Decision ID: de25b094-1dcc-4f5d-8b57-0af6cc84fe98
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit dem 13. November 1979.
Zusätzlich ist er seit dem 13. November 1979 für die Kategorie BE sowie die
Unterkategorien A1, D1 und D1E fahrberechtigt. Am Montag, 24. April 2019, 13.36 Uhr,
fuhr X mit seinem Personenwagen innerorts auf der Letzistrasse in St. Gallen. Dabei
überschritt er die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h um 29 km/h (nach
Sicherheitsabzug von 3 km/h).
Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts St. Gallen vom 24. Juni 2019 wurde X nach
dieser Geschwindigkeitsübertretung wegen grober Verkehrsregelverletzung schuldig
gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 60.– sowie
zu einer Busse von Fr. 480.– verurteilt.
B.- Am 18. Juni 2019 leitete das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons
St. Gallen (nachfolgend Strassenverkehrsamt) ein Administrativmassnahmeverfahren
ein. Es gewährte X das rechtliche Gehör. Mit Schreiben vom 1. Juli 2019 beantragte die
Y Rechtsschutzversicherung AG als Vertreterin von X Auskunft bezüglich "der
angedachten Entzugsdauer" und eine Fristerstreckung. Das Strassenverkehrsamt
verlängerte daraufhin mit Schreiben vom 3. Juli 2019 die Frist zur Stellungnahme bis
zum 24. Juli 2019. Mit Eingabe vom 24. Juli 2019 beantragte der Rekurrent, sein
Führerausweis sei für drei Monate zu entziehen. Mit Verfügung vom 9. August 2019
entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis wegen schweren
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von fünf
Monaten.
C.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 9. August 2019 erhob X am
21. August 2019 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen
(VRK). Dabei führte er aus, dass eine Erhöhung der Mindestentzugsdauer von drei
Monaten nicht angezeigt sei und die Vorinstanz das rechtliche Gehör verletzt habe. Mit
Schreiben vom 20. September 2019 verzichtete die Vorinstanz auf eine
Vernehmlassung. Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der
Rekurs vom 21. August 2019 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1, abgekürzt: VRP]). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent macht eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör
geltend. Und zwar habe ihm die Vorinstanz im Rahmen der Gewährung des rechtlichen
Gehörs nicht mitgeteilt, welche Entzugsdauer konkret beabsichtigt sei.
a) Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) und in Art. 15
Abs. 2 VRP verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör ist das Recht des Privaten, in
einem vor einer Verwaltungs- oder Justizbehörde geführten Verfahren mit seinen
Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und zu den für die
Entscheidfindung wesentlichen Punkten vorgängig Stellung nehmen zu können. Er
umfasst auch das Recht auf Vertretung und Verbeiständung sowie auf Begründung von
Verfügungen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachaufklärung
und stellt andererseits zugleich ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der
Parteien dar. Der Grundsatz verlangt, dass die Behörde die Vorbringen der vom
Entscheid oder der Verfügung in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört,
prüft und berücksichtigt und ihren Entscheid oder ihre Verfügung vor diesem
Hintergrund begründet (vgl. G. Steinmann, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 49 zu
Art. 29 BV). Der Umfang des Anspruchs auf rechtliches Gehör hängt von der Intensität
der Betroffenheit durch die Verfügung ab. Je grösser die Gefahr einer Beeinträchtigung
schutzwürdiger Interessen ist und je bedeutsamer diese sind, desto umfassender ist
das rechtliche Gehör zu gewähren (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, N 1006).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt nicht, dass eine Partei die Gelegenheit
erhalten muss, sich zu jedem möglichen Ergebnis, das von der entscheidenden
Behörde ins Auge gefasst wird, zu äussern. Um den Betroffenen eine Stellungnahme
zu ermöglichen, muss ihm die Behörde den voraussichtlichen Inhalt der Verfügung, das
heisst zumindest die wesentlichen Elemente, bekannt geben, sofern er diese nicht
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selbst beantragt hat oder voraussehen konnte. Es genügt, dass sich die Parteien zu
den Grundlagen des Entscheids oder der Verfügung, insbesondere zum Sachverhalt
sowie zu den anwendbaren Rechtsnormen vorweg äussern und ihre Standpunkte
einbringen können (BGE 132 II 485, 495).
b) Mit Schreiben vom 18. Juni 2019 hatte die Behörde dem Rekurrent den Sachverhalt
und die anwendbaren Rechtsnormen unterbreitet. Mit dem Hinweis auf die
Mindestentzugsdauer brachte die Vorinstanz klar zum Ausdruck, dass die
Entzugsdauer noch nicht bestimmt ist und diese auch höher als drei Monate ausfallen
kann. Im Zeitpunkt der Gewährung des rechtlichen Gehörs liegen regelmässig noch
nicht alle Grundlagen vor, um eine konkrete Entzugsdauer zu nennen. Insbesondere
können sich aufgrund der Stellungnahme des Betroffenen Erkenntnisse ergeben, die
sich auf die Entzugsdauer auswirken können. Hinzu kommt, dass die von der
Vorinstanz verhängte Entzugsdauer nicht massiv über der Mindestentzugsdauer liegt.
Namentlich konnte der Rekurrent vom Ausmass der Entzugsdauer nicht völlig
überrascht sein. Dementsprechend kann der Vorinstanz kein Verfahrensfehler,
insbesondere keine Verletzung des verfassungsmässigen Anspruchs des Rekurrenten
auf rechtliches Gehör, vorgeworfen werden. Sie erwähnte die massgebenden Elemente
und damit den voraussichtlichen Inhalt der Verfügung, soweit dies möglich und
zweckmässig war.
3.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in
Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und
wird dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in
Kauf genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
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4.- a) In tatsächlicher Hinsicht wird im Rekurs nicht bestritten, dass der Rekurrent am
Montag, 24. April 2019, um 13.36 Uhr, in St. Gallen auf der Letzistrasse die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h um rechtlich relevante 29 km/h überschritten hat.
Ebenso unbestritten ist, dass es sich hierbei um eine schwere Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG handelt; weshalb
darauf nicht weiter einzugehen ist.
b) Strittig ist, wie lange der Führerausweis des Rekurrenten aufgrund des Vorfalls vom
24. April 2019 zu entziehen ist. Die Vorinstanz ist von der gesetzlich vorgeschriebenen
minimalen Entzugsdauer von drei Monaten abgewichen und hat dem Rekurrenten den
Führerausweis für die Dauer von fünf Monaten entzogen. Zur Begründung wird in der
angefochtenen Verfügung ausgeführt, dass innerorts vermehrt mit unvorhergesehenen
Situationen zu rechnen und die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h
beinahe um das Doppelte überschritten worden sei, weshalb von einem erhöhten
beziehungsweise besonders schweren Verschulden auszugehen sei. Der Rekurrent
macht geltend, dass es nicht nachvollziehbar sei, dass die Vorinstanz von einem
besonders schweren Verschulden ausgehe, wenn die konkrete Überschreitung
lediglich 3 (richtig: 4) km/h über dem Schwellenwert von 25 km/h liege. Zusätzlich
macht er geltend, dass der ausgezeichnete automobilistische Leumund und die
berufliche Angewiesenheit des Rekurrenten zu berücksichtigen seien.
c) Gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG sind bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder
Führerausweisentzugs die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden; sie beträgt für eine
schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften drei Monate (Art. 16c
Abs. 2 lit. a SVG). Für Geschwindigkeitsüberschreitungen hat das Bundesgericht im
Interesse der Rechtssicherheit präzise Regeln festgelegt, um leichte, mittelschwere und
schwere Widerhandlungen voneinander abzugrenzen. Demnach liegt ungeachtet der
konkreten Umstände objektiv eine schwere Widerhandlung vor, wenn die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit jeweils mindestens um 25 km/h innerorts, 30 km/h ausserorts
oder 35 km/h auf der Autobahn überschritten wird (vgl. zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 1C_335/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 2.2 mit Hinweis auf
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1C_83/2008 vom 16. Oktober 2008 E. 2). Das Bundesgericht prüfte in einem früheren
Urteil die Frage, ob eine schwere Widerhandlung in einer 30 km/h-Zone bereits bei
einer Überschreitung um 20 km/h vorliege, sah von einer Praxisänderung für
Geschwindigkeitsüberschreitungen im Innerortsbereich jedoch mit eingehender
Begründung ab. Insbesondere verwarf es damit die Auffassung, wonach
Geschwindigkeitsüberschreitungen im Innerortsbereich nach der konkret gültigen
Höchstgeschwindigkeit zu differenzieren seien (BGer 6B_1028/2008 vom 16. April 2009
E. 3, 1C_144/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 3.4). Diese Rechtsprechung wurde in
BGer 6B_359/2016 vom 18. August 2016 E. 1.3.2 und 1.4 – und damit nach
Inkrafttreten der Rasertatbestände gemäss Art. 90 Abs. 3 und 4 sowie Art. 16c Abs. 2
lit. a SVG – ausdrücklich bestätigt. Auch in einer 30 km/h-Zone ist deshalb
grundsätzlich erst ab einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 25 km/h von einer
schweren Widerhandlung auszugehen. Die Begründung der Vorinstanz, dass der
Rekurrent die signalisierte Höchstgeschwindigkeit beinahe um das Doppelte
überschritten habe, trifft zwar zu, ist aufgrund der bundesgerichtlichen Praxis (vgl.
oben) jedoch ohne Bedeutung für die Beurteilung der Schwere der Widerhandlung und
der Entzugsdauer. Sobald bei der Zumessung der Entzugsdauer die Differenz zur
zulässigen Höchstgeschwindigkeit berücksichtigt wird, gibt es eine Differenzierung der
verschiedenen Innerortsbereiche, wogegen sich das Bundesgericht ausgesprochen
hat. Entscheidend ist das Ausmass der Überschreitung des Schwellenwerts zur
schweren Widerhandlung von 25 km/h und dies beträgt hier 4 km/h. Die vom
Bundesgericht festgesetzten Limiten im Bereich der
Geschwindigkeitsüberschreitungen sind nur unter besonderen Umstände, wie
ungünstigen Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen oder vor unübersichtlichen
Stellen, nach unten anzupassen (BGE 121 II 127, E. 4). Solche besonderen Umstände
sind hier nicht ersichtlich.
d) Gefährdung und Verschulden sind vorliegend als schwer einzustufen. Wo sich die
objektive Tatschwere, wie bei Überschreitungen der zulässigen
Höchstgeschwindigkeiten, zumindest teilweise in einem Messergebnis niederschlägt,
ist es grundsätzlich nicht zu beanstanden, für die Bemessung der Massnahme auf
Tarife abzustellen. Da ihnen aber lediglich eine Richtlinienfunktion zukommt, dürfen sie
nicht schematisch gehandhabt werden. Der Tarif dient deshalb lediglich als
Ausgangspunkt, von dem aus die Sanktion im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller
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wesentlichen Zumessungsfaktoren des Einzelfalles festgesetzt werden muss (vgl.
Ph. Weissenberger, Die Zumessung des Warnungsentzugs von Führerausweisen, in
SJZ: 95/1999, S. 461 mit Hinweisen auf BGE 124 II 44).
e) Eine übersetzte Geschwindigkeit stellt gerade innerorts eine erhebliche Gefahr dar.
Die Zahl der vom Lenker zu verarbeitenden Reize ist grösser als ausserorts oder auf
der Autobahn, was eine gesteigerte Aufmerksamkeit erfordert. Zudem sind innerorts
viele schwächere Verkehrsteilnehmer unterwegs (Fussgänger, Velofahrer), die – vor
allem Kinder und ältere Menschen – einem besonderen Risiko ausgesetzt sind. Darüber
hinaus besteht eine erhöhte Gefahr von Seitenkollisionen. Die anderen
Verkehrsteilnehmer dürfen sich, auch soweit sie wartepflichtig sind, auf den
Vertrauensgrundsatz berufen. Sie müssen sich nicht darauf einstellen, dass ein
Fahrzeug innerorts mit einer übersetzten Geschwindigkeit herannaht. Welch
schwerwiegende Folgen Geschwindigkeitsüberschreitungen innerorts, wo
Fahrzeugfussgänger-Kollisionen häufig sind, haben können, zeigen physikalische
Berechnungen (BGer 6B_1028/2008 vom 16. April 2009 E. 3.5 und 3.6 und BGer
1C_222/2008 vom 18. November 2008 E. 2.2.4). Im Zeitpunkt der
Geschwindigkeitsüberschreitung waren die örtlichen Verhältnisse nicht so, dass eine
deutliche Erhöhung der Mindestentzugsdauer gerechtfertigt wäre. Auf den Aufnahmen
der semistationären Geschwindigkeitsmessanlage sind keine anderen
Verkehrsteilnehmer, insbesondere keine Fussgänger, zu erkennen (act. 5/6). Gemäss
Polizeirapport vom 4. Juni 2019 waren zudem die Sicht gut und die Fahrbahn trocken
(act. 5/4). Die Überschreitung von 4 km/h über dem Schwellenwert von 25 km/h führt
damit höchstens zu einer geringen Erhöhung der minimalen Entzugsdauer.
f) Schliesslich bringt der Rekurrent vor, er sei als Logistiker auf ein Fahrzeug
angewiesen. In seinem Beruf müsse er teilweise ab 01.30 Uhr bzw. 04.00 Uhr mit der
Arbeit beginnen, weshalb er nicht auf den öffentlichen Verkehr ausweichen könne.
Fahrzeuglenker, die berufsmässig auf den Einsatz eines Motorfahrzeugs angewiesen
sind, werden wegen der grösseren Massnahmeempfindlichkeit in der Regel schon
durch eine kürzere Entzugsdauer wirksam von weiteren Widerhandlungen abgehalten.
Einem solchen Lenker soll der Führerausweis deshalb weniger lange entzogen werden
als einem, der sein Fahrzeug beruflich nicht benötigt, selbst wenn beide
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Fahrzeuglenker das gleiche Verschulden trifft (vgl. dazu BGE 123 II 572 E. 2c). Ebenso
ist die berufliche Notwendigkeit zu bejahen, wenn die Unmöglichkeit, ein Fahrzeug zu
führen, einen solchen Einkommensverlust oder so beachtliche Kosten verursachen
würde, dass diese Massnahme offensichtlich als unverhältnismässig erscheint.
Dagegen liegt keine massgebliche berufliche Notwendigkeit vor, wenn der
Führerausweisentzug die Ausübung eines Berufes lediglich erschwert, selbst wenn
damit ernsthafte Unannehmlichkeiten und Gewinnausfälle verbunden sind (vgl. dazu
Praxis 1990 Nr. 150). Ein Fahrzeugführer kann aber auch erhöht sanktionsempfindlich
sein, ohne dass geradezu eine berufliche Notwendigkeit vorliegt. Deshalb ist bei der
Beurteilung der beruflichen Angewiesenheit eines Fahrzeuglenkers auf den
Führerausweis dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit Rechnung zu tragen. Die
Reduktion der Entzugsdauer bemisst sich danach, in welchem Mass der
Fahrzeugführer infolge beruflicher Angewiesenheit stärker als der normale Fahrer von
der Massnahme betroffen ist (BGE 123 II 572 E. 2c).
Der Rekurrent ist kein Berufschauffeur, der sein Einkommen mit dem Erbringen von
Fahrdiensten erzielt und für den ein Führerausweisentzug ein materielles
Berufsausübungsverbot bedeutet. Er arbeitet als Logistiker im Lager eines
Grossverteilers. Im Rekurs bringt er vor, dass er teilweise in der Nacht mit der Arbeit
beginnen müsse; dazu hat er entsprechende Arbeitspläne eingereicht. Da zu diesen
Zeiten keine Möglichkeit besteht, mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit zu fahren, ist
der Rekurrent auf seinen Führerausweis mehr angewiesen als andere Personen. Diese
erhöhte Sanktionsempfindlichkeit wirkt sich geringfügig massnahmemindernd aus,
weshalb die Entzugsdauer auf insgesamt drei Monate festzulegen ist. Dies bedeutet,
dass der Rekurrent mit seinem Rechtsbegehren materiell durchdringt.
5.- a) Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten vom Staat zu tragen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen
(Art. 7 Abs. 1 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten.
b) Der obsiegende Rekurrent liess sich anwaltlich vertreten. Er hat Anspruch auf eine
vollständige Entschädigung der ausserordentlichen Kosten, soweit diese als notwendig
und angemessen erscheinen. Der Beizug eines Rechtsvertreters war hier geboten.
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Im Verfahren vor der VRK wird das Honorar als Pauschale ausgerichtet (Art. 22 Abs. 1
lit. b der Honorarordnung [sGS 963.75, abgekürzt: HonO]). Die vom Rechtsvertreter
geltend gemachte ausseramtliche Entschädigung von Fr. 1'286.10 (Honorar
Fr. 1'104.15, Barauslagen Fr. 90.–, Mehrwertsteuer Fr. 91.95) erscheint tarifkonform
(Art. 22 Abs. 1 lit. b, Art. 28 und 29 HonO), weshalb der Staat (Strassenverkehrsamt) zu
verpflichten ist, den Rekurrenten in diesem Betrag zu entschädigen.