Decision ID: 060999a8-01b3-4998-829f-216d8f21786b
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte Veruntreuung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 1. Februar 2017 (DG160112)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 23. März
2016 (Urk. 28) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 118 S. 74 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der qualifizierten Veruntreuung im Sinne von Art. 138
Ziff. 1 Abs. 2 und Ziff. 2 StGB in Verbindung mit Art. 29 lit. a StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute
zwei Tage durch Haft erstanden sind.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Der Beschuldigte wird verpflichtet der Privatklägerin EUR 4'346'000 Schadenersatz zuzüglich
5% Zins seit 26. April 2010 zu bezahlen.
5. Das Fürstliche Landgericht Liechtenstein wird ersucht, die mittels Rechtshilfeersuchen der
Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich gesperrten Konten des Beschuldigten bei der
B._ [Bank]:
- Kontokorrent Nr. 1; C._ Group Ltd.;
- Kontokorrent Nr. 2, D._ Ltd.;
- Kontokorrent Nr. 3, D._ Ltd.;
- Depot Nr. 4, D._ Ltd.;
- Privatkonto Nr. 5, A._
zu saldieren und die Kontosaldi der Bezirksgerichtskasse Zürich zur Einziehung zu über-
weisen.
6. Der bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich gelagerte Auktionserlös des von der Staats-
anwaltschaft III des Kantons Zürich mit Verfügung vom 20. Februar 2013 beschlagnahmten
und vorab verwerteten Fahrzeugs des Beschuldigten in der Höhe von CHF 40'414.45 wird
eingezogen.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 16. März 2016 be-
schlagnahmten Namenaktien des Beschuldigten und der vom Beschuldigten beherrschten
juristischen Personen von der E._ AG werden durch die Bezirksgerichtskasse verwertet.
Der Verwertungserlös wird eingezogen.
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8. Die Staatsanwaltschaft Köln wird ersucht, die mit Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft
III des Kantons Zürich verfügte Beschlagnahme des im Keller des F._-Museum gelager-
ten Gemäldes "Die Grablegung Christi", zugeschrieben dem Maler Tizian, aufzuheben.
9. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 7. Januar 2013 be-
schlagnahmte Original-Aktienzertifikat der G._ Ltd. wird dem Beschuldigten nach Eintritt
der Rechtskraft auf erstes Verlangen hin herausgegeben. Bei Nichtabholung verbleibt der
Gegenstand nach Ablauf von 3 Monaten seit Eintritt der Rechtskraft bei den Akten.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Staat als Ersatz für den nicht mehr vorhandenen,
widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil CHF 1'000'000 zu bezahlen.
Die Kasse des Bezirksgerichts Zürich wird angewiesen, die Ersatzforderung gegen den Be-
schuldigten nach Eintritt der Rechtskraft beim zuständigen Betreibungsamt in Betreibung zu
setzen und die für den Fortgang des Betreibungsverfahrens erforderlichen Schritte zu ver-
anlassen.
11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 28. Januar 2013 hin-
sichtlich Grundbuchblatt 6, Plan 7 (H._-Str. ..., I._; Grundbuchblatt 8, Plan 9
(J._-Platz ..., I._); Grunbuchblatt 10 (J._-Platz ..., I._) im Grundbuch des
Grundbuchamts K._ angeordneten Grundbuchsperren bleiben nach Eintritt der Rechts-
kraft aufrechterhalten, bis das zuständige Betreibungsamt in der Betreibung hinsichtlich der
Ersatzforderung über die Anordnung von Sicherungsmassnahmen gemäss Art. 98 ff. SchKG
entschieden hat.
12. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 28. Januar 2013 hin-
sichtlich Grundbuchblatt 11, KTN ... L._, Assek Nr. 12 und 13 (M._-Strasse ...,
L._), im Grundbuch des Grundbuchamts N._ angeordnete Grundbuchsperre bleibt
nach Eintritt der Rechtskraft aufrechterhalten, bis das zuständige Betreibungsamt in der Be-
treibung hinsichtlich der Ersatzforderung über die Anordnung von Sicherungsmassnahmen
gemäss Art. 98 ff. SchKG entschieden hat.
13. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 1. Februar 2013 hin-
sichtlich Grundbuchblatt (numero fondo) 14, numero piano 15 (Via ..., O._ ...) im Grund-
buch des Grundbuchamts O._ angeordnete Grundbuchsperre bleibt nach Eintritt der
Rechtskraft aufrechterhalten, bis das zuständige Betreibungsamt in der Betreibung hinsicht-
lich der Ersatzforderung über die Anordnung von Sicherungsmassnahmen gemäss Art. 98 ff.
SchKG entschieden hat.
14. Die gemäss Dispositivziffern 5., 6. und 7. eingezogenen Vermögenswerte sowie die Ersatz-
forderung gemäss Dispositivziffer 10. werden der Privatklägerin zugesprochen. Es wird davon
Vormerk genommen, dass die Privatklägerin ihre Schadenersatzforderung im Umfang der
eingezogenen Vermögenswerte und der Ersatzforderung dem Staate abgetreten hat.
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15. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 15. März 2016 be-
schlagnahmten Unterlagen und Gegenstände (Sicherstellungen 1.1.1 - 2.3.20) werden dem
Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen hin herausgegeben. Bei
Nichtabholung werden die Gegenstände nach Ablauf von 3 Monaten seit Eintritt der Rechts-
kraft der Kasse des Bezirksgerichts Zürich zur Vernichtung überlassen.
16. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 10'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 50'000.00 Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 4'200.00 Kosten Kantonspolizei Zürich
Fr. 1'878.62 Zeugenentschädigung
Fr. 9'828.40 Auslagen Untersuchung
Fr. 34'189.77 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
17. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
18. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-
ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
19. Fürsprecher lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger des Be-
schuldigten mit CHF 34'189.77 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
20. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin für das gesamte Verfahren eine Pro-
zessentschädigung in der Höhe von CHF 21'996 zu bezahlen.
21. (Mitteilungen)
22. (Rechtsmittel)."
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 7 ff.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 205 S. 2-4)
1. Hauptantrag Freispruch:
Es seien die Dispositivziffern 1.-3. des Urteils des Bezirksgerichtes
Zürich vom 1. Februar 2017 (nachstehend auch Urteil) aufzuheben und
es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der qualifizierten Veruntreuung im
Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 und Ziff. 2 StGB i.V. mit Art. 29 lit. a
StGB freizusprechen.
2. Eventualantrag Aufhebung und Rückweisung
Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 1. Februar 2017 auf-
zuheben und die Sache zwecks Ergänzung und Richtigstellung des
Sachverhaltes, zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung und
zur Fällung eines neuen Urteils an das erstinstanzliche Gericht zurück-
zuweisen.
3. Subeventualantrag bei Schuldspruch:
Eventualiter sei der Beschuldigte wegen qualifizierter ungetreuer
Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1. Abs. 1 und Abs. 3
StGB i.V. mit Art. 29 lit. a StGB, eventualiter wegen qualifizierter
Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 und Ziff. 2 StGB i.V.
mit Art. 29 lit. a StGB, mit einer bedingten Strafe angemessener Höhe
zu bestrafen und eine Probezeit von zwei Jahren anzusetzen.
4. Nebenfolgen:
4.1. Es sei Dispositiv-Ziffer 4. des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich
vom 1. Februar 2017 aufzuheben und die Schadenersatzforderungen
in Höhe von EUR 4'346'000.00 zuzüglich 5% Zins seit 26. April 2010
vollumfänglich abzuweisen.
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4.2. Es sei Dispositiv-Ziffer 5. des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich
vom 1. Februar 2017 aufzuheben und die Kontosperren auf den
Konten des Beschuldigten bei der B._
- Kontokorrent Nr. 1; C._ Group Ltd.
- Kontokorrent Nr. 2; D._ Ltd.
- Kontokorrent Nr. 3; D._ Ltd.
- Depot Nr. 4; D._ Ltd.
- Privatkonto Nr. 5; A._
allesamt aufzuheben.
4.3. Es sei Dispositiv-Ziffer 6. des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich
vom 1. Februar 2017 aufzuheben und der Auktionserlös des mit Ver-
fügung vom 20. Februar 2013 beschlagnahmten und vorab verwerteten
Fahrzeuges des Beschuldigten in Höhe von CHF 40'414.45 an
ebendiesen herauszugeben.
4.4. Es sei Dispositiv-Ziffer 7. des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich
vom 1. Februar 2017 aufzuheben und die beschlagnahmten Namen-
aktien des Beschuldigten und der vom Beschuldigten beherrschten
juristischen Personen von der E._ AG den Berechtigten
herauszugeben.
4.5. Es seien die Dispositiv-Ziffern 8. und 9. des Urteils des
Bezirksgerichtes Zürich vom 1. Februar 2017 zu bestätigen.
4.6. Es sei Dispositiv-Ziffer 10. des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich
vom 1. Februar 2017 aufzuheben und auf die Anordnung einer Ersatz-
massnahme zu verzichten.
4.7. Es seien die Dispositiv-Ziffern 11.-13. des Urteils des Be-
zirksgerichtes Zürich vom 1. Februar 2017 und damit sämtliche mit
Verfügungen der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom
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28. Januar 2013 und 1. Februar 2013 angeordneten Grundbuchsperren
aufzuheben.
5. Kosten etc.
5.1. Es seien sämtliche Verfahrenskosten, inkl. der Kosten der Straf-
untersuchung sowie des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, aus-
gangsgemäss zu verlegen und die Entschädigung der amtlichen
Verteidigung aus der Staatskasse vorzunehmen.
5.2. Es sei dem Beschuldigten im Falle eines Freispruchs sowohl eine
Entschädigung als auch eine Genugtuung in angemessener Höhe
zuzusprechen und auszurichten.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 206 S. 1)
1. Die Berufung des Beschuldigten A._ sei vollumfänglich abzuwei-
sen.
2. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sei gutzuheissen.
3. In Abänderung von Dispositiv Ziff. 8 des Urteils des Bezirksgerichts
Zürich, 9. Abteilung, vom 1. Februar 2017, sei das Gemälde "Die Grab-
legung Christi" zu verwerten und der Verwertungserlös einzuziehen.
4. Die Beschlagnahme betreffend die Vermögenswerte im Depot Nr. 4 der
D._ Ltd. (CHF 6'865.00 per 1. Februar 2017) sei zwecks Durch-
setzung der Ersatzforderung aufrechtzuerhalten. Eventualiter seien die
Wertschriften im Depot Nr. 4 zu verwerten.
c) Der Privatklägerschaft:
(Urk. 207 S. 2)
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom
1. Februar 2017 (DG160112) im Grundsatz zu bestätigen, insbesonde-
re (aber nicht ausschliesslich) auch im Hinblick auf Dispositiv-Ziff. 1
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(Schuldigsprechung), Dispositiv-Ziff. 4 (Schadenersatz in der Höhe von
EUR 4'346'000.00 zuzüglich Zins zu 5% p.a. seit 26. April 2010), Dis-
positiv-Ziff. 5, 6, 7, 10-14 und 20, wobei das. Bild "Die Grablegung
Christi" im Sinne der Anschlussberufung einzuziehen sei und alle ein-
gezogenen Vermögenswerte, die Verwertungserlöse und die Ersatz-
forderung der Privatklägerin zuzusprechen seien.
2. Eventualantrag zu Ziff. 1 (nur bezüglich Dispositiv-Ziff 4 des Urteils des
Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 1. Februar 2017): Es sei die
Zivilklage dem Grundsatz nach, mit Ausnahme der Bemessung des
Schadenersatzes, gutzuheissen; im Übrigen sei das Urteil des Bezirks-
gerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 1. Februar 2017 (DG160112) zu
bestätigen, wobei das Bild "Die Grablegung Christi" im Sinne der An-
schlussberufung einzuziehen sei und alle eingezogenen Vermögens-
werte, die Verwertungserlöse und die Ersatzforderung der Privatkläge-
rin zuzusprechen seien.
3. Subeventualantrag zu Ziff. 2 und 3 (nur bezüglich Dispositiv-Ziff 4 des
Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 1. Februar 2017):
Es sei die Zivilklage auf den Zivilweg zu verweisen; im Übrigen sei das
Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 1. Februar 2017
(DG160112) zu bestätigen, wobei das Bild "Die Grablegung Christi" im
Sinne der Anschlussberufung einzuziehen sei und alle eingezogenen
Vermögenswerte, die Verwertungserlöse und die Ersatzforderung der
Privatklägerin zuzusprechen seien.
4. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der PK für ihre Aufwendungen
im Berufungsverfahren eine Prozessentschädigung in der Höhe von
CHF 10'240.00 zu bezahlen.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
Am 26. Juni 2012 reichte die P._ Holdings Ltd., Hongkong, bei der Staats-
anwaltschaft III des Kantons Zürich eine Strafanzeige gegen den Beschuldigten
ein (Urk. 010014, deutsche Übersetzung Urk. 010001). Nach Eingang weiterer
Unterlagen wurde am 1. November 2012 eine Strafuntersuchung eröffnet
(Urk. 000028). Am 11. April 2016 (Datum Eingang) wurde beim Bezirksgericht
Zürich Anklage erhoben (Urk. 28).
Mit Datum vom 1. Februar 2017 wurde der Beschuldigte mit Eingangs aufgeführ-
tem Urteil des Bezirksgerichts Zürich wegen qualifizierter Veruntreuung schuldig
gesprochen und mit 3 1/2 Jahren Freiheitsstrafe bestraft (Urk. 118). Das Urteil
wurde im Einverständnis der Parteien nicht mündlich eröffnet, sondern schriftlich
im Dispositiv am 3. und 6. Februar 2017 mitgeteilt (Prot. I S. 18; Urk. 90/1 - 90/4).
Am 13. Februar 2017 (Datum Eingang) meldete der amtliche Verteidiger innert
der Frist von Art. 399 Abs. 1 StPO namens des Beschuldigten Berufung an
(Urk. 92 A). Die schriftlich begründete Fassung des Urteils wurde den Parteien
am 27. bzw. 28. April 2017 zugestellt (Urk. 114/1-3).
Die Berufungserklärung ging hierorts innert der 20-tägigen Frist von Art. 399
Abs. 3 StPO am 18. Mai 2017 ein (Urk. 121, Poststempel 17. Mai 2017). Die
Staatsanwaltschaft erklärte innert der ihr mit Verfügung vom 19. Mai 2017 ange-
setzten 20-tägigen Frist (Empfang am 23. Mai 2017) am 13. Juni 2017 (Post-
stempel 12. Juni 2017) rechtzeitig Anschlussberufung (Urk. 126). Der Vertreter
der Privatklägerin verzichtete auf eine Anschlussberufung (Urk. 128). Beweis-
anträge des Beschuldigten wurden mit Verfügung vom 6. September 2017 abge-
wiesen (Urk. 142).
Die auf den 22. März 2018 angesetzte Berufungsverhandlung musste auf Be-
gehren des Beschuldigten verschoben werden (Urk. 176-183). Hierauf wurde ein
zweiter Termin am 13. Dezember 2018 angesetzt (Urk. 192 f.).
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Am 10. Dezember 2018 reichte der Verteidiger eine 27-seitige Eingabe
(Urk. 194 f.) mit sechs Bundesordnern Beilagen (Urk. 196/8-26) ein, welche als
Beweismittel zu den Akten genommen wurden.
Zur mündlichen Berufungsverhandlung vom 13. Dezember 2018 erschienen der
Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers sowie die Staatsanwältin
Keller und der Rechtsvertreter der Privatklägerin Q._ Limited (Prot. II S. 9).
II. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte ficht das vorinstanzliche Urteil, mit nachfolgenden Ausnahmen,
vollumfänglich an und verlangt einen Freispruch (Urk. 121 S. 2; Urk. 205 S. 2-4;
Prot. II S. 9-11).
Nicht angefochten (vgl. dazu auch Prot. II S. 13) wurde die Freigabe des mit Ver-
fügung der Staatsanwaltschaft vom 7. Januar 2013 beschlagnahmten Aktienzerti-
fikates der G._ Ltd. (Urk. 221000) gemäss Dispositivziffer 9 und der mit Ver-
fügung der Staatsanwaltschaft vom 15. März 2016 (Urk. 222001) beschlagnahm-
ten Unterlagen und Gegenstände gemäss Dispositivziffer 15 (Ordner 27 - 29 =
Urk. 400001 - 400672) sowie die Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 16).
Die Staatsanwaltschaft ficht die Aufhebung der Beschlagnahme und die Rückga-
be des Gemäldes "Grablegung Christi" an die G._ Ltd. an gemäss Disposi-
tivziffer 8 des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 126 S. Urk. 206 S. 1; Prot. II S. 11 f.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte die Staatsanwaltschaft einen Antrag
die Dispositivziffern 5 und 14 des vorinstanzlichen Urteils betreffend (Urk. 206
S. 1 Antrag Ziff. 4). Da die Staatsanwaltschaft ihre Anschlussberufung explizit auf
Dispositivziffer 8 beschränkt hatte (vgl. dazu Art. 401 Abs. 2 StPO), ist dieser
spätere und prozessual nicht mehr zulässige Antrag nicht mehr zu hören. Wie zu
zeigen sein wird, ist Dispositivziffer 8 des vorinstanzlichen Urteils dennoch mit
dem vorliegenden Urteil abzuändern, was sich allerdings nicht zu Lasten des
Beschuldigten auswirkt.
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III. Prozessuales
1. Verwertbarkeit der Aussagen
Nach Auffassung der Vorinstanz leide die delegierte Einvernahme vom 23. Sep-
tember 2013 an einem formalen Mangel und sei prozessual nicht verwertbar, weil
der Beschuldigte nicht auf sein Aussageverweigerungsrecht hingewiesen worden
sei (Urk. 118 S. 17). Diese Rüge an den einvernehmenden Ermittlungsbeamten
ist – mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 206 S. 4) – zu streng und orientiert sich zu
stark am reinen Wortlaut von Art. 143 Abs. 1 lit. c StPO bzw. an einer zu isolierten
Betrachtung jeder einzelnen Einvernahme. Richtig ist es, dass in einer Strafunter-
suchung vor dem Hinweis auf das Aussageverweigerungsrecht jede Einvernahme
nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertbar ist. Dabei hat aus Beweisgründen
ein solcher Hinweis auch zu erfolgen, wenn der zu befragenden Person ihr Aus-
sageverweigerungsrecht schon bekannt ist. Sinn und Zweck von Art. 143 Abs. 1
lit. c StPO ist es demgegenüber nicht, dem Beschuldigten das Aussageverweige-
rungsrecht vor jeder Einvernahme jedes Mal repetitiv vorzuhalten, obschon ihm
dieses Recht schon bestens bekannt ist. Ein durchschnittlicher Mensch ist durch-
aus fähig, einen bereits mehrfach erfolgten Hinweis auf sein Aussageverweige-
rungsrecht auch in den folgenden Einvernahmen in Erinnerung zu behalten. So
auch vorliegend: Der Beschuldigte wurde in den Einvernahmen vom 3. Dezember
2012 (Urk. 10001), vom 4. Dezember 2012 (Urk. 100023), vom 7. Dezember 2012
(Urk. 100043), vom 17. Dezember 2012 (Urk. 100063), vom 20. März 2013
(Urk. 100087), vom 2. Juli 2013 (Urk. 100121) und in der Einvernahme vom
21. August 2013 zu Beginn ausdrücklich auf sein Aussageverweigerungsrecht
hingewiesen. Jedes Mal beantwortete er die Frage, ob er den Hinweis verstanden
habe, ausdrücklich mit ja. Die delegierte Einvernahme vom 23. September 2013,
erneut in Anwesenheit des Verteidigers, wurde mit der Bemerkung eingeleitet,
dass der Beschuldigte erneut im Strafverfahren wegen Veruntreuung evtl. unge-
treuer Geschäftsbesorgung befragt werde (Urk. 100166). Es handelte sich somit
um eine blosse Fortsetzung der früheren Einvernahmen. Der Beschuldigte hat
auch zu keiner Zeit geltend gemacht, in dieser Einvernahme sei ihm plötzlich
entfallen, dass er nicht verpflichtet gewesen wäre, auszusagen.
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Auch das Bundesgericht vertritt hinsichtlich Art. 143 Abs. 1 lit. c StPO keine rein
formalistische Linie und hielt im Entscheid vom 14. Juli 2009 (6B_183/2009) fest:
"Aufgrund des formellrechtlichen Charakters dieser Verfahrensgarantie sind Aus-
sagen, die in Unkenntnis des Schweigerechts gemacht wurden, grundsätzlich
nicht verwertbar. In Abwägung der entgegenstehenden Interessen können indes
trotz unterlassener Unterrichtung über das Aussageverweigerungsrecht die Ein-
vernahmen ausnahmsweise verwertet werden, wenn hinreichend erwiesen ist,
dass die festgenommene Person ihr Schweigerecht gekannt hat. Davon ist nach
der Rechtsprechung etwa auszugehen, wenn die beschuldigte Person in Anwe-
senheit ihrer Anwältin bzw. ihres Anwalts angehört worden ist (BGE 130 I 126
E. 3.2)."
Der Beschuldigte wurde in sieben vorangehenden Einvernahmen, jeweils im
Beisein seines Verteidigers, ausdrücklich auf sein Aussageverweigerungsrecht
hingewiesen. Es ist deshalb hinreichend nachgewiesen, dass ihm sein Aussage-
verweigerungsrecht auch in der achten Einvernahme vom 23. September 2013,
wiederum in Anwesenheit seines Verteidigers, bekannt war, weshalb diese Ein-
vernahme prozessual vollumfänglich verwertbar ist.
2. Übergangsrecht
Per 1. Januar 2018 trat die Revision des Strafgesetzbuches über das Sanktionen-
recht in Kraft. Wie zu zeigen sein wird, wirkt sich dies im vorliegenden Fall aber
nicht auf die Festsetzung einer Freiheitstrafe aus (Art. 2 Abs. 2 StGB). Deshalb ist
das aktuell geltende Recht massgebend.
3. Beweisanträge/Rückweisungsantrag des Beschuldigten
3.1. Der Beschuldigte wiederholte anlässlich der Berufungsverhandlung seine
bereits mit der Berufungserklärung gestellten Beweisanträge auf Einvernahme
einiger Personen, die innerhalb der R._ Gruppe tätig waren, auf Beizug ver-
schiedener Akten und auf Erstellung eines Wertgutachtens über das Gemälde
(Urk. 205 S. 23-25).
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3.2. Zunächst ist unklar, ob die Verteidigung diese Beweisanträge nur für den
Fall einer Rückweisung stellt, bringt sie doch diese Beweisanträge im Zu-
sammenhang mit ihrem "Eventualantrag Aufhebung und Rückweisung" (Urk. 205
S. 23) vor.
3.3. Der Antrag auf Rückweisung wird insbesondere mit unterlassenen Beweis-
erhebungen begründet, die nunmehr zur Abnahme beantragt werden. Diese Be-
weisanträge und der Rückweisungsantrag der Verteidigung wurden erst im Rah-
men des Parteivortrags, mithin erst nach Abschluss des Beweisverfahrens gestellt
und sind damit verspätet vorgebracht. Die Verfahrensleitung gab den Parteien vor
Abschluss des Beweisverfahrens Gelegenheit, weitere Beweisanträge im Sinne
von Art. 345 i.V. mit Art. 379 bzw. Art. 389 Abs. 3 StPO zu stellen. Auch seitens
der Verteidigung wurden dannzumal keine Beweisanträge gestellt (vgl. Prot. II
S. 13 f.).
3.4. Aber auch in materieller Hinsicht besteht kein Anlass für weitere Beweis-
erhebungen oder eine Rückweisung. Wie weit die Kenntnisse anderer geschäfts-
führender Organe von Gesellschaften der R._ Gruppe reichten, spielt für die
Strafbarkeit des Beschuldigten keine Rolle. Der Beschuldigte handelte ab 19. Mai
2009 als Direktor des Trustees und nicht auf Anweisung anderer. Er trug somit die
volle Verantwortung für sein Handeln (Urk. 010050). Die Untersuchung ergab zu-
dem keinerlei Hinweise, dass andere Organe von Gesellschaften der R._
Gruppe genauere Kenntnisse vom Handeln des Beschuldigten hatten (dazu wei-
ter unten). Der Beschuldigte liess die Gelder zudem über seine eigenen Gesell-
schaften G._ Ltd. und D._ fliessen, die nicht zur R._ Gruppe gehör-
ten.
3.5. Im Weiteren kann zur Begründung der Abweisung der Beweisanträge auf
die Präsidialverfügung vom 6. September 2017 verwiesen werden (Urk. 142), mit
der diese bereits früher gestellten Beweisanträge ebenfalls abgewiesen wurden.
Weiterungen zu den Beweisanträgen erübrigen sich indes, da sich – wie nach-
folgend zu zeigen sein wird – das vorliegende Verfahren als spruchreif erweist.
Die neuerlich gestellten Beweisanträge sind nach dem Gesagten abzuweisen.
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4. Vorbringen des Beschuldigten und seines amtlichen Verteidigers
Die Berufungsinstanz muss sich nicht mit jedem einzelnen Vorbringen des Be-
schuldigten auseinandersetzen. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich
sein Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 m.H.).
IV. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. S._ Trust
Der Beschuldigte hatte als damaliges einzelzeichnungsberechtigtes Organ in ver-
schiedenen Gesellschaften der P._ Holdings Ltd., insbesondere in der
R._ Asia Ltd. (Privatklägerin, heute umfirmiert in Q._ Ltd.; Urk. 010999),
welche als Trustee des S._ Trusts fungierte, bzw. als Direktor der R._
Trust AG in Zürich, Verfügungsgewalt über die Mittel des S._ Trusts. Einziger
Begünstigter (Beneficiary) des Trusts war der amerikanische Staatsbürger
T._ alias U._ (Urk. 10049, Urk. 120040, Urk. 010999). Rund EUR 4,3
Mio. vom Vermögen des Trusts waren bei der Genfer Bank V._ deponiert.
Um Schwierigkeiten mit den amerikanischen Steuerbehörden aus dem Weg zu
gehen, kündigte die Bank V._ die Kontoauflösung an. Deshalb wurde das
Geld des Trusts nach Hongkong und hernach auf ein Konto der W._ Ltd.,
ebenfalls eine Gesellschaft der R._ Gruppe, welche von der P._ Hol-
dings Ltd. geleitet wurde, bei einer Bank in Dubai transferiert. Von dort aus liess
der Beschuldigte das Geld auf ein Konto der G._ Ltd., Belize, und dann auf
ein Konto der D._ Ltd. transferieren. Bei beiden letztgenannten Gesellschaf-
ten war der Beschuldigte einziger Direktor und einzelzeichnungsberechtigt. Auf-
grund von Differenzen wurde das Arbeits- oder Geschäftsverhältnis zwischen der
R._ Group bzw. deren Gesellschaften mit dem Beschuldigten per 26. April
2010 aufgelöst (Urk. 100081). Mit Eingabe vom 22. Juni 2012 erstattete die
P._ Holdings Ltd. Strafanzeige gegen den Beschuldigten (Urk. 010001).
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2. Anklagevorwurf und Standpunkte
2.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, die Vermögenswerte des S._
Trusts von rund EUR 4,3 Mio., welche er, wie erwähnt, auf ein Konto der D._
Ltd. transferiert hatte, unrechtmässig zu anderen bzw. eigenen Zwecken veräus-
sert bzw. verbraucht zu haben. Zusammengefasst seien es folgende Handlungen
im Zeitraum zwischen 28. April 2010 bis 28. Januar 2011 gewesen (Anklageschrift
Urk. 28 S. 13):
- Fr. 752'000.-- für die Bezahlung einer Schuld an das Betreibungsamt N._
in einem gegen ihn persönlich laufenden Zwangsvollstreckungsverfahren;
- EUR 1'500'004.23 für den Erwerb eines Gemäldes mit dem Titel "Grablegung
Christi" durch die ihm gehörende G._ Ltd., Belize, als Käuferin;
- EUR 1,5 Mio. für ca. 30 Zahlungen für Investments und Geschäftsprojekte
vom ihm persönlich;
- Rund EUR 300'000.-- für seine Lebenshaltungskosten und den Erwerb eines
Autos;
- Rund EUR 0.5 Mio. zur Bestreitung von Kosten seines Geschäftsbetriebs
bzw. von ihm beherrschten Gesellschaften (Anklageschrift Urk. 28 S. 13).
Einzelne Transaktionen erfolgten vom Kontokorrent der D._, auf welches
Konto der Beschuldigte am 24. Juni 2010 EUR 1,57 Mio. transferierte (vgl. An-
hang zur Anklageschrift S. 2 Rz 10). Bis heute wurden keine Vermögenswerte ins
Eigentum bzw. zur Verfügung des S._ Trusts zurückgeführt.
2.2. Der Beschuldigte machte geltend, dass er für den Trust ein Gemälde von
Tizian mit dem Titel "Grablegung Christi" erworben habe. Der S._ Trust habe
immer entweder Geld oder das Gemälde zur Verfügung gehabt (Urk.100037; so
zuletzt auch Urk. 203 S. 10 f. und S. 41).
2.3. Die Verteidigung stellte sich im vorinstanzlichen Verfahren im Wesentli-
chen auf den Standpunkt, dass die Verantwortung für das Handeln des Beschul-
digten im Zusammenhang mit dem S._ Trust nicht bei ihm, sondern bei der
R._ Gruppe bzw. bei deren Direktor AA._ gelegen habe (Urk. 85 S. 8 -
- 16 -
13). In die gleiche Richtung argumentierte die Verteidigung im Rahmen des Beru-
fungsverfahrens (vgl. insb. Eingabe vom 9. Dezember 2018 [Urk. 194] und Plädo-
yer [Urk. 205]). Der Beschuldigte befinde sich im vorliegenden Verfahren – so die
Verteidigung resümierend – "in der Rolle des Sündenbocks, welcher sich heute
erneut für die Verfehlungen anderer zu verantworten" habe (Urk. 205 S. 5).
2.4. Die Staatsanwaltschaft brachte unter anderem vor, dass das betreffende
Gemälde keinen Wert in Millionenhöhe habe, wie der Beschuldigte geltend mach-
te (Urk. 100037), sondern gemäss einer schriftlichen Auskunft der Galerie
AB._ auf dem Markt praktisch unverkäuflich sei, weil es nicht oder nicht voll-
ständig aus der Hand von Tizian stamme bzw. von zweifelhafter Provenienz sei
(Urk. 100180; zum Ganzen zuletzt auch Urk. 206 S. 7 und insb. 12 f. sowie 18 f.).
3. Grundsätzliche Vorbemerkung zur behaupteten (Mit-)Verantwortung Dritter und zu möglichen weiteren Straftaten (Steuerdelikte)
3.1. Die Verteidigung führt zentral ins Feld, die (Mit-)Verantwortung für die hier
zu beurteilenden Geschehnisse liege (auch) bei anderen Personen innerhalb der
R._ Gruppe (Urk. 205 S. 5 ff.). Wie erwähnt sieht sie den Beschuldigten als
Sündenbock für angebliche Verfehlungen anderer. Die Frage nach der
(Mit-)Verantwortung Dritter ist für das vorliegende Verfahren nicht von Relevanz.
Zur Anklage gebracht wurden deliktische Vorgänge, die nach Ansicht der Staats-
anwaltschaft vom Beschuldigten in Alleintäterschaft verwirklicht wurden. Nur dies
steht vorliegend zur Beurteilung. Eine Alleintäterschaft des Beschuldigten
schliesst eine allfällige strafrechtliche Verantwortlichkeit weiterer Personen im
vorliegenden Kontext im Sinne einer Nebentäterschaft nicht aus. Ebenso wenig
würde eine Nebentäterschaft Dritter etwas an einer allfälligen Strafbarkeit des Be-
schuldigten ändern. Wie zu zeigen sein wird, haben die von der Verteidigung als
(Mit-)Verantwortliche ins Feld geführten Personen bei der eigentlich inkriminierten
Handlung (Abdisponierung der Gelder vom Konto der D._ an den Beschul-
digten selber) nicht mitgewirkt, sondern einzig der Beschuldigte. Im Folgenden
wird somit – einzig und unabhängig von allfälligen Straftaten weiterer Personen –
zu prüfen sein, ob sich der Beschuldigte anklagegemäss schuldig gemacht hat.
- 17 -
3.2. Ähnlich verhält es sich mit den Hinweisen der Verteidigung auf allfällige
steuer(straf)rechtlich verpönte resp. verbotene Vorgänge, die angebliche
Whistleblower-Tätigkeit des Beschuldigten in diesem Zusammenhang, die Ermitt-
lungen des IRS ("Internal Revenue Service", USA) und des DOJ ("Department of
Justice", USA), das Rechtshilfeersuchen an die Eidgenössische Steuerverwaltung
und die eingereichten Dokumente aus den entsprechenden Verfahren. All dies ist
nicht Gegenstand des vorliegenden Strafverfahrens. Es bleibt in diesem Ver-
fahren einzig zu prüfen, ob sich der Beschuldigte – unbesehen allfälliger Steuer-
delikte – im Sinne der Anklage schuldig gemacht hat. Zur Beurteilung stehen
dabei Delikte gegen das Vermögen nach dem Schweizerischen Strafgesetzbuch.
3.3. Auf die Vorbringen der Verteidigung betreffend Verantwortung Dritter und
steuer(straf)rechtlicher Vorgänge ist nach dem Gesagten im Folgenden nicht
weiter einzugehen.
4. Geschäftsgebaren und Aussageverhalten des Beschuldigten
Die äusserst umfangreichen Akten in über 85 Bundesordnern täuschen letztlich
über den Umstand hinweg, dass nur wenig davon für den Anklagesachverhalt
rechtlich relevant ist.
Einerseits war es zu Beginn der Untersuchung schwierig, einen Überblick über die
komplexe, teilweise unstrukturierte und häufig rein mündliche Geschäftstätigkeit
des Beschuldigten zu gewinnen. Seine Dienstleistungen waren auch oft darauf
ausgerichtet, möglichst undurchsichtige Rechtsverhältnisse zu schaffen und
'Papertrails' zu verdunkeln, um Steuerbehörden ihre Arbeit zu erschweren. So
operierte der Beschuldigte mit zahlreichen Offshore-Firmen, um die dahinter ste-
henden Personen und wirtschaftlich bzw. steuerrechtlich relevante Transaktionen
zu verbergen. Er operierte zum Teil mit nicht namentlich genannten wirtschaftlich
Berechtigten anstatt mit tatsächlichen Eigentümern oder zeichnungsberechtigten
Organen. Er vermischte und verknüpfte zu diesem Zweck Kunden und Geschäfte,
machte anstelle von einem Kaufvertrag einen blossen Optionsvertrag, anstelle
einer sachenrechtlichen Übertragungen eine blosse Sicherungsübereignung auf
dem Papier und verschob Gelder zwischen Gesellschaften ohne erkennbaren
- 18 -
wirtschaftlich begründeten Zweck, teilweise über nationale Grenzen hinweg und
ohne den Rechtsgrund transparent zu deklarieren. Schliesslich erweckte er in
schriftlichen Dokumenten den Eindruck von vollendeten Rechtsgeschäften,
obschon es sich um blosse Verpflichtungsgeschäfte handelte, denen nie ein Voll-
zug folgte und deshalb das Papier nicht wert waren.
Andererseits lag die Komplexität der Untersuchung aber nicht nur am Geschäfts-
modell des Beschuldigten, sondern auch oder vor allem in der Kombination mit
Kaskaden von Lügengebäuden, welche der Beschuldigte in der Untersuchung
errichtete. Auf das Aussageverhalten des Beschuldigten, welches teilweise
durchaus hochstaplerische Züge aufweist, wird weiter unten noch eingegangen.
5. Aufgaben und Verantwortung des Trustees
5.1. Der Trust ist ein angelsächsisches Konstrukt, welches im schweizerischen
Recht keine kongruente Entsprechung hat (Böckli, Der angelsächsische Trust -
Zivilrecht und Steuerrecht, Sonderdruck aus der Zeitschrift Gesellschafts- und
Kapitalmarktrecht (GesKR) 3/2007, Zürich/St. Gallen 2007, S. 16 - 34). Vorliegend
ist es nicht nötig, sich auf die rechtlichen Unterschiede zu schweizerischen
Rechtsinstituten einzulassen. Es reicht aus, sich vor dem Hintergrund der Grün-
dungsurkunde (Deed of Trust, Urk. 010022) auf ein wesentliches Charaktermerk-
mal des Trusts zu beschränken, welches rechtlich unbestritten ist und auf ähnli-
chen Überlegungen und Grundsätzen beruht, wie das schweizerische Auftrags-
und Stiftungsrecht. Dies betrifft die Vermögenserhaltungspflicht bzw. die Ver-
wendung der Mittel des Trusts im ausschliesslichen Interesse des Begünstigten.
Immerhin erwähnt auch der Deed of Trust des S._ Trusts ausdrücklich, dass
der Trustee das Vermögen "upon trust", d.h. auf Vertrauensbasis besitzt. Wenn-
gleich diese Pflicht mangels synallagmatischer vertraglicher Grundlage nicht als
auftragsrechtliche Treuepflicht bezeichnet werden darf, muss im vorliegenden
strafrechtlichen Zusammenhang mit dem Vorwurf der zweckfremden Verwendung
von Trustvermögen kein Unterschied gemacht werden. Auch der Beschuldigte hat
im Laufe der Untersuchung sein Handeln nie mit speziellen trustrechtlichen Best-
immungen begründet. Es war ihm bekannt, dass Auszahlungen nur an den Be-
günstigten erfolgen durften.
- 19 -
5.2. Die Gründungsurkunde des Trusts ermächtigte in Ziffer 3 den Trustee sehr
umfassend und weitreichend zu jeglichen treuhänderischen Massnahmen und
Investitionen (Urk. 010027):
3. TRUST FOR SALE AND INVESTMENT THE Trustees shall stand possessed of the Trust Fund Upon Trust as to  or property other than money in their absolute discretion either to permit the same to remain as invested for so long as they shall think fit or to exchange the same for investments hereby authorized or to sell call in or  into money all or any such investment or property and Upon Trust as to money and the proceeds of sale of any such investments or property at their discretion to invest the same in their names or under their control in or upon any of the investments hereinafter authorized with power at the like discretion from time to time to vary or transpose any such investments for or into others of any nature hereby authorized.
Daraus geht hervor, dass die Vermögenswerte des Trusts auch in fremden Na-
men angelegt bzw. investiert werden durften. Die Werterhaltungspflicht zu Guns-
ten des Trusts blieb aber in dieser Gründungsurkunde unangetastet. Allein mit der
blossen Überweisung des Trustvermögens auf Konti anderer Gesellschaften,
handelte der Beschuldigte somit noch nicht treuwidrig, jedenfalls solange er sub-
jektiv ohne Bereicherungsabsicht handelte. Erst mit der Auszahlung von Geldern
an Dritte, ohne dass der Trust im Gegenzug rechtlich und faktisch durchsetzbare
Ansprüche an realen Gegenwerten erworben hat, handelte der Beschuldigte
treuwidrig.
6. Kein Erwerb des Gemäldes durch den S._ Trust
Nachfolgend wird aufgezeigt, dass das Geld des S._ Trusts vom Konto der
W._ Ltd. bei der AC._ Bank in Dubai nie im Austausch zum besagten
Gemälde oder einem reellen Gegenwert abgehoben wurde bzw. auf ein Konto der
D._ Ltd. geflossen ist. Es bestand zu keiner Zeit ein sachenrechtlicher Eigen-
tumsanspruch des S._ Trusts auf das Gemälde oder ein rechtlich durchsetz-
barer obligatorischer Herausgabeanspruch. Die nachgenannten vom Beschuldig-
ten aufgesetzten Verträge dienten vielmehr dazu, den Schein eines treuhänderi-
schen Erwerbs des Gemäldes zu erwecken, hatten aber keinen ernsthaften bzw.
halbwegs vernünftigen Hintergrund. Dabei wird einstweilen noch nicht auf die
Frage eingegangen, ob das Gemälde überhaupt werthaltig ist resp. war.
- 20 -
7. Transfer des Trustvermögens auf das Konto der G._ Ltd.
7.1. Das Vermögen des S._ Trusts wurde am 24. März 2010
(EUR 4'296'000.--, gemäss damaligem Devisenkurs Fr. 6'147'533.05) und am
29. März 2010 (EUR 50'000.-- bzw. Fr. 73'190.--) vom Konto der W._ Ltd. bei
der AC._ Bank in Dubai auf ein Konto der G._ Ltd. bei der B._
überwiesen (Urk. 28 S. 12). Den Zahlungsauftrag erteilte die für die W._ Ltd.
zeichnungsberechtigte AD._ im Auftrag des Beschuldigten. AD._ sagte
als Zeugin aus, der Beschuldigte sei ihr Vorgesetzter und ihr gegenüber wei-
sungsbefugt gewesen (Urk. 120004 und 120007). Der Beschuldigte habe ihr den
Auftrag zu den betreffenden Zahlungsaufträgen an die AC._ Bank in Dubai
gegeben (Urk. 120010 und 120012). Sie wisse nicht, aus welchem Grund die
Überweisung des Geldes an die G._ Ltd. erfolgt sei, jedenfalls erinnere sie
sich nicht daran (Urk. 120012).
7.2. Der Beschuldigte behauptete, die Bank in Dubai habe sich aus heiterem
Himmel geweigert, das Geld des S._ Trusts freizugeben (Urk. 100005; vgl.
auch Urk. 203 S. 42 und 44). Für diese Darstellung existiert kein einziges Doku-
ment in den Akten und sie ist auch völlig unplausibel. Üblich ist im internationalen
Bankwesen allenfalls, dass eine Bank gewisse Deklarationen bei Eingang von
Geldern verlangt, aber nicht beim Weggang der Gelder. Weiter behauptete der
Beschuldigte, er sei zwei Mal mit dem Verwaltungsratspräsidenten AA._ und
mit AE._ nach Dubai gereist, um diese Probleme zu lösen (Urk. 100005 und
100044). Sie hätten schlussendlich von der Bank aber einen abschlägigen Be-
scheid erhalten. AA._ sagte demgegenüber in Anwesenheit des Beschuldig-
ten und seines Verteidigers auf Vorhalt, wonach nach Darstellung des Beschul-
digten die Gelder in Dubai blockiert gewesen seien, aus: "Das ist mir nicht be-
kannt" (...) "Konkret wurde mir dies nie zugetragen" (Urk. 120033). AE._ gab
– ebenfalls in Anwesenheit des Beschuldigten – zu Protokoll: "Davon habe ich
keine Ahnung" und schob die einleuchtende Bemerkung nach: "Wenn die Über-
weisung an die G._ Ltd. möglich war, dann war dies ja eine Möglichkeit, und
dann hätte man es ja auch irgendwo anders an eine andere Gesellschaft, auf ein
anderes Konto schicken können" (Urk. 120077). Sie erklärte, dass sie zusammen
- 21 -
mit AA._ und dem Beschuldigten in Dubai gewesen seien, es bei den dorti-
gen Gesprächen aber um allgemeine Sachen und die Zusammenarbeit gegangen
sei (Urk. 120089). Des weiteren ist ein Memorandum über ein Treffen des Be-
schuldigten, AA._, AE._ und AF._ bei der AC._ Bank in Dubai
am 28. Juli 2009 bei den Akten (Urk. 130261). Daraus geht hervor, dass Thema
der Besprechung primär der Kauf und Verkauf von Wertpapieren direkt von dorti-
gen Konti war ("to buy and sell securities from the accounts"). Die AC._ Bank
verneinte dies. Festgehalten wurde "What is possible to do in Dubai is having
deposits etc. minimum always is one week". Weder wird in diesem Protokoll er-
wähnt, dass irgendwelche Konti blockiert gewesen seien, noch findet sich der
Name W._ Ltd. Auch AD._, Einzelzeichnungsberechtigte für die
W._ Ltd., sagte als Zeugin aus, daran könne sie sich nicht erinnern. Im
Rahmen dieser Antwort stellte sie sogar die Gegenfrage, was denn mit 'blockiert'
gemeint sei (Urk. 120014). Somit ist erstellt, dass die Geschichte vom blockierten
Geld des S._ Trusts in Dubai eine reine Erfindung des Beschuldigten ist.
7.3. Diese Darstellung der angeblich blockierten Gelder wurde dann – erst-
mals – von der Verteidigung im Rahmen des Plädoyers an der Berufungsverhand-
lung relativiert. Zum einen sei die Blockade vielmehr in zeitlicher Hinsicht zu ver-
stehen. Zum anderen sei das Geld insofern in Dubai blockiert gewesen, als mög-
liche Empfängerbanken (schliesslich die AG._) Nachweise über den wirt-
schaftlich Berechtigten an dieser grossen Summe gefordert hätten (Urk. 205
S. 14 f.). Diese Darstellung der Verteidigung wirkt nicht unplausibel, steht aller-
dings im Widerspruch zu jener des Beschuldigten.
7.4. Tatsache ist, dass das Geld dann offenbar doch von besagter Bank in
Dubai durch Überweisungsauftrag des Beschuldigten auf das Konto der G._
Ltd. bei der B._ überwiesen wurde, ohne dass der Beschuldigte irgendeinen
Grund für den Sinneswandel der Bank in Dubai plausibel machen konnte. Er gab
hierzu zu Protokoll: "Da sich keine Lösung mit der Bank abzeichnete, musste ein
Rechtsgrund gefunden werden, mit welchem die Bank bereit war, das Geld zu
überweisen. Parallel mit diesem Rechtsgeschäft mit dem S._ Trust war ich
mit der Abwicklung eines Kaufauftrages eines
- 22 -
österreichischen Kunden über den Erwerb eines Gemäldes von Tizian befasst.
Der österreichische Kunde liess über R._ Zürich eine Panama Gesellschaft
mit dem AH._ Investment gründen und erteilte R._ den Auftrag, über
diese Panama Gesellschaft dieses Gemälde für EUR 5 Mio. zu erwerben" (ähn-
lich zuletzt auch Urk. 203 S. 42 und 44). Diese Begründung ist nicht nachvollzieh-
bar: Weshalb sollte die Bank das Kontoguthaben des S._ Trusts freigeben,
bloss weil ein Österreicher ein Gemälde kaufen will und obschon keinerlei Zu-
sammenhang zwischen dem S._ Trust und diesem unbekannten Österrei-
cher oder dem Gemälde bestand?
7.5. Option / Sales Agreement
7.5.1. Der Beschuldigte machte geltend, Rechtsgrund für die Überweisung sei das
Option / Sales Agreement zwischen der G._ Ltd. und der W._ Ltd. ge-
wesen (Urk. 110005).
Option / Sales Agreement
between
G._ Ltd. ... [Adresse]
(hereafter "GRANTOR")
and
W._ Ltd. ... [Adresse]
(hereafter "BUYER")
Whereas 1. GRANTOR is the legal owner of painting called "Burial Chrsti" by Titian. 2. GRANTOR assures that painting ist stored and exhibited in Cologne,
Germany. 3. GRANTOR has sold Painting to a third party for a price of EURO 5 Mio. 4. BUYER is a UAE based Corporation.
- 23 -
5. BUYER wishes to buy an option for the sale of the painting to a third party.
Article I
GRANTOR hereby grants BUYER an Option to sell the painting by Titian called "Burial Christi" (for full details see Annex I) instead·of Grantor to a third party at a pre-agreed purchase price of EURO 5 Mio. Transaction is due within a period of 3 - 6 Months. ln case the transaction ls not  by December 31, 2010, the entire transaction will be revoked. Both parties elect R._ Trust AG, Zürich, as their acting agent.
Article II
The consideration for the option granted is EURO 4.350.000 and is payable upon signing this contract. Banking Coordinates will be made available in due course.
ln case purchase price is not received in full within four weeks, BUYER
will return the option to GRANTOR and the entire transaction is nil and void. No penalty will be due.
Article III
This agreement shall be governed by and interpreted in accordance with the laws of Switzerland. Place of jurisdiction shall be Zürich, Switzerland.
Zürich, March 23, 2010
7.5.2. Dieser Vertrag stammt aus der Feder des Beschuldigten und ist, wenn nicht
widersprüchlich, so doch zumindest unklar und dilettantisch abgefasst. Für einen
Gegenstand, der bereits verkauft wurde (Ziffer 3), kann man grundsätzlich kein
Verkaufsrecht mehr erwerben (Ziffer 5). Der Vertrag kann zumindest sinngemäss
so interpretiert werden, dass der Käufer (W._ Ltd.) das Forderungsrecht ge-
genüber dem Dritten für den Kaufpreis des Gemäldes von EUR 5 Mio. erwerbe.
Insoweit tritt er in den Kaufvertrag der G._ Ltd. mit dem Dritten bzw. dem
Käufer des Gemäldes ein.
7.5.3. Von Seiten der G._ Ltd. wurde dieser Vertrag vom Beschuldigten un-
terzeichnet, von Seiten der W._ Ltd. von AD._. Diese sagte als Zeugin
aus, sie habe den Vertrag per Email vom Beschuldigten erhalten und auf dessen
Anweisung hin unterzeichnet (Urk. 120008 in Verbindung mit Urk. 130007; voll-
ständig unterzeichnete Vertragsversion in Urk. 331183 f.). Rücksprache mit ande-
- 24 -
ren Personen, beispielsweise mit AA._ oder anderen Mitarbeitern der
R._ Trust AG, habe sie dabei nicht genommen, weil der Beschuldigte als
Mitglied der Geschäftsleitung der R._ Trust AG ermächtigt gewesen sei, ihr
Aufträge zu erteilen (Urk. 120012). Zuvor habe sie den Vertrag nie gesehen. Sie
habe keinerlei nähere Informationen erhalten, weder über die G._ Ltd. noch
über den Hintergrund des Vertrages (Urk. 120009). Sie habe zu jenem Zeitpunkt
nicht gewusst, dass der Beschuldigte hinter der G._ Ltd. gestanden habe,
sondern gedacht, dass die Gesellschaft wohl einem ihrer Kunden gehöre. Vom
Beschuldigten habe sie auch keine Informationen über das Gemälde erhalten. Bei
den Akten ist auch eine Email des Beschuldigten an AD._ mit folgendem
Wortlaut: "Ferner erhälst du anbei den Vertrag, welchen du bitte für die W._
unterzeichnest und mir eine vollständige Kopie eingescannt zurückschickt. Die
muss ich für die Banken haben. Bei Fragen rufst du einfach an. Gruss und Merci"
(Urk. 110029). Damit ist belegt, dass für den Abschluss des Option / Sales Ag-
reement faktisch auf beiden Seiten der Beschuldigte handelte. Dieser Umstand
wäre bereits im Lichte einer Interessenkollision bzw. von Eigengeschäften unzu-
lässig oder höchst zweifelhaft.
7.5.4. Dieses Option / Sales Agreement vom 23. März 2010 entbehrt jeglicher
ökonomischer Vernunft, da der Vertrag einerseits Unwahrheiten enthält und ande-
rerseits keinerlei wirtschaftlichen Sinn für die W._ Ltd. macht, zumal der Käu-
fer des Bildes, die nicht namentlich erwähnte AH._ Investments S.A., nicht
die geringste Bonität besass, weshalb auch ein Eintritt in den Kaufvertrag mit
höchstem Risiko behaftet war. Es bestand mit anderen Worten keine reelle Aus-
sicht, dass der Kaufpreis von EUR 5 Mio. jemals bezahlt würde (dazu weiter un-
ten).
7.5.5. Mit Eingabe vom 17. Mai 2017 (Urk. 121) reichte die Verteidigung eine
andere Version des Option / Sales Agreements ins Recht (Urk. 123/1). Im Unter-
schied zur vorstehend diskutierten Vertragsversion ist dieser Vertrag auf Seiten
der G._ (angeblich) von AI._ (Sitzleiter der R._ in I._) und auf
Seiten der W._ vom Beschuldigten unterzeichnet. Im Weiteren weist der von
der Verteidigung eingereichte Vertrag in Artikel I Änderungen auf. Diese "Origi-
- 25 -
nalversion" – so die Verteidigung – sei erst "im Nachgang zur Urteilsbegründung
und in Vorbereitung der Berufung erfolgten Neuorganisation der Akten" aufgefun-
den worden (Urk. 121 S. 8). Es kann hier offenbleiben, ob dieses Dokument vom
Beschuldigten erst im Nachgang (in prozessbetrügerischer Weise – so die Vermu-
tung der Staatsanwaltschaft, Urk. 206 S. 19 f.) erstellt worden ist. Jedenfalls ist
auf dieses neu eingereichte Agreement nicht abzustellen: Dass dieses angeblich
so entscheidende, den Beschuldigten entlastende Dokument erst mehr als sechs
Jahre später aufgetaucht sein soll, wirft doch Fragen auf. Die Bedenken verstär-
ken sich, wenn man sich die inhaltlichen Abweichungen dieses neu eingereichten
Dokuments vor Augen führt. Sie stützen die vom Beschuldigten vorgetragene,
aber im Widerspruch zu den sichergestellten Unterlagen und den Zeugenaussa-
gen stehende Version. Dass diese neue Version allerdings nicht dem seinerzeit
unterzeichneten und geschlossenen Option / Sales Agreement entspricht, wird
aus folgendem Umstand klar: In den sichergestellten Unterlagen findet sich eine
E-Mail des Beschuldigten an AD._ vom 23. März 2010 (Urk. 130010). In die-
ser E-Mail fordert der Beschuldigte AD._ zur Unterzeichnung des Option Sa-
les Agreements auf Seiten der W._ auf (vgl. dazu auch die Aussagen von
AD._, Urk. 120008. Der Beschuldigte hat den Vertrag wie bereits erwähnt auf
Seiten der G._ unterzeichnet.). Diese Mail-Korrespondenz belegt klar, dass
der effektiv abgeschlossene Vertrag derjenigen Version entspricht, die im Zuge
der Untersuchung sichergestellt worden ist und eben nicht der nun jüngst einge-
reichten Version, in welcher der Beschuldigte auf Seiten der W._ unterzeich-
net hat, was im Widerspruch zu seiner eigenen Anweisung in der E-Mail von da-
mals steht. Jede Glaubhaftigkeit verliert die Behauptung des Beschuldigten, wo-
nach der erst kürzlich von ihm eingereichte Vertrag das Originaldokument sei,
wenn man einen Blick in die im Mail-Account A._@R._.com sicherge-
stellten Mails wirft. Am 24. März 2010 sandte der Beschuldigte dann das unter-
zeichnete Option / Sales Agreement zur Zahlungsabwicklung der B._ zu
(Urk. 331182). Diesem vom Beschuldigten versandten Mail war ein vollständig un-
terzeichneter Vertrag angehängt, der auf Seiten der G._ vom Beschuldigten
und auf Seiten der W._ von AD._ unterzeichnet ist und der inhaltlich
nicht der erst im Berufungsverfahren eingereichten Version entspricht
- 26 -
(Urk. 331183 f.). Damit ist endgültig klar, welche die dannzumal massgebende
Vertragsversion war. Abzustellen ist folglich auf die vorstehend referierte Version,
welche im Untersuchungsverfahren sichergestellt worden ist und sich in den Un-
tersuchungsakten findet.
7.6. Zunächst ist hervorzuheben, dass die G._ Ltd. entgegen Ziffer 1 des
Vertrags zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses weder im Besitz des Gemäldes
noch Eigentümerin desselben war. Es ist aktenkundig, dass der Beschuldigte
seit mindestens November 2009 mit AJ._ über den Kauf des Bildes verhan-
delte (Urk. 110219 - 110230). Ebenso liegt ein Kaufvertrag zwischen
AJ._ und der G._ Ltd. vom 23. Juni 2010 vor und der Kaufpreis für das
Bild von EUR 1,5 Mio. wurde vom Beschuldigten vom Konto der D._ Group
Ltd. am 29. April 2010 überwiesen (Urk. 110154). Vor diesem Hintergrund ist die
ganze Geschichte des Beschuldigten, wonach der inzwischen verstorbene
AK._ der G._ Ltd. das Bild geschenkt habe, als reine Schutzbehauptung
entlarvt, weil er seit spätestens November 2008 genau wusste, dass das Bild
nicht AK._ gehörte. Der Rechtsanwalt der tatsächlichen Eigentümerin,
AJ._, schrieb dem Beschuldigten nämlich bereits am 7. November 2008,
dass ein Kaufvertrag mit AK._ nie vollzogen worden und das uneinge-
schränkte Eigentum nach wie vor bei AJ._ sei (Urk. 110119). Dieses Schrei-
ben wurde wohlgemerkt bei den Unterlagen des Beschuldigten durch die Staats-
anwaltschaft sichergestellt. Wenn der Beschuldigte in seiner Einvernahme vom
7. Dezember 2012 behauptete, er habe nicht gewusst, wieviel AK._ an
AJ._ für das Gemälde bezahlt habe (Urk. 100051; so zuletzt auch Urk. 203
S. 13), war dies schlichtweg gelogen. Auf Vorhalt dieses Briefes flüchtete sich der
Beschuldigte dann in die unglaubhafte Äusserung, er habe eben den Inhalt dieses
Schreibens nicht verifizieren können (Urk. 100054). Die Zeugin AJ._ sagte
aus, sie habe mit AK._ einen Kauvertrag abgeschlossen, der aber nie vollzo-
gen worden sei. "Weitere Verkaufsbemühungen habe ich nicht gemacht"
(Urk. 120249 und Urk. 120250). Ende November 2008 habe sich dann der Be-
schuldigte an sie gewendet und in Aussicht gestellt, einen Käufer für das Bild zu
finden (Urk. 120251). Des weiteren gab sie zu Protokoll, dass sie vom Beschul-
digten gefragt worden sei, ob AK._ ihr einen Teil des Geldes überwiesen ha-
- 27 -
be, weil in seinen Unterlagen davon die Rede sei (Urk. 120252). Leider habe sie
aber nie Geld erhalten. Daran, dass der Beschuldigte von einer "Kaufpreis-
restanz" gesprochen habe, könne sie sich nicht erinnern (Urk. 120252).
7.6.1. Auch die Behauptung im Option / Sales Agreement vom 23. März 2010, die
G._ Ltd. sei rechtmässige Eigentümerin des Gemäldes, entsprach deshalb
nicht den Tatsachen bzw. der Rechtslage, was der Beschuldigte genau wusste.
Der Beschuldigte sagte auch aus, dass er selbst den Eigentumsübergang des
Gemäldes dem Museum nie mitgeteilt habe. Dies habe erst AJ._, nach Be-
zahlung des Kaufpreises gemacht (Urk. 100025). Insofern fand bis zur Veräusse-
rung durch AJ._ bzw. deren Anzeige an das Museum gar nie ein Besitz-
wechsel und somit auch kein Eigentumswechsel statt (Art. 714 in Verbindung mit
Art. 924 ZGB).
7.6.2. Der Beschuldigte versuchte sich mit der Behauptung zu retten, wonach er
AJ._ bloss noch eine Kaufpreisrestanz bezahlt habe. Dies erweist sich aller-
dings als reine Schutzbehauptung. Im Kaufvertrag ist von Kaufpreis die Rede und
nirgends von einer Restanz oder Teilzahlung (Urk. 250014). Der Kaufpreis wurde
mit EUR 1,5 Mio. beziffert und dieser Betrag wurde auch bezahlt. Auch AJ._
schilderte als Zeugin, ein früherer Kauvertrag mit einer Gesellschaft von
AK._, der AL._ AG, sei nie vollzogen worden. Weder sei jemals eine
Zahlung erfolgt, noch sei das Eigentum am Gemälde jemals übergegangen. Da
AK._ inzwischen verstorben sei, habe man einen neuen Kaufvertrag mit dem
Beschuldigten bzw. der G._ Ltd. gemacht (Urk. 120258). Daran, dass der
Beschuldigte im Laufe der Vertragsverhandlungen jemals von einer Kaufpreis-
restanz gesprochen habe, könne sie sich nicht erinnern (Urk. 120252).
7.7. Basic Agreement
7.7.1. Ebenso unwahr ist die Behauptung in Ziffer 2 des Vertrages, wonach die
G._ Ltd. das Gemälde bereits einem Dritten für EUR 5 Mio. verkauft habe.
Der Beschuldigte berief sich für diese Behauptung auf einen Vertrag, der mit Ba-
sic Agreement betitelt ist (Urk. 110001):
- 28 -
Basic Agreement
between
AH._ Investments S.A. Panama
(hereafter "BUYER")
and
R._ Trust AG
... [Adresse] Switerland
(hereafter "SELLER")
Whereas 1. SELLER represents the legal owner of a painting by Titian called "Burial
of Christ" stored with F._ Museum in Cologne, Germany. 2. BUYER desires to buy such Painting. 3. BUYER is a Company duly organized under the Laws of Panama. 4. BUYER wishes to purchase such Painting for a purchase price of
Euro 5 Mio. Now it is hereby agreed as follows:
Article I SELLER hereby sells to Buyer above mentioned Palnting according to the attached valuation by Prof. AM._. Sale is subject to proper verification about authenticity of·the painting as stored.
Article II The consideration for the Painting due by BUYER shall amount to EURO 5 Mio. (Euro five Millions 0/00) and is payable as follows: a) bank to bank proof of funds within one week of signing this contract b) conditional swift within 45 days afler signing this contract c) transaction will be concluded in Seller's bank- DVP·- delivery vs. Pay-
ment, i.e. against delivery of an actual·bearer paper of painting bank is authorized to pay purchase price.
Details of the payment process to be agreed after negotiations with Banks and Storage Company.
- 29 -
Article III This agreement shall be governed·by and interpreted in accordance with the laws of Switzerland. Place of jurisdiction shall be Zürich, Switzerland.
Zürich, 9.12.2009
7.7.2. Erneut unwahr ist die Feststellung in diesem Vertrag – ebenso die gleich-
lautende Behauptung des Beschuldigten in der Untersuchung –, die R._
Trust AG sei zu diesem Zeitpunkt, d.h. am 9. Dezember 2009, Repräsentantin der
Eigentümerin des Bildes gewesen. Der Beschuldigte begründete dies mit der wei-
teren Behauptung, die Aktien der G._ Ltd. seien der R._ Trust AG siche-
rungsübereignet worden und die W._ Ltd. habe den Kaufpreis an die
G._ Ltd. überwiesen (Urk. 100007 und Urk. 100008). Wie erwähnt, war in
diesem Zeitpunkt AJ._ Eigentümerin des Gemäldes und nicht die G._
Ltd., woran auch eine Sicherungsübereignung der Aktien der G._ Ltd. nichts
geändert hätte. Ebenso hat die W._ Ltd. zu diesem Zeitpunkt noch keinen
Kaufpreis überwiesen.
7.7.3. Anlässlich der Berufungsverhandlung verstieg sich der Beschuldigte in
neue Ausflüchte und behauptete – erstmals in dieser Form –, es handle sich beim
Basic-Agreement gar nicht um einen Kaufvertrag, sondern um eine konkretere
Form einer Absichtserklärung" (Urk. 203 S. 29). Diese Behauptung ist indes durch
den unzweideutigen Wortlaut des Vertrags widerlegt, heisst es doch darin explizit,
dass "SELLER hereby sells to Buyer above mentioned Palnting", also dass der
Verkäufer (R._ Trust AG) dem Käufer (AH._ Investments S.A.) das Bild
verkauft.
7.7.4. Schliesslich überzeugt die "Deutung" des Vertrags durch den Beschuldigten
auch deshalb nicht, weil die vom Beschuldigten behauptete Eigentümerin
(G._) mit keinem Wort im Vertrag erwähnt wird. Als "Seller" (Verkäufer") tritt
vielmehr einzig die R._ Trust in Erscheinung. Darauf angesprochen, machte
der Beschuldigte geltend, die R._ Trust habe den Vertrag im Auftrag der
G._ abgeschlossen, quasi als deren Stellvertreterin (Urk. 203 S. 29). Aller-
dings sind auch diese angeblichen Vertretungsverhältnisse in keiner Weise im
- 30 -
Vertrag offengelegt. Damit konfrontiert, erwiderte der Beschuldigte, es sei für den
Vertragspartner (AH._) "eher von mässigem Interesse" zu wissen, wer tat-
sächlich hinter dem Vertrag stehe (Urk. 203 S. 40). Die AH._ verpflichtete
sich im Basic-Agreement für ein Gemälde EUR 5 Mio. zu bezahlen. Es bedarf
keiner weiteren Worte, dass es für die Käuferin sehr wohl von entscheidender
Bedeutung ist, ob sie diese Zahlungsverpflichtung gegenüber der wahren Eigen-
tümerin eingeht oder gegenüber einem Vertragspartner, der rechtlich nicht über
das Bild verfügen kann.
7.7.5. Auch stehen die Behauptungen des Beschuldigten resp. der Wortlaut des
Basic-Agreements im Widerspruch zu anderen vom Beschuldigten aufgesetzten
Vertragsdokumenten. Der Beschuldigte bezeichnete das Basic-Agreement jüngst
als Absichtserklärung. Im Vertrag Sicherungsübereignung (dazu sogleich) heisst
es dazu allerdings: "G._ hat einen Kaufvertrag für dieses Gemälde mit der
AH._ Investments S.A., Panama, abgeschlossen." Also kein Wort von der
angeblichen Absichtserklärung und kein Wort davon, dass im Basic-Agreement
die R._ Trust als Verkäuferin ("Seller") bezeichnet ist und nicht die G._.
7.7.6. Die Käuferin hat mit anderen Worten einen Vertrag abgeschlossen, wobei
weder die im Vertrag als Verkäuferin des Bildes bezeichnete Gesellschaft
(R._ Trust) noch die vom Beschuldigten behauptete Verkäuferin (G._) in
Wahrheit Eigentümerin des Bildes war. Auch das Basic-Agreement ist nach dem
Gesagten als Dokument zu bezeichnen, dass mit der Wirklichkeit wenig bis nichts
zu tun hatte und den einzigen Zweck hatte, wahre – aber für den Beschuldigten
freilich strafrechtlich problematische – Begebenheiten zu verschleiern.
7.8. Sicherungsübereignung
7.8.1. Die vom Beschuldigten erwähnte Sicherungsübereignung datiert vom
23. März 2010, weshalb die R._ Trust AG am 9. Dezember 2009 noch gar
nicht Eigentümerin des Bildes durch Sicherungsübereignung der Aktien der
G._ Ltd. sein konnte (Urk. 110008).
- 31 -
Sicherungsübereignung
zwischen
D._ Ltd., ... [Adresse] nachstehend 'Schuldner' oder "D._" genannt
und
W._ Ltd., ... [Adresse] nachstehend 'Gläubiger' genannt
Vorbemerkungen A) Die D._ ist eine Beteiligungsgesellschaft, welche unter anderem die G._ Ltd., Belize, hält. Die G._ Ltd. ist im freien uneingeschränkten Besitz eines  von Titian mit dem Namen "Grablegung Christi", das sich zur Zeit in einem Museum in Köln befindet. B) Die G._ hat einen Kaufvertrag für dieses Gemälde mit der AH._ Investments S.A., Panama, abgeschlossen, und für den Kauf einen Kaufpreis von EURO 5 Mio (Euro fünf Millionen0/0) abgeschlossen. C) Die W._ Ltd. hat mit Vereinbarung vom 23.3.2010 für einen Preis von·EURO 4'350'000 das Recht erworben, sich in diesen Verkaufsvertrag einzukaufen und den Kaufpreis von EURO 5 Mio zu vereinnahmen. D) Zwecks Sicherstellung des von W._ bezahlten Optionspreises, schliessen die Parteien diese zusätzliche Vereinbarung.
Dies vorausgesetzt, vereinbaren die Parteien, was folgt:
1. Vertragsgegenstand 1.1. Der Schuldner tritt dem Gläubiger sämtliche Aktien der G._ Ltd., Belize, zu Eigentum ab 1.2. Die Aktien befinden sich bei der R._ Trust AG und werden durch diese . 1.3. Das einzige Aktivum der G._, das Gemälde von Titian mit dem Namen " Christi" verbleibt im Museum in Köln.
2. Verpflichtungen der Parteien 2.1. Beide Parteien sichern sich gegenseitig zu, die in Ziff. 1.1. genannten Aktien (sowie das einzige Asset der Gesellschaft - das Gemälde von Titian) nicht weiter zu veräussern oder sonst wie zu belasten. Der Schuldner anerkennt ausdrücklich den  des Gläubigers. 2.2. Nach vollständiger Abzahlung des vom Gläubiger bezahlten Optionspreises gehen die Aktien wieder in das freie Eigentum des Schuldners über.
3. Weitere Bestimmungen 3.1. Abänderungen und/oder Ergänzungen dieses Vertrages bedürfen der Schriftform.
- 32 -
3.2. Auf diesen Vertrag ist das Recht am Sitze des Gläubigers anwendbar. 3.3. Als Gerichtsstand für allfällige Streitigkeiten aus diesem Vertrag anerkennen die Parteien die ordentlichen Gerichte am Sitz; des Gläubigers.
Ort, Datum Zürich, 23.3.2010 D._ Ltd. W._ Ltd.
7.8.2. Entgegen der Eingangs erwähnten Darstellung des Beschuldigten waren
die Aktien der G._ Ltd. gemäss diesem Vertrag auch nicht der R._ Trust
AG sicherungsübereignet worden, sondern – sofern der Vertrag gültig gewesen
wäre –, der W._ Ltd. Daran ändert nichts, dass im Vertrag steht, dass die Ak-
tien bei der R._ Trust AG verwahrt seien und dass die W._ Ltd. eine
Tochtergesellschaft der R._ Gruppe war. Verwahrung ist nicht gleich Eigen-
tum. An dieser Rechtslage ändert auch die Behauptung des Beschuldigten nichts,
er habe die Aktien der W._ Ltd. treuhänderisch für die R._ Trust AG ge-
halten.
7.8.3. Weiter ist festzuhalten, dass dieser Sicherungsübereignungsvertrag auf
Seiten der W._ Ltd. vom Beschuldigten unterzeichnet wurde, obschon er gar
nicht für diese Gesellschaft zeichnungsberechtigt war. Auf entsprechenden Vor-
halt gab er zu Protokoll (Urk. 110008): "Wahrscheinlich war es dringend und des-
halb habe ich den Vertrag unterzeichnet. (...) Man darf nicht vergessen, dass es
eine Zeitverschiebung zwischen Dubai und der Schweiz gibt. Somit sind solche
Dinge, sofern es dringend ist, schon möglich. Ausserdem ist es in der Praxis oder
war es bei uns üblich, dass man strukturübergreifend Verträge unterzeichnet.
Sonst kann man nicht funktionieren, wenn man weltweit tätig ist und nicht immer
alle Personen anwesend" (Urk. 100019). Diese Erklärungen sind in Bezug auf die
Rechtslage unbehelflich und darüber hinaus auch Beleg für das unseriöse Ge-
schäftsgebaren des Beschuldigten.
7.8.4. Auf die Frage, ob er wisse, welche Person die Aktien der G._ Ltd. der
R._ Trust AG übergeben habe, meinte der Beschuldigte: "Nein. Keine Ah-
nung" (Urk. 100027). Auch dies ein Hinweis, dass der Beschuldigte entweder ge-
- 33 -
nau wusste, dass die Sicherungsübereignung nie stattgefunden hatte, oder dass
er dies zumindest nicht in guten Treuen behaupten durfte.
7.8.5. Auch in diesem Vertrag findet sich in Ziffer 1 wieder die tatsachenwidrige
Behauptung, das Gemälde sei ein Aktivum der G._ Ltd. (d.h. stehe in deren
Eigentum), obschon der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt am 23. März 2010
noch in den Kaufverhandlungen mit AJ._ stand, der Kaufpreis noch gar nicht
bezahlt worden war und der Kaufvertrag mit AJ._ erst am 23. Juni 2010 ab-
geschlossen wurde. Spätestens mit dem Schreiben der Rechtsvertretung von
AJ._ vom 7. November 2008 (Urk. 110117) wusste der Beschuldigte, dass
die Eigentumsverhältnisse am Bild nicht dergestalt waren, wie er sich wohl erhoff-
te (dazu bereits vorstehend). In diesem Schreiben wurde dem Beschuldigten mit-
geteilt, dass der Kaufvertrag zwischen AJ._ und der AL._ nie erfüllt
wurde und deshalb das Bild nach wie vor im Eigentum von AJ._ sei. Gegen
diese Rechtsauffassung opponierte der Beschuldigte dannzumal nicht – im Ge-
genteil. Vielmehr antwortete er mit seinem Schreiben vom 30. November 2008,
die G._ Ltd. sei "an der Vollziehung des Rechtsgeschäfts" interessiert
(Urk. 110117). Deshalb ist auch die Aussage des Beschuldigten, er sei bei Ab-
schluss des Basic-Agreement im Dezember 2009 der felsenfesten Überzeugung
gewesen, dass er Eigentümer gewesen sei (Urk. 203 S. 12), als Schutzbehaup-
tung entlarvt.
7.8.6. Schliesslich kommt der Umstand hinzu, dass sich die Aktien entgegen dem
Vertragswortlaut gar nicht bei der R._ Trust AG in Zürich befanden, sondern
im Büro des Beschuldigten in I._/ZG. Auf die Frage der Staatsanwältin, ob er
die Aktien der G._ Ltd. dann tatsächlich der R._ Trust AG übergeben
habe, lenkt der Beschuldigte ab und erwiderte: "Das war ja ein riesen Dossier, da
haben mehrere Leute daran gearbeitet. Ja, ich habe dieses Dossier übergeben.
(...)" (Urk. 100017). Die Frage betraf ganz klar die Aktien und nicht ein Dossier.
Auf die Folgefrage, ob er eine Quittung für die Übergabe der Aktien verlangt habe,
gab der Beschuldigte zu Protokoll: "Nein, das glaube ich nicht" (Urk. 100017). Auf
anschliessenden Vorhalt, weshalb denn die Aktien der G._ bei der Haus-
durchsuchung in seinem Büro in I._/SZ hätten beschlagnahmt werden kön-
- 34 -
nen, wenn sie doch gemäss Vertrag bei der R._ Trust AG in Zürich hätten
verwahrt sein müssen, machte der Beschuldigte wiederum ausweichende und
weitschweifige Ausführungen, welche nichts mit der Frage zu tun hatten: "Es war
ja nur die Meinung, dass die R._ Trust den Verkauf des Gemäldes von Tizian
abwickelt und ich anschliessend wieder im Besitz der Aktien der G._ käme.
Darum habe ich mich auch letzte Woche bei Herrn AN._ erkundigt, wieso ich
zum dritten Mal die Gebühren für das Bild bezahlen muss, ob sie nicht endlich
dieses Bild verkaufen wollten. Die R._ Trust hätte nur zwei Überweisungen
machen müssen, um das ganze abzuschliessen. Der österreichische Investor hät-
te das Geld an R._ Trust überwiesen und dieses über die AO._ an die
AG._ überwiesen" (Urk. 100018). Auf Wiederholung der Frage erwiderte der
Beschuldigte, dass seine Büroräume in I._ ja auch von der R._ gemietet
worden seien (Urk. 100081). Auf die Folgefrage, weshalb sich die Aktien dann
aber selbst nach seinem Ausscheiden aus der R._ Gruppe weiterhin zwei
Jahre lang bis zur Beschlagnahme in seinen Büroräumlichkeiten befunden hätten,
obwohl sie nach seiner Behauptung bei der R._ Trust AG in Verwahrung la-
gen, gab der Beschuldigte zu Protokoll: "Weil ich es nicht wusste, dass sie dort
waren. Ich war der festen Überzeugung, dass sie nicht bei mir sind" (Urk. 100082;
ähnlich zum Ganzen auch zuletzt, Urk. 203 S. 33).
7.8.7. AE._ von der R._ Trust AG sagte als Zeugin aus, sie hätten die
Aktien der G._ Ltd. gesucht und alle Mitarbeiter, die es hätte betreffen kön-
nen, danach gefragt. Die Aktien seien aber nicht zum Vorschein gekommen
(Urk. 120078). Sie hätten deshalb mehrfach beim Beschuldigten nachgefragt und
stets zur Antwort erhalten, er habe die Aktien übergeben, sie seien bei der
R._ Zürich.
7.8.8. Und selbst wenn die Sicherungsübereignung rechtsgültig vollzogen worden
wäre, war sie für den Trustee wertlos. Der Beschuldigte versuchte zu suggerieren,
dass der Trustee damit über das Gemälde wie ein Eigentümer verfügen konnte.
Einziges zeichnungsberechtigtes Organ der G._ Ltd. blieb jedoch der Be-
schuldigte selbst, weshalb auch er allein über das Gemälde bestimmen konnte.
Weder wurde etwas an der Zeichnungsberechtigung der G._ Ltd. geändert
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noch am Stimmrecht in der Gesellschaft. Faktisch hatte der Trustee mit der Siche-
rungsübereignung der Aktien der G._ Ltd. an die W._ Ltd. keinerlei Ein-
fluss auf die Geschäftsführung der G._ Ltd., zumal der Trustee gar nichts
von einer Sicherungsübereignung wusste. Das belegt bereits der Umstand, dass
der Beschuldigte auch nach der angeblichen Sicherungsübereignung über die
Konten der G._ Ltd. frei verfügte.
7.9. Basic Agreement
7.9.1. Nochmals zurück zum Basic Agreement vom 9. Dezember 2009 zwischen
der AH._ Investments S.A. und der R._ Trust AG. Wie erwähnt, wurde
mit dem Options / Sales Agreement vom 23. März 2010 der W._ Ltd. bzw.
dem S._ Trust sinngemäss zugesichert, dass sie für den "Optionspreis" von
EUR 4,3 Mio. im Gegenzug den von der AH._ Investments S.A. für das Ge-
mälde zu zahlende Kaufpreis von EUR 5 Mio. (gemäss dem Basic Agreement)
erhalte. Es erstaunt wenig, dass die AH._ Investment S.A. den vereinbarten
Kaufpreis von EUR 5 Mio. für das Gemälde nie überwiesen hatte, weder in der
vertraglich vereinbarten Frist von 45 Tagen ab 9. Dezember 2009 noch zu einem
späteren Zeitpunkt. Die AH._ Investments S.A. war eine blosse Briefkasten-
firma ohne relevantes Vermögen und ohne aktive Geschäftstätigkeit. Auch in die-
sem Zusammenhang machte der Beschuldigte einige unglaubhafte oder unwahre
Aussagen.
7.9.2. Auf Vorhalt, dass die AH._ Investments S.A. den Kaufpreis von
EUR 5 Mio. nicht innerhalb der vereinbarten 45 Tagen bezahlt hatte und der Be-
schuldigte somit wahrheitswidrig im Options / Sales Agreement vom 23. März
2010 festhielt, das Gemälde sei für EUR 5 Mio. verkauft worden, erwiderte der
Beschuldigte: "Ja schon, aber die W._ Limited und die G._ haben sich
in diesem Vertrag geeinigt und waren mit einer Zahlungsfrist von 3 bis 6 Monaten
einverstanden. Ausserdem waren die Parteien darüber informiert, dass es sich
um die AH._ Investments handelte" (Urk. 100015). Eine Einigung zwischen
der W._ Ltd. und der G._ Ltd. hat offensichtlich keinen Zusammenhang
mit der Zahlungsfrist, welche die AH._ Investments S.A. und die R._
- 36 -
Trust AG vertraglich vereinbart hatten. Zudem waren am 23. März 2010 auch be-
reits mehr als drei Monate vergangen, d.h. die Zahlung bereits seit mehr als drei
Monaten ausstehend. Es bestand somit bereits im Zeitpunkt des Abschlusses des
Option / Sales Agreements Klarheit, dass die vom S._ Trust erworbene
Forderung von EUR 5 Mio. mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein
Nonvaleur war. Der Beschuldigte sagte aus, die Fristverlängerung sei ja in Ab-
sprache mit allen Parteien erfolgt. "Wir haben ja sämtliche Parteien in diesem
Zusammenhang vertreten, so dass wir laufend auf dem neusten Stand der Dinge
waren. Wieso man das ursprüngliche Basic Agreement nicht angepasst hat, kann
ich jetzt nicht sagen" (Urk. 100059). Wiederum euphemistisch spricht hier der
Beschuldigte von "wir", obschon offenkundig ist, dass er alles in seiner eigenen
Regie inszenierte bzw. er für alle beteiligten Gesellschaften persönlich agierte. Im
Übrigen machte der Beschuldigte unwahre Angaben über den Grund der Frist-
erstreckung, worauf weiter unten noch eingegangen wird.
7.9.3. Zur AH._ Investments S.A. führte der Beschuldigte in seiner Einver-
nahme am 3. Dezember 2012 aus, er sei mit der Abwicklung eines Kaufauftrages
eines österreichischen Kunden über den Erwerb eines Gemäldes von Tizian be-
fasst gewesen (Urk. 100005). "Der österreichische Kunde liess über R._ Zü-
rich eine Panama Gesellschaft mit dem AH._ Investment gründen und erteil-
te der R._ den Auftrag, über diese Panama Gesellschaft dieses Gemälde für
EUR 5 Mio. zu erwerben" (Urk. 100005). Auf die Frage, wie denn dieser österrei-
chische Kunde heisse, gab der Beschuldigte an: "Da fragen Sie mich fast ein we-
nig zu viel. Das weiss ich nicht mehr, das ist ein wenig lange her" (Urk. 100006).
Diese Erinnerungslücke beim Beschuldigten erstaunt doch sehr, schliesslich la-
gen lediglich zweieinhalb Jahre zwischen dem Vorfall und der Einvernahme. Ein
Geschäft über EUR 5 Mio. mit einem Tiziangemälde dürfte auch nicht alltäglich
gewesen sein. Der Beschuldigte dokumentierte mit dieser Aussage selbst sein
zumindest leichtsinniges Handeln, wenn er einerseits auf Rechnung des S._
Trusts für EUR 4,3 Mio. eine Forderung (von EUR 5 Mio.) gegenüber einer Brief-
kastenfirma kauft und den tatsächlichen wirtschaftlich Berechtigten hinter dieser
Firma, der zu diesem Zeitpunkt ominöse Österreicher, schon nach kurzer Zeit
nicht mehr kennt, oder kennen will.
- 37 -
7.9.4. Die Aussage des Beschuldigten, er habe die AH._ Investments S.A. im
Auftrag des Österreichers gegründet (so zuletzt Urk. 203 S. 18), steht auch im
Widerspruch zur Aussage des besagten Österreichers, welcher zu Protokoll gab,
die AH._ Investments S.A. habe bereits bestanden und sei ihm vom Be-
schuldigten zum Kauf angeboten worden (Urk. 120173; Urk. 194 S. 7). In der Ein-
vernahme vom 4. Dezember 2012 wurde der Beschuldigte erneut gefragt, ob ihm
der Name des Österreichers eingefallen sei, worauf er erwiderte: "Das hat mir
keine schlaflosen Nächte bereitet. Ich weiss es nicht mehr" (Urk. 100024). Auf
Vorhalt der Staatsanwältin, ob es ein Herr namens AP._ gewesen sei, erwi-
derte der Beschuldigte dann: "Das kann sein. Ja genau, so hat er geheissen."
7.9.5. Gemäss der Anzeigeerstatterin blieb selbst die Rechnung für den Kauf der
Firmenhülle der AH._ Investments S.A. unbezahlt, was doch zumindest ge-
wisse Zweifel an der Zahlungsfähigkeit von AP._ beim Beschuldigten hätte
aufkommen lassen müssen (Urk. 100025). AP._ sagte als Zeuge aus, sie,
d.h. er und seine ehemaligen Partner, hätten nicht bezahlen können, weil sie in fi-
nanzielle Schieflage geraten seien (Urk. 120172). Wer in der AH._ Invest-
ments S.A. zeichnungsberechtigt und wirtschaftlich berechtigt sei, wer Geschäfts-
führer, wer die Anteile halte und ob diese Gesellschaft überhaupt eine Geschäfts-
tätigkeit ausübe, entziehe sich seiner Kenntnis (Urk. 120173). Bereits diese Aus-
sagen belegen, dass die AH._ Investments S.A. keinerlei Bonität besass und
hinter ihr auch keine zahlungskräftige Person stand. Ganz abgesehen davon be-
steht nach schweizerischem Recht für Kaufpreisforderungen grundsätzlich keine
rechtliche Grundlage für einen Durchgriff auf den wirtschaftlich Berechtigten einer
juristischen Person und schon gar nicht ein doppelter Durchgriff auf eine weitere
Person, welche angeblich hinter der wirtschaftlich berechtigten Person stehe (da-
zu nachfolgende Ausführungen).
7.9.6. Dass die AH._ Investments S.A. oder der dahinter stehende AP._
über die nötigen Mittel verfügt haben, der vertraglichen Verpflichtung auf Bezah-
lung des Kaufpreises von EUR 5 Mio. nachzukommen, behauptete auch der Be-
schuldigte nicht (vgl. zuletzt auch Urk. 203 S. 18 f.). Er führte aus, hinter
AP._ habe eine russische Käufergruppe gestanden und am Tag des Ver-
- 38 -
tragsschlusses habe AP._ einen Kapitalnachweis in Form eines Bankkonto-
auszuges dieser russischen Käufergruppe vorgelegt (Urk. 100032; vgl. auch
Urk. 203 S. 19 f.). Eine Kopie davon habe er nicht. Das sei in aller Regel so, weil
die Gefahr eines Missbrauchs bestünde (Urk. 100032). Eine Erklärung, die nicht
überzeugt. Immerhin setzte der Beschuldigte das Vermögen des S._ Trusts
im Umfang von rund EUR 4,3 Mio. aufs Spiel bzw. dem Delkredererisiko dieser
angeblichen unbekannten russischen Käufergruppe aus, ohne dass irgendeine
rechtliche Beziehung zu dieser Gruppe bestand. Kein vernünftiger Geschäfts-
mann zahlt EUR 4,3 Mio. ohne jegliche Garantien, Sicherheiten oder rechtlich
verpflichtende Verträge, einzig auf mündliche Zusicherung hin, nicht genannte
Personen seien an einem Kauf interessiert.
7.9.7. Der Beschuldigte machte zunächst geltend, er sei im Zeitpunkt des Ab-
schlusses des Option / Sales Agreements am 23. März 2010 in Kontakt mit der
Käufergruppe und zu 100% überzeugt gewesen, dass das Geschäft zustande
komme (Urk. 100032; ähnlich Urk. 203 S. 20). Nur wenig später in der Ein-
vernahme sagte der Beschuldigte dann aus, AP._ habe er in einem Kaffee in
Wien gesehen und er habe keine Geschäftsbeziehung zu ihm (Urk. 100039). Die
russische Geschäftsgruppe habe AP._ nie offengelegt, weshalb er jene Per-
sonen gar nicht kenne (Urk. 100039). Ein weiterer Beleg, wie beliebig und unver-
bindlich die Aussagen des Beschuldigten in der Untersuchung waren.
7.9.8. Zur Bonität von AP._ machte der Beschuldigte geltend, er sei ja bei
der R._ als Kunde akzeptiert worden, nachdem er die gesamte Due Dilli-
gence durchlaufen habe (Urk. 100057; zuletzt auch Urk. 203 S. 17-19). AP._
sagte demgegenüber als Zeuge aus, er sei nicht Kunde der R._ Trust AG
gewesen, sondern vom Beschuldigten persönlich (Urk. 120171). Am 21. April
2010 schrieb der Beschuldigte an AQ._ von der R._ Trust AG: "Anbei
wieder einmal ein Suspect den du für mich bei der FIU abchecken könntest. Der
Herr hat bei uns eine Panama Gesellschaft gekauft und Verträge für den Kauf di-
verser Kunstobjekte und Immobilien unterzeichnet" (Urk. 100057). Es ist offen-
kundig, dass solche Bonitätsabklärungen vier Monate nach Abschluss des Basic
Agreements wohl etwas spät sind. Der Beschuldigte meinte dazu: "Das Datum
- 39 -
dieses E-Mails stimmt nicht" (Urk. 100058). Ein wenig überzeugender Einwand.
Dass AP._ offensichtlich wenig vertrauens- und bonitätswürdig war, belegt
bereits der Umstand, dass er unterschriftlich bestätigte, wirtschaftlich Berechtigter
am Vermögen der AH._ Investments S.A. zu sein, obschon er zugegebe-
nermassen nicht namentlich genannte Investoren aus Russland vertrat und dies
dem Beschuldigten nach eigenem Bekunden bekannt war (Urk. 130316). Zudem
wird im Risikoprofil-Formular der R._ über die AH._ Investments S.A.
vom 9. Dezember 2009 – am selben Datum wie das Basic Agreement, mit wel-
chem der Beschuldigte der AH._ Investments S.A. das Gemälde verkaufte –
wahrheitswidrig angegeben: "origin of money: EU- /EWR-Countries / Switzerland"
(Urk. 130325). Immerhin, keine falsche Behauptung wenn man davon ausgeht,
dass die AH._ Investments S.A. ohnehin mittellos und eine reine Briefkasten-
firma war.
7.9.9. Letztlich räumte der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung sinnge-
mäss ein, dass AP._ nicht über die erforderlichen Mittel verfügte resp. keine
vertieften Abklärungen über die Bonität von AP._ oder die AH._ getätigt
wurden. So führte der Beschuldigte nämlich aus, es sei gar nicht die Frage gewe-
sen, ob AP._ über EUR 5 Mio. habe verfügen können, sondern, ob er tat-
sächlich einen Kunden, d.h. Käufer für das Bild gehabt habe (Urk. 203 S. 19). Er –
der Beschuldigte – habe die Story mit der slowakischen Anwaltskanzlei, mit deren
russischen Kunden und der (Tisch-)Auktion in dieser Kanzlei geglaubt (Urk. 203
S. 20).
7.9.10. AP._ schilderte als Zeuge, dass ihm der Beschuldigte in einem Ge-
spräch mitgeteilt habe, dass das Gemälde "Grablegung Christi" von Tizian zum
Verkauf stehe (Urk. 120174). Weil er Geschäftskontakte nach Russland gehabt
und gewusst habe, dass einige Kunstsammler Interesse daran hätten, habe er ein
Interesse gehabt, das Bild zu erwerben. Der Beschuldigte habe ihm dann geraten,
dies über eine Panama-Gesellschaft, die AH._ Investments S.A. zu tun. Er
habe einen russischen Kunstsammler vertreten, der ihm den Auftrag gegeben ha-
be, das Bild zu kaufen (Urk. 120177). Dieser Kunde wolle aber anonym bleiben,
weil er ein sehr hoch angesehener Mann in Russland sei. Deswegen könne er,
- 40 -
AP._, seinen Namen nicht nennen (Urk. 120178). Er habe dem Beschuldig-
ten einen Bankkontoauszug dieses Kunden über EUR 5 Mio. gezeigt, ihm aber
keine Kopie übergeben. Auf die Frage der Staatsanwältin, weshalb er dem Be-
schuldigten keine Kopie gegeben habe, erwiderte AP._: "Man gibt solche
Dokumente nicht gerne aus der Hand. Es ist schon viel passiert mit solchen Do-
kumenten. Ich hatte bei diesem Gespräch Herrn A._ das zweite Mal gese-
hen. Ich kannte ihn nicht wirklich" (Urk. 120180). Auf Vorhalt des Emailverkehrs
zwischen dem Beschuldigten und AP._, worin sich einleitende Bemerkungen
wie "Liebster AP._" oder "Guten Morgen Meister" oder "Hallo Oberturner"
finden, gestand AP._ dann entgegen seiner ersten Behauptung ein, dass ein
kollegiales Verhältnis zum Beschuldigten bestand (Urk. 120181). Der Gemälde-
Deal sei dann nicht mehr zustande gekommen, weil der Beschuldigte aus der
Firma ausgeschieden sei und sich die R._ nie mehr bei ihm (AP._) ge-
meldet habe.
7.9.11. Als Grund für den Umstand, dass die AH._ Investments S.A. bzw.
AP._ den Kaufpreis von EUR 5 Mio. für das Gemälde nicht innert der verein-
barten Frist von 45 Tagen bezahlte, gab der Beschuldigte an: "Herr AP._ war
Mittelsmann für eine Anwaltskanzlei, die im Rahmen ihrer Tätigkeit umfangreiche
Sammlerkunden hat und zwei Mal jährlich Auktionen innerhalb einer Klientschaft
dieser Anwaltskanzlei veranstaltet. Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung vom
9. Dezember 2009 [Basic Agreement] haben wir offensichtlich eine Eingabefrist
für diese Auktionen verpasst und mussten auf die nächste Auktion warten, die je-
doch innerhalb der angegebenen Frist noch nicht festgelegt wurde" (Urk. 100124;
ähnlich zuletzt auch Urk. 203 S. 16). AP._ bestätigte als Zeuge zwar, dass er
auch mit einer slowakische Anwaltskanzlei in Bratislava in Kontakt gestanden ha-
be, die zwei Mal jährlich für ihre Kunden eine Kunstausstellung organisiere. Das
Gemälde vom Beschuldigten hätte er aber im Auftrag des Russen kaufen sollen.
Mit dieser slowakischen Anwaltskanzlei habe das Basic Agreement nichts zu tun
(Urk. 120182). Auf Nachfrage nach dieser ominösen slowakischen Anwaltskanz-
lei, mit welcher er angeblich seit 6 oder 7 Jahren Kontakt pflege, wurde AP._
dann sehr vage. Er glaube, der Chef heisse AR._. Wie die Kanzlei genau
heisse, wisse er nicht auswendig (Urk. 120184). Auf die Frage, ob diese Kanzlei
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denn einen Internetauftritt habe, erwiderte AP._: "Ja sicher. Dort steht aber
nichts vom Kunsthandel" (Urk.120184). Eine unmittelbare Internetsuche während
der Zeugeneinvernahme nach den Worten 'AR._' in Bratislava ergab dann –
wenig überraschend – kein Resultat (Urk. 120185). AP._ flüchtete sich in der
Folge in die Behauptung, die Kanzlei sei eben nicht in Bratislava selbst, sondern
in einem Vorort. Wie dieser Vorort heisse, wisse er nicht. Er glaube auch, die An-
waltskanzlei arbeite nicht international und ihr Hauptbusiness sei das Arrangieren
von Kunst-Ausstellungen. Dem Zeugen AP._ wurden auch zahlreiche Emails
des Beschuldigten vorgehalten, unter anderen auch Anfragen im April 2010, worin
sich der Beschuldigte nach dem Stand der Geschäfte erkundigte, ihn aber ver-
geblich zu erreichen versuchte. Darauf entgegnete AP._: "Da war ich in der
Türkei unterwegs. Da war ich schlecht erreichbar" (Urk. 120189). Auf Vorhalt ei-
ner Email von AP._ an den Beschuldigten vom 26. April 2010, worin
AP._ dem Beschuldigten mitteilte, dass er 10 Tage auf der Jagd in Sibirien
gewesen sei, gab AP._ zu Protokoll: "Dann halt Sibirien. Kann auch sein. Ich
war dort ziemlich viel unterwegs" (Urk. 120189).
7.9.12. Insgesamt ist der Zeuge AP._ aufgrund seiner weitgehend unglaub-
haften Aussagen als wenig glaubwürdig einzustufen. Falls die unbekannte russi-
sche Käufergruppe tatsächlich existierte, woran massive Zweifel bestehen, so
konnte im März 2010 wohl kein vernünftiger Mensch annehmen, dass diese
Gruppe der AH._ Investments S.A. auch tatsächlich EUR 5 Mio. für den Er-
werb eines nie besichtigten und ungeprüften Gemäldes zur Verfügung stellen
würden.
8. Zwischenfazit
8.1. Um den Kreis zu schliessen, ist somit wieder auf das Option / Sales
Agreement vom 23. März 2010 zurückzukommen. Mit dieser Vereinbarung
erleichterte der Beschuldigte die W._ Ltd. bzw. den S._ Trust um
EUR 4,3 Mio., um in einen höchst ungewissen Kaufvertrag einzutreten, einem
Vertrag mit einer leeren nicht kreditwürdigen Firmenhülle (AH._) als Ver-
tragspartei, obschon faktisch nicht diese Gesellschaft, sondern ein obskurer Ös-
terreicher das Gemälde hätte kaufen sollen, hinter welchem wiederum ein unbe-
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kannter Investor aus Russland gestanden haben soll, welcher das betreffende
Gemälde weder jemals gesehen noch begutachtet hatte. Faktisch wurde damit
eine Kaufpreisforderung gekauft, deren Wahrscheinlichkeit der Eintreibbarkeit na-
he im Bereich von 0.0 % lag. Dieses Dokument, d.h. das Option/Sales Agree-
ment, war mit anderen Worten das Papier nicht wert, zumal der Beschuldigte da-
rin wahrheitswidrige Behauptungen über das Eigentum und den Verkauf des Ge-
mäldes festhielt.
8.2. Ebenso wertlos war das Basic Agreement, weil der Beschuldigte darin fal-
sche Eigentumsverhältnisse betreffend das Gemälde deklarierte und der Käufer,
die AH._ Investments S.A., nicht die geringste Bonität besass, zumal gar
keine rechtlich oder wirtschaftlich relevante Beziehung zwischen dieser Gesell-
schaft und dem angeblichen russischen Investor existierte. Im März 2010 stand
zudem fest, dass die Zahlungsmodalitäten dieses Vertrags nicht eingehalten wur-
den, (Article II lit. c: Zug um Zug in den Räumen der Bank des Verkäufers) und
die Zahlungsfrist längst abgelaufen war (Article II lit. b). Wohlwissend, dass das
Basic Agreement nie vollzogen worden war, konnte der Beschuldigte deshalb im
Option / Sales Agreement nicht ernsthaft behaupten, das Gemälde sei bereits für
EUR 5 Mio. verkauft worden.
8.3. Schliesslich ist auch erstellt, dass der Sicherungsübereignungsvertrag nie
gültig abgeschlossen wurde, weil er vom Beschuldigten im Namen der W._
Ltd. unterschrieben wurde, obschon der Beschuldigte gar keine Organstellung
oder Zeichnungsberechtigung in dieser Gesellschaft hatte. Dies jedenfalls ergibt
sich aus den bisherigen Aussagen des Beschuldigten und AD._ (Urk. 10006
Mitte und Urk. 100013), wenngleich der Beschuldigte anlässlich der Berufungs-
verhandlung erstmals Gegenteiliges vorbrachte (vgl. Urk. 203 S. 33 f.). Abge-
sehen davon wurde die Sicherungsübereignung der Aktien der G._ Ltd. an
die W._ Ltd. bzw. R._ Gruppe nie vollzogen.
8.4. Entgegen der Behauptung des Beschuldigten stand dem S._ Trust
zum Zeitpunkt der Überweisung seines Vermögens auf das Konto der G._
Ltd. und hernach auf das Konto der D._ Ltd. Ende April 2010 kein Gegenwert
gegenüber. Das Gemälde stand zu diesem Zeitpunkt immer noch im Eigentum
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von AJ._, was der Beschuldigte auch wusste, da er noch in Vertragsverhand-
lungen mit AJ._ stand und den Kaufvertrag erst mit Datum vom 23. Juni
2010 unterschrieb.
9. Aussageverhalten des Beschuldigten
9.1. Dass das ganze Argumentarium des Beschuldigten in der Untersuchung
ein rein virtuelles Kartenhaus war, widerspiegelt sich auch in seinem Aussage-
verhalten, welches nachfolgend mit einigen Beispielen illustriert wird.
9.2. Seine Aussagen waren oftmals ausweichend, weitschweifig und passten
sich häufig den Vorhalten an. Selbst auf einfache Fragen konnte bzw. wollte der
Beschuldigte oft keine direkte, klare Antwort liefern, sondern er verlegte sich in
Details und Darstellungen, welche sich immer weiter verästelten und letztlich
überhaupt nichts mehr mit den konkreten, anklagerelevanten Sachverhalten zu
tun hatten. Auf offensichtliche Widersprüche angesprochen, eröffnete der Be-
schuldigte immer neue Handlungsstränge, die weitere Verschachtelungen, Wider-
sprüche und Unklarheiten aufwiesen, welche ihn dann veranlassten, weitere, zum
Teil wenig glaubhafte Geschichten aufzutischen. Auf ungewöhnliche Merkwürdig-
keiten angesprochen, berief sich der Beschuldigte schliesslich häufig auf Nicht-
wissen, Fehlen von Dokumenten oder Vermutungen und pauschale, nicht nach-
weisbare Behauptungen oder Irrtümer und Versehen. An dieser Stelle nur einige
Beispiele:
9.3. Auf die klare und einfache Frage, welche Funktion der Beschuldigte
innerhalb der R._ Trust AG gehabt habe, erwiderte er ausweichend:
"R._ Trust hat mit der D._ einen Vertrag abgeschlossen betreffend
Neuausrichtung der Geschäftstätigkeit namentlich ging es um eine Umsetzung ei-
ner Weissgeldstrategie in Liechtenstein" (Urk. 100002).
9.4. Auf die Frage, wie es nach der Gründung des S._ Trusts weiter ge-
gangen sei, antwortete der Beschuldigte: "R._ Zürich offerierte dann der
P._ als Trustee eine sogenannte Cash Transfer Structure (kurz CTS). Dabei
handelt es sich um eine R._ in Zusammenarbeit mit P._ gestellte Struk-
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tur, welche Gelder aus der Schweiz oder Liechtenstein in Hongkong vereinnahmt
werden, über eine P._ gehörende Struktur, dann in einem virtuellen Cashbe-
zug dieser Gesellschaft entnommen werden und in einer virtuellen Casheinlage in
eine neue Gesellschaft eingelegt werden. Für diese Struktur verlangte die
P._ Gruppe 5% plus der Trust Assets plus effektive geleistete Arbeit und
Spesen" (Urk. 100004). Solche weitgehend inhaltsleeren Äusserungen und vom
Thema ablenkende Ausführungen gelten in der Aussagenpsychologie als typische
Fantasiesignale.
9.5. Unglaubhaft war die Geschichte mit der angeblichen Schenkung des
Gemäldes. Der Beschuldigte führte zu Beginn der Untersuchung aus, AK._
sei Eigentümer des Bildes gewesen und habe dieses der G._, dessen Eigen-
tümer er persönlich zu jenem Zeitpunkt gewesen sei, geschenkt (Urk. 100007;
ähnlich auch zuletzt Urk. 203 S. 12, 21 f. und 35). AK._ habe das Bild ge-
schenkt, weil die D._ Ltd. und ihr nahestehende Kunden mehrere Millionen
für den Ausbau des Weingutes von AK._ in Italien zur Verfügung gestellt hät-
ten. Schon diese Erklärung erscheint unglaubhaft: Weshalb sollte ein Schuldner
der G._ Ltd. eine Millionenschenkung machen, wenn er gegenüber dieser
bzw. anderen Gläubigern ausstehende Schulden hat? Schulden tilgt man nicht
durch Schenkungen. Die unwahre Behauptung des Beschuldigten war relativ un-
verfänglich, da er wusste, dass die Untersuchungsbehörden AK._ nicht mehr
befragen konnten, weil dieser einige Jahre zuvor verstorben war.
9.6. Erst im Nachgang zu dieser Darstellung des Beschuldigten wurden dem
Beschuldigten die bei ihm sichergestellten Dokumente über die Kaufverhandlun-
gen und den Kaufvertrag mit AJ._ vorgehalten, unter anderem die Email, wo-
rin diese dem Beschuldigten persönlich bestätigte, dass ihre Familie seit Jahr-
zehnten Eigentümer des Gemäldes gewesen sei und dass der vertraglich verein-
barte Kaufpreis eingegangen und somit das alleinige Eigentum an die G._
Ltd. übergegangen sei (Urk. 110004). Darauf brachte der Beschuldigte vor, dass
offenbar noch eine "Kaufpreisrestanz" vorhanden gewesen sei (Urk. 100011). Es
entziehe sich aber seiner Kenntnis, was im Detail die Vereinbarung zwischen
Herrn AK._ und Frau AJ._ gewesen sei. Herr AK._ sei bereits 2007
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gestorben, weshalb sie dann auf Frau AJ._ hätten "zurückgreifen" müssen
(Urk. 100011). Auf die klare und einfache Frage, weshalb er denn an AJ._
einen Kaufpreis für das Gemälde von EUR 1,5 Mio. vom Geld des S._ Trusts
bei der D._ bezahlt habe, wenn das Gemälde nach seiner Darstellung doch
bereits seit Jahren zuvor der G._ Ltd. geschenkt worden sei, lieferte der Be-
schuldigte einmal mehr eine Nichtantwort: "Die G._ war ja sicherungsüber-
eignet an R._. Daher konnte ich ja nicht das Geld und das Bild in derselben
Gesellschaft lassen" (Urk. 100081). Anlässlich der Berufungsverhandlung machte
der Beschuldigte geltend, das mit der Restschuld sei erst später herausgekom-
men. Am Anfang sei es ein Geschenk gewesen, dann sei es eine gemischte
Schenkung geworden (Urk. 203 S. 21 f.).
9.7. Auf Vorhalt des Basic Agreements vom 9. Dezember 2009, womit die
R._ Trust AG der AH._ Investments S.A. besagtes Bild gegen
EUR 5 Mio. verkaufte (Urk. 110231) und der entsprechenden Frage der Staats-
anwältin, weshalb denn in diesem Vertrag die R._ Trust AG als Verkäuferin
auftrete, obschon nach seiner Darstellung ja die G._ Ltd. Eigentümerin ge-
wesen sei bzw. in Tat und Wahrheit AJ._, führte er aus: "Ja klar, der Kauf-
preis ist ja bereits geflossen" (Urk. 100007). "Deshalb musste man die Siche-
rungsübereignung der Aktien der G._ an die R._ Trust machen"
(Urk. 100008). Wahrscheinlich sei es vorbesprochen worden, dass die R._
Trust AG Eigentümerin des Bildes werde, dies aber noch nicht vollzogen worden
sei, da sie zuerst noch eine Strategie gebraucht hätte, um das Geld aus Dubai
herauszubringen (Urk. 100009). Wiederum eine völlig unglaubhafte Aussage,
denn der Beschuldigte selbst war alleiniger einzelzeichnungsberechtigter Ge-
schäftsführer sowohl der R._ Trust AG als auch der G._ Ltd., weshalb
die Formulierung, "wahrscheinlich sei es vorbesprochen worden", ein reines Täu-
schungsmanöver war. Immer dann, wenn es für den Beschuldigten eng wird, ver-
sucht er sich hinter juristischen Gesellschaften zu verstecken.
9.8. Ähnlich auch im Zusammenhang mit der Zeichnungsberechtigung bei der
W._ Ltd. Danach gefragt, erklärte der Beschuldigte, dass er bei dieser Ge-
sellschaft keine Zeichnungsberechtigung gehabt habe (Urk. 100006). Diese Aus-
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sage war gesellschaftsrechtlich nicht falsch, aber doch täuschend: Der Beschul-
digte hatte zwar keine Organstellung in der W._ Ltd., er war jedoch Alleinak-
tionär und für das Bankkonto der W._ Ltd. einzelzeichnungsberechtigt und
war Vorgesetzter der allein zeichnungsberechtigten AD._ (Urk. 120012). Er
räumtespäter auch ein, dass AD._ die Überweisung des Geldes von der
W._ Ltd. auf die G._ Ltd. auf seinen Auftrag hin veranlasst hatte
(Urk. 100013).
9.9. Wie der Beschuldigte mit Behauptungen ohne faktische oder rechtliche
Grundlagen herumjonglierte, zeigt sich zum Beispiel in seiner Aussage in der Ein-
vernahme vom 3. Dezember 2012. So erklärte er, dass die R._ (welche die-
ser Gesellschaft aus der R._ Gruppe lässt er an dieser Stelle offen) nunmehr
nach der Überweisung des Geldes von der Bank in Dubai Besitzerin des Gemäl-
des geworden sei (Urk. 100006 Antwort 19). Dies obschon weder ein sachen-
rechtlicher Übergang des Besitzes oder Eigentums des Gemäldes auf eine Ge-
sellschaft der R._ Gruppe stattgefunden hat und die G._ Ltd. entgegen
der Darstellung des Beschuldigten nicht den Kaufpreis für das Gemälde erhalten
hat, sondern für den Verkauf einer Verkaufsoption gemäss dem Option / Sales
Agreement. Im Zeitpunkt dieser Aussage verschwieg der Beschuldigte zudem,
was er genau wusste und später auch zugab, nämlich dass das Gemälde zu die-
sem Zeitpunkt noch AJ._ gehörte und diese es noch gar nicht verkauft hatte.
9.10. Mit ausweichenden Phrasen reagierte der Beschuldigte auf die Frage,
wann und wo er die Aktien der G._ Ltd. denn im Zusammenhang mit der be-
haupteten Sicherungsübereignung übergeben habe: "Die ganze Transaktion rund
um den S._ Trust war Teamarbeit seit ungefähr Herbst 2009. Dies weil die
entsprechenden Strukturen gegründet und implementiert werden mussten. Die
einzelnen Implementierungsschritte insbesondere Übergabe der beteiligten Aktien
- entzieht sich meiner Kenntnis. Fakt ist, wir haben die entsprechenden Strukturen
termingetreu fertig gestellt, damit die entsprechenden Geldflüsse vonstatten ge-
hen konnten" (Urk. 100027).
9.11. Illustrativ ist auch die ausweichende Antwort des Beschuldigten auf den
Hinweis, dass es doch ein sehr hohes Risiko gewesen sei, das gesamte Del-
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kredere-Risiko für die Bezahlung von EUR 5 Mio. durch die AH._ Invest-
ments S.A. auf die W._ Ltd. bzw. den S._ Trust abzuwälzen, weshalb
man doch eine Zustimmung des Begünstigten hätte einholen können
(Urk. 100031). Der Beschuldigte gab hierzu zu Protokoll: "Problematisch an der
ganzen Transaktion war der Umstand, einen Trust faktisch zu liquidieren und als
Trustee einen neuen Trust zu gründen und dabei die wirtschaftlich Berechtigten
neu zu definieren. Der Trustee war die P._. Somit stellte sich als Nachfolge-
problem nur, wie löst man die ganze Geschichte" (Urk. 100031). Einmal mehr in-
haltslose Angaben anstatt einer Antwort auf die Frage.
9.12. Wie beliebig der Beschuldigte mit Fakten umgeht, zeigen auch seine Aus-
sagen zur D._. Er machte in der Untersuchung geltend, nicht er, sondern der
2008 verstorbene AK._ sei der wirtschaftlich Berechtigte gewesen
(Urk 110093). Auf Vorhalt der Staatsanwältin, weshalb er dann gegenüber der
Bank in den einschlägigen Formularen sich selbst als wirtschaftlich Berechtigten
der D._ angegeben habe, führte er aus (Urk. 460003 und 100047): "Ja, das
steht in aller Regel schon so drin, weil man ja das versucht zu organisieren, dass
man die tatsächlichen wirtschaftlich Berechtigten nicht offen legen muss. Man
schreibt absichtlich nicht den wirklich wirtschaftlich Berechtigten in eine solche
Urkunde." Auf Hinweis, dass er wohl wisse, dass es strafbar sei, im Formular A
eine falsche Person als wirtschaftlich Berechtigte anzugeben, fuhr der Beschul-
digte fort: "Ich war ja Geschäftspartner und in diesem Sinne war ich ja auch betei-
ligt an seinen Projekten. In diesem Sinne bin ich zumindest teilweise wirtschaftlich
berechtigt gewesen" (Urk. 100048). Die generelle Glaubwürdigkeit des Beschul-
digten ist angesichts solcher Aussagen praktisch null.
9.13. Wie weit der Beschuldigte in seiner Geschäftstätigkeit – oder möglicher-
weise seiner Verteidigungsargumentation – den Boden der Realitäten verlassen
hat und mit reinen Hirngespinsten operierte, zeigt sich anhand seiner Darstellung,
wonach finanzielle Mittel der W._ Ltd. in ein Projekt für Magnetmotoren in-
vestiert worden seien (Urk. 100018). Es ist allgemein bekannt, dass es sich beim
sagenumwobenen Magnetmotor um ein Perpetuum mobile handelt, das angeblich
eine unbeschränkt zur Verfügung stehende "freie Energie" nutzen könne. Informa-
- 48 -
tionen über dieses Gerät werden von Parawissenschaftlern, Esoterikern und be-
trügerischen Kreisen seit Jahrzehnten geschickt und skrupellos in Medien und vor
allem dem Internet verbreitet, ohne dass ein anerkannter Wissenschaftler jemals
ein funktionierendes Modell gesehen hätte. Es macht deshalb schon einen nahe-
zu absurden Eindruck, wenn der Beschuldigte ausführte, sie hätten den Magnet-
motor dann leider nicht zur Serienreife gebracht.
9.14. Insgesamt weisen die Aussagen des Beschuldigten krasse Fantasiesignale
auf: 180-Grad-Änderungen von Aussagen, nachdem er der Lüge überführt wurde,
Nachschieben von nicht überzeugenden Erklärungen nach Konfrontation mit Wi-
dersprüchen, Kaskaden von Erklärungen, die immer wieder in unbeweisbare oder
zumindest schwerst beweisbare Umstände münden, logische Strukturbrüche, die
mit angeblichem Unwissen oder Entscheiden von Dritten erklärt werden, Herun-
terspielen von eigener Verantwortung oder Kompetenzen entgegen der eigenen
formalen funktionalen Stellung, Entpersonalisierung von fragwürdigen Entschei-
den, d.h. immer dann, wenn bei der Einvernahme für den Beschuldigten belas-
tende Punkte auftraten, versteckte er sich hinter Firmen, tatsächlich wirtschaftlich
Berechtigten oder unbestimmten Pronomen: "es wurde beschlossen"
(Urk. 100006), "stand man in Dubai vor dem Problem" (Urk. 100005), "beschloss
die R._ Geschäftsleitung" (Urk. 100006), "die W._ Limited und die
G._ haben sich ja in diesem Vertrag geeinigt" (Urk. 100015), "die D._
hat diese gegründet" (Urk. 100016); dies obschon der Beschuldigte selbst einzel-
zeichnungsberechtigter Direktor oder Alleinaktionär der betreffenden Unterneh-
men war und diese Entscheide somit jeweils persönlich und in völliger Eigenregie
getroffen hatte. Auffällig ist auch das Hervorheben von Hoffnungen oder Erwar-
tungen, trotz Fehlen vernünftiger Grundlagen. Das ganze Aussageverhalten des
Beschuldigten diente offenkundig vorwiegend dem Vernebeln von Fakten und
dem Versuch, die Beweisführung der Staatsanwaltschaft zu verzögern und zu
erschweren.
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10. Transfer des Geldes vom Konto der G._ Ltd. auf das Konto der D._ Ltd.
10.1. Am 28. April 2010 liess der Beschuldigte das Geld vom Konto der
G._ Ltd. auf das Konto der D._ Ltd. überweisen (Urk. 460157). Der Be-
schuldigte konnte nie einen vernünftigen (Rechts-)Grund angeben, weshalb das
Geld des S._ Trusts vom Konto der G._ Ltd. auf das Konto der D._
Ltd. verschoben wurde.
10.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung machte der Beschuldigte geltend,
man könne nicht sowohl den Kaufpreis als auch das Bild in ein und derselben
Gesellschaft (G._) belassen. Die W._ habe EUR 4.35 Mio. an die
G._ bezahlt und die G._ sei Eigentümerin des Bildes gewesen. Deshalb
habe er dann den Kaufpreis auf die D._ (D._) übertragen müssen
(Urk. 203 S. 34). Ganz abgesehen davon, dass die G._ wie erwähnt gar nicht
Eigentümerin des Bildes war, verfängt die Argumentation des Beschuldigten in
keiner Weise. Die Aussage des Beschuldigten ist vielmehr Beleg dafür, dass die
W._ für die EUR 4.35 Mio. keinen wirklichen Gegenwert erhielt, zumal kei-
nerlei Rechtsansprüche auf das Bild an sie übergingen. Wenn es tatsächlich da-
rum gegangen wäre, der W._ einen Gegenwert für die EUR 4.35 Mio. zu
verschaffen, dann wäre das Naheliegendste gewesen, das Eigentum am Bild der
W._ zu übertragen, denn nach Ansicht des Beschuldigten war die G._
Eigentümerin des Bildes. Da dies – wie der Beschuldigte wusste – indes nicht der
Fall war, musste er sich solcher Scheinkonstruktionen behelfen. Kurz: Den
Umstand, dass die G._ nach Darstellung des Beschuldigten sowohl Bild als
auch den Kaufpreis in ihrem Vermögen hatte, hat der Beschuldigte selbst dadurch
hervorgerufen, dass er der W._ keinen reellen Gegenwert verschaffte. Das
Problem, das der Beschuldigte als Grund für die Geldüberweisung an die
D._ nannte (Geld und Bild bei G._), hätte dadurch gelöst werden kön-
nen, dass der W._ gültig Ansprüche am Bild verschafft worden wären. Dass
das Geld dann aber weiter in Richtung Einflusssphäre des Beschuldigten
(D._) abgezweigt wurde, belegt, dass der Beschuldigte gar nicht beabsichtig-
te, der W._ im Zeitpunkt des Abschlusses des Option-/Sales-Agreements ei-
nen Gegenwert zu verschaffen. Und schliesslich stimmt auch die Darstellung des
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Beschuldigten deshalb nicht, weil im April 2010 weder der Kaufpreis (das Geld
war bereits an die D._ überwiesen) noch das Bild (dieses stand im Eigentum
von AJ._) im Vermögen der G._ standen.
10.3. Auf Vorhalt, weshalb denn dieser Zahlungseingang in der Buchhaltung der
D._ Ltd. als "Erlös aus Verkauf Tizian" verbucht wurde, obschon das Bild ja
nach Darstellung des Beschuldigten im Eigentum der G._ Ltd. gewesen sei
und in Tat und Wahrheit noch im Eigentum von AJ._ stand, erwiderte dieser:
"Ja, vielleicht ist es richtig, dass es buchhalterisch nicht ganz korrekt war, aber die
Aktien der G._ wurden ja verkauft. Ich meine damit, das Bild wurde verkauft.
Die Aktien waren ja sicherungsübereignet, deshalb wurde faktisch die G._
verkauft. Aber man hat das fälschlicherweise in der D._ [D._ Ltd] als Er-
lös des Verkaufs des Gemäldes von Tizian verbucht. Die D._ ist weder buch-
führungs- noch aufzeichnungspflichtig, so dass dies nicht eine wesentliche Rolle
spielte, wie man diese Transaktion verbuchte" (Urk. 100082 f.). Eine nicht über-
zeugende Begründung und ein Beispiel mehr, dass sich der Beschuldigte immer
dann, wenn er sich durch Vorhalt belastender Fakten in die Enge getrieben sieht,
auf Versehen und Fehler Dritter ("man") beruft. Es ist unglaubhaft, dass er als al-
leiniger Direktor der G._ Ltd. und der D._ Ltd. von einer solchen fal-
schen Buchung in Millionenhöhe keine Kenntnis hatte. Verräterisch ist auch seine
erste Äusserung, die Aktien der G._ seien verkauft worden. Dem Beschuldig-
ten war völlig klar, dass eine Sicherungsübereignung kein Verkauf ist. Auch hier,
ein Täuschungsmanöver mittels schwammiger bzw. bewusst unpräziser Wort-
wahl.
10.4. Aufgrund der Akten ist zweifelsfrei erwiesen, dass es sich bei den überwie-
senen rund EUR 4,3 Mio. nicht um den Erlös aus dem Verkauf eines Gemäldes
handelte, sondern ganz einfach um das Vermögen des S._ Trusts. Ein Ver-
kaufserlös aus dem Tizian-Gemälde ist bis heute nie erzielt worden. Das wusste
der Beschuldigte auch, denn zu diesem Zeitpunkt stand er noch in Vertrags-
verhandlungen mit AJ._, von welcher er das Gemälde erst durch Vertrag
vom 23. Juni 2010 erworben hatte (Urk. 250014).
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10.5. Ganz abgesehen davon wurde das Bild gemäss schriftlichem Kaufvertrag
von AJ._ nicht der D._ Ltd., sondern der G._ Ltd. verkauft. Deren
Aktien waren nach Darstellung des Beschuldigten mit Vertrag vom 23. März 2010
der W._ Ltd. sicherungsübereignet worden, weshalb die D._ Ltd. keiner-
lei Rechtstitel besass, sich das Geld vom Konto der G._ Ltd. auf ein eigenes
Konto überweisen zu lassen.
10.6. Schliesslich steht fest, dass die W._ Ltd. bzw. der S._ Trust nie
das Gemälde erworben hat, sondern gemäss Option/Sales Agreement lediglich
eine Option, dieses Gemälde einem Dritten für EUR 5 Mio. zu verkaufen. Bereits
deshalb ist die Behauptung des Beschuldigten, der S._ Trust habe stets das
Geld oder das Bild besessen, unzutreffend.
11. Anvertrautsein, Pflichten des Beschuldigten
11.1. Die Verteidigung brachte vor, die fraglichen Vermögenswerte seien dem
Beschuldigten gar nicht anvertraut gewesen (Urk. 205 S. 9 f.).
11.2. Mit diesen Einwänden hat sich bereits die Vorinstanz zutreffend auseinan-
dergesetzt und erwogen, dem Beschuldigten seien die Vermögenswerte des
S._ Trusts als einzelzeichnungsberechtigtes Organ der R._ Asia Ltd.
und als Mandatsverantwortlicher für den S._ Trust anvertraut gewesen
(Urk. 118 S. 52-54). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
11.3. Daraus erwuchsen dem Beschuldigten die entsprechenden Pflichten: Mit
der Staatsanwaltschaft ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte einerseits
beratend namens R._ Trust AG für den Trustee tätig war, wenngleich keine
formelle Pflichtendelegation an die R._ Trust AG stattgefunden haben sollte.
Andererseits war der Beschuldigte im Tatzeitpunkt Direktor des Trustees R._
Asia Ltd. mit den entsprechenden Pflichten.
11.4. Daran ändert im Übrigen auch der Umstand nichts, dass nach der rechtli-
chen Konzeption des Trusts der Trustee juristischer Eigentümer der Vermögens-
werte ist und damit überschiessende Rechtsmacht hat (als Eigentümer "kann" er
mehr, als er nach der vertraglichen Abrede "darf"). Die Werte bleiben dem
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Trustee gleichwohl anvertraut mit der Pflicht, sie im Interesse des Trusts resp. des
Begünstigten zu verwalten. Das ist gerade Wesensmerkmal der sogenannten
Wertveruntreuung: Tatobjekt sind Vermögenswerte, die zwar im Eigentum des
Täters, für diesen aber wirtschaftlich fremd sind (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB).
11.5. Auch die Kündigung des Arbeitsvertrags des Beschuldigten durch die
R._ "durchbricht" das Anvertrautsein nicht. Anvertrautsein ist als Faktum zu
verstehen. Dem Beschuldigten waren die Vermögenswerte nach wie vor faktisch
anvertraut, was sich auch darin zeigt, dass er immer noch über die Vermögens-
werte verfügen konnte.
12. Treuebruch durch unzulässige Interessenkollision
Selbst wenn man davon ausginge, dass der Beschuldigte das Gemälde treuhän-
derisch auf Rechnung des S._ Trusts erworben hätte, handelte er krass
treuwidrig. Einerseits erwarb er das Gemälde im Namen der G._ Ltd. für
EUR 1,5 Mio. von AJ._, wobei er diesen Kaufpreis nota bene aus den Mitteln
des S._ Trusts beglich. Andererseits erwarb er auf Rechnung des S._
Trusts eine blosse Verkaufsoption für das Gemälde gestützt auf das Basic Ag-
reement mit der AH._ Investments S.A. für EUR 4,3 Mio. Mit anderen Wor-
ten: Die Differenz von EUR 2,8 Mio. steckte der Beschuldigte in die eigene Ta-
sche bzw. zweigte sie für eigene Zwecke vom Konto der AS._ Group ab,
wohin das Vermögen des S._ Trusts überwiesen wurde. Ein Treuhänder hat
die Interessen des Treugebers zu wahren und wenn er auf Rechnung des Treu-
gebers ein Gemälde für EUR 1,5 Mio. erwirbt, ist es krass treuwidrig, wenn er
dem Treugeber für dasselbe Gemälde EUR 4,3 Mio. belastet und die Differenz in
die eigene Tasche steckt. Solche Eigengeschäfte ohne Zustimmung und Wissen
des Treugebers und in Verletzung von dessen wirtschaftlichen Interessen sind
krass treuwidrig und deshalb strafrechtlich relevant.
13. Verantwortung für das Handeln des Beschuldigten
13.1. An einer Gesamtbeurteilung ändert auch der Haupteinwand der Ver-
teidigung nichts, wonach die Verantwortung für das Handeln des Beschuldigten
- 53 -
im Zusammenhang mit dem S._ Trust nicht bei ihm, sondern bei der
R._ Gruppe bzw. bei deren Direktor AA._ gelegen habe (Urk. 85 S. 8 -
13; Urk. 205 S. 5 ff.; dazu bereits vorstehend). Der Beschuldigte war zeichnungs-
berechtigtes Organ in verschiedenen Gesellschaften der R._ Gruppe und
handelte nicht auf Anweisung hin, insbesondere nicht auf Anweisung von
AA._. Abgesehen davon macht der amtliche Verteidiger dem Zeugen
AA._ auch aktenwidrige Vorwürfe. So behauptet er in seiner Eingabe vom
9. Dezember 2018, AA._ habe eindeutig falsch ausgesagt, indem er vorge-
geben habe, von der Ablehnung der Banken in Dubai, Fondsanteile für anonyme
US-Kunden zu zeichnen, nichts gewusst zu haben (Urk. 194 S. 6). Liest man die
betreffende Protokollstelle geht klar hervor, dass AA._ ein Wissen über eine
angebliche Blockierung der Gelder bei der AC._ Bank in Abrede stellte
(Urk. 120032 und 120033 Antwort 53). Demgegenüber erwähnte AA._ eine
Antwort zuvor selbst, dass Probleme mit der Fondzeichnung bestanden hätten
(Urk. 120032 Antwort 53). Bei den vom amtlichen Verteidiger als Beweis genann-
ten Emails handelt es sich um solche vom Beschuldigten an die AT._ Bank
und eine Email von AD._ an den Beschuldigten (Urk. 130031 und 130038).
In diesen Emails ist AA._ nicht einmal im cc aufgeführt. Eine unbelegte Be-
hauptung ist auch der Einwand des amtlichen Verteidigers, AA._ habe das
Handeln des Beschuldigten mit der Vorfinanzierung des Gemäldekaufes via
AH._ in der Geschäftsleitungssitzung vom 16. März 2010 genehmigt
(Urk. 194 S. 9). Dem Protokoll jener Sitzung ist Folgendes zu entnehmen:
"S._ alles erledigt? Irgendwelche News? Heute in Auftrag gegeben. Alle Do-
kumente hier? ST Fragen" (Urk. 130158).
13.2. Weiter liefen die Geschäftsbeziehung mit AP._ und mit AJ._ über
den Beschuldigten persönlich bzw. über seine Gesellschaft, die G._ Ltd., und
nicht über die R._ Gruppe. Die genannten Dokumente, das Option / Sales
Agreement, das Basic Agreement und der Sicherungsübereignungsvertrag ent-
standen alle auf Betreiben des Beschuldigten. Aus den Akten ergeben sich nicht
die geringsten Hinweise, dass der Beschuldigte auf Anweisung Dritter gehandelt
hätte.
- 54 -
13.3. Exemplarisch für die Haltlosigkeit dieses Einwands sind die entlarvenden
Aussagen des Beschuldigten zu den Geschäftsleitungssitzungen in der R._-
Gruppe. So berief er sich zu seiner Entlastung zunächst darauf, dass sein ge-
samtes Vorgehen in der Geschäftsleitung der R._ Gruppe besprochen wor-
den sei, insbesondere das Option / Sales Agreement (Urk. 100068). Er gab zu-
nächst zu Protokoll: "Das Geschäft war ordentlich traktandiert für eigentlich jede
Geschäftsleitungssitzung seit November 2009." Auf Vorhalt von zwei Traktanden-
listen, auf welchen besagtes Option / Sales Agreement nicht erwähnt wird, mach-
te er darauf wieder einen Rückzieher: "Das war auch nicht die Meinung, dass man
bei der Traktandierung der Geschäftsleitungssitzung Details in die Traktandenliste
nahm." Auf Nachfrage, ob es denn zumindest entsprechende Protokolle darüber
gebe, erwiderte er: "Nein. Dies vor allem aus Vertraulichkeitsgründen, da bei
solchen Besprechungen regelmässig sehr vertrauliche Kundeninformationen aus-
getauscht wurden, welche nicht öffentlich werden sollten" (Urk. 100069). Einen
vollständigen Rückzieher seiner früheren Aussage machte der Beschuldigte dann,
indem er zu Protokoll gab, dass viele Transaktionen halt umfangreiche Dokumen-
tationen erforderten, die in der Geschäftsleitung nicht bis ins letzte Detail hätten
besprochen werden können (Urk. 100067). "Aus diesem Grund müssen Sie ver-
stehen, dass es gar nicht möglich ist auf Geschäftsleitungsebene alles durchzu-
sehen, zu prüfen und abzusegnen. Also kann ich unmöglich sagen, ob dieses
einzelne Dokument, das Sales / Options Agreement und die Sicherungsübereig-
nung, von der Geschäftsleitung gesehen wurden" (Urk. 100068). Es ist selbst-
redend, dass das Option / Sales Agreement, worin sich der S._ Trust
EUR 4,3 Mio. für den Erwerb einer Forderung gegenüber unbekannten Investoren
aus Russland entledigte, wohl kaum ein solches nebensächliches "letztes" Detail
war, um welches sich die Geschäftsleitung nicht hätte kümmern können.
13.3.1. AA._ hatte wie der Beschuldigte in verschiedenen Gesellschaften der
P._-Gruppe geschäftsführende Funktionen. In seiner Einvernahme vom
9. April 2013 wies er – in Anwesenheit des Beschuldigten und seines Verteidigers
– glaubhaft darauf hin, dass der Bilder-Deal mit dem Tizian-Gemälde allein Idee
und Sache des Beschuldigten war (Urk. 120035 und 120036). Von einem Zu-
sammenhang des Gemäldes mit dem S._ Trust habe er nichts gewusst. Das
- 55 -
Option / Sales Agreement habe er erstmals drei oder vier Monate nach dem Aus-
scheiden des Beschuldigten aus der P._-Gruppe gesehen (Urk. 120037).
Auch den Namen G._ Ltd. habe er erst im Nachhinein zum ersten Mal gehört
(Urk. 120039).
13.4. Dass der Beschuldigte jeweils eigenmächtig handelte, geht hinlänglich aus
dem aktenkundigen schriftlichen Verkehr hervor. Am 14. Juni 2010 schrieb
AU._ im Namen der R._ Trust AG dem Beschuldigten: "Bei deiner Ge-
sellschaft G._ liegen noch Gelder (EUR und CHF), die dem Kunden S._
Trust gehören. Darf ich dich bitten, den beiliegenden Zahlungsauftrag auszufüllen,
zu unterzeichnen und dann der B._ zukommen zu lassen?" (Urk. 110039).
Der Beschuldigte erwiderte darauf: "Hoi zäme. Danke für die Koordination – hier
ist noch ein Bilder Deal pendent, der noch nicht abgeschlossen ist. Sobald dieser
abgeschlossen ist, werde ich die Überweisung veranlassen" (Urk. 110040). Einige
Tage später schrieb AU._ erneut: "Wir brauchen diese Gelder dringend und
es sollte kein Bilder Deal gemacht werden. Kannst du uns bitte die Gelder so
rasch als möglich überweisen?" (Urk. 110040). Es gipfelte schliesslich im Schrei-
ben der R._ Trust AG vom 25. Juni 2010, worin dem Beschuldigten mitgeteilt
wurde: "Begründung für Ihre Veranlassung, fast das gesamte Trustvermögen des
S._ Trusts in eine Option für den Kauf eines Gemäldes zu verwenden. Wir
erwarten von Ihnen die Zustellung eines aktuellen Auszugs der kontoführenden
Bank zur Beweisführung, dass der an die G._ Ltd. überwiesene Betrag durch
die W._ Ltd. vollumfänglich verfügbar ist" (Urk. 110043).
13.5. Dabei ist nachgewiesen, dass der Beschuldigte zum Zeitpunkt dieser Kor-
respondenz bereits rund die Hälfte des Vermögens des Trusts verbraucht hatte
und nicht davor zurückschreckte, danach, d.h. ab Juli 2010 auch noch die andere
Hälfte für eigene Zwecke zu verwenden (vgl. Anklageschrift Urk. 118 S. 13).
13.6. Auch die Behauptung des amtlichen Verteidigers, AN._ von der
AG._, welche eine Beteiligung an der R._ Gruppe hatte, habe irgend-
welchen Vereinbarungen zugestimmt, findet in den Akten keine Stütze (Urk. 194
S. 11). Den Emails von AN._ an den Beschuldigten ist im Gegenteil zu ent-
nehmen, dass er vor allem kritische Fragen aufwarf, beispielsweise weil eine Do-
- 56 -
kumentation über die Rechtsgeschäfte des Beschuldigten fehlte, dass die Q._
keine Kontrolle über das Gemälde hatte und wer die Kontrolle über die Gesell-
schaften von A._ hatte (Urk. 130350 und 130353).
14. Aneignung und Bereicherung
14.1. Gemäss Art. 138 StGB macht sich der Veruntreuung strafbar, wer ihm an-
vertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem oder eines anderen Nutzen
verwendet. Zur rechtlichen Würdigung als Veruntreuung kann mit nachfolgender
Ausnahme auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 118
S. 50-52; Art. 82 Abs. 4 StPO). Eventualiter wurde die rechtliche Würdigung als
Veruntreuung von der Verteidigung bisher auch nicht gerügt (Urk. 85 S. 22 - 24).
Vielmehr bestritt die Verteidigung die tatsächlichen Voraussetzungen für einen
Schuldspruch. An der Berufungsverhandlung brachte die Verteidigung gegen die
rechtliche Würdigung einzig vor, in vorliegender Sache sei ein anderer Risiko-
massstab anzulegen. Es habe sich hier nicht um eine gewöhnliche Anlage- und
Treuhandberatung gehalten. Angesichts der speziellen steuerrechtlichen Aus-
gangslage im Zusammenhang mit dem S._ Trust habe der Beschuldigte
grössere Risiken eingehen dürfen und müssen (Urk. 205 S. 22 f.).
14.2. Die Staatsanwaltschaft hält dafür, dass bereits die beiden Überweisungen
vom 24. und 29. März 2010 von der W._ Ltd. an die G._ Ltd. tatbe-
standsmässig gewesen seien, die Tathandlung entgegen der Vorinstanz mithin an
einem früheren Zeitpunkt zu verorten sei (Urk. 206 S. 15 f.).
14.3. Die Auffassung der Vorinstanz, wonach die Bereicherung mit der Überwei-
sung des Geldes des S._ Trusts vom Konto der G._ Ltd. auf jenes der
D._ Ltd. eingetreten sei, kann nicht restlos überzeugen (Urk. 118 S. 55). Al-
lein die Verfügungsberechtigung über ein Bankkonto ist kein Kriterium für eine
Veruntreuung im Treuhandverhältnis. Ansonsten könnte man ebenso den Stand-
punkt vertreten, dass die Bereicherung bereits mit der Überweisung des Geldes
vom Konto der W._ Ltd. auf das Konto der G._ Ltd. erfolgt sei. Sowohl
bei der D._ Ltd. als auch bei der G._ Ltd. war der Beschuldigte einziges
Organ und allein zeichnungsberechtigt. Bereits oben wurde erwähnt, dass dem
- 57 -
Trustee gemäss Ziffer 3 des Deed of Trust auch das Halten der Vermögenswerte
in fremdem Namen erlaubt war. Auch wenn angesichts der geschilderten Um-
stände die Annahme nahe liegt, dass der Beschuldigte nicht den Willen hatte, das
Vermögen auf dem Konto der D._ Group Ltd. zur Verfügung des S._
Trusts zu halten, so wäre ihm dies objektiv gesehen möglich gewesen. Allein das
Abstellen auf einen subjektiven Aneignungswillen reicht für die Erfüllung des ob-
jektiven Tatbestands nicht aus. Eine Veruntreuung ohne Schädigung ist gemäss
Bundesgericht begrifflich ausgeschlossen (BGE 111 IV 19, 124 IV 241, Urteil vom
11. August 2004, 6P.46/2004; BSK StGB II-Niggli/Riedo, N 111 zu Art. 138). Wäre
das Geld heute noch auf dem Konto der D._ Ltd., könnte man es wieder dem
S._ Trust zurückführen und es wäre kein bzw. fast kein Schaden entstanden.
14.4. Die Vorinstanz verkennt den rechtlichen Charakter des Trusts, wenn sie
von Vereitelung "des obligatorischen Anspruchs des Begünstigten gegenüber
dem Trust" spricht (Urk. 118 S. 55). Der Begünstigte hat zwar gewisse Klage-
rechte gegenüber dem Trust, aber nach einhelliger Rechtsauffassung kein schuld-
rechtliches Verhältnis mit ihm und deshalb auch keine obligatorischen Ansprüche
(Böckli, a.a.O., S. 20). Abzustellen ist vielmehr auf den Gesetzeswortlaut von
Art. 138 StGB, d.h. auf den Moment, in welchem der Beschuldigte die Ver-
mögenswerte unrechtmässig in seinem oder eines anderen Nutzen verwendete.
14.5. Unbestrittene Tatsache ist, dass das Konto der D._ Ltd. vor der Über-
weisung des Vermögens des S._ Trusts einen Saldo von EUR 34.70 auf-
wies, nach der Überweisung des Vermögens des S._ Trusts einen Saldo von
EUR 4,346'133.30 und am 30. September 2010 schliesslich nur noch von
EUR 34'029.30 (Urk. 460157 und 460158). Der Beschuldigte bestritt denn in der
Untersuchung auch nicht, dass er die Barabhebungen und Überweisungen vom
Konto der D._ Ltd. nicht im Interesse des S._ Trusts vornahm, sondern
über das Konto wie sein eigenes verfügte. Spätestens mit den in der Anklage-
schrift aufgeführten Barabhebungen und Überweisungen, bei welchen es sich
nicht um Ausschüttungen zu Gunsten des Begünstigten handelte, war deshalb die
Bereicherung und der Schaden im Umfang von EUR 4'312'069.30 eingetreten.
Der Beschuldigte wäre denn wohl auch in strafrechtlicher Hinsicht mit einem
- 58 -
blauen Auge davongekommen, wenn er das Geld des S._ Trusts auf dem
Konto der G._ Ltd. oder der D._ Group zumindest solange belassen
hätte, bis der Kaufpreis von EUR 5 Mio. gemäss Option / Sales Agreement mit
der AH._ Investments S.A. eingetroffen wäre. Immerhin ist im Option / Sales
Agreement ausdrücklich bestimmt worden, dass die ganze Transaktion rückgän-
gig zu machen sei, falls der Verkauf des Gemäldes nicht bis zum 31. Dezember
2010 vollzogen worden sei (Urk. 110006).
14.6. Indem die Vorinstanz auf die Überweisung des Geldes auf das Konto der
D._ Ltd. abstellte, ist sie deshalb auch zu Unrecht von bloss einfacher Tat-
begehung ausgegangen (Urk. 118 S. 55). Richtig ist vielmehr die Auffassung der
Staatsanwaltschaft, welche aufgrund der zahlreichen Vermögensdispositionen
des Beschuldigten vom Konto der D._ mehrfache Tatbegehung angeklagt
hat (Urk. 28 S. 18). Auf den Schuldspruch kann im Berufungsverfahren aufgrund
des Verschlechterungsverbotes allerdings nicht mehr zurück gekommen werden
(Art. 391 Abs. 2 StPO).
15. Qualifizierte Veruntreuung
Der Beschuldigte handelte als berufsmässiger Vermögensverwalter. Er unterliegt
deshalb der erhöhten Strafandrohung von Art. 138 Ziff. 2 StGB.
16. Wert des Gemäldes / Schaden
16.1. Nachdem der Beschuldigte von seinen Funktionen in den Gesellschaften
der R._ Gruppe per Ende April 2010 enthoben wurde, hatte er auch keinerlei
Kompetenzen mehr für den S._ Trust treuhänderisch tätig zu werden. Da im
Übrigen die Aktien der G._ Ltd. entgegen seiner Darstellung nie der R._
Trust AG übereignet worden waren, gelangte das angeblich von Tizian stammen-
de Gemälde auch nicht in das wirtschaftliche Eigentum des Trustees. Insofern
spielt der Wert des Gemäldes für den Tatbestand der Veruntreuung auch keine
Rolle. Es kommt hinzu, dass das Gemälde frühestens mit dem Kaufvertrag zwi-
schen AJ._ und der G._ Ltd. vom 23. Juni 2010 ins Eigentum der
G._ Ltd. hätte gelangen können. Eine Anzeige an die Besitzerin des Bildes,
- 59 -
das F._-Museum in Köln, ist allerdings nicht aktenkundig. Im Brief von
AJ._ an den Beschuldigten vom 14. Juli 2010 schrieb diese noch, dass sich
der Beschuldigte persönlich mit dem Museum zwecks Herausgabe des Gemäldes
in Verbindung setzen solle (Urk. 110004). Dieses Schreiben hätte AJ._ si-
cher nicht verfasst, wenn zu diesem Zeitpunkt der Eigentumsübergang dem Mu-
seum bereits angezeigt worden wäre. Es war deshalb eine klare Lüge, wenn der
Beschuldigte in der Untersuchung behauptete, der S._ Trust habe stets ent-
weder Geld oder das Gemälde besessen.
16.2. Selbst wenn der Trust aus irgendeinem Grund zu irgendeinem Zeitpunkt
Anspruch auf das Bild gehabt haben sollte, ist mit Blick auf Art. 138 StGB in Er-
innerung zu rufen, dass auch eine bloss vorübergehende Schädigung bereits tat-
bestandsmässig ist. Als der Beschuldigte über die W._-Gelder verfügte, sie
via G._, D._ in seine Vermögenssphäre überführte und von dort
schliesslich für eigene Zwecke abdisponierte, war das Bild weder im Eigentum
des Trusts noch hatte dieser einen durchsetzbaren Rechtsanspruch auf das Bild.
Dieses stand bis Juli 2010 im Eigentum von AJ._. In dieser Zwischenzeit trat
in jedem Fall eine vorübergehende Schädigung ein.
16.3. Obschon der Verkaufswert des Gemäldes somit rechtlich vorliegend keine
Rolle spielt, weil der Trust nie Eigentümer geworden ist, sind dazu einige Aus-
führungen angezeigt. Der Beschuldigte berief sich diesbezüglich auf ein Gutach-
ten eines Prof. Dr. AM._ aus dem Jahre 1984, welches er von der früheren
Eigentümerin AJ._ erhalten hatte (Urk. 110183 - 110187). Prof. AM._
hielt darin fest, dass es sich nach seiner Ansicht um ein von Tizian entworfenes
Bild handle, das auch in grossen Teilen von ihm eigenhändig ausgeführt worden
sei. Ebenso hielt er aber auch fest, dass verschiedene Partien nicht
von Tizian ausgeführt worden seien, einige sogar erst nach dessen Tod
(Urk. 110187). Abgesehen davon äussert sich AM._ mit keinem Wort zu ei-
nem Marktwert des Gemäldes. In Bezug auf den Marktwert des Gemäldes kann
sich der Beschuldigte somit auch nicht auf das Gutachten von Prof. AM._ ab-
stützen. Abgesehen davon, kein seriöser Käufer stützt sich blind auf ein Gutach-
- 60 -
ten ab, welches er vom Verkäufer selbst erhält und dessen Seriösität er mangels
Kenntnisse im Kunsthandel gar nicht einzustufen vermag.
16.4. Der Beschuldigte gestand ein, dass er über keinerlei nennenswerte Kennt-
nisse im Kunsthandel verfügt. Er machte geltend, dass es seriöse Bieter für das
Bild gegeben habe, die zwischen 5 und 10 Millionen geboten hätten. Er habe
deshalb in gutem Glauben davon ausgehen dürfen, dass der Wert des Bildes er-
heblich höher gelegen habe als der Verkaufspreis (Urk. 100052). Der Beschuldig-
te gab an, es habe einen nicht unterzeichneten Kaufvertrag einer "AV._" in
Panama gegeben. Er wisse aber nicht mehr, wem diese Firma gehört habe
(Urk. 100053). Bei solchen Angaben kann von Seriösität keine Rede sein. Den
Namen anderer Bieter konnte oder wollte der Beschuldigte nicht nennen
(Urk. 100053). Er begründete dies mit dem fadenscheinigen Argument, die Kon-
taktaufnahme mit potentiellen Käufern erfolge im Kunstmarkt eben sehr vorsichtig.
Bilder dieser Qualität könnten nicht auf breiter Front auf dem Markt angeboten
werden, da ansonsten der Wert des Bildes zerstört werde. Wahrlich eine erstaun-
liche – und völlig unglaubhafte – Aussage von jemanden, der nach eigenem Be-
kunden über keine Kenntnisse und Erfahrungen im Kunstmarkt verfügt.
16.5. Selbstredend kann der Beschuldigte deshalb auch nicht behaupten, es
habe sich um seriöse Bieter gehandelt. Selbstverständlich gibt es Kunsthändler,
welche auf Vorhalt, man habe ein Gemälde von Tizian zum Verkauf, Zahlen sol-
cher Grössenordnung entgegnen. Dies hat allerdings noch nichts mit einer seriö-
sen Marktwertschätzung eines konkreten Gemäldes bzw. mit einem seriösen ver-
bindlichen Kaufangebot zu tun. Ebenso bleibt bei diesen Angeboten offen, ob die
Bieter das Gemälde überhaupt geprüft haben und ob sie wussten, dass es höchs-
tens teilweise aus der Hand von Tizian stammt. Wenn der Beschuldigte aufgrund
derart vager unverbindlicher Angebote hin das Risiko, einen Verkaufspreis von
EUR 5 Mio. zu erzielen, ohne weitere Abklärungen auf den S._ Trust abwälz-
te, kann dies nur einen Grund gehabt haben: Sein Handeln war nicht bloss un-
sorgfältig oder grobfahrlässig schädigend, vielmehr wollte er sich des Vermögens
des S._ Trusts bemächtigen, indem er das Gemälde als Vorwand benützte.
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16.6. Auktionshäuser beschäftigen sich im Kerngeschäft mit dem Verkauf von
Kunstgegenständen. Kaum jemand anderer ist deshalb besser prädestiniert, über
den Marktwert von Kunstgegenständen Auskunft zu geben. Auf entsprechende
Anfrage der Staatsanwaltschaft schrieb das renommierte Auktionshaus AB._
aus Zürich am 5. Februar 2014 (Urk. 100180):
Frau AW._ war letzte Woche in Köln und hat sich, wie besprochen, das ""-Gemälde angeschaut und gute Photos davon gemacht. Auf dieser  hat uns Herr Professor BA._ folgenden Kommentar gesandt: "merci beaucoup pour les nouvelles photos de Ia Mise au tombeau attribuée à Titien; je ne peux que vous confirmer que a mon avis il s'agit d'une dérivation d'apres les inventions titianesques, réalisée certainement a Venise et probablement vers 1580/1590, mais qui en aucun cas, encore une fois a mon avis, ne peut être  un original." Wir können dieses Gemälde deshalb über unsere Auktionen nicht als eigenhändiges Werk von Tizian anbieten. Mit freundlichen Grüssen AB._ Auktionen AG"
16.7. Die Tatsache, dass diese Auskunft des Auktionshauses AB._ erheb-
lich zuverlässiger und seriöser ist als die angeblichen Angebote unbekannter Käu-
fer des Beschuldigten, bedarf keiner weiteren Worte. Unbehelflich ist auch das
Vorbringen des amtlichen Verteidigers, wenn er geltend macht, unlängst sei beim
Auktionshaus Christies in New York ein Gemälde von Leonardo da Vinci für
USD 450 Mio. versteigert worden, dessen Authentizität ebenfalls zweifelhaft ge-
wesen sei (Urk. 194 S. 17).
16.8. Letztlich ist festzuhalten, dass der Beschuldigte während 6 bis 8 Jahren
versuchte, das Bild zu verkaufen, allerdings erfolglos. Unabhängig von der Frage,
ob das Bild überhaupt echt ist (d.h. aus der Hand von Tizian stammt) und wie es
um die Eigentumsverhältnisse stand, ist auch deshalb der Behauptung des Be-
schuldigten, der S._ Trust habe einen realisierbaren Gegenwert in den Hän-
den gehabt, jede Grundlage entzogen.
17. Abgrenzung zur ungetreuen Geschäftsbesorgung, Art. 158 StGB
17.1. Die Verteidigung würdigt in ihrem Subeventualantrag (für den Fall eines
Schuldspruchs) das Verhalten des Beschuldigten – ohne Begründung – als quali-
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fizierte ungetreue Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und
Abs. 3 StGB in Verbindung mit Art. 29 lit. a StGB (Urk. 205 S. 2).
17.2. Nach richtiger Auffassung der Staatsanwaltschaft (vgl. Urk. 206 S. 17 f.)
trat der Schaden beim S._ Trust, namentlich beim Trustee, der R._ Asia
Ltd., ein. Art. 158 StGB käme in Abgrenzung zu Art. 138 StGB bspw. dann zur
Anwendung, wenn die Vermögenswerte nicht anvertraut wurden. Dies gilt bspw.
im Verhältnis eines Gesellschaftsorgans zum Gesellschaftsvermögen, das dem
Organ nicht anvertraut ist. Organe gelten nicht als Dritte, sondern vielmehr als
Teil der Gesellschaft. Sollten sowohl die Voraussetzungen von Art. 138 und
158 StGB erfüllt sein, geht gemäss herrschender Lehre und Rechtsprechung stets
Art. 138 StGB vor (zum Ganzen BSK StGB II-Niggli/Riedo, Art. 138 N 211 m.H.;
BSK StGB II-Niggli, Art. 158 N 184 m.H.).
17.3. Wie erwähnt, wurden dem Beschuldigten fremde Vermögenswerte an-
vertraut – nämlich das Trustvermögen. Bereits aus diesem Grund stellt sich die
vorstehend geschilderte Abgrenzungsproblematik zu Art. 158 StGB bei Gesell-
schaftsvermögen und Organstellung des Täters nicht. Der Beschuldigte war zwar
Organ des Trustees und richtig ist auch, dass das Trustvermögen auf den Namen
des Trustees lautet. Es handelt sich indes um Sondervermögen, das dem Trustee
anvertraut wurde, für diesen mithin wirtschaftlich fremd ist und damit nicht dessen
Gesellschaftsvermögen zuzurechnen ist. Der Beschuldigte verwendete ihm anver-
traute (wirtschaftlich) fremde Vermögenswerte treuwidrig. Art. 158 StGB gelangt
deshalb nicht zur Anwendung.
18. Fazit
Der Sachverhalt der Anklage ist deshalb rechtsgenügend erwiesen, weshalb sich
weitere Beweiserhebungen erübrigen. Die rechtliche Würdigung der Staats-
anwaltschaft als mehrfache qualifizierte Veruntreuung im Sinne von Art. 138
Ziff. 1 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 138 Ziffer 2 StGB und Art. 29 lit. a StGB
ist zutreffend. Aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO)
bleibt es indes beim vorinstanzlichen Schuldspruch wegen (einfacher) qualifizier-
- 63 -
ter Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 und Ziff. 2 StGB in Ver-
bindung mit Art. 29 lit. a StGB.
V. Strafzumessung
1. Strafrahmen
Der Strafrahmen reicht gestützt auf Art. 138 Ziff. 2 StGB von Geldstrafe bis zu
Freiheitsstrafe von 10 Jahren.
2. Objektive Tatschwere
Im Zeitraum vom 28. April 2010 bis 28. Januar 2011 verminderte der Beschuldigte
das Barvermögen des S._ Trust um rund EUR 4,3 Mio., was zum damaligen
Wechselkurs von ca. 1.4 rund 6 Mio. Schweizer Franken entsprach. Um sein un-
rechtmässiges Handeln zu tarnen, erstellte er verschiedene Verträge, in welchen
er bewusst unwahre Angaben machte. Indem er auf Rechnung des S._
Trusts eine Verkaufsoption für ein Gemälde für den Preis von EUR 4,36 Mio. er-
warb, und zwar ein Gemälde, welches er erst noch zu erwerben beabsichtigte,
handelte er krass treuwidrig, zumal er für das Bild dann später ohnehin "nur"
EUR 1,5 Mio. bezahlte. Damit verheimlichte er der Treugeberin, dass er sie zu
seinen Gunsten um rund EUR 2,8 Mio. prellte, womit er auch krass treuwidrig
handelte. Der Beschuldigte täuschte vor, dass ein Käufer das Gemälde bereits für
EUR 5 Mio. gekauft habe, obschon dieser Käufer, die von ihm gegründete
Briefkastenfirma AH._ Investments S.A. nie die Möglichkeit hatte, einen
solchen Betrag aufzubringen. Abgesehen davon verfügte der Beschuldigte über
keinerlei Kenntnisse im Kunstmarkt. Ein sorgfältigen Vermögensverwalter hätte
diese Option für den Verkauf des Bildes nie ohne zuverlässige Expertise eines
anerkannten Fachmannes über den Marktwert bzw. ohne Sicherheiten für diesen
Preis gekauft. Darüber hinaus war vertraglich eine Rückleistung des Kaufpreises
vorgesehen für den Fall, dass der Verkauf des Gemäldes für EUR 5 Mio. nicht bis
zum 31. Dezember 2010 zustande gekommen wäre. Indem der Beschuldigte die-
se drohende Rückabwicklung nicht im geringsten sicherstellte, handelte er krass
treuwidrig und mit direkter Schädigungsabsicht. Selbst als der Beschuldigte nach
- 64 -
seinem Ausscheiden aus der R._ Gruppe per Ende April 2010 aufgefordert
wurde, die Gelder des S._ Trusts dem Trustee zurückzugeben, schreckte er
nicht davor zurück, das Vermögen weiter zu vermindern. Sein Vorgehen war
planmässig und systematisch durchdacht. Der Beschuldigte operierte ganz be-
wusst mit Scheinwahrheiten, intransparenten scheinrechtlichen Konstruktionen
und ganzen Lügengebäuden. Seine kriminelle Energie war ausserordentlich hoch.
3. Subjektive Tatschwere
3.1. Der Beschuldigte handelte völlig skrupellos in der Absicht, persönliche
Schulden zu begleichen und um seine chaotische Geschäftstätigkeit, über welche
er offensichtlich jede Übersicht verloren hatte, weiter finanzieren zu können. Da-
bei konnte ihm nicht verborgen bleiben, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis
sein virtuelles Kartenhaus kläglich in sich zusammenbrach.
3.2. Der Beschuldigte zeigte sich bis zuletzt überzeugt, dass der Bilderverkauf
hätte klappen können und deshalb niemand hätte einen Schaden erleiden müs-
sen. Hierzu ist zu sagen, dass der Beschuldigte den Trust um mehrere Millionen
erleichterte, ohne dass er dem Trust einen reellen Gegenwert verschaffte, zumal
er zu diesem Zeitpunkt keinerlei Rechtsansprüche am "verkauften" Bild hatte. Im
Zeitpunkt des Abschlusses des Option/Sales-Agreements war darüber hinaus
keine (seriöse) Kaufinteressentin mit den erforderlichen liquiden Mitteln in Aus-
sicht. Selbst die allenfalls vorhandene vage Hoffnung des Beschuldigten, dass er
das Geld irgendwann wieder in den Trust würde zurückführen können, ändert
nichts daran, dass er im Zeitpunkt der inkriminierten Handlungen genau wusste,
dass er die anvertrauten Gelder treuwidrig verwendete und dem Trust zumindest
vorübergehend einen Schaden zufügen wird. Diese Schädigung des Trusts war
für den Plan des Beschuldigten, das schwer verkäufliche Bild endlich zu ver-
silbern, notwendige Durchgangsstufe. Er handelte damit direktvorsätzlich.
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4. Tatverschulden
Insgesamt ist das Tatverschulden als mittelschwer zu qualifizieren. Die von der
Vorinstanz veranschlagte Einsatzstrafe von 3 1⁄2 Jahren (Urk. 118 S. 60 unten) ist
angesichts des weiten Strafrahmens keineswegs zu hoch.
5. Täterkomponenten
Der Beschuldigte ist 1962 in I._, N._, geboren. Er wuchs zusammen mit
drei Brüdern auf. Seine Eltern führten eine Metzgerei. Er besuchte die Primar-
schule in I._ und war anschliessend für sieben Jahre in der Kantonsschule
im Kollegium N._. Danach absolvierte er ein Jahr KV und darauf hin acht
Jahre an der Schule der schweizerischen Treuhandkammer. Gearbeitet hat er
zunächst bei der kantonalen Steuerverwaltung in N._, danach bei der ...-
Gesellschaft in Luzern. Später war er bis 1993 sieben Jahre bei BB._ ange-
stellt, zuletzt als Vize-Direktor und Manager. Seit 1994 arbeitete er selbstständig,
entweder mit eigenen Firmen oder in Kooperationen. Momentan geht er jedoch
keiner Tätigkeit nach, weil er aufgrund des vorliegenden Strafverfahrens gemäss
eigenen Angaben nicht als Steuerberater tätig sein kann. Im Militär bekleidete er
zuletzt den Rang eines Oberleutnants. Im Jahr 1989 heiratete der Beschuldigte.
Aus seiner Ehe gingen zwei Söhne hervor, die mittlerweile nicht mehr zuhause
wohnen. Da er momentan keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, bestreiten er und
seine Ehefrau die Lebenshaltungskosten aus dem Einkommen der Ehefrau und
den Mietzinseinnahmen, die eine seiner Liegenschaften generiert (zum Ganzen
zuletzt Urk. 203 S. 1-10). Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf (Urk. 201).
Der Beschuldigte ist nicht geständig. Insgesamt wirken sich die täterbezogenen
Strafzumessungskriterien nicht auf die Strafhöhe aus.
6. Strafhöhe
Das vorinstanzliche Strafmass von 3 1/2 Jahren erscheint nach dem Ausge-
führten keinesfalls zu hoch. Da die Strafe von der Staatsanwaltschaft nicht ange-
fochten wurde, bleibt es aufgrund des Verschlechterungsverbotes von Art. 391
Abs. 2 StPO beim vorinstanzlichen Strafmass.
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VI. Zivilforderung
Es kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 118 S. 64 -
66). Vom Vermögen des S._ Trusts auf dem Konto der W._ Ltd. im Be-
trag von EUR 4'346'000.-- wurde bis anhin nichts der Geschädigten bzw. der Pri-
vatklägerin zurückgeführt. Dies obschon der Beschuldigte seiner Funktion als Ver-
treter des Trustees per April 2010 enthoben wurde. Eine Schadenersatzforderung
in diesem Umfang ist deshalb ausgewiesen.
Gemäss Anklage verwendete der Beschuldigte vom Vermögen des S._
Trusts auf dem Konto der D._ Ltd. im Zeitraum vom 28. April 2010 bis
31. Dezember 2010 insgesamt EUR 4'342'509.22 für eigene Zwecke. Allerdings
beläuft sich der Schaden auf den gesamten Betrag, der dem Beschuldigten aus
dem Trust anvertraut und von diesem in der Folge treuwidrig verwendet wurde.
Der Beschuldigte ist deshalb zu verpflichten, der Privatklägerin Q._ Ltd. als
Rechtsnachfolgerin der R._ Asia Ltd, Schadenersatz im Umfang von
EUR 4'346'000.-- zuzüglich 5% Zins seit 26. April 2010 zu bezahlen.
Dies wurde denn auch von der Verteidigung nicht substantiell bestritten (vgl.
Urk. 205 S. 27). Sie begründet die Abweisung der Zivilansprüche einzig mit ihrem
Hauptantrag auf Freispruch.
VII. Einziehung und Verwendung von beschlagnahmten Vermögenswerten und Ersatzforderung
1. Einziehung von Deliktsgut und Surrogaten
1.1. Bankkonti
Die Staatsanwaltschaft liess rechtshilfeweise folgende Bankkonti von Gesellschaf-
ten des Beschuldigten bzw. von ihm persönlich sperren:
- Kontokorrent Nr. 1; C._ Group Ltd. (Fr. 461'989.00);
- Kontokorrent Nr. 2, D._ Ltd. (Fr. 17'593.23);
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- Kontokorrent Nr. 3, D._ Ltd. (USD 30'044.85);
- Depot Nr. 4, D._ Ltd. (Fr. 6'865.00);
- Privatkonto Nr. 5, A._ (Fr. 33'247.00)
Nach der Praxis des Bundesgerichts ist die Einziehung von Vermögenswerten auf
Bankkonti zulässig, wenn eine "Papierspur" zu den Originalwerten vorhanden ist
(BGE 126 I 105 Erw. bb). Allein der Umstand, dass sich deliktisch erlangte Ver-
mögenswerte zu einem gewissen Zeitpunkt auf einem bestimmten Bankkonto
befanden, rechtfertigt es noch nicht, später unbesehen vom Zahlungsverkehr auf
diesem Konto den Saldo dieses Bankkontos einfach einzuziehen. Es darf nicht
allein auf die Verminderung der Passiven eines Beschuldigten durch Bezahlung
von Verpflichtungen aus dem Deliktserlös abgestellt werden (BSK StGB I-
Baumann, N 47 zu Art. 70/71). Genau dies hat die Vorinstanz jedoch getan, in-
dem sie davon ausgeht, alle Gelder auf den beschlagnahmten Konti liessen sich
auf die überwiesenen EUR 4,346 Mio. zurückzuführen (Urk. 118 S. 67). So steht
beispielsweise nicht fest, woher die Fr. 542'384.-- stammen, welche am
28. August 2008 vom Konto der D._ auf das Konto der C._ Group Ltd.
transferiert wurden (Urk. 460583). Immerhin wiesen gemäss Anklageschrift die
Konti der D._ per Ende 2010 auch gar keinen so hohen Saldo mehr aus, was
darauf schliessen lässt, dass zwischen Ende 2010 und Juni 2012 andere Geld-
eingänge zu verzeichnen waren. Aus den Akten lässt sich jedenfalls kein lücken-
loser Papertrail dokumentieren.
Zwar können solche nicht klar als deliktisch zu klassifizierende Vermögenswerte
im Hinblick auf die Durchsetzung der Ersatzforderung mit Beschlag belegt
werden, aber das begründet kein Vorzugsrecht des Staates im Zwangs-
vollstreckungsverfahren. Ungeachtet allfälliger betreibungsrechtlicher Umstände
kann beim Beschuldigten beschlagnahmtes legales Geld allerdings zur Deckung
der Verfahrenskosten herangezogen werden (Art. 268 StPO; vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1B_300/2013 vom 14. April 2014 E. 5.4; BSK StPO-Bommer/
Goldschmid, Art. 268 N 17). Die Vermögenswerte auf den genannten Konti sind
somit zur Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden, sofern sie dem Beschul-
digten zuzurechnen sind.
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Das gilt mit Sicherheit für das Privatkonto Nr. 5. Gleiches gilt für das Kontokorrent
Nr. 1 der C._ Group Ltd. Der Beschuldigte ist alleinig wirtschaftlich Berechtig-
ter an diesen Geldern (vgl. Urk. 460468). Die drei Konti resp. Depots, lautend auf
die D._ Ltd., enthalten zwar Vermögenswerte, die formal der juristischen
Person zuzurechnen sind. Allerdings ist der Beschuldigte auch bei dieser Gesell-
schaft alleinzeichnungsberechtigt und hält 100% der Aktien, ist damit auch hier al-
leinig wirtschaftlich Berechtigter. In solchen Konstellationen ist gemäss der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung ein strafprozessualer Durchgriff auf Vermö-
genswerte zulässig, die formal einer dritten (hier juristischen) Person zuzuordnen
sind, wenn es sich – wie hier – um wirtschaftlich dieselbe Person handelt (Urteil
des Bundesgerichts 1B_300/2013 vom 14. April 2014 E. 5.4 i.V.m. E. 5.3.2).
Nach dem Gesagten sind sämtliche gesperrten Konti bei der B._ zur De-
ckung der Verfahrenskosten zu verwenden. In einem allfälligen Mehrbetrag ist die
Beschlagnahme aufrechtzuerhalten, bis das zuständige Betreibungsamt in der
Betreibung hinsichtlich der Ersatzforderung (dazu nachfolgend) über die Anord-
nung von Sicherungsmassnahmen gemäss Art. 98 ff. SchKG entschieden hat.
1.2. Gemälde
Erwiesen ist demgegenüber, dass der Beschuldigte das Gemälde von AJ._
aus dem Vermögen des S._ Trusts bezahlt hat. Am 29. April 2010 überwies
er ihr vom Konto der D._ Ltd. den Betrag von EUR 1'500'004.23 (Urk. 28 S. 1
Rz 2). Es handelt sich dabei um ein echtes Surrogat für deliktisch erlangtes Ver-
mögen, welches der Einziehung gemäss Art. 70 StGB unterliegt. Das Gemälde ist
deshalb einzuziehen und durch die Bezirksgerichtskasse zu verwerten.
1.3. Fahrzeug Audi Q5 (Urk. 220001)
Am 8. Juli 2010 bezahlte der Beschuldigte vom Konto der D._ den Betrag
von EUR 62'592.28 für einen Audi Q5. Auch dieses Geld stammt vom Guthaben
auf diesem Konto, welches durch die Überweisung des Vermögens des S._
Trusts gespiesen wurde (Urk. 28 S. 3 Rz 14). Bei diesem Auto handelt es sich
- 69 -
somit ebenfalls um ein Surrogat für Deliktsgut. Da der Wagen bereits verwertet
wurde, ist der erzielte Verwertungserlös von Fr. 40'414.45 einzuziehen.
1.4. Aktien E._ (Urk. 223013)
Am 10. August 2010 überwies der Beschuldigte vom Kontokorrent Nr. 2 der
D._ Ltd. den Betrag von Fr. 159'412.50 für eine Beteiligung an der E._
AG. Dieses Konto wurde am 24. Juni 2010 mit Fr. 2'134'886.-- bzw. EUR
1'570'000.-- aus dem Konto Nr. 16 der D._ Ltd. gespiesen (Urk. 28 S. 2 Rz
10 und S. 3 Rz 15). Das entsprechende Aktienzertifikat für 9750 Namenaktien
wurde auf den Beschuldigten persönlich ausgestellt (Urk. 223015).
Allerdings lässt sich auch hier (insb. beim CHF-Konto) kein lückenloser Papertrail
rekonstruieren. Demgemäss ist mit den Aktien analog den Konti bei der B._
zu verfahren. Es kann auf die vorstehende Begründung dazu verwiesen werden.
Die beschlagnahmten Namenaktien sind folglich zu verwerten und der Verwer-
tungserlös ist zur Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden. Auch hier ist die
Beschlagnahme des Verwertungserlöses hinsichtlich eines allfälligen Mehrbetrags
aufrechtzuerhalten, bis das zuständige Betreibungsamt in der Betreibung hinsicht-
lich der Ersatzforderung (dazu nachfolgend) über die Anordnung von Siche-
rungsmassnahmen gemäss Art. 98 ff. SchKG entschieden hat.
1.5. Grundstücke
Die Staatsanwaltschaft erliess hinsichtlich mehrerer Liegenschaften des Beschul-
digten Grundbuchsperren:
Verfügung vom 28. Januar 2013 (Urk. 215005):
- Grundbuchblatt 6, Plan 7, H._-Str. ..., I._, 526 m2 Wiese und Stras-
se;
- Grundbuchblatt 8, Plan 9, Wohn- und Geschäftshaus mit Rest. BC._,
J._-Platz ..., I._, 186 m2, Gebäudegrundfläche und Hofraum;
- Grundbuchblatt 10, Lager- und Wohnhaus, J._-Platz ..., I._, Vers. Nr.
..., 210 m2 Gebäudegrundfläche und Hofraum.
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Verfügung vom 28. Januar 2013 (Urk. 214020):
- Grundbuchblatt 11, KTM ... L._, Wohnhaus (Assek.nr. 12) und Kleinge-
bäude (Assek.nr. 13), M._-Str. ..., L._;
Verfügung vom 17. Oktober 2013 (Urk. 216040)
- Grundbuchblatt 14, numero piano 15, ..., O._ ....
Im Rahmen der Betreibung für die Ersatzforderung sind diese Grundstücke der
Verwertung zuzuführen. Die Sperren sind nach Eintritt der Rechtskraft aufrecht-
zuerhalten, bis das zuständige Betreibungsamt in der Betreibung hinsichtlich der
Ersatzforderung über die Anordnung von Sicherungsmassnahmen gemäss
Art. 98 ff. SchKG entschieden hat.
2. Ersatzforderung
2.1. Sind die der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte nicht mehr vor-
handen, so erkennt das Gericht auf eine Ersatzforderung des Staates in gleicher
Höhe. Das Gericht kann von einer Ersatzforderung ganz oder teilweise absehen,
wenn diese voraussichtlich uneinbringlich wäre oder die Wiedereingliederung des
Betroffenen ernstlich behindern würde (Art. 71 Abs. 1 und 2 StGB).
2.2. Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, dass die einzuziehenden Vermö-
genswerte nicht einmal 10% der Schadenssumme ausmachen und die restlichen
Vermögenswerte nicht mehr vorhanden sind. Unter Berücksichtigung der Ver-
mögenslage des Beschuldigten, der Schadenssumme und der noch mit Grund-
buchsperren belegten Liegenschaften, hat sie den Beschuldigten zu einer Ersatz-
forderung in der Höhe von Fr. 1'000'000 verpflichtet. Dies erscheint angemessen
und wurde von der Verteidigung auch nicht substantiell bestritten (vgl. urk. 205
S. 27 f.).
2.3. Der Beschuldigte ist somit zu verpflichten, dem Staat als Ersatz für
den nicht mehr vorhandenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil
Fr. 1'000'000.-- zu bezahlen. Die Bezirksgerichtskasse ist anzuweisen, die Ersatz-
forderung gegen den Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft beim zuständi-
- 71 -
gen Betreibungsamt in Betreibung zu setzen und die für den Fortgang des Betrei-
bungsverfahrens erforderlichen Schritte zu veranlassen.
3. Verwendung der eingezogenen Vermögenswerte bzw. deren  sowie der Ersatzforderung
3.1. Erleidet jemand durch ein Verbrechen einen Schaden, der nicht durch eine
Versicherung gedeckt ist, und ist anzunehmen, dass der Täter den Schaden nicht
ersetzen wird, so spricht das Gericht dem Geschädigten auf dessen Verlangen
eingezogene Gegenstände und Vermögenswerte oder deren Verwertungserlös
unter Abzug der Verwertungskosten oder Ersatzforderungen bis zur Höhe des
Schadenersatzes, der gerichtlich festgesetzt worden ist, zu, vorausgesetzt, der
Geschädigte tritt dem Staat den entsprechenden Teil seiner Forderung ab (Art. 73
Abs. 1 und Abs. 2 StGB).
3.2. Angesichts der finanziellen Situation des Beschuldigten und dessen bishe-
rigen Verhaltens, ist nicht anzunehmen, dass er den Schadenersatz im Umfang
von EUR 4.346 Mio. auch aufbringen kann. Zudem hat die Privatklägerin anläss-
lich der Hauptverhandlung die Abtretung desjenigen Teils ihrer Forderung erklärt,
soweit vom Gericht eine Verwendung zu ihren Gunsten angeordnet werde
(Urk. 84 S. 8). Die Voraussetzungen für die Verwendung der Vermögenswerte
bzw. deren Verwertungserlös sowie der Ersatzforderung zu Gunsten der Privat-
klägerin sind deshalb erfüllt, weshalb sie bis zur Höhe der Schadenersatzforde-
rung ihr zuzusprechen sind. Von der entsprechenden Abtretung der Forderung
der Privatklägerin an die Staatskasse ist Vormerk zu nehmen.
3.3. Sollte nach Deckung der Verfahrenskosten und der Ersatzforderung ein
allfällig Restbetrag verbleiben, so fällt dieser – unter Vorbehalt eventuell be-
stehender anderweitiger Sicherungsmassnahmen – dem Beschuldigten zu.
4. Teilungsverfahren
Von diesem Entscheid ist gemäss Bundesgesetzes über die Teilung
eingezogener Vermögenswerte (TEVG) dem Bundesamt für Justiz Kenntnis zu
geben, was im vorinstanzlichen Urteil unterlassen wurde.
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VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich. Die Staatsanwalt-
schaft obsiegt vollumfänglich. Demzufolge ist der erstinstanzliche Schuldspruch
und somit die erstinstanzliche Kostenauflage zu bestätigen (Art 426 Abs. 1 StPO).
Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich der Kosten der amtlichen
Verteidigung sowie der Lagerkosten für das Bild, sind dem Beschuldigte aufzuer-
legen (Art. 428 StPO).
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind ausgewiesen und erscheinen an-
gemessen (Urk. 200/1-2). Hinzu kommen die Aufwendungen für die Berufungs-
verhandlung und Nachbesprechung. Die amtliche Verteidigung ist pauschal mit
Fr. 26'000.– für das gesamte Berufungsverfahren zu entschädigen.
Die obsiegende Privatklägerschaft hat gemäss Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO einen
Entschädigungsanspruch gegenüber der beschuldigten Person. Die geltend ge-
machte Entschädigung von Fr. 10'240.– ist belegt (Urk. 204/2) und erscheint im
Lichte der Komplexität des Verfahrens notwendig und angemessen. Der Beschul-
digte ist demgemäss zu verpflichten, der Privatklägerin für das Berufungs-
verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 10'240.-- zu bezahlen.