Decision ID: 4d2b2dc2-cc9d-578a-bd77-559ea14adba2
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Speck, St. Gallerstrasse 29,
9032 Engelburg,
gegen
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CSS Versicherung, Tribschenstrasse 21, Postfach 2568, 6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1962 geborene S._ war als Geschäftsführer der Firma A._ tätig und
dadurch bei der CSS Versicherung AG (CSS) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert, wobei die Schadenerledigung durch die Schweizerische
Unfallversicherung (Suva) erfolgt. Am 1. März 2004 verunfallte der Versicherte während
einer Geschäftsreise in Antalya, Türkei. Gemäss Unfallmeldung vom 14. April 2004
rutschte das Auto beim Radwechsel vom Wagenheber, versetzte ihm einen Schlag an
den Kopf und quetschte ihm die linke Hand. Zusätzlich gab er Prellungen der rechten
Hüfte und des rechten Oberschenkels an (UV-act. 1 und 5 zum Dossier X._; Akten
nachfolgend mit I/ und der jeweiligen Aktennummer bezeichnet). Die medizinische
Erstbehandlung war in Antalya erfolgt; Dokumente darüber liegen nicht vor. Aus den
Berichten der nachbehandelnden Ärzte (UV-act. I/14 und I/21) geht hervor, dass die
offenen Fingerverletzungen am Unfallort operativ versorgt worden waren. Der Hausarzt
des Versicherten, Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin, stellte Anfang April
2004 keine neurologischen Ausfälle fest und schloss mittels Computertomogramm ein
subdurales Hämatom bei der Schädelkontusion vom 1. März 2004 aus (UV-act. I/3).
Wegen der Unfallfolgen wurden verschiedene Arbeitsunfähigkeiten attestiert. Bei einem
erheblichen Vorzustand nach Spondylodese C4/5 und C5/6 1993 (Schreiben Prof.
Dr. med. C._, Facharzt für Neurochirurgie FMH, vom 5. Dezember 2003, UV-act. 14.2
zum Dossier Y._; Akten nachfolgend mit II/ und der jeweiligen Aktennummer
bezeichnet), hatte Dr. med. D._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin mit
Fähigkeitsausweis Manuelle Medizin (SAMM), im Bericht vom 4. Juni 2004 ein
massives zervikovertebrales Syndrom diagnostiziert (UV-act. I/8). Am 9. August 2004
berichtete Dr. D._, der Patient habe sehr gut auf seine Behandlung reagiert und sei
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(im Nacken) praktisch beschwerdefrei; an den Mittelgelenken (PIP) der Finger 3 und 4
bestehe noch ein Extensionsdefizit (UV-act. I/17).
A.b Am 9. August 2004 verunfallte der Versicherte erneut auf einer Geschäftsreise in
Antalya, Türkei. Laut Polizeirapport kollidierte er beim Ändern der Fahrtrichtung seitlich
mit einem Fahrzeug, das in die gleiche Richtung fuhr, wobei seine vordere Stossstange
links in die rechte Vordertür des andern Personenwagens stiess (UV-act. II/2, II/6 und
II/26b [Übersetzung des türkischen Polizeirapports]). Der Versicherte gab an, er sei bei
der anschliessenden Diskussion mit der Polizei über die Schuldfrage ohnmächtig
geworden und daher mit der Ambulanz ins lokale Spital gebracht worden. Dort klagte
er über Kopf-, Nacken- und Bauchschmerzen, Schwindel, Schmerzen am linken Fuss
und linken Knie sowie am Rücken. Die Röntgenuntersuchung ergab keine Befunde
bzw. bestätigte die bekannte Verblockung C4 und C5 und Degeneration C3 bis C6.
Diagnostiziert wurde ein Kopftrauma mit zervikaler Verletzung. Der Versicherte blieb
vom 9. bis 12. August 2004 hospitalisiert, und es wurde ihm Bettruhe von weiteren 20
Tagen empfohlen (Arztbericht Lara Spital, Antalya, UV-act. II/4). Dr. D._, den der
Versicherte nach dem Unfall vom 9. August 2004 am 20. September 2004 erstmals
aufsuchte, diagnostizierte ein erneutes zervikovertebrales und myofasziales
Schmerzsyndrom nach HWS-Distorsion und schrieb ihn weiterhin und auf unbestimmte
Zeit 100% arbeitsunfähig (UV-act. II/8).
A.c Anlässlich der Befragung vom 29. November 2004 (UV-act. II/11) machte der
Versicherte ausführliche Angaben zu früheren Unfällen. Nach zwei Auffahrkollisionen im
Strassenverkehr und einem Sturz beim Karate habe er jeweils unter Nacken- und
Rückenschmerzen gelitten. 1993 sei eine Versteifungsoperation der Halswirbelsäule
durchgeführt worden (gemäss Bestätigung Dr. C._ zervikale Spondylodese C4/5 und
C5/6, UV-act. II/14.2). Er habe danach das Gefühl gehabt, den Kopf nie mehr ganz
nach rechts drehen zu können.
A.d Ab 4. März 2005 attestierte Dr. D._ wieder eine Arbeitsfähigkeit von 40% (UV-
act. II/26F). Die Arbeitstätigkeit führte der Versicherte in diesem Rahmen bis 1. Mai
2005 aus und stellte sie wegen Zunahme der Schmerzen wieder ein. Am 11. Mai 2005
wurde er durch den Kreisarzt der Suva Bern untersucht. Dieser stellte funktionell ein
völliges Ausschalten der linken Hand bei erheblichen Streckdefiziten sowie eine
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tendenzielle Ausweitung der Zervikobrachial-Symptomatik auf ein typisches
Beschwerdebild nach Schleudertrauma fest und meldete den Versicherten zur
stationären multimodalen Rehabilitation und multidisziplinären Abklärung in Bellikon an
(UV-act. II/28), wo er sich vom 1. bis 20. Juni 2005 aufhielt. Anlässlich des dortigen
psychosomatischen Konsiliums wurde keine psychopathologische Störung von
Krankheitswert festgestellt (UV-act. II/38). Der Zustand an der Halswirbelsäule wurde
als HWS-Distorsionsbeschwerden interpretiert, die nicht auf die rein ossäre Situation
nach Spondylodese C4/5 und C5/6 zurückzuführen seien (UV-act. II/37). An der linken
Hand wurden Einschränkungen beim Faustschluss und Strecken der Finger II bis IV
festgestellt. Im Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon wurde zudem festgehalten, dass
der Versicherte bis jetzt die linke Hand geschont und insbesondere die verletzten
Finger funktionell ausgeschaltet habe (UV-act. II/39). Er wurde im vermehrten Einsatz
derselben instruiert. Neuropsychologisch fand sich eine herabgesetzte und
schwankende kognitive Belastbarkeit (UV-act. II/35).
A.e Nachdem der Versicherte die Arbeitstätigkeit nicht wieder aufnahm, ordnete die
Suva im Hinblick auf den Fallabschluss eine stationäre Begutachtung in Bellikon an.
Zusammengefasst kamen das neurologische Gutachten vom 12. Dezember 2006 (UV-
act. I/172) und die verschiedenen Teilgutachten (neuropsychologische Stellungnahme
vom 20. April 2006, UV-act. I/170; psychiatrischer Abklärungsbericht vom 26. April
2006, UV-act. I/169; handchirurgische Stellungnahme vom 9. Mai 2006, UV-act. I/168
sowie traumatologisches Teilgutachten stationär vom 26. Juni 2006, UV-act. I/171) zum
Schluss, dass dem Patienten aufgrund der organisch erlittenen Unfallfolgen, soweit
solche überhaupt noch vorliegen würden, die Tätigkeit als Teppichhändler ganztags
voll zumutbar sei. Auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sei dem Patienten (...) bei
mittelschweren Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit zumutbar. Die einzige
Einschränkung wäre bei mittelschweren Arbeiten, dass Gewichte über 10 kg nicht
repetitiv gehoben oder getragen werden könnten. Es sei auch mit gewissen zervikalgie-
bedingten Absenzen im Verlauf eines Jahres zu rechnen (Neurologisches Gutachten
vom 23. Juni 2006 S. 17, UV-act. I/172). Auch der Hausarzt des Versicherten liess
weitere Abklärungen durchführen. Diese machten kein neurologisches Korrelat für die
geklagten, multipelsten Beschwerden aus (UV-act. II/152).
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A.f Nach Besprechung der Situation am 23. Mai 2007 mit Rechtsanwalt Speck holte
die Suva beim Handchirurgen Dr. med. E._, Verfasser der handchirurgischen
Stellungnahme der Rehaklinik Bellikon vom 9. Mai 2006 (UV-act. I/168), eine
Einschätzung des unfallbedingten Integritätsschadens an der linken Hand ein, die
dieser am 1. Juni 2007 mit 10% abgab (UV-act. I/193). Darauf hin erliess die Suva für
die CSS am 12. Juni 2007 die einsprachefähige Verfügung zu den Unfällen vom 1. März
und 9. August 2004 (UV-act. I/197 bzw. II/175). Sie verneinte die Kausalität der
geklagten Beschwerden, mit Ausnahme der Funktionseinschränkungen der linken
Hand, zu den beiden Unfällen, lehnte den Anspruch auf Taggeldzahlungen nach dem
2. November 2006 ab und stellte die Leistungen für Heilbehandlungen per 30. Juni
2007 ein. Den Integritätsschaden an der linken Hand vergütete sie mit Fr. 10'680.00
(10% von Fr. 106'800.00).
B.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 10. Juli 2007 Einsprache (UV-act. II/
182-184). Mit Entscheid vom 26. Februar 2008 wies die CSS die Einsprache ab. Zur
Begründung führte sie aus, die Kausalität der Beschwerden, die der Versicherte nach
dem 2. November 2006 noch klage, sei nicht nach der Rechtsprechung zu
Schleudertraumen, sondern nach derjenigen zu psychischen Leiden nach Unfällen zu
prüfen und sei vorliegend zu verneinen. Die Integritätsentschädigung sei
gesetzeskonform und grosszügig bemessen worden.
C.
C.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 9. April 2008 mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid vom 26. Februar 2008 und die Verfügung der CSS vom 12. Juni
2007 seien aufzuheben; die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem
Beschwerdeführer die offenen Taggelder (von Fr. 223.55 pro Tag) ab dem 2. November
2006 nachzuzahlen und ab Ende des Taggeldanspruches, evtl. ab dem 2. November
2006 ein volle IV-Rente (von Fr. 6'706.50) auszurichten; zur entsprechenden
Berechnung sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Zudem sei diese zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Integritätsentschädigung
nach Massgabe der Versicherungspolice und den allgemeinen Vertragsbedingungen
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auszurichten; auch diesbezüglich sei die Angelegenheit zur Neuberechnung an die
Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung
führt der Rechtsvertreter an, die Beschwerdegegnerin habe den natürlichen und den
adäquaten Kausalzusammenhang zwischen den beiden Unfällen vom 1. März und
9. August 2004 und den andauernden Beschwerden des Beschwerdeführers zu
Unrecht verneint. Dieser habe beim Unfall vom 1. März 2004 neben der Handverletzung
eine Gehirnerschütterung erlitten und beim Unfall vom 9. August 2004 ein
Schleudertrauma. Seither befinde er sich in ärztlicher Behandlung und sei
arbeitsunfähig. Allein wegen der Beeinträchtigung der linken Hand sei eine Tätigkeit als
Geschäftsführer in einer Teppichhandlung nicht möglich. Die Integritätsentschädigung
berücksichtige lediglich die Einschränkungen der linken Hand; die Folgen des
Schleudertraumas seien ebenfalls zu entgelten. Auch seien bei der Einschätzung
fälschlicherweise die Tabellen der Suva angewandt worden.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 22. April 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung ihres Einspracheentscheids vom
26. Februar 2008. Zur Begründung bestreitet sie die Vorbringen in der
Beschwerdeschrift und verweist weitgehend auf die Ausführungen im
Einspracheentscheid.
C.c Der Beschwerdeführer hat keine Replik einreichen lassen, worauf der
Schriftenwechsel am 21. Mai 2008 abgeschlossen worden ist. Auf die detaillierten
Begründungen in den Rechtsschriften wird, soweit entscheidnotwendig, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin nach den Unfällen vom 1. März
und 9. August 2004 zu Recht ihre Leistungspflicht für Taggelder per 2. November 2006
und für Heilungskosten per 30. Juni 2007 eingestellt und den Integritätsschaden des
Beschwerdeführers korrekt mit 10% eingeschätzt und entschädigt hat.
2.
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2.1 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die
rechtlichen Voraussetzungen des Bestehens eines natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den in Frage stehenden (physischen
und psychischen) Gesundheitsschädigungen zutreffend dargelegt (Erwägungen 2.2);
darauf kann verwiesen werden. Für die Adäquanzprüfung nach Schleudertraumen ist
zusätzlich auf BGE 134 V 109 zu verweisen. Dieser Entscheid hat gegenüber BGE 117
V 359 die Voraussetzungen für den Nachweis an die natürliche Kausalität der
Verletzung verschärft (E. 9 S. 121ff.) und die adäquanzrelevanten Kriterien teilweise
modifiziert (E. 10 S. 126ff.). Ist die Adäquanz von Unfallfolgen klar zu verneinen, wie
dies nachstehend darzulegen ist, muss deren natürliche Kausalität nicht näher geprüft
werden.
2.2 Hat eine versicherte Person mehrere Unfälle erlitten, ist die Adäquanz prinzipiell
für jeden Unfall gesondert zu beurteilen. In diesem Rahmen ist es nach der
Rechtsprechung jedoch nicht generell ausgeschlossen, die wiederholte Betroffenheit
desselben Körperteils bei der Adäquanzprüfung zu berücksichtigen. Letzteres ist
insbesondere dann denkbar, wenn die Auswirkungen der verschiedenen Ereignisse auf
gewisse Beschwerden und/oder auf Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit nicht von
einander abgegrenzt werden können (SVR 2007 UV Nr. 1 S. 1 [U 39/04], E. 3.3.2 mit
Hinweisen; J.-M. Duc, La jurisprudence des assurances sociales concernant les
traumatismes cervicaux, SZS 52/2008 S. 66f.).
2.3 Der Zeitpunkt des Fallabschlusses ist gemäss BGE 134 V 109 (E. 4.1 S. 113f.)
erreicht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte
Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Trifft
dies zu, ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger
Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung
abzuschliessen.
3.
3.1 Beim Unfall vom 1. März 2004 erlitt der Beschwerdeführer keine HWS-Distorsion.
Mit Dr. B._, der die Verletzung am Kopf Anfang April 2004 genau abklärte, ist von
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einer Schädelkontusion, also einem Anschlagen des Kopfs, auszugehen (UV-act. I/3).
Das zervikovertebrale Syndrom war durch die manuelle und myofasziale Behandlung
bei Dr. D._ so weit abgeklungen, dass dem Beschwerdeführer ab 1. August 2004
wieder volle Arbeitsfähigkeit attestiert wurde und eine weitere Behandlung für den
akuten Bedarfsfall vorbehalten werden konnte (UV-act. I/17). Die Verletzungen der
linken Hand waren bei der Abklärung und Behandlung in der Schweiz durch Dr. B._
Anfang April 2004 (UV-act. I/3) und durch Dr. D._ ab 30. April 2004 (UV-act. I/8)
zunächst gar nicht erwähnt worden. Eine eigentliche Behandlung der linken Hand fand
in der Schweiz nicht statt.
3.2 Der Unfall vom 1. März 2004 ist als leichtes Ereignis einzustufen. Für die nicht
organisch nachweisbaren Störungen kann gemäss der Rechtsprechung (BGE 115
V 133) der adäquate Kausalzusammenhang zum Unfall daher ohne weiteres verneint
werden.
3.3 Das gilt nicht für die Verletzung der linken Hand des Beschwerdeführers. Gemäss
handchirurgischer Stellungnahme von Dr. E._ vom 9. Mai 2006 sind die dortigen
Funktionseinschränkungen mit grosser Wahrscheinlichkeit auf ein organisches Substrat
zurückzuführen und dürften Folge der Verletzung vom 1. März 2004 sein (UV-act. I/
168). Aus rein handchirurgischer Sicht seien dem Beschwerdeführer alle
altersentsprechenden Tätigkeiten zumutbar. Eingeschränkt sei er in Bezug auf die linke
Hand für erhöhte Anforderungen an die Feinmotorik, Schläge oder Vibrationen sowie
exquisite Kälte- oder erhöhte Hitzeexpositionen und er könne keine Tätigkeiten auf
Leitern oder Gerüsten bzw. in den entsprechenden Gefahrenbereichen ausüben (a.a.O.
S. 4). Solche Verrichtungen fallen weder als selbständiger Geschäftsführer einer
Import- und Exportfirma für Teppiche und Schmuck - der Tätigkeit, die er im Zeitpunkt
des Unfalls vom 1. März 2004 ausübte - noch beim Verkauf von Versicherungen -
seiner Erwerbstätigkeit bis zur Gründung der eigenen Firma - oder bei ähnlichen
Tätigkeiten an. So erklärte der Handchirurg den Beschwerdeführer für die Tätigkeit als
selbständiger Geschäftsführer aus rein handchirurgischer Sicht denn auch für voll
arbeitsfähig (a.a.O. S. 3f.). Bei gegebener Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in
ähnlichen Tätigkeiten ist eine allfällige Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG: SR 830.1]) nicht
weiter zu prüfen.
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4.
4.1 Beim Unfall vom 9. August 2004 erlitt der Beschwerdeführer keine eigentliche
HWS-Distorsion. Die Kollision der Fahrzeuge erfolgte seitlich. Eine Schleuderbewegung
von Kopf und Nacken, wie sie bei Auffahrunfällen mit Heckaufprall erfolgt, fand nicht
statt. Zu Gunsten des Beschwerdeführers ist dennoch von einer HWS-Distorsion
auszugehen, da die kurz nach dem Unfall geklagten Beschwerden (UV-act. II/4) dem
sogenannt typischen Beschwerdebild nach HWS-Distorsionen gemäss BGE 117 V 335
(E. 1 S. 337f.) zumindest teilweise entsprachen. Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung
durch den Unfallversicherer (2. November 2006 für Taggelder bzw. 30. Juni 2007 für
Heilungskosten) bleiben aufgrund des Unfalls vom 9. August 2004 ausschliesslich
organisch nicht nachweisbare Schädigungen zurück (UV-act. I/168 bis I/172).
Nachdem die psychischen Unfallfolgen die übrigen Beeinträchtigungen nicht gänzlich
in den Hintergrund treten lassen, ist die Prüfung des adäquaten
Kausalzusammenhangs nach der Schleudertrauma-Rechtsprechung gemäss BGE 134
V 109 und dort zitierte Entscheide vorzunehmen.
4.2 Zunächst ist das Unfallereignis als solches zu beurteilen. Dabei ist auf den
Polizeirapport (UV-act. II/2; übersetzt in UV-act. II/25b) abzustellen und nicht auf die
dramatisierende Schilderung des Beschwerdeführers (UV-act. II/6). Aufgrund des
Polizeirapports kann das Ereignis als mittlerer Unfall an der Grenze zu den leichten
eingestuft werden.
4.3 Die Folgen eines mittleren Unfalls an der Grenze zu den leichten gelten dann als
adäquat kausal, wenn die zusätzlichen Kriterien, die die Rechtssprechung für die
Gesamtwürdigung aufgestellt hat, in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind
oder ein einzelnes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist (BGE 134 V
109, E. 10 S. 126ff.). Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls sind zu verneinen. Auch waren die erlittenen Verletzungen
nicht schwer oder von besonderer Art. Der Beschwerdeführer befand sich längere Zeit
in ärztlicher Behandlung. Diese kann für den Beschwerdeführer aber nicht als
fortgesetzt spezifisch und belastend im Sinn der zitierten Rechtsprechung qualifiziert
werden. Auch die Kriterien erhebliche Beschwerden, ärztliche Fehlbehandlung, welche
die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, sowie schwieriger Heilungsverlauf und
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erhebliche Komplikationen können ohne weiteres verneint werden. Bleibt das Kriterium
der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen. Dabei ist von
der Umschreibung der zumutbaren Tätigkeiten durch die Ärzte und nicht vom
konkreten Arbeitseinsatz des Beschwerdeführers auszugehen. Ein Pensum von 40%
war laut Dr. D._ ab 4. März 2005 wieder möglich (UV-act. II/26F). Gemäss
Beurteilung der dortigen Ärzte wäre der Beschwerdeführer nach dem Austritt aus der
Rehaklinik Bellikon am 20. Juni 2005 ganztags mit Pausen von zwei Stunden über den
Tag verteilt als selbständiger Geschäftsführer im Teppich- und Schmuckhandel
arbeitsfähig gewesen und hätte für das Heben und Tragen von Gewichten über 7,5 kg
Hilfe beiziehen müssen (UV-act. II/39). Er nahm die Arbeitstätigkeit jedoch nicht wieder
auf. Namhafte Anstrengungen, die Arbeitstätigkeit aufzunehmen bzw. im aufgezeigten
eingeschränkten Rahmen auszuführen, sind nicht dargelegt. Das Kriterium erhebliche
Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen muss daher ebenfalls verneint
werden; keinesfalls ist es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt.
4.4 Da keines der erforderlichen Kriterien im notwendigen Ausmass erfüllt ist, muss
die Adäquanz der geltend gemachten Unfallfolgen aufgrund des Unfalls vom 9. August
2004 damit zusammenfassend verneint werden.
5.
5.1 Die Funktionseinschränkungen an der linken Hand sind unbestritten bleibende
Unfallfolgen. Gestützt auf Art. 24f. UVG, Art. 36 UVV und Anhang 3 zur UVV hat der
Beschwerdeführer daher Anspruch auf eine Integritätsentschädigung. Nach ständiger
Rechtsprechung (BGE 115 V 147, bestätigt in SVR 2008 Nr. 10 S. 32f.) bemisst sich
diese abstrakt-egalitär nach der Schwere des medizinischen Befundes. In
Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala hat die Suva Feinraster in tabellarischer
Form erarbeitet. Soweit diese lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die
Gleichbehandlung der Versicherten gewährleistet werden soll, sind diese mit Anhang 3
der UVV vereinbar (BGE 124 V 29, E. 1c S. 32f. und RKUV 5/2004 U 514 S. 415ff.). In
diesem Sinn werden die Suva-Tabellen auch durch die übrigen Versicherungen, die
gemäss Art. 68 UVG zur Durchführung der obligatorischen Unfallversicherung
zugelassen sind, angewendet. Auf die Bemessung der Integritätsentschädigung nicht
angewendet werden können jedoch allgemeine Versicherungsbedingungen dieser
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privatrechtlich organisierten Unfallversicherer. Solche sind für allfällige
Invaliditätskapitalien der UVG-Zusatzversicherungen konzipiert und stützen sich auf
das privatrechtliche Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG, SR
221.229.1). Die Integritätsentschädigung als Leistung der obligatorischen
Unfallversicherung ist demgegenüber in den zitierten Gesetzes und Verord
ungsbestimmungen von UVG und UVV abschliessend geregelt.
5.2 Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 12. Juni
2007 bzw. Einspracheentscheid vom 26. Februar 2008 eine Integritätsentschädigung
von 10% im Betrag von Fr. 10'680.00 (10% von Fr. 106'800.00) zugesprochen. Diese
stützt sich auf die nachvollziehbare medizinische Einschätzung von Dr. E._ vom
1. Juni 2007 (UV-act. I/193). Letztere ist im Rahmen des gegebenen Ermessens erfolgt
und daher zu bestätigen. Für weitere Integritätseinbussen des Beschwerdeführers
besteht mangels adäquater Kausalität zu einem der beiden Unfälle kein Anspruch auf
Entschädigung.
6.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG