Decision ID: 670d555d-fabc-4b65-8958-676932e1766f
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
gegen
KPT Krankenkasse AG, Postfach 8624, 3001 Bern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
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S._ ist bei der KPT Krankenkasse AG (nachfolgend: KPT) im Rahmen der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung gegen die Folgen von Krankheit und Unfall
versichert. Mit Schreiben vom 9. Oktober 2007 ersuchte A._, dipl. Ergotherapeut, bei
der KPT um Kostengutsprache für eine ergotherapeutische Behandlung des
Versicherten. Als Folge eines Autounfalls vom 20. Dezember 2002 leide dieser unter
einem cervical-cephalen Syndrom. Neben den persistierenden Schmerzen seien beim
Versicherten Defizite bei der Konzentration und Aufmerksamkeit sowie beim
Gedächtnis festgestellt worden und eine Wortfindungsstörung erkennbar. Der
Versicherte habe seit dem Unfall nie mehr 100% in seinem ursprünglichen Beruf
arbeiten können. In seinem neuen Beruf als Alternativtherapeut mit eigener Praxis sei er
aktuell ca. 20% arbeitsfähig. Die Zielsetzung der Ergotherapie bestehe darin, ein
grösstmögliches Arbeitspensum zu erreichen (act. 13). Gestützt auf die Stellungnahme
ihres Vertrauensarztes Dr. med. B._ vom 15. Oktober 2007 (act. 12) lehnte die KPT
mit Schreiben vom 17. Oktober 2007 die Kostenübernahme einer Ergotherapie zu
Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung mit der Begründung ab, dass
die Bedingungen gemäss Art. 6 Abs. 1 lit. a und b der Krankenpflege-
Leistungsverordnung (KLV; SR 832.112.31) nicht erfüllt seien (act. 11). Nach einer
Stellungnahme von A._ vom 30. Oktober 2007 (act. 10) zur Leistungsablehnung und
einer erneuten Prüfung der Sachlage durch Dr. B._ vom 5. November 2007 (act. 9)
teilte die KPT dem Versicherten erneut mit, sie lehne eine Kostenübernahme der
Ergotherapie ab (act. 8). Mit Schreiben vom 21. November 2007 erklärte der
Versicherte, dass er mit dem Ablehnungsentscheid der KPT nicht einverstanden sei.
Durch die von A._ durchgeführte Ergotherapie sei er leistungsfähiger geworden und
seine Konzentration habe zugenommen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass er noch mehr
Fortschritte machen und damit auch die Arbeitsfähigkeit steigern könne. Von anderen
Krankenkassen würden Ergotherapien ohne weiteres übernommen. Sollte die KPT eine
Kostenübernahme weiterhin ablehnen, erwarte er eine anfechtbare Verfügung (act. 7).
Am 21. Dezember 2007 hielt Dr. B._ in einer Aktennotiz fest, die Ergotherapie sei
abzulehnen, da sie für die Behandlung der Indikation Konzentrations- und
Aufmerksamkeitsdefizit, Gedächtnismangel und Wortfindungsstörung nicht
wirtschaftlich sei. Das gleiche Ziel könne deutlich günstiger mit anderen Mitteln erreicht
werden. Nicht die Therapie generell werde abgelehnt, sondern die Ergotherapie im
Speziellen, da sie bei dieser Krankheit den Anforderungen der KLV nicht zu genügen
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vermöge (act. 6). Mit Verfügung vom 4. Januar 2008 eröffnete die KPT dem
Versicherten die Ablehnung der Übernahme der Kosten für die
Ergotherapiebehandlungen (act. 5).
B.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Eingabe vom 31. Januar 2008
Einsprache mit dem Antrag, die Kosten der Ergotherapie seien von der KPT zu
übernehmen (act. 2). Der Einsprache liegt ein ärztlicher Bericht von Dr. med. C._,
Spezialarzt FMH für Chirurgie, Wirbelsäulenleiden, Schleudertrauma und orthopädische
Traumatologie, vom 5. Januar 2008 (act. 4) sowie eine weitere Stellungnahme von
A._ vom 31. Januar 2008 (act. 3) bei. Mit Entscheid vom 17. März 2008 wies die KTP
die Einsprache ab (act. 1).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von S._ mit Eingabe vom 14.
April 2008 erhobene Beschwerde mit dem Antrag, der Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin vom 17. März 2008 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin
habe die Kosten für die Ergotherapiebehandlung aus der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung für maximal zwei Behandlungsserien zu übernehmen. Die
Arbeit gehöre zum Alltagsleben eines arbeitsfähigen Menschen. Eine Leistungspflicht
bestehe nicht nur in Bezug auf alltägliche Lebensverrichtungen wie Essen, Ankleiden,
Waschen etc. Die wenigen Therapiestunden bei A._ hätten bereits Erfolg gezeigt und
er habe seine Arbeitsfähigkeit steigern können. Ergänzend habe sich auch seine
psychische Verfassung verbessert bzw. er leide kaum mehr unter Depressionen, womit
auch die Voraussetzungen gemäss Art. 6 Abs. 1 lit. b KLV erfüllt seien. Mit den
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung müsste er seinen Betrieb
aufgeben und würde seiner Investitionen verlustig gehen. Die Behandlung von A._ sei
eine speziell für Schleudertraumafälle entwickelte Methode, welche die
Invalidenversicherung nicht anbieten könne. Tatsächlich sei die Ergotherapie eine sehr
kostenintensive Behandlungsmethode. Dieser Umstand könne jedoch auch
berücksichtigt werden, indem maximal zwei Behandlungsserien von der
Beschwerdegegnerin übernommen würden.
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C.b In der Beschwerdeantwort vom 13. Mai 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde.
C.c Mit Replik vom 30. Mai 2008 hält der Beschwerdeführer an seinem Antrag und
seinen Standpunkten fest. Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer
Duplik verzichtet.
C.d Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt
der Berichte bzw. Stellungnahmen von A._, Dr. C._ und Dr. B._ wird, soweit

entscheidnotwendig, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
Streitig ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin im Rahmen der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung die Kosten der vom Beschwerdeführer beantragten
Ergotherapie zu übernehmen hat.
2.
2.1 Nach Art. 24 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR
832.10) übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten für die
Leistungen gemäss Art. 25 - 31 KVG nach Massgabe der in Art. 32 - 34 KVG
festgelegten Voraussetzungen. Die Leistungen umfassen unter anderem
Untersuchungen, Behandlungen und Pflegemassnahmen, die von Personen
durchgeführt werden, die auf Anordnung oder im Auftrag eines Arztes oder einer Ärztin
Leistungen erbringen (Art. 25 Abs. 2 lit. a Ziff. 3 KVG). Zu diesen Personen, welche auf
ärztliche Anordnung hin Leistungen erbringen, gehören unter anderem auch
Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen (Art. 46 Abs. 1 lit. b der Verordnung über die
Krankenversicherung [KVV; SR 832.102]). Leistungen, die nicht im Leistungskatalog
von Art. 25 KVG aufgenommen sind, können von der Krankenversicherung nicht
gefordert werden (Art. 34 Abs. 1 KVG). Der Leistungsbereich von Art. 25 KVG wird
sodann durch weitere Bestimmungen im KVG sowie in der KVV zusätzlich beschränkt.
Auch hier gilt, dass nur die darin vorgesehenen Leistungen der Leistungserbringer (u.a.
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Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen) Ansprüche der versicherten Person
begründen (Alfred Maurer, Das neue Krankenversicherungsrecht, Basel 1996, S. 44 f.).
Gemäss Art. 33 Abs. 2 KVG bezeichnet der Bundesrat die nicht von Ärzten und
Ärztinnen oder Chiropraktoren und Chiropraktorinnen erbrachten Leistungen, deren
Kosten von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung nicht oder nur unter
bestimmten Bedingungen übernommen werden. In Art. 33 lit. b KVV hat er diese
Aufgabe weitgehend an das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) delegiert
(vgl. Art. 33 Abs. 5 KVG). Gestützt auf diese Delegationsbestimmung hat das EDI die
KLV erlassen, welche unter anderem die Leistungen von Art. 25 Abs. 2 lit. a Ziff. 3 KVG
näher bezeichnet. Die Aufzählung der Leistungen ist abschliessend (Maurer, a.a.O., S.
51, 54). Nach Art. 6 Abs. 1 KLV übernimmt die Versicherung die Kosten der Leistungen,
die auf ärztliche Anordnung hin von Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen sowie
von Organisationen der Ergotherapie erbracht werden, soweit sie der versicherten
Person bei somatischen Erkrankungen durch Verbesserung der körperlichen
Funktionen zur Selbständigkeit in den alltäglichen Lebensverrichtungen verhelfen (lit. a)
oder im Rahmen einer psychiatrischen Behandlung durchgeführt werden (lit. b). Die
Versicherung übernimmt je ärztliche Anordnung die Kosten von höchstens neun
Sitzungen in einem Zeitraum von drei Monaten seit der ärztlichen Anordnung (Art. 6
Abs. 2 KLV).
2.2 Die Kostenübernahme der im Einzelfall anbegehrten Massnahme ist sodann im
Lichte von Art. 32 KVG bzw. der Zweckmässigkeit, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit
zu prüfen (vgl. Art. 24 KVG). Wirtschaftlichkeit verlangt, dass die Wahl unter den in
Frage kommenden Leistungen in der Weise zu treffen ist, dass zwischen Kosten und
Nutzen ein optimales Verhältnis erreicht wird. Ein bestimmtes medizinisches Ergebnis
soll mit dem geringstmöglichen Aufwand an Kosten erreicht werden. Die Beurteilung
der Wirtschaftlichkeit erfolgt entsprechend ihrer komparativen Natur i.d.R. durch den
Vergleich mit alternativen Behandlungsmöglichkeiten. Wo keine Alternativen vorhanden
sind und daher kein Vergleich möglich ist, muss zwischen den Kosten und dem
medizinischen Nutzen ein angemessenes Verhältnis bestehen; im Gegensatz zur
Wirtschaftlichkeitsbeurteilung bei fehlenden Alternativen im konkreten Behandlungsfall
muss, um den Pflichtleistungscharakter verneinen zu können, kein grobes
Missverhältnis zwischen Kosten und Nutzen gegeben sein (Gebhard Eugster,
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Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. Soziale
Sicherheit, Basel 2007, Rz 570).
3.
3.1 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers fällt im konkreten Fall eine
Kostenübernahme der Ergotherapie aufgrund von Art. 6 Abs. 1 lit. b KLV offenkundig
ausser Betracht. In Art. 6 Abs. 1 lit. b KLV ist als Voraussetzung für eine
Kostenübernahme der Ergotherapie eindeutig die parallele Durchführung einer
psychiatrischen Behandlung verlangt. Der Beschwerdeführer stellt nicht in Abrede,
dass in seinem Fall weder eine psychiatrische Behandlung durchgeführt noch eine
solche empfohlen worden ist. Tatsächlich hat die ergänzend zur Ergotherapie
durchgeführte psychiatrische Behandlung zusätzliche Kosten zur Folge.
Ausgangspunkt für die Beantwortung der Frage, welche Leistungen unter die
Übernahmepflicht der Krankenversicherer fallen bzw. welche Risiken im Rahmen der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung abgedeckt sein sollen, bildet jedoch in
Bezug auf die Ergotherapie der Entscheid, Ergotherapien für die Behandlung einer
Krankheit und ihrer Folgen nicht uneingeschränkt, sondern nur unter bestimmten
Voraussetzungen durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung zu vergüten.
Gerade in diesem Entscheid ist die Massnahme zur Kostenbegrenzung der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu sehen. Art. 6 Abs. 1 lit. b KLV regelt die
Kostenübernahme der Ergotherapie bei versicherten Personen, die eine psychische
Erkrankung aufweisen. Während bei somatischen Erkrankungen die Anordnung einer
Ergotherapie durch einen Arzt oder eine Ärztin genügt, wird bei psychischen
Erkrankungen parallel die Durchführung einer psychiatrischen Behandlung verlangt.
Psychische Erkrankungen lassen sich häufig nicht ohne weiteres objektivieren. Insofern
erscheint eine zusätzliche Anbindung der Ergotherapie an die psychiatrische
Behandlung sinnvoll. Indem eine solche vorausgesetzt wird, wird zudem automatisch
ein gewisser Schweregrad der psychischen Erkrankung verlangt, was offensichtlich
ebenfalls erwünscht ist. In Anbetracht des Gesagten genügt es somit eben nicht, wenn
der Beschwerdeführer - ohne dies in Abrede zu stellen - einfach geltend macht, die
Ergotherapie habe bereits zu einem Erfolg geführt, indem er seine Arbeitsfähigkeit habe
steigern können, womit sich auch seine psychische Verfassung verbessert habe bzw.
er fast nicht mehr an Depressionen leide.
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3.2 Die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme der Ergotherapie gestützt auf
Art. 6 Abs. 1 lit. a KLV sind ebenfalls nicht erfüllt.
3.2.1 Dr. C._ stellt in seinem ärztlichen Bericht vom 5. Januar 2008 beim
Beschwerdeführer insbesondere die Diagnosen eines cervico-cephalen Syndroms mit
Begleitschwindel und Verdacht auf neuropsychologische Defizite bei Status nach
Beschleunigungstrauma der HWS mit Commotio cerebri sowie postcommotionalen
Beschwerden. Seit einem Autounfall (Frontalkollision) vom 20. Dezember 2002 mit
HWS-Distorsion und Commotio cerebri bestünden beim Beschwerdeführer die
typischen somatischen (Kopf- und Nackenschmerzen) sowie neuropsychologischen
(erhöhte Ermüdbarkeit, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche und verminderte
intellektuelle Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit) Beschwerden. Laut Bericht von Dr.
C._ ist der Beschwerdeführer insbesondere aufgrund seiner neuropsychologischen
Beschwerden in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Eine Behandlung mit
Ergotherapie sei somit indiziert gewesen. Dr. C._ umschreibt diese als
neuropsychologische Rehabilitation. Der Beschwerdeführer habe auf die Behandlung
bis jetzt gut angesprochen und es sei damit zu rechnen, dass die Arbeitsfähigkeit
weiter gesteigert werden könne (act. 4). Der behandelnde Ergotherapeut A._ führt
sodann in seiner Stellungnahme vom 31. Januar 2008 zusätzlich zu den von Dr. C._
beschriebenen Defiziten des Beschwerdeführers eine Wortfindungsstörung sowie
Wahrnehmungsdefizite an. Die Wahrnehmungsdefizite seien ein Teil der Ursache der
eingeschränkten Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Er realisiere nämlich nicht,
wann er erschöpft sei und sich nicht mehr konzentrieren könne bzw. fehlerhaft arbeite.
Er könne dann seine Arbeit nicht mehr bewältigen und verliere die Übersicht. Ein
Teufelskreis entstehe. Er benötige wieder mehr Zeit, um sich zu erholen. Weil er dann
jedoch den Anforderungen nicht genüge, komme er unter Druck und gönne sich zu
wenig Ruhe, worauf er wieder übermässig arbeite usw. Dieses Phänomen müsse dem
Beschwerdeführer bewusst gemacht werden, indem der Therapeut dies während der
Therapie spiegle. Nur so könne zusammen erarbeitet werden, wie lange der
Beschwerdeführer konzentriert arbeiten könne und dann eine Pause benötige. Es
müssten auch Entspannungstechniken erarbeitet werden, welche die Erholungszeiten
positiv beeinflussten (act. 3).
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3.2.2 Die KLV umschreibt in Art. 6 Abs. 1 lit. a nicht die konkret zu vergütenden
Leistungen in der Ergotherapie, sondern beschränkt sich auf die Formulierung des Ziels
(BGE 130 V 288 E. 3.1), d.h. die Ergotherapie hat durch Verbesserung der körperlichen
Funktionen zur Selbständigkeit in den alltäglichen Lebensverrichtungen zu verhelfen.
Der Begriff der alltäglichen Lebensverrichtungen stellt ein Element der in Art. 9 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) definierten Hilflosigkeit dar. Diese wiederum bildet die
Anspruchsvoraussetzung für eine Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung
(Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]).
Insofern sind die im Sinne von Art. 9 ATSG und des IVG als alltäglich bezeichneten
Lebensverrichtungen auch im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
massgebend. Es sind diese Lebensverrichtungen, die im Rahmen einer Ergotherapie
geübt werden.
3.2.3 Die massgebenden alltäglichen Lebensverrichtungen betreffen die Bereiche
Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen, Absitzen, Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichten
der Notdurft sowie Fortbewegung (unter anderem Pflege gesellschaftlicher Kontakte
bzw. zwischenmenschlicher Beziehungen, wie sie der Alltag mit sich bringt [z.B. Lesen,
Schreiben usw.]; vgl. Kreisschreiben über die Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2008, Rz. 8010 ff.). Daraus erhellt,
dass sich Ergotherapie im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung vor
allem auf die Rehabilitation nach einer schweren Krankheit oder einem schweren Unfall
bezieht und die weitestmögliche Selbständigkeit im täglichen Leben sowie im Beruf
bezweckt. Demnach ist eine ergotherapeutische Behandlung einer leichten
gesundheitlichen Störung atypisch und eine restriktive Unterstellung unter Art. 6 Abs. 1
lit. a KLV folgerichtig. Ist hingegen eine schwerwiegende Störung gegeben, die
somatische Auswirkungen hat, welche die versicherte Person in ihrem Alltagsleben
erheblich beeinträchtigen, ist eine somatische Erkrankung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 lit.
a KLV und somit die Kostenpflicht des Krankenversicherers zu bejahen (BGE 130 V 287
E. 5.1.3, 130 V 290 E. 3.3).
3.2.4 Im Falle des Beschwerdeführers ist insbesondere streitig, ob die von Dr.
C._ sowie A._ konkret formulierten Ziele bzw. angegangenen Verbesserungen der
körperlichen Funktionen zur Selbständigkeit in den alltäglichen Lebensverrichtungen
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verhelfen. Angesichts der Erwägungen in Ziff. 3.2.1 gilt es solches eindeutig zu
verneinen. Dem Bericht von Dr. C._ und der Stellungnahme von A._ vom 5. bzw.
31. Januar 2008 (act. 4, 3) ist in keiner Weise zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer durch die bei ihm erhobenen neuropsychologischen Defizite in
seinen alltägliche Lebensverrichtungen eingeschränkt wäre. Aus der Stellungnahme
von A._ kann sodann deutlich abgeleitet werden, dass im Rahmen der beim
Beschwerdeführer durchgeführten Ergotherapie andere Situationen (Entspannungs-
und Konzentrationsübungen) als alltäglichen Lebensverrichtungen beübt wurden.
Entsprechend ist dem Bericht von Dr. C._ vom 5. Januar 2008 (act. 4) auch nicht zu
entnehmen, dass beim Beschwerdeführer eine somatische Erkrankung im Sinne von
Art. 6 Abs. 1 lit. a KLV, d.h. verbunden mit erheblichen Beeinträchtigungen in seinem
Alltagsleben, vorliegen würde. Zumindest kann nicht von einer schweren Unfallfolge
ausgegangen werden (vgl. Erwägung Ziff. 3.2.3). Die wesentliche Bestimmung des
Alltags durch die Erwerbstätigkeit ändert an dieser Beurteilung nichts. Die mit der
Berufsausübung oder mit einem gleichgestellten Aufgabenbereich (Haushalt, Studium,
religiöse Gemeinschaft) und die mit der beruflichen Eingliederung verbundenen
Tätigkeiten (z.B. Hilfe bei der Überwindung des Arbeitsweges) gehören nicht zu den
alltäglichen Lebensverrichtungen (KSIH, a.a.O., Rz 8012). Dass die Ergotherapie auch
eine weitestmögliche Selbständigkeit im Beruf, d.h. nicht nur im täglichen Leben im
engeren Sinn, bezweckt, ist damit einschränkend zu verstehen. Diesbezüglich sind
lediglich die dabei gleichfalls vorkommenden alltäglichen Lebensverrichtungen
gemeint. Die Ergotherapie hat nicht die Verbesserung der Erwerbsfähigkeit zum Ziel,
sondern die Verminderung der Hilflosigkeit. Anders verhält es sich bei den
medizinischen Massnahmen, auf welche im Rahmen der Invalidenversicherung unter
anderem ein Anspruch entsteht, wenn damit die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder hergestellt, erhalten oder verbessert
werden kann (Art. 8 Abs. 1 lit. a IVG, Art. 12 Abs. 1 IVG).
3.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall weder die
Voraussetzungen gemäss Art. 6 Abs. 1 lit a KLV noch diejenigen gemäss Art. 6 Abs. 1
lit. b KLV erfüllt sind. Die Beschwerdegegnerin lehnte demzufolge ihre Leistungspflicht
für die Ergotherpie-Behandlung des Beschwerdeführers zu Recht ab.
4.
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Die Frage, ob in Bezug auf die Ergotherapie die Voraussetzungen von Art. 32 KVG,
insbesondere diejenige der Wirtschaftlichkeit, gegeben wären bzw. ob die von A._
verfolgten Therapieziele mit einer kostengünstigeren Therapie erzielt werden könnten,
kann damit offen bleiben. Der Vollständigkeit halber ist dennoch zu erwähnen, dass
von Seiten der Beschwerdegegnerin zwar die Meinung vertreten wird, die Ergotherapie
stelle eine kostenintensive Therapie dar. Aufgrund der Akten kann indessen nicht
gesagt werden, ob in Bezug auf die gesundheitliche Problematik des
Beschwerdeführers überhaupt eine kostengünstigere alternative
Behandlungsmöglichkeit bestehen würde. Soweit die Verwaltung oder ein Gericht in
Einzelfällen über die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit einer
bestimmten Leistung zu entscheiden haben, haben sie die Abklärungen regelmässig
mittels Gutachten nach den Regeln des Untersuchungsgrundsatzes selbst zu treffen
(Pra 2001 Nr. 73, 422; SVR-KV 2001 Nr. 21, 61). Im vorliegenden Fall wären damit die
für einen diesbezüglichen Entscheid notwendigen Beweisgrundlagen nicht gegeben.
Schliesslich ist festzuhalten, dass in der Begründung der Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 4. Januar 2008 tatsächlich die fehlende Wirtschaftlichkeit
der Ergotherapie im konkreten Fall in den Vordergrund gestellt wird (act. 5). Abgesehen
davon, dass in der Verfügung aber auch auf Art. 6 Abs. 1 KLV Bezug genommen wird,
ist darauf hinzuweisen, dass Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens der
Einspracheentscheid vom 17. März 2008 (act. 1) bildet (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
Zürich 2003, Art. 56 Rz. 3), worin die rechtlichen Grundlagen für den
Ablehnungsentscheid zutreffend und ohne Widersprüchlichkeit angeführt sind.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen und der
angefochtene Einspracheentscheid vom 17. März 2008 zu bestätigen. Gerichtskosten
sind gemäss Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG