Decision ID: cefb59c4-0fa8-4bfe-9996-2f1129d49836
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o Procap Schweiz,
Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a Die 19_ geborene A._ meldete sich am 26. Juni 2007 bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen an, wies dabei auf ein seit ihrem 13. Lebensjahr bestehendes
psychisches Leiden hin und ersuchte um Umschulung auf eine neue Tätigkeit (IV-
act. 1). Dr.med. B._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, welche die
Versicherte seit Januar 2006 behandelte, diagnostizierte im Bericht vom 25. Juni 2007
eine seit 1987 bestehende emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD: F60.31). Die
Versicherte habe wegen der psychischen Beeinträchtigung eine Berufsausbildung als
Krankenpflegerin abgebrochen. Sie sei nie lang krankgeschrieben worden, jedenfalls
nicht aus psychischen Gründen, sei aber immer wieder über längere Zeit arbeitslos
gewesen. Zuletzt habe sie als Hilfskraft im Service gearbeitet und sei anschliessend
gesundheitsbedingt nur noch als Buffetangestellte einsetzbar gewesen (IV-act. 5; vgl.
IV-act. 12).
A.b Am 15. Juli 2008 gewährte die IV-Stelle Kostengutsprache für eine Ausbildung zur
Kauffrau ab 6. Juli 2008 bis 9. Juli 2011 (IV-act. 45). Gemäss Bericht des
Eingliederungsverantwortlichen vom 11. Mai 2010 habe die Versicherte zwar gute
Schulleistungen erbracht, die Ausbildung aber wegen psychischer Überforderung per
10. Mai 2010 abbrechen müssen (IV-act. 58 f.).
A.c Im Bericht vom 13. Juni 2010 führte Dr. B._ aus, die schulischen und
persönlichen Probleme ihrer beiden Söhne hätten die alleinerziehende Versicherte
äusserst beunruhigt und beängstigt, und sie sei infolgedessen zusammengebrochen
und in einen depressiven Rückzug gefallen. Dann habe sie nur noch das unbedingt
Notwendige erledigt, insbesondere das, was die Kinder betreffe. Der Versuch, die
Ausbildung mit einem reduzierten Pensum von 50% weiterzuführen, habe keine
Besserung gebracht. Die Versicherte habe in einem innerlich verzweifelten, äusserlich
müden, antriebslosen Zustand verharrt. Je höher der Druck gewesen sei, desto mehr
hätten sich psychopathologische Symptome der (emotional instabilen)
Persönlichkeitsstörung - Borderline-Typ - verstärkt, namentlich Identitätsdiffusion,
zeitweise dissoziatives Erleben und neu eine Kaufsucht. Nach längerer
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Auseinandersetzung und Klärung habe sich die Versicherte entschlossen, die
Ausbildung abzubrechen. Die Arbeitsunfähigkeit betrage aktuell - ab Mai 2010 - 100%
und voraussichtlich ab Mitte August 2010 50% (IV-act.63-1 f.). Im Verlaufsbericht vom
7. Oktober 2010 hielt Dr. B._ fest, der Gesundheitszustand der Versicherten habe
sich nur teilweise gebessert. Es sei im August und bis Ende Oktober 2010 von einer
Arbeitsunfähigkeit von 100% auszugehen. Die Prognose falle - im Gegensatz zu
früheren Berichten - deutlich schlechter aus. Es sei offen zu lassen, wann die
Versicherte arbeitsfähig werden könne (IV-act. 71).
A.d Mit Verfügung vom 23. Dezember 2010 hob die IV-Stelle die Mitteilung vom
15. Juli 2008 betreffend Gewährung der beruflichen Massnahmen auf und stellte die
Taggeldzahlungen per 10. Mai 2010 ein (IV-act. 77).
A.e Im Verlaufsbericht vom 7. Januar 2011 empfahl Dr. B._, die Versicherte solle für
die nächsten Jahre vom ständigen Druck entlastet werden, Erwerbsarbeit zu leisten. So
könnte sie selber wahrnehmen, welchen Weg sie einschlagen könne, ohne sich zu
verlieren oder sich zu zerstören (IV-act. 78-3). Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, RAD Ostschweiz, hielt in der Stellungnahme vom 21. Februar
2011 fest, eine vollständige Arbeitsunfähigkeit sei aufgrund der Psychopathologie nicht
nachvollziehbar und eine monodisziplinäre psychiatrische Begutachtung erscheine
deshalb angezeigt, weil sich invaliditätsfremde psychosoziale Gründe auswirkten,
namentlich die Versorgung der Kinder (IV-act. 80). Am 30. Juni 2011 erstellte Dr. med.
D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, das psychiatrische
Gutachten. Er stellte keine Befunde fest, die auf eine affektive Erkrankung hinwiesen,
und nannte die Diagnose akzentuierte (selbstunsichere) Persönlichkeitszüge (ICD-10:
Z73.1) - ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Es sei davon auszugehen, dass das
(selbstunsichere) Verhaltensmuster weder sehr tiefgreifend noch in vielen Situationen
eindeutig unpassend sei. Die behandelnde Psychiaterin erwähne beispielsweise, die
Versicherte habe immer wieder für beschränkte Zeit eine Leistung erbringen können,
die sie von aussen als fast gesund habe erscheinen lassen. Dr. B._ beschreibe zwar
die Selbstunsicherheit der Versicherten, komme aber nicht zum Schluss, dass eine
selbstunsichere (ängstlich vermeidende) Persönlichkeitsstörung vorliege. Der
psychiatrische Gutachter fuhr fort, die Symptomatik sei überwindbar, wie die
Versicherte berichtet habe und wie insbesondere auch aus dem Schlussbericht des
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Berufsförderungskurses hervorgehe. Eine Persönlichkeitsstörung liege nicht vor, weil
die diagnostischen Leitlinien einer spezifischen Persönlichkeitsstörung (im Sinn von
ICD-10: F60) als Eingangskriterien nicht erfüllt seien. Die Versicherte habe nach
eigenen Angaben gelernt, vor den Kindern ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten, was
zu einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10: F60.3 nicht
passe, bei der die betroffene Person deutlich dazu neige, impulsiv zu handeln, und die
Konsequenzen nicht berücksichtige. Es deute nichts in der Anamnese darauf hin, wie
bei dieser Diagnose zu erwarten wäre, dass die Fähigkeit, vorauszuplanen, gering sei
und dass Ausbrüche intensiven Ärgers zu gewalttätigem und explosivem Verhalten
geführt hätten, insbesondere wenn Dritte impulsive Handlungen kritisiert oder behindert
hätten. Zudem führe die behandelnde Psychiaterin Symptome an, die nicht zur von ihr
gestellten Diagnose passen würden. Überdies attestiere sie eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit, die auf psychosozialen Belastungsfaktoren beruhe und nicht auf
einem psychischen Leiden mit Krankheitswert: Überforderung als alleinerziehende
Mutter und Hausfrau bzw. schulische und persönliche Probleme der beiden Söhne.
Abgesehen von diesen Umständen sei die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
nicht eingeschränkt (IV-act. 87-39 ff.).
A.f Mit Vorbescheid vom 28. September 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie von einer Arbeitsfähigkeit von 100% ausgehe und das Leistungsbegehren
abweisen werde (IV-act. 93). Gegen den Vorbescheid erhob die Versicherte am
10. November 2011 Einwand (IV-act. 98).
A.g Am 30. November 2011 liess die Versicherte mit einer Stellungnahme von
Dr. B._ vom 4. November 2011 zum Gutachten von Dr. D._ den Einwand ergänzen.
Die behandelnde Psychiaterin führte an, zwar biete die Versicherte nicht das Bild einer
typischen Borderline-Persönlichkeit mit all den impulsiven Durchbrüchen,
Selbstverletzungen und stimmungsmässigen "Auf und Abs"; entgegen der Auffassung
des Gutachters bestehe aber eine tiefreichende, strukturelle Persönlichkeitsstörung mit
dem Hauptleiden einer Identitätsstörung (zum Spektrum der Borderline-PD gehörig),
die das Leben der Versicherten präge (IV-act. 101).
A.h Dem hielt der Gutachter mit Eingabe vom 8. Februar 2012 entgegen, bei einer
arbeitsmedizinischen Einschätzung müsse zuerst eine Diagnose nach ICD-10 gestellt
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werden und gestützt darauf könne auf Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
geschlossen werden. Die behandelnde Psychiaterin schliesse aus der Tatsache, dass
die Versicherte nicht arbeite, und über den Umweg einer psychologischen Hypothese
auf eine Beeinträchtigung der Gesundheit und auf eine Diagnose. Dieses Vorgehen sei
nach ICD-10 aber nicht korrekt. Da die behandelnde Psychiaterin mit dem Gutachter
einverstanden sei, dass die Kriterien für das Vorliegen einer Borderline-
Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt seien, könne sie mit einer Hypothese auch keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen (IV-act. 106-2 f.).
A.i Mit Eingabe vom 29. Februar 2012 nahm Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, zum Gutachten Stellung, nachdem er am 5. und
18. Januar 2012 die Versicherte untersucht hatte: Es sei schleierhaft, wie der Gutachter
festhalte, dass keine neurotische Störung vorliege, nachdem er selbst anamnestisch
eine schwere Anorexie, Kontaktstörungen und Kaufsucht festgestellt habe. Die
Versicherte dürfte aufgrund der Persönlichkeitsstörung allenfalls bei einem Teilpensum
und nur mit periodischen Einbrüchen von bis zu mehrwöchiger Dauer fähig sein, eine
ansprechende Leistung zu erbringen. Wegen der mangelnden Belastungs- und
Beziehungsfähigkeit dürfte sie Dritten in der freien Wirtschaft mittelfristig nicht
zumutbar sein (IV-act. 108-4 f.).
A.j In der Stellungnahme vom 8. März 2012 hielt der RAD-Arzt Dr. C._ fest, Dr. E._
beurteile den gleichen Sachverhalt anders als der Gutachter. Die Erläuterungen von
Dr. E._ seien nicht geeignet, die gutachterlichen Untersuchungs- und
Beurteilungsergebnisse grundsätzlich infrage zu stellen (IV-act. 109).
A.k In der Verfügung vom 9. März 2012 stützte sich die IV-Stelle weiterhin auf das
psychiatrische Gutachten vom 30. Juni 2011, ging von einer Arbeitsfähigkeit von 100%
in der angestammten und in einer adaptierten Tätigkeit aus und wies die Ansprüche auf
berufliche Massnahmen und Rente ab (IV-act. 110).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 9. März 2012 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 24. April 2012. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und
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Entschädigungsfolgen deren Aufhebung und die Rückweisung der Angelegenheit an
die Beschwerdegegnerin zur Einholung eines psychiatrischen Obergutachtens sowie
zur anschliessenden Neuverfügung über den Anspruch auf Rentenleistungen und
berufliche Massnahmen. Zur Begründung führt die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen aus, dem Gutachten vom 30. Juni 2011 könne kein Beweiswert
zukommen, denn die behandelnde Psychiaterin und Dr. E._ hegten Zweifel an der
Richtigkeit der gutachterlichen Diagnose und wiesen darauf hin, dass das Gutachten
weder umfassend bzw. allseitig noch nachvollziehbar sei. Mit diesen anderslautenden
medizinischen Auffassungen habe sich die Beschwerdegegnerin nicht gehörig
auseinandergesetzt. Aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes sei sie gehalten, ein
psychiatrisches Obergutachten einzuholen (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 29. Mai 2012 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Das Gutachten von Dr. D._ erfülle die
rechtsprechungsgemässen Anforderungen an die Beweistauglichkeit, und die
anderslautenden psychiatrischen Einschätzungen enthielten keine objektiven
Gesichtspunkte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben seien und zu
einer abweichenden Beurteilung führen könnten (act. G 3).
B.c Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts hat am 13. Juni 2012 dem
Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 4).
B.d Mit Replik vom 16. August 2012 hält die Beschwerdeführerin an ihren materiellen
Anträgen fest und stellt die Unbefangenheit des Gutachters infrage (act. G 9).
B.e Auf eine Duplik hat die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 24. August 2012
verzichtet (act. G 11).
B.f Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (vgl. act. G 14; die Parteien erhoben
keine Einwände gegen das in Aussicht gestellte Gerichtsgutachten, G 15 und G 16)
beauftragte das Gericht am 9. Juli 2013 Dr. med. F._ (nachfolgend:
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Gerichtsgutachterin), Fachärztin u.a. für Psychiatrie und Psychotherapie, mit der
Erstellung des psychiatrischen Gerichtsgutachtens (act. G 17).
B.g Die Beschwerdeführerin wurde am 20. August 2013 von der Gerichtsgutachterin
psychiatrisch untersucht. Im psychiatrischen Gerichtsgutachten vom 4. Dezember
2013 diagnostizierte die Expertin eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
selbstunsicheren, ängstlich vermeidenden und abhängigen Zügen (ICD-10: F61.0). Eine
Persönlichkeitsstörung vom emotional-instabilen / Borderline-Typ bestehe nicht. Für
die angestammte Tätigkeit als Serviceangestellte bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit.
In einer Tätigkeit im Service, bei der kein direkter Kundenkontakt notwendig sei, z.B.
als Buffetangestellte, bestehe keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Für
leidensangepasste Tätigkeiten verfüge die Beschwerdeführerin über eine vollständige
Arbeitsfähigkeit. Retrospektiv stellte die Gerichtsgutachterin fest, die bei der
Beschwerdeführerin vorliegende psychische Störung bestehe beginnend mit der
Jugend seit Eintritt in das Erwerbsleben. Es handle sich dabei um eine durchgehende
und im Wesentlichen stabile Beeinträchtigung. Hinsichtlich der retrospektiv
bestehenden Arbeitsfähigkeit verwies sie auf die im Zeitpunkt der Begutachtung
bescheinigte Arbeitsfähigkeit (act. G 18).
B.h Die Parteien haben auf eine Stellungnahme zum Gerichtsgutachten verzichtet (vgl.
act. G 19 sowie act. G 22).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf
Leistungen der Invalidenversicherung (berufliche Massnahmen gemäss Art. 15 ff. des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] und Rente gemäss
Art. 28 IVG) hat.
2.
Zu prüfen ist vorab die Frage, ob das Gerichtsgutachten vom 4. Dezember 2013 (act.
G 18) eine rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
erlaubt.
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2.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Bezüglich Gerichtsgutachten hat
die Rechtsprechung ausgeführt, das Gericht weiche "nicht ohne zwingende Gründe"
von den Einschätzungen des medizinischen Experten ab. Auch der Europäische
Gerichtshof für Menschenrechte hat diesbezüglich erwogen, der Meinung eines von
einem Gericht ernannten Experten komme bei der Beweiswürdigung vermutungsweise
hohes Gewicht zu (BGE 135 V 469 f. E. 4.4 mit Hinweisen).
2.2 Zunächst ist festzustellen, dass die Parteien keine Einwände gegen das
Gerichtsgutachten erhoben haben.
2.3 Bei der Würdigung der gerichtsgutachterlichen Beurteilung fällt ins Gewicht, dass
sie auf eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend
ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Abweichungen von
den Vorakten wurden eingehend und nachvollziehbar begründet. Die von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden wurden umfassend berücksichtigt und
gewürdigt. Die Attestierung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für Buffettätigkeiten und
für weitere leidensadaptierte Tätigkeiten leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Weiter
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht
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berücksichtigt worden wären. Eine den Beeinträchtigungen optimal angepasste
Arbeitstätigkeit besteht nach der Umschreibung der Gerichtsgutachterin in einer
Tätigkeit in einem festen Team oder z.B. im hauswirtschaftlichen Bereich, dabei auch in
einer überwiegend eigenständig auszuführenden Tätigkeit. Dabei sei ein Umfeld
günstig, das als wohlwollend und unterstützend erlebt werde, in dem "verstärkend"
und nicht entwertend mit der Beschwerdeführerin umgegangen werde, kein hoher
Konkurrenzkampf zwischen den Mitarbeitenden bestehe und die Bezugspartner eher
stabil bleiben würden (act. G 18, S. 34).
2.4 Gestützt auf das unbestritten gebliebene Gerichtsgutachten ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin für
leidensangepasste Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig ist (act. G 18, S. 33 f.), was auch
retrospektiv gilt (act. G 18, S. 34 f.).
3.
Aufgrund der langjährigen Arbeitslosigkeit der Beschwerdeführerin (vgl. IV-act. 1-5
und 6) sowie der schwankenden Verdienste in der Vergangenheit (IV-act. 6) fehlt es an
einer repräsentativen Grundlage für die Bestimmung des Valideneinkommens, weshalb
es sich rechtfertigt, den Invaliditätsgrad im Rahmen eines Prozentvergleichs zu
bestimmen, zumal keine Anhaltspunkte für ein überdurchschnittliches
Valideneinkommen (vgl. IV-act. 6) ersichtlich sind. Mit Blick darauf, dass die
Beschwerdeführerin für leidensangepasste Tätigkeiten über eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit verfügt, besteht kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von
mindestens 40%. Daran würde die Vornahme eines Tabellenlohnabzugs (maximal
25%; BGE 126 V 75) jedenfalls nichts ändern.
4.
Zwar ergibt sich aus dem Gerichtsgutachten, dass die Beschwerdeführerin in ihrer
angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte erheblich eingeschränkt ist (50%ige
Arbeitsunfähigkeit; act. G 18, S. 32 f.), und dass sich eine Eingliederungsberatung
empfiehlt (act. G 18, S. 38). Allerdings ist hinsichtlich eines Anspruchs auf berufliche
Massnahmen festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin offenbar an der
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Eingliederungsbereitschaft fehlt. So gab sie im Rahmen der Begutachtung bei der
Gerichtsgutachterin an, sie könne sich das erneute Angehen einer Ausbildung oder
einer Arbeitsstelle nicht vorstellen. Sie fühle sich aktuell voll ausgelastet und könne sich
keine zusätzlichen Belastungen vorstellen (act. G 18, S. 21). Bereits bei der Exploration
durch Dr. D._ vom 11. April 2011 äusserte die Beschwerdeführerin, sie möchte im
Moment nichts ändern, weshalb der damalige Gutachter Zweifel an deren Motivation
zur beruflichen Wiedereingliederung hatte (IV-act. 87-42). Vor diesem Hintergrund und
da sich aus den Stellungnahmen von Dr. B._ vom 4. November 2011 (IV-act. 101-2 f.)
und von Dr. E._ vom 29. Februar 2012 (IV-act. 108) sowie der Beschwerde (act. G 1)
keine Anhaltspunkte für einen ernsthaften Eingliederungswillen ergeben, ist das
Bestehen einer Eingliederungsbereitschaft mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu
verneinen, weshalb die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung zu Recht
einen Anspruch auf berufliche Massnahmen abgewiesen hat. Es steht der
Beschwerdeführerin indessen frei, einen Anspruch auf berufliche Massnahmen geltend
zu machen, sobald sie sich eingliederungsbereit fühlt.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vom 24. April 2012 abzuweisen.
5.2 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 13. Juni 2012
bewilligt (act. G 4). Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin es
gestatten, kann sie jedoch zur Nachzahlung verpflichtet werden (Art. 99 Abs. 2 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1] i.V.m. Art. 123 Abs. 1 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO/CH; SR 272]).
5.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Mit Blick auf die Einholung eines
Gerichtsgutachtens erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 800.-- in der vorliegend zu
beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden Beschwerdeführerin
sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 800.-- aufzuerlegen. Zufolge
unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.
bis
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5.4 In Nachachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat die
Beschwerdegegnerin die für das Gerichtsgutachten angefallenen Kosten von
Fr. 5'790.-- (act. G 18.1) zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).
5.5 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt
das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal
Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat keine
Kostennote eingereicht. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint mit
Blick auf vergleichbare Fälle eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit hat der
Staat die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin pauschal (BGE 125 V 201) mit
Fr. 2'800.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP