Decision ID: 02d7d670-91da-4698-b067-8a288e290ffe
Year: 2010
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Bundesanwaltschaft führte gegen A. und B. sowie gegen weitere  ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren, in dessen  sie am 6. und 8. März 2007 die privaten Räumlichkeiten der beiden Erstgenannten durchsuchen liess, wobei auf Einsprache der beiden  hin die sichergestellten Dokumente und elektronischen Daten  wurden. Das daraufhin von der Bundesanwaltschaft gestellte (zu jenem Zeitpunkt zum Entscheid verbleibende) Entsiegelungsgesuch hiess die I. Beschwerdekammer mit Entscheid BE.2007.4 vom 5. September 2008 teilweise gut und ermächtigte die Bundesanwaltschaft u. a. und im Sinne der Erwägungen, die verbleibenden Inhalte der sichergestellten Laufwerke nach Erfüllung der in E. 6.4 des Entscheides gemachten Auflage zu  (Ziff. 3 des Dispositivs). Zudem auferlegte sie A. und B. die  von Fr. 7'500.-- unter solidarischer Haftbarkeit zur Bezahlung (Ziff. 4 des Dispositivs). Das Bundesgericht hiess eine dagegen von der Bundesanwaltschaft erhobene Beschwerde teilweise gut und hob Dispositiv Ziffern 3 und 4 des angefochtenen bundesstrafgerichtlichen Entscheides auf. Es wies die I. Beschwerdekammer zudem an, die Triage (und  die Löschung) der fraglichen elektronischen Daten vorzunehmen und danach einen neuen Entscheid über die Zulässigkeit und den Umfang der Durchsuchung der sichergestellten Daten sowie über die Kosten des  zu fällen (Urteil des Bundesgerichts 1B_274/2008 vom 27. Januar 2009). Dabei führte das Bundesgericht im erwähnten Urteil u. a. aus, der Entsiegelungsrichter könne bei der Triage zwar nötigenfalls – etwa zur Systematisierung und Sichtung grosser Datenmengen –  technische Hilfsmittel, Experten und Hilfspersonen beiziehen, jedoch müsse die Triage und die allfällige Aussonderung von  Daten im Entsiegelungsverfahren vom zuständigen  selbstverantwortlich wahrgenommen werden. Im Falle des  von spezialisierten Fachpersonen der Bundeskriminalpolizei sei  besondere Sorgfalt darauf zu verwenden, dass diese keine unzulässige Einsicht in geheimnisgeschützte Daten erhielten (Urteil des Bundesgerichts 1B_274/2008 vom 27. Januar 2009, E. 7).
B. In seiner Verfügung vom 27. Februar 2009 skizzierte der Präsident der I. Beschwerdekammer das mögliche weitere Vorgehen und lud die Parteien ein, sich hierzu zu äussern (BE.2009.6, act. 4). Aufgrund der  Stellungnahmen (BE.2009.6, act. 5, 6 und 7) sowie aufgrund der  Hinweise der Bundeskriminalpolizei (BE.2009.6, act. 14) musste
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das beabsichtige weitere Vorgehen betreffend die Durchsuchung der  Daten daraufhin modifiziert werden. Der entsprechend  modus operandi zur Durchsuchung der elektronischen Daten wurde den Parteien mittels Verfügung des Präsidenten der I. Beschwerdekammer vom 26. Juni 2009 bekannt gegeben und die Bundeskriminalpolizei , der I. Beschwerdekammer die Infrastruktur zur Durchsuchung der elektronischen Daten sowie weitere Unterstützungsleistungen zur  zu stellen (BE.2009.6, act. 16). Zu Beginn des Monats September 2009 lagen der I. Beschwerdekammer die notwendigen technischen Mittel sowie die notwendigen Instruktionen von Seiten der Bundeskriminalpolizei schliesslich vor.
C. In ihrem Entscheid BE.2009.6 vom 15. Februar 2010 (act. 1) hiess die
I. Beschwerdekammer das Entsiegelungsgesuch teilweise gut, hielt jedoch fest, dass über eine Reihe von Computerdateien (Dateitypen „zip“, „nsf“ und „pst“) in einem weiteren Entscheid zu befinden sei (vgl. Ziff. 2 des  Dispositivs).

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Die I. Beschwerdekammer durchsuchte die elektronischen Daten,  derer vorliegend noch zu entscheiden ist, auf geheimnisgeschützte  (vgl. zu Inhalt und Umfang der geschützten Inhalte den Entscheid des Bundesstrafgerichts BE.2007.4 vom 23. Juli 2007, E. 4.4).
2. Die sich in den sichergestellten Dateien befindenden 704 Archivdateien des
Typs „zip“ wurden von der I. Beschwerdekammer geöffnet und deren Inhalt nach den erwähnten Kriterien durchsucht. Diesbezüglich stellte die I.  fest, dass die vorhandenen Archivdateien des Typs „zip“ keine geheimnisgeschützten Inhalte aufweisen, weshalb sie integral den Strafverfolgungsbehörden in einem entsprechenden ENCASE-„image“ zur Verfügung gestellt werden können.
3. Die sich in den sichergestellten Daten befindende Datei des Typs „nsf“ wurde von der I. Beschwerdekammer mit der Software LOTUS NOTES  und dessen Inhalt nach den erwähnten Kriterien durchsucht. Das  Dokument wies keinerlei Inhalt auf, erweist sich demnach auch
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nicht als geheimnisgeschützt und kann den Strafverfolgungsbehörden ohne weiteres im selben ENCASE-„image“ wie die Dateien des Typs „zip“ zur Verfügung gestellt werden.
4. Der Inhalt der vorhandenen Mailarchive (Dateien des Typs „pst“) konnte mit der Software ENCASE nicht eingesehen werden. Die Dateien mussten deshalb exportiert und deren Inhalt mit der Software OUTLOOK EXPRESS analysiert werden. Elemente mit geheimnisgeschützten Inhalten (E-Mails zwischen dem Gesuchsgegner 1 und seinen Strafverteidigern) wurden durch die I. Beschwerdekammer ausgeschieden. Die so bearbeiteten  wurden anschliessend neu komprimiert und können nun den  zwecks Einsichtnahme in die verbleibenden, nicht geheimnisgeschützten Inhalte zur Verfügung gestellt werden. Hierzu wird den Strafverfolgungsbehörden eine CD-ROM mit den acht Dateien des Typs „pst“ sowie mit acht Dateien des Typs „pdf“ mit dem jeweiligen File Report ausgehändigt, welcher darüber Auskunft gibt, wo sich in den  Daten das jeweilige Mailarchiv befunden hat.
5. Nach dem Gesagten ist das Gesuch, soweit über dieses vorliegend noch zu entscheiden ist, teilweise gutzuheissen und es sind den  die erwähnten Dateien zwecks Fortführung der  auszuhändigen. Nachdem im Strafverfahren gegen die  die Voruntersuchung eröffnet worden ist, wird die I.  sowohl der Gesuchstellerin als auch dem nunmehr  Eidgenössischen Untersuchungsrichteramt die im obigen Sinne  Daten zur Verfügung stellen (vgl. die entsprechende Eingabe des Untersuchungsrichteramtes vom 2. März 2010; BE.2009.6, act. 33).
6. Nachdem mit vorliegendem Entscheid nun über alle anlässlich eingangs erwähnter Hausdurchsuchung sichergestellten Papiere und elektronischen Daten entschieden wurde, ist hinsichtlich des ganzen Verfahrens über die Frage nach den Kosten und Entschädigungen zu befinden.
6.1 In ihrem Entscheid BE.2007.4 vom 5. September 2008 setzte die I. Be-
schwerdekammer die Gerichtskosten für das gesamte bis zu jenem  geführte Entsiegelungsverfahren auf Fr. 10'000.-- fest (vgl. dortige E. 8.1). Der weitaus grössere Anteil des entsprechenden Aufwandes entfiel auf die mit diesem Entscheid vorgenommene Triage der sichergestellten Papiere und Unterlagen. Die zur Frage nach der Entsiegelung der sicher-
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gestellten elektronischen Daten gemachten Aufwendungen bewegten sich demgegenüber in kleinerem Rahmen. Mit seinem Urteil 1B_274/2008 vom 27. Januar 2009 hob das Bundesgericht diesen Kostenentscheid auf. Die Gerichtskosten für die erfolgte und mit dem Entscheid BE.2007.4 vom 5. September 2008 abschliessend erledigte Triage der umfangreichen  werden deshalb neu auf Fr. 8'000.-- festgesetzt. Hinsichtlich der  erfolgten Triage der elektronischen Daten werden die Gerichtskosten auf Fr. 22'000.-- bestimmt. Insgesamt belaufen sich die für das gesamte Entsiegelungsverfahren aufgelaufenen Gerichtskosten demnach auf Fr. 30'000.-- (Art. 245 Abs. 2 BStP). Dieser Betrag überschreitet den  vorgesehenen, ordentlichen Höchstbetrag von Fr. 10'000.-- (vgl. Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die  vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32). Angesichts des enormen Umfangs der zu bearbeitenden Datenmenge, sowie der technischen  der durch die I. Beschwerdekammer vorgenommenen Triage liegen aber besondere Gründe im Sinne von Art. 4 des erwähnten Reglements vor, die das Überschreiten des in Art. 3 festgelegten Höchstbetrages .
6.2 Hinsichtlich der Triage der sichergestellten Papiere ist an der bereits mit
dem Entscheid BE.2007.4 vom 5. September 2008 getroffenen Regelung, wonach die Gesuchsgegner – nach Massgabe ihres Unterliegens – drei Viertel der Kosten, ausmachend Fr. 6'000.--, zu tragen haben, festzuhalten. Betreffend die elektronischen Daten stellen die geheimnisgeschützten  gegenüber der gesamten zu durchsuchenden Datenmenge lediglich einen kleinen Anteil dar, so dass die Gesuchsgegner als überwiegend  Partei anzusehen wären. Bei der Frage nach der Kostentragung durch die Gesuchsgegner ist ebenfalls dem Umstand Rechnung zu tragen, dass diese ihrer Mitwirkungsobliegenheit im Rahmen der Triagierung nur ungenügend nachgekommen sind (vgl. hierzu einlässlich die Ausführungen der I. Beschwerdekammer in ihrer Eingabe an das Bundesgericht vom 16. April 2010; BE.2009.6, act. 43, S. 2). Zu beachten ist jedoch primär auch der Umstand, dass bei der Spiegelung elektronischer Datenträger mit Hilfe von ENCASE die gesamte sich auf den Datenträgern befindende  sichergestellt wird. Dies ist zwecks Erhalts eines authentischen und integralen Abbildes der Computerdaten nicht zu beanstanden.  einer auf Grund einer Einsprache des Dateninhabers  Triage führt diese Art der Datenerhebung jedoch zu einer Reihe von komplexen technischen Problemen. Ausserdem ist die zu  Datenmenge bei dieser Vorgehensweise von Beginn weg enorm gross. Diese Umstände können nicht den Gesuchsgegnern angelastet werden, haben sie doch – angesichts des Verfahrensausganges – ihre Einsprache
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gegen die Durchsuchung der Daten nicht gänzlich zu Unrecht erhoben. In Würdigung all dieser Umstände sind daher die von den Gesuchsgegnern zu tragenden Gerichtskosten für die Durchsuchung der elektronischen  auf Fr. 4'000.-- festzulegen. Der ihnen für das gesamte  – unter solidarischer Haftbarkeit – aufzuerlegende Anteil an den Gerichtskosten beläuft sich daher auf Fr. 10'000.-- (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG).
6.3 Im Rahmen ihres teilweisen Unterliegens hat die Gesuchstellerin den Ge-
suchsgegnern für das Entsiegelungsverfahren je eine Entschädigung von Fr. 1'000.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) auszurichten (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 68 Abs. 1 BGG).
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