Decision ID: 59514025-3ffb-5c44-8a6a-d72b7317853f
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. A_ (nachfolgend auch: Beschwerdeführer) wurde von der kantonalen Steuerverwaltung
Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend auch: Vorinstanz) am 8. Januar 2014 für die Staats-
und Gemeindesteuern sowie die direkte Bundessteuer 2011 und 2012 veranlagt.
Der Beschwerdeführer führt zusammen mit seinem Vater, B1_, einen
Landwirtschaftsbetrieb in C_. In den Steuererklärungen 2011 und 2012 hatte er sowohl für
das Jahr 2011 als auch das Jahr 2012 je ein Einkommen im Betrag von Fr. 12‘000.-- aus
selbständiger Erwerbstätigkeit im Zusammenhang mit diesem Landwirtschaftsbetrieb
deklariert. Gleichzeitig hatte er in den Steuererklärungen unter dem Titel „Betriebskosten,
Aufwendungen, Erhalt. Ko“ einen Verlust aus der landwirtschaftlichen Tätigkeit in der Höhe
von je Fr. 4‘000.-- für das Jahr 2011 und Fr. 2012 angegeben und vom steuerbaren
Einkommen abgezogen. Der zuständige Steuerkommissär gewährte diese vom
Beschwerdeführer deklarierten Abzüge in den Steuerveranlagungen 2011 und 2012 nicht
mit der Hauptbegründung, es liege bei einem Verlustausweis seit mehreren Jahren keine
auf Erwerbseinkommen ausgerichtete Tätigkeit vor, weshalb Verluste nicht mit dem übrigen
Einkommen verrechenbar seien.
B. Am 13. Februar 2013 erhob der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz Einsprache gegen
die Steuerveranlagungen 2011 und 2012, sowohl die Staats- und Gemeindesteuern als
auch die direkte Bundessteuer betreffend. Mit Einspracheentscheid vom 25. März 2018
wies die Vorinstanz die Einsprachen ab. Wer die Landwirtschaft bloss hobbymässig
betreibe, könne die damit verbundenen Verluste nicht abziehen. Ausserdem hätten sich bei
der Prüfung der Buchhaltung des Landwirtschaftsbetriebs diverse formelle und materielle
Mängel gezeigt, so dass der vom Beschwerdeführer deklarierte Verlust auch aus diesem
Grund auf Fr. 0.-- zu korrigieren sei.
C. Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vom Beschwerdeführer am 26. April
2018 (Postaufgabe) beim Obergericht eingereichte Beschwerde. Weil die Beschwerde die
Veranlagung sowohl der Staats- und Gemeindesteuern als auch der direkten Bundessteuer
betrifft, wurde sie mit Blick auf die unterschiedlichen Rechtsgrundlagen in zwei formell
getrennte, aber gleichzeitig behandelte Verfahren aufgeteilt (O2V 18 16 und O2V 18 18).
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Das vorliegende Verfahren O2V 18 18 betrifft die Veranlagung der direkten Bundessteuer
2011 und 2012.
D. Nachdem der Beschwerdeführer die angeforderten Kostenvorschüsse von je Fr. 800.-- für
die Verfahren O2V 18 16 und O2V 18 18 rechtzeitig an die Gerichtskasse geleistet hatte,
wurde die Vorinstanz mit Verfügung vom 23. Mai 2018 zur Vernehmlassung eingeladen. Mit
Eingabe vom 27. Juni 2018 beantragte sie Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge
zulasten des Beschwerdeführers.
E. Am 13. November 2018 führte die zweite Abteilung des Obergerichts, dem Antrag des
Beschwerdeführers entsprechend, in Trogen eine mündliche Verhandlung durch. An dieser
Verhandlung liess sich der Beschwerdeführer durch seinen Vater, B1_ vertreten,
während die kantonale Steuerverwaltung, vertreten durch D_, teilnahm. Das Protokoll
der Verhandlung wurde den Parteien mit Verfügung vom 20. November 2018 zugestellt.
Die Streitsache wurde direkt im Anschluss an die mündliche Verhandlung in Abwesenheit
der Parteien beraten und darüber entschieden. Die Beschwerden in den Verfahren O2V 18
16 und O2V 18 18 wurden teilweise gutgeheissen, soweit darauf einzutreten war.
Die schriftliche Begründung des Urteils O2V 18 18 wird hiermit eröffnet.

Erwägungen
1. Formelles
1.1
Die vorliegend zu beurteilende Beschwerde wurde im Namen der „E_“ eingereicht.
Angefochten wurden mit der von A_ und B1_ (für „Fam. B1_“) unterzeichneten und
beim Obergericht eingereichten Beschwerdeschrift allerdings zwei Entscheide der
kantonalen Steuerverwaltung, die sich einerseits an A_ persönlich (Einspracheentscheid
betreffend A_ in Sachen Steuerveranlagung 2011 und 2012) und andererseits an B1_
und B2_ persönlich (Einspracheentscheid betreffend B1_ und B2_ in Sachen
Steuerveranlagung 2011 und 2012) richten. Es kann an dieser Stelle offengelassen
werden, ob der „E_“ überhaupt eine Rechtspersönlichkeit zukommt. Die
Einspracheentscheide der Steuerverwaltung, auf welche sich die Beschwerdeschrift
Seite 5
inhaltlich bezieht, können offensichtlich nur von A_ einerseits bzw. B1_ und B2_
andererseits angefochten werden. Das vorliegende Verfahren betrifft den an A_
gerichteten Einspracheentscheid der Vorinstanz. Die Beschwerdeschrift wurde von A_
(mit)unterzeichnet. Dies genügt in formeller Hinsicht, um die Eingabe als Beschwerde von
A_ gegen den ihn betreffenden Einspracheentscheid der Steuerverwaltung
entgegenzunehmen. Gemäss ausdrücklicher Vollmachtserteilung in der Beschwerdeschrift
hat A_ seinen Vater, B1_, gültig zum Vertreter im Steuerverfahren bestellt.
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung von A_ als auch
hinsichtlich der übrigen Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind. Auf die Beschwerde ist
deshalb grundsätzlich einzutreten.
1.2
B1_ und B2_ haben gleichzeitig wie der Beschwerdeführer eine Beschwerde gegen
den sie betreffenden Einspracheentscheid der Steuerverwaltung in Sachen Staats- und
Gemeindesteuern bzw. direkte Bundessteuer 2011 und 2012 eingereicht. Der
diesbezüglich in verfahrensrechtlicher Hinsicht gestellte Antrag auf Verfahrensvereinigung
(Ziff. 1 der Rechtsbegehren) wird abgewiesen. Im Zusammenhang mit der Beschwerde von
B1_ und B2_ wurden die separaten Verfahren O2V 18 12 und O2V 18 14 eröffnet. Da
Anfechtungsobjekt und Beschwerdeführer der Verfahren O2V 18 12 und 14 einerseits bzw.
O2V 18 16 und 18 andererseits somit gar nicht übereinstimmen, besteht weder ein Anlass
noch eine Möglichkeit, die beantragte Verfahrensvereinigung vorzunehmen. Die vier
Verfahren wurden aber aufgrund des engen Sachzusammenhangs gemeinsam behandelt
und entschieden, womit im Resultat das Anliegen des Beschwerdeführers, möglichst
effizient und sachgerecht vorzugehen, durchwegs berücksichtigt wurde.
1.3
a. Das vom Beschwerdeführer beantragte mündliche Anhörungsrecht wurde ihm im
Rahmen der mündlichen Verhandlung gewährt (vgl. Ziff. 4 der Rechtsbegehren), wobei der
Beschwerdeführer auf eine persönliche Teilnahme verzichtete. Anwesend war aber sein
Vater und im vorliegenden Verfahren ernannter Vertreter. Dieser hatte anlässlich der
mündlichen Verhandlung auch Gelegenheit, während der Parteivorträge Ergänzungen zur
schriftlich eingereichten Beschwerdeschrift anzubringen (vgl. Ziff. 7 der Rechtsbegehren).
Dem Beschwerdeführer wurde somit im vorliegenden Verfahren das rechtliche Gehör
korrekt eingeräumt.
Seite 6
b. Der Beschwerdeführer stellte sich im Rahmen der Beschwerdeschrift und dem Plädoyer
seines Vertreters anlässlich der mündlichen Verhandlung vom 13. November 2018
wiederholt auf den Standpunkt, die Vorinstanz habe jedoch im Rahmen der
Steuerveranlagungen 2011 und 2012 sein rechtliches Gehör verletzt. Dieser Vorwurf
erweist sich bei einer Würdigung der vorinstanzlichen Akten klar als haltlos: Der
Beschwerdeführer bzw. B1_, der bereits im Einspracheverfahren vor der
Steuerverwaltung als Vertreter des Beschwerdeführers handelte, erhielt am 13. August
2013 die Gelegenheit einer persönlichen Besprechung der Angelegenheit bei der
Vorinstanz (VI-act. 31 im Verfahren O2V 18 12/14). Mit Schreiben vom 10. September 2015
an die Vorinstanz (VI-act. 14) liess A_ schliesslich durch seinen Vertreter mitteilen, es
seien noch verschiedene Fragen offen und es werde um Geduld gebeten; sobald man
bereit sei, würde man sich melden, wobei unter Umständen eine nochmalige Besprechung
nötig sein werde. Daraufhin gewährte die Vorinstanz erneut eine Frist bis Ende Oktober
2015 zur Einreichung eines allfälligen Einspracherückzugs (VI-act. 33 im Verfahren O2V 18
12/14). Diese Frist verstrich unbenutzt. Bis zum Erlass des im vorliegenden Verfahren
angefochtenen Einspracheentscheids vom 25. März 2018 vergingen dann nochmals fast
21⁄2 Jahre, innert derer der Beschwerdeführer sich nicht weiter vernehmen liess. Unter
diesen Umständen musste die Vorinstanz entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
keinen weiteren Besprechungstermin vereinbaren. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
durch die Vorinstanz ist nicht ersichtlich.
1.4
Insoweit überhaupt auf die zahlreichen weiteren formellen Anträge im vorliegenden
Beschwerdeverfahren (insbesondere Ziff. 3, 5 und 8 der Rechtsbegehren sowie diverse
Vorbringen im Rahmen des Plädoyers anlässlich der mündlichen Verhandlung vom 13.
November 2018) einzutreten ist, sind diese abzuweisen:
a. Es besteht kein Rechtsanspruch auf Durchführung einer Mediation. Sollten sich
Prozessparteien in gegenseitigem Einverständnis über eine Streitsache einigen, bevor das
Gericht darüber entschieden hat, wäre dies dem Gericht mitzuteilen, welches hierauf das
Verfahren abschreiben könnte. Im vorliegenden Fall ist es aber nicht zu einer solchen
Einigung zwischen der Steuerverwaltung und dem Beschwerdeführer gekommen, weshalb
weder ein Beschwerderückzug erklärt wurde noch die Vorinstanz eine Wiedererwägung
pendente lite angekündigt hatte. Entsprechend war vom Obergericht im vorliegenden Fall
über die Streitsache zu entscheiden, was es im Anschluss an die mündliche Verhandlung
vom 13. November 2018 gestützt auf eine eingehende Beratung tat.
Seite 7
b. Dem Beschwerdeführer bzw. dessen Vertreter wurde im Verlauf des Schriftenwechsels
Akteneinsicht in sämtliche Verfahrensakten angeboten. Sollten dafür von der
Verfahrensleitung angesetzte Fristen aus Sicht des Beschwerdeführers oder dessen
Vertreters zu knapp bemessen gewesen sein, stand es ihnen jeweils frei, rechtzeitig eine
Verlängerung der ihnen konkret angesetzten Frist zu verlangen (vgl. Art. 6 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]).
c. Gemäss Art. 13 Abs. 2 VRPG sind schriftliche Stellungnahmen einer Partei der
Gegenpartei in einem Verfahren zur Einsichtnahme aufzulegen oder in Kopie zuzustellen,
wobei das Obergericht praxisgemäss - und damit im Ergebnis dem Anliegen des
Beschwerdeführers in Ziff. 8 seiner Rechtsbegehren entsprechend - letzteres macht, so
auch im vorliegenden Fall (vgl. act. 8).
d. Ausserdem erhielt der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 27. August 2018 gestützt
auf Art. 13 Abs. 2 VRPG Gelegenheit, die Akten auf der Kanzlei des Obergerichts
einzusehen (act. 8, act. 11). Sofern Kopien von den Akten erstellt werden sollen, regelt die
Kanzleigebührenverordnung (KGV, bGS 233.21) die dafür zu erhebenden Kosten (Art. 2
Abs. 7 KGV). Es besteht keine Ausnahmevorschrift, welche im Fall des Beschwerdeführers
eine kostenfreie Zustellung von Aktenkopien vorsehen würde.
1.5
a. Im angefochtenen Einspracheentscheid der Vorinstanz findet sich, bestätigt durch die
Unterlagen in den vorinstanzlichen Akten der Verfahren O2V 18 12 / 14 / 16 und 18, eine
Zusammenstellung der seit Jahren negativen Ergebnisse, die B1_ und A_ aus dem
von ihnen gemeinsam geführten Landwirtschaftsbetrieb E_ erwirtschafteten. Aus der
nachweislich ununterbrochenen, bereits seit Jahrzehnten andauernden Verlustgenerierung
im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Tätigkeit hat die Vorinstanz im
angefochtenen Einspracheentscheid auf eine fehlende Gewinnerzielungsabsicht
geschlossen und die vom Beschwerdeführer für die Steuerperioden 2011 und 2012
deklarierten pauschalen Verlustanteile von je Fr. 4‘000.-- - anders als in den Vorjahren -
nicht zum Abzug zugelassen.
b. Entgegen der anlässlich der mündlichen Verhandlung vom Vertreter des
Beschwerdeführers vertretenen Ansicht spielen die vorinstanzlichen Unterlagen, die sich
auf vergangene Jahre beziehen, sehr wohl eine Rolle im Zusammenhang mit der
Beurteilung der für eine selbständige Erwerbstätigkeit erforderlichen
Seite 8
Gewinnerzielungsabsicht. Eine verlässliche Beurteilung kann erst dann abschliessend
vorgenommen werden, wenn Unterlagen vorliegen, die einen längeren Zeitraum betreffen.
Dem Antrag, alle (früheren) Akten, die nicht die Jahre 2011 und 2012 betreffen, aus den
Akten zu entfernen, kann daher zum Vornherein nicht entsprochen werden: Es ist nämlich
durchaus von Interesse, ob der Beschwerdeführer auch bereits in den früheren Jahren
jeweils einen Verlust aus der landwirtschaftlichen Tätigkeit deklarierte oder nicht.
c. Wie allerdings die kantonale Steuerverwaltung die Sachlage in den bereits rechtskräftig
veranlagten, früheren Veranlagungsperioden beurteilt hat, spielt dabei, wiederum anders
als der Beschwerdeführer meint, im vorliegenden Beschwerdeverfahren keine
entscheidende Rolle: Die Steuerverwaltung beurteilt in jedem Veranlagungsverfahren die
jeweils in Frage stehenden Steuerfaktoren neu und ist nicht verpflichtet, Einschätzungen
und Vorgehensweisen aus früheren Veranlagungen unbedacht zu übernehmen. Die in
einer früheren Steuerperiode getroffenen Veranlagungen (hier namentlich: die
Veranlagungen 2005 bis und mit 2010) entfalten daher zum vornherein keine Rechtskraft
für spätere Veranlagungen. Vielmehr kann und muss die Steuerbehörde im Rahmen jeder
Neuveranlagung des Steuerpflichtigen sowohl die tatsächliche als auch die rechtliche
Ausgangslage vollumfänglich überprüfen und, soweit erforderlich, abweichend würdigen. In
Rechtskraft erwächst jeweils nur die einzelne Veranlagung, die als befristeter
Verwaltungsakt ausschliesslich für die betreffende Steuerperiode Rechtswirkungen entfaltet
(anstelle vieler: Urteile des Bundesgerichts 2C_41/2016 und 2C_42/2016 vom 25. April
2017, E. 4.2, m.w.H.). Es stellt daher entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen
Ansicht keine Verletzung von Treu und Glauben dar, wenn früher grundsätzlich
zugelassene Abzüge bei einer neuen Beurteilung in der aktuell zu veranlagenden
Steuerperiode mit klarer Begründung nicht mehr zugelassen werden (vgl. dazu auch Urteil
des Bundesgerichts 2A.126/2007 vom 19. September 2007, E. 4).
d. Nachdem auch im Übrigen keine Verletzung von grundlegenden Verfahrensrechten des
Beschwerdeführers vorliegt (vgl. dazu E. 1.3 f. vorstehend), ist weder ersichtlich, dass das
Vorgehen der Vorinstanz bei der Steuerveranlagung 2011 und 2012 willkürlich noch aus
anderen Gründen in formeller Hinsicht unzulässig sein soll, wie insbesondere anlässlich der
mündlichen Verhandlung vorgebracht wurde. Ob die Steuerveranlagungen 2011 und 2012
im Ergebnis materiell zu bestätigen sind oder nicht, ist im Rahmen des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens vertieft zu prüfen.
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2. Materielles
2.1
Steuerbar sind alle Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-, Gewerbe-, Land- und
Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie aus jeder anderen selbständigen
Erwerbstätigkeit (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer [DBG,
SR 642.11]). Eine konkrete gesetzliche Definition, was genau unter selbständiger
Erwerbstätigkeit zu verstehen ist, enthält das Bundesrecht nicht. Gemäss ständiger
Rechtsprechung und Lehre fällt unter den Begriff der selbständigen Erwerbstätigkeit
allgemein jede Tätigkeit, bei der ein Unternehmer auf eigenes Risiko, unter Einsatz von
Arbeit und Kapital, in einer frei gewählten Organisation und mit der Absicht der
Gewinnerzielung am Wirtschaftsverkehr teilnimmt (anstelle vieler: Urteile des
Bundesgerichts 2A.68/2004 vom 4. Juni 2004, E. 1.2; 2A.46/2005 vom 31. August 2005, E.
2.2.1; 2A.126/2007 vom 19. September 2007, E. 2.2; je m.w.H.).
2.2
Zur Frage, wann im Einzelfall eine selbständige Erwerbstätigkeit vorliegt und deren
Abgrenzung zur sog. Liebhaberei besteht eine reichhaltige Rechtsprechung.
a. Von einem blossen Hobby grenzt sich die selbständige Erwerbstätigkeit namentlich
dadurch ab, dass sie immer auf Erzielung eines Einkommens ausgerichtet ist (Urteile des
Bundesgerichts 2C_186/2014 und 2C_187/2014 vom 4. September 2014, E. 2, m.w.H.).
Wer die Landwirtschaft ohne Gewinnerzielungsabsicht hobbymässig betreibt, übt
steuerrechtlich gesehen keine selbständige Erwerbstätigkeit aus und kann deshalb die
damit verbundenen Verluste nicht abziehen. An einer Gewinnerzielungsabsicht fehlt es
namentlich dann, wenn eine Tätigkeit ungeachtet von Verlusten, die daraus resultieren, aus
blosser Liebhaberei weiter betrieben wird, was gerade im Bereich der Tierhaltung nicht
selten vorkommt (Urteile des Bundesgerichts 2A.68/2004 vom 4. Juni 2004, E. 1.3;
2C_687/2007 vom 8. April 2008, E. 2.1).
b. Bringt eine Tätigkeit auf Dauer nichts ein, stellt dies ein deutliches Indiz dafür dar, dass
es an der Gewinnerzielungsabsicht fehlt: Wird eine üblicherweise erwerbliche Tätigkeit auf
lange Sicht ohne Erzielung eines Gewinns ausgeübt, so lässt das Ausbleiben des
finanziellen Erfolgs nämlich regelmässig auf das Fehlen erwerblicher Zielsetzung
schliessen, denn wer wirklich eine Erwerbstätigkeit ausübt, wird sich in der Regel nach
längeren beruflichen Misserfolgen von der Zwecklosigkeit seines Unterfangens überzeugen
lassen und die betreffende Tätigkeit aufgeben. Führt er diese dennoch weiter, muss
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angenommen werden, es seien dafür andere Motive als der Erwerbszweck massgebend
(Urteil des Bundesgerichts 2A.68/2004 vom 4. Juni 2004, E. 1.3, m.w.H.). Zwar muss selbst
eine mehrjährige Verlusterzielung für sich allein noch nicht zwingend auf eine Liebhaberei
schliessen lassen; eine solche ist aber anzunehmen, wenn sie eine steuerpflichtige Person,
der es um die Erzielung eines Erwerbseinkommens gegangen wäre, wegen des
finanziellen Misserfolgs von der Weiterführung des Betriebs hätte abbringen lassen. Dabei
liefern auch die Verhältnisse in den Vorjahren wichtige Anhaltspunkte. Nicht allein
entscheidend ist dabei, ob der Steuerpflichtige subjektiv eine Erwerbsabsicht für sich in
Anspruch nimmt. Die behauptete persönliche Absicht muss zusätzlich aufgrund konkreter
wirtschaftlicher Tatsachen, wie sie für die selbständige Erwerbstätigkeit kennzeichnend
sind, auch nachgewiesen sein (Urteil des Bundesgerichts 2A.126/2007 vom 19. September
2007, E. 2.3, m.w.H.). Dauert eine defizitäre Situation an und wird sich auch in absehbarer
Zeit kein Gewinn einstellen, ist aus diesem Grund Liebhaberei anzunehmen (Urteil des
Bundesgerichts 2A.46/2005 vom 31. August 2005, E. 3.2.3, m.w.H.).
2.3
Aus den vorinstanzlichen Akten im vorliegenden Verfahren sowie ergänzend den
Unterlagen in den parallelen Verfahren O2V 18 12 und O2V 18 14 betreffend B1_ und
B2_ sind die jeweils mit der Steuererklärung eingereichten Buchhaltungsunterlagen des
Landwirtschaftsbetriebs, den A_ heute gemeinsam mit seinem Vater betreibt, ersichtlich.
Diese Unterlagen zeigen, dass der Landwirtschaftsbetrieb seit nunmehr mindestens 20
Jahren (1993 bis 2012) ausnahmslos einen nicht unbedeutenden Verlust von
durchschnittlich rund Fr. 60‘000.-- pro Steuerperiode auswies. Aus den vorinstanzlichen
Akten ist ersichtlich, dass der Gesamtverlust seit dem Jahr 2005 je mit einem Anteil B1_
einerseits und A_ andererseits zugerechnet wurde (wobei der weitaus grössere
Verlustanteil jeweils B1_ zugeschlagen wurde, während der Beschwerdeführer offenbar
einen pauschalen Verlustanteil übernahm).
Der Beschwerdeführer deklarierte in seinen Steuererklärungen folgende Verlustanteile am
Gesamtverlust des Landwirtschaftsbetriebs:
Steuerperiode 2005 Verlustanteil A_ Fr. 10‘000.--
Steuerperiode 2006 Verlustanteil A_ Fr. 10‘000.--
Steuerperiode 2007 Verlustanteil A_ Fr. 10‘000.--
Steuerperiode 2008 Verlustanteil A_ Fr. 10‘000.--
Steuerperiode 2009 Verlustanteil A_ Fr. 4‘000.--
Steuerperiode 2010 Verlustanteil A_ Fr. 4‘000.--
Seite 11
Steuerperiode 2011 Verlustanteil A_ Fr. 4‘000.--
Steuerperiode 2012 Verlustanteil A_ Fr. 4‘000.--
Unter den gegebenen Umständen ist mit der Vorinstanz darauf zu schliessen, dass im
konkreten Fall im Zusammenhang mit dem Landwirtschaftsbetrieb andere Motive als ein
Erwerbszweck vorliegen. Weder B1_ noch sein Sohn A_ können ihren
Lebensunterhalt aus dem landwirtschaftlichen Betrieb bestreiten, wenn - wie sich
namentlich auch aus den zeitlich weiter zurückreichenden Akten in den Verfahren O2V 18
12 und 14 ergibt - dieser Betrieb seit mindestens 20 Jahren ausnahmslos defizitär ist.
Welche Beweggründe schliesslich dazu geführt haben, dass der Betrieb trotzdem nie
aufgegeben oder allenfalls mit dem Ziel, eine rentable Neuorganisation zu ermöglichen, von
B1_ gänzlich an die nachfolgende Generation übergeben wurde, spielt im
Zusammenhang mit dem aufgrund der gesamten Umstände zu ziehenden Schluss, dass
eine Gewinnerzielungsabsicht im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Tätigkeit von
B1_ und A_ nicht nachgewiesen ist, letztlich keine Rolle. Mangels anzunehmender
Gewinnerzielungsabsicht kann ein Verlustabzug bei den Einkommenssteuern unter den
gegebenen Umständen nicht zugelassen werden, da aus steuerlicher Sicht nicht von einer
selbständigen Erwerbstätigkeit auszugehen ist. Es steht nichts entgegen, in kommenden
Jahren wiederum eine Neubeurteilung zugunsten einer selbständigen Erwerbstätigkeit
vorzunehmen, sollte sich in der Zukunft eine nachweislich renditeorientierte
Bewirtschaftung einstellen und - was namentlich bei einer Unterbrechung der andauernden
Verlustsituation der Fall wäre - anhand konkreter Umstände auf eine klare
Gewinnerzielungsabsicht im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Tätigkeit
geschlossen werden können. In einem solchen Fall wäre für die betroffenen künftigen
Steuerperioden selbstverständlich wiederum eine neue Beurteilung angezeigt (vgl. dazu
Urteile des Bundesgerichts 2C_186/2014 und 2C_187/2014 vom 4. September 2014, E.
3.6.3). An der Beurteilung der Situation für die Steuerperioden 2011 und 2012 im Rahmen
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ändert dies jedoch nichts, zumal derzeit nicht im
Geringsten absehbar ist, dass künftig mit Bezug auf die anhaltende Verlustsituation eine
Wende eintreten soll. Die Vorinstanz hat die vom Beschwerdeführer in der Steuererklärung
deklarierten Verlustabzüge von je Fr. 4‘000.-- in den Steuerperioden 2011 und 2012 zu
Recht nicht zugelassen.
2.5
Was allerdings Fragen aufwirft, ist die Tatsache, dass die vom Beschwerdeführer sowohl in
der Steuererklärung 2011 als auch 2012 deklarierten je Fr. 12‘000.-- Einkommen aus
selbständiger Tätigkeit (vgl. Steuererklärungen VI-act. 17 und 18; Berechnungsmitteilungen
Seite 12
VI-act. 1 und 5 [je Ziff. 2.1]) gleichzeitig unbesehen bei der Steuerveranlagung
übernommen wurden. Insoweit in der Beschwerdeschrift und an der mündlichen
Verhandlung verlangt wurde, diese Fr. 12‘000.-- Einkommen seien aus der Veranlagung zu
streichen, erscheint dieser Antrag - insoweit dieser im Rahmen des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens überhaupt zu behandeln ist, vgl. dazu die Ausführungen unter lit. a
nachfolgend - durchaus begründet:
a. Im vorliegenden Verfahren geht es um die Veranlagung des Beschwerdeführers für die
direkte Bundessteuer 2011 und 2012. Das beim Beschwerdeführer für die Steuerperiode
2011 veranlagte steuerbare Einkommen bei der direkten Bundessteuer lag unterhalb des
Grenzbetrags, ab welchem überhaupt eine direkte Bundessteuer erhoben wird (vgl. VI-act.
4: Steuerbetrag = Fr. 0.--). Unter diesen Umständen besteht kein Rechtsschutzinteresse
des Beschwerdeführers daran, dass das Obergericht die Veranlagung 2011 betreffend
direkte Bundessteuer näher überprüft. Insoweit sich seine Rechtsbegehren im Resultat auf
eine Aufhebung dieser Veranlagung richten, braucht darauf gar nicht eingetreten zu
werden. Anders zeigt sich die Situation dagegen in der Steuerperiode 2012, wo dem
Beschwerdeführer bei den direkten Bundessteuern gestützt auf das dort veranlagte
steuerbare Einkommen im Betrag von Fr. 20‘000.-- direkte Bundessteuern im Betrag von
Fr. 42.20 auferlegt wurden (VI-act. 8). Die nachfolgenden Erwägungen haben somit in
erster Linie Auswirkungen auf die Veranlagung der direkten Bundessteuer 2012, gelten
aber im Prinzip genauso für die - wie erwähnt mangels faktischem Rechtsschutzinteresse
gar nicht näher zu überprüfenden - Veranlagung der direkten Bundessteuer 2011, auch
wenn dort im Resultat ohnehin keine Steuer erhoben worden war.
b. Gemäss Ausführungen des Vertreters des Beschwerdeführers an der mündlichen
Verhandlung vom 13. November 2018 (vgl. Protokoll, act. 13) besitzen B1_ und der
Beschwerdeführer ein Betriebskonto, das auf beide Namen laute. Jeden Monat würden von
diesem Betriebskonto Fr. 1‘000.-- auf das Privatkonto des Beschwerdeführers überwiesen.
b. Der vom Beschwerdeführer gemeinsam mit seinem Vater B1_ geführte
Landwirtschaftsbetrieb kann nicht bezüglich einzelner Anteile isoliert von der
landwirtschaftlichen Tätigkeit des Beschwerdeführers betrachtet werden. Angesichts des
klaren Schlusses, dass bei der gemeinsamen landwirtschaftlichen Tätigkeit von B1_ und
A_ keine Gewinnerzielungsabsicht angenommen werden kann, weshalb aus steuerlicher
Sicht auch keine selbständige Erwerbstätigkeit vorliegt (vgl. E. 2.1 ff. vorstehend sowie die
Urteile in den Verfahren O2V 18 12 und O2V 18 14), stellen die Fr. 12‘000.--, die der
Beschwerdeführer gemäss Buchhaltung des Landwirtschaftsbetriebs unter dem Titel
„Bezug Betriebswirtschafter“ jeweils jährlich auf sein Privatkonto ausbezahlt erhalten hat,
Seite 13
konsequenterweise ebenfalls kein Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit dar. Es
dürfte sich im Resultat wohl um eine Schenkung von B1_ und B2_ an ihren Sohn
handeln. Eine solche ist aber weder als Einkommen zu besteuern (Art. 24 Abs. 1 lit. a DBG)
noch sieht das Bundessteuerrecht eine Schenkungssteuer vor.
c. Gestützt auf diese Überlegungen ist der angefochtene Einspracheentscheid, insoweit
die Veranlagung der direkten Bundessteuer 2012 betroffen ist, aufzuheben und die Sache
an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese den Beschwerdeführer, allenfalls nach
weiteren Abklärungen, sofern solche erforderlich erscheinen, für die Steuerperiode 2012
neu veranlage. Die vom Beschwerdeführer in den Steuererklärungen deklarierten
Verlustabzüge hat die Vorinstanz zwar zu Recht nicht zugelassen; beim Beschwerdeführer
ist aber folgerichtig auch kein Einkommen aus selbständiger Tätigkeit im Zusammenhang
mit dem gemeinsam mit dem Vater geführten Landwirtschaftsbetrieb zu besteuern, wenn
davon ausgegangen wird, es fehle bezüglich der landwirtschaftlichen Tätigkeit an einer
Gewinnerzielungsabsicht.
3. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Für den Bereich der direkten Bundessteuer ist die Verlegung der Kosten- und
Entschädigungsfolgen bundesrechtlich geregelt (Art. 144 DBG), während sich die Höhe der
Kosten nach dem kantonalen Recht bestimmt (Art. 144 Abs. 5 DBG). Beim vorliegenden
Verfahrensausgang sind beim Beschwerdeführer keine Kosten zu erheben (vgl. Art. 144
Abs. 1 DBG e contrario). Die Gerichtskasse wird angewiesen, dem Beschwerdeführer den
bereits geleisteten Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 800.-- zurückzuerstatten.
Nachdem weder der Beschwerdeführer noch sein Vertreter eine konkret bezifferte und
belegte Entschädigungsforderung gestellt haben und auch nicht ersichtlich wäre, dass der
Aufwand im Zusammenhang mit dem vorliegenden Beschwerdeverfahren denjenigen
Aufwand übersteigen würde, der jedem für die Besorgung seiner persönlichen
Angelegenheiten zugemutet werden kann, sind im vorliegenden Verfahren keine
Entschädigungen auszurichten.
Der Vorinstanz bzw. der Eidgenössischen Steuerverwaltung werden unabhängig vom
Verfahrensausgang keine Kosten auferlegt (Art. 144 Abs. 3 DBG und 5 DBG i.V.m. Art. 53
Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 VRPG) und keine Entschädigungen zugesprochen (Art. 144
Abs. 4 und 5 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 bis 3 des Bundesgesetzes über das
Seite 14
Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021] i.V.m. Art. 59, Art. 53 Abs. 3 und Art. 24 Abs. 3
lit. a VRPG).
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