Decision ID: 19dbcea2-83d9-51cd-8070-224bcbe79cdb
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherte oder Beschwerdeführerin) ist Bürgerin der
Tschechischen Republik. Die Primarschule und die Hotelfachschule absolvierte sie in
ihrem Heimatland. Im Jahr 2000 bestand sie die st. gallische Prüfung in
Lebensmittelhygiene und Suchtprävention (sog. „Wirteprüfung“). In den letzten Jahren
war sie als Serviceangestellte in Restaurationsbetrieben tätig (IV-act. 2, 5, 12, 14, 94 S.
2).
A.b Im Jahr 1999 wurde bei der Versicherten eine Diskushernie L4/5 diagnostiziert,
welche im selben Jahr mit gutem Erfolg operiert wurde (IV-act. 20 S. 2). Am 28. April
2006 wurde bei der Versicherten eine Diskushernie auf Höhe L3/4 mit einem kranialen
Sequester festgestellt. Am 24. Mai 2006 fand eine dekomprimierende Operation statt
(IV-act. 20 S. 2, IV-act. 35). Am 9. Mai 2007 stürzte die Versicherte von einem Stuhl auf
die linke Seite. Seither leidet sie an Gefühlsstörungen und seit Ostern 2009 an
anhaltend starken Schmerzen zwischen den Schulterblättern (IV-act. 121 S. 1). Im Juli
2007 meldete sich die Versicherte auf Verlangen der Krankentaggeldversicherung bei
der IV-Stelle zum Bezug von Leistungen an (IV-act. 2).
A.c Im IV-Arztbericht vom 24. August 2007 stellte Dr. med. B._, Innere Medizin und
Rheumatologie FMH, Oberarzt am Rheuma- und Rehabilitationszentrum Valens,
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 20 S. 1): 1.
Lumbovertebrales Syndrom: Mikrodiskektomie L3/4 rechts am 24. Mai 2006, DH-
Operation L4/5 links 1999, Fehlhaltung und -statik der Wirbelsäule, muskuläre
Haltungsinsuffizienz, Tendenz zu Hypermotilität (5/9 Kriterien nach Beighton erfüllt),
Tendenz zu (sekundärer) Fibromyalgie; 2. Zervikozephales Syndrom: nach Sturz am 9.
Mai 2007, muskuläre Fehlhaltung und Fehlstatik der Halswirbelsäule, mehrsegmentale
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Instabilität C4/5 und C5/6, degenerative Veränderung des Bewegungssegmentes C2/3,
aktuell: Verdacht auf segmentale Funktionsstörung mit pseudoradikulärer Ausstrahlung
C4 links.
A.d Am 17. Dezember 2007 erfolgte im Kantonsspital St. Gallen ein weiterer operativer
Eingriff (Spondylodese L3/4 bis L5/S1; IV-act. 41, 49 S. 2). Vom 28. Januar bis 23.
Februar 2008 erfolgte eine Rehabilitationsbehandlung in der Klinik in Valens (IV-act. 51,
53). In der Stellungnahme vom 11. Juni 2008 beurteilte der Regionale Ärztliche Dienst
Ostschweiz (nachfolgend RAD) die angestammte Tätigkeit als Serviceangestellte auch
inskünftig als ungeeignet. In Frage käme eine adaptierte sehr leichte,
wechselbelastende, rückenschonende Tätigkeit im Umfang von 50% (5 Stunden Zeit-
Pensum mit vermehrten Pausen; IV-act. 53).
A.e Vom 8. September bis 31. Oktober 2008 nahm die Versicherte an einem
beruflichen Abklärungsprogramm teil, welches von C._, Klinik D._, durchgeführt
wurde.
A.f Im Arztbericht vom 9. Januar 2009 gingen Dr. med. E._ und Dr. med. F._,
Neurochirurgie, Kantonsspital St. Gallen, von einer Arbeitsfähigkeit für eine leichte und
rückenadaptierte Tätigkeit von maximal 50% aus (IV-act. 66).
A.g Am 31. August 2009 wurde die Versicherte im Ärztlichen Begutachtungsinstitut
GmbH, Basel (nachfolgend ABI), untersucht und begutachtet (IV-act. 70, 71, 74). Die
Untersuchungsergebnisse wurden wie folgt zusammengefasst (IV-act. 74 S. 25): "In der
angestammten Tätigkeit im Service besteht bleibend eine volle Arbeitsunfähigkeit. Für
körperlich leichte, adaptierte Tätigkeiten besteht eine vollzeitliche Arbeitsfähigkeit mit
einer um 20% reduzierten Leistung, entsprechend einer zumutbaren effektiv
verwertbaren Arbeitsleistung von 80%. Im Haushalt beträgt die Einschränkung 20%."
A.h Im Arztbericht vom 9. August 2010 schätzte Dr. med. G._, Innere Medizin und
Rheumatologie FMH, nach konsiliarischer Untersuchung die Versicherte zu maximal
40% bis 50% als arbeitsfähig für eine leichte Arbeit in Wechselbelastung und ohne
Heben von Lasten über 5kg ein (IV-act. 94 S. 4).
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A.i Mit Schreiben vom 29. Oktober 2010 nahm Dr. E._ zum ABI-Gutachten Stellung.
Die Einschätzung, dass die Versicherte zu 80% arbeitsfähig sei, teilte er nicht. Der
Facharzt ging von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten aus (IV-act. 98).
A.j Am 17. und 18. Januar 2012 führte die MEDAS Zentralschweiz, Luzern (nachfolgend
MEDAS), eine Untersuchung und Begutachtung der Versicherten durch. Im Gutachten
vom 16. April 2012 schätzten die Ärzte die Arbeitsfähigkeit auf 80% für körperlich
ausschliesslich leichte und wechselnd belastende Tätigkeiten (zeitliche
Ganztagespräsenz mit 20%iger Leistungseinschränkung infolge vermehrtem
Pausenbedarf und langsamerem Arbeitstempo) ein (IV-act. 109 S. 16). In der
Stellungnahme vom 29. Mai 2012 erachtete der RAD das MEDAS-Gutachten als
umfassend und nachvollziehbar, weshalb auf die gutachterlichen Schlussfolgerungen
abzustellen sei (IV-act. 112).
A.k Mit Vorbescheid vom 8. Juni 2012 informierte die IV-Stelle den Rechtsvertreter der
Versicherten, Rechtsanwalt M. Kuhn, DAS Rechtschutz-Versicherungs-AG, St. Gallen,
dass geplant sei, das Begehren für eine IV-Rente abzuweisen, weil der mit einem
Einkommensvergleich errechnete Invaliditätsgrad von 23% unter dem minimal
erforderlichen Wert von 40% liege (IV-act. 115 f.).
A.l Der Rechtsvertreter der Versicherten erhob am 8. August 2012 Einwand gegen den
Vorbescheid. Mit Schreiben vom 21. Januar 2013 nahm die MEDAS Stellung zu den
ergänzenden Fragen der IV-Stelle (IV-act. 122, 126 - 128). Der rheumatologische
Gutachter hielt auch in Kenntnis der von den Rheumatologen Dr. H._ und Dr. G._
geschätzten geringeren Arbeitsfähigkeit von 50% in einer der leidensangepassten
Tätigkeit an seiner Arbeitsfähigkeitsbeurteilung fest (IV-act. 127 S. 2). Mit Verfügung
vom 22. März 2013 wies die IV-Stelle das Begehren für eine IV-Rente ab, weil der
Invaliditätsgrad unter 40% liege (IV-act. 136).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 23. April 2013 stellte Fürsprecher M. Büchel, K&B
Rechtsanwälte, Oberuzwil, für die Ansprecherin das folgende Rechtsbegehren (act. G
1): 1. Die Verfügung vom 22. März 2013 sei aufzuheben; 2. Zur rechtsgenüglichen
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Ermittlung der Restarbeitsfähigkeit der Versicherten seien weitere medizinische
Abklärungen, insbesondere eine neutrale polydisziplinäre Begutachtung, und eine
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchzuführen; 3. Eventualiter sei
der Versicherten mindestens eine halbe Invalidenrente zuzusprechen; 4. Unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wurde insbesondere angeführt, dass das
MEDAS-Gutachten vom 16. April 2012 nicht verwertbar sei, da es erhebliche Mängel
aufweise.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 28. Juni 2013 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Das MEDAS-Gutachten erfülle die formellen und
materiellen Voraussetzungen an ein beweiskräftiges Gutachten. Die von der
Beschwerdeführerin geforderten weiteren Untersuchungen seien nicht notwendig und
brächten auch keine zusätzlichen relevanten Erkenntnisse (act. G 4).
B.c Am 23. August 2013 wurde die Beschwerdeführerin unter Leitung von Dr. med.
I._, Oberarzt Orthopädie, Klinik für Chirurgie und Orthopädie, wegen AC-
Gelenksarthrose rechts, Proliferation Labrum glenoidale und Knorpelschaden
Humeruskopf rechts, operiert (act. G 6.1, 6.2).
B.d In der Replik vom 2. September 2013 hielt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin unverändert an der Beschwerde vom 23. April 2013 fest. Gefordert
wurde weiterhin die Durchführung einer EFL. Im Weiteren wurde der Standpunkt
vertreten, dass im MEDAS-Gutachten der Gesundheitszustand nicht gebührend
abgeklärt worden sei. So beruhe die Arbeitsfähigkeitseinschätzung auf veralteten
Röntgenbildern. Eine gynäkologische Beurteilung sei trotz der geltend gemachten,
teilweise extremen Unterbauchschmerzen unterblieben (act. G 6).
B.e Mit Schreiben vom 6. September 2013 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
die Einreichung einer Duplik (act. G 8).
C.
C.a Mit Schreiben vom 25. November 2015 teilte das Gericht den Parteien den
Entschluss mit, ein orthopädisches Obergutachten bei der MEDAS ASIM,
Universitätsspital Basel (nachfolgend ASIM), einzuholen (act. G 11). Am 2. Februar
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2016 fand die Untersuchung und Begutachtung der Beschwerdeführerin durch Prof.
Dr. med. J._, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
FMH, statt. Am 5. Februar 2016 wurde ergänzend eine Dreiphasen-Skelettszintigraphie
inkl. SPECT/CT LWS durchgeführt. Im Gutachten vom 20. Mai 2016 schätzte Prof. Dr.
J._ die Arbeitsfähigkeit seit Frühjahr 2008 im angestammten Beruf auf 0% und in
einer leidensangepassten Tätigkeit auf 50% (act. G 16, 16.1).
C.b Mit Schreiben vom 1. Juni 2016 nahm die Beschwerdegegnerin zum
Gerichtsgutachten Stellung (act. G 18). An den Anträgen gemäss der
Beschwerdeantwort vom 28. Juni 2013 wurde festgehalten. Das Gerichtsgutachten sei
im Gegensatz zum MEDAS-Gutachten, welches von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit
ausgehe, wegen fehlender organischer Befunde nicht schlüssig.
C.c Mit Schreiben vom 13. Juni 2016 nahm der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin Stellung (act. G 19). Auf das Gutachten könne abgestellt werden,
da es in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchte und die Schlussfolgerungen begründet seien.

Erwägungen
1.
Vorliegend streitig und zu prüfen ist die Frage des Rentenanspruchs der
Beschwerdeführerin.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
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1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen).
1.4 Die Höhe der behinderungsbedingten Erwerbseinbusse hängt, da die
Beschwerdeführerin als Vollerwerbstätige zu qualifizieren ist und deshalb ein reiner
Einkommensvergleich durchzuführen ist, vor allem von der ärztlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung ab, d.h. davon, in welchem Umfang für die versicherte
Person noch eine Tätigkeit in Betracht fällt (Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG; vgl.
BGE 128 V 29 E. 1; 130 V 343 E. 3.4.2; Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juli 2014,
9C_152/2014, E. 3.1).
2.
2.1 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_73/2011, E. 4.1; Art. 61 lit. c ATSG). Bei der
Abklärung des Sachverhaltes ist das Gericht nicht an die Anträge der Parteien
gebunden, sondern hat zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu
aufgrund der Parteivorbringungen oder anderer sich aus den Akten ergebenden
Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (vgl. BGE 110 V 53 E. 4a).
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2.2 Die Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise umfassend und pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Insbesondere darf es bei widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess
nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht die andere medizinische These abstellt.
Für das gesamte Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung.
Danach haben Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (vgl. Art. 61
lit. c ATSG).
2.3 Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es
für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen
allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich
mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt, in
Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und
Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen des medizinischen Experten
in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend
nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende
Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren
oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (vgl. BGE 137 V 210 E. 1.2.2; 122
V 160 E. 1c; U. MEYER-BLASER, in H. Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 3. Aufl.
1994, S. 24 f.; vgl. J. JEGER, Leitlinien der SGR zur Begutachtung rheumatologischer
Krankheiten und Unfallfolgen, Schweizerische Gesellschaft für Rheumatologie,
Arbeitsgruppe Versicherungsmedizin, in: Schweizerische Ärztezeitung, 2007 88 17, S.
735).
3. Bei der Rentenprüfung stellte die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 22.
März 2013 insbesondere auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung im MEDAS-Gutachten vom
16. April 2012 ab (act. G 4 S. 4, IV-act. 136). Die Akten enthalten - wie im Sachverhalt
dargelegt - weitere Gutachten bzw. Arztberichte. Unter den Ärzten herrscht Einigkeit,
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dass in der angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit besteht, jedoch liegen bezüglich einer leidensangepassten Tätigkeit
unterschiedliche Arbeitsfähigkeitseinschätzungen vor. Während das ABI, die MEDAS
und zuletzt auch der RAD von einer Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten
Tätigkeit von 80% ausgehen, schätzen die behandelnden und weitere beigezogene
(Fach-) Ärzte wie auch der Gerichtsgutachter die Arbeitsfähigkeit auf (maximal) 50% ein
(IV-act. 20, 31, 49, 51 - 53, 64, 66, 94, 98, 102, act. G 16). Im Folgenden sind daher die
Arztberichte und Gutachten hinsichtlich des Beweiswertes bzw. der Geeignetheit zur
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und des Rentenanspruches zu würdigen.
4. Zunächst ist das orthopädische Obergutachten vom 20. Mai 2016 hinsichtlich des
Beweiswertes zu würdigen (act. G 16).
4.1 Die Beschwerdeführerin wurde am 2. Februar 2016 durch Prof. Dr. med. J._,
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH
begutachtet. Ergänzend wurde am 5. Februar 2016 eine Dreiphasen-
Skelettszintigraphie inkl. SPECT/CT LWS durchgeführt.
4.2 Das Gutachten erfüllt die formellen Anforderungen an ein gerichtliches Gutachten,
bzw. ein orthopädisches Obergutachten. Das Gutachten enthält eine ausführliche
Anamnese. Es berücksichtigt die geklagten Beschwerden und setzt sich mit dem
Verhalten der Beschwerdeführerin sowie den in den Vorakten enthaltenen ärztlichen
Berichten auseinander. Die Befunde und Diagnosen basieren auf einer persönlichen
Untersuchung der Beschwerdeführerin sowie bildgebenden Zusatzuntersuchungen und
wurden in Kenntnis der früheren Arztberichte erhoben bzw. gestellt. Der Bericht setzt
sich auch mit den Fragen des Gerichts ausführlich auseinander.
4.3 Der Gutachter diagnostizierte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: 1. Status nach
Diskushernienoperation L4/5 links am 12.10.1999; 2. Status nach
Diskushernienoperation L3/4 rechts am 24.05.2006; 3. Status nach Spondylodese L3
bis S1 mit Cage-Interposition am 17.12.2007 (act. 16 S. 10). Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit seien u.a. das SAS und Débridement Labrum sowie die offene AC-
Gelenksresektion rechts am 23.08.2013 bei (AC-Gelenksarthrose mit subacromialem
Impingement, Tendinopathie Supraspinatussehne und Labrumproliferation rechts) und
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der Fersenschmerz links. Die Beschwerdeführerin leide unter persistierenden
Rückenschmerzen, welche im untersten LWS-Bereich und im Sakrum zu lokalisieren
seien. Deswegen, und nicht etwa wegen Beinschmerzen oder neurologischer
Symptome, habe sie nicht mehr in den Arbeitsprozess integriert werden können. Bei
der Beschwerdeführerin bestehe ein ausgeprägter ventraler Überhang, so dass sie
nicht in der Lage sei, die BWS und den Kopf orthograd über das Hüftgelenk zu bringen.
Die Vorverlagerung des Körperschwerpunkts sei wohl eine Folge der Operation (vom
17. Dezember 2007), denn die Lendenlordose im spondylodesierten Bereich sei
deutlich zu gering und zwischenzeitlich versteift. Wegen der Versteifung könne die
Beschwerdeführerin die verminderte Lendenlordose nicht kompensieren. Die
paravertebrale Muskulatur und die Gesässmuskulatur müssten ständig gegen die
Schwerpunktverlagerung ankämpfen, was zu den Verspannungen und Schmerzen in
diesem Bereich führe. Erschwerend für die Situation sei die massive Adipositas.
4.4 In der angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte wie auch für jede andere
körperlich mittelschwere und schwere Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit 0%. In
angepasster Tätigkeit schätzt der Gutachter die Arbeitsfähigkeit auf 50% ein. Dabei
geht er von einer Bürotätigkeit bzw. einer Hilfstätigkeit im administrativen Bereich aus,
bei der die Beschwerdeführerin abwechselnd sitzen, stehen und gehen könne. Die
Dauer der einzelnen Körperstellungen sollte jeweils zwei Stunden nicht übersteigen.
Kein Problem seien Tätigkeiten auf Tischhöhe sowie Tätigkeiten, welche manuelle
Geschicklichkeit benötigten, solange nicht allzu grosse Kraftanstrengungen notwendig
seien. Schreibarbeiten am Computer oder handschriftlich könnten problemlos
durchgeführt werden. Gehen bis zwei Kilometer könne zugemutet werden. Nicht
geeignet seien dagegen Arbeiten, welche in Kauerstellung durchgeführt werden
müssten. Bei rein sitzender Tätigkeit sollte die Möglichkeit bestehen, zwischendurch
aufzustehen und umherzugehen. Die zu hebenden Lasten sollten 5 kg nicht
überschreiten. Eine derartige berufliche Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin insgesamt
bis zu 4 Stunden pro Tag zumutbar. Da die Beschwerden Folge der veränderten Statik
nach der Spondylodese-Operation von Ende 2007 seien, bestehe die 50%ige
Arbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit seit der Beendigung der
Rehabilitation im Frühjahr 2008. Von weiteren medizinischen Massnahmen bzw. einer
Operation zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit riet der Gutachter ab, denn er stufte das
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gesundheitliche Risiko einer weiteren grossen Operation als zu gross und eine
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit als zu ungewiss ein.
4.5 Zu den unterschiedlichen ärztlichen Beurteilungen (vgl. nachfolgende Erwägungen
5 - 7) erklärte der Gutachter, dass in allen Gutachten und Berichten ausführlich die
Schmerzproblematik des Rückens behandelt, auf die eigentliche Schmerzursache, die
veränderte Statik der Wirbelsäule mit Schwerpunktverlagerung nach vorne, jedoch
kaum näher eingegangen worden sei. Wegen der eingetretenen Versteifung könne die
Beschwerdeführerin die verminderte Lordose nicht kompensieren, weshalb die
vorhandene Muskulatur zur Aufrechterhaltung der Stehfähigkeit überbelastet werde.
Durch die veränderte Statik benötige die Beschwerdeführerin eine längere
Erholungszeit, was mit einer 80%igen Arbeitsfähigkeit nicht genügend gewährleistet
werden könne. Nach seiner Einschätzung sei die Beschwerdeführerin folglich auch für
eine angepasste Tätigkeit nur zu 50% arbeitsfähig.
4.6 Mit Schreiben vom 1. Juni 2016 nahm die Beschwerdegegnerin zum
Gerichtsgutachten Stellung. Sie erachtet die Arbeitsfähigkeitseinschätzung des
Gerichtsgutachters Prof. Dr. J._ als nicht schlüssig. So sei die Feststellung, wonach
die veränderte Statik zur Folge habe, dass die Beschwerdeführerin eine längere
Erholungszeit benötige, keine ausreichende Begründung für eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit. Im Weiteren weist die Beschwerdegegnerin auf die ungenügende
Abgrenzung zwischen medizinisch objektivbaren Leiden und aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht grundsätzlich unbeachtlichen, subjektiv
empfundenen Beeinträchtigungen hin. Mangels ausgewiesener relevanter organischer
Befunde sei das Gerichtsgutachten nicht schlüssig. Demgegenüber enthalte das
MEDAS-Gutachten eine sorgfältige Begründung und sei überzeugender, weil die aus
den erfassten relevanten Gesundheitsschädigungen abgeleiteten Einflüsse auf die
Arbeitsfähigkeit in einem Gesamtergebnis ausgedrückt würden. Deshalb sei auf das
MEDAS-Gutachten abzustellen (act. G 18).
4.7 Mit Schreiben vom 13. Juni 2016 erklärte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin, dass auf das Gutachten der ASIM abzustellen sei, denn die
Schlussfolgerungen des Gutachters hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit seien begründet
und nachvollziehbar (act. G 19).
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4.8 Zum Beweiswert des Gerichtsgutachten vom 20. Mai 2016 ist festzustellen, dass
die Arbeitsfähigkeitseinschätzung des Gerichtsgutachters auf umfassenden, aktuellen,
persönlichen und bildgebenden Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden
berücksichtigt und in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist. Die Darstellung der
medizinischen Problematik, mit der Vorverlagerung des Körperschwerpunktes
(ventraler Überhang) als Folge der zu geringen Lendenlordose im spondylodesierten
Bereich (Operation vom 17. Dezember 2007), der eingetretenen Versteifung und der
dadurch resultierenden Unmöglichkeit den ventralen Überhang zu kompensieren,
leuchtet ein. Dass die paravertebrale Muskulatur und die Gesässmuskulatur der
Beschwerdeführerin ständig gegen die Schwerpunktverlagerung ankämpfen müssen,
was zu Verspannungen und Schmerzen im Kreuz und Gesäss führt, ist nachvollziehbar
und schlüssig. Dass bei dieser Ausgangslage keine anstrengenden körperlichen
Tätigkeiten mehr ausgeführt werden können und selbst bei einer leidensangepassten
Tätigkeit wegen der benötigten Erholungszeit lediglich noch von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen ist, wurde durch den Gutachter ausreichend begründet
und ist nachvollziehbar und überzeugend, denn es wird im Detail dargelegt, welche
Tätigkeiten für die Beschwerdeführerin noch in Frage kommen und welche
Rahmenbedingungen dabei zu berücksichtigen sind wie die maximale Dauer der
einzelnen Körperstellungen, die zu beachtenden Gewichtslimite und die maximale
Arbeitsdauer von 4 Stunden pro Tag.
5. Im Folgenden ist das MEDAS-Gutachten vom 16. April 2012 (IV-act. 109), auf das
sich die leistungsabweisende IV-Verfügung vom 22. März 2013 hauptsächlich abstützt,
zu würdigen.
5.1 Die Untersuchungen wurden durchgeführt von Dr. med. K._, Allgemeine Medizin
FMH, Dr. med. L._, Rheumatologie FMH, und Dr. med. M._, Psychiatrie /
Psychotherapie FMH (IV-act. 106, 109). Gemäss dem rheumatologischen Gutachter Dr.
L._ besteht zur Hauptsache eine Schmerzproblematik bei dreifach operierter
Lendenwirbelsäule ohne eindeutig fassbares Korrelat für die Schmerzsymptomatik.
Dabei liege diagnostisch ein sog. failed back surgery-syndrome vor, welches
möglicherweise mit verursacht sei durch postoperative Narbenbildung und/oder
neuropathische Schmerzen mit zentraler Sensitisierung. Bei den Rückenschmerzen
gebe es neben einem somatisch begründbaren neuropathischen Schmerzanteil einen
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nicht unwesentlichen Anteil, zu dem kein klar umschriebenes organisches Korrelat
genannt werden könne. Im Weiteren wird darauf hingewiesen, dass das Körpergewicht
der Beschwerdeführerin (Adipositas mit BMI von 44.6 kg/m2) zu einer ständigen
Überlastung der gewichttragenden Gelenke und des Achsenorgans führe (IV-act. 109
S. 12, 14 und 27 - 29). Festzustellen ist, dass bei der Befundstellung die dazumal
neuesten bildgebenden Untersuchungen, welche im Rahmen der ABI-Begutachtung
erstellt worden sind (MRT der Brustwirbelsäule vom 29. Juni 2009 [vgl. IV-act. 109 S.
24 f.] und die Röntgenbilder der Lendenwirbelsäule vom 31. August 2009 [vgl. IV-act.
74 S. 17 und 19]) nicht erwähnt bzw. berücksichtigt wurden. Die Nichtanfertigung von
neuen Röntgenbildern und MRT-Bilddaten wurde in der Stellungnahme vom 18. Januar
2013 damit gerechtfertigt, dass es zum Zeitpunkt der Begutachtung der
Beschwerdeführerin (18. Januar 2012) keine Indikation für neue Röntgenaufnahmen
gab, denn die lumbale Problematik hätte sich seit der Beurteilung des Rheumatologen
Dr. G._ vom 9. August 2010 und des Neurologen Dr. E._ vom 29. Oktober 2010
nicht wesentlich verändert (IV-act. 109 S. 12). Dazu ist festzuhalten, dass die vom
Gutachter verwendeten Röntgenbilder bzw. MRI-Bilddaten nicht aus dem Jahr 2010,
sondern vom 1. Mai 2009 (MRI HWS) bzw. 20. Dezember 2007 (Rx LWS) stammen und
damit am Tag der Begutachtung gut 32 bzw. 48 Monate alt waren. Gemäss den
Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Rheumatologie sollten radiologische
Untersuchungen, die älter als sechs Monate sind, wiederholt werden (J. JEGER, a.a.O.,
S. 738). Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass mit neuen bildgebenden
Untersuchungen neue Erkenntnisse hätten gewonnen werden können (vgl. IV-act 109
S. 8 f., 11 und 21). Da die Vorakten unzureichend berücksichtigt wurden, weist das
MEDAS-Gutachten einen erheblichen inhaltlichen Mangel auf (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Juli 2008, 9C_51/2008, E. 2.2).
5.2 Folgende Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit wurden gestellt (IV-act. 109 S. 15 und 26): Chronisches,
tendomyotisches lumbales Schmerzsyndrom mit vertebragener und spondylogener
Komponente (Fehlstatik mit muskulärer Dysbalance und Adipositas-bedingter
Dauerüberlastung, Status nach pedikulärer Spondylodese L3/L4 bis L5/S1 am 17.
Dezember 2007, Status nach Diskushernien-Operation L3/L4 rechts am 24. Mai 2006,
Status nach Diskushernien-Operation L4/L5 links am 12. Oktober 1999, diskretes M.
Scheuermann-Residuum an der Bodenplatte von L2). Zu den geltend gemachten
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Unterbauchschmerzen ist anzumerken, dass diese im Gutachten erwähnt werden (IV-
act. 109 S. 9 f. und 15). Dass keine vertieften Untersuchungen durchgeführt wurden, ist
insofern nachvollziehbar, als die Beschwerdeführerin primär Kreuz- und
Nackenschmerzen geltend machte und zu den Bauchschmerzen erwähnte, dass es
seit der Operation im Oktober 2010 etwas besser gehe. Zudem wurden im Einwand
gegen den Vorbescheid vom 8. August 2012 weder ein Begehren für eine
gynäkologische Untersuchung gestellt, noch diesbezügliche Arztberichte eingereicht
(IV-act. 117).
5.3 Zur Arbeitsfähigkeit wird wie folgt Stellung genommen (IV-act. 109 S. 13 und 15 f.):
In der angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte bestehe eine volle
Arbeitsunfähigkeit. Diese Einschätzung gelte auch für jede andere körperlich
mittelschwere oder schwere Tätigkeit, für Arbeiten in rückenbelastenden Positionen
sowie für rein stehend, gehend oder sitzend auszuführende Tätigkeiten.
Behinderungsangepasst seien, in Berücksichtigung des Ausmasses des objektiven
Gesundheitsschadens am Bewegungsapparat, der Beschwerdeführerin noch zumutbar
körperlich ausschliesslich leichte und wechselnd belastete Tätigkeiten zu 80% der
Norm (zeitliche Ganztagespräsenz mit 20%iger Leistungseinschränkung infolge
vermehrten Pausenbedarfs und langsameren Arbeitstempos).
5.3.1 Gerichte stützten sich bei der Beurteilung der Frage der Zumutbarkeit von
Arbeitsleistungen insbesondere auf die ärztliche Beurteilung der bei einer Krankheit
verbleibenden Fähigkeiten und Funktionen. Aufgabe der medizinischen Beurteilung ist
daher die Festlegung des Belastbarkeitsniveaus, der zumutbaren Arbeitszeit und
allfälliger zusätzlicher arbeitsrelevanter Leistungseinbussen. Zweckmässigerweise wird
in einem Fähigkeitsprofil dargelegt, wozu eine Person noch imstande ist (positives
Fähigkeitsprofil) bzw. zu welcher Tätigkeit oder Leistung eine Person nicht (mehr)
imstande ist (negatives Fähigkeitsprofil). Stellt der begutachtende Arzt eine
Einschränkung des Fähigkeitsspektrums fest, so kommen folgende Einsatzmuster in
Frage 1. Arbeit ganztags mit Einschränkung bestimmter Belastungen, 2. Arbeit
ganztags mit vermehrten Pausen und/oder verminderter Arbeitsleistung, 3. kürzere
Arbeitszeit bei voller Leistung und 4. kürzere Arbeitszeit und reduzierte Leistung (vgl.
SWISS INSURANCE MEDICINE (SIM), Wegleitung zur Einschätzung der zumutbaren
Arbeitstätigkeit nach Unfall und bei Krankheit, 2. Aufl., 2013, S. 7 - 12; vgl. auch
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JEGER, a.a.O., S. 739 f., Abschnitte "Beurteilung" und "Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit").
5.3.2 Das Gutachten enthält zu den Fähigkeiten und den zumutbaren Funktionen nur
wenige, allgemein gehaltene Angaben. Die Gutachter gehen von der Einsatzvariante
"Arbeit ganztags mit vermehrten Pausen und verminderter Arbeitsleistung" aus. Die
Arbeitsproduktivität wurde mit 80% der Norm geschätzt. Die 20%ige Reduktion wird
begründet mit dem schmerzbedingten Bedarf an zusätzlichen Pausen und dem
langsameren Arbeitstempo (IV-act. 109 S. 13 und 15 f.). Nicht ersichtlich ist, wieso von
einer Leistungsreduktion in der Höhe von 20% ausgegangen wird und wie sich die
20%ige Reduktion auf die Leistungsreduktionsgründe "langsameres Arbeitstempo"
und "vermehrter Pausenbedarf" aufteilt. Im Weiteren fehlen Angaben zu den
arbeitszeitlichen Rahmenbedingungen (max. Einsatzzeit in einer sitzenden bzw.
stehenden Arbeitsposition, Anzahl, Dauer und Zeitpunkt der vermehrten Pausen [bspw.
jede halbe Stunde eine Pause von 5 Minuten]), zur maximalen Belastbarkeit beim
Heben und Tragen von Lasten sowie zu weiteren zu beachtenden Einschränkungen.
5.4 Nach Ansicht der MEDAS-Gutachter beruhen die geringeren
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen weiterer Ärzte auf einer Höhergewichtung der
subjektiven Beschwerden der Beschwerdeführerin gegenüber den objektivierbaren
Befunden (IV-act. 109 S. 15).
5.5 Zusammenfassend ist hinsichtlich der Beweiskraft des MEDAS-Gutachtens vom
16. April 2014 festzuhalten, dass die aufgezeigten Mängel zur Folge haben, dass das
Gutachten auch unter Berücksichtigung der ergänzenden Stellungnahme vom 23.
Januar 2013 nicht geeignet ist als Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
und des Rentenanspruches der Beschwerdeführerin bzw. zur Infragestellung des
Obergutachtens vom 20. Mai 2016 (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 20. Februar
2009, 8C_360/2008, E. 3.3.2, und vom 15. Juli 2008, 9C_51/2008, E. 2.2).
6.
Nachfolgend ist das Gutachten des ABI vom 13. Oktober 2009 (IV-act. 74) zu würdigen.
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6.1 Die Beschwerdeführerin wurde am 31. August 2009 untersucht und begutachtet.
Die Fallführung oblag Dr. med. N._, Orthopädische Chirurgie FMH. Im Weiteren
waren beteiligt Dr. med. O._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Dr.
med. P._, Innere Medizin FMH (IV-act. 74 S. 25).
6.2 Der orthopädische Gutachter zog das Fazit, dass sich die von der
Beschwerdeführerin angegebenen lumbalen Beschwerden zwar qualitativ erklären
liessen, deren quantitatives Ausmass jedoch nur sehr schwer einzuschätzen sei. Es
müsse davon ausgegangen werden, dass neben organisch bedingten Beschwerden
auch gewisse nichtorganische Komponenten vorlägen, die das aktuelle
Beschwerdebild nicht unwesentlich mitbestimmen würden (IV-act. 74 S. 18 f.).
Folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden gestellt (IV-act. 74 S.
22): Chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik
(ICD-10: M54.5), Status nach Diskushernien-Operation L4/5 links am 12. Oktober 1999,
nach Diskushernien-Operation L3/4 rechts am 24. Mai 2006 und nach pedikulärer
Spondylodese L3 - S1 am 17. Dezember 2007 (ICD-10: Z98.8), Verdacht auf nicht ganz
adäquate Schmerzverarbeitung. Die Gutachter gingen von einer vollen
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte aus. Für
körperlich leichte, adaptierte Tätigkeiten in wechselnden Positionen, wo eine Hebe-
und Traglimite von 5 kg nur ausnahmsweise überschritten wird und keine
Zwangshaltungen des Rumpfes vorkommen, wurde eine vollzeitliche Arbeitsfähigkeit
mit einer um 20% reduzierten Leistung (verwertbare Arbeitsleistung von 80%) als
zumutbar erachtet. Die Reduktion der Leistung um 20% ergebe sich durch den
zusätzlichen Pausenbedarf (IV-act 74 S. 22 bis 24). Das Arbeitstempo sei jedoch nicht
verlangsamt.
6.3 Festzustellen ist, dass weder im Untersuchungsbefund noch in der Beurteilung auf
die Gesamtstatik der Wirbelsäule mit dem ventralen Überhang eingegangen wurde. Zur
Arbeitsfähigkeitseinschätzung ist anzumerken, dass das Gewichtslimit von 5 kg
gemäss der Interessengemeinschaft Versicherungsmedizin Schweiz (SIM) dem
Belastungsniveau "sehr leicht" entspricht. Dementsprechend kommen nicht „leichte“,
sondern nur „sehr leichte“, adaptierte Tätigkeiten für die Beschwerdeführerin in Frage
(vgl. Swiss Insurance Medicine (SIM), a.a.O., S. 10). Die Einschätzung, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer krankheitsbedingten Einschränkungen zusätzliche
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Pausen benötigte, ist nachvollziehbar. Die veranschlagte Leistungsminderung in der
Höhe von 20% kann jedoch nicht verifiziert werden, da insbesondere Angaben zur
Anzahl, zur Dauer und zum Zeitpunkt der zusätzlichen Pausen fehlen. Eine (vertiefte)
Auseinandersetzung mit den weiteren Arztberichten - ausser mit demjenigen des
Rheumatologen Dr. H._ vom 6. Juli 2009 - sowie dem beruflichen Abklärungsbericht
C._, Klinik D._ (IV-act. 60), fand nicht statt. Diese Mängel haben insgesamt zur
Folge, dass das ABI-Gutachten vom 13. Oktober 2009 (IV-act. 74) nicht geeignet ist als
Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin bzw. zur
Infragestellung des Obergutachtens vom 20. Mai 2016.
7.
Im Weiteren wird insbesondere auf die ausführlichen Arztberichte eingegangen, welche
nach dem ABI-Gutachten erstellt worden sind.
7.1 Dr. E._ diagnostizierte im Arztbericht vom 9. Januar 2009 (IV-act. 66) mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein lumbovertebrogenes Schmerzsyndrom bei
Bandscheibendegeneration L3/4 bis L5/S1, Fehlhaltung und -statik der Wirbelsäule,
muskuläre Haltungsinsuffizienz, Tendenz zu Hypermobilität, Tendenz zu sekundärer
Fibromyalgie. Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin schätzte er für eine leichte
und rückenadaptierte Tätigkeit auf maximal 50%. Mit Bericht vom 29. Oktober 2010
nahm der Facharzt Stellung zum Gutachten des ABI vom 13. Oktober 2009 (IV-act. 98).
Hinsichtlich der Diagnose und der klinischen sowie radiologischen Befunde im ABI-
Gutachten brachte er keine wesentlichen Einwände an. Die Einschätzung der ABI-
Gutachter, dass die Beschwerdeführerin zu 80% arbeitsfähig sei, teilte er jedoch nicht.
Nach seiner Einschätzung sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten
auszugehen. Zur Begründung verwies er auf den Umstand, dass die
Beschwerdeführerin bereits drei Mal am Rücken operiert worden sei, wobei der letzte
operative Eingriff eine Dreietagenstabilisation gewesen sei, und führte zudem seine
klinische Erfahrung an, wonach Patienten nach mehreren Rücken-Operationen selbst in
einer leichten Tätigkeit nicht mehr normal arbeitsfähig werden. Zum Beweiswert der
ärztlichen Berichte von Dr. E._ ist festzuhalten, dass die Befunde und Diagnosen
nachvollziehbar und überzeugend sind. Die Schätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit
für leichte adaptierte Tätigkeiten ist daher plausibel.
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7.2 Der Rheumatologe Dr. G._ erachtet im ausführlichen Arztbericht vom 9. August
2010 (IV-act. 94) die Beschwerdeführerin aufgrund der anhaltenden Schmerzen nach
den drei LWS-Operationen und der bisherigen Therapieresistenz trotz intensiv
durchgeführten Rehabilitationsversuchen als maximal 40% bis 50% arbeitsfähig für
eine leichte Arbeit in Wechselbelastung und ohne Heben von Lasten über 5 kg.
Zumutbar seien nur noch Tätigkeiten, welche keine zusätzlichen oder einseitigen
Belastungen der Wirbelsäule bedingten.
7.3 Der RAD untersuchte die Beschwerdeführerin nicht persönlich. Die Einschätzungen
beruhen daher ausschliesslich auf den zur Verfügung gestellten Arztberichten und
Gutachten. Das MEDAS-Gutachten erachtete der RAD in der Stellungnahme vom 29.
Mai 2012 als "umfassend und nachvollziehbar", weshalb auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von 80% (zeitliche Ganztagespräsenz mit 20%iger
Leistungseinschränkung infolge vermehrtem Pausenbedarf und langsamerem
Arbeitstempo) abgestellt werden könne. Nicht ersichtlich ist, weshalb der RAD der
Arbeitsfähigkeitseinschätzung der MEDAS den Vorzug gegenüber den (tieferen)
Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit von Kliniken und Fachärzten gab und weshalb er
das MEDAS-Gutachten - trotz offensichtlicher Mängel (vgl. Erwägung 5) - als
umfassend und nachvollziehbar einstufte. Die nicht weiter erläuterte bzw. nicht mit
Fakten untermauerte Aussage, die abweichenden (tieferen)
Arbeits¬fähigkeitseinschätzungen seien darauf zurückzuführen, dass diese Ärzte die
Arbeitsfähigkeit nicht aus versicherungsmedizinischer Sicht - wie dies für die IV
notwendig sei -, sondern auf der Grundlage eines medizinisch-biologischen Modells
beurteilt hatten, ist als (alleinige) Begründung unzureichend. Die Stellungnahmen des
RAD vermögen aus den dargelegten Gründen keine Erkenntnisse liefern, weshalb auf
eine höhere als die im Obergutachten ausgewiesene Arbeitsfähigkeitseinschätzung von
50% abzustellen wäre.
8.
8.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass als erwiesen gilt, dass die
Beschwerdeführerin an einem die Arbeitsfähigkeit limitierenden Rückenschaden bzw.
resultierenden Rückenschmerzen leidet. Das Gerichtsgutachten ist hinsichtlich der
erhobenen Befunde, der gestellten Diagnosen und der Arbeitsfähigkeitseinschätzung
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nachvollziehbar und schlüssig. Der höheren Arbeitsfähigkeitseinschätzung durch die
beiden Begutachtungsinstitute MEDAS und ABI kann aus den aufgezeigten Gründen
nicht gefolgt werden (vgl. Erwägungen 5 und 6). Das Gericht kommt in Würdigung des
Gerichtsgutachtens, der weiteren ärztlichen Gutachten und Berichte sowie des
beruflichen Abklärungsberichts zur Überzeugung, dass die Beschwerdeführerin seit
dem Frühjahr 2008 (Ende der Rehabilitation nach der Operation vom 17. Dezember
2007) mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nur noch zu 50% in einer
leidensangepassten Tätigkeit arbeitsfähig ist.
8.2 Bei vorliegender Ausgangslage kann auf die Durchführung einer EFL verzichtet
werden. Das diesbezügliche Rechtsbegehren des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin (vgl. act. G 1 und G 6) wird daher abgewiesen.
9. Im Weiteren ist der Invaliditätsgrad anhand eines Einkommensvergleiches zu
bestimmen (vgl. Erwägung 1.4).
9.1 Da vorliegend mangels gegenteiliger Hinweise davon auszugehen ist, dass die
Beschwerdeführerin als Gesunde weiterhin im gleichen Umfang in ihrer bisherigen
Tätigkeit weitergearbeitet hätte, bildet das zuletzt vor Eintritt des Gesundheitsschadens
erzielte Einkommen einen wichtigen Anhaltspunkt für die Bestimmung des
Valideneinkommens. Den Akten kann entnommen werden, dass die
Beschwerdeführerin zuletzt im Restaurationsbetrieb der Klinik Q._ als
Serviceangestellte tätig war (IV-act. 50 und 114). Gemäss den Angaben der
Arbeitgeberin vom 2. August 2007 hat die Beschwerdeführerin in ihrem 100%-Pensum
ab Januar 2006 pro Monat Fr. 4'000.- verdient (IV-act. 15). Die Beschwerdegegnerin
ging folglich korrekt von einem Valideneinkommen von Fr. 52'000.- für das Jahr 2006
aus (13 Monatslöhne à Fr. 4'000.-).
9.2 Die Beschwerdeführerin ist neu lediglich noch für sehr leichte, wechselbelastende
Tätigkeiten zu 50% arbeitsfähig. Sie ist damit in der Wahl einer neuen Stelle
behinderungsbedingt eingeschränkt, so dass ihr nicht mehr das gesamte Spektrum an
Hilfsarbeiten offen steht. Als Ausgangseinkommen zur Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens ist demnach auf das durchschnittliche Einkommen gemäss LSE
2006, TA 1, Anforderungsniveau 4, abzustellen (vgl. Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art.
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28a Abs. 1 IVG; BGE 124 V 321). Der LSE 2006 ist zu entnehmen, dass der auf die
betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden umgerechnete, monatliche Bruttolohn von
Frauen für einfache, repetitive Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4), TA 1, Fr. 4'189.80
bzw. (gerundet) Fr. 50'278.- pro Jahr beträgt (vgl. IV-act. 113 f.). Bei einer
Arbeitsfähigkeit in der Höhe von 50% resultiert ein Invalideneinkommen von Fr.
25'139.- pro Jahr.
9.3 Im Weiteren ist zu prüfen, ob ein Abzug vom Tabellenlohn gerechtfertigt ist (BGE
124 V 321 E. 3b/aa; 126 V 75 E. 5b/aa). Nach der Rechtsprechung können die
statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass versicherte Personen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der
Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E.
4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg zu verwerten in der Lage sind (BGE 126 V
75 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen – insbesondere auch von invaliditätsfremden Faktoren – des konkreten
Einzelfalles ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25%
festzusetzen ist. Eine schematische Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig
(BGE 126 V 75 E. 5b; 129 V 472 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Da im zuvor ermittelten
Invalidenlohn die 50%-Leistungsreduktion bereits berücksichtigt ist, sind nur noch die
qualitativen Einschränkungen, welche zu einer unterdurchschnittlichen Bezahlung im
Vergleich zum Durchschnittslohn führen, zu berücksichtigen. Relevant sind vorliegend
insbesondere die gesundheitsbedingten qualitativen Einschränkungen wie die sehr
geringe Belastbarkeit und die fehlende zeitliche Flexibilität bzw. erschwerte
Einsetzbarkeit wegen mehrerer Handicaps (Bedarf an zusätzlichen, regelmässigen
Pausen, das Erfordernis des regelmässigen Wechsels der Arbeitsposition (Sitzen,
Stehen, Gehen) sowie ihre Allergien). Eine lohnmässig relevante Erschwernis ergibt sich
durch den Umstand, dass vorliegend nur noch sehr leichte Hilfsarbeiten in Frage
kommen, für welche kein Mangel an Arbeitskräften besteht (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Januar 2008, 9C_603/2007, E. 4.2.3). Ein Leidensabzug von
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10% erscheint als angemessen. Es ist folglich von einem erzielbaren
Invalideneinkommen von Fr. 22‘625.- auszugehen.
9.4 Es resultiert ein Invaliditätsgrad von 56% ([Fr. 52‘000.- - Fr. 22‘625.-] / Fr.
52‘000.-). Da der Invaliditätsgrad grösser als 50% und kleiner als 60% ist, hat die
Beschwerdeführerin gemäss Art. 28 IVG Anspruch auf eine halbe Rente der
Invalidenversicherung (vgl. Erwägung 1.2).
10.
10.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 22. März 2013 aufzuheben
und der Beschwerdeführerin eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung des
Anspruchsbeginns und der Rentenhöhe ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
10.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr.
1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Aufgrund der Einholung eines
Gerichtsgutachtens und des damit verbundenen Zusatzaufwands erscheint eine
Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.- in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als
angemessen. Der vollständig unterliegenden Beschwerdegegnerin sind die
Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 1'000.- aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin ist
der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- zurückzuerstatten.
10.3 Die Kosten des Gerichtsgutachtens von Fr. 7'313.10 (act. G 22) hat die
Beschwerdegegnerin zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).
10.4 Gemäss Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) hat die obsiegende beschwerdeführende
Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.- bis Fr. 12'000.-. Im hier zu
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beurteilenden Fall erscheint wegen des im Zusammenhang mit dem Gerichtsgutachten
verbundenen Mehraufwands eine Parteientschädigung Fr. 4'500.- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.