Decision ID: 34130a62-735c-47ea-9baa-6d2a5f38dbf0
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Gesuchstellerin suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach.
A.b Mit Verfügung vom 24. Februar 2021 lehnte das SEM das Asylgesuch
ab und ordnete die Wegweisung der Gesuchstellerin aus der Schweiz so-
wie den Vollzug an.
A.c Gegen diesen Entscheid erhob die Gesuchstellerin mit Eingabe vom
29. März 2022 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Mit Zwi-
schenverfügung des damals zuständigen Instruktionsrichters vom 12. Au-
gust 2022 wurde sie zur Bezahlung eines Kostenvorschusses von
Fr. 750.– bis zum 29. August 2022 aufgefordert. Nachdem der Kostenvor-
schuss innert Frist nicht geleistet worden war, trat das Bundesverwaltungs-
gericht mit Urteil D-1402/2021 vom 7. September 2022 auf die Beschwerde
nicht ein.
B.
Die Gesuchstellerin gelangte mit Eingabe vom 26. September 2022 an das
Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt, es sei das Urteil D-1402/2021
vom 7. September 2022 aufzuheben und es sei ihr mittels einer an ihre
korrekte Adresse (c/o [...]) zugestellten Zwischenverfügung eine neue Frist
zur Bezahlung des Kostenvorschusses anzusetzen.
Sie begründet ihr Fristwiederherstellungsgesuch vom 26. September 2022
damit, die Zwischenverfügung vom 12. August 2022 (Beschwerdeverfah-
ren D-1402/2021), mit welcher sie zur Leistung eines Kostenvorschusse-
ses aufgefordert worden sei, sei fälschlicherweise an ihre frühere, seit
(Nennung Zeitpunkt) nicht mehr gültige Adresse zugestellt worden. Aus
dieser nicht korrekt zugestellten Zahlungsaufforderung dürfe ihr kein Nach-
teil erwachsen. Dennoch sei dies geschehen, indem ihr Asylgesuch mit
dem Nichteintretensentscheid des Bundesverwaltungsgerichts
D-1402/2021 vom 7. September 2022 definitiv erledigt worden sei. Der
Nichteintretensentscheid sei daher aufzuheben und ihr sei – mittels Zustel-
lung an ihre aktuelle Adresse – eine neue Frist zur Zahlung des Kostenvor-
schusses von Fr. 750.– anzusetzen.
Der Eingabe lagen (Aufzählung Beweismittel) bei.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss Art. 31 i.V.m. Art. 33 VGG
für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM nach
Art. 5 VwVG zuständig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]. Diese Zuständigkeit
umfasst auch die Beurteilung von Gesuchen um Wiederherstellung von
Fristen im Sinne von Art. 24 Abs. 1 VwVG, welche im Zusammenhang mit
solchen Beschwerden stehen. Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet das
Bundesverwaltungsgericht in der Regel – und so auch vorliegend – end-
gültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG
richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
AsylG).
2.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der Regel – und so auch
vorliegend – in der Besetzung mit drei Richterinnen oder Richtern (Art. 21
Abs. 1 VGG).
3.
Gesuche, mit denen nach Nichteintreten des Bundesverwaltungsgerichts
auf eine Asylbeschwerde das Vorliegen entschuldbarer Gründe geltend ge-
macht wird, welche die Partei an der rechtzeitigen Leistung des Kostenvor-
schusses gehindert hätten, werden gemäss koordinierter Praxis der Abtei-
lungen IV und V grundsätzlich im Verfahren gemäss Art. 24 Abs. 1 VwVG
(Wiederherstellung der Frist) behandelt (vgl. auch Urteil des BVGer
D-3309/2022 vom 1. September 2022). Die Eingabe vom 26. September
2022 wird vom Bundesverwaltungsgericht daher als Fristwiederherstel-
lungsgesuch entgegengenommen.
4.
Nach Art. 24 Abs. 1 VwVG wird eine ungenutzt verstrichene gesetzliche
oder richterliche Frist wiederhergestellt, wenn der Gesuchsteller oder des-
sen Vertreter unverschuldeterweise abgehalten worden ist, binnen Frist zu
handeln (materielle Voraussetzung), sofern er unter Angabe des Grundes
innert 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die ver-
säumte Rechtshandlung in der gleichen Frist nachholt (formelle Vorausset-
zungen). Eine Fristwiederherstellung gemäss Art. 24 Abs. 1 VwVG kann
auch verlangt werden, wenn das Verfahren, bei dem die Frist verpasst wor-
den ist, bereits abgeschlossen ist, wobei im Falle einer Gutheissung des
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Fristwiederherstellungsgesuchs der bestehende Entscheid aufgehoben
wird (vgl. PATRICIA EGLI, in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger
[Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl., 2016, Art. 24, N 6 zu Art. 24).
5.
5.1 Es trifft zu, dass die Zwischenverfügung vom 12. August 2022 an eine
in jenem Zeitpunkt nicht mehr aktuelle Adresse der Gesuchstellerin (Nen-
nung Adresse) gesendet wurde. Gemäss Sendungsverfolgung der Post
konnte die Zwischenverfügung gleichwohl am 16. August 2022 in
B._ zugestellt werden. Wer die fragliche Zwischenverfügung in
Empfang genommen hat, lässt sich der Sendungsverfolgung nicht entneh-
men, weshalb letztlich nicht erstellt ist, ob beziehungsweise wann die Zwi-
schenverfügung in den Machtbereich der Gesuchstellerin gelangt ist, zu-
mal sich die Gesuchstellerin dazu auch nicht äussert. Diese Frage kann
indessen offenbleiben. Fest steht nämlich, dass der infolge Nichtbezahlens
des Kostenvorschusses ergangene Nichteintretensentscheid des Bundes-
verwaltungsgerichts D-1402/2021 vom 7. September 2022 – welcher kor-
rekterweise an die letzte bekannte (und heute noch aktuelle) Adresse der
Gesuchstellerin (Nennung aktuelle Adresse) gesendet worden war – als
seit dem 16. September 2022 eröffnet gilt (Zustellfiktion), nachdem jener
Entscheid von der Post nach Ablauf der siebentägigen Abholfrist am
16. September 2022 mit dem Vermerk "Nicht abgeholt" an das Bundesver-
waltungsgericht retourniert worden ist (vgl. Art. 12 Abs. 1 AsylG). Damit ist
jedenfalls davon auszugehen, dass die Frist von 30 Tagen zur Einreichung
des Wiederherstellungsgesuchs spätestens am 16. September 2022 zu
laufen begonnen hat.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Gesuchstellerin den
erwähnten Nichteintretensentscheid dem hier zu beurteilenden Gesuch
beigelegt hat, weshalb sie auch tatsächlich Kenntnis von diesem erhalten
hat.
5.2 Vor dem Hintergrund des Gesagten ist mit Blick auf die formellen
Voraussetzungen von Art. 24 Abs.1 VwVG festzustellen, dass die Gesuch-
stellerin das Wiederherstellungsgesuch mit Eingabe vom 26. September
2022 innert der 30-tägigen Frist, mithin rechtzeitig beim Bundesverwal-
tungsgericht eingereicht hat. Allerdings hat sie die versäumte Rechtshand-
lung, die Zahlung des Kostenvorschusseses von Fr. 750.–, nicht ebenso in
der 30-tägigen Frist nachgeholt. Gründe, aus denen sie den Kostenvor-
schuss nicht innert der in Art. 24 Abs. 1 VwVG stipulierten Frist hätte zahlen
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können, gehen aus den Akten nicht hervor und werden von der Gesuch-
stellerin auch nicht dargelegt.
5.3 Die formellen Voraussetzungen von Art. 24 Abs. 1 VwVG sind daher
nicht erfüllt.
Auf das Fristwiederherstellungsgesuch ist demzufolge nicht einzutreten.
6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 250.– der Ge-
suchstellerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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