Decision ID: 8c93dab7-c1f7-47cd-9936-1b422c528bf7
Year: 2015
Language: de
Court: VS_TC
Chamber: VS_TC_001
Canton: VS
Region: Région lémanique
Law Area: 

in Sachen
X_ AG
Y_ AG
Beschwerdeführerinnen, beide vertreten durch die Rechtsanwälte Dr. A_ und
B_
gegen
die Einstellungsverfügung vom 10. Juli 2014 der Staatsanwaltschaft des Kantons
Wallis
Betrug (Art. 146 StGB)
ungetreue Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB)
Veruntreuung (Art. 138 StGB)
unwahre Angaben über das kaufmännische Gewerbe (Art. 152 StGB)
Hehlerei (Art. 160 StGB)
ev. Urkundenfälschung (Art. 251 StGB)
*****
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Verfahren
A. C_ erhob als einzelzeichnungsberechtigtes Mitglied des Verwaltungsra-
tes der X_ AG sowie der Y_ AG am 15. März 2011 bei der Staats-
anwaltschaft des Kantons Wallis gegen D_ Strafklage wegen diverser Ver-
mögensdelikte, welche dieser während seiner Tätigkeit als Verwaltungsrat und Ge-
schäftsführer der X_ AG begangen habe. Die X_ AG und die
Y_ AG stellten sich gleichzeitig als Privatklägerinnen und forderten einen
Schadenersatz in der Höhe von Fr. 2‘352‘948.-- (Hauptdossier [HD] S. 1 ff.).
In Anwendung von Art. 6 Abs. 4 lit. c EGStPO übertrug der stellvertretende General-
staatsanwalt des Kantons Wallis die Strafsache an die Zentrale Staatsanwaltschaft in
Sitten (HD S. 26). Dessen zuständiger Staatsanwalt eröffnete nach ersten polizeilichen
Ermittlungen am 3. Oktober 2011 eine Strafuntersuchung (HD S. 27).
B. Nach Durchführung des polizeilichen Ermittlungsverfahrens kündigte die nunmehr
verfahrensleitende Staatsanwältin am 15. Oktober 2013 den Erlass einer Einstellungs-
verfügung an und gewährte den Parteien gleichzeitig die Möglichkeit zu Beweisergän-
zungen (HD S. 174 f.).
Mit Eingabe vom 31. Oktober 2013 stellten die X_ AG und die Y_
AG diverse Beweisanträge und beantragten den Ausstand von Staatsanwältin
E_ (HD S. 178 ff.). Letzteren Antrag wies die Strafkammer mit Verfügung
vom 9. Dezember 2013 ab (HD S. 207 ff.).
Am 14. Januar 2014 hiess die Staatsanwältin die Beweisanträge der Privatklägerschaft
teilweise gut (HD S. 215) und erhob diese Beweise in der Folge (HD S. 245 ff.). Am 10.
Juli 2014 stellte die Staatsanwältin das Verfahren mit vom Generalstaatsanwalt ge-
nehmigter Verfügung ein (HD S. 286 ff.).
C. Gegen diese Verfügung erhoben die X_ AG und die Y_ AG am
4. August 2014 Beschwerde an das Kantonsgericht mit folgenden Rechtsbegehren:
1. Es sei festzustellen, dass die Einstellungsverfügung vom 10. Juli 2014 in der Strafsache Nr. P[1] 11
455 X_ AG D_ nichtig ist.
2. Eventualiter: Die Einstellungsverfügung vom 10. Juli 2014 in der Strafsache Nr. P[1] 11 455
X_ AG D_ sei aufzuheben.
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3. Die Staatsanwältin E_ sei anzuweisen, in den Ausstand zu treten und es sei ein neuer
Staatsanwalt oder eine neue Staatsanwältin mit der Sache zu betrauen und anzuweisen, weitere Be-
weismassnahmen vorzunehmen oder Anklage zu erheben.
4. Es sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, folgende Beweise abzunehmen:
a. Es seien die von D_ bei der X_ AG entwendeten und bei RA F_ depo-
nierten Akten zu edieren.
b. Es sei Herr G_ von der H_ AG in I_ als Zeuge zu folgenden Begebenhei-
ten zu befragen:
aa. Privatentnahmen durch D_ in Bezug auf Segelboot/Bootszubehör;
bb. Privatentnahmen durch D_ in Bezug auf Autos und Autozubehör;
cc. Privatentnahmen durch D_ in Bezug auf Golfutensilien;
dd. Privatentnahmen durch D_ in Bezug auf private Mietkosten;
ee. Privatentnahmen durch D_ in Bezug auf private Reisen;
ff. Privatentnahmen durch D_ in Bezug auf Hotelaufenthalte und Restaurantbesuche;
gg. Privatentnahmen durch D_ in Bezug auf Anschaffungen von Haushaltwaren, Elektrogerä-
ten, Geschenken und ähnlichem;
hh. Privatentnahmen durch D_ durch zu hohe Lohnauszahlungen (inkl. Spesen).
d. Es sei Herr J_ aus K_ in Bezug auf die Privatentnahmen von D_ bezüg-
lich folgenden Sachverhalten zu befragen:
aa. Umbauarbeiten am privaten Haus im L_ von D_
bb. Wohnungsunterhalt;
cc. Privatfahrten inkl. dem Kauf von Fahrzeugen für Privatfahrten;
dd. Die bei RA F_ deponierten und bei der Kehrichtverbrennungsanlage entsorgten Akten.
e. Es sei Herr M_ aus K_ in Bezug auf die Privatentnahmen von D_ be-
züglich folgenden Sachverhalten zu befragen:
aa. Umbauarbeiten am privaten Haus im L_ von D_;
bb. Wohnungsunterhalt;
cc. Privatfahrten.
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f. Es sei der Geschäftsführer der Revisionsstellen der X_ AG, Herr N_, zu den Pri-
vatentnahmen wahrend den Jahren 2001 - 2009 zu befragen (O_ AG in P_ und
Q_ AG in R_).
g. Es sei D_ zu den Vorwürfen der diversen Privatentnahmen zu befragen.
h. Eventualiter zu letztgenanntem Beweisantrag lit. g : Es sei D_ mittels Rechtshilfe in
S_ zu befragen.
m. Es seien die Steuererklärungen sowie die jeweiligen Veranlagungen von D_ für die Jahre
2001 bis 2011 bei der zuständigen Steuerbehörde zu edieren.
n. Es sei Herr C_ aus T_ zu den Vorwürfen der Privatentnahmen von D_
und zur von der Staatsanwaltschaft behaupteten, aber nicht nachgewiesene Duldung der Privatent-
nahmen zu befragen.
- unter Kostenfolge -
Am 25. August 2014 übermittelte die Staatsanwältin die Untersuchungsakten, verzich-
tete auf eine Stellungnahme und schloss auf die kostenpflichtige Beschwerdeabwei-
sung. Der Beschuldigte und Beschwerdegegner nahm am 28. August sowie innert
Nachfrist am 3. September 2014 zur Beschwerde Stellung und forderte deren Abwei-
sung.
In der Folge liessen sich die Beschwerdeführerinnen nicht mehr vernehmen.

Sachverhalt und Erwägungen
1.
1.1 Eine Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft kann innert zehn Tagen mittels
schriftlicher und begründeter Beschwerde bei einem Richter des Kantonsgerichts an-
gefochten werden (Art. 393 Abs. 1 lit. a, Art. 322 Abs. 2 StPO; Art. 13 Abs. 1 EGStPO).
1.2 Vorliegend sind die Beschwerdeführerinnen, welche das Strafverfahren mittels
ihrer Strafanzeige in Gang setzten und sich gleichzeitig sowohl als Straf- als auch als
Zivilklägerinnen stellten, durch die angefochtene Einstellungsverfügung in ihren recht-
lich geschützten Interessen tangiert und zur Beschwerde legitimiert (Art. 379 i.V.m. Art.
382 Abs. 1 StPO). Die übrigen Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemer-
kungen Anlass, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.
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Vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Einstellungsverfügung der Staatsan-
waltschaft vom 10. Juli 2014, die damit als Anfechtungsobjekt den Rahmen bildet, wel-
cher den Umfang des Streitgegenstands begrenzt. Der Streitgegenstand kann sich im
Laufe des Rechtsmittelverfahrens zwar verengen bzw. um nicht mehr strittige Punkte
reduzieren, grundsätzlich jedoch nicht mehr erweitern oder inhaltlich verändern (vgl.
BGE 136 II 457 E. 4.2, 133 II 35 E. 2; Guidon, Die Beschwerde gemäss Schweizeri-
scher Strafprozessordnung, Diss. Bern 2011, [fortan Guidon, Beschwerde], N. 390 mit
Hinweisen). Demnach ist der sinngemässe Antrag des Beschuldigten und Beschwer-
degegners, im Falle der Beschwerdegutheissung sei das Strafverfahren auf
C_ auszuweiten, weil dieser veranlasst habe, dass Rechnungen ausgestellt
worden seien für Transporte, welche nicht ausgeführt worden seien, im Beschwerde-
verfahren nicht zulässig. Zudem erfolgte das Begehren des Beschwerdegegners ohne-
hin nicht innert der Rechtsmittelfrist. Die Beurteilung einer solchen Frage obliegt der
Staatsanwaltschaft als ordentlicher Strafverfolgungsbehörde.
1.3 Bei der Beschwerde gemäss Art. 393 StPO handelt es sich um ein umfassendes
ordentliches Rechtsmittel. Der Beschwerdeinstanz kommt gemäss Art. 393 Abs. 2
StPO volle Kognition zu (Bundesgerichtsurteil 1B_768/2012 vom 15. Januar 2013 E.
2.1; Guidon, Basler Kommentar, 2. A., [fortan Guidon, Basler Kommentar] N. 15 zu Art.
393 StPO), sie prüft jedoch einzig die in der Beschwerde vorgebrachten Rügen (ZWR
2012 S. 221 E. 1.2; Calame, in: Kuhn/Jeanneret [Hrsg.], Commentaire romand, Code
de procédure pénale suisse, Basel 2011, N. 5, 6 und 20 zu Art. 385 StPO).
2. Das laufende Strafverfahren dient der Beurteilung der strafrechtlichen Relevanz der
Tätigkeit des Beschuldigten als Verwaltungsrat und Geschäftsführer der X_
AG, welches Amt er bis am 7. Februar 2011 innehatte. Die Beschwerdeführerinnen
werfen dem Beschuldigten vor, in dieser Stellung private Leistungen und Waren auf
Kosten der Gesellschaft bezogen und diese dann unter einem anderen Titel auf einem
oder mehreren Konten der X_ AG verbucht zu haben, um sich auf Kosten
des Gesellschaftsvermögens persönlich zu bereichern.
Aufgrund der Strafanzeige der Beschwerdeführerinnen eröffnete die Staatsanwalt-
schaft ein Strafverfahren wegen diverser Vermögensdelikte und erledigte dieses im
angefochtenen Entscheid mittels Einstellungsverfügung. Sie hielt darin fest, es fehle in
Bezug auf die Mehrzahl der angezeigten Delikte (Hehlerei, Veruntreuung, Betrug, un-
getreue Geschäftsbesorgung, unwahre Angaben über das kaufmännische Gewerbe)
an einem Anfangsverdacht bzw. an der Erfüllung der Tatbestandselemente. In Bezug
auf die „mögliche Urkundenfälschung durch unkorrekte Buchungsbezeichnungen resp.
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mögliche unwahre Angaben über das kaufmännische Gewerbe“ sei „auch in Anwen-
dung von Art. 8 StPO und Art. 51 StGB von einer Strafverfolgung abzusehen“.
Die Beschwerdeführerinnen kritisieren diesen Entscheid in mehrfacher Hinsicht. Im
Beschwerdeverfahren ist eingangs die Ordnungsmässigkeit der verfügten Einstellung
zu überprüfen, d.h. das Verfahren auf Erlass dieser Verfügung und die Einstellungs-
gründe. Als weitere Frage stellen sich, ob Staatsanwältin E_ Versäumnisse
bei der Sachverhaltsabklärung anzulasten sind sowie, falls sich die von der Staatsan-
wältin angenommenen Gründe als unzureichend erweisen, ob Staatsanwältin
E_ das Strafverfahren inskünftig noch leiten darf und ob in diesem Zusam-
menhang die Notwendigkeit einer Weisung für die Abnahme weiterer Beweise besteht.
3. Die Beschwerdeführerinnen erblicken im Verhalten der Staatsanwaltschaft gravie-
rende Verfahrensmängel, die eine Nichtigkeit der Einstellungsverfügung nach sich zie-
hen würden. Die Staatsanwältin habe ihre Einstellungsverfügung zwar vorgängig an-
gekündigt, mit dieser Ankündigung jedoch keine Frist zur Stellung von Beweisanträgen
verbunden, was eine Verletzung von Art. 318 Abs. 1 StPO darstelle. Damit habe sie
den Beschwerdeführerinnen die Ausübung des rechtlichen Gehörs verunmöglicht, ins-
besondere das Vorbringen solcher Beweismittel, welche sie anlässlich ihrer Eingabe
vom 31. Oktober 2013 noch nicht geltend gemacht habe (Beschwerde, N. 16 ff.).
3.1 Erachtet die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung nach deren Eröffnung als voll-
ständig, so erlässt sie einen Strafbefehl oder kündigt den Parteien schriftlich den be-
vorstehenden Abschluss an und teilt ihnen mit, ob sie Anklage erheben oder das Ver-
fahren einstellen will. Gleichzeitig setzt sie den Parteien eine Frist, um Beweisanträge
zu stellen (vgl. Art. 318 Abs. 1 StPO).
3.2 Im laufenden Strafverfahren kündigte die Staatsanwältin den baldigen Verfahrens-
abschluss mittels einer Einstellungsverfügung mit Parteimitteilung vom 15. Oktober
2013 an, begründete ihre Ansicht summarisch und gewährte den Parteien eine Frist
von 15 Tagen zur Stellung von Beweisanträgen (HD S. 174 f.), wovon die Beschwerde-
führerinnen mit Eingabe vom 31. Oktober 2013 in umfassender Weise Gebrauch
machten (HD S. 178 ff.). Diese ergänzenden Beweisanträge der Beschwerdeführerin-
nen hiess die Staatsanwältin mit Entscheid vom 14. Januar 2014 hinsichtlich dreier
Einvernahmen gut und wies sie ansonsten mit summarischer Begründung ab (HD S.
215 f.). Die Einvernahmen wurden am 16. April 2014 durchgeführt (HD S. 245 ff.). Im
Anschluss holte die Staatsanwaltschaft die Klageantworten des parallel zum Strafver-
fahren laufenden Zivilverfahrens vor Bezirksgericht I_ ein (HD S. 269 ff.). Mit
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Schreiben vom 3. Juni 2014, nicht jedoch mit formeller Schlussverfügung kündigte die
Staatsanwältin nach Sichtung der neuen Beweismittel abermals den Erlass einer Ein-
stellungsverfügung an (HD S. 285), welche sie in der Folge am 10. Juli 2014 traf (HD
S. 286 ff.).
Diese Erwägungen zeigen, dass die Staatsanwältin den Parteien die Art des voraus-
sichtlichen Verfahrensabschlusses mittels Parteimitteilung im Sinne von Art. 318 Abs. 1
StPO bereits am 15. Oktober 2013 angezeigt, ihnen dabei die Möglichkeit zu Be-
weisergänzungen eingeräumt und die beantragten Beweise in der Folge zum Teil auch
abgenommen hat. Da sie von der vorgesehenen und den Parteien angekündigten Er-
ledigungsart nicht abweichen wollte, vielmehr zu erkennen gab, dass auch die neu
erhobenen Beweise sie in ihrer bereits bekannt gegebenen Ansicht bestätigten, war die
Staatsanwältin nicht mehr zum Erlass einer neuerlichen Schlussverfügung samt der
Möglichkeit zu erneuter Beweisergänzung gezwungen. Zur Wahrung des Grundsatzes
des rechtlichen Gehörs und des Fairnessgebots wäre ein solches Vorgehen alleine
dann angezeigt gewesen, wenn die erhobenen Beweise aus Sicht der Staatsanwältin
derart entscheidend gewesen wären, dass sie bei zentralen Punkten des Verfahrens
die Erledigungsart hätte ändern wollen (Landshut/Bosshard, in: Do-
natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2014, N. 7 zu Art. 318 StPO; Schmid, Schweizerische
Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. A., Zürich/St. Gallen 2013 [fortan Schmid,
Praxiskommentar], N. 7 zu Art. 318 StPO; Schmid, Handbuch des schweizerischen
Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009 [fortan Schmid, Handbuch], N. 1246; Rie-
do/Fiolka/Niggli, Strafprozessrecht sowie Rechtshilfe in Strafsachen, Basel 2011, N.
2366; Pitteloud, Code de procédure pénale suisse [CPP], Zürich 2012, N. 801; ähnlich
Steiner, Basler Kommentar, 2. A., N. 11 zu Art. 318 StPO). Die angefochtene Verfü-
gung erweist sich in diesem Punkt als rechtens. Das von den Beschwerdeführerinnen
proklamierte abweichende Vorgehen würde den Parteien erlauben, das Ende der Stra-
funtersuchung durch jeweils neue Beweisergänzungen beliebig hinauszuzögern
(Cornu, in: Kuhn/Jeanneret [Hrsg.], Commentaire romand, Code de procédure pénale
suisse, Basel 2011, N. 21 zu Art. 318 StPO). Ein solches Vorgehen erscheint auch im
konkreten Fall nicht als opportun, da mit Ausnahme der Einvernahme von C_
sämtliche nunmehr im Beschwerdeverfahren gestellten Beweisanträge bereits in der
Eingabe der Beschwerdeführerinnen vom 31. Oktober 2013 enthalten waren (HD S.
180 f.) und der Antrag auf die Einvernahme von C_ seinen Ursprung nicht in
den neu erhobenen Beweismitteln - diesbezüglich räumen die Beschwerdeführerinnen
selbst ein, aus diesen Beweismitteln hätten sich kaum neue Erkenntnisse ergeben (vgl.
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Beschwerde, N. 24) -, sondern in der Begründung der angefochtenen Einstellungsver-
fügung hat.
Demzufolge erweist sich Ziffer 1 der Beschwerdebegehren, unabhängig von der Frage,
ob die Verletzung des rechtlichen Gehörs die Nichtigkeit der angefochtenen Verfügung
zur Folge hätte, als unbegründet.
4. Die Staatsanwaltschaft hielt fest, es fehle in Bezug auf die Mehrzahl der angezeig-
ten Delikte (Hehlerei, Veruntreuung, Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung, unwahre
Angaben über das kaufmännische Gewerbe) offenkundig an der Tatbestandsmässig-
keit. Es handle sich vorliegend um eine zivilrechtliche Angelegenheit. In Bezug auf die
„mögliche Urkundenfälschung durch unkorrekte Buchungsbezeichnungen resp. mögli-
che unwahre Angaben über das kaufmännische Gewerbe“ sei „auch in Anwendung
von Art. 8 StPO und Art. 51 StGB von einer Strafverfolgung abzusehen“. Demzufolge
stellte sie das Verfahren ein.
Die Beschwerdeführerinnen sehen in diesem Vorgehen eine Verletzung von Art. 319
StPO. Die Voraussetzungen für den Erlass einer Einstellungsverfügung seien nicht
gegeben. Es bestehe ein anklagegenügender Tatverdacht und die dem Beschuldigten
zur Last gelegten Handlungen würden mehrere Straftatbestände erfüllen (Beschwerde,
N. 41 ff.). Die Beschwerdeführerinnen legen die Unrechtmässigkeit der angefochtenen
Verfügung lediglich in Bezug auf einen Teil der eingestellten Straftatbestände einge-
hend dar. In Bezug auf die Hehlerei, die Veruntreuung wie auch die unwahren Anga-
ben über das kaufmännische Gewerbe belassen sie es mit dem Hinweis, dass weitere
Untersuchungen erforderlich seien (Beschwerde, N. 61).
Falls sich ihre Beschwerdegründe als stichhaltig erweisen sollten, wäre die Einstel-
lungsverfügung dennoch als Ganzes aufzuheben, da aus dem Erledigungsprinzip le-
diglich der Anspruch folgt, dass verschiedene untersuchte Lebenssachverhalte mit
separaten Entscheiden zu erledigen sind, was nicht gilt, wenn wie vorliegend verschie-
dene Qualifikationen des identischen Sachverhalts infrage stehen (vgl. Lands-
hut/Bosshard, a.a.O., N. 10 zu Art. 319 StPO).
4.1 Sachverhaltsmässig ist nicht mehr bestritten (vgl. angefochtene Verfügung E. 2.4
f., HD S. 289 - 291; Beschwerde, N. 6, 46 ff.; Stellungnahme RA Pauke, S. 4 - 6) und
es wird namentlich durch den ausführlichen Ermittlungsbericht der Polizei belegt (Ver-
zeigungsbericht, insb. S. 6 ff.), dass der Beschuldigte zahlreiche Privatentnahmen ge-
tätigt und solche private Leistungen oder Waren in unzutreffende Buchhaltungskonten
der X_ AG als geschäftsmässigen Aufwand verbucht hat. Strittig ist, inwie-
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weit C_ davon gewusst hat, und, soweit dies nicht der Fall gewesen ist, dies
hätte erkennen können.
4.2 Die Staatsanwaltschaft verfügt gemäss Art. 319 Abs. 1 StPO die Verfahrensein-
stellung unter anderem, wenn kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfer-
tigt (lit. a), kein Straftatbestand erfüllt ist (lit. b) oder nach gesetzlicher Vorschrift auf
Strafverfolgung oder Bestrafung verzichtet werden kann (lit. e).
Eine Anklage ist in der Regel nur dann zu erheben, wenn genügend Anhaltspunkte
vorliegen, welche es rechtfertigen, das Verfahren weiterzuführen, und die Staatsan-
waltschaft die Tatbeteiligung sowie eine Strafe bzw. Massnahme im Zeitpunkt der An-
klageerhebung für wahrscheinlich hält. Da die Staatsanwaltschaft indes nicht dazu be-
rufen ist, über Recht und Unrecht zu richten, darf sie nicht allzu rasch, gestützt auf ei-
gene Bedenken, zu einer Einstellung schreiten. Anklage ist zu erheben, wenn eine
Verurteilung wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch. Ist die Beweis- oder
Rechtslage nicht eindeutig, sollen nicht die Untersuchungs- oder Anklagebehörden,
sondern die für die materielle Beurteilung zuständigen Gerichte entscheiden. Bei der
Anklageerhebung gilt daher der auf die gerichtliche Beweiswürdigung zugeschnittene
Grundsatz „in dubio pro reo“ nicht. Vielmehr ist nach der Maxime „in dubio pro duriore“
Anklage zu erheben. Bei der Beurteilung dieser Frage verfügen die Staatsanwaltschaft
und die Beschwerdeinstanz über einen gewissen Spielraum (BGE 138 IV 186 E. 4.1,
138 IV 86 E. 4.1.1, 137 IV 219 E. 7.1 und 7.2). Falls sich die Wahrscheinlichkeiten ei-
nes Freispruchs oder einer Verurteilung in etwa die Waage halten, drängt sich in der
Regel, insbesondere bei schweren Delikten, ebenfalls eine Anklageerhebung auf (BGE
138 IV 186 E. 4.1, 138 IV 86 E. 4.1.1; ZWR 2014 S. 200 E. 2.1).
4.3 Das angezeigte Verhalten des Beschuldigten kann in zwei Handlungsabschnitte
aufgeteilt werden: In einem ersten Schritt hat der Beschuldigte durch die diversen Pri-
vatentnahmen die entsprechenden Vermögenswerte dem Gesellschaftsvermögen der
X_ AG entzogen. Hier gilt es eine Strafbarkeit wegen Veruntreuung oder
ungetreuer Geschäftsbesorgung zu prüfen. Demgegenüber scheidet die Anwendung
von Art. 146 StGB in dieser Phase aus, da es an einem selbstschädigenden Verhalten
mangelt. Art. 146 StGB kann jedoch möglicherweise in einer zweiten Phase zur An-
wendung gelangen, als die privaten Aufwendungen buchhalterisch als Geschäftsauf-
wand verbucht wurden. Je nachdem, ob dieses Verhalten einzig der Sicherung der
unrechtmässig entzogenen Vermögenswerte diente, stellt dieses einen blossen De-
ckungs- oder Sicherungsbetrug und als solcher eine mitbestrafte Nachtat dar (Trech-
sel/Crameri, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. A., Zürich/St. Gal-
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len 2013, N. 41 zu Art. 146 StGB sowie N. 25 zu Art. 158 StGB; Straten-
werth/Jenny/Bommer, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. A., Bern 2010,
§ 15 N. 70; Niggli, Basler Kommentar, 3. A., N. 183 zu Art. 158 StGB).
4.4
4.4.1 Gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich der ungetreuen Geschäftsbesor-
gung strafbar, wer auf Grund des Gesetzes, eines behördlichen Auftrages oder eines
Rechtsgeschäftes damit betraut ist, das Vermögen eines andern zu verwalten oder
eine solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen, und dabei unter Verletzung sei-
ner Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere am Vermögen geschädigt wird
(sog. Treubruchtatbestand). Die Pflichtwidrigkeit kann in einer Handlung oder einer
Unterlassung bestehen (Niggli, a.a.O., N. 107 zu Art. 158 StGB). Handelt der Täter in
der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, so kann auf Frei-
heitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren erkannt werden (Abs. 3).
Täter ist, wer in tatsächlicher oder formell selbständiger und verantwortlicher Stellung
im Interesse eines anderen für einen nicht unerheblichen Vermögenskomplex zu sor-
gen hat (BGE 120 IV 190 E. 2b; Trechsel/Crameri, a.a.O., N. 2 zu Art. 158 StGB). Der
Tatbestand des Treuebruchs ist namentlich auf Geschäftsführer sowie auf operationell
leitende Organe von juristischen Personen bzw. Kapitalgesellschaften anwendbar, mit
Einschluss derjenigen, die unter Benutzung von Strohmännern die tatsächliche Leitung
innehaben oder die sich als Strohmänner benutzen lassen (BGE 123 IV 17 E. 3b, 105
IV 106 E. 2, 100 IV 113 f.; Bundesgerichtsurteile 6B_825/2010 vom 27. April 2011 E.
5.2, 6B_66/2008 vom 9.5.2008 E. 6.3; ferner Niggli, a.a.O., N. 22 ff. zu Art. 158 StGB
mit weiteren Hinweisen). Der Täter hat eine Garantenstellung (BGE 123 IV 17 E. 3b,
120 IV 190 E. 2b); er ist Schutzgarant aufgrund einer auf einem Treueverhältnis basie-
renden, gesteigerten Verantwortung für die überlassenen Vermögenswerte (Urbach,
Die ungetreue Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 StGB, Diss. Zürich 2002, S. 26).
Die Stellung als Geschäftsführer erfordert ein hinreichendes Mass an Selbständigkeit,
mit welcher dieser über das fremde Vermögen oder über wesentliche Bestandteile
desselben, über Betriebsmittel oder das Personal eines Unternehmens verfügen kann
(BGE 129 IV 124 E. 3.1, 123 IV 17 E. 3b, 120 IV 190 E. 2b). Geschäftsführer ist mithin,
wer unter Berücksichtigung der rechtlichen wie auch der tatsächlichen Umstände den
Vermögensinhaber mit Bezug auf wesentliche Bestandteile des verwalteten Vermö-
gens nach aussen oder innen in leitender Stelle selbständig vertritt (Bundesgerichtsur-
teil 6B_825/2010 vom 27. April 2011 E. 5.2).
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Der Inhalt der Treuepflicht des Geschäftsbesorgers ergibt sich aus dem jeweiligen
Grundverhältnis und ist im Einzelfall näher zu konkretisieren. Massgebliche Basis sind
insbesondere gesetzliche und vertragliche Bestimmungen, aber auch branchenspezifi-
sche Usanzen (Bundesgerichtsurteil 6B_294/2008 vom 1. September 2008 E. 5.3).
Fehlen vertragliche und gesetzliche Vorgaben oder Weisungen oder Branchenusan-
zen, so beurteilt die Lehre das Handeln des Geschäftsbesorgers, nachdem der tatbe-
standsmässige Erfolg eingetreten ist, ausgehend vom Schädigungsverbot, d.h. der
Pflicht des Beauftragten, seinen Geschäftsherrn nicht zu schädigen, nach der gebote-
nen Sorgfalt, indem sie prüft, ob der Täter das höchstzulässige Risiko überschritten hat
und ob der resultierte Erfolg für den Täter voraussehbar und vermeidbar gewesen wäre
(Urbach, a.a.O., S. 56 f.). Die Tathandlung der ungetreuen Geschäftsbesorgung liegt in
der Verletzung jener spezifischen Pflichten, die den Täter in seiner Stellung als Ge-
schäftsführer allgemein, aber auch in Bezug auf spezielle Geschäfte zum Schutz des
Auftraggebers bzw. des Geschäftsherrn treffen (BGE 120 IV 190 E. 2b, 118 IV 244 E.
2b).
Der Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung setzt einen Vermögensschaden
voraus, wobei ein bloss vorübergehender Schaden genügt. Ein solcher kann in einer
tatsächlichen Schädigung durch Verminderung der Aktiven, Vermehrung der Passiven,
Nicht-Verminderung der Passiven oder Nicht-Vermehrung der Aktiven liegen. Ein
Schaden wird auch bejaht, wenn das Vermögen in einem Masse gefährdet wird, dass
es in seinem wirtschaftlichen Wert vermindert ist. Dies ist der Fall, wenn der Gefähr-
dung im Rahmen einer sorgfältigen Bilanzierung durch Wertberichtigung oder Rück-
stellung Rechnung getragen werden muss (vgl. BGE 129 IV 124 E. 3.1, 123 IV 17 E.
3d, 122 IV 279 E. 2a, 121 IV 104 E. 2c).
In subjektiver Hinsicht fordert Art. 158 StGB schliesslich Vorsatz, wobei Eventualvor-
satz genügt. Dieser ist gegeben, wenn der Täter den Schaden als möglich voraussieht,
aber gleichwohl handelt, weil er sich für den Fall, dass er eintreten sollte, damit abfin-
det (BGE 120 IV 190 E. 2b).
4.4.2 Die Staatsanwältin erachtete den Tatbestand der Veruntreuung (Art. 138 StGB)
als offensichtlich nicht erfüllt und prüfte daraufhin Art. 158 StGB näher. Ihr ist zuzu-
stimmen, dass das Verwaltungsratsmitglied einer Aktiengesellschaft in Bezug auf die
Gesellschaft nicht ein Dritter, sondern als Organ Teil der Gesellschaft ist (BGE 121 III
176 E. 4d). Zwar kann es über das Gesellschaftsvermögen bestimmen, tut dies aber im
Rahmen seiner Aufgaben als Organ der Gesellschaft (Art. 718 und 718a OR, Art. 55
ZGB). Mit der Wahl zum Organ empfängt der Gewählte nicht Gesellschaftsvermögen,
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um dieses im Interesse der Gesellschaft zu verwalten; die Gesellschaft behält vielmehr
Gewahrsam an den betreffenden Vermögenswerten und verwaltet sie, wenn auch
durch ihre Organe, weiterhin selbst (Bundesgerichtsurteil 6S.249/2002 vom 21. No-
vember 2002 E. 1.2). Das Geschäftsvermögen von Handelsgesellschaften ist somit
deren Organen nicht anvertraut (Niggli/Riedo, Basler Kommentar, 3. A., N. 36, 211 zu
Art. 138 StGB), weshalb diese in Bezug auf das Gesellschaftsvermögen keine Verun-
treuung begehen können. Dies wird von den Beschwerdeführerinnen auch nicht mehr
bestritten. Zu prüfen ist jedoch eine Strafbarkeit nach Art. 158 StGB.
4.4.3 In Bezug auf die ungetreue Geschäftsbesorgung schloss die Staatsanwältin auf
die Straffreiheit des Beschuldigten, weil die infrage stehenden verdeckten Gewinnaus-
schüttungen bei einer Aktiengesellschaft solange nicht strafbar seien, als diese keinen
Bilanzverlust aufweise. Überdies fehle es an einer zivilrechtlichen Pflichtwidrigkeit,
wenn die verdeckte Gewinnausschüttung mit ausdrücklichem oder stillschweigendem
Einverständnis aller Aktionäre erfolgt sei. In konkreten Fall seien alle „verdeckten Ge-
winnausschüttungen sowie Verbuchungen von unverhältnismässigem Aufwand (Auto-
wechsel, Reise- und übrige Spesen, Werbe- resp. Sponsoring-Beiträge etc. [...] im
Wissen und mindestens mit stillschweigender Einwilligung aller“ erfolgt. Trotz der mas-
siven Gewinnausschüttung von 2004 bis 2009 in der Höhe von Fr. 1‘222‘614.-- sei jähr-
lich jeweils noch ein Bilanzgewinn ausgewiesen worden und es seien gesetzliche Re-
serven gebildet worden, so dass das Reinvermögen der X_ AG im Umfang
des Aktienkapitals und der gebundenen Reserven nicht beeinträchtigt worden sei (an-
gefochtene Verfügung E. 2.5, HD S. 291).
4.4.4 Als langjähriger Verwaltungsrat und Geschäftsführer mit Einzelzeichnungsbe-
rechtigung (vgl. schriftlicher Bericht Schafhausen A. 5, HD S. 119) erfüllte der Beschul-
digte ohne Zweifel den Begriff des Geschäftsführers im Sinne von Art. 158 StGB.
Die Staatsanwältin verneinte jedoch eine Pflichtverletzung durch D_. Soweit
sie sich hierbei auf BGE 117 IV 259 berief, wonach als fremdes Vermögen im Sinne
von Art. 158 StGB nur das Grundkapital und die gebundenen Reserven ei-
ner Aktiengesellschaft verstanden werden können, ist den Beschwerdeführerinnen
zuzustimmen, dass das Bundesgericht eine solche Einschränkung einzig für die Ein-
mannaktiengesellschaft vorgenommen hat, deren Vermögen es grundsätzlich auch als
fremd betitelte (zum Ganzen mit zahlreichen Hinweisen Niggli, a.a.O., N. 16 zu Art. 158
StGB). Da vorliegend jedoch der Beschuldigte unstrittig nicht Alleinaktionär war (vgl.
Verzeigungsbericht, S. 6), gelangen die Regeln über die Einpersonenaktiengesell-
schaft nicht zur Anwendung (Bundesgerichtsurteil 6B_825/2010 vom 27. April 2011 E.
- 13 -
6; Niggli, a.a.O., N. 16 zu Art. 158 StGB). Demnach durfte die Staatsanwältin, soweit
sie annahm, dass (auch) der Beschuldigte Privatentnahmen aus dem Geschäftsver-
mögen der X_ AG bzw. verschiedene private Geschäfte auf Kosten der Ge-
sellschaft tätigte, das Verfahren nicht gestützt auf die in BGE 117 IV 259 skizzierte
Rechtsprechung einstellen.
Soweit die Staatsanwaltschaft die Pflichtverletzung sodann mit dem Hinweis auf die
(stillschweigende) Einwilligung aller Aktionäre verneint, entspringt diese Argumentation
- unabhängig von ihrer rechtlichen Zulässigkeit - keineswegs einer eindeutigen Akten-
lage, welche sachverhaltsmässig eine Einstellung erlauben würde (vgl. Verzeigungsbe-
richt, S. 6 f., 27 f.). Dass C_ von den zahlreichen privaten Geschäften, wel-
che auf Kosten der X_ AG finanziert wurden, gewusst hat, bestreiten die Be-
schwerdeführerinnen im Beschwerdeverfahren (vgl. z.B. Beschwerde, N. 8 f., 95) und
stellte C_ selbst am 14. September 2011 vor der Polizei in Abrede (HD S. 7
ff.). Die im Einvernehmen aller durchgeführten verdeckten Gewinnausschüttungen hät-
ten lediglich Aufwände für Transporte Dritter und Beratungsaufwände betroffen
(C_, A. 38 HD S. 13 f.; vgl. hierzu auch Verzeigungsbericht, S. 9 ff.). Die An-
sicht der Staatsanwältin findet ebenso wenig in den mündlichen Aussagen des Be-
schuldigten Halt (vgl. HD S. 51 ff., 61) und ein entsprechendes Wissen von
C_ lässt sich auch nicht alleine aufgrund der Angaben im schriftlichen Bericht
des Beschuldigten begründen, wonach alle Verwaltungsräte und Aktionäre über seine
Tätigkeit jeweils informiert gewesen seien (HD S. 118 ff.), zumal das Einholen eines
schriftlichen Berichts zwar auch bei Beschuldigten nicht generell ausgeschlossen ist,
von dieser Möglichkeit jedoch mit Zurückhaltung Gebrauch zu machen ist (vgl. näher
ZWR 2014 S. 313 f. E. 2.2.3 mit Hinweisen). Dies muss insbesondere dann gelten,
wenn der Beschuldigte - wie im vorliegenden Fall - von den Strafbehörden noch nicht
befragt worden ist und diese sich noch kein eigenes Bild des Beschuldigten machen
konnten. Soweit eine Einstellung bei „Aussage gegen Aussage“-Konstellationen über-
haupt infrage kommen kann (vgl. hierzu Landshut/Bosshard, a.a.O., N. 17 zu Art. 319
StPO mit Hinweisen), hätte die Staatsanwältin hierfür zwingend die - von den Be-
schwerdeführerinnen beantragte - persönliche Einvernahme von D_ (HD S.
182) durchführen müssen. Schliesslich stützen die Aussagen von V_ (HD S.
247 ff.) sowie von W_ (HD S. 260 ff.) die Sachverhaltsfeststellungen der
Staatsanwaltschaft in diesem Punkt ebenfalls nicht, da Ersterer zwar mutmasste, im
Verwaltungsrat sei „sicher bekannt“ gewesen, dass D_ Privatentnahmen im
Sinne von Darlehen getätigt habe, er indessen gleichzeitig nicht wusste, wie es zu die-
ser Möglichkeit, Privatentnahmen zu tätigen, gekommen sei (A. 3.12, HD S. 250), und
- 14 -
er zudem auf Nachfrage hin kaum überzeugend erläutern konnte, weshalb er auf die-
ses Wissen aller schloss (A. 3.23, HD S. 252). W_ konnte kaum sachdienli-
che Hinweise machen (vgl. HD S. 260 ff.). Insgesamt vermag alleine der schriftlich hin-
terlegte Bericht des Beschuldigten die Aussage von C_ in diesem Punkt nicht
derart zu entkräften, dass infolge dessen ein Freispruch wahrscheinlicher erscheint als
eine Verurteilung des Beschuldigten.
Somit bleiben gewichtige Indizien für eine Pflichtverletzung. Denn gemäss Art. 717
Abs. 1 OR sind der Verwaltungsrat und Dritte, die mit der Geschäftsführung befasst
sind, zur Sorgfalt und Wahrung der Gesellschaftsinteressen verpflichtet. Zu Unrecht
bezogene Löhne, Weihnachtsgelder oder Spesen, nicht begründbare Reispesen, der
Einsatz von Gesellschaftsmitteln für private Umbauarbeiten, für den Kauf eines Segel-
bootes oder von Luxuskleidern (im Einzelnen vgl. Verzeigungsbericht, S. 8 ff.) stehen
kaum im Einklang mit den Interessen der Gesellschaft (vgl. dazu Bundesgerichtsurteile
6B_473/2011 vom 13. Oktober 2011 E. 1.4, 6B_880/2009 vom 30. März 2010 E. 3,
6B_101/2009 vom 14. Mai 2009 E. 2.2; zur Kasuistik ferner Niggli, a.a.O., N. 63 ff. Art.
158 StGB mit weiteren Hinweisen), so dass eine Einstellung gestützt auf eine fehlende
Pflichtverletzung nicht erfolgen durfte.
4.4.5 Aus diesen Gründen verletzt die angefochtene Verfügung Art. 319 StPO, soweit
das Strafverfahren gegen D_ wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung einge-
stellt wurde.
4.5 Die Beschwerdeführerinnen wenden sich sodann gegen die Einstellung des Straf-
verfahrens wegen Betrugs.
4.5.1 Des Betrugs nach Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer in der Absicht,
sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung
oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig
bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst
oder einen anderen am Vermögen schädigt. Der Betrug wird mit Freiheitsstrafe bis zu
fünf Jahren oder Geldstrafe sanktioniert.
Angriffsmittel beim Betrug ist die Täuschung des Opfers. Als Täuschung gilt jedes Ver-
halten, das darauf gerichtet ist, bei einem andern eine von der Wirklichkeit abweichen-
de Vorstellung hervorzurufen. Sie ist eine unrichtige Erklärung über Tatsachen, d.h.
über objektiv feststehende, vergangene oder gegenwärtige Geschehnisse oder Zu-
stände (BGE 135 IV 76 E. 5.1 mit Hinweisen).
- 15 -
Für die Erfüllung des Tatbestandes genügt nicht jede, sondern nur die arglistige Täu-
schung. Betrügerisches Verhalten ist strafrechtlich erst dann relevant, wenn der Täter
mit einer gewissen Raffinesse oder Durchtriebenheit täuscht. Arglist wird in ständiger
Rechtsprechung bejaht, wenn der Täter ein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich
besonderer Machenschaften bedient. Ein Lügengebäude liegt vor, wenn mehrere Lü-
gen derart raffiniert aufeinander abgestimmt sind und von besonderer Hinterhältigkeit
zeugen, dass sich selbst ein kritisches Opfer täuschen lässt. Als besondere Machen-
schaften gelten Erfindungen und Vorkehren sowie das Ausnützen von Begebenheiten,
die allein oder gestützt durch Lügen oder Kniffe geeignet sind, das Opfer irrezuführen.
Es sind eigentliche Inszenierungen, die durch intensive, planmässige und systemati-
sche Vorkehren, nicht aber notwendigerweise durch eine besondere tatsächliche oder
intellektuelle Komplexität gekennzeichnet sind. Arglist wird aber auch schon bei einfa-
chen falschen Angaben bejaht, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer
Mühe möglich oder nicht zumutbar ist. Arglist wird zudem bejaht, wenn der Täter das
Opfer von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraussieht,
dass dieses die Überprüfung der Angaben auf Grund eines besonderen Vertrauens-
verhältnisses unterlassen werde (BGE 135 IV 76 E. 5.2, 126 IV 165 E. 2a, 119 IV 28 E.
3a, je mit weiteren Hinweisen). Auch unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Ei-
genverantwortlichkeit des Betroffenen erfordert die Erfüllung des Tatbestands nicht,
dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und alle erdenkli-
chen, ihm zur Verfügung stehenden Vorkehren trifft. Arglist scheidet lediglich aus,
wenn es die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet. Entsprechend
entfällt der strafrechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Opfers, sondern nur
bei Leichtfertigkeit, welche das betrügerische Verhalten des Täters in den Hintergrund
treten lässt (BGE 128 IV 18 E. 3a, 126 IV 165 E. 2a, 122 IV 146 E. 3a mit Hinweisen).
Die zum Ausschluss der Strafbarkeit des Täuschenden führende Opferverantwortung
kann daher nur in Ausnahmefällen bejaht werden (BGE 135 IV 76 E. 5.2; Bundesge-
richtsurteile 6S.167/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.4, 6S.168/2006 vom 6. November
2006 E. 1.2).
Der Getäuschte muss sodann durch den Irrtum zu einer Vermögensverfügung veran-
lasst werden. Damit wird ein ursächliches Bindeglied zwischen Irrtum und Vermögens-
verfügung hergestellt. Vermögensverfügung ist grundsätzlich jedes Handeln oder Un-
terlassen, das eine Vermögensverminderung unmittelbar herbeiführt. Getäuschter und
Verfügender müssen beim Betrug identisch sein, nicht aber Verfügender und Geschä-
digter. Schädigt der Getäuschte nicht sich selbst, sondern einen Dritten (sog. Drei-
ecksbetrug), setzt die Erfüllung des Betrugstatbestandes voraus, dass der Getäuschte
- 16 -
für den Vermögenskreis des Geschädigten „verantwortlich“ bzw. „zuständig“ ist und
darüber verfügen kann. Nur dann ist das Verhalten des getäuschten Dritten dem Opfer
wie eigenes zuzurechnen und der Grundgedanke des Betrugs als Selbstschädigungs-
delikt gewahrt. Dabei genügt nach vorherrschender Auffassung eine tatsächliche Ver-
fügungsmöglichkeit; nicht erforderlich ist dagegen, dass der Verfügende zusätzlich
auch rechtlich wirksam disponieren kann (BGE 126 IV 113 E. 3a mit Hinweisen). Voll-
endet ist der Betrug mit dem Eintritt des Vermögensschadens. Dabei stellen Lehre und
Rechtsprechung vorwiegend auf den juristisch-wirtschaftlichen Vermögensbegriff ab
(vgl. statt aller Trechsel/Crameri, a.a.O., N. 21 zu Art. 146 StGB mit Hinweisen).
Wohl lässt das sog. motivierende Verhalten, das zur Erfüllung des Betrugstatbestands
erforderlich ist, an ein aktives, zielgerichtetes Handeln denken. Der Tatbestand des
Betrugs kann indessen auch eventualvorsätzlich erfüllt werden (vgl. Straten-
werth/Jenny/Bommer, a.a.O., § 15 N. 59). Es genügt, wenn der Täter in Kauf nimmt,
dass seine unrichtigen Angaben falsch sind, dass der Getäuschte dadurch einem Irr-
tum erliegt und deshalb eine Vermögensverfügung vornimmt, durch die er sich am
Vermögen schädigt. Es reicht insoweit aus, dass zwischen dem Verhalten des Täters
und demjenigen des Geschädigten objektiv ein Motivationszusammenhang besteht
und dass der Täter dies subjektiv in Kauf nimmt. Auch zur Bejahung der beim Betrug
erforderlichen Absicht der unrechtmässigen Bereicherung genügt Eventualabsicht (vgl.
BGE 105 IV 29 E. 3a).
4.5.2 Vorliegend stellte die Staatsanwältin das Strafverfahren wegen Betrugs mangels
Arglist ein. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerinnen ist eine Einstellung mit
solcher Begründung durch die Staatsanwaltschaft nicht generell ausgeschlossen. Für
eine Einstellung muss es jedoch am Tatbestandselement der Arglist offensichtlich
mangeln (vgl. Bundesgerichtsurteil 1B_514/2011 vom 2. Dezember 2011 E. 3, aller-
dings zur Anwendung von Art. 310 StPO; Landshut/Bosshard, a.a.O., N. 19 zu Art. 319
StPO; Grädel/Heiniger, Basler Kommentar, 2. A., N. 9 zu Art. 319 StPO, wonach das
Tatbestandselement „ganz offensichtlich“ fehlen muss). Im Allgemeinen ist bei der An-
nahme der fehlenden Tatbestandsmässigkeit von solch strittigen Elementen wie der
Arglist jedoch besondere Zurückhaltung zu üben und diese Beurteilung dem Sachrich-
ter zu überlassen (Grädel/Heiniger, a.a.O., N. 9 zu Art. 319 StPO). Es bleibt somit an-
hand der Strafakten zu prüfen, ob ein arglistiges Verhalten offenkundig zu verneinen
ist.
Die Staatsanwältin verneinte die Arglist vorweg deshalb, weil sämtliche inkriminierten
Handlungen des Beschuldigten „offen und für alle drei Aktionäre jederzeit überprüfbar
- 17 -
vorgenommen“ worden seien. C_ hatte nach Ansicht der Staatsanwältin die
Pflicht, die Jahresrechnungen inkl. Buchungsbelege zu überprüfen, wovon er von nie-
mandem abgehalten worden sei. Das „Untätigsein von C_ [...] bezüglich der
Durchsicht der einzelnen Buchhaltungen samt Belegen“ schliesse die Arglist aus (an-
gefochtene Verfügung E. 2.4, HD S. 289).
Mithin ging die Staatsanwältin davon aus, dass der Beschuldigte D_ private
Entnahmen und Aufwendungen buchhalterisch als Geschäftsaufwand deklarierte. Be-
reits aufgrund dieser Annahme ist ihr darauf aufbauender Schluss auf die fehlende
Arglist im Rahmen einer Einstellungsverfügung nicht haltbar. Denn das Bundesgericht,
welches die zum Ausschluss der strafrechtlichen Verantwortlichkeit des Täuschenden
führende Opfermitverantwortung ohnehin nur mit grosser Zurückhaltung annimmt, d.h.
nur wenn das Täuschungsopfer die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht be-
achtet und eine Leichtfertigkeit an den Tag legt, welche das täuschende Verhalten des
Täters in den Hintergrund treten lässt (Bundesgerichtsurteile 6B_130/2012 vom 22.
Oktober 2012 E. 7.3, 6B_83/2011 vom 11. August 2011 E. 2.2.2, 6B_521/2008 vom
26. November 2008 E. 3.4; näher Sägesser, Die Opfermitverantwortung beim Betrug,
Diss. Bern 2014, N. 335 sowie Arzt, Basler Kommentar, 3. A., N. 68 zu Art. 146 StGB,
je mit zahlreichen Hinweisen), geht grundsätzlich - selbst bei einem fachkundigen und
geschäftserfahrenen Opfer - von arglistigem Verhalten aus, wenn der Täter seine fal-
schen Angaben mit gefälschten Urkunden im Sinne von Art. 251 StGB stützt, da im
geschäftlichen Verkehr grundsätzlich auf die Echtheit der Urkunden vertraut werden
darf und dem Opfer die Überprüfung erschwert wird (vgl. Sägesser, a.a.O., N. 283 ff.;
Trechsel/Crameri, a.a.O., N. 8 zu Art. 146 StGB, je mit Hinweisen auf die bundesge-
richtliche Rechtsprechung). Indem privater Aufwand in der Buchhaltung als Geschäfts-
aufwand deklariert wurde, womit vorgespiegelt wurde, dass die Aufwendungen ge-
schäftsmässig begründet waren, bestehen nach der dargestellten Rechtsprechung
klare Indizien für ein arglistiges Verhalten, so dass es an den Voraussetzungen für eine
Einstellung gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO mangelte.
Daher durfte die Staatsanwältin die Einstellung nicht wegen fehlender Arglist verfügen.
Die genaue Beurteilung der Tragweite allfälliger (Informations-)Pflichten von
C_ in Abgrenzung zu seinem berechtigten Vertrauen in eine ordnungsge-
mäss geführte Buchhaltung sowie das eingerichtete Kontrollsystem und die daraus
folgende Gewichtung der Verantwortung der Opfer im Vergleich zum Täterverschulden
obliegt entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht ihr, sondern dem Sachrich-
ter, da der Staatsanwalt bei Ermessensfragen und bei nicht klar gelösten Streitfragen
- 18 -
nach dem Grundsatz „in dubio pro duriore“ Anklage zu erheben hat und es sich gleich
verhält, wenn Auslegungs- oder Wertungsfragen zu entscheiden sind (Lands-
hut/Bosshard, a.a.O., N. 20 zu Art. 319 StPO mit Hinweisen).
4.5.3 Da vorliegend auch die weiteren Voraussetzungen des Betrugs wahrscheinlich
erfüllt sind, insbesondere eine aufgrund der Täuschung unterlassene Geltendmachung
des Rückforderungsanspruchs als Vermögensdisposition gilt (vgl. Trechsel/Crameri,
a.a.O., N. 15 zu Art. 146 StGB), rechtfertigte sich eine Verfahrenseinstellung der Straf-
untersuchung wegen Betrugs ebenfalls nicht und ist die Beschwerde auch in diesem
Punkt begründet.
4.6 Es bleibt die Einstellung der Strafverfolgung in Bezug auf die Art. 152 und 251
StGB zu überprüfen, bei welchen die Staatsanwältin „auch in Anwendung von Art. 8
StPO und Art. 51 StGB“, d.h. gestützt auf Opportunitätsüberlegungen, von einer Straf-
verfolgung absah (angefochtene Verfügung E. 3, HD S. 291).
4.6.1 Gemäss Art. 8 Abs. 2 lit. b StPO sehen Staatsanwaltschaft und Gerichte von der
Strafverfolgung ab, sofern nicht überwiegende Interessen der Privatklägerschaft ent-
gegenstehen, wenn eine voraussichtlich nicht ins Gewicht fallende Zusatzstrafe zu
einer rechtskräftig ausgefällten Strafe auszusprechen wäre.
Es bedarf bei Art. 8 Abs. 2 StPO folglich einer Interessenabwägung. Im Vordergrund
entgegenstehender Interessen stehen Fälle, in denen es um Zivilansprüche geht.
Denkbar sind ferner Fälle, bei denen eine Bestrafung für die Privatklägerschaft von
grosser Bedeutung ist (Riklin, StPO Kommentar, 2. A., Zürich 2014, N. 7 zu Art. 8
StPO; Schmid, Praxiskommentar, N. 8 zu Art. 8 StPO; Bundesgerichtsurteil
6B_431/2013 vom 18. Dezember 2013 E. 3.1). Lit. b von Abs. 2 gelangt für den Fall
der retrospektiven Konkurrenz nach Art. 49 Abs. 2 StGB zur Anwendung. Für die An-
wendung der Norm muss zu erwarten sein, dass die nunmehr zu beurteilende Straftat
das seinerzeit gewählte Strafmass nicht beeinflusst hätte (Schmid, Praxiskommentar,
N. 10 zu Art. 8 StPO) und es überflüssig erscheint, den Beschuldigten zusätzlich zu
verfolgen (Maurer, in: Goldschmid/Maurer/Sollberger [Hrsg.], Kommentierte Textaus-
gabe zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Bern 2008, S. 8). Die Staatsanwalt-
schaft hat also hypothetisch zu klären, ob im Fall eines Schuldspruchs eine Zusatzstra-
fe auszusprechen wäre. Hierfür ist zu prüfen, ob die zu beurteilenden Straftaten im
Vergleich mit den bereits abgeurteilten gänzlich in den Hintergrund treten, wobei von
einem relativen Massstab auszugehen ist, d.h., je schwerer und zahlreicher die bereits
abgeurteilten Straftaten waren, desto eher kann in Bezug auf die neue Straftat Belang-
- 19 -
losigkeit für den Verfahrensausgang angenommen werden (Fiolka/Riedo, Basler
Kommentar, 2. A., N. 67 f., 73 zu Art. 8 StPO). Anwendung findet Art. 8 Abs. 2 lit. b
StPO demzufolge auf Delikte, deren Verfolgung neben anderen, sehr viel gewichtige-
ren Delikten relativ gesehen keine Bedeutung hat (Wohlers, in: Do-
natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2014, N. 21 zu Art. 8 StPO; Went, Das Opportunitäts-
prinzip im niederländischen und schweizerischen Strafverfahren. Eine rechtsverglei-
chende Studie unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsgeschichte und des in-
ternationalen Rechts, Diss. Zürich 2012, S. 197 f.).
4.6.2 Die Staatsanwältin ging der angefochtenen Verfügung davon aus, dass „eine
allfällige Zusatzstrafe zum Nachteil des Beschuldigten D_ im Nachgang an
den Strafbefehl vom 17. Januar 2014 wegen Fälschens von Ausweisen (Art. 252 StGB)
kaum ins Gewicht“ fiele.
Die Staatsanwältin führt nicht an, welches konkrete Vergehen im besagten Strafbefehl
beurteilt worden ist. Aufgrund der Trennungsverfügung vom 22. Juli 2013 (HD S. 157)
ist indes davon auszugehen, dass darin die Totalfälschung eines Führerausweises im
Kreditkartenformat beurteilt wurde, welcher bei der Durchsuchung der Effekten anläss-
lich der Inhaftierung von D_ sichergestellt worden ist (vgl. Verzeigungsbe-
richt, S. 30).
Die dem Beschuldigten im laufenden Verfahren vorgeworfene Fälschung der kaufmän-
nischen Buchführung und ihrer Bestandteile, welche kraft Gesetzes (Art. 957 OR) be-
stimmt und geeignet sind, Tatsachen von rechtlich erheblicher Bedeutung zu beweisen
und folglich Urkundenqualität im Sinne des Strafgesetzbuches aufweisen (BGE 132 IV
12 E. 8.1, 129 IV 130 E. 2.2, 126 IV 65 E. 2a), vermag unter Art. 152 und Art. 251
StGB strafrechtliche Bedeutung zu erlangen. Dabei stellt der Straftatbestand der un-
wahren Angaben über kaufmännische Gewerbe ein mit bis zu drei Jahren Freiheits-
strafe oder Geldstrafe sanktioniertes Vergehen dar, während es sich bei der Urkunden-
fälschung um ein mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren sanktioniertes Verbrechen han-
delt. Beide Strafbestimmungen stehen in echter Konkurrenz zueinander (Trech-
sel/Crameri, a.a.O., N. 10 zu Art. 152 StGB; Trechsel/Erni, Schweizerisches Strafge-
setzbuch, Praxiskommentar, 2. A., Zürich/St. Gallen 2013, N. 20 zu Art. 251 StGB;
Boog, Basler Kommentar, 3. A., N. 224 zu Art. 251 StGB). Diesen Straftatbeständen
steht mit der Fälschung von Ausweisen im Sinne von Art. 252 StGB ein Vergehen ge-
genüber, bei dessen Verübung ebenfalls bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geld-
strafe drohen. Bereits ein Vergleich der abstrakten Regelstrafdrohungen macht deut-
- 20 -
lich, dass den im laufenden Verfahren zu beurteilenden Taten im Vergleich mit einem
gefälschten Führerausweis kein Bagatellcharakter zukommt und eine Einstellung ge-
stützt auf Art. 8 Abs. 2 lit. c StPO nicht rechtmässig ist. Unterstrichen wird dies durch
den langen Zeitraum des inkriminierten Verhaltens und die Höhe des geltend gemach-
ten Schadens. Namentlich der angebliche Schaden in Millionenhöhe spricht gegen
eine Einstellung aus Opportunitätsgründen, da auf die Verfolgung im Sinne von Art. 8
Abs. 2 StPO nur verzichtet werden sollte, wenn aus der Tat keine Zivilansprüche er-
wachsen sind (Fiolka/Riedo, a.a.O., N. 74 zu Art. 8 StPO; Wohlers, a.a.O., N. 20 zu
Art. 8 StPO).
4.6.3 Da auch die weiteren Ausführungen in E. 3 der angefochtenen Verfügung keine
Einstellung zu rechtfertigen vermögen, es namentlich nicht ersichtlich ist, inwieweit das
von der Staatsanwaltschaft angedeutete strafbare Verhalten (auch) von Drittpersonen
D_ entlasten könnte, und inwiefern die viertägige Untersuchungshaft (vgl. HD
S. 43 f., 51 ff., 58) in Verbindung mit Art. 51 StGB zu einer Verfahrenseinstellung aus
Opportunitätsgründen führen kann, verletzt die Einstellungsverfügung auch in diesem
Punkt Bundesrecht und ist aufzuheben.
4.7 Das Eventualbegehren in Ziffer 2 der Beschwerdebegehren erweist sich demzu-
folge als begründet. Ein Fall klarer Straflosigkeit liegt nicht vor, selbst wenn dies freilich
nicht ausschliesst, dass nach einer späteren, allfälligen Anklageerhebung der Be-
schwerdegegner im Zweifel freigesprochen wird. Im Zweifel darf die Staatsanwaltschaft
das Strafverfahren jedoch nicht einstellen. Die verfügte Verfahrenseinstellung ist daher
aufzuheben und das Verfahren ist an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen, damit
diese die Strafuntersuchung fortführt (Art. 397 Abs. 2 StPO).
Für das weitere Verfahren bleibt antragsgemäss zu bestimmen, wer die weitere Straf-
untersuchung zu leiten hat und ob die Rückweisung mit der Verpflichtung zur Abnahme
der von den Beschwerdeführerinnen beantragten Beweise verbunden wird.
5. Die Beschwerdeführerinnen verlangen den Ausstand von Staatsanwältin
E_. Sie erblicken in einer Beschwerdegutheissung und Rückweisung der
Sache an die Staatsanwaltschaft einen Ausstandsgrund im Sinne von Art. 56 Abs. 1 lit.
b StPO, wonach eine in einer Strafbehörde tätige Person in den Ausstand tritt, wenn
sie in einer anderen Stellung, insbesondere als Mitglied einer Behörde, als Rechtsbei-
stand einer Partei, als Sachverständige oder Sachverständiger, als Zeugin oder Zeuge,
in der gleichen Sache tätig war (Fall der Vorbefassung). Im Übrigen sprächen die Ver-
letzung der Untersuchungsmaxime (vgl. Beschwerde, N. 21 ff.) und die weiter, bereits
- 21 -
in einem früheren Ausstandsgesuch dargelegten Umstände gegen eine Weiterführung
des Verfahrens durch Staatsanwältin E_ (Beschwerde, N. 37 - 39).
5.1 Der Unbefangenheit und Objektivität von Strafverfolgungsbehörden kann zwar
eine ähnliche Bedeutung zukommen wie der richterlichen Unabhängigkeit und Unpar-
teilichkeit. Die Grundsätze von Art. 30 Abs. 1 BV dürfen jedoch nicht unbesehen auf
nicht richterliche Behörden übertragen werden (vgl. BGE 138 IV 142 E. 2.1-2.2.2, 127 I
196 E. 2b, 125 I 119 E. 3). Im Interesse einer beförderlichen Rechtspflege sind Aus-
standsbegehren gegen Justizpersonen nicht leichthin gutzuheissen, zumal eine Bewil-
ligung der Begehren zur Komplizierung und Verzögerung des Verfahrens führen kann.
Auch die unterschiedlichen gesetzlichen Funktionen der Gerichte einerseits und der
Strafverfolgungsbehörden anderseits sind zu beachten und von Letzteren sind Sach-
lichkeit, Unbefangenheit und Objektivität namentlich insofern zu erwarten, als sie sich
vor Abschluss der Voruntersuchung grundsätzlich nicht darauf festlegen sollen, dass
der beschuldigten Person ein strafbares Verhalten zur Last zu legen ist. Auch haben
sie den entlastenden Indizien und Beweismitteln ebenso Rechnung zu tragen wie den
belastenden (BGE 138 IV 142 E. 2.2.1, 127 I 196 E. 2d, 124 I 274 E. 3e).
5.2 Der Richter oder Staatsanwalt, der nach einem kassatorischen Entscheid und ei-
ner Rückweisung zur Neubeurteilung an die Vorinstanz wiederum mitwirkt, ist in der
Regel nicht vorbefasst. Vom Richter oder vom Staatsanwalt darf in diesem Fall ohne
weiteres erwartet werden, dass er die Streitsache nach Aufhebung seines Entscheides
objektiv und unparteiisch weiterbehandelt, zumal er sich dabei an die Auffassung der
Beschwerdeinstanz zu halten hat. Die blosse Tatsache, dass sein erster Entscheid
wegen Verfahrensfehlern oder unrichtiger Anwendung materiellen Rechts erfolgreich
angefochten worden ist, reicht für sich allein nicht aus, um ihn im neuen Verfahren als
parteiisch und damit als befangen abzulehnen (BGE 138 IV 142 E. 2.3, 131 I 113 E.
3.6, 116 Ia 28 E. 2.1, 114 Ia 407 E. 2b; Keller, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.],
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2014,
N. 32 zu Art. 56 StPO mit Hinweisen). Selbst die Tatsache, dass ein Entscheid zum
zweiten Mal aufgehoben und zurückgewiesen wird, vermag für sich allein noch keinen
Anschein der Befangenheit zu erwecken. Der Anspruch auf den verfassungsmässigen
Richter umfasst nicht die Garantie fehlerfreien richterlichen Handelns. Entsprechende
Mängel begründen grundsätzlich keinen Anschein der Befangenheit. Verfahrens-
verstösse oder ein möglicherweise falscher materieller Entscheid sind im Allgemeinen
im dazu vorgesehenen Rechtsmittelverfahren zu rügen. Anders verhält es sich ledig-
lich, wenn besonders krasse oder wiederholte Irrtümer vorliegen, diese einer schweren
- 22 -
Amtspflichtverletzung gleichkommen und sich einseitig zu Lasten einer der Prozess-
parteien auswirken können (Bundesgerichtsurteil 4A_381/2009 vom 16. Oktober 2009
E. 3.2.2; BGE 125 I 119 E. 3e, 115 Ia 400 E. 3b, 114 Ia 153 E. 3b/bb, je mit Hinweisen;
Boog, Basler Kommentar, N. 29 zu Art. 56 StPO). Nur derartige ausserordentliche Um-
stände erlauben es, einen Ausstand zu begründen. Das ist dann der Fall, wenn der
Staatsanwalt durch sein Verhalten und seine früheren Erklärungen klar gemacht hat,
dass er nicht in der Lage ist, seine Sichtweise zu korrigieren und bei der erneuten Auf-
nahme der Angelegenheit von seiner früheren Auffassung Abstand zu nehmen (BGE
138 IV 142 E. 2.3; Keller, a.a.O., N. 32 zu Art. 56 StPO; Boog, a.a.O., N. 29 zu Art. 56
StPO).
Folglich vermögen alleine die Rechtswidrigkeit der angefochtenen Einstellungsverfü-
gung und die Rückweisung der Strafsache an die Staatsanwaltschaft einen Ausstand
nicht zu begründen. Diese einmalige fehlerhafte Rechtsanwendung im bisherigen Ver-
fahrensverlauf spricht nicht gegen die Vermutung, dass die Staatsanwältin ihre Sicht-
weise durch die verbindlichen Feststellungen der Beschwerdeinstanz zu korrigieren
und die Strafuntersuchung entsprechend dieser korrigierten Sichtweise voranzutreiben
vermag.
5.3 Soweit die Beschwerdeführerinnen überdies an ihrem Ausstandsbegehren vom
31. Oktober 2013 bzw. ihrer diesbezüglichen Stellungnahme vom 20. November 2013
und den darin aufgeführten Ausstandsgründen festhalten (vgl. Verfahren P3 13 221),
vermögen sie damit, soweit sie mit dem Verweis auf eine frühere Eingabe überhaupt
den Begründungsanforderungen von Art. 396 Abs. 1 StPO genügen (verneinend
Guidon, Basler Kommentar, N. 9c zu Art. 396 StPO mit Hinweisen), den Ausstand von
Staatsanwältin E_ auch im Zusammenspiel mit der nunmehr aufgehobenen
Einstellungsverfügung nicht zu rechtfertigen.
Für die Beurteilung der bereits im Verfahren P3 13 221 vorgebrachten Gründe ist
grundsätzlich auf die Verfügung der Strafkammer vom 9. Dezember 2013 zu verweisen
(HD S. 207 ff.). In Zusammenfassung dieser Erwägungen ist nochmals zu betonen,
dass die von den Beschwerdeführerinnen geltend gemachten Unzulänglichkeiten min-
destens teilweise nicht auf die Verfahrensleitung von Staatsanwältin E_ zu-
rückzuführen sind. So ist es etwa - entgegen der erneut geäusserten Ansicht der Be-
schwerdeführerinnen (vgl. Beschwerde, N. 23) - aufgrund der konkreten Umstände
nicht vorrangig ihr vorzuwerfen, dass sie den Beschuldigten während dessen Inhaftie-
rung nicht persönlich befragen konnte. Ebenso wenig können ihr die anfänglichen Ver-
zögerungen angelastet werden, da sie die Verfahrensleitung erst im Verlauf der Straf-
- 23 -
untersuchung übernommen hat. Somit verbleibt nebst der zu Unrecht verfügten Verfah-
renseinstellung die Aufforderung an die Beschwerdeführerinnen darzulegen, inwieweit
sie die zur Anzeige gebrachten Delikte als erfüllt betrachten. Dies alleine weckt jedoch,
selbst wenn eine solche Aufforderung ungewöhnlich wirken mag, auch in Verbindung
mit der Einstellungsverfügung keine ernsthaften Zweifel, dass Staatsanwältin
E_ nicht in der Lage wäre, das Verfahren unparteiisch und objektiv weiterzu-
führen.
Somit ist die Strafsache an Staatsanwältin E_ zur Weiterführung des Verfah-
rens zurückzuweisen.
6. Die Beschwerdeführerinnen beantragen für den weiteren Verfahrensverlauf in An-
wendung von Art. 397 Abs. 3 StPO Weisungen zur Abnahme von diversen Beweisen.
In diesem Zusammenhang rügen die Beschwerdeführerinnen die Verletzung von Art.
318 Abs. 2 StPO, weil die Staatsanwältin ihre Beweisanträge weitgehend abgewiesen
habe, obschon diese Beweise rechtlich erheblich gewesen wären (Beschwerde, N. 27 -
36).
6.1 Nach einer Rückweisung steht es der Staatsanwaltschaft grundsätzlich frei, wie sie
das Verfahren weiterführen will. Zwar kann die Beschwerdeinstanz bei Aufhebung ei-
ner Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Weisungen erteilen (Art. 397 Abs. 3
StPO), welches Weisungsrecht der Verfahrenseffizienz dient (Keller, a.a.O., N. 10 zu
Art. 397 StPO; Maurer, in: Goldschmid/Maurer/Sollberger [Hrsg.], Kommentierte Text-
ausgabe zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Bern 2008, S. 390). Von diesem
Weisungsrecht ist aufgrund der Gewaltenteilung jedoch zurückhaltend Gebrauch zu
machen (Schmid, Praxiskommentar, N. 5 zu Art. 397 StPO; Schmid, Handbuch, N.
1527; Guidon, Beschwerde, N. 557; Guidon, Basler Kommentar, N. 7 zu Art. 397
StPO), insbesondere wenn es um konkrete Ermittlungshandlungen geht (Guidon, Bas-
ler Kommentar, N. 8 zu Art. 397 StPO), zumal zusätzliche Beweisabnahmen nach An-
klageerhebung vor Gericht erneut verlangt werden können (Schmid, Praxiskommentar,
N. 5 zu Art. 397 StPO; Guidon, Beschwerde, N. 557).
6.2 Aufgrund der Überlegungen in E. 4 drängen sich zumindest eine persönliche oder
rechtshilfeweise Einvernahme des Beschuldigten D_ sowie die Befragung
von C_ auf. Trotzdem bleibt das Führen der Voruntersuchung Sache der
Staatsanwaltschaft und der Respekt vor der Gewaltenteilung untersagt es vorliegend,
der Staatsanwaltschaft die einzelnen Ermittlungshandlungen vorzuschreiben, da die
Strafkammer weiterhin der Ansicht ist (vgl. E. 5), dass Staatsanwältin E_
- 24 -
fähig und willens ist, die Strafuntersuchung unbefangen fortzuführen. Demnach wird
sie auch die Zweckmässigkeit der in der Beschwerde eingehend begründeten Beweis-
anträge der Beschwerdeführerinnen (vgl. Beschwerde, N. 32 ff.) und allfälliger weiterer
Untersuchungshandlungen vor dem Hintergrund der von der Beschwerdeinstanz für sie
verbindlich festgelegten Rechtsauffassung neu zu beurteilen haben. Die Sache ist da-
her zur Weiterbehandlung im Sinne der Erwägungen, jedoch ohne Weisung zur Ab-
nahme konkreter Beweise an die Staatsanwaltschaft zurückzuwiesen.
7.
7.1 Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei im Sinne dieser
Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt vom Ausgang der gestellten Anträge ab.
Das Gericht verfügt bei der Verlegung der Kosten über einen Ermessensspielraum
(Bundesgerichtsurteil 6B_586/2013 vom 1. Mai 2014 E. 3.2). Für gemeinsam verur-
sachte Kosten kann die Strafbehörde eine solidarische Haftung der kostenpflichtigen
Personen anordnen (Art. 418 Abs. 2 StPO).
Vorliegend wird das Hauptbegehren der Beschwerdeführerinnen (Rechtsbegehren 1)
abgewiesen, hingegen das Eventualbegehren (Rechtsbegehren 2) gutgeheissen. Ziffer
3 der Rechtsbegehren wird gänzlich und Ziffer 4 überwiegend abgewiesen. Indes ver-
ursachte die Beurteilung des gutgeheissenen Rechtsbegehrens 2 weitaus den gröss-
ten Aufwand.
Dieser Verfahrensausgang rechtfertigt, die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu 1/4
den Beschwerdeführerinnen, unter solidarischer Haftung auf den Gesamtbetrag (Art.
418 Abs. 2 StPO), und zu je 3/8 dem Kanton Wallis - aufgrund der fehlerhaften Einstel-
lungsverfügung der Staatsanwaltschaft - sowie dem Beschuldigten und Beschwerde-
gegner, welcher sich am Verfahren beteiligte und die kostenpflichtige Beschwerdeab-
weisung beantragte und mit diesen Anträgen teilweise unterlag, aufzuerlegen (Bun-
desgerichtsurteile 6B_261/2012 vom 22. Oktober 2012 E. 4 [= nicht publ. E. von BGE
139 IV 78], vgl. ferner BGE 138 IV 248 E. 5.3; Guidon, Beschwerde, N. 566, 568; Do-
meisen, Basler Kommentar, 2. A., N. 6 zu Art. 428 StPO, mit Hinweisen).
7.2 Gemäss Art. 13 Abs. 1 GTar wird die Gerichtsgebühr aufgrund des Umfangs und
der Schwierigkeit des Falls, der Art der Prozessführung der Parteien sowie ihrer finan-
ziellen Situation festgesetzt. Für das Beschwerdeverfahren vor einem Richter des Kan-
tonsgerichts beträgt die Gebühr Fr. 90.-- bis Fr. 2'000.-- (Art. 22 lit. g GTar). Im konkre-
ten Fall ist die Gerichtsgebühr in Berücksichtigung der vorgenannten Kriterien auf
- 25 -
Fr. 1‘000.-- festzusetzen, die ausgangsgemäss zu 1/4, d.h. Fr. 250.--, den Beschwer-
deführerinnen und je zu 3/8, d.h. Fr. 375.--, dem Kanton Wallis und dem Beschuldigten
aufzuerlegen sind. Nach Verrechnung der Gerichtskosten mit dem Kostenvorschuss
der Beschwerdeführerinnen in der Höhe von Fr. 1‘000.-- ist ihnen aus der Gerichtskas-
se Fr. 375.-- zurückzuerstatten. Der Beschwerdegegner schuldet den Beschwerdefüh-
rerinnen Fr. 375.-- für geleistete Vorschüsse.
7.3 Vorliegend hat der teilweise obsiegende Beschwerdegegner für das Beschwerde-
verfahren aufgrund des Verfahrensausgangs gegenüber dem Kanton Wallis einen An-
spruch auf eine reduzierte Parteientschädigung (Art. 429 Abs. 1 i.V.m. Art. 436 Abs. 1
StPO). Ebenso steht den Beschwerdeführerinnen, welche eine Parteientschädigung
beantragt haben und die im Beschwerdeverfahren anwaltlich vertreten wurden, eine
reduzierte Entschädigung gemäss Art. 433 Abs. 1 i.V.m. Art. 436 Abs. 1 StPO zu, die
aufgrund des Verfahrensausgangs je zur Hälfte durch den Staat Wallis und den Be-
schwerdegegner zu tragen ist.
Das Anwaltshonorar beträgt im Beschwerdeverfahren vor der Beschwerdeinstanz
Fr. 300.-- bis Fr. 2'200.-- (Art. 36 GTar) und ist in Berücksichtigung der Natur und Be-
deutung des Falls, der Schwierigkeit, des Umfangs, der vom Anwalt nützlich aufge-
wandten Zeit und der finanziellen Situation der Parteien festzusetzen (Art. 27 Abs. 1
GTar).
Vorliegend haben die Beschwerdeführerinnen eine umfangreiche Beschwerde einge-
reicht, zu deren Begründung sie sich (teilweise) auf frühere Eingaben abstützen konn-
ten. Die Arbeit des Beschwerdegegners lag nicht in der Abfassung einer Beschwerde-
schrift, sondern im Wesentlichen lediglich in einer (relativ kurzen) Stellungnahme, was
im Rahmen der Entschädigung zu berücksichtigen ist (vgl. Bundesgerichtsurteil
6B_749/2010, 6B_767/2010 vom 24. Februar 2011 E. 3.4). Die im Beschwerdeverfah-
ren zu beurteilenden Rechtsfragen waren nicht besonders schwierig. Allerdings waren
die Akten verhältnismässig umfangreich. In Berücksichtigung der in Art. 27 GTar er-
wähnten Kriterien und des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens rechtfertigt sich eine
reduzierte Parteientschädigung von Fr. 1‘200.-- (inkl. Auslagen) für die Beschwerdefüh-
rerinnen und eine solche von Fr. 200.-- (inkl. Auslagen) für den Beschwerdegegner.
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