Decision ID: 256862c7-a40a-47cd-9fa6-3218f3d78e8e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache versuchte schwere Körperverletzung etc. und Widerruf
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 8. November 2017 (DG170178)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 26. Juni
2017 (Urk. 36) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 Abs. 1 und Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB,
− des Vergehens gegen das Bundesgesetz über die obligatorische Ar-
beitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG) im Sinne
von Art. 105 Abs. 1 AVIG.
2. Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf der einfachen Körperver-
letzung zu Lasten des Privatklägers 2 C._.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wo-
von 20 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von
20 Tagessätzen zu Fr. 50.–.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 18 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Restumfang (18 Monate,
abzüglich 20 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die
Freiheitsstrafe vollzogen.
5. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
6. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts Luzern
vom 25. Februar 2013 ausgefällten Freiheitsstrafe von 18 Monaten wird
nicht widerrufen, die Probezeit wird um 1 Jahr verlängert.
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7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 B._ Fr. 15'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 3. Oktober 2014 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren des Privatklägers 2
C._ wird abgewiesen.
9. Allfällige noch bei der Polizei befindliche Kleidungsstücke müssen vom Be-
schuldigten dort selbständig herausverlangt werden.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 B._ für das ge-
samte Verfahren eine Prozessentschädigung von pauschal Fr. 18'300.–
(inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
11. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'500.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 14'122.35 Auslagen (Gutachten)
Fr. 301.05 Auslagen
Fr. 31.95 Auslagen (Gutachten)
Fr. 6.20 Entschädigung Zeuge
Fr. 600.– Beschwerdeverfahren Geschäfts Nr. UH140389
Fr. 10'004.– amtliche Verteidigung (Vorverfahren)
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
zu 4/5 auferlegt.
13. Über die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung wird mit einem sepa-
raten Beschluss entschieden.
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14. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO im Umfang von 4/5 der Kosten der amtlichen Verteidigung.
Berufungsanträge:
a) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 78 S. 1)
"1. Der mit Urteil des Bezirksgerichts Luzern vom 25. Februar 2013 für ei-
ne Freiheitsstrafe von 18 Monaten unter Ansetzung einer Probezeit von
4 Jahren gewährte bedingte Strafvollzug sei zu widerrufen.
2. Der Beschuldigte sei unter Einbezug der zu widerrufenden Strafe - un-
ter Anrechnung der erstandenen Haft - mit einer Freiheitsstrafe von
5 Jahren als Gesamtstrafe zu bestrafen.
3. Die übrigen Punkte des vorinstanzlichen Urteils seien zu bestätigen."
b) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 79 S. 2)
"1. sei aufzuheben
2. nicht angegriffen
3. sei aufzuheben
4. sei aufzuheben
5. sei aufzuheben
6. sei aufzuheben
7. sei aufzuheben
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8. nicht angegriffen
9. nicht angegriffen
10. sei aufzuheben
11. nicht angegriffen
12. sei aufzuheben
13. nicht angegriffen
14. sei dahingehend abzuändern, dass die eine Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO entfällt
15. nicht angegriffen
16. nicht angegriffen."
_

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete Ur-
teil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 8. November 2017 meldeten
sowohl die amtliche Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft mit Eingabe
vom 12. resp. 16. November 2017 (Poststempel) je Berufung an (Prot. I S. 15 ff.;
Urk. 53; Urk. 56; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach der Zustellung des begründeten Ur-
teils am 27. April 2018 resp. 2. Mai 2018 reichten die Staatsanwaltschaft mit Ein-
gabe vom 8. Mai 2018 und die Verteidigung mit solcher vom 18. Mai 2018 (Post-
stempel: 21.05.2018) fristgerecht ihre jeweilige Berufungserklärung im Sinne von
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Art. 399 Abs. 3 StPO ein (Urk. 66/1+2; Urk. 68; Urk. 70). Der Beschuldigte liess
einen Freispruch beantragen. Die Anklagebehörde beschränkte ihre Berufung auf
den Strafpunkt, inkl. Widerruf. Mit Präsidialverfügung vom 29. Mai 2018 wurden
dem Beschuldigten und den Privatklägern die Berufungserklärung der Staatsan-
waltschaft sowie dieser und den Privatklägern jene des Beschuldigten zugestellt
sowie Frist für Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt
(Urk. 71; Urk. 72/1-4). Der Beschuldigte liess ausdrücklich auf eine Anschlussbe-
rufung verzichten (Urk. 73). Die Staatsanwaltschaft und die Privatkläger liessen
sich nicht vernehmen. Beweisanträge wurden von keiner Partei gestellt. Am
18. März 2019 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 18. Juni 2019 vorgela-
den (Urk. 75). Anlässlich derselben stellten die Parteien die eingangs aufgeführ-
ten Anträge (Prot. II S. 4 f.; Urk. 78 S. 1; Urk. 79 S. 2).
II. Prozessuales
1. Der Beschuldigte liess mit seiner auf Freispruch lautenden Berufung ein-
zig den Teilfreispruch vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung zum Nachteil
des Privatklägers 2 und die Abweisung von dessen Zivilansprüchen (Dispositivzif-
fer 2 und 8), die Herausgabe (Dispositivziffer 9) sowie die Kostenfestsetzung und
die Entschädigung der amtlichen Verteidigung (Dispositivziffern 11, 13 und 14,
teilweise), nicht anfechten (Urk. 70 S. 1 f.; Urk. 79 S. 2). Zudem blieb die Abwei-
sung des Genugtuungsbegehrens des Privatklägers 1 im Fr. 15'000.– überstei-
genden Mehrbetrag (Dispositivziffer 7, 2. Satz) unangefochten.
2. Die Staatsanwaltschaft hat mit ihrer Berufung das vorinstanzliche Urteil im
Strafpunkt angefochten und beantragt, der mit Urteil des Bezirksgerichtes Luzern
vom 25. Februar 2013 für eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten unter Ansetzung
einer Probezeit von 4 Jahren gewährte bedingte Strafvollzug sei zu widerrufen,
und der Beschuldigte sei unter Einbezug der widerrufenen Strafe mit einer Frei-
heitsstrafe von 5 Jahren als Gesamtstrafe zu bestrafen, wobei die wegen des
Vergehens gegen das Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversi-
cherung und Insolvenzentschädigung kumulativ ausgefällte Geldstrafe nicht ange-
fochten werde (Urk. 68 S. 2 und S. 4; Urk. 78 S. 1).
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3. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Urteilsdispositivziffern 2 (Freispruch betr. Privatkläger 2), 7, 2. Satz (Abwei-
sung der Genugtuung des Privatklägers 1 im Mehrbetrag), 8 (Abweisung Zivilan-
sprüche des Privatklägers 2), 9 (Herausgabe) sowie 11 , 13 und 14 teilweise
(Kostenfestsetzung und Honorar amtliche Verteidigung) unangefochten blieben,
ist mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil sowie der vor-
instanzliche Beschluss vom 4. Dezember 2017 betr. Honorar der amtlichen Ver-
teidigung (Urk. 59 S. 2) in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen sind.
III. Sachverhalt
1. Infolge rechtskräftigen Freispruchs vom Anklagevorwurf der einfachen
Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 2, C._ (Dossier 1), verblei-
ben die nachfolgenden Vorwürfe betreffend versuchte schwere Körperverletzung
zum Nachteil des Privatklägers 1, B._ (Dossier 1), sowie des Geschädigten
D._ (Dossier 1) und Vergehen gegen das AVIG (Dossier 2) Gegenstand des
Berufungsverfahrens.
2. Gemäss Dossier 1 (versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil
des Privatklägers 1) wird dem Beschuldigten zusammengefasst vorgeworfen, in
der Nacht vom Freitag, dem 3. Oktober 2014, auf der Tanzfläche des Clubs
E._ an der ...-strasse ... in ... Zürich um ca. 02.06 Uhr in eine tätliche Ausei-
nandersetzung zwischen seinem Kollegen F._ und dem Geschädigten
D._ eingegriffen zu haben, indem er mit seinem rechten Arm – und in der
rechten Hand ein mutmasslich bereits defektes, massives Trinkglas haltend – ei-
ne heftige, voll durchgezogene Schwungbewegung nach rechts in die Men-
schenmenge ausgeführt haben soll, wobei er mit diesem Glas den in seiner un-
mittelbaren Nähe stehenden und völlig unbeteiligten Privatkläger 1 im Gesicht,
beim linken Auge getroffen habe. Der Privatkläger 1 habe durch diesen Schlag
mit dem Glas ins Gesicht eine perforierende schwere Augenverletzung links mit
langer Skleraperforation, multiplen Glasfremdkörpern und ausgedehnten Riss-
und Quetschwunden im Bereich des Oberlides, Unterlides, Augenbrauenberei-
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ches, Hals und Ohr mit Absprengung eines Knochenfragmentes im Bereich des
Jochbeinbogens erlitten, sodass die Sehschärfe des linken Auges bzw. dessen
Funktion bleibend erheblich beeinträchtigt sei, sich die Sehschärfe bei ca. 60%
etabliert habe, ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung sowie zur Entwick-
lung eines grünen Stars (Glaukom) bestehen bleibe, und mit einem operativen
Ersatz der Kunstlinse im Laufe der Zeit infolge Instabilität zu rechnen sei. Der Be-
schuldigte habe anlässlich der heftigen und dynamischen Schwungbewegung mit
dem Glas in der Hand um die Möglichkeit gewusst, damit jemanden in der dichten
Menschenmenge im Gesicht bzw. am Kopf zu treffen und damit einhergehend um
die Möglichkeit der Entstehung von möglicherweise ein wichtiges Organ oder
Glied eines Menschen verstümmelnde und unbrauchbarmachende bzw. arg ent-
stellende, schwere oder lebensgefährliche Folgen für eine in der Nähe stehende
Person. Er habe diese Folgen gewollt bzw. habe solche in Kauf genommen, wo-
bei sie jedoch nicht eingetreten seien (Urk. 36 S. 2 f.).
2.1. Der Beschuldigte bestreitet den ihm vorgeworfenen Sachverhalt
(Urk. D1/12/5 S. 6; Urk. 47 S. 4 f.). Die Verletzungen des Privatklägers 1 seien
nicht durch ihn verursacht worden, sondern durch den Wurf eines Trinkglases
seines Kollegen F._. Er habe damit nichts zu tun. Er sei gestanden und habe
aus dem Glas getrunken. Auf einmal habe er eine Faust ins Gesicht bekommen.
Das Glas sei dann natürlich heruntergefallen. Er habe es nicht mehr in der Hand
gehabt. Er wisse nicht, ob das Glas dabei kaputtgegangen sei. Er habe eine
Schwungbewegung nach rechts in die Menschenmenge gemacht, weil ihn der
Geschädigte D._ geschlagen und er diesen gepackt und nach hinten gezo-
gen habe. Er habe diesen gepackt und auf den Boden geschmissen (Urk. 47 S. 5
ff.; Urk. 51 S. 3 ff.). An dieser Darstellung hielt der Beschuldigte auch anlässlich
der Berufungsverhandlung fest (Prot. II S. 13 ff.; Urk. 79 S. 5 ff., insbes. S. 7).
2.2. Die bestrittenen Elemente des Anklagesachverhaltes sind mit Hilfe der
Untersuchungsakten sowie der Aussagen der Befragten und den vor Gericht vor-
gebrachten Argumenten nach den allgemeingültigen Beweisregeln zu überprüfen.
Im angefochtenen Urteil wurden die Grundsätze der Beweiswürdigung und die
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allgemeingültigen Beweisregeln korrekt wiedergegeben, weshalb darauf verwie-
sen werden kann (Urk. 67 S. 22 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.2.1. Zu korrigieren ist einzig die vorinstanzliche Erwägung, wonach Zeu-
gen, welche auf die strengen Straffolgen bei wissentlich falscher Zeugenaussage
gemäss Art. 307 StGB hingewiesen wurden, aufgrund dieses Hinweises in der
Regel eine generell gesteigerte Glaubwürdigkeit aufweisen würden (Urk. 67 S. 27
und S. 39). Eine solche Strafandrohung dürfte je nach Adressat ganz unterschied-
lich aufgenommen werden und nicht bei allen Zeugen den gleichen Eindruck und
dieselbe Wirkung hinterlassen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird
bei der Würdigung von Aussagen nicht mehr wie früher Gewicht auf die generelle
Glaubwürdigkeit des Einvernommenen im Sinne einer dauerhaften personalen
Eigenschaft gelegt, sondern diesem Gesichtspunkt kommt kaum mehr relevante
Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung ist die Glaubhaf-
tigkeit der konkreten Aussage, welche durch methodische Analyse ihres Inhalts
darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben
einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden entspringen (BGE 133 I 33
E. 4.3).
2.2.2. Ergänzend bleibt festzuhalten, dass auch indirekte, mittelbare Bewei-
se, sogenannte Anzeichen oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsa-
men Schluss erlauben. Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrschein-
lichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die
Möglichkeit des Andersseins offen, enthält daher auch den Zweifel (WALDER, Der
Indizienbeweis im Strafprozess, ZStrR 108/1991, S. 309; DERSELBE, Die Beweis-
führung in Strafsachen, insbesondere der Indizienbeweis, Zürich 1974/75, S. 49).
Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je
für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine be-
stimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offenlassen,
auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter zu schliessen (Urtei-
le des Bundesgerichtes 6B_365/2009 vom 12. November 2009 E. 1.4,
6B_332/2009 vom 4. August 2009 E. 2.3 mit Hinweisen, und 6B_297/2007 vom
4. September 2007 E. 3.4). Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleich-
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wertig (HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, Ba-
sel/Genf/München 2005, § 59 N 14 f.).
2.3. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 67 S. 11) liegen folgende,
für die Erstellung des Sachverhaltes relevanten Beweismittel vor: Bericht der Kan-
tonspolizei Zürich betr. ergänzende Angaben zu den sichergestellten Videodaten
aus dem Club E._ (Urk. D1/10), Aufnahmen der Überwachungskameras im
Club E._ (Urk. D1/18/2), Fotodokumentation des Privatklägers 1 (Urk.
D1/19/3), Operationsbericht der Augenklinik Universitätsspital Zürich (Urk.
D1/21/6), Operationsbericht der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Universitätsspital Zürich (Urk. D1/21/7), Verlaufseintrag der Augenklinik Universi-
tätsspital Zürich (Urk. D1/21/8), Gutachten zur körperlichen Untersuchung des In-
stituts für Rechtsmedizin (IRM), Universität Zürich (Urk. D1/21/11), ärztlicher Be-
fund der Augenklinik Universitätsspital Zürich (Urk. D1/21/14), Ergänzungsgutach-
ten des IRM (Urk. D1/21/22), Gutachten der G._ gmbh (Urk. D1/21/24), ärzt-
licher Bericht des H._ Zürich (Urk. D1/21/25) sowie die Aussagen des Be-
schuldigten (Urk. D1/12/1-5; Urk. D1/14; Urk. 47 S. 4-8; Prot. II S. 13-18), des Pri-
vatklägers 1 (Urk. D1/15/3; Urk. D1/15/5) und der Zeuginnen I._ (Urk.
D1/16/11), J._ (Urk. D1/16/6; Urk. D1/16/26) und K._ (Urk. D1/16/8;
Urk. D1/16/27).
2.4. Das Gericht berücksichtigt die im Vorverfahren und im Hauptverfahren
erhobenen Beweise (Art. 351 Abs. 2 StPO) und hat diese frei zu würdigen (Art. 10
Abs. 2 StPO). Wie bereits aus den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz her-
vorgeht (Urk. 67 S. 11 f.), hat das Gericht aufgrund seiner eigenen unmittelbaren
Wahrnehmung sachdienliche Erkenntnisse zu ziehen und diese entsprechend zu
würdigen. Somit läuft auch die Kritik der Verteidigung, dass die Polizei angewie-
sen worden sei, sich das Video so lange anzusehen, bis ein mit dem Gutachten
übereinstimmendes Ergebnis erzielt worden sei, zumal sich die Erkenntnisse die-
ses Gutachtens nicht mit dem Erstbefund der Videoauswertung gedeckt hätten
(Urk. 51 S. 9 ff.), ins Leere. Zutreffend ist allerdings, worauf auch die Verteidigung
hingewiesen hat (Urk. 79 S. 6 und S. 8), dass sich sämtliche Geschehnisse im
Club E._ auf der Tanzfläche inmitten einer dichtgedrängten Menschenmenge
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abgespielt haben, wo aufgrund der Clubbeleuchtung schlechte und teilweise dif-
fuse Lichtverhältnisse geherrscht haben, was sich entsprechend auf die Qualität
der Videoaufnahmen ausgewirkt hat. Dennoch sind die entscheidenden Vorgänge
bei genauer Betrachtung sichtbar (vgl. nachfolgend, Erw. III.2.5. ff.).
2.5. Aus den dem Beschuldigten im Beisein seines Verteidigers im Vorver-
fahren im Einzelnen zur Stellungnahme vorgehaltenen Videosequenzen
(Urk. D1/18/2, Videovorfall 2 ab der Kamera E._ Club ab 02:06:20 Uhr), zu
welchen sich der Beschuldigte im Laufe der staatsanwaltschaftlichen Einvernah-
me vom 22. September 2015 teilweise nicht äussern wollte (Urk. D1/12/4 S. 5),
ergibt sich folgender Geschehensablauf: Der Beschuldigte, welcher aufgrund sei-
ner Körpergrösse von knapp 2 m (Urk. D1/22/9 S. 2) und seiner weissen Kapu-
zenjacke (Urk. D1/19/7) gut zu erkennen ist, und F._ gehen auf der linken
Seite der Tanzfläche in Richtung des DJ-Pultes, wobei F._ vor dem Beschul-
digten hergeht, bis sie wenige Meter vor dem DJ-Pult stehen bleiben
(Urk. D1/18/2, ab 02:06:10). Der Privatkläger 1, erkennbar an seiner Frisur und
seinem hellen Hemd (Urk. D1/19/3), steht auf der Tanzfläche, ziemlich genau in
der Bildmitte, zusammen mit einer Frau in einem Abstand von ca. 1-2 m vom Be-
schuldigten entfernt, mit Blick weg vom Beschuldigten in Richtung Frau bzw. der
Bar 2 (ebenda, 02:06:35.114). Später führt der Beschuldigte seine rechte Hand
mit einem Glas zu seinem Mund (ebenda, 02:06:39.298). Der Geschädigte
D._, mit gestreiftem T-Shirt (Urk. D1/19/5), hält sich in unmittelbarer Nähe
des Beschuldigten und von F._ auf (ebenda, 02:06:46.517). Der Beschuldig-
te hält weiterhin das Glas in der Hand (ebenda, 02:06:46.646). F._, welcher
sich auf der linken Seite des Beschuldigten aufhält, erhält einen Stoss, wodurch
sich sein Körper nach hinten bewegt. F._ reagiert, indem er auf den Geschä-
digten D._ zurennt und diesen wegstösst (ebenda, ab 02:06:48.684). Der
Beschuldigte winkelt seinen rechten Unterarm gegen die Brust an (ebenda,
02:06:48.742) und fährt diesen von innen nach aussen in voller Länge aus, wobei
er voll durchzieht, sodass ein starker Schwung seines rechten Armes entsteht
(ebenda, ab 02:06:49.447). Sein kraftvoller Rundumschlag nach rechts, in Rich-
tung des Geschädigten D._, ist deutlich erkennbar. Die rechte Hand des Be-
schuldigten trifft auf der Höhe des Kopfes des Privatklägers 1 auf (ebenda,
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02:06:50.311), welcher immer noch seitlich abgewandt in etwa 1 m Entfernung
zum Beschuldigten steht, wobei er seinen Kopf in Richtung des Schlages dreht,
bevor sein Kopf nach unten geht. Der Beschuldigte zeigt anschliessend mit sei-
nem Arm in Richtung des Geschädigten D._, wobei links von seiner Hand
der Kopf des Privatklägers 1 wieder zu sehen ist. Der Privatkläger 1 geht leicht
nach vorne in eine gebeugte Stellung, wobei er sich mit beiden Armen den Kopf
hält (ebenda, ab 02:06:53.494), bevor sein Kopf wiederum nach unten geht, wäh-
rend der Beschuldigte den Arm in Richtung des Geschädigten D._ streckt
(ebenda, ab 02:06:55.559). Anschliessend springt F._ neben dem Beschul-
digten hervor und geht auf den Geschädigten D._ los, gibt diesem einen kräf-
tigen Stoss, bevor er sich mit dem Beschuldigten zurückzieht, gefolgt vom Ge-
schädigten D._ (ebenda, ab 02:06:59.726). Der Privatkläger 1 löst sich aus
der Menschenmenge, hält seinen Kopf, und geht zu einer Säule, an welcher er
sich festhält (ebenda, ab 02:07:07.419).
2.5.1. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 67 S. 14) und entgegen
der Verteidigung (Urk. 51 S. 4 f.; Urk. 79 S. 7) ist auf der Videoaufnahme nicht zu
erkennen, dass der Beschuldigte kurz vor seinem Schlag in die Menschenmenge
einen Faustschlag vom Geschädigten D._ erhalten, infolgedessen er das
Glas in seiner Hand fallengelassen, und diesen anschliessend herumgeschleudert
haben soll. Der Schlag des Beschuldigten nach rechts in die Menschenmenge ist
auf der Videoaufnahme eindeutig zu erkennen (Urk. D1/18/2, ab 02:06:49.447),
wobei nur knapp eine Sekunde später der Privatkläger 1 mit seinem Kopf nach
unten geht. Aus der Aufnahme geht klar hervor, dass der Privatkläger 1 vor dem
schwungvollen Schlag des Beschuldigten noch unverletzt war, während er unmit-
telbar nach dem Schlag verletzt wieder im Bild auftaucht und sich mit den Händen
ins Gesicht fasst. Eine andere Gewalteinwirkung gegen das Gesicht des Privat-
klägers 1 respektive dass eine Drittperson einen Schlag mit einem Glas gegen
dessen Gesicht ausgeführt haben soll, ist der Videoaufnahme nicht zu entneh-
men.
2.5.2. Zeitlich mit der Verletzung des Privatklägers 1 ebenfalls nicht verein-
bar ist der Sprung von F._. Der Privatkläger 1 taucht bereits verletzt im Bild
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auf, bevor erst Sekunden später der Sprung von F._ in Richtung des Ge-
schädigten D._ zu sehen ist. Zu jenem Zeitpunkt hat der verletzte Privatklä-
ger 1 die Tanzfläche allerdings bereits verlassen. Entsprechend läuft auch die Ar-
gumentation der Verteidigung, wonach die Verletzungen des Privatklägers 1 vom
Wurf eines Glases durch F._, welcher wie ein "Handballer" gesprungen sei
(Urk. 51 S. 6), verursacht worden seien, ins Leere, da dies bereits von der zeitli-
chen Abfolge her nicht möglich ist. Zudem wird diese Version der Verteidigung
auch durch die eingeholten Gutachten (Urk. D1/21/11; Urk. D1/21/22;
Urk. D1/21/24) verworfen (vgl. nachfolgend, Erw. III.2.5.3. und III.2.5.7.).
2.5.3. Das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des IRM vom
21. Dezember 2014 hält fest, dass die Verletzungen des Privatklägers 1 in ihrer
Gesamtheit aus rechtsmedizinischer Sicht zum einen vereinbar mit einem relativ
starken Schlag gegen das Gesicht mit stumpfer Gewalt seien, indem es zu einem
mehrfragmentären Schädelbruch gekommen sei, wobei konkrete sturztypische
Verletzungen fehlen würden. Zum zweiten seien die Verletzungen für das direkte
Einwirken scharfer Gewalt beweisend. Die Gesamtheit der Befunde sei am ehes-
ten vereinbar mit einem zerbrochenen und somit scharfe Kanten und Zacken, so-
wie anhaftende Glassplitter aufweisenden Gegenstand wie einer Flasche, Vase
oder Ähnlichem. Aufgrund der relativ tief in die Augenhöhle des Privatklägers 1
gelangten Glassplitter stehe ein Richtung Auge geführter Schlag mit einem gehal-
tenen gebrochenen Glasobjekt sehr weit im Vordergrund. Ein starker Schlag mit
einem derartigen Gegenstand könne sowohl die stumpfe wie scharfe Gewaltein-
wirkung miteinander bzw. zeitgleich erklären (Urk. D1/21/11 S. 7). Auch das Er-
gänzungsgutachten des IRM vom 29. Juni 2016 hält fest, dass die Versuche ge-
zeigt hätten, dass keines der intakten Gläser, weder durch Schlag oder Wurf, am
Gesicht zerbrochen sei. Weiter sei festzustellen gewesen, dass Glas und Augen-
region so gestaltet gewesen seien, dass ein tiefes Eindringen eines intakten Gla-
ses ins Innere des Auges ausgeschlossen werden könne. Beim Zuschlagen mit
zerbrochenen Gläsern liessen sich einerseits Zeichen einer stumpfen Gewaltein-
wirkung und andererseits solche einer scharfen Gewalteinwirkung mit bis tief in
das Gewebe reichende Glassplitter finden. Der Vergleich der Verletzungen des
Privatklägers 1 und den Versuchsergebnissen deute darauf hin, dass dieser mit
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einem vorne teilweise abgebrochenen, aber auch intakte Randteile aufweisenden
Glas in der Augenregion so geschlagen worden sei, dass es im Bereich des intak-
ten Glasrandes zu Quetschungen der Weichteile und Knochenabriss am Augen-
höhlenrand mit Knochensplittern, im Bereich des Auges aber zum Eindringen
scharfer Kantenteile nach vorherig stattgehabtem Glasbruch gekommen sei. Ein
Wurf mit einem intakten Glas, auch nicht bei Wurf mit Handballertechnik, erkläre
die Befunde des Privatklägers 1 nicht (Urk. D1/21/22 S. 4 f. und S. 8). Damit lässt
sich – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 51 S. 6 ff.; Urk. 79 S. 9 ff.)
– nicht nur vom zeitlichen Ablauf her gestützt auf die Videoaufnahme, sondern
auch durch das erlittene Verletzungsbild des Privatklägers 1 ausschliessen, dass
dessen Verletzungen durch einen Glaswurf von F._ verursacht worden sein
könnten.
2.5.4. Gemäss Ergänzungsgutachten des IRM kann zudem auch ausge-
schlossen werden, dass das Glas abgeprallt, dabei zerbrochen und dann das Au-
ge des Privatklägers 1 getroffen habe, da sich am Ereignisort in der dafür taugli-
chen Distanz, neben oder über dem Auge des Privatklägers 1, keine Wand oder
elastische Anprallfläche befunden habe. Zerbreche ein Glas an der Wand, pralle
es zudem nicht weit ab, sondern falle zu Boden (Urk. D1/21/22 S. 5). Gestützt auf
dieses Gutachten lässt sich damit auch ausschliessen, dass das Glas an einer
Wand oder vom Boden abgeprallt und so den Privatkläger 1 verletzt haben könn-
te, was allerdings auch nicht geltend gemacht wurde.
2.5.5. Entgegen der Auffassung der Verteidigung wird dem Beschuldigten
nicht vorgeworfen, den Schlag mit der Rückhand ausgeführt zu haben (Urk. 51
S. 15). Entsprechend kann die Verteidigung aus den Ausführungen des Ergän-
zungsgutachtens, wonach es bei einem Schlag mit dem Handrücken zuerst zu ei-
nem Kontakt mit dem Handrücken gegen den Kopf gekommen wäre und demzu-
folge der Handrücken das Gesicht vor dem Glas geschützt hätte, sodass es we-
der zu einer Fraktur am Augenhöhlenrand noch zu ausgeprägten Verletzungen
als Folge sicher scharfer Gewalt mit Anspiessen bzw. Aufstechen des Augapfels
gekommen wäre (Urk. D1/21/22 S. 7), auch nichts zugunsten des Beschuldigten
ableiten. Anklagegemäss wird dem Beschuldigten vorgeworfen, mit seinem rech-
- 16 -
ten Arm, wobei er in seiner rechten Hand ein – mutmasslich bereits defektes –
massives Trinkglas gehalten habe, eine heftige, voll durchgezogene Schwungbe-
wegung nach rechts in die Menschenmenge ausgeführt zu haben, wobei er mit
diesem Glas den in seiner unmittelbaren Nähe stehenden und völlig unbeteiligten
Privatkläger 1 im Gesicht beim linken Auge getroffen habe (Urk. 36 S. 3). In der
Anklage steht somit nichts von einem Schlag mit dem Handrücken. Gemäss Vi-
deoaufnahmen (Urk. D1/18/2) machte der Beschuldigte mit seinem rechten Arm
auch eine Schwungbewegung respektive einen Schlag weg von seinem Körper
nach aussen auf die rechte Seite, sodass bereits aufgrund seiner Schlagrichtung
nach vorne unwahrscheinlich ist, dass er zuerst mit dem Handrücken das Gesicht
des Privatklägers 1 getroffen haben könnte.
2.5.6. Das Ergänzungsgutachten hält weiter fest, dass es sich beim Tat-
werkzeug aufgrund der Dicke der Glassplitter um ein "Eisteeglas" gehandelt ha-
ben dürfte, welches relativ dickwandig und ausserordentlich stabil sei. Nur ein
Schlag mit einem vorgängig anteilweise gebrochenen Glas würde sowohl Zeichen
einer stumpfen, wie auch einer scharfen Gewalt mit tiefem Eindringen von Split-
tern in den Augapfel erklären (Urk. D1/21/22 S. 6). Die Schlussfolgerung aus dem
Ergänzungsgutachten, wonach es sich um ein dickwandiges "Eisteeglas" gehan-
delt haben dürfte, stimmt auch mit den Aussagen des Beschuldigten überein, wel-
cher zu Protokoll gab, dass er und F._ auf ihrem Rundgang auf der Tanzflä-
che zwei Gläser mit Whisky dabeigehabt hätten, welche unten etwas schmaler
und relativ dick gewesen seien (Urk. D1/12/2 S. 4; Urk. D1/12/3 S. 2, Antw. auf
Fragen 15 und 16). Dass der Beschuldigte – wie die Verteidigung geltend macht
(Urk. 51 S. 15) – keinen Schlag mit einem Scherbenhaufen ausgeführt haben
könne, da er selbst keine Verletzungen davongetragen habe, oder ohne dass sich
dabei Glassplitterrückstände an den Kleidern finden liessen, läuft ebenfalls ins
Leere, zumal keine Rede von einem Scherbenhaufen ist, sondern von einem
massiven – mutmasslich bereits defekten – Trinkglas (Urk. 36 S. 3), wobei ge-
stützt auf das Ergänzungsgutachten ein Schlag mit einem gehaltenen gebroche-
nen Glasobjekt durchaus möglich ist, ohne dass sich der Angreifer bei einem der-
artigen Schlag selber verletzt. Zudem hätten beim Zuschlagen mit zerbrochenen
- 17 -
Gläsern auch keine Glassplitter an den Kleidern der Testperson festgestellt wer-
den können (Urk. D1/21/22 S. 7 f.).
2.5.7. Gemäss Gutachten (Urk. D1/21/11; Urk. D1/21/22) kommt für die Ver-
letzungen des Privatklägers 1 lediglich ein Schlag mit einem vorgängig anteilwei-
se gebrochenen Glas infrage. Der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden, wenn sie
einzig erwägt, dass nicht erstellt werden könne und müsse, ob und wie das Glas
genau kaputtgegangen sei, da eine Verletzung immer eine Ursache brauche
(Urk. 67 S. 28), ohne weitere Erwägungen diesbezüglich zu machen. Zutreffend
ist, dass nicht festgestellt werden konnte, ob und wie das Glas vor dem Schlag
des Beschuldigten zerbrochen ist. Es ist allerdings nicht auszuschliessen, dass
das Glas vorgängig entweder durch den Beschuldigten selber oder eine Drittper-
son beschädigt worden ist. Naheliegender ist aber, dass das Glas erst durch den
heftigen Aufprall im Gesicht des Privatklägers 1 teilweise oder gar vollständig zer-
brochen ist (vgl. nachfolgend, Erw. III.2.5.7.1. ff.).
2.5.7.1. Das Ergänzungsgutachten des IRM (Urk. D1/21/22 S. 4) hält zwar
fest, dass die Versuche gezeigt hätten, dass keines der intakten Gläser, weder
durch Schlag oder Wurf, am Gesicht zerbrochen sei. Allerdings wurden die Ver-
suche lediglich mit einem intakten Glas durchgeführt. Es wurde nicht getestet, ob
auch ein Schlag mit einem bereits angeschlagenen Glas respektive bei Vorhan-
densein eines Risses oder mit Spannung auf dem Glas zu einem Zerspringen des
Glases im Gesicht des Privatklägers 1 hätte führen können. Es besteht nicht nur
die Möglichkeit, dass das vom Beschuldigten verwendete Glas bereits vorgängig
beschädigt war, etwa einen Riss aufgewiesen hat, sondern es kann durchaus
auch ein intaktes Glas bei einem Schlag ins Gesicht zerbrechen, was mit Gutach-
ten von Dr. med. ... [weitere akademische Titel] L._, G._ gmbh vom 23.
Februar 2017 (Urk. D1/21/24) bestätigt worden ist. Im Ergänzungsgutachten des
IRM wird auch klar festgehalten, dass für die Eingrenzung eines Wurfes oder
Schlages weitere Experimente von Dr. L._ in Zusammenarbeit mit dem Zent-
rum für Forensische Physik und Ballistik des Instituts für Rechtsmedizin Bern
durchgeführt würden (Urk. D1/21/22 S. 8).
- 18 -
2.5.7.2. Das Gutachten von Dr. L._ hält klar fest, dass aus physikali-
schen Gründen ein Schlag grundsätzlich mehr Energie besitze als ein Wurf. Dies
sei durch die Messungen bestätigt worden, bei welchen die Schlagenergie
1.6 Mal grösser gewesen sei als der Mittelwert der Wurfenergie des Sportlers und
2.7 Mal grösser als jener der übrigen Probanden. Das Zerschlagen von M-1-
Gläsern am Kopfmodell gelang den beiden damit betrauten Personen denn auch
bei den 5 Versuchen problemlos. Aufgrund der durchgeführten Untersuchung
und der physikalischen Gesetzmässigkeit sei ein Schlag damit sehr viel wahr-
scheinlicher als ein Wurf, der nur bei einem sehr sportlichen Werfer und auch da
nur äusserst selten zum Zerbersten des Glases am Kopf führen würde
(Urk. D1/21/24 S. 6). Gestützt auf dieses Gutachten lässt sich nicht nur erneut der
Schluss ziehen, dass die Verletzungen des Privatklägers 1 nicht – wie von der
Verteidigung geltend gemacht – durch einen Glaswurf von F._ verursacht
worden sein können, sondern es bestätigt auch, dass selbst ein intaktes Glas
beim heftigen Aufprall durch einen Schlag im Gesicht des Privatklägers 1 hätte
zerbrechen können, was so auch die Aussagen des Privatklägers 1 erklärt, wo-
nach er von irgendetwas getroffen worden sei, das in seinem Gesicht zerplatz sei;
so habe es sich zumindest angefühlt (Urk. D1/15/5 S. 4). Er würde sagen, der
Gegenstand sei über seiner linken Augenbraue aufgetroffen und dann vermute er,
dass der Gegenstand zerplatzt sei. Dann habe er eigentlich überall auf der linken
Gesichtshälfte etwas gespürt. Der Aufprall sei schon sehr heftig gewesen. Es sei
dann viel Energie verloren gegangen, als der Gegenstand in seinem Gesicht zer-
platzt sei (ebenda, S. 5). Zudem bestätigte der Beschuldigte, dass er früher ein-
mal Kampfsport in Form von Kickboxen betrieben habe (Urk. 47 S. 10; Prot. II
S. 20), was dafür spricht, dass der Beschuldigte geübt ist im Ausführen von ge-
zielten und kräftigen Schlägen und Tritten.
2.5.7.3. Dass der Beschuldigte kurz vor dem Schlag noch aus seinem Glas
getrunken hat, lässt entgegen der Verteidigung nicht offenkundig darauf schlies-
sen, dass das Glas nicht beschädigt gewesen sein kann (Urk. 51 S. 14; Urk. 79
S. 14). Es ist nicht auszuschliessen, dass der Beschuldigte aus einem Glas ge-
trunken hat, welches bereits einen Riss oder eine Bruchstelle aufgewiesen haben
kann, was er angesichts der Lichtverhältnisse nicht einmal bemerkt haben müss-
- 19 -
te. Da gemäss Gutachten von Dr. L._ das Glas aber auch beim Aufprall
durch einen Schlag im Gesicht zerbrechen kann (vorstehend, Erw. III.2.5.7.2.), ist
nicht weiter relevant, ob der Beschuldigte bereits vor dem Schlag ein beschädig-
tes Glas in der Hand hielt oder dieses erst beim Schlag zu Bruch ging, und es er-
übrigen sich weitere Erwägungen dazu.
2.5.8. Gestützt auf die Videoaufzeichnung ergibt sich, dass der Privatklä-
ger 1 unmittelbar nach dem Schlag des Beschuldigten mit dessen rechter Hand
an der linken Gesichtshälfte verletzt war. Da nicht nur aufgrund des zeitlichen Ab-
laufs, sondern auch gestützt auf die eingeholten Gutachten ausgeschlossen wer-
den kann, dass die Verletzungen des Privatklägers 1 durch einen Glaswurf von
F._ verursacht worden sein könnten, verbleiben keine ernsthaften Zweifel im
Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO an der eingeklagten Tathandlung, zumal keinerlei
Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die beim Privatkläger 1 eingetretenen Verlet-
zungen auf eine andere Weise als durch den Schlag des Beschuldigten mit dem
Glas in seiner Hand respektive durch eine Drittperson verursacht worden sein
könnten.
2.6. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 67 S. 15 ff.),
jene des Privatklägers 1 (Urk. 67 S. 17 f.) sowie jene der Zeuginnen I._,
J._ und K._ (Urk. 67 S. 19-22) korrekt zusammengefasst und zutreffend
erwogen, dass sich die Geschehnisse in einer grossen Menschenmenge spät-
nachts in einem Club, in welchem Lärm und schlechte Lichtverhältnisse herrsch-
ten, zugetragen haben, was bei der Aussagenwürdigung entsprechend zu be-
rücksichtigen sei (Urk. 67 S. 11). Da sich der Sachverhalt gemäss Dossier 1, ver-
suchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 1, bereits ge-
stützt auf die objektiven Beweismittel (vorstehend, Erw. III.2.5.-2.5.8.) anklage-
gemäss erstellen lässt und der Privatkläger selber sowie die Zeuginnen nur be-
schränkt sachdienliche Aussagen zum Vorfall mit dem Privatkläger 1 machen
konnten, sind ihre Aussagen lediglich kurz zu würdigen.
2.6.1. Die Zeugin I._ gab anlässlich ihrer Einvernahme vom 22. Oktober
2014 zu Protokoll, dass F._ an besagtem Abend ein weisses, dickes Was-
serglas geworfen habe. F._ habe dem Geschädigten D._ ein Glas auf
- 20 -
dem Kopf ausgeleert, und der Geschädigte D._ sei dann weggestossen wor-
den. Danach habe sie gesehen, wie F._ dieses Wasserglas nach dem Ge-
schädigten D._ geworfen habe. Sie habe gesehen, dass dieser nicht getrof-
fen worden und das Glas irgendwo nach unten geflogen sei. Wohin es genau ge-
flogen sei, wisse sie nicht (Urk. D1/16/11 S. 2 ff.). Dabei identifizierte sie F._
zweifelsfrei als denjenigen, der das Gals geworfen hatte und beschrieb, dass die-
ser am Tatabend ein rotes T-Shirt getragen habe, was zutreffend ist (ebenda,
S. 2; Urk. D1/19/6).
2.6.1.1. Auch die Zeugin J._ führte anlässlich ihrer Einvernahme vom
19. November 2014 aus, dass der Wurf nicht vom Beschuldigten, also dem Gros-
sen, ausgegangen sei. Der Kleinere von beiden habe von hinten einen Sprung
gemacht, um besser werfen zu können, und gleichzeitig ausgeholt. Das Glas
müsse heftig geworfen worden sein, weil es anschliessend zersplittert sei. Das
Glas habe jenen mit dem karierten Hemd getroffen. Sie habe gesehen, wie das
Glas an der Hand kaputtgegangen sei. Gleichzeitig habe sie bemerkt, dass eine
vierte unbeteiligte Person die Hand ans Auge gehalten habe, wobei sie nicht ge-
sehen habe, dass ein Splitter oder das Glas selber dieser Person ins Auge geflo-
gen sei (Urk. D1/16/26 S. 8). Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 79
S. 24) sagte die Zeugin J._ gerade nicht aus, dass sie das Glas im Gesicht
des Privatklägers 1 habe zerbersten sehen, da sie auf die Frage, wen das Glas
getroffen habe, antwortete: "Jenen mit dem karierten Hemd" (Urk. D1/16/26 S. 8),
was klar gegen den Privatkläger 1 spricht, welcher an besagtem Abend ein helles
Hemd ohne Muster getragen hat (Urk. D1/19/3). Aufgrund des gut sichtbaren
Grössenunterschiedes zwischen dem Beschuldigten und F._ (Urk. D1/19/6;
Urk. D1/19/7) ist eine Verwechslung dieser beiden ebenfalls ausgeschlossen.
2.6.1.2. Die Zeuginnen I._ und J._ haben keine eigenen Interes-
sen am Verfahrensausgang und stehen in keinerlei persönlichen Beziehung we-
der zum Beschuldigten oder dessen Kollege F._ noch zum Privatkläger 1
oder dem Geschädigten D._. Zudem sagten sie jeweils unter der Strafandro-
hung von Art. 307 StGB aus (Urk. D1/16/11 S. 1 f.; Urk. D1/16/26 S. 1 f.). Es sind
keine Gründe ersichtlich, weshalb sie den Beschuldigten oder F._ zu Unrecht
- 21 -
belasten sollten. Die Zeugin I._ beschrieb die Situation, wonach F._
dem Geschädigten D._ das Glas angeworfen haben soll, ausführlich und de-
tailliert und räumte auch ein, wenn sie etwas nicht mehr wusste oder etwas nicht
genau gesehen hatte (Urk. D1/16/11 S. 3 ff.), was ebenfalls für die Glaubhaftigkeit
ihrer Aussagen spricht. Auch in den Aussagen der Zeugin J._ lassen sich
keine Widersprüche ausmachen. So sagte sie bereits gegenüber der Polizei aus,
dass F._ ein Glas geworfen habe und dieses an der Hand des Geschädigten
D._ zersplittert sei (Urk. D1/6/6 S. 2 ff.). Zudem decken sich ihre Aussagen
zum Glaswurf von F._ im Kern mit denjenigen der Zeugin I._.
2.6.2. Wie bereits die Staatsanwaltschaft zutreffend ausführte (Urk. 48 S. 5),
sprechen die Aussagen der Zeuginnen nicht gegen die Täterschaft des Beschul-
digten. Im Gegenteil, sie beschreiben einen Glaswurf von F._ gegen den
Geschädigten D._, was gemäss Gutachten nicht zu den Verletzungen des
Privatklägers 1 geführt haben kann (vorstehend, Erw. III.2.5.3. und III.2.5.7.2.).
Aufgrund der Aussagen der Zeuginnen I._ und J._ ergibt sich, dass
F._ das Glas dem Geschädigten D._ und nicht dem Privatkläger 1 an-
geworfen haben muss, zumal die Zeugin I._ glaubhaft aussagte, der Ge-
schädigte D._ sei weggestossen worden und F._ habe dann das Was-
serglas nach diesem geworfen. Beim Privatkläger 1 handelt es sich um einen un-
beteiligten Dritten, welcher in keine vorgängige Auseinandersetzung involviert
war, und der zuvor auch nicht von F._ gestossen worden ist. Auch passt die
Kleiderbeschreibung der Zeugin J._, wonach jener, der getroffen worden sei,
ein kariertes Hemd getragen habe, nicht zum Privatkläger 1, da dieser ein helles
Hemd ohne Muster getragen hat (Urk. D1/19/3; vgl. vorstehend, Erw. III.2.6.1.1.).
Dass die Zeuginnen den Geschädigten D._ mit dem Privatkläger 1 verwech-
selt haben könnten, ist gestützt auf ihre Aussagen ausgeschlossen. Beim Privat-
kläger 1 wird es sich gemäss Aussagen der Zeugin J._ um diejenige vierte
unbeteiligte Person gehandelt haben, welche zwar die Hand ans Auge gehalten
hat, bei welcher sie aber nicht gesehen hat, wovon diese tatsächlich getroffen
worden ist.
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2.6.3. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend erwogen hat (Urk. 67 S. 26),
können der Privatkläger 1, der nicht gesehen habe, wie es zu seinen Verletzun-
gen gekommen sei (Urk. D1/15/5 S. 5), und auch der Geschädigte D._, wel-
cher aussagte, dass ihm das Glas angeworfen worden sei, was ihm von den bei-
den Zeuginnen J._ und K._ beschrieben worden sei (Urk. D1/15/4 S. 10
f.), welcher ansonsten aber selber keinen Wurf wahrgenommen hat, keine sach-
dienlichen Aussagen dazu machen, wie es zu den Verletzungen des Privatklä-
gers 1 gekommen ist.
2.6.4. Hinsichtlich der generellen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten erwo-
gen die Vorderrichter zutreffend, dass diesen als beschuldigte Person keine ge-
setzliche Pflicht trifft, zur eigenen Überführung beizutragen, und er als solche
auch keiner Wahrheitspflicht unterliegt (Art. 163 Abs. 2 StPO), er aber ein Interes-
se daran haben dürfte, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzu-
stellen (Urk. 67 S. 24), zumal ihm im Falle einer anklagegemässen Verurteilung
eine Freiheitsstrafe droht. So beschrieb der Beschuldigte sämtliche Handlungsab-
läufe nur knapp. Auffallend sind auch – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz
(Urk. 67 S. 24 f.) – die Ungereimtheiten und Widersprüche in seinen Aussagen
zur Frage, in welchem Zeitpunkt er aufgrund des angeblichen Faustschlages vom
Geschädigten D._ sein in der Hand gehaltenes Glas zu Boden fallen gelas-
sen haben soll (Urk. D1/12/3 S. 3; Urk. D1/12/4 S. 3; Urk. D1/12/3 S. 3;
Urk. D1/12/4 S. 3 ff.; Urk. 47 S. 5 f.). Die Aussagen des Beschuldigten zum Kern-
geschehen sind nicht schlüssig und erscheinen wenig glaubhaft. Zudem erweist
sich die Version des Beschuldigten über einen angeblichen Faustschlag von
D._ und seine Abwehrreaktion mit dem Rundumschlag unter Einbezug der
entsprechenden Videosequenz als blosse Schutzbehauptung.
2.7. Die in der Anklageschrift aufgeführten Verletzungen des Privatklägers 1
sind eingehend dokumentiert (Urk. D1/21/6; Urk. D1/21/7; Urk. D1/21/8;
Urk. D1/21/11; Urk. D1/21/14; Urk. D1/21/25).
2.8. Der objektive Anklagesachverhalt gemäss Dossier 1 (versuchte schwe-
re Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 1; Urk. 36 S. 2 f.) ist damit er-
stellt.
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2.9. In Bezug auf den subjektiven Anklagesachverhalt ist darauf hinzuwei-
sen, dass die Frage, was ein Täter wusste, wollte oder in Kauf nahm, sog. innere
Tatsachen betrifft und damit eine Tatfrage ist. Da sich aber diese inneren Tatsa-
chen bei ungeständigen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich feststell-
bare Indizien und Erfahrungsregeln ermitteln lassen, die Rückschlüsse von den
äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben (Urteil des
Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom 11. August 2008 E. 2.4), und die Beurteilung,
ob im Lichte dieser äusseren Umstände der Schluss auf Vorsatz begründet ist,
eine Rechtsfrage darstellt, ist das Bestehen eines Vorsatzes nachfolgend im
Rahmen der rechtlichen Würdigung (Erw. IV.2.4. f.) zu beurteilen (vgl.
BGE 133 IV 1 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 125 IV 242 E. 3c, je m.H.).
3. Gemäss Dossier 1 (versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil
des Geschädigten D._) wird dem Beschuldigten weiter vorgeworfen, in der
Folge mit seinem Kollegen F._ in Richtung Bar 2 des Clubs E._ gegan-
gen zu sein, wobei ihnen der Geschädigte D._ nachgegangen sei. Bei der
Theke der Bar 2 sei es dann zu einer weiteren tätlichen Auseinandersetzung zwi-
schen dem Beschuldigten, seinem Kollegen F._ und dem Geschädigten
D._ gekommen, im Rahmen welcher der Geschädigte D._ aufgrund von
Schlägen oder Stössen des Beschuldigten und F._s, oder nur von einem der
beiden, zu Boden gegangen sei. Anschliessend hätten zumindest der Beschuldig-
te und eine weitere, nicht näher bekannte Person auf den am Boden liegenden
Geschädigten D._ mehrmals heftig mit den Füssen eingetreten, wobei der
Beschuldigte diesen mit seinen Fusstritten mehrmals am Kopf getroffen habe.
Aufgrund des gewaltsamen Vorgehens des Beschuldigten, F._s und des wei-
teren, nicht näher bekannten Mannes, habe der Geschädigte D._ Prellungen
im Gesicht erlitten und für mehrere Tage an Kopfschmerzen gelitten, wobei diese
Verletzungen bzw. Folgen weder lebensgefährlich gewesen seien noch zu einer
schweren Schädigung oder einem bleibenden Nachteil geführt hätten. Der Be-
schuldigte habe anlässlich seiner Fusstritte gegen den Kopf des Geschädigten
D._ um die möglicherweise schweren oder lebensgefährlichen Folgen für
diesen gewusst und diese Folgen auch gewollt oder zumindest in Kauf genom-
men (Urk. 36 S. 3 f.).
- 24 -
3.1. Der Beschuldigte bestreitet den ihm vorgeworfenen Sachverhalt und
macht geltend, sich gegenüber dem Geschädigten D._ nur gewehrt zu ha-
ben. Er habe diesen ein paar Mal auf den Boden geworfen, worauf dieser aber
wieder aufgestanden und auf ihn losgegangen sei. Sein Verhalten falle deshalb
noch unter Notwehr (Urk. D1/12/5 S. 6). Im Laufe des Vorverfahrens räumte der
Beschuldigte aber ein, er denke, den Geschädigten D._ ein Mal mit dem
Fuss getreten zu haben. Er habe mit dem Fuss getreten, und es könne sein, dass
er den am Boden liegenden Geschädigten D._ getroffen habe. Sein Fuss
schmerze immer noch. Er habe nicht geschlagen, ausser mit dem Fuss, als dieser
am Boden gelegen sei (Urk. D1/12/1 S. 2, Antw. auf Frage 7, S. 5, Antw. auf Fra-
gen 40, 47 und 48, und S. 6, Antw. auf Frage 59). Auf die Frage, wie er auf den
Geschädigten eingetreten habe, führte er aus, falls er auf diesen eingetreten ha-
be, dann mit dem Fuss und zwar so, wie wenn man auf einen Fussball eintreten
würde. Er habe ausgeholt, aber nicht allzu fest "zugeschlagen" (Urk. D1/12/2
S. 6). Er habe einen Fusskick ausgeführt, dies wisse er zu 100%. Er habe die
Verletzung immer noch (Urk. D1/12/3 S. 1, Antw. auf Frage 5, und S. 5, Antw. auf
Frage 36). Vor Vorinstanz führte der Beschuldigte aus, es könne schon sein, dass
er Fusstritte gemacht habe, aber sicher nicht gegen den Kopf, vielleicht auf den
Körper oder so, und auf die Frage, weshalb er überhaupt nach dem Geschädigten
D._ getreten habe, führte er aus, dass dieser sonst wieder aufgestanden und
ihm hinterhergerannt wäre (Urk. 47 S. 9 f.). Auf diesen Zugaben ist der Beschul-
digte zu behaften, zumal diese mit dem übrigen Beweisergebnis (nachfolgend,
Erw. III.3.3. ff.) übereinstimmen.
Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschuldigte zudem, es
könne schon sein, dass auf den Videoaufnahmen zumindest zwei seiner Tritte er-
sichtlich seien. Er wisse nicht mehr, wohin er getreten habe. Sicher nicht an den
Kopf, an den Rücken. Das mit dem Geschädigten D._ könne schon alles
sein, aber es sei alles Notwehr gewesen. Dieser sei nicht nur ein Mal auf dem
Boden gelegen, sondern immer wieder aufgestanden und auf ihn losgegangen
(Prot. II S. 19).
- 25 -
3.2. Als Beweismittel liegen der Bericht der Kantonspolizei Zürich betr. er-
gänzende Angaben zu den sichergestellten Videodaten aus dem Club E._
(Urk. D1/10), die Aufnahmen der Überwachungskameras im Club E._
(Urk. D1/18/2) und die Aussagen des Beschuldigten (Urk. D1/12/1-5; Urk. D1/14;
Urk. 47 S. 8-11; Prot. II S. 18-20), des Geschädigten D._ (Urk. D1/15/1;
Urk. D1/15/4) sowie der Zeugin M._ (Urk. D1/16/1; Urk. D1/16/12) vor.
3.3. Aus den dem Beschuldigten im Beisein seines Verteidigers im Vorver-
fahren im Einzelnen zur Stellungnahme vorgehaltenen Videosequenzen
(Urk. D1/18/2, Videovorfall 3 ab der Kamera E._ Club ab 02:07:10 Uhr sowie
Kamera Bar 2 ab 02:07:21 Uhr), zu welchen sich der Beschuldigte im Laufe der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 22. September 2015 nicht äussern
wollte (Urk. D1/12/4 S. 7 ff.), ergibt sich folgender Geschehensablauf: Der Be-
schuldigte und F._ begeben sich nach dem Vorfall mit dem Privatkläger 1 an
den rechten äusseren Rand der Tanzfläche, gefolgt vom Geschädigten D._,
welcher quer durch die Tanzfläche in ihre Richtung geht (Urk. D1/18/2, Kamera
E._ Club, 02:07:10.839). Der Beschuldigte erreicht dann eine Säule, von
welcher er verdeckt wird, hinter welcher er nach vornegebückt allerdings wieder
hervorkommt, und es hat sich eine Gasse in der Menschenmenge gebildet (eben-
da, ab 02:07:27). Eine ausgestreckte Hand einer am Boden liegenden Person ist
zu sehen (ebenda, 02:07:27.951). Der Beschuldigte führt mit dem rechten Bein
einen Tritt aus, welcher von oben nach unten führt, auf jemanden, welcher vor
ihm am Boden liegt, was auch sein Blick Richtung Boden verrät. Auch die herum-
stehenden Leute blicken Richtung Boden, dorthin, wohin der Beschuldigte tritt
(ebenda, ab 02:07:30, insbes. 02:07:30.698). Anschliessend folgt ein weiterer
kräftiger Tritt. Der Beschuldigte holt dafür gut sichtbar mit dem ganzen Körper aus
(ebenda, ab 02:07:34.538 bis 02:07:35.446). Danach zieht der Beschuldigte
F._ vom Geschehen weg und entfernt sich von der Tanzfläche, bevor die am
Boden liegende Person aufsteht und sich rechts von der Säule entfernt. Bei dieser
Person ist kurz ein gestreiftes T-Shirt sichtbar (ebenda, ab 02:07:37.692). Auch
auf den Videosequenzen ab der Kamera Bar 2 ist erkennbar, wie der Beschuldig-
te am oberen rechten Bildrand in den Kamerabereich kommt (Urk. D1/18/2, Ka-
mera Bar 2, ab 02:07:21), bevor er jemanden wegstösst, einige Schritte macht,
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um danach einen Tritt von oben nach unten auszuführen (ebenda, ab
02:07:24.951, insbes. 02:07:27.289), gefolgt von einem weiteren Tritt (ebenda, ab
02:07:35.098).
3.3.1. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 67 S. 34) ist auf den Vi-
deoaufnahmen eindeutig zu erkennen, dass der Beschuldigte mindestens zwei
Tritte Richtung einer vor ihm am Boden liegenden Person ausführt. Dass vor ihm
eine Person am Boden liegen muss, lässt sich nicht nur aufgrund der Gasse, wel-
che sich in der Menschenmenge gebildet hat, sondern auch aufgrund der Blick-
richtung des Beschuldigten und der herumstehenden Leute Richtung Boden
schliessen.
3.3.2. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Geschädigten D._ (Urk. 67
S. 36 f.) sowie diejenigen der Zeugin M._ (Urk. 67 S. 37) korrekt wiederge-
geben, weshalb darauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.3.2.1. Der Geschädigte D._ konnte sowohl den Beschuldigten als
auch F._ zweifelsfrei identifizieren (Urk. D1/15/4 S. 2) und gab mehrmals und
konstant zu Protokoll, dass er Tritte gegen den Kopf bekommen habe (ebenda,
S. 6). Am Boden liegend sei ihm mehrmals gegen den Kopf getreten worden. Er
habe ca. fünf Tritte erhalten, wovon ihn vielleicht drei direkt am Kopf getroffen hät-
ten. Die anderen Tritte hätten ihn am Arm getroffen. Die Tritte seien von oben
ausgeführt worden, und der Beschuldigte sei direkt vor ihm gestanden. Die Tritte
seien sehr heftig gewesen; er habe Prellungen im Gesicht, Kratzer am linken Ohr
und starke Kopfschmerzen davongetragen (ebenda, S. 6 f. und S. 9). Der Ge-
schädigte D._ hat darauf verzichtet, sich als Privatkläger zu konstituieren
(Urk. D1/24/4), sodass er seine Aussagen als Zeuge unter der Strafandrohung
von Art. 307 StGB machte, und er steht in keinerlei persönlichen Beziehung we-
der zum Beschuldigten noch zu dessen Kollege F._ (Urk. D1/15/4 S. 1 f.). Er
schilderte das Geschehene sachlich, gestand Unsicherheiten und sein eigenes
provozierendes sowie aggressives Verhalten ein (ebenda, S. 4 f.), und er belaste-
te weder den Beschuldigten noch F._ übermässig. So relativierte er bei-
spielsweise selber, dass er nicht alle Tritte gegen den Kopf erhalten habe und
nicht wisse, ob der Beschuldigte für diese Tritte ausgeholt habe (ebenda, S. 7).
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Seine Aussagen sind glaubhaft. Sie stimmen im Wesentlichen mit den Videoauf-
nahmen überein und werden von den Aussagen der Zeugin M._ gestützt.
3.3.2.2. Auch die Zeugin M._ sagte unter der Strafandrohung von Art.
307 StGB aus und steht in keinerlei persönlichen Beziehung zum Beschuldigten,
F._ oder dem Geschädigten D._ (Urk. D1/16/12 S. 1 f.). Es ist kein
Grund ersichtlich, weshalb sie den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte. Sie
erkannte den Beschuldigten aufgrund seiner Grösse und gab zu Protokoll, gese-
hen zu haben, wie dieser den Geschädigten D._, mit dem gestreiften T-Shirt,
welches dieser in der Tatnacht tatsächlich trug (vgl. Urk. D1/19/5), gegen den
Oberkörper getreten habe (Urk. D1/16/12 S. 2 f.). Der Geschädigte D._ sei
am Boden gelegen, und der Beschuldigte habe auf diesen eingetreten. Der Be-
schuldigte habe "einmal mit Auslauf, so richtig" auf diesen eingetreten (ebenda, S.
4 f.). Sie habe 3-4 Tritte gesehen, welche zum oberen Oberkörper bis hin zum
Kopf gegangen seien. Der Tritt mit "Auslauf" sei schon heftig gewesen, die ande-
ren nicht. Der Beschuldigte sei mit dem Bein zurück und habe dann getreten
(ebenda, S. 5). Ihre Aussagen sind schlüssig und glaubhaft, insbesondere ver-
mied sie Übertreibungen oder zusätzliche Belastungen des Beschuldigten, indem
sie beispielsweise angab, nur ein Tritt sei mit "Auslauf" und heftig gewesen. Sie
konnte das Vorgefallene detailliert beschreiben, zumal sie gemäss eigenen Anga-
ben freie Sicht auf die Geschehnisse hatte. Zudem führte auch sie aus, dass sich
der Geschädigte D._ nicht nur passiv verhalten, sondern ebenfalls habe zu-
rückschlagen wollen (Urk. D1/16/12 S. 5), was so auch schon von diesem einge-
räumt wurde.
3.3.3. Gestützt auf die Videoaufnahmen ergibt sich, dass der Beschuldigte
zwei Tritte gegen den am Boden liegenden Geschädigten D._ ausführte, wo-
bei einer davon heftig ausfiel. Unter Berücksichtigung der glaubhaften Aussagen
des Geschädigten D._ sowie der Zeugin M._ (vorstehend, Erw. III.3.3.2.
ff.) ist erstellt, dass der Beschuldigte mehrere teils heftige Tritte gegen den Ober-
körper und den Kopf des Geschädigten D._ ausführte, zumal der Beschuldig-
te anlässlich seiner Einvernahmen selber eingestand, den am Boden liegenden
Geschädigten D._ getreten zu haben und sein Fuss von diesem Tritt immer
- 28 -
noch schmerze (vorstehend, Erw. III.3.1.), was ebenfalls ein Indiz für die Heftig-
keit des Trittes ist.
3.4. Der objektive Anklagesachverhalt gemäss Dossier 1 (versuchte schwe-
re Körperverletzung zum Nachteil des Geschädigten D._; Urk. 36 S. 3 f.) ist
damit erstellt.
3.5. In Bezug auf den subjektiven Anklagesachverhalt ist darauf hinzuwei-
sen, dass die Frage, was ein Täter wusste, wollte oder in Kauf nahm, sog. innere
Tatsachen betrifft und damit eine Tatfrage ist. Da sich aber diese inneren Tatsa-
chen bei ungeständigen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich feststell-
bare Indizien und Erfahrungsregeln ermitteln lassen, die Rückschlüsse von den
äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben (Urteil des
Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom 11. August 2008 E. 2.4), und die Beurteilung,
ob im Lichte dieser äusseren Umstände der Schluss auf Vorsatz begründet ist,
eine Rechtsfrage darstellt, ist das Bestehen eines Vorsatzes nachfolgend im
Rahmen der rechtlichen Würdigung (Erw. IV.2.4. und IV.2.4.2.) zu beurteilen
(vgl. BGE 133 IV 1 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 125 IV 242 E. 3c, je m.H.).
4. Gemäss Dossier 2 (Vergehen gegen das AVIG) wird dem Beschuldigten
ferner vorgeworfen, er habe an seinem ehemaligen Wohnort an der alten ...-
strasse ... in ... [Ort] auf dem Formular "Angaben der versicherten Person" am
21. März 2013 für den Monat März 2013 und am 24. April 2013 für den Monat Ap-
ril 2013 jeweils unter Punkt 1 deklariert, dass er bei keinem Arbeitgeber gearbeitet
habe, obwohl er im März und April 2013 bei der Firma N._ AG in ... [Ort]
gemäss Arbeitgeberbescheinigung einer entlöhnten Erwerbstätigkeit nachgegan-
gen sei. Durch dieses Verhalten habe er die Arbeitslosenkasse des Kantons Zü-
rich veranlasst, ihm für diese Monate insgesamt Fr. 1'302.60 zu Unrecht auszu-
bezahlen, was er zumindest in Kauf genommen habe (Urk. 36 S. 5).
4.1. Der Beschuldigte anerkannte den ihm zur Last gelegten Sachverhalt im
Laufe des Vorverfahrens (Urk. D2/6/1 S. 5, Antw. auf Frage 31; Urk. D2/6/2 S. 5;
Urk. 47 S. 15). Bei diesem Geständnis blieb er auch anlässlich der Berufungsver-
handlung (Prot. II S. 20).
- 29 -
4.2. Der Sachverhalt hinsichtlich Dossier 2 ist in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz (Urk. 67 S. 7) gestützt auf das Geständnis des Beschuldigten und die
von ihm ausgefüllten Formulare der Arbeitslosenversicherung betreffend Angaben
der versicherten Person für die Monate März und April 2013 (Urk. D2/2/5.1;
Urk. D2/2/5.3) anklagegemäss erstellt.
5. Die Anklagesachverhalte gemäss Dossier 1 (versuchte schwere Körper-
verletzung zum Nachteil des Privatklägers 1 und des Geschädigten D._) und
2 (Vergehen gegen das AVIG) sind somit vollumfänglich erstellt.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der mehrfachen versuchten schwe-
ren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und Abs. 2 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des Vergehens gegen das Bundesgesetz
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung
(AVIG) im Sinne von Art. 105 Abs. 1 AVIG schuldig gesprochen (Urk. 67 S. 66).
Da die Staatsanwaltschaft das vorinstanzliche Urteil einzig im Strafpunkt ange-
fochten hat (vorstehend, Erw. II.2.), steht einer strengeren rechtlichen Würdigung
das Verschlechterungsverbot entgegen (Verbot der reformatio in peius; Art. 391
Abs. 2 StPO).
2. Eine schwere Körperverletzung begeht derjenige, der bei einer anderen
Person die in Art. 122 Abs. 1 bis Abs. 3 StGB aufgeführten Verletzungen verur-
sacht. Namentlich gemäss Art. 122 Abs.1 und Abs. 2 StGB macht sich derjenige
strafbar, der vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt oder den Kör-
per, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichti-
ges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfä-
hig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und
bleibend entstellt.
2.1. Zur Beurteilung der versuchten schweren Körperverletzung zum Nach-
teil des Privatklägers 1 ergibt sich aus dem Bericht von PD Dr. med. O._ vom
29. März 2017, dass der Schlag des Beschuldigten mit einem Glas in der Hand in
- 30 -
das Gesicht des Privatklägers 1 bei diesem zu einer schweren bis schwersten
Augenverletzung geführt hat, welche mehrere Operationen erforderte (vgl. Opera-
tionsberichte Urk. D1/21/6 und der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Urk. D1/21/7 sowie Verlaufsbericht Urk. D1/21/8). Das Auge des Privatklägers 1
musste im Verlaufe der Genesung mit Silikonöl zur Tamponierung der Verletzun-
gen gefüllt werden. Es musste zudem eine graue Star Operation durchgeführt
sowie eine Kunstlinse ins Auge eingepflanzt werden. Die Sehschärfe des Privat-
klägers 1 hat sich trotz der erlittenen Augenverletzung mittlerweile bei 60% etab-
liert (Urk. D1/21/25). Auch das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des IRM
vom 21. Dezember 2014 hält fest, dass beim Privatkläger 1 teils flächige Unter-
blutungen vorlagen, teils mit unterliegenden Knochenbrüchen, sowie teils parallel
zueinander verlaufende Kratzer, Schnitt- und Stichwunden, bei welchen neben
der Gesichtshaut auch das linke Auge penetriert und der Augapfel schwer verletzt
wurde. Zudem würden sich an der linken Halsseite wenige kratzerartige Hautab-
schürfungen zeigen (Urk. D1/21/11 S. 7 f.).
2.1.1. Diesem Bericht ist weiter zu entnehmen, dass sich die Sehschärfe
nach der Verletzung nicht mehr auf diejenige erholen werde, welche vor dem Un-
fall vorhanden gewesen sei. Es bleibe ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablö-
sung, zur Entwicklung eines grünen Stars (Glaukom), und es sei damit zu rech-
nen, dass die Kunstlinse im Laufe der Zeit instabil werden dürfte, welche dann mit
einer erneuten Operation ersetzt werden müsste. Die Kunstlinse sei unter gewis-
sen Bedingungen sichtbar, und es bestehe eine Verziehung der Pupille, welche
ebenfalls für einen Beobachter ersichtlich sei. Grundsätzlich bestehe nach einer
solch schweren Verletzung immer die Gefahr einer kompletten Erblindung bei
Komplikationen (Urk. D1/21/25). Aus dem Gutachten zur körperlichen Untersu-
chung des IRM geht weiter hervor, dass nicht zu unterschätzen sei, dass bei ein-
seitiger Schädigung des Auges mit Verlust der Sehkraft, insbesondere bei Verlet-
zung gewisser Augapfelinnenstrukturen, auch das noch unverletzte rechte Auge
derart, als direkte Folge der Verletzung des linken Auges, mitgeschädigt werden
könne, dass schlimmstenfalls ein beidseitiger Verlust des Augenlichtes resultieren
könne (Urk. D1/21/11 S. 8).
- 31 -
2.1.2. Wie bereits die Staatsanwaltschaft zutreffend ausführte (Urk. 48 S. 9)
und in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 67 S. 29) handelt es sich bei ei-
nem Auge um ein wichtiges Organ im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB. Der Pri-
vatkläger 1 erlitt durch den Schlag des Beschuldigten mit einem Glas eine schwe-
re bis schwerste Augenverletzung, sodass auf diesem Auge nur noch eine Seh-
kraft von 60% vorhanden ist und damit eine dauerhafte Einschränkung vorliegt.
Die vom Privatkläger 1 erlittenen Verletzungen stellen objektiv unbestrittenermas-
sen Verletzungen im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB dar. Aufgrund des geltenden
Verschlechterungsverbotes, wodurch eine strengere rechtliche Würdigung ausge-
schlossen ist (vgl. vorstehend, Erw. IV.1.), kann offenbleiben, ob seine Verletzun-
gen objektiv nicht gar Verletzungen im Sinne von Art. 122 StGB darstellen.
2.2. Der Geschädigte D._ erlitt durch die vom Beschuldigten ausgeführ-
ten Tritte Prellungen im Gesicht, sodass er an den darauffolgenden Tagen an
starken Kopfschmerzen gelitten habe (Urk. D1/15/4 S. 9), und Kratzer am Ohr
(Urk. D1/15/1 S. 2; Urk. D1/24/1). Seine erlittenen Verletzungen stellen objektiv
Verletzungen im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB dar, wobei in Übereinstimmung
mit der Vorinstanz (Urk. 67 S. 40 f.) die Gewalteinwirkung des Beschuldigten mit
teilweise kräftigen Tritten gegen den Kopf des Geschädigten D._ in objekti-
ver Hinsicht grundsätzlich geeignet gewesen wäre, bei diesem Verletzungen im
Sinne von Art. 122 StGB zu verursachen.
2.3. Ein Versuch liegt u.a. vor, wenn der zur Vollendung der Tat gehörende
tatbestandsmässige Erfolg nicht eintritt oder die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende
geführt wird, nachdem der Täter mit der Ausführung des Verbrechens begonnen
hat (Art. 22 Abs. 1 StGB). Vorausgesetzt wird damit, dass der Täter alle subjekti-
ven Merkmale der Tat erfüllt, ohne dass die objektiven Merkmale vollumfänglich
verwirklicht wurden. Die schwere Körperverletzung setzt Vorsatz voraus, wobei
Eventualvorsatz genügt (Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 und 2
StGB).
2.4. Die Anklage wirft dem Beschuldigten eventualvorsätzliches Vorgehen
vor. Nach ständiger Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter
den Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges für möglich hält, aber dennoch
- 32 -
handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintrittes in Kauf nimmt, sich mit
ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 m.H.).
Auf der Wissensseite genügt es, wenn dem Täter die wesentlichen Umstände im
Sinne eines dauernden Begleitwissens mitbewusst waren (BGE 125 IV 242 E. 3e
mit Hinweis). Zu diesen wesentlichen äusseren Umständen gehören die Beweg-
gründe des Täters, die Art der Tathandlung (z.B. die Heftigkeit des Schlages und
die Verfassung des Opfers) und insbesondere das Risiko der Tatbestandsverwirk-
lichung bzw. des Erfolgseintrittes. Nach der Rechtsprechung darf vom Wissen des
Täters auf dessen Willen geschlossen werden, wenn sich ihm die Verwirklichung
der Gefahr als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, sie als Folge
hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des tatbestandsmässigen
Erfolges ausgelegt werden kann. Je grösser das Risiko der Tatbestandsverwirkli-
chung ist, desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe nicht darauf vertrauen
können, dass sich das ihm bekannte Risiko nicht verwirklichen werde (vgl. Urteil
des Bundesgerichtes 6B_802/2013 vom 27. Januar 2014 E. 2.3.3; BGE 137 IV 1
E. 4.2.3; BGE 125 IV 242 E. 3c; BGE 101 IV 46; vgl. auch BGE 122 IV 122;
BGE 121 IV 253; BGE 119 IV 3; BGE 114 IV 153; BGE 109 IV 140; BGE 104 IV
159).
2.4.1. Beim Beschuldigten ist die Wissensseite in Bezug auf die versuchte
schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 1 zu bejahen, wenn
davon ausgegangen werden kann, dass er um die potentielle Gefährlichkeit eines
Schlages mit einem Glas in eine dichte Menschenmenge und um die Heftigkeit
seines Schlages wusste. Aufgrund seiner Körpergrösse von knapp 2 m
(Urk. D1/22/9 S. 2) musste dem Beschuldigten bewusst sein, dass er mit einem
Schlag in einer dichten Menschenmenge jemanden auf Kopfhöhe, und damit auf
eine äusserst empfindliche Körperstelle, treffen könnte, was er in Kauf nahm. Das
Wissen bezüglich der potentiellen Gefährlichkeit kann dem Beschuldigten als All-
gemeinwissen, mithin als dauerndes Begleitwissen zugerechnet werden. Trotz
dieses Wissens setzte er bei seinem Schlag zusätzlich das Glas ein, was als Indiz
für eine Inkaufnahme von Verletzungen im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB zu
deuten ist. So wird denn auch im Gutachten zur körperlichen Untersuchung des
IRM festgehalten, dass ausgehend von den eingetretenen Verletzungen die Ge-
- 33 -
fahr bestanden habe, dass der Privatkläger 1 seine Sehkraft links sowie unter
Umständen seinen Augapfel verliere. Inwiefern die Gesichtshaut bleibend durch
Narben entstellt sein werde, sei zurzeit nicht vorherzusagen. Auch hätte bei einer
Hautdurchtrennung an der linken Halsseite aufgrund der Lage, direkt oberhalb der
grossen Halsgefässe, mit Verletzungen der unter der Haut gelegenen grösseren
Gefässe am Hals ein schwerer Blutverlust (bis hin zum Versterben) eintreten kön-
nen (Urk. D1/21/11 S. 8). Diese möglichen Verletzungen sind als mögliche An-
wendungsfälle von Art. 122 Abs. 2 StGB zu qualifizieren. Auf eine Inkaufnahme
solcher Verletzungen weist ferner auch die Art der Tathandlung hin (vgl. Urteil des
Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom 11. September 2008 E. 2.6., unter Hinweis auf
BGE 131 IV 1 E. 2.2.). Gemäss erstelltem Sachverhalt führte der Beschuldigte mit
seinem rechten Arm, wobei er in seiner rechten Hand ein massives Trinkglas
hielt, eine heftige, voll durchgezogene Schwungbewegung in eine dichte Men-
schenmenge aus, wobei er mit seinem Schlag und dem Glas den unmittelbar in
seiner Nähe stehenden Privatkläger 1 im Gesicht beim linken Auge traf. Gestützt
auf die Gutachten, insbesondere dasjenige von Dr. L._, wonach das Glas
auch durch den Aufprall eines Schlages im Gesicht zerbrechen kann, und die er-
littenen Verletzungen des Privatklägers 1, lässt sich auf eine gewisse Wucht des
Schlages schliessen. Bei einem wuchtigen Schlag in eine dichte Menschenmenge
auf Kopfhöhe der herumstehenden Personen mit einem zerbrechlichen Gegen-
stand aus Glas, ist das Risiko einer schweren Körperverletzung der genannten Art
derart hoch, dass nicht mehr ernsthaft zu seinen Gunsten davon ausgegangen
werden kann (Art. 10 Abs. 3 StPO), der Beschuldigte hätte auf ein Ausbleiben
solcher Verletzungen vertraut. Vernünftigerweise ist dieses Verhalten als Inkauf-
nahme dieses Erfolges und damit als eventualvorsätzliches Handeln auszulegen.
Der subjektive Tatbestand der schweren Körperverletzung zum Nachteil des Pri-
vatklägers 1 ist somit erfüllt. Der Beschuldigte hat sich tatbestandsmässig im Sin-
ne von Art. 122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB verhalten.
2.4.2. Im Hinblick auf die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil
des Geschädigten D._ ist zu berücksichtigen, dass es zum Allgemeinwissen
zählt, dass heftiges Treten gegen den Kopfbereich zu lebensgefährlichen Verlet-
zungen führen kann. Dieses Wissen ist dem Beschuldigten anzurechnen. Der Be-
- 34 -
schuldigte musste aufgrund der mehrfachen Tritte und deren Heftigkeit auch ge-
gen den Kopf des Geschädigten D._ nicht nur damit rechnen, dass es dabei
zu gefährlichen Kopfverletzungen, sondern auch zu groben Gesichtsverletzungen
oder bleibenden Schädigungen des Gehirns hätte kommen können. So räumte
der Beschuldigte auf die Frage, was passieren könne, wenn gegen jemanden, der
am Boden liege, Tritte gegen den Oberkörper und Kopf ausgeführt würden, ein,
dass alles Mögliche passieren könne; es könne sein, dass er tot ist oder "behin-
dert" (Urk. D1/12/2 S. 6). Das Risiko und die Wahrscheinlichkeit des Eintrittes des
tatbestandsmässigen Erfolges ist bei mehreren, teilweise heftigen Fusstritten der-
art gross und naheliegend, dass das Verhalten des Beschuldigten nur als Inkauf-
nahme dieses Erfolges ausgelegt werden kann. Umso mehr, als er mehrfach auf
den Geschädigten D._ eingetreten hat, während dieser schutzlos vor ihm auf
dem Boden gelegen hat. Unter diesen Umständen kann dem Beschuldigten auch
nicht zuerkannt werden, er habe auf das Ausbleiben des tatbestandsmässigen Er-
folges vertraut. Wer sich so verhält, nimmt die Verursachung schwerer oder le-
bensgefährlicher Verletzungen zumindest in Kauf. Der subjektive Tatbestand der
versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil des Geschädigten D._
ist somit erfüllt. Der Beschuldigte hat sich tatbestandsmässig im Sinne von Art.
122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB verhalten. Daran vermag
auch das vom Beschuldigten geltend gemachte Notwehrrecht (vgl. Prot. II S. 19)
nichts zu ändern, zumal der Geschädigte D._ im Zeitpunkt der Tritte bereits
schutz- und wehrlos vor ihm auf dem Boden lag, entsprechend kein rechtswidriger
Angriff im Gange oder der Beschuldigte unmittelbar mit einem Angriff bedroht war.
Selbst wenn der Geschädigte D._ immer wieder aufgestanden und dem Be-
schuldigten auf der Tanzfläche gefolgt ist, respektive diesen teilweise selber pro-
voziert hat, ist die aggressive und durch den Alkohol enthemmte Reaktion des
Beschuldigten mit mehreren teils kräftigen Tritten gegen den Oberkörper und
auch den Kopf des Geschädigten D._ völlig unverhältnismässig. Daran ver-
mögen auch die Ausführungen der Verteidigung, wonach der Geschädigte
D._ aufgrund seiner bipolaren affektiven Persönlichkeitsstörung Medikamen-
te eingenommen und sich am Tatabend trotzdem in einen nicht unerheblich alko-
holisierten Zustand versetzt habe, wobei dieser habe wissen müssen, dass dies
- 35 -
mit seiner Medikation kontraindiziert sei (Urk. 79 S. 31), nichts zu ändern. Ent-
sprechend kann sich der Beschuldigte – entgegen der Auffassung der Verteidi-
gung (Urk. 51 S. 17 ff.; Urk. 79 S. 29 ff.) – auf keine Notwehrsituation im Sinne
von Art. 15 StGB berufen.
2.5. Der Beschuldigte hat sich somit der mehrfachen (eventualvorsätzlich)
versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und Abs. 2
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
3. Die rechtstheoretischen Erwägungen der Vorinstanz zu den Vorausset-
zungen des Anspruchs auf Arbeitslosengeld gemäss Art. 8 AVIG sowie zum ob-
jektiven Tatbestand von Art. 105 Abs. 1 AVIG sind zutreffend, weshalb darauf
verwiesen werden kann (Urk. 67 S. 7 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Wie die Vorinstanz
zudem zutreffend erwogen hat (Urk. 67 S. 8), waren die Angaben des Beschuldig-
ten unwahr, da er bei den Formularen "Angaben der versicherten Person" für die
Monate März und April 2013 bei der Frage, ob er in diesen beiden Monaten bei
einem oder mehreren Arbeitgebern gearbeitet habe, jeweils nein ankreuzte
(Urk. D2/2/5.1; Urk. D2/2/5.3), obwohl er in diesen Monaten bei der N._ AG
angestellt war und entlöhnt wurde (Urk. D2/2/4.0-4.2). Durch diese unwahren
bzw. unvollständigen Angaben erwirkte der Beschuldigte, dass ihm für die beiden
Monate März und April 2013 von der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich zu
Unrecht eine Arbeitslosenentschädigung von insgesamt Fr. 1'302.60 ausbezahlt
worden ist (Urk. D2/1), zumal er aufgrund seiner Anstellung und Entlöhnung der
N._ AG keinen Anspruch auf diese Entschädigung hatte.
3.1. In subjektiver Hinsicht muss der Beschuldigte mit Wissen und Willen
gehandelt haben (Art. 12 Abs. 1 StGB), wobei Eventualvorsatz genügt. Der Be-
schuldigte ging in den Monaten März und April 2013 einer entlöhnten Erwerbstä-
tigkeit nach und kreuzte trotzdem jeweils "nein" auf den entsprechenden Formula-
ren an. Er wusste, dass es sich dabei um eine unwahre Angabe handelt. Auch
nahm er durch sein Handeln zumindest in Kauf, dass es zu einer unrechtmässi-
gen Auszahlung einer Arbeitslosenentschädigung kommt. Die Behauptung, er ha-
be dies aus Versehen bzw. aufgrund von Nachlässigkeit getan (Urk. 51 S. 24), ist
als reine Schutzbehauptung zu werten.
- 36 -
3.2. Auch die Argumentation der Verteidigung, wonach aufgrund der gering-
fügigen Verfehlung und des in der Hauptsache zu erfolgenden Freispruches auf
eine Bestrafung zu verzichten sei (Urk. 51 S. 24 f.; Urk. 79 S. 4), läuft ins Leere,
da es in den Hauptanklagevorwürfen der mehrfachen versuchten schweren Kör-
perverletzung zu Schuldsprüchen kommt (vorstehend, Erw. IV.2.5.), weshalb in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 67 S. 9) kein Raum für die Anwendung
des Opportunitätsprinzips besteht.
3.3. Der Beschuldigte hat sich somit des Vergehens gegen das Bundesge-
setz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschä-
digung im Sinne von Art. 105 Abs. 1 AVIG schuldig gemacht.
4. Demzufolge ist der Beschuldigte der mehrfachen versuchten schweren
Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und Abs. 2 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des Vergehens gegen das Bundesgesetz über die ob-
ligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung im Sinne
von Art. 105 Abs. 1 AVIG schuldig zu sprechen.
V. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
36 Monaten, unter Anrechnung der erstandenen Haft von 20 Tagen, sowie einer
Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 50.–, wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe
im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre festge-
setzt wurde (Urk. 67 S. 66). Der Beschuldigte beantragt mit seiner Berufung einen
vollumfänglichen Freispruch (Urk. 70; Urk. 79). Die Staatsanwaltschaft hat mit ih-
rer Berufung das vorinstanzliche Urteil einzig im Strafpunkt angefochten und be-
antragt, der Beschuldigte sei unter Einbezug der widerrufenen Strafe mit einer
Freiheitsstrafe von 5 Jahren als Gesamtstrafe zu bestrafen, wobei die wegen des
Vergehens gegen das Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversi-
cherung und Insolvenzentschädigung kumulativ ausgefällte Geldstrafe nicht ange-
fochten werde (Urk. 68; Urk. 78).
- 37 -
2. Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils
des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) in Kraft getreten
(AS 2016 1249). Der Beschuldigte hat die zu beurteilenden Straftaten vor Inkraft-
treten des revidierten Rechts verübt. Nach Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach neuem
Recht nur beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen
begangen hat. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten des
neuen Rechts begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, ist das neue
Recht anzuwenden, wenn es für den Täter milder ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Wie
sich nachfolgend ergibt, ist der Beschuldigte mit einer mehrjährigen Freiheitsstra-
fe sowie einer Geldstrafe zu bestrafen. In diesem Bereich erweist sich das neue
Recht nicht als milder, weshalb das alte, bis zum 31. Dezember 2017 geltende
Sanktionenrecht anzuwenden ist.
3. Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vor-
instanzlichen Urteil unter Hinweis auf Rechtsprechung und Lehre zutreffend wie-
dergegeben und der massgebliche Strafrahmen gemäss Art. 122 Abs. 4 StGB
korrekt mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Ta-
gessätzen abgesteckt (Urk. 67 S. 48 ff.). Dies braucht nicht wiederholt zu werden.
Strafmilderungs- und Strafschärfungsgründe sind innerhalb des gegebenen Straf-
rahmens strafmindernd bzw. straferhöhend zu berücksichtigen. Beim Beschuldig-
ten sind trotz des Vorliegens der Strafmilderungsgründe der verminderten Schuld-
fähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB (nachfolgend, Erw. V.4.2.1. ff. und
Erw. V.5.2.1.) und des Versuches im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB (nachfolgend,
Erw. V.4.3. und Erw. V.5.3.) keine ausserordentlichen Umstände gegeben, wel-
che eine Unterschreitung des regulären Strafrahmens als angezeigt erscheinen
liessen.
3.1. Die Vorinstanz ist angesichts des heftigen Schlages mit einem Glas in
der Hand in eine dichte Menschenmenge und dabei gegen den Kopf und das Ge-
sicht des Privatklägers 1 sowie aufgrund dessen dadurch erlittenen schweren
Verletzungen zu Recht von der versuchten schweren Körperverletzung zum
Nachteil des Privatklägers 1 als schwerstes Delikt ausgegangen. Es ist daher zu-
nächst die hypothetische Einsatzstrafe für dieses schwerste Delikt zu bestimmen
- 38 -
und diese hernach in Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 Abs. 1 StGB)
für das weitere Delikt der versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil
des Geschädigten D._ angemessen zu erhöhen.
3.2. Bei der Wahl der Sanktionsart sind die Zweckmässigkeit einer bestimm-
ten Sanktion, ihre Auswirkung auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre
präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2). Ist eine Gesamt-
strafe auszufällen, sind die Voraussetzungen für eine kurze unbedingte Freiheits-
strafe gemäss Art. 41 aStGB unbeachtlich, solange die Gesamtstrafe mindestens
sechs Monate beträgt (Urteil des Bundesgerichtes 6B_808/2017 vom 16. Oktober
2017 E. 2.1.3).
4. Somit ist zunächst die Tatkomponente der versuchten schweren Körper-
verletzung zum Nachteil des Privatklägers 1 zu prüfen.
4.1. Mit Bezug auf die objektive Tatschwere ist vorauszuschicken, dass der
Tatbestand der schweren Körperverletzung die körperliche (und psychische) In-
tegrität und damit eines der wichtigsten Rechtsgüter des Menschen schützt. Der
Beschuldigte hat bei seinem unkontrollierten und heftigen Schlag mit einem Glas
in der Hand in die dichte Menschenmenge dem völlig unbeteiligten Privatkläger 1
diverse Kratzer und Schnittverletzungen in dessen Gesicht und an dessen Hals
sowie schwere bis schwerste Augenverletzungen zugefügt, wodurch die Seh-
schärfe und Funktion seines linken Auges bleibend erheblich beeinträchtigt wur-
de. Die Sehkraft hat sich nach zahlreichen Operationen und Untersuchungen bei
ca. 60% etabliert, wobei gestützt auf die ärztlichen Berichte und Gutachten nicht
ausgeschlossen werden kann, dass sich dieser Zustand zukünftig weiter ver-
schlechtern wird. Die Gewalteinwirkung auf den Privatkläger 1 war äusserst hef-
tig, und die erlittenen Verletzungen bewegen sich nahe an der Grenze zur schwe-
ren Körperverletzung. Die Handlung des Beschuldigten erscheint brutal und auch
äusserst rücksichtslos, da dieser aufgrund seiner Körpergrösse von fast 2 m sei-
nen wuchtigen Schlag mit einem Glas in der Hand in einer dichten Menschen-
menge auf Kopfhöhe anderer ausführte, wobei je nach Auftreffen des Schlages
mit schwersten Verletzungen am Kopf oder im Gesicht von Dritten zu rechnen ist.
Sein Tatvorgehen zeugt von unbedachtem, aus dem Augenblick heraus triebhaf-
- 39 -
tem und unreflektiertem Handeln. Die Intensität und Wucht des von ihm ausge-
führten Schlages mit einem Glas in eine Menschenmenge bringt ferner die bei
ihm zum Tatzeitpunkt vorhandene spontane Gewaltbereitschaft und Aggressivität
sowie eine erstaunliche Gleichgültigkeit gegenüber der körperlichen Integrität an-
derer Personen zum Ausdruck. Zugunsten des Beschuldigten ist festzuhalten,
dass er die Tat nicht im Voraus plante und vorbereitete, sondern es sich um eine
spontane Aktion handelte und es sich beim Privatkläger 1 um ein Zufallsopfer
handelte. Vorausgesetzt, der tatbestandsmässige Erfolg der schweren Körperver-
letzung wäre durch eine im Sinne von Art. 122 StGB schwere oder lebensgefähr-
liche Verletzung eingetreten, läge insgesamt eine erhebliche objektive Tatschwe-
re vor.
4.2. Was die subjektive Tatschwere anbelangt, ist zu gewichten, dass der
Beschuldigte mit einem Glas in der Hand in eine dichte Menschenmenge schlug
und dadurch schwere Kopfverletzungen in Kauf nahm. Die Beweggründe und Zie-
le des Beschuldigten für seine Handlung sind nicht nachvollziehbar. Zwar wurde
er im Vorfeld durch den Geschädigten D._ provoziert, was seinen Schlag
keinesfalls gerechtfertigt hätte, zumal ein vorgängiger Faustschlag des Geschä-
digten D._ auf den Videoaufnahmen auch nicht zu sehen ist, und deshalb ei-
ne reine Schutzbehauptung des Beschuldigten darstellt. Er handelte aus einem
nichtigen Anlass und seine Handlung offenbart ein erhebliches Gewaltpotential.
Dass der Beschuldigte das Glas absichtlich beschädigen wollte oder beschädigt
hat, um seinen Schlag auszuführen, kann ihm nicht vorgeworfen werden. Der
Schlag galt nicht dem Privatkläger 1, war dieser doch ein unbeteiligter Dritter, der
zur "falschen Zeit" am "falschen Ort" war, verursachte bei diesem aber schwere
Augenverletzungen. Allerdings ist merklich verschuldensmindernd in die Gewich-
tung miteinzubeziehen, dass der Beschuldigte hinsichtlich einer schweren Kör-
perverletzung bloss eventualvorsätzlich handelte. Die Berücksichtigung der sub-
jektiven Schwere der Tat wirkt sich demzufolge merklich verschuldensmindernd
aus und führt zu einem insgesamt keineswegs mehr leichten Tatverschulden.
4.2.1. Der Beschuldigte machte im Vorverfahren geltend, dass er am Tat-
abend Alkohol getrunken habe (Urk. D1/12/1 S. 3; Urk. 47 S. 12 f.). Laut dem
- 40 -
ärztlichen Bericht zur Blutalkoholanalyse des IRM über den Beschuldigten vom
27. Oktober 2014 wies dieser zur Tatzeit (3. Oktober 2014, 02.15 Uhr) eine Blut-
alkoholkonzentration von maximal 1.91 Gewichtspromille auf (Urk. D1/22/8). Von
diesem Wert ist zu seinen Gunsten auszugehen (Art. 10 Abs. 3 StPO).
4.2.1.1. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung fällt erst bei einer
Blutalkoholkonzentration von über 2 Gewichtspromille eine Verminderung der Zu-
rechnungsfähigkeit in Betracht. Der Blutalkoholkonzentration kommt bei der Beur-
teilung der Zurechnungsfähigkeit allerdings keine vorrangige Bedeutung zu. Sie
bietet lediglich eine grobe Orientierungshilfe. Im Sinne einer groben Faustregel
geht die Rechtsprechung lediglich davon aus, dass bei einer Blutalkoholkonzent-
ration von unter 2 Gewichtspromille in der Regel keine Beeinträchtigung der
Schuldfähigkeit gegeben ist und dass bei einer solchen von über 3 Promille meist
Schuldunfähigkeit vorliegt. Bei einer Blutalkoholkonzentration im Bereich zwi-
schen 2 und 3 Promille besteht somit im Regelfall die Vermutung für eine Vermin-
derung der Schuldfähigkeit. Diese Vermutung kann jedoch im Einzelfall durch
Gegenindizien umgestossen werden. Im medizinischen Schrifttum wird hervorge-
hoben, dass es keine feste Korrelation zwischen Blutalkoholkonzentration und da-
rauf beruhender forensisch relevanter Psychopathologie gibt. Gewöhnung, Per-
sönlichkeit und Tatsituation sind stets in die Beurteilung einzubeziehen (Urteil des
Bundesgerichtes 6B_725/2009 vom 26. November 2009 E. 2.2 mit Verweis auf
BGE 122 IV 49 E. 1b S. 50 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichtes 6S.17/2002
vom 7. Mai 2002 E. 1.c.aa). In BGE 122 IV 49 hat das Bundesgericht die Vernei-
nung einer verminderten Schuldfähigkeit aufgrund von Gegenindizien sogar bei
einer Blutalkoholkonzentration von 2,09 bis 2,32 Promille geschützt (E. 1c).
4.2.1.2. Im Zeitpunkt des Tatgeschehens befand der Beschuldigte sich auf-
grund der vor der Tat sich eingeflössten alkoholischen Getränke und der daraus
resultierenden Blutalkoholkonzentration von maximal 1.91 Gewichtspromille somit
in einem mittelschweren Rauschzustand, was eine allerhöchstens in leichtem
Masse beeinträchtigte Steuerungsfähigkeit verursachte und daher maximal zu ei-
ner leicht verminderten Schuldfähigkeit im Tatzeitpunkt führen konnte. Im Rah-
men der Tathandlungen führte die mittelschwere Alkoholintoxikation des Beschul-
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_725%2F2009&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-IV-49%3Ade&number_of_ranks=0#page49
- 41 -
digten offenkundig zu einer gewissen Enthemmung, erhöhter Impulsivität und af-
fektiver Veränderungen im Sinne von Wut und Aggression. Die Verminderung der
Schuldfähigkeit ist daher höchstens leicht.
4.2.2. Unter Berücksichtigung der höchstens leicht verschuldensmindernd
wirkenden Verminderung der Schuldfähigkeit ist das Verschulden gesamthaft im-
mer noch als keineswegs mehr leicht einzustufen. Dies rechtfertigt eine hypotheti-
sche Einsatzstrafe im Bereich von 3 Jahren Freiheitsstrafe.
4.3. Als verschuldensunabhängige Tatkomponente ist zu berücksichtigen,
dass der Privatkläger 1 keine schweren Verletzungen im Sinne von Art. 122
Abs. 2 StGB erlitt, sondern ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vorliegt.
Dies ist strafmindernd zu berücksichtigen. Das Ausmass der Strafreduktion hängt
dabei von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolges und von der Schwere der
tatsächlichen Folgen der Tat ab. Die Reduktion der Strafe hat umso geringer aus-
zufallen, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je schwerwiegender die Fol-
gen der tatsächlichen Tat waren (BGE121 IV 49 E. 1.b). Der Beschuldigte hat
durch sein Verhalten das Risiko einer schweren Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 StGB, insbesondere des Verlustes der Sehkraft des linken Auges des
Privatklägers 1 geschaffen. Es ist nicht dem Zutun des Beschuldigten, sondern
einzig dem Zufall zu verdanken, dass der Privatkläger 1 nicht noch schwerere
Verletzungen erlitten und das Augenlicht auf dem linken Auge nicht vollständig
verloren hat. Der Versuch ist demgemäss nur leicht verschuldensmindernd zu
werten. Somit ist die Strafe nur leicht, auf 2 3⁄4 Jahre Freiheitsstrafe zu reduzieren
(Art. 22 Abs. 1 StGB).
5. Im Rahmen der Asperation ist die Gewichtung der Tatkomponente der
versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil des Geschädigten D._
vorzunehmen.
5.1. Bei der objektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass der Beschuldigte
den vor ihm auf dem Boden liegenden Geschädigten D._ mehrmals, teilwei-
se heftig, gegen den Oberkörper und auch den Kopf trat. Diesem Vorfall ging be-
reits eine körperliche Auseinandersetzung zwischen dem Geschädigten D._
- 42 -
und F._, dem Kollegen des Beschuldigten, voraus, sodass der Geschädigte
D._ kein völlig unbeteiligter Dritter war, zumal er auch den Beschuldigten
provozierte. Allerdings ändert dies nichts daran, dass das Vorgehen des Beschul-
digten einen üblen Gewaltexzess darstellt und von seiner erheblichen Gewaltbe-
reitschaft sowie von beträchtlicher Brutalität und Geringschätzung der körperli-
chen Integrität eines anderen Menschen, der obendrein wehr- und schutzlos am
Boden lag, zeugt. Andererseits hinterlässt dieses Geschehen den Eindruck eines
unbedachten, aus dem Augenblick heraus triebhaften, unreflektierten und von
Kontrollverlust geprägten Handelns des Beschuldigten. Mit seinen brutalen
Fusstritten verursachte dieser beim Geschädigten D._ Prellungen im Gesicht
und Kratzer am Ohr. Die vom Geschädigten D._ erlittenen Verletzungen wa-
ren leicht im Sinne von Art. 123 StGB und zogen keine längere Beeinträchtigung
mit sich. Dieser musste sich auch nicht in ärztliche Pflege begeben. Vorausge-
setzt, der tatbestandsmässige Erfolg der schweren Körperverletzung wäre durch
eine im Sinne von Art. 122 StGB schwere oder lebensgefährliche Verletzung ein-
getreten, wäre insgesamt eine mittlere objektive Tatschwere gegeben.
5.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist nochmals klarzustellen, dass im
Zeitpunkt der Fusstritte keine das Verschulden mindernde Notwehrsituation vorlag
(vorstehend, Erw. IV.2.4.2.). Der Beschuldigte handelte mit dem Ziel, den Ge-
schädigten D._ loszuwerden. So gab der Beschuldigte selber an, er habe
diesen getreten, damit dieser nicht wieder aufstehe und ihm nicht mehr hinterher-
renne (Urk. 47 S. 10). Der Beschuldigte handelte damit aus absolut niedrigen Be-
weggründen. Zwar fügte er die im Sinne des Gesetzes einfachen Verletzungen
dem Geschädigten D._ direktvorsätzlich zu. Merklich verschuldensmindernd
fällt indessen ins Gewicht, dass er hinsichtlich einer schweren Körperverletzung
nicht direkt-, sondern nur eventualvorsätzlich, aus dem Augenblick heraus und
damit planlos handelte. Die Berücksichtigung der subjektiven Schwere der Tat
wirkt sich demzufolge stark verschuldensmindernd aus und führt zu einem insge-
samt nicht mehr leichten Tatverschulden.
5.2.1. Der Umstand, dass sich der Beschuldigte im Zeitpunkt des Tatge-
schehens aufgrund der vor der Tat sich eingeflössten alkoholischen Getränke und
- 43 -
der daraus resultierenden Blutalkoholkonzentration von maximal 1.91 Ge-
wichtspromille somit in einem mittelschweren Rauschzustand befand, ist wiede-
rum zu berücksichtigen. Die Verminderung der Schuldfähigkeit ist aber höchstens
leicht (vorstehend, Erw. V.4.2.1.2.).
5.2.2. Unter Berücksichtigung der höchstens leicht verschuldensmindernd
wirkenden Verminderung der Schuldfähigkeit ist das Verschulden gesamthaft im-
mer noch als nicht mehr leicht einzustufen. Dies rechtfertigt eine hypothetische
Einsatzstrafe im Bereich von 1 3⁄4 Jahren Freiheitsstrafe.
5.3. Als verschuldensunabhängige Tatkomponente ist ebenfalls zu berück-
sichtigen, dass der Geschädigte D._ keine schweren Verletzungen im Sinne
von Art. 122 Abs. 2 StGB erlitt, sondern ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1
StGB vorliegt (vgl. vorstehend, Erw. V.4.3.). Der Geschädigte D._ erlitt durch
die Fusstritte des Beschuldigten nur leichte Verletzungen, welche keine längeren
Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität zur Folge hatten. Der Eintritt des
tatbestandsmässigen Erfolges einer schweren Körperverletzung ist daher weit
entfernt, was entsprechend strafmindernd zu gewichten ist. Somit ist die Strafe
auf 1 1⁄4 Jahre Freiheitsstrafe zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 StGB).
6. Insgesamt lässt die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil
des Geschädigten D._ im Rahmen der Asperation eine Erhöhung der hypo-
thetischen Einsatzstrafe auf etwas über 3 Jahre Freiheitsstrafe als angemessen
erscheinen.
7. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten, wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
Einsicht, Reue etc. (HEIMGARTNER, in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER,
StGB Kommentar, 20. Auflage, Zürich 2018, N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
- 44 -
7.1. Zum Werdegang und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldig-
ten ist bekannt, dass er am tt. August 1993 in ... [Ort] geboren wurde und zu-
sammen mit einer jüngeren Schwester bei seinen Eltern aufwuchs. Er habe die
Primarschule und die Oberstufe besucht, sei dann aber von der Schule geflogen
und habe einen schlechten Kollegenkreis gehabt. Er habe immer mal wieder ei-
nen Job bzw. eine Lehrstelle gesucht. Dann habe er mit einer Lehre als Betriebs-
praktiker begonnen, welche er aber nicht abgeschlossen habe. Er sei dann ar-
beitslos gewesen und habe mal hier, mal dort gearbeitet. Dabei habe es sich vor
allem um handwerkliche Jobs auf Montage oder auf der Baustelle gehandelt. Seit
er nun seine Frau habe, seit ca. 3 1⁄2 Jahren, arbeite er in einer Zügelfirma und
auch noch in einer Sicherheitsfirma. Bei der Zügelfirma habe er knapp zweiein-
halb Jahre gearbeitet, dann habe er sich selbständig gemacht. In der Zwischen-
zeit sei er verheiratet, habe einen Sohn, und in seiner Transportfirma beschäftige
er 5 Angestellte. Seine Firma heisse P._ GmbH, und er zahle sich monatlich
einen Lohn von Fr. 5'500.– aus. Er habe nach wie vor Schulden. Diese würden
sich auf ca. Fr. 30'000.– belaufen (Urk. D1/12/5 S. 8 f.; Urk. 47 S. 2).
7.2. Ergänzend fügte der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung
an, dass er seit knapp 5 Jahren verheiratet sei und sie ein zweites Kind bekom-
men würden. Seit 4 Jahren habe er eine eigene Firma, die P._ GmbH. Aktu-
ell gebe es aber ein paar Probleme mit ausstehenden Kundenzahlungen in der
Höhe von ungefähr Fr. 50'000.–. Er beschäftige 4 Angestellte zu 100%, und es
seien auch noch stundenweise Aushilfen bei ihm tätig. Er zahle sich pro Jahr net-
to ca. Fr. 60'000.– bis Fr. 70'000.– als Lohn aus. Private Schulden habe er keine
mehr. Ersparnisse habe er auch keine, da er laufend in seine Firma investiere
(Prot. II S. 8 ff.).
7.3. Der Werdegang und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten
weisen keine strafzumessungsrelevanten Besonderheiten auf, weshalb sie neutral
zu würdigen sind.
7.4. Der Beschuldigte ist im aktuellen Schweizerischen Strafregister mit zwei
Vorstrafen verzeichnet. Mit Urteil der Jugendanwaltschaft Dietikon vom 25. Juni
2010 wurde er wegen Diebstahls (mehrfache Begehung), Hausfriedensbruchs,
- 45 -
Vergehens gegen das Waffengesetz, Entwendung zum Gebrauch (mehrfache
Begehung), Fahrens ohne Haftpflichtversicherung (mehrfache Begehung), wider-
rechtlicher Aneignung von Kontrollschildern und/oder Fahrradkennzeichen (mehr-
fache Begehung), Fahrens ohne Führerausweis (mehrfache Begehung), Verlet-
zung der Verkehrsregeln sowie pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall zu 3 Monaten
Freiheitsentzug, bedingt vollziehbar, mit einer Probezeit von 2 Jahren, unter An-
rechnung der erstandenen Haft von 20 Tagen bestraft. Mit Urteil des Bezirksge-
richtes Luzern vom 25. Februar 2013 wurde er wegen Verletzung der Verkehrsre-
geln (mehrfache Begehung), grober Verletzung der Verkehrsregeln (mehrfache
Begehung), Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Motorfahrzeug, qualifizierte Blut-
alkoholkonzentration), Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrun-
fähigkeit (Motorfahrzeugführer, Versuch), Führens eines nicht betriebssicheren
Fahrzeuges, Entwendung zum Gebrauch (mehrfache Begehung), Führens eines
Motorfahrzeuges ohne erforderlichen Führerausweis (mehrfache Begehung), so-
wie widerrechtlicher Aneignung von Kontrollschildern mit 18 Monaten Freiheits-
strafe, bedingt vollziehbar, bei 4 Jahren Probezeit, unter Anrechnung eines er-
standenen Hafttages, und Fr. 3'000.– Busse bestraft (Urk. 69). Erschwerend
kommt hinzu, dass der Beschuldigte während dieser laufenden Probezeit weiter
delinquiert hat und die zu beurteilenden Straftaten beging. Diese zwei – wenn
auch nicht einschlägigen – Vorstrafen sowie das weitere Delinquieren während
laufender Probezeit sind straferhöhend zu berücksichtigen.
7.5. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und
im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhal-
ten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue
wirken strafmindernd. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse
können eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202
E. 2d/cc). Der Grad der Strafminderung hängt aber insbesondere davon ab, in
welchem Stadium des Verfahrens das Geständnis erfolgte. Ein Geständnis kann
bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung somit zu-
gunsten des Täters berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck von Einsicht und
Reue ist.
- 46 -
7.5.1. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber aufdrän-
gen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich
weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder erst nach Ausfäl-
lung des erstinstanzlichen Urteils gestand (Urteil des Bundesgerichtes
6B_426/2010 vom 22. Juli 2010 E. 1.5 mit Hinweisen).
7.5.2. Die bundesgerichtliche Praxis zeigt, dass nur ein ausgesprochen posi-
tives Nachtatverhalten zu einer maximalen Strafreduktion von einem Drittel führen
kann. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem Anfang an
und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder nach
Vorlage entsprechender Beweise oder gar erst nach Ergehen eines erstinstanzli-
chen Schuldspruches. Ferner gehört kooperatives Verhalten in der Untersuchung
dazu, wenn beispielsweise aufgrund des Verhaltens eines Beschuldigten weitere
Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden können, was
ohne sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen wäre. Schliesslich ge-
hört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue dazu. Nur wenn all diese Faktoren er-
füllt sind, kann eine Strafreduktion von einem Drittel erfolgen. Fehlen einzelne
Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu mindern (WIPRÄCHTI-
GER/KELLER, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Auflage 2019, N 169 ff. zu
Art. 47 StGB).
7.5.3. Der Beschuldigte hat die ihm zur Last gelegten Vorwürfe stets bestrit-
ten. Lediglich bezüglich eines Fusstrittes gegen den Geschädigten D._ sowie
hinsichtlich seiner unwahren Angaben gegenüber der Arbeitslosenkasse des Kan-
tons Zürich zeigte er sich geständig. Allerdings war dieses Teilgeständnis weitge-
hend der Beweislage geschuldet, da ein Leugnen aufgrund der vorhandenen Vi-
deoaufnahmen respektive der Formulare und der Bescheinigung seines damali-
gen Arbeitgebers ohnehin zwecklos gewesen wäre. Aufrichtige Einsicht und Reue
brachte der Beschuldigte nicht zum Ausdruck. Zudem zeigt er auch kein Mitgefühl
mit dem Privatkläger 1. Unter dem Titel Nachtatverhalten kann ihm daher entge-
gen der Vorinstanz (Urk. 67 S. 56) keine Strafminderung gewährt werden.
7.6. Somit ergibt sich aus der Täterkomponente eine Straferhöhung auf-
grund der zwei Vorstrafen und des Delinquierens während laufender Probezeit.
- 47 -
Allerdings ist zu berücksichtigen, dass sich die Lebensumstände des Beschuldig-
ten seit den Vorfällen vom 3. Oktober 2014 wesentlich geändert haben; er ist seit
knapp 5 Jahren verheiratet, hat einen Sohn, welcher im mm.2019 drei Jahre alt
wird, bekommt zusammen mit seiner Frau ein zweites Kind, hat sich eine eigene
Firma mit 4 Angestellten aufgebaut und ist nach dem 3. Oktober 2014 nicht erneut
straffällig geworden. Aufgrund seiner aktuellen stabilen familiären und beruflichen
Situation wird ihn eine mehrjährige Freiheitsstrafe doch empfindlich treffen. Ent-
sprechend erweist sich eine Bestrafung des Beschuldigten mit 3 Jahren Freiheits-
strafe als angemessen.
8. Der Beschuldigte befand sich vom 3. Oktober 2014 bis zum 22. Oktober
2014 in Untersuchungshaft (Urk. D1/28/1; Urk. D1/28/18). Einer Anrechnung der
erstandenen Untersuchungshaft von 20 Tagen steht nichts entgegen (Art. 51
StGB).
9. Das Arbeitslosenversicherungsgesetz sieht für ein Vergehen im Sinne von
Art. 105 Abs. 1 AVIG eine Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu sechs
Monaten oder eine Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen vor (Art. 105 Abs. 5
AVIG). Wie bereits die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, handelt es sich beim
Vorfall des Verstosses gegen das AVIG sachlich, örtlich und zeitlich um ein ande-
res Ereignis, sodass dafür eine separate Geldstrafe auszusprechen ist.
9.1. Die Staatsanwaltschaft hat die kumulativ ausgefällte Geldstrafe nicht
angefochten, sondern beantragt diesbezüglich die Bestätigung des vorinstanzli-
chen Urteils (Urk. 68 S. 2, S. 4; Urk. 78 S. 1), sodass eine strengere Bestrafung
aufgrund des Verschlechterungsverbotes von vornherein ausser Betracht fällt,
was die Ausfällung einer Geldstrafe von mehr als 20 Tagessätzen ausschliesst
(Art. 391 Abs. 2 StPO).
9.2. Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschul-
digte durch seine unwahren Angaben, indem er für die Monate März und April
2013 gegenüber der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich angegeben hat, nicht
gearbeitet zu haben, obschon er bei der Firma N._ AG einer Arbeit gegen
Entgelt nachgegangen ist, unrechtmässig eine Arbeitslosenentschädigung in der
- 48 -
Höhe von Fr. 1'302.60 erwirkt hat. Angesichts der geringen Summe erweist sich
die objektive Tatschwere als leicht.
9.3. Bei der subjektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigte
eventualvorsätzlich handelte und sich diesbezüglich geständig zeigte. Die subjek-
tive Tatschwere kann somit ebenfalls als leicht eingestuft werden.
9.4. Das Tatverschulden des Beschuldigten ist insgesamt als leicht zu quali-
fizieren, was angesichts des vorliegenden Strafrahmens die Festsetzung einer
hypothetischen Einsatzstrafe von 15 Tagessätzen Geldstrafe rechtfertigt.
9.5. Aus der Gewichtung der Täterkomponente ergibt sich aufgrund der vor-
handenen Vorstrafen und des Delinquierens während laufender Probezeit eine
Straferhöhung (vgl. vorstehend, Erw. V.7. ff.). In gesamthafter Würdigung erweist
sich eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen als dem Verschulden und den persönli-
chen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen.
9.6. Während die Anzahl der Tagessätze einer Geldstrafe nach dem Ver-
schulden des Täters festgesetzt wird, bestimmt sich die Höhe des Tagessatzes
nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt
des Urteils, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälli-
gen Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum,
wobei ein Tagessatz höchstens Fr. 3'000.– betragen darf (Art. 34 Abs. 1 und 2
StGB).
9.6.1. Vor Vorinstanz gab der Beschuldigte zu seinen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen an, dass er sich monatlich einen Lohn von Fr. 5'500.– ausbezahle. Er
habe noch offene Schulden in der Höhe von Fr. 30'000.– und lebe zusammen mit
seiner Ehefrau und seinem Sohn in einer Wohnung, für welche die Miete monat-
lich Fr. 2'200.– betrage. Seine Ehefrau arbeite in der Produktion bei der Q._
und verdiene monatlich Fr. 4'000.– (Urk. 47 S. 2 ff.).
9.6.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zu seinen
finanziellen Verhältnissen ergänzend Folgendes zu Protokoll (Prot. II S. 10 f.): Er
habe eine eigene Firma und zahle sich pro Jahr netto ca. Fr. 60'000.– bis
- 49 -
Fr. 70'000.– als Lohn aus. Seine Frau sei schwanger und würde deshalb zurzeit
nicht arbeiten. Seine privaten Schulden habe er abbezahlt, und Ersparnisse habe
er keine. Sie würden monatlich Fr. 2'330.– für ihre Wohnung bezahlen.
9.6.3. Angesichts seiner aktuellen finanziellen Verhältnisse erweist sich ein
Tagessatz von Fr. 50.– als angemessen.
10. Insgesamt ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren,
unter Anrechnung der bereits erstandenen Untersuchungshaft von 20 Tagen, so-
wie mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 50.– zu bestrafen.
VI. Vollzug
1. Aufgrund der auszusprechenden Freiheitsstrafe von 3 Jahren kommt eine
vollständig bedingte Strafe von Gesetzes wegen nicht in Frage (Art. 42 Abs. 1
StGB), sondern es ist lediglich ein teilbedingter Vollzug gemäss Art. 43 StGB zu
prüfen. Die rechtlichen Voraussetzungen für einen teilbedingten Vollzug gemäss
Art. 43 StGB wurden im vorinstanzlichen Urteil zutreffend wiedergegeben (Urk. 67
S. 58). Dies braucht nicht wiederholt zu werden.
2. Im März und April 2013 sowie am 3. Oktober 2014 und somit während
noch laufender Probezeit beging der Beschuldigte die nun zu sanktionierenden
Taten. Er liess sich weder durch die ausgesprochene Freiheitsstrafe von 18 Mo-
naten bedingt und die Busse von Fr. 3'000.– noch den widerrufenen bedingten
Vollzug der von der Jugendanwaltschaft Dietikon am 25. Juni 2010 ausgespro-
chenen Freiheitsstrafe von 3 Monaten respektive die bereits erstandene Untersu-
chungshaft von bisher insgesamt 21 Tagen beeindrucken (vgl. Urk. 69). Durch
sein trotz der Verurteilung nur ein paar Monate respektive ungefähr 11⁄2 Jahre
später wieder aufgenommenes Delinquieren, wobei es sich zwar nicht um ein-
schlägige, bei der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung aber doch
um schwerwiegendere Delikte handelt, offenbart sich nicht nur die Unbelehrbar-
keit des Beschuldigten, sondern auch dessen Ignoranz gegenüber der Rechts-
ordnung, der fehlende Wille, sich daran zu halten, und seine Geringschätzung
gegenüber der körperlichen Unversehrtheit anderer Personen, zumal es nur dem
- 50 -
Zufall zu verdanken ist, dass die Verletzungen insbesondere des Privatklägers 1,
aber auch des Geschädigten D._, nicht gravierender ausgefallen sind. Das
Leben des Beschuldigten hat sich privat und beruflich zwar durchaus positiv ver-
ändert und stabilisiert, indem er seit mehreren Jahren verheiratet ist, einen bald
dreijährigen Sohn hat, ein zweites Kind erwartet und seit mehreren Jahren eine
eigene Firma mit Angestellten hat, was ebenfalls zu berücksichtigen ist. Dennoch
ist der Beschuldigte nicht geständig und zeigt auch Jahre nach seinen Taten kei-
nerlei Einsicht in das von ihm begangene Unrecht, sondern macht im Sinne von
Schutzbehauptungen lediglich geltend, dass es sich bei seinen Tritten gegen den
Oberkörper und auch den Kopf des Geschädigten D._ um Notwehr und bei
seinen unwahren Angaben gegenüber der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
um ein Versehen gehandelt habe. Die positive Veränderung seiner Lebensum-
stände ist ihm durchaus zugutezuhalten, dennoch wiegen seine Vorstrafen und
das erneute Delinquieren während der Probezeit, wobei es sich bei der mehrfa-
chen versuchten schweren Körperverletzung um schwerwiegendere Delikte han-
delt, schwer, sodass bei ihm keine besonders günstigen Umstände mehr vorlie-
gen, welche einen teilbedingten Vollzug der Strafe noch rechtfertigen würden.
3. Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände lässt sich dem Beschuldig-
ten im Hinblick auf einen teilbedingten Vollzug keine günstige Prognose stellen,
weshalb die Freiheitsstrafe von 3 Jahren zu vollziehen und entsprechend auch die
Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 50.– zu bezahlen ist.
VII. Widerruf
1. Die Vorinstanz hat den bedingten Vollzug der mit Urteil des Bezirksgerich-
tes Luzern vom 25. Februar 2013 ausgefällten Freiheitsstrafe von 18 Monaten
nicht widerrufen und die Probezeit um 1 Jahr verlängert (Urk. 67 S. 66). Die
Staatsanwaltschaft beantragt mit ihrer Berufung einen Widerruf (Urk. 68; Urk. 78
S. 1).
2. Die rechtlichen Voraussetzungen für einen Widerruf wurden im vor-
instanzlichen Urteil zutreffend wiedergegeben (Urk. 67 S. 60). Dies braucht nicht
- 51 -
wiederholt zu werden. In die Beurteilung, ob ein Widerruf angezeigt ist, ist im
Rahmen der Gesamtwürdigung auch miteinzubeziehen, ob die neue Strafe be-
dingt oder unbedingt ausgesprochen wird. Der Richter kann dabei zum Schluss
kommen, dass vom Widerruf des bedingten Vollzuges für die frühere Strafe abge-
sehen werden kann, wenn die neue Strafe vollzogen wird (Urteil des Bundesge-
richtes 6B_529/2010 vom 9. November 2010 E. 3.2).
3. Auch wenn dem Beschuldigten für einen teilbedingten Vollzug der neu
auszusprechenden Strafe keine günstige Prognose gestellt werden kann (vgl.
vorstehend, Erw. VI.2.), ist unter Berücksichtigung der Warnwirkung der nun zu
vollziehenden Freiheitsstrafe von 3 Jahren zu erwarten, dass ihn dies von der Be-
gehung weiterer Straftaten abhalten wird, zumal ihn eine zu vollziehende mehr-
jährige Freiheitsstrafe aufgrund seiner aktuellen Lebensumstände empfindlich
treffen dürfte. Der Beschuldigte weist auch keine einschlägigen Vorstrafen auf
(vgl. vorstehend, Erw. V.7.4.) und hat sich über mehrere Jahre ein stabiles famili-
äres und berufliches Umfeld aufgebaut, was seinen angestrebten Lebenswandel
zeigt und für die Beurteilung eines allfälligen Widerrufes ebenfalls entsprechend
zu berücksichtigen ist.
Nach Würdigung sämtlicher Umstände, insbesondere der durch die zu voll-
ziehende Freiheitsstrafe von 3 Jahren erzielten deutlichen Warnwirkung, kann
dem Beschuldigten für die Beurteilung des Widerrufes eine günstige Prognose
gestellt werden. Folglich ist vom Widerruf des mit Urteil des Bezirksgerichtes Lu-
zern vom 25. Februar 2013 für eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten gewährten
bedingten Strafvollzuges abzusehen.
4. Wird auf den Widerruf der bedingt ausgesprochenen Strafe verzichtet, so
muss eine Ersatzmassnahme angeordnet werden (BGE 100 IV 199). Gemäss
Art. 46 Abs. 2 StGB kann das Gericht den Verurteilten verwarnen oder die Probe-
zeit um höchstens die Hälfte der im Urteil festgesetzten Dauer verlängern.
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Luzern vom 25. Februar 2013 wurde dem
Beschuldigten eine Probezeit von 4 Jahren angesetzt. Nachdem vom Widerruf
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der bedingten Freiheitsstrafe abzusehen ist, rechtfertigt es sich, die Probezeit um
2 Jahre zu verlängern.
VIII. Zivilansprüche
1. Im angefochtenen Urteil wurde der Beschuldigte verpflichtet, dem Privat-
kläger 1 Fr. 15'000.– zuzüglich Zinsen zu 5% seit 3. Oktober 2014 als Genugtu-
ung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
Der Beschuldigte liess diese Anordnung anfechten (Urk. 70; Urk. 79 S. 2). Der
Privatkläger 1 hat dagegen kein Rechtsmittel ergriffen.
2. Die allgemeinen Voraussetzungen und gesetzlichen Grundlagen für die
Beurteilung des Genugtuungsanspruches wurden durch die Vorinstanz korrekt
wiedergegeben und zutreffend festgehalten, dass der Privatkläger 1 sich im Vor-
verfahren mit Formular vom 4. Oktober 2014 als Privat- und Strafkläger konstitu-
iert und noch nicht bezifferte Schadenersatz- sowie Genugtuungsansprüche an-
gemeldet hatte (Urk. 67 S. 5 und S. 62). Diese Erwägungen brauchen nicht wie-
derholt zu werden.
3. Zur Begründung seiner Genugtuungsforderung liess der Privatkläger 1 vor
Vorinstanz geltend machen, dass er durch die schwere Körperverletzung eine er-
hebliche Störung des psychischen Gleichgewichts erlitten habe, da nach der Tat
lange nicht klar gewesen sei, ob er auf einem Auge dauerhaft blind bleibe. Diese
Ungewissheit sei für ihn besonders belastend gewesen. Zudem habe er damit ge-
rechnet, ein Leben lang im Gesicht entstellt zu sein. Zum Glück seien die Narben
gut verheilt, bei näherer Betrachtung seines Gesichtes seien die zahlreichen Nar-
ben rund ums Auge jedoch immer noch gut erkennbar. Erst nach vier Operationen
und dutzenden Konsultationen von Ärzten habe eine Stabilisierung der Sehkraft
erwirkt werden können. Sein Leidensweg sei deshalb besonders lang und
schlimm gewesen. Zudem müsse er ein Leben lang mit der jederzeitigen Ablö-
sung der Netzhaut sowie einer einseitigen Erblindung rechnen. Dies stelle eine
dauernde, schwere psychische Belastung dar. Auch seine beruflichen Möglichkei-
ten seien aufgrund seiner Verletzungen enorm eingeschränkt worden. Seien ihm
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vorher noch alle Türen offen gestanden, habe er sein zukünftiges Tätigkeitsgebiet
nach der Tat massiv einschränken müssen. Sein Leben werde nun überschattet
von der Unsicherheit über die Entwicklung seines geschädigten Auges und die
Gesundheit des nicht geschädigten Auges (Urk. 49 S. 5 f.).
4. Der Beschuldigte hat durch seinen Schlag mit dem Glas widerrechtlich
und schuldhaft in die physische und psychische Integrität des Privatklägers 1 ein-
gegriffen und diesem erhebliche seelische Unbill zugefügt, indem dieser durch die
Sehbeeinträchtigung ein Leben lang eingeschränkt bleibt, beruflich aber auch in
seiner Freizeitgestaltung, und immer wieder an den erlittenen Vorfall erinnert wird.
Der Privatkläger 1 musste sich mehreren Operationen unterziehen, hat damit ei-
nen intensiven Leidensweg hinter sich, und aufgrund eines erhöhten Risikos für
eine Netzhautablösung sowie allfällig noch bevorstehender Operationen (vgl.
Urk. D1/21/25) eine ungewisse Zukunft vor sich. Das Tatverschulden erweist sich
beim Beschuldigten als gesamthaft immer noch als keineswegs leicht (vgl. vor-
stehend, Erw. V.4.2.2.).
5. Nachdem der Privatkläger 1 die Höhe der ihm von der Vorinstanz zuge-
sprochenen Genugtuung von Fr. 15'000.– nicht angefochten hat, schliesst das
Verschlechterungsverbot eine höhere Genugtuungssumme von vornherein aus
(Art. 391 Abs. 2 StPO), sodass die von der Vorinstanz festgesetzte Genugtuungs-
summe von Fr. 15'000.– zuzüglich 5% Zins ab 3. Oktober 2014 als der Intensität
der erlittenen Unbill und dem Verschulden des Beschuldigten angemessen zu be-
stätigen ist.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet
sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO). Da es auch im Berufungsverfahren bei den Schuldsprüchen bleibt,
ist die von der Vorinstanz angeordnete Kostenauflage im Umfang von vier Fünftel
samt Rückforderungsvorbehalt (Dispositivziffern 12 und 14 teilweise) zu bestäti-
gen.
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2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seinen Anträgen vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft unterliegt bei
der beantragten Strafhöhe sowie mit ihrem Antrag auf Widerruf. Entsprechend
rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten drei Viertel der Kosten aufzuerlegen. Im
Übrigen sind die Kosten des Berufungsverfahrens auf die Gerichtskasse zu neh-
men.
3. Der von der amtlichen Verteidigung geltend gemachte Aufwand für das
Berufungsverfahren erweist sich als zu hoch, da gemäss Honorarnote (Urk. 80)
für die Berufungsverhandlung 300 Minuten (tatsächliche Dauer: 103 Minuten,
Prot. II S. 4 und S. 23) sowie für die Nachbesprechung 120 Minuten verrechnet
worden sind, was zu reduzieren ist. Folglich ist die amtliche Verteidigung für einen
angemessenen Aufwand für das Berufungsverfahren mit insgesamt Fr. 14'000.–
(inkl. Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind unter Vorbehalt des anteilsmäs-
sigen Rückforderungsrechts des Staates gegenüber dem Beschuldigten auf die
Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4 StPO).
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