Decision ID: 39a1f71b-4833-58c5-a8b4-744161cdbabb
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich im Juni 2013 erstmals bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen an (IV-act. 4; zur Früherfassung vgl. IV-act. 1). Er gab in seiner
Anmeldung an, ein Diplom im Reinigungsbereich absolviert zu haben (vgl. IV-act. 4
S. 4; vgl. dazu ferner IV-act. 19). Zuletzt arbeitstätig war er in der [...]-reinigung in einer
von _ 2008 bis _ 2010 dauernden Anstellung im Stundenlohn bei der B._ AG
gewesen, wobei der letzte effektive Arbeitstag im _ 2009 stattgefunden hatte (vgl. IV-
act. 24 S. 1 ff.; vgl. ferner IV-act. 4 S. 4). Gemäss den Angaben des Versicherten hatte
das Pensum in dieser letzten Anstellung ca. 20-30 % betragen (vgl. IV-act. 2 S. 3).
Nach der Einholung diverser Unterlagen (vgl. IV-act. 5 ff.) sowie der Durchführung eines
Assessmentgesprächs (vgl. IV-act. 49) erteilte die IV-Stelle im Sommer 2014 den
Auftrag zu einer medizinischen Begutachtung (vgl. IV-act. 51 ff.). Am 29. Januar 2015
erstattete die Ärztliche Begutachtungs-Institut GmbH (ABI) ein polydisziplinäres
(Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Orthopädie und Neuropsychologie) Gutachten
(vgl. IV-act. 58). In ihrem interdisziplinären Konsens nannten die Sachverständigen als
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Instabilität der
dominanten rechten Schulter bei einem Status nach einer Reposition einer ventralen
Schulterluxation am 1. Januar 2008, einem Status nach einer diagnostischen
Arthroskopie sowie einer arthroskopischen SLAP- und Bankart-Refixation am 7. Juni
2011 nach rezidivierender Subluxation, einer Ruptur des Labrums superior sowie des
A.a.
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Bizepssehnenankers (MRT-Untersuchung vom 18. September 2013) und klinischen
Zeichen einer Instabilität. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
erwähnten sie eine Dysthymie, ein chronisches Instabilitätsgefühl der nicht dominanten
linken Schulter bei klinisch weitgehend unauffälligem sowie radiologisch unauffälligem
Befund (MRT-Untersuchung vom 18. September 2013), eine konstitutionell vermehrte
Bandlaxizität sowie einen chronischen Nikotinabusus (IV-act. 58 S. 18 f.). Weiter kamen
die Sachverständigen zum Schluss, dass in der angestammten Tätigkeit ebenso wie in
jeder anderen körperlich mittelschweren Tätigkeit mit wiederholtem Einsatz der rechten
oberen Extremität oberhalb des Schulterniveaus eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bestehe. Für körperlich leichte Verrichtungen unter Wechselbelastung liege dagegen
eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor. Das
wiederholte Heben und Tragen von Lasten über 10 kg oberhalb des Brustniveaus
sowie der Einsatz der rechten oberen Extremität oberhalb des Schulterniveaus sollten
vermieden werden (IV-act. 58 S. 19 f.). Die attestierte Arbeitsfähigkeit in
leidensangepassten Tätigkeiten sei sechs Monate nach dem 7. Juni 2011, dem Datum
des durchgeführten Schultereingriffs, anzunehmen (IV-act. 58 S. 20). Mit Mitteilung
vom 26. März 2015 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um berufliche
Massnahmen ab, da gemäss der gutachterlichen Abklärung in einer körperlich leichten
Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vorliege, sodass für die Stellensuche das
regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zuständig sei (IV-act. 62). Nach Erlass
eines entsprechenden Vorbescheids (IV-act. 65) und mangels eines Einwandes seitens
des Versicherten verfügte die IV-Stelle am 29. Mai 2015 die Abweisung des
Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 0 % (IV-act. 66).
Am 4. Oktober 2018 meldete sich der Versicherte ohne Angaben zu den
gesundheitlichen Beeinträchtigungen erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(IV-act. 67). Nach einer Aufforderung der IV-Stelle zur Einreichung von Unterlagen, die
eine Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse glaubhaft machten (vgl. IV-act. 69),
teilte der Versicherte in einem Schreiben vom 19. Oktober 2018 mit, dass er sich nach
dem letzten ablehnenden Entscheid der IV-Stelle in verschiedenen beruflichen
Tätigkeiten einzubringen versucht habe, jedoch seien die Arbeitsstellen nur temporär
gewesen. Gute Arbeitsstellen hätten sich bis zum März 2018 nicht finden lassen. Im
März 2018 habe er eine Anstellung als Chauffeur für einen Paketlieferdienst antreten
A.b.
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können. Bei dieser Stelle habe es sich aber nicht vermeiden lassen, Lasten zu tragen.
Dadurch seien die Schmerzen zurückgekehrt, sodass er nicht mehr fähig gewesen sei,
die Tätigkeit auszuüben. Schliesslich sei es zur Kündigung gekommen. Da er nicht
mehr als 5 kg tragen könne, sei seiner Meinung nach zwingend eine Umschulung
angezeigt. Er habe sich mit dem ablehnenden Rentenbescheid vom Jahr 2015 noch
einverstanden erklären können, da die Hoffnung bestanden habe, irgendwann wieder
eine körperlich anspruchsvolle Tätigkeit übernehmen zu können. Diese Hoffnung habe
sich nun aber zerschlagen (IV-act. 72 S. 1). Seinem Schreiben legte der Versicherte
einen Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) über eine Untersuchung
vom 25. September 2018 bei, in welchem als Diagnosen Schulterschmerzen rechts bei
beginnender Instabilitäts-Arthropathie Schulter rechts sowie ein Status nach
Schulterarthroskopie, SLAP-Repair und Bankartrepair Juni 2011 genannt waren. Weiter
war im Bericht festgehalten worden, dass eine Arthro-MRT-Untersuchung der Schulter
rechts vom 21. September 2018 zwei freie Gelenkskörper im posteroinferioren
Recessus, eine SLAP-Läsion, eine Rotatorenmanschette mit intakter und guter
Muskeltrophik sowie eine Hill-Sachs-Läsion gezeigt habe (zum MRT-Befund vgl. IV-
act. 82 S. 8 f.). Die in der Arthro-MRT-Untersuchung sichtbaren strukturellen Läsionen
seien weitestgehend bereits in der Arthro-MRT-Untersuchung vom Jahr 2013
vorhanden gewesen, jedoch sei damals erst ein klarer freier Gelenkskörper zur
Darstellung gebracht worden. Es sei damals zu einem längeren symptomfreien Intervall
gekommen, wobei der Versicherte zu dieser Zeit auch keine körperliche Tätigkeit
ausgeübt habe. Bei der Wiederaufnahme einer entsprechenden Arbeit seien erneut
Schulterschmerzen aufgetreten. Eine schwere körperliche Tätigkeit sei für den
Versicherten kaum sinnvoll, eine Umschulung würde durchaus Sinn machen. Die
Möglichkeit zu einer weiteren operativen Therapie sei mit dem Versicherten
besprochen worden, jedoch scheine eine solche für diesen nicht das primäre Ziel zu
sein. Zudem sei festzuhalten, dass die vom Versicherten geschilderten Beschwerden
schwer zu interpretieren seien und es unsicher sei, ob durch eine solche Operation die
Schmerzen geschweige denn die Arbeitsfähigkeit positiv beeinflusst werden könnten.
Vorerst seien keine weiteren Kontrollen mehr geplant (IV-act. 72 S. 3 f.). In einer
Stellungnahme vom 12. November 2018 hielt der regionale ärztliche Dienst (RAD) fest,
dass der medizinische Sachverhalt mit der Verlaufs-MRT-Untersuchung sowie dem
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orthopädischen Bericht genügend abgeklärt sei. Der Gesundheitszustand mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe sich seit der Referenzsituation nicht
wesentlich verändert. Für schulterentlastende Tätigkeiten liege eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit vor, jedoch müssten die Adaptionskriterien strikt eingehalten werden
(IV-act. 73 S. 1 f.).
Mit Vorbescheid vom 13. November 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, auf das neue Leistungsbegehren nicht einzutreten, da mit dem neuen Gesuch
nicht glaubhaft dargelegt worden sei, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der
letzten Verfügung wesentlich verändert hätten. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im
Paketlieferdienst sei nicht optimal adaptiert gewesen. Bei Berücksichtigung der
Adaptionskriterien sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 75). In
einem Bericht vom 3. Dezember 2018 hielt Dr. med. D._, Orthopädie E._ als
Befunde fest, dass aktuell endgradig eine deutliche Bewegungseinschränkung,
insbesondere eine Innenrotation mit schmerzbedingter Kraftminderung bei ansonsten
gutem Ansprechen der Kennmuskeln der Rotatorenmanschette, bestehe. Die
Apprehension sei angedeutet positiv ab 80 Grad Flexion/Aussenrotation. Die Gagey-
Zeichen seien allenfalls angedeutet positiv. Bizeps und SLAP seien positiv und ein
Impingementtest ebenfalls leichtgradig positiv. Theoretisch bestünde die Möglichkeit
zu einer operativen Revision, jedoch möchte der Versicherte operative Eingriffe nach
Möglichkeit vermeiden. Der Versicherte strebe eine Umschulung an. Eine körperlich
wenig belastende Arbeit sei mit maximaler Belastung des extendierten Armes von 5 kg,
auf Tischhöhe maximal 2 kg, ohne Überkopftätigkeiten und ohne repetitive Tätigkeiten
zumutbar (IV-act. 80; zu einem weiteren Bericht von Dr. D._ vom 28. September 2018
vgl. IV-act. 82 S. 6 f.). In einer Stellungnahme vom 7. Dezember 2018 hielt der RAD
fest, dass im Sprechstundenbericht von Dr. D._ erneut die Instabilitätsproblematik
der rechten Schulter geschildert werde. Trotz kräftiger Muskulatur sei der Versicherte
durch die reduzierte Schulterfunktion rechts bei körperlich anspruchsvolleren Arbeiten
eingeschränkt. Allerdings habe sich der Gesundheitszustand gegenüber der
Referenzsituation nicht wesentlich verändert. Dr. D._ lege die Adaptionskriterien
noch etwas strenger aus und beschränke die Gewichtsbelastung des rechten Armes
auf 2 bis maximal 5 kg. Eine volle Arbeitsfähigkeit sei unter ideal adaptierten
Konditionen ausgewiesen. Körperlich sehr leichte, nicht schulterbelastende Tätigkeiten
A.c.
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seien im Hilfsarbeiterbereich Mangelware. Ohne entsprechende Ausbildung seien die
Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlecht. Hier beginne das soziale Problem (IV-act. 81).
Am 13. Dezember 2018 liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur.
S. Bischof, St. Gallen, Einwand gegen den Vorbescheid vom 13. November 2018
erheben. Er liess im Wesentlichen geltend machen, im Vergleich zum polydisziplinären
Gutachten liege eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes vor, was
sich in einem verstärkten Funktionsdefizit bemerkbar mache. Im Übrigen sei schon die
letzte Abweisung der beruflichen Massnahmen nicht korrekt gewesen, da der RAD in
einer Stellungnahme aus dem Jahr 2014 bereits festgehalten habe, dass eine
Einschränkung hinsichtlich der Stellenauswahl sowie hinsichtlich des Führens eines
Vorstellungsgesprächs bestehe (vgl. IV-act. 82). Am 8. Januar 2019 führte der RAD aus,
dass er zu den seitens des Versicherten vorgebrachten Einwänden bereits Stellung
genommen habe. Die MRT-Befunde vom September 2013 und September 2018
beschrieben im Prinzip identische strukturelle Läsionen. Das Risiko einer irreparablen
Gelenkschädigung steige umso länger die lädierte Schulter fehlbelastet werde. Die
Gefahr einer Verschlechterung der psychischen Befindlichkeit mit zunehmender Dauer
der Erwerbslosigkeit sei nicht von der Hand zu weisen, treffe aber auf jede versicherte
Person zu. Eine konkrete relevante psychische Problematik sei aktuell nirgends
dokumentiert. Hinsichtlich der geforderten beruflichen Massnahmen sei auf eine
frühere Einschätzung zu verweisen, wonach der Versicherte hinsichtlich der
Stellenauswahl sowie hinsichtlich des Führens eines Vorstellungsgesprächs
eingeschränkt sei, sodass er von kompetenter Seite unterstützt werden sollte. Die
Veranlassung geeigneter Massnahmen falle nicht in den Kompetenzbereich des RAD.
Zumutbar seien körperlich leichte bis sehr leichte Tätigkeiten mit weitgehender
Schulterentlastung rechts und maximaler Hebe- und Tragebelastung von 5 kg, ohne
Überkopfarbeiten, ohne Einsatz der rechten oberen Extremität über Schulterniveau und
ohne repetitive Verrichtungen rechts (IV-act. 84). Am 21. Februar 2019 widerrief die IV-
Stelle den Vorbescheid vom 13. November 2018 und trat auf die Neuanmeldung des
Versicherten vom Oktober 2018 ein. Zur Begründung hielt sie im Wesentlichen fest,
dass im ABI-Gutachten unter anderem festgehalten worden sei, dass Lasten über 10
kg oberhalb des Brustniveaus vermieden werden sollten. Aktuell erachte der RAD nur
A.d.
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noch eine Hebebelastung von 5 kg als zumutbar. Insofern liege eine Veränderung des
Sachverhaltes vor (IV-act. 88).
Anlässlich eines Assessmentgesprächs vom 4. März 2019 gab der Versicherte an,
dass seine gesamte körperliche Belastbarkeit aufgrund der Schulterproblematik stark
vermindert sei. Neben den physischen Problemen sei auch seine psychische
Verfassung angeschlagen. Er sei verzweifelt und habe enorme Zukunftsängste.
Aufgrund von negativem Gedankenkreisen habe er Mühe mit Einschlafen und
Durchschlafen sei schmerzbedingt nicht möglich. Trotz seines Zustandes habe er bis
anhin noch keine fachpsychiatrische Behandlung aufgenommen oder mit der
Hausärztin thematisiert. Er habe zuletzt als Chauffeur in einem Vollpensum gearbeitet.
Die Arbeitsstelle sei vom Arbeitgeber aus gesundheitlichen Gründen gekündigt worden.
Wegen seiner Beschwerden habe er die Aufgaben kaum erledigen können. Diese
Monate hätten schliesslich verdeutlicht, dass er auf dem ersten Arbeitsmarkt über
keine verwertbare Arbeitsfähigkeit verfüge. Zuvor habe er von August 2014 bis März
2015 als Paketlieferant in einem Pensum von 15-20 % gearbeitet. Bei der
Arbeitslosenversicherung sei die Aussteuerung schon vor Jahren erfolgt, weshalb er
sich auf dem Sozialamt habe anmelden müssen. Bezüglich seiner beruflichen Zukunft
habe er sich bereits diverse Gedanken gemacht. Aufgrund seines Ausbildungsniveaus,
der fehlenden Referenzen und zur Hauptsache wegen der gesundheitlichen
Einschränkungen empfinde er seine Situation als völlig hoffnungslos. Eine berufliche
Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt empfinde er als komplett unrealistisch.
Zudem wäre der Antritt einer neuen Stelle mit grossen Ängsten vor einer erneuten
Kündigung verbunden, was schliesslich wieder eine Depression verursachen würde. Er
erachte sich auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig, jedoch würde er gerne
etwas tun, weshalb er am liebsten im geschützten Rahmen arbeiten möchte und sich
einen positiven Rentenbescheid erhoffe. Die Eingliederungsverantwortliche merkte im
Assessmentprotokoll an, dass sie dem Versicherten die Abläufe im IV-Verfahren
mehrfach und deutlich erläutert habe. Aufgrund der subjektiven Arbeitsunfähigkeit und
der bestehenden Rentenbegehrlichkeit erachte sie berufliche Massnahmen als nicht
zielführend (IV-act. 93). Mit Vorbescheid vom 15. März 2019 stellte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen in
Aussicht, da er sich im ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig fühle und die
A.e.
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Rentenprüfung wünsche (IV-act. 96). Gegen diesen Vorbescheid liess der weiterhin
durch Rechtsanwalt Bischof vertretene Versicherte am 1. Mai 2019 Einwand erheben.
Er liess im Wesentlichen geltend machen, dass er im Rahmen des
Assessmentgesprächs die Information über den zweiten Arbeitsmarkt mit der
Möglichkeit eines geschützten Arbeitsplatzes erhalten habe. Selbstverständlich habe
diese Möglichkeit für ihn verlockend geklungen, weshalb er den Wunsch nach einer
solchen Beschäftigung geäussert habe. Dies auch vor dem Hintergrund der fehlenden
beruflichen Ausbildung, der gesundheitlichen Verfassung und der negativen
Erfahrungen auf dem ersten Arbeitsmarkt. In Wahrheit möchte er aber wieder einer
geregelten Tagesstruktur mit Arbeit nachgehen, egal ob auf dem ersten oder zweiten
Arbeitsmarkt. Die aktuelle Situation sei eine unerträgliche psychische Belastung. Er sei
für die Rückkehr in den Arbeitsmarkt auf fachlich kompetente Unterstützung und
Begleitung der IV-Stelle angewiesen. Schliesslich liess er beantragen, die Ansprüche
auf berufliche Massnahmen und Integrationsmassnahmen seien erneut zu prüfen (IV-
act. 101). Mit Verfügung vom 14. Mai 2019 lehnte die IV-Stelle einen Anspruch auf
berufliche Massnahmen ab. Aufgrund der Äusserungen im Assessmentgespräch seien
berufliche Massnahmen nicht zielführend. Ein Anspruch auf Integrationsmassnahmen
bestehe bei einer vorhandenen adaptierten Arbeitsfähigkeit von 100 % nicht. Auch
diese zielten im Übrigen auf die Integration in den ersten Arbeitsmarkt ab (IV-act. 105).
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 11. Juni 2019 beim
Versicherungsgericht Beschwerde. Er machte geltend, dass ihm unterstellt werde, er
könne in einer leichten Tätigkeit zu 100 % arbeiten, was er nicht nachvollziehen könne.
Bei den meisten Berufen habe man nur mit einer körperlichen Belastbarkeit oder einer
bestimmten Qualifikation eine Chance. Ihm sollte eine berufliche
Integrationsmassnahme gewährt werden, um den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt
zu ermöglichen. Sein Ziel sei es, wieder einen Beruf ohne Beschwerden auszuüben. Es
sei im Rahmen der Berufsberatung zu einem Missverständnis gekommen, da er sich
nicht bewusst gewesen sei, was die Begriffe des ersten und zweiten Arbeitsmarktes
bedeuteten. Auch wünsche er eine erneute gutachterliche Abklärung (IV-act. 108). Mit
Verfügung vom 3. Juli 2019 widerrief die IV-Stelle ihre Verfügung vom 14. Mai 2019 (IV-
act. 115; zu den Überlegungen, die zum Widerruf geführt haben, vgl. IV-act. 114). In der
Folge schrieb das Versicherungsgericht das bei ihm anhängig gemachte Verfahren ab
(IV-act. 126).
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Am 8. Juli 2019 unterzeichnete der Versicherte einen Eingliederungsplan der IV-
Stelle mit dem Ziel der Arbeitsvermittlung (IV-act. 119). Mit Mitteilung vom 9. Juli 2019
sprach die IV-Stelle dem Versicherten Beratung und Unterstützung bei der
Stellensuche durch die Eingliederungsberatung zu (IV-act. 120). Am 10. Juli 2019 fand
ein erneutes Abklärungsgespräch statt, anlässlich welchem der
Eingliederungsverantwortliche dem Versicherten die Unterschiede zwischen dem
ersten und zweiten Arbeitsmarkt sowie die Unterstützungsmöglichkeiten im Rahmen
der beruflichen Eingliederung erläuterte. Konkret unterbreitete der
Eingliederungsverantwortliche das Angebot eines Arbeitsversuchs, der Ausrichtung von
Einarbeitungszuschüssen sowie die Hilfe bei der Erstellung und Überarbeitung des
Bewerbungsdossiers. Sodann wurde vereinbart, dass der Versicherte monatlich sechs
Stellenbewerbungen liefere (IV-act. 143-2 f.). Mit einer E-Mail vom 6. August 2019
fragte der Eingliederungsverantwortliche nach, ob der Versicherte mit den Arbeitgebern
der laufenden Bewerbungen bereits Kontakt aufgenommen und ihnen mitgeteilt habe,
dass die IV-Stelle eine Unterstützung bieten könnte, worauf der Versicherte offenbar
umgehend antwortete (IV-act. 143-3). Anlässlich eines Beratungsgesprächs vom 14.
Oktober 2019 wurde der Verlauf der Stellensuche thematisiert. Der Versicherte erklärte,
dass er sich nach offenen Stellen umsehe. Dass der Eingliederungsverantwortliche
telefonischen Kontakt mit den Arbeitgebern aufnimmt, um
Unterstützungsmöglichkeiten anzubieten, wünschte der Versicherte jedoch nicht. Der
Eingliederungsverantwortliche erläuterte dem Versicherten, dass die beruflichen
Massnahmen abgeschlossen würden, sofern die Stellensuche bis Februar 2020
erfolglos bleibe (IV-act. 143). Am 17. Januar 2020 teilte der Versicherte der IV-Stelle
mit, dass er neu in psychiatrischer Behandlung im Psychiatriezentrum Z._ sei. Über
das Sozialamt werde eine Beschäftigungsmassnahme bei "F._" aufgegleist (IV-
act. 146 S. 2). Auf Nachfrage seitens der IV-Stelle (IV-act. 145) teilte der zuständige
Mitarbeiter des entsprechenden Sozialamtes am 4. Februar 2020 mit, dass der
Versicherte nach seinem Eindruck gesundheitsbedingt nicht eingeschränkt sei, um in
einer leidensangepassten Tätigkeit zu arbeiten. Im Mailverkehr der letzten sechs oder
sieben Wochen habe der Versicherte keine medizinischen Probleme genannt und es
lägen auch keine Arbeitsunfähigkeitszeugnisse vor. Am 12. Februar 2020 sei ein Termin
bei "F._" geplant (IV-act. 146 S. 2). Mit Vorbescheid vom 14. Februar 2020 stellte die
IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung weiterer beruflicher Massnahmen in
A.f.
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B.
Aussicht, da es trotz der seit dem 8. Juli 2019 gewährten Unterstützung bei der
Stellensuche nicht gelungen sei, eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt zu finden und
der Versicherte angegeben habe, dass sich sein Gesundheitszustand seit dem
Gutachten aus dem Jahr 2015 verschlechtert habe (IV-act. 147). Gegen diesen
Vorbescheid erhob der Versicherte am 29. Februar 2020 Einwand. Er machte geltend,
Anspruch auf berufliche Integrationsmassnahmen zu haben. Weiter beantragte er eine
erneute Begutachtung. Da er seit Jahren mit denselben Problemen zu kämpfen habe,
mache er seit einiger Zeit eine Psychotherapie (IV-act. 149). Mit Verfügung vom 25.
März 2020 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um weitere berufliche
Massnahmen ab. Zum Einwand merkte sie an, der Versicherte sei bei der Stellensuche
unterstützt worden. Bis Februar 2020 sei kein geeigneter Arbeitsplatz gefunden
worden. Gemäss dem Kreisschreiben über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher
Art würden die Bemühungen seitens der IV-Stelle eingestellt, wenn die
Arbeitsvermittlung trotz umfassender Anstrengungen nicht innert angemessener Zeit (in
der Regel innert sechs Monaten) zum Ziel führe. In diesem Sinne sei die IV-Stelle
berechtigt, die unterstützenden Massnahmen einzustellen, zumal nach bisherigem
Aktenstand von einer hohen adaptierten Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (IV-act. 151).
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
22. April 2020 Beschwerde erheben (act. G 1). Er beantragte, ihm seien berufliche
Integrationsmassnahmen (Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation,
Beschäftigungsmassnahmen oder ein Aufbautraining) zuzusprechen und es sei ein
neues ärztliches Gutachten in Auftrag zu geben; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin; act. G
1 S. 1). Weiter beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie
die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes für das Verfahren vor
Versicherungsgericht (act. G 1).
B.a.
Mit Schreiben vom 29. April 2020 forderte das Versicherungsgericht den
Beschwerdeführer dazu auf, ein beigelegtes Formular betreffend unentgeltliche
Rechtspflege auszufüllen und zusammen mit den aufgeführten Unterlagen bis zum 29.
Mai 2020 einzureichen. Im Hinblick auf die beantragte unentgeltliche
B.b.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung vom 25. März 2020 das Gesuch des Beschwerdeführers um berufliche
Massnahmen zu Recht abgelehnt hat (IV-act. 151). Der Beschwerdeführer beantragt
neben berufliche Massnahmen eine erneute medizinische Abklärung,
Integrationsmassnahmen oder Leistungen, die ihm den Erwerb einer Chauffeur-Lizenz
ermöglichen (vgl. act. G 1 und 8).
Rechtsverbeiständung informierte das Gericht den Beschwerdeführer darüber, dass er
sich an eine Rechtsanwältin bzw. einen Rechtsanwalt seiner Wahl wenden könne, die
oder der sich gegenüber dem Versicherungsgericht zur Mandatsübernahme ausweise
und ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung einreiche (act. G 2). Am 26.
Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer das ausgefüllte Formular betreffend
unentgeltliche Rechtspflege zusammen mit weiteren Unterlagen zu seiner finanziellen
Situation ein (act. G 4).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 2. Juni 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
B.c.
Am 4. Juni 2020 entsprach der verfahrensleitende Richter dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für
das Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 6).
B.d.
In seiner Replik vom 3. Juli 2020 beantragte der Beschwerdeführer die Einholung
eines weiteren ärztlichen Gutachtens sowie die Zusprache beruflicher Massnahmen
oder Leistungen für eine Chauffeur-Lizenz Kategorie D1 (Schulbusfahrer); unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin (act. G 8).
B.e.
Mit Schreiben vom 14. August 2020 hielt die Beschwerdegegnerin an dem in der
Beschwerdeantwort gestellten Antrag vollumfänglich fest und verzichtete auf die
Erstattung einer ausführlichen Duplik (act. G 10).
B.f.
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2.
3.
Hinsichtlich des Anfechtungsgegenstands im vorliegenden Verfahren ist zu
beachten, dass im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich
lediglich Rechtsverhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen sind, zu denen die
zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung -
Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt vorliegend die Verfügung vom 25. März
2020 den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt
es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung,
wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 f. E. 2.1).
2.1.
In der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin in erster Linie den
Anspruch auf berufliche Massnahmen nach Art. 15 ff. des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), nicht aber explizit auch den Anspruch auf
Integrationsmassnahmen nach Art. 14a IVG verneint (vgl. IV-act. 151). Da der
Beschwerdeführer aber bereits in seinem fälschlicherweise dem Versicherungsgericht
zugestellten Einwand vom 29. Februar 2020 (IV-act. 148 f.) gegen den Vorbescheid
vom 14. Februar 2020 (IV-act. 147) den Antrag auf Integrationsmassnahmen gestellt
hat, ist anzunehmen, dass die angefochtene Verfügung auch eine Ablehnung des
Anspruchs auf Integrationsmassnahmen umfasst. Dies gilt umso mehr, als dass die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung auch die Rentenprüfung in
Aussicht gestellt und damit den Abschluss sämtlicher Eingliederungsmassnahmen
impliziert hat (vgl. IV-act. 151). Folglich kann auf den Antrag des Beschwerdeführers
um die Zusprache von Integrationsmassnahmen eingetreten werden. Demnach sind in
diesem Beschwerdeverfahren sowohl der Anspruch auf Integrationsmassnahmen als
auch der Anspruch auf berufliche Massnahmen zu überprüfen.
2.2.
Als Integrationsmassnahmen gelten gemäss Art. 14a Abs. 2 IVG gezielte, auf die
berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur sozial-beruflichen Rehabilitation
(lit. a) und Beschäftigungsmassnahmen (lit. b). Als Massnahmen zur sozialberuflichen
Rehabilitation sind Massnahmen zur Gewöhnung an den Arbeitsprozess, zur Förderung
der Arbeitsmotivation, zur Stabilisierung der Persönlichkeit und zum Einüben sozialer
Grundfähigkeiten zu verstehen (Art. 4 Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV]). Als Beschäftigungsmassnahmen gelten Massnahmen zur
Aufrechterhaltung einer Tagesstruktur für die Zeit bis zum Beginn von Massnahmen
beruflicher Art oder bis zu einem Stellenantritt auf dem freien Arbeitsmarkt (Art.
4 Abs. 2 IVV).
3.1.
quinquies
quinquies
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Gemäss Art. 14a Abs. 1 IVG haben Versicherte, die seit mindestens sechs
Monaten zu mindestens 50 % arbeitsunfähig sind, Anspruch auf
Integrationsmassnahmen, sofern dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung
von Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden können. Art. 14a Abs. 1 IVG
verweist für den Begriff der Arbeitsunfähigkeit auf Art. 6 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1). Nach Art. 6 Satz 1
ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte volle oder teilweise Unfähigkeit, im
bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer
wird nach Art. 6 Satz 2 ATSG jedoch auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen
Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt. Gemäss Bundesgericht setzt der Anspruch
auf Integrationsmassnahmen nach Art. 14a IVG nicht nur eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf, sondern auch eine solche in zumutbaren
Verweistätigkeiten voraus. Denn beim Vorhandensein einer Arbeitsfähigkeit in
Verweistätigkeiten besteht bereits eine Eingliederungsfähigkeit, welche die
Durchführung beruflicher Massnahmen ermöglicht, während Integrationsmassnahmen
in erster Linie auf die Erlangung bzw. den Erhalt der Eingliederungsfähigkeit abzielen
(BGE 137 V 10 ff. E. 7.2; Art. 4 Abs. 2 und 3 IVV).
3.2.
quater
Die Beschwerdegegnerin stellt sich in der Beschwerdeantwort auf den Standpunkt,
aufgrund der ABI-Begutachtung sowie aufgrund der Rückmeldung des zuständigen
Sozialamtes vom 4. Februar 2020 sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Verfügungszeitpunkt in einer
adaptieren Tätigkeit nicht für mindestens sechs Monate zu mindestens 50 %
arbeitsunfähig gewesen sei (act. G 5 S. 3 f.). Demgegenüber macht der
Beschwerdeführer einerseits eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes seit
der Begutachtung durch das ABI geltend. Andererseits rügt er auch die gutachterliche
Abklärung, namentlich, weil ein Gutachter jeweils eingenickt sei (vgl. act. G 1 und 8).
3.3.
Im Rahmen der ABI-Begutachtung ist der Beschwerdeführer sowohl hinsichtlich
seiner Schulterbeschwerden als auch in psychiatrischer Hinsicht abgeklärt worden. Die
Gutachter haben dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in
leidensangepassten Tätigkeiten attestiert (vgl. IV-act. 58). Die gestützt auf dieses
gutachterliche Abklärungsergebnis ergangene rentenablehnende Verfügung vom 29.
Mai 2015 ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen (vgl. IV-act. 66). Wenn der
Beschwerdeführer nun mehrere Jahre später plötzlich die gutachterliche Abklärung als
mangelhaft rügt, ist dies nicht glaubhaft. Es bestehen aufgrund der Akten auch keine
Anhaltspunkte dafür, dass die Gutachter bei ihren Untersuchungen nicht lege artis
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
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vorgegangen sind. Sodann hat sich der Beschwerdeführer im Oktober 2018 erneut bei
der Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug angemeldet (IV-act. 67). In seinem
Schreiben vom 19. Oktober 2018 hat er im Wesentlichen über eine Zunahme von
Schmerzen in der rechten Schulter im Anschluss an die Ausübung einer nicht
adaptierten Tätigkeit berichtet, ohne neue Befunde zu nennen (vgl. IV-act. 72 S. 1). Die
in einer Arthro-MRT-Untersuchung vom September 2018 sichtbaren strukturellen
Läsionen der rechten Schulter sind denn auch mit denjenigen aus einer
Voruntersuchung aus dem Jahr 2013 nahezu identisch gewesen (vgl. IV-act. 72 S. 3 f.
und 82 S. 8 f.). Aus diesem Grund und mangels wegweisender anderer Befunde in den
nach der Neuanmeldung eingegangenen ärztlichen Berichten hat der RAD in seinen
Stellungnahmen vom 12. November 2018 (IV-act. 73), 7. Dezember 2018 (IV-act. 81)
und 8. Januar 2019 (IV-act. 84) grundsätzlich keine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes erkennen können und die Beschwerdegegnerin hat auf die
Neuanmeldung zunächst gar nicht eintreten wollen (vgl. IV-act. 75). Da der RAD in
seiner Stellungnahme vom 8. Januar 2019 das Adaptionsprofil für optimal angepasste
Tätigkeiten etwas strenger ausgelegt hat, als die Gutachter dies getan hatten (vgl. IV-
act. 84), ist die Beschwerdegegnerin am 21. Februar 2019 auf die Neuanmeldung
schliesslich doch eingetreten (IV-act. 88). Trotz des etwas strengeren Adpationsprofils
haben die Ärzte in den nach der Neuanmeldung eingereichten Berichten keine
Arbeitsunfähigkeiten für adaptierte Tätigkeiten attestiert. Vielmehr ist aus den Berichten
zu schliessen, dass die Ärzte in optimal leidensangepassten Tätigkeiten grundsätzlich
von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen sind (vgl. IV-act. 72 S. 3 f., 80 S. 1 f. und
82 S. 6 ff.). Auch der RAD hat in seinen Stellungnahmen vom 12. November 2018, 7.
Dezember 2018 und 8. Januar 2019 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in
leidensangepassten Tätigkeiten attestiert (vgl. IV-act. 73, 81 und 84). Anlässlich eines
Assessmentgesprächs vom 4. März 2019 hat der Beschwerdeführer zwar angegeben,
dass seine psychische Verfassung angeschlagen sei, da er verzweifelt sei und enorme
Zukunftsängste habe. Anhaltspunkte für eine damals bestehende psychische
Erkrankung lassen sich den Akten jedoch nicht entnehmen, sind die vom
Beschwerdeführer geschilderten Ängste doch gut allein durch die psychosoziale
Belastungssituation erklärbar und hat er selber damals auch noch keine Notwendigkeit
für eine psychiatrische Behandlung gesehen (vgl. IV-act. 93). Der RAD hatte in seiner
Stellungnahme vom 8. Januar 2019 ebenfalls festgehalten, dass eine psychische
Problematik mit Relevanz auf die Arbeitsfähigkeit nirgends dokumentiert sei (IV-
act. 84). Ab dem 8. bzw. 9. Juli 2019 ist dem Beschwerdeführer von der
Beschwerdegegnerin sodann Arbeitsvermittlung im Sinne einer Beratung und
Unterstützung bei der Stellensuche gewährt worden (vgl. IV-act. 119 f.). Während der
Dauer der beruflichen Massnahmen hat der Beschwerdeführer keine ärztlichen Atteste
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4.
oder Berichte eingereicht. Erst am 17. Januar 2020 hat er gegenüber der
Beschwerdegegnerin angegeben, neu in psychiatrischer Behandlung im
Psychiatriezentrum Z._ zu sein (IV-act. 146). Folglich ist der Beschwerdegegnerin
darin zuzustimmen, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass im
Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 25. März 2020 nicht von
einer seit mindestens sechs Monaten bestehenden Arbeitsunfähigkeit von mindestens
50 % in leidensangepassten Tätigkeiten ausgegangen werden kann. Vielmehr ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit mindestens bis Dezember 2019 von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten auszugehen. Demnach hat die
Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Integrationsmassnahmen zu Recht
abgelehnt.
Nachdem feststeht, dass die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Integra
tionsmassnahmen zu Recht verneint hat (vgl. E. 3), bleibt zu prüfen, ob ein Anspruch
auf berufliche Massnahmen besteht.
4.1.
Die von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 25. März
2020 vorgenommene Einstellung bzw. Nichtweiterführung der Arbeitsvermittlung nach
Art. 18 IVG ist nicht zu beanstanden (vgl. IV-act. 151). Denn der im Rahmen der
Arbeitsvermittlung erbrachte Aufwand muss geeignet sein, die Erwerbsfähigkeit zu
verbessern, und muss sich als verhältnismässig erweisen (Art. 8 Abs. 1 IVG;
Kreisschreiben über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art [KSBE], Stand 1.
Januar 2020, Rz. 5009; Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2008,
9C_16/2008). In der Regel gewährt die Beschwerdegegnerin die Arbeitsvermittlung in
etwa für die Dauer von sechs Monaten (vgl. KSBE Rz. 5009). Diese Dauer ist beim
Beschwerdeführer erfolglos verstrichen (vgl. IV-act. 151 S. 2). Vorliegend sind keine
Gründe ersichtlich, die eine weitergehende Gewährung der beruflichen
Arbeitsvermittlung nach Art. 18 IVG rechtfertigen würden. Dies auch deswegen, weil
die subjektive Motivation des Beschwerdeführers für diese Art von Massnahme als
fraglich erscheint. Schon anlässlich des Assessmentgesprächs vom 5. März 2019 hat
er angegeben, dass er eine Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt als komplett
unrealistisch erachte (vgl. IV-act. 93 S. 2). Im Rahmen der gewährten Arbeitsvermittlung
hat er sich sodann gegen das Angebot des Eingliederungsverantwortlichen gestellt, mit
den Arbeitgebern in Kontakt zu treten, um Unterstützungsmöglichkeiten anzubieten
(vgl. IV-act. 143 S. 3). Auch in der vorliegenden Beschwerde fordert der
Beschwerdeführer nicht explizit die Weiterführung der Arbeitsvermittlung. Vielmehr
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/20
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5.
scheint er sich in erster Linie andere Massnahmen wie die bereits erläuterten
Integrationsmassnahmen zu wünschen (vgl. act. G 1 und 8).
Die gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten eines Arbeitsversuchs (Art. 18a IVG)
oder eines Einarbeitungszuschusses (Art. 18b IVG) sind dem Beschwerdeführer im
Rahmen der Arbeitsvermittlung seitens des Eingliederungsverantwortlichen der
Beschwerdegegnerin erläutert worden (IV-act. 143 S. 2, unten). Allerdings hat der
Beschwerdeführer, wie bereits erwähnt, keine Kontaktaufnahme seitens des
Eingliederungsverantwortlichen mit potenziellen Arbeitgebern gewünscht, um diesen
Unterstützungsmöglichkeiten anzubieten (vgl. IV-act. 143 S. 3). Deswegen und
mangels erkennbarer konkreter Arbeitsgelegenheiten fallen diese Massnahmen aktuell
ebenfalls ausser Betracht (vgl. act. G 1 und 8).
4.3.
Beantragt wird vom Beschwerdeführer - neben den bereits erwähnten
Integrationsmassnahmen (vgl. E. 3) - die Finanzierung des Erwerbs einer Chauffeur-
Lizenz (vgl. act. G 8 S. 1). Sinngemäss beantragt er damit eine
Umschulungsmassnahme (vgl. Art. 17 IVG).
5.1.
Gemäss Art. 17 Abs. 1 IVG haben Versicherte dann einen Anspruch auf
Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität
notwendig ist und die Erwerbsfähigkeit dadurch voraussichtlich erhalten oder
verbessert werden kann. Es muss für einen Umschulungsanspruch also eine drohende
oder bereits eingetretene Invalidität vorliegen, die es der versicherten Person nicht
mehr erlaubt, den bisherigen Beruf auszuüben bzw. die Erwerbstätigkeit oder die
Tätigkeit im Aufgabenbereich weiterzuführen (KSBE, Rz. 4010). Nach der
Rechtsprechung wird dabei vorausgesetzt, dass die versicherte Person wegen der Art
und Schwere des Gesundheitsschadens in der bisher ausgeübten Tätigkeit und in den
für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offenstehenden zumutbaren
Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder länger dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
% erleidet (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2015, 9C_511/2015, E. 3; KSBE
Rz. 4011). Dieses umschulungsspezifische Erfordernis ist gemäss Bundesgericht dann
nicht gegeben, wenn es bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage ein genügend breites
Spektrum an Tätigkeiten gibt, die dem medizinischen Anforderungs- und
Belastungsprofil der versicherten Person entsprechen, von der Ausbildung und der
beruflichen Erfahrung her zumutbar sind und im Durchschnitt nicht schlechter entlöhnt
werden als die zuletzt ausgeübte Tätigkeit (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober
2015, 9C_511/2015, E. 3). Schliesslich ist es nicht die Aufgabe der IV-Stelle, eine
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
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versicherte Person nach Eintritt eines Gesundheitsschadens in eine bessere beruflich-
erwerbliche Stellung als die vorher innegehabte zu führen (KSBE, Rz. 4002). Vielmehr
sollen Umschulungsmassnahmen gezielt eine neue Erwerbsmöglichkeit verschaffen,
welche der früheren Tätigkeit annähernd gleichwertig ist (KSBE Rz. 4001). Das
Erfordernis der annähernden Gleichwertigkeit der Tätigkeit vor Eintritt der Invalidität
und der nach Eintritt des Gesundheitsschadens beabsichtigten Tätigkeit bezieht sich in
erster Linie auf die Verdienstmöglichkeiten. Damit hinreichend gewährleistet ist, dass
sich das Erwerbseinkommen im neuen Beruf auf weitere Sicht ungefähr im gleichen
Rahmen bewegen wird wie im ursprünglichen, müssen jedoch im Allgemeinen auch die
beiden Ausbildungen einen einigermassen vergleichbaren Wert aufweisen (KSBE Rz.
4002). So kann eine Umschulungsmassnahme unter Umständen schon zu einer
höherwertigen als der vorhandenen Ausbildung führen (Art. 6 Abs1 IVV). Das
Erfordernis der Gleichwertigkeit der Ausbildungen bzw. der beruflichen Tätigkeiten
begrenzt den Umschulungsanspruch jedoch (KSBE Rz. 4002).
bis
Der Beschwerdeführer hat in der ersten Anmeldung zwar angegeben, im Rahmen
eines Aufenthalts in einem Massnahmenzentrum eine Anlehre im Bereich der Reinigung
absolviert zu haben (vgl. IV-act. 4 S. 4). Auf die Aufforderung der Beschwerdegegnerin
hin, Kopien der Ausbildungsbescheinigung einzureichen (IV-act. 9 S. 1 und 20 S. 1), ist,
soweit beurteilbar, jedoch kein Nachweis für einen Lehrabschluss, sondern ein Diplom
von einem Trainingscenter eingegangen, das dem Beschwerdeführer ein
grundlegendes Wissen im Fach- und Führungsbereich der Gebäudereinigung, der
Objekthygiene und der Werterhaltung bescheinigt. Wie lange die entsprechende Aus-
oder Weiterbildung gedauert hat oder welcher genauen Qualifikation die Ausbildung
entspricht, kann dem Diplom nicht entnommen werden (vgl. IV-act. 19). Im
Beschwerdeverfahren hat der Beschwerdeführer zusammen mit seiner Replik sodann
eine Kopie des ABI-Gutachtens eingereicht, in welcher er die von den Gutachtern
festgehaltene Aussage, er habe eine Ausbildung als Gebäudereiniger absolvieren
können, als unrichtig bemängelt hat. Er hat angemerkt, dass er keine Ausbildung
gemacht, sondern eine Diplomarbeit geschrieben habe (vgl. act. G 8.3 S. 8). Folglich ist
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer als
ungelernten Hilfsarbeiter eingestuft hat (vgl. z.B. IV-act. 60).
5.3.
Wie bereits ausgeführt, ist aufgrund der Aktenlage bis zum 31. Dezember 2019
eine 100%ige medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit in optimal leidensangepassten
Tätigkeiten anzunehmen (vgl. E. 3.4). Auch für den Zeitraum von Januar bis März 2020
ist eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit adaptiert nicht ausgewiesen.
Denn weder hat der Beschwerdeführer seit der Meldung, er befinde sich nun in
5.4.
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psychiatrischer Behandlung (vgl. IV-act. 146) irgendwelche Arztberichte eingereicht
noch konkrete psychiatrische Diagnosen oder Einschränkungen geltend gemacht.
Allein aus dem Umstand, dass er sich gemäss seinen Aussagen in psychiatrische
Behandlung begeben hat, kann nicht auf einen krankheitswertigen
Gesundheitsschaden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit geschlossen werden.
Mangels konkret geltend gemachter Einschränkungen sowie mangels eingereichter
Berichte und gestützt auf die seitens der Beschwerdegegnerin eingeholte Auskunft des
zuständigen Sozialamtes vom 4. Februar 2020 (vgl. IV-act. 146 S. 2) ist bis zum
Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom 25. März 2020 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten
Tätigkeiten auszugehen. Eine weitere gutachterliche Abklärung drängt sich zur
Beurteilung der angefochtenen Verfügung somit nicht auf. Sollten sich jedoch bei den
durch die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung bereits angekündigten
weiteren medizinischen Abklärungen hinsichtlich des psychischen Zustandes für den
Zeitraum nach dem 25. März 2020 gesundheitliche Veränderungen ergeben (vgl. IV-act.
151 S. 1 f.), drängt sich gegebenenfalls eine erneute Begutachtung und/oder erneute
Prüfung der Eingliederungsmassnahmen auf.
Angesichts der aufgrund der Aktenlage bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses
anzunehmenden 100%igen medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit in optimal
leidensangepassten Tätigkeiten (vgl. E. 3.4 und 5.4) ist kein Umschulungsanspruch
gegeben, da sich ein solcher beim Beschwerdeführer weder aus Gründen der
Äquivalenz von Ausbildungen aufdrängt noch eine Erwerbseinbusse von ca. 20 %
ausgewiesen ist. Denn es ist anzunehmen, dass der allgemeine, ausgeglichene
Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) ein genügend breites Spektrum an zumutbaren Stellen
bereithält, die der Beschwerdeführer mit dem von den behandelnden Ärzten und dem
RAD nach der im Oktober 2018 erfolgten Neuanmeldung festgelegten Adaptionsprofil
ausüben kann und die nicht schlechter als die ausgeübte Reinigungstätigkeit entlöhnt
sind. Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes umschliesst nämlich einerseits ein
gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot von Stellen und der Nachfrage nach
solchen. Andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her
einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür
verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des
körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 276 E. 4b; Urteil des Bundesgerichts vom 28.
November 2014, 9C_485/2014, E. 2.2; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 3. Dezember 2003, I 349/01, E. 6.1 mit Hinweisen).
Angesichts des medizinischen Adaptionsprofils ist vorliegend beispielsweise an leichte
Sortier-, Kontroll- oder Verpackungstätigkeiten zu denken. Dass das Auffinden einer
5.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
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6.
entsprechenden Stelle für den Beschwerdeführer auf dem nicht ausgeglichenen, realen
Arbeitsmarkt schwierig ist, soll nicht in Abrede gestellt werden. Für die
Invaliditätsbemessung ist jedoch nicht massgeblich, ob eine invalide Person unter den
konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die
ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht
von Angebot und Nachfrage an Arbeitskräften bestünde. Der ausgeglichene
Arbeitsmarkt umfasst sogar auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und
Arbeitsangebote, bei welchen mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des
Arbeitgebers gerechnet werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 28. November
2014, 9C_485/2014, E. 2.2 mit Hinweis auf Urteil vom 29. August 2007, 9C_95/2007, E.
4.3). Im Übrigen dürften die Schwierigkeiten in der Jobsuche im vorliegenden Fall zu
wesentlichen Teilen auf invaliditätsfremden Gründen wie fehlender Berufserfahrung,
Erwerbslücken im Lebenslauf, delinquenter Vergangenheit, mangelnder Ausbildung
und fehlender Referenzen beruhen. So hat auch ein Mitarbeiter des zuständigen
Sozialamtes angegeben, nicht den Eindruck zu haben, dass der Beschwerdeführer
gesundheitsbedingt eingeschränkt sei (vgl. IV-act. 146 S. 2). Eine berufliche Ausbildung
bzw. Weiterbildung könnte zwar die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern, jedoch
ist es nicht die Aufgabe der Beschwerdegegnerin, den Beschwerdeführer in eine
bessere erwerbliche Situation zu bringen, als er diese vor Eintritt des
Gesundheitsschadens innegehabt hat (vgl. E. 5.2). Da, wie gesagt, anzunehmen ist,
dass es auf dem für die Invaliditätsbemessung massgebenden ausgeglichenen,
theoretischen Arbeitsmarkt genügend zumutbare Hilfsarbeitertätigkeiten gibt, die dem
Beschwerdeführer trotz der geringen Ausbildung bzw. auch ohne Erlangen der
beantragten Chauffeurlizenz offenstehen und die nicht schlechter als die ausgeübte
Reinigungstätigkeit entlöhnt sind, ist ein Umschulungsanspruch nicht ausgewiesen.
Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
25. März 2020 nicht zu beanstanden und die Beschwerde folglich abzuweisen.
6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem unterliegenden
Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung jedoch zu befreien.
6.2.
bis
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