Decision ID: 425c7cd8-e6c8-413e-ba32-983b7f02c6c5
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael Alde, c/o Strickler & Partner,
Bahnhofstrasse 26, 9320 Arbon,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im Juni 2005 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Im Arztbericht vom 14. Juli 2005 diagnostizierte Dr.
med. B._, Allgemeine Medizin FMH, eine Varusgonarthrose rechts. In der
angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin in der Metzgerei/Fleischverarbeitung
bestehe seit 17. Mai 2005 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer angepassten
Tätigkeit (wechselbelastende Tätigkeit in normaler/warmer Umgebung) sei die
Versicherte voll arbeitsfähig (IV-act. 13/1-4). Dr. med. C._, Facharzt Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, Kantonsspital St. Gallen,
diagnostizierte im Arztbericht vom 16. August 2005 Knieschmerzen rechts bei Status
nach medialer Teilmeniskektomie rechts (12/2003). Für die Zeit vom 9. Dezember 2004
bis 4. Januar 2005 habe in der angestammten Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit
bestanden (IV-act. 14/1-4).
A.b Mit Verfügung vom 11. Oktober 2005 lehnte die IV-Stelle einen Anspruch auf
Leistungen der Invalidenversicherung ab (IV-act. 21).
A.c Im Juni 2008 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 22). Im Arztbericht des Kantonsspitals St. Gallen,
Fachbereich Psychosomatik, vom 19. September 2008 wurden die Diagnosen
chronifiziertes Schmerzsyndrom (beide Knie cervikal rechtsbetont, Kopfschmerzen)
und Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) gestellt.
Seit Beginn der Behandlung (15. Juni 2007) bestehe in der angestammten Tätigkeit
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Eine angepasste Tätigkeit (z.B. Näherin) sei in einem
Rahmen von vier Stunden pro Tag zumutbar. Dabei bestehe vermutlich eine
verminderte Leistungsfähigkeit, wobei das Ausmass nicht beurteilbar sei (IV-act.
37/1-4).
A.d Mit Schreiben vom 11. Dezember 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 43).
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A.e Am 25. und 27. Mai 2009 erfolgte bei der Medizinischen Abklärungsstelle
(MEDAS) Ostschweiz eine polydisziplinäre Begutachtung. Im Gutachten vom 8. Juli
2009 (psychiatrisches Teilgutachten vom 15. Juni 2009; IV-act. 54/17-24) wurden eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode, ein
rechtsbetontes generalisiertes chronisches Schmerzsyndrom mit vielen vegetativen
Begleitbeschwerden und eine beginnende mediale Gonarthrose beidseits rechtsbetont
mit/bei Status nach arthroskopischer medialer Teilmeniskektomie rechts (12/2003)
diagnostiziert. Als Nebendiagnosen ohne wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit wurden hauptsächlich eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
und akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen Anteilen festgehalten. Für eine
adaptierte Tätigkeit (körperlich eher leichtere Tätigkeiten ohne dauerndes Gehen,
häufiges Treppensteigen und regelmässiges Lastentragen über ca. 5 bis 10kg sowie
ohne die Temperaturdifferenzen, wie sie in einer Grossmetzgerei zu erwarten seien und
idealerweise mit der Möglichkeit, zeitweise auch sitzend zu arbeiten) werde die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der somatischen und
psychischen Faktoren auf 20 bis maximal 30% geschätzt (ganztags, reduzierte
Leistung; IV-act. 54).
A.f Mit Vorbescheid vom 27. August 2009 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, dass sie bei einem Invaliditätsgrad von 21% keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente habe (IV-act. 58). Gegen den Vorbescheid erhob die Versicherte am 21.
September 2009 (Begründung vom 19. Oktober 2009) Einwand (IV-act. 59 und 65).
A.g Mit Verfügung vom 5. November 2009 eröffnete die IV-Stelle der Versicherten wie
angekündigt, dass sie keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe (IV-act. 74).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Michael Alde,
Arbon, im Namen der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 9. Dezember 2009
mit den Anträgen, die Verfügung vom 5. November 2009 sei aufzuheben, es sei der
Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 75% eine ganze
Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zur Einholung eines
psychiatrischen Obergutachtens betreffend die Arbeitsfähigkeit der
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Beschwerdeführerin und zur anschliessend neuen Entscheidung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der Beschwerdegegnerin. Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens sei der
Lohn für das Textilgewerbe gemäss den Tabellenlöhnen der Lohnstrukturerhebung
(LSE) massgebend. Ein Abzug vom Tabellenlohn in der Höhe von 25% sei vorliegend
angemessen. Die Begutachtung durch die MEDAS stelle lediglich eine
Momentaufnahme dar. Die Gutachter hätten sich nur oberflächlich mit den Diagnosen
der Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen auseinandergesetzt. Aus ärztlicher Sicht sei
eine zumutbare Willensanstrengung, trotz Schmerzen zu arbeiten, nicht möglich.
Aufgrund der Schwere der somatoformen Schmerzstörung sei der Beschwerdeführerin
die Verwertung ihrer verbliebenen Arbeitskraft nicht mehr zumutbar. Den Berichten des
Kantonsspitals St. Gallen komme volle Beweiskraft zu, weshalb auf die darin
dargelegte 50%ige Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit abzustellen sei. Ein
Invalideneinkommen von Fr. 12'858.-- führe bei einem Valideneinkommen von
Fr. 51'298.-- zu einem Invaliditätsgrad von über 75% (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 25. Februar 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Die MEDAS-Begutachtung stelle
keine Momentaufnahme dar, da auch die Vorakten und die Anamnese berücksichtigt
worden seien. Demgegenüber seien die beiden Berichte des Kantonsspitals St. Gallen
ziemlich rudimentär. Der zweite Bericht gehe zudem nicht auf das MEDAS-Gutachten
ein und begründe auch nicht seine abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung. Bezüglich
der erhobenen Befunde und der gestellten Diagnosen komme dem MEDAS-Gutachten
volle Beweiskraft zu. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung im somatischen Bereich sei
ebenfalls schlüssig. Die psychiatrisch festgesetzte Arbeitsfähigkeit von lediglich 70 bis
80% stehe hingegen nicht im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts. In
einer adaptierten Tätigkeit sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die
Beschwerdeführerin habe im Jahr 2005 monatlich Fr. 3'180.-- verdient. Das
Valideneinkommen betrage somit Fr. 41'340.--. Das Invalideneinkommen sei anhand
der Tabellenlöhne der LSE zu erheben. Der Durchschnittswert der Tabellenlöhne im
gesamten privaten Sektor habe im Jahr 2005 Fr. 49'120.-- betragen. Da dieser Wert
höher sei als das Valideneinkommen, sei er bis zu einer positiven Differenz von 5%
zum Valideneinkommen zu kürzen. Es sei ein sogenannter Leidensabzug von 10%
vorzunehmen, da die Beschwerdeführerin nur noch leichte Hilfstätigkeiten ausführen
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könne. Das Invalideneinkommen betrage somit Fr. 39'066.30, woraus ein
Invaliditätsgrad von 5% resultiere (act. G 6).
B.c Die Beschwerdeführerin hat auf eine weitere Stellungnahme verzichtet (act. G 8).

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und im vorliegenden Verfahren zu überprüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente zu
Recht abgelehnt hat.
1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
1.3 Die Rentenabstufungen nach Art. 28 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) geben bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
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1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
2.1 Zu prüfen ist vorab, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt. Die
Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung auf das MEDAS-
Gutachten vom 8. Juli 2009 und die darin attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit von 20 bis 30%. Nach Rücksprache mit ihrem Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) ist sie bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads von einer
Restarbeitsfähigkeit von 75% ausgegangen (IV-act. 55). Im Beschwerdeverfahren ist
die Beschwerdegegnerin der Ansicht, dass die Beschwerdeführerin in einer adaptierten
Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Die Beschwerdeführerin macht hingegen geltend, dass
nicht auf das MEDAS-Gutachten abgestellt werden könne
2.2 Konkret beanstandet sie, dass das MEDAS-Gutachten lediglich eine
Momentaufnahme darstelle. Den fundierten Berichten des Kantonsspitals St. Gallen
vom 19. September 2008, 16. September und 20. Oktober 2009 seien hingegen seit
2007 zahlreiche Konsultationen vorausgegangen. Die MEDAS-Gutachter hätten sich
auch nur oberflächlich mit den Diagnosen der Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen
auseinandergesetzt. Es werde lediglich ausgeführt, dass an der Diagnose der
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Anpassungsstörung nach über 2-jährigem Verlauf nicht mehr festgehalten werden
könne und einzig eine rezidivierende depressive Störung vorliege, die zu einer
Arbeitsunfähigkeit von ca. 20% führe. Auf die Diagnose der medizinisch
ausgewiesenen somatoformen Schmerzstörung werde nur unzureichend eingegangen
und diese als nicht erwerbseinschränkend eingestuft. Den Berichten des
Kantonsspitals St. Gallen komme voller Beweiswert zu, weshalb von einer 50%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei.
2.2.1 Den MEDAS-Gutachtern standen bei ihrer Begutachtung sämtliche
relevanten Vorakten zur Verfügung. Ausserdem wurde eine hinreichende Anamnese
durchgeführt und die geklagten Beschwerden wurden mitberücksichtigt. Die Gutachter
waren dementsprechend in der Lage, sich ein ausführliches Bild über die Entwicklung
des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin zu machen, weshalb das MEDAS-
Gutachten nicht lediglich eine Momentaufnahme darstellt.
2.2.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin legt der psychiatrische
Gutachter nachvollziehbar dar, weshalb im Gegensatz zur Beurteilung der
psychosomatischen Abteilung des Kantonsspitals St. Gallen vom 19. September 2008
die Diagnose einer Anpassungsstörung nicht mehr gestellt werden könne (vgl. IV-act.
54/10-11). Diese Auffassung wird von der behandelnden Ärztin des Kantonsspitals St.
Gallen im Schreiben vom 16. September 2009 auch bestätigt. Die depressive
Anpassungsstörung habe sich tatsächlich gebessert und stelle per se nur eine 20%ige
Arbeitsunfähigkeit dar (IV-act. 66). Die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung
wurde im Zeitpunkt der MEDAS-Begutachtung durch das Kantonsspital St. Gallen
noch nicht gestellt, weshalb diesbezüglich keine Stellungnahme möglich war. Im
psychiatrischen Teilgutachten wurde ausführlich und nachvollziehbar dargelegt, dass
die diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung keine Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit zeitige. Aus gutachterlicher Sicht könne festgehalten werden, dass der
Beschwerdeführerin die Aufwendung der zumutbaren Willensanstrengung aus
psychiatrischer Sicht, die Schmerzen zu überwinden und eine höhere Arbeitsleistung
zu erbringen, bzw. wieder in den Arbeitsprozess einzusteigen, möglich erscheine (IV-
act. 54/22). Die Begründung der behandelnden Ärztin des Kantonsspitals St. Gallen
vom 16. September 2009 und 20. Oktober 2009, die somatoforme Schmerzstörung
könne gerade aufgrund ihrer Unbewusstheit nicht willentlich überwunden werden, ist
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hingegen nicht überzeugend und steht im Widerspruch mit der Rechtsprechung des
Bundesgerichts, wonach eine Vermutung besteht, dass die somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung
überwindbar sind (vgl. BGE 131 V 50 E 1.2). Im MEDAS-Gutachten wurde ausführlich
dargelegt, weshalb vorliegend von dieser Vermutung nicht abgewichen werden kann.
Den Berichten der behandelnden Ärztin des Kantonsspitals St. Gallen ist eine solche
Begründung nicht zu entnehmen, weshalb diesen Berichten kein hinreichender
Beweiswert für die Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
zukommt.
2.3 Insgesamt vermögen die Einwände der Beschwerdeführerin den Beweiswert des
MEDAS-Gutachtens nicht zu schmälern. Weitere Indizien gegen die Zuverlässigkeit des
Gutachtens sind nicht ersichtlich. Die Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten
sind vorliegend erfüllt, weshalb auf die Schlussfolgerungen des MEDAS-Gutachtens,
insbesondere auf die 70 bis 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
abgestellt werden kann. Die folgenden Erwägungen werden zeigen, dass selbst
ausgehend von einer lediglich 70%igen Restarbeitsfähigkeit kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad resultiert, weshalb weitere Ausführungen zur genauen Arbeitsfähigkeit
nicht angezeigt sind. Aus demselben Grund ist auch nicht weiter auf die von der
Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren – in Abweichung vom MEDAS-
Gutachten – vertretene Meinung einzugehen, wonach die Beschwerdeführerin in einer
adaptierten Tätigkeit 100% arbeitsfähig sei, wobei bei ausgewiesenen somatischen
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diese Meinung von vornherein nicht
plausibel erscheint.
2.4 Dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin, es sei ein psychiatrisches
Obergutachten einzuholen, ist nicht stattzugeben. Das MEDAS-Gutachten und
insbesondere auch das psychiatrische Teilgutachten ergeben ein vollständiges Bild des
Gesundheitszustands und der verbliebenen Restarbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin. Von weiteren medizinischen Abklärungen sind somit keine neuen
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157 E. 1d).
3.
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3.1 Ausgehend von einer Restarbeitsfähigkeit von 70% (aus somatischer und
psychiatrischer Sicht) bleiben noch die erwerblichen Auswirkungen der
Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Für die Ermittlung des Validen- und
Invalideneinkommens ist auf den möglichen Zeitpunkt des Rentenbeginns abzustellen,
weshalb die Werte für das Jahr 2008 beizuziehen sind.
3.2 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die
Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Es ist in der Regel vom
letzten Lohn, welchen die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
erzielt hat, auszugehen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2001, I 42/01, mit
Hinweisen). Diese Praxis wird mit der empirischen Feststellung begründet, dass die
bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall in der Regel weitergeführt worden wäre (Urteil
des Bundesgerichts vom 29. August 2002, I 97/00). Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen,
in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes
Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 76 f. E. 3b/aa und
bb, mit Hinweisen).
3.3 Für das Valideneinkommen ist demnach auf das von der Beschwerdeführerin
zuletzt bei der D._ erzielte Einkommen abzustellen. Am 17. Juli 2008 teilte die
ehemalige Arbeitgeberin mit, dass die Beschwerdeführerin aktuell Fr. 42'510.--
verdienen würde (IV-act. 32/2). Dem Auszug aus dem individuellen Konto ist zu
entnehmen, dass sie bei der gleichen Arbeitgeberin im Jahr 2003 bereits ein
Jahreseinkommen von Fr. 47'997.-- erzielt hat. Auch in den Jahren 2002 und 2004
betrug das Jahreseinkommen mehr als Fr. 42'510.--. Der Grund für eine solche
negative Lohnentwicklung ist den Akten nicht zu entnehmen. Auf weitere Abklärungen
diesbezüglich kann jedoch verzichtet werden, da die folgenden Erwägungen zeigen
werden, dass selbst wenn zu Gunsten der Beschwerdeführerin von dem im Jahr 2003
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erzielten Lohn von Fr. 47'997.-- ausgegangen wird, daraus kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad resultiert. Angepasst an die Nominallohnentwicklung (2003: Index
2334, 2008: Index 2499; vgl. Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne,
Tabelle T1.39) ergibt sich somit für das Jahr 2008 ein Jahres- und somit ein
Valideneinkommen von Fr. 51'390.--.
3.4 Das Invalideneinkommen ist anhand der Tabellenlöhne der LSE zu bestimmen, da
die Beschwerdeführerin keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht. Entgegen der
Auffassung der Beschwerdeführerin ist auf dem ausgeglichen Arbeitsmarkt eine leichte
wechselbelastende Tätigkeit mit den vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen
noch verwertbar. Dem psychiatrischen Teilgutachten vom 15. Juni 2009 ist
diesbezüglich zu entnehmen, dass eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit aus
medizinisch-theoretischer Sicht in der freien Wirtschaft gut realisierbar sei. Im Jahr
2008 betrug der Durchschnittslohn für eine Hilfsarbeiterin (LSE-Tabelle TA1, Privater
Sektor, Total Anforderungsniveau 4) Fr. 4'116.-- pro Monat. Umgerechnet auf ein Jahr
und unter Berücksichtigung der im Jahr 2008 betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.6
Stunden pro Woche ergibt sich bei einer Restarbeitsfähigkeit von 70% ein
Invalideneinkommen – ohne Abzug – von Fr. 35'957.--.
3.5 Zu prüfen bleibt, in welchem Umfang ein sogenannter Leidensabzug auf dem
Invalideneinkommen vorzunehmen ist. Nach der Rechtsprechung können die
statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass versicherte Personen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der
Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412
E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage sind. Dabei
handelt es sich um einen allgemeinen behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78
E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen – auch von invaliditätsfremden Faktoren – des konkreten Einzelfalles ab
(namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische Vornahme des Leidensabzuges ist
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unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481
E. 4.2.3 mit Hinweisen).
3.6 Angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin nur noch leichtere Tätigkeiten
ausüben kann und selbst dabei gewissen Einschränkungen unterliegt, erscheint ein
Abzug vom Tabellenlohn in der Höhe von 10% als angemessen. Ein höherer Abzug ist
selbst unter Berücksichtigung des relativ fortgeschrittenen Alters der
Beschwerdeführerin sowie deren schlechten Deutschkenntnisse nicht gegeben. Das
Invalideneinkommen beträgt somit Fr. 32'361.--.
3.7 Aus der Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens ergibt
sich somit ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 37%. Die
Beschwerdegegnerin hat den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente
somit im Ergebnis zu Recht verneint.
4.
Im Sinn der Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist daran anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP