Decision ID: ce969de3-ad39-4f3f-bec5-ca6c8933ac6f
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1970
, meldete sich am
13. Juni 2002
unter Hinweis auf
Nackenschmerzen, Taubheit in den Armen und Händen, Rückenschm
erzen, Nasenbluten und sonstige diffuse
Schmerzen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle,
verneinte mit
Einspra
cheentscheid
vom 4. Februar 2003
mangels Vorliegen
s
eines invalidisierenden Gesundheitsschadens einen
Leistungsan
-
spruch des Versicherten
(Urk.
6/21
).
1.2
Am 15. Oktober 2013 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an
(Urk. 6/31). Nachdem der Versicherte Arztberichte eingereicht hatte (Urk. 6/36), klärte die IV-Stelle die medizinische und erwerbliche Situation ab (Urk. 6/38-40, Urk. 6/43, Urk. 6/45).
Nach durchgeführtem
Vorbes
cheidverfah
ren
(Urk. 6/47
; Urk.
6/48-49, Urk. 6/56-57
)
wies
sie
das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
13. Januar 2015 erneut ab
(Urk.
6/59
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
18. Februar 2015
Beschwerde gegen die Verfügung vom
13. Januar 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm ab 1. April 2014 mindestens eine halbe Rente zuzusprechen. Eventuell sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie den medizinischen Sach
verhalt rechtskonform abkläre und hernach erneut entscheide.
Subeventualiter
sei die IV-Stelle zu verpflichten, den Anspruch auf berufliche Massnahmen zu prüfen (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
17. März 2015
(Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
3. Juni 2015
zur Kenntnis gebracht (Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
), so ist im
Beschwerdeverfah
ren
zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch re
levante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass seit der letzten Verfügung vom 6. Januar 2003 (richtig:
Einsprache
entscheid
vom 4. Februar 2003) ein unverändertes Störungsbild vorliege ohne wesentliche invalidenversicherungsrechtliche Verschlechterung (S. 1). Da keine Invalidität vorliege, bestehe auch kein Anspruch auf Eingliederungsmassnah
men (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin sodann aus, im Gutach
ten der Ärzte der
Y._
sei ausdrücklich fest
gehalten worden, dass das emotional instabile Verhaltensmuster seit dem 7. Le
bensjahr bestehe und sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in Anbetracht des Krankheitsverlaufs seit Beginn der Aktenaufzeichnung am 28. November 2000 nicht erheblich verschlechtert habe, sondern stationär geblieben sei (Urk. 5 S. 2
Ziff.
2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Stand
punkt (Urk. 1),
sein
Gesundheitszustand habe sich im Vergleich zum letz
ten rentenabweisenden Entscheid verschlechtert (S. 4 oben).
Ihm sei aus neuro
logischer Sicht höchstens noch ein Arbeitspensum von 20 bis 30 % zumutbar (S. 4 Ziff. 2.1).
G
estützt auf das Gutachten der Ärzte der
Y._
vom
12. September 2014 sei eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 % ausgewiesen (S. 5 f.
Ziff.
2.2 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch zu Recht verneinte.
Zu klären ist
, ob eine revisionsrelevante Veränderung der tat
sächlichen Verhältnisse eingetreten ist, welche nunmehr einen rentenrelevanten Invaliditätsgrad von mindestens 40 % zur Folge hätte. Diese Frage beurteilt sich durch einen Vergleich der Verhältnisse im
Zeitpunkt des
rentenablehnenden
Einspracheentscheids
vom
4
.
Februar
20
03
mit den Verhältnissen im Zeitpunkt der strittigen Verfügung.
3.
3.1
Dem
Einspracheentscheid
vom 4. Februar 2003 lagen die folgenden Arztberichte zugrunde:
3.2
Nachdem die Ärzte der
Y._
drei ausführliche Abklärungsgespräche mit dem Beschwerdeführer
geführt hatte
n, stellten sie mit Bericht vom 1. Februar 2002 (Urk. 6/13/4-6) als Diagnose eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.23) mit de
pressiven Gefühlen sowie autoaggressiven Impulsen und einen Verdacht auf eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0) fest (S. 1 Mitte).
Der Beschwerde
führer leide unter chronischen, rezidivierenden Schmerzen im Bereich der lin
ken Schulter, des linken Armes sowie des Nacken
s
und des Kopfes. Sodann habe er fast täglich Kopfschmerzen und leide unter Gefühllosigkeit im gesamten lin
ken Arm (S. 1 unten).
Seit er die Schmerzen habe, fühle er sich seelisch nicht mehr so belastbar, sei häufig nervös und habe seit einiger Zeit gelegentlich autoaggressive Impulse, während denen er sich Schnittverletzungen am rechten und linken Arm zugezogen habe. Manchmal spüre er auch fremdaggressive Im
pulse und ziehe sich dann nach Hause zurück (S. 2 oben).
Die Ärzte hielten fest, beim Beschwerdeführer habe sich in den letzten vier Jah
ren eine chronische Schmerzsymptomatik entwickelt. Die in den letzten Mona
ten auftretenden autoaggressiven Impulse, die leicht depressive Stimmungslage, die Schlafstörung sowie die Nervosität seien im Rahmen einer
Anpassungsstö
rung
aufgrund der schwierigen Scheidung zu sehen. Eine psychotherapeutische Behandlung lehne er strikt ab (S. 3).
3.3
Mit Bericht vom 13. August 2002 (Urk. 6/12/5-7; vgl. auch
Bericht vom 16. März 2001, Urk. 6/13/12-14, sowie vom 5. Dezember 2001, Urk. 6/13/7-9
) diagnostizierten die Ärzte der Rheumaklinik des
Z._
ein chronisches
zervikospondylogenes
Syndrom und übernahmen die Di
agnosen der Ärzte der
Y._
(S. 1
lit
. A). Aus rheumatologischer Sicht sei der Be
schwerdeführer voll arbeitsfähig (S. 1 Mitte sowie
lit
. B).
3.4
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nahm am 11. November 2002 zur Krankengeschichte und zur fehlenden
Behand
lungsmotivation
des Beschwerdeführers Stellung und führte insbesondere aus, er habe bei den durchgeführten Untersuchungen keinen pathologischen Befund feststellen können (Urk. 6/13/3).
3.5
Laut Bericht von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medi
zin und
für
Rheumatologie, war der Beschwerdeführer aufgrund eines
Zer
vikalsyndroms
bei
Ch
ondrose
C4-C6 für eine Konsultation bei ihm vorstellig. Danach sei er nicht mehr erschienen. Eine Arbeitsunfähigkeit habe er nicht at
testiert (Bericht vom 29. November 2002, Urk. 6/14).
4.
4.1
Seit dem rentenablehnenden
Einspracheentscheid
vom
4. Februar 2003
finden sich in den Akten folgende Arztberichte:
4.2
Mit Bericht vom 12. Mai 2009 (Urk. 6/36/9-11)
führten
die Ärzte der
Rheu
-
makli
nik
des
Z._
aus, der Beschwerdeführer
klage
über seit vielen Jahren bestehende Nackenschmerzen. Zudem seien im letzten halben Jahr zusätzlich fast täglich
zervikozephale
Schmerzen mit Schmerzmaximum in sitzender
Ru
heposition
hinzugekommen. Er habe auch Lumbalgien erwähnt. Weiter werde er durch vor allem
postbrandiale
epigastrische
Schmerzen, teils mit Erbrechen, ge
stört. Die Schmerzen würden ein regelmässiges Training nach seinen Angaben verhindern (S. 1 unten).
Nach Darlegung der Ärzte bestehe ein rezidivierend auftretendes, ondulierendes panvertebrales Schmerzsyndrom. Aktuell stehe das
lumbovertebrale
bis mög
licherweise
lumbospondylogene
Schmerzsyndrom im Vordergrund
. In der kli
nischen Untersuchung sei
en
eine
Entlordosierung
der Lendenwirbelsäule (LWS), ein positiver
Quatrantentest
rechts ausgeprägter als links und eine deutlich schmerzbedingte Bewegungseinschränkung der LWS aufgefallen. Die konventi
onell-radiologische Beurteilung der LWS habe keine wesentlichen pathologi
schen Befunde gezeigt. Unter der physiotherapeutischen Mobilisation sei eine deutliche Besserung eingetreten. Grundsätzlich sei nun ein Übergang in eine MTT geplant gewesen, was jedoch abgebrochen worden sei, da der Beschwer
deführer dies nicht
ge
woll
t habe
(S. 2 unten).
4.3
Am 15. April 2013 wurde der Beschwerdeführer von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie, untersucht (Bericht vom 17. April 2013, Urk. 6/36/3-6).
Dieser stellte folgende Diagnosen (S. 1):
episodisch rezidivierende, links
fronto
-temporal betonte,
migräniforme
Kopfschmerzen
nach einem Schädel-Hirn-Trauma im Alter von sieben Jahren mit pe
netrierender Verletzung frontal links aufgetreten, in den letzten Jah
ren deutlich progredient und
chronifiziert
frontal betonte neurokognitive Einbusse mit Konzentrationsstörungen, Lernschwierigkeiten, Antriebsstörungen (Apathie und Impulsivität), Stimmungsschwankungen mit depressiven Zügen, reduzierter körperli
cher und intellektueller Leistungsfähigkeit
am ehesten gemischter Genese; Verdacht auf hirnorganische frontale Komponente bei Status nach Schädel-Hirn-Trauma mit penetrierender Verletzung frontal links
funktionell-somatoforme Komponente bei depressiver Entwicklung
chronifiziertes
panvertebrales Schmerzsyndrom
Seit dem Unfall im Kindesalter leide der Beschwerdeführer an Kopfschmerzen, welche sich in den letzten sechs bis sieben Jahren und noch deutlicher und häufiger in den letzten zwei Jahren zugespitzt hätten (S. 2 Ziff. 1). Ebenfalls seit dieser Hirnverletzung sei ein gewisser Grad an Lernschwierigkeiten und
Kon
zentrationsstörungen
bekannt, welche sich in den letzten Jahren mit den häufi
gen Kopfschmerzepisoden ebenfalls weiter zugespitzt hätten (Ziff. 2).
Dr.
C._
führte aus, beim Beschwerdeführer würde ein komplexes
Be
-
schwerde
bild
bestehen, das durch zwei im Vordergrund stehende
Kernkom
plexe
charakterisiert sei: Einerseits mit den
chronifizierten
Kopfschmerzepiso
den
und andererseits mit multimodalen neurokognitiven Einbussen sowie Stimmungs-, Antriebs- und Verhaltensauffälligkeiten nach einer penetrierenden
Schä
-
delverletzung
mit mehrwöchigem Komazustand im Alter von sieben Jahren
(S. 3 Mitte
; vgl. auch Verlaufsbericht vom 15. September 2013, Urk. 6/36/7-8
).
4.4
Im Verlaufsbericht vom 24. Juni 2013 erwähnte
Dr.
C._
, dass das durchge
führte MRI des Schädels
einige T2-hyperintense,
subcorticale
, kleine Signalstö
rungen gezeigt habe. Diese seien als unspezifisch zu betrachten und in Anbe
tracht des klinischen Hintergrundes eventuell in einem posttraumatischen Kon
text
stehe
n
d
. Die im radiologischen Bericht erwähnte
entzündlich-demyelinisie
re
nde
Differentialdiagnose (DD) sei nach seiner Beurteilung unwahrscheinlich. Weitere vertiefende Abklärungen in diese Richtung seien nicht durchzuführen (Urk. 6/36/1 unten).
Die bisherige Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit (unter geschützten Bedingungen, mit niedriger körperlicher
Belastung, der Möglichkeit, die Tätigkeit relativ frei nach Ausmass der Be
schwerden zu gestalten und Pausen einzuschalten, abwechselnd sitzend und stehend und ohne bedeutende körperliche/intellektuelle Anforderungen, ohne „stresserzeugende“ Verantwortung, ohne Hektik und psychischen Druck) sei ihm theoretisch in einem Pensum von 20 bis 30 % zumutbar (Bericht vom 3. März 2014, Urk. 6/39/5-6 Ziff. 1.7).
4.5
Seit November 2012 ist der Beschwerdeführer bei
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, monatlich in Behandlung (Bericht vom 28. Februar 2014, Urk. 6/38/2-5 Ziff. 1.2 und Ziff. 1.5). Als Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
dies
er einen Verdacht auf eine affek
tive Störung bei langdauernder Arbeitslosigkeit, chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F33.8), DD Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2; Ziff. 1.1). Aktuell vor
herrschend seien die starken Kopfschmerzen (Ziff. 1.4)
. Nebst der
aktuellen
Me
dikation könne keine weitere Therapie angeboten werden. Physiotherapie und MTT lehne er ab. Er habe den Beschwerdeführer ermutigt, nochmals mit dem Psychiater in Kontakt zu treten (Ziff. 1.5).
Vom
3.
bis 22. Januar 2014 sei aufgrund einer Infiltration eine Arbeitsunfähig
keit von 100 % gegeben gewesen, ansonsten habe er niemals eine Arbeitsunfä
higkeit attestiert (Ziff. 1.6). Eine 50%ige Arbeitsfähigkeit sei seiner Ansicht
nach
sicher gegeben, wobei der Wille zur Arbeit ein anderes Thema sei (Ziff. 1.4 Prognose).
4.6
Am 12. September 2014 berichteten die Ärzte der
Y._
über die vertrauensärztli
che Untersuchung vom 30. Juni 2014 (Urk. 6/56
/1-11
).
Der Beschwerdeführer gab gegenüber den Ärzten an,
er leide
seit seinem Unfall im siebten Lebensjahr zunehmend an Aggressivität und Impulsdurchbrüchen. Inzwischen fürchte er sich vor seinen unkontrollierten Wutausbrüchen und ziehe sich sozial zurück. Frauen könne er als Autoritätsperson
nicht
akzeptieren. Er reagiere ihnen ge
genüber rasch aggressiv und werde unberechenbar (S. 3 unten).
Weiter sei er täglich von Kopf- und Rückenschmerzen geplagt (S. 4 oben).
In ihrer Beurteilung führten die Ärzte aus, die diagnostischen Kriterien für eine schwere emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10 F60.30) seien erfüllt: Das emotional instabile Verhaltensmuster mit man
gelnder Impulskontrolle und Ausbrüchen von gewalttätigem und bedrohlichem Verhalten beginne in der Kindheit. Es zeige sich als starre Reaktion auf unter
schiedliche persönliche und soziale Lebenslagen und -belastungen und führe zu negativen Konsequenzen für den Beschwerdeführer und sein Umfeld (S
. 9 un
ten).
In Anbetracht des Krankheitsverlaufs habe sich der Gesundheitszustand seit Beginn der Aktenaufzeichnung am 28. November 2000 nicht erheblich ver
schlechtert, sondern sei stationär geblieben: Sowohl die angegebenen Schmer
zen als auch die gestörte Impulskontrolle und die rasche Reizbarkeit seien gleich geblieben. Persönlichkeitsstörungen seien erfahrungsgemäss schwierig zu be
handeln. Es sei jedoch vorstellbar, dass sich der Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers bezüglich der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung durch eine Pharmakotherapie günstig beeinflussen lasse (S. 10 oben).
Im letzten Arbeitsprojekt habe der Beschwerdeführer problemlos zu 50 % als Hausmeister in einer Schule gearbeitet und er hätte diese Tätigkeit gerne fort
geführt. Eine solche angepasste Tätigkeit in einem wohlwollenden Umfeld sei unter der beschriebenen Pharmakotherapie in einem 50 %-Pensum möglich (S. 10 Mitte).
Die im Rahmen der Begutachtung durchgeführte neuropsychologische Abklä
rung (Urk. 6/56/12-23) ergab nicht quantifizierbare und nicht ausreichend
vali
dierbare
neurokognitive Störungen (S. 9 ff.).
5.
5.1
Die seit dem rentenablehnenden Entscheid vom 4. Februar 2003 erstatteten ärztli
chen Berichte lassen im Wesentlichen auf einen unveränderten Gesund
heitszustand schliessen.
Sowohl damals wie aktuell
machte
der Beschwerdeführer dieselben
gesund
-
heitli
chen
Probleme
geltend
: Er klagte über chronische Schmerzen im Bereich des Kopfes, Nackens, der linken Schulter und des linken Armes, sei psy
chisch nicht belastbar und leide an einer gestörten Impulskontrolle (vgl. vorste
hend E. 3.2 und E. 4.2
ff.
). Ebenfalls wurden Rückenprobleme damals wie aktu
ell festgehalten (vgl. vorstehend E. 3.3 ff.
und E. 4.2
).
Die vertrauensärztliche Untersuchung bei den Ärzten der
Y._
ergab denn auch, dass der psychische Gesundheitszustand seit dem Jahr 2000 stationär geblieben ist (vorstehend E. 4.6). Aus somatischer Sicht
wurden normale bildgebende Befunde erhoben (Urk. 6/36/10 unten sowie vorstehend E. 4.4).
Dementsprechend
stellt
die von
den
Ärzten
der
Y._
sowie von
Dr.
C._
beur
teilte Arbeitsunfähigkeit
lediglich eine - revisionsrechtlich nicht zu berücksich
tigende (vgl. E. 1.3) -
andere Beurteilung desselben Sachverhaltes dar.
Bezüglich der Beurteilung von
Dr.
C._
bleibt anzumerken
,
dass diese
auf
grund der Erfahrungstats
ache
, dass behandelnde Arztpersonen mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten
ihrer Patientinnen und Patienten aussagen
,
zu relativieren
ist
(BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Im Übrigen ist auffallend, dass der Beschwerdeführer, obwohl er über psychi
sche Probleme klagt, bisher k
eine psychiatrische Therapie durchgeführt
hat
(vgl. Urk. 6/38/3 Ziff. 1.5, Urk. 6/45, Urk. 6/56/5 unten)
,
und Therapievorschläge der Ärzte
konsequent ablehnt
(vorstehend E. 4.2 und 4.5)
was gegen einen hohen Leidensdruck spricht.
5.2
Nach dem Gesagten liegt
– sofern mit Blick auf die diversen Diskrepanzen (vgl. Urk. 6/56/6,16,21) den vorgenannten Berichten überhaupt zu folgen wäre - je
denfalls
eine
unbeachtliche Neubeurteilung desselben Sachverhaltes vor, wes
halb die Beschwerdegegnerin einen Leistungsanspruch zu Recht verneint hat. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.