Decision ID: 9ba21e7c-b9e5-422e-9744-4e43fb1e4f53
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978, Mutter von drei Kindern (Jahrgang 2002, 2006, 2008), war vom 1. September 2011 bis 30. Juni 2014 in einem Pensum von 50 % als Küchenhilfe tätig (Urk. 6/3 Ziff. 5.4). Unter Hinweis auf Schulter
probleme sowie Angst und Depression meldete sich die Versicherte am 1. Juli 2014 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/3 Ziff. 6.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nische (Urk. 6/10
, Urk. 6/19, Urk. 6/27, Urk. 6/30)
und erwerbliche (Urk. 6/6) Situation ab, zog Akten
des Krankentaggeldversicherers
bei (Urk.
6/15
) und holte bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein
psy
chiatrisches
Gutachten ein, das am
28. März 2017
erstattet wurde (Urk.
6/52
).
Mit Schreiben vom
3.
Dezember 2014 teilte die IV-Stelle mit, berufliche Eingliede
rungsmassnahmen seien derzeit nicht möglich (Urk. 6/21).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/55, Urk. 6/58, Urk. 6/61) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 15. August 2017 einen Leistungsan
spruch (Urk. 6/64 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 12. September 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 15. August 2017 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben, es seien durch das Gericht ergänzende medizinische Abklärungen vorzunehmen und es sei ihr eine ganze Invalidenrente ab Dezember 2014 zuzusprechen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1 bis 3). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 17. Oktober 2017 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
12. Dezember 2017 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
.
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits
und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig er
scheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien
gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) ging die Beschwerdegegnerin gestützt auf das Gutachten von Dr.
Z._
davon aus, dass keine langandauernde Gesund
heitsbeeinträchtigung ausgewiesen sei, welche eine Einschränkung
in
der bishe
rigen Tätigkeit als Küchenhilfe begründen würde (S. 1).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend,
auf das Gutachten von Dr.
Z._
könne nicht abgestellt werden. Seine Ausführungen zur Medikamen
teneinnahme seien unzutreffend (Urk. 1 S. 3 f. Ziff. 2.2.2) und die Schlussfolge
rungen betreffend Aggravation nicht nachvollziehbar (S. 4 Ziff. 2.2.3). Insgesamt habe Dr.
Z._
seine Kompetenz als Gutachter überschritten, indem er die juris
tische Würdigung seiner Ausführungen vorweggenommen habe (S. 4 f. Ziff. 2.2.3).
Bei dieser Aktenlage sei es nicht möglich zu beurteilen, ob sich die gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin invalidisierend aus
wirkten oder nicht, weshalb eine Begutachtung im Auftrag des Gerichts notwen
dig sei (S. 5 f. Ziff. 2.2.4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach der Leistungsanspruch der Beschwerdeführe
rin.
3.
3.
1
Nach einem Aufenthalt vom 1
4.
bis
17. Feb
ruar 2014 nannten die Ärzte der A._
in ihrem Bericht vom
28. Februar 2
014 (Urk. 6/10/17-18) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2): Status nach dissoziativer Episode im Rahmen einer partnerschaftlichen Konfliktsituation am 13. Februar 2014
-
Status nach Hyperventilation
Die Beschwerdeführerin sei durch das
B._
aufgrund der Belastungssituation und Auseinandersetzung mit dem Ehemann zur Krisenintervention zugewiesen wor
den. Es sei ein Termin in der
C._
für die ambulante Weiterbetreuung vereinbart worden (S. 1).
3.
2
Am 8. März 2014 (Urk. 6/15/11-12) führte der Hausarzt
Dr.
med. D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, bei bekannter Diagnose (Ziff. 5) aus, die Beschwerdeführerin sei nach der Hospitalisation für zwei Wochen nach Deutschland zu Verwandten gegangen, um sich zu erholen. Anlässlich der
Konsultation
am 7. März 2014 habe sie immer noch traurig, müde und deprimiert gewirkt (Ziff. 1). Seines Erachtens sei eine depressive Entwicklung hinzugekom
men, eine definitive Diagnose müssten jedoch die behandelnden Psychiater stel
len (S. 2 oben). Derzeit erachte er die Beschwerdeführerin als
nicht arbeitsfähig. Seines Erachtens sei derzeit auch eine Arbeitsfähigkeit in einer der Behinderung angepassten Tätigkeit nicht gegeben (Ziff. 8). Zur Prognose könne er aktuell keine schlüssigen Angaben machen (Ziff. 9). Für ihn bestehe aber aktuell eine klar de
pressive Symptomatik und nicht «nur» eine partnerschaftliche Konfliktsituation (Ziff. 10).
3.
3
In ihrem Bericht vom 28. März 2014 (Urk. 6/15/8-9) zu Handen des Krankentag
geldversicherers führten die Ärzte der
A._
bei unveränderten Diagnosen (Ziff. 5)
aus, die Beschwerdeführerin sei aufgrund einer Belastungssituation und Aus
einandersetzung mit dem Ehemann durch das
B._
zugewiesen worden. Das Zu
standsbild habe sich rasch gebessert, das Wochenende habe sie zu Hause mit der Familie verbracht und sei am 17. Februar 2014 in Begleitung ihres Mannes deut
lich aufgehellter und stabiler zum Austrittsgespräch gekommen (Ziff. 1).
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nach dem 19. Februar 2014 sowie die weitere Prognose verwiesen die Ärzte an die behandelnde Psychologin der
C._
(Ziff. 8-9).
3.
4
Nach einer Abklärungsuntersuchung vom
2
4.
März 2014
dia
gnostizierten die Ärzte der A._
in ihrem Bericht vom 17. April 2014 (Urk. 6/10/15-16
) eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) bei familiärer partnerschaftlicher Konfliktsituation. Eine integrierte psychiatrisch-psychothera
peutische Behandlung sei indiziert und werde von der Beschwerdeführerin ge
wünscht (S. 1). Psychiatrische Vorbehandlungen oder Erkrankungen seien nicht bekannt. Aktuell bestehe eine leichtgradige depressive Symptomatik sowie grosse Angst vor dem Nachbarn im Rahmen einer Anpassungsstörung (S. 2).
3.
5
Der Hausarzt
Dr.
D._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 6. Mai 2014 (Urk. 6/15/3-4) eine Anpassungsstörung bei familiärer partnerschaftlicher Kon
fliktsituation sowie einen Verdacht auf
eine
Rotatorenmanschettenläsion
der linken
Schulter (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin gebe tägliche Kopf- und Brust
schmerzen an, zudem leide sie an Herzklopfen und einem Hitzegefühl. Sie fühle sich noch immer traurig. Zudem leide sie weiterhin an Schulterschmerzen links (Ziff. 1). Die Beschwerdeführerin arbeite zu 50 % als Küchenhilfe (Ziff. 5), sei je
doch vom 18. Februar bis vorerst 12. Mai 2014 zu 100 % arbeitsunfähig (Ziff. 6). Ab wann mit einer Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit gerechnet werden könne, könne er nicht beurteilen (Ziff. 7).
3.
6
Dr.
med. E._
, Fachärztin für Rheumatologie und für
Allgemeine
Innere Medizin, führte in ihrem Bericht vom 18. Mai 2014 (Urk. 6/10/11-12) nach einer Sonographie der linken Schulter aus, es bestehe eine leichte AC-Gelenksarthrose bei sonst unauffälliger Schultersonographie, zudem habe sie eine beginnende frozen shoulder festgestellt bei eingeschränkter glenohumeraler Be
weglichkeit vor allem für die Abduktion und Aussenrotation. Hinweise für eine Rotatorenmanschettenläsion würden jedoch nicht bestehen. Bei gutem Anspre
chen auf
die Injektion sollte innert der
nächsten zwei Wochen wieder eine Teil
arbeitsfähigkeit gegeben sein (S. 2).
3.
7
Nach einer ambulanten Notfallbehandlung am 28. Mai 2014 nannten die Ärzte
des B._
, Interdisziplinärer Notfall, in ihrem Bericht vom 3. Juni 2014 (Urk. 6/10/11-12) folgende Diagnosen (S. 1):
-
dissoziative Episode im Rahmen partnerschaftlicher Konfliktsituation
-
Status nach Hyperventilation bei obgenannter Diagnose
-
chronisch vordere Instabilität Knie rechts
Die Beschwerdeführerin sei bei Hyperventilation und familiärem Streit per Ret
tungsdienst zugewiesen worden. Die weitere Überwachung auf der Notfallstation habe sich unauffällig gestaltet, die Beschwerdeführerin habe in gutem Allgemein
zustand in die Obhut der Angehörigen entlassen werden können (S. 2).
3.
8
Dr.
D._
nannte in seinem Bericht vom 1. September 2014 (Urk. 6/10/1-5) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Anpassungsstörung: Status nach dissoziativer Episode im Rahmen einer partnerschaftlichen Konfliktsituation am 13. Februar 2014
-
Sturz auf die linke Schulter am 13. Oktober 2013
-
zunehmende Schmerzen seit Januar 2014
-
Sonographie Schulter links am 14. Mai 2014: leichte AC-Gelenksarthrose (beginnende Frozen Shoulder)
-
Müdigkeit bei Eisenmangel
Offenbar bestehe eine Anpassungsstörung bei einem Konflikt mit einem Nach
barn seit dem 13. Februar 201
4.
Fremdanamnestisch sei ein Delikt gegen die sexuelle Integrität vorgefallen, eine Anzeige sei erstattet worden. Die Beschwer
deführerin werde diesbezüglich von den Psychiatern der
A._
betreut, weitere Details seien ihm nicht bekannt. Seit dem 13. Februar 2014 erlebe er die Beschwer
deführerin depressiv und mutistisch
. Mit Hilfe von Temesta habe sich das psychi
sche Zustandsbild im Verlauf etwas aufgehellt. Seit diesem Vorfall sei die Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen nicht mehr arbeitsfähig gewesen und habe per Ende Juni 2014 die Kündigung erhalten. Sie könne den Haushalt erledigen und die Kinder betreuen, fühle sich aber wegen den psychischen Prob
lemen nicht arbeitsfähig. Um die Arbeitsfähigkeit schlüssig und auf längere Sicht beurteilen zu können, müssten jedoch die behandelnden Psychiater angefragt werden. Er könne auch keine valide Prognose abgeben (Ziff. 1.4
und 1.6
).
3.
9
In ihrem Bericht vom 14. Oktober 2014 (Urk. 6/19) nannten die Ärzte der
A._
folgende Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD-10 F43.1), bestehend seit Juni 2014
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), bestehend seit Juni 2014
-
Anpassungsstörung mit kurzzeitiger dissoziativer Symptomatik (ICD-10 F43.28) und familiäre partnerschaftliche Konfliktsituation (ICD-10 Z63), bestehend seit Februar 2014
Die Beschwerdeführerin sei über zirka ein Dreivierteljahr von einem Nachbarn sexuell belästigt und massiv bedroht worden, wobei es auch zu sexuellen Über
griffen und Nötigung gekommen sei. Durch Dekompensation habe der Ehemann von diesen Ereignissen erfahren.
Kurz- und mittelfristig müsse davon ausgegan
gen werden, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der posttraumatischen Belas
tungsstörung mit mittelgradiger depressiver Symptomatik nicht fähig sein werde, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Bei kontinuierlicher psychotherapeutischer Behandlung sei längerfristig mit einer Verbesserung des Zustandsbildes zu rech
nen und damit die Möglichkeit einer beruflichen Wiedereingliederung denkbar (Ziff. 1.4). Gegenwärtig stehe die Beschwerdeführerin in ambulanter psy
chiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung mit zirka zweiwöchentlichen Kon
sultationen (Ziff. 1.5). Bis auf Weiteres
sei die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Küchenhilfe vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 1.6). Die Beschwerdeführerin leide unter deutlichen Aufmerksamkeits- und Konzentra
tionsstörungen sowie dissoziativen Zuständen mit retrograder Amnesie. Auf
grund der depressiven Symptomatik seien die Leistungsfähigkeit und Belastbar
keit stark eingeschränkt. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar (Ziff. 1.7). Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne aktuell nicht gerechnet werden (Ziff. 1.9).
3.
10
Dr.
E._
hielt am 19. Januar 2015 fest, seit der letzten Konsultation vom 28. Oktober 2014 sei es der Beschwerdeführerin weiterhin
besser
gegangen
. Es bestünden noch wenige Schmerzen, die aktive und passive Beweglichkeit sei nicht mehr eingeschränkt. Aktuell seien keine weiteren Behandlungen mehr vor
gesehen, sie schliesse den Fall ab (Urk. 6/27/10).
3.
11
Dr.
D._
nannte in seinem Bericht vom 17. März 2015 (Urk. 6/27/5-9) fol
gende Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
Anpassungsstörung: Status nach dissoziativer Episode im Rahmen einer partnerschaftlichen Konfliktsituation am 13. Februar 2014
-
Sturz auf die linke Schulter am 13. Oktober 2013
-
zunehmende Schmerzen seit Januar 2014
-
Sonographie Schulter links am 14. Mai 2014: leichte AC-Gelenksarthrose (beginnende Frozen Shoulder)
-
Müdigkeit bei Eisenmangel
Die Beschwerdeführerin sei nach wie vor deutlich depressiv verstimmt und nehme Temesta bei Bedarf ein. Aus psychiatrischen Gründen sei sie weiterhin für min
destens sechs weitere Monate arbeitsunfähig, sowohl für die angestammte als auch für eine der Behinderung angepasste Tätigkeit. Die Schulterschmerzen links hätten sich zwischenzeitlich etwas gebessert. Zur Prognose könne er nach wie vor keine schlüssigen Angaben machen, diesbezüglich seien die behandelnden Psychiater anzufragen (Ziff. 1.4). Durch die psychiatrische Therapie sowie Medi
kation könnten die Einschränkungen eventuell vermindert werden (Ziff. 1.8), je nach Verlauf könne mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerech
net werden (Ziff. 1.9).
3.
12
In ihrem Verlaufsbericht vom 28. Mai 2015 (Urk. 6/30) führten die Ärzte der
A._
bei stationärem Gesundheitszustand und unveränderten Diagnosen (Ziff. 1.1-2) aus, die Aufmerksamkeit und Konzentration seien vermindert, das Gedächtnis unauffällig. Formalgedanklich sei die Beschwerdeführerin deutlich verlangsamt und eingeengt auf die traumatisierenden Erlebnisse. Der Ehemann berichte über dissoziative Zustände,
an die sie sich selbst nicht erinnern könne. Der Antrieb sei stark reduziert, der Appetit deutlich vermindert (Ziff. 1.3). Die Beschwerdeführe
rin sei zu 100 % arbeitsunfähig, sowohl in der bisherigen als auch in einer ange
passten Tätigkeit (Ziff. 2.1). Alle zwei bis drei Wochen fänden Behandlungster
mine statt (Ziff. 3.1). Die Beschwerdeführerin nehme Sertralin, Trittico und Temesta in Reserve ein (Ziff. 3.2). Aufgrund der Chronifizierung der posttrauma
tischen Belastungsstörung sowie der mittelgradigen depressiven Episode müsse davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin mittel- bis längerfristig nicht fähig sein werde, einer geregelten Arbeit nachzugehen.
(Ziff. 3.3). Durch eine kontinuierliche Weiterführung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung sowie der psychiatrischen Spitex und Förderung von sozialen Kon
takten im Rahmen der Ergotherapie, welche die Beschwerdeführerin einmal die Woche besuche, sei eine Verbesserung des psychischen Zustandsbildes und das Erreichen einer Teilarbeitsfähigkeit möglich (Ziff. 4.1).
3.
13
Am 5. September 2016 wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag der Beschwer
degegnerin durch
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, begutachtet. Für sein Gutachten vom 28. März 2017 (Urk. 6/52) stützte sich Dr.
Z._
auf die vorhandenen Akten
,
eigene Untersuchungen der Beschwer
deführerin
sowie verschiedene psychologische Testungen
(S. 6 lit. B
, S. 28 ff. lit. C
, S. 37 ff
)
und führte aus, gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin wirk
ten sich die gesundheitlichen Probleme auch auf den Alltag aus. Sie habe Ängste, sich alleine aus dem Haus nach draussen zu bewegen. Zudem habe sie Wieder
erinnerungen an den/die stattgehabten Übergriffe durch den ehemaligen Nach
barn. Es bestünden auch Ängste, diesen Mann wieder zu treffen. Im Haushalt selber könne sie auch nicht mehr so viel machen, wie in der Zeit vor dem Über
griff durch den Nachbarn (S. 41 Ziff. I.2).
Bezüglich der Diagnosen
hielt
Dr.
Z._
fest
, unter reiner Berücksichtigung der Angaben der Beschwerdeführerin würden die Kriterien der ICD-10 zur posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zutref
fen. Es liege zudem eine mittelgradige depressive Störung vor, wenn man die Symptomangaben der Beschwerdeführerin per se zugrunde lege. Wenn man gut
achterlich mit einbeziehe, dass Falschaussagen bezüglich der Medikamentenein
nahme vorliegen würden, die gutachterlicherseits dazu führten, dass die angege
benen Symptomstärken stark angezweifelt oder in ihrer Existenz hinterfragt werden müssten, ergebe sich ein abgeschwächtes Symptombild oder daraus eine nicht vorhandene Symptomatik einer PTBS oder eine nicht vorhandene Sympto
matik einer mittelgradig depressiven Störung. Unter diesen Bedingungen sei die Vergabe der Diagnose einer PTBS
wie
auch einer mittelgradigen
depressiven Stö
rung aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht sinnvoll (S. 53 Ziff. III.3).
Von Februar 2014 bis zum Arztbericht vom 14. Oktober 2014
sei
mit keinem Psychopharmakon, welches explizit für eine PTBS zugelassen sei, therapiert
wor
den
. Es seien lediglich Trittico und Temesta zur Anwendung gekommen. Zudem werde im Arztbericht der
A._
vom 14. Oktober 2014 erwähnt, dass Sertralin ein
gesetzt werde. Da die posttraumatische Symptomatik fortbestanden habe, wäre eine Erhöhung sinnvoll gewesen. Zum hiesigen Untersuchungszeitpunkt gebe die Beschwerdeführerin an, Sertralin in der Dosis von 150 mg/Tag einzunehmen, al
lerdings sei das Medikament in der Haaranalyse im letzten halben Jahr vor der Begutachtung nicht nachweisbar. Da die psychotherapeutischen ambulanten Massnahmen nach der Aktenlage keine wesentliche Verbesserung der Sympto
matik gezeigt hätten, wäre es wichtig, auf der psychopharmakologischen Seite die Medikation voll auszunutzen. Auch wäre bei Nichtwirksamkeit von Sertralin bezüglich der posttraumatischen Symptomatik ein Wechsel des Psychopharma
kons indiziert.
Die angegebene ambulante Therapiefrequenz von einer Therapie
einheit alle zwei bis drei Wochen erscheine nicht ausreichend, um bisher deutliche Verbesserungen zu erzielen. Ausserdem wäre aus psychiatrisch-psychothera
peutischer Sicht ein stationärer Aufenthalt für eine intensivierte Therapie der Beschwerdeführerin dringend anzuraten (gewesen), falls die posttraumatische Symptomatik (weiter) bestehen würde. Zudem sollte die Beschwerdeführerin an
tidepressiv psychotherapeutisch behandelt werden (S. 55 f. Ziff. IV.1).
Bezüglich eines intensivierten stationären Aufenthaltes erscheine die Beschwer
deführerin bisher überwiegend nicht kooperativ. Der Grund sei unter anderem die Betreuung der Kinder, was jedoch in Anbetracht der Schwere der geschilderten Symptomatik auch überbrückend/zeitlich befristet familiär oder mit anderer Hilfe abgedeckt werden könnte
(S. 56 Ziff. IV.2).
Bezüglich de
r
Untersuchungsbefunde gebe es deutliche Inkonsistenzen und Un
plausibilitäten. Entgegen der Angabe der Beschwerdeführerin, sie nehme täglich Sertralin ein, habe dieses in der Haaranalyse über den Zeitraum eines halben Jahres zurückliegend nicht nachgewiesen werden können. Die Tatsache, dass Sertralin bei der Laboruntersuchung habe nachgewiesen werden können
, spreche dafür, dass das Medikament nur kurz vor der Begutachtung eingenommen wor
den sei. Somit sei nicht nur die Aussage der Beschwerdeführerin, sie nehme kon
tinuierlich täglich Sertralin seit längerem ein, falsch, sondern dieses Ergebnis lege auch nahe, dass sie bewusst
vor der Begutachtung begonnen habe, das Medika
ment einzunehmen. Dies könne gutachterlicherseits nur dahingehend
interpretiert werden, dass sie mit entsprechenden Labortestungen gerechnet habe und eine regelmässige Einnahme habe vortäuschen wollen (S. 58 Ziff. V.1).
Bei einer massiven PTBS wären zudem seit dem
Jahre
2014 keine Auslandsauf
enthalte, auch nicht in Begleitung, sinnvoll möglich und durchführbar gewesen. Auslandsaufenthalte würden anzeigen, dass eine PTBS, wenn überhaupt, nur in leichterer Form vorgelegen haben könne (S.
59 Mitte).
Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass es ihr im Jahre 2013 sehr gut ge
gangen sei. Sie habe arbeiten können und auch keine Ängste gehabt, unter Leute zu gehen. Ihre Probleme hätten erst im Jahre 2014 angefangen (S. 62 Ziff. V.3).
Es seien nicht ausreichend stationäre Behandlungsoptionen in Anspruch genom
men worden, die eine deutliche Verbesserung der posttraumatischen und depres
siven Symptomatik hätten bewirken können. Zudem habe durch die Haaranalyse nachgewiesen werden können, dass die Beschwerdeführerin das Medikament Sertralin im letzten halben Jahr definitiv nicht eingenommen habe
(S. 63 f. Ziff. V.4)
.
Aus versicherungsmedizinischer Sicht müsse aufgrund der Falschaussage bezüg
lich der Medikamenteneinnahme die gesamte (posttraumatische und depressive) Symptomatik in Frage gestellt werden.
Auch sei es nicht plausibel, dass die Beschwerdeführerin in den Tagen vor der Begutachtung das entsprechende Medi
kament einnehme und angebe, sie nehme es täglich seit längerer Zeit, dagegen in der Haaranalyse kein Nachweis über das letzte halbe Jahr getätigt werden könne. Dies spreche für ein interessegeleitetes Vorgehen in der Begutachtungssituation, in dem Wissen, dass es um die Gewährung von Leistungen der Invalidenversi
cherung gehe, und beweise zudem, dass sie überlegt, angepasst und koordiniert handeln könne. Zudem sei ein Ehekonflikt bei ausserehelicher Beziehung mit de
pressiver Reaktion und Hyperventilationszuständen zu konstatieren. Gemäss Arztbericht seien am 1
4.
Februar 2014 keine Sinnestäuschungen vorhanden und eine PTBS nicht nachweisbar gewesen. Die damalige depressive Episode sei als mittelgradig einzustufen. Im Arztbericht vom 17. April 2014 werde eine leicht
gradige depressive Symptomatik beschrieben. Eine leichtgradige
oder mittelgra
dige depressive
Episode
führe aber zu keiner versicherungsmedizinischen Arbeits
unfähigkeit. Insofern habe demnach ab Februar 2014 bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vorgelegen.
Auch im Mai 2015 sei aus versicherungs
medizinischer Sicht von keiner Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Der Zeitraum von Mai 2015 bis zur aktuellen Begutachtung sei aufgrund der Aktenlage und wegen der fehlenden Verlässlichkeit der Angaben der Beschwerdeführerin gutachterlich nicht beurteilbar, es scheine aber zu keinen weiteren Notfallkonsultationen so
matischer oder psychiatrischer Art gekommen zu sein. Ab Februar 2016 müsse dann gemäss der Haaranalyse definitiv von einem Weglassen der Sertralinmedi
kation, der wesentlichen anti-posttraumatischen Medikation, also einer fehlenden Mitwirkung der Beschwerdeführerin, ausgegangen werden. Überwiegend wahr
scheinlich sei in diesem Zusammenhang auch eine weitere deutliche Besserung der gesamten Symptomatik, so dass kein Grund für eine Einnahme von Sertralin mehr vorgelegen habe. Auch die Auslandsaufenthalte in der Türkei und in Sri Lanka im Jahre 2016 würden gegen das Vorliegen einer versicherungsmedizi
nisch belegbaren Arbeitsunfähigkeit in diesen zeitlichen Phasen sprechen. Somit liege aus versiche
r
ungsmedizinischer Sicht insgesamt ab Februar 2014 keine Arbeitsunfähigkeit für die bisherige Tätigkeit als Küchenhilfe vor (S. 64 f. Ziff. VI.1).
Eine angepasste Tätigkeit scheine aus gutachterlicher Sicht nicht notwendig, da die bisherige Tätigkeit ausgeführt werden könne (S. 65 Ziff. VI.2).
3.
14
Die übrigen bei den Akten liegenden Arztberichte (Urk. 6/10/19-21 S.
3
, Urk. 6/27/11)
enthalten keine für die Beurteilung der vorliegend strittigen Fragen relevanten Angaben und insbesondere keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, so dass auf deren detaillierte Wiedergabe verzichtet werden kann.
4.
4.1
Aus somatischer Sicht liegt eine leichte AC-Gelenksarthrose vor, zudem wurde im Mai 2014 eine beginnende Frozen Shoulder festgestellt (E. 3.6)
.
Erstmals wur
den die Beschwerden
im Bericht des Hausarztes Dr.
D._
vom 6. Mai 2014 erwähnt (E. 3.5), wobei die Rheumatologin
Dr.
E._
am 18. Mai 2014 davon ausging, dass bei gutem Ansprechen auf die Injektion innert de
r
nächsten zwei Wochen wieder eine Teilarbeitsfähigkeit gegeben sei (E. 3.6)
.
Im weiteren Verlauf attestierten weder der Hausarzt noch die Rheumatologin eine Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Schulterbeschwerden, Dr.
D._
hielt am
1. September 2014
vielmehr
ausdrücklich fest, um die Arbeitsfähigkeit schlüssig und auf längere Sicht beurteilen zu können, müssten die behandelnden Psychiater befragt werden (E. 3. 8).
Im Januar 2015 schloss Dr.
E._
d
ie Behandlung ab (E. 3.10)
.
Insge
samt ist somit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Schulterbeschwerden nicht zu einer langandauernden
beziehungsweise an
spruchsrelevanten
Arbeitsunfähigkeit geführt haben.
Solches wird von der Be
schwerdeführerin
denn auch
nicht geltend gemacht
(vgl. Urk. 1).
4.2
Was sodann die psychischen Beschwerden betrifft,
liegt ein im Auftrag der Beschwerdegegnerin erstelltes psychiatrisches Gutachten
von Dr.
Z._
vor,
wo
bei die Beschwerdeführerin
dieses
als nicht verwertbar erachtet
.
Dabei machte sie
insbesondere
geltend, Dr.
Z._
habe aus der aufgrund eines Ferienaufenthaltes nicht eingenommenen, vorübergehenden Nichteinnahme des Medikamentes Sertralin
abgeleitet, die Symptome hätten gar nicht vorgelegen, die Beschwerde
führerin habe den sexuellen Übergriff nur als Ausrede für ein gewolltes ausser
eheliches Verhältnis verwendet, und insgesamt an den anamnestischen Angaben und damit am sexuellen Übergriff an sich gezweifelt.
Zudem habe Dr.
Z._
seine Kompetenzen als Gutachter überschritten, indem er die juristische Würdigung seiner Ausführungen vorweggenommen habe (Urk. 1 S. 3 ff. Ziff. 2.2.2-3).
Soweit die Beschwerdeführerin rügt, Dr.
Z._
nehme in seinem Gutachten un
zulässige juristische Ausführungen vor,
kann dem nicht
gefolgt
werden
.
Zwar
beliess es Dr.
Z._
nicht einfach bei der Feststellung, dass
das Medikament
Sertralin in der Haaranalyse nicht nachgewiesen werden konnte, in der Laborun
tersuchung jedoch schon. Vielmehr interpretierte er diese Tatsache dahingehend, dass die Beschwerdeführerin die Vornahme der entsprechenden Laboruntersu
chungen geahnt habe und eine regelmässige Einnahme habe vortäuschen wollen (Urk. 6/52 S. 58 Mitte).
Weiter
stellte
Dr.
Z._
aufgrund der nachgewiesenen Nichteinnahme sowohl die Diagnosen wie auch die beklagten Symptome und den von der Beschwerdeführerin geschilderten Ablauf der Geschehnisse im Zusam
menhang mit einem früheren Nachbarn in Frage
. Dies hat sich die Beschwerde
führerin jedoch zu einem guten Teil selbst zuzuschreiben, war doch
der
genaue Hergang der Geschehnisse im Zusammenhang mit dem
früheren
Nachbarn, wel
che sowohl von der Beschwerdeführerin als auch von den Ärzten als auslösende
r
Moment für die nun bestehenden Beeinträchtigungen
bezeichnet
werden,
über welche die Beschwerdeführerin jedoch trotz entsprechende
r
Nachfragen sowohl des
Gutachters
als auch der behandelnden Ärzte
nicht differenziert
Auskunft ge
ben
konnte beziehungsweise wollte (vgl. Urk. 6/52 S. 43 unten)
, für den Gutach
ter kaum nachvollziehbar.
Für
die Diagnose
einer PTBS ist jedoch das auslösende Trauma von grosser Bedeutung.
Zudem ist darauf hinzuweisen, dass n
ach der Rechtsprechung gerade im Rahmen psychiatrischer Abklärungen, bei welchen der persönlichen Lebensgeschichte eine besondere Bedeutung zukommt, gestützt auf die Mitwirkungspflicht (
Art.
28 ATSG) erwartet werden
darf
, dass die versicherte Person die wichtigen Lebenser
eignisse offen legt, andernfalls deren Nichtberücksichtigung keine Verletzung von Bundesrecht, namentlich des Untersuchungsgrundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 resp.
Art.
61 lit. c ATSG) darstellt (
Urteile des Bundesgerichts 8C_725/2016 vom
9.
Februar 2017 E.5.2.4 sowie
8C_671/2014 vom 1
9.
März 2015 E. 4.2.2).
Trotz dieser Überlegungen ist b
emerkenswert, dass Dr.
Z._
im Wesentlichen dieselben Diagnosen diskutiert hat wie die behandelnden Ärzte der
A._
.
Selbst wenn
nicht auf die Beurteilung durch Dr.
Z._
, sondern
auf
die
fachärztliche
n
Berichte
der Ärzte der
A._
abgestellt
und vom Vorliegen der Diagnosen einer PTBS sowie einer mittelgradigen depressiven Störung
ausgegangen würde,
müsste das Vorliegen einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten Arbeits
unfähigkeit
aufgrund der folgenden Erwägungen
verneint werden.
5.
5.1
Nach dem Gesagten ist
im Folgenden
zu prüfen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen In
dikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen
(vgl. vorstehend E. 1.2-1.4)
.
Selbst wenn
das Gutachten von Dr.
Z._
teilweise
zu Kritik Anlass
geben mag
, ist
dennoch gestützt darauf
e
ine schlüssige Prüfung der massgebenden Standar
dindikatoren möglich
. W
eitere medizinische Abklärungen sind nicht erforderlich.
5.
2
5.2.1
Im Rahmen der ersten Kategorie des
«
funktionellen
Schweregrades» ergibt sich m
it Bezug auf den ersten Indikator (
«
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome
»
) aus dem Gutachten, dass das formale Denken
mittelgradig
ge
hemmt und
verlangsamt sowie leicht grüblerisch ist und die Beschwerdeführerin unter leichten Phobien, schweren optischen Halluzinationen und
mittelgradiger
Gedankeneingebung leidet. Sie wirke
mittelgradig
ratlos, deprimiert
, hoffnungs
los und ängstlich sowie
leicht
innerlich unruhig, habe
mittelgradige
Schuldge
fühle, sei
im Affekt mittelgradig
labil und inkontinent. Weiter sei die Beschwer
deführerin
leicht
antriebsarm, antriebsgehemmt und motorisch unruhig (Urk. 6/52 S. 34-36).
Zum Tagesablauf führte die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung aus, sie stehe jeweils zwischen 6:30 und 7:00 Uhr auf, dann esse sie und schicke die Kinder zur Schule. Sie bleibe zu Hause, räume auf
und reinige die Wohnung, dann trinke sie Tee. Sie koche das Mittagessen, den Abwasch mache sie oder der Ehemann. Nachmittages skype sie und telefoniere mit der Familie. Das Abendes
sen mache der Ehemann, sie helfe dabei, manchmal koche sie auch alleine. Abends schaue sie mit ihrem Ehemann fern. Gegen 20:00 Uhr nehme sie die Tab
letten und gehe dann schlafen
. Zur Freizeitgestaltung ist bekannt, dass die Beschwerdeführerin zusammen mit der Familie spazieren geht oder Velo fährt
(Urk. 6/52 S. 50 Ziff.
II.2).
Zum zweiten
Indikator (
«
Behandlungserfolg oder -resistenz
»
)
hielt
Dr.
Z._
fest
, dass die Beschwerdeführerin von Februar bis Oktober 2014 mit keinem Psycho
pharmakon, welches explizit für eine PTBS zugelassen sei, therapiert worden sei.
Es seien lediglich Trittico und Temesta zur Anwendung gekommen. In einem Bericht vom Oktober 2014 werde erwähnt, dass
Sertralin
in der Dosierung von 100 mg am Tag eingesetzt werde. Da die posttraumatische Symptomatik fortbe
standen habe, wäre eine Erhöhung in Richtung 200 mg/Tag sinnvoll gewesen.
Da die psychotherapeutischen ambulanten Massnahmen keine wesentliche Verbes
serung der Symptomatik gezeigt hätten, wäre es wichtig, auf der psychopharma
kologischen Seite die Medikation voll auszunutzen. Auch sei bei Nichtwirksam
keit von Sertralin bezüglich der posttraumatischen Symptomatik ein Wechsel des Psychopharmakons indiziert. Zusätzlich könne bei psychoseähnlichen Zuständen auch ein Antipsychotikum hinzugegeben werden. Psychotherapeutisch solle mit der Technik der kognitiven Verhaltenstherapie gearbeitet werden, auch das Erler
nen von Entspannungsübungen und körperliche Aktivität sollten die Therapie ergänzen. Weiter gebe es wirksame psychodynamische Techniken zur Trauma
therapie, die ambulant angewendet werden könnten. Die angegebene ambulante Therapiefrequenz von einer Sitzung alle zwei bis drei Wochen erscheine nicht ausreichend, um deutliche Verbesserungen zu erzielen. Ausserdem sei aus psy
chiatrisch-psychotherapeutischer Sicht ein stationärer Aufenthalt für eine inten
sivierte Therapie dringend anzuraten, falls die posttraumatische Symptomatik weiterbestehen würde
(Urk. 6/52 S. 55 f. Ziff. IV.1).
Als Komorbidität ist die leichte AC-Gelenksarthrose beziehungsweise die
f
rozen
s
houlder zu erwähnen, deren Behandlung im Januar 2015 jedoch abgeschlossen wurde
(vgl. E.3.10)
,
und welche seither nicht
mehr zu Einschränkungen geführt haben.
5.2.2
Bezüglich Persönlichkeit hielt Dr.
Z._
fest,
es hätten keine Hinweise für das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung festgestellt werden können (Urk. 6/52 S. 46
Mitte).
Nach Angaben der Beschwerdeführerin wirkten sich die gesundheit
lichen Probleme auf ihren Alltag aus, sie habe Ängste, sich alleine aus dem Haus zu bewegen. Zudem habe sie Wiedererinnerungen an die stattgehabten Übergriffe durch den ehemaligen Nachbarn. Es würden auch Ängste bestehen, diesen Mann wieder zu treffen (Urk. 6/52 S. 41 Ziff. I.2).
5.2.3
Betreffend den sozialen Kontext ist bekannt,
dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Ehemann und den gemeinsamen Kindern zusammenlebt. Häufigen Kontakt hat sie zudem zu ihrer Familie in Sri Lanka, mit welcher sie regelmässig telefo
niert (Urk. 6/52 S. 50 Ziff. II.2).
Weitere Bezugspersonen wurden von der Beschwerdeführerin nicht erwähnt, sie führte lediglich au
s
, im Jahre 2013 habe sie noch keine Ängste gehabt, unter Leute zu gehen (Urk. 6/52 S. 62 Ziff. V.3).
5.3
Zu prüfen
ist
weiter die zweite Kategorie der «
Konsistenz
»
.
Bei der Umschreibung des sozialen Umfeldes im Rahmen des Indikators «gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen» fällt auf, dass die Beschwerdeführerin ausserhalb der Familie wenig Kontakte zu haben scheint. Aufgrund der Akten lässt sich jedoch nicht genau nachvollziehen, inwieweit dies vor den Vorfällen mit dem ehemaligen Nachbarn und dem nachfolgenden Krank
heitsverlauf tatsächlich
bedeutend
anders war.
Die Ausführungen im Gutachten von Dr.
Z._
, wonach es im Umfeld an einem Kollegenkreis mangle, der zusätz
lich unterstützend wirke (Urk. 6/52 S. 51 Ziff. II.2)
,
lässt jedoch vermuten, dass die sozialen Kontakte bereits früher überwiegend auf die Familie konzentriert waren.
Beweisrechtlich entscheidend erscheint jedoch vorliegend der Indikator des «behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidens
drucks», weshalb der vorgenannte Indikator an Bedeutung verliert.
Aufgrund der Haaranalyse ist nachgewiesen, dass die Beschwerdeführerin das ihr seit spätestens Oktober 2014 verschriebene Sertralin mindestens im Zeitraum März bis September 2016 nicht eingenommen hat
(Urk. 6/52 S. 58 Ziff. V.1). Da
ran vermag auch die Argumentation der Beschwerdeführerin, wonach sie
wäh
rend eines vierwöchigen Ferienaufenthaltes in Sri Lanka versehentlich das Rezept nicht dabeigehabt habe und deshalb das Medikament nicht habe besorgen und einnehmen können (Urk. 1 S. 3 f. Ziff. 2.2.2, Urk. 6/52 S. 51 oben), nichts zu än
dern
, fand dieser Urlaub doch in den Sommerferien 2016 statt und erklärt damit nicht, weshalb das Medikament bereits seit März 2016 nicht mehr nachweisbar war.
Ebenso zeugt der Behandlungsrhythmus von einer Therapiesitzung alle zwei bis drei Wochen
(Urk. 6/52 S. 55 f. Ziff. IV.1)
nicht von einem grossen Leidensdruck und auch die Weigerung der Beschwerdeführerin, sich
einem
von ärztlicher Seite dringend empfohlenen
stationären Aufenthalt zu unterziehen, erscheint bei dem von ihr geltend gemachten Ausmass der Beschwerden trotz der Betreuungspflich
ten für die drei Kinder wenig nachvollziehbar.
5.4
Zusammenfassend kann die von den behandelnden Ärzten der
A._
attestierte
und von der Beschwerdeführerin geltend gemachte
vollständige Arbeitsunfähigkeit
der Anspruchsprüfung
mangels Konsistenz nicht zugrunde gelegt werden und es ist davon auszugehen, dass d
er
Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als Küchenhilfe auch weiterhin
in einem - einen Rentenanspruch ausschliessen
den Pensum - zumutbar wäre.
Unter diesen Umständen kann die Frage, in welchem Umfang die Beschwerde
führerin, wenn sie sich in gesundheitlicher Hinsicht dazu in der Lage fühlte, ins
besondere mit Blick auf die gegenüber ihren Kindern wahrzunehmenden Betreu
ungspflichten, überhaupt erwerbstätig wäre, beziehungsweise ob allenfalls die gemischte Methode zur Anwendung kommen müsste (vgl. aber
Urk.
6/54 S. 4), offen bleiben.
Damit liegt keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor und die angefochtene Verfügung erweist sich im Ergebnis als zutreffend. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.