Decision ID: 3520c760-df44-497e-a826-bf5f04de8d70
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Dielsdorf vom 18. April 2016 (EE150036-D)
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Rechtsbegehren des Gesuchstellers: (Urk. 1; Urk. 16)
1. Den Parteien sei das Getrenntleben zu bewilligen.
2. Die eheliche Wohnung am C._ ... in D._ sei samt Hausrat und
Mobiliar dem Gesuchsteller zur alleinigen Nutzung zuzuweisen.
3. Für die Dauer des Getrenntlebens sei die Obhut über die gemeinsamen
Söhne E._, geboren am tt.mm.2010, und F._, geboren am tt.mm.2011, dem Gesuchsteller zuzuweisen.
4. Der Gesuchsgegnerin sei ein angemessenes Besuchsrecht einzuräumen.
5. Die Gesuchsgegnerin sei zu verpflichten, dem Gesuchsteller angemessene
Unterhaltszahlungen für die beiden Söhne zu bezahlen.
6. Die Gesuchsgegnerin sei zu verpflichten, dem Gesuchsteller einen ange-
messenen persönlichen Unterhaltsbeitrag zu bezahlen.
7. Die Gütertrennung sei anzuordnen.
8. - 9. [...].
10. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Gesuchsgegnerin.
Anträge der Gesuchsgegnerin: (Urk. 20; Prot. Forts. HV, S. 4)
1. Es sei festzustellen, dass die Parteien seit 15. Juni 2015 getrennt leben.
2. Es sei die Wohnung am C._ ... in D._ dem Gesuchsteller zuzu-
weisen.
3. Es sei die Obhut über den gemeinsamen Sohn E._, geboren am
tt.mm.2010, der Gesuchsgegnerin und die Obhut über F._, geboren am tt.mm.2011, dem Gesuchsteller zuzuweisen.
4. Der Gesuchsteller sei zu verpflichten, einen angemessenen, im Voraus zu
entrichtenden monatlichen Unterhaltsbeitrag an die beiden Söhne zu , zuzüglich allfälliger Kinderzulagen.
5. Es sei dem Gesuchsteller ein Besuchsrecht von jedem zweiten Wochenen-
de von Freitagabend 17:00 Uhr bis Sonntagabend 17:00 Uhr sowie ein  von drei Wochen pro Jahr zu gestatten.
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6. Es sei der Gesuchsteller zu verpflichten, der Gesuchsgegnerin einen , monatlich im Voraus zu entrichtenden persönlichen  zu bezahlen.
7. [...].
8. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Gesuchstellers."
Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren des Bezirksgerichtes Dielsdorf vom 18. April 2016:
(Urk. 81 S. 26 ff.)
1. Es wird festgestellt, dass die Parteien auf unbestimmte Zeit zum  berechtigt sind, und es wird davon Vormerk genommen, dass sie bereits seit 12. Juni 2015 getrennt leben.
2. Die gemeinsamen Söhne E._, geboren am tt.mm.2010, und F._, geboren am tt.mm.2011, werden unter die alleinige Obhut des  gestellt.
3. Die KESB Dielsdorf wird angewiesen, die mit Verfügung vom 17. September 2015 errichtete Besuchsrechtsbeistandschaft zu einer Beistandschaft  Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB (Erziehungs- und ) mit besonderen Aufgaben zu erweitern. Die KESB Dielsdorf wird ersucht, hierfür eine Beistandsperson zu ernennen, sofern dies nicht bereits geschehen ist. Dem Beistand werden folgende Aufgaben übertragen:
a) Unterstützung und Beratung der Parteien in Erziehungsfragen;
b) Überwachung der Ausübung des persönlichen Verkehrs sowie Vermitt-
lung und Unterstützung bei der Umsetzung;
c) Organisation und Errichtung einer Familienbegleitung für die Dauer von
zwölf Monaten sowie Sicherung der Finanzierung;
d) Begleitung und Überwachung der für E._ laufenden KJPD-
Abklärung sowie Organisation der Übergabe der Abklärung an das KJPD D._.
4. Der Gesuchsgegnerin wird im Sinne von Art. 273 Abs. 2 ZGB die Weisung
erteilt, während der Ausübung des persönlichen Verkehrs gemäss  Dispositiv-Ziffer 5 nüchtern zu sein.
5. Die Parteien regeln den persönlichen Verkehr zwischen der  und den Kindern von Fall zu Fall selbst. Im Streitfall gilt Folgendes:
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Die Gesuchsgegnerin ist berechtigt und wird verpflichtet, die Kinder jedes 2. Wochenende von Freitagabend, 18:00 Uhr, bis Sonntagabend, 18:00 Uhr, sowie am 2. Weihnachtsfeiertag (26. Dezember), in geraden Jahren über Ostern (Karfreitag bis Ostermontag) und in ungeraden Jahren über  (Pfingstsamstag bis Pfingstmontag) auf ihre Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
Sie ist ferner berechtigt und wird verpflichtet, die Kinder während der  für drei Wochen auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen. Die Gesuchsgegnerin teilt dem Gesuchsteller mindestens drei Monate im Voraus mit, wann sie ihr Ferienbesuchsrecht ausüben will.
6. Es werden keine Kinderunterhaltsbeiträge zugesprochen.
7. Zwischen den Parteien wird mit Wirkung ab 30. Juni 2015 die Gütertrennung angeordnet.
8. Von der Teilvereinbarung der Parteien vom 14. März 2016 wird im Übrigen Vormerk genommen. Sie lautet wie folgt:
"1. [Getrenntleben].
Ehegattenunterhalt
2. Die Parteien stellen fest, dass sie mangels wirtschaftlicher  derzeit nicht in der Lage sind, sich gegenseitig persönliche Unterhaltsbeiträge zu bezahlen.
Zuweisung eheliche Wohnung
3. Die Gesuchsgegnerin erklärt sich bereit, dem Gesuchsteller die eheli-
che Wohnung am C._ ... in D._ samt Mobiliar und Hausrat für die Dauer des Getrenntlebens zur alleinigen Benützung zu überlassen.
4. [Anordnung Gütertrennung]."
9. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 5'000.– festgesetzt. Allfällige weitere  bleiben vorbehalten.
10. Die Gerichtskosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Der jeweili-
ge Anteil der Parteien wird infolge der bewilligten unentgeltlichen  je einstweilen auf die Staatskasse genommen. Das  des Staates gemäss Art. 123 ZPO bleibt je vorbehalten.
11. Die Parteientschädigungen werden wettgeschlagen.
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12. (Schriftliche Mitteilung)
13. (Berufung)
Berufungsanträge:
der Gesuchsgegnerin und Berufungsklägerin (Urk. 80B S. 2; Urk. 84 S. 2 und Urk. 87 S. 2, sinngemäss):
1. Es sei der Berufung superprovisorisch die aufschiebende Wirkung zu ertei-
len. Es sei auch der zweiten Berufungsergänzung superprovisorisch die  Wirkung zu erteilen.
2. Es sei das Datum der Übergabe des Sohnes E._ von der Berufungs-
klägerin an den Berufungsbeklagten neu festzulegen, bzw. aufzuschieben bzw. es sei der Übergabetermin von E._ in die Obhut des Vaters auf den 31. Juli 2016 festzulegen.
3. Es seien die Ziffern 2; 5 des Urteils vom 18. April 2016 des Bezirksgerichts
Dielsdorf aufzuheben.
4. Es sei E._ unter die elterliche Obhut der Berufungsklägerin und Mutter
zu stellen.
5. Es sei das Besuchsrecht neu zu regeln.
6. Es sei ein Kinderpsychologisches Gutachten von E._ beim KJPD zu er-
stellen.
7. Es sei ein Erziehungsfähigkeitsgutachten der Mutter zu erstellen.
8. Es sei der Berufung die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
9. Es sei der Berufungsklägerin die unentgeltliche Prozessführung sowie die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren.
des Gesuchstellers und Berufungsbeklagten (Urk. 106 S. 1):
"1. Die Berufung sei abzuweisen;
2. das Urteil vom 18. April 2016 des Bezirksgerichts Dielsdorf sei zu bestäti-
gen;
3. unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Berufungsklägerin."
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Erwägungen:
A. Sachverhalt/Prozessgeschichte
1. Die Parteien heirateten am tt. September 2010. Aus der Ehe gingen zwei
Kinder hervor, E._, geboren am tt.mm.2010, und F._, geboren am
tt.mm. 2011. Seit dem 12. Juni 2015 leben die Parteien getrennt (Urk. 7 S. 4; Urk.
81 S. 26, Dispositivziffer 1).
2. Mit Gesuch vom 16. Juni 2015 machte der Gesuchsteller und Berufungsbe-
klagte (fortan Gesuchsteller) beim Einzelgericht am Bezirksgericht Dielsdorf ein
Eheschutzbegehren anhängig (Urk. 1). Mit Verfügung vom 6. Juli 2015 wurde das
Gesuch der Gesuchsgegnerin und Berufungsklägerin (fortan Gesuchsgegnerin)
um superprovisorische Zuweisung der Obhut über den Sohn F._ an sich ab-
gewiesen (Urk. 7; Urk. 11; Urk. 13). Am 10. August 2015 fand die Hauptverhand-
lung statt. Die anlässlich dieser Verhandlung geschlossene Eheschutzvereinba-
rung wurde vom Gesuchsteller jedoch fristgerecht widerrufen (Urk. 25 und Urk.
28). Anlässlich der Verhandlung vom 14. September 2015 wurde eine Vereinba-
rung über vorsorgliche Massnahmen getroffen und mit Verfügung vom 17. Sep-
tember 2015 das Gesuch des Gesuchstellers um vorsorgliche Massnahmen im
Sinne der Vereinbarung erledigt (Urk. 38; Urk. 39/1). Mit einer weiteren Verfügung
vom 17. September 2015 wurde beiden Parteien die unentgeltliche Rechtspflege
bewilligt (Urk. 39/2). Schliesslich wurde mit einer dritten Verfügung vom 17. Sep-
tember 2015 das kjz D._ mit der Abklärung der sozialen Verhältnisse der
Parteien beauftragt (Urk. 39/3). Am 1. März 2016 erstattete das kjz D._ den
Abklärungsbericht (Urk. 58). Am 14. März 2016 fand die Fortsetzung der Haupt-
verhandlung statt. Im Rahmen dieser Verhandlung schlossen die Parteien eine
Teileinigung (Urk. 66). Mit Urteil vom 18. April 2016 fällte die Vorinstanz alsdann
den eingangs zitierten Entscheid (Urk. 81). Der genaue vorinstanzliche Prozess-
verlauf ergibt sich im Übrigen aus dem angefochtenen Entscheid (Urk. 81 S. 3-6).
3. Gegen dieses Urteil, welches ihr am 4. Mai 2016 zugestellt wurde (Urk.
79/2), liess die Gesuchsgegnerin mit Zuschrift vom 6. Mai 2016 vorab per Fax
rechtzeitig Berufung erheben und dabei um superprovisorische Erteilung der auf-
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schiebenden Wirkung der Berufung ersuchen, wobei sie lediglich den Zeitpunkt
der Übergabe von E._ an den Gesuchsteller anfocht. Überdies ersuchte sie
um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung auch im
Berufungsverfahren (Urk. 80A/B). Mit Präsidialverfügung vom 10. Mai 2016 wurde
auf dieses Gesuch mangels genügend bestimmter Berufungsanträge nicht einge-
treten (Urk. 83). Mit Eingabe vom 10. Mai 2016 erstattete die Gesuchsgegnerin
innert laufender Berufungsfrist eine ergänzende Berufungseingabe samt den ein-
gangs zitierten ergänzenden Berufungsanträgen. Insbesondere beantragte sie
nunmehr die Aufhebung der Dispositivziffern 2 und 5 des angefochtenen Urteils
und hielt an der superprovisorischen Erteilung der aufschiebenden Wirkung der
Berufung fest (Urk. 84 S. 2 i.V.m. Urk. 80B S. 2). Mit Eingabe vom 11. Mai 2016
reichte die Gesuchsgegnerin innert laufender Berufungsfrist eine weitere Beru-
fungsergänzung samt ergänzten Berufungsanträgen ein (Urk. 87). Mittels Präsidi-
alverfügung vom 12. Mai 2016 wurde dem Gesuchsteller Frist angesetzt, um zum
Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Berufung betreffend Dis-
positivziffer 2 des angefochtenen Entscheides (Obhutszuteilung über E._ an
den Gesuchsteller) Stellung zu nehmen (Urk. 90). Mit Schreiben vom 12. Mai
2016 liess die Gesuchsgegnerin ein Arztzeugnis der Kinderklinik ... vom 12. Mai
2016 nachreichen (Urk. 91 und 92 und 93/7). Gemäss Telefonnotiz vom 26. Mai
2016 teilte Frau G._ von der KESB Dielsdorf der Kammer mit, die Gesuchs-
gegnerin werde zusammen mit E._ am 27. Mai 2016 aus dem Spital ... ent-
lassen. Sie sei nicht in der Lage, den Alkoholentzug zu beenden, weshalb die
Therapie abgebrochen werde. Für weitere Informationen könne man sich an die
zuständige Psychologin des Spitales ..., Frau H._, wenden (Urk. 94). Dieses
Aktenstück wurde den Parteien zur Kenntnis gebracht (Urk. 95/1, 2). Gemäss ei-
ner weiteren Telefonnotiz vom 31. Mai 2016 teilte Frau H._ vom Spital ... be-
zugnehmend auf die erwähnte erste Telefonnotiz der Kammer mit, dass die The-
rapie der Gesuchsgegnerin beendet worden sei, da es keinen Therapieauftrag
gegeben habe. Die Gesuchsgegnerin sei sodann bereits am 27. Mai 2016 entlas-
sen worden, damit E._ im Kindergarten habe eingeführt werden können (Urk.
96). Auch diese Notiz wurde den Parteien zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk.
97/1, 2). Mit Zuschrift vom 30. Mai 2016 liess der Gesuchsteller innert Frist um
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Abweisung des Gesuchs um aufschiebende Wirkung ersuchen. Ferner beantragte
er auch im Berufungsverfahren die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Urk. 98). Diese Eingabe wurde der Gesuchsgegnerin gemäss Stempelverfügung
vom 2. Juni 2016 samt Beilage (Urk. 99) zur Kenntnis gebracht (Prot. II S. 5). Mit-
tels Schreiben vom 1. Juni 2016 übermittelte die Gesuchsgegnerin der Kammer
die Wiederzuweisung von E._ beim KJPD in St. Gallen vom 26. Mai 2016
(Urk. 100, 101, 102/8). Diese Unterlagen wurden dem Gesuchsteller mit Stempel-
verfügung vom 2. Juni 2016 zur Kenntnisnahme zugestellt (Prot. II S. 5). Mittels
Präsidialverfügung vom 23. Juni 2016 wurde der Berufung bezüglich der Obhuts-
zuteilung an den Gesuchsteller gemäss Dispositivziffer 2 des angefochtenen Ent-
scheides die aufschiebende Wirkung zuerkannt und dem Gesuchsteller Frist zur
Erstattung der Berufungsantwort anberaumt (Urk. 104). Mit Beschluss der Kam-
mer vom 23. Juni 2016 wurde sodann beiden Parteien für das Berufungsverfah-
ren die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt (Urk. 105).
Mit Eingabe vom 4. Juli 2016 erstattete der Gesuchsteller rechtzeitig seine Beru-
fungsantwort mit den eingangs erwähnten Anträgen (Urk. 106). Die Berufungsan-
twort wurde der Gesuchsgegnerin mit Präsidialverfügung vom 12. Juli 2016 zuge-
stellt (Urk. 107). Innert zehn Tagen beanspruchte die Gesuchsgegnerin daraufhin
mit Eingabe vom 25. Juli 2016 - mitsamt dreier Beilagen (Urk. 110/9-11) - ihr Rep-
likrecht (Urk. 108). Diese Schriftstücke wurden dem Gesuchsteller mittels Stem-
pelverfügung vom 8. August 2016 zur Kenntnis gebracht (Prot. II S. 11). Am
16. August 2016 erreichte die Kammer eine Gesprächsnotiz zwischen dem Ge-
suchsteller und der KESB Appenzell Ausserhoden (Urk. 112). Mit Eingabe vom
16. August 2016 liess der Gesuchsteller sodann um Entzug der aufschiebenden
Wirkung der Berufung und Zuteilung der Obhut über E._ für die Dauer des
Berufungsverfahrens ersuchen, wobei er eine Gefährdungsmeldung der Wirtin
des Restaurants ..., I._, vom 16. August 2016 beibrachte (Urk. 113 und Urk.
114). Mit Präsidialverfügung vom 18. August 2016 wurde der Gesuchsgegnerin
Frist angesetzt, um zu diesem Gesuch Stellung zu nehmen. Am 30. August 2016
erreichten die Kammer Unterlagen der KESB Dielsdorf betreffend deren Disput
mit der KESB Herisau betreffend die örtliche Zuständigkeit für die Ernennung ei-
nes Beistandes für E._ (vgl. Urk. 81 S. 26 f., Dispositivziffer 3). Weil die Ein-
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setzung einer Erziehungs- und Besuchsbeistandschaft für E._ im Berufungs-
verfahren nicht strittig ist, sind diese Unterlagen auch nicht weiter relevant und
können den Parteien mit dem Endentscheid in Kopie zur Kenntnis gebracht wer-
den. Mit Eingabe vom 1. September 2016 bezog die Gesuchsgegnerin fristwah-
rend Stellung zum gegnerischen Gesuch um Entzug der aufschiebenden Wir-
kung, wobei sie auf Nichteintreten betreffend dieses Gesuch bzw. dessen Abwei-
sung Antrag stellen liess (Urk. 119; Urk. 120; Urk. 121/12, 13). Weil jedoch nun-
mehr, nach Gewährung des rechtlichen Gehörs der Gesuchsgegnerin, insbeson-
dere auch zur Gefährdungsmeldung der Wirtin vom 16. August 2016, sogleich der
Endentscheid ergehen kann, erweist sich das Gesuch des Gesuchstellers um
Entzug der aufschiebenden Wirkung als gegenstandslos und ist entsprechend
abzuschreiben.
B. Prozessuales
1. Mit der vorliegenden Berufung nicht angefochten werden die Dispositivzif-
fern 1, 3, 4, 6 bis 11 (Urk. 84 S. 2). Die Rechtskraft der nicht angefochtenen Dis-
positivziffern ist vorzumerken. Sie trat ein, sobald die Berufungsfrist für sämtliche
zum Rechtsmittel legitimierten Parteien abgelaufen war, damit am 18. Mai 2016
(vgl. zum Zeitpunkt BK-Sterchi, Band II, Art. 315 N 4; Urk. 79/1, 2).
2. Das Eheschutzverfahren ist summarischer Natur. Die rechtserheblichen Tat-
sachen sind daher bloss glaubhaft zu machen. Betreffend die hier strittigen Kin-
derbelange gilt die uneingeschränkte Untersuchungsmaxime (Art. 296 Abs. 1
ZPO). Diese entbindet die Parteien jedoch nicht davon, das Tatsächliche vorzu-
tragen und an der Erhebung des Sachverhalts mitzuwirken (BGE 128 III 411 E.
3.2.1).
3. Das Berufungsverfahren ist ein eigenständiges Verfahren (BGer
4A_619/2015 vom 25. Mai 2016, E. 2.2.1). Mit der Berufung kann eine unrichtige
Rechtsanwendung und eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend
gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Berufungsinstanz verfügt über unbeschränk-
te Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen, einschliesslich der Frage richtiger
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Ermessensausübung (Angemessenheitsprüfung; BGer 5A_184/2013 vom 26. Ap-
ril 2013, E. 3.1).
4. Neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) können im Berufungsverfahren
nur unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO berücksichtigt werden,
das heisst, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden (lit. a) und trotz zumutbarer
Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (lit. b). Dieses
eingeschränkte Novenrecht gilt auch im Bereich der in Kinderbelangen herr-
schenden (uneingeschränkten) Untersuchungsmaxime, zumal die bundesgericht-
liche Rechtsprechung eine analoge (sinngemässe) Anwendung von Art. 229
Abs. 3 ZPO, welcher das erstinstanzliche Verfahren betrifft, im Berufungsverfah-
ren ausschliesst (BGE 138 III 625 ff. E. 2.2). Neue rechtliche Ausführungen stel-
len jedoch keine Noven dar.
5. Die Gesuchsgegnerin beantragt die Einholung eines kinderpsychologischen
Gutachtens über E._ beim KJPD sowie eines Erziehungsfähigkeitsgutach-
tens betreffend sie selbst. Der Bericht des kjz D._ vom 1. März 2016 werde
von ihr überhaupt nicht akzeptiert. Für eine Umteilung der elterlichen Sorge (rec-
te: elterlichen Obhut) über E._ sei ein vertieftes Gutachten zu erstellen (Urk.
84 S. 2; vgl. auch Prot. I HV, S. 6).
Im summarischen Eheschutzverfahren geht es in erster Linie darum, möglichst
rasch eine optimale Situation für die Kinder zu schaffen. Langwierige Abklärun-
gen, etwa durch kinderpsychologische oder kinderpsychiatrische Gutachten, soll-
ten dabei auch im Streitfall nicht die Regel sein, sondern nur angeordnet werden,
wenn besondere Umstände vorliegen, aufgrund welcher das Gericht an die Gren-
ze seiner Beurteilungsfähigkeit stösst (so etwa wenn einem Elternteil sexueller
Missbrauch der Kinder zum Vorwurf gemacht wird), wobei dem Gericht diesbe-
züglich ein gewisses Ermessen zukommt (vgl. BGer 5P.157/2003 vom 30. Juni
2003, E. 4.4 mit Hinweisen; Kass-Nr. AA070139, Beschluss des Kassationsge-
richts vom 2. Juli 2008, E. II./2.3/g.). Die Untersuchungsmaxime gibt keinen all-
gemeinen Anspruch auf Einholung eines Gutachtens. In aller Regel hat und ver-
mag das Gericht die ihm übertragene Aufgabe ohne Beizug eines Sachverständi-
gen zu erfüllen (vgl. Hinderling/Steck, Das schweizerische Ehescheidungsrecht,
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4. A. Zürich 1995, S. 486 f.; BK-Bühler/Spühler, Art. 156 (a)ZGB N 68 f. und Er-
gänzungsband, Art. 156 ZGB N 69; BSK ZGB I-Breitschmid, 4. Aufl., Art. 145 N 4;
ZR 90/1991 Nr. 82).
Aufgrund des fundierten und sorgfältig abgefassten, auf je zwei Hausbesuchen
bei beiden Parteien sowie zahlreichen Gesprächen mit den Parteien und Drittper-
sonen fussenden Abklärungsberichts des kjz D._ vom 1. März 2016 (Urk. 58)
sowie angesichts der beiden Gefährdungsmeldungen betreffend das Wohl von
E._ unter der Obhut der Gesuchsgegnerin vom 19. Februar 2016 und
2. März 2016, welche beide den Vorfall vom 17./18. Februar 2016 betreffen (Urk.
56 und Urk. 62), des verkehrsmedizinischen Gutachtens vom 15. Juni 2015 (Urk.
14/1), des Berichts von Dr. J._ vom Santémed vom 24. Februar 2016 (Urk.
54) sowie des von der Vorderrichterin mit Dr. J._ am 9. März 2016 geführten
Telefonats (Urk. 60) und schliesslich der weiteren Gefährdungsmeldung der Wirtin
des Restaurants ... in .../AR, I._, vom 16. August 2016 (Urk. 114) ist das Ge-
richt ohne weiteres in der Lage, sich ein hinreichend aussagekräftiges Bild über
das Wohl des Kindes E._ und insbesondere über die Erziehungsfähigkeit der
Gesuchsgegnerin und auch des Gesuchstellers zu machen. Die Einholung ge-
richtlicher Fachgutachten betreffend die Obhutszuteilung erscheint daher jeden-
falls im Rahmen des vorliegenden summarischen Eheschutzverfahrens, wo sol-
ches, wie erwähnt, die Ausnahme ist, nicht mehr erforderlich. Im Rahmen des für
Kinderbelange gemäss Art. 168 Abs. 2 ZPO geltenden Freibeweises sind die er-
wähnten Aktenstücke durchaus taugliche Beweismittel.
C. Zuteilung Obhut
1. Die Zuteilung der Obhut über E._, geboren am tt.mm.2010, ist umstrit-
ten, während die Zuteilung der Obhut über seinen jüngeren Bruder F._, ge-
boren am tt.mm.2011, an den Gesuchsteller (Urk. 81 S. 26, Dispositivziffer 2) von
der Gesuchsgegnerin (wie bereits im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens, vgl.
Prot. I Fortsetzung HV, S. 6) akzeptiert wird (Urk. 84 S. 2).
2. Die Vorinstanz teilte die Obhut über E._ - den Empfehlungen im Abklä-
rungsbericht des kjz D._ vom 1. März 2016 (Urk. 58) folgend - dem Gesuch-
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steller zu. Sie erwog dabei im Wesentlichen, die Erziehungsfähigkeit der Ge-
suchsgegnerin sei mit Blick auf ihre nach wie vor bestehende Alkoholsucht und
die diesbezüglich teilweise fehlende Einsichtsfähigkeit der Gesuchsgegnerin so-
wie deren Überforderung im Alltag und Instabilität erheblich eingeschränkt. Dass
diese Einschränkung mittels Kindesschutzmassnahmen und durch die Suchtthe-
rapie innert absehbarer Zeit genügend reduziert werden könne, damit das Kin-
deswohl von E._ nicht mehr gefährdet sei, sei unwahrscheinlich. Auch wenn
die Erziehungsfähigkeit des Gesuchstellers leicht eingeschränkt sei, zumal er sei-
nen Kindern wenig Orientierung im Alltag vermittle, sie zu wenig fördere und iso-
liert lebe, könne dieser Einschränkung mittels geeigneter Kindesschutzmassnah-
men (Erziehungs- und Besuchsbeistandschaft mit besonderen Aufgaben, Famili-
enbegleitung) entgegen getreten werden, sodass das Kindeswohl beider Kinder
gewahrt werde. Die beiden Kinder E._ und F._ sollten denn auch ge-
meinsam aufwachsen können. Konkrete Hinweise, wonach der Gesuchsteller - im
Gegensatz zur Gesuchsgegnerin - mit der Betreuung beider Kinder überfordert
sein könnte, seien keine ersichtlich. E._ werde zwar aus den sozialen Struk-
turen in ... bei der Gesuchsgegnerin, an welche er sich gewöhnt habe, herausge-
rissen und er werde damit anfänglich wohl Schwierigkeiten haben, aber er werde
in D._ beim Gesuchsteller wieder den Anschluss finden und neue soziale
Kontakte im dortigen Kindergarten knüpfen können (Urk. 81 S. 10 ff.).
3.1. Die Gesuchsgegnerin hält dafür, sie sei mit E._ bereits im Juni 2015
nach ... gezogen. Seither habe E._ sich sehr gut in die Umgebung eingelebt.
Er habe sehr guten Kontakt zu seinem etwa gleichaltrigen Cousin, zu seiner Tan-
te und seinem Onkel, ihrem Bruder. Bei einer Zuteilung der Obhut an den Ge-
suchsteller würden diese Kontakte abgebrochen. Der Gesuchsteller lebe sehr
einsam und habe keine Freunde mit Kindern, keine Verwandten mit Kindern, zu
welchen er Kontakt pflege. Seit August 2015 sei E._ im Kindergarten in ...
eingeschult. Dort sei er sehr gut integriert. Es liege nicht im Kindeswohl von
E._, ihn aus diesem stabilen Umfeld herauszureissen. Wie die beiden Be-
richte der Kindergärtnerin sowie der Heilpädagogin deutlich zeigten, bestehe -
entgegen dem Abklärungsbericht des kjz D._ - eine intakte und gute Mutter-
Kind-Beziehung. Zudem habe sich E._ an die ländlichen und dörflichen Be-
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gebenheiten gewöhnt. Er habe viel Freiheit und fühle sich wohl auf dem Land. Es
wäre für ihn eine Einschränkung, wieder in der Stadt zu wohnen. Während die
Gesuchsgegnerin arbeite, werde er von einer Tagesmutter betreut, zu welcher
E._ ebenfalls eine gute Beziehung habe. Es stimme nicht, dass sie über-
mässig Alkohol trinke. An jenem 17. Februar 2016 habe sie zwar viel zu viel ge-
trunken, das sei jedoch eine Ausnahme gewesen. Dass sie keine Alkoholikerin
sei, würden die Blutkontrollen zeigen. Auch die Haarkontrollen seien negativ ge-
wesen. Sie hätte nicht den Führerschein zurückerhalten, wenn entweder in der
Blut- oder der Haarkontrolle hätte festgestellt werden können, dass sie Alkohol
getrunken habe. Sie sei sich bewusst, dass E._ ein schwieriges Kind sei.
Daher sei sie auch in das Mutter-Kind-Haus in ... eingetreten. Diesen wichtigen
Schritt gelte es nun nicht zu unterbrechen. Es stimme nicht, dass sie keine Ein-
sicht habe, vielmehr sei sie sich ihrer Probleme bewusst und gehe diese an. Die
Suchterkrankung werde im angefochtenen Entscheid massiv übertrieben. Wäre
dem so, dann hätte sie den Führerausweis nicht zurückerhalten. Es treffe auch
nicht zu, dass sie nicht auf die Bedürfnisse von E._ eingehen könne. Laut
den neusten Berichten der Kindergärtnerin und der Heilpädagogin sei das Gegen-
teil der Fall. E._ sei tatsächlich teilweise sehr aggressiv gewesen, das sei
aber hauptsächlich nach den Besuchswochenenden beim Vater der Fall gewe-
sen. Es sei ausserdem sehr fragwürdig, ob der Gesuchsteller auf die Dauer für
eine gute Erziehung der beiden Söhne nicht überfordert wäre. E._ selber
möchte bei ihr bleiben, wie dies auch aus dem Abklärungsbericht herauskomme
(Urk. 84 S. 4 ff.). Es sei ausserordentlich wichtig, dass E._ bis zum Ende der
Behandlung im Mutter-Kind-Haus dort bleiben könne. E._ sei zur Zeit krank
und brauche Ruhe (Urk. 87 S. 3). Es sei auch nie hinterfragt worden, weshalb
E._ eine solche Sprache mit der Mutter rede und er diese Wortwahl auffälli-
gerweise nach den Wochenenden mit dem Vater verwende. Nach kinderärztlicher
Aussage befinde E._ sich in einem Loyalitätskonflikt. Weiter sei nie hinter-
fragt worden, weshalb der Gesuchsteller F._ in die Kinderkrippe bringe,
wenn er fürsorgeabhängig sei und F._ vollumfänglich selbst betreuen könnte.
Daraus könne nur geschlossen werden, dass er nicht einmal in der Lage sei, ein
Kind selber zu betreuen und diesem ein genügendes Lernfeld anzubieten. Die
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Gesuchsgegnerin sei ausgezogen, weil der Gesuchsteller, während sie Vollzeit
gearbeitet habe, einfach nichts gemacht habe. Er habe weder genügend nach
den Kindern geschaut noch den Haushalt gemacht. Weil ihr Überforderung vor-
geworfen werde, habe sie sich nunmehr entschieden, die Arbeit zur Zeit aufzuge-
ben und ihren Lebensunterhalt vom Sozialamt zu beziehen. Dieses finanziere ihr
auch eine Allgemeinbildung für Erwachsene, nachdem sie den Eignungstest eben
bestanden habe. Das Fernziel sei die Absolvierung der FAG-Lehre. Ob ihre Sucht
so stark sei, wie der Gesuchsteller behaupte, werde sich aus der nächsten Absti-
nenzkontrolle im kommenden September zeigen. Sie habe in .../AR einen neuen
Psychiater gefunden, Dr. med. K._, zu welchem sie regelmässig in Konsulta-
tion gehe. Zudem sei E._ im KJPD St. Gallen angemeldet, wobei die effekti-
ve Therapie nach den Sommerferien beginnen werde (Urk. 108 S. 1 ff.).
3.2. Demgegenüber meint der Gesuchsteller, der Abklärungsbericht zeige ein-
drücklich den gänzlich unangemessenen Umgang der Gesuchsgegnerin mit
E._ auf. Sie habe sich als mit E._ völlig überfordert präsentiert und dies
selbst in der Anwesenheit von Fachpersonen. Auch die Tagesmutter erlebe die
Gesuchsgegnerin als im Umgang mit E._ sehr belastet. Offenbar finde die
Gesuchsgegnerin ihr Verhalten völlig in Ordnung und vermöge dieses nicht zu re-
flektieren. Aufgrund ihrer Alkoholsucht sei die Erziehungsfähigkeit der Gesuchs-
gegnerin eingeschränkt und das Kindeswohl in den Phasen exzessiven Trinkens
gefährdet. Die Gefährdungsmeldungen würden denn auch zeigen, dass sie noch
immer zum Alkohol neige. E._ brauche Stabilität, welche die Mutter mit ihrer
Sucht nicht erreichen könne. Wichtig für E._ sei auch, dass er mit seinem
jüngeren Bruder F._ aufwachsen könne. Zwecks Durchführung des stationä-
ren Aufenthalts der Mutter-Kind-Therapie habe die Gesuchsgegnerin selber
E._ aus dem Kindergarten und dem Umfeld genommen. Nun sei diese The-
rapie jedoch - offenbar aus der Unüberwindbarkeit der Alkoholsucht - vorzeitig
abgebrochen worden, was wiederum zu Instabilität führe. Die neuen Berichte der
Kindergärtnerin und der Heilpädagogin würden mit Bezug auf die Einschätzung
von E._ angesichts der Überweisung von Dr. L._, der einen Bedarf an
ambulanter kinderpsychiatrischer Betreuung sehe, doch sehr kontrovers wirken.
Aus dem Abklärungsbericht gehe in keiner Weise hervor, dass E._ bei der
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Mutter bleiben wolle. Der Gesuchsteller habe deutlich bessere Voraussetzungen,
den beiden Kindern eine liebevolle, geborgene Umgebung zum Aufwachsen zu
bieten (Urk. 106 S. 2 ff.).
4. Die Vorinstanz hat die von der Lehre und Praxis entwickelten Kriterien für
die Zuteilung der Obhut zutreffend aufgeführt (Urk. 81 S. 8). Zwecks Ergänzung
und Verdeutlichung ist Folgendes festzuhalten: Nach ständiger Rechtsprechung
hat bei der Entscheidung, welchem Elternteil die Erziehung und Sorge für die Kin-
der übertragen werden soll, stets das Wohl der Kinder Vorrang vor allen andern
Überlegungen, insbesondere vor den Wünschen der Eltern. Ist die Erziehungsfä-
higkeit beider Eltern zu bejahen, entspricht es in aller Regel dem Kindeswohl klei-
nerer Kinder am besten, wenn sie demjenigen Elternteil zugeteilt werden, welcher
in der Lage ist, die Kinder - vor allem Kleinkinder und im obligatorischen Schulal-
ter stehende Kinder - weitgehend persönlich zu betreuen. Ferner ist zu beachten,
dass Geschwister nach Möglichkeit nicht getrennt werden sollen, gilt es doch, die
Vorteile der Koedukation in einer Familiengemeinschaft und das infolge der Tren-
nung der Eltern besonders schutzwürdige Zusammengehörigkeitsgefühl der Kin-
der nicht ohne zwingende Gründe zu gefährden. In allen Fällen ist unter Berück-
sichtigung sämtlicher Umstände diejenige Lösung zu treffen, welche die für eine
harmonische Entfaltung der Kinder in körperlicher, seelischer und geistiger Hin-
sicht notwendige Stabilität der Verhältnisse gewährleistet. Das Bundesgericht be-
lässt nach ständiger Praxis dem kantonalen Sachrichter bei der Beurteilung dieser
schwierigen Fragen einen grossen Ermessensspielraum, in welchen es nur ein-
greift, wenn die Vorinstanz bei ihrer Entscheidung Umstände berücksichtigt hat,
die nach dem Sinn des Gesetzes keine Rolle spielen dürfen, oder wenn sie we-
sentliche Gesichtspunkte ausser Acht gelassen hat (vgl. BGE 115 II 317 E. 2 mit
zahlreichen weiteren Hinweisen). Nachfolgend ist auf die einzelnen Zuteilungskri-
terien bzw. die diesbezüglichen Beanstandungen in der Berufung der Gesuchs-
gegnerin näher einzugehen.
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4.1. Erziehungsfähigkeit der Eltern und persönliche Beziehung zum Kind
a) Gesuchsteller
Laut Abklärungsbericht werde das Kindeswohl beim Gesuchsteller teilweise be-
rücksichtigt. Als Risikofaktoren gelten, dass er den Kindern eher wenig Orientie-
rung im Alltag vermitteln könne, die Förderung der Kinder wenig ausgereift sei
und wenig Vielfalt zeige. Er lebe isoliert und verfüge über wenig soziale Kontakte.
Grösstenteils sei er alleine mit den Kindern unterwegs. Sodann sei seine aktuelle
Erwerbssituation unklar. Seine Arbeitslosigkeit und Isolation würden für die Kinder
soziale Belastungen durch vernachlässigte Strukturen in der Familie aufzeigen.
Mit den empfohlenen Kindesschutzmassnahmen könne das Kindeswohl beim
Gesuchsteller jedoch angemessen berücksichtigt werden. Er habe mit den Kin-
dern einen liebevollen Umgang, zeige sich geduldig und einfühlsam. Für F._
sei er eine vertraute und verfügbare Bezugsperson. Er sei zuverlässig, pünktlich
und verbindlich. Die Krippe und Spielgruppe ermöglichten F._ mit anderen
Bezugspersonen und Kindern ein gutes soziales Lernfeld (Urk. 58 S. 19). Sollte
das Gericht weiterhin der Überzeugung sein, dass die Brüder gemeinsam auf-
wachsen sollten, empfiehlt der Abklärungsbericht, die Obhut über beide Kinder
dem Gesuchsteller zuzuteilen. Diese Variante 1 (anstelle von Variante 2, wonach
die Brüder je bei einem Elternteil aufwachsen sollten) wird von den Abklärenden
denn auch favorisiert (Urk. 58 S. 21).
Gemäss ärztlichem Bericht von Dr. M._ vom 15. Februar 2016 habe der Ge-
suchsteller glaubhaft angegeben, nie regelmässig Cannabis konsumiert zu haben.
In den letzten vier Monaten habe es keinen Konsum gegeben, die Urinproben
seien alle negativ ausgefallen (Urk. 64). Die Anschuldigung der Gesuchsgegnerin,
wonach der Gesuchsteller ein Kiffer sei (Prot. I BV und vsM vom 14. September
2015, S. 5), konnte somit nicht erhärtet werden.
Der Gesuchsteller ist sich bewusst, was mit der Betreuung von zwei Kindern auf
ihn zukäme (Prot. I Fortsetzung HV vom 14. März 2016, S. 10). Er habe auch
schon in der Vergangenheit beide Kinder betreut, während die Gesuchsgegnerin
gearbeitet habe. Er sei nicht überfordert gewesen (Prot. I Fortsetzung HV, S. 11).
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Im Rahmen ihrer Berufung trägt die Gesuchsgegnerin nichts Substantielles gegen
die Erziehungsfähigkeit des Gesuchstellers vor. Es wird einzig vorgebracht, es sei
sehr fragwürdig, ob der Gesuchsteller auf die Dauer für eine gute Erziehung der
beiden Söhne nicht überfordert sei, scheine er doch nicht zu merken, wenn ein
Kind krank sei. Dass der Gesuchsteller zuverlässiger sei, sei zweifelhaft und nicht
vertieft belegt. Zudem vernachlässige er den Haushalt (Urk. 84 S. 6). Wie bereits
die Vorinstanz richtig bemerkte, geht der Abklärungsbericht davon aus, dass es
für beide Eltern leichter sei, für ein Kind angemessen zu sorgen, als für zwei. Al-
lerdings wird gleichwohl die Obhutszuteilung beider Kinder an den Gesuchsteller
empfohlen, ohne dass eine allfällige Überforderung des Gesuchstellers als Risiko-
faktor genannt wird (Urk. 81 S. 16; Urk. 58 S. 16, 19). Dass der Gesuchsteller in
der Vergangenheit nicht genügend nach den Kindern geschaut haben soll (vgl.
Urk. 108 S. 2), vermag die Gesuchsgegnerin nicht näher zu substantiieren. Zu-
dem widerspricht solches ihrem vorinstanzlichen Eingeständnis, wonach er ein
guter Vater sei (Prot. I HV, S. 18 f.), und wird auch durch den Abklärungsbericht in
keinster Weise erhärtet. Es ist im Übrigen notorisch, dass kleinere Kinder auch
bei Fieber noch verhältnismässig fit sind. Zudem kann ein am Morgen fieberfreies
Kind gegen Abend wieder Fieber entwickeln. Ausschlaggebend ist stets der All-
gemeinzustand des Kindes. Es kann dem Gesuchsteller jedenfalls nicht vorge-
worfen werden, E._ gefährdet zu haben, als er mit ihm trotz Fieber spazieren
und auf die Chilbi ging (vgl. Prot. I BV und vsM, S. 13, 16).
Nach dem Gesagten ist der Vorinstanz beizupflichten, dass die Erziehungsfähig-
keit des Gesuchstellers lediglich leicht eingeschränkt ist und solchem mittels den
von der Vorinstanz getroffenen Kindesschutzmassnahmen (Urk. 81 S. 26, Dispo-
sitivziffern 3 und 4) ohne weiteres hinreichend begegnet werden kann, so dass
das Kindeswohl beider Kinder gewahrt wird. Der Gesuchsteller ist im Übrigen
auch bereit, "viel professionelle Unterstützung zur Hilfe" zu nehmen (Prot. I Fort-
setzung HV, S. 10).
Bei der erst im Rahmen ihrer Replik zur Berufungsantwort vorgebrachten neuen
Behauptung der Gesuchsgegnerin, wonach nie hinterfragt worden sei, weshalb
der Gesuchsteller F._ in die Kinderkrippe bringe, wenn er sich doch - man-
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gels Erwerbstätigkeit - vollumfänglich um ihn kümmern könnte (Urk. 108 S. 1 f.),
handelt es sich einerseits um ein unzulässiges Novum (Art. 317 Abs. 1 ZPO). An-
dererseits ist nicht davon auszugehen, dass der fürsorgeabhängige Gesuchsteller
nie mehr erwerbstätig sein wird. Auch das Sozialamt hat seine diesbezüglichen
Vorgaben. Offenbar hat der Gesuchsteller denn auch Aussicht auf eine durch den
Staat finanzierte Umschulung (vgl. Prot. I Fortsetzung HV, S. 10, 12). Und
schliesslich besucht F._ lediglich an zwei ganzen Wochentagen die Kinder-
krippe und zusätzlich einmal pro Woche einen halben Tag die Spielgruppe (vgl.
Urk. 58 S. 3, 12; Prot. I Fortsetzung HV, S. 12). Dass diese durchaus noch mass-
volle Fremdbetreuung dem Kindeswohl dienlich und insbesondere dem kindlichen
Sozialverhalten förderlich ist, bedarf keiner weiteren Worte. Es spricht denn auch
vielmehr für den Gesuchsteller, welcher selbst eher isoliert lebt (Urk. 58 S. 14),
dass er F._ auf diese Weise Sozialkontakte ermöglicht.
b) Gesuchsgegnerin
Gemäss Abklärungsbericht berge die Überforderung und Instabilität der Ge-
suchsgegnerin im Alltag für die persönliche Entwicklung der Kinder, vor allem von
E._, Gefahren. Die Interaktion zwischen der Gesuchsgegnerin und E._
zeige eine grosse Überforderung bei der Gesuchsgegnerin und eine grosse Not
bei E._. Das ambivalente Auftreten der Gesuchsgegnerin gegenüber ihrem
Sohn sei für E._ schwierig zu interpretieren. Die Handlungen der Gesuchs-
gegnerin seien für E._ schwer vorhersehbar und verunsicherten ihn. Die
Hektik, welche die Gesuchsgegnerin im Alltag zum Ausdruck bringe, wirke sich
ungünstig auf E._s Befindlichkeit aus. Die Sprache und der Umgang mit den
Kindern, vor allem mit E._, würden auf mangelnde Erziehungs- und Bezie-
hungskompetenzen hinweisen. Seitens der Gesuchsgegnerin könne wenig empa-
thisches Verhalten und "sich einfühlen können" ins Kind wahrgenommen werden.
Es sei der Eindruck entstanden, dass es ihr schwer falle, die Bedürfnisse der Kin-
der aus deren Perspektive wahrzunehmen und die Wahrnehmung der kindlichen
Bedürfnisse stark durch ihre eigene Perspektive geprägt sei. Die realistische Ein-
schätzung ihrer Ressourcen gelinge der Gesuchsgegnerin wenig. Die Kombinati-
on der schwierigen Mutter-Kind-Interaktion zwischen E._ und der Gesuchs-
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gegnerin sowie der weiter bestehende Verdacht auf unkontrollierten Alkoholkon-
sum hinterliessen bei den Abklärenden Fragezeichen in Bezug auf die Obhutszu-
teilung. Aktuell sei das Kindeswohl von E._ bei der Gesuchsgegnerin nicht
genügend gesichert. Zwar sei es ihr gelungen, sich in ... in kurzer Zeit ein gutes
soziales Netz aufzubauen und ihre Erwerbstätigkeit von 40 % scheine gut mit
dem Kindeswohl kompatibel, zumal sie für die Betreuung von E._ eine erfah-
rene Tagesmutter, welche ihn zu Hause betreue, habe organisieren können.
E._ fühle sich wohl im Kindergarten, sei dort gut integriert und habe auch
Freunde gefunden. Weil die Gesuchsgegnerin bislang aber wenig stabil gewesen
sei, bestehe die Sorge, dass sie wieder aus ... wegziehen könnte und dadurch
wichtige stabilisierende Faktoren für E._ wegfielen (Urk. 58 S. 18 ff.).
Aufhorchen lassen die im Abklärungsbericht wiedergegebenen Äusserungen der
Tagesmutter, N._, welche E._ an zwei Vormittagen von 6.00 Uhr bis
zum Kindergartenbeginn zufolge der arbeitsbedingten Abwesenheit der Gesuchs-
gegnerin betreute (Urk. 58 S. 3; Prot. I BV und vsM, S. 11), und damit einen guten
Einblick in den Alltag von E._ und der Gesuchsgegnerin bekam. Mit ihr führ-
ten die Abklärenden am 11. Dezember 2015 ein persönliches sowie am 5. Febru-
ar 2016 ein telefonisches Gespräch (Urk. 58 S. 2 f.). Die Tagesmutter erklärte,
wenn sie alleine mit E._ sei, sei er umgänglich und liebenswürdig. Er brau-
che viel Zuwendung und klare Strukturen. Frühmorgens, wenn die Gesuchsgeg-
nerin noch zu Hause sei, sei E._ sehr aggressiv. Der Umgang zwischen den
beiden sei aggressiv und ihre Sprache sehr gewöhnungsbedürftig (Urk. 58 S. 6).
Sie erlebe die Gesuchsgegnerin im Umgang mit E._ als sehr belastet. Es es-
kaliere häufig, wenn die beiden aufeinander prallten. Die Sprache von beiden sei
schlimm anzuhören, der Ton aggressiv und die Wortwahl nicht adäquat. Sie erle-
be die Gesuchsgegnerin als überfordert, sehr aktiv, sie wolle alles gut machen,
beschönige die Realität. Mit zwei Kindern wäre die Gesuchsgegnerin überfordert.
Sie könne ihre Ressourcen schlecht einschätzen und mache viel, was sie in Un-
ruhe versetze. Die Gesuchsgegnerin sei jedoch ein liebenswerter Mensch, der
Hilfe brauche (Urk. 58 S. 10). Immerhin ist zugunsten der Gesuchsgegnerin zu
bemerken, dass sie am Morgen früh vor der Arbeit wohl leicht angespannt sein
und sich dies auch auf ihr Verhalten gegenüber E._ auswirken dürfte. Die
- 20 -
Angaben der Gesuchsgegnerin, wonach sich das Verhältnis zwischen ihr und
E._ seit Januar 2016 merklich entspannt habe, konnten von der Tagesmutter
jedoch nicht bestätigt werden, welche die Beziehung immer noch als sehr belastet
wahrnimmt. Die Gesuchsgegnerin liebe ihre Kinder über alles, wolle alles gut ma-
chen. Sie sei jedoch überfordert, rede vieles schön und brauche Unterstützung
(Urk. 58 S. 14).
Sehr bedenklich stimmt sodann, dass die Abklärenden bei sämtlichen Kontakten
mit der Gesuchsgegnerin und E._ in deren Interaktion äusserst auffällige und
konflikthafte Szenen miterlebten (Urk. 58 S. 6, 7 f., 16, Tobsuchtsanfall von
E._ aus nichtigem Anlass, Beschimpfungen gegenüber der Gesuchsgegnerin
und F._, Bewerfen der Gesuchsgegnerin mit Duploklötzen, Einsperren wol-
len der Gesuchsgegnerin, mehrfaches Weinen von E._ etc.). Daraus erhellt
deutlich, dass die Gesuchsgegnerin mit E._ überfordert ist. Solches wird
auch durch den Kindergarten in ... (Kindergärtnerinnen: Frau I._, Frau
O._), bestätigt (Urk. 58 S. 2 f., 10; vgl. auch Urk. 86/2). Dieses auffällige
Verhalten E._s gegenüber der Gesuchsgegnerin kann sodann kaum (allein)
auf einen allfälligen negativen Einfluss durch den Gesuchsteller zurückgeführt
werden, zumal es mehrfach von unabhängigen Drittpersonen beobachtet wurde
und nicht nur unmittelbar nach den Besuchen beim Gesuchsteller auftrat, sondern
vielmehr permanent (vgl. insbes. Urk. 58 S. 14). Insbesondere der besorgniserre-
gende Umgangston mit dem Kind kommt von der Gesuchsgegnerin, und wird vom
Kind natürlich so erwidert. Dass E._ gewisse Schimpfworte auch beim Ge-
suchsteller aufgeschnappt haben könnte (Urk. 108 S. 1), ändert daran nichts. An-
haltspunkte, wonach der Gesuchsteller E._ gegen die Gesuchsgegnerin auf-
hetzen und diese beim Kind systematisch schlecht machen sollte, bestehen im
Übrigen keine. Ein solcher negativer Einfluss wird auch im Abklärungsbericht nir-
gends erwähnt. Wie viele Trennungskinder leidet E._ allerdings unter einem
Loyalitätskonflikt (Urk. 58 S. 7; vgl. auch Urk. 81 S. 13). Auffällig ist auch, dass
E._ sich offenbar nur in Gegenwart der Gesuchsgegnerin als schwieriges
Kind (vgl. Urk. 84 S. 5) präsentiert, während er im übrigen Umfeld, wie dem Kin-
dergarten, bei der Tagesmutter und auch beim Vater nicht als schwieriges, ag-
gressives Kind in Erscheinung tritt (Urk. 58 S. 6, 10, 13; Urk. 86/2, 3). Der Ein-
- 21 -
druck im Abklärungsbericht, wonach es der Gesuchsgegnerin am nötigen Einfühl-
vermögen in die Kinder fehle, zumal sie das aggressive Verhalten von E._ ihr
gegenüber nicht verstehen könne (Urk. 58 S. 16, 18), erscheint nachvollziehbar.
Der Abklärungsbericht geht sodann von einem weiter bestehenden Verdacht auf
unkontrollierten Alkoholkonsum bei der Gesuchsgegnerin aus (Urk. 58 S. 18). Seit
1992 besteht bei der Gesuchsgegnerin mit Unterbrüchen eine Alkoholproblematik.
Die Gesuchsgegnerin räumte vor Vorinstanz denn auch ein, dass sie ab und zu
Alkoholexzesse gehabt habe. Bei Stress bzw. wenn sie unter grossem Druck ste-
he, trinke sie Alkohol und kenne dann keine Grenzen. Die Gesuchsgegnerin be-
sucht einmal wöchentlich eine Suchtberatung. Zeitweise nahm sie auch Antabus
(Prot. I Fortsetzung HV, S. 12-14, 15, 17; Prot. I HV, S. 21 f.; Prot. I BV und vsM,
S. 8 f., 15; Urk. 34/17, 18).
Laut der verkehrsmedizinischen Begutachtung vom 15. Juni 2015, welche auf-
grund einer Trunkenheitsfahrt der Gesuchsgegnerin am 20. Dezember 2014 ver-
anlasst wurde, müsse bei der Gesuchsgegnerin von einem zumindest phasen-
weisen Alkoholüberkonsum ausgegangen werden. Aufgrund der ermittelten Blut-
alkoholkonzentration und der nur mässig auffälligen körperlichen Untersuchung
anlässlich der Trunkenheitsfahrt müsse zudem von einer gewissen Alkoholge-
wöhnung gesprochen werden. Die Gesuchsgegnerin habe insgesamt nur vage
Auskunft über ihren Alkoholkonsum gegeben und ein missbräuchliches Alkohol-
konsumverhalten mit Toleranzentwicklung verneint. Es bestehe zudem nur eine
bedingte Problemeinsicht. Dabei bleibe festzuhalten, dass das Erreichen von Al-
koholisierungen im Bereich von über 2,00 Gewichtspromillen mit soweit unauffäl-
liger klinischer Untersuchung, wie es bei der Gesuchsgegnerin anlässlich der
Trunkenheitsfahrt vorgelegen habe, aus medizinischer Sicht für einen von der
Norm abweichenden und übermässigen Alkoholkonsum spreche. Ihre Fahreig-
nung wurde daher aus verkehrsmedizinischer Sicht aufgrund eines verkehrsrele-
vanten Alkoholmissbrauchs verneint und eine erneute Beurteilung der Fahreig-
nung frühestens Mitte Oktober 2015, nach mindestens viermonatiger Einhaltung
einer Alkohol- sowie Medikamentenabstinenz, in Aussicht gestellt (Urk. 14/1 S. 3
f.). Im Rahmen dieser Begutachtung gab die Gesuchsgegnerin im Übrigen offen-
- 22 -
bar an, noch nie in ihrem Leben Drogen eingenommen zu haben (Urk. 14/1 S. 2),
was mit Blick auf die beigezogenen KESB-Akten sichtlich nicht stimmt (vgl. Prot. I
HV, S. 21, wonach zwischen 1995 bis 2009 eine ausgeprägte Suchtproblematik
[Kokain, Amphetamin und Extasy] bestand; Urk. 15/1, 2).
Vor Vorinstanz liess die Gesuchsgegnerin im Übrigen noch beantragen, das ver-
kehrsmedizinische Gutachten sei aus dem Recht zu weisen, weil der Gesuchstel-
ler den Brief des Strassenverkehrsamtes ohne ihr Wissen geöffnet und das Gut-
achten kopiert habe (Urk. 20 S. 5; Prot. I HV, S. 2, 4). Im Berufungsverfahren
machte sie solches nicht mehr geltend (Urk. 84; Urk. 87 und Urk. 108). Selbst
wenn der Gesuchsteller das Briefgeheimnis verletzt haben sollte, könnte das Gut-
achten mit Blick auf Art. 152 Abs. 2 ZPO vorliegend gleichwohl Beachtung finden,
weil das Interesse an der Wahrheitsfindung mit Blick auf das Kindeswohl und die
anwendbare umfassende Untersuchungsmaxime (Art. 55 Abs. 2 ZPO; Art. 296
Abs. 1 ZPO) überwiegt. Zudem räumte die Gesuchsgegnerin selbst, wie dargetan,
mehrfach ein, ein Alkoholproblem zu haben.
Offenbar bat die KESB die Gesuchsgegnerin, eine Haarprobe abzugeben, worauf
diese sich die Haare kurz schneiden und färben liess. Damit verhinderte sie ge-
zielt eine Untersuchung ihres Konsumverhaltens (Prot. I HV, S. 23; vgl. auch Prot.
I BV und vsM, S. 11). Dies lässt die Gesuchsgegnerin nicht eben in einem günsti-
gen Licht erscheinen.
Gemäss ärztlichem Zeugnis von Dr. med. J._ vom 24. Februar 2016 hätten
bei der Gesuchsgegnerin aufgrund regelmässiger Konsultationen und regelmäs-
sigen sachdienlichen Laboruntersuchungen im Zeitraum vom 6. Oktober 2015 bis
24. Februar 2016 keinerlei Anzeichen eines regelmässigen und übermässigen Al-
koholkonsums vorgelegen (Urk. 54). Am 9. März 2016 bestätigte Dr. J._ ge-
genüber der Vorinstanz telefonisch, dass die Wahrscheinlichkeit klein sei, dass
die Gesuchsgegnerin regelmässig übermässig Alkohol konsumiere. Er konnte
aber nicht ausschliessen, dass periodische Alkoholexzesse stattfinden könnten
und bei den erfolgten Tests trotzdem ein negativer Wert resultiere (Urk. 60).
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Die Gefährdungsmeldungen bei der KESB Appenzell Ausserrhoden betreffend
E._ durch die Heimleitung und damalige Arbeitgeberin der Gesuchsgegnerin
des Alters- und Pflegeheims ... sowie durch die Kantonspolizei Appenzell Ausser-
rhoden betreffen beide den Vorfall vom 17./18. Februar 2016, als die Gesuchs-
gegnerin stark betrunken war, bewusstlos wurde und vor ihrem Wohnhaus in An-
wesenheit von E._ und Nachbarn vom Rettungsdienst betreut werden muss-
te. E._ wurde für die Nacht von Nachbarn aufgenommen, welche auch dafür
sorgten, dass er am nächsten Morgen in den Kindergarten kam. Die Gesuchs-
gegnerin habe jedoch nachts um zirka 2.00 Uhr bei der Nachbarin und Mitarbeite-
rin geklopft und gefragt, wo E._ sei (Urk. 56 und 62; Prot. I Fortsetzung HV,
S. 14).
Gemäss Verfügung des Departementes Inneres und Sicherheit des Kantons Ap-
penzell Ausserrhoden, Strassenverkehrsamt, Administrativmassnahmen, vom 19.
April 2016 hat die Gesuchsgegnerin eine Abstinenz gegenüber Alkohol und
suchterzeugenden zentralwirksamen Medikamenten einzuhalten, sofern sie ihren
ihr wiedererteilten Führerausweis behalten möchte. Die Abstinenz wird für min-
destens zwei Jahre ab Verfügungsdatum durch Haaranalyse alle sechs Monate,
erstmals Ende September 2016, durch die Rechtsmedizin kontrolliert werden. Zu-
dem muss sie bei der Beratungsstelle für Suchtfragen in ... eine Fachtherapie be-
suchen und alle sechs Monate einen Verlaufsbericht einreichen. Die Gesuchs-
gegnerin erklärte sich mit diesen Auflagen einverstanden (vgl. Urk. 86/4; Urk. 108
S. 2; Urk. 110/11).
Die stationäre Mutter-Kind-Therapie in der Klinik ..., mit welcher laut Abklärungs-
bericht ein erster wichtiger Schritt im Hinblick auf die Veränderung der Mutter-
Sohn-Beziehung hätte stattfinden können (Urk. 58 S. 16) und wovon die Ge-
suchsgegnerin sich selbst viel versprach (vgl. Urk. 65; Prot. I Fortsetzung HV,
S. 6, 13), hat die Gesuchsgegnerin offenbar vorzeitig nach etwas mehr als fünf
Wochen ohne Erfolg abgebrochen. So hätte gemäss eigenen Angaben der Ge-
suchsgegnerin eine erfolgreiche Behandlung im Mutter-Kind-Haus ... etwa drei
Monate benötigt, wobei sie um den 20. Juli 2016 ausgetreten wäre (Urk. 87 S. 3).
Die Gesuchsgegnerin und E._, welche sich seit 20. April 2016 in der statio-
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nären psychotherapeutischen Eltern-Kind-Behandlung befanden (Urk. 86/5), ha-
ben jedoch bereits am 27. Mai 2016 den Spital ... wieder verlassen (Urk. 94 und
Urk. 96), also über sieben Wochen früher als geplant (vgl. auch Urk. 104 S. 3-5).
Dieser vorzeitige Therapieabbruch, ohne dass die Gesuchsgegnerin dafür eine
plausible Erklärung liefert (vgl. Urk. 108), erweckt grosse Bedenken. Zudem hat
sie (zunächst) nicht bestritten, dass der Grund für den Abbruch der Therapie im
Spital ... offenbar die Unmöglichkeit war, den Alkoholentzug weiterzuführen (Urk.
94 und 96; Urk. 113 S. 2). Ihre nachgeschobene verspätete Behauptung im Rah-
men ihrer Stellungnahme zum Gesuch um Entzug der aufschiebenden Wirkung
vom 1. September 2016, wonach der Abbruch des Klinikaufenthalts einzig erfolgt
sei, weil die rechtliche Grundlage über die Obhut bei der Mutter nicht gegeben
gewesen sei (vgl. Urk. 119 S. 2 unten), wird weder belegt, noch erscheint solches
nachvollziehbar, zumal der Gesuchsgegnerin die Obhut über E._ aufgrund
der Präsidialverfügung vom 23. Juni 2016 jedenfalls für die Dauer des Berufungs-
verfahrens wieder zukam (Urk. 39; Prot. II S. 6).
Laut Gefährdungsmeldung von I._, Wirtin des Restaurants ... in .../AR vom
16. August 2016, soll die Gesuchsgegnerin am 15. August 2016 ihr Lokal besucht
haben und zirka um 20.15 Uhr so stark betrunken gewesen sein, dass sie be-
schlossen habe, die Gesuchsgegnerin nach Hause zu fahren. Als sie mit der Ge-
suchsgegnerin vor dem Haus angekommen sei, sei E._ alleine draussen vor
dem Haus gewesen und habe auf die Ankunft der Mutter gewartet. Er habe kalt
gehabt und sei sehr hungrig gewesen. Sie habe die Gesuchsgegnerin in die
Wohnung tragen müssen, weil sie nicht mehr im Stande gewesen sei, selber in
die Wohnung zu gehen. Sie und der Nachbar (O._) hätten sich dann um
E._ und die Gesuchsgegnerin gekümmert. Sie mache diese Meldung, weil
dies keine Umstände für ein Kleinkind wie E._ seien (Urk. 114). Diese jüngs-
te Gefährdungsmeldung ist sachlich abgefasst und erscheint glaubhaft, insbeson-
dere zumal die Wirtin auch ein ökonomisches Interesse an weiteren Gastwirt-
schaftsbesuchen der Gesuchsgegnerin haben und insbesondere in einem kleinen
Dorf wie ... nicht leichthin falsche Angaben über die Gesuchsgegnerin machen
dürfte. Hinweise wonach der Gesuchsteller mit der Wirtin den Brief abgesprochen
und gar den Inhalt vorgegeben haben sollte, wie ihm dies die Gesuchsgegnerin
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unterstellen will (Urk. 119 S. 2 oben), sind keine ersichtlich. Dass der Gesuchstel-
ler sich mit Blick auf das Alkoholproblem der Gesuchsgegnerin um das Wohl von
E._ sorgt, versteht sich und lässt auch nachvollziehbar erscheinen, wenn er
am Tag nach dem Vorfall das Lokal aufsuchte. Die neuerliche Gefährdungsmel-
dung lässt im Übrigen auch die Äusserungen des Nachbarn (O._) im Zu-
sammenhang mit dem Vorfall vom 17./18. Februar 2016, wonach die Gesuchs-
gegnerin sehr oft betrunken sei und E._ schön öfters hungrig vor seiner Türe
gestanden habe (vgl. Urk. 62 S. 2), in einem anderen Licht erscheinen (vgl. Urk.
36 S. 10).
Zwar trinkt die Gesuchsgegnerin wohl nicht regelmässig übermässig Alkohol. Al-
lerdings verfällt sie doch gelegentlich exzessivem Alkoholkonsum, insbesondere
wenn sie unter Stress steht. Ihr Alkoholproblem ist mit Blick auf die weitere glaub-
hafte Gefährdungsmeldung vom 16. August 2016 nach wie vor akut. Die wieder-
holten Totalabstürze bis zur Bewusstlosigkeit der Gesuchsgegnerin gefährden
das Wohl von E._ massiv. Bedenklich erscheint auch, dass die Gesuchs-
gegnerin trotz laufendem Rechtsmittelverfahren betreffend die Obhutzuteilung
über E._ sowie die per Ende September 2016 anstehende Haaranalyse im
Zusammenhang mit dem ihr auf Probe wiedererteilten Führerausweis (Urk. 86/4;
Urk. 110/11) erneut massiv dem Alkohol verfiel. Die Sucht scheint stärker zu sein,
als ihre grundsätzlich vorhandene Einsicht ins Alkoholproblem, und vermag auch
durch die laufende Gesprächstherapie nicht gestoppt zu werden. Die Gesuchs-
gegnerin hat sich sichtlich nicht im Griff. Im Übrigen würde eine umsichtige Per-
son, welche ihren Alkoholkonsum und ihre Erziehungsaufgaben im Griff hat, kaum
irgendwelchen Alkohol zu sich nehmen, wenn sie an einer Durchfallerkrankung
leidet, wie dies die Gesuchgegnerin offenbar tat (vgl. Urk. 119 S. 2; Urk. 121/2).
Die ärztliche Bescheinigung vom 30. August 2016, wonach die Gesuchsgegnerin
sich bei Dr. Q._ mit einer Durchfallerkrankung seit dem Morgen des 15. Au-
gust 2016 vorgestellt habe und wonach in einer solchen Situation eine Alkohol-
aufnahme eine deutlich stärkere Wirkung entfalten könne als in einer normalen Si-
tuation (Urk. 121/2), vermag die Gesuchsgegnerin denn auch nicht zu entlasten.
Sie beruht zudem, insbesondere betreffend den angeblichen Beginn der Erkran-
kung, einzig auf den eigenen Angaben der Gesuchsgegnerin.
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Nicht zuletzt mit Blick auf die jüngste Vergangenheit, namentlich den Vorfall vom
17./18. Februar 2016 und nunmehr jenen vom 15. August 2016, wozu es trotz der
seit 14. August 2015 in Angriff genommenen Suchttherapie und angestrebten To-
talabstinenz (vgl. Urk. 34/17, 18) sowie während laufendem Eheschutzverfahren
kam, sowie auch angesichts des vorzeitigen Abbruchs der stationären Therapie
Ende Mai 2016, bleibt die Gefahr erneuter Alkoholexzesse der Gesuchsgegnerin
und einer damit einhergehenden massiven Gefährdung des Wohls von
E._ konkret bestehen. Es ist allgemein bekannt, dass die Chancen, vom Al-
kohol wegzukommen, erheblich geschmälert oder sogar verunmöglicht werden,
wenn weiterhin Alkohol konsumiert wird, und seien das nur geringe Mengen. Es
braucht Totalabstinenz. Die Rückfallgefahr ist jedoch ohnehin hoch, selbst bei to-
talabstinenten Ex-Alkoholikern.
Ausschlaggebend ist mit Blick auf die Beurteilung der Erziehungsfähigkeit der
Gesuchsgegnerin aber letztlich nicht einzig ihr Alkoholproblem, sondern vielmehr
ihre auffällige Interaktion mit E._ sowie ihre durch verschiedene Drittperso-
nen (Tagesmutter, Kindergartenlehrperson und die Abklärenden) bestätigte Über-
forderung mit E._ im Alltag. Daran ändert nichts, dass sie nunmehr offenbar
ihr 40%-Arbeitspensum (wobei sie krankgeschrieben war, vgl. Prot. I Fortsetzung
HV, S. 8) aufgegeben hat und eine Weiterbildung absolviert (vgl. Urk. 108; zuvor
war sie allerdings noch auf Arbeitssuche: Urk. 84 S. 2). Zwar wird das zeitliche
Ausmass dieser Allgemeinausbildung für Erwachsene im Schuljahr 2016-2017
nicht näher dargetan. Immerhin lässt sich der Aufnahmebestätigung vom 4. Juli
2016 jedoch entnehmen, dass ihr Schultag jeweils am Freitag ist. Zusammen mit
dem eigenständigen Lernen und den Prüfungsvorbereitungen etc. dürfte jeden-
falls mindestens ein ähnliches Pensum wie zuvor mit der Erwerbstätigkeit resultie-
ren. Es ist nicht zu erwarten, dass ihrer Überforderung mit E._ allein durch
den Wegfall des Teilzeitarbeitspensums hinreichend beigekommen werden kann.
Die Gesuchsgegnerin vermag E._ die nötige Stabilität und Verlässlichkeit zur
Zeit so oder anders nicht zu vermitteln.
Resümiert ist der vorinstanzlichen Auffassung somit beizupflichten, wonach die
Erziehungsfähigkeit der Gesuchsgegnerin erheblich beeinträchtigt erscheint. Es
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ist der Vorinstanz auch darin zuzustimmen, dass dieser Einschränkung mittels
Kindesschutzmassnahmen und durch die Suchttherapie innert absehbarer Zeit
nicht genügend begegnet werden kann (Urk. 81 S. 13).
4.2. Bisherige Betreuung des Kindes in der Vergangenheit
Die Gesuchsgegnerin hatte nach den Geburten und anschliessender Betreuung
der beiden Kinder zu Hause im August 2013 wieder zu arbeiten begonnen, weil
sie aus der Fürsorgeabhängigkeit heraus kommen wollte. Sie arbeitete dann bei
verschiedenen Arbeitgebern im Stundenlohn bzw. im 80 %- bis 100 %-Pensum,
während der Gesuchsteller mehrheitlich zu Hause bei den beiden Kindern ver-
blieb (Prot. I HV, S. 7, 10, 18 f.; Prot. I Fortsetzung HV, S. 11; Urk. 23/1, 2; Urk.
20 S. 3, 5; Urk. 10/2, 3; Urk. 14/2; Urk. 58 S. 4, 11).
Seit der Trennung der Parteien im Juni 2015 lebt E._ zusammen mit der Ge-
suchsgegnerin in ..., weshalb diese seit über einem Jahr seine Hauptbezugsper-
son ist. Sein jüngerer Bruder F._ verblieb demgegenüber in D._ unter
der Obhut des Gesuchstellers.
4.3. Möglichkeit und Bereitschaft der künftigen persönlichen Betreuung
Der Gesuchsteller ist, wie erwähnt, zurzeit erwerbslos und fürsorgeabhängig. Im
Oktober/November 2015 hatte er eine Blockade im Rücken, weshalb er nicht
mehr im angestammten Beruf (Umzüge/Lieferung/Montage von Möbeln; Urk.
14/2; Prot. I HV, S. 10, 27) arbeiten kann. Eine Umschulung ist von der Gemeinde
geplant und eine IV-Anmeldung hängig (Prot. I Fortsetzung HV, S. 10, 12).
Die Gesuchsgegnerin arbeitete seit September 2015 zu 40 % im Alters- und Pfle-
gezentrum in .... Nachdem sie zunächst krankgeschrieben war, kündigte sie per
Ende März 2016. Am 19. August 2016 hat sie eine einjährige, vom Sozialamt fi-
nanzierte Allgemeinbildung für Erwachsene in Angriff genommen, wobei der
Schultag jeweils am Freitag ist. Ihr Fernziel ist die Absolvierung der FAG-Lehre.
Neben der Schule könnte sie etwa 40 bis 60 % erwerbstätig sein. Zurzeit lebt sie
jedoch gänzlich vom Sozialamt (Urk. 108 S. 2; Urk. 110/9, 10; Urk. 58 S. 3; Prot. I
HV, S. 27; Prot. I Fortsetzung HV, S. 8, 22).
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Die Möglichkeit und Bereitschaft der persönlichen Betreuung erscheint bei beiden
Parteien mithin in etwa gleichwertig. Beide könnten die Kinder, wobei nun auch
F._, geboren tt.mm.2011, in den ersten Kindergarten eingeschult wurde (vgl.
auch Prot. I Fortsetzung HV, S. 9), vor und nach dem Kindergarten zur Zeit um-
fassend betreuen, wobei jedoch beide in absehbarer Zeit wieder arbeiten müssen.
4.4. Stabilität der Verhältnisse
Wie erwähnt, lebt E._ seit der Trennung der Parteien im Juni 2015 mit der
Gesuchsgegnerin in ..., wo er seit August 2015 auch den Kindergarten besucht.
Der Stabilität abträglich war sicherlich der (gescheiterte) Aufenthalt der Gesuchs-
gegnerin mit E._ in der Klinik in ... vom 20. April 2016 bis 27. Mai 2016, wel-
cher auch einen Unterbruch des Kindergartenbesuchs in ... nach sich zog (Urk.
86/5; Urk. 94; Urk. 96).
Die Kindergärtnerin von E._ führte in ihrem Schreiben vom 6. Mai 2016 aus,
dass sie E._ als aufgeweckten, witzigen und anhänglichen Jungen erlebe. Er
habe Freunde und sei gut integriert. Der Kindergarten sei für ihn ein Bezugspunkt
geworden, der ihm Sicherheit und Freude biete. Ihn (schon wieder) aus einem
vertraut gewordenen Umfeld heraus zu reissen, sei ganz bestimmt nicht das, was
E._ brauche. E._ erscheine immer sauber angezogen und pünktlich
(Urk. 86/2). Gemäss dem Schreiben der Schulischen Heilpädagogin von E._
vom 4. Mai 2016 müsse in Bezug auf E._ absolut verhindert werden, dass
Erfahrungen von Beziehungsabbrüchen wiederholt würden. Dazu gehörten ein
Kindergartenwechsel und eine Familiensituationsveränderung. Sie sei überzeugt,
dass wenn eine Familiensituationsveränderung mit Kindergartenwechsel stattfin-
de, dies die Weiterentwicklung von E._ sehr gefährde (Urk. 86/3).
Zwar scheint es E._ im Kindergarten in ... erfreulicherweise gut zu gehen, al-
lerdings benötigt er gemäss Schreiben von Dr. med. L._ vom 26. Mai 2016
an den KJPD St. Gallen sowohl aus Sicht der Klinik ... wie auch aus seiner Sicht
gleichwohl weiterhin ambulante kinderpsychiatrische Betreuung (Urk. 102/8). Die-
se wurde denn auch in die Wege geleitet (Urk. 108 S. 2 f.). Bei E._ bestehe
ein Nähe-Distanz-Problem, er habe Bindungsschwierigkeiten und leide unter ei-
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nem Loyalitätskonflikt. Das erneute Einnässen sei als psychoreaktive Störung zu
sehen (Urk. 58 S. 7).
Die Stabilität der örtlichen und schulischen Verhältnisse würde für einen Verbleib
von E._ in ... unter der Obhut der Gesuchsgegnerin sprechen. Allerdings
handelt es sich hierbei nur um eines, nicht per se überwiegendes Kriterium für die
Zuteilung der Obhut. Veränderungen sind zwar immer schwierig, bergen aber
auch Chancen. Gerade Kinder sind diesbezüglich sehr anpassungsfähig. Dass
E._ sich sehr gut mit seinem gleichaltrigen Cousin in ... verstehe, er diesem
sehr nahe stehe und sie viel zusammen unternehmen würden (vgl. Urk. 84 S. 3f),
ist neu und verspätet (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Zudem war von einer solchen engen
Beziehung zum Cousin im Abklärungsbericht in keiner Weise die Rede. Im Übri-
gen kann diese verwandtschaftliche Beziehung auch im Rahmen von Besuchen
bei der Gesuchsgegnerin in ... gebührend gepflegt werden.
4.5. Bereitschaft dem anderen, nicht obhutsinhabenden Elternteil einen unbe-
schwerten Kontakt zum Kind zu ermöglichen
Die Besuche der beiden Kinder durch den nicht obhutsinhabenden Elternteil
scheinen mittlerweile mehrheitlich gut zu funktionieren. Die Parteien sind sich of-
fenbar bewusst, dass ihre beiden Kinder weiterhin den Kontakt zu Vater und Mut-
ter sollen pflegen können und sich die beiden Brüder dabei auch oft sollten sehen
können (vgl. Urk. 58 S. 4 f.; Prot. I HV, S. 3, 8; 12, 16, 20). Es bestehen keine
Hinweise, wonach eine Partei der anderen systematisch den Kontakt mit den Kin-
dern unterbinden möchte. Dass der Gesuchsteller mit Blick auf den Vorfall vom
15. August 2016 betreffend die Besuche von F._ bei der Gesuchsgegnerin
zurückhaltend ist (vgl. Urk. 119 S. 2), erscheint nachfühlbar. Dennoch sind beide
Parteien darauf hinzuweisen, dass die Kontaktförderung mit beiden Elternteilen
für die Entwicklung der Kinder nachweislich von grosser Bedeutung ist.
4.6. Zuteilungswunsch E._
E._ wird am tt.mm.2016 sechsjährig. Eine Kinderanhörung ist grundsätzlich
erst ab dem vollendeten sechsten Altersjahr angezeigt (BGer 5A_561/2013 vom
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10. Januar 2014, E. 4.1, mit Hinweis auf BGE 131 III 553 E. 1.2.3). Es ist nicht
davon auszugehen, dass E._ bereits befähigt ist, einen autonomen und
stabilen Willen zur Frage der Zuteilung der Obhut zu bilden. Hinzu kommt, dass
mit E._ bereits im Rahmen der Abklärungen des kjz D._ zwei Kinderge-
spräche geführt wurden. Dabei konnte oder wollte er sich offenbar in Bezug auf
die Obhutszuteilung nicht äussern. Er habe sich verschlossen gezeigt und habe
sich nicht auf die Thematik einlassen wollen (Urk. 58 S. 2, 6, 9, 20). Seine Anhö-
rung durch das Gericht ist daher nicht indiziert und wurde im Übrigen auch von
keiner Partei beantragt (Urk. 84; Urk. 87; Urk. 106; Urk. 108). Die Behauptung der
Gesuchsgegnerin, wonach E._ selber bei der Mutter bleiben möchte, wie
dies auch aus dem Abklärungsbericht herauskomme (Urk. 84 S. 5), trifft jedoch
sichtlich nicht zu (auch Urk. 106 S. 6).
4.7. Zusammenaufwachsen von Geschwistern
Wie erwähnt, sollten Geschwister nach Möglichkeit nicht getrennt werden. Dies
gilt insbesondere bei Kindern mit einem, wie vorliegend, geringen Altersabstand
(knapp ein Jahr). Solche Kinder sind sich in der Regel eng verbunden. Auch die
altersüblichen Streitereien und Rivalitäten zwischen solchen Kindern (vgl. z.B.
Urk. 58 S. 8, 13 f.) sind für deren Entwicklung förderlich. Die Vorteile der Koedu-
kation in einer Familiengemeinschaft und das infolge der Trennung der Eltern be-
sonders schutzwürdige Zusammengehörigkeitsgefühl der Kinder ist nicht ohne
zwingende Gründe zu gefährden. Die beiden Brüder freuen sich denn auch, wenn
sie sich anlässlich der Besuchswochenenden sehen (Urk. 58 S. 14). Dem Um-
stand, dass E._ sich offenbar vermehrt negativ über F._ geäussert hat
(Urk. 58 S. 14), ist mit Blick auf das Alter von E._ und die schwierige Tren-
nungssituation keine tragende Bedeutung beizumessen. Die beiden Brüder sollen
zusammen aufwachsen können. Zwar leben sie seit über einem Jahr getrennt,
weil das Besuchsrecht jedoch grundsätzlich funktioniert, ist ohne weiteres davon
auszugehen, dass sie sich bald wieder an ein Zusammenleben gewöhnen wür-
den.
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4.8. Gesamtwürdigung, Kindeswohl
In Anbetracht der zurzeit erheblich eingeschränkten Erziehungsfähigkeit der Ge-
suchsgegnerin sowie des Umstands, dass dem Zusammenaufwachsen der bei-
den Buben vorliegend doch ein grosser Stellenwert beizumessen ist, rechtfertigt
es sich, (auch) die Obhut über E._ dem Gesuchsteller zuzuteilen. Dessen
Erziehungsfähigkeit erscheint denn auch nur am Rande beeinträchtigt, nämlich
vor allem im Hinblick auf eine genügende Förderung der Kinder, wobei solchem
mittels den Kindesschutzmassnahmen (vgl. sogleich) sowie zunehmend auch
durch Kindergarten und Schule hinreichend begegnet werden kann. Diese Lösung
entspricht vorliegend dem Kindeswohl von E._ am besten, wenngleich er aus
den sozialen Strukturen in ..., insbesondere dem dortigen Kindergarten, heraus-
genommen und mit anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten in D._ beim
Gesuchsteller gerechnet werden muss. Daran vermag insbesondere auch das
Schreiben der Kindergärtnerin und schulischen Heilpädagogin R._ vom
4. Mai 2016 (Urk. 86/3) nichts zu ändern. Auch der neue (zweite) Kindergarten in
D._ wird E._ klare Strukturen und Verlässlichkeit vermitteln. Kinder sind
erfahrungsgemäss flexibel sowie anpassungsfähig und dieser Schritt ist für die
künftige kindswohlgerechte Entwicklung von E._ nicht zu vermeiden. Es ist
zudem nicht so, dass E._ schon Jahre in ... verbracht und dort feste Freund-
schaften geschlossen hätte. Solches wird vornehmlich im Verlauf der Primarschu-
le geschehen. Die aufgegleiste kinderpsychiatrische Behandlung (Urk. 108 S. 2 f.)
kann selbstverständlich auch in D._ fortgeführt bzw. in Angriff genommen
werden.
Die Berufung der Gesuchsgegnerin ist entsprechend abzuweisen und der ange-
fochtene Obhutsentscheid zu bestätigen.
Die Vorinstanz setzte in ihrem Urteilsspruch keinen Übergabetermin fest, hielt in
den Erwägungen jedoch dafür, die Übergabe der Obhut über E._ sei auf den
5. Mai 2016, dem Beginn der in ... stattfindenden Pfingstferien, anzusetzen. So
habe die Gesuchsgegnerin auch noch Zeit, E._ auf den Wechsel vorzuberei-
ten (Urk. 81 S. 26, Dispositivziffer 2, S. 17). Im Rahmen ihrer Berufungsergän-
zung bzw. ihres Gesuchs um Erteilung der aufschiebenden Wirkung beantragte
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die Gesuchsgegnerin (für den Eventualfall), den Übergabetermin auf den 31. Juli
2016 festzulegen (Urk. 87 S. 2). Beide Daten sind nunmehr verstrichen.
Um E._ den Umzug zu erleichtern, rechtfertigt es sich, den Übergabetermin
auf den Beginn der Schulherbstferien 2016 am 10. Oktober 2016 (D._/ZH
und .../AR) festzulegen. Bis dahin steht dem Gesuchsteller weiterhin alle zwei
Wochen ein Wochenendbesuchsrecht von Freitag, 17.00 Uhr, bis Sonntag, 17.00
Uhr (vgl. Urk. 39/1), zu.
Die zurzeit noch örtlich zuständige KESB Appenzell Ausserrhoden (vgl. Urk. 39/1
und Urk. 104 S. 5) ist sodann zu ersuchen, E._ bis zum Obhutswechsel zu
begleiten und den Obhutswechsel zu organisieren und zu begleiten.
D. Besuchsrecht
Das Besuchsrecht der Gesuchsgegnerin (Urk. 81 S. 27, Dispositivziffer 5) wurde
für den Eventualfall nicht angefochten (Urk. 84 S. 2; Urk. 87 S. 2), weshalb es da-
bei bleibt.
E. Kindesschutzmassnahmen
Wie eingangs erwähnt, wurden auch die Kindesschutzmassnahmen gemäss Dis-
positivziffern 3 und 4 des angefochtenen Entscheides (Anordnung/Erweiterung
Erziehungs- und Besuchsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB mit
besonderen Aufgaben sowie Weisung an die Gesuchsgegnerin gemäss Art. 273
Abs. 2 ZGB, während der Ausübung des persönlichen Verkehrs nüchtern zu sein)
nicht angefochten. Weiterungen von Amtes wegen drängen sich - insbesondere
auch mit Blick auf die Ausführungen/Empfehlungen im Abklärungsbericht (vgl.
Urk. 58 S. 20 f.) - nicht auf. Die Gesuchsgegnerin ist freiwillig in psychiatrischer
Behandlung (vgl. Urk. 108 S. 2) und besucht weiterhin die Suchtberatung (Prot. I
Fortsetzung HV, S. 12; Urk. 58 S. 11). Mit Blick auf ihr Alkoholproblem erscheint
die vorinstanzliche Weisung, während der Besuche der Kinder nüchtern zu sein,
gerechtfertigt und vorderhand, insbesondere in Anbetracht der nicht regelmässi-
gen Alkoholexzesse, auch genügend (vgl. Urk. 81 S. 17 f.). Zu bemerken bleibt,
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dass die Gesuchsgegnerin namentlich glücklicherweise noch nie einen Totalab-
sturz hatte, als sie und E._ F._ auf Besuch hatte.
F. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Vorliegend waren einzig Kinderbelange im Streit. Praxisgemäss sind daher (auch)
die Kosten des Berufungsverfahrens den Parteien je hälftig aufzuerlegen, zumal
auch der Gesuchsgegnerin gute Gründe für ihre Rechtsstandpunkte zugestanden
werden können; die von ihr angestrebte Variante (jede Partei hat die Obhut über
eines der Kinder) wurde immerhin auch vom Abklärungsbericht in Betracht gezo-
gen, wenn auch letztlich nicht favorisiert (vgl. Urk. 58 S. 16 f., 21). Zudem wurde
ihr von der Vorinstanz vorsorglich für die Verfahrensdauer noch die Obhut über
E._ zugesprochen (vgl. Urk. 81 S. 25). Dementsprechend sind keine Pro-
zessentschädigungen zuzusprechen.
Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zugunsten beider Parteien
(vgl. Urk. 105) sind die Kosten - unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht (Art. 123
Abs. 1 ZPO) - jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.