Decision ID: 44c79227-aa2d-433f-9ed3-74f789122ad5
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
Der Regierungsrat des Kantons Zürich erliess am 24. August 2020 die als befristeten Erlass konzipierte Verordnung über Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie (V Covid-19; LS 818.18) und änderte und verlängerte diese in der Folge mehrfach.
Mit Beschluss vom 15. April 2021 verlängerte der Regierungsrat die Geltungsdauer der V Covid-19 bis zum 31. Mai 2021 und änderte (unter anderem) die Verordnungsbestimmung betreffend Kundgebungen und Unterschriftensammlungen im öffentlichen Raum (§ 7 V Covid-19) per 19. April 2021 im Wesentlichen dahingehend, dass derartige Veranstaltungen fortan (nurmehr) mit mehr als 100 Personen (bisher 15 Personen) verboten sind (RRB Nr. 411/2021; OS 76, 113; ABl 2021-04-16). Die Rechtsmittelfrist gegen die Verordnungsänderung und die Verlängerung der Geltungsdauer verkürzte er auf zehn Tage und entzog dem Lauf der Beschwerdefrist und der Einreichung einer Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
II.
Mit vom 12. Mai 2021 datierender, am 17. Mai 2021 der Post übergebener Eingabe erhob A gegen den regierungsrätlichen Beschluss vom 15. April 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte, § 7 V Covid-19 aufzuheben, eventuell dessen Unvereinbarkeit mit übergeordnetem Recht festzustellen. Zudem sei festzustellen, dass die Verkürzung der Beschwerdefrist auf zehn Tage nicht rechtmässig erfolgte und deshalb unbeachtlich sei, eventuell sei die Frist wiederherzustellen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Der Einzelrichter

erwägt:
1.
1.1
Das Verwaltungsgericht ist gemäss § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. d und Abs. 2 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG; LS 175.2) sowie Art. 79 Abs. 2 der Kantonsverfassung vom 27. Februar 2005 (KV; LS 101) zuständige (einzige kantonale) Instanz für die Beurteilung von Beschwerden gegen regierungsrätliche Verordnungen.
1.2
Wie noch zu zeigen sein wird, erweist sich die Beschwerde wegen verpasster Rechtsmittelfrist als offensichtlich unzulässig, weshalb die Sache gemäss § 38b Abs. 1 lit. a VRG vom Einzelrichter zu behandeln ist (zur gegebenen Einzelrichterkompetenz auch bei Erlassbeschwerden: Martin Bertschi in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. A., Zürich etc. 2014 [Kommentar VRG], § 38a N. 11 und § 38b N. 2). Liegt – wie hier – kein im Sinn von § 56 VRG verbesserungsfähiger Mangel vor, erübrigt sich das Ansetzen einer Nachfrist. Die Sache ist ohne Beizug von Akten (§ 57 Abs. 1 VRG) oder Einholung einer Vernehmlassung gemäss § 58 VRG zu erledigen (Marco Donatsch, Kommentar VRG, § 56 N. 25).
2.
2.1
Nach § 53 in Verbindung mit § 22 Abs. 1 VRG ist die Beschwerde – von hier nicht interessierenden Ausnahmen abgesehen – innert 30 Tagen bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen. Bei besonderer Dringlichkeit kann die "anordnende Behörde" die Rekursfrist bis auf fünf Tage abkürzen (§ 22 Abs. 3 VRG). Diese Fristenordnung gilt auch für das Verfahren der Erlassanfechtung (vgl. Alain Griffel, Kommentar VRG, § 22 N. 10 und § 53 N. 5). Die abstrakte Normenkontrolle kann damit im Kanton Zürich – wie in den meisten übrigen Kantonen mit Erlassanfechtungsverfahren – nicht jederzeit, sondern nur innert der von der kantonalen Gesetzgebung vorgesehenen Frist verlangt werden (vgl. Andreas Auer, Staatsrecht der schweizerischen Kantone, Bern 2016, S. 614 f.; Arnold Marti, Abstrakte Normenkontrolle, Klageverfahren und weitere besondere Verfahren, in: Alain Griffel/Tobias Jaag [Hrsg.], Reform der Zürcher Verwaltungsrechtspflege, Zürich/St. Gallen 2010, S. 113; Ralph David Doleschal, Die abstrakte Normenkontrolle in den Kantonen, Zürich etc. 2019, S. 710 ff.). Daran ändert nichts, dass das Verwaltungsgericht jüngst auch die Anfechtung einer unverändert (fort-)geltenden Bestimmung der V Covid-19 zuliess, bildete doch in jenem Fall der Verlängerungsbeschluss Anfechtungsobjekt und wurde dagegen fristgerecht Beschwerde erhoben (vgl. VGr, 29. April 2021, AN.2021.00003, E. 1.3). Auch das Absehen vom Erfordernis des aktuellen Rechtsschutzinteresses im Entscheidzeitpunkt in derlei Konstellationen (AN.2021.00003, E. 1.4 mit weiteren Hinweisen) setzt ein fristgerecht erhobenes Rechtsmittel voraus.