühr aufzuerlegen ist. Dem
Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG