Decision ID: 5636077a-29ea-59d7-9407-972af4d8a294
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Eigenen Angaben zufolge verliessen A._ (nachfolgend: die Be-
schwerdeführerin 1) und ihre Tochter B._ (nachfolgend: die Be-
schwerdeführerin 2), beides äthiopische Staatsangehörige der Ethnie der
Oromo, im September 2017 ihr Heimatland. Am 17. Oktober 2017 reisten
sie gemeinsam mit der Schwester der Beschwerdeführerin 1 (N [...]) in die
Schweiz ein und stellten gleichentags ein Asylgesuch.
B.
Am 23. Oktober 2017 wurde die Beschwerdeführerin 1 im damaligen Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) (...) zu ihren Personalien und ihrem
Reiseweg befragt (MIDES Personalienaufnahme).
C.
Mit Eingabe vom 27. Oktober 2017 teilte die Rechtsvertreterin der Be-
schwerdeführerinnen dem Staatssekretariat für Migration (SEM) mit, dass
sich anlässlich des Erstgesprächs deutliche Hinweise darauf ergeben hät-
ten, dass die Beschwerdeführerin 1 Opfer von Menschenhandel geworden
sei.
D.
Am 31. Oktober 2017 fand ein Gespräch gemäss Art. 5 der Verordnung
(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) statt.
E.
Am 17. November 2017 wurde den Beschwerdeführerinnen das rechtliche
Gehör zu einer allfälligen Überstellung nach Frankreich gewährt.
F.
Nachdem die französischen Behörden am 12. Januar 2018 gestützt auf
Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO einer Übernahme zugestimmt hatten, trat das
SEM mit Verfügung vom 30. Januar 2018 auf die Asylgesuche der Be-
schwerdeführerinnen nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
nach Frankreich sowie deren Vollzug an.
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Seite 3
G.
Gegen den vorinstanzlichen Entscheid vom 30. Januar 2018 erhoben die
Beschwerdeführerinnen mit Eingabe vom 7. Februar 2018 Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht. Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-768/2018 vom 21. März 2018 wurde die Beschwerde gutgeheissen, die
Verfügung vom 30. Januar 2018 aufgehoben, die Vorinstanz angewiesen,
auf die Asylgesuche einzutreten und das ordentliche Asylverfahren in der
Schweiz durchzuführen.
II.
H.
Mit Zuweisungsentscheid vom 12. April 2018 wurden die Beschwerdefüh-
rerinnen in das erweiterte Verfahren aufgenommen. Am 24. Juni 2019 fand
die Bundesanhörung der Beschwerdeführerin 1 statt.
I.
I.a Zu ihrem Lebenslauf brachte die Beschwerdeführerin 1 vor, sie sei in
C._ geboren und dort aufgewachsen. Nach ihrem Schulabschluss
habe sie zuerst eine Ausbildung als (...), später eine Weiterbildung als (...)
absolviert und ungefähr während fünf Jahren respektive bis zur Geburt ih-
rer Tochter gearbeitet. Danach sei sie als alleinerziehende Mutter von ihren
Familienangehörigen finanziell unterstützt worden. Den Vater ihrer Tochter
habe sie weder geheiratet, noch habe sie mit ihm zusammengelebt. Er
habe die Tochter jedoch sporadisch unterstützt und stehe bis heute in ge-
legentlichem Kontakt zu ihr.
I.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs legte die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen dar, sie und ihre Familienangehörigen seien in ihrem Heimat-
land als Oromo regelmässig diskriminiert und benachteiligt worden. Auf-
grund dessen hätten sie alle zwei bis drei Monate innerhalb von C._
umziehen müssen.
Am 2. Oktober 2016 habe sie mit ihrer Schwester und deren Ehemann an
einer Feier der Oromo in D._ teilgenommen. An diesem Anlass
seien mehrere tausend Personen anwesend gewesen. Plötzlich seien
Schüsse gefallen und die Teilnehmenden hätten versucht wegzurennen,
wobei viele Personen ums Leben gekommen seien. Die Situation sei äus-
serst chaotisch gewesen und sie sei von ihrer Schwester und deren Ehe-
mann getrennt worden. Die Behörden hätten in der Folge wahllos Men-
schen verhaftet. Auch sie sei festgenommen, beschimpft und mit dem Tod
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Seite 4
bedroht worden. Nach ungefähr drei Wochen habe man sie kurz vor ihrer
Entlassung gezwungen, ein Dokument zu unterschreiben, dessen Inhalt ihr
jedoch unbekannt gewesen sei. Nach ihrer Freilassung sei sie von den Be-
hörden beobachtet und regelmässig von ihnen zu Hause aufgesucht wor-
den. Zuletzt habe man sie im Mai beziehungsweise Juni 2017 auf einen
Posten gebracht, wo sie erneut habe Unterschrift leisten müssen. Aus
Angst, wieder festgenommen und misshandelt zu werden, habe sie sich
entschlossen, auszureisen.
Daraufhin habe sie einen Schlepper ausfindig gemacht. Sie und ihre Toch-
ter seien mit ihm problemlos aus Äthiopien ausgereist und in Frankreich
gelandet, wo sie in ein Haus gebracht und dort festgehalten worden seien.
Während ihrer rund einmonatigen Gefangenschaft in der Wohnung des
Schleppers sei sie (die Beschwerdeführerin 1) von ihm zu sexuellen Hand-
lungen gezwungen sowie geschlagen worden. Auch sei sie von mehreren
Männern fotografiert und gefilmt worden. Tagsüber habe sie Kleider bügeln
müssen. Nach ungefähr zwei Wochen sei ihre Schwester mit einem ande-
ren Schlepper in die Wohnung gebracht worden und habe dieselben Miss-
handlungen wie sie selber erleiden müssen. Eines Tages sei ihnen die
Flucht geglückt, als sich nur einer der Schlepper in der Wohnung aufgehal-
ten habe. Mit der Hilfe von Passanten hätten sie in die Schweiz gelangen
können.
Nebst ihrer Identitätskarte legte die Beschwerdeführerin 1 folgende Arzt-
und Fachberichte ins Recht:
- Berichte der FiZ (Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration) vom
20. Dezember 2017 und 9. April 2018 und Verlaufsbericht vom 17. De-
zember 2019,
- Ärztliche Stellungnahme der Gemeinschaftspraxis (...), E._, die
Beschwerdeführerin 1 betreffend vom 22. Januar 2018,
- Untersuchungsbericht der Psychiatrischen Universitätsklinik
E._, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychothera-
pie, die Beschwerdeführerin 2 betreffend vom 27. März 2018,
- Bericht der Gemeinschaftspraxis (...), vom 26. August 2019.
Auf die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführerin 1 wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Seite 5
J.
Mit Verfügung vom 31. März 2020 – eröffnet am 6. April 2020 – stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführerinnen erfüllten die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz sowie deren Vollzug.
K.
Die Beschwerdeführerinnen fochten mit Eingabe vom 1. Mai 2020 (Datum
Poststempel) die vorinstanzliche Verfügung beim Bundesverwaltungsge-
richt an und beantragten, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und
ihnen sei die vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit beziehungsweise
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu gewähren. Als Eventualan-
trag stellten sie das Begehren, die Sache sei zur vollständigen Sachver-
haltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Weiter beantragten sie,
dass ihr Beschwerdeverfahren mit dem Beschwerdeverfahren ihrer
Schwester respektive ihrer Tante (D-2319/2020 [N [...]) koordiniert zu be-
handeln sei. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kos-
tenvorschusses. Weiter beantragten sie die Beiordnung der rubrizierten
Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin.
L.
Mit Verfügung vom 11. Mai 2020 wurden die Beschwerdeführerinnen auf-
gefordert, ihre finanzielle Situation offenzulegen. Dem Ersuchen um koor-
diniertes Behandeln der Beschwerde ihrer Schwester respektive ihrer
Tante wurde stattgegeben. Gleichzeitig wurde das SEM eingeladen, eine
Vernehmlassung einzureichen.
M.
Mit Eingabe vom 11. Mai 2020 legten die Beschwerdeführerinnen einen
Arztbericht der Gemeinschaftspraxis (...), F._, vom 9. Mai 2020 be-
treffend die Beschwerdeführerin 1, einen Verlaufsbericht der Psychiatri-
schen Universitätsklinik E._, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiat-
rie und Psychotherapie, vom 5. Mai 2020 die Beschwerdeführerin 2 betref-
fend sowie ein Schreiben der Klassenlehrerin der Beschwerdeführerin 2
vom 30. April 2020 zu den Akten.
N.
Mit Eingabe vom 18. Mai 2020 reichten die Beschwerdeführerinnen eine
Fürsorgebestätigung ein.
D-2321/2020
Seite 6
O.
Die Vorinstanz nahm mit Vernehmlassung vom 26. Mai 2020 Stellung.
P.
Mit Eingabe vom 12. Juni 2020 replizierten die Beschwerdeführerinnen.
Q.
Mit Eingabe vom 6. Juli 2020 erfolgte eine weitere Eingabe der Beschwer-
deführerinnen mit Hinweis auf die neusten Entwicklungen in Äthiopien.
R.
Mit Eingabe vom 12. August 2021 liessen die Beschwerdeführerinnen eine
Verfahrensstandanfrage einreichen.
S.
Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Verfahren auf die
gemäss Rubrum vorsitzende Richterin umgeteilt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG,
SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-
biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-
liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG,
SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig ent-
scheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101). In Anwendung der Übergangsbestimmungen gilt für das
vorliegende Verfahren das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
3.
Das vorliegende Verfahren wird mit dem Verfahren der Schwester der Be-
schwerdeführerin 1 (D-2319/2020, [...]) koordiniert behandelt.
4.
Formell wurde das gesamte Dispositiv der streitgegenständlichen Verfü-
gung angefochten (vgl. Rechtsbegehren 1). Inhaltlich beanstandeten die
Beschwerdeführerinnen jedoch nur den Vollzug der Wegweisung bezie-
hungsweise die Dispositivziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung.
Prozessgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet des-
halb lediglich die Frage des Vollzugs der Wegweisung. Die Dispositivziffern
1 bis 3 der angefochtenen Verfügung sind damit in Rechtskraft erwachsen.
5.
5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Auslän-
der und über die Integration vom 16. Dezember 2005 [AIG, SR 142.20]).
Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung
(Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit) sind alternativer Na-
tur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als
undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz
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gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl.
BVGE 2009/51 E. 5.4).
5.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
5.3 Glaubhaftmachung bedeutet im Gegensatz zum strikten Beweis ein re-
duziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände
und Zweifel an den Vorbringen. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft
gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist,
sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind.
Demgegenüber reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der
Inhalt der Aussagen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten As-
pekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte
Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Ge-
samtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhalts-
darstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekti-
vierte Sichtweise abzustellen (BVGE 2015/3 E. 6.5.1). Unglaubhaft sind
insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder
massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-
den (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG).
6.
6.1
6.1.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Punkt
der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Wesentlichen damit, dass
die Beschwerdeführerinnen die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten, wes-
halb der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG
nicht zur Anwendung gelange. Ausserdem seien den Akten keine Anhalts-
punkte dafür zu entnehmen, dass ihnen im Falle einer Rückkehr in den
Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 der Kon-
vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung
drohe.
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Seite 9
6.1.2 Schliesslich würden sich aus den Akten auch keine individuellen
Gründe ergeben, welche für die Unzumutbarkeit eines Wegweisungsvoll-
zugs sprechen würden. Die im Ausland lebenden Verwandten sowie der
Vater der Tochter würden die Beschwerdeführerinnen finanziell unterstüt-
zen. Ausserdem verfüge die Beschwerdeführerin 1 über ein soziales Be-
ziehungsnetz und über eine gesicherte Wohnmöglichkeit, zumal eine
Schwester und deren Ehemann in Äthiopien lebten. Auch einer beruflichen
Reintegration würde, nach ihrer psychischen Genesung, nichts im Wege
stehen, zumal sie über eine Ausbildung und über mehrjährige Berufserfah-
rung als (...) verfüge. Des Weiteren könne nicht von einer medizinischen
Notlage ausgegangen werden, da eine solche bedinge, dass im Heimat-
land keine oder nicht ausreichende Behandlungsmöglichkeiten vorhanden
seien, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz ab-
solut notwendig seien. Die diagnostizierte schwere posttraumatische Be-
lastungsstörung (PTBS) sei in der Privatklinik Lebeza Psychiatry Speciality
Clinic in Addis Abeba behandelbar. Zur Finanzierung dieser Behandlung
könne ausserdem die medizinische Rückkehrhilfe beantragt werden.
6.2
6.2.1 Die Beschwerdeführerinnen monierten, die Vorinstanz habe die Un-
zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nicht geprüft. Diese Vorgehens-
weise sei nicht nachvollziehbar, zumal in der Verfügung der Schwester der
Beschwerdeführerin 1 die Unzulässigkeit geprüft worden und es aktenkun-
dig sei, dass sowohl die Beschwerdeführerin 1 als auch ihre Tochter psy-
chisch stark belastet seien. Gemäss Rechtsprechung des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) verbiete auch Art. 3 EMRK eine
Abschiebung im Falle, wenn für die betroffene Person aufgrund fehlender
angemessener Behandlungsmöglichkeiten oder wegen fehlendem Zugang
zu Behandlungen einer ernsthaften, rapiden und irreversiblen Verschlech-
terung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt werde, die intensives Leiden
oder eine wesentliche Verringerung der Lebenserwartung nach sich zöge.
So würde vorliegend die Traumatisierung der Beschwerdeführerin 1 nicht
nur auf einer PTBS aufgrund ihrer sexuellen Ausbeutung als Opfer von
Menschenhandel basieren, sondern auch auf den im Heimaltland belas-
tenden Faktoren. Aufgrund der Diskriminierungen gegen Oromo im Allge-
meinen habe sie sich keine berufliche Existenz aufbauen können, habe
mitansehen müssen, wie ihr Vater an den Folgen von Folterungen ums Le-
ben gekommen sei, und sei neben der dauernden Überwachung durch die
äthiopischen Behörden inhaftiert gewesen. Zudem sei der ständige Woh-
nortswechsel hinzugekommen. Bereits diese Umstände hätten zu einem
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Seite 10
enormen psychischen Druck geführt. Sie sei seit dem 18. April 2018 in Be-
handlung und die behandelnde Psychotherapeutin habe in ihrem Arztbe-
richt vom 24. September 2018 festgestellt, dass sie unter verschiedenen
Traumata leide, eine Besserung nicht in Sicht sei und es bei der Therapie
vorwiegend um ihre Stabilisierung gehe. Ohne fachgerechte Behandlung
sei eine schwere Depression zu erwarten. Ihr gesundheitlicher Zustand sei
insofern umso gravierender, da sie als Mutter eines Teenagers die Erzie-
hungsaufgaben übernehmen müsse. Aus dem Bericht vom 26. August
2019 gehe dasselbe Resümee hervor. Zudem würde bei einer Rückkehr
eine Retraumatisierung drohen und die gesamte Therapie in der Schweiz
zunichtegemacht werden. In diesem Fall würde sich ihr Zustand negativ
auf das Wohl ihrer Tochter auswirken. Weiter gehe aus dem Fachbericht
der FiZ vom 17. Dezember 2019 hervor, dass sie an einer akuten Depres-
sion sowie unter Erschöpfung leide. Nach der (negativen) Entscheideröff-
nung habe umgehend ein Notfalltermin mit der behandelnden Psychothe-
rapeutin vereinbart werden müssen.
6.2.2 Aus dem Untersuchungsbericht der Tochter vom 27. März 2018 der
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie gehe ferner
hervor, dass diese kaum schlafen könne sowie unter Angst- und Panikat-
tacken leide. Ihre Behandlung sei auf den Umgang mit den Symptomen
und Ressourcenaktivierung beschränkt. Angesichts der verschiedenen
Arzt- und Fachberichte sei es nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz
eine Wegweisung als zulässig erachtet habe, zumal – neben dem bereits
erwähnten Krankheitsverlauf – aus den Akten hervorgehe, dass bei einer
Rückkehr ins Heimatland neben einer Retraumatisierung ein psychisches
Entgleiten mit schwerer Depression und Suizidalität die Folge sein könnte.
Das Ausmass der gesundheitlichen Konsequenzen würde vorliegend eine
derartige Schwere erreichen, dass eine Verletzung von Art. 3 EMRK zu be-
jahen und eine Wegweisung unzulässig sei.
6.2.3 Sodann sei gemäss Rechtsprechung der Vollzug der Wegweisung
nach Äthiopien zwar generell zumutbar, jedoch sei die besondere Situation
von alleinstehenden Frauen zu beachten. Bei einer Rückkehr nach Äthio-
pien würden der Beschwerdeführerin 1 Stigmatisierung, Diskriminierung
sowie soziale Ausgrenzung drohen. Gemäss verschiedenen Berichten sei
die Mehrzahl von rückkehrenden Frauen nach Äthiopien mit schwierigen
kulturellen Rahmenbedingungen konfrontiert. Um Zugang zu einem Ar-
beitsplatz zu erhalten, benötige man neben genügend finanziellen Res-
sourcen familiäre Kontakte, und auch unter diesen Umständen sei es bei
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Seite 11
guter Qualifikation für eine Äthiopierin äusserst schwierig, eine nicht unter-
bezahlte Stelle zu erhalten. Dieser psychische Druck, welchem die Be-
schwerdeführerin 1 bei einer Rückkehr ausgesetzt wäre, erreiche das Aus-
mass einer unmenschlichen Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK. Ent-
gegen der Argumentation der Vorinstanz würden die Beschwerdeführerin-
nen über kein familiäres Netz verfügen. Lediglich die Tochter habe gele-
gentlich telefonischen Kontakt zu ihrem Vater und werde nur sporadisch
von diesem finanziell unterstützt. Zudem gelte der Ehemann der in Schweiz
anwesenden Schwester immer noch als verschwunden. Die Beschwerde-
führerin 1 befinde sich seit zwei Jahren in psychotherapeutischer Behand-
lung und werde engmaschig von Mitarbeiterinnen der FiZ betreut. Deshalb
könne nicht von einem stabilen Gesundheitszustand ausgegangen wer-
den. Hinsichtlich des Hinweises der Vorinstanz auf die Behandlungsmög-
lichkeit in der psychiatrischen Privatklinik in Addis Abeba sei klarzustellen,
dass eine Behandlung auch mit Rückkehrhilfe nicht bezahlbar sei. Zudem
sei kaum davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin 1 unmittelbar
nach ihrer Rückkehr dort einen Therapieplatz erhalten werde.
6.2.4 Des Weiteren habe die Vorinstanz das Kindeswohl in keiner Weise
berücksichtigt, obwohl dieses ein zentrales Element in der Prüfung des
Vollzugs der Wegweisung darstelle. So sei zu beachten, dass die Tochter
im Alter von elf Jahren Augenzeugin der sexuellen Ausbeutung ihrer Mutter
gewesen und somit ebenfalls ein Opfer von Menschenhandel geworden
sei. Sie sei wie ihre destabilisierte Mutter in psychologischer Behandlung
und würde bei einer Rückkehr retraumatisiert werden, wobei zudem ein
Abbruch der laufenden Therapien nicht mit dem Kindeswohl vereinbar
wäre. Schliesslich wäre eine altersadäquate Betreuung der Tochter nicht
gewährleistet.
6.3 Die Vorinstanz führte in der Vernehmlassung aus, die Beschwerdefüh-
rerin 1 sei in Frankreich zwar ausgebeutet worden, habe jedoch nicht nach-
weisen können, dass konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen würden, dass
sie bei einer Rückkehr nach Äthiopien ernsthaften Nachteilen ausgesetzt
wäre. Der Umstand, in der Vergangenheit ausgebeutet worden zu sein,
stelle kein reales Risiko für eine erneute Ausbeutung dar, weshalb der Voll-
zug der Wegweisung im Sinne von Art. 3 und 4 EMRK nicht unzulässig sei.
Ferner habe die Beschwerdeführerin 1 den in Aussicht gestellten Arztbe-
richt ihre Tochter betreffend nicht eingereicht, obwohl dies möglich gewe-
sen wäre.
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Seite 12
6.4 In der Replik wurde ausgeführt, dass eine Kopie des Untersuchungs-
berichts der Beschwerdeführerin 2 vom 27. März 2018 mit Schreiben vom
9. April 2018 des kantonalen Sozialamtes der Vorinstanz zur Kenntnis ge-
bracht worden sei. Sodann sei ein aktueller Verlaufsbericht der Klinik für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie vom 5. Mai 2020 beim
Bundesverwaltungsgericht eingereicht worden. Dennoch habe die Vor-
instanz zum Kindeswohl keine Stellung genommen.
Auf die im Beschwerdeverfahren eingereichten Arztzeugnisse wird an ge-
gebener Stelle eingegangen.
7.
7.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug der Wegweisung für Aus-
länderinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder
Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemei-
ner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Dieser Arti-
kel findet auch Anwendung auf Personen, welche nach ihrer Rückkehr we-
gen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit in
völlige Armut geraten würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften
Verschlechterung des Gesundheitszustands, der Invalidität oder gar dem
Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.5 und BVGE 2011/24
E.11.1 m.w.H.). Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder be-
troffen, so bildet der Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl
einen Gesichtspunkt von gewichtiger Bedeutung (vgl. BVGE 2009/28
E. 9.3.2). In Äthiopien herrscht zwar kein Krieg. Die sozioökonomische Si-
tuation alleinstehender Frauen ist jedoch nach wie vor als sehr schwierig
zu bezeichnen. In seinem Urteil BVGE 2011/25 hat sich das Bundesver-
waltungsgericht insbesondere zur sozioökonomischen Situation alleinste-
hender Frauen in Äthiopien geäussert. Das Urteil hält fest, dass nicht ver-
heiratete, alleinlebende Frauen von der Gesellschaft – auch der städti-
schen – nicht akzeptiert würden. Namentlich gehe die Gesellschaft davon
aus, dass solche Frauen auf der Suche nach sexuellen Abenteuern seien.
Für alleinstehende Frauen sei es daher schwierig, ohne Hilfe von Bekann-
ten eine Wohnung zu finden. Die Arbeitslosigkeit von Frauen in Addis Ab-
eba liege zwischen 40% und 55%. Begünstigende Faktoren, welche die
Wahrscheinlichkeit erhöhten, dass eine Frau in Äthiopien einer eigenstän-
digen Erwerbstätigkeit nachgehen könne, seien eine höhere Schulbildung,
ein Leben in der Stadt, finanzielle Mittel, Unterstützung durch ein soziales
Netzwerk und der Zugang zu Informationen. Ohne diese begünstigenden
Voraussetzungen blieben Frauen oft nur Arbeiten, welche gesundheitliche
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Seite 13
Risiken bergen würden, so beispielsweise in der Prostitution oder in Haus-
halten, wo sie regelmässig verschiedenen Formen der Gewalt ausgesetzt
seien. Gemäss Praxis sind zur Erlangung einer sicheren Existenzgrund-
lage jedoch begünstigende Faktoren wie finanzielle Mittel, berufliche Fä-
higkeiten sowie ein intaktes Beziehungsnetz erforderlich (vgl.
BVGE2011/25 E. 8.4 f.; bestätigt im Referenzurteil D-6630/2018 vom
6. Mai 2019 E. 12.2; Urteil des BVGer D-6622/2019 vom 14. Oktober 2020
E. 8.4 f.).
7.2 Auch wenn sich die Situation in Äthiopien in den letzten Jahren hin-
sichtlich der Arbeitslosigkeit etwas verbessert hat, haben Frauen immer
noch wesentlich beschränktere Arbeitsmöglichkeiten als Männer und ver-
dienen für dieselbe Arbeit im Schnitt nur die Hälfte des Salärs von männli-
chen Arbeitnehmern. Besonders schwierig gestaltet sich die Stellensuche
für Frauen ohne Universitätsabschluss. Ebenfalls ist sexuelle Gewalt und
Diskriminierung gegenüber Frauen und Mädchen in Äthiopien nach wie vor
weit verbreitet, wobei das politische System und das Justizsystem Opfer
sexueller Gewalt kaum unterstützen. Aus dem Ausland zurückkehrende
Frauen, welche alleinerziehend sind und alleine ohne einen Ehemann le-
ben, gelten grundsätzlich als suspekt und werden in der äthiopischen Ge-
sellschaft stark stigmatisiert. Oftmals wird ihnen unterstellt, im Ausland ein
lockeres Liebesleben geführt und ihr Geld dort mit Prostitution erworben zu
haben. Diese Stigmatisierung erschwert eine erfolgreiche Reintegration er-
heblich (vgl. Urteil des BVGer D-6622/2020 vom 14. Oktober 2020 E. 8
m.w.H.). Trotz des wirtschaftlichen Booms der letzten Jahre hat sich insbe-
sondere an der grundsätzlichen Benachteiligung von Frauen in der äthio-
pischen Gesellschaft sowie insbesondere in der äthiopischen Wirtschaft
nichts Wesentliches geändert (vgl. Urteil des BVGer E-2118/2015 vom
3. Juli 2017 E. 7.3.4 m.w.H.). Äthiopien ist eine konservative Gesellschaft,
und Frauen sind einem hohen Mass gesellschaftlicher und beruflicher Dis-
kriminierung ausgesetzt. Auch wenn Frauen offiziell Zugang zur Polizei und
zum Gerichtssystem haben, führen die gesellschaftlichen Normen oft dazu,
dass sie dieses Recht selten in Anspruch nehmen. Zudem wird die Schuld
an sexuellen Übergriffen, wie Vergewaltigungen, den betroffenen Frauen
angelastet und diese werden in der Folge gesellschaftlich sowie innerhalb
der Familie stigmatisiert (vgl. Urteil des BVGer D-6622/2020 vom 14. Ok-
tober 2020 E. 8.5 m.w.H.).
7.3 Seit der Covid-19-Pandemie – aber auch teilweise dem Konflikt in der
Tigray-Region geschuldet – hat sich die wirtschaftliche Lage erneut massiv
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Seite 14
verschlechtert. Gemäss der Weltbank führt die Covid-19-Pandemie in Äthi-
opien zu höheren Preisen von Grundnahrungsmitteln, gestiegener Arbeits-
losigkeit, langsamerem Wirtschaftswachstum und vermehrter Armut
(vgl. The World Bank, Ethiopia – Overview, https://www.worldbank.org/en/
country/ethiopia/overview#1, abgerufen am 7. Dezember 2021). Die Nicht-
regierungsorganisation Care kommt in einer Studie zum Schluss, dass die
Mehrheit der befragten Teilnehmerinnen seit Beginn der Pandemie signifi-
kant weniger Lohn erhalte oder gar die Anstellung verloren habe. Alleinste-
hende Frauen, die einen Haushalt führten, und Frauen, die bereits vor der
Covid-19-Pandemie arm oder nahe der Armutsgrenze gelebt hätten, seien
am stärksten gefährdet. Zudem würden unter der massiv gestiegenen Ar-
beitslosigkeit in erster Linie Frauen leiden. Des Weiteren geht aus der Stu-
die hervor, dass aufgrund der stark angestiegenen Lebensmittelpreise oft
ein Mangel an genügender, täglicher Nahrung bestehe (vgl. Care Ethiopia,
A Study on the Impact of COVID-19 on Women and Girls in Ethiopia, Juni
2021, https://www.careevaluations.org/wp-content/uploads/EUTF-Impact-
of-COVID-19-Research-Report-Sept-06-2021.pdf; Yitbarek, Kiddus et al.,
Barriers and Facilitators for Implementing Mental Health Services into the
Ethiopian Health Extension Program: A Qualitative Study, in: Risk Ma-
nagement and Healthcare Policy, 19. März 2021: S. 1199–1210, https://
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7989539/pdf/rmhp-14-1199.pdf,
beide abgerufen am 7. Dezember 2021).
7.4 In Bezug auf die medizinische Situation in Äthiopien gaben verschie-
dene Quellen an, dass sich die Gesundheitsversorgung zwar verbessert
habe, jedoch fänden diese Fortschritte auf tiefem Niveau statt, wobei kon-
kret in Bezug auf die psychiatrische Versorgung im Jahr 2017 auf die Ge-
samtbevölkerung von rund 100 Millionen 70 bis höchstens 100 ausgebil-
dete Psychiater fielen und die meisten in Addis Abeba praktizierten.
Ebenso mangle es dem Gesundheitssystem an psychiatrischem
Pflegepersonal und anderen Fachkräften für psychische Gesundheit, da
oft das Interesse an einer solchen Ausbildung nicht vorhanden sei (vgl. The
World Bank, Data – Ethiopia, https://data.worldbank.org/country/ethiopia;
University of Toronto, Transforming health care in Ethiopia: U of T's collab-
oration with Addis Abeba University takes centre stage, https://
www.utoronto.ca/news/transforming-health-care ethiopia-u-t-s-collabora-
tion-addis-ababa-university-takes-centre-stage; https://www.fluechtlings-
hilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Herkunftslaenderberichte/
Afrika/Aethiopien/200529_ETH_soins_psychiatriques_fr.pdf; Yitbarek,
Kiddus et al., Barriers and Facilitators for Implementing Mental Health
Services into the Ethiopian Health Extension Program: A Qualitative
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7989539 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7989539
D-2321/2020
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Study, in: Risk Management and Healthcare Policy, 19. März 2021:
S. 1199–1210, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7989539/
pdf/rmhp-14-1199.pdf, alle abgerufen am 7. Dezember 2021). Regelmäs-
sig würden in Äthiopien Personen mit psychischen Erkrankungen stark
stigmatisiert, was oft zur Folge habe, dass ihnen eine medikamentöse Ver-
sorgung vorenthalten bleibe (vgl. The Ethiopian Herald, Mental health care
within reach, http://www.ethpress.gov.et/herald/index.php/news/national-
news/item/ 7963-mental-health-care-withinreach; https://www.fluechtlings-
hilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Herkunftslaenderberichte/
Afrika/Aethiopien/200529_ETH_soins_psychiatriques_fr.pdf S.10; Young
Lives [University of Oxford], Understanding Violence Affecting Children in
Ethiopia: a Qualitative Study; https://www.younglives.org.uk/files/YL-
WP188%20revised_0.pdf, alle abgerufen am 7. Dezember 2021). Auf-
grund der Covid-19-Pandemie seien die freien Plätze in öffentlichen Spitä-
lern, in welchen psychiatrische oder psychologische Dienstleistungen an-
geboten würden, massiv zurückgegangen, wohingegen die Zahl der psy-
chisch erkrankten Personen seit der Pandemie aufgrund des Notstands
deutlich zugenommen habe (vgl. Tilahun, Mikyas, Treating Patients with
Mental Illness during COVID-19: An Initial Experience using Telemedicine
in Ethiopia, in: World Social Psychiatry, 2 (3), 2020: S. 233-234,
https://www.worldsocpsychiatry.org/temp/WorldSocPsychiatry23233
6909746_191137.pdf, alle abgerufen am 7. Dezember 2021).
8.
8.1 Vorliegend ist festzustellen, dass an der Glaubhaftigkeit der Schilde-
rungen der Beschwerdeführerin 1 hinsichtlich ihrer erlittenen Ausbeutung
in Frankreich nicht zu zweifeln ist. Ihre diesbezüglichen Schilderungen,
welche mit denjenigen ihrer Schwester (N [...]) übereinstimmen, konnte sie
überzeugend und substanziiert darlegen (vgl. act. A24/15, F67, F71-78,
F87-88, F95). Auch aus den Akten der Vorinstanz sowie den eingereichten
Arzt- und Fachberichten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin Opfer
von Menschenhandel geworden war. Demzufolge ist ebenfalls nicht in
Frage zu stellen, dass die Tochter der Beschwerdeführerin 1 Zeugin res-
pektive indirekt ebenfalls Opfer dieser Ausbeutung wurde. Indes machte
die Beschwerdeführerin 1 keine Befürchtungen geltend, dass sie oder ihre
Tochter bei einer Rückkehr nach Äthiopien gefährdet wären, erneut Opfer
von Menschenhandel zu werden. Auch der Schwester der Beschwerdefüh-
rerin ist es nicht gelungen, eine drohende Verfolgung bei einer allfälligen
Rückkehr ins Heimatland durch ihre Schlepper stichhaltig darzulegen. De-
ren Annahme, ihre Peiniger hätten Verbindungen zu den heimatlichen Be-
hörden, wobei diese in einen allfälligen Menschenhandel verstrickt sein
https://www.fluechtlingshilfe.ch/ https://www.fluechtlingshilfe.ch/ https://www.worldsocpsychiatry.org/temp/WorldSocPsychiatry23233%206909746_191137 https://www.worldsocpsychiatry.org/temp/WorldSocPsychiatry23233%206909746_191137
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Seite 16
könnten, wurde nicht substantiiert dargelegt (vgl. Urteil des BVGer
D-2319/2020 gleichen Datums E. 8.1).
8.2 Das Gericht sieht sich ebenfalls nicht veranlasst, an den Ausführungen
der Beschwerdeführerin 1 – insbesondere zu den familiären und sozialen
Verhältnissen im Heimatland – zu zweifeln. Demzufolge ist nachfolgend zu
prüfen, inwiefern ihr und ihrer Tochter aufgrund ihrer persönlichen Um-
stände die soziale und wirtschaftliche Integration in ihr Heimatland gelin-
gen könnten.
9.
9.1 In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob begünstigende Faktoren vor-
liegen, welche eine Reintegration der Beschwerdeführerinnen als möglich
erscheinen lassen. Die Vorinstanz ging davon aus, dass keine Gründe ge-
gen einen Vollzug einer Wegweisung vorliegen würden, zumal die Be-
schwerdeführerin 1 eine Ausbildung und mehrjährige Berufserfahrung als
(...) habe, und neben einer geregelten Wohnsituation ausserdem finanzi-
elle Ressourcen durch den Kindsvater und verschiedene Familienangehö-
rige vorhanden seien. Der Vorinstanz ist insofern zuzustimmen, dass die
Beschwerdeführerinnen vor ihrer Ausreise bei den Eltern beziehungsweise
Grosseltern lebten und zu diesem Zeitpunkt über eine geeignete Wohn-
möglichkeit verfügten. Jedoch erklärte die Beschwerdeführerin 1 in diesem
Zusammenhang, dass sie alle paar Monate die Wohnung gewechselt und
deshalb keinen festen Wohnsitz gehabt hätten. Zudem sei ihre Mutter nach
dem Tod ihres Vaters nach Amerika ausgewandert (vgl. act. A24/15, F6-7,
F13-16; A58/22, F26-37). Dementsprechend ist davon auszugehen, dass
die zum damaligen Zeitpunkt benutzte Wohnung nicht mehr zur Verfügung
steht. Sofern sich die Vorinstanz auf ein intaktes familiäres Beziehungsnetz
im Heimatland beruft, verkennt sie, dass nur noch eine Schwester der Be-
schwerdeführerin 1 in C._ lebt, wohingegen sich die anderen Ge-
schwister und die Mutter im Ausland befinden. Aufgrund der geschilderten
familiären und sozialen Umstände ist daher zu bezweifeln, dass diese
Schwester in der Lage sein dürfte, den Beschwerdeführerinnen bei einer
sozialen und beruflichen Wiedereingliederung behilflich zu sein, sondern
ihnen allenfalls – wenn überhaupt – lediglich eine Wohnmöglichkeit bieten
könnte (vgl. act. A58/22, F17-22). Ferner ist festzustellen, dass die Be-
schwerdeführerin 1 nicht verheiratet ist und keine regelmässige finanzielle
Unterstützung vom Vater ihrer Tochter zu erwarten hat, zumal sich die von
ihr geschilderte Unterstützung nur auf die Tochter bezieht und zudem nur
sporadisch erfolgt (vgl. act. A15/1, F1.14; A24/15, F24-28; A58/22, F53-
D-2321/2020
Seite 17
58). Es kann deshalb kaum von einer gesicherten finanziellen Unterstüt-
zung ausgegangen werden. Sodann ist es zweifelhaft, ob die Beschwerde-
führerin 1 erneut eine Anstellung finden wird, zumal sie seit der Geburt ihrer
Tochter nicht mehr gearbeitet hat. Ihr dürfte damit die entsprechende (ak-
tuelle) Berufserfahrung fehlen. Angesichts der massiv verschlechterten
wirtschaftlichen Situation in Äthiopien seit Ausbruch der Covid-19-Pande-
mie (vgl. E. 7.3 hiervor) dürfte es sich noch weitaus schwieriger als vor der
Krise erweisen, eine Anstellung respektive ein gesichertes Einkommen zu
erzielen, zumal die Arbeitslosenrate (insbesondere bei Frauen) seit der
Pandemie massiv zugenommen hat und die Lebenshaltungskosten erheb-
lich gestiegen sind.
9.2 In einem nächsten Schritt ist die gesundheitliche Situation der Be-
schwerdeführerinnen zu beleuchten. Die Beschwerdeführerin 1 leidet unter
einer schweren PTBS, wobei diese Diagnose bereits mit ärztlicher Stel-
lungnahme der Gemeinschaftspraxis (...) vom 22. Januar 2018 festgestellt
worden war. Aus dem ärztlichen Bericht der Gemeinschaftspraxis (...) vom
26. August 2019 geht sodann hervor, dass sie eine intensive Therapie be-
nötige und die Stabilisierung ihres Zustands im Vordergrund stehe. Zufolge
des Verlaufsberichts der FiZ vom 17. Dezember 2019 verfalle sie schnell
in eine emotionale Stresssituation und sei vor dem Anhörungstermin in
eine akute Depression gefallen. Ihre (emotionale) Instabilität und die regel-
mässig auftretenden (...) würden es ihr nicht erlauben, ihrem Alltagsleben
nachzugehen. Auch ihre Erschöpfungszustände würden es verunmögli-
chen, ihren Alltag zu organisieren.
Gemäss einer Recherche der SFH stehen in Addis Abeba drei psychiatri-
sche Kliniken zur Verfügung. Dazu gehört die von der Vorinstanz erwähnte
Lebeza Psychiatric Clinic, welche über zwanzig Betten verfügt und ambu-
lante sowie stationäre Behandlungen anbietet, jedoch sehr teuer ist
(https://www.fluechtlingshilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Her-
kunftslaenderberichte/Afrika/Aethiopien/200529_ETH_soins_psychiat-
riques_fr.pdf, S. 6 und 7, abgerufen am 7. Dezember 2021). Auch wenn die
Möglichkeit besteht, dass die Beschwerdeführerin 1 sich in dieser Klinik für
psychische Erkrankungen behandeln lassen und für die relativ hohen Kos-
ten medizinische Rückkehrhilfe beantragen kann, verbleibt es zweifelhaft,
dass sie unter Berücksichtigung aller individuellen Umstände sowie ihrer
familiären Situation (vgl. E. 9.1 hiervor) in absehbarer Zeit tatsächlich in die
äthiopische Gesellschaft reintegriert werden könnte.
D-2321/2020
Seite 18
9.3 Schliesslich ist ein Vollzug der Wegweisung unter dem Blickwinkel des
Kindeswohls zu beleuchten. Gemäss Verlaufsbericht der Psychiatrischen
Universitätsklinik E._ vom 5. Mai 2020 sei die Beschwerdeführerin
2 seit 1. März 2018 in ambulanter Behandlung. Ihr psychischer Gesund-
heitszustand verbessere sich dank der regelmässigen Therapiesitzungen
sowie ihrer schnellen Integration in der Schweiz trotz der belastenden fa-
miliären Situation zwar stetig, bei Wegfall der Therapie sei jedoch mit einer
gravierenden Verschlechterung ihres psychischen Gesundheitszustands
zu rechnen, welche zur Folge hätte, dass sie in ihrer individuellen und all-
gemeinen Entwicklung gefährdet wäre. Ein psychischer Zusammenbruch
sowie ein Verlust der Lebensperspektive wären die Folgen.
Der Zugang für Kinder und Jugendliche mit psychischen Traumata in Äthi-
opien dürfte sich nicht einfacher gestalten als derjenige für Erwachsene
und eine erneute gesundheitliche Verschlechterung ihres Gesundheitszu-
stands dürfte die Folge sein. Auch unter dem Gesichtspunkt ihrer hervor-
ragenden Integration – gemäss dem Bericht der Klassenlehrerin besuche
sie seit Dezember 2019 die Sekundarstufe A, weise ausserordentliche
schulische Leistungen auf und sei bestens integriert – und unter Berück-
sichtigung ihrer Entwicklung als Jugendliche, erschiene ein Herausreissen
aus diesem stabilen Umfeld respektive eine Rückkehr nach Äthiopien dem
Kindeswohl entgegenstehend.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin 2 ihre prä-
genden Jahre in der Schweiz verbrachte, und in schulischer Hinsicht bes-
tens integriert ist. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass
eine weitgehende Integration hinsichtlich der schweizerischen Kultur und
Lebensweise erfolgt ist. Vor diesem Hintergrund würde die konkrete Gefahr
bestehen, dass bei einem Vollzug der Wegweisung eine Entwurzelung aus
dem hiesigen sozialen Umfeld einerseits und die sich gleichzeitig abzeich-
nende Problematik der einer Integration in die ihr nunmehr weitgehend
fremdgewordene Kultur und Umgebung im Heimatland anderseits, zu star-
ken Belastungen in ihrer weiteren Entwicklung führen würden, die mit dem
Schutzanliegen des Kindeswohls nicht vereinbar wären (vgl. BVGE
2009/28 E. 9.3.4).
10.
10.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es sich bei der Beschwer-
deführerin 1 um eine alleinerziehende Mutter handelt, welche zwar über
eine Ausbildung, jedoch kaum über Arbeitserfahrung verfügt. Ferner kann
sie nicht auf ein intaktes familiäres Beziehungsnetz zurückgreifen, welches
D-2321/2020
Seite 19
ihr behilflich sein und sie nach ihrer Rückkehr unterstützen könnte. Des
Weiteren erscheint es äusserst fraglich, ob es ihr aus gesundheitlichen
Gründen in absehbarer Zeit möglich sein wird, zu arbeiten und für ihren
Lebensunterhalt und denjenigen ihrer Tochter aufzukommen. Durch diese
erschwerten Bedingungen muss sie zusätzlich aufgrund ihres längeren
Auslandsaufenthalts von inzwischen über vier Jahren mit einer grundsätz-
lichen Stigmatisierung als alleinerziehende, nicht verheiratete Frau in der
männerdominierten äthiopischen Gesellschaft rechnen, welche durch die
Arbeitsmarktsituation seit der Covid-19-Pandemie und ihr psychisches
Krankheitsbild zusätzlich erschwert wird. Nach den vorstehenden Erwä-
gungen und in Anbetracht der schwierigen Situation alleinstehender
Frauen in Äthiopien sowie der äusserst schlechten gesundheitlichen Ver-
fassung der Beschwerdeführerin 1, ist davon auszugehen, dass die Be-
schwerdeführerinnen bei einer Rückkehr nach Äthiopien einer konkreten
Gefährdung ausgesetzt wären und in eine existentielle Notlage geraten
würden. Unter Würdigung aller massgeblichen Umstände des vorliegen-
den Einzelfalls und insbesondere auch aus Sicht des Kindeswohls erweist
sich der Vollzug der Wegweisung als unzumutbar.
10.2 Da die Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl.
BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748), sind die Zulässigkeit und die Möglichkeit des
Vollzugs nicht mehr zu prüfen (vgl. E. 5.1 hiervor). Ein Grund für einen
Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme nach Art. 83 Abs. 7 AIG liegt fer-
ner nicht vor.
11.
Die angefochtene Verfügung verletzt demnach Bundesrecht und ist nicht
angemessen. Die Beschwerde ist gutzuheissen, und die Dispositivziffern 4
und 5 der angefochtenen Verfügung vom 31. März 2020 sind aufzuheben.
Die Vorinstanz ist anzuweisen, die Beschwerdeführerinnen wegen Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufzuneh-
men.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG).
13.
Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Entschädigung für die
ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten
(Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar
D-2321/2020
Seite 20
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin der Beschwerdefüh-
rerinnen hat mit Eingabe vom 1. Mai 2020 eine Kostennote zu den Akten
gereicht. Angesichts der Aktenlage und der sich im Verfahren D-2319/2020
gleich stellenden Rechtsfragen erscheint der geltend gemachte Aufwand
von 20.5 Stunden als zu hoch und ist entsprechend auf 11 Stunden zu kür-
zen. Betreffend die weiteren Aufwände wurde keine Kostennote einge-
reicht. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich jedoch aufgrund der
Akten zuverlässig abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen
verzichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Den Beschwerdefüh-
rerinnen ist somit eine Parteientschädigung zu Lasten der Vorinstanz in der
Höhe von Fr. 2’750.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) zuzuspre-
chen.
(Dispositiv nächste Seite)
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