Decision ID: e8faab43-8de8-5376-a6ab-84a8fb2f57a2
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der am 30. Januar 1977 geborene, als Bauarbeiter tätig gewesene
X._
ersuchte die Eidgenössische Invalidenversicherung (IV) mit Anmel
dung vom 1
2.
September 2008 unter Hinweis auf den Unfall vom 20. Juni 200
7
, bei dem sein Kopf zwischen einem Betonkübel und einer Betonmauer einge
klemmt worden war und der zu einer Nasenbeinfraktur, linksseitigen Lähmun
gen und Kopfschmerzen geführt hatte
(
Urk.
7/15/254,
Urk.
7/15/239)
, um einen
Elek
trorollstuhl
und eine Inva
lidenrente (Ur
k. 7
/3,
7
/12). Nach Einholung
der Akten
der Schweizerischen
Unfallversicherung
(SUVA; Urk. 7/15, 7/23, 7/28-29,
7/
34)
,
des Kostenvor
an
schlags vom 6. Dezember 2007
und
der
fachtechnische
n
Beurteilung
des
Y._
vom 25. Februar 2009
sowie
des Be
richts von
pract
.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin
,
vom 1
9
.
März
2009 (Urk.
7
/9-11,
7
/16) teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 13. Mai 2009 mit, einen Kostenbeitrag von Fr. 18'186.20 an den
Elektrorollstuhl
Optimus
zu leis
ten, der als Hilfsmittel leihweise abgegeben werde (Urk.
7
/19).
D
ie
von der
SUVA am 10. August 2010 mangels adäquater Unfallfolgen ver
fügte Leistungseinstellung
wurde
mit
Einspracheentscheid
vom 20. Dezember 2010
beziehungsweise mit in Rechtskraft erwachsenem Urteil des hiesigen Ge
richts vom 30. Juli 2012
bestätigt
(Urk.
7
/29,
7
/36
, 7/83
)
.
Am 17. März 2011 wurde gegen
X._
ein Strafverfahren we
gen Hehlerei und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz eröffnet (Urk. 7/65-67).
Gestützt auf das von ihr eingeholte polydisziplinäre Gut
achten des
A._
vom 20. Oktober 2011 (Urk. 7/56) kündigte d
ie IV-Stelle
ihm
mit Vorbescheid vom 12. November 2012 die wiedererwägungsweise Aufhebung der Mitteilung vom 13. Mai 2009 be
treffend Zusprechung des Elektrorollstuhls (Urk. 7/74) und mit Vorbescheid vom 2. April 2013 (Urk. 7/87)
die Ablehnung seines Leistungsgesuchs
(
Rente
)
an.
Die Verfügung betreffend Ablehnung einer Invalidenrente erging am 7. Juni 2013
(Urk. 7/93), diejenige betreffend Wi
e
dererwägung am 3. September 2013 (Urk. 2). Das hiesige Gericht trat auf die
dagegen
am 16. Juli 2013 erhobene
, unter der Verfahrensnummer IV.2013.00665 anhängig gemachte
Beschwerde des Versi
cherten mit Beschluss vom 30. September 2013 nicht ein
(Urk. 10)
.
2.
A
m 4
. September 2013
wandte sich der Versicherte gegen eine Rückgabe des Elektrorollstuhls und reichte die entsprechende am Vortag ergangene
Wiederer
wägungsverfügung
ein (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 1. Oktober 2013 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6)
, wovon dem Be
schwerdeführer am 14. Oktober 2013 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
9).
Das Gericht nahm sodann von Amtes wegen den Beschluss vom 30. September 2013 betreffend das Verfahren IV.2013.00665 in Sachen der Parteien als
Urk.
10 zu den Akten.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
21
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste An
spruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwe
cke der funktionellen Angewöhnung be
darf. Ferner bestimmt
Art.
21
Abs.
2 IVG, dass Versicherte, die infolge ihrer In
va
li
di
tät für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Um
welt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, im Rahmen einer vom Bun
des
rat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel haben. Die Versicherung gibt die Hilfsmittel zu Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Ausführung ab. Er
setzt ein Hilfsmittel Gegenstände, die der Versicherte auch ohne Invalidität an
schaffen müsste, so hat er sich an den Kosten zu beteiligen (
Abs.
3).
Laut
Art.
2
der
Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invaliden
versiche
rung (HVI)
besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fortbewegung, die Herstel
lung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die
Selbst
sorge
notwendig sind (
Abs.
1).
Die Hilfsmittelliste sieht in Ziff. 9.02 Elektrorollstühle für Versicherte vor, die einen gewöhnlichen Rollstuhl nicht be
dienen und sich nur dank elektro
motori
schem Antrieb selbständig fort
bewegen können, und hält fest, dass die Abgabe leihweise erfolgt.
Die Invalid
i
tät im Sinne von Art. 21 IVG wird in Anlehnung an die
Begriffs
merkmale
von Art. 4 Abs. 1 und Art. 8 Abs. 1 IVG konkretisiert:
Namentlich
ist die Voraussetzung der längere Zeit dauernden Beeinträchtigung dann erfüllt, wenn das Hilfsmittel voraussichtlich während mindestens eines Jahres benötigt wird, wobei es auf die Prognose im Zeitpunkt der Verfügungserlasses ankommt.
Der Anspruch auf Hilfsmittel ist nicht an einen gesetzlichen
Mindestinvalidi
täts
grad
geknüpft. Es braucht aber immer eine erhebliche gesundheitliche Beein
trächtigung, welche die Versorgung mit dem fraglichen Behelf erfordert, wozu nötigenfalls ärztliche Angaben einzuholen sind
(vgl. Meyer, Rechtspre
chung des Bundesgerichts zum IVG,
2.
Auflage, Zü
rich 2010, S. 217 mit Hin
weisen).
1.
2
Laut Art. 53
Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversi
cherungsrechts
(ATSG) müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide
in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsa
chen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht mög
lich war.
Die (prozessuale) Revision ist gestützt auf
Art.
55
Abs.
1 ATSG nur innerhalb der in
Art.
67
des Verwaltungsverfahrensgesetzes (
VwVG
)
enthaltenen Fristen zulässig. Nach
Abs.
1 dieser Bestim
mung ist eine relative 90-tägige Frist zu be
achten, die mit der Entdeckung des Revi
sionsgrundes zu laufen beginnt
(Urteil des Bundesgerichts 9C_491/2012 vom 2
2.
Mai 2013 E. 2.1.1 mit Hinweisen).
1.
3
Der Versicherungsträger kann
nach Art. 53 Abs. 2 ATSG
auf formell rechts
kräf
ti
ge Verfügungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zwei
fel
los unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von er
heblicher Bedeutung ist
.
Die Frage nach der zweifellosen Unrichtigkeit beurteilt sich nach der Rechtslage im Zeitpunkt des Verfügungserlasses,
einschliesslich
der damaligen Rechtspraxis (
Urteil 9C_33/2014 vom 2
6.
März 2014
E. 1 mit Hinweis
,
vgl.
BGE 138 V 147
E. 2.1)
.
Erscheint die Beurteilung einzelner ermessensgeprägter Schritte der
An
spruchsprüfung
vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage sowie der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung als vertret
bar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Ansonsten würde die Wiedererwägung zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung, was sich nicht mit dem Wesen der Rechtsbeständigkeit formell zugesprochener Dau
erleistungen vertrüge (Urteil des Bundesgerichts
8C_918/2013 vom 1
9.
März 2014
E. 2
mit Hinweisen).
2.
Der leihweisen Abgabe eines Elektrorollstuhles liegt keine Verfügung im Sinne von Art. 49 Abs. 1 ATSG zugrunde. Vielmehr wurde dem Beschwerdeführer diese Leistung mit der Mitteilung vom 13. Mai 2009 (Urk. 7/19) im formlosen Verfahren gemäss Art. 51 ATSG zugesprochen. Da diesbezüglich keine Verfü
gung verlangt wurde, ist dieser Entscheid in Rechtskraft erwachsen und es hat sich eine Rechtslage ergeben, die mit derjenigen bei formellen Verfügungen übereinstimmt
. Entsprechend war es der
IV-Stelle
benommen, vorausset
zungs
los auf den formlosen Entscheid zurückzukommen
,
und beruft sie sich zu Recht auf einen
Rückkommenstitel
gemäss Art. 53 ATSG
(vgl.
Kieser
, ATSG-Kom
mentar,
2.
Auflage, Zürich 2009,
Rz
. 19 zu Art. 51).
3.
Ob
das Gutachten des
A._
vom
20. Oktober 2011, das der IV-Stelle am 27. Oktober 2011 zugestellt wurde (Urk. 7/56 S. 1), bezüglich des Gesundheits
zustandes im Zeitpunkt der Rollstuhlabgabe überhaupt als nachträgliches neues Beweismittel im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG in Betracht fällt,
kann offen gelassen werden. Denn die
Rückkommensverfügung
erging erst am 3. September 2013, als die
90-tägige
Revisionsfrist
, die mit dem Eingang des Gutachtens bei der IV-Stelle zu laufen begann (vgl.
vorstehende E. 1.2 und
Ur
teil des Bundesgerichts
9C_870/2013 vom 2
9.
April 2014
E.
4.4)
längst verstri
chen war.
Zu prüfen bleibt, ob der
von der IV-Stelle angerufene
Rückkommenstitel
der Wiedererwägung
gemäss
Art. 53 Abs. 2 ATSG
gegeben ist.
3.
3.1
Zur Begründung
d
er
Wiedererwägung
verwies
die IV-Stelle
in der angefochte
nen Verfügung wie auch in der Beschwerdeantwort
auf
das Gutachten de
s
A._
vom 20. Oktober 201
1.
Danach sei
eine möglichst rasche Entwöhnung vom Elektrorollstuhl anzustreben. Der Versicherte, der offensichtlich in der Lage sei, auch ohne Hilfsmittel auf ebenem Terrain zu gehen, sei in der angestammten Tätigkeit im Baugewerbe zu mindestens 80 % arbeitsfähig. Einschränkungen am linken Arm und Bein hätten nicht nachgewiesen werden können und seien or
thopädisch nicht erklärbar.
Der Anspruch auf einen Elektrorollstuh
l
sei nicht mehr ausgewiesen
, weshalb d
ieses Hilfsmittel zurückzugeben
sei
(Urk. 2 S. 1
und Urk. 6, je mit Hinweis auf Urk. 7/56
).
Damit beruft sich die IV-Stelle lediglich auf das Resultat der mehr als zwei Jahre nach der Rollstuhlabgabe
vom 13. Mai 2009
erfolgten umfassenden medi
zinischen Abklärungen
im
A._
. Darin wird
aus psychiatrischer, orthopädischer und neurologischer Sicht aufgrund der Diagnose chronische Kopfschmerzen bei Status nach Schädel-Hirntrauma am 20. Juni 200
7
mit Commotio cerebri und Verdacht auf Analgetika-induzierte Komponente hinsichtlich der
Arbeitsfähig
keit als Bauarbeiter
lediglich ein
um höchstens 20 % verminderte
s
Rendement bescheinigt
. D
er
darin
des weiteren diagnostizierten
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.0) beziehungsweise differenzialdiagnostisch in Betracht gezogenen Symptomausweitung und Selbstlimitierung mit auf organischer Ebene nicht er
klärbarer funktioneller Störung mit sensomotorischem
Hemisyndrom
links
wird
kein E
i
nfluss auf die Arbeitsfähigkeit zuerkannt
. Auch wird festgehalten
, dass die nach ICD-10
geforderten Kriterien einer post
t
raumatischen
Belastungsstö
rung
aktuell nicht objektivierbar seien (Urk. 7/56 S. 19
, 29 ff.)
.
Inwiefern
die
Rollstuhlabgab
e
jedoch
im Lichte der damaligen Akten
lage
, insbesondere der bereits
damals
beigezogenen SUVA-Akten (Urk. 7/15),
zweifellos unrichtig war, legt
d
ie
IV-Stelle
nicht dar
, weshalb dies
nachfolgend
näher zu pr
ü
fen
ist
.
3.
2
Im Austrittsbericht der
B._
vom 13. November 2007
w
u
rden un
ter anderen als Diagnosen eine dissoziative Parese des linken Armes und des linken Beines, eine posttraumatische Belastungsstörung mit Verdacht auf bipo
lar-affektive Störung sowie ein Status nach
Perianalvenenthrombose
(Inzision am 10. Juli 2007) angeführt. Als aktuelle Probleme w
u
rden nebst starken rechtsseitigen Kopfschmerzen ein ausgeprägtes Schwächegefühl und
Anders
empfinden
der linken Köperhälfte, eine schmerzhafte linke obere Extremität, vor allem im Schulterbereich, und ein schmerzhaftes Hüftgelenk links
genannt
(Urk.
7/15
S.
176).
Im Austrittsbericht vom 6. Dezember 2007 diagnostizierten die Ärzte der
C._
unter anderem eine posttraumatische
Be
las
tungsstörung
mit Mindergebrauch der linken Extremitäten (ICD 10 F43.1) sowie einen Status nach Arbeitsunfall am 20. Juni 2007 mit schwerem
Schädel
hirn
trauma
, nicht dislozierter Nasenbeinfraktur, leichter Sprengung
Sutura
fron
to-zygomatica
links mit
Galeahämatom
und eine Weichteilschwellung am Hals links
(Urk. 7/15
S.
164).
Im Protokoll der SUVA über die am 23. November 2007 erfolgte Besprechung mit dem Versicherten
wurde festgehalten, wegen der akuten Schmerzsituation sei es diesem derzeit nicht möglich, ohne Hilfe aus dem Hause zu gehen. Sollte eine Fortbewegung auch aus hausärztlicher Sicht nicht möglich sein, so werde die SUVA die Kosten für die vorübergehende Rollstuhlmiete übernehmen (Urk.
7/15 S.
173).
Laut Kostenvoranschlag der
D._
vom 6. Dezember 2007 wurde zur Überwindung von Hindernissen und zum Zurück
legen von weiten Distanzen ein sich besonders für den Aussenbereich eignender Elektrorollstuhl benötigt
, und zwar mit einer elektrischen
,
selbständig und ohne Transfer
zu bedienenden
Rückenwinkelverstellung, u
m den Rücken und den Oberkörper unterschiedlich belasten zu können. A
ngesichts des
enormen tägli
chen Bewegungsradius des
Versicherte
n
seien
eine verstärkte Batterieversion und ein entsprechendes Ladegerät notwendig (Urk. 7/9).
Der Aktennotiz der SUVA vom 19. Dezember 2007 ist zu entnehmen, dass auf
grund des unfallbedingten Verletzungsbildes der Gebrauch eines Rollstuhles an und für sich nicht ausgewiesen sei. Im Sinne einer Ausnahme könne die Miete
eines von der
Y._
unterhaltenen, nicht mehr gebrauchten Rollstuhles tempo
rär übernommen werden (Urk.
7/15 S.
163). Am 20. Dezember 2007 erfolgte ein entsprechender Auftrag, und dem Versicherten wurde mitgeteilt, nach Rück
sprache mit dem Hausarzt, dem SUVA-Kreisarzt sowie der
Y._
sei die
Roll
stuhlmiete
organisiert worden (Urk.
7/15 S.
158, 161).
Am 22. Januar 2008
hielt
E._
von der
Y._
gegenüber
der SUVA
fest
,
der
Auftrag werde
ab
geschlossen
, die geplante Ab
gabe eines geeigneten Rollstuhls sei am Widerstand des Versicherten, der grund
sätzlich andere Vorstellungen bezüglich der ihm zustehenden Hilfsmittel und Versicherungsleistungen habe und
nur
den in der Offerte der
D._
ange
führ
ten Elektrorollstuhl als für seine Bedürfnisse geeignet erachte, gescheitert. Laut eigenen Aussagen benötige
d
er
Versicherte
im Innenbereich keine Unter
stützung und könne
er
im Aussenbereich zirka 300 m selbständig gehen (Urk.
7/15 S.
155).
Am 12. Februar 2008 teilte die SUVA dem Versicherten
unter anderem
mit, sie könne sich aufgrund der reinen Unfallfolgen an den Kosten
für die Benutzung eines elektronischen Rollstuhls nicht beteiligen. Um den Beschwerden auf den Grund zu gehen
,
sei aber
eine
vom Hausarzt zu veranlassende
MRI-Untersu
chung des Schädels sowie eine neurologische und neuropsychologische Un
ter
suchung im
F._
erforderlich
(Urk.
7/15 S.
139). Der Versi
cherte wies am 14. Februar 2008 darauf hin, halbseitig gelähmt zu sein (Urk.
7/15 S.
136).
Am 3
0.
April 2008 berichtete
Hausarzt
Z._
,
die
genannten
Abklärungen
hätten kein somatisches Ergebnis erbracht. Es deute alles auf eine posttrauma
tische Belastungsstörung hin
(Urk.
7/15 S.
128). D
ie
daraufhin für die Behand
lung beigezogene
Psychologin
li
c
.
p
hil
.
G._
b
estätigte die Diagnose einer po
st
t
rau
m
a
tischen Belastungsstör
u
n
g
. Die Körpersymptom
e
und Zustände ver
mi
n
der
ter Ansprechbarkeit seie
n
vereinbar mit einer dissoziativen Störung
(Urk.
7/15 S.
72)
.
Z
uhanden
des Migrationsamtes
hielt Hausarzt
Z._
am 2. September 2008 fest, der Versicherte leide insbesond
e
re an einer schwer ausgeprägten p
os
t
trau
ma
tischen Belastungsstörung mit körperlichen Symptomen. Die nach
träglich aufgetretenen Bewegungseinschränkungen seien weiterhin vorhanden; der linke Arm sei vollständig gelähmt. Auch im linken Bein bestehe eine Läh
mung, wobei dieses in Streckhaltung zum Gehen noch belastbar sei (Urk.
7/15 S.
64).
Die SUVA teilte
am 2. Dezember 2008 schliesslich auch
der IV-Stelle mit, sie könne
mangels organischer Unfallfolgen
für den
Elektrorollstuhl
nicht auf
kommen. Aufgrund der umfangreich
en
medizinischen Abklärungen sei die halbseitige Lähmung somatisch nicht erklärbar (Urk. 7/6).
Die
daraufhin
von der IV-Stelle veranlasste
, nunmehr vom Berater
H._
verfasste
fachtechnische Beurteilung der
Y._
vom 25. Februar 2009 ergab, dass der Versicherte den Rollstuhl für tägliche Kommissionen und
Therapiebe
suche
benötige
.
U
nter Berücksichtigung der aktuellen Preise und nicht
invalidi
tätsbedingter
Zusatzpositionen
w
u
rde
eine Kostenbeteiligung
in der Höhe
von Fr. 18‘186.20
empfohlen
(Urk. 7/10).
Hausarzt
Z._
führte im
„
Arzt
bericht: Hilfsmittel“
vom
19. März 2009
die Diagnosen
schweres posttraumatisches Belastungssyndrom, armbetonte He
mi
plegie links und
frozen
shou
lder
links
an
.
Als weitere Befunde
gab er
Verspan
nungen im Nacken-/Schul
terbereich und Kopfschmerzen an.
Auch sei d
as Ge
hen über länger
e
Strecken erschwert
,
der Patient könne nur kürzere Str
e
cken ohne Hilfsmittel zurücklegen,
ansonsten
würden Schwächen in den Beinen auf
treten, zum Teil mit Schmerzangaben
. Die Frage
nach der Notwendigkeit eines Rollstuhles beziehungsweise
, ob die selbständige Fortbewegung nur dank elektromotorischem Antrieb möglich sei, blieb unbeantwortet
(Urk. 7/16)
.
3.3
Bei der
Zusprache
des Elektrorollstuhls
am 1
3.
Mai 2009
fehlte
somit
jegliche
medizinische Begründung
für dessen inv
aliditätsbedingte Notwendigkeit
.
Auch stand fest, dass die geltend gemachten linksseitigen Lähmungen von Arm und Bein nicht organisch bedingt waren.
Soweit die
se
als dissoziative Parese (Urk. 7/15/176)
oder dissoziative Störung (Urk. 7/15
S.
72) bezeichnet wurde
n
, so konnte
spätestens seit dem Urteil des Bundesgerichts
9C_903/2007 vom 3
0.
April 2008
und dessen Erwägung 3.4
keine Unsicherheit darüber bestehen
, dass
die für
die
anhaltende
n
somatoforme
n
Schmerzstörungen
in BGE
130
V 352
entwickelte Praxis
auch
auf die
dissoziative Bewegungsstörung
anwendbar ist
, wozu
laut
F44.4
der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V
,
insbesondere partielle und vollständige Lähmungen
zählen
, die nicht mit einer körperlichen Ursache erklärbar sind
(
Dil
ling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
9.
Aufl. 201
4
, S.
219,
2
21)
.
Da keine Anhalts
punkte für das Vorhan
den
sein von Kriterien
bestanden
, die ausnahmsweise für die Unzumutbarkeit der willentlichen
Überwindung der Schmerzen beziehungs
weise Lähmungserscheinungen
sprachen,
und die bisweilen angeführte post
traumatische Belastungsstörung
(Urk. 7/15 S. 16, 64,
72, 128, 164,
176
) das Kriterium einer
ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensi
tät, Ausprägung und Dauer
nicht erfüllte, fielen die Lähmungserscheinungen als invalidisierende Krankheit
, wie sie auch für die Abgabe eines Hilfsmittel vor
ausgesetzt wird,
von vornherein
ausser
Betracht
.
3.4
Die
im Mai 2009 erfolgte
Abgabe des Elektrorollstuhles an den
Versicherten
liess
sich somit angesichts der damaligen Sach- und Rechtslage nicht vertreten
und
erweist sich daher als zweifellos unrichtig
. Aufgrund der beträchtlichen Kosten, die mit der Anschaffung dieses Hilfsmittels verbunden waren
und bei allfälligen Reparaturen und Anpassungen auch in Zukunft entstehen können (vgl. Art. 7 Abs. 2 HVI)
, ist zudem davon auszugehen, dass die
Berichtigung des Entscheides vom 13. Mai 2009 von
erheblicher Bedeutung
ist.
Folglich
ist
die
angefochtene
Wiedererwägungsverfügung
im Ergebnis nicht zu beanstanden. Da der Beschwerdeführer somit gar keinen Anspruch auf den ab
gegebenen Rollstuhl hatte, kann dessen Rückgabe nicht davon abhängen, ob die von den Gutachtern des
A._
dringend empfohlene Entwöhnung vom Rollstuhl
(Urk. 7/56 S. 31) gegeben ist oder nicht, wie dies in der Beschwerde geltend ge
macht wird (Urk. 1).
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
4.
Die gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG anfallenden und mit Fr.
8
00.-- zu bemessen
den Kosten sind ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.