Decision ID: 9db40e0e-cbcd-4ea4-a29d-c58f328a6c4c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Anerkennung und Abänderung eines ausländischen 
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts in Zivil- und Strafsachen des Bezirksgerichts Hinwil vom 9. Juli 2019; Proz. FP170007
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Rechtsbegehren:
(act. 111)
1. Es sei der Antrag des Beklagten auf alternierende Obhut der Tochter C._, geboren tt.mm.2003, vollumfänglich abzuweisen.
2. Es sei in Abänderung des portugiesischen Scheidungsurteils vom 3. Februar
2012 der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin ab Anhängigmachung der vorliegenden Klage, spätestens jedoch ab dem 1. Januar 2018, für die  C._, geboren tt.mm.2003, monatliche Barunterhaltsbeiträge ( allfälliger vertraglicher oder gesetzlicher Familienzulagen) in der Höhe von Fr. 1'996.95, eventualiter in der Höhe von Fr. 1'729.20, bis zur  bzw. bis zum Abschluss einer ordentlichen Erstausbildung auch über die Volljährigkeit hinaus, zu bezahlen.
Die Unterhaltsbeiträge und die Familienzulagen sind an die Mutter zahlbar und zwar im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats. Die  gelten bis zur Volljährigkeit bzw. bis zum Abschluss einer ordentlichen Erstausbildung auch über die Volljährigkeit hinaus, solange die Tochter C._ im Haushalt der Mutter lebt und keine eigenen Ansprüche  dem Vater stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger bezeichnet.
2.1. Es sei festzuhalten, dass aufgrund der Erwerbstätigkeit der Klägerin kein
Betreuungsunterhalt geschuldet ist.
2.2 Die Unterhaltsbeiträge gemäss Ziffer 2 seien gerichtsüblich zu indexieren.
3. Es sei der Beklagte zu verpflichten, sich hälftig an den ausserordentlichen
Auslagen der Tochter C._ (z.B. Zahnkorrekturen, schulische  und ähnliches) zu beteiligen, sofern Dritte, insbesondere , für diese Kosten nicht oder nicht vollständig aufkommen und sofern er vorgängig seine schriftliche Zustimmung gegeben hat.
4. Es sei angesichts der Geringfügigkeit auf die Teilung der von den Parteien
während der Ehe geäufneten Austrittsleistungen der beruflichen Vorsorge zu verzichten bzw. diese nicht vorzunehmen (Stichdatum: 3. Februar 2012).
5. Eventualiter sei in Ergänzung des portugiesischen Scheidungsurteils vom
3. Februar 2012 die von den Parteien während der Ehe geäufneten  der beruflichen Vorsorge zu teilen (Stichdatum: 3. Februar 2012) bzw. Fr. 330.90 auf das Vorsorgekonto der Klägerin zu überweisen.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Auslagen und MWSt) zu
Lasten des Beklagten.
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Anträge des Beklagten: (sinngemäss)
1. Die Klage sei abzuweisen.
2. Die Tochter C._ sei unter die alternierende Obhut der Parteien zu .
Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil:
1. Die Vereinbarung der Parteien vom 11. Juli 2017 über die Anerkennung und Vollstreckbarerklärung des portugiesischen Scheidungsurteils vom 3.  2012 wird vorgemerkt. Demgemäss wird dieses Scheidungsurteil in der Schweiz anerkannt und für vollstreckbar erklärt.
2. Der Antrag des Beklagten auf Anordnung der alternierenden Obhut über die
Tochter C._, geb. tt.mm.2003, wird abgewiesen und die Toch-ter wird unter der alleinigen Obhut der Klägerin belassen.
3. In Gutheissung der Klage wird Ziffer III. der mit Scheidungsurteil des Zivil-
standsamts Braga (PT) vom 3. Februar 2012 genehmigten Vereinbarung über die Ausübung der elterlichen Verantwortung, Dokument Nr. 2,  und durch folgende Fassung ersetzt:
1. Der Beklagte wird verpflichtet, an die Kosten des Unterhalts der Toch-
ter C._, geb. tt.mm.2003, neu monatliche Barunterhaltsbeiträge (zuzüglich allfälliger von ihm bezogener gesetzlicher und/oder  Kinderzulagen) wie folgt zu bezahlen:
Fr. 260.– ab 9. März 2017 bis 31. Dezember 2017 Fr. 280.– ab 1. Januar 2018 bis 30. Juni 2018 Fr. 1'445.– ab 1. Juli 2018 bis 28. Februar 2019
Fr. 1'192.– ab 1. März 2019 bis zur Volljährigkeit von C._ bzw. bis zum ordentlichen Abschluss einer  Ausbildung auch über die Volljährigkeit hinaus.
Die Unterhaltsbeiträge sind an die Klägerin zahlbar, und zwar  im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats. Die  gelten, solange das Kind im Haushalt der Klägerin lebt und keine eigenen Ansprüche gegenüber dem Beklagten stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger bezeichnet.
Der Beklagte ist berechtigt, die für die jeweiligen Monate nachweislich  geleisteten Unterhaltsbeiträge von diesen Zahlungsverpflichtungen in Abzug zu bringen.
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Es wird festgestellt, dass für die Tochter C._ kein Betreuungsunterhalt geschuldet ist.
2. Der abgeänderten Unterhaltsregelung liegen folgende finanzielle Ver-
hältnisse der Parteien zugrunde:
Für die Zeit vom 9. März 2017 bis 30. Juni 2017: - Erwerbseinkommen Klägerin (netto, inkl. Anteil 13. Monatslohn, zuzüg-
lich Kinderzulagen): Fr. 3'415.– - Erwerbseinkommen Beklagter (Arbeitslosenentschädigung): Fr. 1'630.– - weiteres Einkommen Beklagter: Fr. 220.– (Netto-Liegenschaftsertrag) - Einkommen C._: Fr. 250.– (Kinderzulagen) - Vermögen Klägerin: nicht relevant - Vermögen Beklagter: nicht relevant - Barbedarf C._: Fr. 1'154.–
Für die Zeit vom 1. Juli 2017 bis 30. Juni 2018: - Erwerbseinkommen Klägerin (netto, inkl. Anteil 13. Monatslohn, zuzüg-
lich Kinderzulagen): Fr. 3'415.– - Erwerbseinkommen Beklagter (Verkauf D._-Bäume): Fr. 400.– - weiteres Einkommen Beklagter: Fr. 220.– (Netto-Liegenschaftsertrag) - Einkommen C._: Fr. 250.– (Kinderzulagen) - Vermögen Klägerin: nicht relevant - Vermögen Beklagter: nicht relevant - Bedarf C._: Fr. 1'154.–
Für die Zeit vom 1. Juli 2018 bis 28. Februar 2019: - Erwerbseinkommen Klägerin (netto, inkl. Anteil 13. Monatslohn, zuzüg-
lich Kinderzulagen): Fr. 3'200.– - Erwerbseinkommen Beklagter (Durchschnittseinkommen Juli 2018 bis
November 2018, netto, inkl. Anteil 13. Monatslohn, exkl.  E._ AG): Fr. 4'417.–
- weiteres Einkommen Beklagter: Fr. 220.– (Netto-Liegenschaftsertrag); - Einkommen C._: Fr. 250.– (Kinderzulagen) - Vermögen Klägerin: nicht relevant - Vermögen Beklagter: nicht relevant - Barbedarf C._: Fr. 1'155.–
Für die Zeit ab 1. März 2019: - Erwerbseinkommen Klägerin (netto, inkl. Anteil 13. Monatslohn, zuzüg-
lich Kinderzulagen): Fr. 3'200.– - Erwerbseinkommen Beklagter (netto, inkl. Anteil 13. Monatslohn):
Fr. 3'695.– - weiteres Einkommen Beklagter: Fr. 220.– (Netto-Liegenschaftsertrag); - Einkommen C._: Fr. 250.– (Kinderzulagen) - Vermögen Klägerin: nicht relevant
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- Vermögen Beklagter: nicht relevant - Barbedarf C._: Fr. 1'158.–
3. C._ fehlten zur Deckung des gebührenden Unterhalts während der Zeit vom 9. März 2017 bis 30. Juni 2018 monatlich die folgenden Beträge:
Fr. 644.– ab 9. März 2017 bis 31. Dezember 2017 Fr. 624.– ab 1. Januar 2018 bis 30. Juni 2018
Ab 1. Juli 2018 ist der gebührende Unterhalt von C._ mit den  Unterhaltsbeiträgen gedeckt.
4. Die vorstehenden Unterhaltsbeiträge vorstehend basieren auf dem Landesindex der Konsumentenpreise des Bundesamtes für Statistik, Stand Ende Juni 2019 von 102.7 Punkten (Basis Dezember 2015 = 100 Punkte). Sie sind jeweils auf den 1. Januar jedes Jahres, erstmals auf den 1. Januar 2020, dem Stand des Indexes per Ende November des Vorjahres anzupassen. Die Anpassung erfolgt nach folgender Formel:
Neuer Unterhaltsbeitrag = alter Unterhaltsbeitrag x neuer Index alter Index
Weist die zu Unterhaltsleistungen verpflichtete Partei nach, dass sich ihr Einkommen nicht im Umfange der Teuerung erhöht, so werden die vorstehenden Unterhaltsbeiträge nur proportional zur tatsächlichen Einkommenssteigerung angepasst.
4. Der Verzicht der Klägerin auf Ausgleich der während der Ehe geäufneten Austrittsleistungen aus beruflicher Vorsorge wegen Geringfügigkeit wird  und genehmigt.
5. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 7'500.– die weiteren Gerichtskosten betragen Fr. 1'687.50 Dolmetscher
7. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, der Anteil der Kläge-
rin wird jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  auf die Gerichtskasse genommen. Die Klägerin wird auf die  gemäss Art. 123 ZPO hingewiesen.
8. Die Parteientschädigungen werden wettgeschlagen.
9./10. (Mitteilungen, Rechtsmittel)
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Berufungsanträge des Beklagten: (sinngemäss)
1. Den Parteien sei für C._ eine alternierende Obhut zuzuweisen.
2. Die Unterhaltsbeiträge des Beklagten für C._ seien auf monatlich Fr. 500.-- festzusetzen.

Erwägungen:
1.1 Die Parteien waren verheiratet und haben zwei gemeinsame Töchter:
F._, geboren am tt. August 1996, und C._, geboren am tt.mm.2003. Ihre
Ehe wurde durch die zuständige Behörde am damaligen Wohnsitz der Klägerin in
Portugal am tt. Februar 2012 geschieden – nach unbestrittener Darstellung der
Klägerin hielt sich der Beklagte schon damals in der Schweiz auf und war er hier
erwerbstätig, obschon das Scheidungsdokument für beide Parteien die nämliche
Adresse in Portugal nennt. Das portugiesische Gericht nahm eine güterrechtliche
Auseinandersetzung vor und genehmigte eine "Vereinbarung über die Ausübung
der elterlichen Verantwortung". Diese Vereinbarung legte fest, dass die Eltern die
Sorge gemeinsam ausübten, dass die Töchter bei der Mutter wohnten, und dass
der Vater monatliche Unterhaltszahlungen von 100 Euro pro Kind leiste (act. 3).
Im Mai 2016 übersiedelte die Klägerin von Portugal in die Schweiz.
Am 9. März 2017 wandte sich die Klägerin an das Bezirksgericht mit dem
Ersuchen, den Entscheid und die Scheidungsvereinbarung von 2012 für die
Schweiz zu anerkennen und vollstreckbar zu erklären, und "meinen Prozess
weiterzuführen", da der Beklagte für die Tochter keine Unterhaltsbeiträge zahle
(act. 1 und 2). Die nicht ganz einfach zu verstehende Prozessgeschichte ergibt
sich aus dem angefochtenen Urteil (S. 3 ff.). Im Laufe des Verfahrens zog der Be-
klagte wieder nach Portugal (act. 18), übersiedelte aber am 15. Juni 2018 wieder
in die Schweiz (act. 55 und Prot. I S. 59 f.).
1.2 Am 9. Juli 2019 fällte die Einzelrichterin das vorstehend wiedergege-
bene Urteil und stellte es den Parteien einstweilen im Dispositiv zu. Auf Verlangen
des Beklagten erstellte sie die Begründung und das vollständige Urteil wurde dem
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Beklagten und der Tochter C._ je am 19. Dezember 2019 zugestellt, der
Klägerin (resp. ihrer Vertreterin) am 23. Dezember 2019 (act. 142). Die 30-tägige
Frist für die Berufung lief demnach bis und mit dem 3. Februar 2020. Innert dieser
Frist wandte sich der Beklagte mit einem "Einspruch auf den Entscheid vom
17. Dezember 2019" an die Kammer; die Klägerin hat kein Rechtsmittel ergriffen.
2. Die Zuschrift des Beklagten richtet sich gegen "den Entscheid vom
17. Dezember 2019". Gemeint ist damit offenbar das nachträglich mit einer Be-
gründung versehene Urteil vom 9. Juli 2019, welches am 17. Dezember 2019 an
die Parteien verschickt wurde. Die Eingabe ist als Berufung zu verstehen, wie es
das Urteil der Einzelrichterin ganz am Ende (S. 34 Ziff. 10) erläutert.
Die Akten der Einzelrichterin wurden beigezogen. Weitere prozessleitende
Massnahmen wurden nicht getroffen, insbesondere wurde kein Kostenvorschuss
verlangt.
Die Sache ist spruchreif.
3.1 Wenn es um Kinderbelange geht, seien das Sorge und Obhut oder
auch Geld-Beiträge an den Unterhalt eines Kindes, erforschen die kantonalen Ge-
richte den Sachverhalt von Amtes wegen und darf das Urteil auch von den Anträ-
gen der Eltern abweichen – weil so entschieden werden soll, wie es den Interes-
sen und Bedürfnissen des Kindes am besten entspricht. Im Verfahren vor der
zweiten Instanz gilt aber zusätzlich erstens, dass die ein Rechtsmittel einlegende
Partei Anträge stellen muss; sie muss sagen, wie das Urteil der ersten Instanz ih-
rer Ansicht nach abgeändert werden soll. Zweitens müssen diese Anträge be-
gründet werden; es muss für die obere Instanz klar werden, weshalb das erste
Gericht falsch entschieden haben soll. Das Bundesgericht setzt die Schwelle hoch
an: die Partei müsse im Einzelnen angeben, welche Überlegungen des angefoch-
tenen Entscheides falsch seien und warum, und welche Aktenstücke zu dieser
Kritik führten (BGE 138 III 374, E. 4.3.1; BGE 141 III 576 E. 2.3.3). Das Oberge-
richt wendet bei Personen ohne juristische Ausbildung einen weniger strengen
Massstab an: es prüft, ob sich bei unvoreingenommenem Lesen der Rechtsmittel-
Schrift auch ohne ausdrückliche Formulierung entnehmen lässt, was damit in der
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Sache verlangt wird, und ob sich aus der Begründung eine konkrete Beanstan-
dung ergibt. Das wird auf den in Art. 52 ZPO formulierten Grundsatz von Treu und
Glauben gestützt, welcher auch für die Gerichte gilt. Nach diesen Kriterien ist die
Eingabe des Beklagten zu prüfen.
3.2 Der Beklagte stellt in seiner Berufung keinen ausdrücklichen Antrag zu
Sorge und/oder Obhut für die heute noch minderjährige C._. Zwar gehen
seine Ausführungen vor allem ums Geld (dazu später). Der Beklagte schreibt aber
auch, C._ möchte in alternierender Obhut leben, und C._' Mutter "macht
jeden fertig, der mit ihr wohnt". Es stimme nicht, dass sie keinen Platz habe in der
Wohnung des Vaters. Er sei ein guter Vater, auch er möchte seine Tochter auf-
wachsen sehen, und es gebe keinen Grund gegen eine alternierende Obhut (act.
144). Damit wird ausreichend klar, dass er mit Dispositiv Ziff. 2 des angefochte-
nen Urteils nicht einverstanden ist, und dass er eine mit der Klägerin alternierende
Obhut für C._ möchte.
Die Begründung für diesen Antrag lässt sich nach Treu und Glauben der
Rechtsmittelschrift des Beklagten entnehmen, sie ist vorstehend wiedergegeben.
Die Frage nach Sorge und Obhut für C._ verlangt zuerst eine Analyse
der Situation, nachdem das Gericht in Portugal darüber entschieden hatte. Die
Einzelrichterin hat das ausführlich erörtert und ist zum Ergebnis gekommen, das
portugiesische Urteil sei anzuerkennen, und für Anträge auf dessen Abänderung
sei sie (die Richterin) zuständig (Urteil S. 6 ff.). Der Beklagte setzt dem nichts
entgegen, und es ist offenkundig richtig.
Die Einzelrichterin hat sich eingehend mit dem Antrag des Beklagten ausei-
nandergesetzt, es solle die alternierende Obhut angeordnet werden. Sie hat er-
wogen, beide Eltern seien gewillt und in der Lage, für die Tochter zu sorgen. Sie
hat kritisch darauf hingewiesen, dass der Vater seinen Antrag erst spät im Verfah-
ren stellte: als er erfuhr, zu welchen Unterhaltsbeiträgen er möglicherweise ver-
pflichtet werde, und sie hat sich darum die Frage gestellt, ob es dem Vater wirk-
lich so sehr um das Wohl der Tochter gehe. Sie hat das dann aber offen gelassen
und darauf nicht abgestellt. Im Vordergrund standen für sie zwei Punkte: erstens,
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dass C._ faktisch die engere und stabilere Beziehung zur Mutter habe, und
zweitens, dass C._ in der Anhörung selber klar, zweifelsfrei und mit einer
verständlichen Begründung sagte, sie möchte keine alternierende Obhut (Urteil
S. 8 ff., mit dem Hinweis auf das Protokoll der Anhörung act. 80).
Diese Erwägungen sind in sich stimmig und überzeugend. C._ (gebo-
ren am tt.mm.2003) war bei der Anhörung gut 15-, heute ist sie 161⁄2-jährig. Ihre
deutlich und ohne Beschönigungen, aber auch ohne innere Brüche oder Wider-
sprüche geäusserte Meinung hat Gewicht, und zu Recht hat die Einzelrichterin sie
wenn auch nicht als zwingend, aber doch sehr wesentlich in die Überlegungen
einbezogen. Was der Vater dagegen vorbringt, sind grösstenteils allgemeine Aus-
führungen oder erkennbar von persönlicher Animosität gegen die Mutter geprägte
Anschuldigungen. Er meint, es sei kein gutes Argument, die beiden bei der Mutter
lebenden Töchter nicht trennen zu wollen, denn die ältere werde nächstes Jahr
heiraten und dann ausziehen (act. 144 S. 5 über der Mitte). Der Punkt war für die
Einzelrichterin offenbar nicht entscheidend. Gerade wenn Eltern unter sich ein
gespanntes Verhältnis haben, ist es aber durchaus wertvoll, wenn mehrere Kinder
an einander einen gewissen Halt finden. Wann genau die ältere Schwester heira-
ten und ausziehen wird, sagt der Beklagte nicht – zu entscheiden ist aber die Ob-
hut für heute und einstweilen für die nächste Zeit. Sollten sich die Verhältnisse er-
heblich ändern, käme theoretisch eine Abänderung des Urteils in Frage, was al-
lerdings angesichts des Alters von C._ kaum mehr aktuell werden wird. Die
Einwendungen des Beklagten geben weder zu ergänzenden Abklärungen des
Obergerichts Anlass noch vermögen sie die Erwägungen der Einzelrichterin in
Zweifel zu ziehen.
Von Amtes wegen besonders zu erörtern sind die Briefe der Tochter: am
23. September 2019 (also nach Fällung des Urteils) schrieb C._ der Einzel-
richterin unter dem Titel "meine Entscheidung", sie möchte je zur Hälfte bei der
Mutter und beim Vater leben. Die Fr. 500.--, welche der Vater für sie zahle, seien
ausreichend. Sie habe sich für den Antrag entschieden, weil die Mutter sich nicht
gut um sie sorge. Sie koche nicht für sie und gebe ihr nichts zu essen mit, und
wenn ihr Vater ihr nicht Geld gegeben hätte, wäre sie verhungert. Die Mutter den-
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ke nur an sich und gebe sich mit ihr (C._) nicht ab, lasse sie nicht ausrei-
chend schlafen und habe sie für die Anhörung am Gericht manipuliert (act. 136).
Die Einzelrichterin antwortete ausführlich und wies C._ darauf hin, sie werde
das Urteil in der begründeten Ausführung erhalten und könne dann eine Berufung
erheben (act. 137). Bereits am 30. September 2019 schrieb C._ erneut: "...,
dass ich an meinem letzten Brief von jemandem so manipuliert wurde, dass es
mich geführt hat, Sachen zu schreiben an denen ich heute realisiert habe, dass
sie nicht stimmen. Ich bitte Ihnen mit meinem letzten Brief nichts weiterzuführen"
(act. 138). Diese Briefe sind ein Alarmzeichen und belegen den Druck, welcher
auf der Jugendlichen lastet. Offenbar wird sie von der einen oder anderen Seite
oder von beiden unter Druck gesetzt. Das tut ihr ganz sicher nicht gut, und es ist
ein starkes Argument gegen eine alternierende Obhut, da sie bei einer solchen
Lösung in kürzesten Abständen von der Betreuung des einen Elternteils zum an-
deren hin und her wechseln müsste. C._ hat das Urteil in der begründeten
Version persönlich erhalten (act. 142, zweites Blatt) und keine eigene Berufung
erhoben. Sehr auffällig (und bedenklich) ist auch die inhaltliche Diskrepanz zwi-
schen der Anhörung durch das Gericht und der dramatischen Schilderung im ers-
ten Brief: in der Anhörung gab C._ zu Protokoll, sie habe zu ihrem Vater
zwar ein gutes Verhältnis, aber sie möchte keine alternierende Obhut, weil sie das
Zusammenleben mit seiner neuen Partnerin "komisch" fände und er etwas weit
von der Schule weg wohne. Viel Kontakt habe sie mit der Mutter und es gehe zu
Hause gut. Der Vater habe ihr gesagt, er werde dem Gericht die alternierende
Obhut beantragen und sie werde dazu angehört werden; sie habe ihm darauf
nicht konkret eine Absage erteilt, das sei ja manchmal auch schwierig (im Einzel-
nen act. 80). Dem gegenüber lässt der Brief vom 23. September 2019 buchstäb-
lich kein gutes Haar an der Mutter und erhebt schwerste Anklagen, die aber
nicht irgendwie plausibilisiert sind – aber mit den polemischen Anwürfen in der
Berufung übereinstimmen: dass nämlich die Mutter "jeden fertig macht der mit
ihr wohnt" (act. 144 S. 3 Mitte). Auffällig ist auch, dass C._ ganz zu Beginn
über die Unterhaltsbeiträge schreibt: das Urteil mutet dem Vater künftig deutlich
höhere Zahlungen als Fr. 500.-- pro Monat zu, was dem Kind nie offiziell mitgeteilt
wurde – und gleichwohl schreibt es der Richterin vorweg dazu. Auch wenn man
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berücksichtigt, dass das Protokoll der Anhörung vom Gericht verfasst und darum
im Ton und Stil gewiss zurückhaltender ist als der Brief des Kindes, ist der letztere
in hohem Mass dem Verdacht der Manipulation durch den Vater ausgesetzt. Das
wird bestätigt durch den Widerruf C._' selbst und durch den Umstand, dass
sie sich trotz der freundlich-zugewandten Erläuterung durch die Einzelrichterin
dann nicht ans Obergericht wandte.
Zusammengefasst weist weder der Vater nach, dass der Entscheid der Ein-
zelrichterin unrichtig sei, noch geben die Unterlagen – namentlich die erwähnte
Korrespondenz zwischen Kind und Einzelrichterin – dem Obergericht Anlass, von
Amtes wegen weitere Abklärungen vorzunehmen. Die Berufung ist in diesem
Punkt abzuweisen, und das angefochtene Urteil ist zu bestätigen.
3.3 Breiteren Raum als der Ausgestaltung der Obhut für C._ widmet
der Beklagte in seiner Berufung dem Finanziellen. Einen ausdrücklichen Antrag
stellt er nicht, allerdings bemerkt er, er zahle "zu diesem Zeitpunkt" (also wohl: ak-
tuell) Fr. 500.--, das sei die Hälfte des Bedarfs seiner Tochter, und "jeder findet
dies korrekt, weil sie ja die Tochter von beiden ist" (act. 144 S. 2 unten). Daraus
kann herausgelesen werden, er wolle seine Verpflichtung zu Unterhaltszahlungen
auf diese Fr. 500.-- limitiert haben – entsprechend der einvernehmlich getroffenen
Regelung für die Dauer des Prozesses.
Die Einzelrichterin geht vom portugiesischen Urteil aus und erwägt, durch
den Umzug in die Schweiz hätten sich die Verhältnisse erheblich und dauernd
geändert, so dass Anlass für eine Abänderung gegeben sei (Urteil S. 13). Dem
setzt der Beklagte nichts Erkennbares entgegen, und es ist offenkundig richtig.
Im angefochtenen Urteil werden die finanziellen Verhältnisse der beiden El-
tern von C._ eingehend und sorgfältig erörtert. Die Einzelrichterin verwirft
den Standpunkt der Klägerin, es sei dem Beklagten ein hypothetisches Einkom-
men anzurechnen, weil seine zeitweilige Rückwanderung nach Portugal nicht klar
in schädigender Absicht erfolgt sei. Für verschiedene Phasen der Unterhaltspflicht
errechnet sie für den Beklagten unterschiedliche Einkommen, wobei sie insbe-
sondere in Rechnung stellt, dass er zeitweise arbeitslos war, und dass er wegen
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seiner ausgesprochen schlechten Sprachkenntnisse für Erwerbsmöglichkeiten in
der Schweiz eingeschränkt sei. Zu seinen Liegenschaften in Portugal habe er nur
ganz rudimentäre Angaben gemacht. Die Einzelrichterin erörtert weiter im Einzel-
nen die Situation der Klägerin und den Bedarf von C._. So kommt sie zu den
im Urteil festgelegten Zahlungen des Beklagte (im Einzelnen Urteil S. 14 - 28).
Die Berufung ist besonders schwer verständlich, weil sie weder auf konkrete
Erwägungen des angefochtenen Urteils noch auf die mehr als zwei Dutzend Bei-
lagen Bezug nimmt. Unter diesen Umständen ist es fast unmöglich, dem Text ei-
ne fassbare Kritik am angefochtenen Urteil zu entnehmen. Weil der Beklagte ein
Laie ist und die Behandlung der Berufung wenn immer möglich nicht an einem
formalen Fehler scheitern sollte, ist im Folgenden gleichwohl zu versuchen, ein-
zelne Kritikpunkte auszumachen. Es fällt allerdings auf, dass sich die Berufung im
Wesentlichen pauschale oder nicht spezifizierte Vorwürfe an die Einzelrichterin
enthält. Diese habe etwa ein Dokument "ignoriert" (act. 144 S. 1), von dem nicht
näher erläutert wird, was es war, und wie und warum es auf das Urteil Einfluss
hatte. Der Beklagte betont, er sei mit einer (nicht näher erläuterten) Alimenten-
Vereinbarung nicht einverstanden gewesen (act. 144 S. 1 unten und S. 2 [Num-
merierung im Original durch das Obergericht]). Das angefochtene Urteil beruht
aber gar nicht auf einer solchen Vereinbarung, sondern ermittelt die Zahlen selbst
und in Auseinandersetzung mit den widersprechenden Positionen der Parteien.
Dieser Einwand geht also ins Leere. Der Beklagte schreibt, C._ habe zwei
Eltern, die sollten gleich viel zahlen, und mit Fr. 500.-- leiste er seine Hälfte (je-
denfalls sinngemäss so zu verstehen act. 144 S. 2 unten). Das Argument geht an
der gesetzlichen Regelung vorbei, wonach beide Eltern je nach ihren Möglichkei-
ten für das Kind sorgen müssen, und dass der Inhaber der Obhut allein durch das
Zusammenleben mit dem Kind einen durchaus in Geld ausdrückbaren Anteil trägt.
Abgesehen davon kritisiert der Beklagte nicht konkret die einzelnen und ausführli-
chen Erwägungen des angefochtenen Urteils. Der Beklagte schreibt, er habe
schon einmal eine Arbeitsstelle wegen der Klägerin verloren (act. 144 S. 3 unten).
Wann, warum, wo und wie sich das zutrug, sagt er nicht, und es wird auch nicht
ausgeführt, wie sich das auf das angefochtene Urteil (hier konkret die Bemessung
der Unterhaltsbeiträge) ausgewirkt habe. "ALLES was ich der Richterin vorgewie-
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sen und mitgeteilt habe wurde einfach ignoriert" (act. 144 S. 4 oben) – das wäre
in der Tat schlimm; allerdings kann diese pauschale Rüge, die eigentlich eine Be-
leidigung ist, mangels auch nur ansatzweiser Konkretisierung gar nicht überprüft
werden. Der Beklagte behauptet, er habe vom 3. Juli 2017 bis zum 15. Juni 2018
nicht gearbeitet (act. 144 S. 4 unter der Mitte). Für diese Zeit setzt das angefoch-
tene Urteil allerdings auch absolut minimale Unterhaltsbeiträge von Fr. 260.--
resp. Fr. 280.-- monatlich fest. Es geht also offenkundig gerade nicht von einem
substanziellen Erwerbseinkommen des Beklagten aus. Der Beklagte schreibt, er
habe "keine Möglichkeit, irgendjemandem Geld zu geben. Ich habe meine Ver-
pflichtungen, und die werde ich auch erfüllen" (act. 144 ganz unten). Das geht
nicht auf: unter seinen Verpflichtungen ist der Unterhalt seiner minderjährigen
Tochter jedenfalls an erster Stelle, auch wenn er diese Zahlungen an die Mutter
des Kindes leisten muss (Art. 289 Abs. 1 ZGB), was ihm möglicherweise schwer
fällt. Was er mit "Beträgen" meint, "die meine Ex-Frau mir schuldet" (act. 144 S. 4
unten und 5 oben), erläutert er nicht – aber selbst wenn ihm die Klägerin Geld
schuldete, könnte er nicht mit Bezug darauf den Unterhalt der Tochter zurück hal-
ten. Er habe in Portugal "keine Einnahmen ausser dem Verkauf der Pflanzen"
(act. 144 S. 5 unten). Gleichzeitig gibt er aber zu, dass er Verwaltung und Vermie-
tung einer Liegenschaft einschliesslich die Miet-Einnahmen einer erwachsenen
Tochter überlassen hat, weil die ein Kind habe und ein zweites erwarte (act. 144
S. 5 unten und S. 6 oben). Diese Tochter kann die Einnahmen aus der Vermie-
tung gewiss gut brauchen. Ihre Töchter haben aber einen Vater, der in erster Linie
für sie sorgen muss, wenn es ihre Mutter nicht kann, und der Beklagte müsste
Einnahmen aus der Vermietung vorweg für seine minderjährige Tochter verwen-
den, und erst wenn noch etwas übrig bliebe für die erwachsene Tochter und die
Enkel.
Zusammengefasst kann auf die Berufung im Punkt der Unterhaltsbeiträge in
weiten Teilen nicht eingetreten werden, weil die Kritik zu wenig konkret ist. Im Üb-
rigen sind die Beanstandungen nicht berechtigt und ist die Berufung abzuweisen.
Das Urteil ist auch in diesem Punkt zu bestätigen.
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4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Obergerichts
dem Beklagten aufzuerlegen. Mit Rücksicht auf seine knappen finanziellen Ver-
hältnisse sind sie minimal auf Fr. 800.-- anzusetzen.
Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen: dem Beklagten nicht, weil
er unterliegt, der Klägerin nicht, weil ihr mit der Berufung des Beklagten keine er-
heblichen und ersatzpflichtigen Aufwendungen entstanden sind.