Decision ID: fc790cbd-f7f2-5d99-936a-87bc0d2bbe76
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
M._, Jahrgang 1951, meldete sich im Mai 2004 erstmals zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (IV) an und beantragte die Ausrichtung einer Rente (IV-
act. 1). Im Arztbericht vom 5. März 2004 hatte Dr. med. A._, Facharzt FMH für Innere
Medizin und Rheumatologie, auf ein chronifiziertes thorakovertebrales
Schmerzsyndrom mit pseudoradikulären Ausstrahlungen verwiesen. Für
wechselbelastende, körperlich leichte bis höchstens mittelschwere Tätigkeiten bestehe
aus rheumatologischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 9-9 ff.).
Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin, nannte im Arztbericht vom 28. Mai
2004 insbesondere die Diagnose chronisches lumbovertebrales Syndrom. In der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Magaziner bestehe ein Arbeitsfähigkeit von 50%, d.h.
leichteste Arbeiten könnten ganztags oder mittelschwere halbtags ausgeführt werden.
Eine Berentung von 50% gäbe dem Versicherten die Möglichkeit, doch noch leichtere
Arbeiten ohne Druck auszuüben (IV-act. 9-5 f.). Gestützt auf die Einschätzung von Dr.
A._ verfügte die IV-Stelle am 6. August 2004 die Rentenabweisung (IV-act. 15). Die
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
B.a Dr. med. C._, Facharzt FMH für Innere Medizin, beantragte bei der IV-Stelle mit
Schreiben vom 20. Oktober 2006 eine Neubeurteilung (IV-act. 16). Im Bericht vom
31. Oktober 2006 wies Dr. med. D._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, darauf hin,
dass er keine anderen Befunde habe erheben können als Dr. B._ und Dr. A._. Nach
seinem klinischen Eindruck bestünden die Beschwerden des Versicherten nach wie
vor, ohne dass eine wesentliche Veränderung eingetreten sei, so Dr. D._ (IV-act. 19).
Im November 2006 meldete sich der Versicherte daraufhin erneut zum IV-
Leistungsbezug an (IV-act. 18), woraufhin die IV-Stelle eine polydisziplinäre
Begutachtung bei der MEDAS Ostschweiz im Auftrag gab. Im Gutachten vom
2. November 2007 werden insbesondere folgende Diagnosen genannt: chronisch
rezidivierendes lumbospondylogenes Syndrom mit erheblicher Fehlhaltung
(tiefreichende BWS-Kyphose mit aufgerichteter Beckenstellung), ausgeprägter
muskulärer Dysbalance mit referred pain-Symptomatik rechts, medianer
Diskusprotrusion L4/5 mit rezessaler Einengung und Nervenwurzelkompression L5
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rechtsbetont, kleinster medianer subligamentärer Diskushernie L4/S1 mit deutlicher
rechtsbetonter Spondylarthrose, radiologisch Skoliose, Osteochondrosen bis auf Höhe
L3 und Zervikokranial- und Zervikobrachialsyndrom beidseits. Für die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit als Lagermitarbeiter bestehe aus polydisziplinärer Sicht keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Auch für adaptierte Tätigkeiten ohne häufige
körperliche Schwerarbeiten und langdauernde stereotype unergonomische
Arbeitshaltungen vor allem in Flexionsstellung bestehe volle Arbeitsfähigkeit. Im
Vergleich zur Referenzbasis von 2004 habe sich der Gesundheitszustand nicht relevant
verändert (IV-act. 26).
B.b Gestützt auf dieses Gutachten stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit
Vorbescheid vom 3. Dezember 2007 bei einem Invaliditätsgrad von 10% die Ablehnung
des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 31). Mit Einwand vom 16. Januar 2008
beantragte die pro infirmis St. Gallen-Appenzell in Vertretung des Versicherten eine
Besprechung der IV-Stelle mit Dr. C._ sowie die Berücksichtigung von dessen
Bericht vom 15. Januar 2008. Die Arbeitsfähigkeit sei detailliert zu beschreiben und
eine Rente sei zu verfügen (IV-act. 36-1). Am 5. Februar 2008 verfügte die IV-Stelle
trotz dieses Einwands gemäss Vorbescheid die Rentenabweisung (act. G 1.3).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde des Versicherten vom
25. Februar 2008. Auf die Anträge im Einwand vom 16. Januar 2008 sei nicht
rechtsgemäss eingegangen worden, das rechtliche Gehör sei somit verweigert worden.
Ebenso sei die MEDAS nicht auf die von der IV angefragten konkreten Inhalte
eingegangen. Sinngemäss beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung der
Verfügung. Die Einschätzung von Dr. C._ sei zu berücksichtigen und die
Arbeitsfähigkeit detailliert zu beschreiben. Die IV-Stelle habe eine Rente zu verfügen
und die Gerichtskosten zu übernehmen (act. G 1).
C.b Am 26. Februar 2008 ging dem Gericht ein vom Beschwerdeführer ausgefülltes
Gesuchsformular für die unentgeltliche Prozessführung vom 25. Februar 2008 zu
(act. G 3). Der gerichtlichen Aufforderung vom 29. Februar 2008, die dazu benötigten
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Unterlagen einzureichen (act. G 4), kam der Beschwerdeführer nicht nach. Anstelle
dessen bezahlte er am 1. März 2008 den einverlangten Kostenvorschuss.
C.c Mit Beschwerdeantwort vom 19. Mai 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Das MEDAS-Gutachten entspreche den Anforderungen
der Rechtsprechung. Zu den Schreiben von Dr. C._ vom 20. Oktober 2006 und
27. Dezember 2006 sei im Gutachten detailliert Stellung genommen worden. Dr. med.
E._ vom IV-internen Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) habe am 4. Februar 2008
bestätigt, dass auch im Bericht von Dr. C._ vom 15. Januar 2008 keine neuen
relevanten medizinischen Befunde angegeben worden seien. Demnach könne auf das
MEDAS-Gutachten abgestellt werden. Die angefochtene Verfügung sei zu schützen
(act. G 6).
C.d Der Beschwerdeführer liess die Frist zur Einreichung einer Replik unbenützt
verstreichen (act. G 7, 8).

Erwägungen:
1.
Angefochten ist eine Verfügung, die nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar
2008 ergangen ist. Mangels einer übergangsrechtlichen Norm rechtfertigt es sich
allerdings, für die vor diesem Zeitpunkt massgebenden Verhältnisse (Rentenanspruch
mit Anspruchsbeginn bei Anmeldung unter altem Recht) die im Folgenden zitierten, bis
zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) sowie Art. 42 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör
dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, der in die Rechtsstellung einer
Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre
Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
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beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört
zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich
zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid
zu beeinflussen (anstatt vieler vgl. BGE 129 II 504 Erw. 2.2; BGE 127 I 56 Erw. 2b). Das
Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs
führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur
Aufhebung der angefochtenen Verfügung (BGE 127 V 437 Erw. 3d/aa). Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts kann eine Verletzung als geheilt gelten, wenn das
Gericht den angefochtenen Entscheid in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei
überprüfen kann (BGE 120 V 362 Erw. 2b). Die Heilung eines allfälligen Mangels soll
aber die Ausnahme bleiben (vgl. EVGE I 783/02 vom 18. Oktober 2004, Erw. 3.3).
2.2 Im vorliegenden Verfahren rügt der Beschwerdeführer, auf seine im Einwand vom
16. Januar 2008 gestellten Anträge sei nicht rechtsgenüglich eingegangen worden,
weshalb das rechtliche Gehör verweigert worden sei. Diese Rüge vermag nicht zu
überzeugen. Mit Vorbescheid vom 3. Dezember 2007 gab die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer Gelegenheit zur Stellungnahme zur geplanten
Rentenabweisung. Der Vorbescheid diente einzig dazu, dem Beschwerdeführer das
ihm zustehende rechtliche Gehör zu gewähren. Im Einwand vom 16. Januar 2008
stellte der Beschwerdeführer zwar Anträge, begründete diese aber kaum. Insbesondere
setzte er sich mit dem MEDAS-Gutachten in keiner Weise auseinander. Den mit dem
Einwand eingereichten Arztbericht von Dr. C._ vom 15. Januar 2008 legte die
Beschwerdegegnerin dem RAD vor (IV-act. 38). In der angefochtenen Verfügung nahm
die Beschwerdegegnerin auf S. 2 zum Einwand Stellung; sie ging insbesondere auch
kurz auf das Schreiben von Dr. C._ ein. Damit ist sie der ihr obliegenden
Begründungspflicht hinreichend nachgekommen. Der Beschwerdeführer konnte sich
ein umfassendes Bild davon machen, gestützt auf welche Unterlagen und
Überlegungen die Beschwerdegegnerin sein Rentengesuch abgewiesen hatte. Eine
Gehörsverletzung hat die Beschwerdegegnerin folglich nicht begangen.
3.
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird
gemäss Art. 87 Abs. 4 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die
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Voraussetzungen gemäss Abs. 3 erfüllt sind. Nach jener Bestimmung muss in einem
Revisionsgesuch glaubhaft gemacht werden, dass sich der Grad der Invalidität in einer
für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Die Beschwerdegegnerin ist
vorliegend nach Einsicht in den Bericht von Dr. C._ vom 20. Oktober 2006 auf die
Wiederanmeldung eingetreten und hat eine Begutachtung in Auftrag gegeben. Nach
dem Eintreten hat eine umfassende Prüfung zu erfolgen; eine Rechtskraftbindung aus
der früheren Rentenablehnung besteht nicht (vgl. Franz Schlauri in SBVR, 2. A., Die
Militärversicherung, S. 1110 Rz. 137).
4.
4.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn der Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn er wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
4.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
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Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a).
4.3 Nachfolgend ist auf die medizinischen Akten einzugehen.
4.3.1 Im vorliegenden Fall berichtete Dr. A._ bereits am 17. Juli 2001 von einem
chronisch rezidivierenden lumbovertebralen Syndrom mit pseudoradikulären
Ausstrahlungen ins rechte Bein und von fortgeschrittenen degenerativen
Veränderungen im Sinn mehrsegmentaler Osteochondrosen mit nach distal
zunehmenden Spondylarthrosen und Spondylose (IV-act. 9-12 ff.). Bis zur nächsten
aktenkundigen Beurteilung im Februar 2004 ergaben sich gemäss seinem Bericht vom
5. März 2004 keine wesentlichen Änderungen, weder klinisch noch radiologisch.
Auffällig sei einzig eine Tendenz zu einem Fibromyalgiesyndrom mit 13/18
druckdolenten Tender Points. Für angepasste Tätigkeiten bestehe nach wie vor volle
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 9-10 f.).
4.3.2 Die MEDAS-Gutachter verwiesen betreffend Wirbelsäulenstatus auf eine
erhebliche Fehlhaltung in Form der verlängerten Brustkyphose mit stark aufgerichteter
Beckenstellung und Protraktionsstellung im Schultergürtel. Die HWS-Beweglichkeit sei
summarisch nur gering eingeschränkt. Thorakolumbal in Richtung Flexion sei die
summarische Beweglichkeit deutlich eingeschränkt mit Angabe von ziehenden
Schmerzen am lumbosakralen Übergang. Weiter wurden deutlich hypomobile
Segmente im unteren BWS-Bereich sowie von L2 bis und mit L5 erkannt. Neurologisch
bestanden symmetrische Eigenreflexe ohne Pyramidenzeichen, Paresen oder
Störungen der Oberflächensensibilität. Angesprochen auf den von ihm erwähnten
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Tremor sowie bei der diesbezüglichen Untersuchung habe der Versicherte einen
leichten feinschlägigen Tremor gezeigt, der beim Ansprechen anderer Themen oder
Untersuchungen anderer Körperregionen nicht vorhanden sei. Der PACT-Test habe mit
127 von 200 möglichen Punkten eine recht realistische Einschätzung des
Arbeitsbelastungsniveaus gezeigt, entsprechend einer leichten Tätigkeit. Dieses
Resultat habe in Anbetracht der vom Versicherten wiederholt vorgebrachten
Selbsteinschätzung einer nicht mehr vorhandenen Arbeitsfähigkeit doch etwas
erstaunt, sei aber recht konsistent zu den somatisch erhobenen Befunden. Die
angegebenen Rückenschmerzen hätten durch die beschriebenen klinischen Befunde
der Art und Lokalisation nach objektiviert werden können, nicht aber in Bezug auf die
subjektiv daraus abgeleitete vollständige Arbeitsunfähigkeit. Klinisch hätten sich nach
wie vor keine Hinweise auf eine neurologische Mitbeteiligung gezeigt. Im Vordergrund
stünden nebst der deutlichen Fehlhaltung die segmentalen Bewegungsstörungen und
die reaktiven Tendomyosen lumbogluteal rechts. Betreffend HWS zeigten Aufnahmen
vom 11. Oktober 2006 eine deutliche Osteochondrose C5/6 mit Spondyl- und
Unkovertebralarthrosen sowie beginnend C4/5. Im MRI sei kein Nachweis eines engen
Spinalkanals, einer Neurokompression oder Myelonaffektion erfolgt. Von Seiten von im
Jahr 2005 erlittenen Gesichtsschädelfrakturen seien keine relevanten Folgezustände
nachweisbar (IV-act. 26, insbesondere 26-14 ff.).
4.3.3 Dr. C._ bezeichnete die in der ursprünglichen Verfügung vom 6. August 2004
erfolgte Festlegung des Invaliditätsgrads auf 10% im Schreiben vom 20. Oktober 2006
als schlechten Witz. Neu habe der Versicherte nun ein zervikookzipitales Syndrom mit
Zervikobrachialgie links und Schmerzausstrahlung in die linke obere Thoraxapertur
sowie radiologisch eine massive Osteochondrose und Spondylarthrose vor allem C5/6,
weniger C6/7 (IV-act. 19-2). Am 27. Dezember 2006 berichtete Dr. C._ von massiven
degenerativen Veränderungen im Bereich der gesamten LWS bei ausgeprägter
S-förmiger Torsionsskoliose (IV-act. 21). Im Bericht vom 15. Januar 2008 bezog sich
Dr. C._ auf Röntgenaufnahmen der BWS vom 11. Januar 2008, die eine ausgeprägte
Torsionsskoliose, zum Teil erhebliche Osteochondrosen und mehrere, zum Teil fast
ankylosierende Spondylosen zeigten (IV-act. 37-2).
4.3.4 Die Torsionsskoliose ist kein neuer Befund, sondern besteht bereits seit Jahren.
Dr. A._ berichtete schon in seinem Bericht vom 17. Juli 2001 davon. Dasselbe hat für
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die Osteochondrosen zu gelten, die Dr. A._ bereits 2001 als fortgeschritten
bezeichnete. Auch die Spondylarthrosen und Spondylosen sind seit Jahren erkennbar
(IV-act. 9-12 ff.). Der RAD-Arzt Dr. E._ wies am 4. Februar 2008 zu Recht darauf hin,
dass diese Befunde degenerativen Veränderungen entsprächen, die anlässlich der
MEDAS-Begutachtung hinlänglich bekannt gewesen und in der Gesamtbeurteilung
berücksichtigt worden seien. Auch die HWS-Situation wurde von den MEDAS-
Gutachtern eingehend gewürdigt: sie berichteten von einem Zervikokranial- und
Zervikobrachialsyndrom beidseits, deutlicher Osteochondrose C5/6 mit Spondyl- und
Unkovertebralarthrosen sowie mässig C4 und C6 ohne Neurokompression (IV-
act. 26-13). Stellung nehmend zu den Ausführungen von Dr. C._ in den Schreiben
vom 20. Oktober und 27. Dezember 2006 hielten die MEDAS-Gutachter fest, die
radiologischen Phänomene der Spondylophyten oder das, was als Osteochondrose
beschrieben werde, müsse nicht automatisch Rückenschmerzen auslösen. Viel
relevanter als die beschriebenen radiologischen Veränderungen seien die
entsprechenden Funktionsuntersuchungen im Sinn biomechanisch relevanter
Funktionsstörungen (IV-act. 26-19). Freilich belegen die Akten das Vorliegen
erheblicher degenerativer Wirbelsäulenveränderungen. Weder Dr. A._ noch die
MEDAS-Gutachter leiteten daraus jedoch eine Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit ab. Der behandelnde Arzt Dr. C._ bringt keine wesentlichen Befunde
vor, die von den anderen Ärzten nicht auch berücksichtigt worden wären. Insgesamt
erscheint seine Einschätzung lediglich als andere Beurteilung eines im Wesentlich
gleichen Sachverhalts. Zwar berichtete er von Veränderungen, bezeichnete im Oktober
2006 aber bereits die ursprüngliche Invaliditätsbemessung aus dem Jahr 2004 als
schlechten Witz, was darauf schliessen lässt, dass er die volle Arbeitsfähigkeit
basierend auf den Befunden von Dr. A._ auch retrospektiv als nicht zumutbar
erachtete. Der Einschätzung von Dr. C._ kann jedoch gegenüber jener der
Rheumatologen nicht der Vorrang gegeben werden. Dr. C._ verfügt über einen
internistischen Facharzttitel; bei den aktenkundigen Diagnosen fällt die Beurteilung der
Beschwerden des Versicherten und die Einschätzung von deren Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit jedoch ins Fachgebiet eines Rheumatologen. Im Übrigen ist die
Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag zu beachten. Das
Bundesgericht will u.a. der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte
mitunter wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zu Gunsten
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ihrer Patienten aussagen. Im Hinblick auf einen möglichen Ziel- und Interessenkonflikt
(Behandlung versus Begutachtung) gilt das auch für Spezialärzte. Namentlich in
umstrittenen Fällen kann nicht ohne weiteres auf die Angaben eines behandelnden
Spezialarztes abgestellt werden (EVGE I 814/03 vom 5. April 2004, Erw. 2.4.2).
Dr. C._ bringt nichts vor, das an der Zuverlässigkeit der Beurteilung von Dr. A._
und der MEDAS-Gutachter ernsthafte Zweifel auszulösen vermöchte. Sowohl bei der
MEDAS-Begutachtung als auch seitens Dr. A._ wurde der PACT-Test durchgeführt.
Am 17. Februar 2004 erreichte der Beschwerdeführer dabei 128 (IV-act. 9-10), am
10. September 2007 127 von 200 möglichen Punkten (IV-act. 26-11). Die
Rheumatologen sprachen daher unabhängig voneinander von einer realistischen
Selbsteinschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Gegenüber den MEDAS-
Gutachtern gab der Beschwerdeführer an, täglich mehrmals spazieren zu gehen. Er
schlafe von etwa 23 Uhr bis 8 Uhr und liege tagsüber höchstens zwei bis drei Stunden
(IV-act. 26-15; 26-26). Auch wenn nach langjährigen Schmerzen eine Chronifizierung
aufgetreten ist, die den Beschwerdeführer sicherlich beeinträchtigt, so ist doch davon
auszugehen, dass er bei der ihm zumutbaren Willensanstrengung, gezieltem Einsatz
von Schmerzmitteln und unter Ausschluss körperlich ungeeigneter Arbeiten aus
somatischer Sicht eine volle Arbeitsleistung erbringen könnte.
4.3.5 Zu prüfen bleibt die psychiatrische Seite. Der psychiatrische MEDAS-
Teilgutachter med. pract. F._ diagnostizierte im Gutachten vom 20. September 2007
eine akzentuierte Persönlichkeit mit passiv-aggressiven Zügen. Die Grundstimmung sei
nur minim nach unten verschoben, die Schwingungsfähigkeit erhalten. Die Freude sei
gemäss den Angaben des Versicherten vom Geld abhängig. Wenn er Geld hätte,
würde er Freude haben. Im Gespräch habe der Versicherte eine zum Teil passive, aber
auch subaggressive Grundhaltung gezeigt. Hinweise, die auf eine wesentliche
psychische Krankheit schliessen liessen, fand der Facharzt nicht. Zwar sei der
Versicherte bekümmert, habe Sorgen und sei gekränkt, dies jedoch noch in einem
Rahmen, der nicht als pathologisch einzuschätzen sei. Aus psychiatrischer Sicht sei
der Versicherte voll arbeitsfähig (IV-act. 26-26 ff.). Diese Beurteilung erscheint als
nachvollziehbar. Gemäss den Angaben des Versicherten nicht nur gegenüber dem
Psychiater, sondern auch gegenüber den restlichen MEDAS-Gutachtern pflegt der
Beschwerdeführer regelmässige soziale Kontakte. Hinweise auf anhaltend bedrückte
Stimmung liefern die Akten nicht. Eine psychiatrische oder psychotherapeutische
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Therapie fand nach Lage der Akten nicht statt. Ein Arzt in Mazedonien verschrieb dem
Beschwerdeführer offenbar zwei Jahre vor der MEDAS-Begutachtung das Medikament
Seralin, das er seither einmal täglich in schwacher Dosierung einnehme, wie im
psychiatrischen Consiliargutachten festgehalten wird. Der Beschwerdeführer glaube,
dass das Medikament für die Nerven sei, ihn auch beruhige (IV-act. 26-25). Insgesamt
enthalten die Akten keine Hinweise darauf, dass beim Beschwerdeführer eine
anhaltende relevante depressive Problematik vorliegen könnte; er selbst erlebt sich
offensichtlich auch nicht als depressiv. Eine somatoforme Schmerzstörung konnte der
Psychiater explizit nicht diagnostizieren; Hinweise auf ein Fibromyalgie-Syndrom, die
Dr. A._ 2004 mit 13 von 18 druckdolenten Tender Points noch ausmachen konnte,
waren für ihn nicht mehr erkennbar.
4.4 Insgesamt ist dem MEDAS-Gutachten voller Beweiswert zuzuerkennen. Für die
streitigen Belange erscheint es als umfassend; die geklagten Beschwerden und die
übrigen medizinischen Akten lassen nicht darauf schliessen, dass die Abklärungen
nicht in hinreichender Weise erfolgt wären oder dass notwendige weitere
Untersuchungen oder Tests unterlassen worden wären. Die MEDAS-Gutachter hatten
ausreichende Kenntnis der Vorakten und befassten sich angemessen damit. Sie
nahmen auch zur abweichenden Einschätzung von Dr. C._ Stellung. Die Darlegung
der medizinischen Zusammenhänge ist plausibel und die Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtend.
4.5 Basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 100% in der angestammten Tätigkeit wie
in anderen leidensadaptierten Arbeiten ergibt der für die Bemessung des
Invaliditätsgrads vorzunehmende Einkommensvergleich jedenfalls eine
rentenausschliessende Invalidität von deutlich unter 40%. Auf weitere Ausführungen
hierzu kann folglich verzichtet werden.
5.
5.1 Gemäss den oben stehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen die
Verfügung vom 5. Februar 2008 abzuweisen.
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5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-
erscheint als angemessen. Sie ist dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Der von ihm geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG