Decision ID: 448245fc-a4ef-43ad-b00e-499630edbafb
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Der Gesundheitsrat des Kantons St. Gallen erteilte A._ am 19. September 1996 eine
für den ganzen Kanton gültige unbefristete Bewilligung zur selbständigen
Berufsausübung als Zahnarzt. Nachdem ihm das Gesundheitsdepartement (GD) im
Rahmen eines Disziplinarverfahrens die Berufsausübungsbewilligung mit Verfügung
vom 27. November 2012 (act. G 7.1/4 [155]) vorsorglich entzogen hatte, wies es am 11.
November 2013 (act. G 7.1/7 [220]) sein Gesuch um Erteilung einer (neuen)
Berufsausübungsbewilligung mangels Vertrauenswürdigkeit ab und trat auf das
Begehren um Wiedererwägung des vorsorglichen Bewilligungsentzugs nicht ein. Diese
Verfügung erwuchs in Rechtskraft. Mit Verfügung vom 10. November 2015 wies das
GD ein Ausstandbegehren von A._ gegen den Verfahrensleiter B._ (Ziff. 1) sowie ein
Gesuch um Einsicht in die nicht zu den Akten genommenen Patientenbeschwerden ab
(Ziff. 2). Es stellte ferner fest, dass die Vertrauenswürdigkeit von A._ nicht gegeben
und seine berufliche Eignung nachhaltig in Frage gestellt sei (Ziff. 3). Im Weiteren trat
es auf die Gesuche um Wiedererwägung der Verfügungen vom 27. November 2012
und vom 11. November 2013 nicht ein (Ziff. 4 f.). Ferner büsste es A._ disziplinarisch
mit CHF 10‘000 (act. G 7.1/8 [act. 369]). Hiergegen erhob er durch seinen
Rechtsvertreter, Rechtsanwalt PD Dr. Peter Reetz, Küsnacht, Beschwerde beim
Verwaltungsgericht (Verfahren B 2015/307). Mit Entscheid vom 24. August 2017 hiess
das Verwaltungsgericht die Beschwerde B 2015/307 gut, soweit darauf einzutreten
oder das Verfahren nicht gegenstandslos geworden war.
A.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Am 1. Dezember 2015 hatte der Rechtsvertreter von A._ bei der Anklagekammer des
Kantons St. Gallen Strafanzeige gegen C._, ehemaliger Generalsekretär des GD, und
D._, ehemaliger Leiter Rechtsdienst des GD, mit jeweils der Begründung erhoben,
diese hätten in einem Interview gegenüber der E._-Zeitung schützenswerte
Personendaten von ihm offenbart und damit das Amtsgeheimnis verletzt. Gestützt auf
diese Strafanzeige beantragte der Rechtsvertreter von A._ im Rahmen eines
Wiederaufnahmegesuchs vom 29. April 2016 die Aufhebung der Verfügungen vom
27. November 2012 und 11. November 2013 (Ziff. 1 und 2) und Gutheissung des
Gesuchs um Erteilung einer Berufsausübungsbewilligung als Zahnarzt (Ziff. 3; act. G
7.1/9 [406]). Die Departementsvorsteherin des GD bestätigte am 1. Juli 2016, dass sie
die beiden ehemaligen Mitarbeiter im Jahr 2012 mündlich ermächtigt habe, sich
gegenüber der E._-Zeitung zu der dem GD im Zusammenhang mit A._
vorgeworfenen Untätigkeit zu äussern. Auf die dagegen am 25. Juli 2016 erhobene
Beschwerde trat das Verwaltungsgericht mit Entscheid B 2016/173 vom 18. April 2018
nicht ein. Diesen Entscheid bestätigte das Bundesgericht mit Urteil 1C_268/2018 vom
12. Juli 2019.
A.b.
Am 2. Juni 2017 hatte A._, unter Berufung auf das kantonale Datenschutzgesetz
(DSG; sGS 142.1) ein Gesuch um vollständige Akteneinsicht sowie um
Auskunftserteilung mit Bezug auf die Akten des Disziplinarverfahrens und die
Berichterstattung in der Wochenzeitung "E._-Zeitung" (veröffentlicht am 28. Juni
2012) gestellt. Mit Schreiben vom 7. Juni 2017 teilte ihm das GD mit, die Zuständigkeit
betreffend das erwähnte Verfahren sei aufgrund der Beschwerdeerhebung auf das
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen (Verfahren B 2015/307) übergegangen. Für
die strafrechtlichen Abklärungen sei die Staatsanwaltschaft zuständig. Mit Beschwerde
vom 3. Juli 2017 (B 2017/131) stellte Rechtsanwalt Reetz für A._ das Rechtsbegehren,
es sei das GD anzuweisen, das Akteneinsichtsgesuch vom 2. Juni 2017 zu bearbeiten
und dem Beschwerdeführer die gewünschte Akteneinsicht zu erteilen. Mit Entscheid
vom 6. November 2017 hiess das Verwaltungsgericht die Beschwerde B 2017/131 gut
und wies die Sache zur Prüfung und Verfügung der Akteneinsicht an die Vorinstanz
zurück.
Am 7. Dezember 2017 verfügte das GD im Zusammenhang mit einem weiteren Gesuch
von A._ um Feststellung des Bewilligungsstatus, auf seinen Antrag auf Edition der GD-
actoren 162 f. des Disziplinarverfahrens (Patientenbeschwerden) werde unter Verweis
auf E. 15.3.3 des Verwaltungsgerichtsentscheids vom 24. August 2017 (B 2015/307) im
A.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rahmen des Vollstreckungsverfahrens nicht eingetreten. Jedoch sei festzuhalten, dass
angesichts der E. 2.5 im Verwaltungsgerichtsentscheid vom 6. November 2017
(B 2017/131) die Sache der bisher nicht edierten Patientenbeschwerden im
Zusammenhang mit der Erledigung des Gesuchs vom 2. Juni 2017 erneut zu prüfen
sein werde (Ziff. 2). Mit Verfügung vom 4. Mai 2018 eröffnete das GD A._, ihm werde
über seinen Rechtsvertreter PD Dr. Reetz Einsicht in die nicht bearbeiteten
Patientenanzeigen (GD-act. 162 f.) gewährt; dies ohne Anonymisierung oder inhaltliche
Einschränkungen. Die Akteneinsicht wurde unter der Auflage bewilligt, dass der
Rechtsvertreter seinem Mandanten die Dokumente nicht aushändigen und ihm keine
Auskünfte geben dürfe, welche zur Identifizierung von Aufsichtsanzeigern führen
könnten. Der Rechtsvertreter dürfe seinen Mandanten ausschliesslich über Umfang,
Form und Inhalt der Patientenanzeigen orientieren (Ziff. 2). Das GD werde nach
erfolgter Akteneinsicht den Aufsichtsanzeigern die sie betreffenden Unterlagen
zurückgeben (Ziff. 3). Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde B 2018/126
hiess das Verwaltungsgericht, soweit es darauf eintrat, mit Entscheid vom 10. Februar
2019 in dem Sinn teilweise gut, als es die Kostenauferlegung für den Verfügungserlass
aufhob und Vorinstanz anwies, dem Beschwerdeführer den von ihm für das
Verwaltungsverfahren geleisteten Kostenvorschuss von CHF 1'500 zurückzuerstatten.
Im Übrigen wurde die Beschwerde abgewiesen.
Mit Eingabe vom 14. Dezember 2017 legte der Rechtsvertreter von A._ dem GD eine
Liste fehlender Akten vor. Im Nachgang zu einer umfangreichen Korrespondenz
verfügte das GD am 19. Dezember 2018 (act. G 7.1/10 [594]) folgendes: Auf die
Anträge, welche sich auf die im Disziplinarverfahren nicht verwendeten
Patientenanzeigen beziehen würden (Beschwerdeverfahren B 2018/126), werde nicht
eingetreten (Ziff. 1). Soweit A._ eine Ausforschung von GD-Mitarbeitenden
beabsichtige, werde der entsprechende Antrag nicht an die Hand genommen (Ziff. 2).
Es werde festgehalten, dass das GD das Gesuch vom 2. Juni 2017 und seine
Ergänzungen vollständig beantwortet habe, soweit die Daten tatsächlich vorhanden
und die Anträge zulässig seien (Ziff. 3). Es werde festgestellt, dass die für das
Disziplinarverfahren relevanten Akten zum Dossier genommen worden seien. Der
Vorwurf der Unvollständigkeit der Akten sei unzutreffend (Ziff. 4). Der Antrag auf
Eröffnung eines Beweisverfahrens mit Befragungen und schriftlichen Anfragen zur
Rekonstruktion von nicht aktenkundigen Ereignissen werde abgewiesen (Ziff. 5). A._
werde Einsicht in folgende Akten uneingeschränkt gewährt: Anhänge 4-9, 12 f., 24, 26
f., 29, 39-45, 47, 49-52, 55, 58-62, 64, 66, 67, 69-78, 80, 82, 84, 87, 89, 91-93, 95, 101,
103, 116, 121-133 (act. G 11.2 und 11.3) sowie Akten Z._ 1-9 und P._ 1 und 2 (act. G
A.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
11.4; Ziff. 6). Die in der Verfügung (E. 7.7) als vertraulich eingestuften Akten würden
zum Schutz von Drittpersonen nicht herausgegeben. A._ erhalte durch diese
Verfügung Auskünfte über den Inhalt dieser vertraulichen Akten (Ziff. 7). Die in der
Verfügung (E. 7.8) zitierten verwaltungsinternen Akten würden nicht herausgegeben.
Das ausnahmsweise bestehende Auskunftsrecht werde durch die Wiedergabe der
entsprechenden Inhalte in E. 7.9 der Verfügung gewährleistet (Ziff. 8). A._ werde eine
Entscheidgebühr von CHF 1500 auferlegt (Ziff. 9). Die gegen diese Verfügung erhobene
Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht mit Entscheid B 2019/24 vom 25. Juni 2019
unter Aufhebung der Dispositivziffern 2-4 sowie 8 und 9 der angefochtenen Verfügung
teilweise gut und wies die Sache an die Vorinstanz zur Prüfung der Frage zurück, ob
der Offenlegung des E-Mailverkehrs B._/ehemaliger Kantonszahnarzt F._ betreffend
das Disziplinarverfahren des Beschwerdeführers Verweigerungsgründe im Sinn von Art.
18 DSG entgegenstehen.
Mit Verfügung vom 17. Januar 2019 war das GD sodann auf das Gesuch vom 29. April
2016 um Wiederaufnahme der Verfügungen vom 27. November 2012 und vom 11.
November 2013 nicht eingetreten (Ziff. 1). Das Gesuch vom 29. Juli 2016 um Erteilung
der aufschiebenden Wirkung und einer vorsorglichen Berufsausübungsbewilligung
werde zufolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben (Ziff. 2). Der Antrag auf
Parteientschädigung vom 6. Dezember 2018 werde abgewiesen (Ziff. 3). Die Gebühr
von CHF 2'000 gehe zulasten von A._ (Ziff. 4). Die gegen diese Verfügung erhobene
Beschwerde wies das Verwaltungsgericht im Entscheid B 2019/30 vom 6. Juni 2019
ab, soweit es darauf eintrat.
Am 20. März 2019 ersuchte Rechtsanwalt Reetz für A._ beim GD erneut um
Wiederaufnahme des Disziplinar- und Berufsausübungsbewilligungsverfahrens bzw.
um Aufhebung der Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013.
Hierbei verwies er auf Erkenntnisse aus der Verfügung vom 19. Dezember 2018
betreffend Aktenvervollständigung (act. G 7.1/14 [595]). Mit Verfügung vom 27. Mai
(act. G 2/2) trat das GD auf das Gesuch um Wiederaufnahme der Verfügung vom 27.
November 2012 nicht ein (Ziff. 1). Das Gesuch um Wiederaufnahme der Verfügung vom
11. November 2013 wies es ab (Ziff. 2). Den Antrag auf Parteientschädigung wies es ab
(Ziff. 3) und auferlegte dem Gesuchsteller eine Gebühr von CHF 2'500.
A.e.
Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Reetz für A._ am 11. Juni 2019
B.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, VRP; sGS 951.1). Der Beschwerdeführer
ist zur Beschwerde berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeeingabe vom 11. Juni 2019 entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den
gesetzlichen Anforderungen (Art. 47 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Beschwerde (act. G 1) mit den Rechtsbegehren, die Verfügung sei aufzuheben und es
sei die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen mit der
Anweisung, auf das Wiederaufnahmegesuch vom 20. März 2019 einzutreten und
dieses materiell zu behandeln (Ziff. 1). Eventualiter sei das Wiederaufnahmegesuch
gutzuheissen (Ziff. 2). Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Vorinstanz
(Ziff. 3).
In der Vernehmlassung vom 9. Juli 2019 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde unter Kostenfolge, soweit darauf einzutreten sei (act. G 6).
B.b.
In der Eingabe vom 2. Oktober 2019 bestätigte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers seine Anträge und Ausführungen (act. G 12). Mit Eingabe vom 7.
Oktober 2019 gab der Rechtsvertreter bekannt, der Beschwerdeführer habe an der
Meisterschaft G._ den 1. Platz erreicht (act. G 14). Hierzu äusserte sich die Vorinstanz
mit Stellungnahmen vom 14. und 17. Oktober 2019 (act. G 17 und 19). In der Folge
ging eine weitere Eingabe des Beschwerdeführers vom 28. Oktober 2019 ein (act. G
21). Die Vorinstanz verzichtete auf die ihr eingeräumte Möglichkeit zur Stellungnahme
(act. G 22).
B.c.
Auf die Vorbringen in den Eingaben des vorliegenden Verfahrens wird, soweit für den
Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.d.
bis
Gemäss Art. 81 Abs. 1 VRP kann gegen Verfügungen und Entscheide die
Wiederaufnahme des Verfahrens mit der Begründung verlangt werden, die Verfügung
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
oder der Entscheid sei durch Arglist oder strafbare Handlung beeinflusst gewesen (lit.
a), die Behörde habe sich in einem offenkundigen Irrtum über entscheidende
Tatsachen befunden (lit. b) oder die Behörde habe wesentliche Tatsachen oder
Beweismittel, die zur Zeit des Erlasses der Verfügung oder des Entscheids bestanden
hätten, nicht gekannt (lit. c). Nach Abs. 2 der gleichen Bestimmung wird auf
Wiederaufnahmebegehren nur eingetreten, wenn die Gründe mit einem ordentlichen
Rechtsmittel nicht geltend gemacht werden konnten und dies auch bei zumutbarer
Sorgfalt unmöglich war (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 1182). Zuständig zum Entscheid über das
Wiederaufnahmegesuch ist gemäss Art. 82 Abs. 1 VRP diejenige Instanz, welche die
Verfügung oder den Entscheid getroffen hat. Das Wiederaufnahmebegehren kann
innert drei Monaten eingereicht werden, nachdem der Betroffene vom
Wiederaufnahmegrund Kenntnis erhalten hat, spätestens aber innert zehn Jahren seit
der Eröffnung der Verfügung oder des Entscheides (Art. 83 Abs. 1 VRP). Das
Wiederaufnahmebegehren, mit dem geltend gemacht wird, die Verfügung oder der
Entscheid sei durch Arglist oder strafbare Handlung beeinflusst gewesen, ist an keine
Frist gebunden (Art. 83 Abs. 2 VRP). Art. 83 Abs. 2 VRP hat zur Folge, dass die Person,
welche eine Beeinflussung einer Verfügung durch Arglist oder strafbare Handlung
geltend macht, lediglich an die absolute zehnjährige Frist zur Einreichung des
Revisionsgesuchs nicht gebunden ist. Hingegen hat sie ihr Gesuch auch in diesem Fall
- wenn nicht innerhalb von drei Monaten - innert nützlicher Frist ab Kenntnis des
Revisionsgrundes zu stellen. Unterlässt sie dies, läuft sie Gefahr, dass ihre
Rechtsmittelberechtigung wegen fehlenden Rechtsschutzinteresses verneint wird
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1186).
Im Weiteren statuiert Art. 27 VRP die Zulässigkeit von Wiedererwägungsgesuchen.
Solche Gesuche begründen grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Stellungnahme der
Behörde in der Sache und hemmen den Fristenlauf nicht. Ein Anspruch auf materielle
Wiedererwägung besteht, wenn sich die Verhältnisse (Sach- und Rechtslage) seit dem
Erlass der ursprünglichen Verfügung erheblich geändert haben oder wenn vom
Gesuchsteller wichtige Tatsachen oder Beweise geltend gemacht werden, die ihm zur
Zeit der ersten Entscheidung nicht bekannt waren oder von ihm nicht geltend gemacht
werden konnten (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 575 mit Hinweisen; GVP 2007 Nr. 67;
VerwGE B 2014/249 vom 28. April 2015, E. 2; VerwGE B 2016/17 vom 17. Januar
2018, E. 2.1, www.gerichte.sg.ch). Ausnahmsweise kann eine unrichtige
Rechtsanwendung ein Rückkommen auf urteilsähnliche Verfügungen rechtfertigen,
sofern der Verfügung schwerwiegende materielle Fehler anhaften und die unveränderte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Weitergeltung der Verfügung zu einem stossenden und dem Gerechtigkeitsgefühl
zuwider laufenden Ergebnis führen würde (BGE 98 Ia 568 E. 5b).
Der Beschwerdeführer begründete das Revisionsgesuch vom 20. März 2019 im
Wesentlichen damit, aus der Verfügung vom 19. Dezember 2018 (act. G 7.1/12 [594])
habe sich ergeben, dass die Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November
2013 durch (weitere) strafbare Handlungen und Arglist beeinflusst worden seien.
Anlässlich eines in der Verfügung vom 19. Dezember 2019 erwähnten Gesprächs vom
22. November 2012 in den Räumlichkeiten des GD - Gesprächsteilnehmer seien eine
(anonyme) Auskunftsperson, der Verleger und ein Redaktor der E._-Zeitung sowie GD-
Mitarbeiter gewesen - seien mutmasslich Amtsgeheimnisse im Sinn von Art. 320 StGB
offenbart oder bestehende Vermutungen bzw. bestehendes Wissen bestätigt worden
(vgl. act. G 7.1/12 [594] E. 7.7.3 f.). Eine schriftliche Einwilligung der vorgesetzten
Behörde habe nicht vorgelegen und könne nicht nachträglich produziert werden (act. G
7.1/14 [595] Rz. 3 und 5-7). Ein Zusammenhang zwischen dem Gespräch vom 22.
November 2012 und der Verfügung vom 27. November 2012 könne nicht von der Hand
gewiesen werden. Die Verfügung vom 27. November 2012 sei auf medialen Druck der
E._-Zeitung erfolgt. Die Verfügung vom 11. November 2013 wiederum sei eine Folge
davon gewesen, womit das mutmasslich strafrechtlich relevante Verhalten auch den
Erlass der Verfügung vom 11. November 2013 beeinflusst habe (act. G 7.1/14 [595] Rz.
9). Sowohl der Beschwerdeführer als auch die Departementsvorsteherin des GD seien
beim Erlass der Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013 durch
den damaligen Leiter Rechtsdienst des GD einerseits und die damalige
Verfahrensleiterin des GD anderseits über den Stand der Verfahrensakten arglistig
getäuscht worden. Dies daher, weil relevante E-Mails nicht zu den Akten genommen
worden seien und die Liste (Patientenbeschwerden) der E._-Zeitung vom GD nach
dem Gespräch vom 22. November 2012 anonymisiert zu den Akten genommen worden
sei. Durch die Anonymisierung sei die Departementsvorsteherin darüber getäuscht
worden, dass in Tat und Wahrheit keine 50 Patientenbeschwerden (mit welchen die
Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013 begründet worden
seien) vorliegen würden (act G 7.1/14 [595] Rz. 13-19).
2.2.
Die Vorinstanz legte im angefochtenen Entscheid unter anderem dar, der
Beschwerdeführer habe am 6. Dezember 2012 auf seine Berufsausübungsbewilligung
verzichtet. Somit könne die beantragte Revision nicht die Wiederherstellung der
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ursprünglichen Bewilligung zur Folge haben. Da die Verfügung vom 27. November
2012 ausschliesslich für die Dauer des Disziplinarverfahrens gültig gewesen und mit
der Rechtskraft jenes Verfahrens aufgehoben worden sei, sei auf das Gesuch um deren
Aufhebung nicht einzutreten (act. G 2/2 S. 3).
Der Beschwerdeführer macht hierzu geltend, der Umstand, dass mit der Verfügung
vom 27. November 2012 vorsorgliche Massnahmen getroffen worden seien, ändere
nichts daran, dass die Verfügung in Rechtskraft erwachsen sei und ihre ursprüngliche
Fehlerhaftigkeit nur mittels Revision korrigiert werden könne. Es gebe keinen Grund,
weshalb auf die Verfügung nicht zurückgekommen werden könnte. Es gehe um das
innerhalb des Disziplinarverfahrens durchgeführte Verfahren betreffend vorsorgliche
Massnahmen und nicht um das Disziplinarverfahren an sich. Er habe nach wie vor ein
grosses Interesse daran, dass auf die Verfügung vom 27. November 2012
zurückgekommen werde. Er sei in seiner Berufstätigkeit in der Schweiz und im EU-
Raum seit Erlass dieser Verfügung blockiert gewesen (act. G 1 S. 4-7).
Das Verwaltungsgericht hatte in VerwGE B 2015/307 a.a.O. betreffend den mit
Verfügung vom 27. November 2012 erfolgten vorsorglichen Entzug der
Berufsausübungsbewilligung für die Dauer des Verfahrens darauf hingewiesen, dass
von der Gegenstandslosigkeit des Begehrens auf Aufhebung der vorsorglichen
Massnahme auszugehen sei, da in der angefochtenen Verfügung (B 2015/307) ein
Entscheid in der Hauptsache gefällt worden sei. Gestützt auf eine summarische
Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit des Gesuchstellers habe sodann das
Verwaltungsgericht in der verfahrensleitenden Verfügung vom 12. Juli 2016 ein
Zurückkommen auf den vorsorglichen Entzug der Berufsausübungsbewilligung vom
27. November 2012 ausgeschlossen. Der Zwischenentscheid sei vom Bundesgericht
bestätigt worden (VerwGE B 2015/307 a.a.O., E. 3.3). Im Entscheid B 2015/307 bejahte
das Gericht die Vertrauenswürdigkeit des Beschwerdeführers (VerwGE B 2015/307
a.a.O., E. 6.3), deren Verneinung zuvor der wesentliche Anlass für den vorsorglichen
Bewilligungsentzug gebildet hatte.
Eine vorsorgliche Massnahme fällt mit der Rechtskraft des Entscheids in der
Hauptsache ohne Weiteres dahin (Seiler, in: Waldmann/Weissenberger,
Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Rz. 54 zu Art. 56 VwVG
mit Hinweisen; Cavelti, in: Auer/Müller/Schindler Hrsg., Kommentar zum Bundesgesetz
über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 22a VwVG). Einer
ausdrücklichen Aufhebung der vorsorglichen Anordnung bedarf es somit nicht. Wenn
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
der Beschwerdeführer ausführt, es gehe um das innerhalb des Disziplinarverfahrens
durchgeführte Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen und nicht um das
Disziplinarverfahren an sich (act. G 1 Rz. 19), so ist festzuhalten, dass sich in den
Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013 inhaltlich identische
Fragen stellten. Mit Eintritt der Rechtskraft der Verfügung vom 11. November 2013,
spätestens jedoch mit dem Entscheid vom 24. August 2017 bzw. der rechtskräftigen
Aufhebung des Disziplinarverfahrens fiel der am 27. November 2012 verfügte
vorsorgliche Bewilligungsentzug dahin, womit es diesbezüglich an einem der Revision
zugänglichen (materiellen) Sachverhalt und damit auch an einem Interesse des
Beschwerdeführers, diesen beurteilen zu lassen, fehlte. Von daher lässt es sich nicht
beanstanden, dass die Vorinstanz auf das Gesuch um Revision der Verfügung vom 27.
November 2012 - unabhängig vom formellen Weiterbestehen dieser Verfügung - nicht
eintrat. Seinem Interesse an der Neuüberprüfung des Bewilligungsentzugs trug sie mit
dem Eintreten auf das Gesuch um Revision der Verfügung vom 11. November 2013
(vgl. nachstehende E. 4) zureichend Rechnung. Aber selbst wenn im Sinn des
Standpunktes des Beschwerdeführers (act. G 1 S. 4-7, G 12 Rz. 6) auf das Gesuch um
Revision der Verfügung 27. November 2012 - mit Blick auf den rein formellen
Weiterbestand dieser Verfügung (vgl. VerwGE B 2019/30 a.a.O., E. 3.2) - einzutreten
gewesen wäre, hätte es - wie sich aus den nachstehenden Erwägungen zu der
inhaltlich im wesentlich deckungsgleichen Verfügung vom 11. November 2013 ergeben
wird - abgewiesen werden müssen.
Mit unangefochten in Rechtskraft erwachsenem Entscheid vom 24. August 2017 hiess
das Verwaltungsgericht die Beschwerde B 2015/307 (Disziplinarverfahren) gut, soweit
darauf einzutreten oder das Verfahren nicht gegenstandslos geworden war. Zur
Begründung hielt es unter anderem fest, die Frage, ob die (unangefochten in
Rechtskraft erwachsene) Verfügung vom 11. November 2013 betreffend Nichterteilung
der Berufsausübungsbewilligung in Wiedererwägung zu ziehen sei, brauche angesichts
der Möglichkeit des Beschwerdeführers, jederzeit beim GD ein neues Gesuch um
Erteilung der Berufsausübungsbewilligung stellen zu können, nicht geklärt zu werden.
Aus demselben Grund fehle es auch an einem Interesse des Beschwerdeführers an der
Prüfung seines Wiedererwägungsgesuchs. Auf dieses sei daher mangels
Rechtsschutzinteresse nicht einzutreten (VerwGE B 2015/307, a.a.O., E. 12.3). Eine
neue Berufsausübungsbewilligung wurde dem Beschwerdeführer in der Folge mit
Verfügung vom 6. November 2017 erteilt (act. 7.1/11 [532]). Mit seinem Gesuch vom
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
20. März 2019 macht er hinsichtlich der - formell nach wie vor bestehenden -
Verfügung vom 11. November 2013 einen Revisionsgrund im Sinn von Art. 81 Abs. 1 lit.
a VRP geltend. Auf die Prüfung des Gesuchs trat die Vorinstanz zu Recht ein und
erliess einen materiellen Entscheid. Der Einwand des Beschwerdeführers, dass
konsequenterweise auf das Revisionsgesuch betreffend die Verfügung vom 11.
November 2013 nicht hätte eingetreten werden dürfen (act. G 1 Rz. 5), ist insofern nicht
stichhaltig, als es sich bei der Frage, ob ein Revisionsgrund nach Art. 81 Abs. 1 VRP
vorliegt, nicht um eine Eintretensfrage, sondern um die materielle Frage handelt; dies
im Gegensatz zur Regelung von Art. 81 Abs. 2 VRP.
Gemäss Verfügung vom 19. Dezember 2018 hatte am 22. November 2012 in den
Räumlichkeiten des GD eine Besprechung mit einer (anonymen) Auskunftsperson,
einem Redaktor und dem Verleger der E._-Zeitung sowie Mitarbeitern des GD
(Verfahrensleiterin, Leiter Rechtsdienst, Generalsekretär) stattgefunden. Bei der
Besprechung und in der daran anschliessenden E-Mail-Korrespondenz ging es soweit
ersichtlich um Informationen betreffend die Berufsausübung durch den
Beschwerdeführer bzw. die von ihm verwendeten Implantate (vgl. act. G 7.1/12 [594] E.
7.7.3 f.). Die Vorinstanz legte hierzu im angefochtenen Entscheid dar, für die Ermittlung
des Sachverhalts und die Erhebung der Beweise (Art. 12 VRP) zur Erfüllung einer
gesetzlichen Aufgabe benötigten die GD-Mitarbeitenden keine Entbindung vom
Amtsgeheimnis. Eine Vorprüfung einer Beweiserhebung stelle keine
Amtsgeheimnisverletzung dar; in keinem Strafverfahren sei eine solche festgestellt
worden. Die weiteren Behauptungen, wonach die Verfügung vom 27. November 2012
auf medialen Druck der E._-Zeitung erfolgt und die Verfügung vom 11. November
2013 eine Folge davon gewesen sei, hätten rein spekulativen Charakter bzw. würden
auf Annahmen beruhen. Von Anfang an sei aktenkundig gewesen, dass die E._-
Zeitung dem GD am 22. November 2012 eine anonymisierte Liste mit 50 Personen zur
Verfügung gestellt habe, welche sich bei der Zeitung über den Beschwerdeführer
beschwert hätten. Der Umstand, dass die E._-Zeitung die Liste fünf Tage vor Erlass
der Verfügung vom 27. November 2012 abgegeben habe, weise auf keine unzulässige
Handlung hin. Auch sei in E. 3a jener Verfügung darauf hingewiesen worden, dass die
beim GD erhobenen Aufsichtsanzeigen und die bei der Zeitung eingegangenen
Meldungen sich in Vorabklärung befänden und dem Beschwerdeführer deshalb noch
nicht zur Stellungnahme unterbreitet worden seien. Mit Verfügungen vom 11.
November 2013 (act. G 7.1/7 [220]) und 4. Mai 2018 habe das GD erklärt, weshalb es
sich zum Schutz der Aufsichtsanzeiger entschieden habe, die Anzeigen nicht zu
untersuchen. Sodann sei in Dispositiv-Ziffer 4 der Verfügung vom 19. Dezember 2018
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Vorwurf der Unvollständigkeit der Akten als unzutreffend bestätigt worden. Auf die
einlässliche Begründung jener Verfügung sei zu verweisen. Der Entscheid, bestimmte
Auskünfte betreffend den Beschwerdeführer zum Schutz Dritter nicht zu bearbeiten,
könne nicht als "arglistige Verheimlichung von Verfahrensakten" abgestempelt werden.
Aus der Verfügung vom 19. Dezember 2018 ergebe sich nicht, dass ehemalige
Mitarbeitende des GD die Departementsvorsteherin in irgendeiner Weise getäuscht
hätten (act. G 2/2 S. 4 f.).
Der Beschwerdeführer führt hierzu in der Beschwerde aus, unklar sei, was die
Vorinstanz unter einer Vorprüfung einer Beweiserhebung verstehe. Aus dem in E. 7.7.3
f. der Verfügung vom 19. Dezember 2018 teilweise wiedergegebenen Inhalt von (dem
Beschwerdeführer nicht zugestellten) E-Mails lasse sich nicht entnehmen, dass es an
der Besprechung vom 22. November 2012 lediglich darum gegangen sei, sich über
Beweisquellen zu erkundigen. Vielmehr gehe aus der Verfügung hervor, dass anlässlich
des Gesprächs über zahnärztliche Behandlungsmethoden des Beschwerdeführers
gesprochen worden sei. Es sei gar nicht anders möglich, als dass Geheimnisse
offenbart bzw. bestehende Vermutungen oder bestehendes Wissen bestärkt worden
seien. Eine Entbindung vom Amtsgeheimnis liege nicht vor und könne auch nicht
nachträglich eingeholt werden. Anlässlich des Gespräch sei durch die teilnehmenden
Mitarbeiter des GD mutmasslich das Amtsgeheimnis verletzt worden. Der durch die
E._-Zeitung erzeugte mediale Druck, welchem sich die Vorinstanz gebeugt habe, sei
offensichtlich. In den Verfügungen vom 27. November 2012 und vom 11. November
2013 beziehe sich die Vorinstanz denn auch auf die bei der Redaktion der E._-Zeitung
eingegangenen Patientenbeschwerden. Diese anonymisierte Liste hätte nicht zur
Begründung der Verfügungen herangezogen werden dürfen. Im Weiteren sei die
Departementsvorsteherin beim Erlass der erwähnten Verfügungen von den ehemaligen
Mitarbeitern des GD (Leiter Rechtsdienst, Generalsekretär) getäuscht worden. Sodann
führe die Vorinstanz nicht aus, weshalb die Verwendung der anonymisierten Liste (act.
G 7.1/3 [146]), welche die angeblich 50 bei der E._-Zeitung eingegangenen
Patientenbeschwerden belegen solle, nicht arglistig sein solle. Sowohl der
Revisionsgrund der strafbaren Handlung als auch der Arglist seien vorliegend gegeben
(act. G 1 S. 7-13). Zudem sei dem Beschwerdeführer in die mit der Vernehmlassung
vom 9. Juli 2019 eingereichten (verfahrensfremden) Akten (vertrauliche E-Mail-
Korrespondenz im Verfahren Nr. D-17-6009; act. G 7.2) Einsicht zu gewähren. Das
Verwaltungsgericht dürfe seinen Entscheid nicht auf departementale Geheimakten
stützen. Gegen den Entscheid B 2019/24 vom 25. Juni 2019 sei beim Bundesgericht
Beschwerde erhoben worden, weshalb er nicht in Rechtskraft erwachsen sei. Hieraus
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
könne somit die Rechtmässigkeit der Nichtbekanntgabe der Akten nicht abgeleitet
werden. Im Weiteren sei schleierhaft, um was für eine Beweisabnahme es sich beim
Gespräch vom 22. November 2012 gehandelt haben sollte. Keine einzige der angeblich
getätigten Meldungen habe in einem Disziplinarverfahren geendet. Es handle sich um
unbegründete Behauptungen von Denunzianten, denen konsequenterweise auch nicht
weiter nachgegangen worden sei. Bei der Entbindung vom Amtsgeheimnis handle es
sich um eine verfahrensleitende Anordnung im Sinn von Art. 20 VRP. Aus Art. 12 Abs. 1
VRP zu folgern, eine Entbindung vom Amtsgeheimnis erübrige sich, sei nicht
nachvollziehbar (act. G 12).
4.4.
In VerwGE B 2018/126 a.a.O. und in VerwGE B 2019/24 a.a.O., E. 3.1, hatte das
Verwaltungsgericht die bereits in VerwGE B 2015/307 a.a.O. (insbesondere in E. 6.3
und E. 15.3.3) anerkannte Rechtmässigkeit der Nichtbekanntgabe der erwähnten
Patientenbeschwerden an den Beschwerdeführer bzw. den Schluss der Vorinstanz,
wonach die Haltung des Beschwerdeführers gegenüber
Patientenschutzorganisationen, Nachbehandlern, Berufskollegen, Gutachtern und
öffentlichen Angestellten seine Reaktion bei Einsicht in die Patientenanzeigen als nicht
voraussehbar habe erscheinen lassen, bestätigt. Sodann hielt es fest, das Interesse
des Beschwerdeführers an der Offenlegung der Patientenbeschwerden sei insofern
herabgesetzt, als die Patientenbeschwerden zu einem erheblichen Teil verjährte und/
oder nachträglich nicht beweisbare Sachverhalte bzw. nicht belegbare Kausalitäten
betreffen dürften. Sein Interesse an einer Bekanntgabe sei auch deshalb vermindert,
weil die betreffenden Daten nicht zu seinen Lasten verwendet worden seien und dies
auch künftig nicht beabsichtigt sei (VerwGE B 2018/126 a.a.O. E. 3.1; VerwGE B
2019/24 a.a.O. E. 3.1). - Angesichts dieser Gegebenheiten erweist sich das Vorbringen
des Beschwerdeführers, wonach die Patientenbeschwerden zur Begründung der
Verfügungen herangezogen worden seien (act. G 1 Rz. 33), bereits im Ansatz als
unbegründet. Hieraus lässt sich dementsprechend kein Grund für eine Revision der
Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013 ableiten. Der Hinweis
des Beschwerdeführers auf seinen ersten Platz an der Meisterschaft G._ für
Zahnspezialisten bzw. seinen ausserordentlichen fachlichen Leistungsausweis sowie
auf den Umstand, dass die E._-Zeitung nunmehr implizit die frühere tendenziöse
Berichterstattung über ihn als unangebracht und nicht den Tatsachen entsprechend
anerkenne (act. G 14) vermag zu keiner anderen Würdigung zu führen. Die
Nichtoffenlegung der Patientenbeschwerden steht denn auch in keinem
4.4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zusammenhang mit den unbestrittenen fachlichen Qualifikationen des
Beschwerdeführers.
Der Beschwerdeführer fragt sich, inwieweit es zulässig sein solle, dass die Vorinstanz
dem Verwaltungsgericht Akten eines anderen Verfahrens (D-17-6009; act. G 7.2)
einreiche (act. G 12 Rz. 2). Hierzu ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer selbst in
seinem Gesuch vom 20. März 2019 um Wiederaufnahme auf jenes Verfahren und darin
erstellte Akten Bezug nahm (vgl. act. G 7.1/14 Rz. 5 und 12). Von daher ist ohne
Weiteres von der Zulässigkeit/Notwendigkeit der Einreichung dieser Akten durch die
Vorinstanz im vorliegenden Beschwerdeverfahren auszugehen. In VerwGE B 2019/24
klärte das Verwaltungsgericht die Frage, ob sich die Vorinstanz für die Verweigerung
der Offenlegung der von ihr - zusätzlich zu den erwähnten Patientenbeschwerden - als
"vertraulich" bezeichneten Daten (E-Mails) im Verfahren D-17-6009 zu Recht auf
schutzwürdige private Interessen Dritter (Art. 18 DSG) berief. Es kam zum Schluss,
dass die Vorinstanz in der Verfügung vom 19. Dezember 2018 (E. 7.7) den Inhalt der
von ihr als "vertraulich" bezeichneten Daten im Einzelnen dargelegt habe. Vor dem
Hintergrund, dass einzelne Auskunftspersonen explizit um vertrauliche Behandlung
ihrer Angaben ersucht hätten, habe die Vorinstanz einer Weitergabe entgegenstehende
schutzwürdige private Interessen Dritter im Sinn von Art. 18 DSG bejaht und überdies
festgehalten, dass die Informationen für die Entscheidfindung im Disziplinarverfahren
weder weiter verfolgt noch für den Entscheid berücksichtigt worden seien (vgl.
Verfügung vom 19. Dezember 2018, E. 7.7.1 und 7.7.5). Sie stütze sich auf ein privates
schutzwürdiges Interesse Dritter an der Nichtbekanntgabe. Das Ersuchen einzelner
Personen (Anzeiger/Informanten) um vertrauliche Behandlung erscheine
nachvollziehbar und mache mithin ihr Interesse an der Nichtbekanntgabe deutlich.
Überdies sei ganz allgemein ein privates Interesse von Personen an der Nichtpreisgabe
ihrer Identität zu bejahen, wenn sie der Vorinstanz Sachverhalte melden würden, bei
denen aus ihrer Sicht Unstimmigkeiten/Mängel beständen. Eine Preisgabe der Identität
würde für viele Anzeiger Anlass bilden, auf eine Meldung zu verzichten. Als Folge
davon könnte die Vorinstanz ihre Aufgabe als Aufsichtsbehörde nur noch
eingeschränkt wahrnehmen. Mit Blick auf diese Umstände und die Feststellung in
VerwGE B 2018/126, wonach hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit des Verhaltens des
Beschwerdeführers sein aktenkundiger Umgang mit Mitarbeitern des GD und
Berufskollegen nicht ausser Betracht bleiben könne und die Konfrontation mit
gegenteiligen Auffassungen oder kritischen Fragen emotionale Reaktionen bei ihm
ausgelöst habe (VerwGE B 2018/126 a.a.O. E. 3.1 mit Hinweis auf VerwGE B 2015/307,
4.4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
a.a.O., E. 6.3 mit Hinweisen), erweise sich die Nichtbekanntgabe von Anzeigern/
Informanten als zureichend begründet. Es sei kein konkreter Anlass dargetan, aufgrund
dessen die Nichtbekanntgabe der in Dispositivziffer 7 als "vertraulich" bezeichneten
Akten zu beanstanden wäre (VerwGE B 2019/24 a.a.O., E. 3.3).
Diese Darlegungen, welche die hier zur Diskussion stehende vertrauliche E-Mail-
Korrespondenz im Verfahren D-19-6009 (act. G 7.2) betreffen, haben - ungeachtet des
Umstands, dass der Entscheid B 2019/24 zufolge Weiterzugs noch nicht in Rechtskraft
erwachsen ist - auch für das vorliegende Verfahren Gültigkeit. Die Nichtbekanntgabe
der Korrespondenz zum Schutz von Auskunftspersonen und Anzeigern im Verfahren
D-17-6009 lässt sich dementsprechend nicht beanstanden, und eine Gehörsverletzung
ist zu verneinen. Eine Bekanntgabe kommt dementsprechend auch im vorliegenden
Verfahren nicht in Betracht. Hierbei ist festzuhalten, dass der Inhalt der E-Mail-
Korrespondenz als solcher (ohne Nennung der Auskunftspersonen) dem
Beschwerdeführer bereits aufgrund der ausführlichen Darlegungen in E. 7.7 der
Verfügung vom 19. Dezember 2018 (act. G 7.1/12) bekannt ist. Der Beschwerdeführer
hat somit - entgegen seiner Auffassung (act. G 12 Rz. 3) - Kenntnis vom wesentlichen
Sachverhalt. Er hatte überdies auch mehrfach Gelegenheit, sich hierzu zu äussern. Der
Inhalt der E-Mail-Korrespondenz ist für die Klärung der Frage, ob auf das
Wiederaufnahmegesuch vom 20. März 2019 zu Recht nicht eingetreten (Verfügung vom
27. November 2012) bzw. ob es zu Recht abgewiesen wurde (Verfügung vom
11. November 2013), und damit für den vorliegenden Entscheid relevant. Hierauf weist
der Beschwerdeführer zu Recht hin (act. G 12 Rz. 2). Aus dem Inhalt der E-Mail-
Korrespondenz ergeben sich jedoch keine Hinweise auf das Vorliegen eines
Wiederaufnahmegrundes im Sinn von Art. 81 Abs. 1 VRP. Dies umso weniger, als die in
dieser Korrespondenz enthaltenen Informationen für die Entscheidfindung im
Disziplinarverfahren und damit auch für den Erlass der Verfügungen vom 27. November
2012 und 11. November 2013 gar keine Verwendung fanden. Sodann sind für den
Entscheid die in der E-Mail-Korrespondenz enthaltenen Namen der
Auskunftspersonen/Anzeiger/Informanten vorliegend nicht relevant, denn eine
Preisgabe der Identität dieser Personen bzw. die Kenntnis ihrer "Motivlage" (vgl. act. G
12 Rz. 3 am Schluss) wäre zum vornherein nicht geeignet, einen Wiederaufnahmegrund
im Sinn von Art. 81 Abs. 1 VRP zu belegen. Dies schon deshalb, weil wie dargelegt die
von ihnen gelieferten Informationen für den Verfügungserlass gar nicht zur Verwendung
kamen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Im Jahr 2012 sah sich die Vorinstanz aufgrund von Interventionen der mehrfach
erwähnten Wochenzeitung betreffend die Berufstätigkeit des Beschwerdeführers
veranlasst, mit der Wochenzeitung in Kontakt zu treten. Die Besprechung vom 22.
November 2012, anlässlich derer die Wochenzeitung der Vorinstanz die Liste von
Personen übergab, welche sich über den Beschwerdeführer beschwerten (vgl.
Verfügung vom 27. November 2012, S. 4 Sachverhalt U.; act. G 7.1/4 [155]), war zur
Ermittlung des Sachverhalts (vgl. Art. 12 VRP und Art. 2 Abs. 2 der Verordnung über
die Ausübung medizinischer Berufe [sGS 312.0], VMB) im Rahmen der Wahrnehmung
der Aufsichtsfunktion durch das GD und damit in einem Verwaltungsverfahren im Sinn
von Art. 1 Abs. 1 lit. a VRP erfolgt. In diesem Kontext kommt - entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 1 Rz. 29) - auch das Gespräch mit
Auskunftspersonen als Abklärungsmittel in Betracht. Dies auch dann, wenn nicht zum
vornherein klar ist, welcher Art eine allfällige daran anschliessende Beweisabnahme
sein wird und welche Qualität/Brauchbarkeit den Beweisen zukommen wird. Der
Umstand, dass die erhaltenen Informationen in der Folge - wie der Beschwerdeführer
zu Recht vermerkt - nicht zu einem Disziplinarverfahren führten und ihnen nicht weiter
nachgegangen wurde (act. G 12 Rz. 11), ändert nichts daran, dass die
Sachverhaltsabklärung in Form der Besprechung vom 22. November 2012 zur Erfüllung
einer gesetzlichen Aufgabe (vgl. Art. 3 Gesundheitsgesetz [sGS 311.1], GesG)
grundsätzlich zulässig war. Art. 3 GesG und Art. 2 Abs. 2 VMB beinhalten denn auch
ein Informationsbeschaffungsrecht des GD insofern, als nur bei Vorliegen des letzteren
die Aufsichtsausübung überhaupt gewährleistet werden kann. Die mit der
Sachbearbeitung und der Leitung des Rechtsdienstes betrauten Mitarbeiter des GD
sind aufgrund von Art. 2 Abs. 1 lit. a und 3 Abs. 1 lit. a der Ermächtigungsverordnung
(ErmV; sGS 141.41) für die Datenbearbeitung im Rahmen der Ermittlung des
Sachverhalts zuständig. Der Umstand allein, dass am erwähnten Gespräch
Mitarbeitende des GD beteiligt waren, belegt offensichtlich noch nicht, dass während
dieses Gesprächs auch Amtsgeheimnisse verhandelt bzw. tatsächlich verletzt wurden.
Zahnärztliche Behandlungsmethoden des Beschwerdeführers (vgl. act. G 1 Rz. 29 am
Schluss) wurden im Wesentlichen vom Zeitungsverleger zur Sprache gebracht. Dass
die damals anwesenden Vertreter von sich aus solche Angaben gemacht oder bestätigt
hätten, lässt sich den Akten nicht entnehmen (vgl. act. G 7.1/12 E. 7.7.3 f.). Es war vor
dem geschilderten rechtlichen Hintergrund - entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers (act. G 1 Rz. 29 f.) - nicht nötig, für die Besprechung vom 22.
November 2012 zusätzlich eine Zustimmung der Departementsvorsteherin bzw. eine
Entbindung vom Amtsgeheimnis einzuholen.
4.4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
In den Verfügungen vom 27. November 2012 (E. 5b) und 11. November 2013 (E. 5b/j)
erwähnte die Vorinstanz die bei der E._-Zeitung eingereichten Patientenbeschwerden.
Hieraus sowie aus dem vom Beschwerdeführer eingereichten E-Mail vom 19.
November 2012 (act. G 2/4: Mitteilung des Zeitungsredaktors, dass A.F. betreffend den
Beschwerdeführer eine vorsorgliche Massnahme als angezeigt erachte und weiteres
Beweismaterial liefern würde) lässt sich indessen entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers (act. G 1 Rz. 32) nicht mit der Begründung, das GD habe sich dem
medialen Druck gebeugt, ein Grund für die Revision der Verfügungen im Sinn von Art.
81 Abs. 1 lit. a VRP ableiten. Vielmehr war die Vorinstanz wie dargelegt (vorstehende E.
4.4.3) berechtigt und verpflichtet, die Hinweise im Rahmen ihrer Aufsichtsfunktion zu
prüfen und gegebenenfalls die notwendigen Vorkehren und Massnahmen an die Hand
zu nehmen. Das Fehlen eines Revisionsgrundes zeigt sich auch darin, dass die
Hinweise zu keinen Weiterungen führten und den Beschwerden nicht weiter
nachgegangen wurde.
In VerwGE B 2019/24 wurde Dispositiv-Ziffer 4 der Verfügung vom 19. Dezember 2018
aufgehoben und der Vorwurf der Unvollständigkeit der Akten bestätigt, nachdem die
Vorinstanz nachträglich bislang nicht bekannte Akten eingereicht hatte. Allein aufgrund
dieses Umstandes kann jedoch das Vorbringen des Beschwerdeführers, dass der
damalige Leiter Rechtsdienst und der damalige Generalsekretär diese Akten beim
Erlass der erwähnten Verfügungen (zwecks Vertuschung von mutmasslichen
Amtsgeheimnisverletzungen) unterschlagen und auf diese Weise die
Departementsvorsteherin getäuscht hätten (act. G 1 Rz. 38), nicht als belegt gelten.
Ebenso unbegründet ist der Vorwurf des Beschwerdeführers einer (arglistigen)
Verwendung der bei der E._-Zeitung eingegangenen anonymisierten Liste (act. G
7.1/3 [146]); act. G 1 Rz. 40) in dem Sinn, dass die Departementsvorsteherin durch ihre
ehemaligen Mitarbeiter aufgrund der Anonymisierung der Liste und dem offiziellen
Anschein der Berichterstattung in der Wochenzeitung über das Vorhandensein von 50
Patientenbeschwerden getäuscht worden sei (act. G 7.1/14 Rz. 15 ff.). Die (effektiv
bestehende) Liste war vielmehr - wie dargelegt (vorstehende E. 4.4.1) - überhaupt nicht
verwendet worden; von einer Bearbeitung der Aufsichtsanzeigen wurde abgesehen.
Hieraus lässt sich somit ebenfalls kein Grund für eine Wiederaufnahme der Verfahren
bezüglich der Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013 herleiten.
4.4.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.