Decision ID: 2eee3ab7-7f3f-4639-a5bf-db1013e965de
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
ist als Gesellschaf
terin und Geschäftsführerin der
Y._
GmbH
im Handelsregister eingetragen (
Urk.
8/102). Am 2
9.
März 2020 (Eingangsdatum) meldete sie sich ein erstes Mal bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, für den Bezug einer Erwerbsausfall
entschädigung gestützt auf die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit d
em
Coronavirus
(Covid-19;
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall) an (
Urk.
8/90).
Die Ausgleichskasse verneinte mit Verfügung vom 1
7.
April 2020 einen Anspru
ch von X._
auf
Ausrichtung einer Erwerbs
ausfallentschädigung unter Hinweis darauf, dass sie als Gesellschafterin einer GmbH nicht anspruchsberechtigt sei (
Urk.
8/92).
Am
7.
September 2020 (Eingangsdatum) meldet
e sich X._
erneut
für den Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung
an (
Urk.
8/96). Mit Verfügung vom
9.
September 2020 verneinte die Ausgleichskasse einen Anspruch in Prüfung der Härtefallregelung.
Anspruchsvoraussetzung sei, dass im Jahr 2019 ein Einkom
men zwischen
Fr.
10'000.-- bis
Fr.
90'000.-- abgerechnet worden s
ei. Das Einkommen von X._
habe darüber gelegen (
Urk.
8/97). Daran hielt die Ausgleichskasse mit Einspracheentscheid vom 3
0.
Oktober 2020 fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob X._
mit Eingabe vom 2
7.
November 2020 Beschwerde und beantragte
die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die
Zusprache
einer Corona-Erwerbsausfalle
ntschädigung
rückwirkend ab
1
7.
März 2020
basierend auf der Härtefallregelung (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
4.
Januar 20
21 auf Abweisung der Beschwerde mit der Bemerkung, dass die Beschwerdeführerin mit Bezug auf die vorliegend massge
benden gesetzlichen Grundlagen für die Periode ab 1
7.
März bis 1
6.
September 2020 die Voraussetzung zum Bezug von Corona-Erwerbsersatzentschädigung nicht erfülle. Für den Anspruch auf allfällige Entschädigungen nach dem 1
6.
Sep
tember 2020 müsse die Beschwerdeführerin ein neues Gesuch einreichen (Urk. 7). Dies wurde der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
185
Abs.
3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Verordnun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohenden schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf [maximal] sechs Monate, vgl.
Art.
7d
Abs.
2 lit. a des Regierungs- und Verwal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützen - am 20. März 2020 die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall. Die Verordnung wurde rückwirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt und der Geltungszeitraum bis zum 16. September 2020 befristet (Art. 11 Abs. 2). Während dieses Geltungszeitraums erfuhr die Verord
nung am 23. April und 6. Juli 2020 je eine Änderung, bevor der Geltungszeitraum zunächst bis am 31. Dezember 2021 verlängert (Art. 11 Abs. 4) und in der Folge auf den 30. Juni 2021 befristet wurde (Art. 11 Abs. 5). Mit dem Bundesgesetz über die gesetzlichen Grundlagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewäl
tigung der
Covid-19-Epidemie vom 25. September 2020 (Covid-19-Gesetz) wurde rückwir
kend
per 17. September 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Ver
ord
nung Erwerbsausfall geschaffen (Art. 15 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 3 Covid-19-Gesetz).
1.2
Nach Art. 2 Abs. 3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall in der
vom 1
7.
März
bis am 16. Septem
ber 2020 gültig gewesenen Fassung
waren
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
ver
sicherungsrechts (ATSG)
,
wenn sie nicht bereits gestützt auf Abs. 3 desselben Artikels einen Anspruch auf eine Entschädigung hatten,
anspruchsberechtigt, wenn sie aufgrund der
bundesrätlichen
Massnahmen
zur Bekämpfung des
Coronavirus
einen Erwerbsausfall
erlitten
und ihr für die Bemessung der Beiträge der
Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHV)
massgebendes
Einkommen für das Jahr 2019 zwischen Fr
. 10‘000.-- und Fr. 90‘000.-- lag
(sogenannte Härte
fall
regelung)
.
Laut Art. 2 Abs. 3
ter
Covi
d-19-Verordnung Erwerbsausfall
in der
am
1.
Juli 2020 rückwirkend per 1
7.
März 2002 in Kraft
getreten
en
und
bis
am
1
6. September 2020 gültig gewesenen Fassung waren Personen nach Art. 31 Abs. 3 Buchstaben b und c des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeits
losenversicherung und
die Insolvenzentschädigung (AVIG), die im Veranstal
tungs
bereich tätig sind, anspruchsberechtigt, sofern sie die Einkommens
voraus
set
z
ungen gemäss Absatz 3
bis
erfüllten und in der AHV obligatorisch versichert waren.
1.3
1.3.1
Nach
Art.
2
Abs.
3
Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall
in der am 4. November 2020 rückwirkend per 17. September 2020 in Kraft gesetzten Fassung sind
Selb
ständigerwerbende
im Sinne von Art. 12 ATSG und Personen nach Art. 31 Abs. 3 Buchstaben b und c AVIG, welche im Sinne des
Bundesgesetzes über die
AHV
(AHVG)
obligatorisch versichert sind, anspruchsberechtigt, wenn sie:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnah
men zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie unterbrechen müssen; und
b.
einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden
.
1.3.2
Gemäss
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnun
g Erwerbsausfall in der am 4. Novem
ber 2020 rückwirkend per 17. September 2020 in Kraft gesetzten Fassung
sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12 ATSG und Personen nach Art. 31 Abs. 3 Buchstaben b und c
AVIG
, welche im Sinne des AHVG obli
gatorisch versichert sind, anspruchsberechtigt, wenn:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Mass
nahmen
zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b.
s
ie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; un
d
c.
sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbsein
kom
men von mindestens Fr. 10'000.-- erzielt haben; diese Voraussetzung
gilt sinngemäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurd
e; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese Voraussetzung proportional zu deren Dauer.
1.4
Unter Art. 31 Abs. 3 Buchstaben b und c
AVIG
fallen mitarbeitende Ehegatten des Arbeitgebers und P
ersonen, die in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers bestimmen oder massgeblich beeinflussen können, sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einsprach
eentscheid vom 3
0.
Oktober 2020
(
Urk.
2) lediglich einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung für die Zeit bis 1
6.
September 2020 geprüft. Dies erweist sich als rechtens. Für einen (erneuten) Leistungsbezug nach dem 1
7.
September 2020 war nämlich eine
neue Anmeldung bei der Beschwer
degegnerin erforderlich (vgl.
Art.
7
Abs.
1
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsaus
fall in der mit Wirkung ab 1
7.
September 2020 gültigen Fassung, Kreisschreiben über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz, KS CE, in den ab 1
7.
September 2020 gültigen Fassungen
Rz
. 1001.2 f.).
Dies tat übrigens die Beschwerdeführerin mit einer weiteren Anmeldung 1
2.
November 2020 (
Urk.
8/103). Rückwirkend ab 1
7.
September 2020 wird ihr denn auch eine Erwerbsausfallentschädigung ausgerichtet (
Urk.
8/108).
2.2
In Frage steht ein Anspruch der Beschwerdeführerin a
uf Erwerbsausfallentschä
digung
für die Zeit
vom 1
7.
März
bis 1
6.
September 2020
gestützt auf d
ie Härte
fallregelung
. Dass die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 1
7.
April 2020 einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf
eine Erwerbsausfallentschädigung verneinte, da sie als Gesellschafterin einer GmbH nicht anspruchsberechtigt sei, führt nicht zu einer
res
iudicata
(abgeurteilten Sache). Denn der in dieser Hinsicht
einschlägige
Art.
2
Abs.
3
ter
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall, der eine Anspruchsberechtigung von Personen mit arbeitgeberähnlicher Stellung
begrün
det,
trat
erst am
1.
Juli 2020 - also nach Erlass der Verfügung vom 1
7.
April 2020 - rückwirkend
per 1
7.
März 2020 in Kraft
(E. 1.2).
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin anerkennt in der Beschwerde, dass sie im Jahr 2019 ein Einkommen von über
Fr.
90'000.-- (nämlich ein solches von
Fr.
110'550.--,
Urk.
8/102/3) erzie
lte
. Sie macht aber geltend
, dass
die revidierte Fassung von
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
, welche keine Ober
grenze von
Fr.
90'000.
-- mehr vorsehe
,
gemäss
Art.
11 Covid-19-Verordnung E
rwerb
sausfall rückwirkend per 1
7.
März 2020 in Kraft gesetzt worden sei und mithin vorliegend Anwendung finde.
3.2
Die Auffassung der Beschwerdeführerin trifft nicht zu. In sämtlichen Fassungen
der
Covid-19-Verordnu
n
g Erwerbsausfall wird in
Art.
11 festgehalten, dass die Verordnung rückwirkend auf den 1
7.
März 2020 in Kraft trete.
Art.
11 bezieht sich also auf die Verordnung als Ganzes.
Der revidierte
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-
Verordnung Erwerbsausfall
, welcher keine
Obergrenze von
Fr.
90'000.--
mehr vorsieht, trat am
4.
November 2020 rückwirkend per 1
7.
September 2020 in Kraft (AS 2020 4571; E. 1.3.1 hiervor).
Da
vorliegend
ein
Anspruch der Beschwerde
führerin auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung für die Zei
t bis 1
6.
Sep
tember 2020 zu prüfen ist, findet
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerb
sausfall
in der bis 1
6.
September 2020 gültig gewesenen Fassung Anwendung. Mithin ist die Obergrenze von
Fr.
90'000.-- beachtlich. Daraus folgt angesichts des von der Beschwerdeführeri
n
im
Jahr
2019
erzielten Einkommens von
Fr.
110'550.-- ohne Weiteres, dass die Beschwerdegegnerin den zu beurteilenden Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Erwerbsausfallentschädigung zu Recht verneint hat. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.