Decision ID: 9b5d236c-e986-4382-ad84-621e3c5bfb21
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der im Jahre 1979 geborene X._ besuchte in Serbien die Schule und war in den Jahren 2000 bis 2006 in Frankreich wohnhaft, bis er am 2. Septem
ber 2006 in die Schweiz einreiste. Der Versicherte verfügt über keine berufliche Ausbildung und war zuletzt als Verkäufer bei Y._ sowie als Securitas bei der Z._ angestellt (Urk. 7/35/1, Urk. 7/14, Urk. 7/20, Urk. 7/8, Urk. 7/2). Nach einer Schlägerei am 7. April 2013 musste der Versicherte infolge multipler Verletzungen bis am 13. April 2013 im A._ behandelt werden (Urk. 7/9/11-13). Seit diesem Ereignis leidet der Versicherte an psychischen Beschwerden und meldete sich in diesem Zusammenhang am 2. Februar 2014 bei der Sozialversicherungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2 S. 5 f.).
Mit Mitteilung vom 7. Januar 2015 gewährte die IV-Stelle im Rahmen von Frühinterventionsmassnahmen Beratung und Unterstützung bei der Stellen
suche (Urk. 7/32). Die genannte Massnahme wurde mit Mitteilung vom 11. September 2015 abgeschlossen (Urk. 7/37). Mit Vorbescheid vom 4. Janu
ar 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Leistungs
be
gehrens in Aussicht (Urk. 7/50) und hielt an diesem Entscheid mit Verfü
gung vom 23. Februar 2016 fest (Urk. 7/56 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter des Versicherten am 23. März 2016 Beschwerde und beantragte, es sei dem Beschwerdeführer eine seinem Gesundheitszu
stand angemessene Rente auszurichten, eventualiter sei die Sache zur Neube
ur
teilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Weiter sei dem Be
schwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihm der unterzeichnete Rechtsanwalt als unentgeltlicher Rechtsbeistand beizugeben; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Zwecks Abklärung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit sei im Sinne eines Be
weis
antrags bei einem unabhängigen Gutachter ein aktuelles bidisziplinäres psychiatrisch-neurologisches Gutachten einzuholen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2. Mai 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf die Akten die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Verfügung vom 6. Mai 2016 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Prozessführung bewilligt und ihm in der Person von Rechtsanwalt Sämi Meier
ein unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren be
stellt; weiter wurde dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zur Kennt
nis gebracht (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungs
ge
mäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. Novem
ber 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundes
ge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommens
ver
gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Validenein
kommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol
gen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig mög
lichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. All
gemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und dem
nach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurtei
lung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweis
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass das Unfallgeschehen vom 7. April 2013 keinen erheblichen und länger dau
ernden Gesundheitsschaden mit Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zur Folge gehabt habe. In einer Hilfsarbeitertätigkeit wie beispielswiese im Ver
kauf sei sowohl aus somatischer als auch aus psychischer Sicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben; ein IV-relevanter Gesundheitsschaden sei nicht aus
gewiesen (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass entgegen dem Gutachten von Dr. med. B._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. Juli 2014 beim Beschwer
de
führer von einer posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer mittel
gradigen depressiven Episode auszugehen sei, so dass nicht von einer unein
geschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne. Weiter leide der Beschwerdeführer seit dem Unfall auch an Schwindelgefühlen, Kopf
schmer
zen und Konzentrationsschwierigkeiten, welche eine Arbeitstätigkeit eben
falls erschweren würden. Zur Abklärung der massgebenden Arbeitsfähigkeit
sei die Einholung eines aktuellen bidisziplinären psychiatrisch-neurologi
schen
Gutachtens unumgänglich (Urk. 1 S. 6 ff.).
2.3
Der Beschwerdeführer beanstandete, die Beschwerdegegnerin habe sich in der angefochtenen Verfügung nicht in ernsthafter und nachvollziehbarer Weise mit seinen Einwendungen auseinandergesetzt (Urk. 1 S. 5 Ziff. 11). Es ist daher vorab zu prüfen, ob im Verwaltungsverfahren das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers hinreichend gewahrt wurde.
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Darstellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachver
haltes und der rechtlichen Erwä
gungen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Ent
scheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Be
haup
tung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte be
schränken (BGE 126 V 75 E. 5b/dd mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Entscheid mit Blick auf die am 2. Juni 2016 erhobenen Rügen (Urk. 7/53/1-6) dar, dass sie sich in medi
zinischer Hinsicht auf das Gutachten von Dr. B._ stütze; zudem erläuterte sie, weshalb nicht auf die Berichte der behandelnden Psychiaterin abzustellen sei (Urk. 2). Der Beschwerdeführer war denn auch durchaus in der Lage, die Verfügung und die von der Beschwerdegegnerin angeführten Motive sachgerecht anzufechten.
Eine Gehörsverletzung ist daher nicht ersichtlich.
3.
3.1
Der behandelnde Dr. med. C._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 16. April 2014 eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Zustand nach Trauma am
7. April 2013 (ICD-10 F43.1), eine mittelgradige depressive Episode mit soma
tischem Syndrom (ICD-10 F32.11) sowie eine nicht näher bezeichnete pho
bi
sche Störung (ICD-10 F40.9). Der Beschwerdeführer stehe seit dem 30. Mai 2013
in ihrer ambulanten Behandlung. Im Zuge der Therapiesitzungen alle 10-14 Tage habe der Beschwerdeführer kaum Akzeptanz zu einer psychia
trisch/psychologischen Behandlung aufbauen können; für eine psycho
phar
ma
kologische Unterstützung habe er nicht motiviert werden können, wobei auch transkulturelle Gründe zu berücksichtigen seien (vgl. dazu auch Urk. 7/53/8). In der angestammten Tätigkeit als Security sei der Beschwerde
führer nicht mehr arbeitsfähig, in einer angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, wobei die Arbeit mehr als eine therapeutische
Mass
nahme zu sehen sei. Die Schwindelsymptomatik könne an der HNO-Klinik
des D._ behandelt werden (Urk. 7/18).
3.2
Dr. B._ stellte in ihrem vom zuständigen Unfallversicherer in Auftrag gegebenen Gutachten vom 14. Juli 2014 (Urk. 7/25/5-35) die folgenden psychiatrischen Diagnosen: Entwicklung einer PTBS aktuell in Rückbildung begriffen, noch subsyndromal vorhanden (ICD-10 F43.1); Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen im Sinne einer psy
chischen Fehlverarbeitung von subjektiv erlebter Kränkung/Unge
rechtig
keit und bei psychosozialen Belastungen (ICD-10 F43.23); akzentuierte Per
sön
lichkeitszüge mit narzisstischen Merkmalen (ICD-10 Z73.1) sowie eine anamnestisch nicht näher bezeichnete phobische Störung ohne zu postu
lie
rende Arbeitsunfähigkeit (ICD-10 F40.9; Urk. 7/25/27).
Unter ausschliesslicher Berücksichtigung von unfallbedingten Beeinträch
ti
gungen im Rahmen der Restsymptomatik der PTBS sei der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Unter Berücksichtigung der unfallfremden Anpassungsstörung sei derzeit noch eine Einschränkung im Umfang von 10 bis maximal 20 % gegeben, aufgrund der gedanklich-
emo
tionalen „Absorbiertheit“ durch die übermässige Beschäftigung mit seinen
Wut- und Rachegefühlen auf die Täter sowie mit dem immer noch nicht abgeschlossenen Prozess und auch mit seinen Sorgen im Zusammenhang mit psychosozialen Belastungen. Diese Beurteilung gelte spätestens ab dem Zeit
punkt der Begutachtung (Urk. 7/25/31).
3.3
In ihrem Bericht vom 4. November 2015 ergänzte Dr. C._ die in ihrem Bericht vom 16. April 2014 gestellten Diagnosen dahingehend, dass der Beschwerdeführer zusätzlich an einer posttraumatischen Verbitterungs
störung - Anpassungsstörung (ICD-10 F43.8) leide. Die Behandlungsdynamik sei verschieden gewesen. Aufgrund der beruflichen Massnahmen sowie diver
ser Kurse beim RAV hätten die Therapiesitzungen einmal in zwei Mona
ten stattgefunden. Hinsichtlich der Einnahme von Psychopharmaka habe sie schon in ihrem vorherigen Bericht Stellung bezogen. Durch methoden
über
greifende Psychotherapie sowie physiotherapeutische Massnahmen sei eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit möglich. Da eine intensive Behandlung stattfinden solle, sei in einer angepassten Tätigkeit von einer Einschränkung von 50 bis 70 % auszugehen. Mittel- bis langfristig sehe sie den Beschwerde
führer mit einer 50%igen Leistungsfähigkeit im Berufsleben integriert (Urk. 7/46).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer machte geltend, er leide nicht nur an psychischen,
sondern auch an somatischen Beschwerden mit Auswirkungen auf die Ar
beit
s
fähigkeit. Dabei nannte er Schwindelattacken mit begleitenden fronta
len Kopf
schmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten (Urk. 1 S. 7 Ziff. 18).
Er übersieht, dass er selbst anlässlich der Anmeldung zum Leistungsbezug nur ein depressives Geschehen und entsprechende Behandlungen erwähnte (Urk. 7/2/5). Dr. C._ referierte zwar im Bericht vom 18. Februar
2014 die Klagen des Beschwerdeführers wie Schwindelattacken, Kopf
schmer
zen, Konzentrationsmangel und Gedächtnisstörungen (Urk. 7/9/3), ohne je
doch
weitere Abklärungen zu veranlassen. Im am 27. März 2014 bei der Beschwer
degegnerin eingegangenen Bericht bezeichnete der Hausarzt den somatischen Gesundheitszustand als gut; er habe den Beschwerdeführer seit August 2013 nicht mehr gesehen (Urk. 7/10/2). Dies stimmt im Wesentlichen überein mit dem am 2. April 2014 eingegangenen Bericht von Dr. med. E._, Assi
stenzarzt in der Chirurgischen Klinik des Stadtspitals A._, der aus so
ma
tischer Sicht keine berufliche Einschränkung mehr bescheinigte (Urk. 7/13/2). Anlässlich eines Untersuchs im Schwindelzentrum des D._ vom 9. Mai 2014, wo ein benigner paroxysmaler
Lagerungs
schwin
del diagnostiziert wurde, verneinte der Beschwerdeführer Kopf
schmer
zen (Urk. 7/25/3), was an der Konsistenz seiner gegenüber der befassten Psy
chiaterinnen geklagten intermittierenden Kopfschmerzen (vgl. Urk. 7/25/25 unten) zweifeln lässt. Therapeutisch wurde von den Neuro-Otologen des D._ Lagerungsproben und Manöver durchgeführt und in Bezug auf den psycho
physischen Anteil der Schwindelproblematik auf die psy
chia
trische Behand
lung verwiesen. Allerdings ist nicht aktenkundig, dass der Be
schwerdeführer die bei Persistenz der Schwindel angebotene Wiederholung der Lagerungs
pro
ben (Urk. 7/25/2-3) in Anspruch genommen hätte. Vielmehr gab der Beschwerdeführer gegenüber dem Gutachter an, dass er seither prak
tisch keinen Schwindel mehr habe (Urk. 7/25/11) und die körperlichen Unfall
folgen abgeheilt seien (Urk. 7/25/13).
Die beschwerdeweise subjektiv geklagten somatischen Beschwerden finden nach
dem Gesagten in den medizinischen Akten keine Stütze und von den
be
an
tragten ergänzenden Abklärungen sind diesbezüglich keine neuen Er
kennt
nisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist. Der Beschwer
de
gegnerin ist beizupflichten, dass aus somatischer Hinsicht keine Einschrän
kungen mehr bestehen.
4.2
Dr. B._ legt den medizinischen Sachverhalt in ihrem Gutachten vom 14. Juli 2014 in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise in Kenntnis der Vorakten, auch der Berichte der behandelnden Psychiaterin, dar (Urk. 7/25/8-9). Insbesondere legt sie ausführlich dar, inwiefern hinsichtlich der PTBS nur noch von einer Restsymptomatik auszugehen, aktuell kein de
pressives Geschehen erkennbar sei und mittlerweile eine Anpassungs
stö
rung im Vordergrund stehe (Urk. 7/25/22-26). Weiter konnte Dr. B._ keine Konzentrationsschwäche feststellen (Urk. 7/25/25), wobei sie im Rahmen der Anpassungsstörung ohnehin ein gewisses Mass an gedanklich-emotionaler „Absorbiertheit“ mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit akzeptierte. Grund
sätz
lich kann demnach auf die Ergebnisse des genannten Gutachtens abgestellt werden.
4.3
Hinsichtlich des Beweiswerts ist anzumerken, dass es sich beim genannten Gutachten um ein
vom
Versicherungsträger im Rahmen des unfallversiche
rungsrechtlichen Verfahrens veranlasstes
Gutachten
bei einer unabhängigen Gutachtensstelle handelt, so dass die gegenüber
Berichten und Gutachten
von versicherungsinternen
Ärztinnen und Ärzte
bestehenden beweisrecht
lichen Vorbehalte vorliegend unbeachtlich sind
(
vgl. etwa
BGE 139 V 225 E. 5.2; BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_348/201
6 vom 9. Dezember 2016 E. 2.4).
4.4
4.4.1
Auch die Berichte der behandelnden Fachärztin, Dr. C._, ver
mö
gen die Ergebnisse des Gutachtens nicht in Frage zu stellen. So ist in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von be
han
delnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfah
rungs
tatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf
trags
recht
liche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati
en
tinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Dass die Beurteilung der behandelnden Psychiaterin hier mit grösserer Zurückhaltung zu würdigen ist, erscheint auch mit Blick auf die von ihr empfohlenen juristischen Schritte (Urk. 7/53/14) gerechtfertigt, da diese eine gewisse Nähe
zum Beschwerdeführer nicht ausschliessen lassen. Zudem sieht auch Dr.
C._
in einer angepassten Tätigkeit unter Ausschluss therapeu
ti
scher Überlegungen eine Arbeitsfähigkeit von 50 % als gegeben.
Hinsichtlich der gestellten Diagnosen zeigte die Gutachterin in Auseinan
der
setzung mit den entsprechenden medizinischen Kriterien überzeugend auf,
wes
halb sie die PTBS als am Abklingen erachtete (Urk. 7/25/23-24). Die be
han
d
elnde Psychiaterin kritisierte zwar die Schlussfolgerungen der Gut
ach
terin (Urk. 3/5), ohne indes für den Rechtsanwender in medizinischer Hin
sicht nachvollziehbar darzulegen, weshalb diese nicht treffend sein sollen; ins
besondere schilderte sie selbst keine Befunde, welche ihre Diagnose zu unter
mauern vermöchten. Dies gilt auch für die von Dr. C._ pos
tu
lierte phobische Störung (Urk. 3/4 und Urk. 3/6). Die Gutachterin erläu
ter
te, dass die von ihr diesbezüglich erhobenen Befunde im Rahmen der PTBS zu fassen seien (Urk. 7/25/25 unten und Urk. 7/25/23). Daran vermag die nicht weiter begründete Einschätzung von Dr. C._ keinen Zweifel zu wecken.
4.4.2
Selbst wenn man - entsprechend der Einschätzung der behandelnden Psy
chiaterin - das depressive Geschehen im Vordergrund sehen würde (depressiv
gestimmt, antriebsarm, überfordert mit der aktuellen Lebens- und Gesund
heits
situation, Urk. 7/46 S. 4), wäre überdies darauf hinzuweisen, dass ge
stützt auf die ständige Rechtsprechung des Bundesgerichts die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode grundsätzlich als therapeutisch angehbar
gilt. In diesem Zusammenhang hielt das Bundesgericht fest, dass
im Gebiet der Invalidenversicherung ganz allgemein der Grundsatz
gelte
, dass die inva
lide Perso
n, bevor sie Leistungen verlange
, alles ihr
Zumutbare selber vorzu
kehren habe
, um die Folgen ihrer Invalidität bestm
öglich zu mildern (BGE 113 V 28
E.
4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung
sei
Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Scha
den
minderungspflicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom 10. Novem
ber 2014 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). Daneben wies das Bun
des
gericht darauf hin, dass erst ein Scheitern einer konsequent durchge
führ
ten Depressionstherapie ein Leiden als resistent ausweisen würde (Urteil des Bundesgerichts 9C_667/2013 vom 29. April 2014 E. 4.3.2). Dabei seien die Behandlungsmöglichkeiten optimal und nachhaltig auszuschöpfen (BGE 140 V 193).
Vorliegend kann keinesfalls von einer konsequenten Ausschöpfung der the
ra
peutischen Möglichkeiten gesprochen werden. Nachdem der Beschwerde
führer zu Beginn der Therapie noch rund alle zwei Wochen Therapie
sitz
ungen wahrnahm, ist dem Bericht von Dr. C._ vom 4. November 2015 eine Therapiefrequenz von sechs Mal pro Jahr zu entnehmen. Zudem fand zu keiner Zeit eine Therapie mit Psychopharmaka statt (Urk. 7/25/13), trotz verschiedener Hinweise auf einen entsprechenden Therapiebedarf (Urk. 7/25/37, Urk. 7/40). Selbst wenn daher von einer mittelgradigen de
pres
siven Episode ausgegangen würde, liesse sich damit – mangels ausge
wie
sener Resistenz des Leidens - kein IV-relevanter Gesundheitsschaden begrün
den.
4.5
Zusammenfassend kann auf das Gutachten von Dr. B._ vom 14. Juli 2014 abgestellt werden, so dass in einer angepassten Tätigkeit spätestens ab dem 27. Mai 2014 (Datum der Begutachtung, Urk. 7/25/6) von einer zumindest 80%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen ist.
5.
5.1
Bezüglich des Valideneinkommens ist anzumerken, dass der Beschwerde
führer nach eigenen Angaben vor dem Unfall durch seine Tätigkeiten als Y._ Verkäufer sowie als Security ein Einkommen von höchstens Fr. 3‘800.-- pro Monat erzielte (Urk. 7/28/117 oben); der IK-Auszug weist dabei noch geringere Einkünfte aus (Urk. 7/8). Aufgrund der Höhe des Einkommens sowie der stetigen leichten Schwankungen erscheint es dabei
zu
gunsten des Beschwerdeführers angezeigt, sowohl das Validen- als auch da
s Invalideneinkommen anhand statistischer Durchschnittswerte zu ermitteln. Dabei kann rechnerisch ein Prozentvergleich erfolgen; diesfalls
ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichtigung eines (allfälligen) Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. etwa Bundes
gerichtsurteil 9C_532/2016 vom 25. November 2016 E. 3.1 mit Hinweis;
Meyer/Reichmuth,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014 N 35 f. zu Art. 28a).
5.2
Auszugehen ist wie erwähnt von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer angepassten Tätigkeit, wobei der Beschwerdeführer aufgrund des Vorfalls vom 7. April 2013 nicht mehr als Sicherheitsmitarbeiter (mit der Gefahr einer erneuten Auseinandersetzung) tätig sein sollte, weiter sind gegenwärtig Tätigkeiten mit viel Kundenkontakt ungünstig (Urk. 7/25/31).
Bei diesem Tätigkeitprofil drängt sich beim Beschwerdeführer grundsätzlich kein leidensbedingter Abzug vom Invalideneinkommen auf, da ihm trotz dieser Einschränkungen noch ein weites Feld an zumutbaren Tätigkeiten offen steht. Hinzuweisen ist dabei, dass sogar d
as Angewiesensein auf das
Ent
gegenkommen eines verständnisvollen Arbeitgebers praxisgemäss kein ane
r
kanntes eig
enständiges Abzugskriterium dar
stellt (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_176/2012 vom 3. September 2012 E. 8, Urteil 8C_91/2013
vom 22. August 2013 E. 3.3.4), was zu einem Invaliditätsgrad von 20 % führt. Selbst wenn man grosszügigerweise einen Abzug in der Höhe von 10 % ge
währen würde, hätte dies noch immer einen rentenausschliessenden Invalidi
tätsgrad von 28 % zur Folge (1 - [0.8 x 0.9] x 100 %). Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zu
legen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.2
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss § 8 in Ver
bindung mit § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Ent
schädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (GebV SVGer) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für un
nö
tigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
6.3
Der von Rechtsanwalt Sämi Meier
mit Honorarnote vom 20. Februar 2017
unterzeichnet mit „i.V." und unleserlicher Unterschrift geltend gemachte Aufwand von 14.4 Stunden und Barauslagen von 3 % in der Höhe von Fr. 108.-- (Urk. 11) sind der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass er den Beschwerdeführer schon im Vorbescheidverfahren vertrat (Urk. 7/53). Damit waren die Akten bekannt und der Instruktionsaufwand gering. Im Weiteren ist nicht ersichtlich, weshalb der telefonische Kontakt vom 27. März 2016 mit der behandelnden Ärztin (Urk. 11) durch das Gericht zu ent
schä
di
gen wäre, datiert doch deren letzter in diesem Verfahren aufliegende Be
richt vom 20. Januar 2016 (Urk. 3/6).
Sodann ist festzuhalten, dass der Anwalt mit dem Mandat, für eine unbe
mittelte Partei als Rechtsvertreter tätig zu werden, keinen privaten Auftrag übernimmt. Das Mandat kann verbindlich nur durch den Kanton selbst erteilt werden und stellt die Übernahme einer staatlichen Aufgabe dar. Der Anwalt tritt zum Staat in ein Verhältnis ein, das vom kantonalen öffentlichen Recht bestimmt wird. Die Bestellung eines Anwalts zum unentgeltlichen Rechts
bei
stand stellt eine Verfügung dar, welche das besondere öffentlich-rechtliche Rechtsverhältnis zwischen Anwalt und Staat begründet (BGE 141 I 70 E. 6.1) und der beauftragte Rechtsvertreter ist grundsätzlich zu persönlichen Erfül
lung des Auftrages verpflichtet. Ein Wechsel des unentgeltlichen Rechtsbei
standes bedarf der richterlichen Bewilligung (BGE 141 I 70 E. 6.2).
Antragsgemäss wurde mit Gerichtsverfügung vom 6. Mai 2016 Rechtsanwalt Sämi Meier als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (Urk. 8). Dieser legte am 7. Juni 2016
dar, dass er die Beschwerde persönlich verfasst, aber auf
grund einer kurzfristigen Abwesenheit
- wie bereits im nicht von der unent
geltlichen Rechtsvertretung beschlagenen Einwandverfahren (Urk. 7/53, vgl.
auch Urk. 7/42) - ein Kollege den Akt des Signierens sowie den Versand über
nommen habe (Urk.
9).
Dessen Bemühungen, die in der Honorarnote nicht beziffert wurden (Urk. 11) und daher ermessensweise unter Berücksichti
gung des beim Unterzeichnen anfallenden Aufwands für das Korrekturlesen auf eine Stunde festzusetzen ist (§ 7 Abs. 2 GebV SVGer), sind nach dem Ge
sagten nicht durch das Gericht zu entschädigen.
Angesichts der zu studierenden, bereits bekannten 57 Aktenstücke der Be
schwer
degegnerin, der etwa 11-seitigen Beschwerdeschrift sowie der in ähn
li
chen Fällen zugesprochenen Beträgen ist die Entschädigung von Rechts
an
walt Sämi Meier bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 2‘100.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
6.4
Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern er dazu in der Lage ist.