Decision ID: cd2aab7c-848a-4315-9eec-8a4e1eb83b83
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
196
5
war
,
als Dachdecker
bei
der
Y
._
GmbH
tätig
und in dieser Eigenschaft bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nicht
berufsunfällen versichert (vgl. Urk.
9
/1).
Der Versicherte liess die Suva mit Schadenmeldung UVG vom
7
.
Februar
2019 (Urk.
9
/1) wissen, dass er am
9
.
November
2018
beim
Abladen von Gasflaschen aus dem Lieferwagen nach unten gezogen
worden sei
und sich dabei eine Zerrung der rechten Schulter zugezogen
habe.
Der erstbehandelnde
Dr
. med.
Z._
, Praktischer Arzt FMH,
welcher vom Versicherten am
21
.
November
2018
erstmals
aufgesucht worden
war
(vgl. Urk.
9
/
8
)
, diagnostizierte
am
5
.
März
2019
gestützt auf ein MRI der rechten Schulter vom 24. Januar 2019 (Urk.
9
/9)
eine Rotatoren
manschettenruptur
(Urk.
9
/1
2).
Die Suva tätigte in der Folge medizinische Abklä
rungen und holte unter anderem bei
Kreisarzt
pract
. med.
A._
, Facharzt für
Chirurgie
FMH,
eine
Stellungnahme
ein (Urk.
9
/
13
).
1.2
Mit Verfügung vom 19. März 2019 (Urk.
9
/15)
verneinte
die Suva
einen über den 28. Februar 2019
hinausgehenden
Leistungsanspruch mit der Begründung, dass der Zustand
,
wie er sich
auch ohne Unfall vom
9. November 2018 eingestellt
hätte
, nach medizinischer Beurteilung spätestens am 28. Februar 2019 erreicht
worden sei
.
Am
25. März 2019 (Urk.
9
/20)
erhob die Helsana Versicherungen AG Einsprache mit der Begründung, dass mit dem gemeldeten Sehnenriss eine unfall
ähnliche Körperschädigung vorliege und der Unfallversicherer somit leistungs
pflichtig sei, sofern er nicht den Entlastungsbeweis erbringe, dass die Verletzung auf eine Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sei. Am 30. April 2019 (Urk.
9
/26)
erhob auch der Versicherte Einsprache und schloss
s
ich der Argu
mentation der Helsana an.
Die Suva
tätigte in der Folge weitere Abklä
rungen und
holte
unter anderem
bei
Kreisarzt
pract
. med.
A._
eine
ausführ
liche ärztliche Beurteilung
und eine ergänzende Stellung
n
ahme
ein (Urk.
9
/
29
, Urk.
9
/46
).
Am
13
.
Mai
2019 wurde der Beschwerdeführer an der
rechten
Schulter operiert (
Schulter
arthroskopie rechts mit
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion
[Supra
spinatus
sehne]
, Bizepstenodese,
subacromiale
Bursekto
mie
[
vgl.
Urk.
9
/
55
]).
Die Suva wies die erhobenen Einsprachen
mit Entscheid vom
8
.
Januar
2020 ab (Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
8
.
Januar
2020 erhob der Versicherte am
10
.
Februar
2020 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, dieser
sei
aufzuheben und es
seien
ihm
weiterhin die Unfallversicherungsleistungen auszurichten; eventu
aliter sei die vorliegende Streitsache zu weiteren Abklärungen (insbesondere Begutachtung) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(S. 2). Zudem reichte der Beschwerdeführer ein aktuelles Schreiben des behandelnden Arztes vom
23
.
Januar
2020 ein (Urk. 3).
Die
Beschwerdegegnerin tätigte in der Folge ergän
zende Abklärungen und
legte das nachgereichte
Schreiben
sowie ergänzend eingeholte
Berichte
von
PD
Dr. med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie,
von der Abteilung Versicherungsmedizin der Suva (vgl. Urk. 8 S. 3 Mitte)
vor und schloss auch gestützt auf dessen orthopädisch-chirurgische Beurteilung vom
22
.
April
2020 (Urk.
9
/
62
) in ihrer Beschwerdeantwort vom
24
.
April
2020 (Urk. 8) auf Abweisung der Beschwerde.
Nachdem ihm mit Verfügung vom 29. Oktober 2020 (Urk. 11) Frist zur Stellungnahme zur orthopädisch-chirur
gischen Beurteilung von PD Dr.
B._
vom 22. April 2020 sowie
zu
den Kopien der ab 26. Februar 2020 bei der Suva eingegangenen Akten angesetzt worden war,
hielt der Beschwerdeführer
mit als «
Replik
» bezeichneter Eingabe
vom
18
.
November 2020
(Urk.
13
) an
seinem
Rechtsbegehren
fest (S. 2)
und reichte eine
Studie der Swiss
Orthopaedics
vom 1
.
Oktober 2020 (Urk. 14)
ein.
In ihrer Stellungnahme zu
dieser Eingabe hielt
die Beschwerdegegnerin
am
3. Februar 2021 (Urk. 19)
an
ihrem Antrag auf
Abweisung fest, wa
s dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 8. Februar 2021
(Urk.
20
) zur Kenntnis gebracht wurde
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Abs. 2): Knochenbrüche (
lit
. a), Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskus
risse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
.
e), Sehnenrisse (
lit
. f), Band
läsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
.
h). Ausserdem erbringt die Ver
sicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen Verordnung (UVV) per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu über
nehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermutung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer über
nommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn
er beweist, dass die Körperschädigung vorwiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundes
gesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Dabei ist der Gegenbeweis des Unfallversicherers erbracht, wenn die Listendiag
nose zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung beruht (analog zur Rechtsprechung zur Berufskrankheit gemäss Art. 9 Abs. 1 UVG, BGE 146 V 51
E. 8.2.2.1)
. Die vorwiegend durch Abnützung oder Erkrankung bedingte Verur
sachung hat der Unfallversicherer gestützt auf beweiskräftige ärztliche Einschät
zungen mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzu
weisen (E. 8.6).
1.3
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungs
träger alleine lässt nicht schon auf mang
elnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465
E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so si
nd ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(Urk. 2) damit, das Ereignis vom
9. November 2018
stelle keinen Unfall
im Sinne von Art. 4 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
dar (S.
3
f.
).
Der konsultierte
Kreisarzt
pract
. med.
A._
habe nachvollziehbar, schlüssig und überzeugend
erklärt, dass mit dem Sehnenriss eine Listendiagnose
gegeben sei, dass diese aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorwiegend degenerativ bedingt sei. Abweichende ärztliche Beurteilungen seien nicht vor
handen. Es sei davon auszugehen, dass das Ereignis vom 9. November 2018 nur zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des degenerativen Vorzustandes geführt habe und die betreffende Listenverletzung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sei. Es bestehe somit auch kein Anspruch auf Versicherungslei
s
tungen aufgrund einer Listendiagnose (S. 5 f.).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (Urk. 1) geltend,
dem Kreisarzt
hätten die
für seine Beurteilung notwendigen Unterlagen gar nicht vollständig zur Verfügung gestande
n
. Im Gegensatz dazu habe der behandelnde Facharzt anhand des MRI-Befundes und des intraoperativ festgestellten Schadens erläutern können, dass die Rotatorenmanschettenruptur auf das Unfallereignis zurückzuführen sei.
Damit habe die Beschwerdegegnerin gerade nicht den Beweis erbringen können, dass die Listendiagnose auf eine Abnützung oder einen Vor
zustand zurückzuführen sei. Selbst wenn dies noch nicht ausgewiesen wäre, sei die vorliegende Streitsache zu
r
weiteren Abklärung zurückzuweisen, nachdem
der
Sachverhalt bisher nicht umfassend abgeklärt
worden sei
(S. 2 f.).
Vorliegend sei der Unfallbegriff nach
Art.
4 ATSG nicht erfüllt, es liege aber eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne von
Art.
6
Abs.
2 UVG vor.
Der behandelnde Arzt sei gestützt auf einen MRI- und intraoperativen Befund zum Schluss gekommen, dass es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um einen unfallbedingten Sehnen
riss handle. Der Kreisarzt habe seine Beurteilung ohne Kenntnis des Operations
berichts und der intraoperativ festgestellten Schädigung vorgenommen. Damit könne nicht von einer umfassenden und schlüssigen Beurteilung gesprochen werden, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne (S. 4 f.).
2.3
Mit Beschwerdeantwort (Urk. 8) ergänzte die Beschwerdegegnerin, nachdem sie das vom Beschwerdeführer mit der Beschwerde eingereichte aktuelle Schreiben des behandelnden Arztes vom
23
.
Januar 2020 (Urk. 3
) sowie ergänzend
einge
holte Berichte (unter anderem den Operationsbericht vom 14. Mai 2019 und ein Röntgenbericht vom 8. Januar 2019 [Urk.
9
/55-56]) PD Dr.
B._
vorgelegt
habe
(Urk.
9
/62),
sei dieser
in
Einklang mit der Einschätzung des Kreisarztes zum Schluss gekommen, dass in dem zur Diskussion stehenden Fall kein überzeu
gendes Trauma bezeichnet werden könne, womit alle übrigen in Frage kommen
den Ursachen der vorliegenden Körperschädigung einer vorwiegend auf Abnüt
zung oder Erkrankung zurückzuführende
n
Genese entsprächen. Die Einschätzung des behandelnden Arztes vermöge die Beurteilungen von Kreisarzt
pract
. med.
A._
und von
PD Dr.
B._
nicht in Frage zu stellen (Urk. 8 S. 4 f.).
2.4
Nachdem dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort (
E. 2.3;
vgl. Urk. 10) sowie in einer separaten Verfügung die von der Beschwerdegegnerin neu eingeholten medizinischen Unterlagen zur Stellungnahme (vgl. Urk. 11) zuge
stellt worden waren, führte er in seiner Eingabe vom 18. November 2020 (Urk. 13) dazu aus, die Beschwerdegegnerin habe mit ihren weiteren Abklärungen
gezeigt
, dass ihre bisherigen kreisärztlichen Beurteilungen weder fundiert noch schlüssig gewesen seien. Insofern liege eine klare Verletzung des Untersuchungs
grund
satzes vor. Weiterhin sei gestützt auf die Beurteilung des
behandelnden Arztes davon auszugehen, dass die Listendiagnose auf das Unfallereignis vom 9. Novem
ber 2018 zurückgeführt werden könne
, zumal gerade keine degenerative Verän
derung habe festgestellt werden können, als er die Schädigung operiert habe
.
Es stünden sich nun zwei Beurteilungen gegenüber. Im Sinne des Fairness
gebotes dürft
e
nun nicht bloss auf die letzte Beurteilung abgestellt werden, umso mehr als diese auch nicht schlüssig erscheine. Aufgrund der sich widerspre
chenden Beurteilungen sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese zu verpflichten, ein chirurgisches/orthopädisches Gutachten in Auftrag zu geben (S. 2 f.).
2.5
In ihrer Stellungnahme vom 3. Februar 2021 (Urk. 19) zur Eingabe des Beschwer
deführers vom 18. November 2020 (E. 2.4) machte die Beschwerdegegnerin geltend,
der Umstand, dass mit der Beschwerde überhaupt erstmals eine abwei
chende
,
begründete ärztliche Beurteilung ins Recht gelegt worden respektive in den Akten vorhanden
gewesen sei, sei Anlass für die Ergänzung der Akten gewesen. Die ergänzenden Abklärungen hätten ergeben, dass bereits vor dem Schadenereignis vom 9. November 2018 ohne benennbares Ereignis Schulter
schmerzen bestanden hätten, womit von Abnützung oder Erkrankung als vorwie
gende Ursache auszugehen sei.
Das Ereignis vom 9. November 2020 habe der behandelnde Arzt in seinen vorgängigen Berichten auch nie erwähnt. Schon auf
grund dessen sei seine Beurteilung nicht nachvollziehbar und unglaubwürdig. Das vom
Beschwerdeführer
eingereichte
allgemeine Schreiben der
swiss
ortho
paedics
sei nicht geeignet, im vorliegenden konkreten Einzelfall zu einer abwei
chenden Schlussfolgerung zu gelangen.
3.
3.
1
Dr. med.
C._
hielt
zu einem
MRI-
Arthro
der rechten Schulter vom
24.
Januar 2019 (Urk.
9
/9) fest,
es sei eine transmurale Ruptur am Ansatz der Sehne des Musculus su
pr
aspinatus bei schmalem
Subakromialraum
feststellbar. D
ie Sehnen des Musculus infraspi
n
a
tus und
teres
minor sowie subscapularis seien intakt. Es f
i
nde sich keine wesentliche Muskelatrophie,
Goutallier
Grad I. Die lange und kurze
Bizepssehnen seien intakt. Es f
i
nde sich kein Nachweis von Labrum
läsionen. Das
Akromion
sei leicht gebogen, T
yp
II. Der
Subakromialraum
sei mit 6 mm schmal. Es sei eine leichte degenerative Veränderung im AC-Gelenk fest
stellbar.
3.
2
Der behandelnde Dr. med.
D._
vom Spital
E._
berichtete am
31.
Januar
2019 (Urk.
9
/7)
gestützt auf das MRI vom 2
4.
Januar 2019 (E. 3.2 vorstehend), es zeige sich eine transmurale Rotatorenmanschettenruptur. Diese sei verantwortlich für den Schmerz und die Bewegungseinschränkungen. Er empfehle ein operatives Vorgehen.
Der Patient
müsse sich die Situation noch überlegen. Er habe für das
Frühjahr nun viele Aufträge anstehend. Einen Arbeitsausfall könne er sich eigentlich nicht leisten. Er werde sich wieder melden.
3.
3
Auf dem Formular «Schadenmeldung UVG» vom
7
.
Februar
2019 (Urk.
9
/1) gab der Beschwerdeführer den Sachverhalt vom
9
.
November
2018
wie folgt wieder: «Bei
dem Abladen der
Gassflaschen
aus dem Lieferwagen hat mich nach
unten
gezogen
».
Auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin schilderte der Beschwerdeführer das Ereignis vom
9
.
November
2018
in seiner Stellungnahme vom
14
.
Februar
2019 (Urk.
9
/
8
) folgendermassen: «
An diesem Tag war ich den Lieferwagen
am A
bla
den. Während dem Abladen der Gasflaschen hat mich die Gasflasche nach hinten gezogen. Dann hatte ich Schmerzen an der rechten Schulter.
Seitdem
konnte ich
leichte Arbeiten machen. Die Schmerzen treten in der Nacht auf (auch beim Tragen). Am 21.11.18 bin ich zum Arzt
».
3.
4
Oberarzt Orthopädie Obere Extremitäten Dr. med.
F._
von der
Klinik
G._
stellte in seinem Bericht vom 28. Februar 2019 (Urk.
9
/14) als Diagnose eine Transmurale
Supraspinatussehnenruptur
mit/bei einer
Outlet-Impingement
konfi
gu
ration
der rechten Schulter und bei einem Status nach einer Schulter
distorsion am 9. November 201
9.
Er führte aus, bei einer transmuralen
Supra
spinatus
sehnenruptur
bei ansonsten gut erhaltener Muskulatur und restlichem Gelenk
status sei die Indikation zur operativen
Refixation
gegeben. Klinisch zeige sich allerdings noch eine hervorragende Schulterfunktion mit einzig diskreter schmerzhafter Kraftminderung der rechten Seite.
3.
5
Dr.
Z._
, welc
her den Beschwerdeführer am 21.
November 2018 (vgl.
Urk.
9
/8
) erstbehandelt
hatte, nannte in seinem Bericht vom 5. März 2019 (Urk.
9
/12
/1
)
gestützt auf ein als unauffällig bezeichnetes Röntgenbild vom 8. Februar 2019 und das MRI vom 24. Januar 2019 (E. 3.
1
)
als Diagnose eine Rotatorenmanschet
tenruptur.
Er attestierte explizit keine Arbeitsunfähigkeit.
3.
6
Kreisarzt
med.
pract
.
A._
hielt in seiner Stellungnahme vom 13. März 2019 (Urk.
9
/13) fest,
der Schaden sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf
den Unfall zurückzuführen. E
s handle sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um eine Kontusion/Zerrung der bereits degenerativ vorgeschädigten Schulter (
Impingementsituation
). Solche nicht richtungsweisenden Verschlimmerungen seien nach allgemeiner Lehrauffassung nach spätestens 12 Wochen abgeheilt, dann spiele das UE (Unfallereignis) im weiteren Verlauf keine Rolle mehr. Der
status
quo sine sei dann
erreicht
. H
ier spätestens
Ende
Februar 2019.
3.
7
Am 13. Mai 2019 wurde der Beschwerdeführer am Spital
E._
an der rechten Schulter operiert (Schulterarthroskopie rechts mit
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion
[
Supraspinatussehne
]
, Bizepstenodese,
subacromiale
Bursektomie
[vgl. Urk.
9
/
55
]).
3.
8
In seiner
ärztlichen Beurteilung vom 29. Mai 2019 (Urk.
9
/29) führte
Kreisarzt
med.
pract
.
A._
aus,
der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er beim Heben einer Gasflasche durch das Gewicht dieser Gasflasche nach hinten gezogen worden sei und anschliessend nur noch «leichte Arbeiten» habe machen können. I
m Bericht vom 28. Februar 2019 (
E
. 3.
4
) schreibe Dr.
F._
«Klinisch zeigt sich allerdings noch eine hervorragende Schulterfunktion», die zeige mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer nicht durch einen Funkti
onsausfall, sondern durch Schmerzen gestört sei. Dies sei typischerweise der Fall
bei degenerativen Läsionen der
Rotatorenmanschette
, wo Schmerzen persis
tierten, aber keine Paralyse durch einen akuten Sehnenriss erfolgt sei. Es sei im vorliegenden Dossier ebenfalls kein Arbeitszeugnis vorhanden, welches belegen könn
t
e, dass der Beschwerdeführer nach seinem Unfall zumindest bis zur MRI-Untersuchung (am 24. Januar 2019) oder auch noch darüber hinaus nicht gearbeitet habe. Dr.
C._
habe
in seinem MRI-Bericht vom 24. Januar 2019 (
E. 3.
1
)
wissenschaftlich korrekt den Zusammenhang zwischen einem soge
nannten engen Schulterkanal (der hier beim
Akromion
Typ II nur noch 6mm betrage)
und einer degenerativen Ruptur der Supraspinatussehne hergestellt. Der enge Schulterkanal sei keine Unfallfolge, sondern eine angeborene Normvariante. Bei dieser Normvariante und bei häufigem Schultergebrauch sei eine
Rotatoren
manschettenläsion
im Bereich des Ansatzes sehr häufig (Reiben der RM-Sehnen, speziell der Supraspinatussehne im relativ engen Schulterkanal). Man spreche
hier
bei
auch von einer sogenannten «
Impingement
-Konstellation»
. Das Verhalten des Beschwerdeführers nach dem Unfall (Weiterführen der Arbeit, nach eigenen Angaben «nur leicht», aber ein entsprechendes Zeugnis finde sich im Dossier nicht), sein nicht zeitnahes Vorstellen bei einem Spezialisten, seine wiederholte Ablehnung einer vorgeschlagenen Operation (weil er «arbeiten müsse») zeige, dass es sich bei der diagnostizierten Rotatorenmanschettenruptur nicht um ein akutes Ereignis gehandelt habe. Es fehlten die so wichtige unmittelbare Niederlegung der Arbeit, die sogenannte
Paralyse, welche im Fehlen der Funktion des Musculus
supraspiantus
begründet liege und auch die zeitnahe Vorstellung beim Spezialis
ten. Aus diesen Gründen könne mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit nicht davon ausgegangen werden, dass es sich um ein akutes Ereignis handle, sondern um eine degenerative
Rotatorenmanschettenurptur
(S. 2
f.
).
3.
9
Am 23. Dezember 2019 (Urk.
9
/46) führte
Kreisarzt
med.
pract
.
A._
auf Rück
frage der Beschwerdegegnerin aus, der Befund entspreche e
iner Listendiagnose gemäss Art.
6 Abs.
2
lit
.
f UVG. Es seien degenerative Läsionen, welche mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen seien.
3.
10
In seiner
im Zuge des vorliegenden Verfahren
s
mit der Beschwerde eingereichten
Stellungnahme vom 23. Januar 2020 (Urk.
9
/54) erläuterte Dr.
D._
auf Rück
frage des Beschwerdeführers, aus
fachorthopädischer Sicht handle es sich bei der diagnostizierten Rotatorenmanschettenruptur mit überwiegender Wahrschein
lichkeit
um ein Unfallereigni
s. Die MRI-Untersuchung vom 24.
Januar 2019 habe eine transmurale Ruptur im Ansatz d
er Sehnen des Musculus Supraspi
n
a
tus gezeigt. In der Operation vom 13. Mai 2019 hätten sich keine degenerativen Ver
änderungen vor allem der Sehnen, auch nicht des Gelenkes, gezeigt. Sowohl der MR-Befund als auch der intraoperative Befund wiesen darauf hin, dass es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um Folgen des Unfallereignisses vom 9. November 2018 handle. Leider könne er keine beweisenden Kriterien dafür liefern.
3.
11
Nach Vorlage
des Schreibens von Dr.
D._
vom 23. Januar 2020 (E. 3.
10
vorstehend)
führte
PD Dr.
B._
in seiner
orthopädisch-chirurgischen Beurteilung
vom
22
.
April
2020
(Urk.
9
/
62
)
aus
,
gemäss der medizinischen Fachliteratur ent
sprächen
bis auf eine akute Gewalteinwirkung alle übrigen möglichen Ursachen einer Rotatorenmanschettenruptur eine
r
vorwiegend auf Abnützung oder Erkran
kung zurückzuführende
n
Genese (S. 3).
Im Allgemeinen würden nur solche Kräfte für eine traumatische Sehnenläsion verantwortlich gemacht, die in einer Zug- oder Scherbelastung einer Sehne resultierten. Der Beschwerdeführer habe im Fragebog
en vom 14. Februar 2019
(E. 3.
3
vorstehend
)
angegeben, «An diesem Tag war ich den Lieferwagen am Abladen. Während dem Abladen der Gasflaschen hat mich die Gasflasche nach hinten gezogen».
Dass es hierdurch zu einer Zerreissung der
Rotatorenmanschette
komm
e
, sei unwahrscheinlich. Die trau
matisch nach akuter Gewalteinwirkung verursachte
Rotatorenmanschetten
zer
reissung
führe unmittelbar zu Schmerzen, Kraft- und Funktionsverlust mit einem charakteristischen zeitlichen Verlauf. Im Anschluss an eine Zerreissung der
Rota
torenmanschette
sei die aktive Beweglichkeit der Schulter daher in typischer Weise so massiv eingeschränkt, dass man häufig von einer Pseudoparalyse spreche. Von
wesentlicher
v
ersicherungsmedizinischer Bedeutung sei daher der Verlauf unmittelbar nach dem zur Diskussion stehenden Ereignis. In dem zur Diskussion stehenden Fall seien zwölf Tage zwischen dem angeschuldigten Ereignis und dem ersten dokumentierten ärztlichen Kontakt vergangen. Eine gewaltsame Zerreissung kraftübertragender Sehnen an der Schulter bei gleich
zeitiger Fähigkeit des Beschwerdeführers, den Arm über die Horizontale zu heben, sei ausgesprochen unwahrscheinlich
(S. 4)
.
Weiter hielt PD Dr.
B._
fest, das am 24. Januar 2019 (E. 3.
1
vorstehend) ange
fertigte Kernspintomogramm sei bereits aufgrund des zeitlichen Abstandes von fast elf Wochen nicht geeignet, Aussagen zu den Folgen eines Geschehens vom 9. November 2018 zu treffen. Zeichen einer Gewalteinwirkung seien nicht zur Darstellung gelangt und würden auch durch den befundenden Dr.
C._
nicht
beschrieben. Ähnliches gelte für die Operationsbefunde. Die Aussage von Dr.
D._
vom 23. Januar 2020
(E. 3.11)
«Sowohl der MR Befund», fast elf Wochen nach
Geschehen, «als auch der intrao
p
er
ative Befund» vom 13. Mai 2019, mithin ein halbes Jahr später, «weisen darauf hin, dass es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um Folgen des Unfallereignisses vom 9. 11.2018 handelt», vermö
cht
en in Kenntnis der publizierten Evidenz daher nicht zu überzeugen. Dies werde wohl der Orthopädische Chirurg selber erkannt haben, denn «Leider kann ich Ihnen keine beweisende[n] Kriterien dafür liefern».
PD Dr.
B._
schloss
, zusammenfassend sei zu bemerken,
Rotatorenmanschetten
läsionen
entstünden entweder traumatisch auf dem Boden adäquater Unfall
ereignisse oder entwickelten sich auf dem Boden einer degenerativen Genese.
Im zur Diskussion stehenden Fall vermöge kein überzeugend erklärendes Trauma bezeichnet werden. Damit würden alle übrigen in Frage kommenden Ursachen der vorliegenden Körperschädigung einer vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurück
zu
führenden Genese entsprechen (S. 5 f.).
4.
4.1
Vorwegzuschicken ist, dass es sich beim Ereignis am
9. November 2018 unbestrittenermassen (E. 2.1-2)
um keinen Unfall im Sinne von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) handelt. Dies ist aufgrund der vorliegenden Akten ausgewiesen, ist doch beim Ereignis vom
9. November 2018
ein ungewöhnlicher äusserer Faktor nicht zu erkennen (ordentliches
Ausladen von Gasflaschen aus einem Lieferwagen
[Urk.
9
/1]).
4.2
Die mittels Bildgebung vom
24
.
Januar
2019
(
E
. 3.
1
) festgestellte transmurale Ruptur am Ansatz der Sehne des Musculus su
pr
aspinatus,
welche am
13. Mai 2019
operativ saniert wurde (Urk.
9
/
55
), fällt unter die in Art. 6 Abs. 2 UVG auf
gelisteten Körperschädigungen im Sinne von Sehnenverletzungen (
lit
. f).
Demnach muss die Behandlung vom Unfallversicherer übernommen werden, sofern nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargetan werden kann, dass die Körperschädigungen zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen sind (vgl. vorstehend E. 1.2).
4.3
Die schlüssige Beurteilung von
Kreisarzt med.
pract
.
A._
vom
29. Mai 2019
samt Ergänzung vom 23. Dezember 2019
(E. 3.8
-9
)
vermag die an eine beweis
kräftige ärztliche Einschätzung gestellten Anforderungen
zu erfüllen. So legte
med.
pract
.
A._
nachvollziehbar und widerspruchsfrei dar, dass
es sich
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlic
hkeit um eine degenerative Rota
to
renmanschetten
ru
ptur
handelt. Er begründete dies überzeugend mit der
fehlenden
unmittelbare
n Niederlegung der Arbeit des Beschwerdeführers, der ausgeblie
benen
Paralyse, welche im Fehlen der Funk
tion des Musculus supraspi
na
tus begründet liegt,
der
nicht zeitnahe
n
Vorstellung
bei einem Spezialisten,
dem Zusammenhang
zwischen einem
engen Schulterkanal und
dem
regelmässige
n Schultergebrauch (Dachdecker), der häufig zu
Rotatorenmanschettenläsion
en
,
führe
(
sogenannte
)
«
Impingement
-Konstellation»
),
sowie der beschriebenen Kraft
einwirkung
vom
9. November 2018
.
Med.
pract
.
A._
waren bei seiner Beurteilung die Vorgänge des Ereignisses vom
9. November 2018
– «
Während dem
Abladen der Gasflaschen hat mich die Gas
flasche nach hinten gezogen. Dann hatte ich Schmerzen an der rechten Schulter. Seitdem konnte ich leichte Arbeiten
machen.
» (
E. 3.3
)
–
bekannt
(E. 3.8)
. Zwar ist für die Anwendung von Art. 6 Abs. 2 UVG kein äusserer Faktor und damit kein unfallähnliches sinnfälliges Ereignis oder eine allgemein gesteigerte Gefahrenlage im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 9 Abs. 2 UVV mehr voraus
gesetzt. Lässt sich bei den Abklärungen kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz
untergeordneter beziehungsweise
harmloser Art – wie dies vorlie
gend beim ordentlichen Verrichten der gewöhnlich getätigten Arbeit der Fall ist
so vereinfacht dies zwangsläufig den En
tlastungsbeweis des Unfall
versi
cherers, denn bei der zu beurteilenden Abgren
zungsfrage ist das gesamte Ursa
chenspek
trum der in Frage stehenden Körperschädigung zu berücksichtigen, nebst
dem Vor
zustand somit auch die Umstände des erst
maligen Auftretens der Beschwer
den (BGE 146 V 51 E. 8.6).
4.4
Der Beschwerdeführer stützte sich zur Begründung seines Standpunktes auf
das Schreiben
des ihn behandelnden Arztes Dr.
D._
vom 23. Januar 2020 (E. 3.10), welches dieser erst auf Rückfrage des Beschwerdeführers im Nachgang zum
Ein
spracheentscheid
vom
8
.
Januar
2020 (Urk. 2)
verfasste.
Von der Erfahrungs
tatsache abgesehen, dass behandelnde Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc), vermögen die Einschätzungen von Dr.
D._
auch aus anderen Gründen die Beurteilung von
med.
pract
.
A._
nicht in Frage zu stellen.
Dr.
D._
setzte sich
nicht mit der Begründung von
med.
pract
.
A._
ausei
nander
, sondern führte
pauschal
an,
der Befund des MRI vom 29. Januar 2019 sowie der intraoperative
Befund
sprächen für eine überwiegend unfallbedingte Ursache des Sehnenrisses
, weil sich da keine degenerativen Veränderungen, insbesond
e
re in den Sehnen, aber auch im Gelenk, gezeigt
hätten
(E. 3.
10
)
.
So
äusserte sich Dr.
D._
weder zur fehlenden Paralyse
im Nachgang zum 9. November 2018
noch zur
weiterhin guten Funktionalität der Schulter nach dem 9. November 2018
und auch nicht zur
der bestehenden
Impingement
-Kons
tellation
oder
der beschriebenen
Krafteinwirkung vom 9. November 201
8.
Med.
pract
.
A._
hingegen
zeigte
anschaulich
auf – was durch die von
PD
Dr.
B._
im Nachgang zum Vorliegen des Schreibens von Dr.
D._
vom
23
.
Januar
2020 (E. 3.
20
) erstellten
ortho
pädisch-chirurgischen Beurteilung vom
22
.
April
2020 (
E. 3. 11
) bekräftigt wird
,
dass
die Art der Krafteinwirkung am 9. November 2018 und gerade die danach weiterhin an den Tag gelegte Funktionalität für eine überwiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückgehende Schädigung sprechen
(E. 3.
8
). Dr.
D._
ging darauf
in seine
r
Stellungnahme nicht ein und benannt
e auch keine Aspekte, welche bei med.
pract
.
A._
unberücksichtig
t geblieben wären (E. 3.
8-9
).
Zudem ist auch die Aussage, es hätten in den Gelenken keine degenerativen Veränderungen festgestellt werden können, nicht korrekt. So hatte
Dr.
C._
im
MRI-
Arthro
vom 24. Januar 2019
eine
leichte degenerative Verän
derung im AC-Gelenk
feststellen können (E. 3.1)
.
Dass med.
pract
.
A._
der Operationsbericht bei seiner Beurteilung nicht vorgelegen hatte, tut seiner Beur
teilung keinen Abbruch und lässt
daran
auch keine
geringe
n
Zweifel
aufkommen
, zeigte er doch auf, dass die vorliegenden Umstände
(beschriebene Kraftein
wirkung,
Impingement
-Konstellation, ausgebliebene Paralyse, fehlende Funk
ti
onseinsch
r
ä
nkungen bei der Ruptur der
Supraspinatusssehne
am
Ansatz
)
über
wiegend wahrscheinlich
für eine auf Erkrankung oder Abnützung zurückgehende Schädigung sprechen, wie dies dann auch von PD Dr.
B._
bestätig
t
wurde (E. 3.11)
, woran auch der Befund im Operationsbericht nichts zu ändern verm
ag
. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes liegt demnach nicht vor.
Die Einschätzung von Dr.
D._
vermag demnach auch nicht geringe Zweifel an der nachvollziehbaren und schlüssigen Beurteilung von
med.
pract
.
A._
(vgl. E. 4.3 vorstehend) zu wecken.
Es stehen sich demnach auch nicht zwei gleichwertige widersprechende Beurteilungen gegenüber (vgl. E. 2.4).
Darüber hinaus ist anzumerken, dass es sich bei
m
Schreiben von Dr.
D._
vom 23. Januar 2020 (E.
3.10
)
nach am 8. Januar 2020 (Urk. 2) ergangenem
Ein
spracheentscheid
um ein neu beigebrachtes Beweismittel handelt. In den voran
gehenden Berichten von Dr.
D._
vom 31. August, 3. Oktober und 1. Dezember 2019 (Urk. 9/38, Urk. 9/40, Urk. 9/45), welche von der Beschwerdegegnerin allesamt für ihre Beurteilung eingeholt worden waren und damit für ihren Entscheid vorlagen, äussert
e
sich Dr.
D._
nie über die Ursache der Schädigung.
Demnach
durfte die
Beschwerdegegnerin denn auch für ihre weitere Beurteilung
die orthopädisch-chirurgischen Beurteilung von
PD Dr.
B._
vom
22
.
April
2020
(
E. 3.11)
einholen
.
Dazu berechtigte sie einerseits der Grundsatz des rechtlichen Gehörs und andererseits die in
Art.
53
Abs.
3 ATSG vorgesehene Möglichkeit der Wiedererwägung des
Einspracheentscheides
durch den Versicherungsträger bis zur Stellungnahme gegenüber der Beschwerdebehörde (Urteil
des Bundesgerichts
8C_
67
/
2017
vom
14. Juni 2017 E.
5.
6
)
, weshalb sehr wohl auch auf diese abge
stützt werden kann (vgl. E. 2.4)
.
Die Beurteilung
erweist sich ebenfalls als
schlüssig
,
vermag die an eine beweiskräftige ärztliche Einschätzung gestellten Anforderungen
zu erfüllen
und bestätigt
die
Beurteilung von med.
pract
.
A._
.
Aus der vom Beschwerdeführer mit Eingabe vom 18. November 2020 (Urk. 13) eingereichten
Studie der Swiss
Orthopaedics
vom 1.
Oktober 2020 (Urk. 14) lässt sich für das vorliegenden Verfahren nichts ableiten. In der Studie wird das Urteil des Bundesgerichtes 8C_446/2019 vom 22. Oktober 2019 behandelt. Da spielte ein direktes Schultertrauma respektive eine direkte Krafteinwirkung eine Rolle, was vorliegend nicht der Fall ist.
4.5
Der medizinische Sachverhalt ist erstellt und die vom Beschwerdeführer eventu
a
liter beantragte orthopädische Begutachtung (Urk. 1 S. 2) erübrigt sich. Weitere
entscheidwesentliche
Erkenntnisse sind davon nicht z
u erwarten (antizipierte Beweis
würdigung; BGE 122 V 157 E. 1d).
Damit ist gestützt auf die beweiskräftige ärztliche Einschätzung
von med.
pract
.
A._
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinl
ichkeit erstellt, dass die frag
lichen Listenverletzungen vorwiegend, das heisst im gesamten Ursachen
spektrum zu mehr
als 50 %, auf Abnützung zurückz
uführen sind. Damit ist der Ent
las
tungsbeweis der Beschwerdegegnerin erbracht und die V
ermutung der Leis
tungs
pflicht gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG umgestossen. Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht folglich zu Recht verneint.
5.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
8
.
Januar
2020 erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.