Decision ID: 95623f10-a1d0-5ef2-bec2-09dbec5239f1
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Roos, Postgasse 5, Postfach,
9620 Lichtensteig,
gegen
AXA Versicherungen AG, General Guisan Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christoph Frey, Genferstrasse 24, 8002 Zürich,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1976 geborene L._ war bei der A._ tätig und dadurch bei der AXA
Versicherungen AG (ehemals: Winterthur Versicherungen) obligatorisch gegen die
Folgen von Unfällen versichert, als sich am 16. April 2003 bei der Arbeit an einer
Maschine ihre Jacke in einer Spule verfangen hat und anschliessend ihr Arm unter
diese gezogen wurde (act. G 10.3/A 1). Die Versicherte konnte die Maschine nicht
abstellen, da der Schalter nicht in der Nähe war. Andere Mitarbeiter waren zu diesem
Zeitpunkt nicht anwesend. Die verzweifelte Situation dauerte ca. eine halbe Stunde, bis
ein Putzmann sie hörte und Hilfe holen konnte (act. G 10.3/A 7 und 9). Eine am
Unfalltag durchgeführte Untersuchung im Spital ergab die Diagnosen einer Kontusion
und Prellung des linken Ellbogens der linken Schulter. Als Befunde wurden
Schürfungen sowie eine oberflächliche Rissquetschwunde am linken Ellbogen
festgestellt. Der Röntgenbefund ergab keine ossären Läsionen (act. G 10.2/M 1, 3 und
4). Am 8. Oktober 2003 diagnostizierte Dr. med. B._, Fachärztin für Allgemeine
Medizin, einen Status nach Quetschtrauma linker Arm mit Schulterkontusion und
posttraumatischer Verarbeitungsstörung (act. G 10.2/M 8). Dr. med. C._, Fachärztin
für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im Arztbericht
vom 21. November 2003 eine posttraumatische Reaktion mit massiven
Angstzuständen, Panikattacken und reaktiver Depression. Zur Zeit bestehe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 10.2/M 10). Im polydisziplinären Gutachten der
MEDAS Ostschweiz vom 21. Juli 2004 (act. G 10.2/M 24) wurden die Diagnosen
persistierende Schmerzsymptomatik im Bereich des linken Arms und eine
posttraumatische Belastungsstörung infolge Arbeitsunfall vom 16. April 2003 mit
ausgeprägten Angstzuständen, Panikattacken und Depression erhoben. Aus
orthopädischer und neurologischer Sicht bestehe keine wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht bestehe gemäss dem psychiatrischen
Konsiliargutachten von Dr. med. D._, Facharzt für Neurologie, Allgemeine Medizin
FMH, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, für jegliche Erwerbstätigkeit eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit (act. G 10.2/ M 25 S. 17). Dr. med. E._, Psychiatrie
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und Psychotherapie FMH, beratender Arzt der Unfallversicherung, hielt in den
Berichten vom 20. Januar und 4. Mai 2005 (act. G 10.2/M 17 und 19) fest, dass die
Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht gestellt werden könne.
Vom 9. bis 30. März 2005 erfolgte ein stationärer Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik
Valens. Im Austrittsbericht vom 18. April 2005 wurde die Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung mit persistierenden Schmerzen im linken Arm
bei einem Status nach Arbeitsunfall mit Schulter- und Ellbogenkontusion gestellt (act.
G 10.2/M 18).
A.b Anlässlich einer Besprechung vom 15. Dezember 2005 eröffnete die AXA
Versicherungen AG der Versicherten, dass seit Herbst 2004 Überwachungen
durchgeführt worden seien, welche ergeben hätten, dass sie ein völlig normales Leben,
ohne erkennbare Einschränkungen, führe (act. G 10.3/A 45).
A.c Mit Verfügung vom 22. Dezember 2005 (act. G 10.3/A 46) teilte die AXA
Versicherungen AG der Versicherten mit, dass der natürliche Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall vom 16. April 2003 und den geltend gemachten Beschwerden
und der daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit spätestens ab 30. April 2004 nicht
mehr mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sei und daher die Voraussetzungen für die Ausrichtung von
Versicherungsleistungen nicht mehr gegeben seien. Sie behalte sich vor, die aufgrund
der Verletzung der Auskunftspflicht unrechtmässig bezogenen Leistungen vom 1. Mai
2004 bis 30. November 2005 zurückzufordern. Die gegen diese Verfügung erhobene
Einsprache wies die Beschwerdegegnerin mit Einspracheentscheid vom 30. Oktober
2007 (act. G 10.3/A 59) ab.
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die von Rechtsanwalt Markus Roos,
Lichtensteig, eingereichte Beschwerde vom 30. November 2007 mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid vom 30. Oktober 2007 und die Verfügung vom 22. Dezember
2005 seien vollumfänglich aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten,
die per 30. November 2005 eingestellten Leistungen wieder auszurichten; unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen. Im Weiteren beantragte der Rechtsvertreter für die
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Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtsverbeiständung. Zur Begründung wird im
Wesentlichen ausgeführt, die Beschwerdegegnerin verwende die Beweise bzw. die
eingeholten ärztlichen Gutachten einseitig zu ihren Gunsten und lehne nachteilige
Berichte pauschal ab. Die Überwachung der Beschwerdeführerin sei ohne
nachvollziehbaren Grund bzw. in unverhältnismässiger Art und Weise erfolgt. Das
rechtliche Gehör sei wiederholt missachtet worden, indem die Beschwerdegegnerin die
medizinischen Akten und die Überwachungsdokumente ihren beratenden Ärzten, Dr.
med. F._, Spezialarzt FMH Chirurgie, und Dr. med. G._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, vorgelegt habe, ohne die Beschwerdeführerin darüber zu
informieren. Sie habe somit keine Gelegenheit gehabt Ergänzungsfragen zu stellen
bzw. sich zu den vorgesehenen Ärzten zu äussern. Die Beschwerdegegnerin habe sich
in der Folge willkürlich auf diese Parteiberichte berufen, welchen im Gegensatz zum
MEDAS-Gutachten keine Gutachterqualität zukomme. Die Diagnosen der Klinik Valens
und von Dr. B._ seien im Einspracheentscheid weder erwähnt noch gewürdigt
worden. Ausserdem habe die Beschwerdegegnerin ohne nachvollziehbaren Grund 21
Monate benötigt, um ihren Einspracheentscheid zu fällen. Durch die ungerechtfertigte
Verzögerung habe sie gegen das Willkürverbot verstossen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 25. März 2008 beantragt Rechtsanwalt Christoph
Frey, Zürich, namens und im Auftrag der Beschwerdegegnerin Abweisung der
Beschwerde vom 30. November 2007. Gestützt auf die damaligen ärztlichen Berichte
und die Ergebnisse der getätigten Überwachungsmassnahmen hätten begründete
Zweifel an der Richtigkeit der Ausführungen des Konsiliargutachtens von Dr. D._
bestanden, weshalb das Gutachten Dr. E._ zur kritischen Prüfung und Stellungnahme
vorgelegt worden sei. Die Überwachungsergebnisse würden einen klaren Widerspruch
zu den geklagten Beschwerden aufzeigen. Aufgrund der Aktenlage sei sowohl aus
medizinischer als auch aus überwachungstechnischer Sicht nicht auf das Gutachten
von Dr. D._ abzustellen. Bei einem aktengestützten internen ärztlichen Gutachten
habe die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin nicht vorgängig zu
benachrichtigen oder ihr Gelegenheit zu Anschlussfragen zu geben. Ebenso wenig
habe sie dafür bei der Beschwerdeführerin eine entsprechende Vollmacht einzuholen.
Der Austrittsbericht der Klinik Valens äussere sich zudem nicht zur Frage der Kausalität
der angeblichen Belastungsstörung. Die Beobachtungen der Beschwerdeführerin seien
aufgrund begründeter Verdachtsmomente und nicht in unverhältnismässiger Weise
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durchgeführt worden. Aufgrund der umfassenden medizinischen Aktenlage sowie der
Ergebnisse der Überwachung habe die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt
umfassend und rechtsgenügend gewürdigt und gestützt darauf die natürliche
Kausalität verneint. Auf die Einholung eines Obergutachtens sei zu Recht verzichtet
worden. Die Beschwerden seien spätestens ein Jahr nach dem Unfall als abgeheilt zu
betrachten.
B.c Mit Replik vom 1. September 2008 hielt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin an den gestellten Anträgen fest. Zusätzlich wurde die Einholung
eines Obergutachtens beantragt. Auf die konkreten Begründungen in der Replik wird –
soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
B.d Mit Duplik vom 31. Oktober 2008 hielt auch der Rechtsvertreter der
Beschwerdegegnerin unverändert am Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest und
legte ergänzend eine Beurteilung von Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Allgemeine Medizin FMH, vom 13. Dezember 2004 (act. G 30.1)
sowie 4 DVD-Aufnahmen der Observation (act. G 30.2) ins Recht.

Erwägungen:
1.
Mit Verfügung vom 22. Dezember 2005 eröffnete die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin, dass der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall
vom 16. April 2003 und den angegebenen Beschwerden sowie der daraus
resultierenden Arbeitsunfähigkeit ab 30. April 2004 nicht mehr mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sei und die
Versicherungsleistungen deshalb per diesem Datum eingestellt würden. Die
Beschwerdegegnerin erbrachte jedoch effektiv bis am 30. November 2005
Versicherungsleistungen und behielt sich daher in der Verfügung vom 22. Dezember
2005 eine Rückforderung der unrechtmässig bezogenen Leistungen für den
entsprechenden Zeitraum ausdrücklich vor. Die Verfügung wurde mit
Einspracheentscheid vom 30. Oktober 2007 bestätigt. In der Beschwerde vom 30.
November 2007 lässt die Beschwerdeführerin im Rechtsbegehren unter Ziffer 3 die
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Wiederausrichtung der per 30. November 2005 eingestellten Leistungen beantragen.
Der angefochtene Einspracheentscheid bildet den Anfechtungsgegenstand des
vorliegenden Verfahrens. Eine rückwirkende Einstellung von Versicherungsleistungen
ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Zu prüfen ist somit, ob die Einstellung der
Versicherungsleistungen per 30. April 2004 zu Recht erfolgte.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin lässt mehrfach die Verletzung des rechtlichen Gehörs
rügen, da die Beschwerdegegnerin mehrere ärztliche Gutachten und Berichte nicht
vollständig bzw. überhaupt nicht gewürdigt und in ihren Entscheid nicht miteinbezogen
habe. Ausserdem seien diverse ärztliche Berichte von der Beschwerdegegnerin
selbständig in Auftrag gegeben worden, um das gewünschte Ergebnis - die
Leistungseinstellung - zu untermauern. Diese Aufträge an die beratenden Ärzte seien
ohne vorgängige Information der Beschwerdeführerin und ohne entsprechende
Vollmacht erteilt worden.
2.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist im vorliegenden Verfahren
keine Verletzung des rechtlichen Gehörs erkennbar. Der Beschwerdegegnerin haben
beim Entscheid sämtliche medizinischen Akten vorgelegen und sie hat - insbesondere
bezüglich der Berichte von Dr. D._ - begründet, weshalb sie sich auf gewisse
Berichte und Gutachten gestützt hat und weshalb auf andere nicht. Ein solches
Vorgehen ist - insbesondere bei sich widersprechenden Gutachten und Berichten -
legitim und es kann nicht der Vorwurf erhoben werden, es seien ärztliche Berichte nicht
gewürdigt worden. Es handelt sich insofern um eine Frage der Beweiswürdigung und
nicht um eine Verletzung des rechtlichen Gehörs oder eine willkürliche Würdigung von
Beweisen, auch wenn nicht alle ärztlichen Berichte explizit in die Beurteilung
miteinbezogen worden sind. Des Weiteren ist es zulässig, dass die
Beschwerdegegnerin die medizinischen Akten ihren Vertrauensärzten zur
Stellungnahme vorlegt. Eine vorgängige Information an die Beschwerdeführerin oder
eine entsprechende Vollmacht ist in einem solchen Fall nicht notwendig. Auch muss
der Beschwerdeführerin bei Stellungnahmen von Vertrauensärzten nicht die
Möglichkeit gegeben werden, Ergänzungsfragen zu stellen. Entscheidend ist, dass ihr
im Rahmen der Gewährung der Aktensicht sämtliche Berichte vorlagen und sie sich
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dazu äussern konnte. Auf Ausführungen zum Beweiswert solcher Berichte von
versicherungsinternen Ärzten kann an dieser Stelle verzichtet werden, da der
Beweiswert eines ärztlichen Berichts bezüglich der Frage einer Verletzung des
rechtlichen Gehörs nicht von Relevanz ist.
3.
3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt zunächst voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinn des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht
zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität
der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung
entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die
Verwaltung oder im Beschwerdefall das Gericht nach dem im Sozialversicherungsrecht
üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die
blosse Möglichkeit eines Kausalzusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181, BGE 119 V 337 f. E. 1). Die Leistungspflicht
des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und
dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der
Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolgs zu gelten,
wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen
Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen
herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis allgemein als
begünstigt erscheint (BGE 129 V 181, 119 V 337 f. E. 1). Aufgabe des Arztes ist es
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dabei, den natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, während es dem Gericht
obliegt, die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (PVG
1984 Nr. 82, 174). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt
dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (BGE 129 V 177, E. 3 mit Hinweisen).
Bei physischen Unfallfolgen hat jedoch die Adäquanz gegenüber dem natürlichen
Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 118 V 291 f. E.
3a).
3.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei
einander widersprechenden Arztberichten den Prozess nicht erledigen, ohne das
gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die
eine und nicht die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist
grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten
(BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen). Auch den Berichten versicherungsinterner Ärzte
kann rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311).
4.
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4.1 Die körperlichen unfallbedingten Beschwerden konzentrieren sich bei der
Beschwerdeführerin auf den linken Arm. Noch am Unfalltag wurde im Spital eine
Kontusion des linken Ellbogens und der linken Schulter festgestellt. Der
Röntgenbefund ergab keine ossären Läsionen. Auch Dr. B._ diagnostizierte am 2.
Juli 2003 (act. G 10.2/M 5) ein Quetschtrauma am linken Arm sowie eine
Schulterdistorsion. Dr. med. I._, Innere Medizin FMH, stellte am 31. Juli 2003 (act. G
10.2/M 6) die Diagnose eines traumatischen Zervikothorakobrachialsyndroms links.
Dem polydisziplinären MEDAS-Gutachten vom 21. Juli 2004 (act. G 10.2/M 24 und 26)
ist eine persistierende Schmerzsymptomatik zu entnehmen. Der körperliche Befund sei
unauffällig. Die Gelenksbeweglichkeit an der linken oberen Extremität sei frei und es
würden sich keine Schonungszeichen zeigen. Klinisch-neurologisch lasse sich kein
objektivierbarer pathologischer Befund erheben. Der Versuch einer
elektroneurographischen Untersuchung des linken Arms sei unter Angabe von starken
Schmerzen und mangelnder Kooperationsfähigkeit der Beschwerdeführerin nur
teilweise gelungen, die erhobenen Befunde wären aber normal gewesen. Es sei
anzunehmen, dass die geklagten Armschmerzen Ausdruck der diagnostizierten
posttraumatischen Belastungsstörung seien. Da weder knöcherne Verletzungen
festgestellt worden seien, noch jemals Anhaltspunkte für eine Nervenläsion bestanden
hätten und die oberflächlichen Verletzungen narbenlos abgeheilt seien, sei aus
neurologischer Sicht davon auszugehen, dass die Schmerzsymptomatik über ein Jahr
nach dem Unfall komplett abgeklungen sein müsste. Aus rein neurologischer Sicht
ergebe sich aus diesem Grund auch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit; es seien
keine weiteren Heilbehandlungen notwendig oder sinnvoll. Orthopädischerseits würden
die physiotherapeutischen Massnahmen subjektiv eine Beschwerdelinderung bewirken.
Von orthopädischer und neurologischer Seite wurde der Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfallereignis und den geklagten Armbeschwerden verneint.
4.2 Diese Erkenntnis wird auch in den folgenden medizinischen Berichten bestätigt.
Beim stationären Aufenthalt in der Klinik Valens konnten von somatischer Seite kaum
Ansatzpunkte für eine Therapie ausgemacht werden, weshalb die Beschwerdeführerin
in ein spezielles Schmerzbewältigungsprogramm aufgenommen wurde. Dr. F._ teilte
im Bericht vom 15. August 2007 (act. G 10.2/M 27) mit, dass die von der
Beschwerdeführerin erlittene Verletzung ohne skelettale Schädigungen und ohne
Vorliegen peripherer neurologischer Ausfallerscheinungen normalerweise innerhalb
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weniger Wochen abheile. Aus rein morphologischer Sicht sei längst von einem Status
quo sine auszugehen, wobei dieser grosszügig bemessen spätestens ca. sechs
Monate nach dem Unfall anzunehmen sei.
4.3 Aufgrund der Aktenlage ist somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass jedenfalls per 30. April 2004 die geklagten körperlichen
Beschwerden nicht mehr in einem kausalen Zusammenhang mit dem Unfallereignis
standen. Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin an psychischen Beschwerden
leidet, welche in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall
vom 16. April 2003 stehen.
5.
5.1 Bezüglich der psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin sind den
medizinischen Akten verschiedene, teils diametral entgegengesetzte Meinungen zu
entnehmen. Insbesondere ist strittig, ob das Unfallereignis bei der Beschwerdeführerin
eine posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst hat oder nicht. Auf die Würdigung
der einzelnen Gutachten und medizinischen Berichte und auf die Beantwortung der
Frage, ob das Unfallereignis bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische
Belastungsstörung verursacht hat, kann vorliegend jedoch verzichtet werden. Denn
selbst wenn das Vorliegen einer psychischen Störung und deren natürlicher
Kausalzusammenhang zum Unfall vom 16. April 2003 zu bejahen wäre, fehlt es, wie
nachfolgend zu zeigen sein wird, am adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der
psychischen Beeinträchtigung und dem Unfallereignis.
5.2 Dem Begehren der Beschwerdeführerin auf Einholung eines Obergutachtens ist
nicht statt zu geben. Der medizinische Sachverhalt ist hinreichend abgeklärt, sodass
weitere Untersuchungen lediglich der Beleuchtung der bekannten Diagnosen dienen
würden, weshalb darauf verzichtet werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; vgl.
BGE 124 V 94 E. 4b; Pra 88 Nr. 117; SVR-UV 1996 Nr. 62.211).
5.3 Bei der Beurteilung des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und einer
anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung der
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist nach der Rechtsprechung (BGE 115 V 138 ff. Erw. 6)
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vom Unfallereignis auszugehen. Dabei besteht ein adäquater Kausalzusammenhang
zwischen den Beschwerden und dem Unfall, wenn dem Unfall eine massgebende
Bedeutung für die Entstehung der Beschwerden zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er
eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für
die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend
vom augenfälligen Geschehensablauf - zwischen banalen bzw. leichten Unfällen
einerseits, schweren Unfällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden
mittleren Bereich unterschieden wird. Während der adäquate Kausalzusammenhang in
der Regel bei schweren Unfällen ohne weiteres bejaht und bei leichten Unfällen
verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem
mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es
sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in
Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in
eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Dabei müssen rechtsprechungsgemäss (vgl.
BGE 115 V 140 Erw. 6c; SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31 Erw. 2, 2001 UV Nr. 8 S. 32, je mit
Hinweisen) die weiteren unfallbezogenen Kriterien entweder in gehäufter oder
auffallender Weise oder ein einziges Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt
sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Als in die Adäquanzbeurteilung
einzubeziehende Kriterien nennt die Rechtsprechung (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa):
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls,
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, ungewöhnlich
lange Dauer der ärztlichen Behandlung, körperliche Dauerschmerzen, ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, schwieriger
Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen und Grad und Dauer der physisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit. Bei der Beurteilung der Frage, ob diese Kriterien erfüllt
sind, ist die psychisch bedingte Beeinträchtigung auszuklammern und nur der
somatische Anteil zu berücksichtigen.
5.4
5.4.1 Die Beschwerdeführerin schilderte den Unfallhergang dahingehend, dass
sie am 16. April 2003 wie gewohnt an einer Maschine gearbeitet Auf einmal habe sie
bemerkt, dass sich ihre Strickjacke in der Maschine verfangen habe. Die Spule habe
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zuerst den unteren Teil der Jacke und schlussendlich auch den ganzen linken Arm in
die Maschine gezogen. Diese habe sie nicht selber abstellen können, da der Schalter
nicht in der Nähe gewesen sei. Die Situation habe ca. eine halbe Stunde gedauert, bis
Hilfe gekommen sei. Der Hauswart habe schliesslich die Maschine abstellen können.
Aufgrund dieses Geschehensablaufs und der erlittenen Verletzungen sowie mit Blick
auf die Rechtsprechung (vgl. u.a. Urteil U 25/04 des EVG vom 29. September 2004;
RKUV 1999 Nr. U 330 S. 123f. E. 4b bb) ist vorliegend von einem Unfallereignis im
mittleren Bereich auszugehen, womit die weiteren unfallbezogenen Kriterien entweder
in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein müssen oder ein einziges Kriterium
in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein muss, damit die Adäquanz bejaht werden
kann.
5.4.2 Dem Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder
besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls liegt der Gedanke zugrunde, dass solche
Umstände geeignet sind, beim Betroffenen während des Unfallgeschehens oder
nachher psychische Abläufe in Bewegung zu setzen, die an den nachfolgenden
psychischen Fehlentwicklungen mitbeteiligt sein können. Dabei sind objektive
Massstäbe anzuwenden. Nicht was im einzelnen Betroffenen beim Unfall psychisch
vorgeht - sofern sich dies überhaupt zuverlässig feststellen liesse -, soll entscheidend
sein, sondern die objektive Eignung solcher Begleitumstände, beim Betroffenen
psychische Vorgänge der genannten Art auszulösen (Urteil U 37/06 des
Bundesgerichts vom 22. Februar 2007). Dem Unfall vom 16. April 2003 kann ohne
Zweifel eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abgesprochen werden. Ob jedoch
Umstände vorliegen, die zur Bejahung einer besonderen Dramatik oder besonderen
Eindrücklichkeit der Begleitumstände führen, kann offen gelassen werden.
Insbesondere ist zu berücksichtigen, dass im Vergleich zu Unfällen, wo das Kriterium
bejaht wurde, regelmässig schwerwiegendere Verletzungen vorlagen. Selbst wenn das
Kriterium bejaht werden könnte, wäre es sicherlich nicht derart ausgeprägt erfüllt, dass
alleine deswegen die Adäquanz zu bejahen wäre. Daran vermögen auch die Umstände,
dass gemäss Angaben der Beschwerdeführerin die Situation ca. 30 Minuten gedauert
und sie Todesangst gehabt habe, zu keinem anderen Ergebnis zu führen (vgl. Urteil
8C_524/2007 des Bundesgerichts vom 10. Juni 2008). Die erlittenen Verletzungen
waren nicht derart schwerwiegend, als dass sie normalerweise geeignet wären, eine
psychische Fehlentwicklung auszulösen. Dementsprechend lag auch keine
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ungewöhnlich lange ärztliche Behandlung vor. Neben physiotherapeutischen
Massnahmen fanden keine eigentlichen medizinischen Behandlungen statt. Die
Beschwerdeführerin klagt über ständige Schmerzen im linken Arm. Nachdem die
Ausführungen in den Erwägungen (vgl. vorstehend unter Ziff. 4) gezeigt haben, dass ein
natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den körperlichen
Schmerzen ausgeschlossen werden kann, ist davon auszugehen, dass die geklagten
Schmerzen auf psychische Faktoren zurückzuführen sind. Da jedoch bei der
Adäquanzprüfung die psychisch bedingten Beeinträchtigungen auszuklammern sind,
ist das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen nicht erfüllt. Aus demselben Grund
kann auch nicht von einer langandauernden physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werden. Aufgrund der medizinischen Akten ist erstellt, dass spätestens
ein Jahr nach dem Unfall bzw. bei der MEDAS-Begutachtung (April 2004) die
Arbeitsunfähigkeit hauptsächlich auf psychische Störungen zurückzuführen war (act. G
10.2/M 24). Von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen
bei der Behandlung der körperlichen Beschwerden kann nicht ausgegangen werden.
Ebenso wenig liegt eine ärztliche Fehlbehandlung vor, welche die somatischen
Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte. Da somit keines der Kriterien in besonders
ausgeprägter Form oder mehrere von ihnen erfüllt sind, ist der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen dem psychischen Leiden und dem Unfallereignis vom
16. April 2003 zu verneinen. Der angefochtene Entscheid der Beschwerdegegnerin vom
30. Oktober 2007 lässt sich deshalb im Ergebnis nicht beanstanden.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
7.
7.1 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtsverbeiständung am
28. März 2008 bewilligt. Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin
es gestatten, kann sie jedoch zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung und der
vom Staat entschädigten Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG
i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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7.2 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass dem unentgeltlichen Rechtsbeistand lediglich ein um 20%
reduziertes Honorar zusteht (vgl. Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70).
Mangels Kostennote ist die Entschädigung vom Gericht ermessensweise festzusetzen.
Ein Betrag von Fr. 3'200.-- (80% von Fr. 4'000.--; inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) scheint der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG