Decision ID: c8a8a0d1-685a-4ffb-b6f3-6b6bb136cb6e
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 31. August 2020 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum zur Arbeitsvermittlung ab 1. Dezember 2020 an
(act. G3.2/135 f. und G3.2/128) und stellte am 7. September 2020 bei der Kantonalen
Arbeitslosenkasse (nachfolgend: Kasse) Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab
1. Dezember 2020 (act. G3.2/131 f.). Ihr Arbeitsverhältnis als Geschäftsführerin bei der
B._ wurde per 30. November 2020 aufgelöst (vgl. act. G3.2/124 ff.).
A.a.
Mit Verfügung vom 16. April 2021 wies die Kasse den Antrag der Versicherten auf
Arbeitslosenentschädigung ab dem 1. Dezember 2020 ab. Zur Begründung führte sie
aus, die Versicherte sei nach wie vor Verwaltungsratsmitglied und Geschäftsführerin
ihrer ehemaligen Arbeitgeberin (vgl. act. G3.2/58 ff.).
A.b.
Mit Schreiben vom 27. April 2021 teilte die Versicherte mit, mit dem
Liquidationsbeschluss könne die arbeitgeberähnliche Stellung aufgegeben werden,
indem eine andere Person mit der Liquidation beauftragt werde. Oder die Kasse
erlaube, dass sie die Liquidation durchführe, da durch die sechsmonatige Sperrfrist
keine Geschäfte mehr getätigt werden dürften (act. G3.2/54 f.). Dieses Schreiben nahm
die Kasse als Einsprache zu den Akten (act. G3.2/53).
A.c.
Anlässlich eines Telefonats vom 3. Juni 2021 teilte die Kasse der Versicherten mit,
dass sie keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung habe, wenn sie sich als
Liquidatorin ihrer ehemaligen Arbeitgeberin einsetzen lasse, es sei denn, das
Missbrauchsrisiko könne praktisch ausgeschlossen werden (vgl. act. G3.2/48). Mit
Schreiben vom 3. Juni 2021 forderte die Kasse die Versicherte auf, Belege
einzureichen, dass es bei der ehemaligen Arbeitgeberin praktisch nichts mehr zu
liquidieren gebe und eine Reaktivierung bzw. eine Rückgründung ausgeschlossen
erscheine (act. G3.2/47). Dieser Aufforderung kam die Versicherte am 23. Juni 2021
A.d.
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B.
nach. Aus den von ihr eingereichten Unterlagen ergibt sich insbesondere, dass die
ehemalige Arbeitgeberin mit Beschluss vom 7. Juni 2021 aufgelöst wurde und sich
seither in Liquidation befindet, wobei die Versicherte als Liquidatorin eingesetzt wurde
(act. G3.2/29 ff.). Am 7. August 2021 bestätigte die Versicherte, dass sie in ihrer
Eigenschaft als Liquidatorin keinen Lohn beziehe (act. G3.2/20).
Mit Entscheid vom 20. August 2021 hob die Kasse die Verfügung vom 16. April
2021 in teilweiser Gutheissung der Einsprache auf, lehnte den Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung für den Zeitraum vom 1. Dezember 2020 bis 6. Juni 2021
ab und teilte der Versicherten mit, der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab
7. Juni 2021 werde neu geprüft. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die
Versicherte habe sich bei ihrer ehemaligen Arbeitgeberin als Verwaltungsratsmitglied
und Geschäftsführerin mit Einzelunterschrift in arbeitgeberähnlicher Stellung befunden.
Die arbeitgeberähnliche Stellung bleibe grundsätzlich auch während der Liquidation
bestehen. Im Sinne einer Ausnahme von diesem Grundsatz könne das Vorliegen eines
Missbrauchsrisikos während der Liquidationsphase unter bestimmten Voraussetzungen
widerlegt werden, sodass trotz arbeitgeberähnlicher Stellung ausnahmsweise ein
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung entstehen könne. Diese Voraussetzungen
seien vorliegend erfüllt, sodass ab dem Beschluss vom 7. Juni 2021 über die
Liquidation der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung neu zu prüfen sei
(act. G4.2/13 ff.). Seit der Abrechnungsperiode Juli 2021 richtet die Kasse in einer am
7. Juni 2021 eröffneten Rahmenfrist Arbeitslosenentschädigung aus (vgl. act. G3.1/2
ff.).
A.e.
Gegen den Einspracheentscheid vom 20. August 2021 erhebt die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 2. September 2021 (Postaufgabe) Beschwerde.
Sie beantragt sinngemäss, ihr sei ab 1. Dezember 2020 Arbeitslosenentschädigung
zuzusprechen. Die arbeitgeberähnliche Stellung sei mit Rückgabe der
Geschäftsräumlichkeiten per 1. Dezember 2020 (vgl. hierzu auch act. G4.2/34) nicht
mehr gegeben gewesen. Die Tätigkeit sei mit der Geschäftsschliessung eingestellt
worden. Im 2021 seien keine Löhne mehr ausbezahlt worden. Die Löschung im
Handelsregister (Liquidationsbeschluss am 7. Juni 2021) habe wegen des
B.a.
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Erwägungen
1.
Jahresabschlusses 2020 (April 2021), der Revision (Mai 2021), der Ausschreibung und
der sechsmonatigen Sperrfrist nicht früher vorgenommen werden können (act. G1).
Mit Beschwerdeantwort vom 23. September 2021 beantragt die Kasse
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Die
Beschwerdeführerin habe als Verwaltungsratsmitglied bis zum 6. Juni 2021 eine
absolut leistungsausschliessende arbeitgeberähnliche Stellung bei ihrer ehemaligen
Arbeitgeberin innegehabt. Seit dem 7. Juni 2021 sei sie als Liquidatorin tätig. Aufgrund
einer Prüfung im Einzelfall im Rahmen des Einspracheverfahrens habe eine
arbeitgeberähnliche Stellung ab der Liquidationsphase vorliegend ausgeschlossen
werden können (act. G3).
B.b.
Die Beschwerdeführerin verzichtet stillschweigend auf eine Replik (vgl. act. G4 und
G5).
B.c.
In der Beziehung zwischen der Schweiz und den anderen EFTA-Staaten, mithin
auch im Verhältnis zum Fürstentum Liechtenstein, gelten auf Grund eines Verweises im
EFTA-Übereinkommen (SR 0.632.31, Anhang K, Anlage 2 einschliesslich Aktualisierung
der Sozialversicherungsregelungen per 1. Januar 2016) die gleichen
Koordinierungsbestimmungen wie – gestützt auf das Freizügigkeitsabkommen (FZA) –
zwischen der Schweiz und den EU-Staaten. Somit wenden die EFTA-Staaten
untereinander die Bestimmungen der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 zur Koordinierung
der Systeme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.1, Grundverordnung [GVO]) und
der dazugehörigen Durchführungsverordnung (SR 0.831.109.268.11, DVO) an (vgl.
Kreisschreiben des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) über die Auswirkungen der
Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 und 987/2009 auf die Arbeitslosenversicherung, KS
ALE 883, Januar 2022, Rz A19 ff. und B7 ff.).
1.1.
Gemäss Art. 11 Abs. 1 GVO unterliegt eine Person jeweils den Rechtsvorschriften
nur eines Staates (Prinzip der Alleinzuständigkeit). Eine Person, die nach den
Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaates Leistungen bei Arbeitslosigkeit gemäss
Art. 65 GVO erhält, unterliegt den Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaats (Art. 11
Abs. 3 lit. c GVO). Gemäss Art. 65 Abs. 2 und Abs. 3 GVO muss sich eine
vollarbeitslose Person, die während ihrer letzten Beschäftigung in einem anderen als
1.2.
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2.
dem zuständigen Mitgliedstaat gewohnt hat und weiterhin in diesem Mitgliedstaat
wohnt oder in ihn zurückkehrt, der Arbeitsverwaltung des Wohnmitgliedstaats zur
Verfügung stellen. Sie muss sich als Arbeitssuchende melden, dem dortigen
Kontrollverfahren unterwerfen und die Voraussetzungen der Rechtsvorschriften dieses
Mitgliedstaates erfüllen. Sie erhält Leistungen nach den Rechtsvorschriften des
Wohnmitgliedstaats, als ob diese Rechtsvorschriften für sie während ihrer letzten
Beschäftigung oder selbständigen Erwerbstätigkeit gegolten hätten. Diese Leistungen
werden von dem Träger des Wohnorts gewährt (Art. 65 Abs. 5 lit. a GVO).
Weil die in der Schweiz wohnende Beschwerdeführerin mit Schweizer
Staatsangehörigkeit (vgl. hierzu act. G3.2/133) im EFTA-Mitgliedstaat Liechtenstein
gearbeitet hat und ganz arbeitslos geworden ist, ist die Schweiz als Wohnsitzstaat für
die Gewährung der Arbeitslosenentschädigung zuständig und der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenentschädigung bestimmt sich nach
schweizerischem Recht. Dies wird von den Parteien denn auch nicht bestritten (vgl.
hierzu auch act. G3.1/7 ff.).
1.3.
Gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) haben
Personen, die in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte
oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die
Entscheidungen des Arbeitgebers bestimmen oder massgeblich beeinflussen können,
sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung.
2.1.
Die Frage, ob Arbeitnehmende einem obersten betrieblichen
Entscheidungsgremium angehören und ob sie in dieser Eigenschaft massgeblich
Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen nehmen können, ist aufgrund der
internen betrieblichen Struktur zu beantworten. Keine Prüfung des Einzelfalls ist
erforderlich, wenn sich die massgebliche Entscheidungsbefugnis bereits aus dem
Gesetz selbst (zwingend) ergibt. Dies gilt insbesondere für die Gesellschafter einer
GmbH (Art. 804 ff. des Bundesgesetzes betreffend Ergänzung des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligationenrecht; OR; SR 220]) sowie die
(mitarbeitenden) Verwaltungsräte einer AG (vgl. Art 716 ff. OR; BGE 145 V 200 E. 4.2
mit Hinweisen).
2.2.
Nach der Rechtsprechung ist der Ausschluss der in Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG
genannten Personen vom Entschädigungsanspruch absolut zu verstehen.
Praxisgemäss ist diese der Vermeidung von Missbräuchen dienende Bestimmung
2.3.
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analog auf arbeitgeberähnliche Personen und deren Ehegatten anzuwenden, die
Arbeitslosenentschädigung beantragen, da auch sie die Entscheidungsfindung im
Betrieb weiterhin bestimmen oder massgeblich beeinflussen können. Das
Missbrauchsrisiko ist dasselbe, ob es nun um Arbeitslosen-, Kurzarbeits- oder
Insolvenzentschädigung geht. Daher rechtfertigt sich keine unterschiedliche
Behandlung arbeitgeberähnlicher Personen in Bezug auf diese drei Leistungsarten
(BGE 145 V 200 E. 4.1; 142 V 263 E. 4.1; 123 V 234 E. 7b/bb, je mit Hinweisen).
Die Rechtsprechung des Bundesgerichts will nicht nur dem ausgewiesenen
Missbrauch an sich begegnen, sondern bereits dem Risiko eines solchen, das der
Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung an arbeitgeberähnliche Personen inhärent
ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 26. Oktober 2016, 8C_529/2016, E. 5.2, und
vom 21. März 2018, 8C_102/2018, E. 6.2). So hat das Bundesgericht beispielsweise
entschieden, es sei nicht von Bedeutung, dass eine versicherte Person die
Verwaltungsratsmandate in einigen der eigenen Firmen bloss "treuhänderisch"
ausüben wolle. Dies ändere nichts daran, dass sie aufgrund der Stellung als
Verwaltungsratsmitglied von Gesetzes wegen in der Lage wäre, auf die Geschäfte
Einfluss zu nehmen (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2006, C 306/05, E. 2.2). Ein
Verwaltungsratsmitglied, das sich als "stilles Mitglied" betitelte, war ebenso wenig
anspruchsberechtigt wie ein Verwaltungsratsmitglied, das lediglich 2 % der Aktien
besass und über Kollektivunterschrift zu zweien verfügte, während der
Verwaltungsratspräsident über 95 % der Aktien verfügte und
einzelunterschriftsberechtigt war (siehe Barbara Kupfer Bucher, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum AVIG, 5. Aufl., S. 266 und S. 269).
2.4.
Ob die Gesellschaft inaktiv, vorübergehend stillgelegt oder überschuldet ist oder
ob bereits eine Liquidation beschlossen oder angeordnet worden ist, ist für sich allein
kein taugliches Kriterium dafür, das definitive Ausscheiden einer Person aus der
arbeitgeberähnlicher Stellung zu belegen. Diese Umstände an sich ändern nichts
daran, dass das Mitglied des Verwaltungsrats weiterhin die Geschicke des Betriebs
bestimmt. Die Rechtsprechung hat wiederholt darauf abgestellt, ob der Eintrag der
betreffenden Person im Handelsregister gelöscht worden ist. Denn erst mit der
Löschung des Eintrags ist das Ausscheiden einer arbeitgeberähnlichen Person aus der
Unternehmung für aussenstehende Dritte erkennbar (vgl. Urteile des Bundesgerichts
vom 22. Dezember 2003, C 235/03, E. 4, vom 20. April 2005, C 75/04, E. 3, und vom
28. Januar 2011, 8C_850/2010, E. 4.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom
15. März 2006, C 278/05: fehlen Bemühungen der versicherten Person, die sich
verzögernde Löschung im Handelsregister zu beschleunigen, hat sie immer noch die
2.5.
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Möglichkeit, ihre arbeitgeberähnliche Stellung zu benutzen, womit ein
Missbrauchsrisiko verbleibt und die versicherte Person keinen Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung hat).
Liquidatoren sind als Personen mit arbeitgeberähnlicher Stellung in der Regel
ebenfalls vom Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ausgeschlossen, weil sie – im
begrenzten Rahmen der Liquidationstätigkeit – weiterhin die Geschicke des Betriebs
bestimmen können und daher nicht endgültig aus dem Betrieb ausgeschieden sind.
Das Missbrauchsrisiko beruht in erster Linie auf der Möglichkeit, sich selbst während
der Liquidationsphase wieder einzustellen oder den Betrieb zu reaktivieren. Wenn
hingegen aufgrund der konkreten Umstände im Einzelfall ein Missbrauch mit einem
sehr hohen Grad an Sicherheit ausgeschlossen werden kann, rechtfertigt es sich nicht,
den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung wegen einer arbeitgeberähnlichen
Stellung zu verneinen. Ein Missbrauch scheidet jedenfalls dann aus, wenn es praktisch
nichts mehr zu liquidieren gibt und eine Reaktivierung bzw. eine Rückgründung
ausgeschlossen erscheint. Zuverlässige Indizien für Letzteres bilden etwa die
Veräusserung von betriebsnotwendigem Material oder die Kündigung von für den
Betrieb wichtigen Verträgen oder Mitgliedschaften. Dies ist im Einzelfall abzuklären (vgl.
Urteile des Bundesgerichts vom 28. Januar 2011, 8C_850/2010, E. 4.2, und vom
17. Oktober 2014, 8C_514/2014, E. 4.3.2).
2.6.
Das Seco hat in einem Audit Letter ausgeführt, es liege an der versicherten Person,
die Vermutung des Vorliegens eines Missbrauchsrisikos während der
Liquidationsphase zu widerlegen. Dies gelinge ihr dann, wenn sie aufgrund der
konkreten Umstände darzulegen vermöge, dass trotz Stellung als Liquidatorin eine
Reaktivierung des Betriebs bzw. eine Missbrauchsgefahr praktisch ausgeschlossen
werden könne. Dazu müssten die folgenden Bedingungen kumulativ erfüllt sein:
Kleinunternehmen, deren Besitz sich auf eine oder wenige Personen aufteilt (bspw.
Familienbetrieb, Einpersonen-AG, Einpersonen-GmbH); Auflösungsbeschluss durch die
Generalversammlung oder Gesellschaftsversammlung (Art. 704 Abs. 1 Ziff. 8 und 808b
Abs. 1 Ziff. 11 OR); erfolgte Anmeldung der Liquidation beim Handelsregisteramt
("Firma XY in Liquidation"); es gibt wenig oder kaum mehr etwas zu liquidieren
(Inventarliste der zu liquidierenden Aktiven); es lässt sich faktisch ausschliessen, dass
die bisherige Geschäftstätigkeit weiter ausgeübt wird (Auflösung Mietvertrag, Telefon,
Versicherungen, Einstellung der Internetseite etc.); keine Lohnbezüge während der
Liquidationsphase (schriftliche Bestätigung des Liquidators oder der Liquidatorin).
Gelinge es der versicherten Person nicht, die Vermutung des Vorliegens eines
Missbrauchsrisikos während der ordentlichen Liquidationsphase umzustossen, müsse
2.7.
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3.
der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung abgelehnt werden. In diesem Fall sollte
die Kasse darauf hinweisen, dass die versicherte Person sich während der
Liquidationsphase nach Möglichkeit weiterhin den beitragspflichtigen Lohn ausrichte,
um nach Abschluss der Liquidationsphase über genügend Beitragszeit zu verfügen
(Audit Letter TCRD des Seco, Ausgabe 2016/2, September 2016, abgerufen unter
https://www.arbeit.swiss/secoalv/de/home/service/publikationen/audit-letter.html am
4. November 2022).
Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab
dem 7. Juni 2021 anerkannt, da ab dann keine leistungsausschliessende
arbeitgeberähnliche Stellung mehr bestanden habe. Die Beschwerdeführerin hingegen
macht geltend, die arbeitgeberähnliche Stellung sei bereits am 1. Dezember 2020 nicht
mehr gegeben gewesen. Zu prüfen ist deshalb die arbeitgeberähnliche Stellung ab
dem 1. Dezember 2020.
3.1.
Vorliegend war die Beschwerdeführerin einziges Verwaltungsratsmitglied und
Geschäftsführerin der B._ (vgl. hierzu Handelsregisterauszug, act. G3.2/57) und hatte
damit bei ihrer Arbeitgeberin unstreitig eine arbeitgeberähnliche Position inne (vgl. zur
arbeitgeberähnlichen Stellung eines Verwaltungsratsmitglieds einer liechtensteinischen
Anstalt den Entscheid des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 2. November 2020,
AVI 2019/46, E. 3 und E. 4, mit Hinwiesen).
3.2.
Wie aus den obigen Erwägungen (E. 2 vorstehend) hervorgeht, hat die
Beschwerdeführerin als arbeitgeberähnliche Person grundsätzlich keinen Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung. Die Beschwerdegegnerin bringt denn auch vor, bei
Verwaltungsratsmitgliedern ergebe sich die leistungsausschliessende
arbeitgeberähnliche Stellung bereits aus dem Gesetz. Die Rechtsprechung verlange
keine Einzelfallprüfung und lasse keine Ausnahmen zu (vgl. act. G3 Ziff. B.a). Damit
bezieht sie sich auf die höchstrichterliche Rechtsprechung, wonach bei einem Mitglied
des Verwaltungsrates der persönliche Ausschlussgrund des Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG
ohne Weiteres Platz greife und es keiner weiteren Abklärungen zu seinen konkreten
Verantwortlichkeiten in der Firma bedürfe (vgl. Kupfer Bucher, a.a.O., S. 269 mit
Verweis auf Urteil des Bundesgerichts vom 11. Dezember 2009, 8C_851/2009 und
BGE 123 V 234).
3.3.
Aus dem Handelsregisterauszug der B._ in Kombination mit dem Auszug aus
dem individuellen Konto (IK-Auszug) der Beschwerdeführerin geht hervor, dass
ausgesprochen stabile Geschäftsverhältnisse und ein über 35 Jahre andauerndes
3.4.
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Arbeitsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und ihrer Anstalt bestanden haben
(vgl. act. G3.1/30 und G3.2/128, G3.2/57 und G3.1/7 ff.). Aus den Akten ergibt sich
weiter, dass die Beschwerdeführerin die Aufgabe ihrer Tätigkeit und die Liquidation der
Anstalt seit Erhalt der Mitteilung vom 27. Januar 2020 über den voraussichtlichen
Abbruch der Geschäftsräumlichkeiten sorgfältig plante und systematisch umsetzte. Sie
kündigte frühzeitig den Miet- und die Arbeitsverträge, informierte Kunden und
Lieferanten, organisierte den Abverkauf der Ware und beendete sämtliche übrigen
Verträge der Anstalt, namentlich die obligatorischen Versicherungen (Unfall/Krankheit)
für die Arbeitnehmerinnen, den Telefon- und Stromanschluss. Das Geschäftslokal
räumte sie Ende November 2020. Auch den Internetauftritt des Geschäfts (Homepage,
Facebook, Instagram etc.) löschte sie (vgl. zum Ganzen act. G1, G3.2/38 ff., G3.2/97
und G3.2/110; vgl. zur öffentlichen Ankündigung der Geschäftsschliessung auch den
online-Zeitungsartikel unter https://www.vaterland.li/liechtenstein/wirtschaft/[..] mit
Hinweis auf ein Zeitungsinserat, abgerufen am 4. November 2022; vgl. zur Löschung
des Internetauftritts auch Sucheingabe "B._" bei Google, abgerufen am
21. September 2022). Insgesamt ist ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin die
Geschäftstätigkeit der Anstalt tatsächlich per 30. November 2020 eingestellt hat. Dies
war der Beschwerdegegnerin denn auch bekannt und bleibt im vorliegenden Verfahren
unbestritten.
Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin ihre Anstalt stillgelegt, bzw. faktisch
bereits per 30. November 2020 weitgehend liquidiert hat, ist indes im
arbeitslosenversicherungsrechtlichen Kontext unbehelflich. Auch wenn ein konkretes
Missbrauchsrisiko faktisch mit grosser Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden
kann, verblieb, solange die Beschwerdeführerin im Handelsregister noch als
Verwaltungsratsmitglied und Geschäftsführerin der Anstalt eingetragen war, ein
abstraktes Missbrauchsrisiko, indem die Beschwerdeführerin die Anstalt jederzeit
wieder hätte reaktivieren und sich wieder hätte anstellen können. Die
bundesgerichtliche Rechtsprechung ist in dieser Hinsicht, wie vorstehend dargelegt,
streng. Sie hat namentlich auch in Fällen, in denen die Missbrauchsgefahr konkret sehr
unwahrscheinlich erschien oder in denen eine Gesellschaft stillgelegt oder
überschuldet war oder eine versicherte Person aus ihrer Position faktisch
ausgeschieden war und lediglich die Löschung im Handelsregister nicht vorantrieb,
einen Anspruch auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung verneint (vgl. E. 2.4 und
E. 2.5 vorstehend).
3.5.
Eine Ausnahme lässt die Rechtsprechung, wie obenstehend dargelegt, für
Liquidatoren zu, wenn gewisse Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind. Dies deshalb,
3.6.
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