Decision ID: 2f6437d5-38ae-48c8-a972-d144a66bc043
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) absolvierte eine vier-
jährige Ausbildung als Agrartechnikerin an der Sekundarschule für Land-
wirtschaft, Ernährung, Veterinärwesen und Dienstleistungen in Sarajevo,
Bosnien und Herzegowina ("Srednja škola poljoprivrede, prehrane, vete-
rine i uslužnih djelatnosti Sarajevo"), und schloss diese Ausbildung mit Dip-
lom vom (Datum) ab.
A.b Am 13. Februar 2021 reichte die Beschwerdeführerin beim Staatsek-
retariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI (nachfolgend: Vor-
instanz) ein Gesuch um Einstufung des ausländischen Abschlusses in das
schweizerische Bildungssystem ein. Mit Verfügung vom 26. Oktober 2021
bestätigte die Vorinstanz, dass der Abschluss der Beschwerdeführerin als
Agrartechnikerin dem schweizerischen Bildungssystem als "berufliche
Grundbildung auf Sekundarstufe II, Niveau eidgenössisches Fähigkeits-
zeugnis" zugeordnet werden könne.
B.
Dagegen erhebt die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 24. Novem-
ber 2021 Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei die von ihr in Bos-
nien und Herzegowina absolvierte Ausbildung als Berufsmaturität auf Se-
kundarstufe II einzustufen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und
die Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Zur Be-
gründung führt sie aus, dass in Bosnien und Herzegowina die Schüler nach
der Grundschule einen drei- oder vierjährigen Bildungsgang an einer wei-
terführenden Schule beziehungsweise "Mittelschule" belegten. Die Abgän-
ger der vierjährigen Schule schlössen dabei ihre Ausbildung mit einem
staatlich anerkannten Berufsabschluss ab und hätten direkten Zugang zum
Arbeitsmarkt. Gleichzeitig würden sie die Hochschulzugangsberechtigung
erwerben. Die Berufsmaturität in der Schweiz verbinde eine berufliche
Grundausbildung mit erweiterter Allgemeinbildung. Absolventen würden
über eine doppelte Qualifikation verfügen, nämlich über einen Beruf sowie
über die Befähigung, ein Fachhochschulstudium aufzunehmen. Demzu-
folge sei der Abschluss der Beschwerdeführerin in Bosnien und Herzego-
wina mit einer Berufsmaturität in der Schweiz zu vergleichen. Sowohl ihre
Ausbildung als auch eine Berufsmaturität hätten die gleiche Bildungsdauer
und die gleiche Bildungsstufe, das heisst sie würden beide vier Jahre dau-
ern und ermöglichten einen direkten Zugang zu einer Fachhochschule.
B-5105/2021
Seite 3
C.
Die Vorinstanz hat sich mit Eingabe vom 24. Januar 2022 vernehmen las-
sen und beantragt die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den
Standpunkt, einer erweiterten Allgemeinbildung in Ergänzung zur berufli-
chen Grundbildung im Herkunftsstaat könne nur Rechnung getragen wer-
den, wenn der Zugang zu einem Bachelor-Studium nach Bologna-Prozess
garantiert sei, das heisst ohne Zulassungsauflagen wie Bewerbung, Auf-
nahmeprüfung oder Mindestnotendurchschnitt. Der Nachweis, dass die
Beschwerdeführerin prüfungsfrei an einer staatlich anerkannten Hoch-
schule zugelassen werden würde, sei auf keinem der von der Beschwer-
deführerin eingereichten Dokumente ersichtlich. Sodann unterscheide der
"International Standard of Classification of Education" (nachfolgend: IS-
CED) klar zwischen der beruflichen Grundbildung von drei oder vier Jahren
auf Sekundarstufe II (Code 354) und derselben beruflichen Grundbildung
mit (Berufs-)Maturität (Code 354 und 344). Die von der Beschwerdeführe-
rin absolvierte Ausbildung trage aber nur den Code 354, ohne den
Code 344.
D.
Mit Eingabe vom 22. Februar 2022 reichte die Beschwerdeführerin ihre
Replik ein. Die freigestellte Duplik der Vorinstanz ging sodann am 23. März
2022 ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31 und Art. 33 Bst. d des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Die Beschwerdeführerin hat
am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen (Art. 48 Abs. 1 Bst. a des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968
[VwVG, SR 172.021]). Als Verfügungsadressatin ist sie durch die ange-
fochtene Verfügung besonders berührt (Art. 48 Abs. 1 Bst. b VwVG) und
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung
(Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG). Die Anforderungen an Beschwerdefrist
(Art. 50 Abs. 1 VwVG) sowie Form und Inhalt der Beschwerdeschrift
(Art. 52 VwVG) sind erfüllt. Der Kostenvorschuss wurde fristgemäss be-
zahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen
liegen vor (Art. 44 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
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Seite 4
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin macht in formeller Hinsicht geltend, die Vor-
instanz habe ihren Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 ff. VwVG
verletzt, indem sie ihren Entscheid nicht begründet und keine Beweiswür-
digung vorgenommen habe. Die Vorinstanz habe sich in keiner Weise dazu
geäussert, weshalb sie die vierjährige Ausbildung der Beschwerdeführerin
dem Niveau eines eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses auf Sekundar-
stufe II zugeordnet habe. Sie habe weder ausgeführt, auf welche konkreten
Überlegungen sie sich gestützt habe, noch habe sie die entsprechenden
Quellen offengelegt.
2.2 Der Anspruch der Parteien auf rechtliches Gehör im Verwaltungs- und
im verwaltungsgerichtlichen Verfahren wird durch Art. 29 der Bundesver-
fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV,
SR 101) sowie durch Art. 29 VwVG gewährleistet. Der Anspruch auf Be-
gründung einer Verfügung stellt einen Teilaspekt von Art. 29 VwVG dar und
wird zudem in Art. 35 Abs. 1 und Art. 61 Abs. 2 VwVG explizit geregelt. Mit-
hilfe der Begründung sollen die Parteien über die Gründe der Entscheidung
in Kenntnis gesetzt werden. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die
Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten las-
sen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht,
dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und je-
dem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich
auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl.
BGE 141 III 28 E. 3.2.4, 138 I 232 E. 5.1, 136 I 229 E. 5.2; Urteil des
BGer 1C_311/2016 vom 14. März 2017 E. 3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Bei Verstössen gegen die Begründungspflicht wird nach der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung der Mangel dann als behoben erachtet, wenn
die Rechtsmittelbehörde eine hinreichende Begründung liefert oder wenn
die unterinstanzliche Behörde im Rahmen des Beschwerdeverfahrens,
etwa in ihrer Vernehmlassung, eine genügende Begründung nachschiebt.
Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs
an die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer
schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs dann abzusehen, wenn und
soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu
unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Grundsatz der Pro-
zessökonomie und damit dem Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl.
BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2, 136 V 117 E. 4.2.2.2; Urteile
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Seite 5
des BVGer C-884/2010 vom 18. Oktober 2012 E. 4 ff. und C-7060/2013
vom 23. Mai 2016 E. 4.2).
2.3 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung lediglich pauschal
aus, der ausländische Abschluss werde insbesondere aufgrund der Bil-
dungsstufe und der Ausbildungsdauer dem schweizerischen Bildungssys-
tem zugeordnet. Eine konkrete Begründung für die Einordung des Ab-
schlusses der Beschwerdeführerin fehlt in der Verfügung. Die Beschwer-
deführerin rügt demnach zu Recht eine Verletzung ihres Anspruchs auf
rechtliches Gehör. Die Vorinstanz hat in ihrer Vernehmlassung vom 24. Ja-
nuar 2021 eine Begründung dafür nachgeliefert, weshalb sie den Ab-
schluss der Beschwerdeführerin auf dem Niveau eines eidgenössischen
Fähigkeitszeugnisses eingeordnet habe. Die Beschwerdeführerin hat mit
Replik vom 22. Februar 2022 von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, zu
den Argumenten der Vorinstanz Stellung zu nehmen. Aus diesem Grund
kann die Verletzung der Begründungspflicht im vorliegenden Fall als ge-
heilt betrachtet werden.
3.
Die Vorinstanz hat den Abschluss der Beschwerdeführerin als Agrartechni-
kerin (vierjährige Ausbildung in Bosnien und Herzegowina) der beruflichen
Grundbildung auf Sekundarstufe II, Niveau eidgenössisches Fähigkeits-
zeugnis (EFZ), zugeordnet. Die Beschwerdeführerin stellt sich hingegen
auf den Standpunkt, ihr Abschluss sei dem Niveau Berufsmaturität zuzu-
ordnen. Strittig ist demnach die Einordnung der ausländischen Ausbildung
der Beschwerdeführerin in das schweizerische Bildungssystem.
4.
4.1 Vorliegend ist ein grenzüberschreitender Sachverhalt zu beurteilen.
Bosnien und Herzegowina ist kein Mitgliedstaat der Europäischen Union
beziehungsweise war kein Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaft.
Das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidge-
nossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkom-
men [FZA, SR 0.142.112.681]) kommt dementsprechend nicht zur Anwen-
dung. Demnach kommt auch die Richtlinie 2005/36 EG des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung
von Berufsqualifikationen nicht zur Anwendung. Ebenso wenig existiert ein
anderer einschlägiger völkerrechtlicher Vertrag zwischen der Schweiz und
Bosnien und Herzegowina.
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Seite 6
4.2 Kommt kein völkerrechtlicher Vertrag zur Anwendung, so ist der vorlie-
gende Fall allein aufgrund des Bundesgesetzes über die Berufsbildung
vom 13. Dezember 2002 (Berufsbildungsgesetz [BBG, SR 142.10]) zu be-
urteilen. Art. 68 Abs. 1 BBG delegiert die Regelung der Anerkennung von
ausländischen Diplomen und Ausweisen der Berufsbildung dem Bundes-
rat. Mit dem Erlass der Verordnung über die Berufsbildung vom 19. No-
vember 2003 (Berufsbildungsverordnung [BBV, SR 412.101]) hat der Bun-
desrat diese Kompetenz wahrgenommen.
Bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse unterscheidet die Berufs-
bildungsverordnung zwischen Anerkennungen im Hinblick auf die Aus-
übung eines reglementierten Berufes und im Hinblick auf die Ausübung ei-
nes nicht reglementierten Berufes. Ein Beruf gilt als reglementiert, wenn
die Aufnahme oder Ausübung oder eine der Arten ihrer Ausübung direkt
oder indirekt durch Rechts- und Verwaltungsvorschriften an den Besitz be-
stimmter Berufsqualifikationen gebunden ist (Urteile des BVGer
B-413/2020 vom 28. März 2022 E. 4.6 f. und B-6195/2008 vom 21. April
2009 E. 2.3 f. m.w.H). In Bezug auf die Ausübung eines reglementierten
Berufes anerkennt die Vorinstanz einen ausländischen Abschluss, wenn im
Vergleich mit dem entsprechenden schweizerischen Abschluss die gleiche
Bildungsstufe gegeben ist, die Bildungsdauer gleich ist, die Bildungsinhalte
vergleichbar sind und der ausländische Bildungsgang neben theoretischen
auch praktische Qualifikationen umfasst oder eine einschlägige Berufser-
fahrung vorhanden ist (Art. 69a Abs. 1 BBV). In Bezug auf einen nicht reg-
lementierten Beruf ordnet die zuständige Stelle den Abschluss durch eine
Niveaubestätigung dem schweizerischen Bildungssystem zu, sofern im
Vergleich mit dem entsprechenden schweizerischen Abschluss die gleiche
Bildungsstufe gegeben ist und die Bildungsdauer gleich ist (Art. 69b Abs. 1
BBV i.V.m. Art. 69a Abs. 1 Bst. a und b BBV). Im Unterschied zu einer Dip-
lomanerkennung wird bei einer Niveaubestätigung nicht die Gleichwertig-
keit, sondern lediglich das gleiche Niveau bescheinigt. Entsprechend wird
auch nur das Niveau der ausländischen Ausbildung geprüft (vgl. Urteile des
BVGer B-1019/2009 vom 12. November 2009 E. 3.1 und B-2705/2010 vom
28. September 2010 E. 2.4).
4.3 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin die
Anerkennung ihres Abschlusses als "Agrartechnikerin" aus Bosnien und
Herzegowina nicht im Hinblick auf die Ausübung eines reglementierten Be-
rufes verlangt. Ein derartiger Beruf ist denn auch nicht auf der Liste regle-
mentierten Beruf der Vorinstanz aufgeführt (vgl. Liste des SBFI, Reglemen-
tierte Berufe und Tätigkeiten in der Schweiz, Stand Januar 2022
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Seite 7
< https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/bildung/diploma/anerkennungs-
verfahren-bei-niederlassung/reglementierte-berufe.html >, abgerufen
am 08.09.2022).
Die verlangte Anerkennung stellt insofern lediglich eine Niveaubestätigung
dar, welche zu erteilen ist, sofern im Vergleich mit dem entsprechenden
schweizerischen Abschluss die gleiche Bildungsstufe gegeben und die Bil-
dungsdauer gleich ist (vgl. E. 4.2 hievor).
4.4 Das Bundesverwaltungsgericht verfügt an sich gegenüber Vorinstan-
zen des Bundes über volle Kognition, das heisst mit der Beschwerde an
das Bundesverwaltungsgericht können nicht nur die Verletzung von Bun-
desrecht, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens,
sondern auch die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit des angefochtenen
Entscheids gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG).
In Rechtsprechung und Doktrin ist indessen anerkannt, dass eine Rechts-
mittelinstanz, die nach der gesetzlichen Ordnung mit freier Prüfung zu ent-
scheiden hat, ihre Kognition mit Zurückhaltung ausüben darf, wenn die Na-
tur der Streitsache dies sachlich rechtfertigt beziehungsweise gebietet.
Das ist regelmässig dann der Fall, wenn die Rechtsanwendung technische
Probleme oder Fachfragen betrifft, zu deren Beantwortung und Gewich-
tung die verfügende Behörde aufgrund ihres Spezialwissens besser geeig-
net ist, oder wenn sich Auslegungsfragen stellen, welche die Verwaltungs-
behörde aufgrund ihrer örtlichen, sachlichen oder persönlichen Nähe sach-
gerechter zu beurteilen vermag als die Rechtsmittelinstanz. Im Rahmen
des sogenannten "technischen Ermessens" darf der verfügenden Behörde
bei der Beurteilung von ausgesprochenen Fachfragen daher ein gewisser
Ermessens- und Beurteilungsspielraum belassen werden, soweit sie die
für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und die erforderli-
chen Abklärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat. Die Rechts-
mittelinstanz weicht in derartigen Fällen nicht ohne Not von der Auffassung
der Vorinstanz ab und stellt im Zweifel nicht ihre eigene Einschätzung an
die Stelle der für die kohärente Konkretisierung und Anwendung des Ge-
setzes primär verantwortlichen Vorinstanz (vgl. BGE 142 II 451 E. 4.5.1
m.H.; BGE 135 II 384 E. 2.2.2 m.H.; Urteil des BVGer B-2091/2014 vom
23. März 2015 E. 4.2 m.H.; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEU-
BÜHLER/MARTIN KAYSER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
3. Aufl. 2022, Rz. 2.155a; YVO HANGARTNER, Richterliche Zurückhaltung in
der Überprüfung von Entscheiden von Vorinstanzen, in: Schindler/Sutter
http://links.weblaw.ch/BGE-135-II-384 http://links.weblaw.ch/BVGer-B-2091/2014
B-5105/2021
Seite 8
[Hrsg.], Akteure der Gerichtsbarkeit, 2007, S. 171 ff.; kritisch dazu BENJA-
MIN SCHINDLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Verwal-
tungsverfahrensgesetz, 2019, Art. 49 N. 9).
Da, wie dargelegt, im vorliegenden Fall lediglich zu prüfen ist, ob im Ver-
gleich mit dem entsprechenden schweizerischen Abschluss die gleiche Bil-
dungsstufe und die gleiche Bildungsdauer gegeben sind (vgl. E. 4.2 hie-
vor), aber kein inhaltlicher Vergleich zwischen der ausländischen Ausbil-
dung und dem in Frage stehenden schweizerischen Abschluss vorzuneh-
men ist, sind vorliegend keine Gründe ersichtlich, warum das Bundesver-
waltungsgericht seine Kognition nur mit Zurückhaltung ausüben dürfte.
4.5 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde geltend, die Vor-
instanz habe sich in keiner Weise mit dem Bildungssystem in Bosnien und
Herzegowina auseinandergesetzt. Überdies habe sie den von der Be-
schwerdeführerin erworbenen Abschluss trotz vierjähriger Bildungsdauer
als Berufslehre eingestuft. Werde jedoch an einer Sekundarschule bezie-
hungsweise Mittelschule in Bosnien und Herzegowina eine vierjährige Aus-
bildung mit Abschlussprüfung (Abschluss mit Matura) abgeschlossen, so
sei dieses Niveau als demjenigen entsprechend der Berufsmaturität in der
Schweiz einzustufen. Sowohl die erworbene Ausbildung der Beschwerde-
führerin als auch eine Berufsmaturität hätten die gleiche Bildungsdauer
und die gleiche Bildungsstufe, das heisst sie dauerten vier Jahre und er-
möglichten den direkten Zugang zu einer Fachhochschule. Die Vorausset-
zungen nach Art. 69a Abs. 1 Best. a und b BBV seien erfüllt, weshalb der
von der Beschwerdeführerin erworbene Abschluss in Bosnien und Herze-
gowina in der Schweiz als Berufsmaturität einzuordnen sei.
4.6 Die Vorinstanz stellt sich in ihrer Vernehmlassung auf den Standpunkt,
die Beschwerdeführerin habe gemäss den eingereichten Unterlagen die
vierjährige Ausbildung in Bosnien und Herzegowina während drei Jahren
(Jahreszahlen) absolviert. Somit entspreche die ausländische Ausbildung
gemäss Art. 69b Abs. 1 BBV dem Niveau eines eidgenössischen Fähig-
keitszeugnisses. Einer erweiterten Allgemeinbildung zur beruflichen
Grundbildung im Herkunftsstaat (Niveau eidg. Fähigkeitszeugnis mit Be-
rufsmatura) könne zudem nur Rechnung getragen werden, wenn der Zu-
gang zu einem Bachelor-Studium nach Bologna-Prozess garantiert sei,
das heisst ohne Zulassungsauflagen. Der Nachweis, dass die Beschwer-
deführerin prüfungsfrei an einer staatlich anerkannten Hochschule zuge-
lassen würde, sei auf keinem der von der Beschwerdeführerin eingereich-
B-5105/2021
Seite 9
ten Dokumente ersichtlich. Nach Angaben der staatlich zuständigen In-
stanz in Bosnien und Herzegowina qualifiziere dieser Abschluss generell
für ein Studium an einer Hochschule. Der Zugang könne jedoch von den
entsprechenden Institutionen je nach Bezirk oder Studienrichtung an Be-
dingungen geknüpft werden. Zudem führt die Vorinstanz aus, gemäss dem
ISCED entspreche eine drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung
(EFZ) dem Code 354, der Abschluss der allgemeinbildenden Sekundar-
stufe (gymnasiale oder berufliche Maturität) dagegen dem Code 344. Die
berufliche Grundbildung mit Berufsmatura trage demzufolge sowohl den
Code 354 als auch den Code 344. Die absolvierte Ausbildung der Gesuch-
stellerin trage nach demselben ISCED lediglich den Code 354, nicht aber
den Code 344. Die vorgenommene Einstufung sei deshalb korrekt.
4.7 Die Beschwerdeführerin entgegnet in ihrer Replik, sie habe eine vier-
jährige Ausbildung absolviert. Dabei spiele es keine Rolle, ob die vierjäh-
rige Ausbildung innert drei oder vier Jahren absolviert werde, da in Bosnien
und Herzegowina eine vorangehende Lehre stets zur Ausbildungsdauer
hinzugezählt werde.
Sowohl gemäss der zuständigen Instanz in Bosnien und Herzegowina als
auch gemäss dem Leiter Studiengang Agronomie der Berner Fachhoch-
schule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften
(HAFL), qualifiziere der vorliegende Abschluss für ein Studium an der
Hochschule. Die zuständige Instanz im Herkunftsstaat führe zudem aus,
dass der Zugang zur Hochschulbildung allen Personen offenstehe, die ei-
nen vierjährigen Sekundarabschluss erworben hätten. Gemäss der institu-
tionellen Autonomie der Hochschulen könne jede einzelne Hochschule die
Einschreibung für jeden einzelnen Studiengang unterschiedlich regeln.
Obschon der Zugang von den entsprechenden Institutionen an Bedingun-
gen geknüpft werden könne, qualifiziere der Abschluss der Beschwerde-
führerin generell für einen prüfungsfreien Zugang an eine staatlich aner-
kannte Hochschule.
Gemäss Beschluss über die Einführung des Qualifikationsrahmens in Bos-
nien und Herzegowina sei ihre Ausbildung auf der Grundlage des ISCED
1997 klassifiziert und dem Level 3A zugeordnet. Bosnien und Herzegowina
klassifiziere diese Abschlüsse nicht nach ISCED 2011. Obschon Bosnien
und Herzegowina diese Abschlüsse nicht nach ISCED 2011 einstufe und
dieser mithin nicht zur Anwendung gelange, ordne die Vorinstanz die ab-
solvierte Ausbildung in diese Liste ein. Auf welche Grundlage sie sich dabei
stütze und welcher Schule sie die Sekundarschule in Sarajevo auf der Liste
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Seite 10
zuordne, lasse sie unbegründet. Auf der von der Vorinstanz vorgebrachten
Seite 2 sei die Sekundarschule Sarajevo nicht aufgeführt, ebenso nicht auf
den übrigen Seiten. Folglich sei es nicht korrekt, wenn die Vorinstanz IS-
CED 2011 anwende und den Abschluss gestützt darauf selber einordne.
4.8 Die Vorinstanz erklärt in ihrer Duplik, die Berufsmaturität umfasse ge-
mäss Art. 2 der Verordnung über die eidgenössische Berufsmaturität vom
24. Juni 2009 (Berufsmaturitätsverordnung [BMV, SR 412.103.1]) eine be-
rufliche Grundbildung, zertifiziert durch ein eidgenössisches Fähigkeits-
zeugnis (Best. a) und eine die berufliche Grundbildung ergänzende erwei-
terte Allgemeinbildung (Best. b). Die Beschwerdeführerin verkenne, dass
für die Einstufung eines ausländischen Abschlusses in das schweizerische
Bildungssystem die berufliche Grundbildung und nicht die ergänzende er-
weiterte Allgemeinbildung ausschlaggebend sei. Demzufolge entspreche
sowohl die berufliche Grundausbildung als auch die Berufsmaturität dem
Niveau der Sekundarstufe II.
Für die Zulassung zu einem Fachhochschulstudium werde grundsätzlich
eine Berufsmaturität in Verbindung mit einer beruflichen Grundausbildung
in einem der Fachbereiche verwandten Berufe verlangt (Art. 25 Abs. 1
und 2 des Bundesgesetzes über die Förderung der Hochschulen und die
Koordination im schweizerischen Hochschulbereich vom 30. Septem-
ber 2011 (Hochschulförderungs- und –koordinationsgesetz [HFKG,
SR 414.20]). Es liege jedoch letztendlich in der Zuständigkeit der einzelnen
Fachhochschulen zu entscheiden, wer zu einem Bachelorstudium zugelas-
sen werde. Im vorliegenden Fall sei die Aussage der Fachhochschule über
die Einstufung des ausländischen Abschlusses der Beschwerdeführerin al-
lein deshalb irrelevant, zumal diese für die Zuordnung gemäss Art. 69b
BBV nicht zuständig sei.
Die Liste ISCED 2011 sei lediglich eine Überarbeitung der Liste IS-
CED 1997 und klassifiziere die Niveaus der Schulsysteme im internationa-
len Vergleich. ISCED 1997 werde in sechs Stufen unterteilt, ISCED 2011
hingegen in acht Stufen. Somit sei die Liste ISCED 2011 detaillierter. So-
wohl in SCED 1997, als auch in ISCED 2011, entspreche die Ausbildung
der Beschwerdeführerin der Sekundarstufe II (ISCED 2 resp. ISCED 4).
Aus den von der Beschwerdeführerin eingereichten Unterlagen gehe nicht
hervor, dass ihre berufliche Grundbildung zur Agrartechnikerin, welche an
der Sekundarschule in Sarajevo abgeschlossen worden sei, einen zulas-
sungsfreien Zugang zu einer Hochschule in Bosnien und Herzegowina er-
mögliche.
B-5105/2021
Seite 11
4.9 Vorab ist festzuhalten, dass die Parteien dahingehend übereinstim-
men, dass die ausländische Ausbildung der Beschwerdeführerin dem Ni-
veau einer Sekundarstufe II zuzuordnen ist. Strittig ist lediglich, ob die Aus-
bildung darüber hinaus dem Niveau eines eidgenössischen Fähigkeits-
zeugnisses oder einer Berufsmaturität entspricht.
4.9.1 Das Bildungswesen in der Schweiz umfasst gemäss ISCED 1997
sechs Stufen, wobei die Sekundarstufe II die gymnasiale Maturität
(Stufe 3A), die Fachmittelschule (Stufe 3A und 3B), die berufliche Grund-
bildung (Lehre, Stufe 3C) und die Berufsmaturitätsausbildung (Stufe 3A)
umfasst (vgl. Website des Bundesamtes für Statistik, International Stan-
dard of Classification of Education [ISCED 1997], Stand Februar 2008
< https://www.portal-stat.admin.ch/isced97/docs/do-d-15.02-isced-01.
pdf >, abgerufen am 08.09.2022). Die 2011 überarbeitete Version des IS-
CED wird in acht Bildungsstufen unterteilt, wobei die Sekundarstufe II dem
Niveau ISCED 3 entspricht. Es wird auf dieser Stufe zwischen allgemein-
bildenden (ISCED 34) und berufsbildenden Programmen (ISCED 35) un-
terschieden. Zur ISCED Stufe 34 werden in erster Linie die Maturitätsschu-
len (gymnasiale Maturität, Fachmaturität und Berufsmaturität) sowie die
Fachmittelschulen gezählt. Die ISCED Stufe 35 umfasst die berufliche
Grundbildung (inklusive Anlehre). Dabei entspricht eine drei- oder vierjäh-
rige berufliche Grundbildung der Stufe 354 und die Berufsmaturität der
Stufe 344 (vgl. ISCED Mapping 2011 für die Schweiz, < http://uis.
unesco.org/en/isced-mappings >, abgerufen am 08.09.2022). Die Berufs-
maturität kann entweder begleitend zur beruflichen Grundausbildung ab-
solviert werden (Dauer drei oder vier Jahre) oder in einem zusätzlichen
Jahr nach abgeschlossener Lehre. Sodann werden gemäss ISCED 2011
die nachfolgenden Stufen unterschieden: ISCED 4: Post-sekundäre, nicht-
tertiäre Ausbildungen (z.B. Passerellenlehrgang "Berufsmatura – Universi-
täre Hochschulen"), ISCED 5: Kurze tertiäre Bildungsprogramme (nicht
vom BGG reglementierte höhere Berufsbildungen), ISCED 6: Bachelor
oder äquivalent (alle Bachelorstudiengänge an Hochschulen, Berufsprü-
fungen sowie Abschlüsse an höheren Fachschulen), ISCED 7: Master oder
äquivalent (Masterstudien an Hochschulen und höhere Fachprüfungen)
und ISCED 8: Doktorat oder äquivalent (Doktorate und Habilitationen der
deutschsprachigen universitären Hochschulen).
4.9.2 Für Bosnien und Herzegowina ist auf der Website der UNESCO,
Institut für Statistik, ISCED Mappings nur die Liste ISCED 2011 verfügbar
(vgl. ISCED Mapping 2011 für Bosnien und Herzegowina, < http://uis.
B-5105/2021
Seite 12
unesco.org/en/isced-mappings >, abgerufen am 08.09.2022). Gemäss die-
ser Liste existieren auf der Stufe 354 (berufliche Grundbildung) drei Pro-
gramme, nämlich die berufliche Grundausbildung mit vierjähriger Dauer
(VET programmes, duration 4 years, ID 12) sowie eine künstlerische Se-
kundarschulausbildung (secondary education in art schools, duration
4 years, ID 13) und eine religiöse Sekundarschulausbildung (secondary
education in religious schools, 4 or 5 years, ID 14). Auf der Stufe 344 wird
eine vierjährige generelle Sekundarschulausbildung ohne Profil (general
secondary education – not profiled, 4 years, ID 10) aufgeführt. Sowohl die
vierjährige berufliche Grundausbildung als auch die vierjährige generelle
Sekundarschulausbildung berechtigen zum Zugang zu den Stufen 5,
6 und 7. Sodann existiert auf Sekundarstufe noch eine dreijährige berufli-
che Grundausbildung (VET programmes, duration 3 years, ID 11), welche
nur Zugang zur Stufe 4 gewährt und als Stufe 353 qualifiziert wird.
4.9.3 Das Diplom der Beschwerdeführerin vom (Datum) trägt den Titel
"Diplom über die abgeschlossene Berufsschule" und bescheinigt, dass die
Beschwerdeführerin im Schuljahr (Jahreszahl) erfolgreich die vierte Klasse
als Abschlussklasse der Sekundarschule absolvierte. Sodann reichte die
Beschwerdeführerin die folgenden Zeugnisse ein: Zeugnis über die abge-
schlossene Schulklasse, erste Klasse, Schuljahr (Jahreszahl) vom (Da-
tum), Zeugnis über die abgeschlossene Schulklasse, zweite Klasse, Schul-
jahr (Jahreszahl) vom (Datum), Zeugnis über die abgeschlossene Schul-
klasse, dritte Klasse, Schuljahr (Jahreszahl) vom (Datum) sowie das Zeug-
nis über die abgeschlossene Schulklasse, vierte Klasse, Schuljahr (Jah-
reszahl) vom (Datum). Wenn die Vorinstanz argumentiert, die Beschwer-
deführerin habe die Ausbildung nur während drei Jahren absolviert, wes-
halb die ausländische Ausbildung gemäss Art. 69b Abs. 1 BBV dem Niveau
eines eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses entspreche, kann ihr ange-
sichts dieser Dokumente nicht gefolgt werden. Gemäss der ISCED 2011-
Liste für Bosnien und Herzegowina – auf welche sich die Vorinstanz explizit
abstützt – gibt es nur eine dreijährige berufliche Grundausbildung (VET
programmes, duration 3 years, ID 11), welche der Stufe 353 zugeordnet
ist. Dies entspräche im schweizerischen Bildungssystem einer Anlehre o-
der einer zweijährigen beruflichen Grundbildung mit eidgenössischem
Berufsattest (EBA). Dieser Stufe ordnet die Vorinstanz die Ausbildung der
Beschwerdeführerin zu Recht nicht zu. Weshalb die Beschwerdeführerin
die erste und die zweite Klasse innert einem Jahr (Jahreszahl) abgeschlos-
sen hat, erklärt sie nicht, kann aber offenbleiben. Massgebend ist, dass die
Beschwerdeführerin eine vierjährige Ausbildung abgeschlossen hat, und
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nicht, in welcher Zeitspanne sie diese absolviert hat. Zudem kann die Be-
rufsmaturität in der Schweiz, wenn sie kombiniert mit der beruflichen
Grundausbildung absolviert wird, innert drei oder vier Jahren abgeschlos-
sen werden, weshalb das Argument, eine dreijährige Ausbildung entspre-
che dem Niveau eines eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses, nicht ge-
folgt werden kann.
4.9.4 Aufgrund des Ausgeführten ist die ausländische Ausbildung der Be-
schwerdeführerin als vierjährige berufliche Grundbildung zu klassifizieren
(VET programmes, duration 4 years, ID 12, Code 354). Hierfür spricht aus-
serdem, dass das Diplom den Titel "Diplom über die abgeschlossene Be-
rufsschule" trägt und sowohl im Diplom als auch in den Zeugnissen die
Rede vom "Beruf Agrartechniker" und von "Fachausbildung" die Rede ist.
Die Zeugnisse tragen weiter den Stempel des "EU VET Programme Bosnia
and Herzegowina".
4.10 Rein aufgrund der Dauer der ausländischen Ausbildung lässt sich je-
doch nicht beurteilen, ob sie auf dem Niveau einer beruflichen Grundaus-
bildung mit oder ohne Berufsmaturität einzuordnen ist, da die Berufsmatu-
rität in der Schweiz in Kombination mit der beruflichen Grundausbildung in
drei oder vier Jahren erworben werden kann. Für Zuordnung in das schwei-
zerische Bildungssystem muss zudem nebst der gleichen Bildungsdauer
auch die gleiche Bildungsstufe gegeben sein.
4.10.1 Im schweizerischen Bildungssystem schliesst die drei- bis vierjäh-
rige Grundbildung in der Regel mit einer Lehrabschlussprüfung ab und
führt zum eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (Art. 17 Abs. 3 BBG). Das
eidgenössische Fähigkeitszeugnis führt zusammen mit dem Abschluss ei-
ner erweiterten Allgemeinbildung zur Berufsmaturität (Art. 17 Abs. 4 BBG).
Die Berufsmaturität schafft die Voraussetzungen für ein Studium an einer
Fachhochschule (Art. 25 Abs. 1 BGG).
4.10.2 Es ist unbestritten, dass nach der von der Vorinstanz eingeholten
Auskunft der zuständigen staatlichen Instanz in Bosnien und Herzegowina
der Abschluss der Beschwerdeführerin sie im Herkunftsstaat grundsätzlich
für ein Studium an einer Hochschule qualifiziert. Diese Auskunft stimmt
auch mit den Angaben im ISCED 2011 überein, wonach eine erfolgreich
abgeschlossene vierjährige berufliche Grundausbildung grundsätzlich Zu-
gang zu den ISCED-Stufen 4 bis 7 gewährt. Weshalb der prüfungsfreie
Zugang an eine staatlich anerkannte Hochschule allein durch die von der
Beschwerdeführerin eingereichten Diplome oder Zeugnisse belegt sein
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müsste, damit die Einstufung ins schweizerische Bildungssystem erfolgen
kann, führt die Vorinstanz nicht aus und ist für das Bundesverwaltungsge-
richt auch nicht ersichtlich. Im vorliegenden Fall ist unbestritten und rechts-
genüglich belegt, dass eine Zulassung an eine Hochschule garantiert ist.
Dass die entsprechenden Institutionen in Bosnien und Herzegowina je
nach Bezirk oder Studienrichtung den Zugang an weitere Bedingungen
knüpfen können, entspricht auch der Rechtslage in der Schweiz. So kann
auch in der Schweiz der Hochschulrat die Zulassungsvoraussetzungen
konkretisieren oder ergänzende Zulassungsvoraussetzungen vorsehen
(Art. 25 Abs. 2 HFKG). Ebenso führt auch die Vorinstanz selbst in ihrer Ver-
nehmlassung aus, es liege letztendlich in der Zuständigkeit der einzelnen
Fachhochschulen zu entscheiden, wer zu einem Bachelorstudiengang zu-
gelassen werde. Massgeblich kann also alleine die aufgrund der Ausbil-
dungsstufe theoretisch vorgesehene Zulassungsmöglichkeit zu einem
Fachhochschulstudium sein. Diese Voraussetzung erfüllt die ausländische
Ausbildung der Beschwerdeführerin, da die zuständige Instanz im Her-
kunftsstaat die grundsätzliche Zulassung bestätigt sowie auch der IS-
CED 2011 eine entsprechend Zulassung vorsieht. Zudem ordnet die zu-
ständige Stelle im Herkunftsstaat die Ausbildung der Beschwerdeführerin
gemäss ISCED 1997 der Stufe 3A – entsprechend der Berufsmaturität in
der Schweiz – zu.
4.11 Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde der Beschwerdeführerin als
begründet und ist gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung ist aufzuhe-
ben und die in Bosnien und Herzegowina abgeschlossene Ausbildung der
Beschwerdeführerin zur Agrartechnikerin ist dem schweizerischen Bil-
dungssystem als berufliche Grundbildung auf Sekundarstufe II, Niveau eid-
genössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) mit Berufsmaturität, zuzuordnen.
5.
Bei diesem Verfahrensausgang gilt die Beschwerdeführerin als obsie-
gende Partei, weshalb ihr keine Kosten aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1
VwVG). Vorinstanzen haben keine Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63
Abs. 2 VwVG).
6.
Als obsiegende Partei hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Par-
teientschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Parteientschädigung
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umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere notwendige Aus-
lagen der Partei (Art. 8 Abs. 1 VGKE). Parteikosten sind dann als notwen-
dig zu betrachten, wenn sie zur sachgerechten und wirksamen Rechtsver-
folgung oder Rechtsverteidigung unerlässlich erscheinen (vgl.
BGE 131 II 200 E. 7.2). Die obsiegende Beschwerdeführerin ist im vorlie-
genden Verfahren anwaltlich vertreten, hat aber keine Kostennote einge-
reicht. Die ihr zuzusprechende Parteientschädigung ist daher nach Ermes-
sen und aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE).
Der für Parteientschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht anre-
chenbare Stundenansatz für Anwälte beträgt höchstens Fr. 400.– ohne
Mehrwertsteuer (Art. 10 Abs. 2 VGKE). Vorliegend erscheint eine Partei-
entschädigung in der Höhe von Fr. 4'000.– (inkl. MwSt.) als angemessen.
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