Decision ID: e87d2489-6ad3-45cb-9801-d8d9cb768ed8
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 11. Februar 2009 zur Früherfassung und am 5. März 2009
(Eingang IV-Stelle) wegen starken Depressionen zum Bezug von IV-Rentenleistungen
an (IV-act. 6 und 7). Aufgrund einer chronischen Depression mit psychotischen Inhalten
war sie seit dem 20. August 2008 in der Psychiatrischen Klinik B._ in stationärer
Behandlung und während der Dauer der Hospitalisation zu 100% arbeitsunfähig
geschrieben (IV-act. 8). Seit dem 1. November 2004 war die Versicherte bei der C._
AG als Produktionsmitarbeiterin angestellt. Per 31. Mai 2009 wurde ihr
Arbeitsverhältnis durch die Arbeitgeberin gekündigt (IV-act. 17). Sie hatte ihr
Arbeitspensum per 1. September 2007 von 100% auf 80% reduziert (IV-act. 30).
A.b Gestützt auf einen Bericht der Eingliederungsberatung vom 17. November 2009
(IV-act. 32) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit Schreiben vom 25. November 2009
mit, sie übernehme die Kosten für die berufliche Abklärung vom 23. November 2009
bis 19. Februar 2010 mit Durchführungsort in der D._ Werkstatt (IV-act. 33). Mit
Schreiben vom 23. Februar 2010 wurde die Abklärungsmassnahme bis 21. Mai 2010
verlängert (IV-act. 43).
A.c Im Bericht vom 22. Februar 2010 diagnostizierte Dr. med. E._, Fachärztin FMH
für Psychiatrie u. Psychotherapie, eine schwere depressive Episode mit psychotischen
Symptomen (ICD-10: F32.3) seit 2006. Gemäss Dr. E._ war die Versicherte von
"Juni? 2008" bis auf Weiteres zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 47). Dr. E._ stellte am
27. August 2010 ein weiteres ärztliches Zeugnis aus, wonach die Versicherte von Mai
bis Juni 2010 zu 100% arbeitsunfähig gewesen und seit Juli 2010 in einer angepassten
Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig sei (IV-act. 63).
A.d Mit Schreiben vom 7. Juli 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie in
der beruflichen Abklärung vom 23. November 2009 bis 21. Mai 2010 eine stabile
Präsenzzeit von 50% erbracht habe; sie werde betreffend Stellensuche weiterhin vom
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Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) unterstützt. Berufliche Massnahmen
seien daher nicht notwendig (IV-act. 59).
A.e Am 12. August 2010 trat die Versicherte eine neue Anstellung mit einem Pensum
von 50% an (IV-act. 68). Im Abklärungsbericht Haushalt vom 17. Dezember 2010 war
die Versicherte als zu 80% im Erwerb und zu 20% im Haushalt tätig qualifiziert worden.
Die Abklärungsperson ermittelte im Erwerb eine Einschränkung von 38% und im
Haushalt von 16% bzw. anteilige Invaliditätsgrade von 30% und 3%, total 33%. Wegen
der langen Hospitalisation mit voller Arbeitsunfähigkeit erachtete sie eine befristete
Rente vom 1. September 2009 bis 28. Februar 2010 für ausgewiesen (IV-act. 70).
A.f Gestützt auf den Abklärungsbericht Haushalt stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid
vom 3. Juni 2011 der Versicherten eine befristete ganze Rente vom 1. September 2009
bis 30. November 2009 (Anschluss an Ausrichtung Taggelder) in Aussicht. Danach
bestehe kein rentenbegründender IV-Grad mehr (IV-act. 78). Dagegen liess die
Versicherte am 10. August 2011 durch ihre Rechtsschutzversicherung Einwand
erheben mit dem Antrag auf Aufhebung des Vorbescheids und Durchführung weiterer
medizinischer Abklärungen sowie auf Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens (IV-
act. 83).
A.g Gestützt auf eine entsprechende Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD) vom 6. September 2011 (IV-act. 84) ordnete die IV-Stelle eine Begutachtung an
(IV-act. 85), worauf die Versicherte am 23. Januar 2012 psychiatrisch untersucht
wurde. Im Gutachten vom 28. Januar 2012 diagnostizierte med. pract. F._,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F 33.0 / F 33.1) im Sinne einer
deutlichen Teilremission nach schwerer depressiver Episode mit psychotischen
Inhalten 2008/2009 sowie ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit abhängigen und histrionischen Anteilen (ICD-10: Z 73.1). Bei
der Versicherten sei aus gutachterlicher Sicht aktuell eine Arbeitsunfähigkeit von ca.
30% ausgewiesen (IV-act. 90). Am 25. Juni 2012 beurteilte RAD-Ärztin Dr. med. G._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, das Gutachten als aussagekräftig und
die Einschränkung von 30% (angestammt und adaptiert) als plausibel. Weitere
Abklärungen seien nicht erforderlich (IV-act. 95).
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A.h Ohne erneutes Vorbescheidsverfahren sprach die IV-Stelle mit Verfügung vom
30. Januar 2013 der Versicherten eine befristete ganze Rente vom 1. September bis
30. November 2009 zu (IV-act. 98, 102).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 30. Januar 2013 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 28. Februar 2013. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin, Fürsprecher Marco Büchel, Uzwil, beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolge die Aufhebung der Verfügung betreffend den IV-Grad von 33%
ab 1. Dezember 2009 und die Gewährung einer halben IV-Rente rückwirkend ab 1.
Dezember 2009. Der Rechtsvertreter begründete dies im Wesentlichen damit, dass der
Invaliditätsgrad nicht nach der gemischten Methode, sondern nach der Methode des
Einkommensvergleiches zu ermitteln sei. Weiter wird beanstandet, dass der
Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik B._ in den Akten nicht vorhanden sei.
Betreffend Arbeitsfähigkeit bzw. Invalideneinkommen sei nicht auf das Gutachten vom
28. Januar 2012, sondern auf das derzeit erzielte effektive Einkommen im Rahmen der
50%-Tätigkeit abzustellen. Das Gutachten widerspreche sämtlichen bisherigen
Einschätzungen der medizinischen Fachpersonen und des Eingliederungsberaters. Der
IV-Grad betrage somit aufgerundet 51%, womit die Beschwerdeführerin ab 1.
Dezember 2009 Anspruch auf eine halbe IV-Rente habe (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 2. Mai 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung machte sie geltend, dass das gestützt
auf die Angaben der Psychiatrischen Klinik B._ verfasste und von dieser
unterzeichnete Fl-Gesprächsprotokoll vom 12. März 2009 über die damaligen
psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin in ausreichender Weise Auskunft
gebe und dass ein Austrittsbericht der Klinik B._ über einen allfälligen
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ab Dezember 2009 keine zusätzlichen
Erkenntnisse liefern würde. Da kein von depressiven Verstimmungszuständen klar
unterscheidbarer verselbständigter und pathologischer Gesundheitsschaden vorliege,
sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen. Weiter sei am
Gutachten vom 28. Januar 2012 festzuhalten, da keine objektiv feststellbaren
Gesichtspunkte vorgebracht worden seien, die im Rahmen der Begutachtung
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unerkannt geblieben seien. Zudem könne offen bleiben, ob die Beschwerdegegnerin
als Gesunde zu 80% oder im geltend gemachten Vollzeitpensum erwerbstätig wäre, da
sie so oder anders keinen Anspruch auf eine IV-Rente habe (act. G 4).
B.c In der Replik vom 13. Juni 2013 hielt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
an seinen Anträgen fest (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung
einer Duplik verzichtet (act. G 7).

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Verfügung vom 30. Januar
2013 zugestellt, ohne ihr vorher – nach dem Eingang des Gutachtens – durch einen
zweiten Vorbescheid rechtliches Gehör gewährt zu haben. Gemäss Art. 57a Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) teilt die IV-Stelle der
versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder
den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels
Vorbescheid mit. Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne
von Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1). Dazu gehört namentlich der Anspruch,
vor Verfügungserlass Einsicht in ein allfällig eingeholtes Gutachten nehmen und sich
dazu äussern zu können (vgl. Bundesgerichtsentscheid i/S. I. vom 20. April 2012,
9C_774/2011 E. 4.1; Urteil Versicherungsgericht vom 2. Juni 2009, IV 2008/343). Die
Verletzung des rechtlichen Gehörs kann vorliegend allerdings als geheilt gelten, da sich
die Beschwerdeführerin vor einer Beschwerdeinstanz äussern konnte, die sowohl den
Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (Bundesgerichtsentscheid i/S
S. vom 26. Juni 2007, I 496/06), zumal die Beschwerdeführerin selber die Verletzung
des rechtlichen Gehörs nicht gerügt, sondern die materielle Behandlung der Sache
verlangt hat. Es ist daher anzunehmen, dass sie der materiellen Behandlung der Sache
den Vorzug gibt.
2.
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Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin auch für die Zeit ab
1. Dezember 2009 Anspruch auf Rentenleistungen der Invalidenversicherung hat.
3.
3.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen, und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Unter Erwerbsunfähigkeit wird der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
verstanden (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch
einen Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
geregelt. Diese Lücke füllt Art. 28a Abs. 2 IVG. Es ist darauf abzustellen, in welchem
Mass die betreffende Person behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Als
Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person gelten insbesondere die übliche
Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische
Tätigkeiten (Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
Die Bestimmung von Art. 28a Abs. 3 IVG regelt die so genannte gemischte Methode
der Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil erwerbstätig und zum Teil im
Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen "gemischten" Fall sind der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen.
3.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
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3.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Diese
Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des strittigen
Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Führen die im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden
Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender, sorgfältiger,
objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 400 E. 4.1) zur
Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei überwiegend wahrscheinlich (BGE 126 V
360 E. 5b mit Hinweisen) und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem
feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so ist ein Verzicht auf die Abnahme
weiterer Beweise zulässig und bedeutet keine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör (SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 E. 4b mit Hinweisen).
3.4 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb).
4.
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4.1 Vorab ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine rechts
genügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt.
4.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin rügt, dass in den IV-Akten der
Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik B._ fehle. Die Beschwerdegegnerin sei
deshalb aufzufordern, diesen Bericht zu besorgen und vorzulegen. Die Gutachterin
nahm den Arztbericht der Psychiatrischen Klinik B._ an den Vertrauensarzt der
SWICA vom 23. Januar 2009 und das FI-Gesprächsprotokoll betreffend das Gespräch
zwischen der RAD-Ärztin und der Oberärztin der Psychiatrischen Klinik B._vom 10.
März 2009 ins Gutachten auf (IV-act. 90-2 f.). Da vollständige Vorakten für ein
beweiskräftiges Gutachten wesentlich sind, wären auch die Austrittsberichte der
Psychiatrischen Klinik B._, namentlich jener nach der zweiten Hospitalisation in der
Zeit vom 20. August 2008 bis 7. April 2009, beizuziehen gewesen. Vorliegend ist
indessen vorwiegend die Arbeitsfähigkeit nach der Einstellung der befristeten Rente ab
1. Dezember 2009 umstritten. Da, wie nachfolgende Erwägungen zeigen werden, die
Aktenlage aufgrund der vorliegenden medizinischen Unterlagen genügend aussage-
und beweiskräftig ist, kann auf die Einholung der Austrittsberichte der Psychiatrischen
Klinik B._ verzichtet werden. Deren Fehlen vermag mit Blick auf die Vollständigkeit
der gutachterlichen Aktenzusammenstellung zwar einen Mangel zu begründen, der
jedoch für sich allein nicht geeignet ist, die Beweiskraft des Gutachtens zu erschüttern.
4.3 Die Beschwerdegegnerin stützte die angefochtene Verfügung in medizinischer
Hinsicht auf das psychiatrische Gutachten vom 28. Januar 2012 (IV-act. 90). Die
Gutachterin med. pract. F._ kommt darin zum Schluss, dass bei der
Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 30% ausgewiesen sei (IV-act.
90-17). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, dass das
Gutachten den bisherigen Einschätzungen sämtlicher medizinischer Fachpersonen
sowie den Einschätzungen der Eingliederungsberaterin widerspreche und deshalb
nicht darauf abzustellen sei (act. G1, Ziff. 11).
4.3.1 Im Bericht vom 22. Februar 2010 diagnostizierte die behandelnde
Psychiaterin eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10:
F32.3) seit 2006 (IV-act. 47, Ziff. 1.1). Die Beschwerdeführerin sei für die bisherige
Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig. Es bestehe eine affektive Störung mit Minderung der
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Vitalgefühle, Deprimiertheit, innerer Unruhe, Angst, Scham- und Schuldgefühlen (IV-
act. 47, Ziff. 1.7). Die Beschwerdeführerin habe im Jahr 2006 an hartnäckiger
Schlaflosigkeit gelitten, sie sei in Sorge um die Zukunft der Familie gewesen. Zwischen
ihrer Tochter und deren Lehrmeister habe sich eine sehr schwierige und für die
Beschwerdeführerin enorm belastende und beschämende Situation ergeben. Sie habe
befürchtet, dass mittels Videoübertragung ihre Nachbarn, Kollegen und die Verwandten
in Italien detailliert über diese beschämende Situation informiert worden seien. Sie
habe sich sozial stigmatisiert gefühlt und habe sich mit niemandem mehr zu sprechen
getraut. Gegen die Beschwerdeführerin laufe ein gerichtliches Verfahren, weil sie dem
Lehrmeister heisses Wasser angeschüttet habe. Nach einem Suizidversuch sei sie im
April 2008 (bis Juni 2008) erstmalig in die Klinik B._ aufgenommen worden. Der
zweite Aufenthalt sei im August 2008 erfolgt. Der Zustand sei praktisch unverändert
geblieben (IV-act. 47, Ziff. 1.4). Aktuell arbeite die Beschwerdeführerin im Rahmen einer
Reintegrationsmassnahme vier Stunden täglich, sei dabei pünktlich und motiviert. Sie
habe jedoch Mühe mit der Konzentration und der Feinmotorik, so dass das Produkt
nicht befriedigend sei. Die bisherigen Massnahmen würden sich positiv auswirken. Die
Beschwerdeführerin sei von ihren schweren Gedanken abgelenkt und fühle sich durch
die Arbeit sozial aufgewertet. Es könne mit einer Wiederaufnahme der beruflichen
Tätigkeit im Umfang von 50% gerechnet werden (IV-act. 47 Ziff. 1.8 f.). Der sehr lange
Verlauf trotz adäquater Behandlung lasse die Prognose nicht allzu optimistisch
erscheinen. Die Arbeitsfähigkeit könne höchstens zu 50% wiedererlangt werden (IV-
act. 47 Ziff. 1.11). Im Verlaufsbericht vom 5. Februar 2011 hielt die behandelnde
Psychiaterin an ihrer Diagnose und Beurteilung fest. Es habe zwar zeitweise eine
leichte Besserung des Befindens beobachtet werden können. Die Instabilität der
Stimmung mit plötzlichen Einbrüchen und Suizidalität sei aber noch immer vorhanden.
Die Beschwerdeführerin habe im August 2010 eine Stelle als Produktionsmitarbeiterin
in einem 50%-Pensum angetreten. Sie berichte über Schwierigkeiten beim Erlernen der
Arbeitsgänge. Sie könne sich bei der Arbeit nicht konzentrieren und arbeite fehlerhaft
(IV-act. 73-1). Die jetzige Tätigkeit in einem Pensum von 50% könne mit leicht
verminderter Leistungsfähigkeit ausgeübt werden. Die Arbeitsfähigkeit am bisherigen
Arbeitsplatz könne nicht mehr verbessert werden. Auch bei einer anderen Tätigkeit
wäre nur ein Pensum von 50%, vier Stunden täglich, möglich (IV-act. 73-2 f.).
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4.3.2 Im psychiatrischen Gutachten vom 28. Januar 2012 wurde demgegenüber
eine leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F33.0/F33.1) im Sinne einer
deutlichen Teilremission nach schwerer depressiver Episode mit psychotischen
Inhalten 2008/2009 diagnostiziert. Weiter wurden – ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit – akzentuierte Persönlichkeitszüge mit abhängigen und histrionischen
Anteilen (ICD-10: Z73.1) diagnostiziert (IV-act. 90-11). Auf der beobachtbaren
Symptomebene hätten bei der Beschwerdeführerin leichte bis zeitweise mittelgradige
depressive Symptome festgestellt werden können. Dabei hätten keinerlei psychotische
Inhalte mehr eruiert werden können. An der aktuellen Arbeitsstelle arbeite die
Beschwerdeführerin an zwei ganzen und an einem halben Tag in der Woche. Die
Bewältigung dieser Arbeitszeit von 8 Stunden zeuge von einer guten Belastbarkeit und
einer guten Ausdauer. Anhand der aktuellen Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrem
Tagesablauf mit den darin beschriebenen Aktivitäten (Berufstätigkeit, Autofahren,
Ferienaufenthalte in Italien, Gartenarbeit sowie Pflege der sozialen Kontakte neben der
Wahrnehmung der Haushaltspflichten) liessen sich bei ihr keine wesentlichen
Einschränkungen der Funktionen und Partizipation im Privatleben feststellen. Es
beständen lediglich leichte Einschränkungen in Bezug auf das Berufsleben. Im Rahmen
der aktuellen Untersuchung hätten sich bei der Beschwerdeführerin folgende
psychosozialen Belastungsfaktoren gezeigt, welche gemäss den IV-rechtlichen
Kriterien bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit nicht berücksichtigt werden
könnten: subjektives Krankheitskonzept, keine abgeschlossene Berufsausbildung in
Italien, Migrationshintergrund, etwas eingeschränkte Deutschkenntnisse, angedeutete
familiäre und partnerschaftliche Konflikte. Zudem habe bei ihr ein deutlicher sekundärer
Krankheitsgewinn (die Tochter löse sich vom Elternhaus nicht ab) festgestellt werden
können. Zusammenfassend würden bei der Beschwerdeführerin leichte
Einschränkungen der Arbeits- und Leistungsfähigkeit bestehen. Diese seien bedingt
durch eine leicht eingeschränkte Stress- und Frustrationstoleranz, leichte
Einschränkungen der emotionalen Belastbarkeit sowie leichte Einschränkungen der
sozialen Kompetenzen, insbesondere der Konfliktfähigkeit (IV-act. 90-14). Die
Gutachterin kam zum Schluss, dass in der angestammten Tätigkeit als
Produktionsmitarbeiterin bei der Beschwerdeführerin von einer Arbeitsunfähigkeit von
ca. 30% im Sinne eines Arbeitspensums von ca. 7-8 Stunden mit geringgradig
verminderter Leistungsfähigkeit auszugehen sei. Die aktuelle Tätigkeit als
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Betriebsmitarbeiterin bei der Verpackung von Lebensmitteln sei als leidensadaptiert zu
betrachten. Eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft sei eindeutig möglich und eine
Tätigkeit im geschützten Rahmen mit Sicherheit nicht erforderlich (IV-act. 90-15). Die
Beschwerdeführerin schätze ihre Arbeitsfähigkeit als zu maximal 50% gegeben ein.
Diese tiefe Selbsteinschätzung sei bei den leichten psychischen Einschränkungen aus
gutachterlicher Sicht nicht ganz nachvollziehbar. Es sei davon auszugehen, dass bei
der subjektiven Einschätzung neben leichten Insuffizienzgefühlen auch eine
Verdeutlichungstendenz, ein sekundärer Krankheitsgewinn sowie psychosoziale
Belastungsfaktoren eine nicht unwesentliche Rolle spielen würden. Der Diagnose der
behandelnden Psychiaterin konnte die Gutachterin unter Berücksichtigung des
weiteren Krankheitsverlaufs nicht (mehr) zustimmen. Bei der aktuellen Untersuchung im
Januar 2012 hätten nur noch leichte bis mittelschwere depressive Symptome ohne
psychotische Inhalte festgestellt werden können. Die Beschwerdeführerin arbeite seit
August 2010 an zwei ganzen und einem halben Tag in der Woche. Die Entfernung zur
Arbeitsstelle bewältige sie mit ihrem Auto während einer halbstündigen Autofahrt. Dies
zeuge von einer guten psychischen Belastbarkeit, weshalb die Einschätzung der
behandelnden Psychiaterin nicht nachvollzogen werden könne. Aus gutachterlicher
Sicht habe die behandelnde Psychiaterin die subjektiven Beschwerden wohl zu stark
gewichtet. Als behandelnde Therapeutin habe sie vor allem psychosoziale
Belastungsfaktoren bei der angenommenen Arbeitsunfähigkeit von 50% mit
einbezogen (IV-act. 90-16 f.). Damit setzte sich die Gutachterin ausreichend und
nachvollziehbar mit der anders lautenden Einschätzung der behandelnden Psychiaterin
auseinander. Auch die Beschwerdeführerin bringt keine wesentlichen Aspekte vor, die
bei der Begutachtung unerkannt geblieben wären und die zu einer neuen Beurteilung
führen würden.
4.3.3 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, das Gutachten widerspreche auch
den Einschätzungen der Eingliederungsverantwortlichen. Diese führte im Bericht vom
17. November 2009 aus, "aus medizinischer Sicht" sei eine vierstündige Präsenzzeit
zumutbar. Die Leistungsfähigkeit während dieser Präsenzzeit sei allerdings noch unklar
(IV-act. 31). Im Bericht vom 16. Februar 2010 hielt die Eingliederungsverantwortliche
fest, im Rahmen der dreimonatigen Abklärung habe eine stabile Präsenzzeit von 4
Stunden täglich erreicht werden können. In der Leistungsfähigkeit würden
Einschränkungen hinsichtlich der Auffassungs- und Umsetzungsgabe sowie bei
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feinmotorischen Arbeiten bestehen. Es sei der Beschwerdeführerin nicht möglich,
Arbeiten unter Zeitdruck und Stress auszuführen (IV-act. 39). Im Bericht vom 18. Juni
2010 führte die Eingliederungsverantwortliche aus, dass die Beschwerdeführerin in der
beruflichen Abklärung eine stabile Präsenzzeit von 50% habe einhalten können. Die
Leistung habe allerdings nicht gesteigert werden können. Eine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit über 50% könne auch zukünftig nicht erwartet werden. Zudem sei
unklar, ob die Restarbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft tatsächlich umgesetzt
werden könne (IV-act. 55-6). Bei der Eingliederungsverantwortlichen handelt es sich
jedoch nicht um eine medizinische Fachperson, welche eine medizinische Beurteilung
vornehmen kann. Zur Klärung der medizinischen Situation wurde das psychiatrische
Gutachten erstellt. Dieses Gutachten lässt sich nicht mit einem Hinweis auf die
vorgängige berufliche Abklärung in Frage stellen, zumal sich die Situation der
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Untersuchung offensichtlich insoweit klar
gebessert hatte, als sie seit August 2010 einer Tätigkeit von 2 1⁄2 Tagen nacheinander
nachgehen konnte.
4.3.4 Trotz des formellen Mangels (fehlender Beizug der Austrittsberichte der
Psychiatrischen Klinik B._ vom Juni 2008 und April 2009) kann insgesamt auf die
gutachterliche Beurteilung abgestellt werden. Die Beschwerdegegnerin führt in der
Beschwerdeantwort aus, dass die diagnostizierte leicht- bis mittelgradige depressive
Episode nicht invalidisierend sei, weil kein von depressiven Verstimmungszuständen
klar unterscheidbarer verselbständigter und pathologischer Gesundheitsschaden
vorliege. Somit sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
auszugehen (act. G 4, Ziff. 4). Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin wird einzig mit dem depressiven Leiden begründet. Ein
pathogenetisch ätiologisch unklares syndromales Beschwerdebild ohne nachweisbare
organische Grundlage liegt nicht vor. Die vorliegende Streitigkeit fällt damit nicht in den
Anwendungsbereich der Überwindbarkeitspraxis gemäss BGE 130 V 352. Daher
besteht kein Anlass, die diagnostizierte leicht- bis mittelgradige depressive Episode als
nicht invalidisierend einzustufen (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 20. Januar 2014, IV 2012/84, E. 3.1 ff.).
5.
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5.1 Sodann ist der zeitliche Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu prüfen. Die
Beschwerdeführerin gab bei der IV-Anmeldung an, ab dem 1. Juli 2008 zu 100%
arbeitsunfähig gewesen zu sein (IV-act. 7-7), wovon auch die SWICA in der
Taggeldabrechnung vom 2. August 2008 ausging (IV-act. 17-10). Die Gutachterin
äusserte sich nicht zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vor dem Sommer 2010.
Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit kann vorliegend insoweit offen gelassen werden, als
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% spätestens seit der stationären Behandlung in der
Psychiatrischen Klinik B._ ab dem 20. August 2008 belegt (vgl. IV-act. 8) und eine
allfällige frühere Arbeitsunfähigkeit aufgrund der verspäteten Anmeldung im März 2009
(vgl. IV-act. 7 und 70-10) nicht relevant ist.
5.2 Die Gutachterin äussert sich zum zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit nur
insofern, als sie bis Sommer 2010 von einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als 30% und
vermutlich seit Beginn der Tätigkeit an der neuen Arbeitsstelle von einer
Arbeitsunfähigkeit von ca. 30% ausgeht. Mit der zeitlichen Angabe Sommer 2010
verbindet die Gutachterin offensichtlich den Zeitpunkt des Antritts der neuen
Arbeitsstelle (vgl. IV-act. 90 Ziff. 8.2). Die Beschwerdeführerin hat die neue Arbeitsstelle
am 12. August 2010 angetreten (IV-act. 68). Mithin ist spätestens ab August 2010 von
einem verbesserten Gesundheitszustand auszugehen.
6.
6.1 Für die Prüfung des Rentenanspruchs macht der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin geltend, entgegen dem Abklärungsbericht Haushalt vom 17.
Dezember 2010 würde die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall einer
Erwerbstätigkeit von 100% und nicht einer solchen von 80% nachgehen. Die Frage des
Status der Beschwerdeführerin kann jedoch mit der Beschwerdegegnerin offen
bleiben, da auf Grund der ab August 2010 wiedererlangten Arbeitsfähigkeit von 70%
auch bei voller Erwerbstätigkeit kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von 40%
resultiert, wäre doch bei den gegebenen Verhältnissen kein Tabellenlohnabzug von
mehr als 10% anzunehmen.
6.2 Auf die rückwirkende Zusprache einer abgestuften und/oder befristeten
Invalidenrente sind die für die Rentenrevision geltenden Normen (Art. 17 ATSG i.V.m.
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Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE 121 V 264 E. 6b/dd mit Hinweis, BGE 109 V
125 E. 4a). Wird rückwirkend eine derartige Rente zugesprochen, sind daher einerseits
der Moment des Rentenbeginns und andererseits der in Anwendung der
Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzende Zeitpunkt der
Rentenherabsetzung oder -aufhebung die massgebenden zeitlichen Vergleichsgrössen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_468/2010 vom 23. November 2010 E. 2 sowie
8C_834/2009 vom 25. Mai 2010 E. 2 mit Hinweis). Der Rentenbeginn ab 1. September
2009, d.h. sechs Monate nach der Anmeldung (Art. 29 Abs. 1 IVG), ist unbestritten
geblieben und gibt zu keinen weiteren Erörterungen Anlass.
6.2.1 Ebenso ist die Ablösung des Rentenanspruchs per 1. Dezember 2009 durch
den Anspruch auf Taggelder während der Dauer der beruflichen Abklärung vom 23.
November 2009 bis 19. Februar 2010 (IV-act. 33) und vom 22. Februar bis 21. Mai 2010
(IV-act. 43) unbestritten geblieben. Gemäss Art. 47 Abs. 1 IVG können Renten unter
anderem während der Durchführung von Abklärungs- und Eingliederungsmassnahmen
weiter gewährt werden, und zwar längstens bis zum Ende des dritten vollen
Kalendermonats, der dem Beginn der Massnahme folgt (Art. 47 Abs. 1 in der ab 1.
Januar 2008 gültigen Fassung bzw. Art. 47 Abs. 1 lit. b IVG in der ab 1. Januar 2012
geltenden Fassung). Zusätzlich zur Rente wird das Taggeld ausgerichtet. Dieses wird
jedoch während der Dauer des Doppelanspruchs bei der Durchführung von
Abklärungs- oder Eingliederungsmassnahmen um einen Dreissigstel des
Rentenbetrags gekürzt (aArt. 47 Abs. 1 Satz 2 bzw. Art. 47 Abs. 1 IVG). In diesem
Sinn hat die Beschwerdegegnerin das Taggeld vom 23. November bis 30. November
2009 um einen Dreissigstel der Rente (Fr. 1'970.-- + Kinderrente Fr. 788.-- = Fr.
2'758.--:30= Fr. 91.93, vgl. IV-act. 102-2) auf Fr. 1.-- gekürzt (IV-act. 104). Nachdem
das Taggeld leicht höher (30 x Fr. 92.80 = Fr. 2'784.--) als die Rente ist und nach der
Verwaltungspraxis grundsätzlich Vorrang vor der Rente hat (vgl. Rz 1054 des
Kreisschreibens über die Taggelder der Invalidenversicherung, abgekürzt KSTI), ist die
Einstellung der Rente per 30. November 2009 ebenfalls nicht zu beanstanden.
6.2.2 Die Anspruchsvoraussetzungen werden durch die Koordinationsnorm von
Art. 47 IVG nicht berührt. Solange sich der Invaliditätsgrad einer versicherten Person
nicht ändert, mithin kein Revisionsgrund vorliegt, bleibt der der Rente
zugrundeliegende Anspruch grundsätzlich bestehen. Deshalb genügt es, bei
bis
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Entstehung eines Taggeldanspruchs die Rentenzahlung zu sistieren, um sie nach
dessen Wegfall wieder aufleben zu lassen (Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 31. Oktober 1997 E. 2c, SVR 1998 IV Nr. 8 S. 32). Ein
Taggeldanspruch unterbricht lediglich den bereits entstandenen Rentenanspruch (BGE
100 V 184 E. 3). Nach Abschluss der beruflichen Massnahme und der damit
einhergehenden Einstellung der Taggelder endet die Unterbrechung des
Rentenanspruchs am 22. Mai 2010 bzw. lebt der Anspruch auf eine Rente am 23. Mai
2010 wieder auf. Dabei wird die Rente für den Monat Mai ungekürzt ausgerichtet,
während das Taggeld in diesem Monat um einen Dreissigstel des Rentenbetrags
gekürzt wird (vgl. Art. 47 Abs. 2 IVG in der seit 1. Januar 2003 geltenden Fassung).
7.
Zusammenfassend ist folglich festzuhalten, dass das Gutachten beweistauglich ist,
weshalb ab August 2010 von einer rentenrelevanten Verbesserung des
Gesundheitszustandes bzw. einer Arbeitsfähigkeit von 70% in einer angepassten
Tätigkeit auszugehen ist. Die ab 1. Mai 2010 mit dem Abschluss der beruflichen
Abklärungsmassnahme wieder aufgelebte ganze Rente ist unter Berücksichtigung der
dreimonatigen Anpassungsfrist (Art. 88a Abs. 1 IVV) per 30. November 2010
aufzuheben.
8.
8.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
30. Januar 2013 insoweit aufzuheben, als der Beschwerdeführerin zusätzlich eine
ganze Rente vom 1. Mai 2010 bis 30. November 2010 zuzusprechen ist. Die Sache ist
zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
8.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Hieran hat die Beschwerdeführerin, die lediglich in einem
untergeordneten Punkt obsiegt, vier Fünftel, d.h. Fr. 480.--, zu tragen. Den Restbetrag
bis
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von Fr. 120.-- hat die Beschwerdegegnerin zu bezahlen, und der Beschwerdeführerin
ist in diesem Umfang der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten.
8.3 Da die Beschwerdeführerin teilweise obsiegt, hat sie einen reduzierten Anspruch
auf eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen,
wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu
tragen ist. Bei vollständigem Obsiegen wäre eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Wegen des nur teilweisen
Obsiegens von einem Fünftel erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 700.-- als
gerechtfertigt. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin somit eine
Parteientschädigung von Fr. 700.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
bezahlen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP