Decision ID: f394ff42-b353-5f40-988e-eb0952624ff3
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Rekurrent,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller, Waisenhausstrasse 17, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons
St. Gallen, Oberer Graben 32, 9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
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Genugtuung (Opfereigenschaft)
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 19_, stellte am 22. Dezember 2011 beim Sicherheits- und
Justizdepartement des Kantons St. Gallen ein Gesuch um Genugtuung nach
Opferhilfegesetz. Zur Begründung gab er an, er habe sich am Abend des 26. Juli 2011
im B._ aufgehalten und dort anlässlich einer Schlägerei als Nichtbeteiligter
unerwartet einen Faustschlag ins Gesicht abbekommen. Dadurch habe er eine Fraktur
des Jochbeins erlitten und sei leicht benommen zu Boden gegangen. Hinsichtlich
seiner Verletzung reichte er ein Arztzeugnis ein. Zudem machte er geltend, er leide
immer noch unter starken Kopfschmerzen am linken Ohr (act. G 5.1.1, 5.1.1b). Laut
dem Arztzeugnis von Hausarzt Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin
vom 16. November 2011 war A._ auf der linken Seite so stark verletzt worden, dass
der Jochbogen links am Gesicht eingebrochen sei und er notfallmässig im
Kantonsspital St. Gallen habe operiert werden müssen. In der Folge sei er vom 27. Juli
bis 1. August 2011 zu 100% arbeitsunfähig gewesen (act. G 5.1.1c).
A.b Mit Verfügung vom 31. Oktober 2011 sistierte das Untersuchungsamt D._ die
auf Anzeige von E._, F._, G._ und A._ erfolgte Strafuntersuchung gegen
Unbekannt wegen Raufhandel, da der Sachverhalt bislang nicht habe geklärt werden
können und die Täterschaft unbekannt geblieben sei (act. G 5.1.4). Ebenfalls am 31.
Oktober 2011 verfügte das Untersuchungsamt u.a. die Nichtanhandnahme einer
Strafuntersuchung gegen A._ wegen Raufhandels. Auf Grund der bisherigen
Erkenntnisse ergebe sich kein genügender Tatverdacht, der die Eröffnung einer
Strafuntersuchung gegen ihn rechtfertigen würde (act. G 5.1.4).
A.c Am 12. März 2012 verfügte das Sicherheits- und Justizdepartement eine
Abweisung des Gesuchs um Genugtuung mit der Begründung, beim Gesuchsteller
mangle es am notwendigen Nachweis, dass er Opfer geworden sei (act. G 5.1.6).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung richten sich der vorliegende Rekurs vom 26. März 2012
sowie die Rekursergänzung vom 7. Mai 2012 mit dem Antrag auf Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und Feststellung, dass A._ die Opfereigenschaft erfülle. Im
Weiteren sei die Angelegenheit zur Festsetzung der Höhe der Genugtuung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei dem Rekurrenten eine Genugtuung in
Höhe von Fr. 3'000.-- zuzusprechen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Der
Rekurrent begründete diesen Antrag damit, es gehe aus der
Nichtanhandnahmeverfügung des Untersuchungsamtes D._ vom 31. Oktober 2011
hervor, dass er, als die Schlägerei losgegangen sei, unbeteiligt am Rande gestanden
habe. Ohne dass er sich in die Schlägerei eingemischt hätte, habe er unvermittelt einen
Faustschlag ins Gesicht erhalten, wodurch er eine Fraktur des Jochbeins erlitten habe.
Diese habe zur Folge, dass er selbst neun Monate nach dem Ereignis noch an
Beschwerden und unter Schmerzen leide und insbesondere auf Grund der operativ
eingesetzten Metallplatte Wetterveränderungen spüre (act. G 1, 3).
B.b Mit Rekursantwort vom 5. Juni 2012 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des
Rekurses. Zur Begründung verwies sie auf die Nichtanhandnahmeverfügung im
Strafverfahren, wonach der Sachverhalt nur ungenügend habe abgeklärt werden
können. Daher sei davon auszugehen, dass dem Rekurrenten einerseits nicht
nachgewiesen werden könne, dass er an der Schlägerei aktiv mitgewirkt habe,
andererseits aber auch nicht nachgewiesen werden könne, dass er an der Schlägerei
unbeteiligt gewesen sei. Zwar gelte für den Rekurrenten damit die
Unschuldsvermutung, dies führe aber nicht dazu, dass ihm automatisch (eo ipso)
Opfereigenschaft zukomme. Vielmehr müsse zusätzlich geprüft werden, ob mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan sei, dass er ein Opfer sei. Dies sei
vorliegend jedoch nicht der Fall (act. G 5).
B.c In der Replik vom 20. Juli 2012 hielt der Rekurrent an den Anträgen des Rekurses
und der Rekursergänzung fest. Er machte geltend, es habe offensichtlich keiner der im
Rahmen des Strafverfahrens befragten Personen ausgesagt, dass er an der Schlägerei
beteiligt gewesen sei. Insbesondere sei davon auszugehen, dass zumindest die
Gebrüder F._ und G._ den Rekurrenten angezeigt hätten, wenn er ebenfalls zur
Gruppe der Beteiligten gehört hätte (act. G 9).
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B.d Mit Schreiben vom 14. September 2012 teilte die Vorinstanz dem
Versicherungsgericht mit, dass das mit der Sache zusammenhängende Strafverfahren
wieder an die Hand genommen worden sei, da der Rekurrent sich wieder an den Täter
habe erinnern können, welchen er letzthin im Ausgang getroffen habe. Vor diesem
Hintergrund ersuchte die Vorinstanz um eine Verfahrenssistierung (act. G 11, 11.1f.).
Diesem Gesuch entsprach das Versicherungsgericht am 10. Oktober 2012 (act. G 13).
B.e Mit Schreiben vom 2. September 2013 informierte die Vorinstanz das
Versicherungsgericht, dass das Strafverfahren gegen den vermeintlichen Täter
eingestellt worden sei (act. G 14). Am 10. September 2013 hob das
Versicherungsgericht die Sistierung auf (act. G 15). Die Vorinstanz hat auf die
Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 16).

Erwägungen:
1.
1.1 Gestützt auf das Gesuch um Genugtuung vom 22. Dezember 2011 sowie die
Verfügung vom 12. März 2012 ist im vorliegenden Verfahren die Frage zu prüfen, ob
der Rekurrent die Opfereigenschaft im Sinne des Bundesgesetzes über die Hilfe an
Opfer von Straftaten (OHG; SR 312.5) erfüllt.
1.2 Berechtigt zur Inanspruchnahme von finanzieller Opferhilfe, worunter auch die
Genugtuung fällt, sind Opfer gemäss Art. 1 OHG. Danach gilt als Opfer jede Person, die
durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität
unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer).
1.3 Das Vorliegen einer Straftat ist unabdingbare Voraussetzung für die Anerkennung
der Opferqualität einer durch ein Ereignis geschädigten Person (Dominik Zehntner, in:
Kommentar zum Opferhilfegesetz, Peter Gomm/Dominik Zehntner [Hrsg.], 3. Aufl. Bern
2009, Rz 3 zu Art. 1). Auch das revidierte Gesetz enthält keine Aufzählung, welche
Straftaten Anspruch auf Opferhilfe begründen. Aus dem Erfordernis der "unmittelbaren"
Betroffenheit ergibt sich aber, dass der Gesetzgeber gewisse Deliktskategorien vom
Anwendungsbereich des OHG ausschliessen wollte. So sollen namentlich "reine"
Vermögensdelikte, Gefährdungsdelikte sowie Bagatelldelikte ausgenommen sein. Nach
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einer häufig verwendeten Formulierung des Bundesgerichts ist darauf abzustellen, ob
die Beeinträchtigung das legitime Bedürfnis begründet, die Angebote der Opferhilfe in
Anspruch zu nehmen. Danach fallen Körperverletzungs- und Sexualdelikte in der Regel,
Straftaten gegen die Freiheit, gegen die Ehre, gegen die Amtspflicht und gegen die
Rechtspflege sowie rassendiskriminierende Angriffe ausnahmsweise in den
Anwendungsbereich des OHG. Dagegen sind blosse Tätlichkeiten in den meisten
Fällen (Vorbehalt: kleine Kinder) ausgeschlossen (Heinz Aemisegger/Charlotte Schoder,
Opferhilfe in der Gerichtspraxis, insbesondere in der Rechtsprechung des
Bundesgerichts, in: Das revidierte Opferhilfegesetz, Zürich 2009, S. 20f.).
1.4 Opfer einer Straftat im Sinne des OHG erhalten gemäss Art. 1 Abs. 3 OHG Hilfe
unabhängig davon, ob der Täter oder die Täterin ermittelt worden ist (lit. a), ein
schuldhaftes Verhalten vorliegt (lit. b) oder die Tat vorsätzlich oder fahrlässig (lit. c)
begangen wurde. Anspruchsvoraussetzung für die Opferhilfe ist damit grundsätzlich
ein tatbestandsmässiges und rechtswidriges Verhalten, eine schuldhafte Tatbegehung
wird ausdrücklich nicht vorausgesetzt (BGE 122 II 320 E. 3b mit Hinweisen).
1.5 Die Anforderungen an den Nachweis einer die Opferstellung begründenden Straftat
sind je nach Verfahrensstand, Art und Umfang der beanspruchten Hilfe unterschiedlich
hoch (Aemisegger/Schoder, a.a.O., S. 21). Zwar bildet die Ermittlung des Täters keine
Voraussetzung für die Anerkennung des Vorliegens einer Straftat, allerdings dürften
höhere Ansprüche an den Nachweis einer Straftat zu erfüllen sein, wenn dessen
Ermittlung nicht gelungen ist (Gomm/Zehntner, a.a.O., Art. 1 Rz. 4). Gemäss Lehre und
Rechtsprechung ist bei fehlendem Strafverfahren für die Entschädigungs- und
Genugtuungsansprüche nach OHG die Frage des Vorliegens einer Straftat und damit
der Opfereigenschaft in Anlehnung an das Sozialversicherungsrecht mit dem dort
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beantworten (vgl.
Gomm/Zehntner, a.a.O., Art. 29 Rz. 17; Eva Weishaupt, Finanzielle Ansprüche nach
Opferhilfegesetz, in: SJZ 98 [2002] Nr. 13 S. 325 Fn. 35; Urteil OH.2002.0005 des
Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 18. Juni 2003, E. 5.5). Wird das
Strafverfahren eingestellt, weil die Untersuchungsbehörde nach eingehenden
Ermittlungen zum Schluss gekommen ist, dass keine hinreichenden Anhaltspunkte für
das Vorliegen einer Straftat bestehen, wird sich die Opferhilfebehörde nicht ohne Not
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von diesem Entscheid entfernen (Urteil des EVG vom 18. Februar 2002, 1A.170/2001,
E. 3.2 mit Hinweisen.).
1.6 Nach Art. 29 Abs. 2 OHG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest.
Die Verwaltung und im Rekursfall das Gericht haben entsprechend von Amtes wegen
für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu
sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in
den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a m.w.H.). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Opferhilfeprozess tragen mithin die Parteien eine Beweislast
insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b m.w.H.).
2.
2.1 Der Rekurrent macht geltend, am Abend des 26. Juli 2011 eine Verletzung im
Gesicht erlitten zu haben, welche ihm durch eine unbekannte Drittperson zugefügt
worden sei (act. G 1). Wie aus dem vorläufigen Bericht der HNO-Klinik, Hals- und
Gesichtschirurgie, des Kantonsspitals St. Gallen vom 26. Juli 2011 hervorgeht, erlitt der
Rekurrent eine Jochbogenfraktur links, weshalb er sich einer Jochbeinreposition in
Narkose unterziehen musste und vom 27. Juli bis 28. Juli 2011 hospitalisiert war.
Weiter bestätigte der behandelnde Klinikarzt eine Arbeitsunfähigkeit vom 27. bis 29.
Juli 2011 (act. G 5.1.4.14). In der Nichtanhandnahmeverfügung vom 31. Oktober 2011
betreffend Raufhandel hielt der bearbeitende Staatsanwalt des Untersuchungsamts
D._ zum Sachverhalt fest, dass am 26. Juli 2011 um ca. 21.30 Uhr im B._ eine
Schlägerei zwischen zwei Gruppen stattgefunden habe. Beim Eintreffen der Polizei
habe nur noch eine der beteiligten Gruppen angetroffen werden können. Die
anwesenden Personen hätten sich gegenüber der Polizei jedoch unkooperativ
verhalten. Spuren, welche zur Täterschaft hätten führen können, seien keine vorhanden
gewesen. Aus diesen Gründen habe der Sachverhalt nur ungenügend abgeklärt
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werden können. Der Rekurrent habe sich zu dieser Zeit, zusammen mit seinen beiden
Cousins ebenfalls im Pick-Wick Pub befunden. Als die Schlägerei losgegangen sei,
hätten sie unbeteiligt am Rande gestanden und zugeschaut. In diesem Moment sei ein
weiterer, an der eigentlichen Schlägerei ebenfalls unbeteiligter Mann auf den
Rekurrenten zugekommen und habe ihm unvermittelt die Faust ins Gesicht geschlagen.
Dadurch habe er eine Jochbeinfraktur erlitten und sei leicht benommen zu Boden
gesunken. Der Unbekannte habe sofort von ihm abgelassen und einer seiner Cousins
habe ihn ins Krankenhaus gefahren. Dort habe er einen Tag und eine Nacht bleiben
müssen. Auf Grund der bisherigen Erkenntnisse ergebe sich kein genügender
Tatverdacht gegen den Rekurrenten, der eine Eröffnung einer Strafuntersuchung
rechtfertigen würde (act. G 5.1.1.1b). Wie dem Rapport des Untersuchungsamts D._
vom 19. August 2011 zum Sachverhalt zu entnehmen ist, meldete ein Herr H._ am
26. Juli 2011 um 21.44 Uhr der Kantonalen Notrufzentrale St. Gallen telefonisch, dass
sich soeben im B._ eine Schlägerei abspiele. Die Beteiligten seien noch im Objekt.
Beim Eintreffen der Polizei habe jedoch keine der anwesenden Personen etwas von
einer Schlägerei wissen wollen. Erst am Folgetag seien die Brüder F._ und G._ auf
der Polizeistation D._ erschienen und hätten Anzeige wegen Körperverletzung
erstattet. Schliesslich sei am 2. August 2011 auch der Rekurrent auf der Polizeistation
erschienen und habe ebenfalls Anzeige in dieser Angelegenheit erstattet (5.1.4.1 S. 3).
Wie aus den Aussageprotokollen der drei anderen neben dem Rekurrenten
geschädigten und gleichzeitig beschuldigten Personen hervorgeht, machte jedoch
keiner Angaben zum Rekurrenten oder dessen Gesichtsverletzung. Auf Grund dieser
Aktenlage ist davon auszugehen, dass am 26. Juli 2011 im B._ eine Schlägerei
stattgefunden hat, im Rahmen derer der Rekurrent eine ausgewiesene Jochbeinfraktur
links erlitt. Dafür dass er sich diese - beispielsweise durch einen selbstverschuldeten
Sturz - selber zugezogen hätte, liegen keine Anhaltspunkte vor, weshalb auf Grund
sämtlicher Aussagen sowie der Untersuchungsakten der Strafbehörden überwiegend
wahrscheinlich von einem Faustschlag durch eine Drittperson auszugehen ist. In der
Folge ist zu prüfen, ob bzw. falls ja, welcher Straftatbestand durch den Faustschlag mit
Jochbeinfraktur erfüllt ist.
2.2 Der Rekurrent stellte bzw. erhob am 2. August 2011 bei der Polizei Strafantrag/
Privatklage gegen Unbekannt wegen Körperverletzung (act. G 5.1.4.7). Gemäss Art.
123 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs (StGB; SR 311.0) ist der Tatbestand der
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einfachen Körperverletzung erfüllt, wenn jemand vorsätzlich einen Menschen in anderer
Weise an Körper oder Gesundheit schädigt. Erfasst sind dadurch alle
Körperverletzungen, die noch nicht als schwer i.S.v. Art. 122, aber auch nicht mehr als
blosse Tätlichkeiten i.S.v. Art. 126 zu werten sind (Andreas A. Roth/Anne Berkemeier
in: Basler Kommentar Strafrecht II, 2. Aufl. Basel 2007, Rz. 3 zu Art. 123).
Demgegenüber fordert der Tatbestand der schweren Körperverletzung nach Art. 122
StGB eine für das Opfer unmittelbare Lebensgefahr. Hierbei genügt es nicht, dass die
Verletzung einigermassen gefährlich ist und die Möglichkeit des Todes in etwelche
Nähe rückt, wie dies beispielsweise bei einem Beinbruch der Fall sein kann (Roth/
Berkemeier, a.a.O., Rz. 5 zu Art. 122). Obgleich sich in den Strafakten in Bezug auf den
Tatbestand der Körperverletzung keine weiteren Verfügungen und Entscheide finden
lassen und der Täter nicht ermittelt werden konnte, steht eine Verletzung der
körperlichen Integrität fest (vgl. Erwägung 2.1). Es fehlen sodann Anhaltspunkte dafür,
dass der Faustschlag durch eine Drittperson in Notwehr gegen den Rekurrenten und
damit im Sinne eines Rechtfertigungsgrundes ergangen wäre. In den Strafakten deutet
nichts auf eine solche Sachverhaltsvariante hin; es liegt auch keine diesbezügliche
Strafanzeige gegen den Rekurrenten vor. Nachdem hinsichtlich der Jochbeinfraktur
nicht von einer lebensgefährlichen Verletzung auszugehen ist, ist somit mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eine einfache Körperverletzung nach Art. 123 StGB
und damit auch ein grundsätzlich zu Genugtuungsleistungen nach OHG berechtigender
Straftatbestand zu bejahen.
2.3 Das Untersuchungsamt D._ ermittelte betreffend den Rekurrenten und die drei
weiteren Beteiligten einzig in Bezug auf den Tatbestand des Raufhandels (vgl. act.
G 5.1.4 Strafakten). Nach Art. 133 StGB erfüllt den Tatbestand des Raufhandels, wer
sich an einem Raufhandel beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung eines
Menschen zur Folge hat. Der Raufhandel ist eine tätliche Auseinandersetzung, meist in
Form einer Schlägerei, an der mindestens drei Personen beteiligt sind. Da beim
Raufhandel nicht nur die verletzte Person, sondern alle Beteiligten gefährdet werden,
besteht zu den Körperverletzungsdelikten Idealkonkurrenz (BGE 83 IV 193, 118 IV 229).
Nachdem ein Teil der Täterschaft vorliegend unbekannt blieb, wurde das Strafverfahren
wegen Raufhandels mit Verfügung vom 31. November 2011 sistiert (act. G 5.1.1a) und
nach einer Aufhebung dieser Sistierung wegen Verdachts gegenüber einer bestimmten
Person als Täter (vgl. act. G 11, 11.1 und 11.2) mit Verfügung vom 27. Februar 2013
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erneut eingestellt (act. G 14.2). Gegenüber dem Rekurrenten und den anderen drei von
der Polizei einvernommenen Personen wurde auf das Strafverfahren betreffend
Raufhandel mit einer Nichtanhandnahmeverfügung mangels ausreichendem
Tatverdachts nicht eingetreten (act. G 5.1.4 Strafakten). Insgesamt ist auf Grund des
ermittelten Sachverhalts mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass die bejahte einfache Körperverletzung (vgl. Erwägung 2.2) im Rahmen eines
Raufhandels geschah. Die Vorinstanz wird deshalb bei der Prüfung des
Genugtuungsanspruchs auch die Frage einer Herabsetzung aus Mitverschulden nach
Art. 27 Abs. 1 OHG zu prüfen haben.
2.4 Bezüglich der weiteren Anspruchsvoraussetzungen ist zu ergänzen, dass nicht jede
physische oder psychische Verletzung oder Beeinträchtigung zu einem Anspruch auf
Genugtuung führt. Voraussetzung ist eine gewisse Schwere der erlittenen
Beeinträchtigung, wie beispielsweise Invalidität oder dauernde Beeinträchtigung eines
wichtigen Organs. Ist die Schädigung nicht dauernd, so ist ein Anspruch auf
Genugtuung nur gegeben, wenn besondere Umstände vorliegen, wie eine lange
Leidenszeit, Arbeitsunfähigkeit oder ein längerer Spitalaufenthalt. Verheilt eine
Verletzung ohne grosse Komplikationen und ohne dauernde Beeinträchtigung, ist in der
Regel keine Genugtuung geschuldet. Auch bei Arbeitsunfähigkeiten von wenigen
Wochen wird in der Regel ein Genugtuungsanspruch verneint (vgl. Gomm/Zehntner,
a.a.O., Art. 22 Rz. 9 mit Hinweisen). Ob die geltend gemachte Verletzung bzw. deren
Folgen die Voraussetzungen für einen Genugtuungsanspruch nach OHG erfüllen, wird
die Vorinstanz erst noch zu prüfen haben.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist der Rekurs in dem Sinne gutzuheissen, als die Verfügung
vom 12. März 2012 aufzuheben und die Angelegenheit zur Prüfung der weiteren
Voraussetzungen einer opferhilferechtlichen Genugtuungsleistung und zu neuer
Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist.
3.2 Das Verfahren vor Versicherungsgericht ist in Streitigkeiten im Anwendungsbereich
von Art. 22 OHG grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 95 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1], vgl. BGE 125 II 265 E. 3). In Anwendung
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von Art. 95 Abs. 3 VRP sind der Vorinstanz jedoch keine Gerichtskosten aufzuerlegen,
da sie nicht überwiegend finanzielle Interessen verfolgt, sondern in Anwendung des
Opferhilfegesetzes hoheitlich tätig ist.
3.3 Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der Rekurrent Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die Parteikosten werden vom Versicherungsgericht
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar für das Verfahren vor Versicherungsgericht pauschal Fr. 1'000.-- bis
Fr. 12'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO; sGS 963.75). Die Rechtsvertreterin hat keine
Kostennote eingereicht, so dass die Parteientschädigung ermessensweise festzusetzen
ist. Vorliegend erscheint eine Entschädigung von Fr. 1'500.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht