Decision ID: f1138381-5d55-5d4e-b424-1f1ed06cdecf
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin ersuchte am 25. August 2015 in der Schweiz um
Asyl. Am 1. September 2015 wurde sie zu ihrer Person, dem Reiseweg und
summarisch zu ihren Asylgründen befragt. Eine vertiefte Anhörung zu ihren
Asylgründen fand am 21. Februar 2017 statt.
Dabei gab die Beschwerdeführerin an, sie gehöre der Ethnie B._
an und sei eritreischer Herkunft beziehungsweise eritreische Staatsange-
hörige beziehungsweise staatenlos. Ihre Eltern seien B._ gewesen
und würden aus B._, Eritrea, oder einem Dorf namens C._,
welches sich wahrscheinlich in D._ befinde, stammen. Sie spreche
kein Bilen, sondern Amharisch und Arabisch. Ihre Eltern hätten mit ihr im-
mer Amharisch gesprochen, da sie in Äthiopien geboren und aufgewach-
sen sei. Sie habe im Quartier E._, F._ (G._),
H._ Region gelebt. Ihr Vater sei etwa im Jahr (...) bei einem Auto-
unfall und ihre Mutter etwa im Jahr (...) gestorben. Sie sei ein Einzelkind.
Weshalb ihre Eltern nach Äthiopien gezogen seien, wisse sie nicht; es
müsse aber schon lange vor der Unabhängigkeit Eritreas gewesen sein.
Äthiopische Dokumente habe sie keine besessen, da sie noch minderjährig
gewesen sei. Weil sie Muslima sei, besitze sie auch keine Geburtsurkunde.
Nach dem Tod ihrer Mutter sei sie etwa (...) Jahre alleine in Äthiopien ge-
blieben. Freundinnen ihrer Mutter hätten sie mit Essen und Trinken ver-
sorgt. Etwa im Jahr (...) beziehungsweise im (...) Monat (...) sei sie nach
Eritrea deportiert worden, wo die eritreischen Behörden ihr einen Flücht-
lingsausweis beziehungsweise eine Green Card ausgehändigt hätten. In
I._ habe sie ihren Partner kennengelernt. Da dieser in Eritrea Prob-
leme gehabt habe, sei sie zusammen mit ihm in den J._ gegangen,
zumal sie schwanger gewesen sei und ausser ihrem Partner keine Bezugs-
person in Eritrea gehabt habe.
Vom Jahr (...) bis zum Jahr (...) habe sie in K._, J._, gelebt,
wo ihre drei Töchter, L._, geboren (...), M._, geboren etwa
(...) und N._, geboren etwa (...), nach wie vor leben würden. Sie
habe im J._ lediglich über eine Flüchtlingskarte verfügt. Im Jahr (...)
sei ihr Mann verschwunden. Danach habe sie etwa (...) Jahre lang in ihrem
eigenen Teehaus im Quartier O._ gearbeitet. Da die Lebensbedin-
gungen für sie immer schwieriger geworden seien, sei sie im (...) Monat
(...) aus dem J._ ausgereist. Der Weg durch die Sahara sei sehr
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gefährlich, deshalb habe sie ihre drei Töchter im J._ bei einer Nach-
barin beziehungsweise einem Bekannten zurückgelassen.
Die Beschwerdeführerin reichte weder Identitätspapiere noch Beweismittel
zu den Akten.
B.
Das SEM gewährte der Beschwerdeführerin anlässlich der BzP das recht-
liche Gehör zur Staatsangehörigkeit und teilte ihr anschliessend mit, ihre
Staatsangehörigkeit werde im Zentralen Migrationsinformationssystem
(ZEMIS) von Eritrea auf «Staat und Kontinent unbekannt» geändert.
C.
C.a Am (...) ersuchte das SEM die Schweizer Botschaft in P._
(nachfolgend: Botschaft) um nähere Abklärungen zu den biographischen
Vorbringen der Beschwerdeführerin.
C.b Die Botschaft antwortete dem SEM am (...) unter Beilage eines Schrei-
bens des Vertrauensanwaltes vom (...). Dabei begründete sie die späte
Antwort damit, dass die Region H._ und ihre Umgebung in Aufruhr
geraten und die Strassen von und nach F._ abgesehen vom
schlechten Zustand des Landverkehrs aus Sicherheitsgründen unzugäng-
lich geblieben seien.
D.
Mit Verfügung vom 21. März 2019 stellte das SEM fest, die Beschwerde-
führerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungs-
vollzug an. Ferner stellte es fest, die Staatsangehörigkeit der Beschwerde-
führerin werde im ZEMIS auf Äthiopien geändert.
E.
Die Beschwerdeführerin erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
19. April 2019 (Datum Poststempel) Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht. Sie beantragte, es sei die angefochtene Verfügung vollum-
fänglich aufzuheben und der Entscheid zwecks Wahrung des rechtlichen
Gehörs sowie zur Neubeurteilung und -begründung an das SEM zurückzu-
weisen. Eventualiter sei ihre Staatenlosigkeit festzustellen, ihr die Flücht-
lingseigenschaft zuzuerkennen und ihr Asyl zu gewähren; eventualiter sei
sie aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe als Flüchtling vorläufig aufzu-
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nehmen; eventualiter sei sie vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hin-
sicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
F.
Das SEM edierte der Beschwerdeführerin auf deren Gesuch vom 17. April
2019 den Bericht der Botschaft in anonymisierter Version.
G.
Die Beschwerdeführerin ergänzte unaufgefordert mit Eingabe vom 30. April
2019 ihre Beschwerde.
H.
Die Instruktionsrichterin stellte mit Zwischenverfügung vom 2. Mai 2019
fest, dass die Beschwerdeführerin den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten könne, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung unter Vorbehalt des Nachreichens einer Fürsorge-
bestätigung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses.
I.
Am 2. Mai 2019 wurde dem Gericht eine Fürsorgebestätigung zugestellt.
J.
Das SEM liess sich am 17. Mai 2019 zur Beschwerde vernehmen.
K.
Die Beschwerdeführerin replizierte mit Eingabe vom 28. Mai 2019.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
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endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdefüh-
rerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist – unter Vorbehalt
nachstehender Erwägung 2.1 – einzutreten.
2.
2.1 Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann nur sein, was Gegen-
stand des vorinstanzlichen Verfahrens war oder hätte sein sollen. Fragen,
über welche die erstinstanzliche verfügende Behörde nicht entschieden
hat, darf die zweite Instanz nicht beurteilen. Die Anerkennung der Staaten-
losigkeit – gestützt auf das Übereinkommen vom 28. September 1954 über
die Rechtsstellung der Staatenlosen (SR 0.142.40) – war nicht Gegen-
stand des Asylverfahrens vor dem SEM. Auf den entsprechenden Eventu-
alantrag ist daher nicht einzutreten.
2.2 In der angefochtenen Verfügung hält das SEM in Dispositivziffer 1 in
Bezug auf die Beschwerdeführerin fest: „Ihre Staatsangehörigkeit wird im
ZEMIS auf Äthiopien mutiert.“ Diese Dispositivziffer 1 wird ausschliesslich
unter den Erwägungen zu den Asylvorbringen abgehandelt. Das SEM hält
einzig im Kontext der Prüfung der Asylvorbringen fest, aufgrund der Aus-
führungen der Beschwerdeführerin könne nicht davon ausgegangen wer-
den, dass sie eine eritreische Staatsangehörige sei, weshalb sie ange-
sichts ihres Aufenthalts in Äthiopien im weiteren Verlauf des Asylverfahrens
im ZEMIS als äthiopische Staatsangehörige mit einem Bestreitungsver-
merk geführt werde. Dabei erwähnt das SEM weder rechtliche Grundlagen
(vgl. Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes über das Informations-
system für den Ausländer- und den Asylbereich vom 20. Juni 2003 [BGIAA,
SR 142.51] und Verordnung über das Zentrale Migrationssystem vom
12. April 2009 [ZEMIS-Verordnung, SR 142.513]) noch zeigt es explizit auf,
welche möglichen Auswirkungen die Änderung der persönlichen Daten im
ZEMIS auf die Beschwerdeführerin in der Schweiz hat.
Vor diesem Hintergrund ist es weder dem Gericht möglich, sich unter dem
Blickwinkel des ZEMIS-Systems mit den Beschwerdeeinwänden auseinan-
derzusetzen, noch ist es der Beschwerdeführerin möglich, diesbezüglich
eine Beschwerde zu erheben; bezeichnenderweise fehlen denn auch ent-
sprechende (und hinreichend begründete) Anträge. Die Argumentation der
Beschwerdeführerin in diesem Punkt wird deshalb nachfolgend im Zusam-
menhang mit der Prüfung ihrer Aussagen zum Asylpunkt und zur Wegwei-
sung analysiert. Dabei steht es der Beschwerdeführerin frei, ein Gesuch
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um Berichtigung ihrer ZEMIS-Dateneintragung beim SEM zu verlangen,
worauf das SEM ihr mit einer formellen und genügend begründeten Verfü-
gung zu antworten hätte (vgl. auch Urteil des BVGer E-1624/2019 vom
16. April 2019 E.1.3).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine mehrfache Verletzung ihres An-
spruchs auf rechtliches Gehör, eine Verletzung des Untersuchungsgrund-
satzes sowie der Begründungspflicht. Diese formellen Rügen sind vorab
zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzli-
chen Verfügung zu bewirken.
4.2 Soweit die Beschwerdeführerin in der Rechtsmittelschrift geltend
macht, das SEM habe ihr die Botschaftsanfrage vom (...) und das Abklä-
rungsergebnis der Botschaft vom (...) nicht zur Kenntnis gebracht, ist fest-
zustellen, dass das SEM gestützt auf das rechtliche Gehör verpflichtet ge-
wesen wäre, diese Akten der Beschwerdeführerin auszuhändigen (Art. 28
VwVG; vgl. ebenso BVGE 2015/10 E. 3.3). Dieses Versäumnis hat das
SEM indes auf Beschwerdeebene nachgeholt und der Beschwerdeführerin
am 24. April 2019 (in anonymisierter Form) Einsicht in die verlangten Akten
gewährt. Daraufhin ergänzte die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde mit
Eingabe vom 30. April 2019. In der Vernehmlassung äusserte sich das
SEM sodann zu den Umständen, wonach die Botschaftsabklärung den
rechtserheblichen Sachverhalt (Staatsangehörigkeit der Beschwerdefüh-
rerin; Deportation nach Eritrea) vorliegend ausnahmsweise weder bestätigt
noch widerlegt habe, weshalb diese Beweismassnahme keinen Einfluss
auf den Sachverhalt gehabt und infolgedessen in den Erwägungen der an-
gefochtenen Verfügung keine Verwendung gefunden habe. Die Beschwer-
deführerin erhielt danach Gelegenheit zur Replik und nahm diese auch
wahr. Damit kann der festgestellte Verfahrensmangel als geheilt betrachtet
werden (vgl. zu den Voraussetzungen der Heilung von Gehörsverletzun-
gen BVGE 2015/10 E. 7.1; BVGE 2008/47 E. 3.3.4 m.w.H.).
4.3 Auch der weitere Einwand der Beschwerdeführerin, das SEM habe es
unterlassen, ihr zur Feststellung der äthiopischen (statt unbekannten oder
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eritreischen) Staatsangehörigkeit vorgängig das rechtliche Gehör zu ge-
währen, ist unbegründet. Das SEM hat die entsprechende Schlussfolge-
rung aus der sich bereits im erstinstanzlichen Verfahren abzeichnenden
und in der angefochtenen Verfügung umfassend begründeten Erkenntnis
gewonnen, dass die Angaben zur Herkunft und Staatsangehörigkeit nicht
glaubhaft seien. Dies stellt nicht eine Feststellung, sondern eine nach
Massgabe von Art. 7 AsylG vorgenommene Würdigung des von der Be-
schwerdeführerin vorgebrachten Sachverhalts dar; die äthiopische statt
behauptungsgemässe unbekannte oder eritreische Staatsangehörigkeit ist
mithin die Schlussfolgerung aus dieser rechtlichen Würdigung. Zur Rechts-
anwendung besteht indessen, jedenfalls solange sie wie vorliegend nicht
jenseits vernünftigerweise in Betracht fallender Erwartungen steht, kein An-
spruch auf vorgängige Stellungnahme (vgl. auch Urteil des BVGer
E-7212/2013 vom 16. Juli 2014 E. 5.1.3).
4.4 Die Beschwerdeführerin rügt ferner eine Verletzung des Untersu-
chungsgrundsatzes und der Begründungspflicht. So habe das SEM die Be-
gründung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs angesichts der bun-
desverwaltungsrechtlichen Rechtsprechung zum Wegweisungsvollzug
nach Äthiopien viel zu kurz und oberflächlich gehalten.
Aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes besteht für das SEM die Pflicht
zur grundsätzlichen Prüfung der Voraussetzungen des Wegweisungsvoll-
zuges in das sich ihrer Auffassung zufolge einzig aufdrängende Heimatland
(Äthiopien); es kann sich indessen hinsichtlich allfälliger individueller Voll-
zugshindernisse mit der Begründung einer Verletzung der Mitwirkungs-
pflicht ihrer Untersuchungspflicht entledigen (vgl. Urteil des BVGer
E-7212/2013 vom 16. Juli 2014 E. 7.3). In der angefochtenen Verfügung
zeigte das SEM nachvollziehbar und im Einzelnen hinreichend differenziert
auf, von welchen Überlegungen es sich bei der Schlussfolgerung, die Be-
schwerdeführerin habe sowohl betreffend die behauptete eritreische Her-
kunft oder Staatsbürgerschaft respektive Staatenlosigkeit als auch ihren
gesamten Lebenslauf und die Familienverhältnisse unglaubhafte Angaben
gemacht und mithin die Mitwirkungspflicht verletzt, leiten liess (vgl. ange-
fochtene Verfügung Ziff. II. 1.). Es setzte sich auch mit sämtlichen wesent-
lichen Vorbringen der Beschwerdeführerin auseinander. Ob die Schlussfol-
gerung des SEM inhaltlich zutrifft, betrifft die rechtliche Würdigung der Sa-
che und somit eine materielle Frage. Eine Verletzung der Untersuchungs-
pflicht ist demnach nicht zu erkennen. Es ist auch nicht ersichtlich, inwie-
fern in diesem Zusammenhang eine Verletzung der Begründungspflicht
vorliegen könnte, zumal es der Beschwerdeführerin offensichtlich möglich
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war, den Entscheid des SEM sachgerecht anzufechten – was den Schluss
zulässt, dass sie sich über die Tragweite der Verfügung ein Bild machen
konnte (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2).
4.5 Die formellen Rügen erweisen sich demnach als unbegründet. Der An-
trag, es sei die Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sa-
che an das SEM zurückzuweisen, ist demzufolge abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rech-
nung zu tragen (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1, 2012/5 E. 2.2).
6.
6.1 Das SEM begründet seinen Entscheid damit, dass am Wahrheitsgehalt
der Herkunftsangaben (eritreische Herkunft, eritreische Staatsbürger-
schaft, staatenlos, Ethnie B._, Geburt in Äthiopien, Deportation
nach Eritrea im Jahr [...] beziehungsweise [...]) erhebliche Zweifel anzu-
bringen seien. Aufgrund der äusserst detailarmen, unsubstantiierten, ober-
flächlichen und teils auch realitätsfernen Aussagen der Beschwerdeführe-
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rin sei es ihr nicht gelungen, ihre behauptete eritreische Staatsangehörig-
keit respektive Staatenlosigkeit glaubhaft darzulegen. Diese Einschätzung
werde durch die oberflächliche und standardisierte Schilderung der Depor-
tation nach Eritrea und des dortigen angeblich (...)monatigen Aufenthalts
erhärtet. Zwar habe sie anlässlich der Anhörung diverse Aspekte, welche
zum allgemeinen Erfahrungsschatz von deportierten Personen gehören
könnten, ebenfalls erwähnt. Ihre Schilderung müsse indessen nicht zwin-
gendermassen durch eigenes Erleben erworben worden sein, sondern
könne auch problemlos erlernt werden. Darauf würden ihre anlässlich der
BzP und der Anhörung abweichenden Schilderungen zur Deportation nach
Eritrea sowie zum Reiseweg nach I._ hinweisen. Zudem mangle es
den Deportationsvorbringen gänzlich an persönlicher Färbung oder Hin-
weisen auf Selbsterlebtes. Detaillierte Folgefragen und insbesondere Fra-
gen nach persönlichen, erlebnisgeprägten Erinnerungen und Eindrücken
von der Deportation, Q._ oder I._ habe sie ausnahmslos
ausweichend, vage, oberflächlich und äusserst unsubstantiiert beantwor-
tet. Zudem erstaune, dass sie anlässlich ihrer Deportation im Jahr (...) be-
ziehungsweise (...) von einer Green Card gesprochen habe, da diese le-
diglich im Jahr (...) ausgehändigt worden sei. Somit sei auch ihre angebli-
che Deportation unglaubhaft. Ergänzend hierzu seien ihre Erzählungen zur
angeblich illegalen Ausreise äusserst oberflächlich, ausweichend und ohne
jegliche Erlebnisprägung ausgefallen. Darüber hinaus habe sie wider-
sprüchliche Angaben zur Reihenfolge der Ereignisse gemacht.
Soweit sich ihre Asylgründe auf den Verlust ihrer Mutter und die daraus
entstandenen, erschwerten wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedin-
gungen beziehen würden, würden diese Vorbringen keine asylbeachtliche
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen. Weitere Gründe habe sie
nicht geltend gemacht oder seien als unglaubhaft (die Deportation) zu er-
achten.
6.2 Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Rechtsmitteleingabe Wieder-
holungen zum Sachverhalt und entgegnete sodann, ihre Erzählung er-
weise sich schon bei summarischer Durchsicht der Akten und insbeson-
dere der Protokolle der BzP und Anhörung ohne Weiteres als schlüssig, in
allen wesentlichen Punkten widerspruchsfrei und nachvollziehbar. Dies sei
angesichts der zwischen den beiden Befragungen verstrichenen (...) Jahre
zu ihren Gunsten zu werten. Die vom SEM monierten Punkte würden sich
in unwesentlichen Tatbestandselementen und Details erschöpfen, welche
angesichts ihrer ausführlichen und kohärenten Erzählung und der zum Be-
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fragungs- und Anhörungszeitpunkt bereits (...) Jahre zurückliegenden Er-
eignisse in einer Gesamtsicht kaum ins Gewicht fallen könnten. Es bestehe
ein offensichtliches Ungleichgewicht bei der Berücksichtigung der zahlrei-
chen für sie sprechenden Elemente gegenüber den wenigen Unstimmig-
keiten und der vermeintlichen Unplausibilität. Zudem handle es sich bei
ihrer Biografie um einen derart besonderen und von Komplexität geprägten
Sachverhalt, dass kaum vorstellbar sei, dass sie sich einen solchen hätte
einprägen und zweimal im Abstand von (...) Jahre quasi deckungsgleich
wiedergeben können. Auch stimme der Sachverhalt mit den dokumentier-
ten Vorkommnissen im Kontext des Eritreisch-Äthiopischen Kriegs um die
Jahrtausendwende überein. Das SEM stütze sich in seinen Erwägungen
auf Plausibilitätsvorstellungen, die stark von schweizerischen Bürokratie-
und Gesellschaftsvorstellungen geprägt scheine und zeige wenig Sensibi-
lität für die Umstände, die um die Jahrtausendwende in der Grenzregion
und in Eritrea geherrscht hätten.
Bezüglich der Verwandtschaft der Mutter in D._ seien – entgegen
der Ansicht des SEM – ihre Ausführungen anlässlich von BzP und Anhö-
rung gleich. Die vom SEM angeführten Widersprüche hinsichtlich der Un-
terstützung durch die Freundinnen nach dem Tod der Mutter fänden sich in
den vom SEM zitierten Protokollstellen nicht. Auch liege es im Bereich des
Möglichen, dass ihr Partner seine eigenen politischen Probleme mit ihr
nicht eingehend diskutiert habe, möglicherweise habe er sie schützen oder
vermeiden wollen, dass sie sich Sorgen mache. Es bestehe auch kein Wi-
derspruch darin, dass sie zwar die Namen der Eltern ihres Partners ge-
kannt, diese aber nie persönlich kennengelernt habe. Die Begründung des
SEM zur angeblich äthiopischen Staatsangehörigkeit erscheine aktenwid-
rig. Sie habe mehrheitlich angegeben, ihre Staatsangehörigkeit nicht zu
kennen und selber über ihre Staatsangehörigkeit im Unklaren zu sein. Ent-
gegen der Darstellung des SEM seien ihre Angaben betreffend Herkunft,
Familienverhältnisse, Nationalität sowie Dokumentenlosigkeit keineswegs
vage, sondern würden eben gerade von ihrem Kernproblem zeugen, näm-
lich, dass sie letztlich von keinem Staat als Staatsangehörige angesehen
werde. Letztlich sei es der äthiopische Staat gewesen, der sie im Kontext
des Konflikts mit dem seinerzeit neu unabhängigen Eritrea aufgrund der
Abstammung ihrer Eltern als Eritreerin eingestuft habe. Angesichts ihrer
übereinstimmenden und ausgesprochen plausiblen Schilderungen sei die
Unterstellung des SEM, sie versuche über ihre Herkunft zu täuschen, ge-
radezu willkürlich.
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Seite 11
6.3 Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung in materieller Hinsicht fest,
die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen Tatsachen oder Beweismittel,
welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten.
6.4 Die Beschwerdeführerin beschränkte sich in ihrer Replik auf Ausfüh-
rungen zu den verfahrensrechtlichen Rügen (vgl. E. 4 hievor).
7.
7.1 Zunächst ist hinsichtlich der Frage der Staatsangehörigkeit festzuhal-
ten, dass das SEM im angefochtenen Entscheid nachvollziehbar dargelegt
hat, weshalb bei der Beschwerdeführerin von einer äthiopischen Staats-
bürgerschaft auszugehen ist. Auf diese zutreffenden Ausführungen kann
vollumfänglich verwiesen werden. Hervorzuheben ist, dass die Beschwer-
deführerin gemäss eigenen Angaben am (...) in F._ in der
H._ Zone in Äthiopien auf die Welt gekommen und aufgewachsen
ist (vgl. SEM act. A3 Ziff. 1.07); bis zum Abschluss der (...) Klasse im Jahr
(...) hat sie dort auch die Schule besucht (vgl. a.a.O. Ziff. 1.17.04). Mit Blick
auf diese Angaben konnten folglich bis zur Unabhängigkeit Eritreas im Jahr
1993 weder die Beschwerdeführerin noch ihr (...) verstorbener Vater und
ihre (...) verstorbene Mutter, welche angeblich beide der Ethnie B._
angehören und ursprünglich aus der Umgebung von D._ (heute
Eritrea) stammen, die eritreische Staatsangehörigkeit besessen haben.
Obwohl die eritreische Unabhängigkeitsbewegung bereits seit den 1960er
Jahren Zulauf hatte, endete der Unabhängigkeitskrieg erst im Jahr 1991
mit dem Sieg der Eritreischen Volksbefreiungsfront (EPLF). Am 24. Mai
1993 nahm das eritreische Volk ein Referendum über die Unabhängigkeit
Eritreas an. Die Personen, die an dieser Abstimmung teilnehmen wollten,
mussten und konnten erstmals die eritreische Staatsbürgerschaft verifizie-
ren lassen und die eritreische Identitätskarte beantragen (vgl. ALEXANDRA
GEISER, Äthiopien/Eritrea: Umstrittene Herkunft, Schweizerische Flücht-
lingshilfe [SFH; Hrsg.], 2014, S. 1). Da die Beschwerdeführerin am Refe-
rendum im Jahr 1993 aufgrund ihres damaligen Alters nicht teilnehmen
durfte, ist in ihrem Fall auszuschliessen, dass sie dannzumal die eritreische
Staatsangehörigkeit erworben hat. Dies wird von der Beschwerdeführerin
denn auch nicht behauptet.
Nach dem im Jahr 1998 entflammten Grenzkonflikt zwischen Eritrea und
Äthiopien fanden seitens des äthiopischen Staates Deportationen von Tei-
len des eritreisch-stämmigen Volkes aus Äthiopien statt, welche indes im
Jahr 2002 ein Ende gefunden haben. Die Situation der eritreisch-stämmi-
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Seite 12
gen Ausländerinnen und Ausländer hat sich denn auch in den darauffol-
genden Jahren auf rechtlicher Ebene verbessert (BVGE 2011/25 E. 5
m.w.H.). Am 19. Januar 2004 veröffentlichte die äthiopische Regierung
eine Direktive, die auf Personen eritreischer Herkunft zielte, die seit der
Unabhängigkeit Eritreas im Jahr 1993 ununterbrochen in Äthiopien gelebt
haben. Personen, die sich – wie die Beschwerdeführerin – nicht für das
Referendum registrieren liessen und auch sonst nicht mit Eritrea in Verbin-
dung gestanden haben, wurde die äthiopische Staatsbürgerschaft garan-
tiert. Diese Direktive war indes zeitlich limitiert beziehungsweise wurde seit
dem Jahr 2006/2007 nicht mehr umgesetzt (vgl. ALEXANDRA GEISER, Äthi-
opien/Eritrea: Umstrittene Herkunft, a.a.O., S. 4 f. m.w.H.). Diese Mass-
nahmen der äthiopischen Behörden zeugen grundsätzlich nicht von einer
feindlichen Haltung gegenüber langansässigen Eritreern. Überdies wäre
die Beschwerdeführerin – selbst im Fall, dass sie eritreischer Abstammung
sein sollte – ohnehin nicht von solchen betroffen gewesen, denn ange-
sichts der Tatsache, dass Eritrea bis 1993 äthiopische Provinz war, und alle
Einwohner bis 1993 die äthiopische Staatsangehörigkeit besassen, haben
auch die Eltern der Beschwerdeführerin als äthiopische Staatsangehörige
gegolten. An einer Stelle in der Anhörung gibt die Beschwerdeführerin denn
auch an, ihre Mutter habe einen äthiopischen Ausweis gehabt (vgl. SEM
act. A15 F78). Als Folge muss davon ausgegangen werden, dass auch die
Beschwerdeführerin mit ihrer Geburt im Jahr (...) die äthiopische Staats-
angehörigkeit erlangt hat.
Im Übrigen hat das SEM zu Recht festgestellt, dass sich die Beschwerde-
führerin hinsichtlich ihrer Herkunft mehrfach in Widersprüche verstrickt und
ihre Antworten den jeweils gestellten Fragen angepasst hat. So hat sie na-
mentlich auf dem Personalienblatt beim Empfangs- und Verfahrenszent-
rum ausfüllen lassen, Eritreerin zu sein (vgl. SEM act. A1), was sie anläss-
lich der BzP bestätigte (vgl. SEM act. A3 Ziff. 8.01). An der Anhörung führte
sie aber aus, diese Aussage nie gemacht zu haben (vgl. SEM act. A15
F233). Stattdessen habe sie gesagt, staatenlos zu sein (vgl. SEM a.a.O.
F125). Auf ihre Ethnie angesprochen, bezeichnete sie sich indes als
«Mensch» (vgl. a.a.O. F245). Die Beschwerdeführerin reichte auch keiner-
lei Identitätspapiere zu den Akten. Ihr Einwand, aufgrund ihrer Minderjäh-
rigkeit keine äthiopischen Papiere erhältlich gemacht zu haben, erscheint
als Schutzbehauptung, zumal sie ihren Angaben nach (...) Jahre in Äthio-
pien gelebt und (...) Jahre lang die Schule besucht hat (vgl. SEM act. A3
Ziff. 1.11 und 1.17.04).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/25
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Neben widersprüchlichen Aussagen zu ihrer Herkunft überrascht weiter der
Umstand, dass ihre verstorbenen Eltern beide B._ gewesen seien,
jedoch nicht wie zu erwarten gewesen wäre B._, sondern Amha-
risch mit ihr gesprochen hätten (vgl. SEM act. A3 Ziff. 1.17.03); dies ist
umso weniger plausibel, als in H._ im Nordosten Äthiopiens, wo die
Beschwerdeführerin mit ihren Eltern gewohnt hat, hauptsächlich die Spra-
che H._ gesprochen wird. Demgegenüber ist Amharisch in der
nordwestlichen Region R._ die bevorzugte Sprache
(http://www.hpgrumpe.de/aethiopien/aethiopien_02.htm, zuletzt besucht
am 16. Oktober 2020).
Dem Gesagten nach ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
über die äthiopische Staatsbürgerschaft verfügt.
8.
8.1 In Bezug auf die geltend gemachten Asylvorbringen gelangt das Bun-
desverwaltungsgericht nach Durchsicht der Akten zum Schluss, dass in
Würdigung aller Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen
die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführerin spre-
chen und das SEM das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. Die Ausfüh-
rungen auf Beschwerdeebene sind nicht geeignet, zu einer anderen Beur-
teilung zu gelangen.
8.2 In der Beschwerde wird zu grossen Teilen nicht näher auf die Argumen-
tation des SEM eingegangen, vielmehr erschöpfen sich die Ausführungen
in der Rechtsmittelschrift im Wesentlichen in der Wiederholung, weiterhin
an Leib und Leben bedroht zu sein und glaubhaft ausgesagt zu haben,
sowie in einer nicht weiter begründeten Kritik betreffend die Beweiswürdi-
gung des SEM.
Das Gericht teilt die Auffassung der Beschwerdeführerin, sie habe die ge-
schilderte Deportation nach Eritrea substantiiert und detailreich beschrie-
ben sowie lebensnah unter Verwendung der direkten Rede erzählt, nicht.
Auch wenn sie, wie vom SEM zutreffend ausgeführt, durchaus über eine
gewisse Kenntnis zum Ablauf von Deportationen verfügt, ist dennoch fest-
zuhalten, dass sie an der BzP im Rahmen ihrer konkreten Deportations-
darlegung angab, von F._ mit dem Bus nach S._ gebracht
worden zu sein, von wo aus sie mit dem Bus nach D._ und nach
etwa (...) Tagen Aufenthalt weiter nach I._ gereist sei (vgl. SEM
act. A3 Ziff. 5.01). Anlässlich der Anhörung gab sie hingegen an, mit einem
Bus von F._ an die eritreische Grenze und mit einem Auto von
http://www.hpgrumpe.de/aethiopien/aethiopien_02.htm
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S._ nach T._ gebracht worden zu sein. Dort habe man sie
per Schiff nach U._ gebracht und schliesslich registriert. Nach (...)
oder (...) Tagen habe man sie entlassen und aufgefordert, zur Familie zu
gehen. Sie sei daher via Q._, wo sie lediglich übernachtet habe,
nach I._ gegangen. In D._ sei sie nie gewesen (vgl. SEM
act. A15 F50, F127–137, F135 und F191). Diese stark voneinander abwei-
chende Erzählung der Reiserouten kann weder mit ihrem damaligen jun-
gen Alter noch mit der langen Zeitdauer seither begründet werden. Be-
zeichnenderweise geht die Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsschrift mit
keinem Wort auf diese ihr in der angefochtenen Verfügung vorgehaltenen
Widersprüche ein. Ferner hat das SEM zu Recht ausgeführt, dass die Be-
schwerdeführerin detaillierte Folgefragen zur angeblichen Deportation, zu
den Städten Q._ oder I._ ausweichend, vage, oberflächlich
und äusserst unsubstantiiert beantwortet hat. So bezeichnete sie
Q._ zwar als schöne Stadt, ohne aber eine Sehenswürdigkeit oder
einen berühmten Platz zu nennen (vgl. a.a.O., F161).
In das unstimmige Bild zur angeblichen Biographie und dem früheren Le-
ben in Äthiopien und Eritrea gehören auch ihre Angaben, nicht zu wissen,
ob sie in Eritrea Bürgerin oder Flüchtling gewesen sei (vgl. SEM act. A15
F50, F127–137, F135, F178 und F191), zumal sie sich an anderer Stelle
wiederum als Flüchtling bezeichnet hat und vorbrachte, sie habe in Eritrea
eine Flüchtlingskarte auf sich getragen (vgl. a.a.O., F192).
9.
Dem Gesagten nach gelingt es der Beschwerdeführerin nicht, ihre behaup-
tete eritreische Herkunft oder eritreische Staatsbürgerschaft oder ihre
Staatenlosigkeit glaubhaft zu machen. Ihr gesamter Lebenslauf, die Anga-
ben zu den Familienverhältnissen und auch die dargelegte Deportation
nach Eritrea sowie die spätere illegale Ausreise aus Eritrea vermögen den
Anforderungen an die Glaubhaftigkeit von Art. 7 AsylG nicht zu genügen.
Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerdeeingabe
einzugehen, da sie an dieser Würdigung nichts zu ändern vermögen.
Die Beschwerdeführerin erfüllt die Flüchtlingseigenschaft demnach nicht.
Das SEM hat ihr Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
10.
Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
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den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord-
net (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
11.2 Wegweisungshindernisse sind grundsätzlich von Amtes wegen zu
prüfen. Die Untersuchungspflicht findet jedoch nach Treu und Glauben ihre
Grenzen in der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin (Art. 8 AsylG),
die im Übrigen auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Es kann
daher nicht Sache der Asylbehörden sein, nach allfälligen Wegweisungs-
hindernissen zu forschen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 ff.; Urteil des BVGer
D-3921/2015 vom 5. August 2016 E. 7.2 ff.).
11.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
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Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 und Art. 4 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
11.4 In Übereinstimmung mit den vorinstanzlichen Ausführungen ist für
den vorliegenden Fall festzuhalten, dass es den Asylbehörden nicht mög-
lich ist, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und familiären
Verhältnisse der Beschwerdeführerin zur Zulässigkeit des Vollzugs der
Wegweisung zu äussern, da sie gegenüber den Asylbehörden unglaub-
hafte Angaben zu ihren persönlichen Verhältnissen und insbesondere ihrer
Herkunft gemacht hat. Die Beschwerdeführerin hat den Behörden zudem
keine rechtsgenügenden Identitätspapiere abgegeben, weshalb ihre Iden-
tität und ihre genaue Herkunft auch nicht ermittelt werden können, was für
die Überprüfung von Vollzugshindernissen aber grundsätzlich Vorausset-
zung ist.
Aus diesen Gründen hat die Beschwerdeführerin die Folgen ihrer mangel-
haften Mitwirkung respektive Verheimlichung ihrer wahren persönlichen
Verhältnisse und Herkunft zu tragen.
11.5 Daher ist der Vollzug der Wegweisung vorliegend in Beachtung der
massgeblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig, da
es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb das Prinzip
des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung findet und keine Anhaltspunkte für eine menschen-
rechtswidrige Behandlung ersichtlich sind.
11.6 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Aus-
länderinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
Im vorliegenden Fall ist der Vollzug der Wegweisung – unter Hinweis auf
die Ausführungen in Erwägung 11.4 – mangels überzeugender gegenteili-
ger Anhaltspunkte als zumutbar zu erachten (vgl. auch Urteil des BVGer
D-3921/2015 vom 5. August 2016 E. 7.8).
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11.7 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
11.8 Zusammenfassend hat das SEM den Wegweisungsvollzug zu Recht
als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
13.
13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihr jedoch mit Zwi-
schenverfügung vom 2. Mai 2019 die unentgeltliche Prozessführung ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und keine massgebenden Ver-
änderungen der finanziellen Verhältnisse ersichtlich sind, sind keine Ver-
fahrenskosten zu erheben.
13.2 Praxisgemäss ist sodann eine reduzierte Parteientschädigung zuzu-
sprechen, wenn – wie vorliegend – eine Verfahrensverletzung (Aktenein-
sicht) auf Beschwerdeebene geheilt wird. Da die Beschwerdeführerin aber
nicht vertreten ist und keine notwendigen Auslagen im Sinne von Art. 13
VGKE geltend macht, ist gleichwohl auf die Ausrichtung einer Parteient-
schädigung zu verzichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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