Decision ID: 62987d73-f578-4ca2-bc43-b012595889d0
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. ist zugelassener Rechtsanwalt und in der st. gallischen EU-/EFTA-Liste der vor
schweizerischen Gerichtsbehörden zugelassenen Anwälte eingetragen (act. 9/4). Er ist
zudem einziger Gesellschafter der Y. GmbH, die er als einziger Geschäftsführer mit
Einzelunterschrift vertritt; im Handelsregister sind keine weiteren Beteiligten oder
Zeichnungsberechtigten eingetragen (act. 9/2).
B. Im Sommer 2014 berichtete eine Zeitung über die Bemühungen von Anlegern,
gegenüber Vermögensverwaltern ihre Ansprüche auf zurückbehaltene Retrozessionen
durchzusetzen (act. 9/1). Unter anderem wurde wörtlich ausgeführt:
... Dass der Gang vor das Gericht insbesondere in der Schweiz teuer ist, hat sich auch
in deutschen Kreisen herumgesprochen. Eine Alternative dazu propagieren jetzt findige
Anwälte. Zu ihnen gehört der Deutsche X.Y., Anwalt und Notar in Z., der in Deutschland
auch als Steuerberater tätig ist. „Viele Anleger dürften bislang vor den mit der
Geltendmachung der Ansprüche verbundenen Umtrieben und Risiken
zurückgeschreckt sein“, erklärt er. Diese Anleger können ihre Ansprüche an seine
Treuhandgesellschaft abtreten. Diese prüft, ob die Voraussetzungen gegeben sind, und
fordert die Retrozessionen dann bei Banken und Vermögensverwaltern zurück.
Das hat für den Kunden seinen Preis: „Im Erfolgsfall fliessen 60 Prozent des Erlöses
nach Kostenabzug an die Anleger und 40 Prozent an die Treuhandfirma“. Bei
Misserfolg müssten die Kunden nichts bezahlen, so X.Y. ...
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X.Y. bot entsprechende Hilfe auf der Homepage www. ... an, auf der sowohl die Y.
GmbH (Inhaltsübersicht links) als auch die Kanzlei X.Y. (Inhaltsübersicht rechts)
vorgestellt werden. Sämtliche Informationen zu den links und rechts aufgelisteten
Einträgen werden zentral zwischen den beiden weiterhin sichtbar bleibenden
Inhaltsübersichten wiedergegeben. Unter dem auf der linken Seite angebrachten
Eintrag „Projekt ‚Retrozessionsherausgabeansprüche‘“ wurden Interessenten gebeten,
sich bei Fragen an
Herrn X.Y.
Geschäftsführer der Y. GmbH
Rechtsanwalt, Notar, Steuerberater
zu wenden (act. 9/3).
C. Die Anwaltskammer eröffnete am 29. Juli 2014 gegenüber X.Y. wegen des
Verdachts, das Verbot des Erfolgshonorars zu verletzen, ein Disziplinarverfahren. X.Y.
brachte vor, es handle sich um „ein reines Projekt der Y. GmbH“. Im Zusammenhang
mit diesem Projekt sei er weder bisher als Rechtsanwalt tätig gewesen noch
beabsichtige er, zukünftig als Rechtsanwalt tätig zu werden. Er reichte einen Entwurf
der Kundenvereinbarung und die Unterlagen zur – nach seiner Darstellung – einzigen
am 6./26. Mai 2014 vereinbarten Abtretung (act. 6/13 und 14) ein, bei der allerdings
bereits am 27. August 2014 eine Rückabtretung vorgenommen worden sei (act. 6/15).
Die Anwaltskammer weitete in der Folge das Verfahren auf den Verdacht der
Verletzung des Gebots der Unabhängigkeit und des Verbots der Interessenkollision
aus. In der Folge teilte X.Y. der Anwaltskammer mit, er habe das Projekt „ad acta“
gelegt (act. 9/12). Die Rechtsanwaltskammer Freiburg/D als zuständige Stelle des
Herkunftsstaates von X.Y. machte von der Möglichkeit, sich zum Verfahren vernehmen
zu lassen, keinen Gebrauch. Mit Entscheid vom 1. Dezember 2014 stellte die st.
gallische Anwaltskammer fest, Rechtsanwalt X.Y. habe gegen das Verbot des
Erfolgshonorars verstossen, und büsste ihn mit CHF 1‘000.
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D. X.Y. (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 17. Dezember 2014 versandten
Entscheid der Anwaltskammer (Vorinstanz) mit Eingabe vom 31. Dezember 2014 und
Ergänzung vom 29. Januar 2015 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den
Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid
vollumfänglich aufzuheben und die Rechtsanwaltskammer Freiburg/D entsprechend zu
informieren.
Die Vorinstanz beantragte am 6. Februar 2015 unter Hinweis auf die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid die kostenfällige Abweisung der Beschwerde.
Auf die Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid und des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit

wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 34 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte [Anwaltsgesetz;
SR 935.61, BGFA] in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 des st. gallischen Anwaltsgesetzes
[sGS 963.70, AnwG]). Der Beschwerdeführer, den die Vorinstanz wegen Verletzung der
Berufspflichten disziplinarisch mit CHF 1‘000 büsste, ist zur Erhebung der Beschwerde
befugt (Art. 34 Abs. 1 BGFA in Verbindung mit Art. 64 und Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerde wurde mit
Eingabe vom 31. Dezember 2014 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 29. Januar 2015 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. Die Abnahme der vom Beschwerdeführer gestellten Beweisanträge – seine eigene
Befragung und die Befragung von Zeugen sowie ein „Augenschein“ auf der Website
www. ... – ist nicht erforderlich.
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Zum Anspruch auf rechtliches Gehör, wie er sich für das Verfahren vor
Verwaltungsgericht aus Art. 64 in Verbindung mit Art. 12 und 15 VRP und aus Art. 29
Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV)
ableitet, gehört das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine
Rechtsstellung eingreifenden Entscheides zur Sache zu äussern sowie das Recht auf
Abnahme der rechtzeitig und formrichtig angebotenen rechtserheblichen Beweismittel
(BGE 127 I 54 E. 2b). Indessen räumt Art. 29 Abs. 2 BV keinen Anspruch auf eine
mündliche Anhörung ein (BGE 130 II 425 E. 2.1). Auch steht die Verfassungsgarantie
einer vorweggenommenen Beweiswürdigung nicht entgegen. Das Gericht kann auf die
Abnahme von Beweisen verzichten, wenn es aufgrund bereits abgenommener Beweise
seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür annehmen kann, seine Überzeugung
werde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert (BGE 134 I 140 E. 5.3; 130 II
425 E. 2.1; BGer 2C_276/2011 vom 10. Oktober 2011, in BGE 137 II 393 nicht
veröffentlichte E. 2.1).
Der Sachverhalt ist umfassend der schriftlichen Darstellung zugänglich. Dies gilt nicht
nur für die Vorbringen des Beschwerdeführers selbst, sondern auch für die nach seiner
Auffassung wesentlichen Inhalte der Aussagen des angeblichen stillen Gesellschafters
der Y. GmbH, der Geschäftsführerin der seine Website gestaltenden K. GmbH und des
Verwaltungsrats der B. AG. Deren Aussagen sind denn auch in Form eines E-Mails (act.
6/26), eines Bestätigungsschreibens (act. 6/21) und von Ausdrucken aus der
entsprechenden Internetseite (act. 6/25) aktenkundig. Die behaupteten Tatsachen – die
stille Beteiligung an der Y. GmbH von 70 Prozent, die Aufschaltung des Eintrags auf
der Website www. ... erst nach dem einzigen Abschluss eines entsprechenden
Abtretungsvertrags und der Umstand, dass die B. AG angeblich das exakt gleiche
Geschäftsmodell anbietet – sind zudem für den Ausgang des Verfahrens – wie sich aus
den weiteren Erwägungen ergibt – nicht von Belang. Schliesslich wird der wesentliche
Inhalt der Internetseite des Beschwerdeführers aus den entsprechenden in den Akten
liegenden Ausdrucken ersichtlich.
3. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe mit dem Angebot zum Projekt
„Retrozessionsherausgabeansprüche“ und dem Abschluss einer entsprechenden
Vereinbarung in einem konkreten Einzelfall das anwaltsrechtliche Verbot des
Erfolgshonorars nicht verletzt.
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3.1. Art. 12 Ingress und lit. e BGFA verbietet es Rechtsanwälten, vor Beendigung eines
Rechtsstreits mit dem Klienten eine Vereinbarung über die Beteiligung am
Prozessgewinn als Ersatz für das Honorar abzuschliessen; sie dürfen sich auch nicht
dazu verpflichten, im Fall eines ungünstigen Abschlusses des Verfahrens auf das
Honorar zu verzichten. Ob das soweit möglich verfassungsmässig ausgelegte Verbot
zu einem nach Auffassung des Beschwerdeführers unzulässigen Eingriff in die durch
Art. 27 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV)
gewährleistete Wirtschaftsfreiheit führt, kann angesichts des Anwendungsgebots von
Art. 190 BV offen bleiben (vgl. K. Schiller, Das Erfolgshonorar nach BGFA, in: SJZ
100/2004 S. 353 ff., S. 356; vgl. auch W. Fellmann, in: Fellmann/Zindel [Hrsg.]
Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011, N 121 zu Art. 12 BGFA mit Hinweisen).
3.2. Der Beschwerdeführer hat im Rahmen des Projekts
„Retrozessionsherausgabeansprüche“ unbestrittenermassen am 6./26. Mai 2014 mit
einem Kunden eine Vereinbarung mit dem von der Vorinstanz als standeswidrig
beurteilten Inhalt abgeschlossen (act. 6/13 und 14). Ein Verstoss gegen das Verbot von
Art. 12 Ingress und lit. e BGFA liegt bereits mit dem Abschluss einer unzulässigen
Honorarvereinbarung vor; anwaltliches Tätigwerden, Fälligkeit oder Leistung des
Honorars sind dazu nicht erforderlich (vgl. K. Schiller, Das Erfolgshonorar nach BGFA,
in: SJZ 100/2004 S. 353 ff., S. 357; Ders., Schweizerisches Anwaltsrecht, Zürich/Basel/
Genf 2009, Rz. 1621). Dass die Beteiligten am 27. August 2014 offenbar bereits bevor
der Anspruch durch die Y. GmbH klageweise geltend gemacht worden war, die
Rückabtretung des Anspruchs vereinbarten und die Vereinbarung vom 6./26. Mai 2014
als unwirksam erklärten (act. 6/15), ist deshalb für die weitere Beurteilung nicht von
Belang. Ebenso wenig ist von Belang, ob die Vereinbarung vom 6./26. Mai 2014
aufgrund des Angebots auf der Internetseite des Beschwerdeführers zustande kam.
Der Inhalt der Internetseite bleibt von Belang, zumal nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung selbst das Angebot für die Feststellung der Verletzung des Verbots
des Erfolgshonorars ausreicht (vgl. den Sachverhalt in BGer 2A.98/2006 vom 24. Juli
2007; kritisch Schiller, Anwaltsrecht, a.a.O., Rz. 1621).
3.3. Das Verbot ist auf den förmlichen Prozess begrenzt. Das Verbot gilt also nur für die
forensische Tätigkeit. Ausserhalb des Verfahrens vor Behörden ist die Vereinbarung
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eines Erfolgshonorars auch in strittigen Angelegenheiten zulässig (vgl. Fellmann, a.a.O.,
N 125 zu Art. 12 BGFA).
Aus der Vereinbarung vom 6./25. Mai 2014 (act. 6/13) ergibt sich, dass die Y. GmbH
die – mit separater Vereinbarung (act. 6/14) – an sie abgetretenen
„Retrozessionsherausgabeansprüche“ „im eigenen Namen geltend machen und
durchsetzen kann und soll“. „Die Gesellschaft und ihre Kooperationspartner“ seien
„fachlich in der Lage und willens“, „die Retrozessionsherausgabeansprüche ...
schlussendlich durchzusetzen“. Gemäss Ziffer 2 verzichtet der Anleger unter anderem
darauf, „Verfahren einzuleiten, Rechtsmittel zu ergreifen, etwa von der Gesellschaft
angestrengte Klagen auszudehnen“. In Ziffer 4 erklärt sich die Y. GmbH im Gegenzug
zur Abtretung bereit, „im eigenen Namen, im eigenen Ermessen und auf eigenes Risiko
Recherchen, Vergleichsverhandlungen und etwa geeignete gerichtliche und
aussergerichtliche Rechtsverfolgungsmassnahmen ... durchzuführen“ (act. 9/10
Beilage = act. 6/13). Die Honorarabrede, welche der Anleger mit der Y. GmbH traf, gilt
damit auch für den Fall, dass zur Geltendmachung der Ansprüche ein gerichtliches
Verfahren beschritten wird.
3.4. Art. 12 Ingress und lit. e BGFA verbietet Vereinbarungen über die Beteiligung am
Prozessgewinn als Ersatz für das Honorar vor Beendigung des Rechtsstreites. Nach
dem Wortlaut der Bestimmung ist einzig das reine, ausschliesslich vom Erfolg
abhängige Honorar verboten. Kein reines Erfolgshonorar und deshalb nach dem
Wortlaut grundsätzlich zulässig ist eine Entschädigung, die neben der
Erfolgskomponente auch erfolgsunabhängige Bemessungskriterien aufweist (vgl.
Schiller, Erfolgshonorar, a.a.O., S. 357). Jedenfalls verboten ist aber entsprechend dem
klaren Wortlaut der Bestimmung der Verzicht auf ein Honorar im Fall des ungünstigen
Abschlusses des Verfahrens.
Ziffer 6 der vom Beschwerdeführer eingereichten Vereinbarung vom 6./25. Mai 2014
(act. 6/13) sieht für den Fall erfolgreicher Rechtsverfolgungsmassnahmen vor, dass
dem Anleger Ende 2019 60 Prozent der Summe aller realisierten Ansprüche abzüglich
anteiliger Bearbeitungs- und Rechtsverfolgungskosten vergütet werden. Zu den
„Rechtsverfolgungskosten“ im Erfolgsfall gehören gemäss Ziffer 9c der Vereinbarung
insbesondere die Kosten der Gesellschaft und derer Kooperationspartner aufgrund
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angefallener Arbeitszeiten und Spesen und die Kosten, die der Gesellschaft durch
Dritte im Zusammenhang mit dem „Projekt Retrozessionsherausgabeansprüche“ in
Rechnung gestellt wurden; darunter fallen auch Gerichts- und Behördenkosten oder -
gebühren und Rechtsanwaltskosten. Für den Einsatz „hochqualifizierter“
Sachbearbeiter wie „Berufsträger“ und „Finanzproduktspezialisten“ wird ein
Stundenansatz von CHF 150 bis 250 in Aussicht gestellt. Ob auch für die
Prozessaufwendungen des Rechtsanwalts ein solcher Satz gilt, ist unklar. Unklar ist
damit auch das Gewicht des Erfolgsanteils zur Honorarentschädigung im Rahmen der
Kostenanrechnung. Ob eine solche Vereinbarung im Lichte von Art. 12 Ingress und lit.
e BGFA per se oder weil sie bereits vor der Beendigung des Rechtsstreits
abgeschlossen wurde, unzulässig wäre, kann indessen offen bleiben.
Die Vereinbarung vom 6./25. Mai 2014 hält in Ziffer 5 fest, dass die Y. GmbH keine
Kosten erhebt, wenn die vom Anleger abgetretenen Ansprüche nicht werthaltig
scheinen oder sich die ergriffenen Rechtsverfolgungsbemühungen als erfolglos
erweisen. Klar und unbestritten ist dementsprechend, dass Anleger, deren von der Y.
GmbH übernommene Herausgabeansprüche nicht durchgesetzt werden können, auch
die Kosten eines – erfolglosen – gerichtlichen Verfahrens inklusive Kosten der
Rechtsvertretung nicht bezahlen müssen. Inhaltlich entspricht diese Vereinbarung
dementsprechend einer Honorarabrede, wie sie zugelassenen Rechtsanwälten gemäss
Art. 12 Ingress und lit. e BGFA ausdrücklich untersagt ist.
3.5. Dem Projekt „Retrozessionsherausgabeansprüche“ des Beschwerdeführers liegt
die Idee zugrunde, Ansprüche der Anleger durch Abtretung in der Y. GmbH zu bündeln
und ihr die Durchsetzung in eigenem Namen und auf eigene Rechnung zu überlassen.
Die Finanzierung soll mit den von der Gesellschaft erfolgreich durchgesetzten
Ansprüchen, welche zu 40 Prozent bei ihr verbleiben, sichergestellt werden. Umstritten
ist zwischen den Beteiligten, inwieweit Abschluss und Inhalt der Vereinbarung eines
Erfolgshonorars mit den Anlegern dem Beschwerdeführer als zugelassenem
Rechtsanwalt – sei es direkt, sei es indirekt im Sinn einer Umgehung – zuzurechnen
sind.
3.5.1. Die Vorinstanz hat in tatsächlicher Hinsicht festgestellt, bereits aus dem
Internetauftritt des Beschwerdeführers ergebe sich eine Vermischung seiner Tätigkeiten
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als Geschäftsführer der Y. GmbH und als Rechtsanwalt. Im „Projekt
Retrozessionsherausgabeansprüche“ habe sich der Beschwerdeführer sowohl im
Allgemeinen als auch im Einzelfall zugleich als Geschäftsführer der Y. GmbH als auch
als Rechtsanwalt präsentiert. Das Auftreten und Unterzeichnen (auch) als Rechtsanwalt
bewirke ein erhöhtes Vertrauen potentieller Kunden in die Person, ihr Fachwissen und
das (prozessuale) Vorgehen. Gegenüber dem Finanzinstitut werde damit ein „erhöhter“
Druck aufgebaut, insbesondere wenn angedroht werde, vor dem Klageweg nicht
„zurückzuschrecken“. Aus einem solchen Vorgehen müsse zwingend geschlossen
werden, dass diese Wirkung geradezu beabsichtigt sei. Die Vorinstanz ist gestützt auf
die konkreten Umstände – Aufbau der Internetseite der Y. GmbH und der
Anwaltskanzlei des Beschwerdeführers, Inhalt der Vereinbarungen mit den Anlegern,
Bezeichnung der Funktionen des Beschwerdeführers – zum Schluss gekommen, der
Beschwerdeführer sei im Projekt „Retrozessionsherausgabeansprüche“ einerseits als
Rechtsanwalt aufgetreten, anderseits könne das Projekt nicht einzig der Y. GmbH
zugeordnet werden.
3.5.2. Parteien der Vereinbarung vom 6./25. Mai 2014 und der Abtretung sind der
Anleger einerseits und die Y. GmbH anderseits. Partei in einem gerichtlichen Verfahren
zur Durchsetzung des abgetretenen Anspruchs wäre dementsprechend nicht der
Anleger, sondern die Y. GmbH gewesen. Soweit diese nicht durch ihr Organ – den
Beschwerdeführer als einzelzeichnungsberechtigten Geschäftsführer – gehandelt hätte,
wäre das Vertretungsverhältnis nicht zwischen dem Anleger und dem mandatierten
Rechtsanwalt, sondern zwischen Letzterem und der Y. GmbH entstanden. Wer zu
welchen Bedingungen beauftragt worden wäre, ist nicht bekannt.
Im Zusammenhang mit einer kantonalen Vorschrift hat das Bundesgericht zur
Zurechnung einer vergleichbaren Vereinbarung an den Rechtsanwalt, welcher Gründer
und einziger Verwaltungsrat der mit der Durchsetzung von Ansprüchen beauftragten
Aktiengesellschaft war, festgestellt, irgendeinem Privaten, der nicht Anwalt ist, sei es
nicht verwehrt, für die Verfechtung bestimmter Interessen eine Gemeinschaft von
Betroffenen zu bilden, den Rechtsstreit jedoch in eigenem Namen und auf eigenes
Risiko zu führen und sich von den übrigen Interessenten lediglich für den Erfolgsfall
einen Gewinnanteil versprechen zu lassen. Es sei dem Anwalt nicht verboten, zu
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normalen Bedingungen für einen Klienten zu arbeiten, der ihn im Erfolgsfall aus dem
Prozessgewinn zu bezahlen gedenke (vgl. BGE 98 Ia 144 E. 2c).
Ob angesichts der zivilrechtlich klaren Verhältnisse – die Vereinbarungen bestehen
zwischen den Anlegern und der Gesellschaft, die Gesellschaft setzt die Ansprüche als
eigene und in eigenem Namen durch, ein allfälliges Mandatsverhältnis, dessen Inhalt
insbesondere hinsichtlich Honorarvereinbarung aus den Akten nicht ersichtlich wird, im
Fall der gerichtlichen Durchsetzung würde zwischen der Gesellschaft und ihrem
Rechtsvertreter bestehen – die Vereinbarung direkt dem Beschwerdeführer
zugerechnet werden muss, kann angesichts der weiteren konkreten Umstände offen
bleiben.
3.5.3. Bleibt zu prüfen, ob die vom Beschwerdeführer beim Projekt
„Retrozessionsherausgabeansprüche“ gewählte Organisation eine Umgehung des
Verbots eines Erfolgshonorars darstellt. Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, selbst
wenn das Projekt einzig der Y. GmbH zuzuordnen wäre, wäre keine andere
Schlussfolgerung zu ziehen, weil das Vorgehen eine Umgehung möglicher
Berufspflichten durch die Zwischenschaltung einer vom Beschwerdeführer allein
beherrschten Gesellschaft darstellen würde.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist dem Beschwerdeführer die
Verabredung eines Erfolgshonorars zwischen der Y. GmbH und den Anlegern zur Last
zu legen, sofern er selber die Gesellschaft gründete, um Anleger als Kunden zu werben
und indirekt ein Erfolgshonorar vereinbaren zu können. Ist der Beschwerdeführer
Initiant und eigentlicher Träger der Y. GmbH, bedeutet dies, dass Gewinne
beziehungsweise Verluste der Y. GmbH sich unmittelbar auf ihn und seine allfälligen
Anwaltshonorarforderungen auswirkten. Je nach den konkreten Verhältnissen kann es
sein, dass bei einem Misserfolg der Bemühungen die Bezahlung der
Anwaltsrechnungen aus nicht aus seinem Vermögen selber stammenden Mitteln gar
nicht möglich wäre; die Übernahme des Prozessrisikos durch die Y. GmbH wäre dann
im Ergebnis einer nach Art. 12 Ingress und lit. e BGFA verbotenen Übernahme des
Prozessrisikos durch den Beschwerdeführer gleichzusetzen. Ebenso käme bei dieser
Annahme ein allfälliges Erfolgshonorar ihm zugute; denn er wäre ja – offen oder durch
Strohmänner getarnt – der wirtschaftliche Träger der Y. GmbH als
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Prozessfinanzierungsgesellschaft; was der Gesellschaft zuflösse, flösse damit auch ihm
zu, ob es schliesslich als Anwaltshonorar, Dividende, Tantiemen oder
Liquidationsergebnis ausgeschüttet würde, ist ohne Belang. Aber auch wenn von
Dritten zur Verfügung gestellte Mittel der Prozessfinanzierungsgesellschaft vorhanden
wären, welche im Fall eines Misserfolges die Bezahlung der Anwaltsrechnungen
erlauben würden, läge ein Verstoss gegen Art. 12 Ingress und lit. e BGFA vor, wenn der
Beschwerdeführer an einem Gewinn der Y. GmbH direkt oder indirekt beteiligt wäre;
denn Art. 12 Ingress und lit. e BGFA verbietet selbstverständlich auch, dass der Anwalt
zwar seine Bemühungen nach Tarif verrechnet, aber darüber hinaus am Erfolgshonorar
eines Dritten – hier der Y. GmbH – partizipiert (vgl. dazu BGE 98 Ia 144).
In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer gleichzeitig
einziger Gesellschafter und einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer der Y. GmbH
und – einziger – Rechtsanwalt der Kanzlei X.Y. ist. Sowohl gegenüber den Anlegern als
auch gegenüber den Vermögensverwaltern trat er unter Angabe seines Titels als
Rechtsanwalt auf. Sowohl im Vertrag mit den Anlegern als auch im ersten Schreiben an
den Vermögensverwalter, dem gegenüber ein Anspruch aus zurückbehaltenen
Retrozessionen geltend gemacht wurde, wurde in Aussicht gestellt, Ansprüche
gegebenenfalls auf dem Klageweg, mithin gerichtlich durchzusetzen. Auf der
gemeinsamen Internetseite wirbt der Beschwerdeführer sodann ausdrücklich mit seiner
schweizerischen und deutschen Zulassung zur rechtsanwaltlichen Tätigkeit (vgl. www.
... Kanzlei X.Y./Rechtsanwalt). Ob er einen allfälligen Prozess selbst oder durch einen
anderen Rechtsvertreter führen lassen wollte, ist ohne Belang. Der Beschwerdeführer
hält als einziger im Handelsregister eingetragener Gesellschafter alle Stammanteile der
Y. GmbH. Ihm allein steht deshalb gemäss Art. 804 Abs. 1 Ingress und Ziffer 5 des
Schweizerischen Obligationenrechts (SR 220, OR) die unübertragbare Befugnis zu,
über die Verwendung des Bilanzgewinnes, insbesondere die Festsetzung der
Dividende und der Tantieme zu beschliessen. Er ist zudem alleiniger Geschäftsführer
und dementsprechend gemäss Art. 810 Abs. 2 OR insbesondere für die Oberleitung
der Gesellschaft und die Erteilung der nötigen Weisungen (Ziffer 1) und die
Ausgestaltung der Finanzplanung (Ziffer 3) zuständig. Dementsprechend fällt dem
Beschwerdeführer der Entscheid über die Verwendung der aus den durchgesetzten
Herausgabeansprüchen der Gesellschaft zufliessenden Mittel zu. Die rechtlichen und
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wirtschaftlichen Interessen des Beschwerdeführers und der als
Prozessfinanzierungsgesellschaft eingesetzten Y. GmbH decken sich mithin.
Selbst wenn die Y. Treuhand AG mit dem Beschwerdeführer eine zulässige
Honorarvereinbarung nach Tarif getroffen hätte, trüge der Beschwerdeführer als
einziger Gesellschafter der Y. Treuhand AG nichts desto trotz das Erfolgsrisiko, das
heisst ebenso wie ihm ein Gewinn zufliessen würde, hätte er auch einen Verlust aus
einem erfolglosen Prozess zu tragen. Anders als im Sachverhalt von BGE 98 Ia 144, in
welchem ein von der Prozessfinanzierungsgesellschaft unabhängiger Rechtsanwalt als
deren Vertreter im gerichtlichen Verfahren auftrat, sind beim Beschwerdeführer die
engen rechtlichen und tatsächlichen Bindungen zur Prozessfinanzierungsgesellschaft
erstellt. Das Vorgehen des Beschwerdeführers erscheint dementsprechend als
Umgehung des Verbots der Vereinbarung eines Erfolgshonorars im Sinn von Art. 12
Ingress und lit. e BGFA.
3.5.4. Was der Beschwerdeführer vorbringt, mag an dieser Beurteilung nichts zu
ändern. Vorab macht er geltend, er wäre in Gerichtsverfahren nicht selbst als
Rechtsvertreter der Y. GmbH aufgetreten. In der Tat steht zwar nicht fest, dass der
Beschwerdeführer in allfälligen Gerichtsverfahren selbst als Organ- oder
Rechtsvertreter der Y. GmbH aufgetreten wäre. Mit dem Auftritt im Internet – Nennung
einschlägiger bundesgerichtlicher Entscheide, Erwähnung des Titels und der Zulassung
zur rechtsanwaltlichen Tätigkeit in Deutschland und in der Schweiz – und auf den
Vertragsformularen – Erwähnung des Titels als Vertreter der Y. GmbH – hat der
Beschwerdeführer aber gegenüber Anlegern, welche ihre Ansprüche aus
Retrozessionen mit Hilfe der Abtretung an die Y. GmbH geltend machen wollten, klar
die Erwartung geweckt, dass er selbst auch für die klageweise Durchsetzung der
abgetretenen Ansprüche verantwortlich sein würde. In diesem Zusammenhang kann im
Übrigen auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden.
Nichts an der Beurteilung vermag auch die behauptete mit der Institut für
Vermögensschutz AG bestehende stille Gesellschaft zu ändern. Der Beitrag des stillen
Gesellschafters geht in das Vermögen des Hauptgesellschafters über, so dass dieser
als Alleineigentümer auch Verfügungen über die Vermögenswerte der Gesellschaft
allein und in eigenem Namen treffen kann (vgl. Meier-Hayoz/Forstmoser,
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Schweizerisches Gesellschaftsrecht, 11. Aufl. 2012, § 15 Rz. 15). Allfällige Erträge aus
Retrozessionsansprüchen wären der Y. GmbH zugeflossen. Über deren Verwendung
konnte und kann der Beschwerdeführer als einziger Gesellschafter bestimmen.
Insbesondere war und ist er allein befugt, für die Y. GmbH eine stille Gesellschaft
einzugehen. Insoweit kommt einer allfälligen Aufteilung des Erlöses beziehungsweise
des Verlusts der Charakter der Gewinnverwendung beziehungsweise der
Verlustverlegung durch den Beschwerdeführer zu.
4. Der Beschwerdeführer wendet sich nicht gegen die Höhe der Busse, die sich mit
CHF 1‘000 im Übrigen innerhalb des Rahmens gemäss Art. 17 Abs. 1 Ingress und lit. c
BGFA, der eine Obergrenze von CHF 20‘000 festlegt, und innerhalb des der Vorinstanz
zustehenden Ermessensspielraums bewegt.
5. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist
abzuweisen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 1‘500 ist angemessen (Art. 7 Ziffer 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer in der
gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens hat der Beschwerdeführer, der im Übrigen in eigener Sache auftritt (vgl.
dazu beispielsweise BGer 1C_34/2011 vom 27. Juli 2011 E. 3 mit Hinweisen, 1C_71,
73 und 77/2011 vom 12. Juni 2012 in BGE 138 II 281 nicht veröffentlichte E. 8.2),
keinen Anspruch auf Entschädigung ausseramtlicher Kosten für das
Beschwerdeverfahren (Art. 98 Abs. 1 und 98bis VRP).