Decision ID: 8a726a37-f814-4478-aa39-4f583beb6e31
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X und Y Z leben in A. Im Jahr 2015 gingen beide einer unselbständigen
Erwerbstätigkeit nach. Sie besitzen ein Einfamilienhaus in A und ein Ferienhaus im
Tessin. Am 22. Dezember 2015 bezog X Z aus der Säule 3a eine Kapitalleistung von Fr.
89'788.69, wofür er am 3. Februar 2016 mit einer getrennt vom übrigen Einkommen
erhobenen Jahressteuer veranlagt wurde. Ebenfalls am 22. Dezember 2015 tätigte der
Steuerpflichtige einen Einkauf in seine Pensionskasse in der Höhe von Fr. 85'000.–.
Diesen Betrag zog er in der Steuererklärung 2015 von den Einkünften ab und
deklarierte zusammen mit seiner Ehefrau ein steuerbares Einkommen von Fr. 106'400.–
und ein steuerbares Vermögen von Fr. 5'577'000.–. Das Kantonale Steueramt nahm
einige Korrekturen vor, unter anderem liess es den Einkauf in die Pensionskasse nicht
als Beitrag in die berufliche Vorsorge zum Abzug zu. X und Y Z wurden am 2. August
2017 für die Kantons- und Gemeindesteuer 2015 mit einem steuerbaren Einkommen
von Fr. 209'200.– und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 5'716'000.– (Anteil Kanton
St. Gallen Fr. 5'310'000.–) und für die direkte Bundessteuer 2015 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 190'300.– veranlagt. Mit Entscheiden vom 11. Januar
2018 wurden die dagegen erhobenen Einsprachen teilweise gutgeheissen und das
steuerbare Einkommen auf Fr. 200'500.– (Kantons- und Gemeindesteuern) bzw. Fr.
181'600.– (direkte Bundessteuer) reduziert. Der Abzug für den Einkauf in die zweite
Säule wurde unverändert nicht gewährt.
B.- Gegen die Einsprache-Entscheide erhoben X und Y Z mit Schreiben vom 30.
Januar 2018 und Ergänzung vom 9. Februar 2018 Rekurs und Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, der Einkauf in die berufliche Vorsorge
von Fr. 85'000.– sei zum Abzug zuzulassen und das steuerbare Einkommen für die
Kantons- und Gemeindesteuer und die direkte Bundessteuer entsprechend zu
reduzieren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Vernehmlassung vom 4. Mai 2018 beantragte die Vorinstanz unter Verweis auf die
Einsprache-Entscheide, Rekurs und Beschwerde seien abzuweisen.
Auf die von den Beteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten Ausführungen

wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Betrifft das Verfahren sowohl die Kantonssteuern als auch die direkte
Bundessteuer, sind zwei Entscheide zu fällen. Diese können zwar beide im gleichen
Dokument enthalten sein; dieses muss jedoch eine getrennte Begründung und ein
getrenntes Dispositiv aufweisen, oder zumindest ein Dispositiv, das die beiden Steuern
auseinanderhält (BGE 130 II 509 E. 8.3). Nach einem neueren Urteil könne im Dispositiv
sogar auf eine Unterscheidung zwischen beiden Steuern verzichtet werden, wenn die
entschiedene Rechtsfrage im Bundesrecht und im harmonisierten kantonalen Recht
gleich geregelt sei und für beide Kategorien von Steuern gleich begründet werden
könne. Aus der Begründung müsse dann aber klar hervorgehen, dass der Entscheid
sowohl für die direkte Bundessteuer als auch für die Kantons- und Gemeindesteuern
gelte (BGE 135 II 260 E. 1.3.1). Gleichwohl entscheidet das Bundesgericht auch bei
Fragen, die sowohl auf Bundes- als auch auf kantonaler Ebene übereinstimmend
geregelt sind, mit separaten Dispositiven (vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts [BGer]
2C_560/2014 und 2C_561/2014 vom 30. September 2015). Im Einklang damit werden
der Rekurs und die Beschwerde vorliegend in einem einzigen Dokument behandelt,
wobei im gemeinsamen Dispositiv beide Steuern auseinandergehalten werden.
2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Rekurs und Beschwerde vom 30. Januar 2018 sind
rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen zusammen mit der Ergänzung vom 9.
Februar 2018 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 194 Abs.1 des St. Galler Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 140 Abs.
2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG;
Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1;
Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf Rekurs und Beschwerde ist einzutreten.
3.- Umstritten ist, ob der Einkauf in die Pensionskasse des Rekurrenten in der Höhe
von Fr. 85'000.– von den Einkünften in Abzug gebracht werden kann.
a) Die Rekurrenten machen zur Hauptsache geltend, gestützt auf die kantonalen und
eidgenössischen gesetzlichen Bestimmungen seien die gemäss Gesetz, Statuten oder
Reglement geleisteten Einlagen, Prämien, Beiträge etc. an Einrichtungen der
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beruflichen Vorsorge in Übereinstimmung mit Art. 81 Abs. 2 BVG von den Einkünften
abziehbar. Eine Ausnahme bestehe für Einkaufsbeiträge, die aus Kapitalzahlungen
stammten, welche bei einem Stellenwechsel vom Arbeitgeber oder von Einrichtungen
der beruflichen Vorsorge ausgerichtet und innert Jahresfrist zum Einkauf in eine
Einrichtung der beruflichen Vorsorge verwendet würden. In jenen Fällen werde die
Kapitalzahlung nicht besteuert und könne der Einkauf nicht abgezogen werden.
Entgegen der Ansicht der Vorinstanz liege beim Rekurrenten aber kein solch
steuerneutraler Transfer vor. Es fehle einerseits am erforderlichen Stellenwechsel,
andrerseits liege keine Kapitalauszahlung eines Arbeitgebers oder einer Einrichtung der
beruflichen Vorsorge, sondern ein Bezug aus der Säule 3a vor. Das Vorgehen des
Rekurrenten liege im rechtlich zulässigen Rahmen und sei gesetzeskonform. Eine
Verrechnung von Auszahlungen aus der Säule 3a mit Einkäufen in die Säule 2 sei nicht
zulässig und würde eine Schlechterstellung gegenüber jener Person bedeuten, welche
dieselben Einkäufe vornehme und die Säule 3a erst nachher auflöse. Es liege auch
keine Steuerumgehung vor. Weder die Ausrichtung angesparter Gelder in der Säule 3a
nach Erreichen des 60. Altersjahres noch der in den letzten Jahren vor der
Pensionierung erfolgte Einkauf seien absonderlich. Der Rekurrent habe sodann per 31.
Dezember 2015 über ein Wertschriftenvermögen von Fr. 5'348'714.– verfügt, welches
ihm ermöglicht hätte, die Einkäufe auch ohne Ausrichtung aus der Säule 3a
vorzunehmen. Mit der Einzahlung in die Säule 2 sei tatsächlich eine Verbesserung des
Vorsorgeschutzes eingetreten. Bei der Säule 3a handle es sich nämlich um ein reines
Kapitalsparkonto.
Die Vorinstanz erwog im Einsprache-Entscheid, soweit auf den vorliegenden
Sachverhalt zutreffend, bei der Überführung des Vorsorgevermögens der Säule 3a in
eine berufliche Vorsorgeeinrichtung sei zu unterscheiden, ob die Überführung im
Zusammenhang mit einer vorzeitigen oder mit einer ordentlichen Ausrichtung der
Altersleistung erfolge. Im ersten Fall müsse die Leistung für den Einkauf in eine
steuerbefreite Vorsorgeeinrichtung verwendet werden. Eine solche Übertragung sei
steuerneutral. Mit Blick auf Praxis, Lehre und bundesgerichtliche Rechtsprechung sei
die analoge Anwendung von Art. 24 lit. c DBG bzw. Art. 37 lit. d StG bei
Kapitalleistungen aus Vorsorge bzw. Altersleistungen der Säule 3a auch im zweiten Fall
korrekt. Da die Mittel dem Vorsorgezweck verhaftet blieben, seien sie erst bei der
endgültigen Auszahlung als Einkommen zu erfassen. Im Gegenzug sei der Einkauf bis
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zur Höhe des Kapitalbezugs nicht abziehbar. Ein Stellenwechsel sei dafür nicht
zwingend nötig. Es sei sogar vertretbar, in Konstellationen wie der vorliegenden den
restriktiv zu interpretierenden Art. 38 DBG bzw. Art. 52 StG als nicht anwendbar zu
betrachten.
b) In Art. 111 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) ist das Dreisäulenprinzip
für die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge verankert. Die drei Säulen sind
die eidgenössische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (Säule 1), die
berufliche Vorsorge (Säule 2) und die Selbstvorsorge (Säule 3). Die Säule 1, welche alle
natürlichen Personen obligatorisch umfasst, die in der Schweiz wohnen oder einer
Erwerbstätigkeit nachgehen, dient der Deckung des Existenzbedarfs. Die kollektive
Personalvorsorge durch den Arbeitgeber wird als Säule 2 oder berufliche Vorsorge
bezeichnet. Sie soll die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener
Weise ermöglichen. Vervollständigt wird dieses Konzept durch die Säule 3, mit der die
kollektiven Massnahmen der anderen beiden Säulen entsprechend den persönlichen
Bedürfnissen ergänzt werden können und in welcher der Einzelne durch Sparen und
Abschluss von Versicherungen Selbstvorsorge betreibt (Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, Art. 22 N 4). Den drei Säulen 1, 2
und 3a gemeinsam ist, dass die geleisteten Beiträge von den Einkünften abgezogen
werden können (bei der Säule 3a bis zu einem vom Bundesrat festgelegten
Höchstbetrag) und diese erst im Zeitpunkt der Altersleistung – sie dies als Rente oder
als Kapitalleistung – besteuert werden.
Für die Säule 2 sieht Art. 81 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (SR 831.40, abgekürzt: BVG) vor, dass die von
den Arbeitnehmern und Selbständigerwerbenden nach Gesetz oder reglementarischen
Bestimmungen geleisteten Beiträge an Vorsorgeeinrichtungen bei den direkten Steuern
des Bundes, der Kantone und Gemeinden abziehbar sind. In Ausführung dieser
Bestimmung können nach Art. 33 Abs. 1 lit. d DBG bzw. Art. 45 Abs. 1 lit. d StG die
nach Gesetz, Statut oder Reglement geleisteten Einlagen, Prämien und Beiträge an die
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung und an Einrichtungen der
beruflichen Vorsorge von den Einkünften abgezogen werden. Darunter fallen
insbesondere Einkäufe von Lohnerhöhungen, fehlenden Beitragsjahren und
Vorfinanzierungen von Frühpensionierungen bei der beruflichen Vorsorge.
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Nach Art. 82 Abs. 1 BVG können Arbeitnehmer und Selbständigerwerbende auch
Beiträge für weitere, ausschliesslich und unwiderruflich der beruflichen Vorsorge
dienende, anerkannte Vorsorgeformen abziehen (Säule 3a). Art. 33 Abs. 1 lit. e DBG
bzw. Art. 45 Abs. 1 lit. e StG sehen entsprechend vor, dass die Einlagen, Prämien und
Beiträge zum Erwerb von vertraglichen Ansprüchen aus anerkannten Formen der
gebundenen Selbstvorsorge abziehbar sind.
Alle Einkünfte aus der beruflichen Vorsorge (Säule 2) und aus anerkannten Formen der
gebundenen Selbstvorsorge (Säule 3a) – sei dies bei ordentlicher Auszahlung der
Altersleistung oder im Fall einer vorzeitigen Barauszahlung zwecks Erwerbs von
Wohneigentum, Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit oder endgültigen
Verlassens der Schweiz – sind im Gegenzug nach Art. 22 Abs. 1 DBG bzw. Art. 35 Abs.
1 StG grundsätzlich voll steuerbar (vgl. auch Art. 83 BVG). Der Einkommenssteuer nicht
unterworfen sind jedoch Kapitalleistungen, die bei Stellenwechsel vom Arbeitgeber
oder von Einrichtungen der beruflichen Vorsorge ausgerichtet werden, wenn sie der
Empfänger innert Jahresfrist zum Einkauf in eine Einrichtung der beruflichen Vorsorge
oder zum Erwerb einer Freizügigkeitspolice verwendet (vgl. Art. 24 lit. c DBG bzw. Art.
37 lit. d StG). Dies ist eine Folge des Prinzips der Freizügigkeit bei Auflösung eines
Vorsorgeverhältnisses, ohne dass der Vorsorgefall eingetreten ist (vgl. Art. 2 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge, SR 831.42, abgekürzt: FZG).
Nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung für
Beiträge an anerkannte Vorsorgeformen (SR 831.461.3, abgekürzt: BVV 3) dürfen die
Altersleistungen aus der gebundenen Selbstvorsorge (Säule 3a) frühestens fünf Jahre
vor dem ordentlichen Rentenalter der AHV ausgerichtet werden. Eine vorzeitige
Ausrichtung ist nach Abs. 2 lit. b von Art. 3 BVV 3 unter anderem zulässig, wenn das
Vorsorgeverhältnis aufgelöst wird, weil der Vorsorgenehmer die ausgerichtete Leistung
für den Einkauf in eine steuerbefreite Vorsorgeeinrichtung oder für eine andere
anerkannte Vorsorgeform verwendet. Die steuerliche Konsequenz eines solchen
Vorgehens ist gesetzlich nicht geregelt. Gemäss Ziff. 6.3 des Kreisschreibens Nr. 18
der Eidgenössischen Steuerverwaltung (nachfolgend: KS-EStV) vom 17. Juli 2008 muss
die Überweisung des Vorsorgeguthabens in diesem Fall direkt vom Säule 3a-
Vorsorgeträger an die berufliche Vorsorgeeinrichtung erfolgen. Die Übertragung ist
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dann steuerneutral. Das transferierte Guthaben gelangt im Zeitpunkt der Überweisung
nicht zur Besteuerung und der Einkauf kann steuerlich nicht zum Abzug gebracht
werden. Eine solche Übertragung ist auch nach Erreichen des 59./60. Altersjahres
möglich, sofern die versicherte Person dies verlangt (Schweizerische Steuerkonferenz
SSK Vorsorge und Steuern, A.8.2.1, nachfolgend SSK).
c) Im vorliegenden Fall liess sich der Rekurrent und Beschwerdeführer sein Konto der
Säule 3a bei der Bankstiftung C im 63. Altersjahr auszahlen, was abgesehen vom
Erreichen des Alters voraussetzungslos möglich ist. Es handelte sich dabei um eine
Auszahlung altershalber nach Art. 3 Abs. 1 BVV 3 (vgl. die Bescheinigung der
Bankstiftung in act. 12/1.9: Auszahlungsgrund "Erlebensfall") und nicht um eine
vorzeitige Ausrichtung, wie sie in Art. 3 Abs. 2 lit. b BVV 3 geregelt wird. Letztere ist nur
zulässig, wenn das Geld in die berufliche Vorsorge oder in eine andere Säule 3a
eingebracht wird. Beim Rekurrenten und Beschwerdeführer war jedoch mit Erreichen
des erforderlichen Alters (fünf Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter, vgl. Art. 3 Abs. 1
BVV 3) die Voraussetzung für eine ordentliche Ausrichtung der Kapitalleistung
gegeben. Art. 3 Abs. 2 lit. b BVV 3, der gemäss Praxis der Steuerbehörden – welche
hier nicht näher zu prüfen ist – eine steuerneutrale Abwicklung der Kapitalleistung bzw.
des Einkaufs zur Folge hat, ist somit nicht anwendbar. Dass die Praxis der
Steuerbehörden einen solchen Transfer auch nach Überschreiten der Altersgrenze
zulässt, sofern die versicherte Person dies verlangt, vermag daran nichts zu ändern, da
der Rekurrent und Beschwerdeführer keinen entsprechenden Antrag stellte. Eine
gesetzliche Vorschrift, welche in dieser Situation eine Überführung der Konten der
Säule 3a in die Säule 2 vorschreibt, gibt es nicht.
Mit der altershalben Auszahlung war der Vorsorgezweck der über Jahre in die Säule 3a
einbezahlten Gelder erreicht und die Kapitalleistung für den Empfänger frei verfügbar.
Sie hatte den Vorsorgekreislauf verlassen. Eine Pflicht, das Geld weiterhin für
Vorsorgezwecke gebunden zu halten, bestand nicht mehr. Jene Mittel waren nicht
mehr dem Vorsorgezweck verhaftet, sie stellten kein gebundenes Vorsorgekapital mehr
dar. Die Kapitalleistung von Fr. 89'788.69 wurde von der Vorinstanz denn auch
folgerichtig mit einer separat vom übrigen Einkommen berechneten Jahressteuer
besteuert. Art. 38 DBG bzw. Art. 52 StG nicht anzuwenden, wie die Vorinstanz es als
vertretbar erachtet, kann angesichts der klaren gesetzlichen Bestimmungen nicht
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angehen und würde einen Verstoss gegen das Legalitätsprinzip darstellen. Die
erwähnte Problematik der systemwidrigen separaten Besteuerung manifestiert sich
zudem nur bei der Säule 2, welche als Kapitalleistung oder als Rente ausbezahlt
werden kann. Die Säule 3a einer Bankstiftung wird hingegen stets als Kapitalleistung
ausbezahlt.
Da das für den Einkauf in die Pensionskasse des Rekurrenten und Beschwerdeführers
verwendete Geld weder von seinem Arbeitgeber noch aus einer Einrichtung der
beruflichen Vorsorge – eine Bankstiftung nach Art. 1 Abs. 1 lit. b BVV 3 fällt nämlich
nicht darunter – stammt und der Vorsorgefall bei der Säule 3a mit Ausrichtung der
ordentlichen Altersleistung bereits eingetreten ist, sind Art. 24 lit. c DBG bzw. Art. 37 lit.
d StG sodann weder direkt noch analog anwendbar. Diese Bestimmungen regeln die
Besteuerung von Kapitalleistungen, die innerhalb der beruflichen Vorsorge (Säule 2)
verschoben werden, mithin von Geldern, die der Vorsorge verhaftet sind, da der
Vorsorgefall noch nicht eingetreten ist. Der Rekurrent durfte das aus der Säule 3a
ordentlich ausbezahlte Geld jedoch frei verwenden, und zwar auch für einen Einkauf in
die berufliche Vorsorge (Säule 2). Dass dieser Einkauf in der Höhe von Fr. 85'000.–
nach Gesetz, Statut oder Reglement nicht zulässig gewesen wäre und daher nach Art.
33 Abs. 1 lit. d DBG bzw. Art. 45 Abs. 1 lit. d StG nicht von den Einkünften in Abzug
gebracht werden könnte, wird von der Vorinstanz nicht geltend gemacht. Etwas
Gegenteiliges ist aus den Akten auch nicht ersichtlich.
Anders als in den von der Vorinstanz zitierten Bundesgerichtsentscheiden liegt weder
ein Fall einer ohne Barauszahlungsgrund getätigten, vorsorgewidrigen Kapitalleistung
einer Vorsorgeeinrichtung (BGer 2C_204/2016 vom 9. Dezember 2016, 2C_156/2010
vom 7. Juni 2011) noch ein solcher einer Abgangsentschädigung des Arbeitgebers mit
Vorsorgecharakter vor (BGer 2C_809/2013 vom 31. März 2014). Ein gleich gelagerter
Fall wurde vom Bundesgericht bisher noch nie beurteilt. Die Beispiele der SSK (A.8.2.1
und B.6.2.1) beziehen sich auf den Einkauf von Versicherungsjahren mit Mitteln der
Säule 3a im Rahmen einer vorzeitigen Ausrichtung der Altersleistung. Im KS-EStV Nr.
41 vom 18. September 2014 werden steuerliche Fragen im Zusammenhang mit dem
Freizügigkeitsgesetz geregelt. Dieses betrifft daher nur die Säule 2. Hinzu kommt, dass
die Praxis der Vorinstanz eine Ungleichbehandlung mit Steuerpflichtigen zur Folge
hätte, welche den Einkauf in die Säule 2 tätigen und die Säule 3a erst später auflösen.
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Die Verrechnung von Auszahlungen aus der Säule 3a mit Einzahlungen in die Säule 2
und damit deren steuerneutrale Behandlung in den letzten fünf Jahren vor Erreichen
des AHV-Alters gegen den Willen des Steuerpflichtigen erweist sich daher nicht als
zulässig.
d) Soweit die Vorinstanz im Vorgehen des Rekurrenten und Beschwerdeführers eine
Steuerumgehung erblickt, kann ihr ebenfalls nicht gefolgt werden. Eine solche liegt
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 138 II 239 E. 4.1 mit
Hinweisen) vor, wenn (1.) eine von den Beteiligten gewählte Rechtsgestaltung als
ungewöhnlich, sachwidrig oder absonderlich, jedenfalls den wirtschaftlichen
Gegebenheiten völlig unangemessen erscheint, wenn (2.) zudem anzunehmen ist, dass
die gewählte Rechtsgestaltung missbräuchlich lediglich deshalb getroffen wurde, um
Steuern einzusparen, die bei sachgemässer Ordnung der Verhältnisse geschuldet
wären, und wenn (3.) das gewählte Vorgehen tatsächlich zu einer erheblichen
Steuerersparnis führen würde, sofern es von der Steuerbehörde hingenommen würde.
Weder die Ausrichtung angesparter Beträge in der Säule 3a ab dem 59./60. Altersjahr
noch der in den letzten beiden Jahren vor der Pensionierung erfolgte Einkauf in die
berufliche Vorsorge erscheinen als ungewöhnlich. Das Vorgehen des Rekurrenten und
Beschwerdeführers lag im rechtlich vorgegebenen Rahmen, auch wenn die Auszahlung
und der Einkauf am selben Tag erfolgten. Da der Rekurrent und Beschwerdeführer
zusammen mit seiner Ehefrau Ende 2015 über ein Wertschriftenvermögen von über
Fr. 5'000'000.– verfügte, hätte er den Einkauf auch mit Mitteln aus seinem Vermögen
finanzieren können. Da der Bezug aus der Säule 3a altershalber erfolgte und jenes Geld
daher nicht mehr dem Vorsorgezweck verhaftet, sondern frei verwendbar war – es
hätte auch für den Kauf eines Autos, für Ferien, etc. ausgegeben werden können –,
stellt der Einkauf in die Säule 2 entgegen der Ansicht der Vorinstanz eine Verbesserung
der Vorsorgesituation des Rekurrenten und Beschwerdeführers dar. Seine künftige
Rente erhöhte sich dadurch. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass er mit seinem
Vorgehen einzig und allein bezweckte, Guthaben der Säule 3a in die Säule 2 zu
transferieren, um damit Steuern zu sparen. Hätte er sich die Säule 3a einige Zeit nach
dem Einkauf in die Säule 2 auszahlen lassen, wäre eine Steuerumgehung kein Thema
gewesen, obschon damit im Jahr 2015 dieselbe Steuerersparnis, nämlich ein Abzug
von Fr. 85'000.–, eingetreten wäre. Der vorliegende Sachverhalt ist nicht vergleichbar
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mit jenem, der BGer 2C_230/2015 vom 3. Februar 2016 zugrunde lag, wo es um
Einkäufe in die Vorsorgeeinrichtung bei späterem Bezug einer Kapitalleistung innerhalb
von drei Jahren ging, was gestützt auf Art. 79b BVG unzulässig ist.
e) Die vom Rekurrenten und Beschwerdeführer im Jahr 2015 geleistete Einlage in der
Höhe von Fr. 85'000.– in eine Einrichtung der beruflichen Vorsorge ist daher gestützt
auf Art. 33 Abs. 1 lit. d DBG bzw. Art. 45 Abs. 1 lit. d StG zum Abzug zuzulassen. Das
steuerbare Einkommen der Kantons- und Gemeindesteuern 2015 und der direkten
Bundessteuer 2015 ist entsprechend anzupassen.
4.- Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Rekurs und die Beschwerde
gutzuheissen und die vorinstanzlichen Einsprache-Entscheide vom 11. Januar 2018
betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern 2015 sowie die direkte Bundessteuer
2015 aufzuheben sind. Die Angelegenheit ist zu neuen Entscheiden im Sinne der
Erwägungen und zur neuen Ausscheidung der Kantons- und Gemeindesteuern 2015 an
die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. Art. 56 Abs. 1 VRP).
5.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP und Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von je Fr.
800.– ist angemessen (Art. 144 Abs. 5 DBG, Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die geleisteten Kostenvorschüsse in gleicher
Höhe sind den Rekurrenten und Beschwerdeführern zurückzuerstatten.
b) Die Rekurrenten und Beschwerdeführer stellen ein Entschädigungsbegehren. Nicht
vertretenen Privatpersonen wird bei Obsiegen auf Antrag eine Umtriebsentschädigung
zugesprochen (vgl. Art. 98 VRP; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Galler Diss. 2004, S. 200 mit Hinweisen; VRKE I/
2-2011/39 vom 20. Oktober 2011, in: www.gerichte.sg.ch). Vorliegend erscheint eine
Entschädigung von Fr. 400.– als angemessen. Entschädigungspflichtig ist der Staat
(Kantonales Steueramt).