Decision ID: 42b76ae2-f7c1-468a-b198-c595fb5be327
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Die A._ AG war unter anderem Eigentümerin dreier
Stockwerkeigentumseinheiten (StWE) des Grundstücks Nr. C._ in
der Gemeinde B._ (4 1⁄2-Zimmerwohnung StWE Nr. D._
[100/1000] sowie Parkplätze StWE Nr. E._ [1/22] und F._ [1/22]).
2. Mit Kaufvertrag vom 21. Januar 2019 verkaufte die A._ AG ebendiese
StWE an G._, der Mitglied des Verwaltungsrates mit
Einzelunterschrift ist und mit rund 80% eine Mehrheit der Aktien der
A._ AG hält (act. C.4.2 = act. B.5). In Ziff. 9 des Vertrags ist
vorgesehen, dass die Verkäuferin eine allfällige Handänderungssteuer
alleine trage. Mit separatem Schenkungsvertrag gleichen Datums (act.
C.2.2 = act. B.6) schenkte G._ diese StWE seiner Tochter, H._.
Das Grundbuchamt Engiadina Bassa/Val Müstair meldete beide
Handänderungen der Gemeinde, der kantonalen Steuerverwaltung und
dem Schätzungsbezirk (act. C.1.1 sowie act. C.2.1).
3. Das Steueramt der Gemeinde B._ erhob für die Übertragung der
StWE an G._ mit Veranlagungsverfügung vom 6. November 2020
eine Handänderungssteuer in Höhe von CHF 30'320.00 bei der A._
AG, basierend auf einem Verkehrswert der übertragenen Grundstücke von
CHF 1'516'000.00 und einem Steuersatz von 2% (act. C.1.2 = act. B.7).
Es nahm dabei in der Begründung explizit Bezug auf das Urteil des
Bundesgerichts 2C_9/2019 vom 29. Januar 2020, speziell auf E. 4.2.
4. Auf eine Anfrage per E-Mail vom 17. November 2020 seitens des von der
A._ AG eingesetzten Treuhänders antwortete die Leiterin des
Steueramtes der Gemeinde B._, dass an der in der Verfügung
aufgeführten Begründung festgehalten werde und detailliertere
Ausführungen im Einspracheverfahren dargelegt werden könnten (act.
C.3).
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5. Die inzwischen durch den diplomierten Steuerexperten MLaw Andreas
Thoma vertretene A._ AG erhob daraufhin am 23. November 2020
Einsprache gegen die genannte Veranlagungsverfügung (act. C.4.1 = act.
B.8). Sie verlangte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und legte
der Einsprache den Kaufvertrag (act. C.4.2), das Aktienbuch per 30. April
2014 (act. C.4.3 = act. B.4) und das Wertschriften- und
Guthabenverzeichnis des Ehepaars G._ und J._ für das Jahr
2019 (act. C.4.4) bei.
Zur Begründung führte sie aus, dass die Handänderungssteuer im Kanton
Graubünden allein an den Übergang der wirtschaftlichen
Verfügungsgewalt anknüpfe, weshalb sie nicht ausgelöst werden könne,
wenn – wie hier – lediglich eine zivilrechtliche, nicht aber eine
wirtschaftliche Übertragung stattfinde. Keine wirtschaftliche
Handänderung liege insbesondere dann vor, wenn die wirtschaftliche
Verfügungsgewalt über das betroffene Grundstück sowohl vor, als auch
nach der Übertragung von derselben Person direkt oder indirekt ausgeübt
werde. Die Unterscheidung zwischen Betriebsgesellschaft und
Immobiliengesellschaft spiele hierbei keine Rolle.
6. Das Steueramt der Gemeinde B._ erliess seinen
Einspracheentscheid am 16. August 2021 (act. B.1 = act. C.8.1), mit
welchem es die Einsprache abwies. Darin verwies es unter anderem auf
die Steuerpraxis 2006 Nr. 3 des Kantons Solothurn (act. C.8.2), die es dem
Entscheid beilegte.
7. Mit Beschwerde vom 7. September 2021 (act. A.1) ist die A._ AG ans
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden gelangt und hat die
ersatzlose Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 2.
Februar 2021 [recte: 16. August 2021] unter Kosten- und
Entschädigungsfolge inklusive 7.7% Mehrwertsteuer beantragt.
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8. Der Instruktionsrichter hat mit Verfügung vom 9. September 2021 (act.
D.1) die beschwerdegegnerische Gemeinde zur Stellungnahme
eingeladen und aufgefordert, sämtliche Akten und verfügbaren
Beweismittel einzureichen.
9. Nachdem von der Gemeinde keine Reaktion erfolgt ist, hat sie der
Instruktionsrichter mit Verfügung vom 6. Oktober 2021 (act. D.2) auf ihre
Mitwirkungspflicht hingewiesen und erneut aufgefordert, sämtliche
Verfahrensakten einzureichen.
10. Die Gemeinde hat mit Schreiben vom 11. Oktober 2021 (act. A.2) auf eine
Stellungnahme verzichtet und auf den angefochtenen Entscheid
verwiesen. Gleichzeitig hat sie dem Gericht die Akten übermittelt.
11. In der Folge hat der Instruktionsrichter dieses Schreiben am 13. Oktober
2021 der Beschwerdeführerin zugestellt und sie eingeladen, eine
Honorarnote und allenfalls eine Honorarvereinbarung einzureichen, mit
dem ausdrücklichen Hinweis, dass eine vorsteuerabzugsberechtigte
Partei grundsätzlich keinen Anspruch auf Entschädigung der
Mehrwertsteuer hat, ausser sie zeige mittels Belegen auf, dass sie für die
von ihrer Rechtsvertretung erbrachten Leistungen von der
Mehrwertsteuerpflicht ausgenommen bzw. in Bezug auf die
Mehrwertsteuer für die vorliegend erbrachte anwaltliche Leistung nicht
vorsteuerabzugsberechtigt ist (act. D.3).
12. Die Beschwerdeführerin hat daraufhin ihre Honorarnote inklusive
Honorarvereinbarung am 15. Oktober 2021 dem Gericht eingereicht (act.
E.1). Sie macht darin insgesamt einen Aufwand von 13 Stunden 20
Minuten zu einem Honorar von CHF 250.00 geltend, zuzüglich 3%
Spesenpauschale. Die Mehrwertsteuer rechnet sie im konkret geforderten
Gesamtaufwand von CHF 3'296.00 [recte: wohl CHF 3'433.35] nicht
(mehr) auf.
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13. Nach Zustellung der Honorarnote mit Honorarvereinbarung an die
Beschwerdegegnerin am 18. Oktober 2021 (act. D.4) hat sich letztere nicht
vernehmen lassen.
14. Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Entscheid sowie auf die
Begründungen in den Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 29 Abs. 2 des Gesetzes über die Gemeinde- und
Kirchensteuern vom 31. August 2006 (GKStG; BR 720.200) sowie Art. 49
Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 31.
August 2006 (VRG; BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden Beschwerden gegen Einspracheentscheide von
Gemeinden, soweit diese nicht bei einer anderen Instanz angefochten
werden können oder nach kantonalem oder eidgenössischem Recht
endgültig sind.
Der hier angefochtene kommunale Einspracheentscheid vom 16. August
2021, mit welchem das Steueramt der Gemeinde die Einsprache der
heutigen Beschwerdeführerin abgewiesen hat, ist weder endgültig, noch
kann er bei einer anderen Instanz angefochten werden. Folglich kann er
im Beschwerdeverfahren nach Art. 49 ff. VRG vom Verwaltungsgericht
überprüft werden. Als formelle und materielle Adressatin des
angefochtenen Einspracheentscheids ist die Beschwerdeführerin berührt
und hat ein schutzwürdiges Interesse an seiner Aufhebung im Sinne von
Art. 50 VRG. Auf die im Übrigen frist- und formgerechte Beschwerde ist
somit einzutreten.
2. Vorab ist zu bemerken, dass die Vorinstanz und hier
beschwerdegegnerische Gemeinde B._ eine einsprachige Gemeinde
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ist, die in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 des Sprachengesetzes des
Kantons Graubünden vom 19. Oktober 2006 (SpG; BR 492.100) in ihrer
Verfassung das Rumantsch valader als einzige Amtssprache bestimmt hat
(Art. 5 da la Constituziun cumünala dals 24 avuost 2014). Einsprachige
Gemeinden sind gemäss Art. 17 Abs. 1 SpG verpflichtet, von ihrer
Amtssprache Gebrauch zu machen, insbesondere in der
Gemeindeversammlung, bei Gemeindeabstimmungen, bei
Gemeindemitteilungen und -publikationen, im amtlichen Verkehr mit der
Bevölkerung sowie bei Anschriften von Amtslokalen und Strassen. Es ist
demnach mehr als fraglich, ob es für die Gemeinde zulässig war, die
Veranlagungsverfügung und auch den hier angefochtenen
Einspracheentscheid auf Deutsch zu verfassen, zumal die
Beschwerdeführerin bzw. ihr sie nach aussen vertretende Mitglied des
Verwaltungsrats mit Einzelunterschrift und Mehrheitsaktionär, G._,
zweifelsfrei der romanischen Sprache mächtig sind. Die
Beschwerdeführerin hat mit der Gemeinde jedoch stets auf Deutsch
korrespondiert und hat ihre Beschwerde letztlich ebenfalls auf Deutsch
verfasst, was ihr gemäss Art. 8 Abs. 1 SpG frei stand. Entsprechend der
aktuellen Praxis dieses Gerichts (PVG 2019 Nr. 25) war es auch der
einsprachig romanischen Gemeinde gestattet, ihre Vernehmlassung (bzw.
den Verzicht hierauf) auf Deutsch einzubringen. Nach Art. 8 Abs. 2 SpG
schliesslich richtet sich vor Verwaltungsgericht die Verfahrenssprache in
der Regel nach der im angefochtenen Entscheid verwendeten
Amtssprache des Kantons (beziehungsweise nach der Amtssprache,
welcher die beklagte Partei mächtig ist). Vorliegend kann aufgrund des
Umstands, dass sämtliche Akten auf Deutsch gehalten sind und die
Parteien übereinstimmend Deutsch als Sprache ihrer Eingaben gewählt
haben, auch Deutsch als Verfahrenssprache – und damit Urteilssprache –
verwendet werden.
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3. In Ziff. 6 des bei den Akten liegenden Schenkungsvertrages ist
festgehalten, dass gemäss Art. 107 Abs. 2 des Steuergesetzes für den
Kanton Graubünden vom 8. Juni 1986 die Eigentumsübertragung von
G._ an seine Tochter mittels Schenkungsvertrag von der
Schenkungssteuer befreit sei. Richtig ist, dass sie gestützt auf Art. 107b
Abs. 1 lit. b des Steuergesetzes befreit ist, da es sich bei H._ um eine
direkte Nachkommin handelt. Diese Steuerbefreiung ist soweit
unbestritten und hier auch nicht Thema. Ebenfalls klar ist, dass für die
soeben genannte Schenkung gemäss Art. 9 lit. a und b GKStG auch keine
Handänderungssteuer anfällt.
Streitig und zu entscheiden ist hingegen, ob aus der (ersten) Übertragung
von Grundstücken von der Beschwerdeführerin als Aktiengesellschaft an
ihren Mehrheitsaktionär und Mitglied des Verwaltungsrates mit
Einzelunterschrift eine Handänderungssteuer geschuldet ist.
4. Nach Art. 2 Abs. 2 lit. a GKStG können die Gemeinden nach den
Bestimmungen des GKStG Handänderungssteuern erheben. Machen sie
von diesem Recht Gebrauch, finden die abschliessenden Bestimmungen
des kantonalen GKStG Anwendung. Die Gemeinde braucht lediglich noch
den Steuersatz festzulegen, wobei Art. 12 Abs. 1 GKStG diesen auf
maximal 2% beschränkt, und die Behördenorganisation zu regeln (Art. 27
GKStG). Für die hier strittige Frage der Steuerpflicht des Verkaufs der drei
StWE sind folglich ausschliesslich die Art. 7 ff. GKStG anwendbar, in
Verbindung mit der kommunalen Bestimmung, die die Höhe des
Steuersatzes festlegt (hier: Art. 4 da la Ledscha d'impostas dals 30
november 2014, der einen Steuersatz von 2% vorsieht). Veranlagt wurde
die umstrittene Handänderungssteuer von der zuständigen kommunalen
Steuerbehörde, die auch für den Einspracheentscheid zuständig war (Art.
16 da la Ledscha d'impostas dals 30 november 2014). Die
Handänderungssteuer wird erhoben bei Handänderung eines in der
Gemeinde gelegenen Grundstücks oder Grundstückanteils (Art. 7 Abs. 2
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GKStG). Als Grundstückanteile gelten insbesondere Miteigentumsanteile
oder Gesamteigentumsanteile (Art. 655 Abs. 2 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 [ZGB; SR 210]). Davon
umfasst sind namentlich StWE. Der Verkauf der StWE hatte zudem
zweifelsfrei eine zivilrechtliche Handänderung zur Folge. Soweit sind sich
die Parteien einig. Uneins sind sie sich in Bezug auf die Voraussetzungen,
die eine Handänderungssteuer auslösen, d.h. hinsichtlich des
Gegenstands der Handänderungssteuer.
4.1. Im angefochtenen Entscheid stellt die Beschwerdegegnerin fest, dass die
Handänderungssteuer im Kanton Graubünden an den Übergang der
wirtschaftlichen Verfügungsgewalt anknüpfe und immer nur dann eine
wirtschaftliche Handänderung vorliege, wenn wesentliche Teile der
wirtschaftlichen Verfügungsgewalt über ein Grundstück vom bisherigen
Verfügungsberechtigten (wirtschaftlichen Eigentümer) auf einen Dritten
übergingen. Sie erwähnt auch, dass die Handänderungssteuer nicht
ausgelöst wird, wenn lediglich eine zivilrechtliche, nicht aber eine
wirtschaftliche Übertragung stattfindet. Gleichzeitig macht sie aber
geltend, dass diese umfassende wirtschaftliche Betrachtungsweise nur für
Immobiliengesellschaften, nicht aber für Betriebsgesellschaften gelte, da
der Grundbesitz von Betriebsgesellschaften die sachliche Grundlage für
einen Fabrikations-, Handels- oder sonstigen Geschäftsbetrieb bilde.
Betriebsgesellschaften würden daher praxisgemäss und gemäss
Rechtsprechung des Bundesgerichts zur bündnerischen
Handänderungssteuer auch bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise nicht
ignoriert, d.h. nicht transparent behandelt. Dass bei einer
Grundstückübertragung von einer Betriebsgesellschaft die
Handänderungssteuer zu erheben sei – unabhängig davon, ob die
Vertragspartei Aktionär dieser AG ist –, entspreche denn auch der
langjährigen, gerichtlich geschützten Handänderungssteuerpraxis in
zumindest einem anderen Kanton, nämlich dem Kanton Solothurn.
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Dessen Handänderungssteuer sei derjenigen des Kantons Graubünden
hinsichtlich der wirtschaftlichen Betrachtungsweise ähnlich. Da es sich bei
der Einsprecherin (hier: Beschwerdeführerin) offensichtlich um eine
Betriebsgesellschaft handle und diese folglich nicht transparent behandelt
werde, sei die Verfügungsmacht von der A._ AG auf G._
übergegangen, was eine wirtschaftliche Handänderung darstelle und im
Kanton Graubünden von der Handänderungssteuer erfasst werde.
4.2. Die Beschwerdeführerin hält dem im Wesentlichen entgegen, es liege
keine wirtschaftliche Handänderung vor. Sie führt aus, die bündnerische
Handänderungssteuer beruhe aufgrund von Art. 8 Abs. 1 GKStG, der
Gesetzesmaterialien sowie der Rechtsprechung auf einer umfassend
wirtschaftlichen Betrachtungsweise und gehe in diesem Punkt
insbesondere auch weiter als die Handänderungssteuer des Kantons
Solothurn. Dieser setze nebst der Übertragung der wirtschaftlichen
Verfügungsgewalt auch ein Rechtsgeschäft voraus, was in Graubünden
eben gerade nicht der Fall sei. Damit sei der Kanton Graubünden der
einzige Kanton, in welchem die Handänderungssteuer als reine
Wirtschaftsverkehrssteuer ausgestaltet sei, wie auch das Bundesgericht
im Urteil 2C_9/2019 vom 29. Januar 2020 festgehalten habe (E. 2.4.4).
Die Annahme einer wirtschaftlichen Veräusserung setze voraus, dass
wesentliche Teile der Verfügungsgewalt übertragen würden, sodass
gesagt werden könne, der fragliche Vorgang wirke "wirtschaftlich" wie eine
Eigentumsübertragung. Zur Beurteilung, ob dies der Fall sei, sei nicht die
formelle, d.h. die äussere Rechtswirkung massgebend, sondern die
erzielte tatsächliche wirtschaftliche Wirkung. Unter dem Aspekt der
wirtschaftlichen Betrachtungsweise sei somit nicht primär auf das
verwendete privatrechtliche Gefäss oder den beschrittenen
privatrechtlichen Weg zu schauen, sondern auf die wirtschaftlichen
Auswirkungen der privatrechtlichen Gestaltung. Das Bundesgericht habe
im erwähnten Urteil ausdrücklich festgestellt, dass bei einer
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ausschliesslich wirtschaftlichen Betrachtungsweise, wie Art. 8 GKStG sie
vorgebe, kein Raum für einen Rückgriff auf die juristische Form bleibe,
was sich durchaus auch zum Vorteil der steuerpflichtigen Person
auswirken könne, da sich diese nicht die von ihr gewählte zivilrechtliche
Gestaltungsweise entgegenhalten lassen müsse (E. 3.2.2 [recte: E.
3.3.3]). In der Botschaft zum GKStG werde zudem ausdrücklich
festgehalten, dass die Übertragung eines Grundstücks vom Allein- oder
Mehrheitsaktionär auf seine Gesellschaft nicht zu einer
Handänderungssteuer führe. Gleiches müsse auch für den umgekehrten
Vorgang gelten. Eine Unterscheidung zwischen Betriebsgesellschaft und
Immobiliengesellschaft werde dabei in der Botschaft nicht gemacht und
rechtfertige sich in der vorliegenden Konstellation auch nicht.
5. In den kantonalen bzw. kommunalen Steuergesetzen wird der
Gegenstand der Handänderungssteuer teils sehr unterschiedlich
umschrieben. So unterliegen in einigen Kantonen und Gemeinden nur
zivilrechtliche Eigentumsübertragungen der Steuer. Öfters sind aber auch
die sogenannten wirtschaftlichen Handänderungen Gegenstand der
Steuer. Solche liegen allgemein vor, wenn die Verfügungsgewalt über ein
Grundstück die Hand wechselt, ohne dass der Erwerber zivilrechtlich
Eigentum begründet, bspw. bei Erwerb von Anteilsrechten an
Gesellschaften mit Grundeigentum, Baurecht, Kettenhandel usw. (siehe
zum Ganzen Schweizerische Steuerkonferenz SSK, Steuerinformationen,
Handänderungssteuer, Ausgabe April 2018, S. 5 ff., zu finden bspw. im
Internet unter <https://www.estv.admin.ch/estv/de/home/die-
estv/steuersystem-schweiz/dossier-steuerinformationen.html>, zuletzt
besucht am 2. Juni 2022).
5.1. Als Handänderung gilt im Kanton Graubünden gemäss Art. 8 Abs. 1
GKStG jede Übertragung der tatsächlichen und wirtschaftlichen
Verfügungsgewalt. Die wirtschaftliche Handänderung wird in Abs. 2
derselben Bestimmung konkretisiert. Abs. 3 der Norm befreit die
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Einbringung eines Grundstücks in eine Personengesellschaft, sofern sich
die wirtschaftliche Berechtigung daran nicht ändert.
5.2. Wie das Bundesgericht im zitierten Urteil 2C_9/2019 vom 29. Januar 2020
in E. 2.4.2 festgehalten hat, ist die Handänderungssteuer im Kanton
Graubünden in der Tat als reine Wirtschaftsverkehrssteuer ausgestaltet.
Sie beruht auf einer umfassend wirtschaftlichen Betrachtungsweise und
setzt, wie die Beschwerdeführerin zutreffend ausführt, im Gegensatz zu
den Regelungen anderer Kantone, darunter jener des Kantons Solothurn,
keinerlei (wohl meist zivilrechtlichen) Rechtsgeschäfte voraus.
Bezeichnenderweise charakterisierte das Bundesgericht die
Handänderungssteuer des Kantons Solothurn trotz ihres wirtschaftlichen
Fokus als Rechtsübertragungssteuer, ganz im Gegensatz zu jener des
Kantons Graubünden. Das allein zeigt auf, dass bei der Beurteilung eines
bündnerischen Sachverhalts nicht die solothurnische Praxis und
Rechtsprechung beigezogen werden kann, wie das die Vorinstanz getan
hat.
5.3. Im Urteil A 21 13 vom 24. Juni 2021, das für die Publikation in der PVG
vorgesehen ist, hat dieses Verwaltungsgericht unter E. 4.3 erwogen, dass
eine wirtschaftliche Handänderung immer dann vorliegt, wenn wesentliche
Teile der wirtschaftlichen Verfügungsgewalt über ein Grundstück vom
bisherigen Verfügungsberechtigten (wirtschaftlichen Eigentümer) auf
einen Dritten übergehen, unabhängig davon ob dabei die zivilrechtlichen
Eigentumsverhältnisse eine Änderung erfahren. Das entspricht konstanter
Rechtsprechung, welche ausdrücklich in den Gesetzgebungsprozess
einfloss, was hier die Vorinstanz richtig erkannt hat (vgl. Botschaft des
Regierungsrates an den Grossen Rat zum Erlass eines kantonalen
Gesetzes über die Gemeinde- und Kirchensteuer, Heft Nr. 3/2006-2007,
S. 216). Als Beispiel wird in der Botschaft der Erwerb der Aktienmehrheit
an einer Immobiliengesellschaft genannt, welcher der
Handänderungssteuer unterliegt, obwohl sich die betroffenen
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Grundstücke unverändert im Eigentum der Immobiliengesellschaft
befinden. Gleichzeitig wird präzisiert, dass die Übertragung eines
Grundstücks vom Alleinaktionär auf seine Gesellschaft nicht zu einer
Handänderungssteuer führt, da der Aktionär durch seine
Aktiengesellschaft hindurch weiterhin über das eingebrachte Grundstück
verfügen kann. Die Frage ist nun, ob die umgekehrte Situation ebenfalls
steuerbefreit ist. Das ist zu bejahen, wie auch die Lehre zutreffend erkannt
hat (CORINA CALUORI/GIAN LUCA PENG, Die bündnerische
Handänderungssteuer als Wirtschaftsverkehrssteuer, in: ZGRG 02/2020,
S. 61 ff., Ziff. 42 ff. und 46). Es ist nicht einzusehen, weshalb das
Herausnehmen eines Grundstücks durch den mehrheitsbeteiligten
Aktionär eine wirtschaftliche Handänderung darstellen soll, wenn der
umgekehrte Vorgang nicht als solche qualifiziert wird und gemäss
Botschaft ausdrücklich nicht der Steuer unterliegt. Anders zu beurteilen ist
freilich die Herausnahme eines Grundstücks durch einen
Minderheitsaktionär, wobei hierbei umgekehrt eben auch die Einbringung
des Minderheitsaktionärs in die Gesellschaft besteuert wird.
5.4. Eine Unterscheidung zwischen Immobilien- und Betriebsgesellschaften
rechtfertigt sich vorliegend nicht. Wie die Beschwerdeführerin zu Recht
vorbringt, finden sich für eine solche Unterscheidung keinerlei Indizien in
der Botschaft. Auch die bundesgerichtliche Rechtsprechung –
insbesondere der hier mehrfach zitierte Entscheid – legt sie nicht nahe.
Dazu besteht denn auch kein Grund. Wirtschaftlich betrachtet ändert bei
beiden Arten von Gesellschaften die Verfügungsmacht nicht, ob die
Gesellschaft nun mit Immobilien handelt oder die Liegenschaft lediglich als
sachliche Grundlage für einen Fabrikations-, Handels- oder sonstigen
Geschäftsbetrieb verwendet. Diesbezüglich erklärt die
Beschwerdeführerin zutreffend, dass die Unterscheidung im
bündnerischen Handänderungssteuerrecht nur dann massgebend und zu
berücksichtigen ist, wenn es um den Erwerb der Mehrheit der
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Gesellschaftsanteile geht. Hält etwa ein Aktionär die Mehrheit der Anteile
an einer Immobiliengesellschaft und verkauft er diese an einen Dritten,
rechtfertigt es sich ausnahmsweise davon auszugehen, dass nicht der
Verkauf der Aktien der Gesellschaft im Vordergrund steht, sondern die
wirtschaftliche Verfügungsmacht über die Grundstücke. Letztere
verbleiben zwar zivilrechtlich im Eigentum der juristischen Person,
unterliegen aber tatsächlich vollständig der Kontrolle des
Mehrheitsaktionärs. Würde diese in Art. 8 Abs. 2 lit. b GKStG explizit
verankerte Sichtweise nicht angewendet, könnte die
Handänderungssteuer mittels Einbringung der Grundstücke in eine
juristische Person und anschliessendem Verkauf derselben umgangen
werden. Bei einer Betriebsgesellschaft verhält es sich anders. In diesem
Fall kann nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass mit dem
Verkauf der Gesellschaftsanteile lediglich die Übertragung der darin
befindlichen Liegenschaften bezweckt wird, weil die Betriebsgesellschaft
gerade per Definition die Liegenschaften für andere Zwecke einsetzt als
für den blossen Immobilienhandel. Nur wenn feststeht, dass nicht der
Betrieb, sondern die Übernahme der darin befindlichen Grundstücke im
Vordergrund steht, könnte ausnahmsweise auch der Verkauf von Aktien
einer Betriebsgesellschaft der Handänderungssteuer unterworfen werden.
Wie es sich damit genau verhält, kann hier offenbleiben. Für eine über Art.
8 Abs. 2 lit. b GKStG hinausgehende grundsätzliche Unterscheidung
zwischen Betriebs- und Immobiliengesellschaften bei Einbringung und
Herausnahme von Grundstücken durch Mehrheitsaktionäre besteht
jedenfalls kein Raum. Bei beiden Konstellationen verbleibt die vollständige
Kontrolle, also die wirtschaftliche Verfügungsmacht, bei ein und derselben
Person, weshalb diese Lebenssachverhalte keine Handänderungssteuer
auszulösen vermögen.
6. Aus den genannten Gründen erweist sich die Beschwerde als begründet
und ist gutzuheissen. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 16.
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August 2021 ist ersatzlos aufzuheben. Die Kosten des
Beschwerdeverfahrens gehen zulasten der unterliegenden Gemeinde
(Art. 73 Abs. 1 VRG) und werden unter Berücksichtigung aller relevanten
Zumessungskriterien vorliegend auf CHF 2'500.00 festgelegt.
7. Die obsiegende Beschwerdeführerin hat gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG
Anspruch auf eine Parteientschädigung für die durch den Rechtsstreit
verursachten notwendigen Kosten.
7.1. Nach Auffassung des Gerichts ist der mit Honorarnote vom 15. Oktober
2021 geltend gemachte zeitliche Aufwand von zusammengerechnet
13.3 Stunden grundsätzlich angemessen, jedoch sind die insgesamt
0.6 Stunden (= 3 * 0.20 Stunden) vom 22. Juni 2021, 28. Juni 2021 und
7. Juli 2021 abzuziehen, da zu diesem Zeitpunkt der Einspracheentscheid
noch gar nicht ergangen war und im vorliegenden Verfahren lediglich
Aufwand entschädigt werden kann, der unmittelbar mit diesem
zusammenhängt. Somit sind 12.7 Stunden zu entschädigen.
7.2. Der Honoraransatz von CHF 250.00 ist durch die eingereichte
Honorarvereinbarung genügend dokumentiert. Der Rechtsvertreter ist
zwar Rechtspraktikant in einer Anwaltskanzlei, zugleich aber auch
diplomierter Steuerexperte. Da es sich um eine Steuersache handelt, tritt
er hier als Steuerexperte auf, weshalb Art. 6 der Verordnung über die
Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte vom
17. März 2009 (Honorarverordnung, HV; BR 310.250) nicht zur
Anwendung kommt. Es gilt somit der Stundenansatz in vereinbarter Höhe
von CHF 250.00. Rechnet man praxis- und antragsgemäss eine
Spesenpauschale von 3% hinzu, ergibt sich eine Parteientschädigung von
gesamthaft CHF 3'270.25 (= 12.7 h * CHF 250.00/h * 1.03). Die
Mehrwertsteuer, die die Beschwerdeführerin in den Rechtsbegehren der
Beschwerde noch verlangt hatte, macht sie in der Honorarnote
richtigerweise nicht mehr geltend, da sie aller Voraussicht nach
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vorsteuerabzugsberechtigt ist. Diese wird ihr entsprechend auch nicht
entschädigt. Die Gemeinde ist demnach zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von CHF 3'270.25 zu
bezahlen.
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