Decision ID: d19a35c1-6765-41bf-886c-e1f5ec28ee7f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 2. Juli 2019 (DG190007)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 4. März 2019
(Urk. 38) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 61 S. 21)
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des Verbrechens gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel
und die psychotropen Stoffe im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und lit. d
BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG,
− des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1
lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. f, lit. g und Abs. 4 WG,
Art. 8 WG, Art. 9a WG, Art. 10 Abs. 2 WG, Art. 27 WG sowie mit Art. 6
WV, Art. 15 WV, Art. 21 Abs. 1 WV und Art. 48 WV, sowie
− der mehrfachen Übertretung des Bundesgesetzes über die Betäu-
bungsmittel und die psychotropen Stoffe im Sinne von Art. 19a Ziff. 1
BetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten,
wovon 51 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von
20 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 500.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sowie der Geldstrafe wird aufgeschoben und
die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Landes
verwiesen.
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6. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-
tem wird angeordnet.
7. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom
12. August 2018 beschlagnahmten Betäubungsmittel und Betäubungsmit-
telutensilien werden eingezogen und vernichtet:
a) 1 Portion Kokain in Plastik (4.4 Gramm), A011'737'896, b) 1 Feinwaage mit Kokainrückständen, A011'737'909, c) 1 Plastikschale mit Becher und Mischwerkzeug mit Rückständen von
weissem Pulver, A011'737'998, d) 1 Minigrip Kokain (1.1 Gramm), A011'738'015, e) Weisses Pulver (1.5 Gramm), A011'738'162, f) 1 Migros Papiertasche, A011'738'311, g) 1 Stoffsack grau, A011'738'344, h) Diverse Portionen Kokain, A011'738'377, i) Diverses Verpackungsmaterial, A011'738'446, j) 1 Beutel mit Streckmittel (704 Gramm), A011'738'480, k) 1 Beutel mit Streckmittel (111 Gramm), A011'738'491 und l) 1 Beutel mit Streckmittel (254 Gramm), A011'738'559.
8. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom
12. August 2018 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und
vernichtet:
a) Mobiltelefon Samsung, A011'737'545, b) Mobiltelefon ZTE, A011'737'590, c) Mobiltelefon Huawei, A011'737'625, d) Tablet Samsung, A011'737'670, e) Munition, A011'737'807, f) Mobiltelefon Wiko, A011'738'980, g) 1 Waffenkoffer, A011'739'712 und h) 1 Schreckschusspistole, A011'739'927.
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 12. August
2018 beschlagnahmte Barschaft (Asservat Nr. A011'738'957) im Betrag von
Fr. 210.– wird zugunsten des Staates eingezogen.
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10. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom
12. August 2018 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und
vernichtet:
a) Postmaterial, A011'737'863, b) Pullover, A011'738'413 und c) 1 Beutel mit der Aufschrift beats, A011'738'548.
11. Die unter der Asservatennummer A011'736'779 bei der Kantonspolizei Zü-
rich gelagerten Spuren (Fingernagelränder) werden vernichtet.
12. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'600.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 3'500.– Gebühr für das Vorverfahren,
Fr. 3'330.– Auslagen Gutachten,
Fr. 2'300.– Auslagen Polizei, Fr.
10'883.05
Kosten der amtlichen Verteidigung (inkl. Fr. 884.20
Auslagen und 7.7% MWST).
Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, ermäs-
sigt sich die Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
14. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO.
15. [Mitteilungen]
16. [Rechtsmittel]
17. [Rechtsmittel betreffend Entschädigung amtliche Verteidigung]
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 64 S. 2; Urk. 76 S. 2)
1. Dispositiv-Ziffern 1 des Urteils vom 2. Juli 2019 des Bezirksgerichts
Hinwil sei teilweise aufzuheben, namentlich sei der Beschuldigte hin-
sichtlich des Vergehens gegen das Waffengesetz freizusprechen (Dis-
positiv-Ziffer 1, 2. Spiegelstrich).
2. Dispositiv-Ziffer 2 des Urteils vom 2. Juli 2019 des Bezirksgerichts Hinwil
sei aufzuheben und der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 15
Monaten und einer Busse von CHF 500.– zu bestrafen. Bei Gutheissung
sei Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils vom 2. Juli 2019 des Bezirksgerichts
Hinwil entsprechend anzupassen bzw. der Satzteil "sowie der Geldstra-
fe" zu streichen.
3. Dispositiv-Ziffern 5 und 6 des Urteils vom 2. Juli 2019 des Bezirksge-
richts Hinwil seien ersatzlos aufzuheben.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer
zu Lasen der Staatskasse, insbesondere sei die amtliche Verteidigung
für ihre Aufwendungen im Berufungsverfahren zu entschädigen.
b) Der Staatsanwaltschaft See / Oberland:
(schriftlich; Urk. 68)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Untersuchungs- und erstinstanzliches Verfahren
1.1. Nach durchgeführter Untersuchung erhob die Staatsanwaltschaft See /
Oberland (fortan Staatsanwaltschaft) am 4. März 2019 bei der Vorinstanz Anklage
gegen den Beschuldigten wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über
die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe etc. (Urk. 38). Zum erstinstanz-
lichen Verfahrensgang kann auf die Ausführungen im Urteil der Vorinstanz ver-
wiesen werden (Urk. 61 S. 4).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 2. Juli 2019 wurde der Beschul-
digte des Verbrechens gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel im
Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG,
des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in
Verbindung mit diversen Bestimmungen des Waffengesetzes und der Waffenver-
ordnung sowie wegen mehrfacher Übertretung des Bundesgesetzes über die Be-
täubungsmittel im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig gesprochen. Er wur-
de bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten, an welche 51 Tage erstan-
dene Haft angerechnet wurden, sowie mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen
zu Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 500.–. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der
Geldstrafe wurden unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
Weiter wurde der Beschuldigte im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Lan-
des verwiesen und die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener In-
formationssystem wurde angeordnet. Schliesslich befand die Vorinstanz auch
über verschiedene beschlagnahmte Betäubungsmittel und Betäubungsmitteluten-
silien und weitere beschlagnahmte Gegenstände und Barschaft. Sie ordnete
schliesslich die Vernichtung von asservierten Spuren an (Urk. 61).
2. Berufungsverfahren
2.1. Dagegen liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 11. Juli 2019 rechtzeitig
Berufung anmelden (Urk. 55). Das begründete Urteil wurde dem Beschuldigten
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resp. der Verteidigung am 9. Oktober und der Staatsanwaltschaft am 7. Oktober
2019 zugestellt (Urk. 59). Die Berufungserklärung erfolgte rechtzeitig und datiert
vom 29. Oktober 2019 (Urk. 64). Darin beantragte die Verteidigung, Dispositivzif-
fer 1 des angefochtenen Urteils teilweise aufzuheben, namentlich sei der Be-
schuldigte hinsichtlich des Vergehens gegen das Waffengesetz freizusprechen.
Weiter sei der Beschuldigte in Aufhebung von Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils
mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten sowie einer Busse von Fr. 500.– zu be-
strafen, es sei jedoch keine Geldstrafe auszusprechen. Ferner beantragte der
Verteidiger die ersatzlose Aufhebung der Dispositivziffern 5 und 6 und damit den
Verzicht auf das Aussprechen einer Landesverweisung. Dies unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates (Urk. 64 S. 2).
2.2. Mit Eingabe vom 4. November 2019 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf
Anschlussberufung und ersuchte um Dispensation von der Teilnahme an der Be-
rufungsverhandlung, welches Gesuch von der hiesigen Strafkammer bewilligt
wurde (Urk. 68). Die Berufungsverhandlung wurde sodann auf den 14. Januar
2020 angesetzt (Urk. 71).
2.3. Mit Schreiben vom 22. November 2019 reichte die Verteidigung Angaben
und Unterlagen zu den finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten ein (Urk. 72
und 73).
2.4. Am 14. Januar 2020 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit des
Beschuldigten sowie seines Verteidigers statt (Prot. II S. 3 ff.).
3. Umfang der Berufung
3.1. Die Verteidigung wendet sich mit ihrer Berufung gegen die Verurteilung we-
gen Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Dispositivziffern 1 al. 2) und akzep-
tiert den Schuldspruch betreffend Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz
sowie wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes (Dispositiv-
ziffern 1 al. 1 und al. 3) (Prot. II S. 14; Urk. 64 S. 2; Urk. 76 S. 2).
3.2. Die von der Vorinstanz wegen mehrfachem Betäubungsmittelkonsum aus-
gesprochene Busse wurde vom Beschuldigten zwar akzeptiert, hat als Teil des
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Strafpunkts (Dispositivziffer 2) jedoch als mitangefochten zu gelten. Dies gilt
ebenso für die Gewährung des bedingten Strafvollzugs, nachdem die Aufhebung
der Geldstrafe und somit auch die entsprechende Anpassung von Dispositivzif-
fer 3 des vorinstanzlichen Urteils beantragt wurde. Angefochten sind sodann die
Landesverweisung und die Ausschreibung im Schengen-System (Dispositivzif-
fern 5 und 6). Hingegen blieben die Einziehungen (Dispositivziffern 7-10) sowie
die Anordnung der Vernichtung von Spuren (Dispositivziffer 11) und die Kosten-
festsetzung (Dispositivziffer 12) unangefochten. Folglich ist vorab mittels Be-
schluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Dispositivzif-
fern 1 al. 1 und al. 3 (Schuldspruch wegen Verbrechens gegen das Betäubungs-
mittelgesetz und mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes) sowie
Dispositivziffern 7-10 (Einziehungen), 11 (Anordnung der Vernichtung von Spu-
ren) und 12 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist (Art. 404 StPO).
II. Schuldpunkt
1. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
Der Beschuldigte ist geständig bezüglich des ihm in der Anklage unter dem Titel
Verstoss gegen das Waffengesetz vorgeworfenen Sachverhalts und anerkennt
auch die rechtliche Würdigung (Urk. D1 3/4 S. 7 ff., Prot. I S. 12 f., Prot. II S. 14
f.). Er beruft sich indessen auf einen Rechtsirrtum (Urk. 52 S. 2 f. und Prot. II
S. 15 f.), worauf nachfolgend näher einzugehen ist. Auf die Vorbringen der Vertei-
digung, wonach die Feststellungen der Vorinstanz bei der Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz richtig zu stellen seien, ist soweit nötig im Rahmen
der Strafzumessung einzugehen (Urk. 76 S. 3).
2. Schuldausschlussgrund Irrtum über die Rechtswidrigkeit
2.1. Bei der im Zusammenhang mit den Betäubungsmitteldelikten vorgenom-
men Hausdurchsuchung stellte die Polizei im Keller des Beschuldigten und seiner
Ehefrau eine Schreckschusspistole der Marke "Reck Miami 2F" sowie Munition
des Kalibers 9mm sicher (Urk. 10/5 S. 3 und 9). Auf diese sind unbestrittener-
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massen die Bestimmungen des Waffengesetzes anwendbar d.h. Schreckschuss-
pistolen gelten in der Schweiz als Waffen (vgl. Art. 4 lit. f und g WG).
2.2. Die Vorinstanz hat die Voraussetzung für die Annahme eines Rechtsirr-
tums zutreffend wiedergegeben (Urk. 61 S. 6). Zur Verdeutlichung ist nochmals
festzuhalten, dass ein Irrtum über die Rechtswidrigkeit als unvermeidbar zu wer-
ten ist, wenn der Täter nicht weiss und nicht wissen kann, dass er rechtswidrig
handelt. Für die Unvermeidbarkeit sind die Kriterien massgebend, die die Praxis
vor der Revision 2002 zur Beurteilung der damals vom Gesetz geforderten "zu-
reichenden Gründe" entwickelt hat. Zureichend ist ein Grund nur dann, wenn dem
Täter aus seinem Rechtsirrtum kein Vorwurf gemacht werden kann, weil er auf
Tatsachen beruht, durch die sich auch ein gewissenhafter Mensch hätte in die Irre
führen lassen (Jean-Richard in Trechsel/Pieth, Schweizerisches Strafgesetzbuch,
Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 21 N 6 mit Verweisen). Vermeidbar ist ande-
rerseits ein Verbotsirrtum regelmässig, wenn der Täter selbst an der Rechtmäs-
sigkeit seines Verhaltens zweifelte oder hätte Zweifel haben müssen. Falls Anlass
zu Zweifeln an der Rechtmässigkeit des Verhaltens besteht, wird eine gewissen-
hafte Überlegung verlangt oder es sind Erkundigungen einzuziehen und der Täter
hat sich gegebenenfalls bei der zuständigen Behörde zuvor näher zu informieren.
Hat der Täter von einer ihm objektiv gegebenen Gelegenheit, auf solche Weise
die Rechtswidrigkeit seines Verhaltens zu erkennen, keinen Gebrauch gemacht,
obgleich dazu für ihn Anlass bestand, so handelt es sich um einen nach StGB
Art. 21 vermeidbaren Rechtsirrtum. Diesfalls ist die Strafe nach StGB Art. 48a zu
mildern (OFK/StGB-Donatsch, 20. Aufl. 2018, Art. 21 StGB N 6 f. mit Verweisen
insbesondere auf das Urteil des Bundesgerichts 6B_782/2016 vom 27. Septem-
ber 2016, E. 3.4). Soweit die Entschuldbarkeit des geltend gemachten Verbotsirr-
tums zu verneinen ist, kann die Frage offen bleiben, ob der Täter sein Verhalten
überhaupt für rechtmässig hielt (Urteil des Bundesgerichts 6B_746/2009 vom
22. Dezember 2009, E. 5.2. mit Hinweis auf BGE 129 IV 6 E. 4.1 S. 18).
2.3. Der Beschuldigte sagte in diesem Zusammenhang in der polizeilichen Ein-
vernahme vom 9. August 2018 aus, er verfüge über eine Spielzeugwaffe, es sei
so eine Schusswaffe für Gummigeschosse; diese benutze er für Silvester und so.
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Diese habe er nicht gekauft, er habe sie von einem Freund in B._, wo er ge-
arbeitet habe. Er habe sie geschenkt bekommen; da es nicht gefährlich sei, habe
er sich nichts dabei gedacht und die Waffe einfach so gehabt seit langer Zeit, ca.
seit 1,5 oder 2 Jahren (Urk. D1 3/1 S. 7 f.). In der Hafteinvernahme vom 10. Au-
gust 2018 gab der Beschuldigte an, er habe gewusst, dass diese Pistole absolut
unschädlich sei, die Kugeln seien klein und aus Gummi. Auf den Vorhalt, es sei
trotzdem verboten, erklärte der Beschuldigte, dies habe er hundertprozentig nicht
gewusst (Urk. D1 3/2 S. 4). Auf den Vorhalt in der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme vom 22. Februar 2019, er habe sich des Vergehens gegen das Waf-
fengesetz schuldig gemacht, indem er von einem Arbeitskollegen eine Schreck-
schusspistole erhalten und diese ohne Berechtigung respektive ohne Bewilligung
von B._ an seinen Wohnort in C._ verbracht habe, erklärte der Beschul-
digte erneut, es sei keine echte Pistole gewesen. Es sei nur darum gegangen, an
Silvester und am 1. August damit zu schiessen, es sei für ihn keine echte Waffe
gewesen. Er gebe zu, er habe sich geirrt, jetzt verstehe er das, aber damals habe
er es nicht gewusst. Er wisse heute, dass es ein Fehler gewesen sei, wenn er
sich die Pistole in den Gurt gesteckt hätte, hätte ein Polizist denken können, es
sei eine echte Waffe. Damals habe er sich darüber keine Gedanken gemacht
(Urk. D1 3/4 S. 6). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung erklärte der
Beschuldigte erneut, er habe gewusst, dass es sich um eine Waffe handle, die
absolut keinen Schaden verursachen könne. Zudem habe er das Gesetz, welches
solche Pistolen verbiete, nicht gekannt. Er sei davon ausgegangen, dass es sich
eher um Feuerwerk als um eine Waffe handle. Die Munition erzeuge nur einen
Knall und sei nicht dazu bestimmt, jemandem Schaden zuzufügen. Die Waffe ha-
be er von einem Kollegen erhalten, der nach D._ zurückgegangen sei und
ihm einen Sack mit verschiedenen Gegenständen überlassen habe, welche er
nicht mehr benötigt habe, darunter Kleider und diese Pistole. Der Kollege habe
ihm erklärt, dass es sich nicht um eine echte Pistole, sondern um eine ungefährli-
che Schreckschusspistole gehandelt habe. Die Pistole habe er ein einziges Mal
an Silvester 2017 eingesetzt und damit bloss ein Mal auf dem Balkon geschos-
sen. Es habe geknallt wie die Feuerwerke, die seine Nachbarn gezündet hätten
(Prot. I S 13). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte
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an, er habe die Waffe von einem Kollegen bekommen, der die Schweiz verlassen
und ihm gesagt habe, man könne damit an Silvester schiessen. Er gab weiter an,
nicht daran gedacht zu haben, dass diese wie eine Waffe aussehe; er wisse, dass
es (die Schreckschusspistole) etwas sei, das ihm Probleme bringen könnte bzw.
Leute erschrecken könnte. Es sei sein Fehler, dass er sich nicht erkundigt habe
(Prot. II S. 15).
2.4. Der Beschuldigte erkundigte sich offensichtlich bei seinem Kollegen, um
was für eine Waffe es sich gehandelt hat. Somit war er sich bewusst, dass der
Umgang mit Waffen grundsätzlich gesetzlich geregelt sein könnte. Aufgrund der
Auskunft seines Kollegen stufte er diese als ungefährlich ein. Es mag durchaus
sein, dass sich der Beschuldigte damit zufrieden gab und sich keine weiteren Ge-
danken machte, wie er angab. Mit der Vorinstanz ist jedoch darauf hinzuweisen,
dass die beim Beschuldigten aufgefundene Schreckschusspistole einer echten
Pistole täuschend ähnlich sieht: So wird sie beispielsweise auf www.E._.de
wie folgt beschrieben: "Die Signal-Pistole hat durch ihre Grösse schon eine be-
achtliche Wirkung. Dazu kommt noch das Gewicht von 1,2 kg. Echter kann eine
Waffe eigentlich nicht wirken." (vgl. Urk. 74). Es kann der Schlussfolgerung des
erstinstanzlichen Gerichtes beigepflichtet werden, dass sich auch jedem Laien
unweigerlich die Vermutung aufdrängen muss, dass bezüglich solcher Schreck-
schusspistolen gesetzliche Vorschriften bestehen könnten (Urk. 61 S. 6 f.). Somit
wäre der Beschuldigte als potentiell zukünftiger Besitzer eines Gegenstandes, der
mit einer Waffe optisch identisch ist, veranlasst und verpflichtet gewesen, sich bei
der zuständigen Behörde oder einem offiziellen Händler über die Qualifikation als
Waffe und den mit einem Erwerb oder Tragen verbundenen Pflichten im allge-
meinen und ihn persönlich betreffend, zu informieren. Dies tat er jedoch nicht. Ei-
ne allfällige Auskunft seines Kollegen, dass es sich um eine ungefährliche
Schreckschusspistole handle, vermag den Beschuldigten nicht zu entlasten, han-
delt es sich hierbei doch nicht um eine verbindliche Rechtsauskunft durch die zu-
ständige staatliche Behörde, sondern um die Auskunft einer Privatperson, welche
darüber hinaus ein Interesse hatte, diese Waffe loszuwerden, zumal er aus der
Schweiz ausreiste und offensichtlich diese Waffe nicht ausführen wollte. Ferner
gab der Beschuldigte auch in der Berufungsverhandlung zu erkennen, dass er an
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der Legalität seines Tuns zweifelte. So gab er auf die Nachfrage, weshalb er die
Schreckschusspistole nicht sichtbar in der Öffentlichkeit mit sich herumtragen
würde, an, zu wissen, dass das (die Schreckschusspistole) etwas sein könnte,
was ihm Probleme bringen bzw. er dadurch die Leute erschrecken könnte (Prot. II
S. 15). Folglich war der Irrtum vermeidbar und dem Beschuldigten kann kein
schuldausschliessender Rechtsirrtum hinsichtlich der Frage, ob der Besitz und
der Transport einer Schreckschusspistole ohne weiteres erlaubt ist, zugebilligt
werden, wie auch die Vorinstanz schon korrekt mit zutreffender Begründung fest-
hielt (Urk. 61 S. 7). Im Falle eines vermeidbaren Irrtums tritt eine obligatorische
Strafmilderung ein, was bei der Strafzumessung zu berücksichtigen sein wird. In-
dessen ist – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 76 S. 6) – nicht von ei-
ner Fahrlässigkeitstat auszugehen.
2.5. Der Beschuldigte ist somit im Sinne der Anklage auch des Vergehens ge-
gen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit
Art. 4 Abs. 1 lit. g und Abs. 4 WG, Art. 8 WG, Art. 9a WG, Art. 10 Abs. 2 WG,
Art. 27 WG sowie mit Art. 6 WV, Art. 15 WV, Art. 21 Abs. 1 WV und Art. 48 WV
schuldig zu sprechen. Die Verteidigung wies zutreffend darauf hin, dass es sich
bei der sichergestellten Schreckschusspistole nicht um eine Druckluft- oder
CO2- Pistole i.S.v. Art. 4 Abs. 1 lit. f. WG handelt. Indessen verstiess der Be-
schuldigte – entgegen den Vorbringen des Verteidigers – auch gegen Art. 27 WG
und Art. 48 WV, indem er die Schreckschusspistole von B._ an seinen Woh-
nort brachte (Urk. 76 S. 6f.).
III. Sanktion
1. Strafzumessungsregeln
1.1. Die diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz sind zutreffend und es
kann darauf verwiesen werden (Urk. 61 S. 8 f .). Demnach ist zunächst die Ein-
satzstrafe für das schwerste Delikt, nämlich das Verbrechen gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz festzusetzen. Da der Beschuldigte weder vorbestraft ist, noch
ein Zusammenhang mit den Betäubungsmitteldelikten besteht, ist sodann für die
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Verstösse gegen das Waffengesetz eine separate Geldstrafe auszusprechen.
Schliesslich ist für den Betäubungsmittelkonsum eine Busse festzusetzen.
1.2. Die Vorinstanz hat ebenfalls korrekt ausgeführt, dass das Gericht die Strafe
ausgehend vom festgelegten Strafrahmen nach dem Verschulden des Täters be-
misst, wobei es zwischen Tat- und Täterkomponenten zu unterscheiden hat. Da-
bei hat es auch das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse, die Wirkung der
Strafe auf das Leben des Täters sowie sein Verhalten nach der Tat zu berück-
sichtigen (Urk. 61 S. 8 f.).
2. Strafzumessung für das Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz
2.1. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG kor-
rekt mit Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bis maximal zwanzig Jahre
festgehalten. Desweitern hat sie die weiteren relevanten Faktoren bei der Tat-
komponente aufgezeigt und das Verschulden nachvollziehbar als noch leicht be-
wertet. Sie setzte die Einsatzstrafe auf 23 Monate Freiheitsstrafe an und kam un-
ter Berücksichtigung der Täterkomponenten, namentlich des Geständnisses des
Beschuldigten, welches sie deutlich strafmildernd veranschlagte, auf eine Strafre-
duktion von sieben Monaten. Demzufolge resultierte eine Freiheitsstrafe von 16
Monaten, auf welche die erstandene Haft gemäss Art. 51 StGB richtigerweise an-
gerechnet wurde (Urk. 61 S. 10 f.).
2.2. Die Verteidigung beantragt – wie schon vor Vorinstanz – mit der Berufung
eine leicht mildere Bestrafung mit 15 Monaten Freiheitsstrafe für die Widerhand-
lungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Urk. 64 S. 2; Urk. 76 S. 8). Die Diffe-
renz rührt daher, dass der Verteidiger eine Einsatzstrafe von 22 Monaten Frei-
heitsstrafe für angemessen erachtete und eine Strafreduktion um einen Drittel
wegen des Geständnisses auf 15 Monate annahm. Im Unterschied zur Staatsan-
waltschaft (Urk. 51 S. 5) und der Verteidigung (Urk. 52 S. 2), welche von einer in
Umlauf gebrachten Drogenmenge von rund 36 Gramm reinem Kokain ausgingen,
veranschlagte die Vorinstanz die Menge reinen Kokains, welche der Beschuldigte
unbefugt besessen, aufbewahrt, erworben und veräussert habe, auf 51.9 Gramm.
Dabei handelt es sich nur vermeintlich um einen Widerspruch, weil die Vorinstanz
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zu Recht auch die Menge mitzählte, welche nach der Verhaftung des Beschuldig-
ten bei der anschliessenden Hausdurchsuchung gefunden wurde (Urk. 10/4 und
10/5). Auch dieses Kokain beabsichtigte der Beschuldigte zumindest teilweise
weiter zu verkaufen. Dass dieses ausschliesslich für den Eigenkonsum bestimmt
war, wie die Verteidigung geltend macht (Urk. 76 S. 4), ist aufgrund der Vorge-
schichte und des Umstandes, dass beim Beschuldigten nebst portionierten Mi-
nigrip mit Kokaingemisch auch Streckmittel beschlagnahmt wurden, lebensfremd.
2.3. Bezüglich der Tatkomponente ist somit von einer Menge von gut 50 Gramm
reinem Kokain auszugehen, mit welchem der Beschuldigte zu tun hatte. Dieser
verkaufte rund 36 Gramm davon über eine längere Zeitdauer von mehr als zwei
Jahren in einer Vielzahl von Fällen. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen,
dass der Beschuldigte von sich aus Kontakt zu einem gewissen F._ suchte,
der ihm Drogenverkäufer vermittelte. Er streckte und portionierte das gekaufte
Kokaingemisch selber und veräusserte es dann weiter und ist somit nicht auf der
untersten Hierarchiestufe anzusiedeln. Weiter konsumierte der Beschuldigte zwar
selber Kokain, handelte aber auch zur Verbesserung des Familieneinkommens,
obwohl die Familie von den sozialen Behörden unterstützt wurde, weshalb – zu-
mindest teilweise – von einem finanziellen Motiv auszugehen ist (Urk. 61 S. 10 f.
mit Verweisen auf die einschlägigen Aktenstellen). Die Qualifikation des Ver-
schuldens als noch leicht erweist sich angesichts des sehr weiten Strafrahmens
als angemessen. Die von der Vorinstanz gewählte Einsatzstrafe von 23 Monaten
ist eher streng, aber durchaus noch vertretbar, insbesondere, da sie anschlies-
send das Geständnis sehr wohlwollend berücksichtigte (vgl. Urk. 61 S. 11 und
nachfolgend Ziff. 2.4.). Zugunsten des Beschuldigten ist im Berufungsverfahren
von einer Einsatzstrafe von 21 Monaten auszugehen.
2.4. Mit der Vorinstanz kann festgehalten werden, dass sich aus dem Vorleben
und den persönlichen Verhältnissen keine für die Strafzumessung bedeutenden
Faktoren ergeben. Das Nachtatverhalten des Beschuldigten, sein Geständnis und
die Mitarbeit bei der Identifikation des Drogenlieferanten sowie seine Einsicht und
Reue wirken sich deutlich strafreduzierend aus. Eine Reduktion der Einsatzstrafe
um rund einen Viertel, d.h. um 5 Monate, erweist sich als angemessen. So wur-
- 15 -
den ja auch Betäubungsmittel und Streckmittel beim Beschuldigten beschlag-
nahmt und ein Abnehmer des Beschuldigten hatte Kokaingemisch an einen Poli-
zisten verkauft (Urk. D1/1 S. 2 und D1 10/5), sodass auch objektive Beweismittel
vorhanden sind. Deshalb ist eine Reduktion von einem Drittel, wie von der Vertei-
digung geltend gemacht (Urk.76 S. 9), nicht angezeigt. Somit ist der Beschuldigte
mit einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten zu bestrafen. In Anwendung von Art. 51
StGB sind die 51 Tage erstandene Untersuchungshaft anzurechnen.
3. Vergehen gegen das Waffengesetz
3.1. Die Vorinstanz hat die Kriterien, wann eine Freiheitsstrafe statt einer mögli-
chen Geldstrafe auszufällen ist, zutreffend aufgeführt (Urk. 61 S. 11). Es sind kei-
ne Gründe ersichtlich, weshalb für den Besitz und den einmaligen Transport der
Schreckschusspistole eine Freiheitsstrafe auszusprechen wäre. Der Strafrahmen
reicht somit von drei bis zu 180 Tagessätzen Geldstrafe (Art. 34 Abs. 1 StGB).
3.2. Die Vorinstanz hat die massgeblichen Tat- und Täterkomponenten zutref-
fend aufgeführt (Urk. 61 S. 12). Ins Gewicht fällt insbesondere, wie die Vorinstanz
zu Recht erwog (Urk. 61 S. 12), dass der Beschuldigte die Schreckschusspistole
nicht aus eigener Initiative angeschafft hat, sondern ihm diese von einem Kolle-
gen, der gemäss Aussagen des Beschuldigten zum betreffenden Zeitpunkt beab-
sichtigte, die Schweiz zu verlassen, übergeben wurde (Prot. II S. 15). Ferner ist
zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte die Schreckschusspistole nie sichtbar
in der Öffentlichkeit mit sich herumgetragen hat. Ebenfalls hat er sie nicht einge-
setzt, um Dritte in Angst und Schrecken zu versetzen bzw. zu bedrohen. Es lässt
sich zudem auch nicht erstellen, dass der Beschuldigte die Schreckschusspistole
zu diesem Zweck vom Kollegen übernommen hätte. Viel eher ist zugunsten des
Beschuldigten davon auszugehen, dass er die Schreckschusspistole aus Leicht-
sinn entgegengenommen und zu sich nach Hause mitgenommen hat. Die objekti-
ve wie auch die subjektive Tatschwere ist somit als leicht zu qualifizieren. Zu er-
gänzen ist, dass dem aufgrund des vermeidbaren Rechtsirrtums anwendbaren
Strafmilderungsgrund gemäss Art. 48a StGB (vgl. oben II.2.4 am Ende) mit dem
milden Strafmass von 20 Tagessätzen bereits ausreichend Rechnung getragen
wird.
- 16 -
3.3. Der Beschuldigte war bis vor vier Monaten über die Firma G._ Perso-
nalberatung bei der H._ AG im Stundenlohn tätig. Er erzielte dabei im Juni
2019 Fr. 1'074.15, im Juli Fr. 2'443.05 netto und im August 2019 Fr.1'655.60 so-
wie im September 2019 Fr. 1'774.15. Es bestand offenbar eine Lohnpfändung
(Urk. 73/1-4). Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab der Be-
schuldigte an, er habe bei der Gemeinde um Unterstützung nachsuchen müssen,
diese verwalte nun seinen Lohn, bezahle seine Rechnungen (Krankenkasse und
Miete) und überweise einen allfälligen Überschuss (Prot. I S. 10). Anlässlich der
Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte an, er sei auf Arbeitssuche und be-
treue zur Zeit während der berufsbedingten Abwesenheiten der Ehefrau den ge-
meinsamen Sohn. Er lebe von den Einkünften der Ehefrau, die zu 80 % als Reini-
gungskraft tätig sei (Prot. II S. 10).
Angesichts der bescheidenen Familieneinkünfte und der derzeitigen Arbeitslosig-
keit des Beschuldigten erweist sich ein Tagessatz von Fr. 30.– nach wie vor als
angemessen.
4. Mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes
Die von der Vorinstanz ausgefällte Busse von Fr. 500.– und eine Ersatzfreiheits-
strafe von 5 Tagen erweisen sich dem Verschulden und den persönlichen Ver-
hältnissen des Beschuldigten nach wie vor als angemessen. Es kann auf die vor-
instanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 61 S. 13 f.). Die Höhe der
Busse blieb denn auch in der Berufungserklärung unangefochten.
5. Zusammenfassung
Der Beschuldigte ist demzufolge mit einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten unter
Anrechnung von 51 Tagen Haft, einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.–
sowie mit einer Busse von Fr. 500.– unter Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe
von 5 Tagen zu bestrafen.
- 17 -
IV.Vollzug
Nachdem der Beschuldigte während mindestens drei Jahren regelmässig Kokain
konsumierte, in den Monaten vor seiner Verhaftung sogar beinahe täglich (vgl.
Anklagevorwurf der mehrfachen Übertretung nach Art. 19a Ziff. 1 des Betäu-
bungsmittelgesetzes, Anklageschrift S. 5 und Prot. I S. 14), besteht eine gewisse
Gefahr, dass er in Zukunft in schwierigen Situationen wieder mit dem Konsum
beginnen könnte. Der Beschuldigte gab anlässlich der Schlusseinvernahme bei
der Staatsanwaltschaft am 22. Februar 2019 und auch vor Vorinstanz jedoch an,
er konsumiere seit seiner Verhaftung kein Kokain mehr und die Monate im Ge-
fängnis seien eine prägende Erfahrung gewesen (Urk. D1 3/4 S. 4 Frage 23 und
Prot. I S. 10 und 16). Der Verteidiger reichte anlässlich der vorinstanzlichen Ver-
handlung auch einen Beleg über einen Kokaintest vom 1. April 2019 ein, der ne-
gativ ausgefallen war (Urk. 53/7). In der Berufungsverhandlung erklärte der Be-
schuldigte, das letzte Mal vor seiner Verhaftung konsumiert zu haben (Prot. II
S. 13). Die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvollzugs so-
wohl für die auszufällende Freiheitsstrafe, als auch für die Geldstrafe sind beim
Beschuldigten als Ersttäter gegeben. Die Gewährung des bedingten Strafvollzugs
unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren durch die Vorinstanz blieb denn
auch unangefochten und ist zu bestätigen.
V. Landesverweisung
1. Voraussetzungen der Anordnung bzw. des Absehens von einer 
Gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB verweist das Gericht einen Ausländer, der 1.1.
eine Katalogtat im Sinne Art. 66a Abs. 1 lit. a-o StGB begangen hat, unabhängig
von der Höhe der Strafe für die Dauer von 5 bis 15 Jahren des Landes. Ein Ver-
zicht auf eine Landesverweisung ist nur ausnahmsweise dann möglich, wenn die-
se für den Ausländer einen schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und
die öffentlichen Interessen an einer Landesverweisung gegenüber den privaten
Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen (Art. 66a
Abs. 2 StGB). Gemäss Bundesgerichtsentscheid 6B_378/2018 vom 22. Mai 2019
- 18 -
ist die Landesverweisung zunächst nach schweizerischem Recht zu prüfen und
erst in zweiter Linie, ob ein Staatsvertrag bzw. Völkerrecht einer Ausweisung ent-
gegenstehe, wobei die Kriterien der EMRK regelmässig bereits bei der Härtefall-
beurteilung zu prüfen seien (E. 2.1).
Ein schwerer persönlicher Härtefall ist dann anzunehmen, wenn die Sum-1.2.
me aller mit der Landesverweisung verbundenen Schwierigkeiten den Betroffenen
derart hart trifft, dass ein Verlassen der Schweiz bei objektiver Betrachtung zu ei-
nem nicht hinnehmbaren Eingriff in seine Daseinsbedingungen führt. Im Rahmen
einer Gesamtbetrachtung sind alle potentiell härtefallbegründenden Aspekte zu
bewerten. Relevant sind dabei die persönliche Situation des Beschuldigten in der
Schweiz und die Bedingungen im Heimatstaat sowie die Tatschuld. Ein Härtefall
ist jedoch nicht leichthin anzunehmen, da der Strafrichter bei Katalogtaten ge-
mäss Art. 66a Abs. 1 StGB nur ausnahmsweise von der Landesverweisung abse-
hen darf. Namentlich gehören zu den härtefallbegründenden Aspekten die Anwe-
senheitsdauer in der Schweiz, die familiären Verhältnisse, die Arbeits- und Aus-
bildungssituation, die Persönlichkeitsentwicklung, der Grad der Integration sowie
die Resozialisierungschancen des Beschuldigten. Relevant sind dabei die persön-
liche Situation des Beschuldigten in der Schweiz und die Bedingungen im Hei-
matstaat. Bei Dritten auftretende härtefallbegründende Aspekte sind nur zu be-
rücksichtigen, wenn sie sich zumindest indirekt auch auf den Beschuldigten aus-
wirken. Ob ein schwerer persönlicher Härtefall vorliegt, ist im Rahmen einer Ge-
samtbetrachtung zu eruieren (Busslinger/Übersax, Härtefallklausel und migrati-
onsrechtliche Auswirkungen der Landesverweisung, in: plädoyer 5/16 S. 96ff., 97
und 101; Fiolka/Vetterli, Die Landesverweisung nach Art. 66a StGB, plädoyer
5/16 S. 85 und 87). Zudem sind die verfassungsrechtlichen und völkerrechtlichen
Bestimmungen einzuhalten. Ein Härtefall ist unter diesem Gesichtspunkt dann
anzunehmen, wenn die Landesverweisung einen Eingriff in das in Art. 13 der
Bundesverfassung bzw. Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention ge-
währleistete Privat- und Familienleben bedeuten würde, der von einer gewissen
Tragweite ist (Urteile des Bundesgerichtes 6B_627/2018 vom 22. März 2019,
E. 1.3.5. und 6B_907/2018 vom 23. November 2018, E. 2.3.).
- 19 -
Der Umstand, dass ein ausländischer Verurteilter mit seiner Familie in der 1.3.
Schweiz lebt, bedeutet für sich allein noch keinen schweren persönlichen Härtefall
im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB, vielmehr müssen, damit ein schwerer persön-
licher Härtefall angenommen werden kann, in der Regel weitere Kriterien hinzu-
treten, namentlich eine starke Verwurzelung in der Schweiz und/oder grosse
Schwierigkeiten, sich im Heimatland privat und beruflich wieder zurechtzufinden.
Insbesondere ist das in Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte Recht auf Fami-
lienleben (nur dann) berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhalte-
massnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in
der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass
es dieser ohne weiteres möglich oder zumutbar wäre, ihr Familienleben andern-
orts zu pflegen. Zum geschützten Familienkreis gehört in erster Linie die Kernfa-
milie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern (Ur-
teile des Bundesgerichts 6B_841/2019 vom 15. Oktober 2019 E.2.5.2.;
6B_627/2018 vom 22. März 2019, E.1.4.; 6B_907/2018 vom 23. November 2018
E. 2.3.1; 6B_659/2018 vom 20. September 2018, E. 3.4.; 6B_770/2018 vom
24. September 2018, E.2.1. und BGE 144 II 1 E. 6.1, S. 12f.). Unabhängig vom
Vorliegen einer familiären Beziehung kann eine ausländerrechtliche Fernhalte-
massnahme zwar das Recht auf Privatleben gemäss Art. 8 EMRK verletzen. Das
Bundesgericht bejaht einen auf Art. 8 EMRK (Anspruch auf Privatleben) gestütz-
ten Anspruch aber vor allem bei Ausländern der zweiten Generation, die in der
Schweiz aufgewachsen sind (BGE 139 I 16 E. 2.2.2. S. 20 f.).
Das Bundesgericht hat festgehalten, dass der Anspruch auf Achtung des Famili-
enlebens nicht absolut gilt. Bei der Prüfung der nach Art. 8 Abs. 2 EMRK zulässi-
gen Eingriffsvoraussetzungen gelte der Kriterienkatalog gemäss EGMR
(6B_1070/2018 vom 14. August 2019, Erw. 6.3.3 und 6B_131/2019 vom 27. Sep-
tember 2019, E. 2.5.2. und nachfolgendes Zitat aus 6B_48/2019 vom 9. August
2019 E. 2.5.). "Der EGMR anerkennt das Recht der Staaten, die Einwanderung und den Aufenthalt von  auf ihrem Territorium zu regeln (Urteil 6B_627/2018 vom 22. März 2019 E. 1.4 mit Hinweis auf BGE 144 I 266 E. 3.2 S. 272). Die Staaten sind berechtigt, Delinquenten ; berührt die Ausweisung indes Gewährleistungen von Art. 8 Ziff. 1 EMRK, ist der Eingriff nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu rechtfertigen (Urteil in Sachen I.M. c. Suisse, Ziff. 68). Nach diesem
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_594%2F2019&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-I-266%3Ade&number_of_ranks=0#page266
- 20 -
Urteil haben sich die nationalen Instanzen von den im Urteil Üner c. Niederlande vom 18. Oktober 2006 (Req. 46410/99) resümierten Kriterien leiten zu lassen:
1. der Natur und Schwere der Straftat (la nature et la gravité de l'infraction commise par le ); 2. der Dauer des Aufenthalts im ausweisenden Staat (la durée du séjour de l'intéressé dans le pays dont il doit être expulsé); 3. die seit der Straftat abgelaufene Zeit und das Verhalten während dieser Zeit (le laps de temps qui s'est écoulé depuis l'infraction, et la conduite du requérant pendant cette période); 4. die Nationalität der betroffenen Personen (la nationalité des divers personnes concernées); 5. seine familiäre Situation, die Dauer seiner Ehe, und andere Umstände, die ein tatsächliches Familienleben des Paares bezeugen (la situation familiale du requérant, et notamment, le cas échéant, la durée de son mariage, et d'autres facteurs témoignant de l'effectivité d'une vie  au sein d'un couple); 6. ob der Ehepartner bei der Familiengründung von der Straftat Kenntnis hatte (la question de  si le conjoint avait connaissance de l'infraction à l'époque de la création de la relation ); 7. ob in der Ehe Kinder geboren wurden und deren Alter (la question de savoir si des enfants sont issus du mariage et, dans ce cas, leur âge); 8. die Schwere der vom Ehepartner im Zielland anzutreffenden Schwierigkeiten (la gravité des  que le conjoint risque de rencontrer dans le pays vers lequel le requérant doit être ); 9. das Interesse und das Wohl der Kinder, insbesondere die Schwere der von den Kindern im  anzutreffenden Schwierigkeiten (l'intérêt et le bien-être des enfants, en particulier la gravité des difficultés que les enfants du requérant sont suceptibles de rencontrer dans le pays vers  l'intérêssé doit être éxpulsé); 10. die Solidität der sozialen, kulturellen und familiären Bindungen mit dem Gastland und mit dem Zielland (la solidité des liens sociaux, culturels et familiaux avec le pays hôte et avec le pays de destination) (Ziff. 69). 11. In Rechnung gestellt werden müssen ebenfalls die besonderen Umstände des Einzelfalls, beispielsweise die medizinischen Umstände oder die temporäre oder definitive Natur des Landesverbots (Doivent également être prises en compte, le cas échéant, les circonstances  entourant le cas d'espèce, comme par exemple les éléments d'ordre médical ou la nature temporaire ou définitive de l'interdiction de territoire) (Ziff. 70). 12. Die Gerichte müssen ihre Entscheide in hinreichend genauer Weise begründen ("les  internes doivent motiver leurs décisions de manière suffisamment circonstanciée"; Ziff. 72). "
Steht fest, dass die Landesverweisung zu einer schweren persönlichen 1.4.
Härte führen würde, sind sodann die privaten Interessen des Beschuldigten an ei-
nem Verbleib in der Schweiz den öffentlichen Interessen an der Landesverwei-
sung gegenüber zu stellen. Für das öffentliche Interesse wesentlich sind die Art
und Schwere der begangenen Delikte, das Verschulden, d.h. die ausgesprochene
Strafe sowie die vom Täter ausgehende Gefahr, d.h. die Legalprognose. Für das
persönliche Interesse ist neben dem Umstand, wie lange die Person in der
Schweiz lebte, insbesondere auch ihre berufliche und familiäre Bindung relevant.
Je gravierender das Delikt, desto höher hat das persönliche Interesse an einem
Verbleib zu sein, damit die Härtefallklausel zu einem ausnahmsweisen Verzicht
auf eine Landesverweisung führt. Überwiegen die öffentlichen Interessen, muss
die Landesverweisung ausgesprochen werden (Busslinger/Übersax, a.a.O S. 102
- 21 -
ff.). Bei Straftaten gegen das BetmG hat sich das Bundesgericht hinsichtlich der
Ausweisung zwecks Verhinderung neuer Straftaten zur Gewährleistung der öf-
fentlichen Sicherheit stets besonders streng gezeigt: Drogenhandel führt von Ver-
fassungs wegen in der Regel zur Landesverweisung (6B_378/2018 E. 2.2.,
6B_131/2019, E. 2.5.1). Auch nach der Praxis des EGMR, in welcher der Dro-
genhandel als Ausbreitung dieser Geissel der Menschheit ("propagation de ce
fléau) bezeichnet wird (Urteil 6B_242/2019 vom 18. März 2019 E. 1.3), überwiegt
bei Betäubungsmitteldelikten regelmässig das öffentliche Interesse an der Been-
digung des Aufenthalts, falls keine besonderen persönlichen oder familiären Bin-
dungen im Aufenthaltsstaat bestehen (6B_131/2019 vom 27. September 2019,
E. 2.6. und weitere).
2. Beurteilung
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf Art. 66a Abs. 1 2.1.
lit. o StGB für die Dauer von 5 Jahren aus dem Hoheitsgebiet der Schweiz ver-
wiesen (Urk. 61 S. 15 ff.). Mit seiner Berufung liess dieser das Absehen von einer
Landesverweisung beantragen (Urk. 64; Urk. 76 S. 2 sowie Prot. II S.5 ).
Der Beschuldigte hat sich vorliegend unter anderem des qualifizierten Tatbestan-
des des Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19
Abs. 2 lit. a BetmG schuldig gemacht. Bei diesem Delikt handelt es sich um eine
Katalogtat gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB, was auch von der Verteidigung an-
erkannt wird. Im Weiteren ist der Beschuldigte Ausländer (Staatsangehöriger der
Dominikanischen Republik) und führte die vorliegend zu beurteilende Tat über-
wiegend nach dem Inkrafttreten der Bestimmung betreffend die Landesverwei-
sung (1. Oktober 2016) aus. Die Voraussetzungen für eine Landesverweisung
sind damit grundsätzlich erfüllt.
Es ist folglich zu prüfen, ob ein Härtefall gegeben ist oder ein Anspruch aus 2.2.
Art. 8 Abs. 1 EMRK besteht. Dafür sind der Werdegang und die persönlichen und
familiären Verhältnisse des Beschuldigten sowie die weiter relevanten Umstände
näher zu beleuchten:
- 22 -
Der Beschuldigte wurde 1978 in der Dominikanischen Republik in I._, einer
mittelgrossen Stadt mit 32'000 Einwohnern, geboren und wuchs dort auf. Er ging
dort während 15 Jahren zur Schule und besuchte zwei Universitäten und studierte
während einem Jahr Recht und wechselte anschliessend auf ein Ingenieurstudi-
um. Einen Studienabschluss besitzt er jedoch nicht, weil er früh (d.h. mit 19 Jah-
ren) Vater wurde und arbeiten musste. Seine letzte Stelle in seinem Heimatland
hatte er bei der Zentralbank. Der Beschuldigte hat drei Geschwister und drei
Halbgeschwister. Die Eltern und sein mittlerweile erwachsener Sohn sowie einige
der Geschwister des Beschuldigten leben alle in D._; zwei Halbgeschwister
leben in J._, Spanien. Auch seine Tochter lebt in Spanien. Der Beschuldigte
kam erst als Erwachsener am tt. Juni 2013 mit fast 35 Jahren in die Schweiz als
er seine Jugendliebe, seine heutige Ehefrau, heiratete. Das Ehepaar lebt seit der
Heirat zusammen und sie bekamen einen kleinen Sohn namens K._, der im
mm.2019 vier Jahre alt geworden ist. Es ist davon auszugehen, dass die Ehefrau
des Beschuldigten bei der Familiengründung noch keine Kenntnis von dessen Be-
täubungsmitteldelikten hatte. Zwar gab sie nach ihrer Verhaftung am 9. August
2018 an, der Beschuldigte sei seit drei oder vier Jahren in Betäubungsmitteldelik-
te verwickelt, er begann jedoch – gemäss Anklagesachverhalt – zumindest mit
dem Verkauf von Kokain erst ab März 2016 d.h. nach der Geburt des jüngsten
Sohnes. Beide Partner haben voreheliche Kinder. Der älteste Sohn des Beschul-
digten hat ein Studium absolviert und arbeitet in der Dominikanischen Republik
als Buchhalter; mit ihm pflegt er engen Kontakt per Internet und Telefon, obwohl
er ihn seit seiner Einreise in die Schweiz nicht mehr persönlich gesehen hat, da er
die Reisekosten nicht aufbringen konnte. Die Zweitgeborene ist elf Jahre alt und
wohnt in Spanien, mit ihr besteht kein enger Kontakt, da sich gemäss Angaben
des Beschuldigten das Verhältnis zur Kindsmutter schwierig gestalte, weil er sie
finanziell nicht ausreichend habe unterstützen können. Die Ehefrau hat ebenfalls
zwei Töchter, die ältere namens L._ ist bereits volljährig und wohnt selbstän-
dig. Die jüngere Tochter M._ lebt im gleichen Haushalt mit der Mutter und
dem Beschuldigten und ist noch minderjährig; sie hat einen Schweizer Vater, der
auch Unterhaltsbeiträge für sie bezahlt. Anlässlich der Befragung der Ehefrau des
Beschuldigten bei der Kantonspolizei Zürich vom 6. Dezember 2018 (Einvernah-
- 23 -
me betr. verwaltungsrechtliche Amtshilfe Migrationsamt) gab diese an, die Toch-
ter M._ besuche die 3. Sek C in C._ (Akten Migrationsamt Urk. 23/2 S.
332 Frage 16.). Der Beschuldigte sagte in der Befragung bei der Kantonspolizei
Zürich vom 6. Dezember 2018 (Einvernahme betr. verwaltungsrechtliche Amtshil-
fe Migrationsamt) aus, die Tochter seiner Ehefrau aus früherer Ehe, M._, ge-
boren am tt.mm.2002, habe kürzlich einen Lehrvertrag erhalten für eine Lehrstelle
in einem Fitnesscenter; zur Zeit sei sie noch in der 3. Oberstufe (Urk. 23/2 S.
343). Der Beschuldigte hatte seit seiner Einreise im Jahr 2013 verschiedene Stel-
len bei der O._ in der Logistik oder auf Baustellen, er war auch längere Zeit
arbeitslos und beim RAV gemeldet. Als seine Frau einen Kurs besuchte, betreute
er während mehreren Monaten den gemeinsamen Sohn. Seit seiner Entlassung
aus der Untersuchungshaft lebt der Beschuldigte wieder mit der Familie zusam-
men. Die Familie ist in C._, Gemeinde P._, wohnhaft. In der Untersu-
chung gab die Ehefrau des Beschuldigten an, sie hätten seit 2017 Probleme in
der Beziehung; diese hatten offenbar mit dem Drogenhandel zu tun. Es bestehen
nun wieder intakte familiäre Verhältnisse und der Beschuldigte hat sich seit der
Entlassung wohl verhalten. Er konsumiert gemäss seinen eigenen Angaben kein
Kokain mehr und geht – soweit sich die Gelegenheit bietet – einer geregelten Ar-
beit nach: Ab November 2018 arbeitete der Beschuldigte bei der H._ AG
während 11 Monaten im Stundenlohn und erzielte unterschiedlich hohe Einkünfte
von bisher maximal netto Fr. 4'000.–, je nachdem, wie oft er für Arbeitseinsätze
aufgeboten wurde. Die letzten sechs Monate war er zu 100 % erwerbstätig. Seine
Ehefrau verdient nur wenig neben der Betreuung des kleinen Sohnes, hat ihr
Pensum nun aber auf 80 % erhöht. Für die Tochter M._ aus früherer Ehe er-
hält sie Unterhaltsbeiträge vom Vater in der Höhe von Fr. 900.–. Die Familie wird
soweit nötig zusätzlich von der Sozialbehörde unterstützt, welche den Lohn ver-
walte und die Rechnungen wie Miete und Krankenkassenprämien bezahle (vgl.
zum Ganzen Prot. I S. 7 ff., Urk. D1 3/2 S. 8, Urk. D1 4/1 S. 7 ff. Fragen 58 - 61.
und 77 f. sowie D1 4/2 S. 3 f., 8 und 10 Fragen 13, 19 f., 23 f. und 56 sowie 83 f.
und Prot. II S. 6 ff.). Der Beschuldigte verbringt seine Freizeit mit der Familie und
pflegt ansonsten nur noch Kontakt zu den Trauzeugen. Er scheint in der Schweiz
beruflich noch nicht richtig Tritt gefasst zu haben und wenig gesellschaftlich inte-
- 24 -
griert zu sein. Indessen bemühte sich der Beschuldigte in der Vergangenheit of-
fensichtlich, soviel wie möglich an den Familienunterhalt beizutragen. Er sucht zur
Zeit nach Arbeit. Da seine Ursprungsfamilie in der Dominikanischen Republik
wohnt und ihn anfänglich unterstützen könnte und weil er bis vor rund sechs Jah-
ren dort lebte und arbeitete, ist nicht erkennbar, dass die Resozialisierungschan-
cen für den Beschuldigten in seinem Heimatland wesentlich ungünstiger sind als
in der Schweiz. Die Erwägung der Vorinstanz, wonach durchaus möglich ist, dass
die Chancen des Beschuldigten auf dem Arbeitsmarkt in der Dominikanischen
Republik günstiger sind als hier in der Schweiz, scheint jedenfalls nicht abwegig
(Urk. 61 S. 18). Der Beschuldigte kann sich offenbar auch vorstellen, später wie-
der in sein Heimatland zurückzukehren, wie er bei der Staatsanwaltschaft angab.
Er gab jedoch an, zur Zeit sei eine Rückkehr undenkbar, er müsse für die Tochter
M._ seiner Frau da sein und für seinen kleinen Sohn (Urk. D1 3/4 Fragen 55
ff.). Die Vorinstanz weist zu Recht darauf hin, dass es für den Beschuldigten und
seine Frau, die ebenfalls aus der Dominikanischen Republik stammt und 1993 in
die Schweiz kam (Urk. D 1 4/2 S. 10 Frage 83 f.), sowie den kleinen Sohn, der
noch nicht eingeschult ist respektive noch nicht den Kindergarten besucht, auch
möglich wäre, ihre Beziehung ausserhalb der Schweiz zu pflegen. Indessen wäre
es für die in der Schweiz geborene und aufgewachsene siebzehnjährige Tochter
M._ aus der früheren Ehe der Ehefrau eine einschneidende Veränderung,
wenn sie ihre gewohnte Umgebung verlassen, ihre Ausbildung abbrechen und ih-
ren Lebensmittelpunkt nach D._ verlegen müsste. Sie wird zwar in absehba-
rer Zeit volljährig, in der Regel dauert eine Ausbildung aber über das 18. Alters-
jahr hinaus; der Beschuldigte gab in der Berufungsverhandlung an, M._ habe
im letzten Sommer die Lehre angefangen; diese dauere 4 Jahre (Prot. II S. 12).
Erfahrungsgemäss brauchen junge Menschen in dieser Zeit noch immer die Un-
terstützung und Fürsorge der Eltern. Ihr Vater lebt – gemäss den Angaben des
Beschuldigten – in der Nähe der Familie; die Tochter M._ pflegt Kontakt zu
ihm (Prot. II S. 14). Es kann auf jeden Fall nicht gesagt werden, dass es für die in der Schweiz geborene Stieftochter M._, welche auch Schweizer Bürgerin ist,
ohne weiteres möglich und zumutbar wäre, das Familienleben ausserhalb der
Schweiz im Heimatland des Beschuldigten zu pflegen. Da die Stieftochter jedoch
- 25 -
einen guten Kontakt zu ihrem Vater pflegt, der – wie auch ihre ältere Schwester
L._ – in der Nähe wohnt, dürfte sie vermutlich auch von diesen zwei Bezugs-
personen Unterstützung erhalten (Prot. II S. 14). Auf der anderen Seite scheint es
angesichts des Umstandes, dass der Beschuldigte und seine Ehefrau vor der
Eheschliessung auch über längere Zeit eine Fernbeziehung führten und der Be-
schuldigte zufolge seiner Heirat und Einreise in die Schweiz im Jahre 2013 in
Kauf nahm, von seinem ältesten Sohn räumlich getrennt zu leben, nicht unzumut-
bar, dass der Beschuldigte vorerst für einige Zeit alleine in seiner Heimat lebt, bis
die Tochter der Ehefrau auf eigenen Füssen stehen kann. Das Vorliegen eines
schweren persönlichen Härtefalls ist daher zu verneinen, auch wenn es sich vor-
liegend um einen Grenzfall handeln dürfte.
Bewirkt die Landesverweisung für den Beschuldigten keinen schweren 2.3.
persönlichen Härtefall, erübrigt sich an sich eine Abwägung der privaten Interes-
sen des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz und der öffentlichen Interes-
sen an einer Landesverweisung. Es besteht diesfalls von vornherein kein Raum,
um in Anwendung der Kannvorschrift von Art. 66a Abs. 2 StGB von einer Landes-
verweisung abzusehen. Der Vollständigkeit halber ist allerdings festzuhalten, dass
der Beschuldigte ein starkes Interesse am Verbleib in der Schweiz hat; dies in
erster Linie aufgrund der aufgezeigten familiären Verhältnisse, da seine Ehefrau
und die beiden in der Schweiz geborenen minderjährigen Kinder, wovon eines
vorehelich geboren und bald mündig ist, hier in der Schweiz ihren Lebensmittel-
punkt haben und das Schweizer Bürgerrecht besitzen. Demgegenüber handelt es
sich bei den heute zu beurteilenden Betäubungsmitteldelikten des Beschuldigten
um eine qualifizierte Widerhandlung gemäss Art. 19 Abs. 2 BetmG und der
Grenzwert von 18 Gramm reinem Kokain, bei welchem das Vorliegen eines
schweren Falles bejaht wird, wurde deutlich überschritten. Das öffentliche Inte-
resse an einer Ausweisung des Beschuldigten, der mit dem An- und Verkauf einer
grösseren Menge von Kokain in Kauf nahm, die Gesundheit einer Vielzahl von
Menschen ernsthaft in Gefahr zu bringen, ist daher erheblich. Indessen ist das
Verschulden des Beschuldigten innerhalb des qualifizierten Tatbestandes als
noch leicht zu gewichten, insbesondere ist zu beachten, dass dieser auch zur Fi-
nanzierung seines eigenen Konsums Kokain verkaufte. Zu berücksichtigen ist al-
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lerdings, dass sich die – nur wenig über der geforderten Mindeststrafe von 12
Monaten liegende – heute auszufällende Freiheitsstrafe von 16 Monaten auch
aufgrund des Nachtatverhaltens ergibt, insbesondere wegen des Geständnisses
und der daraus resultierenden deutlichen Strafreduktion um 5 Monate gegenüber
der verschuldensadäquaten Einsatzstrafe von 21 Monaten. Der Beschuldigte ist
hingegen nicht vorbestraft, und es kann ihm grundsätzlich eine günstige Legal-
prognose gestellt werden (vgl. oben Ziff. IV). Dennoch ist festzuhalten, dass in
Nachachtung der strengen Praxis des Bundesgerichtes das öffentliche Interesse
gegenüber dem Interesse des Beschuldigten, in der Schweiz bleiben zu können,
höher zu gewichten ist. Der Beschuldigte ist folglich in Anwendung von Art. 66a
Abs. 1 lit. o StGB des Landes zu verweisen. Dabei erweist sich die von der Vor-
instanz ausgesprochene Dauer von fünf Jahren als angemessen.
VI. Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS)
1. Die Vorinstanz ordnete in Dispositivziffer Ziffer 6 ihres Urteils die Ausschrei-
bung der in Dispositivziffer 5 verhängten 5-jährigen Landesverweisung im SIS an
(Urk. 61 S. 19).
2. Landesverweisungen gegenüber Ausländern aus Staaten, die nicht zum
Schengen-Raum gehören, werden im Schengen-Informationssystem ausge-
schrieben, wenn davon auszugehen ist, dass die Anwesenheit der betreffenden
Person im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung gefährdet. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Drittstaatsangehörige
wegen einer Straftat verurteilt worden ist, die mit mindestens einem Jahr Frei-
heitsstrafe bedroht ist (Art. 24 Abs. 2 SIS-II-VO, vgl. Art. 96 Abs. 2 lit. a SDÜ).
Nach der obergerichtlichen Rechtsprechung setzt die Ausschreibung eine schwe-
re Straftat, die Verurteilung zu einer Sanktion von über einem Jahr Freiheitsstrafe
voraus (vgl. SB170246, Urteil vom 6. Dezember 2017, E. III.3.; SB180036, Urteil
vom 3. Juli 2018, E. V.3; SB170394, Urteil vom 16. Oktober 2018, E. VI.6.1 sowie
SB180400, Urteil vom 2. April 2019 E. IV.4.).
3. Es ist unbestritten, dass der Beschuldigte einem sogenannten Drittstaat an-
gehört. Der Beschuldigte wird vorliegend unter anderem mit einer Freiheitsstrafe
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von 15 Monaten bestraft wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über
die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe im Sinne von Art. 19 Abs. 1
lit. c und d BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG, wofür eine Min-
deststrafe von einem Jahr Freiheitsstrafe vorgesehen ist. Es handelt sich folglich
um eine schwere Straftat. Die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise-
und Aufenthaltsverweigerung) im SIS ist deshalb anzuordnen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliche Kosten
Der vorinstanzliche Schuldspruch ist zu bestätigen, soweit er nicht schon in
Rechtskraft erwachsen ist. Folglich erweist sich die vollumfängliche Kostenaufla-
ge gemäss Dispositivziffer 13 des vorinstanzlichen Urteils als angemessen. Diese
ist, wie auch die Regelung betreffend die Kostenauflage der amtlichen Verteidi-
gung (Dispositivziffer 14) inklusive Rückforderungsvorbehalt für diese Kosten, zu
bestätigen (Art. 426 StPO).
2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
2.1. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seinen Anträgen im Berufungsverfahren vollständig. Die Kosten des
Berufungsverfahrens sind dem Beschuldigten deshalb vollumfänglich aufzuerle-
gen. Dies jedoch mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung. Die
Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO ist vorzubehalten.
2.2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 2'500.– festzu-
setzen. Für das Berufungsverfahren macht der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt
lic. iur. X._, LL.M., Aufwendungen von Fr. 5'432.55 (inkl. Barauslagen und
MwSt.; Urk. 78) geltend. Die geltend gemachten Aufwendungen erweisen sich
angesichts des Aktenumfangs und der Komplexität des Falles als angemessen.
Der amtliche Verteidiger ist insgesamt mit Fr. 5'500.– (inkl. MwSt.) aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen.
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