Decision ID: 165dbc6a-a487-50c1-acc2-a1b5941af671
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer erstellte auf den drei Liegenschaften Z._weg 7a, 7b
und 7c je eine Fotovoltaikanlage. Die Anlage auf der Liegenschaft 7a war Teil der
Baubewilligung vom 23. Juli 2014 für den Abbruch eines Wagenschopfs und den Neubau
einer Lagerhalle. Die beiden Anlagen auf den Liegenschaften 7b und 7c wurden als
baubewilligungsfreie Anlagen eingestuft und dementsprechend ohne Baubewilligung
erstellt. Mit Schreiben vom 8. Oktober 2014 beklagten sich die Bewohner der Liegenschaft
Z._weg 5 über störende Blendwirkungen der beiden Anlagen auf den
Liegenschaften 7b und 7c und verlangten einen Baustopp für die Anlage auf der
Liegenschaft 7a. In der Folge liess der Beschwerdeführer eine Kurzexpertise vom 5. bzw.
11. November 2014 zu den Reflexionswirkungen der Fotovoltaikanlage auf der
Liegenschaft 7a erstellen. Mit Schreiben vom 13. November 2014 teilte die Gemeinde
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Hindelbank mit, dass sie eine Baueinstellungsverfügung für die Anlage auf der
Liegenschaft 7a als unverhältnismässig erachte, da dafür eine rechtskräftige
Baubewilligung vorliege. Mit Schreiben vom 21. Januar 2015 beklagten sich die Bewohner
der Liegenschaft 5 darüber, dass auch die Anlage auf der Liegenschaft 7a bei ihnen
störende Blendwirkungen verursache. Mit "Feststellungsverfügung" vom 6. Juli 2015
verpflichtete die Gemeinde Hindelbank den Beschwerdeführer, auf seine Kosten innert drei
Monaten ein Gutachten über die Reflexionswirkung der beiden Anlagen auf den
Liegenschaften 7a und 7c zu erstellen oder erstellen zu lassen, das bestimmten
Anforderungen zu entsprechen habe.
2. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 6. August 2015
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er
beantragt, die angefochtene Feststellungsverfügung sei aufzuheben.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Gemeinde Hindelbank beantragt in
ihrer Vernehmlassung vom 3. September 2015 die Abweisung der Beschwerde. Auf die
Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Die als "Feststellungsverfügung" bezeichnete Verfügung vom 6. Juli 2015 wurde von
der Gemeinde Hindelbank im Rahmen eines baupolizeilichen Verfahrens erlassen.
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde grundsätzlich zuständig.
b) Allerdings ordnet die angefochtene Verfügung lediglich eine Beweismassnahme an
und schliesst damit das Baupolizeiverfahren weder ganz noch teilweise ab. Somit handelt
es sich lediglich um eine Zwischenverfügung (Art. 61 Abs. 1 VRPG3). Solche sind unter
anderem dann selbständig anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden
Nachteil bewirken können (Art. 61 Abs. 2 Bst. a VRPG). Unter einem solchen wird ein
schutzwürdiges Interesse an der sofortigen Aufhebung oder Abänderung der
Zwischenverfügung verstanden. Dabei ist ein hinreichendes Rechtsschutzinteresse an der
sofortigen Anfechtung bereits gegeben, wenn ein günstiger Endentscheid nicht jeden
Nachteil zu beseitigen vermag. Dabei muss es sich nicht um einen Nachteil rechtlicher
Natur handeln, es genügt ein bloss wirtschaftliches Interesse. So können (hohe) Kosten
verlangter Abklärungen die sofortige Anfechtung rechtfertigen.4
c) Im vorliegenden Fall hat die Gemeinde Hindelbank nicht bloss angeordnet, dass der
Beschwerdeführer ein Gutachten zu erstellen oder erstellen zu lassen habe, sondern
gleichzeitig verfügt, dass er als Inhaber der umstrittenen Anlagen sämtliche Kosten für das
Gutachten zu tragen habe. Gemäss dem Amt für Berner Wirtschaft (beco),
Immissionsschutz, ist für das verlangte Gutachten mit Kosten von Fr. 5'000.-- bis 7'000.--
zu rechnen.5 Als Träger dieser Kosten hat der Beschwerdeführer ein hinreichendes
wirtschaftliches Interesse an der sofortigen Anfechtung der Zwischenverfügung. Mit einem
günstigen Endentscheid kann dieser Nachteil nicht mehr korrigiert werden. Auf seine form-
und fristgerecht eingereichte Beschwerde wird daher eingetreten.
2. Notwendigkeit eines Gutachtens
a) Hinsichtlich des verlangten Gutachtens für die Anlage auf der Liegenschaft 7a beruft
sich der Beschwerdeführer zunächst auf die rechtskräftige Baubewilligung. Diese sei mit
(Gestaltungs-)Auflagen der Denkmalpflege und der Kommission zur Pflege der Orts- und
Landschaftsbilder (OLK) verbunden gewesen, die beim Bau der Anlage alle berücksichtigt
3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 61 N. 5 5 Siehe dazu die Aktennotiz des Rechtsamts vom 12. Oktober 2015
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worden seien. Die verwendeten Module hätten eine niedrige Reflexionswirkung und
entsprächen dem neusten Stand der Technik. Es könne davon ausgegangen werden, dass
der neuste Stand der Technik auch die Bestimmungen des Umweltschutzgesetzes
einhalte.
Weiter beruft sich der Beschwerdeführer bezüglich der Anlage auf der Liegenschaft 7a auf
den Umstand, dass die Gemeinde in Kenntnis der gerügten Immissionen auf einen
Baustopp verzichtet habe. Es sei widersprüchlich, wenn die Gemeinde nun, da die
rechtskräftig bewilligte Anlage gebaut und alle Investitionen getätigt seien, nachträglich die
Überprüfung der Anlage anordne. Vielmehr habe sich der Beschwerdeführer gemäss dem
Prinzip von Treu und Glauben nach Vorprüfung, Bewilligung und Verzicht auf einen
Baustopp darauf verlassen dürfen, dass seine Anlage den gesetzlichen Anforderungen
entspreche und so betrieben werden dürfe.
Hinsichtlich des verlangten Gutachtens für die Anlage auf der Liegenschaft 7c verweist der
Beschwerdeführer darauf, dass die Anlage ohne Baubewilligung habe gebaut werden
dürfen, was unbestritten sei.
Generell macht der Beschwerdeführer geltend, Lichtreflexionen seien zwar vorsorglich zu
begrenzen. Solaranlagen seien daher nach dem neusten Stand der Technik reflexionsarm
auszuführen und allfällige Blendungswirkungen seien schon bei der Planung zu beachten.
Im vorliegenden Fall sei diesen Anforderungen aber nachgekommen worden. Die Anlage
sei möglichst emissionsarm geplant und gebaut worden und entspreche damit den
Vorgaben des Umweltschutzgesetzes. Wenn nun trotzdem gewisse Reflexionen vorkämen,
seien diese nicht automatisch übermässig, zumal sich die Anlage in der
Landwirtschaftszone befinde. Immissionen seien bis zu einem gewissen Grad zu dulden,
gewisse Lichtreflexionen seien bei einer Fotovoltaikanlage nie völlig auszuschliessen. Ein
Vergleich mit der Rechtsprechung zu Fotovoltaikanlagen zeige, dass mögliche
Massnahmen wie das Versetzen der Module, Änderungen der Neigung, temporäres
Abdecken, Änderung der Oberflächenbeschichtung oder Pflanzen eines Baums von
vornherein unangemessen wären. Da die betroffenen Nachbarn durch banale kurzfristige
Massnahmen wie das Aufsetzen einer Sonnenbrille oder das Aufstellen eines
Sonnenschirms die Immissionen minimieren oder gar ausschliessen könnten, könne auf
weitere Massnahmen oder Abklärungen verzichtet werden. Auch aus dem
Umweltschutzgesetz ergebe sich keine Pflicht zu unnötigen und teuren Abklärungen,
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zumal die Nachbarn die übermässige Blendwirkung lediglich behaupteten, ohne diese zu
belegen und zu substantiieren. Eine Kurzexpertise zu den direkten Blendungswirkungen
der Anlage auf der Liegenschaft 7a liege bereits vor, ein weiteres Gutachten sei nicht
hilfreich und daher unverhältnismässig.
b) Das Umweltschutzgesetz soll unter anderem Menschen vor schädlichen und lästigen
Einwirkungen schützen. Im Sinne der Vorsorge sind Einwirkungen, die schädlich oder
lästig werden könnten, frühzeitig zu begrenzen (Art. 1 USG6). Als Einwirkungen gelten
nach Art. 7 USG unter anderem Strahlen, die durch den Bau und Betrieb von Anlagen
erzeugt werden. Dazu gehört auch das Sonnenlicht, das von einer Solaranlage reflektiert
wird. Nach Art. 11 Abs. 1 USG werden Emissionen mit Massnahmen an der Quelle
begrenzt. Dabei sind Emissionen im Rahmen der Vorsorge unabhängig von der
bestehenden Umweltbelastung so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich
möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG). Wenn feststeht oder zu
erwarten ist, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der bestehenden
Umweltbelastung schädlich oder lästig werden, sind die Emissionsbegrenzungen zu
verschärfen (Art. 11 Abs. 3 USG).
Für die Beurteilung der schädlichen oder lästigen Einwirkungen legt der Bundesrat nach
Art. 13 USG Immissionsgrenzwerte fest. Diese sind bei Luftverunreinigungen gemäss
Art. 14 USG so festzulegen, dass nach dem Stand der Wissenschaft oder der Erfahrung
Immissionen unterhalb dieser Werte unter anderem Menschen nicht gefährden und die
Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören. Die Anforderungen von Art. 14
USG gelten nach dem Wortlaut zwar vorab für Luftverunreinigungen, geben jedoch
allgemeine Regeln wieder. Sie sind deshalb auch auf die Einwirkung von Strahlen
anzuwenden. Für den Schutz vor sichtbarem Licht bestehen bis anhin keine
bundesrechtlich verbindlichen Regelungen. Die Vollzugsbehörden haben daher gestützt
auf Art. 12 Abs. 2 USG anhand der nach Art. 11-14 und Art. 16-18 USG massgeblichen
Gesichtspunkten im Einzelfall festzustellen, was als schädlich oder lästig zu bezeichnen
ist.7 Für die Beurteilung der Schädlichkeit und Lästigkeit von Lichtimmissionen muss sich
die Behörde auf Angaben von Experten und Fachstellen abstützen.8 Das von der
Vorinstanz angeordnete Gutachten zur Abklärung der Immissionen dient somit der
6 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 7 BGer 1C_177/2011 vom 9. Februar 2012, E. 5.2 8 BGer 1C_105/2009 vom 13. Oktober 2009, E. 3.4
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Abklärung, ob hier verschärfte Emissionsbegrenzungen gemäss Art. 11 Abs. 3 USG
anzuordnen sind.
c) Näher zu prüfen ist, ob das geforderte Gutachten tatsächlich notwendig ist. Dies ist
dann der Fall, wenn ohne das Gutachten nicht beurteilt werden kann, ob verschärfte
Emissionsbegrenzungen angeordnet werden müssen. Dies wiederum setzt zunächst
voraus, dass solche Emissionsbegrenzungen nicht von vornherein ausgeschlossen sind.
Diesbezüglich verweist der Beschwerdeführer auf den Fall, den das Bundesgericht in
seinem Entscheid 1C_177/2011 vom 9. Februar 2012 zu beurteilen hatte. Das
Bundesgericht kam zum Ergebnis, dass in der damals zu beurteilenden Situation keine
verhältnismässigen Massnahmen zur Immissionsbegrenzung bestünden. Der
Beschwerdeführer schliesst daraus, dass sich aus den Ausführungen des Bundesgerichts
schliessen lasse, dass auch im vorliegenden Fall die Anordnung von Massnahmen von
vornherein als unangemessen erscheine. Dies würde jedoch voraussetzen, dass die
beiden Fälle vergleichbar wären. Dem ist aber nicht so, die beiden Sachverhalte sind nicht
vergleichbar. Zudem machte das Bundesgericht diese Aussage im Zusammenhang mit
vorsorglichen Emissionsbegrenzungen gemäss Art. 11 Abs. 2 USG. Vorliegend stehen
jedoch verschärfte Emissionsbegrenzungen gemäss Art. 11 Abs. 3 USG zur Diskussion.
Im Zusammenhang mit den verschärften Emissionsbegrenzungen kam das Bundesgericht
in seinem Entscheid 1C_177/2011 zum Ergebnis, dass von der Anlage keine störende
Blendwirkung ausgehe, welche im Sinne von Art. 14 USG lästig sei. Die Vorinstanz habe
daher eine erhebliche Störung des Wohlbefindens verneinen dürfen. Dabei waren die
Lichtreflexionen anlässlich von vier Augenscheinen abgeklärt worden. Diese
Sachverhaltsabklärung erachtete das Bundesgericht als ausreichend, zumal die
Beschwerdeführerin zusätzlich ein Gutachten hatte erstellen lassen. Im vorliegenden Fall
steht jedoch erst die Sachverhaltsabklärung zur Diskussion. Bevor diese nicht
vorgenommen wurde, kann nicht beurteilt werden, ob verhältnismässige Massnahmen zur
verschärften Emissionsbegrenzung bestehen. Auch aus diesem Grund sind die Fälle nicht
vergleichbar.
Im Übrigen befindet sich die Liegenschaft der Nachbarn zwar in der Landwirtschaftszone.
In dieser müssen im Vergleich mit einer reinen Wohnzone erhöhte Immissionen geduldet
werden. Nach bundesgerichtlicher Praxis bedeutet dies jedoch nicht, dass Nachbarn, die
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sich nicht in der Bauzone befinden, gar kein Anrecht auf Schutz vor lästigen oder
schädlichen Immissionen besitzen.9
d) Somit ist nicht ausgeschlossen, dass im vorliegenden Fall verschärfte
Emissionsbegrenzungen angeordnet werden müssen. Dies gilt insbesondere für die
baubewilligungsfreie Anlage auf der Liegenschaft 7c; hier hat keine vorgängige Prüfung
stattgefunden. Auch die Richtlinien des Regierungsrats des Kantons Bern vom Januar
2015 für baubewilligungsfreie Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien weisen
darauf hin, dass auch baubewilligungsfreie Solaranlagen den Vorschriften des
Umweltschutzgesetzes Rechnung zu tragen haben.
Erst recht gilt die Verpflichtung zur Einhaltung der Vorschriften des Umweltschutzgesetzes
für die baubewilligungspflichtige Anlage auf der Liegenschaft 7a. Zwar wird die Einhaltung
der umweltschutzrechtlichen Vorschriften dabei grundsätzlich bereits im
Baubewilligungsverfahren geprüft. Nachträgliche Massnahmen zur Emissionsbegrenzung
sind jedoch auch bei rechtskräftig bewilligten Anlagen nicht ausgeschlossen: Wo die
Immissionen bei Erteilen der Bewilligung nicht oder nicht vollständig vorausgesehen
wurden oder wo eine zuverlässige Prognose schwierig ist, ist die Prüfung der
nachträglichen Anordnung von Massnahmen zur Emissionsbegrenzung angezeigt. Die
Herstellung des rechtmässigen Zustands setzt in diesen Fällen eine umfassende
Interessenabwägung voraus. Dabei kommt dem Interesse an der Wahrung der
Rechtssicherheit bzw. am Vertrauensschutz nicht dasselbe Gewicht zu wie beim
vollständigen Widerruf einer Verfügung, zumal der Eingriff in die Rechtsposition des
Betroffenen weniger stark ausfällt.10
Aus der Baubewilligung vom 23. Juli 2014 ist nicht ersichtlich, dass die
Reflexionswirkungen der Anlage auf der Liegenschaft 7a abgeklärt worden wären. Auch
der Beschwerdeführer macht keine solchen Abklärungen geltend. Er verweist lediglich auf
die Auflagen der Denkmalpflege und der OLK. Diese Auflagen dienen jedoch nicht der
Einhaltung der umweltschutzrechtlichen Vorschriften, sondern dem Denkmal- sowie dem
Ortsbild- und Landschaftsschutz. Somit ist davon auszugehen, dass die Immissionen bei
der Erteilung der Bewilligung nicht vorausgesehen wurden. Nachträgliche Massnahmen
sind somit auch bei der Anlage auf der Liegenschaft 7a grundsätzlich möglich. Der von der
9 BGE 126 II 43 E. 4 10 BGer 1C_177/2011 vom 9. Februar 2012, E. 4.2
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Gemeinde mit Schreiben vom 13. November 2014 verweigerte Baustopp ändert nichts
daran, damit hat die Vorinstanz keine Vertrauensposition geschaffen. Der
Beschwerdeführer wusste vielmehr spätestens ab diesem Zeitpunkt um die gerügten
Blendwirkungen. Wenn er das Risiko von nachträglichen Massnahmen hätte vermeiden
wollen, hätte er den Bau der Anlage von sich aus für weitere Abklärungen unterbrechen
können.
Ob hier nachträgliche Massnahmen nicht nur grundsätzlich möglich sind, sondern auch
tatsächlich angeordnet werden müssen, kann jedoch erst entschieden werden, wenn das
Ausmass der Lichtimmissionen bei der Nachbarliegenschaft 5 abgeklärt ist. Fraglich ist, ob
dazu ein Gutachten nötig ist oder nicht.
e) Der Beschwerdeführer hat hinsichtlich der Reflexionswirkung auf die
Nachbarliegenschaft 5 bereits eine Kurzexpertise vom 5. bzw. 11. November 2014
erstellen lassen. Dazu hatte er sich anlässlich einer von der Gemeinde Hindelbank am
22. Oktober 2014 organisierten Besprechung vor Ort mit sämtlichen betroffenen Personen
bereit erklärt. Diese Kurzexpertise berücksichtigt die direkten Reflexionsstrahlen der
Anlage auf dem Norddach des Kartoffellagers (Liegenschaft 7a) auf die
Nachbarliegenschaft 5, nicht jedoch unter anderem die diffuse Strahlung. Die Gemeinde
Hindelbank hat diese Kurzexpertise dem Amt für Umweltkoordination und Energie (AUE)
und dem beco, Immissionsschutz, zugestellt. In seinem E-Mail vom 7. Januar 2015 teilte
das beco mit, es habe sich zusammen mit dem AUE am 23. Dezember 2014 einen
Eindruck vor Ort verschafft. Für eine Beurteilung sei ein Gutachten über die
Reflexionswirkung der Anlage auf der Nordseite des Gebäudes 7c notwendig. Zudem
müsse die Kurzexpertise über die Reflexionswirkung der Liegenschaft 7a hinsichtlich der
diffusen Einstrahlung ergänzt werden.
Das beco und das AUE haben sich somit vor Ort einen Eindruck über die Gegebenheiten
verschafft. Sie sind dabei zum Ergebnis gekommen, dass ein Gutachten zur Abklärung des
Sachverhalts nötig ist. Die Vorinstanz hat das Gutachten demnach gestützt auf die
Einschätzung zweier Fachstellen verlangt. Dabei sieht auch die BVE keine Veranlassung,
die Einschätzung der Fachstellen in Zweifel zu ziehen. Die in den Vorakten vorhandenen
Fotos lassen darauf schliessen, dass schädliche oder lästige Blendwirkungen bei der
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Nachbarliegenschaft 5 nicht ausgeschlossen werden können.11 Die beiden umstrittenen
Anlagen befinden sich gemäss angefochtener Verfügung unterhalb der Wohnräume in der
Nachbarliegenschaft 5 und auf Dächern, die gegen Norden bzw. Nordosten ausgerichtet
sind. Gemäss den Richtlinien des Regierungsrats des Kantons Bern vom Januar 2015 für
baubewilligungsfreie Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien sind in Bezug auf die
Blendwirkung Anlagen heikel, die unterhalb anderer Gebäude installiert werden; zudem ist
nordseitigen Anlagen besondere Beachtung zu schenken. Zusammen mit dem Umstand,
dass es sich bei den beiden umstrittenen Anlagen um grossflächige Anlagen mit potentiell
entsprechend grossen Emissionen handelt, die sich lediglich in rund 70 m Entfernung zur
Nachbarliegenschaft 5 befinden, ergibt sich daher, dass es sich um eine heikle
Konstellation handelt.
f) In einer solchen Konstellation, in welcher schädliche oder lästige Blendwirkungen
möglich erscheinen, d.h. beim aktuellen Kenntnisstand nicht ausgeschlossen werden
können, ist die Behörde zur Durchführung eines Beweis- und Ermittlungsverfahrens
verpflichtet, ohne dass ihr insoweit noch ein Ermessensspielraum zustünde. Dies gilt für
alle Bauvorhaben, auch für „unbedeutende“ und damit auch für baubewilligungsfreie
Anlagen. Massgebend ist einzig, ob die Überschreitung der Schädlich- oder
Lästigkeitsgrenze möglich erscheint, d.h. beim aktuellen Kenntnisstand nicht
ausgeschlossen werden kann.12
Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz hier auf die
Erstellung eines Gutachtens für die Anlage auf der Liegenschaft 7c bzw. der Ergänzung
der Kurzexpertise für die Anlage auf der Liegenschaft 7a besteht. Die voraussichtlichen
Kosten von Fr. 5'000.-- bis 7'000.-- für das Gutachten sind aufgrund der Grösse der beiden
fraglichen Fotovoltaikanlagen nicht unverhältnismässig. Die Beschwerde erweist sich daher
hinsichtlich der Frage nach der Notwendigkeit eines Gutachtens als unbegründet.
3. Kosten des Gutachtens
a) Für den Fall, dass an der Einholung eines Gutachtens festgehalten wird, bestreitet
der Beschwerdeführer mit Hinweis auf ein Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts und des
11 Vorakten, pag. 13 und 15 12 Vgl. BGE 1C_114/2014 vom 13. November 2014, E. 2.5; BGE 137 II 30, E. 3.4; URP 2002 S. 688.
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Bundesgerichts seine Kostenpflicht. Die Überwälzung von Expertisekosten im
Verwaltungsverfahren bedürfe neben dem Umweltschutzgesetz einer spezifischen
gesetzlichen Grundlage im kantonalen Recht. Eine solche sei hier nicht ersichtlich,
weshalb die Kosten nicht auf den Beschwerdeführer überwälzt werden dürften.
b) Jedermann ist verpflichtet, den Behörden die für den Vollzug erforderlichen
Auskünfte zu erteilen, nötigenfalls Abklärungen durchzuführen oder zu dulden (Art. 46
Abs. 1 USG). Müssen Abklärungen im Zusammenhang mit Massnahmen getroffen werden,
die dem Auskunftspflichtigen als Verursacher zuzuschreiben sind (wie etwa Bau oder
Betrieb einer Anlage), hat dieser sie in der Regel auch durchzuführen. Diese aktive Form
der Auskunftspflicht bedeutet indessen nicht zwingend, dass die Verursacher selber die
notwendigen Abklärungen vornehmen müssen: Sie können die Untersuchungen auch in
eigenem Namen Dritten in Auftrag geben.13
Vorliegend beziehen sich die Abklärungen auf Anlagen, die vom Beschwerdeführer
betrieben werden. Demnach ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz den
Beschwerdeführer verpflichtet hat, selber ein Gutachten zu erstellen oder erstellen zu
lassen. Für diese Verpflichtung existiert mit Art. 46 Abs. 1 USG eine gesetzliche
Grundlage.
c) Da der Beschwerdeführer verpflichtet ist, das Gutachten selber erstellen zu lassen,
ist fraglich, ob überhaupt geprüft werden muss, ob ihm die Kosten für das Gutachten
auferlegt werden können. Als Auftraggeber des Gutachtens hat er dieses zu bezahlen. Die
Gutachterkosten fallen daher grundsätzlich nicht im Verwaltungsverfahren an, sind damit
nicht Gegenstand des Verfahrens und müssen daher in diesem auch nicht verlegt werden.
Unabhängig von dieser Frage ist für die Kostenverlegung bei Massnahmen gestützt auf
das Umweltschutzgesetz jedenfalls auf Art. 2 USG abzustellen, wonach der Verursacher
die Kosten zu tragen hat. Da der Beschwerdeführer als Anlagebetreiber die
Gutachtenkosten verursacht, hat er diese Kosten demnach zu bezahlen.14 Wenn eine
Kostenverlegung nötig wäre, bestünde dabei auch eine gesetzliche Grundlage im
kantonalen Recht, um dem Beschwerdeführer die Gutachterkosten zu auferlegen. Gemäss
13 Brunner, in Kommentar USG, 1999, Art. 46 N. 15 14 Brunner, in Kommentar USG, 1999, Art. 46 N. 29
RA Nr. 120/2015/50 11
Art. 51 BewD15 bestehen die Verfahrenskosten (amtliche Kosten), welche die Gemeinde für
ihre baupolizeilichen Verrichtungen erheben kann, aus den Gebühren und den Auslagen
(Abs. 1); Auslagen sind namentlich Kosten für technische Untersuchungen (Abs. 2); die
Gemeinden haben einen Gebührentarif zu erlassen (Abs. 3). Gemäss Art. 6 des
Gebührenreglements der Gemeinde Hindelbank vom 1. April 2015 schuldet Gebühren und
Auslagen, wer eine Dienstleistung nach diesem Reglement veranlasst oder verursacht. Der
Beschwerdeführer ist als Betreiber der beiden Fotovoltaikanlagen Verursacher der Kosten
für das umstrittene Gutachten.
d) Die Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet. Sie wird abgewiesen und
die angefochtene Verfügung wird bestätigt. Im Übrigen wird die Gemeinde Hindelbank auf
Art. 46 Abs. 2 Bst. a BauG hingewiesen, wonach im Wiederherstellungsverfahren dem
Anzeiger, der als Nachbar betroffen ist, Gelegenheit zur Teilnahme als Partei einzuräumen
ist. Sollte den Bewohnern der Liegenschaft Z._weg 5, welche hier Anzeige
erstattet haben, diese Gelegenheit noch nicht eingeräumt worden sein, müsste dies noch
nachgeholt werden.
4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 1 VRPG).
Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.--
bis Fr. 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV16). In
Anwendung dieser Bestimmungen wird die Pauschale auf Fr. 600.-- festgelegt.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat somit die
Verfahrenskosten von Fr. 600.-- zu tragen.
15 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 16 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 120/2015/50 12
b) Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf Ersatz seiner
Parteikosten (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Andere Parteikosten im Sinne des Gesetzes sind
keine entstanden (Art. 104 VRPG). Somit sind keine Parteikosten zu sprechen.