Decision ID: a5c62c00-166d-4c10-9a1a-537a27ce2467
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
A, geboren 1968, Staatsangehöriger von Italien, reiste am 10. Dezember 2013 abermals in die Schweiz ein und erhielt am 2. Oktober 2014 eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA zwecks selbständiger Erwerbstätigkeit, gültig bis 9. Dezember 2018 für den Kanton Zürich. Gemäss dem Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) verliess A die Schweiz per 4. Mai 2015.
In der Folge reiste A erneut in die Schweiz ein und meldete sich per 16. September 2019 in C im Kanton D an. Aufgrund fehlender Mitwirkung wies der Migrationsdienst des Kantons D mit Verfügung vom 22. April 2020 das Gesuch von A um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA zwecks selbständiger Erwerbstätigkeit ab und setzte ihm Frist zum Verlassen der Schweiz bis 22. Juli 2020. Daraufhin meldete sich A von C ab und zog nach E, wo er mit Gesuch vom 25. November 2020 um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA zwecks selbständiger Erwerbstätigkeit ersuchte. Mit Verfügung vom 27. Juli 2021 wies das Migrationsamt das Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA ab und setzte ihm eine Frist zum Verlassen der Schweiz bis zum 15. September 2021.
II.
Auf den dagegen erhobenen Rekurs trat die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion mit Entscheid vom 23. September 2021 mangels hinreichender Begründung nicht ein.
III.
Gegen diesen Entscheid liess A am 29. Oktober 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht einreichen. Er beantragte sinngemäss, der Entscheid der Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion vom 23. September 2021 sowie die Verfügung des Migrationsamtes vom 27. Juli 2021 seien aufzuheben und es sei ihm eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA zwecks selbständiger Erwerbstätigkeit zu erteilen. Weiter sei auf die Wegweisung bis zur rechtskräftigen Entscheidung zu verzichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschwerdegegners.
Mit Präsidialverfügung vom
5. November 2021 setzte der Abteilungspräsident A wegen seiner Schulden gegenüber der Zürcher Justiz im Umfang von Fr.
14'892.70
eine Frist von 20 Tagen, um die Verfahrenskosten sicherzustellen, ansonsten auf die Beschwerde nicht eingetreten würde. Weiter merkte er an, dass während des Verfahrens alle Vollziehungsvorkehrungen zu unterbleiben haben.
Am 6. Dezember 2021 setzte die Rechtsvertreterin von A das Verwaltungsgericht telefonisch darüber in Kenntnis, dass die von ihm in Auftrag gegebene Zahlung des Kostenvorschusses durch die Post wieder retourniert worden und deshalb ein Nachforschungsauftrag eingeleitet worden sei.
Mit Eingabe vom 7. Dezember 2021 reichte die Rechtsvertreterin eine Kopie der Einzahlungsbestätigung zu den Akten und zeigte die Veranlassung der Kautionszahlung per Banküberweisung durch A an.
Am 14. Dezember 2021 erkundigte sich die Rechtsvertreterin telefonisch beim Verwaltungsgericht, ob eine anderweitige Bankverbindung zur Zahlung der Kaution bestehe, wobei diese informiert wurde, dass die Zahlungsanweisung nach wie vor auf das in der Präsidialverfügung genannte Konto und mit der angegebenen IBAN-Nummer zu erfolgen habe.
Mit Telefonat vom 11. Januar 2022 erkundigte sich die Rechtsvertreterin beim Verwaltungsgericht betreffend den Eingang der zweiten Zahlungsveranlassung des Kostenvorschusses.
Mit Präsidialverfügung vom 12. Januar 2022 hielt der Abteilungspräsident fest, dass die Kaution in der Höhe von Fr. 2'070.- immer noch nicht auf dem Konto des Verwaltungsgerichts eingegangen sei. Er setzte A eine Frist von 10 Tagen zum Nachweis der seinerseits korrekt erfolgten und fristgerechten Einzahlung der Kaution, ansonsten auf die Beschwerde nicht eingetreten würde.
Am 31. Januar 2022 liess A eine Stellungnahme sowie mit einer gleichentags zugestellten E-Mail weitere Unterlagen einreichen.
Während die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion auf eine Vernehmlassung verzichtete, reichte das Migrationsamt keine Beschwerdeantwort ein.
Die Kammer

erwägt:
1.
1.1
Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht können Rechtsverletzungen einschliesslich Ermessensmissbrauch, Ermessensüberschreitung oder Ermessensunterschreitung und die unrichtige oder ungenügende Feststellung des Sachverhalts gerügt werden (§ 20 in Verbindung mit § 50 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]).
1.2
Ein Privater kann unter der Androhung, dass auf sein Begehren sonst nicht eingetreten werde, zur Sicherstellung der Verfahrenskosten angehalten werden, wenn er rechtskräftig geschuldete und noch unbeglichene Prozesskosten aus einem zürcherischen Verwaltungs- oder Gerichtsverfahren aufweist (§ 15 Abs. 2 lit. b VRG; vgl. Kaspar Plüss, in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar VRG, 3. A., Zürich etc. 2014, § 15 N. 27 ff.).
1.3
Der Beschwerdeführer hat vor Verwaltungsgericht nicht um unentgeltliche Rechtspflege ersucht und ist aufgrund seiner Schulden bei der Zürcher Justiz in Höhe von Fr. 14'892.70 gemäss § 15 Abs. 2 lit. b VRG mit Präsidialverfügung vom 5. November 2021 zu Recht kautioniert worden. Nachdem seiner Rechtsvertreterin die Präsidialverfügung vom 5. November 2021 am 8. November 2021 zugestellt werden konnte, ist die ihm angesetzte 20-tägige Kautionsfrist am 29. November 2021 abgelaufen, womit die erst am 20. Dezember 2021 (eingegangen beim Buchungszentrum aufgrund fehlender Angabe des Verwendungszwecks) ergangene Kautionszahlung unbestrittenermassen verspätet erfolgte (vgl. zur Fristberechnung § 11 VRG).
1.4
Der Beschwerdeführer liess mit Stellungnahme vom 31. Januar 2022 zwar die Voraussetzungen für eine Kautionierung sowie die erfolgte Retournierung der ersten Zahlungsveranlassung nicht in Abrede stellen, hingegen gibt er an, dass er alles ihm Mögliche und Zumutbare unternommen habe, um die angeordnete Vorschusszahlung fristgerecht und korrekt auszuführen. Obwohl es seiner Vertreterin vor ihrer unerwarteten Auslandreise nicht möglich gewesen sei, ihm die Präsidialverfügung sowie den beigefügten Einzahlungsschein per Post zuzustellen und sich ein darauffolgender Versand des Einzahlungsscheins als PDF per E-Mail nicht öffnen liess, habe er sich entschieden, die Zahlung trotz fehlenden Einzahlungsscheins vorzunehmen. So habe er am 23. November 2021, und damit innert Frist, bei der Post unter Verwendung der IBAN-Nr. sowie des Aktenzeichens aus der Präsidialverfügung vom 5. November 2021 die Kaution einbezahlt, was auf dem ins Recht gelegten Empfangsschein vom 23. November 2021 jedoch nicht ersichtlich sei. Ferner sei auch der Versuch, eine
Kopie des Einzahlungsscheins von der Post zu beschaffen, bislang erfolglos verlaufen. Sodann führte ein nach Retournierung der Zahlung in Auftrag gegebener Nachforschungsauftrag ebenfalls zu keinem Ergebnis. Dass die verwendeten Angaben nicht ausreichen würden, um die Kautionszahlung entsprechend zuordnen zu können, sei ihm nicht bewusst gewesen, weshalb die Beurteilung als nicht fristgerecht erfolgte Zahlung sowie eine darauf beruhende Zurückweisung der Beschwerde nicht sachgerecht wären.
1.5
Die rechtzeitige Bezahlung eines Kostenvorschusses nach § 15 Abs. 2 VRG stellt eine Prozessvoraussetzung dar. Unterbleibt sie, führt dies deshalb in der Regel zu einem Nichteintretensentscheid. Die Beweislast für die Rechtzeitigkeit der Kostenvorschusszahlung trägt der Rechtsuchende. Sofern in der Kautionsverfügung auf die entsprechende Säumnisfolge hingewiesen wurde, erscheint ein androhungsgemässer Nichteintretensentscheid sodann unabhängig von der Säumnisdauer und der Schwere der Folgen für die verspätet handelnde Partei nicht überspitzt formalistisch (vgl. Kaspar Plüss in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. A., Zürich etc. 2014, § 15 Rz. 58 ff.; BGr, 24. Juni 2008, 2C_645/2008, E. 2.2). Die Ansetzung einer Nachfrist ist bei nicht fristgerechter Leistung eines Prozesskostenvorschusses im verwaltungsgerichtlichen Verfahren nicht vorgesehen, vielmehr sieht bereits der Gesetzeswortlaut von § 15 Abs. 2 VRG ausdrücklich einen (unmittelbaren) Nichteintretensentscheid bei Säumnis vor. Ein Anspruch auf Nachfristansetzung bei verpasster Frist für die Begleichung des Kostenvorschusses ergibt sich nur ausnahmsweise aus Art. 29 Abs. 1 BV (insbesondere nach Abweisung eines Gesuchs um unentgeltliche Prozessführung; z.
B. BGr, 27. März 2020, 1C_601/2019, E. 3.1) und entspricht auch keinem allgemeinen Rechtsgrundsatz (vgl. BGr, 15. Juni 2018, 2C_1065/2017, E. 6 m.
w.
H.).
1.6