Decision ID: 41e194e8-d182-51d8-8565-083205d79b8c
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin, eine eritreische Staatsangehörige mit letztem
Wohnsitz in C._ (Distrikt Barentu, Region Gash-Barka), verliess ihr
Heimatland eigenen Angaben zufolge am 16. August 2014 zu Fuss in Rich-
tung Sudan. Anschliessend sei sie nach Libyen gelangt und von dort aus
in einem Schiff nach Italien. Am 16. September 2015 sei sie von Italien
herkommend illegal in die Schweiz eingereist. Gleichentags suchte sie im
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._ um Asyl nach. Am
28. September 2015 wurde dort eine verkürzte Befragung zu Herkunft, Do-
kumenten, Reiseweg und Drittstaataufenthalt durchgeführt. Zudem wurde
ihr das rechtliche Gehör zu allfälligen gesundheitlichen Problemen ge-
währt. In der Folge wurde sie für die Dauer des Verfahrens dem Kanton
E._ zugewiesen. Am 18. Mai 2016 wurde die Beschwerdeführerin
zu ihren Asylgründen angehört.
A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen geltend, sie habe Eritrea verlassen, weil dort keine Freiheit
herrsche. Sie habe in Eritrea mit ihren Eltern zusammen auf dem Land
gelebt. Um einer drohenden Zwangsheirat zu entgehen, sei sie im März
2012 erstmals aus Eritrea ausgereist und bis Ägypten gelangt. Dort sei sie
jedoch von den Behörden vier Monate lang inhaftiert und danach im No-
vember 2012 zurück nach Eritrea geschickt worden. Bei der Einreise sei
sie mehrfach befragt worden. Sie habe sich zudem monatlich bei den Be-
hörden melden müssen und habe befürchtet, zum Militärdienst eingezogen
zu werden. Ihre Eltern hätten wiederum Heiratsvorbereitungen für sie ge-
troffen, und diesmal habe sie sich nicht gross gewehrt; sie habe letztlich
geheiratet, um von den Behörden in Ruhe gelassen zu werden. Auch nach
der Heirat habe sie teilweise noch bei den Eltern gewohnt. Ihr Vater habe
immer wieder schriftliche Aufforderungen der Militärbehörden erhalten, wo-
nach er ein Gewehr tragen solle, und habe sich deshalb meistens ausser
Haus aufgehalten. Eines Tages im Juni 2014, als sie zusammen mit dem
Vater nach Hause zurückgekommen sei, seien die Militärbehörden gekom-
men und hätten ihren Vater geschlagen. Ihm sei die Flucht gelungen, aber
die Militärs hätten dafür ihre Mutter mitgenommen. Ihre Geschwister seien
danach alleine gewesen. Sie habe sich abwechselnd bei ihrem Mann und
ihren Geschwistern aufgehalten, habe aber so nicht mehr weiterleben wol-
len. Daher habe sie sich zur Ausreise entschieden. Von ihrem in Israel le-
benden Onkel habe sie in der Zwischenzeit erfahren, dass sich ihr Vater
den Behörden gestellt habe und die Mutter daraufhin freigelassen worden
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sei. Der Vater lebe nun ebenfalls wieder zuhause, müsse aber ein Gewehr
tragen. Sie sei zusammen mit ihrem Ehemann aus Eritrea ausgereist. Im
Sudan sei ihr Sohn zur Welt gekommen. Sie und ihr Mann seien von Libyen
aus separat in die Schweiz weitergereist. In der Zwischenzeit habe sie sich
von ihrem Mann getrennt.
A.c Die Beschwerdeführerin reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Ver-
fahrens die kirchliche Taufurkunde des Sohnes sowie eine kirchliche Hei-
ratsurkunde zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 23. Dezember 2016 – eröffnet am 24. Dezember 2016
– stellte die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flücht-
lingseigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab und verfügte die Weg-
weisung aus der Schweiz. Gleichzeitig ordnete sie infolge Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführe-
rin und ihres Kindes an.
C.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 23. Januar 2017 focht
die Beschwerdeführerin diesen Entscheid teilweise an. Sie beantragte da-
bei, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und es sei ihre Flücht-
lingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren, eventuell sei sie
als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG sowie um amtliche Verbeiständung gemäss Art. 110a AsylG ersucht.
Der Beschwerde lag eine Kopie der angefochtenen vorinstanzlichen Ver-
fügung bei.
D.
Mit Eingabe vom 24. Januar 2017 reichte der Sozialdienst Asyl des Kan-
tons Luzern eine Sozialhilfe-Bescheinigung betreffend die Beschwerdefüh-
rerin zu den Akten.
E.
Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom
27. Januar 2017 gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung (Art. 110a Abs. 1
AsylG) wurde ebenfalls gutgeheissen, und die Beschwerdeführerin wurde
aufgefordert, innert Frist einen Rechtsbeistand oder eine Rechtsbeiständin
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vorzuschlagen, andernfalls die unentgeltliche Rechtsvertretung durch den
Instruktionsrichter bestellt werde.
F.
Nachdem die Beschwerdeführerin diese Frist ungenutzt verstreichen liess,
ordnete ihr der Instruktionsrichter mit Verfügung vom 9. März 2017 Frau
Sonia Lopez als amtliche Rechtsbeiständin bei und räumte dieser eine Frist
zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung ein.
G.
Mit Eingabe vom 25. April 2017 reichte die Rechtsvertreterin eine Be-
schwerdeergänzung zu den Akten. Dieser Eingabe lagen eine Vollmacht
vom 12. April 2017 sowie eine Kostennote vom 26. April 2017 bei.
H.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 10. Mai 2017 vollumfänglich
an seiner Verfügung fest.
I.
Die Beschwerdeführenden liessen darauf mit Eingabe vom 18. Mai 2017
replizieren, wobei die in der Beschwerde gestellten Anträge bestätigt wur-
den. Der Eingabe lag eine aktualisierte Kostennote vom 18. Mai 2017 bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer Vor-
instanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sach-
gebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach
ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung von Be-
schwerden gegen Entscheide des SEM, welche in Anwendung des Asyl-
gesetzes (AsylG; SR 142.31) ergangen sind, und entscheidet in diesem
Bereich endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme besteht
nicht.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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Seite 5
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Die Beschwerdeführenden wurden infolge Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen. Diesbezüglich
wurde die vorinstanzliche Verfügung nicht angefochten. Damit beschränkt
sich das vorliegende Beschwerdeverfahren auf die Fragen, ob die Be-
schwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft erfüllen und ihnen deswe-
gen Asyl zu gewähren und auf die Wegweisung zu verzichten oder sie zu-
mindest als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen sind.
4.
4.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in
dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen An-
schauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgrün-
den ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaub-
haft gemacht werden. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vor-
handensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Un-
glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu
wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht
entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-
tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 6
4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl.
Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings-
eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach
Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss-
bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden
Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft
machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu
BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H.).
5.
5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids
im Wesentlichen aus, die geltend gemachten Verfolgungsmassnahmen
(Suche der Behörden nach dem Vater sowie Festnahme der Mutter) hätten
nicht der Beschwerdeführerin gegolten. Die familiäre Situation sei dadurch
zwar schwierig geworden, allerdings wäre diese beispielsweise durch den
Beizug von Drittpersonen für die Betreuung der Geschwister zu bewältigen
gewesen. Die genannten Ausreisegründe seien daher nicht asylrelevant.
Auch das Vorbringen, wonach die Beschwerdeführerin nach ihrer ersten
Ausreise und Rückkehr nach Eritrea einer Meldepflicht unterstellt gewesen
sei, sei nicht asylrelevant, zumal die Beschwerdeführerin ihr Heimatland
erst im Sommer 2014 aus anderen Gründen verlassen habe. Sodann habe
sie vorgebracht, sie habe ihr Heimatland illegal verlassen und befürchte,
deswegen im Falle einer Rückkehr ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu
werden. Diesbezüglich sei festzustellen, dass nach aktuellen Erkenntnis-
sen der Nationaldienststatus das wichtigste Kriterium für den Umgang der
eritreischen Behörden mit zwangsweisen Rückkehrern darstelle. Die ille-
gale Ausreise spiele dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Im Falle der
Beschwerdeführerin sei festzustellen, dass sie ihren Angaben zufolge we-
der den Nationaldienst verweigert habe noch aus dem Dienst desertiert sei.
Demnach habe sie nicht gegen die „Proclamation on National Service“ aus
dem Jahr 1995 verstossen, und den Akten sei auch sonst nichts zu ent-
nehmen, was darauf hinweisen würde, dass sie bei einer Rückkehr nach
Eritrea ernsthafte Nachteile zu gewärtigen hätte. Die geltend gemachte il-
legale Ausreise sei daher ungeachtet der Frage ihrer Glaubhaftigkeit als
flüchtlingsrechtlich unbeachtlich zu qualifizieren. Die Flüchtlingseigen-
schaft sei daher zu verneinen.
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5.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Vorbringen der Be-
schwerdeführerin bezüglich Meldepflicht und Anhalten zwecks Rekrutie-
rung stellten Fluchtgründe nach Art. 3 Abs. 1 AsylG dar. Aufgrund ihrer ille-
galen Flucht gelte sie in Eritrea als Deserteurin und Landesverräterin. Die
zu erwartende Bestrafung sei asylrechtlich relevant und ausserdem be-
gründet, da Kontakt zu den Militärbehörden bestanden habe. Daher sei die
Beschwerdeführerin als Flüchtling anzuerkennen, und es sei ihr Asyl zu
gewähren. Zumindest müsse sie aufgrund ihrer illegalen Ausreise als
Flüchtling anerkannt und vorläufig aufgenommen werden, da die illegale
Ausreise nach ständiger Rechtsprechung als subjektiver Nachfluchtgrund
gelte (Verweis auf mehrere Urteile des Bundesverwaltungsgerichts). Diese
Rechtsprechung sei unabhängig vom Alter der betroffenen Person gültig.
Gemäss BVGE 2010/54 müsse sich das SEM grundsätzlich an die Recht-
sprechung des Bundesverwaltungsgerichts halten; falls es davon abwei-
che, müsse es bestimmte Regeln beachten. Diese in BVGE 2010/54 auf-
gestellten Regeln für das korrekte Vorgehen bei einer Praxisanpassung
habe das SEM vorliegend nicht beachtet. Im Übrigen liege ohnehin kein
zureichender Grund für die Notwendigkeit einer Änderung der publizierten
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts in Bezug auf Eritrea vor, da keine
neuen Herkunftsland-Informationen vorlägen, welche eine neue Praxis be-
gründen könnten. Aus Sicht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH)
stehe vielmehr fest, dass keine Belege vorlägen, wonach Personen, die
nicht in Kontakt mit dem Nationaldienst gestanden hätten, keine flüchtlings-
rechtlich relevante Gefährdung riskierten. Zudem sei festzustellen, dass
das SEM in seinem Bericht „Focus Eritrea: Update Nationaldienst und ille-
gale Ausreise“ vom 22. Juni 2016 selbst zugebe, dass die Informationslage
in vielen Bereichen unklar sei. Ferner sei darauf hinzuweisen, dass das
SEM bei seiner Entscheidfindung die geltenden Country of Origin Informa-
tion (COI) Standards nicht respektiert habe. Seine Erkenntnisse basierten
auf einer äusserst dünnen Quellenlage; überdies stütze sich die Vorinstanz
in mehreren Fällen einzig auf Informationen des eritreischen Regimes, wel-
che durch keine weiteren Quellen anderer Art bestätigt würden. Ver-
schiedentlich würden die Informationen zudem aus dem Kontext gerissen,
und das SEM unterlasse es oftmals, relativierende Angaben zu machen.
Insgesamt sei die Informationsgrundlage nicht ausreichend, um eine Pra-
xisänderung zu begründen. Vielmehr könne aufgrund der bestehenden In-
formationen und angesichts der in Eritrea herrschenden Willkür und Unsi-
cherheit nicht ausgeschlossen werden, dass illegal ausgereiste Personen
weiterhin als Regimegegner erachtet würden und deshalb begründete
Furcht hätten, bei einer Rückkehr ernsthaften Nachteilen im Sinne von
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Seite 8
Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. Die weiterhin problematische Men-
schenrechtssituation in Eritrea spreche ebenfalls für diese Auffassung
(Verweis auf den Bericht des UN-Menschenrechtsrates vom 8. Juni 2016);
dieser werde im Übrigen von allen europäischen Staaten Rechnung getra-
gen. Sodann sei zu berücksichtigen, dass es gemäss der Auffassung des
UNO-Menschenrechtsausschusses nicht nötig sei, dass die betroffene
Person mit Gewissheit im Heimatland Folter oder unmenschlicher Behand-
lung ausgesetzt werde; vielmehr stelle bereits das Risiko der Folter ein
Vollzugshindernis dar. Ein solches Risiko bestehe bei illegal aus Eritrea
ausgereisten Personen. Schliesslich sei zu beanstanden, dass das SEM
von der beschwerdeführenden Person sinngemäss verlange, sich im Falle
einer Rückkehr nach Eritrea diskret zu verhalten, um Verfolgungshandlun-
gen zu vermeiden (Bezahlung der 2%-Steuer sowie Unterzeichnung eines
Reueschreibens). Dies komme einem „Diskretionserfordernis“ gleich, was
problematisch sei und schon von verschiedenen Gerichten als unzulässig
bezeichnet worden sei. Die illegale Ausreise stelle bereits an sich einen Akt
politischer Opposition dar. Die Beschwerdeführerin habe die Konsequen-
zen gekannt und diese in Kauf genommen. Es könne ihr nicht zugemutet
werden, sich mit dem Reueschreiben schuldig zu bekennen respektive sich
zu entschuldigen und das eritreische Regime mit Steuergelder zu unter-
stützen.
5.3 In der Beschwerdeergänzung wird angefügt, es bestünden im vorlie-
genden Fall auch frauenspezifische Fluchtgründe. Die Beschwerdeführerin
sei nämlich zwangsverheiratet worden. Sie sei dadurch psychisch und phy-
sisch beeinträchtigt worden. Ihr Selbstbestimmungsrecht sei missachtet,
ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt und wahrscheinlich sei sie auch in
ihrer körperlichen Integrität verletzt worden. Der eritreische Staat sei be-
züglich zwangsverheirateten Frauen nicht schutzwillig. Die einzige Alterna-
tive sei die Leistung von Militärdienst, welcher der Sklaverei ähnle und wo
es regelmässig zu sexuellen Übergriffen komme. Der Staat dränge die
Frauen so quasi dazu, sich durch Verheiratung diesen Konsequenzen zu
entziehen. Ferner sei für den vorliegenden Fall festzustellen, dass die Be-
schwerdeführerin ihre Meldepflicht gegenüber den Militärbehörden verletzt
habe. Zudem stelle die illegale Ausreise ein Akt der Opposition dar. Die
Beschwerdeführerin weise daher ein Gefährdungsprofil auf und wäre bei
einer Ausschaffung nach Eritrea der Gefahr einer flüchtlingsrechtlich rele-
vanten Verfolgung ausgesetzt.
5.4 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung hinsichtlich der geltend ge-
machten Zwangsheirat aus, den Aussagen der Beschwerdeführerin sei zu
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Seite 9
entnehmen, dass sie im Zusammenhang mit der Eheschliessung keinen
ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen sei.
Zwar habe sie keinen ausdrücklichen Wunsch zur Eheschliessung gehabt
und sei damit lediglich dem Wunsch der Eltern nachgekommen. Es sei je-
doch nicht ersichtlich, dass ein besonderer Druck bestanden habe. Ausser-
dem habe sie unter anderem vorgebracht, sie habe der Ehe zugestimmt,
da sie Angst vor einer behördlichen Mitnahme gehabt habe. Dies stelle in-
dessen kein von den Eltern ausgeübter Zwang zur Heirat dar. Schliesslich
sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin ihr Heimatland zu-
sammen mit ihrem Ehemann verlassen habe. Aufgrund des Gesagten
stehe fest, dass die Eheschliessung nicht mit Massnahmen im Sinne von
Art. 3 AsylG verbunden gewesen sei. Vielmehr habe es sich um eine ar-
rangierte Ehe gehandelt. Daher bestehe auch kein Anlass zur Annahme
einer zukünftigen diesbezüglichen Verfolgung.
5.5 In der Replik wird entgegnet, junge Frauen hätten in Eritrea die Wahl
zwischen Zwangsrekrutierung und Zwangsheirat. Die Beschwerdeführerin
habe dem Wunsch ihrer Eltern nachgegeben und geheiratet, um eine
Zwangsrekrutierung zu vermeiden. Ihre Eltern hätten sie geschlagen, wenn
sie die Ehe abgelehnt hätte. Insofern sei sie in eine Zwangslage versetzt
worden. Der eritreische Staat sei bezüglich Frauen, die zwangsverheiratet
würden, nicht schutzwillig.
6.
Nachfolgend ist zunächst zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und die Asylgesuche ab-
gelehnt hat.
6.1 Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie sei nach ihrer Rückkehr
aus Ägypten im November 2012 verpflichtet worden, sich monatlich bei den
Immigrationsbehörden in Barentu zu melden (vgl. B23 S. 5). Nachdem sie
geheiratet habe, sei sie jedoch nicht mehr hingegangen (vgl. B23 S. 15).
Diese Meldepflicht stellt für sich genommen offensichtlich keine relevante
Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG dar, zumal sie bei
weitem nicht intensiv genug ist, um einen ernsthaften Nachteil darzustel-
len. Zudem ist festzustellen, dass es für die Beschwerdeführerin offenbar
keine Konsequenzen hatte, dass sie dieser Meldepflicht nach ihrer Heirat
im Februar 2014 nicht mehr nachkam. Daraus kann gefolgt werden, dass
sie im damaligen Zeitpunkt nicht unter spezieller Beobachtung durch die
eritreischen Behörden stand. Es ist bei dieser Sachlage auch nicht davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin infolge der geltend gemachten
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Seite 10
Verletzung der Meldepflicht im Falle einer Rückkehr nach Eritrea asylrele-
vante Nachteile zu gewärtigen hätte. Dieses Vorbringen ist daher insge-
samt als nicht asylrelevant zu qualifizieren.
6.2 Bezüglich der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Suche
der Militärbehörden nach ihrem Vater und der vorübergehenden Fest-
nahme der Mutter zwecks Druckausübung auf den Vater ist festzustellen,
dass sich diese Verfolgungshandlungen nicht gegen die Beschwerdefüh-
rerin richteten. Insbesondere ist ihren Vorbringen nicht zu entnehmen, dass
sich die Militärbehörden dabei (auch) für sie interessiert und ihr dabei kon-
krete Nachteile zugefügt oder ihr solche in Aussicht gestellt hätten. Viel-
mehr erklärte die Beschwerdeführerin ausdrücklich, sie sei damals in Ruhe
gelassen worden (vgl. B23 S. 8). Die geltend gemachten Behelligungen
ihrer Eltern sind daher als nicht asylrelevant zu erachten.
6.3 Ferner gab die Beschwerdeführerin zu Protokoll, sie sei zur Heirat ge-
drängt worden. Auf Beschwerdeebene wird geltend gemacht, es habe sich
dabei um eine asylrelevante Zwangsheirat gehandelt. Diesbezüglich ist
aufgrund der Aktenlage festzustellen, dass es sich bei der von der Be-
schwerdeführerin eingegangenen Ehe zwar durchaus um eine arrangierte
Ehe gehandelt haben dürfte, dass jedoch das Zwangselement (vgl. dazu
Art. Art. 181a des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember
1937 [StGB, SR 311.0]) nicht gegeben ist. Gemäss Art. 181a StGB liegt
eine Zwangsheirat nämlich nur dann vor, wenn jemand durch Gewalt oder
Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner
Handlungsfreiheit genötigt wird, eine Ehe einzugehen (vgl. zum Ganzen
auch Botschaft zum Bundesgesetz über Massnahmen gegen Zwangshei-
raten vom 23. Februar 2011, BBl 2011 2185). Den Ausführungen der Be-
schwerdeführerin zufolge wurden ihr seitens ihrer Eltern jedoch weder Ge-
walt zugefügt noch ernstliche Nachteile angedroht. Die Beschwerdeführe-
rin erklärte vielmehr, ihre Eltern hätten nichts Böses im Sinn gehabt, und
es wäre ihr wahrscheinlich nicht viel geschehen, wenn sie nicht in die Hei-
rat eingewilligt hätte (vgl. B23 S. 15). Sie ergänzte, sie wäre möglicher-
weise geschlagen worden; dabei handelt es sich indessen um eine blosse
Vermutung, und es bestehen keine Hinweise dafür, dass die Schläge, wel-
che die Beschwerdeführerin allenfalls hätte in Kauf nehmen müssen, die
Intensität von ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG auf-
gewiesen hätten. Immerhin hat sie sich eigenen Angaben zufolge schon
früher einmal durch Ausreise der arrangierten Ehe entzogen, ohne dass
sie deswegen von ihren Eltern in irgendeiner Weise bestraft wurde. Es ist
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Seite 11
daher davon auszugehen, dass die Handlungsfreiheit der Beschwerdefüh-
rerin bezüglich der Frage der Eheschliessung trotz des Drucks seitens ihrer
Eltern nie ernsthaft eingeschränkt war. Den Akten zufolge fühlte sich die
Beschwerdeführerin offenbar einerseits aus sittlichen Gründen dazu ver-
pflichtet, den Wunschkandidaten ihrer Eltern zu heiraten, andererseits wil-
ligte sie letztlich auch deshalb in die Heirat ein, weil sie befürchtete, als
unverheiratete junge Frau zukünftig zum Militärdienst einberufen zu wer-
den. Im Ergebnis kann jedenfalls nicht erkannt werden, dass die Beschwer-
deführerin gegen ihren ausdrücklichen Willen und unter Androhung von
ernsthaften Nachteilen von ihren Eltern zur Eheschliessung gezwungen
wurde. Das entsprechende Vorbringen entbehrt damit der asylrechtlichen
Relevanz.
6.4 Die Beschwerdeführerin behauptet sodann das Vorliegen von subjekti-
ven Nachfluchtgründen. Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbeson-
dere illegales Verlassen des Heimatlandes (sogenannte Republikflucht),
Einreichung eines Asylgesuches im Ausland oder aus der Sicht der heimat-
staatlichen Behörden unerwünschte exilpolitische Betätigung, wenn sie die
Gefahr einer zukünftigen Verfolgung begründen. Personen mit subjektiven
Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden
jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Durch Republikflucht zum
Flüchtling wird, wer sich aufgrund der unerlaubten Ausreise mit Sanktionen
seines Heimatstaates konfrontiert sieht, die bezüglich ihrer Intensität und
der politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3
Abs. 2 AsylG darstellen.
6.4.1 Vorliegend stellt sich demnach die Frage, ob die Beschwerdeführerin
infolge der von ihr geltend gemachten illegalen Ausreise aus dem Heimat-
staat bei einer Rückkehr nach Eritrea befürchten müsste, ernsthaften
Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden.
6.4.2 Nach einer eingehenden Analyse der Lage in Eritrea in Bezug auf die
Möglichkeit der Ausreise und die wahrscheinlichen Konsequenzen einer
nachweislich illegalen Ausreise ist das Gericht in seinem Referenzurteil
D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 unter Berücksichtigung von Berichten
verschiedener Organisationen und in Würdigung der Erkenntnisse aus ver-
schiedenen Fact-Finding-Missionen in Eritrea zum Ergebnis gelangt, dass
die bisherige Praxis, wonach eine illegale Ausreise aus Eritrea per se zur
Flüchtlingseigenschaft führt, nicht mehr aufrechterhalten werden könne.
Insbesondere sei nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise
D-476/2017
Seite 12
aus Eritrea eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung drohe. Es sei un-
bestritten, dass Personen aus der Diaspora in nicht unerheblichem Aus-
mass (für kurze Aufenthalte) nach Eritrea zurückkehrten, und es sei anzu-
nehmen, dass sich unter diesen Personen auch solche befänden, welche
Eritrea illegal verlassen hätten. Es scheine bei den eritreischen Behörden
ein gewisses Umdenken bezüglich der Verfolgung von Rückkehrern statt-
gefunden zu haben, und es sei fraglich, inwiefern die Strafbestimmungen
der illegalen Ausreise überhaupt noch zur Anwendung gelangten. Die bis-
herige Annahme, wonach sich Eritreer aufgrund einer unerlaubten Aus-
reise mit Sanktionen ihres Heimatstaates konfrontiert sähen, die aufgrund
ihrer Intensität und der politischen Motivation des Staates als ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG qualifiziert werden müssten,
könne vor diesem Hintergrund nicht mehr aufrechterhalten werden. Es
fehle insbesondere an einem politischen Motiv; denn wenn die Rückkehr –
selbst wenn es sich nur um einen kurzen Aufenthalt im Heimatland handle
– problemlos verlaufe, so spreche dies gegen die Annahme, wonach illegal
ausgereiste Personen generell als Verräter betrachtet würden. Gegen eine
bestehende flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsgefahr spreche auch
der Umstand, dass illegal ausgereiste Personen nach einer gewissen Zeit
den Diaspora-Status erhalten könnten, der eine gefahrlose (vorüberge-
hende) Rückkehr ermögliche. Eine etwaige Bestrafung aufgrund des Um-
standes, dass der Status mit den eritreischen Behörden vor der Rückkehr
nicht geregelt worden sei, insbesondere die 2%-Steuer nicht entrichtet wor-
den sei, sei sodann nicht auf ein asylrelevantes Motiv (Politmalus) zurück-
zuführen. Auch das Risiko, nach der Rückkehr in den Nationaldienst ein-
gezogen zu werden, sei flüchtlingsrechtlich nicht relevant, da es sich dabei
ebenfalls nicht um eine Massnahme handle, welche aus flüchtlingsrechtlich
relevanten Motiven erfolge. Ob eine drohende Einziehung in den National-
dienst unter dem Aspekt von Art. 3 EMRK oder des Verbots der Sklaverei
und der Zwangsarbeit gemäss Art. 4 EMRK relevant sein könnte, betreffe
die Frage der Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs. Gestützt auf diese Erwägungen ist das Gericht zum
Schluss gekommen, dass die geltend gemachte Furcht vor ernsthaften
Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG allein aufgrund einer illegalen Aus-
reise nicht als objektiv begründet erscheine (vgl. ebenda, E. 5.1). Im Kon-
text von Eritrea reiche somit alleine die illegale Ausreise zur Begründung
der Flüchtlingseigenschaft nicht aus. Vielmehr bedürfe es hierzu zusätzli-
cher Anknüpfungspunkte, welche zu einer Schärfung des Profils und
dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen
könnten (vgl. E. 5.2).
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Seite 13
6.4.3 Mit dem vorgenannten Koordinationsentscheid hat das Bundesver-
waltungsgericht die Zulässigkeit der von der Vorinstanz bereits im Juni
2016 öffentlich angekündigten und daraufhin umgesetzten Praxisänderung
sowie deren Vorgehen bestätigt. Die von der Beschwerdeführerin geltend
gemachte illegale Ausreise vermag gemäss den vorstehenden Ausführun-
gen keine Furcht vor einer zukünftigen flüchtlingsrechtlich relevanten Ver-
folgung zu begründen. Zusätzliche Anknüpfungspunkte im vorstehend er-
wähnten Sinn bestehen keine. Die Beschwerdeführerin verliess Eritrea als
Minderjährige und hatte den Akten zufolge vor ihrer Ausreise keinen Kon-
takt mit den eritreischen Behörden betreffend einen allfälligen Einzug in
den Nationaldienst. Entgegen den Vorbringen in der Beschwerde hatte sie
insbesondere auch keinen persönlichen Kontakt zu den Militärbehörden.
Sie erklärte selber, sie habe nie einen Aufruf zum Militärdienst erhalten (vgl.
B23 S. 11). Die von ihr geltend gemachte Meldepflicht bestand zudem nicht
gegenüber den Militär- sondern den Immigrationsbehörden (vgl. B23 S. 5).
Es sind ferner auch keine anderweitigen Faktoren ersichtlich, welche die
Beschwerdeführerin in den Augen des eritreischen Regimes als misslie-
bige Person erscheinen lassen könnten.
6.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl-
gründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung
im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine entsprechende Verfol-
gungsfurcht glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Wegweisungsvollzug an (Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Da die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 23. Dezember 2016 infolge Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme der Be-
schwerdeführerin und ihres Kindes angeordnet hat, erübrigen sich praxis-
gemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglich-
keit des Wegweisungsvollzugs (vgl. dazu auch vorstehend E. 3).
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9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten den Be-
schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch
das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom
27. Januar 2017 gutgeheissen worden ist, sind vorliegend keine Verfah-
renskosten zu erheben.
10.2 Mit Verfügung vom 27. Januar 2017 wurde ausserdem das Gesuch
um unentgeltliche Verbeiständung gestützt auf Art. 110a Abs. 1 AsylG gut-
geheissen. Den Beschwerdeführenden ist sodann mit Verfügung vom
9. März 2017 Frau MLaw Sonia Lopez Hormigo als amtliche Rechtsbei-
ständin beigeordnet worden. Die Festsetzung des amtlichen Honorars für
die Rechtsbeiständin der unterlegenen Beschwerdeführenden erfolgt in
Anwendung der Art. 8-11 sowie Art. 12 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht (VGKE, SR 173.320.2). Wie bereits in der Verfügung vom 27. Ja-
nuar 2017 erläutert wurde, ist bei amtlicher Vertretung für nicht-anwaltliche
Vertreterinnen und Vertreter von einem maximalen Stundenansatz von
Fr. 150.– auszugehen, wobei nur der notwendige Aufwand zu entschädi-
gen ist. In der am 18. Mai 2017 eingereichten Kostennote wird ein zeitlicher
Aufwand von fünf Stunden geltend gemacht. Allerdings werden dabei von
der Rechtsvertretung auch Leistungen in Rechnung gestellt, welche vor
der Mandatierung durch die Beschwerdeführenden (am 12. April 2017) und
sogar noch vor der Beiordnung der Rechtsvertreterin als amtliche Rechts-
beiständin (mit Verfügung vom 9. März 2017) erfolgt sind, und zwar die
Positionen 1 und 2 der Kostennote à je 30 Minuten. Der zu entschädigende
Aufwand ist daher um eine Stunde auf vier Stunden zu kürzen. Die geltend
gemachte Auslagenpauschale von Fr. 54.– erscheint aufgrund der Akten-
lage ebenfalls als nicht begründet und ist daher nicht zu entschädigen. Der
ausgewiesene Stundenansatz von Fr. 180.– ist angesichts der vorstehen-
den Ausführungen betreffend den bei amtlicher Vertretung zu entschädi-
genden maximalen Stundenansatz auf Fr. 150.– festzusetzen. Das amtli-
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che Honorar beträgt somit insgesamt Fr. 648.– (inkl. Mehrwertsteuerzu-
schlag) und geht zulasten der Gerichtskasse des Bundesverwaltungsge-
richts.
(Dispositiv nächste Seite)
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