Decision ID: e1e01712-840c-4786-90cd-05dcf2434978
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend arbeitsrechtliche Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts am Arbeitsgericht Zürich, 1. Abteilung, vom 6. September 2016 (AH160047-L)
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Rechtsbegehren: (Urk. 1 S. 2; Urk. 16 S. 3; Prot. I S. 7 f.)
1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin zu bezahlen:
a. den Lohn für Juni 2015 von CHF 3'040.05 brutto, zuzüglich 5% Zins p.a. seit 30.06.2015;
b. den Lohn für Juli 2015 von (mindestens) CHF 3'040.05 brutto,  5% Zins p.a. seit 31.07.2015;
c. Schadenersatz für vor-/ausserprozessuale Anwaltskosten von total CHF 2'770.20, zuzüglich 5% Zins p.a., und zwar auf dem Betrag von CHF 1'952.60 seit 25.08.2015 sowie auf dem restlichen Betrag von CHF 817.60 seit 14.04.2016.
2. Dementsprechend sei auch: a. in der Betreibung Nr. 1 des Betreibungsamts Zürich 1 der Rechtsvor-
schlag der Beklagten in vollem Umfang aufzuheben. b. in der Betreibung Nr. 2 des Betreibungsamts Zürich 1 der Rechtsvor-
schlag der Beklagten im Umfang von (a) CHF 2'792.70 zuzüglich 5% Zins p.a. seit 31.07.2015 sowie von (b) CHF 1'952.60 zuzüglich 5% Zins p.a. seit 25.08.2015 aufzuheben.
3. Die Beklagte sei – unter Androhung der Überweisung ihrer Organe an die Strafbehörde zur Bestrafung gemäss Art. 292 StGB – zu verpflichten, der Klägerin kostenlos eine Kopie ihres vollständigen Personaldossiers zu .
4. Die Beklagte sei – unter Androhung einer Ordnungsbusse von CHF 100.00 für jeden Tag der Nichterfüllung – zu verpflichten, der Klägerin ein  mit folgendem Wortlaut aus- und zuzustellen: "Zürich, 31. Juli 2015
Arbeitszeugnis Frau B._, geb. tt. März 1986, von ..., war vom 28. März 2014 bis 31. Juli 2015, als Mitarbeiterin in unserem Unternehmen in der Funktion "Aufräumarbeiten im Verkauf" tätig. Zu ihrem Aufgabenbereich gehörte insbesondere:
- Warenauszeichnung und -beschriftung; - Aufräumen, Reinigungsarbeiten, Lagereinordnung; - Unterstützung unseres Beratungsteams;
- Warenpräsentation und wöchentliche Schaufensterdekoration. Frau B._ erledigte alle ihr übertragenen Arbeiten jederzeit zu unserer vollen Zufriedenheit. Wir schätzten insbesondere ihre fleissige,  und flexible Art, mit welcher sie ihre Aufgaben ausführte.
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Auch ihr Verhalten gegenüber Kundinnen, Arbeitskollegen und Vorgesetzten war jederzeit tadellos. Frau B._ war sowohl bei unseren Kundinnen als auch in unserem Team sehr beliebt und ihre hilfsbereite Art wurde sehr . Sie war eine angenehme, fröhliche und sympathische Mitarbeiterin. Frau B._ verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch und frei  Verpflichtung. Wir danken ihr für die geleisteten Dienste und wünschen ihr für ihre berufliche und private Zukunft alles Gute. A._ AG • C._
D._ (CEO)" 5. Alles unter Entschädigungsfolgen, zuzüglich 8% MWST, zu Lasten der Be-
klagten.
Urteil des Einzelgerichts am Arbeitsgericht Zürich, 1. Abteilung, vom 6. September 2016 (Urk. 26 S. 17 ff.):
1. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin für Juni 2015 Lohn von Fr. 2'792.70 netto [Fr. 3'040.05 brutto abzgl. 6.25% AHV/IV/ALV/EO abzgl. 1.89% UVG/NBU] nebst Zins zu 5% seit 30. Juni 2015 zu bezahlen.
Der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. 1 des Betreibungsamtes Zürich 1 (Zahlungsbefehl vom 3. August 2015) wird aufgehoben.
2. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin für Juli 2015 Lohn von Fr. 2'245.10 netto [Fr. 2'444.05 brutto abzgl. 6.25% AHV/IV/ALV/EO abzgl. 1.89% UVG/NBU] nebst Zins zu 5% seit 31. Juli 2015 zu bezahlen.
Der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. 2 des Betreibungsamtes Zürich 1 (Zahlungsbefehl vom 28. August 2015) wird im Umfang von Fr. 2'245.10 aufgehoben.
3. Im Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen. 4. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin eine Kopie ihres vollständigen
Personaldossiers zuzustellen. Der Antrag auf Androhung einer Bestrafung gemäss Art. 292 StGB im  wird abgewiesen.
5. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin ein Arbeitszeugnis mit folgendem Wortlaut aus- und zuzustellen:
"Zürich, 31. Juli 2015 Arbeitszeugnis Frau B._, geb. tt. Marz 1986, von ..., war vom 28. März 2014 bis 31. Juli 2015, als Mitarbeiterin in unserem Unternehmen in der Funktion "Aufräumarbeiten im Verkauf" tätig.
Zu ihrem Aufgabenbereich gehörte vor allem: - Warenauszeichnung und -beschriftung;
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- Aufräumen, Reinigungsarbeiten, Lagereinordnung;
- Unterstützung unseres Beratungsteams; - Warenpräsentation und wöchentliche Schaufensterdekoration.
Die ihr aufgetragenen Arbeiten erledigte sie zu unserer vollen Zufriedenheit. Wir schätzten ihre fleissige, pflichtbewusste und flexible Art, mit welcher sie die ihr gestellten Aufgaben erledigte.
Auch ihr Verhalten gegenüber Kundinnen, Arbeitskollegen und Vorgesetzten war tadellos. Frau B._ war bei unseren Kundinnen und Mitarbeitenden sehr beliebt und ihre hilfsbereite Art wurde sehr geschätzt. Sie war eine , fröhliche und sympathische Mitarbeiterin. Frau B._ verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Wir  ihr für ihre weitere Zukunft alles Gute. A._ AG • C._
D._ (CEO)" Der Antrag auf Androhung einer Ordnungsbusse von Fr. 100.- für jeden Tag
der Nichterfüllung wird abgewiesen.
6. Es werden keine Kosten erhoben. 7. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin eine (reduzierte) Parteientschä-
digung von Fr. 2'641.- (inkl. 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 8. ... [Mitteilungssatz]
9. ... [Rechtsmittelbelehrung]
Berufungsanträge:
der Berufungsklägerin und Beklagten (Urk. 25 S. 2):
"1. Juni-Lohn Der Nettolohn ist auf CHF 2'369.65 zu reduzieren. 2. Juli-Lohn Dieser ist abzuerkennen da die Arbeitnehmerin "blau" machte.
Für den Fall, dass das Gericht der Meinung ist, der Monat Juli müsste voll entrichtet werden, ist von einem Nettobetrag im Juli 2015 von CHF 2'026.22 - 94 (1/22 krank nach Berner-Skala) = CHF 1'932.22 auszugehen.
3. Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen. Alle gegenseitigen Betreibung sind zu annullieren.
4. Personaldossier Wir haben schon alles, was mit der Arbeitnehmerin zu tun hat und schriftlich festgehalten ist, abgegeben! Daher ist dieser Punkt ersatzlos wegzulassen!
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5. Zeugnis Wir sind nur bereit eine Arbeitsbestätigung auszustellen. Sollte das Gericht finden, dass wir ein wohlwollendes Zeugnis ausstellen "müssen", so werden wir auch die härtesten (negativen) Zwischenfälle erwähnen. Ich persönlich setze keine Unterschrift unter einem Text, das nicht meiner Meinung !
6. Keine Kosten. Geht in Ordnung, danke. 7. Parteientschädigung; es wird Gleichbehandlung verlangt!"

Erwägungen:
1. (Ausgangs-)Sachverhalt und Prozessgeschichte
1.1 Die Klägerin und Berufungsbeklagte (fortan Klägerin) trat am 28. März 2014
mit einem 100%-Pensum in der Funktion "Aufräumarbeiten im Verkauf (Hinter-
grund)" in ein Arbeitsverhältnis mit der Beklagten und Berufungsklägerin (fortan
Beklagte; Urk. 5/4). Per 1. Juli 2014 wurde der ursprüngliche Arbeitsvertrag er-
setzt und das Pensum auf eine 40-60%-Stelle (auf Stundenlohnbasis in der Höhe
von Fr. 23.- brutto inkl. Ferienentschädigung) reduziert (Urk. 5/3). Neben dem Ba-
sis-Monatsgehalt hatte die Klägerin einen Anspruch auf eine Saison-Umsatz-
Provision (SUP) und eine Tages-Umsatz-Provision (TUP) gemäss den im Arbeits-
vertrag festgelegten Modalitäten (Urk. 5/3). Die Klägerin kündigte das Arbeitsver-
hältnis am 30. Juni 2015 ordentlich auf den 31. Juli 2015 (Urk. 5/6; Urk. 18/26).
1.2 Mit Eingabe vom 14. April 2016 (Datum des Poststempels) erhob die Kläge-
rin beim Einzelgericht am Arbeitsgericht Zürich (Vorinstanz) unter Einreichung der
Klagebewilligung (Urk. 3) eine Klage gegen die Beklagte und Berufungsklägerin
(fortan Beklagte) mit den eingangs wiedergegebenen bzw. später präzisierten
Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2; Urk. 16 S. 3; Prot. I S. 7 f.). Damit machte sie An-
sprüche aus dem beendigten Arbeitsverhältnis geltend. Nach Eingang der schrift-
lichen Stellungnahme der Beklagten innert angesetzter Nachfrist (Urk. 6; Urk. 10;
Urk. 12) und Durchführung der Hauptverhandlung am 1. September 2016 (Prot. I
S. 6 ff.) fällte die Vorinstanz am 6. September 2016 – zunächst unbegründet –
den vorstehend zitierten Erledigungsentscheid (Urk. 19). Mit Eingaben vom
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12. und 16. September 2016 verlangten beide Parteien fristgerecht die Begrün-
dung dieses Entscheides (Urk. 20 f.). Die begründete Fassung des Urteils vom
6. September 2016 (Urk. 23 = Urk. 26) wurde von den Parteien am 12. Oktober
2016 in Empfang genommen (Urk. 24/1-2).
1.3 Gegen das vorinstanzliche Urteil erhob die Beklagte mit Eingabe vom
10. November 2016 (Datum Poststempel: 11. November 2016) innert Frist Beru-
fung mit den vorstehend wiedergegebenen Rechtsmittelanträgen (Urk. 25). Mit
Schreiben vom 15. November 2016 wurde der Klägerin vom Eingang der Beru-
fung Kenntnis gegeben (Urk. 30). Weitere prozessuale Anordnungen sind nicht
ergangen.
2. Prozessuales
2.1 Die fristgerecht erhobene (vgl. Art. 142 f. und Art. 145 Abs. 1 lit. b ZPO;
Urk. 24/2) Berufung richtet sich gegen einen erstinstanzlichen Endentscheid in ei-
ner vermögensrechtlichen Angelegenheit, deren Streitwert Fr. 10'000.– übersteigt
(Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 ZPO) und die nicht unter einen Ausnahmetatbe-
stand gemäss Art. 309 ZPO fällt. Unter dem Vorbehalt rechtsgenügender Begrün-
dung (Art. 311 Abs. 1 ZPO) ist somit auf die Berufung einzutreten. Wie nachste-
hend zu zeigen ist, ist diese aber offensichtlich unbegründet, soweit sie den for-
mellen Begründungsanforderungen überhaupt genügt. Damit erübrigen sich wei-
tere prozessuale Anordnungen. Insbesondere braucht der Klägerin keine Gele-
genheit zur Beantwortung der Berufung gegeben zu werden (vgl. Art. 312 Abs. 1
ZPO). Der Berufungsentscheid kann aufgrund der Akten ergehen (Art. 316 Abs. 1
ZPO).
2.2 Hinsichtlich Dispositivziffer 1 des vorinstanzlichen Urteils wurde die im Um-
fang von Fr. 2'369.65 netto zuzüglich Zins zu 5% seit 30. Juni 2015 (Lohn Juni
2015) gutgeheissene Klage sowie die entsprechende Beseitigung des Rechtsvor-
schlags in der Betreibung Nr. 1 des Betreibungsamtes Zürich 1 (Zahlungsbefehl
vom 3. August 2015) nicht angefochten. Diesbezüglich ist das vorinstanzliche Ur-
teil somit rechtskräftig geworden, was vorzumerken ist.
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2.3 Das Berufungsverfahren stellt keine Fortsetzung oder gar Wiederholung des
erstinstanzlichen Verfahrens dar, sondern ist nach der gesetzlichen Konzeption
als eigenständiges Verfahren ausgestaltet (BGer 4A_619/2015 vom 25. Mai 2016,
E. 2.2.1 m.H. auf die Botschaft zur ZPO, BBl 2006 S. 7374). Es zeichnet sich
dadurch aus, dass bereits eine richterliche Beurteilung des Rechtsstreits vorliegt,
und sein Gegenstand wird durch die Berufungsanträge und die Berufungsbegrün-
dung umrissen.
Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine unrichtige
Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Beru-
fungsinstanz verfügt mithin über eine vollständige Überprüfungsbefugnis der
Streitsache, d.h. über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen.
Neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) können im Berufungsverfahren aller-
dings nur unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO berücksichtigt
werden. Das gilt auch im Anwendungsbereich der sog. sozialen bzw. einge-
schränkten Untersuchungsmaxime (BGE 138 III 625; BGer 4A_619/2015 vom
25. Mai 2016, E. 2.2.2 a.E.), der die vorliegende Streitigkeit unterliegt (Art. 243
Abs. 2 lit. b Ziff. 2 ZPO). In der schriftlichen Berufungsbegründung (Art. 311
Abs. 1 ZPO) ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstinstanzliche
Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten ist bzw. an
einem der genannten Mängel leidet. Es obliegt dem Berufungskläger, anhand der
bereits festgestellten Tatsachen oder der daraus gezogenen rechtlichen Schlüsse
aufzuzeigen, inwiefern sich die Überlegungen des erstinstanzlichen Richters nicht
aufrechterhalten lassen. Das setzt (im Sinne einer von Amtes wegen zu prüfen-
den Eintretensvoraussetzung) voraus, dass der Berufungskläger die vorinstanzli-
chen Erwägungen bezeichnet, die er anficht, sich argumentativ mit diesen ausei-
nandersetzt und mittels genügend präziser Verweisungen auf die Akten aufzeigt,
wo die massgebenden Behauptungen, Erklärungen, Bestreitungen und Einreden
erhoben wurden bzw. aus welchen Aktenstellen sich der geltend gemachte Beru-
fungsgrund ergeben soll (vgl. BGE 138 III 374 E. 4.3.1 S. 375 f.; BGer 5A_247/
2013 vom 15. Oktober 2013, E. 3.2; 5A_751/2014 vom 28. Mai 2015, E. 2.1). Den
Anforderungen von Art. 311 ZPO ist weder durch eine pauschale Verweisung auf
die bei der Vorinstanz eingereichten Rechtsschriften noch durch eine blosse Wie-
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derholung des darin Ausgeführten oder eine neuerliche Darstellung der Sach-
oder Rechtslage Genüge getan, welche nicht darauf eingeht, was vor der Vor-
instanz vorgebracht und von dieser erwogen worden ist. Ebenso wenig genügt es,
den angefochtenen Entscheid in allgemeiner Weise zu kritisieren. Was nicht oder
nicht in einer den gesetzlichen Begründungsanforderungen genügenden Weise
beanstandet wird, braucht von der Rechtsmittelinstanz nicht überprüft zu werden;
diese hat sich – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – grundsätzlich auf die
Beurteilung der Beanstandungen zu beschränken, die in der schriftlichen Begrün-
dung (formgerecht) gegen den erstinstanzlichen Entscheid erhoben werden (vgl.
BGer 4A_619/2015 vom 25. Mai 2016, E. 2.2.4 m.w.H.; 5A_111/2016 vom 6. Sep-
tember 2016, E. 5.3; 4A_258/2015 vom 21. Oktober 2015, E. 2.4.3; 4A_290/2014
vom 1. September 2014, E. 3.1 und E. 5). Insofern erfährt der Grundsatz "iura no-
vit curia" (Art. 57 ZPO) im Berufungsverfahren eine Relativierung (BK ZPO I-
Hurni, Art. 57 N 21 und N 39 ff.; Glasl, DIKE-Komm-ZPO, Art. 57 N 22).
3. Beurteilung der Berufung
3.1 Die Beklagte beantragt in Bezug auf Dispositiv-Ziffer 1 des angefochtenen
Entscheides eine Reduktion des Nettolohns der Klägerin für Juni 2015 von
Fr. 2'792.70 auf Fr. 2'369.65 (Urk. 25 Antrag 1). Ihrer vor Vorinstanz vorgelege-
nen Lohnberechnung – und sinngemäss ihrer diesbezüglichen Klageanerkennung
– habe ein Fehler zugrunde gelegen. Es habe sich zwischenzeitlich herausge-
stellt, dass der Klägerin in der damaligen Lohnberechnung Boni in der Höhe von
Fr. 460.– statt Fr. 100.– (Fr. 40.– + Fr. 60.–) gutgeschrieben worden seien. Die
Differenz von Fr. 360.– hätte jedoch einer anderen Arbeitnehmerin zugute kom-
men sollen. Für diese sei bei der Beklagten ein beinahe gleich lautendes Kürzel
(E'._ für E._) wie für die Klägerin (B'._) verwendet worden. Der
Fehler in der damaligen Lohnabrechnung sei auf eine Verwechslung dieser Kürzel
zurückzuführen. Mit der Verwendung des richtigen Kürzels resultiere der nunmehr
beantragte Lohn (Urk. 25 S. 2; Urk. 28/1/3). Wie soeben ausgeführt, können im
Berufungsverfahren neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) nur unter den Vo-
raussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO berücksichtigt werden. Hernach sind No-
ven nur noch zu berücksichtigen, wenn sie – kumulativ – ohne Verzug vorge-
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bracht werden (Art. 317 Abs. 1 lit. a ZPO) und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht
schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 lit. b ZPO).
Die Beklagte macht nicht geltend, dass diese Voraussetzungen erfüllt wären. Sie
legt insbesondere auch nicht dar, dass sie der damaligen Lohnberechnung mit
genügender Sorgfalt begegnet wäre, so dass eine Verwechslung der ähnlichen
Kürzel praktisch habe ausgeschlossen werden können. Daher sind ihre mit der
Berufung in das Verfahren eingebrachten Noven unzulässig und nicht zu beach-
ten. Die neu eingereichten Beweismittel können daher ebenfalls nicht berücksich-
tigt werden. Es ist in diesem Zusammenhang überdies darauf hinzuweisen, dass
die Unwirksamkeit einer Klageanerkennung im formellen Sinn ohnehin mittels Re-
vision gemäss Art. 328 ff. ZPO geltend zu machen wäre.
3.2 Weiter beantragt die Beklagte vorliegend in Bezug auf Dispositiv-Ziffer 2 des
angefochtenen Entscheides die Aberkennung eines Lohnanspruches der Klägerin
für Juli 2015 bzw. eventualiter eine Reduktion des Nettolohns der Klägerin für Juli
2015 von Fr. 2'245.10 auf Fr. 1'932.22 (Urk. 25 Antrag 2). Die Beklagte stellt in ih-
rer Berufungsschrift einen Lohnanspruch der Klägerin für Juli 2015 mangels ge-
sundheitlicher Beeinträchtigung in Abrede. Die Klägerin sei schlicht nicht krank
gewesen, sondern habe einfach "blau" gemacht. Das Zeugnis der Ärztin der Klä-
gerin, Dr. med. F._, sei nicht nur undatiert, sondern auch rückwirkend aus-
gestellt worden. Letzteres ergebe sich aus den Aussagen der Klägerin selbst, wo-
nach sie erst zwei Tage später zum Arzt gegangen sei. Die Klägerin selbst habe
in einer E-Mail-Nachricht mitgeteilt, dass sie krank geschrieben worden sei, nicht
aber dass sie krank sei. Bei Dr. med. G._ habe es sich ausserdem nicht um
eine Vertrauensärztin der Beklagten gehandelt. Die Beklagte sei davon ausge-
gangen, dass die von der Klägerin aufgesuchte Praxis von dem ihr bekannten
Arzt Dr. med. H._ geleitet würde. Davon, dass dieser pensioniert worden sei,
habe sie keine Kenntnis gehabt. Dr. med. G._ habe dem Vertreter der Be-
klagten dann aber auch telefonisch erklärt, dass sie aufgrund ihrer Kenntnisse zur
besagten Diagnosestellung gar nicht imstande sei. Für den Fall, dass ein Lohnan-
spruch der Klägerin für Juli 2015 dennoch bejaht werde, erweise sich die Berech-
nung desselben durch die Vorinstanz als nicht richtig. Die Klägerin habe im Juli
2015 nicht gearbeitet. Daher bilde ein Zwölftel des dem Anspruchsmonat voran-
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gegangenen Jahreseinkommens Basis für die Lohnberechnung. Die Klägerin ha-
be von Juli 2014 bis Juni 2015 insgesamt ein Nettoeinkommen von Fr. 24'314.60
erzielt, was einem monatlichen Lohn von netto Fr. 2'026.22 entspreche. Daher sei
der von der Vorinstanz errechnete Lohnanspruch von netto Fr. 2'245.10 falsch.
Darüber hinaus sei zu beachten, dass per Juli 2014 der ursprüngliche Vertrag er-
setzt worden sei. Mit dem neuen Vertrag sei von einem Vollzeitpensum mit Mo-
natslohn auf ein Teilzeitpensum mit Stundenlohn gewechselt worden. Als Folge
dieses Vertragswechsels habe die Lohnberechnung Juli 2014 sowohl Monatslohn
als auch Stundenlohn, also an sich zwei Monate zusammen, beinhaltet. Überdies
habe die Klägerin für sechseinhalb Stunden auch noch Fr. 149.50 als Feriengut-
haben ausbezahlt bekommen. Aus diesen Fakten werde ersichtlich, dass der
Lohn für Juli 2014 weitaus höher in die voranstehende Berechnung eingeflossen
sei, als er effektiv gewesen sei. Auf eine Anpassung dieses Parameters werde
aber verzichtet. Hingegen müsse Beachtung finden, dass die Beklagte im April
2015 an einem Tag krank gewesen sei, was zu einem Abzug von acht Stunden
respektive einem Arbeitstag und nach Berner Skala von 1/22 (von Fr. 2'026.22)
führen müsse. Folglich sei eventualiter von einem Nettolohn für Juli 2015 von
Fr. 1'932.22 (Fr. 2'026.22 - Fr. 94.–) auszugehen (Urk. 25 S. 2 f.).
Die Vorinstanz hat unter Würdigung der Parteivorbringen und der eingereichten
Unterlagen im Einzelnen begründet, weshalb die Beklagte zur angefochtenen
Zahlung von Lohn und Krankenlohn für Juli 2015 im Betrag von netto Fr. 2'245.10
verpflichtet sei (Urk. 26 S. 9 ff. E. IV.B.). Die Beklagte beschränkt sich in ihrer Be-
rufungsschrift im Wesentlichen darauf, bloss ihre eigene Sichtweise zu wiederho-
len und einen (zumindest teilweise) von den vorinstanzlichen Feststellungen ab-
weichenden Sachverhalt zu behaupten. Auch in inhaltlicher Hinsicht setzt sich die
Beklagte nicht bzw. nur marginal mit den entscheidrelevanten Ausführungen zur
Sach- und Rechtslage im angefochtenen Urteil auseinander, mit denen die Vor-
instanz ihre Ansicht argumentativ entkräftete. Darauf nimmt die Berufungsbe-
gründung nur am Rand und jedenfalls nicht genügend konkret Bezug. Es ist wohl
richtig, dass auf dem Arztzeugnis der Ärztin der Klägerin, Dr. med. F._, das
Ausstellungsdatum fehlt (Urk. 5/7). Wie von der Vorinstanz jedoch zutreffend er-
wogen, liegt deshalb aber noch keine – relevante – rückwirkende Beurteilung vor.
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Nicht strittig ist klägerischerseits, dass die Klägerin innert zwei Tagen, also ca. am
10. Juli 2015, ihre Ärztin aufgesucht hat. Es entspricht der gängigen Praxis, dass
ein erkrankter Arbeitnehmer nicht am ersten, sondern erst am zweiten oder dritten
Tag einen Arzt aufsucht und dass der konsultierte Arzt ihm hierauf eine Arbeitsun-
fähigkeitsbescheinigung für einen ein bis zwei Tage zurückliegenden Zeitpunkt
ausstellt. Von einer – relevanten – rückwirkenden Beurteilung kann daher noch
keine Rede sein. Anders verhielte es sich, wenn eine Konsultation des Arztes
nicht mehr als zeitnah zu bezeichnen wäre und eine verlässliche, rückwirkende
Beurteilung des gesundheitlichen Zustandes des Patienten fraglich erschiene.
Dies ist vorliegend jedoch nicht der Fall, zumal die Vertrauensärztin Dr. med.
G._, welche die Klägerin auf Geheiss der Beklagten aufsuchte, den Befund
von Dr. med. F._ mit Schreiben vom 13. Juli 2015 und damit (relativ) zeitnah
vollumfänglich bestätigte (Urk. 5/8). Dass Dr. med. G._ gemäss ihrer eigenen
Aussage zu einer entsprechenden Diagnosestellung nicht in der Lage gewesen
sein soll, stellt beklagtischerseits eine blosse Behauptung dar. Diese wird von Sei-
ten der Beklagten weder substantiiert begründet noch irgendwie belegt, mithin
nicht rechtsgenügend nachgewiesen. Vor allem aber erweist sie sich vorliegend
als neu vorgebrachte Tatsache (Novum). Wiederum macht die Beklagte im vorlie-
genden Berufungsverfahren auch nicht nur ansatzweise geltend, dass die zuvor
bereits genannten und für eine Berücksichtigung dieses Novums erforderlichen
Voraussetzungen vorliegen würden. Daher hat die neue Tatsachenbehauptung
vorliegend unberücksichtigt zu bleiben. Unbehilflich erweist sich auch der wieder-
holte Einwand der Beklagten, wonach es sich bei Dr. med. G._ nicht um ihre
Vertrauensärztin gehandelt habe. Entscheidend ist diesbezüglich, dass die Kläge-
rin auf Geheiss der Beklagten jene Arztpraxis aufgesucht hat, in welcher offenbar
früher auch ein Arzt namens Dr. H._ praktizierte. Dass Dr. H._ gemäss
der Beklagten zufolge Pensionierung nicht mehr dort arbeitet, ist nicht auf ein feh-
lerhaftes Verhalten der Klägerin zurückzuführen. Vielmehr wäre es an der Beklag-
ten gewesen, sich über die in besagter Praxis tätigen Arztpersonen Gewissheit zu
verschaffen. Für dieses Versäumnis trägt die Beklagte die Verantwortung; der
Klägerin darf daraus kein Nachteil erwachsen. In Übereinstimmung mit der Vo-
rinstanz ist festzuhalten, dass irrelevant ist, dass der Vertreter der Beklagten
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Dr. med. G._ nicht kennt bzw. kannte. Wie von der Vorinstanz dargetan, wird
bzw. wurde von der Ärztin der Klägerin, Dr. med. F._, mittels ärztlichem
Zeugnis bescheinigt und von Dr. med. G._ mit Schreiben vom 13. Juli 2015
bestätigt, dass bei der Klägerin – wie von ihr dargelegt – eine Arbeitsunfähigkeit
vorlag. Aus den Urkunden ergibt sich weiter, dass die Klägerin seit dem 8. Juli
2015 in Behandlung war und ihr für Juli 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit at-
testiert wurde. Die Beklagte vermochte nichts Wesentliches vorzubringen, was
begründete Zweifel an der Einschätzung der ärztlichen Fachpersonen aufkommen
liesse. Im Übrigen muss nicht mit jeder gesundheitlichen Beeinträchtigung eine
Bettlägerigkeit einhergehen. Entgegen der Auffassung der Beklagten kann daher
nicht davon ausgegangen werden, dass die Klägerin im Juli 2015 einfach "blau"
machte. Nach dem Gesagten und mit Hinweis auf die weiteren diesbezüglichen
Erwägungen im angefochtenen Entscheid ist ein Lohnanspruch der Klägerin für
Juli 2015 zu bejahen.
Aus den vorinstanzlichen Erwägungen ergibt sich weiter, dass Basis für den
Lohnanspruch der Klägerin für Juli 2015 der von der Beklagten vor Vorinstanz
anerkannte Bruttolohn der Klägerin für Juni 2015 in der Höhe von Fr. 3'040.55 bil-
dete (Urk. 26 S. 9 E. IV.A. und S. 13 E. IV.B.3.6). Die Klägerin machte vor Vor-
instanz geltend, im Juli 2015 hätte sie den gleichen Lohn erwirtschaftet wie im Ju-
ni 2015 in der Höhe von Fr. 3'040.55 (Urk. 26 S. 9 E. IV.B.1.; Urk. 16 S. 8; Prot. I
S. 7). Der Vertreter der Beklagten stellte den geltend gemachten Bruttolohn von
Fr. 3'040.55 anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung nicht in Abrede. Er
fügte lediglich an, dass ein Bruttolohn als Basis für die Berechnung eines allfälli-
gen Lohnes der Klägerin für Juli 2015 im Betrag von Fr. 3'040.55 das absolute
Maximum sei, sofern die Klägerin gearbeitet hätte und keine Krankheitstage ab-
gezogen werden müssten (Prot. I S. 13). Es war jedoch in rechtlicher Hinsicht mit
keinem Wort die Rede davon, dass für die besagte Lohnberechnung als Basis ein
Zwölftel des dem Anspruchsmonat vorangegangenen Jahreseinkommens heran-
gezogen werden müsse. Abgesehen davon behauptete die Beklagte vor Vor-
instanz auch nicht, der Durchschnittslohn im dem Anspruchsmonat vorangehen-
den Jahr sei tiefer als Fr. 3'040.55 gewesen. Ebenso wenig kam zur Sprache,
dass bei einer allfälligen Lohnberechnung für Juli 2015 ein Krankheitstag der Klä-
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gerin im April 2015 in Abzug zu bringen sei bzw. wäre. Beide im vorliegenden Be-
rufungsverfahren von der Beklagten geltend gemachten Tatsachenbehauptungen
erweisen sich damit als neu. Ebenso neu sind vorliegend auch die mit diesen No-
ven von der Beklagten vorgenommene und voranstehende Lohnberechnung und
die hierfür eingereichten Beweismittel. Erneut ist zu bemerken, dass die Beklagte
in ihrer Berufungsschrift mit keinem Wort darlegt, dass die für eine Berücksichti-
gung dieser Noven erforderlichen Voraussetzungen vorlägen. Insbesondere findet
sich keine Begründung dafür, dass besagte Noven nicht vor Vorinstanz hätten
vor- bzw. beigebracht werden können. Sie sind daher unzulässig und unbeacht-
lich, ebenso die neu eingereichten Beweismittel.
3.3 Die Beklagte beantragt in Bezug auf Dispositiv-Ziffer 3 des angefochtenen
Entscheides die Annullierung sämtlicher gegenseitiger Betreibungen der Parteien
sowie hinsichtlich Dispositiv-Ziffer 4 des angefochtenen Entscheides deren er-
satzlose Aufhebung (Urk. 25 Antrag 3 und 4).
Ersteren Antrag begründet sie mit ihrer Ansicht, wonach die Angelegenheit nur
adäquat beendet werden könne, wenn beide Parteien ihre gegenseitigen Betrei-
bungen vollends zurücknehmen würden, d.h. diese mit je eigener Kostenüber-
nahme bei den jeweiligen Betreibungsämtern annullieren lassen würden (Urk. 25
S. 3). Dieses Rechtsbegehren ist unklar; namentlich erhellt nicht, welchen An-
spruch die Beklagte damit geltend macht. Ein schutzwürdiges Interesse im Sinne
von Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO am Rückzug der durch die Beklagte eigens eingelei-
teten Betreibungen vermag diese selbstredend nicht zu begründen. Sie kann ei-
nen Rückzug jederzeit selbst veranlassen. Was die durch die Klägerin eingeleite-
ten Betreibungen anbelangt, bringt die Beklagte vorliegend nicht ansatzweise zum
Ausdruck, dass sie mit ihrem Antrag entweder die Löschung des Betreibungsre-
gistereintrags mittels einer Klage nach SchKG (bspw. Art. 85 f. SchKG) erwirken
möchte oder die Feststellung anbegehrt, dass die Klägerin ihre Betreibung(en)
ungerechtfertigt, wider Treu und Glauben im Sinne von Art. 2 Abs. 1 ZGB und
damit rechtsmissbräuchlich eingeleitet habe. Daher mangelt es ihr auch diesbe-
züglich an einem Rechtsschutzinteresse im vorgenannten Sinne. Darüber hinaus
hat sich die Beklagte vor Vorinstanz zur Stellung entsprechender Anträge nicht
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veranlasst gesehen, weshalb sie sich vorliegend ohnehin als unzulässige Klage-
änderungen erwiesen hätten.
Bezüglich der ersatzlosen Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 4 des angefochtenen
Entscheides macht die Beklagte berufungsweise geltend, sie habe alles, was die
Klägerin betrifft, "beim Friedensrichteramt" abgegeben. An der HV meinte sie:
"Das ist alles schon hier" (Prot. I S. 14). Daraus ergibt sich keine Herausgabe an
die Klägerin persönlich. Mehr als sie besitzt bzw. existiert, muss die Beklagte
nicht edieren, aber sie muss die Unterlagen der Klägerin zustellen (vgl. Disposi-
tivziffer 4). Darauf hat bereits die Vorinstanz hingewiesen, auch wenn sie die Voll-
ständigkeit der vorgelegten Unterlagen anzweifelte: "Die blosse Einreichung ein-
zelner Unterlagen während des Prozesses ist nicht ausreichend" (Urk. 26 S. 15).
Den Nachweis der Zustellung ist die Beklagte schuldig geblieben, was zur Abwei-
sung der Berufung in diesem Punkt führt.
3.4 Weiter beantragt die Beklagte vorliegend in Bezug auf Dispositiv-Ziffer 5 des
angefochtenen Entscheides, sie sei lediglich zu verpflichten, der Klägerin anstelle
eines Arbeitszeugnisses mit dem durch die Vorinstanz formulierten Wortlaut eine
Arbeitsbestätigung aus- und zuzustellen. Eventualiter seien in einem Arbeits-
zeugnis für die Klägerin auch die sie betreffenden "härtesten (negativen) Zwi-
schenfälle" aufzuführen (Urk. 25 Antrag 5). Die Beklagte führt diesbezüglich in ih-
rer Berufungsschrift aus, dass das Verhalten der Klägerin als Arbeitnehmerin im
Sinne eines Euphemismus dermassen "nicht teamfördernd" gewesen sei, dass
von Seiten der Beklagten im März 2015 eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses
an sich angezeigt gewesen wäre. Neben dem Versenden von Kurzmitteilungen
mit Mobbing-Inhalten an Mitarbeitende habe die Klägerin weiteres negatives Ver-
halten an den Tag gelegt. Namentlich habe sie (trotz Ermahnung, dies nicht zu
tun) das Netzsystem heruntergefahren, (ohne zu bezahlen) den Firmen-Laptop
einfach nach Hause genommen, schlicht und einfach alle immer wieder angelo-
gen, und sei (obgleich nur eine Mitarbeiterin im Laden der Beklagten anwesend
gewesen sei) nicht pünktlich zur Arbeit erschienen. Entgegen dem Willen aller
Mitarbeitenden habe der Vertreter der Beklagten ihr dennoch eine weitere Chance
geben wollen, im Wissen um ihre "schlimme" private Situation. Er habe die ande-
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ren Mitarbeitenden darum gebeten, es ihm gleich zu tun. Das vorliegende Verfah-
ren erhelle, wie sich das Arbeitsverhältnis weiter entwickelt habe. Aus diesen
Gründen würde sich die Beklagte veranlasst sehen, lediglich eine Arbeitsbestäti-
gung auszustellen. Würde die Beklagte dennoch zur Ausstellung eines wohlwol-
lenden Arbeitszeugnisses verpflichtet werden, so würde dem nur unter der Bedin-
gung nachgekommen werden, dass darin auch die härtesten (negativen) Zwi-
schenfälle aufgeführt würden. Der Vertreter der Beklagten setze keine Unterschrift
unter einen Text, der nicht seiner Meinung entspreche (Urk. 25 S. 3 f.).
Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid zutreffend darauf hingewiesen,
dass die Arbeitnehmerin gemäss Art. 330a Abs. 1 OR Anspruch auf ein Arbeits-
zeugnis hat, das sich über die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über
ihre Leistungen und ihr Verhalten ausspricht (Urk. 26 S. 14 E. IV.C.). Alternativ
stünde ihr, nicht aber der Arbeitgeberin, das Recht zu, auch bloss eine Arbeitsbe-
stätigung zu verlangen (Art. 330a Abs. 1 OR). In weiterer Übereinstimmung mit
der Vorinstanz hat das Zeugnis nach Lehre und Rechtsprechung wohlwollend zu
sein, wobei das Wohlwollen seine Grenze an der Wahrheitspflicht findet (Streiff/
von Kaenel/Rudolph, Praxiskommentar zum Arbeitsvertrag, 7. Aufl. 2012, Art.
330a OR N 3a).
Mit dem von der Vorinstanz formulierten Wortlaut des Arbeitszeugnisses für die
Klägerin setzt sich die Beklagte vorliegend in keiner Art und Weise auseinander.
Die Berufungsbegründung nimmt auch nicht auf die dem Wortlaut zugrunde lie-
genden Erwägungen der Vorinstanz genügend konkret Bezug. Die Beklagte bringt
lediglich pauschal zum Ausdruck, dass ihr Vertreter keine Unterschrift unter einen
Text setze, der nicht seiner Meinung entspreche. Darüber hinaus kann der Beru-
fungsschrift lediglich entnommen werden, dass für die Beklagte unerlässlich sei,
im Arbeitszeugnis der Klägerin auch deren – nach Ansicht der Beklagten – nega-
tives Verhalten aufzuführen.
Zunächst ist festzuhalten, dass die im Rahmen der Berufungsbegründung na-
mentlich wiedergegebenen und angeblichen Verhaltensweisen der Klägerin nicht
einmal Niederschlag in der von der Beklagten vor dem Friedensrichteramt einge-
reichten und selbst verfassten Version eines Arbeitszeugnisses für die Klägerin
- 16 -
Eingang gefunden haben (Urk. 12 S. 5; Urk. 13/15). Auch anlässlich der vor-
instanzlichen Hauptverhandlung und insbesondere der Konfrontation mit einer
von Seiten der Klägerin verfassten Version eines Arbeitszeugnisses kam Derarti-
ges nicht zur Sprache (Prot. I S. 9 f.). Ein Mal mehr erweisen sich die entspre-
chenden Vorbringen damit als neu, mithin – mit Verweis auf das bisher hierzu
Ausgeführte – als unechte Noven und damit als unzulässig und unbeachtlich.
Aber auch dessen ungeachtet wäre von einer Auflistung der besagten Verhal-
tensweisen abzusehen. Wohl dürfen in einem Arbeitszeugnis durchaus auch un-
günstige Tatsachen erwähnt werden, sofern sie für die Gesamtbeurteilung des
Arbeitnehmers erheblich sind. Völlig isolierte Vorfälle und unwichtigere Kleinigkei-
ten sind nicht genügend erheblich. Einzelne Missstimmigkeiten – gerade auch
zum Ende der Anstellung – dürfen nicht überbewertet werden (vgl. Streiff/von Ka-
enel/Rudolph, a.a.O., Art. 330a OR N 3). Der Arbeitgeber kann sodann nicht auf
einem eigenen subjektiven Werturteil beharren. Es ist im Gegenteil ein objektiver
Massstab anzulegen. Die Vorbringen der Beklagten in Bezug auf problematische
Verhaltensweisen der Klägerin vermögen das Mass einer blossen Behauptung
nicht zu übersteigen. Sie sind weder rechtsgenügend begründet noch belegt.
Auch lassen sie sich beim rund einjährigen Arbeitsverhältnis zeitlich nicht einord-
nen. Ohnehin wäre es auch unstatthaft, solche Vorwürfe bzw. negative Äusserun-
gen im Zeugnis anzuführen, wenn während des laufenden Arbeitsverhältnisses
keine Beanstandungen angebracht wurden (Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O.,
Art. 330a OR N 5 m.w.H.). Dass dem so gewesen sein soll, bringt die Beklagte in
keinerlei Hinsicht zum Ausdruck.
3.5 Sodann beantragt die Beklagte vorliegend in Bezug auf Dispositiv-Ziffer 7
des angefochtenen Entscheides sinngemäss eine Reduktion der dem Rechtsver-
treter der Klägerin zugesprochenen (reduzierten) Parteientschädigung in der Hö-
he von Fr. 2'641.– (inklusive 8% Mehrwertsteuer) bzw. eventualiter die Zubilligung
einer nämlichen Entschädigung für die Beklagte (Urk. 25 Antrag 7 i.V.m. S. 5 f.).
Hinsichtlich der Höhe der Parteientschädigung sei zum einen von der Vorinstanz
unbeachtet geblieben, dass die Beklagte den Lohn der Klägerin für Juni 2015 an-
erkannt habe, und zwar in höherem als dem ursprünglich eingeforderten Umfang.
Zum anderen habe der Rechtsvertreter der Klägerin zuviel ungerechtfertigten
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Aufwand betrieben. Namentlich habe dieser sich mit den ihm zur Verfügung ge-
standenen Unterlagen zu wenig auseinander gesetzt. So habe er zunächst einen
falschen Lohn der Klägerin für Juni 2015 eingeklagt. Auch habe er verlangt, Ar-
beitsverträge nach der Berner Skala zu erstellen, was die Beklagte seit eh und je
mache. Was den Eventualantrag betreffe, habe auch die Beklagte sehr viel Auf-
wand betreiben müssen. Eine Ungleichbehandlung der Parteien rechtfertige sich
daher nicht, weshalb der Beklagten die gleiche Parteientschädigung wie dem
Rechtsvertreter der Klägerin zuzubilligen sei (Urk. 25. S. 5 f.).
Der Rechtsvertreter der Klägerin machte vor Vorinstanz anlässlich seines Plädo-
yers an der Hauptverhandlung vom 1. September 2016 eine Parteientschädigung
bis am 30. Juni 2016 in der Höhe von Fr. 2'663.20 zuzüglich der anwaltlichen
Bemühungen für die Vorbereitung (Verfassen Plädoyer im Umfang von 19 Stun-
den à Fr. 350.–) sowie die Teilnahme an der Hauptverhandlung geltend (Urk. 16
S. 15 f.). Der Vertreter der Beklagten bestritt diese beantragte Parteientschädi-
gung lediglich pauschal in seiner Klageantwort auf Befragen. Eine Rechtsverbei-
ständung sei völlig unnötig gewesen. Wenn jemand eine Rechtsverbeiständung
wünsche, sei das sein Entscheid (Prot. I S. 15 f.). Mit Blick auf das hiervor bereits
mehrfach Ausgeführte, sind die nun im Zusammenhang mit der Parteientschädi-
gung der Klägerin erstmals im Berufungsverfahren vorgebrachten Einwendungen
der Beklagten unzulässige Noven. Aber auch eine Berücksichtigung derselben
bliebe vorliegend ohne Folgen.
Anlässlich der Schlichtungsverhandlung vom 16. Dezember 2015 konnte keine
Einigung zwischen den Parteien erzielt werden. Auch der Lohn der Klägerin für
Juni 2015 blieb strittig (Urk. 3), weshalb die Klägerin diesen berechtigterweise vor
Vorinstanz klageweise einforderte. Auch wenn die Beklagte diesen im vorinstanz-
lichen Verfahren anerkannte, galt sie diesbezüglich als unterliegende Partei. Dass
die Vorinstanz erwog, die Klägerin obsiege zu rund drei Vierteln und die Beklagte
zu einem Viertel (Streitwert rund Fr. 12'000.–: Obsiegen Klägerin und Unterliegen
Beklagte knapp Fr. 9'000.–; vgl. Urk. 26 S. 16 f. E. V.), ist nicht zu beanstanden.
Weiter wirft die Beklagte dem Rechtsvertreter der Klägerin vor, zu viel Aufwand
verursacht zu haben. Sie legt jedoch auch nicht nur ansatzweise dar, inwiefern
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der Aufwand zu hoch gewesen sein soll. Damit hat sie ihre Behauptung nicht
rechtsgenügend untermauert. Sodann vermag die Beklagte vorliegend auch mit
ihrem sinngemässen Eventualantrag nicht durchzudringen. Gemäss Art. 95
Abs. 3 ZPO gelten als Parteientschädigung der Ersatz notwendiger Auslagen
(lit. a), die Kosten einer berufsmässigen Vertretung (lit. b) sowie in begründeten
Fällen eine angemessene Umtriebsentschädigung, wenn eine Partei nicht be-
rufsmässig vertreten ist (lit. c). Zweifelsohne handelt es sich beim Rechtsvertreter
der Klägerin um eine berufsmässige Vertretung im Sinne von Art. 68 Abs. 2 lit. a
ZPO. Die Entschädigung der berufsmässigen Vertretung im Sinne von Art. 68
Abs. 2 lit. a ZPO richtet sich nach dem kantonalen Tarif (Art. 96 ZPO), im Kanton
Zürich nach der Verordnung über die Anwaltsgebühren (AnwGebV). Hernach bil-
det in vermögensrechtlichen Streitigkeiten – wie vorliegend – Basis für die Be-
messung der Parteientschädigung der Streitwert (§ 4 Abs. 1 AnwGebV). Beim
Vertreter der Beklagten handelt es sich dagegen nicht um eine berufsmässige
Vertretung im Sinne von Art. 68 Abs. 2 ZPO. Ihm steht daher lediglich in begrün-
deten Fällen eine angemessene – und vom Streitwert unabhängige – Umtriebs-
entschädigung zu. Die unterschiedlich geregelten Parteientschädigungen von be-
rufsmässigen und nicht berufsmässigen Vertretungen kann naturgemäss zu Dis-
krepanzen in der Höhe der jeweiligen Entschädigungen führen, was als vom Ge-
setzgeber so gewollt hinzunehmen ist.
3.6 Zusammenfassend erweist sich die Berufung als unbegründet, soweit unter
dem Gesichtspunkt von Art. 311 ZPO auf sie eingetreten werden kann. Das vor-
instanzliche Urteil ist daher in den angefochtenen Punkten zu bestätigen.
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
4.1. Im Entscheidverfahren werden bei Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis
keine Gerichtskosten erhoben, wenn der Streitwert – wie vorliegend –
Fr. 30'000.– nicht übersteigt (Art. 114 lit. c ZPO). Die Kostenlosigkeit gilt auch für
das kantonale Rechtsmittelverfahren (BGer 4A_685/2011 vom 24. Mai 2012,
E. 6.1; 4A_332/2015 vom 10. Februar 2016, E. 6.2; BK ZPO I-Sterchi, Art. 114
N 10). Da der Beklagten keine bös- oder mutwillige Prozessführung vorgeworfen
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werden kann (vgl. Art. 115 ZPO und dazu BGer 4A_685/2011 vom 24. Mai 2012,
E. 6.2), sind (auch) für das Berufungsverfahren keine Gerichtskosten zu erheben.
4.2. Die Kostenfreiheit gemäss Art. 114 ZPO bezieht sich ausschliesslich auf die
Gerichtskosten. Die Zusprechung von Parteientschädigungen erfolgt demgegen-
über auch in den dort aufgeführten Verfahren nach den allgemeinen Regeln
(Art. 105 ff. ZPO; BK ZPO I-Sterchi, Art. 114 N 5; ZK ZPO-Urwyler/Grütter,
Art. 114 N 2). Im vorliegenden Fall sind allerdings keine Parteientschädigungen
zuzusprechen: Der Klägerin sind im Berufungsverfahren keine entschädigungs-
pflichtigen Kosten entstanden (vgl. Art. 95 Abs. 3 ZPO). Die Beklagte hat keinen
Anspruch auf Parteientschädigung, weil sie im Berufungsverfahren vollumfänglich
unterliegt (Art. 106 Abs. 1 ZPO).