Decision ID: b3581ba5-0f68-5676-aa67-206b033876da
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) verliess eigenen Anga-
ben zufolge ihr Heimatland am (...) 2014 zusammen mit ihrem Ehemann
und dem gemeinsamen Sohn B._ in Richtung Türkei. Von dort aus
reisten sie am (...) mit einem vom Schweizer Generalkonsulat in Istanbul
ausgestellten Visum auf dem Luftweg legal in die Schweiz ein, wo sie am
25. August 2014 um Asyl nachsuchten.
B.
Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) vom 8. September 2014 sowie
der einlässlichen Anhörung vom 19. Juni 2015 machte die Beschwerdefüh-
rerin zu ihren Ausreise- und Asylgründen im Wesentlichen Folgendes gel-
tend:
Sie sei eine syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie und in
C._ geboren, wo sie die Schulen sowie bis zum Ausbruch des Krie-
ges die Universität besucht habe. Am (...) 2008 habe sie geheiratet. We-
gen der Verschlechterung der Lage in C._ sei sie Mitte 2012 zu-
sammen mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn in das Dorf ihres Schwieger-
vaters, D._, geflüchtet. Dort hätten sie sich bis zur Ausreise aufge-
halten. Als Ausreisegrund nannte die Beschwerdeführerin die Probleme ih-
res Mannes. Dieser stamme aus einer politisch aktiven Familie und sei we-
gen seiner Zugehörigkeit zur E._ gesucht worden. Über seine poli-
tische Tätigkeit wisse sie nicht viel, da ihr Mann bereits aus der Partei aus-
getreten gewesen sei, als sie sich kennen gelernt hätten. Sie sei selber
nicht politisch aktiv gewesen und habe keine Probleme mit den syrischen
Behörden oder Drittpersonen gehabt.
C.
Mit Verfügung vom 11. März 2016 – eröffnet am 14. März 2016 – aner-
kannte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Ehemannes gemäss Art. 3
Abs. 1 und 2 AsylG (SR 142.31), schloss ihn jedoch wegen Asylunwürdig-
keit von der Asylgewährung aus und ordnete seine vorläufige Aufnahme
wegen Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung an. Gleichzeitig stellte
das SEM fest, die Beschwerdeführerin und ihr Sohn würden die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG nicht erfüllen, jedoch in
die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes (bzw. Vaters) einbezogen. Es
lehnte ihre Asylgesuche ebenfalls ab, ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an und schob den Vollzug der Wegweisung wegen Unzulässigkeit
zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
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D.
Der Entscheid des SEM ist – soweit er den Ehemann betrifft – in Rechts-
kraft erwachsen.
E.
Die Beschwerdeführerin focht die Verfügung des SEM vom 11. März 2016
mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 13. April 2016 beim Bundesver-
waltungsgericht an. Sie beantragt die Aufhebung der Verfügung in den
Punkten 2, 4 und 5 des Dispositivs sowie die Feststellung der Flüchtlings-
eigenschaft und die Asylgewährung für sie und ihren Sohn. In prozessualer
Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes in der Person des rubri-
zierten Rechtsvertreters.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 7. November 2016 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht den Antrag auf unentgeltliche Prozessführung sowie unent-
geltliche Rechtsverbeiständung gut und ordnete Bernhard Jüsi als amtli-
chen Rechtsbeistand bei.
G.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 10. November 2016 vollum-
fänglich an seiner Verfügung fest.
H.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 7. Dezember 2016 un-
ter Beilage einer (aktualisierten) Kostennote.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Be-
schwerdeführerin hat für sich und ihr Kind am Verfahren vor der Vorinstanz
teilgenommen. Die Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene
Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einrei-
chung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48
Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
2.2 Zu beurteilen bleiben im vorliegenden Beschwerdeverfahren die Vor-
fluchtgründe und die originäre Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh-
rerin und ihres Sohnes, deren Asylgewährung sowie die – wiederum die
Beschwerdeführerin und ihren Sohn betreffende – vom SEM angeordnete
Wegweisung als solche.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (vgl. Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Werden Familienangehörige von politischen Aktivisten staatlichen Re-
pressalien ausgesetzt, spricht man von Reflexverfolgung. Diese kann
flüchtlingsrechtlich im Sinne von Art. 3 AsylG relevant sein, allerdings hän-
gen die Wahrscheinlichkeit einer Reflexverfolgung und deren Intensität
stark von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab. Die Annahme einer
Reflexverfolgung erfordert eine sorgfältige Prüfung im Einzelfall. Es muss
also aufgrund der Umstände des Einzelfalls ermittelt werden, ob die Furcht
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vor Verfolgung begründet ist. Die erlittene Verfolgung beziehungsweise die
begründete Furcht vor zukünftiger (Reflex-)Verfolgung muss ferner sach-
lich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunfts-
staat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktu-
ell sein. Dieser Nachweis muss durch die entsprechende Partei erbracht
werden.
3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung des ablehnenden Entscheids –
soweit dieser die Beschwerdeführerin und ihr Kind betrifft – aus, die Be-
schwerdeführerin habe keine eigenen Asylgründe geltend gemacht bezie-
hungsweise keine direkten Probleme mit den syrischen Behörden oder an-
deren Gruppierungen gehabt. Sie sei aufgrund der Schwierigkeiten ihres
Ehemannes ausgereist und werde deshalb nicht als Flüchtling im Sinne
von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG anerkannt. Gestützt auf den Grundsatz der
Einheit der Familie würden sie und ihr Kind jedoch in die Flüchtlingseigen-
schaft des Ehemannes einbezogen.
4.2 Die Beschwerdeführerin wendet dagegen im Wesentlichen ein, dass
eine originäre Flüchtlingseigenschaft sowohl wegen eigenen Verfolgungs-
gründen als auch aufgrund einer Reflexverfolgung bestehen könne. In ih-
rem Falle ergebe sich die Flüchtlingseigenschaft aus einer Reflexverfol-
gung, welche ihr durch die politischen Aktivitäten des Ehemannes drohe.
Ihr Ehemann habe infolge seiner Zugehörigkeit zur E._ eine asylre-
levante Verfolgung seitens der syrischen Behörden zu fürchten. Das Re-
gime habe ihn als Regimegegner registriert und mehrmals versucht, ihn
aufzuspüren. Von dieser Verfolgung seien auch sie (die Beschwerdeführe-
rin) und der gemeinsame Sohn reflexartig betroffen. Berichten zufolge
werde gegen Oppositionelle, die als regimekritisch wahrgenommen wür-
den, sowie deren Familien immer noch rigoros vorgegangen. Familienan-
gehörige von Regimekritikern – im Besonderen Frauen und Kinder – müss-
ten mit Verfolgung, Verhaftung oder Folterung beziehungsweise un-
menschlicher Behandlung rechnen. Im Falle einer Rückkehr würde sie als
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Ehefrau eines Regimegegners identifiziert, verhaftet und zu dessen Ver-
bleib verhört werden. Es sei davon auszugehen, dass ihr im Rahmen die-
ses Verhörs beziehungsweise der Inhaftierung Vergewaltigung, Folter und
unmenschliche Behandlung drohe. Der Sohn würde ebenfalls misshandelt
werden, um ihren Ehemann dazu zu bewegen, sich den Behörden zu stel-
len. Aufgrund dieser drohenden Reflexverfolgung würden sie (die Be-
schwerdeführenden) die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Dem widerspre-
che nicht, dass sie selber nicht politisch aktiv gewesen sei und als Ausrei-
segründe lediglich die Probleme ihres Ehemannes dargelegt habe. Denn
dies sei gerade das Wesen der Reflexverfolgung. In ihrem Fall lägen keine
Asylausschlussgründe im Sinne von Art. 53 AsylG vor. Sie selbst habe die
E._ zu keinem Zeitpunkt unterstützt. Sie erfülle demnach die Flücht-
lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG originär, weshalb ihr und ihrem
Sohn Asyl zu gewähren sei.
4.3 In der Vernehmlassung entgegnet die Vorinstanz, die Befürchtungen
vor künftigen staatlichen Verfolgungsmassnahmen seien nur dann asylre-
levant, wenn begründeter Anlass zur Annahme bestehe, dass sich die Ver-
folgung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ver-
wirklichen werde. Dabei genüge es nicht, eine Furcht lediglich mit Vermu-
tungen zu begründen. Vielmehr müssten hinreichende Anhaltspunkte für
eine konkrete Bedrohung vorhanden sein. Vorliegend seien den Akten
keine solchen konkreten Anhaltspunkte für eine begründete Furcht zu ent-
nehmen. Die Beschwerdeführerin habe in der Anhörung zwar dargelegt, ihr
Ehemann sei vom (...) in C._ mehrmals gesucht worden, sie habe
dabei jedoch ausdrücklich erwähnt, dass sie selbst in diesem Zusammen-
hang nie Schwierigkeiten gehabt habe, ihr sei in Syrien nie etwas zuges-
tossen. Mangels Hinweisen einer konkreten Bedrohung sei von keiner dro-
henden Reflexverfolgung auszugehen.
4.4 In der Replik bringt die Beschwerdeführerin mit Verweis auf ihre Aus-
führungen in der Beschwerdeschrift vor, die Vorinstanz verkenne die Situ-
ation in Syrien komplett. Ihre Aussage, dass sie bisher persönlich noch
keine Probleme bekommen habe, stehe einer Flucht wegen des unerträg-
lichen psychischen Drucks nicht als Widerspruch entgegen. Insbesondere
ergebe sich die bestehende Gefahr einer künftigen Verfolgung aufgrund
der aktuellen Situation und der Tatsache, dass sie lange bei verfolgten Per-
sonen im Ausland gewesen sei.
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5.
Nachfolgend ist die angefochtene Verfügung vom Bundesverwaltungsge-
richt auf ihre Rechtmässigkeit zu überprüfen.
5.1 Hinsichtlich der durch die Beschwerdeführerin bei den Befragungen
dargelegten Ausreise- respektive Asylgründe (vgl. vorinstanzliche Akten
[SEM act.] A4 S. 7 f., A18 F48-62) ist der Vorinstanz beizupflichten, dass
diese keine Asylrelevanz entfalten. Die Beschwerdeführerin begründete ihr
Asylgesuch ausschliesslich damit, dass ihr Mann von den syrischen Be-
hörden gesucht worden sei. Sie selbst habe keine direkten Probleme mit
den syrischen Behörden oder anderen Gruppierungen gehabt und sei nicht
politisch aktiv gewesen. Diese Angaben wurden vom Ehemann in dessen
Anhörung ausdrücklich bestätigt. So gab er auf Nachfrage zu Protokoll
(SEM act. A17 F100), die Beschwerdeführerin habe seinetwegen nie Prob-
leme gehabt.
5.2 Die Beschwerdeführerin begründet auf Beschwerdeebene ihre Flücht-
lingseigenschaft mit einer Reflexverfolgung, welche ihr durch die politi-
schen Aktivitäten des Ehemannes drohe. Sie schilderte indessen weder im
vorinstanzlichen Verfahren noch auf Beschwerdeebene konkrete Ereig-
nisse, welche auf eine Reflexverfolgung ihrer Person oder ihres Sohnes
hindeuten beziehungsweise die originäre Flüchtlingseigenschaft begrün-
den könnten. So ist nicht davon auszugehen, die Beschwerdeführerin sei
wegen eigener Aktivitäten ins Visier der syrischen Behörden gelangt. Auch
entstammt sie ihren Angaben zufolge nicht einer exponierten oppositionel-
len Familie (SEM act. A18 F35). Es bestehen mithin keine konkreten Indi-
zien dafür, dass die syrischen Sicherheitsbehörden die Beschwerdeführe-
rin als Regimegegnerin identifiziert hätten und sie als solche bei einer
Rückkehr nach Syrien eine asylrelevante Behandlung zu gewärtigen hätte.
Dies gilt umso mehr, als gemäss den Angaben des Ehemannes (SEM act.
A17 F100) auch dessen sich in Syrien aufhaltende Eltern aufgrund seiner
politischen Tätigkeiten keine Bedrohung durch das syrische Regime erfah-
ren haben. Die von der Beschwerdeführerin geäusserte subjektive Furcht
vor Nachstellungen des syrischen Regimes beziehungsweise vor einer
menschenrechtswidrigen Behandlung im Rahmen einer Rückkehr ist daher
objektiv nicht nachvollziehbar. Sie erscheint zudem mit Blick darauf, dass
die entsprechenden Vorbringen erstmals auf Beschwerdeebene gemacht
worden sind, als nachgeschoben. Es ist der Beschwerdeführerin demnach
nicht gelungen, aufgrund der Verfolgungsmassnahmen des syrischen Re-
gimes gegenüber ihrem Ehemann eine begründete Furcht vor Reflexver-
folgung glaubhaft darzulegen.
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5.3 Etwas anderes vermag die Beschwerdeführerin auch nicht aus der zi-
tierten Rechtsprechung (Urteile des BVGer E-703/2014 vom 12. Mai 2014
E. 4.3.2; E-6623/2006 vom 14. November 2008 E. 7.2.3; EMARK 1993/23
E. 7b) abzuleiten. Jene Beschwerdeführenden waren selbst in den Fokus
der Behörden gelangt und behelligt worden, weshalb eine begründete
Furcht vor Reflexverfolgung zu bejahen war. Dies ist, wie vorstehend aus-
geführt, vorliegend nicht der Fall.
5.4 Soweit die Beschwerdeführerin auf Berichte des UNHCR, der Human
Rights Watch (HRW) und des United States Department of State zur Situ-
ation in Syrien (vgl. UNHCR, Erwägungen zum Schutzbedarf von Perso-
nen, die aus der Arabischen Republik Syrien fliehen, zur aktuellen Version
[Update IV vom November 2015] <http://www.unhcr.org/dach/wp-con-
tent/uploads/sites/27/2017/04/ SYR_112015.pdf>; HRW, World Report
2015 - Syria, 29. Januar 2015, <http://www.-refworld.org/do-
cid/54cf837c15.html>; United States Department of State, 2014 Country
Reports on Human Rights Practices – Syria, 25. Juni 2015,
<http://www.refworld.org/docid/559bd53712.-html>, besucht am 28. Au-
gust 2017) hinweist, ist festzuhalten, dass diese für das Bundesverwal-
tungsgericht zwar eine wichtige Quelle darstellen, etwa betreffend aktuelle
Entwicklungen in Syrien oder Risikoprofile. Die dort gemachten Feststel-
lungen sind für das Bundesverwaltungsgericht indes nicht bindend, wes-
halb die Beschwerdeführerin daraus nicht ohne weiteres etwas abzuleiten
vermag.
5.5 Im Sinne einer Klarstellung wird abschliessend festgehalten, dass sich
aus den vorstehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Be-
schwerdeführerin und ihr Sohn hätten unter der Verfolgung des Ehegatten
respektive des Elternteils im Heimatstaat nicht mitgelitten. Ebenso wenig
kann eine allgemeine Gefahr, dass sie als engste Familienmitglieder eines
Flüchtlings im Heimatland selbst der Verfolgung ausgesetzt gewesen sind,
gänzlich ausgeschlossen werden (vgl. zum Ganzen Botschaft zur Totalre-
vision des Asylgesetzes sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über
Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer vom 4. Dezember 1995, BBl
1996 II 68 f.). Indessen ist – da keine konkreten Anhaltspunkte für eine
begründete Furcht ersichtlich sind – eine solche Gefährdungslage aus-
schliesslich unter dem Aspekt von Art. 51 Abs. 1 AsylG einzuordnen, wo-
nach der Rechtsstatus der Kernfamilie eines Flüchtlings grundsätzlich ein-
heitlich zu regeln ist. Einer allgemeinen Gefährdung wurde durch das SEM
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mit dem Einbezug der Beschwerdeführerin und ihres Sohnes in die Flücht-
lingseigenschaft des Ehemannes beziehungsweise Vaters genügend
Rechnung getragen.
6.
Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass die Beschwer-
deführenden keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft
machen konnten. Die Beschwerdevorbringen rechtfertigen keine andere
Einschätzung. Die Vorinstanz hat die originäre Flüchtlingseigenschaft zu
Recht verneint und die Asylgesuche abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.2 Die von der Vorinstanz anerkannte (derivative) Flüchtlingseigenschaft
gestützt auf den Grundsatz der Einheit der Familie sowie die wegen Unzu-
lässigkeit des Wegweisungsvollzuges verfügte vorläufige Aufnahme blei-
ben vom vorliegenden Verfahren unberührt.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
9.
9.1 Nachdem das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 7. No-
vember 2016 das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege samt unentgelt-
licher Rechtsverbeiständung gutgeheissen hat, sind keine Verfahrenskos-
ten zu erheben.
9.2 Das Honorar des amtlichen Rechtsbeistands ist durch die Gerichts-
kasse zu vergüten. Die am 7. Dezember 2016 eingereichte Kostennote er-
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scheint (abgesehen davon, dass das Gericht bei beigeordneten Rechtsbei-
ständen mit Anwaltspatent praxisgemäss einen maximalen Stundenansatz
von Fr. 220.–, statt Fr. 300.– vergütet) den gesamten Verfahrensumstän-
den als angemessen. Damit ist das Honorar auf Fr. 2‘062.– (inkl. Auslagen
und Mehrwertsteuerzuschlag) zu bestimmen.
(Dispositiv nächste Seite)
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