Decision ID: 87a689a5-d6d1-503e-b686-17cbcc2f5f8f
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christian Geosits, Dufourstrasse 32, Postfach,
8032 Zürich,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Einstellung in der Anspruchsberechtigung
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war ab 1. Juli 2005 bei der B._ (nachfolgend: B._) als Geschäftsführer
angestellt (act. G 3.1). Am 31. August 2006 kündigte die B._ das Arbeitsverhältnis
unter Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfrist von vier Monaten per 31. Dezember
2006 und stellte ihn gleichzeitig per sofort von der Arbeit frei (act. G 3.2). Mit
Arbeitsvertrag vom 11./15. Oktober 2006 stellte die C._ (nachfolgend: C._) den
Versicherten per 1. Januar 2007 als Verkaufsleiter Sport an (act. G 3.3). Sie löste dieses
Arbeitsverhältnis bereits vor Stellenantritt mit Schreiben vom 21. November 2006
wieder auf (act. G 3.4), wobei sie nachträglich eine Lohnzahlungspflicht bis 7. Januar
2007 anerkannte (act. G 3.17).
A.b Am 30. November 2006 meldete sich der Versicherte zum Bezug von
Arbeitslosenentschädigung an (act. G 3.6 und 3.11). Mit Verfügung vom 23. Juli 2007
stellte ihn die Kantonale Arbeitslosenkasse ab 1. Januar 2007 für 56 Tage in der
Anspruchsberechtigung ein, da dem Schlussbericht der Kantonspolizei St. Gallen vom
28. Februar 2007 (act. G 3.32) zu entnehmen sei, dass er gegenüber der B._ den
Tatbestand der ungetreuen Geschäftsführung begangen habe (act. G 3.37).
B.
Am 13. September 2007 liess der Versicherte Einsprache gegen die
Einstellungsverfügung erheben (act. G 3.38). Am 19. September 2007 sistierte die
Kantonale Arbeitslosenkasse das Einspracheverfahren bis zum Abschluss des
Strafverfahrens (act. G 3.39). Mit Strafbescheid vom 31. Oktober 2007 sprach das
Untersuchungsamt St. Gallen den Versicherten der mehrfachen Veruntreuung schuldig
(act. G 3.40). Mit Entscheid vom 22. Februar 2008 wies die Kantonale
Arbeitslosenkasse die Einsprache ab (act. G 4.41).
C.
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C.a Mit Eingabe vom 10. April 2008 erhebt Rechtsanwalt lic. iur. Christian Geosits als
Vertreter des Versicherten Beschwerde und beantragt, der Einspracheentscheid sei
aufzuheben; eventualiter sei der Beschwerdeführer in der Anspruchsberechtigung für
maximal 2 Tage einzustellen. Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, für die
Anspruchsbegründung auf Taggelder sei die Kündigung der C._ massgebend. Ihr
gegenüber habe der Beschwerdeführer seine arbeitsvertraglichen Pflichten in keiner Art
und Weise verletzt (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 30. April 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, die
Auflösung des Arbeitsverhältnisses bei der
C._ sei auf das Fehlverhalten des Beschwerdeführers bei der B._ zurückzuführen.
Die Kausalität zwischen der verübten Veruntreuung und der Arbeitslosigkeit werde
somit nicht unterbrochen (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 16. Juni 2008 hält der Vertreter des Beschwerdeführers an seinen
Anträgen fest (act. G 7).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Art. 44 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV; 837.02) zählt
beispielhaft gewisse Tatbestände selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit auf. So ist die
Arbeitslosigkeit nach Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV namentlich dann selbstverschuldet, wenn
die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung
arbeitsvertraglicher Pflichten, dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des
Arbeitsverhältnisses gegeben hat.
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1.2 Im Weiteren ist bei der Prüfung der Frage, ob eine Einstellung zulässig ist, das
Übereinkommen Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die
Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988
(SR 0.822.726.8; nachfolgend Übereinkommen) zu beachten, das für die Schweiz am
17. Oktober 1991 in Kraft getreten ist. Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens
können Leistungen, auf welche eine geschützte Person bei Arbeitslosigkeit Anspruch
gehabt hätte, verweigert, entzogen, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden, wenn
die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vorsätzlich zu ihrer
Entlassung beigetragen hat. Diese staatsvertragliche Norm ist im Einzelfall direkt
anwendbar (BGE 124 V 236 E. 3c) und geht den nationalen Bestimmungen für den
Erlass einer Einstellungsverfügung vor. Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung
setzt somit voraus, dass die versicherte Person vorsätzlich zu ihrer Entlassung
beigetragen hat. Im Sozialversicherungsrecht handelt vorsätzlich, wer eine Tat mit
Wissen und Willen begeht, oder mindestens im Sinne des Eventualvorsatzes in Kauf
nimmt (Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss.
Zürich 1998, S. 52). Eine zumindest eventualvorsätzliche Herbeiführung der
Arbeitslosigkeit liegt z.B. dann vor, wenn die versicherte Person auf Grund einer
Verwarnung weiss, dass ein bestimmtes Verhalten vom Arbeitgeber nicht - oder nicht
mehr - toleriert wird und zu einer Kündigung führt, sie aber die ihr nach den
persönlichen Umständen und Verhältnissen zumutbare Anstrengung zu einer Änderung
des vom Arbeitgeber beanstandeten Verhaltens nicht aufbringt (vgl. BVR 1999 S. 373
ff.). Hat eine versicherte Person nur grob fahrlässig zur Kündigung durch den
Arbeitgeber beigetragen, ist eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss
Art. 20 lit. b des Übereinkommens nicht zulässig.
2.
2.1 Der Vertreter des Beschwerdeführers macht im Wesentlichen geltend, dieser
habe aufgrund des Verlusts der Arbeitsstelle bei der C._ Arbeitslosenentschädigung
beantragt. Diese habe ihre Kündigung einzig und allein mit Vorfällen bei der früheren
Arbeitgeberin des Beschwerdeführers begründet. Gegenüber der C._ habe der
Beschwerdeführer seine arbeitsvertraglichen Pflichten in keiner Art und Weise verletzt.
Er habe sie über sein früheres Arbeitsverhältnis bei der B._ korrekt informiert. Es sei
deren klarer und freier Entscheid gewesen, das Arbeitsverhältnis mit dem
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Beschwerdeführer zu begründen, ohne eine Referenz bei der früheren Arbeitgeberin
einzuholen. Nach Unterzeichnung des Vertrages habe sie aber Kenntnis von den
"Ungereimtheiten" bei der früheren Arbeitgeberin erhalten. Anders als bei
Vertragsabschluss seien diese für die C._ plötzlich so wichtig gewesen, dass sie sich
entschlossen habe, den Arbeitsvertrag mit dem Beschwerdeführer wieder zu kündigen.
Den Beschwerdeführer treffe kein Verschulden daran, dass die C._ vor
Vertragsunterzeichnung auf Referenzen verzichtet habe. Genauso wenig treffe ihn ein
Verschulden daran, dass die C._ ihre Meinung im Nachhinein geändert und die
Referenz der B._ plötzlich für vertragswesentlich deklariert habe. Der
Beschwerdeführer sei nicht verpflichtet gewesen, im Rahmen der Bewerbung von sich
aus Negatives zu erzählen (act. G 1).
2.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist vorliegend nicht die
Kündigung durch die C._, sondern diejenige durch die B._ für die Beurteilung der
Einstellung massgebend. So geht aus den Akten deutlich hervor, dass der
Beschwerdeführer aufgrund seines strafbaren Verhaltens gegenüber der B._
arbeitslos wurde. Die C._ hätte mit dem Beschwerdeführer keinen Arbeitsvertrag
abgeschlossen, wenn sie im betreffenden Zeitpunkt bereits Kenntnis von seinem
Fehlverhalten gegenüber der B._ gehabt hätte, begründet sie doch die Auflösung des
Arbeitsverhältnis ausdrücklich mit entsprechenden Ungereimtheiten (act. G 3.4). Auch
der Beschwerdeführer selbst geht davon aus, dass sein Verhalten gegenüber der B._
ursächlich für die Kündigung der C._ war (act. G 1, Ziff. 5.1; G 7 Ziff. 2.1). Er hat die
Arbeitsstelle bei der C._ nie angetreten. Allein der Umstand, dass er von ihr für eine
Woche Lohn erhielt (vgl. act. G 3.17), vermag die Kausalität zwischen der durch die
B._ erfolgten Kündigung wegen Veruntreuung und seiner Arbeitslosigkeit nicht zu
unterbrechen. Dies umso weniger, als diese Veruntreuung auch die C._ zur
Auflösung des Arbeitsverhältnisses veranlasste.
2.3 Es stellt sich die Frage, ob der Beschwerdeführer durch eigenes Verschulden
arbeitslos geworden ist. Zwar hält der Vertreter des Beschwerdeführers zutreffend fest,
dieser habe gegenüber der C._, wenn überhaupt, nur eine Informationspflicht in
Bezug auf das damals laufende Strafverfahren verletzt, doch ist dies vorliegend nicht
ausschlaggebend. Als Grund für die Arbeitslosigkeit des Beschwerdeführer ist in jedem
Fall die mehrfache Veruntreuung gegenüber der B._ anzusehen. Wegen dieser
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Straftat verlor er einerseits seine Arbeitsstelle bei der B._, andererseits sprach auch
die C._ aus diesem Grund die Kündigung aus, bevor der Beschwerdeführer seine
neue Arbeitsstelle überhaupt angetreten hatte. Somit war das strafbare Verhalten des
Beschwerdeführers kausal für beide Kündigungen. In jedem Fall hat der
Beschwerdeführer seine Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG
selbstverschuldet, stellt doch die Begehung eines Verbrechens oder Vergehens
während der Anstellung einen wichtigen Grund für eine fristlose Kündigung gemäss Art.
337 OR dar, soweit die Vertrauenswürdigkeit dahingefallen ist (Ullin Streiff/Adrian von
Kaenel, Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319-362 OR, 6. Auflage, Zürich Basel
Genf 2006, Art. 337 N 5). Als Geschäftsführer hatte der Beschwerdeführer eine
Vertrauensstellung inne. Dieses Vertrauen hat er durch die mehrfache Veruntreuung
zerstört. Er musste damit rechnen, dass er seine Stelle verlieren würde, sobald seine
Arbeitgeberin von den Veruntreuungen Kenntnis erlangen würde. Mit seinem strafbaren
Verhalten gegenüber der B._ hat er seine Arbeitslosigkeit (eventual-)vorsätzlich
selbstverschuldet. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer somit zu Recht
in der Anspruchsberechtigung eingestellt.
3.
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs.
3 AVIG) und beträgt je nach Einstellungsgrund 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2
lit. a bis c AVIV). Bei der Bemessung des Verschuldens sind die persönlichen
Verhältnisse der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei alle Umstände des
konkreten Einzelfalles miteinzubeziehen sind (vgl. Chopard, a.a.O., S. 167 f.). Im
vorliegenden Fall ist die Beschwerdegegnerin von einem schweren Verschulden
ausgegangen und hat den Beschwerdeführer für 56 Tage in der
Anspruchsberechtigung eingestellt. Dem Strafbescheid vom 31. Oktober 2007 ist klar
zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer gegenüber der B._ der mehrfachen
Veruntreuung strafbar gemacht und einen Schaden von über Fr. 8'000.-- verursacht
hat. Dieses Verhalten ist als schweres Verschulden im Sinne von Art. 45 Abs. 2 lit. c
AVIV zu qualifizieren. Der Beschwerdegegner vermag zu seiner Entlastung nichts
vorzubringen, und auch den Akten sind keine Hinweise auf ein schuldminderndes
Verhalten zu entnehmen. In Anbetracht aller Umstände hat die Beschwerdegegnerin
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das Verschulden des Beschwerdeführers nach pflichtgemässem Ermessen
eingeschätzt, weshalb die Einstellung für 56 Tage nicht zu beanstanden ist.
4.
Im Sinne der obigen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG