Decision ID: 2c5dc980-2b51-4f95-9543-fe6d4595e987
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ wurde 1970 als deutsche Staatsangehörige geboren und machte
eine Ausbildung als Restaurantfachfrau. Im Jahr 2005 kam sie in die
Schweiz und arbeitete zunächst in einem Hotel in C._. Im Mai 2008
wechselte sie zum Hotel D._ in E._, wo sie in einem 100%-
Pensum als Chef de Service angestellt war.
2. Im Februar 2012 traten gesundheitliche Probleme auf und im März 2013
war A._ wegen Schmerzen beim Gehen und Sitzen erstmals teilweise
arbeitsunfähig. Am 25. Juli 2013 fand in der F._ Klinik in G._ eine
Arthroskopie des rechten Hüftgelenks statt. Knapp zwei Jahre später, am
12. Mai 2015, wurde eine Rearthroskopie vorgenommen. Am 16.
November 2015 zeigte eine Computertomographie eine
stoffwechselaktive Hüftgelenksarthrose rechts und eine beginnende
Hüftgelenksarthrose links sowie degenerative
Wirbelsäulenveränderungen. Daraufhin wurden am 12. Januar 2016 in der
F._ Klinik beide Hüftgelenke mit Totalprothesen ersetzt.
3. Der Heilungsverlauf an der rechten Hüfte war gut, links hingegen zeigte
sich eine zunehmende Einschränkung der Gehfähigkeit mit auffälliger
Innenrotationstendenz des Fusses. Am 24. Februar 2016 meldete sich
A._ deshalb bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden zum Bezug
von Leistungen an. Rund zwei Monate nach der Operation versuchte sie,
ihre angestammte Arbeit im Service in einem 50%-Pensum
wiederaufzunehmen. Dies klappte nicht, aufgrund starker Schmerzen war
eine Reduktion des Pensums auf 20 % notwendig. Vom 1. Mai bis zum
31. Juli 2016 leistete die IV-Stelle im Rahmen einer
Integrationsmassnahme Beiträge an den Arbeitgeber und richtete
Taggelder an A._ aus. Das Ziel dieser Massnahmen, mithin eine
100%ige Arbeitstätigkeit in der bisherigen Stelle, konnte indessen nicht
erreicht werden. Die Integrationsmassnahme wurde deshalb vom 1.
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September bis zum 30. November 2016 verlängert. Eine Steigerung des
Arbeitspensums über 60 % war nicht möglich.
4. Vom 17. November bis zum 14. Dezember 2016 hielt sich A._ zur
stationären Rehabilitation in den Kliniken H._ auf. Eine wesentliche
Steigerung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Stelle konnte dadurch
aber nicht erzielt werden. Daraufhin gewährte die IV-Stelle Berufsberatung
und in der Folge Kostengutsprache für eine berufsbegleitende
Umschulung zum kaufmännischen Handelsdiplom VSH. Diese
Umschulung dauerte vom 22. August 2017 bis zum 19. Februar 2019.
5. Weil sich die Belastbarkeit des linken Beines verschlechterte und die
Schmerzen zunahmen, fanden weitere medizinische Abklärungen statt.
Dabei zeigte sich eine Rotationsfehlstellung des Prothesenschaftes an der
linken Hüfte. Am 6. November 2018 wurde diese Fehlstellung an der Klinik
I._ mit einer Revisionsoperation korrigiert. Der Heilverlauf war
schlecht, es stellten sich Ruheschmerzen im linken Oberschenkel ein und
die Gehfähigkeit war durch Schmerzen und eine schlechte
Ansteuerbarkeit der Muskulatur mit Hinkneigung stark eingeschränkt.
6. Anfang 2019 löste A._ ihr Arbeitsverhältnis mit dem Hotel
D._ auf. Die IV-Stelle gewährte ihr ein Bewerbungscoaching und
am 15. April 2019 begann A._ ein Praktikum als kaufmännische
Angestellte bei J._. Am 1. August 2019 wurde dieses in eine
Festanstellung mit einem 80%-Pensum umgewandelt. Zudem begann
A._ Ende August 2019 an der Q._ eine berufsbegleitende
Ausbildung für das höhere Wirtschaftsdiplom VSK. Nach rund acht
Monaten verliess sie die Firma J._ und ab dem 2. Juli 2020
arbeitete sie in einem 40%-Pensum in der Personaladministration im Hotel
K._.
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7. Mit Vorbescheid vom 9. Januar 2020 stellte die IV-Stelle A._ eine
halbe Rente vom 1. Juli 2017 bis zum 31. August 2018, eine ganze Rente
vom 1. bis 28. Februar 2019 und eine Viertelsrente ab dem 1. März 2019
in Aussicht. Hiergegen erhob A._ telefonisch Einwand. Sie machte
geltend, ihr gesundheitlicher Zustand habe sich verschlechtert. Sie reichte
diverse neue medizinische Berichte ein, worauf die IV-Stelle ein
polydisziplinäres medizinisches Gutachten in Auftrag gab.
8. Mit Gutachten vom 22. Dezember 2020 diagnostizierte das
Schweizerische Zentrum für medizinische Abklärungen und Beratungen
(SMAB) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine geringgradige
Bewegungseinschränkung und Verdacht auf Schaftlockerung des linken
Hüftgelenks bei zementfreier Hüft-TEP beidseits. Die Arbeitsfähigkeit sei
aus neurologischer, internistischer und psychiatrischer Sicht nicht
eingeschränkt. Aus orthopädisch-traumatologischer Sicht bestehe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Chef de Service,
in einer leidensadaptierten Tätigkeit liege eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit vor. Dies gelte seit Februar 2015, mit Ausnahme kurzer
Phasen nach den Operationen und der Zeit der Rehabilitation in den
Kliniken H._. Möglich seien körperlich leichte, selten leicht bis
mittelschwere Tätigkeiten mit vermehrtem Sitzen und nur seltenem Gehen
und Stehen sowie ohne erhöhte Sturzgefahr. Bei der neurologischen und
der orthopädisch-traumatologischen Begutachtung wurden
Inkonsistenzen beschrieben.
9. Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) wertete das Gutachten des SMAB
als voll beweiskräftig und die IV-Stelle erliess am 11. Januar 2021 einen
weiteren Vorbescheid, in welchem sie die Abweisung des
Leistungsbegehrens in Aussicht stellte. Hiergegen erhob A._ am 21.
Januar 2021 Einwand. Mit Schreiben vom 18. Februar 2021 reichte sie die
Begründung nach und bestritt insbesondere die im SMAB Gutachten
attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit. Mit
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Verfügung vom 26. Februar 2021 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren bei einen Invaliditätsgrad von 31 % ab
(Valideneinkommen CHF 80'175.60, Invalideneinkommen CHF
55'229.40).
10. Gegen diese Verfügung erhob A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 19. März 2021 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie beantragte, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihr
Rentenleistungen der Invalidenversicherung zuzusprechen, eventualiter
sei die Angelegenheit zur erneuten Abklärung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend,
die im SMAB Gutachten attestierte volle Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit sei nicht mit den diversen medizinischen Berichten in Einklang
zu bringen. Die Arbeitsversuche hätten gezeigt, dass ein höheres
Pensum, geschweige denn eine Vollzeitstelle, nicht möglich seien. Der
Gutachter begründe die volle Arbeitsfähigkeit zu Unrecht mit einem hohen
Aktivitätsniveau in Haushalt und Freizeit. Bis ein Jahr nach der
Revisionsoperation, also bis zum 5. November 2019, müsse von einer
vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden, danach von einer
Arbeitsfähigkeit von 40 %, später eventuell von einer solchen von 60 %.
Die Beschwerdeführerin beanstandete weiter die Ermittlung des
Invalideneinkommens. Es sei auf die Löhne im Sektor Dienstleistungen
gemäss LSE Tabelle TA1 abzustellen, nicht auf die Löhne der Rubrik
"Total". Und es sei ein Leidensabzug von 15 % vorzunehmen. In der Zeit
vom 1. Januar 2017 bis zum 30. April 2020 habe sie Anspruch auf eine
ganze Rente, ab Mai 2020 auf eine Dreiviertelsrente.
11. Mit Vernehmlassung vom 6. April 2021 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung verwies sie auf die angefochtene Verfügung.
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12. Mit Schreiben vom 8. April 2021 informierte die Instruktionsrichterin die
Parteien, dass kein weiterer Schriftenwechsel angeordnet werde und dass
bis zum 21. April 2021 eine fakultative Replik eingereicht werden könne.
Darauf verzichtete die Beschwerdeführerin.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in
der angefochtenen Verfügung sowie auf die im Recht liegenden
Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die im vorliegenden Fall angefochtene Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) vom 26. Februar 2021
stellt demnach ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden (nachfolgend:
Verwaltungsgericht) dar. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts als Versicherungsgericht ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100). Die Beschwerdeführerin ist als formelle und materielle
Adressatin von der angefochtenen Verfügung berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 59
ATSG), weshalb sie zur Beschwerde legitimiert ist. Auf die zudem frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG)
ist somit einzutreten.
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2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle den Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat. Uneinig sind sich die Parteien
beim Invalideneinkommen. Die Beschwerdeführerin beanstandet die
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit (siehe nachfolgend
Erwägung 4 ff.), das Abstellen auf den Durchschnittswert aller
Wirtschaftszweige der Tabelle TA1 der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik (LSE, siehe unten Erwägung 5 ff.) und das
Fehlen eines Leidensabzugs (siehe unten Erwägung 5.3 f.). Für die
Beantwortung der streitigen Fragen ist der Sachverhalt zu
berücksichtigen, der sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung am
26. Februar 2021 verwirklicht hat. Anwendbar sind dabei in zeitlicher
Hinsicht diejenigen materiellen Rechtssätze, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 143 V 409
E.2.1 und 132 V 215 E.3.1.1, Urteile des Bundesgerichts 8C_43/2021 vom
27. April 2021 E.2.1 und 9C_663/2018 vom 12. Februar 2019 E.4).
Massgeblich ist der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 144 V 427 E.3.2). Einig sind sich
die Parteien über den Beginn eines allfälligen Rentenanspruchs am 1.
Januar 2017 und über das Valideneinkommen von CHF 80'175.60 für das
Vergleichsjahr 2020.
3. Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder
Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit oder Unmöglichkeit, sich im
bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 4 IVG i.V.m. Art. 8 ATSG).
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente, ab
50 % auf eine halbe Rente, ab 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab 70
% auf eine ganze Rente. Bei erwerbstätigen Personen erfolgt die
Bemessung der Invalidität aufgrund eines Einkommensvergleichs (Art.
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28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitslage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Für die
Bemessung des Invalideneinkommens ist die Frage entscheidend, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person in welchem Umfang noch
zugemutet werden können, bzw. wie gross die Arbeitsfähigkeit in einer
optimal angepassten Tätigkeit ist.
4. Vorliegend hat die IV-Stelle die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in
einer leidensadaptierten Tätigkeit gestützt auf das Gutachten des
Schweizerischen Zentrums für medizinische Abklärungen und Beratungen
(nachfolgend: SMAB) vom 22. Dezember 2020 auf 100 % festgelegt. Die
Beschwerdeführerin macht hingegen geltend, bis zum 5. November 2019
müsse von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden, danach
von einer Arbeitsfähigkeit von 40 %, später eventuell von einer solchen
von 60 %.
4.1. Zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sind Verwaltung und Gerichte auf
Angaben ärztlicher Experten angewiesen. Aufgabe des Arztes ist es, den
Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen und Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten diese
arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E.4). Bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit können sich die IV-Stellen und die
Sozialversicherungsgerichte auf den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD,
Art. 59 Abs. 2bis IVG), auf die Berichte der behandelnden Ärztinnen und
Ärzte oder auf externe medizinische Sachverständige stützen (Art. 59 Abs.
3 IVG). Arztberichte unterliegen wie sämtliche Beweismittel in
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der freien Beweiswürdigung
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(Art. 61 lit. c ATSG). Der Beweiswert der ärztlichen Stellungnahmen hängt
deshalb nach der Rechtsprechung davon ab, ob sie für die streitigen
Belange umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, die
geklagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben wurden, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchten und in den
daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu überzeugen vermögen (BGE
134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Richtlinien für die Beweiswürdigung in
Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten sind
indessen mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung vereinbar. So ist
rechtsprechungsgemäss den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von versicherungsexternen Spezialärzten, welche
auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach
Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit sprechen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 353 E.3b/bb).
4.2. Die IV-Stelle hat dem SMAB-Gutachten vom 22. Dezember 2020 volle
Beweiskraft beigemessen. Dies ist in Anwendung der vorgenannten
Grund-sätze aus den nachfolgend dargelegten Gründen nicht zu
beanstanden.
4.2.1. Das SMAB-Gutachten stammt von versicherungsexternen und damit
unbefangenen Spezialärzten. Es deckt die Fachgebiete Neurologie,
Innere Medizin, Orthopädie/Traumatologie und Psychiatrie ab und ist
damit geeignet, den Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin in
umfassender polydisziplinärer Weise zu erfassen und zu beurteilen. Den
beteiligten Spezialärzten standen die wesentlichen medizinischen
Vorakten vollumfänglich zur Verfügung und das Gutachten umfasst einen
Aktenauszug, in welchem sämtliche wesentlichen Punkte der einzelnen
Vorakten aufgeführt sind (IV-act. 222 S. 14 ff.). Die beteiligten Gutachter
- 10 -
führten alle eine eingehende Untersuchung der Beschwerdeführerin durch
(IV-act. 222 S. 24 ff., 40 ff., 52 ff. und 68 ff.). Das SMAB-Gutachten ist gut
strukturiert und auch für medizinische Laien verständlich. Die einzelnen
Teilgutachten sind in sich widerspruchsfrei, nachvollziehbar und
einleuchtend, ebenso der polydisziplinäre Konsens.
4.2.2. Das SMAB-Gutachten wird von keiner medizinischen Fachperson in Frage
gestellt. Vielmehr wird es vom RAD-Arzt Dr. med. L._ bestätigt.
Dieser gab in seiner Abschlussbeurteilung vom 8. Januar 2021 an, das
SMAB-Gutachten sei in sich widerspruchsfrei und die medizinischen
Schlussfolgerungen seien versicherungsmedizinisch plausibel
nachvollziehbar (IV-act. 236 S. 21 f.). Zwar handelt es sich hierbei um eine
versicherungsinterne Beurteilung. Sie hat aber dennoch insoweit Gewicht,
als die RAD-Ärzte in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall
unabhängig sind (Art. 59 Abs. 2bis IVG).
4.2.3. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin finden sich in den Akten
keine konkreten Indizien, welche gegen die Zuverlässigkeit des SMAB-
Gutachtens sprechen würden. Nachfolgend wird dies im Detail aufgezeigt.
4.2.3.1. Die Beschwerdeführerin bezieht sich auf diverse Arztberichte aus der Zeit
vor dem Beginn der Umschulung am 22. August 2017. Diesen Berichten
lässt sich zu der hier relevanten Frage der Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit nichts entnehmen. Nach dem prothetischen Ersatz beider
Hüftgelenke am 12. Januar 2016 wurde zunächst die Eingliederung der
Beschwerdeführerin in die bisherige Tätigkeit beim Hotel D._
angestrebt. Die ärztlichen Angaben zur Arbeitsfähigkeit in der Zeit bis zur
Umschulung beziehen sich deshalb auf die Tätigkeit als Chef de Service.
Dies gilt insbesondere für den Austrittsbericht der Kliniken H._ vom
13. Dezember 2016 (IV-act. 71) und für die Stellungnahme des RAD vom
16. Januar 2017, wo explizit vom Arbeitspensum "bei der vorwiegend
stehenden/gehenden Tätigkeit" die Rede ist (IV-act. 92 S. 5; vgl. ferner
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Kostengutsprachegesuch vom 29. September 2016 [IV-act. 57],
Zuweisungsschreiben vom 13. Januar 2017 [IV-act. 85] und 25. Januar
2018 [IV-act. 117 S. 3] sowie Bericht vom 19. Mai 2018 von Dr. med.
M._ [IV-act. 125 S. 1 f.], Bericht der F._ Klinik vom 23. Juni 2017
[IV-act. 116 S. 2]).
4.2.3.2. Der behandelnde Arzt Dr. med. M._, Facharzt FMH für Innere
Medizin und für Rheumatologie, ging in seinem Bericht vom 20. April 2017
erstmals auf die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit ein. Er attestierte
der Beschwerdeführerin in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit mit
Heben und Hantieren von maximal 15 kg, mit Gehen und Stehen von
maximal zwei Stunden pro Tag eine ganztägige Arbeitsfähigkeit mit
eingeschränkter Leistungsfähigkeit (IV-act. 84 S. 2 f.). Diese
Einschätzung steht entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht in
Widerspruch mit dem SMAB-Gutachten. Dr. med. M._ ging von einer
körperlich anspruchsvolleren adaptierten Tätigkeit aus als das SMAB-
Gutachten, wo körperlich leichte, selten leicht bis mittelschwere
Tätigkeiten mit vermehrtem Sitzen und nur seltenem Gehen und Stehen
sowie ohne erhöhte Sturzgefahr als adaptiert beschrieben werden (IV-act.
222 S. 9 und 65). Bezeichnenderweise gab Dr. med. M._ denn auch
mit Zeugnis vom 28. August 2017 an, die Beschwerdeführerin sei für die
behinderungsangepasste Tätigkeit an der Rezeption und in der Schule wie
auch für andere leichte, wechselbelastende Tätigkeiten uneingeschränkt
arbeitsfähig (IV-act. 108; vgl. ferner auch Bericht von Dr. med. M._
vom 19. Mai 2018 [IV-act. 125 S. 3]).
4.2.3.3. Der RAD ging vor dem Eingang des SMAB-Gutachtens von einer
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 70 bis 80 % aus (IV-act.
236 S. 14). Diese Einschätzung stützte sich auf die zum damaligen
Zeitpunkt verfügbaren medizinischen Unterlagen, insbesondere auf den in
der vorstehenden Erwägung thematisierten Bericht des behandelnden
Arztes Dr. med. M._ vom 20. April 2017. Entgegen der Ansicht der
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Beschwerdeführerin trifft es deshalb bei genauer Betrachtung nicht zu,
dass der RAD seine Beurteilung wesentlich verändert hätte, basierte die
damalige Einschätzung denn auch auf einem anspruchvolleren
Belastungsprofil als in der RAD-Abschlussbeurteilung vom 8. Januar 2021
definiert wird (IV-act. 236 S. 22).
4.2.3.4. Die Beschwerdeführerin beruft sich auf den Bericht der Klinik I._ vom
27. März 2019 (IV-act. 143). Dieser Bericht bezieht sich auf die
Revisionsoperation vom 8. November 2018 an der linken Hüfte und legt
für den stationären Aufenthalt vom 6. bis 13. November 2018 und für die
nachfolgende Zeit bis zum 31. Januar 2019 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit fest. Weiter wurde in diesem Bericht ausgeführt, die
Beschwerdeführerin werde sicherlich noch eine gewisse Zeit eine
Arbeitsunfähigkeit haben. Bis die Situation komplett muskulär aufgebaut
sei, vergehe im Allgemeinen nach einem solchem Revisionseingriff ein
Jahr. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin spricht dies nicht
gegen die Zuverlässigkeit des SMAB-Gutachtens. Die Aussage im Bericht
der Klinik I._ ist unspezifisch. Aus dem Hinweis auf den muskulären
Aufbau lässt sich aber schliessen, dass damit eine Tätigkeit mit Gehen
und Stehen und nicht eine vorwiegend sitzende, leidensangepasste
Tätigkeit gemeint war.
4.2.3.5. In seinem Bericht vom 10. Dezember 2019 hielt der Hausarzt Dr. med.
N._, Facharzt FMH für Innere Medizin, fest, der Gesundheitszustand
habe sich seit der Revisionsoperation verschlechtert. Faktisch sei die
Beschwerdeführerin zur Immobilität gezwungen. Die bisherige Tätigkeit in
der Gastronomie habe sie aufgeben müssen. Nach einer Umschulung
arbeite sie nun als Büroangestellte zu 80 %. Dabei seien nur die sitzenden
Tätigkeiten erträglich. Schon das Gehen ins nächste Büro sei
beschwerlich und ermüdend. Bei der sitzenden Bürotätigkeit sei die
Leistungsfähigkeit unvermindert (IV-act. 151). Dieser Bericht steht in
Einklang mit dem SMAB-Gutachten.
- 13 -
4.2.3.6. Mit Bericht vom 3. Februar 2020 hielt Dr. med. O._ vom RAD fest, die
Beschwerdeführerin sei in leichten körperlichen Arbeiten und in
nichtkörperlichen Arbeiten 6.5 Stunden pro Tag arbeitsfähig (IV-act. 166
S. 13). Dieser Einschätzung kommt nur eine beschränkte Aussagekraft zu.
Sie erfolgte ohne eigene Untersuchung und stützte sich nicht auf die
gesamten medizinischen Unterlagen, sondern nur auf die Berichte von Dr.
med. M._ vom 20. April 2017 und der Klinik I._ vom 27. März
2019 (IV-act. 166 S. 2; vgl. vorstehende Erwägungen 4.2.3.2 und 4.2.3.3).
Der Bericht von Dr. med. O._ wurde während laufendem Verfahren
zur vorläufigen Koordinierung der Versicherungsleistungen mit den
deutschen Sozialversicherungen erstellt. Er vermag daher die
Verlässlichkeit des SMAB-Gutachtens nicht in Frage zu stellen.
4.2.3.7. Mit Bericht vom 21. Februar 2020 hielt der Hausarzt Dr. med. N._
erneut fest, die sitzenden Tätigkeiten seien für die Beschwerdeführerin
erträglich, bei Belastung nähmen hingegen die auch in Ruhe bestehenden
Schmerzen in linken Oberschenkel deutlich zu. Tätigkeiten ausserhalb des
Berufsalltags seien kaum mehr möglich (IV-act. 174). Entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin lässt sich aus diesem Bericht nichts
ableiten, was gegen das SMAB-Gutachten sprechen würde, spricht er sich
doch ebenfalls für die Zumutbarkeit von sitzenden Tätigkeiten mit nur
seltenem Gehen und Stehen aus.
4.2.3.8. Dr. med. von P._, Facharzt für Neurologie FMH, ging in seinem
Bericht vom 11. Juni 2020 von einer Teilschädigung des Nervus femoralis
als (Teil-) Ursache der Beschwerden im linken Bein aus. Zur
Arbeitsfähigkeit wurde in diesem Bericht einerseits angegeben, die
Beschwerdeführerin könne sitzende Tätigkeiten nach wir vor recht gut
ausüben. Andererseits wurde ausgeführt: "Eine Tätigkeit im Sitzen (auch
mit einem Deputat von 60 % vielleicht sogar mehr) halte ich längerfristig
für machbar" (IV-act. 205 S. 2). Diese zwei auf den ersten Blick
widersprüchlichen Aussagen werden verständlich, wenn man
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berücksichtigt, dass mit dem "Deputat von 60 %" das zum damaligen
Zeitpunkt geplante Arbeitsverhältnis im Hotel Seehof gemeint war. Der
Bericht besagt also mit anderen Worten, dass das geplante 60%ige
Pensum zu bewältigen sein sollte, dass die Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten vorwiegend sitzenden Tätigkeit aber auch höher liegen könne,
weil die Beschwerdeführerin sitzende Tätigkeiten nach wie vor recht gut
ausüben könne. Damit steht auch dieser Bericht nicht im Widerspruch mit
dem SMAB-Gutachten. Zusammenfassend kann somit nochmals
festgehalten werden, dass die aktenkundigen medizinischen Berichte in
Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit mit dem SMAB-
Gutachten in Einklang stehen bzw. dessen Beweiskraft nicht zu
erschüttern vermögen.
4.2.4. Die Beschwerdeführerin macht nicht geltend, dass sich ihre
gesundheitliche Situation seit der Begutachtung durch das SMAB
verschlechtert habe. Bei den Akten befinden sich auch keine ärztlichen
Berichte, welche eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
aufzeigen würden.
4.2.5. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Arbeitsversuche hätten
gezeigt, dass ein höheres Pensum, geschweige denn eine Vollzeitstelle,
nicht möglich sei. Das SMAB-Gutachten ignoriere sämtliche
Arbeitsversuche und die Ergebnisse aus den beruflichen Massnahmen.
Dem kann nicht gefolgt werden. Rund zwei Monate nach dem operativen
Einsatz der Hüftgelenksprothesen am 12. Januar 2016 versuchte die
Beschwerdeführerin, ihre angestammte Tätigkeit als Chef de Service im
Hotel D._ wiederaufzunehmen. Bereits nach zwei Tagen musste
sie das Pensum auf 20 % reduzieren (IV-act. 24 S. 1). In der Folge
versuchte sie unterstützt von der IV-Stelle das Pensum auf 100 % zu
steigern. Dies gelang nicht, ein Pensum von mehr als 60 % war nicht
möglich (IV-act. 26, 35, 45, 57, 68, 92). Dieses Ergebnis ignorierte das
SMAB-Gutachten nicht (vgl. IV-act. 222 S. 54 f. und 61 sowie Aktenauszug
- 15 -
IV-act. 222 S. 15 und 17 ff.; vgl. ferner zum beruflichen und schulischen
Werdegang IV-act. 222 S. 26 f., 31, 43, 48, 54 f., 61, 70 f., 75). Vielmehr
hielt es folgerichtig fest, in der angestammten Tätigkeit sei die
Beschwerdeführerin seit dem beidseitigen Einsatz der
Hüftgelenksprothesen nicht mehr arbeitsfähig (IV-act. 222 S. 10). Die
Beschwerdeführerin übersieht, dass der Arbeitsversuch meist in der
körperlich fordernden, im Stehen und im Gehen auszuübenden
angestammten Tätigkeit im Service erfolgte. Rückschlüsse auf die
Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten, vorwiegend sitzenden
Tätigkeit lassen sich aus dem gescheiterten Arbeitsversuch nicht direkt
ziehen.
4.2.6. Hinweise auf die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit ergeben sich
hingegen daraus, wie es der Beschwerdeführerin während und nach ihrer
Umschulung in vorwiegend sitzenden Tätigkeiten erging. Am 6. April 2019
begann sie ein Praktikum im Human Resources-Bereich und in der
Administration bei der Firma J._ im Umfang von 60 %. Ab Mai
2019 erhöhte sie ihr Pensum auf 100 %. Am 5. Juni 2019 teilte sie der IV-
Stelle mit, die Arbeit bereite ihr viel Freude, das Pensum liege aktuell bei
100 %, sie könne dies momentan gut bewältigen (IV-act. 171 S. 2). Auf
den 1. August 2019 erhielt die Beschwerdeführerin eine Festanstellung im
Umfang von 80 % im Bereich Datenbewirtschaftung/Datenerfassung.
Zudem begann sie Ende August 2019 an der Q._ eine
berufsbegleitende Ausbildung für das höhere Wirtschaftsdiplom VSK (IV-
act. 171 S. 2). Diese 80%ige Berufstätigkeit in Kombination mit dem
Schulbesuch an zwei Tagen pro Woche lässt die im SMAB-Gutachten
festgestellte 100%ige Arbeitsfähigkeit in vorwiegend sitzender Tätigkeit
als angemessen erscheinen.
4.2.7. Am 2. Juli 2020 trat die Beschwerdeführerin eine neue Anstellung beim
Hotel K._ in einem 40 % Pensum an (IV-act. 201). Sie macht nun
geltend, ihre Beschwerden hätten sie an der vollen Ausübung der neu
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angepassten Tätigkeit gehindert. Diese Behauptung vermag die
Beweiskraft des SMAB-Gutachtens nicht zu erschüttern. Sie stammt nicht
von einer medizinischen Fachperson, sondern von der
Beschwerdeführerin selber. Dabei ist nicht auszuschliessen, dass beim
Entscheid, nur in einem Teilzeitpensum tätig zu sein, invaliditätsfremde
Gründe mitspielten. So hat sich anlässlich der polydisziplinären
Begutachtung eine zu zurückhaltende Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin gezeigt (vgl. IV-act. 222 S. 27, 43 f., 56, 63). Denkbar
ist ferner ein freiwilliger Verzicht auf volle Erwerbstätigkeit aus Gründen
der Lebensqualität. Auch die Corona Pandemie war möglicherweise ein
Grund für das kleine Arbeitspensum. Bezeichnenderweise wurde denn
auch der Arbeitsbeginn der Beschwerdeführerin vom 18. Mai auf den 2.
Juli 2020 verschoben (IV-act. 192, 194) und gegenüber der orthopädisch-
traumatologischen Teilgutachterin gab die Beschwerdeführerin an, nach
der Corona Pandemie sei eine Steigerung ihres Pensums auf mindestens
60 % vorgesehen (IV-act. 222 S. 63).
4.2.8. Die Beschwerdeführerin kritisiert, das orthopädisch-traumatologische
Teilgutachten begründe die volle Arbeitsfähigkeit mit einem hohen
Aktivitätsniveau in Haushalt und Freizeit. Dieses hohe Aktivitätsniveau
liege nicht vor. Sie lebe in einem einfachen 2-Personen-Haushalt ohne
Haus, Garten und Haustiere und ihr Lebenspartner helfe mit. Ausser
physiotherapeutischen Übungen betreibe sie in ihrer Freizeit keine
körperlich fordernden Aktivitäten. Dieses Vorbringen ist unbehelflich. Die
Passage im Gutachten, auf welche sich die Beschwerdeführerin bezieht,
findet sich unter der Überschrift "Beurteilung von Konsistenz und
Plausibilität" und lautet: "Sie könne sich momentan keine Tätigkeit in
einem höheren Pensum als mit 40 % vorstellen, weil sie bei stärkerer
Belastung mehr Schmerzmittel nehmen müsse. Dies ist diskrepant zu den
angegebenen Aktivitätsniveaus in den Bereichen Freizeit und Haushalt.
Die Versicherte ist körperlich in der Lage, ihren Haushalt zu führen,
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einkaufen zu gehen, ihren Hobbys nachzugehen, öffentliche
Verkehrsmittel zu benutzen und Auto zu fahren" (IV-act. 222 S. 63). Mit
dieser Aussage geht die orthopädisch-traumatologische Gutachterin
korrekterweise von dem Aktivitätsniveau aus, das ihr von der
Beschwerdeführerin geschildert und im Gutachten explizit festgehalten
wurde (IV-act. 222 S. 55 f., erwähnt sind insbesondere das Wohnen in
einer 4-Zimmer-Mietwohnung, die Mithilfe des Lebenspartners im
Haushalt, das Erledigen von Arbeiten im Haushalt, der Arbeitsweg mit dem
Zug, das Zubereiten der Mahlzeiten, die Hobbys Tontauben schiessen,
Lesen und Fernsehen, und das Autofahren ohne Einschränkungen).
Entscheidend ist, dass die Beschwerdeführerin einen Tagesablauf
beschrieb, der keine geringeren körperlichen Anforderungen stellt als eine
100%ige Berufstätigkeit, die vornehmlich im Sitzen ausgeübt werden
kann. Insbesondere machte sie keinen Bedarf an regelmässigen längeren
Pausen im Liegen geltend (IV-act. 222 S. 55). Es ist deshalb
nachvollziehbar, dass die Gutachterin sich durch das von der
Beschwerdeführerin angegebene Aktivitätsniveau in ihrer Beurteilung
bestätigt sah, dass eine sitzende Tätigkeit in einem Büro ganztags möglich
sein sollte. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin war aber nicht
nur das Aktivitätsniveau ausschlaggebend für die Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit, sondern vielmehr sämtliche vorliegenden
Informationsquellen, insbesondere die von der Gutachterin selbst
erhobenen Befunde und der in den Akten dokumentierte Verlauf.
4.3 Es hat sich gezeigt, dass die IV-Stelle dem SMAB-Gutachten zu Recht
volle Beweiskraft beigemessen hat und gestützt darauf zu Recht von einer
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 100 % ausgeht. Als adaptiert
gilt dabei eine körperlich leichte, selten leicht bis mittelschwere Tätigkeit
mit vermehrtem Sitzen und nur seltenem Gehen und Stehen sowie ohne
erhöhte Sturzgefahr. Diese uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit ist bei der
Bemessung des Invalideneinkommens für die gesamte Zeit seit dem
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möglichen Rentenbeginn am 1. Januar 2017 massgeblich. Zwar war die
Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Revisionsoperation an der
linken Hüfte vom 6. November 2018 bis zum 31. Januar 2019
vorübergehend auch in adaptierter Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig (IV-
act. 143 S. 1). Diese vorübergehende Verschlechterung dauerte aber
weniger als drei Monate und ist deshalb gemäss Art. 88a Abs. 2 IVV zu
kurz, um Berücksichtigung für eine allfällige Änderung des
Rentenanspruchs zu finden.
5. Untersucht wird nun, ob die IV-Stelle das Invalideneinkommen mit
CHF 55'229.40 korrekt bemessen hat. Die Beschwerdeführerin ist der
Ansicht, das Invalideneinkommen liege wesentlich tiefer.
5.1. Für die Ermittlung des Invalideneinkommens ist nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung primär von der konkreten, beruflich-
erwerblichen Situation der versicherten Person auszugehen. Hat diese
nach dem Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, ist das massgebliche
Invalideneinkommen aufgrund der periodisch vom Bundesamt für Statistik
herausgegebenen Tabellenlöhne der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) zu bestimmen (BGE 142 V 178 E.2.5.7, 135
V 297 E.5.2). Im vorliegenden Fall schöpft die Beschwerdeführerin die ihr
verbliebene 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit
mit der Teilzeitanstellung im Hotel K._ nicht in zumutbarer Weise aus.
Die Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist unbestrittenermassen
verwertbar, so dass die IV-Stelle das Invalideneinkommen zu Recht
gestützt auf die LSE ermittelt hat. Dies wird von der Beschwerdeführerin
auch nicht beanstandet.
5.2. Die IV-Stelle hat korrekterweise auf die Tabelle TA1 der LSE 2018
abgestellt. Sie hat sodann den Durchschnittswert aller Wirtschaftszweige,
mithin den Wert "Total" im Betrag von CHF 4'371.00, als Ausgangswert für
- 19 -
die Ermittlung des Invalideneinkommens verwendet. Damit ist die
Beschwerdeführerin nicht einverstanden. Sie macht geltend, aufgrund
ihrer körperlichen Einschränkung falle der gesamte Sektor Produktion
weg, im Produktionssektor fänden sich praktisch keine für sie angepasste
Tätigkeiten, es sei vom Wert im Sektor Dienstleistungen im Betrag von
CHF 4'293.00 auszugehen. Dem kann nicht gefolgt werden. Die
Beschwerdeführerin nimmt allem Anschein nach an, im Sektor Produktion
seien Tätigkeiten angesiedelt, die körperlich höhere Anforderungen
stellten als die Tätigkeiten im Sektor Dienstleistungen. Dies trifft nicht zu.
Vielmehr gibt es in beiden Sektoren ein breites Spektrum an Tätigkeiten
mit unterschiedlichen Anforderungen an die körperliche
Leistungsfähigkeit. Im Wirtschaftszweig Baugewerbe im Sektor
Produktion zum Beispiel gibt es die planenden Tätigkeiten von Architekten
und Bauökonomen, die vorwiegend im Sitzen und am Computer ausgeübt
werden, und es gibt die körperlich sehr anspruchsvollen Hilfsarbeiten auf
der Baustelle. Dasselbe Bild präsentiert sich im Wirtschaftszweig Post-,
Kurier- und Expressdienste im Sektor Dienstleistungen. Auch hier gibt es
in der Logistik und der Administration körperlich leichte, sitzende
Tätigkeiten, während in der konkreten Ausführung der Zustellungen viel
Gehen gefordert ist. Das Leistungsprofil der Beschwerdeführerin gemäss
SMAB-Gutachten (IV-act. 222 S. 9 und 65) lässt darauf schliessen, dass
ihr eine Vielzahl von adaptierten Tätigkeiten auch in Wirtschaftsbereichen
ausserhalb des Dienstleistungssektors zumutbar sind. Mit anderen Worten
ist es ihr trotz ihrer körperlichen Einschränkungen möglich, in vorwiegend
sitzenden Positionen körperlich leichte, selten leicht bis mittelschwere
Tätigkeiten mit nur seltenem Gehen und Stehen sowie ohne erhöhte
Sturzgefahr auch in Produktions- bzw. produktionsnahen Betrieben
auszuüben. Der Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit sind
somit nicht derart enge Grenzen gesetzt, dass alle Tätigkeiten eines
gesamten Sektors ausser Betracht fielen. Ein Abweichen von der Regel,
das Invalideneinkommen gestützt auf den dem Geschlecht
- 20 -
entsprechenden Totalwert der LSE-Tabelle TA 1 zu bestimmen,
rechtfertigt sich daher nicht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_411/2019
vom 16. Oktober 2019 E.7.2, 8C_227/2018 vom 14. Juni 2018 E.4.2.1,
9C_325/2018 vom 29. Juni 2018 E.3.2.2, 8C_695/2015 vom
19. November 2015 E.4.2 und 9C_633/2013 vom 23. Oktober 2013 E.4.2).
Die IV-Stelle hat demnach das Invalideneinkommen zu Recht ausgehend
vom Wert "Total" im Betrag von CHF 4'371.00 gemäss Tabelle TA1 der
LSE 2018 ermittelt.
5.3. Die IV-Stelle hat den ungekürzten Tabellenlohn als Invalideneinkommen
übernommen. Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Ansicht, es
sei ein Leidesabzug von 15 % vorzunehmen. Dieser Sichtweise kann, aus
den nachfolgend dargelegten Gründen, nicht gefolgt werden.
5.3.1. Praxisgemäss können persönliche und berufliche Merkmale der
versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit,
Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad einen
auf höchstens 25 % begrenzten Leidensabzug von dem nach den LSE-
Tabellenlöhnen zu ermittelnden Invalideneinkommen rechtfertigen, soweit
anzunehmen ist, dass die trotz des Gesundheitsschadens verbleibende
Leistungsfähigkeit infolge eines oder mehrerer dieser Merkmale auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen
verwertet werden kann (BGE 135 V 297 E. 5.2, Urteil des Bundesgerichts
8C_49/2018 vom 8. November 2018 E.6.2.2.2). Bestehen über das
ärztlich beschriebene Beschäftigungspensum hinaus zusätzliche
Einschränkungen, wie beispielsweise ein vermindertes Rendement pro
Zeiteinheit wegen verlangsamter Arbeitsweise oder ein Bedarf nach
ausserordentlichen Pausen oder ist die funktionelle Einschränkung ihrer
besonderen Natur nach nicht ohne Weiteres mit den Anforderungen
vereinbar, wie sie sich aus den gewöhnlichen betrieblichen Abläufen
ergeben, kann dies bei der Bemessung des leidensbedingten Abzugs vom
- 21 -
statistischen Tabellenlohn berücksichtigt werden (Urteil des
Bundesgerichts 8C_219/2019 vom 30. September 2019 E.5.2).
5.3.2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie werde trotz der Ausübung
einer angepassten Tätigkeit regelmässig schmerzbedingte Ausfälle
erleiden, vermehrt Pausen machen müssen und auf einen
verständnisvollen Arbeitgeber angewiesen sein. Einkommensreduzierend
sei, dass sie nur teilzeiterwerbstätig sein könne, keine Erfahrung im
Bürobereich mitbringe und nur sitzen und damit nicht sämtliche Tätigkeiten
ausführen könne. Diese Argumente sind nicht stichhaltig. Ein
Leidensabzug wegen Teilzeittätigkeit kommt zum Vornherein nicht in
Frage, da sich gezeigt hat, dass der Beschwerdeführerin nicht nur eine
Teilzeittätigkeit, sondern ein volles Arbeitspensum zumutbar ist (vgl. vorne
Erwägung 4 ff.). Sodann wurde die Beschwerdeführerin eben gerade
deshalb auf eine Tätigkeit im kaufmännischen Bereich umgeschult, weil es
in diesem Bereich möglich ist, weitgehend sitzend zu arbeiten. Es ist nicht
ersichtlich, weshalb sie bei einer angepassten sitzenden Bürotätigkeit
regelmässig schmerzbedingt ausfallen, vermehrt Pausen benötigen und
auf einen verständnisvollen Arbeitgeber angewiesen sein sollte. Ein
Leidensabzug rechtfertigt sich schliesslich auch nicht wegen mangelnder
Erfahrung im Bürobereich. Die IV-Stelle hat auf den LSE-Lohn im
Kompetenzniveau 1 abgestellt, also auf den niedrigsten Lohn für einfache
Tätigkeiten ohne Berufs- und Fachkenntnisse. Sie hat damit die erst seit
der Umschulung bestehenden Erfahrung der Beschwerdeführerin im
kaufmännischen Bereich mehr als genug berücksichtigt. Die
Beschwerdeführerin verfügt über eine Erstausbildung als
Restaurantfachfrau (IV-act. 2 S. 5), erlangte unterstützt durch die IV ein
kaufmännisches Handelsdiplom VSH (IV-act. 138) und bildete sich an der
Q._ im Hinblick auf das höhere Wirtschaftsdiplom VSK weiter (IV-
act. 171 S. 2). Mit diesem Ausbildungsstand fiele gar eine Einstufung im
Kompetenzniveau 2 (mit höherem Tabellenlohn als im Kompetenzniveau
- 22 -
1) in Betracht, sind doch Tätigkeiten im Bereich Datenverarbeitung und
Administration definitionsgemäss dem Kompetenzniveau 2 zuzuordnen
(vgl. Umschreibung des Kompetenzniveaus 2 gemäss LSE 2018:
"Praktische Tätigkeiten wie Verkauf/ Pflege/ Datenverarbeitung und
Administration/ Bedienen von Maschinen und elektronischen Geräten/
Sicherheitsdienst/ Fahrdienst"). Zusammenfassend kann somit
festgehalten werden, dass die Umstände im vorliegenden Fall entgegen
der Ansicht der Beschwerdeführerin keinen Leidensabzug rechtfertigen.
5.4. Es hat sich gezeigt, dass die IV-Stelle zu Recht auf den Durchschnittswert
aller Wirtschaftszweige der Tabelle TA1 der LSE 2018 abgestellt und
keinen Leidensabzug gewährt hat. Die übrigen Faktoren zur Ermittlung
des Invalideneinkommens (Aufrechnung auf 41.7 Wochenstunden,
Anpassung an die Nominallohnentwicklung) sind korrekt und werden von
der Beschwerdeführerin nicht beanstandet. Das für das Vergleichsjahr
2020 ermittelte Invalideneinkommen von CHF 55'229.40 (CHF 4'371.00 x
12 : 40 x 41.7 x 1.005 x 1.005) erweist sich somit als rechtmässig.
6. Bei einem unbestrittenen Valideneinkommen von CHF 80'175.60 und
einem Invalideneinkommen von CHF 55'229.40 hat die IV-Stelle für den
Zeitraum ab dem 1. Januar 2017 korrekterweise einen nicht
rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 31 % ermittelt. Die
angefochtene Verfügung ist somit rechtmässig und die Beschwerde ist
abzuweisen.
7. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF
200.00 bis CHF 1'000.00 festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in
denen ein durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die
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Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf
CHF 700.-- fest. Diese sind in Anwendung von Art. 61 erster Satz ATSG
i.V.m. Art. 73 Abs. 1 VRG von der unterliegenden Beschwerdeführerin zu
tragen. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).