Decision ID: 4fad4b58-e884-5003-b629-0d9064064de7
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1983, war seit März 2013 bei der
Y._
AG als Cha
u
ffeur
tätig
und damit bei der CSS Versicherung AG (nach
folgend CSS) versichert, als
er
am 30. Januar 2017 beim Laden der Ware auf der Hebebühne ausrutschte und s
türzte und sich dabei am Rücken verletzte
(Urk.
7/1
).
Nach
getätigten
Abklärungen
stellte die CSS
die bis dahin erbrachten Leistungen
mit Verfügung vom
27. September 2017 (Urk. 7/66)
per
30. September 2017
ein. Die vom Versicherten am
18. Oktober 2017
erhobene
und am 29. November 2017 ergänzte
Einsprache (Urk.
7/70/3-4 = Urk. 7/71/1-2; Urk. 7/72
= Urk. 3
) wies die
CSS mit Entscheid vom 18. Dezember 2017 (Urk. 7/73
= Urk. 2)
ab
.
2.
Der
Versicherte erhob am
10. Januar 2018
Beschwerde gegen den
Ein
spra
che
entscheid
vom
18. Dezember 2017
(Urk. 2) und beantragte,
dieser sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen aus dem Ereignis vom 30. Januar 2017 über den 30. September 2017 hinaus auszurichten, eventuell sei er orthopä
disch/neurologisch zu begutachten
(Urk. 1 S.
2
Ziff. 1-2
). Mit Beschwerdeantwort vom
31. Januar 2018
(Urk.
6
) beantragte die
CSS
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
21. Februar 2018
zur Kenntnis gebracht (Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Be
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Abs. 2): Knochenbrüche (
lit
. a), Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskus
risse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Band
läsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h). Ausserdem erbringt die Ver
sicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozia
lversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
an
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchs
aufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer
(RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweisgrund
sätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kos
tenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig er
scheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) führte die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen aus,
dass gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung
das Unfall
ereignis überwiegend wahrscheinlich zu einer vorübergehenden Verschlimme
rung des ausgeprägten degenerativen Vorzustandes der Lendenwirbelsäule (LWS
) im Sinne eines symptomatisch
Werdens der
osteochondrotischen
Wirbel und
arthrotischen
Veränderungen geführt habe. Im natürlichen Verlauf sei unter Beach
tung der fortgeschrittenen degenerativen Veränderung davon auszugehen, dass nach spätestens sechs Wochen der Vorzustand erreicht worden sei. Die an
schliessenden Beschwerden seien überwiegend wahrscheinlich nicht unfallkausal, sondern aufgrund des degenerativen Vorzustandes erklärbar.
Die Leistungsein
stellung rund acht Monate nach dem Ereignis
per 30. September 2017
sei gestützt auf die einleuchtend begründeten kreisärztlichen Ausführungen und die
höchst
richterlich anerkannte medizinische Erfahrungstatsache, wonach eine trauma
tische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule in der Regel nach sechs bis
neun Monaten abgeschlossen sei, nicht zu beanstanden (S. 3 f. Ziff. 2.3).
Daran hielt die
Beschwerdegegnerin
in ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 6) grund
sätzlich fest.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber beschwerdeweise (Urk. 1) auf den Standpunkt, dass die Beschwerdegegnerin seinen altersentsprechend verfrüh
ten degenerativen Vorzustand nicht berücksichtigt habe (S. 4
Rz
5).
Die mannig
fach erhebliche Veränderung im Bereich der LWS könne nicht mit einer statis
tischen Grösse als nach einer gewissen Zeit ausschliesslich vorherrschend und damit verantwortlich für die anhaltenden Schmerzen seit dem Unfall angegeben werden. Wie nachhaltig eine Verletzung durch ein Trauma das vorbestehende
Be
schwerdebild beeinflussen könne, sei ausschliesslich über das beantragte orth
o
pädisch
e
/neurologische/rheumatologische Gutachten
klärbar
. Bis dieses vorliege, habe die von der Beschwerdegegnerin anhand des aktenmässigen Kreisarzt
be
richtes dekretierte Terminierung der Unfallfolgen als medizinisch nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit abgestützt und damit
als
unbewiesen zu gelten (S. 4 f.
Rz
6).
3.
3.1
Der Unfallmeldung vom
3. Februar 2017 (Urk. 7/1) ist zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer
am
30. Januar 2017
während der Arbeit
beim Laden der Ware auf der Hebebühne ausrutschte und stürzte und sich dabei am Rücken verletzte.
3.2
Am 2.
Februar 2017 berichtete
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Radiologie, über die gleichentags durchgeführte MRI-Untersuchung
des linken Oberschenkels (Urk. 7/8), wonach sich eine Flüssigkeitseinlagerung im
Subkutangewebe
und im
Musculus
glutaeus
zeige
. Es bestehe kein Nachweis eines Muskelfaserrisses, einer Raumforderung oder einer Blutung.
3.3
Gleichentags berichtete
Dr.
Z._
über die ebenfalls am 2.
Februar 2017 durch
geführte MRI-Untersuchung
der LWS (Urk. 7/9), wonach sich eine partiell
floride
Osteochondrose
bei
LWK
4/5,
zusätzlich links
betonte
subligamentäre
Protrus
ion
bei
LWK
5/S1
, Bandscheibenfach Höhenminderung mit
ausgeprägterer
linksbe
tonter, aktuell aber nicht
florider
Osteochondrose
zeige. In den Segmenten LWK 3/4, LWK 4/5 und LWK 5/S1 zeige sich ein Nachweis ausgeprägter degenerativer Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke mit ergussbetontem Segment LWK 3/4 und LWK 4/
5.
3.4
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie, nannte in seinem Bericht vom 15. Februar 2017 (Urk. 7/35) ein
posttraumatisches,
lumbo
radikuläres
Schmerz
syn
drom links bei Status nach Sturz aufs Gesäss am 30. Januar 2017 als Diagnose (S. 1
Mitte
)
und führte aus, dass die neurologische Untersuchung keine Hinweise auf eine relevante Läsion einer lumbalen oder sakralen Wurzel ergeben habe
. Der Status an den unteren Extremitäten sei unauffällig,
ebenso die durchgeführten
EMG
-(
Elektromyographie
)
Untersuchungen. Es werde eine Physiotherapie einge
lei
tet
(S. 2 Mitte).
3.5
Dr.
med.
B._
berichtete am 21. Februar
2017
(Urk. 7/16) über die Erstbe
handlung des Beschwerdeführers am 31. Januar 2017 und führte aus, dass er w
äh
rend der Arbeit eine Lumbago erlitten
habe
.
V
orher
habe er
nicht über Rückenschmerzen geklagt.
Vom 31. Januar bis zum 10. April 2017 liege eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor.
3
.6
PD
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates,
berichtete am 6. April
2017 (Urk. 7/38)
über
die gleichentags erfolgte erstmalige Behandlung des Beschwerdeführers und führte
aus, dass der Beschwerdeführer
am 30. Januar
2017 bei seiner Tätigkeit als Chauffeur bei einer Verladetätigkeit unvermittelt auf den Rücken und auf das Gesäss gefallen
sei und s
either
starke
lumboischialgieforme
Beschwerden
habe
. Die Beschwerden seien primär im Bereich des Rückens und im Bereich der linken Oberschenkel-Ventral-Seite gewesen, im weiteren Verlauf sei es dann auch zu einer massiven Ausstrahlung gekommen in das linke Bein.
Die durchgeführte
Kern
spintomographie (vgl. vorstehend E. 3.3)
zeige
diskopathische
Verände
rung
en in den unteren drei Bewegungssegmenten. Durch den Unfallmechanismus sei es durchaus denkbar, dass es beim Unfall zu einer Kompression der tieflumbalen bzw. sakralen Nervenwurzeln gekommen sei, welche durch die
Hyperlordosierung
der
LWS
bedingt gewesen sei.
Der
Beschwerdeführer
sei bis heute zu 100
% arbeitsunfähig
.
3.7
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Radiologie, berichtete am 5. Mai 2017 über die am 4. Mai 2017 durchgeführte MRI-Untersuchung der
LWS
und des
Ilio
sakralgelenks
(
ISG
; Urk. 7/37 = Urk. 7/41),
wonach eine flache
breitbasige
Dis
kushernie
LWK
3/4 und geringe aktivierte Facettengelenksarthrose links betont beidseits ohne signifikante Stenose oder Hinweis auf Wurzelkompression,
eine
Osteochondrose
Modic
Typ II LWK
4/5 und geringe
breitbasige
Diskusprotrusion
und beginnende aktivierte Facettengelenksarthrose beidseits mit geringer mög
licher
rezessaler
Tangierung der Wurzel L5 links ohne Kompression im Liegen, eine
Osteochondrose
Modic
Typ II LWK 5/
SWK
1 und
breitbasige
geringe rechts
betonte flache Diskushernie und beginnende Facettengelenksarthrose beidseits ohne signifikante Stenose oder Hinweis auf Nervenwurzelkompression vorliege. Ein Hinweis auf Frakturen liege hingegen nicht vor.
3.8
PD
Dr.
C._
führte in seinem Bericht vom 9. Mai
2017 (Urk. 7/39)
aus, dass er beim Beschwerdeführer
bisher
zweimalig eine schmerztherapeutische I
nterven
tion durchgeführt habe.
Bei nur leichter Beschwerdelinderung sei eine erneute MRI-Untersuchung durchgeführt worden (vgl. vorstehend
E. 3.7
).
3.9
Dr.
A._
nannte in seinem Bericht vom 10. Mai
2017 (Urk. 7/32)
ein bis anhin therapieresistentes, posttraumatisches,
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom links mit neu sensiblen Ausfällen L5/S1 links bei Status nach Sturz aufs Gesäss am 30. Januar 2017 als Di
agnose. Am 6. April 2017 habe der Beschwerdeführer eine Infiltration in den LWS-Bereich erhalten, danach hätten die lumbalen Schmerzen zugenommen und es komme seither auch zu vermehrten Schmerzausstrahlungen ins linke Bein. Eine zweite Infiltration sei am 3. Mai 2017 erfolgt, diesmal lumbal links und ohne Besserung der Beschwerden (S. 1). Beim Beschwerdeführer zeige sich
ein progredienter Verlauf der
lumboradikulären
Beschwerden links. Im Status bestünden nun sensible Ausfälle in den
Dermatomen
L5 und S1 links. Motorisch bestehe eine leichte Schwäche für die Heber- und
Senkerfunktion
des linken Fusses, möglich auch als Folge einer leichten Schmerzhemmung. Ansonsten sei
der neurologische Befund unauffällig, mit symmetrischen Beineigenreflexen
. Auch
die durchgeführten EMG-Untersuchungen seien normal, sodass eine relevante Läsion einer lumbalen oder sakralen Wurzel nicht anzunehmen sei. Es werde eine intensive Physiotherapie empfohlen
(S. 2).
3.10
Die Ärzte der
Klinik
E._
,
Muskulo
-Skelettal Zentrum, Wirbelsäulen
chi
rurgie und Neurochirurgie,
nannten in ihrem Bericht vom 9. Juni
2017 (Urk. 7/
55) folgende
Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom mit/bei
-
Status nach Sturz am 30. Januar
2017
-
ischialgieformen
Schmerzen im
Dermatom
L5 links
-
multisegmentale degenerative Veränderungen L3 bis S1
-
Osteochondrose
Typ
Modic
II LWK
4/5 und
LWK
5/SWK
1
-
Spondylarthrose
mit Erguss im
Fazettengelenk
LWK
3/4,
LWK
4/5 und LWK
5/SWK
1
-
breitbasige
Diskusprotrusion
mit möglicher
rezessaler
Tangierung der Wurzel L5 links
-
Diskopathie
LWK
3/4 und LWK
5/
SWK
1 mit
breitbasiger
Diskus
pro
trusion
ohne Hinweise auf Nervenwurzelkompression
Anlässlich der MRI-Untersuchung
vom
2. Februar 2017 (vgl. vorstehend E. 3.3
) habe sich eine altersuntypische multisegmentale degenerative Veränderung in den Segmenten L3 bis S1 gezeigt.
Eine zusätzliche neurologische Vorstellung bei
Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 3.
4
) habe einen regelrechten EMG-Befund ohne Hinweis auf eine relevante neurologische Läsion erbracht. Auch das erneute An
fertigen eines MRI (vgl. vorstehend E. 3.7) habe keine wesentlichen Befundände
rungen gezeigt
(S. 1 unten f.).
Die vom Beschwerdeführer geschilderten lumbalen Schmerzen seien am ehesten auf die
osteochondrischen
Veränderungen in den Etagen LWK
4/5 und LWK
5/SWK
1 zurückzuführen. Die
radikuläre
Symptomatik werde auf eine Wurzelreizung L5 links zurückgeführt. Eine
relevante Neurokom
pression zeige
sich in den MRI-Befunden
jedoch nicht
.
Mit dem Beschwerdeführer sei vereinbart worden, als nächsten Schritt eine Sakralblockinfiltration durchzu
führen
(S. 2 unten).
3.11
Die Ärzte der
Klinik
E._
,
Muskulo
-Skelettal Zentrum, Neurologie,
nannten in ihrem Bericht vom 19. Juli
2017 (Urk. 7/59)
folgende Diagnosen:
-
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit
linkscruraler
Ausstrahlung
-
a
namnestisch seit Sturz am 3
0.
Januar
2017
-
MRI LWS
4.
Mai
2017:
Osteochondrose
LWK
4/5 und
LWK
5/
SWK
1,
Spondylarthrosen
der Segmente
LWK
3/4, LWK
4/5 und
LWK
5/
SWK
1,
Diskopathie
LWK
4/5 ohne Wurzelkompression
-
Röntgen
LWK
ap
/seitlich und Funktionsaufnahme
n
8.
Juni
2017: regelrechtes Alignement ohne erkennbare Frakturen oder Instabilitäten, diskrete Höhenminderung der Bandscheibenfächer L3-S1
In der klinischen Untersuchung habe sich eine Schwäche für die Kernmuskulatur L5 und S1 links gezeigt, welche bei allerdings deutlich
sakkadierter
Kraftent
wicklung und normalem EMG nicht neurogenen Ursprungs zu werten sei.
Das MRI zeige degenerative Veränderungen der kaudalen LWS, eine relevante Ner
ven
kompression zeige sich nicht. Insgesamt könnten die erhobenen Befunde das ausgeprägte Leiden des
Beschwerdeführers
nicht erklären
. Bei ausgeschöpften Therapieansätzen im ambulanten Bereich werde zur Vermeidung einer
Chronifi
zierung
eine stationäre Rehabilitation empfohlen
(S. 2 unten).
3.12
Kreisarzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Trau
matologie des Bewegungsapparates,
führte in seiner Beurteilung vom 24. August
2017
(Urk. 7/61)
aus,
dass sich n
ach Durchsicht der Akten keine überwiegend wahrscheinlich unfallkausalen Läsionen
zeigen würden,
a
llerdingst bestünden ausgeprägte degenerative Vorzustände.
Dies werde auch in den Beur
teilungen der Radiologen bestätigt, eine unfallbedingte strukturelle Läsion werde nicht genannt.
Es sei durch das Unfallereignis überwiegend wahrscheinlich zu
einer vorübergehenden Verschlimmerung des ausgeprägten degenerativen Vorzu
stan
des der LWS im
Sinne eines symptomatisch
Werdens der
osteochondrotischen
Wirbel und
arthrotischen
Veränderungen der Facettengelenke gekommen. Im natürlichen Verlauf sei unter Beachtung der fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen davon auszugehen, dass nach spätestens sechs Wochen der Vor
zu
stand erreicht worden sei. Die anschliessenden Beschwerden seien überwiegend wahrscheinlich nicht unfallkausal, sondern aufgrund des degenerativen Vorzu
standes erklärbar (S. 2 unten f.).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer erlitt unbestrittenermassen am 30. Januar 2017 einen Unfall am Arbeitsplatz, als er beim Laden der Ware auf der Hebebühne aus
rutschte und stürzte und sich dabei am Rücken verletzte (vgl. vorstehend
E. 3.1, E. 3.4-3.6, E. 3.9-3.11
; vgl. auch Urk. 1 S. 3
Rz
4). Strittig und zu prüfen ist, ob
für
die noch vorhandenen Beschwerden des Beschwerdeführers
auch nach dem 30. September 2017 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
das Unf
allereignis vom 30. Januar 2017 ursächlich ist, oder ob der natürliche Kausalzusammenhang infolge Erreichens des Status quo sine dahingefallen ist.
4.2
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass die kreisärztliche Beurtei
lung durch
Dr.
F._
vom August 2017 (vorstehend
E. 3.12
) für die streitigen Belange umfassend ist und die geklagten Beschwerden des Beschwerdeführers sowie die medizinischen
Vorakten
berücksichtigt. Die Darlegung der medizini
schen Zusammenhänge und die Beurteilun
g der
medizinischen Situation leuchten ein und die Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar begründet (vgl. vorstehend E. 1.4-1.5).
Kreisarzt
Dr.
F._
hielt fest
, dass keine
überwiegend wahrscheinlich unfall
kausalen Läsionen
vorlägen, jedoch
ausgeprägte degenerative Vorzustände
be
stün
den (vorstehend
E. 3.12
).
Dabei stützte er sich insbesondere auf die beiden
MRI-Bildgebungen der LWS und des ISG vom Februar 2017 (vorstehend E. 3.3) und Mai 2017 (vorstehend E. 3.7
), wonach
ausgeprägte degenerative Verände
rungen der kleinen Wirbelgelenke mit ergussbetontem Segment LWK 3/4 und LWK 4/5
vorlägen
. Auch PD
Dr.
C._
und die Ärzte des
Muskulo
-Skelettal Zentrums der
Klinik
E._
sprachen gestützt auf die MRI-Bildgebung von
degenerativen Veränderungen
der LWS
(vorstehend
E. 3.6, E. 3.10-3.11
).
Eine
unfall
be
dingte strukturelle Läsion nannten die beiden Radiologen
Dr.
Z._
(vor
stehend E. 3.3) und
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.7
)
nicht. Zudem kam
der
behandelnde
Neurologe Dr.
A._
zum Schluss, dass gestützt auf
die
neuro
lo
gische Untersuchung
nicht von
eine
r
relevante
n
Läsion einer lumbalen oder sak
ralen Wurzel
auszugehen
sei
(vorstehend E. 3.4
, E. 3.9
)
.
Nach dem Gesagten
legte
Kreisarzt
Dr.
F._
in schlüssiger und nachvoll
ziehbarer Weise
dar
,
dass
es
durch das Unfallereignis überwiegend wahrscheinlich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des ausgeprägten degenerativen Vor
zustandes der LWS im Sinne eines symptomatischen Werdens der
osteochon
drotischen
Wirbel und
arthrotischen
Veränderungen der Facettengelenke gekom
men
sei
. Im natürlichen Verlauf sei unter Beachtung der fortgeschrittenen dege
nerativen Veränderungen davon auszugehen, dass nach spätestens sechs Wochen der Vorzustand erreicht worden sei. Die anschliessenden Beschwerden seien über
wiegend wahrscheinlich nicht unfallkausal, sondern aufgrund des degenerativen Vorzustandes erklärbar
(vorstehend
E. 3.12
).
Die Einschätzung von Kreisarzt
Dr.
F._
steht
insbesondere
auch im Ein
klang
mit der höchstrichterlich anerkannten medizinischen Erfahrungstatsache, wonach im Bereich des Unfallversicherungsrechts praktisch alle Diskushernien
bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Un
fall
ereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigent
liche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskus
hernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symp
tome der Diskushernie (vertebrales oder
radikuläres
Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit auftreten. In solchen Fällen hat die Unfall
ver
sicherung auch für Rezidive und allfällige Operationen aufzukommen. Ist die Diskushernie
, wie vorliegend,
bei degenerativem Vorzustand durch den Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, so hat sie nur Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Nach derzeitigem medizinischem Wissensstand kann das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und
Lumboischialgien
nach drei bis vier Monaten erwartet werden, wogegen eine allfällige richtunggebende Verschlimmerung röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der alters
üb
lichen Progression abheben muss; eine traumatische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule ist in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_17/2017 vom 4. April 2017 E. 2.3).
4.3
Der Beschwerdeführer machte geltend, die Beschwerdegegnerin habe seinen
alters
entsprechend verfrühten degenerativen Vorzustand nicht berücksichtigt
(vor
stehend E. 2.2)
. Die bei ihm bestehende
breitbasige
Diskushernie
LWK
3/4
,
Osteochondrose
LWK
4/5 mit geringer
breitbasiger
Diskusprotrusion
und geringer möglicher
rezessaler
Tangierung der Wurzel L5 links sowie
Osteochondrose
LWK
5/
SWK
1 bei beginnender Facettengelenksarthrose habe aufgrund des bis zum Unfall ausbalancierten Muskelgefüges bis zum Unfall keine nennenswerten Be
schwerden verursacht, obwohl dies anzunehmen gewesen wäre. Durch die nun mit dem Unfall bewirkte Ausschaltung des kräftigen
Musculus
gluteus
links und damit bewirkte Asymmetrie im Wirbelsäulenbereich sei der - bei normaler, alters
bedingt nicht zu erwartenden Vorzuständen nicht geeignete - Sturz nun aber tat
sächlich der «Trigger» gewesen, um den Vorzustand auf Dauer symptomatisch werden zu lassen, entsprechend der anhaltenden vollständigen Arbeitsun
fähig
keit (Urk. 1 S.
4
Rz
5
).
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass eine
Verschlimmerung bzw. Auslösung des ausgeprägten degenerativen Vorzustandes der L
WS im Sinne eines symptomatisch
Werdens der
osteochondrotischen
Wirbel und
arthrotischen
Veränderungen von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten wird, sondern unter
Bezugnahme auf die kreisärztliche
Beurteilung und
die
höchstrichterliche
Recht
sprechung zu degenerativen Vorzuständen im Bereich der
Wirbelsäule berück
sich
tigt wurde
(vorstehend E. 2.1; vgl. auch Urk. 6 S. 3).
Der diesbezügliche Ein
wand des Beschwerdeführers erweist sich demnach als unbegründet.
Zudem machte der Beschwerdeführer geltend, b
ei
lumbospondylogenen
Vorzu
ständen,
Osteochondrosen
und Diskushernien, insbesondere auch Facettenge
lenks
arthrosen bewirke deren Aktivierung neurophysiologische Störungen mit an
schlies
sender
Chronifizierung
des erstmals aufgetretenen Schmerzsyndroms. Dies
e Schmerzen könnten mit dem vorliegenden bildgebenden Verfahren der Neuro
logie nicht abschliessend erhoben werden, da sich dort in der Regel keine Hin
weise für
radikuläre
Komponenten finden lassen würden. Eine erhebliche, seit der Jugend vorgeschädigte Struktur wie bei ihm sei nach dem Aufprall auf diese Beschwerdebereiche, insbesondere mit der Ausschaltung des zuvor stabili
sie
renden
Musculus
gluteus
im Gesäss, ohne Weiteres geeignet, di
ese Schmerzen zu
chronifizieren
. Im Gegensatz zur Auffassung des Kreisarztes könne d
ie mannig
fach erhebliche Verän
derung im Bereich der LWS
nicht mit einer statistischen Grösse als nach einer gewissen Zeit ausschliesslich vorherrschend und damit ver
antwortlich für die anhaltenden Schmerzen seit dem Unfall angegeben werden. Wie nachhaltig eine Verletzung durch ein Trauma das vorbestehende Beschwer
de
bild beeinflussen könne, sei ausschliesslich über das beantragte orthopä
di
sch
e
/neurologische/rheumatologische Gutachten
klärbar
(Urk. 1 S. 4 f.
Rz
6; vgl. vorstehend E. 2.2). Weshalb nicht auf die nachvollziehbare und schlüss
ige
Beurteilung des Kreisarztes
Dr.
F._
abgestellt werden sollte, legte der Be
schwerdeführer weder gestützt auf anderslautende fachärztliche Berichte
dar
, noch
sind solche Berichte aktenkundig. Der diesbezügliche Einwand des Beschwer
de
führers erweist sich demnach ebenfalls als unbegrün
det und vermag die kreis
ärztliche Beurteilung von
Dr.
F._
nicht umzustossen.
4.4
Zusammenfassend hat die
Beschwerdegegnerin
zu Recht auf die
kreisärztliche Beurteilung von Dr.
F._
abgestellt, wonach
das Unfallereignis vom 30. Januar 2017
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer vorübergeh
en
den Verschlimmerung
des ausgeprägten degenerativen Vorzustandes der LW
S im Sinne eines symptomatisch
Werdens der
osteochondrotischen
Wirbel und
arthro
tischen
Veränderun
gen der Facettengelenke geführt habe,
der Vorzustand im
natürlichen Verlauf unter Beachtung der fortgeschrittenen degenerativen Verän
de
rungen nach spätestens sechs Wochen
w
ieder erreicht gewesen sei und die
a
nschliessenden Beschwerden
deshalb
überwiegend wahrscheinlich nicht unfall
kausal, sondern aufgrund des degenerativen Vorzust
andes erklärbar seien.
Demnach ist
- auch unter Berücksichtigung der
höchstrichterlichen Rechtspre
chung zu degenerativen Vorzuständen im Bereich der Wirbelsäule
nicht
-
zu bestanden, dass die
Beschwerdegegnerin
die Leistungen
acht Monate nach dem Ereignis
per 30. September 2017 eingestellt hat
. Der angefochtene
Einspracheent
scheid
erweist sich daher als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.