Decision ID: a28e308f-7591-4207-8aa4-49fd476a1cf9
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war in den Jahren 2011 bis 2013 bei der Avenir Krankenversicherung AG
(nachfolgend: Avenir) mit einer jährlichen Franchise von Fr. 1‘500.-- obligatorisch
krankenversichert (act. G 3.2).
A.b Am 27. November 2013 kündigte der Versicherte die obligatorische
Krankenpflegeversicherung bei der Avenir per 31. Dezember 2013 (act. G 3.11). Mit
Schreiben vom 29. November 2013 teilte die Avenir dem Versicherten mit, dass die
Kündigung per 31. Dezember 2013 erfasst sei und definitiv erfolgen werde, wenn per
31. Dezember 2013 die ausstehenden Prämien, Kostenbeteiligungen, Verzugszinse und
Betreibungen vollständig bezahlt seien (act. G. 3.12). In Erwiderung der Eingabe des
Versicherten vom 23. Dezember 2013 (act. G 5.10) bestätigte die Avenir dem
Versicherten mit Schreiben vom 14. Januar 2014, dass alle Prämien und
Kostenbeteiligungen bis zum 31. Dezember 2013 bezahlt seien und der Vertrag von
Seiten der Avenir definitiv geschlossen werde (act. G 3.14).
A.c Der Versicherte war vom 9. bis 11. Mai 2011 im Spital C._ zufolge einer
Leistenbruchoperation hospitalisiert gewesen (act. G 3.3). Nachdem vorerst unklar war,
ob die Kranken- oder Unfallversicherung für die Leistung aufkommen musste,
vergütete die Avenir erst am 11. Juni 2014 der Spitalregion D._ den Betrag von Fr.
2‘419.-- für die erbrachte Leistung vom 9. bis 11. Mai 2011 (act. G 3.18). Am 23. Juni
2014 stellte die Avenir dem Versicherten die Abrechnung Kostenbeteiligung 2011 im
Betrag von Fr. 887.05 zu (act. G 3.19). Der Versicherte bestritt die Forderung (act. G
3.21).
A.d Am 29. Januar 2014 hatte die Avenir eine vom Leistungserbringer
(Gesundheitszentrum E._) am 30. Dezember 2013 gestellte Rechnung für eine
Leistung vom 2. Oktober 2013 im Betrag von Fr. 14.55 beglichen. Dieser Betrag war
dem Versicherten am 17. Februar 2014 in Rechnung gestellt worden (act. G 3.13 und G
3.15). Der Versicherte hatte auch diese Forderung bestritten (act. G 3.16 und G 3.17).
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A.e Am 10. März 2015 betrieb die Avenir den Versicherten im Betrag von Fr. 901.60
nebst Zins zu 5% seit dem 8. Dezember 2014, Fr. 60.-- Mahnkosten, Fr. 90.--
Dossiereröffnungskosten sowie Fr. 73.30 Zustellkosten (act. G 3.22). Der Versicherte
liess gegen den Zahlungsbefehl am 20. März 2015 Rechtsvorschlag erheben (act. G
3.23). Diesen hob die Avenir mit Verfügung vom 2. April 2015 auf (act. G 3.24).
Dagegen reichte der Versicherte am 27. April 2015 Einsprache ein (act. G 3.25). Diese
wurde mit Entscheid vom 24. Juni 2015 abgewiesen (act. G 3.26).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
1. Juli 2015. Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) lässt beantragen, dass
mit Zwischenentscheid die aufschiebende Wirkung wieder herzustellen, das Schreiben
der Avenir (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 14. Januar 2014 als Auflösung der
Versicherungsverträge per Saldo aller Ansprüche zu qualifizieren und der
Einspracheentscheid vom 24. Juni 2015 vollumfänglich aufzuheben sei. Weiter sei die
Betreibung von der Beschwerdegegnerin zurückzuziehen und die Beschwerdegegnerin
zur Löschung der Betreibung im Betreibungsregister zu verpflichten. Der
Beschwerdeführer lässt im Wesentlichen ausführen, dass eine Interessenabwägung in
Bezug auf die aufschiebende Wirkung des Einspracheentscheids zugunsten des
Beschwerdeführers ausfalle und die aufschiebende Wirkung dementsprechend wieder
herzustellen sei. Weiter wird ausgeführt, der Versicherungsnehmer müsse davon
ausgehen können, dass er sich auf die Verbindlichkeit und Richtigkeit von Auskünften,
Bestätigungen und Anordnungen der Krankenkasse verlassen könne. Mit dem
Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 14. Januar 2014 sei der Versicherungsvertrag
von Seiten der Beschwerdegegnerin „definitiv geschlossen“ worden. Da das Schreiben
eine Bestätigung der Schuldenfreiheit des Beschwerdeführers gegenüber der
Beschwerdegegnerin enthalte, sei dem Schreiben der formlose Verfügungscharakter
zuzuschreiben. Zusätzlich sei im Schreiben erwähnt, dass keine Korrespondenz mehr
im Zusammenhang mit dem Versicherungsvertrag geführt werde. Auch daraus lasse
sich nach Treu und Glauben für den Beschwerdeführer ableiten, dass das
Vertragsverhältnis per Saldo aller Ansprüche aufgelöst worden sei (act. G 1).
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 31. August 2015
die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheids vom
24. Juni 2015. Jegliche anderweitigen Begehren seien abzuweisen. Es sei unbestritten,
dass der Beschwerdeführer Leistungen im Betrag von Fr. 2‘419.-- und Fr. 14.55
bezogen habe und die Kosten von der Beschwerdegegnerin übernommen und den
Leistungserbringern vergütet worden seien. Das Schreiben der Beschwerdegegnerin
vom 14. Januar 2014 stelle weder eine formelle noch eine formlose Verfügung dar.
Werde dies wider Erwarten anders gesehen, so könne die Beschwerdegegnerin
allenfalls darauf zurückkommen und die Verfügung in Revision ziehen und neu
verfügen. Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben könnten falsche
Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom
materiellen Recht abweichende Behandlung des Rechtssuchenden gebieten. Diese
Voraussetzungen, welche kumulativ erfüllt sein müssten, seien nicht gegeben. Weiter
grenze es an Rechtsmissbrauch, einerseits Leistungen von dem Krankenversicherer zu
beziehen, andererseits sich an Selbstbehaltkosten und Franchisen nicht beteiligen zu
wollen (act G 3).
B.c Mit Replik vom 7. September 2015 führt der Beschwerdeführer im Wesentlichen
aus, dass die Voraussetzungen des Vertrauensschutzes erfüllt seien. Es seien gestützt
auf das Schreiben der Gegenpartei vom 14. Januar 2014 Dispositionen getroffen
worden und dem Beschwerdeführer könne nicht unterstellt werden, dass er von noch
ausstehenden Kostenbeteiligungen hätte Kenntnis haben müssen. Im Übrigen werde
eine Konsultation im Gesundheitszentrum E._ bestritten (act. G 5).
B.d Die Beschwerdegegnerin hielt in der Duplik vom 7. Oktober 2015 an ihren
Anträgen sowie deren Begründungen fest. Ergänzend führt sie aus, dass die bestrittene
Forderung im Betrag von Fr. 14.55 eine Streitigkeit zwischen dem Leistungserbringer
und dem Beschwerdeführer sei und daher nicht Sache der Beschwerdegegnerin (act.
G7).

Erwägungen
1.
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1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Kostenbeteiligungen, welche dem
Beschwerdeführer am 17. Februar 2014 und am 23. Juni 2014 in Rechnung gestellt
wurden, zu Recht erhoben wurden und der Rechtsvorschlag gegen den Zahlungsbefehl
in der Betreibung Nr. XXXXXXX des Betreibungsamts F._ mit Einspracheentscheid
vom 24. Juni 2015 rechtmässig aufgehoben wurde.
1.2 Der Versicherte hat sich an den Kosten der für ihn erbrachten Leistungen zu
beteiligen. Diese Kostenbeteiligung besteht aus einem festen Jahresbetrag (Franchise)
und zehn Prozent der die Franchise übersteigenden Kosten (Selbstbehalt; Art. 64 Abs.
1 und 2 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung [KVG; SR 832.10]). Der
jährliche Höchstbetrag des Selbstbehaltes nach Art. 64 Abs. 2 lit. b des Gesetzes
beläuft sich auf Fr. 700.-- für Erwachsene und für die Erhebung der Franchise und des
Selbstbehalts ist das Behandlungsdatum massgebend (Art. 103 Abs. 2 und 3 der
Verordnung über die Krankenversicherung [KVV; SR 832.102]).
1.3 Bezahlt die versicherte Person fällige Prämien oder Kostenbeteiligungen nicht, so
hat der Versicherer ihr, nach mindestens einer schriftlichen Mahnung, eine
Zahlungsaufforderung zuzustellen, ihr eine Nachfrist von 30 Tagen einzuräumen und
sie auf die Folgen des Zahlungsverzuges hinzuweisen (Art. 64a Abs. 1 KVG). Der
Versicherer muss die Zahlungsaufforderung bei Nichtbezahlung von Prämien und
Kostenbeteiligungen spätestens drei Monate ab deren Fälligkeit zustellen. Er muss sie
getrennt von allfälligen anderen Zahlungsausständen zustellen (Art. 105b Abs. 1 KVV).
Bezahlt die versicherte Person trotz Zahlungsaufforderung die Prämien,
Kostenbeteiligungen und Verzugszinsen nicht innert der gesetzten Frist, so muss der
Versicherer die Betreibung anheben (Art. 64a Abs. 2 KVG). Für den Fall, dass die
versicherte Person Aufwendungen verschuldet, die bei rechtzeitiger Zahlung nicht
entstanden wären, sieht die Verordnung vor, dass der Versicherer angemessene
Bearbeitungsgebühren erheben kann, sofern er in seinen allgemeinen Bestimmungen
über die Rechte und Pflichten der Versicherten eine entsprechende Regelung vorsieht
(Art. 105b Abs. 2 KVV).
1.4 Der Anspruch auf ausstehende Leistungen oder Beiträge erlischt fünf Jahre nach
dem Ende des Monats, für welchen die Leistung, und fünf Jahre nach dem Ende des
Kalenderjahres, für welches der Beitrag geschuldet war (Art. 24 Abs. 1 des
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Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]).
2.
2.1 Es ist unbestritten, dass die Beschwerdegegnerin sowohl für die Leistung vom 9.
bis 11. Mai 2011 (Leistungserbringer Spitalregion D._; act. G 3.18) als auch für die in
Rechnung gestellte Leistung vom 2. Oktober 2013 (Leistungserbringer
Gesundheitszentrum E._; act. G 3.13) bezahlt hat und dem Beschwerdeführer die
jeweiligen Abrechnungen Kostenbeteiligungen 2011 und 2013 am 23. Juni 2014,
zahlbar bis 31. Juli 2014 (act. G 3.19) bzw. am 17. Februar 2014, zahlbar bis 31. März
2014 (act. G 3.15), zugestellt hat. Weiter unbestritten ist die Höhe der Belastung der
Franchise und des Selbstbehalts (Fr. 887.05 für das Jahr 2011 und Fr. 14.55 für das
Jahr 2013). Soweit der Beschwerdeführer den Bestand und die Höhe der
Behandlungskosten (und nicht die Höhe der Beteiligung) vom 2. Oktober 2013 (Fr.
14.55) bestreitet, ist er gegebenenfalls auf den Zivilweg zu verweisen. Die
Kostenbeteiligungen erweisen sich somit als grundsätzlich begründet und waren
gemäss Rechnungen (act. G 3.15 und G 3.19) sowie Art. 3 Ziff. 1 Satz 2 der
ergänzenden Ausführungsbestimmungen zur obligatorischen Krankenversicherung
gemäss KVG (AVB) der Beschwerdegegnerin (act. G 3.1) am 31. März 2014 bzw. 31.
Juli 2014 fällig.
2.2 Für die am 31. März 2014 fällige Rechnung wurde der Beschwerdeführer am 19.
April und 17. Mai 2014 (act. G 3.15), für die am 31. Juli 2014 fällige Rechnung am 17.
August und 21. September 2014 (act. G 3.19) gemahnt. In den jeweils zweiten
Mahnungen / Zahlungsaufforderungen drohte die Beschwerdegegnerin im Falle der
Nichtbezahlung Inkassomassnahmen an. Damit hat die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer innerhalb der gesetzlichen Frist von drei Monaten Mahnungen und
Zahlungsaufforderungen mit dem Hinweis auf die Säumnisfolgen entsprechend den
gesetzlichen Bestimmungen zugestellt.
2.3 Die Forderungen der Beschwerdegegnerin waren, wie erwähnt, am 31. März 2014
bzw. 31. Juli 2014 fällig. Die Erhebung angemessener Mahngebühren und
Umtriebsspesen beim Verzug in der Zahlung von Kostenbeteiligungen, ist unter der
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Voraussetzung der schuldhaften Verursachung der (bei rechtzeitiger Zahlung
unnötigen) Aufwendungen durch die versicherte Person im Bereich des KVG zulässig,
sofern der Krankenversicherer in seinen allgemeinen Bestimmungen über die Rechte
und Pflichten der Versicherten eine entsprechende Regelung vorsieht (BGE 125 V 276).
Dies ist hier der Fall. Die Höhe dieser Mahn- und Betreibungskosten wird in den AVB
hingegen nicht festgelegt. Für die Beurteilung der Angemessenheit ist in solchen Fällen
das Kostendeckungs- und Äqui¬valenzprinzip anzuwenden (GEBHARD EUGSTER,
Krankenversicherung, in: ULRICH MEYER, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht,
Soziale Sicherheit, 2. Auflage 2007, S. 753 Rz. 1045, insb. FN 1635; vgl. auch
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. Juli 2008, KV
2007/18, E. 4.4). Angesichts der Tatsache, dass der Beschwerdeführer trotz je
zweimaliger Mahnung die Bezahlung der Kostenbeteiligungen unterliess und damit in
schuldhafter Weise Aufwendungen verursachte, die bei rechtzeitiger Zahlung nicht
eingetreten wären, lässt sich die Höhe der Mahngebühren von CHF 60.-- für beide
offenen Rechnungen nicht beanstanden. In den mit letzten Mahnungen betitelten
Zahlungsaufforderungen wurde der Beschwerdeführer zudem ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass bei nicht erfolgender Zahlung innert Frist das Inkassoverfahren
eingeleitet werde. Vor diesem Hintergrund sind auch die für die Einleitung des
Inkassoverfahrens in Rechnung gestellten Dossiereröffnungskosten von Fr. 90.-- nicht
zu beanstanden.
2.4 Nach Art. 26 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 105a KVV sind auf fälligen
Beitragsforderungen und Beitragsrückerstattungsansprüchen Verzugs- und
Vergütungszinsen von 5% zu leisten. Nicht unter den Beitragsbegriff von Art. 26 Abs. 1
ATSG fallen indes Kostenbeteiligungen, da diese nicht der Begründung und höchstens
mittelbar dem Erhalt der Versicherungsdeckung dienen (Urteil des EVG vom 12. Januar
2006, K 40/05, E. 4.2.1). Die geforderten Verzugszinsen sind demnach nicht
geschuldet.
3.
3.1 Bestritten und im Folgenden zu prüfen ist, wie das Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 14. Januar 2014 (act. G 1.3) inhaltlich auszulegen und
formell zu qualifizieren ist bzw. ob gestützt auf dieses Schreiben grundsätzlich
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geschuldete Kostenbeteiligungen erloschen sind. Der Beschwerdeführer lässt
ausführen, dass das Schreiben vom 14. Januar 2014 als formlose Verfügung nach Art.
51 Abs. 1 ATSG zu bewerten und der Versicherungsvertrag zwischen den Parteien
rechtskräftig per Saldo aller Ansprüche per 31. Dezember 2013 aufgelöst worden sei,
womit die Beschwerdegegnerin ab 1. Januar 2014 keine Kostenbeteiligungen des
Beschwerdeführers mehr einfordern könne. Die Beschwerdegegnerin bestreitet die
Anwendbarkeit von Art. 51 Abs. 1 ATSG. Der Beschwerdeführer lässt weiter ausführen,
dass er sich auf den Inhalt des Schreibens vom 14. Januar 2014 verlassen und
Dispositionen getroffen habe und dementsprechend aus Treu und Glauben zu
schützen sei.
3.2 Die wesentlichen Passagen des vorerwähnten Schreibens lauten wie folgt: „Nach
Kontrolle des Kontos von A._ können wir Ihnen bestätigen, dass alle Prämien und
Kostenbeteiligungen bis zum 31. Dezember 2013 bezahlt sind.“ „Der
Versicherungsvertrag wurde von unserer Seite definitiv geschlossen“. „Weitere
Briefwechsel werden wir nun nicht mehr führen“. Der Bestätigung der
Beschwerdegegnerin, dass alle Prämien und Kostenbeteiligungen bis zum 31.
Dezember 2013 bezahlt sind, lässt sich nicht eindeutig entnehmen, ob damit lediglich
alle offenen und in Rechnung gestellten Kostenbeteiligungen bis 31. Dezember 2013
oder auch spätere, in den Versicherungszeitraum fallende Kostenbeteiligungen
aufgrund von Behandlungen in den Jahren 2011 bis 2013 erfasst sind. Dadurch, dass
im Schreiben später ausgeführt wird, dass der Versicherungsvertrag von Seiten des
Beschwerdegegners definitiv geschlossen worden sei und weitere Briefwechsel nicht
mehr geführt würden, ist das Schreiben als Ganzes dahin auszulegen, dass die
Beschwerdegegnerin bestätigt, dass ab dem 1. Januar 2014 keine Forderungen mehr
gestellt werden. Weil trotzdem Kostenbeteiligungen nach dem 1. Januar 2014 in
Rechnung gestellt wurden, hat sich die Mitteilung der Beschwerdegegnerin als falsch
erwiesen. Ein Vorbehalt in Bezug auf geschuldete Kostenbeteiligungen, welche in den
Versicherungszeitraum fallen, wäre angebracht gewesen, zumal auch die
Beschwerdegegnerin um die lange ungeklärte Rechtslage aus dem Jahr 2011 (vgl.
vorstehend lit. A.c) wusste bzw. hätte wissen müssen.
3.3 Zur Frage der Qualifikation des Schreibens kommen zwei Konstellationen in
Betracht, zum einen eine Mitteilung im formlosen Verfahren nach Art. 51 Abs. 1 ATSG,
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zum anderen eine behördliche Auskunft. Grundsätzlich ist die auf eine
Dispositionsgrundlage abzielende Feststellungsverfügung – und einzig eine
Feststellungsverfügung kommt vorliegend in Frage (vgl. nachfolgend Ziff. 3.4.1 f.) –
subsidiär gegenüber einer zustimmenden bzw. zufriedenstellenden behördlichen
Auskunft, da der Gesuchsteller mit der vorbehaltlosen Auskunft die nötige
Vertrauensgrundlage für sein Handeln hat (Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren [VwVG], 3. Auflage, 2008, BEATRICE WEBER-DÜRLER, Art. 25 N
16 und 30). Aufgrund der unterschiedlichen Rechtsfolgen drängt sich eine genaue
Abgrenzung bei diesem Sachverhalt dennoch auf. Während eine Mitteilung nach Art.
51 Abs. 1 ATSG nach einer bestimmten Frist in Rechtskraft erwächst (UELI KIESER,
ATSG-Kommentar, 3. Auflage, 2015, Art. 51 N 8 und 27), gilt dies für eine behördliche
Auskunft nicht. Als Folge der Rechtskraft muss sich der Versicherungsträger auf einen
Rückkommenstitel nach Art. 53 ATSG berufen können (UELI KIESER, a.a.O. Art. 51 N
26). Kann er dies nicht und liegt auf Seiten des Beschwerdeführers kein
Rechtsmissbrauch vor, ist die falsche, für den Beschwerdeführer günstige Mitteilung
rechtsverbindlich.
3.4 Über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit
denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, hat der Versicherungsträger
schriftlich eine Verfügung zu erlassen (Art. 49 Abs. 1 ATSG). Leistungen, Forderungen
und Anordnungen, die nicht unter Art. 49 Abs. 1 ATSG fallen, können nach Art. 51 Abs.
1 ATSG in einem formlosen Verfahren behandelt werden. Leistungen und Forderungen
gemäss vorstehenden Art. 49 Abs. 1 und Art. 51 Abs. 1 ATSG entsprechen dem
Begriffspaar Rechte und Pflichten gemäss Art. 5 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über
das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.012). Eine Aufzählung von Anordnungen
enthält Art. 5 Abs. 1 lit. b und c VwVG, welcher von Feststellung des Bestehens,
Nichtbestehens oder Umfangs von Rechten oder Pflichten sowie von Abweisung von
Begehren auf Begründung, Änderung, Aufhebung oder Feststellung von Rechten oder
Pflichten, oder Nichteintreten auf solche Begehren spricht (UELI KIESER, a.a.O. Art. 49
N 9 ff.).
3.4.1 Der Mitteilung der Beschwerdegegnerin, dass keine weiteren Briefwechsel
geführt werden, kann kein Verfügungscharakter zugerechnet werden. Es werden damit
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keine Leistungen und Forderungen gesprochen, noch Anordnungen im Sinne des
Gesetzes getroffen (vgl. vorstehend Ziff. 3.4).
3.4.2 Auch bei der Bestätigung der Beschwerdegegnerin, dass nach Kontrolle des
Kontos des Beschwerdeführers alle Prämien und Kostenbeteiligungen bis zum 31.
Dezember 2013 bezahlt seien und der Versicherungsvertrag von ihrer Seite definitiv
geschlossen sei, werden weder Leistungen noch Forderungen gesprochen bzw.
Rechte und Pflichten begründet, aufgehoben oder geändert. Es ist einzig zu prüfen, ob
das Schreiben im Sinne einer Feststellungsverfügung (in Analogie zu Art. 5 Abs. 1 lit. b
VwVG, Feststellung des Nichtbestehens von Pflichten) im formlosen Verfahren zu
qualifizieren ist. Auch dies ist zu verneinen. Nach Art. 49 Abs. 2 ATSG ist einem
Begehren um Erlass einer (formellen) Feststellungsverfügung zu entsprechen, wenn die
gesuchstellende Person ein schützenswertes Interesse glaubhaft macht. Ein Begehren
und ein schützenswertes Interesse ist auch für den Erlass einer „formlosen
Feststellungsverfügung“ Voraussetzung. Selbst bei Annahme, dass die Schreiben des
Vertreters des Beschwerdeführers vom 22. August 2013 (act. G 3.10) und vom 23.
Dezember 2013 (act. G 5.10) als Feststellungsbegehren zu qualifizieren wären, mangelt
es an einem glaubhaft gemachten schützenswerten Interesse. Einzig die Tatsache,
dass der Beschwerdeführer verschuldet ist und sein Vertreter einen Überblick über
seine Passiven haben will, um eine Schuldensanierung erfolgreich zum Abschluss zu
bringen, reicht dafür nicht aus. Im Weiteren ist die Rechtslage in Bezug auf die
Kostenbeteiligung im Krankenversicherungsrecht (insbesondere Art. 64 KVG und Art.
103 KVV) klar und auch daraus kein schützenswertes Interesse des Beschwerdeführers
gegeben.
3.4.3 Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen erweist es sich als nicht
sachgerecht, das Schreiben vom 14. Januar 2014 als Mitteilung im formlosen Verfahren
nach Art. 51 Abs. 1 ATSG zu qualifizieren. Damit muss auch nicht geprüft werden, ob
die Mitteilung in Rechtskraft erwachsen ist und – gegebenenfalls – die
Voraussetzungen für eine Revision oder Wiedererwägung nach Art. 53 ATSG zur
Herstellung der materiellen Richtigkeit erfüllt wären.
3.5 Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben, welcher den Bürger in
seinem berechtigten Vertrauen auf behördliches Verhalten schützt, können falsche
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Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom
materiellen Recht abweichende Behandlung des Rechtsuchenden gebieten
("Vertrauensschutz"; vgl. BGE 127 I 36 E. 3a). Gemäss Rechtsprechung und Doktrin ist
dies der Fall, wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte
Personen gehandelt hat; sie für die Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig war
oder wenn die rechtsuchende Person die Behörde aus zureichenden Gründen als
zuständig betrachten durfte; die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne
weiteres erkennen konnte; sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft
Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden
können, und die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung
erfahren hat (BGE 121 V 66 E. 2a). Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt
sein (Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2002, K 25/02, E. 5.2.1).
3.5.1 Auf berechtigtes Vertrauen kann sich nur berufen, wer bei der
Aufmerksamkeit, wie sie nach den Umständen von ihm verlangt werden darf, selber als
gutgläubig gelten kann. Keinen Vertrauensschutz kann somit beanspruchen, wer nicht
selber die zur Wahrung seiner Rechte notwendigen Schritte unverzüglich unternommen
hat, die ihm Treu und Glauben geboten hätten. Das Mass der pflichtgemässen Sorgfalt
bestimmt sich nach den Umständen des Einzelfalles, wobei dem Bürger umso eher
eine Rückfrage zuzumuten ist, je unklarer Sinn und Bedeutung einer behördlichen
Auskunft sind. Wer trotz sich gebieterisch aufdrängender Zweifel ohne Rückfrage eine
ihm erteilte Auskunft in dem für ihn günstigen Sinne auslegt, ist nicht gutgläubig und
kann sich deshalb nicht auf den aus dem Grundsatz von Treu und Glauben fliessenden
Vertrauensschutz berufen (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Februar 2011,
8C_804/2010, E. 6.1).
3.5.2 Es ist systemimmanent, dass bei einem Wechsel der Krankenkasse zum
Jahresende dem ehemals Versicherten Kostenbeteiligungen aus den Vorjahren noch in
Rechnung gestellt werden, zumal für die Erhebung der Franchise und des
Selbstbehalts das Behandlungsdatum massgebend ist (Art. 103 Abs. 3 KVV). Gerade
bei Behandlungen zum Ende des Jahres fällt die Abrechnung der Krankenkasse
unvermeidlich ins neue Jahr. Aber auch bei weiter zurückliegenden Behandlungen kann
die Abrechnung unter Umständen erst einige Zeit später erfolgen. Der
Beschwerdeführer hatte Kenntnis von der Verfügung der Unfallversicherung vom 17.
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August 2012, welche entschied, dass weder ein Unfall noch eine unfallähnliche
Körperschädigung vorliege (act. G 3.8). Dementsprechend musste er davon ausgehen,
dass allfällige Kostenbeteiligungen aus der Behandlung vom 9. bis 11. Mai 2011 auf ihn
zukommen könnten. In Bezug auf die in Rechnung gestellte Kostenbeteiligung aus der
bestrittenen Behandlung vom 2. Oktober 2013 im Gesundheitszentrum E._ (act. G
3.13) muss nicht geklärt werden, ob diese stattgefunden hat und der Beschwerdeführer
daher zwangsläufig mit Kosten aus dieser Behandlung rechnen musste, nachdem
letztlich insgesamt offen bleiben kann, ob der Beschwerdeführer bei den gegebenen
Verhältnissen davon ausgehen durfte, dass ab 1. Januar 2014 aus dem
Versicherungsverhältnis mit der Beschwerdegegnerin keine Kostenbeteiligungen mehr
geschuldet sind. Die Berufung auf den Vertrauensschutz scheitert aus anderen
Gründen.
3.5.3 Weitere Voraussetzung für eine erfolgreiche Berufung auf den
Vertrauensschutz ist, dass die betroffene Person im Vertrauen auf die Richtigkeit der
Auskunft eine Disposition getroffen oder unterlassen hat, die er nicht oder jedenfalls
nicht ohne Schaden rückgängig machen oder nachholen kann. Die behördliche
Auskunft muss für die nachteilige Disposition kausal gewesen sein. Die Kausalität fehlt,
wenn der Adressat sich auch ohne diese Auskunft für die Massnahme entschieden
hätte. Der Kausalitätsbeweis darf schon als geleistet gelten, wenn es aufgrund der
allgemeinen Lebenserfahrung als glaubhaft erscheint, dass sich der Adressat ohne die
fragliche Auskunft anders verhalten hätte (HÄFELIN / MÜLLER / UHLMANN,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, 2016, N 688 ff.).
3.5.4 Der Beschwerdeführer lässt in diesem Zusammenhang ausführen, dass zum
erfolgreichen Abschluss einer Schuldensanierung fortlaufende Dispositionen
erforderlich seien, da alle unerwarteten zusätzlichen Belastungen jeweils zwingend zu
erneuten Absprachen mit den übrigen Gläubigern führten. Diese Gläubiger müssten
dem daraus folgenden neuen Schuldentilgungsplan nicht zustimmen und könnten
somit auf den bereits getroffenen Vereinbarungen beharren.
3.5.5 Es liegen keine konkreten Schuldentilgungspläne und Absprachen mit
Gläubigern im Recht, welche die Ausführungen des Beschwerdeführers glaubhaft
machen könnten. Es ist auch nicht ersichtlich, dass die behaupteten Dispositionen
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aufgrund der falschen Auskunft getroffen wurden, schädigend sind und nicht mehr
rückgängig gemacht werden könnten. Damit mangelt es an einer (kausalen) Disposition
als Voraussetzung für den Vertrauensschutz.
4.
4.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin berechtigt war,
die Kostenbeteiligungen von Fr. 901.60, Mahngebühren von Fr. 60.-- sowie Dossier-
eröffnungskosten von Fr. 90.-- in Betreibung zu setzen. Die Betreibungskosten von Fr.
73.30 sind von Gesetzes wegen geschuldet (Art. 68 des Bundesgesetzes über
Schuldbetreibung und Konkurs [SchKG; SR 281.1]) und vom Schuldner bei
erfolgreicher Betreibung zusätzlich zum Betrag, der dem Gläubiger zugesprochen
wurde, zu bezahlen (RKUV 2003 Nr. KV 251 S. 226).
4.2 Der Rechtsvorschlag des Beschwerdeführers ist in diesem Mass zu Recht beseitigt
worden. Gemäss den obenerwähnten Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 2. April 2015 in dem Sinn abzuweisen, als der
Beschwerdeführer verpflichtet wird, der Beschwerdegegnerin den Betrag von Fr.
1‘051.60 zu bezahlen. In diesem Umfang ist der Beschwerdegegnerin in der Betreibung
Nr. XXXXXXXX des Betreibungsamts F._ definitive Rechtsöffnung zu erteilen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Die beantragte Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung für das
Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht ist mit vorliegendem
Entscheid gegenstandslos geworden.