Decision ID: 53686107-37be-4686-b0da-bcf60108f62e
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Fabienne Brandenberger-Amrhein,
Kirchstrasse 24a, Postfach 1332, 8580 Amriswil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ hat sich am 8. November 2006 bei einem Sturz eine Verletzung an der
rechten Schulter zugezogen und musste sich deshalb in der Folge mehreren operativen
Eingriffen unterziehen (IV-act. 14/30, 41, 45, 50, 57, 59, 73 und 75).
A.b Im Februar 2008 meldete er sich zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an. Unfallbedingt sei er vom 7. Januar bis 20. April 2007 100%
und vom 21. April bis 19. August 2007 50% arbeitsunfähig gewesen. Seit 20. August
2007 bestehe bis auf Weiteres wieder eine volle Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 2). Dr. med.
B._, Orthopädische Chirurgie FMH, führte im Bericht vom 2. Juli 2008 aus, dass dem
Versicherten die bisherige Tätigkeit als Chauffeur mit reiner Fahrtätigkeit zu 80%
zumutbar sei (IV-act. 22). Im Protokoll nach Assessmentgespräch der IV-Stelle vom 15.
Juli 2008 wurde festgehalten, dass aktuell für die bisherige Tätigkeit eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit, prognostisch vermutlich steigerbar auf 80%, bestehe.
Einschränkungen würden vor allem bei Bewegungen über der Horizontalen bestehen.
In einer optimal adaptierten Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Seit Mai 2008
arbeite der Versicherte an zwei bis drei Tagen pro Woche bei der Firma C._. Er wolle
diesen Arbeitsplatz nicht aufgeben und wünsche keine Unterstützung bei der
Stellensuche (IV-act. 23).
A.c Mit Schreiben vom 17. Juli 2008 teilte die IV-Stelle dem Versicherten den
Abschluss der Arbeitsvermittlung mit (IV-act. 24).
A.d Im vom Unfallversicherer in Auftrag gegebenen Gutachten vom 6. Februar 2009
diagnostizierte Dr. B._ eine mässig schmerzhafte eingeschränkte Schulterfunktion
rechts bei Status nach Rotatorenmanschettenruptur (Supraspinatus und partiell
Infraspinatus) mit Degeneration und funktionellen Defiziten für Abduktion und Aussen
rotation rechts bei Status nach mehreren operativen Eingriffen. Die bisherige Arbeit im
Sinn einer Fahrtätigkeit ohne manuelle Tätigkeit sei zu 80% zumutbar (act. G 6.2). In
der Stellungnahme vom 15. April 2009 bestätigte der Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
der Invalidenversicherung in der angestammten Tätigkeit als Chauffeur (ohne manuelle
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Tätigkeiten) eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Eine adaptierte Tätigkeit könne der
Versicherte zu 100% ausführen. Dabei sei insbesondere zu berücksichtigen, dass keine
Bewegungen mit dem rechten Arm über der Horizontalen notwendig seien. Auch im
Bewegungssegment unterhalb der Horizontalen könnten wegen einer massiven
Kraftminderung nur leichte Lasten manuell bewegt werden (bis max. 2kg), dies zudem
nicht vorwiegend repetitiv. Feinmotorische Tätigkeiten seien hingegen mit der rechten
Hand bzw. dem rechten Arm noch ausführbar (IV-act. 32).
A.e Mit Vorbescheid vom 12. Juni 2009 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, dass er bei einem Invaliditätsgrad von 0% keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente habe (IV-act. 39). Gegen den Vorbescheid erhob der Versicherte am 30.
Juni 2009 Einwand (IV-act. 40). Mit Verfügung vom 3. August 2009 eröffnete die IV-
Stelle dem Versicherten wie angekündigt, dass er keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente habe (IV-act. 42).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur. Fabienne
Brandenberger-Amrhein, Amriswil, im Namen des Versicherten eingereichte
Beschwerde vom 14. September 2009 mit den Anträgen, die Verfügung vom 3. August
2009 sei aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer ab 9. Januar 2008 eine halbe
Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren
Abklärungen respektive zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Der Beschwerdeführer habe seit dem Unfall nie mehr als 60%
gearbeitet. Im Gutachten vom 6. Februar 2009, auf welches sich die
Beschwerdegegnerin stütze, sei jedoch davon ausgegangen worden, dass er die
Chauffeurtätigkeit aktuell zu 80% ausübe. Zudem sei zu berücksichtigen, dass der
Gutachter die unfallfremden Rückenschmerzen bei der Arbeitsfähigkeitseinschätzung
nicht berücksichtigt habe. Sodann habe sich der Zustand des Beschwerdeführers seit
dem Gutachten im Februar 2009 weiter verschlechtert. Der Beschwerdeführer sei auch
in einer leidensangepassten Tätigkeit mindestens zu 40% in der Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt. Beim Valideneinkommen sei auf das im Jahr 2006 bei der
Volksschulgemeinde D._ erzielte Einkommen von Fr. 46'187.45 abzustellen. Dieses
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Einkommen entspreche einer 70%igen Arbeitstätigkeit und sei entsprechend auf 100%
hochzurechnen, da der Beschwerdeführer trotz Absprache keine zusätzlichen
Fahraufträge erhalten habe und trotzdem eine Präsenzzeit von 100% habe erfüllen
müssen. Somit resultiere unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung für das
Jahr 2008 ein Valideneinkommen von Fr. 68'356.-- bzw. Fr. 5'696.-- pro Monat. Das
Invalideneinkommen sei anhand der Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebung (LSE) zu
bestimmen, da der Beschwerdeführer nicht mehr als Chauffeur arbeiten könne. Unter
Berücksichtigung einer 60%igen Arbeitsfähigkeit und eines Leidensabzugs von 15%
betrage das Invalideneinkommen monatlich Fr. 2'413.--, woraus ein Invaliditätsgrad
von 57% resultiere (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 9. Dezember 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Der RAD habe die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit mehrfach beurteilt und sei zum Schluss
gelangt, dass dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit zu 100% zumutbar sei.
Gegenüber dem Gutachter habe der Beschwerdeführer erwähnt, dass er nach einer
Diskushernienoperation vor über 10 Jahren praktisch beschwerdefrei gewesen sei.
Anders lautende medizinische Unterlagen seien nicht beigebracht worden. Eine
allfällige Verschlechterung des Gesundheitszustands nach dem Verfügungszeitpunkt
wäre separat neu geltend zu machen. Der Lohn als Chauffeur bei der Firma C._ für
100% würde monatlich Fr. 5'500.-- betragen. Bei einer Vollanstellung als Chauffeur im
Gesundheitsfall könne deshalb von einem Valideneinkommen von Fr. 71'500.--
ausgegangen werden. Jedoch habe der Beschwerdeführer sein Pensum aufgrund des
Bauernhofs freiwillig reduziert, weshalb nur 80% des Lohnes als Valideneinkommen,
also Fr. 57'200.--, anzurechnen seien. Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens sei
auf die Tabellenlöhne abzustellen. Bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ergebe sich ein
Betrag von Fr. 60'263.--. Die Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 15%
erscheine gerechtfertigt, wodurch sich ein Invalideneinkommen von Fr. 51'223.-- und
somit ein Invaliditätsgrad von 10% ergebe. Selbst wenn die Validenbasis entsprechend
einem 100%-Lohn als Grundlage genommen werde, ergebe sich lediglich ein
Invaliditätsgrad von 28% (act. G 6).
B.c Mit Replik vom 2. März 2010 hält der Beschwerdeführer an den gestellten
Anträgen fest (act. G 12).
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B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G
14).
B.e Mit Schreiben vom 27. Oktober 2011 ersuchte das Versicherungsgericht Dr. B._
um die Beantwortung einiger Fragen bezüglich der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers (act. G 17). Auf das Schreiben von Dr. B._ vom 9. November

2011 (act. G 18) wird - soweit entscheidwesentlich - in den folgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch
des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu Recht abgelehnt hat.
1.2 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467
E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung erging am
3. August 2009, wobei ein Sacherhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der
revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher
ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31.
Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf
die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V
445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1).
1.3 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
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geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
1.4 Die Rentenabstufungen nach Art. 28 Abs. 2 IVG geben bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
1.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten
(BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
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2.1 Zu prüfen ist vorab, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt.
2.2 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung auf die
Stellungnahme des RAD vom 15. April 2009, in welcher dem Beschwerdeführer für eine
adaptierte Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert wird. Der RAD wiederum
stützt sich bei seiner Einschätzung insbesondere bezüglich der Befunde und
Diagnosen auf das Gutachten von Dr. B._ vom 6. Februar 2009. Diesem ist unter
anderem zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer die bisherige Arbeit im Sinn einer
Fahrtätigkeit ohne manuelle Tätigkeit zu 80% zumutbar sei. Bei optimaler Anpassung,
wie zurzeit möglich als Chauffeur, bestehe eine maximale Arbeitsfähigkeit von 80%.
Manuelle Tätigkeiten auch in den unteren Bewegungsgraden, d.h. unterhalb der
Brusthöhe mit Kraftaufwendungen über ein bis zwei Kilogramm seien praktisch nicht
mehr möglich. Nicht belastende Aktivitäten mit der rechten Hand seien hingegen noch
möglich. Präzisierend führte Dr. B._ im Schreiben vom 9. November 2011 aus, dass
der Beschwerdeführer auch in einer anderen optimal adaptierten Tätigkeit nicht zu
100% arbeitsfähig sei. Jede auch leichte Tätigkeit (beispielsweise Schreibtischarbeit,
Computerarbeit, Taxi fahren oder andere leichte Chauffeurtätigkeit) sei verbunden mit
einer tendenziell sehr raschen und erheblichen Ermüdungs- und zum Teil dann
Verkrampfungserscheinung. Es seien deshalb häufigere und zum Teil eben längere
Pausen sinnvoll und notwendig, was die Arbeitsreduktion auch in einer optimal
adaptierten Tätigkeit erkläre. Die Ausführungen und das Gutachten von Dr. B._ sind
plausibel und nachvollziehbar. Die Beschwerdegegnerin macht dann auch keine
konkreten Einwände gegen die Einschätzung von Dr. B._ geltend. Hingegen vermag
aufgrund der ausgewiesenen Schulterproblematik und der daraus resultierenden
Einschränkungen die vom RAD attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit für eine
angepasste Tätigkeit nicht zu überzeugen. Unter Berücksichtigung der gesamten
Aktenlage ist demnach von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit auszugehen.
2.3 Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Einwände vermögen keine höhere
Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass die lumbale
Symptomatik im vorliegend massgebenden Zeitraum nur eine untergeordnete Rolle
gespielt hat und somit keine zusätzliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zeitigt.
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Sodann führte Dr. B._ im Schreiben vom 9. November 2011 aus, dass die 80%ige
Arbeitsfähigkeitseinschätzung für eine angepasste Tätigkeit auf einer medizinisch-
theoretischen Beurteilung beruhe, weshalb sich selbst bei Kenntnis der Tatsache, dass
der Beschwerdeführer damals offensichtlich nur zu 60% als Chauffeur (ohne manuelle
Tätigkeiten) gearbeitet habe, nichts an der Einschätzung ändere. Eine Verschlechterung
des Gesundheitszustands bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (3. August
2009) ist der medizinischen Aktenlage nicht zu entnehmen. Der mit der Replik vom
2. März 2010 ins Recht gelegte Bericht von Dr. med. E._, Allgemeine Medizin FMH,
vom 1. März 2010 (act. G 12.1) kann im vorliegenden Verfahren keine Berücksichtigung
mehr finden. Bei einer erheblichen Verschlechterung des Gesundheitszustands seit
dem Erlass der angefochtenen Verfügung steht es dem Beschwerdeführer frei, sich
erneut bei der Beschwerdegegnerin zu melden.
2.4 Da von weiteren medizinischen Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu
erwarten sind, ist dem Eventualantrag des Beschwerdeführers nicht stattzugeben
(antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157 E. 1d).
3.
3.1 Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 80%, gilt
es die erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Beim
Einkommensvergleich sind die Zahlen für das Jahr 2008 (frühestmöglicher
Rentenbeginn; vgl. nachfolgend E. 3.8) heranzuziehen.
3.2 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die
Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Es ist in der Regel vom
letzten Lohn, welchen die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
erzielt hat, auszugehen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2001, I 42/01, mit
Hinweisen). Diese Praxis wird mit der empirischen Feststellung begründet, dass die
bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall in der Regel weitergeführt worden wäre (Urteil
des Bundesgerichts vom 29. August 2002, I 97/00). Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen,
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in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes
Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 76 f. E. 3b/aa und
bb, mit Hinweisen).
3.3 Beim Valideneinkommen ist daher auf das Einkommen abzustellen, welches der
Beschwerdeführer im Jahr 2007 bei der C._ AG ohne Gesundheitsschaden erzielt
hätte. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist dabei das erzielte Einkommen
auf ein volles Arbeitspensum aufzurechnen, weil der Beschwerdeführer - wie in der
Replik (act. G 12 S. 5f. E.6) überzeugend ausgeführt wird - im Gesundheitsfall zu 100%
erwerbstätig gewesen wäre. Somit ist vorliegend von einem Jahreseinkommen 2007
von Fr. 71'500.-- (13 x Fr. 5'500.--; IV-act. 14/17) auszugehen. Dem Arbeitsvertrag
zwischen der C._ AG und dem Beschwerdeführer mit Gültigkeit ab 1. Mai 2009 ist
keine Lohnerhöhung zu entnehmen (IV-act. 41), weshalb auch für das Jahr 2008
unverändert von einem Valideneinkommen von Fr. 71'500.-- auszugehen ist.
3.4 Unbestrittenermassen ist das Invalideneinkommen anhand der Tabellenlöhne der
LSE zu bestimmen. Aufgrund der gesundheitsbedingten Einschränkungen ist dem
Beschwerdeführer noch eine leichte Hilfstätigkeit zumutbar, weshalb die LSE-Tabelle
TA1, Privater Sektor, Total Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten)
anzuwenden ist. Im Jahr 2008 lag der Durchschnittslohn für einen Mann bei einer
wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden bei Fr. 4'806.--. Aufgerechnet auf die 2008
vorherrschende durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden ergibt
sich bei einem 80% Pensum ein Jahreseinkommen von Fr. 47'983.--.
3.5 Zu beurteilen bleibt die Frage, in welchem Umfang ein sogenannter Leidensabzug
auf dem Invalideneinkommen vorzunehmen ist. Nach der Rechtsprechung können die
statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass versicherte Personen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der
Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412
E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
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unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage sind. Dabei
handelt es sich um einen allgemeinen behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78
E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen - auch von invaliditätsfremden Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab
(namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische Vornahme des Leidensabzugs ist
unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481
E. 4.2.3 mit Hinweisen).
3.6 Da der Beschwerdeführer selbst für leichte Hilfstätigkeiten gesundheitsbedingt
eingeschränkt ist sowie unter Berücksichtigung des Alters des Beschwerdeführers
erscheint ein Abzug von 15%, wie er auch von der Beschwerdegegnerin zugestanden
wird, angemessen. Das Invalideneinkommen beläuft sich demnach auf Fr. 40'786.--.
3.7 Aus der Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens ergibt
sich ein Invaliditätsgrad von 43% und damit ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.8 Bezüglich des Rentenbeginns gilt es zu beachten, dass sich der
Beschwerdeführer im Februar 2008 zum Leistungsbezug bei der IV angemeldet hat,
weshalb gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG ein Rentenanspruch grundsätzlich erst sechs
Monate später entstehen könnte. Gestützt auf das Rundschreiben Nr. 253 des
Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) "5. IV-Revision und Intertemporalrecht"
vom 12. Dezember 2007 ist diese Regelung, wonach die Rente erst sechs Monate
nach Anmeldung gezahlt werden kann, für alle Fälle nicht anwendbar, in denen das
Wartejahr vor dem 1. Januar 2008 zu laufen begann und im Jahr 2008 erfüllt wurde. In
diesen Fällen reicht es, wenn die Anmeldung spätestens am 31. Dezember 2008
eingereicht wird. Die Rente kann dann abweichend von Art. 29 Abs. 1 IVG ab Ablauf
des Wartejahres gezahlt werden. Vorliegend ist aufgrund der Aktenlage davon
auszugehen, dass das Wartejahr im Januar 2007 ausgelöst wurde, da der
Beschwerdeführer nach dem am 8. November 2006 erlittenen Unfall noch bis am 6.
Januar 2007 gearbeitet hat. Da somit das Wartejahr im Januar 2008 abgelaufen ist,
steht dem Beschwerdeführer - gestützt auf das erwähnte Rundschreiben des BSV und
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die bis 31. Dezember 2007 gültige Version des IVG - ab 1. Januar 2008 eine
Viertelsrente der Invalidenversicherung zu.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde die Verfügung vom 3. August 2009 aufzuheben und dem
Beschwerdeführer ab Januar 2008 eine Viertelsrente auszurichten. Die Sache ist zur
Festsetzung der Rentenhöhe an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Der Beschwerdeführer ist mit seiner Beschwerde lediglich teilweise
durchgedrungen, weshalb die Verfahrenskosten und die Parteientschädigung
grundsätzlich nach dem Ausmass des Obsiegens zu verteilen bzw. zu bemessen
wären. Da die quantitative Überklagung den Prozessaufwand nicht beeinflusst hat, ist
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung allerdings von einem vollen Obsiegen
auszugehen (vgl. BGE 117 V 407 E. 2c; Urteile des Bundesgerichts vom 3. Dezember
2010, 8C_568/2010, E. 4.2 und vom 26. Mai 2010, 9C_94/2010, E. 4.3).
4.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen; dazu
kommen Fr. 100.-- Barauslagen für die Zusatzabklärung bei Dr. B._ (act. G 18). Die
Beschwerdegegnerin trägt die gesamten Verfahrenskosten. Dem Beschwerdeführer ist
der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
4.4 Der obsiegende Beschwerdeführer hat einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung für die Kosten der Vertretung und Prozessführung (Art. 61 lit. g
ATSG). Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei insbesondere der
Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen ist. Vorliegend
erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP
bis
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