Decision ID: e3531b55-2486-4282-badb-84f8018170f0
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 7. März 2001, am 6. September 2001 und am 7. Juli 2003
wegen Rücken- und Bandscheibenproblemen bei der IV-Stelle zum Bezug von
Leistungen an. Ihre Leistungsbegehren wurden jeweils abgewiesen, soweit auf diese
eingetreten wurde (vgl. IV-act. 2 bis 38).
A.a.
Am 30. August 2004 meldete die Versicherte sich erneut zum Bezug von
Leistungen bei der IV-Stelle an und gab nebst Rückenschmerzen Depressionen,
Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Antriebslosigkeit an (IV-act. 42).
Gestützt auf einen persönlichen Untersuch diagnostizierte der RAD-Arzt Dr. med.
B._, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, am 13. April 2005 eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig remittiert (F33.4), eine emotional instabile
Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (F60.3), eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (F45.4), eine Lumboischialgie (M54.4) und einen schädlichen
Gebrauch von Cannabis (F12.1). Er attestierte der Versicherten aufgrund ihrer
Rückenprobleme eine volle Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als C._. In
einer adaptierten Tätigkeit attestierte er ihr eine Arbeitsfähigkeit von sechs Stunden
täglich, bei erfolgreicher Eingliederung steigerbar auf 100 % (IV-act. 56-4 f.).
A.b.
Verschiedene berufliche Massnahmen zwischen Januar 2006 und Mai 2009
wurden von der Versicherten jeweils nicht angetreten, nach kurzer Zeit abgebrochen
oder mit Unterbrüchen (Krankheitstage) besucht. Sie führten nicht zu einer
Reintegration in den Arbeitsmarkt (vgl. IV-act. 84, 105 f., 113, 143, 167, und 173 f.).
Nachdem die Versicherte nach Mahnungen und Hinweisen auf die Auskunfts- und
A.c.
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Mitwirkungspflicht der Auflage nicht nachgekommen war, regelmässige
Laborkontrollen zum Nachweis der Aufgabe ihres Cannabiskonsums einzureichen, wies
die IV-Stelle ihr Leistungsbegehren am 18. Juni 2009 ab (vgl. IV-act. 168, 176 und 178
f.).
Am 4. August 2015 stellte die Versicherte wiederum ein Gesuch um berufliche
Integration und Rente (IV-act. 190). Nachdem sie erneut keinen Nachweis der
Drogenabstinenz (Cannabis) eingereicht hatte und eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands nicht glaubhaft war, trat die IV-Stelle am 7. März 2016 auf ihr
Gesuch nicht ein (IV-act. 202 bis 207).
A.d.
Am 21. Juli 2016 meldete die Versicherte sich neuerlich zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 208). Ihr behandelnder Psychiater
med. pract. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, legte mit Bericht vom
17. August 2016 psychische Gründe für die IV-Anmeldung dar. Die Versicherte habe
ein ADHS, eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus und
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode.
Zudem bestehe seit August 2016 eine posttraumatische Belastungsstörung (IV-
act. 217).
A.e.
Mit Mitteilungen vom 16. September 2016 und 4. Mai 2017 wies die IV-Stelle das
Gesuch um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 224 und 240). Angebote zur Betreuung
in einer Tagesklinik bzw. zur stationären Behandlung zwischen April 2017 und Juni
2018 nahm die Versicherte nicht wahr oder brach sie nach einigen Tagen wieder ab
(vgl. IV-act. 247 ff.). Am 18. Juni 2018 begab sie sich in tagesklinische Behandlung im
Psychiatriezentrum E._. Wegen abnehmender Therapieadhärenz und zunehmender
Fehlzeiten wurde die Therapie vorzeitig per 9. August 2018 beendet (vgl. IV-act. 261-2).
A.f.
Am 19. Februar 2019 gab die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung
(Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Neurologie, Orthopädie und
Neuropsychologie) bei der MEDAS in Auftrag (IV-act. 271).
A.g.
Mit Gutachten vom 19. August 2019 stellten die MEDAS-Gutachter folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: leichte neuropsychologische
Störung mit kognitiven Minderleistungen in den Bereichen Aufmerksamkeit,
A.h.
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Gedächtnis, Exekutivfunktionen, Sprache und klinischen Auffälligkeiten mit/bei F90:
Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität (ADHS) und F81.9: Lernbehinderung
mit IQ 79 (IV-act. 292-6). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung F61.0 mit
Verhaltensauffälligkeiten, schädlicher Gebrauch von Cannabinoiden F12.1, psychische
und Verhaltensstörungen durch multiple Substanzen, gegenwärtig abstinent F20.19,
(Schon- und Vermeidungsverhalten), Cervicalgien und Lumbalgien ohne radikuläre
Zeichen, minimale Coxa valga bds, Osteopenien, substituierte Hypothyreose, und
primär episodische Migräne (IV-act. 292-7). In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 80 % (Leistung 80 % bei Präsenzzeit von 8,5 Stunden). In einer
angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Diese Bewertungen
würden auch durchgängig retrospektiv gelten (IV-act. 292-9). Die Behandlung sei in
psychiatrischer Hinsicht teilweise unzureichend und nicht ausgeschöpft. Die
motivationalen Faktoren seien zum Teil nicht berücksichtigt worden. Idealerweise sollte
neben einer Psychopharmakotherapie unter anderem auch eine sozialpsychiatrische
Therapie und z.B. auch ein Coaching erfolgen. Gegenwärtig habe die Therapie eher
einen prophylaktischen Zweck, da die Versicherte stabil sei (IV-act. 292-10).
Mit Stellungnahme vom 28. August 2019 führte die RAD-Ärztin F._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, aus, aus versicherungsmedizinischer Sicht könne auf
das MEDAS-Gutachten abgestellt werden (IV-act. 293).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 9. September 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 296). Dagegen erhob die Ver
sicherte, vertreten durch die Procap G._, mit Schreiben vom 8. Oktober 2019 und
Ergänzung vom 21. Oktober 2019 Einwand (IV-act. 302; vgl. auch IV-act. 306).
A.j.
Mit Verfügung vom 6. Dezember 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Versicherte sei in einer Vielzahl
von Tätigkeiten 100 % arbeitsfähig. Den Einschränkungen im Rahmen des
Fähigkeitsprofils stünden Ressourcen gegenüber. Aus dem Einkommensvergleich
resultiere kein rentenbegründender Invaliditätsgrad (IV-act. 307).
A.k.
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B.
Gegen diese Verfügung erhebt A._, nun vertreten durch Rechtsanwältin Linda
Keller, am 27. Januar 2020 Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung vom
6. Dezember 2019 sei aufzuheben. Ihr sei eine Invalidenrente basierend auf einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70 % zuzusprechen. Eventualiter sei die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu
geben. Ihr sei für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren und eine angemessene Nachfrist
zur allfälligen einlässlichen Beschwerdebegründung anzusetzen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Sie habe einen IQ von 79 und gemäss dem IK-Auszug 27
verschiedene Arbeitsstellen im Zeitraum von 1998 bis 2015 gehabt. Mehrere berufliche
Massnahmen seien gescheitert. Der behandelnde Facharzt habe detailliert
beschrieben, weshalb ihr eine Arbeitstätigkeit nicht zumutbar sei (act. G1).
B.a.
Am 27. Februar 2020 ergänzt die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde im
Wesentlichen dahingehend, bei ihr würden unbestritten multiple Probleme bestehen.
Seit dem Erhalt der Verfügung vom 6. Dezember 2019 habe sich ihr
Gesundheitszustand wieder destabilisiert. Der RAD habe mit Stellungnahme vom
28. August 2019 festgehalten, die MEDAS-Gutachter hätten sich leider nicht zu den
häufigen Stellenwechseln geäussert. Auch habe man ihr soziales Umfeld, welches sie
angeblich gut unterstütze, nicht näher beleuchtet, obwohl ihr Kontakt zur Familie
schlecht bis gar nicht vorhanden sei, sie keinen Partner und keine Kinder und nur zwei
Kollegen habe. Der RAD habe die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
insgesamt als streng bezeichnet. Der behandelnde Facharzt med. pract. D._ habe in
seiner ausführlichen Stellungnahme vom 2. Oktober 2019 festgehalten, warum der
Einschätzung im psychiatrischen Teilgutachten nicht gefolgt werden könne. Nicht
nachvollziehbar sei, dass sie mit ihren vielen und teilweise auch schwerwiegenden
qualitativen Einschränkungen im ersten Arbeitsmarkt voll arbeitsfähig sein solle. Med.
pract. D._ halte denn auch dafür, dass nicht genügend Ressourcen bei ihr vorhanden
seien, die es ihr erlauben würden, Arbeiten im ersten Arbeitsmarkt durchzuführen. In
der Verfügung würden zwar etliche Tätigkeiten bzw. Nischenarbeitsplätze aufgezählt,
welche sie angeblich ausüben könnte. Diese Tätigkeiten seien ihr aber gerade nicht
zumutbar. Sie würden eine grosse Aufmerksamkeit oder Kundenkontakte voraussetzen
B.b.
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und somit nicht dem Adaptionsprofil entsprechen. Sie habe 27 verschiedene
Arbeitsstellen von 1998 bis 2015 gehabt. Ihr könne also nicht vorgeworfen werden, sie
habe sich nicht bemüht. Andererseits sei damit erstellt, dass sie offensichtlich nicht in
der Lage sei, einer Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt in einem vollen Pensum
nachzugehen. Im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes wäre die
Beschwerdegegnerin gehalten gewesen, die Frage der häufigen Stellenwechsel weiter
abzuklären (act. G3).
Mit Beschwerdeantwort vom 3. Juli 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, weil die
Einschätzung der Sachverständigen umfassend und überzeugend sei, sei auf das
MEDAS-Gutachten abzustellen. Die RAD-Ärztin erachte die Einschätzung zur
Arbeitsfähigkeit als etwas streng. Dies schmälere die Beweiskraft des Gutachtens
indes nicht. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung liege im Ermessen der Gutachter und sei
hinreichend begründet worden. In unterschiedlichen Zeitabschnitten könne ein
unterschiedlich ausgeprägter Substanzmissbrauch festgestellt werden. Je nach
Intensität habe dies einen direkten Einfluss auf die Arbeitsleistung oder die Fehlzeiten
am Arbeitsplatz. Die Beschwerdeführerin habe sich nicht genügend bereit gezeigt, an
sich zu arbeiten. Sowohl berufliche Massnahmen als auch Therapien seien
abgebrochen worden, weil die Beschwerdeführerin keine Lust gehabt, sich nicht
kooperativ gezeigt oder sich nicht ernst genommen gefühlt habe. Zum sozialen Umfeld
der Beschwerdeführerin würden sich in den Akten Informationen finden. Sie könne auf
unterstützende Freunde zurückgreifen. Es gebe sehr wohl Tätigkeiten, welche sie
ausüben könne, beispielsweise die Montage von Kunststoffteilen oder Verpackungen,
das Verpacken von Versandartikeln oder beratende bzw. verkaufende Tätigkeiten wie
etwa in einem Möbel- oder Modegeschäft oder in einer Bäckerei. Die von der
Beschwerdeführerin gespielten Online-Games würden ebenfalls Konzentration über
längere Zeitdauer sowie eine gewisse Frustrationstoleranz erfordern, welche die
Beschwerdeführerin offensichtlich problemlos an den Tag lege (act. G13).
B.c.
Mit Nachtrag vom 9. Juli 2020 führt die Beschwerdegegnerin aus, aufgrund der im
Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie ruhenden Gutachter-Untersuchungen
habe sie die MEDAS-Gutachter zu einer vertieften Auseinandersetzung mit den
Bereichen "häufige Arbeitsplatzwechsel" und "Soziales" aufgefordert. Gestützt auf
B.d.
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deren Antwort (act. G14.1) erachte sie weiterhin die Einschränkung des
Cannabiskonsums sowie eine resilienzorientierte und auf die Beschwerden der
Beschwerdeführerin zugeschnittene Therapie als unbedingt angezeigt (act. G14).
Am 14. Juli 2020 bewilligt die Präsidentin des Versicherungsgerichts das Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung; act. G15).
B.e.
Mit Replik vom 15. Oktober 2020 bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
vor, die Ausführungen im Gutachten, wonach eine Therapie zu einer nachhaltigen
Veränderung im Verhalten führen würde, würden erstellen, dass derzeit noch nicht von
einer Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden dürfe. Zudem gehe aus diesen
Ausführungen im Umkehrschluss hervor, dass erst eine Veränderung des Verhaltens zu
einer Integration auf dem Arbeitsmarkt führen würde. Angesichts der Vorgeschichte
müsse aber bezweifelt werden, ob eine erneute Therapie tatsächlich zu einer
entsprechenden Verhaltensänderung führen würde. Ihr könne nicht vorgeworfen
werden, ihrer Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen zu sein. Trotz all ihrer
Bemühungen könne sie bis heute nicht im Arbeitsmarkt integriert werden. In Bezug auf
das Fähigkeitsprofil sei im Zusatzgutachten unter anderem festgehalten worden, dass
sie anstrengungsbereit sei (act. G19).
B.f.
Mit Duplik vom 17. November 2020 bringt die Beschwerdegegnerin vor, die
Beschwerdeführerin verdrehe die vorhandenen Berichte und versuche damit ein Bild zu
zeichnen, gemäss welchem sie keinesfalls in der Lage sei, eine Arbeitstätigkeit auf
zunehmen. Das Gegenteil sei jedoch der Fall. Ihr sei es tatsächlich mehrfach gelungen,
Arbeitsstellen zu finden und über eine gewisse Zeitdauer zu halten. Sie werde jedoch
mit der Zeit unzuverlässig und halte einfachste Auflagen nicht ein. Psychiatrische
Behandlungen habe sie nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern wegen
mangelnder Motivation abgebrochen. Im Gegensatz dazu falle es ihr nicht schwer, ein
hohes Alltagsaktivitätsniveau aufrechtzuerhalten. Eine Therapie könnte zu einer
nachhaltigen Veränderung ihres Verhaltens führen und damit ihr berufliches
Fortkommen erleichtern. Die Empfehlung einer Therapie bedeute jedoch nicht, dass die
Beschwerdeführerin im Umkehrschluss derzeit arbeitsunfähig sei (act. G21).
B.g.
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Erwägungen
1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) versicherte Personen, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG in der bis 31. Dezember 2021 gültigen und vorliegend
anwendbaren Fassung besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung (vgl. Art. 29 Abs. 1
IVG).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
1.3.
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2.
3.
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Sachverständigen begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a
mit Hinweisen).
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hin
weisen).
1.4.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, auf das MEDAS-Gutachten vom
19. August 2019 könne nicht abgestellt werden. Vorab ist deshalb festzuhalten, dass
dieses Gutachten die formellen Anforderungen gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung erfüllt. Die Gutachter erstellten es in Kenntnis der Vorakten und nach
einem persönlichen Untersuch der Beschwerdeführerin. Sie nahmen die geklagten
Beschwerden auf und setzten sich damit wie auch mit den Vorakten und den
Untersuchungsergebnissen auseinander. Die gestellten Diagnosen und die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beruhen auf einer interdisziplinären fachärztlichen
Konsensbeurteilung.
2.1.
Zu prüfen bleibt, ob die einzelnen Vorbringen der Beschwerdeführerin Zweifel am
Beweiswert des Gutachtens zu wecken vermögen.
2.2.
Die Beschwerdeführerin weist auf ihren IQ von 79 hin und leitet daraus eine
Arbeitsunfähigkeit ab (act. G1). Intelligenzminderungen werden nach dem
Klassifikationssystem ICD-10 in leichte (Intelligenzquotient [IQ] 69 bis 50), mittelgradige
(IQ 49 bis 35), schwere (IQ 34 bis 20) und schwerste (IQ weniger als 20) Fälle eingeteilt
(ICD-10 F.70 bis F.73; vgl. auch Pschyrembel, 267. Aufl. 2017, S. 881). Nach
konstanter Rechtsprechung wird heute bei einem IQ von 70 und höher ein
invalidenversicherungsrechtlich massgeblicher Gesundheitsschaden verneint.
Demgegenüber kann ein IQ unterhalb dieses Werts zu einer verminderten
Arbeitsfähigkeit führen, wobei es nicht nur auf die Höhe des IQ oder die gestellte
Diagnose, sondern stets auf die Gesamtheit der gesundheitlichen Beeinträchtigungen
ankommt, mithin auf die Auswirkungen einer Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit (BGE
136 V 279 E. 3.2.1 und Urteil des Bundesgerichts vom 11. Februar 2019, 8C_608/2018,
E. 5.2, je mit Hinweisen). Auch stellt sich in jedem Einzelfall die Frage, inwiefern sich
3.1.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-V-279%3Ade&number_of_ranks=0#page279 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-V-279%3Ade&number_of_ranks=0#page279
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4.
der Intelligenzmangel im Zusammenspiel mit weiteren gesundheitsbedingten
Einbussen konkret auf die zumutbarerweise mögliche Leistungserbringung auswirkt.
So kann etwa eine Kombination von Beeinträchtigungen auf somatischer, psychischer
und geistiger Ebene dazu führen, dass eine versicherte Person selbst mit
professioneller Unterstützung keine hinreichenden beruflichen Kenntnisse erwerben
und eine längerdauernde Anstellung halten kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
25. Mai 2018, 8C_189/2018, E. 4.2.3). Umgekehrt führt eine leichte
Intelligenzminderung für sich allein nicht zwingend zu einer IV-relevanten
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Gemäss ICD-10 können viele Erwachsene mit einer
leichten Intelligenzminderung arbeiten, gute soziale Beziehungen unterhalten und ihren
Beitrag zur Gesellschaft leisten (ICD-10 F70).
Mit einem IQ von 79 liegt bei der Beschwerdeführerin keine Intelligenzminderung
nach ICD-10 vor. Auch im Zusammenspiel mit den weiteren gesundheitlichen
Einschränkungen ist die Leistungserbringung in einer angepassten Tätigkeit durch den
eher tiefen IQ nicht wesentlich reduziert. Dass ihr IQ einer Arbeitsfähigkeit nicht im
Wege steht, ergibt sich auch daraus, dass die Beschwerdeführerin in der Lage war,
eine Coiffeure-Anlehre zu absolvieren und verschiedene berufliche Tätigkeiten, unter
anderem im Verkauf und im Service, auszuüben. Den im Recht liegenden
Arbeitszeugnissen lässt sich denn auch nicht entnehmen, dass Arbeitsverhältnisse
wegen fehlender intellektueller Eignung beendet worden wären (vgl. IV-act. 158-2 und
193).
3.2.
Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, dass sie zwischen 1998 und 2015
insgesamt 27 verschiedene Arbeitsstellen innegehabt habe und verschiedene
berufliche Massnahmen gescheitert seien, beweise, dass sie offensichtlich nicht in der
Lage sei, einer Erwerbstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nachzugehen. Sie
unterziehe sich seit mehr als einem Jahrzehnt immer wieder stationären und
ambulanten Therapien und habe sich immer wieder um Arbeitsstellen bemüht, habe
diese dann aber immer wieder aufgeben müssen, weil sie sich einfach nicht in der
Berufswelt integrieren könne. Im MEDAS-Gutachten vom 19. August 2019 sei dazu
ungenügend Stellung genommen worden. Aus dem "Zusatzgutachten" vom 29. Juni
2020 in Kombination mit bereits vorliegenden Berichten gehe klar hervor, dass sie
keinesfalls in der Lage sei, eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen (act. G1, G3 und G19).
4.1.
Auch wenn auffällt, dass die Beschwerdeführerin sehr viele und oftmals kurze
Anstellungen hatte, kann aus der Anzahl angetretener Stellen für sich genommen keine
4.2.
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Arbeitsunfähigkeit abgeleitet werden. Sofern nicht blosse Arbeitsbestätigungen für die
kurzen Arbeitsverhältnisse ausgestellt wurden, beschrieben die Arbeitgeber die
Beschwerdeführerin in den im Recht liegenden Arbeitszeugnissen nämlich als
zuverlässig, pflicht- und verantwortungsbewusst, selbständig, sorgfältig, freundlich,
zuvorkommend, aufmerksam, loyal, kollegial und bereit, Neues zu lernen. Sie hielten
fest, die Beschwerdeführerin habe die Arbeit zu ihrer vollen Zufriedenheit erledigt. Als
Gründe für die Beendigung der Arbeitsverhältnisse wurden unter anderem
Betriebsschliessung, von Anfang an befristete Anstellung und Verlassen auf eigenen
Wunsch angegeben (vgl. IV-act. 193 und 209).
Arbeitszeugnisse sind zwar wohlwollend zu formulieren, müssen aber auch der
Wahrheit entsprechen (vgl. Ullin Streiff/Adrian von Kaenel/Roger Rudolph,
Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319-362 OR, 7. Auflage, Zürich/Basel/Genf
2012, Art. 330a N 3a). Aus den Arbeitszeugnissen darf deshalb abgeleitet werden, dass
die Beschwerdeführerin den beruflichen Anforderungen in den entsprechenden
Tätigkeiten durchaus gewachsen war. Demnach waren zumindest einige Arbeitgeber
mit den Leistungen und dem Verhalten der Beschwerdeführerin zufrieden und hätten
sie auch gerne weiterbeschäftigt.
4.3.
Dass die Beschwerdeführerin immer wieder eine Anstellung fand und sich vielseitig
einsetzen liess (vgl. hierzu die beruflichen Tätigkeiten gemäss Lebenslauf, IV-act. 200),
weist auf eine gute Kommunikationsfähigkeit (erfolgreiche Bewerbungen und
Vorstellungsgespräche), Lernfähigkeit und Flexibilität (verschiedene berufliche
Tätigkeiten) hin. Auch im MEDAS-Gutachten und der MEDAS-Stellungnahme wird
ausgeführt, dass die Kommunikationsfähigkeit der Beschwerdeführerin erhalten sei und
sie Neues lernen könne (IV-act. 292-7, 292-52 und act. G14.1).
4.4.
Die häufigen Stellenwechsel werden ansatzweise bereits im MEDAS-Gutachten,
vor allem aber in der MEDAS-Stellungnahme vom 29. Juni 2020 damit erklärt, dass die
Beschwerdeführerin nebst einer tiefen Frustrationstoleranz schnell gelangweilt sei, die
Motivation verliere und bei Schwierigkeiten, namentlich drohenden Konflikten mit
Kollegen oder Vorgesetzten ein Vermeidungsverhalten an den Tag lege. Die
Zuverlässigkeit sei nicht herabgesetzt, Tagesstrukturierung, Selbstversorgung,
Kommunikation und Körperpflege seien erhalten. Ein Grund für Abbrüche von
Interventionen und Kooperationsprobleme seien motivationale Faktoren mit vielen
Absenzen (IV-act. 292-9, 292-52, 292-96, 292-99 ff. und act. G14.1).
4.5.
Diese Ausführungen sind einleuchtend, stehen sie doch mit den Angaben in den
Vorakten im Einklang (vgl. beispielhaft den Eingliederungsversuch in der H._ im
4.6.
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Februar/März 2006, den die Beschwerdeführerin nach anfänglicher Begeisterung
wegen einer einmaligen kritischen Bemerkung der Leiterin umgehend abbrach, IV-
act. 71 und 84-3; Abschlussbericht I._ vom 15. September 2006, wonach bei der
Beschwerdeführerin Fragezeichen bei der grundsätzlichen Arbeitsmotivation die
Abklärung erschwerten, IV-act. 81; Ärztlicher Bericht der psychiatrischen RAD-
Untersuchung vom 27. August 2008, anlässlich welcher die Beschwerdeführerin angab,
aktuell sei sie in einem J._ tätig, die Tätigkeit sage ihr jedoch nicht zu und sie werde
demnächst kündigen, IV-act. 143-3; Austrittsbericht des Psychiatriezentrums E._
vom 9. November 2018, wonach das Interesse der Beschwerdeführerin an der
Therapie mit der Zeit nachgelassen habe, IV-act. 261-2).
Die motivationalen Faktoren können gemäss den MEDAS-Gutachtern nicht bzw.
jedenfalls nicht im gegebenen Umfang einer gesundheitlichen Beeinträchtigung
zugeschrieben werden. Sowohl die Frustrationstoleranz als auch das
Vermeidungsverhalten könnten therapeutisch angegangen werden (resilienzorientierte
therapeutische Massnahmen, vgl. IV-act. 292-8, 292-10, 292-44, 292-50, 292-51 f. und
act. G14.1).
4.7.
Die Beschwerdeführerin konsumierte früher exzessiv, zuletzt gemäss ihren und
den Angaben ihres Psychiaters nur noch gelegentlich Cannabis (CBD). Ein
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.2) liegt gemäss übereinstimmender Meinung
sowohl der Beschwerdeführerin und ihres Behandlers als auch der MEDAS-Gutachter
nicht vor (vgl. IV-act. 292-17, 292-26, 292-93, 217-11 f., 199-2 und 181). Die MEDAS-
Gutachter diagnostizierten jedoch einen schädlichen Gebrauch von Cannabinoiden
(ICD-10 F12.1; IV-act. 292-7). Sie hielten fest, dieser könne sich negativ auf die
Berufstätigkeit der Beschwerdeführerin ausgewirkt haben, da er ein sogenanntes
amotivationales Syndrom auslösen könne. Dabei könnten Euphorisierung,
Teilnahmslosigkeit, Passivität, Gleichgültigkeit gegenüber Alltagsanforderungen und
Antriebsverminderung bestehen, während der intentionale Bogen verkürzt sowie
Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz reduziert seien, längerfristige Pläne nicht
in Angriff genommen würden und neuen Aufgaben ausgewichen werde.
Gleichgültigkeit gegenüber Schule, Berufsausbildung und sozialen Bindungen könne
eintreten, Pflichten und Verantwortung würden nicht übernommen. Dies könne bis zu
einer sogenannten "demobilisierenden Lethargie" führen. Fehlende Motivation,
depressive Verstimmung, Aggressivität, verminderte Fähigkeit zur Differenzierung,
verminderte Funktion des Gedächtnisses, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Ablenkbarkeit,
Ruhelosigkeit und Kopfschmerzen könnten im Zusammenhang mit dem
Cannabiskonsum auftreten. Diese psychischen Besonderheiten im Zusammenhang mit
4.8.
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5.
regelmässigem Cannabiskonsum seien bei der Beschwerdeführerin dokumentiert und
dürften ebenfalls wesentlich zu den häufigen Arbeitsplatzwechseln beigetragen haben.
Die allenfalls mit dem Cannabiskonsum im Zusammenhang stehenden motivationalen
Faktoren sowie der fehlende Leidensdruck und die passive Art, in diesem Zustand
verharren zu wollen und keine Veränderung herbeizuführen, würden auch dabei eine
Rolle spielen, dass die Beschwerdeführerin keine Medikamente einnehme. Deswegen
würden die MEDAS-Gutachter die vorrangige Aufgabe der Therapie in einem
resilienzorientierten Ansatz sehen. Das Therapiekonzept sei massgeblich für die
Veränderung der Arbeitsmotivation und Anpassung an die Realität, im gleichen Zug
sollte der Konsum von Cannabis eingestellt werden. Die gutachterlichen Angaben
würden sich grundsätzlich auf den allgemeinen Arbeitsmarkt beziehen, nicht auf einen
geschützten Arbeitsplatz (act. G14.1, S. 7; siehe zur Wirkung des Konsums von
Cannabinoiden auch Klaus Foerster, Störungen durch illegale Drogen und
Medikamente, in: Venzlaff/Foerster, Psychiatrische Begutachtung, 5. Auflage, S. 256).
Die häufigen Stellenwechsel der Beschwerdeführerin könnten daher auch im
Cannabiskonsum (mit-)begründet sein. Dieser ist geeignet, zahlreiche der von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden hervorzurufen. Die Symptomatik eines
durch Cannabiskonsum ausgelösten amotivationalen Syndroms weist Überlappungen
mit der Symptomatik sowohl eines ADHS als auch einer depressiven Störung auf (vgl.
die entsprechenden ICD-10-Codierungen sowie die voranstehenden Ausführungen).
Ein Abhängigkeitssyndrom im Sinne von BGE 145 V 215 ergibt sich weder aus den
Akten noch aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin oder ihres Behandlers,
sodass es der Beschwerdeführerin ohne Weiteres zumutbar ist, den Cannabiskonsum
einzustellen. Da nicht festgestellt werden kann, inwiefern der Cannabiskonsum bzw.
eine unabhängig von Gesundheitseinschränkungen bestehender Motivationsmangel
die häufigen Stellenwechsel mitverursacht hat, können diese nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf gesundheitliche Einschränkungen zurückgeführt werden.
4.9.
Nach dem Gesagten kann aus den häufigen Stellenwechseln keine
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin abgeleitet werden.
4.10.
Die Beschwerdeführerin rügt, die MEDAS-Gutachter würden ihr ein intaktes
soziales Umfeld als Ressource attestieren, über das sie aber gar nicht verfüge (vgl.
act. G3). Diesbezüglich hielten die MEDAS-Gutachter fest, die Beschwerdeführerin
habe einzelne Kolleginnen und Kollegen, zu denen sie intensiveren Kontakt zu pflegen
scheine, als sie angebe. Mit diesen könne sie über Probleme reden und erhalte von
5.1.
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ihnen Unterstützung (z.B. betreffend Umzug). Die Beschwerdeführerin könne auch das
Gamen und Chatten nutzen, um mit anderen in Kontakt zu treten und Freundschaften
zu pflegen. Ihre zurückhaltenden Angaben über Kontakte würden zum Gesamtbild
passen, wonach die Beschwerdeführerin zu einer deutlichen Übertreibung bei der
Schilderung ihrer Beschwerden neige (vgl. hierzu beispielhaft IV-act. 292-6 ff., 292-50,
292-84 f.: eingeschränkte Glaubwürdigkeit der angegebenen Beschwerden,
Beschwerdenübertreibung und -ausweitung; Neigung zum Verdeutlichungsverhalten
und sogar zur Übertreibung mit aggravatorischen Tendenzen; Angabe von hoher
Empfindlichkeit und sozialen Phobien, gleichwohl aber kein korrelierender äusserer
Eindruck und wiederholter Besuch eines grossen Erlebnisparks; Widersprüche
zwischen der subjektiven Beschwerdeschilderung und der objektiven Befundlage). Bei
der Beschwerdeführerin sei nicht davon auszugehen, dass sie einsam sei. Sie verfüge
vielmehr über gute und tragfähige Beziehungen, scheine dies nach aussen aber eher
nicht preiszugeben (vgl. zum Ganzen act. G14.1, S. 8).
Die Beschwerdeführerin gab schon 2008 an, einen kleinen, aber stabilen
Freundeskreis zu haben und oft mit Freunden zu chatten (vgl. IV-act. 143-2).
Med. pract. D._ hielt ebenfalls fest, die Beschwerdeführerin habe einen kleinen, aber
guten Kollegenkreis. Sie unternehme auch immer wieder etwas mit den Kolleginnen
und Kollegen (act. G13.2/1-17, Bericht vom 1. August 2016). Anlässlich der
Begutachtung äusserte die Beschwerdeführerin, sie habe ein ganz kleines
Beziehungsnetz, welches aber unterstützend sei (IV-act. 292-63; vgl. auch IV-
act. 292-38). Nach ihrem Tagesablauf befragt gab sie unter anderem an, sie chatte viel
oder skype mit Freunden bzw. sie treffe Freunde (vgl. IV-act. 292-27 und 292-63). Sie
scheint sehr aktiv in den sozialen Medien vernetzt zu sein und gab an, online mit
weltweiten Partnern zu spielen (IV-act. 292-9). Sie liess sich an die Teilbegutachtungen,
welche in Bern stattfanden, von einer Freundin begleiten (vgl. IV-act. 276 ff. und
292-63). Sie besuchte 2017 für drei, 2018 für zwei Tage den Erlebnispark X._ mit
einer Freundin (vgl. IV-act. 292-93). Den Kontakt zu ihrer Mutter beschrieb sie
unterschiedlich, anlässlich der Begutachtung unter anderem als sehr gut. Sie könne
auch deren Auto benutzen (vgl. IV-act. 292-62 f. und 292-95). Zum Bruder bestehe eine
gewisse Hassliebe (IV-act. 292-95). Die Beschwerdeführerin sei Patin des Kindes ihres
Bruders (vgl. IV-act. 292-38).
5.2.
Angesichts dieser Angaben sowohl in den Vorakten als auch anlässlich der
Begutachtung kann das soziale Umfeld der Beschwerdeführerin entgegen ihren
Ausführungen als Ressource betrachtet werden.
5.3.
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6.
7.
Bei der Beschwerdeführerin fällt eine geringe Therapieaktivität auf (Psychotherapie
einmal pro Monat, sehr selten Hausarztbesuch, Ablehnung von medikamentöser
Behandlung, vgl. IV-act. 292-9, 292-39 und 292-96). Dieser geringen Therapieaktivität
steht eine hohe Alltagsaktivität gegenüber (vgl. IV-act. 292-6). So führt die
Beschwerdeführerin ihren Haushalt vollkommen selbständig, wobei sie sich als
"pingelig" bezeichnet. Dazu gehört namentlich das Einkaufen, die Versorgung ihrer
Haustiere, das Kochen von Mahlzeiten und die Erledigung administrativer Aufgaben.
Die Beschwerdeführerin gab an, sie hätte gerne einen Garten und sie wolle ein Tierheim
suchen, um eventuell mit den Hunden spazieren gehen zu können. Sie ist in der Lage,
stundenlang "en bloc" einen fesselnden Roman zu lesen oder am Computer Serien und
Filme zu schauen bzw. zu chatten und online zu spielen, ohne sich ablenken zu lassen.
Sie konnte auch nach einer mehrstündigen Anreise per Auto bzw. Bus mehrere Tage in
einem Vergnügungspark verbringen, wo sich naturgemäss viele Menschen aufhalten
und viele Reize auf die Besucher einwirken. Zur Begutachtung erschien sie gepflegt
(langes Haar, Tattoos, Piercings, lackierte Fingernägel; vgl. zum Ganzen IV-act. 143-2,
292-8 f., 292-27 f., 292-42 f., 292-61, 292-78, 292-93, 292-95 f., 292-99 f.).
6.1.
Die gutachterliche Einschätzung, wonach das Freizeitverhalten der Beschwerde
führerin nicht als defizitär bezeichnet werden könne, die psychischen Auffälligkeiten in
Anbetracht des bisherigen Werdegangs eher insgesamt leichtgradig erschienen und
nicht nachvollziehbar sei, warum die in der Freizeit gezeigten Fähigkeiten nur für
persönliche Interessen verfügbar sein sollen (vgl. IV-act. 292-6 und 292-101), leuchtet
daher ein. Soweit die Beschwerdeführerin also bemängelt, im MEDAS-Gutachten
würden ihr nicht vorhandene Ressourcen attestiert, ist entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführerin mit den Gutachtern davon auszugehen, dass zumindest zum Teil
eine gute Ressourcenlage gegeben ist (vgl. hierzu IV-act. 292-6).
6.2.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, aus der MEDAS-Stellungnahme vom 29. Juni
2020 gehe in Kombination mit den bereits vorliegenden Berichten klar hervor, dass sie
keinesfalls in der Lage sei, eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen (act. G19). Dies ist
aktenwidrig. Die MEDAS-Gutachter gelangten zum Schluss, dass die
Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit zu 80 % und in einer adaptierten
Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Auch der Behauptung der Beschwerdeführerin,
wonach die Ausführungen im Gutachten, eine Therapie würde zu einer nachhaltigen
Veränderung im Verhalten führen, zeigten, dass derzeit noch nicht von einer
7.1.
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Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden dürfe, kann nicht gefolgt werden. Im Gutachten
wird lediglich ausgeführt, wie die Beschwerdeführerin – nach Meinung der
Gutachtenspersonen – sinnvoll behandelt werden könnte. Dass dadurch die attestierte
Arbeitsfähigkeit erst erreicht werden könnte, wird hingegen nicht ausgeführt. Der – von
der Beschwerdeführerin bezweifelte – Erfolg einer Therapie hängt dabei nicht nur von
gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin, sondern unter anderem
von ihrer Motivation ab. Dementsprechend wird im MEDAS-Gutachten ausgeführt, die
früheren fachlichen Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit seien nicht begründbar, auch
wenn bisher keine wirksame Eingliederung erfolgt sei. Zum Teil seien therapeutische
Massnahmen in Aussicht gestellt, dann jedoch von der Versicherten nicht durchgeführt
oder verzögert worden, gemäss ihren Interessen (IV-act. 292-9). Wenn die
Beschwerdeführerin unter Verweis auf die entsprechende Formulierung in der
neuropsychologischen Abklärung geltend macht, sie sei anstrengungsbereit (act. G19),
ist darauf hinzuweisen, dass diese Formulierung sich auf die Mitwirkung bei der
Erstellung des Fähigkeitsprofils bezieht (vgl. IV-act. 292-48). Sie betrifft demnach
lediglich die neuropsychologische Untersuchung, namentlich die Validierung von deren
Testergebnissen, und kann nicht generell auf ihre Erwerbstätigkeit ausgeweitet werden.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die gutachterliche Einschätzung
weiche von jener ihres behandelnden Psychiaters ab, kann sie daraus nichts zu ihren
Gunsten ableiten. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht es einer
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte mit Blick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
aussagen und ihre Angaben deshalb zurückhaltend zu werten sind (vgl. hierzu etwa
BGE 125 V 351 E. 3b/cc oder BGE 135 V 465 E. 4.5). Die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits
lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und
zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu
anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich
eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und
nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die
im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Entscheid
des Bundesgerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2 mit Hinweisen).
7.2.
Med. pract. D._ benannte keine solchen Aspekte, die im Rahmen der MEDAS-
Begutachtung unberücksichtigt geblieben wären. Im Gegenteil führte er in seiner
Stellungnahme zum Einwand vom 2. Oktober 2019 aus, das psychiatrische Gutachten
7.3.
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sei ausführlich, formal korrekt und gut lesbar. Es sei möglich, dass die
Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung keine depressive
Episode gehabt habe. Das Ergebnis der neuropsychologischen Untersuchung sei für
ihn auch nachvollziehbar (IV-act. 302-6). Lediglich die Aussage des psychiatrischen
Gutachters, wonach die Beschwerdeführerin mit ihren verschiedenen Einschränkungen
noch Arbeiten im ersten Arbeitsmarkt durchführen könne, sei für ihn nicht
nachvollziehbar (vgl. IV-act. 302-7).
Med. pract. D._ kritisierte also weder die Methode noch die Feststellungen und
Diagnosen des psychiatrischen MEDAS-Gutachters. Im Gegenteil anerkannte er
letztere explizit (vgl. IV-act. 302-8) und beurteilt sie als nachvollziehbar. Er wich einzig
in der Schlussfolgerung betreffend Arbeitsfähigkeit von der Einschätzung des MEDAS-
Gutachtens ab. Diesbezüglich führte er aus: "Ich denke, dass es heute kaum eine
Arbeitsstelle im ersten Arbeitsmarkt gibt, bei der Menschen mit den im Gutachten
beschriebenen qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit arbeiten können" (IV-
act. 302-7). Dabei handelt es sich nicht um eine eigentliche medizinische Einschätzung,
sondern um eine Aussage zur Verwertbarkeit, die nicht in die Kompetenz der
medizinischen Fachperson fällt.
7.4.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass für die Verwertung der
(Rest-)Arbeitsfähigkeit der hypothetisch ausgeglichene Arbeitsmarkt massgebend ist
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach der Rechtsprechung handelt es sich dabei um einen
theoretischen und abstrakten Begriff, der dazu dient, den Leistungsbereich der
Invalidenversicherung von demjenigen der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der
Begriff umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot
von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der
von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und zwar
sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen
wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Es kann daher nicht leichthin
angenommen werden, die verbliebene Leistungsfähigkeit sei unverwertbar. Nach
diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die
Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein
rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (Urteil des
Bundesgerichts vom 2. Dezember 2020, 8C_416/2020, E. 4; BGE 110 V 273 E. 4b;
ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b). Daraus folgt, dass für die Invaliditätsbemessung nicht darauf
abzustellen ist, ob eine versicherte Person unter den konkreten Arbeitsmarkt
verhältnissen vermittelt werden kann, sondern darauf, ob sie die ihr verbliebene
Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem
7.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/22
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Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI-Praxis 6/1998 S. 291). Der
ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also
Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann dann nicht
mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter
Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder
sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen
Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von
vornherein ausgeschlossen erscheint (siehe zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts
vom 24. April 2012, 8C_869/2011, E. 4.3.5 mit Hinweisen).
Vorliegend ist deshalb nicht relevant, ob die Beschwerdeführerin auf dem aktuellen
Arbeitsmarkt eine Stelle findet, sondern ob sie ihre Erwerbsfähigkeit wirtschaftlich
verwerten könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften
entsprechen würde.
7.6.
Die Beschwerdegegnerin legte sowohl in ihrer Verfügung (IV-act. 307) als auch in
der Beschwerdeantwort (act. G13) ausführlich dar, dass Tätigkeiten, die den
Einschränkungen der Beschwerdeführerin angepasst wären, auf dem hypothetisch
ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus vorhanden sind. Ihre Aufzählung hat dabei
exemplarischen Charakter.
7.7.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin existieren berufliche Tätigkeiten im
Bereich Montage oder Kontrolle wie auch solche mit allfälligem Kundenkontakt, welche
dem Adaptionsprofil gemäss MEDAS-Gutachten entsprechen. Die hauptsächlichen
Defizite der Beschwerdeführerin bestehen im kognitiv-intellektuellen Bereich in
Kombination mit dem ADHS und der Persönlichkeitsstrukturierung (vgl. Iv-act. 292-7).
Dass med. pract. D._ mit Bericht vom 17. August 2016 noch in Betracht zog, die
Symptome einer emotionalen Instabilität im Rahmen des ADHS anzusehen (vgl. IV-
act. 217-3), stützt die Einschätzung gemäss MEDAS-Gutachten, wonach die
Persönlichkeitsstörung nicht schwergradig ausgeprägt ist. Sowohl das ADHS als auch
der eher tiefe IQ und die Persönlichkeitsstrukturierung bestanden bei der
Beschwerdeführerin schon seit der Kindheit bzw. Jugend (vgl. ICD-10-Definitionen
sowie IV-act. 292-9 und 292-51). Dennoch war sie in der Lage, eine Coiffeur-Anlehre zu
absolvieren (vgl. IV-act. 27) und als Erwachsene in verschiedenen Tätigkeiten zu
arbeiten. Sie war namentlich auch in der Lage, im Rahmen ihrer Arbeitstätigkeit,
beispielsweise im Verkauf, die erforderliche Aufmerksamkeit aufzubringen und den
Kundenkontakt positiv zu gestalten (vgl. beispielhaft IV-act. 193-1, Arbeitszeugnis
Y._ vom 31. März 2014: "Im Umgang mit unseren Kunden zeigte sich [die
7.8.
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Beschwerdeführerin] sehr freundlich, zuvorkommend und aufmerksam. Gegenüber
Vorgesetzten und Mitarbeitenden verhält sie sich immer loyal, kooperativ und kollegial,
was eine sehr angenehme Zusammenarbeit ermöglichte"). Ihre Behauptung,
Tätigkeiten mit Kundenkontakt seien ihr nicht zumutbar (act. G3), ist in dieser absoluten
Form demnach offensichtlich unzutreffend. Bemerkenswert ist in diesem Kontext auch,
dass die Beschwerdeführerin gegenüber med. pract. D._ angab, ihr sei noch nie
wegen zwischenmenschlicher Probleme gekündigt worden und sie habe auch selbst
nie deswegen gekündigt (act. G13.2/1-16, Bericht vom 1. August 2016).
Die Beschwerdeführerin war trotz der von ihr geltend gemachten Beschwerden
und Einschränkungen in der Lage, in den Jahren 2016 und 2017 Auto fahren zu lernen
und sowohl die theoretische wie auch die praktische Fahrprüfung zu absolvieren (vgl.
IV-act. 228-4 f., 247-15 und 247-29). Auch dies zeigt, dass sie kognitiv und seitens
Aufmerksamkeit in der Lage ist, Neues zu lernen und praktisch wie theoretisch
anzuwenden.
7.9.
Die – schon lange bestehende, von der Beschwerdeführerin anlässlich der
MEDAS-Begutachtung nicht in den Vordergrund gestellte – Rückenproblematik hat
gemäss der gutachterlichen Einschätzung keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Aufgrund der radiologischen Untersuchungen seien die LWS- und HWS-Beschwerden
der Beschwerdeführerin gemäss dem MEDAS-Gutachten als rein muskulär zu
betrachten. Rein orthopädisch habe nie eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit
bestanden. Die Beschwerdeführerin führe denn auch keine konsequente konservative
orthopädische Therapie durch, es würden nur spärlich orthopädische Akten vorliegen
und seit 2016 fehlten orthopädische Akten völlig (IV-act. 292-67 ff.; vgl. auch MRI vom
20. November 2012, IV-act. 197-3). Eine Depression lag zum Begutachtungszeitpunkt
ebenfalls nicht vor (vgl. IV-act. 292-43, 292-50 und 302-6).
7.10.
Med. pract. D._ ging im Übrigen noch mit Bericht vom 2. Dezember 2016
davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für angepasste Arbeiten
im Januar 2017 50 % betragen würde und im weiteren Verlauf gesteigert werden könne
(IV-act. 228-1). Dass er nach Erhalt des MEDAS-Gutachten eine Unverwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit bzw. vollständige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin annimmt,
vermag auch deshalb nicht zu überzeugen. Hinzu kommt, dass med. pract. D._ alle
Erkrankungen der Beschwerdeführerin als behandelbar einstufte (vgl. IV-act. 217-7).
Nebst einer psychotherapeutischen wäre auch eine medikamentöse Behandlung
sinnvoll. Med. pract. D._ hat der Beschwerdeführerin sowohl die Gabe von Ritalin als
auch von Antidepressiva angeboten, jedoch wollte die Beschwerdeführerin keine
Medikamente einnehmen (vgl. beispielhaft act. G13.2/1-8, IV-act. 292-9, 292-19,
7.11.
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8.
292-61, 292-84 und 302-10). Die fortgesetzte Krankheitsbehandlung, die insbesondere
auch die dauernde Einnahme ärztlich verschriebener Medikamente umfasst, ist in der
Regel eine jederzeit zumutbare Form allgemeiner Schadenminderung (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 22. Mai 2019, 8C_741/2018, E. 4 mit Hinweisen).
Insgesamt ist somit kein Grund für eine Arbeitsunfähigkeit oder eine
Unverwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer
angepassten Tätigkeit ersichtlich (vgl. hierzu auch IV-act. 292-6). Die vom
behandelnden Psychiater gemachten Ausführungen vermögen keine Zweifel am
Beweiswert des MEDAS-Gutachtens zu wecken.
7.12.
Zusammenfassend ist das MEDAS-Gutachten umfassend und die medizinische
Beurteilung einleuchtend. Namentlich die Arbeitsfähigkeitsschätzung ist
nachvollziehbar begründet. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen daran
nichts zu ändern. Das Gutachten ist somit beweiskräftig, sodass darauf abzustellen ist.
Die Beschwerdeführerin ist demnach in ihrer bisherigen Tätigkeit zu 80 % und in einer
angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig.
7.13.
Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerdeergänzung geltend, ihr
Gesundheitszustand habe sich seit Erhalt der angefochtenen Verfügung destabilisiert
(act. G3).
8.1.
Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht vorbringt, ist die gerichtliche Überprüfung
einer Verwaltungsverfügung nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung
grundsätzlich auf den Zeitraum bis zum Erlass dieser Verfügung beschränkt;
nachträgliche Sachverhalts- und Rechtsänderungen werden nicht berücksichtigt (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 28. August 2003, I 596/02, E. 1.1, und BGE 132 V 215
E. 3.1.1 mit Hinweis auf BGE 121 V 362 E. 1b). Auch in der vorliegenden Angelegenheit
ist daher lediglich der bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung eingetretene
Sachverhalt zu beurteilen. Eine allenfalls später eingetretene Verschlechterung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin kann somit von Vornherein keine
Berücksichtigung finden. Der Beschwerdeführerin stünde in diesem Fall die Möglichkeit
offen, bei der Beschwerdegegnerin unter Beilage entsprechender Arzt- und
Klinikberichte erneut ein Gesuch zu stellen.
8.2.
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9.