Decision ID: 7ce2d6ad-92d4-5ad1-8d0f-73cdca418966
Year: 2008
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin, eine ethnische Kurdin alevitischen  mit letztem Wohnsitz in Istanbul, verliess die Türkei eigenen  gemäss zusammen mit ihrem Ehemann und ihren beiden  Kindern am 28. August 2002 und gelangte am 12. September 2002 in die Schweiz, wo sie und ihr Ehemann für sich und die Kinder am gleichen Tag um Asyl nachsuchten.
A.b Am 19. September 2002 erhob das Bundesamt in der  Basel die Personalien der Beschwerdeführerin und befragte sie zum Reiseweg und - summarisch - zu den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes. Dabei sagte sie im Wesentlichen aus, ihr Ehemann werde von der Polizei gesucht. Diese sei mehrmals zu ihr nach Hause gekommen und habe sie angegriffen und beschimpft; zweimal sei die Wohnung durchsucht worden. Da sie dies belastet habe, habe sie eine Psychotherapie gemacht. Die Polizisten seien ungefähr seit einem Jahr einmal wöchentlich vorbeigekommen, letztmals sei dies vor drei Monaten geschehen.
A.c Am 3. Oktober 2002 wurde die Beschwerdeführerin von der  kantonalen Behörde zu den Asylgründen angehört. Sie machte im Wesentlichen geltend, sie habe die Türkei verlassen, weil ihr Ehemann gesucht werde. Er habe PKK-Leuten mit Textilien . Im Jahr 1998 sei er weggegangen und zehn Monate lang nicht nach Hause gekommen. Als er eine gefälschte Identitätskarte gehabt habe, sei er zurückgekehrt. Am 1. März 2002 sei die Polizei zu ihnen gekommen. Ihr Ehemann habe über den Balkon fliehen können, bevor sie die Türe geöffnet habe. Die Polizisten hätten sie an den Haaren  und sie beschimpft. Sie sei danach zusammen mit den Kindern zu ihrer Schwiegermutter gegangen, bei der sie einmal übernachtet hätten. Ihren Ehemann habe sie eine Woche später bei Verwandten kurz gesehen. Drei Monate später habe es nochmals eine Razzia ; einer der Polizisten sei anzüglich geworden und habe ihr den Mund zugehalten. Sie sei ohnmächtig geworden, man habe sie . Nachher sei sie zu ihrer Schwiegermutter gegangen und dort geblieben. Seither leide sie unter Depressionen; sie sei deshalb zu  Psychiater gegangen, der ihr eine Spritze gegeben habe. Sie sei dieses Jahr fünf- bis sechsmal nach ihrem Mann gefragt worden.
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A.d Das Bundesamt forderte die Beschwerdeführerin am 14. Oktober 2002 auf, einen ärztlichen Bericht vom sie behandelnden Spezialarzt erstellen zu lassen und einzureichen.
Dr. E._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, übermittelte dem Bundesamt am 5. November 2002 einen ärztlichen Bericht.
A.e Am 27. Januar 2003 führte das Bundesamt eine ergänzende  der Beschwerdeführerin durch. Sie sagte aus, PKK-Leute  zu ihnen nach Hause gekommen; ihr Mann habe diesen Kleidung zur Verfügung gestellt. Ihr Ehemann sei im Jahre 2000 oder 2001  worden. Da er sich als sein Bruder ausgegeben habe, sei er wieder freigelassen worden. Sie habe in der Türkei viel durchgemacht und sei zurzeit in ärztlicher Behandlung. Sie fürchte sich immer noch vor Polizisten.
B. Mit Verfügung vom 9. April 2003 stellte das Bundesamt betreffend die Beschwerdeführerin, ihren Ehemann und ihre Kinder fest, diese  die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, und lehnte deren  ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.
C. Mit Eingabe vom 12. Mai 2003 an die Schweizerische  (ARK) liessen die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann  diese Verfügung durch ihren damaligen Rechtsvertreter  erheben und beantragen, die vorinstanzliche Verfügung sei  aufzuheben; es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit,  die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher  liessen sie zudem beantragen, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und es sei die unentgeltliche  zu bewilligen. Der als Ergänzung zur Beschwerde  separaten Eingabe betreffend die Beschwerdeführerin und die Kinder lag eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit der  bei.
D. Mit Verfügung vom 30. Juni 2003 hiess der Instruktionsrichter der ARK die Gesuche um Erlass der Verfahrenskosten und um Verzicht auf die
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Erhebung eines Kostenvorschusseses gut. Gleichzeitig verfügte er die Trennung des Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin und der Kinder von demjenigen des Ehemannes und Vaters. Die Beschwerde wurde dem Bundesamt zur Vernehmlassung übermittelt.
E. Am 15. August 2003 wurde der Beschwerdeführerin und ihrem  ihr Sohn D._ geboren.
F. Das Bundesamt beantragte in seiner Vernehmlassung vom 28. August 2003 die Abweisung der Beschwerde.
G. In ihrer Stellungnahme vom 17. September 2003 hielt die  an ihren Anträgen fest.
H. Am 16. Juli 2004 reichte die Beschwerdeführerin bei der ARK acht  ein (vgl. S. 3 der Eingabe).
I. Die Beschwerdeführerin übermittelte der ARK mit Schreiben vom 21. November 2005 einen ärztlichen Bericht der (...) vom 17. Oktober 2005.
J. Mit Schreiben vom 29. März 2006 zeigte der Rechtsvertreter unter  einer Vollmacht und eines Schreibens des Dorfvorstehers von (...) seine Mandatsübernahme an.
K. Am 13. November 2006 liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter ein Schreiben des türkischen Anwalts F._ vom 28. August 2006 einreichen.
L. Die Beschwerdeführerin reichte beim Bundesverwaltungsgericht am 2. April 2007 einen ärztlichen Bericht des (...) vom 21. Dezember 2006 ein.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des  vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die  der bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).
1.3 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Die  sind durch die angefochtene Verfügung berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde  (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie 50 und 52 VwVG). Der nach Erlass der erstinstanzlichen Verfügung geborene Sohn der  (vgl. oben unter E.) ist in das Beschwerdeverfahren einzubeziehen. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person , wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An-
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schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender  für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das Bundesamt wies die Asylgesuche der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder im Wesentlichen mit der Begründung ab, die von ihr und ihrem Ehemann erwähnten Ereignisse aus dem Jahr 1998 seien insgesamt nicht glaubhaft. In Würdigung der gesamten Umstände ihrer Asylbegründung habe sie nicht glaubhaft machen können, dass ihr in ihrer Heimat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit asyrelevante  drohten.
4.2 In der Beschwerde wird vorab auf die im Beschwerdeverfahren des Ehemannes bzw. Vaters der Beschwerdeführer eingereichte  verwiesen und geltend gemacht, im Juni 2002  zwei Polizisten Einlass in die Wohnung der Beschwerdeführerin begehrt. Diese hätten die Wohnung durchsucht; ein Polizist habe sie bedrängt, weshalb sie in Ohnmacht gefallen sei. Als sie wieder zu sich gekommen sei, habe sie realisiert, dass sie vergewaltigt worden sei. Sie habe mit niemandem darüber sprechen können und sei in ein  gegangen, wo man ihr eine Beruhigungsspritze gegeben habe. Fortan habe sie an Verfolgungswahn gelitten und immer, wenn sie  nach ihrem Mann gefragt habe, habe sie gemeint, es sei ein  gewesen. Bis heute habe sie mit ihrem Mann nicht über diese Fluchtgründe sprechen können. Die Vorinstanz habe verzichtet, sich eingehend mit diesen Vorbringen auseinanderzusetzen und habe  die Verfügung mangelhaft begründet; sie hätte für die  eine separate Verfügung erlassen müssen. Auch für
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den Rechtsvertreter sei es schwierig gewesen, alleine mit der Beschwerdeführerin über das Vorgefallene zu sprechen. Es werde darum ersucht, dass ergänzende Sachverhaltsabklärungen bezüglich ihrer psychischen Beschwerden gemacht würden. Allenfalls sei sie für ein gerichtliches Gutachten aufzubieten. Die Reflexverfolgung habe die Beschwerdeführerin aus Gründen ihres Geschlechts schwerer getroffen als ihren Mann. Sie erfülle die Flüchtlingseigenschaft aufgrund der erlittenen und daher wieder zu befürchtenden Nachteile.
4.3 Das Bundesamt führt in seiner Vernehmlassung aus, es habe in der Verfügung dargelegt, weshalb die Verfolgungssituation nicht  sei. Es sei nie in Zweifel gezogen worden, dass die  unter psychischen Problemen leide. Eine angemessene  sei in der Türkei grundsätzlich gewährleistet, weshalb es sich erübrige, den psychischen Zustand der Beschwerdeführerin von Amtes wegen näher abklären zu lassen.
4.4 In der Stellungnahme wird entgegnet, das Bundesamt habe die Glaubwürdigkeitsprüfung in Unkenntnis wesentlicher Sachverhaltsteile vorgenommen. Es gehe vorliegend nicht um die Frage der  eines Leidens in der Türkei, sondern um diejenige einer  Gefährdung durch eine Rückführung.
5.
5.1 Mit Urteil vom heutigen Tag stellte das Bundesverwaltungsgericht im mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2003 vom vorliegenden  getrennten Beschwerdeverfahren des Ehemannes bzw. Vaters der Beschwerdeführer fest, im vorinstanzlichen Verfahren sei der  der Beschwerdeführer auf rechtliches Gehör in mehrfacher Hinsicht verletzt worden. Die Verfügung vom 9. April 2003 wurde  des Ehemannes bzw. Vaters der Beschwerdeführer  und die Sache wurde zur Neubeurteilung an das Bundesamt .
5.2 Aufgrund des engen persönlichen und sachlichen  der erst auf Beschwerdeebene getrennten Asylverfahren und des Umstandes, dass auch die Beschwerdeführer von der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör betroffen sind, ist die  auch hinsichtlich der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder , die Verfügung vom 9. April 2003 aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Dabei wird sich
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das Bundesamt hinsichtlich der Beschwerdeführerin zusätzlich mit den von ihr geltend gemachten Übergriffen durch Polizisten und in diesem Zusammenhang mit den nach Erstellung der Vernehmlassung eingereichten Eingaben und Beweismitteln (u.a. ärztliche Berichte) zu befassen haben.
6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten  (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
6.2 Den Beschwerdeführern als obsiegender Partei ist in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 11.  2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem  (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die  notwendigerweise entstandenen Parteikosten zuzusprechen. Nachdem keine Kostennote zu den Akten gereicht worden ist und sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Aktenlage  abschätzen lässt, ist die von der Vorinstanz auszurichtende  von Amtes wegen festzusetzen (Art. 8 ff. i.V.m Art. 14 Abs. 2 VGKE). Dabei ist zu berücksichtigen, dass im abgetrennten  des Ehemannes bzw. Vaters der Beschwerdeführer zum Teil gleichlautende Eingaben gemacht wurden. Unter  der massgebenden Berechnungsfaktoren ist die vom  zu entrichtende Parteientschädigung von Amtes wegen pauschal auf Fr. 1'200.-- festzusetzen (inkl. Auslagen und MWST).
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