Decision ID: 78054bfa-f273-4912-98f2-ae34d0e5a78e
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. C._ und A._ sind seit dem 16. Dezember 1999 Eigentümer der
Parzelle D._ im Grundbuch der Gemeinde B._. Zum Ferienhaus
gelangt man von E._ aus über die F._, von welcher im Bereich
'Rathus' ab Punkt G._ der H._ abbiegt. Die Feinerschliessung
erfolgt über einen Privatweg ab dem H._.
2. Mit Gesuch vom 23. Juli 2021 ersuchte A._ um Erteilung der
Bewilligung für die Befahrung der Strecke F._ 14 bis zu seinem
Ferienhaus am H._ 3 in E._ mit einem Raupenfahrzeug im
Winter. Als Grund gab er den Transport von Gütern sowie Personen an.
3. Mit Schreiben vom 10. August 2021 lehnte die Gemeinde B._ das
Gesuch von A._ mit der Begründung ab, dass für die relevante
Strecke ein allgemeines Fahrverbot für Motorschlitten herrsche. Weiter
gebe es auch keinen Anspruch auf die beantragte Bewilligung.
4. Am 9. September 2021 erhob der nun anwaltlich vertretene A._
Einsprache gegen den Entscheid der Gemeinde vom 10. August 2021. In
seiner Begründung verstärkte er das im Gesuch vorgebrachte Argument,
dass vorliegend ein Anspruch auf eine gebührenpflichtige Fahrbewilligung
vorhanden sei. Weiter machte er eine Diskriminierung hinsichtlich seiner
körperlichen Behinderung geltend, da er ansonsten im Winter sein
Maiensäss nicht nutzen könne.
5. Der Gemeindevorstand wies am 11. Oktober 2021 die Einsprache um
Erteilung der Sonderbewilligung für den Einsatz des Raupenfahrzeuges
als Transportmittel ab. Die Gemeinde argumentierte, dass es sich
vorliegend um eine Strasse handle, die im Winter nicht für den
motorisierten Verkehr geöffnet sei und somit unter das allgemeine
Fahrverbot gemäss kommunalem Strassenpolizeigesetz falle. Weiter
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könne der Einsprechende basierend auf diesem Erlass keinen Anspruch
auf eine Fahrbewilligung herleiten. Auch eine verfassungsmässige
Diskriminierung sei zu verneinen, da bezüglich der Ausnahmetatbestände
keine Unterscheidung zwischen verschiedenen Personengruppen
(gesund/kranheitsbeeinträchtigt) getroffen werde.
6. Am 10. November 2021 (Poststempel) erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
Beschwerde gegen den Entscheid der Gemeinde B._ vom
11. Oktober 2021. Der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die
Sonderbewilligung für den Einsatz des Raupenfahrzeugs auf genanntem
Strassenabschnitt sei zu erteilen, eventuell als Ausnahmebewilligung.
Subeventuell sei der Entscheid zu kassieren und der Gemeinde B._
zur Erteilung der beantragten Sonderbewilligung/Ausnahmebewilligung
zurückzuweisen. Der Beschwerdeführer habe Anspruch auf Erteilung
einer gebührenpflichtigen Jahresbewilligung für die Benützung eines
Fahrzeuges auf der Gemeindestrasse I._ (F._ 14 bis
H._ 3). Da es sich um die beantragte Benutzung eines
Raupenfahrzeuges auf einer für den motorisierten Verkehr geöffneten
Strasse handle, gelte das allgemeine Fahrverbot für Motorschlitten auf
freiem Gelände nicht. Weiter gebe es auch kein allgemeines
Winterfahrverbot. Ansonsten werde mit der Bewilligungsverweigerung das
verfassungsmässige Diskriminierungsverbot verletzt, weil dem
Beschwerdeführer infolge seiner körperlichen Behinderung die
Möglichkeit genommen werde, zu seinem Ferienhaus zu gelangen.
7. Am 11. Januar 2022 wurde die Vernehmlassung der Gemeinde B._
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) zur Beschwerde eingereicht mit dem
Antrag die Beschwerde abzuweisen. Anspruch auf Erteilung einer
Zufahrtsbewilligung hätten nur Personen, welche über die gesperrte
Strasse ihren Wohnsitz oder ein Geschäft erreichen müssen, was
vorliegend zu verneinen sei. Gemäss der kommunalen
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Strassenpolizeiverordnung der Gemeinde B._ bestehe auf der
Gemeindestrasse I._ ein Fahrverbot für Motorfahrzeuge, was auch
mittels Verbotstafeln markiert sei. Somit handle es sich bei der F._
um eine für den Motorfahrzeugverkehr gesperrte, öffentliche Strasse,
wobei jedoch Bewilligungen praxisgemäss erteilt werden können. Weiter
verkenne der Beschwerdeführer, dass gemäss der kantonalen Regelung
die Benützung von Motorschlitten auf dem Gebiet des Kantons
Graubünden nur auf Strassen gestattet sei, welche nicht mit einem
allgemeinen Fahrverbot oder Fahrverbot für Motorräder versehen und die
bei winterlichen Verhältnissen dem Verkehr geöffnet seien. Diese beiden
Voraussetzungen seien vorliegend beide nicht gegeben. Somit handle es
sich im Winter um die Benützung des freien Geländes ausserhalb der dem
Motorfahrzeugverkehr geöffneten Strassen, was gemäss kommunalem
Strassenpolizeigesetz für Motorschlitten verboten sei. Ein
Ausnahmetatbestand für die Benützung eines Motorschlittens werde
seitens des Beschwerdeführers nicht vorgebracht. Somit habe der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf Erteilung einer Sonderbewilligung
für den Einsatz eines Raupenfahrzeugs als Transportmittel auf dem
relevanten Strassenabschnitt. Die Verletzung des verfassungsmässigen
Diskriminierungsverbots wird von der Beschwerdegegnerin bestritten. Der
Beschwerdeführer habe im Begleitbrief zum Antrag für die Erteilung der
Sonderbewilligung am 4. August 2021 von den Folgen seines Alters
berichtet. Solche altersbedingten Schwächen gelten jedoch für alle
Menschen. Weiter stelle sich auch die Frage, ob unter gegebenen
Umständen die Fahreignung des Beschwerdeführers überhaupt noch
gegeben sei.
8. In der Replik vom 14. Februar 2022 hielt der Beschwerdeführer
unverändert an seinen Rechtsbegehren fest und vertiefte dabei seinen
Standpunkt. Zusätzlich führte er aus, dass im ärztlichen Zeugnis vom
21. Juli 2021 dargelegt werde, dass beim Beschwerdeführer infolge seiner
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gesundheitlichen Beeinträchtigung ein deutlich erhöhtes Sturzrisiko
bestehe, was von der Beschwerdegegnerin unerwähnt bliebe. Der Weg zu
seinem Ferienhaus sei somit für seine Gesundheit hochgradig gefährdet
und er gelte medizinisch als gehbehinderte Person. Weiter brachte der
Beschwerdeführer vor, dass er sich im Frühling 2021 bei der damaligen
Gemeindepräsidentin telefonisch betreffend Einsatz eines
Raupenfahrzeuges erkundigt habe, welche ihm die Erteilung der
Bewilligung unter Vorlage eines Arztzeugnisses in Aussicht gestellt habe.
Infolge dessen habe er dann in gutem Glauben am 23. Juli 2021 auch das
entsprechende Gesuch gestellt. Weiter führt der Beschwerdeführer aus,
dass ihm der von der Beschwerdegegnerin angesprochene Begleitbrief
vom 4. August 2021 nicht bekannt sei und die Infragestellung seiner
Fahreignung absolut fehl am Platz sei.
9. Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 25. Februar 2022 an den
Ausführungen in der Vernehmlassung vom 11. Januar 2022 fest. Sie
argumentierte, dass der vom Beschwerdeführer geschilderte Inhalt des
Telefonats im Frühling 2021 mit der damaligen Gemeindepräsidentin
bestritten werde. Es sei rein informell und unverbindlich über die Erteilung
von Bewilligungen gesprochen worden. Dabei habe die damalige
Gemeindepräsidentin weder in Aussicht gestellt noch zugesichert, dass
der Beschwerdeführer eine Bewilligung erhalte, wenn er ein ärztliches
Zeugnis vorlege.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Einspracheentscheid vom 11. Oktober 2021 sowie die eingereichten
Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
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II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Einspracheentscheid des
Gemeindesvorstands vom 11. Oktober 2021. Dieser stellt ein taugliches
Anfechtungsobjekt vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
i.S.v. Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) dar. Als Adressat des Entscheids ist der
Beschwerdeführer zudem durch diesen berührt und weist ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung auf
(Art. 50 Abs. 1 VRG). Auf die überdies frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 38 i.V.m. Art. 52 Abs. 1 VRG).
2. Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin zu Recht
die beantragte Sonderbewilligung für den Einsatz des Raupenfahrzeugs
im Winter als Transportmittel von der F._ 14 zum H._ 3
verweigert hat.
3.1. Massgebend ist das am 1. Januar 2009 in Kraft getretene kantonale
Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über den Strassenverkehr
(EGzSVG; BR 870.100). Gemäss Art. 7 Abs. 1 EGzSVG regelt die
Gemeinde den örtlichen Verkehr auf den Gemeindestrassen,
ausgenommen Geschwindigkeitsbeschränkungen, wobei
Verkehrsanordnungen der Zustimmung durch die kantonale Behörde
bedürfen. Die Gemeinde B._ bestimmt im kommunalen
Strassenpolizeigesetz vom 1. Oktober 2021 die Regelung und die
Signalisation des örtlichen Verkehrs (StPG; 11.1). Gemäss Art. 1 StPG
i.V.m. Art. 4 der Strassenpolizeiverordnung (StPV; 11.5) wurde der hier
vorliegend relevante Abschnitt I._ mit einem Fahrverbot für
Motorfahrzeuge belegt (act. A2). Gemäss Art. 7 Abs. 1
Strassenverkehrsgesetz (SVG; SR 741.01) ist ein Motorfahrzeug jedes
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Fahrzeug mit eigenem Antrieb, durch den es auf dem Erdboden
unabhängig von Schienen fortbewegt wird. Ein Raupenfahrzeug fällt klar
auch unter die Motorfahrzeuge, da es sich unabhängig von Schienen
motorisiert fortbewegt. Somit gilt das Fahrverbot auch für das
Raupenfahrzeug des Beschwerdeführers.
3.2. Gemäss Art. 8 Abs. 1 StPG kann die Benutzung von Strassen und Wegen,
die nicht von Bundesrecht wegen dem allgemeinen Durchgangsverkehr
geöffnet sind, vom Gemeindevorstand verboten oder für bestimmte Zeiten
und/oder Fahrzeugkategorien eingeschränkt werden, namentlich zur
Sicherheit und zum Schutz der Verkehrsteilnehmenden, der Strasse sowie
der Anwohnenden. Wie die Beschwerdegegnerin schon in ihrem
Einspracheentscheid vom 11. Oktober 2021 festhielt, ist der
Strassenabschnitt FH._ im Winter für den motorisierten Verkehr nicht
geöffnet, da er weder schneegeräumt noch präpariert wird. Es wird nur die
Schlittelpiste oberhalb davon präpariert (Beschwerdeführerische Beilage
[Bf-act.] 2). Gemäss Gesetz kann die Gemeinde folglich ihre
Fahrbewilligungen auf bestimmte Zeiten einschränken wie z.B. auf die
schneefreie Zeit, was gemäss ihren Aussagen auch gemacht wurde.
3.3. Laut Art. 8 Abs. 1 EGzSVG ist die Zufahrt auf den für
Motorfahrzeugverkehr gesperrten öffentlichen Strassen zum eigenen
Wohnsitz oder Geschäft durch den Strasseneigentümer zu bewilligen,
sofern die technische Anlage der Strasse es zulässt. Die Zufahrt kann auf
leichte Motorwagen und Motorräder sowie auf bestimmte Zeiten
beschränkt werden. Weitere Ausnahmen sind in einem Erlass zu regeln.
Im vorliegenden Fall handelt es sich jedoch nur um ein Ferienhaus und
nicht um den primären Wohnsitz.
3.4. Der Beschwerdeführer macht ein Anspruch auf eine gemäss Art. 11 StPG
gebührenpflichtige Fahrbewilligung geltend für Fahrten von
Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern, Pächterinnen und
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Pächtern sowie Mieterinnen und Mietern von Ferienobjekten sowie für
deren direkte Familienangehörige in gerader, auf- und absteigender Linie
mit eigenem und fremdem Fahrzeug (lit. a). Weiter wäre laut
Beschwerdeführer aufgrund seiner ärztlich indizierten Gehbehinderung in
Folge der Schwindelanfälle auch eine Bewilligung für Fahrten für
gehbehinderte Personen möglich (lit. e).
3.5. Aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers bestritt er die
Voraussetzung einer Bewilligung für das Befahren der Strecke nicht,
sondern ersuchte gerade deshalb eine solche Sonderbewilligung zu
seinem Ferienhaus am H._ 3 im Winter, um Personen und Material
zu seinem Ferienhaus zu transportieren. Denn im Winter sei die Strasse
nicht schneegeräumt, deshalb sei sein Ferienhaus nur mit
Schneeschuhen erreichbar, was aufgrund seines Alters und dem stark
erhöhten Sturzrisiko in Folge seines Schwindels nicht mehr zumutbar sei
(Bf-act. 8). Darum ersuche er eine Sonderbewilligung für ein
Raupenfahrzeug. Für ein Motorfahrzeug und ein Motorrad habe er im
Jahre 2021 ja bereits eine Jahresbewilligung erhalten.
4.1. Somit ist weiter zu prüfen, ob es sich vorliegend um eine Strasse i.S.v.
Art. 8 StPG handelt und folglich auch eine Fahrbewilligung gestützt auf
Art. 11 lit. a oder e StPG möglich wäre.
4.2. Auf der Ebene des Kantons gilt es, die Regelung der Benützung von
Motorschlitten (BR 870.300) zu beachten. Demnach ist die Benützung von
Motorschlitten auf allen Strassen im Kanton Graubünden erlaubt, die nicht
mit einem allgemeinen Fahrverbot belegt sind und bei winterlichen
Verhältnissen geöffnet sind (Art. 1). Für das restliche Gemeindegebiet
können die Gemeinden selbständig bestimmen, ob sie das ganze
Gemeindegebiet, einen Teil davon oder nur Skipisten und Abfahrtsgebiete
für Motorschlitten verbieten wollen (Art. 2).
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4.3. Die Gemeinde hat unter einem eigenen Titel "IV. Benützung des freien
Geländes mit motorisierten Fahrzeugen" im kommunalen
Strassenpolizeigesetz mit einer spezifischen Regelung für Motorschlitten
in Art. 13 StPG davon Gebrauch gemacht. Diese besagt, dass für alle
motorisierten Fahrzeuge wie Motorschlitten, Luftkissenfahrzeuge, QUAD's
und dergleichen das Befahren des freien Geländes ausserhalb der dem
Motorfahrzeugverkehr geöffneten Strassen verboten ist.
4.4. Der vorliegend relevante Strassenabschnitt F._ 14 bis H._ 3
wurde – mit Ausnahme des Privatwegs – gemäss generellem
Erschliessungsplan als Land- und Forstwirtschaftsweg (überlagert mit
einem Wander- und Mountainbikeweg) ausgeschieden.
4.5. Somit handelt es sich hiermit nicht um eine öffentliche
Erschliessungsstrasse. Zudem ist der Strassenabschnitt, wie bereits
erwähnt, bei winterlichen Verhältnissen für den Strassenverkehr nicht
geöffnet und es herrscht ansonsten ein Fahrverbot (act. A2). Die
Zufahrtsstrasse zum Ferienhaus führt am Ende über die Parzelle J._
(Privatbesitz) sowie D._ (Ferienhaus des Beschwerdeführers). Die
Parzelle K._ südlich des Ferienhauses des Beschwerdeführers fällt
auch in sein Eigentum. Somit ist hier der H._ sowie die F._
(I._) relevant, da es sich um eine Gemeindestrasse handelt.
4.6. Die Argumentation des Beschwerdeführers, er habe bereits eine
gebührenpflichtige Jahresbewilligung i.S.v. Art. 11 lit. a StPG für ein
Motorfahrzeug und ein Motorrad erhalten und beantrage aufgrund seiner
Gehbehinderung eine weitere Fahrbewilligung gemäss Art. 11 StPG für
den Winter verläuft ins Leere. Diese Bewilligung bezieht sich auf die
Benützung von für den motorisierten Verkehr grundsätzlich geöffnete
Strassen, welche verboten oder eingeschränkt werden kann (siehe unter
Titel "III. Strassenbenützung" des kommunalen Strassenpolizeigesetzes).
Jedoch ist die Strasse FH._ im Winter für den motorisierten Verkehr
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überhaupt nicht geöffnet, da der Weg teilweise als Winterwanderweg
präpariert wird und der H._ weder präpariert noch geräumt wird, was
von beiden Parteien unbestritten ist (act. A1 und A2). Anders wäre die
Situation während den schneefreien Monaten, da die Strasse dann für den
motorisierten Verkehr wiederum geöffnet ist und Fahrbewilligungen erteilt
werden können, wie in casu das beim Beschwerdeführer auch der Fall
war. Somit gilt der Weg im Winter als freies Gelände ausserhalb der für
den Motorfahrzeugverkehr geöffneten Strassen gemäss Art. 13 StPG.
Ausnahmen vom allgemeinen Fahrverbot sind nur im Sinne der
abschliessenden Aufzählung der Tatbestände gemäss Art. 14 StPG
erlaubt, welche sich vorliegend als nicht zutreffend erweisen. Nach Abs. 2
können Ausnahmebewilligungen für die Zufahrt zum Hauptwohnsitz ohne
für winterliche Verhältnisse geöffnete Strassenverbindungen erteilt
werden, was hier aufgrund des Feriendomizils zu verneinen ist. Folglich
hat der Beschwerdeführer als Grundeigentümer keinen Anspruch auf eine
Bewilligungserteilung gemäss Art. 11 StPG (vgl. auch VGU U 19 123
E.4.3). Es liegt auch kein anderer Ausnahmetatbestand vor, bezüglich der
altersbedingten Erschwerung/Verunmöglichung den Weg zu Fuss zu
bestreiten (Bf-act. 8).
5.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe eine Zusicherung der
Bewilligungserteilung während dem Telefongespräch mit der damaligen
Gemeindepräsidentin im Frühling 2021 unter Einreichung eines
Arztzeugnisses erhalten. Diese behauptete Aussage wird von der
Beschwerdegegnerin bestritten, da es sich nur um ein informelles
Gespräch gehandelt habe und zu keiner Zeit eine Zusicherung gemacht
wurde. Somit ist zu prüfen, ob sich der Beschwerdeführer auf den
Vertrauensschutz berufen kann. Der Schutz der Privaten bei unrichtigen
Auskünften der Behörden stellt einen praktisch besonders wichtigen
Anwendungsfall des Vertrauensschutzes dar (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zürich 2020, N 667). Allgemeine
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Voraussetzungen des Vertrauensschutzes sind die Eignung der Auskunft
zur Begründung von Vertrauen, die Zuständigkeit der
auskunftserteilenden Behörde, die Vorbehaltlosigkeit der Auskunft, die
fehlende Erkennbarkeit der Unrichtigkeit der Auskunft, die nachteilige
Disposition aufgrund der Auskunft, keine Änderung des Sachverhalts oder
der Gesetzgebung und überwiegendes Interesse am Schutz des
Vertrauens in die unrichtige Auskunft gegenüber dem Interesse an der
richtigen Rechtsanwendung.
5.2. Verfahrensrelevant ist die Eignung der Auskunft zur Begründung von
Vertrauen. Notwendig ist dabei eine gewisse inhaltliche Bestimmtheit; eine
lediglich vage Absichtskundgabe oder ein Hinweis auf eine bisherige
Praxis genügt nicht. Unmassgeblich ist die Form der Auskunftserteilung
(HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N 668). In Lehre und Rechtsprechung
wird mehrheitlich die Auffassung vertreten, nur eine auf einen konkreten,
die auskunftsersuchende Person direkt betreffenden Sachverhalt
bezogene Auskunft könne die Behörde binden, nicht aber eine allgemeine
Auskunft (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N 669). Gemäss der
Beschwerdegegnerin handelte es sich um ein rein informelles und
unverbindliches Telefongespräch über die Erteilung von Bewilligungen,
folglich nicht um einen konkreten Sachverhalt. Somit stellte dies eine
allgemeine Auskunft dar und geniesst keinen Vertrauensschutz. Bezüglich
der Voraussetzung der Zuständigkeit muss grundsätzlich die Amtsstelle,
welche die Auskunft gab, zur Auskunftserteilung zuständig gewesen sein.
Soweit nicht eine besondere Regelung vorliegt, schliesst die Kompetenz
zum Entscheid auch diejenige zur Auskunftserteilung ein
(HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N 676). Die im vorliegenden Fall
behauptete Zusicherung zur Bewilligungserteilung liegt ausserhalb der
alleinigen Zuständigkeit der Gemeindepräsidentin, da die Vergabe von
Fahrbewilligungen Sache des Gemeindevorstandes ist (siehe Art. 1 Abs.
1 StPG; Bf-act. 2). Im Hinblick auf die die Vorbehaltlosigkeit der Auskunft
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ist das Vertrauen Privater in eine Auskunft nicht schutzwürdig, wenn die
Behörde wenigstens dem Sinn nach klar zum Ausdruck bringt, dass sie
sich nicht festlegen will (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N 682).
Betreffend die nachteilige Disposition aufgrund der Auskunft ist festzuhalten, dass der Adressat im Vertrauen auf die Richtigkeit der
Auskunft eine Disposition getroffen oder unterlassen haben muss, die er
jedoch nicht oder jedenfalls nicht ohne Schaden rückgängig machen oder
nachholen kann (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N 688). Dabei muss
die behördliche Auskunft für die nachteilige Disposition kausal gewesen
sein (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N 689). Vorliegend hat der
Beschwerdeführer in Folge der behaupteten Zusicherung das Gesuch um
die Fahrbewilligung gestellt, was keine nachteilige Disposition darstellt, da
er noch keine Disposition wie z.B. ein Fahrzeugkauf getätigt hatte, welche
er nicht mehr ohne Schaden rückgängig machen hätte können. Auch zu
erwähnen ist, dass der Beschwerdeführer den Einwand der telefonischen
Zusicherung vom Frühling 2021 erst in seiner Replik vom 14. Februar 2022
anbrachte, wobei er dies sinnvollerweise schon bei der Ablehnung der
Bewilligung bzw. in der Einsprache vom 9. September 2021 rügen hätte
müssen, da er durch den ablehnenden Entscheid der Gemeinde wusste,
dass der Zusicherung der Gemeindepräsidentin nicht gefolgt wurde. Somit
verstösst das Verhalten des Beschwerdeführers gegen das Verbot
widersprüchlichen Verhaltens (Treu und Glauben Art. 5 Abs. 3 BV), da der
Beschwerdeführer dieses Vorbringen schon viel früher hätte einbringen
können.
5.3. Festzuhalten ist folglich, dass der Beschwerdeführer kein
Vertrauensschutz bezüglich des behaupteten Telefongesprächs mit der
damaligen Gemeindepräsidentin im Frühjahr 2021 geniesst.
6.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass wenn die Anwendbarkeit von
Art. 13 und 14 StPG bejaht werde, eine Verletzung des
Diskriminierungsverbots gemäss Art. 8 Abs. 2 BV vorliegen würde.
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Begründend führte er aus, dass er aufgrund seiner körperlichen
Beeinträchtigung im Winter nicht mehr zu seinem Ferienhaus gelangen
könne, da er eine ärztlich indizierte schwere Gleichgewichtsstörung habe,
welche ein erhöhtes Sturzrisiko beinhalte (Bf-act. 8).
6.2. Gemäss Art. 8 Abs. 2 BV darf niemand diskriminiert werden, namentlich
nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der
Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen,
weltanschaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer
körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung. Die
Diskriminierung stellt eine qualifizierte Art der Ungleichbehandlung von
Personen in vergleichbaren Situationen dar (BGE 132 I 68 E.4.1; BGE 129
I 392 E.3.2.2).
6.3. Eine tatsächliche Ungleichbehandlung liegt im zu behandelnden Fall
gerade nicht vor, da die die abschliessende Aufzählung der Ausnahmen
in Art. 14 StPG nach dem Zweck der Fahrt unterschieden werden und
nicht an der Eigenschaft der Person anknüpft. Gemäss der
Beschwerdegegnerin sei die Differenzierung aufgrund funktionsbedingter
Fahrten getroffen worden. Das heisst eine gesunde Person sowie eine
Person mit einer körperlichen Behinderung sind gleichermassen vom
Verbot erfasst, wenn keine Fahrt gemäss Art. 14 StPG vorliegt. Somit wird
nicht an ein Merkmal im Sinne von Art. 8 Abs. 2 BV angeknüpft, um eine
Person in einer vergleichbaren Situation qualifiziert ungleich zu
behandeln. Diese Rüge des Beschwerdeführers ist folglich als
unbegründet zu erachten.
7. Es kann zusammenfassend festgehalten werden, dass der
Strassenabschnitt F._ 14 bis H._ 3 im Winter ein freies Gelände
ausserhalb der dem Motorfahrzeugverkehr geöffnete Strasse darstellt, ein
allgemeines Fahrverbot herrscht und kein Ausnahmetatbestand gemäss
Art. 14 StPG für Fahrten zum Ferienhaus des Beschwerdeführers erfüllt
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ist. Ausserdem liegt weder ein Vertrauenstatbestand noch eine
Diskriminierung vor. Somit ist die Nichterteilung der Fahrbewilligung durch
die Beschwerdegegnerin für den Winter zu Recht erfolgt, weshalb die
Beschwerde abzuweisen ist.
8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Gerichtskosten gestützt
auf Art. 73 Abs. 1 VRG zulasten des Beschwerdeführers. Der zu leistende
Betrag von CHF 1'500.-- wird deshalb in diesem Umfang festgelegt, da
Schwierigkeit und Umfang zwischen einem einfachen Fall wie etwa im
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden U 16 35 vom
6. September 2016 (überschaubarer Sachverhalt) und dem
aufwendigeren Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
U 19 123 vom 20. Oktober 2020 (zusätzlich mit Verfügung betr.
aufschiebende Wirkung bzw. vorsorgliche Massnahme) sowie U 20 111
vom 13. Oktober 2021 (umfangreicherer Sachverhalt und Rügeprogramm)
liegt. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in
der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem
amtlichen Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht
vorliegend kein Anlass.