Decision ID: bfc9a422-96e3-4e37-a376-d085e80ac909
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981,
verletzte sich bei einem Arbeits
unfall vom
9.
Dezember 2001
am rechten Knie
(
Urk.
7/10/3
Ziff.
2
,
4,
6
und 9
)
.
A
m
3.
November 2005
meldete er sich
bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
7/2).
Mit Verfügung
en
vom 1
2.
April 2013
(
Urk.
7/150,
Urk.
7/156,
Urk.
7/142)
sprach
ihm
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, ab dem
1.
Ja
nuar 2006 befristet bis
3
0.
November 2008 eine ganze Rente zu. Ab dem
1.
De
zember 2008 verneinte sie einen Rentenanspruch.
Eine vom Versicherten dagegen erhobene Beschwerde
(
Urk.
7/164/3-13)
wies das hiesige Gericht mit Urteil vom
6.
Januar 2014 (Verfahren-Nr. IV.2013.00471) ab
(
Urk.
7/167 S. 13 Dispositiv
Ziff.
1).
1.2
Bei einem weiteren Unfall vom
5.
September
2016 verletzte sich der Versicherte
am linken Kniegelenk
(
Urk.
7/178/114
Ziff.
2,
4, 6 und 9,
Urk.
7/178/89).
Am
6.
November 2018
meldete er sich
erneut bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/170).
Die IV-Stelle trat auf die Neuanmeldung ein, tätigte medizinische (
Urk.
7/174,
Urk.
7/183
,
Urk.
7/195-196
) und
erwerbliche
(
Urk.
7/176,
Urk.
7/189
,
Urk.
7/194
) Abklä
rungen und zog Akten des Unfallversicherers (
Urk.
7/178,
Urk.
7/200
,
Urk.
7/208
) zum Verfahren bei.
Am
3.
April 2019
teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen bestehe (
Urk.
7/185).
Am 2
3.
September 2019 er
liess sie den Vorbescheid betreffe
nd Rentenanspruch (
Urk.
7/211), wogegen der
Versicherte Einwände
vorbrachte
(
Urk.
7/213,
Urk.
7/220). Am
6.
Januar 2010 (
Urk.
7/222 =
Urk.
2/2) erlies
s die IV-Stelle den Vorbescheid betreffend
Umschu
lung und Eingliederungsmassnahmen. Mit Verfügung vom
6.
Januar 2020 (
Urk.
7/223 =
Urk.
2/1) verneinte
sie
einen Rentenanspruch.
Mit Verfügung vom 1
7.
Februar 2020 (
Urk.
7/234) verneinte sie
auch
einen Anspruch auf Eingliede
rungsmassnahmen und
auf
eine Umschulung.
2.
Der Versicherte erhob am
7.
Februar 2020
Beschwerde gegen
die Verfügung
und den Vorbescheid
der IV-Stelle
vom
6.
Januar 202
0.
Er beantragte,
diese
seien aufzuheben und es sei die IV-Stelle anzuweisen, ihm die in der Beschwerde ge
nannten Eingliederungsmassnahmen zur Verfügung zu stellen. A
usserdem sei sie anzuhalten, umfassende medizinische Abklärungen und Begutachtungen anzu
ordnen und hernach über die dem Versicherten zustehenden Ansprüche und Leis
tungen zu befinden. Eventuell sei ihm eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-4 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Be
schwerdeantwort vom 1
7.
März 202
0 (
Urk.
6) die Abweisung de
r Beschwerde. Dies wurde dem
Beschwerdeführer am 2
6.
März 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Re
visionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu
bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
2.
2.1
Angefochten sind die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
6.
Januar 2020 betreffend Rentenanspruch (
Urk.
2/1) und
der Vorbescheid vom
6.
Januar 2020 betreffend Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
2/2).
Gegen L
etzteren hätte der Be
schwerdeführer
innert 30 Tagen Einwände im Sinne von Äusserungen im Rahmen des Gehörsanspruchs bei der verfügenden IV-Stelle erheben können
, was ihm
mit Vorbescheid
richtigerweise
mitgeteilt wurde. Obschon der Beschwerdeführer die daraufhin am 1
7.
Februar 2020 betreffend Eingliederungsmassnahmen erlassene
, inhaltlich mit dem Vorbescheid deckungsgleiche
Verfügung
(
Urk.
7/234)
nicht ausdrücklich angefochten hat,
kann diese
angesichts der Rechtspre
c
hung betref
f
end Ausdehnung d
e
s Anfechtungsgegenstandes und des
offensichtlichen Willen
s
des Beschwerdeführers zur Beschwerdeerhebung
als mitangefochten gelten.
Die Be
schwerdegegnerin
lehnte
Eingliederungsmassnahmen mit der Begründung
ab
,
der
Beschwerdeführer
sei
in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig
und bei
der Stellensuche nicht krankheitsbedingt eingeschränkt
(
Urk.
7/234 S. 1 un
ten).
Zu den beantragten
M
assnahmen
hielt sie fest
,
Ziel eines Arbeitsversuches sei
der Ausbau der Arbeitsfähigkeit.
Aufgrund der vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
bestehe
kein Anspruch auf einen Arbeitsversuch
.
Ebenso bestehe
kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung.
Da
der Beschwerdeführer
in der Berufswahl
gesundheitsbedingt nicht eingeschränkt sei, bestehe auch kein An
spruch auf Berufsberatung
.
Für eine Umschulung
fehle es
sodann
an einem dau
ernden, invaliditätsbedingten
Minderverdienst von 20
%
(
Urk.
7/234 S. 2 oben).
2.2
Bezüglich eines Rentenanspruches
vertrat die Beschwerdegegnerin den Stand
punkt, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich im Oktober 2018 verschlechtert. Zwischenzeitlich sei ihm eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit, welche uneingeschränkt sitzend ausgeübt werde,
aber
wieder mit einem Pensum von 100
%
möglich (
Urk.
2/1 S. 1).
Die Beschwerdegegnerin führte sodann einen Einkommensvergleich durch, der einen Invaliditätsgrad von 0
%
ergab
(S. 1 f.).
G
emäss
der
Beurteilung durch
ihren Regionalärztlichen
Dienst (RAD) könne auf die
medizinische
Beurteilung
durch die
Suva-Kreisärztin
abgestellt werden (S. 2 unten).
2.3
Der Beschwerdeführer brachte vor,
er habe am
5.
September 2016
bei einem
Töff-Unfall
einen schweren
Knieschaden erlitten.
In der
Folge
habe ihm die Arbeitge
berin
per 3
1.
Mai 2019 gekündigt (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
1).
Die Beschwerdegegnerin habe sich
nicht
zu seinen Vorbringen bezüglich der
Möglichkeit einer Umschu
lung respektive einer kaufmännischen Ausbildung geäussert. Es liege eine Ver
letzung des rechtlichen Gehörs und der Begründungspflicht vor (S. 7
Ziff.
3).
Weiter sei
die Kürze der kreisärztlichen Untersuchung vom 1
2.
Juli 2019 von ge
rade zehn Minuten
zu beanstanden
, was der Komplexität und Vielschichtigkeit der unfallkausal bestehenden physischen Beeinträchtigung nicht gerecht werde (S. 8
Ziff.
8).
Anders als die Suva-Kreisärztin habe die Fachärztin
der
Klinik Y._
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% festgestellt (S. 9
Ziff.
10).
2.4
Gemäss
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung ein
greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu wer
den und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Ent
scheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die
Beschwerdegegnerin legte in der
Verfügung vom 1
7.
Februar 2020
bezüglich eines Anspruches auf eine Umschulung
dar
,
dass
die Voraussetzung einer
Er
werbseinbusse
von 20
%
nicht erfüllt sei
(
Urk.
7/234 S. 2 oben).
Damit liegt eine ausreichende Begründung
dafür
vor, weshalb
sie
eine Umschulung ablehnte
. Eine Verletzung des Anspruches auf rechtliches Gehör
ist daher zu verneinen
.
2.5
Der Beschwerdeführer meldete sich
nach dem Unfall vom
5.
September 2016
am
6.
November 2018 erneut bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/170).
Die Be
schwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung eingetreten.
Strittig ist
, ob ein An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen und gegebenenfalls auf eine Rente be
steht.
Dabei ist zu prüfen, ob verglichen mit dem Zeitpunkt der Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 1
2.
April 2013 neu ein Rentenanspruch besteht.
Insbesondere
ist zu prüfen
, ob auf den Bericht der Suva-Kreisärztin
vom 22 Juli 2019
abgestellt werden kann.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer verunfallte am
5.
September 2016 mit
dem Töff
und ver
letzte sich am linken Knie
gelenk
(
Urk.
7/178/114
Ziff.
2, 4,
6
und 9
).
Bei einem Unfall vom
9.
Dezember 2001 hatte er sich bereits am rechten Knie v
erletzt (
Urk.
7/10/3
Ziff.
2, 4,
6 und 9).
3.2
Die Ärzte der Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsspital
Z._
, attestier
ten in den ärztlichen Zeugnissen vom
8.
und 1
6.
September 2016 für die Zeit vom
5.
September bis 1
0.
Oktober 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (
Urk.
7/178/91,
Urk.
7/178/107).
3.3
Die Ärzte des
Z._
stellten im
Bericht vom 2
3.
November 2016 (
Urk.
7/
174/5-6
=
Urk.
7/178/89-90
)
folgende Diagnose
(S. 1)
:
Distorsionstrauma Knie links vom
5.
September 2016 mit:
-
komplexem Riss des Aussenmeniskus
-
Teilruptur des vorderen Kreuzbandes
Zur Anamnese wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe über einen erfreu
lichen Heilungsverlauf berichtet. Zum aktuellen Zeitpunkt bestünden lediglich noch Restbeschwerden im Sinne von Schmerzen bei Arbeiten in kniender Po
sition. Für die Tätigkeit als Kanalreiniger sei er wieder zu 100
%
arbeitsfähig, wobei er der Arbeit nahezu beschwerdefrei nachgehen könne (S. 1 unten).
3.4
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Chirurgie,
Klinik B._
,
nannte
im Bericht vom
9.
Januar 2019 (
Urk.
7/174/1-2
=
Urk.
7/178/42-43
)
als
Diagnosen (S
.
1):
-
Status nach Tr
aumatisierung linkes Kniegelenk
vom
5.
September 2016 mit
-
erneuter Schmerzexazerbation und
mässigem
Kniegelenkserguss (Sta
tus nach Steroidinfiltration Knie links vom 1
6.
Oktober 2018)
-
hochgradiger
VKB-Läsion (3.-gra
d
i
ge Partialruptur)
-
signalalterierter und longitudinal eingerissener vorderer Wurzel und des wurzelnahen Vorderhorns des lateralen Meniskus
-
3 mm grosse
r
subkortikale
r
Knochenzyste im Insertionsbereich der ventralen Wurzel des lateralen Meniskus
-
residuelle
Bone
bruises
lat.
Femurkondylus
anterior
-
Ödem im
Hoffafettkörper
-
superolateral
er
und
retropatellär
er
Chondropathie Grad I
-
Genua
vara
-
zunehmende Knieschmerzen rechts
-
Status nach 2 x KAS rechts 2002 und 2003
-
Status nach
suprakondylärer
Femurosteotomie
zur
Korrektur des
Genu
valgum rechts 2005
-
Status nach OSME rechts 2007
Dr.
A._
führte weiter aus, der Beschwerdeführer leide seit Oktober 2018 unter persistierenden Kniebeschwerden rechts, die sich mit multimodalen Therapie
massnahmen nicht ausreichend hätten bekämpfen lassen. Nach Wiederaufnahme der
Arbeit
zu 50
%
sei es
zu einer erneuten
Schmerzexazerbation
und einem Er
guss im linken Kniegelenk gekommen. Eine operat
ive Therapie im Sinne einer arthroskopischen
Exploration sei zunächst als
ultima
ratio
zu betrachten,
nach
dem
der Versuch einer
Varisatio
nsosteotomie
rechts nicht gelungen sei. Durch die Mehrbelastung des rechten Kniegelen
kes seien auch rechts zunehmend
Beschwer
den vorhanden, die
den Patienten praktisch zu einer vollständigen Arbeitsunfä
higkeit zwingen
würden
(S. 1 unten).
Bis zum 1
4.
November 2018 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und vom 1
5.
November 2018 bis
7.
Januar 2019 von 50
%
bestanden. Seit dem
8.
Januar 2019 bestehe erneut eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Es sei mit einer längeren Arbeitsunfähigkeit zu rechnen (S. 2).
3.5
PD
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie und für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, führte im Bericht vom 2
1.
Februar 2019 (
Urk.
7/183/1-2) aus,
ein MRT links vom 1
0.
Oktober 2018 habe ein elongiertes vorderes Kreuzband ergeben bei
einem
Zustand nach mehreren Partialrupturen sowie einen Riss am lateralen Meniskusvorderhorn (S. 1
Mitte
).
Im Vordergrund s
tehe eine konservative Therapie, die den
Aufbau der Muskulatur
beinhalte
.
L
ängerfristig
empfehle er
eine Umschulung,
da es für die Tätigkeit als Kanalarbeiter mit vielen knienden und sitzenden
Arbeiten
mit einem vorgeschä
digten Knie vermehrt zu Problemen kommen werde. Fall
s
die konservative The
r
apie keinen Erfolg bringe
, sollt
e über eine Arthroskopie nachgedacht werden zwecks einer Naht oder Teilresektion der Meniskusläsion sowie zur genauen Be
urteilung des vorderen Kreuzbandes
.
Zusätzlich könne die
Patella
f
ührung
verbes
sert werden
(S. 1 unten).
3.6
Dr.
A._
gab im Bericht vom
8.
März 2019 (
Urk.
7/196/7)
über eine Verlaufs
kontrolle
an,
trotz konsequenter konservativer Therapie, Reduktion der Arbeits
belastung um 100
%
und Anpassung der
alltäglichen
Belastung persistierten
die Beschwerden. Aktuell
und
vorab bis zum
8.
Mai 2019
bestehe
eine Arbeitsunfä
higkeit von 100
%
(unten).
3.7
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates, nannte im Bericht vom 1
9.
März 2019 (
Urk.
7/183/4-5)
als Diagnosen (S. 1):
-
Status nach Kniegelenkstraumatisierung
(links)
vom
5.
September 2016 mit
-
3.-gradiger Partialruptur des vorderen Kreuzbandes
-
Läsion Vorderhorn des lateralen Meniskus mit Chondropathie
retropa
tellär
Grad I
-
Status nach zweimaliger Kniearthroskopie rechts 2002/2003 mit
-
Genu
valgum Korrektur rechts 2005 mit
suprakondylärer
Femurosteo
tomie
mit Metallentfernung 2007
3.8
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, attestierte im Bericht vom 1
8.
April 2019 (
Urk.
7/195/1-5) für die Tätigkeit als Kanalreiniger vom
9.
Oktober bis 1
4.
November 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und vom 1
5.
b
is 3
0.
November 2018 von 50
%
. Vom
1.
Dezember 2018 bis
zum 1
8.
April 2019
attestierte er
erneut eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
1.3).
Weiter führte er aus, d
urch die Arbeit in den Kanälen komme es zu
einer immer stärkeren
Schwellung und
Schmerzen im linken Kniegelenk
(
Ziff.
2.1).
Aufgrund
der Schwellung
des Kniegelenkes
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
2.7).
3.9
Dr.
A._
bestätigte
im
Bericht
vom 1
4.
Mai 2019
(
Urk.
7/196/1-5)
eine längere Arbeitsunfähigkeit
für den angestammten Beruf (
Ziff.
2.7).
3.10
Am 1
2.
Juli 2019
erfolgte die
kreisärztliche Untersuchung
durch
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Chirurgie.
Im
Bericht vom 2
2.
Juli 2019 (
Urk.
7/200/4-9)
führte sie
aus,
der Beschwerdeführer habe immer noch vor allem belastungsab
hängige Schmerzen. Er habe mehrere Arbeitsversuche gestartet, letztmals im Ja
nuar
dieses Jahres
. Das Heben von Gewichten bereite
ihm
Schmerzen, sobald eine Bewegung hinzukomme. Dies sei deshalb kaum möglich.
Weiter komme es ab und zu
zu
einem Kraftverlust im Bein.
Physiotherapie und eine Infiltration hätten keine Besserung gebracht.
Der Zustand sei über
die letzten zwei bis drei Monate eigentlich unverändert. Der Beschwerdeführer wünsche weiterhin ein konserva
tives Vorgehen auch wegen der schlechten Erfahrung nach den Operationen am rechten Bein. Auf der rechten S
eite sei er komplett sch
m
erzfrei
.
Der Beschwerdeführer habe
in Portugal
mit 14 Jahren angefangen, auf dem Bau zu arbeiten
. In der Schweiz habe er zuerst als Hilfskoch gearbeitet
(S. 4 oben).
Er
verwende eine
valgisierende
Kniegelenksschiene, welche subjektiv eine Besserung bringe (S. 4 unten).
Dr.
F._
nannte als Diagnose einen Status nach Kniegelenkstraumatisierung vom
5.
September 2013 mit
drittgradiger
Partialruptur des vorderen Kreuzbandes,
einer
Läsion
des
Vorderhorn
s
des lateralen Meniskus mit Chondropathie
retropa
tellär
Grad I. Als unfallfremde Nebendiagnose nannte sie einen Status nach zwei
maliger Kniearthroskopie
rechts 2002/2003 mit
Genu
valgum-Korrektur rechts 2005 mit
suprakondylärer
Femurosteotomie
mit Metallentfernung 2007 (S. 5 un
ten).
Nach dem Unfallereignis
bestünden immer noch Schmerzen
. Das Gangbild sei in Ordnung und die Beweglichkeit gut. Unter Belastung mit Gewichten sei das Ge
hen aber schmerzhaft.
Weiter komme es zu einem plötzlich auftretenden Schwä
chegefühl.
Mit weiteren ärztlichen Massnahmen lasse sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine
gesundheitliche
Verbesserung
mehr
erzielen.
Der
Be
schwerdeführer
könne im angestammten Beruf als Kanalreiniger
nicht mehr ar
beiten, da er
diesbezüglich
nicht
voll eingesetzt werden könne. Ein schonender Arbeitsplatz sei nicht möglich.
Er
müsse Gewichte vom Absaugrohr von über 30
kg heben können. Ausserdem seien häufige Arbeiten an Leitern und in Knie
kauerstellung zu bewerkstelligen (S. 5 f.).
Im Sinne eines Belastungsprofils seien für
das linke Kniegelenk
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten
,
vereinzelt mit Zu
satzbelastungen bis 20 kg
,
statisch erlaubt. Eine sitzende Tätigk
eit sei uneinge
schränkt möglich. Ansonsten komme eine Wechseltätigkeit in Frage
. Nicht zu
mutbar seien Zwangshaltungen für das linke Knie
gelenk
, kraftvolle Zug-, Stoss- und Drehbewegungen und axial belastende Stabilisationen.
Unzumutbar seien weiter
Arbeiten auf Steildächern, Gerüsten und auf unebenem Boden aufgrund der Schmerzen und der Schwäche. Für eine Integritätsentschädig
ung sei die
Er
heblichkeitsgrenze
nicht erreicht (S. 6 oben).
3.11
Dr.
E._
gab im Verlaufsbericht vom 2
8.
August 2019 (
Urk.
7/202/1-3) an, die bisherige berufliche Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer nicht mehr möglich. In einer sitzenden Tätigkeit im Büro bestehe aber eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (
Ziff.
2.1 und 4.2).
3.12
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates, RAD, verwies in der Stellungnahme vom 2
9.
No
vember 2019 (
Urk.
7/231 S. 4 f.) auf die
im Verlauf
attestierte Arbeitsunfähigkeit. Demnach habe vom
9.
Oktober bis 1
4.
November 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden
, vom 1
5.
November 2018 bis
7.
Januar 2019 von 50
%
und vom
8.
Januar bis 2
8.
Februar 2018
erneut
von 100
%
.
G
emäss den Eintragungen auf dem Unfallschein sei die Arbeitsunfähigkeit von 100
%
mindestens bis am 1
1.
Juli 2019 fortgeschrieben worden.
Nach
den Angaben von
Dr.
E._
sei die bisherige Tätigkeit als Kanalarbeiter nicht mehr möglich. Für eine rein sitzende Tätigkeit im Büro bestehe abe
r eine Arbeitsfähigkeit von 100
%. Die Suva habe den Fall mit Verfügung vom
5.
Sep
tember 2019 abgeschlossen. Gemäss den Abklärungen der Suva könne der Be
schwerdeführer die angestammte Tätigkeit aufgrund des Unfalles nicht mehr un
eingeschränkt ausüben. Erlaubt seien jedoch leichte bis mittelschwere Tätigkei
ten,
vereinzelt mit statischen Zusatzbelastungen bis 20 kg. Sitzende Tätigkeiten
und eine wechselbelastende Tätigkeit
seien uneingeschränkt möglich (S. 4 unten).
Der Gesundheitszustand des Bes
chwerdeführers sei derzeit stabil.
Die Angaben in den Akten
erweisen sich
aus versicherungsmedizinsicher Sicht
als
plausibel. Es könne darauf abgestellt werden.
Die bisherige oder eine andere, ähnlich schwere oder ständig mittelschwer belastende Arbeit sei dem Beschwerdeführe
r
demzu
folge
dauerhaft nicht mehr möglich. Für eine angepasste Tätigkeit des allgemei
nen Arbeitsmarktes bestehe
jedoch
eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Der Beurtei
lung durch die Kreisärztin könne zugestimmt werden (S. 5 oben).
4.
4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben ge
mäss Art. 8
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige be
rufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
4.3
Gemäss
Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschu
lung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1 IVV Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Inva
lidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
4.4
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen ver
sicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der «annähernden Gleichwertigkeit» nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 488 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blos
sen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b mit Hinwei
sen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3).
Für die Beurteilung der Gleichwertigkeit im Sinne der erwähnten Rechtsprechung ist in erster Linie auf die miteinander zu vergleichenden Erwerbsmöglichkeiten im ursprünglichen und im neuen Beruf oder in einer der versicherten Person zu
mutbaren Tätigkeit abzustellen. Zwar geht es nicht an, den Anspruch auf Um
schulungsmassnahmen – gleichsam im Sinne einer Momentaufnahme – aus
schliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeitpunkt begrenzten Einkom
mensvergleichs, ohne Rücksicht auf den qualitativen Ausbildungsstand einerseits und die damit zusammenhängende künftige Entwicklung der erwerblichen Mög
lichkeiten anderseits, abhängen zu lassen. Vielmehr ist im Rahmen der vorzuneh
menden Prognose (BGE 110 V 99 E. 2) unter Berücksichtigung der gesamten Um
stände nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellenwert der beiden zu vergleichenden Berufe mit zu berücksichtigen. Die annähernde Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeit in der alten und neuen Tätigkeit dürfte auf weite Sicht nur dann zu verwirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbil
dungen einen einigermassen vergleichbaren Wert aufweisen (BGE 124 V 108 E.
3b; AHI 1997 S. 86 E. 2b; Urteile des Bundesgerichts I 826/05 vom 28. Februar 2006 E. 4.1 in
fine
und I 783/03 vom 18. August 2004 E. 5.2 mit Hinweisen; Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungs
recht,
Diss
. Bern 1985, S. 186).
Massnahmen im Sinne von
Art.
17 IVG setzen subjektive und objektive Einglie
derungsfähigkeit voraus (AHI 1997 S. 82 E. 2b/
aa
; ZAK 1991 S. 179 unten f. E.
3). Nicht unter Umschulung fallen Massnahmen der sozialberuflichen Rehabilita
tion (wie Gewöhnung an den Arbeitsprozess, Aufbau der Arbeitsmotivation, Sta
bilisierung der Persönlichkeit, Einüben der sozialen Grundelemente) mit dem pri
mären Ziel, die Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person zu erreichen oder wieder herzustellen (ZAK 1992 S. 367 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 527/00 vom 30. April 2001).
4.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
4.6
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
4.7
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1,
134 V 322 E. 4.1).
4.8
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne
gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E
. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
4.9
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) al
lenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass per
sönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene
Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (
vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2,
134 V
322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen kör
perlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts füh
ren dürfen (Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1
und
9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abwei
chende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesam
thaft neu zu schätzen (vgl.
Urteile des Bundesgerichtes
9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
5.
5.1
Nach übereinstimmender ärztlicher Beurteilung
ist der Beschwerdeführer
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als Kanalreiniger
infolge des Unfalles vom
5.
Sep
tember 2016
nicht mehr arbeitsfähig
.
Gemäss dem von
Dr.
F._
aufgestellten Belastungsprofil
ist ihm eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit, vereinzelt mit Zusatzbelastungen bis 20 kg, eine uneingeschränkt sitzende sowie eine wechsel
belastende Tätigkeit
aber
vollumfänglich möglich (vgl.
E. 3.10).
5.2
Der Bericht von
Dr.
F._
vom 2
2.
Juli 2019
erfüllt die Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen Berichtes
(E. 4.1 hiervor)
.
Sie
führte die Berichte
der behandelnden Ärztin
Dr.
A._
in ihrem Bericht
unter
den v
orinstanzlichen Akten auf
(
Urk.
7/200/5-6)
.
Diese lagen der Kreisärztin daher vor
. Die
durch
Dr.
A._
und
den
Hausarzt
ab Oktober 2018
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50
und 100
%
betrifft
die angestammte Tätigkeit
als Kanalreiniger.
Im Bericht vom 1
4.
Mai 2019
bezog sich
Dr.
A._
ausdrücklich auf
diese Tätigkeit
(vor
stehend E. 3.9).
Zu
r Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit äusserte sie sich nicht.
Ein Widerspruch zwischen den Beurteilungen durch
Dr.
F._
und
Dr.
A._
lässt sich entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
8) nicht erkennen.
Diese stimmten vielmehr darin überein, dass in der angestammten, körperlich schweren Tätigkeit als Kanalreiniger
und in einer ver
gleichbaren Tätigkeit
keine Arbeitsfähigkeit mehr besteht.
Anzeichen dafür, dass die
Untersuchung durch
Dr.
F._
oberflächlich erfolgt wäre (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
8),
lassen sich
ebenfalls
nicht erkennen
.
Der Gegenstand der kreisärztlichen Unter
suchung
erweist sich zudem nicht als derart komplex, wie der
Beschwerdeführer geltend machen möchte.
Die
Abklärung
und Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit war der Kreisärztin klarerweise möglich.
Gestützt auf die Untersuchung
und die von
Dr.
F._
erhobenen Befunde
lässt sich nach
vollziehen
, dass dem Beschwerdeführer trotz der
Beschwerden
am linken Kniege
lenk
in einer körperlichen leichten und namentlich einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit
eine volle Arbeitsfähigkeit zugemutet werden kann.
Die Beurteilung durch
Dr.
F._
deckt sich
zudem
mit
jener des Hausarztes
und des
RAD der Beschwerdegegnerin.
Auf die fachärztliche Untersuchung durch
Dr.
F._
und die Beurteilung durch RAD-Arzt
Dr.
G._
kann daher abgestellt werden.
Weitere medizinische Abklärungen
und
eine Begutachtung erübrigen sich
somit.
5.3
Nachfolgend ist der Invaliditätsgrad zu ermitteln
. Die Beschwerdegegnerin stellte in der Verfügung vom
6.
Januar 2020 auf ein
Valideneinkommen
von
Fr.
60'752.-- und ein Invalideneinkommen von
Fr.
67'743.-- ab (
Urk.
2/1 S. 2 oben).
Vertraglich vereinbart war g
emäss
Arbeitsvertrag vom
7.
März 2014
ein
Monats
lohn von
Fr.
4'500.-- (
Urk.
7/178/24 oben).
Gemäss der Lohnabrechnung der
H._
AG vom 2
4.
November 2018 verdiente der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt
Fr.
4'850.-- (
Urk.
7/178/26). In
einem Schreiben vom 2
3.
Januar 2019
stütze sich die Suva ebenfalls auf
einen Monatslohn
von
Fr.
4'850.--
(
Urk.
7/178/20 unten), den sie auch
ihrer Taggeldberechnung
zugrunde legte
.
Der
in der Unfallmeldung vo
m 1
3.
September 2016
angegebene
Lohn von
Fr.
4'600.-- (
Urk.
7/178/114 Ziff.12)
betrifft
dagegen
den im Jahr 2016 erzielten Lohn
.
Es ist
auf den zuletzt erzielten
Lohn von
Fr.
4'850.-- und damit auf ein
Validenein
kommen
von
Fr.
63'050.-- (
Fr.
4'850.-- x 13)
abzustellen.
Für die Ermittlung des Invalideneinkommen
s
sind Tabellenlöhne zu verwenden.
Gemäss LSE 2018 TA1_tirage_skill_level
liess sich 2018
ausgehend vo
m
Kompe
tenzniveau eins ein durchschnittlicher
Monatslohn für Männer von
Fr.
5'
417
.-
-
erzielen
.
Nach der medizinischen Beurteilung kann dem Beschwerdeführer
eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit
mit einem Pensum von
100
%
zugemutet wer
den.
Die vom
Beschwerdeführer
in seiner
Berechnung
zugrunde gelegte Arbeits
fähigkeit von
maximal 50
%
(
Urk.
1 S. 11
Ziff.
18)
deckt sich nicht mit
der ärzt
lichen
Be
urteilung der Arbeitsfähigkeit.
Der Beschw
erdeführer stammt aus Por
tugal.
Aufgrund seines
Migrationshintergrundes kann
ihm
e
in Abzug vom Tabel
lenlohn von 5
% gewährt werden.
Ein
höherer
Abzug von 15
%
, wie
von ihm geltend gemacht (
Urk.
1 S. 11 f.
Ziff.
19-20)
,
ist dagegen nicht
gerechtfertigt
.
Da ihm eine leichte Hilfsarbeitertätigkeit uneingeschränkt möglich ist, kommt
ein
höherer
Abzug vom Tabellenlohn nicht in Frage (
vgl.
vorstehend E. 4.9)
Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahr 2018
ergibt sich ein Einkommen von
Fr.
64'378
.--
(
Fr.
5’417
.--
: 40 x 41.7 x 12 x 0.95). Als In
valideneinkommen sind
somit
Fr.
64’378
.-- zu veranschlagen.
Da das
zumutbare
Invalideneinkommen
knapp über dem
Valideneinkommen
liegt,
resultiert, wie von der Beschwerdegegnerin ermittelt, ein Invaliditätsgrad von 0
%
.
5.4
Nachdem der Beschwerdeführer in einer behinderungsangepassten Tätigkeit ein gleichwertes Einkommen wie
in der
angestammten Tätigkeit
zu erzielen vermag,
fehlt es
an
der erforderlichen
rentenbegründenden
Erwerbseinbusse von
40
%
. Da der Invaliditätsgrad auch klar unter
20
%
liegt, besteht auch kein Anspruch auf eine Umschulung.
Die Beschwerdegegnerin hat
daher zu Recht sowohl
einen
Ren
tenanspruch als auch einen
Anspruch auf eine Umschulung
verneint.
6.
6.1
Arbeitsunfähige (
Art.
6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben gemäss
Art.
18
Abs.
1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
. a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (
lit
. b). Die IV-Stelle ver
anlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (
Abs.
2).
Ist die Arbeitsfähigkeit einzig insoweit eingeschränkt, als dem Versicherten leichte Tätigkeiten voll zumutbar sind, bedarf es zur Begründung eines Anspruchs auf Arbeitsvermittlung zusätzlich einer spezifischen Einschränkung gesundheit
licher Art (Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Aufl.,
R
z
6 zu
Art.
18 IVG).
6.2
Gemäss
Art.
15 IVG haben Versicherte, die infolge Invalidität in der Berufswahl oder in der Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit behindert sind, Anspruch auf
Berufsberatung. Der Leistungsanspruch setzt voraus, dass die versicherte Person an sich zur Berufswahl oder zur beruflichen Neuorientierung fähig ist, infolge ihres Gesundheitszustandes aber darin behindert ist, weil die Kenntnisse über Neigungen, berufliche Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht ausreichen, um einen der Behinderung angepassten Beruf wählen zu können (ZAK 1977 S. 191 E. 2; Urteil des Bundesgerichts I 431/99 vom 1
5.
Februar 2000).
6.3
Gemäss
medizinischer Beurteilung
ist dem Beschwerdeführer eine körperlich leichte Tätigkeit uneingeschränkt möglich.
Eine zusätzliche gesundheitliche
Ein
schränkung
(vorstehend E. 6.1)
besteht nicht.
Anzufügen ist, dass der Beschwer
deführer anlässlich der Untersuchung durch
Dr.
F._
keine Beschwerden am rechten Kniegelenk und damit
keine zusätzlichen gesundheitlichen Einschrän
kungen
ausser den Unfallfolgen
angab (vorstehend E. 3.10).
Ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung besteht daher nicht.
Weiter ist nicht erstellt, dass der Beschwerdeführer gesundheitsbedingt Unterstüt
zung bei der Berufswahl benötigt, da er mit dem
von
Dr.
F._
beschriebenen
Belastungsprofil zahlreiche Tätigkeiten ausüben kann.
Nachdem die Beschwerde
gegnerin zur Prüfung ei
nes Rentenanspruches gelangte
und in einer behinde
rungsangepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit besteht
, erübrigt sich
die Abklärung der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers.
Es besteht daher auch
kein Anspruch auf einen Arbeitsversuch nach
Art.
18a
Abs.
1 IVG.
6.4
Zusammenfassend
besteht kein Anspruch
auf Eingliederungsmassnahmen
oder
auf
eine
Umschulung. Bei einem Invaliditätsgrad von 0
%
be
steht auch kein Ren
tenanspruch.
Eine
massgebliche gesundheitliche Veränderung
ist
v
erglichen mit dem Zeitpunkt der Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 1
2.
April 2013 zu verneinen.
Die Beschwerdegegnerin hat
Leistungen der Invalidenversicherung
in den Verfü
gungen vom
6.
Januar und vom 1
7.
Februar 2020 somit zu Recht verneint. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf Fr. 800.-- festzusetzen und dem unterliegenden Be
schwerdeführer
aufzuerlegen.