Decision ID: 123d2dce-892e-4033-bb65-e264f7a06739
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1958 geborene
X._
arbeitete seit dem
1.
Dezember 2011 als Zeichner/Konstrukteur bei der
Y._
(
Urk.
8/13). Das Arbeits
verhältnis wurde von der Arbeitgeberin per 2
8.
Februar 2018 (
Urk.
8/4) und von
X._
per 3
1.
Januar 2018 (
Urk.
8/14) aufgelöst
, nachdem
L
etzterer
über längere Zeit arbeitsunfähig
gewesen
war (vgl.
Urk.
8/
2)
. Am 14.
September 2017 meldete sich der Versicherte beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(
RAV
)
zur Arbeitsvermittlung an (
Urk.
8/1) und beantragte
a
m 2
6.
Januar 2018 Arbeitslosenentschädigung ab dem
1.
Februar 2018 (
Urk.
8/16).
Mit Verfügung vom 1
1.
Juni 2018
legte die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich (Arbeits
losen
kasse) fest, dass der Beschwerdeführer 5 Wartetage zu bestehen habe, in den Monaten Februar bis April bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % kein Anspruch auf Arbeitslosentaggelder bestehe (teilweise unter Anrechnung der Kranken
tag
gelder) und im Monat
Mai
bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % ein 50%iger Anspruch
auf Taggelder
bestehe (
Urk.
8/82).
Hiergegen erhob der Versicherte am
2.
Juli 2018 Einsprache (
Urk.
8/93) und be
an
tragte sinngemäss
,
es seien ihm trotz 100%iger Arbeitsunfähigkeit bis April 2018 Arbeitslosentaggelder auszurichten respektive die Krankentaggelder seien an seine
Arbeitslosenentschädigung
nicht anzurechnen. Ausserdem sei ihm ab Mai 2018 ein Taggeld entsprechend seiner 50%igen Arbeitsunfähigkeit
auszu
richten, nicht jedoch der v
ersicherte Verdienst um 50 % zu kürze
n (Urk. 8/93). Mit Entscheid vom
3.
August 2018
wies die Arbeitslosenkasse die Ein
sprache ab
(
Urk.
2 [=
Urk.
8/103]).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
4.
September 2018 Beschwerde
(
Urk.
1)
und beantragte sinngemäss, die Berechnung des Taggeldanspruches sei zu korrigieren, statt der Kürzung des versicherten Verdienstes um 50 % sei ihm das Taggeld um 50 % zu kürzen (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Oktober 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7)
, was dem Be
schwerdeführer am
5.
November 2018 mitgeteilt wurde (
Urk.
12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosen
ent
schädigung ist die Vermittlungsfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
lit
. f des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzent
schädi
gung
,
AVIG
). Gemäss
Art.
15
Abs.
1 AVIG ist die arbeitslose Person vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzuneh
men und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Zur Vermittlungs
fähig
keit gehört demnach nicht nur die Arbeits
fähigkeit im objektiven Sinn, sondern subjektiv auch die Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend den persön
liche
n Verhält
nissen währ
end der üblichen Arbeitszeit ein
zu
setzen (BGE 125 V 51 E.
6a).
Hiezu
genügt die Willenshaltung oder die bloss verbal erklärte Vermittlungsbe
reitschaft nicht; die versicherte Person ist vielmehr gehalten, sich der öffentlichen Arbeitsvermittlung zur Verfügung zu stellen, angebotene zumutbare Arbeit anzunehmen und sich selbst intensiv nach einer zumutbaren Stelle umzusehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_99/2012 vom
2.
April 2012 E. 2 mit Hinweis).
Vermittlungsunfähigkeit liegt unter anderem vor, wenn eine versicherte Person aus persönlichen oder familiären Gründen ihre Arbeitskraft nicht so einsetzen kann oder will, wie es eine Arbeitgeberin oder ein Arbeitgeber normalerweise verlangt. Versicherte, die im Hinblick auf anderweitige Verpflichtungen oder be
son
dere persönliche Umstände lediglich während gewisser Tages
oder Wochen
stunden sich erwerblich betätigen wollen, sind allein deswegen noch nicht ver
mittlungsunfähig. Sind einer versicherten Person bei der Auswahl des Arbeits
platzes aber so enge Grenzen gesetzt, dass das Finden einer Stelle sehr ungewiss ist, muss Vermittlungsunfähigkeit angenommen wer
den. Der Grund für die Ein
schränkung in den Arbeitsmöglich
keiten spielt dabei keine Rolle (BGE 123 V 214 E. 3, 120 V 385 E. 3a mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_714/2014 vom 2
6.
März 2015 E. 2.2).
1.3
Versicherte, die wegen Krankheit (
Art.
3
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
), Unfall (
Art.
4 ATSG) oder Schwan
ger
schaft vorübergehend nicht oder nur vermindert arbeits- und ver
mittlungsfähig sind und deshalb die Kontrollvorschriften nicht erfüllen können, haben, sofern sie die übrigen
Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, Anspruch auf
das volle Taggeld. Dieser dauert längstens bis zum 3
0.
Tag nach Beginn der ganzen
oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit und ist innerhalb der Rahmenf
rist auf 44 Taggelder beschränkt (
Art.
28
Abs.
1 AVIG).
Taggelder der Kranken- oder Unfall
versicherung,
die Erwerbsersatz
darstellen, werden von der Arbeitslosenent
schä
digung abgezogen
(
Art.
28
Abs.
2 AVIG). Arbeitslose, die ihren Anspruch nach Absatz 1 von
Art.
28 AVIG ausgeschöpft haben, weiterhin vorübergehend ver
min
dert arbeitsfähig sind und Leistungen einer Taggeldversicherung beziehen, haben, sofern sie unter Berücksichtigung ihrer verminderten Arbeitsfähigkeit ver
mittelbar sind und die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, Anspruch auf
das
volle Taggeld
,
wenn sie zu mindestens 75 Prozent arbeitsfähig
sind
oder ein um 50 Prozent gekürztes Taggeld
,
wenn sie zu mindestens 50 Prozent arbeitsfähig sind
Art.
28
Abs.
4 AVIG)
.
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Taggeldanspruch des Beschwerdeführers ab Februar 2018 korrekt festlegte.
2.2
Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen Entscheid aus, da der Be
schwerdeführer Unterhaltspflichten gegenüber Kindern unter 25 Jahren wahrzu
nehmen habe, sei die allgemeine Wartezeit von 10 auf 5 Tage zu reduzieren. Der versicherte Verdienst sei im Laufe des Verfahrens von Fr. 5'050.
auf Fr. 5'471.
korrigiert worden. Aufgrund der Unterhaltspflicht gegenüber Kindern unter 25 Jahre habe der Beschwerdeführer grundsätzlich Anspruch auf ein Tag
geld in Höhe von 80 % des versicherten Verdienstes. In den Monaten Februar bis April 2018 sei der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Da er ab dem
1.
Februar 2018 arbeitslos gewesen sei, sei in diesem Zeitpunkt der Anspruch nach
Art.
28
Abs.
1 AVIG entstanden. Aufgrund des Krankentaggeldanspruches des Beschwerdeführers, welcher den Taggeldanspruch nach AVIG überstiegen habe, habe der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf zusätzliche Taggelder der Arbei
t
slosenversicherung gehabt.
Der Anspruch nach
Art.
28
Abs.
1 AVIG habe am
2.
März 2018 geendet. Da der Beschwerdeführer in diesem Zeitpunkt und bis zum April 2018 vollständig arbeits- und damit vermittlungsunfähig gewesen sei, habe kein Anspruch auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung bestanden.
Seit
Mai 2018 sei der Beschwerdeführer zu 50 % arbeitsfähig, weshalb er Anspruch auf ein um 50 % gekürztes Taggeld nach
Art.
28
Abs.
4
lit
. b AVIG habe. Die Korrektur d
es Taggeldes
habe nach der AVIG-
Praxis über eine entsprechende Kürzung des versicherten Verdienstes zu erfolgen.
2.3
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, es sei nicht korrekt, dass der versicherte Verdienst um 50 % gekürzt werde. Vielmehr sei sein Taggeld
anspruch um 50 % zu kürzen. Dies sei für ihn viel eher nachvollziehbar, da er beim RAV auch zu 50 % vermittlungspflichtig sei. Stattdessen werde er durch die Beschwerdegegnerin nun als zu 100 % vermittlungspflichtig eingestuft, jedoch nur zu 50 % des versichersicherten Verdienstes. Das Vorgehen der Beschwerde
gegnerin sei seiner Meinung nach verfassungswidrig.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer erzielte bei Arbeitsbeginn im Jahr 2011 ein monatliches Gehalt von Fr. 4'750.
zuzüglich eines 1
3.
Monatsgehalts (
Urk.
8/13, 8/23). Zuletzt wurde ihm monatlich ein Einkommen von Fr. 5'050.
au
sbezahlt (Urk.
8/24
, 8/36)
,
woraus unter Einrechnung des 1
3.
Monatsgehalts ein jährliches Salär von Fr. 65'650.
resultierte. Vor diesem Hintergrund ist es nicht zu b
ean
standen, dass die Beschwerdegegn
erin den versicherten Verdienst von Fr. 5'050.
auf Fr. 5'471.
(Fr. 65'650.
/ 12) erhöhte (vgl.
Urk.
8/99).
3.2
Nach
Art.
18 AVIG beträgt die allgemeine Wartezeit für den Beginn des An
spruchs auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung 5 Tage für Versicherte
,
welche Unterhaltspflichten gegenüber Kindern wahrzunehmen haben (
Art.
18
Abs.
1 AVIG e
contrario
). Der
Beschwerdeführer ist unterhaltspflichtig gegenüber 2 Kindern unter 25 Jahren (vgl.
Urk.
8/25, 8/83).
Die Reduktion der allgemeinen Wartezeit von 10 auf 5 Tage erfolgte demnach korrekt.
3.3
Der Beschwerdeführer ist seit dem
1.
Februar 2018 arbeitslos (vgl. seine Kün
digung per 3
1.
Januar 2018,
Urk.
8/14). Seit dem 2
0.
Juli 2017 und bis zum 3
0.
April 2018 wurde ihm eine vollständige
(100%ige) Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl.
Urk.
8/56 sowie 8/63).
Da der Beschwerdeführer demnach
nach seiner Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung
in den Monaten Februar bis April 2018 aufgrund seiner Arbeitsunfähigkeit nicht vermittelbar war,
bestand
grundsätzlich kein Anspruch auf Leistungen der Arbei
tslosen
versi
che
rung (vgl. E. 1.2
). Während 30 Tagen stand ihm jedoch ein Anspruch nach
Art.
28
Abs.
1 AVIG zu (vgl. E. 1.3
). Wie die Beschwerdegegnerin korrekt ausführte
,
bestand demnach grundsätzlich ein Anspruch auf Taggelder trotz fehlender Ver
mittlungsfähigkeit bis zum
2.
März 2018
(30 Tage ab Anmeldung). Der Tag
geldanspruch hätte in dieser Zeit 80 % (vgl.
Art.
22
Abs.
1 AVIG) des versicherten Verdienstes (Fr. 5'471.
, vgl. oben E. 3.1) betragen
, was einem Taggeldanspruch von Fr. 201.70
entspricht (Fr. 5'741.
x 0.8 /
21.7 [durchschnittliche Arbeits
tage])
. Im Februar 2018 wurde dem Beschwerdeführer ein Krankentaggeld von Fr. 4'070.
(
Urk.
8/51
)
,
im März 2018 ein solches von Fr.
4'506.
(
Urk.
8/66)
und im April 2018 ein solches von Fr. 4'360.
(
Urk.
8/59)
ausbezahlt.
Im Februar 2018 hätte der Beschwerdeführer während 20 kontroll
ierten
Tage
n
Anspruch auf
ein Taggeld von Fr. 201.70 und somit gesamthaft einen Anspruch von Fr. 4'034.
--
gehabt
(vgl. auch
Urk.
8/53)
. In Anwendung von
Art.
28
Abs.
2 AVIG ist hiervon das Taggeld der Krankenversicherung in Abzug zu bringen. Da der Kranken
taggeldanspruch im Februar 2018 (Fr. 4'070.
) den Taggeldanspruch aus Arbeits
losenversicherung
(Fr. 4'034.
)
übersteigt,
steht dem
Beschwerdeführer kein
Taggeld der Arbeitslosenversicherung
zu
. Gleiches gilt für den Monat März, in welchem de
m
Beschwerdeführer noch während zweier Tage ein Ansp
ruch nach
Art.
28
Abs.
1
AVIG zugestanden hätte
.
Im April 2018 bestand sodann ohnehin aufgrund der fehlenden Vermittlungsfähigke
it kein Leistungsanspruch mehr
,
da der
Taggeldanspruch nach
Art.
28
Abs.
1 AVIG bereits
aufge
schöpf
t
w
ar
.
3.4
Der Beschwerdeführer bemängelte am Entscheid der Beschwerdegegnerin insbe
sondere, dass ihm aufgrund seiner Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab Mai 2018 das Taggeld entsprechend zu kürzen sei, nicht aber der versicherte Verdienst. Un
bestritten ist, dass der Beschwerdeführer ab Mai 2018 wieder zu 50 % arbeitsfähig
war
(vgl. z.B.
Urk.
8/77, 8/74, 8/89). Nach
Art.
28
Abs.
4 AVIG hat der Versicherte trotz seiner vorübergehend verminderten Arbeitsfähigkeit Anspruch auf ein Tag
geld der Arbeitslosenversicherung. Da er weiterhin 50 % arbeitsfähig ist, ist sein Taggeld in Anwendung von
Art.
28
Abs.
4 AVIG um 50 % zu kürzen. Das Gesetz äussert sich nicht dazu, wie diese Kürzung des Taggeldes
umzusetzen
ist. Die AVIG-Praxis des
seco
(Staatssekretariat für Wirtschaft) zur Arbeitslosen
ent
schä
digung sieht in
Rz
. C178 vor, dass die Korrektur des Taggeldanspruches über eine Kürzung des versicherten Verdienstes um 50 % zu erfolgen hat (vgl. AVIG-Praxis ALE,
Ausgabe Juli 2019,
Rz
. C178, abrufbar über die Homepage des
seco
). Dieses Vorgehen wird von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bestätigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_631/2018 vom 7
. Dezember 2018
E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_481/2018 vom
6.
März 2019
E. 4.2.1). Anzumerken bleibt, dass das Resultat unabhängig davon, ob der versicherte Verdienst (Fr. 5'471.
x 0.5 x 0.8 / 21.7 = Fr. 100.84 Taggeldanspruch) oder das Taggeld um 50 % gekürzt wird (Fr. 5'471.
x 0.8 / 21.7
=
Fr. 201.69
x 0.5 = Fr. 100.84 Taggeldanspruch)
,
dasselbe bleibt
.
Das Vorgehen der Vorinstanz erweist sich entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht als verfassungswidrig und ist in Anbetracht der verwaltungsrechtlichen Praxis und bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht zu beanstanden.
3.5
Der
angefochtene
Einspracheentscheid
erweist sich damit
als rechtens. Insbe
sondere
bietet
auch die von der Beschwerdegegnerin in der Begründung ange
führte Vorgehensweise zur Kürzung des Taggeldes nach
Art.
28
Abs.
4
lit
. b AVIG mittels einer Reduktion des versicherten Verdienstes um 50 %
nicht
Anlass zur Beanstandung. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.