Decision ID: a2007643-28dc-5f4d-848c-8956b0754272
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1950 geborene
X._
bezog seit Februar 2005 von der Pensions
kasse der
Y._
(PK
Y._
)
eine au
f einem Invaliditätsgrad von 57
% beru
hen
de
Invalidenrente in Höhe von Fr. 41‘
472.-- pro Jahr. Ab Februar 2013 rich
tete
die
PK
Y._
ihm
nicht mehr die Invalidenrente, sondern neu eine Al
ters
rente in Höhe von Fr. 11‘687.70 pro Jahr aus (Schreiben der PK
Y._
vom 1
3.
Februar 2013,
Urk.
2/1). Der Versicherte ersuchte in der Folge die PK
Y._
,
ihm weiterhin eine Invalidenrente in Höhe von Fr. 41‘472.-- auszurichten (Schreiben vom 1
3.
August 2013,
Urk.
2/5), was letztere ablehnte (Schreiben vom
2
0.
September 2013,
Urk.
2/6).
2.
Mit Eingabe vom 1
0.
Oktober 2013 erhob der Versicherte Klage gegen die PK
Y._
und beantragte (
Urk.
1):
„1.
Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger vom
1.
Februar 2013 bis
und mit 3
1.
Januar 2015 weiterhin eine Invalidenrente in Höhe von
Fr. 41‘472.-- jährlich zu bezahlen.
2.
Die Beklagte sei ferner zu verpflichten, dem Kläger noch vom 1. Februar
2013
bis und mit 3
1.
Januar 2015 die reglementarisch geschuldeten
Altersgutschriften gutzuschreiben.
3.
Die Beklagte sei zu verpflichten, die rückständigen Rentenleistungen ab
1
0.
Oktober 2013 mit 5
%
zu verzinsen.“
Die Beklagte beantragte mit Klageantwort vom
6.
Januar 2014 die Abweisung der Klage (
Urk.
8).
Der Kläger hielt mit Replik vom 1
6.
Januar 2014 (
Urk.
12) ebenso an seinen An
trägen fest, wie die Beklagte mit Duplik vom 2
9.
Januar 2014 (
Urk.
15). Die Duplik
wurde dem Kläger am 3
1.
Januar 2014 zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
16).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Kläger bringt zur Begründung seiner Klage vor, vorliegend gehe es um die
Frage, wann gemäss dem Reglement der Beklagten eine Invalidenrente durch eine
(tiefere) Altersrente abgelöst werde.
Art.
37 des Reglements der Beklagten vom
1.
Januar 2013 (
nachfolgend:
Reglement 2013) sehe in Absatz 2 vor, dass für den
Übergang von Invaliditätsleistungen zu Altersleistungen das im Zeit
punkt des Überganges geltende Reglement massgebend sei,
was vorliegend das Reglement
2013
selber sei
.
Art.
18 des Reglements 2013 halte fest, dass der Anspruch auf Altersrente mit Erreichen des Schlussalters beginne
,
und
Art.
23 halte in Bezug auf das Ende der Invaliditätsleistungen fest, diese würden mit Erreichen des Schlussalters erlöschen. Der Begriff Schlussalter werde gemäss Reglement 2013 mit dem Erreichen des Anspruchs auf die (ordentliche) AHV-Altersrente gleich
gesetzt. Er erreiche das ordentliche AHV-Alter 65 Jahre erst im Januar 201
5.
Er habe daher bis 3
1.
Januar 2015 Anspruch auf die Invali
denrente und auf die regle
m
entarischen Altersgutschriften
(
Urk.
1).
Hätte die Beklagte in
Art.
37
Abs.
2 des Reglements 2013 nur die Höhe der ge
schuldeten Altersrente und nicht auch den Zeitpunkt des Überganges von Inva
liden- zu Altersrenten regeln wollen, würde die von ihr gewählte Formulierung keinen Sinn machen. Denn wenn für den Übergang von Invaliden- zu Alters
renten das neue Reglement massgebend
s
ein soll, um
fass
e
der Begriff „Über
gang“ selbstverständlich
auch
den Zeitpunkt des Über
ganges bzw. erschöp
f
e
sich
eigentlich in diesem. Hätte die Beklagte tatsächlich – wie von ihr behauptet – in
Art.
37
Abs.
2 des Reglements 2013 nur klärend die Höhe der geschuldeten
Alters
leistungen
regeln wolle, wäre es ein Einfaches gewesen, eine entsprech
ende
Formulierung zu wählen.
Es komme hinzu, dass auch gemäss dem bei Eintritt der Invalidität gültig
gewe
senen
Reglement
, Stand 2000
(nachfolgend: Reglement
2000
)
,
vorgesehen
ge
wesen
sei
,
dass „Anspruch auf eine Invalidenrente besteht, solange die In
vali
di
tät dauert, längstens aber bis zur Pensionierung oder bis zum Tod“. Wenn nun die Pensionierung gemäss den neueren
Reglementsvorschriften
erst mit 65 Alters
jahren anstatt wie früher mit 63 Altersjahren erfolge, wäre auch gemäss dem Wort
laut des
Reglements 2000
die Invalidenrente bis zum 6
5.
Altersjahr ge
schul
det
(
Urk.
12)
.
1.2
Die Beklagte wendet
im Wesentlichen
ein,
g
emäss
Art.
37
Abs.
1 des Regle
ments
2013 sei auf die Invalidenleistungen dasjenige Reglement anwendbar, das im
Zeit
punkt gegolten habe, als die Invalidität eingetreten sei. Der Anspruch auf
Leis
tungen, deren Höhe und auch deren Dauer richteten sich demnach nach dem Reglement 200
0.
Dies entspreche den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen.
Art.
37
Abs.
2 des Reglements 2013 regle ausschliesslich
die Be
rech
nung der Altersrente
.
Die nachträgliche Verlängerung der altrechtliche
n Invalidenrente um zwei Jahre würde
einen neuen Kostenfaktor dar
stellen
, der im Zeitpunkt der Festlegung des Vorsorgeplanes nicht bekannt gewesen sei und demnach auch nicht finanziert worden sei
. Es könne daher nicht ohne klare reglementarische Aussage ange
nommen werden, sie müsse bei einer Erhöhung des Pensionsalters
laufende
In
validitätsleistungen
ohne
W
eiteres
bis zum neuen
Schlussalter
wei
t
er erbringe
n
(
Urk.
8 und
Urk.
15)
2.
2.1
Gemäss
Art.
26
Abs.
3
des
Bundesgesetzes
über
die
berufliche
Alters-,
Hinter
lassenen
- und
Invalidenvorsorge
(
BVG
)
erlischt der Anspruch auf eine
BVG-
In
validenrente grundsätzlich mit dem Tod des Anspruchsberechtigten oder mit dem
Wegfall der Invalidität
. Der BVG-Invalidenrentenanspruch endet von Ge
setzes
wegen somit grundsätzlich nicht mit dem Erreichen des Rentenalters, sondern ist
lebenslänglicher Natur. Es ist jedoch zulässig, die BVG-Invaliden
rente bei Er
reichen des Rentenalters in eine
betraglich
mindestens gleich
wertige, das heisst,
dem Umfange der bis zum Terminalter teuerungsangepassten Invali
denrente ent
sprechende Altersrente umzuwandeln, wenn das Reglement
dies
vorsieht.
I
m Be
reich
der weitergehenden beruflichen Vorsorge
gilt
der Grund
satz der
Partei
auto
nomie
(
Hürzeler
in: Schneider/Geiser/
Gächter
[Hrsg.], BVG und FZG,
Art.
26
N
28 und 31).
2.2
Nach ständiger Rechtsprechung erfolgt die Auslegung der Vorsorgeverträge nach
dem Vertrauensprinzip. Es ist darauf abzustellen, wie die zur Streitigkeit Anlass gebende Willenserklärung vom Empfänger in guten Treuen verstanden werden
durfte und musste. Dabei ist nicht auf den inneren Willen des Erklären
den abzu
stellen, sondern auf den objektiven Sinn seines Erklärungsverhaltens. Der Erklä
rende hat gegen sich gelten zu lassen, was ein vernünftiger und kor
rekter Mensch
unter der Erklärung verstehen durfte. Weiter sind die besonderen
Auslegungs
regeln
bei Allgemeinen Geschäfts- oder Versicherungsbedingungen zu beachten, insbesondere die Unklarheits- und die Ungewöhnlichkeitsregel (BGE 132 V 149 E. 5, 130 V 80 E. 3.2.2, 122 V 142 E. 4c).
3.
3.1
Gemäss
Art.
4.6.2 des Reglements 2000
(
Urk.
9/2)
besteht der Anspruch auf eine Invalidenrente, solange die Invalidität andauert, längstens aber bis zur Pensio
nierung oder bis zum Tod. In
Art.
4.6.3 des Reglements 2000 ist festgehalten, dass die Befreiung von der Beitragszahlung ebenfalls längstens bis zur Pensio
nie
rung dauert
. Nach
Art.
2.2.1 erfolgt die ordentliche Pensionierung an demje
ni
gen Monatsersten, welcher zwei Jahre vor dem Beginn der AHV-Rente liegt
.
3.2
Das Reglement 2013
(
Urk.
2/7)
hält in
Art.
20
Abs.
4 fest, dass der Anspruch auf Invaliditätsleistungen mit dem Erreichen des Schlussalters erlischt. Auch die Beitragsbefreiung endet in diesem Zeitpunkt (
Art.
23
Abs.
2).
Das Schlussalter wird bei Erreichen des Anspruchs auf die AHV-Altersrente erreicht (S.
3 des Reglements 2013).
3.3
In
Art.
37 des Reglements 2013 sind Übergangsbestimmungen festgehalten.
Abs.
1
trägt dabei den Randtitel Übergangsbestimmungen für Risikofälle und
lautet: „Für versicherte Personen, die im Gültigkeitszeitpunkt früherer
Regle
men
te
resp. Vorsorgepläne erwerbsunfähig geworden oder verstorben sind, gel
ten für die
Festsetzung der Invaliditäts- und Todesfallleistungen die damaligen
Regle
mentsbestimmungen
resp. Vorsorg
e
pläne.“
Abs.
2, welcher den Randtitel Über
gangs
bestimmungen für Altersrenten trägt, lautet:
„
Für den Übergang von
Inva
li
ditätsleistungen
zu Altersleistungen ist das im Zeitpunkt des Überganges gel
ten
de Reglement massgebend. Die Anwartschaft auf laufende Altersrenten richtet
sich nach dem im Zeitpunkt des Übergangs geltenden Reglement
s
“.
4.
4.1
4.1.1
Bei einer Änderung gesetzlicher Vorschriften sind grundsätzlich diejenigen mate
riellen Rechtssätze
massgeblich
, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen füh
renden Tatbestandes Geltung haben. Dieser allgemeine übergangsrechtliche Grund
satz gilt auch im Bereich der beruflichen Vorsorge, namentlich bei Reg
le
ments- und Statutenänderungen.
Vorsorgereglemente
können in ihren Über
gangsbestimmungen abweichende Regelungen vorsehen
(Urteil des Bundesge
richts 9C_502/2007 vom 2
2.
April 2008 E. 2).
Das Reglement 2013
der Beklagten
enthält
in
Art.
37 Übergangsbestimmungen.
In
Abs.
2 von
Art.
37 ist dabei
– wie ausgeführt (E. 3.3) -
festgehalten
, dass für den Übergang von Invaliditätsleistungen zu Altersleistungen das im Zeitpunkt des Überganges geltende Reglement massgebend ist. Einschränkungen, dass das im Zeitpunkt des Übergangs geltende Reglement
wie von der Beklagten geltend gemacht
nur in Bezug auf gewisse Aspekte des Übergangs massgebend sein soll,
hält
Art.
37
Abs.
2 nicht fest.
Entgegen den Ausführungen der Beklagten
geht aus
Art.
37
Abs.
1 nicht
hervor
, dass auf die Invaliditätsleistungen
generell
das
jenige Reglement anwendbar ist, das im Zeitpunkt gegolten hat, als die In
validi
tät eintrat.
Art.
37
Abs.
1 äussert sich gemäss dem Wortlaut nur zur Festsetzung der Invaliditäts- und Todesfallleistungen. Nachdem sich
Abs.
2 von
Art.
37 aus
drück
lich zum Übergang von Invaliditätsleistungen zu
Altersleistun
gen
äussert und hierfür das im Zeitpunkt des Übergangs gültige Reglement für anwendbar erklärt, kann
Art.
37 gesamthaft nicht anders verstanden werden, als
dass
für den Zeitpunkt des Übergangs von Invaliditäts- zu Altersleistungen das im Zeit
punkt des Übergangs massgebende Reglement anwendbar ist.
4.1.2
Aus BGE 138 V 176 kann die Beklagte nichts zu ihren Gunsten ableiten, da bei
der dort zu beurteilenden Streitigkeit eine reglementarische Bestimmung be
stand,
welche
für das Ende der Invaliditätsleistungen
explizit das im Zeitpunkt
des
In
validitätseintritts
massgebende Reglement für anwendbar erklärte (E. 7.3)
.
4.1.3
Nach dem Gesagten ist für den Übergang von Invaliditätsleistungen zu
Alters
leis
tungen
das Reglement 2013 massgebend.
4.2
Gestützt auf
Art.
20
Abs.
4
des Reglements 2013
hat der Kläger somit Anspruch auf Invalidenleistungen bis zum Erreichen des AHV
-Alters, das heisst bis zum 31.
Januar 201
5
(
Art.
21
Abs.
1
lit
. a
des
Bundesgesetzes
über
die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
, AHVG
). Entsprechendes gilt auch
für die
Beitrags
be
freiung
(
Art.
23
Abs.
2 des Reglements 2013).
Die Invalidenleistungen be
laufen
sich
dabei
gemäss den übereinstimmenden Ausführungen der Parteien auf Fr. 41‘472.-- pro Jahr.
4.3
A
uf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich
Art.
105
Abs.
1 des Obligationenrechts (OR) anwendbar ist (BGE 119 V 131 ff.) Danach ist der Verzugszins vom Tage der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Kläger liess am 1
0.
Oktober 2013 Klage erheben (
Urk.
1), womit ihm ab diesem Datum Verzugszinsen von 5
%
für die
bis zu diesem Zeitpunkt fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
und für die übri
ge
n ab dem jeweiligen Fälligkeitsdatum zuzusprechen sind.
4.4
Nach dem Gesagten ist die Klage vollumfänglich gutzuheissen und die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger für die Zeit vom
1.
Februar 2013 bis und mit
31.
Januar 2015 weiterhin eine Invalidenrente in Höhe von Fr. 41‘472.-- pro Jahr
zuzüglich Zins zu 5
%
ab
1
0.
Oktober 2013 für die bis zu diesem Datum fällig
gewordenen
Rentenbetreffnisse
und ab jeweiligem Fälligkeitsdatum für die da
nach
fällig gewordenen zu bezahlen und de
m Kläger für die Zeit vom 1.
Februar 2013 bis und mit 3
1.
Januar 2015 weiterhin die reglementarisch ge
schuldeten Altersgutschriften gutzuschreiben.
5
.
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende
versicherte
Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese
werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Da der Kläger mit seiner Klage vollständig ob
siegt, ist die Beklagte
z
u verpflichten, ihm eine Parteientschädigung in der Höhe von
Fr.
1‘900
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen