Decision ID: 22f4663d-192e-4387-bc6c-d6797795ca1b
Year: 2005
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. Gestützt auf den Bericht des beigezogenen Planungsbüros und den Antrag des Gemeinderates beschloss die Gemeindeversammlung Erlenbach am 9. Dezember 2002, Tempo-30-Zonen flächendeckend auf dem Gemeindegebiet einzuführen, und bewilligte dafür den entsprechenden Kredit. Insgesamt wurde das Gemeindegebiet in sieben Tempo-30-Zonen aufgeteilt, ohne Einbezug der Hauptverkehrsstrassen. In Zone 3 liegt die Pflugsteinstrasse, welche von der Laubholzstrasse abzweigt und zum höher gelegenen Pflugstein führt. Die Temporeduktion ist bis zur Einmündung der Holzwiesstrasse kurz unterhalb des Pflugsteins vorgesehen. Die Baukommission Erlenbach verabschiedete am 12. August 2003 das Konzept zur Einführung der Tempo-30-Zonen auf Gemeindegebiet. Für die Anwohner der Pflugsteinstrasse fand am 20. August 2003 eine öffentliche Orientierungsversammlung statt. Vorgesehen für die Pflugsteinstrasse waren neben der signalisationsmässigen Kennzeichnung als Tempo-30-Zone in erster Priorität total 11 Belagskissen ("Berliner Kissen" mit Ausweichschutz [Poller]), verschiedene Einengungen mit mobilen Betonelementen sowie Abgrenzungen des Gehbereichs mit Pollern und Rinnen.
Im Anschluss an die Orientierungsversammlung vom 20. August 2003 hatte neben anderen A, wohnhaft an der Pflugsteinstrasse, Einwendungen gegen die vorgesehenen Massnahmen zur Temporeduktion erhoben. Er hielt die Anzahl geplanter Belagskissen für unzumutbar und wollte die Tempo-30-Zone an der Pflugsteinstrasse auf die blosse Signalisation und ein Fahrverbot mit Zubringerdienst beschränkt haben, was das Planungsbüro in ablehnendem Sinn beurteilte.
Das Planungsbüro erstellte am 10. November 2003 das erforderliche Gutachten für die vorgesehene Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit (Art. 32 Abs. 3 des Strassenverkehrsgesetzes vom 19. Dezember 1958 [SVG]; Art. 108 Abs. 4 der Signalisationsverordnung vom 5. September 1979 [SSV]). Die Bau- und Planungskommission Erlenbach beantragte am 26. November 2003 bei der Kantonspolizei Zürich, die erforderlichen Schritte zur Einführung der Tempo-30-Zonen zu veranlassen. Am 5. März 2004 nahm die Kantonspolizei Zürich in zustimmendem Sinn Stellung zum Gutachten vom 10. November 2003 und zum bereinigten Projekt. In der Folge erliess die Direktion für Soziales und Sicherheit am 26. März 2004 die Verfügungen Nr. A 26'395 und A 26'401. In der ersterwähnten Verfügung wurde in der Tempo-30-Zone Nr. 3, wozu die Pflugsteinstrasse gehört, die Innerorts-Geschwindigkeit auf 30 km/h (Zone) festgesetzt. Sie regelte ferner Signalisation und Markierung dieser Zone und genehmigte die Torgestaltung und die Torstandorte. Weiter wurde der mit dem Gutachten eingereichte Massnahmenplan für die unterstützenden baulichen und markierungstechnischen Massnahmen für verbindlich erklärt. In der zweiten Verfügung hob die Direktion für Soziales und Sicherheit das Stop-Signal bei der Einmündung der Pflugstein- in die Laubholz- und Schulhausstrasse auf, ebenso die zugehörigen Markierungen. Der Inhalt beider Verfügungen wurde am 2. April 2004 öffentlich ausgeschrieben, jedoch ohne die Verbindlicherklärung des Massnahmenplans.
II.
Neben anderen liess A dagegen am 3. Mai 2004 Rekurs beim Regierungsrat einlegen und beantragen, die Festsetzung einer Tempo-30-Zone an der Pflugsteinstrasse sei aufzuheben. Ferner sei das Verfahren zu sistieren, damit die Realisierung von verkehrsberuhigenden (baulichen) Massnahmen und Verkehrsanordnungen mit dem Entscheid zur Festsetzung der Tempo-30-Zone koordiniert und gemeinsam eröffnet werden könne. Eventualiter sei auf die baulichen Massnahmen (Belagskissen) zu verzichten. Die beigeladene Gemeinde Erlenbach liess Abweisung des Rekurses beantragen und verlangte die Feststellung, dass der Rekurs formell nur die Verfügungen Nr. A 26'395 und A 26'401 betreffe und sich dessen aufschiebende Wirkung auf die Pflugsteinstrasse allein beschränke. Mit Entscheid vom 10. November 2004 wies der Regierungsrat die Rekurse ab, soweit er darauf eintrat und sie nicht gegenstandslos geworden waren.
III.
Dagegen liess A als einziger der Rekurrenten am 20. Dezember 2004 beim Verwaltungsgericht Beschwerde einlegen und folgende Anträge stellen:
"1. Unter Aufhebung des angefochtenen Entscheids sei die Festsetzung einer Tempo-30-Zone auf der Pflugsteinstrasse aufzuheben;
2. das Beschwerdeverfahren sei zu sistieren;
3. im Verfahren zur Festsetzung von verkehrsberuhigenden Massnahmen seien die baulichen Massnahmen und Verkehrsanordnungen (Tempo-30-Zone) zu koordinieren;
4. der Entscheid zur Festsetzung von baulichen Massnahmen auf der Pflugsteinstrasse sei gemeinsam mit dem Entscheid zur Festsetzung der Tempo-30-Zone zu eröffnen und öffentlich aufzulegen;
5. eventualiter sei die Festsetzung der baulichen Massnahmen (Belagskissen) aufzuheben;
6. es sei ein Augenschein durchzuführen;
7. (...)
8. unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Rekursgegner."
Die Gemeinde Erlenbach liess Abweisung der Beschwerde beantragen. Wie im Rekursverfahren verlangte sie die Beschränkung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde auf die Verfügungen A 26'395 und A 26'401 und die darin enthaltenen Verkehrsanordnungen allein betreffend die Pflugsteinstrasse. Die Direktion für Soziales und Sicherheit liess Abweisung der Beschwerde beantragen.

Die Kammer zieht in Erwägung:
Die Kammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Nach Art. 3 Abs. 2 SVG sind die Kantone befugt, für bestimmte Strassen Fahrverbote, Verkehrsbeschränkungen und Anordnungen zur Regelung des Verkehrs zu erlassen. Sie können diese Befugnis den Gemeinden übertragen unter Vorbehalt der Beschwerde an eine kantonale Behörde. Nach Abs. 4 derselben Bestimmung können andere Beschränkungen oder Anordnungen erlassen werden, soweit der Schutz der Bewohner oder gleichermassen Betroffener vor Lärm und Luftverschmutzung, die Sicherheit, die Erleichterung oder Regelung des Verkehrs, der Schutz der Strasse oder andere in den örtlichen Verhältnissen liegende Gründe dies erfordern. Aus solchen Gründen können insbesondere in Wohnquartieren der Verkehr beschränkt und das Parkieren besonders geregelt werden.
Solche Anordnungen polizeilicher Art, die durch Signale und/oder Markierungen angezeigt werden (im Unterschied zu solchen baulicher Art wie etwa Riegel, horizontale und vertikale Fahrbahnaufsätze, Belagskissen, Diagonalsperren etc.), gehören zu den funktionellen Verkehrsanordnungen, weil sie in der Regel mit Rücksicht auf die Funktion einer Strasse erlassen werden (Roger M. Meier, Verkehrsberuhigungsmassnahmen nach dem Recht des Bundes und des Kantons Zürich, Zürich 1989, S. 40 und 86 ff.; zu den baulichen Massnahmen derselbe, S. 101 ff.; René Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, 2. A., Bern 2002, Band I, Rz. 37 ff.; Tobias Jaag, Verkehrsberuhigung im Rechtsstaat, ZBl 87/1986, S. 289 ff., S. 294). Da gemäss der seit 1. Januar 2003 geltenden Fassung von Art. 3 Abs. 4 SVG gegen letztinstanzliche kantonale Entscheide über solche Massnahmen die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht möglich ist, kann nach der Grundordnung von § 41 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) auch gegen solche Massnahmen zuvor Beschwerde an das Verwaltungsgericht erhoben werden (RB 2003 Nr. 16 = VGr, 13. November 2003, VB.2003.00333, E. 1; VGr, 27. Mai 2003, VB.2003.00039, E. 1; VGr, 19. Juni 2003, VB. 2003.00095, E. 1a; alle Entscheide einsehbar unter www.vgrzh.ch; Schaffhauser, Rz. 136; anders (altrechtlich) noch RB 1998 Nr. 28). Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde daher zuständig. Die Legitimation des Beschwerdeführers ergibt sich entgegen der Ansicht der Mitbeteiligten aus seiner Betroffenheit als Anwohner der Pflugsteinstrasse, der diese regelmässig beansprucht und durch die vorgesehene Geschwindigkeitsbeschränkung und erschwerte Zufahrt zum Haus berührt ist (dazu Schaffhauser, Rz. 140; Alfred Kölz/Isabelle Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. A., Zürich 1998, Rz. 559; Jaag., S. 301 f.; RB 1991 Nr. 4; vgl. hinten E. 2.2).
1.2 Umstritten ist unter den Parteien, ob der Beschwerdeführer tatsächlich die Aufhebung der Tempo-30-Zone an der Pflugsteinstrasse verlangt hat, wie er geltend macht, oder ob er diesen Antrag nur im Zusammenhang mit der angeblichen Verletzung des Koordinationsgebots und/oder der behaupteten Unverhältnismässigkeit der baulichen Verkehrsberuhigungsmassnahmen gestellt hat, wie die Beschwerdegegnerin und die Mitbeteiligte ausführen lassen. In der Beschwerde hält der Beschwerdeführer jedenfalls an diesem Antrag fest und erachtet die vorgesehene Einführung von Tempo-30 auf der Pflugsteinstrasse angesichts deren Topografie als schmale und steile Strasse für überflüssig. Im Rekursverfahren äusserte er sich dazu zwar weniger ausführlich. Hingegen unterschied er auch dort klar zwischen der Einführung der Tempo-30-Zone und den damit verbundenen baulichen Anordnungen, welche ihm kumuliert eine Mehrbelastung (Lärm, Abgase) bescherten und ihm den Zugang zu seiner Liegenschaft erschwerten. Es ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bereits mit seinem Rekurs sowohl die Einführung der Tempo-30-Zone auf der Pflugsteinstrasse als auch die dazu vorgesehenen baulichen Massnahmen angefochten hat, letzterwähnte allerdings beschränkt auf die Aufhebung der Belagskissen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin und der Mitbeteiligten wird somit mit dem Beschwerdeantrag, die Festsetzung der Tempo-30-Zone aufzuheben, der Streitgegenstand nicht erweitert.
1.3 Die Beschwerdegegnerin verlangt, es sei der Umfang der aufschiebenden Wirkung der vorliegenden Beschwerde auf die Pflugsteinstrasse allein zu beschränken. Da in der Sache sogleich materiell entschieden wird, erweist sich dieser Antrag als gegenstandslos geworden.
1.4 Der Beschwerdeführer verlangt sodann einen Augenschein. Der Entscheid über die Anordnung eines Augenscheins steht im pflichtgemässen Ermessen der anordnenden Behörde. Eine dahingehende Pflicht besteht nur, wenn die tatsächlichen Verhältnisse auf andere Weise überhaupt nicht abgeklärt werden können. Dem ist vorliegend nicht so. Der Plan über das Vorprojekt zur Einführung von Tempo-30 auf der Pflugsteinstrasse enthält nicht nur eine grossmassstäbliche detailgetreue zeichnerische Wiedergabe der Pflugsteinstrasse, sondern auch diverse Fotos, welche die notwendigen Eindrücke zu vermitteln vermögen. Auf einen Augenschein ist daher zu verzichten.
1.4 Der Beschwerdeführer verlangt sodann einen Augenschein. Der Entscheid über die Anordnung eines Augenscheins steht im pflichtgemässen Ermessen der anordnenden Behörde. Eine dahingehende Pflicht besteht nur, wenn die tatsächlichen Verhältnisse auf andere Weise überhaupt nicht abgeklärt werden können. Dem ist vorliegend nicht so. Der Plan über das Vorprojekt zur Einführung von Tempo-30 auf der Pflugsteinstrasse enthält nicht nur eine grossmassstäbliche detailgetreue zeichnerische Wiedergabe der Pflugsteinstrasse, sondern auch diverse Fotos, welche die notwendigen Eindrücke zu vermitteln vermögen. Auf einen Augenschein ist daher zu verzichten.