Decision ID: eb2e3da4-d3c6-5f7d-b7f7-5092deca8633
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Louis Fiabane, Poststrasse 17, Postfach 841,
9001 St. Gallen,
gegen
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St.Galler Gerichte
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
S._ meldete sich am 16. März 2007 zum Bezug von IV-Leistungen (Rente) an. Sie
gab an, sie leide seit 1999 zunehmend an Nacken- und Schulterproblemen und an
Depressionen und Angstzuständen. Dr. med. A._ berichtete der IV-Stelle am 23. April
2007, die Versicherte leide seit über zehn Jahren an einem chronischen
tendomyogenen zervikozephalen Schmerzsyndrom, an chronischen
Spannungskopfschmerzen, an chronischer depressiver angstbetonter Verstimmung
und an chronischen Durchschlafstörungen. Bei stärkeren Schmerzen müsse sich die
Versicherte hinlegen und ausruhen. Mit Rücksichtnahme auf das jeweils aktuelle
Befinden scheine die Versicherte in der Lage zu sein, den Vierpersonenhaushalt zu
bewältigen. Je nach Befinden sei eine Einschränkung der Belastbarkeit nicht
auszuschliessen. Das Ausmass sei schwierig einzuschätzen. Dr. med. A._ legte
seinem Bericht eine Reihe medizinischer Akten bei. Eine 1998 durchgeführte Schädel-
Computertomographie war unauffällig gewesen. Der Chiropraktor Dr. med. B._ hatte
am 3. April 2000 berichtete, die Behandlung des zervikozephalen Syndroms habe eine
erfreuliche Besserung ergeben. Durch eine gezielte Kräftigung der Nacken-/
Schultermuskulatur könne eine langfristige Stabilisierung erreicht werden. Er habe die
Versicherte auf die Notwendigkeit entsprechender Übungen hingewiesen. Eine
vertebrospinale Kernspintomographie (C0 bis Th7) vom 5. April 2001 war normal
ausgefallen. Es war keine Diskopathie zu erkennen gewesen. Der Neurologe Dr. med.
C._ hatte am 3. September 2004 angegeben, es fehle jeder Hinweis auf eine
Migräne, eine Neuralgie, einen okulären Ursprung oder organische intrakranielle
Ursachen. Eine Wiederholung der CT oder MRI sei überflüssig. Medizinisch bleibe nur
ein Versuch einer medikamentösen Behandlung, v.a. mit einem Antidepressivum wie
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Saroten oder Surmontil, die auch bei Kopfschmerzen und Schlafstörungen indiziert
seien. Am 11. Mai 2005 hatte Dr. med. A._ die Versicherte dem Psychiater Dr. med.
D._ überwiesen. Ein Bericht dieses Arztes fehlte aber in den Beilagen zum Arztbericht
von Dr. med. A._ an die IV-Stelle. Am 18. Oktober 2006 war eine cranio-cerebrale
Kernspintomographie durchgeführt worden. Auch deren Ergebnis war normal gewesen.
Dr. med. E._ vom RAD Ostschweiz hielt am 29. Juni 2007 fest, trotz der
Gesundheitsschäden sei die Versicherte als Hausfrau mit selbstgewählter
Strukturierung voll arbeitsfähig. Allerdings fehle noch eine psychiatrische Beurteilung.
Dr. med. D._ teilte der IV-Stelle am 3. Juli 2007 telephonisch mit, die Versicherte sei
vier- bis fünfmal in seiner psychiatrischen Behandlung gewesen. Der letzte Termin liege
mehr als ein Jahr zurück. Er könne sich nicht zur Arbeitsfähigkeit der Versicherten
äussern. Er habe nie einen Bericht zuhanden eines behandelnden Arztes verfasst.
B.
Am 24. August 2007 erfolgte eine Haushaltsabklärung. Die Abklärungsperson der IV-
Stelle hielt in ihrem Bericht fest, die Versicherte sei seit 1992 ausschliesslich als
Hausfrau tätig. Der Ehemann beziehe aufgrund eines Tumorleidens eine ganze
Invalidenrente und eine Ergänzungsleistung. Er habe bei der Abklärung angegeben,
seine Ehefrau leide in Stresssituationen an grossen Schmerzen im Kopf- und
Halsbereich. Sie müsse sich dann hinlegen und ausruhen. In dieser Zeit sei keine
Haushaltarbeit möglich. Sie leide auch an Müdigkeit und Angstzuständen. Weil sie
Angst habe, unter die Leute zu gehen, sei sie die meiste Zeit zuhause. Sie habe
massive Ängste um die Kinder. Es komme oft vor, dass sie die Kinder mehrmals täglich
anrufe, um sich zu erkundigen, wo sie seien und wie es ihnen gehe. Sie vergesse
täglich viele Dinge. Deshalb sei sie bei der Haushaltplanung eingeschränkt und beim
Einkaufen vergesse sie regelmässig etwas. Bei der eigentlichen Haushaltabklärung
stellte die Abklärungsperson nur für die Wohnungspflege eine erhebliche
Einschränkung (50%) fest, da sie in diesem Bereich offenbar nicht die
Schadenminderungspflicht in der Form der Mithilfe der Familienangehörigen bemühen
konnte. In allen anderen Bereichen der Haushaltsarbeit wurde trotz der Angabe
erheblicher Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit keine oder nur eine geringe
(10% bis höchstens 20%) Invalidität angenommen, da es dem Ehemann und vor allem
der Tochter zumutbar sei, die als nicht mehr möglich bezeichneten Arbeiten
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weitgehend zu übernehmen. Die auf diese Weise ermittelte Invalidität im Haushalt
betrug 19%. Die Versicherte unterzeichnete am 12. September 2007 die Erklärung, die
Angaben in diesem Teil des Abklärungsberichts gelesen zu haben und sie zu
bestätigen. In ihrer abschliessenden Stellungnahme zur Haushaltabklärung hielt die
Abklärungsperson fest, die Versicherte sei seit 1993 als Hausfrau tätig. Die Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit sei kein Thema. Deshalb sei die Versicherte als vollzeitlich im
Haushalt tätig zu qualifizieren. Bei der Abklärung habe der Ehemann als Dolmetscher
fungiert. Die 20-jährige Tochter beteilige sich an der Hausarbeit. Der 16-jährige Sohn
helfe nur sporadisch mit. Der Ehemann betätige sich krankheitsbedingt praktisch nicht
an der Hausarbeit. Er helfe bei Arztbesuchen und Grosseinkäufen und bei der
Haushaltführung. Er habe angegeben, dass die Versicherte an Angstzuständen leide.
Auch beim Besuch zur Abklärung habe die Versicherte anfangs Angst gehabt, aber sie
habe sich dann ziemlich schnell beruhigt. Der Hausarzt habe angegeben, die
Versicherte sollte in der Lage sein, einen Vierpersonenhaushalt zu bewältigen.
Allerdings sei eine Einschränkung der Belastbarkeit nicht auszuschliessen. Die
Abklärungsperson ging davon aus, dass ihre Erhebungen vor Ort die Antwort auf das
Mass der medizinisch attestierten eingeschränkten Belastbarkeit geliefert hätten. Diese
Einschränkung betrage 19%. Allerdings sollte noch ein psychiatrisches Konsilium
eingeholt werden. Dr. med. E._ vom RAD betrachtete das Resultat der
Haushaltabklärung als medizinisch nachvollziehbar. Er gab weiter an, die Versicherte
sei nur kurze Zeit psychiatrisch behandelt worden. Sie habe den Psychiater seit über
einem Jahr nicht mehr konsultiert.
C.
Mit einem Vorbescheid vom 3. Dezember 2007 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie beabsichtige, das Rentenbegehren abzuweisen, da die Invalidität nur 19%
betrage. Die Versicherte wandte am 3. Januar 2008 ein, ihre körperlichen und
psychischen Beschwerden hätten inzwischen derart zugenommen, dass sie
psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen müsse. Sie habe am 8. Januar 2008 einen
ersten Termin im Psychiatrischen Zentrum Herisau. Bei der Haushaltabklärung habe sie
vieles nicht richtig verstanden. Früher habe sie nur in Stressmomenten massive Kopf-
und Nackenschmerzen gehabt. Nun leide sie täglich darunter. Seit einem halben Jahr
sei sie von Ängsten besetzt, die sich inzwischen auf verschiedenste Lebensbereiche
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ausgedehnt hätten. Dr. med. F._ und Dr. med. G._ vom Psychiatrischen Zentrum
Herisau berichteten der IV-Stelle am 8. Februar 2008, die Versicherte leide an einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und an einer Anpassungsstörung mit
längerer depressiver Reaktion. Sie gebe diffuse körperliche Schmerzen mit
Ausstrahlung in den Hinterkopf, Schlafstörungen, Nervosität und depressive
Verstimmungen an. Die wache, bewusstseinsklare Versicherte spreche gebrochen
Deutsch, verstehe alles, könne sich aber nur schwer ausdrücken. Sie sei zu allen
Qualitäten orientiert. Der Gedankengang sei geordnet, formal logisch und kohärent,
inhaltlich auf die jetzige Belastung fokussiert. Es gebe keine Anhaltspunkte für Wahn,
psychotisches Erleben, Sinnestäuschungen, Ich-Störungen, Ängste oder Phobien. Die
Affektmodulation sei erhalten, guter Rapport, minime depressive Grundstimmung.
Antrieb und Psychomotorik seien unauffällig. Die beiden Ärzte gaben weiter an, die
bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Auch jede andere Tätigkeit sei nicht mehr
zumutbar. Dr. med. H._ vom RAD hielt dazu am 29. April 2008 fest, im Psychostatus
sei vom Psychiatrischen Zentrum Herisau eine minime depressive Verstimmung
festgestellt worden. Im Vordergrund stehe die geklagte Schmerzsymptomatik, die als
anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden sei. Eine
schwerwiegende psychische Komorbidität bestehe nicht, denn die ebenfalls
diagnostizierte Angststörung sei mit der minimen depressiven Grundstimmung als
leichte Störung zu klassifizieren. Weitere Kriterien, die eine Willensanstrengung ganz
oder teilweise verhindern würden, seien nicht in der ausreichenden Schwere,
Ausprägung und Dauer beschrieben. Es seien keine weiteren medizinischen
Abklärungen notwendig. Mit einer Verfügung vom 6. Mai 2008 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren ab.
D.
Die Versicherte liess am 19. Mai 2008 durch ihren Ehemann Beschwerde gegen diese
Abweisungsverfügung erheben. Dieser machte geltend, die Versicherte leide täglich
unter massiven Kopf- und Nackenschmerzen. Früher habe sie diese Beschwerden nur
in Stresssituationen gehabt. Seit einem halben Jahr sei sie von Ängsten besetzt. Sie
werde zudem immer vergesslicher.
E.
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Die IV-Stelle beantragte am 4. August 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie führte
zur Begründung aus, die behauptete Gesundheitsverschlechterung, die im letzten
halben Jahr eingetreten sein solle, sei nicht belegt. Da diese Verschlechterung bereits
in der Stellungnahme zum Vorbescheid behauptet worden sei, seien weitere
medizinische Unterlagen eingeholt worden. Darin sei die Diagnose einer somatoformen
Schmerzstörung angegeben worden. Diese Störung sei durch eine zumutbare
Willensanstrengung überwindbar. Deshalb sei zu Recht von einer Invalidität von
maximal 19% ausgegangen worden.
F.
Die nun anwaltlich vertretene Versicherte beantragte in ihrer Replik vom 31. Oktober
2008 die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung. Ihr
Rechtsvertreter machte insbesondere geltend, das Ergebnis der Haushaltabklärung
entspreche nicht den tatsächlichen Einschränkungen. Es könne der Versicherten nicht
entgegengehalten werden, dass sie den Abklärungsbericht mit ihrer Unterschrift
bestätigt habe, denn die IV-Stelle habe es unterlassen, auf die Möglichkeit
hinzuweisen, allfällige Einsprachen gegen den Abklärungsbericht zu machen. Wegen
einer Verletzung des rechtlichen Gehörs dürfe der Versicherten aus dieser Unterschrift
kein Nachteil erwachsen. Wenn es um die Frage gehe, ob eine somatoforme
Schmerzstörung geeignet sei, eine Arbeitsunfähigkeit zu bewirken, sei immer ein
psychiatrisches Gutachten erforderlich. Aufgrund der Aktenlage könne im vorliegenden
Fall nicht ohne weiteres festgestellt werden, ob Faktoren vorhanden seien, die für eine
ausnahmsweise Unüberwindbarkeit der somatoformen Schmerzstörung sprechen
würden. Die Ärzte des Psychiatrischen Zentrums Herisau hätten den Arztbericht nur
ungenügend und lückenhaft ausgefüllt. Dieser Bericht erfülle die Anforderungen an ein
verlässliches psychiatrisches Gutachten nicht. Immerhin sei darin attestiert worden,
dass die Hausarbeit nicht mehr zumutbar sei. Dies sei vom RAD nicht beachtet
worden. Es könne nicht als erstellt gelten, dass eine relevante psychische Komorbidität
fehle. Deshalb sei ein psychiatrisches Gutachten unerlässlich, das sich zur Schwere
der seit vier Jahren andauernden Depression und zu den Faktoren, die eine
somatoforme Schmerstörung unüberwindbar machten, äussere.
G.
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Die IV-Stelle verzichtete am 7. November 2008 auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
Volljährige versicherte Personen, die vor der Beeinträchtigung ihrer Gesundheit nicht
erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann,
gelten als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 8 Abs. 3 Satz 1 ATSG). Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität
in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Mass sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 22 IVG). Als Aufgabenbereich der
im Haushalt tätigen Versicherten gelten insbesondere die übliche Tätigkeit im Haushalt,
die Erzielung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische Tätigkeiten (Art. 27
IVV). Ausgangspunkt der Invaliditätsbemessung ist wie bei der Bemessung anhand
eines Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG) die Arbeitsfähigkeit, allerdings nicht
bezogen auf eine der Gesundheitsbeeinträchtigung bestmöglich Rechnung tragende
Erwerbstätigkeit, sondern bezogen auf den eigenen Haushalt, der den
Aufgabenbereich der versicherten Person bildet. Das bedeutet, dass die
notwendigerweise auf einen "Durchschnittshaushalt" bezogene ärztliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht direkt als Invaliditätsgrad übernommen werden kann.
Es braucht die Umsetzung in eine anhand des eigenen Haushalts ermittelte
Leistungsfähigkeit im Aufgabenbereich mittels einer Haushaltabklärung. Also kann
weder die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung bezogen auf einen
"Durchschnittshaushalt" noch das Ergebnis der Haushaltabklärung für sich allein
ausreichen, um den Invaliditätsgrad einer im Haushalt tätigen Person zu ermitteln. Die
Invaliditätsbemessung besteht – weitgehend analog zum Einkommensvergleich – aus
zwei Schritten, zuerst der ärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung, dann der
Haushaltabklärung auf der Grundlage dieser Arbeitsfähigkeitsschätzung.
2.
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Dr. med. A._ hat die Beschwerdeführerin in seinem Bericht vom 23. April 2007 als
grundsätzlich fähig betrachtet, den Vierpersonenhaushalt zu bewältigen, auch wenn sie
dabei öfters ausruhen oder sich hinlegen müsse. Dabei hat er sich in somatischer
Hinsicht auf gründliche spezialärztliche Abklärungen stützen können. Hinweise darauf,
dass die Beeinträchtigung der körperlichen Gesundheit bis zum – hier massgebenden –
Zeitpunkt des Verfügungserlasses zugenommen hätte, fehlen. Dr. med. E._ ist am 29.
Juni 2007 gestützt auf die von Dr. med. A._ zur Verfügung gestellten medizinischen
Vorakten und auf den Bericht von Dr. med. A._ davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin mit der Möglichkeit einer selbstgewählten Strukturierung voll
arbeitsfähig sei. Damit hat er Dr. med. A._ widersprochen, der von einer durch einen
zusätzlichen Pausenbedarf verursachten Verlangsamung ausgegangen ist. Eine
krankheitsbedingte Verlangsamung bei der Arbeit stellt bei einer erwerbstätigen Person
eine Arbeitsunfähigkeit dar, denn innerhalb der Arbeitszeit kann nur noch eine
reduzierte Leistung erbracht werden. Dasselbe muss für eine haushaltführende Person
gelten. Braucht sie zur Erledigung der Haushaltarbeit mit der
Gesundheitsbeeinträchtigung zehn Stunden, während sie dieselbe Arbeit früher in acht
Stunden hat erledigen können, so liegt eine Arbeitsunfähigkeit von 25% vor. Dass es
für Personen, die als Aufgabenbereich den eigenen Haushalt haben, keine
Normalarbeitszeit gibt, bedeutet nicht, dass der Zeitaufwand irrelevant wäre, so dass
nur die Unfähigkeit, einzelne Arbeit noch auszuführen, eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge
hätte. Der Hinweis auf die "selbstgewählte Strukturierung" in der Stellungnahme vom
29. Juni 2007 deutet darauf hin, dass der von Dr. med. A._ angegebene
krankheitsbedingte zusätzliche Pausenbedarf von Dr. med. E._ tatsächlich als nicht
arbeitsfähigkeitsrelevant gewertet worden ist. Zumindest fehlt jede Auseinandersetzung
mit der abweichenden Einschätzung von Dr. med. A._. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. E._ ist deshalb möglicherweise
unbrauchbar. Dies trifft aber auch für diejenige von Dr. med. A._ zu, denn zum einen
fehlen Angaben über das Ausmass des zusätzlichen Zeitbedarfs, so dass die
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht ausreichend präzis ist, und zum anderen ist zu
vermuten, dass Dr. med. A._ auch eine psychische Beeinträchtigung hat einfliessen
lassen, ohne aber über fachärztliche Angaben zum Ausmass dieser Beeinträchtigung
und zu deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu verfügen. In bezug auf die Folgen der
Beeinträchtigung der körperlichen Gesundheit für die Arbeitsfähigkeit der
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Beschwerdeführerin im eigenen Haushalt erweist sich der Sachverhalt somit als
ungenügend abgeklärt.
3.
Weil Dr. med. E._ am 29. Juni 2007 angegeben hat, die Beschwerdeführerin sei in
ihrem Haushalt uneingeschränkt arbeitsfähig, und er nur in psychiatrischer Hinsicht
noch auf eine Lücke bei der Kenntnis des medizinischen Sachverhalts hingewiesen hat,
hat sich die Abklärung in der Folge auf eine allfällige Beeinträchtigung der psychischen
Gesundheit und gegebenenfalls auf die Konsequenzen für die Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin beschränkt. Dementsprechend hat sich auch die
Auseinandersetzung zwischen den Parteien auf die Frage reduziert, ob die von den
Ärzten des Psychiatrischen Zentrums Herisau festgestellte somatoforme
Schmerzstörung und die ebenfalls diagnostizierte Anpassungsstörung durch eine
zumutbare Willensanstrengung überwunden werden könnten. Gemeint war damit
natürlich keine Selbstheilung durch Willensanstrengung, sondern die Überwindung der
subjektiven Überzeugung der Beschwerdeführerin, krankheitsbedingt stark in der
Leistungsfähigkeit im Haushalt eingeschränkt zu sein. Dass selbst bei einer
Überwindung dieser subjektiven Überzeugung eine somatisch bedingte Einbusse an
Leistungsfähigkeit bestehen könnte, ist von niemandem mehr in Betracht gezogen
worden. Die Psychiaterin Dr. med. H._ vom RAD hat die
Leistungsunfähigkeitsüberzeugung der Beschwerdeführerin am 29. April 2008 als
vollumfänglich überwindbar bezeichnet, obwohl die Frage, ob nicht eine somatisch
bedingte Einschränkung in der Leistungsfähigkeit bestehe, noch gar nicht beantwortet
war. Dr. med. H._ hat ihre Auffassung damit begründet, dass die Ärzte des
Psychiatrischen Zentrums Herisau am 8. Februar 2008 nur eine minime depressive
Grundstimmung festgestellt hätten und dass die Kriterien einer ausnahmsweisen
Unüberwindbarkeit der aus einer somatoformen Schmerzstörung resultierenden
subjektiven Leistungsunfähigkeitsüberzeugung nicht in ausreichender Schwere,
Ausprägung und Dauer beschrieben worden seien. Grundsätzlich treffen diese
Überlegungen zu, denn es fehlt insbesondere eine schwerwiegende psychische
Komorbidität. Allerdings ist nicht bekannt, ob Dr. med. H._ die bundesgerichtliche
Praxis am 29. April 2008 allenfalls so interpretiert hat, dass es nur eine Entweder-Oder-
Lösung gebe, d.h. dass die subjektive Überzeugung, in der Leistungsfähigkeit stark
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eingeschränkt zu sein, nur entweder vollständig oder gar nicht überwindbar sei, oder
ob sie davon ausgegangen ist, dass es auch Zwischenstufen gebe, im Fall der
Beschwerdeführerin aber tatsächlich eine vollständige Überwindung durch eine
zumutbare Willensanstrengung anzunehmen sei. Dr. med. H._ hat sich bei ihrer
Einschätzung auf jeden Fall auf eine unzureichende medizinische Abklärung abgestützt,
denn der Bericht des Psychiatrischen Zentrums Herisau enthält keine klaren Aussagen
zur Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Zwar haben die Ärzte des
Psychiatrischen Zentrums Herisau angekreuzt, die bisherige Tätigkeit sei der
Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar. Was sie damit aber gemeint haben, ob sie
sich auf die Besorgung des eigenen Haushalts oder auf die vor langer Zeit einmal
ausgeübte Erwerbstätigkeit bezogen haben und was sie unter 'zumutbar' verstanden
haben, lässt sich dem Bericht vom 8. Februar 2008 nicht entnehmen. Deshalb kann
nicht davon ausgegangen werden, dass die Ärzte des Psychiatrischen Zentrums
Herisau eine vollständige Leistungsunfähigkeit der Beschwerdeführerin im eigenen
Haushalt angegeben hätten. Eine andere Äusserung zur Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin fehlt in diesem Bericht. Die pessimistische Einschätzung der
Therapieaussichten lässt keinen Schluss auf die Leistungsfähigkeit zu, denn dabei
handelt es sich, wie der Verweis auf die belastenden sozialen Umstände der
Beschwerdeführerin zeigt, nur um die Wiedergabe einer medizinischen
Erfahrungstatsache. Dr. med. H._ hat sich also für ihre Einschätzung der
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf einen Bericht behandelnder Ärzte
abgestützt, der keine eindeutigen Aussagen zu dieser Frage enthält, der stark
therapeutisch geprägt ist und der zudem auf einer kurzen Behandlungsdauer beruht.
Sie hat keine eigene psychiatrische Exploration vorgenommen und sie hat auch keine
psychiatrischen Vorakten beigezogen. Ihre Einschätzung der Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin im eigenen Haushalt vermag deshalb nicht zu überzeugen. Es fehlt
also eine Einschätzung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus
psychiatrischer Sicht, die dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
genügen würde. Auch in bezug auf die Folgen der psychischen Beeinträchtigung für
die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im eigenen Haushalt erweist sich der
Sachverhalt demnach als ungenügend abgeklärt. Demzufolge fehlt auch eine
Einschätzung, die sowohl der somatischen als auch der psychischen
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Gesundheitsbeeinträchtigung und deren kumulierter Auswirkung auf die objektive
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin gerecht würde.
4.
Die Haushaltabklärung ist als Abklärungsinstrument ausschliesslich dazu bestimmt, die
ärztliche, auf einen Durchschnittshaushalt bezogene Einschätzung der
Leistungsfähigkeit anhand des konkreten Haushalts in den Invaliditätsgrad
umzusetzen. Sie kann eine fehlende ärztliche Einschätzung nicht ersetzen, denn dazu
mangelt es den von den IV-Stellen eingesetzten Abklärungspersonen am nötigen
medizinischen Fachwissen. Besonders problematisch ist eine Haushaltabklärung ohne
medizinische Grundlage in jenen Fällen, in denen die subjektive
Leistungsunfähigkeitsüberzeugung von der bei einer zumutbaren Willensanstrengung
erreichbaren objektiven Leistungsfähigkeit abweicht. Das trifft auch auf den vorliegend
zu beurteilenden Fall zu. Daran vermag die Tatsache nichts zu ändern, dass Dr. med.
E._ das Resultat der Haushaltabklärung vom 19. Oktober 2007 als aus medizinischer
Sicht nachvollziehbar bezeichnet hat, denn zum einen fehlte zu diesem Zeitpunkt noch
jede Abklärung im Hinblick auf eine Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit und
gegebenenfalls auf deren Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin und zum anderen war das Resultat der Haushaltabklärung durch
die Reduktion der Leistungseinschränkung in den einzelnen Bereichen aufgrund der
angeblichen Pflicht der Familienangehörigen zur Mithilfe für Dr. med. E._ gar nicht
nachvollziehbar. Die Abklärungsperson hatte es in ihrem Bericht über die
Haushaltabklärung nämlich unterlassen anzugeben, wie hoch die Einschränkungen in
den einzelnen Bereichen gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin war und in
welchem Ausmass sie diese Einschränkung reduzierte, um der angeblichen
Schadenminderungspflicht Rechnung zu tragen. Unter diesen Umständen kann der
Haushaltabklärung trotz der Aussage von Dr. med. E._ vom 19. Oktober 2007 für die
objektive Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im eigenen Haushalt keinen
Beweiswert entfalten. Da ihr das unbedingt notwendige medizinische Fundament fehlt,
ist die Haushaltabklärung als Instrument zur Bemessung der Invalidität der
Beschwerdeführerin im Aufgabenbereich zum vornherein unbrauchbar. Die
Haushaltabklärung weist aber noch einen weiteren Mangel auf, der so gravierend ist,
dass ihr auf jeden Fall ein Beweiswert abzusprechen wäre. Die Abklärungsperson war
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nämlich auf den Ehemann der Beschwerdeführerin als Dolmetscher angewiesen. Dabei
war sie nicht in der Lage zu kontrollieren, ob der Ehemann der Beschwerdeführerin
übersetzte oder ob er seine eigene Meinung zur Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin äusserte. Es spricht zwar nichts dagegen, anlässlich der
Haushaltabklärung auch Familienmitglieder als Auskunftspersonen zu befragen, aber
einen Beweiswert haben diese Aussagen nur, wenn sie im Abklärungsbericht als solche
ausgewiesen werden und wenn die Abklärungsperson die Glaubwürdigkeit hat
überprüfen können und dies im Abklärungsbericht auch belegt. Die Aussagen der
Auskunftspersonen können zudem nicht eine Aussage der versicherten Person
ersetzen. Im vorliegenden Fall ist nicht bekannt, wer was gesagt hat. Es steht nicht
einmal fest, dass die Beschwerdeführerin überhaupt eigene Angaben zu ihrer
(subjektiven) Leistungsfähigkeit im eigenen Haushalt gemacht hat. Ein weiterer Mangel
des Abklärungsberichts besteht darin, dass der Ehemann sowie gegebenenfalls auch
die Beschwerdeführerin ihre Aussagen aus der subjektiven
Leistungsunfähigkeitsüberzeugung heraus gemacht haben. Die Abklärungsperson war
nicht in der Lage, dies festzustellen, da sie über den psychischen Zustand der
Beschwerdeführerin nicht informiert war. Der Abklärungsbericht gibt also auf keinen
Fall jene objektive Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin wieder, die diese bei
einer zumutbaren Willensanstrengung erreichen könnte. Das Abklärungsergebnis gibt
also wohl eine sehr viel höhere Einschränkung wieder, als das unter Berücksichtigung
der objektiv bestehenden Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin der Fall wäre.
Diese höhere Einschränkung ist wohl durch eine hohe Beanspruchung der angeblichen
Schadenminderungspflicht der Familienangehörigen teilweise kompensiert worden.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem Bericht über die Haushaltabklärung von
24. August 2007 weder in bezug auf die medizinisch ausgewiesene objektive
Leistungsfähigkeit noch in bezug auf die Invalidität im eigenen Haushalt ein
ausreichender Beweiswert beigemessen werden kann. Auch in dieser Beziehung
erweist sich der Sachverhalt als in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
unzureichend abgeklärt. Bei einer allfälligen Wiederholung wird die
Beschwerdegegnerin zu beachten haben, dass es entgegen der bundesgerichtlichen
Praxis keine gesetzliche Grundlage für eine irgendwie geartete
Schadenminderungspflicht durch einen Einsatz der Familienmitglieder im Haushalt gibt.
Es geht nicht um die "Invalidität" der Familie der Beschwerdeführerin als
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Haushaltführungsteam, sondern ausschliesslich um die Invalidität der
Beschwerdeführerin in ihrem Aufgabenbereich, d.h. im eigenen Haushalt (vgl. dazu
Hardy Landolt, Hauswirtschaftliche Schadenminderungspflicht von Angehörigen bei
der Invaliditätsbemessung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.],
Sozialversicherungsrechtstagung 2007, S. 115 ff.).
5.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die angefochtene Verfügung aufzuheben
und die Sache ist zur weiteren Abklärung des Sachverhalts und zur anschliessenden
neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Rückweisung zur
weiteren Abklärung ist praxisgemäss im Hinblick auf den Anspruch auf eine
Parteientschädigung als vollumfängliches Obsiegen der Beschwerdeführerin zu
betrachten. Es besteht deshalb ein Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädigung.
Diese bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit
des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erweist sich
das geltend gemachte Honorar von Fr. 2312.65 als angemessen. Die
Beschwerdegegnerin wird die Beschwerdeführerin in diesem Betrag zu entschädigen
haben. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst sich
nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser rechtfertigt im vorliegenden
Fall eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-, die von der vollumfänglich unterliegenden
Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist. Die der Beschwerdeführerin praxisgemäss nur
eventualiter, für den Fall des Unterliegens bewilligte unentgeltliche Rechtspflege
kommt bei dieser Konstellation nicht zum Zug.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG