Decision ID: 3aadd71f-cb95-4298-9891-ecad13bc0866
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1959,
reiste 1988 in die Schweiz ein (Urk. 8/5/1). Sie ging verschiedenen Erwerbstätigkeiten nach; zuletzt
war
sie
bis zur krankheitsbedingten Entlassung per 3
1.
August 1997
als Spitalangestellte im
Y._
tätig
(Arbeitgeberfragebogen vom
6.
Januar 1
997 [
Urk. 8/4
]; Austrittsverfügung [Urk. 8/14]
).
Bereits s
eit Jahren befand
sie sich
wegen Rückenproblemen in hausärztlicher Behandlung bei
Dr.
med.
Z._
,
der ihr verschiedentlich Arbeitsunfähigkeiten attestierte und
wiederholt
auch
auf die psycho-soziale
Belastungssitution
durch die Pflege des 1986 geborenen behinderten Sohnes hinwies (Urk. 8/2/8-
10 und
Bericht vom
6.
Dezember 1996,
Urk.
8/3/1-4).
Am 1
2.
November 1996 meldete sich
X._
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/1).
G
estützt auf verschie
dene
,
zuhanden der Versicherungskasse der Stadt Zürich erstellte vertrauens
ärztliche Gutachten (Urk. 8/
6 und
Urk. 8/13
)
sowie
Berichte der Klin
i
k
A._
(Urk. 8/17-18; vgl. auch Feststellungsblatt vom 1
3.
März 1998, Urk. 8/32)
sprach die IV-Stelle Zürich der Versicherten mit Wirkung
ab
1. Oktober 1997 eine ganze Rente zu (Verfügung vom 7. Juli 1998, Urk. 8/22). Diese wurde in den Jahren 1999 (Urk. 8/28),
2005 (Urk. 8/36) und 2008 (Urk. 8/45) bestätigt.
Am 1
9.
September 2011 gebar die Versicherte eine Tochter (Urk. 8/49; Verfügung Kinderrente, Urk. 8/52).
A
m 1
2.
April 2012
leitete die
IV-Stelle mit der Einladung zu einem Informationsgespräch über
die
mit der
6.
IV-Revision eingetretenen gesetzlichen Änderungen ein Revisionsverfahren ein
(Urk. 8/51). Mittels Vorbescheid vom 1
2.
Juni 2012 (Urk. 8/57) teilte die
IV-Stelle
X._
mit, sie beabsichtige die bisherige Rente gestützt auf die Schlussbestimmung der Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 1
8.
März 2011 aufzuheben, weil ihr Leiden
zu den
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage
gehöre, welches keinen Anspruch auf eine Invalidenrente zu begründen vermöge.
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
, in welchem die die Versicherte Einwendungen erhob (Urk. 8/61), erachtete
die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung als notwendig
(Mitteilung vom 8.
August 2013, Urk. 8/68).
Die Versicherte lehnte die Abklärung indessen als weder notwendig noch zumutbar ab (Urk. 8/71), worauf die IV-Stelle mit
Zwi
schenverfügung
vom 2
8.
November 2013 an der Abklärung festhielt
,
die Versi
cherte
auf die Mitwirkungspflichten hinwies und im Falle einer Verletzung ein
en Entscheid aufgrund der vorhandenen Akten oder "Nichteintreten" androhte
(Urk. 2).
2.
Hiergegen liess
X._
mit Eingabe vom 1
6.
Januar 2014
(Urk. 1)
Beschwerde erheben und
unter Beilage eines Kurzberichts von Dr.
Z._
(Urk. 3)
beantragen, es sei von einer Begutachtung abzusehen
.
Mit
Beschwerdeantwort
vom
21.
Februar 2014 (Urk. 6) ersucht
e
die
Beschwerde
geg
nerin
unter Hinweis auf die
Stellungnahme
der Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 2
0.
Februar 2014 (Urk. 7) um Abweisung der Beschwerde.
Am 1
2.
März 2014 reichte die Beschwerdeführerin unaufgefordert eine weitere Stellungnahm
e
ein (Urk. 12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Laut
Art.
43
Abs.
1 Satz 1
des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (
Art.
43
Abs.
2 ATSG).
1.2
Die medizinische Abklärung der objektiven Gesundheitsschäden ist eine unabding
bare gesetzlich verankerte Voraussetzung für die
Zusprache
einer Leistung der Invalidenversicherung. Der Versicherer befindet darüber, mit wel
chen Mitteln er den rechtserheblichen Sachverhalt abklärt. Im Rahmen der Verfahrensleitung hat er einen grossen Ermessensspielraum hinsichtlich Not
wendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz hat der Versicherer den Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass er über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entscheiden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_28/2010 vom 1
2.
März 2010 E. 4.1
mit Hinweisen
).
2
.
Die Beschwerdeführerin macht zunächst
geltend, die angeordneten Abklärungen seien
nicht notwendig
,
da sich an ihren mittlerweile
chronifizierten
Beschwer
den (Rückenschmerzen, Depressionen) nichts geändert habe. Es bestehe deshalb keine Veranlassung
, weder gestützt auf
lit
.
a
Abs.
1 der Schlussbestimmungen des IVG vom 1
8.
März 2011 (
6.
IV-Revision, erstes Massnahmenpaket ["Über
prüfung der Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wur
den"]
noch auf die Revisionsbestimmung von Art. 17 ATSG, die Rente aufzuhe
ben
(Urk. 1 S. 3 unten)
.
Ob
der ursprünglichen
Rentenzusprache
im Jahr 1997
ein der vorgenannten Schlussbestimmung des IVG entsprechendes Beschwerdebild
vorlag, ist erst zu prüfen, wenn die Beschwerdegegnerin - wie mit dem Vorbescheid in Aussicht genommen - gestützt auf diese B
estimmung
die Herabsetzung oder Aufhebung
der
bisherige
n
Rente
verfügen
sollte.
Unabdingbar ist indessen, dass sich eine
Neubeurteilung auf nachvollziehbare medizinische - in der Regel fachärztlich-psychiatrische - Stellungnahmen stützen muss, welche die Beurteilung der zumutbaren Willensanstrengung und der dem Betroffenen zur Verfügung ste
henden Ressourcen mit Blick auf die mit BGE 132 V 352 erstmals eingeführten („Foerster“-)Kriterien vorzunehmen hat.
So weit ersichtlich, wurde die Beschwerdeführerin bisher noch nie polydisziplinär abgeklärt
und neuere fach
ärztliche Berichte sind nicht aktenkundig
.
Der letzte
fachärztliche
Bericht der Psychiaterin
Dr.
med.
B._
stammt aus dem Jahr 2008 und
liegt
somit
bald sechs Jahre zurück
(Urk. 8/43).
Neueren Datums ist ein
zig der
Haus
arztbericht
von Dr.
Z._
vom
5.
März 2013 (Urk. 8/66).
Wenn die
Beschwerde
gegnerin
bei dieser medizinischen Aktenlage
eine
umfassende
Begutachtung
für
angezeigt
hielt, handelte sie
innerhalb des
ihr zustehenden Ermessenspielraum
s
, in den das Gericht
nicht einzugreifen hat
. Im Übrigen ist zu bemerken, dass zwangsläufig erst nach Vorliegen des Ergebnisses der Begutachtung beurteilt werden kann, ob die Untersuchung in dem Sinne notwendig war, als sie zu einer Neubeurteilung des Rentenanspruchs führen könnte. Ferner liegt auf der Hand, dass
bei einem langjährigen Rentenbezug
eine periodische Überprüfung des Rentenanspruchs grundsätzlich notwendig ist.
3
.
Im Weiteren bringt die Beschwerdeführerin vor, eine Begutachtung sei nicht zumutbar, weil sie die Begutachtungssituation als konkrete und ernsthafte Bedrohung ihrer Familie ansehe und sie wegen ihr
e
s chronischen depressiven Leidens mit erhöhter Suizidgefahr reagiere (Urk. 1 S. 4).
Ihr Hausarzt
führte im Schreiben vom 1
6.
Januar 2014 weiter aus, die ohnehin stark belastete
Lebens
situation
der Beschwerdeführerin drohe durch die Rentenrevision zu
dekom
pensieren
, und er befürchte, dass sie wieder in eine Depression verbunden mit einer Suizidalität abrutsche (Urk. 3).
Diesem Einwand ist zunächst zu entgegnen, dass
allein aufgrund der
knapp
gehaltenen
und subjektiv gefärbten
Einschätzung des Hausarztes
nicht zuver
lässig beurteilt werden kann, wie
begründet
dessen Befürchtungen tatsächlich sind
. Naturgemäss
kann diese Frage
auch
nur durch eine psychiatrische
Fach
person
beurteilt werden. Es
liegt
deshalb an der
Art der Durchführung
der
medi
zinischen Untersuchung im Einzelnen
und
in der Verantwortung der untersu
chenden Ärzte
,
der spezifischen gesundheitlichen Situation und den Lebensum
ständen der Beschwerdeführerin Rechnung zu tragen.
Soweit ersichtlich, steht die Beschwerdeführerin aktuell nicht in psychiatrischer Behandlung (sonst hätte sie den von der Beschwerdegegnerin verlangten fachärztlichen Bericht wohl beigebracht, vgl. Urk. 8/72 und Urk.
6).
Die lediglich mögliche Gefahr
, dass die Beschwerdeführerin psychisch
dekompensier
en
könnte, wenn sie sich der Untersuchung unterziehen müsste,
vermag
deren
Unzumutbarkeit nicht zu begründen. Das Festhalten der Beschwerdegegnerin an
der
Begutachtung (vgl. Urk. 6) ist damit zu bestätigen, was zur Abweisung der Beschwerde führt.