Decision ID: 146fe35c-3b2f-54a8-9835-59180bde1ae4
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) zog sich als Fussballprofi anlässlich eines
Fussballspiels mit dem FC B._ (Challenge League) am 7. Mai 2011 eine Ulnafraktur
links zu (act. G 9.5 M1 ff.). Am 17. Juni 2011 kam es zu einer Traumatisierung der in der
Abheilung begriffenen Ulnafraktur links (act. G 9.5 M6, M10 f.). Zu diesen Zeitpunkten
war der Versicherte vom Fussballclub C._ (Super League) ausgeliehen und aufgrund
dessen bei der HDI Global SE (nachfolgend: HDI) unfallversichert. Diese anerkannte
ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und
Taggeld).
A.a.
Die in den nachfolgenden Jahren aufgetretenen ulnaren Handgelenksschmerzen
bei posttraumatischer Ulna-Impaktion links mit Destruktion des TFCC und knöchern
konsolidierter Ulna-Fraktur (act. G 9.5 M14, 41) waren vorerst konservativ mit einer
Schiene bzw. Handgelenksmanschette, mit Handtherapien sowie Infiltrationen
behandelt worden (act. G 9.5 M19, 31 ff.), ehe der Versicherte aufgrund weiterhin
bestehender Beschwerden am 24. November 2015 erstmals operiert wurde
(Ulnaverkürzungsosteotomie links, ulnare HG Denervation; act. G 9.5 M47). Mit einem
weiteren Eingriff am 29. November 2016 wurde das Osteosynthesematerial entfernt
(act. G 9.5 M58, M64). Am 11. Dezember 2017 kam es bei weiterhin bestehender
Schmerzproblematik im ulnarseitigen Handgelenk und blockierter Pro-/Supination zu
A.b.
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einer dritten Operation (Arthroskopie, Korrekturosteotomie und Osteosynthese; act. G
9.5 M76).
Am 10. April 2018 wurde der Versicherte im Auftrag der HDI von Dr. med. D._,
Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, beratende Ärztin der HDI, untersucht.
Diese kam mit Beurteilung vom 18. Mai 2018 zum Schluss, dass die angestammte
Tätigkeit als Fussballprofi sowohl aus Altersgründen als auch aufgrund der
gesundheitlichen Situation nicht mehr in Frage komme. Angepasste Tätigkeiten seien
dem Versicherten in einem Vollpensum zumutbar. Der Integritätsschaden betrage 5%
(act. G 9.5 M82, 82.1).
A.c.
Gestützt auf die Beurteilung von Dr. D._ stellte die HDI mit Verfügung vom 14.
Juni 2018 die Taggeldleistungen und Heilbehandlungskosten per 31. Juli 2018 ein,
lehnte einen Rentenanspruch ab und sprach eine Integritätsentschädigung bei einem
Integritätsschaden von 5% zu (act. G 9.6 K162).
A.d.
Gegen die Verfügung vom 14. Juni 2018 liess der Versicherte durch Rechtsanwalt
Marco Bivetti, St. Gallen, mit Eingabe vom 16. August 2018 Einsprache erheben. Er
beantragte darin, dass die Taggeldleistungen und Heilbehandlungskosten über den 31.
Juli 2018 hinaus zu gewähren seien. Die Rentenprüfung sei erst nach Abschluss der
Heilbehandlung vorzunehmen. Die Integritätsentschädigung sei anhand der neuen
medizinischen Erkenntnisse vorzunehmen. Eventuell sei sie auf Fr. 60'000.-- (20% von
Fr. 300'000.--) festzulegen. Ein weiterer Eingriff sei notwendig und der medizinische
Endzustand noch nicht erreicht. Entsprechend könne weder abschliessend über die
Integritätsentschädigung, noch die Taggeld- und Rentenleistungen und am
allerwenigsten über den Abschluss der Heilungskosten entschieden werden (act. G 9.6
K170).
A.e.
Am 8. Januar 2019 wurde der Versicherte erneut operiert (Osteosynthese
materialentfernung Unterarm links sowie ulno-carpale Synovektomie mit Entfernung
der restlichen TFCC Struktur; act. G 9.5 M89 f.).
A.f.
Mit versicherungsmedizinischer Stellungnahme vom 12. Februar 2019 hielt Dr.
med. E._, Allgemeine Innere Medizin FMH, FA Vertrauensarzt SGV, aufgrund der
A.g.
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B.
Mit Entscheid vom 28. Januar 2019 hiess die HDI die Einsprache teilweise gut. Für die
Heilbehandlung der Osteosynthesematerialentfernung und die Entfernung der beiden
knöchernen Ossikel bestünden Leistungsansprüche für die entsprechenden
Behandlungskosten und Taggelder. Die Behandlungskosten in der Zeit vom 1. August
2018 bis zum Operationszeitpunkt im Januar 2019 würden im Sinne von
Abklärungskosten übernommen. Der unfallbedingte Integritätsschaden belaufe sich auf
10%. Im Übrigen werde die Einsprache abgewiesen (act. G 9.6 K182).
C.
nachgereichten Unterlagen einen Integritätsschaden von 10% für angemessen (act. G
9.5 M92).
Gegen den Einspracheentscheid vom 28. Januar 2019 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer), weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Marco
Bivetti, am 28. Februar 2019 Beschwerde erheben und beantragen, es sei der
Einspracheentscheid insoweit aufzuheben, als dem Beschwerdeführer nicht
durchgehend bis zum Abschluss der Heilbehandlung
(Osteosynthesematerialentfernung und Entfernung zweier knöcherner Ossikel)
Taggelder zugesprochen würden. Es sei festzustellen, dass die HDI (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Behandlungskosten bis zum Abschluss der Heilbehandlung
zu übernehmen habe. Der unfallbedingte Integritätsschaden sei auf 15% festzulegen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1). Am 30. April 2019 reichte der
Rechtsvertreter eine Beschwerdeergänzung ein (act. G 5).
C.a.
Mit Schreiben vom 10. Mai 2019 ersuchte das Versicherungsgericht die
Beschwerdegegnerin um Einreichung der Beschwerdeantwort bis 11. Juni 2019 (act. G
6). Am 12. Juni 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin eine Fristerstreckung von 30
Tagen (act. G 7). Diesem Ersuchen wurde zuerst telefonisch und anschliessend mit
Schreiben vom 13. Juni 2019 entsprochen (Frist bis 11. Juli 2019; act. G 8).
C.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 11. Juli 2019 liess die Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Martin Bürkle, Zürich, die vollumfängliche Abweisung der
C.c.
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Beschwerde vom 28. Februar 2019, soweit darauf einzutreten sei, beantragen (act. G
9).
Mit Replik vom 15. Oktober 2019 liess der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
an seinen Anträgen in der Beschwerde vom 28. Februar 2019 vollumfänglich festhalten.
In formeller Hinsicht werde ergänzend beantragt, dass das Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 12. Juni 2019 inklusive der übrigen eingereichten Unterlagen
aus dem Recht zu weisen sei. Eventuell sei dem Beschwerdeführer eine Nachfrist zur
Ergänzung der Replik zu gewähren. In Bezug auf den formellen Antrag führte
Rechtsanwalt Bivetti aus, dass die Beschwerdegegnerin die Frist zur Einreichung der
Beschwerdeantwort aus eigenem Verschulden (aus reinem Versehen) verpasst habe,
weshalb diese als unbeachtlich aus den Akten zu weisen sei (act. G 14).
C.d.
Mit Duplik vom 25. November 2019 liess die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag
in der Beschwerdeantwort festhalten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei dem
Beschwerdeführer eine angemessene Frist zur Einreichung einer Replik samt
materieller Stellungnahme zur Beschwerdeantwort vom 11. Juli 2019 anzusetzen. Es
sei nur von einem leichten Versehen bzw. geringfügigen Verschulden auszugehen,
welches eine Wiederherstellung bzw. eine Fristerstreckung rechtfertige. Dies habe denn
auch das Versicherungsgericht so beurteilt, indem es das Fristerstreckungsgesuch der
Beschwerdegegnerin gutgeheissen habe und ihr für die Einreichung einer
Beschwerdeantwort und der Vorakten eine Frist bis zum 11. Juli 2019 angesetzt habe
(act. G 16).
C.e.
In der Folge teilte das Versicherungsgericht dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers mit, dass nicht beabsichtigt werde, die Beschwerdeantwort (samt
Beilagen) der Beschwerdegegnerin aus dem Recht zu weisen. Dies sei unter anderem
mangels (zwingender) Androhung der Säumnisfolgen bei der Aufforderung zur
Beschwerdeantwort (vgl. vorstehende lit. C.b) nicht gerechtfertigt. Dem
Beschwerdeführer wurde Frist bis 31. Januar 2020 gesetzt zur materiellen Ergänzung
der Replik (act. G 17 ff.).
C.f.
Mit Schreiben vom 13. Januar 2020 liess der Beschwerdeführer ausführen, dass
die Beschwerdegegnerin nichts vorgebracht habe, wozu nicht bereits zuvor einlässlich
Stellung genommen worden sei (act. G 20).
C.g.
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Erwägungen
1.
Im vorliegenden Verfahren ist vorerst streitig, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht per
31. Juli 2018 die Taggelder eingestellt hat. Die Beschwerdegegnerin begründet die
Rechtmässigkeit der Einstellung damit, dass beim Beschwerdeführer der medizinische
Endzustand zu diesem Zeitpunkt bei 100%iger Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
erreicht gewesen sei (vgl. Einspracheentscheid [act. G 9.6 S. 2 ff.]). Der
Beschwerdeführer beantragt mangels medizinischen Endzustands und wegen einer zu
kurzer Anpassungsfrist Taggelder über den 31. Juli 2018 hinaus (act. G 1, 5).
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.h.
Die Unfallversicherer haben während der medizinisch instabilen Schadensphase
vorübergehende Leistungen zu erbringen. Darunter fallen die
Heilbehandlungsleistungen gemäss Art. 10 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und das Taggeld gemäss Art. 16 UVG. Die
Bestimmungen, welche den vorübergehenden Leistungen zugrunde liegen, legen indes
nicht fest, wann die medizinisch instabile Schadensphase bzw. der Anspruch auf
vorübergehende Leistungen endet. Das Ende der medizinisch instabilen
Schadensphase (der sogenannte medizinische Endzustand) wird in Art. 19 Abs. 1 UVG
geregelt. Dieser Zeitpunkt ist erreicht und die bisherigen Ansprüche auf
vorübergehende Leistungen erlöschen, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten
Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG; vgl. anstatt vieler das Urteil
des Bundesgerichts vom 18. September 2012, 8C_425/2012, E. 4.2).
Rechtsprechungsgemäss ist zu diesem Zeitpunkt der sogenannte "Fallabschluss" mit –
wie erwähnt – Einstellung der Heilbehandlung und der Taggeldleistungen sowie
Prüfung eines Anspruchs auf Invalidenrente und Integritätsentschädigung
vorzunehmen (Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer (Hrsg.), Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 143). Ob eine namhafte
Besserung des Gesundheitszustands noch erwartet werden kann, bestimmt sich
insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung
der Arbeits- (BGE 134 V 115 E. 4.3) bzw. Funktionsfähigkeit (vgl. Urteil des
1.1.
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Bundesgerichts vom 10. Juli 2014, 8C_354/2014, E. 3.2 f.), soweit diese unfallbedingt
beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffs „namhaft“ in Art. 19 Abs. 1 UVG
verdeutlicht, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinn von Art.
10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss (vgl. wiederum BGE 134 V
115 E. 4.3). Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen zu
erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen einen Anspruch auf
deren Durchführung (Urteil des Bundesgerichts vom 2. Mai 2014, 8C_888/2013, E. 4.1,
mit Hinweisen). Eine allfällige blosse Verbesserung allein des Leidens an sich, eine nur
kurzfristige Linderung, eine blosse Verbesserung der Befindlichkeit oder dass die
versicherte Person etwa von Physiotherapie profitieren kann, genügen nicht (Urteil des
Bundesgerichts vom 22. September 2016, 8C_306/2016, E. 5.3, mit Hinweisen). Auch
ärztliche Verlaufskontrollen, die Einnahme von Medikamenten sowie
manualtherapeutische Behandlungen gelten für sich allein noch nicht als
kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf eine namhafte Verbesserung des
Gesundheitszustands gerichtete ärztliche Behandlung im Sinne der Rechtsprechung
(Urteil des Bundesgerichts und 5. Oktober 2007, U 395/06, E. 5.3). Die Frage, ob von
einer ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands
erwartet werden kann, beurteilt sich gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nach
dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juli 2010, 8C_346/2010, E.
2.2). Es handelt sich um die Einschätzung einer zukünftigen Sachverhaltsentwicklung,
weshalb eine prospektive Beurteilung dieser Rechtsfrage zu erfolgen hat.
Entscheidgrundlagen bilden in erster Linie die Auskünfte medizinischer Fachpersonen
zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Gesundheitsentwicklung (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Dezember 2016, 8C_651/2016, E. 4.1).
Gestützt auf vorstehende Erwägung erging die Einstellung der
Versicherungsleistungen (wobei vorliegend einzig die Einstellung des Taggeldes per 31.
Juli 2018 umstritten ist) zu Recht, wenn spätestens ab 1. August 2018 von der
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung (im Grundfall) keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers mehr erwartet werden konnte bzw. der
(medizinische) Endzustand aus prospektiver Sicht erreicht war. Wie erwähnt bejaht dies
die Beschwerdegegnerin, wogegen der Beschwerdeführer ausführen lässt, dass der
medizinische Endzustand am 31. Juli 2018 noch nicht erreicht gewesen sei.
1.2.
Zu prüfen ist, ob aufgrund der medizinischen Aktenlage im Zeitpunkt der
Einstellung der Taggelder (31. Juli 2018) mit medizinischen Massnahmen noch eine
1.3.
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namhafte Besserung zu erwarten war. Diesbezüglich präsentiert sich die medizinische
Aktenlage wie folgt: Am 11. Dezember 2017 wurde der Beschwerdeführer zum dritten
Mal operiert (Arthroskopie, Korrekturosteotomie und Osteosynthese; act. G 9.5 M76).
Bezüglich der Frage, wann mit einem Abschluss der unfallbedingten medizinischen
Behandlung zu rechnen sei, führte Dr. D._ im Gutachten vom 18. Mai 2018 aus, dass
eine erneute medizinische Beurteilung im Juli 2018 empfohlen werde (act. G 9.5 M82.1
S. 17). Am 3. Juli 2018 führte der Operateur PD Dr. med. F._ vom Spital G._, Klinik
für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, aus, dass die Osteotomiestelle vollständig
durchgebaut sei. Das Osteosynthesematerial sei in situ und der Fall mit der aktuellen
Untersuchung vorläufig abgeschlossen (act. G 9.5 M83). Nach erfolgter MRT des linken
Handgelenks (24. Juli 2018; act. G 9.5 M84) führte Dr. med. H._, Orthopädie I._,
am 10. August 2018 aus, dass die Bilder neu zwei einzelne 4 x 2 mm messende ovaläre
Gelenkkörper im prästyloidalen Recessus unmittelbar proximal des Os pisiforme
zeigten. Aktuell zeige sich leider nach wie vor eine persistierende
Beschwerdesymptomatik mit zunehmenden Blockierungen. Er empfehle aufgrund der
MRT-Untersuchung bei sicherer Konsolidierung der Ulna eine
Osteosynthesematerialentfernung mit dem Versuch einer offenen ulno-carpalen
Gelenkrevision, damit die zwei verbliebenen knöchernen Ossikel entfernt werden
könnten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde damit jedoch keine komplette
Beschwerdereduktion eintreten, sondern bestenfalls nur eine Optimierung. Sollten die
Beschwerden dann weiterhin so stark sein, bleibe als letzte Option wahrscheinlich nur
eine Kapandji-Operation (act. G 9.5 M85; vgl. auch M86). Dr. E._ führte mit
versicherungsmedizinischer Beurteilung vom 6. Dezember 2018 aus, dass das
Erreichen einer namhaften Verbesserung mit der geplanten Operation aufgrund der
Aktenlage umstritten sei. Trotzdem sei der Endzustand noch nicht erreicht. Dieser
könne nach operativer Entfernung der Metallplatte, nach Durchbauung der
Umstellungsosteotomie sowie Entfernung der zwei verbliebenen knöchernen Ossikel
festgesetzt werden. Zwei bis vier Wochen nach der Osteosynthesematerialentfernung
könne der Fallabschluss definitiv geprüft werden. Die Beurteilung von Dr. H._ sei
schlüssig und nachvollziehbar (act. G 9.5 M87 S. 3). Am 8. Januar 2019 wurde die
Operation (Osteosynthesematerialentfernung Unterarm links sowie ulno-carpale
Synovektomie mit Entfernung der restlichen TFCC Struktur) von Dr. H._
durchgeführt. Perspektivisch habe sich intraoperativ eine fortgeschrittene ulno-carpale
Arthrose gezeigt, sodass auf jeden Fall eine Restbeschwerdesymptomatik
zurückbleiben dürfte (act. G 9.5 M89 f.). Mit Sprechstundenbericht vom 19. März 2019
führte Dr. H._ aus, dass sich nach wie vor die bekannte ulno-carpale
Beschwerdesymptomatik am linken Handgelenk zeige. Es zeichne sich aktuell ein
Beharrungszustand am linken Handgelenk ab, welcher weder chirurgisch noch
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konservativ weiter zu verbessern sei. Die letzte Option einer Handgelenkteil- oder -
vollversteifung werde abgelehnt (act. G 9.5 M94).
Gestützt auf die erwähnten Beurteilungen der Fachärzte nach dem MRT vom 24.
Juli 2018 war man sich einig, dass die Operation vom 8. Januar 2019 mit Entfernung
der zwei knöchernen Ossikel zumindest die Möglichkeit einer Besserung des
Gesundheitszustands mit sich brachte, selbst wenn der Operateur Dr. F._ mit Bericht
vom 3. Juli 2018 von einem Abschluss der Behandlung sprach (act. G 9.5 M83). Dr.
H._ hielt den Eingriff vom 8. Januar 2019 für indiziert, auch wenn er selbst davon
ausging, dass sich die Beschwerdesymptomatik nicht vollständig bessern würde (act.
G 9.5 M85; vgl. auch M86). Es ist ohne weiteres davon auszugehen, dass die Operation
nicht durchgeführt worden wäre, wenn lediglich eine weit entfernte Möglichkeit eines
positiven Resultats oder ein geringfügiger therapeutischer Fortschritt erwartet worden
wäre. Auch sollte mit dem Eingriff nicht bloss eine Verbesserung allein des Leidens,
eine nur kurzfristige Linderung oder eine blosse Verbesserung der Befindlichkeit
erreicht werden, sondern es handelte sich im Zeitpunkt der Indikationsstellung durch
Dr. H._ – aus prospektiver Sicht – um eine auf eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands gerichtete ärztliche Behandlung, auch wenn deren Erfolg
namentlich unter Berücksichtigung der Anamnese alles andere als sicher schien. In
dem Sinne äusserte sich auch Dr. E._, welcher das Erreichen einer namhaften
Verbesserung mit der geplanten Operation aufgrund der Aktenlage für umstritten hielt,
indes die Beurteilung von Dr. H._ als schlüssig und nachvollziehbar und den
Endzustand als noch nicht erreicht erachtete. Gestützt auf das Gesagte war der
medizinische Endzustand im Sinne der Rechtsprechung zum Zeitpunkt der Einstellung
der Taggelder (31. Juli 2018) noch nicht erreicht.
1.4.
1.5.
Die Feststellung, dass per Einstellungszeitpunkt noch eine namhafte Besserung
des Gesundheitszustands zu erwarten war, führt grundsätzlich dazu, dass die
temporären Leistungen (Heilbehandlung für die unfallkausalen Beschwerden und
Taggeld aufgrund der unfallkausalen Arbeitsunfähigkeit) über dieses Datum hinaus bis
zum Erreichen des medizinischen Endzustands geschuldet sind. Heilbehandlung bzw.
Behandlungskosten werden denn auch – wie bereits erwähnt – im Einspracheentscheid
vom 28. Januar 2019 weiterhin zugesprochen (act. G 9.6 K182). Taggelder ab 31. Juli
2018 indes nicht mehr. Soweit der Beschwerdeführer nebst der Zusprache von
Taggeldern über den 31. Juli 2018 hinaus beantragt, es sei festzustellen, dass die
1.5.1.
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Beschwerdegegnerin die Behandlungskosten bis zum Abschluss der Heilbehandlung
zu übernehmen habe, ist darauf mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten.
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit bedingte volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen
Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer der
Arbeitsunfähigkeit wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder
Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Steht fest, dass die versicherte
Person unter dem Blickwinkel der Schadenminderungspflicht einen Berufswechsel
vorzunehmen hat, so hat der Versicherungsträger sie dazu aufzufordern und ihr zur
Anpassung an die veränderten Verhältnisse sowie zur Stellensuche eine angemessene
Übergangsfrist einzuräumen, während welcher das bisherige Taggeld geschuldet
bleibt. Diese Übergangsfrist bemisst sich nach den jeweiligen Umständen des
Einzelfalles und ist in der Regel auf drei bis fünf Monate festzulegen. Nach deren Ablauf
entspricht der für die Bemessung des Taggeldes massgebende
Arbeitsunfähigkeitsgrad der Differenz zwischen dem Einkommen, das ohne Unfall im
bisherigen Beruf verdient werden könnte, und dem Einkommen, das im neuen Beruf
zumutbarerweise zu erzielen wäre (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2015,
8C_889/2014, E. 3.2). Diese Grundsätze gelten (unter Vorbehalt der Bestimmungen
über die Koordination mit den Taggeldern der Arbeitslosenversicherung) auch für
arbeitslose Versicherte (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2015,
8C_889/2014, E. 3.2).
1.5.2.
Der Beschwerdeführer war gestützt auf die ärztliche Beurteilung von Dr. H._
vom 21. November 2016 seit Mitte 2011 in seiner angestammten Tätigkeit als
Profifussballer zu 100% arbeitsunfähig (act. G 9.5 M57). Im Zeitpunkt dieser
Beurteilung war er beinahe 33 Jahre alt und es musste ihm klar sein, dass er aufgrund
des Alters und nach der langen Abstinenz vom Profifussball mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr in seine angestammte Tätigkeit würde
einsteigen können. Ebenso wusste der Beschwerdeführer, dass er trotz seiner
Beschwerden in einer angepassten Tätigkeit als voll arbeitsfähig gilt, nachdem ihm
selbst für eine Tätigkeit als vollzeitiger Fussballtrainer mit Beurteilung von Dr. F._
vom 22. Mai 2017 nachvollziehbar eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert wurde. Zu
diesem Zeitpunkt war er denn auch seit drei bis vier Jahren mit dem Erwerb von
Trainerlizenzen beschäftigt und damals bereits im Besitz des B-Diploms (act. G 9.5
M69). Mit anderen Worten standen spätestens im Zeitpunkt der Beurteilung vom 22.
Mai 2017 arbeitsrelevante Verbesserungen in Bezug auf die angestammte Tätigkeit als
1.5.3.
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Profifussballer, anders als eine namhafte Verbesserung des Gesundheitsschadens an
sich, nicht mehr zur Diskussion. Dass dem Beschwerdeführer aus unfallkausaler Sicht
eine angepasste Tätigkeit zugemutet wird, musste ihm, wenn nicht bereits durch die
Beurteilung vom 22. Mai 2017, dann allerspätestens durch das Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 8. August 2017 bewusst sein. In diesem Schreiben wurde
der Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass von einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit in einer anderen Tätigkeit als derjenigen eines Fussballprofis
ausgegangen werde (act. G 9.6 K132). Letztlich kommt hinzu, dass der
Beschwerdeführer beim Sportclub J._ und anderen Vereinen der Promotion-League
– bereits seit Oktober 2011 und durchgehend bis zum Jahr 2019 – über Jahre bei in
etwa gleichbleibenden Beschwerden an der linken oberen Extremität unverändert in
der Lage war, auf beachtlichem Niveau zu trainieren und in den Meisterschaften
Fussball zu spielen, wobei es nicht lediglich zu Teileinsätzen kam (act. G 9.4). Er konnte
sich also trotz der Einschränkung am linken Arm als Mittelstürmer gegen die
gegnerischen Verteidiger durchsetzen. Diese hohe Leistungsfähigkeit war offensichtlich
nur bei immer wieder stabilem und wenig einschränkendem Gesundheitszustand
realisierbar, was dem Beschwerdeführer nicht verborgen bleiben konnte. Dies gilt auch
für die Jahre, in welchen die operativen Eingriffe durchgeführt wurden. Nach den
Rehabilitationsphasen kam er beim Sportclub J._ jeweils wieder regelmässig zu
Einsätzen (vgl. wiederum die Statistiken in act. G 9.4) und seine Rolle als Ein- und
Auswechselspieler war weniger seinem Gesundheitszustand, als vielmehr seinem Alter
geschuldet.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer bis zur Einstellung der Taggelder am 31. Juli 2018 mit der Mitteilung
von August 2017 faktisch eine Übergangsfrist zur Umstellung auf eine neue Tätigkeit
von mindestens elf Monaten gewährte. Dies reicht rechtsprechungsgemäss ohne
weiteres aus. Der Gesundheitszustand war bereits seit Jahren derart stabil, dass dem
Beschwerdeführer seit dem Zeitpunkt, als ihm klar sein musste, dass er nicht mehr als
Profifussballer würde arbeiten können (seit spätestens Ende 2016), ein Berufswechsel
ohne weiteres zumutbar war. Auch wusste der Beschwerdeführer seit der Beurteilung
vom 22. Mai 2017 (act. G 9.5 M69) bzw. seit der Mitteilung der Beschwerdegegnerin
vom 8. August 2017 (act. G 9.6 K132), welche Berufe ihm aufgrund seiner Bildung und
der unfallkausalen Gesundheitsschädigung noch möglich und zumutbar waren.
Nachdem der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Einstellung der Taggelder rund
34.5 Jahre alt war, wäre er, wie die Beschwerdegegnerin richtig ausführt, auch ohne
Unfall mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr als Fussballprofi tätig gewesen.
1.5.4.
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2.
Mit der Verfügung vom 14. Juni 2018 hatte die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint. Im Einspracheentscheid vom
28. Januar 2019 wurde das Nichtbestehen eines Rentenanspruchs bestätigt (Erw.
2.4.3). Diesbezüglich blieb der Einspracheentscheid vom Beschwerdeführer
unangefochten, weshalb er im Rentenpunkt in Teilrechtskraft erwachsen ist und dieser
folglich im vorliegenden Verfahren nicht zum Streitgegenstand zählt (BGE 125 V 415 E.
2a mit Hinweis). Angefochten hat der Beschwerdeführer den Einspracheentscheid
jedoch in Bezug auf die Integritätsentschädigung. Diesbezüglich muss deshalb noch
die Rechtmässigkeit geprüft werden.
Entsprechend erleidet er aus hypothetischer Sicht seit Einstellung der Taggelder keine
Erwerbseinbusse mehr und die Beschwerdegegnerin durfte die Taggelder, wenn auch
nicht wegen Erreichens des medizinischen Endzustandes, so doch gestützt auf Art. 6
Satz 2 ATSG einstellen. Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen.
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche
Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie
Anspruch auf eine Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die Entschädigung
wird, falls - wie hier - kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen
Behandlung gewährt (vgl. Art. 24 Abs. 2 Satz 1 UVG). Die Beschwerdegegnerin hat
dem Beschwerdeführer mit Einspracheentscheid vom 28. Januar 2019 gestützt auf
einen Integritätsschaden von 10% eine Integritätsentschädigung zugesprochen. Der
Beschwerdeführer beantragt eine Integritätsentschädigung von 15% bis 20%.
2.1.
Die Integritätsentschädigung wird gemäss Art. 25 Abs. 1 UVG entsprechend der
Schwere des Integritätsschadens abgestuft. Bei gleichem medizinischem Befund ist
der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär
bemessen. Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei
unberücksichtigt (BGE 124 V 35 E. 3c, 113 V 221 E: 4b). Die Bemessung des
Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalls
ab; es geht vielmehr um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung
der körperlichen und/oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht
zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1). Nach Art. 36 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) wird die Integritätsentschädigung gemäss den
Richtlinien des Anhangs 3 zur UVV bemessen. Dieser Anhang enthält eine als
gesetzmässig und nicht abschliessend anerkannte Skala. Die medizinische Abteilung
der Suva hat in Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
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