Decision ID: b52659c3-2510-5349-b6f0-4abbe4e9957b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Stiftung A._ (nachfolgend auch: Steuerpflichtige) mit Sitz in (...)
bezweckt die Finanzierung und Förderung von Klimaschutzprojekten
und -massnahmen in der Schweiz und im Ausland in Zusammenarbeit mit
geeigneten Partnern aus Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Wirt-
schaft. Es handelt sich bei der Steuerpflichtigen unbestrittenermassen um
eine gemeinnützige Organisation im Sinne von Art. 3 Bst. j des Bundesge-
setzes über die Mehrwertsteuer vom 12. Juni 2009 (Mehrwertsteuerge-
setz, MWSTG, SR 641.20). Die Steuerpflichtige ist seit dem 1. Januar 2007
im Register der Mehrwertsteuerpflichtigen eingetragen.
B.
Die Steuerpflichtige stand wiederholt im Austausch mit der Eidgenössi-
schen Steuerverwaltung (ESTV) betreffend die Steuerbarkeit ihrer Leistun-
gen im Bereich der CO2-Kompensation. Am 12. November 2009 hielt die
ESTV unter Bezugnahme auf einen Mustervertrag in einem Schreiben an
die Steuerpflichtige unter anderem fest, dass Zuwendungen von juristi-
schen Personen, die mit einer Gegenleistung verbunden seien, nicht in ei-
nen steuerfreien (Spende) und einen steuerbaren Anteil (Kommunikations-
und Marketingdienstleistungen) aufgeteilt werden könnten, sondern ge-
samthaft steuerbar seien. Des Weiteren qualifizierte die ESTV die Tätigkeit
im Zusammenhang mit Emissionszertifikaten als steuerbare Dienstleis-
tung.
C.
Mit Schreiben vom 29. Juni 2010 informierte die ESTV die Steuerpflichtige
darüber, dass der Handel mit CO2-Emissionsrechten ab dem 1. Juli 2010
gemäss Art. 21 Abs. 2 Ziff. 19 Bst. e MWSTG als von der Steuer ausge-
nommener Umsatz gelte.
D.
Nach einer Kontrolle betreffend die Steuerperioden 2010 – 2012 wurden
der Steuerpflichtigen mit Einschätzungsmitteilung Nr. (...) vom 1. Juni
2015 CHF 135'913.- nachbelastet. Aufgrund einer diesbezüglichen Be-
streitung seitens der Steuerpflichtigen bestätigte die ESTV die Nachbelas-
tung gemäss Einschätzungsmitteilung Nr. (...) mit Verfügung vom 23. Mai
2017. Zur Begründung führte sie aus, dass Einnahmen im Zusammenhang
mit Verträgen, welche Kommunikations- und Marketingdienstleistungen
bzw. den Kauf oder Verkauf von Emissionszertifikaten zum Gegenstand
hätten, nicht als Spenden zu qualifizieren seien. Auch eine Aufteilung der
A-2978/2019
Seite 3
Einnahmen in Spenden resp. Entschädigungen für Bekanntmachungsleis-
tungen falle ausser Betracht.
E.
Gegen die Verfügung vom 23. Mai 2017 liess die Steuerpflichtige am
30. Juni 2017 Einsprache erheben. Sie brachte darin vor, die Einnahmen
aus den Vertragsverhältnissen mit der B._ Genossenschaft (nach-
folgend: B._), der C._ AG (nachfolgend: C._), der
D._ AG (nachfolgend: D._), der E._ AG (nachfol-
gend: E._) und der F._ AG (nachfolgend: F._) seien
als Spenden und nicht als Entgelt für Bekanntmachungsleistungen zu qua-
lifizieren. Des Weiteren würden Kosten, die eindeutig Spendenerträgen zu-
gewiesen werden könnten, nicht der gemischten Verwendung unterliegen,
was zu einem höheren Vorsteuerabzug führe.
F.
Mit Einspracheentscheid vom 14. Mai 2019 hiess die ESTV die Einsprache
der Steuerpflichtigen vom 30. Juni 2017 insoweit gut, als sie den Abzug
sämtlicher geltend gemachter Vorsteuern – welche Spendenerträgen
zugeordnet werden konnten – in der Höhe von CHF 113'309.- zuliess. Was
die Einnahmen aus den besagten Vertragsverhältnissen betrifft, wies die
ESTV die Einsprache ab und bestätigte, dass es sich dabei um Entgelte
für Bekanntmachungsleistungen handle. Darüber hinaus qualifizierte die
ESTV die Einnahmen aus dem Handel mit Emissionszertifikaten basierend
auf der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes
(A-5769/2016 vom 11. April 2017) bzw. des Bundesgerichtes
(2C_488/2017 vom 9. April 2019) neu als steuerbar. Dies führte im
Ergebnis zu einer (erhöhten) Steuernachbelastung im Betrag von
CHF 455'690.-.
Die ESTV hielt weiter fest, im Hinblick auf die drohende Verjährung der
Steuerforderung sei es trotz der eingetretenen reformatio in peius nicht
möglich gewesen, der Steuerpflichtigen vor Erlass des Einspracheent-
scheides das rechtliche Gehör zu gewähren. Das Einspracheverfahren
wäre gemäss Art. 83 Abs. 5 MWSTG aber selbst bei einem Rückzug der
Einsprache fortzuführen gewesen.
G.
G.a Mit Eingabe vom 13. Juni 2019 lässt die Steuerpflichtige (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) gegen den Einspracheentscheid der ESTV (nachfol-
A-2978/2019
Seite 4
gend: Vorinstanz) vom 14. Mai 2019 Beschwerde ans Bundesverwaltungs-
gericht erheben. Sie beantragt die Aufhebung des vorinstanzlichen Ein-
spracheentscheides und bringt vor, die Steuerforderung sei gemäss Art. 42
Abs. 3 MWSTG verjährt. Die Vorinstanz habe innerhalb der zweijährigen
Verjährungsfrist keinen «materiell korrekten Entscheid mit Wahrung des
rechtlichen Gehörs» fällen können.
G.b Eventualiter sei die Forderung der Vorinstanz auf CHF 53'837.- zu re-
duzieren. Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
vor, sie habe auf die Auskunft der Vorinstanz, wonach Einnahmen im Zu-
sammenhang mit dem Handel mit Emissionszertifikaten von der Steuer
ausgenommen seien, vertrauen dürfen. Die rückwirkende Anwendung der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung verletze deshalb den Vertrauens-
schutz und wäre auch ohne Auskunft seitens der Vorinstanz verfassungs-
widrig. Betreffend die Einnahmen aus den genannten Vertragsverhältnis-
sen führt die Beschwerdeführerin wiederum aus, es handle sich dabei um
Spenden und nicht um Entgelt für Bekanntmachungsleistungen.
G.c Mit Vernehmlassung vom 19. Juli 2019 nimmt die Vorinstanz Stellung.
Sie beantragt in Bezug auf den Verkauf von CO2-Zertifikaten die Gutheis-
sung im Betrag von CHF 380’151.-, im Übrigen aber die Abweisung der
Beschwerde.
H.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die vorliegenden Un-
terlagen wird – sofern sie für den Entscheid relevant sind – in den folgen-
den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-
ren (VwVG, SR 172.021), soweit das Bundesgesetz vom 17. Juni 2005
über das Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) nichts anderes be-
stimmt (Art. 37 VGG). Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Vorlie-
gend stellt der angefochtene Einspracheentscheid vom 14. Mai 2019 eine
solche Verfügung dar. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. Die
A-2978/2019
Seite 5
Vorinstanz ist zudem eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG. Das Bundes-
verwaltungsgericht ist demnach für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig.
1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Ein-
spracheentscheides zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50
Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-
letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder
unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG).
2.
2.1 Der Bund erhebt eine allgemeine Verbrauchssteuer nach dem System
der Netto-Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug (Mehrwertsteuer; Art. 130
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 1 Abs. 1 MWSTG). Aus Praktikabilitäts-
gründen erfolgt der Bezug der Mehrwertsteuer auf Stufe der leistungser-
bringenden Personen, obschon nicht diese, sondern die leistungsbezie-
henden Personen die Destinatäre der Mehrwertsteuer sind (BGE 142 II 488
E. 2.2.2, mit Hinweisen; Urteil des BGer 2C_1076/2015 vom 9. Dezember
2016 E. 2.1).
2.2
2.2.1 Die Veranlagung und Entrichtung der Inlandsteuer erfolgt nach dem
Selbstveranlagungsprinzip. Der Steuerpflichtige stellt dabei eigenständig
fest, ob er die Voraussetzungen der subjektiven Steuerpflicht (Art. 10 und
66 MWSTG) erfüllt, ermittelt die Steuerforderung selber (Art. 71 MWSTG)
und begleicht diese innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf der Abrechnungs-
periode (Art. 86 Abs. 1 MWSTG). Das Selbstveranlagungsprinzip bedeutet
somit, dass der Leistungserbringer selbst für die Feststellung der Mehr-
wertsteuerpflicht bzw. -forderung verantwortlich ist (vgl. BGE 140 II 202
E. 5.4; Urteile des BVGer A-1418/2018 vom 24. April 2019 E. 2.2,
A-2788/2018 vom 27. September 2018 E. 2.6; nichts daran ändert, dass
neuere deutschsprachige Bundesgerichtsentscheide von «modifizierter
Selbstveranlagung» sprechen [BGE 144 I 340 E. 2.2.1, mit Hinweisen]).
A-2978/2019
Seite 6
2.2.2 Die ESTV kann bei steuerpflichtigen Personen Kontrollen durchfüh-
ren (Art. 78 MWSTG; Urteil des BGer 2C_326/2015 vom 24. November
2016 E. 3.2). Diese werden mit einer Einschätzungsmitteilung abgeschlos-
sen, welche den Umfang der Steuerforderung in der kontrollierten Steuer-
periode und die steuerliche Nachbelastung bzw. Steuergutschrift festhält
(Art. 78 Abs. 5 MWSTG; vgl. BEATRICE BLUM, in: Geiger/Schluckebier
[Hrsg.], MWSTG Kommentar, 2. Aufl. 2019 [nachfolgend: MWSTG Kom-
mentar 2019], Art. 78 Rz. 46). Die ESTV hat die Steuerforderung für die
betreffende Steuerperiode im Rahmen ihrer Einschätzungsmitteilung um-
fassend zu prüfen (Urteil des BGer 2C_190/2015 vom 27. Juli 2015 E. 2.2).
2.2.3 Das Recht, eine Steuerforderung festzusetzen, verjährt gemäss
Art. 42 Abs. 1 MWSTG fünf Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem
sie entstanden ist. Der Lauf der Verjährungsfrist wird durch eine auf Fest-
setzung oder Korrektur der Steuerforderung gerichtete empfangsbedürf-
tige schriftliche Erklärung, Verfügung, einen Einspracheentscheid oder ein
Urteil unterbrochen. Erfolgt diese Unterbrechung durch die ESTV oder eine
Rechtsmittelinstanz, so beginnt die Verjährung neu zu laufen. Sie beträgt
neu zwei Jahre (Art. 42 Abs. 3 MWSTG). Damit die Verjährung wirklich un-
terbrochen werden kann, wird vorausgesetzt, dass die unterbrechende
Handlung spätestens am letzten Tag der Frist für den Zahlungspflichtigen
erkennbar gewesen sein muss (vgl. MICHAEL BEUSCH, MWSTG Kommen-
tar 2019, Art. 42 Rz. 23).
Das Recht, die Steuerforderung festzusetzen, verjährt in jedem Fall zehn
Jahre nach Ablauf der Steuerperiode, in der die Steuerforderung entstan-
den ist (Art. 42 Abs. 6 MWSTG). Die Verjährung der Mehrwertsteuerforde-
rung ist von Amtes wegen zu prüfen (BGE 133 II 366 E. 3.3; Urteil des BGer
2C_227/2010 vom 5. August 2010 E. 2.2; BVGE 2009/12 E. 6.3.1; zur Ver-
jährung nach MWSTG vgl. auch Urteil des BVGer A-1214/2011 vom 2. Ok-
tober 2012 E. 4.1.1; MICHAEL BEUSCH, Der Untergang der Steuerforderung,
2012 [nachfolgend: Steuerforderung], S. 282, mit zahlreichen weiteren Hin-
weisen). Eine Veranlagungsverfügung, die trotz eingetretener Verjährung
ergeht, ist nicht nichtig, sondern anfechtbar (BGE 133 II 366 E. 3.4; vgl.
auch BEUSCH, MWSTG Kommentar 2019, Art. 42 Rz. 4).
2.3
2.3.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen die im Inland von steuerpflichtigen
Personen gegen Entgelt erbrachten Leistungen; sie sind steuerbar, soweit
A-2978/2019
Seite 7
das MWSTG keine Ausnahme vorsieht (Inlandsteuer, Art. 18 Abs. 1
MWSTG).
2.3.2 Die Leistung umfasst als Oberbegriff sowohl Lieferungen (vgl. Art. 3
Bst. d MWSTG) als auch Dienstleistungen (vgl. Art. 3 Bst. e MWSTG).
Als Lieferung gilt insbesondere das Verschaffen der Befähigung, im eige-
nen Namen über einen Gegenstand wirtschaftlich zu verfügen (vgl. Art. 3
Bst. d Ziff. 1 MWSTG). Die Verfügungsmacht kommt dem Abnehmer dann
zu, wenn er den Gegenstand wie ein Eigentümer selber verbrauchen oder
gebrauchen kann (vgl. SONJA BOSSART/DIEGO CLAVADETSCHER, in: Martin
Zweifel et al. [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bun-
desgesetz über die Mehrwertsteuer, 2015, Art. 3 Rz. 63; FELIX GEIGER,
MWSTG Kommentar 2019, Art. 3 Rz. 22). Ebenfalls als Lieferung gilt das
Überlassen eines Gegenstandes zum Gebrauch oder zur Nutzung (Art. 3
Bst. d Ziff. 3 MWSTG).
Als Dienstleistung gilt jede Leistung, die nicht als Lieferung qualifiziert wer-
den kann (Art. 3 Bst. e MWSTG; vgl. BOSSART/CLAVADETSCHER, a.a.O.,
Art. 3 Rz. 43).
2.3.3 Eine steuerbare Leistung setzt voraus, dass sie im Austausch mit ei-
nem Entgelt erfolgt, also (gemäss der Legaldefinition des Entgelts von
Art. 3 Bst. f MWSTG) ein Vermögenswert gegeben ist, den der Empfänger
oder an seiner Stelle eine Drittperson für den Erhalt der Leistung aufwen-
det. Besteht zwischen Leistungserbringer und -empfänger kein Austausch-
verhältnis, ist die Tätigkeit mehrwertsteuerlich irrelevant und fällt nicht in
den Geltungsbereich der Mehrwertsteuer (statt vieler: BGE 132 II 353
E. 4.3, mit Hinweisen; Urteile des BVGer A-5162/2017 vom 4. September
2018 E. 2.2.3, A-2599/2015 vom 19. Oktober 2015 E. 3.1.2).
2.3.4
2.3.4.1 Eine sog. Bekanntmachungsleistung bezweckt das In-Verbindung-
Bringen des Zuwenders mit einer bestimmten Organisation, mit dem Ziel,
den Bekanntheitsgrad und das Image des Zuwenders zu fördern (vgl. Urteil
des BGer 2C_576/2013 vom 20. Dezember 2013 E. 2.2.2; Urteil des
BVGer A-1591/2014 vom 25. November 2014 E. 4.2.4; MWST-Info 04
«Steuerobjekt», Ziff. 6.27.3).
2.3.4.2 Eine Bekanntmachungsleistung beruht auf einem Leistungsverhält-
nis, derweil Spenden als freiwillige Zuwendungen in der Absicht, den Emp-
fänger ohne Erwartung einer Gegenleistung im mehrwertsteuerlichen Sinn
A-2978/2019
Seite 8
zu bereichern, gelten (vgl. Art. 3 Bst. i MWSTG; Urteil des BGer
2C_576/2013 vom 20. Dezember 2013 E. 2.2.3; Urteil des BVGer
A-1591/2014 vom 25. November 2014 E. 4.2.4; GEIGER, MWSTG Kom-
mentar 2019, Art. 3 Rz. 62). Eine Zuwendung gilt auch dann noch als
Spende, wenn sie in einer Publikation in neutraler Form ein- oder mehrma-
lig erwähnt wird, selbst wenn dabei die Firma oder das Logo des Spenders
verwendet wird (Art. 3 Bst. i MWSTG). Eine Nennung einer Zuwendung «in
neutraler Form» im Sinne von Art. 3 Bst. i MWSTG kann nach Verwaltungs-
praxis und Doktrin nur vorliegen, wenn die Nennung des Zuwendenden in
der Publikation nicht mit Werbeslogans versehen ist, darin nicht auf seine
Produkte hingewiesen wird und auch keine zusätzlichen Bemerkungen zu
seiner Geschäftstätigkeit enthalten sind (Urteil des BVGer A-1591/2014
vom 25. November 2014 E. 4.2.4; MWST-Info 05 «Subventionen und
Spenden», Ziff. 2.2.1; GEIGER, MWSTG Kommentar 2019, Art. 3 Rz. 64).
Diese Regelung dient der Abgrenzung von (mangels Entgelts bzw. Leis-
tungsverhältnisses) nicht steuerbaren Verdankungen von Spenden von
den grundsätzlich steuerbaren Werbe- bzw. Bekanntmachungsleistungen
(vgl. Urteil des BVGer A-1591/2014 vom 25. November 2014 E. 4.2.4).
Keine Spende liegt vor, wenn die Zahlung erkennbar um Erlangung einer
Leistung willen erbracht wird (vgl. Urteil des BGer 2C_506/2007 vom
13. Februar 2008 E. 3.3; GEIGER, MWSTG Kommentar 2019, Art. 3
Rz. 62).
2.3.4.3 Ausgenommen von der Steuer sind Bekanntmachungsleistungen
von gemeinnützigen Organisationen zugunsten Dritter und von Dritten zu-
gunsten gemeinnütziger Organisationen (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 27 MWSTG).
2.4 Der in Art. 9 BV verankerte Schutz von Treu und Glauben bedeutet,
dass die Privaten Anspruch darauf haben, in ihrem berechtigten Vertrauen
in behördliche Zusicherungen oder in anderes, bestimmte Erwartungen be-
gründendes Verhalten der Behörden geschützt zu werden. In Zusammen-
hang mit dem Grundsatz des Vertrauensschutzes steht auch das Verbot
des widersprüchlichen Verhaltens der Verwaltungsbehörden gegenüber
den Privaten (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungs-
recht, 7. Aufl. 2016, Rz. 624). Widersprüchliches Verhalten von Verwal-
tungsbehörden verstösst gegen Treu und Glauben (vgl. Art. 5 Abs. 3 BV).
Wenn Private auf das ursprüngliche Verhalten der Behörden vertraut ha-
ben, stellt ein widersprüchliches Verhalten dieser Behörden, unter den ge-
gebenen weiteren Voraussetzungen, eine Verletzung des Vertrauens-
schutzprinzips (Art. 9 BV) dar (vgl. HÄFELIN et al., a.a.O., Rz. 713). Voraus-
gesetzt ist, dass a) die Auskunft vorbehaltlos erteilt wurde, b) die Auskunft
A-2978/2019
Seite 9
sich auf eine konkrete, den betroffenen Bürger berührende Angelegenheit
bezieht, c) die Amtsstelle, welche die Auskunft erteilte, hierfür zuständig
war oder der Bürger sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrach-
ten durfte, d) der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres
erkennen konnte, e) der Bürger im Vertrauen hierauf nicht ohne Nachteil
rückgängig zu machende Dispositionen traf, f) die Rechtslage zur Zeit der
Verwirklichung noch die Gleiche wie im Zeitpunkt der Auskunftserteilung
ist, sowie g) das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven
Rechts dasjenige des Vertrauensschutzes nicht überwiegt (vgl. zum Gan-
zen: BGE 137 II 182 E. 3.6.2; Urteile des BVGer A-601/2019, A-606/2019
vom 19. Februar 2020 E. 2.6.1, A-5368/2018 vom 23. Juli 2019 E. 3.1 ff.).
3.
3.1
3.1.1 Im vorliegenden Fall macht die Beschwerdeführerin geltend, die
Vorinstanz habe «die Festsetzungsverjährung von Art. 42 Abs. 3 MWSTG
massiv ausgehöhlt», indem sie der Beschwerdeführerin trotz einer
reformatio in peius das rechtliche Gehör nicht gewährt und kurz vor Ablauf
der Verjährungsfrist einen nichtigen Einspracheentscheid erlassen habe.
Die Steuerforderung sei deshalb verjährt und untergegangen.
3.1.2 Der Lauf der Verjährungsfrist wird durch eine auf Festsetzung oder
Korrektur der Steuerforderung gerichtete empfangsbedürftige schriftliche
Erklärung, Verfügung, einen Einspracheentscheid oder ein Urteil unterbro-
chen. Erfolgt diese Unterbrechung durch die ESTV oder eine Rechtsmitte-
linstanz, so beginnt die Verjährung neu zu laufen. Sie beträgt neu zwei
Jahre (E. 2.2.3).
Die Vorinstanz erliess am 23. Mai 2017 die Verfügung betreffend die Mehr-
wertsteuer der Steuerperioden 2010 bis 2012, welche Gegenstand der Ein-
sprache der Beschwerdeführerin vom 30. Juni 2017 bildete. In der Folge
erliess die Vorinstanz am 14. Mai 2019 den Einspracheentscheid. Letzterer
erfolgte damit innerhalb der zweijährigen Verjährungsfrist, welche frühes-
tens am 23. Mai 2019 endete. Da ein in Verletzung des rechtlichen Gehörs
zustande gekommener Entscheid in aller Regel nicht nichtig, sondern le-
diglich anfechtbar ist, und Letzteres, d.h. blosse Anfechtbarkeit, gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch für den vorliegenden Fall gelten
muss (vgl. BGE 129 I 361 E. 2.1, BGE 120 V 357 E. 2a; vgl. PATRICK SUT-
TER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über
das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2018, Art. 29 N. 18), vermochte der an-
A-2978/2019
Seite 10
gefochtene Einspracheentscheid vom 14. Mai 2019 die Verjährung zu un-
terbrechen. Damit kann ungeachtet einer allfälligen Verletzung des rechtli-
chen Gehörs festgehalten werden, dass die im Streit liegende Steuerfor-
derung nicht verjährt ist.
3.2
3.2.1 Eventualiter bringt die Beschwerdeführerin vor, sie habe auf die Aus-
kunft der Vorinstanz vertrauen dürfen, wonach die Einnahmen im Zusam-
menhang mit dem Handel mit CO2-Zertifikaten von der Steuer ausgenom-
men seien. Dementsprechend und entgegen ihren Erwägungen im Ein-
spracheentscheid beantragt auch die Vorinstanz mit ihrer Vernehmlassung
diesbezüglich die Gutheissung der Beschwerde.
3.2.2 Wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht, wurde die Steu-
erbarkeit des Handels mit CO2-Zertifikaten in verschiedenen Korrespon-
denzen zwischen ihr und der Vorinstanz thematisiert. Unter anderem gilt
dies für das Schreiben vom 13. Januar 2010, worin die Vorinstanz hinläng-
lich darlegte, dass Einkünfte aus dem besagten Handel steuerbar seien. In
der Folge teilte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin indessen mit, dass
ab 1. Juli 2010 «der Handel mit CO2-Emissionsrechten neu als von der
Steuer ausgenommener Umsatz nach Art. 21 Abs. 2 Ziff. 19 Bst. e
MWSTG» gelte und verwies auf die entsprechende MWST-Praxis-Info. In
einem späteren Schreiben vom 9. April 2014 bestätigte die Vorinstanz der
Beschwerdeführerin diese Rechtslage sowie die rückwirkende Anwendung
der Änderung per 1. Juli 2010 aufgrund der pendenten Bestreitung. Dieser
Rechtsauffassung entsprechend erliess die Vorinstanz auch ihre Verfü-
gung vom 23. Mai 2017.
3.2.3 Unter diesen Umständen konnte die Beschwerdeführerin zurecht da-
rauf vertrauen, dass ihre Einkünfte aus dem Handel mit Emissionszertifika-
ten von der Steuer ausgenommen seien (vgl. E. 2.4). Davon geht nun auch
die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung aus. Weitere Ausführungen zum
Vertrauensschutz erübrigen sich. Den Anträgen der Beschwerdeführerin
und der Vorinstanz entsprechend, ist die Beschwerde somit insofern gut-
zuheissen, als für die fraglichen Steuerperioden die Einnahmen im Zusam-
menhang mit dem Handel mit CO2-Zertifikaten von der Steuer ausgenom-
men sind.
3.3 Betreffend die Qualifikation der Einnahmen im Zusammenhang mit be-
stimmten Vereinbarungen bringt die Beschwerdeführerin vor, es handle
A-2978/2019
Seite 11
sich dabei um Spenden und nicht um Entgelte für Bekanntmachungsleis-
tungen. Im Streit liegt konkret die Qualifikation der Zahlungen seitens der
B._, C._, D._, E._ und F._.
3.3.1
3.3.1.1 Die Vereinbarung zwischen der Beschwerdeführerin und
B._ stipuliert, dass die Beschwerdeführerin ihre Vertragspartei «in
allen Kommunikationsbelangen» unterstützt, indem sie «die aktive und un-
aufgeforderte Bedienung von B._ mit aktuellen Informationen zu
den mitfinanzierten Projekten» und die Beantwortung von Fragen der
B._-Kunden sicherstellt. Zudem kann B._ das Label «(ein
Label von A._)» verwenden.
3.3.1.2 Aus diesen Vertragsbedingungen ist ersichtlich, dass die Zahlun-
gen von B._ keineswegs nur als freiwillige Zuwendungen ohne Er-
wartung einer Gegenleistung bezeichnet und folglich als Spende qualifi-
ziert werden können (vgl. E. 2.3.4.2). Die Leistungen der Beschwerdefüh-
rerin erschöpfen sich nicht in einer blossen «Erwähnung» einer Zuwen-
dung (welche zudem in neutraler Form erfolgen müsste) im Sinn von Art. 3
Bst. i MWSTG. Vielmehr erreicht B._ durch ihren Beitrag, dass sie
sich in ihrer gesamten Kommunikation «(ein Label von A._)» nen-
nen darf und dass die Beschwerdeführerin sie in dieser Kommunikation
unterstützt, wodurch ihr Beitrag zum Klimaschutz erkenntlich gemacht wird
und ihr Image in der Öffentlichkeit gefördert wird (vgl. E. 2.3.4.1). Es han-
delt sich bei den Zahlungen der B._ an die Beschwerdeführerin mit-
hin um ein Entgelt für Bekanntmachungsleistungen.
3.3.2
3.3.2.1 Die Vereinbarung zwischen der Beschwerdeführerin und
C._ definiert den Nutzen für letztere wie folgt: «Mit dem einzigarti-
gen und umfassenden (...) Angebot erhält die G._ Group einen
starken Auftritt als zukunftsorientiertes Unternehmen. Zürich hat das Ziel
der 2000 Watt Gesellschaft: das C._ ist als Pionierhotel mit dabei».
Darüber hinaus kann die Beschwerdeführerin «die Zusammenarbeit mit
dem C._ über eigene Kommunikationskanäle» erwähnen und «un-
terstützt das Hotel hinsichtlich Kommunikationsfragen gegenüber Corpo-
rate Clients». Letztlich ist auch C._ berechtigt, «das A._-
Logo sowie andere von A._ bereitgestellte Text- und Bildmaterialien
für interne und externe Kommunikationszwecke zu nutzen».
A-2978/2019
Seite 12
3.3.2.2 Auch diese Vertragsbestimmungen offenbaren, dass die Zahlun-
gen von C._ nicht ohne Erwartung einer Gegenleistung erfolgten
(vgl. E. 2.3.4.2). Insbesondere der in der Vereinbarung festgeschriebene
Nutzen für C._ verdeutlicht, dass durch die Kooperation das Image
des Unternehmens gefördert werden soll (vgl. E. 2.3.4.1). Das vorn in
E. 3.3.1.2 Gesagte gilt sinngemäss. Es handelt sich folglich auch in diesem
Fall um Entgelt für Bekanntmachungsleistungen und nicht um eine
Spende.
3.3.3
3.3.3.1 Die Vereinbarung zwischen der Beschwerdeführerin und
D._ sieht vor, dass die Beschwerdeführerin D._ «auf
Wunsch Text- und Bildmaterial des unterstützten Klimaschutzprojektes so-
wie das A._-Logo für interne und externe Kommunikation zur Ver-
fügung» stellt und dass die Beschwerdeführerin «die Zusammenarbeit mit
D._ in der alphabetischen Referenzliste auf der Website sowie nach
Möglichkeit auch über andere Kommunikationskanäle» erwähnen kann.
Zudem sind beide Vertragsparteien berechtigt, jeweils das Logo der ande-
ren für die interne und externe Kommunikation zu verwenden.
3.3.3.2 Die dargelegten Vertragsbestimmungen lassen wiederum darauf
schliessen, dass die Zahlungen von D._ auf die Erlangung einer
Gegenleistung gerichtet sind und folglich nicht als Spende qualifiziert wer-
den können (vgl. E. 2.3.4.2). Das unter E. 3.3.1.2 Gesagte gilt sinngemäss.
Vielmehr handelt es sich dabei um Entgelt für Bekanntmachungsleistun-
gen, mit dem Zweck der Imageförderung von D._ (vgl. E. 2.3.4.1).
3.3.4
3.3.4.1 Laut der Vereinbarung zwischen der Beschwerdeführerin und
E._ erwähnt erstere «die Zusammenarbeit mit E._ bei den
Referenzen auf der Website sowie nach Möglichkeit auch über andere
Kommunikationskanäle». Die Beschwerdeführerin stellt E._ «auf
Wunsch Text- und Bildmaterial sowie das A._-Logo für interne und
externe Kommunikation zur Verfügung» und E._ ist berechtigt,
«das A._-Logo sowie andere von A._ bereitgestellte Text-
und Bildmaterialien für interne und externe Kommunikations- und Marke-
tingzwecke zu nutzen».
A-2978/2019
Seite 13
3.3.4.2 Erneut lassen die obigen Vertragsbestimmungen darauf schlies-
sen, dass aufgrund der offensichtlichen Gegenleistung keine Spende vor-
liegen kann (vgl. dazu auch E. 3.3.1.2), sondern dass es sich um Entgelt
für Bekanntmachungsleistungen handelt (vgl. E. 2.3.4.1 f.).
3.3.5
3.3.5.1 Auch die Vereinbarung zwischen der Beschwerdeführerin und
F._ weist vergleichbare Bestimmungen auf. So halten die
Vertragsparteien unter anderem Folgendes fest: «A._ provides
F._ with text- or pictorial material of the supported carbon offset
projects as well as with the A._ logo if desired. This material is
allocated for internal or external communication». Zudem wurde vereinbart:
«A._ can mention the cooperation with F._ on the
A._ website in the alphabetical reference list [...]. Where possible,
other means of communication [...] are used to publish the cooperation».
Überdies ist F._ berechtigt, die zur Verfügung gestellten Materialen
in ihrer internen und externen Kommunikation zu verwenden. Letztlich
gewährte die Beschwerdeführerin F._ ein Exklusivrecht für (...)-
Produkte für das gesamte Jahr 2011 unter der Bedingung, dass auch im
Jahr 2012 eine CO2-Kompensation erfolge.
3.3.5.2 Wie in den vorhergehend dargelegten Vertragsverhältnissen sind
auch in demjenigen mit F._ detaillierte Gegenleistungen formuliert.
Es kann sich bei den Zahlungen von F._ folglich nicht um Spenden
handeln (vgl. dazu auch E. 3.3.1.2). Dies wird durch die Gewährung eines
Exklusivrechts verdeutlicht. Vielmehr handelt es sich auch in diesem Fall
um Entgelt für Bekanntmachungsleistungen (vgl. E. 2.3.4.1 f.).
3.3.6 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sämtliche strei-
tigen Vertragsverhältnisse die Erbringung von Bekanntmachungsleistun-
gen gegen Entgelt zum Gegenstand haben. Als Bekanntmachungsleistun-
gen einer gemeinnützigen Organisation sind die erzielten Umsätze von der
Steuer ausgenommen (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 19 Bst. e MWSTG). Die Be-
schwerde ist insofern abzuweisen.
3.4 Daraus folgt, dass die Beschwerde mit Bezug auf den Handel mit CO2-
Zertifikaten gutzuheissen (vgl. E. 3.2.3), im Übrigen aber abzuweisen ist.
Aufgrund der teilweisen Gutheissung sind die anrechenbaren Vorsteuern
neu zu berechnen. Es kann auf die detaillierten Berechnungen der
Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung verwiesen werden, die von der
A-2978/2019
Seite 14
Beschwerdeführerin nicht weiter bestritten worden sind. Die Beschwerde
ist in der Folge insgesamt im Betrage von CHF 380'151.- gutzuheissen.
4.
Abschliessend bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Partei-
entschädigung zu befinden.
4.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der
Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG), wobei sie bei nur
teilweisem Unterliegen zu ermässigen sind. Entsprechend sind einer teil-
weise obsiegenden Partei Verfahrenskosten nach Massgabe ihres Unter-
liegens aufzuerlegen (statt vieler: Urteil des BVGer A-6253/2018 vom
10. Dezember 2019 E. 7.1).
Streitig war in der vorliegenden Sache eine Steuernachforderung in Höhe
von CHF 455'690.-. Die Beschwerdeführerin obsiegt im Umfang von
CHF 380'151.-, also zu rund 83%. Bei dieser Sachlage rechtfertigt es sich,
die Verfahrenskosten in Höhe von CHF 8’500.- im Umfang von CHF 1'400.-
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen und dem von ihr geleisteten Kosten-
vorschuss von CHF 8’500.- zu entnehmen. Der Überschuss von
CHF 7’100.- ist ihr nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zurückzuer-
statten. Der unterliegenden Vorinstanz sind keine Verfahrenskosten aufzu-
erlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
4.2 Im Rahmen ihres Obsiegens hat die anwaltlich vertretene Beschwer-
deführerin gemäss Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG in Verbindung mit Art. 7 ff.
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE; SR 173.320.2) Anspruch
auf eine Parteientschädigung zulasten der Vorinstanz.
Die Parteientschädigung ist aufgrund der eingereichten detaillierten Kos-
tennote festzusetzen (Art. 14 VGKE). Bei Fehlen einer (detaillierten) Kos-
tennote wird die Entschädigung aufgrund der Akten festgesetzt (Art. 14
Abs. 2 VGKE). Angesichts dieser klaren reglementarischen Grundlagen
kann nach der Rechtsprechung namentlich bei anwaltlicher Vertretung auf
eine Aufforderung zur Einreichung einer Kostennote verzichtet werden (vgl.
zum Ganzen: Urteil des BGer 2C_422/2011 vom 9. Januar 2012 E. 2; Urteil
des BVGer A-6253/2018 vom 10. Dezember 2019 E. 7.2). Die anwaltlich
vertretene Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. Unter
Berücksichtigung der Schwierigkeit der rechtlichen Fragestellungen und
des teilweisen Unterliegens ist die Parteientschädigung für das Verfahren
A-2978/2019
Seite 15
vor dem Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss auf CHF 10’000.-
(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1
Bst. b und c VGKE) festzusetzen.