Decision ID: d6588ccc-8443-4691-9f86-e3a830d0faa8
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1967 geborene
X._
ist
als Ingenieur bei der
Y._
AG angestellt und dadurch bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert
.
M
it Bagatellunfallmeldung UVG vom
1
3.
August 2018
liess er
einen Schadenfall vom 3
1.
Juli 2018 melden
. Der Unfallmeldung ist zu entnehmen, beim Verstauen
eines
Koffer
s
im Zug sei ein starker Schmerz im linken Knie aufgetreten
(
Urk.
8/1).
Die Erstkonsultation fand telefonisch
bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
, statt,
welcher eine
Magnetresonanz
tomographie (MRT)
veranlasste (Urk. 8/9 S.
1). Die
MRT-Untersuchung des linken Knies
wurde am 1
5.
August 2018 durchgeführt und zeigte laut
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Radiologie,
einen Lappenriss am medialen
Meniskus
hinterhorn
ohne disloziertes Fragment, Grad I Zerrung des medialen Kollateral
bandes, keine
höhergradige
Chondropathie
, kein
bone
bruise
sowie eine Baker-Zyste (Urk. 8/8).
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, nannte in seinem Bericht vom 2
2.
August 2018 als Diagnosen eine symptomati
sche mediale Meniskusläsion Knie links sowie einen Status nach
arthroskopischer
Meniskusresektion bei
inkarzerierter
medialer
Meniskushinterhornläsion
Knie rechts am
1.
Februar 2018 (Urk. 8/4 S. 1).
Am 30.
August 2018
führte er
im Z
entrum
C._
eine Arthroskopie mit medialer
Meniskektomie
und
Steadman
-Bohrungen am medialen
Kondyl
durch (Urk. 8/5).
Nach Vorlage des Dossiers bei ihrem Versicherungsmediziner med.
pract
.
D._
, Facharzt für Chirurgie (Urk. 8/10),
teilte die Suva dem Versicherten mit Schreiben vom 1
1.
September 2018 mit, sie lehne ihre Leistungspflicht ab, da weder ein Unfall
ereignis vorliege noch die Voraussetzungen zur Übernahme des Schadenfalles als unfallähnliche Körperschädigung erfüllt seien (Urk. 8/11 S. 1).
Nachdem der Ver
sicherte am 12. September 2018 dagegen opponiert
hatt
e
(
Urk.
8/12)
,
lehnte die Suva ihre Leistungspflicht mit Verfügung vom 1
7.
September 2018 ab. Dies mit der Begründung, dass die Beschwerden des Versicherten weder auf einen Unfall noch auf eine unfallähnliche Körperschädigung zurückzuführen seien (Urk. 8/13). Die dagegen vom Versicherten am 2
6.
September 2018 erhobene Einsprache (Urk. 8/16 S. 1-2)
wies die Suva nach Einholung der ärztlichen Beurteilung durch med.
pract
.
D._
vom
5.
November 2018 (Urk. 8/24) mit
Einspracheent
scheid
vom 2
8.
Januar 2019 ab (Urk. 8/32 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 2
8.
Januar 2019 erhob der Versicherte am 13. Februar 2019
(Datum des Poststempels)
Beschwerde und beantragte sinnge
mäss, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die
geset
zlichen Versicherungsleistungen zu erbringen
(
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
2.
April 2019 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdefüh
rer am 1
5.
April 2019 mitgeteilt wurde (
Urk.
9).
Auf die Ausführungen der Parteien und die
eingereicht
en Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Abs. 2): Knochenbrüche (
lit
. a), Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskus
risse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Band
läsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h).
1.
2
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesund¬heit
oder den Tod zur Folge hat.
1.3
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermu
tung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vorwie
gend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Gemäss BGE 146 V 51 ergibt sich aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der
vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen
erinnerlichen
und benennbaren Ereignis - nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes (Versi
cherungsdeckung; Zuständigkeit des Unfallversicherers; Berechnung des versi
cherten Verdienstes; intertemporalrechtliche Fragestellungen) - auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter respektive harmloser Art, so verein
facht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfallversiche
rers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachpersonen zu beurteilen
den Abgrenzungsfrage ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweiskräftige ärztliche Einschät
zungen - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit - nachzu
weisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, das heisst im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzu
führen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnüt
zung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Entlas
tungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere Abklärungen erübrigen (E. 8.6).
1.4
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V
231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE
125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Ab
klärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E.
4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen Entscheid auf den Stand
punkt,
ein Unfallereignis im rechtlichen Sinne sei mangels eines ungewöhnlichen äusseren Faktors zu verneinen (
Urk.
2 S. 3). Der diagnostizierte Meniskusriss ent
spreche zwar einer Listendiagnose gemäss
Art.
6
Abs.
2 UVG, jedoch sei diese gemäss der überzeugenden kreisärztlichen Beurteilung
mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit vorwiegend auf Abnutzung und Erkrankung zurückzuführen (
Urk.
2 S. 4).
2.2
Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde vom 1
3.
Februar 2019 vor, er sei vor dem Unfall absolut beschwerdefrei, kerngesund und fit gewesen (
Urk.
1 S. 1). Er habe bei der im Zug ausgeführten Bewegung etwas im Knie gehört und umgehend bemerkt, dass der Meniskus eingeklemmt worden sei (
Urk.
3 S. 1). Am Folgetag habe er dann nur noch unter Zuhilfenahme eines Stockes gehen können (
Urk.
1 S. 1 und
Urk.
3 S. 1).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 1
2.
April 2019 verwies die Suva erneut auf die kreisärztliche Beurteilung (
Urk.
7 S. 3) und verneinte eine Ungewöhnlichkeit und damit ein Unfallereignis unter Anführung der bundesgerichtlichen Kasuistik zu ähnlichen Ereignissen (
Urk.
7 S. 2-3).
3.
3.1
Dr.
A._
beschrieb in seinem MRT-Befund vom 1
5.
August 2018 einen Lappenriss am medialen
Meniskushinterhorn
ohne disloziertes Fragment, eine Zer
rung des medialen Kollateralbandes (Grad I), eine mässige Reduktion der Kno
r
pelbreite der Belastu
ngszone ohne
subchondrales
Knochenmarksödem (Grad II), eine
septierte
Baker-Zyste und eine leichte Bursitis des
Pes
anserinus
sowie eine
Knorpeldelamination
zweiten Grades
im
femoropatellären
Kompartiment, indes weder eine
höhergradige
Chondropathie
noch ein
B
one
bruise
(Urk. 8/8).
3.
2
Dr.
B._
führte in seinem Bericht vom 2
2.
August 2018 aus, der Beschwer
deführer habe sich vor drei Wochen - mi
t einem schweren Koffer beladen
-
eine Kniegelenksdistorsion zuge
zogen. Sofort seien immobilisierende Schmerzen im linken Kniegelenk aufgetreten, welche sich erst wieder mit der Zeit gelöst hätten. Trotz der akuten Schmerzen habe der Beschwerdeführer seinen Urlaub in Schweden verbracht und mehrere Wanderungen unternommen. Nach seiner Rückkehr sei sofort eine MRI-Untersuchung in die Wege geleitet worden (Urk. 8/4 S. 1). Das in der Folge durchgeführte MRI habe eine komplexe Meniskusläsion gezeigt (
Bericht vom 3
0.
August 2018,
Urk. 8/5 S. 1).
3.
3
Dem
Arthroskopiebericht
vom 3
0.
August 2018 ist ferner zu entnehmen, im
Femoropatellargelenk
habe sich eine
Chondromalazie
zweiten bis dritten Grades an der medialen
Patellafacette
gezeigt. Im medialen Kompartiment sei
femoral
seitig
zur
Notch
hin in der belastenden Zone eine umschriebene
,
bis auf den Knochen reichende
Knorpelläsion mit mehreren losen Knorpelfragmenten auszu
machen gewesen
. Der lose Knorpel sei
während der Operation
débridiert
und der entstandene runde Defekt mit sechs bis sieben Millimetern Durchmesser sei mit drei
Steadman
-Bohrungen versorgt worden (Urk. 8/5 S. 2).
3.
4
Med.
pract
.
D._
hielt in seiner Beurteilung vom
5.
November 2018 fest, bei der mit einer zeitlichen Latenz von 15 Tagen durchgeführten MRI-Untersuchung des linken Kniegelenkes seien keine frischen Läsionen wie ein sogenannter
Bone
bruise
subchondral
oder eine Fraktur
auszumachen gewesen. Intraoperativ sei dann eine umschriebene Knorpelläsion am medialen
Femurkondylus
beschrieben worden und es habe eine ausgeprägte
Chondromalazie
Grad zwei bis drei retro
patellar vorgelegen
. Diese ausgeprägte
Chondromalazie
mit freiliegendem Knochen, die Baker
-Z
yste sowie die retropatellare
Chondromalazie
seien typische Zeichen einer degenerativen Veränderung, welche auch eine entsprechende
Menis
kopathie
nach sich ziehen könne
, wie sie bei 51-Jährigen häufig alte
rsent
sprechend vorzufinden sei
. Laut einer grossen prospektiven Studie hätten in der Gruppe der 50- bis 59-Jährigen bei 60
%
der asymptomatischen und bei 63
%
der symptomatischen Probanden, welche eine
Chondromalazie
Grad zwei oder mehr aufwiesen, gleichzeitig degenerative
Meniskopathien
vorgelegen. Ferner sei ein Sprung aus der Höhe von einem halben Meter
nicht geeignet, eine entspre
che
nde Läsion am Meniskus herzvorzurufen. Hinzu komme, dass andernfalls im MRT entsprechende Knochenreaktionen (
Bone
bruise
oder ähnliches) zu sehen gewesen wären. Sodann wäre im Falle eines Torsionsmoments mit entsprechender Reaktion des Kollateralbandes
eine Läsion des Meniskus kapselnah entstanden, da der mediale Meniskus an der medialen Kapsel fixiert sei. Ein
Radiärriss
, wie er intraoperativ beschrieben worden sei, komme hingegen häufig als ausgewalzt degenerativ vor. Med.
pract
.
D._
zog demnach den Schluss, die vorliegende Listendiagnose sei mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf Abnutzung und Erkrankung zurückzuführen
(Urk. 8/24 S. 2).
4.
4.1
Zu prüfen ist vorab, ob sich ein Unfall im Rechtssinne (
Art.
4 ATSG) zugetragen beziehungsweise ob ein ungewöhnlicher äusserer Faktor die Knieverletzung des Beschwerdeführers verursacht hat.
D
as
Tatbestandsmerkmal der Ungewöhnlichkeit
ist
dann erfüllt, wenn der äussere Faktor nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist (BGE 134 V 72 E. 4.1). Bei Schädigungen, die sich auf das Körperinnere beschränken, unterliegt der Nachweis eines Unfalls insofern strengen Anforderungen, als die unmittelbare Ursache der Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt werden muss, denn ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbe
dingter Ursachen besteht (BGE 99 V 136 E. 1). Der äussere Faktor ist zentrales Element eines jeden Unfallereignisses; er ist Gegenstück zur - den Krankheitsbe
griff konstituierenden - inneren U
rsache (BGE 134 V 72 E. 4.1, E.
4.3.2.1; 118 V
283 E. 2a; Urteil
des Bundesgerichts
8C_268/2019 vom
2.
Juli 2019 E. 3).
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aus
senwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhn
licher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1 mit Hinweisen). Ohne besonderes Vorkomm
nis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalles zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2 mit Hinweis).
Das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit wurde entwickelt, um die
«
tausend
fältigen kleinen und kleinsten Insulte des täglichen Lebens, die als solche gänzlich unkontrollierbar sind und deshalb nur beim Hinzutreten von etwas Besonderem Berücksichtigung finden sollen
»
, aus dem Unfallbegriff auszuscheiden. Das Merk
mal des Ungewöhnlichen macht den alltäglichen Vorgang zum einmaligen Vor
fall. Einwirkungen, die aus alltäglichen Vorgängen resultieren, taugen in aller Regel nicht als Ursache einer Gesundheitsschädigung. Liegt der Grund somit allein im Innern des Körpers, ist Krankheit gegeben. Daran ändert die blosse Aus
lösung des Gesundheitsschadens durch einen äusseren Faktor nichts; Unfall setzt vielmehr begrifflich voraus, dass das exogene Element so ungewöhnlich ist, dass eine endogene Verursachung ausser Betracht fällt
(
Urteil
des Bundesgerichts
8C_842/2018 vom
6.
Mai
2019 E. 3.3.1
mit Hinweisen)
.
Zur Beurteilung der Frage, ob ein Unfall angenommen werden kann, ist daher zu prüfen, ob es um einen im betreffenden Lebensbereich alltäglichen und üblichen
Vorgang geht, zu dem nichts Besonderes (
«
Programmwidriges
»
oder
«
Sinnfälli
ges
»
) hinzugetreten ist, oder ob ein solches Zusatzgeschehen - und mit diesem das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors im Sinne einer den normalen Bewegungsablauf störenden Programmwidrigkeit - gegeben ist (vgl. BGE 134 V
72 E. 4.3.2.1).
4.2
Der Bagatellunfallmeldung vom 1
3.
August 2018 ist zu entnehmen, der Be
schwerdeführer habe am 3
1.
Juli 2018 im Zug einen Koffer verstaut, wobei ein starker Schmerz im linken Knie aufgetreten sei (
Urk.
8/1).
Anlässlich des Telefonats mit der Suva vom
6.
September 2018 gab der Beschwer
deführer an, er habe im Zug etwas unter dem Sitz verstauen wollen, sei dabei in die Hocke gegangen und habe sich gleichzeitig gedreht. Dabei habe er sich das Knie verdreht und ein «
Krosen
» gehört (
Urk.
8/9 S. 1). In seinem Schreiben vom 1
2.
September 2018 führte er aus, er habe im Zug beim Verstauen des Gepäcks unter den Sitzbänken ein Knacken im linken Knie gehört und bemerkt. Zum Ver
stauen habe er in gebeugter Stellung eine Rotation durchgeführt. Danach habe er sich ins Bett gelegt und am Folgetag habe er nur noch mit Hilfe eines Stockes gehen können. Ihm sei klar gewesen, dass der Meniskus Schaden genommen habe (
Urk.
8/12). Am 2
6.
September 2018 präzisierte er, er habe auf einer Sitzfläche gestanden, habe eine grosse Tasche aus dem oberen Gepäckfach genommen und sei mit Schwung in den Zwischenraum gesprungen, wo er die Tasche mit einer Rotationsbewegung unter den Sitzflächen habe verstauen wollen. Bei einem fah
renden Zug in Lappland wackle und ruckle es, sodass die ausgeführte Bewegung mit der Zusatzlast zu gross für das unbewusst stärker belastete linke Knie gewesen sei (
Urk.
8/16 S. 1).
4.3
Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den Unfallher
gang ist auf die Beweismaxime abzustellen, wonach die so genannten spontanen
«
Aussagen der ersten Stunde
»
in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Über
legungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE
121 V 45 E. 2a;
115 V 133 E. 8; RKUV 2004 Nr. U
524 S. 546, U 236/03 E.
3.3.4; RKUV 200
4 Nr. U 502 S. 183, U 322/02 E.
4).
4.4
Gestützt auf die grundsätzlich massgebliche erste Schilderung des Ereignisses kann als erstellt gelten, dass der Beschwerdeführer im Zug ein Gepäckstück (unter einem Sitz) verstaute, wobei ein starker Schmerz im linken Knie auftrat. Da er über eine Gesundheitsschädigung klagt, die sich auf das Körperinnere beschränkt, müsste nach der dargelegten Rechtsprechung zur Annahme des erforderlichen Begriffsmerkmals der Ungewöhnlichkeit ein schadensspezifisches Zusatzgesche
hen erstellt sein. An einem solchen besonderen Vorkommnis fehlt es indessen.
Der Bewegungsablauf des Beschwer
deführers beim Ereignis vom 31.
Juli 2018 wurde nicht durch etwas Programmwidriges oder Sinnfälliges wie
ein
Ausgleiten,
ein
Stolpern,
ein
reflexartiges Abwehren eines Sturzes oder Ähnliches gestört. Die von ihm in den
späteren Stellungnahmen (vom 6.
September 2018 und vom 1
2.
September 2018;
Urk.
8/9 S. 1 und
Urk.
8/12) geschilderten Umstände, dass er beim Verstauen des Gepäcks in die Hocke gegangen und sich gleichzeitig gedreht habe beziehungsweise in gebeugter Stellung eine Rotation durchgeführt habe, fallen noch in die gewöhnliche Bandbreite der Bewegungsmuster beim Ver
stauen eines Gepäckstücks unter einem Sitz. Soweit er im Schreiben vom 2
6.
September 2018 (
Urk.
8/16) erstmals ausführte, er sei vor dem eigentlichen Verstauvorgang mit dem Gepäckstück in der Hand von der Sitzfläche in den Fussraum zwischen den Sitzen gesprungen, kann
offen gelassen
werden, ob dieser Vorgang - entgegen dem Dafürhalten der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
2 S. 3 E
. 1 b) - ebenfalls als erstellt gelten kann, da auch dem geschilderten Sprung auf den Fussboden die Ungewöhnlichkeit ohne Weiteres abzusprechen wäre. Im Übrigen trat nach den früheren Schilderungen des Beschwerdeführers der Schmerz auch erst nach dem Verstauen des Gepäcks unter dem Sitz
auf
, nachdem er ein «Knacken» beziehungsweise ein «
Krosen
» im linken Knie gehört habe, und nicht etwa bereits nach dem Sprung. Ein solcher Sprung fand denn auch in den ärztlichen Berichten keinen Niederschlag. Das blosse Auftreten von Schmerzen mit einem «Knacken» oder «
Krosen
» im linken Knie ist
aber
kein äusserer (schädigender) Faktor (vgl. BGE 129 V 466 E. 4.2.1).
Soweit der Beschwerdeführer erstmals in der Beschwerdeschrift geltend macht, beim Sprung von der Sitzfläche habe er sein linkes Knie verdreht und sich bei dieser ruckartigen Bewegung verletzt (
Urk.
1 S. 1), womit er seinen früheren Aus
führungen widerspricht, erscheint dies nicht
als
glaubhaft und es kann darauf
insbesondere
mit Blick auf
die Beweismaxime
der
«
Aussagen der ersten Stunde
»
(E
. 4.
3
hiervor) nicht abgestellt werden.
Dem vom Beschwerdeführer geschilderten Vorgang des Verstauens des Gepäcks, mangelt es
nach dem Gesagten
am verlangten Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors, weshalb das Ereignis vom 3
1.
Juli 2018 nicht als Unfall im Rechtssinne zu qualifizieren ist und eine Leistungspflicht der Beschwerdegegne
rin unter diesem Titel entfällt. Die Einwendungen des Beschwerdeführers vermö
gen an diesem Ergebnis nichts zu ändern.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin wegen einer un
fallähnlichen Körperschädigung im Sinne von
Art.
6
Abs.
2
lit
. c UVG (vgl. E.
1.3 vorstehend).
5
.2
Einig sind sich die Parteien darüber, dass ein Meniskusriss und damit eine Lis
tenverletzung gemäss
Art.
6
Abs.
2
lit
. c UVG vorlag. Dies steht in Einklang mit der medizinischen Aktenlage, zumal
Dr.
A._
einen Lappenriss am medialen
Meniskushinterhorn
beschrieb (Urk. 8/8) und
Dr.
B._
einen radiären Ein
riss am medialen
Meniskushinterhorn
angab (Urk. 8/5 S. 2).
5
.3
Med.
pract
.
D._
schilderte in nachvollziehbarer Weise
sowie unter Bezug
nahme auf eine Studie
,
dass es sich bei der ausgeprägten
femoralen
Chondro
malazie
mit freiliegendem Knochen und mit dem Vorliegen einer Baker
-Z
yste sowie bei der zusätzlich vorliegenden retropatellaren
Chondromalazie
um typi
sche Zeichen einer degenerativen Veränderung handle
,
welche auch eine entspre
chende
Meniskopathie
nach sich ziehen könne (Urk. 8/24 S. 2).
Bei einer
Chondromalazie
respektive
Chondromalacia
patellae
handelt es sich um eine nachgewiesene Erwei
ch
ung
des
Patellaknorpels
, als degenerative Veränderung oder als aseptische Knochennekrose (Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 263. Auflage 2012, S. 378).
Vor diesem Hintergrund und angesichts dessen, dass
keine frischen Läsionen wie beispielsweise ein
B
one
bruise
subchondral
oder eine Fraktur vorlagen, überzeugt die Einschätzung von med.
pract
.
D._
, wonach die Listendiagnose vorwiegend auf Abnutzung und Erkrankung zurückzuführen ist (Urk. 8/24 S. 2). Dabei reicht es aus, dass
die
Listenverletzung
im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50
%
auf Abnutzung oder Erkrankung zurückz
u
führen ist (BGE 146 V 51 E. 8.5-8.6
beziehungsweise vorstehende E. 1.3
).
Dass der Vorfall vom 3
1.
Juli 2018 gegebenenfalls eine geringere Teilursache darstellt
, respektive dass der Meniskusriss teilweise auf einem Trauma beruht
, steht dem Gelingen des Entlastungsbeweises durch die Beschwerdegegnerin nicht entgegen
(vgl. auch KOSS -
Hürzeler
/
Kieser
, Art. 6 UVG, N 45 f.)
. Indes überzeugt die plau
sible Angabe von med.
pract
.
D._
, wonach der Sprung aus einer Höhe von etwa einem halben Meter nicht geeignet war, die am Meniskus aufgefundene Läsion zu verursachen, und dass ein Torsionsmechanismus bei feststehendem Un
terschenkel - wenn dann - zu einer kapselnahen Läsion geführt hätte (Urk. 8/24 S. 2), sodass die eigentliche Ursache nicht im Vorfall vom 31. Juli 2018 zu sehen ist.
Dieser Auffassung stehen keine gegenteiligen ärztlichen Einschätzungen gegenüber, sodass keine Zweifel
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der von med.
pract
.
D._
vorgenommenen Beurteilung
bestehen
. Vielmehr kommt dieser Beweiskraft zu (vgl. E. 1.4 vorstehend)
.
5
.4
Mit der Argumentation, er sei zuvor
beschwerdefrei,
kern
gesund und fit gewesen (
Urk.
1 S. 1)
,
stützt sich
der Beschwerdeführer
auf die Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc», nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist. Diese Argumentation ist jedoch gemäss der bundesgerichtlichen Rechts
prechung nicht zulässig und ver
mag zum Beweis natürlicher Kausalzusammenhänge nicht zu genügen (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1). Nicht jede nach einem Unfall aufgetretene ge
sundheitliche Störung muss zwin
gend in einem kausalen Zusammenhang mit die
sem stehen (Urteil des Bundesge
richts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1).
5
.5
Nach dem Gesagten liegt zwar eine Listenverletzung im Sinne von
Art.
6
Abs.
2
lit
. c UVG vor, jedoch ist diese
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
vorwiegend - also
zu mehr als 50
%
-
auf Abnützung
oder Erkrankung zurückzuführen, so
dass der Beschwerdegegnerin der
in
Art.
6
Abs.
2 UVG vorgesehene
Entlastungs
beweis gelungen ist. Demnach hat sie
auch
ihre Leistungspflicht
unter diesem Titel
zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.