Decision ID: 5cab6e97-ea14-5a28-83ed-6bac35c48cd8
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis der Fahrzeugkategorien B und BE sowie der
Unterkategorien D1 und D1E am 20. August 1957 sowie denjenigen der
Fahrzeugkategorie A am 1. April 2003. Am 24. Dezember 2015 teilte die Kantonspolizei
Zürich dem Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen mit, bei X beständen Zweifel
an der Fahreignung, nachdem am 7. September 2015 eine anonyme Person der
Kantonspolizei Zürich gemeldet hatte, dass der Lenker des Autos mit den
Kontrollschildern ZH 0000 mehrmals mit einer unsicheren Fahrweise aufgefallen sei. In
der Folge ordnete das Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 26. Januar 2016 die
Abklärung der Fahreignung von X mittels vertrauensärztlicher Untersuchung an. Diese
fand am 15. März 2016 beim Amtsarzt Dr.med. Wolfgang Tensfeldt statt. Gemäss
Bericht vom 21. März 2016 erkannte der Vertrauensarzt keine konkreten Hinweise für
das Vorliegen einer fehlenden Fahreignung. Er diagnostizierte eine nicht
verkehrsrelevante Einschränkung des rechten Gesichtsfelds.
Am 8. Februar 2016 erhielt das Strassenverkehrsamt Kenntnis, dass X am 14. Januar
2016 einen Selbstunfall mit einem Personenwagen verursacht hatte. Er hatte in A auf
der teilweise schneebedeckten B-strasse die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und
war mit der Steinmauer am rechten Fahrbahnrand kollidiert. Das Strassenverkehrsamt
verwarnte X aufgrund dieses Vorfalls mit Verfügung vom 22. April 2016 wegen einer
leichten Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.- Aufgrund einer ärztlich bescheinigten Gehbehinderung stellte X am 14. Februar
2017 beim Strassenverkehrsamt ein Gesuch um Abgabe einer Parkkarte für Personen
mit einer Behinderung. Das Strassenverkehrsamt forderte ihn am 15. Februar 2017 auf,
sich bei einem Arzt der Stufe 3 untersuchen und abklären zu lassen, ob die
medizinischen Mindestanforderungen für Motorfahrzeugführer erfüllt sind. Die
Untersuchung fand am 3. März 2017 bei Dr.med. Wolfgang Tensfeldt statt. Dieser
bestätigte die Fahreignung aus medizinischer Sicht mit der Auflage des Tragens einer
Sehhilfe. Am 6. März 2017 wurde die beantragte Parkkarte vom Strassenverkehrsamt
ausgestellt.
C.- Am 5. Januar 2018 fuhr X in C bei einer Ampel rund zwei Meter rückwärts und
touchierte dabei die vordere Stossstange des sich hinter ihm befindlichen Fahrzeugs.
Dessen Lenkerin hatte zuvor mehrmals gehupt. X reagierte weder auf das Hupen noch
auf die Kollision und setzte seine Fahrt fort. Die Lenkerin fuhr ihm nach und stellte eine
unsichere Fahrweise fest. Sie meldete dies der Kantonspolizei St. Gallen, welche eine
Mitteilung ans Strassenverkehrsamt machte und die Prüfung der Fahrfähigkeit von X
empfahl. Das Strassenverkehrsamt ordnete deshalb mit Verfügung vom 5. März 2018
erneut eine verkehrsmedizinische Untersuchung an. Diese fand am 13. März 2018
wiederum bei Dr.med. Wolfgang Tensfeldt statt. Im Bericht vom 27. März 2018 ist
festgehalten, dass sich X kognitiv unauffällig verhalten habe und keine konkreten
Hinweise für eine mangelnde Fahreignung vorlägen. Er diagnostizierte eine faktische
Einäugigkeit. Da sich die unsichere Fahrweise aufgrund der Untersuchung nicht
erklären liess, empfahl er eine Kontrollfahrt. Das Strassenverkehrsamt ordnete
daraufhin mit Verfügung vom 30. April 2018 eine Kontrollfahrt der Kategorie B an.
Dieser unterzog sich X am 3. Juli 2018 bei der Prüfstelle Kaltbrunn. Er bestand die
Kontrollfahrt nicht. Nach Eröffnung des Prüfungsergebnisses händigte ihm der
Verkehrsexperte die Verfügung zur Kontrollfahrt mit einer summarischen Auflistung der
Mängel aus.
Mit separater Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 5. Juli 2018 wurde X der
Führerausweis vorsorglich entzogen und das Führen von Motorfahrzeugen aller
Kategorien sowie Unter- und Spezialkategorien vorsorglich ab sofort bzw. rückwirkend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ab 3. Juli 2018 verboten. Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung
entzogen.
D.- Am 10. Juli 2018 ging beim Strassenverkehrsamt ein Schreiben von X ein. Das
Strassenverkehrsamt übermittelte die Eingabe gleichentags an die
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK), wo sie als Rekurs
zunächst gegen den vorsorglichen Führerausweisentzug und später auch gegen das
Ergebnis der Kontrollfahrt entgegengenommen wurde. X beantragte sinngemäss die
Aufhebung der angefochtenen Verfügungen. Das Rekursverfahren zum vorsorglichen
Führerausweisentzug (IV 2018/110) wurde bis zum Abschluss des vorliegenden
Rekursverfahrens zur Kontrollfahrt einstweilen sistiert. Mit Vernehmlassung vom
16. November 2018 beantragte das Strassenverkehrsamt die Abweisung des Rekurses
gegen die nicht bestandene Kontrollfahrt. Darauf replizierte X am 3. Dezember 2018.
Am 1. und 21. Februar 2019 gingen beim Gericht nochmals Schreiben von ihm ein.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Der Entscheid
über das Bestehen oder Nichtbestehen einer Kontrollfahrt stützt sich auf Art. 14 Abs. 1
und 3 sowie Art. 15d Abs. 5 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) und Art. 29 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen
zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV). Eine nicht bestandene Kontrollfahrt
hat gestützt auf Art. 29 Abs. 2 lit. a VZV notwendigerweise den Entzug des
Führerausweises zur Folge (BGE 136 II 61 E. 1.1). Dem negativen Entscheid über die
Kontrollfahrt kommt Verfügungscharakter zu (vgl. GVP 1977 Nr. 54 E. 1). Die sachliche
Zuständigkeit der VRK ist gegeben. Der Rekurrent ist zur Rechtsmittelerhebung befugt.
Der Rekurs, welcher am 10. Juli 2018 beim Strassenverkehrsamt einging und
gleichentags an die VRK übermittelt wurde, ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen von Art. 41 lit. g ,
45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Nach Art. 14 Abs. 1 SVG müssen Motorfahrzeugführer über Fahreignung und
Fahrkompetenz verfügen. Fahrkompetenz hat gemäss Art. 14 Abs. 3 SVG, wer die
Verkehrsregeln kennt (lit. a) und wer Fahrzeuge der Kategorie, für die der Ausweis gilt,
sicher führen kann (lit. b). Bestehen Zweifel an der Fahrkompetenz einer Person, so
kann diese einer Kontrollfahrt unterzogen werden (Art. 15d Abs. 5 SVG und Art. 29
Abs. 1 VZV). Die Durchführung und Beurteilung der Kontrollfahrt wird in den Richtlinien
Nr. 19a der Vereinigung der Strassenverkehrsämter vom 19. Mai 2017 zur Kontrollfahrt
für Senioren oder zur aus medizinischen Gründen angeordneten Kontrollfahrt
(nachfolgend als Richtlinien Nr. 19a bezeichnet, im Internet abrufbar unter: http://
www.asa.ch/de/Online-Bibliothek/Richtlinien) konkretisiert. Durch Festlegung
einheitlicher und sachgerechter Kriterien für die Durchführung, den Umfang und die
Bewertung der Kontrollfahrt soll eine einheitliche Verwaltungspraxis geschaffen
werden. Die Kontrollfahrt gilt als bestanden, wenn der Betroffene nachweist, dass er
die Verkehrsregeln kennt und Fahrzeuge der Kategorien, für die der Ausweis gelten
soll, sicher zu führen versteht (Ziff. 6.2 der Richtlinien Nr. 19a).
3.- a) Der Verkehrsexperte der Vorinstanz bewertete die Kontrollfahrt vom 3. Juli 2018
als nicht bestanden. Wie aus seinem Prüfbericht hervorgeht, beanstandete er mehrere
Mängel bei dem Verkehrssehen, der Verkehrsdynamik sowie den Verkehrsvorgängen
des Rekurrenten. Dabei fällt auf, dass es sich nicht um einzelne Fehler handelte,
sondern der Rekurrent im Verlauf der Kontrollfahrt dem Prüfbericht zufolge etliche
Fehler beging (act. 4). Gemäss dem nachträglichen erstellten Bericht des
Verkehrsexperten führten folgende Beanstandungen zum negativen Prüfungsentscheid:
ungenügende Voraussicht, konkrete und/oder erhöhte abstrakte Gefährdung wegen
unzweckmässiger Beobachtung, Geschwindigkeit nicht den Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnissen angepasst, unsichere Fahrzeugführung/Spurhalten generell
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ungenügend, krasse Fehler bei der Fahrbahnbenützung, ungenügende Anwendung der
Vortrittsregeln sowie mehrfache Missachtung von Signalen (act. 10).
b) Der Rekurrent bestreitet die vom Verkehrsexperten festgestellten Fahrfehler
grundsätzlich nicht. Seines Erachtens sind die Fahrfehler allerdings nicht derart
gravierend, dass sie die Verfügung rechtfertigen, die Kontrollfahrt als nicht bestanden
zu beurteilen. Wie es sich damit verhält, ist im Folgenden zu prüfen.
c) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts ist es üblich, dass sich
gerichtliche Rechtsmittelinstanzen bei der Bewertung von Prüfungsentscheiden eine
gewisse Zurückhaltung auferlegen (BGE 136 I 229 E. 5.4.1). Bei der Abklärung der
Fahreignung und Fahrkompetenz kommt dem Gesamteindruck, den der
Verkehrsexperte während der Kontrollfahrt durch seine unmittelbare Wahrnehmung
gewinnt, eine entscheidende Bedeutung zu. Dieser Eindruck kann durch ein Protokoll
der Kontrollfahrt nur beschränkt festgehalten und wiedergegeben werden. Somit ist
eine detaillierte Rekonstruktion der Kontrollfahrt in einem nachträglichen
Rechtsmittelverfahren nicht möglich. Darüber hinaus verfügt der Verkehrsexperte über
spezifische Erfahrungen und Vergleichswerte, die der Rechtsmittelinstanz in der Regel
abgehen. Unter diesen Umständen ist im Rechtsmittelverfahren eine Reduktion der
Prüfungsdichte angebracht und zulässig. Eine volle Rechtskontrolle rechtfertigt sich
lediglich für allfällige formelle Fehler. Die materielle Beurteilung des Verkehrsexperten
ist jedoch nur auf offensichtliche Fehler hin zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 6A.
121/2001 vom 14. März 2002 E. 3a). Die Bewertung durch den Verkehrsexperten ist
deshalb nachfolgend mit der entsprechenden Zurückhaltung zu überprüfen.
4.- a) Zu Beginn der Kontrollfahrt hantierte der Rekurrent am Navigationsgerät seines
Fahrzeugs, so dass eine korrekte Linienführung nicht möglich war. Er fuhr in der Folge
rund einen halben Meter über die Mittellinie und der Experte musste ins Lenkrad
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
greifen. Dazu hält der Rekurrent im Rekurs fest, dass er die Kurve knapp genommen
habe, was ein Fehler sei.
Gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG hat der Führer sein Fahrzeug ständig so zu beherrschen,
dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Er muss jederzeit in der Lage
sein, auf die jeweils erforderliche Weise auf das Fahrzeug einzuwirken und auf jede
Gefahr ohne Zeitverlust genügend schnell und zweckmässig zu reagieren. Dies
verlangt, dass Fahrzeugführer jederzeit die volle Kontrolle über ihr Fahrzeug ausüben
und die Verkehrsregeln beachten können. Art. 3 der Verkehrsregelnverordnung
(SR 741.11, abgekürzt: VRV) konkretisiert diese Norm mit beispielhaften
Sorgfaltspflichten. Der Fahrzeugführer muss der Strasse und dem Verkehr die
erforderliche Aufmerksamkeit zuwenden. Er darf beim Fahren keine Verrichtung
vornehmen, welche die Bedienung des Fahrzeugs erschwert. Ferner hat er dafür zu
sorgen, dass seine Aufmerksamkeit insbesondere durch Tonwiedergabegeräte sowie
Kommunikations- und Informationssysteme nicht beeinträchtigt wird (Art. 3 Abs. 1
VRV). Art. 31 Abs. 1 SVG ist eine objektiv wichtige Verkehrsvorschrift (Weissenberger,
Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 31 N 1 f.). Gemäss Art. 34 Abs. 1 SVG
müssen Fahrzeuge zudem rechts fahren. Sie haben sich möglichst an den rechten
Strassenrand zu halten. Auch diese Norm gehört zu den grundlegenden Bestimmungen
des Strassenverkehrsrechts (Weissenberger, a.a.O., Art. 34 N 1).
Indem der Rekurrent am Navigationsgerät hantierte und über die Mittellinie fuhr,
verletzte er die beiden elementaren Verkehrsregeln von Art. 31 Abs. 1 und Art. 34
Abs. 1 SVG. Dadurch hätte es zu einer folgenreichen Kollision mit einem Fahrzeug auf
der Gegenfahrbahn kommen können. Dem Rekurrenten werden daher zu Recht krasse
Fehler bei der Fahrbahnbenützung vorgeworfen.
b) Der Rekurrent überschritt während der Kontrollfahrt mehrmals die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit. Gemäss dem Experten fuhr er von Kaltbrunn in Richtung
Uznach um 10 bis 15 km/h schneller als die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
50 km/h. Bei der Ortseinfahrt Laupen (allgemeine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h)
fuhr er mit 74 km/h weiter und der Experte musste mündlich eingreifen. Bei der
Rückfahrt von Rapperswil in Richtung Jona überschritt der Rekurrent die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit konstant um 10 bis 15 km/h. Der Rekurrent macht geltend,
dass man mit dem Verkehr mithalten soll, wenn die Kolonne schneller als 50 km/h
fahre. Als er die signalisierte Höchstgeschwindigkeit um 25 km/h überschritten habe,
habe das Navigationsgerät etwas Anderes angezeigt. Solange kein Unfall passiere und
die Strasse frei sei, liege eine solche Überschreitung im Rahmen.
Die Geschwindigkeit ist stets den Umständen anzupassen, namentlich den
Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung, sowie den Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnissen (Art. 32 Abs. 1 Satz 1 SVG). Unter günstigen Verhältnissen beträgt
die allgemeine Höchstgeschwindigkeit in Ortschaften 50 km/h und ausserhalb von
Ortschaften 80 km/h (Art. 4a Abs. 1 lit. a und b VRV). Davon abweichende und für
einzelne Strassenabschnitte gesonderte signalisierte Höchstgeschwindigkeiten gehen
jedoch vor (Art. 4a Abs. 5 VRV) und sind von den Strassenbenützern zu befolgen
(Art. 27 Abs. 1 SVG).
Der Rekurrent stellt nicht in Abrede, die signalisierte Höchstgeschwindigkeit teilweise
überschritten zu haben. Unabhängig vom Ausmass der
Geschwindigkeitsüberschreitung verletzte er somit seine Pflicht zur Befolgung der
Geschwindigkeitssignalisation. Unerheblich ist, wie schnell andere Verkehrsteilnehmer
fahren. Der Rekurrent hat sich in jedem Fall an die massgebende
Höchstgeschwindigkeit zu halten. Ebenso wenig darf sich der Rekurrent auf die
Geschwindigkeitsanzeige des Navigationsgeräts verlassen. Diese ist nicht
massgebend. Die Vorinstanz wirft ihm daher zu Recht mehrfache Überschreitung der
Geschwindigkeit sowie mehrfache Missachtung von Signalen vor.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
c) In Uznach und Rüti fuhr der Rekurrent auf einer Nebenstrasse an mehreren
unübersichtlichen Einmündungen mit Rechtsvortritt mit einer konstanten
Geschwindigkeit von 45 km/h ohne Beobachtung und Bremsbereitschaft vorbei. Dazu
hält er im Rekurs fest, dass man nicht immer nach rechts schauen müsse. Wenn er
weit vorausschaue, müsse er nicht immer den Kopf nervös hin und her bewegen. Wenn
eine gefährliche Situation komme, heisse es für ihn, abzubremsen und den Warnblinker
einzuschalten.
Auf Strassenverzweigungen hat das von rechts kommende Fahrzeug Vortritt (Art. 36
Abs. 2 Satz 1 SVG). Die Vortrittsregel wird durch Art. 14 Abs. 1 VRV konkretisiert,
wonach der Vortrittsbelastete den Vortrittsberechtigten in seiner Fahrt nicht behindern
darf und mit Blick darauf seine Geschwindigkeit frühzeitig zu mässigen und wenn nötig
vor Beginn der Verzweigung zu halten hat. Um einem von rechts kommenden
Vortrittsberechtigten den Vortritt zu gewähren und ihn in seiner Fahrt nicht zu
behindern, hätte der Rekurrent an unübersichtlichen, vortrittsberechtigten
Einmündungen seine Geschwindigkeit mässigen und nach rechts schauen müssen.
Eine ausreichende Voraussicht, Beobachtung und das Erstellen von Bremsbereitschaft
sind für das Gewähren des Rechtsvortritts von zentraler Bedeutung, ansonsten die
Gefahr einer Kollision gross ist. Weil der Rekurrent dies nicht tat, wirft ihm die
Vorinstanz zu Recht eine ungenügende Voraussicht, konkrete und/oder erhöhte ab-
strakte Gefährdung wegen unzweckmässiger Beobachtung und ungenügende
Anwendung der Vortrittsregeln vor. Verfehlt wäre es vom Rekurrenten im Übrigen, bei
einem Rechtsvortritt den Warnblinker einzuschalten.
d) Schliesslich kam dem Rekurrenten auf der Kontrollfahrt in einer unübersichtlichen
Rechtskurve ein korrekt fahrender Lastwagen entgegen, worüber der Rekurrent derart
erschrak, dass er am Lenkrad nach rechts zog und mit beiden rechten Rädern auf den
Randstein vor dem Wiesenbord fuhr. Mit einem Griff ins Lenkrad konnte der Experte
das Fahrzeug stabilisieren. Der Rekurrent macht geltend, der Lastwagen sei knapp an
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Sicherheitslinie gefahren, weshalb es besser gewesen sei abzubremsen, als eine
Streifkollision zu riskieren.
Wie bereits ausgeführt müssen Fahrzeuge gemäss Art. 34 Abs. 1 SVG rechts fahren.
Der Rekurrent hat sich möglichst an den rechten Strassenrand zu halten. Tut er dies,
so riskiert er keine Streifkollision, wenn er einen Lastwagen kreuzt, der knapp an der
Sicherheitslinie fährt. Indem der Rekurrent mit den rechten Rädern auf den Randstein
fuhr, bekundet er offensichtlich Mühe, in Kurven die Spur zu halten. Dies kann ohne
Weiteres zu verkehrsgefährdenden Situationen führen. Dem Rekurrenten wird zu Recht
eine unsichere Fahrzeugführung und ein ungenügendes Spurhalten vorgeworfen.
e) Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurrent im Verlauf der Kontrollfahrt eine
Reihe von Fehlern beging (ungenügende Voraussicht, konkrete und/oder erhöhte
abstrakte Gefährdung wegen unzweckmässiger Beobachtung, Geschwindigkeit nicht
den Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen angepasst, unsichere
Fahrzeugführung/Spurhalten generell ungenügend, krasse Fehler bei der
Fahrbahnbenützung, ungenügende Anwendung der Vortrittsregeln sowie mehrfache
Missachtung von Signalen), wobei einige davon bereits für sich alleine einen negativen
Entscheid zur Folge haben könnten. Auf jeden Fall führt aber das wiederholte Auftreten
eines Fehlers oder das Auftreten von unterschiedlichen Fehlern zu einem negativen
Entscheid (vgl. Ziff. 9 der Richtlinien Nr. 19a). Der Experte hat daher die Kontrollfahrt
des Rekurrenten zu Recht als ungenügend beurteilt. Mit Blick auf das öffentliche
Interesse an der Verkehrssicherheit muss die Eignung des Rekurrenten zum sicheren
Führen eines Personenwagens verneint werden. Die festgestellten Beanstandungen
zeigen die fehlende Fahrkompetenz und die damit verbundene Gefahr für andere
Verkehrsteilnehmer auf. Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Experte seinen
Beurteilungsspielraum missbraucht hätte. Daran ändern auch der fast makellose
automobilistische Leumund, die langjährige Fahrerfahrung und die weiteren
Ausführungen des Rekurrenten in den Eingaben vom 3. Dezember 2018 sowie
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1. und 21. Februar 2019 nichts. Eine nicht bestandene Kontrollfahrt kann gemäss
Art. 29 Abs. 3 VZV nicht wiederholt werden.
5.- Nachdem aufgrund der Kontrollfahrt die Eignung des Rekurrenten zum sicheren
Führen eines Personenwagens verneint werden muss, stellt sich die vom Rekurrenten
aufgeworfene Frage einer Beschränkung des Führerausweises gemäss Art. 34 VZV
(z.B. örtliche, zeitliche, auf bestimmte Strassentypen, auf bestimmte Fahrzeugarten
Beschränkung des Führerausweises) nicht, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
6.- Der Rekurs ist somit abzuweisen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die
amtlichen Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 800.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 800.– ist damit
zu verrechnen.