Decision ID: 708f32ec-011d-5354-9771-aacb2112576e
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Bernhard Reeb, Hauptstrasse 11a,
8280 Kreuzlingen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a M._ (Jahrgang 1969) meldete sich am 5. September 2004 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an. Sie gab an, sie habe am 27. Januar 2001 eine
Tochter geboren. Sie habe in der Schweiz die Schule besucht und die Lehre als
Coiffeuse abgeschlossen. Sie leide seit 2003 an Brustkrebs sowie an physischer und
psychischer Überforderung (IV-act. 5). Die A._ teilte der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen am 2. Dezember 2004 mit, die Versicherte habe von September 2001 bis
März 2003 die Hauswartstätigkeit verrichtet. Die Versicherte habe Fr. 12'000.-- im Jahr
verdient (IV-act. 12). Gleichentags meldete die B._, die Versicherte habe auf Ende
April 2003 gekündigt. Sie sei als Aushilfe tätig gewesen und habe zwischen Fr. 291.25
und Fr. 1'525.05 monatlich verdient (IV-act. 13).
A.b Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete der IV-Stelle am
21. Dezember 2004 unter Beilage verschiedener Arztberichte, die Versicherte leide an
einem psychisch-physischen Erschöpfungszustand (depressives Syndrom) sowie
einem Mamma-Karzinom links bei St. n. Lumpektomie und axillärer Revision am
11. März 2003 sowie St. n. adjuvanter Therapie mit Zoladex. Sie sei seit dem
24. Februar 2003 bis auf Weiteres 100% arbeitsunfähig. Ab Januar 2005 sei mit einer
stufenweisen Wiederaufnahme der Arbeit zu rechnen (IV-act. 16). Dr. med. D._,
Gynäkologie/Geburtshilfe des Paracelsus Spitals, gab der IV-Stelle am 20. Dezember
2004 an, bei bisheriger Arbeitsunfähigkeit sei mit einer schrittweisen Eingliederung in
die bisherige Tätigkeit mit einem Pensum von 20% zu rechnen (IV-act. 17).
A.c Am 9. Juni 2005 fand im Haushalt der Versicherten eine Abklärung vor Ort statt.
Dabei gab die Versicherte an, sie sei seit Februar 2003 alleinerziehende Mutter und
lebe von den Unterhaltsbeiträgen von Fr. 1'300.-- im Monat. Sie beabsichtige 50% am
Morgen zu arbeiten und das Kind bei Dritten unterzubringen. Die Abklärungsperson
ermittelte im Haushalt keine Einschränkung (IV-act. 22). Das Sozialamt E._ meldete
der IV-Stelle am 22. August 2005 den Bezug von Sozialhilfegeldern (IV-act. 26).
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A.d Am 30. August 2005 beauftragte die IV-Stelle die MEDAS Zentralschweiz mit einer
polydisziplinären Begutachtung (IV-act. 30). Am 4. Juli 2006 teilte die Versicherte mit,
die Begutachtung habe bereits stattgefunden. Seither sei es jedoch wieder zu einer
Verschlechterung des Gesundheitszustandes gekommen. Sie habe am 3. April 2006
ihre selbständige Tätigkeit als Coiffeuse aufgenommen und am 16. Juni 2006 wieder
abbrechen müssen (IV-act. 32). Die MEDAS erstattete am 27. Juli 2006 das
polydisziplinäre Gutachten. Die Versicherte leide aus somatischer Sicht an einem
Mamma-Karzinom links und einem anhaltenden zerviko-brachialen Schmerzsyndrom
links. Aus psychiatrischer Sicht bestünden eine rezidivierende Depression, gegenwärtig
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom, eine komplizierte,
protrahierte Trauerreaktion und eine Agoraphobie mit Panikstörung. Die Versicherte sei
Linkshänderin. Vor kurzem habe sich die Versicherte soeben zum zweiten Mal in ihrem
Leben mit einem eigenen Coiffeurgeschäft selbständig gemacht. Sie betreibe dieses in
ihrem kleinen, gemieteten Einfamilienhaus. In dieser Tätigkeit bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 50%, möglicherweise mit Steigerungsoption nach längerer
Aufbauphase. In dieser Tätigkeit sei sie ideal eingegliedert, weil sie eine Coiffeuse mit
Meisterprüfung sei und den Kontakt mit Mitmenschen liebe (IV-act. 33).
A.e Dr. D._ berichtete der IV-Stelle am 16. Oktober 2006, der Gesundheitszustand
habe sich verschlechtert. Am 16. Juni 2006 habe er ein Lokalrezidiv von Lymphkno-
tenmetastase operiert. Die Prognose sei gut (IV-act. 42). Der RAD gab am
20. November 2006 an, auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS könne nach
erfolgter Verschlechterung des Gesundheitszustandes und Abbruch des
Arbeitsversuchs nicht abgestellt werden. Es sei weiterhin von einer 80%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen (IV-act. 43).
A.f Am 16. Februar 2007 fand eine erneute Abklärung im Haushalt der Versicherten
statt. Die Versicherte berichtete, im Gesundheitsfall würde sie einer 50%igen
Erwerbstätigkeit nachgehen. Ihre begonnene selbständige Erwerbstätigkeit habe sie
anfangs 2007 wieder aufgenommen und auf fünf Kunden pro Woche, jeweils
vormittags, ausgedehnt. Pro Kunde nehme sie Fr. 50.-- bis Fr. 60.-- ein. Von einer
rentablen Geschäftstätigkeit könne man nicht sprechen. Die Abklärungsperson
ermittelte eine Einschränkung in der Tätigkeit im Haushalt von 9.1% (IV-act. 50).
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A.g Am 29. August 2007 berichtete der RAD über die interdisziplinäre Untersuchung
zur Feststellung der aktuellen adaptierten Arbeitsfähigkeit. Die RAD-Ärzte gaben zu den
bekannten Diagnosen zur Krebserkrankung an, die Versicherte leide an einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10:
F33.11), einer Agoraphobie (ICD-10: F40.0) sowie einer neurotische Störung (ICD-10:
F48.9). Zur Arbeitsfähigkeit gaben die Ärzte an, seit dem 24. Februar 2003 habe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit als Coiffeuse bis Januar 2005 bestanden. Ab Januar 2005
bis zur Operation des Rezidivs am 16. Juni 2006 sei eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert worden. Seitdem sei erneut eine angestammte Arbeitsunfähigkeit von 100%
bis April 2007 anzunehmen. Aus rein psychiatrischer Sicht wäre die Versicherte in der
angestammten Tätigkeit noch zu 25% arbeitsfähig. In einer leidensangepassten
Tätigkeit sei eine Arbeitsfähigkeit von 50% gegeben. Ebenso sei die Tätigkeit im
Haushalt um 50% eingeschränkt. Eine fachärztlich psychiatrische antidepressive
Behandlung könne mittel- bis langfristig zu einer signifikanten Verbesserung führen.
Aus somatischer Sicht sei der Versicherten eine körperlich leichte Tätigkeit zu 50%
zumutbar (IV-act. 64).
A.h Am 18. Oktober 2007 forderte die IV-Stelle die Versicherte unter Hinweis auf ihre
Schadenminderungspflicht auf, eine sechsmonatige fachpsychiatrische Behandlung
inklusive medikamentöser Therapie durchzuführen (IV-act. 71). Dagegen liess die
Versicherte von ihrem behandelnden Psychiater und von ihrem Hausarzt einwenden,
der Zwang zu Psychopharmaka könne bei gutem Ansprechen auf die Psychotherapie
nicht nachvollzogen werden (IV-act. 73 und 74). Der RAD erachtete unter diesen
Umständen am 20. Dezember 2007 eine erneute Verlaufsbegutachtung durch die
MEDAS als angezeigt (IV-act. 75).
A.i Am 9. Juni 2008 erstattete die MEDAS das Gutachten. Die Ärzte gaben an, im
Vergleich zum ersten Gutachten vom 27. Juli 2007 sei das Mamma-Karzinom
fortgeschritten. Das zervikobrachiale Schmerzsyndrom links habe sich verschlechtert.
Es bestünde ein ausgeprägter myofaszialer Reizzustand im Bereich der Nacken- /
Schulterpartie links mit Kettentendinose in den linken Arm. Daneben bestünde ein
muskulär bedingtes oberes thorakales Engpasssyndrom beidseits, deutlich linksbetont,
bei St. n. axillärem Eingriff. Dadurch sei die Belastbarkeit andauernd vermindert. Die
Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Coiffeuse betrage nur noch 25%, im günstigsten
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Fall 30%. Eine weitere Steigerung über dieses Pensum hinaus sei definitiv nicht mehr
möglich. In einer körperlich ausgesprochen leichten Tätigkeit, insbesondere ohne
Arbeitspositionen mit gehäuft eleviertem linken Arm und ohne kraftaufwändige
Verrichtungen mit dem linken Arm, könne der Versicherten aus rein rheumatologischer
Sicht eine Ganztagestätigkeit zugemutet werden, mit einer derzeit noch
schmerzbedingt eingeschränkten Leistung von geschätzt 20%. Aus psychiatrischer
Sicht sei ebenfalls eine Verschlechterung eingetreten. Die Versicherte leide nach wie
vor an einer rezidivierenden Depression, mit gegenwärtig mittelgradiger depressiver
Episode mit somatischem Syndrom. Daneben bestünde eine komplizierte, protrahierte
Trauerreaktion. Es fänden sich auch Elemente einer Agoraphobie mit Panikstörung.
Weil die Versicherte anamnestisch sehr empfindlich auf Medikamente reagiere und sich
innerlich gegen die Medikamente wehre, sei die vorgeschriebene Auflage einer
medikamentösen antidepressiven Therapie nicht angezeigt. Die Psychotherapie zeige
vergleichbare Wirkungen und sei fortzusetzen. Die Arbeitsfähigkeit betrage in einer
Alternativtätigkeit zur selbständigen Coiffeuse 50%. Die Ärzte gaben an, seit der ersten
Begutachtung durch die MEDAS sei die Versicherte vom 16. Juni 2006 bis 1. Juli 2007
zu 100% arbeitsunfähig gewesen. In Anschluss daran und bis zur aktuellen
Begutachtung sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 75% auszugehen, wie dies bereits
im RAD-Gutachten vom 19. Juni 2007 attestiert worden sei, weshalb sie auf dieses
Datum zurückdatieren könnten. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei insgesamt zu
50% zumutbar. Die von der Versicherten vorgeschlagene vierjährige Ausbildung zur
Atemtherapeutin sei aus psychiatrischer wie somatischer Sicht sehr zu begrüssen.
Trotz ihrer Depression könne die Versicherte eine solche Ausbildung absolvieren. Sie
sei noch jung und leistungsbereit (IV-act. 80). Der RAD sprach sich für eine Übernahme
der aktuellen Leistungsbeurteilung gemäss MEDAS-Gutachten aus (IV-act. 81).
A.j Am 20. Januar 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, sie übernehme die
Kosten für die Umschulung zur Farb- und Modestilberatung (IV-act 90). Die Versicherte
liess am 4. März 2009 beantragen, diese Mitteilung sei insofern zu korrigieren, als nicht
eine 100%ige, sondern nach der Umschulung eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
angenommen werde. Entsprechend sei der hypothetisch erzielbare Lohn von Fr.
52'000.-- auf Fr. 26'000.-- zu reduzieren. Ferner sei ihr vom 1. November 2008 bis
22. Januar 2009 ein Wartezeittaggeld zu entrichten. Schliesslich habe die Versicherte
ab 2003 Anspruch auf eine Invaliden-Rente (IV-act. 100). Die IV-Stelle ersetzte
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daraufhin die Mitteilung vom 20. Januar 2009 mit der Kostengutsprache vom 12. März
2009 für eine Umschuldung ab 23. Januar bis 3. Juli 2009 (IV-act. 102). Gleichentags
teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter der Versicherten mit, das Wartezeittaggeld
werde für die Zeit vom 12. November 2008 bis 22. Januar 2009 entrichtet. Der
Rentenanspruch könne erst nach Abschluss der Eingliederung überprüft werden (IV-
act. 101). Mit Eingabe vom 22. Mai 2009 hielt die Versicherte an einer Rentenprüfung
fest und verlangte den Erlass einer anfechtbaren Verfügung zu diesem Punkt (IV-act.
104).
A.k Mit Vorbescheid vom 20. April 2009 stellte die IV-Stelle auf Grund der
gegenwärtigen Eingliederungsmassnahmen mit Taggeldanspruch die Abweisung einer
vorläufigen Rentenprüfung in Aussicht (IV-act. 109). Dagegen wendete die Versicherte
am 22. Mai 2009 ein, ihr sei ein eingliederungsloses Ausweichen auf eine andere
Arbeitstätigkeit unbestrittenermassen nicht zumutbar, weshalb bis zur Ausrichtung des
Wartezeittaggeldes eine Rentenprüfung auf der Basis der Arbeitsunfähigkeit in der
bisherigen Tätigkeit gemäss Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vorzunehmen sei (IV-act. 110). Mit Verfügung vom 11. Juni 2009 wies die IV-Stelle eine
Rentenprüfung vor Abschluss der laufenden Eingliederungsmassnahme ab (IV-act.
112).
B.
B.a Am 3. Juli 2009 lässt die Versicherte gegen diese Verfügung irrtümlicherweise beim
Verwaltungsgericht Thurgau Beschwerde erheben. Das Verwaltungsgericht leitet am
6. Juli 2009 die Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
weiter (G act. 1). Die Beschwerdeführerin beantragt in ihrer Beschwerde die Aufhebung
der Verfügung vom 11. Juni 2009 und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen,
insbesondere die Zusprache einer Invalidenrente. Das Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung und unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt das Gericht am
2. Dezem-ber 2009 (G act. 9). Die Beschwerdeführerin gibt an, dass sie seit sechs
Jahren durchgehend deutlich in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Die
Beschwerdegegnerin verweigere bisher eine Rentenausrichtung, obwohl die
medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit unbestrittenermassen ausgewiesen sei.
Zurzeit stehe eine Verlängerung der Umschulung im Raum, jedoch sei noch nicht über
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das IV-Taggeld entschieden worden, das bis 3. Juli 2009 befristet gewesen sei.
Deshalb sei eine akute finanzielle Notlage entstanden. Nach Ablauf des Wartejahrs
entstehe bei einer durchschnittlich mindestens 40%igen Arbeitsunfähigkeit ein
Rentenanspruch. Das Gesetz (Art. 16 ATSG, Art. 47 IVG, Art. 20 IVV) verlange nicht,
dass Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen seien. Nach der Praxis des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen sei der Beschwerdeführerin eine
"Arbeitsunfähigkeitsrente" zuzusprechen. Dabei sei in Abweichung von Art. 16 ATSG
der Einkommensvergleich im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf zu
bemessen (G act. 1.1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 30. November 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie führt aus, nach konstanter
Praxis werde aus Art. 16 ATSG abgeleitet, dass eine Rentenprüfung (erst) nach
Abschluss der Eingliederungsmassnahmen zu erfolgen habe. Die von der
Beschwerdeführerin verlangte Arbeitsunfähigkeitsrente habe das Bundesgericht in den
Urteilen 9C_141/2009 vom 5. Oktober 2009 und 8C_376/2009 vom 23. Oktober 2009
als bundesrechtswidrig eingestuft. Das Bundesrecht sehe im Bereich der IV keine
"Arbeitsunfähigkeitsrente" vor. Weil vorliegend das Eingliederungsverfahren noch nicht
abgeschlossen sei und der Erfolg noch keineswegs gewiss sei, komme eine
Rentenprüfung noch nicht in Frage (G act. 7).
B.c Auf die Ausführungen in der Replik vom 14. Dezember 2009 wird - soweit
entscheidrelevant - in den Erwägungen eingegangen (G act. 10).
B.d Am 22. Januar 2010 verzichtet die Beschwerdegegnerin sinngemäss auf eine
Duplik (G act. 12).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. In
zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der
Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215
ter
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Erw. 3.1.1; Urteil 8C_589/2007 vom 14. April 2008, Erw. 3). Vorliegend stellt sich die
Frage, ob seit Ablauf des Wartejahrs ein Rentenanspruch zu prüfen sei. Folglich sind
vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen materiellen
Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Vorab ist der Streitgegenstand zu bestimmen. Mit Mitteilung vom 12. März 2009,
der die Mitteilung vom 20. Januar 2009 ersetzt hatte, hat die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin Umschulungsmassnahmen vom 23. Januar bis 3. Juli 2009
zugesprochen (IV-act. 102). In diesem Zusammenhang verlangte die
Beschwerdeführerin die Rentenprüfung für den Zeitraum vor der Umschulung (IV-act.
100). Die Beschwerdegegnerin hat mit Hinweis auf Art. 16 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) eine
Rentenprüfung vor Abschluss der beruflichen Massnahmen abgelehnt (IV-act. 101). Die
Beschwerdeführerin beantragte diesbezüglich eine anfechtbare Verfügung (IV-act. 104).
Die Beschwerdegegnerin hat in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 ATSG am 11. Juni 2009
verfügt, zurzeit bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente. In der Begründung hat
sie angegeben, auf Grund der gegenwärtigen Eingliederungsmassnahmen mit
Taggeldanspruch könne der massgebliche Invaliditätsgrad noch nicht abschliessend
geprüft werden. Zum Rentenanspruch würde sie nach Beendigung der beruflichen
Massnahmen Stellung nehmen (IV-act. 112). Diese Verfügung ist nach ihrem
rechtlichen Gehalt auszulegen. Unbestrittenermassen hat die Beschwerdegegnerin
noch keine Rentenprüfung in materieller Hinsicht vorgenommen und keinen
Einkommensvergleich getätigt. Sie hat den Rentenanspruch auch nicht abgewiesen.
Daraus folgt, dass die Beschwerdegegnerin noch nicht materiell über die Rentenfrage
entschieden hat. Die Verfügung vom 11. Juni 2009 stellt somit keinen materiellen
Entscheid über eine Rente im Sinn von Art. 49 ATSG dar. Das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen kann deshalb vorliegend nicht überprüfen, ob die
Beschwerdeführerin seit Ablauf des Wartejahrs Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.2 Die vorliegende Verfügung ist vielmehr als Zwischenverfügung zu betrachten, weil
sie eine Sistierung des Rentenprüfungsverfahrens darstellt. Die Beschwerdegegnerin
hat nämlich in der Verfügung vom 11. Juni 2009 festgehalten, während laufendem
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Eingliederungsverfahren werde sie keine Rentenprüfung vornehmen. Seit der
Anmeldung für Leistungen der Invalidenversicherung vom 5. September 2004 hat die
Beschwerdegegnerin den Sachverhalt mit drei polydisziplinären Gutachten abklären
lassen. Seit Ablauf des Wartejahrs läuft somit das Rentenprüfungsverfahren, nachdem
die Beschwerdeführerin weiterhin in erheblichem Masse arbeitsunfähig war. Dieses
Rentenprüfungsverfahren hat die Beschwerdegegnerin mit vorliegender Verfügung
sistiert. Bei Zwischenverfügungen (Art. 52 Abs.1 i.V.m. Art. 56 Abs. 1 ATSG) ist als
besondere Eintretensfrage zu prüfen, ob ein nicht wieder gut zu machender Nachteil
vorliegt (Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, Rz 9f. zu Art. 56 ATSG). Das
Bundesgericht verneint praxisgemäss bei Sistierungsverfügungen einen nicht wieder
gut zu machender Nachteil (BGE 131 V 362 E. 3.2; BGE 97 V 248; SVR 1996 IV Nr. 93;
1997 ALV Nr. 84). Demgemäss wäre auf die Beschwerde nicht einzutreten.
3.
3.1 Hingegen ist im Einzelfall zu untersuchen, ob vorliegend die Sistierung nicht auch
eine Rechtsverzögerung darstellt, die selbständig anfechtbar wäre (Art. 56 Abs. 2
ATSG). Die Beschwerdeführerin lässt denn in der Replik vom 14. Dezember 2009 auch
geltend machen, ein weiteres Zuwarten sei unangemessen und komme einer
Rechtsverweigerung gleich (G act. 10). Im Zusammenhang mit der Sistierung des
Verfahrens sind insbesondere das in Art. 61 lit. a ATSG verankerte
Beschleunigungsgebot und der verfassungsrechtliche Anspruch auf Beurteilung der
Sache innert angemessener Frist nach Art. 29 Abs. 1 BV zu beachten (vgl. BGE 130 V
95 E. 5, BGE 127 V 231 E. 2a; ferner Kölz/Bosshart/Röhl, Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Aufl. 1999, Rz 28 Vorbem. zu §§
4-31 VRG). Beides ist vorliegend zu bejahen, wie nachfolgend gezeigt wird, weshalb
auf die Beschwerde einzutreten ist.
3.2 Eine Sistierung ist sinnvoll, sobald der Entscheid über den Rentenanspruch vom
Entscheid in einer anderen Frage wesentlich abhängt. Die Beschwerdegegnerin macht
geltend, bei laufendem Eingliederungsverfahren könne nicht über den Rentenanspruch
entschieden werden. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung fällt vor Durchführung allfälliger beruflicher
Massnahmen eine Rentenzusprechung - entsprechend dem Grundsatz "Eingliederung
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vor Rente" - in Betracht, wenn nach Ablauf des Wartejahres gemäss aArt. 29 Abs. 1 lit.
b IVG die Eingliederungsfähigkeit nicht oder noch nicht gegeben ist (vgl. BGE 121 V
190 E. 4c) und aus diesem Grund Eingliederungsmassnahmen (noch) nicht zumindest
"ernsthaft in Frage kommen" (Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2008 i/S. B.
[9C_734/2007] E. 4.3 mit Hinweisen). Die fehlende Eingliederungsfähigkeit als
Voraussetzung der Rentenzusprechung muss mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen. Soweit die Eingliederungs(un)fähigkeit beweismässig
nicht erstellt ist und diesbezüglich Abklärungsmassnahmen angeordnet werden, kann
erst nach deren Abschluss - wenn gestützt auf die Abklärung die (noch) fehlende
Eingliederungsfähigkeit feststeht - rückwirkend eine Invalidenrente zugesprochen
werden (vgl. BGE 121 V 190 E. 4d), sofern auch die übrigen Voraussetzungen gemäss
aArt. 28 IVG i.V.m. aArt. 4 IVG und Art. 8 ATSG erfüllt sind, namentlich der
Invaliditätsgrad mindestens 40% beträgt (aArt. 28 Abs. 1 IVG). Nach der Aktenlage war
die Beschwerdeführerin seit Februar 2003 zu 100% arbeitsunfähig und war dies nach
Ablauf des Wartejahrs im Februar 2004 weiterhin; es bestand auch keine
Eingliederungsfähigkeit (IV-act. 16 und 17 sowie IV-act. 33-24/25 und 80-23/40).
Gemäss Bundesgerichtspraxis ist eine befristete Rentenprüfung zulässig. Die
Eingliederungsmassnahmen sind erst im November 2008 eingeleitet worden. Für die
Rentenprüfung ab Februar 2004 bis zur Einleitung der beruflichen Massnahmen ist
deshalb das Ergebnis der abgeschlossenen Eingliederung nicht massgebend. Eine
weitere Verzögerung der Rentenprüfung erscheint bei bereits vierjährigem Verfahren bis
zur Eingliederung als rechtsverzögernd.
3.3 Was die Beschwerdegegnerin mit Verweis auf die Urteile des Bundesgerichts vom
5. Oktober 2009 [9C_141/2009] sowie vom 23. Oktober 2009 [8C_376/2009] vorbringt,
vermag nicht zu überzeugen. Zwar kann die Arbeitsunfähigkeit allein - zumindest nach
dem klaren Wortlaut von Art. 7 f. und Art. 16 ATSG und aArt. 28 IVG - keine Invalidität
als Voraussetzung eines Rentenanspruchs darstellen. Das Bundesgericht geht denn
auch davon aus, "dass in der Invalidenversicherung kein Raum für die Zusprechung
von derweise konstruierten 'Berufsunfähigkeits-' oder 'Arbeitsunfähigkeitsrenten'
besteht" (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Oktober 2009 [9C_141/2009]). Verlangt
wird, dass "das Invalideneinkommen stets auf die Verdienstmöglichkeiten im
allgemeinen (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt und nicht auf den bisherigen Beruf bezogen
bestimmt wird". Das Bundesgericht ist jedoch dem Ansinnen des
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beschwerdeführenden Bundesamtes für Sozialversicherung nicht gefolgt, dass
zwischen dem Ende des Wartejahres und einem verzögerten, späteren Beginn
beruflicher Eingliederungsmassnahmen nie ein Rentenanspruch bestehen könne,
weshalb des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen eine neue st. gallische
Rentenart einführen wolle. Im Urteil vom 23. Oktober 2009 [8C_376/2009] hat das
Bundesgericht seine Auffassung bestätigt. Es hat am kantonalen Entscheid nicht
bemängelt, dass er für die Zeit nach dem Ablauf des Wartejahres überhaupt von einem
Anspruch auf eine Rente ausgegangen sei, sondern nur, dass er bei der Ermittlung der
Invalidität auf die Arbeitsunfähigkeit und als Folge davon auf ungenügende
medizinische Abklärungen abgestellt habe. Auch eine langjährige krankheitsbedingte
Arbeitsabsenz, die schliesslich durch eine medizinische Behandlung wieder beseitigt
wird, kann also einen Rentenanspruch begründen. In der bundesgerichtlichen Praxis
wird ohne weiteres auf eine langdauernde Arbeitsunfähigkeit als Erwerbsunfähigkeit im
Sinne von Art. 7 ATSG abgestellt, wenn trotz Behandlung und/oder Eingliederung eine
rentenbegründende Invalidität zurückbleibt. Die Rente wird also nicht auf den Zeitpunkt
des Eintritts der Invalidität im wörtlichen Sinn, d.h. auf das Ende der Behandlung oder
der beruflichen Eingliederung zugesprochen, sondern rückwirkend auf die Vollendung
des sogenannten Wartejahres, u.U. also rückwirkend in eine Phase, in der regelmässig
noch von einer Arbeitsunfähigkeit gesprochen werden muss. Die Höhe eines
Rentenanspruchs richtet sich für diese begrenzte Zeit nach der Höhe der
(invalidisierenden) Arbeitsunfähigkeit gemäss der obgenannten Bundesgerichtspraxis.
3.4 Zusammenfassend stellt die Sistierungsverfügung vom 11. Juni 2009 daher eine
rechtsverzögernde Verfügung dar, die nicht geschützt werden kann. Die Beschwerde
ist deshalb gutzuheissen und die Sache zur Durchführung des
Rentenprüfungsverfahrens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.5 In materieller Hinsicht ist darauf hinzuweisen, dass die ermittelte Einschränkung im
Haushalt von 0 beziehungsweise 9.1% bei vorliegenden somatischen und psychischen
Beschwerden und der Tendenz der Beschwerdeführerin, sich zu überfordern, nicht
überzeugt (vgl. IV-act. 22, 33, 50, 64, 65 und 80-39).
4.
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4.1 Im Sinn der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde gutzuheissen und die
angefochtene Verfügung vom 11. Juni 2009 aufzuheben. Die Sache ist zur
Durchführung eines Rentenprüfungsverfahrens an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt. Da sie gemäss Art. 3
Abs. 1 lit. b des st. gallischen Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (sGS 350.1) Teil der
Sozialversicherungsanstalt und damit Teil einer selbständigen öffentlich-rechtlichen
Anstalt ist, kommt Art. 95 Abs. 3 VRP (Befreiung von der Pflicht zur Übernahme
amtlicher Kosten) nicht zur Anwendung (vgl. Urs Peter Cavelti/Thomas Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., 2003, Rz 792). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb
die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
4.3 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat bei diesem Verfahrensausgang
einen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die Parteientschädigung bemisst sich
gemäss Art. 61 lit. g ATSG nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit
des Prozesses. Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erweist sich eine
Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen. Damit wird die bewilligte unentgeltliche Prozessführung gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG