Decision ID: 8e42749e-06d1-44fa-8748-714332929de1
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
Die 1987 geborene
X._
hat keinen Berufsabschluss. Sie
stand vom
3. Mai 2010 bis 12. Oktober 2012 beim
Temporärbüro
Y._
in einem Arbeitsverhältnis, wobei der letzte Einsatz für diese am 1. März 2012 geendet hatte (
Urk.
7/32). Vom 5. März 2012
bis 15. September 2012 stand sie bei der
Z._
,
ebenfalls ein Betrieb des Personalverleihs,
im
Arbeits
-
verhältnis, und arbeitete als Betriebsmitarbeiterin
zu 100
%
in einem Einsatz
-
betrieb (
Urk.
7/31/
1)
.
Am 3. Oktober 2012 (
Urk.
7/29
) meldete sich die Versicherte b
ei der
Arbeits
-
losen
versicherung
zum Leistungsbezug an. Daraufhin wurde vom 3. Oktober 2012 bis 2. Oktober 2014 (
Urk.
7/10) eine Rahmenfrist für den
Leis
tungsbezug
von Arbeitslosenentschädigung eröffnet. Aufgrund einer Meldung des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums
A._
(RAV) vom
26. Oktober 2012 (
Urk.
7/1) stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) die Versicherte mit Verfügung vom 31. Oktober 2012 (
Urk.
7/2) wegen ungenügen
der persönlicher Arbeitsbemühungen für 7 Tage ab dem 3. Oktober 2012 in der Anspruchsberechtigung ein. Dagegen erhob die Versicherte am 22. November 2012 Einsprache, die das AWA mit
Einspracheentscheid
vom 28. November 2012 (
Urk.
2) abwies.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 29. November 2012 (
Urk.
1) Beschwerde mit dem sinngemässen Rechtsbegehren, die Einstellung in der
Anspruchsberechti
gung
von 7 Tagen sei aufzuheben. In der Beschwerdeantwort vom 29. Januar 2013 (
Urk.
6) schloss das AWA auf Abweisung der Beschwerde.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach
Art.
17
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
-
versi
cherung
und die Insolvenzentschädigung (AVIG) muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unter
stützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unterneh
men, um Ar
beitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Ins
besonde
re ist sie verpflichtet, Arbeit zu
suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühun
gen nachweisen können. Gemäss
Art.
30
Abs.
1
lit
.
c AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung ein
zustellen, wenn sie sich persönlich nicht genügend um zumut
bare Arbeit bemüht. Dieser
Einstel
lungsgrund
ist schon dann gegeben, wenn die versicherte Person vor Eintritt der Arbeits
losig
keit ihren Obliegenheiten nicht nachgekommen ist. Sie hat sich da
her bereits während der Kündigungsfrist
bzw. vor der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung
um einen neuen Arbeits
platz zu bewerben (ARV 2003 Nr
. 10 S. 119 E. 1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts C 210/04
vom
10. Dezember 2004 E. 2.2.3
)
.
1.3
Bei der Beurteilung der Frage, ob sich eine versicher
te Person genügend um zumutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität ihrer Bewer
bungen von Bedeutung (BGE 124 V 225 E. 4a mit Hinweis).
Dabei kommt es nicht auf den Erfolg der Arbeitsbemühungen an, sondern viel
mehr auf die Tatsache und Intensität der
selben (ARV 1980 Nr. 45 S. 112 E. 2). Die Arbeitsbemühungen müssen zudem umso intensiver sein, je weniger Aus
sicht eine versicherte Person hat, eine Stelle zu finden (Gerhards, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Band I, Bern/Stuttgart 1987, N 13 ff. zu Art. 17 AVIG). Betreffend Quantität der persönlichen Arbeitsbemühungen kön
nen zwar keine eindeutigen Zahlenwerte angegeben werden, in der Regel müs
sen aber mindestens zehn bis zwölf geeignete Arbeitsbemühungen je
Kontroll
periode
nachgewiesen wer
den (vgl. Gerhards, a.a.O., N 15 zu Art. 17 AVIG).
1.4
Die Pflicht der Versicherungsleistungen beanspruchenden Person zur Arbeitssu
che - als Teil der Schadenminderungspflicht - ergibt sich direkt aus dem Gesetz (Art. 17 Abs. 1 AVIG). Die versicherte Person kann sich daher insbesondere nicht damit exkulpieren, nicht gewusst zu haben, dass sie schon vor Aufnahme der
Stem
pelkontrolle
zur ernsthaften Arbeitssuche verpflichtet war und nicht darauf aufmerksam gemacht worden sei (Urteile des Bundesgerichts C 236/04 vom 28. Dezember 2004 und C 200/03 vom 15. Dezember 2003 je mit Hinweis; vgl. auch ARV 1980 Nr. 44 S. 109). Der Versi
cherte hat sich dementsprechend während einer allfälli
gen Kündigungsfrist, aber auch generell während der Zeit vor Anmeldung (ARV 1982 Nr. 4 S. 40), nach konstanter Gerichtspraxis unauf
gefordert um Stellen zu bemühen (vgl. Urteil des Bundesgerichts C 138/05 vom 3. Juli 2006 E. 2.1).
Der Arbeitnehmer muss sich daher im Rahmen der
Schadenminderungs
pflicht
grundsätzlich schon vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses um eine neue Stelle bemühen, wenn er ein Arbeitsverhältnis eingeht, von dem er weiss oder wissen muss, dass es von voraussichtlich kürzerer Dauer sein wird. Das mit der
Annahme einer solchen Stelle verbundene erhöhte Risiko einer voraussehbaren Arbeitslosigkeit erfordert gleichsam im Gegenzug, dass der Arbeit
nehmer sich weiter um (zumutbare) Arbeit bemüht (Urteil des Bun
desgerichts 8C_271/2011 vom 14. Juni 2011 E. 2.2).
2.
Der Beschwerdegegner begründete die Einstellung in der
Anspruchsberechti
gung
im angefochtenen Entscheid damit, dass es sich bei der letzten Arbeits
stelle der Beschwerdeführerin um ein temporäres Arbeitsverhältnis gehandelt habe. Wenn man innerhalb von wenigen Tagen entlassen werden könne, sei man permanent von Arbeitslosigkeit bedroht, selbst wenn die Einsatzdauer un
bestimmt sei. Daher wäre die Beschwerdeführerin verpflichtet gewesen, sich ab dem 3. August 2012 intensiv und kontinuierlich um eine neue Festanstellung zu bemühen (
Urk.
2 S. 2). Und zwar solange, bis ihr rechtsverbindlich eine Weiter
beschäftigung oder eine neue Stelle zugesichert würde (
Urk.
2 S. 3).
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen im Wesentlichen vor, es sei ihr nicht bewusst gewesen, dass sie trotz ihres 100%igen Pensums Arbeitsbemühungen hätte tätigen müssen. Ausserdem habe sie mit einer Festanstellung gerechnet. Es sei überhaupt ein Hin und Her gewesen und sie habe bis zuletzt nicht gewusst, wie es weitergehen würde (
Urk.
1).
3.
3.1
Es kann der Beschwerdegegnerin in der Absolutheit, dass immer, wenn ein
Tem
porärarbeitsverhältnis
vorliegt, die versicherte Person immerzu während dessen Laufdauer neue Stellenbewerbungen tätigen muss (
Urk.
2/2), mit der Konsequenz, dass wenn diese Bewerbungen während der Laufdauer unterblie
ben sind und es – gegebenenfalls überraschend – zur Auflösung des
Temporär
arbeitsverhältnis
kommt, deswegen
eine
Einstellung in der
Anspr
uchsberechti
gung
erfolgen muss,
nicht gefolgt werden. Stabile, langandauernde
Temporär
arbeitsverhältnisse
(beispielsweise in der Baubranche) existieren durchaus auch; diese grundsätzlich anders zu behandeln als normale Arbeitsverhältnisse, bei denen
erst
nach der erfolgten Kündigung während der Kündigungsfrist und vor der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung Stellenbewerbungen getätigt werden müssen, leuchtet nicht ein. Es muss vielmehr auch bei den
Temporärar
beitsverhältnissen
im
Einzelfall angeschaut werden, ob sich konkret eine Ar
beitslosigkeit abzeichnete, mithin, ob
und wann
die versicherte Person konkret damit rechnen musste, arbeitslos zu werden (vgl. Urteil des
Sozialversiche
rungsgerichts
vom 27. Februar 2013 in Sachen B., AL.2011.00173
E. 3.1
).
3.2
Unbestritten ist vorliegend, dass das letzte Arbeitsverhältnis der Beschwerde
-
führe
rin
ein
Temporärverhältnis
war und vom 5. Mär
z bis 15. Sep
tember 2012 dauert
e
, nicht befristet war
,
sondern mittels einer kurzfristigen Kündigung vom 8. September per 15. September 2012 endete
(
Urk.
7/31/1).
Bereits zuvor hatte die Versicherte in einem
Temporärarbeitsverhältnis
gestan
den (
Urk.
7/32).
Wie die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde ausführt
e, war über eine Festanstellung geredet worden bzw.
eine solche
sei herumgesprochen worden, doch leider habe sie die Kündigung erhalten. Es sei ein „
Hin und Her“ gewesen, sie habe nicht gewusst, wo sie stehe
(
Urk.
1).
Vorliegend bestand aufgrund des Gesagten offenbar bereits im Vorfeld der Kündi
gung eine grosse Unsicherheit darüber, wie es in diesem Arbeitsverhältnis weitergehen sollte, eine konkrete, gegenüber der Versicherten geäusserte Ab
sicht des Arbeitgebers
,
sie festanzustellen
,
war nicht geäussert worden. Es muss
deshalb
davon ausgegangen werden, dass in der Tat immer eine gewisse Unsi
cherheit über die Zukunft des Arbei
tsverhältnisses bestanden hatte, mithin der Wiedereintritt der Arbeitslosigkeit wahrscheinlich war.
Wenn bei dieser Sach
lage seitens der Arbeitslosenversicherung
verlangt
wird
, dass sich die Versi
cherte
bereits
im Vorfeld der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung
hin
reichend
um andere Anstellungen
hätte
bemühen
müssen,
um
die
drohende Ar
beitslosigkeit abzuwenden,
ist das
vorliegend
somit
nicht zu beanstanden.
Die Beschwerdeführerin hat sich
am 13., 17., 19., 20., 24., 25., 26. sowie
27. September 2012 um eine neue Arbeitsstelle beworben. Vorzuwerfen ist
ihr da
bei,
dass sie bis zum 13. September
2012
mit der ersten nachweisbaren
Stellen
bemühung
gewartet hat und vor allem, dass sie lediglich telefon
isch und per
sönlich gesucht hat, nur auf einem Tätigkeitsgebiet
und es sich aus
-
schliesslich um Blindbewerbungen gehandelt hat. Sie hat keine schriftliche
Arbeitsbemü
hung
getätigt und sich nicht auf offene Stellen beworben. Um die Erfolgschan
cen zu erhöhen, muss man sich vorwiegend schriftlich sowie auf ausgeschrie
bene Stellen bewerben. Und da nicht ausschliesslich die Zahl der Bewerbungen massgebend ist, sondern es auch auf deren Qualität ankommt (BGE 112 V 217 E. 1b), sind die nachgewiesenen 8 Arbeitsbemühungen der Beschwerdeführerin
in dieser Hinsicht ungenügend.
3.3
Die Beschwerdegegnerin hat
das Verhalten der Beschwerdeführerin mit sieben Einstelltagen sanktioniert.
Es handelt sich dabei um den mittleren Bereich eines leichten Verschuldens (
Art.
45
Abs.
3
lit
. a AVIV: 1-15 Tage bei leichtem Ver
schulden).
In Anbetracht dessen, dass
für
die Beschwerdeführerin
bereits eine dritte Rahmenfrist für den Leistungsbezug läuft (
Urk.
7/10), ist dies nicht zu be
anstanden. Die B
eschwerde
ist abzuweisen.