Decision ID: 3c33acb4-303a-5add-89dc-761f090b678b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1948,
war im Rahmen der obligatorischen Kranken
pflegeversicherung bei der
Stiftung Krankenkasse
Y._
versichert
,
als
er
vom
2
3.
bis
2
5.
August 2017 stationär
im
Spital
Z._
behandelt wurde. Hierfür stellte d
as
Spital
Z._
mit TP-Rechnung vom
6.
September 2017 insgesamt
Fr.
2‘708.85
in Rechnung
(vgl.
Urk.
7/8)
. In der Folge forderte die Stiftung Krankenkasse
Y._
vom Versicherten mit Rechnung vom 1
9.
September 2017
(vgl.
Urk.
3/5 und
Urk.
7/7
)
Fr.
2‘150.15, welcher Betrag unter anderem einen Spitalbeitrag
des Versicherten
von 3 Tagen à
Fr.
15.-- enthielt.
Am 1
5.
November 2017 beantragte der Versicherte per E-Mail den Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung, zumal er die Ansicht vertrat, lediglich für zwei Spitalaufenthaltstage beitragspflichtig zu sein (vgl.
Urk.
7/6). Mit Verfügung vom 1
0.
November 2017 (
Urk.
7/5) hielt die Stiftung Krankenkasse
Y._
daran fest, dem Versicherten für seinen Spitalaufenthalt vom 2
3.
bis 2
5.
August 2017 drei Spitalbeiträge à
Fr.
15.-- in Rechnung zu stellen.
Die dagegen vom Versicherten am
8.
Dezember 2
017 erhobene Einsprache (
Urk.
7/4
) wies die
Stiftung
Krankenkasse
Y._
mit
Einspracheentscheid
vom 2
2.
Dezember 2017 ab (
Urk.
7/3
=
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
8.
Januar 2018 Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
der
Stiftung
Krankenkasse
Y._
vom 2
2.
Dezember 2017 (
Urk.
2) und beantrag
t
e, die Anzahl der Aufenthaltstage sei mit zwei zu bestimmen und
es seien zwei Spitalbeiträge ab
zurec
hnen und nicht drei (
Urk.
1 S. 1
)
.
Mit Beschwerdeantwort vom
9.
Februar 2018 (
Urk.
6) beantragte die Stiftung Krankenkasse
Y._
die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde
führer am 2
3.
März 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Gemäss
Art.
64 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) beteili
gen sich die Versicherten an den Kosten der für sie erbrachten Leistungen (
Abs.
1). Die Versicherten leisten zudem einen nach der finanziellen Belastung der Familie abgestuften Beitrag an die Kosten des Aufenthalts im Spital. Der Bun
desrat setzt den Beitrag fest (
Abs.
5).
1
.3
Gestützt auf diese Delegationsnorm hat der Bundesrat
Art.
104 der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) erlassen. Nach dessen
Abs.
1 beträgt der tägliche Beitrag an die Kost
en des Aufenthalts im Spital 15
Franken.
1.4
Gemäss
Art.
49
Abs.
1 KVG vereinbaren die Vertragsparteien für die Vergütung der stationären Behandlung
einschliesslich
Aufenthalt und Pflegeleistungen in einem Spital (
Art.
39
Abs.
1) oder einem Geburtshaus (
Urk.
29) Pauschalen. In der Regel sind Fallpauschalen festzulegen.
SwissDRG
(Swiss Diagnosis
Related
Groups) ist das Tarifsystem für stationäre akutsomatische Spitalleistungen,
welches
die Vergütung der stationären Spital
leistungen nach Fallpauschalen schweizweit einheitlich regelt
.
1.5
In den Regeln und Definitionen zu
r
Fallbearbeitung unter
SwissDRG
bemisst sich nach Ziffer 1.5 die Aufenthaltsdauer in Tagen nach dem Austrittdatum minus Eintrittsdatum minus Urlaubstage. Als Aufenthaltstag gelten demnach der Auf
nahmetag sowie jeder weitere Tag des Spitalaufenthalts ohne Verlegungs- oder Entlassungstag. Vollständige Urlaubstage zählen ebenfalls nicht zur Aufenthalts
dauer.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dem Beschwerdeführer sei in einer dem Streitwert von
Fr.
15.-- angemessenen Kürze erläutert worden, weshalb drei Spitalbeitragstage abgerechnet worden seien. Daran werde unverändert festgehalten mit dem ergänzenden Hinweis, dass der Grundsatz gelte, wonach das hierarchisch übergeordnete Gesetz (KVG und KVV) die hierarchisch tieferstehende Norm (
SwissDRG
) übersteure. Selbst wenn die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Auslegung des
SwissDRG
geltend würde, würde diese von den übergeordneten Normen von
Art.
64 KVG und
Art.
104
Abs.
1 KVV aufgehoben. Das rechtliche Gehör sei gewährt worden (S.
1).
Da der Beschwerdeführer an drei Kalendertagen im Spital gewesen sei, ergebe dies eine Gesamtbelastung von dreimal
Fr.
15.--, also
Fr.
45.--. Weder das
Bun
desgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
noch die
Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV)
enthielten eine vom gesetzlichen Wortlaut abweichende Lösung. Ein Tag sei ein Tag und keine mathematische Addition von Stunden mit einem Teiler von 2
4.
Der Spitalbeitrag sei auch nicht nach
SwissDRG
zu berechnen, sondern nach den ge
nannten gesetzlichen Grundlagen (
Urk.
6 S. 2 II).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend, er sei vom 2
3.
bis 2
5.
August 2017 stationär im
Spital
Z._
behandelt worden, welches im Tarif
SwissDRG
die Tarifziffer G09B in Rechnung gestellt habe. Die Krankenkasse habe ihm drei Spitalbeiträge abgerechnet.
Auf der TP-Spitalrechnung sei beim Posten Behandlung/Tage die Anzahl zwei angegeben worden. Aus
Art.
104
Abs.
1 KVV lasse sich nichts zur Zählung der Spitalkosten
tage entnehmen (S. 1 Mitte
, S. 3 Mitte
). Seine Aufenthaltsdauer für die Kosten sei nach
SwissDRG
zu berechnen und der Entlassungstag sei kein Aufenthaltstag (S.
2 oben
, S. 2 unten f.
).
3.
3
.
1
Unbestrittenermassen trat der Beschwerdeführer am 2
3.
August 2017 in das
Spital
Z._
für einen stationären Aufenthalt ein und am 2
5.
August 2017 wieder aus. Zu prüfen ist nachfolgend, ob die Beschwerdegegnerin dem Be
schwerdeführer
hierfür
zu Recht
Beiträge für
drei Spitalaufenthaltstage in Rech
nung gestellt hat.
3
.
2
Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass sich weder
Art.
64 KVG noch
Art.
104 KVV zur Berechnung der Anzahl der Tage bei einem Spitalaufenthalt äussern. So
verweist
Art.
64
Abs.
5
KVG
hinsichtlich dem Beitrag an die Kosten des Aufenthaltes im Spital auf
Art.
104
Abs.
1 KVV, worin dieser auf
Fr.
15.-- festgelegt w
ird
(vgl. vorstehend E. 1.2-3)
.
Vorliegend wurde in der am
6.
September 2017 durch das
Spital
Z._
nach dem
Fallpauschalensystem
der
SwissDRG
ausgestellten TP-Rechnung
unter dem Posten «Behandlung/Tage»
lediglich zwei Tage angegeben
(vgl.
Urk.
7/8)
.
Dass
SwissDRG
enthält im Unterschied zu den
genannten
gesetzlichen Bestim
mungen in
Ziff.
1.5 eine klare Regelung zur Berechnung der Anzahl der Spital
aufenthaltstage,
indem insbesondere
der Austrittstag nicht hinzuzuzählen ist
(vgl. vorstehend E. 1.5). Dieser Berechnungsmethode ist
vorliegend auch das
Spital
Z._
bei seiner
TP-Rechnung vom
6.
September 2017
gefolgt.
Weshalb die Beschwerdegegnerin entgegen der Spitalrechnung drei Spitalaufent
haltstage in Rechnung stellt
(vgl.
Urk.
3/5,
Urk.
7/7)
,
ist nicht nachvollziehbar
, zumal
sich eine von der Spitalrechnung abweichende Berechnung nicht aus dem Gesetz und der Verordnung ergibt und
auch
ihre
Allgemeinen Bedingungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (
Urk.
7/1)
keine Regelung zur Be
rechnung
der
Spitalaufenthaltstage
enthält
, welche die
se
Abweichung von der in der TP-Rechnung
vom
6.
September
2017
(vgl.
Urk.
7/8
) durch das
Spital
Z._
festgesetzten Anzahl
von
zwei
Tagen
erklären würde.
3.3
Aufgrund des Gesagten ist demnach
die vom Beschwerdeführer gegen den
Ein
spracheentscheid
vom
2
2.
Dezember 2017 (
Urk.
2)
erhobene Beschwerde gutzu
heissen und festzustellen, dass er
für den Aufenthalt im
Spital
Z._
vom 2
3.
bis 2
5.
August 201
7
lediglich für zwei Tage Spitalaufenthalt beitragspflichtig ist.
4
.
Das Verfahren ist kostenlos.