Decision ID: f72aa1e9-0a10-4cdc-be52-590589f5d6f8
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
K._ bot Rösslifahrten an und hielt zu diesem Zweck auf dem Grundstück Nr. 0000_,
Grundbuch X._, zwei Wallache – "A._" (braun) und "B._" (schwarz) – der Rasse
Noriker. Seit 2015 prüfte der Veterinärdienst mehrfach die Bedingungen, unter denen
die Tiere gehalten wurden, und wies dabei auf Mängel hin, die K._ jeweils behob. Im
April 2017 stellte der Veterinärdienst eine vernachlässigte Hufpflege fest. Anlässlich
einer Kontrolle zeigte sich am 16. November 2018 bei "A._" eine deutliche Lahmheit
vorne beidseits. Der beigezogene Tierarzt stellte die Verdachtsdiagnose einer
chronischen Hufrehe. Er empfahl eine Röntgendiagnose, die Behandlung mit
Entzündungshemmern, Hufrehe-Beschläge oder orthopädische Hufschuhe und die
Haltung auf weichem Boden sowie die Aufstallung in tief eingestreuter Boxe. In der
Folge zog K._ den Tierarzt G._ bei.
Im Oktober 2019 ging beim Veterinärdienst eine Meldung ein, wonach der braune
Wallach kaum noch gehen könne. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen K._ ein
Strafverfahren wegen Verletzung von Tierschutzvorschriften ein und beschlagnahmte
am 29. Oktober 2019 die beiden Pferde zur Beweissicherung. Der beigezogene
Veterinärdienst stellte fest, dass "A._", der verdreckte und durchgelaufene Hufschuhe
trug, kaum noch gehen konnte. Beide Pferde waren verdreckt und rochen
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entsprechend stark nach Urin. In der Stallung war praktisch keine Einstreu vorhanden.
In der Tierklinik, in welche die beiden Pferde transportiert wurden, wurde festgestellt,
dass bei "A._" ein Hufbein kurz davor war, durch die Hufsohle zu brechen, und er
bereits massive Schmerzen hatte. Selbst einer intensivmedizinischen Behandlung und
Betreuung über Monate hinweg wurden relativ schlechte Erfolgschancen zugemessen.
Deshalb wurde empfohlen, "A._" sofort einzuschläfern.
B.
Am 31. Oktober 2019 beschlagnahmte das Amt für Verbraucherschutz und
Veterinärwesen die beiden Pferde "A._" und "B._" vorsorglich und ordnete die
Euthanasierung von "A._" an. "B._" wurde geeignet untergebracht und "A._" –
nachdem K._ nicht dessen intensivmedizinische Behandlung und Betreuung auf seine
eigenen Kosten verlangte hatte – am 6. November 2019 eingeschläfert. Die von K._
gegen die vorsorgliche Beschlagnahme von "A._" und "B._" vom 31. Oktober 2019
und die Euthanasierung von "A._" am 6. November 2019 beim
Gesundheitsdepartement (Rekursentscheid vom 27. Mai 2020), beim
Verwaltungsgericht (Präsidialentscheid B 2020/106 vom 21. Januar 2021) und beim
Bundesgericht (Nichteintretensentscheid 2C_182/2021 vom 2. März 2021) erhobenen
Rechtsmittel blieben erfolglos.
C.
Am 27. April 2020 zog das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen die beiden
Pferde "A._" und "B._" definitiv ein (Ziffer 1), stellte die Euthanasierung von "A._"
fest (Ziffer 2) und verbot K._ – unter Androhung der unverzüglichen Beschlagnahme
mit Kostenfolge (Ziffer 5) und der Bestrafung im Widerhandlungsfall (Ziffer 9) – Equiden
zu halten oder selbständig für Dritte zu betreuen (Ziffer 3) oder dafür "Strohmänner"
einzusetzen (Ziffer 4). Einem Rekurs gegen die "definitive" Beschlagnahme wurde die
aufschiebende Wirkung entzogen (Ziffer 6). Die Kosten der Verfügung (Ziffer 7) sowie
der Beschlagnahme, der tierärztlichen Untersuchung und der Unterbringung (Ziffer 8)
wurden K._ auferlegt.
D.
Das Gesundheitsdepartement wies den gegen die Verfügung des Amtes für
Verbraucherschutz und Veterinärwesen erhobenen Rekurs am 22. April 2021 ab. Zur
Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, K._ erscheine betreffend Mängel in
der Tierhaltung und insbesondere bezüglich der Behandlung der Pferde mit
Medikamenten als unbelehrbar. Durch die fehlende Behandlung des Pferdes "A._" sei
ein sehr leidvoller Zustand herbeigeführt worden, der schliesslich nur noch durch die
Euthanasie habe behoben werden können. Aufgrund seines Verhaltens im
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Tierschutzverfahren vor dem Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen sei davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer auch bei einer zukünftigen Equidenhaltung
den Bedürfnissen der Tiere nicht in bestmöglicher Weise Rechnung tragen würde. Art
und Schwere der vom Beschwerdeführer begangenen Verstösse begründeten
durchaus ein öffentliches Interesse an der Anordnung eines Tierhalteverbots. Die
beiden Pferde seien zu Recht wegen grober Vernachlässigung beschlagnahmt worden,
und das eine Pferd habe wegen seines schlechten Gesundheitszustandes euthanasiert
werden müssen. Mit welcher anderen Massnahme als einem Tierhalteverbot der
Beschwerdeführer dazu gebracht werden könnte, die grundsätzlichen
Verhaltensgebote und -verbote des Tierschutzgesetzes zu befolgen, sei nicht
ersichtlich. Aufgrund des Alters des Beschwerdeführers (Jahrgang 1948) sei es
jedenfalls unwahrscheinlich, dass das Tierhalteverbot in relevantem Umfang in seine
wirtschaftliche Existenz eingreife. Dementsprechend komme seinem wirtschaftlichen
Interesse bloss ein geringes Gewicht zu. Diesem stehe ein erhebliches öffentliches
Interesse entgegen, Verhältnisse, wie sie in der Tierhaltung durch den
Beschwerdeführer vorlagen, zu verhindern. Mit dem Verbot, weiterhin Equiden zu
halten, seien die Voraussetzungen für eine definitive Beschlagnahme des Pferdes
"B._" offensichtlich erfüllt. Eine Entschädigung mit dem Schlachtwert des Pferdes
"A._" komme nicht in Frage, da dessen Euthanasierung rechtmässig gewesen sei.
E.
K._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 23. April 2021 versandten
Rekursentscheid des Gesundheitsdepartements (Vorinstanz) durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 10. Mai 2021 und Ergänzung vom 14. Juni 2021
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Rechtsbegehren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid betreffend das Tierhalteverbot
(Ziffern 3, 4 und 5 des angefochtenen Entscheides, Anm.) sowie die definitive
Einziehung der Pferde "A._" und "B._" (Ziffer 1 des angefochtenen Entscheides,
Anm.) beziehungsweise die widerrechtliche Tötung des Pferdes "A._" (Ziffer 2 des
angefochtenen Entscheides, Anm.) aufzuheben. Das Pferd "B._" sei unverzüglich
herauszugeben und der Beschwerdeführer für das Pferd "A._" mit dem Schlachtwert
zu entschädigen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz oder an die verfügende Behörde zurückzuweisen.
Zum verfahrensrechtlichen Antrag zur aufschiebenden Wirkung der Beschwerde hielt
der verfahrensleitende Abteilungspräsident mit Verfügung vom 15. Juni 2021 fest, der
Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung vorderhand entzogen. Am 16. August 2021
beantragte die Vorinstanz, unter Kostenfolge seien die Beschwerde und die
verfahrensrechtlichen Anträge – vollumfängliche Akteneinsicht und Durchführung einer
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mündlichen und öffentlichen Verhandlung – abzuweisen. Sollte der Beschwerde von
Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommen, sei sie ihr zu entziehen.
Der Beschwerdeführer wandte sich mit eigenen Eingaben vom 4. September 2021 und
vom 4. Oktober 2021 jeweils samt Beilagen an das Gericht. Sein Rechtsvertreter nahm
am 29. September 2021 zur vorinstanzlichen Vernehmlassung Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer,
der sich im Rekursverfahren insbesondere erfolglos gegen das ihm gegenüber verfügte
Verbot, Equiden zu halten, gewehrt hat, ist zur Erhebung der Beschwerde befugt
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am 23. April
2021 versandten Rekursentscheid wurde – unabhängig vom Zeitpunkt seiner
Entgegennahme – mit Eingabe vom 10. Mai 2021 unter Berücksichtigung des
Fristenlaufs am Wochenende rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 14. Juni 2021 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 sowie Art. 30 Abs. 1 VRP und
Art. 142 Abs. 3 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO, und Art. 48
Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
2. Verfahrensanträge
Vorab sind die verfahrensrechtlichen Anträge des Beschwerdeführers, nämlich seine
Begehren um Feststellung oder Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
(dazu nachfolgend Erwägung 2.1), um uneingeschränkte Akteneinsicht (dazu
nachfolgend Erwägung 2.2) und um Durchführung einer mündlichen und öffentlichen
Verhandlung (dazu nachfolgend Erwägung 2.3), zu behandeln.
bis
Aufschiebende Wirkung
Der verfahrensleitende Abteilungspräsident stellte mit Verfügung vom 15. Juni 2021
ohne die Vorinstanz anzuhören fest, der Beschwerde komme keine aufschiebende
Wirkung zu. Nachdem die Vorinstanz sich unter anderem auch zur Frage der
aufschiebenden Wirkung hatte vernehmen lassen, stellte er am 17. August 2021 – unter
dem Vorbehalt eines raschen Entscheides in der Hauptsache – die vorgängige
2.1.
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Behandlung des Begehrens in Aussicht. Mit dem Entscheid in der Hauptsache fallen
die Anträge des Beschwerdeführers zur aufschiebenden Wirkung dahin.
Akteneinsicht
Zur Frage, ob es der Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör zulässt,
ihm die Angaben zu den Personen, die sich wegen seiner Pferdehaltung mit den
zuständigen Behörden in Verbindung setzten, vorzuenthalten, kann auf die
Ausführungen im Beschwerdeentscheid zu den vorsorglichen Massnahmen verwiesen
werden. Die Personalien der Anzeigerinnen und Anzeiger haben keinen Einfluss auf die
von den Behörden geprüfte und beurteilte Haltung der Pferde durch den
Beschwerdeführer. Den gewichtigen privaten und öffentlichen Interessen an der
Geheimhaltung der Personalien der Anzeigenden stehen keine für den Ausgang des
Verfahrens relevanten Interessen des Beschwerdeführers entgegen, aufgrund derer
sich die beantragte uneingeschränkte Akteneinsicht rechtfertigen würde. An dieser
Beurteilung vermögen die Ausführungen des Beschwerdeführers (Ziff. III/1-5 der
Beschwerdeergänzung) nichts zu ändern. Entgegen der von ihm vertretenen
Auffassung rechtfertigt sich gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine
Anonymisierung der anzeigenden Personen unabhängig davon, ob im Einzelfall für die
Anzeigenden mit der Offenlegung ihrer Identität eine konkrete Gefahr nachgewiesen ist
(VerwGE B 2020/106 vom 21. Januar 2021 E. 2.1 mit Hinweisen auf die
Rechtsprechung).
2.2.
Mündliche und öffentliche Verhandlung
Steht die Fortführung der beruflichen Tätigkeit des Beschwerdeführers in Frage,
bezieht sich die Streitigkeit auf seine zivilrechtlichen Ansprüche im Sinn von Art. 6 der
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK;
vgl. Meyer-Ladewig/Harrendorf/König, in: Meyer-Ladewig/Nettesheim/von Raumer
[Hrsg.], EMRK Handkommentar, 4. Aufl. 2017, N 21 zu Art. 6 EMRK; BGer 2P.310/2004
vom 18. Mai 2005 E. 3.3). Der Beschwerdeführer macht geltend, die Beschlagnahme
des Pferdes "B._" und insbesondere das Verbot, Equiden zu halten, verunmögliche es
ihm, weiterhin Rösslifahrten anzubieten und durchzuführen und treffe ihn deshalb in
seiner wirtschaftlichen Existenz. Ob dem Beschwerdeführer mit dem Tierhalteverbot
auch die Berufsausübung untersagt wird (vgl. die Rechtsprechung zum
Sicherungsentzug des Führerausweises für Berufschauffeure BGer1C_530/2016 vom
16. Februar 2017 E. 3, 6A.30/2005 vom 3. November 2005 E. 2 mit Hinweisen auf BGE
122 II 464 E. 3b und c), weil er keine Rösslifahrten mit fremden Pferden anbieten darf,
kann offenbleiben.
2.3.
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Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Pflicht zur Durchführung einer öffentlichen und
mündlichen Verhandlung nicht absolut. Die Rechtsprechung des EGMR und des
Bundesgerichts lässt ein Absehen von einer öffentlichen und mündlichen Verhandlung
unter anderem dann zu, wenn die Angelegenheit ohne Weiteres aufgrund der Akten
sowie der schriftlichen Parteivorbringen beurteilt werden kann. Hingegen ist eine
öffentliche und mündliche Verhandlung dann notwendig, wenn die Überprüfung der
vorinstanzlichen Sachverhaltsermittlung erforderlich ist, wenn die Beurteilung der
Angelegenheit vom persönlichen Eindruck abhängt oder wenn das Gericht
weitergehende Abklärungen zu gewissen Punkten treffen muss. Ob eine öffentliche und
mündliche Verhandlung durchzuführen ist, beurteilt sich anhand der konkreten
Umstände des Einzelfalls (vgl. BGer 1C_502/2020 vom 23. September 2021 E. 2.2 mit
Hinweis auf BGE 147 I 153 E. 3.5).
In Frage steht, ob der Beschwerdeführer geeignet erscheint, Equiden unter Beachtung
der einschlägigen tierschutzrechtlichen Vorschriften zu halten. Für diese Beurteilung ist
– ausgehend von den Feststellungen, welche Ende Oktober 2019 zur Beschlagnahme
seiner beiden Pferde "B._" und "A._" und zur Euthanasierung des letzteren geführt
haben – eine Prognose zu stellen. Das Verwaltungsgericht übersieht nicht, dass
deshalb einerseits die tatsächlichen Umstände der Pferdehaltung in den Jahren vor
dieser Beschlagnahme und die Würdigung der dazu erhobenen Beweise und
anderseits die Persönlichkeit des Beschwerdeführers von Bedeutung sind. Allerdings
liegen die tatsächlichen Umstände in der Vergangenheit und sind abgeschlossen, so
dass auf die im massgeblichen Zeitraum erhobenen und in den Akten dokumentierten
Beweise abzustellen ist. Der Beschwerdeführer bestreitet zwar die vom Veterinärdienst
am 29. Oktober 2019 festgestellten und in einer Aktennotiz festgehaltenen Tatsachen
sowie deren Würdigung detailliert und bezeichnet in diesem Zusammenhang zahlreiche
Beweismittel, nämlich: Augenschein, Parteibefragung, Zeugenbefragung seines
Tierarztes, Einholung eines tiermedizinischen Gutachtens und von
Einvernahmeprotokollen aus dem Strafverfahren sowie Edition des Fahrzeugausweises
für den Pferdeanhänger, mit welchem die Pferde in die Tierklinik gebracht wurden. Ein
Augenschein kann die Haltebedingungen und den Gesundheitszustand der Pferde, wie
sie am 29. Oktober 2019 und in der Zeit davor angetroffen wurden, nicht mehr
dokumentieren. Die sachverständige Einschätzung des Tierarztes und die
Dokumentation der medizinischen Behandlung kann ohne Weiteres in schriftlicher
Form beigebracht werden. Ebenso hätte der Beschwerdeführer die ihm vorliegenden
Einvernahmeprotokolle aus dem Strafverfahren einreichen können. Seine eigene
Darstellung der Tatsachen hat der Beschwerdeführer schliesslich schriftlich mit
Randbemerkungen zur Aktennotiz über den Augenschein des Veterinärdienstes vom
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3. Rechtliches Gehör zur Tötung des Pferdes "A._"
Der Beschwerdeführer macht geltend, das rechtliche Gehör zur Tötung des Pferdes
"A._" sei ihm ohne Rücksicht auf den Feiertag am 1. November 2019 und das
anschliessende Wochenende unter absolut schikanösen Bedingungen gewährt oder
besser gesagt verweigert worden. Das Pferd sei dann ohne seine Zustimmung und
ohne dass es nötig gewesen wäre oder gar Eile bestanden hätte, getötet worden. Auf
diesen bereits im Beschwerdeverfahren zu den vorsorglichen Massnahmen
vorgebrachten Vorwurf wurde im damaligen Entscheid nicht weiter eingegangen
(VerwGE B 2020/106 vom 21. Januar 2021).
Am Dienstag, 29. Oktober 2019, nachmittags, wurden die beiden Pferde des
Beschwerdeführers im Strafverfahren zur Beweissicherung beschlagnahmt. Im
tierschutzrechtlichen Verfahren ordnete der Veterinärdienst am Donnerstag,
31. Oktober 2019 seinerseits die vorläufige Beschlagnahme der Tiere an und gab dem
Beschwerdeführer Gelegenheit, sich bis Montag, 4. November 2019, 16.00 Uhr, zur
vorgesehenen Euthanasierung des Pferdes "A._" zu äussern und insbesondere
mitzuteilen, ob er die Kosten für dessen intensivmedizinische Betreuung übernehme.
Noch gleichentags reagierte der Beschwerdeführer auf diese elektronische Mitteilung
ebenfalls auf elektronischem Weg. Er vertrat die Auffassung, die Pferde seien beim
Verladen "relativ gesund und munter" gewesen. Er erwarte deren "Retournierung" bis
Dienstag. Der Veterinärdienst wies den Beschwerdeführer am 4. November 2019 um
14.00 Uhr darauf hin, seine bis 16.00 Uhr abzugebende Äusserung zur Finanzierung
der intensivmedizinischen Betreuung des Pferdes "A._" stehe noch aus. Der
29. Oktober 2019, 14.00 Uhr, festgehalten (act. 16.2). Unter diesen Umständen ist
davon auszugehen, dass anlässlich einer öffentlichen Verhandlung lediglich mündlich
vorgebracht würde, was bereits geschrieben wurde oder hätte werden können. Für die
Einschätzung der Aussichten, ob der Beschwerdeführer künftig Pferde unter
ausreichender Beachtung der tierschutzrechtlichen Vorschriften halten würde, ist eine
Einschätzung seiner Persönlichkeit von Bedeutung. Dabei ist allerdings nicht von
Belang, ob er in der Lage ist, anlässlich einer einmaligen Begegnung beim Gericht
einen guten persönlichen Eindruck zu hinterlassen, sondern vielmehr, welche
Auffassungen er im Zusammenhang mit der Tierhaltung in den Verfahren vor dem
Veterinärdienst und der Vorinstanz sowie im schriftlichen Beschwerdeverfahren zum
Ausdruck gebracht hat. Die Würdigung der vorliegenden Beweismittel und der
Aussagen des Beschwerdeführers sind schliesslich ohne weiteres schriftlich möglich.
Unter Berücksichtigung der konkreten Umstände erachtet das Verwaltungsgericht
deshalb die Durchführung einer mündlichen und öffentlichen Verhandlung nicht als
erforderlich.
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Beschwerdeführer teilte dann dem Veterinärdienst gleichentags um 20.12 Uhr mit, er
habe bei seinem Rechtsberater, dessen Ehefrau kürzlich verstorben sei, einen Termin
bekommen und er benötige noch "ein bisschen mehr Zeit" (act. 15/71). Auf dieses
Fristerstreckungsgesuch ging der Veterinärdienst indes nicht ein.
Die Rügen des Beschwerdeführers zur Gewährung des rechtlichen Gehörs erscheinen
teilweise verständlich: Das Pferd "A._" wurde nach der Beschlagnahme in einer
Tierklinik tierärztlich versorgt und sein Leiden mit Schmerzmitteln gelindert. Die
Anordnung der sofortigen Euthanasierung durch den Veterinärdienst beruhte einzig auf
einer telefonischen Empfehlung der Klinik. Art und Kosten einer intensivmedizinischen
Behandlung waren nicht bekannt. Am 3. November 2019 lag der schriftliche
tierärztliche Bericht vor. Zumal es um die Tötung des Tieres und damit um einen
endgültigen Eingriff in die emotionale Bindung des Beschwerdeführers zu einem seiner
beiden Pferde ging, wäre eine – zumindest kurze – Erstreckung der Frist grundsätzlich
angebracht gewesen. Damit, dass der Veterinärdienst auf das Gesuch stillschweigend
nicht eingegangen ist, hat er allerdings unter Berücksichtigung des Verhaltens des
Beschwerdeführers dessen Anspruch auf rechtliches Gehör nicht verletzt: Der
Beschwerdeführer, dem der Ablauf der Frist am 4. November 2019, 16.00 Uhr, seit
31. Oktober 2019 bekannt war, hat das Gesuch etwas mehr als vier Stunden verspätet
gestellt. Nachvollziehbare Gründe für diese Verspätung werden nicht vorgebracht und
sind auch nicht ersichtlich.
4. Streitgegenstand
Der Streit dreht sich in erster Linie um die Frage, ob der Veterinärdienst dem
Beschwerdeführer zurecht verboten hat, künftig Equiden zu halten oder für Dritte
("Strohmänner") zu betreuen (Ziffern 3 und 4 der Verfügung des Veterinäramtes vom
27. April 2020).
Fraglich ist, inwieweit die Beschlagnahme der Pferde "B._" und "A._" und die
Anordnung der Tötung des Pferdes "A._" noch Gegenstand des vorliegenden
Verfahrens sind. Art. 24 Abs. 1 des Tierschutzgesetzes (SR 455, TSchG) regelt, unter
welchen Voraussetzungen die zuständige Behörde unverzüglich einschreitet und Tiere
"vorsorglich beschlagnahmen" kann. Den Begriff der "definitiven" Beschlagnahme
kennt die Bestimmung nicht. "Definitive" Beschlagnahme und "definitive" Anordnung
der Tötung könnten allenfalls so verstanden werden, dass zwar der Zeitpunkt des
unverzüglichen Einschreitens massgebend bleibt, jedoch im Rückblick und vertiefter
unter Berücksichtigung der Stellungnahme des Betroffenen zu prüfen ist, ob die
Massnahmen gerechtfertigt waren. Eine solche Prüfung widerspräche allerdings dem
Sinn und Zweck vorsorglicher Massnahmen, zumal das Gesetz keine, der vorsorglichen
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vorausgehende, "superprovisorische" Anordnung von Massnahmen vorsieht und sich
der Beschwerdeführer vor der auch die Angemessenheit des Handelns des
Veterinärdienstes überprüfenden Vorinstanz (vgl. Art. 46 Abs. 1 VRP) im
Rechtsmittelverfahren gegen die vorsorgliche Massnahme vom 31. Oktober 2019
eingehend äussern konnte. Das Veterinäramt hat denn auch verfügt, die beiden Pferde
würden "definitiv eingezogen" – und nicht "beschlagnahmt" – und bezüglich der
Tötung lediglich noch die entsprechende Tatsache festgestellt (Ziffern 1 und 2 der
Verfügung vom 27. April 2020). Die Vorinstanz hat bei der Umschreibung des
Verfahrensgegenstandes den Begriff der "Einziehung" – und nicht jenen der
"Beschlagnahme" – verwendet (vgl. act. 2). Auch das Bundesgericht bezeichnet die
"definitive Beschlagnahme" als "Einzug" (vgl. BGer 2C_122/2019 vom 6. Juni 2019
Sachverhalt B). Die Fragen, ob vorsorgliche Beschlagnahme und Anordnung der
Tötung in Anwendung von Art. 24 Abs. 1 TSchG zu Recht erfolgten, waren deshalb
abschliessend im dagegen geführten Rechtsmittelverfahren zu beurteilen (vgl. VerwGE
B 2020/106 vom 21. Januar 2021, BGer 2C_182/2021 vom 2. März 2021). Darauf ist in
diesem Verfahren nicht zurückzukommen.
Hingegen kann Gegenstand des vorliegenden Verfahrens die Frage sein, ob das
gestützt auf Art. 24 Abs. 1 TSchG vorsorglich beschlagnahmte Pferd "B._"
einzuziehen oder dem Beschwerdeführer wieder herauszugeben ist. Ein vorsorglich
beschlagnahmtes Tier kann dem bisherigen Halter nicht wieder herausgegeben
werden, weil dieser auch in Zukunft nicht in der Lage sein wird, angemessen für das
Tier zu sorgen (vgl. zum Einzug im Sinn einer definitiven Beschlagnahme BGer
2C_122/2019 vom 6. Juni 2019 E. 4.3 und 4.4). Insoweit ist die Einziehung
regelmässige Folge eines Tierhalteverbots. Selbständige Bedeutung kann der
"definitiven Beschlagnahme" im Sinn einer Einziehung dann zukommen, wenn sich ein
generelles Halteverbot als unzulässig, insbesondere unverhältnismässig erweist, jedoch
besondere Umstände die Herausgabe eines bestimmten Tieres an seinen früheren
Halter verbieten.
5. Equidenhalteverbot
Rechtsgrundlage
Gestützt auf Art. 23 Abs. 1 TSchG kann die zuständige Behörde das Halten von Tieren
auf bestimmte oder unbestimmte Zeit jenen Personen verbieten, die wegen
wiederholter oder schwerer Zuwiderhandlung gegen die Vorschriften dieses Gesetzes
und seiner Ausführungserlasse oder gegen Verfügungen bestraft worden (lit. a) oder
aus anderen Gründen unfähig sind, Tiere zu halten (lit. b). Ob das gegen den
5.1.
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Beschwerdeführer zurzeit noch hängige Strafverfahren wegen Zuwiderhandlung gegen
die Vorschriften des Tierschutzgesetzes mit einer Verurteilung abgeschlossen wird,
welche die Anordnung eines Tierhalteverbotes gestützt auf Art. 23 Abs. 1 Ingress und
lit. a TSchG rechtfertigen könnte, ist offen. Der Beschwerdeführer macht – zu Recht –
nicht geltend, dass sich das Verbot mangels strafrechtlicher Verurteilung auch nicht auf
Art. 23 Abs. 1 Ingress und lit. b TSchG stützen lässt.
Unfähigkeit im Sinne von Art. 23 Abs. 1 Ingress und lit. b TSchG liegt vor, wenn die
betreffende Person die Verhaltensgebote und -verbote des Tierschutzgesetzes nicht zu
befolgen vermag. Das Tierschutzgesetz bezweckt, die Würde und das Wohlergehen
der Tiere zu schützen (Art. 1 TSchG). Wer Tiere hält oder betreut, muss sie gemäss
Art. 6 Abs. 1 TSchG angemessen nähren, pflegen, ihnen die für ihr Wohlergehen
notwendige Beschäftigung und Bewegungsfreiheit sowie soweit nötig Unterkunft
gewähren. In allgemeiner Weise verbietet Art. 16 Abs. 1 der Tierschutzverordnung (sGS
455.1, TSchV) die Vernachlässigung von Tieren. Art. 31 ff. TSchV enthält die
allgemeinen Vorschriften zur Haltung von Haustieren, Art. 59 ff. TSchV die besonderen
Vorschriften für die Haltung von Equiden. Befestigte Böden müssen gleitsicher und
ausreichend sauber, Böden im Liegebereich ausreichend trok-ken sein (Art. 34 TSchV).
Liegeplätze für Equiden müssen ausreichend mit geeigneter, sauberer und trockener
Einstreu versehen sein (Art. 59 Abs. 2 TSchV). Hufe sind so zu pflegen, dass Equiden
anatomisch richtig stehen können, ihre Bewegung nicht beeinträchtigt ist und dem
Auftreten von Hufkrankheiten vorgebeugt wird (Art. 60 Abs. 2 TSchV). Das Verbot der
Tierhaltung als solches hat die Wahrung oder die Wiederherstellung des Tierwohls zum
Ziel. Anders als bei der Bestrafung kommt es nicht auf ein Verschulden des Pflichtigen
an, sondern lediglich auf das Bestehen eines rechtswidrigen Zustands. Es handelt sich
mithin um eine restitutorische Massnahme, die nicht auf die Bestrafung des Halters,
sondern auf den Schutz und die Wiederherstellung der tierschutzrechtlich korrekten
Haltebedingungen ausgerichtet ist. Einem Halteverbot gehen in der Regel grobe und
für die Tiere leidvolle Verstösse gegen das Tierschutzrecht voraus (Art. 1 in Verbindung
mit Art. 3 lit. a TSchG; vgl. BGer 2C_958/2014 vom 31. März 2015 E. 2.1 mit
Hinweisen).
Tatsachenfeststellungen
In tatsächlicher Hinsicht hat die Vorinstanz festgestellt, es seien bei der Pferdehaltung
des Beschwerdeführers seit 2015 diverse Mängel in der Tierhaltung festgestellt
worden. Im Mai 2015 sei der fehlende Schattenplatz beziehungsweise Unterstand ohne
Zugang zum Stall tagsüber beanstandet worden. Im Juli 2016 sei der Schattenplatz als
dürftig, im Mai 2017 als nicht ausreichend beurteilt worden. Bei verschiedenen
5.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/19
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Gelegenheiten sei festgestellt worden, dass im Stall zu wenig Stroh eingestreut worden
sei. Das habe sich auch im Miststock gezeigt, der nur einen geringen Einstreuanteil
aufgewiesen habe. Selbst nach der Diagnose der Hufrehe bei "A._" und trotz
tierärztlicher Empfehlung sei zu wenig Einstreu im Stall festgestellt worden. Der
Raumteiler im Stall sei zu breit und die Bewegungsfreiheit der Pferde eingeschränkt.
Eine ebenerdige Mistmulde und ein nicht abgesperrter Mistkran im Laufhof sowie
Armierungseisen in einer Fensteröffnung hätten Verletzungsgefahren nach sich
gezogen. Die Hufpflege bei den Pferden sei vernachlässigt gewesen. – Der
Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, Auslauf, Stallungen und Hufpflege
hätten in jeder Hinsicht den Tierschutzvorschriften entsprochen.
Die von der Vorinstanz festgestellten Tatsachen stützen sich auf zahlreiche Foto- und
Videoaufnahmen. Am 29. Oktober 2019 war der Boden in der Box, in welcher die
beiden Pferde standen, mit sehr wenig Streu belegt. Auch in der Mistmulde war der
Anteil der Streu sehr gering. Vor der Fensteröffnung war ein Armierungseisen
angebracht, dessen vertikale Stäbe einige Zentimeter oberhalb der unteren
Begrenzung der Öffnung endeten. Der Raumteiler aus massiven Holzbalken hing
freischwingend an Ketten von der Decke des Stalls. Die Pferde waren verdreckt
(act. 15/67a; vgl. auch act. 15/77). Das Ausmass der Huferkrankung insbesondere beim
Pferd "A._" ergibt sich aus dem in der Tierklinik mit bildgebenden Verfahren
erhobenen Zustand der Hufe und den dort gemachten Videoaufnahmen, welche die
Behinderungen der Pferde in ihrer Fortbewegung dokumentieren (act. 15/78). Der
Beschwerdeführer konnte anlässlich der strafrechtlichen Beschlagnahme der Pferde
zur Beweissicherung am 29. Oktober 2019 weder eine Tierarzneimittelvereinbarung
noch ein Behandlungsjournal vorlegen. Die Pferde habe er nie entwurmt. Er setze keine
Medikamente, besser gesagt Chemie ein. Die Pferdepässe händigte er nicht aus (vgl.
Aktennotiz vom 29. Oktober 2019, act. 15/67).
Dass sich Tatsachen, soweit sie nicht bereits im fraglichen Zeitpunkt dokumentiert
wurden, nachträglich nicht mehr zuverlässig ermitteln lassen, hat das
Verwaltungsgericht bereits im Entscheid über die (vorsorgliche) Beschlagnahme und
Anordnung der Euthanasierung festgehalten (vgl. VerwGE B 2020/106 vom 21. Januar
2021 E. 2.2). Das Gesuch um Durchführung eines Augenscheines sowie Partei- und
Zeugenbefragungen ist deshalb abzuweisen. Soweit der Beschwerdeführer
massgebende Tatsachen anhand von Einvernahmeprotokollen aus dem Strafverfahren
nachweisen will, wäre es ihm unbenommen gewesen, diese Beweismittel nicht nur zu
bezeichnen, sondern auch einzureichen. Schliesslich äussert sich der
Beschwerdeführer auch im Rechtsmittelverfahren nicht dazu, weshalb weder eine
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Tierarzneimittelvereinbarung noch ein Behandlungsjournal vorliegen. Insbesondere
brachte er diese Unterlagen auch nicht bei.
Beweiswürdigung
Der Beschwerdeführer ist mit der Würdigung der Beweise durch die Vorinstanz nicht
einverstanden. Er macht geltend, weder habe eine Verletzungsgefahr wegen eines
Armierungseisens bestanden noch habe es an Einstreu gefehlt und auch die Aufteilung
des Pferdestalls sei zweckmässig gewesen. Die Einstreu sei entfernt worden, damit die
Boxen hätten trocknen und auslüften können. Das Verletzungsrisiko durch Mistlader
und Mistmulde sei als sehr gering einzustufen gewesen und vom Beschwerdeführer mit
einer Abschrankung umgehend behoben worden. Die Pferde seien verdreckt gewesen,
weil das Pferd "B._" an einem Ausfluss gelitten habe. Bei der Beschlagnahme sei
zudem nasses Wetter gewesen und die beiden Pferde hätten sich draussen
aufgehalten. Die Sauberkeit sei somit nicht zu beanstanden gewesen. Um die
Hufprobleme habe er sich intensiv gekümmert. Er habe einen Hufbeschlagkurs
absolviert, die Hufe regelmässig von einem Tierarzt und ausgewiesenen Fachmann
untersuchen und behandeln lassen, den Tieren Hufschuhe angezogen und spezielles
Futter verabreicht. Das Abnehmen der Eisen, das richtige Schneiden der Hufe und das
Anlegen von Hufschuhen sei eine sachgerechte Behandlungsmethode gewesen. Die in
der Tierklinik schliesslich festgestellte Schwere der Huferkrankung sei darauf
zurückzuführen, dass die Pferde nicht in X._ weiter korrekt behandelt, sondern unter
tierquälerischen Bedingungen nach Z._ transportiert worden seien. – Auf weitere
Vorbringen des Beschwerdeführers wird unmittelbar im Zusammenhang mit der
Beweiswürdigung eingegangen.
Die Würdigung der Beweise durch den Beschwerdeführer lässt sich mit den
festgestellten Tatsachen nicht vereinbaren. Die Fotografien deuten nicht darauf hin,
dass die Einstreu entfernt worden war, vielmehr zeigen sie wenig Einstreu. Weshalb
trotz angeblich ausreichender Einstreu deren Anteil in der Mistmulde so gering war,
lässt sich glaubhaft einzig mit dem Umstand erklären, dass ihr Anteil bereits im Stall
gering war. Unter diesen Umständen ist – was ohnehin sehr unwahrscheinlich ist –
nicht von Bedeutung, ob irgendwo auf dem Grundstück ein grösserer Strohvorrat zu
finden gewesen wäre. Dass der Beschwerdeführer den Stall bei nassem Wetter
trocknen lassen wollte, ist nur beschränkt nachvollziehbar. Dass das Armierungseisen,
dessen vertikalen Stäbe einige Zentimeter über der unteren Begrenzung der
Fensteröffnung endeten, eine erhebliche Verletzungsgefahr für Nüstern, Lippen und
Zungen der Pferde bedeutete, machen die Fotografien deutlich. Dass das Pferd "B._"
an einem "Ausfluss" litt, auf welchen die Verdreckung der beiden Pferde
5.3.
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zurückzuführen war, machte der Beschwerdeführer anlässlich der Beschlagnahme
nicht geltend. Ebenso wenig geht eine solche Diagnose aus dem schriftlichen
tierärztlichen Bericht der Tierklinik vom 3. November 2019 hervor (act. 15/72). Dass das
Ausmass der Hufrehe bei den beiden Pferden, insbesondere aber beim Pferd "A._"
auf den Transport in die Tierklinik zurückzuführen ist, erscheint mit Blick auf den
mehrjährigen Verlauf der Erkrankung als äusserst unwahrscheinlich. Einer – aus der
Sicht des Veterinärdienstes – adäquaten medizinischen Behandlung der Pferde in X._
hat der Beschwerdeführer nicht zugestimmt. Vielmehr hat er noch am 29. Oktober
2019 daran festgehalten, keine "Chemie" einzusetzen. Ein Behandlungsprotokoll,
anhand dessen die tatsächliche Behandlung der beiden Pferde durch den
Beschwerdeführer und seinen von ihm beigezogenen Tierarzt nachvollzogen werden
könnte, liegt nicht vor. Die veterinärmedizinische Diagnose zum weit fortgeschrittenen
und kaum mehr reversiblen Stand der Erkrankung des Pferdes "A._" an Hufrehe
(act. 15/72a) lässt sich anhand der Ergebnisse der Untersuchung mit bildgebenden
Verfahren und den Videoaufnahmen zur Behinderung der Pferde in ihrer Fortbewegung
unschwer nachvollziehen. Die vom Beschwerdeführer getroffenen Massnahmen waren
offensichtlich nicht geeignet, den Verlauf der Krankheit günstig zu beeinflussen. Ob er
damit tatsächlich die von seinem Tierarzt, den er als Spezialisten in diesen Fragen
bezeichnet, vorgeschlagene Therapie in allen Teilen umgesetzt hat, belegt der
Beschwerdeführer nicht. Eine Befragung des Tierarztes dazu ist nicht erforderlich;
schon das Einreichen einer entsprechenden schriftlichen Stellungnahme hätte im
Übrigen entsprechende Zweifel ausräumen können.
Rechtliche Würdigung
Der Beschwerdeführer erblickt in den Verletzungen – fehlende Registrierung der Pferde
in der Datenbank, kein Schattenplatz, zu wenig Einstreu, zu breiter Raumteiler –
lediglich geringfügige Verstösse gegen die massgeblichen Vorschriften. Er macht
geltend, seine beiden Pferde seien weder vernachlässigt noch unter völlig
ungeeigneten Bedingungen gehalten worden, weshalb sich deren Beschlagnahme –
und in der Folge auch das Verbot, Equiden zu halten – nicht rechtfertige.
Zu prüfen ist bei der Anordnung des Verbots, Equiden zu halten, nicht, ob die
Voraussetzungen – Vernachlässigung oder Haltung unter völlig ungeeigneten
Bedingungen – für ein unverzügliches Einschreiten der zuständigen Behörde gestützt
auf Art. 24 Abs. 1 TSchG erfüllt waren. Wie bei der Darstellung der rechtlichen
Grundlagen eines Tierhalteverbots dargelegt, ist vielmehr zu prüfen, ob aus den
festgestellten Tatsachen und der Beweiswürdigung zu schliessen ist, der
Beschwerdeführer sei unfähig, Equiden zu halten. Die rechtliche Würdigung des
5.4.
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6. Verhältnismässigkeit des Equidenhalteverbots
Beschwerdeführers geht davon aus, die Vorinstanz habe den Sachverhalt fehlerhaft
festgestellt oder unzutreffend gewürdigt. Dies ist – wie dargelegt – nicht der Fall. Der
Beschwerdeführer hat bereits vor der Beschlagnahme der beiden Pferde
verschiedentlich Anlass für Interventionen des Veterinärdienstes geboten. Auch wenn
er jeweils beanstandete Zustände behoben hat, war er nicht in der Lage, anhaltend den
Bedürfnissen der von ihm gehaltenen Pferde gerecht zu werden. Die Beanstandungen
haben zudem während längerer Zeit ganz verschiedene Aspekte der Pferdehaltung
betroffen. Die von ihm – und gegebenenfalls vom beigezogenen Tierarzt – gewählte
Behandlung der Hufprobleme beider Pferde war offensichtlich nicht geeignet, den
Krankheitsverlauf zu stoppen. Der Beschwerdeführer ist trotz des offenkundigen
Misserfolgs der Behandlung der Auffassung, er habe alles richtig gemacht. Er
hinterlässt insgesamt den Eindruck, es fehle ihm die Einsicht, dass er seine Tiere in
Übereinstimmung mit der Tierschutzgesetzgebung zu halten hat. Dass er sich
insbesondere gegen den Einsatz wirksamer Schmerzmedikamente wendet, weil es sich
seiner Auffassung nach um "Chemie" handelt, zeigt, dass er bereit ist, seinen Tieren ein
Ausmass an Leid zuzumuten, welches den Vorstellungen des Gesetzgebers nicht mehr
entspricht. Deshalb durften Veterinärdienst und Vorinstanz davon ausgehen, der
Beschwerdeführer sei auch künftig nicht in der Lage oder nicht gewillt, bei der
Pferdehaltung und bei Änderungen an den Einrichtungen den Bedürfnissen der Tiere
kontinuierlich und ausreichend Rechnung zu tragen und die für die Vermeidung einer
schweren Erkrankung der von ihm gehaltenen Pferde erforderlichen Verhaltensgebote
und -verbote zu beachten.
Vorbringen des Beschwerdeführers
Der Beschwerdeführer macht geltend, aufgrund der Art seiner Verstösse und ihrer
geringen Schwere bestehe schlicht kein öffentliches Interesse an einem
Equidenhalteverbot. Das völlige und unbefristete Verbot habe einen nicht zumutbaren,
unverhältnismässigen Eingriff in seine persönliche Freiheit und seine wirtschaftliche
Existenz zur Folge, weil er keine Rösslifahrten mehr durchführen könne und dürfe.
6.1.
Gesetzliche Grundlage und öffentliches Interesse
Das vom Veterinärdienst gegenüber dem Beschwerdeführer angeordnete Verbot,
Equiden zu halten, lässt sich wie dargelegt (dazu oben Erwägung 5) auf eine
genügende gesetzliche Grundlage stützen. Es dient dem gewichtigen öffentlichen
Interesse am Schutz der Würde und des Wohlergehens der Tiere.
6.2.
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Geeignetheit und Erforderlichkeit
Das Verbot, Equiden zu halten, ist geeignet, das dargelegte öffentliche Interesse (dazu
oben Erwägung 6.2) zu wahren. Der Beschwerdeführer beanstandet zwar die
Erforderlichkeit der Massnahme. Konkrete mildere Massnahmen benennt er nicht.
Indem er das "völlige" und "unbefristete" Verbot beanstandet, geht er möglicherweise
davon aus, das Verbot müsse hinsichtlich der Tierart oder der Dauer beschränkt
werden. Das Veterinäramt hat kein allgemeines Tierhalteverbot ausgesprochen,
sondern es auf Equiden (Tiere der Pferdegattung, das heisst Pferde, Ponys, Esel,
Maultiere und Maulesel; Art. 2 Abs. 3 Ingress und lit. p TSchV) beschränkt. Eine weitere
Beschränkung wäre mit Blick auf die übereinstimmenden Bedürfnisse dieser
Tiergattung, insbesondere auch hinsichtlich der Hufpflege, und den bei der
Pferdehaltung durch den Beschwerdeführer festgestellten Mängeln nicht angebracht.
Mit Blick auf die lange Dauer der Auseinandersetzungen und die teilweise mit der
geltenden Tierschutzgesetzgebung nicht zu vereinbarenden Überzeugungen des
Beschwerdeführers erscheint eine zeitliche Beschränkung nicht geboten. Mildere
Massnahmen, welche an die Stelle eines Halteverbots treten könnten, sind nicht
ersichtlich. Denkbar wäre zwar eine engere Überwachung der Pferdehaltung des
Beschwerdeführers durch die zuständige Behörde. Dies wäre allerdings mit einem
unzumutbaren behördlichen Aufwand an Zeit und Ressourcen verbunden. Aufgabe des
Veterinärdienstes ist es nicht, Tierhalter, bei denen einzelne Kontrollen und
Anordnungen keine regelkonforme Haltung der Tiere über einen längeren Zeitraum
sicherstellen konnten, engmaschig zu begleiten.
6.3.
Verhältnismässigkeit im engeren Sinn
Der Beschwerdeführer geht davon aus, dass er aufgrund des Verbots, Equiden zu
halten, keine Rösslifahrten mehr anbieten kann. Nach seiner Darstellung hat dies einen
Einnahmenausfall über zwei Jahre von CHF 20'000 nach sich gezogen. Diesen
Einnahmen stehen – ebenfalls für die Dauer von zwei Jahren gerechnet – Kosten von
CHF 71'200 (Gebäude und Bodenzinsen CHF 50'000, Versicherungen CHF 1'200,
Maschinenpark CHF 20'000) gegenüber (vgl. act. 21). Aus seiner Aufstellung ist zu
schliessen, dass der Beschwerdeführer selbst den Betrieb der Rösslifahrten als
defizitär einschätzt. Ausgehend von seinen – im Übrigen weder mit
Buchhaltungsunterlagen noch Jahresabschlüssen belegten – Angaben darf deshalb
angenommen werden, dass die Einstellung der Rösslifahrten die wirtschaftlichen
Verhältnisse des Beschwerdeführers verbessern würde. Der Eingriff in die
Wirtschaftsfreiheit, deren Geltungsbereich grundsätzlich zwar nicht daran anknüpft,
dass eine wirtschaftliche Tätigkeit Gewinn abwirft (vgl. BGE 128 I 19 E. 4c/aa; Y.
Hangartner, Grundzüge des schweizerischen Staatsrechts, Band II: Grundrechte,
6.4.
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7. Definitive Einziehung
Soweit dem Beschwerdeführer verboten werden darf, künftig Equiden zu halten, muss
auch die – definitive – Einziehung als rechtmässig beurteilt werden, zumal er keine
besonderen Gründe geltend macht, warum es ihm erlaubt sein soll, keine Equiden,
jedoch aber das Pferd "B._" weiterhin allein (vgl. dazu im Übrigen auch die
Haltevorschrift gemäss Art. 59 Abs. 3 TSchV, wonach Equiden in Sicht-, hör und
Geruchkontakt zu einem anderen Equiden zu halten sind) zu halten.
8. Schadenersatz
Ein Verwertungserlös, der dem Beschwerdeführer entsprechend Art. 24 Abs. 2 TSchG
– nach Abzug der Verfahrenskosten – zufallen könnte, ist bei der Euthanasierung nicht
angefallen. Der Beschwerdeführer macht Schadenersatz im Umfang des
"Schlachtwertes" geltend. Ein solches Begehren ist nicht mit dem Rechtsmittel gegen
die Beschlagnahme und die Euthanasierung durchzusetzen, sondern als öffentlich-
rechtlicher Entschädigungsanspruch auf dem zivilrechtlichen Weg geltend zu machen
(vgl. Art. 72 Abs. 1 Ingress und lit. a VRP). Fiele die Beurteilung dieses Begehrens in die
Zuständigkeit der Verwaltungsbehörden und des Verwaltungsgerichts, wäre es – die
Euthanasierung des Pferdes "A._" hat sich unter den dargelegten Umständen als
rechtmässig erwiesen – mangels Widerrechtlichkeit des staatlichen Handelns (vgl.
Art. 1 Abs. 1 des Gesetzes über die Haftung der öffentlich-rechtlichen Körperschaften
Zürich 1982, S. 135 mit Hinweis auf BGE 56 I 437), erscheint deshalb nicht von
erheblichem Gewicht.
Der Beschwerdeführer erblickt im Verbot, Equiden zu halten, einen – unzulässigen –
Eingriff in seine persönliche Freiheit. Die in Art. 10 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) verankerte persönliche Freiheit
schützt die elementaren Erscheinungen der Persönlichkeitsentfaltung. Dieser Anspruch
kommt aber keiner allgemeinen Handlungsfreiheit gleich (vgl. BGE 130 I 369 E. 2). Ob
deshalb auch die Haltung von Pferden in den Schutzbereich der persönlichen Freiheit
fällt, kann offenbleiben (vgl. zur Haltung und Wegnahme von Hunden BGE 133 I 249
E. 2, 134 I 293 E. 5.2.1, BGer 2C_81 und 82/2008 vom 21. November 2008). Das
künftige Tierhalteverbot betrifft den Beschwerdeführer vor allem darin, dass ihm auch
das Pferde "B._" nicht zurückgegeben werden kann. Da Equiden Sicht-, Hör und
Geruchkontakt zu einem anderen Equiden haben müssen (Art. 59 Abs. 3 TSchV), und
das Interesse am Wohl weiterer vom Beschwerdeführer allenfalls gehaltener Tiere
erhebliches Gewicht hat, erscheint der Eingriff in die persönliche Freiheit des
Beschwerdeführers gerechtfertigt.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/19
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und Anstalten und die Verantwortlichkeit der Behörden und öffentlichen Angestellten;
Verantwortlichkeitsgesetz; sGS 161.1, VG) ohnehin abzuweisen.
9. Zusammenfassung
Zusammenfassend ergibt sich, dass die vorsorgliche Beschlagnahme der Pferde "B._"
und "A._" und die Anordnung der Tötung des Pferdes "A._" gestützt auf Art. 24
Abs. 1 TSchG nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sind.
Das gegenüber dem Beschwerdeführer ausgesprochene Verbot, selbst oder durch
Dritte ("Strohmänner") Equiden zu halten, erweist sich als gerechtfertigt. Gründe, dem
Beschwerdeführer trotz dieses Verbots das Pferd "B._" wieder herauszugeben, sind
nicht ersichtlich. Die Feststellung, dass das Pferd "A._" euthanasiert wurde, steht im
Zusammenhang mit dessen Einzug und hat im vorliegenden Verfahren keine
selbständige Bedeutung mehr. Die Beschwerde erweist sich dementsprechend als
unbegründet und ist abzuweisen. Allfälliger, über den Verwertungserlös
hinausgehender Schadenersatz – Schlachtwert des Pferdes "A._" – ist nicht
Gegenstand des tierschutzrechtlichen Verfahrens. Insoweit kann auf die Beschwerde
nicht eingetreten werden. Selbst wenn auf das Schadenersatzbegehren in diesem
Verfahren eingetreten werden müsste, wäre das Begehren mangels Rechtswidrigkeit
der Anordnung der Tötung des Pferdes "A._" abzuweisen.
10. Kosten
Bei diesem Verfahrensausgang – die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden kann – sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2'500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS
941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer in der gleichen Höhe geleisteten
Kostenvorschuss zu verrechnen. Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen
(Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).