Decision ID: 29191f7f-ae99-43d4-9c93-e801617118e4
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. Die 1975 geborene A._ wohnt zusammen mit ihrem Ehemann
und ihren beiden Kindern in B._. Seit Februar 2009 wird die
Familie C._, mit Unterbrüchen, von der Gemeinde B._
öffentlich-rechtlich unterstützt.
2. A._ meldete sich im April 2017 bei der IV-Stelle des Kantons
Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Diese traf
verschiedene Abklärungen und forderte A._ auf, sich zwecks
Klärung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der medizinisch-theoretischen
Arbeitsfähigkeit einer Abklärung im D._ zu unterziehen. Nachdem
A._ dieser Aufforderung nicht nachgekommen war, beschied die
IV-Stelle am 6. Juni 2019 den Abschluss der beruflichen Massnahme und
verneinte mit Verfügung vom 17. Juli 2019 einen Rentenanspruch.
Während das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden die gegen den
Entscheid betreffend Abschluss der beruflichen Massnahme ergriffene
Beschwerde mit Urteil vom 27. Oktober 2020 abwies (Verfahren S 19 80),
hiess es das gegen den ablehnenden Rentenbeschluss eingelegte
Rechtsmittel mit gleichentags ergangenem Urteil gut und wies die Sache
in Aufhebung der Verfügung vom 17. Juli 2019 zur Vornahme weiterer
Abklärungen und zu neuem Entscheid an die IV-Stelle zurück (Verfahren
S 19 108). Dazu erwog es namentlich, die IV-Stelle sei mit Kenntnisnahme
der von A._ in ihrem Einwandschreiben ausdrücklich und
vorbehaltlos erklärten Mitwirkungsbereitschaft hinsichtlich der beruflichen
Abklärung im D._ spätestens ab dem 9. Juli 2019 (Eingang des
Einwandschreibens vom 6. Juli 2019) in der Lage gewesen, das
Abklärungsverfahren fortzusetzen. Daher gehe es nicht an, wenn die IV-
Stelle die Ablehnung des Rentenanspruchs ungeachtet dieser seit
Eingang des Einwandschreibens bekannten Einwilligung in die Abklärung
verfügt habe. Immerhin beziehe sich die festgelegte Sanktion (Ablehnung
des Rentenanspruchs) aus Verhältnismässigkeitsgesichtspunkten auf die
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Zeitspanne während der Mitwirkungsverweigerung, weshalb sich
A._ die damit verbundene Verzögerung selber zuzuschreiben
habe und ein allfälliger, sich im Zuge weiterer Untersuchungen ergebender
Rentenanspruch frühestens ab dem 9. Juli 2019 entstehen könne.
3. In der Folge forderte die IV-Stelle A._ erneut zur Mitwirkung an
der Abklärung im D._ auf und machte sie auf die Konsequenzen
bei einer Nichtbefolgung aufmerksam. Mit Vorbescheid vom 30. August
2021 stellte die IV-Stelle A._ erneut die Abweisung ihres
Rentenbegehrens in Aussicht, da der Mitwirkungspflicht weiterhin nicht
nachgelebt worden sei.
4. Mit Schreiben vom 7. September 2021 bat die Gemeinde B._
A._ ihr mitzuteilen, ob sie gegen den Vorbescheid der IV-Stelle
Einwand erheben werde. Falls nein, werde die IV-Stelle das
Rentengesuch ablehnen, weil die Mitwirkungspflicht nicht wahrgenommen
worden sei. Dies habe wiederum zur Folge, dass aus dem gleichen Grund
die Sozialhilfe bis zu 30 % (CHF 160.05) gekürzt werden könne. Die
Kürzung würde nur den Grundbedarf von A._, nicht jedoch der
restlichen Familienmitglieder betreffen. Die Gemeinde B._
empfahl A._ daher, gegen den Vorbescheid der IV-Stelle
Einwand zu erheben, woraufhin eine beschwerdefähige Verfügung
ergehe, gegen welche beim Verwaltungsgericht Beschwerde eingereicht
werden könne.
5. Am 13. September 2021 riet auch der zuständige Sozialdienstmitarbeiter
des Regionalen Sozialdiensts (RSD) Mittelbünden A._, gegen
den Vorbescheid der IV-Stelle Einwand zu erheben und dieser mitzuteilen,
die Abklärung im D._ zu absolvieren.
6. Die IV-Stelle entschied am 7. Oktober 2021 wie vorbeschieden und
verneinte einen Anspruch von A._ auf eine Invalidenrente.
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Daraufhin erklärte A._ am 9. Dezember 2021 gegenüber dem
zuständigen Mitarbeiter des RSD Mittelbünden, keine Beschwerde gegen
den abschlägigen Rentenentscheid erhoben zu haben.
7. Mit Verfügung vom 20. Dezember 2021 kürzte die Gemeinde B._
den Grundbedarf von A._ um 30 % (CHF 160.05) und befristete
die ab dem 1. Februar 2022 zugesprochene öffentlich-rechtliche
Unterstützung im Umfang von CHF 3'192.30 bis zum 30. (recte wohl: 31.)
Juli 2022. In sachverhaltlicher Hinsicht führte die Gemeinde namentlich
aus, A._ habe nicht wie zugesichert gegen den Vorbescheid der
Invalidenversicherung Einwand erhoben oder beim Gericht Beschwerde
eingereicht. Über die Folgen sei sie mehrmals vom RSD und der
Gemeinde aufmerksam gemacht worden.
8. Dagegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
4. Januar 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden und beantragte sinngemäss die Aufhebung der Kürzung
ihres Grundbedarfs um 30 %. Zur Begründung brachte sie im
Wesentlichen vor, sie habe das Sozialamt mehrmals darüber informiert,
dass sie gegen den negativen Vorbescheid bzw. Entscheid der
Invalidenversicherung keine Rechtsmittel einlegen werde, da alle ihre
Anwälte ihr unabhängig voneinander mitgeteilt hätten, dass es sich nicht
lohnen würde, dagegen vorzugehen. Zudem habe sie sich bezüglich der
beruflichen Massnahme informiert und über den RSD Mittelbünden
erfahren, dass die Invalidenversicherung auch in Valens eine
entsprechende Einrichtung habe. Sie habe sonst niemanden, der ihre
Kinder betreuen könnte.
9. In ihrer Vernehmlassung vom 24. Januar 2022 schloss die Gemeinde
B._ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sinngemäss auf
Abweisung der Beschwerde. Sie wies auf die SKOS-Richtlinien hin,
wonach jede Person, welche Sozialhilfe beziehe, die Pflicht habe, alles ihr
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Mögliche zu unternehmen, um zur Verminderung und Behebung der
Bedürftigkeit beizutragen. Darunter fielen auch einen Beitrag zur
beruflichen Integration zu leisten sowie Drittansprüche geltend zu machen.
Die Beschwerdeführerin sei mehrmals darauf aufmerksam gemacht
worden, gegen den Bescheid der IV-Stelle vorzugehen. Ebenso sei sie auf
die Folgen hingewiesen worden, was ihr Verhalten in dieser Situation für
Auswirkungen in der Sozialhilfe haben könne. Nach ihrem Wissen wäre
die Abklärung der Leistungsfähigkeit aus medizinischer Sicht möglich
gewesen. Die befristete Arbeitstätigkeit des Ehemannes der
Beschwerdeführerin sei auch kein Hinderungsgrund, da er jeweils am
Abend nach Hause komme. Auch die Kinderbetreuung könne nicht als
Grund angeführt werden, da die Kinder in der 6. Klasse bzw. der 1.
Oberstufe und altersentsprechend selbstständig seien. Wenn das
Abklärungsergebnis der Invalidenversicherung zugunsten der
Beschwerdeführerin ausgefallen wäre, so hätte die Bedürftigkeit
vermindert oder sogar behoben werden können. Durch das unkooperative
Verhalten habe sie ihre Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht
verletzt. Dieses Fehlverhalten habe zur Kürzung des Grundbedarfs
geführt.
10. Die Beschwerdeführerin reichte trotz der ihr eingeräumten Frist zur
freigestellten Stellungnahme keine solche ein.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
die angefochtene Verfügung wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das
Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Gemeinden,
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soweit diese nicht bei einer anderen Instanz angefochten werden können
oder nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind. Die
vorliegend angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 20.
Dezember 2021 betreffend Kürzung des Grundbedarfs infolge Verletzung
der Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht durch die
Beschwerdeführerin ist weder endgültig noch kann sie bei einer anderen
Instanz angefochten werden. Folglich stellt sie ein taugliches
Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden dar. Als Verfügungsadressat wurde nur der
Ehemann der Beschwerdeführerin genannt, obschon auch die
Beschwerdeführerin bzw. die Familie durch die angefochtene Verfügung
berührt wird. Die Ehegemeinschaft im gleichen Haushalt gilt in der
Sozialhilfe als Unterstützungseinheit, für welche ein Unterstützungsbudget
erstellt wird, wobei die Mittel und Aufwände der ganzen Familie
angerechnet werden. Die alleinige Nennung des Ehemanns der
Beschwerdeführerin als Verfügungsadressat ist daher nicht korrekt. Die
Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung ebenso berührt
und somit beschwerdelegitimiert (so schon Urteile des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] U 15 77 vom 6. April
2016 E.2a und U 15 13 und 14 vom 1. April 2015 E.2 in selbiger
Angelegenheit). Auf die zudem frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (vgl. Art. 38 Abs. 1 und 2, Art. 39 Abs. 1 lit. c und Art. 52 Abs.
1 VRG) ist demnach einzutreten.
2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin den Anteil
der Beschwerdeführerin am Grundbedarf infolge einer Verletzung der
Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht zu Recht im Umfang von 30
% für die Dauer von sechs Monaten gekürzt hat.
3.1. Wer in Not gerät und nicht in der Lage ist, für sich zu sorgen, hat Anspruch
auf Hilfe und Betreuung und auf die Mittel, die für ein menschenwürdiges
Dasein unerlässlich sind (Art. 12 der Bundesverfassung der
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Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]). Diese
verfassungsmässigen Ansprüche werden durch die kantonale
Gesetzgebung konkretisiert; jede bedürftige Person hat Anspruch auf
persönliche und wirtschaftliche Hilfe. Als bedürftig gilt, wer für seinen
Lebensunterhalt und den seiner Familienangehörigen mit gleichem
Wohnsitz nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln
aufkommen kann (Art. 1 Abs. 1 des Gesetzes über die Unterstützung
Bedürftiger [Kantonales Unterstützungsgesetz, UG; BR 546.250]).
Gemäss Art. 2 Abs. 1 UG bestimmt die zuständige Sozialbehörde Art und
Mass der Unterstützung nach dem ausgewiesenen Bedarf unter
Würdigung der örtlichen und persönlichen Verhältnisse. Für die
Bemessung der Unterstützung durch die zuständige Gemeinde sind
gemäss Art. 1 Abs. 1 der Ausführungsbestimmungen zum kantonalen
Unterstützungsgesetz (ABzUG; BR 546.270) die Richtlinien der
Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (nachfolgend: SKOS-
Richtlinien) einschliesslich des Kapitels "Praxishilfen" mit gewissen
Konkretisierungen und Einschränkungen massgebend (vgl. VGU U 20 38
vom 3. Februar 2021 E.2.1.1, U 19 98 vom 7. Januar 2020 E.4.1, U 18 57
vom 24. Oktober 2018 E.2.1).
3.2. Im Kantonalen Unterstützungsgesetz sind nicht nur Ansprüche, sondern
auch Pflichten verankert. Gemäss Art. 4 UG sind die zu unterstützende
und die unterstützte Person verpflichtet, jede sachdienliche Auskunft zu
erteilen, die nötigen Unterlagen beizubringen sowie den mit der
Unterstützungsleistung verbundenen Auflagen der Sozialbehörden Folge
zu leisten. Befolgt eine unterstützte Person die Auflagen nicht oder verletzt
sie ihre gesetzlichen Pflichten, ist eine angemessene Leistungskürzung
als Sanktion zu prüfen (SKOS-Richtlinien, Kapitel F.2 Abs. 1). Eine
Kürzung der Sozialhilfe als verwaltungsrechtliche Sanktion ist im
Allgemeinen nur dann zulässig, wenn sie von der zuständigen Behörde
unter Anwendung einer gesetzlichen Grundlage verhängt wird (HÄNZI, Die
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Richtlinien der schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, Entwicklung,
Bedeutung und Umsetzung der Richtlinien in den deutschsprachigen
Kantonen der Schweiz, Diss. Basel 2011, S. 148 f.). Diese findet sich im
Kanton Graubünden in den ABzUG. Gemäss Art. 11 ABzUG ist der
Grundbedarf für den Lebensunterhalt bei ungenügenden
Integrationsanstrengungen, bei Pflichtverletzung und bei
Rechtsmissbrauch um 5 bis 30 Prozent zu kürzen, wobei eine Kürzung
von 20 bis 30 Prozent auf maximal sechs Monate und eine solche bis 19
Prozent auf maximal zwölf Monate zu befristen ist (vgl. auch SKOS-
Richtlinien, Kapitel F.2 Abs. 1, 2 lit. a und 3). Eine zulässige Kürzung der
Sozialhilfe setzt weiter voraus, dass die Verfügung, welche die Sanktion
begründet, vollstreckbar ist und der Grundsatz der Verhältnismässigkeit
beachtet wurde. Weiter gilt, dass Sanktionen regelmässig erst nach
vorgängiger Androhung verhängt werden dürfen (VGU U 19 98 vom 7.
Januar 2020 E.4.2, U 19 19 vom 10. September 2019 E.2.3; HÄNZI, a.a.O.,
S. 149).
3.3. Von einer sanktionellen Kürzung von Leistungen der Sozialhilfe zu
unterscheiden ist die Einstellung oder Verweigerung von solchen wegen
fehlender Anspruchsvoraussetzungen. Wie das Bundesgericht
festgehalten hat, sind die Anspruchsvoraussetzungen dann nicht erfüllt,
wenn die um öffentliche Unterstützung Nachsuchende aus eigener Kraft
faktisch und rechtlich in der Lage ist, sich die für ihren Lebensunterhalt
aktuell erforderlichen Mittel zu beschaffen, doch aus eigenem Antrieb und
schuldhaft davon absieht. In solchen Fällen, in denen es bereits an der
Anspruchsvoraussetzung fehlt, kann die zuständige Behörde die
Ausrichtung der Sozialhilfe gänzlich verweigern, ohne dass eine
Verletzung von Art. 12 BV zu befürchten wäre (vgl. BGE 142 I 1 E.7.2.2,
139 I 218 E.3.3 und E.3.5, 130 I 71 E.4.3 und E.5.3; Urteile des
Bundesgerichts 8C_787/2011 vom 28. Februar 2012 E.3.2.1 und
2P.147/2002 vom 4. März 2003 E.3.3; VGU U 20 10 vom 19. Januar 2021
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E.3.2.1; PVG 2014 Nr. 12 E.4b). Aus den die Sozialhilfe prägenden
Grundsätzen der Eigenverantwortung und der Subsidiarität folgt, dass
hilfesuchende Personen dazu verpflichtet sind, alles Zumutbare zur
Behebung der eigenen Notlage zu unternehmen (BGE 130 I 71 E.5.3;
VGU U 20 10 vom 19. Januar 2021 E.2.3, U 18 63 vom 8. Januar 2019
E.3.2.2). Gemäss SKOS-Richtlinien, Kapitel A.4.1, Erläuterungen, gehört
dazu auch die Pflicht, einen Anspruch auf Ersatzeinkommen, wie z.B.
Versicherungsleistungen, geltend zu machen. Wenn Massnahmen der
beruflichen Integration angezeigt und im konkreten Fall zumutbar sind,
besteht eine Mitwirkungspflicht, zu deren Einhaltung die unterstützte
Person mittels Auflage angehalten werden kann. Laut SKOS-Richtlinien,
Kapitel F.3 Abs. 3 lit. c, ist die teilweise oder vollumfängliche Einstellung
von Leistungen zulässig, wenn sich die unterstützte Person weigert, einen
ihr zustehenden, bezifferbaren und durchsetzbaren Rechtsanspruch auf
Ersatzeinkommen geltend zu machen.
4.1. Vorliegend kürzte die Beschwerdegegnerin den Grundbedarf der
Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 20. Dezember 2021 um 30 %, weil
diese im Rahmen des IV-Verfahrens ihrer Mitwirkungspflicht nicht
nachgekommen ist und sich somit mit ihrer Weigerung, der zur Klärung
der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der medizinisch-theoretischen
Arbeitsfähigkeit als notwendig erachteten Abklärung im D._ Folge
zu leisten, von vornherein um allfällige Leistungen der
Invalidenversicherung gebracht hat, welche ihre Bedürftigkeit zumindest
hätten mindern können. Nach den vorgenannten Grundsätzen ist die
Beschwerdeführerin denn auch dazu angehalten, den im Rahmen des
laufenden IV-Verfahrens angeordneten Abklärungsmassnahmen
nachzukommen, sofern sich diese als zumutbar erweisen. Im
Weigerungsfall wäre es indes nicht zulässig, im Sinne einer (Teil-
)Einstellung von Sozialhilfeleistungen eine hypothetische Invalidenrente
anzurechnen, zumal im Untersuchungsstadium noch völlig offen ist, ob im
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Zuge des Verfahrens überhaupt ein Anspruch darauf bestünde bzw. wie
hoch allfällige Rentenleistungen ausfielen. Einer Teilnahmeverweigerung
an Abklärungsmassnahmen ist somit im Rahmen der gesetzlichen
Sanktionsmöglichkeiten mittels Kürzung zu begegnen (vgl. VGU U 17 17
vom 23. Mai 2017 E.3d), was die Beschwerdegegnerin vorliegend denn
auch getan hat. Dabei versäumte sie es indes, der Beschwerdeführerin
die vorgenannte Mitwirkungsobliegenheit auch für das
Sozialhilfeverfahren aufzuerlegen und ihr für den Weigerungsfall
anzudrohen, dass sie neben der Verwirkung von Leistungen aus der
Invalidenversicherung auch die Kürzung von Sozialhilfeleistungen riskiert.
Vielmehr schritt die Beschwerdegegnerin in ihrem Schreiben vom 7.
September 2021 (vgl. dazu Sachverhalt-Ziffer 4 hiervor) direkt zur
Kürzungsandrohung bei Verletzung der Mitwirkungspflicht (vgl.
beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 2), ohne vorgängig eine
entsprechende Auflage mit angedrohter Rechtsfolge zu verfügen. Eine
solche lässt sich denn auch nicht den Leistungsverfügungen vom 27.
Januar 2021 und vom 29. Juni 2021 entnehmen, wurde darin doch
lediglich auf die Pflicht verwiesen, allfällige Leistungen aus der
Invalidenversicherung der Beschwerdegegnerin im Umfang der von ihr
geleisteten Vorschusszahlungen abzutreten (vgl. Bg-act. 7 und 8). Auch
der Verweis auf das Merkblatt für Unterstützungsbezüger, das namentlich
allgemein auf die Pflicht von unterstützten Personen verweist, alles in ihrer
Kraft Stehende zu tun, um die Notlage zu lindern oder zu beheben (vgl.
Bg-act. 6), vermag vorliegend keine Abhilfe zu verschaffen. Denn daraus
war für die Beschwerdeführerin nicht unmissverständlich ersichtlich, dass
von ihr auch im Sozialhilfeverfahren eine Teilnahme an der
Abklärungsmassnahme im D._ erwartet wurde und dass die
Nichtbefolgung zu einer Kürzung der öffentlich-rechtlichen Unterstützung
führen könnte. Schliesslich wurde der Beschwerdeführerin von Seiten der
Beschwerdegegnerin bzw. dem RSD Mittelbünden gemäss den Schreiben
vom 7. September 2021, 13. September 2021 und 9. Dezember 2021
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auch nur empfohlen bzw. geraten, einen Einwand gegen den Vorbescheid
der Invalidenversicherung zu erheben resp. darin die Absicht zu erklären,
an der besagten Abklärungsmassnahme teilzunehmen (vgl. Bg-act. 2, 3
und 5). Hinzu kommt, dass eine solche mündliche oder schriftliche
Empfehlung – selbst wenn sie in Form einer Aufforderung ergangen wäre
– ohnehin den formellen Voraussetzungen für den Erlass einer Auflage
nicht genügt hätte. Denn Auflagen, die mit Sozialhilfeleistungen verbunden
sind, sind nach Praxis des streitberufenen Gerichts in Verfügungsform zu
erlassen, muss die Betroffene doch klar wissen, was von ihr verlangt wird
und welche Konsequenzen ihr bei Nichterfüllung drohen (PVG 2014 Nr.
12 E.4c; VGU U 15 57 vom 26. Januar 2016 E.5b/cc, U 15 13 und 14 vom
1. April 2015 E.3c [betreffend die gleichen Verfahrensbeteiligten wie im
vorliegenden Verfahren], U 13 11 vom 28. Juni 2013 E.2b und E.3b, U 13
29 vom 28. Juni 2013 E.3b und E.4c; vgl. ferner für neuere Entscheide
VGU U 19 98 vom 7. Januar 2020 E.4.2 und U 19 19 vom 10. September
2019 E.2.3; zur Bundesrechtskonformität einer solchen Praxis vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_500/2012 vom 22. November 2012 E.7.2.2). Den
Erlass einer Auflage in Form einer Verfügung erweist sich denn auch
insofern als angezeigt, als dass die damit verbundene
Verhaltensanweisung die durch Art. 10 Abs. 2 BV garantierte persönliche
Freiheit der unterstützten Person tangiert. Diese hat daher ein
schutzwürdiges Interesse, die Rechtmässigkeit einer derartigen Auflage
schon im Anschluss an deren Erlass auf dem Rechtsmittelweg überprüfen
zu lassen und nicht erst mittels Beschwerde gegen die Kürzungs- oder
Einstellungsverfügung, die in der Folge wegen Missachtung der Auflage
ergeht (vgl. SKOS-Richtlinien, Kapitel F.1 und F.3, Erläuterungen;
SCHALLER SCHENK, Das Individualisierungsprinzip, Bedeutung in der
Sozialhilfe aus verfassungs- und verwaltungsrechtlicher Perspektive,
Zürich/St. Gallen 2016, S. 282; VOGEL, Rechtsbeziehungen, Rechte und
Pflichten der unterstützten Person und der Organe der Sozialhilfe, in:
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HÄFELI [Hrsg.], Das Schweizerische Sozialhilferecht, Luzern 2008, S. 168
und S. 184).
4.2. Vorliegend wurde es – wie bereits dargelegt – ausweislich der Akten indes
unterlassen, der Beschwerdeführerin mittels Verfügung klar und
unmissverständlich auch im Sozialhilfeverfahren die Pflicht aufzuerlegen,
an der besagten Abklärungsmassnahme teilzunehmen, und ihr für den
Verweigerungsfall anzudrohen, dass ihr deshalb die öffentlich-rechtliche
Unterstützung gekürzt werden kann. Selbst wenn sich die
Beschwerdeführerin schuldhaft geweigert haben sollte, sich einer
zumutbaren Abklärungsmassnahme zu unterziehen, war die
Beschwerdegegnerin somit nicht berechtigt, der Beschwerdeführerin in
der angefochtenen Verfügung deren Anteil am Grundbedarf um 30 % für
die Dauer von sechs Monaten zu kürzen. Insofern erweist sich die
Verfügung vom 20. Dezember 2021 in diesem Punkt als nicht rechtmässig,
weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Das Gericht
erachtet eine Staatsgebühr von CHF 500.-- (zzgl. Kanzleiauslagen) als
angemessen (vgl. Art. 75 Abs. 2 VRG). Der nicht anwaltlich vertretenen
Beschwerdeführerin steht praxisgemäss keine Parteientschädigung zu.