Decision ID: b8c97566-c6f4-49b6-8a2a-5d2432106a5c
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden 1–3 reisten gemäss ihren Angaben am 20. Juli
2017 in die Schweiz ein und stellten am 26. Juli 2017 im damaligen
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) E._ Asylgesuche. Am
4. August 2017 fanden die Kurzbefragungen des Beschwerdeführers 1 (im
Folgenden: Beschwerdeführer) und der Beschwerdeführerin 2 (im Folgen-
den: Beschwerdeführerin) zur Person (BzP) und am 12. April 2019 (Be-
schwerdeführerin) respektive 17. Mai 2019 (Beschwerdeführer) ihre Anhö-
rungen zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) statt.
B.
B.a Die Beschwerdeführerin brachte in der BzP zur Begründung ihres
Asylgesuchs vor, sie seien in erster Linie in die Schweiz gereist, um ihrem
in der Schweiz als Flüchtling anerkannten Onkel, F._ (N [...]), des-
sen Mutter im Jahr (...) verstorben sei, ihr Beileid auszusprechen. Im Übri-
gen sei sie Mitglied der Partei "AAMBS" (Aurupa Aserbeycanlilarin Milli Bir-
lik Surasi; Aserbaidschanische Nationale Einheitsgruppe in Europa). Sie
sei als (...) in G._ im Vorstand der Partei tätig gewesen. Wegen
ihres politischen Engagements seien sie und ihre Familie mit dem Tod be-
droht worden. Sie hätten an Protestveranstaltungen gegen die aserbaid-
schanische Regierung teilgenommen und seien deshalb mehrmals festge-
nommen worden. Die letzte Festnahme habe sich im Jahr 2013 ereignet,
als sie für einen Monat festgehalten worden sei. Danach seien sie und ihr
Ehemann an keinen Kundgebungen mehr beteiligt gewesen; sie hätten
aber weiterhin Dokumente verfasst und Flugblätter verteilt.
B.b In der Anhörung gab die Beschwerdeführerin zu Protokoll, sie sei seit
2010 politisch aktiv. Von 2011 bis 2013 sei sie Mitglied der Partei "Hagg ve
Adalat" (phonetisch) gewesen und seit 2013 Mitglied der AAMBS. Diese
beiden Parteien seien von ihrem Onkel F._ gegründet worden. Sie
sei kein Vorstandsmitglied gewesen, habe aber ihren Onkel H._,
der das Parteibüro in G._ geleitet habe, unterstützt. Sie habe Bro-
schüren verfasst, in welchen über politische Gefangene berichtet worden
sei, und sei an der Organisation von Kundgebungen gegen das aserbaid-
schanische Regime sowie für die Freilassung politischer Gefangener und
Versammlungen beteiligt gewesen. In den Jahren 2011 bis 2016 hätten
zahlreiche Demonstrationen stattgefunden. Sie sei in diesem Zusammen-
hang insgesamt vier oder fünf Mal festgenommen worden, namentlich in
den Jahren 2010 und 2011, wobei sie jeweils mehrere Stunden oder Tage
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festgehalten, beleidigt und unter Druck gesetzt worden sei. Bei einer Kund-
gebung im Jahr 2013 sei sie so fest geschlagen worden, dass sie an-
schliessend eine Fehlgeburt erlitten habe. Die letzte Kundgebung habe im
Jahr 2016 stattgefunden, wobei die Polizei brutal eingeschritten sei. Ihr
Ehemann sei selber nicht politisch engagiert gewesen, habe sie aber je-
weils begleitet, um sie gegen Übergriffe durch die Sicherheitskräfte zu
schützen. Die aserbaidschanischen Behörden hätten wegen ihren Aktivitä-
ten gegen ihn ein Gerichtsverfahren eingeleitet. Gegen sie selber sei
jedoch nie ein Verfahren eröffnet worden, weil ihr Onkel H._ jeweils
gegen ihre Festnahmen schriftlich Einsprache erhoben habe. Am (...) März
2010 seien sie und ihr Ehemann wegen einer Geldforderung gegen ihren
Vater im Zusammenhang mit dessen Geschäftstätigkeit entführt und bis
zum (...) April 2010 festgehalten worden. Ihr Vater sei zur Polizei gegan-
gen, welche aber nicht bereit gewesen sei, etwas gegen die Entführer zu
unternehmen. Ihr Vater sei wegen dieser Angelegenheit sowie seinem po-
litischen Engagement nach I._ gegangen und dürfe seither nicht
mehr nach Aserbaidschan einreisen. Im Übrigen sei auch ihre Tochter in
der Schule unter Druck gesetzt worden und es sei ihr nicht erlaubt worden,
an (...)wettbewerben teilzunehmen. Sie seien im Jahr 2017 legal über
Georgien in die Türkei und von dort in die Schweiz gereist. Auslöser für ihre
Ausreise sei gewesen, dass sie ihren Onkel F._ nach dem Tod sei-
ner Mutter hätten unterstützen wollen. Vier Tage nach ihrer Ausreise hätten
die aserbaidschanischen Sicherheitskräfte bei ihrer Mutter eine Haus-
durchsuchung durchgeführt und Unterlagen von ihr (Beschwerdeführerin)
beschlagnahmt. Zudem seien ihre Verwandten am (...). Juli 2017 vorgela-
den und zu ihrem Aufenthaltsort befragt worden, da ein Gerichtsverfahren
gegen sie eingeleitet worden sei. Ihre Verwandten seien unter Druck ge-
setzt worden, sie zu einer Rückkehr nach Aserbaidschan zu überreden.
Ihre Geschwister könnten nicht mehr in Aserbaidschan studieren und ein
Onkel habe seine Arbeitsstelle verloren. Zwei Cousins seien während
eines Monats respektive eineinhalb Jahren festgehalten worden. Sie
befürchte, im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat wegen ihres
Kontakts zum Onkel F._ zusammen mit ihrem Ehemann festge-
nommen zu werden. Gemäss Aussagen ihrer Verwandten bestehe ein
schriftlicher Haftbefehl gegen sie. In der Schweiz sei sie politisch nicht ak-
tiv, weil ihr Onkel ihr gesagt habe, dies würde der Schweizer Regierung
missfallen.
B.c Der Beschwerdeführer brachte vor, dass seine Ehefrau politisch aktiv
sei, er hingegen nicht. Er sei aber auch Mitglied der Parteien AAMBS und
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"Umut", und habe seine Ehefrau stets an Kundgebungen und Meetings be-
gleitet. Die aserbaidschanischen Sicherheitskräfte hätten ihn deswegen im
Zeitraum von 2010 bis 2013 etwa zehn Mal festgenommen und jeweils für
eine Dauer von einer Woche bis einem Monat festgehalten, um Druck auf
seine Frau auszuüben. Die letzte Festnahme sei im Jahr 2013 gewesen,
als er für einen Monat auf dem Polizeiposten in G._ festgehalten
worden sei. Respektive er sei letztmals im Jahr 2016 festgenommen wor-
den und damals auf die (...) Polizeistation im Stadtteil J._ gebracht,
verhört und nach einigen Stunden wieder freigelassen worden. Am (...) De-
zember 2013 sei er festgenommen worden, und nach dreitägiger Haft sei
ein Gerichtsbescheid ergangen, wonach er (...) Tage im Gefängnis habe
verbringen müssen. Seine Ehefrau sei ebenfalls mehrmals für einige Tage
festgehalten, eingeschüchtert und beleidigt worden. Zudem habe man ihr
nicht erlaubt, zu arbeiten, und seine Tochter habe nicht an (...)turnieren
teilnehmen dürfen. Er befürchte, dass man ihn und seine Ehefrau bei einer
Wiedereinreise in Aserbaidschan unter dem Vorwurf, sie hätten F._
unterstützt, inhaftieren würde. Dessen in Aserbaidschan lebenden Nichten
und Neffen seien alle in Haft. Nach ihrer Ausreise hätten die Sicherheits-
kräfte seine Schwester und deren Söhne mehrmals eingeschüchtert,
ebenso wie seine Schwiegermutter. Im Übrigen bestätigte er, dass er und
seine Familie in die Schweiz gereist seien, um F._ nach dem Tod
von dessen Mutter zu unterstützen.
B.d Zum Beleg ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden fol-
gende Dokumente zu den Akten:
− Ausdrucke von elektronischen Nachrichten der Mutter und Geschwister
der Beschwerdeführerin
− Ärztliches Zeugnis der K._, L._, vom 8. April 2019 betref-
fend Schwangerschaft der Beschwerdeführerin
− Amtliche Dokumente betreffend die Inhaftierung von zwei Cousins,
sowie betreffend die Probleme eines Onkels der Beschwerdeführerin,
in Kopie
− Gerichtsdokument vom (...) Dezember 2013 betreffend Festnahme des
Beschwerdeführers
− Publikation von F._ vom 13. Mai 2015 betreffend die Verfolgung
seiner Familienangehörigen in Aserbaidschan
− Korrespondenz von F._ mit verschiedenen kantonalen Amts-
stellen und Bundesbehörden
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− Schreiben von F._ vom 13. Mai 2019, inklusive Unterlagen
zu dem von den aserbaidschanischen Behörden gegen ihn gestellten
Auslieferungsbegehren
− Deutschzertifikat der Beschwerdeführerin vom 26. Februar 2019
− Referenzschreiben der Schule M._ für die Tochter C._
(Beschwerdeführerin 3) vom 4. April 2019
− Referenzschreiben des Schweizerischen (...)bundes vom 6. April 2019
und 8. April 2019 sowie des (...)klubs N._ vom 8. April 2019 be-
treffend C._
C.
Am (...) wurde der Sohn der Beschwerdeführenden (Beschwerdeführer 4)
geboren.
D.
Mit Verfügung vom 29. April 2020 (eröffnet am 30. April 2020) stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
E.
E.a Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 2. Juni 2020 erhoben die
Beschwerdeführenden gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde und beantragten, die Verfügung sei aufzuheben und
es sei ihnen Asyl zu gewähren; eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen,
sie vorläufig in der Schweiz aufzunehmen, subeventualiter die Sache zur
vollständigen und richtigen Feststellung des Sachverhalts und zu neuem
Entscheid an das SEM zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht
ersuchten die Beschwerdeführenden um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und Verbeiständung, unter Beiordnung ihres Rechtsver-
treters als unentgeltlicher Rechtsbeistand, sowie um Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses.
E.b Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten sie folgende Beweismittel ein:
− Bestätigungsschreiben der Haqq & Adalet Association vom 11. Mai
2020 und der Avropa Azerbacanlilari Milli Birlik Shurasi (AAMBS) vom
12. Mai 2020
− Urteil betreffend Haft des Beschwerdeführers vom (...) Dezember 2013
(im Original)
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Seite 6
− Zwei Fotos von F._ nach einem Entführungsversuch durch den
aserbaidschanischen Geheimdienst in Russland
− Unterlagen betreffend das Auslieferungsverfahren in Sachen F._
− Gerichtsunterlagen betreffend O._, P._ und Q._
− Zwei Schreiben von F._ vom 23. Marz 2015 an das Bundesamt
für Polizei und vom 11. Mai 2015 an das Polizeidepartement R._
− Schreiben des Nachrichtendienstes des Bundes NDB an F._
vom 11. Mai 2015
− Schreiben der Kantonspolizei S._ an den Verein Haqq & Adalet
vom 12. Mai 2015
− Unterlagen des Zivilgerichts T._ betreffend ein vom aserbaid-
schanischen Regime gegen F._ eingeleitetes Verfahren
− Sistierungsverfügung der Staatsanwaltschaft U._ vom 16. De-
zember 2014 betreffend eine vom Verein Haqq & Adalet ein-
gereichte Strafanzeige
− Schreiben der Opferhilfe V._ an F._ vom 2. Januar 2017
− diverse Medienberichte, Unterlagen von (...)turnieren und Fotos
betreffend die (...)sport-Erfolge der Tochter C._
− Empfehlungsschreiben von W._, Schulratspräsident, und von
X._, Schulleiter, der Schule M._, vom 27. Mai 2020
− drei E-Mail-Nachrichten von Y._, Oberstufenlehrer
− zwei Referenzschreiben von Freundinnen von C._ und CD-ROM
mit einem Unterstützungsfilm für C._
F.
Der Instruktionsrichter hiess mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2020 die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG
sowie um unentgeltliche Verbeiständung gemäss aArt. 110a AsylG gut,
setzte antragsgemäss Advokat Ozan Polatli als unentgeltlichen Rechts-
beistand der Beschwerdeführenden ein und verzichtete auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses. Ferner wurde das SEM zur Einreichung einer
Vernehmlassung eingeladen.
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 18. Juni 2020 hielt die Vorinstanz an ihrer
Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
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Seite 7
H.
Mit Eingabe ihres Rechtsbeistands vom 23. Juli 2020 machten der Be-
schwerdeführenden von dem ihnen (mit Instruktionsverfügung vom 24. Ju-
ni 2020) eingeräumten Recht zur Replik innert erstreckter Frist Gebrauch.
In der Beilage reichten sie vier im Zeitraum von Juni bis Juli 2020 in Aser-
baidschan erschienene Medienartikel inklusive Übersetzungen sowie die
Ausgabe Juli 2020 der M._ Schulzeitung ein.
I.
Mit Eingaben vom 30. Oktober 2020, 27. Januar 2021, 19. Februar 2021
und 28. Mai 2021 reichten die Beschwerdeführenden weitere Beweismittel
zu den Akten:
− Brief der Polizei U._ vom 2. September 2020 an F._ be-
treffend Einladung zu einem Gespräch
− Gerichtsurteile vom 5. Juni 2020 und vom 7. September 2020 gegen
Z._
− von der Beschwerdeführerin verfasster, auf der Website www.refujour-
nalists.ch publizierter Artikel
− Fotos einer Kundgebung vom (...) September 2020 in T._ zum
Thema Freiheit für politische Gefangene in Aserbaidschan
− Bestätigung von aserbaidschanischen Flüchtlingen in der Schweiz
betreffend das politische Engagement der Beschwerdeführenden
− Original eines (...) Juni 2020 in Aserbaidschan erschienenen Zeitungs-
artikels betreffend die Beschwerdeführenden
− Artikel vom 7. November 2020 aus der Zeitung "Aa._" über die
Beschwerdeführerin
− ärztlicher Bericht von Dr. med. Ab._ vom 2. Februar 2021 betref-
fend die Beschwerdeführerin
− Bewilligung zur Demonstration am (...) Mai 2021 in T._, ausge-
stellt durch die zuständige Behörde des Kantons T._
− acht anlässlich der Demonstration vom (...) Mai 2021 in T._ auf-
genommene Fotos
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Seite 8
J.
Der Instruktionsrichter lud das SEM angesichts der veränderten Aktenlage
mit Verfügung vom 10. November 2021 zu einer ergänzenden Vernehm-
lassung ein.
K.
Die Vorinstanz hielt in ihrer zweiten Vernehmlassung vom 2. Dezember
2021 an ihren Erwägungen weiterhin vollumfänglich fest.
L.
Mit Eingabe ihres Rechtsbeistandes vom 20. Januar 2022 machten der Be-
schwerdeführenden von dem ihnen (am 6. Dezember 2021) eingeräumten
Recht zur Replik innert erstreckter Frist Gebrauch. Zudem reichten sie als
Beweismittel einen Arztbericht der Gemeinschaftspraxis und ambulantes
Nierenzentrum in M._ betreffend die Beschwerdeführerin vom
15. Dezember 2021, eine Bestätigung Besuch Deutschkurs vom 20. De-
zember 2021 betreffend die Beschwerdeführerin, einen Bericht von
Dr. med. Ac._, Psychiatrie& Psychotherapie FMH, M._ vom
21. Dezember 2021 betreffend die Situation von C._ sowie ein
Schreiben des Klassenlehrers von C._ vom 16. Dezember 2021 zu
den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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Seite 9
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen folgender-
massen:
3.1.1 Die Ausführungen der Beschwerdeführenden vermöchten den Anfor-
derungen an die Glaubhaftigkeit nicht standzuhalten. Sie hätten wider-
sprüchliche Angaben zu ihrem politischen Engagement gemacht. So habe
der Beschwerdeführer einerseits ausgesagt, nicht politisch tätig gewesen
zu sein, andererseits aber vorgebracht, er sei Mitglied von zwei Parteien
(AAMBS und Umut) und wegen seiner Teilnahme an Demonstrationen fest-
genommen worden. Die Beschwerdeführerin habe bei der BzP vorge-
bracht, sie sei Vizepräsidentin im Vorstand der AAMBS gewesen, habe
dies aber in der Anhörung ausdrücklich verneint. Auch die Angaben der
Beschwerdeführenden zu ihren Inhaftierungen würden Widersprüche ent-
halten: Im Rahmen der Befragungen zur Person hätten beide Beschwer-
deführenden ausgesagt, sie seien letztmals im Jahr 2013 festgenommen
worden, wobei sie einen Monat auf dem Polizeiposten G._ festge-
halten worden seien. Bei ihrer Anhörung habe die Beschwerdeführerin ihre
letzte Festnahme aber zeitlich nicht mehr einordnen können und diese
zudem nicht als Inhaftierung durch die Polizei beschrieben, sondern als
eine Entführung durch Privatpersonen wegen Schulden ihres Vaters.
Der Beschwerdeführer habe in seiner Anhörung im Gegensatz zu seinen
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Seite 10
Ausführungen in der BzP zu Protokoll gegeben, seine letzte Festnahme sei
im Jahr 2016 gewesen. In den von ihm eingereichten Beweismitteln für
seine Festnahme im Jahr 2013 sei von einer 14-tägigen Haft die Rede.
3.1.2 Die Aussage der Beschwerdeführerin, sie hätten ihre Papiere für die
Reise in die Schweiz in der Türkei beschafft, stehe im Widerspruch dazu,
dass die Visa für die Reise in die Schweiz nachweislich von der Schweizer
Botschaft in Ad._ ausgestellt worden seien. Widersprüchliche An-
gaben hätten die Beschwerdeführenden auch dazu gemacht, wer den
aserbaidschanischen Sicherheitskräften ihren Aufenthaltsort verraten
habe. Die von der Beschwerdeführerin eingereichten Ausdrucke von elekt-
ronischen Nachrichten ihrer Mutter hätten keinen Beweiswert. Im Weiteren
sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen, ihre politischen Tä-
tigkeiten erlebnisbasiert wiederzugeben. Ihre diesbezüglichen Aussagen
seien durchwegs knapp, oberflächlich und stereotyp. Sie habe auch keine
konkreten Angaben zu dem angeblich gegen sie ausgestellten Haftbefehl
machen können. Ihr Verweis auf einen Zusammenhang mit ihrer Unter-
stützung ihres Onkels sei nicht schlüssig, zumal der Beschwerdeführer ge-
mäss seinen Angaben nichts von einem Haftbefehl wisse. Seine Aussagen
zu seiner letzten Festnahme im Jahr 2016 seien ebenso substanzlos und
unpersönlich. Der Umstand, dass den Beschwerdeführenden offenbar in
den Jahren (...), (...) respektive (...) Reisepässe ausgestellt worden seien
und sie anscheinend mehrmals legal und problemlos aus ihrem Heimat-
staat hätten aus- und wieder einreisen können, lasse sich nicht mit der an-
geblichen Verfolgung durch die aserbaidschanischen Behörden aus
politischen Gründen vereinbaren. Das Vorbringen der Beschwerdeführen-
den, sie würden aktuell aus politischen Gründen in Aserbaidschan verfolgt,
sei somit als unglaubhaft zu erachten.
3.1.3 Gemäss dem vom Beschwerdeführer eingereichten Dokument des
Bezirksgerichts des Bezirks Ae._ sei er am (...) Dezember 2013 für
14 Tage inhaftiert worden. Selbst wenn dieses Dokument echt sein sollte,
würde es dieser Haft an einem zeitlichen Kausalzusammenhang mit der
Ausreise der Beschwerdeführenden im Juli 2017 fehlen, da er für den Zeit-
raum dazwischen keine asylrelevante Verfolgung habe glaubhaft machen
können. Dieses Vorbringen halte somit den Anforderungen an die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Schliesslich sei zu be-
rücksichtigen, dass beide Beschwerdeführenden in ihren Befragungen
ausgesagt hätten, sei seien eigentlich in die Schweiz gereist, um ihrem
Onkel F._ nach dem Tod von dessen Mutter das Beileid auszuspre-
chen und ihn zu unterstützen.
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Seite 11
3.1.4 Ferner würden aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben,
dass den Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr in den Heimat-
staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbo-
tene Strafe oder Behandlung drohe und weder die in Aserbaidschan herr-
schende allgemeine politische Situation noch andere, individuelle Gründe
würden gegen die Zumutbarkeit einer Rückkehr in ihren Heimatstaat spre-
chen. Sie seien gesund und hätten ihren Lebensunterhalt offenbar ohne
Weiteres sicherstellen können. Auch bezüglich des Kindeswohls würden
sich aus dem Akten keine Wegweisungshindernisse ergeben.
3.2
3.2.1 Die Beschwerdeführenden wiesen in ihrer Beschwerdeeingabe be-
treffend die Frage der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen darauf hin, dass bei
ihren Befragungen zur Person ein Dolmetscher aus der Türkei eingesetzt
worden sei. Im Rahmen der Anhörungen sei eine Dolmetscherin eingesetzt
worden, die zwar aus Aserbaidschan stamme, aber russischer Mutterspra-
che sei. Es verletze den Grundsatz von Treu und Glauben, wenn ihnen
Widersprüche in ihren Aussagen vorgeworfen würden, obwohl Dolmet-
schende eingesetzt worden seien, die nicht die gleiche Sprache wie sie
sprechen würden. Ausserdem müsse berücksichtigt werden, dass die Be-
schwerdeführerin im Zeitpunkt der Anhörung hochschwanger gewesen sei.
Sie habe die Befragung aus Höflichkeit nicht verschieben wollen, obwohl
ihr in einem Arztzeugnis Verhandlungsunfähigkeit attestiert worden sei.
Überdies sei sie sehr nervös gewesen. Mit der Aussage, er sei nicht poli-
tisch tätig gewesen, habe der Beschwerdeführer zum Ausdruck bringen
wollen, dass er keine bestimmte politische Funktion ausgeübt habe.
Er habe seine Ehefrau aber überallhin begleitet. Angesichts der neu vor-
liegenden Beweismittel betreffend ihre Verfolgung sei davon auszugehen,
dass die Vorinstanz diesbezüglich den Sachverhalt falsch und unvollstän-
dig festgestellt habe. Es stehe jedenfalls fest und werde durch die vor-
liegenden Bestätigungsschreiben belegt, dass sie sich seit dem Jahr 2011
– unter anderem für die Partei AAMBS – politisch engagiert hätten.
Ebenfalls sei durch das zwischenzeitlich beigebrachte Gerichtsurteil vom
29. Dezember 2013 die politische Vorverfolgung des Beschwerdeführers
belegt. Die vergangene Verfolgung der Beschwerdeführenden dauere da-
her weiterhin an und es würden Hinweise auf eine zukünftig zu befürch-
tende Verfolgung vorliegen. Der Beschwerdeführer sei aufgrund dessen
als Regimekritiker registriert, der eine besonders nahe Beziehung zum
Staatsfeind F._ habe. Zudem sei den aserbaidschanischen Behör-
den bekannt, dass sie sich in die Schweiz begeben hätten. Sie seien wei-
terhin in deren Visier.
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Seite 12
3.2.2 Ihre Situation habe sich noch verschlechtert, da das aserbaidschani-
sche Regime immer repressiver werde. Aus Angst vor politischen Unruhen
dulde dieses Kontakte zu Oppositionellen unter keinen Umständen. Der
aserbaidschanische Geheimdienst habe in mehreren Fällen im Ausland
Oppositionelle entführt; unter anderem hätten sie versucht ihren Onkel
F._ zu entführen. Sie seien trotz der durch die Schweizer Botschaft
ausgestellten Visa nicht direkt in die Schweiz gereist, sondern per Bus über
Georgien in die Türkei, um ihr Reiseziel vor den heimatlichen Behörden zu
verheimlichen. Diese hätten ihre Reise zu F._ nicht zugelassen. Die
Einträge in ihren Reisepässen würden nicht gegen ihre Vorbringen spre-
chen. In den Jahren 2011 und 2013 seien sie für eine medizinische Be-
handlung nach Af._ gereist. (...). Es habe sich hierbei also nicht um
Auslandsreisen gehandelt. Ihre einzige Auslandsreise, die sie im Jahr 2014
für die Teilnahme ihrer Tochter an einem internationalen (...)turnier unter-
nommen hätten, dürfe nicht zu ihren Ungunsten ausgelegt werden.
3.2.3 Schon allein das Stellen eines Asylgesuchs im Ausland stelle für die
aserbaidschanischen Behörden einen Grund zur Verfolgung dar. Aufgrund
ihrer Beziehung zu F._ drohe ihnen Reflexverfolgung. Die aserbaid-
schanischen Behörden hätten am (...) beim Bundesamt für Justiz ein Aus-
lieferungsbegehren für F._ gestellt, weil diesem vorgeworfen
werde, zum einem bewaffneten Umsturz aufgerufen zu haben. In diesem
Begehren seien seine Angehörigen als Unterstützer bezeichnet worden.
Zudem sei im Jahr 2013 ein gerichtliches Verfahren gegen ihn im Kanton
T._ eröffnet worden und im Jahr 2014 hätten Unbekannte einen Ha-
ckerangriff auf ihn verübt. Der aserbaidschanische Geheimdienst wisse,
dass sie zum engeren Kreis von F._ gehören und für die Partei
Haqq ve Adalat arbeiten würden. Der Vater und der Onkel der Beschwer-
deführerin würden vom aserbaidschanischen Regime per Interpol gesucht.
Zwei Neffen von F._ seien in Aserbaidschan wegen unterstellter De-
likte verurteilt respektive inhaftiert worden, um F._ einzuschüchtern.
Einem Schwager von ihm sei die Arbeitsstelle gekündigt worden und ein
anderer sei ebenfalls inhaftiert worden. Schliesslich seien im Jahr 2017
zwei Schwiegersöhne von F._ inhaftiert worden. Demnach sei er-
stellt, dass alle seine Angehörigen verfolgt würden. Aus diesen Gründen
sei ihnen die Flüchtlingseigenschaft zuzusprechen und Asyl zu gewähren.
3.2.4 Im Übrigen wäre ein Wegweisungsvollzug aufgrund der gelungenen
Integration ihrer Tochter C._ als unzumutbar zu bezeichnen. Ob-
wohl sie ein grosses (...)talent sei, sei sie im Heimatstaat ab dem Jahr
2014 nicht mehr für Turniere aufgeboten worden. Im Falle einer Rückkehr
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nach Aserbaidschan müsste sie ihre Ziele als (...)spielerin aufgeben, weil
sie aus einer regimefeindlichen Familie stamme. Sie sei in die (...) aufge-
nommen worden und habe für diese an einer (...) teilgenommen. Überdies
sei sie auch in ihrer Schule sehr beliebt, was durch diverse Referenzschrei-
ben dokumentiert werde.
3.3 In ihrer Vernehmlassung stellte die Vorinstanz sich namentlich auf den
Standpunkt, den aserbaidschanischen Behörden sei ihre Verwandtschaft
zu F._ schon vor ihrer Ausreise bekannt gewesen, jedoch hätten sie
keine Verfolgung bis zu diesem Zeitpunkt glaubhaft machen können. Es
sei nicht nachvollziehbar, inwiefern ihre Reise in die Schweiz hieran etwas
ändern sollte. Die zum Beleg einer Reflexverfolgung von Angehörigen von
F._ eingereichten Dokumente könnten nicht beurteilt werden, da sie
nicht in einer Amtssprache verfasst seien. Der Zusammenhang zwischen
diesen und den Beschwerdeführenden bleibe unklar. Die Jahreszahlen
liessen darauf schliessen, dass sie in den letzten zwei Jahren entstanden
seien, also in einem Zeitraum in dem die Beschwerdeführenden selber kei-
ner Verfolgung ausgesetzt gewesen seien. Die Angaben der Beschwerde-
führerin zu ihrem Vater seien unklar.
Betreffend die Tochter C._ sei festzustellen, dass die Zumutbar-
keitsprüfung des Wegweisungsvollzugs sich nicht nach dem Grad der
lntegration der Asylsuchenden in der Schweiz, sondern nach den Möglich-
keiten der Reintegration im Heimatstaat richte. Diese Prüfung sei in der
angefochtenen Verfügung vorgenommen worden.
3.4 Die Beschwerdeführenden führten in ihrer Replik aus, sie seien zwar
bis zu ihrer Ausreise keiner unmittelbaren Gefahr durch die heimatlichen
Behörden ausgesetzt gewesen. Jedoch sei es nur eine Frage der Zeit ge-
wesen, bis sie Opfer von Verfolgungsmassnahmen geworden wären. Nach
ihrer Einreise in die Schweiz würden sie aufgrund ihrer Kontakte zu
F._ gezielt gesucht. Die Reflexverfolgungsmassnahmen gegen die
Angehörigen von F._ hätten bereits im Jahr 2015 begonnen und
würden nach wie vor andauern; sie hätten nicht zwei Jahre vor ihrer Aus-
reise aufgehört. Im Weiteren sei die Beschwerdeführerin als (...) bei dem
von F._ gegründeten Kanal "Haqq TV" tätig, der am 1. Juli 2020 in
den sozialen Medien den Betrieb aufgenommen habe. Die Beschwerde-
führenden seien überdies in mehreren, in den aserbaidschanischen Me-
dien veröffentlichten Artikeln als Verräter bezeichnet worden. Ihre Tochter
C._ würde im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat wegen ihres
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familiären Hintergrundes in der Schule gemobbt; zudem leide sie unter ge-
sundheitlichen Beschwerden (Bronchitis) für deren Behandlung sie in Aser-
baidschan finanziell nicht aufkommen könnten. Sie würden dort weder eine
Anstellung noch eine Unterkunft finden.
3.5 In weiteren Eingaben vom 30. Oktober 2020, 27. Januar 2021,
19. Februar 2021 und 28. Mai 2021 wiesen die Beschwerdeführenden auf
die Teilnahme des Beschwerdeführers an Kundgebungen in T._ am
(...) September 2020 und (...) Mai 2021, das Erscheinen von zwei Medi-
enartikeln über die Beschwerdeführerin in der Schweiz, die Verurteilung
eines Cousins der Beschwerdeführerin zu einer Gefängnisstrafe von fünf
Jahren sowie gesundheitliche Probleme der Beschwerdeführerin (Diabe-
tes, mittelgradige Depression) hin.
3.6 In ihrer ergänzenden Vernehmlassung führte das SEM aus, es stelle
sich die Frage, weshalb der Beschwerdeführer nunmehr seine anfängliche
Zurückhaltung bei politischen Aktivitäten aus Rücksichtnahme auf
F._ und dessen Angehörige aufgegeben habe. Es falle auf, dass
auf den in YouTube veröffentlichten Filmaufnahmen der Kundgebungen
nur wenige Demonstrierende zu sehen seien. Der Beschwerdeführer habe
sich durchwegs im Hintergrund aufgehalten. Es bestehe kein Grund zur
Annahme, dass er von den aserbaidschanischen Behörden als Anführer
einer bedeutenden Oppositionsgruppierung und damit als grosse Gefahr
wahrgenommen werde. Der Nachweis der vorherigen Ankündigung der
Demonstration vom (...) September 2020 sei nicht erbracht worden; es
fehlten auch Hinweise dazu, wann und wo allenfalls diesbezüglich Bilder
veröffentlicht und von der aserbaidschanischen Regierung zur Kenntnis
genommen worden seien. Es stelle sich weiter die Frage, weshalb die
Medienartikel, in welchen die Beschwerdeführenden beschimpft würden,
erst nach dem ablehnenden Asylentscheid und innerhalb eines Monats im
Sommer 2020 erschienen seien, obwohl sie nach ihren Angaben bereits
zuvor in ihrer Heimat politisch aktiv gewesen seien und wieso keine aktu-
elleren derartigen Artikel existieren würden. Es könne nicht ausgeschlos-
sen werden, dass diese Beweismittel dem Zweck dienten, nachträglich die
Flüchtlingseigenschaft zu konstruieren. Im Weiteren würden die Replik so-
wie die weiteren Eingaben keine neuen Erkenntnisse betreffend die gel-
tend gemachte Reflexverfolgung wegen F._ enthalten. Bei der an-
geblichen Aussage eines Polizeibeamten diesem gegenüber anlässlich ei-
nes Gesprächs vom 23. September 2020 handle es sich lediglich um die
Einschätzung eines Beamten. Es sei nicht ersichtlich, weshalb das Proto-
koll dieses Gesprächs nicht vorliege. Schliesslich spreche nichts gegen
E-2861/2020
Seite 15
eine Behandlung der medizinischen Probleme der Beschwerdeführerin
in Aserbaidschan.
3.7 In ihrer zweiten Replik legten die Beschwerdeführenden dar, die Orga-
nisationen "Haqq Adalet" und "Rat Europäischer Aserbaidschaner" hätten
2016 entschieden, keine politischen Anlässe mehr gegen das aserbaid-
schanische Regime zu organisieren. Im Jahr 2019 hätten sie aber be-
schlossen, es den Mitgliedern freizustellen, an derartigen Kundgebungen
teilzunehmen. Der Beschwerdeführer sei einfacher Teilnehmer der Kund-
gebung vom (...) September 2020 gewesen; bei der Demonstration vom
(...) Mai 2021 sei er aber einer der beiden Organisatoren gewesen. Auf-
nahmen der beiden Kundgebungen seien in verschiedenen sozialen Me-
dien abrufbar. Die geringe Teilnehmerzahl sei darauf zurückzuführen, dass
diese von der Polizei wegen der Corona-Epidemie beschränkt worden sei.
Der Beschwerdeführer sei bei diesen Veranstaltungen im Hintergrund ge-
blieben, weil er kein guter Redner sei. Der Beschwerdeführerin sei eine
Teilnahme an den politischen Aktivitäten wegen ihrer Schwanger- und
Mutterschaft sowie einer schweren Erkrankung nicht möglich gewesen.
Die in Aserbaidschan erschienenen, sie verunglimpfenden Artikel seien
fast zeitgleich erschienen, weil sie durch das aserbaidschanische Regime
initiiert worden seien, welches die Medien kontrolliere. Es sei nicht nach-
vollziehbar, wie sie hätten die Berichterstattung der staatsnahen Medien in
Aserbaidschan beeinflussen sollen. Überdies habe das Regime in den
Jahren 2018 bis 2020 versucht, sie mit gefälschten Sex-Bildern zu diskre-
ditieren. Auf ihren Antrag hin seien diese Bilder in Facebook gelöscht wor-
den. Beim Gespräch von F._ mit einem Polizeibeamten am
23. September 2020 habe es sich um eine nachrichtendienstliche Angele-
genheit gehandelt. F._ habe die von ihm beantragte Akteneinsicht
nicht erhalten. Die Beschwerdeführerin müsse sich aufgrund ihrer
Diabetes-Erkrankung mehrmals täglich Insulin verabreichen. Falls sie bei
einer Inhaftierung im Heimatstaat nicht Zugang zu den benötigten Mitteln
hätte, würden ihr ernsthafte gesundheitliche Probleme drohen. Die Tochter
C._ sei kürzlich (...) geworden.
E-2861/2020
Seite 16
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen
ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck
noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat bestehen-
den Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von
bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen, und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen Schutz
erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und 2008/4 E. 5.2, je m.w.H.).
Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne dieser Bestimmung liegt
vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere hätte sich
– aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heu-
tiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft ver-
E-2861/2020
Seite 17
wirklichen. Es müssen demnach hinreichende Anhaltspunkte für eine kon-
krete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichba-
rer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht her-
vorrufen würden. Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen
Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem
voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat
keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 6,
2008/12 E. 7.2.6.2 und 2008/4 E. 5.2). Ausgangspunkt für die Beurteilung
der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise
vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die
Situation im Zeitpunkt des Asylentscheids ist jedoch im Rahmen der Prü-
fung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Verän-
derungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und
Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch
stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51
E. 6, 2011/50 E. 3.1.1 und 3.1.2, 2010/57 E. 2, 2008/34 E. 7.1, 2008/12
E. 5.2 und 2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.; WALTER STÖCKLI, Asyl, in:
Uebersax / Rudin / Hugi Yar / Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., 2009,
Rz. 11.17 und 11.18).
5.2
5.2.1 In Übereinstimmung mit dem SEM ist festzustellen, dass die Anga-
ben der Beschwerdeführenden zur zeitlichen Einordnung ihres oppositio-
nellen Engagements und der daraus resultierenden Festnahmen in den
beiden Befragungen erheblich voneinander abwichen: Anlässlich der BzP
sagten die Beschwerdeführenden übereinstimmend aus, sie seien zum
letzten Mal im Jahr 2013 mitgenommen worden; die Beschwerdeführerin
gab ausdrücklich zu Protokoll, sie seien danach an keinen Kundgebungen
mehr beteiligt gewesen (vgl. A7/10 S. 6 und A8/10 S. 6). Im Gegensatz
dazu gaben beide Beschwerdeführenden im Rahmen der Anhörungen an,
sie hätten bis ins Jahr 2016 oder 2017 an Demonstrationen teilgenommen
und die letzte Festnahme des Beschwerdeführers habe sich in demselben
Jahr ereignet (vgl. A14/18 F27, F56 ff. und F94 f.; A16/13 F39 ff.).
5.2.2 Ein weiterer Widerspruch ist darin zu erblicken, dass die Beschwer-
deführerin im Rahmen der BzP zu Protokoll gab, sie sei stellvertretende
Parteipräsidentin in G._ im Vorstand der AAMBS gewesen (A8/10
S. 6), während sie in der Anhörung explizit verneinte, ein Mitglied des Par-
teivorstands gewesen zu sein (vgl. A14/18 F50). Überdies erweisen sich
die Ausführungen der Beschwerdeführenden im Rahmen der Anhörungen
zu ihren politischen Aktivtäten im Zeitraum nach 2013 insgesamt als vage
und wenig detailreich.
E-2861/2020
Seite 18
5.2.3 Diese klaren Divergenzen vermochten die Beschwerdeführenden
nicht auszuräumen. Der Verweis auf mögliche Verständigungsschwierig-
keiten anlässlich der Befragungen vermag nicht zu überzeugen: Sie gaben
beide in den BzP an, neben ihrer Muttersprache (Aserbaidschanisch)
Türkisch genügend für die Anhörung zu beherrschen und bestätigten un-
terschriftlich, dass die Protokolle in eine ihnen verständliche Sprache rück-
übersetzt worden seien (vgl. A7/10 S. 4 und 7, A8/10 S. 3 und 7). Demnach
ist nicht zu beanstanden, dass die Befragungen zur Person in türkischer
Sprache durchgeführt wurden. Die Anhörungen beider Beschwerdeführen-
den erfolgten in aserbaidschanischer Sprache. Aus den Protokollen erge-
ben sich keinerlei Anhaltspunkte, dass es zu sprachlichen Verständigungs-
problemen mit der eingesetzten Übersetzerin gekommen wäre, weil diese,
wie von den Beschwerdeführenden behauptet, nicht aserbaidschanischer
Muttersprache gewesen sei. Die mitwirkende Hilfswerksvertretung ver-
merkte ebenfalls keine entsprechenden Beobachtungen. Schliesslich ist
darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführenden bei allen vier Befra-
gungen zu Protokoll geben, die jeweils mitwirkende Übersetzerin "gut" res-
pektive "sehr gut" zu verstehen (vgl. A7/10 S. 2 und 7, A8/10 S. 2 und 7,
A14/18 F1, A16/13 F1). Der Fehler betreffend das Heiratsdatum in der BzP
des Beschwerdeführers ist durch die grosse Ähnlichkeit der Bezeichnung
für die Zahlen "2005" (iki bin beş) und "2015" (iki bin on beş) im Türkischen
nachvollziehbar. Dass es in den BzP beider Beschwerdeführenden auch
bezüglich der Jahrzahlen "2013" und "2016", betreffend den Zeitraum ihres
politischen Engagements, zu solchen Missverständnissen gekommen sein
soll, erscheint hingegen unplausibel und muss als Schutzbehauptung
bewertet werden.
5.2.4 Im Weiteren ergeben sich aus dem Protokoll der Anhörung der Be-
schwerdeführerin keine konkreten Hinweise dafür, dass sie aufgrund ge-
sundheitlicher Probleme nicht in der Lage gewesen wäre, ihre Asylgründe
vollständig und korrekt darzulegen. Vielmehr gab sie anlässlich der Anhö-
rung auf die Frage nach ihrem Gesundheitszustand ausdrücklich zu Proto-
koll, sie seien wegen der langen Wartezeit etwas gestresst, aber sie fühle
sich "sehr gut" (vgl. A14/18 F3). Einen anderen Schluss rechtfertigt auch
die Bemerkung der Hilfswerkvertretung nicht, wonach die Beschwerdefüh-
rerin "emotional sehr ergriffen" gewesen und mehrmals in Tränen ausge-
brochen sei. Das von ihr eingereichte ärztliche Zeugnis vom 8. April 2019
enthält keine Angaben zu ihrer Verhandlungsfähigkeit. Unter diesen Um-
ständen ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz den Beschwerde-
führenden Widersprüche zwischen ihren Vorbringen bei den BzP sowie
den Anhörungen vorgehalten hat.
E-2861/2020
Seite 19
5.2.5 Angesichts der eingereichten Gerichtsdokumente kann zwar nicht
von der Hand gewiesen werden, dass der Beschwerdeführer am (...) De-
zember 2013 zu einer Haftstrafe von 14 Tagen verurteilt wurde. Ein sachli-
cher und zeitlicher Kausalzusammenhang dieser behördlichen Mass-
nahme mit der Ausreise der Beschwerdeführenden im Jahr 2017 ist jedoch
nicht erkennbar. Jedenfalls gelangt das Gericht nach dem Gesagten zum
Schluss, dass die von ihnen vorgebrachten regimekritischen Aktivitäten
und die angeblich hieraus resultierenden Verfolgungsmassnahmen durch
die heimatlichen Behörden im Zeitraum nach 2013, namentlich in den
Jahren 2016/2017, als unglaubhaft zu qualifizieren sind.
5.2.6 Die Einschätzung, dass die Beschwerdeführenden im Zeitpunkt ihrer
Ausreise keine asylrelevanten Nachteile zu befürchten hatten, wird sodann
zum einen dadurch gestützt, dass sie gemäss Aktenlage in den Jahren
2013 und 2014 mehrmals legal aus- und wiedereinreisten und im Jahre
2017 ihren Heimatstaat anscheinend ohne Probleme verlassen konnten;
andererseits gaben sie übereinstimmend zu Protokoll, ausschlaggebend
für ihren Ausreiseentschluss sei in erster Linie ihr Wunsch gewesen, dem
Onkel F._ der Beschwerdeführerin in der Schweiz Beistand zu leis-
ten. Aus diesen Gründen rechtfertigen sich auch erhebliche Zweifel an der
Darstellung der Beschwerdeführenden, wonach es nach ihrer Ausreise zu
Hausdurchsuchungen und Befragungen ihrer Angehörigen in Aserbaid-
schan gekommen sei. Aus den eingereichten Unterlagen betreffend be-
hördliche Massnahmen gegen mehrere Verwandte lässt sich keine begrün-
dete Furcht der Beschwerdeführenden vor asylrelevanten Nachteilen ab-
leiten, da ein relevanter Zusammenhang mit ihnen nicht erkennbar ist und
diese Dokumente teilweise aus dem Zeitraum vor ihrer Ausreise stammen.
5.2.7 Dass der Tochter der Beschwerdeführenden aufgrund des politischen
Profils ihrer Eltern die Teilnahme an (...)turnieren verwehrt worden sei, ist
eine nicht näher substanziierte Behauptung. Überdies wäre eine derartige
Benachteiligung mangels hinreichender Intensität offensichtlich nicht als
asylrechtlich relevanter Nachteil zu bewerten.
5.2.8 Die Ausführungen der Beschwerdeführenden enthalten somit insge-
samt keine glaubhaften und stichhaltigen Anhaltspunkte dafür, dass sie im
Zeitpunkt ihrer Ausreise begründete Furcht vor asylrechtlich relevanten
Nachteilen hatten.
E-2861/2020
Seite 20
5.3
5.3.1 Hinsichtlich der von den Beschwerdeführenden vorgebrachten
Furcht vor Reflexverfolgung wegen des Profils ihrer in der Schweiz als
Flüchtlinge anerkannten Verwandten ist Folgendes festzustellen:
5.3.2 Der Onkel F._ der Beschwerdeführerin reiste am (...) Novem-
ber 2003 in die Schweiz in und stellte ein Asylgesuch. Das SEM erkannte
ihm mit Entscheid vom 13. Oktober 2004 die Flüchtlingseigenschaft zu und
gewährte ihm Asyl (N [...]). Die am (...) November 2004 nachgereiste Ehe-
frau von F._ und ihre gemeinsamen Kinder wurden am 27. Dezem-
ber 2004 in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemanns beziehungsweise
Vaters einbezogen. Ein weiterer Onkel der Beschwerdeführerin,
Ag._ (N [...]), und dessen Ehefrau stellten am 5. September 2001
in der Schweiz Asylgesuche. Im Rahmen eines Wiedererwägungsverfah-
rens erkannte das SEM ihnen mit Verfügung vom 20. Oktober 2011 die
Flüchtlingseigenschaft zu. Zwar ist den Akten zu entnehmen, dass
F._ sich nach wie vor in regimekritischer Weise engagiert, und das
von den aserbaidschanischen Behörden am (...) beim Eidgenössischen
Justiz- und Polizeidepartement gestellte Auslieferungsbegehren dokumen-
tiert, dass diese weiterhin ein Verfolgungsinteresse an ihm haben. Indes-
sen ergibt sich aus den beigezogenen Verfahrensakten von F._ und
Ag._, dass diese bereits seit den 1990er-Jahren politisch aktiv wa-
ren, und sie ihren Heimatstaat längere Zeit vor den Beschwerdeführenden
verliessen. Diese vermochten, wie oben dargelegt, nicht überzeugend dar-
zulegen, dass sie vor ihrer Ausreise wegen ihrer verwandtschaftlichen Be-
ziehung zu den Onkeln der Beschwerdeführerin asylrechtlich relevante
Nachteile erlitten hätten. Da keine stichhaltigen Hinweise dafür vorliegen,
dass F._ und Ag._ ihre Aktivitäten seit der Ausreise der Be-
schwerdeführenden erheblich intensiviert hätten, besteht kein Grund zur
Annahme, dass sich die Gefahr eine Reflexverfolgung für die Beschwerde-
führenden seither erheblich erhöht hätte. Überdies ist eine enge Verbin-
dung zwischen den Beschwerdeführenden und den Aktivitäten von
Ag._ aus den Akten nicht erkennbar und wurde auch nicht substan-
ziiert geltend gemacht.
5.3.3 Eine andere Einschätzung vermag auch der Umstand nicht zu recht-
fertigen, dass der nachträglich ausgereisten Tochter von Ag._,
Ah._ (N [...]), mit Urteil des BVGer D-1180/2020 vom 2. Dezember
2020 wegen begründeter Furcht vor Verfolgung im Zusammenhang mit
den Aktivitäten ihres Vaters sowie ihres Onkels Asyl gewährt wurde: Da
E-2861/2020
Seite 21
Ah._ gemäss ihren glaubhaften Aussagen von konkreten Drohun-
gen der heimatlichen Behörden betroffen war, lag diesem Verfahren eine
andere Ausgangslage zugrunde.
5.3.4 Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass bezüglich der Ehefrau von
F._, Ai._, und der gemeinsamen Kinder die originäre Flücht-
lingseigenschaft – demnach auch eine von ihrem Ehemann respektive Va-
ter abzuleitende Reflexverfolgung – zu verneinen war (vgl. die rechtskräf-
tige Verfügung des SEM vom 27. Dezember 2004 im Verfahren N [...]); im
Übrigen verzichtete die Ehefrau mit Schreiben an das SEM vom 15. No-
vember 2021 auf das ihr gewährte derivative Asyl, um nach Aserbaidschan
reisen zu können.
6.
6.1 Die Beschwerdeführenden machten ferner inhaltlich das Vorliegen sub-
jektiver Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend, indem sie
ein exilpolitisches Engagement geltend machen, aufgrund dessen sie bei
einer Rückkehr in den Heimatstaat Verfolgung seitens der aserbaidschani-
schen Behörden befürchten müssten.
6.2 Subjektive Nachfluchtgründe sind anzunehmen, wenn eine asyl-
suchende Person erst durch die unerlaubte Ausreise aus ihrem Heimat-
oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Als subjektive
Nachfluchtgründe können insbesondere unerwünschte exilpolitische
Betätigungen, illegales Verlassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht)
oder Einreichung eines Asylgesuchs im Ausland gelten, wenn sie die Ge-
fahr einer zukünftigen Verfolgung begründen. Personen mit subjektiven
Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge
vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1, BVGE 2009/28 E. 7.1
m.w.H.).
6.3 Die Beschwerdeführerin hat das von ihr behauptete Engagement als
(...) des Kanals "Haqq TV" durch keine Beweismittel untermauert, und in
den von ihr erwähnten sozialen Medien, in welchen der Kanal aktiv sei, tritt
sie in dieser Funktion nicht öffentlich in Erscheinung. In den beiden in der
Schweiz erschienenen Medienartikeln, in welchen die Beschwerdeführerin
porträtiert wird, weist sie zwar auf Missstände in ihrem Heimatstaat hin,
jedoch enthalten diese keine ausgeprägt regimekritischen Aussagen. Zu-
dem erschienen diese in Publikationen, deren Reichweite auf die Region,
in welcher die Beschwerdeführenden wohnhaft sind, beschränkt ist. Es er-
scheint daher wenig wahrscheinlich, dass diese Publikationen von den
E-2861/2020
Seite 22
aserbaidschanischen Behörden überhaupt zur Kenntnis genommen wor-
den sind.
6.4 Durch die eingereichten Beweismittel dokumentiert ist die Teilnahme
des Beschwerdeführers an zwei oppositionellen Kundgebungen am
(...) September 2020 und (...) Mai 2021 in T._. Auf den eingereich-
ten otos und in den unter den zitierten Links namentlich auf Facebook und
YouTube veröffentlichten Aufnahmen tritt er jedoch, soweit überhaupt er-
kennbar, nur als einfacher Kundgebungsteilnehmer ohne besonders expo-
nierte Funktion in Erscheinung. Zudem handelte es sich augenscheinlich
um Anlässe mit einer nur geringen Teilnehmerzahl, die anscheinend in den
Medien keine besondere Aufmerksamkeit erregt haben. Es ist demnach
nicht davon auszugehen, dass er aufgrund dieses Engagements von den
aserbaidschanischen Behörden – falls diese davon überhaut Kenntnis ge-
nommen haben – als ernsthafter Regimefeind wahrgenommen wird.
6.5 Betreffend die von den Beschwerdeführenden eingereichten aserbaid-
schanischen Medienartikel, in denen namentlich und mit Foto über sie be-
richtet wird, ist Folgendes festzustellen: Das Newsportal Aj._.org
scheint gemäss Recherchen des Gerichts nur eine geringe Reichweite zu
haben. Über die Zeitung "Ak._" konnten keine Informationen gefun-
den werden, was darauf schliessen lässt, dass es sich ebenfalls nicht um
eine Publikation mit grosser Auflagenzahl und Verbreitung in Aserbaid-
schan handelt. Angesichts des lediglich niederschwelligen politischen Pro-
fils der Beschwerdeführenden erscheint die eingehende Berichterstattung
über ihre Aktivitäten zudem seltsam, ebenso wie die Verwendung dersel-
ben Fotos sowohl im gedruckten Zeitungsartikel als auch in den Internet-
artikeln (obwohl keine Verbindung zwischen den beiden Medien besteht).
Insgesamt entsteht der Verdacht, dass es sich hierbei um absichtlich plat-
zierte Artikel handelt.
7.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass es den Beschwerdeführenden
nicht gelungen ist, eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3
respektive Art. 54 AsylG nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Das SEM
hat folglich zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft verneint und ihre Asylge-
suche abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
E-2861/2020
Seite 23
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.3 Die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung
(Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind praxisgemäss alter-
nativer Natur – ist eine von ihnen erfüllt, erweist sich der Vollzug der Weg-
weisung als undurchführbar und die weitere Anwesenheit in der Schweiz
ist gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln
(vgl. etwa BVGE 2011/7 E.8).
9.4
9.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.4.2 In Aserbaidschan herrscht weder Krieg noch Bürgerkrieg oder eine
Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG. Der Weg-
weisungsvollzug in den Heimatstaat der Beschwerdeführenden wäre dem-
nach grundsätzlich als zumutbar zu qualifizieren.
9.4.3 Sind von einem Wegweisungsvollzug (auch) minderjährige Kinder
betroffen, ist bei der Beurteilung der Zumutbarkeit desselben der Aspekt
E-2861/2020
Seite 24
des Kindeswohls zu berücksichtigen. Unter dem Aspekt des Kindeswohls
im Sinne von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989
über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention, KRK; SR 0.107) sind
im Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit des Vollzugs sämtliche
Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Weg-
weisung wesentlich erscheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können für
ein Kind namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen
Beurteilung von Bedeutung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe,
Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Be-
zugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit),
Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, sowie der Grad
der erfolgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz.
Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im
Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration
beziehungsweise Integration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger
Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal ver-
trauten Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus entwicklungs-
psychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des
Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern auch dessen
übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine re-
ziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz eine Entwurzelung
im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rück-
kehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. dazu BVGE 2009/51
E. 5.6 und 2009/28 E. 9.3.2).
9.4.4 Für das jüngere Kind der Beschwerdeführenden, dürften nach wie
vor die Eltern die primären Bezugspersonen sein. Die Tochter C._
reiste im Alter von (...) Jahren in die Schweiz ein und ist jetzt (...)-jährig.
Gemäss vorliegenden Berichten besucht sie die (...) Sekundarklasse im
Schulhaus Al._ in M._. Ihre schulischen Leistungen sind
sehr gut, schneidet sie doch in allen Fächern, namentlich auch den sprach-
lichen, überdurchschnittlich gut ab. Das Bestehen der Aufnahmeprüfung
an die Kantonsschule wird als realistisch erachtet. Zudem wird ihr attestiert,
in ihrer Schulklasse sehr gut integriert zu sein (vgl. Schreiben der Schul-
leitung der Schule M._ vom 27. Mai 2020 und des Klassenlehrers
vom 16. Dezember 2021). Es ist somit davon auszugehen, dass
C._ sich in der Schweiz aussergewöhnlich schnell und gut integriert
hat. Hierfür spricht auch, dass sie gemäss Aktenlage in einen (...)klub auf-
genommen worden ist und bereits an mehreren (...) sowie als Vertreterin
E-2861/2020
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der Schweiz an (...) teilgenommen hat (vgl. Schreiben des Schweizeri-
schen (...)bundes vom 6. und 8. April 2019, Schreiben der Schule
M._ vom 27. Mai 2020 und diverse Medienberichte). Unter diesen
Umständen und insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, dass
C._ die letzten gut viereinhalb Jahre im besonders prägenden Ju-
gendalter nicht mehr in Aserbaidschan verbracht hat, besteht die konkrete
Gefahr einer Entwurzelung aus dem in der Schweiz gewachsenen sozialen
Umfeld. Es ist gemäss Akten anzunehmen, dass der Vollzug der Wegwei-
sung nach Aserbaidschan – in eine Kultur und Umgebung, von der sie sich
mittlerweile entfremdet haben dürfte – zu einer starken Belastung für ihre
Entwicklung und zu einer ernstzunehmenden Gefährdung für ihre Person
führen würde. Diese Einschätzung wird dadurch untermauert, dass
C._ gemäss vorliegenden Unterlagen seit 9. Juni 2021 in psycho-
therapeutischer Behandlung ist, wobei Symptome einer Posttraumatischen
Belastungsstörung im Zusammenhang mit den Erlebnissen im Heimatstaat
sowie der Unsicherheit über ihre Zukunft festgestellt wurden (vgl. Bericht
von Dr. med. Am._ und Dipl. Psych. FH An._ vom 21. De-
zember 2021).
9.4.5 Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin 3 nach Aser-
baidschan widerspricht unter diesen Umständen dem Kindeswohl und ist
als unzumutbar zu qualifizieren.
9.4.6 Die Beschwerdeführenden 1, 2 und 4 (Eltern und jüngerer Bruder)
sind in Anwendung des Grundsatzes der Einheit der Familie gemäss
Art. 44 AsylG in die vorläufige Aufnahme von C._ einzubeziehen
(vgl. bereits Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 24 E. 10 f.).
9.4.7 Der Vollzug ihrer Wegweisung der Beschwerdeführenden ist nach
dem Gesagten als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu qualifi-
zieren. Die Fragen, ob auch die vorgebrachten gesundheitlichen Probleme
der Beschwerdeführerin (Diabetes) ein relevantes Wegweisungshindernis
dargestellt oder ob andere Vollzugshindernisse vorgelegen hätten, können
offenbleiben. Nachdem keine Hinweise auf das Vorliegen von Ausschluss-
gründen nach Art. 83 Abs. 7 AIG aus den Akten hervorgehen, sind die
Voraussetzungen für die Gewährung der vorläufigen Aufnahme erfüllt.
10.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde, soweit den Vollzug der Wegwei-
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sung betreffend, gutzuheissen, und die Dispositivziffern 4 und 5 der vor-
instanzlichen Verfügung vom 29. April 2020 sind aufzuheben. Im Übrigen
ist die Beschwerde abzuweisen. Das SEM ist anzuweisen, die Beschwer-
deführenden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig
in der Schweiz aufzunehmen (vgl. Art. 44 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AIG).
11.
11.1 Bei diesem Verfahrensausgang wären ein Teil der Verfahrenskosten
praxisgemäss den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
und 5 VwVG). Da das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2020 gutgeheissen
wurde und den Akten keine Hinweise auf eine relevante Veränderung ihrer
finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, ist jedoch von einer Kosten-
auflage abzusehen.
11.2 Sodann ist den vertretenen Beschwerdeführenden angesichts ihres
teilweisen Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine – pra-
xisgemäss um die Hälfte reduzierte – Entschädigung für die ihnen notwen-
digerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der in der Kosten-
note vom 30. Oktober 2020 ausgewiesene zeitliche Vertretungsaufwand
erscheint angesichts der Komplexität des Verfahrens grundsätzlich ange-
messen; der Stundenansatz von Fr. 200.– ist reglementskonform (vgl.
Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die reduzierte Parteientschädigung, die durch das
SEM zu vergüten ist, ist somit – unter Berücksichtigung des für die nach-
träglichen Eingaben vom 27. Januar 2021, 19. Februar 2021 28. Mai 2021,
21. Dezember 2021 und 20. Januar 2022 zu veranschlagenden Aufwands
– auf insgesamt Fr. 2'200.‒ (inkl. die Hälfte der Auslagen und Mehrwert-
steueranteil) festzulegen.
11.3 Mit der Zwischenverfügung vom 10. Juni 2020 wurde ausserdem das
Gesuch der Beschwerdeführenden um amtliche Verbeiständung gutge-
heissen (aArt. 110a Abs. 1 VwVG) und ihr Rechtsvertreter als amtlicher
Rechtsbeistand eingesetzt. Dieser hat, soweit die Beschwerdeführenden
im Verfahren unterlegen sind, Anspruch auf Übernahme der notwendiger-
weise erwachsenen Vertretungskosten durch das Bundesverwaltungs-
gericht (vgl. Art. 8–14 VGKE). Demzufolge ist dem amtlichen Rechtsbei-
stand ein Gesamtbetrag von Fr. 2'200.– (inkl. die Hälfte der Auslagen und
Mehrwertsteueranteil) durch das Gericht zu vergüten.
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