Decision ID: 387897e5-4f3a-51a5-bf98-3af2af77d2fe
Year: 2014
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 14. Februar 2013 bei der Gemeinde Langenthal
ein Baugesuch ein für die Umnutzung des ehemaligen Kinos K._ zu einem
Kulturlokal sowie für kleinere Umbaumassnahmen am bestehenden Gebäude. Gleichzeitig
beantragte er eine generelle Überzeitbewilligung für Freitag und Samstag jeweils bis 03:30
Uhr. Das Kino K._ befindet sich auf der Parzelle Langenthal Grundbuchblatt-
Nr. L._ in der Kernzone von Langenthal. Gegen das Vorhaben erhoben unter
anderen die Beschwerdeführenden 1 bis 7 Einsprache.
2. Zusammen mit dem Baugesuch reichte der Beschwerdegegner eine bauakustische
Untersuchung der Gebäudehülle durch die Gartenmann Engineering AG ein. Diese kam
zum Schluss, dass mit der bestehenden Bausubstanz des alten Kinos ein Betrieb mit
einem Musikschallpegel bis 76.9 dB(A) zulässig wäre. Das zuständige
Regierungsstatthalteramt Oberaargau holte daraufhin zwei Berichte der Fachstelle
Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei ein (Fachstelle Lärmakustik). Diese hielt fest,
nach einer Gebäudesa-nierung sei voraussichtlich ein höherer Musikschallpegel zulässig,
möglich seien aber wahrscheinlich höchstens 90 - 95 dB(A). Der effektiv zulässige
Schallpegel könne allerdings erst durch eine Messung nach der Bauvollendung festgelegt
werden.
3. Mit Gesamtentscheid vom 4. März 2014 erteilte das Regierungsstatthalteramt
Oberaargau die Baubewilligung sowie die gastgewerbliche Überzeitbewilligung für Freitag
und Samstag jeweils bis 03:00 Uhr. Mittels Auflagen verfügte das Regierungsstatthalteramt
unter anderem, dass der im Lokal maximal zulässige Schallpegel nach Vollendung der
Umbauarbeiten durch die Fachstelle Lärmakustik zu ermitteln sei und dass jährlich
zusätzlich maximal sechs Anlässe mit höheren Musikschallpegeln bis zu 100 dB(A)
durchgeführt werden dürfen.
4. Gegen den Gesamtentscheid vom 4. März 2014 reichten die Beschwerdeführenden 1
bis 7 am 4. April 2014 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die Aufhebung des angefochtenen Entscheides
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und die Erteilung des Bauabschlags. Die Beschwerdeführenden machen insbesondere
geltend, das Vorhaben sei nicht zonenkonform und widerspreche den anwendbaren
Lärmschutzvorschriften. Weiter rügen sie, es sei zu Unrecht auf einen Parkplatznachweis
sowie die Erstellung einer behindertengerechten Toilette verzichtet worden. Zudem habe
die Vor-instanz ihr rechtliches Gehör verletzt, da sie ein Bereinigungsgespräch
durchgeführt habe, ohne die Einsprecher einzuladen, und eine Rechtsverwahrung der
Beschwerdeführenden 6 und 7 nicht vorgemerkt worden sei.
5. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten sowie eine Stellungnahme der Fachstelle
Lärmakustik ein.
Die Stadt Langenthal und das Regierungsstatthalteramt beantragen die Abweisung der
Beschwerde. Der Beschwerdegegner beantragt ebenfalls die Abweisung der Beschwerde
und führt zur Begründung insbesondere aus, das ehemalige Kino befinde sich in der
Kernzone, in der kulturelle, kommerzielle und gastgewerbliche Dienstleistungen
zonenkonform seien. Was die Lärmimmissionen betreffen, habe die Vorinstanz zu Recht
erkannt, dass das Vorhaben die Planungswerte einhalte. Es sei zudem von Bedeutung,
dass im geplanten Lokal "M._" nicht nur Konzerte angeboten, sondern
beispielsweise auch Lesungen oder Filmvorführungen durchgeführt werden sollen. Zudem
liege der Fokus nicht auf Grossanlässen und das Lokal werde nur an wenigen Tagen pro
Woche geöffnet sein. Zur Gewährleistung eines effektiven Lärmschutzes seien diverse
bauliche Massnahmen geplant und mittels eines Sicherheitsdienstes und mehreren
betrieblichen Auflagen werde auch der Sekundärlärm ausreichend eingedämmt.
6. In der Folge führte das Rechtsamt im Beisein der Verfahrensbeteiligten und einer
Vertretung der Fachstelle Lärmakustik einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung
durch und edierte bei der Stadt Langenthal und dem Regierungsstatthalteramt Listen der
Gastgewerbebetriebe von Langenthal. Anschliessend gab es den Beteiligten Gelegenheit,
sich zum Protokoll des Augenscheins zu äussern. Gleichzeitig gab das Rechtsamt
bekannt, die BVE werde im Falle einer Bestätigung des angefochtenen Entscheides
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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voraussichtlich die verfügten Auflagen zum geplanten Betrieb ergänzen. Die Parteien
erhielten Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen. Die eventuellen zusätzlichen Auflagen
bzw. Ergänzungen gemäss Verfügung vom 11. Juli 2014 lauten wie folgt:2
Ziff. 4.4.5.3: Es dürfen maximal sechs Anlässe pro Jahr mit Musikschallpegeln bis zu
100 dB(A) durchgeführt werden. Für jeden dieser Anlässe ist jeweils eine
Einzelbewilligung F nach Art. 7 Abs. 1 GGG einzuholen.
Ziff. 4.4.7.2: Die Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei hat den
maximal zulässigen Schallpegel nach Vollendung der Bau- bzw. Umbauarbeiten zu
ermitteln. Die maximal zulässigen Schallpegel müssen so festgelegt werden, dass für
die betroffene Anwohnerschaft nicht mehr als geringfügige Störungen entstehen,
mindestens sind die Richtwerte des Cercle Bruit einzuhalten.
Ziff. 4.4.7.6: Bei Musikbetrieb und in jedem Fall ab 22.00 Uhr müssen sämtliche
Fenster und Türen geschlossen gehalten werden.
Ziff. 4.4.7.7: Mit Ausnahme der Anlässe gemäss Ziff. 4.4.5.3 darf für sämtliche Anlässe
nur jene betriebseigene Musik- und Lautsprecheranlage benutzt werden, die bei der
Untersuchung gemäss Ziff. 4.4.7.2 verwendet wurde. Wird die Anlage oder relevante
Teile davon ersetzt, ist eine neue Untersuchung vorzunehmen und die zulässigen
Schallpegel sind allenfalls neu festzulegen.
Ziff. 4.4.7.8: Personenansammlungen im Freien sind auf geeignete Art und Weise zu
verhindern bzw. nicht gestattet.
Ziff. 4.4.7.9: Der Innenhof auf der Südostseite des Gebäudes darf während öffentlichen
und privaten Anlässen nicht benutzt werden.
Ziff. 4.4.7.10: Der nordseitige Zugang über die Parzelle N._ darf für
Anlieferungen und Abtransporte von Montag bis Samstag nur von 7.00 Uhr bis 22.00
Uhr und am Sonntag nur von 9.00 Uhr bis 22.00 Uhr benutzt werden.
Ziff. 4.4.8.1: An den Anlässen gemäss Ziff. 4.4.5.3 und an Grossanlässen hat eine
professionelle Sicherheitspatrouille um das Gebäude zu patrouillieren und nötigenfalls
für Ruhe und Ordnung zu sorgen.
Ziff. 4.4.8.2: An den Anlässen gemäss Ziff. 4.4.5.3 und an Grossanlässen ist zudem
ein anlassbezogenes Sicherheits- und Ordnungskonzept für die Parkierung und
Verschiebung von an- und abreisenden Besuchern auszuarbeiten.
2 Leseart: Normalschrift = Auflagen der Vorinstanz; Kursivschrift = Ergänzungen BVE
5
Die Beschwerdeführenden hielten in ihrer Stellungnahme vom 28. August 2014 dazu fest,
sie seien bereit, entgegen ihres ursprünglichen Antrages der Bewilligung mit zusätzlichen
Auflagen zum Lärmschutz zuzustimmen und auf das Festhalten an den weiteren Rügen zu
verzichten. Dies aber nur, sofern die vom Rechtsamt vorgeschlagenen Auflagen noch
weiter ergänzt würden und zwar wie folgt:
Ziff. 4.4.5.1: Ergänzung: Von der Betriebsbewilligung ist den Beschwerdeführern
Kenntnis zu geben.
Ziff. 4.4.5.3: Ergänzung: Der Musikbetrieb mit bis zu 100 dB(A) ist zeitlich auf bis
spätestens 23.00 Uhr beschränkt.
Ziff. 4.4.5.4: Neu: Die Abluft aus dem Fumoir und aus den öffentlich zugänglichen
Räumen ist über Dach abzuführen.
Ziff. 4.4.7.2: teilweise Ergänzung: Die Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der
Kantonspolizei hat den maximal zulässigen Schallpegel unter Einbezug derjenigen
Schall-immissionen, welche über die Lüftungsanlagen nach aussen gelangen, nach
Vollendung der Bau- bzw. Umbauarbeiten zu ermitteln. Die maximal zulässigen
Schallpegel müssen in der Betriebsbewilligung so festgelegt werden, dass für die
betroffene Anwohnerschaft nicht mehr als geringfügige Störungen entstehen,
mindestens sind die Richtwerte des Cercle Bruit einzuhalten.
Ziff. 4.4.8.1 und 4.4.8.2: Es ist zu definieren, dass Anlässe mit über 300 Besuchern als
Grossanlässe gelten.
Der Beschwerdegegner akzeptierte in seiner Stellungnahme vom 1. September 2014
grundsätzlich alle vom Rechtsamt in der Verfügung vom 11. Juli 2014 aufgeführten
Ergänzungen, forderte aber gewisse Präzisierungen. So hielt er fest, die Formulierung in
Ziff. 4.4.7.7 könne zu stossenden Auswirkungen führen: Falle ein Teil der Musikanlage
wenige Tage vor einem Konzert aus und müsse ein Ersatz beschafft werden, reiche die
Zeit für eine neue behördliche Untersuchung kaum aus. Weiter sei es in der Praxis nicht
selten, dass Kleinkünstler ihr eigenes Equipment mitnehmen wollten. In beiden Fällen wäre
man gezwungen, eine der sechs Bewilligungen für musikschallintensivere Anlässe für
einen lärmschutzrechtlich unproblematischen Anlass in Anspruch zu nehmen. Es sei daher
eine andere Formulierung zu wählen, wonach auch bei Ersatz von Anlagen und Teilen
davon der maximal zulässige Musikschallpegel jederzeit einzuhalten sei, wobei die
Einhaltung der Pegelgrenze den Behörden belegbar sein müsse. Bei Ziff. 4.4.7.10 sei zu
präzisieren, dass nur Abtransporte untersagt seien, die geeignet seien, die Nachtruhe zu
6
stören. Dies sei beispielsweise nicht der Fall, wenn ein einzelner Künstler mit einer Gitarre
als "Handgepäck" den Ausgang benutze. Ziff. 4.4.8.1 sei mit der Formulierung "soweit
erforderlich" zu präzisieren. Es erfordere nämlich nicht jeder Grossanlass eine
Sicherheitspatrouille; so könne beispielsweise eine Lesung mit Pedro Lenz viele Leute
anziehen, ohne dass Sicherheitsprobleme entstünden.
Mit Schreiben vom 15. September 2014 hielten die Beschwerdeführenden fest, sie
stimmten den Änderungsvorschlägen des Beschwerdegegners vom 1. September 2014 zu,
sofern dieser auch ihre eigenen Vorschläge vollumfänglich akzeptiere. Der
Beschwerdegegner hielt aber mit Eingabe vom 15. September 2014 fest, die Forderung,
dass an den sechs Einzelanlässen pro Jahr der höhere Schallpegeln bis 100 dB(A) nur bis
23.00 Uhr erlaubt sei, könne nicht akzeptiert werden.
7. In ihren Schlussbemerkungen stellten sich die Beschwerdeführenden auf den
Standpunkt, die Umnutzung und die Erteilung einer generellen Überzeitbewilligung könne
nur dann bewilligt werden, wenn sämtliche durch das Rechtsamt vorgeschlagenen
Auflagen und zusätzlich auch die von ihnen selbst verlangten ergänzten Auflagen und
Bedingungen aufgenommen würden. Ansonsten sei der angefochtene Entscheid
aufzuheben. Der Beschwerdegegner hielt nochmals fest, der Forderung der
Beschwerdeführenden, bei den sechs Einzelanlässen den höheren Musikschallpegel nur
bis 23.00 Uhr zuzulassen, könne nicht zugestimmt werden und die Personenzahl sei kein
taugliches Kriterium für die Definition der Grossanlässe. Weiter seien die von den
Beschwerdeführenden verlangten Ergänzungen zu den Auflagen in Ziff. 4.4.5.4 und Ziff.
4.4.7.2 nicht erforderlich. Die Parteien konnten sich somit nicht vollständig auf einen
einheitlichen Standpunkt betreffend zusätzlichen Auflagen einigen.
8. Auf die Rechtsschriften und vorhandenen Akten wird, soweit für den Entscheid
relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
7

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde
zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden haben sich am Baubewilligungsverfahren
als Einsprecher beteiligt und sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert
und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Die Beschwerdeführerin 1, eine Stockwerk-
eigentümergemeinschaft, hat an einer ausserordentlichen
Stockwerkeigentümerversammlung vom 21. März 2014 ihre Verwaltung ermächtigt, Herrn
Fürsprecher J._ mit der Beschwerdeführung zu beauftragen. Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Verletzung des rechtlichen Gehörs
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Vorinstanz habe ein
Bereinigungsgespräch durchgeführt ohne sie als Einsprechende einzuladen. Dadurch sei
ihr rechtliches Gehör verletzt worden.
b) Aus den Akten ergibt sich, dass die Vorinstanz am 16. Juli 2013 eine Besprechung
vor Ort durchgeführt hat. Eingeladen und anwesend waren mehrere Vertreter des
Beschwerdegegners, der Gemeinde und der Fachstelle Lärmakustik. Die Einsprechenden
dagegen waren zu diesem Termin nicht eingeladen worden. In den Verfügungen der Vor-
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
8
instanz wird die durchgeführte Verhandlung teilweise als Augenschein und teilweise als
Bereinigungsgespräch bezeichnet.5
c) Führt die Behörde einen Augenschein und/oder eine Instruktionsverhandlung durch,
sind – ausser in hier nicht relevanten Ausnahmefällen – alle Parteien berechtigt, daran
teilzunehmen (Art. 22 VRPG).6 Wird einer Partei die Teilnahme ohne Vorliegen eines
Ausschlussgrundes verweigert, verletzt dies deren Mitwirkungsrecht und damit den
Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV7 und Art. 26 Abs. 2 KV8) sowie den
Anspruch auf Gleichbehandlung und „Waffengleichheit“ im Verfahren (Art. 29 Abs. 1 BV).
Das Gleiche gilt bei Bereinigungsgesprächen: Führt die Leitbehörde mit anderen Behörden
und/oder Fachstellen ein Bereinigungsgespräch gemäss Art. 8 KoG durch, steht es ihr
zwar offen, ob sie die Parteien dazu beizieht (Art. 8 Abs. 3 KoG). Falls jedoch eine der
Parteien eingeladen wird, müssen auch alle anderen Parteien die Möglichkeit erhalten, am
Bereinigungsgespräch teilzunehmen.9 Wird lediglich die Bauherrschaft eingeladen, nicht
aber die Einsprechenden, verstösst dies gegen deren Anspruch auf rechtliches Gehör und
die darin verkörperten Mitwirkungsrechte sowie den Anspruch auf Gleichbehandlung.
d) Der Anspruch der Parteien auf rechtliches Gehör ist eine grundlegende
Verfahrensgarantie, die als verfassungsmässiges Recht10 auch im
Baubewilligungsverfahren gilt (vgl. Art. 1 Abs. 2 BewD i.V.m. Art. 21 ff. VRPG11). Das
Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Seine Verletzung führt grundsätzlich zur
Aufhebung des angefochtenen Entscheides, ungeachtet der Erfolgsaussichten in der
Sache selbst. Nach der Praxis des Bundesgerichts kann allerdings eine Gehörsverletzung
im Rechtsmittelverfahren „geheilt“ werden, sofern die obere Instanz dieselbe
Überprüfungsbefugnis hat wie die verfügende Behörde, den Beschwerdeführenden daraus
kein Nachteil erwächst und es sich nicht um eine besonders schwere Verletzung der
5 Vorakten, p. 263 ff. 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog: Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Bern 1997, Art. 22 N 2 f. 7 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 8 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) 9 Walter Zbinden Heidi, Kurzkommentar zum Koordinationsgesetz, in: KPG-Bulletin 2/1996 S. 23 f. 10 Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 26 Abs. 2 der Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) 11 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
9
Parteirechte handelt.12 Auch bei einer schwer wiegenden Verletzung des rechtlichen
Gehörs kann von einer Rückweisung der Sache an die Vor-instanz abgesehen werden,
wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu
unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten)
Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu
vereinbaren wäre.13
e) Die von der Vorinstanz begangene Gehörsverletzung wurde im Verfahren vor der
BVE, der gemäss Art. 40 Abs. 3 BauG als Beschwerdeinstanz die volle
Überprüfungsbefugnis zukommt, geheilt. Das Rechtsamt hat am 3. Juli 2014 einen
Augenschein mit Instruktionsverhandlung durchgeführt, an dem alle Verfahrensbeteiligten
teilnehmen konnten und an dem auch ein Vertreter der Fachstelle Lärmakustik anwesend
war. Es ist nicht ersichtlich, dass den Beschwerdeführenden durch die Heilung der
Gehörsverletzung ein Nachteil erwachsen würde. Sie haben ihre Rechte im
Beschwerdeverfahren vollumfänglich wahrnehmen können und ihnen ist durch den
Verfahrensmangel kein materieller Nachteil entstanden. Eine Aufhebung des Entscheids
mit Rückweisung an die Vorinstanz würde zu einer unnötigen Verfahrensverlängerung
führen; es ist daher davon abzusehen. Die Gehörsverletzung ist allerdings bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen.
3. Zonenkonformität
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, das Vorhaben sei nicht zonenkonform
und könne bereits aus diesem Grunde nicht bewilligt werden. Das ehemalige Kino
K._ befinde sich in der Kernzone von Langenthal, die für eine gemischte Nutzung
bestimmt sei. Gemäss Art. 42 ff. GBR14 müssten sich aber Neu- und Umbauten in das
bestehende Bauvolumen einordnen und die Typologie der Gebäude dürfe nicht verändert
werden. Auch die Nutzungsart habe sich in den bestehenden Rahmen einzufügen. Die
Umnutzung eines ruhigen Kinobetriebs in eine Musikhalle mit Öffnungszeiten täglich bis
00:30 Uhr und einer generellen Überzeitbewilligung an Freitagen und Samstagen bis 03:00
12 BGE 129 I 129 E. 2.2.3, 126 I 68 E. 2; Merkli/Aeschlimann/Herzog Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N 16 13 BGE 132 V 387 E. 5.1 14 Baureglement der Stadt Langenthal vom 30. November 2003 (GBR)
10
Uhr sprenge den üblichen Rahmen der Kernzone von Langenthal. Die BVE habe zudem
bereits einmal entschieden, dass ein Betrieb mit genereller Überzeitbewilligung in einer
Kernzone nicht zonenkonform sei.
Der Beschwerdegegner hält dem entgegen, es sei geplant, im bestehenden Gebäude
eines ehemaligen Kinos weiterhin kulturelle Dienstleistungen anzubieten. Daher werde
nicht etwas Neues in die Kernzone eingefügt. Es gebe zudem in der Kernzone von
Langenthal mehrere Restaurants und auch Bars mit Überzeitbewilligungen, die alle als
zonenkonform gälten. Auch Lokale, die Musikveranstaltungen anböten und über eine
Überzeitbewilligung verfügten, seien in der Kernzone oder direkt daran angrenzend
vorhanden, beispielsweise die Markthalle und der Kulturtreff O._
b) Das ehemalige Kino K._ befindet sich in der Kernzone von Langenthal. Laut
Art. 41 Abs. 1 GBR umfasst die Kernzone das gewachsene Zentrum der Stadt, dessen
nutzungsmässige Vielfalt und bauliche Eigenart erhalten und weiterentwickelt werden soll,
dies insbesondere in Bezug auf den öffentlichen Raum. Die Absätze 2 und 3 der
Bestimmung legen fest, dass die Kernzone für eine gemischte Nutzung (Dienstleistungen,
Verkauf, Gewerbe, Wohnen) bestimmt ist und die Erdgeschossflächen entlang öffentlich
zugänglicher Bereiche für Nutzungen mit Publikumsverkehr und für Arbeitsplätze bestimmt
sind. Die von den Beschwerdeführenden ins Feld geführten Art. 42 ff. GBR enthalten
dagegen keine Bestimmungen zur Art der zulässigen Nutzung, sondern regeln die
Bauweise und das Verfahren. So sehen sie beispielsweise vor, dass Neubauten in der
Kernzone nur auf der Grundlage einer Überbauungsordnung (UeO) erstellt werden dürfen,
Umbauten dagegen auch ohne UeO bewilligt werden können, sofern das bestehende
Bauvolumen und die Typologie des Gebäudes nicht verändert werden. Das umstrittene
Vorhaben beinhaltet in erster Linie eine Umnutzung eines bestehenden Gebäudes und
eine generelle Überzeitbewilligung. Die damit zusammenhängenden Umbauarbeiten sind
geringfügig und betreffen hauptsächlich das Gebäudeinnere. Sie verändern das Volumen
und die Typologie des Gebäudes nicht; eine UeO ist daher nicht erforderlich.
c) Die Stadt Langenthal vertritt die Auffassung, der geplante Betrieb entspreche den
Nutzungsbestimmungen ihrer Kernzone und sei zonenkonform. Die Kernzone sei für
gemischte Nutzungen mit Dienstleistungen, Verkauf, Gewerbe und Wohnen bestimmt. Die
vielfältige Nutzung in der Kernzone solle nicht nur erhalten, sondern auch weiterentwickelt
werden. Es handle sich um eine typische innerstädtische Zone, in der weder dem Wohnen
11
noch dem Gewerbe der Vorrang zukomme. Beide Nutzungen seien zulässig, wobei die
Gewerbenutzung im Hinblick auf die Belebung des Ortszentrums ausdrücklich erwünscht
sei. Es seien auch Verkaufsgeschäfte oder Gastgewerbebetriebe zugelassen, die einen
regen Publikumsverkehr auslösten. Es gebe keine Beschränkungen hinsichtlich der Grösse
eines einzelnen Betriebes und der zulässige Nutzungsmix entspreche der Zuordnung der
Kernzone zur Lärmempfindlichkeitsstufe (ES) III.
d) Die Auffassung der Stadt Langenthal, die bei der Umschreibung ihrer Bauzonen und
der Auslegung der entsprechenden Bestimmungen Autonomie geniesst15, ist nicht zu
beanstanden: Kernzonen umfassen in der Regel Gebiete mit besonders intensiver Nutzung
im Ortskern und sind für Geschäfts- und Bürobauten und weitere mit der Zentrumsfunktion
verbundene Dienstleistungsbetriebe bestimmt. Dazu gehören regelmässig auch Gast- und
Unterhaltungsgewerbe.16 Ein Kulturlokal, in dem Konzerte, Lesungen, Filmvorführungen
etc. stattfinden, ist in einer solchen Zone im Ortszentrum grundsätzlich zonenkonform. Die
hier relevante kommunale Bestimmung in Art. 41 GBR erwähnt zwar Gastgewerbe- und
Kulturlokale nicht ausdrücklich. Solche Betriebe gehören aber zu den in der Bestimmung
erwähnten Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben. Da die Zonenvorschriften von Langen-
thal zudem ausdrücklich eine nutzungsmässige Vielfalt anstreben und
Erdgeschossbereiche für Nutzungen mit Publikumsverkehr vorbehalten, ist es
nachvollziehbar und rechtlich nicht zu beanstanden, dass die Stadt Langenthal und die
Vorinstanz das Vorhaben als zonenkonform betrachten. Dies umso mehr, als sich in der
Kernzone von Langenthal bereits viele Gastgewerbebetriebe befinden, darunter auch
solche, die Konzerte und kulturelle Veranstaltungen anbieten. Dies unterscheidet denn
auch die Situation in Langenthal von dem von den Beschwerdeführenden erwähnten Fall,
in dem die BVE die Zonenkonformität eines Betriebs mit Überzeitbewilligung in der
Kernzone verneinte (BVR 2008, S. 187 ff.). Jener Entscheid betraf eine kleine ländliche
Gemeinde mit rund 2'500 Einwohnern, deren kommunalen Bestimmungen in der Kernzone
nur stille Gewerbe zulassen und in der es noch keine Betriebe mit Überzeitbewilligung gab.
Langenthal dagegen ist das städtische Zentrum des Oberaargaus mit über 15'000
Einwohnern, weist bereits 17 Betriebe mit einer generellen Überzeitbewilligung auf und
lässt in der Kernzone nicht nur stilles, sondern auch mässig störendes Gewerbe zu.
15 BVR 2010 S. 113 E. 3.4 mit Hinweisen 16 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 72 - 74 N. 14a
12
e) Was die von den Beschwerdeführenden befürchteten Lärmimmissionen betrifft, ist
bei der Beurteilung der Zonenkonformität nicht auf die mit dem Bauvorhaben verbundenen
konkreten Immissionen abzustellen. Es ist nur abstrakt zu prüfen, ob ein bestimmtes
Vorhaben zu den in den Nutzungsvorschriften typisierten Kategorien von zulässigen oder
unzulässigen Bauten und Anlagen gehört. Ob die konkreten Immissionen des Vorhabens
das zulässige Mass überschreiten, ist separat gestützt auf das USG zu beurteilen (dazu
Erwägungen 4 und 5).
f) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht die Zonenkonformität
des geplanten Kulturlokals bejaht hat.
4. Lärmimmissionen
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Umnutzung des alten Kinogebäudes
zu einem Konzertlokal führe zu unzumutbaren Lärmimmissionen für die Nachbarn. Die
Beeinträchtigung der Anwohner werde dadurch verstärkt, dass an sechs Anlässen pro Jahr
ein über den Planungswerten liegender Musikschallpegel erlaubt werde und das Lokal
aufgrund der generellen Überzeitbewilligung freitags und samstags jeweils bis 3.00 Uhr in
Betrieb sei. Weiter rügen sie insbesondere, dass es nicht angehe, den maximal zulässigen
Musikschallpegel erst im Nachhinein zu bestimmen. Dieser müsse bereits im
Gesamtentscheid verbindlich festgelegt werden.
b) Das vom Beschwerdegegner geplante Kulturlokal ist ein Betrieb, der Lärmemissionen
verursacht. Es handelt sich um eine ortsfeste Anlage im Sinne von Art. 7 Abs. 7 USG17 und
Art. 2 Abs. 1 LSV18, die den bundesrechtlichen Umweltschutz- und
Lärmschutzbestimmungen unterliegt. Gemäss diesen Bestimmungen sind Lärmemissionen
zunächst unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung im Rahmen der Vorsorge so
weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist
(Vorsorgeprinzip; Art. 11 Abs. 2 USG). Wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die
Einwirkungen trotz vorsorglicher Emissionsbegrenzung schädlich oder lästig werden, sind
die Emissionsbegrenzungen zu verschärfen (Art. 11 Abs. 3 USG). Emissionsbegrenzungen
sind beispielsweise technische, bauliche oder betriebliche Massnahmen, die die
17 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 18 Lärmschutzverordnung vom 15. Dezember 1986 (SR 814.41)
13
Erzeugung oder die Ausbreitung des Lärms verhindern oder verringern (Art. 2 Abs. 3 LSV).
Ob die Voraussetzungen einer verschärften Emissionsbegrenzung gegeben sind, haben
die Behörden anhand der Belastungsgrenzwerte zu beurteilen. Dabei gelten im Bereich
des Lärmschutzes für Altanlagen sogenannte Immissionsgrenzwerte (Art. 13 LSV). Diese
sind so festzulegen, dass nach dem Stand der Wissenschaft oder der Erfahrung
Immissionen unterhalb dieser Werte die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich
stören (Art. 15 USG). Für die Errichtung neuer ortsfester Anlagen gelten dagegen tiefere
Werte, sogenannte Planungswerte (Art. 23 USG, Art. 25 Abs. 1 USG und Art. 7 Abs. 1 Bst.
b LSV). Als Stichtag für die Abgrenzung von Alt- und Neuanlagen gilt grundsätzlich das
Inkrafttreten des USG am 1. Januar 1985.19 Führt die Änderung einer Altanlage, die bisher
nur geringfügig Lärm verursachte zu deutlich höheren Lärmimmissionen, sind die
Vorschriften für Neuanlagen einzuhalten.20 Es würde dem Sinn des Gesetzes
widersprechen, wenn bestehende Anlagen, die beim Inkrafttreten der massgeblichen
Lärmschutzvorschriften noch keinen störenden Lärm verursachten, bei einem späteren
Ausbau mehr Lärm erzeugen dürften als Anlagen, die nach dem Inkrafttreten der
erwähnten Vorschriften erstellt wurden.21 Beim ehemaligen Kino K._ handelt es
sich um ein Gebäude, das lange vor Inkrafttreten des USG, nämlich bereits 1926 erstellt
und 1931 zu einem Kino umgebaut wurde.22 Da aber neu ein Betrieb mit genereller
Überzeitbewilligung und gelegentlichen Konzerten geplant ist, ist mit höheren und auch in
der Nachtzeit anfallenden Lärmimmissionen zu rechnen. Das Vorhaben ist daher als neue
Anlage zu qualifizieren und als massgebende Belastungsgrenzwerte gelten die
Planungswerte.
c) Der Bundesrat hat in der LSV und in den Anhängen dazu Belastungsgrenzwerte für
bestimmte Lärmarten festgelegt. Für den durch die Gäste und die Musik eines Lokals
verursachten Lärm fehlen allerdings spezifische Belastungsgrenzwerte.23 Die
Lärmimmissionen sind daher im Einzelfall nach Art. 15 USG unter Berücksichtigung von
Art. 19 und Art. 23 USG zu beurteilen, wobei bei der vorliegenden Neuanlage die
Planungswerte gemäss Art. 25 USG massgeblich sind.24 Die Rechtsprechung hat
19 BGE 123 II 325 E. 4c/cc 20 BGE 123 II 325 E. 4c/aa; Schrade/Wiestner, in Kommentar USG, 2001, Art. 18 N. 25; Robert Wolf, in Kommentar USG, 2000, Art. 25 N 46; VGE 2009/81 vom 30. Juni 2009, VGE 2011/333 vom 3. April 2012 E. 3.1 21 BGer 1A.195/2006 vom 17. Juli 2007 E. 2.5.1 22 Vgl. Beschreibung des Gebäudes im Bauinventar der Stadt Langenthal 23 BGE 123 II 325 E. 4d/aa; 24 Art. 40 Abs. 3 LSV, BGE 133 II 292 E. 3.3, 126 II 366 E. 2c; BVR 2002 S. 356 E. 2c
14
festgelegt, dass – in Ermangelung spezifischer Planungswerte – neue ortsfeste Anlagen
höchstens geringfügige Störungen verursachen dürfen.25 Bei der Beurteilung im Einzelfall
sind neben der zonenmässigen Zuordnung und der entsprechenden Empfindlichkeitsstufe
auch der Charakter des Lärms, Zeitpunkt und Häufigkeit seines Auftretens sowie die
Lärmempfindlichkeit bzw. Lärmvorbelastung der Zone, in der die Immissionen auftreten, zu
berücksichtigen.26
d) Die Vorinstanz hat zur Beurteilung der Lärmimmissionen und zur Prüfung des vom
Beschwerdegegner eingereichten Lärmgutachtens die nach Art. 3 Abs. 2 KLSV27
zuständige Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei Bern beigezogen.28 Die
Fachstelle hielt in einem ersten Fachbericht29 Folgendes fest: Das eingereichte Gutachten
der Gartenmann Engineering AG komme zum nachvollziehbaren Fazit, dass in der
bestehenden Bausubstanz ein Musikschallpegel von maximal 76.9 dB(A) zulässig wäre.
Dies bedeute, dass im Lokal nur Hintergrundmusik abgespielt werden könnte; ein
Betriebskonzept mit Musikkonzerten dagegen nicht umsetzbar sei. Nach einer baulichen
Sanierung seien voraussichtlich höhere Schallpegel zwischen 90 - 95 dB(A) möglich. Der
effektiv zulässige Schallpegel könne aber erst mittels einer Messung nach der
Bauvollendung festgelegt werden. Es sei aber eher zu erwarten, dass ein Betriebskonzept,
das regelmässig laute Veranstaltungen vorsehe, insbesondere Live-Konzerte mit
Schallpegeln von 96 - 100 dB(A), kaum umsetzbar sei. Kulturelle Veranstaltungen seien
zwar durchaus möglich, aber die Gebäudehülle sei wahrscheinlich auch nach einer
Sanierung nicht für einen lauten Musikbetrieb geeignet. Ein regelmässiger lauter
Konzertbetrieb mit mehreren hundert Gästen führe auch hinsichtlich des Sekundärlärms zu
mehr als geringfügigen Lärmimmissionen. Wenn das Kulturlokal dagegen anderes als laute
Anlässe anbiete, müsse nur mit gelegentlichen Lärmstörungen gerechnet werden. Mit
einem entsprechenden Ordnungsdienst könne der Sekundärlärm in Grenzen gehalten
werden. Weiter hielt die Fachstelle fest, eine allfällige Überzeitbewilligung sei in einem
ortsüblichen und auf die bereits bestehenden Betriebe angepassten Rahmen zu wählen.
25 BGE 130 II 32 E. 2.2; VGE 2011/333 vom 3. April 2012 E. 3.3 26 BGE 133 II 292 E. 3.3 mit Hinweisen, BVR 2003 S. 423 E. 2d, 2002 S. 356 E. 2c, 2000 S. 122 E. 4c 27 Kantonale Lärmschutzverordnung vom 14. Oktober 2009 (KLSV; BSG 824.761) 28 Fachbericht der Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei Bern vom 28. März 2013, Vorakten p. 56 ff. 29 Fachbericht vom 25. April 2013, Vorakten p. 79 ff.
15
Überzeitbetriebe sollten zudem mit einem Fumoir ausgestattet sein und der Konsum von
Essen und Getränken ausserhalb des Lokals sei nach 22.00 Uhr zu untersagen.
e) Nach Erhalt des Fachberichts und einem von der Vorinstanz durchgeführten
Bereinigungsgespräch überarbeitete der Beschwerdegegner sein Betriebskonzept. Das
aktuelle Konzept30 sieht vor, unterschiedlichsten Kulturschaffenden eine Plattform zu bieten
und Veranstaltungen, wie Konzerte, Jamsessions, Comedy, Filmvorführungen,
Ausstellungen, Lesungen, Theater etc. anzubieten. Das Lokal soll vorwiegend an den
Wochenenden geöffnet sein, teilweise sollen aber, wenn die Künstler und Künstlerinnen
nicht anders verfügbar sind, auch Veranstaltungen an Wochentagen stattfinden. Daneben
ist auch ein Barbetrieb vorgesehen; allerdings wird dieser nur während den kulturellen
Anlässen betrieben.
Die Fachstelle Lärmakustik hält dazu in ihrem zweiten Bericht vom 5. September 2013
fest31, das geänderte Konzept sei auf eine nach der Schlussabnahme definierten
maximalen Schallpegel ausgelegt und sehe nur noch maximal sechs laute Anlässe mit
Musikschallpegel bis zu 100 dB(A) vor. Weiter sei neu auch der Einbau eines Fumoirs
vorgesehen. Mit dem breit abgestützten Kulturkonzept würden auch weniger lärmintensive
Gäste angesprochen, was sich positiv auf die Lärmimmissionen auswirke. Das Konzept
erfülle die wesentlichen Forderungen, die anlässlich des Bereinigungsgespräches diskutiert
worden seien.
Im Beschwerdeverfahren führte die Fachstelle Lärmakustik in einer Stellungnahme
ergänzend aus, das mit dem angefochtenen Entscheid bewilligte Kulturlokal führe zu nicht
mehr als gelegentlichen Lärmstörungen der Anwohnerschaft und halte daher die
Planungswerte ein. Die im Entscheid enthaltenen Auflagen verhinderten einen lauten
Konzertbetrieb. Eine Ausnahme bildeten jährlich sechs Anlässe, an denen
Musikschallpegel bis 100 dB(A) zulässig seien. Diese Anlässe seien in
Einzelbewilligungsverfahren zu beurteilen (Festwirtschaftsbewilligung F nach Art. 7
GGG32).
30 Vorakten, p. 196 ff. 31 Vorakten, p. 92 f. 32 Gastgewerbegesetz vom 11. November 1993 (GGG; BSG 935.11)
16
f) Die Fachstelle Lärmakustik, die über eine grosse Erfahrung in der Beurteilung der
durch Gastgewerbe- und Unterhaltungsbetriebe verursachten Lärmimmissionen verfügt,
legt in ihrem Bericht überzeugend und nachvollziehbar dar, dass der geplante Betrieb des
Beschwerdegegners mit dem überarbeiteten Betriebskonzept und unter Einhaltung
gewisser Auflagen zu nicht mehr als geringfügigen Lärmimmissionen in der Nachbarschaft
führt und damit die Planungswerte einhält. Die BVE sieht keinen Grund, von dieser
Fachmeinung abzuweichen: Hinsichtlich des künftig im Lokal entstehenden Lärms ist
entscheidend, dass der Beschwerdegegner diverse bauliche Massnahmen zur
Schalldämmung ausführen wird und der im Lokal zulässige Schallpegel nach der
Umbauvollendung durch die Fachstelle Lärmakustik ermittelt und festgelegt werden wird
(Auflage in Ziff. 4.4.7.2 des angefochtenen Entscheides). Dieser Maximalpegel wird so
festgelegt, dass der Betrieb die Planungswerte einhält. So wird gewährleistet, dass im
Lokal keine Konzerte, Feste oder Ähnliches durchgeführt werden dürfen, die zu mehr als
geringfügigen Störungen führen.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden ist das Vorgehen, erst nach der
geplanten Sanierung der Bausubstanz den maximalen Schallpegel zu ermitteln, zulässig.
Es ist zwar richtig, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die zu erwartenden
Immissionen eines Vorhabens grundsätzlich schon im Baubewilligungsverfahren ermittelt
werden müssen. Es widerspräche dem Grundsatz der Vorsorge nach Art. 1 Abs. 2 und
Art. 25 USG, die Abklärungen über die Einwirkungen der Anlage und den Erlass von Mass-
nahmen zur Begrenzung der Lärmemissionen auf einen Zeitpunkt nach der Erstellung bzw.
der Inbetriebnahme der Anlage zu verschieben.33 Dies bedeutet, dass ein allgemeiner
Hinweis auf die einzuhaltenden gesetzlichen Bestimmungen nicht genügt, sondern im
Baubewilligungsverfahren eine Untersuchung und Beurteilung vorzunehmen ist. Dies ist im
vorliegenden Fall erfolgt. Die Untersuchungen der Fachstelle Lärmakustik haben ergeben,
dass im ehemaligen Kino K._ ein Kulturlokal geführt werden kann, das die
Planungswerte einhält. Auch Massnahmen zur Begrenzung der Lärmemissionen wurden
bereits geprüft und mittels Auflagen angeordnet. Dazu gehört unter anderem die Auflage,
dass nach Bauvollendung der maximal zulässige Musikschallpegel zu ermitteln und in der
Betriebsbewilligung zu verankern ist. Da der Betrieb erst nach Ausstellung der noch
ausstehenden Betriebsbewilligung eröffnet werden darf und diese Betriebsbewilligung erst
nach Festlegung des zulässigen Schallpegels erteilt wird, ist die Befürchtung der
33 BGer 1C_278/2010 vom 31. Januar 2011 E. 4.4, 1C_169/2008 vom 5. Dezember 2008 E. 5.1
17
Beschwerdeführenden, das Lokal werde ohne Begrenzung der Emissionen in Betrieb
genommen, unberechtigt. Die BVE erachtet die Ermittlung und Festlegung eines genau
definierten Maximalpegels nach Vollendung der Gebäudesanierung als geeignete und
wirkungsvolle Massnahme, um die Einhaltung der Planungswerte sicherzustellen. Mittels
Auflagen können zudem Massnahmen festgelegt werden, die verhindern, dass der im
Lokal erzeugte Lärm nach aussen dringt (z.B. Schliessung der Fenster; vgl. dazu
ausführlich Erwägung 5). Bei Einhaltung dieser Massnahmen, insbesondere des
maximalen Schallpegels, wird es nicht zu übermässigen Betriebslärmimmissionen
kommen.
Was den Sekundärlärm betrifft, ist die Beurteilung der Fachstelle Lärmakustik ebenfalls
überzeugend: Aufgrund des zu erwartenden Maximalpegels werden im geplanten
Kulturlokal kaum regelmässige grosse Live-Konzerte mit mehreren hundert Besuchern
gespielt werden können. Der Fokus des neuen Betriebskonzeptes liegt denn auch nicht
darauf, sondern sieht vor allem auch Anlässe wie Lesungen, Theater, Comedy etc. vor, bei
denen mit tieferen Besucherzahlen zu rechnen ist. Der geplante Barbetrieb soll diese
Veranstaltungen ergänzen, aber nicht im Vordergrund stehen. Es ist daher ein weniger
lärmintensives Publikum zu erwarten als bei Lokalen mit regelmässigen Grosskonzerten
oder bei Nachtlokalen. Zudem wird das Kulturlokal im Gegensatz zu vielen
Gastgewerbebetrieben nicht jeden Tag offen sein, was die Lärmemissionen ebenfalls
reduziert. Schliesslich können die Sekundärlärmemissionen, die in der Regel durch Gäste,
die sich ausserhalb des Lokals aufhalten, verursacht werden, mittels Auflagen und
Massnahmen wie beispielsweise den Einbau eines Fumoirs, das Verbot des Konsumierens
von Getränken oder Esswaren ausserhalb des Lokals und den Einsatz eines
Ordnungsdienstes stark eingedämmt werden. All diese Massnahmen sind im vorliegenden
Fall vorgesehen. Eine weitere sinnvolle Massnahme ist die Anpassung der zeitlichen
Beschränkung der generellen Überzeitbewilligung auf die anderen Gastgewerbebetriebe in
Langenthal; so wird der sogenannte Bartourismus eingeschränkt.
g) Das geplante Kulturlokal mit genereller Überzeitbewilligung an Freitag und Samstag
bis 03:00 Uhr wird somit unter Einhaltung von Auflagen zu nicht mehr als geringfügigen
Lärmimmissionen in der Nachbarschaft führen und damit die Planungswerte gemäss
Art. 25 USG einhalten.
18
5. Auflagen Lärmschutz
a) Die von der Vorinstanz und der Fachstelle Lärmakustik vorgenommene Prüfung des
umstrittenen Vorhabens hat richtigerweise ergeben, dass die massgebenden
Belastungsgrenzwerte gemäss USG und LSV eingehalten werden können, sofern gewisse
Massnahmen zur Begrenzung der Lärmemissionen erfolgen. Zur Sicherstellung der
erforderlichen Massnahmen hat die Vorinstanz die Gesamtbaubewilligung mit Auflagen
verbunden. Auflagen sind bei Vorhaben, die je nach ihrer Gestaltung oder Einrichtung oder
je nach der Art der Nutzung oder Betriebsführung gesetzeskonform oder gesetzwidrig sein
können, ein Mittel, um die gesetzwidrigen Auswirkungen zu verhindern.34 Die Bedingungen
und Auflagen müssen in einem engen sachlichen Zusammenhang zur erteilten Bau- oder
Ausnahmebewilligung stehen und verhältnismässig sein. Verhältnismässig ist eine
Nebenbestimmung dann, wenn sie zum Erreichen des angestrebten Ziels erforderlich,
geeignet und für die Bauherrschaft zumutbar ist.
b) Der Beschwerdegegner hat die von der Vorinstanz verfügten Auflagen akzeptiert. Die
Beschwerdeführenden dagegen beanstanden die Auflage gemäss Ziff. 4.4.5.3, wonach der
Beschwerdegegner zusätzlich bis sechs Anlässe jährlich mit Musikschallpegeln bis zu 100
dB(A) durchführen darf. Sie halten im Sinne eines Eventualbegehren insbesondere fest, sie
könnten einer Bewilligung des Vorhabens mit zusätzlichen Auflagen nur zustimmen, wenn
an den genannten Anlässen der erhöhte Musikschallpegel bis 100 dB(A) zeitlich jeweils bis
spätestens 23:00 Uhr beschränkt werde.
Gemäss Art. 7 Abs. 1 GGG können für spezielle Anlässe Einzelbewilligungen, sogenannte
Festwirtschaftsbewilligungen F, erteilt werden. Sie gelten jeweils für eine bestimmte,
zeitlich genau begrenzte Veranstaltung. Eine Beschränkung der Anzahl der
Einzelbewilligungen oder eine grundsätzliche Beschränkung des Musikschallpegels sieht
das Gesetz nicht vor. Der Beschwerdegegner hat wie jeder Andere das Recht, solche
Einzelbewilligungen zu beantragen. Die umstrittene Auflage gewährt ihm daher nichts
Zusätzliches, im Gegenteil. Mittels der umstrittenen Auflage hat die Vorinstanz im Sinne
des Vorsorgeprinzips die Anzahl der Einzelbewilligungen beschränkt und den maximalen
Musikschallpegel für diese Spezialanlässe festgelegt. Hinsichtlich der zulässigen Anzahl
der Einzelbewilligungen ist die Vorinstanz den Empfehlungen der Fachstelle Lärmakustik
34 Aldo Zaugg/Ludwig, Kommentar zum bernischen BauG, Band I, 4. Aufl. 2013, Art. 38-39 N. 15 ff.
19
gefolgt, laut der in Zonen mit ES III praxisgemäss sechs lautere Anlässe pro Jahr toleriert
werden. Die umstrittene Auflage ist daher grundsätzlich nicht zu beanstanden. Dem
Beschwerdegegner bereits im Voraus weitere Einschränkungen aufzuerlegen,
beispielsweise durch eine zeitliche Beschränkung des höheren Schallpegels bis 23:00 Uhr,
wäre unverhältnismässig: Sollten künftig bei den zusätzlichen Einzelanlässen Probleme
hinsichtlich Lärm, Sicherheit, Verkehr etc. auftreten, hat die Bewilligungsbehörde die
Möglichkeit, für weitere Anlässe einschränkende Auflagen festzulegen oder sogar
Bewilligungen zu verweigern. Dies bereits heute zu tun, ist nicht erforderlich und dem
Beschwerdegegner nicht zumutbar.
Die von der Vorinstanz in Ziff. 4.4.5.3 verfügte Auflage ist allerdings zu präzisieren, damit
Missverständnisse und Unklarheiten vermieden werden: So ist festzuhalten, dass die
Anzahl der Anlässe pro Jahr gemeint ist und dass diese nicht nur meldepflichtig sind,
sondern dafür jeweils eine Einzelbewilligung F nach Art. 7 Abs. 1 GGG einzuholen ist.
Trotzdem sind aber, wie dies auch im Betriebskonzept vorgesehen ist, die Anwohner
vorgängig zu orientieren.
c) Anlässlich des Augenscheins vom 3. Juli 2014 hat sich gezeigt, dass daneben noch
weitere Konkretisierungen bzw. Ergänzungen der Auflagen des angefochtenen
Entscheides geprüft werden müssen:
– Ziff. 4.4.7.2 legt fest, dass die Fachstelle Lärmakustik nach Vollendung der
Umbauarbeiten den maximal zulässigen Schallpegel zu ermitteln hat. Der Klarheit
halber ist hier einerseits anzufügen, dass die maximal zulässigen Schallpegel so
festzulegen sind, dass für die betroffene Anwohnerschaft nicht mehr als geringfügige
Störungen entstehen (Planungswert) und die Richtwerte des Cercle Bruit einzuhalten
sind. Andererseits ist festzuhalten, dass der ermittelte maximale Schallpegel in der
Betriebsbewilligung zu verankern ist und die Betriebsbewilligung daher erst nach
Ermittlung des Schallpegels ausgestellt werden darf.
– Das Bauvorhaben sieht vor, im bestehenden Gebäude zusätzliche
Schallschutzmassnahmen vorzunehmen und die Fachstelle Lärmakustik wird nach
Vollendung dieser Arbeiten ermitteln, welcher Schallpegel im Gebäude maximal
zulässig ist, damit die Planungswerte eingehalten werden. So wird sichergestellt
werden, dass es nicht zu übermässigen Betriebslärmimmissionen kommt. Dies ist
allerdings nur dann der Fall, wenn der im Gebäudeinnern erzeugte Lärm nicht durch
Gebäudeöffnungen nach aussen dringt. Es ist deshalb anzuordnen, dass bei
20
Musikbetrieb und in jedem Fall ab Beginn der Nachtzeit um 22:00 Uhr sämtliche Fenster
und Türen geschlossen zu halten sind (neue Auflage in Ziff. 4.4.7.6).
– Wie bereits mehrfach erwähnt wird die Fachstelle Lärmakustik nach Vollendung der
Umbauarbeiten ermitteln, welcher Musikschallpegel im Gebäude maximal gespielt
werden darf. Die entsprechende Untersuchung erfolgt unter Berücksichtigung der zum
Betrieb gehörenden Musikanlage. Werden andere Anlagen verwendet und anders im
Raum platziert, kann sich dies hinsichtlich der Lärmemissionen negativ auswirken. Es
darf daher grundsätzlich nur die betriebseigene Anlage verwendet werden. Aufgrund
des Verhältnismässigkeitsprinzips müssen einzelne Ausnahmen möglich sein,
beispielsweise auch für den Fall, dass Anlageteile kurzfristig ausfallen. Weiter dürfen bei
Anlässen mit Einzelbewilligung F, an denen höhere Musikschallpegel zulässig sind,
auch andere Anlagen verwendet werden. Es ist daher eine neue Auflage zu verfügen,
wonach mit Ausnahme der Einzelanlässe grundsätzlich nur jene betriebseigene Musik-
und Lautsprecheranlage benutzt werden darf, die bei der Untersuchung durch die
Fachstelle verwendet wurde. Werden die Anlage oder relevante Teile davon ersetzt
oder eine andere Anlage verwendet, ist der maximal zulässige Musikschallpegel
jederzeit einzuhalten. Die Einhaltung des Maximalpegels muss gegenüber den
Behörden belegbar sein (neue Auflage in Ziff. 4.4.7.7).
– Um im Sinne des Vorsorgeprinzips den durch Gäste ausserhalb des Lokals
verursachten Lärm zu reduzieren, ist – wie dies praxisgemäss bei
Gastgewerbebetrieben meist gemacht wird – mittels Auflage festzulegen, dass
Personenansammlungen im Freien zu verhindern sind (neue Auflage in Ziff. 4.4.7.8).
– Vom Saal des ehemaligen Kinos K._ besteht ein Zugang zu einem Innenhof,
der an Liegenschaften mit Wohnnutzung grenzt. Um übermässige Lärmimmissionen für
die Bewohner dieser Liegenschaften zu verhindern, ist anzuordnen, dass der Innenhof
auf der Südostseite des Gebäudes während öffentlichen und privaten Anlässen nicht
benutzt werden darf (neue Auflage in Ziff. 4.4.7.9).
– Auf der Nordseite des Gebäudes existiert ein Nebenzugang zu einem Lagerraum, der
sich hinter der Bühne des Saals befindet. Der Zugang führt über die Parzelle Nr.
N._ auf die P._gasse. Direkt an den Zugang angrenzend befindet sich
eine Liegenschaft, die Wohnräume aufweist. Um Störungen durch übermässige
Lärmimmissionen zu vermeiden, ist anzuordnen, dass dieser Zugang für Anlieferungen
und Abtransporte, die geeignet sind, die Nachtruhe zu stören, von Montag bis Samstag
21
nur von 7:00 Uhr bis 22:00 Uhr und am Sonntag nur von 9:00 Uhr bis 22:00 Uhr benutzt
werden darf (neue Auflage in Ziff. 4.4.7.10).
– Die Vorinstanz hat in den Ziff. 4.4.8.1 und Ziff. 4.4.8.2 verfügt, dass an "meldepflichtigen
Grossanlässen" eine professionelle Sicherheitspatrouille um das Gebäude zu
patrouillieren hat und ein anlassbezogenes Sicherheits- und Ordnungskonzept
auszuarbeiten ist. Mit "meldepflichtigen Grossanlässen" meinte die Vorinstanz jene
Anlässe, für die eine Einzelbewilligung F notwendig ist. Dies ist der Klarheit halber in
den genannten Ziffern zu präzisieren. Weiter ist zu beachten, dass im Rahmen des
normalen Betriebs des Kulturlokals auch Anlässe stattfinden können, die keine
Einzelbewilligung benötigen und den zulässigen Schallpegel nicht überschreiten, aber
sehr viele Besucher anziehen. In diesen Fällen kann sich fallbezogen ebenfalls ein
Sicherheits- und Ordnungsdienst bzw. ein entsprechendes Konzept als notwendig
erweisen. Neben den Anlässen mit Einzelbewilligung sind deshalb in den genannten
Auflagen auch Grossanlässe zu nennen. Die Beschwerdeführenden fordern
diesbezüglich, die Grossanlässe seien als Anlässe ab 300 Personen zu definieren. Das
Gastgewerberecht geht allerdings erst ab 500 Personen von einem Grossanlass aus
(Art. 26 Abs. 3 GGV35). Es ist sinnvoll, vorliegend auf dieselbe Anzahl abzustellen.
6. Parkplatzbedarf
a) Die Beschwerdeführenden bemängeln, die Vorinstanz habe zu Unrecht auf den
Nachweis von Parkplätzen verzichtet. Durch die Umnutzung des Kinos in ein Konzertlokal
entstehe eine Zweckänderung, welche einen Parkplatzbedarf verursache. Es bestehe zwar
räumlich keine Möglichkeit, auf dem Grundstück des Beschwerdegegners oder in der
Umgebung zusätzliche Parkplätze zu erstellen. Der Bauherr habe aber zumindest die
reglementarisch vorgeschriebene Ersatzabgabe zu leisten.
b) Wird durch die Erstellung, die Erweiterung, den Umbau oder die Zweckänderung von
Bauten und Anlagen ein Parkplatzbedarf verursacht, so ist dafür auf dem Grundstück oder
in seiner Nähe eine ausreichende Anzahl von Abstellplätzen für Motorfahrzeuge, Fahrräder
und Motorfahrräder zu errichten (Art. 16 Abs. 1 BauG). Bei Erweiterungen, Umbauten oder
Zweckänderungen sind Abstellplätze nach Massgabe des damit verbundenen Mehrbedarfs
35 Gastgewerbeverordnung vom 13. April 1994 (GGV, BSG 935.111)
22
zu schaffen. Entsteht kein Mehrbedarf, so können solche Änderungen von den Behörden
nur dann zum Anlass genommen werden, um gleichzeitig die Behebung eines bisherigen
Defizits an Abstellplätzen zu verlangen, wenn die Voraussetzungen der nachträglichen
Parkplatzpflicht gemäss Art. 16 Abs. 2 BauG erfüllt sind.36 Dies ist der Fall, wenn die
Verhältnisse die nachträgliche Erstellung von Parkplätzen erfordern, eine Erstellung auf
privatem Grund auch räumlich möglich ist und die Erstellungskosten zumutbar sind.
Die Anzahl der erforderlichen Abstellplätze für Motorfahrzeuge wird durch eine Bandbreite
begrenzt; innerhalb dieser Bandbreite legt die gesuchstellende Partei die Anzahl fest
(Art. 50 Abs. 1 BauV37). Bei der Berechnung wird zwischen Wohnnutzung und übrigen
Nutzungen unterschieden. Bei den übrigen Nutzungen wird auf die Geschossfläche
abgestellt und die Lage der Liegenschaft sowie die Art der Nutzung berücksichtigt. Bei der
Lage der Liegenschaft wird unterschieden zwischen „Städte und Agglomerationen“
einerseits sowie „übriger Kanton“ andererseits. Die Art der Nutzung wird mit einem Teiler
„n“ berücksichtigt (Art. 52 BauV). Für die Kategorie „Einkaufen, Freizeit, Kultur“ gilt der
Teiler n = 20.
c) Da mit der geplanten Umnutzung des Gebäudes des ehemaligen Kinos K._
keine Vergrösserung der Geschossfläche verbunden ist und die neue Nutzung (Kulturlokal)
zur gleichen Nutzungskategorie gehört wie der frühere Kinobetrieb (Kategorie "Einkaufen,
Freizeit, Kultur"), ergibt sich keine andere Bandbreite bzw. keine höhere Mindestzahl an
Parkplätzen. Gemäss der nach der Bauverordnung anzuwendenden Berechnungsweise
entsteht somit kein Mehrbedarf an Parkplätzen. Die geplante Umnutzung könnte daher nur
dann zum Anlass genommen werden, die Erstellung zusätzlicher Parkplätze zu verlangen,
wenn die in Art. 16 Abs. 2 BauG genannten Voraussetzungen der nachträglichen
Parkplatzpflicht (kumulativ) erfüllt wären. Dies ist hier nicht der Fall: Es ist – wie auch die
Beschwerdeführenden eingestehen – räumlich nicht möglich, auf der Parzelle des
Beschwerdegegners oder in der Umgebung zusätzliche Parkplätze auf privatem Grund zu
erstellen. Die Vorinstanz hat daher zu Recht darauf verzichtet, den Beschwerdegegner zur
Schaffung neuer Parkplätze zu verpflichten.
Ergänzend wird darauf hingewiesen, dass Ersatzabgaben nur geleistet werden müssen,
wenn die Bauherrschaft gestützt auf Art. 16 Abs. 1 BauG zur Erstellung von Parkplätzen
36 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O. Art. 16 - 18 N. 13; BVR 1981 S. 469, E. 2 37 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
23
verpflichtet ist, diese aber nicht erstellen kann. Im Rahmen der nachträglichen
Parkplatzpflicht nach Art. 16 Abs. 2 ist keine Ersatzabgabe geschuldet.38
7. Behindertengerechte Toilette
a) Im bestehenden Gebäude des ehemaligen Kinos K._ sind keine
rollstuhlgängigen Toiletten vorhanden. Die Fachstelle Hindernisfreies Bauen Kanton Bern
procap hält in ihrem Fachbericht vom 11. Juni 201339 zum Umnutzungsvorhaben fest, der
Einbau einer rollstuhlgängigen Toilette sei im Verhältnis zu den Gesamtumbaukosten zu
teuer und daher unverhältnismässig. Die Erstellung werde somit nicht gefordert. Die
Beschwerdeführenden rügen nun, der Dispens von der Pflicht zur Erstellung einer
behindertengerechten Toilette sei unzulässig. Die Umbaukosten seien höher als
angegeben, da wahrscheinlich eine neue Lüftung erforderlich sei. Der Beschwerdegegner
dagegen macht geltend, der Einbau einer behindertengerechten Toilette sei nicht nur
wegen den hohen Kosten unverhältnismässig, sondern es sprächen auch
Denkmalschutzinteressen dagegen, da ein Toiletteneinbau Eingriffe in die
Gebäudesubstanz erfordern würde.
b) Gemäss Art. 22 Abs. 1 BauG sind Bauten und Anlagen nach Möglichkeit so zu
gestalten, dass ihre Benützung auch den Behinderten offensteht. Für Bauten und Anlagen
mit erheblichem Publikumsverkehr, wie Gastgewerbebetriebe, Theater,
Veranstaltungslokale etc., gelten spezielle Bestimmungen. So hält Art. 23 Abs. 1 Best. c
BauG fest, dass bei solchen Gebäuden bei der baulichen Gestaltung der für das Publikum
bestimmten Gebäudeteile auf die Bedürfnisse behinderter Gebäudebenützerinnen und -
benützer Rücksicht zu nehmen ist. Dies bedeutet unter anderem, dass rollstuhlgängige
Toiletten einzurichten sind (Art. 87 Abs. 2 Bst. c BauV). Eine Anpassungspflicht für
bestehende Bauten und Anlagen sieht das BauG nur dann vor, wenn es sich um Gebäude
mit erheblichem Publikumsverkehr handelt, diese erneuert oder wesentlich umgebaut
werden und nicht unverhältnismässige Kosten entstehen und keine überwiegenden
Interessen, insbesondere solche des Ortsbildschutzes und der Denkmalpflege,
entgegenstehen (Art. 23 Abs. 3 BauG).
38 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 16 - 18 N. 26 39 Vorakten, p. 86 ff.
24
Neben den Vorschriften des kantonalen Rechts bestehen mit dem
Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG)40 Vorschriften auf Bundesebene. Die Normen
des BehiG geben lediglich grundsätzliche Regeln und Rahmenbedingungen zur
Umschreibung des Diskriminierungsverbots gegenüber Behinderten vor; die
Bestimmungen erfordern kantonalrechtliche materielle Bauvorschriften, um im konkreten
Fall anwendbar zu sein. Massgebend sind demnach vorab die Anspruchsgrundlagen des
kantonalen Rechts und erst in einem zweiten Schritt ist gegebenenfalls zu prüfen, ob sich
aus den bundesrechtlichen Rahmenbedingungen ein weitergehender Anspruch ableiten
lässt.41 Auch nach Bundesrecht gilt eine Anpassungspflicht für bestehende Bauten, sofern
eine Baubewilligung für eine Erneuerung der öffentlich zugänglichen Bereiche erteilt wird
(Art. 3 BehiG). Wie das kantonale Recht sieht aber auch das BehiG vor, dass eine
Interessenabwägung vorzunehmen ist und dabei der wirtschaftliche Aufwand sowie die
Interessen des Umweltschutzes, des Natur- und Heimatschutzes sowie die Anliegen der
Verkehrs- und Betriebssicherheit zu berücksichtigen sind (Art. 11 Abs. 1 BehiG). Zum
wirtschaftlichen Aufwand hält Art. 12 BehiG fest, eine Anpassung sei nicht anzuordnen,
wenn der Aufwand für die Anpassung 5 % des Gebäudeversicherungswertes bzw. des
Neuwertes der Anlage oder 20 % der Erneuerungskosten übersteigt.
c) Das umstrittene Vorhaben umfasst hauptsächlich eine Umnutzung und eine generelle
Überzeitbewilligung. In baulicher Hinsicht sind Schallschutzmassnahmen an Türen und
Fenstern, die Erweiterung der Bühne, die Erstellung von zwei Bartresen, eine einzelne
zusätzliche Toilette, die Umwandlung eines bestehenden Büroraumes in ein Fumoir, eine
zusätzliche Lüftung für das Fumoir, die mit der bestehenden Lüftung kombiniert wird, sowie
Malerarbeiten im Gebäude vorgesehen. Der Beschwerdegegner beziffert die Baukosten
auf 75'000 Franken.
d) Die Fachstelle procap kam nach einer Besichtigung der Räumlichkeiten zum Schluss,
dass die Erstellung einer rollstuhlgängigen Toilette zu Kosten führen würde, die mehr als
20 % der Umbaukosten, also mehr als 15'000 Franken betragen.42 Diese Beurteilung der
Fachbehörde, von der nur aus triftigen Gründen abzuweichen wäre43, ist plausibel: Die
40 Bundesgesetz über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen vom 13. Dezember 2002 (Behindertengleichstellungsgesetz, BehiG; SR 151.3) 41 VGE 100.2012.231 vom 4. September 2013, E. 3.1 42 Vorakten, p. 85 ff. 43 Merkli/Aeschlimann/Herzog Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art.19 N. 3 und N. 8 und N. 16
25
Baugesuchspläne zeigen, dass keiner der bestehenden Nebenräume oder Toilettenräume
geeignet ist, um eine rollstuhlgängige Toilette einzubauen (fehlende Grösse oder
mangelnde Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrende). Dies hat auch der durchgeführte
Augenschein bestätigt. Die Erstellung einer entsprechenden Toilette würde räumliche
Veränderungen, neue Leitungen und Anschlüsse etc. erfordern. Dass dies Kosten über
15'000 Franken verursachen würde, ist nachvollziehbar. Ebenso plausibel sind die vom
Beschwerdegegner angegebenen Baukosten. Es gibt keine konkreten Anhaltspunkte, dass
– wie von den Beschwerdeführenden geltend gemacht – die bestehende Lüftung ersetzt
werden müsste. Die für den kleinen Fumoirraum erforderliche Lüftung soll mit der
bestehenden Lüftung kombiniert werden.44 Der Beschwerdegegner hat dazu Unterlagen
eines Betriebs für Lüftung, Klima und Energietechnik eingereicht, die von der Vorinstanz
und der Stadt Langenthal nicht bemängelt werden. Es ist daher auf die vom
Beschwerdegegner angegebenen Umbaukosten abzustellen. Im Verhältnis zu diesen
Kosten sind die Kosten, die für den Einbau einer rollstuhlgängigen Toilette anfallen würden,
unverhältnismässig. Daneben ist weiter zu berücksichtigen, dass der Einbau einer
behindertengerechten Toilette nur im Bereich des grossen Saals des denkmalgeschützten
Kinos oder durch eine Vergrösserung der bestehenden Damentoilette möglich wäre. Die
erste Variante würde die Raumstruktur des denkmalgeschützten Gebäudes in einem
wichtigen Bereich tangieren. Die zweite Variante würde dazu führen, dass ein wichtiger
Fluchtweg im Erdgeschoss geschlossen werden müsste.45 Die Verpflichtung zur Erstellung
einer rollstuhlgängigen Toilette wäre deshalb aus mehreren Gründen unverhältnismässig.
Die Beurteilungen der Fachstelle procap und der Entscheid der Vorinstanz sind daher nicht
zu beanstanden.
8. Rechtsverwahrung
a) Die Beschwerdeführenden 6 und 7 machen schliesslich geltend, sie hätten im vor-
instanzlichen Verfahren beantragt, ihre Einsprache sei soweit geeignet auch als
Rechtsverwahrung zu betrachten. Die Vorinstanz habe aber ihre Rechtsverwahrung zu
Unrecht nicht vorgemerkt.
44 Protokoll des Augenscheins vom 3. Juli 2014, Seite 5 45 Vgl. Vorakten p. 52
26
b) Rechtsverwahrungen bezwecken die Orientierung der Baugesuchstellenden und der
Behörden über Privatrechte, die durch das Bauvorhaben berührt werden, und über
Entschädigungsansprüche, die daraus abgeleitet werden könnten (Art. 32 BewD46). Sie
dienen lediglich der Information über mögliche zivilrechtliche Forderungen. Für die
Durchsetzung sind die Parteien aber auf den zivilrechtlichen Weg verwiesen. Die
Rechtsverwahrungen werden im Baubewilligungsverfahren denn auch nicht geprüft und
haben keinen Einfluss auf den Bauentscheid, sondern sie werden der Bauherrschaft
lediglich zur Kenntnis gebracht. Im Bauentscheid wird darauf hingewiesen (vgl. Art. 36
Bst. f BewD).47 Der Beschwerdegegner hat im vorliegenden Verfahren von der
Rechtsverwahrung der Beschwerdeführenden 6 und 7 Kenntnis erhalten. Der
angefochtene Entscheid wird mit dem Hinweis auf die Rechtsverwahrung ergänzt.
9. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'400.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1
GebV48). Für den Augenschein vom 3. Juli 2014 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1
GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 400.00 erhoben. Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren betragen somit Fr. 1'800.00.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Da
die Beschwerdeführenden die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides und die
Erteilung des Bauabschlages beantragt haben, der vorinstanzliche Entscheid jedoch
weitgehend bestätigt wird, gelten die Beschwerdeführenden im Grundsatz als unterliegend.
Allerdings kann die erteilte Bewilligung nur mit zusätzlichen Auflagen bestätigt werden. Es
ist zudem zu berücksichtigen, dass die Vorinstanz eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
46 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 47 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 2 N. 4a und Art. 35 - 35c N. 3 48 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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begangen hat und diese geheilt werden musste. Dies sind besondere Umstände im Sinne
von Art. 108 Abs. 1 VRPG, weshalb auf einen Teil der Verfahrenskosten zu verzichten ist.49
Es rechtfertigt sich aus den genannten Gründen, den Beschwerdeführenden drei Sechstel
der Verfahrenskosten, ausmachend Fr. 900.00, und dem Beschwerdegegner zwei Sechstel
der Verfahrenskosten, ausmachend Fr. 600.00 zur Bezahlung aufzuerlegen. Da der Vor-
instanz keine Verfahrenskosten auferlegt werden können (Art. 108 Abs. 2 VRPG), werden
die restlichen Verfahrenskosten von Fr. 300.00 nicht erhoben.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Analog zur
Verlegung der Verfahrenskosten hat der Beschwerdegegner den Beschwerdeführenden
zwei Sechstel der Parteikosten zu bezahlen und der Vorinstanz wird aufgrund der
begangenen Gehörsverletzung ein Sechstel der Parteikosten der Beschwerdeführenden
auferlegt. Der Beschwerdegegner ist nicht anwaltlich vertreten und hat daher keinen
Anspruch auf Parteikostenersatz.
Der Anwalt der Beschwerdeführenden macht gesamthaft ein Honorar von Fr. 11'800.00
sowie einen Zuschlag für 2/3 Reisetag von Fr. 200.00, Auslagen von Fr. 701.00 und
Mehrwertsteuern in der Höhe von Fr. 1'016.10 geltend. Nach Art. 11 Abs. 1 PKV50 beträgt
das Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00
pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in
der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der
Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG51). Im vorliegenden Fall ist der gebotene
Zeitaufwand als überdurchschnittlich und die Schwierigkeit der Sache als durchschnittlich
zu werten. Angesichts der Baukosten gemäss Baugesuch von nur rund Fr. 75'000.00 und
der Tatsache, dass es sich nur um eine Umnutzung handelt, ist die Bedeutung der
Streitsache als unterdurchschnittlich einzustufen. Daher erscheint eine Ausschöpfung des
Gebührenrahmens von 60 % als gemessen. Dies ergibt ein Honorar von Fr. 7'240.00.
49 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 7 und N. 9; BVR 2004 S. 133 E. 3.1 50 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 51 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
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Hinzu kommen ein Zuschlag für 2/3 Reisetag von Fr. 200.00, Auslagen von Fr. 701.00 und
Mehrwertsteuern von Fr. 651.30. Dies ergibt total Fr. 8'792.30. Der Beschwerdegegner hat
davon den Beschwerdeführenden zwei Sechstel, ausmachend Fr. 2'930.75, zu bezahlen
und die Vor-instanz hat den Beschwerdeführenden ein Sechstel, ausmachend Fr. 1'465.40,
zu entschädigen.