Decision ID: 27875efd-65e1-54f9-86c2-eae6b10245f1
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
A.a Der Beschwerdeführer stellte am 21. September 2015 in der Schweiz
ein Asylgesuch. Anlässlich der Befragungen zur Person (BzP) vom 21. Ok-
tober 2015 sowie der einlässlichen Anhörung vom 16. Februar 2017
machte er zur Begründung im Wesentlichen geltend, er stamme aus
A._. Er habe als (...) gearbeitet. Im Jahr 2006 sei er verdächtigt
worden, etwas mit (...) zu tun gehabt zu haben, namentlich in Verbindung
mit Leuten der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zu stehen. Sein
Arbeitgeber habe jedoch bestätigt, dass er zum fraglichen Zeitpunkt (...)
gewesen sei, woraufhin er freigelassen worden sei. Er habe sich jedoch
wöchentlich zur Unterschrift melden müssen. Dieser Pflicht sei er ab (...)
2008 nicht mehr nachgekommen. Er habe sich versteckt und im (...) 2009
habe er sich nach B._ begeben. Im (...) 2009 sei er nach
C._ ausgereist, wo er sich bis (...) 2012 aufgehalten habe. Er habe
anschliessend ohne Probleme wieder nach Sri Lanka einreisen können,
auch keine weiteren Probleme gehabt und als (...) gearbeitet.
Seit 2014 habe er sich für die Tamil National Alliance (TNA) engagiert und
für diese einige Versammlungen organisiert. Im Jahr 2015 habe er zusam-
men mit drei Dorfleitern erfolgreich eine Beschwerde (...) eingereicht. Im
(...) 2015 seien Personen des Criminal lnvestigation Department (CID) ge-
kommen und hätten ihn zu dieser Beschwerde befragt. Erst jetzt habe er
realisiert, dass hinter dem (...)projekt Leute aus dem Verteidigungsminis-
terium gestanden hätten. Er und sein Mitstreiter R. seien deswegen be-
droht worden. Im Hinblick auf die Wahlen vom 17. August 2015 habe er die
TNA in ihrer Wahlkampagne unterstützt. Für den (...) 2015 habe die TNA
eine Demonstration gegen (...) geplant, bei deren Organisation er mitge-
holfen habe. Er sei deswegen zweimal durch das CID einvernommen, da-
bei bei der zweiten Befragung auch zu den Vorkommnissen von 2006 be-
fragt worden. Zudem habe ihn das CID in der Zeit vor der Ausreise im Jahr
2015 wiederholt angerufen und bedroht. Nach seiner Einreise in die
Schweiz habe er 2016 (...) an einer Demonstration für Vermisste teilge-
nommen. Sein Mitstreiter R. habe Sri Lanka ebenfalls verlassen.
E-6675/2019
Seite 3
A.b Mit Verfügung vom 22. Januar 2018 wies das SEM das Asylgesuch ab.
Die Vorinstanz kam zum Schluss, die Vorbringen würden weder den Anfor-
derungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) noch
denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten.
A.c Am 26. Februar 2018 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesver-
waltungsgericht eine Beschwerde gegen diese Verfügung ein. Im Wesent-
lichen hielt er an der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen fest.
A.d Mit Urteil E-1183/2018 vom 12. März 2018 wies das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde im Einzelrichterverfahren als offensichtlich
unbegründet ab. Das Gericht schloss sich der Unglaubhaftigkeitsargumen-
tation der Vorinstanz an und führte auch aus, soweit der Beschwerdeführer
versuche, mit nachgeschobenen Vorbringen nachträglich den Sachverhalt
teilweise anzupassen, sei dies als nicht glaubhaft zu werten. Sodann seien
insbesondere die Ausführungen zu den Befragungen des CID im Jahr 2015
oberflächlich und unsubstanziiert ausgefallen. Es sei folglich zweifelhaft,
ob er wirklich vom CID befragt worden sei. Im Rahmen der Prüfung der
Risikofaktoren habe das SEM zu Recht festgestellt, dass der Beschwerde-
führer die Flüchtlingseigenschaft auch in diesem Kontext nicht erfülle.
B.
Am 8. Mai 2018 reichte die Ehefrau des Beschwerdeführers mit den zwei
Kindern in der Schweiz ein Asylgesuch ein (E-6669/2019).
II.
C.
C.a In einer Eingabe an das SEM vom 11. Mai 2018 (mit Eingangsdatum
14. Mai 2018) stellte der Beschwerdeführer, handelnd durch seinen neu
bevollmächtigten Rechtsvertreter, ein zweites Asylgesuch.
C.b Am 4. und 12. Juni 2018 liess der Beschwerdeführer beim SEM ein
Gesuch um Sistierung dieses zweiten Asylgesuchs stellen, zumal er bis
dahin keine Einsicht in die Akten eines anderen, seine Aussagen stützen-
den, Verfahrensdossiers erhalten habe. Das SEM wies den Antrag auf Sis-
tierung am 20. Juni 2018 namentlich mit dem Hinweis ab, sein Gesuch
werde analog zu Art. 44 AsylG gemeinsam mit demjenigen der Ehefrau und
Kinder zu behandeln sein.
E-6675/2019
Seite 4
C.c Am 29. August 2019 wurde das dritte Kind des Beschwerdeführers in
der Schweiz geboren.
D.
Die Vorinstanz nahm die Eingabe vom 11. Mai 2018 als Mehrfachgesuch
und als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch entgegen. Mit Verfügung
vom 6. November 2019 lehnte sie das Mehrfachgesuch ab und trat auf das
Wiedererwägungsgesuch wegen Verspätung des Vorbringens nicht ein.
Die eingereichten Beweismittel, mehrheitlich zur Menschenrechts- und Si-
cherheitslage in Sri Lanka, die nunmehr eine Gefährdung des Beschwer-
deführers belegen sollten, seien alle vor dem Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts vom 12. März 2018 entstanden. Diese würden damit Revisi-
onsrecht beschlagen und grundsätzlich in die Zuständigkeit des Bundes-
verwaltungsgerichts fallen, weshalb darauf mangels funktionaler Zustän-
digkeit nicht einzutreten sei.
E.
Am 16. Dezember 2019 focht der Beschwerdeführer die Verfügung vom 6.
November 2019 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er ersuchte einleitend
um Mitteilung der mit der Behandlung dieses Beschwerdeverfahrens be-
fassten Gerichtspersonen; es sei zudem die Zufälligkeit deren Wahl, an-
dernfalls die angewandten konkreten und objektiven Kriterien für die Wahl
der betreffenden Gerichtspersonen mitzuteilen. Weiter wurde beantragt, es
sei die Widerrechtlichkeit der Übermittlung von Personendaten des Be-
schwerdeführers an die sri-lankischen Behörden festzustellen. Die Verfü-
gung vom 6. November 2019 sei zudem wegen Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör, eventuell wegen Verletzung der Begründungspflicht
aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen; eventuell sei die Ver-
fügung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und
richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das
SEM zurückzuweisen; eventuell sei in Aufhebung der vorinstanzlichen Ver-
fügung die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen
und es sei ihm Asyl zu gewähren; eventuell seien die Ziffern 3 und 4 des
Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung aufzuheben und es sei die Un-
zulässigkeit oder mindestens Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
festzustellen.
Mit der Beschwerde wurden (physisch und als Daten auf einer DVD) 180
Dokumente zu den Akten gereicht.
E-6675/2019
Seite 5
F.
Am 18. Dezember 2019 bestätigte das Gericht den Eingang der Be-
schwerde.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2019 teilte die Instruktionsrich-
terin dem Beschwerdeführer den mit seinem Beschwerdeverfahren
voraussichtlich befassten Spruchkörper mit. Hinsichtlich der Zufälligkeit der
Auswahl des Spruchgremiums wurde auf die Bestimmungen des Bundes-
gesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (Verwal-
tungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) verwiesen. Mit gleicher Verfügung
wurde der Beschwerdeführer zum Leisten eines Kostenvorschusses innert
Frist aufgefordert.
H.
Am 6. Januar 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um Befreiung von der
Bezahlung von Verfahrenskosten sowie um Verzicht auf die Erhebung des
Kostenvorschusses in der Höhe von Fr. 1500.–. Zur Begründung reichte er
namentlich eine Unterstützungsbestätigung der AOZ Zürich vom 6. Januar
2020 (als Beweismittel Nr. 181) zu den Akten.
I.
Mit Verfügung vom 8. Januar 2020 hiess die Instruktionsrichterin das nach-
trägliche Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut.
In Aufhebung der Ziffer 3 der Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2019
wurde der Beschwerdeführer antragsgemäss von der Pflicht zur Leistung
des Kostenvorschusses befreit.
J.
Mit Eingaben vom 2. März 2020 und am 30. März 2020 liess der Beschwer-
deführer weitere Ausführungen tätigen und reichte zusätzliche Beweismit-
tel, Fotografien namentlich zu seinem exilpolitischen Tun sowie diverse Be-
richte zu Sri Lanka, zu den Beschwerdeakten (Beweismittel 182 bis 190).
K.
Am 26. März 2021 liess der Beschwerdeführer erneut auf sein andauern-
des exilpolitisches Engagement hinweisen und weitere Unterlagen (Be-
weismittel 191 bis 195) ins Recht legen.
E-6675/2019
Seite 6
L.
Mit Eingabe vom 2. August 2021 liess der Beschwerdeführer unter entspre-
chenden Ausführungen weitere Unterlagen, namentlich zwei Fotografien,
zu den Beschwerdeakten reichen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR
142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwer-
deführung legitimiert (Art. 48 VwVG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
Der in der Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2019 bekanntgegebene
Spruchkörper wurde aufgrund der Abwesenheit des Zweitrichters und der
Drittrichterin insofern angepasst, als diese durch die mit der Stellvertretung
betrauten Richterinnen Christa Luterbacher und Constance Leisinger er-
setzt wurden.
4.
4.1 In der Beschwerde wird in der Hauptsache gerügt, das SEM habe das
rechtliche Gehör und die Begründungspflicht verletzt sowie den Sachver-
E-6675/2019
Seite 7
halt unvollständig und unrichtig abgeklärt. In ausführlicher Begründung die-
ser Rügen wird der Schluss gezogen, dies müsse die Kassation zur Folge
haben.
4.1.1 Entgegen dieser Auffassung liegt vorliegend weder eine Verletzung
der Begründungspflicht (vgl. BVGE 2016/9 E. 5.1) noch eine unrichtige
oder unvollständige Sachverhaltsfeststellung (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3)
vor. Die Vorinstanz hat in ihrer – eingehend begründeten – Verfügung vom
6. November 2019 den sich aufgrund der Eingabe vom 11. Mai 2018 erge-
benden Sachverhalt vollständig und richtig festgestellt und in der Folge mit
rechtsgenüglicher Begründung dargelegt, warum der Beschwerdeführer
die Flüchtlingseigenschaft (weiterhin) nicht erfülle, das Mehrfachgesuch
abgewiesen und der Wegweisungsvollzug (wiederum) als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet werde. Insgesamt hat sie ihren Entscheid so be-
gründet, dass der Beschwerdeführer sich über die Tragweite des Entschei-
des ein Bild machen und diesen entsprechend sachgerecht anfechten
konnte. Auch dass die Vorinstanz im Rahmen des zweiten Asylverfahrens
keine weitere Anhörung durchgeführt hat, lässt nicht auf eine unvollstän-
dige Sachverhaltserhebung schliessen (vgl. dazu Wortlaut von Art. 111c
Abs. 1 Satz 1 AsylG), zumal der Beschwerdeführer die Gelegenheit hatte,
im zweiten Asylgesuch und in der Beschwerdeschrift die behaupteten Ver-
folgungsvorbringen ausführlich schriftlich darzulegen. Dies hat er nament-
lich auf Beschwerdeebene mit seiner mehr als 80-seitigen Beschwerde-
schrift mehr als deutlich kundgetan.
4.1.2 Der Beschwerdeführer rügt ferner, das SEM sei vorliegend auf das
Mehrfachgesuch eingetreten, habe aber aus formellen Gründen verschie-
dene Sachverhaltselemente von der Beurteilung ausgeklammert, für deren
Beurteilung auf das Bundesverwaltungsgericht verwiesen und diesbezüg-
lich einen Nichteintretensentscheid gefällt. Es erfolge keine Gesamtbeur-
teilung des Sachverhaltes, was zu einem falschen Ergebnis führe, wodurch
die Flüchtlingseigenschaft in Verletzung von Art. 1 und 33 der Flüchtlings-
konvention sowie Art. 3 AsylG verneint werde.
Die Vorinstanz qualifizierte die Vorbringen und beigebrachten Unterlagen
in Anwendung der massgebenden Gesetzesbestimmungen über ausseror-
dentliche Rechtsmittel und Mehrfachgesuche (vgl. Art. 111b und 111c
AsylG, Art. 66 VwVG, Art. 45 VGG i.V.m. Art. 121 ff. BGG) zu Recht diffe-
renziert als Mehrfachgesuch, qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch und
Revisionsgesuch. Erhöhte Formerfordernisse sind im Rahmen von ausser-
E-6675/2019
Seite 8
ordentlichen Rechtsmitteln zulässig respektive vom Gesetzgeber aus-
drücklich gewollt (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5). Es liegt somit eine in jeder
Hinsicht korrekte Rechtsanwendung vor. Eine in diesem Zusammenhang
erfolgte Verletzung der Prüfungs- und Begründungspflicht ist im Übrigen
auch nicht ersichtlich (vgl. Urteil des BVGer E-4703/2017, E-4705/2017
vom 25. Oktober 2017 E. 2.6).
Soweit damit zudem eine falsche oder fehlende Würdigung der Vorbringen
im neuen Asylgesuch kritisiert wird, beschlägt dies nicht die formelle Frage
der rechtsgenüglichen Begründung, sondern ist eine Rüge materiell-recht-
licher Natur. Insgesamt ist damit im Kontext dieser korrekten Rechtsan-
wendung ebenfalls keine Verletzung des rechtlichen Gehörs auszu-
machen.
4.2 Nach dem Gesagten sind die Hauptanträge des Beschwerdeführers,
die angefochtene Verfügung sei wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs
und der Begründungspflicht respektive der unvollständigen oder unrichti-
gen Sachverhaltsabklärung aufzuheben und zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen, abzuweisen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer rügt im Weiteren die Verletzung fundamentaler
Datenschutzbestimmungen durch die Vorinstanz. In Art. 97 Abs. 3 AsylG
und Art. 16 Bst. c des Abkommens zwischen dem Schweizerischen Bun-
desrat und der Regierung der Demokratischen Sozialistischen Republik Sri
Lanka über die Zusammenarbeit im Bereich der Migration vom 4. Oktober
2016 (SR 0.142.117.121, nachfolgend: Migrationsabkommen) sei ab-
schliessend aufgelistet, welche Daten über ihn an Sri Lanka übermittelt
werden dürften. Abgesehen davon sei eine grenzüberschreitende Daten-
übermittlung nach Art. 6 DSG, dem neben den datenschutzrechtlichen
Bestimmungen des Asylgesetzes nach wie vor eine eigenständige Bedeu-
tung zukomme und der entsprechend auch vorliegend zu beachten sei, nur
dann zulässig, wenn sichergestellt sei, dass im Ausland eine Datenschutz-
gesetzgebung existiere, welche mit dem Schutzniveau in der Schweiz ver-
gleichbar sei. Dies sei für den Fall von Sri Lanka offensichtlich nicht gege-
ben, so dass jede Datenübermittlung rechtswidrig sei. Entsprechend ver-
lange er die Feststellung der Widerrechtlichkeit der Übermittlung seiner
Personendaten an die sri-lankischen Behörden (vgl. Rechtsbegehren 2).
E-6675/2019
Seite 9
5.2 Eine Feststellung der widerrechtlichen Datenübermittlung kommt nur in
Betracht, wenn Daten weitergegeben wurden, die nicht im Einklang mit gel-
tendem Recht stehen. Das Bundesverwaltungsgericht bezog in BVGE
2017 VI/6 zu entsprechenden Rügen im Zusammenhang mit dem Migrati-
onsabkommen zwischen der Schweiz und Sri Lanka betreffend die Daten-
weitergabe und damit möglicherweise verbundene Verpflichtungen der
schweizerischen Migrationsbehörden Stellung. Es hielt fest, dass es sich
bei Art. 97 Abs. 3 AsylG und Art. 16 Bst. c Migrationsabkommen um eine
nicht abschliessende Aufzählung der Daten handelt, die einer ausländi-
schen Behörde für die Organisation der Ausreise der betroffenen Person
übermittelt werden dürfen (vgl. a.a.O. E. 2.5.2). Bei der Ersatzreisepapier-
beschaffung handelt es sich um ein standardisiertes, lang erprobtes und
gesetzlich geregeltes Verfahren. Nur aufgrund der Datenübermittlung der
schweizerischen Behörden an die sri-lankischen Behörden ist bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rech-
nen. Es ist auch nicht ersichtlich, dass die Übermittlung von Personenda-
ten in diesem Zusammenhang im Widerspruch zu völkerrechtlichen Be-
stimmungen, namentlich Menschenrechtskonventionen, steht. Demnach
liegt keine Verletzung von Art. 97 Abs. 3 AsylG und Art. 16 Migrationsab-
kommen vor, sodass auch – ungeachtet der Frage der Massgeblichkeit der
eingangs erwähnten Bestimmungen des Datenschutzgesetzes – der An-
trag auf Feststellung der Widerrechtlichkeit der Datenübermittlung an die
sri-lankischen Behörden abzuweisen ist.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Seite 10
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
7.1 Das SEM führte in der Verfügung aus, die bekannten Vorfluchtgründe
seien im Rahmen des ersten, rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfah-
rens als unglaubhaft bewertet worden. Das Bundesverwaltungsgericht
habe diesen Standpunkt gestützt. Somit könne der Beschwerdeführer aus
den Aussagen der Ehefrau und deren Ausreise nichts zu seinen Gunsten
ableiten, zumal allein die Ausreise der Familienmitglieder mitnichten geeig-
net sei, die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Vorfluchtgründe zu un-
termauern respektive den Standpunkt des SEM im abgeschlossenen Ver-
fahren umzustossen. Im Übrigen werde das Asylgesuch der Frau ebenfalls
aufgrund der Unglaubhaftigkeit in ihren Schilderungen abgewiesen. Bei
den Aussagen des genannten Mitstreiters R. Th. handle es sich um Partei-
aussagen einer Drittperson, die keine zusätzliche Beweiskraft zu entfalten
vermöchten. Insofern sei nicht weiter auf die Verfahrensakten von R. Th.
einzugehen, zumal sich die Schweiz nicht für die Behandlung seines Asyl-
gesuchs verantwortlich zeige.
7.2 Weiter hielt das SEM fest, allein aufgrund der Kommunalwahlen im
Februar 2018 entstehe beim Beschwerdeführer kein erhöhtes Risikoprofil
und das Wahlergebnis und die damit verbundene, im Grundsatz bereits
verwirklichte weitgehende Machtübernahme durch den früheren Präsiden-
ten Rajapaksa stelle nach seiner Sicht keinen neuen rechtserheblichen
Sachverhalt dar. Der am 26. Oktober 2018 begonnene Machtkampf zwi-
schen der Sri Lanka Freedom Party (SLFP) von Maithripala Sirisena sowie
der Sri Lanka People's Party (SLPP) von Mahinda Rajapaksa und der Uni-
ted National Party (UNP) von Ranil Wickremesinghe sei auf politischer und
justizieller Ebene ausgetragen worden und habe vor allem in Colombo
stattgefunden. Am 13. Dezember 2018 habe das Verfassungsgericht (Sup-
reme Court of Sri Lanka) entschieden, dass die Parlamentsauflösung durch
den Präsidenten Sirisena verfassungswidrig gewesen sei. In der Folge sei
Mahinda Rajapaksa am 15. Dezember 2018 als Premierminister zurückge-
treten und Ranil Wickremesinghe sei am 16. Dezember 2018 wieder als
Premierminister vereidigt worden. Aufgrund dessen und da auch während
der Zeit des Machtkampfes keine Zunahme gezielter Verfolgungsmass-
nahmen zu verzeichnen gewesen sei, könne nicht von einer generell er-
höhten Gefährdung für sri-lankische Staatsangehörige aufgrund dieses
Machtkampfes ausgegangen werden. An dieser Einschätzung würden die
E-6675/2019
Seite 11
eingereichten Beweismittel zum Thema nichts ändern, zumal sich auch
diesen kein persönlicher Bezug zum Beschwerdeführer entnehmen lasse.
7.3 Angesichts der bisherigen Ausführungen bestehe kein begründeter An-
lass zur Annahme, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. Ebenso
wenig seien seit der Rechtskraft der ablehnenden Verfügung des SEM vom
22. Januar 2018 zusätzliche Risikofaktoren ersichtlich, die sein Risikoprofil
erhöhen könnten. Aufgrund der vorliegenden Aktenlage sei nicht ersicht-
lich, weshalb der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise
verfolgt werden sollte.
7.4 Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und das
Mehrfachgesuch vom 14. Dezember 2018 werde daher abgewiesen.
7.5 In der Beschwerde wird für den Fall der materiellen Beurteilung des
Falles durch das Bundesverwaltungsgericht vorweg beantragt, das SEM
habe Einsicht in die Verfahrensakten N (...) betreffend den ehemaligen Mit-
streiter R. Th. des Beschwerdeführers zu geben und es sei entsprechend
eine angemessene Nachfrist zur Beschwerdeergänzung anzusetzen
7.5.1 Einleitend ist dazu festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer auf-
grund der vorgelegten Vollmacht von R.Th. vom SEM am 1. Juni 2018 (und
erneut am 7. Juni 2018) unter anderem mitgeteilt wurde, da es sich um ein
rechtskräftig abgeschlossenes Verfahren handle, werde für den Umfang
der zuzustellenden Akten eine Gebühr gestützt auf Art. 14 und 15 der Ver-
ordnung über Kosten und Entschädigungen im Verwaltungsverfahren
(VKEV; SR 172.041.0) erhoben. Am 9. Juli 2018, nach Leisten der Gebühr,
wurden dem Rechtsvertreter die Akten gemäss bereits zugestelltem Akten-
verzeichnis zugestellt. Inwieweit die erfolgte, gestützt auf eine schweizeri-
sche Verordnung vorgenommene und auf Beschwerdeebene erneut mo-
nierte Gebührenerhebung willkürlich sein sollte, ist nicht nachvollziehbar.
Hingegen erscheint geradezu mutwillig, wenn der Rechtsvertreter nunmehr
auf Beschwerdeebene erneut und begleitet von verschiedenen unbegrün-
deten Unterstellungen um – kostenlose – Einsicht in diese Akten ersucht.
Diesem Antrag auf erneute Einsicht in dieselben Akten, zumal ohne ein
entsprechendes schriftliches Einverständnis von R. Th. (die beim SEM ein-
gereichte Vollmacht betrifft Handlungen in eigener, nicht Beweisführung in
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Seite 12
fremder Sache), ist nach dem Gesagten nicht stattzugeben. Ebenfalls zu-
rückzuweisen ist die Unterstellung, das SEM habe bewusst die Konsulta-
tion der Akten von R.Th. unterlassen. Die Vorinstanz hat sich in der ange-
fochtenen Verfügung sowohl im Sachverhalt als auch in den Erwägungen
zum Referenzdossier geäussert (vgl. auch oben E. 7.1 in fine), was mithin
den Beizug desselben impliziert.
Wie erwähnt hat das SEM die Akten von R.Th. in seine Erwägungen ein-
bezogen. Nach Sichtung jener Akten sind die dazu formulierten Erwägun-
gen der Vorinstanz ohne Weiteres zu bestätigen. Bei den am 30. März 2020
eingereichten Fotografien zum Beleg des Engagements für die TNA und
des Bezugs zu R.Th. handelt es sich offenbar um privat entstandene Auf-
nahmen; diese sind nicht geeignet, eine neue Beurteilung der behaupteten
Verfolgungssituation zu bewirken. Ausserdem beziehen sich diese Vorbrin-
gen und Unterlagen – dabei auch die Aufnahmen, die eine Kontrolle bei
der Mutter im Jahr 2018 belegen sollen (wobei weder belegt ist, ob es sich
tatsächlich um die Mutter handelt, noch, ob die genannte zeitliche Einord-
nung zutrifft) – auf Tatsachen, welche bereits Gegenstand des ersten Asyl-
verfahrens gewesen und mit Urteil E-1183/2018 vom 12. März 2018 in letz-
ter Instanz rechtskräftig beurteilt worden sind. Nach dem Gesagten können
weitere Ausführungen oder das Ansetzen einer Nachfrist zu Ergänzungen
unterbleiben.
7.5.2 Was weiter das Vorbringen betrifft, das Lagebild des SEM vom
16. August 2016 stütze sich vorwiegend auf nichtexistierende und nicht be-
wiesene Quellen, weshalb dieses Lagebild fehlerhaft und dabei der Unter-
suchungsgrundsatz verletzt worden sei, wurde in diesem Zusammenhang
vom Gericht bereits in mehreren vom Rechtsvertreter geführten Verfahren
(vgl. etwa Urteil des BVGer D-6503/2018 vom 29. Januar 2019 E. 5.1,
m.w.H.) festgestellt, dass diese länderspezifische Lageanalyse des SEM
öffentlich zugänglich ist und die Abstützung auf derselben den verfahrens-
rechtlichen Bestimmungen zu genügen vermag. Die Rüge, das SEM stütze
sich durch die Verwendung dieses Berichts auf einen unvollständigen und
unrichtigen Sacherhalt, ist somit unbegründet, zumal in casu die Vorinstanz
in der angefochtenen Verfügung den besagten Lagebericht vom 16. August
2016 gar nicht erwähnt hat. Die Frage, inwiefern sich ein Bericht auf ver-
lässliche und überzeugende Quellen abstützt, stellt schliesslich keine for-
melle Frage dar, sondern ist gegebenenfalls im Rahmen der materiellen
Würdigung durch das Gericht zu berücksichtigen. Es ist abschliessend da-
E-6675/2019
Seite 13
rauf hinzuweisen, dass das SEM diesen Lagebericht weder in seiner Ver-
fügung vom 6. November 2019 noch derjenigen vom 22. Januar 2018 ex-
plizit thematisiert hat.
7.5.3 Weiter wird beantragt, es sei im Zusammenhang mit der Entführung
einer schweizerischen Botschaftsmitarbeiterin am 25. November 2019 ab-
zuklären, ob unter den erpressten Daten auch der Name des Beschwerde-
führers zu finden sei und welche Daten generell auf dem Mobiltelefon der
Entführten erpresst worden seien. Der Antrag ist abzuweisen, zumal nicht
substanziiert begründet wird, inwiefern zwischen dem Beschwerdeführer
und der besagten Botschaftsmitarbeiterin eine Verbindung bestehen sollte.
Im Übrigen wurde dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bereits in
anderen Verfahren mitgeteilt, dass sich gemäss Auskunft der Botschaft
keine Daten über sich in der Schweiz aufhaltende, asylsuchende Personen
aus Sri Lanka auf dem beschlagnahmten Mobiltelefon der vom Sicherheits-
vorfall betroffenen lokalen Angestellten der Schweizer Botschaft befanden
und auch anderweitig keine Informationen in Bezug auf die erwähnten Per-
sonen an Dritte gelangten (vgl. etwa Urteil BVGer D-5377/2019 vom 14.
April 2020 E. 4.5).
7.6 In der Beschwerde wird einlässlich und unter Anführen von Fallbei-
spiele und Berichten die Entwicklung der Menschenrechtslage, der Mei-
nungsfreiheit und Minderheitenrechte in Sri Lanka – namentlich seit der
Wahl von Gotabaya Rajapaksa – beschrieben sowie eine daraus resultie-
rende markante Erhöhung der Gefährdungslage für zurückkehrende abge-
wiesene Asylgesuchsteller abgeleitet. Dessen Wahl bedeute eine Zäsur in
der jüngeren Geschichte Sri Lankas und besiegle endgültig den vermeint-
lichen Reformkurs der vormaligen Regierung unter Sirisena. Dabei habe
bereits Sirisena den Kriegsverbrecher Shavendra Silva, dessen politische
Loyalität bei Gotabaya Rajapaksa liege, zum neuen Armeechef ernannt
und habe das Militär mit polizeilichen Kompetenzen ausgestattet. Seither
seien Aktivisten, Journalisten und Angehörige von Minderheiten grossen
Gefahren ausgesetzt, die Überwachungsmassnahmen hätten zugenom-
men, der Reformkurs sei abgebrochen. Die sri-lankischen Behörden führ-
ten eine sogenannte internationale Blacklist, wobei ab Mitte 2018 wieder
vermehrt Personen mit tamilischer Ethnie mit LTTE-Hintergrund auf die-
selbe gesetzt worden seien, die Einträge seit 2016 nicht unerheblich zu-
nähmen und eine Zunahme von entsprechenden Ermittlungstätigkeiten zu
beobachten sei. Dabei dürften die sri-lankischen Sicherheitsbehörden über
eine noch umfangreichere interne Blacklist verfügen. Eine gravierend er-
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höhte Gefährdungslage ergebe sich besonders für rückkehrende Asylge-
suchsteller, wobei solche aus Exilzentren der LTTE, wie aus der Schweiz,
unter einem Generalverdacht stünden. Es sei insgesamt mit einer noch-
mals erhöhten Anwendung von Folter zu rechnen. Die zu erwartende Straf-
losigkeit der eingesetzten Militärs werde potentielle Täter zusätzlich befeu-
ern, Menschenrechtsverletzungen zu begehen und zu einer Zunahme von
Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen führen, wobei besonders
LTTE-Mitglieder der Gruppe tamilischer Rückkehrer aus der Diaspora und
exilpolitisch aktive Personen namentlich der Schweiz betroffen seien, zu-
mal die Überwachung der Diaspora zugenommen habe. Die im Referenz-
urteil des BVGer vom 15. Juli 2016 definierten Risikofaktoren hätten im
Kontext der aktuellen Lage in Sri Lanka verstärkt Geltung. Die Angehörigen
ethnischer Minderheiten müssten bei einer Verhaftung mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit Folter und weitere Übergriffe befürchten.
7.7 Im konkreten Fall seien dem Beschwerdeführer Verbindungen zu den
LTTE unterstellt und vorgeworfen worden, in (...) involviert gewesen zu
sein. Er habe sich zudem für die TNA oppositionspolitisch engagiert und
an von der TNA unterstützten Protesten gegen eine Bareröffnung aktiv teil-
genommen. Aus der Reflexverfolgung seiner Ehefrau (Verfahren E-
6669/2019) werde zudem ein bereits vorher anhaltendes Verfolgungsinte-
resse am Beschwerdeführer erkennbar. Zudem lebe der Beschwerdeführer
seit mehreren Jahren in der Schweiz, einem Hort des tamilischen Separa-
tismus, und habe sich hier exilpolitisch engagiert, dabei auch auf Facebook
öffentlich seine Anhängerschaft zum tamilischen Separatismus kundgetan.
Er sei damit verschiedenen Risikogruppen zuzurechnen. Zur Untermaue-
rung werde namentlich ein eigens verfasster Länderbericht vom 22. Okto-
ber 2018 eingereicht. Zudem habe der Beschwerdeführer gegenüber dem
Rechtsvertreter einen Onkel erwähnt, der Verbindungen zu den LTTE ge-
habt habe; Unterlagen würden beschafft und nachgereicht.
8.
8.1 Die auf Beschwerdeebene formulierten Ausführungen zur allgemeinen
Sicherheitslage in Sri Lanka sowie zu Exilaktivitäten und Familienangehö-
rigen mit LTTE-Hintergrund sind nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers zu begründen. Vorweg ist festzuhalten, dass so-
wohl im Mehrfachgesuch vom 11. Mai 2018 als auch in der nun vorliegen-
den Beschwerdeschrift Sachverhaltselemente einbezogen und beschrie-
ben wurden, die bereits im ordentlichen Asylverfahren beurteilt worden
sind. Auf diese rechtskräftig beurteilten Asylvorbringen ist nicht weiter ein-
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zugehen. Auch das Vorbringen, die von der Ehefrau geltend gemachte Re-
flexverfolgung sei ein deutliches Indiz für die gegen den Beschwerdeführer
anhaltende Vorverfolgungssituation, betreffen bereits beurteilte Sachver-
haltselemente und bewirken keine erneute Prüfung derselben. Was die
Vorbringen der Ehefrau als solche betrifft, werden diese mit separatem Ur-
teil E-6669/2019 geprüft und gewürdigt und es wird zeitlich koordiniert mit
vorliegendem Urteil über diese entschieden.
8.1.1 Der Beschwerdeführer macht auf Beschwerdeebene ein exilpoliti-
sches Engagement geltend. Im ordentlichen Verfahren hatte er eine Teil-
nahme an einer Demonstration genannt und dazu explizit erklärt, er habe
einfach teilgenommen und wisse nicht mehr das genaue Datum der Ver-
anstaltung (vgl. A13/16 F/A86-98). Im ordentlichen (ersten) Beschwerde-
verfahren erwähnte er keine exilpolitischen Tätigkeiten. Im Mehrfachge-
such vom 11. Mai 2018 an das SEM sowie in der vorliegenden Beschwerde
vom 16. Dezember 2019 wurde jeweils von exilpolitischer Aktivität gespro-
chen, ohne dazu konkrete Angaben zu machen. Erst in den Eingaben vom
2. März, 30. März 2020 sowie 26. März 2021 bringt der Beschwerdeführer
verschiedene Fotografien (Farbkopien) von Kundgebungsteilnahmen – die
teilweise in sri-lankischen Zeitungen abgedruckt worden seien – und Ko-
pien von Facebook-Screenshots bei und spricht von einem anhaltenden
exilpolitischen Engagement. Entgegen den Darlegungen zu diesen Einga-
ben ist der Beschwerdeführer auf diesen Fotografien nicht individualisier-
bar, seine diesbezüglichen handschriftlichen Markierungen ändern daran
nichts. Die geltend gemachte Aktivität auf Facebook – einer der Screen-
shots betrifft dabei keine eigene Publikation des Beschwerdeführers und
auf den Bildern ist er nicht identifizierbar – lässt in der vorliegenden Kons-
tellation ebenfalls nicht darauf schliessen, der Beschwerdeführer wäre
dadurch mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit wegen separatistischer Be-
strebungen in den Fokus der sri-lankischen Behörden geraten.
8.1.2 Was die familiären Verbindungen zu den LTTE betrifft, hat der Be-
schwerdeführer im Vorverfahren keine diesbezüglich aktiven Familienmit-
glieder erwähnt. Auf Beschwerdeebene erwähnt er erstmals einen Onkel.
Dazu ist festzuhalten, dass er diesem Verwandtschaftsverhältnis offenbar
kein zentrales Gewicht beigemessen hat, ansonsten er dieses Sachver-
haltselement bereits zu einem früheren Zeitpunkt aktenkundig gemacht
hätte und es aufgrund der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht auch hätte
vorbringen müssen; mithin ist nicht nachvollziehbar, weshalb er diesen On-
kel nicht im ordentlichen Asylverfahren benannt und entsprechende be-
weisbildende Unterlagen beigebracht hat respektive aus welchem Grund
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er nicht in der Lage gewesen sein sollte, dies anlässlich der vertieften An-
hörung zu seinen Asylgründen zu erzählen. Dieses Vorbringen vermag
folglich das Risikoprofil nicht im Sinn der gefestigten Rechtsprechung zu
erhöhen; das am 2. März 2020 dazu eingereichte Fotobild (Kopie), welches
eine Heldengedenktafel des Onkels darstelle, führt zu keiner anderen
Schlussfolgerung.
8.1.3 Letztlich kann allein aus der langjährigen Landesabwesenheit und
der tamilischen Ethnie vorliegend keine Gefährdung im Sinn der gefestig-
ten Rechtsprechung bei der Prüfung individueller Risikofaktoren abgeleitet
werden. Soweit er vorbringt, wegen (...) im Jahr 2006 (in der Beschwerde
wird jener Vorfall fälschlicherweise auf das Jahr 2016 datiert) gefährdet zu
sein, ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nach einem mehrjähri-
gen Auslandaufenthalt von 2009 bis 2012 wieder nach Sri Lanka zurück-
gekehrt ist und bis zur Ausreise dort gelebt hat. Die hier für 2016 geltend
gemachten Probleme wurden im ordentlichen Verfahren rechtskräftig be-
urteilt, und es ist insgesamt nicht davon auszugehen, er figuriere nunmehr
auf einer Watchlist und müsse deswegen mit erheblicher Wahrscheinlich-
keit entsprechende gezielte Verfolgung im Sinn des Asylgesetzes befürch-
ten.
8.1.4 Insgesamt sind damit die fallbezogenen Vorbringen nicht geeignet,
im Rahmen der Prüfung von Risikofaktoren zu neuen Schlussfolgerungen
zu führen.
8.1.5 Ebenfalls zu Recht verneint hat die Vorinstanz einen konkreten Fall-
bezug im Kontext der veränderten Sicherheitslage in Sri Lanka namentlich
seit dem Regierungs- und damit verbundenen Machtwechsel. Die umfang-
reichen Darlegungen zur Situation in Sri Lanka im Beschwerdeverfahren
lassen weiterhin keinen konkreten Bezug in dem Sinn erkennen, dass der
Beschwerdeführer wegen seines Profils von dieser Entwicklung in Sri
Lanka nun konkret und individuell betroffen wäre. Dies gilt umso mehr vor
dem Hintergrund des vorliegend bereits ergangenen Urteils, in welchem
seine Asylgründe geprüft worden sind und rechtskräftig festgestellt worden
ist, diese seien nicht glaubhaft, womit der Beschwerdeführer keiner asylre-
levanten Gefährdung ausgesetzt sei. Als nicht begründet erweisen sich die
Ausführungen, durch die veränderte Sicherheitslage werde die unterbro-
chene systematische Verfolgung jeglicher auch weit zurückliegender
LTTE-Aktivitäten vollumfänglich wieder aufgenommen, was für den Be-
schwerdeführer eine asylrelevante Verfolgungsgefahr zur Folge habe: Der
Beschwerdeführer hat keine eigenen LTTE-Aktivitäten geltend gemacht
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und die nach Ankunft in der Schweiz vorgebrachten Asylgründe sind, wie
erwähnt, rechtskräftig als unglaubhaft beurteilt worden.
8.1.6 Sodann sind die (in mehreren ähnlich gelagerten Verfahren des
Rechtsvertreters bereits gemachten, standardisierten und textbausteinarti-
gen) Ausführungen zur sogenannten internationalen Blacklist, aus welcher
sich eine erhöhte Gefährdung ergeben soll, insofern unbegründet, als auch
hier kein konkreter Bezug zur Person des Beschwerdeführers festzustellen
ist. Die in diesem Zusammenhang zitierten Urteile BVGer E-133/2018 und
D-3127/2018 sind in ihrer jeweiligen Konstellation mit dem vorliegenden
Verfahren offensichtlich nicht vergleichbar.
8.1.7 Entgegen der auf Beschwerdeebene geäusserten Auffassung kann
auch aus den eingereichten Beweismitteln, namentlich den Länderinforma-
tionen, für den Beschwerdeführer keine konkrete, asylrechtlich beachtliche
Gefährdungssituation hergeleitet werden. Es trifft zu, dass die Entwicklung
der politischen Situation Sri Lankas, namentlich im Kontext der Menschen-
rechtslage, einer aufmerksamen Beobachtung bedarf. Dabei konnten bei-
spielsweise die im Zusammenhang mit der Festnahme einer Mitarbeiterin
der Schweizer Vertretung sich ergebenden Fragen geklärt werden, und es
lässt sich weiterhin nicht auf eine generell erhöhte Gefährdung von zurück-
kehrenden tamilischen Staatsangehörigen schliessen; mit anderen Worten
stellt sich die Lage aktuell nicht dergestalt dar, dass diese zur Annahme
führen würde, es würden neu ganze Volksgruppen kollektiver Verfolgungs-
gefahr ausgesetzt. Insofern ist an der Lageeinschätzung im Urteil
E-1866/2015 weiterhin festzuhalten.
8.2 Zusammenfassend ist in Würdigung der relevanten Sachverhaltsele-
mente festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist,
eine im Sinn von Art. 3 AsylG relevante Verfolgungsgefahr nachzuweisen
oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat das Mehrfachgesuch mit zu-
treffender und rechtsgenüglicher Begründung zu Recht abgewiesen.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
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9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Mit Urteil E-6669/2019 gleichen Datums werden die Ehefrau und die
Kinder des Beschwerdeführers in der Schweiz zufolge Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs namentlich wegen der gesundheitlichen Situation
des Kindes S. vorläufig aufgenommen.
In Berücksichtigung des Grundsatzes der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG) ist der Beschwerdeführer (Vater und Ehemann) in die vorläufige
Aufnahme einzubeziehen, zumal aus den Akten keine Hinweise auf das
Vorliegen von Ausschlussgründen nach Art. 83 Abs. 7 AIG hervorgehen.
Die zu prüfenden Kriterien des Wegweisungsvollzugs (Zulässigkeit, Zu-
mutbarkeit und Möglichkeit) sind alternativer Natur. Ob weitere Vollzugs-
hindernisse (Zulässigkeit und Möglichkeit) vorliegen, kann demnach vorlie-
gend ebenso offenbleiben wie die Frage, ob der Beschwerdeführer selbst,
wäre er ohne Familie, sich durch den Vollzug der Wegweisung einer Ge-
fährdung im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AIG ausgesetzt sehen würde.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist im Asylpunkt abzuwei-
sen; im Wegweisungsvollzugspunkt ist die Beschwerde insoweit gutzu-
heissen, als der Beschwerdeführer im Rahmen der Einheit der Familie in
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die vorläufige Aufnahme der Familienmitglieder (E-6669/2019) einzubezie-
hen ist.
12.
12.1 Mit Zwischenverfügung vom 8. Januar 2020 wurde das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1
VwVG gutgeheissen. An der finanziellen Situation des Beschwerdeführers
hat sich gemäss Akten nichts geändert, weshalb keine (reduzierten) Ver-
fahrenskosten zu erheben sind.
12.2 Dem Beschwerdeführer ist für das teilweise (faktische) Obsiegen –
dieses ist nicht durch den Inhalt der vorliegenden Beschwerde, sondern
aufgrund des Grundsatzes der Einheit der Familie ausgelöst worden – im
Wegweisungspunkt eine reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen.
Diese ist bei der vorliegenden Aktenlage von Amtes wegen festzulegen
(vgl. Art. 8 ff. und Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Das SEM ist daher anzuweisen, dem Beschwer-
deführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Partei-
entschädigung von Fr. 750.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszu-
richten.
(Dispositiv nächste Seite)
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