Decision ID: 672bce92-f1e4-4d86-b0bc-c38a43fae74d
Year: 2010
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

vergleichbarer Sachverhalt beurteilt worden sei. Was das Gericht in jenem
Falle festgestellt habe, gelte auch für den vorliegenden Fall. Die Anhänge der
LSV sähen keine Belastungsgrenzwerte für Aussenlärmimmissionen
aufgrund von Gesprächen vor. Als Vollzugsbehörde müsste sie einen
Augenschein vornehmen und die Lärmbelastung subjektiv beurteilen. Weil
aber eine Zuordnung des Aussenlärms zu einer bestimmten Lärmquelle, bzw.
einem bestimmten Betrieb, nicht möglich sei, habe sie davon abgesehen. Eine
Reduktion des Aussenlärms könne nur über den Vollzug des
Landschaftsgesetzes über öffentliche Ruhe und Ordnung bzw. über
verstärkte Polizeikontrollen erreicht werden.
c) ... beantragte ebenfalls Abweisung der Beschwerde. Die Diskothek „... Club“
bilde seit Jahrzehnten zusammen mit der „...“, der „...-Bar“ sowie weiteren
Betrieben in der näheren Umgebung das absolute Zentrum des ...
Nachtlebens. Sie lägen allesamt an der Hauptverkehrsader der ..., welche zu
jeder Tages- und Nachtzeit befahren und durch unzählige Passanten
begangen werde. Gleich vis-à-vis des Hotel ...-Komplexes befinde sich
zudem der ...parkplatz, welcher Tag und Nacht als Parkplatz, aber auch als
Festplatz von Jugendlichen benutzt werde, die keinen Zutritt in die
Nachtlokale erhielten. ... sei eine der ersten Tourismusadressen in Europa,
zu welcher selbstverständlich auch ein entsprechendes Nachtleben gehöre.
Alle drei Betriebe hätten bereits bestanden, als die Beschwerdeführer ihre
Appartemente gekauft hätten. Das Problem der angeblichen
Lärmimmissionen bilde bereits seit Fertigstellung des Appartementhauses
Gegenstand von Diskussionen. Zu Recht habe die Gemeinde für den
Grenzwert gemäss Cercle Bruit eine Toleranz von 5 dB(A) berücksichtigt. Die
heute bestehende Diskothek „... Club“ sei im Jahre 1981 erstellt und seither
in betrieblicher Hinsicht nur marginal geändert worden. Insbesondere
entspreche die heutige Musikanlage noch immer weitgehend der damals
installierten Anlage. Vor dem Umbau in die heutige Diskothek sei der „... Club“
bereits in den 60er und 70er Jahren als Dancing und Diskothek geführt
worden. Damals seien aber vorwiegend Live-Bands aufgetreten und
abwechslungsweise sei Diskomusik gespielt worden. Dabei hätten die Live-
Bands regelmässig viel lauter gespielt, als die heute gespielte Musik. Es sei
eine Tatsache, dass sich die Stockwerkeigentümer der Residenz ... seit dem
Jahre 1981 bis ca. 2000 praktisch an jeder Jahresversammlung über die
Musikanlage beschwert hätten. Später seien diese Kritiken aber fast
vollständig verstummt. Der Hinweis auf die Änderung des Musikstils erweise
sich als unbehelflich. Tatsache sei vielmehr, dass die Diskomusik der 80er
Jahre mindestens die gleichen Immissionen verursacht habe wie die heutige
Musik. Was die geklagten fehlenden Anordnungen hinsichtlich der
Einschränkung des Aussenlärms betreffe, sei darauf hinzuweisen, dass es
allein Aufgabe der Gemeinde sei, Ruhe und Ordnung sicherzustellen. Wenn
die Beschwerdeführer eine verstärkte Polizeipräsenz forderten, dann habe er
nichts dagegen. Der Aussenlärm sei aber weder direkt noch indirekt auf den
Betrieb der Diskothek „... Club“ zurückzuführen. Im Übrigen habe er schon
vor Erlass der angefochtenen Verfügung die Anregung des Experten
betreffend Neuplatzierung der Basslautsprecher aufgenommen. Von den
insgesamt vier alten Basslaufsprechern habe er zwei eliminiert und die
restlichen zwei neu aufgestellt und schalltechnisch isoliert. Zudem habe er
einen Limitenbegrenzer einbauen lassen.
d) Abweisung beantragten auch ... und ... als Betreiber bzw. Eigentümerin der
„...-Bar“. Im Jahre 1965 sei diese als Musikbar eröffnet worden. Damals seien
Bands live aufgetreten und daneben sei Musik ab Musikbox gespielt worden.
Im Jahre 1975 sei die ...-Bar mit dem ...-Grill erweitert worden. Ende der 70-
er Jahre sei dann die Integration des ...-Grill in die ...-Bar erfolgt. Damals
habe auch das Abspielen von Musik ab Platten begonnen. Anfangs 80er
Jahre sei ein DJ engagiert worden, welcher regelmässig mit Live-Bands
abgewechselt habe. Die heutige Nutzung entspreche im Wesentlichen der
damaligen. Dies alles zeige, dass nie eine Änderung der Betriebsart
stattgefunden habe, weshalb die gemeindliche Taxation als bestehende
Anlage auch zutreffe. Hinsichtlich Aussenlärm sei die ...-Bar ein Vorbild. Seit
Anfang der 90er Jahre werde ein Türsteher beschäftigt, der dafür sorge, dass
die Gäste beim Verlassen des Lokals keinen unnötigen Lärm verursachten.
3. a) Mit Eingabe vom 1. Februar 2010 reichten ... (Eigentümerin der „...-Bar“) und
... (Betreiber der „...-Bar“) auch noch separat Beschwerde (R 10 17) gegen
die gemeindliche Verfügung ein im Wesentlichen mit dem Antrag um
Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Zudem sei ihnen zu erlauben, den
Maximalpegel für die Musikerzeugung bis und mit 93 dB(A) auszuschöpfen.
Eventuell sei die Verfügung zwecks Einholung einer Ergänzung der Expertise
betreffend der Messungen in der „...-Bar“ und in der Wohnung Nr. 108, oder
zwecks Einholung einer Oberexpertise an die Vorinstanz zurückzuweisen. In
der angefochtenen Verfügung stelle die Gemeinde einzig auf Mutmassungen
des Experten ab, welche sie ungefiltert übernommen und zum Entscheid
erklärt habe. Beispielsweise äussere sich der Experte auf S. 14 seines
Berichtes z.B. dahingehend, dass in der Wohnung Nr. 108 die Musik aus der
„...-Bar“ subjektiv ausserordentlich gut wahrgenommen habe werden können,
weshalb das Einhalten des nach SLV zulässigen Pegels von 93 dB(A) zu
übermässigen Immissionen führen würde. Diese Darlegungen seien nicht
nachgewiesen. Von ihnen privat durchgeführte Messungen hätten vielmehr
ergeben, dass bereits der Lärmpegel bei vollem Barbetrieb und ohne laufende
Musikanlage allein rund 85-88 dB(A) betrage. Die Musikanlage könne bereits
daher gar nicht die Hauptursache für die geklagten Störungen im ganzen
Haus sein. Die Musik sei nur eine Nebenerscheinung. Interessanterweise
habe weder der Experte noch die Gemeinde berücksichtigt, dass durch eine
bessere Einstellung der Musikanlage oder mit neueren Geräten noch bessere
Werte erzielt werden könnten. Jedenfalls fehlten diesbezügliche Angaben für
eine nachhaltige Verbesserung völlig. Die „...-Bar“ sei von Anbeginn an als
Barbetrieb geführt worden. Am damaligen Konzept habe sich bis heute nichts
geändert. Mit der angefochtenen Verfügung werde die ...-Bar gegenüber den
anderen Lokalen „... Club“ und „...“ nicht gleich behandelt. Die Prognose des
Experten und der angefochtene Entscheid implizierten, dass der „... Club“
einen Immissionspegel von ca. 30 dB(A) erreichen dürfe, wohingegen die
Lärmimmissionen der „...-Bar“ in der Wohnung Nr. 108 einen Pegel von 25
dB(A) einhalten müssten. Dies sei ungerechtfertigt. Gemäss Art. 5 SLV sei ein
Pegel von 93 dB(A) erlaubt. Zulässig sei auch ein Musiklärmpegel in den
betreffenden Wohnungen von leicht über 30 dB(A). Der Experte habe auf S.
13 festgehalten, dass die Wohnung Nr. 108 nach Betriebsschluss der „...-Bar“
immer noch einen Pegel, verursacht durch andere Geräusche, von 24 dB(A)
aufweise, und dies bei einer abgespielten Musik von ca. 90-93 dB(A). In der
Prognose des Experten werde als zulässiger Immissionspegel in der
Wohnung Nr. 108 ca. 30 dB(A) aus dem „... Club“ betrachtet. Demselben
Wohnungseigentümer müsse doch auch zugemutet werden können, aus der
„...-Bar“ einen Immissionspegel von 30-35 dB(A) zu akzeptieren. Daher sei
eine Reduktion der zulässigen 93 dB(A) auf 85 dB(A) nicht angebracht und im
Vergleich zum „... Club“ auch nicht gerechtfertigt. Die Erfahrung zeige, dass
in der „...-Bar“ die Musikanlage noch verbesserungsfähig sei. So könnten
Boxen und Verstärker ausgetauscht und die Lautstärken herabgesetzt
werden. Oder es könnten die Bassboxen und die neuen Lautsprecher mit
einem speziellen Material unterlegt werden, so dass keine Vibrationen nach
Aussen und Oben mehr dringen könnten. Die „...-Bar“ sei ihrerseits dazu
bereit. Allerdings müsse die Tatsache berücksichtigt werden, dass die
Barbesucher ohne Musik einen Lärmpegel von mindestens 85-88 dB(A)
verursachten und die seit 30 Jahren betriebene „...-Bar“ zudem nicht
schlechter gestellt werden dürfe als benachbarte Betriebe im gleichen Haus.
b) Die Gemeinde ... beantragte auch diesbezüglich die Abweisung der
Beschwerde. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer seien nicht die
Emissionswerte, sondern die Immissionswerte massgebend. Relevant seien
dabei die in den betroffenen Wohnungen gemessenen Werte und nicht jene
im Betrieb. Ebenso wenig gehe es um subjektive Wahrnehmungen des
Experten, sondern um aufgrund der Messungen im ganzen ...-Komplex
gezogene, empirisch erhärtete Schlussfolgerungen. Seitens der Gemeinde
sei Markus Strobel mit den Lärmmessungen beauftragt worden. Vor der
Vornahme der Messungen sei mit den Parteien das Messkonzept festgelegt
worden. Für die Messungen seien nur Geräte verwendet worden, welche
innerhalb der vergangenen beiden Jahre vom Eidg. Amt für Messwesen
anerkannten Prüfstelle kontrolliert bzw. geeicht worden seien. Die „...-Bar“ der
Beschwerdeführer könne nicht mit den beiden anderen Betrieben verglichen
werden. Bei der „...-Bar“ handle es sich nicht um einen Disko-, sondern um
einen Barbetrieb. Der „... Club“ habe die strengsten Auflagen erhalten, weil
hier der Schall am direktesten und ohne grosse Dämmung in die
darüberliegenden Wohnungen gelange. Bei der „...“ sei die Schalldämmung
aufgrund deren Lage im Keller so gut, dass bei der Einhaltung der SLV-Werte
von 93 dB(A) auch die Immissionswerte gemäss Cercle Bruit in den
darüberliegenden Wohnungen eingehalten würden. Den Beschwerdeführern
stehe es aber frei, die Lärmwerte durch eine verbesserte Musikanlage zu
verbessern. Die Beschränkung auf 85 dB(A) stelle kein Gewerbeverbot,
sondern letztlich gar ein Entgegenkommen dar. Der Betrieb könne ohne
Kosten verursachende Auflagen mit einer bloss geringen Einschränkung
weitergeführt werden. Wenn die Beschwerdeführer bereit seien, mit
zusätzlichen Massnahmen die Immissionen einzuschränken, könnten sie die
Lautstärke im Rahmen der übrigen gesetzlichen Bestimmungen allenfalls
erhöhen.
c) Abweisung beantragten auch die im Rubrum aufgeführten 15 Eigentümer von
Stockwerkeinheiten im Appartementhaus. Die der „...-Bar“ auferlegten
Auflagen seien allesamt verhältnismässig. Eine versteckte
Stichprobenmessung vom 28. Februar 2009 habe in der „...-Bar“ einen
Immissionspegel von 94 dB(A) ergeben, der sich in der Wohnung Nr. 108 mit
einem Immissionspegel von 34 dB(A) konkretisiert habe. Zusammen mit den
übrigen Betrieben habe bei dieser Wohnung ein Pegel von 37 dB(A) resultiert,
was deutlich über dem zulässigen Wert liege. Ihres Erachtens habe der
Experte zu Recht eine Unterscheidung zwischen den einzelnen Betrieben
vorgenommen. Wenn die Beschwerdeführer nun ausführten, es seien noch
starke Verbesserungen der Lärmwerte möglich, so würden sie damit
bestätigen, dass unter dem Titel des Vorsorgeprinzips weitere Massnahmen
zu prüfen und anzuordnen seien, um die Situation der Bewohner zu
verbessern.
4. Im Rahmen je eines zweiten Schriftenwechsels erhielten die Parteien die
Gelegenheit, die von ihnen in den beiden Beschwerdeverfahren vertretenen
Rechtsstandpunkte zu ergänzen und zu verdeutlichen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die Beschwerden R 10 16 und R 10 17 richten sich beide gegen dieselbe
kommunale Verfügung betreffend Lärmschutzmassnahmen vom 15./18.
Dezember 2009. Beiden Eingaben liegt derselbe Sachverhalt zugrunde und
stellen sich sodann identische Rechtsfragen, weshalb es sich ohne weiteres
rechtfertigt, die beiden Beschwerdeverfahren gestützt auf Art. 6 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (VRG) zu vereinigen und mit einem
einzigen Urteil zu erledigen.
Beschwerde R 10 16 2. a) Unbestritten ist, dass zum einen die umweltrechtlichen Vorschriften des
Bundes über den Lärmschutz auf öffentliche Betriebe wie die vorliegend zur
Diskussion stehenden anwendbar sind und zum andern, dass die von der
Vorinstanz angewendete Vollzugshilfe des „Cercle Bruit“ (Vereinigung
kantonaler Lärmschutzfachleute, Vollzugshilfe vom 10. März 1999) für die
Beurteilung, ob die sich die mittels Abnahmemessungen festgestellten
Lärmimmissionen noch innerhalb der massgebenden Grenzwerte für
Körperschall (zwischen 30 dB(A) und 40 dB(A)) und Luftschall (zwischen 40
dB(A) und 50 dB(A)) bewegen, als Entscheidhilfe herangezogen werden
durfte. Davon abzuweichen besteht im vorliegenden Verfahren ebenfalls kein
Anlass. Einig sind sich die Parteien grundsätzlich auch darüber, dass alle der
jeweiligen Lokalität zurechenbaren Lärmimmissionen miteinzubeziehen sind,
d.h. sowohl der im Innern entstehende Lärm als auch die nach aussen
dringenden Geräusche aus dem Haus sowie der Lärm der ankommenden und
weggehenden bzw. wegfahrenden Gäste u.a. im Eingangs- und/oder
Aussenbereich. Dies entspricht dem Schutzzweck der
Lärmschutzverordnung, welche die Bevölkerung vor schädlichem und
lästigem Lärm schützen soll, der beim Betrieb neuer und bestehender
Anlagen nach Art. 7 USG erzeugt wird (Art. 1 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a LSV).
Uneins sind sich die Parteien jedoch hinsichtlich der Frage, ob es sich bei den
drei Aussen- und Innenlärmimmissionen erzeugenden Betrieben um
bestehende (ortsfeste) Anlagen gemäss Art. 7 Abs. 7 USG und Art. 2 Abs. 1
LSV handle. Die Gemeinde hat dies bejaht und ihnen entsprechend einen
Toleranzzuschlag von 5 dB(A) gewährt.
b) Diesbezüglich ergibt sich aus den Akten unschwer, dass alle drei Betriebe
bereits vor dem Inkrafttreten des Umweltschutzgesetzes am 1. Januar 1985
bestanden haben („... Club“: bewilligt 1975, renoviert Juli 1981; „...-Bar“:
bewilligt 1975; „...“: Baubewilligung: Juli 1981). Die Vorinstanz ist aufgrund
ihrer Abklärungen zum Schluss gelangt, dass keiner der drei Betriebe nach
Inkrafttreten des USG weder in baulicher noch betrieblicher Hinsicht eine
wesentliche Veränderung erfahren hätte. Die von ihr getroffene Feststellung
lässt sich aufgrund der Aktenlage und den Vorbringen der Parteien nicht
beanstanden. Als wesentliche Veränderung gelten praxisgemäss Ausbauten,
Erweiterungen sowie vom Inhaber verursachte Änderungen eines Betriebs,
welche eine deutliche Zunahme der Lärmbelastung für die Umgebung
bewirkten. Konkrete Anhaltspunkte, welche für eine wesentliche Veränderung
mit deutlicher Zunahme der Lärmbelastung sprechen würden, sind jedenfalls
keine ersichtlich. Die von den Beschwerdeführern geltend gemachten
Veränderungen an den Musikanlagen, welche heute wesentlich stärkere
Immissionen als früher verursachten, beruhen auf Mutmassungen,
Allgemeinplätzen und unbewiesenen Behauptungen. Rechtsgenügliche
Anhaltspunkte dafür, dass die Musikanlagen in den einzelnen Betrieben nach
dem 1. Januar 1985 verstärkt worden sein könnten, oder sonstige, mit einer
relevanten Lärmzunahme verbundene betriebliche Änderungen sind nicht
ersichtlich. Vielmehr zeigen die ins Recht gelegten Protokolle der
Eigentümerversammlungen augenfällig auf, dass Lärmimmissionen seit dem
Bezug der Appartements im Jahre 1981 regelmässig Anlass zu Diskussionen
und Beschwerden gaben. Auch der Einwand, dass früher eine andere,
immissionsärmere Musik gespielt worden sei, stellt lediglich eine Behauptung
dar, die jedenfalls in der allgemeinen Lebenserfahrung noch keine
hinreichende Stütze findet. Wenn die Vorinstanz zum Schluss gelangt ist,
dass die heutigen lärmmässigen Beeinträchtigungen im Wesentlichen
vergleichbar mit den früheren (vor 1985) seien, so lässt sich dieser Schluss
insgesamt ohne weiteres vertreten. Hält man sich ferner vor Augen, dass
derzeit keine neuen wesentlichen (baulichen und/oder betrieblichen)
Änderungen beabsichtigt sind, bestand kein Anlass, die Betriebe als den
Vorschriften für Neuanlagen (Art. 25 USG, Art. 7 LSV) unterstehend zu werten
(vgl. auch BG-Urteil 1C_311/2007 vom 21. Juli 2008). Entsprechend hat die
Gemeinde die drei Betriebe zu Recht als bestehend qualifiziert und sie durfte
ihnen einen Toleranzzuschlag von 5 dB(A) gewähren. Die in Ziff. 1 des
Dispositivs getroffene Feststellung lässt sich entsprechend nicht
beanstanden.
c) Die Beschwerdeführer 1 wehren sich sodann noch gegen die fehlende
Anordnung von konkreten Massnahmen bezüglich des ihres Erachtens
übermässigen Aussenlärms (z.B. Verpflichtung zur Anstellung eines
Türstehers, welcher dafür zu sorgen hätte, dass die Gäste beim Verlassen der
Lokale keinen Lärm verursachen; verstärkte Polizeipräsenz, etc.).
Demgegenüber haben sie von einer Anfechtung der übrigen, im Dispositiv der
angefochtenen Verfügung formulierten Auflagen und Anordnungen
ausdrücklich abgesehen. Mit Blick auf das geklagte Fehlen von Massnahmen
zur Eindämmung des Aussenlärms gilt es vorweg festzuhalten, dass die
Gemeinde diesbezüglich entgegen der Darstellung der Beschwerdeführer 1
nicht untätig geblieben ist. Insofern erweist sich ihre Rüge der Verletzung des
rechtlichen Gehörs als offensichtlich haltlos. Zwar hat sie es in der streitigen
Verfügung bei der in Ziff. 3 formulierten Anordnung (geschlossen Halten von
Fenstern Türen oder Schallschutzschleusen) bewenden lassen. Gleichzeitig
hat sie sich aber auch weitere Kontrollen und Auflagen vorbehalten (Ziff. 4 des
Dispositivs). Sie hat damit zum Ausdruck gebracht, dass, wenn Bedarf nach
weitergehenden, den Betriebe aufzuerlegenden Massnahmen bestehe, sie
solche auch gestützt auf das im Umweltschutzrecht zur Anwendung
gelangende Vorsorgeprinzip anordnen werde. Die Begründung für das ihr zu
Unrecht vorgehaltene Untätigbleiben liegt letztlich in den konkreten
Gegebenheiten vor Ort. Die drei Betriebe befinden sich nämlich allesamt an
der stark frequentierten Hauptverkehrsachse der Gemeinde, mitten im
touristischen Vergnügungszentrum der Gemeinde, welches nach der
geltenden Grundordnung in der Zentrumszone (Art. 93 BG: ES III) liegt. Die
Nutzung der Betriebe entspricht der massgebenden Bauzonenbestimmung
von Art. 58 BG, da in der Zentrumszone ausdrücklich touristische und andere
Dienstleistungszone zulässig sind. Entsprechend befinden sich denn auch in
unmittelbarer Nähe weitere lärmemittierende Lokale sowie u.a. auch ein
grosser Parkplatz. Entsprechend mischen sich im streitigen Aussenbereich
der Alltagslärm der Gäste der verschiedenen Vergnügungslokale mit jenem
der Passanten und demjenigen des allgemeinen Strassenverkehrs. Daraus
erhellt, dass es in der Tat äusserst schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist,
einen bestimmten Lärm einem ganz bestimmten Betrieb zuzuordnen. Solches
wäre aber wiederum Voraussetzung um gegenüber einem konkreten Betrieb
eine individuell-konkrete Anordnung zu erlassen. Aus dieser Sicht betrachtet
lässt es sich daher nicht beanstanden, wenn die Gemeinde (derzeit) ohne
vertieftere, einzelfallweise Beurteilung des Lärms hinsichtlich Charakter,
Häufigkeit, Lärmempfindlichkeit und bestehender Lärmvorbelastung (BGE
123 II 86 E. 5a, 335 E. 4d/bb) von der Anordnung einen oder mehrere der drei
betroffenen Betriebe konkret belastenden Massnahmen zur Lärmreduktion im Aussenbereich noch abgesehen hat. Insofern stösst auch die Rüge der
Verletzung des Vorsorgeprinzips ins Leere. Die Gemeinde ist jedoch daran zu
behaften, dass sie zum einen die sonstigen den jeweiligen Betreibern in
anderem Zusammenhang bereits gemachten Vorgaben (so z.B. Türsteher,
Videoüberwachung) überwacht und durchsetzt, und dass sie zum andern mit
den ihr generell zustehenden allgemeinen polizeilichen Mitteln ausserhalb
des den einzelnen Betrieben zuzurechnenden Herrschafts- und
Verantwortlichkeitsbereichs für die im Rahmen der Zonenbestimmung
gebotene Ruhe und Ordnung sorgt. Die Beschwerde R 10 16 erweist sich
entsprechend als unbegründet und ist daher abzuweisen.
Beschwerde R 10 17 3. a) Die Beschwerdeführer 2 wehren sich gegen die mit Ziff. 2 verfügte Anordnung,
dass die SLV (Schall- und Laserverordnung, SR 814.49) als eidgenössisches
Recht überall einzuhalten sei (i.c. 93 dB(A) gemäss Art. 5 SLV). In den
Erwägungen der angefochtenen Verfügung wird die pauschale Vorgabe
dahingehend erläutert, als dass gemäss Expertenbericht ihr Betrieb die
Grenzwerte des Cercle Bruit mit einem festgelegten maximalen Pegel von 93
dB(A) nicht eingehalten werden könnten. Insbesondere in der Wohnung Nr.
108 könne die Musik ausserordentlich gut wahrgenommen werden.
Ausgehend von den Feststellungen im Expertenbericht legte die Vorinstanz
daher gegenüber den Beschwerdeführern als weitere Auflage fest, dass in der
„...-Bar“ nur ein tieferer Maximalpegel (85 dB(A)) für die Musikerzeugung
zulässig sei. Die Beschwerdeführer verlangen nun die Aufhebung dieser
Auflage sowie die Erlaubnis, den Maximalpegel ebenfalls bis 93 dB(A)
ausschöpfen zu können. Ihrem Ansinnen ist kein Erfolg beschieden.
b) Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführer 2 hat der mit den Messungen
betraute Experte seiner Beurteilung nicht bloss subjektive Empfindungen zu
Grunde gelegt. Vielmehr hat er gemäss den Vorgaben des mit den
Betroffenen gemeinsam erarbeiteten und von diesen akzeptierten
Messkonzeptes verschiedentlich Messungen vorgenommen. Diese haben
augenfällig aufgezeigt, dass bei einem Musikpegel von 93 dB(A) in der ...-Bar
die Grenzwerte (Immissionsgrenzwerte gemäss Cercle Bruit) in den
Wohnungen (so u.a. in der Wohnung 108) nicht eingehalten werden können.
Aus diesem Grunde war denn auch die streitige Verschärfung zum Schutz der
Bewohner der darüber liegenden Wohnungen geboten und der Maximalpegel
für die Musikerzeugung in der „...-Bar“ durfte denn auch auf 85 dB(A)
festgelegt werden.
c) Soweit die Beschwerdeführer 2 diesbezüglich den Einwand einer
rechtsungleichen Behandlung vorbringen, kann ihnen ebenfalls nicht geholfen
werden. Sie scheinen übersehen zu haben, dass in der angefochtenen
Verfügung aufgrund der Ergebnisse der Messungen für jeden der drei
Betriebe einzelfallweise die jeweils angemessenen, sachlich begründeten
Auflagen gemacht wurden (vgl. Ziff. 7 a, b und c der Erwägungen der
angefochtenen Verfügung). Als Folge der Messungen hat im Übrigen der „...
Club“, welcher den maximalen Pegel von 93 db(A) ebenfalls nicht eingehalten
hatte, umgehend betriebliche Massnahmen getroffen (Entfernung zweier von
vier Basslautsprecher; geänderte Aufstellung der verbleibenden beiden, neu
isolierten Basslautsprecher; Einbau eines neuen Steuergerätes mit
Limitenbegrenzer), zwecks Einhaltung der vorgegebenen Grenzwerte.
d) Dass die Beschränkung auf 85 dB(A) verhältnismässig ist, zeigt sich letztlich
daran, dass die Lärmwerte - wie die Beschwerdeführer 2 selbst festhalten -
durch eine neue oder verbesserte Musikanlage (Verstärkerleistung, Leistung
Boxen, ältere Anlage), durch weitere lärmdämmende Massnahmen, etc. noch
stark verbessert werden könnten. Von der in diesem Verfahren von den
Beschwerdeführern abgegebenen Zusage, zu solchen Massnahmen Hand zu
bieten, wird Kenntnis genommen. Im Übrigen hat ihnen die Gemeinde in der
angefochtenen Verfügung diesen Weg skizziert, indem sie ausgeführt hat:
„Sollte die Eigentümerin bzw. der Betreiber in einem Gutachten den Nachweis
zur Einhaltung der Cercle Bruit Grenzwerte erbringen können, könnte der
Musikpegel dementsprechend erhöht werden.“ Die Gemeinde ist lediglich
darauf hinzuweisen, dass sich eine entsprechende gemeindliche Anordnung
bereits aufgrund des umweltschutzrechlichen Vorsorgeprinzipes rechtfertigen
könnte (Art. 11 Abs. 2 USG).
e) Kein Erfolg ist zudem der auch nicht näher begründeten, lediglich pauschal
erhobenen Rüge beschieden, die angeordnete Pegelreduktion auf 85 dB(A)
komme praktisch einem Gewerbeverbot gleich. Vielmehr hat die Gemeinde
mit verhältnismässigen Vorgaben dafür gesorgt, dass den unterschiedlichen
Interessenlagen aller Betroffenen angemessen Rechnung getragen werden
kann. Die Beschwerde R 10 17 erweist sich entsprechend ebenfalls als
unbegründet und ist daher abzuweisen.
4. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten, unter solidarischer Haftung
für den sie treffenden Anteil, je zur Hälfte zulasten der Beschwerdeführer 1
und 2 (Art. 73 VRG), deren Parteientschädigungen (Beschwerdeführerin 1 im
Verfahren R 10 17; bzw. Beschwerdeführer 2 im Verfahren R 10 16)
angesichts des jeweiligen Verfahrensausganges wettzuschlagen sind. Die
Beschwerdeführer 1 und 2 haben jedoch dem in beiden Verfahren anwaltlich
vertretenen ... je zur Hälfte eine Parteientschädigung von insgesamt Fr.
2'500.-- (inkl. MWST) zu bezahlen (Art. 78 Abs. 1 VRG). Der
Beschwerdegegnerin 1 steht demgegenüber keine Parteientschädigung zu,
weil sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegt hat (Art. 78 Abs. 2 VRG).