Decision ID: 66f8b48b-c591-45c7-b553-8e5e7219b271
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958
, war
seit seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 1988
als Bauarbeiter tätig
(
Urk.
7/3/2-4 und
Urk.
7/22 S. 7)
, als er sich am 9.
März 2011 nach einer längeren Abwesenheit vom Arbeitsplatz
unter Hinweis auf Rückenschmerzen,
Diskushernie
und psychosomatische Probleme
(Urk.
7/6/11) zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung anmeldete (
Urk.
7/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf erwerbliche (
Urk.
7/12
und
Urk.
7/15
)
sowie medizinische (
Urk.
7/13/5-6, Urk.
7/16,
Urk.
7/17 und
Urk.
7/18/5-8) Abklärungen
und veranlasste
in diesem Rahmen insbesondere ein psychiatrisches Gutachten
bei der
Y._ (
vgl.
Expertise vom 13.
März 2012,
Urk.
7/24). Zudem zog
sie
die Akten des Krankentaggeldversicherers Con
cordia
, Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG,
bei
,
der
bei der
Z._
ein
e
Expertise
in Auftrag gegeben hatte
(
vgl.
Bericht zum
Assessment vom 25. Oktober 2011
,
Urk.
7/22).
Gestützt auf das Gutachten der
Y._
(vgl. Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes
, RAD,
vom 4.
April 2012,
Urk.
7/26 S. 5 f.) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom
21.
August
2012
mit
Wirkung ab 1.
September 2011 eine ganze Invalidenrente zu (
Urk.
7/
38
). Zudem
auferlegte sie
ihm
, im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht
während eines Jahres eine intensi
vierte, regelmässige
Behandlung bei einem Facharzt für Psychiatrie
durchzu
führen (
Urk.
7/27)
1.2
Im Juni 2013 nahm die IV-Stelle eine revisionsweise Überprüfung des Renten
an
spruchs an die Hand (
Urk.
7/43) und holte beim Hausarzt
med
.
pract
.
A._
(
Urk.
7/50/1) sowie beim behandelnden Psychiater
Dr.
med.
B._
, FMH Psy
chiatrie und Psychotherapie (
Urk.
7/53/1-3), Verlaufsberichte ein. Mit Vor
be
scheid vom 3. Dezember 2014 stellte
sie
X._
die
wiedererwä
gungsweise
Aufhebung
des Rentenanspruchs
in Aussicht
(
Urk.
7/57).
Am 11.
Dezember 2014 fand ein Eingliederungsberatungsgespräch statt (Urk.
7/59) und am selben Tag erging die Mitteilung, dass die
Unterstützung bei der beruf
lichen Eingliederung
wieder abgeschlossen werde, da sich
der Versicherte sub
jektiv vollständig arbeitsunfähig fühle
(Urk. 7/60).
Auf Einwand des Versicher
ten
gegen den Vorbescheid
hin
(
Urk.
7/61 und
Urk.
7/64)
erliess die IV
Stelle am 1
2.
Februar 2015 einen neuen Vorbescheid, in dem sie wiederum die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 21.
August 2012
sowie der Rente
in Aussicht stellte
(
Urk.
7/66). Nach erneutem Einwand de
s
Versi
cherten (
Urk.
7/67)
hob die IV-Stelle die Verfügung vom 21.
August 2012
wie angekündigt
mit
Verfügung
vom 25. März 2015
wiedererwägungsweise
auf
. Sie
stellte die Rente
auf Ende
des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein
und e
ntzog
einer allfälligen
Beschwerde die aufschiebende Wirkung
(Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 25. März 2015
erhob
X._
am 11. Mai 2015 Beschwerde (
Urk.
1) mit dem Antrag, diese sei aufzuheben und es sei ihm weiterhin eine ganze Invalidenrente zuzusprechen
. Zudem beantragte er, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung
wiederzuerteilen (S. 2)
.
Die auf Abweisung
der Beschwerde
schliessende
Vernehmlassung
vom
19. Juni 2015
(Urk. 6)
wird
dem
Beschwerdeführer mit heutigem
Urteil
zur Kenntnis gebracht
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss einem allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts kann die Ve
rwaltung auf formell rechtskräf
tige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
, die nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben, zurückkommen, wenn sie zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53
Abs.
2 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG; BGE 133 V 50 E. 4.1).
1.2
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit
–
als Schranke für ein
wieder
erwä
gungsweises
Zurückkommen auf eine formell rechtskräftige
Leistungs
zusprechung
–
ist rechtsprechungsgemäss so zu handhaben, dass die
Wieder
erwägung
nicht zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung von Dauerleistungen wird, zumal es nicht dem Sinn der Wiedererwägung ent
spricht, laufende Ansprüche zufolge nachträglicher besserer Einsicht der
Durch
führungs
organe
jederzeit einer Neubeurteilung zuführen zu können (Urteil des Bundegeri
chts I 276/04 vom 28. Juli 2005
E. 5.1
; vgl. ferner SVR 2012 IV Nr.
18 S. 81, 9C_418/2010 E. 3.2
).
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache
aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener
Rechtsre
geln
erfolgt ist oder wenn massgebende Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung not
wendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (
Invaliditätsbe
messung
,
Arbeitsunfähigkeits
schätzung
, Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfra
gen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar, scheidet die
Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss
–
derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung
–
denkbar (Urteil
des Bundesgerichts 9C_837/2010 vom 3
0.
August 2011
E. 2.5.1).
Zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung kann (auch) bei unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts gegeben sein. Darunter fällt insbesondere eine unvollständige Sachverhaltsabklärung aufgrund einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Eine auf kei
ner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfähig
keit beruhende Invaliditätsbemessung ist nicht rechtskonform und die entspre
chende Verfügung zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne (Urteil
des Bundesgerichts 9C_1014/2008 vom 1
4.
April 2009
E. 3.2.2).
Entscheidend ist nicht, ob die frühere
Leistungszusprache
unter Berücksichti
gung sämtlicher Teilaspekte richtig und angemessen war, sondern ob sie mit Blick auf die damalige Sach- und Rechtslage insgesamt als vertretbar erscheint (Urteil
des Bundesgerichts
9
C_575/2007 vom 1
8.
Oktober 2007
E. 3.3).
1.3
Bei Renten der Invalidenversicherung im Besonderen ist zu beachten, dass die Ermittlung des Invaliditätsgrades verschiedene Ermessenszüge aufweisende Elemente und Schritte umfasst. Zu denken ist namentlich an die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall bedingte Arbeitsunfähigkeit (vgl. Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG, und Art. 6 ATSG). Hier bedarf es für die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit einer qualifiziert rechtsfehlerhaften Ermessensbetätigung. Scheint die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Rentenzusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (Urteile des Bundesgerichts I 632/
04 vom 2
3.
Februar 2005 E. 3.1 und 9C_215/2007 vom 2. Juli 2007
E.
3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die wiedererwägungsweise Aufhebung der ganzen Rente
mit der
bis vor kurzem
geltenden
Überwindbarkeitsrechtspre
chung
des Bundesgerichts sowie mit der
Praxis
, wonach
leichte bis höchstens mittelschwere depressive Episode
n
in diesem Zusammenhang
als Begleiterschei
nung
einer
somatoformen
Schmerzstörung und nicht als selbständige, vom Schmerzsyndrom losgelöste psychische Komorbidität geltend würden. Sie kam
zum Schluss, aufgrund
der Rechtsprechung liege kein
invalidenversicherungs
relevanter
Gesundheitsschaden mehr vor. Im Weiteren sei bei der
Rentenzuspra
che
von einer schweren Depression ausgegangen worden, obwohl im Gutachten der
Z._
vom 1
5.
November 2011 eine überdurchschnittliche Tendenz zur Somatisierung und
eine
überdurchschnittliche phobische Angst attestiert wor
den seien. Auch die andern vor dem
Y._
-Gutachten
ergangenen medizinischen
Vorakten
hätten höchstens eine mittelschwere Depression attestiert. Insgesamt liege
kein
lang anhaltender
Gesundheitsschaden von erheblicher Schwere vor, weshalb kein Anspruch auf eine Rente bestehe (Urk. 2 S. 2 f.).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen
, im
Y._
-Gutachten vom 1
3.
März 2012 sei nachvollziehbar und zutreffend dargelegt worden, weshalb keine an
haltende
somatoforme
Schmerzstörung, sondern
in
psychischer
Hinischt
eine eigenständige
chronifizierte
depressive Störung schweren Grades vorliege. Es leuchte absolut nicht ein, inwiefern die Rentenverfügung vom 2
1.
August 2012 unter diesen Umständen zweifell
os unrichtig gewesen sein soll
(Urk. 1 S. 5
f.
Ziff. 5 f.).
3.
3.1
Die ursprüngliche
Renten
zusprache
erfolgte im Wesentlichen gestützt auf das
durch die IV-Stelle veranlasste
psychiatrische Gutachten der
Y._
vom 1
3.
März 2012
(
Urk.
7/24)
.
Darin stellten die Gutachter
innen,
Dr.
med.
C._
,
Assistenz
ärztin
,
und
Dr.
med.
D._
, Leitende Ärztin und Fachärztin
Psychiatrie und Psy
chotherapie
,
die Diagnose einer schweren depressiven Episode ohne psychoti
sche Symptome (ICD-10 F32.2). Sie gaben an, der Beschwerdeführer sei in gedrückter Stimmung und beklage Interessen-
,
Freud
-
sowie Antriebslosigkeit. Im Weiteren seien
die
Konzentration und
die
Aufmerksamkeit stark einge
schränkt gewesen. Es bestünden ein Verlust des Selbstwertgefühls sowie Gefühle von Nutzlosigkeit und Schuld. Die Kopf- und Nackenschmerzen würden sie als somatische Symptomkomponente sehen. Bei einer schweren Depression sei das somatische Syndrom generell fast immer vorhanden. Auch die psycho
metrische Diagnostik (BDI und HAM-D-21) erhärte die klinische Diagnose. Die Sy
mptome der depressiven Erkrankung
wirkten sich klinisch und gemäss Mini-ICF APP als mittelschwere bis schwere Beeinträchtigun
g in allen Lebensberei
chen aus (S.
18).
Die Gutachter
innen
führten weiter aus, die Diagnose einer anhaltenden
somato
formen
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) werde von ihnen nicht gestellt, da sie nur angezeigt sei, wenn der andauernde, schwere und quälende Schmerz nicht
durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche Störung vollständig erklärt werden könne. Auch bestehe beim Beschwerdeführer keine
histrionische
Verarbeitung der organisch verursachten Schmerzen. So habe er sich während den Befragungen nicht vorwurfsvoll gezeigt und auch kein Aufmerksamkeit suchendes Verhalten präsentiert. Gemäss dem Bericht und der mündlichen Aussage von
Prof.
Dr.
med.
E._
, FMH Orthopädie und Traumatologie, Leiten
der Arzt Orthopädie
der
Z._
, seien die körperlichen Beschwerden des Beschwerdeführers einem somatischen Korrelat zuordenbar (
vgl.
Urk.
7/22/7-8
).
Im Austrittsbericht des
F._
vom 2
7.
Juli 2011,
in dem
die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung gestellt worden sei
(vgl.
Urk.
7/17)
, sei
auch
der Zusatz „bei allerdings somatisch nach
gewiesenem klinisch rele
vantem Befund, laut Klinik G._
“ angefügt worden (
S. 18 und
S. 22).
Die
Y._
-Gutachter
innen
kamen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer seit September 2010
in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit
zu 100
%
arbeitsunfähig sei
(S. 20)
. Das gegenwärtige Belastungsprofil, das klinisch und ergänzend durch die psychometrische Testung mit dem Mini-ICF APP erhoben worden sei, enthalte ausgeprägte Leistungseinbussen in allen Lebensbereichen. Der Beschwerdeführer sei nur durch Unterstützung seiner Ehefrau in der Lage, sich um seine Basisbedürfnisse zu kümmern.
Aufgrund der depressiven Erkran
kung bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für den ersten und den geschützten Arbeitsmarkt.
Es seien jedoch noch nicht alle
Therapiemöglich
keiten
ausreichend ausgeschöpft. Durch eine konsequente
psychopharmako
logische
Behandlung der depressiven Erkrankung nach international aner
kannten Gui
delines könne eine Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden
, wobei als realistisches Therapieziel in erster Linie die Bewahrung von möglichst viel Eigenständigkeit in der selbständigen Lebensführung und die Verhinderung von weiterem Unterstützungsbedarf betrachtet werden müsse
(S. 19). Aufgrund der Sprachbarriere könne der Beschwerdeführer nur sehr bedingt von zusätzlichen psychotherapeutischen Behandlungsangeboten profi
tieren. Es sei davon auszu
gehen, dass bei einer Beschwerdebesserung der depressiven Symptome auch seine Entscheidungsfähigkeit in Bezug auf eine Ausweitung von diagnostischen und therapeutischen Massnahmen hinsichtlich des Rückenleidens verbessert werden könne
. Daher sei eine enge inter
disziplinäre Zusammenarbeit von psy
chiatrischen und somatischen Fachärzten erforderlich. In diesem Zusammen
hang
wären Auskünfte
über den bisherigen Verlauf der ambulanten psychiatri
schen Behandlung sehr
dienlich
gewesen, um die tatsächlich vorhandenen the
rapeutischen Ressourcen
beurteilen zu können (S. 21)
, wozu
der behandelnden Psychiater
Dr.
med.
B._
aber nicht bereit
gewesen sei
(S. 13).
Aus diesem Grund und aufgrund der Komplexität des
Erkrankungsbildes sei es ihnen daher nicht möglich, die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit zu beurteilen, die sich durch Einsatz von medi
zinischen Massnahmen ergeben könnte
(S. 21).
Der Beschwerdeführer habe sich im Rahmen seiner gegenwärtigen Möglichkeiten bemüht, seine
Mit
wirkungs
pflicht
in einem Gesamtbehandlungsplan
zu erfüllen. Seine geringe Belast
barkeit sei ein Symptom der schweren Depression
(S. 19).
3.
2
Des Weiteren lag im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
der
Bericht
de
r
Z._
über
das
Assessment vom 2
5.
Oktober 2011
zuh
anden des
Krankentaggeldversi
cherers
vor (
Urk.
7/22). Die Gutachter stellten die nachfolgenden Diagnosen
(S.
4)
:
Chronisches
lumboradikuläres
Reizsyndrom, bekannt seit mehreren Jahren, anfänglich mehr links als rechts, aktuell vor allem rechts
leichte bis mittelgradige Degeneration der gesamten lumbalen Wirbelsäule, distal vor allem dorsal beton
t
MRI LWS vom 16.9.2009:
Rezessusstenose
linksbetont bei
Spondylarthrose
L4/L5, geringer ausgeprägt L5/S1 link
sbetont
MRI LWS vom 13.
10.2010: rechtsseitige Diskushern
ie L5/S1 mit Affektion der Wur
zel S1 rechts
Status nach Ne
rvenwurzelblock
S
1 rechts am 26.
11.2011 (
Klinik G._
)
m
ittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F32.1)
a
nhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4)
leichte Adipositas
Die Gutachter hielten fest, der Beschwerdeführer habe in den letzten 23 oder 24
Jahren, seit er in
H._
respektive der Schweiz wohne
,
immer sehr streng
und vorwiegend im Tiefbau gearbeitet
. Seit Frühling 2011 sei er wegen chronischer Schmerzen
lumbosakral
und im rechten Bein zu 100
%
arbeitsunfä
hig geschrieben
(S. 7)
.
Die Ursache dieser Beschwerden sei mit grosser Wahr
scheinlichkeit eine mediane Diskushernie L5/S1 bei mittelgradiger Degeneration der gesamten lumbalen Wirbelsäule.
Durch diese median
e
Diskushernie sei es anfänglich zu e
iner Nervenwurzelkompression der
vorbeiziehenden
Nervenwur
zel
S1 links gekommen, was die Symptomatik im linken Bein erklärt habe
,
und nun sei es zu einer Kompression der Nervenwurzel S1 rechts gekommen, was sie Symptomatik im rechten Bein erkläre (S. 4).
Durch eine Infiltration dieser
Ner
venwurzel
sei es diagnostisch-therapeutisch sehr wahrscheinlich, dass die Beschwerden zur Besserung gebracht werden könnten.
Dies gelte i
nsbesondere deshalb, weil es sich um eine kleine Diskushernie handle. Falls die
se
Therapie nicht ansprechen sollte, käme allenfalls eine Diskektomie L5/S1 in Frage. Der Beschwerdeführer werde mit dieser Therapie voraussichtlich wieder zu 100
%
im Tiefbau arbeiten können.
Dabei sei selbstverständlich auch die psychische Situation entscheidend, die jedoch
sicher
mit der Schmerzsituation zusammen
hänge und durch Existenzängste beeinträchtigt sei. Voraussetzung für eine erfolgreiche Reintegration sei eine ganzheitliche Behandlung sowohl der soma
tischen wie auch der psychischen Beschwerden (S. 7).
Die Gutachter gaben
zudem
an, für die Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit sei eine Verminderung der depressiven Symptomatik zwingend (S. 5).
3.3
Die RAD-Ärztin
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
thera
pie FMH,
kam
in ihrer Stellungnahme vom
4.
April 2012 (
Urk.
7/26 S. 5 f.) zum Schluss, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht auf das Gut
achten der
Y._
abgestellt werden sollte. Demnach sei beim 54-jährigen Versi
cherten ein kombinierter, somatisch-psychischer Gesundheitsschaden ausge
wiesen. Anhand der Aktenlage sei derzeit vorwiegend eine schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2) für die attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit in bishe
riger und angepasster Tätigkeit verantwortlich.
4.
4.1
Zu prüfen ist, ob die Zusprechung einer ganzen Rente mit Verfügung vom 21. August 2012 zweifellos unrichtig war. Da die IV-Stelle bei ihrem Entscheid auf das Gutachten der
Y._
abstellte
,
bezieht sich diese Prüfung
in erster Linie
auf die
darin enthalten
en gutachterlichen Einschätzungen.
4.2
Vorweg ist
festzuhalten, dass
eine psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht
ermessen
sfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist. Dieser Ermessenscharakter kommt im Übrigen noch in gesteigertem Masse der
Arbeits
(
un
)
fähig
keitsschätzung
zu (vgl. Urteil des Bundesgericht
s
9C_78/2014 vom 18. März 2014 E. 4 mit Hinweisen).
4.3
Bei der
Expertise
der
Y._
handelt es sich keine
s
weg
s
um eine
nicht
nachvollzieh
bare ärztliche
Einschätzung (
vgl. E. 1.
2
)
. Vielmehr erfüllt
sie
die rechtsprechungsgemässen Kriterien hinsichtlich der Beweiswertigkeit
eines ärzt
lichen Berichtes
(BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
So
ist
das Gutachten
für die
streitigen Belange umfassend
. Es
beruht auf eigenen psychiatrischen Untersuchungen
unter
Beizug
eines Dolmetschers (
Urk.
7/24
S.
14)
mit klini
scher Befunderhebung und psychometrischer Diagnostik an zwei
Gesprächster
minen
, wobei der zweite Termin von der leitenden Ärztin
Dr.
D._
wahrge
nommen wurde
. Die Gutachter
innen
berücksichtigten die gekl
agten Beschwer
den angemessen,
hatten
Kenntnis de
r
Vorakten
und
holten eigens zusätzliche
Auskünfte
ein
beim Hausarzt
pract
. med.
A._
sowie beim leitenden Arzt Orthopädie der
Z._
, der den Bericht zum Assessment vom 2
5.
Oktober 2011
m
itunterzeichnet hatte
.
Der behandelnde Psychiater wollte keine telefoni
schen Auskünfte erteilen.
Schliesslich sind die
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge
, die Beurtei
lung der medizinischen Situation
und
die Auseinandersetzung mit den Vorberichten
nachvollziehbar
. Dies gilt i
nsbesondere
für
die Begründung,
wo
nach
die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstör
ung
bei vor
handenem somatischem Korrelat und fehlender
histrionischer
Verarbeitung der organisch versursachten Schmerzen
nicht gestellt werden könne
.
Nicht zu überzeugen vermag
demgegenüber
der Hinweis
der
Beschwerdegegne
rin
,
im Gutachten der
Y._
sei
die Diagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung deshalb nicht gestellt
worden, weil es sich um ein psychiatrisches Gutachten handle (
Urk.
2 S. 3)
,
ist die
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung doch
eine
psychische Erkrankung (
vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, 9. Auflage 2014, S.
233 zu ICD-10 F45.4).
Die Begründung, wonach
die
depressive Störung
als nicht invalidisierende Begleit
erscheinung der
somatoformen
Schmerzstörung gelte (
Urk.
2 S. 2),
erweist sich somit bereits
mangels entsprechender Diagnose
im massgeblichen Gutachten der
Y._
als unzutreffend.
Daran vermag
auch der Umstand
, dass der behandelnde Psychiater in seinem im Revisionsverfahren eingeholten Bericht vom 2
9
.
November 2014 (
Urk.
7/53/1-3) wieder eine chronische
Schmerzstö
rung
(ICD-10 F45.41) diagnostizierte
, nicht
s
zu ändern
.
4.
4
Der Umstand
, dass die Gutachter der
Z._
anlässlich ihre
s
Assessments vom 2
5.
Oktober 2011
neben
der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung
(nur)
eine mittelgradige depressive Episode feststellten
(vgl.
Urk.
7/22/7)
, lässt die
Diagnose einer schweren depressiven Episode im
Y._
-Gutachten
nicht als unzutreffend erscheinen
, fanden die psychiatrischen Untersuchungen
der
Y._
doch erst im Februar 2012 statt (
Urk.
7/23)
und weist auch die telefonische Auskunft des Hausarztes, der von einem Zusammenbruch in der Arztpraxis vor Neujahr berichtete (
Urk.
7/24 S. 12),
auf eine
in der Zwischenzeit eingetretene
Zuspitzung
der psychischen Beschwerden
hin
.
4.
5
Dass die
Y._
-Gutachter
innen
in Anbetracht der erhobenen Befunde
, d
ie
sie eine
r
schwere
n
depressive
n
Episode
zuordneten
,
von einer 100%ige
n
Arbeits
unfähigkeit
a
usgingen
,
ist
ebenfalls
schlüssig
und steht im Übrigen im Einklang mit der Beurteilung der Ärzte des
F._
vom 2
7.
Juli 2011 (
Urk.
7/53/7)
.
D
ie
RAD
-Psychiaterin
teilte diese
gutachterliche
Einschätzung
in
ihrer
Stellungnahme
zur Expertise de
r
Y._
(vgl.
E 3.3)
, so dass die ursprüngliche
Leistungszusprache
keineswegs zweifellos unrichtig war
.
4.
6
Auch die
im Revisionsverfahren eingeholten Berichte der behandelnden Ärzte
(
Urk.
7/50/1 und
Urk.
7/53/1-3)
lassen nicht auf Mängel im
Y._
-Gutachten
schliessen
.
So weist
etwa
d
er
behandelnde Psychiater
in seinem
Bericht vo
m 26.
November 2014 (
Urk.
7/53/1
-3)
darauf hin, dass intermittierend auch depressive Episoden schweren Grades auf
ge
treten seien
.
4.
7
Was die im Rahmen der Schadenminderungspflicht auferlegte Weiterführung einer intensivierten, regelmässigen Behandlung durch einen Facharzt für Psy
chiatrie (vgl.
Urk.
7/27) betrifft, ist anzumerken, dass der Beschwerdeführer
laut den Angaben von
Dr.
B._
immer
noch in
regelmässiger
p
sychiatrischer Behandlung steht
(
Urk.
7/53)
.
Die
Empfehlung im
Y._
-
Gutachten war aber
unter Hinweis auf sprachliche Barrieren
vor allem
auf
eine Intensivierung der medikamentösen Behandlungsmassnahmen
gerichtet
.
Eine
dieser Empfehlung entsprechende Schadenmind
er
ungsmassnahme wurde dem Beschwerdeführer bislang nicht auferlegt.
5
.
Es bleibt anzumerken, dass es der Beschwerdegegnerin
unbenommen ist
, im Rahmen eines weiteren Revisionsverfahrens Abklärungen
zu
eine
r
allfällige
n
Verbesserung des somatischen und/oder psychischen Gesundheitszustandes des Versicherten an die Hand zu nehmen.
D
en
bisher
getroffenen Abklärungen, namentlich den
im
Revisionsverfahren ein
ge
holten Arztberichten
(
Urk.
7/50/1 und
Urk.
7/53/1-3)
,
sind allerdings keine Anhaltspunkte für eine solche Ver
besserung zu entnehmen
, weshalb auch eine revisionsweise Aufhebung der Rente nicht in Frage kommt.
Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 2
5.
März 2015 (
Urk.
2)
mit der Feststellung
aufzuheben
, dass der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
6
.
Mit dem Entscheid in der Sache selbst wird das beschwerdeweise gestellte Gesuch
des Beschwerdeführers
um Wiederherstellung der aufschiebenden Wir
kung der Beschwerde (Urk. 1 S.
2
) gegenstandslos.
7.
Die Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der B
eschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
Der Beschwerdeführer hat zudem Anspruch auf eine Prozessentschädigung,
die nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen zu bemessen
und bei einem praxisgemässen
Stundenansatz
von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer von 8
%
)
auf Fr.
2‘100.-- (inkl. Mehrwert
steuer und Barauslagen) festzusetzen ist.