Decision ID: af448200-ddb3-5e91-a363-8cd6cd18b423
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KG
Chamber: SG_KG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: penal_law

Zum Sachverhalt:
X wird vorgeworfen, dass er sich am 3. August 2013 als Gehilfe an einer Pyro-Aktion in
der AFG Arena St. Gallen beteiligt habe. Im Wissen darum, dass nach der Pause
bisweilen Pyros abgebrannt würden, habe er sich mit drei anderen Personen daran
beteiligt, eine ca. 5 mal 4 Meter grosse Fahne auszubreiten und derart über eine
Gruppe von Fussball-Ultras zu ziehen, dass die Fahne auf einer Breite von etwa zwei
Metern über die Köpfe der Fans gezogen, seitlich dann aber bis fast auf den Boden
heruntergezogen worden sei. Aufgrund dieses Vorgehens habe er erkennen müssen,
dass es um das Abdecken von Leuten gegangen sei, die sich unter der Fahne
vermummt hätten, um Pyros zu zünden. Obwohl in der Folge fünf Vermummte unter
der Fahne hervorgekommen seien und Pyros gezündet hätten, danach wieder unter der
Fahne verschwunden seien und sich entmummt hätten, habe er sich daran beteiligt, die
Fahne gespannt zu halten. Er habe eingeräumt, dass man halt auch an solchen
Aktionen beteiligt sei, wenn man immer an Choreos beteiligt sei. Die Vorinstanz erklärte
X der Gehilfenschaft zur Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz für schuldig; die
Strafkammer bestätigte diesen Schuldspruch.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/3
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Aus den Erwägungen:
III./1. X bestätigte im Strafverfahren, dass er beim Fussballspiel FC St. Gallen gegen
den FC Basel in der AFG Arena St. Gallen vom 3. August 2013 unter anderem
zusammen mit A und B ca. zehn Minuten vor Beginn der zweiten Halbzeit eine 5 mal 4
Meter grosse, braune Blockfahne mit dem Schriftzug "Espenmoos" über einen Teil der
Stehrampe gezogen habe bzw. dass er auf den Videobildern zu sehen sei. Auch steht
fest, dass sich nach Aufspannen der Fahne mehrere Fans unter diese begaben,
alsdann mehrere vermummte, nicht identifizierbare Personen mit pyrotechnischen
Fackeln in den Händen unter der Blockfahne hervorkamen, anschliessend verteilt im
Fanblock beim Einmarsch der Fussballspieler Pyros zündeten und sich danach unter
der Fahne offensichtlich wieder "entmummten".
2. a) Zwar machte die Verteidigung im Berufungsverfahren geltend, X sei nur an einer
Choreografie beteiligt gewesen. Es könne nicht davon ausgegangen werden, er habe
gewusst, dass sich Leute unter der Fahne vermummten und anschliessend Pyros
zündeten. Dies trifft jedoch nicht zu.
Denn X war für das (Auf-)Spannen der Blockfahne bzw. die Choreografie
hauptverantwortlich und erteilte entsprechende Weisungen an seine Kollegen (Zugaben
an der Berufungsverhand-lung). Dabei wurde die Fahne an den Seiten heruntergezogen
und nahm auf diese Weise (vgl. die Videoaufnahmen) eine Form ähnlich einer "Hütte"
an, was offenkundig als Sichtschutz diente. X wusste auch um Pyros bzw. um deren
Einsatz an Fussballspielen. So wurden bei ihm zuhause anlässlich der
Hausdurchsuchung pyrotechnische Gegenstände gefunden. Darüber hinaus hat die
Vereinigung V, welcher X angehört, gerade zum Ziel, die Mannschaft mit Fangesängen,
Hüpfen, Klatschen, Fahnen/Choreografien und eben auch mit Pyros zu unterstützen
(ausdrückliche Zugabe von X an Schranken des Berufungsgerichts). Er selbst räumte
ein, er habe bald einmal mitbekommen, dass sich Leute maskierten. Dies musste ihm
spätestens bewusst gewesen sein, als er zugegebenermassen selbst unter der Fahne
war, zumal er auch dann noch für das Spannen der Blockfahne verantwortlich war.
Indem X die Blockfahne aufzog und auch nicht wieder einrollte, als er die Maskierungen
bemerkte, erleichterte er anderen Fussballanhängern die Vornahme einer Straftat, d.h.
das Vermummen unter der Fahne zum Zwecke des anschliessenden Zündens von
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Pyros. Er nahm dabei zumindest im Sinne eines Eventualvorsatzes in Kauf, dass seine
Unterstützung die geschilderte Straftat förderte.
b) Im Weiteren hat die Vorinstanz zu Recht erwogen, dass das Halten bzw. Aufziehen
der Fahne nicht nur den Zweck hatte, das Vermummen, sondern auch das Abbrennen
von Pyros zu ermöglichen, worauf auch der (Eventual-)Vorsatz von X gerichtet war.
Daher ist nicht bloss von einer (vorliegend straflosen) Gehilfenschaft zu einer
Übertretung auszugehen.
c) Schliesslich kann sich X auch nicht auf die Bestimmung von Art. 21 StGB (Irrtum
über die Rechtswidrigkeit) stützen (so die Verteidigung). Ein Rechts-/Verbotsirrtum liegt
nur vor, wenn der Täter meint, (überhaupt) kein Unrecht zu tun (Trechsel/Jean-Richard,
in Trechsel/Pieth (Hrsg.), StGB PK, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 21 N 4 mit
Hinweisen). Dies war vorliegend nicht der Fall, zumal gegen X bereits früher ein
Stadionverbot wegen des Missbrauchs von pyrotechnischen Gegenständen
ausgesprochen werden musste.
d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Einzelrichter des Kreisgerichts X zu
Recht der (vorsätzlichen) Gehilfenschaft zur Widerhandlung gegen das
Sprengstoffgesetz schuldig gesprochen hat (Art. 25 StGB i.V.m. Art. 15 Abs. 5 Satz 1
und Art. 37 Ziff. 1 Satz 1 SprstG [SR 941.41]).
3. Damit ist die Berufung von X gegen den vorinstanzlichen Schuldspruch abzuweisen
und der Entscheid des Einzelrichters des Kreisgerichts diesbezüglich zu bestätigen.
(Der Entscheid der Strafkammer ist rechtskräftig.)
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 01.09.2014 Art. 25 StGB i.V.m. Art. 15 Abs. 5 Satz 1 und Art. 37 Ziff. 1 Satz 1 SprstG. Wer sich an Fussballspielen (eventual-)vorsätzlich daran beteiligt, eine Fanblockfahne über eine Gruppe von Fussballanhängern aufzuziehen und gespannt zu halten, damit diese in der Folge vermummt pyrotechnische Gegenstände ("Pyros") abbrennen können, macht sich der Gehilfenschaft zur Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz schuldig (Kantonsgericht, Strafkammer, 1. September 2014, ST.2014.20).
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2021-09-19T11:01:14+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen