Decision ID: 42e7df26-7b03-5b36-97e0-01414e04e5c4
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1976, war seit dem
1.
Mai 2001 als Logistikmitarbeiterin bei
der
Y._
AG in
Z._
angestellt und über diese bei der Schweizerischen Unfall
versicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie am 2
2.
Dezember 2013 bei einem Auf
fahrunfall
im Ausland
ein Schleudertrauma erlitt
(
Urk.
9/1
Ziff.
1-6 und 9
,
Urk.
9/15
Ziff.
1
).
Die SUVA erbrachte die gesetzlichen
Leistungen.
Mit Verfügung vom
4.
September
2014 (
Urk.
9/54) stellte die SUVA die Versi
cherungsleistungen per 3
0.
September 2014 ein und verneinte einen Anspruch auf weitere Leistungen. Dagegen erhob die Versicherte am
6.
Okto
ber
2014 Einsprache (
Urk.
9/60),
welche
die SUVA mit Entscheid vom 2
0.
November 2015 abwies (
Urk.
9/85 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
7.
Januar 2016 Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
vom 2
0.
November
2015 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien ihr weiterhin die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Eventuell sei ein umfassendes Gutachten zu erstellen, welches sich über die Einschrän
kungen sowie die Unfallkausalität der Beschwerden ausspreche (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3).
Die SUVA beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2.
März 2016 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8 S.
2
Ziff.
I).
Mit Replik vom
2.
Mai 2016 hielt die Beschwerdeführerin an den Anträgen in der Beschwerde fest (
Urk.
11 S. 2 oben). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 2
0.
Mai 2016 (
Urk.
14) auf eine Duplik, was der Beschwerdeführerin am 2
3.
Mai
2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt
-
die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1).
1.2
Nach
Art.
10
Abs.
1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder
teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (
Art.
8 des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (
Art.
18
Abs.
1 UVG). Erleidet der Versi
cherte durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat er Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (
Art.
24
Abs.
1 UVG).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetr
etenen Schaden (Krankheit, Inva
li
di
tät, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind a
lle Umstände, ohne deren Vorhan
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetr
eten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Beding
ungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern
Worten nicht weggedacht werden kann, ohn
e dass auch die eingetretene ge
sund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995).
Das
Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Ge
sundheitsschadens
muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänz
lich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entspre
chende Beweislast
–
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender na
türlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
–
nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten
massge
bend
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E.
2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des
S
tatus quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der
S
tatus quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfa
llversicherer gestützt auf Art. 36 Abs.
1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die
Heilbehandlungskosten nach Art.
10 UVG fallen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_637/20
13 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.5
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges
zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge
und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeiz
uführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging
im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2)
davon aus
,
eine andauernde unfallbedingte Kausalität
der
nach wie vor geklagten
Beschwer
den
lasse sich
nur möglicherweise, jedoch nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit
belegen
(
S. 9 E. 2
f
). Die Beschwerdegegnerin
verneinte
zudem die Voraussetzung eines
adäquaten Kausalzusammenhang
s
zwischen den Beschwerden und dem Unfallereignis
,
da
bloss zwei der zu prüfenden Kriterien und diese nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt seien (S.
12 ff. E. 3
e
).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor,
d
ie Beschwerdegegnerin habe kein neutrales Gutachten erstellen lassen, sondern stütze sich auf eine sehr kurze Beurteilung des Kreisarztes, welche knapp eine Seite umfasse
, und auf eine neurologische Beurteilung. Einzig in den beiden Berichten der Ärzte der Beschwerdegegnerin werde die Unfallkausalität verneint
(
Urk.
1 S. 8
Ziff.
2.2).
Die Beschwerdegegnerin habe nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit bewiesen, dass der Kausalzu
sammenhang zwischen dem Unfall und den heut
e
vorhandenen Beschwerden dahingefallen sei (
Urk.
1
S. 12
Ziff.
IV).
2.3
Ergänzend stellte die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort fest, die Beschwerdeführerin begründe die Annahme eines Kausalzusammenhanges im Wesentlichen mit der in beweisrechtlicher Sicht unbeachtlichen Folgerung „
post
hoc, ergo
propter
hoc“, indem sie geltend gemacht habe, dass sie vor dem
Un
fallereignis
nie unter Beschwerden gelitten habe
(
Urk.
8 S. 5
Ziff.
8.2).
Selbst wenn in einigen Arztberichten von posttraumatischen Beschwerden die Rede sei, komme dem in beweisrechtlicher Hinsicht keine Bedeutung zu (
Urk.
8 S. 5
Ziff.
8.3).
2.4
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin
die Versicherungsleistun
gen
zu Recht per 3
0.
September
2014 eingestellt hat.
3.
3.1
Gemäss Schadenmeldung vom 2
8.
Januar 2014 erlitt die Beschwerdeführerin am 2
2.
Dezember
2013
bei einem Auffahrunfall in
J._
ein
HWS-Beschleuni
gungstrauma
(
Urk.
9/1
Ziff.
1, 4-6 und 9,
Urk.
9/15
Ziff.
1).
3.2
Nach der Rückkehr der Beschwerdeführerin in die Schweiz füllte
n
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
und
Dr.
med.
B._
am
3.
Januar
2014 den Dokumentat
ionsbogen für Erstkonsultation
nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma aus.
Die Ärzte vermerkten darin
, dass
die Erstuntersuchung einen Tag nach dem Unfall am 2
3.
Dezember 2013 im
C._
erfolgt sei
.
Eine Einweisung per Ambulanz sei nicht erfolgt
(
Urk.
9/6 S.
1
Ziff.
1).
3.3
Dr.
A._
und
Dr.
B._
nannte
n
im Zwischenbericht vom 2
0.
Februar 2014 (
Urk.
9/15)
als Diagnose ein
kranio
-zervikal
es Beschleunigungstrauma
der Halswirbelsäule
vo
m 2
2.
Dezember 2013 (
Ziff.
1).
D
ie Prognose sei mittel
- bis langfristig gut (
Ziff.
2 b). Auf die Frage, ob besondere Umstände vorlägen,
wel
che den Heilungsverlauf ungünstig b
eeinflussen könnten, antworteten die Ärzte
: „unklar, bekannte rezidivierende depressive Symptomatik“ (
Ziff.
2 c).
Die
Beschwerdeführerin
habe die Arbeit am
1.
Februar 2014 mit einem Pensum von 50
%
wieder aufgenommen (
Ziff.
4 a).
3.4
Ein MRI der Halswirb
elsäule (HWS) vom 3
1.
März 2014
(
Urk.
9/37)
ergab
eine multisegmentale
Osteochondrose
an der HWS mit
foraminal
rechtsbetont leicht bis mässig auch beengenden disko-
osteophytären
Protrusionen
beziehungsweis
e
knöchern gedeckten
Bandscheibenprotrusionen
, bei C6/7 auch mit Riss des
Anulus
fibrosus
und einer flachen rechts
foraminalen
und links medio-lateralen Hernie,
das
Myelon
ebenda
pelottierend
mit einer
kurzstreckigen
sich nach kau
dal f
ortsetzenden
Syrongohydromyelie
.
3.5
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Physikalische Medizi
n und Rehabilitation, Oberarzt,
Arbeitsorientierte Rehabilitation, und med.
pract
.
E._
,
praktischer Arzt und
Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Stellve
rtretender Medizinischer Leiter
,
Arbeitsorientierte Rehabilitation,
F._
,
nannten im
Bericht vom
8.
Mai 2014 (
Urk.
9/29) über ein ambulantes Assessment vom
3.
Mai 2014
als Diagnose eine HWS-Distorsion
Québec Task Force (
QTF
)
II. Als aktuelle Probleme nach dem Unfall nannten sie
eine schnelle Ermüdbarkeit, häufige Schmerzen im Bereich der HWS und des Nackens, intermittierend
e
Kopfschmerzen okzipital, teilweise auch rechts parietal, eine schmer
zhafte Beweglichkeitseinschränkung
der HWS, vor allem bezüglich Extension, eine
Ein- und Durchschlafstörung und
interm
ittierend
Kribbel
parästhesien
im
gesamten rechten Arm (S. 1).
Die Ärzte
führten aus, d
ie Patientin habe beim heutigen Assessment eine gute Leistungsbereitschaft gezeigt. Für aktive Therapiemassnahmen sei ein guter Zu
gang gefunden worden
.
Man empfehle eine intensivierte
ambulante Physiothe
rapie dreimal wöchentlich, inklusive medizinischer Trainingstherapie für einen Zeitraum von zirka fünf bis sechs Wochen
(S. 3 unten). Aus medizinisch-diag
nostischer Sicht sei bei guter Kooperation und Leistungsbereitschaft mit einer optimalen Therapie eine erhebliche Verbesserung der Beschwerden und der
ar
beitsbezogenen
Belastbarkeit zu erreichen (S. 2 oben).
3.6
Med.
pract
.
G._
, Assistenzärztin Orthopädie,
und
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Neurochirurgie, Oberarzt in Vertretung, Wirbelsäulenchirurgie,
I._
,
stellten im Bericht vom 2
3.
Mai 2014 (
Urk.
9/33) folgende Diagnosen (S. 1):
Zervikobrachialgie
rechts bei
Status nach Autounfall mit HWS-Distorsion am 2
2.
Dezember 2013
posttraumatische
Syringomyelie
C6 und Th1
breitbasige
Diskushernie mit
foraminaler
Stenose bei C6 rechts
Spinalkanalstenose C5/6 und C6/7
Die
beiden
führten
zur Anamnese
aus, die Beschwerdeführerin habe am 2
2.
Dezember
2013
auf der Fahrt in die Ferien
einen Autounfall
erlitten
und leide seither unter starken Nackenschmerzen mit zeitweiser Ausstrahlung in den
rechten Arm. Initial sei in
J._
konventionell-radiologisch eine frische F
r
aktur ausgeschlossen worden. Seither sei sie mit Physiotherapie und
Schmerz
medikation
behandelt worden.
Am 30
.
(richtig: 31
.
)
März 2014 sei ein MRI der HWS erstellt worden. Die Patientin sei Lageristin und arbeite aktuell zu 40
%
. Sie berichte, dass sie vor allem nach der Arbeit starke Nackenschmerzen mit diffuser Ausstrahlung in den rechten Oberarm
verspüre
. Der Arm würde zeit
weise komplett einschlafen
. Ausserdem bestehe eine subjektive Kraftminderung des rechten Armes
.
Es bestehe eine deutliche
Druckdolenz
der HWS
paravertebral
mit
paravertebra
lem
Muskelhartspann und
Myogelosen
im Bereich der
Trapeziusmuskulatur
beidseits. Die Beweglichkeit der HWS sei
endgradig
schmerzbedingt in allen Bewegungsrichtungen eingeschränkt.
Schmerzen würden vor allem bei der
Re
klination
angegeben mit Ausstrahlung in den rechten Arm
(S. 1
f.
).
Bei der Patientin liege eine posttraumatische
S
yringomyelie
vor. Im MRI sei
en
ausserdem eine
foraminale
Stenose C5/6 sowie eine Nervenwurzelkompression C7 rechts sichtbar,
welche die oben genannte Symptomatik erklären könne (S.
2).
3.7
PD
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Oberarzt Wirbelsäulenchirurgie, und Prof.
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Teamleiter Wirbelsäulenchirurgie,
I._
,
berichteten
am 1
8.
Juni
2014 (
Urk.
9/40)
, neurophysiologisch sei keine messbare Nervenaffektion im C6-Innervationsbereich festgestellt worden
(vgl. auch den Bericht
der Ärzte
der
M._
vom 1
1.
Juni 2014,
Urk.
9/39)
. Klinisch habe nach der Infiltration jedoch ein gutes Ansprechen bestanden, so dass in der Zusammenschau mit dem MR-Befund von einer schmerzhaften C6-Radikulopathie ausgegangen werden könne
. Diese sei nun mittels Infiltration erfolgreich therapiert worden
(S. 1).
3.8
Dr.
A._
gab in einem Schreiben
an die Beschwerdegegnerin
vom 3
0.
Juni 2014 (
Urk.
9/46)
mit dem Betreff
„
Auszug der Krankengeschichte
“
an
, er betreue die Patientin seit 1997 hausärztlich.
Er
stellte folgende Diagnosen (S. 1):
persistierendes
Cervicovertebralsyndrom
nach HWS-Distorsion am 2
2.
Dezember 2013
MRI der HWS März 2014: multisegmentale
Osteochondrose
mit Spinalkanalstenose C5/6 und C6/7,
Syringomyelie
zwischen C6 und Th1
vorherrschende Einschränkung der
Reklination
Penicillinallergie
(Anaphylaxie)
Rhinitis
allergica
und Asthma bronchiale
Hiatushernie
mit
Refluxbeschwerden
HP-Gastritis 2002
p
o
l
ymorphe Lichtdermatose, EM 2011
Dr.
A._
führte zur Anamnese aus, er habe Ende 2010
wegen
cervikaler
Schmerzen
einmalig Physiotherapie verordnet. Ende
2011 seien Rückenschmer
zen noch einmal ein Thema gewesen. Es sei aber keine Physiotherapie verordnet worden. In den letzten 17
Jahren seien keine Röntgenbilder des Rückens ange
fertigt worden, so dass davon ausgegangen werden könne, dass nicht über län
gere Zeit Rückenbeschwerden bestanden
hätten
. Insbesondere seien nie
radikulär
ausstrahlende Schmerzen vorhanden gewesen.
3.9
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, SUVA-Kreisarzt
,
führte in einer Aktenbeurteilung vom
8.
Juli 2014 (
Urk.
9/48) aus, die Gesundheit der Beschwerdeführerin sei bereits vor dem Unfall vom 2
2.
Dezember
2013 beeinträchtigt gewesen. So habe sie wegen Nackenverspannungen hin und wieder Therapien erhalten. Kernspintomographisch seien zudem bereits lange vorbestehende degenerative Veränderungen unter anderem mit spinaler und
foraminaler
Stenose festgestellt worden. Der Unfall habe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Ver
schlimmerung geführt. Durch gezielte therapeutische Lokalanästhesien an den Nervenwurzeln C6 und C7 sei eine recht gute Besserung erzielt worden. Es könne daher von einer vorübergehenden Verschlimmerung durch den Unfall ausgegangen werden.
Es könne nicht entschieden werden, ob die therapiebedürftigen Verspannungen, die vor dem Unfall bestanden
hätten
, Folge der kernspintomographisch erfassten degenerativen Veränderungen seien oder ob es sich um die Folge
unphysiolo
gischer
körperlicher Belastungen handle
. Am wahrscheinlichsten sei eine Kombination der beiden genannten Faktoren, so dass von einem
schicksals
mässigen
Verlauf des Vorzustandes ausgegangen werden könne.
Dr.
N._
würde den Vorzustand
nicht als krankhaft bezeichnen,
da anamnestisch durch
seltene therapeutische Massnahmen offenbar immer wieder ein gesunder Zustand habe erreicht werden können (S. 3). Der Zeitpunkt für
das Erreichen des
S
tatus quo
sine könne angegeben werden, sobald eine Kontrolluntersuchung in der
I._
entsprechende klinische und zwischenan
amnestische Angaben
hervorgebracht habe
(S. 3 unten).
3.10
PD
Dr.
K._
gab in einem Bericht vom 1
9.
August 2014
(
Urk.
9/51
)
an, durch gezielte Infiltration sei es zu einer
Regredienz
der C6-Radikulopathie gekommen. Bleibend sei ein paravertebraler Muskelhartspann. Hierfür sei der Pati
entin
Sirdalud
verordnet worden.
Sie sei entsprechend instruiert worden.
Aus chirurgi
scher Sicht sei aktuel
l keine Intervention notwendig (S. 1).
3.11
Kreisarzt
Dr.
N._
erklärte in einer Stellungnahme vom
3.
September
2014 (
Urk.
9/52)
, nachdem die
radikulären
Symptome verschwunden seien, werde le
diglich noch von Verspannungen berichte
t, die medikamentös mit
Sirdalud
be
handelt würden.
In dieser Situation
nehme er für das
Erreichen des
S
tatus quo sine
einen Zeitraum von drei Monaten nach der Wurzelblockade
an
.
Dies sei der 1
1.
September 201
4.
3.12
Kreisarzt
Dr.
N._
antwortete in einer weiteren Aktenbeurteilung vom 1
1.
November
2014 (
Urk.
9/66)
auf die Fragen der Beschwerdegeg
nerin. Er führte aus,
d
er
S
tatus
quo sine sei nach der allgemeinen medizinischen Erfahrung und nach Aktenlage im September
2
014 erreicht worden
(S. 4
Ziff.
3 oben).
Die durch die Kernspintomographie vom 3
1.
März
2014 dargestellten
unfall
fremden
degenerativen
Veränderungen der HWS seien geeignet, rezidivierende Beschwerden in der Art, wie sie die Beschwerdeführerin angegeben habe, zu verursachen.
Dabei seien die vorübergehend vorhandenen
radikulären
Beschwer
den mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf den flachen
rechtsforaminalen
Anteil der Diskushernie C6/7 zurückzuführen, wobei diese Hernie nicht mit Sicherheit dem Unfallgeschehen kausal zugeordnet werden könne. Für ein bloss degeneratives und damit unfallfremdes Geschehen spreche die
kernspintomo
graphisch
bewiesene Tatsache, dass die multisegmentale
Osteochondrose
der
HWS mit
foraminal
rechts betont leicht bis mässig auch beengenden
diskoosteo
phytären
Protrusionen
beziehungsweise knöchern in gedeckten
Bandscheiben
protrusionen
eben als knöchern gedeckt im Befundbericht beschrieben würden. Dies bedeute, es handle sich um alte Vorbefunde (S. 4
Ziff.
1).
Sollten nach dem 1
1.
September
2014 noch Muskelverspannungen bestanden haben, so könnten diese mit
Sirdalud
effektiv behandelt werden (S. 4
Ziff.
2).
In der angestammten beruflichen Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit durch die Unfallfolgen nicht mehr in erheblichem Masse beeinträchtigt. Die Beschwerde
führerin übe gemäss Arbeitsvertrag ein Pensum von 75
%
aus. Dieses könne ihr
aus kreisärztlicher Sicht zugemutet werden.
Sie sei
ohne zusätzliche Ein
schränkungen
vollschichtig arbeitsfähig
(S. 4
Ziff.
3).
3.13
Dr.
med.
O._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, führte in einem Schreiben vom 2
4.
November 2014 (
Urk.
9/
71) aus, er sei
mit der Beurteilung des SUVA-Kreisarztes überhaupt nicht einverstanden. Schon bei der ersten Untersuchung durch ihn sei ihm aufgefallen, dass an der Halswirbelsäule
der Beschwerdeführerin
rein äusserlich praktisch keine Veränderungen zu finden seien, wie sie üblicherweise in Form von Muskelver
spannungen, schmerzhaften
Triggerpunkten
, häufig verbunden mit Funktions
störungen beziehungsweise mit Blockaden einzelner Wirbelsegmente
vorliegen würden
.
Die Beschwerdeführerin habe trotzdem glaubhafte Schmerzen
. Er
gehe davon aus
, dass diese von der
Syringomyelie
(Hohlraum im Innern des Rückenmarks)
ausgingen
. Auch die Ärzte der
I._
hätten die
Syringomyelie
als posttraumatisch beurteilt. Sie sei somit als Folge des Unfallereignisses beziehungsweise
der Schwerkräfte aufgetreten. Dazu passe auch das Ansprechen auf
Lyri
ca
. Dabei handle es sich um ein
Antiepileptikum
, das vorab bei
Nervenschmerzen (neuropathische
n
Schmerzen) eingesetzt werde. Dieses Medikament würde bei rein äusserlichen Folgen des Unfalles, also Veränderungen in der Muskulatur und den einzelnen Wirbelgelenken der Halswirbelsäule
,
kaum oder gar nicht wirken. Allerdings sei im Folgenden nicht mehr darüber gesprochen worden. Stattdessen sei man von einer möglichen Nervenwurzelkompression bei C6/7 rechts ausgegangen. Diese Hypothese habe sich aber als falsch erwiesen.
Man solle allenfalls einen Neurologen um eine
Zweitmeinung
bitte
n
, da der Befund einer
Syringomyelie
eher selten sei und
er,
Dr.
O._
,
damit keine Erfahrung habe. Der Befund könne sich aber in Schmerzen äussern und wenn es sich bei der
Syringomyelie
um eine Unfallfolge handle, dann seien die anhal
ten
den Nackenschmerzen damit erklärt.
3.14
Dr.
B._
führte in einer Stellungnahme vom 1
7.
Dezember 2014 (
Urk.
9/74 S. 1) zur Beurteilung durch
Dr.
N._
aus,
die Beschwerdeführerin habe am 2
2.
Dezember 2013 auf der Fahrt in die Ferien in
J._
bei einer Massen
karambolage auf der Autobahn ein
kranio
-zervikales Beschleunigungstrauma erlitten. Seither bestehe eine
cervikale
Schmerzsymptomatik. Morphologisch hätten sich im MR-
Tomogramm
multisegmentale
Osteochondrosen
C5/6 und C6/7 und eine
Syringomyelie
zwischen C6 und Th1
gezeigt. Dieser Befund sei vor dem Unfall nicht bekannt gewesen.
Dr.
N._
habe sich sehr auf die genannten
osteochondrotischen
Veränderungen foku
s
siert.
D
ie
Syringomyelie
sei als mögliche Ursache der Schmerzsymptome nicht diskutiert worden. Dies
sei umso erstaunlicher, als in der Erstbeurteilung durch
Dr.
H._
vom 2
3.
Mai 2014 die
Syringoyelie
als posttraumatisch bezeichnet worden sei.
In dem Bericht von
Dr.
O._
werde die
Syndromyalgie
als wahrscheinlicher Generator der Nackenschmerzen beurteilt. Die kausale Frage sei somit bei Wei
tem nicht geklärt.
Dr.
B._
halte die Einstellung der Unfall-Versicherungs
leistungen unter diesen Aspekten für nicht gerechtfertigt.
3.15
3.15.1
Dr.
med.
P._
, Facharzt für Neurologie, Versicherungsmedizin der Beschwerdegegnerin, führte in einer neurologischen Beurteilung vom 1
3.
Novem
ber
2015 (
Urk.
9/84) aus,
d
ie Beschwerdeführerin sei am 2
2.
Dezember 2013
in
J._
als Beifahrerin
bei einer Massenkarambolage
mit einer
Heckauf
fahrkollison
verunfallt.
Unmittelbar
danach
sei offenbar keine ärztliche Unter
suchung erfolgt.
Sie
habe die Reise in die Schweiz fortgesetzt.
Anlässlich der
Erstuntersuchung durch
Dr.
B._
am 2
3.
Dezember
2013 seien keine äusseren Verletzungszeichen und keine zuverlässigen objektivierbaren neurologischen Defizite dokumentiert worden.
Bei der im Dokumentationsbogen für
Erstkon
sultation
nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma vom
3.
Januar
2014 dokumentierten diffusen Kraftminderung im rechten Arm handle es sich nicht um ein zuverlässiges neurologisches Defizit und
um
k
einen
objektivierbaren Befund.
Eine
diffuse Kraftminderung im rechten Arm könne ohne
Weiteres
schmerzbedingt erklärt werden.
Abgestützt auf diese Befunde mit
muskuloske
lettalen
Zeichen ohne zuverlässige objektivierbare neurologische Defizite sei diagnostisch von einer leichten HWS-Distorsion Grad II gemäss der QTF-Klassi
fikation auszugehen. Bilddiagnostisch habe eine knöcherne Läsion im Bereich der Halswirbelsäul
e ausgeschlossen werden können. E
s hätten sich jedoch
unfall
fremde
vorbestehende degenerative Veränderun
gen in mehreren Etagen gezeigt (S. 5 oben).
Der Heilverlauf sei durch persistierende Schmerzen im Bereich des rechten Armes und der Nackenwirbelsäule
gekennzeichnet gewesen
. Objektivierbare neurologische Defizite seien zu keinem Zeitpunkt festgestellt worde
n. Auch die Abklärung durch Neurologen der
I._
vom 1
1.
Juni 2014 habe kein objektivierbares Defizit ergeben. Die Beschwerdeführerin sei dort
klinisch und elektrophysiologisch untersucht worden. Diesbezüglich sei insbesondere darauf hinzuweisen, dass evozierte Potenziale des
Nervus
ulnaris
beidseits unauffällige Befunde ergeben hätten. Hinweise für eine neue und unfallbedingt hinzugetretene Pathologie im Bereich des zervikalen
Myelons
würden sich abgestützt
auf diese Befunde nicht ergeben
(S. 5 Mitte)
.
3.15.2
Zur Diskussion stehe, ob die Beschwerden der Beschwerdeführerin, nämlich an
haltende Schmerzen im Bereich des Nackens mit Ausstrahlung in den rechten Arm, kausal auf den Unfall zurückzuführen seien. Der Hausarzt
Dr.
B._
gehe davon aus, dass die Schmerzen auf eine unfallbedingt entstandene
Syringomyelie
zurückzuführen seien.
Der Begriff leite sich aus dem Wort Syrinx (griechisch für Rohr) ab und stehe für eine zystische Höhlenbildung des Rückenmarks. Allge
mein werde für eine entwicklungsbedingte Anomalie eines persistierenden
Zentralkanals
in Abgrenzung zur
Syringomyelie
im internationalen medizi
nischen Sprachgebrauch vorwiegend der Begriff
Hydromyelie
gebraucht.
Bei der
Syringomyelie
würden eine angeborene und eine erworbene
Syringomyelie
unterschieden. Beide Formen seien gekennzeichnet durch eine Höhlenbildung innerhalb der grauen Substanz des
Myelons
(Rückenmark). Der eine
r
Syrongo
myelie
zugrunde liegende pathophysiologische Mechanismus sei bis heute nicht abschliessend geklärt. In erster Linie würden
Liquorzirkulationsstörungen
diskutiert
. Die Bildgebung mittels Magnetresonanztomographie führe zur Diagno
se. Klinisch gehe die
Syringomyelie
typischerweise mit brennenden Schmerzen und neuroanatomisch
in
Korrelation zur Lokalisation der
Syringomyelie
mit
Sensibilitätsstörungen und Paresen einher. Die erworbene posttraumatische
Syringomyelie
(PTS) sei eine klinische und pathophysiologische Entität, die sich von anderen Formen der
Syringomyelie
unterscheide
(S. 5 unten)
.
Gemäss Literatur sei die PTS eine Sekundärerkrankung, die nach einer Verlet
zung der knöchernen Wirbelsäule oder des Rückenmarks mit einer Latenz
zeit
von zwei Monaten bis 40 Jahren mit
Prädilektionsort dorsal des Zentralkanals im Hals- oder oberen
Brustmark
auftreten könne
. Auch Patienten mit aus
schliesslicher Wirbelsäulenfraktur ohne initiale neurologische Ausfälle oder mit vollständiger neurologischer Erholung könnten eine PTS entwickeln. Gemäss den Ausführungen von J.
Klekamp
und M.
Sami
i
in
dem Buch
„
Syringomyelia
“ erfordere die Diagnose einer posttraumatischen
Syringomyelie
zumindest eine Läsion der
Ara
chnoidea
. Eine primäre Verletzung des Rückenmarks sei nicht zwingend erforderlich. Die Diagnose einer posttraumatischen
Syringomyelie
setze also eine erhebliche Verletzung der Wirbelsäule mit oder ohne
zeitnah zum Unfall
aufgetretene
n
neurologische
n
Defizite
n
voraus. Im
versicherungs
medizinischen
Kontext könne die Kausalität nur dann mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anerkannt werden, wenn zudem keine an
deren erklärenden Ursachen vorlägen (S. 5 f.).
Vorliegend sprächen gegen die Diagnose das Fehlen neurologischer Defizite zeitnah zum Unfall sowie der fehlende Nachweis einer erheblichen Verletzung der Wirbelsäule. Gegen die Diagnose sprächen zudem die durch die Neurologen der
I._
erhobenen unauffälligen klinischen und elektrophysiologischen
Untersuchungsbefunde sowie ein
hyperintenses
Signal zentral im zervikalen Rückenmark und nicht dorsal des Zentralkanals. Die Beschwerden könnten sodann zweifellos durch unfallfremde degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule erklärt werden. Allein die Angabe einer Beschwerdebesserung unter Behandlung mit
Lyrica
sei nicht geeignet
,
zwischen unfallbedingten und unfallfremden Beschwerden zu diskriminieren. Die Besserung der Beschwerden auf eine Infiltration bei C6 und C7 rechts spreche für
radikuläre
Schmerzen
(S. 6 Mitte
)
.
3.15.3
Unter Berücksichtigung der aufgeführten Aspekte könne das in der
Magnetreso
nanztomographie
der Halswirbelsäule vom 3
1.
März
2014 festgestellte
hyperin
tense
Signal zentral im zervikalen Rückenmark
nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit kausal auf den Unfall zu
rückgeführt werden. Die Diagnose einer posttraumatischen
Syringomyelie
sei abgestützt auf die zur Verfügung stehenden Befunde möglich, jedoch nicht überwiegend wahrscheinlich (S. 6
unten
).
3.15.4
Dr.
P._
verneinte die Frage
n
, ob es
sich bei der
Syringomyelie
um
eine unfallbedingte Schädig
ung, die auf einem objektivierbaren Korr
elat beruhe, handle (S. 6 unten Ziff. 1), und ob es
mit dem Unfallereignis zu einer vorüber
gehenden oder richtunggebenden Verschlimmerung der
Syringomyelie
gekom
men sei;
a
uf neurologischem Fachgebiet lägen keine objektivierbaren Befunde vor, die eine richtunggebende Verschlimmerung mit dem erforderlichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit begründen würden. Hinsichtlich des Status quo sine könne aus neurologischer Perspektive der Beurteilung durch den Kreisarzt
Dr.
N._
vom
3.
September
2014 gefolgt werden, der den Status quo sine auf den 1
1.
September 2014 f
estgelegt habe (S. 7
Ziff.
2).
Aus neurologischer Perspektive seien unfallbedingt seit dem 1
1.
September 2014 keine Heilbehandlungsmassnahmen mehr notwendig gewesen (S.
7
Ziff.
3).
Ebenso bestehe
rein unfallbedingt keine Beeinträchtigung der beruf
lichen Leistungsfähigkeit (S. 7
Ziff.
4).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin erlitt am 2
2.
Dezember
2013 ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule.
Bildgebend wurde
n
nach dem Unfall
eine multisegmentale
Os
teochondrose
an
der
Halswirbelsäule
bei
Bandscheibenprotrusionen
, eine
Dis
kushernie
, eine Spinalkanalstenose bei C5/6 und C6/7 sowie eine
Syringomyelie
festgestellt
(
vgl.
E. 3.4
und 3.
6
hiervor
).
Fraglich ist
, ob
die
Syringomyelie
eine Folge des Unfalles vom 2
2.
Dezember 2013 ist.
4.2
SUVA-Kreisarzt
Dr.
N._
ging
in der
Aktenbeurteilung vom
8.
Juli 2014
hinsichtlich des
bildgebenden
Befundes
von vorbestehenden, degenerativen E
r
krankungen
an
der Halswirbelsäule aus,
wobei es durch den Unfall zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der Erkrankungen gekommen sei (E. 3.9).
In der Beurteilung vom 1
1.
November 2014 verneinte
er, dass die festgestellte
Dis
kushernie
durch den Unfall entstanden
sei
(E. 3.12).
U
nter Berücksichtigung der
Berichte
der
Ärzte
der
I._
und der
M._
,
in denen ein Rückgang der
zwischenzeitlich festgestellten
radikulären
Symptomatik
bei C6
beschrieben
wurde
(E. 3.10)
,
ging der Kreisarzt davon aus,
dass der Status quo sine
nach
der
Verschlechterung
per 1
1.
September 2014 erreicht
war
.
Auf die Beurteilung durch
Dr.
N._
kann abgestellt werden.
Soweit die Be
schwerdeführerin
dagegen vorbrachte
, sie hab
e die letzten 20 Jahre zwar ab
und zu an leichten Rückenverspannungen gelitten, deswegen jedoch
nie
bei der Ar
beit gefehlt
und der
erforderliche
Beweis werde kaum möglich sein
(
Urk.
1 S.
6
Ziff.
1.1), kann ihr nicht gefolgt werden.
Mit der Beschwerdegegnerin ist auf die Unzulässigkeit der Formel „
post
hoc ergo
propter
hoc“
hinzuweisen: Die Argu
mentation
, eine gesundheitliche Schädigung gelte bereits deshalb als durch den Unfall verursacht, weil
sie nach diesem aufgetreten sei
, ist beweisrechtlich nicht zulässig (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil
des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 2
5.
Juli 2013, E. 5.1).
Zur Kritik der Beschwerdeführerin ist sodann zu sagen, dass
von
Dr.
N._
zwei Stellungnahmen
vom
8.
Juli 2014 und vom 1
1.
November 2014 (E. 3.9 und E. 3.12) vorliegen und es sich nicht um eine Beurteilung von
lediglich
einer Seite (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
2.2) handelt.
Med.
pract
.
G._
und
Dr.
H._
bezeichneten die
Syringomyeli
e
in ihrem Bericht vom 2
3.
Mai 2014 zwar als posttraumatisch (E. 3.6).
Dr.
P._
legte in der Beurteilung vom 1
3.
No
vember 2015
mit Verweis auf die medizinische Literatur
jedoch eingehend
und überzeugend
dar
, dass
der Befund
mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit nicht durch den Unfall entstanden ist, da hierfür eine stärke
re
Einwirkung auf die Wirbelsäule
hätte erfolgen müssen,
als
es bei dem stattgefundenen Schleudertrauma der Fall war
.
Im
Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma vom
3.
Januar 2014
finden sich denn auch
keine
Hinweise, dass es
bei dem Unfall
zu einer schweren Verletzung der Wirbelsäule gekommen wäre
(
Urk.
9/6).
Die
Erst
u
ntersuchung
im
C._
a
m 2
3.
Dezember 2013
ergab
ebenfalls
, dass die Be
schwerdeführerin beim Unfall keine Frakturen erlitten hat.
Dr.
P._
erwähnte in der Beurteilung fälschlicherweise,
dass die Erstbehandlung durch
Dr.
B._
am 2
3.
Dezember
2013 erfolgt sei
(
vorstehend
E.
3.15.1
). In der Tat suchte die Beschwerdeführerin ihren Hausarzt erst nach
ihrer
Rückkehr in die Schweiz auf.
Insofern
sind
die Angaben von
Dr.
P._
zu korrigieren.
Davon abgesehen kann jedoch auf die Beurteilung durch
Dr.
P._
abgestellt werden.
Die Beurteilungen durch
Dr.
Winkelmann und
Dr.
P._
erweisen sich
zusammengenommen
nicht als unvollständig. Dass
sich
Dr.
P._
in der Stellungnahme vom 1
3.
November 2015
insbeson
dere
zur festgestellten
Syringomyelie
äusserte, kann ihm nicht vo
rgeworfen werden.
Die Beschwerdegegnerin hat mit dem erforderlichen Beweisgrad
der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen, dass die am 3
0.
September
2014 noch bestehenden Beschwerden nicht mehr auf den Unfall zurückzuführen sind.
Mit den Beurteilungen durch
Dr.
N._
und
Dr.
P._
ist der Nachweis erbracht, dass der Unfall
lediglich
zu einer vorübergehenden Verschlechterung der vorbestehenden
degenerativen
Erkrankungen
geführt
hat und der Status quo sine spätestens am 3
0.
September 2014 erreicht war.
Da auf die genannten Beurteilungen abgestellt werden kann,
er
weisen sich weite
re Abklärungen
und auch
das Einholen eines
Gerichtsgutachten
s
als entbehrlich. Der Antrag der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3) ist daher abzuweisen.
Nachfolgend ist der adäqua
te Kausalzusammenhang zu prüfen, dies für den Fall, dass entgegen der vorstehenden Beurteilung ein anhaltender natürlicher Kausalzusammenhang angenommen würde.
5.
5.1
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbel
säule auch nach Ablauf einer ge
wissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Be
einträchtigun
gen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zu
rückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen
, wie sie für psychische Störun
gen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c).
Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall
eine massgebende Bedeu
tung für die Entstehung der Arbeits- beziehungs
weise der Erwerbsunfähigkeit zu
kommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse
Schwere aufweist oder mit ande
ren Worten ernsthaft ins Gewicht fällt.
Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne
Weiteres
zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Be
reichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des
Unfalls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
erhebliche Beschwerden;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als be
i den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung
(BGE 115 V 133) für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und
einer psy
chischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit
Schleu
dertrauma
der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Be
schwerden auf eine Dif
ferenzierung
zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr.
U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
Bei mittelschweren Unfällen im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen müs
sen vier der massgeblichen Kriterien (oder eines der Kriterien ausgeprägt) erfüllt sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2009 vom
7.
Dezember 2009, E. 5).
5.2
Die Beschwerdeführerin leidet
seit dem Unfall an
Nackenschmerzen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzuführen sind.
Am 2
2.
Dezember 2013 ist es auf einer Autobahn in
J._
zu einer Massenkaram
bolage gekommen. Dabei fuhr ein nachfol
gendes Fahrzeug in das Fahrzeug, in
dem sich auch die Beschwerdeführerin
als Beifahrerin
befand
.
In den vorin
stanzlichen Akten finden sich Unfallfotos, die das Unfallfahrzeug der
Familie der
Beschwerdeführerin zeigen (
Urk.
9/8 S. 3 f.).
Die Beschwerdeführerin berichtete,
dass
sie am
nächsten Tag im
C._
ein Spital aufgesucht habe, wo sie
geröngt
worden
sei. Dabei seien
jedoch
keine
Frakturen
festgestellt worden
(
Urk.
1 S. 4
Ziff.
1.1).
Rechtsprechungsgemäss ist der Unfall
anhand dieser Angaben
als
ein mittelschwerer Unfall im mittleren Bereich zu qualifizieren (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1026/2010 vom
7.
Oktober 2011, E. 5.1).
5.3
Nach den vorliegenden Akten ist nicht von besonders dramatischen Begleitum
ständen oder einer besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls auszugehen.
Ebenso ist das Kriterium der Schwere oder einer besonderen Art der erlittenen Verletzun
gen zu verneinen. Auch
war vorliegend
keine fortgesetzt, spezifische, belastende ärzt
liche Behandlung erforderlich.
Die Beschwerdeführerin klagte zuletzt noch über andauernde Nackenschmerzen. Das Kriterium der erheblichen Beschwerden kann als teilweise erfüllt betrachtet werden. Eine ärztliche Fehlbehandlung ist
jedoch
nicht dokumentiert. Allenfalls ist von einem schwierigen, verzögerten Heilungsverlauf auszugehen.
Eine er
heb
liche Arbeitsunfähigkeit
trotz ausgewiesene
r Anstrengungen liegt nicht vor, nachdem die Beschwerdeführerin ihre Arbeit schon am
1.
Februar
2014 mit einem Pensum von 50
%
wieder aufnehmen konnte (E. 3.3).
Damit sind höchstens zwei der zu prüfenden Kriterien erfüllt. Sie sind jedoch nicht besonders ausge
pr
ägt erfüllt, so dass ein adäquater Kaus
alzusammenhang zu verneinen ist beziehungsweise wäre.
5.4
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin das Dahinfallen der natürlichen Kausalität per 3
0.
September 2014 nachgewiesen hat. Zudem fehlt
es auch an der Voraussetzung eines adäquaten Kausalzusammenhanges
zwischen den andauernden Beschwerden und dem Unfall
. Die Beschwerdegegnerin hat die ausgerichteten Versicherungsleistungen daher zu Recht per 3
0.
September
2014 eingestellt.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
2
0.
November
2015 erweist sich nach dem Gesagten als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.