Decision ID: a144724b-77bb-5eed-8207-4b5069a24b4c
Year: 2012
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Eingabe vom 28. April 2011 (Eingang BFM) liess der Beschwerdefüh-
rer – ein eritreischer Staatsangehöriger, der sich zur Zeit in Khartum (Su-
dan) aufhält – durch seinen in der Schweiz lebenden Bruder (B._)
beim BFM ein Asylgesuch einreichen und um Erteilung einer Einreisebe-
willigung ersuchen.
Der Eingabe lagen unter anderem ein Schreiben des Beschwerdeführers
vom 5. April 2011 zu dessen Asylgründen und eine Vertretungsvollmacht
zugunsten seines Bruders bei.
B.
B.a Mit Schreiben vom 8. Juli 2011 teilte das BFM dem Bruder des Be-
schwerdeführers mit, dass gemäss Mitteilung der Schweizer Botschaft in
Khartum vom 23. März 2010 eine Befragung vor Ort aus sicherheitstech-
nischen, strukturellen und organisatorischen Gründen nicht möglich sei,
weshalb von einer solchen abgesehen werde. Gleichzeitig forderte es ihn
zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhalts auf, bis zum
8. August 2011 konkrete Fragen betreffend den Beschwerdeführer zu be-
antworten.
B.b Mit Schreiben vom 4. August 2011 nahm der Beschwerdeführer zu
den vom BFM aufgeworfenen Fragen Stellung.
C.
Der Beschwerdeführer und dessen Bruder machten in ihren Schreiben
vom 5. April 2011 respektive 4. August 2011 zur Begründung des Asylge-
suchs geltend, dass der Beschwerdeführer im Jahr 1998 in Sawa in den
Militärdienst eingetreten sei. Er habe nach Absolvierung der sechsmona-
tigen Grundausbildung am Krieg mit Äthiopien teilgenommen und seinem
Land bis im Jahr 2007 gedient. Die diktatorische Politik der Regierung sei
aber nicht mehr länger tolerierbar gewesen, weshalb er beschlossen ha-
be, sein Heimatland in Richtung Sudan zu verlassen. Er sei jedoch von
Sicherheitskräften gefasst und für ein Jahr im unterirdischen Gefängnis
"Hadish Measker" inhaftiert und gefoltert worden. Man habe ihm vorge-
worfen, als Schlepper gearbeitet zu haben. Nach seiner Entlassung sei er
wieder zu seiner Einheit nach Tesseney gesandt worden, von wo aus er
im Mai 2009 mit einem Freund in den Sudan geflohen sei. Dort sei er fünf
Monate geblieben, habe aber aus Angst, nach Eritrea zurückgeschafft zu
werden, seine Flucht Richtung Libyen fortgesetzt. In Libyen sei das Le-
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ben sehr schwierig gewesen; er sei mehrere Monate in Misrata im Ge-
fängnis gewesen, ehe er sich nach Ausbruch der Unruhen im Februar
2011 dazu entschlossen habe, in den Sudan zurückzukehren. Zur Zeit le-
be er in Khartum, wo er eine Wohnung mit anderen eritreischen Flüchtlin-
gen teile und seinen Lebensunterhalt mit der Hilfe seines Bruders bestrei-
te. Er könne aber nicht auf Dauer im Sudan bleiben, da die Gefahr beste-
he, nach Eritrea deportiert zu werden.
D.
D.a Mit Verfügung vom 10. November 2011 verweigerte das BFM dem
Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte sein Asylgesuch
ab.
D.b
D.b.a Zur Begründung führte es aus, dass aufgrund des vollständig er-
stellten Sachverhalts nicht von einer unmittelbaren Gefährdung des Be-
schwerdeführers auszugehen sei, die seine Einreise in die Schweiz als
notwendig erscheinen liesse. Die Schilderungen des Beschwerdeführers
(und dessen Bruders) liessen zwar darauf schliessen, dass seine Schwie-
rigkeiten mit den eritreischen Behörden asylbeachtlich seien, doch lebe er
jetzt im Sudan, wo er sich bei seiner ersten Einreise im Flüchtlingslager
Shegarab habe registrieren lassen. Die Lage vor Ort sei – mit Hinweis auf
den Bericht des "United States Committee for Refugees and Immigrants,
World Refugee Survey 2009 - Sudan" vom 17. Juni 2009 – für eritreische
Flüchtlinge unbestrittenermassen nicht einfach. Es würden aber keine
konkreten Anhaltspunkte zur Annahme bestehen, dass ein weiterer
Verbleib im Sudan für den Beschwerdeführer nicht zumutbar oder mög-
lich wäre. Eine allenfalls gehegte Befürchtung, nach Eritrea verschleppt
zu werden, erachte es als unbegründet. Es verfüge namentlich mit der
Schweizer Botschaft im Sudan über sehr gute Informationen über die La-
ge vor Ort. Gemäss gesicherten Erkenntnissen sei das Risiko einer De-
portation oder Verschleppung für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR als
Flüchtlinge anerkannt seien, gering. Das Bundesverwaltungsgericht
komme in vergleichbaren Fällen bezüglich der Situation eritreischer
Flüchtlinge und Asylsuchender im Sudan zum Schluss, "dass die sudane-
sischen Behörden zwar tatsächlich teilweise eritreische Asylsuchende
sowie Flüchtlinge deportierten, diese Rückführungen indessen nicht flä-
chendeckend erfolgen". Das Bundesverwaltungsgericht habe die vor-
instanzlichen Ablehnungen von Asylgesuchen aus dem Sudan bestätigt
und die Beschwerden als offensichtlich unbegründet abgewiesen (Urteil
D-2047/2010 vom 29. April 2010 und D-7225/2010 vom 14. Februar
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2011). Dazu sei zu erwähnen, dass vom UNHCR registrierte Flüchtlinge
im Sudan einem Flüchtlingslager zugeteilt seien, wo sie sich aufzuhalten
hätten und die nötige Versorgung erhalten würden. Die Flüchtlinge wür-
den im Sudan nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land
verfügen. Es sei dem Beschwerdeführer daher zuzumuten, sich in das
ihm zugewiesene Flüchtlingslager zu begeben. Dem Beschwerdeführer
sei es nach dem Gesagten zuzumuten, im Sudan zu verbleiben, weshalb
er den zusätzlichen subsidiären Schutz der Schweiz gemäss Art. 52
Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht be-
nötige.
D.b.b Schliesslich seien auch die Voraussetzungen zur Gewährung des
Familienasyls gemäss Art. 51 AsylG nicht erfüllt, da der Beschwerdefüh-
rer nicht zur Kernfamilie des in der Schweiz lebenden Bruders gehöre
und auch keine besonderen Umstände ersichtlich seien, die dazu führen
würden, dass ausnahmsweise von einer engen Beziehung auszugehen
sei.
E.
E.a Gegen die Verfügung des BFM liess der Beschwerdeführer durch den
rubrizierten Rechtsvertreter mit Eingabe vom 12. Dezember 2011 beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben. In materieller Hinsicht
beantragte er, die Verfügung des BFM sei aufzuheben und das BFM sei
anzuweisen, ihm die Einreise in die Schweiz zur Feststellung der Flücht-
lingseigenschaft zu bewilligen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1
des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG,
SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses. Schliesslich stellte er den Antrag auf Ausrichtung einer Parteient-
schädigung.
E.b Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass das BFM
keine praxiskonforme Prüfung der Gründe für die Erteilung einer Einrei-
sebewilligung zur Abklärung des Sachverhalts vorgenommen habe und
dass dessen Abklärungen als nicht zureichend erscheinen würden. Ent-
gegen der Ansicht des BFM würden vorliegend – vor allem im Hinblick auf
eine Länderauskunft der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom Juni 2011
(Eritrea: Familiennachzug über den Sudan in die Schweiz) – mehrere
Gründe für die Bewilligung der Einreise in die Schweiz gemäss Art. 20
Abs. 2 AsylG sprechen. Insbesondere scheine es für den Beschwerde-
führer im Moment nicht möglich, im Sudan wirksamen Schutz vor Verfol-
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gung zu finden. Das BFM bleibe hinsichtlich seiner diesbezüglichen Er-
wägungen jeglichen Nachweis schuldig und behaupte lediglich, sich auf
gesicherte Erkenntnisse stützen zu können. Des Weiteren seien die Um-
stände in den Flüchtlingscamps widrig. In Shegarab würden beispielswei-
se die Ernährung und die medizinische Versorgung ein grosses Problem
darstellen. Schliesslich bestehe eine familiäre Beziehung zur Schweiz, da
der Bruder des Beschwerdeführers hier als Flüchtling lebe.
F.
Am 16. Dezember 2011 verfügte der Instruktionsrichter, dass über das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von
Art. 65 Abs. 1 VwVG im Endentscheid befunden und auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses verzichtet werde. Gleichzeitig lud er das BFM zur
Einreichung einer Stellungnahme ein.
G.
G.a Mit Vernehmlassung vom 10. Januar 2012 nahm das BFM zur Be-
schwerde Stellung und beantragte deren Abweisung.
G.b Zur Begründung führte es aus, dass die Beschwerdeschrift keine
neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, welche eine
Änderung seines Standpunktes rechtfertigen würden. Den Beschwerde-
vorbringen, es habe die Zumutbarkeit eines Verbleibs des Beschwerde-
führers im Sudan als gegeben erachtet, ohne diesbezügliche Sachver-
haltsabklärungen getroffen zu haben und die "gesicherten Erkenntnisse",
gemäss welchen die Gefahr einer Deportation nach Eritrea als gering zu
erachten sei, seien lediglich behauptet, gelte es entgegenzuhalten, dass
sich seine Argumentation in der angefochtenen Verfügung sowohl auf den
Bericht des "United States Committee for Refugees and Immigrants,
World Refugee Survey 2009 - Sudan" vom 17. Juni 2009 sowie auf Aus-
künfte der Schweizer Botschaft im Sudan stütze. Im Weiteren werde in
der Verfügung auf massgebliche Urteile des Bundesverwaltungsgerichtes
verwiesen. Darüber hinaus sei festzuhalten, dass das Risiko einer Depor-
tation für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt
seien, sehr gering sei. Obwohl die eritreischen Behörden am 17. Oktober
2011 in der Nähe von Kassala rund 300 eritreische Staatsangehörige
nach Eritrea deportiert hätten, könne nicht von einer generellen Verschär-
fung der Problematik bezüglich Deportationen gesprochen werden, zumal
es sich bei den deportierten Personen gemäss Berichten von "Human
Rights Watch" um eine Gruppe gehandelt habe, die beim Versuch die su-
danesische Grenze nach Ägypten zu überqueren, verhaftet worden sei
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und die nicht als Flüchtlinge im Sudan registriert gewesen seien. Der Be-
schwerdeführer sei ein gesunder, (...)jähriger Mann, der als Flüchtling re-
gistriert sei, jedoch seit einiger Zeit in Khartum seinen Lebensunterhalt
bestreite und sich mit anderen eritreischen Flüchtlingen eine Wohnung
teile. Er verfüge offensichtlich über ein soziales und wirtschaftliches Be-
ziehungsnetz in Khartum. Die Gefahr einer Deportation des Beschwerde-
führers nach Eritrea sei somit als gering einzustufen. Das Vorhandensein
eines Bruders in der Schweiz vermöge wohl eine gewisse Beziehungsnä-
he zur Schweiz belegen. Im Rahmen einer Gesamtbeurteilung der Situa-
tion des Beschwerdeführers seien die Kriterien, welche die Zufluchtnah-
me im Sudan als zumutbar erscheinen liessen, jedoch als gewichtiger zu
werten, als die Beziehungsnähe zur Schweiz.
H.
H.a Mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2012 erteilte der Instruktions-
richter dem Beschwerdeführer in Bezug auf die Vernehmlassung des
BFM das Replikrecht.
H.b In der Replik vom 31. Januar 2012 liess der Beschwerdeführer an
den in der Beschwerde gestellten Begehren festhalten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden
nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-
gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus-
nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher
zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1
AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-
treten.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Ein Asylgesuch kann gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG im Ausland bei ei-
ner schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht
an das BFM überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfahrens
bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht Art. 10 der Asylver-
ordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR
142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine
Befragung durchführt (Art. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht möglich, so
wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asyl-
gründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1).
3.2 Der Umstand, dass das vorliegende Gesuch nicht entsprechend dem
Wortlaut von Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 AsylG bei einer schweizerischen
Vertretung, sondern direkt beim BFM eingereicht wurde, ist nicht mass-
gebend (vgl. dazu Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen]
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2b). Die
Eingabe vom 28. April 2011 wurde daher zu Recht als Asylgesuch aus
dem Ausland anhand genommen.
3.3 Vorliegend wurde auf eine Befragung durch die Botschaft in Khartum
mangels entsprechender Kapazitäten verzichtet und dem Bruder des Be-
schwerdeführers – zwecks Wahrung des rechtlichen Gehörs – ein schrift-
licher Fragenkatalog zugestellt. Vor dem Hintergrund der massgeblichen
Praxis zur Behandlung von Asylgesuchen aus dem Ausland sowie unter
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Berücksichtigung der gesamten Aktenlage ist festzustellen, dass in vor-
liegender Sache auf eine Befragung des Beschwerdeführers verzichtet
werden durfte und mit der Einladung zur Stellungnahme den massgebli-
chen verfahrensrechtlichen Anforderungen Genüge getan wurde (vgl. da-
zu BVGE 2007/30).
4.
4.1
4.1.1 Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden
die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zuge-
mutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben
oder in ein anderes Land auszureisen. Bei diesem Entscheid sind die
Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreisebewilligung grundsätzlich
restriktiv zu handhaben, wobei den Behörden ein weiter Ermessens-
spielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne
von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die
Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Be-
ziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und ob-
jektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraus-
sichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht
zu ziehen (vgl. dazu die weiterhin zutreffende Praxis gemäss EMARK
1997 Nr. 15 E. 2d-g).
4.1.2 Nach Art. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Ausland
befindet, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden
kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Bei der
Anwendung von Art. 52 Abs. 2 AsylG ist in einer Gesamtschau zu prüfen,
ob es aufgrund der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es gerade
die Schweiz ist, die den angesichts der bestehenden Gefährdung erfor-
derlichen Schutz gewähren soll (vgl. EMARK 2004 Nr. 21 E. 4a). Dabei
sind namentlich die bereits vorstehend unter E. 4.1.1 erwähnten Kriterien
zu berücksichtigen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15, insbesondere E. 2f).
4.2
4.2.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist – in Übereinstimmung
mit der Vorinstanz – festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer zuge-
mutet werden kann, im Sudan zu verbleiben. Zur Vermeidung von Wie-
derholungen ist auf die ausführlichen und zutreffenden Erwägungen in
der angefochtenen Verfügung und in der Vernehmlassung zu verweisen
(vgl. Bst. D.b.a und G.b vorstehend). Der Argumentation des BFM werden
auf Beschwerdeebene lediglich wenig fundierte Behauptungen entgegen-
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gesetzt. Das Vorbringen, das BFM habe keine praxiskonforme Prüfung
der Gründe für die Erteilung einer Einreisebewilligung zur Abklärung des
Sachverhalts vorgenommen, ist im Hinblick auf die ausführliche Begrün-
dung in der angefochtenen Verfügung (und die Ergänzung in der Ver-
nehmlassung) nicht nachvollziehbar. Zudem sind die Vorbringen, das
BFM habe den Sachverhalt nicht zureichend abgeklärt und es behaupte
lediglich, sich bezüglich der Deportations- und Entführungsgefahr auf ge-
sicherte Erkenntnisse zu stützen, unbegründet. Das BFM hat sich bei sei-
nem Entscheid gemäss ausdrücklichem Hinweis in der angefochtenen
Verfügung und entsprechender Bestätigung in der Vernehmlassung auf
Auskünfte der Schweizer Botschaft, den Bericht des "United States Com-
mittee for Refugees and Immigrants, World Refugee Survey 2009 - Su-
dan" vom 17. Juni 2009 sowie auf Urteile des Bundesverwaltungsgerichts
gestützt. Auch das Vorbringen, es sei dem Beschwerdeführer nicht mög-
lich, im Sudan wirksamen Schutz vor Verfolgung zu finden, ist eine unbe-
wiesene Behauptung. Es wurde in diesem Zusammenhang zwar auf die
Länderauskunft der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom Juni 2011 ver-
wiesen, eine konkret drohende Deportation des Beschwerdeführers wur-
de aber nicht geltend gemacht. Der Beschwerdeführer verfügt auch nicht
über ein hohes politisches Profil, welches ihn einem erhöhten Deportati-
onsrisiko aussetzen würde. Es ist ihm zudem zuzumuten, sich in das ihm
zugeteilte Flüchtlingslager zu begeben, wenn er sich an seinem derzeiti-
gen Aufenthaltsort in Khartum nicht hinreichend sicher fühlt. Den Vorbrin-
gen betreffend die widrigen Umstände in den Flüchtlingslagern ist ent-
gegenzuhalten, dass in den unter der Verwaltung des UNHCR stehenden
Flüchtlingslagern der Grundbedarf an Versorgung grundsätzlich gedeckt
ist.
4.2.2 Der Beschwerdeführer ist nach dem Gesagten nicht auf den subsi-
diären Schutz der Schweiz angewiesen. Schliesslich vermag sein in der
Schweiz sich aufhaltender Bruder keinen derartig gewichtigen Anknüp-
fungspunkt ableiten, als dass eine Abwägung der Gesamtumstände im
Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG dazu führen müsste, dass es gerade die
Schweiz ist, die ihm den erforderlichen Schutz gewähren soll.
4.2.3 Im Begründungsteil der angefochtenen Verfügung nimmt das BFM
eine Auseinandersetzung mit der Familienzusammenführung unter dem
Aspekt von Art. 51 AsylG vor und kommt zur Erkenntnis, die gesetzlichen
Voraussetzungen seien nicht erfüllt (vgl. Bst. D.b.b vorstehend). Dazu ist
jedoch festzuhalten, dass der Beschwerdeführer kein derartiges Gesuch
gestellt hat (vgl. vor allem die klaren Anträge im Asylgesuch, aber auch
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die Beschwerdebegehren). Somit hat das BFM zu Unrecht die Familien-
zusammenführung gemäss Art. 51 AsylG geprüft, weshalb darauf nicht
näher einzugehen ist.
4.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM dem Beschwerde-
führer zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert und dessen Asyl-
gesuch abgelehnt hat.
5.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer-
de ist nach dem Gesagten abzuweisen.
6.
6.1 Aufgrund vorstehender Erwägungen erweisen sich die Beschwerde-
begehren als aussichtslos. Das Gesuch des Beschwerdeführers um un-
entgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist damit –
unabhängig von einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit – abzuwei-
sen.
6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). In Anwendung
von Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR
173.320.2) ist jedoch auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzich-
ten.
6.3 Bei diesem Verfahrensausgang ist keine Parteientschädigung im Sin-
ne von Art. 64 Abs. 1 VwVG auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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