Decision ID: d2afa969-7615-4df6-ae0b-caca94fbb5ae
Year: 2010
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1. X._, geboren 1967, ist Turnlehrerin an der Kantonsschule G._, und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei den AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA; früher: Winterthur Versicherungen) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfall versichert. Gemäss Unfallmeldung vom 20. Februar 2007 (Urk. 9/1) erlitt die Versicherte am 30. Januar 2004 einen Anriss der langen Bizepssehne an der rechten Schulter, wobei sie ihren Angaben zufolge kein Unfallereignis bewusst wahrgenommen habe. Auf entsprechende Anfrage der AXA hin erklärte die Versicherte am 6. März 2007, die Schulterbeschwerden hätten im Laufe des Januars 2004 begonnen (Urk. 9/2).
Mit Schreiben vom 13. Juli 2007 (Urk. 9/6) teilte die AXA der Versicherten mit, dass es sich beim Ereignis vom 30. Januar 2004 weder um einen Unfall noch um eine unfallähnliche Körperschädigung gehandelt habe, weshalb ihr empfohlen werde, den Fall der Krankenkasse zu melden. Nachdem die AXA nach nochmaliger Prüfung der Sache aufgrund des Schreibens des Dr. med. A._, Facharzt für Chirurgie, Y._ Clinic Z._, vom 6. August 2007 (Urk. 9/M11) an der Ablehnung ihrer Leistungspflicht festgehalten hatte (Urk. 9/8), erging am 5. Oktober 2007 (Urk. 9/12) auf Veranlassung der Versicherten (Urk. 9/9) eine entsprechende Verfügung. Die dagegen am 12. November 2007 (Urk. 9/14) erhobene Einsprache wies die AXA mit Entscheid vom 18. März 2008 (Urk. 2) ab.
2. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob X._, vertreten durch ihren Vater, Rechtsanwalt Dr. Werner de Capitani, mit Eingabe vom 15. April 2008 (Urk. 1) Beschwerde mit folgenden Anträgen:
"1. Der Einspracheentscheid sei aufzuheben.
2. Die Beschwerdegegnerin sei zur Erbringung der aus der obligatorischen Unfallversicherung geschuldeten Leistungen zu verpflichten.
3. Die Beschwerdegegnerin sei zur Herausgabe der bei ihr von der Beschwerdeführerin im Einspracheverfahren vorgelegten Akten zu verpflichten."
In der Beschwerdeantwort vom 25. August 2008 (Urk. 8) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. In der Replik vom 22. September 2008 (Urk. 12) hielt die Beschwerdeführerin an ihrem bisherigen Standpunkt fest. Nachdem auch die Beschwerdegegnerin in der Duplik vom 22. Oktober 2008 (Urk. 15) bei ihrer bisherigen Beurteilung geblieben war, wurde der Schriftenwechsel mit Verfügung vom 23. Oktober 2008 (Urk. 16) als geschlossen erklärt.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, nachfolgend eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 6 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) kann der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) Gebrauch gemacht und insbesondere Sehnenrisse (lit. f), sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt.
1.2 Bei unfallähnlichen Körperschädigungen nach Art. 9 Abs. 2 UVV müssen zur Begründung der Leistungspflicht des Unfallversicherers mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit die übrigen Tatbestandsmerkmale des Unfalls erfüllt sein. Besondere Bedeutung kommt hierbei der Voraussetzung des äusseren Ereignisses zu, das heisst eines ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles (BGE 129 V 466 Erw. 2.2 S. 467). Die schädigende äussere Einwirkung kann in einer körpereigenen Bewegung bestehen (BGE 129 V 466 Erw. 4.1 S. 468 mit Hinweisen). Das Auftreten von Schmerzen als solches ist kein äusserer (schädigender) Faktor im Sinne der Rechtsprechung, weshalb dieser nicht gegeben ist, wenn die versicherte Person nur das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag (BGE 129 V 466 Erw. 4.2.1 S. 469). Nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors auch, wenn das erstmalige Auftreten der Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschreiben in der Lage ist. Vielmehr ist gemäss Rechtsprechung für die Bejahung eines äusseren auf den menschlichen Körper schädigend einwirkenden Faktors stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gefährdungspotential innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche Betätigungen zutreffen kann. Der äussere Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial ist sodann auch zu bejahen, wenn die in Frage stehende Lebensverrichtung einer mehr als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers, insbesondere seiner Gliedmassen, gleichkommt. Deswegen fallen einschiessende Schmerzen als Symptome einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV ausser Betracht, wenn sie allein bei der Vornahme einer alltäglichen Lebensverrichtung auftreten, ohne dass hiezu ein davon unterscheidbares äusseres Moment hineinspielt. Wer also lediglich beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung berufen. Die physiologische Beanspruchung des Skelettes, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar, dem ein zwar nicht ungewöhnliches, jedoch gegenüber dem normalen Gebrauch der Körperteile gesteigertes Gefährdungspotential innewohnen muss (BGE 129 V 466 Erw. 4.2.2 S. 470).
2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin für die Folgen der im Januar 2004 aufgetretenen Schulterverletzung leistungspflichtig ist. Dabei steht fest und ist unbestritten, dass die Versicherte keinen Unfall im Sinne von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) erlitten hat (Urk. 8 Ziff. 3, Urk. 12 Ziff. 6.1). Zu prüfen ist jedoch, ob die Verletzung eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV darstellt.
3.
3.1 Dr. A._ führte am 28. September 2006 (Urk. 9/M3) aus, die Versicherte habe beim Crawlen auf dem Surfbrett nach einer Fehlbewegung einen stichartigen Schmerz in der rechten Schulter verspürt und leide seither bei Überkopfbewegungen immer wieder an Schmerzen. Gestützt auf das auf seine Veranlassung hin in der Klinik B._ angefertigte Arthro-MRI vom 11. Dezember 2006 (Urk. 9/M6) stellte der Chirurg die Diagnose einer SLAP-Läsion (Abkürzung für "superior labrum anterior posterior"), eines Risses der Gelenkslippe am oberen Pfannenrand (Urk. 9/M4), welche am 10. Mai 2007 mittels arthroskopisch geführter Bizepsankerrefixation operativ versorgt wurde (Urk. 9/M7).
3.2 Dr. med. C._, Spezialarzt für Chirurgie, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, hielt in seinem Bericht vom 13. März 2008 (Urk. 9/M13) gestützt auf die eingesehenen MRI-Bilder eine vollständige Ablösung des Sehnenverankerungskomplexes bei Fehlen sonstiger degenerativer Veränderungen fest. Seiner Ansicht nach sei das Crawlen auf einem Surfbrett für eine Sportlehrerin keine ungewöhnliche Tätigkeit. Eine solche läge dann vor, wenn beispielsweise durch einen starken Wellenschlag eine unbeabsichtigte, reflektorische, plötzliche Bewegung mit Überlastung der Bizepsmuskulatur eingetreten wäre. In diesem Fall müsste eine unfallähnliche Körperschädigung bejaht werden.
4.
4.1 Die Versicherte gab weder in der Unfallmeldung vom 20. Februar 2007 (Urk. 9/1) unter dem Punkt "Unfallbeschreibung" noch in ihren ergänzenden Ausführungen vom 6. März 2007 (Urk. 9/2) eine unkontrollierte Bewegung an. Vielmehr führte sie aus, kein Unfallereignis bewusst wahrgenommen zu haben. Die Schulterschmerzen hätten im Laufe des Januar 2004 begonnen. Auch in der genaueren Schilderung der Geschehnisse in der Einsprache (Urk. 9/14) und in der Beschwerde (Urk. 1) gab die Beschwerdeführerin keine Fehlbewegung oder etwas Ähnliches an. Vielmehr lässt sich diesen Eingaben entnehmen, dass sie plötzlich in der rechten Schulter einen stichartigen Schmerz verspürt habe, als sie auf dem Surfbrett liegend mit den Armen Paddelbewegungen ausgeführt habe. Dass Dr. A._ im Bericht vom 28. September 2006 (Urk. 9/M3) und in seinem Schreiben vom 6. August 2007 (Urk. 3/3) eine Fehlbewegung erwähnte, ändert nichts, da es sich dabei nur um seine persönliche Interpretation handelt. Das Auftreten von Schmerzen als solches ist - wie oben dargelegt - kein äusserer schädigender Faktor. Sodann kann dem Paddeln mit den Armen auf dem Surfbrett liegend nicht generell ein gesteigertes Gefährdungspotential zugesprochen werden und zwar auch dann nicht, wenn das Meer bewegt ist. Dass es sich um ein berufsmässiges Training gehandelt haben soll (Urk. 1 S. 5), führt zu keinem anderen Ergebnis. Im Gegensatz zu den in BGE 129 V 466 aufgezeigten Beispielen für einen äusseren schädigenden Faktor fehlt es beim "normalen" Crawlen auf dem Surfbrett liegend an plötzlichen und unkontrollierten Bewegungen, vielmehr beinhaltet dies einen gleichmässigen Bewegungsablauf im Rahmen einer physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers. Insofern ist der vorliegende Sachverhalt vergleichbar mit demjenigen, bei dem eine Versicherte während des Turnens nach 40 Minuten beim Rennen einen stechenden Schmerz in der Wade verspürt hatte, und eine unfallähnliche Körperschädigung verneint wurde (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [heute: Bundesgericht] vom 31. Oktober 2003 in Sachen Helsana Versicherungen AG, U 100/03, Erw. 3.3). Die weiteren von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Einwände vermögen daran nichts zu ändern.
4.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass unter Berücksichtigung aller Umstände ein in den Bewegungsablauf hineinspielendes äusseres Moment und damit ein ausserhalb des Körpers liegendes, objektiv feststellbares, sinnfälliges äusseres Ereignis nicht nachgewiesen ist. Eine unfallähnliche Körperschädigung ist somit zu verneinen. Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht demnach zu Recht abgelehnt.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.