Decision ID: c001809e-bcf6-5711-9995-6535d1396275
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a S._ war als Bauarbeiter mit Fachkenntnissen bei der A._ angestellt und
dadurch bei der Suva für die Folgen von Unfällen versichert, als er am 5. Januar 2006
mit seinem Personenwagen in Wil unterwegs war und auf einen von links auf die
Strasse einbiegenden Lieferwagen auffuhr (Suva-act. 1, 6). Der am Folgetag
konsultierte Hausarzt, Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, diagnostizierte ein
kranio-zervikales Beschleunigungstrauma, eine Kontusion des Musculus triceps brachii
links sowie einen lumbosacralen Schmerz rechts (Suva-act. 2). Der Versicherte
berichtete über das sofortige Auftreten von rechtsseitigen Nackenschmerzen sowie
kurz nach dem Unfall über Zittern, Frieren und Schmerzen im Oberbauch (quer).
Röntgenaufnahmen der HWS zeigten eine Streckhaltung, eine langgezogene links-
Skoliose, jedoch keine Hinweise auf eine ossäre Läsion. Der Hausarzt attestierte eine
volle Arbeitsunfähigkeit ab 6. Januar 2006 und eine solche von 50% ab 27. Februar
2006 (Suva-act. 3, 12). Infolge der Witterungsverhältnisse konnte der Versicherte die
Arbeit auf dem Bau jedoch erst ab dem 13. März 2006 wieder aufnehmen (Suva-
act. 17). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht.
A.b Am 24. März 2006 wurde der Versicherte von Kreisarzt Dr. med. C._ untersucht,
der eine stationäre polydisziplinäre Abklärung empfahl (Suva-act. 14). Diese wurde vom
3. April bis 10. Mai 2006 in der Rehaklinik Bellikon durchgeführt (Suva-act. 35). Die
behandelnden Ärzte diagnostizierten ein kranio-zervikales Dezelerationstrauma bei
vorbestehendem rezidivierenden zerviko-vertebralen Schmerzsyndrom, eine Kontusion
des Trizeps links und einen lumbosakralen Schmerz rechts bei vorbestehendem
rezidivierenden lumbo-vertebralen Syndrom. Sie hielten eine Arbeitsaufnahme ab dem
15. Mai 2006 im Rahmen einer 50%igen Arbeitsfähigkeit bei ganztägiger Anwesenheit
für zumutbar (Suva-act. 26). Bereits einen Tag nach der Wiederaufnahme der Arbeit
wurde der Versicherte von seinem Hausarzt erneut zu 100% arbeitsunfähig
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geschrieben. Er gab an, eine Beton-Kompressionsarbeit verrichtet zu haben, wobei es
zur Schmerzzunahme gekommen sei (Suva-act. 30). Die Arbeitgeberin machte geltend,
dass sie ihm diese schwere Arbeit nicht zugewiesen haben und weiterhin bereit sei,
den Versicherten für leichte Arbeiten einzuteilen (Suva-act. 32, 38).
A.c Mit Verfügung vom 9. Juni 2006 eröffnete die Suva dem Versicherten, dass sie ab
dem 12. Juni 2006 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgehen werde (Suva-act. 37).
Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (Suva-act. 39, 54) wies sie mit
Entscheid vom 28. Dezember 2006 ab (Suva-act. 64). Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen hiess die Beschwerde gegen diesen Einspracheentscheid mit Urteil
vom 30. Oktober 2007 gut (Suva-act. 85).
A.d Inzwischen war der Versicherte am 15. Mai 2007 im Röntgeninstitut und MR-
Zentrum Dres. D._, E._, F._ untersucht worden. Im Vergleich zu
Voruntersuchungen vom Mai 1997, Januar 2004 sowie April und November 2006
konnte über die Zeit eine progrediente S-förmige Skoliosefehlhaltung zerviko-thorakal
mit Linkskonvexität vor allem der unteren HWS und Rechtskonvexität im Bereich der
oberen Brustwirbelsäule festgestellt werden. Im Übrigen war die Streckhaltung der
HWS unverändert aber mit normaler Kontur und Struktur sowie mit initialer
Unkarthrosis der unteren Bewegungssegmente der HWS rechtsbetont (Suva-act. 81).
Am 15. Mai 2007 untersuchte Kreisarzt Dr. med. G._, Facharzt FMH für Chirurgie,
spezielle Allgemein- und Unfallchirurgie, den Versicherten. Er befand, dass die
subjektiv geklagten Beschwerden des Versicherten sowie die aktuell festgestellten
Befunde nicht in überwiegend wahrscheinlichem Rahmen als Unfallfolgen interpretiert
werden könnten (Suva-act. 82).
A.e Mit Verfügung vom 21. Mai 2007 eröffnete die Suva dem Versicherten die
definitive Einstellung der Versicherungsleistungen per 31. Mai 2007 mit der
Begründung, dass keine adäquaten Unfallfolgen mehr vorliegen würden (Suva-act. 83).
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner
Bodenmann, St. Gallen, Einsprache erheben (Suva-act. 84, 89). Am 17. Januar 2008
teilte die Suva mit, dass sie auf Grund des Urteils des Versicherungsgerichts vom
30. Oktober 2007 nicht nur auf die aufgehobene Verfügung vom 9. Juni 2006, sondern
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auch auf die Verfügung vom 21. Mai 2007 zurückkomme und weiterhin die gesetzlichen
Leistungen erbringe (Suva-act. 96).
A.f Mit Schreiben vom 15. Februar 2008 liess die Suva dem Versicherten das von der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen in Auftrag gegebene ABI-Gutachten vom 23. Januar
2008 (Suva-act. 102) mit einer Einladung zur Stellungnahme zukommen (Suva-
act. 100). Der Rechtsvertreter des Versicherten erklärte sich mit Schreiben vom
28. Februar 2008 mit den Ergebnissen des Gutachtens nicht einverstanden (Suva-
act. 103).
A.g Mit Bericht vom 13. Mai 2008 nahm die Suva-Versicherungsmedizinerin Dr. med.
H._, Fachärztin für Neurologie FMH, nach Einsicht in die ärztlichen Akten und
Prüfung von MRI und Röntgenbildern eine neurologische Beurteilung vor. Sie führte die
reduzierte Leistungsfähigkeit des Versicherten in Anlehnung an das ABI-Gutachten auf
die unfallfremde Herzerkrankung und das vorbestehende zerviko-vertebrale
Schmerzsyndrom zurück (Suva-act. 111).
A.h Am 10. Juni 2008 verfügte die Suva die Einstellung der Versicherungsleistungen
per 20. Juni 2008, da gemäss medizinischer Beurteilung der status quo sine erreicht sei
(Suva-act. 112).
B.
B.a Der Rechtsvertreter des Versicherten erhob am 14. Juli 2008 gegen diese
Verfügung Einsprache (Suva-act. 113). In der Begründung vom 15. August 2008 (Suva-
act. 115) machte er eine mindestens 50%ige, eher aber 100%ige Arbeitsunfähigkeit
geltend und verwies dabei auf den Bericht von Dr. med. I._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. Juli 2008. Laut Dr. I._ litt der Versicherte
nach dem Unfall vom 5. Januar 2006 an einer mittelschweren chronifizierten
Depression sowie an einer somatoformen Schmerzstörung (Beilage zu Suva-act. 115).
B.b Die Suva wies die Einsprache des Versicherten mit Entscheid vom 2. Februar
2009 ab (Suva-act. 121).
C.
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C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 5. März
2009 mit den Anträgen, die Verfügung vom 10. Juni 2008 und der Einspracheentscheid
vom 2. Februar 2009 seien aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, dem Beschwerdeführer auch ab dem 21. Juni 2008 die ihm zustehenden
Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilkosten) zu erbringen; unter Kosten und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers fest, dass die Beschwerdegegnerin selber kein Gutachten zur
Frage der Unfallkausalität in Auftrag gegeben habe und das ABI-Gutachten insgesamt
nicht überzeuge. Des Weiteren werde lediglich auf das ABI-Gutachten sowie auf den
Bericht von Dr. H._, jedoch überhaupt nicht auf die nachvollziehbare und
ausführliche Beurteilung von Dr. I._ abgestellt. Zudem hätte die Adäquanzprüfung
nach BGE 117 V 359 bzw. BGE 134 V 109 erfolgen müssen. Dabei seien die Kriterien
der "besonderen Eindrücklichkeit" sowie der "Verletzung besonderer Art" klar gegeben.
Auch müsse sich der Beschwerdeführer erheblichen Behandlungen unterziehen und
leide bis heute an körperlichen Dauerschmerzen. Da die ärztliche Behandlung noch
nicht abgeschlossen sei, müsse insgesamt davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerden in einem adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis stünden.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 17. April 2009 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde und Bestätigung ihres Einspracheentscheids vom
2. Februar 2009.
C.c Mit Replik vom 8. Juni 2009 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen und
Standpunkten fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf das Einreichen einer
Duplik.

Erwägungen:
1.
1.1 Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht bezüglich
des Unfalls vom 5. Januar 2006 bis zum 20. Juni 2008. Streitig und zu prüfen ist, ob die
Einstellung der Leistungen ab 21. Juni 2010 durch die Beschwerdegegnerin zu Recht
erfolgte.
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1.2 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten
Versicherungsleistungen gewährt. Der Unfallversicherer hat jedoch für einen
Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu erbringen, als dieser nicht nur in
einem natürlichen, sondern auch in einem adäquaten Kausalzusammenhang zu einem
versicherten Ereignis steht (BGE 119 V 338 E. 1). Während es Aufgabe des Arztes oder
der Ärztin ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem
Gericht, die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (BGE
123 III 110 E. 3a).
1.3 Ist die natürliche und adäquate Unfallkausalität für die ursprünglichen
Beschwerden einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt
die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall
nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt,
wenn also letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht.
Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst
manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn entweder der
(krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss
mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit
nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es
sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende
Beweislast nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV
2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen). Dabei muss nicht etwa der Beweis für
unfallfremde Ursachen erbracht werden. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes
Leiden hat, beispielsweise Krankheit oder degenerative Veränderungen, ist
unerheblich. Denn es ist nicht so, dass der Unfallversicherer bei einmal bejahter
Unfallkausalität so lange haftet, als er unfallfremde Ursachen nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachzuweisen vermag. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte
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Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also
dahin gefallen sind (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b).
1.4 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). Erachtet das
Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen
bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne
Weiterungen - insbesondere ohne Beizug eines Gerichtsgutachters - abschliessen.
Auch den Berichten, welche die Suva während des Administrativverfahrens von ihren
eigenen Ärzten einholt, kann rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen
werden, solange ihre Richtigkeit nicht durch konkrete Indizien erschüttert werden. Eine
ärztliche Beurteilung auf Grund der Akten ist sodann nicht an sich unzuverlässig, wenn
genügend Unterlagen von persönlichen Untersuchungen vorliegen (RKUV 1988 Nr. U
56 S. 371, 1993 Nr. U 167 S. 95).
2.
Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren
strukturellen Veränderungen (organisches Substrat konnte mit Bild gebenden
Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG] nachgewiesen
werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne Weiteres zu bejahen (BGE
127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/bb mit
Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar,
bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung
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der adäquaten Kausalität, können doch gerade klinische Befunde erfahrungsgemäss
auch psychisch ausgelöst werden. In diesen Fällen ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Es ist
zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma
erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140
E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen dagegen, dass die versicherte
Person eine Schleudertraumaverletzung erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum
typischen Bild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise
vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund
treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 140
E. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a), andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 366 E. 6a und 382 E. 4b festgelegten bzw. den mit BGE 134
V 109 modifizierten Kriterien (BGE 127 V 103 E. 5b/bb). Die Anwendung der
Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der
HWS setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus dem Unfall hervorgehen
und zusammen mit den organischen Beschwerden, die ebenfalls auf das Unfallereignis
zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328
E. 3b). Zu ergänzen bleibt, dass die zu den Verletzungen nach klassischem
Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung zum natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhang (BGE 119 V 335, 117 V 359) auch auf analoge Verletzungen wie
Distorsionen der HWS sowie Schädel-Hirntraumata anwendbar ist, wenn und soweit
sich dessen Folgen mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen (vgl. Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 17. August 2004 i/S G. [U 243/03]; RKUV 2000
Nr. U 395 S. 317, E. 3; BGE 117 V 369 E. 3c).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer leidet gemäss Kreisarztbericht vom Mai 2007 unter
Nacken- und Schulterschmerzen beidseits (Suva-act. 82) sowie nach dem ABI-
Gutachten auch unter seit Jahren bestehenden Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen
sowie bei Anstrengung unter Atemnot. Dabei hätten sich die Beschwerden seit dem
Unfall im Januar 2006 verstärkt (Suva-act. 102 S. 9). Aus den Akten geht hervor, dass
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die geklagten Beschwerden nicht mit klar ausgewiesenen organischen Befunden im
Sinn nachweisbarer unfallkausaler struktureller Veränderungen erklärbar sind. Die
bildgebenden radiologischen Untersuchungen der HWS vom 6. Januar 2006 (Suva-
act. 2, 82) haben keine Hinweise für das Vorliegen ossärer bzw. discoligamentärer
Läsionen gezeigt. Auch die Röntgenaufnahmen vom 10. April und 24. Mai 2006 sowie
das MRI der HWS vom 2. Mai 2006 und die Röntgenbilder vom 15. Mai 2007 ergaben
keine entsprechenden Befunde (Suva-act. 35 S. 6, 81, 82 S. 3, 102 S. 13). Gemäss den
Fachärzten der Rehaklinik Bellikon vom 26. Mai 2006 fanden sich im HWS-Bereich
keine wesentlichen unfallbedingten Veränderungen (Suva-act. 35 S. 3). Im ABI-Bericht
hielten die Gutachter lediglich diskret bis mässig ausgeprägte Veränderungen der HWS
degenerativer Natur fest. Die muskuläre Dysbalance sowie eine
Wirbelsäulenfehlhaltung wurden im Zusammenhang mit einem chronischen zerviko-
zephalen Schmerzsyndrom und einem chronischen unspezifischen lumbo-vertebralen
Schmerzsyndrom genannt, wobei die Schmerzsyndrome gemäss dem Bericht des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 20. April 2004 (Suva-act. 10) schon mehr als
eineinhalb Jahre vor dem Unfall diagnostiziert worden waren. Auch was die
Chronifizierung (vgl. Suva-act. 102 S. 19) der vorbestehenden Schmerzsyndrome
anbelangt, spricht eine solche nicht für ein unfallkausales organisches Substrat. Im
Verlauf einer Chronifizierung wird das ursprünglich erlittene Verletzungsmuster für das
Ausmass der erlebten Behinderung immer bedeutungsloser. Andere Faktoren, wie zum
Beispiel das Individuum selber, die Arbeitsumstände, das soziale Umfeld, das
medizinische und legale System sowie ökonomische Umstände spielen eine
massgebende Rolle (vgl. Bär/Bertrand/Kiener, Medizinische Mitteilungen der Suva
Nr. 67 vom Dezember 1994, S. 45 ff.). Schliesslich stellen auch die in den
medizinischen Akten beschriebenen Druckdolenzen und Bewegungseinschränkungen
im Bereich der HWS (Suva-act. 2, 3, 13, 14 S. 3, 35 S. 6, 59, 70, 82 S. 3) praxisgemäss
kein klar fassbares organisches Substrat dar (vgl. Urteile des EVG vom 3. August 2005
i/S M. [U 9/05] E. 4 und vom 23. November 2004 i/S B. [U 109/04] E. 2.2).
3.2 Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer anlässlich des Unfalls vom 5. Januar
2006 erlittenen Trizepskontusion (Suva-act. 2, 3) ist davon auszugehen, dass diese
innerhalb weniger Wochen bzw. Monate keine Verletzungsfolgen mehr zeitigte. Es ist
eine medizinische Erfahrungstatsache, dass harmlose Traumen mit fehlenden
strukturellen Schädigungen der Gelenke und Knochen, wie beispielsweise Prellungen,
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Verstauchungen oder Zerrungen normalerweise innert kurzer Zeit folgenlos abheilen
und sich die damit verbundenen Schmerzen gänzlich zurückbilden. Nichts anderes
kann diesbezüglich den Akten entnommen werden, denn bereits im ärztlichen
Zwischenbericht von Dr. B._ vom 15. März 2006 wurden im Bereich des Trizeps
keine spezifischen Beschwerden mehr festgehalten (Suva-act. 13).
4.
4.1 Der Rechtsvertreter sieht schliesslich einen über den Zeitpunkt der
Leistungseinstellung weiter andauernden Leistungsanspruch darin begründet, dass der
Beschwerdeführer ein Schleudertrauma erlitten habe. Nach den Ergebnissen der
medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei Schleudertraumaverletzungen sowie
äquivalenten Distorsionen der HWS (vgl. dazu RKUV 1999 Nr. U 341 S. 408 E. 3b) auch
ohne nachweisbare pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre nach dem
Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten können. Dabei ist nicht
entscheidend, ob die im Anschluss an solche Verletzungen geklagten Beschwerden
medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden,
zumal diese Differenzierung angesichts des komplexen Beschwerdebildes gelegentlich
grosse Schwierigkeiten bereitet. Der Umstand, dass die für ein Schleudertrauma oder
eine Distorsion der HWS typischen Beschwerden nicht mit entsprechenden
Untersuchungsmethoden (Röntgen, Computertomogramm, EEG) objektivierbar sind,
rechtfertigt für sich allein nicht, die diesbezüglichen Beschwerden in Abrede zu stellen
(BGE 117 V 359 E. 5d/aa).
4.2 Distorsionen der HWS sind Folgen von Beschleunigungskräften, die im Sinn einer
Überdehnung und Überbiegung auf die HWS einwirken und mit einem Kopfanprall
verbunden sein können. Ein eigentliches Schleudertrauma liegt nur dann vor, wenn bei
der Auffahrkollision durch die plötzliche Beschleunigung des getroffenen Fahrzeugs der
Kopf des Insassen - ohne anzuprallen - zuerst nach hinten zu knicken scheint und
anschliessend nach vorne beschleunigt wird. Führt der Beschleunigungsmechanismus
zu einem Kopfanprall, ist nicht von einem Schleudertrauma, sondern von einer HWS-
Distorsion zu sprechen (vgl. diesbezüglich Thomas Locher, HWS-Distorsionen
[Schleudertrauma] - Einführung in die Rechtslage nach schweizerischem Recht, in:
Murer/Niederer/Radanov/Rumo-Jungo/Sturzenegger/Walz [Hrsg.], Das so genannte
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"Schleudertrauma" - medizinische, biomechanische und rechtliche Aspekte der
Distorsionen der Halswirbelsäule, Bern 2001, S. 31 f.).
4.3 Ist ein Schleudertrauma oder eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung
diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer
Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations-
und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen,
Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der
natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen
Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 359 E. 4b; vgl.
auch BGE 117 V 369 E. 3e). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteile
vom 30. Januar 2007 i/S T. [U 215/05] und vom 15. März 2007 i/S G. [U 258/06]) muss
bei einer HWS-Verletzung das typische Beschwerdebild mit einer Häufung von
Beschwerden nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis höchstens
72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in diesem
Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS manifestieren. Die anderen
im Rahmen eines Schleudertraumas oder einer äquivalenten Verletzung typischerweise
auftretenden Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in einem Zeitraum
manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen
Kausalzusammenhangs auszugehen.
4.4 Der Beschwerdeführer suchte einen Tag nach dem Unfall seinen Hausarzt
Dr. B._ auf, der im Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kranio-
zervikalem Beschleunigungstrauma ein solches feststellte. Zwar versah Dr. B._ die
Diagnose hier mit einem Fragezeichen, im Arztzeugnis vom 14. Februar 2006 zuhanden
der Suva schienen die Zweifel dann aber beseitigt (vgl. Suva-act. 3, 2). Auch im
Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom 10. Mai 2006 wurde ein kranio-zervikales
Dezelerationstrauma bei vorbestehendem rezidivierendem zerviko-vertebralem
Schmerzsyndrom festgehalten (Suva-act. 26). Angesichts des Geschehensablaufs - der
Beschwerdeführer kollidierte als Fahrer eines Personenwagens frontal vorne links mit
einem von links auf die Strasse einbiegenden Lieferwagen, wobei beim ersten
Arztbesuch am 6. Januar 2006 ein Kopfanprall verneint, im Polizeirapport vom 7. März
2006 ein solcher dagegen bejaht wurde (Suva-act. 3, 11) - kann eine HWS-Distorsion
durchaus in Betracht gezogen werden. Dennoch ist festzustellen, dass zu keinem
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Zeitpunkt von einem Leidensprofil mit einer Häufung von typischen Beschwerden nach
einem Beschleunigungsmechanismus der HWS ausgegangen werden kann (vgl.
Erwägung 4.3). Lediglich im Unfallbefragungsprotokoll der Kantonspolizei St. Gallen
vom 6. Januar 2006 (recte: 5. Januar 2006) sind Nacken- und Rückenschmerzen
vermerkt (Suva-act. 6 Befragung des Beschwerdeführers S. 3) und auch gegenüber
dem Hausarzt gab der Beschwerdeführer als Beschwerden infolge des Unfalls
Nackenschmerzen sowie ein kurz nach dem Unfall eingetretenes Zittern, Frieren und
Oberbauchschmerzen an (Suva-act. 3). Gegenüber Dr. B._ verneinte der
Beschwerdeführer sodann das Vorliegen weiterer typischer Beschwerden nach
Beschleunigungstrauma, konkret Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen
(Suva-act. 3). Ausser dem Hinweis im Bericht der Rehaklinik Bellikon (Suva-act. 35
S. 5) auf ein schmerzbedingt vermindertes Hörvermögen beidseits seit dem Unfall,
finden sich in den nachfolgenden Untersuchungsberichten denn auch keinerlei
Hinweise auf typische Beschwerden nach Beschleunigungstrauma (vgl. Suva-act. 14,
35, 102).
5.
5.1 Angesichts dieser Grundlagen (kein fassbarer pathologischer Befund und keine
Häufung typischer Beschwerden nach Beschleunigungstrauma) ist davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer zum einen infolge des Unfalls nicht mehr an somatischen
Beschwerden leidet und zum anderen nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, dass er einen Unfall mit
schleudertraumaähnlicher Verletzung erlitten hat. Auch die unmittelbar nach dem Unfall
aufgetretenen Nackenschmerzen können fast zweieinhalb Jahre nach dem
Unfallereignis keiner solchen Verletzung zugeordnet werden. Somit erübrigt sich bereits
mit Blick auf die dargelegten Umstände die bei schleudertraumaähnlichen Verletzungen
geforderte Durchführung einer polydisziplinären Begutachtung (vgl. BGE 134 V 109).
5.2 Sind die über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung hinaus geklagten
Beschwerden nicht mit einer organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge zu erklären,
ist eine eigenständige Adäquanzprüfung gemäss den bei psychischen
Fehlentwicklungen nach Unfall geltenden Grundsätzen gemäss BGE 115 V 133
durchzuführen (vgl. Erwägung 2).
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5.2.1 Laut dem neurologischen Bericht von Dr. H._ ergaben sich trotz
mannigfaltiger medizinischer Abklärungen keinerlei Hinweise auf strukturelle Läsionen.
Ihrer Beurteilung nach erlitt der Beschwerdeführer beim Unfall vom 5. Januar 2006 eine
leichte HWS-Distorsion, wodurch es zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des
vorbestehenden zerviko-vertebralen Schmerzsyndroms gekommen sei. Die
Beschwerdesymptomatik über der HWS sei bei fehlendem Nachweis struktureller
Läsionen unter Berücksichtigung des typischen Heilungsverlaufs einer leichten HWS-
Distorsion bei bekanntem Vorschaden längstens bis sechs Monate nach dem
Unfallereignis als unfallkausal zu erachten. Die reduzierte Leistungsfähigkeit sei in
Anlehnung an das ABI-Gutachten auf die unfallfremde Herzerkrankung und das
vorbestehende zerviko-vertebrale Schmerzsyndrom zurückzuführen (Suva-act. 111).
Dem widerspricht auch die im Arztbericht der serbischen Ärztin Dr. J._,
Fachkrankenhaus für Rehabilitierungen, festgestellte Diagnose eines "Spondylosis
vertebrae cervicalis et lumbalis" nicht (Suva-act. 115). Gemäss dem Bericht zum
Psychosomatischen Konsilium der Rehabilitationsklinik Bellikon vom 2. Mai 2006
(Suva-act. 34) wurde beim Beschwerdeführer eine reaktive Angstproblematik,
wahrscheinlich im Rahmen einer Anpassungsstörung bei anhaltend belastenden
familiären und gesundheitlichen Problemen seit 2003 festgehalten. Die ABI-Gutachter
diagnostizierten eineinhalb Jahre später eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4). Sie führten weiter aus, dass der Beschwerdeführer seit dem Unfall über
Kopf-, Nacken-, Rücken und Gelenkschmerzen sowie Anstrengungsdyspnoe klage und
eine verminderte Sensibilität in der linken Körperhälfte beschreibe. Das Ausmass der
geklagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, nicht mehr
arbeiten zu können, könnten durch die somatischen Befunde nicht vollständig
objektiviert werden, so dass eine psychische Überlagerung angenommen werden
müsse. Die unklaren Sensibilitätsstörungen seien im Rahmen der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung zu sehen. Auch leide er unter leichten depressiven
Verstimmungen, welche ebenfalls im Rahmen der anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung zu sehen seien. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht bestehe keine. Dagegen befand Dr. I._, dass der
Beschwerdeführer an einer Depression mit Krankheitswert leide, wahrscheinlich handle
es sich um eine mittelschwere chronische Depression. Allein auf Grund der Depression
sei die Arbeitsfähigkeit seiner Ansicht nach auf etwa 50% reduziert (Beilage von Suva-
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act. 115). Obgleich die psychiatrischen Einschätzungen von Dr. I._ einerseits und den
ABI-Gutachtern andererseits v.a. in Bezug auf den Grad der Depression und die Höhe
der Arbeitsunfähigkeit voneinander abweichen, wird das Vorhandensein psychischer
Störungen beim Beschwerdeführer durch die beiden Berichte offensichtlich.
5.2.2 Mangels Vorliegen einer Häufung der typischen Beschwerden nach
Beschleunigungstrauma ist die Adäquanz grundsätzlich nach den Kriterien von BGE
115 V 133 (psychische Fehlentwicklungen) zu beurteilen. Indessen ist diese
Beschränkung unerheblich, da auch nach der für den Beschwerdeführer günstigeren
Schleudertrauma-Praxis (BGE 134 V 130 E. 10.3) die Adäquanz - wie nachfolgend
gezeigt wird - zu verneinen ist. Auf Grund der fehlenden Adäquanz braucht zudem die
Frage, ob die geklagten Beschwerden natürlich kausal durch das Unfallereignis
verursacht sind, nicht näher untersucht zu werden (vgl. EVG-Urteil vom 17. August
2009 i/S A. [8C_349/2009] E. 4).
5.3 Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ist nach der
Schleudertrauma-Praxis im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende
Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit zukommt. Dies
trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten
ernsthaft ins Gewicht fällt. Bei der Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis
anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf mit den sich
dabei entwickelnden Kräften (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. November 2007 i/
S Z. [U 2/07] E. 5.3.1) - zwischen banalen bzw. leichten Unfällen einerseits, schweren
Unfällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden mittleren Bereich
unterschieden wird. Während der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel bei
schweren Unfällen ohne Weiteres bejaht und bei leichten Unfällen verneint werden
kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem mittleren Bereich nicht
auf Grund des Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es sind weitere, objektiv
erfassbare Umstände, die unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder
als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung
einzubeziehen. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und
abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt
sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder
müssen mehrere herangezogen werden (BGE 134 V 126 E. 10.1). Die in die
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Adäquanzbeurteilung einzubeziehenden Kriterien lauten: besonders dramatische
Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder
besondere Art der erlittenen Verletzungen; fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche
Behandlung; erhebliche Beschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche
Komplikationen; erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen
(BGE 134 V 130 E. 10.3).
5.3.1 Einfache Auffahrunfälle werden gemäss Rechtsprechung in der Regel als
mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (EVG-Urteil vom
24. August 2007 i/S A. [U 297/06] E. 4.2; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04,
E. 5.1.2 mit Hinweisen). Unter Berücksichtigung des augenfälligen Geschehensablaufs,
insbesondere auf Grund der geringen Geschwindigkeiten der involvierten Fahrzeuge
(der Beschwerdeführer gab an, mit ca. 40 - 45 km/h unterwegs gewesen zu sein, bevor
er kurz vor der Kollision mit dem gemäss eigenen Angaben im Schritttempo
wendenden Lieferwagen eine Vollbremsung eingeleitet hatte; vgl. Suva-act. 6), des
eingetretenen Schadens und der erlittenen Verletzungen hat nichts anderes auch für
vorliegendes Unfallereignis zu gelten. Zur Bejahung des adäquaten
Kausalzusammenhangs müssten somit entweder mehrere der sieben massgeblichen
Kriterien erfüllt sein oder hätte eines davon in besonders ausgeprägter Weise
vorzuliegen (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f. mit Hinweisen).
5.3.2 Der Unfall hat sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen
ereignet noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207, U 287/97,
E. 3b/cc; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313, U 248/98) - von besonderer
Eindrücklichkeit.
5.3.3 Auch hatte der Unfall keine schweren Verletzungen oder Verletzungen
besonderer Art zur Folge. Weder die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer
schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS genügen für sich allein für die Bejahung
dieses Kriteriums (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.3 [Urteil des EVG vom 15. März
2005 i/S C. (U 380/04)]), noch vermögen die Kontusion des linken Arms, welche relativ
rasch heilte (vgl. Suva-act. 13, 14), noch die lediglich kurzfristige Verschlimmerung der
lumbalen Rückenschmerzen (vgl. Suva-act. 13, 14 S. 3) die Schwere oder besondere
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=schleudertrauma+kollision+fahrzeug+mittel+leicht+%22BGE+134+V%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-109%3Ade&number_of_ranks=0#page109
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Art der erlittenen Verletzung und insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen, zu begründen. Im Hinblick auf das
diagnostizierte kranio-zervikale Beschleunigungstrauma bedürfte es vielmehr einer
besonderen Schwere der für ein Schleudertrauma typischen Beschwerden oder
besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können. Diese
können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung
und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 361 E.
4.3 mit Hinweisen [Urteil des EVG vom 24. Juni 2003 i/S A. (U 193/01)]). Solche
Umstände sind hier nicht ausgewiesen (vgl. insbesondere Suva-act. 3).
5.3.4 Ebenfalls nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der fortgesetzt spezifischen,
belastenden ärztlichen Behandlung. Der Beschwerdeführer wurde erst einen Tag nach
dem Autounfall und auch dann nur ambulant behandelt. Der Hausarzt verschrieb ihm
ein Schmerzmittel sowie das Tragen eines Schaumstoffkragens und ordnete eine Serie
physiotherapeutischer Behandlungen an (Suva-act. 2), welche bis Mitte März 2006
dauerte (Suva-act. 13). Vom 3. April bis 10. Mai 2006 war er schliesslich in der Reha
klinik Bellikon hospitalisiert. Dabei wurde die Nichterreichung des gesteckten
Hauptziels einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit aber nicht nur in der schmerzbedingt
verminderten HWS-Belastbarkeit, sondern auch in der reaktiven Angstproblematik
gesehen, die im Rahmen der Anpassungsstörung bei anhaltend belastenden familiären
und gesundheitlichen Problemen seit 2003 erklärt wurde (Suva-act. 35 S. 3, 34). Auch
die ab Mitte Juli 2006 während zwei bis drei Wochen durchgeführte Kur mit Therapien
in Serbien kann nicht vollständig auf das Unfallereignis zurückgeführt werden, da der
Beschwerdeführer bereits im Jahr 2003 wohl auf Grund seines Vorzustandes eine
ähnliche Kur absolvierte (Suva-act. 50, 59). Was die medikamentöse Schmerztherapie
des KSSG anbelangt (Suva-act. 68, 70), so liegt deren Ursache ebenso wahrscheinlich
im vorbestehenden zerviko- und lumbovertebralen Schmerzsyndrom. Im Weiteren
fanden neben medikamentöser Behandlung wiederum Physiotherapien statt (Suva-
act. 72). Dabei liegen die durchgeführten Behandlungen aber im Rahmen dessen, was
nach einer entsprechenden Verletzung mit ähnlichem Beschwerdebild üblich ist.
Insgesamt ist die zeitliche Beanspruchung durch die einmal pro Monat stattfindenden
Psychiatrischen Therapiesitzungen (Suva-act. 102 S. 11), die Physiotherapien (vgl.
Suva-act. 82 S. 2, 102 S. 21) und die regelmässigen Sprechstunden beim Hausarzt
nicht als derart intensiv zu werten, als dass deswegen von einer erheblichen - im Sinn
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einer sich allein daraus ergebenden zusätzlichen - Mehrbelastung aussergewöhnlicher
Natur gesprochen werden könnte. Demzufolge ist gesamthaft betrachtet auf Grund der
medikamentösen (ohne Medikation im Rahmen der Herzproblematik) und
therapeutischen Behandlungen zwar eine fortgesetzt spezifische, aber nicht eine den
Beschwerdeführer im Sinn dieses Kriteriums speziell belastende ärztliche Behandlung
anzunehmen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8. August 2008 i/S H. [8C_144/2008]
E. 7.3 und vom 22. August 2008 i/S E. [8C_266/2008] E. 4.2.4).
5.3.5 Beim Kriterium der erheblichen Beschwerden beurteilt sich die
Erheblichkeit nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche
die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 128
E. 10.2.4). Der Beschwerdeführer berichtete im Rahmen der ABI-Begutachtung, unter
Kopf-, Rücken und Gelenkschmerzen sowie bei Anstrengung unter Atemnot zu leiden.
Neben den Schmerzen leide er auch unter einer verminderten Sensibilität in der linken
Körperhälfte, die linke Körperhälfte schlafe manchmal ein (Suva-act. 102 S. 9). Aus
Unfallsicht sind jedoch die Vorzustände des zerviko- und lumbovertebralen
Schmerzsyndroms und der Herzproblematik sowie die auf Grund des zeitlichen
Abstands ohnehin nicht auf den Unfall zurückzuführenden Gelenkschmerzen und
Sensibilitätsstörungen unerheblich. Zudem war es dem Beschwerdeführer trotz
geklagter Beschwerden weiterhin möglich, Auto zu fahren, auch wenn er dazu angab,
Fahrten von ausnahmsweise 30 Minuten nicht ohne Pausen bewältigen zu können
(Suva-act. 102 S. 8). Die vorliegend zu beurteilende - unfallbedingte - Beeinträchtigung
des Lebensalltags ist folglich kaum mehr zu bejahen bzw. kann sicherlich nicht als
erheblich im Sinn dieses Kriteriums bezeichnet werden.
5.3.6 Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert hat, ein schwieriger Heilungsverlauf oder erhebliche Komplikationen sind
aus den Akten nicht ersichtlich und werden vom Beschwerdeführer auch nicht geltend
gemacht.
5.3.7 Für das Kriterium der Arbeitsunfähigkeit ist schliesslich nicht die Dauer der
Arbeitsunfähigkeit massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche,
die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt.
Gelingt es der versicherten Person trotz solcher Anstrengungen nicht, ihre
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Arbeitsfähigkeit ganz oder teilweise wiederzuerlangen, ist ihr dies durch Erfüllung des
Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive
Mitwirkung rasch möglichst wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche
Anstrengungen der versicherten Person können sich insbesondere in ernsthaften
Arbeitsversuchen trotz allfälliger persönlicher Unannehmlichkeiten manifestieren.
Sodann können Bemühungen um alternative, der gesundheitlichen Einschränkung
besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in erheblichem Mass
arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium
erfüllen (BGE 134 V 129 f. E. 10.2.7). Die untersuchenden und behandelnden Ärzte
attestierten dem Beschwerdeführer nach dem Autounfall zuerst eine 100%ige, ab dem
27. Februar 2006 jedoch bis zum Rehabilitationsaufenthalt und wieder für die Zeit nach
dem Austritt eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 2, 13, 35). Diese erhöhte sich
bereits einen Tag nach Arbeitsaufnahme auf 100% und wurde vom Hausarzt sodann
laufend bestätigt, wobei eine Unterscheidung zwischen unfall- und krankheitsbedingter
Arbeitsunfähigkeit - letztere infolge der verschiedenen Vorzustände - jedoch unterblieb
(Suva-act. 52, 61, 63, 80, Beilage zu Suva-act. 97). Erst im ABI-Gutachten vom
23. Januar 2008 befanden die Fachärzte die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
körperlich leichten Tätigkeit zu 100%, in der angestammten Tätigkeit weiterhin zu 0%
als gegeben. Was die Anstrengungen zur Überwindung der Arbeitsunfähigkeit
anbelangt, zeigte der Beschwerdeführer nur wenig Bemühungen, sich durch eine aktive
Mitwirkung raschmöglichst wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern. Zwar scheint er
seine Arbeit im Rahmen von 50% Mitte März 2006 (vgl. Suva-act. 17) wieder
aufgenommen zu haben. Nach dem Rehabilitationsaufenthalt in Bellikon brach er einen
Arbeitsversuch in der angestammten Tätigkeit am 15. Mai 2006 wieder ab, nachdem er
eine für seine Bedürfnisse unangepasste Tätigkeit am Kompressor ausgeführt hatte
und bereits nach wenigen Minuten eine Schmerzzunahme verspürt haben will (vgl.
Suva-act. 30, 32). Gemäss dem Bericht von Dr. B._ vom 31. Januar 2007 nahm der
Beschwerdeführer die Arbeit am 13. Juni 2006 auf Grund der Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 9. Juni 2006 noch einmal auf, legte sie infolge eines
Brechdurchfalls aber schon am Folgetag wieder nieder (Suva-act. 70). Für die Zeit
danach sind keine weiteren Arbeitsversuche mehr belegt. Eigene ernsthafte
Bemühungen um die Aufnahme einer anderen, den geklagten Beschwerden
angepasste Tätigkeit sind nicht ersichtlich. Vielmehr gab der Beschwerdeführer
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gegenüber den ABI-Gutachtern an, sich nicht vorstellen zu können, wieder einer
beruflichen Tätigkeit nachzugehen (Suva-act. 102). Vor diesem Hintergrund ist das
Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit, wenn überhaupt, höchstens in nicht sehr
ausgeprägter Weise erfüllt, zumal die Arbeitsunfähigkeit gemäss medizinischer
Aktenlage zum wesentlichen Teil auf die unfallfremde Herzerkrankung und die
unbestrittenenermassen vorbestehenden zerviko-vertebralen und lumbovertebralen
Schmerzsyndrome (ICD-10 M53.0 und ICD-10 M54.5) zurückzuführen ist (vgl. Suva-
act. 102, 111, 10).
5.3.8 Zusammenfassend ist bei dem als mittelschwer qualifizierten Unfallereignis
auch nach den Kriterien gemäss der Schleudertrauma-Praxis (BGE 134 V 130 E. 10.3)
keines der Adäquanzkriterien im erforderlichen Ausmass erfüllt. Das Vorliegen eines
adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall vom 5. Januar 2006 und den
am 20. Juni 2008 fortbestehenden Beschwerden muss deshalb verneint werden. Zu
keinem anderen Ergebnis kommt eine Prüfung nach den Kriterien von BGE 115 V 133
(psychische Fehlentwicklungen). Somit entfällt ein Anspruch auf weitere Ausrichtung
von Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und Taggelder). Demnach muss in Bezug
auf die Heilbehandlung auch nicht mehr geprüft werden, ob von der Fortsetzung der
ärztlichen Behandlung eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands erwartet
werden kann (vgl. Art. 19 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
[UVG; SR 832.20]; BGE 116 V 44 E. 2c; A. Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, Bern 1989, S. 274). Die Leistungseinstellung per 20. Juni
2008 ist demnach nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 2. Februar 2009 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
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