Decision ID: ba51d49d-af32-52d6-b466-9472aef30e2c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 22. November 2019 in der Schweiz um
Asyl nach. In der Folge wurde er dem Bundesasylzentrum (BAZ) (...) zu-
gewiesen. Am 28. November 2019 mandatierte er die ihm zugewiesene
Rechtsvertretung mit der Wahrnehmung seiner Interessen im Asylverfah-
ren. Die Personalienaufnahme (PA) fand am 29. November 2019, das Dub-
lin Gespräch am 5. Dezember 2019 statt.
Die Anhörung vom 13. März 2020 erfolgte – mit eindeutigem Einverständ-
nis des Beschwerdeführers – in Abwesenheit seiner Rechtsvertretung;
diese meldete sich am Tag der Anhörung krank. Anlässlich der Befragun-
gen machte er im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei ethnischer B._ und stamme aus dem Dorf C._, in
D._ im Bezirk E._ in der Provinz F._. Dort habe er
mit seiner Familie gelebt. Vor rund (...) Jahren sei er in Begleitung seines
Onkels zu seiner Tante in den Iran gegangen, wo er sich etwa fünf Jahre
lang aufgehalten habe. Anschliessend sei er für etwa fünf Monate in sein
Heimatdorf in Afghanistan zurückgekehrt. Da es in Afghanistan keine Arbeit
gegeben habe, sei er wieder in den Iran gegangen. Knapp ein Jahr später
– im Jahr (...) – sei er das erste Mal nach Europa gereist. Am (...) 2017 sei
er von den norwegischen Behörden nach Kabul zurückgeführt worden. In
Kabul habe er sich einen Monat lang aufgehalten, was für ihn schwierig
gewesen sei. Da er während des Fastenmonats eine Wasserflasche in der
Hand gehabt habe, sei er auf der Strasse von mehreren Personen, welche
ihn als Ungläubigen beschimpft hätten, geschlagen worden. Zurück in sei-
nem Heimatdorf sei die Situation für ihn weiter schwierig gewesen. Er habe
nicht mehr gebetet, nicht mehr gefastet, den Koran nicht mehr gelesen und
sei auch nicht mehr in die Moschee gegangen, weswegen er unter Druck
gesetzt worden sei. Er habe keinen Glauben mehr gehabt und würde keine
Religion mögen. Als er das erste Mal in Europa gewesen sei, habe er Al-
kohol getrunken und Schweinefleisch gegessen, weshalb es für ihn im Hei-
matort sehr gefährlich gewesen sei. Die Leute in C._ hätten seinen
Gesinnungswandel bemerkt und gesagt, dass er einen schlechten Einfluss
auf die jungen Männer im Dorf hätte. Bezüglich der Nichtausführung der
Religion habe er sich vor seiner Familie vermehrt erklären müssen und die
Dorfbewohner hätten gesagt, dass er als Christ aus Europa zurückgekehrt
sei. Er habe sich deswegen schlecht gefühlt und sei ab und an zu seinen
Freunden nach Kabul gegangen und habe mit ihnen Alkohol getrunken.
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Einmal habe er Alkohol von Kabul nach Hause mitgenommen, welchen er
bei Streit oder Stress an einem abgelegenen Ort getrunken habe. Eines
Tages habe auch ein Freund von ihm mitgetrunken. Dieser habe dann bei
sich zu Hause in betrunkenem Zustand für Unruhe gesorgt. Als er (der Be-
schwerdeführer) nach Hause gekommen sei, habe ihn sein Vater geohr-
feigt und seiner Mutter gesagt, dass er ungläubig geworden sei und den
Jungs Alkohol geschenkt hätte. In der Moschee sei über ihn gesprochen
worden. Daraufhin sei seine Mutter mit dem Koran zu ihm gekommen und
habe ihn aufgefordert, seine Hand auf den Koran zu legen und zu sagen,
dass er dies nicht gemacht hätte. In dieser Situation habe er den Koran
weggeschlagen, was auch die Nachbarn gesehen hätten. Aufgrund dessen
sei sein Vater wütend geworden und habe einen Spaten in die Hand ge-
nommen, worauf er von zu Hause geflohen sei. Er habe die folgende Nacht
in den Bergen verbracht und sei tags darauf nach Kabul gefahren, wo er
mit Hilfe seiner Schwester mit seiner Mutter habe telefonieren können. Sie
habe ihm gesagt, dass einige Personen nach ihm suchen würden und es
in der Moschee eine Versammlung gegeben habe, in welcher entschieden
worden sei, dass sich die Dorfbewohner bei den Behörden über ihn be-
schweren würden. Seine Mutter habe auch gesagt, dass er im Falle seiner
Rückkehr von den Bewohnern geschlagen würde, bevor die Behörden ihn
finden würden. Er dürfe daher auf keinen Fall zurückkehren. In der Folge
sei er von Kabul nach Nimroz und von dort aus illegal in den Iran gereist.
Über die Türkei, Griechenland und Italien sei er schliesslich in die Schweiz
gelangt.
Der Beschwerdeführer reichte ein (unleserliches) Foto seiner Tazkira zu
den Akten.
B.
Im Anschluss an die Anhörung (mit E-Mail-Nachricht vom [...] März 2020,
vgl. vorinstanzliche Akten [...]-29/1 [nachfolgend Akte 29]) informierte das
SEM die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers über die durchgeführte
Anhörung. Gleichzeitig informierte es sie über den für das Verfahren vor-
gesehenen Zeitplan inklusive den voraussichtlich negativen Asylentscheid
mit vorläufiger Aufnahme. Der Nachricht wurden das Anhörungsprotokoll
sowie die Dublin-Akten beigefügt.
C.
Mit Schreiben vom (...) März 2020 (vgl. Akte 30) gelangte die Rechtsver-
tretung des Beschwerdeführers an die Vorinstanz und bekundete ihr Über-
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raschen darüber, dass die Anhörung ohne die Rechtsvertretung durchge-
führt wurde. Hierbei brachte sie vor, dass sie eigentlich davon ausgegan-
gen sei, dass – gemäss Abmachung – die Anhörung zu einem späteren
Zeitpunkt durchgeführt werde. Weiter brachte sie vor, das vom Beschwer-
deführer zu Protokoll gegebene explizite Einverständnis, die Anhörung
ohne die Rechtsvertretung durchzuführen, sei unbeachtlich. Der Betroffene
habe damals seitens der Rechtsvertretung nicht über die Möglichkeit einer
Verschiebung der Anhörung informiert werden können. Auch seitens des
SEM sei er anlässlich der Anhörung nicht sorgfältig informiert worden, wo-
mit sein rechtliches Gehör verletzt worden sei. Unter Berücksichtigung der
momentanen Situation betreffend COVID-19 sei es voraussichtlich nicht
möglich, den Beschwerdeführer zu einem Gespräch einzuladen. Deshalb
werde beantragt, das Verfahren dem erweiterten Verfahren zuzuweisen.
D.
Mit E-Mail-Nachricht vom (...) März 2020 (vgl. Akte 31) informierte das
SEM die Rechtsvertretung über den neuen Zeitplan des Verfahrens und
dessen (voraussichtliche) Zuteilung ins erweiterte Verfahren.
Mit Zuweisungsentscheid vom 24. März 2020 (vgl. Akte 33) erfolgte die Zu-
weisung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers in das erweiterte Ver-
fahren.
E.
Mit Schreiben vom 23. April 2020 teilte die rubrizierte Rechtsvertreterin
dem SEM die Mandatsübernahme mit und stellte gleichzeitig ein Aktenein-
sichtsgesuch (vgl. Akte 40).
F.
Mit Verfügung vom 28. April 2020 – eröffnet tags darauf – verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers (Dispositiv-
ziffer 1) und lehnte sein Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2). Gleichzeitig ord-
nete sie seine Wegweisung aus der Schweiz an (Dispositivziffer 3). Der
Vollzug wurde jedoch aufgrund der Unzumutbarkeit zugunsten einer vor-
läufigen Aufnahme aufgeschoben (Dispositivziffern 4-6). Zudem händigte
sie ihm die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus (Dispo-
sitivziffer 7).
G.
Mit Beschwerde vom 29. Mai 2020 an das Bundesverwaltungsgericht be-
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antragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung in den Dispositivziffern 1-3, die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Unzulässigkeit des
Vollzugs der Wegweisung festzustellen unter Gewährung der vorläufigen
Aufnahme als Flüchtling, subeventualiter sei die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 102m AsylG (SR 142.31)
inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
H.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
2. Juni 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG).
I.
Mit Schreiben vom 3. Juni 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
dem Beschwerdeführer den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Zunächst ist auf die formellen Rügen in der Beschwerde einzugehen,
da diese allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen
Verfügung zu bewirken.
Der Beschwerdeführer rügt eine fehlerhafte Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts – insbesondere bezüglich der Apostasie – respektive
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs seitens der Vorinstanz, da die An-
hörung ohne Beiziehung einer Rechtsvertretung oder einer Hilfswerksver-
tretung durchgeführt worden sei. Damit habe die Vorinstanz sein Recht auf
rechtlichen Beistand anlässlich der einzigen Anhörung verletzt. In Form ei-
ner Gehörsverletzung führe dies zu einem falschen Bild seiner Asylgründe.
Ihm habe nicht ausreichend vermittelt werden können, wie wichtig seine
Ausführungen für sein Asylverfahren seien. Während des schwierigen Ge-
sprächs habe ihn die befragende Person nicht mehr explizit auf seine Mit-
wirkungspflicht hingewiesen, wie dies andernorts durchaus gemacht
werde. Es fehle in dieser besonders sensiblen Situation der Anhörung an
der Beobachtung zumindest einer neutralen oder einer in seinem Interesse
teilnehmenden Person. So habe beispielsweise durch Dritte nicht wahrge-
nommen werden können, wie angespannt die Stimmung anlässlich der Be-
fragung über höchstpersönliche Angelegenheiten wie die eigene Einstel-
lung zur Religion tatsächlich gewesen sei. Immerhin gehe aus dem Proto-
koll hervor, dass die Kommunikation schwierig gewesen sei. Deshalb sollte
nicht lediglich auf die dortigen Antworten abgestützt werden. Da die Vo-
rinstanz sich ausschliesslich auf seine Aussagen stütze und diese für un-
glaubhaft erkläre, wiege dieser Verfahrensfehler besonders schwer. Zu-
dem habe bereits die vorgängige Rechtsvertretung erklärt, dass sein Ein-
verständnis über die Durchführung der Anhörung ohne Rechtsvertretung
unbehelflich sei. Im Übrigen habe die Vorinstanz das gesamte Vorbringen
nebst der Apostasie weder in Bezug auf die Glaubhaftigkeit noch die Asyl-
relevanz geprüft.
3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
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2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in
ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt
(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsdarstellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
Laut Art. 102f AsylG haben Asylsuchende Personen, deren Gesuch in ei-
nem Zentrum des Bundes behandelt wird, Anspruch auf unentgeltliche Be-
ratung und Rechtsvertretung. Dieser kommt unter anderem die Aufgabe
zu, an der Erstbefragung in der Vorbereitungsphase und an der Anhörung
zu den Asylgründen teilzunehmen (Art. 102k Abs. 1 Bst. b AsylG). Art. 102j
AsylG regelt die Teilnahme der Rechtsvertretung an Verfahrensschritten im
vorinstanzlichen Verfahren, bei denen eine Mitwirkung der Rechtsvertre-
tung notwendig ist.
Gemäss Art. 102f Abs. 2 AsylG entfalten die Handlungen des SEM bei
rechtzeitiger Mitteilung der Termine ihre Rechtswirkungen auch ohne die
Anwesenheit oder Mitwirkung der Rechtsvertretung. Vorbehalten bleiben
kurzfristige Verhinderungen aus entschuldbaren, schwerwiegenden Grün-
den.
3.3 Der Beschwerdeführer wurde am 10. März 2020 über die drei Tage
später stattfindende Anhörung informiert. Art. 52c Abs. 1 AsylV1 sieht bei
Anhörungen einen Mindestvorlauf von zwei Tagen für die Mitteilung des
Termins vor. Der Anhörungstermin wurde dem Beschwerdeführer respek-
tive dem Leistungserbringer somit rechtzeitig mitgeteilt. Aus dem Anhö-
rungsprotokoll ergibt sich weiter, dass die befragende Person kurz vor Be-
ginn der Anhörung von der krankheitsbedingten Abwesenheit der Rechts-
vertretung des Beschwerdeführers erfahren hat («Ich habe soeben erfah-
ren, dass Ihr Rechtsvertreter krank und deshalb abwesend ist», vgl. Akte
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28, S. 1). Fraglich ist, ob es sich dabei um eine «kurzfristige Verhinderung
aus entschuldbaren, schwerwiegenden Gründen» im Sinne von Art. 102j
Abs. 2 handelt. Die Kurzfristigkeit der Verhinderung der Rechtsvertretung
kann vorliegend bejaht werden. Als schwerwiegender Umstand hat auch
eine plötzliche Krankheit oder ein Unfall zu gelten (vgl. BBl 2014 7991,
8091; CONSTANTIN HRUSCHKA in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck
[Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. Überarbeitete und erweiterte Auf-
lage, Zürich 2019, N 3 zu Art. 102j AsylG). Entschuldbar ist die Verhinde-
rung der Rechtsvertretung, wenn Gründe vorliegen, welche es dem Leis-
tungserbringer verunmöglichen, für einen Ersatz zu sorgen (bspw. bei ei-
nem schweren Unfall des Rechtsvertreters mit anschliessendem Spitalau-
fenthalt, vgl. a.a.O.). Im vorliegenden Fall hat sich der Rechtsvertreter (mit
unbekannten Symptomen) krankgemeldet. Ob es dem Leistungserbringer
in dieser Situation unmöglich war, für Ersatz zu sorgen, kann aufgrund der
Aktenlage nicht abschliessend beurteilt werden. Angesichts des Umstan-
des, dass in casu mit der vom Beschwerdeführer ausgestellten «Vollmacht
mit Substitutionsrecht» vom 28. November 2019 neben dem kurzfristig er-
krankten Rechtsvertreter noch insgesamt dreizehn weitere Personen man-
datiert wurden, um im Auftrag des Beschwerdeführers zu handeln und die
insgesamt vierzehn Rechtsvertreter darüber hinaus auch gemäss dem
Wortlaut der Vollmacht dazu ermächtigt wurden, ihre Befugnisse zu substi-
tuieren, wären somit durchaus gewisse Möglichkeiten offen gestanden, um
nicht nur die Vorinstanz telefonisch bloss über das kurzfristige Erkranken
zu informieren, sondern gegebenenfalls eine der in der Vollmacht genann-
ten Rechtsvertreter kurzfristig als Ersatz zu gewinnen. Ob es im vorliegen-
den Fall dem Rechtsvertreter aufgrund der kurzfristigen Erkrankung und
angesichts des Zeitpunkts der angesetzten Anhörung objektiv unmöglich
war, für Ersatz zu sorgen, kann aus den nachfolgenden Gründen im Resul-
tat jedoch offengelassen werden.
3.4 Der Beschwerdeführer rügt in vorliegendem Zusammenhang, dass
seine vormalige Rechtsvertretung mit Schreiben vom 16. März 2020 zum
Ausdruck gebracht habe, am 13. März 2020 sei vereinbart worden, dass
der Termin der Anhörung verschoben werde. Hierzu ist zunächst festzuhal-
ten, dass der Beschwerdeführer, der aus dem behaupteten Vorhandensein
einer mündlichen Abmachung Rechte zu seinen Gunsten abzuleiten sucht,
für diese Parteibehauptung die Beweislast trägt (Art. 8 ZGB). Ein entspre-
chender Nachweis wurde bis dato nicht vorgelegt. Auch in den Akten findet
die entsprechende Behauptung keine Stütze. Weder wurde seitens des
Beschwerdeführers damals zuhanden der Akten seine krankheitsbedingte
Abmeldung, sowie die behauptete Vereinbarung über die Verschiebung
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des Anhörungstermins schriftlich (per Mail oder einfachem Schreiben) fest-
gehalten, noch findet sich in den Akten eine entsprechende Notiz der Vo-
rinstanz. Ob somit effektiv eine mündliche Abrede über eine Verschiebung
des Anhörungstermins erfolgt ist oder ob die entsprechende Auffassung
des Rechtsvertreters bloss auf einem Missverständnis beziehungsweise
auf einem Erinnerungsfehler beruht, lässt sich aufgrund der Aktenlage
nicht beurteilen. Aufgrund der Aktenlage besteht kein Grund zu der An-
nahme, die Vorinstanz hätte treuwidrig gehandelt.
3.5 Asylsuchende können für das gesamte Asylverfahren auf die Manda-
tierung einer Rechtsvertretung verzichten (Art. 102h Abs. 1 AsylG). Daraus
folgt – ad major ad minus –, dass es für Asylsuchende möglich sein muss,
auch bloss für einzelne Verfahrenshandlungen auf die Rechtsvertretung
respektive deren Teilnahme an Verfahrenshandlungen ausdrücklich zu ver-
zichten. Aufgrund ihrer schwächeren Verfahrensposition kann ein Verzicht
auf Rechtsvertretung jedoch erst dann rechtswirksam angenommen wer-
den, wenn die Asylsuchenden vorgängig über die Konsequenzen eines
Verzichts informiert wurden und ihnen allfällige Alternativen bekannt sind.
Mithin müssen sie sich der Tragweite eines Verzichts bewusst sein.
Im vorliegenden Fall informierte das SEM den Beschwerdeführer eingangs
der Anhörung über die krankheitsbedingte Abwesenheit seines Rechtsver-
treters und wies ihn darauf hin, dass mit seinem Einverständnis die Anhö-
rung trotzdem durchgeführt werden könne. Es führte weiter aus, dass sein
Rechtsvertreter Einsicht in das Protokoll erhalten und Anmerkungen an-
bringen können werde. Sodann beantwortete er die Frage, ob er damit ein-
verstanden sei, die Anhörung heute ohne seinen Rechtsvertreter durchzu-
führen, klar und eindeutig mit «Ja, kein Problem» (vgl. Akte 28, F1). Ferner
besteht aufgrund der vorliegenden Ausgangslage kein Grund zu der An-
nahme, der Beschwerdeführer sei sich der Tragweite dieser Frage nicht
bewusst gewesen beziehungsweise ihm wäre in diesem Moment nicht ge-
wahr gewesen, dass er die entsprechende Frage auch hätte verneinen
können. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Tragweite dieser Frage
und des ausgesprochenen Verzichts auf die Anwesenheit der Rechtsver-
tretung für den Beschwerdeführer erkennbar war, zumal er bereits seit dem
28. November 2019 vertreten war und somit davon auszugehen ist, dass
er über seine Rechte und Pflichten im Asylverfahren und die einzelnen Ver-
fahrensschritte bereits unterrichtet wurde. Demnach war es ihm möglich,
rechtswirksam auf die Anwesenheit seines Rechtsvertreters an der Anhö-
rung zu verzichten.
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Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle festgehalten, dass der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in der Folge dann auch weder die
Durchführung einer weiteren Anhörung beantragte, noch inhaltliche oder
sonstige Kritik am Protokoll der Anhörung vom 13. März anbrachte.
3.6 Die weitere formelle Rüge, das SEM habe nebst der Apostasie seine
weiteren Vorbringen nicht geprüft, geht fehl. Seine weiteren Vorbringen –
sofern sie denn überhaupt als unabhängige Vorbringen bezeichnet werden
können – ergeben sich allesamt als Konsequenz seiner angeblichen Ab-
kehr vom Islam. Da diese vom SEM für unglaubhaft befunden wurde, ist es
zur korrekten Schlussfolgerung gelangt, dass damit den weiteren Vorbrin-
gen die Grundlage entzogen sei, womit es deren Glaubhaftigkeit nicht mehr
zu prüfen brauchte. Eine Beurteilung der Asylrelevanz der Vorbringen er-
folgt in der Regel ohnehin erst, wenn die Vorbringen für glaubhaft befunden
wurden respektive wenn deren Glaubhaftigkeit aufgrund der offensichtlich
fehlenden Asylrelevanz offengelassen werden kann. Beides ist vorliegend
nicht der Fall.
3.7 Die Vorinstanz hat den Sachverhalt demnach korrekt und vollständig
festgestellt. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor. Unter
diesen Umständen ist eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz nicht
angezeigt.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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4.3 Ihren Asylentscheid begründete die Vorinstanz mit der Unglaubhaf-
tigkeit der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Abkehr vom Islam.
Nach den Gründen für seine Abkehr vom Islam gefragt, habe er wiederholt
stereotype und oberflächliche Aussagen gemacht. Als man ihn aufgefordert
habe, noch mehr über die Gründe für seine Abkehr zu erzählen, habe er
erwidert, dass man ihm Fragen stellen solle und er diese beantworten
würde. Er habe angefügt, dass er es mögen würde, frei zu leben und nicht
wegen des Glaubes unter Druck gesetzt werden wolle. Er habe (erneut)
das Thema der Verschleierung erwähnt und angefügt, dass in Afghanistan
der Glaube mit Gewalt durchgesetzt werde. Weitergehende Beweggründe
habe er keine dargelegt. Auf die Frage, wie es dazu gekommen sei, dass
sein Glaube vor fünf oder sechs Jahren «schwach» gewesen sei, habe er
keine substanziierte Antwort geben können und lediglich geantwortet, dass
es keinen besonderen Grund dafür gegeben habe. Er habe es einfach nicht
gemocht zu beten und zu fasten und habe diese Dinge nicht ernst genom-
men. Auch die Frage, weshalb er vor seiner Religionsrecherche nicht ge-
betet und gefastet habe, obschon er an Gott geglaubt habe, habe er nicht
beantworten können. Auf die von ihm getätigten Recherchen über den
Glauben und die Religionen angesprochen habe er lediglich erzählt, dass
er nach Religions- und Glaubensrichtungen «gegoogelt» habe, diese
Dinge manchmal geografisch und manchmal historisch recherchiert habe
und mit der Zeit sicher geworden sei, dass Religion und Glaube «künstliche
Sachen» seien. Auf die Nachfrage, wie er zu diesem Schluss gekommen
sei, habe er ausweichend geantwortet, dass er die meisten Resultate von
der Situation in Afghanistan bekommen habe und dass er nicht so viel mit
anderen Menschen darüber diskutiere. Auch habe er trotz mehrmaligem
Nachfragen nicht zu erklären vermocht, was er denn konkret unter «künst-
lichen Sachen» verstehe. Seinen Aussagen fehle es an der im Hinblick auf
die Bedeutung dieser religiösen Abwendung zu erwartenden Tiefe und in-
dividuellen Färbung. Damit habe er nicht überzeugend darlegen können,
weshalb er sich entschlossen hätte, nicht mehr an den Islam zu glauben.
Mehrmaligen Nachfragen, wie sich sein Leben verändert habe, nachdem
er im Jahr 2017 ins Heimatdorf zurückgekehrt sei, sei er immer wieder aus-
gewichen. Er habe kurz, oberflächlich und stereotyp geantwortet. Auch
seine Aussagen zu den Reaktionen seines Umfelds seien vage und stereo-
typ geblieben. Er habe keine detaillierten Angaben über das zu erwartende
Spannungsverhältnis, die Reaktionen in seinem Umfeld und seiner Familie
machen können und seinen Schilderungen fehle es an jeglichem persönli-
chen Bezug. Er habe sich ferner in Widersprüche verstrickt. Auf die Frage,
weshalb er nach fünf Monaten wieder in den Iran gegangen sei, habe er
geantwortet, dass er keine Arbeit gehabt habe und seine Familie ihn unter
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Druck gesetzt habe, weil er nicht gebetet habe. Dies habe er mit der Aus-
sage bestätigt, dass er aufgehört hätte zu beten, als er bei seinen Verwand-
ten im Iran gelebt habe. Demgegenüber habe er später angegeben, dass
er, als er nach den fünf Jahren bei Verwandten im Iran zu seinen Eltern
zurückgekehrt sei, gebetet und gefastet habe. Er habe damit widersprüch-
liche Angaben dazu gemacht, seit wann er denn konkret nicht mehr beten
würde.
Aufgrund der Unglaubhaftigkeit seiner geltend gemachten Abkehr vom Is-
lam sei den geltend gemachten Behelligungen seitens der Dorfbewohner
und seines Vaters jegliche Grundlage entzogen, womit seine Vorbringen
gesamthaft als unglaubhaft zu qualifizieren seien.
4.4 Zur Begründung seiner Beschwerde bringt der Beschwerdeführer zu-
nächst vor, dass das SEM zu Unrecht einen Widerspruch festgestellt habe.
Die Unschärfe in der Darstellung, wann genau er aufgehört habe zu beten,
könne durch die graduelle Entschlossenheit beziehungsweise sein Unver-
mögen, sich weiter zu verstellen, erklärt werden. Er habe nicht vom einen
auf den anderen Tag aufgehört zu beten. Er sei auch nicht grundsätzlich
auf Konfrontation aus gewesen, was aus seinen Darstellungen anlässlich
der Anhörung klar hervorgehe. Deshalb habe er auch immer wieder ver-
einzelt zum Schein mitgetan. Es sei ihm unglücklicherweise nur zum Teil
gelungen, diese Feinheiten in der gespannten Atmosphäre der Anhörung
im Detail aufzuzeigen. Zum Vorwurf der Unsubstanziiertheit seiner Vorbrin-
gen äusserte er sich dahingehend, dass es ihm schlicht nicht möglich ge-
wesen sei, nun völlig frei und intellektuell vertieft zu seiner Apostasie – de-
ren Bezeichnung er auch in Persisch nicht gekannt habe – zu äussern.
Seine Ablehnung der Religion sei nicht frei von Zweifeln, Ängsten und
schlechtem Gewissen, zumal sein Verhalten als Agnostiker in seiner Hei-
mat derart vehement abgelehnt worden sei. Zudem falle Personen aus sol-
chen Gesellschaften das diesbezügliche analytische Denken schwer. Auch
wenn er keine vertiefte spirituelle oder philosophische Auseinandersetzung
mit dem Thema darlegen könne, sei der Schluss, seine Apostasie sei nicht
vorhanden, falsch. Im Weiteren seien Aussagen Jugendlicher zuweilen we-
gen einschlägiger Kommunikationsschwierigkeiten schwer zu werten. Sein
normaler Erzählstil sei knapp und könnte – in typischer Manier eines Ju-
gendlichen – teilweise geradezu als maulfaul bezeichnet werden. Seine
Darlegungen seien denn auch über weite Strecken hin eher einsilbig aus-
gefallen. Daraus könne jedoch nicht auf fehlende Glaubwürdigkeit ge-
schlossen werden. Schliesslich habe die Vorinstanz die zahlreich vorhan-
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denen Realkennzeichen (bspw. Originalität seiner Vorbringen, Eingeste-
hen von Erinnerungslücken, Beschreibung der Gefühle anderer, Wendun-
gen im Geschehensablauf, Beschreibung eigener und widersprüchlicher
Gefühle, Lebendigkeit und Detailreichtum) in keiner Weise gewürdigt. Dass
er es mit der Apostasie ernst meine, erhelle sich insbesondere aus dem
Personalienblatt und der PA, wo er angegeben habe, keine Religionszuge-
hörigkeit zu haben respektive Atheist zu sein. Doch selbst bei Annahme
der Unglaubhaftigkeit der Apostasie wäre die Verbreitung von Alkohol und
die versehentliche Herabwürdigung des Korans für sich bereits asylrele-
vant. Da er bei einer Rückkehr nach Afghanistan aufgrund seiner Apostasie
einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG
ausgesetzt wäre, sei ihm Asyl zu erteilen respektive sei er als Flüchtling
vorläufig aufzunehmen.
5.
5.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers zu
Recht für unglaubhaft befunden hat. Die Argumente des Beschwerdefüh-
rers in seiner Beschwerdeeingabe vermögen das Gericht nicht zu überzeu-
gen, zumal er darin im Wesentlichen lediglich zu erklären versucht, wes-
halb es ihm schwergefallen sei, über seine angebliche Apostasie (wobei er
sich selbst stellenweise als Atheist, stellenweise als Agnostiker bezeichnet,
vgl. Beschwerdeeingabe S. 4 und S. 6) zu sprechen, weshalb seine Schil-
derungen knapp ausgefallen seien. Zur Vermeidung von Wiederholungen
kann mit den nachfolgenden Erwägungen daher vollumfänglich auf die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung
(dort E. II) sowie der obigen Zusammenfassung (vgl. E. 4.4) verwiesen
werden.
5.2 Die Vorbringen des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner Apostasie
fielen unsubstanziiert aus. Auch unter Berücksichtigung seines persönli-
chen Hintergrunds – namentlich seine äusserst rudimentäre Schulbildung,
das Aufwachsen in einer religiös sehr restriktiven Gesellschaft, mangelnde
Analysefähigkeiten – wären konkretere und insbesondere persönlichere
Angaben zu seinem Gesinnungswechsel zu erwarten gewesen. Gerade
auch die von ihm in der Beschwerdeeingabe selbst beschriebenen Zweifel,
Ängste und das schlechte Gewissen im Zusammenhang mit seiner angeb-
lichen Apostasie (vgl. a.a.O. S. 4) kommen anlässlich der Anhörung nicht
zum Vorschein. Die Situation oder das Verhältnis zu seiner Familie und
seinen Mitmenschen hat er lediglich wiederholt als «sehr schwierig» be-
zeichnet (vgl. Akte 28, F45, F49, F149 ff., F159). Danach gefragt, wie es
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für ihn persönlich gewesen sei, seinen Vater in dieser Situation zu erleben
(dieser sei sehr wütend gewesen, habe ihn geohrfeigt und schliesslich mit
einem Spaten erschlagen und töten wollen [vgl. Akte 28, F80, F110, F115]),
antwortete er lapidar: «Es gab nichts Besonderes»; er habe nur gewusst,
dass die Situation prekär sei und er von dort fliehen müsse (vgl. Akte 28,
F113). Mithin mangelt es seinen Vorbringen – wie vom SEM zu Recht er-
kannt – an der zu erwartenden individuellen Färbung. Innere Gedanken-
gänge sind – wenn überhaupt – nur im Ansatz erkennbar (vgl. Akte 28,
F115, F141, F144 ff.). Zudem wäre eine vertieftere Auseinandersetzung mit
der eigenen Gesinnungswandlung angesichts des Aufwachsens in einer
streng religiösen Gesellschaft mit den vom Beschwerdeführer beschriebe-
nen Ängsten und Zweifeln entgegen seiner Ansicht zu erwarten gewesen.
Trotz mehrmaliger Nachfragen des SEM antwortete er stets nach dem glei-
chen Muster und in ähnlich vager Weise, ohne dem Aspekt seiner Abkehr
vom Islam oder den diesbezüglichen Reaktionen seines Umfelds eine zu-
sätzliche Dimension hinzuzufügen (vgl. Akte 28, F84, F85 ff., F141, F148
ff., F163). Es erscheint des Weiteren auch nicht nachvollziehbar, dass zwar
fast alle Familienmitglieder gewusst hätten, dass er nicht mehr bete, er dies
seinem Vater aber aus Angst nicht habe erzählen wollen (vgl. Akte 28, F92
ff.). Diesbezüglich geht aus seinen Schilderungen aber ebenfalls hervor,
dass sein Vater über seine Abkehr vom Islam im Bilde gewesen sei, zumal
er deswegen gar mehrmals aus dem Haus verwiesen worden sei (vgl. Akte
28, F97, F160 f.). Betreffend sein Verhalten nach der Rückkehr im Jahr
2017 gab er in widersprüchlicher Weise einerseits an, aus Angst um sein
Leben seine Abkehr vom Glauben nicht geäussert respektive gezeigt und
in religiösen Gesprächen immer allem zugestimmt zu haben (vgl. Akte 28,
F142, F147 f., F152), andererseits jedoch relativ offen weder gebetet noch
gefastet, regelmässig alleine oder mit seinen Freunden (versteckt) Alkohol
konsumiert und gar einem weiteren Freund aus dem Dorf Alkohol angebo-
ten zu haben (vgl. Akte 28, F80, F95 f., F98, F102, F158).
Hinsichtlich der Unsubstanziiertheit seiner Vorbringen zur Apostasie ist
auch sein Argument untauglich, sein «maulfauler» Erzählstil sei auf sein
jugendliches Alter zurückzuführen, zumal er zum Zeitpunkt der Anhörung
bereits 23 Jahre alt war. Auch ein grundsätzlich karger Erzählstil ist nicht
zu bestätigen. Er war teilweise durchaus zu ausführlicheren Schilderungen
in der Lage (vgl. Akte 28, F80, F110), wobei sich diese jedoch weitestge-
hend auf das Aufzählen von Handlungssträngen beschränkten. Damit fal-
len seine vagen und unsubstanziierten Aussagen zur Apostasie noch mehr
ins Gewicht.
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Zu Gunsten des Beschwerdeführers ist festzustellen, dass seinen Schilde-
rungen gewisse Realkennzeichen nicht abzusprechen sind. So weist sein
Vorbringen stellenweise durchaus eine gewisse Besonderheit auf (vgl.
Akte 28, F80, F110), er gab (zeitliche) Wissenslücken zu (vgl. Akte 28, F23,
F71) und verwendete häufig die direkte Rede (vgl. Akte 28, F80, F97 ff.,
F110). In einer Gesamtwürdigung vermögen diese einzelnen positiven
Glaubhaftigkeitselemente die oben ausführlich dargelegten – und vom
SEM zu Recht festgestellten – Unglaubhaftigkeitselemente klar nicht auf-
zuwiegen.
5.3 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine
Abkehr vom Islam glaubhaft zu machen. Es ist demnach nicht davon aus-
zugehen, dass er vor seiner Ausreise einer flüchtlingsrechtlich relevanten
Verfolgung ausgesetzt war respektive ihm im Falle einer Rückkehr nach
Afghanistan eine solche drohen würde. Das SEM hat demnach seine
Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und sein Asylgesuch folgerichtig
abgelehnt.
6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 28. April 2020 die Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs feststellte und die vorläufige Aufnahme
anordnete, erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zuläs-
sigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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9.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären die Kosten dem mit
seinen Begehren unterlegenen Beschwerdeführer zu überbinden (Art. 63
Abs. 1 und 5 VwVG). Da jedoch von der Fürsorgebedürftigkeit des Be-
schwerdeführers auszugehen ist und sich zudem die Beschwerde zum
Zeitpunkt der Einreichung nicht als aussichtslos präsentierte, ist das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65
Abs. 1 VwVG gutzuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten
zu verzichten.
10.
Nachdem der Antrag auf unentgeltliche Prozessführung gutgeheissen
wurde und das Bundesverwaltungsgericht nach Art. 102m Abs. 1 Bst. a
AsylG der asylsuchenden Person, welche von der Bezahlung der Verfah-
renskosten befreit wurde, auf Antrag eine amtliche Rechtsbeiständin oder
einen amtlichen Rechtsbeistand bestellt, ist auch das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gutzuheissen und antrags-
gemäss Monika Böckle als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwerdefüh-
rers einzusetzen. Ihr ist ein amtliches Honorar zu entrichten.
Bei amtlicher Vertretung geht das Bundesverwaltungsgericht in der Regel
von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche
Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE).
Die Rechtsvertreterin hat in der Beschwerdeeingabe die Nachreichung ei-
ner Kostennote in Aussicht gestellt. Bis zum heutigen Datum wurde diese
jedoch nicht eingereicht. Auf eine entsprechende Nachforderung kann in-
des verzichtet werden, da der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund
der Akten zuverlässig abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine
VGKE). Unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren
ist ein amtliches Honorar von insgesamt Fr. 675.– (inkl. Auslagen) als an-
gemessen zu veranschlagen.
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