Decision ID: 376e43fc-7ab5-4ed8-a7e0-9b95a49853c2
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Irja Zuber Hofer, procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilflosenentschädigung (Revision)
Sachverhalt:
A.
Die am 13. September 1990 geborene G._ wurde am 7. Juli 1994 zum Bezug von IV-
Leistungen angemeldet. Am 18. Oktober 1999 sprach ihr die IV-Stelle Pflegebeiträge
aufgrund einer Hilflosigkeit mittleren Grades zu. Die Pflegebeiträge wurden am 17.
November 2004 revisionsweise überprüft. Im entsprechenden Bericht hielt die
Abklärungsperson fest, die Versicherte kleide sich selbst an und aus. Sie wähle die
Kleider selbst aus, trage dabei aber der Witterung nicht Rechnung. Ziehe sie nicht das
richtige Kleidungsstück an, sage ihr die Mutter, was sie anziehen solle. Die Versicherte
befolge die Anweisung der Mutter ohne Widerstand. Schmutzige Kleider wechsle die
Versicherte selbst aus. Knöpfe und Reissverschlüsse könne sie selbst öffnen und
schliessen. Die Mutter müsse dabei nur gelegentlich einmal helfen. Die Versicherte
könne auch die Schuhe selbst anziehen, wobei sie diese allerdings gelegentlich
verwechsle. Die Abklärungsperson ging davon aus, dass bei dieser alltäglichen
Lebensverrichtung keine regelmässige und erhebliche Hilfe nötig war. Beim Aufstehen/
Absitzen/Abliegen benötigte die Versicherte keine Hilfe. Auch bei der
Nahrungsaufnahme war nach der Ansicht der Abklärungsperson keine regelmässige
und erhebliche Hilfe erforderlich, da die Versicherte nur beim Zerkleinern harter
Speisen Hilfe benötigte. Die Versicherte badete und duschte zwar selbst, musste dabei
aber überwacht werden, vor allem damit sie sich die Haare richtig auswusch. Beim
Zähneputzen war die Versicherte darauf angewiesen, dass die Mutter nachreinigte.
Beim Kämmen der Haare benötigte die Versicherte gelegentlich Hilfe. Sie konnte weder
die Binden richtig einkleben noch einen Tampon selber einführen. Die
Abklärungsperson bejahte einen erheblichen und regelmässigen Bedarf nach Hilfe bei
der Körperpflege. Auch beim Verrichten der Notdurft war die Versicherte auf Hilfe
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angewiesen, da sie sich bei der Reinigung die Hände schmutzig machte. Auch das WC
war anschliessend verschmutzt. Bei der Fortbewegung im Freien war die Versicherte
gefährdet, da sie mit dem Strassenverkehr Mühe hatte. Sie konnte die Distanz zu
einem Auto nicht einschätzen. Die Abklärungsperson bejahte einen Bedarf nach
regelmässiger und erheblicher Hilfe bei der Fortbewegung im Freien. Mit einer
Verfügung vom 10. Februar 2005 sprach die IV-Stelle der Versicherten anstelle der
bisher ausgerichteten Pflegebeiträge bei einer mittelgradigen Hilflosigkeit eine (mit der
4. IV-Revision eingeführte) Entschädigung bei einer Hilflosigkeit leichten Grades zu. Sie
ging davon aus, dass die Versicherte nur noch in den drei alltäglichen
Lebensverrichtungen Körperpflege, Notdurftverrichtung und Fortbewegung auf
erhebliche und regelmässige Hilfe angewiesen war.
B.
Die Mutter der Versicherten füllte am 27. November 2008 die Anmeldung für eine
Hilflosenentschädigung für Erwachsene aus. Gemäss einer internen Notiz der IV-Stelle
handelte es sich um ein Revisionsverfahren. Zur alltäglichen Lebensverrichtung des An-
und Ausziehens gab die Mutter an, die Versicherte wähle die Kleidung nicht
saisongerecht aus. Ausserdem wechsle die Versicherte die Kleider sehr oft. Betreffend
die Nahrungsaufnahme machte die Mutter geltend, die Versicherte kenne kein Mass,
sie müsse bei jedem Essen gebremst werden. Im Zusammenhang mit der Körperpflege
gab die Mutter an, die Versicherte müsse angewiesen und kontrolliert werden. Sie
kämme sich sonst nur vorne und beim Duschen vergesse sie einzelne Körperstellen.
Bei der Notdurftverrichtung sei die Reinigung nach dem Stuhlgang mangelhaft. Die
Versicherte müsse bei der Fortbewegung im Freien begleitet werden, denn sie könne
sich nicht orientieren, sie könne nicht lesen und sie habe keinen Bezug zu Geld. Zudem
sei sie zu gutgläubig und gehe möglicherweise mit einer fremden Person mit. Die
Versicherte sei auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen. Die IV-Stelle nahm
eine telephonische Abklärung vor. Die Mutter gab am 2. Dezember 2008 an, die
Versicherte absolviere ein Hauswirtschaftspraktikum. Unter der Woche bleibe sie in
einer Wohngruppe der Bildungsstätte. Von Samstagmorgen bis Sonntagabend sei die
Versicherte zuhause. Die Versicherte könne sich selber an- und ausziehen, aber sie
treffe nicht immer eine der Witterung entsprechende Kleiderwahl. Dann genüge jedoch
eine Anweisung, damit die Versicherte die Kleidung anpasse. Beim Essen finde die
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Versicherte nicht immer das richtige Mass, aber auch hier genüge ein Hinweis. Ohne
Überwachung und Unterstützung erfolge die Körperpflege nicht gründlich genug. Die
Reinigung nach dem Verrichten der Notdurft sei nicht immer gründlich genug. In der
Bildungsstätte und zuhause könne sich die Versicherte selbständig bewegen. Auch ihr
bekannte Wege (inklusive Zugfahrt von zuhause zur Bildungsstätte und zurück) könne
sie allein meistern. Die Versicherte habe aber keinen Bezug zum Geld und könne
deshalb nicht allein einkaufen geschickt werden. Im Strassenverkehr könne die
Versicherte Distanzen nicht richtig einschätzen. Da sie nicht lesen könne, verstehe sie
Hinweise und Schilder nicht. Sie brauche Begleitung und Unterstützung. Die
Abklärungsperson ging davon aus, dass die Hilfestellungen im Alltag (lebenspraktische
Begleitung) bereits in der alltäglichen Lebensverrichtung der Fortbewegung
berücksichtigt seien.
C.
Mit einem Vorbescheid vom 8. Dezember 2008 teilte die IV-Stelle dem Vater der
Versicherten mit, dass der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung mit der
Vollendung des 18. Altersjahres von Amtes wegen überprüft werde, denn es erfolge ein
Wechsel von der Hilflosenentschädigung für Minderjährige zu derjenigen für
Erwachsene. Die Versicherte sei noch in zwei alltäglichen Lebensverrichtungen auf
regelmässige und erhebliche Hilfe angewiesen. Die relevanten Punkte bezüglich
lebenspraktische Begleitung seien bereits bei der Anerkennung der alltäglichen
Lebensverrichtung der Fortbewegung berücksichtigt worden. Mit Wirkung ab 1.
Oktober 2008 bestehe ein Anspruch auf eine Entschädigung für eine Hilflosigkeit
leichten Grades. Die Eltern liessen am 26. Januar 2009 einwenden, die Versicherte
könne die Kleidung nicht saisongerecht auswählen. Sie müsse deshalb täglich
kontrolliert werden. Ausserdem ziehe sie manchmal mehrmals täglich neue Kleider an.
Die Mutter müsse dann eingreifen. Beim An- und Ausziehen sei somit eine indirekte
Hilfe notwendig. Beim Essen müsse die Versicherte immer gebremst werden, weil sie
dazu neige, zu viel zu essen. Auch das stelle eine indirekte Hilfe dar. Bei der
Notdurftverrichtung könnte ein Closomat zwar helfen, aber auswärts wäre die
Versicherte dann immer noch auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Die Versicherte
sei sowohl bei der Fortbewegung als auch zur Pflege gesellschaftlicher Kontakte auf
Hilfe angewiesen. Die Hilfestellung im Bereich der lebenspraktischen Begleitung gehe
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weit über die Fortbewegung hinaus. Sie umfasse auch den Kontakt mit Amtsstellen
und Ärzten, die Finanzen und das Regeln von Alltagssituationen. Da die Versicherte
mehrheitlich in einem Heim lebe, bestehe allerdings zur Zeit kein Anspruch auf eine
lebenspraktische Begleitung. Mit einer Verfügung vom 3. April 2009 sprach die IV-Stelle
der Versicherten rückwirkend ab 1. Oktober 2008 eine Entschädigung für eine
Hilflosigkeit leichten Grades zu. Zu den Einwänden der Eltern der Versicherten führte
sie aus, die Hilfe beim An- und Ausziehen, beim Essen und bei der Notdurftverrichtung
sei zwar als indirekte Hilfestellung zu werten, doch sei sie nicht erheblich. Die
Versicherte sei nur in zwei alltäglichen Lebensverrichtungen hilflos.
D.
Die Mutter der Versicherten liess am 19. Mai 2009 Beschwerde gegen die Verfügung
vom 3. April 2009 erheben und beantragen, es sei eine Hilflosenentschädigung
mittleren Grades zuzusprechen, eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren
Abklärung zurückzuweisen. In ihrer Beschwerdebegründung führte die
Rechtsvertreterin insbesondere aus, es sei keine Abklärung an Ort und Stelle erfolgt.
Damit habe die IV-Stelle es unterlassen, den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung
sorgfältig abzuklären. Eine vertiefte Auseinandersetzung sei dringend angezeigt
gewesen, weil die Abklärungsperson mehrfach von den Angaben im Anmeldeformular
abgewichen sei. Eine telephonische Abklärung vermöge lediglich bei unbestrittenen
Fällen zu genügen. Die IV-Stelle habe in mehreren Fällen die Erheblichkeit einer
Dritthilfe in Frage gestellt. Anscheinend solle eine neue Praxis verankert werden. Im
Hinblick auf die Rechtssicherheit sei eine rasche Klärung notwendig. Die Mutter müsse
kontrollieren und sicherstellen, dass die Versicherte witterungs- und saisongerecht
abgezogen sei. Ausserdem müsse sie eingreifen, wenn die Versicherte ohne Anlass
neue Kleider anziehe. Die Anweisung stelle eine indirekte Hilfe dar. Beim Essen müsse
die Mutter dafür sorgen, dass die Versicherte nicht zuviel schöpfe und esse. Auch das
sei eine indirekte Hilfe. Selbst wenn ein Closomat vorhanden wäre, würde die
Versicherte auswärts Unterstützung und Hilfe bei der Reinigung nach der
Notdurftverrichtung benötigen. Die Versicherte sei auf eine lebenspraktische Begleitung
angewiesen, was aber angesichts der Tatsache, dass sie sich mehrheitlich in einem
Heim aufhalte, nicht relevant sei.
E.
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Die IV-Stelle beantragte am 29. Juli 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie führte
zur Begründung aus, das Formular sei von der Versicherten und von der Mutter
unterzeichnet worden. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass das Formular unsorgfältig
ausgefüllt worden wäre. Zudem sei zusätzlich eine telephonische Abklärung erfolgt.
Eine Abklärung an Ort und Stelle hätte keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn gebracht.
Der Sachverhalt sei deshalb rechtsgenüglich abgeklärt worden. Die gelegentlichen
Kontrollen der Garderobe seien keine erhebliche Hilfe. Die Essensmenge könne durch
die Abgabe von Tellerportionen reguliert werden. Damit entstehe kein wirklicher
zusätzlicher Aufwand. Die ausreichende Reinigung nach der Notdurftverrichtung
könnte durch einen Closomaten erreicht werden. Der Einwand, dass die Mutter
auswärts helfen müsste, sei nicht erstellt und auch nicht massgebend, denn in erster
Linie sei der Wohnbereich massgebend.
F.
Die Mutter der Versicherten liess am 7. September 2009 einwenden, sie habe das
Formular sorgfältig und ausführlich ausgefüllt. Auf ihre Angaben könne abgestellt
werden. Das habe die IV-Stelle nicht getan. Umso wichtiger wäre es gewesen, sich vor
Ort zu vergewissern. Eine telephonische Abklärung könne nur genügen, wenn die
Situation unbestritten sei. Tagtäglich müssten die Kleider für die Versicherte
ausgesucht und bereitgelegt werden. Zudem müsse sie sicherstellen, dass die
Versicherte witterungsangepasst gekleidet sei. U.U. sei auch eine Diskussion mit der
Versicherten notwendig. Die Versicherte ziehe sich gern mehrmals täglich um und
werfe die an sich noch sauberen Kleider in die Schmutzwäsche. Die Kleiderwahl, das
Zurechtlegen und die Anweisung und Kontrolle stellten eine erhebliche indirekte Hilfe
dar. Die Versicherte müsse bezüglich der Essensmenge kontrolliert und angewiesen
werden. Ausserdem müsse Süsses versteckt werden, weil die Versicherte eine
Zuckerallergie habe. Die Nachreinigung nach dem Stuhlgang durch die Mutter sei nicht
gelegentlich, sondern immer notwendig. Der Einsatz eines Closomaten könnte die
Hilflosigkeit nur zum Teil verhindern, denn auswärts müsste die Nachreinigung immer
noch durch die Mutter erfolgen. Zudem sei nicht sicher, dass die Versicherte einen
Closomaten akzeptieren würde. Die Hilfe in diesem Bereich dürfte erst nach der
Anschaffung eines Closomaten zur Diskussion gestellt werden. Die Versicherte
benötige Hilfe bei der Fortbewegung im Freien und bei der Pflege gesellschaftlicher
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Kontakte. Sie sei in fünf alltäglichen Lebensverrichtungen auf indirekte Hilfe
angewiesen. Ausserdem benötige sie eine lebenspraktische Begleitung.
G.
Die IV-Stelle verzichtete am 28. September 2009 auf eine Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin mit einer Verfügung vom 10.
Februar 2005 anstelle der bis dahin ausgerichteten Pflegebeiträge bei einer Hilflosigkeit
mittleren Grades eine Entschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Grades
zugesprochen. Das Verfügungsdispositiv lautete: "Ab 01.04.2005 (im Anschluss an die
vorausgegangenen Pflegebeiträge) bis 30.09.2008 steht Ihnen eine Entschädigung in
leichtem Grad zu [...]". Dahinter stand die Überlegung, dass die Beschwerdeführerin im
September 2008 das 18. Altersjahr vollenden werde und dass der Wechsel von der
Hilflosenentschädigung für Minderjährige zur Hilflosenentschädigung für Erwachsene
per 1. Oktober 2008 als neuer Versicherungsfall zu werten sei (vgl. Rz 8001 KSIH in der
Fassung ab 1. Januar 2008). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat
diese Auffassung bzw. die dahinter stehende Verwaltungsweisung bereits in einem
Urteil vom 13. August 2009 (IV 2009/25) als rechtswidrig qualifiziert. Es hat dies damit
begründet, dass sowohl das versicherte Risiko als auch die Leistungsvoraussetzungen
bei Minderjährigen und bei Erwachsenen dieselben seien (vgl. die Erw. 2.2 des
genannten Urteils). Das versicherte Risiko besteht bei Minderjährigen und bei
Erwachsenen in dem durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung verursachten Bedarf
nach Hilfe bei den alltäglichen Lebensverrichtungen (Art. 9 ATSG). Auch Art. 42 IVG
unterscheidet bei der Umschreibung des Leistungsanspruchs nicht zwischen hilflosen
Minderjährigen und hilflosen Erwachsenen. Art. 42 IVG definiert lediglich einige
technische Details der Anspruchsberechtigung für Minderjährige anders als für
Erwachsene, ohne aber an den grundsätzlichen Anspruchsvoraussetzungen etwas zu
ändern. Unterscheidet sich die Hilflosenentschädigung für Minderjährige weder in
bezug auf das damit abgedeckte versicherte Risiko noch in bezug auf die
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Anspruchsvoraussetzungen von derjenigen für Erwachsene, so fehlt eine gesetzliche
Grundlage für die Verwaltungsweisung, laut der das Erreichen des 18. Altersjahrs für
den minderjährigen Bezüger einer Hilflosenentschädigung einen neuen
Versicherungsfall auslösen soll. Der Gedanke eines neuen Versicherungsfalls dürfte auf
die Rechtslage vor der 4. IV-Revision zurückzuführen sein, als Minderjährige noch
keinen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung hatten, sondern Pflegebeiträge
erhielten, bei denen das versicherte Risiko und die Anspruchsvoraussetzungen anders
als bei der Hilflosenentschädigung definiert waren. Seit dem Inkrafttreten der 4. IV-
Revision und dem damit verbundenen Ersatz der Pflegebeiträge durch eine
Hilflosenentschädigung kann nun aber nicht mehr von einem neuen Versicherungsfall
ausgegangen werden. Das bedeutet, dass es sich bei der im Dispositiv der Verfügung
vom 10. Februar 2005 als Leistungsbefristung formulierten Bezugnahme auf den 30.
September 2008 nur um die Ansetzung eines amtlichen Revisionstermins gehandelt
hat. Mit der angefochtenen Verfügung ist also ein Revisionsverfahren nach Art. 17 Abs.
2 ATSG abgeschlossen worden.
2.
2.1 Die Revision nach Art. 17 ATSG ist dazu bestimmt, formell rechtskräftig
zugesprochene, laufende Dauerleistungen einer nachträglichen Änderung des
anspruchsbegründenden Sachverhalts anzupassen. Solange der
anspruchsbegründende Sachverhalt unverändert andauert, verhindert die formelle
Rechtskraft der ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung oder der letzten
Revisionsverfügung also eine Erhöhung, Herabsetzung oder Aufhebung der laufenden
Dauerleistung. Ein Revisionsverfahren, das aufzeigt, dass sich der
anspruchsbegründende Sachverhalt nicht verändert hat, muss deshalb mit der
Feststellung enden, dass keine revisionsweise Erhöhung, Herabsetzung oder
Aufhebung der laufenden Dauerleistung erfolge. Das bedeutet, dass das
Revisionsverfahren nach Art. 17 ATSG keine voraussetzungslose, umfassende
Neuprüfung des Anspruchs auf die laufende Dauerleistung erlaubt. Stellt der
Sozialversicherungsträger im Rahmen eines Revisionsverfahrens fest, dass bei der
ursprünglichen Leistungszusprache oder im letzten Revisionsverfahren ein Fehler bei
der Sachverhaltserhebung oder der Rechtsanwendung passiert ist, so kann er diesen
Fehler also nicht im Rahmen der Revision korrigieren. Wenn er den Fehler beheben will,
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muss er ein anderes Verfahren, i.d.R. ein Wiedererwägungsverfahren, eröffnen. Das
Revisionsverfahren beinhaltet keine voraussetzungslose Neuprüfung der laufenden
Leistung. Es ist beschränkt auf die Frage, ob und gegebenenfalls wie die laufende
Dauerleistung angepasst werden muss, wenn sich der anspruchsbegründende
Sachverhalt ändert (vgl. zum Wesen der Revision das Urteil des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 6. August 2008, IV 2007/119). Bezogen auf den vorliegend
zu beurteilenden Fall bedeutet das, dass – entgegen der offenbar von beiden Parteien
vertretenen Auffassung – nicht in bezug auf sämtliche alltäglichen Lebensverrichtungen
voraussetzungslos geprüft werden kann, ob eine regelmässige und erhebliche Hilfe
notwendig ist. Die Frage lautet also nicht: Besteht ein relevanter Hilfsbedarf? sondern:
Hat sich der Hilfsbedarf seit der Verfügung vom 10. Februar 2005 massgeblich
verändert?
2.2 Bei der Abklärung an Ort und Stelle vom 17. November 2004 ist festgestellt
worden, dass die Beschwerdeführerin ihre Kleidung nicht der Witterung entsprechend
auswähle und dass sie gelegentlich mit dem Schliessen von Knöpfen und
Reissverschlüssen sowie mit dem Anziehen der Schuhe Probleme habe. Die
Beschwerdegegnerin hat damals die dadurch erforderliche Hilfe beim An- und
Ausziehen als nicht erheblich qualifiziert und damit eine Hilflosigkeit bei dieser
alltäglichen Lebensverrichtung verneint. Am 27. November 2008 hat die Mutter im
Fragebogen keine Probleme der Beschwerdeführerin beim Schliessen von Knöpfen
und Reissverschlüssen sowie beim Anziehen der Schuhe mehr angegeben.
Diesbezüglich hat sich also eine Sachverhaltsveränderung eingestellt. Diese ist aber
irrelevant, da es sich um eine Verbesserung der Selbständigkeit beim An- und
Ausziehen handelt. Die Mutter hat am 27. November 2008 erneut auf die Unfähigkeit
der Beschwerdeführerin, witterungsangepasste Kleider auszuwählen, hingewiesen. Im
Beschwerdeverfahren hat sie sogar angegeben lassen, sie müsse jeden Tag die
passenden Kleider bereitlegen. Da sich die Selbständigkeit der Beschwerdeführerin in
den seit 2004 vergangenen vier Jahren sicher nicht verschlechtert hat, muss das
bereits 2004 der Fall gewesen sein. Diesbezüglich hat sich also keine Veränderung
eingestellt, so dass sich eine Überprüfung des Bedarfs nach Hilfe wegen dieser
speziellen Einschränkung verbietet. Neu aufgetreten ist ein unnötiges Wechseln der
Kleider mehrmals am Tag. Die Hilfeleistung besteht darin, dass die Beschwerdeführerin
angewiesen wird, entweder das Umziehen zu unterlassen oder wieder die "alten"
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Kleider anzuziehen. Selbst wenn das ein- oder zweimal pro Tag nötig sein sollte, fehlt
dieser Hilfe doch die Erheblichkeit. Deshalb ist ein Revisionsbedarf wegen des
unnötigen Kleiderwechselns zu verneinen.
2.3 Anlässlich der Abklärung vom 17. November 2004 ist in Bezug auf die alltägliche
Lebensverrichtung der Nahrungsaufnahme nur ein Bedarf nach dem Zerkleinern harter
Speisen festgestellt worden. Dieser Bedarf besteht nicht mehr. Die Mutter hat nun nur
noch angegeben, die Beschwerdeführerin müsse beim Essen gebremst werden, da sie
kein Mass kenne. Im Beschwerdeverfahren hat sie zusätzlich angeben lassen,
Süssigkeiten müssten versteckt werden, da die Beschwerdeführerin an einer
Zuckerallergie leide. Darin ist zwar eine Sachverhaltsveränderung zu erblicken, die im
Revisionsverfahren auf ihre Relevanz für den Leistungsanspruch zu prüfen ist. Diese
Sachverhaltsveränderung ist aber nicht leistungsrelevant, da weder das Verstecken von
Süssigkeiten noch das Durchsetzen des Masshaltens beim Essen als erhebliche
Hilfeleistung zu qualifizieren sind. Beides ist mit geringem Aufwand möglich. In bezug
auf die alltägliche Lebensverrichtung der Nahrungsaufnahme hat die
Beschwerdegegnerin also zu Recht eine mögliche Anpassung geprüft und verneint.
2.4 Am 17. November 2004 ist angegeben worden, die Beschwerdeführerin sei bei der
Reinigung nach dem Stuhlgang oft nicht sorgfältig genug. Gemäss den aktuellen
Angaben hat sich dies noch nicht spürbar gebessert. Die Beschwerdegegnerin hat
unter Verweis auf die Schadenminderungspflicht das Vorhandensein eines Closomaten
fingiert. Die Mutter der Beschwerdeführerin stimmt grundsätzlich mit der Auffassung
der Beschwerdegegnerin überein, dass damit das Problem der ungenügenden
Reinigung nach dem Stuhlgang gelöst wäre, allerdings nur wenn die
Beschwerdeführerin den Closomaten akzeptiere und auch nur für die
Notdurftverrichtung zuhause. Warum die Beschwerdeführerin unfähig sein sollte, einen
Closomaten zu akzeptieren, wird nicht erläutert. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass
diesbezüglich ein Problem auftreten könnte. Es ist deshalb in antizipierender
Beweiswürdigung davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit einen Closomaten benützen und damit keine Hilfe bei der Reinigung
nach dem Stuhlgang mehr benötigen würde. Muss die Beschwerdeführerin auswärts
die Toilette aufsuchen, benötigt sie natürlich weiterhin Hilfe bei der Reinigung. Diese
Hilfe ist zwar erheblich, aber offensichtlich nicht regelmässig erforderlich, da die
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Beschwerdeführerin nur gelegentlich ausser Haus, d.h. nicht in der elterlichen
Wohnung oder in der Bildungsstätte ihre Notdurft verrichtet. Die Beschwerdegegnerin
hat somit für diese alltägliche Lebensverrichtung zu Recht eine revisionsrechtlich
relevante Veränderung, nämlich den Wegfall eines Bedarfs nach erheblicher und
regelmässiger Hilfe bejaht.
2.5 In bezug auf die alltägliche Lebensverrichtung der Körperpflege stimmen die
Parteien – zu Recht – darin überein, dass nach wie vor eine regelmässige und
erhebliche Hilfe notwendig ist, weil die Beschwerdeführerin beim Duschen, beim
Zähneputzen und beim Kämmen überwacht werden muss. In bezug auf die
Fortbewegung im Freien und die Pflege gesellschaftlicher Kontakte sind die Parteien
übereinstimmend der Auffassung, es sei eine erhebliche und regelmässige Hilfe
erforderlich. Diese Auffassung ist richtig, denn die Beschwerdeführerin kann sich im
Freien nicht orientieren, sie kann nicht lesen und sich deshalb auch nicht nach
Schildern oder Hinweistafeln richten und sie ist Fremden gegenüber zu gutgläubig. Bei
beiden alltäglichen Lebensverrichtungen hat sich zwar eine Verbesserung der
Selbständigkeit ergeben, aber es bleibt bei einem Bedarf nach erheblicher und
regelmässiger Hilfe. Zusammenfassend ist deshalb festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin in zwei alltäglichen Lebensverrichtungen, nämlich bei der
Körperpflege und bei der Fortbewegung, hilflos ist.
2.6 Die Beschwerdeführerin lässt sinngemäss geltend machen, die angefochtene
Verfügung sei rechtswidrig, weil sie sich auf eine in Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes unvollständig gebliebene Sachverhaltsabklärung stütze, die
den massgebenden Sachverhalt nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belege. Die Hilflosigkeit hätte nämlich unbedingt
durch eine Abklärung an Ort und Stelle ermittelt werden müssen. Eine Abklärung an Ort
und Stelle, die einen eindeutigen Beweis über die Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin
liefern würde, könnte sich nicht darauf beschränken, die Mutter der
Beschwerdeführerin zu befragen, selbst wenn die Beschwerdeführerin dabei anwesend
wäre. Vielmehr müsste die Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin in der Form
eines Augenscheins das Verhalten der Beschwerdeführerin während der Vornahme
jeder einzelnen alltäglichen Lebensverrichtung beobachten. Sie müsste also am
Morgen bereits in der Wohnung sein, wenn die Beschwerdeführerin aufsteht, um zu
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kontrollieren, ob die Beschwerdeführerin tatsächlich der Witterung nicht angepasste
Kleidung anzieht, wenn ihr nicht gesagt wird, welche Kleider sie anzuziehen habe. Sie
müsste den ganzen Tag in der Wohnung bleiben, um zu kontrollieren, ob die
Beschwerdeführerin sich tatsächlich mehrmals unmotiviert umzieht und die getragene
Kleidung jeweils in den Schmutzwäschekorb steckt. Sie müsste während den
Mahlzeiten zugegen sein, um die Beschwerdeführerin dabei zu beobachten, wie sie
ohne entsprechende Einschränkung seitens der Eltern zuviel isst. Sie müsste der
Beschwerdeführerin beim Duschen, beim Kämmen und beim Zähneputzen zusehen.
Sie müsste die Sauberkeit der Beschwerdeführerin nach dem Stuhlgang kontrollieren
und sie müsste die Beschwerdeführerin bei der Fortbewegung im Freien und bei der
Pflege gesellschaftlicher Kontakte beobachten. All dies müsste so geschehen, dass die
Beschwerdeführerin sich unbeobachtet fühlen und deshalb normal verhalten würde.
Nur so wäre eine Abklärung an Ort und Stelle als Augenschein geeignet, eine allfällige
Hilflosigkeit bzw. deren Fehlen überzeugender zu belegen als die Angaben der Mutter
der Beschwerdeführerin. Ein solcher Augenschein wäre unverhältnismässig, denn im
Regelfall geben die Hilfe leistenden Personen erfahrungsgemäss Auskünfte, die eine
Sachverhaltserhebung mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erlauben. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Augenschein als
Beweismittel bei der Abklärung der Hilflosigkeit generell unnötig wäre. Es gibt durchaus
Situationen, in denen ein Augenschein angebracht und verhältnismässig ist. Sollte die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin mit der Forderung nach einer Abklärung an
Ort und Stelle nur eine Befragung an Ort und Stelle gemeint haben, so würde sie
sinngemäss einer direkten Befragung mehr Überzeugungskraft beimessen als einer
telephonischen Befragung. Einen Grund dafür vermag die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin allerdings nicht anzuführen. Es ist deshalb davon auszugehen,
dass die Kombination aus den schriftlichen Angaben im Fragebogen und aus den
telephonischen Auskünften den Sachverhalt mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegt.
3.
Ist eine Person in zwei alltäglichen Lebensverrichtungen auf erhebliche und
regelmässige Hilfe angewiesen, so liegt gemäss Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV eine leichte
Hilflosigkeit vor. Käme allerdings noch ein Bedarf nach einer lebenspraktischen
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Begleitung hinzu, läge eine mittelschwere Hilflosigkeit vor (Art. 37 Abs. 2 lit. c IVV).
Gemäss Art. 42 Abs. 3 Satz 1 IVG gilt auch eine Person als hilflos, die zu Hause lebt
und wegen der Gesundheitsbeeinträchtigung dauernd auf eine lebenspraktische
Begleitung angewiesen ist. Ein Bedarf nach einer lebenspraktischen Begleitung liegt
vor, wenn eine volljährige Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge einer
Gesundheitsbeeinträchtigung ohne die Begleitung einer Drittperson nicht selbständig
wohnen kann (Art. 38 Abs. 1 lit. a IVV), für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der
Wohnung auf die Begleitung einer Drittperson angewiesen ist (Art. 38 Abs. 1 lit. b IVV)
oder ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (Art. 38 Abs.
1 lit. c IVV). Alle drei möglichen Ursachen eines Bedarfs nach lebenspraktischer
Begleitung sind bei der Beschwerdeführerin erfüllt. Es spielt deshalb keine Rolle, dass
sich diese spezielle Form der Hilflosigkeit teilweise mit der Hilflosigkeit bei der
Fortbewegung im Freien und bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte deckt. Im Sinne
von Art. 38 Abs. 1 IVV ausserhalb eines Heimes lebt auch, wer maximal fünfzehn
Nächte pro Monat in einem Heim verbringt (vgl. die Rz 8003.1 KSIH in der Fassung
gültig ab 1. Januar 2008). Die Beschwerdeführerin verbringt zwei bis drei Nächte
wöchentlich zuhause, d.h. sie übernachtet mindestens viermal wöchentlich in der
Ausbildungsstätte. Das bedeutet, dass sie mehr als fünfzehn Nächte pro Monat im
Heim verbringt. Sie wohnt also nicht ausserhalb eines Heimes, womit ihr Bedarf nach
einer lebenspraktischen Begleitung nicht relevant ist. Die Beschwerdeführerin ist also
nicht gemäss Art. 37 Abs. 2 lit. c IVV mittelgradig hilflos, sondern nur gemäss Art. 37
Abs. 3 lit. a IVV leicht hilflos. Die Beschwerdegegnerin hat das Revisionsverfahren zu
Recht mit der Feststellung abgeschlossen, dass die bisherige Entschädigung für eine
Hilflosigkeit leichten Grades weiterhin ausgerichtet werde.
4.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Die
vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr
bemisst sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Unter
Berücksichtigung dieses Kriteriums erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- als
angemessen. Diese Gebühr ist von der vollumfänglich unterliegenden
bis
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Beschwerdeführerin zu entrichten. Sie ist durch den in gleicher Höhe geleisteten
Vorschuss gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG