Decision ID: 954f12c3-a047-4be8-aa9b-cba8c96419f0
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rückerstattung von Taggeldleistungen (Vertrauensschutz)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 28. September 2010 beim RAV St. Gallen zum Bezug von
Leistungen der Arbeitslosenversicherung per 1. Dezember 2010 an (act. G 5.1/10). Der
Arbeitgeberbescheinigung ist zu entnehmen, dass die Versicherte zuletzt als
Raumpflegerin am B._, in einem unbefristeten Anstellungsverhältnis vom 10. April
2007 bis 30. November 2010 im Umfang von 45 Wochenstunden beschäftigt gewesen
war (act. G 5.1/1). Am 23. September 2010 kündigte die Arbeitgeberin das
Arbeitsverhältnis per 30. November 2010 mit der Begründung "Umstrukturierung" (act.
G 5.1/4). Die Beschwerdeführerin war zum damaligen Zeitpunkt bereits seit längerer
Zeit arbeitsunfähig (act. G 5.1/8).
A.b Die Kantonale Arbeitslosenkasse ermittelte für die Versicherte ein Bruttotaggeld
von Fr. 128.65 und zahlte ihr unter Berücksichtigung von fünf Wartetagen für den
Monat Dezember 2010 18 Taggelder im Totalbetrag von Fr. 2'034.10 netto aus. Für
den Januar 2011 zahlte sie 21 Taggelder im Totalbetrag von Fr. 2'334.70 netto, für den
Februar 2011 20 Taggelder im Totalbetrag von Fr. 2'238.85 netto und für den März
2011 23 Taggelder im Totalbetrag von Fr. 2'535.35 netto aus (act. G 5.1/41, 42, 44, 46).
A.c Die Krankentaggeldversicherung erbrachte der Versicherten für die Dauer vom
1. Dezember 2010 bis 31. März 2011 entsprechend einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit
Leistungen im Umfang von Fr. 5'136.15 netto (121 Tage à Fr. 117.91 x 80% x 50%
abzüglich Quellensteuer; act. G 5.1/57).
B.
B.a Mit Verfügung vom 21. April 2011 forderte die Kantonale Arbeitslosenkasse von
der Versicherten zu viel bezogene Taggeldleistungen im Umfang von Fr. 4'302.40
(netto) zurück. Am 31. März 2011 habe die Kantonale Arbeitslosenkasse durch ein auf
den 4. Januar 2011 datiertes Schreiben der Krankentaggeldversicherung Kenntnis
davon erhalten, dass die Krankentaggeldleistungen an die Versicherte per 31. März
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2011 eingestellt worden seien. Aus der Taggeldabrechnung vom 29. März 2011 gehe
hervor, dass der Versicherten für die Monate Dezember 2010 bis März 2011
Krankentaggelder im Umfang von 50% ausbezahlt worden seien. Die Versicherte habe
somit während dieser Zeit nur Anspruch auf 50% Arbeitslosentaggelder (act. 5.1/47, 57
und 59).
B.b Dagegen erhob die Versicherte am 26. Juli 2011 Einsprache. Am 28. Januar 2011
habe sich die Kantonale Arbeitslosenkasse bei der ehemaligen Arbeitgeberin der
Versicherten erkundigt, ob diese Krankentaggeldleistungen an die Versicherte
ausrichte. Daraufhin habe die ehemalige Arbeitgeberin am 1. Februar 2011 der
Kantonalen Arbeitslosenkasse mitgeteilt, dass die Krankentaggeldversicherung eine
Abrechnung für die Monate Oktober 2010 bis Januar 2011 erstellt hätte. Es sei
demnach erwiesen, dass die Kantonale Arbeitslosenkasse Kenntnis davon gehabt
habe, dass die Versicherte weiterhin Krankentaggelder beziehe. Dennoch habe die
Kantonale Arbeitslosenkasse der Versicherten mit Schreiben vom 16. Februar 2011
mitgeteilt, dass sie ihr weiterhin Taggeldleistungen ausrichten werde. Die Kantonale
Arbeitslosenkasse habe somit ihre Taggelder im Bewusstsein darüber ausgerichtet,
dass auch die Krankentaggeldversicherung Leistungen erbringe. Eine Rückforderung
erscheine unter diesem Gesichtspunkt als rechtsmissbräuchlich. Die Versicherte habe
länger bereits nicht mehr nachvollziehen können, aus welchen Rechtsgründen sie von
verschiedensten Institutionen Zahlungen erhalten habe (act. 5.1/74).
B.c Mit Entscheid vom 2. August 2011 wies die Kantonale Arbeitslosenkasse die
Einsprache ab. Die Versicherte habe Leistungen sowohl der Arbeitslosenversicherung
als auch der Krankentaggeldversicherung bezogen. Es dürften aber wegen des Verbots
der Überentschädigung nicht Leistungen von zwei Sozialversicherungen für denselben
Arbeitsausfall im gleichen Zeitraum bezogen werden. Die Berechnung der
Überentschädigung im Zeitraum von Dezember 2010 bis März 2011 habe unter
Berücksichtigung des massgeblichen Umfangs der Arbeitsunfähigkeit eine
Rückforderungssumme von Fr. 4'302.40 (netto) ergeben. Der Rückforderungsanspruch
als gesetzliche Sonderregelung gehe dem Grundsatz von Treu und Glauben vor. Die
Versicherte könne sich somit nicht auf den allgemeinen Vertrauensschutz berufen, um
die unrechtmässig bezogenen Arbeitslosenentschädigungen nicht zurückerstatten zu
müssen (act. 5.1/77).
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C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 2. August 2011 richtet sich die vorliegend
zu beurteilende Beschwerde vom 1. September 2011. Die Beschwerdeführerin
beantragt darin die Aufhebung der Rückforderungsverfügung. Die in den
Leistungsabrechnungen der Kantonalen Arbeitslosenkasse vom Mai 2011 und Juni
2011 zu Unrecht mit den laufenden Taggeldern verrechneten Beträge seien der
Beschwerdeführerin unabhängig vom Bestand der Rückforderungsverfügung
auszuzahlen. Eventualiter sei der Beschwerdeführerin die Rückerstattung zu erlassen.
Die Begründung lautet im Wesentlichen gleich wie diejenige der Einsprache vom
26. Juli 2011. Die Verfügung vom 21. April 2011 habe zudem die Möglichkeit der
Verrechnung nicht vorgesehen. Die Verrechnung der angeblich zurückzuerstattenden
Leistungen mit den laufenden Taggeldern in den Monaten Mai und Juni 2011 sei daher
unrechtmässig erfolgt. Selbst wenn die Verrechnung gemäss Art. 94 Abs. 1 AVIG
vorliegend zulässig gewesen wäre, hätte sie den betreibungsrechtlichen Notbedarf der
Beschwerdeführerin nicht beeinträchtigen dürfen. Betreffend das im Eventualbegehren
gestellte Erlassgesuch habe die Beschwerdeführerin in gutem Glauben darauf
vertrauen dürfen, die Leistungen der Kantonalen Arbeitslosenkasse rechtmässig
erhalten zu haben. Sie verfüge nicht einmal über ihr monatliches Existenzminimum von
Fr. 2'330.--, weshalb einer Rückerstattung überdies das Kriterium der grossen Härte
entgegenstehe (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 14. Oktober 2011 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Eine bewusste Zahlung von
Arbeitslosenentschädigung im Wissen um die Ausrichtung der Krankentaggelder der
Krankentaggeldversicherung werde bestritten. Die Doppelzahlung sei irrtümlich erfolgt
(act. G 5).
C.c Die Beschwerdeführerin verzichtet auf eine begründete Replik (act. G 7).
C.d Mit Schreiben vom 8. Dezember 2011 wird dem Gesuch der Beschwerdeführerin
um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung entsprochen (act. G 9).

Erwägungen:
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1.
1.1 Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
aufgrund der für die Dauer vom 1. Dezember 2010 bis 31. März 2011 ausgerichteten
Krankentaggeldleistungen die im gleichen Zeitraum erbrachten Taggeldleistungen der
Arbeitslosenversicherung im Umfang von 50% zurückfordern durfte.
1.2 Auf das Erlassgesuch kann dagegen mangels Anfechtungsobjekts nicht
eingetreten werden. Erst wenn der Rückforderungsentscheid in formelle Rechtskraft
erwachsen ist, wird das Kantonale Amt für Arbeit zuständigkeitshalber die
Erlassvoraussetzung des guten Glaubens und der grossen Härte zu prüfen und
anschliessend über das Erlassgesuch zu verfügen haben.
2.
2.1 Nach Art. 95 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) in Verbindung mit Art. 25
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Der
Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einsprache-
entscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre
Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Die für die
Wiedererwägung formell rechtskräftiger Verfügungen massgebenden Voraussetzungen
gelten auch mit Bezug auf die Rückerstattung zu Unrecht bezogener Geldleistungen
der Arbeitslosenversicherung (BGE 122 V 272 E. 2) und finden ebenfalls Anwendung,
wenn die zur Rückforderung Anlass gebenden Leistungen formlos verfügt worden sind
(BGE 107 V 182 E. 2a in fine). Den formell rechtskräftigen Verfügungen gleichgestellt
sind auch die im formlosen Verfahren ergangenen Entscheide, soweit sie eine mit dem
Ablauf der Beschwerdefrist bei formellen Verfügungen vergleichbare
Rechtsbeständigkeit erreicht haben (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich
2009, Art. 53 N 10). Taggeldabrechnungen der Arbeitslosenversicherung, die in der
Regel nicht in die Form einer formellen Verfügung gekleidet werden, weisen materiell
Verfügungscharakter auf (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, seit
2007 Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 14. Juli 2003, C 7/02, E.
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3.1; BGE 125 V 476, E. 1; BGE 122 V 368, E. 2 mit Hinweisen). Nach der neueren
Rechtsprechung kann der Versicherungsträger, der einen formlosen Entscheid erlassen
hat, diesen nur innerhalb einer Frist von 30 Tagen voraussetzungslos abändern (Kieser,
a.a.O., Art. 53 N 28; vgl. BGE 129 V 110). Zu einem späteren Zeitpunkt bedarf
demnach das Zurückkommen auf eine faktische Verfügung, z.B. auf eine
Taggeldabrechnung, eines Rückkommenstitels in Form einer Wiedererwägung oder
einer prozessualen Revision. Eine zweifellose Unrichtigkeit liegt nicht nur dann vor,
wenn die in Wiedererwägung zu ziehende Verfügung aufgrund falscher oder
unzutreffender Rechtsregeln erlassen wurde, sondern auch dann, wenn massgebliche
Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden (ARV 1996/1997 Nr. 28 S. 158,
E. 3c), wobei eine gesetzwidrige Leistungszusprechung in der Regel als zweifellos
unrichtig gilt (BGE 103 V 128). Von der Wiedererwägung ist die so genannte
prozessuale Revision von Verwaltungsverfügungen zu unterscheiden. Danach ist die
Verwaltung verpflichtet, auf eine formell rechtskräftige Verfügung zurückzukommen,
wenn neue Tatsachen oder neue Beweismittel entdeckt werden, die geeignet sind, zu
einer anderen rechtlichen Beurteilung zu führen (BGE 127 V 469, E. 2c mit Hinweisen).
2.2 Die im Zeitpunkt der Rückforderungsverfügung vom 21. April 2011 zur
Beurteilung stehenden Taggeldabrechnungen vom 17. Februar 2011 und 1. März 2011
(act. G 5.1/41, 42, 44) bedürfen demnach eines Rückkommenstitels, da die Frist von 30
Tagen zur voraussetzungslosen Abänderung dieser formlosen Entscheide verstrichen
ist. Die Beschwerdegegnerin konnte daher auf diese Taggeldabrechnungen nur unter
dem Titel der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision zurückkommen. Die
Voraussetzungen der prozessualen Revision sind vorliegend nicht gegeben. Es liegen
keine neuen Tatsachen oder Beweismittel im Sinn von Art. 53 Abs. 1 ATSG vor. Zu
prüfen bleibt damit, ob die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung erfüllt sind.
2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 1 AVIG haben Versicherte, die u.a. wegen Krankheit (Art. 3
ATSG) vorübergehend nicht oder nur vermindert arbeits- und vermittlungsfähig sind
und deshalb die Kontrollvorschriften nicht erfüllen können, sofern sie die übrigen
Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, Anspruch auf das volle Taggeld. Art. 28 Abs. 4
AVIG bestimmt, dass Arbeitslose, die ihren Anspruch nach Abs. 1 ausgeschöpft haben
und weiterhin vorübergehend vermindert arbeitsfähig sind, Anspruch auf das volle
Taggeld haben – sofern sie unter Berücksichtigung ihrer verminderten Arbeitsfähigkeit
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vermittelbar sind und alle übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllen –, wenn sie zu
mindestens 75% arbeitsfähig sind. Wenn sie zu mindestens 50% arbeitsfähig sind,
haben sie Anspruch auf das halbe Taggeld. Dieser Bestimmung kommt
Koordinationsfunktion zwischen der Arbeitslosen- und der Krankenversicherung zu
(Urteil des EVG vom 14. April 2003, C 303/02, E. 3.1 = ARV 2004 N 3 S. 50 ff.). Das
Krankenversicherungsrecht regelt die Koordination mit der Arbeitslosenversicherung in
Art. 73 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10). Dabei
gilt, dass arbeitslosen Krankentaggeldversicherten bei einer Arbeitsunfähigkeit von
mehr als 50% das volle Taggeld und bei einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als 25%,
aber höchstens 50% das halbe Taggeld auszurichten ist, sofern die Krankenversicherer
aufgrund ihrer Versicherungsbedingungen oder vertraglicher Vereinbarungen bei einem
entsprechenden Grad der Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich Leistungen erbringen
(Art. 73 Abs. 1 KVG). Unbestritten ist, dass die Krankentaggeldversicherung der
Beschwerdeführerin für die Dauer vom 1. Dezember 2010 bis 31. März 2011
entsprechend einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit (in ihrer angestammten Tätigkeit)
Leistungen ausgerichtet hat (act. G 5.1/57). Gemäss Art. 28 Abs. 4 AVIG hat die
Beschwerdeführerin für diesen Zeitraum folglich nur Anspruch auf halbe
Arbeitslosentaggelder. Die Auszahlung von vollen Taggeldern war somit zweifellos
unrichtig. Das Erfordernis der erheblichen Bedeutung der Berichtigung ist ebenfalls
erfüllt. Die Grenze diesbezüglich liegt bei einem Betrag von wenigen Hundert Franken
(vgl. Kieser, a.a.O., Art. 53 N 34), während es vorliegend um eine Rückforderung in der
Höhe von Fr. 4'302.40 (netto) geht.
2.4 Zusammenfassend steht damit fest, dass die Beschwerdegegnerin grundsätzlich
berechtigt war, den zu Unrecht erbrachten Teil der Leistungen zurückzufordern.
3.
3.1 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin den Grundsatz von Treu und
Glauben zu ihren Gunsten geltend machen kann. Der Grundsatz von Treu und Glauben
schützt die Bürger und Bürgerinnen in ihrem berechtigten Vertrauen auf behördliches
Verhalten und bedeutet etwa, dass falsche Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter
bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen Recht abweichende Behandlung
der Rechtsuchenden gebieten. Zur Berufung auf den Vertrauensschutz müssen nach
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Praxis und Lehre folgende fünf Voraussetzungen erfüllt sein (vgl. Urteil des EVG vom 7.
Mai 2001, C 27/01, E. 3a):
1. Die Behörde muss in einer konkreten Situation in Bezug auf bestimmte Personen
gehandelt haben.
2. Die Behörde muss für die Erteilung der Auskunft zuständig gewesen sein oder die
Rat suchende Person musste sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten
dürfen.
3. Die Rat suchende Person konnte die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne
weiteres erkennen.
4. Sie traf im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen, die nicht ohne
Nachteil rückgängig gemacht werden können.
5. Die gesetzliche Ordnung hat seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren.
3.2 Im vorliegenden Fall ist nicht ersichtlich, welche nicht ohne Nachteile rückgängig
zu machende Disposition die Beschwerdeführerin gestützt auf die Auskunft vom
16. Februar 2011 (act. G 5.1/38) bzw. die auf den 17. Februar 2011 datierten
Abrechnungen der Monate Dezember 2010 und Januar 2011 getätigt haben soll. Der
blosse Verbrauch von unrechtmässig bezogenen Geldmitteln kann
rechtsprechungsgemäss nicht als Disposition im Sinn der 4. Voraussetzung des
Vertrauensschutzes gelten (Urteil des EVG vom 12. Mai 2004, U_88/2003, mit
Hinweisen). Da bereits aus diesem Grund eine Anrufung des Vertrauensschutzes im
Sinne von Art. 9 BV scheitert, kann vorliegend offen bleiben, ob die
Beschwerdeführerin die Unrichtigkeit der Auskunft bzw. der Abrechnungen ohne
weiteres hätte erkennen können.
4.
4.1 Gestützt auf Art. 94 Abs. 1 AVIG können Rückforderungen grundsätzlich mit
fälligen Leistungen der Arbeitslosenversicherung verrechnet werden. Die von der
Beschwerdegegnerin zitierte Verwaltungspraxis bezüglich Zulässigkeit der
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Vollstreckung von Rückforderungsverfügungen durch interne Verrechnung mit fälligen
Leistungen der Arbeitslosenversicherung (KS RVEI, Rz D5 und D6) steht insofern in
Widerspruch zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung, als bei der Verrechnung
regelmässig die Grenze des betreibungsrechtlichen Existenzminimums zu beachten ist
(vgl. BGE 115 V 343; BGE 136 V 286 E. 6.1, vgl. auch Thomas Nussbauer,
Arbeitslosenversicherung, in SBVR, 2. Aufl., Rz 86). Aufgrund der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde darf sodann erst die rechtskräftige Rückforderungsverfügung
verrechnet werden (vgl. BGE 130 V 407 ff.). Im Weiteren darf die Verrechnung auch
nicht der versicherten Person die gesetzlich vorgesehene Erlassmöglichkeit (Art. 95
Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG und Art. 4 f. ATSV)
vorenthalten (vgl. Urteil des Bundesgerichtes vom 11. Februar 2008, C 21/07, E. 2.2).
Anderseits hat die Arbeitslosenkasse, welche der versicherten Person laufende
Taggelder zu erbringen hat, Interesse an einem raschen Vollzug der Rückforderung,
damit sie keine Leistungen ausrichten muss, die im Nachhinein zurückzuerstatten sind.
Daraus folgt, dass jedenfalls bei nachträglicher Änderung der Rückforderung im
Rückerstattungsverfahren oder bei Gutheissung des Erlassgesuchs die verrechneten
Beträge zurückzuerstatten sind. Die Schranke des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums ist indes bei der internen Verrechnung mit fälligen Leistungen von
Anfang an zu beachten. Schliesslich ist in der Rückforderung grundsätzlich auf die
Verrechnungsmöglichkeit aufmerksam zu machen.
4.2 Im konkreten Fall enthalten weder die Rückforderungsverfügung vom 21. April
2011 noch der Einspracheentscheid vom 2. August 2011 einen Hinweis auf die
Möglichkeit der Verrechnung der Rückforderung mit laufenden Taggeldern der
Arbeitslosenversicherung. Da die in den Taggeldabrechnungen vom 31. Mai und 29.
Juni 2011 vorgenommene Verrechnung Auswirkungen auf den Bestand der
Rückforderung hat, ist die Beschwerdeführerin jedoch berechtigt, deren Zulässigkeit im
Beschwerdeverfahren überprüfen zu lassen. Die von der Beschwerdeführerin zu viel
bezogenen Taggeldleistungen der Arbeitslosenversicherung betragen Fr. 4'302.40
(netto; 82 halbe Taggelder à Fr. 128.65 brutto). Dieser Betrag kann mit den weiteren
Taggeldern der Arbeitslosenversicherung höchstens so weit verrechnet werden, als
dadurch das betreibungsrechtliche Existenzminimum der Beschwerdeführerin nicht
berührt wird. Mit Schreiben vom 17. Mai 2011 bezifferte das Betreibungsamt des
Wohnsitzes der Beschwerdeführerin dieses Existenzminimum auf monatlich Fr.
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2'330.-- und wies die Beschwerdegegnerin an, die übersteigende Netto-Entschädigung
im Rahmen einer laufenden Lohnpfändung jeweils per Ende des Monats zu überweisen
(act. G 1.4). Demgegenüber verrechnete die Beschwerdegegnerin gemäss Abrechnung
vom 31. Mai 2011 für den Monat Mai 2011 den ganzen monatlichen Bruttobetrag von
Fr. 2'830.30 mit der Rückforderung im Teilumfang von Fr. 2'438.55 und zahlte der
Beschwerdeführerin keine Netto-Entschädigung aus (act. G 5.1/66). Für den Monat
Juni 2011 verrechnete die Beschwerdegegnerin gemäss Abrechnung vom 29. Juni
2011 den Bruttobetrag von Fr. 2'830.30 mit der Rückforderung im Restumfang von Fr.
1'863.85, so dass der Beschwerdeführerin nach Abzug von Fr. 108.55 zuhanden der
laufenden Lohnpfändung lediglich Fr. 466.15 ausbezahlt wurden (act. G 5.1/69). Erst
mit Abrechnung vom 28. Juli 2011 beachtete die Beschwerdegegnerin das
betreibungsrechtliche Existenzminimum von monatlich Fr. 2'330.-- und zog noch Fr.
4.70 der Brutto-Entschädigung zuhanden der laufenden Lohnpfändung ab (act. G
5.1/73). Es kann somit festgehalten werden, dass die Beschwerdegegnerin die
Rückforderung der zu Unrecht erbrachten Leistungen im vorliegenden Fall aufgrund
der Missachtung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums in den
Kontrollperioden Mai und Juni 2011 nicht in dieser Höhe verrechnen durfte.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und der Einspracheentscheid vom 2. August 2011 in Bezug auf die vollzogene
Verrechnung aufzuheben und zur neuen Entscheidung unter Berücksichtigung des
betreibungsrechtlichen Existensminimums an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3 Der Beschwerdeführerin wurde am 8. Dezember 2011 die unentgeltliche Rechts-
verbeiständung bewilligt. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht, so
dass die Parteientschädigung ermessensweise festzusetzen ist. Vorliegend erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- angemessen. Die vom Staat im Rahmen der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu leistende Entschädigung beträgt 80% dieses
Betrags (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Da die Beschwerdeführerin
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teilweise obsiegt, rechtfertigt sich eine von der Beschwerdegegnerin zu übernehmende
Parteientschädigung von Fr. 1'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer). Der Staat
ist somit zu verpflichten, dem unentgeltlichen Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin
eine Entschädigung von Fr. 2'400.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
auszurichten. Im Umfang von Fr. 1'500.-- ist der Staat berechtigt, auf die
Beschwerdegegnerin Rückgriff zu nehmen
5.4 Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin es gestatten,
kann diese zur Nachzahlung der vom Staat entschädigten Vertretungskosten
verpflichtet werden (Art. 123 Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR
272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes [VRP; sGS 951.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP