Decision ID: 2857afbc-b673-45a9-97f3-a0ce7cce3cae
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezog eine Ergänzungsleistung zu seiner Altersrente. Am 7. Oktober 2014
meldete er der EL-Durchführungsstelle, dass er geheiratet habe (EL-act. 224). Die Ehe
war am 12. September 2014 geschlossen worden (EL-act. 223). Die EL-
Durchführungsstelle teilte dem EL-Bezüger am 19. Januar 2015 mit, dass sie ein
hypothetisches Erwerbseinkommen seiner Ehefrau werde anrechnen müssen; auf diese
Anrechnung könne nur verzichtet werden, wenn die Ehefrau genügende
Arbeitsbemühungen vorweisen könne (EL-act. 215). Die revidierte
Anspruchsberechnung enthielt kein Erwerbseinkommen der Ehefrau (EL-act. 205 f.).
Der EL-Bezüger teilte am 25. Februar 2015 mit, seine Ehefrau sei nun erwerbstätig. Die
EL-Durchführungsstelle erfuhr von der AHV-Ausgleichskasse, dass sich die Ehefrau
des EL-Bezügers dort als Selbständigerwerbende angemeldet hatte und dass sie ihr
Reineinkommen für die ersten zwölf Monate auf 16’000 Franken geschätzt hatte (EL-
act. 196). Die EL-Durchführungsstelle berücksichtigte dieses Erwerbseinkommen ab
Februar 2015 bei der Anspruchsberechnung (EL-act. 191). In der entsprechenden
Revisionsverfügung hielt sie fest, sie gehe generell „davon aus, dass nach einem Jahr
ein höheres Erwerbseinkommen erzielt wird. Sollte das nicht der Fall sein, sind wir
gezwungen, das hypothetische Erwerbseinkommen erneut zu prüfen und in der
Bemessung der Ergänzungsleistung anzurechnen“ (EL-act. 193–1). Der EL-Bezüger
reichte der EL-Durchführungsstelle am 6. Juli 2015 eine Aufstellung der Einnahmen und
der Ausgaben seiner Ehefrau für Februar bis Juni 2015 ein (EL-act. 163–5). Die EL-
Durchführungsstelle hielt dazu fest, es bleibe beim bisherigen Einkommen, da dieses ja
A.a.
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für das erste Jahr akzeptiert worden sei. Am 8. Februar 2016 forderte die EL-
Durchführungsstelle vom EL-Bezüger die Bilanz und die Erfolgsrechnung der Ehefrau
an (EL-act. 149). Der EL-Bezüger reichte am 25. Februar 2016 eine Aufstellung der
Einnahmen und der Ausgaben seiner Ehefrau für das ganze Jahr 2015 ein (EL-act. 148–
5 f.). Er wies darauf hin, dass das anrechenbare Einkommen nur rund 8’000 Franken
betrage (EL-act. 148–3). Am 1. April 2016 übermittelte er der EL-Durchführungsstelle
die Aufstellung der Einnahmen und der Ausgaben seiner Ehefrau im ersten Quartal
2016 (EL-act. 146–4 f.). Er machte geltend, das Einkommen sei in diesem Quartal um
rund 40 Prozent gestiegen, weshalb sich weitere Arbeitsbemühungen seiner Ehefrau
erübrigten. Ihr müsse eine gewisse Anlaufzeit eingeräumt werden, denn niemand könne
ein Geschäft eröffnen und im ersten Jahr einen optimalen Umsatz erzielen (EL-act.
146–3). Die EL-Durchführungsstelle ermittelte anhand der Aufstellung für das erste
Quartal 2016 ein Jahreseinkommen von 12’280 Franken, das sie rückwirkend ab 1.
Januar 2016 berücksichtigte. In der entsprechenden Revisionsverfügung (EL-act. 140–
1) wies die EL-Durchführungsstelle darauf hin, dass sie das Einkommen von 12’280
Franken anhand der Aufstellung der Ehefrau für die Periode Januar 2016 bis März 2016
ermittelt habe. Weiter äusserte sich diese Verfügung nicht zur Anrechnung des
Einkommens der Ehefrau aus der selbständigen Erwerbstätigkeit ab Januar 2016. Sie
enthielt lediglich den allgemeinen Hinweis auf die Meldepflicht bei einer Erhöhung oder
Verminderung des Einkommens. In der Revisionsverfügung vom 19. Dezember 2016
ging die EL-Durchführungsstelle auch für die Zeit ab dem 1. Januar 2017 von einem
Erwerbseinkommen der Ehefrau von 12’280 Franken aus (EL-act. 123 und 125). Auch
die Revisionsverfügung vom 9. Mai 2017 per 1. März 2017 (mit der festgestellt wurde,
dass eine Erhöhung des Mietzinses keinen Einfluss auf die Ergänzungsleistung hatte,
weil das Mietzinsmaximum bereits vorher überschritten gewesen war) liess das
Erwerbseinkommen der Ehefrau unverändert bei 12’280 Franken (EL-act. 113 f.).
Die EL-Durchführungsstelle notierte im August 2017, die AHV-Ausgleichskasse
habe eine Beitragsverfügung auf der Grundlage eines Einkommens der Ehefrau aus der
selbständigen Erwerbstätigkeit von 16’900 Franken abzüglich 1’090.20 Franken
erlassen (EL-act. 107–1). Sie nahm eine Anspruchsberechnung rückwirkend ab 1.
Januar 2016 vor, wobei sie für Januar 2016 bis und mit Februar 2017 ein
Erwerbseinkommen von 15’809 Franken (statt 12’280 Franken) berücksichtigte Die
A.b.
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Anrechnung dieses Einkommens hatte zur Folge, dass die monatliche
Ergänzungsleistung um 196 Franken tiefer ausfiel (EL-act. 99 und 102). Dadurch hatte
der EL-Bezüger von Januar 2016 bis und mit Februar 2017 Ergänzungsleistungen im
Umfang von 2’744 Franken zu Unrecht bezogen. Ab März 2017 berücksichtigte die EL-
Durchführungsstelle ein Erwerbseinkommen von 17’990 Franken (statt 12’280
Franken), wobei sich weder der Betrag noch der Zeitpunkt, ab dem dieser Betrag
Berücksichtigung fand, in den Akten der EL-Durchführungsstelle nachvollziehen lassen.
Dadurch stieg der Betrag, um den der EL-Bezüger unrechtmässig Leistungen bezogen
hatte, auf 317 Franken pro Monat an (EL-act. 100). Für März bis und mit Oktober 2017
resultierte eine Rückforderung von 2’536 Franken. In ihrer Verfügung vom 2. Oktober
2017 forderte die EL-Durchführungsstelle insgesamt 5’280 Franken zurück (EL-act.
101). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
In einer Notiz vom 5. Juli 2018 wurde festgehalten, dem EL-Bezüger sei mit einer
Verfügung der AHV-Ausgleichskasse vom 15. Juni 2018 rückwirkend ab August 2017
eine Kinderrente zugesprochen worden (EL-act. 21). Das Kind müsse ab dem 1. August
2017 in die Anspruchsberechnung „eingeschlossen“ werden. Dazu sei eine
„Neuberechnung“ vorzunehmen. Die EL-Durchführungsstelle erliess am 6. Juli 2018
eine Verfügung, mit der sie dem EL-Bezüger für die Zeit ab dem 1. August 2017 eine
um 20 Franken pro Monat höhere Ergänzungsleistung zusprach (EL-act. 24 und 27).
A.c.
Die EL-Durchführungsstelle mahnte den EL-Bezüger am 14. August 2018 zur
Begleichung einer Forderung von 5’280 Franken abzüglich eine Zahlung respektive
Gutschrift von 190 Franken zuzüglich eine Mahngebühr von 30 Franken (EL-act. 17–3
f.). In einer an die Vorsteherin des Gesundheitsdepartements gerichteten Eingabe vom
18. August 2018 ersuchte der EL-Bezüger um den Erlass dieser Forderung (EL-act. 17–
1 f.). Am 22. September 2018 richtete der EL-Bezüger sein Erlassgesuch direkt an die
EL-Durchführungsstelle (EL-act. 15–1 f.). Diese trat auf das Gesuch ein. Sie wies es mit
einer Verfügung vom 22. November 2018 mit der Begründung ab (EL-act. 13), dass die
Erlassvoraussetzung des guten Glaubens nicht erfüllt sei. Sie habe nämlich mit einer
Verfügung vom 10. April 2016 ausgehend vom Quartalsergebnis der Einzelfirma der
Ehefrau ein „provisorisches“ Erwerbseinkommen von 12’880 Franken angerechnet. Bei
der Überprüfung des Einkommens aus der selbständigen Erwerbstätigkeit habe sie
dann festgestellt, dass die Ehefrau ein höheres als das in der Anspruchsberechnung
A.d.
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B.
berücksichtigte Erwerbseinkommen erzielt habe. Die Anspruchsberechnung sei auf
einer „provisorischen Basis“ erfolgt. Mit der Verfügung vom 2. Oktober 2017 sei dann
die definitive Berechnung vorgenommen worden. Der EL-Bezüger habe davon
ausgehen müssen, dass ihm zu viel Ergänzungsleistungen ausgerichtet worden seien,
da seine Ehefrau im Jahr 2016 mehr verdient habe, als in der Anspruchsberechnung
berücksichtigt worden sei. Er hätte das höhere Einkommen melden müssen. Da er die
Meldepflicht verletzt habe, könne ihm der gute Glaube nicht zugesprochen werden.
Der EL-Bezüger erhob am 19. Dezember 2018 eine Einsprache gegen diese
Abweisungsverfügung (EL-act. 8). Er machte sinngemäss geltend, der Vorwurf, er habe
wissentlich ungerechtfertigte Ergänzungsleistungen bezogen und das höhere
Einkommen nicht gemeldet, sei unhaltbar. Die Steuerverwaltung habe die veränderten
Einkommensverhältnisse laufend der Sozialversicherungsanstalt gemeldet. Er verlange
eine Neubeurteilung. Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache am 18. Februar
2019 ab (EL-act. 5). Sie begründete diesen Entscheid damit, dass die Steuerverwaltung
das Erwerbseinkommen der Ehefrau des EL-Bezügers, wenn auch mit grosser
Verspätung, der Beitragsabteilung der Sozialversicherungsanstalt St. Gallen gemeldet
habe. Aber es habe keine laufende Meldung an die EL-Durchführungsstelle gegeben.
Das tatsächliche Einkommen der Ehefrau des EL-Bezügers sei jeweils aufgrund der
periodischen Überprüfung respektive aufgrund der vorhandenen Beitragsverfügungen
angepasst worden. Bei zumutbarer Aufmerksamkeit hätte es dem EL-Bezüger bewusst
sein müssen, dass aufgrund des neuen, höheren Erwerbseinkommens tiefere
Ergänzungsleistungen hätten resultieren müssen.
A.e.
Der EL-Bezüger (nachfolgend: der Beschwerdeführer) erhob am 11. März 2019
Beschwerde gegen diesen Einspracheentscheid (act. G 1). Sinngemäss stellte er den
Antrag, die Rückforderung von 5’120 Franken sei ihm zu erlassen. Zur Begründung
führte er aus, seiner Ehefrau werde vorgeworfen, ein erhöhtes Einkommen nicht sofort
gemeldet zu haben. Sie habe aber auf der anderen Seite einen längeren Aufenthalt in
B._ erst nach ihrer Rückkehr gemeldet. Dieser Aufenthalt (13 Wochen) habe einen
grossen Verdienstausfall zur Folge gehabt. Stelle man die Forderung der EL-
Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) und den Verdienstausfall
B.a.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit ihrer Verfügung vom 22. November 2018 und mit
ihrem (hier angefochtenen) Einspracheentscheid vom 18. Februar 2019 ein
Erlassgesuch des Beschwerdeführers abgewiesen. Als der Beschwerdeführer sein
Erlassgesuch eingereicht hat, sind die Verfügungen, mit denen die
Beschwerdegegnerin die Ergänzungsleistung rückwirkend neu festgesetzt und die
dadurch unrechtmässig bezogenen Leistungen zurückgefordert hatte, bereits formell
rechtskräftig gewesen. Die rückwirkende Neufestsetzung und die Rückforderung
können deshalb nicht zum Gegenstand der Verfügung vom 22. November 2018 und
des Einspracheentscheides vom 18. Februar 2019 gehört haben. Das bedeutet, dass
sie auch nicht zum Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens gehören können.
Gegenstand der gerichtlichen Beurteilung des Einspracheentscheides vom 18. Februar
2019 bildet demnach nur die Frage, ob die Beschwerdegegnerin das Erlassgesuch des
Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen hat.
einander gegenüber, würden sie sich gegenseitig aufheben. Dadurch sollte es der
Beschwerdegegnerin möglich sein, auf ihre Forderung zu verzichten.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 25. März 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Sie verwies zur Begründung auf ihre Erwägungen im
angefochtenen Einspracheentscheid. Ergänzend machte sie geltend, im
Einspracheverfahren sei lediglich die Meldepflicht betreffend ein höheres Einkommen
im Jahr 2016 geprüft worden. Die entsprechende Meldung hätte lange vor dem
Auslandaufenthalt der Ehefrau erfolgen können. Der Beschwerdeführer selbst sei in der
Schweiz geblieben, so dass er die Meldepflicht hätte erfüllen können.
B.b.
Der Beschwerdeführer wies am 6. Mai 2019 (act. G 5) darauf hin, dass die
Beschwerdegegnerin fälschlicherweise das provisorisch eingesetzte Jahreseinkommen
als fixes Einkommen deklariere. Einkommensmässig seien aber grosse Schwankungen
üblich gewesen. Das bedeute, dass das wirklich erzielte Jahreseinkommen erst Ende
des Jahres feststehe.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 10. Mai 2019 auf eine Duplik (act. G 7).B.d.
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2.
Unrechtmässig bezogene Sozialversicherungsleistungen sind zurückzuerstatten (Art.
25 Abs. 1 Satz 1 ATSG). Dem Begriff „unrechtmässig bezogen“ fehlt das vom
Beschwerdeführer unterstellte subjektive Element. Dem Beschwerdeführer wird damit
kein Verschulden an der Ausrichtung zu hoher Ergänzungsleistungen unterstellt.
Unrechtmässig bezogen sind Sozialversicherungsleistungen, die nach dem
massgebenden Leistungsrecht beziehungsweise dem effektiven Leistungsbedarf nicht
(respektive nicht in dieser Höhe) hätten ausgerichtet werden dürfen und die sich nach
einer Revision (Art. 17 ATSG), einer sogenannten prozessualen Revision (Art. 53 Abs. 1
ATSG) oder einer Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) der ursprünglichen (falschen)
Leistungsverfügung nicht mehr auf eine verbindliche Leistungszusprache stützen. Die
Rückforderung ist nur der Vollzug einer rückwirkenden Leistungsherabsetzung: Nicht
nur in rechtlicher, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht muss der rechtmässige
Zustand hergestellt werden. Nach der Rückerstattung verbleiben dem Bezüger jene
Leistungen, auf die er nach der Sach- und Rechtslage einen Anspruch hat.
3.
Unrechtmässig bezogene Sozialversicherungsleistungen müssen nicht
zurückerstattet werden, wenn sie in gutem Glauben empfangen worden sind und wenn
eine grosse Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG). Mit der Rückerstattung
unrechtmässig bezogener Sozialversicherungsleistungen wird dem Legalitätsprinzip
und dem Gleichbehandlungsgrundsatz Rechnung getragen. Könnte die versicherte
Person, die unrechtmässige Sozialversicherungsleistungen bezogen hat, diese
Leistungen behalten, während andere versicherte Personen bei derselben Sach- und
Rechtslage „nur“ die gesetzmässigen Leistungen erhalten haben, würde sie ohne
sachlichen Grund besser gestellt. Der Erlass der Rückforderung unrechtmässig
bezogener Sozialversicherungsleistungen hat also nur dann keinen Verstoss gegen das
Legalitätsprinzip und gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz zur Folge, wenn er sich
durch das Vertrauen dieser versicherten Person in die (anhaltende) Rechtmässigkeit
und damit in die Beständigkeit der ihr eröffneten Leistungsverfügung (guter Glaube)
und durch eine besonders ungünstige wirtschaftliche Lage der grundsätzlich
rückerstattungspflichtigen versicherten Person (grosse Härte) rechtfertigen lässt. Der
grossen Bedeutung des Legalitätsprinzips und des Gleichbehandlungsgrundsatzes für
das Leistungsrecht der Sozialversicherungen entsprechend muss bei der Prüfung des
guten Glaubens und der grossen Härte im konkreten Einzelfall ein strenger Massstab
angelegt werden. Nach der Auffassung des Bundesgerichts ist der Erlass der
3.1.
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Rückerstattung deshalb nicht nur dann ausgeschlossen, wenn die versicherte Person
gewusst hat oder bei gebührender Sorgfalt hätte wissen müssen, dass ihr zu hohe
Leistungen oder Leistungen, auf die sie gar keinen Anspruch gehabt hat, ausgerichtet
worden sind, sondern auch dann, wenn eine versicherte Person durch eine grobe
Sorgfaltspflichtverletzung (meist eine Verletzung der Meldepflicht gemäss Art. 24 ELV
i.V.m. Art. 31 Abs. 1 ATSG oder eine Verletzung der – nicht positivrechtlich geregelten –
sogenannten Kontrollpflicht) dazu beigetragen hat, dass ihr unrechtmässige Leistungen
ausgerichtet worden sind.
Geht man mit der herrschenden Auffassung (vgl. etwa Stauffer/Cardinaux [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum ELG, bearbeitet von Urs Müller, 3. Aufl., S. 402 Rz. 139)
davon aus, dass die Rückforderung unrechtmässig bezogener Ergänzungsleistungen
gemäss dem Art. 49 Abs. 1 ATSG verfügt werden muss, hat das Dispositiv der
Verfügung vom 2. Oktober 2017 aus zwei Teilen bestanden. Im ersten Teil ist die
Ergänzungsleistung rückwirkend ab Januar 2016 herabgesetzt worden und im zweiten
Teil ist die zwischen Januar 2016 und Oktober 2017 (nun) unrechtmässig bezogene
Ergänzungsleistung zurückgefordert worden. Der erste Dispositivteil ist durch die
Verfügung vom 6. Juli 2018 teilweise abgeändert worden; die Ergänzungsleistung ist
nämlich für die Zeit vom 1. August bis 31. Oktober 2017 um monatlich 20 Franken
erhöht worden. Die Verfügung vom 6. Juli 2018 hätte eigentlich auch den zweiten
Dispositivteil der Verfügung vom 2. Oktober 2017 korrigieren müssen, denn der
Beschwerdeführer hatte (nun) nur noch 5’220 Franken unrechtmässig bezogen. Das ist
aber nicht geschehen. Die Verfügung vom 6. Juli 2018 hat nämlich nur einen
(Standard-) Hinweis darauf enthalten, dass die „Nachzahlung“ ausbezahlt oder mit
allfälligen offenen Forderungen „verrechnet“ (effektiv handelt es sich nur um eine
buchhalterische Gutschrift) werde. Das ist offensichtlich nur als Information gemeint
gewesen, das heisst die Beschwerdegegnerin hat damit den zweiten Teil des
Dispositivs der Verfügung vom 2. Oktober 2017 nicht verändert. Trotz des
offensichtlichen Widerspruchs zwischen dem (korrigierten) ersten und dem
(unveränderten) zweiten Teil des Dispositivs dieser Verfügung ist der Beschwerdeführer
also immer noch verpflichtet, der Beschwerdegegnerin 5’280 Franken zurückzuzahlen.
Ob die „Nachzahlung“ von 60 Franken mit der Rückforderung von 5’280 Franken
„verrechnet“ (d.h. gutgeschrieben) worden ist, lässt sich den dem Gericht vorliegenden
Akten nicht entnehmen. Auch die Mahnung vom 14. August 2018 enthält keine
eindeutige Antwort auf diese Frage, denn es ist dort nicht erklärt worden, was die von
der Rückforderung abgezogenen „Zahlungen/Verrechnungen“ von 190 Franken
beinhaltet haben. Das schadet nicht, denn die Tilgung einer Rückforderung mittels
3.2.
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4.
Zahlung oder Verrechnung lässt einen allfälligen Erlassanspruch nicht untergehen.
Andernfalls würden diejenigen Rückerstattungspflichtigen, bei denen eine Verrechnung
der Rückforderung mit einer Leistungsnachzahlung vorgenommen würde, in Bezug auf
ihren Erlassanspruch ohne jeden Grund schlechter gestellt als jene
Rückerstattungspflichtigen, bei denen keine derartige Verrechnung erfolgt. Strittig ist
hier also der Erlass der Rückerstattung von 5’280 Franken.
Die Beschwerdegegnerin hat sinngemäss geltend gemacht, ihre Verfügung vom
10. April 2016, mit der sie die Ergänzungsleistung ab Januar 2016 festgesetzt habe,
habe auf einer „provisorischen“ Anspruchsberechnung beruht. Deshalb habe der
Beschwerdeführer die Ergänzungsleistung ab Januar 2016 bis zur „definitiven“
Anspruchsberechnung, die erst am 2. Oktober 2017 erfolgt sei, gar nicht gutgläubig
beziehen können. Sie hat sich dabei auf das Erwerbseinkommen der Ehefrau des
Beschwerdeführers als anrechenbare Einnahme bezogen. Die entsprechende Passage
in der Verfügung vom 10. April 2016 hat gelautet: „Ab dem 1. Januar 2016 haben sich
die Einnahmen erhöht, weshalb nun ein Einkommen von 12’280 Franken auf Basis Ihrer
Aufstellung (Periode Januar bis März 2016) angerechnet wird“. Die
Beschwerdegegnerin hat sich damit nicht ausdrücklich – und für den
Beschwerdeführer bei gebührender Sorgfalt erkennbar – eine Korrektur der
Anspruchsberechnung rückwirkend ab Januar 2016 und eine allfällige Rückforderung
(oder Nachzahlung) für den Fall vorbehalten, dass das anrechenbare
Erwerbseinkommen der Ehefrau für das ganze Jahr 2016 höher (oder tiefer) ausfallen
sollte. Der Beschwerdeführer hat deshalb keine Möglichkeit gehabt zu erkennen, dass
er die Ergänzungsleistung ab Januar 2016 nur unter einem Rückforderungsvorbehalt
erhalten haben soll. Die Verfügung vom 10. April 2016 hat nichts enthalten, das ihn
hätte daran hindern können, in ihre Rechtsbeständigkeit und damit in den Bezug einer
rechtmässigen Ergänzungsleistung zu vertrauen.
3.3.
Die Beschwerdegegnerin hat am 10. April 2016 auf der Grundlage des in den
Monaten Januar, Februar und März 2016 gemäss der entsprechenden Aufstellung der
Ehefrau des Beschwerdeführers effektiv erzielten Reineinkommens ein
Jahreseinkommen von 12’280 Franken in die Anspruchsberechnung eingesetzt. Da sie
den Beschwerdeführer nicht darauf aufmerksam gemacht hat, dass sie die
Ergänzungsleistung rückwirkend ab Januar 2016 neu festsetzen werde, falls das
effektive Jahreseinkommen 2016 höher (oder tiefer) als das angerechnete
Jahreseinkommen von 12’280 Franken ausfallen sollte, hat der Beschwerdeführer
davon ausgehen müssen, dass das effektive Jahreseinkommen 2016 erst für die
4.1.
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Anspruchsberechnung im folgenden Jahr massgebend sein werde. Er hätte also selbst
dann, wenn das monatliche Erwerbseinkommen seiner Ehefrau im weiteren Verlauf des
Jahres 2016 angestiegen wäre, nicht um einen unrechtmässigen Leistungsbezug
wissen können, nicht ab dem Ende jenes Monats, in dem allenfalls ein höheres
monatliches Einkommen resultiert hat, und offensichtlich erst recht nicht rückwirkend
ab Januar 2016, denn eine solche Veränderung hätte ja für die laufende, auf dem
Jahreseinkommen von 12’280 Franken beruhende Anspruchsberechnung gar keine
Bedeutung gehabt. Der Beschwerdeführer hat aber auch keine Veranlassung gehabt,
ein späteres Monatseinkommen, dass allenfalls erheblich höher (oder tiefer) gewesen
ist als die drei Monatseinkommen des ersten Quartals 2016, der Beschwerdegegnerin
zu melden. Dieses deutlich höhere (oder tiefere) Monatseinkommen hätte nämlich im
zukünftigen Verlauf durch ein entsprechend tieferes (oder höheres) Monatseinkommen
kompensiert werden können, so dass es (unverändert) bei einem auf ein Jahr
umgerechneten Einkommen von 12’280 Franken geblieben wäre. Zudem hat der
Beschwerdeführer aufgrund der von der Beschwerdegegnerin im April 2016 gewählten
Methode zur Ermittlung des Jahreseinkommens davon ausgehen müssen, dass das
von seiner Ehefrau effektiv erzielte Jahreserwerbseinkommen massgebend sei. Er hat
also bis zu dem Zeitpunkt, in dem das effektive Jahreseinkommen 2016 festgestanden
hat – also wohl im Lauf des Januar 2017 – weder um die Unrechtmässigkeit des
Leistungsbezuges wissen können noch hat er seine Meldepflicht verletzt. Das
bedeutet, dass der Beschwerdeführer die unrechtmässigen Ergänzungsleistungen für
Januar bis Dezember 2016 und, weil er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht
rechtzeitig vor der Auszahlung der Ergänzungsleistung für Januar 2017 anfangs dieses
Monats über die Höhe des effektiven Jahreseinkommens 2016 informiert gewesen ist
und auf diese Information mit einer Meldung an die Beschwerdegegnerin hat reagieren
können, auch für Januar 2017 gutgläubig bezogen. Da auch die Erlassvoraussetzung
der grossen Härte, wie die Anspruchsberechnung für die Zeit ab Juni 2018 (der in
diesem Zusammenhang zeitlich massgebende angefochtene Einspracheentscheid ist
am 14. Juni 2018 ergangen) unter Berücksichtigung der höheren
Krankenkassenpauschalen gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. c ATSV und der zusätzlichen
Ausgaben gemäss Art. 5 Abs. 4 lit. b ATSV zeigt, erfüllt ist, hat der Beschwerdeführer
einen Anspruch auf den Erlass des auf den Zeitraum Januar 2016 bis und mit Januar
2017 entfallenden Teils der Rückforderung von 2’548 Franken.
Die Beschwerdegegnerin hat rückwirkend ab Januar 2016 und bis und mit Februar
2017 ein Erwerbseinkommen der Ehefrau von 15’809 Franken berücksichtigt. Zur
Ermittlung dieses Erwerbseinkommens hat sie nicht auf eine Aufstellung der Ehefrau
des Beschwerdeführers für das ganze Jahr 2016, sondern, wie sie in der Verfügung
4.2.
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vom 2. Oktober 2017 festgehalten hat, auf eine (in den dem Gericht vorgelegten Akten
fehlende) Beitragsverfügung der AHV-Ausgleichskasse vom 8. September 2017
abgestellt. Ob es sich dabei um eine Beitragsverfügung gehandelt hat, die sich gemäss
Art. 23 Abs. 5 AHVV auf eine Einschätzung der AHV-Ausgleichskasse (wohl eher: auf
die Selbsteinschätzung der Ehefrau des Beschwerdeführers) aus der Zeit vor oder nach
dem 31. Dezember 2016 gestützt hat, oder ob diese Beitragsverfügung in Anwendung
von Art. 23 Abs. 1 AHVV auf einer Steuermeldung beruht hat, ist nicht bekannt. Wenn
der AHV-Ausgleichskasse eine Steuermeldung für 2016 vorgelegen haben sollte, wäre
zu prüfen, ob sich diese auf die Aufstellung der Ehefrau des Beschwerdeführers für das
ganze Jahr 2016 gestützt hat und ob sie von dieser Aufstellung abgewichen ist oder ob
es sich um eine Steuerveranlagung nach Ermessen der Steuerbehörde gehandelt hat.
Auch das Datum, an dem eine allfällige Steuerveranlagung ergangen ist, ist nicht
bekannt. Sollte sich die AHV-Beitragsverfügung vom 8. September 2017 auf eine
Steuerveranlagung gestützt haben, die von der Aufstellung der Ehefrau des
Beschwerdeführers abgewichen ist, kann der Beschwerdeführer nicht um die
entsprechende Höhe des ihm später angerechneten Erwerbseinkommens seiner
Ehefrau gewusst haben, da er das Ergebnis des Steuerveranlagungsverfahrens für das
Jahr 2016 nicht hat voraussehen können. Das gilt erst recht, wenn das
Steuerveranlagungsverfahren für das Jahr 2016 auf dem Ermessen der Steuerbehörde
beruht haben sollte. Bei beiden Varianten kann auch keine Meldepflichtverletzung
vorliegen, allerdings nur bis zu dem Tag, an dem eine allfällige Steuerveranlagung 2016
eröffnet worden ist. Ab diesem Tag hätte der Beschwerdeführer nämlich das steuerlich
veranlagte Reineinkommen seiner Ehefrau kennen und der Beschwerdegegnerin
melden können und müssen. Damit erweist sich der Sachverhalt, soweit er für die
Beantwortung der Frage nach dem guten Glauben des Beschwerdeführers ab 1.
Februar 2017 relevant ist, als unzureichend abgeklärt. Es ist nicht die Aufgabe des
Gerichts, eine von der Beschwerdegegnerin in Verletzung der Untersuchungspflicht
unterlassene Sachverhaltsabklärung nachzuholen. Im Übrigen würde eine
Sachverhaltsabklärung durch das Gericht dem Beschwerdeführer die Beteiligung an
einem (wieder aufzunehmenden) Verwaltungsverfahren sowie die Einsprache- und die
Beschwerdemöglichkeit vorenthalten. Deshalb ist die Sache zur weiteren Abklärung
des Sachverhalts im Zusammenhang mit der Erlassvoraussetzung des guten Glaubens
für den unrechtmässigen Leistungsbezug im Februar 2017 an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
In der Verfügung vom 2. Oktober 2017 hat die Beschwerdegegnerin der
Neuberechnung ab März 2017 ein Erwerbseinkommen der Ehefrau des
Beschwerdeführers von 17’990 Franken zugrunde gelegt. Sie hat nicht angegeben,
4.3.
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5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Rückforderung für die Periode Januar
2016 bis und mit Januar 2017 im Betrag von 2’548 Franken zu erlassen ist. Im
Restbetrag von 2’732 Franken erweist sich der für die Prüfung der Erlassvoraussetzung
des guten Glaubens massgebende Sachverhalt als unzureichend abgeklärt.
Diesbezüglich ist die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a ATSG).