Decision ID: f156328a-04f4-58c7-86fc-556e8545a4e3
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegner reichten am 12. Mai 2014 bei der Gemeinde Thun ein
Baugesuch für den Abbruch des Gebäudes F._Strasse 16 und den Neubau eines
Mehrfamilienhauses mit fünf Wohnungen und einer Einstellhalle mit zwölf Abstellplätzen
sowie für das Bauen im Grundwasser und die temporäre Grundwasserabsenkung sowie
ein Konzessionsgesuch für den Betrieb einer Wärmepumpe auf den Parzellen Thun 2
(Strättligen) Grundbuchblatt Nrn. G._ und H._ ein. Die Parzellen liegen in
der Wohnzone W2 und in der Gewässerschutzzone Au. Gegen das Bauvorhaben erhoben
unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Schreiben vom 16. Oktober 2014
stellte die Gemeinde den Beschwerdegegnern nach der materiellen Prüfung die Erteilung
des Bauabschlags in Aussicht, worauf die Beschwerdegegner das Neubauprojekt mit
Schreiben vom 27. November 2014 bis auf das Abbruchgesuch und das Ausnahmegesuch
für das Bauen im Grundwasser und für die Grundwasserabsenkung zurückzogen. Die
Beschwerdeführenden hielten an ihren Einsprachen fest. Mit Gesamtentscheid vom
19. Januar 2015 erteilte die Gemeinde Thun die Baubewilligung für den Abbruch des
Gebäudes F._Strasse 16 und die Ausnahmebewilligung für das Bauen im
Grundwasser.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer 1 am 11. Februar 2015 und die
Beschwerdeführerin 2 am 13. Februar 2015 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Beide beantragen die Aufhebung des
Gesamtentscheides vom 19. Januar 2015. Sie machen insbesondere geltend, das
Gebäude sei noch bewohnbar bzw. könne renoviert werden und der Abbruch stelle einen
Eingriff in das Quartier und das Ortsbild dar. Zudem sei ein Abbruch im Hinblick auf den
neuen Zonenplan und die geplante Aufnahme des Gebäudes F._Strasse 16 in das
Bauinventar nicht gerechtfertigt.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Beschwerdegegner und die
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Gemeinde beantragen die Abweisung der Beschwerde. Auf die Rechtsschriften wird,
soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 10 KoG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren
Einsprachen abgewiesen wurden, sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht
eingereichten Beschwerden ist einzutreten.
2. Abbruchbewilligung und Denkmalschutz
a) Der Beschwerdeführer 1 macht geltend, der Abbruch stelle einen massiven Eingriff
dar und er verstehe nicht, weshalb ein nicht baufälliges Haus abgebrochen werden solle,
wenn es stattdessen renoviert oder verkauft werden könne. Auch sei ein Abbruch auf
Vorrat im Hinblick auf den neuen Zonenplan und das geplante Bauinventar nicht
angebracht.
Die Beschwerdeführerin 2 bringt vor, nach Ansicht der Denkmalpflege des Kantons Bern
(KDP) könne das Haus ins Inventar der schützenswerten Objekte aufgenommen werden.
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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Es fehle der Beweis, dass das Gebäude nicht saniert werden könne. Das Objekt sei
während Jahrzehnten benutzt worden und der letzte Bewohner habe es erst vor kurzem
verlassen. Vor Bekanntwerden des neuen Zonenplans dürfe nichts unternommen werden,
was diesen vorwegnehme.
Die Beschwerdegegner machen geltend, ein Abbruchgesuch müsse nicht besonders
begründet werden. Es sei zu bewilligen, wenn die massgebenden gesetzlichen
Bestimmungen eingehalten seien und die Abbruchbewilligung sei zu Recht erteilt worden.
Angesichts der negativen Rückmeldung der Gemeinde hätten sie das Neubauprojekt
zurückgezogen und das Verfahren auf die Grundsatzfrage nach der Zulässigkeit des
Abbruchs beschränkt. Sie befürchteten die Besetzung des leerstehenden Hauses. Beim
Abbruchobjekt handle es sich nicht um ein Denkmal im Sinn von Art. 10a ff. BauG.
Die Gemeinde verweist für die Begründung auf die Vorakten und den angefochtenen
Entscheid. Darin wurde ausgeführt, dass es sich beim Abbruchobjekt nicht um ein
Baudenkmal handle. Anwendbar seien der gültige Zonenplan und das Baureglement aus
dem Jahr 2002.
b) Nach Art. 1a Abs. 2 BauG ist der Abbruch von Bauten baubewilligungspflichtig. Die
Bewilligung wird gemäss Art. 2 Abs. 1 BauG erteilt, wenn die bau- und planungsrechtlichen
Vorschriften und anderen im Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorgaben
eingehalten werden, die öffentliche Ordnung nicht gefährdet wird und dem Vorhaben keine
Hindernisse der Planung im Sinne der Art. 36 und 62 BauG entgegenstehen.
Zu den Vorschriften, die im Baubewilligungsverfahren zu prüfen sind, gehören auch die
Bestimmungen zum Ortsbild- und Denkmalschutz. Dabei dürfen Ortsbildschutz und
Denkmalschutz nicht gleichgesetzt werden. Vielmehr ist zu unterscheiden zwischen dem
allgemeinen Ortsbildschutz nach Art. 9 BauG und der Denkmalpflege nach Art. 10a ff.
BauG.
c) Die Denkmalpflege befasst sich mit dem Schutz und der Erhaltung von kulturell,
historisch oder ästhetisch besonders wertvoller Bausubstanz. Schützenswerte und
erhaltenswerte Baudenkmäler sind zu inventarisieren und geniessen als Folge davon einen
besonderen Schutz (Art. 10d f. BauG). Schützenswerte Baudenkmäler dürfen nicht
abgebrochen werden (absolutes Abbruchverbot; Art. 10b Abs. 2 BauG), während
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erhaltenswerte Baudenkmäler nur abgebrochen werden dürfen, wenn die Erhaltung
unverhältnismässig ist. Im Fall eines Neubaus ist das Baudenkmal durch ein gestalterisch
ebenbürtiges Gebäude zu ersetzen (relatives Abbruchverbot; Art. 10b Abs. 3 BauG). Die
Aufnahme in das Bauinventar ist nach Art. 10e Abs. 1 BauG Voraussetzung für den
denkmalpflegerischen Schutz nach Art. 10b BauG. Bauinventare haben somit negative
Rechtswirkung, das heisst, Objekte, die nicht im Bauinventar verzeichnet sind, gelten von
vornherein nicht als schützens- oder erhaltenswert. Im Baubewilligungsverfahren kann ein
Objekt nicht als schützens- oder erhaltenswert eingestuft werden.4 Ergänzungen des
Bauinventars sind in einem bereits laufenden Baubewilligungsverfahren nur beachtlich,
wenn sie entweder im Rahmen einer Gesamtrevision des Inventars oder (als
Einzelrevision) mehr als sechs Monate vor dem Einreichen des Baugesuchs erfolgt sind
(Art. 10e Abs. 2 BauG). Wird das Inventar anlässlich einer Gesamtrevision ergänzt, so
kann sich diese Ergänzung auf ein Baubewilligungsverfahren nur auswirken, wenn sie im
Entwurf vor dem Einreichen des Baugesuchs öffentlich aufgelegen hat (Art. 13a Abs. 1 und
Art. 13d BauV5).6
d) Es ist unbestritten, dass das Abbruchobjekt kein Inventarobjekt darstellt. Ein
Abbruchverbot kann sich damit nicht aus Art. 10b BauG ergeben. Zwar ist eine Revision
des Bauinventars gegenwärtig im Gange und gemäss Fachbericht der KDP vom 30.
September 2014 ist im Zuge dieser Revision die Aufnahme des Abbruchobjekts in das
Bauinventar als schützenswert vorgesehen.7 Das Stadium der öffentlichen Auflage ist
jedoch noch nicht erreicht. Für das vorliegende Baubewilligungsverfahren ist daher allein
massgebend, dass das Abbruchobjekt nicht im geltenden Bauinventar verzeichnet ist. Für
die Beurteilung der Abbruchbewilligung ist es unerheblich, ob die KDP das Gebäude als
schutzwürdig betrachtet und es erübrigt sich daher auch der Beizug der KDP.
e) Bauvorhaben sind gemäss Art. 36 BauG nach dem zur Zeit der Einreichung des
Baugesuchs geltenden Recht zu beurteilen. Der Entscheid ist nur zurückzustellen und es
ist nach Art. 62a Abs. 3 BauG vorzugehen, wenn das Bauvorhaben Nutzungsplänen
(Art. 57 Abs. 2 BauG) widerspricht, die bei der Gesuchseinreichung öffentlich aufgelegen
4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 10a–10f N. 11. Vorbehalten bleiben Entdeckungen, Art. 10f BauG. 5 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 6 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 10a–10f N. 11a 7 Vorakten, pag. 163
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haben. Gemäss Website der Gemeinde Thun ist zwar eine Überarbeitung der Ortsplanung
vorgesehen. Dieses Vorhaben wird jedoch mehrere Jahre dauern und es sind noch keine
Nutzungspläne öffentlich aufgelegt.8 Die geplante Zonenplanrevision hat daher auf die
vorliegende Abbruchbewilligung keine Wirkung.
3. Abbruchbewilligung und Ortsbildschutz
a) Sowohl der Beschwerdeführer 1 als auch die Beschwerdeführerin 2 machen geltend,
es gehe um die Erhaltung des Quartiers wie es in den 1920/30er Jahren von Thuner
Architekten als Ganzes geplant und gebaut worden sei und sie bemängeln, dass ein
Abbruch bewilligt werde, ohne dass ein konkretes Neubauprojekt vorliege. Der
Beschwerdeführer 1 macht geltend, das Haus könne – ohne den Charakter des Quartiers
und der Strassenflucht zu zerstören – auf der Seite des Gartens erheblich um- und
angebaut werden. Werde der Abbruch bewilligt, so stelle dies ein Präjudiz für den Abbruch
jedes weiteren Gebäudes im Quartier dar. Der Abbruch stelle einen massiven Eingriff in
das Ortsbild dar. Beide Beschwerdeführenden machen weiter geltend, es sei wegen der
Nachbarschaft zu Schlossgut, Scherzligkirche und Schadaugärtnerei das bestehende
Gutachten von Frau I._ und die kantonale Kommission zur Pflege der Orts- und
Landschaftsbilder (OLK) beizuziehen.
Die Beschwerdegegner bringen vor, die Frage der Ortsbildverträglichkeit stelle sich nicht
und auf den Beizug der OLK sei zu verzichten. Die Gemeinde macht geltend, massgebend
sei allein die gute Gesamtwirkung nach Art. 5 GBR9, welche erst bei Neubauten überprüft
werde.
b) Die Beschwerdeführenden wollen aus den Ortsbildvorschriften ein Abbruchverbot
ableiten. Sie legen damit die Ortsbildschutzvorschriften hinsichtlich der Rechtsfolgen so
aus, dass sie sich auf das streitige Abbruchprojekt faktisch wie eine
Denkmalschutzvorschrift auswirken. Die Abbruchbewilligung soll an das Vorliegen eines
bewilligungsfähigen Neubauprojekts geknüpft werden. Nach der Rechtsprechung ist nicht
restlos geklärt, ob es gemäss Art. 10b Abs. 3 BauG zulässig wäre, die Abbruchbewilligung
für ein erhaltenswertes Baudenkmal an das Vorliegen eines bewilligungsfähigen
8 http://www.thun.ch/news/news-detail/article/2014/10/24/title/ortsplanungs.html 9 Baureglement der Stadt Thun vom 2. Juni 2002
http://www.thun.ch/news/news-detail/article/2014/10/24/title/ortsplanungs.html
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Neubauprojekts zu knüpfen.10 Die Frage kann hier jedoch offen bleiben, da – wie bereits in
Erwägung 2 gezeigt wurde – kein als erhaltenswert eingestuftes und inventarisiertes
Baudenkmal vorliegt.
c) Der allgemeine Ortsbild- und Landschaftsschutz gilt anders als der Denkmalschutz
nicht nur für besonders bezeichnete Objekte, sondern überall.11 Art. 9 Abs. 1 BauG stellt
eine „ästhetische Generalklausel“ im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots
auf. Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur
bestehenden Überbauung schafft, der erheblich stört. Schutzobjekt des allgemeinen
Ortsbildschutzes sind Orts- und Strassenbilder. Die Gemeinden dürfen eigene
Ästhetikvorschriften erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können
(Art. 9 Abs. 3 BauG).
Die Gemeinde Thun hat in Art. 5 GBR festgelegt, welche Anforderungen an die Qualität
des Bauens gestellt werden: Bauten und Anlagen sind so zu gestalten, dass zusammen
mit ihrer Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht; dies betrifft insbesondere die
prägenden Elemente und Merkmale des Strassen-, Orts- und Landschaftsbildes, die
Eigenheiten des Quartiers oder die bestehende und bei Vorliegen einer entsprechenden
Planung auch die beabsichtigte Gestaltung der benachbarten Bebauung.
Sowohl die ästhetische Generalklausel als auch die weitergehenden kommunalen
Vorschriften zum Ortsbildschutz greifen jedoch erst und nur dann, wenn ein Gesuch für
einen Neubau (oder Umbau) eingereicht wird. Die aus Art. 9 Abs. 3 BauG fliessende
Regelungskompetenz der Gemeinde umfasst nur die ästhetisch motivierte
Störungsabwehr, welche in Bezug auf die eigentumsrechtliche Eingriffstiefe weniger weit
geht als der Schutz von kulturhistorisch wertvoller Bausubstanz. Aus den kantonalen und
kommunalen Vorschriften zum Ortsbild- und Landschaftsschutz kann kein Abbruchverbot
abgeleitet werden. Damit erübrigt sich auch der Beizug der OLK oder des Gutachtens von
I._.
4. Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS)
10 Vgl. den vor Inkrafttreten der geltenden baurechtlichen Denkmalschutzvorschriften ergangenen Entscheid des Verwaltungsgerichts in BVR 1995 64 E. 2. 11 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 1
8
a) Die Beschwerdeführerin 2 macht geltend, das ISOS empfehle eine
Gesamtbeurteilung und setze Leitlinien zur Erhaltung und Schonung eines Objekts und zur
Respektierung von dessen Position in der Umgebung. Sinngemäss will sie damit aus dem
ISOS ein Abbruchverbot ableiten.
b) Das Abbruchobjekt befindet sich gemäss ISOS in einem Gebiet mit einer gewissen
Bedeutung, mit Erhaltungsziel B.
c) Wie die Gemeinde im angefochtenen Entscheid richtig ausführte, ist das ISOS
aufgrund der bundesstaatlichen Kompetenzausscheidung im Bereich des Natur- und
Heimatschutzes (Art. 78 BV12) und nach der ausdrücklichen Vorschrift von Art. 6 Abs. 2
NHG13 nur bei der Erfüllung von Bundesaufgaben unmittelbar verbindlich. Die Erteilung
einer Baubewilligung nach kantonalem Recht stellt nicht die Erfüllung einer Bundesaufgabe
dar. Das ISOS kann daher bei der Beurteilung der Abbruchbewilligung nicht direkt
berücksichtigt werden. Das ISOS gilt jedoch nach Art. 13e BauV als anderes Inventar. Als
solches gilt es für die Behörden von Kanton und Gemeinden auch im
Baubewilligungsverfahren zumindest als Empfehlung und es ist bei der Beurteilung der
guten Gesamtwirkung zu berücksichtigen. Wie bereits ausgeführt wurde, ist die gute
Gesamtwirkung jedoch erst bei einem Neubau zu prüfen. Auch das ISOS steht der
Abbruchbewilligung damit nicht entgegen.
5. Bauen im Grundwasser
a) Die Beschwerdeführerin 2 bringt vor, die Natur sei unberechenbar. Naturereignisse
geschähen unabhängig von Messungen und könnten durch Einwirkungen in Grund und
Wasser provoziert werden. Studien seien nur bedingt aussagekräftig und künftige
Bauprojekte blieben ein Risiko. Infolge der problematischen Grundwassersituation sei das
Bauen im Grundwasser nicht zu gestatten.
b) Bauten im Grundwasser, Grundwasserabsenkungen und Spezialtiefbauarbeiten im
Grundwasserbereich (Anker, Pfählungen etc.) benötigen eine Gewässerschutzbewilligung
12 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 13 Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451)
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(Art. 11 KGSchG14 und 26 Abs. 2 Bst. d und g KGV15). Im Gewässerschutzbereich Au sind
Bauten unter dem mittleren Grundwasserspiegel verboten; das AWA kann Ausnahmen
bewilligen, soweit die Durchflusskapazität des Grundwassers gegenüber dem
unbeeinflussten Zustand um höchstens 10 % vermindert wird (Anhang 4 Ziffer 211 Abs. 2
GSchV16).
c) Das Bauvorhaben umfasste ursprünglich neben dem Abbruch des Gebäudes
F._Strasse 16 den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Einstellhalle und
Wärmepumpe. Der Pumpschacht der Wärmepumpe wäre unter dem mittleren
Grundwasserspiegel zu liegen gekommen. Mit Amtsbericht vom 14. Juli 2014 hat das AWA
sich zum Grundwasserschutz geäussert. Die Ausführungen des AWA beziehen sich auf
das Neubauprojekt, welches die Beschwerdegegner bereits im vorinstanzlichen Verfahren
zurückgezogen haben. Im Bericht des AWA gibt es keinen Hinweis darauf, dass das
Grundwasser durch den Abbruch tangiert würde. In Bezug auf den im
Beschwerdeverfahren zu beurteilenden Abbruch sind die Vorbringen bezüglich
Grundwasserschutz somit unbegründet.
Anzufügen ist, dass die Vorinstanz nach dem Rückzug des Neubauprojekts die
Ausnahmebewilligung für das Bauen im Grundwasser eigentlich nicht mehr hätte erteilen
müssen. Bei einem allfälligen neuen Bauprojekt muss der Schutz des Grundwassers
jedenfalls neu beurteilt werden.
6. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammengefasst stehen dem beantragten Abbruch weder der Denkmalschutz noch
der Ortsbildschutz oder das ISOS entgegen und die Vorbringen betreffend
Grundwasserschutz sind unbegründet. Die Beschwerden sind damit abzuweisen.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf
eine Pauschalgebühr von Fr. 1'200.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19
14 Kantonales Gewässerschutzgesetz vom 11. November 1996 (KGSchG; BSG 821.0) 15 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1) 16 Gewässerschutzverordnung des Bundesrates vom 28. Oktober 1998 (GSchV; SR 814.201)
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Abs. 1 GebV17). Dem Beschwerdeführer 1 und der Beschwerdeführerin 2 wird davon je die
Hälfte, ausmachend Fr. 600.00, zur Bezahlung auferlegt.
c) Die Beschwerdeführenden haben zudem den Beschwerdegegnern die Parteikosten
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdegegner
im Betrag von Fr. 2'511.00 (Honorar Fr. 2'300.00; Auslagen Fr. 25.00; Mehrwertsteuer
Fr. 186.00) gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdeführenden haben somit
den Beschwerdegegnern die Parteikosten von Fr. 2'511.00 je zur Hälfte, ausmachend
Fr. 1'255.50, zu ersetzen.