Decision ID: 6ceb669c-8167-5a64-a778-1ef54ccf148c
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge Sri Lanka am
12. September 2008, gelangte am 22. März 2009 in die Schweiz und
suchte am 25. März 2009 um Asyl nach. Am 27. März 2009 wurde er im
Empfangs- und Verfahrenszentrum B._ befragt. Das BFM hörte
ihn am 18. Juli 2012 zu den Asylgründen an.
B.
Mit Verfügung vom 26. Juli 2012 stellte das BFM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab,
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der
Wegweisung an.
C.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 27. August 2012 erhob der Be-
schwerdeführer gegen diesen Entscheid Beschwerde und beantragte, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben, der Beschwerdeführer sei als
Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei
das Verfahren an das Bundesamt zur ergänzenden Sachverhaltsfeststel-
lung und zum neuen Entscheid zurückzuweisen. Subeventualiter sei fest-
zustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig sei, und das BFM
sei anzuweisen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz eine vorläufige
Aufnahme zu gewähren. Als Beweismittel reichte er zwei Fotokopien so-
wie eine Fotografie ein.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 31. August 2012 stellte die Instruktionsrichte-
rin fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten dürfe, und erhob einen Kostenvorschuss, welcher am
6. September 2012 fristgerecht geleistet wurde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)
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zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so
auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Der Beschwerdeführer
ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48
VwVG). Auf die fristgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1
AsylG) ist einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung
auf Verletzung von Bundesrecht, unrichtige und unvollständige Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts und Unangemessenheit hin
(Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Die Beschwerdeinstanz ist nicht an die Beschwerdebegründung ge-
bunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Sie kann die Beschwerde auch aus ande-
ren als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den angefoch-
tenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die von
jener der Vorinstanz abweicht (vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungs-
rechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 212).
2.3 Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit
Zustimmung eines zweiten Richters zu behandeln, weil sie sich im Er-
gebnis als offensichtlich begründet erweist (Art. 111 Bst. e AsylG).
2.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet.
3.
3.1 Die Vorinstanz ist in Verfahren, die Staatsangehörige Sri Lankas tami-
lischer Ethnie betreffen, systematisch dazu übergegangen, keine Ausrei-
sefristen mehr zu verhängen und bereits angeordnete Ausreisefristen
aufzuheben. Faktisch zieht sie damit sämtliche Verfahren (auch solche im
Vollzugsstadium) in Wiedererwägung, und zwar unbesehen der konkreten
Umständen im Einzelfall. Das vorinstanzliche Vorgehen geht auf zwei be-
kannt gewordene Vorfälle zurück. Die sri-lankischen Behörden hatten of-
fenbar tamilische Rückkehrer bei der Wiedereinreise in Haft genommen.
Daraufhin hat die Vorinstanz in Aussicht gestellt, nicht nur die beiden Vor-
fälle, sondern auch eine allfällige Veränderung der allgemeinen Situation
in Sri Lanka vertieft abzuklären. Die Vorinstanz geht damit offenbar selber
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davon aus, dass der Sachverhalt, wie er der Verfügung vom 26. Juli
2012 zugrunde liegt, nicht vollständig festgestellt ist. Es besteht kein
Zweifel, dass sich eine neue Lagebeurteilung vor Ort auf die konkrete
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts auswirken kann, sei es
im Wegweisungsvollzugspunkt, sei es allenfalls im Flüchtlings- und Asyl-
punkt (vgl. zu den Risikogruppen BVGE 2011/24 E. 8).
3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat zwar die Kompetenz, den festge-
stellten Sachverhalt mit voller Kognition zu überprüfen (Art. 106 Abs. 1
Bst. b AsylG), und es stellt grundsätzlich auf den Sachverhalt ab, wie er
sich im Zeitpunkt des Urteils verwirklicht hat (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). Es
kann indessen nicht die Aufgabe der Beschwerdeinstanz sein, grundle-
gende Fragen zum Sachverhalt als erste Instanz zu klären. Das ergibt
sich aus der gesetzlichen Zuständigkeitsordnung. Das Gericht beurteilt
Beschwerden gegen Verwaltungsverfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG,
ist mithin zur Überprüfung von Verfügungen zuständig (Art. 31 VGG). Die
Bestimmung zur Sachverhaltsfeststellung in Art. 32 VwVG ist denn auch
primär auf das Verwaltungsverfahren vor den erstinstanzlichen Bundes-
behörden und nicht auf das Beschwerdeverfahren zugeschnitten, was die
gesetzliche Systematik bestätigt. Schliesslich fällt ins Gewicht, dass die
Partei eine Instanz verlöre, wenn das Gericht die Grundlagen des rechts-
erheblichen Sachverhalts nicht nur ergänzen, sondern gleichsam wie eine
erste Instanz erheben würde. Aus diesen Gründen hat das Bundesver-
waltungsgericht von eigenen Sachverhaltsfeststellungen, die über eine
blosse Ergänzung und Erwahrung des rechtserheblichen Sachverhalts
hinausreichen, abzusehen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5; ferner Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-1854/2012 vom 7. November 2012, E. 3.2).
3.3 Demnach ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache
zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zu neuer Entscheidung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Allein die Tatsache, dass die Ergebnisse
der vorinstanzlichen Abklärungen abzuwarten sind, rechtfertigt die Aufhe-
bung der angefochtenen Verfügung. Die Beschwerde ist somit – unge-
achtet der Parteivorbringen – gutzuheissen. An der Beurteilung der kon-
kreten Beschwerdevorbringen besteht kein schutzwürdiges Interesse
mehr; in diesem Umfang ist die Beschwerde zugleich gegenstandslos
geworden.
4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 VwVG). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zurückzuerstatten.
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5.
Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei
von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwach-
sene notwendige und verhältnismässige hohe Kosten zusprechen (Art. 64
Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer gilt insoweit als obsiegende Partei,
als seinem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung statt-
zugeben ist. Demgegenüber ist zu berücksichtigen, dass die Beschwer-
degegnerin den gleichen Parteistandpunkt einnimmt, auch wenn ein for-
meller Antrag auf Beschwerdegutheissung fehlt. Die Gutheissung erfolgt
denn auch nicht wegen begründeter Parteivorbringen, sondern allein
deshalb, weil eine allfällig veränderte Sachlage die Wiederaufnahme des
erstinstanzlichen Verwaltungsverfahrens unausweichlich macht. Bei der
Festsetzung der Parteientschädigung ist beiden Aspekten Rechnung zu
tragen, sowohl dem Aspekt des Obsiegens des Beschwerdeführers (nach
Art. 7–14 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]) als auch dem der Gegenstandslosigkeit (nach Art. 15 VGKE).
Bei gegenstandslosen Verfahren ohne Zutun der Parteien richtet sich die
Entschädigung aufgrund der Sachlage vor Eintritt des Erledigungsgrun-
des (Art. 15 i.V.m. Art. 5 Satz 2 VGKE). Die vorliegende Beschwerde ist
aufgrund der ungeklärten Vorfälle in Sri Lanka durch Rückweisungsent-
scheid zu erledigen. Da keine gesicherten Erkenntnisse über die allge-
meine Situation in Sri Lanka vorliegen, lässt sich die Sachlage und damit
die prozessualen Erfolgsaussichten der Beschwerde auch im Zeitpunkt
ihrer Einreichung nicht näher bestimmen. In Anwendung der gesetzlichen
Bemessungsfaktoren und angesichts der besonderen Umstände er-
scheint eine Parteientschädigung von Fr. 1'600.– angemessen. Die Vorin-
stanz ist in Anwendung von Art. 64 Abs. 2 VwVG anzuweisen, dem Be-
schwerdeführenden diesen Betrag als Parteientschädigung zu entrichten.
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