Decision ID: e84f94a4-97df-4eea-b87b-b3956270908b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Misswirtschaft etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 18. März 2021 (DG200238)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 4. November 2020
(Urk. 19) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 40 S. 48 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Das Verfahren hinsichtlich die dem Beschuldigten vorgeworfene Unterlassung der Buch-
führung betreffend die B._ GmbH Zürich, die C._ GmbH sowie die D._ GmbH
wird eingestellt.
2. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen Misswirtschaft i.S.v. Art. 165 Ziff. 1 StGB sowie
− der mehrfachen Unterlassung der Buchführung i.S.v. Art. 166 StGB.
3. Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der mehrfachen Förderung der rechtswidrigen Ein- und
Ausreise oder des rechtswidrigen Aufenthalts i.S.v. Art. 116 Abs. 1 lit. a AuG freigespro-
chen.
4. Der Beschuldigte wird mit einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten, teilweise als Zusatzstrafe
zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 25. April 2018 ausgefällten
unbedingten Freiheitsstrafe von 90 Tagen bestraft.
5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre festge-
setzt.
6. Von der Anordnung einer Landesverweisung i.S.v. Art. 66abis StGB wird abgesehen.
7. Es wird ein Tätigkeitsverbot i.S.v. Art. 67 Abs. 1 StGB angeordnet und dem Beschuldigten
untersagt, während 5 Jahren als Geschäftsführer, Verwaltungsrat oder anderweitig in der
Geschäftsleitung einer Gesellschaft tätig zu sein.
Über das Tätigkeitsverbot erfolgt nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Meldung an das
Handelsregisteramt des Kantons Zürich.
8. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger des
Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit (pauschal) Fr. 13'700.– (inkl. Auslagen und
MwSt.) entschädigt.
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9. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'500.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 13'700.00 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten zu 4/5 auferlegt. Im Übrigen werden
die Kosten auf die Gerichtskasse genommen.
11. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbe-
halten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von 4/5.
12. [Mitteilung]
13. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 42 S. 1 f., Urk. 58 S. 1 f.)
"1. Es seien in Abänderung von Disp.-Ziff.-1. zusätzlich die Verfahren betreffend
die E._, F._, G._ AG, H._ Ltd. sowie I._ GmbH voll-
ständig sowie bei der B._ GmbH auch betreffend Misswirtschaft einzu-
stellen.
2. Der Beschuldigte sei in Aufhebung von Disp.-Ziff. 2. der mehrfachen Unter-
lassung der Buchführung betreffend die Gesellschaften J._ GmbH,
K._ LTD und L._ LTD ... [Ort], Zweigniederlassung Zürich schuldig
zu sprechen.
3. Der Beschuldigte sei in Abänderung von Disp.-Ziff. 4.f. mit einer Geldstrafe
von 60 Tagessätzen à Fr. 10.– unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jah-
ren zu bestrafen.
4. Von einem Tätigkeitsverbot sei in Aufhebung von Disp.-Ziff. 7. abzusehen.
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5. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens und des Vorverfahrens seien in
Abänderung von Disp.-Ziff. 10.f. zu 4/5 auf die Staatskasse zu nehmen und
im Übrigen dem Beschuldigten aufzuerlegen, aber sofort definitiv abzu-
schreiben. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien ausgangsgemäss zu
verlegen."
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 46; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Umfang der Berufung und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 40 S. 4 f. E. I.1.).
1.2. Der Beschuldigte wurde mit Urteil der Vorinstanz vom 18. März 2021
gemäss dem eingangs wiederholten Urteilsdispositiv schuldig gesprochen und
bestraft. Dagegen liess er mit Eingabe vom 26. März 2021 fristgerecht Berufung
anmelden (Urk. 35) und nach Zustellung des begründeten Urteils mit Eingabe
vom 14. Juni 2021 fristgerecht Berufung erklären (Urk. 42 f.; vgl. dazu Urk. 39/2).
Mit Präsidialverfügung vom 15. Juni 2021 wurde die Berufungserklärung der
Staatsanwaltschaft zugestellt und dieser Frist angesetzt, um Anschlussberufung
zu erheben oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen.
Gleichzeitig wurde der Beschuldigte aufgefordert, das "Datenerfassungsblatt" so-
wie weitere Unterlagen einzureichen (Urk. 45). Mit Eingabe vom 18. Juni 2021
verzichtete die Staatsanwaltschaft auf Anschlussberufung und beantragte die Be-
stätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 46). Mit Eingabe vom 14. Juli 2021
liess der Beschuldigte das Datenerfassungsblatt einreichen (Urk. 47 und 49).
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1.3. Am 13. Dezember 2021 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit
des Beschuldigten und seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur.
X._, statt (Prot. II S. 4).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich teilweise gegen die Dispositiv-
Ziffer 2 (soweit es den Schuldspruch der mehrfachen Misswirtschaft sowie den
Schuldspruch der mehrfachen Unterlassung der Buchführung betreffend die
B._ GmbH Zürich, die E._, die F._, die G._ AG, die I._
GmbH und die H._ Ltd. betrifft) des vorinstanzlichen Urteils. Der Beschuldig-
te beantragt diesbezüglich eine Einstellung des Verfahrens. Ebenfalls angefoch-
ten sind die Dispositiv-Ziffern 4, 5, 7, 10 und 11 des vorinstanzlichen Urteils (Urk.
42 S. 1 f., Urk. 58 S. 1 f.). In diesem Umfang steht das vorinstanzliche Urteil unter
dem Vorbehalt des Verschlechterungsverbots gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO zur
Disposition.
2.2. Unangefochten blieben die Dispositiv-Ziffern 1, teilweise 2 (bezüglich
mehrfacher Unterlassung der Buchführung betreffend die J._ GmbH,
K._ LTD und L._ LTD, ... [Ort], Zweigniederlassung Zürich), 3, 6, 8 und
9 des vorinstanzlichen Urteils (Prot. II S. 6). In diesen Punkten ist das vorinstanz-
liche Urteil somit in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzu-
stellen ist.
3. Prozessuales
3.1. Allgemeines
Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sachver-
haltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in An-
wendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Erwäh-
nung findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör die Pflicht des Gerichts folgt, seinen Entscheid zu begründen.
Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen
sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf
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sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht
ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für den Ent-
scheid wesentlichen Punkte beschränken. Ein unverhältnismässiger Motivations-
aufwand kann nicht eingefordert werden. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1
EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument
gefordert würde (vgl. dazu statt Weiterer Urteil des Bundesgerichtes 6B_689/2019
vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2., mit Hinweisen).
3.2. Anklageprinzip
3.2.1. Der Beschuldigte liess vor Vorinstanz vorbringen, hinsichtlich des Vorwurfs
der mehrfachen Misswirtschaft liege eine Verletzung des Anklageprinzips vor, da
aus der Anklage nicht hervorgehe, welche Handlungen zu welchem Zeitpunkt zu
welcher Verschlimmerung der Vermögenslage der jeweiligen Gesellschaft geführt
haben sollen (Urk. 32 S. 5). Daran hielt der Beschuldigte auch im Berufungsver-
fahren fest (Urk. 58 S. 5-7).
3.2.2. Die Vorinstanz hat sich im angefochtenen Entscheid mit dieser Kritik
auseinandergesetzt. Sie stellt sich auf den Standpunkt, das Anklageprinzip sei
nicht verletzt, auch wenn sich aus der Anklageschrift weder die Vermögenslagen
der Gesellschaften noch deren betragsmässigen Verschlimmerungen ergäben. Es
sei zu berücksichtigen, dass die massgeblichen Zahlen mangels Buchführung in
bloss ungefährer Weise mithilfe der Betreibungs- und Konkursakten hätten ermit-
telt werden können. Aktenkundig sei insbesondere eine polizeilich erstellte Auf-
stellung der ab Einsitz des Beschuldigten neu in Betreibung gesetzten offenen
Forderungen gegenüber den Gesellschaften und der sich daraus ergebende Ge-
samtforderungsbetrag in der Höhe von knapp Fr. 150'000.– sei dem Beschuldig-
ten an der Hauptverhandlung vorgehalten worden. Zudem habe sich die Verteidi-
gung an der Hauptverhandlung mit den relevanten Akten auseinandergesetzt.
Damit sei dem Beschuldigten ausreichend bekannt gewesen, was ihm in tatsäch-
licher Hinsicht vorgeworfen werde und er habe sich effektiv dagegen verteidigen
können (Urk. 40 S. 6 f. E.I.2.1.4.).
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3.2.3. Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in
ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und
subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Es muss aus ihr erkennbar sein,
inwiefern die inkriminierte Handlung den objektiven und subjektiven Tatbestand
des angerufenen Straftatbestandes erfüllt (vgl. statt weiterer Urteil des Bundesge-
richts 6B_324/2012 vom 27. September 2012 E. 1.3.). Der Misswirtschaft gemäss
Art. 165 Ziff. 1 StGB macht sich schuldig, wer als Schuldner, namentlich durch ar-
ge Nachlässigkeit in der Berufsausübung oder Vermögensverwaltung, seine
Überschuldung herbeiführt oder verschlimmert, seine Zahlungsunfähigkeit herbei-
führt oder im Bewusstsein seiner Zahlungsunfähigkeit seine Vermögenslage ver-
schlimmert, sofern über ihn der Konkurs eröffnet oder gegen ihn ein Verlustschein
ausgestellt worden ist. Die Verschlimmerung der Zahlungsunfähigkeit oder Über-
schuldung besteht darin, dass das Verhältnis zwischen Aktiven und Passiven zum
Nachteil der Aktiven verschoben wird. Ungenügend ist jedoch eine geringfügige
oder lediglich vorübergehende Verschlechterung der Verhältnisse; erforderlich ist
vielmehr eine erhebliche und dauernde Verschlechterung der Vermögenslage.
Täter kann eines der in Art. 29 StGB genannten Organe des Schuldners sein
(BSK StGB II-Hagenstein, 4. Auflage, Basel 2019, Art. 165 N 4 und 59).
3.2.4. Es mag zwar zutreffen, dass sich die finanzielle Situation und die Entwick-
lung der Gesellschaften ab Einsitz des Beschuldigten in die Gesellschaften als
Geschäftsführer/Verwaltungsrat bis zur Konkurseröffnung ex post nicht mehr
schlüssig eruieren lassen und einzig erstellt ist, dass sämtliche Konkursverfahren
schliesslich mangels Aktiven eingestellt wurden (Urk. 2/3/3, Urk. 2/6/3, Urk. 2/7/3,
Urk. 2/12/1; vgl. dazu die materielle Prüfung unter E. II.4.3. ff.). Dies entbindet die
Anklagebehörde jedoch nicht davon, einigermassen konkret, wenigstens aber
grob, in der Anklage darzulegen, in welchem Zeitraum sich die finanzielle Situati-
on in der Gesellschaft für den Beschuldigten wie präsentierte; dies umso mehr,
als der Frage, ob und wann welche Anhaltspunkte für eine Überschuldung vorla-
gen, vorliegend eine herausragende Bedeutung zukommt, zumal deren Missach-
tung gerade die arge Nachlässigkeit im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB und damit
den Kern der Tatbestandsmässigkeit darstellen sollen. Inwieweit die Gesellschaf-
ten überschuldet waren, so dass der Beschuldigte zu intervenieren verpflichtet
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gewesen wäre, und woran er das hätte erkennen können, wird in der Anklage-
schrift jedoch nicht ansatzweise dargetan. Entscheidend ist aber vor allem, dass
sich der Anklageschrift nicht ansatzweise hinreichend konkret entnehmen lässt,
durch welche Handlungen/Unterlassungen und inwieweit sich die finanzielle Si-
tuation der Gesellschaften ab dem Einsitz des Beschuldigten in die Gesellschaf-
ten als Geschäftsführer/Verwaltungsrat bis zur Konkurseröffnung verschlechtert
hat. Es wird lediglich pauschal festgehalten, dass "die laufenden Kosten" zu einer
Verschlimmerung der Vermögenslage der Gesellschaften geführt hätten (Urk. 19
S. 4 oben). Bereits an dieser Stelle ist festzuhalten, dass sich eine (wesentliche)
eigentliche Verschlechterung der finanziellen Situation im Sinne einer Zunahme
der Passiven – entgegen der Vorinstanz – jedenfalls nicht zwingend aus der von
ihr angeführten und dem Beschuldigten an der Hauptverhandlung vorgehaltenen
Liste mit Betreibungen ergibt, zumal sich dieser nicht schlüssig entnehmen lässt,
wann die den Betreibungen mutmasslich zugrunde liegenden Forderungen ent-
standen sind (vgl. Urk. 12/1 und die materielle Prüfung unter E. II.4.3. ff.). Im Üb-
rigen könnte mit einer Vorhaltung der einschlägigen Beweise eine Verletzung des
Anklagegrundsatzes ohnehin nicht geheilt werden. Ob sich die Umschreibung des
Sachverhalts der Misswirtschaft als ungenügend erweist und es eine Verletzung
des Anklagegrundsatzes darstellt, dass in der Anklage nicht einmal grob dargetan
wird, in welchem Zeitraum sich die finanzielle Situation in der Gesellschaft für den
Beschuldigten wie präsentierte und durch welche Handlungen/Unterlassungen
sich diese während der Geschäftsführungs-/Verwaltungstätigkeit des Beschuldig-
ten inwieweit verschlechterte, kann indes offen gelassen werden, da sich eine
erhebliche Verschlechterung der finanziellen Situation im inkriminierten Zeitraum
ohnehin nicht zweifelsfrei erstellen lässt (vgl. dazu E. II.4.3. ff.).
3.3. Verjährung
3.3.1. Der Beschuldigte liess vor Vorinstanz geltend machen, es sei davon aus-
zugehen, dass es sich bei den in der Anklage erwähnten Besorgnisdaten um die
Tathandlung bzw. -unterlassung handle. Die Besorgnisdaten stellten die ersten
namhaften bzw. öffentlich-rechtlichen Betreibungen oder Verlustscheine dar.
Darauf sei – mit Ausnahme des Vorwurfs betreffend die B._ GmbH Zürich,
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wo der Zeitpunkt der Konkurseröffnung massgebend sei – abzustellen. In Anwen-
dung der altrechtlichen (bis 31. Dezember 2013 geltenden) Verfolgungsverjäh-
rungsfrist von sieben Jahren betreffend den Tatbestand der Unterlassung der
Buchführung seien die Vorwürfe verjährt (Urk. 32 S. 2-4).
3.3.2. Im Berufungsverfahren liess der Beschuldigte zusammengefasst vorbrin-
gen, neben den bereits von der Vorinstanz als verjährt bezeichneten Vorwürfen
seien auch die Vorwürfe der Unterlassung der Buchführung betreffend die I._
GmbH, die H._ Ltd. und die G._ AG verjährt. Die H._ Ltd. sei am
tt.mm.2013 von Amtes wegen im Handelsregister gelöscht worden, weshalb der
diesbezügliche Vorwurf der Unterlassung der Buchführung verjährt sei. Folge man
dem System der Besorgnisdaten (vgl. dazu E. I.3.3.1.) seien betreffend die
G._ AG die Betreibung vom 3. Dezember 2013 durch das Handelsregister-
amt des Kantons Zürich und betreffend die I._ GmbH der erste Verlustschein
für den Beginn der Verfolgungsverjährungsfrist massgebend. Demzufolge seien
auch die diesbezüglichen Vorwürfe der Unterlassung der Buchführung verjährt
(Urk. 58 S. 2-5).
3.3.3. Die Verfolgung der Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166
StGB verjährt nach zehn Jahren (Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB). Wie der Beschuldigte
jedoch zutreffend vorbringen lässt, ist die heute geltende Fassung von Art. 97
Abs. 1 StGB erst seit dem 1. Januar 2014 in Kraft. Gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. c
aStGB verjährte die Verfolgung einer Tat, welche mit nicht mehr als drei Jahren
Freiheitsstrafe bedroht ist, nach sieben Jahren. Art. 389 Abs. 1 StGB statuiert
überdies, dass Bestimmungen des neuen Rechts betreffend die Verjährung
grundsätzlich auch für Taten zur Anwendung kommen, welche vor der Gesetzes-
änderung verübt wurden, sofern sie milder sind als das bisherige Recht (vgl. auch
Art. 2 Abs. 2 StGB). Da das neue Recht vorliegend eine aus Sicht des Beschul-
digten strengere Regelung vorsieht, ist gestützt auf Art. 2 Abs. 1 StGB das zum
Tatzeitpunkt geltende Recht, das heisst die Verjährungsfrist von sieben Jahren für
die dem Beschuldigten vorgeworfenen Taten vor dem 1. Januar 2014, massge-
bend.
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3.3.4. Gemäss Art. 98 lit. a StGB beginnt die Verjährung grundsätzlich mit dem
Tag der Ausführung der strafbaren Tätigkeit. Art. 98 lit. c StGB statuiert hingegen,
dass Dauerdelikte erst ab dem Tag zu verjähren beginnen, an welchem das straf-
bare Verhalten aufhört. Ein Dauerdelikt liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn
die Begründung des rechtswidrigen Zustandes mit den Handlungen, die zu seiner
Aufrechterhaltung vorgenommen werden, bzw. mit der Unterlassung seiner Auf-
hebung eine Einheit bildet und das auf das Fortdauern des deliktischen Erfolgs
gerichtete Verhalten vom betreffenden Straftatbestand ausdrücklich oder sinnge-
mäss mit umfasst ist. Dauerdelikte sind mit anderen Worten dadurch gekenn-
zeichnet, dass die zeitliche Fortdauer eines rechtswidrigen Zustandes oder Ver-
haltens noch tatbestandsmässiges Unrecht bildet (vgl. BGE 135 IV 6 E. 3.2;
BGE 132 IV 49 E. 3.1.2.2; BGE 131 IV 83 E. 2.1.2; je mit Hinweisen).
3.3.5. Vorliegend sind die dem Beschuldigten vorgeworfenen und vorliegend zur
Disposition stehenden Delikte der Unterlassung der Buchführung im Sinne von
Art. 166 StGB als Dauerdelikte zu qualifizieren. Die gesetzliche Pflicht zur
ordnungsmässigen Führung und Aufbewahrung von Geschäftsbüchern beinhaltet
die kaufmännische Buchführung im Sinne von Art. 957a OR. Gemäss Art. 1
Abs. 2 lit. b Verordnung über die Führung und Aufbewahrung der Geschäftsbü-
cher muss unter anderem ein Journal als chronologische Erfassung aller verbuch-
ten Geschäftsvorfälle geführt werden. Wer vollständig auf die Buchführung ver-
zichtet, missachtet die gesetzlichen Buchführungspflichten somit mit jedem rele-
vanten Geschäftsvorgang (vgl. Art. 957a Abs. 1 OR). Das deliktische Verhalten
besteht demnach nicht einzig darin, dass jeweils Ende Jahr auf die Erstellung ei-
nes Geschäftsberichts im Sinne von Art. 958 Abs. 2 OR verzichtet wird. Vielmehr
handelt es sich um ein während der gesamten Geschäftstätigkeit dauerndes Un-
terlassen. Somit ist für die Verjährung gemäss Art. 98 lit. c StGB der Tag mass-
gebend, an welchem das strafbare Verhalten aufhört, das heisst, wenn die Pflicht
zum Handeln entfällt oder wenn der Handlungspflichtige aus seiner Pflichten-
stellung ausscheidet (vgl. in diesem Sinne auch Urteile des Bundesgerichts
6B_51/2007 vom 3. September 2007, E. 4.3. und 6S.132/2000 vom 24. August
2000, E. 2.b).
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3.3.6. Bei den Vorwürfen im Zusammenhang mit der E._, der F._ und
der G._ AG ist dies jeweils der Tag, an welchem über die Gesellschaft der
Konkurs eröffnet wurde, mithin der 30. April 2014 (Urk. 2/6/3), 11. Dezember 2014
(Urk. 2/7/3) bzw. 30. Oktober 2014 (Urk. 2/12/1). Beim Vorwurf im Zusammen-
hang mit der H._ Ltd. ist dies der Tag, an welchem die Gesellschaft mangels
Geschäftstätigkeit und verwertbarer Aktiven in Anwendung von Art. 155 aHRegV
von Amtes wegen gelöscht wurde, mithin der 3. Februar 2015 (Urk. 2/11/1). Beim
Vorwurf im Zusammenhang mit der I._ GmbH ist dies der Tag, an dem der
Beschuldigte das Mandat als Geschäftsführer niederlegte, mithin der 15. April
2014 (Urk. 2/4/1).
3.3.7. Ist vor Ablauf der Verjährungsfrist ein erstinstanzliches Urteil ergangen, so
tritt die Verjährung nicht mehr ein (Art. 97 Abs. 3 StGB). Bei einer Verjährungsfrist
von sieben Jahren war der jeweils zur Anklage gebrachte Tatvorwurf am 18. März
2021 (Datum erstinstanzlicher Entscheid) nicht verjährt. Die Verfolgungsverjäh-
rung ist somit nicht eingetreten. Diesbezüglich kann demnach die Frage offen
bleiben, ob nicht die heute geltende Verjährungsfrist von zehn Jahren zur Anwen-
dung gelangt, da sich das dem Beschuldigten vorgeworfene strafbare Verhalten
jeweils auch auf die Zeit nach dem Inkrafttreten des neuen geltenden Rechts er-
streckte.
3.3.8. Zusammenfassend sind die zur Disposition stehenden Vorwürfe der mehr-
fachen Unterlassung der Buchführung nicht verjährt.
3.3.9. Ausführungen zum Tatbestand der vorsätzlichen ordnungswidrigen Füh-
rung der Geschäftsbücher im Sinne von Art. 325 StGB unter diesem Titel erübri-
gen sich, da die zur Disposition stehenden Vorwürfe im Zusammenhang mit der
I._ GmbH und der H._ Ltd. ausschliesslich unter den vorgehenden Tat-
bestand der Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB zu sub-
sumieren sind (vgl. dazu E. II.).
3.3.10. Die Verfolgung von Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 StGB verjährt
nach heute geltendem Recht wie auch schon altrechtlich nach 15 Jahren (Art. 97
Abs. 1 lit. b StGB, Art. 97 Abs. 1 lit. b aStGB). Bei Misswirtschaft werden die ein-
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zelnen Handlungen bzw. das dauerhafte Verhalten immer als Ganzes betrachtet
und die Verjährungsfrist beginnt erst mit der Begehung der letzten strafbaren
Handlung oder der Einstellung des schuldhaften Handelns bzw. Unterlassens zu
laufen (BGE 132 IV 49 E. 3.1.1.3.).
3.3.11. Bei den Vorwürfen im Zusammenhang mit der B._ GmbH Zürich,
E._, der F._, der G._ AG ist dies jeweils der Tag, welcher der Kon-
kurseröffnung voranging, mithin der 19. Oktober 2011 (Urk. 2/3/3), 29. April 2014
(Urk. 2/6/3), 10. Dezember 2014 (Urk. 2/7/3) bzw. 29. Oktober 2014 (Urk. 2/12/1).
Ist vor Ablauf der Verjährungsfrist ein erstinstanzliches Urteil ergangen, so tritt die
Verjährung nicht mehr ein (Art. 97 Abs. 3 StGB). Bei einer Verjährungsfrist von 15
Jahren war der jeweils zur Anklage gebrachte Tatvorwurf am 18. März 2021 (Da-
tum erstinstanzlicher Entscheid) nicht verjährt. Die Verfolgungsverjährung ist so-
mit nicht eingetreten.
3.3.12. Zusammenfassend sind die Vorwürfe der mehrfachen Misswirtschaft nicht
verjährt.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Anklagevorwurf
Im angefochtenen Entscheid wird ausführlich wiedergegeben, wie die Anklage-
behörde die zur Disposition stehenden Vorwürfe der mehrfachen Misswirtschaft
und der mehrfachen Unterlassung der Buchführung gegen den Beschuldigten in
der Anklageschrift begründet (Urk. 40 S. 10-12 E. II.1.). Darauf kann ergänzungs-
los verwiesen werden.
2. Ausgangslage
Der Beschuldigte bestreitet sämtliche zur Disposition stehenden Vorwürfe
(Urk. 13/1 F/A 163, Prot. I S. 17-19, Urk. 57 S. 5-7). Entgegen der Vorinstanz hat
er die Vorwürfe – nach Rücksprache mit seinem Verteidiger – weder in der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Juli 2020 noch in deren Nachgang
(vorübergehend) anerkannt (Urk. 13/3 S. 12 unten, Urk. 14/6-9).
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3. Sachverhaltserstellung und Beweismittel
3.1. Die Vorinstanz hat die massgebenden Grundsätze der Sachverhaltser-
stellung und der Beweiswürdigung sowie die vorliegend relevanten Beweismittel
zutreffend wiedergegeben, worauf zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen –
mit der folgenden Einschränkung – verwiesen werden kann (Urk. 40 S. 13-15 E.
II.3.1. f.).
3.2. Im Konkursverfahren ist der Schuldner nach Art. 222 Abs. 1 SchKG bei
Straffolge verpflichtet, dem Konkursamt alle seine Vermögensgegenstände an-
zugeben und zur Verfügung zu stellen (Art. 163 Ziff. 1 und Art. 323 Ziff. 4 StGB).
Dem Schuldner steht im Konkursverfahren somit kein Schweigerecht zu, sondern
er ist vielmehr zur Auskunft verpflichtet. Nach dem im Strafprozessrecht allgemein
anerkannten sowie in Art. 113 Abs. 1 StPO, Art. 14 Ziff. 3 lit. g IPBPR (Uno-Pakt
II) und Art. 6 Ziff. 1 EMRK verankerten Grundsatz nemo tenetur se ipsum accusa-
re ist im Strafverfahren niemand gehalten, zu seiner Belastung beizutragen. Der
Beschuldigte ist nicht zur Mitwirkung bzw. Aussage verpflichtet. Vielmehr ist er
aufgrund seines Aussageverweigerungsrechts berechtigt zu schweigen, ohne
dass ihm daraus Nachteile erwachsen dürfen. Im Konkursverfahren steht ihm da-
gegen wie gesehen kein Schweigerecht zu, sondern er ist vielmehr zur Auskunft
verpflichtet. Er kann sich daher in diesem Kontext nicht auf ein Aussageverweige-
rungsrecht berufen. Die im Verwaltungs- oder im Konkursverfahren gemachten
Aussagen sind in einem parallelen Strafverfahren daher nicht verwertbar (Urteil
des Bundesgerichts 6B_843/2011 vom 23. August 2012 E. 3.3.1).
3.3. Zu Beginn der vom Konkursamt durchgeführten Einvernahmen wurde der
Beschuldigte auf seine im Konkursverfahren geltenden Mitwirkungspflichten hin-
gewiesen (Urk. 2/3/3, Urk. 2/6/3, Urk. 2/7/3, Urk. 2/12/3). Auf seine strafprozessu-
alen Rechte – insbesondere auf sein Aussageverweigerungsrecht – wurde der
Beschuldigte nicht aufmerksam gemacht. Die Einvernahmen sowie sämtliche
Aussagen des Beschuldigten, die aufgrund von Vorhalten seiner in den Konkurs-
verfahren getätigten Aussagen erfolgten, sind daher im vorliegenden Strafverfah-
ren nur zugunsten aber nicht zum Nachteil des Beschuldigten verwertbar (Art. 158
Abs. 2 StPO).
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3.4. Ferner kann auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen zur
allgemeinen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten verwiesen werden (a.a.O., S. 17
E. II.3.3.), wobei nochmals, wie bereits die Vorinstanz richtig ausführte (a.a.O.),
darauf hinzuweisen ist, dass für die Sachverhaltserstellung – soweit relevant – in
erster Linie die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen relevant ist.
4. Vorwurf der mehrfachen Misswirtschaft
4.1. Der Beschuldigte hält dafür, dass die Gesellschaften bereits von früher
Schulden gehabt hätten und es nicht seine Schulden gewesen seien (Urk. 13/1
F/A 163, Urk. 57 S. 6 f.). Sein Verteidiger machte dazu vor Vorinstanz geltend, die
aktenkundigen Verlustscheine und Betreibungen beruhten auf Forderungen, die
keinen den Beschuldigten vorzuwerfenden Zeitraum beschlagen würden. Hinzu
komme, dass die Anklage von laufenden Kosten, also von während der Dauer der
Geschäftsführung des Beschuldigten entstandenen (bzw. ihm zurechenbaren)
Kosten spreche, die nicht rechnungsmässig und fälligkeitsmässig ausgewiesen
seien, mithin nicht eruierbar seien (Urk. 32 S. 6). Diesen Standpunkt vertrat der
Verteidiger im Wesentlichen auch im Berufungsverfahren (Urk. 58 S. 7 f.).
4.2. In Widerspruch zur Auffassung der Verteidigung gelangte die Vorinstanz zu
einem anderen Ergebnis. Sie hielt fest, die genaue Übersicht der Vermögensla-
gen der Gesellschaften gestalte sich mangels Buchführung naturgemäss schwie-
rig. Aufgrund der diversen Betreibungen sowie aufgrund der jeweiligen Konkursur-
teile, aus welchen auch die Fälligkeitsdaten der entstandenen Verbindlichkeiten
nach Einsitz des Beschuldigten hervorgingen, könne jedoch immerhin rekonstru-
iert werden, dass diverse Forderungen während des Einsitzes des Beschuldigten
fällig und betrieben worden seien, womit die entsprechenden Verbindlichkeiten in
allen Gesellschaften bis zum Zeitpunkt des Konkurses im Umfang von gesamthaft
rund Fr. 150'000.– angestiegen seien. In diesem Umfang hätten sich die
Vermögenslagen der Gesellschaften bis zur Konkurseröffnung weiter verschlim-
mert (Urk. 40 S. 19 E. II.3.4.).
4.3. Es trifft zu, dass die finanzielle Situation und Entwicklung der Gesellschaf-
ten ab Einsitz des Beschuldigten in die Gesellschaften als Geschäftsführer/Ver-
- 15 -
waltungsrat bis zur Konkurseröffnung anhand der im Recht liegenden Akten –
insbesondere mangels aktenkundiger Buchführungsunterlagen – ex post nicht
schlüssig eruiert werden kann. Erstellt ist zwar, dass sich die Gesellschaften im
inkriminierten Zeitraum in einer eher schlechten finanziellen Situation befanden,
was auch vom Beschuldigten nicht in Abrede gestellt wird. Dies ergibt sich aus
den namhaften Betreibungsverlustscheinen, Betreibungen und nicht zuletzt aus
dem Umstand, dass schliesslich sämtliche Konkursverfahren mangels Aktiven
eingestellt wurden (Urk. 2/3/2 f., Urk. 2/6/2 f., Urk. 2/7/2 f., Urk. 2/12/1-3). Aus
dem Umstand, dass die Gesellschaften im inkriminierten Zeitraum mehrfach be-
trieben wurden, kann jedoch ohne Vorliegen weiterer Unterlagen wie Verträgen
oder Rechnungen nicht zweifelsfrei geschlossen werden, dass die den Betreibun-
gen zugrunde liegenden – mutmasslichen – Forderungen ebenfalls in diesem
Zeitraum (im Sinne einer Zunahme der Passiven) entstanden sind. Dies gilt vor al-
lem deshalb, weil der Beschuldigte die Gesellschaften erwiesenermassen nicht
selber gegründet hatte, sondern zweiter Hand erworben hatte.
4.4. Entscheidend ist auch, dass dem Beschuldigten nicht widerlegt werden
kann, dass mit den meisten der Gesellschaften nach seiner Übernahme keine
Geschäftstätigkeit aufgenommen wurde, da laufend "noch alte Rechnungen" her-
einkamen. Alleine aus der Angabe des Rechnungszeitraums oder des Zeitpunkts,
ab welchem Verzugszins verlangt wird, im Betreibungsbegehren eines mutmass-
lichen Gläubigers lassen sich ohne weitere Unterlagen wie Rechnungen oder
Verträgen keine rechtsgenügenden Hinweise auf den Entstehungszeitpunkt oder
den Grund der Forderung und damit hinsichtlich der Zurechnung der Forderung
zum Beschuldigten entnehmen (vgl. zur einzelnen Gesellschaft nachfolgend).
4.5. Die Verschlimmerung der Überschuldung besteht darin, dass das Verhält-
nis zwischen Aktiven und Passiven zum Nachteil der Aktiven verschoben wird
(BSK StGB II-Hagenstein, a.a.O., Art. 165 N 59). Entsprechend kann der
Vorinstanz auch nicht gefolgt werden, sofern sie die Fälligkeit mit dem Entste-
hungszeitpunkt einer Forderung gleichsetzt.
4.6. Hinsichtlich des Vorwurfs im Zusammenhang mit der G._ AG ist der
Sachverhalt insbesondere bezüglich der Frage zu erstellen, ob sich die Ver-
- 16 -
mögenslage nach dem Einsitz des Beschuldigten in die Gesellschaft als einziges
Verwaltungsratsmitglied (erheblich) verschlechtert hat. Abgesehen von zwei Be-
treibungsregisterauszügen und einem Verlustscheinregisterauszug der Betrei-
bungsämter am Sitz der Gesellschaft (Urk. 2/12/2 f.) gibt es keine relevanten Be-
lege, welche über die finanziellen Verhältnisse der G._ AG Rückschlüsse
zulassen würden. Im Zeitraum der Verwaltungsratstätigkeit des Beschuldigten
vom 22. Mai 2014 bis am 30. Oktober 2014 wurden zahlreiche Betreibungen ein-
geleitet (a.a.O.). Es ist jedoch unmöglich zu beurteilen, wann die jeweils zugehö-
rige Forderung entstanden ist, und ohne weitere Angaben zu den tatsächlichen
Verhältnissen kann nicht festgestellt werden, ob sich die Vermögenslage im in-
kriminierten Zeitraum tatsächlich (erheblich) verschlechtert hat. Zugunsten des
Beschuldigten ist auf seine Angabe abzustellen, wonach er mit dieser Gesell-
schaft nie wirtschaftlich aktiv war (Urk. 2/12/3 EV-Protokoll F/A 9). Entsprechend
fehlen auch Anhaltspunkte, dass im inkriminierten Zeitraum neue Forderungen
entstanden sind. Damit ist der Sachverhalt in diesem Punkt nicht erstellt, womit
der Beschuldigte vom Vorwurf der Misswirtschaft im Zusammenhang mit der
G._ AG freizusprechen ist.
4.7. Hinsichtlich des Vorwurfs im Zusammenhang mit der F._ ist der Sach-
verhalt insbesondere bezüglich der Frage zu erstellen, ob sich die Vermögensla-
ge nach dem Einsitz des Beschuldigten in die Gesellschaft als einziger Geschäfts-
führer (erheblich) verschlechtert hat. Auch diesbezüglich gibt es, abgesehen von
einem Betreibungsregisterauszug samt Auflistung der Verlustscheine des Betrei-
bungsamts am Sitz der Gesellschaft (Urk. 2/7/2 f.), keine relevanten Belege, wel-
che über die finanziellen Verhältnisse der F._ im inkriminierten Zeitraum
Rückschlüsse zulassen würden. Im Zeitraum der Geschäftsführungstätigkeit des
Beschuldigten vom 23. Juli 2013 bis am 11. Dezember 2014 wurden zahlreiche
Betreibungen eingeleitet und auch Betreibungsverlustscheine ausgestellt (a.a.O.).
Es ist jedoch unmöglich zu beurteilen, wann die jeweils zugehörige Forderung
entstanden ist, und ohne weitere Angaben zu den tatsächlichen Verhältnissen
kann nicht festgestellt werden, ob sich die Vermögenslage im inkriminierten Zeit-
raum tatsächlich verschlechtert hat. Immerhin ergibt sich aus dem Konkurser-
kenntnis, dass das Konkursbegehren für eine Forderung zuzüglich 5% Zins seit
- 17 -
28. Februar 2013 gestellt wurde (Urk. 2/7/3), für eine mutmassliche Forderung,
welche also vor dem Einsitz des Beschuldigten in die Gesellschaft als Geschäfts-
führer entstanden sein muss. Unter den früheren Gesellschaftern bezweckte die
Gesellschaft den Betrieb von Restaurationsbetrieben. Ab Eintritt des Beschuldig-
ten bezweckte die Gesellschaft demgegenüber die Erbringung verschiedenster
Arbeiten im Bereich des Innenausbaus. Angesichts der im inkriminierten Zeitraum
betreibenden mutmasslichen Gläubiger (M._ Ausgleichskasse, M._
Pensionskasse Kontrollstelle für den L-GAV des Gastgewerbes L-GAV) ist es zu-
dem um einiges plausibler, dass es sich hierbei ausschliesslich um bereits früher
entstandene mutmassliche Forderungen handelt. Auch mit Blick auf die weiteren
betreibenden mutmasslichen Gläubiger (insbesondere Versicherungen und das
kantonale Steueramt bzw. die eidgenössische Steuerverwaltung) lässt sich nichts
zuungunsten des Beschuldigten ableiten, sondern ist angesichts der ihm nicht wi-
derlegbaren Angabe, wonach er mit der Gesellschaft nie wirtschaftlich aktiv wurde
(Urk. 2/7/3 EV-Protokoll F/A 20), naheliegender, dass es sich hierbei ebenfalls um
früher entstandene Forderungen handelt. Entsprechend fehlen auch Anhaltspunk-
te, dass im inkriminierten Zeitraum neue Forderungen entstanden sind. Damit ist
der Sachverhalt in diesem Punkt nicht erstellt, womit der Beschuldigte vom
Vorwurf der Misswirtschaft im Zusammenhang mit der F._ freizusprechen ist.
4.8. In Bezug auf die E._ sind die tatsächlichen Verhältnisse ähnlich wie
bei der F._ gelagert. Auch hinsichtlich dieses Vorwurfs ist der Sachverhalt
insbesondere bezüglich der Frage zu erstellen, ob sich die Vermögenslage nach
dem Einsitz des Beschuldigten in die Gesellschaft als einziger Geschäftsführer
(erheblich) verschlechtert hat. Abgesehen von einem Betreibungsregisterauszug
samt Auflistung der Verlustscheine des Betreibungsamts am Sitz der Gesellschaft
(Urk. 2/6/2 f.) gibt es keine relevanten Belege, welche über die finanziellen Ver-
hältnisse der E._ im inkriminierten Zeitraum Rückschlüsse zulassen würden.
Im Zeitraum der Geschäftsführungstätigkeit des Beschuldigten vom 21. Juni 2013
bis am 30. April 2014 wurden Betreibungen eingeleitet und auch Betreibungsver-
lustscheine ausgestellt (a.a.O.). Es ist jedoch unmöglich zu beurteilen, wann die
jeweils zugehörige Forderung entstanden ist, und ohne weitere Angaben zu den
tatsächlichen Verhältnissen kann nicht festgestellt werden, ob sich die Vermö-
- 18 -
genslage im inkriminierten Zeitraum tatsächlich (erheblich) verschlechtert hat.
Immerhin ergibt sich aus dem Konkurserkenntnis, dass dieses aufgrund des Kon-
kursbegehrens der mutmasslichen Gläubigerin M._ Pensionskasse ausge-
sprochen wurde. Der dazugehörigen Konkursandrohung ist zu entnehmen, dass
das Konkursbegehren für eine Forderung aus ausstehenden Beträgen für die be-
triebliche Altersvorsorge (BVG) betreffend das Restaurant N._ in O._
gestellt wurde (Urk. 2/6/3). Nachdem der Beschuldigte am 21. Juni 2012 Ge-
schäftsführer der Gesellschaft wurde, wurde am 26. Juli 2012 sowohl der Gesell-
schaftszweck (Führen von Gastronomiebetrieben zu ...) als auch der Gesell-
schaftssitz (O._ zu Zürich) geändert. Auch hinsichtlich der E._ gab der
Beschuldigte an, er habe mit dieser Gesellschaft keine Geschäftstätigkeit aufge-
nommen, da laufend "noch alte Rechnungen" hereingekommen seien (a.a.O. EV-
Protokoll F/A 20), was ihm nicht widerlegt werden kann. Zwischen dem Einsitz
des Beschuldigten in die Gesellschaft als Geschäftsführer einerseits und der Än-
derung des Gesellschaftszwecks und des –sitzes andererseits liegt rund ein Mo-
nat. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür und ist auch unwahrscheinlich, dass
der Beschuldigte den offensichtlich durch den früheren Alleingesellschafter ge-
führten Betrieb des Restaurants N._ O._ während gerade einmal eines
Monats weitergeführt hat, um anschliessend der Gesellschaft einen völlig anderen
Zweck zu geben. Dies ist nicht zuletzt auch deshalb abwegig, weil der Beschul-
digte zwar erwiesenermassen zahlreiche Gesellschaften in zweiter Hand über-
nahm, indes mit diesen ausschliesslich im Handels-, Verkehrs- bzw. Transport-
oder Bauwesen (in einem Fall in der Filmproduktion) tätig sein wollte und mit kei-
ner einzigen in der Gastronomie. Entsprechend dürfte die mutmassliche BVG-
Forderung der M._ Pensionskasse aus der Geschäftstätigkeit des Vorgän-
gers des Beschuldigten stammen, der offenbar auch (anders als der Beschuldig-
te) über Angestellte verfügte. Darauf dass es sich um eine Forderung aus früherer
Geschäftstätigkeit handelt, deutet nicht zuletzt auch der Umstand hin, dass vor
dem Einsitz des Beschuldigten in die Gesellschaft die M._ Pensionskasse
und die M._ Ausgleichskasse die Gesellschaft schon mehrfach betrieben
hatten und auch ein Betreibungsverlustschein ausgestellt werden musste
(Urk. 2/6/2). Auch mit Blick auf die weiteren betreibenden mutmasslichen Gläubi-
- 19 -
ger lässt sich nichts zuungunsten des Beschuldigten ableiten, sondern ist nicht
zuletzt auch angesichts der ihm – das sei nochmals betont – nicht widerlegbaren
Angabe, wonach er mit der Gesellschaft nie wirtschaftlich aktiv wurde (Urk. 2/7/3
EV-Protokoll F/A 20), naheliegender, dass es sich hierbei ebenfalls um früher ent-
standene Forderungen handelt (insbesondere P._ Getränke, Getränke-
Hauslieferdienst P'._, M._ Pensionskasse, eidgenössische Steuerver-
waltung). Damit ist der Sachverhalt in diesem Punkt nicht erstellt, womit der Be-
schuldigte vom Vorwurf der Misswirtschaft im Zusammenhang mit der E._
freizusprechen ist.
4.9. Hinsichtlich des Vorwurfs im Zusammenhang mit der B._ GmbH Zü-
rich ist der Sachverhalt ebenfalls insbesondere bezüglich der Frage zu erstellen,
ob sich die Vermögenslage nach dem Einsitz des Beschuldigten in die Gesell-
schaft als einziger Geschäftsführer (erheblich) verschlechtert hat. Abgesehen von
einem Betreibungsregisterauszug samt Auflistung der Verlustscheine des Betrei-
bungsamts am Sitz der Gesellschaft (Urk. 2/3/2 f.) gibt es auch diesbezüglich kei-
ne relevanten Belege, welche über die finanziellen Verhältnisse der B._
GmbH Rückschlüsse zuliessen. Auch wenn der Beschuldigte – wie von ihm ein-
gestanden – mit der B._ GmbH während seiner Zeit als Geschäftsführer aktiv
gewirtschaftet und offenbar auch Umsatz generiert hat (Urk. 13/1 F/A 61 f.) und
im inkriminierten Zeitraum mehrere Betreibungen gegen die Gesellschaft
eingeleitet wurden (Urk. 2/3/2 f.), ist es unmöglich zu beurteilen, wann die jeweils
zugehörige Forderung entstanden ist und ohne weitere Angaben zu den tatsäch-
lichen Verhältnissen kann nicht festgestellt werden, ob sich die Vermögenslage im
inkriminierten Zeitraum tatsächlich verschlechtert hat. Immerhin ergibt sich aus
dem aktenkundigen Verlustscheinregisterauszug, dass vor Einsitz des Beschul-
digten in die Gesellschaft als Geschäftsführer zumindest vier Betreibungsverlust-
scheine ausgestellt wurden (Urk. 2/3/2), die Gesellschaft offenbar bereits damals
finanziell nicht gut aufgestellt war, wobei die konkrete Vermögenslage wie bereits
ausgeführt ex post nicht eruiert werden kann. Auch dem Konkurserkenntnis lässt
sich lediglich entnehmen, dass das Konkursbegehren für mutmassliche Forder-
ungen gestellt wurde, in Bezug auf welche die Gesellschaft – gemäss Konkursbe-
gehren des Gläubigers – am 12. März 2011 in Verzug geraten sein soll, worauf
- 20 -
jedenfalls die Formulierung "nebst Zins zu 5% seit 12.03.2011" hindeutet (a.a.O.).
Daraus kann jedoch ohne das Vorliegen weiterer Unterlagen wie Verträgen oder
Rechnungen nicht zweifelsfrei geschlossen werden, dass diese – mutmasslichen
– Forderungen im inkriminierten Zeitraum entstanden sind. In diesem Zusam-
menhang ist auch zu beachten, dass der Schuldner in aller Regel durch einen se-
paraten, auf die Fälligkeit folgenden Schritt, durch Mahnung des Gläubigers in
Verzug gesetzt wird (Art. 102 Abs. 1 OR), wobei es dem Gläubiger anheimgestellt
ist, wann er mahnt. Mangels Vorliegens relevanter Unterlagen bestehen keinerlei
Anhaltspunkte bezüglich Zeitpunkt des Entstehens dieser mutmasslichen Forde-
rungen. Insgesamt lässt sich aus den wenigen aktenkundigen Unterlagen nicht
zweifelsfrei ableiten, dass sich die Vermögenslage im dem Beschuldigten zure-
chenbaren Zeitraum (erheblich) verschlimmert hat. Es ist auf die Angaben des
Beschuldigten abzustellen, wonach er die Gesellschaft bereits verschuldet über-
nahm und er selber (zumindest einen gewissen) Umsatz erzielte. Damit ist der
Sachverhalt in diesem Punkt nicht erstellt, womit der Beschuldigte vom Vorwurf
der Misswirtschaft im Zusammenhang mit der B._ GmbH freizusprechen ist.
4.10. Zusammenfassend ist der Beschuldigte vom Vorwurf der mehrfachen
Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB vollumfänglich freizusprechen.
5. Vorwurf der mehrfachen Unterlassung der Buchführung
5.1. Der Beschuldigte stellt zu Recht nicht in Abrede, in seiner Funktion als ein-
ziger Geschäftsführer der jeweiligen GmbH bzw. als einziger Verwaltungsrat der
jeweiligen AG für die Buchführung verantwortlich gewesen zu sein. Er bestreitet
jedoch den Vorwurf der mehrfachen Unterlassung der Buchführung und stellt sich
auf den Standpunkt, seinen Buchführungspflichten nachgekommen zu sein
(Urk. 13/1 F/A 178, Urk. 57 S. 7). Jedoch sei in sein Auto eingebrochen worden
und dabei seien sämtliche Unterlagen gestohlen worden (Prot. I S. 17-19,
Urk. 13/1 F/A 104, 118, 120). Sein Verteidiger bestätigte dazu vor Vorinstanz,
dass sich der Beschuldigte damals an ihn gewendet und ihn gebeten habe, ihm
zu helfen (a.a.O. S. 26).
- 21 -
5.2. Die Vorinstanz hat diesbezüglich die vorliegenden Beweise unter Bezug-
nahme auf die Vorbringen des Beschuldigten und dessen Verteidigung überzeu-
gend gewürdigt (Urk. 40, S. 15-22 E. III.3.3.-3.5.), weshalb auf diese Ausführun-
gen – mit der Einschränkung, dass die Einvernahmen in den Konkursverfahren
sowie sämtliche Aussagen des Beschuldigten, die aufgrund von Vorhalten seiner
in den Konkursverfahren getätigten Aussagen erfolgten, nur zugunsten aber nicht
zum Nachteil des Beschuldigten verwertbar sind (vgl. dazu E. II.3.3.) – vorab ver-
wiesen werden kann. Die nachfolgenden Erwägungen gehen teilweise rekapitulie-
rend und ergänzend noch einmal auf die wichtigsten Punkte ein, namentlich dort,
wo es zur Auseinandersetzung mit den Argumenten des Beschuldigten bzw. sei-
ner Verteidigung angezeigt erscheint.
5.3. Trotz der dem Schuldner bei Straffolge obliegenden Auskunfts- und Her-
ausgabepflicht im Konkursverfahren (Art. 222 Abs. 1 SchKG) reichte keine der
konkursiten Gesellschaften, vertreten durch den Beschuldigten, ihre Bücher dem
Konkursamt ein. Dies stellt ein gewichtiges Indiz dafür dar, dass keine Bücher
existieren. Auch im vorliegenden Verfahren sind keine Buchführungsunterlagen
aktenkundig.
5.4. Die Aussagen des Beschuldigten dazu sind widersprüchlich, inkonsistent,
lebensfremd und insgesamt nicht glaubhaft. So gibt er einerseits an, alles 100%
klar und sauber gemacht zu haben (Urk. 13/1 F/A 178). Andererseits kann er sich
nicht daran erinnern, in Bezug auf welche Gesellschaften er die Buchführung
tatsächlich gemacht hat (Prot. I S. 17, Urk. 13/1 F/A 105). Weiter gibt er an, dass
ihm ein Buchhalter behilflich gewesen sei, will sich aber partout nicht mehr daran
erinnern, um wen es sich dabei handelte (Urk. 13/1 F/A 107 f.). Im gleichen Zu-
sammenhang vermag auch seine Darstellung nicht zu überzeugen, wonach ihm
infolge eines Autodiebstahls sämtliche Buchführungsunterlagen endgültig ab-
handengekommen seien. Seinem Standpunkt folgend, wonach er einen Buchhal-
ter hatte, wäre es wohl möglich gewesen, die gestohlenen Unterlagen bei diesem
erhältlich zu machen und einzureichen.
5.5. Ganz abgesehen davon mutet es nicht zuletzt auch mit Blick auf die allge-
meine Sorgfaltspflicht in Bezug auf die Aufbewahrung der Geschäftsbücher und
- 22 -
Buchungsbelege gemäss Art. 5 GeBüV lebensfremd an, sämtliche Buchführungs-
unterlagen im Auto aufzubewahren. Kommt hinzu, dass es sicher hierbei um
handschriftlich verfasste Unterlagen hätte handeln müssen, würde der Beschul-
digte doch im Falle von Aufzeichnungen in elektronischer Form weiterhin über
diese verfügen. Dass die Buchführung heutzutage noch handschriftlich geführt
wird, ist sehr unwahrscheinlich und wird auch vom Beschuldigten nicht geltend
gemacht.
5.6. Gesamthaft gesehen lassen sich in den Aussagen des Beschuldigten keine
nachvollziehbare, konsistente Erklärung für die erstellte Indizienlage, dass keine
Buchführung gemacht wurde, demgegenüber aber klare Signale für unglaubhafte
Aussagen erkennen. Fehlen Anhaltspunkte für die Richtigkeit seiner entlastenden
Behauptungen, darf das Gericht in freier Beweiswürdigung zum Schluss kommen,
dessen Vorbringen seien unglaubhaft (vgl. hierzu statt Weiterer Urteile des
Bundesgerichts 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.4.4 [nicht publ. in
BGE 147 IV 176]; 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014 E. 4.4; 6B_453/2011 vom
20. Dezember 2011 E. 1.6 [nicht publ. in BGE 138 IV 47]).
5.7. Dass die Buchführungsunterlagen nicht vorliegen und das Fehlen einer
glaubhaften Erklärung dafür lassen keine vernünftigen Zweifel aufkommen, dass
der Beschuldigte betreffend die E._, die F._, die G._ AG, die
I._ GmbH und die H._ Ltd. keine Bücher im Sinne von Art. 957a ff. OR
geführt hat, obwohl er als einziger Geschäftsführer bzw. Verwaltungsrat dazu ver-
pflichtet war. Der zur Anklage gebrachte vorliegend zur Disposition stehende
Sachverhalt betreffend mehrfache Unterlassung der Buchführung ist damit er-
stellt.
5.8. Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung kann – mit der folgenden Ein-
schränkung – vollumfänglich auf die zutreffenden und einlässlichen Ausführungen
der Vorinstanz (Urk. 40 S. 27-30 E. II.4.2.1-4.2.5.) verwiesen werden. Den zuvor
dargelegten Aussagen des Beschuldigten lässt sich zweifelsfrei entnehmen, dass
ihm die ihm obliegende Buchführungspflicht bekannt war. Entsprechend handelte
er direktvorsätzlich im Sinne von Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB. In diesem Sinne ist
der Beschuldigte anklagegemäss zudem der mehrfachen Unterlassung der
- 23 -
Buchführung (betreffend die E._, die F._, die G._ AG, die I._
GmbH und die H._ Ltd.) schuldig zu sprechen.
III. Strafzumessung und Vollzug
1. Ausgangslage der Strafzumessung und Sanktionsart
1.1. Die Vorinstanz hat zunächst unter den Titeln anzuwendendes Recht,
Strafzumessungskriterien und retrospektive Konkurrenz zutreffende Ausführun-
gen gemacht (Urk. 40 S. 35-37 E. III.1.-3.), auf die entsprechenden Ausführungen
kann verwiesen werden. Weiter hat die Vorinstanz den Strafrahmen des Tatbe-
stands der Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB richtig ab-
gesteckt und das Vorgehen beim Vorliegen mehrerer Delikte (Art. 49 Abs. 1
StGB) zutreffend dargelegt (a.a.O. S. 37 f. E. III.4.), worauf ebenfalls verwiesen
sei. Ergänzend ist festzuhalten, dass die Deliktsmehrheit mangels Vorliegens be-
sonderer Umstände, die eine Strafschärfung rechtfertigen würde, innerhalb des
Strafrahmens zu berücksichtigen ist.
1.2. Weiter hat die Vorinstanz grundsätzlich zutreffende Ausführungen zur vor-
liegend angezeigten Sanktionsart gemacht (Urk. 40 S. 38 E. III.5.), worauf vorab
ebenfalls verwiesen sei. Die Vorinstanz beurteilte das Tatverschulden für die
mehrfache Unterlassung der Buchführung gemeinsam (a.a.O. S. 39 f. E. 7.). Ge-
mäss den methodischen Vorgaben des Bundesgerichts sind die einzelnen Taten
indes separat zu beurteilen und es ist in Anwendung der konkreten Methode in
Bezug auf jede Tat die angemessene Sanktionsart zu bestimmen (BGE 144 IV
313 E. 1.1.2 S. 317 f. und Urteile 6B_712/2018 vom 18. Dezember 2019 E. 3.1;
6B_1033/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 5.2 und 5.3; 6B_166/2019 vom 6. Au-
gust 2019 E. 3.2.4; 6B_409/2018 vom 7. Juni 2019 E. 2.3; 6B_884/2018 vom
5. Februar 2019 E. 1.2.2). Hält das Gericht im Rahmen der Gesamtstrafenbildung
für einzelne Delikte im konkret zu beurteilenden Fall unter Beachtung des Ver-
hältnismässigkeitsprinzips eine Geldstrafe nicht mehr für schuldadäquat und
zweckmässig, hindert Art. 41 Abs. 1 aStGB es nicht daran, auf Einzelfreiheitsstra-
fen von weniger als sechs Monaten zu erkennen, wenn die daraus zu bildende
Gesamtstrafe sechs Monate übersteigt (BGE 144 IV 217 E. 4.3 S. 239 f.).
- 24 -
1.3. Der Beschuldigte ist mehrfach vorbestraft und hat mehrmals während
laufender Probezeit delinquiert (Urk. 55). Weder die bedingt noch die unbedingt
ausgesprochenen Geldstrafen haben ihn nachhaltig beeindruckt, weshalb erheb-
liche Zweifel an der spezialpräventiven Wirkung einer Geldstrafe bestehen.
Vielmehr ist eine weitere Geldstrafe angesichts der Wirkungslosigkeit der bisher
ausgesprochenen Geldstrafen nicht zweckmässig und erscheint es bei separater
Beurteilung jeder Tat geboten, für jedes der begangenen Delikte je eine Freiheits-
strafe auszufällen, um den Beschuldigten von der Begehung weiterer Straftaten
abzuhalten.
2. Konkrete Strafzumessung
2.1. Tatkomponente
2.1.1. Hypothetische Einsatzstrafe: L._ LTD, ... [Ort] Zweigniederlassung Zü-
rich
Als schwerste Straftat erscheint vorliegend aufgrund des Deliktszeitraums die
Unterlassung der Buchführung betreffend die L._ LTD, ... [Ort] Zweignieder-
lassung Zürich. Entsprechend ist dafür eine Einsatzstrafe festzusetzen. In Bezug
auf die objektive Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte am tt. August
2014 als einziger Geschäftsführer in die Gesellschaft Einsitz nahm und er diese
Organstellung bis heute innehält. Der Beschuldigte unterliess die Buchführung
gänzlich, was von einer nicht zu unterschätzenden kriminellen Energie zeugt. Die
finanzielle Lage der Gesellschaft ist dadurch für die Gläubiger völlig unklar. Ob
sich dies indes zum Nachteil der Gläubiger auswirkte, lässt sich nicht eruieren.
Das objektive Tatverschulden ist daher im mittleren Bereich des untersten Drittel
des Strafrahmens anzusiedeln. In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte
mit direktem Vorsatz. Er unterliess die Buchführung bewusst im Wissen um die
ihm obliegenden Pflichten. Der Beschuldigte handelte somit überlegt. Das subjek-
tive Verschulden vermag die objektive Tatschwere insgesamt weder zu erhöhen
noch zu relativieren. Aufgrund der Tatumstände erscheint eine Einsatzstrafe im
unteren Bereich des untersten Drittel des Strafrahmens, konkret von vier Monaten
Freiheitsstrafe, als angemessen.
- 25 -
2.1.2. Asperation: mehrfache Unterlassung der Buchführung betreffend die
E._, die F._, die G._ AG, die I._ GmbH, die J._ GmbH,
die K._ LTD und die H._ Ltd
Weil sich die Vorgehensweisen des Beschuldigten betreffend die einzelnen Ge-
sellschaften nicht voneinander unterscheiden, beziehen sich die nachfolgenden
Ausführungen zur Tatkomponente auf sämtliche weiteren Delikte. In objektiver
Hinsicht kann ergänzungslos auf das zuvor Gesagte verwiesen werden (vgl. Ziff.
III.2.1.1.). Subjektiv liegt direkter Vorsatz vor. Das Motiv ist egoistischer Natur.
Soweit der Beschuldigte diese Gesellschaften zweiter Hand erwarb und ihm de-
ren finanzielle Situation nicht vollumfänglich bekannt war, kann er daraus zu sei-
nen Gunsten nichts ableiten, zumal es in diesem Fall an ihm gewesen wäre, sich
die nötigen Informationen bzw. Geschäftsbücher zu beschaffen. Das subjektive
Verschulden vermag die objektive Tatschwere weder zu erhöhen noch zu relati-
vieren. Aufgrund der Tatumstände erscheint für jedes Delikt eine Einzelstrafe von
vier Monaten Freiheitsstrafe als angemessen. Im Ergebnis rechtfertigt es sich, für
jedes der weiteren sieben Delikte die hypothetische Einsatzstrafe um je zwei Mo-
nate zu erhöhen. Daraus resultiert eine Erhöhung der aufgrund des schwersten
Delikts festgesetzten hypothetischen Einsatzstrafe um insgesamt 14 Monate.
2.1.3. Zwischenfazit
In Anbetracht der Tatkomponenten erweist sich – in Anwendung des Aspera-
tionsprinzips – eine Einsatzstrafe von insgesamt 18 (4 + 14) Monaten Freiheits-
strafe als angemessen.
2.2. Täterkomponente und weitere Aspekte
In Bezug auf die persönlichen Verhältnisse, das Vorleben und Nachtatverhalten
des Beschuldigten kann vorab auf die Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil
verwiesen werden (Urk. 40 S. 40 f. E. III.8.). Ergänzend ist in diesem Zusammen-
hang zu den aktuellen persönlichen Verhältnissen festzuhalten, dass der Be-
schuldigte inzwischen zusätzlich zur AHV-Rente Ergänzungsleistungen erhält
(Urk. 57 S. 2). Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten wirken sich straf-
- 26 -
zumessungsneutral aus. Das Teilgeständnis des Beschuldigten (betreffend die
J._ GmbH, die K._ LTD und die L._ LTD, ... [Ort], Zweig-
niederlassung Zürich) ist strafmindernd zu berücksichtigen. Die zahlreichen –
wenn auch nicht einschlägigen – Vorstrafen fallen demgegenüber straferhöhend
ins Gewicht. Die straferhöhenden Faktoren (Vorstrafen) überwiegen, weshalb es
sich rechtfertigt, die Einsatzstrafe um zwei Monate auf 20 Monate Freiheitsstrafe
zu erhöhen.
Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, weshalb vorliegend kein Raum für eine
Strafreduktion infolge – teilweise – langer Zeitspanne zwischen der Tat und der
Verurteilung besteht (Urk. 40 S. 41 E. III.9.). Auf die entsprechenden Ausführun-
gen kann ergänzungslos verwiesen werden.
2.3. Zusatzstrafe für die Straftaten vor dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Zürich-Sihl vom 25. April 2018
Aufgrund der retrospektiven Konkurrenz zwischen dem Strafbefehl der Staatsan-
waltschaft Zürich-Sihl vom 25. April 2018 und heute zu beurteilenden Straftaten
(mit Ausnahme derjenigen betreffend die J._ GmbH, der K._ LTD und
der L._ LTD, ... [Ort], Zweigniederlassung Zürich) ist in Anwendung von Art.
49 Abs. 2 StGB die heute auszufällende Strafe teilweise als Zusatzstrafe zum ge-
nannten Strafbefehl auszusprechen. In Gesamtbetrachtung des Grunddelikts und
der dafür ausgefällten Strafe von 90 Tagen Freiheitsstrafe und der aus den obi-
gen Erwägungen resultierenden Strafe für die heute zu beurteilenden Straftaten
erscheint unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips eine hypothetische Ge-
samtstrafe von 21 Monaten Freiheitsstrafe, mithin eine teilweise Zusatzstrafe zum
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom der Staatsanwalt-
schaft Zürich-Sihl vom 25. April 2018 in der Höhe von 18 Monaten Freiheitsstrafe
angemessen.
2.4. Ergebnis
Aufgrund aller relevanten Strafzumessungsgründe erwiese sich in Anwendung
des Asperationsprinzips und Würdigung aller objektiven und subjektiven Kompo-
- 27 -
nenten der begangenen Straftaten sowie in Berücksichtigung der Täterkomponen-
ten eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, teilweise als Zusatzstrafe zu der mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 25. April 2018 ausgefällten
unbedingten Freiheitsstrafe von 90 Tagen als angemessen. Da indes eine höhere
Bestrafung in Beachtung des Verschlechterungsverbotes ausser Betracht fällt, ist
die vorinstanzliche Strafe von 16 Monaten Freiheitsstrafe zu bestätigen.
3. Vollzug
Der Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren
ist gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB aufzuschieben, wenn eine unbedingte Strafe nicht
notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder
Vergehen abzuhalten. Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der
Tat zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als sechs Mo-
naten verurteilt, so kann der Vollzug der Strafe jedoch gemäss Art. 42 Abs. 2
StGB nur aufgeschoben werden, wenn besonders günstige Umstände vorliegen.
Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 40 S. 42 E. IV 2.) wurde der Be-
schuldigte innerhalb der letzten fünf Jahre vor den Taten nicht zu einer Freiheits-
strafe von mehr als sechs Monaten verurteilt, weshalb die günstige Prognose
grundsätzlich vermutet wird. Der Beschuldigte ist vorliegend zu einer Freiheits-
strafe von 16 Monaten zu verurteilen, weshalb die objektiven Voraussetzungen für
den Strafaufschub erfüllt sind. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der
Beschuldigte zahlreiche, wenn auch nicht einschlägige, Vorstrafen aufweist. Er
delinquierte schon mehrfach während laufender Probezeit, wobei sich dieses
Verhalten auf ausgefällte Geldstrafen beschränkte. Der Beschuldigte wurde erst
einmal – mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft vom 25. April 2018 – mit einer
kurzen (unbedingten) Freiheitsstrafe belegt, wobei diese (überwiegend) nach Be-
gehung der vorliegend zu beurteilenden Taten ausgesprochen wurde, weshalb sie
nicht massgeblich zuungunsten des Beschuldigten ins Gewicht fällt. Mit der Vo-
rinstanz (a.a.O. S. 42 E. IV. 3.) ist festzuhalten, dass der Beschuldigte nach der
Ausfällung der genannten Freiheitsstrafe nicht erneut verurteilt wurde. Bedenken
in Bezug auf die Legalprognose weckt indes der Umstand, dass der Beschuldigte
mit der K._ LTD und der L._ LTD, ... [Ort], Zweigniederlassung Zürich
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nach wie vor aktiv ist. Insgesamt und mit Blick auf das anzuordnende
Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 Abs. 1 StGB (vgl. dazu nachfolgend unter
E. IV.) ist – mit der Vorinstanz (a.a.O. S. 42 f. E. IV. 3.) – dem Beschuldigten noch
knapp eine günstige Prognose zu attestieren und der Vollzug der Freiheitsstrafe
aufzuschieben. Den Bedenken in Bezug auf die Legalprognose ist mit der An-
setzung einer Probezeit von vier Jahren Rechnung zu tragen.
IV. Tätigkeitsverbot
Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen für die Anordnung eines Tätigkeits-
verbots im Sinne von Art. 67 Abs. 1 StGB zutreffend wiedergegeben und sich
differenziert und zutreffend mit den Voraussetzungen auseinandergesetzt (Urk. 40
S. 44-47 E. VI.), auf die entsprechenden Ausführungen kann vorab verwiesen
werden. Einschränkend ist zu erwähnen, dass der Beschuldigte zwischenzeitlich
immerhin noch mit der K._ LTD und der L._ LTD, ... [Ort], Zweignieder-
lassung Zürich, aktiv ist. Insbesondere ist festzuhalten, dass dem Beschuldigten
hinsichtlich Delikte im Zusammenhang mit der Führung von Gesellschaften auf-
grund seines Aussageverhaltens und dem Umstand, dass er von der Geschäfts-
führung obengenannter Gesellschaften trotz Fehlens von Buchhaltungsunterlagen
bis heute nicht Abstand genommen hat, eine negative Prognose zu stellen ist.
Insgesamt erscheint das von der Vorinstanz angeordnete Tätigkeitsverbot im Sin-
ne von Art. 67 Abs. 1 StGB für eine Dauer von fünf Jahren geeignet, der Gefahr
weiterer Verstösse gegen die Buchführungspflichten zu begegnen, und auch ver-
hältnismässig – insbesondere da der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung
selber ausführte, künftig keine "Geschäfte" mehr zu tätigen (Urk. 57 S. 7), wes-
halb ihn ein Tätigkeitsverbot auch nicht belastet – weshalb es zu bestätigen ist.
V. Kosten
1. Vorinstanzliches Verfahren
Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten der Untersuchung und des erst-
instanzlichen Verfahrens zu einem Drittel dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu
zwei Dritteln auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Vertei-
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digung sind zu einem Drittel einstweilen und zu zwei Dritteln definitiv auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im Umfang
des einstweilen auf die Gerichtskasse genommenen Drittels bleibt gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.
2. Berufungsverfahren
Die Gerichtsgebühr ist praxisgemäss auf Fr. 3'000.– festzusetzen. Die Kosten des
Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder
Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte obsiegt, soweit er einen
Freispruch vom Hauptvorwurf der mehrfachen Misswirtschaft verlangt. Im Übrigen
(in Bezug auf den zur Disposition stehenden Schuldspruch der mehrfachen Unter-
lassung der Buchführung, die Strafe und das Tätigkeitsverbot) unterliegt er. Diese
Ausgangslage gewichtend rechtfertigt es sich, die Kosten des Berufungsverfah-
rens zu einem Drittel dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu zwei Dritteln auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind zu einem
Drittel einstweilen und zu zwei Dritteln definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Rückzahlungspflicht der Beschuldigten im Umfang des einstweilen auf die
Gerichtskasse genommenen Drittels bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbe-
halten.
Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X._, reich-
te an der Berufungsverhandlung seine Honorarnote mit der Auflistung seiner Auf-
wendungen und Auslagen im Berufungsverfahren ein (Urk. 59). Das Verfahren
bot keine besonderen tatsächlichen und/oder rechtlichen Schwierigkeiten. Zudem
ist zu berücksichtigen, dass der Verteidiger den Grossteil seiner Argumente be-
reits vor Vorinstanz vorbrachte, weshalb diese durch ihn nicht neu erarbeitet wer-
den mussten. Unter zusätzlicher Berücksichtigung des zeitlichen Aufwandes für
die Dauer der Berufungsverhandlung und eines angemessen erscheinenden zeit-
lichen Aufwandes für die Nachbesprechung des vorliegenden Entscheides mit
dem Beschuldigten erscheint es angemessen, Rechtsanwalt lic. iur. X._ für
das Berufungsverfahren mit pauschal Fr. 5'000.– (inkl. MwSt.) zu entschädigen.
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