Decision ID: 9d37d399-6132-55d0-97b7-eca638e56dd0
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Eugen Mätzler, Poststrasse 23, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 23. Januar 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.
1). Im Anmeldeformular gab sie u.a. an, sie habe keinen Beruf erlernt. Die B._ AG
teilte der IV-Stelle am 27. Februar 2006 mit (IV-act. 13), sie habe die Versicherte bis
Ende Februar 2006 als Mitarbeiterin Fertigschau beschäftigt. Der aktuelle Lohn würde
Fr. 3440.-- (x13) betragen. Dr. med. C._ berichtete am 28. Februar 2006 (IV-act. 16),
die Versicherte leide an einer Fibromyalgie, an einem lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom sowie - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - an einem
Makroprolaktinom, an einem polyzystischen Ovarsyndrom und an einer depressiven
Verstimmung. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei die Versicherte seit Februar 2005
zu 50% und seit dem 4. Oktober 2005 zu 70% arbeitsunfähig. Sie klage über
zunehmende Schmerzen und vor allem über eine extreme Müdigkeit. Die Beschwerden
seien sicher psychisch überlagert. Dr. med. D._, Assistenzärztin an der Fachstelle für
Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 27. März 2006 (IV-act. 18), die
relevanten Diagnosen lauteten: Mittelgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom und generalisierter Weichteilrheumatismus mit vegetativen Symptomen. Die
Arbeitsunfähigkeit betrage 70% seit dem 9. November 2005 (50% Anwesenheit bei
verminderter Leistungsfähigkeit). Die antidepressive Medikation habe mehrmals
umgestellt werden müssen, weil die Versicherte überempfindlich mit Nebenwirkungen
reagiert habe. Das Spital E._ hatte am 13. September 2005 angegeben (IV-act. 25),
die Beschwerden (chronische Müdigkeit, therapieresistente Rückenschmerzen, stark
reduzierte Leistungsfähigkeit, intermittierende Schlafstörungen, Kopfschmerzen) seien
im Rahmen eines Fibromyalgiesyndroms zu sehen. 18/18 Triggerpunkte seien positiv
bei negativen Kontrollpunkten. Die Klinik F._ hatte am 6. Oktober 2005 über einen
stationären Aufenthalt (9. bis 29. Sept. 2005) berichtet (IV-act. 26), die Versicherte habe
beim Eintritt über Weichteilschmerzen, über eine brennende Schmerzkomponente,
über eine grosse Asthenie und über Kraftlosigkeit geklagt. Im Verlauf der Therapie habe
die Schmerzsymptomatik nur leicht verbessert werden können. Das arbeitsbezogen
relevante Problem sei die allgemein verminderte Belastbarkeit und Dekonditionierung
gewesen. Die Leistungsbereitschaft sei zuverlässig und die Konsistenz bei den Tests
gut gewesen. In einer leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden
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Erwerbstätigkeit sei die Versicherte halbtags arbeitsfähig. Das Departement Innere
Medizin, Endokrinologie/Diabetologie des Kantonsspitals St. Gallen, teilte am 4. Juli
2006 mit (IV-act. 28-5/6), aus endokrinologischer Sicht bestehe keine
Arbeitsunfähigkeit.
A.b Die Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) führte in einem Gutachten vom
5. April 2007 aus (IV-act. 35), bei der psychiatrischen Exploration habe die Versicherte
angegeben, die letzte Erwerbstätigkeit sei ausgesprochen stressig und körperlich
anspruchsvoll gewesen. Neben einem vollen Arbeitspensum habe sie sich um den
Haushalt und um das Kind gekümmert. Seit etwa drei Jahren habe sie psychische
Beschwerden entwickelt. Sie sei müde und erschöpft, gleichzeitig sei sie aber auch
unruhig, angetrieben, reizbar, mutlos und Stimmungsschwankungen unterworfen. Der
Schlaf sei gestört. Der psychiatrische Sachverständige ging davon aus, dass am
ehesten eine Neurasthenie vorliege. Obwohl leichte depressive Symptome vorhanden
seien, könne nicht von einer eigentlichen depressiven Störung gesprochen werden.
Bisher habe keine zufriedenstellende pharmakologische Behandlung gefunden werden
können. Auf sehr viele Mittel und Antidepressiva habe die Versicherte mit
Magenbeschwerden reagiert. Sie vertrage gemäss den eigenen Angaben auch die
aktuelle Therapie mit Saroten schlecht. Der psychiatrische Sachverständige gab dazu
an, diese Aussage passe zu den vorgefundenen Serumspiegeln für Saroten und dessen
Abbauprodukt. Diese bewegten sich weit unter den Referenzwerten. Deshalb müssten
die bisherige und die aktuelle Behandlung als ineffektiv bezeichnet werden. Die
medikamentöse Behandlung müsse optimiert werden, am besten im Rahmen eines
längeren Aufenthalts in einer spezialisierten psychiatrischen Klinik. Zudem bestehe der
Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungsstörung. Die Neurasthenie habe eine
Arbeitsunfähigkeit von 40% zur Folge. De facto liege eine unbehandelte psychiatrische
Störung vor. Der Zustand könne als überreizte Erschöpfung beschrieben werden. Bei
einer geeigneten und verträglichen pharmakologischen Therapie könnte die
Arbeitsfähigkeit auf 70-80% gesteigert werden. Der rheumatologische Sachverständige
hielt fest, die gesamte Anamneseerhebung und der rheumatologische Status hätten bei
hervorragender Patienten-Compliance durchgeführt werden können. Im
rheumatologischen Status habe eine massivste Druckdolenz bei allerleichtester
Palpation der gesamten Weichteilstrukturen am Stamm, an den oberen und an den
unteren Extremitäten und an den artikulären ossären Strukturen am ganzen Körper
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imponiert. Dabei sei zu beobachten gewesen, dass die Versicherte die Palpation sehr
unterschiedlich wahrgenommen habe. Unter Ablenkung hätten verschiedene Areale am
Stamm und an den oberen und den unteren Extremitäten einem kräftigen digitalen
Druck ausgesetzt werden können, ohne dass dies Schmerzen provoziert hätte. Bei der
anschliessenden Palpation des identischen Areals unter Aufmerksamkeit der
Versicherten sei eine massive Schmerzexazerbation angegeben worden. Der gesamte
Wirbelsäulenstatus habe klinisch völlig unauffällig imponiert. Die Bewegungsfähigkeit
sei normal gewesen. Hinweise auf zervikale, thorakale oder lumbal-segmentale
Dysfunktionen seien nicht vorhanden gewesen. Die SIG seien bilateral frei beweglich
gewesen. Der gesamte periphere Gelenkstatus sei an den oberen und den unteren
Extremitäten trotz der subjektiv geschilderten ausgeprägten Arthralgien klinisch völlig
unauffällig gewesen. Im kursorisch neurologischen Status hätten sich symmetrisch
mittellebhaft auslösbare Muskeleigenreflexe gezeigt. Die Motorik sei völlig normal
gewesen. Hingegen sei eine Halbseitenhypaesthesie der gesamten linken Körperhälfte,
beginnend an der Kopfhaut und bis in den linken Fuss anhaltend, festzustellen
gewesen. Das MRT der LWS vom Dezember 2004 habe eine degenerative
Veränderung im Bereich L4/5 aufgezeigt. Diese lokalisierte Diskuspathologie könne
aber aus rheumatologisch-somatischer Sicht nicht für die gesamte geschilderte
Schmerzsymptomatik verantwortlich gemacht werden. Es könne ein chronisches,
therapieresistentes, multilokuläres Schmerzsyndrom postuliert werden. Weder klinisch
noch anamnestisch gebe es Hinweise für eine rheumatologische Systemerkrankung.
Da nicht nur alle definierten Tenderpoints, sondern auch alle Weichteil- und artikulären
Strukturen am ganzen Körper bei minimalstem Palpationsdruck schmerzhaft gewesen
seien, seien die Diagnosekriterien einer Fibromyalgie nicht erfüllt. Es bestehe eine
leichte muskuläre Dysbalance. Fassbare Myogelosen seien insbesondere im Nacken-/
Schulterbereich sowie lumbal paravertebral vorhanden. Aus rein rheumatologisch-
somatischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Nur körperlich repetitiv schwer
belastende Arbeiten seien wegen der muskulären Dysbalance nicht mehr zumutbar. Die
von der Klinik F._ postulierte 70%ige Arbeitsunfähigkeit könne aus rein
rheumatologischer Sicht nicht nachvollzogen werden. Die Gesamtdiagnose lautete:
Neurasthenie, Schmerzverarbeitungsstörung sowie - ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit - chronisches multilokuläres Schmerzsyndrom, chronisches
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, Trigeminus-Neuralgie links, chronische
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Spannungskopfschmerzen, Makroprolaktinom und polyzystisches Ovar-Syndrom. Die
Sachverständigen gingen fachübergreifend für eine leichte bis mittelschwere
wechselbelastende Erwerbstätigkeit von einer Arbeitsunfähigkeit von 40% aus. Sie
gaben an, die Arbeitsunfähigkeit bestehe seit August 2004. Die subjektive
Einschätzung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit könne nicht nachvollzogen werden.
Die Willensanstrengung, die notwendig sei, um trotz der subjektiv empfundenen
Beschwerden im genannten Pensum einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, sei
zumutbar.
A.c Dr. med. G._ und Dr. med. H._ vom RAD hielten am 24. Juli 2007 fest, eine
Neurasthenie könne zwar eine Einbusse an Leistungsfähigkeit mit sich bringen, für sich
allein aber keine Arbeitsunfähigkeit begründen. In bezug auf die weitere Diagnose der
Schmerzverarbeitungsstörung fehlten im Gutachten Ausführungen zur "willentlichen
Schmerzüberwindung". Deshalb sei eine ergänzende Stellungnahme des ABI einzu
holen. Beim behandelnden Psychiater sei der aktuelle Stand der Behandlung,
insbesondere der Medikamenteneinstellung, in Erfahrung zu bringen (IV-act. 38). Der
psychiatrische Sachverständige des ABI empfahl am 14. August 2007, die
vorgeschlagenen therapeutischen Massnahmen durchzuführen und in einem Jahr eine
psychiatrische Reevaluation vorzunehmen. Dann könne die Situation bezüglich der
zumutbaren Willensanstrengung mit höherer Validität beantwortet werden (IV-act. 41).
Die Psychiatrie-Dienste N._ teilten am 27. August 2007 mit, ein stationärer Aufenthalt
in der psychiatrischen Klinik I._ sei bereits eingeleitet (IV-act. 43). In einem
Aufnahmebericht vom 9. November 2007 gab die Oberärztin der Klinik, Dr. med. J._,
an, die Versicherte leide an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und an
einer mittelgradigen depressiven Episode. Die Prognose per 2. November 2007 laute:
Mit Optimierung der Medikation bleibende, in der Intensität schwankende,
generalisierte Schmerzen, jedoch Verbesserung der Befindlichkeit im Magen-Darm-
Trakt, allgemein erholteres Zustandsbild, erhöhte Kompetenz in der
Schmerzbewältigung und Erkennen schmerzverstärkender Belastungen. Die
Arbeitsunfähigkeit betrage 100%. Dr. G._ und Dr. H._ vom RAD gaben am 28.
November 2007 an (IV-act. 46), nach der nunmehr absolvierten stationären Behandlung
könne von einer Reduktion der Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Aktuell
betrage die Arbeitsfähigkeit über 60% bis 80%. Die Eingliederungsberaterin hielt am
26. Februar 2008 fest (IV-act. 53), die Versicherte fühle sich subjektiv nicht arbeitsfähig.
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Auf das Angebot des früheren Arbeitgebers, im Stundenlohn auf Abruf tätig zu sein, sei
sie aus gesundheitlichen Gründen nicht eingegangen. Da unter diesen Umständen
keine Unterstützung bei der Eingliederung möglich sei, werde der Fall abgeschlossen.
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 4. März 2008 mit (IV-act. 55), dass zur Zeit keine
Arbeitsvermittlung möglich sei. Am 5. März 2008 ermittelte die IV-Stelle einen
Invaliditätsgrad von 30%, indem sie einem Valideneinkommen von Fr. 48'872.-- ein
zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 34'210.-- (70% von Fr. 48'872.--)
gegenüberstellte (IV-act. 56). Mit einem Vorbescheid vom 6. März 2008 teilte die IV-
Stelle der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das Leistungsbegehren abzuweisen
(IV-act. 58). Die Begründung bezog sich ausschliesslich auf die Voraussetzungen eines
Rentenanspruchs. Dr. med. K._, Allgemeine Medizin FMH, machte am 26. März 2008
gegenüber der IV-Stelle geltend (IV-act. 62), die Versicherte zeige seit Jahren das
Vollbild einer Fibromyalgie. In der Folge sei es zu einer mittelschweren reaktiven
Depression mit einer somatoformen Schmerzstörung gekommen. Zusätzlich müsse die
Diagnose eines Makroprolaktinoms einbezogen werden. Die Folgen seien ein CFS und
eine schwere Asthenie. Deshalb seien auch leichte bis mittelschwere Alltagsarbeiten
über längere Zeit pro Tag nicht zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit von 70% sei nicht
realistisch. Die Versicherte liess am 16. April/6. Mai 2008 gegen den Vorbescheid
einwenden (IV-act. 71, 75), die in den Akten liegenden medizinischen Berichte
spiegelten durchgehend eine 50-70%ige Arbeitsunfähigkeit wieder. Nur das Gutachten
des ABI komme zu einem anderen Ergebnis. Dieses Gutachten sei lückenhaft und
beruhe auf unvollständigen Unterlagen (veraltete Röntgenbilder). Dr. G._ vom RAD
betrachtete die medizinische Situation in einer internen Notiz vom 18. Juli 2008 als
unklar (IV-act. 76). Sie empfahl eine Verlaufsbegutachtung.
A.d Die Sachverständigen des ABI führten in ihrem Gutachten vom 25. März 2009 aus
(IV-act. 91), die psychiatrische Exploration habe die Diagnosen einer leichten bis
mittelgradigen depressiven Episode und einer anhaltenden somatoformen Schmerz
störung ergeben. Die Versicherte erhalte eine antidepressive Medikation sowie eine
schmerzmodulierende Basismedikation mit einem Antiepileptikum. Der
Medikamentenspiegel des verordneten Antidepressivums habe weit unter dem
Referenzbereich gelegen. Diagnostisch bestehe eine leichte bis mittelgradige
depressive Episode mit depressiven Verstimmungen, aggressiver Gestimmtheit,
erhöhter Ermüdbarkeit, Antriebsstörung, Schlafstörungen und pessimistischen
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Zukunftsperspektiven. Die psychosozialen und emotionalen Belastungsfaktoren seien
deutlich ausgeprägt und drückten sich durch den dadurch hervorgerufenen
unangenehmen Affekt auch in den Schmerzen aus. Aus psychiatrischer Sicht sei die
Arbeitsfähigkeit um 30% eingeschränkt. Es liege keine schwere psychische Störung
vor. Die Versicherte sei nicht suizidal. Schwere Konzentrationsstörungen bestünden
nicht. Hinweise auf unbewusste Konflikte fehlten. Ein primärer Krankheitsgewinn sei
nicht gegeben. Die komplexen Ich-Funktionen seien nicht schwer gestört. Es bestehe
zwar ein sozialer, aber kein emotionaler Rückzug. Die Persönlichkeitszüge seien nicht
deutlich auffällig, so dass die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht gestellt
werden könne. Die 70%ige Arbeitsfähigkeit werde idealerweise in einem ganztägigen
Pensum mit einem durch die erhöhte Ermüdbarkeit bedingten vermehrten
Pausenbedarf realisiert. Die 2007 gestellten Diagnosen einer Neurasthenie und einer
Schmerzverarbeitungsstörung könnten damals zwar richtig gewesen sein, aber die
Arbeitsunfähigkeit sei zu hoch eingeschätzt worden. Aufgrund der aktuellen
Untersuchung könne nicht mehr von einem Erschöpfungssyndrom (Neurasthenie) und
von einer Schmerzverarbeitungsstörung ausgegangen werden. Die depressiven
Symptome seien neu genügend ausgeprägt für die Diagnose einer leichten bis
mittelgradigen depressiven Episode. Aktuell bestünden zudem psychosoziale und
emotionale Belastungsfaktoren für die Diagnose einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung. Die von der Klinik I._ angegebene Arbeitsunfähigkeit von 100%
lasse sich nicht nachvollziehen. Der Versicherten seien einfache Tätigkeiten zumutbar.
Sie könne kochen und sie könne Auto fahren. Ein emotionaler Rückzug, wie er bei einer
mittelgradigen Depression vorhanden wäre, sei nicht ausgeprägt. Die nächtlichen
Schlafschwierigkeiten seien durch das Verhalten tagsüber bedingt. Zum sozialen
Rückzug von den Kolleginnen sei es auch deshalb gekommen, weil diese schlecht
verstehen könnten, weshalb die Versicherte anhaltend krank sei und oft verstimmt
reagiere. Die therapeutischen Möglichkeiten seien noch nicht erschöpft. Die Wichtigkeit
der regelmässigen Medikamenteneinnahme sollte mit der Versicherten besprochen
werden. Der orthopädische Sachverständige gab an, die Versicherte habe Schmerzen
im ganzen Körper, verstärkt im Kopf, gluteal links und am Knie links, angegeben.
Sämtliche Abklärungen hätten diese Problematik nicht auf eine wesentliche somatische
Grundlage stellen können. Es sei pauschalierend von weichteilrheumatischen
Beschwerden gesprochen worden, ohne dass jedoch eine entzündlich-
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rheumatologische Erkrankung im engeren Sinn zu diagnostizieren gewesen sei.
Deshalb seien die bisherigen Therapien, insbesondere die Analgetika, kaum wirksam.
Das Gangbild auf der Treppe und auf ebenem Terrain sei mitsamt den geprüften
Gangvarianten unauffällig gewesen. Die Versicherte habe zwar Schmerzen am linken
Knie beim treppauf Gehen angegeben, habe dann aber mehr Schritte im Kauergang
ohne Schmerzangabe machen können, obwohl die Belastung des Knies dabei sehr viel
höher gewesen sei. Bei der Untersuchung des Rumpfs habe sich eine freie und nach
Ablenkung ohne Schmerzangabe mögliche Beweglichkeit in allen Abschnitten gezeigt.
Die ausgiebige Palpation habe keine Hinweise auf wesentliche muskuläre Verhärtungen
ergeben. An den unteren Extremitäten habe nach Ablenkung eine freie Beweglichkeit
sämtlicher Gelenke ohne Schmerzangabe bestanden. Spontan sei der gesamte
Untersuchungsgang ohne Schmerzäusserungen möglich gewesen. Auf Nachfragen
hätten sich aber an praktisch jeder Stelle des Körpers durch Palpation oder Bewegung
Schmerzen provozieren lassen, wenn die Aufmerksamkeit der Versicherten darauf
gerichtet gewesen sei. Das sei ein typisches Zeichen einer nicht-organischen
Überlagerung, da relevante organisch bedingte Schmerzen üblicherweise in jeder
Untersuchungssituation in sehr ähnlicher Weise wahrgenommen würden. Auf
neurologischer Ebene hätten sich keine Hinweise auf das Vorliegen einer Pathologie im
Bereich des peripheren Nervensystems ergeben. Eine spinale
Kompressionsproblematik oder eine Läsion eines grösseren peripheren Nervs habe
klinisch weitgehend ausgeschlossen werden können. Die verminderte
Berührungsempfindung an der gesamten linken Körperhälfte habe sich organisch nicht
zuordnen lassen und dürfte im Alltag keine wesentliche Rolle spielen. Die vorliegenden
Röntgenbilder der Wirbelsäule, des oberen Sprunggelenks und der beiden Hände
zeigten keine wesentlichen strukturellen Alterationen. In Anbetracht des unauffälligen
klinischen Befunds sei von neuen bildgebenden Massnahmen kein Informationsgewinn
zu erwarten gewesen. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass sich die von der
Versicherten angegebenen Beschwerden auf organischer Ebene nicht begründen
liessen. Es handle sich um ein multilokuläres Schmerzsyndrom, dessen Ursache auf
der nichtorganischen Ebene liegen dürfte. Für körperlich leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten, bei denen eine Hebe- und Tragelimite von 10 kg nur ausnahmsweise
überschritten werden müsse, bestehe eine zeitlich und leistungsmässig
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Im Vergleich zur Begutachtung 2007 seien auf der
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Ebene des Bewegungsapparates keine wesentlichen Veränderungen eingetreten. Die
Gesamtdiagnose lautete: Leichte bis mittelgradige depressive Episode, anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, multilokuläres Schmerzsyndrom weitgehend ohne
klinisches Korrelat, chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre
Symptomatik, Trigeminus-Neuralgie links, chronische Spannungskopfschmerzen,
Makroprolaktinom und polyzystisches Ovar-Syndrom. Bei einer mittelgradigen
Depression sei ab Oktober 2007 von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, die
sich seither auf eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit (ganztägige Arbeit mit 30%
Einschränkungen wegen des erhöhten Pausenbedarfs) reduziert habe. Vor Oktober
2007 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 40% bestanden. Dr. G._ vom RAD gab am 17.
Juli 2009 an, mit Sicherheit ab Februar 2009 bestehe nur noch eine Arbeitsunfähigkeit
von 30% (IV-act. 94).
A.e Die IV-Stelle übernahm den letzten Lohn von Fr. 44'720.-- als Valideneinkommen.
Zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens wurde auf den Tabellenlohn von
Fr. 50'278.-- abgestellt. Dieser Tabellenlohn wurde nicht auf den Betrag des
Valideneinkommens, sondern nur auf den Betrag von Fr. 47'234.-- reduziert. Bei einem
Beschäftigungsgrad von 70% ergab das ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr.
33'064.--. Daraus resultierte ein Invaliditätsgrad von 26% (IV-act. 97). Mit einem
Vorbescheid vom 6. August 2009 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 99). Die Versicherte liess am 16.
September 2009 einwenden, es seien eine - insbesondere psychiatrische -
Ergänzungsbegutachtung und eine Evaluation der beruflichen Leistungsfähigkeit (EFL,
job match) anzuordnen und es seien Eingliederungsmassnahmen zu erbringen, vorab
Integrationsmassnahmen resp. Massnahmen beruflicher Art. Gegebenenfalls sei ab
wann rechtens eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Zur Begründung machte der
Rechtsvertreter der Versicherten sinngemäss geltend, die Medikation sei immer noch
im Fluss. Ausserdem lägen zwei Berichte behandelnder Ärzte vor, die sich in bezug auf
die Frage nach der Stabilität des Zustands diametral widersprächen. Das
psychiatrische Teilgutachten tendiere zudem zu einer verwirrenden Oberflächlichkeit.
So sei beispielsweise nicht begründet worden, wie der Gutachter auf eine
Einschränkung von 30% gekommen sei. Es bestünden erhebliche Anzeichen für ein
schweres Krankheitsbild. Hingegen fehle jedes Anzeichen für eine Remission. Diverse
therapeutische Ansätze seien erfolglos geblieben. Die Anzeichen für einen sozialen
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Rückzug seien offenkundig und die Versicherte habe sich durchgehend als "compliant"
und allen Therapieansätzen gegenüber aufgeschlossen gezeigt. Die mittels
ergänzender Begutachtung festzulegende Arbeitsfähigkeit sei inhaltlich zu evaluieren,
durch eine EFL oder durch ein arbeitsergonomisches "job match". Zudem seien
Integrationsmassnahmen anzuordnen. Mit einer Verfügung vom 29. September 2009
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten ab (IV-act. 107). Die
Verfügung war überschrieben mit: "Verfügung: Kein Anspruch auf eine Invalidenrente".
Eingeleitet wurde sie mit dem Satz: "Wir haben den Anspruch auf eine Invalidenrente
geprüft". Anschliessend wurde der Inhalt der Art. 28 IVG und Art. 16 ATSG
wiedergegeben. Darauf folgte die konkrete Umsetzung des Art. 16 ATSG und dessen
Ergebnis, nämlich ein Invaliditätsgrad von 26% und die Feststellung, dass bei diesem
unter 40% liegenden Invaliditätsgrad kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. Im
folgenden Absatz der Verfügung setzte sich die IV-Stelle mit der beruflichen
Eingliederung auseinander. Sie führte aus: "Berufliche Eingliederungsmassnahmen
halten wir für nicht angezeigt, nachdem Sie sowohl früher gegenüber unserer
Eingliederungsberaterin wie auch kürzlich gegenüber der Begutachtungsstelle ABI zum
Ausdruck gebracht haben, Sie fühlten sich nicht arbeitsfähig. Sollten Sie bereit sein
bzw. sich in der Lage fühlen, eine in der freien Wirtschaft verwertbare Arbeitsleistung
zu erbringen, können Sie jederzeit bei der Invalidenversicherung mit einem formlosen
Gesuch Arbeitsvermittlung und/oder berufliche Eingliederungsmassnahmen
beantragen". Die darauffolgenden beiden Absätze setzten sich mit den Einwänden
gegen die Invaliditätsbemessung auseinander. Das Verfügungsdispositiv lautete: "Das
Leistungsbegehren wird abgewiesen".
B.
B.a Der Versicherte liess am 30. Oktober 2009 Beschwerde erheben und beantragen,
die Verfügung vom 29. September 2009 sei aufzuheben und es seien eine -
insbesondere psychiatrische - Ergänzungsbegutachtung und eine Evaluation der
beruflichen Leistungsfähigkeit anzuordnen. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin
anzuweisen, solches anzuordnen. Weiter sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, die
zutreffenden Eingliederungsmassnahmen zu erbringen, vorab Integrationsmassnahmen
bzw. Massnahmen beruflicher Art. Gegebenenfalls sei ab wann rechtens eine
Invalidenrente zuzusprechen (act. G1). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
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führte zur Begründung sinngemäss aus, es stehe nicht fest, welche Leistungsbegehren
mit der angefochtenen Verfügung abgewiesen worden seien. Angefochten sei auch
eine allfällige Abweisung des Gesuchs um Integrations- bzw. berufliche Massnahmen.
Gleichzeitig werde, der Aufforderung in der angefochtenen Verfügung gemäss,
"formlos" darum ersucht, die entsprechenden Massnahmen durchzuführen. Sollte die
Beschwerdegegnerin auf dieses Ersuchen eintreten, wäre das Beschwerdeverfahren zu
sistieren. Das erste ABI-Gutachten und die dazugehörige Beurteilung durch den RAD
seien nicht restlos klar gewesen bzw. hätten nicht restlos überzeugt. Im zweiten ABI-
Gutachten seien andere psychiatrische Diagnosen gestellt worden. Die Medikation sei
aber immer noch im Fluss gewesen. Zur Begründung seiner Auffassung, das zweite
psychiatrische Teilgutachten vermöge nicht zu überzeugen, wiederholte der
Rechtsvertreter weitgehend die Argumente aus der Stellungnahme zum Vorbescheid.
Dasselbe gilt für die Begründung des Begehrens um Integrations- bzw. berufliche
Massnahmen. Abschliessend machte er geltend, es hätte ein zusätzlicher Abzug vom
Tabellenlohn erfolgen müssen. In einem an die Gerichtsleitung gerichteten Schreiben
vom 4. November 2009 führte er sinngemäss aus (act. G3), die Beschwerdegegnerin
habe am 3. November 2009 geltend gemacht, sie habe mit der angefochtenen
Verfügung den Antrag auf berufliche Massnahmen nicht abgewiesen. Sie habe lediglich
darauf hingewiesen, dass sie berufliche Massnahmen für nicht angezeigt halte. Sie
werde die Eingliederungsmassnahmen nochmals prüfen. Er müsse davon ausgehen,
dass die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung über diese
Massnahmen entschieden habe. Ob es sich bei deren Schreiben um einen Widerruf
oder um einen Sistierungstatbestand handle, habe das Gericht zu entscheiden.
B.b Die Gerichtsleitung riet der Beschwerdegegnerin am 9. November 2009, den
strittigen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen wiedererwägungsweise zu
bereinigen und alle Anordnungen und Feststellungen in diesem Punkt zu widerrufen
(act. G4).
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 8. Januar 2010 die Abweisung der
Beschwerde (act. G5). Sie machte geltend, sie habe in der Verfügung vom 29.
September 2009 festgestellt, dass kein Rentenanspruch bestehe. Damit sei
"naturgemäss implizit" festgehalten worden, dass auch kein Anspruch auf
Massnahmen bestehe, welche die Erwerbsfähigkeit verbessern könnten. Die
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Beschwerde sei abzuweisen, soweit die Beschwerdeführerin damit berufliche
Massnahmen im Sinn einer Umschulung verlange. Soweit sie Integrationsmassnahmen
zur Eingliederung in den konkreten Arbeitsmarkt verlange, dürfe darauf nicht
eingetreten werden, da solche Massnahmen nicht Gegenstand der Verfügung gewesen
seien. Deshalb bestehe auch kein Anlass zu einer Wiedererwägung. Wegen des
fehlenden Zusammenhangs zwischen der Rentenfrage und der Eingliederung in den
konkreten Arbeitsmarkt bestehe auch keine Notwendigkeit, das Beschwerdeverfahren
zu sistieren. Aus dem Umstand, dass der Gesundheitszustand nicht stabil sei, könne
die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten, denn sie könne auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen. Eine
Verbesserung durch eine therapeutische Massnahme könne nicht zur Entstehung eines
Rentenanspruchs führen. Das psychiatrische Teilgutachten überzeuge. Von einer EFL
seien keine verwertbaren Erkenntnisse zu erwarten.
B.d Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin übermittelte dem Gericht am
23. Februar 2010 verschiedene Belege zur beruflichen Eingliederung (act. G11). In der
Replik vom 22. März 2010 führte er aus (act. G13), es sei unklar, weshalb die
Beschwerdegegnerin davon ausgehe, dass sie den Rentenanspruch prüfen könne,
obwohl die Frage der beruflichen Eingliederung noch offen sei. Die Behauptung in der
Beschwerdeantwort, über die beruflichen Massnahmen sei durch die Verneinung des
Rentenanspruchs implizit entschieden worden, stehe im Widerspruch zum Schreiben
vom 3. November 2009. Der Rechtsvertreter legte einen psychiatrischen
Untersuchungsbericht von Dr. med. L._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, Psychosomatische und Psychosoziale Medizin SARPM, vom 17. März 2010 bei
(act. G13.1), in dem dieser insbesondere ausgeführt hatte, bei der Beschwerdeführerin
liege wohl kein episodischer Verlauf, sondern eine anhaltende Affektstörung vor. Die
Diagnosen lauteten: Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren (ICD-10 F 45.42) und anhaltende depressive Störung (ICD-10 F32.8). Der
Schmerz könne nicht gemessen werden und auch der gute Wille, der den
schmerzbedingten Beeinträchtigungen entgegen zu wirken hätte, sei nicht messbar.
Trotzdem bewege sich die beurteilende medizinische Fachperson nicht auf einem
Gebiet gänzlich fehlender Anschaulichkeit. Anschaulichkeit entstehe, wenn
Beschwerdeschilderung, Beobachtungen auf Befundebene und Beobachtungen
anhand des Berichts über alltagsrelevante Beeinträchtigungen einander
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gegenübergestellt würden. Dies sei die Grundlage einer gutachterlichen
Plausibilitätsprüfung. Bei der Einschätzung des mutmasslichen Leistungsvermögens
könne er sich auf seine Verlaufsuntersuchungen seit November 2009, auf das Wissen
um die Alltagsbewältigung der Beschwerdeführerin und auf die Beobachtungen des
Ergotherapeuten M._ seit September 2007 abstützen. Bei den Untersuchungen seien
eine durchwegs gedrückte Grundstimmung und eine ausgeprägte
Niedergeschlagenheit seit der Erkrankung des Vaters und dessen Tod (Dezember 2009
bis anfangs März 2010) festzustellen gewesen. Das kognitive Leistungsvermögen sei
beeinträchtigt gewesen. Auf Phasen der Aufmerksamkeit und des unverminderten
Konzentrationsvermögens seien Momente gefolgt, in denen die Aufmerksamkeit
gleichsam weggebrochen sei. Die Beschwerdeführerin habe dann jeweils während 10
bis 20 Sek. ins Leere geschaut, nichts aufgefasst und sich nicht geäussert. Abgesehen
davon sei das Denken der Beschwerdeführerin normal gewesen. Er sei nirgends auf
inkonsistentes oder wahlloses Antworten oder auf ein anderes Aussageverhalten
gestossen, das Zweifel an der Validität der Symptom- und Beschwerdeschilderungen
geweckt hätte. Inhaltlich prägnant sei neben der Schilderung täglicher
belastungsabhängiger Schmerzen die Schilderung von Erlebensweisen gewesen, die
typisch depressiven Symptomen entsprochen hätten: Verlust von Interesse oder
Freude an gewöhnlich angenehmen Dingen, Reizbarkeit, stark erhöhte Ermüdbarkeit,
Hemmung beim Beginn einer Verrichtung, Schwierigkeiten, eine Sache zu Ende zu
führen, frühmorgendliches Erwachen unter Schmerzen, anschliessend oft angstvolles
und resignatives Grübeln, massloses Minderwertigkeitserleben, unangemessenes
Schuld- und Schamempfinden. Die Beschwerdeführerin befasse sich mit der
Hausarbeit in einem Dreipersonenhaushalt. Allein erledige sie nur noch das Abstauben.
Bei allen anderen Arbeiten würden der Ehemann oder der Sohn helfen oder die
Arbeiten würden sogar vollständig von diesen beiden erledigt. Die Beschwerdeführerin
neige nicht zu Selbstunterforderung, sondern zu Selbstüberforderung. Sie leiste den
Beitrag, der ihr möglich sei. Sie werde nicht unnötig geschont. Der psychiatrische
Sachverständige des ABI habe das psychologische Konstrukt der Symptomausweitung
ins Spiel gebracht. Diese sei nicht selten bei Familien aus Osteuropa, die regressiv-
passive Patienten von jeglicher Verpflichtung entbinden würden. Das treffe auf die
Beschwerdeführerin nicht zu. Das, was man über ihren Alltag anhand ihres Berichts
wisse, lasse darauf schliessen, dass sie in der Lage sei, während sehr wenigen
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Stunden am Tag für sich selbst und die Familie zu sorgen. Was sie sich zumute,
entspreche in allen Belangen nur einer körperlich leichten Tätigkeit. Die
Beschwerdeführerin habe im Zug einer psychologisch konzipierten stationären und
ambulanten Schmerztherapie über Jahre hin erarbeitet, wie ihr eine bestmögliche
Schmerzkontrolle gelinge: Indem sie auf Phasen der Aktivität rechtzeitig Ruhe folgen
lasse, indem sie wechselnden Positionen einnehme, indem sie wo nötig vorsichtiger zu
Werk gehe und indem sie massvoll Schmerzmittel einnehme. Obwohl sie die
Anregungen aus der Therapie optimal umsetze, seien ihr Handlungsspielraum und ihr
Leistungsvermögen im Alltag äusserst gering. Der Ergotherapeut habe telephonisch
berichtet, dass die Beschwerdeführerin oft schon nach wenigen Minuten, bestenfalls
erst nach 20 Min., sichtbar ermüde. Dabei trete eine allgemeine Verkrampfung auf.
Anfangs habe die Beschwerdeführerin daraufhin ihre Bemühungen forciert mit dem
Ergebnis, dass sie unter erkennbarer Verzweiflung in länger dauernde Schmerzkrisen
abgeglitten sei. Sie habe nun ein Verhalten eingeübt, das auf die Grenze der
Belastbarkeit Rücksicht nehme. Dadurch könne sie einen gewissen Arbeitsrhythmus
aufrecht erhalten. Die Beschwerdeführerin halte zudem nicht selten inne und blicke
betrübt ins Leere. Man lasse sie dann eine Weile gewähren, bevor sie angesprochen
werde, um sie "zurückzuholen". Dr. L._ gab als Schlussfolgerung betreffend das
Leistungsvermögen an, es liege ein stimmiges Profil weitreichender Einschränkungen
unmittelbar schmerzbegründeter, depressionsbedingter und kognitiv erklärbarer Art
vor. Persönliche Beschwerdeschilderung, ärztliche und insbesondere
ergotherapeutische Beobachtungen auf Befundebene und der Bericht der
Beschwerdeführerin ergäben ein plausibles Bild: Die Funktionsstörungen seien als so
schwer zu betrachten, dass sie willentlich und durch weitere Therapien nicht zu
überwinden seien, d.h. auch für eine körperlich leichte Tätigkeit bestehe eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit.
B.e Dr. G._ vom RAD hielt dazu am 14. Mai 2010 fest, Dr. L._ habe zwar sehr
zutreffend ausgeführt, dass die Diagnostik und die Arbeitsfähigkeitsschätzung auf einer
Funktionsdiagnostik basierten. In seinem Bericht finde sich jedoch keine Anamnese zu
den konkreten Beschwerden und Einschränkungen und keine Erhebung von
objektivierbaren und nachvollziehbaren Befunden zu einer depressiven Symptomatik
oder zu einer Schmerzverarbeitungsstörung. Dr. L._ habe seine Überzeugung, die
Beschwerdeführerin sei vollständig arbeitsunfähig, nicht durch eine konkrete
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psychopathologische Abklärung mit gegebenenfalls entsprechender
Befunddokumentation zu Art und Schwere der Einschränkungen belegt. Auch finde
sich keine Würdigung zur Zumutbarkeit der Schmerzüberwindung. Dr. L._ habe keine
Beweise für das Vorliegen einer schweren depressiven Störung oder für eine verstärkte
Beeinträchtigung gegenüber den Erhebungen des ABI erbracht. Der Bericht von Dr.
L._ sei kein Grund, die Beurteilung durch das ABI in Frage zu stellen. In ihrer Duplik
vom 21. Mai 2010 (act. G17) vertrat die Beschwerdegegnerin die Auffassung, der
Bericht von Dr. L._ leide an wesentlichen Mängeln und weise deshalb keine
Überzeugungskraft auf. Das Scheitern des vom Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin mit Nachdruck geforderten Eingliederungsversuchs bestätige,
dass oft eine schlechte Prognose für die Eingliederung bestehe, solange die
Rentenfrage nicht rechtskräftig geklärt sei. Beim zweiten ABI-Gutachten habe es sich
um ein Verlaufsgutachten gehandelt. Es habe also zum Zweck gehabt, die
gesundheitliche Entwicklung abzubilden und nicht Mängel der ersten Beurteilung
nachzubessern. Damit stehe die Beweiskraft dieser beiden Gutachten nicht in Frage.

Erwägungen:
1.
1.1 Bei der Anmeldung am 23. Januar 2006 hat die Beschwerdeführerin als
"beanspruchte" Versicherungsleistungen nur die Rente angegeben. Praxisgemäss hat
sich diese Anmeldung trotz dieser Beschränkung auf alle Leistungen bezogen, die für
die Beschwerdeführerin in Frage gekommen sind. Dementsprechend ist am 18.
Dezember 2007 ein Abklärungsauftrag betreffend berufliche
Eingliederungsmassnahmen erteilt worden. Bei der Abklärung an Ort und Stelle am 19.
Februar 2008 hat die Beschwerdeführerin gemäss dem Bericht der
Eingliederungsberaterin erklärt, die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit sei ihr
unmöglich. Daraufhin ist der Eingliederungsberaterin nichts anderes übrig geblieben,
als die - bis dahin auf die Arbeitsvermittlung beschränkte - berufliche Eingliederung
einzustellen, da aufgrund der Überzeugung der Beschwerdeführerin, vollständig
arbeitsunfähig zu sein, jeder Versuch einer beruflichen Eingliederung zum vornherein
zum Scheitern verurteilt war. Am 4. März 2008 stellte die Beschwerdegegnerin deshalb
die Arbeitsvermittlung ein. De facto beinhaltete die entsprechende Mitteilung auch alle
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/26
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anderen grundsätzlich in Frage kommenden beruflichen Eingliederungsmassnahmen.
Deshalb beschränkte sich das Verwaltungsverfahren in der Folge auf die Prüfung der
Rentenberechtigung. Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin im Vorbescheid
vom 6. August 2009 nur die Abweisung des Rentenbegehrens angekündigt und
vorläufig begründet. Erst mit den von der Beschwerdeführerin in der Stellungnahme
vom 16. September 2009 zu diesem Vorbescheid gestellten Begehren ist das Thema
der beruflichen Eingliederung wieder aufgekommen. Es ist unwahrscheinlich, dass die
Beschwerdegegnerin ohne jede Vorbereitung in der Form eines Verwaltungsverfahrens
zum Thema "Abklärung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten" mit der
angefochtenen Verfügung vom 29. September 2009 das neu gestellte Begehren um
berufliche Eingliederungsmassnahmen hat abweisen wollen. Darauf weist auch der
Umstand hin, dass der gesamte Aufbau der angefochtenen Verfügung gegenüber dem
Vorbescheid, der sich unbestrittenermassen nur auf das Rentenbegehren bezogen
hatte, keine Veränderung erfahren hat. Insbesondere ist bereits im (vorläufigen)
Dispositiv des Vorbescheids das Wort "Leistungsbegehren" verwendet worden, obwohl
zu jenem Zeitpunkt nur das Rentenbegehren gemeint gewesen sein kann. Es kann also
nicht argumentiert werden, mit der Verwendung des in seiner Bedeutung weiteren
Wortes "Leistungsbegehren" sei bewusst mehr als die Rente, nämlich auch die
berufliche Eingliederung, gemeint gewesen. Schliesslich ist bei der Interpretation der
angefochtenen Verfügung auch zu beachten, dass der Passus, in dem sich die
Beschwerdegegnerin zur beruflichen Eingliederung geäussert hat, keine Begründung
für die Abweisung eines Begehrens um berufliche Eingliederungsmassnahmen
beinhaltet hat. Die Beschwerdegegnerin hat damit lediglich nochmals erläutert,
weshalb sie in der Vergangenheit die berufliche Eingliederung nicht weiter geprüft und
die Arbeitsvermittlung eingestellt hatte. Das ergibt sich insbesondere aus dem Hinweis
in diesem Passus, dass die Beschwerdeführerin jederzeit formlos eine
Arbeitsvermittlung oder andere berufliche Eingliederungsmassnahmen beantragen
könne. Wenn die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung ein Begehren
um berufliche Eingliederungsmassnahmen hätte abweisen wollen, dann hätte sie der
Beschwerdeführerin wohl nicht gleichzeitig empfohlen, ein Gesuch um solche
Massnahmen zu stellen. Die Interpretation der angefochtenen Verfügung zeigt also,
dass damit nur das Rentengesuch hat abgewiesen werden sollen. Da der
Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens nicht weiter sein kann als der
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Gegenstand der angefochtenen Verfügung, muss sich auch die gerichtliche Beurteilung
auf die Frage einer allfälligen Rentenberechtigung der Beschwerdeführerin
beschränken.
1.2 Der Grundsatz "Eingliederung vor Rente" (vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A.,
Vorbemerkungen N. 47) ist dadurch nicht verletzt, denn er ist nichts anderes als die
formelhafte Umschreibung der IV-spezifischen Schadenminderungspflicht, die in aller
Regel darin besteht, durch eine berufliche Eingliederung die Entstehung eines
Rentenanspruchs zu verhindern oder einen solchen Anspruch möglichst klein zu halten.
Liegt der Invaliditätsgrad bereits ohne jede berufliche Eingliederung unter der Grenze
von 40% (Art. 28 Abs. 2 IVG), so kommt die Schadenminderungspflicht, und damit der
Grundsatz "Eingliederung vor Rente", von vornherein nicht zur Anwendung. Die
Arbeitsvermittlung (Art. 18 Abs. 1 IVG) ist nie Teil dieses Grundsatzes, da sie nicht die
Invalidität, sondern die Arbeitslosigkeit zu verhindern sucht, den Invaliditätsgrad also
nicht beeinflussen kann. Sollte der Einkommensvergleich (Art. 16 ATSG) im
vorliegenden Fall einen Invaliditätsgrad von 40% oder mehr ergeben, hätte das keine
Ausdehnung des Streitgegenstandes auf die Frage der beruflichen
Eingliederungspflicht zur Folge. Vielmehr müsste dann die Abweisung des
Rentenbegehrens aufgehoben werden, weil über dieses Begehren vor der Erfüllung der
IV-spezifischen Schadenminderungspflicht, verfügt worden wäre. Das Gericht könnte
aber nicht prüfen, ob und gegebenenfalls welche beruflichen
Eingliederungsmöglichkeiten in Frage kämen, da dies nicht mehr zum Streitgegenstand
gehören würde. Die von der Beschwerdeführerin verlangte gerichtliche Beurteilung der
beruflichen Eingliederung lässt sich also auch mit der Berufung auf den Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" nicht erreichen.
1.3 Die Beschwerdeführerin behauptet sinngemäss eine Rechtsverweigerung, wenn
sie geltend macht, sie habe in der Stellungnahme zum Vorbescheid die Zusprache
beruflicher Eingliederungsmassnahmen verlangt; die Beschwerdegegnerin habe sich
aber geweigert, darüber zu verfügen. Die Reaktion auf ein Leistungsgesuch besteht in
aller Regel zunächst in einem (formlosen) Eintreten auf das Gesuch, da vorerst in einem
Verwaltungsverfahren untersucht werden muss, ob im konkreten Fall überhaupt ein
Anspruch auf die beantragte Leistung besteht, bevor mit der Ausrichtung dieser
Leistung - hier der Durchführung der beruflichen Eingliederungsmassnahme -
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begonnen werden kann. Der sofortige Erlass einer Verfügung ist nur dann möglich,
wenn offensichtlich ist, dass kein Leistungsanspruch besteht, oder wenn der
Leistungsanspruch ohne weiteres feststeht. Die Beschwerdegegnerin hat zwar in der
angefochtenen Verfügung auf die Notwendigkeit einer neuen (formlosen) Anmeldung
zum Bezug von beruflichen Eingliederungsmassnahmen hingewiesen. Tatsächlich hat
sie aber bereits ein entsprechendes Verwaltungsverfahren eröffnet (vgl. IV-act. 111 ff.).
Im Umstand, dass sich die Wirkung der angefochtenen Verfügung nicht auf die mit der
Stellungnahme zum Vorbescheid beantragten beruflichen Eingliederungsmassnahmen
erstreckt, kann unter diesen Umständen keine Rechtsverweigerung erblickt werden.
Soweit die Beschwerdeführerin dem Gericht beantragt, die Beschwerdegegnerin sei
anzuweisen, ihr berufliche Eingliederungsmassnahmen zu erbringen, kann demnach
nicht auf die Beschwerde eingetreten werden. Streitgegenstand des
Beschwerdeverfahrens bildet ausschliesslich die Prüfung der Rentenberechtigung.
2.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
2.1 Die Beschwerdeführerin ist von November 2002 bis zu ihrem krankheitsbedingten
Ausscheiden am 28. Februar 2006 als "Mitarbeiterin Fertigschau" für die B._ AG tätig
gewesen. Diese Arbeitgeberin ist später bereit gewesen, die Beschwerdeführerin trotz
der Gesundheitsbeeinträchtigung wieder zu beschäftigen. Das lässt die Hypothese zu,
dass die Beschwerdeführerin, wäre sie nicht krank geworden, längerfristig weiterhin bei
der B._ AG an der angestammten Stelle gearbeitet hätte. Trotzdem kann diese Arbeit
nicht als die Validenkarriere der Beschwerdeführerin betrachtet werden. Der dabei
erzielbare Lohn hat zwar dem Durchschnittslohn (Zentralwert) der Hilfsarbeiterinnen in
der Textilbranche entsprochen, aber dieser ist deutlich tiefer gewesen als der
Durchschnittslohn über alle Branchen hinweg. Die Beschwerdeführerin ist nicht
aufgrund einer einschlägigen beruflichen Ausbildung in der Textilbranche tätig
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gewesen. Vielmehr ist zu vermuten, dass sie in dieser Branche gearbeitet hat, weil sie
aufgrund äusserer, nicht beeinflussbarer Umstände (regionale Arbeitsmarktsituation
etc.) keine besser entlöhnte Arbeit gefunden hat. Wäre ihr - im hypothetischen
"Gesundheitsfall" - im Jahr 2006 eine Stelle in einer anderen Branche offeriert worden,
an der sie einen höheren Lohn erzielt hätte, so hätte sie wohl bei der B._ AG
gekündigt und diese andere Stelle angenommen. Ihre Validenkarriere besteht deshalb
trotz der langjährigen Tätigkeit für die B._ AG nicht in der hypothetischen weiteren
Beschäftigung als "Mitarbeiterin Fertigschau", sondern in einer "durchschnittlichen"
Hilfsarbeit. Das Valideneinkommen, das in den Einkommensvergleich (Art. 16 ATSG)
einzusetzen ist, beträgt demnach gestützt auf die Tabelle TA1 im Anhang zu der vom
Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung 2006 Fr. 4019.--,
umgerechnet auf den schweizerischen Durchschnitt von 41,7 Wochenarbeitsstunden
Fr. 4189.80 bzw. Fr. 50'278.--.
2.2 Das Ausgangseinkommen zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens
beträgt ebenfalls Fr. 50'278.--, da die Beschwerdeführerin auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt in jeder Branche eine behinderungsadaptierte Hilfsarbeit ausüben könnte.
Zu prüfen ist, in welchem Ausmass sie aufgrund der verbliebenen Arbeitsfähigkeit einer
solchen Hilfsarbeit nachgehen könnte.
2.2.1 Die Klinik F._ hat in ihrem Bericht über die stationäre Rehabilitation, u.a.
gestützt auf eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit, eine Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin von 50% ("halbtags") angegeben, wobei sie sowohl die
somatische als auch die psychische Beeinträchtigung einbezogen hat. Dr. D._ von
der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie hat die Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht mit lediglich 30% beziffert. Im ersten, ergänzten Gutachten des
ABI haben die Sachverständigen aus der somatischen Beeinträchtigung nur auf eine
qualitative Arbeitsunfähigkeit, d.h. auf eine Einschränkung in bezug auf die Art der noch
zumutbaren Hilfsarbeiten, geschlossen. Die quantitative Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit ist ihrer Auffassung nach nur auf die psychische Beeinträchtigung
zurückzuführen gewesen. Der psychiatrische Sachverständige hat als Diagnosen eine
Neurasthenie und eine Schmerzverarbeitungsstörung angegeben. Er hat das Vorliegen
einer depressiven Störung verneint, auch wenn leichte depressive Symptome
vorhanden seien. Der Zustand der Beschwerdeführerin könne als überreizte
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Erschöpfung beschrieben werden. Eine Begründung für die Arbeitsunfähigkeit von 40%
hat der psychiatrische Sachverständige nicht geliefert. Ihm scheint hauptsächlich daran
gelegen gewesen zu sein nachzuweisen, dass die weitere psychiatrische Therapie
idealerweise in einer stationären Behandlung zur definitiven Einstellung eines
verträglichen Medikaments bestehen müsse, womit die Arbeitsfähigkeit auf 70% oder
sogar auf 80% gesteigert werden könne. Nach einer solchen Optimierung der
psychopharmakologischen Behandlung werde es dann möglich sein, die Situation
bezüglich der zumutbaren Willensanstrengung "mit höherer Validität" zu beurteilen. Der
psychiatrische Sachverständige hat sich also ausserstande gesehen, aus
psychiatrischer Sicht eine längerfristige Arbeitsfähigkeitsprognose abzugeben, weil die
medizinische Eingliederungspflicht noch nicht vollständig erfüllt sei und deshalb noch
kein stabiler Gesundheitszustand vorliege. Erst nach der Erfüllung der
Eingliederungspflicht in der Form einer Verbesserung der psychopharmakologischen
Therapie sei eine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung möglich. Entgegen der von
der Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren vertretenen Auffassung stehen die
beiden Gutachten des ABI also nicht im Verhältnis Grundgutachten/Verlaufsgutachten.
Vielmehr hätte die zweite Begutachtung das Hauptgutachten liefern sollen, nachdem
die erste Begutachtung, zumindest in psychiatrischer Hinsicht, nur einen mangels
ausreichender medizinischer Eingliederung/Behandlung labilen Gesundheitszustand
angetroffen hatte. Das bedeutet, dass der im ersten Gutachten angegebenen
Arbeitsfähigkeit von 60% nur die Qualität einer Momentaufnahme eines labilen
Gesundheitszustands beigemessen werden kann.
2.2.2 Anlässlich des stationären Aufenthalts in der Klinik I._ ist die
psychopharmakologische Therapie zwar optimiert worden, aber dies scheint nur zu
einer Verbesserung der Befindlichkeit im Magen-Darm-Trakt geführt zu haben. Die
Klinikärzte sind bei dieser gesundheitlichen Situation von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. An sich wäre zu erwarten gewesen, dass die
psychische Gesundheit nun nicht mehr mangels einer ausreichenden medizinischen
Behandlung/Eingliederung labil, sondern dank einer optimalen Einstellung der
Medikamente stabil gewesen wäre. Tatsächlich hat der psychiatrische Sachverständige
anlässlich der zweiten Begutachtung aber festgestellt, dass der Medikamentenspiegel
des verordneten Antidepressivums weit unter dem Referenzbereich lag. Es fehlte also
weiterhin an einer optimalen psychopharmakologischen Behandlung, nun allerdings
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nicht mehr als Folge einer ungenügenden Einstellung der Medikamente, sondern als
Folge der fehlenden Compliance der Beschwerdeführerin. Trotzdem hat der
psychiatrische Sachverständige des ABI eine "definitive" Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben. Entweder hat er davon ausgehen können, dass die korrekte Einnahme des
Antidepressivums den Arbeitsfähigkeitsgrad nicht weiter würde ansteigen lassen, oder
er hat jene Arbeitsfähigkeit angegeben, die bestehen würde, wenn die
Beschwerdeführerin das Antidepressivum nach Vorschrift einnehmen würde. Seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist höher ausgefallen als bei der ersten Begutachtung. Ob
dies auf eine inzwischen (ev. hypothetisch) optimierte psychopharmakologische
Behandlung oder auf den Umstand zurückzuführen ist, dass bei der zweiten
Begutachtung eine andere Diagnose gestellt worden ist (leichte bis mittelgradige
depressive Episode anstelle der Neurasthenie), kann offen bleiben. Massgebend ist,
dass das Augenmerk der psychiatrischen Abklärung nun nicht mehr auf die
Optimierung einer ungenügenden psychopharmakologischen Behandlung, sondern auf
die Erhebung des Arbeitsfähigkeitsgrads gerichtet gewesen ist. Es ist deshalb davon
auszugehen, dass diese Arbeitsfähigkeitsschätzung auf der Grundlage einer
ausreichenden Behandlung und eines stabilen, eine längerfristige Prognose
erlaubenden Gesundheitszustands abgegeben worden ist. Diese zweite Begutachtung
durch das ABI hat sich nicht nur auf das Ergebnis der aktuellen Untersuchung und auf
die Berichte behandelnder Ärzte gestützt. Die Sachverständigen haben zusätzlich auf
die Erhebungen anlässlich der ersten Begutachtung abstellen und mit ihren eigenen
Feststellungen vergleichen können. Das zweite ABI-Gutachten erfüllt nicht nur alle
Anforderungen, die praxisgemäss (vgl. etwa E. Murer und H.-U. Stauffer [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer, 2. A., S. 352 f.) an ein
beweiskräftiges medizinisches Gutachten zu stellen sind, sondern es beruht auch auf
einer besonders umfassenden und detaillierten medizinischen Aktenlage. Die
Auffassung, dass die Beschwerdeführerin selbst unter Einsatz der gesamten ihr zur
Verfügung stehenden Willensenergie nicht in der Lage wäre, zu 100% einer adaptierten
Erwerbstätigkeit nachzugehen, da sie die krankheitsbedingte erhöhte Ermüdbarkeit
nicht einfach überwinden könnte, sondern gezwungen wäre, immer wieder Pausen
einzulegen, rechtfertigt die Annahme einer Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit. Eine
Leistungsreduktion von annähernd einem Drittel als Folge des objektiven zusätzlichen
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Pausenbedarfs erscheint als plausibel. Die im zweiten ABI-Gutachten angegebene
Arbeitsfähigkeit von 70% erscheint deshalb als überzeugend. Damit steht auch fest,
dass nach der ersten Begutachtung eine leichte Verbesserung von 60% auf 70%
eingetreten ist.
2.2.3 Zu prüfen bleibt, ob die Angaben von Dr. K._, der Psychiatrie-Dienste
N._ und insbesondere von Dr. L._ geeignet sind, ernsthafte Zweifel an der
Richtigkeit der definitiven Arbeitsfähigkeitsschätzung im zweiten ABI-Gutachten zu
wecken, so dass weitere Abklärungen erforderlich wären, oder ob sie sogar geeignet
sind, die Arbeitsfähigkeitsschätzung im zweiten ABI-Gutachten zu widerlegen und an
deren Stelle zu
treten. Dr. G._ vom RAD hat das zweite ABI-Gutachten unmittelbar nach dessen
Erstellung und dann nochmals nach dem Eingang der Stellungnahmen von Dr. K._
und der Psychiatrie-Dienste N._ als umfassend, kohärent, in sich widerspruchsfrei
und medizinisch nachvollziehbar qualifiziert. Gerade das psychiatrische Teilgutachten
sei als sehr gründlich und umfassend zu beurteilen. Dr. K._ und die Psychiatrie-
Dienste N._ hätten im Ergebnis nur denselben Sachverhalt anders beurteilt. Dr. G._
hat deren abweichende Beurteilungen als nicht überzeugend betrachtet. Diese
Auffassung ist stichhaltig, denn Dr. K._ hat das zweite ABI-Gutachten selbst als
überzeugend betrachtet; nur in Bezug auf die Höhe der Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit hat er eine abweichende Auffassung vertreten, ohne dies
aber zu begründen. Die Psychiatrie-Dienste N._ haben sich gar nicht mit dem
zweiten ABI-Gutachten auseinandergesetzt; sie haben nur eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Diese beiden abweichenden Einschätzungen
vermögen deshalb keine Zweifel an der Richtigkeit der Arbeitsfähigkeitsschätzung im
zweiten ABI-Gutachten zu wecken. Die Ausführungen von Dr. L._ beruhen, soweit sie
nicht theoretischen Charakter haben, auf einem ausschliesslich therapeutischen
Standpunkt. Dies zeigt sich insbesondere darin, dass er sämtliche Aussagen der
Beschwerdeführerin sowohl zur Art und zum Ausmass der Beschwerden als auch zur
Gestaltung des Alltags mit Selbstverständlichkeit als richtig und objektiv qualifiziert und
das Verhalten der Beschwerdeführerin während der Therapien und während den
Untersuchungen (z.B. der 10 bis 20 Sek. dauernde "Blick ins Leere") ohne weiteres als
objektiven Beleg einer schweren Beeinträchtigung der Psyche gewertet hat. Dr. L._
hat dabei offenkundig die Erfahrung ausgeblendet, dass ein sekundärer
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Krankheitsgewinn, wie er bei der Beschwerdeführerin aufgrund der früheren
Mehrfachbelastung (vollerwerbstätig, Haushalt, Kinderbetreuung) und dem aktuellen
Alltag offensichtlich besteht, in aller Regel dazu führt, dass die Beschwerden und deren
Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit negativ geschildert werden. In seinen Ausführ
ungen fehlt aber auch jede Auseinandersetzung mit dem juristischen Begriff der
Arbeitsfähigkeit, der u.a. das Konzept der zumutbaren Willensanstrengung beinhaltet:
Von einer Arbeitsunfähigkeit kann erst dann bzw. nur in dem Umfang gesprochen
werden, als es der betreffenden Person auch bei einer zumutbaren Willensanstrengung
nicht möglich ist, trotz der Schmerzen/Beschwerden einer Arbeit nachzugehen. Dr.
L._ hat zwar darauf hingewiesen, dass Familien aus dem osteuropäischen Kulturkreis
erfahrungsgemäss dazu neigten, Schmerzpatienten jede Notwendigkeit einer
Arbeitsleistung abzunehmen und sie so in ihrer subjektiv empfundenen vollständigen
Arbeitsunfähigkeit zu bestärken bzw. ihnen jede Willensanstrengung zur weiteren
Ausübung einer Arbeit zu "ersparen". Er hat dann aber für die Familie der
Beschwerdeführerin eine solche Situation verneint, ohne dies aber auch nur
ansatzweise zu begründen. Entgegen seinen Beteuerungen korrespondiert die
subjektive Überzeugung der Beschwerdeführerin, vollständig arbeitsunfähig zu sein,
nicht mit der objektiven, mittels einer zumutbaren Willensanstrengung erreichbaren
Arbeitsfähigkeit. Demnach sind die Angaben von Dr. L._ nicht geeignet, Zweifel an
der Richtigkeit der Arbeitsfähigkeitsschätzung im zweiten ABI-Gutachten zu wecken.
Damit steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu 70% arbeitsfähig ist.
2.2.4 Ein dem Arbeitsfähigkeitsgrad von 70% entsprechender
Beschäftigungsgrad entspricht einem Einkommen von Fr. 35'195.--. Das statistische
Durchschnittseinkommen (Zentralwert) beruht auf der Erfassung von Löhnen gesunder
Hilfsarbeiterinnen. Diesen gegenüber weist die Beschwerdeführerin aus der Sicht eines
potentiellen, ökonomisch handelnden Arbeitgebers verschiedene Nachteile auf, die nur
indirekt behinderungsbedingt sind, in der Arbeitsunfähigkeit also nicht zum Ausdruck
kommen. Dazu gehören etwa die Unfähigkeit, bei einem entsprechenden betrieblichen
Bedarf den Beschäftigungsgrad auf über 70% anzuheben oder sogar Überstunden zu
machen, die Unfähigkeit, vorübergehend (z.B. als Krankheits- oder Ferienablösung) an
einem anderen, nicht adaptierten Arbeitsplatz tätig zu sein, die aus der Sicht des
Arbeitgebers reale Gefahr überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen aufgrund der
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anhaltenden Gesundheitsbeeinträchtigung sowie ein Bedarf nach besonderer
Rücksichtnahme seitens der Kolleginnen und Vorgesetzen insbesondere in Phasen
starker Belastung usw. Diesen Nachteilen ist praxisgemäss mit einem zusätzlichen
Abzug von 10% Rechnung getragen. Daraus ergeben sich ein zumutbares
Invalideneinkommen von Fr. 31'675.-- und eine invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse
von Fr. 18'603.--. Das entspricht einem Invaliditätsgrad von 37%. Die
Beschwerdegegnerin hat also im Ergebnis zu Recht zumindest für die Zeit nach dem
zweiten ABI-Gutachten einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint.
2.3 Dr. C._ hat am 28. Februar 2006 angegeben, die Beschwerdeführerin sei seit
dem 1. Februar 2005 arbeitsunfähig. Ab 4. Oktober 2005 habe die Arbeitsunfähigkeit
70% betragen. Gemäss den auf den vorliegenden Sachverhalt weiter anwendbaren
Bestimmungen über den Rentenbeginn in der Fassung vor der 5. IV-Revision (vgl. das
vom Bundesamt für Sozialversicherungen am 15. Juli 2001 herausgegebene IV-
Rundschreiben Nr. 300) kann also bereits ab der Absolvierung des sogenannten
Wartejahres, d.h. ab dem 1. Februar 2006 ein Rentenanspruch bestanden haben. Im
zweiten ABI-Gutachten ist für die Zeit bis Ende September 2007 eine Arbeitsunfähigkeit
von 40% angegeben worden, anschliessend bis Januar 2009 eine solche von 50% und
seit Februar 2009 von 30%. Bei einem Arbeits- bzw. Beschäftigungsgrad von 60%
würde ein Einkommen von Fr. 30'167.-- resultieren. Da sich auch hier ein zusätzlicher
Abzug vom Tabellenlohn von 10% rechtfertigt, beläuft sich das zumutbare
Invalideneinkommen auf Fr. 27'150.--. Die Erwerbseinbusse von Fr. 23'128.--
entspricht einem Invaliditätsgrad von 46%. Daraus resultiert ein Anspruch auf eine
Viertelsrente. Bei einem Arbeitsfähigkeits- bzw. Beschäftigungsgrad von 50% ergibt
sich ein Einkommen von Fr. 25'139.--, nach einem zusätzlichen Abzug vom
Tabellenlohn von 10% von Fr. 22'625.-- und eine Erwerbseinbusse von Fr. 27'653.--.
Dieser entspricht ein Invaliditätsgrad von 55%, was einen Anspruch auf eine halbe
Invalidenrente entstehen lässt. Gemäss Art. 88a IVV ist im Rahmen eines
Rentenrevisionsverfahrens nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sowohl die Heraufsetzung als
auch die Herabsetzung einer laufenden Invalidenrente jeweils mit einer dreimonatigen
Verzögerung vorzunehmen. Diese Regelung ist aus Gleichbehandlungsgründen analog
auf die rückwirkende Zusprache einer abgestuften Invalidenrente anzuwenden. Die
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin ist ab Oktober 2007 von 40% auf 50%
angestiegen. Die Beschwerdeführerin hat deshalb für die Periode von Februar 2006 bis
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und mit Dezember 2007 einen Anspruch auf eine Viertelsrente und danach bis Ende
April 2009 auf eine halbe Rente, denn der Arbeitsunfähigkeitsgrad ist Ende Januar 2009
von 50% auf 30% abgesunken. Ab Mai 2009 besteht kein Anspruch mehr auf eine
Invalidenrente.
3.
Entsprechend den vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde, soweit auf sie
eingetreten werden kann, teilweise gutzuheissen. Da die angefochtene Verfügung
aufgehoben werden muss, ist in Bezug auf den Anspruch auf eine Parteientschädigung
praxisgemäss für jenen Teil der Beschwerde, auf den eingetreten werden kann, von
einem vollen Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen. Der Vertretungsaufwand
für den Teil der Beschwerde, auf den nicht eingetreten werden kann, ist
auszuscheiden. Der verbleibende Teil des Vertretungsaufwands rechtfertigt unter
Berücksichtigung der in Art. 61 lit. g ATSG geregelten Bemessungskriterien eine
Parteientschädigung (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) von Fr. 3000.--. In IV-
Sachen ist das Beschwerdeverfahren kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst sich
nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser ist als durchschnittlich zu
werten, so dass sich praxisgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- als angemessen
erweist. Für diese Kosten hat die unterliegende Beschwerdegegnerin aufzukommen.
Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP