Decision ID: 5e847512-6688-5156-b951-77cbc3af0bb2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Anga-
ben am 20. Januar 2016. Am 12. Juli 2016 reiste er in die Schweiz ein und
suchte am folgenden Tag um Asyl nach. Am 18. Juli 2016 fand die Befra-
gung zur Person (BzP) statt. Gleichzeitig gewährte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit
Griechenlands zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens.
Der Beschwerdeführer gab an, er sei kurdischer Ethnie und stamme aus
dem Dorf B._. Er gehöre der Glaubensgemeinschaft der Jeziden
an. Die Eltern seien jedoch während seiner Kindheit zum Islam «konver-
tiert», da die Jesiden in Syrien mit schwierigen Lebensumständen konfron-
tiert seien. Von Geburt bis zur Ausreise habe er in C._ gewohnt.
Dort würden seine Eltern und drei Geschwister leben. Mehrere Geschwis-
ter lebten im Ausland und zahlreiche weitere Verwandte in der Schweiz.
Die Schule habe er (...) Jahre lang besucht. Danach habe er als (...) und
in einem (...) gearbeitet. Im Jahr 2015 habe er geheiratet. Seine schwan-
gere Ehefrau sei am (...) bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen.
Zu seinen Asylgründen führte der Beschwerdeführer aus, (...) Tage vor Sil-
vester im Jahr 20(...) habe ihn seine Ehefrau informiert, der Ortsvorsteher
habe sich nach ihm erkundigt. Er sei für den Reservedienst aufgeboten
worden. Ein schriftliches Aufgebot habe er nicht erhalten. Er wisse nicht,
wann er hätte einrücken müssen. In der Folge sei er nicht mehr nach Hause
zurückgekehrt. Nach dem Tod seiner Ehefrau habe er beschlossen, aus-
zureisen. Zudem habe er früher an Demonstrationen teilgenommen. Er
habe jedoch diesbezüglich keine Probleme mit den Behörden gehabt.
B.
Am 24. August 2016 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit, das
Dublin-Verfahren sei beendet und das Asylgesuch werde im nationalen
Verfahren in der Schweiz geprüft.
C.
Am 27. Februar 2018 hörte die Vorinstanz den Beschwerdeführer einläss-
lich zu seinen Asylgründen an.
Dabei führte er im Wesentlichen aus, er habe von 2000 bis am (...) 2003
Militärdienst in D._ geleistet. Am (...) habe sich der Dorfvorsteher
und Sicherheitspersonal zu Hause nach ihm erkundigt. Er sei bei der Arbeit
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gewesen. Seine Ehefrau habe ihn telefonisch über den Besuch informiert.
Ein schriftliches Aufgebot für den Reservedienst habe er nicht erhalten. In
der Folge habe er im (...) übernachtet und sei nicht mehr nach Hause zu-
rückgekehrt. In der Nachbarschaft seien gesuchte Personen von den Be-
hörden mitgenommen worden.
Am (...) sei seine schwangere Ehefrau bei einem Bombenangriff auf das
Haus, in welchem auch seine Eltern gewohnt hätten, ums Leben gekom-
men. Aus Angst vor einer Verhaftung habe er nicht an der Beerdigung sei-
ner Ehefrau teilgenommen. In der Folge hätten sich Behördenmitglieder
wiederum bei seiner Familie nach seinem Verbleib erkundigt. Zudem seien
sie bedroht worden, da sie die jungen Familienmitglieder ins Ausland ge-
schickt hätten. Aufgrund der Bedrohungen sei seine Familie von
C._ nach E._ gezogen. Er habe befürchtet, von den Behör-
den festgenommen zu werden, weil er nicht in den Reservedienst einge-
rückt sei. Zudem sei er nach dem Tod seiner Ehefrau verzweifelt gewesen,
weshalb er sich zur Ausreise entschlossen habe. Kurz vor der Ausreise
habe er sich bei Familienangehörigen in seinem Heimatdorf B._
aufgehalten. Dort hätten ihn Mitglieder der Partiya Karkerên Kurdistanê
(PKK) rekrutieren wollen. Ferner sei er im Jahr 20(...) von Mitgliedern des
Staatssicherheitsdienstes – der Shabiha – bedroht, festgehalten und in ei-
nem Keller gefoltert worden. Er habe Narben unter den Achselhöhlen da-
vongetragen. Zudem habe er als Kurde in Syrien keine gute Schulbildung
erhalten und sei von den Behörden bei amtlichen Angelegenheiten schika-
niert worden.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer seine Identitätskarte, einen
Führerausweis, ein Dienstbüchlein, eine Bestätigung über den Abschluss
des Militärdienstes, eine weitere Bestätigung des Militärs – alles jeweils im
Original – und Ausdrucke von Fotos eines zerstörten Hauses zu den Akten.
D.
Am 23. September 2019 ersuchte der Beschwerdeführer die Vorinstanz um
beförderliche Behandlung seines Verfahrens.
E.
Mit Verfügung vom 2. Oktober 2019 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab und
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Vollzug der Wegweisung
schob sie infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme
auf und beauftragte den zuständigen Kanton mit deren Umsetzung.
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F.
Mit Eingabe vom 29. Oktober 2019 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung der Vor-
instanz sei in den Ziffern 1 bis 3 aufzuheben. Es sei die Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihm Asyl zu gewäh-
ren. Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklä-
rung sowie zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In
prozessualer Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Prozessführung, inklusive
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, und die amtliche Ver-
beiständung zu gewähren.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Fotos von Narben, eine
Fürsorgebestätigung vom 10. Oktober 2019 und eine Honorarnote vom
29. Oktober 2019 ein.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 4. November 2019 hiess die Instruktionsrich-
terin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung so-
wie amtlichen Verbeiständung gut und verzichtete auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlas-
sung ein.
H.
In der Vernehmlassung vom 18. November 2019 hielt die Vorinstanz an
ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 27. November 2019 lud die Instruktionsrichte-
rin den Beschwerdeführer zur Replik ein.
J.
Am 12. Dezember 2019 reichte der Beschwerdeführer ein Fristerstre-
ckungsgesuch für die Replik ein und gab eine Terminvereinbarung für eine
ärztliche Konsultation vom 30. Oktober 2019, eine Anfrage an die (...) vom
11. Dezember 2019 sowie deren Antwort vom 12. Dezember 2019 zu den
Akten.
K.
In der Replik vom 9. Januar 2020 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest und gab einen Kurzbericht von Dr. med. F._ vom 20.
Dezember 2019, drei Fotos von Narben sowie eine aktualisierte Kosten-
note vom 9. Januar 2020 zu den Akten.
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Seite 5
L.
Mit Eingabe vom 26. November 2020 reichte der Beschwerdeführer eine
Pressemitteilung zu einem Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union
(EuGH) vom 19. November 2020 ein.
M.
Am 5. Juli 2021 bat der Beschwerdeführer das Gericht um ein baldiges
Urteil und reichte eine aktualisierte Honorarnote ein.
N.
Mit Zwischenverfügung vom 7. Juli 2021 stellte die Instruktionsrichterin
fest, gemäss einem Eintrag im Zentralen Migrationsinformationssystem
(ZEMIS) sei der Beschwerdeführer seit dem (...) November 2019 erwerbs-
tätig. Sie forderte ihn auf, das Formular «Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege» auszufüllen und mit den nötigen Beweismitteln versehen
einzureichen.
O.
Innert erstreckter Frist kam der Beschwerdeführer dieser Aufforderung mit
Eingabe vom 27. Juli 2021 nach.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016
3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
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3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2012/5 E. 2.2).
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen
an das Glaubhaftmachen nach Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand.
Betreffend den Zeitpunkt und die Umstände der Einberufung in den Reser-
vedienst habe sich der Beschwerdeführer widersprüchlich geäussert. In
der BzP habe er angegeben, seine Ehefrau habe ihm (...) vor Silvester
20(...) mitgeteilt, der Dorfvorsteher habe sich nach ihm erkundigt, da er für
den Reservedienst aufgeboten worden sei. Anlässlich der Anhörung habe
er ausgeführt, er sei vom Dorfvorsteher am (...) in Begleitung von Sicher-
heitsbeamten gesucht worden. Seine Ehefrau habe ihm mitgeteilt, er solle
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nicht nach Hause zurückkehren, da sie nicht wisse, was gegen ihn vorliege.
Sie würde aber versuchen, dies in Erfahrung zu bringen. Am nächsten Tag
sei sie jedoch getötet worden. Aufgrund ähnlicher Vorfälle in seinem Um-
feld habe er darauf geschlossen, er sei für den Reservedienst aufgeboten
worden. Da es sich um das Kernvorbringen des Asylgesuches handle und
die Ereignisse im Zeitpunkt der Anhörung erst rund zwei Jahre zurückge-
legen hätten, hätte eine konsistente und widerspruchsfreie Schilderung
des Ablaufs der Geschehnisse erwartet werden können. Das Vorbringen
sei demnach nicht glaubhaft.
An dieser Feststellung vermöchten auch die eingereichten Beweismittel
nichts zu ändern. Diese würden keinerlei fälschungssichere Merkmale auf-
weisen und es sei bekannt, dass in Syrien praktisch jegliche Art von Doku-
menten käuflich erworben werden könnten. Als entsprechend gering sei
daher deren Beweiswert einzustufen. Zwar gehe aus dem Militärdienst-
büchlein und den Entlassungspapieren hervor, dass Dienstpflichtige nach
Absolvierung des militärischen Grundwehrdienstes dem Reservedienst zu-
geteilt würden. Selbst bei der sogenannten Reservistenkarte – welche vor-
liegend nicht eingereicht worden sei – handle es sich aber nicht um eine
Vorladung, sondern um eine Bestätigung, als Reservist eingeteilt zu sein
und unter Umständen einrücken zu müssen. Im Übrigen könne der Um-
stand, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Ausreise den Status
eines Reservisten gehabt habe, jedoch nicht aktiv in den Reservedienst
einberufen worden sei, nicht als Dienstverweigerung oder Desertion ange-
sehen werden.
Ferner sei das Vorbringen des Beschwerdeführers anlässlich der Anhö-
rung, wonach er von Mitgliedern der Shabiha bedroht, festgehalten und
gefoltert worden sei, als nachgeschoben und damit unglaubhaft zu erach-
ten. In der BzP sei er gefragt worden, ob es abgesehen von den geltend
gemachten Gründen im Zusammenhang mit dem Reservedienst, noch
weitere Asylgründe gebe. Dies habe er verneint, ebenso wie die Frage, ob
er sonst jemals Probleme mit den Behörden oder Dritten gehabt habe. Auf
Nachfrage, ob es weitere Gründe gebe, die gegen eine Rückkehr sprechen
würden, habe er keine genannt. Es könne indes erwartet werden, dass er
alle wichtigen Gründe, welche ihn zum Verlassen des Heimatstaates be-
wogen hätten, bereits bei der BzP erwähne. Dies umso mehr, als sich an-
gesichts der Bedeutung dieses Vorbringens, eine Erwähnung spätestens
bei der Frage nach weiteren Problemen aufgedrängt hätte und er zudem
geltend gemacht habe, auch nach seiner Ausreise seien Familienangehö-
rige von Mitgliedern der Shabiba behelligt worden.
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Soweit der Beschwerdeführer ferner vorbringe, er sei von Mitgliedern der
PKK aufgefordert worden, sich der Partei anzuschliessen, sei festzuhalten,
dass es sich gemäss seinen Aussagen bei der erwähnten PKK um die PYD
(Partiya Yekitîya Demokrat) beziehungsweise YPG (Yekîneyên Parastina
Gel) gehandelt haben dürfte. Es treffe zwar zu, dass in jenen Gebieten im
Norden von Syrien, in welchen die PYD beziehungsweise die YPG die Kon-
trolle habe, Aufforderungen zur Dienstpflicht ergehen würden. Die im Juli
2014 deklarierte Wehrpflicht der kurdischen Behörden, sei aber gemäss
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts mangels Verfolgungs-
motiv und hinreichender Intensität nicht asylrelevant.
Betreffend die Folgen des Bürgerkrieges sei festzuhalten, dass das SEM
die schwierigen Umstände in Syrien und insbesondere das erlittene Leid
des Beschwerdeführers – den Verlust seiner Ehefrau und seines ungebo-
renen Kindes – nicht verkenne. Dieses Vorbringen beziehe sich aber auf
die allgemeine Situation in Syrien und sei demnach nicht asylrelevant.
Schliesslich bestünden keine Hinweise, wonach der Beschwerdeführer
aufgrund seiner kurdischen Ethnie oder seiner jesidischen Glaubenszuge-
hörigkeit in Syrien jemals einer gegen ihn gerichteten Verfolgungsmass-
nahme ausgesetzt gewesen sei. Den Vorbringen, er habe als Kurde keine
gute Schulbildung erhalten und sei von den Behörden bei amtlichen Ange-
legenheiten schikaniert worden, fehle es an der nötigen Intensität.
Schliesslich seien Kurden gemäss bundesverwaltungsrechtlicher Recht-
sprechung in Syrien keiner Kollektivverfolgung ausgesetzt.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung
von Art. 7 und Art. 3 AsylG. Die angeblich widersprüchlichen Aussagen be-
züglich des Zeitpunkts des Erhalts des mündlichen Aufgebots seien auf
eine mangelhafte Übersetzung anlässlich der Anhörung zurückzuführen.
Der Dolmetscher habe zwar Kurdisch gesprochen, aber einen ganz ande-
ren Dialekt. Offenbar habe dieser nicht verstanden, dass er mit einem Mes-
ser, welches auf das Gewehr «geklappt» gewesen sei, in die Achselhöhlen
gestochen worden sei. Stattdessen habe der Dolmetscher von einem Me-
tallstück gesprochen, welches vom Gewehr weggenommen worden sei.
Sodann seien zahlreiche nonverbale Reaktionen im Protokoll festgehalten
worden, welche auf eine Traumatisierung hinweisen würden. Auch die zur
Durchführung eines korrekten Verfahrens anwesende Hilfswerkvertretung
habe medizinische Abklärungen angeregt. Er habe sich bisher in der
Schweiz nicht behandeln lassen und wolle dies auch nicht.
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Die Zweifel der Vorinstanz an der Einberufung in den Militärdienst seien
sodann unbegründet. Es sei notorisch, dass zu jener Zeit in dieser Gegend
viele Personen festgenommen worden seien, um im aktiven Militärdienst
zu dienen. Auch im Reservedienst hätte er sich der syrischen Armee zur
ständigen Verfügung halten müssen. Durch die illegale Ausreise habe er
sich dieser Pflicht entzogen und gelte demnach als Wehrdienstverweige-
rer. Es sei nicht erstaunlich, dass er die Verfolgung durch die Shabiba in
der BzP nicht erwähnt habe, da er durch den Verlust seiner Ehefrau, die
erlittene Folter und den Krieg schwer traumatisiert gewesen sei. Vor die-
sem Hintergrund wäre die Vorinstanz gehalten gewesen, die vorgebrachte
Folter zu würdigen, zumal diese durch Fotos belegt sei. Schliesslich sei die
Annahme, dass die Kurden und Jesiden in Syrien keiner Verfolgung aus-
gesetzt seien, aufgrund der Militäroffensive der Türkei im Oktober 2019 of-
fensichtlich unhaltbar geworden. Bekanntlich sei es in angrenzenden Ge-
bieten des Nordiraks zu schweren Massakern an Jesiden gekommen. Der
syrische Staat sei weder schutzfähig noch schutzwillig.
5.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz zur Rüge der mangelhaften
Übersetzung in der Anhörung aus, die Angaben in der Beschwerde würden
sich mit jenen anlässlich der Anhörung decken. Die Widersprüche würden
sich hingegen aus unterschiedlichen Aussagen in der BzP und anlässlich
der Anhörung ergeben. Es sei demnach nicht ersichtlich, wie die angebli-
chen Verständigungsprobleme in der Anhörung zu den Widersprüchen ge-
führt haben sollen. Im Übrigen sei der Beschwerdeführer in der Anhörung
darauf hingewiesen worden, sich bei Verständigungsproblemen zu mel-
den. Weder dem Anhörungsprotokoll noch dem Bericht der Hilfswerksver-
tretung seien indes Hinweise zu entnehmen, wonach es zu solchen Prob-
lemen gekommen sei. Auch anlässlich der BzP habe der Beschwerdefüh-
rer zwei Mal angegeben, den Dolmetscher gut zu verstehen. Schliesslich
seien die eingereichten Beweismittel nicht geeignet, die als nachgescho-
ben qualifizierten Vorbringen zu belegen. Die Fotos würden lediglich zei-
gen, dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit Verletzungen in der
Achselhöhle erlitten habe, wobei keine Rückschlüsse auf den Zeitpunkt
und die Umstände, welche zu den Narben geführt haben, gezogen werden
könnten.
5.4 In der Replik macht der Beschwerdeführer geltend, er sei zwar zu Be-
ginn der BzP gefragt worden, ob er den Dolmetscher gut verstehe. In der
BzP werde aber auf Einwendungen, wonach der Dolmetscher einen ande-
ren Dialekt spreche, nicht eingegangen. Widersprüche zwischen der BzP
und der Anhörung seien daher vorsichtig und wohlwollend zu würdigen.
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Dass die Übersetzung auch anlässlich der Anhörung schlecht gewesen sei,
werde am Beispiel der Vorbringen im Zusammenhang mit der Folter deut-
lich. Zudem habe es die Vorinstanz unterlassen, eine Folteropferbegutach-
tung zu veranlassen.
6.
6.1 Zunächst ist auf das Vorbringen in der Beschwerde einzugehen, wo-
nach die Übersetzung anlässlich der Anhörung mangelhaft gewesen sei.
Auf die Frage zu Beginn der Anhörung, wie er den Dolmetscher verstehe,
antwortete der Beschwerdeführer «ein wenig». Er habe einen anderen Di-
alekt, weshalb er ihn teilweise nicht verstehe. Die Vorinstanz führte in der
Vernehmlassung zutreffend aus, dass die Befragerin den Beschwerdefüh-
rer zu Beginn der Anhörung darauf hingewiesen habe, er solle sich melden,
wenn er etwas nicht verstehe, was dieser mit «in Ordnung» bestätigte. Auf
erneute Frage kurz darauf, gab der Beschwerdeführer an, er verstehe den
Dolmetscher gut; es gebe jedoch einige Wörter, die er nicht verstehe. Er-
neut wurde er darauf hingewiesen, dass er bei Verständnisschwierigkeiten
nachfragen solle. Die Frage, ob er bisher alles verstanden habe, bejahte
der Beschwerdeführer. Auf nochmalige Nachfrage, gab er an, die Verstän-
digung sei gut (vgl. SEM-Akten A19/21 F1 ff. und F47). Im weiteren Verlauf
der Anhörung wies der Beschwerdeführer nicht auf Verständnisschwierig-
keiten hin. Dem Protokoll lassen sich auch keine Hinweise entnehmen, wo-
nach er nicht in der Lage gewesen sein soll, der Anhörung zu folgen und
die Fragen zu beantworten. Auch die zur Durchführung eines korrekten
Verfahrens anwesende Hilfswerkvertretung hat nichts Entsprechendes
festgehalten und keine Einwände zum Protokoll erhoben.
Ebenso wenig lassen sich dem Protokoll der BzP Anzeichen einer mangel-
haften Übersetzung entnehmen. So gab der Beschwerdeführer zu deren
Beginn an, den Dolmetscher gut zu verstehen (vgl. SEM-Akten A7/11 S. 2).
Am Schluss der BzP wurde dem Beschwerdeführer das Protokoll rücküber-
setzt, worauf er eine Korrektur anbrachte. Er bestätigte sodann unter-
schriftlich, dass das Protokoll in eine ihm verständliche Sprache rücküber-
setzt worden sei und seien freien Äusserungen entspreche (a.a.O. S. 8).
Er hat sich demnach bei seinen Aussagen behaften zu lassen.
6.2 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die Vorinstanz habe keine wei-
teren Abklärungen bezüglich seines Gesundheitszustandes gemacht, ist
festzuhalten, dass er anlässlich der Anhörung auf die Frage nach seinem
Gesundheitszustand antwortete, er habe Angst wegen seinen Familienan-
gehörigen. Psychisch gehe es ihm gut (vgl. SEM-Akten A19/21 F62 f.). An
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anderer Stelle gab er an, jedes Mal, wenn er seine Verletzungen in den
Achselhöhlen sehe, gehe es ihm psychisch nicht gut. Aus diesem Grund
habe er einmal in der Schweiz einen Arzt aufgesucht. Sie hätten sich aber
nicht verständigen können. Die Befragerin wies den Beschwerdeführer da-
raufhin, er habe das Recht, einen Arzt aufzusuchen und er könne seinen
Betreuer um Hilfe bitten (vgl. a.a.O. F167 ff.). Auf dem Unterschriftenblatt
vermerkte die Hilfswerkvertretung, der Beschwerdeführer scheine durch
die Erlebnisse psychisch schwer belastet zu sein. Er schildere schlimme
Vorfälle mit blanker Mimik und wirke anteilslos. Nach der Mittagspause sei
er aufgestanden und sogleich wieder zusammengesackt. Er habe gezittert,
hyperventiliert, geweint und nervös gewirkt. Aufgrund der gemachten Be-
obachtungen halte sie eine psychiatrische Abklärung für angezeigt.
Der Beschwerdeführer wurde anlässlich der Anhörung darauf hingewiesen,
er habe das Recht, einen Arzt aufzusuchen. Zwischen der Anhörung im
Februar 2018 und dem Entscheid im Oktober 2019 hat er indes im Rahmen
seiner Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) keinen Arztbericht zu den Akten ge-
geben. Gemäss Eingabe vom 12. Dezember 2019 hat ein Erstgepräch bei
den (...) stattgefunden. Ein entsprechender Bericht wurde indessen nicht
eingereicht. Erst mit der Replik gab der Beschwerdeführer einen Kurzbe-
richt von Dr. med. (...) vom 20. Dezember 2019 betreffend seine Narben
zu den Akten und führte in der Beschwerde aus, er habe sich bisher nicht
behandeln lassen und wolle dies auch nicht. Er versuche, die Erlebnisse
zu vergessen. Vor diesem Hintergrund war die Vorinstanz nicht gehalten,
weitere Abklärungen bezüglich des Gesundheitszustandes zu machen o-
der gar eine Folterbegutachtung in Auftrag zu geben.
6.3 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, er sei von Mitgliedern der
Shabiba bedroht, festgehalten und gefoltert worden. Auch wenn die Aus-
sagen in der BzP zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur beschränkt her-
angezogen werden dürfen, ist aufgrund der Wichtigkeit dieses Vorbringens
nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer die angebliche Ver-
folgung durch die Shabiba in der BzP nicht zumindest andeutete. Vielmehr
verneinte er die Frage nach weiteren Asylgründen ausdrücklich. Ebenso
verneinte er, abgesehen von der Einberufung in den Reservedienst, Prob-
leme mit den Behörden oder Dritten gehabt zu haben (vgl. SEM-Akten
A7/11 S. 6 f.). Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach die Verfolgung
durch die Shabiba als nachgeschoben und demnach unglaubhaft zu erach-
ten ist, ist nicht zu beanstanden. Dies umso mehr, als der Beschwerdefüh-
rer auch anlässlich der Anhörung bei den Fragen nach seinen Asylgründen,
die Verfolgung durch die Shabiba vorerst nicht von sich aus erwähnte (vgl.
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SEM-Akten A19/21 F104 ff.). Erst gegen Ende der Anhörung, als er nach
erlittener Gewalt in Syrien gefragt wurde, gab er an, er sei von Mitgliedern
der Shabiba in einem Keller geschlagen und gefoltert worden (vgl. a.a.O.
F149 ff.). Weitergehend kann diesbezüglich um Wiederholungen zu ver-
meiden, vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen in der angefoch-
tenen Verfügung verwiesen werden.
6.4 Soweit der Beschwerdeführer ferner geltend macht, er sei anlässlich
der BzP schwer traumatisiert gewesen, was bei der Beurteilung der Glaub-
haftigkeit seiner Vorbringen zu berücksichtigen sei, ist festzuhalten, dass
er erstmals mit der Replik einen Kurzbericht vom 20. Dezember 2019 be-
treffend seine Narben und mit seinem Fristerstreckungsgesuch vom
12. Dezember 2019 eine Anfrage an die (...) vom 11. Dezember 2019 so-
wie deren Antwort vom 12. Dezember 2019 einreichte. Letzterer lässt sich
entnehmen, dass eine Konsultation erfolgte und ein Bericht dieses Erstge-
spräches erstellt wurde. Im weiteren Verlauf des Verfahrens reichte der Be-
schwerdeführer indes in Verletzung seiner Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 8
AsylG) weder den Bericht des Erstgespräches noch weitere Arztberichte
ein, welche eine psychische Erkrankung oder eine Traumatisierung bele-
gen würden. Im Übrigen ist festzuhalten, dass ein Arztbericht zwar eine
psychische Störung beziehungsweise eine Traumatisierung belegen kann,
nicht aber deren genaue Ursache (vgl. Urteil des BVGer E-1728/2020 vom
16. Juni 2021 E. 9.3 m.w.H.). Ferner führte die Vorinstanz in der Vernehm-
lassung zutreffend aus, aus den eingereichten Fotos seien zwar Verletzun-
gen in den Achselhöhlen des Beschwerdeführers ersichtlich, diesen aber
keine Rückschlüsse auf den Zeitpunkt und die Umstände, welche zu den
Narben geführt haben, entnommen werden können. Die eingereichten Be-
weismittel sind demnach nicht geeignet, die als nachgeschoben qualifizier-
ten Vorbringen zu belegen.
6.5 Betreffend die geltend gemachte Einberufung des Beschwerdeführers
in den Militärdienst ist festzuhalten, dass – ungeachtet deren Glaubhaf-
tigkeit – eine Bestrafung wegen Dienstverweigerung asylrechtlich nur dann
von Relevanz wäre, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1
AsylG verbunden ist, mithin die betroffene Person aus den in dieser Norm
genannten Gründen wegen ihrer Wehrdienstverweigerung eine Behand-
lung zu gewärtigen hat, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2
AsylG gleichkommt (vgl. BVGE 2015/3 E. 5.9). Bezogen auf die spezifische
Situation in Syrien erwog das Gericht, die genannten Voraussetzungen
seien im Fall eines Wehrdienstverweigerers oder Deserteurs erfüllt, wel-
cher der kurdischen Ethnie angehöre, einer oppositionell aktiven Familie
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entstamme und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staat-
lichen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen habe (vgl. a.a.O.
E. 6.7.3; bestätigt in BVGE 2020/7 E. 5.1.2). Dies ist vorliegend gestützt
auf die vorangegangenen Erwägungen zu verneinen. Der Beschwerdefüh-
rer gehört zwar der kurdischen Ethnie an. Seinen eigenen Angaben zufolge
hat er sich aber, abgesehen von Teilnahmen an Demonstrationen, nicht
politisch betätigt. Sodann verneinte er aufgrund der Teilnahme an De-
monstrationen Probleme mit den Behörden gehabt zu haben (vgl. SEM-
Akten A7/11 Ziff. 7.02). Ferner machte er nicht geltend, aus einer oppositi-
onell aktiven Familie zu stammen. Auf die Ausführungen in der Be-
schwerde zur Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Einberufung In den
Reservedienst und die in diesem Zusammenhang eingereichten Beweis-
mitteln ist demnach nicht weiter einzugehen.
6.6 Bezüglich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten drohenden
Rekrutierung durch die PYD beziehungsweise YPG ist festzuhalten, dass
einer solchen grundsätzlich keine Asylrelevanz zukommt, da auch diese
Dienstpflicht nicht an eine der in Art. 3 AsylG erwähnten Eigenschaften an-
knüpft beziehungsweise deswegen kein asylrelevanter Nachteil droht (vgl.
Referenzurteil des BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.3; bestätigt
in den Urteilen des BVGer D-4482/2018 vom 12. Oktober 2018 E. 5.2 und
E-2239/2019 vom 25. Juni 2019 E. 8.6).
6.7 Schliesslich genügt auch die Zugehörigkeit zur kurdische Ethnie allein
nicht, um eine flüchtlingsrechtlich relevante individuelle Verfolgung anzu-
nehmen. Gemäss geltender Rechtsprechung ist nicht davon auszugehen,
dass syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie im heutigen Zeitpunkt in
besonderer und gezielter Weise aufgrund ihrer Ethnie in einem derart wei-
ten und umfassenden Ausmass unter Anfeindungen zu leiden hätten, dass
von einer Kollektivverfolgung ausgegangen werden müsste. Auch unter
dem Gesichtspunkt der heute veränderten Lage, insbesondere seit dem
Einmarsch der türkischen Sicherheitskräfte und der verbündeten islamisti-
schen Milizen in Nordsyrien, ist nicht anzunehmen, dass sämtliche in Sy-
rien und insbesondere in Nordsyrien verbliebenen Kurdinnen und Kurden
derzeit eine objektiv begründete Furcht vor einer Verfolgung hätten (vgl.
etwa Urteile des BVGer D-1220/2020 vom 3. November 2020 E. 6.5,
D-6344/2018 vom 26. Mai 2020 E. 5.4, D-6431/2019 vom 16. März 2020
E. 5.2.3 und E-937/2017 vom 16. Januar 2020 E. 6.3). Die Zugehörigkeit
zur jesidischen Glaubensgemeinschaft genügt für sich alleine ebenfalls
nicht, um die Flüchtlingseigenschaft zu begründen; die Rechtsprechung
verneint das Bestehen einer Kollektivverfolgung von Jesiden in Syrien (vgl.
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dazu Urteile des BVGer E-3650/2018 vom 12. Juli 2018 E. 6.3 und
E-2996/2018 vom 4. Juli 2018 E. 7.1 und D-5771/2014 vom 17. Feb-
ruar 2017 E. 6.3). Schliesslich ergibt sich aus den Akten nicht, inwiefern die
vor vielen Jahren angeblich auferzwungene Islamisierung für die Ausreise
des Beschwerdeführers kausal gewesen wäre.
6.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37
E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Im vorliegenden Fall bleibt anzumerken, dass sich aus den vorstehenden
Erwägungen nicht der Schluss ergibt, der Beschwerdeführer sei zum heu-
tigen Zeitpunkt angesichts der allgemeinen Situation in Syrien in seinem
Heimatstaat nicht gefährdet. Der bürgerkriegsbedingten Gefährdungslage
und der fortbestehenden Volatilität und Dynamik der Entwicklung in Syrien
wurde jedoch durch die Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs durch die Vorinstanz Rechnung
getragen. Auf die Ausführungen in der Beschwerde zur Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs ist demnach nicht weiter einzugehen, zumal Voll-
zugshindernisse im Sinne von Art. 83 Abs. 1 AIG (SR 142.20) alternativer
Natur sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
besteht kein Anlass. Die Beschwerde ist abzuweisen.
E-5671/2019
Seite 15
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Besch-
werdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenver-
fügung vom 4. November 2019 die unentgeltliche Prozessführung gewährt
wurde und gestützt auf die Angaben im Formular «Gesuch um unentgeltli-
che Rechtspflege» vom 15. Juli 2021 und den Beilagen nach wie vor von
der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, sind keine Ver-
fahrenskosten zu erheben.
10.2 Mit gleicher Zwischenverfügung wurde dem Beschwerdeführer die
amtliche Verbeiständung gewährt und Rechtsanwalt Bernhard Jüsi als
amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. In der Kostennote vom 5. Juli 2021
wird ein Aufwand von 11.70 Stunden zu einem Stundenansatz von
Fr. 300.– und Auslagen in der Höhe von Fr. 76.– (total Fr. 3'862.10, inkl.
MwST) geltend gemacht. Der Aufwand erscheint angemessen und ist unter
Berücksichtigung der Eingabe vom 27. Juli 2021 auf 12 Stunden festzuset-
zen. Das Gericht geht bei amtlicher Vertretung durch Anwältinnen und An-
wälte indes von einem Stundenansatz von Fr. 220.– aus (vgl. Zwischen-
verfügung vom 4. November 2019). Dem amtlichen Rechtsbeistand ist
durch das Gericht ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'919.– (inkl. Auslagen
und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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