Decision ID: 79407974-59c2-4cf2-bbfb-dc4fba9be9f9
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden (angolanische Staatsangehörige aus
C._) suchten am 3. Juni 2019 in der Schweiz um Asyl nach. Sie
wurden dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Zürich zugewiesen.
Nach Anhörung des Beschwerdeführers vom 13. November 2019 wurden
sie am 18. November 2019 dem erweiterten Verfahren zugeteilt. Am 3. Mai
2021 fand die Anhörung der Beschwerdeführerin und eine ergänzende An-
hörung des Beschwerdeführers statt.
B.
Der Beschwerdeführer gab an, hauptsächlich in C._ aufgewachsen
und dort bis zur elften Klasse zur Schule gegangen zu sein. Seine Eltern
stammten aus D._. Nach seiner Ausbildung sei er daher nach
D._ (E._) gezogen und Mitglied der FLEC (Front of Libera-
tion for the Enclave of D._) geworden. Die Beschwerdeführerin gab
ihrerseits an, in C._ aufgewachsen zu sein und bis zur siebten
Klasse die Schule besucht zu haben. Ihren Lebensunterhalt habe sie als
Marktverkäuferin bestritten. Die Beschwerdeführenden hätten sich 2008 in
C._ kennengelernt und in der Folge gemeinsam in E._ ge-
lebt. Sie hätten zwei gemeinsame Kinder und seien nach Brauch verheira-
tet.
C.
Zur Begründung ihrer Asylgesuche machten sie im Wesentlichen geltend,
der Beschwerdeführer habe bei der FLEC als Automechaniker in der Mili-
tärbasis in E._ gearbeitet und dabei auch Material aus dem Kongo
transportiert. Zirka im Jahre 2001 habe er im Rahmen von Verhandlungen
zwischen der FLEC und der regierenden Partei MPLA (National Front for
the Liberation of Angola) an einer Schulung in C._ – welche in der
Folge aus politischen Gründen nicht stattgefunden habe – teilnehmen wol-
len und habe dabei auch seinen Namen angeben müssen, worauf er den
Behörden als Mitglied der FLEC bekannt geworden sei. Nach dem Tod sei-
nes Vaters im Jahre 2010 habe er zusammen mit einem Freund vergeblich
versucht, sich von der FLEC abzusetzen. Sie seien von Soldaten der FLEC
gefasst und anschliessend für etwa sechs Monate festgehalten und ge-
schlagen worden. Nach seiner Freilassung habe er bei einem Trans-
portauftrag die Gelegenheit zur Flucht genutzt. Er habe seine Uniform zu-
rückgelassen und sei zu seiner Familie nach E._ zurückgekehrt.
Von dort seien sie, die Beschwerdeführenden, zu Fuss nach D._
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und schliesslich mit dem Schiff nach C._ geflohen, wo sie sich etwa
25 Tage bei einem Freund des Vaters des Beschwerdeführers versteckt
hätten. Am 27. Mai 2019 seien sie legal mit ihren eigenen Reisepässen und
einem portugiesischen Schengen-Visum auf dem Luftweg nach F._
und am 29. Mai 2019 in die Schweiz gereist.
D.
Zur Stützung der Vorbringen wurden mehrere Beweismittel eingereicht
(zwei Fotos mit dem Beschwerdeführer und seiner Tante [nach dem Schrei-
ben vom 22. November 2019] beziehungsweise mit seiner Grossmutter
[gemäss Angaben anlässlich der Anhörung vom 3. Mai 2021], Foto des
Lastwagens, mit welchem der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben
im Auftrag der FLEG in den Kongo gereist sei, Foto, das den Beschwerde-
führer [gemäss Schreiben vom 22. November 2021] beziehungsweise des-
sen Vorgesetzten [gemäss Angaben anlässlich der Anhörung am 3. Mai
2021] beim Baden im Fluss ausserhalb des Militärcamps zeige, ein Bild,
das bei der Flucht von der FLEC aufgenommen worden sei, ein Memory-
Stick mit zwei Videoaufnahmen der Flucht).
E.
Zum Nachweis ihrer gesundheitlichen Schwierigkeiten reichten die Be-
schwerdeführenden mehrere Dokumente ein (Austrittsbericht vom 2. Juli
2019 und Arztbericht vom 15. August 2019, Operationsbericht vom 6. Sep-
tember 2019, ärztliche Zeugnisse vom 13. September und 18. September
2019, provisorischer Intensivstations-Zwischenbericht vom 17. Oktober
2019 und Arztbericht vom 10. Oktober 2020 des G._, Arztberichte
der Fachärztin Innere Medizin H._ vom 29. Januar 2020 und vom
28. Juni 2021, alle den Beschwerdeführer betreffend, und ärztlicher Bericht
der Fachärztin Innere Medizin H._ vom 28. Juni 2021, letzterer die
Beschwerdeführerin betreffend).
F.
Am 5. November 2021 und 16. November 2012 wurden medizinische Con-
sultings erstellt. Zu den Abklärungsergebnissen gewährte das SEM den
Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 19. November 2021 das rechtli-
che Gehör. Mit Eingabe vom 20. Dezember 2021 nahmen diese hierzu
Stellung und reichten im Weiteren ein Referenzschreiben der Gemeinde
I._ vom 14. Dezember 2021 bezüglich ihrer Integration in der
Wohngemeinde ein.
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G.
Mit Entscheid vom 23. Februar 2022 wies das SEM die Asylgesuche der
Beschwerdeführenden vom 3. Juni 2019 wegen Unglaubhaftigkeit der Vor-
bringen ab, ordnete ihre Wegweisung an und erachtete den Vollzug als
zulässig, zumutbar und möglich.
H.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 25. März 2022 erhoben die Be-
schwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht gegen den Entscheid
des SEM vom 23. Februar 2022 Beschwerde. Sie beantragten die Aufhe-
bung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, eventualiter sei den Beschwerdeführen-
den die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs zu gewähren, subeventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Es sei den Beschwerdeführenden zu gestatten, den Ent-
scheid in der Schweiz abzuwarten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Bestellung ei-
nes unentgeltlichen Rechtsbeistandes in der Person der Unterzeichnenden
ersucht.
I.
Mit Schreiben vom 28. März 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zu-
stimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin zu behan-
deln, weil sie sich im Ergebnis als offensichtlich unbegründet erweist (Art.
111 Bst. e AsylG). Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde
verzichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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5.
5.1 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die geltend ge-
machten Vorbringen, in D._ gelebt zu haben und aufgrund erfolgter
Desertion aus der FLEC von dort geflüchtet zu sein, als nicht glaubhaft im
Sinne von Art. 7 AsylG erachtet.
5.2 Sie führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass die Schilderung
der geltend gemachten Vorbringen überwiegend unsubstantiiert ausgefal-
len seien. Trotz mehrfacher Aufforderung, ausführlicher von den Ausreise-
gründen zu berichten, seien die Antworten auf wenige knappe und über-
wiegend allgemein gehaltene Sätze beschränkt geblieben.
So habe der Beschwerdeführer mehrfach lediglich wiederholt, er habe
nicht mehr für die FLEC tätig sein wollen, es herrsche in Angola Krieg und
D._ kämpfe um seine Unabhängigkeit (vgl. A47 F88 ff.). Danach
gefragt, wie er nach seiner Ankunft in D._ zu einem Mitglied der
FLEC geworden sei, habe der Beschwerdeführer lediglich in allgemeiner
Weise erklärt, weil alle Leute dort zur FLEC gehören würden und sein Vater
innerhalb der FLEC geboren sei und dort gelebt habe (vgl. A47 F92ff.), sei
er sozusagen «automatisch bei der FLEC gewesen» (vgl. A67 F26). Er sei
nicht in der Lage gewesen, konkret zu beschreiben, wie er – obwohl er in
C._ sozialisiert worden und erst im Alter von etwa zwanzig Jahren
nach D._ gezogen sei – mit der FLEC in Kontakt gekommen sei.
Auch auf Nachfrage hin habe er kaum detailliertere Angaben zur Tätigkeit
seines Vaters, seiner eigenen Rekrutierung, seiner Funktion oder der
Struktur und den verschiedenen Einheiten der FLEC machen können (vgl.
A47 F96ff.) Ebenso oberflächlich habe er Fragen zum Tagesablauf sowie
zum Waffengebrauch und zu Kampfhandlungen beantwortet (vgl. E47
F109, F28). So habe er beispielsweise lediglich angegeben, er habe eine
AKM (sowjetisches Sturmgewehr), Granaten und ein Buschmesser gehabt
und die Waffen benutzt, um sich zu verteidigen. Nach weiteren Details ge-
fragt, habe der Beschwerdeführer entgegnet, die AKM werde in Angola und
im Kongo bei all diesen Kriegen benutzt, um sich zu verteidigen, und habe
auf You-Tube-Videos verwiesen (vgl. 47 F118). Ebenso wenig habe er
nachvollziehbar darlegen können, wie er zum Entschluss gelangt sei, die
FLEC zu verlassen. Er habe lediglich angegeben, nach dem Tod seines
Vaters sei es ihm klar geworden, dass das Leben bei der FLEC zu viel
Risiken berge und er sterben könnte. Weshalb er nach dem Tod seines
Vaters im Jahre 2010 noch neun Jahre bei der FLEC geblieben sei und
was letztlich ausschlaggebend für seinen Entschluss gewesen sei, habe er
nicht konkretisieren können.
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Auch habe der Beschwerdeführer nicht plausibel dargestellt, weshalb er,
obwohl er schon seit längerem über seinen Weggang von den FLEC nach-
gedacht habe, seinen Fluchtversuch schliesslich in der Wildnis verwirklicht
habe anstatt einer der vielen Gelegenheiten zur Flucht zu nutzen, bei de-
nen er sich über das Wochenende ohnehin bei seiner Familie aufgehalten
habe oder sogar nach C._ gereist sei (vgl. A67 F77). Schliesslich
habe der Beschwerdeführer behauptet, dass die Behörden von seiner Mit-
gliedschaft bei der FLEC Kenntnis hätten, habe diese Vermutung jedoch
auf Nachfrage nicht konkretisieren können (vgl. A67 F69). Etwas detaillier-
ter seien allenfalls die Beschreibungen der Festnahme, bei welcher sein
Freund getötet worden sei, und der anschliessende Zwangsaufenthalt «in
einem Loch» ausgefallen (vgl. A47 F126ff). Angesichts der ansonsten äus-
serst unsubstantiierten Angaben im Zusammenhang mit der FLEC und der
weiteren, nachfolgend dargestellten Widersprüche und Ungereimtheiten
könnten diese Schilderungen jedoch nicht dazu führen, dass die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers insgesamt als überwiegend glaubhaft zu wer-
ten seien.
Auch die Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage gewesen, die Ereig-
nisse, die zur Ausreise geführt hätten, substantiiert zu schildern. Obwohl
ihr mehrere Fragen zur Situation gestellt worden seien, als der Beschwer-
deführer nach Hause gekommen sei und sie beide geflohen seien, habe
die Beschwerdeführerin lediglich wiederholt, dass ihr Ehemann gesagt
habe, verfolgt zu werden und fliehen zu müssen (vgl. A68 F60). Zudem
falle auf, dass die Beschwerdeführerin kaum konkrete Angaben zu den ört-
lichen Begebenheiten in D._ und zum Fluchtweg habe machen
können. So seien ihre Angaben zum Wohnort in D._ auf die weni-
gen Angaben beschränkt geblieben, es habe sich um ein Dorf im Busch
gehandelt, wo auch Landarbeiten verrichtet worden seien (vgl. A68 F20).
Danach gefragt, wie lange die Beschwerdeführerin von E._ bis zum
Schiff benötigt habe, habe sie erklärt, sie wisse nur noch, dass sie zu Fuss
gegangen sei, es habe ungefähr eine halbe Stunde gedauert (vgl. A68
F67). Diese Aussage erstaune, da die genannte Strecke 120 km lang sei
und mehr als ein Tag nötig gewesen wäre, um diese Fussstrecke zu be-
wältigen. Auch die weitere unbestimmte Angabe, wonach D._ und
E._ alles das Gleiche sei und es sich um Quartiere handle (vgl. A68
F78ff), spreche dagegen, dass die Beschwerdeführerin jahrelang in der
Region D._ wohnhaft gewesen sei. Auch wenn sich die Beschwer-
deführerin mehrmals darauf berufen habe, sich nicht gut erinnern zu kön-
nen und aufgrund des Komas Probleme mit dem Kopf zu haben (vgl. A68
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F56, F61, F76, F83), könne jedoch aufgrund des fast zehnjährigen Aufent-
halts in D._ und der Bedeutung des Fluchtereignisses erwartet wer-
den, das hierzu substantiierte Angaben gemacht werden könnten, zumal
die Beschwerdeführerin in der Lage gewesen sei, ihre gesundheitlichen
Probleme und die medizinischen Behandlungen nach der Ankunft in der
Schweiz detailliert zu schildern (vgl. 68 F56).
5.3 Im Weiteren seien die Schilderungen der Beschwerdeführenden wider-
sprüchlich ausgefallen.
So habe der Beschwerdeführer widersprüchliche Aussagen zu den zeitli-
chen Abläufen und der Anzahl sowie Dauer der Aufenthalte in C._
gemacht. Anlässlich der ersten Anhörung habe er angegeben, von 2001
bis 2010 in D._ gewohnt zu haben, danach etwa drei Monate nach
C._ gezogen zu sein und etwa ein Jahr nach der Rückkehr nach
D._ (etwa 2011 oder 2012) versucht zu haben, von der FLEC zu
fliehen (vgl. A47 F14ff). Auf Nachfrage hin habe er zudem erklärt, bis 2010
Mitglied der FLEC gewesen zu sein (vgl. A47 F66). Davon abweichend
habe der Beschwerdeführer ausgesagt, dass er sich nach der gelungenen
Flucht von der FLEC lediglich noch 25 Tage in C._ aufgehalten
habe, bevor er Angola im Mai 2019 verlassen habe (vgl. A47 F27, F76).
Auf diese zeitliche Ungereimtheit angesprochen, habe er erklärt, er habe
viele Daten im Kopf und könne sich nicht konzentrieren (vgl. A47 F51). In
der ergänzenden Anhörung habe der Beschwerdeführer die Abläufe erneut
anders geschildert. So habe er zunächst angegeben, er sei nach seiner
Rückkehr nach D._ im Jahr 2001 lediglich noch zweimal nach
C._ gegangen, und zwar 2001 zu einer Ausbildung für FLEC–Mit-
glieder und dann erst wieder nach seiner Flucht von der FLEC (vgl. A67
F20, F32). Später habe er sich korrigiert und ergänzt, dass er ein drittes
Mal in C._ gewesen sei, nämlich für etwa vier Tage im Jahr 2008,
als er die Beschwerdeführerin kennengelernt habe (vgl. A67 F41). Den in
der ersten Anhörung genannten dreimonatigen Aufenthalt in C._ im
Jahr 2010 (vgl. A47 F14) habe er hingegen überhaupt nicht erwähnt. Hier-
mit konfrontiert, habe der Beschwerdeführer erklärt, er habe sich einfach
nicht daran erinnert (vgl. A67 F72). Zugleich habe er erklärt, er sei 2008
nach C._ gegangen, um einen Konflikt mit seiner Partnerin (der Be-
schwerdeführerin) zu bereinigen (vgl. A67 F71). Dies stehe wiederum in
Kontrast zu seiner vorherigen Aussage, er habe die Beschwerdeführerin
während des viertägigen Aufenthalts in C._ im Jahr 2008 erst ken-
nengelernt (vgl. A67 F41). Diesen Widerspruch habe er auf Vorhalt nicht
aufzulösen vermocht (vgl. A67 F86). Zur Erklärung der Widersprüche habe
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er unter anderem darauf hingewiesen, dass er bei der ersten Anhörung
wegen des Zustands seiner Partnerin im Stress gewesen sei und er nicht
alle Daten richtig habe einordnen können (vgl. A47 F151; A67 F84). Dem
sei entgegenzuhalten, dass vom Beschwerdeführer zumindest hätte erwar-
tet werden können, dass er die zeitlichen Abläufe grob einordnen und je-
denfalls Anzahl und Dauer der Aufenthalte in C._ hätte angeben
können.
Im Weiteren hätten die Beschwerdeführenden unterschiedliche Angaben
zum Verbleib ihrer Kinder während der Flucht gemacht. So habe der Be-
schwerdeführer angegeben, er habe nach der Flucht von der FLEC gegen-
über seiner Partnerin erklärt, dass Sie beide weg müssten, woraufhin Ihre
Partnerin die Kinder zu Ihrer Mutter gebracht habe (vgl. A47 F137, F139).
Davon abweichend habe er ausgesagt, dass sich die Kinder zum Zeitpunkt
der Flucht bei Ihrer Mutter befunden hätten (vgl. A47 F49). Die Beschwer-
deführerin ihrerseits habe abweichend von ihrer Aussage, sie habe alles
stehen und liegen lassen und fliehen müssen, die Kinder seien einfach dort
geblieben (vgl. A68 F27), an anderer Stelle geltend gemacht, sie habe
keine Zeit mehr gehabt, die Kinder mitzunehmen (vgl. A68 F56, F60). Sie
wisse nicht, was mit Ihren Kindern geschehen sei, da Sie keine Zeit mehr
gehabt habe, sich um diese zu kümmern (vgl. A68 F63), die Kinder hätten
sich zum Zeitpunkt der Flucht bei ihr im Haus befunden (vgl. A68 F79). Erst
als sie mit den Aussagen des Beschwerdeführers konfrontiert worden sei,
habe sie bestätigt, dass sich die Kinder bei der Mutter des Beschwerdefüh-
rers in D._ befinden würden (Akte 1042892-68/12, F74). Es sei
nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin den Umstand, dass die
Kinder in die Obhut der Mutter des Beschwerdeführers gelangt seien, nicht
bereits zuvor erwähnt habe, zumal die Beschwerdeführerin mehrfach nach
dem Verbleib ihrer Kinder gefragt worden sei und es sich bei dem Abschied
von ihren Kindern um ein wesentliches Element handle, dass ihr sehr gut
in Erinnerung geblieben sein müsste. Im Weiteren habe der Beschwerde-
führer selbst im Rahmen der ergänzenden Anhörung zunächst erklärt, er
selbst habe die Kinder zu seiner Mutter gebracht (vgl. A67 F61). Mit den
Aussagen der Beschwerdeführerin konfrontiert, habe er wiederum ange-
geben, diese habe die Kinder zu seiner Mutter gebracht. Sie selbst habe
sich verstecken müssen (vgl. A67 F76). Diese Aussage lasse sich nicht mit
der Angabe anlässlich der ersten Anhörung vereinbaren, wonach er sich
noch von seiner Mutter verabschiedet habe (vgl. A47 F57).
5.4 Schliesslich seien die eingereichten Beweismittel (Fotos, Video) nicht
geeignet, die Vorbringen zu belegen, da sie weder einen Bezug zur FLEC
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noch zu D._ erkennen liessen, sondern überall aufgenommen wor-
den sein könnten. In den am 18. August 2015 und 2. Oktober 2017 ausge-
stellten Identitätskarten sei vermerkt, dass die Beschwerdeführenden zu-
letzt in C._ gewohnt hätten; deren vagen Erklärungen, in Angola
würde man die Identitätskarten dort verlängern lassen, wo sie das erste
Mal beantragt worden seien (vgl. A47 F62) beziehungsweise die Papiere
würden zentral in C._ bearbeitet, selbst, wenn man in der Provinz
lebe (vgl. A68 F53) sowie alles sei möglich in Afrika (vgl. A67 F74), würden
nicht überzeugen.
6.
In der Beschwerde wurde unter anderem eingeräumt, dass die Antworten
des Beschwerdeführers zwar teilweise eher knapp und allgemein ausge-
fallen seien, was ihm aber genauso wenig vorgeworfen werden könne wie
die Tatsache, dass seine Begründungen, zum Beispiel, warum er zur FLEC
gegangen sei, nach der Ansicht der Vorinstanz «zu vage» seien. So gebe
er zum Beispiel an, er sei in D._ der FLEC beigetreten, weil «alle
Leute dort zur FLEC gehörten und sein Vater in die FLEC hineingeboren
worden sei und dort gelebt habe». Diese Aussage entspreche derjenigen
vieler Männer in D._, die gegen die Regierung kämpfen würden. Im
Weiteren sei, wenn ein Teil der Ausführungen ausdrücklich von der Vo-
rinstanz als «detaillierter und persönlicher» bewertet werde (Festnahme
und Haft), zumindest dieser Teil der Ausführungen als hinreichend begrün-
det zu betrachten, was die Vorinstanz nicht getan habe. Schliesslich wür-
den die von der Vorinstanz festgestellten Widersprüche zwar nicht bestrit-
ten, jedoch sei zu beachten, welch grosser Belastung der Beschwerdefüh-
rer anlässlich der Befragung aufgrund der schweren Erkrankung seiner
Ehefrau ausgesetzt gewesen sei. Ausserdem habe bei der Beschwerde-
führerin die «Zeit im Koma» bezüglich der Erinnerungsfähigkeit Spuren hin-
terlassen. Insbesondere an frühere Vorkommnisse könne sie sich nur
schwer erinnern.
7.
7.1 Die Vorinstanz hat die Asylvorbringen der Beschwerdeführenden mit
sehr ausführlicher und überzeugender Begründung in Zweifel gezogen. Mit
der Vorinstanz ist festzustellen, dass die Schilderungen der Vorbringen
überwiegend unsubstantiiert und teils widersprüchlich ausgefallen sind.
Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die zu bestätigenden Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden, die auf Beschwerdeebene
nicht entkräftet werden können. Vielmehr werden in der Beschwerde die
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Feststellungen der Vorinstanz zu einem überwiegenden Teil nicht bestrit-
ten, indes zum einen mit der grossen Belastung des Beschwerdeführers
anlässlich der Befragungen aufgrund der schweren Erkrankung seiner
Ehefrau und zum anderen mit der eingeschränkten Erinnerungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin aufgrund eines erlebten Komazustandes zu erklä-
ren versucht. Hierzu ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Rah-
men der Anhörung vom 13. November 2019 angab, dass es ihm gut gehe
(vgl. A47 F5) und sich aus dem Anhörungsprotokoll keine konkreten An-
haltspunkte auf eine besondere Belastungssituation des Beschwerdefüh-
rers ergeben, war er doch stets in der Lage, die gestellten Fragen zu ver-
stehen und zu beantworten. Auch wenn der Beschwerdeführer einer Be-
lastungssituation ausgesetzt gewesen sein mag, liesse sich damit dessen
überwiegend unbestimmtes und widersprüchliches Aussageverhalten in
zentralen Elementen nicht plausibel erklären. Ebenso wenig lassen sich
die festgestellten Widersprüchen in den Aussagen der Beschwerdeführerin
mit dem alleinigen Hinweis auf angebliche Erinnerungslücken beseitigen,
war die Beschwerdeführerin doch im Rahmen der Anhörung in der Lage,
die gestellten Fragen, wenn auch teils auf Nachfrage, zu beantworten, und
handelte es sich hierbei um wesentliche, prägende Ereignisse. Im Weiteren
hat die Tatsache, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung fest-
stellte, dass die Beschreibungen der Festnahme und des Gefängnisaufent-
halts etwas detaillierter ausgefallen seien (vgl. A47 F126ff) nicht zur Folge,
dass diese Ereignisse bloss dadurch schon als glaubhaft erscheinen, zu-
mal die Prüfung der Glaubhaftigkeit stets eine Gesamtbeurteilung der gel-
tend gemachten Vorbringen beinhaltet.
7.2 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass die
Vorinstanz zu Recht die Vorbringen der Beschwerdeführenden als un-
glaubhaft erachtet, die Flüchtlingseigenschaft verneint und ihre Asylgesu-
che abgelehnt hat.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über
eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch
auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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9.
In der Beschwerde wurde lediglich die vorläufige Aufnahme wegen Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beantragt. Die Feststellungen der
Vorinstanz hinsichtlich Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvoll-
zugs sind daher nicht mehr zu prüfen.
10.
10.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.1.1 In BVGE 2014/26 kam das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss,
auf dem Staatsgebiet Angolas (ohne Berücksichtigung der Exklave
D._) herrsche weder Krieg, Bürgerkrieg noch eine Situation allge-
meiner Gewalt. Aufgrund der in humanitärer, sozialer und wirtschaftlicher
Hinsicht nach wie vor fragilen Lage sei jedoch im Rahmen einer Einzelfall-
prüfung zu beurteilen, ob die betroffene Person im Fall einer Rückkehr in
eine existenzielle Notlage geraten würde. Dabei seien neben den persön-
lichen Voraussetzungen und Ressourcen der betroffenen Person – wie Ge-
schlecht, Alter, Gesundheitszustand, Bildungsniveau, Ausbildung und Be-
rufserfahrung – auch die Existenz eines tragfähigen familiären oder ander-
weitigen sozialen Beziehungsnetzes sowie konkrete Möglichkeiten zur Si-
cherung des Existenzminimums und der Wohnsituation in Betracht zu zie-
hen (E. 9.14, bestätigt etwa in den Urteilen des BVGer E-5161/2020 vom
10. November 2020 E. 9.3.1 und E-2263/2021 vom 21. Juli 2021 E.10.4.1).
10.1.2 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung fest, dass die Be-
schwerdeführenden nicht glaubhaft machen konnten, aus D._ zu
stammen beziehungsweise in den letzten Jahren dort gelebt zu haben.
Vielmehr sei davon auszugehen, dass sie bis zur Ausreise in C._
gewohnt hätten.
10.1.3 In individueller Hinsicht führte das SEM aus, der Beschwerdeführer
habe die Schule bis zur elften Klasse besucht und anschliessend als Auto-
mechaniker gearbeitet, wovon er gut habe leben können (vgl. A47 F31,
F38). Er habe vier Kinder, von denen zwei bereits volljährig seien, fünf Ge-
schwister, seine Mutter sowie Tanten und Onkel in Angola (vgl. A47 F42).
Die Beschwerdeführerin habe sieben Jahre die Schule besucht und ihren
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Lebensunterhalt als Marktverkäuferin bestritten (vgl. A68 Akte F36 ff.). Sie
verfüge neben den beiden gemeinsamen Kindern über vier Brüder sowie
weitere Verwandte in C._ (vgl. A68 F28). Die Behauptung der Be-
schwerdeführenden, sie hätten wegen des nicht vorhandenen beziehungs-
weise ungenügenden Telefonnetzes in D._ keinen Kontakt mehr zu
Ihren Verwandten (vgl. A47 F53; A68 F34), könne bereits aufgrund der Un-
glaubhaftigkeit Ihres Aufenthaltes in D._ nicht geglaubt werden. Da
die Beschwerdeführenden in C._ sozialisiert worden seien, sei zu-
dem davon auszugehen, dass sie dort über weitere soziale Kontakte ver-
fügten, auf welche sie nach Ihrer Rückkehr zurückgreifen könnten. Somit
verfügten die Beschwerdeführenden über ein umfangreiches Beziehungs-
netz, welches sie bei ihrer Reintegration und dem Aufbau einer wirtschaft-
lichen Existenz in Angola unterstützen könne.
10.1.4 Hinsichtlich der geltend gemachten medizinischen Gründe sei da-
rauf hinzuweisen, dass die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auf-
grund einer medizinischen Notlage nur dann anzunehmen sei, wenn eine
notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung
stehe und die Rückkehr zu einer, raschen und lebensgefährdenden Beein-
trächtigung des Gesundheitszustandes führe. Dabei werde als wesentlich
die allgemeine dringende medizinische Behandlung erachtet, die zur Ge-
währleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig sei. Der
Vollzug der Wegweisung sei auch dann zumutbar, wenn im Heimat- oder
Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende
medizinische Behandlung möglich und dauerhaft zugänglich sei (vgl.
BVGE 2009/2 E. 9.3.2, mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und b).
Aus dem ärztlichen Bericht vom 28. Juni 2021 und den weiteren medizini-
schen Unterlagen gehe hervor, dass der Beschwerdeführerin nach einer
Pilzinfektion (Aspergillom) des linken Lungenoberlappens im September
2019 ein Teil der Lunge operativ entfernt worden sei. Dabei sei es zu Kom-
plikationen und weiteren Operationen gekommen. Infolgedessen leide die
Beschwerdeführerin noch unter gewissen Atembeschwerden (Anstren-
gungsdyspnoe) sowie an Schmerzen (chronisches Lumbovertebralsyn-
drom und Schmerzsyndrom im Narbenbereich links). Die gegenwärtige Be-
handlung bestehe aus klinischen Kontrollen, Schmerzbehandlung und
Physio- sowie Atemtherapie. Gemäss dem ärztlichen Bericht vom 28. Juni
2021 (Ziff. 4.1) bestehe bei Nichtbehandlung die Gefahr, dass die durch die
Operation am Brustkorb (Thorakotomie) entstandenen Schmerzen sowie
die Atemnot, vor allem bei Infekten, zunehmen könnten. Weiterhin habe
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die Beschwerdeführerin Verstopfung (Obstipation), symptomatischen Hä-
morrhoiden, Hauteinrissen (Rhagaden), Eisenmangelanämie und unge-
klärten Menstruationsbeschwerden.
Beim Beschwerdeführer sei gemäss ärztlichem Bericht vom 28. Juni 2021
eine Erweiterung des Herzmuskels (dilatative Kardiomyopathie) sowie eine
postkapilläre pulmonale Hypertonie diagnostiziert worden. Die medika-
mentöse Behandlung bestehe aus Ramipril, Bilol und Torasemid. Gemäss
dem ärztlichen Bericht vom 28. Juni 2021 (Ziff. 4.1) bestehe bei Nichtbe-
handlung die Gefahr, dass die Herzinsuffizienz und die Kardiomyopathie-
zunehmen könnten, verbunden mit Atemnot und Herzschmerzen. Zudem
habe er Magen-Darm-Beschwerden (chronische dyspeptische Gastritis)
sowie Verstopfung (chronische Obstipation) mit Hämorrhoiden und erhalte
hierfür Medikamente. Ausserdem bestehe eine Sichelzellanämie heterozy-
got, die jedoch nicht behandelt werde.
Angola verfüge neben einem privaten Sektor über ein staatliches, kosten-
loses Gesundheitssystem. Auch wenn die medizinische Versorgung in An-
gola keinen hohen Standards entspreche und Defizite aufweise, so sei zu-
mindest in der Hauptstadt C._ eine medizinische Infrastruktur vor-
handen (vgl. auch BVGer D-3705/2020 E. 6.2.5). Bezüglich der Diagnosen
seien zudem medizinische Consultings zur Abklärung der Behandlungs-
möglichkeiten und der Medikamentenversorgung erstellt worden. Aus dem
medizinischen Consulting vom 5. November 2021 (vgl. A76/3) ergebe sich,
dass in zwei öffentlichen Spitälern Abteilungen für Lungenkrankheiten be-
ziehungsweise Innere Medizin bestünden und es auch die Möglichkeit von
Physiotherapien gebe. Gegebenenfalls erforderliche Nachsorgebehand-
lungen würden ebenfalls zur Verfügung stehen. Zudem seien die von der
Beschwerdeführerin eingenommenen Schmerzmittel in C._ erhält-
lich. Ebenso stünden gemäss der Medizinischen Consulting vom 16. No-
vember 2021 (vgl. Akte 75/3) im öffentlichen Josina Machel Hospital in
C._ Abteilungen für Kardiologie sowie für Innere Medizin zur Verfü-
gung, in denen die Herzerkrankung des Beschwerdeführers bei Bedarf be-
handelt und etwaige Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden könn-
ten. Auch die im Zusammenhang mit der Herzerkrankung eingenommenen
Medikamente seien in C._ verfügbar. In der Stellungnahme vom 16.
Dezember 2021 zu den Medizinischen Consultings hätten die Beschwer-
deführenden im Wesentlichen ausgeführt, dass ihre Hausärztin stark an
der Versorgung mit den Medikamenten und deren Verfügbarkeit in Angola
zweifle. Zudem sei der Zugang zur medizinischen Versorgung aufgrund ih-
res politischen Profils fraglich. Die Kostenbeiträge für die Medikamente
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seien für Normalbürger in Angola hoch. Ausserdem sei fraglich, ob die spe-
zifischen Behandlungen in den genannten Krankenhäusern tatsächlich
möglich seien. Die Beschwerdeführerin habe schnelle Erschöpfung, Atem-
not und Schmerzen. Die Medikamente würden eine temporäre Steigerung
der Lebensqualität bedeuten. Das Behandlungssetting sei aufwendig und
komplex und in Angola nicht möglich. Das SEM entgegnete dem, dass für
die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht erforderlich sei, dass im
Heimatstaat eine qualitativ vergleichbare medizinische Versorgung zur
Verfügung stehe. Es genüge das Vorhandensein von medizinischen Be-
handlungen, welche für die Gewährleistung einer menschenwürdigen Exis-
tenz absolut notwendig seien. Hinsichtlich der Verfügbarkeit der vorliegend
erforderlichen Behandlungen und Medikamente hätten die Beschwerde-
führenden in der Stellungnahme lediglich allgemeine Zweifel geäussert,
ohne den Abklärungsergebnissen etwas Konkretes entgegenzusetzen.
Selbst wenn eine einzelne, spezifische Behandlung im Heimatland nicht
zur Verfügung stehen sollte, führe dies nur dann zur Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs, wenn es dadurch zu einer raschen und lebensge-
fährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes kommen würde.
Bei der Beschwerdeführerin sei die unmittelbare Behandlung des Pilzbe-
falls durch Teilentfernung der Lunge abgeschlossen. Es gehe daher nun-
mehr bloss noch um die Nachsorge, insbesondere darum, die
Schmerzsymptomatik sowie die Atemnot zu reduzieren und Infekte zu ver-
hindern. Es bestehe daher kein Grund zu der Annahme, dass es zu einer
raschen und lebensgefährdenden Verschlechterung des Gesundheitszu-
stands kommen würde, selbst wenn in den beiden Spitälern, welche im
Medizinischen Consulting genannt würden nicht sämtliche Kontrolluntersu-
chungen, die in der Schweiz durchgeführt werden könnten, möglich sein
sollten. Beim Beschwerdeführer sei die Diagnose der Herzerkrankung er-
stellt und er sei medikamentös eingestellt. Gemäss dem ärztlichen Bericht
erfolge eine medikamentöse Behandlung und nur gerade bei Bedarf seien
Kontrollen bei Spezialisten überhaupt erforderlich (Ziff. 3.1). Es bestünden
daher auch bei ihm kein Grund zu der Annahme, dass es zu einer raschen
und lebensgefährdenden Verschlechterung der Erkrankung komme, selbst
wenn nicht alle in der Schweiz durchgeführten Kontrolluntersuchungen in
C._ möglich sein sollten. Wie im Medizinischen Consulting darge-
legt, existierten Abteilungen für Kardiologie und Innere Medizin und es
könnten diverse kardiologische Untersuchungen (Elektrokardiogramm,
Herzechountersuchung, Laboruntersuchungen) durchgeführt werden, so
dass die grundlegende medizinische Versorgung der Herzerkrankung klar
gewährleistet sei. Bezüglich der Finanzierung sei zu betonen, dass die me-
dizinischen Behandlungen in den öffentlichen Einrichtungen kostenlos
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seien. Zwar würden die Kosten für einige der vom Beschwerdeführer ein-
genommenen Medikamente (Pregabalin, Ramipril) nicht zurückerstattet
respektive es sei unklar, inwieweit diese Kosten vom Beschwerdeführer
selbst zu tragen seien (Metamizol, Bisoprolol, Furosemid). Das SEM sei
sich daher bewusst, dass die Medikamentenkosten möglicherweise zu ei-
ner finanziellen Belastung führen könnten. Allerdings verfüge der Be-
schwerdeführer über ein sehr umfangreiches Beziehungsnetz, welches ihn
bei der Finanzierung unterstützen könne. Zudem habe der Beschwerde-
führer in der Vergangenheit als Automechaniker ein gutes Einkommen er-
zielt und gemäss Referenzschreiben der Gemeinde vom 14. Dezember
2021 auch in der Schweiz Arbeitserfahrung sammeln können. Bei der Be-
schwerdeführerin sei aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme nicht aus-
geschlossen, dass sie auch künftig in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit
und damit möglicherweise auch Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Sie
könne jedoch bei der Finanzierung des Lebensunterhalts sowie etwaiger
medizinischer Kosten ebenfalls mit der Unterstützung ihrer Angehörigen
sowie des Beschwerdeführers und dessen Verwandten rechnen. Es sei da-
her nicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführenden bei der Rückkehr in-
folge Ihrer Erkrankungen in eine existenzbedrohende Situation geraten
könnten. Aus den Akten würden sich auch keine Hinweise ergeben, dass
der individuelle Zugang zur medizinischen Versorgung eingeschränkt sei.
Das geltend gemachte politische Profil sei nicht glaubhaft und könne daher
auch nicht zu Zugangsbeschränkungen führen. Zudem habe der Be-
schwerdeführer angegeben, bereits in Angola Behandlungen erhalten zu
haben (vgl. A47/21). Aus dem ärztlichen Bericht vom 28. Juni 2021 (Ziff.
1.1) sowie dem Herzkatheter-Bericht der Klinik für Kardiologie, G._,
vom 7. Februar 2020 gehe ebenfalls hervor, dass er wegen Herzprobleme
bereits behandelt worden und Tabletten erhalten habe. Was die sonstigen
Beschwerden (Verstopfung, Hämorrhoiden-Erkrankung, Hauteinrissen,
ungeklärte Menstruationsbeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden) be-
treffe, so sei bereits nicht ersichtlich, inwiefern diese bei Nichtbehandlung
zu einer raschen und lebensgefährdenden Gesundheitsbeeinträchtigung
führen könnten.
Entsprechend sei nicht auf das Vorliegen einer medizinischen Notlage zu
schliessen und eine hinreichende medizinische Versorgung sei in Angola
gewährleistet. Es stehe den Beschwerdeführenden zudem frei, bei der
kantonalen Rückkehrberatungsstelle medizinische Rückkehrhilfe zu bean-
tragen (Art. 93 AsylG). Diese könne durch die Abgabe von Medikamenten,
Hilfe bei der Ausreiseorganisation oder durch Unterstützung während und
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nach der Rückkehr gewährt werden. Hinsichtlich des Hinweises auf die In-
tegration in der Schweiz und der Einreichung eines Referenzschreibens
der Wohngemeinde sei anzumerken, dass der Grad der Integration im
Asylverfahren grundsätzlich nicht berücksichtigt werden könne.
10.2 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich der sehr ausführlichen
und zutreffenden Einschätzung der Vorinstanz an. Daran vermögen die Ar-
gumente in der Beschwerde nichts zu ändern. Darin wird lediglich in allge-
meiner Weise gerügt, aus den Ausführungen gehe nicht ausreichend her-
vor, wie die konkrete Auslastung der genannten Spitäler aktuell aussehe.
Weiter wird argumentiert, dass die Anmerkung im Medizinischen Consul-
ting des Beschwerdeführers, wonach es «die Möglichkeit von Physiothera-
pien gebe», nicht bedeute, dass sich dies auf die Behandlung der spezifi-
schen Atemprobleme des Beschwerdeführers beziehe, ohne diese Be-
hauptung mit näheren Angaben zu stützen. Dasselbe gilt für die Einwen-
dung bezüglich der Schmerzbehandlung der Beschwerdeführerin im Hei-
matstaat. Mit der Vorinstanz ist im Ergebnis festzustellen, dass der Vollzug
der Wegweisung zumutbar ist. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme
fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Die Beschwerdeführenden beantragen die Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung und die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbei-
standes in der Person der Unterzeichnenden. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass sich die Begehren als aussichtslos erweisen
und es an einer gesetzlichen Voraussetzung zu deren Gewährung fehlt.
12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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