Decision ID: d06d104f-a8a7-4b10-afb8-d0a09b820ef7
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Drohung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht,
vom 21. Juli 2016 (GG160031)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 27. April
2016 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 14).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 37 S. 28 f.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
und Abs. 2 lit. a StGB sowie der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu
Fr. 40.– (entsprechend Fr. 4'000.–), wovon bis und mit heute 2 Tagessätze als
durch Haft geleistet gelten, sowie mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre fest-
gesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
5. Dem Beschuldigten wird im Sinne von Art. 67b StGB für die Dauer von 2 Jahren
verboten, mit der Privatklägerin telefonisch, schriftlich oder elektronisch Kontakt
aufzunehmen, sich ihr zu nähern oder die Liegenschaft, in der sie wohnt, zu betre-
ten.
6. Auf die Zivilbegehren der Privatklägerin B._ wird nicht eingetreten.
7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'200.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 2'200.00
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
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Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
8. Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-
schuldigten auferlegt.
9. (Mitteilungen)
10. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 53 S. 2)
1. Herr A._ sei vollumfänglich freizusprechen.
2. Es sei ihm eine Entschädigung in der Höhe der Verteidigerkosten
(CHF 3'878.30) auszurichten.
3. Es sei ihm eine Genugtuung von CHF 1'200.– auszurichten.
4. Unter Kostenauflage an die Staatskasse.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 44)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Prozessgeschichte
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 28 S. 4; Art. 82 Abs. 4
StPO).
1.2. Der Beschuldigte A._ wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Winterthur
vom 21. Juli 2016 im Sinne des eingangs wiedergegebenem Dispositivs schuldig
gesprochen und bestraft (Urk. 37 S. 28 f.). Mit Verfügung vom selben Tag wurde
dem Beschuldigten sodann bis zur Rechtskraft des Urteils bzw. bis zu einem an-
derslautenden Entscheid einer höheren Instanz ein Kontakt- sowie ein Rayonver-
bot zur Privatklägerin B._ auferlegt (Urk. 29). Das Urteil sowie die Verfügung
wurden dem Beschuldigten anlässlich der Hauptverhandlung vom 21. Juli 2016
mündlich eröffnet (Prot. I S. 27). In der Folge liess der Beschuldigte mit Eingabe
vom 30. Juli 2016 (Datum Poststempel) fristgerecht Berufung anmelden, wobei er
überdies erklärte, gleichzeitig auch die Verfügung vom 21. Juli 2016 betreffend
Kontaktverbot mitanzufechten (Urk. 25; Art. 399 Abs. 1 StPO). Das begründete
Urteil (Urk. 34) wurde dem Beschuldigten am 14. November 2016 zugestellt
(Urk. 35 S. 2), woraufhin dieser mit Eingabe vom 23. November 2016 innert Frist
die Berufungserklärung beim hiesigen Gericht einreichte (Urk. 40; Art. 399 Abs. 3
StPO).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 12. Januar 2017 wurde der Staatsanwaltschaft
sowie der Privatklägerin Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erklären oder
begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 42). Die
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich verzichtete daraufhin mit Eingabe vom
17. Januar 2017 auf Erhebung einer Anschlussberufung und beantragte die Be-
stätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 44). Die Privatklägerin liess sich innert
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Frist nicht vernehmen. Schliesslich zeigte Rechtsanwalt lic. iur. X._ mit Ein-
gabe vom 10. Februar 2017 an, vom Beschuldigten mit der Vertretung seiner Inte-
ressen beauftragt worden zu sein (Urk. 45 u. 47).
1.4. Am 11. Mai 2017 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit des Be-
schuldigten und seines Verteidigers statt (Prot. II. S. 4.).
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte erklärt in seiner Berufungserklärung, er akzeptiere das Urteil der
ersten Instanz nicht und verlange einen Freispruch (Urk. 40 S. 2). Anlässlich der
Berufungsverhandlung schränkte die Verteidigung die Berufung insofern ein, als
sie zu Protokoll erklärte, das Nichteintreten auf die Zivilbegehren der Privatkläge-
rin (Dispositiv-Ziff. 6) sowie die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositiv-
Ziff. 7) würden nicht angefochten (Prot. II S. 5). Vom Eintritt der Rechtskraft dieser
Anordnungen ist vorab mit Beschluss Vormerk zu nehmen (Art. 404 StPO).
3. Strafantrag
Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass es sich bei dem dem Beschuldig-
ten vorgeworfenen Tatbestand der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1
StGB um ein Antragsdelikt handelt, weshalb das Vorliegen eines gültigen Strafan-
trages eine Prozessvoraussetzung ist, sowie dass der entsprechende Strafantrag
der Privatklägerin vorliegt (vgl. Urk. 37 S. 4 f.; Urk. 2). Demgegenüber handelt es
sich beim Vorwurf der Drohung um ein Offizialdelikt, da der Beschuldigte mit der
Privatklägerin verheiratet ist (Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB).
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf und Vorbemerkungen
1.1. Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, er habe am
19. März 2016 die Privatklägerin B._, seine von ihm getrennt lebende Ehe-
gattin, in deren Wohnung im Rahmen einer Auseinandersetzung bedroht, indem
er mit einer Gabel Stichbewegungen gegen sie angedeutet und ihr gesagt habe,
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sie werde noch sehen, was passiere, dass sie bereuen würde, ihn verlassen zu
haben, und dass er sie "fertigmachen" werde. Das habe die Privatklägerin stark
verängstigt, was er gewusst und gewollt bzw. zumindest in Kauf genommen habe.
Deshalb habe sich der Beschuldigte der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
und Abs. 2 lit. a StGB schuldig gemacht. Zudem habe er die Privatklägerin im
Rahmen dieser Auseinandersetzung in der Küche der Wohnung gegen den
Kochherd gestossen und sich dadurch einer Tätlichkeit im Sinne von Art. 126
Abs. 1 StGB schuldig gemacht (Urk. 14 S. 2).
1.2. Der Beschuldigte bestreitet diese Vorwürfe vollumfänglich und anerkennt
einzig, dass es am 19. März 2016 in der Wohnung der Privatklägerin zu einer
verbalen Auseinandersetzung zwischen ihm und der Privatklägerin gekommen sei
(Urk. 3 S. 4 ff.; Prot. I S. 19 f.; Urk. 52 S. 9 ff.). Dementsprechend ist nachfolgend
zu prüfen, ob sich der dem Beschuldigten vorgeworfene Sachverhalt aufgrund
des Untersuchungs- und Beweisergebnisses nach den von der Lehre und Praxis
entwickelten Beweisgrundsätzen erstellen lässt.
1.3. Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Beweiswürdigung korrekt wiederge-
geben, worauf zwecks Vermeidung unnötiger Wiederholungen zu verweisen ist
(vgl. Urk. 37 S. 6; Art. 82 Abs. 4 StPO). Weil als Beweismittel einzig die Aussagen
der Privatklägerin sowie des Beschuldigten vorliegen, ist ergänzend festzuhalten,
dass die Aussagen von Beteiligten grundsätzlich frei zu würdigen sind. Steht Aus-
sage gegen Aussage, ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten
ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es
vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, verbunden mit der
Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Bei der Würdigung von Aussagen darf
nicht einfach auf die Persönlichkeit oder die allgemeine Glaubwürdigkeit des Aus-
sagenden abgestellt werden. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als
die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen,
welche durch eine methodische Analyse ihres Inhaltes darauf zu überprüfen sind,
ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen
Erleben des Befragten entspringen. Damit eine Aussage als zuverlässig gewür-
digt werden kann, ist sie insbesondere auf das Vorhandensein von Realitätskrite-
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rien und umgekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen zu überprüfen. Dabei
wird zunächst davon ausgegangen, dass die Aussage gerade nicht realitäts-
begründet ist, und erst wenn sich diese Annahme (Nullhypothese) aufgrund der
festgestellten Realitätskriterien nicht mehr halten lässt, wird geschlossen, dass
die Aussage wirklich Erlebtem entspricht und wahr ist (BGE 133 I 33, E. 4.3;
BGE 128 I 81, E. 2). Die wichtigsten Realitätskriterien sind dabei die "innere Ge-
schlossenheit" und "Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehensablaufes",
"konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses" sowie die "Schilderung
des Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu er-
warten ist, der den Vorfall selber miterlebt hat", die "Kenntlichmachung der psy-
chischen Situation von Täter und Zeuge bzw. unter Mittätern", die "Selbstbelas-
tung oder unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle", "Entlastungsbemerkun-
gen zugunsten des Beschuldigten", die "Konstanz der Aussage bei verschiedenen
Befragungen, wobei sich aber sowohl Formulierungen als auch Angaben über
Nebenumstände verändern können". Als Phantasie- oder Lügensignale gelten
gemeinhin "Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussa-
gen", "Zurücknahme" oder "erhebliche Abschwächungen in den ursprünglichen
Anschuldigungen", "Übersteigerungen in den Beschuldigungen im Verlaufe von
mehreren Einvernahmen", "unklare, verschwommene oder ausweichende Antwor-
ten" sowie "gleichförmig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussagen". Fehlen
Realitätskriterien oder finden sich Lügensignale, so gilt dies als Indiz für eine
Falschaussage (vgl. zum Ganzen: Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen
vor Gericht, 4. Aufl., 2014, Rz. 313 ff.; Bender, Die häufigsten Fehler bei der Beur-
teilung von Zeugenaussagen, SJZ 1985, S. 53 ff.; Dittmann, Zur Glaubhaftigkeit
von Zeugenaussagen, Plädoyer 2/97, S. 28 ff.; Hauser, Der Zeugenbeweis im
Strafprozessrecht mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, 1974, S. 316).
2. Beweiswürdigung
2.1. Wie bereits erwähnt liegen als Beweismittel einzig die verschiedenen Aus-
sagen des Beschuldigten sowie der Privatklägerin während der Untersuchung
sowie anlässlich der Hauptverhandlung und der Berufungsverhandlung im Recht.
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2.2. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, der Sachverhalt sei aufgrund der
glaubhaften Aussagen der Privatklägerin erstellt, weil die weitgehend pauschalen
Bestreitungen des Beschuldigten die in sich stimmigen und nachvollziehbaren
Aussagen der Privatklägerin nicht in Zweifel zu ziehen vermögen würden. Die
Aussagen der Privatklägerin seien stets konstant, schlüssig und nachvollziehbar
geblieben. Aufgrund der realitätsnahen und im Kerngehalt stets gleich bleibenden
Ausführungen bestehe kein Grund, an den detaillierten Aussagen der Privatkläge-
rin zu zweifeln. Demgegenüber habe der Beschuldigte in den verschiedenen Ein-
vernahmen häufig ausweichende Antworten gegeben und das eigentliche Thema
der Auseinandersetzung widersprüchlich geschildert. Er habe sich während des
gesamten Verfahrens praktisch darauf beschränkt, sämtliche Anklagevorwürfe ka-
tegorisch abzustreiten und die Privatklägerin als Lügnerin zu bezeichnen, welche
ständig den Polizeinotruf wähle, um ihn anzugreifen (Urk. 37 S. 13 ff.).
2.3. Die Verteidigung wendet dem gegenüber ein, zunächst sei zu berücksichti-
gen, dass der Beschuldigte und die Privatklägerin seit ihrer Trennung auf allen
Ebenen streiten und sich gegenseitig mit Vorwürfen eindecken würden. Jedoch
habe die Privatklägerin während der gesamten Eheschutzverhandlung nie vorge-
bracht, es habe konkrete Vorfälle von Drohungen oder Tätlichkeiten gegeben,
nicht einmal ihr Mann sei ihr gegenüber allgemein aggressiv gewesen oder es
habe eine Klima der Angst geherrscht. An jenem Tag habe der Beschuldigte den
gemeinsamen Sohn C._ nach einem Geburtstagsfest zur Privatklägerin nach
Hause gebracht, wo es zum Streit gekommen sei. Weil der Beschuldigte während
des Streites einen Kuchen gegessen habe, habe er eine Kuchengabel in der
Hand gehabt und während des Sprechens wild mit dieser gestikuliert. In der Folge
habe die Privatklägerin die angeblich erlittene häusliche Gewalt ausgeschlachtet,
um den Beschuldigten loszuwerden. Aufgrund der kurzen Ehedauer habe der Be-
schuldigte nämlich nur eine Chance auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung,
wenn er einen guten Kontakt zu seinem Kind habe. Dementsprechend sei die
Glaubwürdigkeit der Privatklägerin schwer angeschlagen. Auch seien ihre Aus-
sagen nicht glaubhaft. Die Privatklägerin neige zu Übertreibungen und ihre Aus-
sagen seien in Bezug auf die eigentlichen objektiven Tatbestandselemente sehr
oberflächlich, während sie lediglich alltägliche Begebenheiten detailliert schildere.
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Überdies habe auch die Untersuchungsbehörde nicht nach wichtigen relevanten
Elementen wie beispielsweise der Art der Gabel, was sie in diesem Moment ge-
fühlt habe, was sie unter den verschiedenen Aussagen verstanden habe, wie er
sie geschubst habe etc. gefragt. Schliesslich sei es entgegen der Vorinstanz auch
korrekt, dass die Privatklägerin sehr rasch Vorfälle anzeige, welche sich dann in
Luft auflösen würden. Demgegenüber habe der Beschuldigte die Vorwürfe kon-
stant bestritten, wobei er auch nicht mehr hätte tun können, zumal er nicht einmal
hätte aussagen müssen (Urk. 53 S. 3 ff.).
2.4. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin
zutreffend zusammengefasst sowie – grösstenteils – objektiv und überzeugend
gewürdigt (Urk. 37 S. 7 ff.). Sie hat einerseits die Realitätskriterien in den Aussa-
gen der Privatklägerin präzise umschrieben, andererseits aber ebenso überzeu-
gend dargelegt, dass das Aussageverhalten des Beschuldigten oft ausweichend
und widersprüchlich war (Urk. 37 S. 14 ff.). Um unnötige Wiederholungen zu ver-
meiden, kann gestützt auf Art. 82 Abs. 4 StPO vollumfänglich auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden, wobei nachfolgende Ergänzungen
und Präzisierungen anzubringen sind.
2.5. Vorab ist festzuhalten, dass die Privatklägerin und der Beschuldigte verhei-
ratet sind und einen gemeinsamen Sohn haben. Sie leben seit dem 18. Februar
2016 offiziell getrennt. Die vorliegend zu beurteilenden Vorfälle ereigneten sich
am 19. März 2016 und somit nur rund einen Monat nach der offiziellen Trennung.
Beide Parteien berichten sodann übereinstimmend von gewissen Konflikten im
Zusammenhang mit dem Besuchsrecht für den gemeinsamen Sohn (Urk. 3 S. 3;
Urk. 1 S. 6 f.), weshalb beide Parteien nicht neutral sind und sich gewisse Beden-
ken hinsichtlich der Glaubwürdigkeit beider Parteien ergeben. So besteht ins-
besondere die Gefahr, dass sie durch die familienrechtlichen Konflikte nur be-
schränkt in der Lage sind, Sachverhalte objektiv und unvoreingenommen zu
schildern, weshalb die Aussagen mit entsprechender Vorsicht zu würdigen sind.
2.6. Mit der Vorinstanz erscheinen die Aussagen der Privatklägerin zum Ge-
schehensablauf vom 19. März 2016 im Grossen und Ganzen konstant, schlüssig
und nachvollziehbar (Urk. 37 S. 14 f.). Insbesondere schilderte die Privatklägerin
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sowohl den Auslöser der Auseinandersetzung als auch deren wesentlichen Ver-
lauf konstant und ohne nennenswerte Widersprüche. So sagte sie aus, dass der
Beschuldigte den gemeinsamen Sohn C._ nach Ausübung des Besuchs-
rechts in ihre Wohnung zurückgebracht und sich hingesetzt habe, um mit einer
Gabel das von einem Kindergeburtstag mitgebrachte Stück Kuchen zu essen.
Weil sie krank gewesen sei, habe sie den Beschuldigten aufgefordert, die Woh-
nung zu verlassen, was Auslöser des Konfliktes gewesen sei. Der Beschuldigte
sei laut bzw. wütend geworden, aufgestanden und habe mit der Gabel Stichbe-
wegungen in ihre Richtung gemacht, wobei er ihr sehr nahe gekommen sei, sie
aber nicht verletzt habe. Aus Rücksicht auf ihren Sohn habe sie den Beschuldig-
ten aufgefordert, in die Küche zu gehen. Dort habe sie der Beschuldigte gegen
den Kochherd gestossen. Anschliessend sei er zu seinem Sohn ins Zimmer ge-
gangen und habe ihm gesagt, er solle ihm mitteilen, falls ein anderer Mann ins
Haus käme. Bevor er die Wohnung verlassen habe, habe er ihr gesagt, sie werde
sehen, was passiere (Urk. 6 S. 2 f.; Urk. 7 S. 4; Prot. I S. 10).
Die Privatklägern beschreibt den Beschuldigten als Besitz ergreifend, kontrollie-
rend und sehr eifersüchtig (Urk. 6 S. 2). Der Beschuldigte bestreitet dies vehe-
ment und wirft im Gegenzug der Privatklägerin vor, sehr eifersüchtig zu sein
(Urk. 3 S. 3). Allerdings gestand er zunächst ein, dass sich der verbale Streit auch
um die Beziehung der Privatklägerin mit einem anderen Mann gedreht habe. Ins-
besondere weil er damals gleichzeitig auch erklärte, er glaube an das harmoni-
sche Weiterbestehen der Beziehung (Urk. 3 S. 5), erscheint es durchaus lebens-
nah, dass der Beschuldigte wütend wurde, als die Privatklägerin ihn zum Gehen
aufforderte, zumal er befürchtete, dass sie Besuch von einem anderen Mann er-
wartete. Hierfür spricht auch, dass er seinen Sohn aufforderte, ihn zu informieren,
falls ein anderer Mann ins Haus komme, bevor er die Wohnung verliess.
Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin spricht schliesslich auch,
dass sie den Beschuldigten nicht über Gebühr belastet. So betonte sie stets, er
habe sie mit der Gabel nicht berührt bzw. verletzt (Urk. 6 S. 3; Urk. 7 S. 4; Prot. I
S. 11) und auch durch den Stoss gegen den Kochherd sei sie nicht verletzt wor-
den (Urk. 7 S. 4). Auch hat sie während der Hauptverhandlung in Bezug auf die
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zweite Drohung eingestanden, sich nicht mehr an die genauen Äusserungen zu
erinnern (Prot. I S. 10). Wenn es der Privatklägerin – wie dies der Beschuldigte
behauptet – sodann lediglich darum gegangen wäre, den Beschuldigten falsch
anzuschuldigen, um ihn in ein schlechtes Licht zu stellen, wären denn auch weit
schlimmere Drohungen denkbar, wie beispielsweise eine Todesdrohung. So führ-
te die Privatklägerin anlässlich der Hauptverhandlung auch aus, der Beschuldigte
habe sie bereits früher einmal – bevor sie ins Frauenhaus gegangen sei – mit
dem Tod bedroht und ihr angedroht, ihr den Kopf abzuschneiden und ihr Gesicht
kaputt zu machen (Prot. I S. 11). Solche Vorwürfe hat sie im Zusammenhang mit
der vorliegend zu beurteilenden Auseinandersetzung jedoch nicht erhoben.
Demgegenüber fällt bei der Privatklägerin allerdings auch eine gewisse Tendenz
zur Übertreibung auf. So sagte sie in Bezug auf die Stichbewegungen in der Ein-
vernahme vom 19. März 2016 aus, der Beschuldigte sei mit der Gabel in der
Hand auf sie zugekommen und habe die Zacken gegen sie gerichtet (Urk. 6 S. 2).
Auf Nachfrage erklärte sie, er sei mit der Gabel sehr nahe zu ihr getreten und ha-
be eine Stichbewegung gegen sie gemacht. Berührt habe er sie mit der Gabel
nicht (Urk. 6 S. 3). In der Einvernahme vom 27. April 2016 sagte sie sodann aus,
der Beschuldigte habe mit einer Gabel mehrmals Stichbewegungen gegen sie
gemacht und sei ihr auch sehr nahe gekommen, verletzt habe er sie aber nicht
(Urk. 7 S. 4). Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sagte sie
schliesslich aus, er habe mit der Gabel auf Brusthöhe zugestochen. Auf Nachfra-
ge erklärte sei, die Gabel sei "aufs T-Shirt rein", so dass sie habe zurückweichen
müssen. Sie habe aber keine Verletzungen erlitten (Prot. I S. 10 f.). Mithin fällt
auf, dass die Privatklägerin diese Geste mit der Gabel von Einvernahme zu Ein-
vernahme gravierender schildert. Gleiches gilt in Bezug auf die Tätlichkeit. In der
ersten Einvernahme unmittelbar nach dem Vorfall schilderte die Privatklägerin le-
diglich, der Beschuldigte habe sie weggestossen, wobei sie aber bereits damals
aussagte, die Auseinandersetzung habe im Wohnzimmer begonnen, sich dann
aber in die Küche verlagert (Urk. 6 S. 2 u. 3). Erst in der Einvernahme vom
27. April 2016 sagte sie aus, der Beschuldigte habe sie gegen den Kochherd ge-
schubst (Urk. 7 S. 4). Diese Aussage bestätigte sie sodann anlässlich der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung (Prot. I S. 10).
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2.7. In Bezug auf die Aussagen des Beschuldigten hat die Vorinstanz ebenfalls
zutreffend festgehalten, dass dieser sich praktisch darauf beschränkt habe, sämt-
liche Anklagevorwürfe kategorisch abzustreiten und die Privatklägerin als Lügne-
rin zu bezeichnen. Er habe häufig ausweichende Antworten gegeben und seine
Schilderungen seien teilweise widersprüchlich gewesen (Urk. 37 S. 16 f.). Es fällt
auf, dass der Beschuldigte nicht bloss sämtliche Vorwürfe kategorisch abstreitet,
sondern jeweils mit einem Gegenangriff auf die Privatklägerin kontert. Angespro-
chen auf die bei der Polizei rapportierten Vorfälle aus dem Jahr 2013 und 2014
sagte der Beschuldigte, es handle sich um eine falsche Anschuldigung seiner
Frau bzw. sei es richtig, dass die Polizei wegen eines verbalen Streits gekommen
sei, wobei seine Frau damals alkoholisiert gewesen sei (Urk. 3 S. 3). Er sei nicht
eifersüchtig, seine Ehefrau hingegen sehr. Sie habe sogar kontrolliert, ob er tat-
sächlich bei der Arbeit sei. Er führe kein Doppelleben, aber seine Ehefrau schon
(Urk. 3 S. 2 f.; Prot. I S. 17). Auch in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung ant-
wortete der Beschuldigte auf die Frage, ob er die Privatklägerin gegen den Herd
gestossen habe, das habe er nie getan, hingegen sei die Privatklägerin diejenige,
die ihn körperlich angreife (Prot. I S. 22). Mithin fällt auf, dass der Beschuldigte
kein gutes Haar an der Privatklägerin lässt.
Gemäss der Darstellung des Beschuldigten hat er den Sohn zur Mutter zurück-
gebracht. Die Streitereien seien ausgebrochen, weil er der Privatklägerin erzählt
habe, dass eine Person für C._ gebetet habe. Sie habe ihn ausgelacht und
als Idioten bezeichnet. In der Folge sei er sofort weggegangen. Er habe sich
freundlich verabschiedet und seinen Sohn zum Abschied geküsst. Seinem Sohn
habe er lediglich gesagt, dass dieser seine Mutter darum bitten solle, wenn er mit
ihm sprechen wolle. Auf die Frage, weshalb die Privatklägerin die Polizei infor-
mierte, wenn es sich so abgespielt hätte, antwortete der Beschuldigte, er glaube,
sie wolle etwas vor ihm verstecken (Urk. 3 S. 4 f.; Prot. I S. 20). Immerhin – und
im Widerspruch zu seinen vorherigen Aussagen – gestand auch der Beschuldigte
anlässlich der ersten Einvernahme am Tag nach dem Vorfall auf entsprechende
Frage ein, es habe einen verbalen Streit gegeben, weil er der Privatklägerin vor-
geworfen habe, dass sie eine Beziehung zu einem anderen Mann pflegen würde
(Urk. 3 S. 5). Vor dem Hintergrund, dass der Beschuldigte anlässlich der ersten
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Einvernahme auch aussagte, er glaube an ein harmonisches Weiterbestehen der
Beziehung (Urk. 3 S. 5), erscheint es wenig glaubhaft und lebensfremd, dass er
nach der Diskussion mit der Privatklägerin über deren allfällige neue Beziehung
völlig ruhig blieb, sich freundlich verabschiedete und die Wohnung sofort verliess.
Demgegenüber ist zugunsten des Beschuldigten aber auch zu berücksichtigen,
dass er als Auslöser für den Streit konstant schilderte, er habe der Privatklägerin
erzählt, dass eine fremde Person für den kranken Sohn C._ gebetet habe,
worauf ein Streit über die Religion entfacht sei (Urk. 3 S. 4; Prot. I S. 19 f. und
Urk. 52 S. 9 u. 11). Der vom Beschuldigten genannte Auslöser für den Streit wirkt
aufgrund seiner Originalität überdies tatsächlich erlebt und nicht konstruiert. Wi-
dersprüchlich sind hingegen seine Ausführungen in Bezug auf den Ablauf der Ge-
schehnisse, wo er zunächst aussagte, er habe die Wohnung sofort verlassen, als
die Privatklägerin mit den absurden Streitereien angefangen habe (Urk. 3 S. 4),
während er anlässlich der Hauptverhandlung schilderte, wie er mit der Privatklä-
gerin zunächst über Gott diskutierte, bis diese begonnen habe, ihn zu beschimp-
fen und aus der Wohnung zu vertreiben, woraufhin er in die Küche gegangen sei.
Bevor er gegangen sei, habe er ihr gesagt, er werde schauen, dass er seine
Rechte bei der Justiz wahrnehmen könne und C._ gesagt, er könne jederzeit
das Telefon der Privatklägerin benutzen, wenn er ihn sprechen wolle (Prot. I
S. 20; vgl. Urk. 37 S. 16 f.). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung schilderte
er die Diskussion über die Religion als Auslöser der Streitigkeiten und führte aus,
er habe daraufhin der Privatklägerin erklärt, dass sie ihr Leben mit ihrem Freund
gestalten könne, wie sie es wolle, aber er sein Leben auch so führen könne, wie
er es wolle. Daraufhin habe er ihr gesagt, er wolle keine Diskussionen und sei ge-
gangen, nachdem er sich von seinem Sohn verabschiedet habe und ihm gesagt
habe, dass er ihn jederzeit mit dem Telefon der Privatklägerin anrufen könne. Die
Auseinandersetzung habe maximal 15 Minuten gedauert (Urk. 52 S. 9 f.).
Allerdings ist zugunsten des Beschuldigten und mit der Verteidigung (Urk. 53 S. 8
i.V.m. Prot. II S. 7) auch zu berücksichtigen, dass diese Widersprüche in den
Aussagen des Beschuldigten teilweise auch auf Verständnisprobleme zurückzu-
führen sind. So erklärte der Beschuldigte beispielsweise anlässlich der ersten
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Einvernahme vom 20. März 2016, er habe auf seinem Handy Fotografien von der
Privatklägerin mit einem anderen Mann. Auf Nachfrage erklärte er, er habe die
Fotos auf seinem Handy auf ihrem WhatsApp entdeckt und für sich kopiert. Auf
die erneute Nachfrage, ob er das Handy der Privatklägerin kontrolliert habe, er-
klärte er, er habe es auf ihrem Telefon gesehen (Urk. 3 S. 5). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung führte der Beschuldigte hierzu befragt sodann nachvollziehbar
aus, er habe die Fotografie entdeckt, als sie auf WhatsApp-Account ein neues
Profilfoto veröffentlicht habe. Es sei nicht richtig, dass er diese auf dem Handy der
Privatklägerin entdeckt habe (Urk. 52 S. 12). Mithin hat der Beschuldigte wohl das
WhatsApp-Profilbild der Privatklägerin fotografiert, weshalb sich die Fotografien
auf seinem Telefon befanden. Daraus lässt sich folglich nicht ableiten, dass er
das Mobiltelefon der Privatklägerin kontrollierte.
Überdies kann entgegen der Vorinstanz auch nicht gesagt werden, der Beschul-
digte bezichtige die Privatklägerin zu Unrecht, ihm gegenüber den Vorwurf der
Vergewaltigung erhoben zu haben (Urk. 37 S. 17). Zwar hat die Privatklägerin den
Beschuldigten gemäss Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur /
Unterland (Urk. 13/2) der sexuellen Nötigung bezichtigt, jedoch wurde dem Be-
schuldigten in der Einvernahme durch die Stadtpolizei Winterthur vorgehalten, er
sei am 20. März 2013 der Vergewaltigung zum Nachteil der Privatklägerin be-
schuldigt worden (Urk. 3 S. 3). Dementsprechend kann nicht gesagt werden, die-
ser Gegenangriff des Beschuldigten sei unglaubhaft, zumal für einen Laien der
Unterschied zwischen einer Vergewaltigung und einer sexuellen Nötigung – ins-
besondere, da ihm vorgeworfen wurde, die Privatklägerin beim zunächst ein-
vernehmlichen Sex gegen ihr Einverständnis von hinten penetriert zu haben,
nachdem sie ihn zum Aufhören aufgefordert habe – auch nicht ohne Weiteres
verständlich ist.
2.8. Zusammenfassend ist aufgrund der übereinstimmenden Aussagen der Pri-
vatklägerin sowie des Beschuldigten erstellt, dass es in der Wohnung der Privat-
klägerin zu einer lautstarken verbalen Auseinandersetzung zwischen den Parteien
kam. Weil der Beklagte während dieser Auseinandersetzung am Kuchen essen
war, gestikulierte er während des Sprechens mit der Gabel, welche er in der Hand
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hielt. Aufgrund der übereinstimmenden Angaben und mangels anderer Anhalts-
punkte ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte die Gabel bereits in der
Hand hatte und diese nicht gleichsam als Waffe zur Hand genommen und einge-
setzt hätte. Da nach dem Grundsatz in dubio pro reo (Art. 10 Abs. 3 StPO) im
Zweifel von der für den Beschuldigten günstigeren Sachlage auszugehen ist, ist
sodann mit der Verteidigung (Urk. 53 S. 7 i.V.m. Prot. II S. 7) davon auszugehen,
dass es sich dabei – wie dies der Beschuldigte erklärte (Urk. 52 S. 10) – um eine
Kuchengabel handelte, zumal sich in den Akten keinerlei Beweise für etwas Ge-
genteiliges finden. Schliesslich kann an dieser Stelle offen bleiben, ob der Be-
schuldigte mit der Gabel tatsächlich Stichbewegungen ausführte oder die Privat-
klägerin diese Bewegungen mit der Gabel im Eifer des Gefechts als solche inter-
pretierte. Darauf ist nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung weiter
einzugehen (Ziff. III.1.1.3.). In Bezug auf den umstrittenen Sachverhalt, nämlich
die ausgesprochenen Drohungen, hat die Vorinstanz zutreffend festgehalten,
dass die pauschalen Bestreitungen und widersprüchlichen Aussagen des Be-
schuldigten die diesbezüglich in sich stimmigen und nachvollziehbaren Aussagen
der Privatklägerin nicht in Zweifel zu ziehen vermögen, weshalb auf die glaubhaf-
ten Aussagen der Privatklägerin abzustellen ist (Urk. 37 S. 17 f.). Demgemäss ist
als erstellt zu betrachten, dass der Beschuldigte im Verlauf der verbalen Aus-
einandersetzung mit einer Kuchengabel herumfuchtelte und der Privatklägerin
sagte, sie werde noch sehen, was passiere und sie werde bereuen, dass sie ihn
verlassen habe, sowie dass er sie fertig machen werde.
Demgegenüber sind der Anklagevorwurf in Bezug auf die Tätlichkeiten wie auch
die diesbezüglichen Ausführungen der Privatklägerin sehr vage. Zunächst sagte
die Privatklägerin lediglich aus, der Beschuldigte habe sie weggestossen (Einver-
nahme vom 19. März 2016, Urk. 6 S. 2). Erst in der Einvernahme vom 27. April
2016 führte sie aus, der Beschuldigte habe sie gegen den Kochherd geschubst
(Urk 7 S. 4). Diese Aussage bestätigte sie zwar auch anlässlich der erstinstanz-
lichen Hauptverhandlung (Prot. I S. 10), allerdings finden sich hierzu überhaupt
keine Details, wie beispielsweise mit welcher Intensität sie gestossen wurde, ob
sie der Stoss überhaupt aus dem Gleichgewicht brachte, mit welcher Körperstelle
sie gegen den Herd gefallen ist oder ob sie gar blaue Flecken oder Schmerzen
- 16 -
davon getragen hat. Ebenfalls ist fraglich, weshalb sie den Stoss bzw. das
Schubsen gegen den Kochherd bei der ersten Einvernahme unmittelbar nach
dem Vorfall nicht erwähnte. Wäre dieser von einer gewissen Intensität gewesen,
wäre er ihr wohl auch entsprechend in Erinnerung geblieben und bereits in jenem
Zeitpunkt so von ihr geschildert worden. Mithin verbleiben gewisse Zweifel, ob sie
der Beschuldigte bloss geschubst oder tatsächlich gegen den Kochherd ge-
schubst hat, weshalb wiederum nach dem Grundsatz in dubio pro reo von einem
blossen Schubsen auszugehen ist.
Schliesslich hält die Anklageschrift fest, die Privatklägerin sei durch die Äusse-
rungen des Beschuldigten sowie die angedeuteten Stichbewegungen mit der Ga-
bel stark verängstigt gewesen (Urk. 14 S. 2). Die Privatklägerin sagte diesbezüg-
lich lediglich aus, sie habe es mit der Angst zu tun bekommen (Urk. 6 S. 2). Aller-
dings schilderte die Privatklägerin auch frühere weit schlimmere Drohungen durch
den Beschuldigten (Andeutung mit dem Küchenmesser, Drohung sie umzubrin-
gen), wobei sie auf die Frage, weshalb sie sich damals nicht an die Polizei ge-
wandt habe, antwortete, sie habe sich so an seine Art gewöhnt. In der nächsten
Einvernahme antwortete sie auf die Frage, ob sie Angst gehabt habe, zwar mit
"Ja" (Urk. 7 S. 4), es finden sich aber keine Ausführungen, weshalb sie diesmal
im Gegensatz zu den – von ihr erwähnten – früheren Vorfällen Angst hatte bzw.
wovor sie Angst hatte. Andererseits suchte die Privatklägerin nach dem Vorfall
zuerst bei einer Freundin und danach bei der Polizei um Hilfe, was zeigt, dass sie
zweifellos verängstigt war. Somit kann es als erstellt erachtet werden, dass die
Privatklägerin durch das Verhalten des Beschuldigten verängstigt war, wobei al-
lerdings offen bleiben muss, wie schwer diese Verängstigung war. Darauf ist
nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung näher einzugehen.
- 17 -
III. Rechtliche Würdigung
1. Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a StGB
1.1. Objektiver Tatbestand
1.1.1. Die Verteidigung bringt vor, nur eine schwere Drohung sei strafbar, was
anhand von objektiven Kriterien zu messen sei. Obwohl die Vorinstanz selber
ausführe, das Angedrohte sei wenig spezifisch und eher pauschal, gehe sie ohne
Weiteres davon aus, die Drohung sei schwer gewesen, wobei unklar bleibe, worin
die Schwere der Drohung lag. Überdies müsse die Drohung geeignet sein, die
Ehefrau in Angst und Schrecken zu versetzen. Ein Klima der Angst, welches
durch den Beschuldigten bereits während der Beziehung geschaffen worden sei,
sei durch das Beweisergebnis nicht erstellt. Die Privatklägerin führe denn auch als
Begründung dafür, dass sie "es natürlich mit der Angst zu tun" bekommen habe,
an, dass der Onkel des Beschuldigten bereits zwei Frauen umgebracht habe, was
derart übertrieben sei, dass nicht einmal der einvernehmende Polizist weiter da-
rauf eingegangen sei. Auch habe die Privatklägerin erklärt, der Beschuldigte sei
nie zimperlich mit ihr umgegangen, sie habe sich aber so an seine Art gewöhnt,
was ebenfalls nicht dafür spreche, dass sie die Drohung ernst genommen habe.
Überdies sei es nichts Aussergewöhnliches, wenn nach einem Ehestreit Freunde
angerufen würden (Urk. 53 S. 9 ff.).
1.1.2. Gemäss Art. 180 StGB macht sich strafbar, wer jemanden durch schwere
Drohung in Angst und Schrecken versetzt. Die Tathandlung besteht in der Andro-
hung eines künftigen Übels, dessen Eintritt als vom Drohenden abhängig hinge-
stellt wird (Delnon/Rüdy, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Straf-
recht II, 3. Aufl., Basel 2013, [nachfolgend zit. BSK StGB II-Autor], Art. 180
N 12 f.). Das angedrohte Übel kann auf irgendeine Weise angekündigt werden, so
zum Beispiel durch Wort, Schrift oder konkludente Handlung. Eine verbale Dro-
hung ist nicht ausschliesslich nach der gemachten Äusserung zu beurteilen, son-
dern es kommt darauf an, ob diese Äusserungen nach den gesamten Umständen
geeignet gewesen sind, das Opfer in Angst und Schrecken zu versetzen (BGE 99
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IV 212 E. 1a; Donatsch in: Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder [Hrsg.], StGB
Kommentar, 19. Aufl., Zürich 2013, Art. 180 N 5). Dabei ist grundsätzlich ein ob-
jektiver Massstab anzulegen, wobei in der Regel auf das Empfinden eines ver-
nünftigen Menschen mit einigermassen normaler psychischer Belastbarkeit ab-
zustellen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1338/2015 vom 11. Oktober 2016,
E. 2.3; 6B_192/2012 vom 10 September 2012, E. 1.1. mit weiteren Hinweisen).
Zwar verlangt der Tatbestand keine Willensbeeinträchtigung, jedoch eine massive
Erschütterung des Sicherheitsgefühls. Abgesehen von besonders schutzbedürfti-
gen Opfern – wie Kinder oder betagte Menschen – sind die Anforderungen an die
schwere Drohung hoch anzusetzen, weshalb die Täterschaft dem Opfer einen
schweren Nachteil ankündigen oder in Aussicht stellen muss (BSK StGB II-
Delnon/Rüdy, Art. 180 N 10 und N 21 f.). Der Tatbestand ist vollendet, wenn das
Opfer in seinem Sicherheitsgefühl tatsächlich beeinträchtig ist bzw. in Angst oder
Schrecken versetzt wird (BSK StGB II-Delnon/Rüdy, Art. 180 N 31)
1.1.3. Gemäss der Anklageschrift sagte der Beschuldigte der Privatklägerin, sie
werde noch sehen, was passiere, dass sie bereuen werde, ihn verlassen zu ha-
ben, und dass er sie "fertigmachen" werde, wobei er gleichzeitig mit der Gabel
angedeutete Stichbewegungen gegen die Privatklägerin machte. Zunächst ist
festzuhalten, dass die Drohungen sehr vage sind, zumal der Beschuldigte nicht
explizit ein bestimmtes Übel in Aussicht stellt. Nachdem insbesondere auch nicht
erstellt ist, dass der Beschuldigte der Privatklägerin gegenüber bereits während
der Beziehung gewalttätig war – das entsprechende Strafverfahren wurde einge-
stellt – kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass die Privatklägerin die
Aussagen nur so verstehen konnte, dass der Beschuldigte ihr gegenüber erneut
gewalttätig werde würde. Mithin sind diese Drohungen für sich allein eher nicht
geeignet, einen vernünftigen Menschen mit einigermassen normaler psychischer
Belastbarkeit im Rahmen einer verbalen Auseinandersetzung so in Angst oder
Schrecken zu versetzen, dass sein Sicherheitsgefühl massiv erschüttert ist.
Selbst die Untermauerung dieser Äusserungen durch allfällige Stichbewegungen
mit der Kuchengabel lässt diese nicht bedrohlicher erscheinen, insbesondere da
eine Kuchengabel im Gegensatz zu einem Messer nicht als gefährlicher oder ein-
schüchternder Gegenstand zu qualifizieren ist.
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Sodann ist auch fraglich, ob die Privatklägerin durch diese Drohungen überhaupt
im erforderlichen Ausmass in Angst oder Schrecken versetzt wurde. Die Privat-
klägerin erklärte zunächst lediglich, sie habe es mit der Angst zu tun bekommen,
weil sein Onkel bereits zwei Frauen ermordet habe und der Beschuldigte ihrer
Meinung nach dieselben Charakterzüge wie sein Onkel aufweise (Urk. 6 S. 2).
Mithin begründete sie ihre Angst vor dem Beschuldigten nicht allein mit den ihm
vorliegend vorgeworfenen Drohungen, sondern mit dessen in Brasilien lebenden
Onkel. Überdies führte sie auch aus, dass der Beschuldigte ihr gegenüber immer
laut gewesen sei (Urk. 6 S. 2). Er sei nie zimperlich mit ihr umgegangen. Sie habe
sich an seine Art gewöhnt und sich deshalb nie an die Polizei gewandt (Urk. 6
S. 3). In der zweiten Einvernahme beantwortete sie die Frage, ob sie Angst hatte,
schliesslich mit einem blossen "Ja", ohne näher auszuführen, wo vor sie Angst
hatte oder wie sich diese Angst auswirkte (Urk. 7 S. 4). Somit ist aufgrund der ge-
schilderten Umstände fraglich, ob die Beschuldigte wirklich derart in Angst oder
Schrecken versetzt wurde, dass sie in ihrem Sicherheitsgefühl tatsächlich massiv
erschüttert war. Hierfür spricht andererseits, dass sie erklärte, sie denke, heute
habe nicht viel gefehlt, bis es eskaliert wäre, davon sei sie überzeugt (Urk. 6 S. 4).
Auch dass sie nach diesen Drohungen die Polizei um Hilfe rief, spricht dafür, dass
sie verängstigt und in ihrem Sicherheitsgefühl erschüttert war. Unklar geblieben
ist auch vor was genau die Privatklägerin sich gefürchtet hätte. Eine konkrete
Tathandlung hat der Beschuldigte mit den inkriminierten Äusserungen nicht in den
Raum gestellt. Die Äusserungen können durchaus – mit der Verteidigung – auch
im Rahmen der hängigen Zivilstreitigkeiten der Parteien gesehen werden. Letzt-
lich kann aber offen bleiben, ob der objektive Tatbestand der Drohung erfüllt ist,
weil – wie nachfolgend zu zeigen sein wird – dem Beschuldigten ohnehin kein
Drohungsvorsatz nachgewiesen werden kann.
1.2. Subjektiver Tatbestand
1.2.1. In subjektiver Hinsicht bringt die Verteidigung vor, wenn die Vorinstanz
nicht von einer objektiv schweren Drohung ausgehe, habe sie ein allgemeines
Klima der Angst während der Beziehung aufzuzeigen und nachzuweisen, dass
der Beschuldigte um die inferiore Position seiner Frau gewusst habe, was aus der
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Urteilsbegründung nicht hervorgehe. Auch stelle sich die Frage nach dem Motiv,
wenn der Beschuldigte bisexuell sei und in der Schwulenszene verkehre, wie sei-
ne Frau dies ausführe. Dementsprechend sei eine Inkaufnahme nicht begründet
(Urk. 53 S. 11).
1.2.2. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz bzw. Eventualvorsatz erforderlich. Der
Täter muss den Willen haben, sein Opfer in Schrecken oder Angst zu versetzen
und er muss sich bewusst sei, dass seine Drohung diese Wirkung hervorruft oder
dies zumindest in Kauf nehmen (BSK StGB II-Delnon/Rüdy, Art. 180 N 33).
1.2.3. Selbst wenn man davon ausginge, der objektive Tatbestand sei trotz den
vorstehenden Bedenken erfüllt (vgl. Ziff. III.1.1.3.), so stellt sich mit der Verteidi-
gung in der Tat die Frage, ob der Beschuldigte die Privatklägerin durch diese
Äusserungen in Angst oder Schrecken versetzen wollte oder dies zumindest in
Kauf nahm. Gemäss den Aussagen der Privatklägerin war der Beschuldigte ihr
gegenüber immer laut (Urk. 6 S. 2). Er sei nie zimperlich mit ihr umgegangen. Sie
habe sich an seine Art gewöhnt (Urk. 6 S. 3). Mithin ist davon auszugehen, dass
der Umgangston zwischen den Parteien während der Beziehung eher rau und
nicht besonders rücksichtsvoll war und solche Äusserungen zum Alltag gehörten.
Selbst wenn das nicht gutzuheissen ist, musste der Beschuldigte dementspre-
chend nicht davon ausgehen, dass nun auf einmal eine solche Äusserung die Pri-
vatklägerin in Angst oder Schrecken versetzen würden, zumal – gemäss Ausfüh-
rungen der Privatklägerin – bereits früher deutlich schlimmere Äusserungen dies
auch nicht taten. Somit kann nicht gesagt werden, der Beschuldigte habe zumin-
dest in Kauf genommen, die Privatklägerin in Angst oder Schrecken zu versetz-
ten, sondern es ist vielmehr davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte in
seiner gewohnten Diskussionsmanier Gehör verschaffen wollte. Mithin ist der sub-
jektive Tatbestand nicht erfüllt.
1.3. Fazit
Zusammengefasst ist bereits fraglich, ob der objektive Tatbestand der Drohung
vorliegend erfüllt ist, weil einerseits die vom Beschuldigten getätigten Äusserun-
gen die hohen Anforderungen an die Schwere einer Drohung kaum erfüllen und
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andererseits auch nicht zweifelsfrei erstellt ist, dass die Privatklägerin durch die
Drohungen in Angst und Schrecken versetzt wurde. Schliesslich kann dem Be-
schuldigten aber ohnehin nicht nachgewiesen werden, dass er eine Verängsti-
gung der Privatklägerin zumindest in Kauf genommen hatte, weshalb er vom
Vorwurf der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB freizusprechen ist.
2. Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB
2.1. In Bezug auf die Tätlichkeit rügt die Verteidigung, die Vorinstanz begnüge
sich mit dem Hinweis, die rechtliche Würdigung der Staatsanwaltschaft gebe zu
keinen weiteren Bemerkungen Anlass und sei zutreffend. Allerdings verliere sie
kein Wort zum Vorhandensein der Sachverhaltselemente. Die Aussagen der Pri-
vatklägerin in Bezug auf die Tätlichkeit seien so vage, dass der Beschuldigte nicht
einmal richtig dazu habe Stellung nehmen können (Urk. 53 S. 12).
2.2. Eine Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB ist der geringfügige und
folgenlose Angriff auf die körperliche Integrität. Strafwürdig sind aber nicht schon
geringfügigste Beeinträchtigungen der körperlichen Unversehrtheit, sondern erst
die das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass überschreitenden
physischen Einwirkungen auf einen Menschen, die keine Schädigung des Körpers
oder der Gesundheit zur Folge haben (Trechsel/Fingerhuth, in: Trechsel/Pieth
[Hrsg.] Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/
St. Gallen 2013, Art. 126 N 1). Ob ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit als
alltägliches und gesellschaftlich toleriertes Verhalten anzusehen ist, ist im Einzel-
fall unter Berücksichtigung der Tatumstände zu entscheiden. So ist eine Tätlich-
keit beispielsweise anzunehmen bei Ohrfeigen, Faustschlägen, Fusstritten und
heftigen, insbesondere mit Händen und Ellbogen geführten Stössen, nicht aber
bei harmlosen Schubse, wie sie namentlich im Gedränge vorkommen können
(BGE 117 IV 14 E. 2 a/cc).
2.3. Vorliegend ist einzig erstellt, dass der Beschuldigte die Privatklägerin weg-
schubste. Wie heftig dieses Schubsen war, dass er sie gegen den Kochherd ge-
schubst hätte, wie dieser Stoss ausgeführt wurde oder ob dieser Stoss die Privat-
klägerin überhaupt aus dem Gleichgewicht brachte, ist nicht erstellt. Wenn der
- 22 -
Beschuldigte die Privatklägerin aber bloss wegschubste, ohne dass diese mindes-
tens aus dem Gleichgewicht gebracht wurde, so ist das vergleichbar mit einem
harmlosen Schubsen, welches das allgemein übliche und gesellschaftlich gedul-
dete Mass nicht überschreitet, weshalb bereits der objektive Tatbestand von
Art. 126 Abs. 1 StGB nicht erfüllt ist. Dementsprechend ist der Beschuldigte vom
Vorwurf der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB nicht schuldig und
freizusprechen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten
Der Beschuldigte obsiegt im vorliegenden Verfahren vollumfänglich. Damit sind
sämtliche Kosten der Untersuchung wie auch des erstinstanzlichen Verfahrens
sowie des Berufungsverfahrens auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1
und Art. 428 Abs. 1 StPO).
2. Entschädigung
2.1. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird
das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruch auf Entschädigung ihrer
Aufwendungen für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte (Art. 429
Abs. 1 lit. a StPO). Die Entschädigung für die Ausübung der Verfahrensrechte ist
somit nicht umfassend, sondern wird nur für "angemessene" Aufwendungen ge-
währt. Hierzu zählen primär die Kosten der freigewählten Verteidigung. Ange-
messen im Sinne der zitierten Norm sind die Verteidigerkosten dann, wenn die
Verbeiständung angesichts der tatsächlichen oder rechtlichen Komplexität des
Falls notwendig und der Arbeitsaufwand und somit das Honorar des Anwalts ge-
rechtfertigt waren (Urteil des Bundesgerichts 6B_800/20015 vom 6. April 2016
E. 2.3, BGE 138 IV 197 E. 2.3.1; N. Schmid, Handbuch des schweizerischen
Strafprozessrechts, 2. Aufl., Zürich 2013, N 1810).
2.2. Der Beschuldigte ist seit dem 21. Februar 2017 erbeten anwaltlich ver-
teidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._. Dieser bezifferte seine Aufwendungen
- 23 -
für das Berufungsverfahren auf insgesamt Fr. 3'878.28 (Urk. 56). Diese Aufwen-
dungen wie auch die Barauslagen sind ausgewiesen und angemessen. Ange-
sichts der Dauer der Berufungsverhandlung sowie der notwendigen Zeit für die
Urteilsbesprechung ist dem Beschuldigten daher eine Prozessentschädigung für
die anwaltliche Verteidigung von Fr. 4'200.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) aus
der Gerichtskasse zuzusprechen.
3. Genugtuung
3.1. Der Beschuldigte beantragt eine Genugtuung von Fr. 1'200.–, weil er zwei
Tage in Untersuchungshaft verbracht habe sowie zwei Einvernahmen, eine
Hauptverhandlung und eine Berufungsverhandlung habe über sich ergehen las-
sen müssen, womit er in seinen persönlichen Verhältnissen schwer verletzt wor-
den sei. In Anlehnung an die Praxis bei Überhaft sei ihm für die beiden Hafttage,
die Einvernahme- und Verhandlungstage je Fr. 200.– zuzusprechen (Urk. 53
S. 13).
3.2. Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO ist einem Beschuldigten dann eine Ge-
nugtuung auszurichten, wenn er in dem gegen ihn geführten Strafverfahren be-
sonders schwer in seinen persönlichen Verhältnissen verletzt wurde, insbesonde-
re bei Freiheitsentzug. Die Festlegung der Höhe der Genugtuung beruht auf rich-
terlichem Ermessen. Bei dessen Ausübung ist den Besonderheiten des Einzelfalls
Rechnung zu tragen. Zu berücksichtigen sind alle Umstände, auch die Schwere
des vorgeworfenen Delikts sowie die Auswirkungen der Haft auf die persönliche
Situation des Verhafteten und die Belastung durch das Verfahren. Das Bundesge-
richt geht davon aus, dass im Falle einer ungerechtfertigten Haft von kurzer Dauer
grundsätzlich ein Betrag von Fr. 200.– pro Tag eine angemessene Entschädigung
darstellt, sofern nicht besondere Umstände gegeben sind, welche die Zahlung ei-
nes tieferen oder höheren Betrages rechtfertigen könnten. (vgl. Wehrenberg/
Frank, in: BSK Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Auflage 2014, Art. 429
N 28-30; vgl. BGE 139 IV 243 = Pra 102 (2013) Nr. 108, Entscheid des Bundes-
gerichts 6B_506/2015 vom 6. August 2015, E. 1.3.1.).
- 24 -
3.3. Der Beschuldigte befand sich vorliegend zwei Tage in Untersuchungshaft.
Er macht nicht geltend, dass er durch die erlittene Haft über das übliche und jede
inhaftierte Person treffende Mass hinaus besondere negative psychische oder
physische Einwirkungen erlitten habe, welche erschwerend ins Gewicht fallen
würden, sondern beantragt die gemäss Praxis des Bundesgerichts übliche Ent-
schädigung von Fr. 200.– pro Tag. Dementsprechend ist dem Beschuldigten für
die beiden ungerechtfertigten Tage in Untersuchungshaft eine Genugtuung von
Fr. 400.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen. Demgegenüber stellen die beiden
Einvernahme sowie die beiden Verhandlungen keinen besonders schwerwiegen-
den Eingriff in die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten dar, zumal der
Beschuldigte auch keine Gründe hierfür nennt, weshalb eine Genugtuung für die
Teilnahme an den Einvernahmen sowie der Haupt- und Berufungsverhandlung
ausser Betracht fällt.