Decision ID: 61d5aaf4-7dcf-4be6-9fa6-0e4b9705aff0
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
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A.
A.a Der 1959 geborene K._ war bei der F._ tätig und dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen
versichert, als er am 30. November 2007 bei der Postzustellung bzw. als er sich beim
Aufheben eines heruntergefallenen Briefs aufrichtete mit dem Kopf gegen eine runde,
vor einer Haustür zur Dekoration aufgehängte Holzwurzel stiess (Suva-act. I/1). Dr.
med. A._, Allgemeine Medizin FMH, bestätigte im Arztzeugnis vom 2. Januar 2008
eine Erstbehandlung am 5. Dezember 2007 und diagnostizierte ein Cervicovertebral-
sowie ein Cervicobrachialsyndrom linksseitig nach Kopfanprall links. Im Weiteren
attestierte er dem Versicherten ab 6. Dezember 2007 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit
(Suva-act I/8). Die auf Zuweisung von Dr. A._ am 10. Dezember 2007 im
Röntgeninstitut B._ durchgeführte röntgenologische Untersuchung der HWS und
BWS hatte eine Schief- und Streckhaltung der HWS, eine skoliotische Fehlhaltung der
oberen BWS, degenerative Veränderungen der HWS und Schmorl'sche Knoten im
mittleren und unteren BWS-Bereich ergeben (Suva-act. I/2). Ab 18. Dezember 2007
war der Versicherte von Dr. med. C._, Chiropraktor, wegen eines HWS-
Distorsionstrauma behandelt worden, worauf sich die Beschwerden sukzessive
zurückgebildet hatten (Suva- act. I/3, 9a). Am 9. Januar 2008 nahm der Versichert seine
Arbeit zu 37% und am 26. Januar 2008 wieder zu 100% auf (Suva-act. I/5, 6). Die Suva
erbrachte für den Unfall vom 30. November 2007 die gesetzlichen Leistungen
(Heilkosten- und Taggeldleistungen).
A.b Am 16. Oktober 2008 stürzte der Versicherte auf einer Pilgertour zu Fuss. Ein Rad
des von ihm gezogenen Gepäckwagens geriet über den Wegrand hinaus, sodass
dieser kippte. Deshalb und wegen des seitlichen Zugs auf seinen Körper verspürte er
einen zwickartigen Schmerz im Rücken, das linke Knie verdrehte sich und durch den
anschliessenden Sturz schlug er sich den linken Ellbogen an. In den folgenden Tagen
litt der Versicherte unter Rücken-, insbesondere LWS-Beschwerden, Arm- und
Kniebeschwerden. Nach einigen Tagen Pause nahm er den Fussmarsch wieder auf.
Kurz darauf kippte der Wagen abermals um und riss den Versicherten ein Stück weit
einen Hang hinunter. Die Beschwerden verstärkten sich dadurch erneut. Am
30. Oktober 2008 beschloss er, die Pilgertour abzubrechen (Suva-act. II/1, 16).
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A.c Am 31. Oktober 2008 konsultierte der Versicherte Dr. A._, der eine Epicondylitis
lateralis links, ein Hyperextensionstrauma des linken Kniegelenks sowie ein
Thorakovertebralsyndrom diagnostizierte und das ausschliessliche Vorliegen von
Unfallfolgen bestätigte. Der Arzt attestierte dem Versicherten ab 30. Oktober 2008 eine
100%-ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. II/2, 7). Ab dem 13. November 2008 wurde der
Versicherte in der Klinik Valens ambulant behandelt (Suva-act. II/8, 10). Die Suva
anerkannte auch für den Unfall vom 16. Oktober 2008 ihre Leistungspflicht und
erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilkosten- und Taggeldleistungen) (Suva-act.
II/5, 6).
A.d Während der Therapie in der Klinik Valens klagte der Versicherte zunehmend über
eine über die Beschwerden der Epikondylitis humeroradialis links hinausgehende
Schmerzausstrahlung in den linken Arm lateralseitig, beginnend vom cervicothorakalen
Übergang über den Schulterblattbereich, zum Teil axillär ziehend, und mit
Sensibilitätsstörung von Daumen und Zeigefinger links sowohl dorsal als auch
volarseitig. Kurzfristig sei es auch zu einem Einschlafen im Hand- und Fingerbereich
gekommen (Suva-act. II/10). Die am 25. November 2008 in der Klinik Stephanshorn,
Wirbelsäulenchirurgie Ostschweiz, St. Gallen, durchgeführte MRI-Untersuchung der
HWS zeigte eine interforaminale Diskushernie auf Höhe C6/7 links mit
Wurzelkompression C7 links und eine mittelgradige Chondrose (Suva-act. II/11). Die
Klinik Valens stellte darauf in ihrem Bericht vom 28. November 2008 die Diagnose:
Zervikoradikuläres Reizsyndrom C7 links mit/bei Osteochondrose C6/7 mit
linksforaminaler Diskushernie und sekundärer Stenose des Neuroforamens und somit
erklärbarer Alteration der austretenden C7-Wurzel, aktuell aufgetreten seit 19.
November 2008 (Suva-act. II/10). Am 8. Dezember 2008 erfolgte in der Klinik
Stephanshorn die operative Behandlung der Diskushernie (Suva-act. II/14).
A.e Nachdem die Suva die Akten ihrem Kreisarzt Dr. med. D._, Facharzt FMH für
orthopädische Chirurgie, zur ärztlichen Beurteilung unterbreitet und Dr. A._ um
Bericht über die unfallbedingte Behandlungsdauer und Arbeitsunfähigkeit ersucht hatte
(Suva-act. II/18, 19, 20), teilte sie dem Versicherten mit Schreiben vom 2. April 2009
mit, dass die heute bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, sondern
ausschliesslich krankhafter Natur seien. Der Zustand, wie er sich auch ohne Unfälle
eingestellt hätte (status quo sine), sei gemäss medizinischer Beurteilung spätestens am
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8. Dezember 2008 erreicht. Was die Unfallfolgen anbelange, müsse der Fall deshalb
per 8. Dezember 2008 abgeschlossen und müssten die Leistungen (Taggeldleistungen
und Heilkosten) per vorgenanntem Datum eingestellt werden (Suva-act. II/21). Der
Versicherte nahm dazu mit Schreiben vom 20. April 2009 Stellung (Suva-act. II/24).
A.f Mit Verfügung vom 13. Juli 2009 hielt die Suva an ihrer Leistungseinstellung per
8. Dezember 2008 fest (Suva-act. II/27).
B.
Die gegen diese Verfügung am 14. August 2009 erhobene Einsprache (Suva-act. II/29)
wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 15. September 2009 ab (Suva-act. II/31).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte mit Eingabe vom 12.
Oktober 2009 Beschwerde mit dem Antrag, der Einspracheentscheid sei aufzuheben
und der Fall sei zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Dazu sei ein neutrales Gutachten
zu erstellen. Der Kreisarzt der Suva, Dr. D._, solle den Beschwerdeführer zudem
persönlich untersuchen. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, des neutralen
Gutachtens und der Untersuchung durch Dr. D._ seien von der Beschwerdegegnerin
zu übernehmen. Zusammen mit der Beschwerde wurde ausserdem eine
Stellungnahme von Dr. med. E._, Leitender Arzt des Rehazentrums Leukerbad, vom
9. Oktober 2009 eingereicht.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 3. November 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde.
C.c Mit Replik vom 24. November 2009 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest. Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet.
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen
in den übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer über den 8. Dezember 2008 hinaus
Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung hat bzw. ob die am
8. Dezember 2008 operativ behandelte Diskushernie C6/C7 in einem natürlichen
Kausalzusammenhang zum Unfall vom 30. November 2007 stand. Nicht geltend
gemacht wird eine Kausalität zwischen der Diskushernie C6/7 und dem Unfall vom 16.
Oktober 2008. So lassen sich denn auch weder hinsichtlich des geschilderten
Unfallereignisses noch in den echtzeitlichen medizinischen Akten Hinweise dafür
finden, dass vom seitlichen Zug auf den Körper wegen des umkippenden
Gepäckwagens und vom nachfolgenden Sturz nebst der Lendengegend, dem
Kniegelenk und dem Oberarm auch der Halswirbelsäulenbereich betroffen gewesen
wäre (Suva-act. II/1, 2, 8, 16).
2.
2.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers gemäss Art. 6 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) setzt voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität,
Tod) ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Ob zwischen dem
schädigenden Ereignis und dem Gesundheitsschaden ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht
üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit
eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht
(BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). Wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss auch der Wegfall eines ursächlichen Zusammenhangs
zwischen dem Unfallereignis und den bestehenden Beschwerden mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Weil es sich dabei um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage,
ob eine leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht
beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45, 1994
Nr. U 206 S. 328; siehe ebenso BGE 117 V 261 E. 3b). Dabei muss jedoch nicht etwa
der Beweis für unfallfremde Ursachen erbracht werden. Welche Ursachen ein nach wie
vor geklagtes Leiden hat, ob es Krankheitsursachen, ein Geburtsgebrechen oder
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degenerative Veränderungen sind, ist unerheblich. Denn es ist nicht so, dass der
Unfallversicherer bei einmal bejahter Unfallkausalität so lange haftet, als er unfallfremde
Ursachen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen vermag.
Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre
kausale Bedeutung verloren haben, also dahin gefallen sind (RKUV 1994 Nr. U 206 S.
329 E. 3b). Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder
überhaupt erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers, wenn
entweder der (krankhafte) Zustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(status quo ante), oder aber derjenige Zustand, der sich nach dem schicksalsmässigen
Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne den Unfall früher oder später
eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b, 1992
Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen; siehe ebenso BGE 117 V 261 E. 3b in fine). Im
Rahmen der Prüfung des Dahinfallens der Leistungspflicht des Unfallversicherers
genügt es mithin für die Bejahung des fortbestehenden natürlichen
Kausalzusammenhangs, wenn der Unfall für die fragliche gesundheitliche Störung
immer noch eine Teilursache darstellt. Gemäss Art. 36 Abs. 1 UVG werden die
Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie die Taggelder und
Hilflosenentschädigungen nicht gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur
teilweise Folge eines Unfalls ist. Diese Bestimmung beinhaltet eine Durchführung des
Kausalitätsprinzips für Fälle, in denen ein Gesundheitsschaden durch das
Zusammenwirken konkurrierender, teils unfallbedingter, teils unfallfremder Ursachen
bewirkt worden ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1.
Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 18. Februar 2003
i/S S. [U 287/02] E. 4.4).
2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
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abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). Ausschlaggebend
für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft
eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a mit
Hinweisen). Auch den Berichten versicherungsinterner Ärzte kann
rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311). Eine
ärztliche Beurteilung auf Grund der Akten, wie sie vorliegend von Dr. D._ am 6. März
2009 (Suva-act. II/18) erstellt wurde, ist gleichfalls nicht an sich unzuverlässig. Für die
Beweistauglichkeit entscheidend ist, dass genügend Unterlagen von persönlichen
Untersuchungen vorliegen (RKUV 1988 Nr. U 56 S. 371). Erachtet das
Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen
Entscheidungsgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es
den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Beizug eines Gerichtsgutachtens
-abschliessen. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.6).
3.
3.1 Nach der unfallmedizinischen Erfahrung entstehen praktisch alle Diskushernien
(vgl. zu diesem Begriff Debrunner, Orthopädie. Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl., S. 778
ff. und 878 ff.) bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen. Ein Unfall im
Rechtssinne (Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [SR 830.1; ATSG]) kann nur ausnahmsweise als eigentliche
Ursache in Betracht fallen. Voraussetzung ist, dass das fraglichen Ereignis von
besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe
herbeizuführen, und dass die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres
Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit auftraten. In solchen Fällen
hat die Unfallversicherung praxisgemäss auch für Rezidive und allfällige Operationen
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aufzukommen (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192, E. 2a mit Hinweisen; Urteil des EVG vom
3. Oktober 2005 [U 163/05] i/S R., E. 3.1, und vom 18. Februar 2002 [U 459/00] i/S K.,
E. 3b; Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2008 [8C_213/2008] i/S K., E. 3.3;
Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 68 [1995], S. 17). Das Gleiche gilt grundsätzlich
auch für eine richtunggebende Verschlimmerung eines krankhaften Vorzustandes,
wenn und soweit also durch den Unfall eine Diskushernie früher oder beschleunigt zur
Entwicklung gebracht wurde. Wird eine vorbestandene Diskushernie durch den Unfall
lediglich manifest, müssen die dadurch ausgelösten Beschwerden innerhalb einer
kurzen Zeitspanne auftreten, um als natürlich kausale Folgen des fraglichen Ereignisses
zu gelten. Für den Brust- und Lendenwirbelbereich wird eine Latenzzeit von höchstens
acht bis zehn Tagen angegeben. Bei einer vorbestehenden Diskushernie der
Halswirbelsäule beträgt das beschwerdefreie Intervall in der Regel lediglich wenige
Stunden. Für spätere Rezidive hat die Unfallversicherung nur einzustehen, wenn
eindeutige Brückensymptome gegeben sind (RKUV Nr. U 378 S. 191 E. 3 und Urteile
des EVG vom 18. August 2000 [U 4/00] i/S H., E. 3b, und vom 3. März 2005 [U 218/04]
i/S W., E. 6.1).
3.2 Das MRI der HWS vom 25. November 2008 ergab eine Diskushernie auf Höhe
C6/7 links mit Wurzelkompression C7 links sowie eine mittelgradige Chondrose (Suva-
act. II/11). Anlässlich der am 10. Dezember 2007 und damit kurze Zeit nach dem
Unfallereignis vom 30. November 2007 durchgeführten röntgenologischen
Untersuchung der HWS waren eine Schief- und Streckhaltung sowie degenerative
Veränderungen erhoben worden (Suva-act. I/2). Aus der Zeit vor dem Unfallereignis
vom 30. November 2007 liegen keine entsprechenden Unterlagen vor. Da
Diskushernien auf normalen Röntgenbildern nicht direkt sichtbar sind und die
Abnützung nur gelegentlich als eine Verschmälerung des knöchernen Wirbelabstandes
indirekt nachweisbar ist (vgl. dazu http://www.orthopädie-zürich.ch/uehlinger/
wirbelsäulenoperation.
html, Abfrage vom 1. Juni 2010; Debrunner, a.a.O., S. 881 f.), liegen mithin - wie auch
vom Beschwerdeführer in seinem Schreiben vom 20. April 2009 geltend gemacht -
zumindest keine beweiskräftigen bildgebenden Unterlagen vor, welche den genauen
Zeitpunkt der tatsächlichen Entstehung der - zunächst allenfalls symptomlos
vorhanden gewesenen - Diskushernie C6/7 des Beschwerdeführers belegen würden.
http://www.xn--orthopdie-zrich-5kb72b.ch/uehlinger/wirbels%C3%A4ulenoperation.html http://www.xn--orthopdie-zrich-5kb72b.ch/uehlinger/wirbels%C3%A4ulenoperation.html http://www.xn--orthopdie-zrich-5kb72b.ch/uehlinger/wirbels%C3%A4ulenoperation.html http://www.xn--orthopdie-zrich-5kb72b.ch/uehlinger/wirbels%C3%A4ulenoperation.html
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3.3 Mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auszuschliessen ist
jedoch zunächst - den in Erwägung 3.1 dargelegten medizinischen
Erfahrungstatsachen folgend - eine direkt durch den Unfall verursachte Diskushernie
bzw. ein die Bandscheiben schädigender Unfall. Eine besondere Schwere mit einer
Krafteinwirkung auf die Wirbelsäule, die geeignet gewesen wäre, eine Diskushernie zu
verursachen, ist in Bezug auf das Unfallereignis vom 30. November 2007 nicht
erkennbar. Letztlich haben wir es mit dem "blossen" Anschlagen des Kopfs zu tun.
Eine Arbeitsunfähigkeit ist in den Akten erst ab 6. Dezember 2007 belegt (Suva-act. I/1,
5, 8). Eindeutige Hinweise auf Beschwerden und Symptome einer Diskushernie oder
eine Aussage eines Arztes, dass eine solche erwogen worden wäre, fehlen in den
echtzeitlichen Akten ebenfalls (Suva-act. I/3, 8). Dr. A._ diagnostizierte beim
Beschwerdeführer nach dem Unfall vom 30. November ein Cervicovertebral- sowie ein
Cervicobrachialsyndrom. Das Vorliegen von Schmerzsyndromen bedeutet keinesfalls
automatisch auch das Vorliegen unfallkausaler struktureller Gesundheitsschädigungen.
Laut Roche Lexikon Medizin (5. Aufl. 2003, S. 1540) handelt es sich bei einem Syndrom
um ein sich stets mit etwa den gleichen Krankheitszeichen, d.h. einer Symptomatik mit
weitgehend identischem "Symptommuster" manifestierendes Krankheitsbild mit
unbekannter, vieldeutiger, durch vielfältige Ursachen - eben auch degenerative
Ursachen - bedingter oder nur teilweise bekannter Ätiogenese. Die von Dr. A._
diagnostizierten Syndrome sind im Übrigen auch typisch für eine HWS-Distorsion ohne
klar ausgewiesene neue, bleibende Gesundheitsschädigung im Sinn einer strukturellen
Veränderung. Ein - nur indirekter - Hinweis auf Gefühlsstörungen im linken Arm ist
sodann erst dem mehr als ein Jahr nach dem fraglichen Unfall erstellten SUVA-Bericht
vom 5. Februar 2009 zu entnehmen. Der Beschwerdeführer hielt damals gegenüber der
Beschwerdegegnerin fest, es hätten sich etwa im April 2008 auch keine
Gefühlsstörungen im linken Arm mehr gezeigt (Suva-act. II/16). Daraus könnte
grundsätzlich abgeleitet werden, dass er zuvor solche aufwies. Explizit führte der
Beschwerdeführer erst in der Beschwerdeeingabe und in der Replik Nacken- und
Armschmerzen mit Gefühlsstörungen in zwei Fingern bzw. im Zeig- und Mittelfinger der
linken Hand an. Abgesehen davon, dass die Wahrscheinlichkeit dieser Beschwerden
durch ihre sehr späte Bezeichnung nicht unbedingt erhärtet wird, ist an dieser Stelle
desgleichen darauf hinzuweisen, dass solche Beschwerden in der Regel auch von
Patienten mit HWS-Distorsion beklagt werden (vgl. dazu Liste in H. Schmidt/J. Senn
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Hrsg., Schleudertrauma - neuester Stand: Medizin, Biomechanik, Recht und Case
Management, 1. Aufl. Zürich 2004, S. 14 f.), wogegen der Beschwerdeführer von Dr.
C._ im Übrigen behandelt wurde (Suva-act. I/3). Der Beweis eines prätraumatischen
und echtzeitlich posttraumatischen MRI-Bildes ist nicht mehr zu erbringen. Nachdem
jedoch die damals behandelnden Ärzte Dr. A._ und Dr. C._ eine MRI-Abklärung
offensichtlich nicht als nötig erachteten, spricht besagter Umstand letztlich ebenfalls
gegen einen die Bandscheiben mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit schädigenden Unfall. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die
Diskushernie nicht als durch den Unfall vom 30. November 2007 verursacht betrachtet
werden kann. Ebenso wäre demnach die richtunggebende Verschlimmerung einer
vorbestandenen Diskushernie zu verneinen.
3.4 Dr. D._ geht in seiner ärztlichen Beurteilung vom 6. März 2009 (Suva-act. II/18)
grundsätzlich nicht von einer vorbestandenen Diskushernie aus. Er hebt jedoch aus der
von ihm ausführlich dargelegten Anamnese die seit Ende 2007 röntgenologisch
bekannten degenerativen bzw. spondylotischen, spondylarthrotischen sowie
unkarthrotischen Veränderungen hervor (vgl. Suva-act. I/2) und weist darauf hin, dass
somit ein degenerativ verändertes Bewegungssegment vorliege, bei dem jederzeit eine
Diskushernie auftreten könne. Dies habe sich beim Beschwerdeführer realisiert. Der
Zeitpunkt, an dem die Diskushernie aufgetreten sei, lasse sich dank den
Beobachtungen in der Klinik Valens genau auf den 19. November 2008 festlegen. -
Tatsächlich ist das konkrete Vorliegen von Diskushernienbeschwerden - wie in
Erwägung 3.3 dargelegt - nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu einem früheren Zeitpunkt belegt. Die Beurteilung von Dr. D._
ist ohne weiteres nachvollziehbar und schlüssig, indem sie in der Erfahrungsmedizin
und in der konkreten Anamnese eine eindeutige Stütze findet. So ist eine chronische
Wirbelsäulendegeneration ein laufender Prozess, der unmerklich schleichend, aber
auch unvermittelt und schlagartig, kompliziert werden kann (Debrunner, a.a.O., S. 878).
Es ist ohne weiteres denkbar, dass sich vorliegend innerhalb von mehr als einem Jahr
eine Diskushernie entwickelt hat. Dies zumal es sich bei den beim Beschwerdeführer
erhobenen Degenerationen um häufige Vorstadien oder Begleiterscheinungen einer
solchen handelt (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 852 ff.). Auch die Skoliose stellt eine
vorbestehende Wachstumsdeformität dar, die gerade degenerative Veränderungen wie
Spondylosen und nachfolgend eben auch Diskushernien zur Folge haben kann (vgl.
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dazu Debrunner, a.a.O., S. 827, 852). Während also bereits mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit auszuschliessen ist, dass der Unfall vom 30.
November 2007 eine Diskushernie verursacht hat, erscheint zudem ein rein
degenerativer Vorgang, wie er von Dr. D._ beschrieben wurde, ohne weiteres
nachvollziehbar, womit eine Unfallkausalität überhaupt ausgeschlossen wäre.
3.5 Selbst wenn aber davon ausgegangen wird, dass vor dem fraglichen Unfall
bereits eine stumme Diskushernie bestanden hat, müssen unfallbedingte
Diskushernienbeschwerden bzw. eine diesbezügliche Leistungspflicht über den 8.
Dezember 2008 hinaus verneint werden. In Betracht fällt die Möglichkeit, dass die
Bandscheibe des Beschwerdeführers durch den Kopfanprall traumatisiert wurde und
eine vorbestandene Diskushernie lediglich manifest oder vorübergehend verschlimmert
wurde. In diesem Fall übernimmt die Unfallversicherung lediglich den durch das
Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 193 E. 2a mit
Hinweisen). Nach derzeitigem medizinischen Wissensstand heilen Kontusionen,
Verstauchungen oder Zerrungen der Wirbelsäule ohne strukturelle Läsionen
normalerweise innert kurzer Zeit - in der Regel innerhalb von sechs Monaten,
spätestens jedoch innerhalb eines Zeitraums von einem Jahr (bei degenerativen
Veränderungen) - folgenlos ab und die damit verbundenen Beschwerden bilden sich
gänzlich zurück. Insofern zeichnet sich eine vorübergehende Verschlimmerung eines
Vorzustands im Bereich der Wirbelsäule im Regelfall durch eine stetige Besserung des
unfallkausalen Beschwerdeanteils aus (vgl. dazu Bär/Kiener, Prellung, Verstauchung
oder Zerrung der Wirbelsäule, Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 67 [1994], S. 45).
Selbst anhaltende, zu Beginn als unfallkausal taxierte Schmerzen sowie eine damit
verbundene Arbeitsunfähigkeit vermögen in diesen Fällen nicht automatisch für das
Vorliegen anhaltender Unfallrestfolgen bzw. eine andauernde unfallbedingte
Arbeitsunfähigkeit zu sprechen. Die Leistungseinstellung des Unfallversicherers bedingt
keine Beschwerdefreiheit bzw. volle Arbeitsfähigkeit. Entscheidend ist allein, ob der
durch den Unfall ausgelöste Beschwerdeschub seine kausale Bedeutung verloren hat
(RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b). Diesfalls können anhaltende Beschwerden mit
unfallfremden Befunden, beispielsweise degenerativer Art, erklärt werden. Auf Grund
des Gesagten wäre nach Massgabe der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im
Zeitpunkt der Leistungseinstellung, d.h. rund ein Jahr nach dem Unfallereignis, von
einem Wegfall der Verletzungsfolgen als Ursache der Diskushernienbeschwerden
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auszugehen. Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers war nach dem Unfall vom 30.
November 2007 am 26. Januar 2008 wieder vollständig hergestellt. Ab dem 25. Februar
2008 folgten offenbar noch einige Behandlungen durch den Chiropraktor Dr. C._,
anschliessend wurde die Behandlung jedoch abgeschlossen (Suva-act. I/9). Bis zur
Erstbehandlung am 31. Oktober 2008 infolge des Sturzes vom 16. Oktober 2008 sind
sodann keine ärztlichen Behandlungen mehr aktenkundig. Auch mit Blick auf die
konkrete Anamnese wäre damit der allenfalls durch den Unfall vom 30. November 2007
ausgelöste Schmerzschub in Bezug auf eine vorbestandene Diskushernie offensichtlich
bereits nach rund wenigen Monaten klassisch abgeheilt. Weitere medizinische
Abklärungen vermöchten an diesem Beweisergebnis nichts zu ändern.
3.6 Die Ausführungen von Dr. E._ in seinem Bericht vom 9. Oktober 2009
vermögen ebenfalls keine über den 8. Dezember 2008 hinaus andauernde
Unfallkausalität zu belegen. Dr. E._ hält zwar zutreffend, jedoch letztlich nur
allgemein fest, es sei bekannt, dass in allen Wirbelsäulenabschnitten Diskushernien
auftreten könnten, welche asymptomatisch seien. Weiterhin sei bekannt, dass
vorbestehende Diskushernien durch ein Trauma symptomatisch werden könnten. Die
am 25. November 2008 vorgenommene MRI-Untersuchung sei aufgrund der am 19.
November 2008 aufgetretenen akuten cervicoradikulären Reizsymptomatik C7 links
durchgeführt worden. Unmittelbar nach dem Unfallereignis vom 30. November 2007 sei
keine MRI-Untersuchung erfolgt. Es könne also nicht schlüssig nachgewiesen werden,
ob die Diskushernie C6/7 schon vor der Durchführung der MRI-Untersuchung
bestanden habe. Diese grundsätzlich ebenfalls richtigen Feststellungen wurden im
Rahmen der vorangehenden Erwägungen berücksichtigt, jedoch so gewertet, dass sie
keine über den 8. Dezember 2008 hinaus gehende Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin begründen. Erwogen wurde auch, dass infolge des
Unfallereignisses vom 30. November 2007 eine Reizsymptomatik links nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist und selbst unter
der Annahme einer solchen spätestens bis zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung von
einer Heilung der allenfalls vorbestandenen, traumatisierten Diskushernie ausgegangen
werden müsste (Erwägungen 3.3, 3.5). Dr. E._ kommt zusammenfassend zum
Schluss, dass seiner Meinung nach die Diskushernie C6/7 links durchaus durch den
Unfall vom 30. November 2007 symptomatisch geworden oder sogar durch den Unfall
bedingt sei. Letztere Variante wird allerdings von ihm in keiner Weise begründet und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
deren Unwahrscheinlichkeit wurde in den vorangehenden Erwägungen ausführlich
dargelegt. Dr. E._ stellt seine Schlussfolgerung letztlich auch selber in Frage, indem
er hinzufügt, die in der Klinik Valens durchgeführte Therapie habe bei vorbestehender
Diskushernie C6/7 ebenfalls eine Reizung der Nervenwurzel C7 auslösen können. Dem
Einwand des Beschwerdeführers, er habe vor dem Unfall vom 30. November 2007 nie
Gefühllosigkeit und Kribbeln in den Fingern und auch nie solche Nackenschmerzen
verspürt, wie er sie seither öfters habe, was auf eine Unfallkausalität hinweise, ist
schliesslich entgegen zu halten, dass im Rahmen der Kausalitätsbeurteilung allgemein
von Bedeutung ist, dass eine gesundheitliche Schädigung nicht schon dann als durch
den Unfall verursacht gelten kann, wenn sie zeitlich nach diesem aufgetreten ist (BGE
119 V 341 f.).
4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass zwischen der am 8. Januar 2008 operativ
therapierten Diskushernie C6/7und dem Unfallereignis vom 30. November 2007 mit
dem Beweisgrad der überwiegender Wahrscheinlichkeit kein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht. Die Beschwerdegegnerin hat damit ihre
Leistungspflicht zu Recht per 8. Dezember 2008 verneint.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 15. September 2009 abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG