Decision ID: 8260033c-08bb-5486-af3d-1928c4e9d8a7
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden suchten am 2. August 2021 in der Schweiz
um Asyl nach. Am 22. September 2021 fanden die Befragungen nach
Art. 26 Abs. 3 AsylG (SR 142.31) und die Anhörungen zu den Asylgründen
gemäss Art. 29 AsylG statt, an welchen sie im Wesentlichen ausführten,
sie seien Staatsangehörige Albaniens und stammten aus E._.
A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) habe als Lastwagenfahrer
und Autohändler gearbeitet und B._ (nachfolgend Beschwerdefüh-
rerin) habe ein Jahr lang die Lehre als Coiffeuse gemacht und anschlies-
send gearbeitet.
A.b Im Jahr 2012 sei es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem
Cousin des Beschwerdeführers und F._ gekommen, wobei der
Cousin des Beschwerdeführers F._ in den Arm geschossen habe.
F._ stamme aus einer einflussreichen Familie; zahlreiche Familien-
mitglieder würden in wichtigen Positionen bei der Polizei und anderen Be-
hörden arbeiten. Nachdem F._ ein Jahr Haft abgesessen habe, sei
er freigelassen worden und habe die Konfrontation mit dem Cousin des
Beschwerdeführers gesucht, bei welcher dieser F._ erschossen
habe. Der Cousin des Beschwerdeführers habe nach G._ flüchten
können. Die Familie habe sodann einen jüngeren Cousin als Täter bei den
Behörden angegeben, welcher in der Folge zu einer langen Freiheitsstrafe
verurteilt worden sei. Die gegnerische Familie habe aber gewusst, wer der
wahre Täter sei. Der Beschwerdeführer, als einziger in Albanien lebender
männlicher Verwandter seines Cousins, habe sehr eingeschränkt leben
müssen, da er Blutrache befürchtet habe. So sei er auch stets bewaffnet
gewesen. Nach diesen Vorfällen habe der Beschwerdeführer in vielen Län-
dern Europas gelebt, beispielsweise in H._, G._ und
I._. Trotzdem sei er immer wieder für längere Zeit nach Albanien
zurückgekehrt.
Die Beschwerdeführerin habe meistens in E._ gelebt. Vor einigen
Jahren sei die Mutter von F._ in den Laden der Familie eingedrun-
gen und habe der Beschwerdeführerin gedroht, ihren älteren Sohn umzu-
bringen. Sich im Laden befindende Kunden hätten die Polizei gerufen, wel-
che aber nur kurz anwesend gewesen sei. Vor gut einem Jahr habe die
Mutter von F._ im Badezimmer der Schule auf den älteren Sohn
gewartet, eine Reinigungskraft habe aber das Schlimmste verhindern kön-
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nen. Auch habe die Mutter von F._ die Familie mit einer Waffe be-
droht. Weil die gegnerische Familie einflussreich sei und die Behörden
nichts unternehmen würden, habe die Beschwerdeführerin die Polizei le-
diglich einmal selber kontaktiert. Da die Situation für sie unerträglich gewe-
sen sei, habe sie Albanien (...) 2021 verlassen und sei am (...) 2021 in die
Schweiz eingereist.
A.c Im vorinstanzlichen Verfahren reichten die Beschwerdeführenden ihre
Pässe, Identitätskarten, Führerausweise, den Eheschein und ein Familien-
büchlein zu den Akten. Ausserdem gaben sie zahlreiche Links und Kopien
von Zeitungsartikeln zum vom Cousin des Beschwerdeführers verübten
Mord sowie eine Seite mit Links zu einem einflussreichen Mitglied der Fa-
milie von F._ zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 1. Oktober 2021 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführenden und lehnte ihre Asylgesuche
ab. Gleichzeitig verfügte sie ihre Wegweisung aus der Schweiz und ord-
nete den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 7. Oktober 2021 erhoben die Beschwerdeführenden beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragten, die Verfügung
der Vorinstanz sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustel-
len und ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfü-
gung aufzuheben und zwecks Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen, subsubeventualiter seien sie vorläufig aufzunehmen.
In prozessualer Hinsicht beantragten sie, es sei ihnen die unentgeltliche
Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung des Kostenvorschusses
sei zu verzichten.
Die Beschwerdeführenden reichten mit der Beschwerde die angefochtene
Verfügung ein.
D.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
8. Oktober 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der
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vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Seitens der Beschwerdeführen-
den wird eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes beziehungs-
weise des rechtlichen Gehörs gerügt. Sie bringen vor, vor dem spezifischen
Hintergrund, dass die Familie des Getöteten enge Beziehungen zu ein-
flussreichen Personen habe, habe sich die Vorinstanz nicht ausreichend
mit der tatsächlichen Schutzfähigkeit und dem Schutzwillen der albani-
schen Behörden auseinandergesetzt. Vielmehr greife sie auf allgemeine
Textbausteine zurück. Weitere Ausführungen hinsichtlich dieser formellen
Rügen sind in der Beschwerdeschrift nicht ersichtlich.
4.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den
Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei
muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter-
lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber
ordnungsgemäss Beweis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung
dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter
belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn
die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes
wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sa-
chumstände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA
BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
[VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16).
4.3 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens An-
spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff.
VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der
Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbe-
zogenes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Ge-
hör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen
tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung
berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-
schlagen muss (vgl. BVGE 2015/10, E. 3.3 m.w.H.).
4.4 Die Rüge der Verletzung der Untersuchungspflicht ist unbegründet. Die
Vorinstanz hatte gestützt auf die Vorbringen der Beschwerdeführenden kei-
nen Anlass, weitere Abklärungen vorzunehmen. Sie führt in der angefoch-
tenen Verfügung rechtsgenügend aus, dass sie die Vorbringen der Be-
schwerdeführenden als reine Spekulation qualifiziert und dass es ihnen of-
fen gestanden wäre, den albanischen Staat um Schutz zu ersuchen, in
dem sie sich, falls die lokale Polizei nichts unternommen hätte, an höhere
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staatliche Instanzen hätten wenden können. Ferner spricht alleine der Um-
stand, dass die Vorinstanz zu einer anderen Würdigung der Vorbringen ge-
langt, als von den Beschwerdeführenden verlangt, nicht für eine ungenü-
gende Sachverhaltsfeststellung. Hinsichtlich der Rüge der Verletzung des
rechtlichen Gehörs ist festzuhalten, dass sich die Vorinstanz in der ange-
fochtenen Verfügung mit den wesentlichen Aspekten ihrer Asylvorbringen
in gebührender Ausführlichkeit auseinandergesetzt und ihre Schlussfolge-
rungen hinreichend begründet hat. Den Akten sind demnach keine Hin-
weise auf eine relevante Verletzung des rechtlichen Gehörs zu entnehmen.
Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, den angefochtenen Ent-
scheid aus formellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. Das entsprechende Eventualbegehren ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung ihrer Verfügung im Wesentlichen
aus, dass es sich bei der Auseinandersetzung mit F._ um eine pri-
vate Auseinandersetzung gehandelt habe, der kein asylbeachtliches Motiv
zugrunde liege. Zudem hätten sich die Beschwerdeführenden nie schutz-
suchend an die Behörden gewandt, obwohl die Asylgewährung vor-aus-
setze, dass Gesuchsteller zuerst alle Schutzmöglichkeiten im eigenen
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Land ausschöpfen müssten. Die Behauptung, aufgrund des Einflusses der
gegnerischen Familie hätte die Polizei nichts unternommen, sei reine Spe-
kulation. Es wäre für die Beschwerdeführenden zumutbar gewesen,
Schutz zu verlangen oder, falls die lokalen Behörden nichts unternommen
hätten, sich an eine höhere Instanz oder Aufsichtsstelle zu wenden. Im
Weiteren habe der Beschwerdeführer während längerer Zeit in E._
gelebt, ohne dass es zu entsprechenden Übergriffen gekommen sei. Le-
diglich die Mutter von F._ habe missglückte Übergriffe auf den älte-
ren Sohn durchgeführt. Auch hätten sich die Vorfälle, die die Beschwerde-
führerin betroffen hätten, in grossem zeitlichen Abstand zugetragen, was
ebenfalls nicht auf eine ernsthafte Verfolgungsabsicht hindeute.
Im Weiteren müsse als speziell erachtet werden, dass die Mutter von
F._ als Frau gegen die beschwerdeführende Familie vorgegangen
sein solle, obwohl dies gemäss des Ehrenkodexes Kanun den Männern
der Familie vorbehalten sei. Auch sei erstaunlich, dass der ältere Sohn be-
reits von Blutrache betroffen sei, obwohl er noch lange nicht 18 Jahre alt
werde und somit für eine Blutrache nicht in Frage käme.
Da im Übrigen der albanische Staat vom Bundesrat 2003 zum «Safe
Country» erklärt worden und somit schutzfähig und schutzwillig sei, hielten
die Vorbringen der Beschwerdeführenden den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
6.2 Die Beschwerdeführenden bringen im Wesentlichen vor, dass neben
Männern und Frauen in der heutigen Zeit auch Kinder Opfer von Blutfeh-
den würden. Auch führen sie, unter Hinweis auf verschiedene Quellen, aus,
dass es für Polizisten sehr gefährlich sei, sich in Blutfehden einzumischen,
weswegen sie auch selten etwas dagegen unternehmen würden. Selbst
Richter würden befürchten, selber ins Visier zu geraten. In casu handle es
sich um eine Auseinandersetzung zweier Familien, wovon die eine über
grossen Einfluss verfüge, da deren Mitglieder hohe Positionen bei der Po-
lizei und weiteren Behörden innehaben würden. Aufgrund dieser Ausfüh-
rungen und der grassierenden Korruption in Albanien sei nicht davon aus-
zugehen, dass die Polizei ernsthafte Schritte gegen die gegnerische Fami-
lie einleiten werde. Die Beschwerdeführenden hätten das Vertrauen in die
Behörden verloren und hätten das Gefühl, dass die albanischen Behörden
in dieser Angelegenheit weder schutzwillig noch schutzfähig seien. Da sich
die Beschwerdeführenden nicht an die Polizei hätten wenden können, hät-
ten sie mithilfe des Gemeindepräsidenten oder etwa des Vaters der Be-
schwerdeführerin versucht, den Streit zu schlichten, dies erfolglos.
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Seite 8
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zum Schluss, dass die Vo-
rinstanz zu Recht davon ausgegangen ist, die Vorbringen der Beschwer-
deführenden würden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft
nicht genügen. Zum einen fehlt es bei einer privaten Blutfehde am Erfor-
dernis der flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmotivation, weil diese
nicht aus einem in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Grund erfolgt. Zum an-
dern sind Übergriffe von privaten Dritten nur dann flüchtlingsrechtlich rele-
vant, wenn es der betroffenen Person nicht möglich ist, im Heimatland
Schutz davor zu finden. Der Schutz ist dann als ausreichend zu qualifizie-
ren, wenn eine Person effektiv Zugang zu einer funktionierenden staatli-
chen Infrastruktur hat und ihr deren Inanspruchnahme zumutbar ist, wobei
von einem Staat nicht erwartet werden kann, dass er jederzeit präventiv in
die Lebensbereiche seiner Bürger eingreifen kann. Ist kein ausreichender
Schutz möglich, setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft zudem
voraus, dass die betroffene Person einer landesweiten Verfolgung ausge-
setzt ist und nicht in einem anderen Teil ihres Heimatstaates Schutz finden
kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.1 [S. 173 ff.]; 2008/4 E. 5.2 [S. 37 f.]; Ur-
teil des BVGer E-4982/2020 vom 15. Januar 2021 E. 5).
7.2 Bei Albanien handelt es sich um einen verfolgungssicheren Staat im
Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG (vgl. dazu Anhang 2 der Asylverord-
nung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Die Bezeichnung ei-
nes Landes als sogenanntes "safe country" beinhaltet die Regelvermu-
tung, dass eine flüchtlingsrechtlich bedeutsame staatliche Verfolgung nicht
stattfindet und der behördliche Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung ge-
währleistet ist. Es handelt sich dabei um eine relative Verfolgungssicher-
heit, weshalb im Einzelfall auf Grund konkreter und substantiierter Hin-
weise diese Regelvermutung umgestossen werden kann (vgl. Urteil des
BVGer E-4982/2020 vom 15. Januar 2021 E. 5).
7.3 Aus dem Vorbringen, eine Strafanzeige der Beschwerdeführerin sei
nicht behandelt worden (Akten der Vorinstanz A42/F57), kann nicht ge-
schlossen werden, dass der albanische Staat grundsätzlich nicht schutzfä-
hig oder –willig ist. Sie selber sagt in der Anhörung weiter aus, sie habe nur
einmal bei der Polizei um Schutz nachgesucht (Akten der Vorinstanz
A42/F59) und sich im Weiteren nicht gross mit Strafanzeigen befasst, da
es die Behörden zugelassen hätten, «dass solche Personen mit einer
Schusswaffe bedroht werden» (Akten der Vorinstanz A42/F58). Auch sonst
hätten sie, die Beschwerdeführenden, nicht mit der Polizei über die Vorfälle
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gesprochen, da es keine Gerechtigkeit gebe (Akten der Vorinstanz
A42/F66).
Es liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Behörden nicht willens und in
der Lage gewesen wären, den Beschwerdeführenden Schutz zu bieten,
zumal es sich dem Gericht nicht erschliesst, wieso sie die ihnen zur Verfü-
gung stehenden rechtstaatlichen Mittel in Albanien nicht ausgeschöpft ha-
ben, wie beispielsweise sich an eine höhere Instanz zu wenden. Sodann
gibt es keinen Grund anzunehmen, die Beschwerdeführenden könnten
nach ihrer Rückkehr in den Heimatstaat den Schutz der albanischen Be-
hörden nicht in Anspruch nehmen. Festzuhalten ist ferner, dass von einem
Staat nicht eine faktische Garantie für einen langfristigen individuellen
Schutz der von nichtstaatlicher Verfolgung bedrohten Personen zu verlan-
gen ist, weil es keinem Staat gelingen kann, die absolute Sicherheit seiner
Bürgerinnen und Bürger jederzeit und überall zu garantieren (vgl. BVGE
2011/51 E. 7.3 m.w.H.). Den Beschwerdeführenden ist es somit nicht ge-
lungen, die Regelvermutung (vgl. E. 7.2) umzustossen.
7.4 Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführen-
den zu Recht verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
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wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-
mässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
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EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Insbesondere ist im Fall der Beschwerde-
führenden, wie oben dargelegt, davon auszugehen, dass sie sich bei allfäl-
ligen Bedrohungen von Seiten Dritter an die albanischen Behörden wen-
den können. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Albanien
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 Vorliegend lässt weder die allgemeine Lage im Heimatstaat der Be-
schwerdeführenden noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefähr-
dung im Falle einer Rückkehr schliessen. Das SEM hat diesbezüglich zu
Recht darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführenden in Albanien gut
gestellt gewesen seien und es ihnen gesundheitlich gut gehe. Auch wenn
der Beschwerdeführer immer bewaffnet herumlaufe und sich der ältere
Sohn während der Schultage dauernd im Schulgebäude aufhalte, ist vor-
liegend nicht von einer unzumutbaren Situation auszugehen, zumal sich
die Beschwerdeführenden schutzsuchend an die Behörden wenden kön-
nen. Auch unter dem Aspekt des Kindeswohls erweist sich vorliegend ein
Vollzug der Wegweisung nach Albanien nicht als unzumutbar.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Aufgrund der Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren ist das Gesuch
um unentgeltliche Prozessführung ungeachtet einer allfälligen prozessua-
len Bedürftigkeit abzuweisen.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
Mit vorliegendem Urteil wird der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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