Decision ID: 13cdc466-b04b-5415-9bda-1de6783bfdbc
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 16. Juni 2015 bei der IV-Stelle
des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen an (IV-act. 1). Sie war zu diesem Zeitpunkt als Reinigungskraft in
einem Pensum von 10 % angestellt (IV-act. 1 S. 4 und 5 S. 1 f.). Am 8. Mai 2015 hatte
auf Zuweisung ihres Hausarztes Dr. med. B._, Allgemeinmedizin FMH, eine
Erstkonsultation im Psychiatriezentrum C._ stattgefunden. Im Aufnahmebericht vom
5. Juni 2015 hatten die behandelnden Ärzte als Diagnosen eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome,
Zwangshandlungen (Zwangsrituale), psychische Störungen und Verhaltensstörungen
durch Alkohol (Abhängigkeitssyndrom) sowie psychische Störungen und
Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika (Abhängigkeitssyndrom) genannt.
Weiter hatten die Ärzte festgehalten, dass die Versicherte von langanhaltenden und
chronischen Zwangshandlungen, ohne rituellen Charakter, berichtet habe. Auch habe
die Versicherte zahlreiche depressive Symptome (Durchschlafstörungen,
Hoffnungslosigkeit, Lebensüberdruss, innere Unruhe, sozialer Rückzug und
Suizidgedanken) erwähnt. Die Versicherte arbeite in einem sehr niedrigen Pensum in
einer Reinigungsfirma. Diese leidensangepasste Tätigkeit gebe ihr Struktur sowie
Stabilität und sei aus psychiatrischer Sicht gesundheitsfördernd. Ausserhalb dieser
Tätigkeit scheine aufgrund der Schwere des psychischen Krankheitsbildes keine
verwertbare Arbeitsfähigkeit zu bestehen (IV-act. 12 S. 3 f.).
A.a.
Mit Mitteilung vom 21. Juli 2015 informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber,
dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien. Ein
A.b.
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Rentenanspruch könne erst nach Ablauf eines Wartejahres entstehen. Diesbezüglich
werde zu gegebener Zeit separat verfügt (IV-act. 10; vgl. ferner IV-act. 11).
In einem am 2. Dezember 2015 ausgefüllten Fragebogen der IV-Stelle zur
Rentenabklärung gab die Versicherte an, dass sie bei Gesundheit einer
Vollerwerbstätigkeit nachgehen würde (IV-act. 15).
A.c.
In einem Verlaufsbericht vom 7. Dezember 2015 erwähnten die behandelnden
Ärzte des Psychiatriezentrums C._ dieselben Diagnosen wie im Aufnahmebericht.
Weiter führten sie aus, dass die Versicherte seit dem 8. Mai 2015 bei ihnen in
Behandlung stehe. Sie sei aber bereits im Jahr 2001 wegen multipler
Zwangshandlungen sowie einer depressiven Reaktion mit starker Neigung zur Isolation
in der Wohnung in psychotherapeutischer Behandlung gewesen. Im Herbst 2004 bis
Frühling 2005 sei sie wegen einer rezidivierenden depressiven Störung sowie eines
Alkoholabusus auch bereits am Psychiatriezentrum C._ behandelt worden. Die
damals begonnene medikamentöse Behandlung habe aufgrund starker
Nebenwirkungen (extreme Müdigkeit) abgesetzt werden müssen. Auch sei keine
nennenswerte Verbesserung der depressiven Symptomatik eingetreten. Im Jahr 2010
sei die Versicherte durch Dr. B._ wegen einer schweren depressiven, angstbetonten
Störung sowie Zwangshandlungen zugewiesen worden. Damals habe sie auch von
intermittierend auftretenden Panikattacken berichtet. Weiter habe die Versicherte
damals den Zwang geschildert, alles putzen zu müssen, sobald etwas mit Tieren oder
Tierhaaren in Berührung gekommen sei. Selbst wenn die Kinder bei einem Nachbarn
gespielt hätten, der eine Katze habe, hätte sie diese und deren Kleidung reinigen
müssen. Die Zwänge hätten sich auch auf andere Verschmutzungen ausgeweitet. Die
Versicherte habe davon berichtet, dass sie sich selbst Wochen später noch an
bestimmte Stellen in der Wohnung erinnern könne, die von einer verschmutzten Person
berührt worden seien. Diese Stellen müsste sie dann wiederholt reinigen. Schon
damals sei eine tagesklinische Behandlung in Erwägung gezogen worden, zu welcher
sich die Versicherte aber noch nicht habe entschliessen können. Im Sommer 2011 sei
dann eine tagesklinische Behandlung im Psychiatriezentrum C._ erfolgt, wobei die
Behandlung der schweren Zwangshandlungen und Zwangsrituale im Vordergrund
gestanden habe. Des Weiteren sei auch die Diagnose einer Angststörung und
depressiven Störung gemischt gestellt worden. Es sei zu einer Stabilisierung der
A.d.
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depressiven Symptomatik gekommen, der Verlauf sei jedoch stark schwankend
gewesen. Die bestehende Zwangsproblematik habe sich nur marginal verändert. Im
Mai 2015 sei nun die erneute Zuweisung durch Dr. B._ erfolgt. Die Versicherte
berichte noch immer von anhaltenden ausgeprägten chronifizierten Zwängen. Sie habe
Angst vor Verschmutzung, insbesondere vor solcher durch andere Personen oder
solcher in öffentlichen Räumen und Institutionen. Die Versicherte müsse sich,
entsprechend ihren Aussagen, wiederholt die Hände waschen, sich duschen, die
Kleidung waschen oder im schlimmsten Fall auch die Kleidung wegwerfen. Auch sei sie
in ihrer Alltagsgestaltung massiv eingeschränkt. Es sei ihr aufgrund von Angst vor
Verschmutzung nicht möglich, das Gebäude der Tagesklinik zu betreten. Die ihr
zunächst zugeteilte Therapeutin habe ihr Büro dort gehabt, weshalb für eine ambulante
Behandlung ein Therapeutenwechsel notwendig gewesen sei. Auch habe die
Versicherte grosse Mühe gehabt, Termine beim Sozialdienst wahrzunehmen und sie
habe nach den Besuchen schon mehrere Kleidungsstücke in den Müll werfen müssen.
Weiter gebe die Versicherte an, sich in ihrem Leben stark isoliert zu haben. Sie würde
kaum noch aus der Wohnung gehen und keinen Besuch mehr empfangen. In der
Haushaltsführung empfinde sie sich ebenfalls als stark eingeschränkt. Sie habe
erwähnt, dass die Wohnung zum Teil sehr chaotisch aussehe und sie den Tag
mehrheitlich auf der Couch verbringe. Weiter habe die Versicherte ihre Angst
geschildert, selbst in der Wohnung etwas verschmutzen zu können oder Gegenstände
und damit die ganze Wohnung zu verschmutzen. Weiter habe sie davon berichtet,
Lebensmittel mehrfach reinigen zu müssen, bevor sie diese in den Kühlschrank räume.
Auch würde sie fast keine Kleider mehr besitzen und sie hätte auch schon Möbelstücke
wegwerfen müssen. Aufgrund ausgeprägter Scham- und Schuldgefühle habe die
Versicherte zum Teil exzessiv Alkohol konsumiert, um sich zu beruhigen und zu
stabilisieren. Bei Bedarf nehme sie auch Lexotanil ein. Aufgrund negativer
Vorerfahrungen habe die Versicherte aber eine ausgeprägte Abneigung gegen
Psychopharmaka. Die behandelnden Ärzte hielten sodann fest, dass zum aktuellen
Zeitpunkt auf dem ersten Arbeitsmarkt keine verwertbare Arbeitsfähigkeit vorliege.
Aufgrund der geschilderten Symptomatik sei es überdies fraglich, ob in einer
geschützten Institution auf dem zweiten Arbeitsmarkt eine verwertbare Arbeitsleistung
erzielt werden könne. Paradoxerweise habe die Versicherte seit vielen Jahren eine
Anstellung in einem kleinen Pensum auf dem ersten Arbeitsmarkt inne. Das Geschäft
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sei früher vom Schwager der Versicherten geleitet worden und ihre Schwester habe die
aktuelle Position innegehabt. Der aktuelle Vorgesetzte sei ebenfalls ein Bekannter und
die Stelle sei ihr über die Schwester vermittelt worden. An diesem Arbeitsplatz arbeite
die Versicherte maximal zweimal wöchentlich zwei Stunden pro Nachmittag. Die Stelle
sei nach Angabe der Versicherten bezüglich des Arbeitsbeginns sehr flexibel und sie
müsse lediglich Staub wischen und Gläser putzen, während keine sanitären Anlagen in
der Nähe seien. Aufgrund des grossen Vertrauens in den Vorgesetzten erscheine dieser
Arbeitsort der Versicherten Sicherheit zu geben und die Stelle sei für die Versicherte
wichtig, indem sie ihr Tagesstruktur und Lebenssinn gebe. Gleichzeitig habe die
Versicherte auch angegeben, dass sie mit den zwei Stunden Arbeit ihr Limit erreiche
und nach dem Arbeiten immer völlig erschöpft sei (IV-act. 16).
Am 3. Mai 2016 führten zwei Mitarbeiter der IV-Stelle bei der Versicherten eine
Haushaltsabklärung durch (IV-act. 21). Im Abklärungsbericht wurde festgehalten, dass
die Versicherte angegeben habe, dass sie bei voller Gesundheit in einem Pensum von
100 % erwerbstätig wäre. Denn seit Juli 2015 würde der ehemalige Ehemann nur noch
Alimente für die gemeinsame Tochter zahlen. Deshalb müsste sie spätestens ab Juli
2015 einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen (IV-act. 21 S. 3). Gestützt auf diese
Angaben kamen die Haushaltsabklärungspersonen zum Schluss, dass die Versicherte
bei voller Gesundheit zu 100 % erwerbstätig wäre, sodass die Hausarbeiten
invalidenversicherungsrechtlich nicht von Belang seien, weshalb die Angaben zur
Haushaltsführung nur rudimentär erfasst würden (IV-act. 21 S. 5 f.). Diesbezüglich
wurde im Abklärungsbericht festgehalten, dass die Versicherte nur selten koche, da sie
weder Kraft noch Lust dazu habe. Die im gemeinsamen Haushalt lebende Tochter
bereite für sich warme Speisen im Backofen zu, was die Versicherte allerdings nicht
gerne sehe, weil die Küche dann verschmutzt sei. Bei der Wohnungspflege werde die
Versicherte ebenfalls durch ihre Tochter unterstützt. Aus dem Haus gehe die
Versicherte nur ca. alle zwei Tage und kaufe kleinere Waren ein. Grössere Einkäufe
erledige sie gemeinsam mit ihrer Schwester. Ihre Wäsche lasse die Versicherte bei ihrer
Schwester reinigen, weil im Mehrfamilienhaus ein Hund wohne und die
Waschmaschine deshalb aus ihrer Sicht verunreinigt sei. Trotzdem habe die
Versicherte immer wieder das Gefühl, dass ihre Wäsche verschmutzt sei, weshalb sie
diese teilweise auch ganz entsorge (IV-act. 21 S. 5).
A.e.
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Im Zeitraum vom 23. bis 27. Januar 2017 wurde die Versicherte im Psychiatrischen
Zentrum D._ im Auftrag der IV-Stelle stationär begutachtet (IV-act. 31). Dr. med.
E._, Psychiatrisches Zentrum D._, nannte in seinem Gutachten vom 21. April 2017
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Zwangsstörung mit
Zwangsgedanken und Zwangshandlungen gemischt, Angst und depressive Störung
gemischt, undifferenzierte Somatisierungsstörung mit Phänomenen der
dysfunktionalen Beschwerdebewältigung, Vitamin-D3-Mangel, akzentuierte
Persönlichkeit mit asthenischen und anankastischen Zügen und psychogene
Schlafumkehr (IV-act. 31 S. 46 f.). In seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit kam Dr.
E._ zum Schluss, dass die Arbeitsunfähigkeit der Versicherten in der bisherigen
Tätigkeit als Reinigungskraft etwa zur Hälfte durch psychopathologische Faktoren
erklärt werden könne und zur Hälfte nicht, sodass die zumutbare Arbeitsfähigkeit bei
50 % liegen dürfte. Die effektiv erbrachte Arbeitsleistung im Umfang von 10 % sei vor
allem Ausdruck der Selbstlimitierung. Dieses Pensum sei nicht durch unüberwindbare
psychopathologisch bedingte Einschränkungen fixiert. Wie sich diese Arbeitsfähigkeit
in der Vergangenheit entwickelt habe, lasse sich aktuell nicht mehr mit Präzision sagen.
Die Angabe des Psychiatriezentrums C._ vom Dezember 2015, wonach eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, sei schwer verständlich, zumal die Versicherte
immer leicht arbeitstätig gewesen sei und auch in ihrem Haushalt einiges selber
erledigt habe. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit stelle sich
die Frage, welche Tätigkeit überhaupt noch angepasster sein könnte als die aktuelle
Reinigungsarbeit. Allenfalls könnte für die Versicherte aufgrund ihrer Physis eine
leichte, sitzende oder wechselbelastende manuelle Tätigkeit ohne grosse
Kommunikationsleistungen leichter zu bewältigen sein. Gleichwohl sei angesichts des
Gesamtzustandes der Versicherten nicht zu erwarten, dass sie dazu gebracht werden
könne, über ein Pensum von 50 % hinauszuarbeiten. Schon ein solches würde
vermutlich an der rigiden Abwehrhaltung der Versicherten scheitern, was aber
wiederum nicht rein psychopathologisch begründet werden könne, sondern zu einem
guten Teil durch festgesetzte Überzeugungen bewirkt werde (IV-act. 31 S. 53).
A.f.
In einer Stellungnahme vom 8. Mai 2017 hielt der regionale ärztliche Dienst (RAD)
fest, dass das monodisziplinäre Gutachten von Dr. E._ formal und inhaltlich den
Anforderungen, welche man an ein medizinisches Gutachten stellen dürfe, entspreche.
A.g.
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Gutachterlich werde die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer adaptierten
Tätigkeit mit ca. 50 % beurteilt, wobei Dr. E._ ausdrücklich erwähnt habe, dass sich
die Frage, wie sich die Arbeitsfähigkeit in der Vergangenheit entwickelt habe, aktuell
nicht mit Präzision beantworten lasse. Gesamthaft bleibe aus
versicherungsmedizinischer Sicht festzuhalten, dass eine Besserung des
Gesundheitszustandes mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit durch die von Dr. E._
beschriebenen Therapieoptionen in absehbarer Zeit nicht quantifizierbar, längerfristig
medizintheoretisch aber möglich sei (IV-act. 32).
Mit Vorbescheid vom 24. Oktober 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung ihres Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 0 % in Aussicht. Zur
Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass das eingeholte psychiatrische
Gutachten hinsichtlich des medizinischen Sachverhaltes als voll beweiskräftig
anzusehen sei. Zu prüfen sei aber, ob das psychische Leiden, welches die
Leistungsfähigkeit nach gutachterlicher Einschätzung um 50 % einschränke, auch
funktionelle Auswirkungen und damit eine rechtlich relevante Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bewirke. Psychische Störungen gälten grundsätzlich nur dann als
invalidisierend, wenn sie schwer und therapeutisch nicht mehr angehbar seien. Fest
stehe, dass die akzentuierten Persönlichkeitszüge und auch die Diagnose "Angst und
depressive Störung gemischt" nicht als invalidisierende Leiden einzustufen seien. Keine
der Störungen erreiche ein Ausmass, das eine entsprechende Diagnose rechtfertige.
Bei psychosomatischen Leiden gelte der Behandlungserfolg bzw. die
Behandlungsresistenz als wichtiger Schweregradindikator. Gemäss der gutachterlichen
Beurteilung sei keine der Störungen suffizient behandelt worden, wobei der Gutachter
erfolgsversprechende Behandlungsoptionen aufgezeigt habe. Dies spreche gegen eine
invalidisierende psychische Erkrankung, die schwer und therapeutisch nicht mehr
angehbar sei. Weiter komme die Anerkennung einer rentenbegründenden Invalidität nur
in Frage, wenn die Aktenlage ein stimmiges Gesamtbild zeichne, das auf eine
therapeutisch nicht mehr angehbare funktionelle Behinderung schliessen lasse. Dies
sei aufgrund der im Gutachten beschriebenen Inkonsistenzen, Diskrepanzen und
Selbstlimitierungen nicht der Fall. Auch bestünden aufgrund der familiären Kontakte
Ressourcen. Weiter lägen zahlreiche psychosoziale Faktoren vor, die als selbständige
und insoweit nicht versicherte direkte Ursachen der Leistungseinschränkung eine Rolle
A.h.
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B.
spielen würden. Aufgrund all dieser Umstände könne den diagnostizierten psychischen
Leiden keine invalidisierende Wirkung beigemessen werden. Eine eingehendere
Prüfung der Indikatoren erübrige sich (IV-act. 34). Am 8. Februar 2018 verfügte die IV-
Stelle die Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 42).
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin),
vertreten durch Rechtsagent E. Bigger, Gossau, am 7. März 2018 Beschwerde. Sie
beantragte, die angefochtene Abweisungsverfügung vom 8. Februar 2018 sei
aufzuheben und ihr sei gemäss der fachärztlich festgestellten wesentlichen
Einschränkung ihrer Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten eine unbefristete
Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zwecks zusätzlicher
Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen; alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. In formeller
Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin eine angemessene Nachfrist von 30 Tagen
zur Beschwerdeergänzung nach Erhalt der IV-Akten sowie die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung (act. G 1). In ihrer
Beschwerdeergänzung vom 17. April 2018 hielt die Beschwerdeführerin an den in der
Beschwerde gestellten Anträgen fest, wobei sie anmerkte, dass sich das Gesuch um
Gewährung einer Nachfrist zur ergänzenden Begründung der Beschwerde erübrigt
habe (act. G 3).
B.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 4. Juni 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Gleichentags entsprach der
verfahrensleitende Richter dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 6).
B.b.
In ihrer Replik vom 26. Juni 2018 hielt die Beschwerdeführerin an den in der
Beschwerde bzw. Beschwerdeergänzung gestellten Rechtsbegehren fest (act. G 9).
B.c.
Mit Schreiben vom 29. Juni 2018 hielt die Beschwerdegegnerin an dem in der
Beschwerdeantwort gestellten Antrag fest und verzichtete auf eine ausführliche Duplik
(act. G 11).
B.d.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Invalidenrente.
2.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
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3.
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
Der im Sozialversicherungsprozess herrschende Untersuchungsgrundsatz
schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als
im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E.
3b; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2012, S. 4 f. und 55).
2.3.
Beide Parteien sind sich grundsätzlich darin einig, dass dem Gutachten von Dr.
E._ vom 21. April 2017 Beweiswert zukomme (vgl. act. G 3 S. 4 und 9 S. 3; IV-act. 42
S. 2, oben). Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Abweisung des
Rentenbegehrens in medizinischer Hinsicht denn auch in erster Linie auf dieses
Gutachten (vgl. IV-act. 42). Aus rechtlichen Überlegungen stellt sie jedoch nicht auf die
gutachterliche Schätzung der Arbeitsfähigkeit ab, da kein
invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden gegeben sei (vgl. IV-
act. 42; act. G 5). Demgegenüber erachtet die Beschwerdeführerin die von der
Beschwerdegegnerin geäusserten Rechtsauffassungen als überholt und ist der
Ansicht, dass die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit schlüssig und
nachvollziehbar sei (vgl. act. G 3 S. 4 und 9 S. 3).
3.1.
Mit den Parteien ist davon auszugehen, dass es sich beim psychiatrischen
Gutachten von Dr. E._ um ein beweiskräftiges Gutachten handelt, auf welches zur
Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes abgestellt werden kann. Das Gutachten
beruht auf eigenständigen Abklärungen. Die medizinischen Vorakten und die von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden sind berücksichtigt worden. Mit den
abweichenden Stellungnahmen der Behandler hat sich der Gutachter ausreichend
auseinandergesetzt. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv
wesentliche Tatsachen im Gutachten nicht berücksichtigt worden wären (vgl. IV-
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
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act. 31). Auch der RAD ist in seiner Stellungnahme vom 8. Mai 2017 zum Schluss
gekommen, dass das Gutachten formal und inhaltlich den Anforderungen entspreche,
die man an ein medizinisches Gutachten stellen dürfe (vgl. IV-act. 32). Unter
eingehender Berücksichtigung der von der Rechtsprechung aufgestellten
Standardindikatoren (vgl. insbesondere IV-act. 31 S. 41 ff.) ist der Sachverständige
nachvollziehbar und einleuchtend zum Schluss gekommen, dass die
Beschwerdeführerin ab dem Zeitpunkt der Begutachtung sowohl in ihrer
angestammten als auch in einer adaptierten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig sei (IV-act.
31 S. 53). Wie sich die Arbeitsfähigkeit vor dem Begutachtungszeitpunkt entwickelt hat,
lässt sich gemäss dem Gutachter aktuell nicht mehr mit Präzision sagen (vgl. IV-act. 31
S. 53). Da die Beschwerdeführerin von Dr. B._ im Mai 2015 an das
Psychiatriezentrum C._ verwiesen worden ist und dort nach längerem Unterbruch
wieder eine psychiatrische Behandlung aufgenommen hat (vgl. IV-act. 16), erscheint es
gerechtfertigt, den Beginn der für das Rentengesuch wesentlichen Arbeitsunfähigkeit in
den Mai 2015 zu legen (vgl. dazu auch die Stellungnahme des RAD vom 19. Februar
2016; IV-act. 17 S. 2). Unter Berücksichtigung des Wartejahres i.S.v. Art. 28 Abs. 1 IVG
fällt der frühestmögliche Rentenbeginn demnach auf den 1. Mai 2016 (Art. 28 Abs. 1
i.V.m. Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG; zum Zeitpunkt der IV-Anmeldung vgl. IV-act. 1). Für die
Zeit von Mai 2016 bis zur Begutachtung im Januar 2017 (vgl. dazu IV-act. 31 S. 1) fehlt
somit eine gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung. Angesichts der vor der
Begutachtung erstellten ärztlichen Berichte, welche der Beschwerdeführerin eine
90%ige oder 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestieren (vgl. IV-act. 16 und 14 S. 6 f.), und
mangels Anhaltspunkten für eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes
zwischen Mai 2016 und Januar 2017 ist es überwiegend wahrscheinlich, dass auch im
Zeitraum Mai bis Dezember 2016 eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit
bestanden hat. Ob der Grad der Arbeitsunfähigkeit in dieser Zeit vor der Begutachtung
möglicherweise sogar höher gewesen ist, bleibt beweislos, wobei die
Beschwerdeführerin die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat (vgl. E. 2.3).
Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ab Mai 2016
zu 50 % arbeitsunfähig ist.
Wie bereits erwähnt, hat auch die Beschwerdegegnerin den Beweiswert des
Gutachtens grundsätzlich anerkannt (vgl. IV-act. 42 S. 2, oben). Allerdings beruft sie
sich auf Rechtsgründe, die sie nicht auf die gutachterlich attestierte Arbeitsfähigkeit
abstellen liessen (vgl. IV-act. 42; act. G 5). In ihrer ablehnenden Verfügung hat sie
festgehalten, dass bei der Beschwerdeführerin weder eine gesundheitliche
Beeinträchtigung von erheblichem Schweregrad noch funktionelle Auswirkungen in
Beruf oder Erwerb objektiv nachgewiesen seien. Daher lasse sich eine 50%ige
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
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Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten, wie sie der Gutachter
postuliere, aus der Optik des Rechtsanwenders, der die ärztlichen Einschätzungen auf
ihre konkrete sozialversicherungsrechtliche Relevanz hin zu prüfen habe, nicht erhärten
(IV-act. 42 S. 2 f.). Im Rahmen ihrer Überprüfung hat die Beschwerdegegnerin
hervorgehoben, dass die Leiden der Beschwerdeführerin nicht als therapieresistent
einzustufen seien. Psychische Störungen würden grundsätzlich nur dann als
invalidisierend gelten, wenn sie schwer und therapeutisch nicht mehr angehbar seien
(vgl. IV-act. 42 S. 2). Diesbezüglich hat die Beschwerdeführerin zu Recht darauf
hingewiesen (vgl. act. G 1 S. 5 f. und 3 S. 3 f.), dass die Rechtsprechung hinsichtlich
der invalidenversicherungsrechtlichen Bedeutung der Therapierbarkeit bestimmter
psychischer Leiden vom Bundesgericht aufgegeben worden ist. Ein vorhandenes
Verbesserungspotential in der medizinischen Behandlung steht dem Eintritt einer
rentenbegründenden Invalidität nach Ablauf des Wartejahres nicht entgegen (vgl. BGE
143 V 414 ff. E. 4.4 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 15. Februar 2018, 9C_590/2017,
E. 5.1 und vom 2. September 2014, 9C_395/2014, E. 4.5). Die Beschwerdegegnerin hat
dies in ihrer Beschwerdeantwort denn auch anerkannt (vgl. act. G 5 S. 5 f.). So hat sie
in dieser ausgeführt, dass die Frage der Therapieresistenz für die Verneinung des
Rentenanspruchs lediglich ein Aspekt bei der Indikatorenprüfung sei (act. G 5 S. 5).
Anschliessend hat sie sich zu weiteren durch die Rechtsprechung entwickelten
Indikatoren geäussert (act. G 5 S. 5 ff.). Sodann ist sie, wie bereits in ihrer Verfügung
vom 8. Februar 2018 (IV-act. 42), zusammenfassend zum Schluss gekommen, dass bei
der Beschwerdeführerin entsprechend der Indikatorenprüfung kein
invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei
(act. G 5 S. 8). Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Prüfung der
Arbeitsunfähigkeit anhand der vom Bundesgericht definierten Standardindikatoren, die
darauf hinausläuft, einen Rentenanspruch aus vermeintlichen rechtlichen Überlegungen
zu verneinen, überzeugt allerdings nicht. Das strukturierte Beweisverfahren soll nämlich
keine von den medizinischen Einschätzungen losgelöste juristische Parallelüberprüfung
ermöglichen. Kommt der Rechtsanwender nach der Beweiswürdigung zum Schluss,
ein Gutachten erfülle sowohl die mit BGE 141 V 281 definierten
versicherungsmedizinischen Massstäbe als auch die allgemeinen rechtlichen
Beweisanforderungen, ist es grundsätzlich als beweiskräftig anzusehen und die darin
enthaltene Schätzung der Arbeitsfähigkeit somit zu übernehmen (Urteil des
Bundesgerichts vom 4. Juni 2018, 9C_194/2018, E. 4.1 mit Hinweisen). Wie bereits
erwähnt, hat der psychiatrische Gutachter in seiner Beurteilung auf einschlägige
Standardindikatoren Bezug genommen (vgl. insbesondere IV-act. 31 S. 41 ff.). Seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet sodann in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und unter Berücksichtigung der gesamten medizinischen Aktenlage
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4.
ein. Die Beschwerdegegnerin hat das Gutachten ebenso wie die Beschwerdeführerin
als beweiskräftig eingestuft (vgl. act. G 3 S. 4 und 9 S. 3; IV-act. 42 S. 2, oben). Für
eine Abweichung von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung besteht im
vorliegenden Fall somit kein Raum. Weiter ist anzumerken, dass das strukturierte
Beweisverfahren einer Aufteilung von Einbussen auf einzelne Leiden entgegensteht, da
es auf einer ergebnisoffenen Gesamtbetrachtung in Berücksichtigung der
Wechselwirkungen der gesundheitlichen Störungen basiert. Auch wenn eine einzelne
Diagnose für sich allein betrachtet keine Invalidität bewirkt, kann sie zusammen mit
anderen Befunden die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall gleichwohl erheblich
beeinträchtigen (BGE 143 V 430 E. 8.1). Insofern hat die Beschwerdegegnerin
einzelnen von Dr. E._ gestellten Diagnosen zu Unrecht ihre invalidisierende Wirkung
von vornherein abgesprochen (vgl. IV-act. 42 S. 2). Zusammenfassend ist festzuhalten,
dass die von der Beschwerdegegnerin angeführten Gründe der gutachterlich
ermittelten Arbeitsunfähigkeit nicht entgegenstehen.
Ob sich die Arbeitsfähigkeit durch die vom Gutachter empfohlenen Therapien
verbessert (vgl. dazu IV-act. 31 S. 48 f.), kann von der Beschwerdegegnerin überprüft
und eine zugesprochene Rente (vgl. dazu E. 4) gegebenenfalls revisionsweise
angepasst werden (vgl. Art. 17 ATSG). Sollte sich herausstellen, dass sich die
Beschwerdeführerin nur ungenügend behandeln lässt bzw. sich zumutbaren
Behandlungen widersetzt, kann die Beschwerdegegnerin mittels geeigneter
Aufforderung unter Androhung der entsprechenden Konsequenzen auf eine
Behandlungsaufnahme hinwirken (Art. 21 Abs. 4 ATSG; Urteil des Bundesgerichts vom
16. Februar 2017, 9C_682/2016, E. 3.2, und vom 2. September 2014, 9C_395/2014,
E. 4.5).
3.4.
Ausgehend von der ermittelten Arbeitsunfähigkeit bleiben die erwerblichen
Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei ist der Invaliditätsgrad
anhand eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. IV-act. 21 S. 3 und 5; vgl.
E. 2.1).
4.1.
Vorliegend ist sowohl hinsichtlich des (hypothetischen) Valideneinkommens als
auch bezüglich des Invalideneinkommens derselbe Tätigkeitsbereich zugrunde zu
legen (vgl. IV-act. 31 S. 53). Demnach kann der Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin anhand eines so genannten Prozentvergleichs ermittelt werden.
Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter
Berücksichtigung eines Abzuges vom Tabellenlohn (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
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5.