Decision ID: d60c3902-b8ca-5e90-8895-c906e3e5b8f9
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Wydler, advokatur im lindenhof,
Postfach 41, 9320 Arbon,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im November 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Sie gab
an, in ihrem Herkunftsland eine Berufslehre absolviert zu haben und seit Mai 1989 für
B._ zu arbeiten. Ihr Hausarzt Dr. med. C._ teilte der IV-Stelle am 10. Dezember
2008 telefonisch mit (IV-act. 11), dass die Versicherte an einer chronischen
Lumboischialgie bei multisegmentalen schweren Degenerationen mit
Belastungsinsuffizienz des Rückens für mittelschwere und schwere Arbeiten, an einer
schweren arteriellen Hypertonie mit Stressintoleranz sowie an einer Hypothyreose mit
endokriner Orbitopathie (Morbus Basedow) leide. Sie sei seit März 2008 teils zu 50
Prozent und teils vollständig arbeitsunfähig gewesen; sie wolle ihre Erwerbstätigkeit im
Umfang von 50 Prozent beibehalten. Im Auftrag der IV-Stelle erstatteten der
Rheumatologe med. pract. D._ und der Psychiater Dr. med. E._ am 11. Februar/
25. März 2010 ein bidisziplinäres Gutachten (IV-act. 39 und 41). Sie hielten fest, die
Versicherte leide an einem chronischen generalisierten Schmerzsyndrom, an einer
Schlafstörung bei Schichtarbeit sowie – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – an einer
Neurasthenie, an einer arteriellen Hypertonie, an einer Adipositas, an einer endokrinen
Orbitopathie, an beginnenden Fingerpolyarthrosen sowie an einer Polyglobulie. Zudem
liege ein Verdacht auf eine Symptomausweitung bei einer psychosozialen
Problemkonstellation, auf eine periphere Neuropathie noch ungeklärter Genese sowie
auf eine Polyneuropathie vor. Aus rheumatologischer Sicht sei der Versicherten aber
jede körperlich leichte Tätigkeit in wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen ohne
Belastung durch Haltungs- oder Bewegungsmonotonien oder achsenfernes Heben und
Tragen von Gewichten über 15 Kilogramm zumutbar. Offenbar habe die Belastung im
Schichtdienst die bestehende Dekompensation zusammen mit dem mehrstündigen
Arbeitsweg begünstigt, weshalb ein regelmässiger Einsatz in Tagschichten zu
empfehlen sei. Die vom psychiatrischen Sachverständigen diagnostizierte Neurasthenie
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stelle einen psychischen Gesundheitsschaden dar, der grundsätzlich geeignet sei, die
Arbeitsfähigkeit langdauernd einzuschränken. Da die Versicherte jedoch weder an einer
psychischen Komorbidität noch an einer schweren körperlichen Begleiterkrankung
leide, der Krankheitsverlauf relativ kurz sei, ein sozialer Rückzug kaum stattgefunden
habe, ein primärer Krankheitsgewinn nicht auszumachen sei und ein Therapieversuch
stationärer Art gescheitert sei, könne der Versicherten nach heutiger Rechtsauffassung
zugemutet werden, ihre Schmerzen willentlich zu überwinden, weshalb die
Neurasthenie nicht geeignet sei, eine Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Gestützt auf
dieses Gutachten wies die IV-Stelle das Rentengesuch der Versicherten mit einer
Verfügung vom 29. Juli 2010 ab (IV-act. 54).
A.b Am 16. Juni 2011 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an
(IV-act. 56). Am 7. September 2011 berichtete die behandelnde Psychiaterin Dr. med.
F._ (IV-act. 61–1 f.), die Versicherte sei verzweifelt, hoffnungslos, fühle sich
ohnmächtig, sei freudlos und traurig. Sie habe ihr Leben über die Erziehung der
Tochter definiert und sich mit der Arbeit identifiziert. Ohne ihren Arbeitsalltag gehe es
ihr schlechter. Sie fühle sich nutzlos und überflüssig, sei grüblerisch, gedanklich
eingeengt, leide an schweren Schlafstörungen, ziehe sich von der Gesellschaft zurück,
schäme sich und leide unter Ängsten. Die Schlafstörungen hätten sich unter Saroten
retard gebessert. Ansonsten sei keine Besserung eingetreten. Die Versicherte könne
ihren Alltag nur mühsam bewältigen. An eine Wiederaufnahme der Arbeit sei nicht zu
denken. Auf eine Nachfrage der IV-Stelle hin ergänzte Dr. F._ am 22. Oktober 2011,
dass ein depressives Zustandsbild im Sinne des ICD-10 F 32.2 vorliege (IV-act. 67). Am
6. Dezember 2011 notierte Dr. med. G._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst
(RAD; IV-act. 68), dass die Psychiaterin eine schwere Depression verschlüsselt habe.
Sozialmedizinisch sei eine Depression erst nach längerer erfolgloser Behandlung
anzuerkennen, weshalb er empfehle, in sechs Monaten einen Verlaufsbericht
einzuholen. Eventuell werde eine Nachbegutachtung notwendig werden. Am 5. Mai
2012 berichtete Dr. F._, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten in der
Zwischenzeit nicht wesentlich verändert habe (IV-act. 85). Am 22. November 2012 fand
eine Abklärung im Haushalt der Versicherten statt (IV-act. 95). Die
Abklärungsverantwortliche hielt fest, die Versicherte habe glaubhaft und
nachvollziehbar dargelegt, dass sie ohne Behinderung bis zur ordentlichen
Pensionierung weiterhin in einem Vollzeitpensum für B._ gearbeitet hätte. Sie habe
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sich aus gesundheitlichen Gründen frühpensionieren lassen, nachdem ihr B._ dazu
geraten habe. Über die finanziellen Folgen sei sie sich nicht im Klaren gewesen.
Dr. F._ berichtete am 17. Januar 2013, dass die Versicherte nach wie vor nicht in der
Lage sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (IV-act. 97). Im Auftrag der IV-Stelle
erstatteten die Rheumatologin Dr. med. H._ und der Psychiater Dr. med. I._ am
26. Oktober/7. November 2013 ein bidisziplinäres Gutachten (IV-act. 108 f.). Sie führten
aus, die Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig
mittelgradiger Episode und somatischen Symptomen, an einem
Lumbovertebralsyndrom sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an
ausgedehnten chronischen Schmerzen, an einer endokrinen Orbitopathie, an einer
arteriellen Hypertonie, an einem Status nach Lungentuberkulose und an geringen
Coxarthrosen beidseits. Aus rheumatologischer Sicht seien ihr Arbeiten, bei denen sie
nicht Lasten von mehr als 15 Kilogramm heben oder tragen müsse, uneingeschränkt
zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit um 50 Prozent vermindert.
Tätigkeiten mit sehr hohen Anforderungen an die Konzentrationsausdauer und die
psychische Belastbarkeit sowie Nachtarbeiten seien aus psychiatrischer Sicht
ungeeignet. Diese Einschränkungen bestünden seit Oktober 2011.
A.c Am 13. November 2013 führte der RAD-Arzt Dr. med. J._ aus (IV-act. 110), der
psychiatrische Sachverständige habe eine rezidivierende depressive Störung
diagnostiziert, obwohl diese Diagnose eine mindestens zwei Monate dauernde
Symptomfreiheit bedinge, was vorliegend aber nicht der Fall sei. Zudem habe sich der
psychiatrische Sachverständige nicht mit der von der rheumatologischen
Sachverständigen nachgewiesenen Nichteinnahme der Antidepressiva auseinander
gesetzt. Da die Versicherte ihren Gesundheitszustand mittels Antidepressiva allenfalls
noch wesentlich verbessern könne, dürfe nicht auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
psychiatrischen Sachverständigen abgestellt werden. Die Versicherte müsse vielmehr
erst verpflichtet werden, während sechs Monaten ihre Antidepressiva einzunehmen. Er
empfehle daher, der behandelnden Psychiaterin eine Kopie des Gutachtens zuzustellen
und in sechs Monaten einen Verlaufsbericht von ihr einzuholen. Am 28. November
2013 stellte die IV-Stelle der behandelnden Psychiaterin eine Kopie des Gutachtens zu
und teilte ihr mit, dass die Versicherte verpflichtet sei, während sechs Monaten bei der
Behandlung mitzuwirken und die Medikamente zuverlässig einzunehmen (IV-act. 111).
Gleichentags forderte sie die Versicherte auf, die Medikamente verordnungsgemäss
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einzunehmen (IV-act. 112). Die Versicherte liess am 8. Januar 2014 einwenden (IV-
act. 115), dass das Vorgehen der IV-Stelle nicht nachvollziehbar sei. Der psychiatrische
Sachverständige habe festgehalten, dass selbst unter konsequenter Weiterführung der
medizinischen Massnahmen lediglich eine Erhaltung, nicht aber eine Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit erzielt werden könne. Die Psychiaterin teilte am 9. Januar 2014 mit (IV-
act. 117), dass die Versicherte in der Behandlung mitarbeite, adäquat und fachlich
korrekt psychopharmakologisch behandelt werde und sich nicht in einem instabilen
psychischen Zustand befinde. Sie sehe keinen Grund, mit dem Rentenentscheid weiter
zuzuwarten, und werde nicht mehr Stellung nehmen, bis die IV-Stelle über das
Rentengesuch entschieden habe. Am 27. Januar 2014 antwortete die IV-Stelle (IV-
act. 118), dass sie die Akten nochmals sorgfältig studiert habe und zum Schluss
gekommen sei, dass aus medizinischer Sicht tatsächlich keine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit mehr zu erwarten sei, weshalb auf die Erfüllung der Auflagen verzichtet
werde.
A.d Mit einem Vorbescheid vom 26. Februar 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit (IV-act. 123), dass sie vorsehe, ihr Rentengesuch abzuweisen. Der psychiatrische
Sachverständige habe zwar eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert, aber es
sei ausschliesslich die Aufgabe der rechtsanwendenden Behörde zu entscheiden, ob
ein bestimmter Gesundheitsschaden „invalidisierend im Sinne der Rechtsprechung“
sei. Die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung vermöge zwar medizinisch
eine Arbeitsunfähigkeit auszulösen, begründe rechtlich aber keine Invalidität. Leichte
bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis seien
nämlich therapierbar. Dagegen liess die Versicherte am 24. März 2014 einwenden, der
psychiatrische Sachverständige habe unmissverständlich festgehalten, dass sie
aufgrund einer erhöhten Ermüdbarkeit und Erschöpfbarkeit sowie aufgrund einer
reduzierten Konzentrationsdauer bloss noch ein halbes Arbeitspensum bewältigen
könne. Diese medizinische Feststellung könne nicht einfach beiseitegeschoben
werden. Vorliegend sei auch die Möglichkeit einer therapeutischen Verbesserung
einlässlich diskutiert und letztlich verneint worden. Auch dies könne nicht einfach
ignoriert werden. Die Behauptung, die Störung sei therapierbar und daher nicht
invalidisierend, stehe im krassen Widerspruch zur Aussage im Schreiben vom
27. Januar 2014, die Verbesserung des Gesundheitszustandes mittels Therapie sei aus
medizinischer Sicht nicht möglich. Dieses unverständliche Vorgehen der IV-Stelle
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müsse als krass willkürlich und gegen Treu und Glauben verstossend qualifiziert
werden. Die IV-Stelle wies das Rentenbegehren am 22. April 2014 ab (IV-act. 125).
B.
B.a Am 23. Mai 2014 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine
Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der
Verfügung vom 22. April 2014 und die Feststellung, dass die Beschwerdeführerin ab
dem 1. Oktober 2012 einen Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung
habe. Zur Begründung führte er aus, die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) habe sich mit den Argumenten im Schreiben vom 24. März 2014
gar nicht auseinandergesetzt, sondern einfach nochmals dieselben Argumente in
sprachlich leicht abgeänderter Form vorgebracht. Auf den Antrag, eine Rückfrage an
den psychiatrischen Sachverständigen zur Klärung der medizinischen
Arbeitsfähigkeitsschätzung zu richten, sei sie gar nicht eingegangen. Damit habe sie
den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt. Dieser Mangel
könne allerdings beseitigt werden, wenn das Gericht direkt entscheide. Er müsse aber
zur Rückweisung führen, wenn das Gericht zur Auffassung gelange, dass eine solche
Rückfrage notwendig sei. In Bezug auf das bidisziplinäre Gutachten falle auf, dass die
Beschwerdegegnerin die Arbeitsfähigkeitsschätzung der rheumatologischen
Sachverständigen nicht als unzulässig qualifiziert habe, während sie ausgeführt habe,
der psychiatrische Sachverständige hätte sich nicht zur Rechtsfrage der
Arbeitsfähigkeit äussern dürfen. Diese seltsame „Flexibilität“ bei der Auslegung von
ärztlichen Gutachten sei willkürlich. Es stehe der Beschwerdegegnerin nicht zu, das
Gutachten von Dr. I._ einfach für wertlos zu erklären. Die Schlussfolgerungen der
Beschwerdegegnerin beruhten auf einer falschen Interpretation der einschlägigen
Urteile des Bundesgerichtes, denn letzteres habe selbständigen depressiven Leiden,
die nicht bloss eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit seien, eine
invalidisierende Wirkung zuerkannt.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 1. September 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, die Beschwerdeführerin leide an
syndromalen Beschwerden in der Form eines Lumbovertebralsyndroms. Bei der
diagnostizierten mittelgradigen depressiven Störung handle es sich nicht um eine
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eigenständige psychische Erkrankung. Das Beschwerdebild sei stark von
psychosozialen Faktoren beeinflusst. Die so genannten Foerster’schen Kriterien seien
nicht erfüllt, weshalb die Beschwerdeführerin trotz Schmerzen einer Arbeit nachgehen
könne. Zudem sei erwiesen, dass sie ihre Medikamente nicht zuverlässig einnehme,
was gegen eine invalidisierende psychische Erkrankung spreche.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 15. September 2014 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 8).

Erwägungen:
1.
1.1 Die Beschwerdeführerin beantragt eine Feststellung über ihren Rentenanspruch.
Feststellungen sind zwar zulässig, wenn ein schützenswertes Interesse daran besteht
(vgl. Art. 49 Abs. 2 ATSG), doch besteht kein schützenswertes Interesse an einer
Feststellung, wenn rechtsgestaltend entschieden werden kann (vgl. etwa Alfred Kölz/
Isabelle Häner/Martin Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des
Bundes, 3. Aufl. 2013, N 351, mit Hinweisen). Diese Subsidiarität der
Feststellungsverfügung gegenüber der Gestaltungsverfügung erklärt sich aus der Natur
der Feststellung: Eine rechtsgestaltende Verfügung setzt einen vollständig
abgelaufenen Rechtssyllogismus voraus, das heisst der gesamte massgebende
Sachverhalt muss unter den vollständigen Tatbestand der anzuwendenden Norm
subsumiert werden und anschliessend muss die die Rechtsstellung der Parteien
verändernde Rechtsfolge – die Begründung, Abänderung oder Aufhebung von Rechten
oder Pflichten – angeordnet werden. Für jedes einzelne Element des Tatbestandes der
anzuwendenden Rechtsnorm muss ein korrespondierendes Element des Sachverhaltes
erhoben werden. Dieses Sachverhaltselement muss dann unter das korrespondierende
Tatbestandselement subsumiert werden. Wenn also beispielsweise ein Rentengesuch
an die Invalidenversicherung gerichtet wird, muss untersucht werden, ob die
gesuchstellende Person versichert ist,ob ihre Erwerbsfähigkeit verbessert oder erhalten
werden kann, ob sie während eines Jahres durchschnittlich mindestens 40 Prozent
arbeitsunfähig gewesen ist, ob sie nach dem Ablauf dieses Jahres mindestens zu 40
Prozent invalid ist, ob sie sich „rechtzeitig“ im Sinne des Art. 29 Abs. 1 IVG angemeldet
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hat etc. Dies sind die massgebenden Tatbestandselemente. Diesen
Tatbestandselementen müssen die entsprechenden Sachverhaltselemente
gegenübergestellt werden, also beispielsweise die folgenden: Die gesuchstellende
Person hat in der Schweiz gearbeitet, ist volljährig, Schweizerbürger, hat an einem
bestimmten Datum einen Unfall erlitten, hat danach die frühere Tätigkeit nicht mehr
ausüben können, hat sich ein halbes Jahr später zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung angemeldet, ist umgeschult worden, kann auch in der neuen
Tätigkeit keine volle Leistung erbringen etc. Dies sind die relevanten Sachverhalts
elemente, deren Subsumtion unter die Tatbestandselemente geprüft werden muss. Im
Normalfall kann nur dann eine rechtsgestaltende Verfügung/Entscheidung ergehen,
wenn jedes Sachverhaltselement unter jedes korrespondierende Tatbestandselement
subsumiert wird, die Subsumtion also vollständig ist. Die Feststellung zeichnet sich
dadurch aus, dass der Rechtssyllogismus nur unvollständig abläuft. Wenn sich der
Tatbestand beispielsweise aus den Elementen t bis t zusammensetzt und für eine
rechtsgestaltende Verfügung also geprüft werden müsste, ob sich der Sachverhalt,
bestehend aus den Elementen s biss ,unter die Tatbestandselemente t bis t
subsumieren lässt, kann sich der Rechtsanwender in einer Feststellungsverfügung/-
entscheidung darauf beschränken, das Sachverhaltselement s unter das
Tatbestandselement t zu subsumieren, als beispielsweise festzustellen, dass die
versicherte Person die IV-Versicherungsklausel erfüllt. In einem späteren Verfahren
kann der Rechtsanwender dann die übrigen Sachverhaltselemente s ,s und s bis s
unter die entsprechenden Tatbestandselemente t ,t und t bis t subsumieren und
dann gestützt auf die daraus resultierende Rechtsfolge eine rechtsgestaltende
Verfügung/Entscheidung erlassen. Bei diesem späteren Verfahren mit dem Ziel einer
rechtsgestaltenden Verfügung/Entscheidung darf er aufgrund der Verbindlichkeit der
früher ergangenen Feststellungsverfügung/-entscheidung betreffend das
Tatbestandselement t und das Sachverhaltselement s die entsprechende (Teil-)
Subsumtion nicht mehr prüfen, das heisst er muss auf die Feststellungsverfügung/-
entscheidung abstellen. Eine Feststellungsverfügung/-entscheidung ist also im
Ergebnis nichts anderes als ein inkompletter Rechtssyllogismus, der sich nur auf einen
Teil des Tatbestandes und damit nur auf den korrespondierenden Teil des
massgebenden Sachverhalts beschränkt. Wenn es in einer bestimmten
Verfahrenskonstellation sinnvoll ist, den gesamten Rechtssyllogismus ablaufen zu
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lassen und dementsprechend rechtsgestaltend zu verfügen oder zu entscheiden,
besteht in aller Regel kein Bedarf nach einer Beschränkung auf einen Teil des
Rechtssyllogismus. Dies erklärt die Subsidiarität der Feststellungsverfügung/-
entscheidung gegenüber der Gestaltungsverfügung/-entscheidung.
1.2 Da die Beschwerdeführerin die (rechtsgestaltende) Zusprache einer
Invalidenrente erreichen will, besteht an sich kein schützenswertes Interesse an der
beantragten Feststellung, dass ab 1. Oktober 2012 ein Anspruch auf eine halbe
Invalidenrente bestehe. Trotzdem muss sich ein allfälliger positiver Entscheid des
Gerichtes darauf beschränken, den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin und den
Rentenbeginn festzustellen. Die Beschwerdegegnerin hat nämlich nur die IV-
spezifischen Elemente des massgebenden Sachverhalts abgeklärt. Da sie eine
rentenbegründende Invalidität verneint hat, ist es nicht erforderlich gewesen, die intern
zuständige AHV-Ausgleichskasse mit der Erhebung der „AHV-spezifischen“
Sachverhaltselemente (Beitragsdauer, massgebendes durchschnittliches
Jahreseinkommen) zu beauftragen. Zur Begründung der verfügungsweisen Verneinung
eines Rentenanspruchs durch die Beschwerdegegnerin hat es nämlich aufgrund einer
Besonderheit der Rechtsgrundlage ausgereicht, nur den „IV-spezifischen“ Teil des
Sachverhalts zu ermitteln. Die gerichtliche (rechtsgestaltende) Zusprache einer
Invalidenrente würde aber voraussetzen, dass die „AHV-spezifischen“
Sachverhaltselemente vom Gericht erhoben würden, das heisst dass die zuständige
Ausgleichskasse im Auftrag des Gerichts die entsprechenden Abklärungen vornehmen
würde. Da es sich bei der Sachverhaltsabklärung um die ureigenste Aufgabe der
Verwaltung handelt und da der Beschwerdeführerin mit einer erstmaligen Abklärung
des massgebenden Sachverhalts durch das Gericht die einzige umfassende
Beschwerdemöglichkeit verwehrt würde, weist das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen gestützt auf den „IV-spezifischen“ Teil des Sachverhaltes die Sache
regelmässig an die Beschwerdegegnerin zurück, damit diese die „AHV-spezifischen“
Sachverhaltselemente unter Beizug der zuständigen Ausgleichskasse noch abkläre und
dann eine Verfügung erlasse. Da das Gericht die zutreffende Rentenstufe (Viertelsrente,
halbe Rente, Dreiviertelsrente, ganze Rente) und den konkreten Rentenbeginn in
seinem Rückweisungsurteil bereits verbindlich festgestellt hat, beschränkt sich der
anfechtbare Inhalt der neuen Verfügung der Beschwerdegegnerin auf die Würdigung
der „AHV-spezifischen“ Sachverhaltselemente, also auf den Betrag der Rente. Erst
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damit ist die Subsumtion des Sachverhalts unter den Tatbestand vollständig, so dass
eine rechtsgestaltende Verfügung ergehen kann. In jenen Fällen, in denen die
Beschwerdegegnerin ein Rentenbegehren abgewiesen hat, beschränkt sich der
Gerichtsentscheid also immer auf die Feststellung der massgebenden Rentenstufe und
des Rentenbeginns. Zur Vervollständigung der Sachverhaltsabklärung und zur
anschliessenden Komplettierung des Rechtssyllogismus weist es die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurück. Die Beschwerdeführerin hat also zu Recht nur eine
Feststellung über ihren grundsätzlichen Rentenanspruch beantragt.
2. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches
Gehör in der Form einer Verletzung der Begründungspflicht. Zur Diskussion steht
demnach keine Verletzung des Art. 42 ATSG, sondern eine Verletzung des Art. 49
Abs. 3 ATSG. Die Begründung einer Verfügung soll es dem Verfügungsadressaten
ermöglichen nachzuvollziehen, aus welchen Gründen die Verwaltung zum verfügten
Entscheid gelangt ist, um die Verfügung als richtig akzeptieren beziehungsweise sich
umfassend dagegen wehren zu können. Sie erfüllt also ihren Zweck, wenn der
Verfügungsadressat abwägen kann, ob und gegebenenfalls mit welchen Argumenten
er die Verfügung anfechten will. Die Begründung der vorliegend angefochtenen
Verfügung erfüllt diese Anforderung. Die Beschwerdeführerin hat der Verfügung
nämlich entnehmen können, dass und weshalb die Beschwerdegegnerin die aus
psychiatrischer Sicht attestierte Arbeitsfähigkeit ignoriert hatte. Auch wenn sich die
Beschwerdegegnerin tatsächlich nicht explizit mit den Argumenten in der Eingabe der
Beschwerdeführerin vom 27. Januar 2014 auseinandergesetzt hatte, hat sich der
angefochtenen Verfügung doch entnehmen lassen, dass die Beschwerdegegnerin an
ihrer im Vorbescheid dargelegten Auffassung festgehalten hat. Dies hat es der
Beschwerdeführerin ermöglicht, die Verfügung substantiiert anzufechten. Obwohl die
Begründung der angefochtenen Verfügung als rudimentär bezeichnet werden muss,
hat sie doch den vom Art. 49 Abs. 3 ATSG angestrebten Zweck erfüllt, weshalb sie sich
in diesem Punkt als rechtsmässig erweist. Sie ist also nicht zufolge
einer Begründungspflichtverletzung aufzuheben.
3.
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3.1 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können, die während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig
gewesen sind und die nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid
sind, haben einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1
IVG). Für die Bemessung der Invalidität einer erwerbstätigen versicherten Person wird
das Erwerbseinkommen, das sie nach dem Eintritt der Invalidität (gemeint ist die
Gesundheitsbeeinträchtigung) und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zum
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
3.2
3.2.1 Die Beschwerdeführerin hat während rund zwanzig Jahren bei B._ gearbeitet.
Im Zuge der Gesundheitsbeeinträchtigung hat sie ihr Pensum von 100 auf 50 Prozent
reduziert und sich schliesslich frühzeitig pensionieren lassen. Die Beschwerdegegnerin
hat vor diesem Hintergrund zu Recht angenommen, dass die Beschwerdeführerin ohne
die Gesundheitsbeeinträchtigung bis zur ordentlichen Alterspensionierung vollzeitig für
B._ gearbeitet hätte, zumal die Beschwerdeführerin selbst zweimal angegeben hat,
dass sie weiterhin zu 100 Prozent für B._ gearbeitet hätte. Folglich ist der
Invaliditätsgrad mittels eines Einkommensvergleichs zu berechnen und die
Weiterführung der früheren Tätigkeit für B._ im Vollzeitpensum ist als Validenkarriere
zu qualifizieren.
3.2.2 Aus rheumatologischer Sicht könnte diese Tätigkeit auch als leidensadaptiert
qualifiziert werden, denn sie erfüllt die von der rheumatologischen Sachverständigen
beschriebenen qualitativen Anforderungen an eine leidensadaptierte Tätigkeit. Zudem
hat der RAD-Arzt Dr. G._, der als ehemaliger B._arzt die körperlichen An
forderungen der Arbeitsstelle der Beschwerdeführerin bestens hat beurteilen können,
ebenfalls festgehalten, dass es sich um eine dem Leiden angepasste Tätigkeit handle
(vgl. IV-act. 34). Allerdings kann der Beschwerdeführerin gemäss dem psychiatrischen
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Teilgutachten von Dr. I._ Nachtarbeit nicht mehr zugemutet werden. Die Arbeit im
M._ muss aber in Schichten verrichtet werden, wobei die Arbeitnehmer abwechselnd
Tages- und Nachtschichten übernehmen müssen. Die B._ ist nicht bereit gewesen,
die Beschwerdeführerin ausschliesslich in Tagesschichten arbeiten zu lassen und sie
hat das Arbeitsverhältnis gekündigt beziehungsweise die Beschwerdeführerin frühzeitig
pensioniert. Dies zeigt, dass die Beschwerdeführerin die frühere Tätigkeit
gesundheitsbedingt nicht mehr weiterführen kann. Mangels einer beruflichen
Ausbildung müsste die Beschwerdeführerin eine andere, ideal leidensadaptierte
Hilfsarbeit verrichten, bei der sie aber nur noch ein durchschnittliches
Hilfsarbeiterinneneinkommen erzielen könnte. Die Invalidenkarriere entspricht folglich
einer durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit.
3.3
3.3.1 Nebst den somatischen Beschwerden, welche die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in qualitativer Hinsicht beeinträchtigen, das heisst das Spektrum
der zumutbaren Tätigkeiten einschränken, leidet die Beschwerdeführerin laut dem
bidisziplinären Gutachten der Dres. H._ und I._ auch an einer rezidivierenden
depressiven Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Ausprägung, welche die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin quantitativ erheblich mindert. Das
psychiatrische Teilgutachten ist – anders als das rheumatologische Teilgutachten –
vom RAD-Arzt Dr. J._ und von der zuständigen Sachbearbeiterin der
Beschwerdegegnerin in mehrfacher Hinsicht kritisiert worden. Dr. J._ hat ausgeführt,
dass die Diagnose nicht lege artis gestellt worden sei, weil eine rezidivierende
depressive Störung unter anderem eine mindestens zwei Monate dauernde Remission
voraussetze, die Beschwerdeführerin gemäss den Ausführungen von Dr. I._ diese
Voraussetzung aber nicht erfülle. Tatsächlich hat Dr. I._ dargelegt, dass die
Beschwerdeführerin im Jahr 2010 noch nicht an einer depressiven Störung gelitten
habe, dass dann aber gegen Ende des Jahres 2010 respektive zu Beginn des Jahres
2011 eine depressive Störung eingetreten sei, die bis zum Untersuchungszeitpunkt im
Jahr 2013 angehalten habe. Dr. I._ hat damit eine vorübergehende Remission der
depressiven Störung ausgeschlossen. Allerdings hat er auch ausgeführt, dass
angesichts der über zweijährigen Dauer der depressiven Störung die Diagnose einer
rezidivierenden depressiven Störung gestellt werden müsse. Diese Begründung kann
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von einem medizinischen Laien mit Blick auf die Definition einer rezidivierenden
depressiven Störung gemäss dem ICD-10 (F33) nicht nachvollzogen werden, denn laut
dieser Definition zeichnen sich die rezidivierenden depressiven Störungen nicht durch
ihre Dauer, sondern vielmehr durch ihren schwankenden Verlauf aus. Länger dauernde
depressive Störungen könnten – anders als schwankend verlaufende depressive
Störungen – auch unter den Begriff der anhaltenden affektiven Störungen gemäss der
Definition des ICD-10 (F34) subsumiert werden. Die Kritik von Dr. J._ an der
Diagnosestellung von Dr. I._ erscheint für einen medizinischen Laien daher als
gerechtfertigt. Für die Beurteilung des Rentengesuchs der Beschwerdeführerin ist die
Frage, ob eine rezidivierende oder eine nicht rezidivierende depressive Störung
vorliege, allerdings nicht entscheidend. Von Bedeutung ist vielmehr, ob es sich um eine
eigentliche depressive Störung oder bloss um eine „Verstimmung“ handelt und ob der
Gesundheitszustand länger dauernd oder bloss vorübergehend beeinträchtigt ist.
Dr. I._ hat überzeugend dargelegt, dass nicht bloss eine Verstimmung, sondern eine
depressive Störung vorliege, und dass diese im Untersuchungszeitpunkt bereits zwei
Jahre ununterbrochen angehalten habe. Beides ist von Dr. J._ nicht in Frage gestellt
worden, weshalb mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststeht, dass die Beschwerdeführerin an einer länger anhaltenden
depressiven Störung leidet. Dr. J._ hat weiter kritisiert, dass sich Dr. I._ nicht mit
der von Dr. H._ dargelegten Malcompliance bei der Medikamenteneinnahme
auseinander gesetzt habe. Er hat festgehalten, dass die depressive Störung günstig
beeinflusst werden könnte, wenn die Beschwerdeführerin die Psychopharmaka
ordnungsgemäss und regelmässig einnehmen würde, weshalb er eine entsprechende
Auflage empfehle. Dabei dürfte er übersehen haben, dass Dr. I._ ausgeführt hatte,
auch bei einer konsequenten Weiterführung der etablierten therapeutischen
Massnahmen könne nicht mit einer Steigerung, sondern bloss mit der Erhaltung der
Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Diesbezüglich erweist sich die Kritik von Dr. J._
am Gutachten folglich als unbegründet, was auch die Beschwerdegegnerin anerkannt
hat, indem sie Abstand von der geplanten Auflage der Erfüllung der
Schadenminderungspflicht in der Form einer tadellosen Medikamentencompliance
genommen hat. Abgesehen von der genauen Diagnose und der angeblichen
Medikamentenmalcompliance hat Dr. J._ das Gutachten von Dr. I._ nicht kritisiert.
Die zuständige Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin hat sich dann allerdings auf
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den Standpunkt gestellt, die vom psychiatrischen Sachverständigen attestierte
Arbeitsfähigkeitsschätzung möge zwar medizinisch überzeugen, begründe aber keine
Invalidität, weil leichte bis mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis
therapierbar seien. Damit hat die Sachbearbeiterin das Gutachten nicht in
medizinischer Hinsicht kritisiert, sondern vielmehr die medizinische
Arbeitsfähigkeitsschätzung durch eine „rechtliche“ Arbeitsfähigkeitsschätzung ersetzt.
Für eine medizinische Kritik hätte auch kein Grund bestanden, denn der psychiatrische
Sachverständige hat die Anamnese sorgfältig erhoben, die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, die von ihm erhobenen Befunde dargelegt, spezifische Tests
durchgeführt und gestützt auf die so ermittelte umfassende medizinische Grundlage
bzw. die bestehenden Symptome eine ausführlich begründete und nachvollziehbare
Schlussfolgerung gezogen. Die erwähnten Zweifel an der Exaktheit der gestellten
Diagnose sind irrelevant, weil nicht eine bestimmte Diagnose, sondern vielmehr eine
klinisch objektivierbare Einschränkung der Leistungsfähigkeit eine Invalidität begründet.
Abgesehen von der genauen Diagnosestellung überzeugt das Gutachten von Dr. I._.
Seine Ausführungen zur Entstehung, zum Verlauf und zum Schweregrad
beziehungsweise der Ausprägung der depressiven Störung sind plausibel. Die von ihm
beschriebenen Auswirkungen der depressiven Störung auf die Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin überzeugen ebenfalls. In medizinischer Hinsicht ist folglich
uneingeschränkt auf sein Teilgutachten beziehungsweise das im Übrigen nicht
kritisierte und ebenfalls überzeugende bidisziplinäre Gutachten abzustellen.
3.3.2 Die Auffassung der Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen müsse durch eine
„rechtliche“ Arbeitsfähigkeitsschätzung ersetzt werden, dürfte auf eine
Fehlinterpretation der massgebenden gesetzlichen Normen und der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zurückzuführen sein. Es trifft zwar zu, dass eine
medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht unbesehen für die Berechnung des
Invaliditätsgrades herangezogen werden kann, sondern dass vielmehr zu prüfen ist, ob
die medizinischen Sachverständigen insbesondere den Möglichkeiten des
ausgeglichenen Arbeitsmarktes in Bezug auf ideal leidensadaptierte Tätigkeiten, den
Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung auf die Leistungsfähigkeit an einem
bestimmten Arbeitsplatz und der Zumutbarkeit der Verrichtung von Arbeit trotz
Beschwerden hinreichend Rechnung getragen haben. Allenfalls müssen vom
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Rechtsanwender Rückfragen gestellt oder eine Stellungnahme eines Berufsberaters
eingeholt werden, bevor der Arbeitsfähigkeitsgrad definitiv feststeht. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist jedenfalls keine rein medizinische Aufgabe. Das
bedeutet aber selbstverständlich nicht, dass medizinische
Arbeitsfähigkeitsschätzungen a priori unbeachtlich wären. Vorliegend hat der
psychiatrische Sachverständige Dr. I._ nachvollziehbar und überzeugend dargelegt,
dass er – wie der frühere psychiatrische Sachverständige Dr. E._ – im Jahr 2010 trotz
psychischer Beschwerden keine Arbeitsunfähigkeit attestiert, das heisst der
Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsleistung trotz der psychischen
Beeinträchtigungen zugemutet habe, dass gegen Ende des Jahres 2010 zwar eine
psychiatrisch-therapeutische Behandlung notwendig geworden sei, die Beschwerden
aber auch damals noch nicht ein Ausmass erreicht hätten, das eine volle
Arbeitsleistung verunmöglicht hätte, dass aber im Verlauf des Jahres 2011 neu eine
depressive Störung aufgetreten sei, welche die zumutbare Arbeitsleistung
beeinträchtigt habe, sodass spätestens ab dem Zeitpunkt des diese Störung
belegenden Berichtes der behandelnden Psychiaterin vom Oktober 2011 bloss noch
eine Teilarbeitsleistung von 50 Prozent zumutbar gewesen sei. Die Arbeitsfähigkeit sei
aufgrund einer erhöhten Ermüdbarkeit, einer erhöhten Erschöpfbarkeit, einer
Antriebsminderung, einer generell reduzierten psychischen Belastbarkeit, einer
reduzierten Konzentrationsausdauer und einer reduzierten geistigen Flexibilität
aufgrund formaler Denkstörungen beeinträchtigt. Diese Ausführungen des
psychiatrischen Sachverständigen belegen, dass er der Zumutbarkeit der Verrichtung
von Arbeit trotz der Beschwerden Rechnung getragen hat. Er hat nämlich der
Beschwerdeführerin – wie auch Dr. E._ – vor dem Auftreten der depressiven Störung
trotz der damals bereits objektivierbaren Beschwerden eine volle Arbeitsleistung
zugemutet. Zudem hat er es trotz der depressiven Störung – anders als die
Beschwerdeführerin selbst und deren behandelnde Psychiaterin – als zumutbar
erachtet, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und eine Leistung von 50 Prozent zu
erbringen. Die Gründe für die Reduktion der Leistungsfähigkeit sind nachvollziehbar
und die Bezifferung der gesamten Leistungsreduktion auf 50 Prozent überzeugt. Zwar
ist davon auszugehen, dass die Restleistungsfähigkeit nicht einfach pauschal 50
Prozent beträgt, sondern beispielsweise für Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an
die Konzentration deutlich höher sein dürfte (was im Übrigen ebenfalls gegen die
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Zumutbarkeit der früheren Tätigkeit, in der die Beschwerdeführerin bis zu 2’000 Briefe
pro Stunde sortiert hat, spricht). Dem psychiatrischen Sachverständigen ist aber
bewusst gewesen, dass der Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht
entsprechend adaptierte Hilfsarbeiten zugemutet werden können. Folglich hat er für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung keinen Arbeitsplatzbeschrieb benötigt, sondern direkt
beziffern können, wie hoch die Leistungsminderung in einfacheren Tätigkeiten ist. Das
Ausmass der erhöhten Ermüdbarkeit, der erhöhten Erschöpfbarkeit, der
Antriebsminderung, der reduzierten psychischen Belastbarkeit, der reduzierten
Konzentrationsausdauer und der reduzierten geistigen Flexibilität hat nur der
psychiatrische Sachverständige abschätzen können, weshalb auch nur er das
Ausmass der Leistungsminderung hat beziffern können. Weil es sich bei der von ihm
diagnostizierten depressiven Störung nicht bloss um eine vorübergehende depressive
Episode oder Verstimmung, sondern um ein länger dauerndes, chronifiziertes Leiden
handelt, ist davon auszugehen, dass die von ihm attestierte Arbeitsunfähigkeit für
längere Zeit Bestand haben wird. Damit erfüllt die diagnostizierte depressive Störung
die Voraussetzungen für eine Gesundheitsbeeinträchtigung, die eine länger dauernde
Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zur Folge hat, also „invalidisierend“ ist.
3.3.3 Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin hat das Bundesgericht bei
eigenständigen depressiven Störungen die „invalidisierende Wirkung“ – anders als bei
so genannten „syndromalen Leiden“ – nicht grundsätzlich abgesprochen (vgl. etwa das
Urteil 9C_140/2014 vom 7. Januar 2015). Laut dem Gutachten von Dr. I._ liegt hier
ein verselbständigtes, objektivierbares depressives Leiden vor, das folglich nicht wie
ein „syndromales Leiden“ behandelt werden kann. Daran vermag das von der
rheumatologischen Sachverständigen festgestellte Lumbovertebralsyndrom nichts zu
ändern, auch wenn die Schmerzangaben bei der Untersuchung massiv übertrieben
gewesen sind. Daraus allein kann nämlich noch nicht das Vorliegen eines
„syndromalen Leidens“ abgeleitet werden. Ausserdem geht aus dem bidisziplinären
Gutachten der Dres. H._ und I._ deutlich hervor, dass die geklagten Schmerzen
objektiv keinerlei Relevanz in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit haben, sondern vielmehr
die depressive Störung klar im Vordergrund steht. Auch eine allfällige Therapierbarkeit
des Leidens würde nicht gegen die Berücksichtigung der attestierten Arbeitsunfähigkeit
sprechen, denn selbst bis zum allfälligen Erfolg einer entsprechenden Therapie läge
eine die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beeinträchtigende Gesundheitsstörung vor, die
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einen Invalidenrentenanspruch begründen könnte. Die Frage der Therapierbarkeit stellt
sich hier aber gar nicht, denn der psychiatrische Sachverständige hat
unmissverständlich festgehalten, dass selbst bei einer konsequenten Weiterführung der
von ihm als adäquat qualifizierten therapeutischen Massnahmen – insbesondere der
complianten Einnahme der Medikamente – nur die bestehende Arbeitsfähigkeit erhalten
werden könne, eine Steigerung folglich in absehbarer Zeit nicht möglich sei. Die
zuständige Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin hat die Aussichtslosigkeit einer
Steigerung der Arbeitsfähigkeit in ihrem Schreiben vom 27. Januar 2014 denn auch
anerkannt. Indem sie – ungeachtet ihrer eigenen Ausführungen vom 27. Januar 2014 –
im Vorbescheid vom 26. Februar 2014 eine angebliche Therapierbarkeit des
depressiven Leidens als Grund für die Verneinung der „invalidisierenden Wirkung“
angeführt hat, hat sie sich widersprüchlich verhalten. Zusammenfassend gilt, dass
aufgrund des überzeugenden Gutachtens der Dres. H._ und I._ ab Oktober 2011
eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin um 50 Prozent
selbst für leidensadaptierte Tätigkeiten aufgrund einer depressiven Störung
mittelgradiger Ausprägung mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegt ist.
3.4 Die Beschwerdeführerin hätte ab dem 1. Januar 2012 einen Jahreslohn von
65’659 Franken erhalten, wenn sie weiterhin vollzeitig für B._ erwerbstätig gewesen
wäre (IV-act. 76–3). Als durchschnittlich entlöhnte, vollzeitig erwerbstätige
Hilfsarbeiterin hätte sie im Jahr 2012 einen standardisierten Monatslohn von 4’112
Franken erhalten (Bundesamt für Statistik, Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2012,
TA1, Total aller Branchen, Kompetenzniveau 1). Unter Berücksichtigung einer im Jahr
2012 betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden ergibt sich ein
Jahreslohn von 51’441 Franken. Die Beschwerdeführerin hätte allerdings bloss zu
50 Prozent als Hilfsarbeiterin erwerbstätig sein können. Ausserdem wäre sie nicht in
der Lage gewesen, diese Restarbeitsfähigkeit mit einem durchschnittlichen
wirtschaftlichen Lohn zu verwerten, das heisst ihr Lohn wäre tiefer gewesen als der
Lohn einer gesunden, zu 50 Prozent erwerbstätigen Mitbewerberin. Sie wäre nämlich
nur bedingt belastbar, unflexibel und erhöht krankheitsanfällig gewesen. Sie hätte ihre
Arbeitsleistung nicht zuverlässig erbringen können, sondern ein potentieller Arbeitgeber
hätte mit häufigen Krankheitsabsenzen oder kurzfristigen Leistungseinbrüchen rechnen
müssen. Bei einem ungewöhnlich hohen Arbeitsanfall hätte die Beschwerdeführerin
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keine Überzeit leisten können, weil sie mit der Verrichtung des ordentlichen
Teilpensums von 50 Prozent bereits die Grenze der Zumutbarkeit erreicht gehabt hätte.
Ein potentieller Arbeitgeber hätte in solchen Fällen also einen Ersatz für die
Beschwerdeführerin auftreiben müssen, auch wenn bloss eine halbe Stunde Überzeit
hätte verrichtet werden müssen. Zudem hätte sich ein potentieller Arbeitgeber aufgrund
des fortgeschrittenen Alters der Beschwerdeführerin mit hohen
Sozialversicherungsbeiträgen konfrontiert gesehen. Aus all diesen Gründen hätte ein
wirtschaftlich denkender Arbeitgeber der Beschwerdeführerin bloss einen
unterdurchschnittlichen Lohn ausgerichtet, weshalb sich praxisgemäss ein
Tabellenlohnabzug von insgesamt 15 Prozent rechtfertigt (vgl. BGE 126 V 75). Das
zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen beläuft sich folglich auf 21’862
Franken (= 51’441 Franken × 0,85 × 0,5). Damit ergibt sich eine Erwerbseinbusse von
43’797 Franken. Der Invaliditätsgrad beträgt demnach aufgerundet 67 Prozent.
Gemäss dem Art. 28 Abs. 2 IVG besteht folglich ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung. Das so genannte Wartejahr hat im Oktober 2011 zu laufen
begonnen, weshalb die Voraussetzungen des Art. 28 Abs. 1 IVG für die Zusprache
einer Rente der Invalidenversicherung erst per 1. Oktober 2012 erfüllt gewesen sind. Da
sich die Beschwerdeführerin im Juni 2011 (zum zweiten Mal) zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet hat, die Anmeldung also „rechtzeitig“
im Sinne des Art. 29 Abs. 1 IVG erfolgt ist, ist ihr die Dreiviertelsrente ab dem
1. Oktober 2012 zuzusprechen.
4. Die angefochtene Verfügung vom 22. April 2014 ist demnach aufzuheben und es
ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. Oktober 2012 einen Anspruch
auf eine Dreiviertelsrente hat. Die Sache ist zur Festsetzung der Rentenbeträge an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat die
Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen; der Beschwerdeführerin wird der von ihr
geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin
hat zudem der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten, die
angesichts des durchschnittlichen Vertretungsaufwandes auf 3’500 Franken
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt wird.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
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