Decision ID: 1c74eba9-19f6-46ab-9295-5624608510aa
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a Der [...] geborene A._ meldete sich am 25. März/2. April 2008 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (berufliche Eingliederung) an. Er habe in seiner
Heimat eine Anlehre als Schweisser gemacht und sei 1999 in die Schweiz gekommen.
Seit Juli 2001 sei er als Produktionsmitarbeiter in einer Fabrik angestellt. Seit ca. 2004
leide er an einer Diskushernie mit Rezidivhernie, am 16. Oktober 2007 operiert.
A.b In einem Frühinterventions-Gesprächsprotokoll des Regionalen Ärztlichen
Dienstes (RAD) der Invalidenversicherung vom 17. April 2008 (IV-act. 9) wurde unter
anderem festgehalten, der Gesundheitszustand des Versicherten sei instabil. Anfang
Mai 2008 sei eine erneute Rückenoperation vorgesehen. - Im FI-Vortriage-Protokoll
vom 22. April 2008 (IV-act. 13) wurde das Vorliegen eines Eingliederungspotentials
verneint und gleichentags wurde mitgeteilt (IV-act. 14), dass zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien.
A.c In der Arbeitgeberbescheinigung vom 24. April 2008 (IV-act. 15) wurde
angegeben, der Versicherte sei seit 5. Juli 2001 angestellt und vor Eintritt des
Gesundheitsschadens (bis 6. August 2007) als Mitarbeiter Produktion tätig gewesen.
Sein Jahreslohn mache ab 1. Januar 2008 Fr. 57'836.-- aus. Die körperliche
Beanspruchung wechsle je nach Situation (Arbeit im Team oder auch allein).
A.d Dr. med. B._, Innere Medizin FMH, gab in seinem Arztbericht vom 9. Juli 2008
(IV-act. 21) bekannt, es liege als Diagnose vor ein chronisches lumbovertebrogenes
und lumboradikuläres Schmerzsyndrom mit Exazerbation und Remissionen, bei
breitbasiger medianer Diskushernie L4/L5 und L5/S1, Spondylarthrose L4/L5 und L5/
S1 bei primär engem Spinalkanal, bei St. n. fraktionierter periduraler Infiltration mit
Katheter auf Höhe L3/L4, L4/L5 und L5/S1 im April 2004, im April 2006 und im Oktober
2006, St. n. mikrochirurgischer Diskektomie L4/L5 am 16.10.2007 und St. n.
mikrochirurgischer Diskektomie L4/L5 und Fenstrum L5/S1 rechts wegen Rezidiv-
Diskushernie L4/L5 rechts. Der Versicherte sei vom 7. bis 15. Juni 2007 zu 100 %
arbeitsunfähig gewesen und sei es nun seit dem 6. August 2007 andauernd. Der
Gesundheitsschaden bestehe seit Ende Februar 2002. Die bisherige schwere Tätigkeit
sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Der Rücken werde voraussichtlich nie mehr
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belastbar sein. Auch andere Tätigkeiten seien dem Versicherten nicht zumutbar. Eine
sogenannte rückenadaptierte leichte Tätigkeit könnte der Versicherte allenfalls, wenn
durch intensive Nachbehandlungen noch ein Wunder geschehe, in absehbarer Zeit
noch zu 50 % aufnehmen. - In einem Abklärungsbericht vom 16. November 2007 an
die Unfallversicherung (IV-act. 19-45 ff.) war festgehalten worden, es sei offensichtlich,
dass der Versicherte unter immensen Schmerzen leide. Er könne kaum fünf Minuten
sitzen. Stehen sei nur möglich, wenn er sich anlehnen könne. Nach 20 Minuten habe er
sich hinlegen müssen. Seit der Operation seien die Schmerzen viel stärker. Beim
Gehen werde ihm häufig schwindlig. Am 10. November 2007 sei er wegen Schwindels
zuhause durch die Glasküchentür gestürzt. Der Versicherte habe zunächst in der
Glaserei gearbeitet. Die Tätigkeit sei körperlich sehr anspruchsvoll gewesen und er
habe schon nach kurzer Zeit Probleme mit dem Rücken bekommen. Die Arbeitgeberin
habe ihm dann eine körperlich nicht schwere, andere Arbeit angeboten, bei welcher er
während längerer Zeit ohne Beschwerden gewesen sei. Dem Versicherten gefalle diese
Arbeit sehr und er wolle unbedingt an den Arbeitsplatz zurückkehren und diesen auf
jeden Fall behalten. - Dr. med. C._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, hatte dem
Versicherten - abgesehen von kurzen Phasen 50-prozentiger Arbeitsfähigkeit -
wiederholt volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Am 16. November 2007 hatte das
Kantonsspital St. Gallen dem Versicherten für die Zeit ab dem Zeugnis bis 7. Januar
2007 (wohl: 2008) eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert. Den Berichten von Dr. C._
an Dr. B._ vom 2. Mai 2008 und 7. Mai 2008 (IV-act. 17) war unter anderem zu
entnehmen, dass am 16. Oktober 2007 eine mikrochirurgische Diskektomie
vorgenommen worden war. Am fünften postoperativen Tag seien akute Lumbalgien
und eine Lumboischialgie rechts aufgetreten. Am 1. März 2008 habe der Versicherte
eine leichte Tätigkeit bei der Arbeitgeberin zu 50 % aufgenommen, was aber nach ein
paar Tagen gescheitert sei. Inzwischen sei der Versicherte mit einer Reoperation
einverstanden gewesen. Diese sei am 6. Mai 2008 erfolgt.
A.e Ein IV-Arztbericht von Dr. C._ ging trotz Mahnung nicht ein.
A.f In einem Arztbericht zuhanden der Krankenversicherung vom 10. Oktober 2008
(IV-act. 24) gab Dr. B._ an, eine vorwiegend im Sitzen auszuübende Tätigkeit wäre
dem Versicherten allenfalls zumutbar.
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A.g Der RAD hielt am 10. November 2008 (IV-act. 26) dafür, in der bisherigen,
körperlich mittelschweren Tätigkeit sei keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben. Im
Übrigen sei eine Begutachtung zu veranlassen.
A.h Dr. med. D._, FMH Orthopädische Chirurgie, benannte in seinem Gutachten
vom 14. Januar 2009 (IV-act. 31) als Hauptdiagnose: ein chronifiziertes lumbales
Schmerzsyndrom mit psychosomatischer Überlagerung, bei rezidivierenden
Lumbalgien seit Jugend bei bekanntem M. Scheuermann und leichter linksskoliotischer
Fehlhaltung lumbal, leicht degenerativer HWS mit Bandscheibenprotrusionen ohne
Neurokompression, mässiggradiger Degeneration der LWS mit Osteochondrose vor
allem L4/5 und L5/S1 bei mässiggradiger Degeneration und Spondylarthrose ohne
Neurokompression, St. nach partieller "Dissektomie" L4/5 am 16.10.2007, und St. nach
Revision (Hernienrezidiv) und Dekompression L4/5 sowie L5/S1 dorsal rechts am
6.5.2008. Längeres Stehen, Tragen und Halten von Gegenständen, Bücken und
schwere Traglast seien zu vermeiden. Die bisherige Tätigkeit sei noch zumutbar "bei
möglicher Reintegration zu erwartendem Heilungsverlauf". Es bestehe dabei eine
verminderte Leistungsfähigkeit (bei Verweigerung). Der Versicherte werde, falls er
wieder an seinem angestammten Arbeitsplatz reintegriert werden könne, die gleiche
Arbeit (bereits leichtere Tätigkeit) wieder ausüben können. Ab 16. Januar 2009 sei eine
Arbeitsfähigkeit von 80 % gegeben. Unter günstigen Voraussetzungen könnte die
Leistungsfähigkeit wieder auf 100 % angehoben werden. Eine stationäre, mindestens
vier Wochen dauernde Therapie, eine Medikamentenumstellung und eine
berufsbegleitende psychologische oder psychiatrische Betreuung seien zu empfehlen.
Ein allfälliger Umschulungswunsch (z.B. zum Taxifahrer) sei zu unterstützen.
A.i Der RAD stellte am 16. Februar 2009 (IV-act. 32) fest, die angestammte Tätigkeit
könne unzweifelhaft nicht mehr ausgeübt werden (Arbeitsunfähigkeit von 100 % ab
August 2007). Er erachtete das Gutachten als plausibel. Eine Arbeitsfähigkeit von 80 %
könne bereits angenommen werden, mittels einer medizinischen Rehabilitation könnte
sie dann noch auf 100 % angehoben werden, was aber für die Belange der IV keine
Rolle spiele. Sollte die Eingliederungsberatung von einem psychiatrischen Geschehen
ausgehen, könnte dem Versicherten eine fachpsychiatrische Therapie vorgeschlagen
werden. Bis anhin sei aber nicht von einer diesbezüglichen Schadenminderungspflicht
auszugehen.
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A.j Am 17. Februar 2009 (IV-act. 33) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
dem Versicherten mit, sie gewähre ihm Beratung und Unterstützung bei der
Stellensuche.
A.k Die IV-Eingliederungsverantwortliche berichtete im Verlaufsprotokoll nach Grund
satzentscheid vom 27. April 2009 (IV-act. 37) von einem Gespräch mit dem
Versicherten (und seiner Ehefrau als Übersetzerin). Er habe angegeben, seine Stelle sei
ihm auf Ende April 2009 gekündigt worden. Es sei neu eine Diskushernie im Nacken
aufgetreten. Dr. C._ habe ihn im Kantonsspital St. Gallen angemeldet. Das grösste
Problem sei, dass er nicht länger als zehn Minuten und nicht weiter als 200 m gehen
könne. Er würde gerne zur Arbeit gehen. Es gehe auch psychisch nicht so gut. Er
könne selbst nicht 10 % arbeitstätig sein, auch wenn es sich um leichte Arbeit
handelte. Seit der Operation sei es nicht besser geworden, im Gegenteil. Es werde
immer schlimmer. Er sei darüber informiert worden, dass die Beratung abgeschlossen
werde (vgl. auch IV-act. 38). - Am 8. Mai 2009 (IV-act. 41) wurde der Abschluss der
Arbeitsvermittlung mitgeteilt.
A.l Mit Vorbescheid vom 8. Mai 2009 (IV-act. 42 f.) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem Versicherten eine Abweisung des
Leistungsgesuchs um eine Rente in Aussicht. Der Invaliditätsgrad betrage 17 %
(Valideneinkommen Fr. 57'836.--, Invalideneinkommen Fr. 48'210.--).
A.mDer Versicherte wandte am 2. Juni 2009 (IV-act. 48) ein, er sei im gegenwärtigen
Gesundheitszustand nicht in der Lage, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Mit dem
festgesetzten Invaliditätsgrad sei er deshalb nicht einverstanden.
A.n Mit Verfügung vom 16. Juni 2009 (IV-act. 49) wies die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle einen Rentenanspruch des Versicherten ab.
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 7. Juli 2009 (Poststempel:
9. Juli 2009). Der Beschwerdeführer beantragt sinngemäss die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und eine neue medizinische Abklärung sowie (wohl: Renten-)
Leistungen. Er sei seit nunmehr fast zwei Jahren wegen seiner Rückenschmerzen
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ununterbrochen voll arbeitsunfähig geschrieben. Er habe sich in dieser Zeit
verschiedensten konservativen und operativen Behandlungen unterzogen. Eine
Verbesserung des Gesundheitszustands habe er mit keiner Methode erreichen können.
Es habe sich eher das Gegenteil eingestellt: zu den Rückenschmerzen seien noch
andere Leiden wie eine Hypertonie, Migräne, eine erneute Diskushernie im
Halswirbelbereich und psychische Beschwerden gekommen. Die Rückenschmerzen
bestimmten seine Lebensführung. Sie schränkten die Lebensqualität ein und hinderten
ihn daran, seinen Lebensunterhalt durch eine Erwerbstätigkeit zu bestreiten. Daher
rührten auch existenzielle Ängste, die ihm momentan arg zusetzten. Er sei nach wie vor
in engmaschiger Behandlung bei Dr. C._ und Dr. B._. Er warte nun auf das
Aufgebot des Kantonsspitals zur Abklärung der Diskushernie. Auch bei einem
Psychiater sei er angemeldet worden, weil er psychische Probleme habe. Mit der
Begutachtung sei er nicht zufrieden. Der Gutachter habe sehr unvorbereitet gewirkt
und sich wichtige Unterlagen erst während des Untersuchs zustellen lassen. Alle
Schmerzen und Beschwerden habe er zu seinem Erstaunen auf Rheuma zurückgeführt,
so dass er den Eindruck gewonnen habe, der Gutachter sei mit seinem Fall gar nicht
vertraut. Die Fragen seien zu allgemein gewesen und hätten oft sehr oberflächlich
gewirkt, fast wie aus einem Katalog abgelesen. Dazu sei gekommen, dass er wegen
mangelnder Deutschkenntnisse nicht alles habe sagen können, was er für wichtig
erachtet habe. Die ergänzende Abklärung habe unter Berücksichtigung der
biologischen, psychischen und sozialen Aspekte und Zuhilfenahme eines Dolmetschers
zu erfolgen.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 15./17. September 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Im orthopädischen Gutachten
werde festgehalten, dass die objektivierbaren Resultate keine Hinweise auf eine
schwerwiegende Erkrankung oder Invalidität ergäben. Die Indikation zur operativen
Bandscheibenentfernung müsse im Nachhinein als wenig sinnvoll taxiert werden, da
Rückenschmerzen dadurch nicht verbessert würden. Die zumutbare Arbeitsfähigkeit
liege bei 80 %. Der Gutachter habe kein organisches Korrelat als Erklärung für das
Ausmass der geklagten Schmerzsymptomatik feststellen können, insbesondere keine
Nervenschädigung. Seine Arbeitsfähigkeitsschätzung erscheine plausibel. Der
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Beschwerdeführer erwähne in der Beschwerde erstmals, er leide an psychischen
Problemen. Die Akten würden aber keinen Hinweis darauf enthalten, dass eine
abklärungsbedürftige psychische Erkrankung vorliegen könnte. Insbesondere habe
Dr. B._ keine entsprechenden Symptome beschrieben. Eine Abklärung wäre nur
dann unabdingbar, wenn Anzeichen eines erheblichen psychischen Leidensdrucks
erkennbar wären. Das Gutachten sei voll beweiskräftig. Sollten sich aus den
veranlassten Abklärungen bei einem Psychiater und beim Kantonsspital St. Gallen neue
relevante Erkenntnisse ergeben, könnten sie allenfalls Grund für eine Neuanmeldung
bilden. Gegen den Einkommensvergleich habe der Beschwerdeführer nichts Konkretes
eingewendet.
D.
Von der ihm mit Schreiben vom 17. September 2009 eingeräumten Gelegenheit, zur
Beschwerdeantwort Stellung zu nehmen, hat der Beschwerdeführer keinen Gebrauch
gemacht.

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die
Beschwerdegegnerin hat die angefochtene Verfügung am 16. Juni 2009, also unter der
Geltung des Rechts dieser Revision, erlassen. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie er
sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung entwickelt hat. Dieser
Sachverhalt reicht in eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück. Soll auf
bestimmte Sachverhalte nicht neues Recht Anwendung finden, sondern das
aufgehobene Recht massgebend bleiben, muss eine geltende Norm die
Weiteranwendbarkeit aufgehobenen Rechts für bestimmte Sachverhalte anordnen. Die
5. IV-Revision enthält keine die Rente (insbesondere den Anspruchsbeginn) betreffende
übergangsrechtliche Bestimmung. Das Bundesamt für Sozialversicherungen unterstellt
aber zu Recht eine ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl. das Rundschreiben Nr. 253 vom
12. Dezember 2007). Die Definition der Sachverhalte, auf die noch altes Recht
anwendbar sein soll, sollte durch ein materiell-rechtliches, unbeeinflussbares Merkmal
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erfolgen. In Frage kommen der Zeitpunkt der Entstehung des Auszahlungsanspruchs
oder der Eintritt des Versicherungsfalls, beide definiert nach dem alten, ausser Kraft
getretenen Recht (zum Ganzen im Detail der Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen i/S M. vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5). Das Bundesamt für
Sozialversicherungen hat indessen im Rundschreiben die Anwendung alten Rechts
auch für Fälle vorgesehen, in denen der Versicherungsfall im Jahr 2008 eintritt (d.h. das
Wartejahr vor dem 1. Januar 2008 zu laufen beginnt und im Jahr 2008 erfüllt wird) und
die Anmeldung spätestens im Jahr 2008 erfolgte. Es besteht kein Anlass, dieser
Verwaltungsweisung nicht zu folgen (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen i/S F. vom 25. März 2011, IV 2009/425). Bezüglich des allfälligen
Rentenbeginns sind deshalb vorliegend angesichts der IV-Anmeldung von 2008 und
des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2007 die bis zum 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen Bestimmungen (im Folgenden angeführt) anzuwenden. Für die
Invaliditätsbemessung hat sich indessen materiell keine Änderung der Rechtslage
ergeben.
1.2 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin den
Rentenanspruch des Beschwerdeführers abgelehnt. Er lässt in diesem Verfahren eine
neue Begutachtung und sinngemäss wohl nur Rentenleistungen beantragen.
Streitgegenstand bildet daher zunächst der allfällige Rentenanspruch. Ergäbe sich
allerdings, dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein solcher in Frage stünde, so
gehörte zum Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung
den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht des
Beschwerdeführers zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
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2.2 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind im
Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V
99 f. E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit
auch tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich
(Rz 3046 des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens
über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH).
2.3 Die Beschwerdegegnerin geht davon aus, dass der Beschwerdeführer in einer
angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig ist. Sie beruft sich hierfür auf das
orthopädische Gutachten vom 14. Januar 2009. Der Gutachter hielt dafür, dem
Beschwerdeführer sei die bisherige Tätigkeit - welche er (der Experte) als bereits
leichtere Tätigkeit bezeichnete - noch zumutbar "bei möglicher Reintegration zu
erwartendem Heilungsverlauf". Es bestehe dabei eine verminderte Leistungsfähigkeit
(bei Verweigerung). Auf die Frage, ob dem Beschwerdeführer andere Tätigkeiten
zumutbar seien, erklärte der Gutachter, dieser könnte die gleiche Arbeit wieder
ausüben. Es bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Die Leistungsfähigkeit könnte
unter günstigen Voraussetzungen und günstiger Entwicklung wieder bis auf 100 %
angehoben werden. Bei der Frage nach einer allfälligen verminderten
Leistungsfähigkeit verwies der Gutachter auf die Antwort zu den Anforderungen an den
Arbeitsplatz, was wohl als "nein" zu interpretieren ist. - Die gutachterlichen Angaben
zur zumutbaren Arbeitsfähigkeit sind äusserst knapp gehalten und erscheinen nicht
ohne weiteres eindeutig. Nach der Einschätzung des Gutachters stimmen bisherige
und adaptierte Tätigkeit im Anforderungsprofil wohl überein. Während aber darauf
geschlossen werden könnte, dass die Zumutbarkeit der bisherigen Tätigkeit von einem
prospektiv zu erwartenden (guten) Heilungsverlauf abhängig ist, könnte eine andere
Tätigkeit bei günstiger Entwicklung nicht nur zu 80 %, sondern sogar zu 100 %
zumutbar werden. Der RAD erachtete in seiner Stellungnahme zum Gutachten als
unzweifelhaft, dass der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit - welche er
allerdings als körperlich mittelschwer mit zeitweiligen schweren Anteilen bezeichnete -
voll arbeitsunfähig sei, und als plausibel, dass in einer rückenadaptierten Tätigkeit eine
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Arbeitsfähigkeit von 80 % bestehe. Aus den vorhandenen Berichten von Dr. B._ lässt
sich nicht zuverlässig entnehmen, ob eine Sachverhaltsentwicklung im Zeitablauf
Grund für die optimistischere Arbeitsfähigkeitsschätzung (für adaptierte Tätigkeiten)
gegenüber der Krankenversicherung bildete. Ein aktuellerer (begründeter) Bericht
wurde nicht eingeholt.
2.4 Der Gutachter geht ferner davon aus, dass das angegebene diffuse
Schmerzmuster und der klinische Befund eine deutliche Diskrepanz zeigten. Die
objektivierbaren Resultate ergäben keine Hinweise auf eine schwerwiegende
Erkrankung. Eine stark psychosomatische Komponente sei evident. Die Chronifizierung
der Beschwerden diene der Legitimation finanzieller Erwartungen. Der Gutachter hat
dargelegt, es bestünden keine Resthernien oder Einschnürungen (Narbe) mehr. Der
Kanal sei weit offen und die Nervenbahnen könnten die Impulse gut leiten. Eine
Lähmung oder ein Infekt bestünden nicht. Die Abnützung der LWS sei bis auf eine
iatrogen verstärkte Osteochondrose L4/5 praktisch wenig verändert worden. - Im MRI
der LWS vom 22. August 2008 war immerhin beschrieben worden, es seien ein
akzentuierter narbiger Anteil rechts lateral bis in das rechte Foramen reichend und eine
leicht- bis mittelgradige foraminale Einengung rechts gefunden worden. Eine
Rezidivhernie war nicht nachgewiesen worden. Rechts lateral im Bereich des
Narbengewebes war ein winziger, 2 mm langer zapfenförmiger Diskusanteil gefunden
worden. Auch links zeigte sich eine leichtgradige diskoossäre foraminale Einengung.
Auf der Höhe L5/S1 befand sich eine flache medio-bilaterale Bandscheibenprotrusion,
auch hier eine leichtgradige diskoossäre foraminale Einengung beidseits linksbetont.
2.5 Dass eine vollständige Arbeitsfähigkeit wieder möglich sein sollte, wird vom
Gutachter mit einem "Vergleich mit anderen Patienten und ähnlich gelagerten Fällen"
begründet. Die Rekonvaleszenz nach minimal invasiver Diskusentfernung und
Narbenrevision betrage weniger als vier Wochen. Anderseits hält der Gutachter dafür,
die medizinische Versorgung des Beschwerdeführers sei nicht optimal gewählt worden.
Die ärztliche Erfahrung, die von einer Kenntnis von vielen medizinischen (Vergleichs-)
Sachverhalten bestimmt ist, macht gewiss gerade wesentlich den Beweiswert einer
medizinischen Einschätzung aus. Vorliegend ist allerdings zu berücksichtigen, dass der
behandelnde (operierende) Neurochirurge dem Beschwerdeführer nach der Aktenlage
(abgesehen von kurzen Phasen der hälftigen Arbeitsunfähigkeit) über längere Zeit
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hinweg (ab September 2007 mindestens bis 31. Juli 2008; IV-act. 19-22) eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert hat. Auch das Kantonsspital St. Gallen hat dem
am 16. Oktober 2007 operierten Beschwerdeführer am 16. November 2007 noch eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % bis 7. Januar 2008 bescheinigt. Wie dem Gutachten zu
entnehmen ist, standen dem Experten die Vorakten zur Verfügung. Eine
Auseinandersetzung mit den Arztberichten erfolgte indessen nicht. Unter diesen
Umständen mit einer üblichen Rekonvaleszenzzeit zu argumentieren, vermag nicht zu
überzeugen.
2.6 Obwohl wie erwähnt aktenkundig war, dass der Beschwerdeführer auch ins
Kantonsspital St. Gallen gewiesen worden war, haben es die Beschwerdegegnerin und
der Gutachter im Übrigen unterlassen, einen Bericht über die Ergebnisse der dortigen
Untersuchung einzuholen. Dazu kommt, dass die Beschwerdegegnerin entsprechende
Abklärungen selbst dann nicht veranlasste, als der Beschwerdeführer, wie dem
Verlaufsprotokoll nach Grundsatzentscheid vom 27. April 2009 zu entnehmen ist, im
Verwaltungsverfahren angegeben hatte, es sei neu eine Diskushernie im Nacken
festgestellt worden und Dr. C._ habe ihn im Kantonsspital St. Gallen angemeldet. Da
die Feststellung einer neuen Diskushernie bereits vor Erlass der Verfügung geltend
gemacht worden war, wären weitere Erhebungen indessen angezeigt gewesen.
2.7 Weder das Gutachten noch die übrigen Arztzeugnisse lassen eine ausreichend
zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszustands und der insgesamt unter allen
relevanten Gesichtspunkten vorliegenden Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers (bis
zum massgeblichen Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung) zu. Die
Sachverhaltsabklärung ist zu ergänzen. Auch eine allfällige psychiatrische Komponente
- der Gutachter hatte eine psychosomatische Überlagerung erwähnt und eine
psychologische oder psychiatrische Betreuung des Beschwerdeführers empfohlen,
welche offenbar eingeleitet wurde - wird dabei Berücksichtigung finden. Angesichts der
mässigen Sprachkenntnisse des Beschwerdeführers ist allenfalls ein Dolmetscher
beizuziehen.
3.
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3.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 16. Juni 2009 teilweise gutzuheissen und die Sache ist
zu ergänzenden medizinischen Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu
entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Nach
Art. 95 Abs. 1 VRP/SG hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen,
dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung der Streitsache und anschliessender neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin stellt praxisgemäss aus prozessualer Sicht in Bezug auf die
Kosten ein vollständiges Obsiegen des Beschwerdeführers dar (vgl. SVR 1995 IV Nr. 51
S. 143; ZAK 1987 S. 266 E. 5a). Es rechtfertigt sich daher, der Beschwerdegegnerin die
Gerichtskosten gesamthaft aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem
Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP