Decision ID: 5ed226e6-93bf-55ba-bfd2-df84232585c4
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ leidet seit seiner Geburt an einer Epidermolysis bullosa hereditaria
(Geburtsgebrechen Nr. 105, IV-act. 5). Im April 1995 wurde er erstmals zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) angemeldet (IV-act. 2). Wegen der
Hauterkrankung des Versicherten übernahm die IV-Stelle mehrmals die Kosten für
einen Laptop in der Schule und der Ausbildung (IV-act. 14, 45, 114). Nachdem der
Versicherte in der ersten Realklasse massive Verhaltensprobleme gezeigt hatte (vgl.
das Schreiben des Zentrums Z._ vom 17. Oktober 2007 sowie den Bericht des Y._
vom 1. Mai 2007, IV-act. 24, 25), besuchte er die Oberstufensonderschule (vgl. IV-
act. 46). Im August 2009 begann er das Vorbereitungsjahr für eine kaufmännische
Ausbildung in der B._. Die IV-Stelle erteilte ihm eine Kostengutsprache für die damit
zusammenhängenden behinderungsbedingten Mehrkosten (IV-act. 56, undatiert). Im
November 2009 brach der Versicherte das Vorbereitungsjahr ab (vgl. Kurzbericht B._
vom 30. November 2009, IV-act. 67).
A.a.
Ab August 2010 absolvierte der Versicherte im C._ ein Vorlehrjahr zum
Kaufmann Profil B. Die IV-Stelle hatte ihm am 12. Juli 2010 eine Kostengutsprache für
die behinderungsbedingten Mehrkosten erteilt (IV-act. 79). Die X._ berichteten am
14. Juli 2011 (IV-act. 99), der Versicherte sei im August 2006 bei X._ angemeldet
worden. Nach der Trennung seiner Eltern habe er Verhaltensschwierigkeiten gezeigt.
Es habe sich eine hohe psychosoziale Belastungssituation in der Familie gezeigt. Die
Behandlung sei im Juli 2007 abgeschlossen worden. Im Oktober 2008 sei der
A.b.
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Versicherte erneut angemeldet worden. Er habe in der Schule Auffälligkeiten im
Sozialverhalten gezeigt. Zusätzlich habe sich eine Belastung in der Auseinandersetzung
mit der Erbkrankheit Epidermolysis bullosa gezeigt. Der Versicherte habe Mühe gehabt
zu akzeptieren, dass für ihn eine Sonderschulmassnahme getroffen worden sei. Die
schulischen Konflikte hätten bis zum Ende der Behandlung im September 2009
bestanden. Die Auseinandersetzung mit der Erbkrankheit und die damit verbundenen
Einschränkungen seien in der Psychotherapie ebenso ein Thema gewesen.
Von August 2011 bis Juli 2014 absolvierte der Versicherte im C._ die erstmalige
berufliche Ausbildung zum Kaufmann EFZ, Profil B. Die IV-Stelle übernahm die
behinderungsbedingten Mehrkosten (vgl. die Kostengutsprachen vom 2. Dezember
2011, 16. August 2012 und 12. Juli 2013, IV-act. 110, 133 und 158). Diese Ausbildung
schloss er am 31. Juli 2014 mit der Erlangung des Fähigkeitszeugnisses ab (IV-
act. 186).
A.c.
Während der Ausbildungszeit des Versicherten im C._ hatten Fachärzte
folgende Berichte erstattet: Am 27. September 2012 hatte ein Facharzt der W._
mitgeteilt (IV-act. 142), beim Versicherten seien die vorläufigen Diagnosen einer
somatoformen autonomen Funktionsstörung: Oberes Verdauungssystem (ICD-10
F45.31), einer Panikstörung (derzeit blande, ICD-10 F41.0) und einer
Selbstwertproblematik mit einem Verdacht auf narzisstische und/oder emotional-
instabile Persönlichkeits-Akzentuierung als Compensationsstrategie der genetisch
bedingten Hautkrankheit gestellt worden. Durch eine hohe Irritierbarkeit sowie eine
unterdurchschnittliche Stressbelastungsfähigkeit insbesondere im sozialen Rahmen
dürfte die Leistungsfähigkeit erheblich reduziert sein. Genauere Aussagen seien erst
nach Rücksprache und Auswertung des Arbeitsprozesses möglich. Am 20. Oktober
2012 hatte Dr. med. D._, Spezialarzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten FMH,
angegeben (IV-act. 145), der Versicherte leide seit seiner Geburt an einer Epidermolysis
bullosa simplex. Bei mechanischer Belastung und vor allem bei zusätzlicher Wärme
komme es zur schnellen Blasenbildung an Handflächen und Fusssohlen.
Erfahrungsgemäss bleibe diese Empfindlichkeit lebenslang in etwa gleichem Rahmen
bestehen. Eine spezifische Therapie gebe es nicht. Eine adaptierte Tätigkeit sitzend,
beispielsweise an einem Computer, sei ihm zu 100% zumutbar. Am 10. Januar 2013
(gemeint wohl: 2014, Posteingang: 15. Januar 2014) hatte Dr. med. E._, Facharzt
A.d.
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Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtet (IV-act. 170), er
behandle den Versicherten seit Oktober 2013. Er habe eine depressive Entwicklung im
Jugendalter (ICD-10 F33.0) und eine Epidermolysis bullosa diagnostiziert. Die
körperliche und intellektuelle Entwicklung des Versicherten sei altersgemäss. Es
bestünden primär eine unsicher-ängstliche Persönlichkeit, depressive Episoden, ein
sozialer Rückzug, Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit und eine geringe
Frustrationstoleranz. Die Prognose sei günstig; eine weitere Therapie zur Förderung der
Belastbarkeit sei notwendig. Im Schlussbericht des C._ vom 18. Juni 2014 war
festgehalten worden (IV-act. 180), der Versicherte sei in der Lage gewesen, bei guter
psychischer und physischer Verfassung sowie vorhandener Motivation bei einfachen,
repetitiven Arbeiten mit entsprechender Routine einen Leistungsgrad von 100% zu
erzielen. Aufgrund von häufigen gesundheitlichen Belastungen sei der Leistungsgrad
mit 80% bewertet worden. Bei anspruchsvollen Arbeiten habe sich der Leistungsgrad
auf 60 bis 70% reduziert. Der Versicherte benötige ein wohlwollendes Umfeld, welches
auf seine instabilen Phasen Rücksicht nehmen könne. Bei erhöhtem Druck stosse er an
seine psychischen Grenzen und es komme zu Absenzen. Der Hausarzt Dr. med. F._
hatte im Juli 2014 berichtet (Posteingang: 25. Juli 2014), im Frühjahr/Sommer 2013
habe der Versicherte Schübe der Epidermolysis gehabt; in diesem Jahr sei der Verlauf
bislang günstig gewesen.
Dr. med. G._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 26. November
2014 (IV-act. 205), aus dermatologischer Sicht bestehe in der erlernten Tätigkeit als
Kaufmann EFZ eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht bestehe
ebenfalls eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Dr. E._ habe telefonisch zur Auskunft
gegeben, er habe den Versicherten im August 2014 zuletzt gesehen. Dennoch habe er
mitgeteilt, die schwankende depressive Störung sei soweit abgeklungen, dass nun eine
vollständige Arbeitsfähigkeit bestehe. Dr. G._ empfahl, den Versicherten angesichts
der depressiven Episoden, die jeweils mit einem erheblichen Antriebsdefizit verbunden
seien, bei der Stellensuche zu unterstützen. Am 13. Januar 2015 fand ein
Assessementgespräch mit dem Versicherten, dessen Vater, Dr. E._ und einer Person
des RAV statt. Der Versicherte gab an (IV-act. 207), er arbeite stundenweise bei der
J._ als Chauffeur für Auslieferungen. Das genaue Pensum kenne er nicht, vielleicht
30 Stunden pro Monat. Dr. E._ teilte mit, er gehe aus psychiatrischer Sicht von einem
A.e.
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Arbeitspensum von 50% aus, das möglicherweise gesteigert werden könne, wenn der
Arbeitsplatz gut passe. Der Versicherte ergänzte, er sehe sich als maximal 50%
arbeitsfähig. Der Vater des Versicherten erklärte, er empfinde es als ungerecht, dass
seine beiden anderen Kinder mit der gleichen Erkrankung eine Invalidenrente bezögen,
der Versicherte vom RAD aber als arbeitsfähig eingestuft worden sei. Der Versicherte
teilte mit, er wünsche die Rentenprüfung. Er benötige keine Unterstützung durch die
Eingliederungsberatung; bei der beruflichen Eingliederung werde er ja vom RAV
unterstützt. Am 8. Juni 2015 teilte der Versicherte telefonisch mit (IV-act. 213), er sei
auf der Stellensuche für ein 50%ige Erwerbstätigkeit. Er wünsche ausdrücklich die
Rentenprüfung.
Am 19. Juni 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 215), das
Begehren um berufliche Massnahmen werde abgewiesen. Zur Begründung gab sie an,
der Versicherte fühle sich lediglich in einem beschränkten Masse arbeitsfähig und sei
zu 50% auf Stellensuche. Weitere berufliche Massnahmen seien daher nicht angezeigt.
A.f.
Mit einem Vorbescheid vom 15. Juli 2015 stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Rentenanspruchs in Aussicht (IV-act. 222). Sie hielt fest, der Versicherte habe im Juli
2014 die erstmalige berufliche Ausbildung zum Kaufmann EFZ (Profil B) erfolgreich
abgeschlossen. Aus medizinischer Sicht bestehe in der erlernten Tätigkeit eine
vollständige Arbeitsfähigkeit. Gemäss der Einschätzung der Ausbildungsstätte (C._)
und der IV-Berufsberatung betrage die Arbeitsfähigkeit rund 80%. Unter
Berücksichtigung sowohl der Einschätzung der Ausbildungsstätte und der IV-
Berufsberatung als auch der medizinischen Einschätzung sei es dem Versicherten
möglich, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. Gemäss der
Salärempfehlung 2015 des Kaufmännischen Verbands Schweiz (Lohnband Kaufmann
EFZ, Funktionsstufe C, Region 2, Median, Alter V._) sei es dem Versicherten bei
einem vollen Arbeitspensum möglich, ein Jahreseinkommen von Fr. U._. zu erzielen.
Bei einem Validen- und einem Invalideneinkommen von Fr. U._ resultiere ein
Invaliditätsgrad von 0%. Der Versicherte erhob dagegen keinen Einwand. Mit einer
Verfügung vom 1. Oktober 2015 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-
act. 223). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.g.
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B.
Im März 2017 meldet sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-act.
224). Er gab an, er sei seit Dezember 2016 vollständig arbeitsunfähig. Am 4. Juli 2017
reichte er auf eine Aufforderung der IV-Stelle vom 13. April 2017 hin zur
Glaubhaftmachung einer erheblichen Veränderung des Sachverhalts (Art. 87 Abs. 2 und
3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, SR 831.201) ein ärztliches Attest von
Dr. E._ vom 1. Juli 2017 ein (IV-act. 231, 240, 241). Dr. E._ hatte darin festgehalten,
der Versicherte sei wegen eines Geburtsgebrechens und einer sekundären depressiven
Störung seit Oktober 2013 bei ihm in Behandlung. Die rezidivierende depressive
Störung habe eine deutliche Antriebsminderung, eine Selbstwertproblematik, einen
sozialen Rückzug und eine verminderte Leistungsfähigkeit zur Folge. Seit Oktober 2015
habe sich die depressive Symptomatik trotz der Therapie verschlechtert. Der RAD-Arzt
Dr. med. H._ notierte am 24. August 2017 (IV-act. 243), die Eintretensfrage könne
aufgrund des kurzen Berichts von Dr. E._ nicht abschliessend beantwortet werden.
Eine Verschlechterung des Gesundheitszustands mit einer Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit könne nicht ausgeschlossen werden bzw. sei mit hoher
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, da beim Versicherten zum Zeitpunkt der Verfügung
vom 1. Oktober 2015 aus dermatologischer und psychiatrischer Sicht eine vollständige
Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Die weiteren Fragen hinsichtlich der Höhe eines
Eingliederungspotentials etc. könnten erst nach dem Eingang der angeforderten
medizinischen Unterlagen beantwortet werden.
B.a.
Am 25. Oktober 2017/25. November 2017 berichtete Dr. E._ (IV-act. 247, 248),
beim Versicherten bestünden eine psychische Störung/Depressivität (ICD-10 F32.1)
und eine Epidermolysis bullosa. Er habe die folgenden Befunde erhoben: Depressive
Stimmungslage, eingeschränkte Aktivität, geringe Motivation durch wiederholte
Misserfolgserlebnisse, Selbstzweifel durch wiederholte Konfrontation mit der Realität
der körperlichen Einschränkung. Die Prognose sei ungünstig. Medikamente nehme der
Versicherte nicht. Der Versicherte sei zurzeit nicht arbeitsfähig. Die Frustrationstoleranz,
die Belastbarkeit, das Durchhaltevermögen und der Antrieb seien eingeschränkt. Das
zukünftige Arbeitsprofil sollte den gesundheitlichen Einschränkungen Rechnung tragen:
Flexibles Profil, wechselnde Tätigkeit sitzend/gehend/stehend, flexible Arbeitszeiten,
Möglichkeit für Auszeiten. Ideal wäre beispielsweise eine Tätigkeit als
B.b.
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Aussendienstmitarbeiter. Eine vollständige Arbeitsfähigkeit werde der Versicherte in
absehbarer Zeit nicht erreichen können. Eine Kombination von beruflichem Erfolg in
einer entsprechenden Tätigkeit und begleitender Psychotherapie könnte sich
prognostisch günstig auswirken. Der RAD-Arzt Dr. H._ notierte am 28. November
2017 (IV-act. 253), aufgrund der Aktenlage erscheine die versicherungsmedizinische
Relevanz als unklar. Zu deren Klärung sowie zur Klärung der Frage, ob sich der
Gesundheitszustand mit einem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seit dem 1. Oktober
2015 verändert habe, sei eine polydisziplinäre Begutachtung erforderlich.
Der Versicherte wurde am 20. Februar 2018 durch die Neurologie Toggenburg AG
polydisziplinär (internistisch, dermatologisch und psychiatrisch) abgeklärt. Im
Gutachten vom 20. März 2018 gaben die Sachverständigen als Diagnose mit einer
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Epidermolysis bullosa simplex an (IV-
act. 258-3). Als Diagnosen ohne eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie
eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus (ICD-10 F60.30),
einen Restzustand einer Panikstörung (ICD-10 F41.0), eine Adipositas, grenzwertig
hypertone Blutdruckwerte und eine Pollinosis. In der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung hielten die Sachverständigen fest (IV-act. 258-1 ff.), aus
dermatologischer Sicht sei der Versicherte in seinem erlernten Beruf bei den seit
Jahren eingeübten Massnahmen zur Arbeitsplatzanpassung nicht wesentlich
eingeschränkt. Die kritische mechanische Belastung der Haut könne durch diese
Massnahmen unterschritten werden. Kontinuierliches Gehen und Stehen von weniger
als einer halben Stunde hätten keine Folgen. Aus psychiatrischer Sicht sei diagnostisch
von der Entwicklung einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven
Typus auszugehen. Aus den anamnestischen Angaben des Versicherten und den
erhobenen Befunden habe sich nur noch eine gering ausgeprägte psychische
Beeinträchtigung als Folge der genannten Störung objektivieren lassen. Der Versicherte
verfüge ab dem Erwachsenenalter über gute Copingstrategien, Impulse ausreichend zu
steuern. Deutlich geworden sei eine gering ausgeprägte Veränderungsmotivation des
Versicherten mit einer Neigung zu Inaktivität bei einem Versorgungsbedürfnis. Der
Versicherte wirke zufrieden mit seiner aktuellen beruflich inaktiven Lebenssituation.
Motivationsprobleme schienen im Vordergrund zu stehen. Auch auf die somatisch
orientierten Sachverständigen habe der Versicherte einen wenig dynamischen Eindruck
B.c.
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gemacht. Dieser Verlust an Motivation und Dynamik scheine in der Erwartung der
Versorgungsleistungen eingetreten zu sein. Sowohl in der bisherigen als auch in einer
adaptierten Tätigkeit bestehe seit dem Jahr 2013 eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Der
internistische Sachverständige hielt fest (internistisches Teilgutachten vom 22. Februar
2018, IV-act. 258-8 ff.), der Versicherte habe angegeben, dass er wegen seiner
krankheitsbedingten Depressionen und den bei jeglicher Belastung auftretenden
Schmerzen und Hauterscheinungen absolut nicht arbeiten könne. Er wohne mit seiner
Schwester und seinem Bruder, die beide berentet seien, im Haus seiner Grossmutter.
Des Weiteren erklärte der internistische Gutachter, es liege eine Adipositas vor, die mit
einem grenzwertig erhöhten Blutdruck auf ein Risiko späterer
Herzkreislaufschwierigkeiten hinweisen könne, welches durch die teilweise
krankheitsbedingte Inaktivität noch erhöht werde. Der dermatologische
Sachverständige führte aus (dermatologisches Teilgutachten vom 23. Februar 2018, IV-
act. 258-24 ff.), der Versicherte sehe sich an keinem Arbeitsplatz tätig. Er stehe gegen
Mittag auf und frühstücke. Den Rest des Tages verbringe er überwiegend mit
Fernsehen und Videospielen. Ein Telefonat mit dem behandelnden Dermatologen Dr.
D._ habe keine wesentlichen neuen Aspekte ergeben. Dr. D._ habe angemerkt,
dass er sich stets dafür eingesetzt habe, dass der Versicherte beruflich eingegliedert
werde, um eine lebenslange Invalidität zu vermeiden. Im Weiteren hielt der
dermatologische Sachverständige fest, typische, die Blasenbildung befördernde
mechanische Belastungen seien beispielsweise das länger als eine halbe Stunde
dauernde kontinuierliche Gehen und Stehen. Daraus seien auch Defizite der sozialen
Teilhabe abzuleiten. Insofern sei der bisherige Lebensweg des Versicherten
nachvollziehbar. Dass jedoch gar keine berufliche Tätigkeit möglich sein solle, scheine
angesichts der Tatsache, dass der Versicherte den ganzen Tag überwiegend mit
Fernsehen und Videospielen verbringe, nicht plausibel. Blasenbildungen liessen sich
lediglich durch das Meiden mechanischer Belastungen der Haut verhindern. Sitzende
Tätigkeiten am Computer seien ganztags zumutbar. Aus dermatologischer Sicht seien
aufgrund der Epidermolysis bullosa erhebliche Einschränkungen für die berufliche
Tätigkeit vorhanden. Aus dem jetzigen Alltagsleben lasse sich eine sitzende Tätigkeit
am Computer aber als zumutbar ableiten. In der bisherigen Tätigkeit und in adaptierten,
also in sitzenden Tätigkeiten mit leichter manueller Tätigkeit, bestehe eine vollständige
Arbeitsfähigkeit. Der psychiatrische Sachverständige führte aus (psychiatrisches
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Teilgutachten vom 12. März 2018, IV-act. 258-36 ff.), der Versicherte schätze sich als
arbeitsunfähig ein. Aus den anamnestischen Angaben des Versicherten und den
erhobenen Befunden ergebe sich, dass es beim Versicherten im Adoleszenzalter im
Sinne einer dysfunktionalen Kompensationsstrategie der angeborenen Hautkrankheit,
aber auch als Reaktion auf die Scheidung der Eltern, zu Verhaltensauffälligkeiten im
psychosozialen Bereich gekommen sei. Im Rahmen der Pubertät seien zunehmend
impulsive Verhaltensweisen im Vordergrund gestanden. Die Impulsivität sei von
emotionalen Schwankungen begleitet worden. Diagnostisch sei somit von der
Entwicklung einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus
auszugehen. Seit dem Erwachsenenalter verfüge der Versicherte aber über gute
Copingstrategien, er externalisiere emotionale Schwankungen und die Impulsivität
weniger und er sei in der Lage, Impulse ausreichend zu steuern. Motivationsprobleme
schienen nun im Vordergrund zu stehen. Der Versicherte habe seit dem elften
Lebensjahr sporadisch auftretende Panikattacken reklamiert. Anamnestisch sei von
einer Panikstörung geringen Ausmasses auszugehen. Die Achsensymptome einer
depressiven Störung (tiefe Traurigkeit, Interessenlosigkeit, Antriebslosigkeit) seien nicht
evident. Anhaltspunkte für eine psychosomatische Reaktionsbildung ergäben sich
nicht. Deutlich sei allerdings eine gering ausgeprägte Veränderungsmotivation. In den
Vorakten sei eine emotionale Instabilität mit depressiven Auslenkungen beschrieben
worden, wobei aber keine anhaltende Depressivität im Sinne des Ausmasses einer
depressiven Episode dokumentiert worden sei. Im Bericht vom 25. Oktober 2017 habe
Dr. E._ eine mittelgradige depressive Episode verschlüsselt, habe aber angegeben,
dass keine Medikation erfolge. Eine namhafte depressive Symptomatik, welche die im
Bericht postulierte Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würde, sei nicht beschrieben
worden. Gegen eine namhafte Beeinträchtigung spreche auch, dass keine
medikamentöse Therapie erfolge. Aus den Berichten über die beruflichen Massnahmen
ergebe sich, dass der Erfolg der Massnahmen in einem hohen Masse von der
Willensanstrengung und Motivation des Versicherten abhängig zu sein scheine.
Zusammenfassend sei beim Versicherten aktuell keine psychische Erkrankung mit einer
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellbar. Retrospektiv ergebe sich eine
Stabilisierung des Zustands mit einem subsyndromalen psychischen
Beeinträchtigungsniveau seit ca. 2013. Die bisherigen therapeutischen Massnahmen
seien ausreichend wirksam gewesen. Der RAD-Arzt Dr. H._ notierte am 27. März
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2018 (IV-act. 259), das Gutachten entspreche formal und inhaltlich den Konventionen,
welche man an ein medizinisches Gutachten stellen dürfe.
Mit einem Vorbescheid vom 29. März 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
die Abweisung des Begehrens um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen in
Aussicht (IV-act. 262). Zur Begründung gab sie an, die Abklärungen hätten ergeben,
dass keine gesundheitliche Beeinträchtigung vorliege, welche die Arbeitsfähigkeit
einschränken würde. Der Versicherte wandte am 13. Juli 2018 im Wesentlichen ein (IV-
act. 279), das Gutachten der Neurologie Toggenburg AG sei nicht beweistauglich. Zur
Beantwortung der Frage, was er tatsächlich noch arbeiten könne, sei im Rahmen einer
beruflichen Massnahme ein Arbeitsversuch durchzuführen. Er reichte eine
Stellungnahme von Dr. E._ vom 14. Juni 2018 ein (IV-act. 279-5). Dr. E._ hatte
angegeben, die depressive Störung habe sich, wie anamnestisch berichtet, in der
Adoleszenz erstmals manifestiert. Diese sei rezidivierend, mit unterschiedlichen
Ausprägungen der Symptomatik – Antriebsstörung, Adynamie, Dysthymie, geringes
Selbstwertgefühl – aber permanent präsent. Die depressive Störung sei als Reaktion
auf die Einschränkungen durch das Geburtsgebrechen zu beurteilen. Aus fachlicher
Sicht sei es nicht korrekt, nach einer Untersuchung ein abschliessendes Urteil über den
Verlauf der langjährigen, rezidivierenden depressiven Störung abzugeben. Eine
Längsschnittbeurteilung sei erforderlich. Beim Versicherten liege gemäss den
bisherigen Untersuchungen und Behandlungen eine rezidivierende depressive Störung
(ICD-10 F33.1) vor. Die IV-Stelle bat die Gutachter der Neurologie Toggenburg AG am
18. Juli 2018 (IV-act. 281), zum Einwand des Versicherten inklusive dem Bericht von
Dr. E._ Stellung zu nehmen. Der psychiatrische Gutachter hielt am 8. August 2018
fest (IV-act. 282-1 ff.), die gutachterliche Beurteilung erfolge nicht lediglich aufgrund
einer einmaligen Untersuchung, sondern auch auf der Grundlage der genauen Kenntnis
des Dossiers und der Auseinandersetzungen mit den Vorbewertungen. Einem klinisch
und ambulant erfahrenen Facharzt dürfte es auch im Rahmen einer Untersuchung
möglich sein, einen Versicherten unter der Voraussetzung, dass dieser zu
richtungsweisenden anamnestischen Angaben in der Lage sei, zu beurteilen. Der
Versicherte habe vorgebracht, das psychiatrische Teilgutachten sei widersprüchlich, da
beispielsweise in der vertiefenden Befragung von Panikattacken berichtet worden sei,
während auf der Seite 51 des Gutachtens festgehalten worden sei, er (der Versicherte)
B.d.
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habe Panikattacken verneint; in der Beurteilung seien dann aber wieder Panikattacken
geschildert worden. Dazu sei festzuhalten, dass in der Beurteilung von beginnenden
und nicht von voll ausgebildeten Panikattacken die Rede gewesen sei. Im Rahmen des
Untersuchungsbefunds sei dargelegt worden, dass der Versicherte Panikattacken
verneint habe. Damit seien vollends ausgeprägte Panikattacken gemeint gewesen,
sodass kein Widerspruch bestehe. Des Weiteren habe der Versicherte geltend
gemacht, er (der psychiatrische Gutachter) habe selber eine Persönlichkeitsstörung
festgestellt und Copingstrategien erwähnt. Durch Copingstrategien sei die
Persönlichkeitsstörung nicht stärker oder schwächer ausgeprägt. Hierzu sei
auszuführen, dass Copingstrategien die Ausprägung der Störung durch einen besseren
Umgang damit milderten. Der Grad einer Persönlichkeitsstörung sei per definitionem
aufgrund der Beeinträchtigung für den Betroffenen oder dessen Umwelt festzulegen.
Die Ausführungen zur Persönlichkeitsstörung stellten somit keinen Widerspruch dar.
Der Versicherte behaupte, er (der psychiatrische Gutachter) habe sich nicht mit der
abweichenden Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. E._ auseinandergesetzt. Im
Gutachten sei eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Vorberichten erfolgt. Der
dermatologische Gutachter führte am 16. August 2018 aus (IV-act. 282-5), der
Versicherte habe geltend gemacht, aufgrund der bestehenden Hauterkrankung sei es
ihm unmöglich, einer Bürotätigkeit nachzugehen, da bereits nach einem 15-minütigen
Bedienen der Computer-Maus Blasen an den Händen entstünden. Aus gutachterlicher
Sicht sei dieser Einwand nicht nachvollziehbar. Es sei unmöglich, dass nach
15 Minuten Blasen entstünden, ausser man würde die Computer-Maus als Knetball
bedienen. Eine Bürotätigkeit bestehe ausserdem nicht ausschliesslich aus Computer-
Tätigkeiten an der Maus und zudem stünden diverse Hilfsmittel wie Telefon-Headsets,
Spracherkennungsprogramme etc. zur Verfügung, um die manuellen Tätigkeiten zu
reduzieren. Der RAD-Arzt Dr. H._ notierte am 24. August 2018 (IV-act. 283), die
Einwände des Versicherten seien plausibel beantwortet worden. An der gutachterlichen
Einschätzung sei festzuhalten.
Mit einem Vorbescheid vom 29. August 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
die Abweisung des Begehrens um berufliche Massnahmen in Aussicht (IV-act. 284).
Zum Einwand des Versicherten hielt sie fest, dieser sei dem RAD und den Gutachtern
zur Stellungnahme unterbreitet worden. Neue medizinisch objektivierbare wesentliche
B.e.
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C.
Änderungen der Tatsachen seien nicht geltend gemacht worden, weshalb an der
gutachterlichen Einschätzung festzuhalten sei. Beim Versicherten liege keine
gesundheitliche Beeinträchtigung vor, welche die Arbeitsfähigkeit einschränken würde.
Damit bestehe kein Anspruch auf berufliche Massnahmen. Am 13. September 2018
erhob der Versicherte einen Einwand (IV-act. 286). Er brachte im Wesentlichen vor,
dem Gutachten sei mit keinem Satz zu entnehmen, dass zwischen beginnenden und
voll ausgebildeten Panikattacken unterschieden worden sei. Im Gutachten sei nicht
beschrieben worden, worin die Copingstrategien bestehen sollten. Die Blasenbildung
sei selbst bei geringster Belastung offensichtlich. Er verwies auf die dem Einwand
beigelegten Fotografien. Es sei deshalb unverständlich, weshalb nicht eine BEFAS oder
eine EFL durchgeführt werde um herauszufinden, wie stark ihn die Blasenbildung an
der Arbeit hindere. Der RAD-Arzt Dr. H._ notierte am 15. Oktober 2018 (IV-act. 287),
im Einwand würden keine neuen wesentlichen medizinischen Erkenntnisse
vorgebracht.
Mit einer Verfügung vom 17. Oktober 2018 wies die IV-Stelle das Begehren um
berufliche Massnahmen ab (IV-act. 288). Sie gab an, betreffend Rente werde der
Versicherte eine separate Verfügung erhalten. Zum Einwand vom 13. September 2018
hielt sie fest, dieser sei dem RAD vorgelegt worden. Demnach seien keine neuen
wesentlichen medizinischen Erkenntnisse vorgebracht worden. Am Gutachten und am
Vorbescheid vom 29. August 2018 werde festgehalten.
B.f.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob am 19. November 2018
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. Oktober 2018 (act. G 1). Er beantragte
deren Aufhebung und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen. Zudem beantragte
er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung.
Ergänzend zu den Einwänden im Vorbescheidverfahren machte der Beschwerdeführer
geltend, der psychiatrische Gutachter habe ohne anerkannte Testverfahren und
allfällige Fremdanamnesen die Diagnosen erhoben und eine Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben. Der Zeitaufwand für das Gutachten von 107 Minuten scheine angesichts
der komplexen Problemstellung mit schwierigen Familienverhältnissen, Misserfolgen in
der Schul- und Lehrzeit und Einschränkungen durch die Hauterkrankung als sehr kurz.
C.a.
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Im Rahmen der Abklärungspflicht könne es nötig sein, die Arbeitsfähigkeit nicht nur
mittels medizinischem Gutachten zu beurteilen, sondern sie auch mittels einer
beruflichen Abklärung "on the job" zu testen. Es wäre Sache der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) gewesen, eine solche Abklärung, wie von ihm vorgeschlagen,
durchzuführen. Nur so lasse sich beispielsweise klären, wie stark die Blasenbildung
tatsächlich sei. Das Gutachten könne keine genügende Grundlage zur Klärung der
Arbeitsfähigkeit bieten. Da es die Beschwerdegegnerin bis anhin abgelehnt habe, die
tatsächliche Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer beruflichen Abklärung abzuklären, sei
eine solche in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt in Auftrag gegeben worden. Er
werde vorerst während eines Monats im Rahmen eines Bürojobs bei I._ mitarbeiten.
Die Beschwerdegegnerin sei ihrer Abklärungspflicht nicht nachgekommen. Die
angefochtene Verfügung basiere auf einem unzureichend abgeklärten Sachverhalt und
sei deshalb aufzuheben.
Am 30. Januar 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Beschwerdeergänzung ein
(act. G 5). Er hielt an den in der Beschwerde vom 11. Dezember 2018 (recte:
19. November 2018) gestellten Anträgen fest. Ergänzend beantragte er, zusätzlich zur
ausseramtlichen Entschädigung sei die Mehrwertsteuer zu entschädigen. Er machte
unter Berufung auf einen Bericht von Dr. E._ vom 20. Dezember 2018 geltend, das
psychiatrische Teilgutachten der Neurologie Toggenburg AG sei fachlich nicht korrekt
und nicht verwertbar. Des Weiteren führte er aus, er sei am 20. November 2018 bei der
I._ eingetreten und habe sich motiviert gezeigt, mit professioneller Hilfe
herauszufinden, inwiefern seine Gesundheit eine Wiedereingliederung in den
Arbeitsmarkt noch zulassen würde. Leider habe sich schnell gezeigt, dass sein
psychischer Gesundheitszustand eine Beschäftigung von maximal zweieinhalb bis drei
Stunde pro Tag zulasse. Der Einsatz habe aufgrund seines psychischen
Gesundheitszustands im Januar 2019 abgebrochen werden müssen. Die Auswirkung
der Tätigkeit auf dermatologischer Ebene habe nicht abschliessend geklärt werden
können, da er meist nicht ganztags anwesend gewesen sei. Aus dem Einsatz bei I._
könne gefolgert werden, dass er bestrebt sei, die Möglichkeit zur Wiedereingliederung
in den Arbeitsmarkt zu eruieren. Andererseits zeige dieser Einsatz, dass die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Gutachten der Neurologie Toggenburg AG nicht
zutreffend sein könne. Dr. E._ hatte am 20. Dezember 2018 im Wesentlichen
C.b.
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angeführt (act. G 5.1.1), die Schlussfolgerung im Gutachten der Neurolgie Toggenburg
AG, dass keine psychosozialen Belastungsfaktoren vorlägen und dass keine
psychische Erkrankung mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellbar sei,
sei nicht ausreichend begründet. Ein chronifiziertes Krankheitsbild könne nicht nach
einer Exploration diagnostisch zutreffend beurteilt werden. Die Beurteilung der Genese
und die aktuelle Auswirkung der Depression sei nur im Längsschnitt zulässig. Der
psychiatrische Sachverständige habe alle Unterlagen über das frühe Störungsbild des
Beschwerdeführers, konkret die Berichte des X._, des Y._ sowie seinen Bericht
vom 1. Juli 2017, nicht berücksichtigt. Im Schlussbericht der I._ vom 29. Januar 2019
war festgehalten worden (act. G 5.1.4), der Beschwerdeführer sei nur rund 50%
anwesend gewesen. Er habe über starke Schlafstörungen geklagt. Die ihm
übertragenen Aufgaben habe er mit grosser Gewissenhaftigkeit ausgeführt. Nach ca.
zweieinhalb Stunden habe er allerdings einen massiven Leistungsabfall gehabt. In
zahlreichen Einzelgesprächen habe er starke Selbstzweifel, Konzentrationsstörungen
und Ängste geäussert. Die kurzen Intervalle der zugeteilten Arbeiten hätten dazu
geführt, dass er sich für zwei bis drei Stunden habe ablenken können. Anschliessend
sei er in seinen depressiven Zustand zurückgefallen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 5. März 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, es sei die
Aufgabe des Arztes, zur Frage Stellung zu nehmen, in welchen Tätigkeiten und in
welchem Ausmass es einem Versicherten zumutbar sei zu arbeiten. Demgegenüber sei
es die Aufgabe des Berufsberaters bzw. der beruflichen Abklärungsstellen
festzustellen, inwieweit ein Versicherter die ärztlich festgestellte Arbeitsfähigkeit in
konkret zu bezeichnenden Berufen verwerten könne und wie sich die
invaliditätsbedingten Faktoren auf die Vermittlungsfähigkeit und die
Erwerbsmöglichkeiten auswirkten. Es gehe daher nicht an, die Arbeitsfähigkeit eines
Versicherten aufgrund der Ergebnisse einer beruflichen Abklärung festzulegen. Ein
Arbeitsversuch sei daher nicht durchzuführen, zumal der Beschwerdeführer aufgrund
der pessimistischen Selbsteinschätzung diesen nur dazu benutzen würde, seine
Arbeitsunfähigkeit zu "beweisen". Der Einschätzung der Neurologie Toggenburg AG
komme ein grosses Gewicht zu, weil es sich um eine für die IV geschaffene,
spezialisierte Gutachterstelle handle (vgl. Art. 72 der Verordnung über die
C.c.
bis
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Invalidenversicherung, IVV, SR 831.201). Das Gutachten der Neurologie Toggenburg
AG sei ausführlich abgefasst und die Schlussfolgerungen zusammen mit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung seien nachvollziehbar. Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers sei es nicht notwendig gewesen, dass der psychiatrische
Sachverständige den Befund auf psychiatrische Testungen abgestützt habe. Diese
hätten nur eine ergänzende Funktion (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. August
2016, 9C_276/2016). Ob ein Gutachter eine Fremdanamnese einhole, liege in seinem
Ermessen. Hinweise darauf, dass der psychiatrische Gutachter den Beschwerdeführer
nicht umfassend untersucht hätte, bestünden nicht. Die Dauer der Untersuchung sei
nicht massgebend; vielmehr sei relevant, ob ein Gutachten inhaltlich vollständig und im
Ergebnis schlüssig sei. Auf die Vorwürfe des Beschwerdeführers bezüglich der
Panikattacken, der Persönlichkeitsstörung, der angeblich fehlenden
Längsschnittbeurteilung und der Auseinandersetzung mit der abweichenden
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ sei der psychiatrische Sachverständige im
Schreiben vom 8. August 2018 eingegangen und habe die Einwände plausibel
widerlegt. Darauf sei zu verweisen. Die pessimistische und nur rudimentär begründete
Einschätzung von Dr. E._ könne den Beweiswert des psychiatrischen Teilgutachtens
nicht erschüttern. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer
durch den dermatologischen Gutachter nicht umfassend untersucht worden sei. Auf
das Gutachten der Neurologie Toggenburg AG sei abzustellen. Der Beschwerdeführer
sei nicht invalid im Sinne von Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1). Er habe damit keinen Anspruch
auf weitere berufliche Massnahmen.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bewilligte am 8. März 2019 das
Gesuch um die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren
(act. G 8).
C.d.
Der Beschwerdeführer machte in der Replik vom 14. März 2019 ergänzend
geltend (act. G 11), die von der Invalidenversicherung finanzierte erstmalige berufliche
Ausbildung zum Kaufmann Profil B sei nicht leidensadaptiert gewesen; er habe
unzählige krankheitsbedingte Fehltage aufgewiesen. Zudem habe sich sein
Gesundheitszustand seit dem Ausbildungsabschluss am 31. Juli 2014 verändert. Die
C.e.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 17. Oktober 2018
einen Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Eingliederungsmassnahmen
verneint. Sie hat explizit festgehalten, betreffend den Anspruch auf eine Invalidenrente
werde eine separate Verfügung ergehen. Streitgegenstand bildet somit ausschliesslich
der Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Eingliederungsmassnahmen.
2.
Am 13. April 2017 hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer aufgefordert,
zwecks Glaubhaftmachung einer für den Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen oder auf eine Rente erheblichen Veränderung des
Sachverhalts Unterlagen wie zum Beispiel Arztberichte einzureichen (IV-act. 231).
Soweit sich die Beschwerdegegnerin dabei auf den Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen bezogen hat, ist folgendes festzuhalten: Art. 29 ATSG
Beschwerdegegnerin habe ausgeführt, es gehe nicht an, die Arbeitsfähigkeit aufgrund
der Ergebnisse einer beruflichen Abklärung festzulegen. Sie verkenne jedoch, dass sie
sich vorliegend auf ein nicht haltbares Gutachten abstütze. Die Beschwerdegegnerin
habe anerkannt, dass er (der Beschwerdeführer) arbeitsunfähig sei. Sie habe ihm
nämlich explizit vorgeworfen, er habe die vom Sozialamt finanzierte berufliche
Abklärung dazu benutzt, "seine Arbeitsunfähigkeit zu beweisen". Offensichtlich gehe
also auch die Beschwerdegegnerin von einer bestehenden Arbeitsunfähigkeit aus, bei
welcher lediglich der Beweis bis anhin noch fehlte. Die Beschwerdegegnerin habe die
Neurologie Toggenburg AG als eine "für die IV geschaffene spezialisierte
Gutachterstelle" beschrieben. Dies müsse zu grossen Zweifeln in Bezug auf deren
Unabhängigkeit führen. Offenbar arbeite diese nur für die IV. Sein Rechtsvertreter und
dessen Büropartner hätten bei der Beschwerdegegnerin eine Auskunft über die
Gutachtertätigkeit der Neurologie Toggenburg AG verlangt. Die Auskünfte seien
unterschiedlich ausgefallen. Es bestehe die begründete Vermutung, dass bei der
Neurologie Toggenburg AG nicht von einer unabhängigen Gutachterstelle gesprochen
werden könne.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 13).C.f.
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sieht ein jederzeitiges Anmelderecht und damit notwendigerweise auch einen Anspruch
auf ein Eintreten auf jede Anmeldung beziehungsweise auf eine materielle Behandlung
jeder Anmeldung vor. Da im Art. 29 ATSG nicht zwischen einer erstmaligen Anmeldung
und einer Neuanmeldung (also einer erneuten Anmeldung nach einer formell
rechtskräftigen Abweisung eines früheren Gesuchs) unterschieden wird und da sich
eine solche Unterscheidung auch nicht mit dem Sinn und Zweck des Anmelderechtes
vereinbaren liesse, muss der uneingeschränkte Anspruch auf ein Eintreten auf ein
Leistungsbegehren auch für Neuanmeldungen gelten. Dieser Anspruch wird von Art. 87
Abs. 3 IVV für bestimmte Leistungen der Invalidenversicherung eingeschränkt, nämlich
für die Rente, für die Hilflosenentschädigung und für den Assistenzbeitrag. Die ratio
legis von Art. 87 Abs. 3 IVV besteht darin, die IV-Stellen vor jenem Aufwand zu
schützen, mit dem diese konfrontiert wären, wenn Versicherte repetitiv Anmeldungen
zum Leistungsbezug einreichen könnten, die von den IV-Stellen jedes Mal wieder
umfassend materiell geprüft werden müssten. Da sich die Sachverhaltsabklärungen bei
den in Art. 87 Abs. 3 IVV genannten Leistungen in der Regel als äusserst aufwendig
erweist, kann ein gewisser "Schutzbedarf" der Verwaltung vor repetitiven
Neuanmeldungen anerkannt werden. Eine Ausweitung des Anwendungsbereichs von
Art. 87 Abs. 3 IVV auf von dessen Wortlaut nicht erfasste Leistungen der
Invalidenversicherung ist dagegen nicht zu rechtfertigen, weil damit die Gefahr einer
Untergrabung des im Art. 29 ATSG verankerten Grundsatzes des uneingeschränkten
Anspruchs auf ein Eintreten auf ein Leistungsbegehren verbunden wäre. Die in Art. 87
Abs. 3 IVV enthaltene Aufzählung ist deshalb als abschliessend zu qualifizieren. Auf
Neuanmeldungen betreffend berufliche Eingliederungsmassnahmen ist Art. 87 Abs. 3
IVV somit nicht anwendbar (vgl. ausführlich den Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 18. Dezember 2018, IV 2018/77, E. 3). Da die
Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers eingetreten ist,
spielt es vorliegend keine Rolle, dass sie ihn (unzulässigerweise) aufgefordert hat, zur
Prüfung des Gesuchs um berufliche Eingliederungsmassnahmen einen Nachweis zur
Glaubhaftmachung einer für den Anspruch relevanten Veränderung des Sachverhalts
zu erbringen.
3.
Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung vom 17. Oktober
2018 nicht angegeben, welche berufliche Eingliederungsmassnahme sie abgelehnt hat.
Der Beschwerdeführer hat mit dem Antrag, es seien die gesetzlichen Leistungen
zuzusprechen, ebenfalls nicht präzisiert, welche berufliche Eingliederungsmassnahme
er beansprucht. Aus dem Schriftenwechsel ergeben sich dazu auch keine klaren
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/25
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4.
Im Folgenden ist in einem ersten Schritt zu prüfen, ob dem Gutachten der Neurologie
Toggenburg AG voller Beweiswert zukommt. In einem zweiten Schritt ist zu prüfen, ob
der Beschwerdeführer einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung hat.
Anhaltspunkte. Im Folgenden ist daher zunächst zu klären, welche berufliche
Eingliederungsmassnahme den Streitgegenstand bildet.
Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer in den Jahren 2009 bis 2014
bei der beruflichen Ausbildung unterstützt, indem sie die behinderungsbedingten
Mehrkosten des Vorbereitungsjahrs für eine kaufmännische Ausbildung in der B._,
des Vorlehrjahrs zum Kaufmann Profil B im C._ und schliesslich der erstmaligen
beruflichen Ausbildung zum Kaufmann EFZ, Profil B, im C._ übernommen hat.
Letztere hat der Beschwerdeführer mit der Erlangung des Fähigkeitszeugnisses am
31. Juli 2014 erfolgreich abgeschlossen. Anschliessend hat er keine der Ausbildung
entsprechende Stelle gefunden und stattdessen bei der J._ als Chauffeur für
Auslieferungen stundenweise gearbeitet. Gemäss dem Gutachten der Neurologie
Toggenburg AG vom 20. März 2018 stellt eine Bürotätigkeit eine ideal leidensadaptierte
Tätigkeit dar. Die Gutachter haben dem Beschwerdeführer in dieser Tätigkeit eine
vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert. In der Folge kann es also nur darum gegangen
sein, dass der Beschwerdeführer eine seiner Ausbildung und seiner Erwerbsfähigkeit
entsprechende Stelle findet. Die Akten enthalten denn auch keine Hinweise darauf,
dass es eine für den Beschwerdeführer noch besser adaptierte Erwerbstätigkeit mit
einer gleichwertigen Erwerbsmöglichkeit gäbe bzw. dass der Beschwerdeführer einen
Berufswechsel anstreben würde. Streitgegenstand kann deshalb einzig der Anspruch
des Beschwerdeführers auf Arbeitsvermittlung gemäss Art. 18 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) bilden.
3.2.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/25
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anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418).
Die Sachverständigen der Neurologie Toggenburg AG haben den
Beschwerdeführer persönlich untersucht und seine subjektiven Klagen aufgenommen.
Sie haben die objektiven klinischen Befunde wiedergegeben, umfassende Kenntnis von
den Vorakten gehabt und diese gewürdigt. Aus internistischer Sicht sind lediglich
Diagnosen ohne eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit angegeben worden, nämlich
eine Adipositas und grenzwertig hypertone Blutdruckwerte. Es ist ohne weiteres
nachvollziehbar, dass diese Diagnosen keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in
einer Bürotätigkeit bewirken. Der dermatologische Gutachter hat als die
Arbeitsfähigkeit einschränkende Diagnose eine Epidermolysis bullosa simplex genannt.
Als Diagnose ohne eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hat er eine Pollinosis
aufgeführt. Er hat für die Tätigkeit als Büroangestellter lediglich eine qualitative
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert, indem er festgehalten hat, eine kritische
mechanische Belastung der Haut könne durch die seit Jahren eingeübten Massnahmen
zur Arbeitsplatzanpassung unterschritten werden. Kontinuierliches Gehen und Stehen
von weniger als einer halben Stunde hätten keine Folgen. Eine sitzende Tätigkeit am
Computer sei ganztags zumutbar. Auch diese Einschätzung ist schlüssig und
nachvollziehbar, zumal auch der behandelnde Dermatologe Dr. D._ eine adaptierte
Tätigkeit sitzend, beispielsweise an einem Computer, als zu 100% zumutbar
eingeschätzt hat (IV-act. 145) und da auch der Schlussbericht des C._ vom 16. Juni
2014 (IV-act. 180) keine Anhaltspunkte dafür enthält, dass der Beschwerdeführer
aufgrund von Blasenbildungen an den Händen und/oder Füssen in seiner
Arbeitsfähigkeit dauerhaft eingeschränkt gewesen wäre. Der psychiatrische
Sachverständige hat keine Diagnose mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
erhoben. Als Diagnosen ohne eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hat er eine
emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus (ICD-10 F60.30) und
einen Restzustand einer Panikstörung (ICD-10 F41.0) genannt. Er hat diese Diagnosen
gestützt auf die anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers und die nach dem
AMDP-System erhobenen Befunde gestellt und die Diagnosestellung nachvollziehbar
erklärt. Insbesondere hat er festgehalten, dass der Beschwerdeführer seit dem
Erwachsenenalter über gute Copingstrategien verfüge, emotionale Schwankungen und
die Impulsivität weniger externalisiere und in der Lage sei, Impulse ausreichend zu
steuern. Die Symptome einer depressiven Störung hat er explizit verneint. Des
Weiteren hat er dargelegt, dass beim Beschwerdeführer eine gering ausgeprägte
Veränderungsmotivation deutlich sei und dass Motivationsprobleme im Vordergrund
4.1.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/25
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stünden. Er hat sich auch zu den Behandlerberichten geäussert und seine
abweichende Beurteilung begründet. Schliesslich hat er auch zu den
Standardindikatoren, namentlich zur Konsistenz und den Ressourcen, Stellung
genommen. Retrospektiv ist er von einer Stabilisierung des Zustands mit einem
subsyndromalen psychischen Beeinträchtigungsniveau seit ca. 2013 ausgegangen.
Auch diese Ausführungen sind schlüssig und nachvollziehbar. Alle drei
Sachverständigen haben übereinstimmend angegeben, der Beschwerdeführer erachte
sich als vollständig arbeitsunfähig. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Einwände des
Beschwerdeführers Zweifel am Gutachten zu wecken vermögen.
Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, der psychiatrische Gutachter habe
ohne anerkannte Testverfahren und allfällige Fremdanamnesen die Diagnosen erhoben
und eine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Der Zeitaufwand für das Gutachten
von 107 Minuten erscheine angesichts der komplexen Problemstellung als sehr kurz. In
Bezug auf die Untersuchungsdauer ist festzuhalten, dass diese bei der Beurteilung der
Beweiskraft eines Gutachtens kaum je ein Kriterium sein kann. Massgebend ist
vielmehr – wie die Beschwerdegegnerin zu Recht festgehalten hat – ob ein Gutachten
umfassend und im Ergebnis schlüssig ist. Im Übrigen scheint die Untersuchungsdauer
angesichts des Umstands, dass der Beschwerdeführer deutscher Muttersprache und
somit kein Dolmetscher erforderlich gewesen ist, als angemessen. Der psychiatrische
Gutachter hat die psychiatrischen Befunde nach dem AMDP-System erhoben, was der
Empfehlung in den Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der
Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (Stand 2016)
entspricht. Des Weiteren sind Laboruntersuchungen durchgeführt worden. Da beides
einen unauffälligen Befund ergeben hat, ist nachvollziehbar, dass auf fachspezifische
Zusatzuntersuchungen verzichtet worden ist. Anhaltspunkte dafür, dass weitere
Testungen erforderlich gewesen wären, bestehen nicht. Da das Einholen einer
Fremdanamnese nicht zwingend erforderlich ist, also im Ermessen des
Sachverständigen liegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. Februar 2014,
8C_847/2013, E. 5.1.2), ist auch nicht zu beanstanden, dass der psychiatrische
Gutachter keine Fremdanamnese erhoben hat. Soweit der Beschwerdeführer geltend
gemacht hat, das psychiatrische Teilgutachten sei widersprüchlich (vgl. die
Ausführungen betreffend Panikattacken und eine Persönlichkeitsstörung), hat der
psychiatrische Sachverständige bereits in einem im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens von der Beschwerdegegnerin eingeholten Schreiben vom
8. August 2018 die angeblichen Widersprüche schlüssig ausgeräumt. Die Behauptung
des Beschwerdeführers, der psychiatrische Sachverständige habe sich mit der
4.1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/25
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Beurteilung von Dr. E._ nicht auseinandergesetzt, ist aktenwidrig (vgl. IV-
act. 258-55).
Der Beschwerdeführer hat des Weiteren unter Berufung auf einen Bericht von
Dr. E._ vom 20. Dezember 2018 geltend gemacht, das psychiatrische Teilgutachten
der Neurologie Toggenburg AG sei fachlich nicht korrekt und nicht verwertbar.
Dr. E._ hatte am 20. Dezember 2018 im Wesentlichen angeführt, ein chronifiziertes
Krankheitsbild könne nicht nach einer einzigen Exploration diagnostisch zutreffend
beurteilt werden; die Beurteilung der Genese und die aktuelle Auswirkung der
Depression sei nur im Längsschnitt zulässig. Auch dazu hat der psychiatrische
Sachverständige im Schreiben vom 8. August 2018 Stellung genommen und
nachvollziehbar erklärt, dass die gutachterliche Beurteilung nicht nur aufgrund einer
einmaligen Untersuchung, sondern auch auf der Grundlage der genauen Kenntnis des
Dossiers und der Auseinandersetzungen mit den Vorbewertungen erfolge. Dr. E._ hat
weiter vorgebracht, der psychiatrische Sachverständige habe alle Unterlagen über das
frühe Störungsbild des Beschwerdeführers, konkret die Berichte des X._, des Y._
sowie seinen Bericht vom 1. Juli 2017, nicht berücksichtigt. Diese Äusserung ist in
Bezug auf den Bericht des Y._ vom 1. Mai 2007 und das ärztliche Attest von
Dr. E._ vom 1. Juli 2017 (ebenfalls) aktenwidrig (vgl. IV-act. 258-55). Den Bericht des
X._ vom 14. Juli 2011 hat der psychiatrische Sachverständige in den Vorakten
aufgeführt (IV-act. 258-41). Im Rahmen der Würdigung der Vorakten hat er sich dann
tatsächlich nicht dazu geäussert. In Anbetracht dessen, dass in diesem Bericht weder
objektive psychiatrische Befunde noch Diagnosen aufgeführt worden sind, ist eine
explizite Würdigung dieses Berichts nicht erforderlich gewesen. Die Einwände des
Beschwerdeführers bzw. von Dr. E._ gegen das psychiatrische Teilgutachten sind
damit nicht stichhaltig.
4.1.3.
Der Beschwerdeführer hat angeführt, die Arbeitsfähigkeit sei mittels einer
beruflichen Abklärung "on the job" zu testen. Nachdem die Beschwerdegegnerin keine
solche veranlasst hatte, hat er mit Hilfe des Sozialamts eine solche bei I._ absolviert.
Der Beschwerdeführer hat gestützt darauf geltend gemacht, die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Gutachten der Neurologie Toggenburg AG könne nicht
zutreffend sein. Die berufliche Abklärung habe nämlich gezeigt, dass sein psychischer
Gesundheitszustand eine Beschäftigung von maximal zweieinhalb bis drei Stunden pro
Tag zulasse. Die Auswirkungen der Tätigkeit auf dermatologischer Ebene habe nicht
abschliessend geklärt werden können, da er meist nicht ganztags anwesend gewesen
sei. Dazu ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht keine berufliche
Abklärung zur "Testung der Arbeitsfähigkeit" veranlasst hat. Eine BEFAS-Abklärung ist
4.1.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/25
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nämlich nicht geeignet, die Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person zu ermitteln,
denn sie dient der Beantwortung von Fragen, die das Fachgebiet der beruflichen
Eingliederung betreffen. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Gutachter der
Neurologie Toggenburg AG übereinstimmend angegeben haben, der
Beschwerdeführer betrachte sich als vollständig arbeitsunfähig. Selbst wenn eine
BEFAS-Abklärung – entgegen den obigen Ausführungen – geeignet wäre, die
Arbeitsfähigkeit zu bestimmen, wäre eine solche vorliegend nicht zielführend gewesen.
Liegt eine subjektive Krankheitsüberzeugung vor, kann eine berufliche
Abklärungsmassnahme offensichtlich keine verlässlichen Erkenntnisse zum objektiven
funktionellen Leistungsvermögen einer versicherten Person liefern. Die berufliche
Abklärung bei I._ ist deshalb von Vornherein untauglich gewesen, objektive
Anhaltspunkte zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu liefern. Der
Beschwerdeführer hat in diesem Zusammenhang vorgebracht, die
Beschwerdegegnerin habe anerkannt, dass er (der Beschwerdeführer) arbeitsunfähig
sei, indem sie ihm vorgeworfen habe, dass er die vom Sozialamt finanzierte berufliche
Abklärung dazu benutzt habe, "seine Arbeitsunfähigkeit zu beweisen". Dazu ist
festzuhalten, dass dies eine offensichtlich unhaltbare Interpretation der Aussage der
Beschwerdegegnerin ist, wonach der Beschwerdeführer aufgrund seiner
pessimistischen Selbsteinschätzung einen Arbeitsversuch nur dazu benutzen würde,
seine Arbeitsunfähigkeit zu "beweisen". Die Beschwerdegegnerin hat damit
offensichtlich gemeint, dass der Beschwerdeführer in einer beruflichen Abklärung nur
demonstrieren würde, dass er tatsächlich arbeitsunfähig sei. Sie ist ganz klar nicht von
einer Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen.
Der Beschwerdeführer hat sodann eingewendet, die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aufgrund der Hauterkrankung könne nicht theoretisch, sondern nur
praktisch im Rahmen einer beruflichen Abklärung überprüft werden. Das
dermatologische Teilgutachten sei deshalb nicht überzeugend. Dazu ist festzuhalten,
dass der dermatologische Sachverständige im Schreiben vom 16. August 2018 betont
hat, eine Bürotätigkeit bestehe nicht ausschliesslich aus Computer-Tätigkeiten an der
Maus. Zudem stünden diverse Hilfsmittel zur Verfügung, um die manuellen Tätigkeiten
zu reduzieren (z.B. Telefon-Headsets, Spracherkennungsprogramme). Darauf kann
verwiesen werden. Soweit der Beschwerdeführer festhält, im Rahmen der beruflichen
Abklärung bei der I._ hätten die Auswirkungen der Tätigkeit auf dermatologischer
Ebene nicht abschliessend geklärt werden können, da er meist nicht ganztags
anwesend gewesen sei, ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer dort offenbar
problemlos möglich gewesen ist, während bis zu zweieinhalb Stunden am Stück zu
4.1.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/25
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arbeiten. Über Blasenbildungen an den Händen und/oder Füssen ist von den
Fachpersonen bei der I._ nicht berichtet worden. Dieser Einwand ist damit nicht
stichhaltig.
Schliesslich hat der Beschwerdeführer eingewendet, es bestehe eine begründete
Vermutung dafür, dass bei der Neurologie Toggenburg AG nicht von einer
unabhängigen Gutachterstelle gesprochen werden könne; diese arbeite offenbar nur
für die Invalidenversicherung. Der Beschwerdeführer stützt sich hierbei auf die Aussage
der Beschwerdegegnerin, bei der Neurologie Toggenburg AG handle es sich um eine
"für die IV geschaffene spezialisierte Gutachterstelle", sowie auf zwei gestützt auf das
Öffentlichkeitsgesetz erteilte Auskünfte der Beschwerdegegnerin betreffend die Anzahl
der durch die Neurologie Toggenburg AG erstellten Gutachten. Tatsächlich hat die
Beschwerdegegnerin in den beiden Auskünften über den beinahe gleichen Zeitraum
unterschiedliche Zahlen genannt (Auskunft vom 10. Dezember 2018: 100 Gutachten in
der Zeit vom 1. Januar 2015 bis 31. Oktober 2018; Auskunft vom 21. Dezember 2018:
36 polydisziplinäre, 3 bidisziplinäre und 20 monodisziplinäre Gutachten in der Zeit vom
1. Januar 2015 bis 30. September 2018). Die Gründe, die dazu geführt haben, können
offen bleiben. Zwischen der Anzahl der für die Invalidenversicherung erstellten
Gutachten und einer allfälligen Befangenheit der Gutachter gibt es nämlich keine
überzeugende Korrelation. Vielmehr bedürfte es für eine fehlende Unabhängigkeit der
medizinischen Sachverständigen konkreter Anhaltspunkte im Gutachten selber. Das ist
nicht der Fall.
4.1.6.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Einwände des Beschwerdeführers
keine Zweifel am Gutachten der Neurologie Toggenburg AG zu wecken vermögen. Auf
das Gutachten und insbesondere auf die darin enthaltene Arbeitsfähigkeitsschätzung
ist abzustellen. Damit ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erstellt, dass der Beschwerdeführer in der erlernten Tätigkeit als Kaufmann EFZ, Profil
B, uneingeschränkt arbeitsfähig ist.
4.1.7.
Wie bereits dargelegt, kann einzig der Anspruch auf Arbeitsvermittlung
Streitgegenstand bilden (vgl. E. 3.2). Zu prüfen bleibt somit, ob der Beschwerdeführer
einen Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung hat. Gemäss Art. 18 Abs. 1 lit. a IVG haben
arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, Anspruch
auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes.
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf
oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 6 Satz 1 ATSG). Massgebend
ist nicht nur das Vorliegen einer quantitativen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/25
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5.
Vielmehr kann auch eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
anspruchsauslösend sein. Vorausgesetzt ist sodann, dass die Arbeitsunfähigkeit die
versicherte Person bei der Arbeitssuche erheblich behindert (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 6. August 2020, 9C_329, E. 3.2.3, und vom 18. November 2016,
9C_594/2016, E. 3.2). Des Weiteren muss die versicherte Person eingliederungsfähig
sein, das heisst es muss ihr objektiv möglich und sie muss subjektiv bereit sein, von
einem Arbeitgeber angestellt zu werden (Urteil des Bundesgerichts vom 18. November
2016, 9C_594/2016, E. 3.2). Der Beschwerdeführer ist in der erlernten Tätigkeit als
Kaufmann EFZ in quantitativer Hinsicht überwiegend wahrscheinlich vollständig
arbeitsfähig (vgl. E. 4.1). Ob er aufgrund seiner Hauterkrankung und der damit
verbundenen qualitativen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, die allenfalls den Einsatz
von technischen Hilfsmitteln wie beispielsweise Spracherkennungsprogramme
erfordern könnten, bei der Arbeitssuche erheblich behindert ist, kann offengelassen
werden. Gemäss dem überzeugenden Gutachten der Neurologie Toggenburg AG
erachtet sich der Beschwerdeführer nämlich als vollständig arbeitsunfähig. Die
subjektive Bereitschaft, eine Arbeitsleistung zu erbringen, fehlt also. Was der
Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem Arbeitsversuch bei der I._ vorbringt,
dass er nämlich bestrebt sei, die Möglichkeit zur Wiedereingliederung in den
Arbeitsmarkt zu eruieren, ist nicht überzeugend. Dieser Einsatz hat nämlich ihm nur
dazu gedient, einen – untauglichen – Nachweis einer Arbeitsunfähigkeit zu erbringen.
Er hat mit dem Arbeitsversuch bei der I._ also gerade nicht versucht, sich in den
Arbeitsmarkt zu integrieren. Mangels einer subjektiven Eingliederungsfähigkeit des
Beschwerdeführers besteht kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung. Die Beschwerde ist
demnach abzuweisen.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu
befreien.
5.1.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/25
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