Decision ID: 77d3d8b8-6cc7-4523-b9ff-717211899a38
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
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A.a Der Versicherte A._ bezog seit Februar 2002 eine Viertelsrente der
Invalidenversicherung (IV; IV-act. 41; 57). Mit Verfügung vom 18. Februar 2011 hob die
IV-Stelle, Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA), die Invalidenrente
des Versicherten auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (IV-
act. 84). Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft (IV-act. 86).
A.b Am 15. Juni 2011 (Eingang SVA) meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug
einer Invalidenrente an. Nach Rücksprache mit Ärzten sowie seiner Arbeitgeberin
könne er seit Juni 2011 nur noch 80% arbeiten. Er wäre daher froh, wieder finanzielle
Unterstützung zu erhalten (IV-act. 87). Am 22. Juni 2011 bestätige die IV-Stelle den
Eingang des Rentengesuchs. Ferner wies sie den Versicherten darauf hin, dass sie
weitere Unterlagen wie ausführliche Arztberichte, Lohnausweise etc. mit konkreten und
sachlichen Anhaltspunkten für das Vorliegen relevanter Änderungen einzureichen habe,
ansonsten sie auf das Gesuch nicht eintreten könne (IV-act. 89).
A.c In der Folge reichte der Versicherte die Lohnabrechnung Juni 2011, den Bericht
des Kantonsspitals St. Gallen, Abteilung Neurochirurgie, vom 10. Mai 2011 sowie den
Bericht seines Hausarztes Dr. med. B._ vom 29. Juni 2011 ein (IV-act. 90 ff.). Nach
Sichtung der medizinischen Akten durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der
IV-Stelle und Durchführung eines Vorbescheidverfahrens trat die IV-Stelle mit
Verfügung vom 30. September 2011 auf das neue Leistungsbegehren nicht ein (IV-act.
97).
B.
B.a Gegen diese Verfügung reichte der Versicherte am 21. November 2011
Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ein. Es tue ihm leid,
dass er erst jetzt schreibe, doch nach mehrmaligem Schreiben an die IV-Stelle habe er
die Unterlagen seiner Ärzte Dr. med. C._und Dr. med. B._ noch nicht erhalten. Als
er noch 100% habe arbeiten können, habe er eine Rente erhalten. Nun, da er noch
80% arbeiten könne, sei ihm die Rente eingestellt worden, obwohl seine Schmerzen
massiv zugenommen hätten. Laut seinen Ärzten wäre eine 50%-ige Arbeit angebracht
(act. G 1).
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B.b Mit Schreiben vom 25. November 2011 teilte die Präsidentin der Abteilung II des
Versicherungsgerichts dem Beschwerdeführer mit, dass seine Beschwerde verspätet
erhoben worden sein dürfte, sodass das Gericht darauf nicht eintreten könnte, und gab
dem Beschwerdeführer Gelegenheit, zur Rechtzeitigkeit der Beschwerde Stellung zu
nehmen (act. G 2). Die Stellungnahme des Beschwerdeführers erfolgte am 2.
Dezember 2011. Er habe zur Kenntnis genommen, dass seine Beschwerde verspätet
eingetroffen sei. Dennoch wolle er die Eingabe betreffend neue Leistungen eingeben.
Dass seine Eingabe verspätet eingetroffen sei, könne er nur mit von der IV-Stelle nicht
erhaltenen Unterlagen entschuldigen (act. G 3). Am 14. Dezember 2011 beantragte die
Beschwerdegegnerin, dass auf die Beschwerde nicht einzutreten sei (act. G 6).
B.c Nach Abschluss des Schriftenwechsels trat die Präsidentin der Abteilung II des
Versicherungsgerichts mit Verfügung vom 4. Januar 2012 im Verfahren nach Art.
39 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 16. Mai 1965
(VRP; sGS 951.1) mangels Rechtzeitigkeit nicht auf die Beschwerde ein (act. G 9).
B.d Am 19. Januar 2012 gelangte der Beschwerdeführer an das Versicherungsgericht
und verlangte sinngemäss einen weiterzugsfähigen Entscheid der zuständigen
Gerichtsabteilung gemäss Art. 39 Abs. 2 VRP. Es gehe nicht um die Rechtzeitigkeit
zweier eingeschriebener Briefe, sondern um sein Gebrechen. Im Übrigen wiederholte
der Beschwerdeführer im Wesentlichen die Ausführungen seiner Beschwerdeschrift
(act. G 10).

Erwägungen:
1.
Die zuständige Gerichtsabteilung des Versicherungsgerichts hat in vorliegendem
Verfahren zunächst die Frage der Rechtzeitigkeit der Beschwerde vom 21. November
2011 gegen die Verfügung vom 20. September 2011 zu beantworten. Gegebenenfalls
ist in einem Zweiten Schritt zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf
das Rentengesuch des Beschwerdeführers eingetreten ist. Nicht Gegenstand dieses
Verfahrens kann dagegen die Frage eines allfälligen Rentenanspruchs bilden. Soweit
der Beschwerdeführer sinngemäss die Prüfung seines Leistungsbegehrens mit
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anschliessendem Sachentscheid verlangt, kann auf die Beschwerde in diesem
Verfahren nicht eingetreten werden (BGE 132 V 74, Erw. 1.1; Urteil 9C_432/2007 des
Bundesgerichts vom 6. November 2007, Erw. 1).
2.
2.1 Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetztes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrecht (ATSG; SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen
nach der Eröffnung der Verfügung einzureichen. Diese gesetzliche Frist kann nicht
erstreckt werden (Art. 40 Abs. 1 ATSG). Nach Art. 39 Abs. 1 ATSG ist die 30-tägige
Frist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim
Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen Handen u.a. der Schweizerischen Post
übergeben worden ist. Gelangt die Partei rechtzeitig an einen unzuständigen
Versicherungsträger, so gilt die Frist als gewahrt (Art. 39 Abs. 2 ATSG). Läuft die Frist
unbenützt ab, so erwächst die Verfügung in formelle Rechtskraft mit der Wirkung, dass
auf die verspätet eingereichte Beschwerde nicht eingetreten werden kann.
2.2 Für den Zeitpunkt der Zustellung einer Verfügung trägt grundsätzlich die
Verwaltung die Beweislast. Dies betrifft nicht nur die aus dem im
Sozialversicherungsrecht geltenden Untersuchungsgrundsatz fliessende
Beweisführungslast, sondern auch die Folgen einer allfälligen Beweislosigkeit. Wird das
Datum der Zustellung einer uneingeschriebenen Sendung bestritten, so muss daher
nach der Rechtsprechung im Zweifel auf die Darstellung des Empfängers abgestellt
werden (so das Eidgenössische Versicherungsgericht bereits in ZAK 1984 S. 124,
Erw. 1b, bestätigt etwa in BGE 124 V 402, Erw. 2a, und im Entscheid C 171/05 vom
16. September 2005, Erw. 4.2). Diese Formulierung ist insofern unpräzis, als dass der
Beweis nicht bereits beim Bestehenbleiben geringer Restzweifel misslingt. Vielmehr
genügt nach der Rechtsprechung bezüglich Tatsachen, die für die Zustellung von
Verfügungen erheblich sind, der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
(C 171/05, Erw. 4.2; m.w.H. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., 2009, N. 6 zu
Art. 39). Es ist danach nicht der volle Beweis zu verlangen, sondern man hat von allen
möglichen Geschehensabläufen jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die als die
wahrscheinlichste erscheint (Entscheid I 218/04 vom 31. August 2004, Erw. 5.1). Das
Bundesgericht hat dies damit begründet, dass es der Verwaltung bei
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Massenverfügungen nicht zumutbar sei, diese stets eingeschrieben zu versenden; dies
sei zudem auch für die Postbetriebe ein zu grosser Aufwand (ZAK 1984 S. 124,
Erw. 1b; vgl. auch BGE 121 V 5, Erw. 3b). Die Verwaltung könne den erforderlichen
Nachweis des Zustellzeitpunkts nicht lediglich mit dem Hinweis auf den normalen
organisatorischen Ablauf im Versand von Verfügungen erbringen. Jedoch könne der
Nachweis der Zustellung aufgrund von weiteren Indizien oder gestützt auf die
gesamten Umstände erbracht werden. So könne sich aus der Zahlung einer Forderung,
aus der mit der Verwaltung gewechselten Korrespondenz, aus dem Verhalten der
versicherten Person oder aus Zeugenaussagen ergeben, dass und wann die Verfügung
eröffnet worden sei (ZAK 1984 S. 124, Erw. 1b in fine; vgl. auch die Entscheide
I 218/04, Erw. 5.1; C 192/02 vom 29. August 2003, Erw. 2.1).
3.
3.1 Fest steht, dass die Beschwerdegegnerin die Verfügung vom 30. September 2011
mit uneingeschriebener Post versandt hat. Sie stellt sich auf den Standpunkt, die
Verfügung sei am 30. September 2011 per A-Post versandt worden und dürfte dem
Beschwerdegegner am 3., spätestens aber am 4. Oktober 2011 zur Kenntnis
gekommen sein. Die 30-tägige Beschwerdefrist sei bei Einreichung der Beschwerde
(am 21. November 2011) längst abgelaufen gewesen (act. G 6).
3.2 Der Beschwerdeführer macht nicht geltend, er habe die angefochtene Verfügung
zu einem späteren Zeitpunkt als von der Beschwerdegegnerin vermutet in Empfang
genommen (act. G 1 ff.). Vielmehr führt er aus, er habe lange auf Arztberichte warten
müssen, womit sich die Eingabe verspätet habe (act. G 3 und G 8). Mithin bestreitet
der Beschwerdeführer nicht, dass seine Beschwerde verspätet, d.h. mehr als 30 Tage
nach Erhalt der angefochtenen Verfügung, erfolgte. Die Beschwerde vom 21.
November 2011 erweist sich somit als nicht rechtzeitig erhoben.
3.3 Sodann sind - betrachtet man die Eingabe des Beschwerdeführers sinngemäss
als Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist - die entsprechenden
Voraussetzungen vorliegend nicht gegeben (Art. 60 Abs. 2 i.V.m. Art. 41 ATSG). Das
Gesetz bestimmt hiezu in Art. 41 ATSG Folgendes: Ist die gesuchstellende Person oder
ihre Vertretung unverschuldeterweise abgehalten worden, binnen Frist zu handeln, so
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wird diese wieder hergestellt, sofern sie unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen
nach Wegfall des Hindernisses darum ersucht. Die Hinderung kann auf einen
objektiven oder auf einen subjektiven Grund zurückzuführen sein. Objektiv ist ein
Hindernis, wenn es der gesuchstellenden Person oder ihrer Vertretung infolge eines
von ihrem Willen unabhängigen Umstands objektiv unmöglich war, die Frist zu wahren.
Ein subjektives Hindernis liegt etwa vor, wenn die gesuchstellende Person sich in
einem Irrtum befindet (vgl. Ueli Kieser, a.a.O., N. 6 ff. zu Art. 41). Entschuldbare Gründe
im vorgenannten Sinn, welche die Wiederherstellung der Beschwerdefrist zu
rechtfertigen vermöchten, sind nicht ersichtlich. Insbesondere wäre es dem
Beschwerdeführer möglich gewesen, die Beschwerde rechtsgenüglich zu erheben,
ohne gleichzeitig die von ihm erwähnten Arztberichte vorzulegen. Somit kann nicht
davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer unverschuldeterweise davon
abgehalten worden wäre, binnen Frist zu handeln.
4.
4.1 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass auf die am 21. November 2011 gegen die
Verfügung vom 30. September 2011 erhobene Beschwerde mangels Rechtzeitigkeit
nicht eingetreten werden kann. Es steht dem Beschwerdeführer indessen offen, sich
unter Einreichung allfälliger weiterer Arztberichte bei der IV-Stelle erneut anzumelden.
4.2 Umständehalber wird auf die Erhebung von Gerichtskosten verzichtet (vgl. Art. 97
VRP).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
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