Decision ID: 40562208-5d71-5ec2-9f90-0cb9b41fe9ed
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1957 geborene
X._
und die
Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG
hatten
einen Vertrag im Bereich der gebundenen Vorsorge (Säule 3a) gültig ab
1.
März 2002
a
b
geschlossen
, mit welchem
unter anderem Leistungen bei Erwerbsunfähigkeit
aufgrund Krankheit oder Unfall
versichert
sind
(
Urk.
8/3)
.
Am
5.
März 2003
meldete sich
X._
bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/2). Nach Vornahme medizinischer und erwerblicher Abklärungen sprach die IV-Stelle
X._
mit Verfügungen
vom 1
3.
August 2004
bei einem Invalidi
tätsgrad von 100
%
mit Wirkung ab
1.
März 2003 eine ganz
e Invalidenrente zu (
Urk.
11/26
).
Die
Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG
richtete
X._
in der Folge
ebenfalls Rentenleistungen aus
(
Urk.
7 S.
2 und
Urk.
14
S.
15)
.
Der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente wurde
von der IV-Stelle
im Rah
men zweier in den Jahren 2005 und 2006 abgeschlossenen Revisionsverfahren bestätigt (
Urk.
11/51,
Urk.
11/53,
Urk.
11/62).
Im Februar 2009 leitete die IV-Stelle ein weiteres Revisionsve
rfahren ein (Urk.
11/68), wobei sie mi
t Verfügung vom 2
5.
Februar 2010 die Rente der Ver
sicherten ab sofort
sistierte
(
Urk.
11/112). Die von der Versicherten dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
11/117/3-13) hiess das hiesige Gericht mit Urteil
vom 2
8.
Mai 2010
(
Urk.
11/119)
in dem Sinne teilweise gut, dass die angefochtene Verfügung insoweit aufgehoben wurde als
damit
die Rente für
die Zeit vom 1.
März bis 3
1.
Mai 2010 um mehr als einen Viertel und
für
die Zeit ab
1.
Juni 2010 ganz sistiert wurde. Im Übrigen wurde die
Beschwerde abgewiesen (Urk.
11/119). Auf die von der IV-Stelle und der Versicherten
dagegen
erhobenen Beschwerden trat das Bundesgericht nicht ein (
Urk.
11/129 und
Urk.
11/130/1-5). Die IV-Stelle nahm in der Folge weitere erwerbliche und medizinische Abklä
rungen vor, in der
en Rahmen sie unter anderem bei der
Y._
AG e
in polydisziplinäres Gutachten in Auf
trag gab
, welches am 1
1.
Mai 2011 erstattet wurde (
Urk.
11/160). Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/169
,
Urk.
11/173 und Urk.
11/176) stellte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 4.
Novembe
r 2011 (Urk.
11/178) bei einem errechneten Invaliditätsgrad von 30
% die Rente der Versicherten auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Mona
ts ein.
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Entsprechend dem von der IV-Stelle neu festgestellten Invaliditätsgrad richtete die
Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG
ab dem Jahr 2012 ihre Leistun
gen nicht mehr basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 100
%
, sondern basierend auf einer solchen von 30
%
aus
(
Urk.
7 S. 3 und
Urk.
14 S. 15).
1.2
Im Jahr 2015
leitete
die
Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG
eine Leis
tungsüberprüfung
ein
(
Urk.
8/5). Im Rahmen dieser Überprüfung gab sie bei
Dr.
med.
Z._
, Spezialärztin FMH für Psychiatrie und Psychothera
p
ie, ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag, welche
s
am
9.
Juni 2016 erstattet wurde (
Urk.
8/7).
Unter Berufung auf das Gutachten
von
Dr.
Z._
wies die
Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG
die Versicherte mit Schreiben vom 2
8.
Juli 2016 (
Urk.
8/8) auf ihre Mitwirkungspflicht hin, insbesondere auf die Empfehlung zur Anpassun
g
der medikamentösen Behandlung
.
M
it Schreiben vom 3.
November 2016 (
Urk.
8/9 =
Urk.
2/5) wies die
Zürich
Lebensversiche
rungs
-Gesellschaft AG
die Versicherte
noch einmal auf
ihre
Mitwirkungspflichten
hin und
forderte sie auf, mitzuteilen, bei wem sie neu in Behandlung sei. Gleich
zeitig drohte die
Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG
bei Nichtbefolgung eine L
eistungseinstellung
an
.
In der Folge wurde die
Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG
darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Versicherte bei
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in Behandlung sei
.
Am 2
4.
Januar 2017 setzte die Versicherte die
Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG
darüber in Kenntnis, dass sie ab dem 1. März 2017 eine 60%ige Festanstellung habe. Gleichzeitig teilte sie mit, dass sie infolge der Arbeitstätig
keit eine neue Therapiestelle finden müsse
(Urk. 8/10)
.
Am 21.
Februar 2017 informierte
sie
die
Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG
darüber
, dass sie neu bei
Dr.
med.
B._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medi
zin,
in Behandlung sei.
Daraufhin forderte die
Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG
die Versicherte mi
t Schreiben vom
2.
März 2017
(
Urk.
8/12)
auf, mitzuteilen,
wann und wie lange sie bei
Dr.
A._
in Behandlung
gewesen sei
und wieso ein
Wechsel
von
Dr.
A._
zu
Dr.
B._
stattgefunden
habe. Die Versicherte
antwortete
,
dass eine Behandlung bei
Dr.
A._
bis Ende Januar 2017 stattgefunden habe
un
d ein Therapiewechsel
vollzogen worden sei
, da ihre Teilzeitarbeit und diejenige von
Dr.
A._
nicht vereinbar gewesen sei
en
(
Urk.
8/14)
.
Mit Schreiben
vom 1
5.
Mai 2017 teilte die
Zürich
Lebensversiche
rungs
-Gesellschaft AG
der Versicherten mit,
dass eine Leistungseinste
ll
ung
auf
grund
einer Verletzung der Mitwirkungspflicht vorgenommen
werde
(
Urk.
8/15)
.
2.
Mit Eingabe vom
4.
September 2017 liess
X._
Klage gegen die
Zürich
V
ersicherungs-Gesellschaft AG
Klage erheben und beantragen:
«1.
Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin Fr. 7'600.--, zuzüglich Zins zu 5
%
seit Juli 2017 zu bezahlen.
2.
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8
%
Mehrwertsteuer) zulasten der
Beklagten.»
Mit Klageantwort vom
7.
November 2017 (
Urk.
7) beantragte die Zürich
Lebens
versicherungs
-Gesellschaft AG, es sei die Klage abzuweisen. In prozessualer Hin
sicht stellte sie den Antrag, es sei in dem Sinne eine Berichtigung vorzunehmen, dass sie, die Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG, und nicht die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG als Beklagte zu bezeichnen sei.
Mit Verfügung vom 1
0.
November 2017 (
Urk.
9) wurde als Beklagte anstelle der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG die Zürich Lebensversicherungs-Gesell
schaft AG ins Rubrum aufgenommen. Gleichzeitig
wurden
d
ie Akten der Invali
denversicherung in Sachen der Klägerin beigezogen.
Nachdem die IV-Stelle ihre Akten eingereicht hatte (
Urk.
10 und
Urk.
11/1-201)
,
hielt
die Klägerin
mit Replik vom 2
3.
Januar 2018 (
Urk.
14) ebenso an
ihren
Anträgen fest wie die Beklagte mit Duplik vom 1
2.
April 2018 (
Urk.
19). Die
Dup
lik
wurde der Klägerin am 1
6.
April 2018 zur Kenntnis zugestellt (
Urk.
20).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Klägerin erklärte zur Begründung ihrer Klage im Wesentlichen
(
Urk.
1 und
Urk.
14)
,
es bestehe eine Therapieresistenz, welche bei ihr zu einer mindestens 30%igen anhaltenden Erwerbsunfähigkeit geführt habe. E
s sei völlig unhaltbar, aus einem allfälligen Therapiewechs
e
l oder einem kurzen Therapieunterbruch auf eine Verletzung der Mitw
i
r
k
ungs- und Schadenm
inderungspflicht zu schliessen.
Sie habe die Mitwi
r
kungspflicht nicht verletzt (
Urk.
14 S. 16)
.
Es werde bestritte
n
, dass die Beeinflussbarkeit ihrer jahrelangen depressiven Störungen gestützt auf die wissenschaftliche Datenlage als günstig zu bewerten sei.
Ebenso werde bestritten, dass
sie sich nicht nach anerkannten Behandlungsrichtlinien habe
behandeln lasse
n und dass
ihre Erwerbsfähigk
e
it mit einer and
e
ren Behandlungs
methode nach diesem langen Krankheitsverlauf gesteigert werden könn
t
e.
Eine Unverträglichkeit von Pharmaka könne ihr nicht zum Vorwurf gereichen.
Selbst wenn ihr ein Therapieunterbruch vorgeworfen werden könnte, wäre dieser The
rapieunterbruch in keiner Weise kausal für die anhaltende mindestens 30%ige Erwerbsunfähigkeit.
Die Prognose des IV-
Y._
-Gutachtens sei durch den Zeitablauf widerlegt. Beim Gutachten
von
Dr.
Z._
handle es sich um eine reine Parteibehauptung. Beide Gutachten gingen im Übrigen von einer 30%igen Erwerbsunfähigkeit aus.
1
.2
Die Beklagte wendete dagegen
im Wesentlichen
ein
(
Urk.
7 und
Urk.
9)
, es lägen zwei Gutachten vor, die beide zum Schluss kämen, dass eine Verbesserung des Gesundheitszust
andes und damit eine
Stei
g
erung der Arbeitsfähigkeit durch eine geeignete Behandlung möglich seien. Es könne also nicht davon ausgegangen werden, dass eine Verbesserun
g
des Gesundheitszustandes mit grösster Wahr
scheinlichkeit nicht möglich sei.
Dr.
Z._
lege im Gutachten vom
9.
Juni 2016 nachvollziehbar dar, dass die Anwendung einer kombinierten psychotherapeuti
schen Behandlung mit einer antidepressiven Medikation erfolgsversprechend sei. Die Klägerin habe es in den letzten Jahren unterlassen, eine
medikamentöse
Behandlung in Angriff zu nehmen. Es sei gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre
chung Patienten zwar unbenommen, sich keine Psychopharma
ka verordn
en zu lassen, sie kämen in diesem Fall
aber ihrer Schadenminderungspflicht nicht aus
reichend nach.
D
ie
Klägerin
sei
von ihr mehrfach au
sgefordert worden
, sich
einer effektiveren Behandlung
mit effekt
iver Medikation zu unterziehen.
Sie
sei dieser
Aufforderung
jedoch
in keiner Weise nachgekommen
und
habe
somit ihre Mi
t
wirkungspfl
icht verletzt
.
2.
2.1
2.1.1
Nach
§
2
Abs.
2
lit
. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) ist das hiesige Gericht unter anderem zuständig für die Beurteilung von Klagen nach
Art.
73
des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
.
Art.
73
Abs.
1
BVG
bestimmt, dass die zuständige kan
tonale Instanz über Streitigkeiten zwischen Vorsorgeeinrichtungen, Arbeitgebern und Anspruchsberechtigten entscheidet; sie entscheidet auch über Streitigkeiten mit Einrichtungen, welche der Erhaltung der Vorsorge im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 und
Art.
26
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit in der beruflichen
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (Freizügigkeitsgesetz; FZG) die
nen (
lit
. a), über Streitigkeiten mit Einrichtungen, welche sich aus der Anwendung von
Art.
82
Abs.
2 BVG ergeben (
lit
. b), über Verantwortlichkeitsansprüche nach
Art.
52 BVG (
lit
. c) sowie über den Rückgriff nac
h
Art.
56a
Abs.
1 BVG (
lit
. d).
Örtlich zuständig ist das Gericht am schweizerischen Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder am Ort des Betriebes, bei dem der Versicherte angestellt wurde (
Art.
73
Abs.
3 BVG).
2.1.
2
Vorliegend sind Versicherungsleistungen gegenüber einer Einrichtung gemäss
Art.
82
Abs.
2 BVG strittig.
Die Klägerin hat ihren Wohnsitz und die Beklagte ihren Sitz im Kanton Zürich.
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesi
gen Gerichts ist damit gegeben
(vgl. auch Ziffer 22 der Allgemeinen Bedingungen des Vorsorgevertrages,
Urk.
8/3)
.
2.
2
2.2.1
Bei dem zwischen den Parteien abgeschlossenen Vorsorgevertrag handelt es sich um eine gebundene Vorsorge
im Rahmen der Säule 3a
im Sinne v
o
n
Art.
82
Abs.
2 BVG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1
lit
. a
der Verordnung über die steu
erliche Abzugsberechtigung für Beiträge an a
nerkannte Vorsorgeformen (BVV 3). Die Säule 3a ist der zweiten Säule ("zweite Säule im engeren Sinne") gleichgestellt und unterscheidet sich von dieser im Wesentli
chen durch ihre Freiwilligkeit
. Namhafte Bereiche der Säule 3a wie die vorzeitige Ausrichtung von Leistungen, der
Vorbezug
zum Erwerb von Wohneigentum oder die Abtretung, Verpfändung und Verrechnung sind in der Säule 3a praktisch gleich geregelt wie in der zweiten Säule bzw. durch Verweis denselben Normen unterstellt (
Art.
3 und 4 BVV 3,
Art.
5 FZG,
Art.
83a BVG
; Urteil des Bundesgerichts 2A.292/2006 vom 1
5.
Januar 2007 E. 6.3
). Da sich die gebundene Vorsorge aus der zweiten Säule ableitet (BGE 121 III 285 E. 1d S. 289), hat die Praxis verschiedentlich subsidiär, soweit die BVV 3 keine einschlägigen Bestimmungen enthielt, die Regelungen der zweiten Säule beigezogen. So hat das Bundesgericht beispielsweise die zur zweiten Säule ergangene Rechtsprechung, wann die für
Hinterlassenenleistungen
vorausge
setzte Qualifikation der Unterstützung als erheblich in zeitlicher Hinsicht gegeben ist, auch im Bereich der Säule 3a für anwendbar erklärt (BGE 140 V 57). Weiter hat es entschieden, dass der Begriff der Invalidität in der Säule 3a nicht weiter zu fassen ist als in der zweiten Säule (Urteil des Bundesgerichts 2A.292/200
6 vom 1
5.
Januar 2007 E. 6.4).
Darüber hinaus findet auf die im Rahmen der gebunde
nen Vorsorge abgeschlossenen Lebensversicherungen ergänzend das Bundesge
setz über den Versicherungsvertrag (VVG) Anwendung (BGE 141 V 405 E. 3 mit zahlreichen Hinweisen).
2.2.2
Gemäss dem zwischen den Parteien abgeschlossenen Vertrag der gebundenen Vorsorge
(
Urk.
8/3)
hat die
Klägerin
bei Erwerbsunfähigkeit Anspruch auf eine jährliche Rente in Höhe von Fr. 48'000.
--
(Fr. 29'738.-- + Fr. 18'262.--). Gemäss Anhang 3 zu den Allgemeinen Bedingungen ist die versicherte Person erwer
bs
unfähig, wenn sie vollständig
oder teilweise ausserstande ist, ihren Beruf oder eine a
n
dere zumutbare Erwerbstätigkeit auszuüben, und dadurch eine Einkom
menseinbusse erleidet. Zumutbar ist eine andere Tätigkeit nur, wenn sie den Kenntnissen, den Fähigkeiten und der bisherigen Lebensstellung entspricht. Die Erwerbsunfähigkeit
muss Folge einer medizinisch nachweisbaren Krankheit oder eines Unfalls sein.
Die Erwerbsunfähigkeit gilt als dauernd, wenn feststeht, dass der durch Krankheit oder Unfall beeinträchtigte Gesundheitszustand mittels medizinischer Massnahmen mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht oder nur geringfügig verbessert werden kann.
Die Rente und das Ausmass der Prämienbe
freiung richten sich nach dem Grad
der Erwerbsunfähigkeit. Eine Erwerbsunfä
h
i
gkeit von 66 2/3 %
oder mehr gibt Anspruch auf die vollen Leistungen. Eine Erwerbsunfähigkeit von weniger als 25
%
gibt keinen Anspruch auf Leistungen.
Verändert sich der Grad der Erwerbsunfähigkeit, werden die Leistungen neu fest
gesetzt.
3.
3.1
Am 1
1.
Mai 2011 erstatte
ten
die Gutachter der
Y._
der IV-Stelle ein polydis
ziplinäres Gutachten (
Urk.
11/160). Sie nannten dabei als Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
11/160/16)
:
-
a
nhaltende, depress
i
ve Episode mittelschwerer Ausprägung (ICD-10 F33.1)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
Als Diagnosen ohne Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit
führten die Gutachter die folgenden Diagnosen
an
:
-
Benzodiazepin-Abusus (ICD-10 F13.1)
-
l
eichtes
Zervikobrachialsyndr
o
m
-
Lumbalsyndrom ohne Nachweis von nervenwurzelbezogenen, neurologi
schen Defiziten
-
Somatisierungsstörung (ICD
-
10 F45.0)
Die Klägerin sei in der Lage, mittelschwere Arbeiten durchschnittlicher geistiger Art mit durchschnittlichen Verantwortungsbereichen analog der zuletzt ausgeüb
ten Tätigkeit als Mitarbeiterin in Werbeprojekten im Umfang von sechs Stunden
täglich
zu verrichten.
Damit bestehe aus ihrer Sich
t eine Arbeitsfähigkeit von
etwa 70
%
in der zuletzt verrichtete
n, angestammten Tätigkeit (Urk.
11/160/17).
Die Gutachter erklärte
n
, dass mit kontinuierliche
r
psychiatrisch-psychotherapeu
tischer Behandlung unter Einschluss
einer
Psychopharmakotherapie die Arbeits
fähigkeit gesteigert werden könne. Mittelfrist
ig
, das heisse binnen zwei
er
Jahre, sollte eine massgebliche Steigerung der Arbeitsfähigkeit möglich sein. Bei güns
tigem Ve
rlau
f sei eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
denkbar (
Urk.
8/160/20)
.
3.2
Dr.
Z._
erstattete am
9. Juni 2016 ein Gutachten zu
h
anden der
Beklagten
(
Urk.
8/7). Als Diagnose mit Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit nannte Dr.
Z._
eine rezidivierende depressive Störung, derzeit langgezogene Episode mittleren bis leichten Grades mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11
;
Urk.
8/7 S. 17
). Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit führt
e
Dr.
Z._
ein Abhängigkeitssy
n
d
rom v
on Hypnotika (ICD-10 F13.2) an
(
Urk.
8/7
S.
17)
.
Die Klägerin sei als Projektleiterin und
Texterin aus medizinisch-psychi
atrischen Gründen aktuell zu 30
%
arbeitsunfähig. Die 30%ige Teilarbeitsunfähigkeit sei aufgrund der Auswirkungen der hier diagnostizierten depressiven Störung mit gesundheitlich bedingten Funktionseinschränkungen der Psyche begründbar. Namentlich sei die Klägerin durch die depressive Stimmungslage in ihrer moti
vationalen Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Weiter sei der Nachtschlaf ohne Medikamente gestört und ihre Angststeuerung sei eingeschränkt. Die diagnos
tisch nicht explizit gewürdigten wiederkehrenden dissoziativen Zustände, die unter Druck aufträten, reduzierten die berufliche Belastbarkeit der Klägerin eben
falls. Zur Einschätzung einer 70%igen A
rbeitsfähigkeit sei bereits der psychiatri
sche
Vorgutachter
des
Y._
,
Dr.
med.
C._
,
gelangt. Seine dama
lige Begründung sei nachvollziehbar. Der Gesundheitszustand der Klägerin habe sich eigen- und aktenanamnestisch seither insgesamt nicht wesentlich verändert, was die Einschätzung der Teilarbeitsfähigkeit bei 70
%
weiter stütze
(
Urk.
8/7 S. 21)
. Es sei davon auszugehen, dass die Klägerin auch in einer anderen Tätigkeit eine Teilarbeitsfähig
k
eit im gleichen zeitlichen Rahmen leisten könnte
(
Urk.
8/7 S. 22)
.
Die Prognose der Arbeitsfähigkeit, welche die Gutachter 2011 aus nachvollzieh
baren Gründen gestellt hätten, nämlich, dass innert zweier Jahre die Arbeitsfä
higkeit gesteigert werden könne, habe keine Umsetzung gefunden. Hier sei zu berücksichtigen, dass die Kläger
i
n nach der polizeilichen Hausdurchsuchung im Juni 2013 vorübergehend eine gesundheitliche Verschlechterung durchgemacht habe. Offensichtlich hätten die Behandler längerfristig nicht mehr hinterfragt, weshalb die Klägerin ihre berufliche Leistungsfähigkeit nicht habe weiter steigern könne
n
. Sie hätten die Teilarbeitsunfähigkeit von 30
%
implizit als dauerhafte Einschränkung hingenommen. Nachdem nicht alle Behandlungsoptionen ausge
schöpft seien, könne sie diese längerfristige prognostische Einschätzung nicht
teilen.
Es sei durchaus im Rahmen des Möglichen, dass die Klägerin ihre Belast
barkeit und damit ihre Arbeitsfähigkeit steigern
könne, sofern sie u
n
t
er Belastung nicht immer
depressiv werde und dissoziier
e
(
Urk.
8/7 S. 22)
. Gestützt auf die wissenschaftliche Datenlage sei die Beeinflussbarkeit mittelgradiger depressiver Störungen grundsätzlich als günstig zu bewerten. Einschränkend auf die Prog
nose wirkten sich ein langer Krankheitsverlauf sowie zusätzliche Komo
rbiditäten und depressionsunterhaltende
krankheitsfremde Faktoren aus.
Angesichts des hier langgezogenen Verlaufs der aktuellen Episode, die 2002 ihren Anfang genommen habe, und seither nie mehr ganz remittiert sei, sei die Anwendung einer kombinierten psychotherapeutischen Behandlung mit einer antidepressiven Medikation am ehesten erfolgsversprechend. Das Ergebnis der alleinigen psycho
therapeutischen Behandlung müsse als zu wenig wirksam eingestuft
w
erden. Der Heilverlauf unter der bisherigen Behandlung sei bescheiden ausgefallen. Gegen den symptomatischen Einsatz von
Zolpide
m
als schlafanstossende Medikation und
Lorazepam
in Reserve als angs
t- und spannungslösender Wirkstoff
bestün
den keine Einwände, es handle sich dabei aber nicht um eine spezifische antide
pressive Medikation
(
Urk.
8/7 S. 20)
. Der langgezogene Verlauf und die rezidivie
rende Natur der depressiven Störung der Klägerin stellten die Indikation für eine differenzierte Pharmakotherapie. Es gelte deshalb den Einsatz eines
Moodstabili
zers
zu prüfen. Die Behandlungsanamnese, soweit die Klägerin diese noch ange
ben könne, und die Akten rechtfertigten nicht, die depressive Störung der Kläge
rin als therapieresistent zu bezeichnen. Es seien nicht zwei gut dosierte und lange genug angewendete antidepressive Behandlungsversuche dokumentiert
(
Urk.
8/7 S. 21)
. Es sollte bei einer stabileren Stimmungslage, beispielsweise innerhalb der nächsten zwölf Monate
,
möglich sein, dass die Klägerin als nächsten Schritt ihre Arbeitsfähigkeit auf 80
%
steigere, das heisse an vier Arbeitstagen eine Stunde länger arbeite. Ob weitere Stei
g
erungsschritte möglich seien und wenn ja, in wel
chen Zeitraum, vermöge sie nicht vorauszusehen
(
Urk.
8/7 S. 23)
.
3.3
Dr.
A._
nannte
mit Bericht an die Beklagte vom
6.
März 2017 (
Urk.
8/13 =
Urk.
15/1) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
rezidivierende depressive Episode (ICD-10 F33.1), gegenwärtig mittlere Episode
-
p
osttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
Während der 3-monatigen Behandlungszeit bei ihr habe die Klägerin trotz The
rapie und eigener Motivation und innerem Antrieb, selbst den Gesundheitszu
stand günstig zu beeinflussen, ein persistierend beeinträchtigtes Befinden gezeigt. Aufgrund der Wiederaufn
a
hme der A
r
beit und der Arbeitszeiten, die sich mit ihren Arbeitstagen deckten, habe die Klägerin auf ihre Empfehlung hin eine neue
Therapeutin gesucht. Die Klägerin habe aufgrund der exist
entiellen Ängste erneut eine 60
%
-S
telle angenommen, was aus psychiatrischer Sicht über ihre Belastbar
keit hinausgehe. In diesem Zusammenhang sei ihres Erachtens da
s Augenmerk besonders auf die Ar
beitsbedin
g
ungen zu legen. In
s
besondere Faktoren wie Zeit
druck, Leistungsdruck, fehlende Wertschätzung könnten den labilen Gesundheits
zustand der Klägerin gefährden. Maximal zumutbar sei aufgrund der verminder
ten Belastbarkeit ein
e 40%ige Teilarbeits
täti
gkeit.
3.4
Mit Schreiben an den Rechtsvertreter der Klägerin vom 1
5.
Januar 2018
(Urk.
15/2) nannte
Dr.
B._
die gleichen Diagnosen wie
Dr.
A._
in ihrem Bericht vom
6.
März 2017 und
erklärte, die Klägerin sei in regelmässiger Behand
lung bei
D._
,
dipl.
Psychologin HAP, die delegiert in ihrer Praxis arbeite.
Am
2.
Februar 2017 habe eine erste Therapie
s
itzung mit der Klägerin stattgefunden, der im Laufe des Jahres 19 weitere Sitzungen gefolgt
seien. Zu Beginn der Therapiesi
tzungen sei bei der Klägerin eine sehr auffällige, stark depressive Verstimmtheit feststellbar gewesen, die von einer körperlichen Erschöpfung begleitet worden sei. Die darunterliegende posttraumatische Belas
tungsstörung sei in den Gesprächen immer wieder
als Flashback
aufgetaucht. Das Befinden habe sich in der Zeit der ersten Therapiesitzungen kaum verändert. Es h
abe Momente gegeben, in denen
die Stimmung etwas aufgehellt
habe
, diese habe sich aber meist rasch wieder verdüstert. Die Klägerin habe die Arbeit am 1.
März 2017 mit einem Pensum von 60
%
wied
eraufgenommen. Am Arbeitsplatz herrsch
e e
normer Zeit- und Leistungsdruck
. Ein rüder, respektloser Umgang sei
tens der Unternehmung hätten die schon bestehenden Gefühle von Wertlosigkeit verstärkt. Ständige bohrende Angst- und Bedrohungsgefühle seien in der Folge vermehrt aufgetreten und hätten eine anhaltende inner
e
Unruhe ausgelöst, die trotz eigener Motivation der Klägerin und therapeutischer Intervention zu kör
perlichen Störungen geführt hätten: ständige innere Unruhe, Angespanntheit, Angstgefühle und damit verbunden eine schlechte Schlafqualität, was zu körper
licher Erschöpfung geführt habe. Der Wiedereinstig in die 60%ige Arbeitsstelle im angestammten Beruf sei unter diesen schwierigen Bedingungen
aus psycho
logischer Sicht weit
über ihre Belastungsfähigkeit hinausgegangen und sei dem Befinden der Klägerin nicht angep
asst
. Alle diese Einflüsse liess
en die Versuche einer Veränderung auf der psych
ischen Ebene immer wieder schei
tern. Für die Klägerin sei eine Arbeitsfähigkeit von 40
%
angemessen.
4.
4.1
Die Parteien gehen übereinstimmend davon aus, dass die Klägerin (mindestens) zu 30
%
erwerbsunfähig ist. Die
Beklagte verneint jedoch eine weitere Leistungs
pflicht mit der Begründung
, die Klägerin
sei
ihrer Schadenminderun
gspflicht nicht nachgekommen
. Aus medizinischer Sicht beruft sich die
Beklagte dabei
im Wesentlichen auf das Gutachten von
Dr.
Z._
vom
9.
Juni 2016.
Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter die Beweise frei, d
as heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Verwal
tungsgerichtsverfahren
bedeutet dies, dass der Sozialversicherungsrichter alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf er bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum er auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hin
sichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungn
ahme als Bericht oder Gutachten.
Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte For
men medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen.
So weicht der Richter bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen.
Hinsicht
lich von
Versicherungsträgern im Verfahren nach
Art.
44
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
eingeholter, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechender, Gutachten externer Spezial
ärzte hat das Bundesgericht festgehalten, das Gericht dürfe diesen Gutachten vol
len
Beweiswert zuerkennen, solange «
nicht konkrete Ind
izien gegen die Zuverläs
sigkeit»
der Expertise sprechen (
BGE 125 V 351 E 3;
BGE 135 V 465 E. 4.
4). Dies gilt auch für
von Vorsorgeeinrichtungen im Sinne von
Art.
48 ff. BVG eingeholte
Gutachten
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_118/2012
vom 13.
Februar 2013
; Urteil des hiesigen Gerichts BV.2013.00047 vom 1
2.
Mai 2015
)
. Demgegenüber hat das Bundesgericht hinsichtlich von Zusatzversicherungen zur sozialen Kran
kenversicherung im Sinne von
Art.
12
Abs.
2 und 3
des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung
in der bis 3
1.
Dezember 2015 gültig gewesenen Fassung
(KVG)
bzw. gemäss
Art.
2
Abs.
2 des
Bundesgesetz
es
betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (KVAG)
in Auftrag gegebenen
Gutachten ent
schieden, dass diese
n
nicht die Qualität von Beweismitteln, sondern von blossen Parteibehauptungen beizumessen ist (Urteil des Bundesgerichts 4A_178/2015 vom 1
1.
September 2015, teilweise publiziert als BGE 141 III 433).
Zur
Qualifikation von Gutachten,
welche von einer Vorsorgeeinrichtung im Sinne von
Art.
82
Abs.
2 BVG in Auftrag gegeben wurden, hat sich das Bundesgericht bisher nicht geäussert.
Für Streitigkeiten
zwisch
en Versicherten und Vorsorge
ein
richtungen gemäss
Art.
82
Abs.
2 BVG
finden
die Ve
r
fahrensregeln gemäss
Art.
73
Abs.
2 BVG Anwendung. Damit unterscheidet sich das Verfahren von Klagen gegen Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung, welche sich grundsätzlich nach der
Schweizerische
n
Zivilprozessordnung (ZPO)
richten. Die Vorsorgeeinrichtungen gemäss
Art.
82
Abs.
2 BVG nehmen zudem
öffent
lich
rechtliche
Aufgaben wahr (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 9C_867/2014 vom 1
1.
August 2015 E. 5), weshalb ihnen
,
wie den Einrichtungen der oblig
atorischen beruflichen Vorsorge,
in gerichtlichen Klageverfahren
grundsätzlich keine Par
teientschädigung zusteht
. U
nter Berücksichtigung
des Gesagten
und in Anbe
tracht dessen
, dass die Praxis verschiedentlich subsidiär, soweit die BVV 3 keine einschlägigen Bestimmungen enthielt, die Regelungen der zweiten Säule beige
zogen hat (vgl. E. 2.2.1), r
echtfertigt
es sich
, von Einrichtungen gemäss
Art.
82
Abs.
2 BVG in Au
ftrag gegebene Gutachten analog wie von Einrichtungen der
obligatorischen beruflichen Vorsorge in Auftrag gegebene Gutachten zu
würdi
gen
.
4.2
Das Gutachten von
Dr.
Z._
vom Juni 2016 (E. 3.2), welches von der Beklagten in Auftrag gegeben worden war,
erfüllt die rechtsprechungsgemässen Anforde
rungen an beweist
augliche medizinische Gutachten:
Das Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die darin enthaltenen Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar begründet (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a).
Die Einschätzung von Dr.
Z._
deckt
sich
zudem
sowohl hinsichtlich attestierter Arbeitsunfähigkeit wie auch hinsichtlich möglicher Stei
gerung d
er Arbeitsfähi
g
k
eit mit derjenigen der
Y._
-Gutachter (E. 3.1)
.
D
ie
Bericht
e
von
Dr.
A._
vom
6.
März 2017 (E. 3.3)
und von
Dr.
B._
vom 1
5.
Januar 2018 (E. 3.4)
vermögen
die Einschätzung von
Dr.
Z._
nicht infrage zu stellen.
So
ist nicht nachvollziehbar, weshalb
sowohl
Dr.
A._
als auch Dr.
B._
lediglich eine 40%ige Arbeitstätigkeit für zumutbar halten, die Kläge
rin aber tatsächlich in der Lage ist, ein 60%-Pensum zu leisten (vgl. U
rk.
15/2).
Gleichzeitig gilt es aber auch zu beachten, dass
Dr.
B._
und
Dr.
A._
in ihren Berichten
nicht
explizit
aus
schliessen
, dass mit einer angemessenen Thera
pie grundsätzlich eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit möglich ist, verzichten beide doch darauf, eine Prognose abzugeben.
Hinsichtlich der vorliegenden strit
tigen Frage, ob die Klägerin bei Inanspruchnahme einer adäquaten Therapie ihre Arbeitsfähigkeit steigern könnte, liegt somit kein Widerspruch zwischen den Ein
schätzungen von
Dr.
A._
und
Dr.
B._
und derjenigen von
Dr.
Z._
beziehungsweise
der
Y._
-Gutachter
vor.
Nach dem Gesagten kann auf das Gutachten von
Dr.
Z._
vom
9.
Juni 2016
abgestellt werden und es ist von einer grundsätzlichen 30%igen Erwerbsunfähig
keit der Klägerin auszugehen. Gleichzeitig ist entsprechend der Einschätzung von
Dr.
Z._
auch
davon auszugehen, dass
es möglich ist,
dass die Klägerin ihre Arbeitsfähigkeit steiger
t
.
4.3
4.3.1
Zu prüfen bleibt
, ob die Klägerin schuldhaft ihre Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen ist.
4.3.2
Das Gebot der Schadenminderung gilt generell in der Sozialversicherung, mithin auch im Bereich der beruflichen Vorsorge (BGE 117 V 275 E. 2b). Wiewohl das ATSG die berufliche Vorsorge grundsätzlich nicht erfasst, sind die nachstehenden Grundsätze sinngemäss anzuwenden. Nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG können Leistun
gen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden, wenn sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben entzieht oder widersetzt, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder wenn sie nicht aus eigenem Antrieb
das
ihr Zumutbare dazu beiträgt. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- und Eingliederungsmass
nahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumut
bar. Eine Leistungskürzung oder
-verweigerung gestützt auf Art.
21
Abs.
4 ATSG ist folglich davon abhängig, ob die fragliche Massnahme eine wesentliche Ver
besserung der Erwerbsfähigkeit verspricht. Vorausgesetzt wird, dass die medizi
nische oder erwerbliche Vorkehr geeignet ist, eine erhebliche Minderung des ver
sicherten Schadens zu bewirken. Eines strikten Beweises, die verweigerte Mass
nahme hätte tatsächlich zum erwarteten Erfolg geführt, bedarf es nicht, sondern es genügt, wenn die Vorkehr mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erfolgreich gewesen wäre. Der erforderliche Grad an Wahrscheinlichkeit ist unter Berück
sichtigung der Schwere des mit der Massnahme verbundenen Eingriffs in Persön
lichkeitsrechte zu beurteilen: Bei therapeutischen Massnahmen, welche mit einem nur geringen Eingriff verbunden sind, dürfen an die Wahrscheinlichkeit der zu erwartenden Besserung keine hohen Anforderungen gestellt werden. Ist der Ein
griff erheblich (beispielsweise bei einer wirbelsäulenorthopädischen Operation), wird eine höhere Wahrscheinlichkeit, aber nicht ein sicherer Erfolg verlangt. Sodann sind die Anforderungen an die Schadenminderungspflicht dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht, namentlich wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren Rentenleistun
gen auslöst (
Urteil des Bundesgerichts I 824/06 vom 1
3.
März 2007 E. 3.2.1 und E. 3.1.
1
).
4.3.3
Wie sich aus dem Gutach
ten von
Dr.
Z._
ergibt, sollte bei entsprechender The
rapie nach etwa 12 Monaten eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 80
%
mög
lich sein. Als Therapie
empfahl
Dr.
Z._
eine p
s
ychotherapeutische Behandlung mit einer antidepressiven Medikation
(E. 3.2)
.
Die Rechtsprechung hat in der Vergangenheit die Durchführung einer Psychothe
rapie und die Einnahme von Medikamenten im Rahmen von Schadenminde
rungspflichten regelmässig als zumutbar erachtet (
Urteile des Bundesgerichts
8C_70/2014 vom
7.
April 2014, 9C_82/2013 vom 2
0.
März 2013, I 1068/06 vom 3
1.
August 2007 und I 824/06 vom 1
3.
März 2007). Hier verhält es sich nicht anders.
Dem E
rfo
rdernis der Mahnung und Androhung der Leistungseinste
l
lung kam die Beklagte ebenfalls nach. So teilte sie
der Klägerin mit Schreiben
vom 2
8.
Juli 2016 (
Urk.
8/8) mit, dass
Dr.
Z._
eine Anpa
ssung der medikamentösen Behan
d
l
ung empfehle, damit eine stabilere Stimmungslage erreicht werden könne. Eine konsequente und adäquate Behandlung sei im Sinne der
Schaden
mi
nd
erungs
- sowie Mitwirkungspflicht zwingend. Sie hofften, dass die Klägerin diesen T
h
erapiean
s
atz in der Zwischenzeit angestrebt habe. Mit einem Schreiben
vom
3.
November 2016 (
Urk.
8/9
=
Urk.
2/5
)
wiederholte die Beklagte
, dass eine adäquate Behandlung im Sinne der Schadenminder
u
ngs- sowie Mitwirkungs
pflicht zwingend und absolut notwendig sei.
Gleichzeitig drohte sie der Klägerin an, bei Nichtwahrnehmung der Schadenminderungspflicht ihre Leistungen ein
zustellen.
Die Klägerin war bis Mitte 2016 bei der Psychotherapeutin
E._
in Behandlung (
Urk.
14 S. 10). In der Folge war
sie
erst wieder ab dem
7.
November 201
6 bei Dr.
A._
in Behandlung. Die Behandlung
bei
Dr.
A._
dauerte bis am
23.
Januar 2017
und
umfasste
insgesamt 5 Konsultationen. Eine eigentliche psychopharmakologische Behandlung wurde nicht aufgenommen (
Urk.
8/13).
Anschliessend war die Klägerin ab dem
2.
Februar 2017 bei
dipl.
Psychologin
D._
in Behandlung. Dort nahm sie im Laufe des Jahres
20
19 weitere Sitzun
gen wahr. Eine psychopharmakologische Behandlung nahm die Klägerin auch bei
dipl.
Psychologin
D._
nicht
auf
(
Urk.
1
5
/2). Es kann offenbleiben, ob die Häufigkeit der Therapiesitzungen einer adäquaten Therapie entsprach, steht doch fest, dass es die Klägerin unterliess, eine psychopharm
a
kologische Behandlung aufzunehmen
. Sie verletzte somit ihre Schadenminderungspflicht.
4.4
Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die Klägerin unter dem günstigen Einfluss der indizierten
psychiatrischen Behandlung
eine
Steigerung der Erw
erbs
fähigkeit erreich
en könnte. Dabei ist anzunehmen
, dass nach
Durchführung der entsprechenden Therapie unter
Anwendung eines strukturierten Beweisverfah
r
e
ns eine rechtlich massgeblich
e
Erwerbsunfähigkeit von höchstens 20
%
resul
tieren
dürfte
.
Bei einer Erwerbsunfähigkeit von 20
%
besteht kein Rentenanspruch mehr (vgl. E. 2.2.2). Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Klägerin ihre Leistungen per Ende März 2017 eingestellt hat.
5.
Zusammenfassend erweist sich die Klage somit als
unbegründet und ist abzuwei
sen.
6.
Die Beklagte, welche als Anbieterin einer gebundenen Vorsorgeversicherung (Säule 3a) eine
öffentlichrechtliche
Aufgabe wahrnimmt, hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl.
§
34
Abs.
2
GSVGer
; in BGE 141 V 439 nicht publizierte E. 5 des Urteils des Bundesgerichts
9C_867/2014 vom 1
1.
August 2015
).