Decision ID: 9a61174c-c119-45f1-bd5b-ae88976ee795
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2005 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 2). Ihr Hausarzt Dr. med. B._ nannte im Bericht
vom 11. November 2005 die Diagnosen Panvertebralsyndrom sowie depressive
Störung mit Somatisierungstendenz bei psychosozialer Belastungssituation. Die
Versicherte sei seit 16. Juni 2005 voll arbeitsunfähig (IV-act. 19-1).
A.a.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. C._, Spezialarzt Orthopädische
Chirurgie FMH, am 19. Januar 2007 ein Gutachten (IV-act. 45-1). Er nannte darin
insbesondere die Diagnose fortgeschrittene Osteochondrose L5/S1 mit breitbasiger
medianer leicht mediorechtslateral betonter Diskusprotrusion L5/S1 mit Kontakt zur
Nervenwurzel S1 rechts (IV-act. 45-5). In der seit Einreise in die Schweiz 2002 (IV-
act. 2-3) bis zur Krankschreibung ausgeführten Tätigkeit als Putzfrau (vgl. IV-act. 17)
betrage die Arbeitsfähigkeit bei voller Stundenpräsenz 60%. Körperlich adaptierte
Tätigkeiten seien der Versicherten bei voller Stundenpräsenz zu ca. 90% zumutbar (IV-
act. 45-6). Der Psychiater Dr. med. D._, Klinik E._, begutachtete die Versicherte im
November 2007. Er erwähnte einen Status nach Anpassungsstörung mit kürzerer
depressiver Reaktion. Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellte er nicht (IV-
act. 62-6).
A.b.
Ab Februar 2008 führte die IV-Stelle eine Eingliederungsberatung bei der
Versicherten durch. In diesem Rahmen sollte sie ab Mai 2008 für gut zwei Monate im
F._ an einem Verzahnungsprogramm teilnehmen (IV-act. 73, 82-5 ff.). Infolge einer
A.c.
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B.
Auf eine erneute IV-Anmeldung vom November 2013 (IV-act. 181) trat die IV-Stelle
mangels glaubhaft gemachter Veränderung des Gesundheitszustands der Versicherten
nicht ein (Verfügung vom 22. Januar 2014, IV-act. 187).
C.
Krankschreibung beendete sie den Einsatz, den sie während vier Stunden täglich
durchgeführt hatte, jedoch vorzeitig am 23. Juni 2008 (IV-act. 81-4).
Im Rahmen einer bidisziplinären Begutachtung nannte Dr. med. G._, Innere
Medizin und Rheumatologie FMH, am 27. November 2009 insbesondere die
arbeitsfähigkeitsrelevanten Diagnosen chronisches lumbospondylogen betontes
Panvertebralsyndrom und Fibromyalgiesyndrom. Retrospektiv gesehen sei die
Einschätzung von Dr. C._, wonach die Versicherte als Raumpflegerin zu 60%
arbeitsfähig sei, wahrscheinlich richtig. Auch dessen Beurteilung einer Arbeitsfähigkeit
von 90% in adaptierten Tätigkeiten übernahm Dr. G._ (vgl. dazu detailliert IV-
act. 109-10). Der psychiatrische Teilgutachter Dr. D._ diagnostizierte am 13. Januar
2010 eine mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen und ging von
einer Arbeitsfähigkeit von 50% in geeigneten Tätigkeiten aus (IV-act. 110-5 f.). Vom
1. Februar bis 7. Mai 2010 hielt sich die Versicherte stationär in der Psychiatrischen
Klinik H._ auf. Dort wurden eine mittelgradige depressive Episode und Probleme in
der Beziehung mit dem Ehepartner erhoben (IV-act. 126-1).
A.d.
Nach Durchführung einer Abklärung im Haushalt der Versicherten am 11. Februar
2011 (IV-act. 141) errechnete die IV-Stelle unter Zugrundelegung eines Erwerbsanteils
von 80% und eines Haushaltanteils von 20% einen Invaliditätsgrad von 35% und
verneinte mit Verfügung vom 31. Mai 2011 einen Rentenanspruch der Versicherten (IV-
act. 152). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies die dagegen
gerichtete Beschwerde mit Entscheid vom 23. Mai 2013 ab, soweit es darauf eintrat
(IV-act. 177).
A.e.
Am 3. Juli 2015 meldete sich die Versicherte wiederum zum IV-Leistungsbezug an
(IV-act. 191). Erneut trat die IV-Stelle auf diese Anmeldung nicht ein (Verfügung vom
5. Oktober 2015, IV-act. 206; siehe auch Vorbescheid vom 29. Juli 2015 und Einwand
C.a.
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vom 7. September 2015 samt Beilagen, IV-act. 200, 204). Die Verfügung vom
5. Oktober 2015 widerrief sie nach Eingang eines Berichts von Dr. med. I._, Facharzt
FMH für Neurochirurgie, vom 8. Oktober 2015 (IV-act. 210-1, 211). Im Auftrag der IV-
Stelle (IV-act. 212) fand am 12. November 2015 an der Klinik für Neurochirurgie des
Universitätsspitals Zürich eine konsiliarische Untersuchung der Versicherten statt.
Diese ergab die Diagnose einer Lumbalgie (Bandscheibenvorfall LWK4/5 rechtsbetont)
und die Empfehlung einer weiterhin konservativen Therapie (IV-act. 219-2). Mit
Vorbescheid vom 20. Januar 2016 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die erneute
Verneinung des Rentenanspruchs an (IV-act. 229).
Am 15. Januar 2016 liess sich die Versicherte von Dr. I._ an der
Lendenwirbelsäule operieren (mikrochirurgische Diskektomie L4/5 rechts und
dekompressive Fensterung ohne Diskektomie L5/S1 rechts, IV-act. 232-3). Im Bericht
vom 24. August 2016 hielt dieser bezogen auf eine Untersuchung rund 7 Monate
postoperativ fest, die Versicherte klage über zunehmende Lumbalgien ohne Ischialgie.
Aus neurochirurgischer Sicht sei sie für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit zu 50%
arbeitsfähig. Wegen der Chronizität des lumbovertebrogenen Schmerzsyndroms sei die
langfristige Prognose ungünstig (IV-act. 243-3).
C.b.
Die IV-Stelle beauftragte daraufhin die PMEDA AG, Zürich, mit der
polydisziplinären Begutachtung der Versicherten (IV-act. 247, 253; siehe auch den
Einwand dagegen, IV-act. 254, sowie die Zwischenverfügung vom 9. Januar 2017, IV-
act. 257). Die für April 2017 vorgesehene Begutachtung (IV-act. 262) wurde wegen
einer Knieoperation der Versicherten, die Dr. C._ am 28. März 2017 durchführte (IV-
act. 271), verschoben (IV-act. 265 f.). Am 5. Mai 2017 erwähnte Dr. C._ betreffend
das operierte linke Knie einen ordentlichen Verlauf mit leichten Restbeschwerden sowie
neu geklagte Schmerzen im rechten Ellbogen, die er im Rahmen eines Tennisellbogens
interpretierte (IV-act. 281). Im August 2017 fand die Begutachtung der Versicherten bei
der PMEDA AG in den Disziplinen Innere Medizin, Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie
sowie eine neuropsychologische Testung statt (IV-act. 303-1). Im Gutachten vom
18. Dezember 2017 wurden für die Arbeitsfähigkeit relevant zentral folgende Diagnosen
gestellt: eine mikrochirurgische Diskektomie LWK4/5 rechts und dekompressive
Fensterung LWK5/SWK1 rechts mit gutem operativem Ergebnis, eine
asymptomatische mediale Meniskusläsion und Chondromalazie III° des linken
C.c.
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D.
Kniesgelenks und eine Epicondylopathia humeri radialis rechts. Zudem wurde
anamnestisch der Verdacht auf eine instabile Angina pectoris geäussert mit Hinweis
auf eine hausärztlich bereits veranlasste kardiologische Abklärung (IV-act. 303-76 f.).
Die Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten, wechselbelastend oder überwiegend
sitzend ausgeübten Tätigkeit wurde von den Gutachtern nicht als limitiert betrachtet
(IV-act. 303-79). Der zuständige Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) hielt am
20. Dezember 2017 fest, das Gutachten erfülle die versicherungsmedizinischen
Anforderungen (IV-act. 304).
Auf Veranlassung der IV-Stelle reichte die Klinik für Kardiologie am Kantonsspital
St. Gallen (KSSG) einen Bericht über ein MRI des Herzens vom 7. September 2017 ein.
Darin wurde das Kernspintomogramm als normal bezeichnet, insbesondere ohne
Nachweis reversibler Ischämien (IV-act. 313; zur Beurteilung des RAD siehe IV-
act. 314).
C.d.
Am 16. Januar 2018 kündigte die IV-Stelle der Versicherten erneut die Abweisung
des Rentengesuchs an (IV-act. 315). Dagegen wandte sich die Versicherte mit Einwand
vom 27. Februar 2018, beantragte die Erbringung der gesetzlichen Leistungen (IV-
act. 328-1 f.) und reichte unter anderem einen Bericht des Psychiaters Dr. med. J._,
der sie seit dem 21. September 2017 behandelte, vom 23. Februar 2018 ein. Dieser
nannte die Diagnosen chronisches attenuiertes Psychose-Syndrom sowie eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom. Die Versicherte sei in der freien Wirtschaft voll arbeitsunfähig
(IV-act. 328-4 f.). Nach Rückfrage beim RAD (vgl. IV-act. 329) verfügte die IV-Stelle am
15. März 2018 die Abweisung des Rentengesuchs (act. G 1.2).
C.e.
Gegen die Verfügung vom 15. März 2018 liess die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. oec. D. Zünd, am 2. Mai
2018 Beschwerde erheben und unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren
Aufhebung beantragen. Ihr seien die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Zudem sei
ihr die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren. Der
Begründung ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin seit 1. Juni 2012
gerichtlich getrennt sei und nun – anders als noch bei der Haushaltabklärung vom
D.a.
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11. Februar 2011 – allein in einer Wohnung lebe. Sofern nicht von einer Einstufung als
100% Erwerbstätige ausgegangen werde, wäre eine neue Abklärung indiziert. Zum
Gutachten der PMEDA lässt die Beschwerdeführerin festhalten, diese Abklärungsstelle
sei untragbar aufgrund mangelnder Objektivität, insbesondere auch von Prof. Dr. med.
K._. Dieser habe entgegen der Argumentation der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) eigene Untersuchungen bei der Beschwerdeführerin
durchgeführt. Kritisiert wird weiter der hohe Anteil an mono- und bidisziplinären
Begutachtungen, die die PMEDA für die IV-Stellen durchführen dürfe. Die
Beschwerdeführerin habe die Begutachtung als einzige Schikane beschrieben und die
Gutachter als "Henker", die ihr Schaden bereiten würden, wie sie gerade Lust hätten.
Sie sei wie ein Tier oder eine Prostituierte behandelt und als Lügnerin abgestempelt
worden. Der Kritik der Gutachter an den aktenkundigen Vorbewertungen hält die
Beschwerdeführerin entgegen, dass das Versicherungsgericht die Gutachten von Dr.
G._ und Dr. D._ vom 10. Dezember 2009 bzw. 13. Januar 2010 im Entscheid vom
23. Mai 2013 als beweiskräftig beurteilt habe. Seit jenem Entscheid habe sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin massiv verschlechtert (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2018
die Abweisung der Beschwerde. Die generellen gegen die PMEDA und Prof. K._
erhobenen Einwände bezüglich Befangenheit seien gemäss dem Bundesgericht
unzutreffend. Im Weiteren gebe es keine Hinweise, dass die Beschwerdeführerin durch
die Ärzte der PMEDA despektierlich behandelt worden sei. Da ihr Rentenanspruch erst
ab Januar 2016 zu prüfen sei, sei entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin von
Vornherein nicht weiter auf die medizinischen Akten einzugehen, die ein Jahr oder
länger vor dem genannten Zeitpunkt datierten. Das PMEDA-Gutachten sei ausführlich
und in jeder Hinsicht nachvollziehbar. Es gebe keine Hinweise, dass die Gutachter den
Rücken der Beschwerdeführerin nicht gründlich und kompetent untersucht hätten. Die
Beschwerdeführerin übersehe, dass bei ihr keine radikuläre Ausfallsymptomatik habe
erhoben werden können. Die im Rückenbereich vorhandenen degenerativen
Veränderungen habe die PMEDA qualitativ bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung
berücksichtigt. Aus dem rudimentären Bericht von Dr. J._, der als engagierter
Vertreter der Beschwerdeführerin auftrete, ergäben sich zudem keine neuen Aspekte
(act. G 3).
D.b.
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Erwägungen
1.
Dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung wurde
am 31. Mai 2018 entsprochen (act. G 4).
D.c.
In der Replik vom 25. Juni 2018 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest. Sie habe ihre Erlebnisse während der Begutachtung in einem emotionalen
Schreiben festgehalten. Der Ex-Ehemann habe sie nach der Begutachtung sichtlich
aufgewühlt und verstört vorgefunden. Die Übersetzerin könnte sicherlich auch befragt
werden. Es lägen genügend Hinweise vor, die auf eine unhöfliche und schikanöse
Behandlung seitens der PMEDA-Gutachter hinwiesen. Kritisiert wird ferner, dass der
psychiatrische Teilgutachter keine Fremdanamnese erhoben habe. Im
neuropsychologischen Teilgutachten sei ein Ergebnis erhoben worden, das einer
Depression mit erheblichem Schweregrad entspreche. Trotzdem komme der Gutachter
zum Schluss, dass das Ergebnis nicht im Sinn einer depressiven Erkrankung
interpretierbar sei. Diese Schlussfolgerung sei weder nachvollziehbar noch mit einer
gründlichen und kompetenten Untersuchung vereinbar (act. G 6).
D.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine weitere Stellungnahme.D.e.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Es handelt sich um eine Wiederanmeldung
nach vorangegangener rechtskräftiger Rentenverweigerung. Die Beschwerdegegnerin
hatte im Rahmen der Anmeldung vom 3. Juli 2015 die Veränderung des
Gesundheitszustands seit der Verfügung vom 31. Mai 2011 unstrittig glaubhaft
gemacht und damit die Eintretenshürde des Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) überwunden.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
1.2.
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Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.5.
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2.
Die Beschwerdegegnerin stützt ihre nicht rentenbegründende
Invaliditätsbemessung auf das Gutachten der PMEDA vom 18. Dezember 2017.
Nachfolgend ist dessen Beweiswert zu prüfen.
2.1.
Zu den formellen Einwänden der Beschwerdeführerin gegen die PMEDA im
Allgemeinen und gegen deren Prof. K._ im Besonderen ist festzuhalten, dass diese
verspätet erfolgt sind. Der frühere Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin hatte bereits
vor der Begutachtung Einwände erhoben, die mit jenen in der Beschwerde weitgehend
identisch sind (vgl. IV-act. 254-1 f.). Die Zwischenverfügung vom 9. Januar 2017, in der
an der PMEDA als Abklärungsstelle festgehalten wurde, liess der damalige
Rechtsanwalt in Rechtskraft erwachsen. Auf die entsprechenden Vorbringen in der
Beschwerde ist daher nicht weiter einzugehen. Am Rand ist ergänzend zu erwähnen,
dass der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin sich offensichtlich geirrt hat in der
Annahme, Prof. K._ habe die Beschwerdeführerin selbst untersucht. Anders als unter
den Unterschriften der übrigen vier Gutachtern und der Gutachterin steht unter der
Unterschrift von Prof. K._ nicht "aufgrund eigener Untersuchung und Urteilsbildung",
sondern "aufgrund eigener Prüfung und Urteilsbildung" (IV-act. 303-83). Dass der [....]
eines Begutachtungsinstituts die Gutachten durchliest, Inhalte allenfalls mit den
Teilgutachtern diskutiert und mitunter Abstimmungen vornimmt, ist gerichtsnotorisch
und nicht zu beanstanden.
2.2.
Die Beschwerdeführerin bezeichnet die Begutachtung als eine einzige Schikane.
Ihre diesbezüglichen Vorbringen sind jedoch nicht geeignet, Zweifel an der
Unparteilichkeit und der ergebnisoffenen Haltung der Gutachter zu wecken. Den
einzelnen Teilen des Gutachtens lassen sich keine Hinweise darauf entnehmen, dass
die Gutachter die Beschwerdeführerin als Lügnerin bezeichnet hätten oder es zu
sonstigen abwertenden Äusserungen gekommen wäre. Die Entkleidung, die sie
offenbar als herabwürdigend empfand, ist für einen Teil der Untersuchungen
notwendig. Das "Abklopfen" mit dem Perkussionshammer bildet ebenfalls Teil der
gewöhnlichen Untersuchung. Dass sie dabei vor Schmerzen habe weinen müssen, wie
sie in der Beschwerde geltend macht (act. G 1 Rz. V/16), wurde von den Gutachtern
nicht dokumentiert. Vielmehr hielt die Internistin fest, die Beschwerdeführerin habe
während der 90-minütigen Untersuchung nicht schmerzgeplagt gewirkt (diskrepant zur
anamnestisch reklamierten Schmerzintensität; IV-act. 303-34). Der Neurologe erwähnte
Schmerzangaben bei der Prüfung des Trizepssehnenreflexes und bei jeglicher
Berührung des rechten Ellbogengelenks, ansonsten habe die Beschwerdeführerin
während Anamnese und Untersuchung nicht namhaft schmerzgeplagt gewirkt (IV-
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
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act. 303-39). Insgesamt lassen sich eine Befangenheit oder der Anschein einer solchen
mit den von der Beschwerdeführerin geschilderten subjektiven Empfindungen nicht
hinreichend wahrscheinlich machen. Nach Lage der Akten fühlte die
Beschwerdeführerin sich im Übrigen bereits früher wiederholt von Gutachtern oder
anderen Ärzten schlecht behandelt. So hatte sie gegenüber Dr. D._ im November
2007 festgehalten, der Aufenthalt im KSSG 2005 habe sie (noch zusätzlich)
traumatisiert, weil sie sich nicht als Mensch behandelt gefühlt habe (IV-act. 62-5).
Gegenüber der IV-Eingliederungsberaterin hatte sie im Jahr 2008 geäussert, Dr. C._
habe sie bei der Begutachtung 2007 "wie ein Stück Vieh" behandelt (IV-act. 82-1;
dennoch liess sie sich 2017 von diesem Arzt am Knie operieren, vgl. IV-act. 271). Auch
im Rahmen der Haushaltabklärung 2011 war viel und ausführlich darüber berichtet
worden, wie schlecht die Beschwerdeführerin von den Ärzten immer wieder behandelt
worden sei, weil sie Ausländerin sei. Keiner wolle sehen, wie krank sie wirklich sei (vgl.
IV-act. 141-8). Vor diesem Hintergrund besteht kein Anlass für die in der Replik
beantragte Befragung der Übersetzerin.
Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, die Kritik der PMEDA an den
Vorgutachten von Dr. G._ und Dr. D._ vermöge nicht zu überzeugen, zumal das
hiesige Gericht diese Gutachten als beweiskräftig qualifiziert habe. Der
Beschwerdegegnerin ist darin beizupflichten, dass die Gutachten von Dr. G._ und Dr.
D._, die auf Untersuchungen der Beschwerdeführerin im Jahr 2009 beruhten, im
vorliegenden Verfahren keine direkte Relevanz mehr haben (vgl. act. G 3 Ziff. III/2).
Auch diese gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen hatten im Übrigen nicht zu
einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad geführt. Anders als im
Rentenrevisionsverfahren ist ein Vergleich des damaligen Sachverhalts mit jenem im
Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 15. März 2018 nicht zentral.
Dass Gutachter die gesundheitliche Situation von Exploranden mitunter anders
einschätzten als Vorgutachter und teilweise an früheren Beurteilungen retrospektiv
Zweifel äussern, ist ferner notorischerweise sowohl häufig als auch – jedenfalls bei
ausreichender Begründung – legitim und spricht selbst dann nicht gegen die fachliche
Qualität des neuen Gutachtens, wenn zuvor von Verwaltung oder Gericht bereits
einmal auf ein Vorgutachten abgestellt worden war.
2.4.
Die Beschwerdeführerin macht eine massive Verschlechterung des
Gesundheitszustands seit 2013 geltend. Sie verweist auf einen MRI-Bericht vom 3. Juli
2015 (IV-act. 193), Berichte des KSSG vom 10. August 2015 (IV-act. 204-5 f.) sowie
von Dr. I._ vom 8. Oktober 2015 (IV-act. 210) und ein ärztliches Zeugnis von
Dr. B._ vom 2. September 2015 (IV-act. 204-3 f.). Eine Verschlechterung in Bezug auf
2.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
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den Rücken ist jedoch nicht konsistent mit dem Hinweis im Gutachten, wonach nach
der lumbalen Operation vom Januar 2016 ein gutes postoperatives Ergebnis ohne
neurologische Residuen bestehe und die Beschwerdeführerin gegenüber dem
neurologischen Teilgutachter eine postoperative Besserung der lumbalen Schmerzen
beschrieb (IV-act. 303-42). Die Beschwerdegegnerin weist in der Beschwerdeantwort
zudem zutreffend darauf hin, dass bei der Begutachtung keine radikuläre
Ausfallsymptomatik erhoben wurde (act. G 3 Ziff. III/4). Hinweise auf
Nervenwurzelkompressionen verneinten sowohl der neurologische als auch der
orthopädische Teilgutachter (IV-act. 303-42, 49). Im Übrigen ist darauf hinzuweisen,
dass die MRI-Bildgebung aus dem Jahr 2015 keine direkten Rückschlüsse auf die
Belastbarkeit bzw. Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Jahr 2018 zulässt.
Dasselbe gilt für den erwähnten Bericht des KSSG vom 10. August 2015; dort war im
Übrigen kein Vergleich mit einer früheren Situation angestellt und keine
Verschlechterung beschrieben worden. Der erwähnte Bericht von Dr. I._ vom
8. Oktober 2015 war Anlass gewesen für den Widerruf der Nichteintretensverfügung
vom 5. Oktober 2015 und für die neurochirurgischen Abklärungen am Universitätsspital
Zürich. Der Bericht ist von Vornherein insofern nicht mehr von direkter Relevanz, als
Dr. I._ im Januar 2016 den operativen Eingriff an den Segmenten LWK4/5 und LWK5/
SWK1 vornahm, der wie erwähnt zu einer Verbesserung der Situation führte. Dr. B._
erhob keine eigenen Befunde, sondern verwies lediglich auf die MRI-Bildgebung und
das neurochirurgische Konsilium des KSSG (IV-act. 204-3). Von allen von der
Beschwerdeführerin ins Feld geführten Berichten hatten die PMEDA-Gutachter im
Übrigen Kenntnis (IV-act. 303-26 ff.). Dass sie Aspekte beinhalten, die die Gutachter
nicht erkannt oder falsch eingeschätzt haben könnten, macht sodann auch die
Beschwerdeführerin nicht substantiiert geltend. Da die Teilgutachten, die sich mit der
Rückensituation der Beschwerdeführerin befassen, insgesamt gut nachvollziehbar und
plausibel begründet sind, ist darauf abzustellen. Für rückengeeignete Tätigkeiten (zum
Anforderungsprofil siehe IV-act. 303-80 f.) ist keine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen.
Der Vollständigkeit halber ist in somatischer Hinsicht zu erwähnen, dass die
kardiologische Situation, die sich im Zeitpunkt der Begutachtung noch in Abklärung
befand, anschliessend an der Klinik für Kardiologie des KSSG geklärt wurde. Der
Befund vom 7. September 2017 war unauffällig (IV-act. 313). Folglich wurde der im
Gutachten geäusserte Verdacht auf Angina pectoris nicht bestätigt. Dass der RAD
daher eine Rückfrage bei der PMEDA als unnötig erachtete (vgl. IV-act. 314-2), ist
plausibel und nicht zu beanstanden.
2.6.
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3.
Die Beschwerdeführerin hat auch vor Eintritt der gesundheitlichen Probleme keinen das
durchschnittliche Einkommen von Hilfsarbeiterinnen erreichenden, geschweige denn
übersteigenden Lohn erzielt (vgl. etwa den IK-Auszug, IV-act. 10). Bei einer
Die Beschwerdeführerin lässt die psychiatrische PMEDA-Beurteilung unter Hinweis
auf die Einschätzung von Dr. J._ vom 23. Februar 2018 (IV-act. 328-4) kritisieren. Der
RAD hatte zutreffend darauf hingewiesen, dass sich aus diesem Bericht kein neues
Krankheitsbild ableiten lasse (IV-act. 329-1). Der eher kurze Bericht nennt zwar mit dem
Psychose-Syndrom eine neue Diagnose. Diese lässt sich mangels einer
entsprechenden Beschreibung des Psychostatus jedoch nicht ausreichend
nachvollziehen. Dass Dr. J._ von einer mittelgradigen depressiven Episode ausging,
ist mit den von ihm erwähnten Befunden ebenfalls nicht genügend begründet.
Demgegenüber ist das psychiatrische PMEDA-Teilgutachten ausführlich und
umfassend. Dass keine Fremdanamnese eingeholt wurde, schmälert die Aussagekraft
des Gutachtens nicht per se (vgl. dazu auch das Urteil des Bundesgerichts vom
26. September 2019, 9C_379/2019, E. 3.5.1). Die Affektivität wurde vom Gutachter als
nur leichtgradig zum depressiven Pol hin verschoben erlebt und auch die
Schwingungsfähigkeit war nur leicht reduziert (IV-act. 303-54). Die Achsenkriterien für
eine depressive Episode (vitale Traurigkeit, Antriebs- und Interessenverlust) waren nicht
erfüllt (IV-act. 303-55). Dies nahm auch der Neuropsychologe wahr, der die
Affizierbarkeit in beiden Skalenbereichen als nicht erheblich gestört bezeichnete und
Schuldgefühle, Insuffizienzerleben, Interessenreduktion oder Freudlosigkeit verneinte
(IV-act. 303-58). Vor diesem Hintergrund leuchtet entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin der Schluss ein, das Ergebnis des Beck-Depressions-Inventar-FS
sei nicht im Sinn einer depressiven Erkrankung interpretierbar (IV-act. 303-62). Dr. J._
hatte im Übrigen zwar eine Medikation erwähnt, sich aber nicht dazu geäussert, dass
sich bei der PMEDA-Begutachtung im Labor kein wirksamer Spiegel der zwei als
eingenommen angegebenen Antidepressiva gezeigt hatte. Der Rückschluss des
psychiatrischen Teilgutachters, dies spreche gegen einen namhaften Leidensdruck (IV-
act. 303-55), ist nachvollziehbar. Dass das Antwortverhalten bei der
neuropsychologischen Testung im Übrigen als verzerrend erkannt wurde (vgl. insbes.
IV-act. 303 64), liess Dr. J._ gänzlich unkommentiert.
2.7.
In der Gesamtschau erscheint das Gutachten der PMEDA auch in Bezug auf das
psychiatrische Abklärungsergebnis schlüssig. Insgesamt ist eine relevante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin folglich nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt.
2.8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
Arbeitsfähigkeit von 100% bleibt der Invaliditätsgrad folglich ungeachtet dessen, ob sie
als vollschichtig oder nur zu 80% erwerbstätig zu qualifizieren ist, unter der
rentenbegründenden Schwelle von 40%. Weitere Ausführungen zur Statusfrage, zum
Tabellenlohnabzug und zur von der Beschwerdeführerin als nicht mehr aktuell gerügten
Haushaltabklärung erübrigen sich vor diesem Hintergrund.
4.