Decision ID: 966e8a8e-075a-4aa2-9e9f-9cb689674761
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1987, war seit 1. März 2013 bei der
Y._
GmbH,
Z._
, angestellt und dadurch bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 5. Mai 2013 einen schweren Motorradunfall erlitt (Urk. 7/1).
Mit Verfügung vom 26. Juli 2016 (Urk. 7/267) sprach die Suva dem Versicherten eine Integritätsentschädigung in Höhe von 10 % zu. Dagegen erhob der Versicherte am 29. August 2016 Einsprache (Urk. 7/274), worauf die Suva
die Verfügung am 18. November 2016 formlos in Wiedererwägung zog und
weitere Abklärungen tätigte
(Urk. 7/281). Mit Verfügung vom 13. Juli 2017 (Urk. 7/306) sprach die Suva dem Versicherten erneut eine
Integritätsentschädigung von 10
% zu, wogegen der Versicherte am 14. September 2017 (Urk. 7/313) Einsprache erhob.
Die Suva holte bei der
Gutachtenstelle A._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, welches am 31. Dezember 2019 erstattet wurde (Urk. 7/399).
Dazu nahm der Versicherte am 9. März 2020 Stellung (Urk. 7/407). Mit
Einsprache
entscheid
vom 12. März 2020 hiess die Suva die Einsprache teilweise gut und erhöhte die Integritätsentschädigung auf 15 % (Urk. 7/408 = Urk. 2).
2.
Am 27. April 2020 erhob der Versicherte Beschwerde gegen den
Einsprache
entscheid
vom 12. März 2020 (Urk. 2) und beantragte dessen Aufhebung und die
Zusprache
einer angemessenen Integritätsentschädigung, eventuell die Veran
lassung einer Gutachtensergänzung bei der
Gutachtenstelle A._
(Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerde
antwort vom 8. Juni 2016 (Urk. 6) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 18. Juni 2020 mitge
teilt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt
verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der
hier zu be
urteilende Unfall
hat sich
am 5. Mai 2013
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden
.
1.2
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.3
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ange
messene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahres
verdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritäts
schadens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges 3. Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
1.4
Die Bemessung der Integritätsentschädigung richtet sich laut Art. 25 Abs. 1 UVG nach der Schwere des Integritätsschadens. Diese beurteilt sich nach dem medizi
nischen Befund. Bei gleichem medizinischem Befund ist der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär bemessen. Die Integri
tätsentschädigung der Unfallversicherung unterscheidet sich daher von der
privatrechtlichen Genugtuung, mit welcher der immaterielle Nachteil individuell unter Würdigung der besonderen Umstände bemessen wird. Es lassen sich im Gegensatz zur Bemessung der Genugtuungssumme
im Zivilrecht (vgl. BGE 112 II
131
E. 2) ähnliche Unfallfolgen miteinander vergleichen und auf medizinischer Grundlage allgemein gültige Regeln zur Bemessung des Integritätsschadens aufstellen; spezielle Behinderungen der Betroffenen durch den Integritätsschaden bleiben dabei unberücksichtigt. Die Bemessung des Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalles ab; auch geht es bei ihr nicht um die Schätzung erlittener Unbill, sondern um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1, 113 V 218 E.
4b mit Hinweisen; RKUV 2001 Nr.
U 445 S. 555 ff.).
1.5
Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträch
tigung festgesetzt (Art. 36 Abs. 3 Satz 1 UVV). Dabei werden die einzelnen Prozentzahlen zusammengezählt, selbst wenn keine Schädigung den Grenzwert von 5 % erreicht. Die Entschädigung ist geschuldet, sobald die Summe der addierten Prozentzahlen den Wert
von 5 % oder mehr ergibt (RKUV
1989 Nr. U 78 S. 361). Die Bestimmung regelt grundsätzlich nur das Zusammen
treffen von Integritätsschäden, die nach dem UVG als solche versichert sind (BGE 113 V 54).
1.6
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der Integritätsschäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typische Schäden prozentual gewichtet (RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des
versicherten Verdienstes (Ziff.
1 Abs. 1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritäts
schäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Ziff. 1 Abs. 2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (Ziff. 1 Abs. 3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teil
weiser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 % des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (Ziff. 2).
1.7
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrät
lichen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Fein
raster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als Ziff. 1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala ange
gebene Prozentsatz des Integritätsschadens für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicher
ten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (Urk. 2) wie folgt: Gemäss
Gutachtenstelle A._
-Gutachten sei es bei dem Unfall vom 5. Mai 2013 nicht über
wiegend wahrscheinlich, sondern höchstens möglicherweise zu einer leichten traumatischen Hirnverletzung gekommen. Die Spannungskopfschmerzen seien unfallfremd. Aus urologischer Sicht lägen keine unfallkausalen Beschwerden vor (S. 4). Auch seien die Halswirbelsäulen (HWS)-Beschwerden nicht überwiegend wahrscheinlich unfallkausal (S. 5).
Da die Gutachter einen Gesamtintegritäts
schaden von 15 % begründet hätten, sei die zugesprochene Integritätsent
schädigung auf 15 % zu erhöhen (S. 7).
In ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 6) führte die Beschwerdegegnerin aus, es sei gestützt auf das Gutachten nicht zu beanstanden, dass für die Unfallfolgen an den Füssen keine Integritätsentschädigung zugesprochen worden sei (S. 2). Bei den noch vorhandenen urologischen Beschwer
d
en handle es sich um unfall
fremde, zudem sei lediglich beim Verlust der Geschlechtsorgane oder der Fort
pflanzungsfähigkeit sowie bei Inkontinenz eine Integritätsentschädigung geschuldet (S. 3 oben). Eine erhebliche Beeinträchtigung der Kaufunktion bestehe sodann nicht (S. 3 Mitte) und es hätten keine strukturellen Läsionen der HWS und des Kopfes nachgewiesen werden können. Wenn überhaupt, so habe es sich um
ein höchstens leichtes und ausgeheiltes Schädelhirntrauma gehandelt
(S. 3 unten). Es sei keine Integritätsentschädigung für die Kopf- und Nackenschmerzen und die Konzentrationsstörungen geschuldet (S. 4).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen (Urk. 1), dass die Gutachter den von der Suva festgestellten Integritätsschaden von 10 % für die partielle
Hand
gelenksarthrodese
als korrekt, aber zusätzlich insbesondere für die positions
abhängigen Schmerzen im Gebiet des
nervus
ulnaris
rechts eine Entschädigung von 5 % als angemessen erachteten.
Allfällige spätere Verschlechterungen, wie etwa die Ausbildung einer Arthrose, liessen sich gemäss Gutachten im Rahmen der Untersuchung nicht abschätzen und müssten zu einem späteren Zeitpunkt beurteilt werden.
Im angefochtenen Entscheid seien
spätere Verschlimmerungen nicht berücksichtigt
worden
und deshalb vorzubehalten (S. 5 unten f.).
Aus näher dargelegten Gründen sei der
Kopfschmerz
auf den Unfall zurückzuführen, denn er habe ein leichtes Schädelhirntrauma und eine HWS-Distorsion erlitten. Der neurologische Gutachter habe die typischen Symptome solcher Verletzungen festgestellt, aber keine neuropsychologische Begutachtung veranlasst. Selbst wenn die Ursache für die Kopf- und Nackenschmerzen im Schmerzmittel
überkonsum gesehen würde, handle es sich doch um mittelbare Folgen des Unfalles (S. 7 f.). Der
urologische
Gutachter habe den Integritätsschaden nicht beurteilt, obwohl die Unfallkausalität bejaht worden sei; das Gutachten sei dies
bezüglich zu ergänzen (S. 10). Dies gelte auch für den
kiefer
spezialistischen
Teil, denn auch indirekte oder nur mittelbare Unfallfolgen führten grundsätzlich zur Bejahung des Kausalzusammenhangs (S. 11).
Sämtliche der geklagten Beschwer
den berechtigten grundsätzlich zu einer Integritätsentschädigung. Wenn für ein einzelnes Beschwerdebild die
Erheblichkeitsgrenze
nicht erreicht sei, so seien die einzelnen unter 5 % liegenden Beeinträchtigungen aufzurechnen und gesamthaft zu würdigen. Dies sei im Gutachten unterblieben (S. 12).
2.3
Streitig und zu prüfen ist die Höhe der Integritätsentschädigung.
3.
3.1
Beim Unfall vom 5. Mai 2013 fuhr ein Auto aus einem Parkplatz quer über die Strasse. Der Beschwerdeführer prallte mit seinem
Motorrad in die Seite des Autos,
flog darüber hinweg auf die Strasse und erlitt m
ultiple Verletzungen (vgl. Urk.
7/1 Ziff. 6 und 9).
3.2
Vom 5. bis 15. Mai 2013 war der Beschwerdeführer an der Klinik für Unfall
chirurgie des
Spitals B._
hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 16. Mai 2013 (Urk. 7/28) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
leichtes Schädelhirntrauma
-
dislozierte distal Radiusfraktur mit Abriss des
Processus
styloideus
ulnae
rechts
-
Scaphoidfraktur
(Herbert A2) links
-
Fraktur
posteriorer
Calcaneus
(ohne Gelenkbeteiligung) links
-
Fraktur MT 5 Basis rechts
-
Verdacht auf
Urethraläsion
-
Hodenkontusion
-
Intraparenchymatöse
Einblutungen
Testes beidseits, Skrotalhaut
hämatom beidseits
-
Gastroenteritis
Das Urogenitalsystem sei fachärztlich untersucht worden; eine
höhergradige
Verletzung liege nicht vor. Eine erneute urologische Untersuchung sei in vier Wochen vorgesehen (S. 2).
3.3
Vom 15. Mai bis 31. Juli 2013 befand sich der Beschwerdeführer stationär in der Rehaklinik
C._
. Mit Austrittsbericht vom 7. August 2013 (Urk. 7/50) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
leichtes Schädelhirntrauma
-
dislozierte Radiusfraktur
Abriss des
Processus
styloideus
ulnae
rechts
-
Volare ORIF Radius rechts am 5. Mai 2013
-
Scaphoidfraktur
(Herbert A2) links
-
perkutane Schraubenosteosynthese
Scaphoid
links am 8. Mai 2013
-
Fraktur
posteriorer
Calcaneus
(ohne Gelenkbeteiligung) links
-
konservative Therapie mit Gips
-
Basisfraktur
os
metatarsale
V rechts
-
konservative Therapie mit Gips
-
Verdacht auf
Urethraläsion
-
Hodenkontusion
-
Intraparenchymatöse
Einblutungen
Testes beidseits, Skrotalhaut
hämatom beidseits
-
Gastroenteritis
-
Epidimylitis
links (Erstdiagnose: 10. Juli 2013)
Hinsichtlich der Harnröhrenverletzung habe sich ein zufriedenstellender Verlauf gezeigt. Bei Austritt sei der Beschwerdeführer an Stöcken für kurze bis mittlere Strecken mobil gewesen (S. 3). Bei Eintritt habe der Beschwerdeführer unter anderem
über stechende
intermittierende Schmerzen im rechten Ellbogengelenk und über eine zeitweise sehr schlechte Konzentration berichtet (S. 4).
3.4
PD Dr. med.
D._
, Oberarzt an der Klinik für Urologie am
Spital B._
, stellte mit Bericht vom 21. Juni 201
3
(Urk. 7/53) folgende Diagnosen (S. 1):
-
aktuell subjektiv beschwerdefreie und
sonographisch
restharnfreie Miktion bei Verdacht auf traumatische
Uretherläsion
im Rahmen eines Polytraumas
-
residuelles
Perfusionsdefizit im Hoden links bei Status nach Hoden
kontusion und
intraparenchymen
Einblutungen
beidseits
-
Status nach Polytrauma im Rahmen eines Motorradunfalles am 5. Mai 2013 mit frontaler PKW-Kollision mit
-
leichtem Schädelhirntrauma
-
dislozierter Radiusfraktur mit Abriss des
Processus
styloideus
ulnae
rechts
-
Scaphoidfraktur
-
Fraktur
posteriorer
Calcaneus
(ohne Gelenkbeteiligung) links
-
Fraktur MT 5 Basis rechts
-
Verdacht auf
Uretherläsion
mit
transurethraler
DK-Ableitung bis vor etwa 3 Wochen
-
Status nach Skrotalkontusion mit
intraparenchymer
testikulärer
Ein
blutung beidseits
Aufgrund des
intraparenchymalen
Perfusionsdefektes auf der linken Seite sei eine erneute Verlaufskontrolle in 6 Monaten geplant (S. 2).
Mit Bericht vom 6. Dezember 2013 (Urk. 7/100) über diese Kontrolle
stellte PD Dr.
D._
in urologischer Hinsicht unveränderte Diagnosen (S. 1) und hielt fest, es könne eine praktisch restharnfreie Blasenentleerung bei subjektiver Beschwer
defreiheit dokumentiert werden. Eine Verlaufskontrolle erfolge in einem Jahr. Im durchgeführten Spermiogramm zeige sich grundsätzlich die Zeugungsfähigkeit, wobei momentan die Konzentration und die Motilität etwas eingeschränkt seien (S. 2).
3.5
Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 9. Januar 2014 (Urk. 7/103)
berichtete der Beschwerdeführer, momentan vor allem Probleme mit der rechten Hand und dem rechten Fuss zu haben (S. 2). Nachts erwache er regelmässig wegen Fussschmerzen und Blasenbeschwerden, so dass er Wasser lassen müsse. Schmerzmedikamente nehme er nur gelegentlich. Weiter leide er an kappen
förmigen Hinterhauptschmerzen, welche je nach Belastung auftreten würden. Zudem sei die Konzentration etwas schlechter (S. 3). Da der Beschwerdeführer die Kopfschmerzen erst bei der Schlussbesprechung erwähnt habe, sei
diesbezüglich
keine Untersuchung durchgeführt worden. Falls die Symptomatik in Zukunft persistiere, müssten weitere Abklärungen durchgeführt werden (S. 6).
3.6
Eine bildgebende Untersuchung vom 22. August 2014 (Urk. 7/177) ergab aufgrund von Platzangst nur ein eingeschränktes Spektrum an Sequenzen, dabei habe sich der hirnorganische Befund jedoch als
blande
dargestellt. Hinweise auf eine sekundäre Kopfschmerzursache liessen sich nicht finden
. Zufallsbefund bilde eine
Pinealiszyste
, welche noch als unkompliziert eingestuft werden könne und wahrscheinlich klinisch asymptomatisch sei.
3.7
Kreisarzt Dr. med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, führte am 2. Juni 2016 eine Untersuchung durch und stellte mit gleichentags erstelltem Bericht (Urk. 7/252) folgende unfallabhängigen Diagnosen (S. 6
; nachfolgend leicht verkürzte Wiedergabe
):
-
Motorradunfall mit direktem Aufprall auf Personenkraftwagen am 5. Mai 2013 und Polyblesse mit
-
leichtem Schädelhirntrauma (aktuell: vollständige Ausheilung)
-
dislozierter distaler Radiusfraktur mit Abriss des
Processus
styloideus
ulnae
rechts (aktuell: leicht schmerzhafte
Funktionsbeeinträchtigung mit deutlicher Bewegungseinschränkung
und Unmöglichkeit der Abstützfähigkeit auf dem rechten Arm
)
-
undislozierte
Scaphoid
-Querfraktur linksseitig (aktuell: vollständige Ausheilung ohne Funktionsbeeinträchtigung des linken Handgelenkes)
-
undislozierte
Basisfraktur Os
metatarsale
V rechts und
Calcaneusfraktur
links (aktuell: vollständige Ausheilung mit
residueller
Belastungs
schmerzhaftigkeit des linken Fersenbeines, Notwendigkeit einer Schuh
zurichtung bzw. Einlagenversorgung)
-
Abdominalkontusion
(aktuell: vollständige Ausheilung der Unfallfolgen)
-
cranio
-zervikale Beschleunigungsverletzung Grad II (aktuell:
residuelle
Beschwerdeeinschränkung der Halswirbelsäule in der Rückneigung und Linksseitdrehung mit rezidivierenden
parascapularen
und
zerviko
-paravertebralen Verspannungszuständen ohne Nachweis einer post
traumatischen strukturellen Läsion
)
Der Beschwerdeführer berichte, aktuell in einem Pensum von 100 % arbeitstätig zu sein. Er nehme regelmässig einmal täglich wegen Kopfschmerzen Schmerz
mittel ein. Im Nackenbereich leide er an regelmässigen Verspannungen und Verhärtungen mit anhaltenden Schmerzen bis in den Kopf ziehend und an regel
mässigen Schmerzen im Bereich der Schläfen
vom Nacken ausgehend (S. 4
).Dazu
hielt Dr.
E._
fest, die Unfallfolgen seien bis auf eine mittelgradige Funktions
beeinträchtigung des rechten Handgelenks und eine
residuelle
Bewegungs
einschränkung der Halswirbelsäule weitgehend ausgeheilt. Die immer wieder in regelmässigen Abständen auftretenden Kopfschmerzen vom Spannungstyp würden durch die
hyperkyphotische
Fehlhaltung der Brustwirbelsäule mit Verspannung der Schultergürtelmuskulatur bei erlittener leichter
kranio
zerebraler
Beschleunigungsverletzung getriggert. Strukturelle Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule oder anderen Wirbelsäulenanteilen hätten im posttraumatischen Verlauf ausgeschlossen werden können. Es sei mit überwiegender Wahrschein
lichkeit davon auszugehen, dass weder durch konservative noch operative Behandlungsmassnahmen eine namhafte Verbesserung
der unfallbedingten Gesundheitsstörungen des Beschwerdeführers erreicht werden
könne (S. 7). Den Integrität
sschaden schätzte
Dr.
E._
aufgrund der
mittelgradige
n
und leicht schmerzhafte
n
Funktionsbeei
nträchtigung des rechten Handgelenks analog einer Beeinträchtigung nach
Säulenarthrodese
(partielle
Handgelenksarthrodese
) gemäss Tabelle 1 auf 10 % (Urk. 7/253).
3.8
Eine weitere bildgebende Unter
suchung vom 18. Januar 2017 (Urk. 7/288) ergab einen unauffälligen intra
kraniellen Befund, diskrete posttraumatische Veränderungen am distalen Radius rechts und eine mittels Herbert-Schraube versorgte
Scaphoid
-Fraktur links, im seitlichen Bild vermehrt transparente Linie als mögliches Korrelat einer Pseudo
arthrose, differentialdiagnostisch einen Projektionseffekt oder einen Gefässkanal (S. 2).
3.9
Mit Bericht vom 17. Januar 2017 über die gleichentags durchgeführte urologische Abklärung (Urk. 7/292) wurde festgehalten, dass sich aktuell subjektiv und objektiv kompensierte Miktionsverhältnisse zeigten. Es lägen keine Hinweise für eine
Urethrastriktur
vor. Ebenso sei das Spermiogramm unauffällig bei
palpa
torisch
normalem Hoden- und Nebenhodenbefund.
Langzeitfolgen im Sinne einer
Urethrastriktur
könnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, weshalb eine Kontrolle in zwei Jahren geplant sei (S. 2).
3.10
PD. Dr.
med.
F._
, Zentrum für Zahnmedizin der Universität
G._
, diagnostizierte mit Bericht vom 8. Mai 2017 (Urk. 7/302) eine geringe und aus Sich
t
des Patienten nicht mehr
behandlungsbedürftige
Tendomyopathie
der Kaumuskulatur rechtsbetont sowie eine Parafunktion/Bruxismus (S. 1). Aufgrund der anamnestischen Angaben seien die Kau- und Kieferbeschwerden und die Zahnschmerzen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen. Eine unfallbedingte Behandlung sei nicht mehr notwendig, und es bestehe kein unfallbedingter Integritätsschaden (S. 2).
3.11
Kreisarzt Dr.
E._
nahm am 14. Juni 2017 (Urk. 7/305) erneut Stellung und hielt fest, die Integritätsentschädigung von 10 % aufgrund des rechten Handgelenks bleibe bestehen (S. 2). Das leichte Schädelhirntrauma sei bildgebend bestätigt vollständig abgeheilt. Hinsichtlich des linken Handgelenks bestehe eine vollstän
dige Ausheilung ohne Funktionsbeeinträchtigung, was ebenfalls bildgebend bestätigt werde. Klinisch resultiere keine Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit
der Füsse, so dass keine Integritätsentschädigung geschuldet sei. Die
kranio
-zervikale Beschleunigungsverletzung Grad II sei ohne Nachweis einer strukturel
len Verletzung mehr als vier Jahre später folgenlos ausgeheilt. Die gelegentlich auftretenden leichten Bewegungseinschränkungen und Verspannungszustände im Nacken stünden nicht
überwiegend wahrscheinlich in kausalem Zusammen
hang mit dem Unfall. Die Verletzung des Abdomen
s sei vollständig abgeheilt (S.
1). Urologisch würden posttraumatische Veränderungen der Harnröhre oder der Hoden ausgeschlossen. Es bestehe eine unauffällige Sexualfunktion ohne Beein
trächtigung der Fortpflanzungsfähigkeit, so dass keine Integritäts
entschädigung geschuldet sei. Zusammenfassend sei keine Neubewertung vorzu
nehmen (S. 2).
3.12
Dr. med.
H._
, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, beant
wortete mit Bericht vom 22. September 2017 (Urk. 7/317) die Fragen des Rechts
vertreters des Beschwerdeführers (vgl. S. 3-4) dahingehend, dass er bezüglich der Füsse den Integritätsschaden auf 10 % schätze, vor allem wegen der
Calcaneus
-Fraktur, welche mit sekundären Arthrosen längerfristig Probleme bereiten könne. Im Nackenbereich schätze er den Integritätsschaden auf 5 % aufgrund des doch erheblichen Schlages. Aufgrund der zu erwartenden posttraumatischen Arthrose am dominanten rechten Handgelenk bestehe dort ein Integritätsschaden von 10 % und am rechten Ellbogen aufgrund der Schädigung des
Nervus
ulnaris
von ebenfalls 10 %. Den Integrationsschaden am nicht dominanten linken Hand
gelenk und im Bereich der Kaumuskulatur, ohne Nachweis einer Fraktur, schätze er auf deutlich unter 5 % ein. Die neuropsychologischen und psychischen sowie die Organbeschwerden an den Harnwegen bedürften einer fachärztlichen Begut
achtung.
Vor allem im Bereich des rechten Handgelenks und des linken Rück
fusses bestehe eine Gefahr der Verschlechterung
mit fortschreitendem Alter (S.
2).
4.
4.
1
Die Gutachterin und die Gutachter der
Gutachtenstelle A._
erstatteten das polydisziplinäre Gutachten vom 31. Dezember 2019 (Urk. 7/399) nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer internistischen, ortho
pädischen, neurologischen, urologischen und kieferchirurgischen Untersuchung sowie nach bildgebenden und urologischen Abklärungen.
Hinsichtlich der hier strittigen Integritätsschäden wurde
Folgendes
festgehalten (S. 15): Die Einschätzung einer Integritätsentschädigung von 10 % für die Hand
gelenkspathologie rechts sei korrekt. Aus neurologischer Sicht bestehe jedoch ein
zusätzlicher Integritätsschaden von 5 %. Gemäss Suva-Tabelle 1 «Integritäts
schaden bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten» könne für eine proximale
Ulnarislähmung
15 % und für eine distale
Ulnarislähmung
(nur intrinsische Handmuskulatur betroffen)
10 % veranschlagt werden. Beim Beschwerdeführer bestünden aber nachweislich keine namhaften funktionell relevanten sensomotorischen Ausfälle, insbesond
ere hätten keine Paresen der N.
ulnaris
innervierten Muskelgruppen vorgelegen,
passend zu der unauffälligen N.
ulnaris
Neurographie. Somit könne weder eine proximale noch einer distale
Ulnarislähmung
bestätigt werden. Aktuell klage der Beschwerdeführer konsistent zu den Beschwerden, die der Aktenlage entnommen werden könnten,
über
vorwiegend positionsabhängige Schmerzen im Autonomiegebiet des
Nervus
ulnaris
rechts, welche sich jedoch schnell lösen liessen, sobald die Flexions-/Hyperflexionsstellung des Armes aufgegeben werde und er den Arm ausschüttle. Die Beschwerdelinderung trete innerhalb weniger Sekunden ein. In Ruhe oder Neutralposition würden keine
Dysästhesien
bestehen und anhaltende Sensi
bilitätsstörungen im
Autonomgebiet
sowie eine Kraftminderung würden anam
nestisch verneint. Aus neurologischer Sicht bestehe auf klinischer Ebene ein Reizsyndrom des
Nervus
ulnaris
ohne persistierende funktionell relevante senso
motorische Ausfälle sowie ausschliesslich leichtgradige funktionelle Einschrän
kungen, die positionsabhängig aufträten. Da die sensiblen Reizsymptome als teil
weise schmerzhaft empfunden würden und im Quervergleich zu anhaltenden neuropathischen Schmerzsyndromen, wie sie beispielsweise infolge einer Verlet
zung neuraler Strukturen im Bereich der Wirbelsäule auftreten könnten, könne im Quervergleich die Tabelle 7 «Integritätsschaden bei Wirbelsäulenaffektionen» herangezogen werden. Unter Berücksichtigung dessen, dass das Ausmass des Integritätsschadens unterhalb von dem einer distalen
Ulnarislähmung
(10 %) liegen müsse sowie bei rascher Besserung der Beschwerden durch einen Posi
tionswechsel, bei fehlenden Beschw
erden in Ruhe/Neutralstellung, somit bei feh
lendem Nachweis eines neuropathischen Dauerschmerzes und bei fehlenden
Schmerzexazerbationen
in der Nacht könne ein maximaler Integritätsschaden von 5 % angenommen werden. Aus Sicht der übrigen Disziplinen liege kein Integritätsschaden vor (S. 15 f.).
In beiden Handgelenken bestehe eine gewisse Gefahr der späteren Ausbildung einer Handgelenksarthrose respektive
Rhizarthrose
. Allfällige Verschlechterungen müssten im Verlauf beurteilt werden. Wann dies eintreten werde, lasse sich heute nicht abschätzen. Aus neurologischer Sicht und unabhängig vom Alter bestehe die Möglichkeit, dass im Laufe der Jahre ei
ne erneute Dekompression des N.
ulnaris
oder schmerztherapeutische Massnahmen notwendig werden könnten.
Die Entscheidung darüber, ob und wann und durch welche Massnahme
,
obliege dem behandelnden Neurologen/Handchirurgen (S. 16 unten).
4
.2
Die neurologische Gutachterin hielt bezüglich der weiteren Beschwerden fest, es sei angesichts
der
bei Eintritt in die Klinik für Unfallchirurgie fehlenden fokal-neurologischen Ausfälle, fehlenden Zeichen einer quantitativen oder qualitativen Bewusstseinsstörung und bei fehlenden Zeichen einer Amnesie überwiegend wahrscheinlich nicht vom Vorliegen einer traumatischen Hirnverletzung auszu
gehen. Es sei allenfalls möglich, dass eine kurze Bewusstlosigkeit unmittelbar nach dem Aufprall für wenige Sekunden, somit die Zeit zwischen Aufprall und Aufstehen vom Boden, bestanden haben könnte.
Vor diesem Hintergrund und einem Glasgow-
Coma
-
Scale
von 15 bei Spitaleintritt erscheine es allenfalls nur als möglich, dass eine traumatische Hirnverletzung vorgelegen haben könnte. Der Schweregrad müsse ohnehin als leichtgradig eingestuft werden. Dabei komme es per definitionem zu einer vorübergehenden Hirnfunktionsstörung, die sich aber gemäss dem anzunehmenden
natürlichen Verlauf vollständig erhole. Dazu passend hätten sich auch beim Beschwerdeführer keine Hinweise für persistie
rende strukturelle posttraumatische intrazerebrale Läsionen gezeigt. Die geltend gemachten Konzentrationsstörungen könnten aus neurologischer Sicht nicht einer allfälligen traumatischen Hirnverletzung zugeordnet werden. Selbst wenn eine solche in leichtem Ausmass passager vorgelegen haben sollte, wären Jahre nach dem Ereignis keine funktionellen Residuen mehr zu erwarten (S. 10 f.
des Teilgutachtens
; Urk. 7/399/43-61).
Es bestehe weiter ein episodischer Spannungskopfschmerz. Zusätzlich schienen die Schmerzen noch
muskuloskelettal
bedingt, durch Verspannungen im Nacken
bereich, getriggert zu sein. Bezüglich einer zusätzlichen
zervikozephalen
Schmerzkomponente, wobei die Übergänge zum Spannungskopfschmerz flies
send seien, passe das vom Nacken ausstrahlende bis nach vorne reichende Druck
gefühl (S. 14 unten). Daneben müsse kritisch noch die Diagnose eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes erwähnt werden. So nehme der Beschwerdeführer insgesamt 20 Mal innerhalb eines Monats Schmerztabletten ein. Dadurch könne ein sich selbst unterhaltender Kopfschmerz entstehen. Im Hinblick auf die Unfallkausalität sei ein allfälliger natürlicher Kausalzusammen
hang nicht überwiegend wahrscheinlich. Der Beschwerdeführer berichte, dass sich die Kopfschmerzen im August 2013, drei Monate nach dem Unfall
, erstmani
festiert hätten. Auf eine traumatische Hirnverletzung zurückzuführende Kopf
schmerzen hätten sich aber innerhalb von 7 Tagen nach dem Trauma oder der Beendigung der
Analgosedierung
entwickeln müssen, was nicht der Fall gewesen sei. Darüber hinaus erscheine es angesichts der milden Verletzungsschwere des
Schädelhirntraumas mit lediglich möglicher, nicht jedoch überwiegend wahr
scheinlicher leichter traumatischer Hirnverletzung nicht plausibel, weswegen über Jahre hinweg Kopfschmerzen anhalten sollten. Bildgebend hätten sich keine persistierenden strukturellen Verletzungsfolgen gezeigt, die geeignet wären, anhaltende Kopfschmerzen zu erklären. Somit bestehe aus neurologischer Sicht keine ausgewiesene Unfallkausalität der aktuell noch bestehenden Kopf
schmerzen (S. 15).
4.3
Der orthopädische Gutachter führte aus,
er halte die Beurteilung des Integritäts
schadens hinsichtlich des rechten Handgelenks für korrekt, nicht jedoch hinsicht
lich der
Ulnaris
-Pathologie. Diese sei unfallbedingt und der Integritätsschaden sei zusammen mit der Neurologie zu beurteilen (S. 10 unten f.
des Teilgutachtens
; Urk. 7/
399/
62-74).
Hinsichtlich der fallspezifischen Fragen verwies er auf das Hauptgutachten (S. 12 unten).
4.4
Die urologis
che Begutachtung (Urk. 7/399/75
81) ergab, dass aktuell eine in der Sonographie restharnfreie Blasenentleerung mit in der
Uroflowmetrie
sehr guten Harnstrahlverhältnissen nachweisbar sei, so dass eine
Urethrastriktur
sehr unwahrscheinlich sei. Es sei entsprechend davon auszugehen, dass es bei der Verdachtsdiagnose einer
Urethraläsion
mit
transurethraler
DK-Ableitung eine relevante verbleibende strukturelle Schädi
gung der Urethra nicht vorliege. Die erhöhte Miktionsfrequenz könne damit nicht wirklich organisch erklärt werden, werde aber glaubhaft berichtet. Man könne vorerst bei fehlender organischer Erklärbarkeit wohl primär von einer funktio
nellen Störung ausgehen
(S. 5 unten). Bei Status nach Hodenkontusion und
intra
parenchymen
Einblutungen
beidseits im Rahmen des Unfalls sei ein Spermio
gramm mit normalem Befund durchgeführt worden. Die aktuelle Urin-, Hoden- und Prostata-Untersuchung sei
blande
(S. 6).
4.5
Im Fachgebiet
Mund-Kiefer-G
esichtschirurgie
(Teilgutachten Urk. 7/399/83-89) wurde festgehalten, dass die Tatsache, wonach etwa drei Monate nach dem Trauma signifikante Verspannungen im Nackenbereich mit konsekutiver Verspannung der Kaumuskulatur aufgetreten seien, am ehesten an eine unspe
zifische Folge im Verlauf nach dem Unfall (bei Kopfschmerzen und Verspan
nungen im HWS-Bereich) schliessen lasse, die jedoch aus klinischer Sicht durchaus nicht ungewöhnlich erscheine. Eine strukturelle Verletzung im Bereich des Gesichtsschädels oder der HWS sei jedoch nicht nachgewiesen worden und eine relevante Pathologie liege auch bildgebend nicht vor. Die lange Latenz von rund drei Monaten spreche für eine eher unspezifische Ursache (verspannungsbedingt), eine direkte traumatische Genese der
dysfunktionsbedingten Beschwerden könne nicht überwiegend wahrscheinlich hergeleitet werden (S. 5).
5.
5.1
Das
Gutachtenstelle A
._
-Gutachten (vgl. vorstehend E. 4) vermag den beweisrechtlichen Anfor
derungen (vgl. vorstehend E. 1.8) zu genügen, weshalb grundsätzlich darauf abgestellt werden kann. Die Gutachter äusserten sich darin unter Einbezug sämt
licher vorhandener Informationen ausführlich zu den einzelnen Beeinträchti
gungen des Beschwerdeführers.
5.2
Hinsichtlich des rechten Handgelenks bestäti
gten die Gutachter die von der Beschwerdegegnerin zugesprochene
Integritätsentschädigung von 10
%. Hinsichtlich des linken Handgelenks sahen auch sie aufgrund der vollständigen Ausheilung ohne Funktionsbeeinträchtigung (vgl. die Einschätzungen des Kreis
arztes; vorstehend E. 3.7 und E. 3.11) keinen Anlass für die
Zusprache
einer Integritätsentschädigung, was angesichts der vollen Funktionsfähigkeit und feh
lenden beziehungsweise nicht ärztlich dokumentierten Schmerzbeeinträchtigung des linken Handgelenkes überzeugt. Dass für die erlittenen Verletzungen an den Füssen kein Integritätsschaden bestätigt wurde,
ist angesichts der verbleibenden Folgen nachvollziehbar
,
richtet sich die Bem
essung der
Integritätsentschädigung doch nach der Schwere des Schadens, welcher durch den medizinischen Befund beurteilt wird (vgl. vorstehend E. 1.4).
Diese sind von geringem Ausmass.
Für die
verbleibende
Beeinträchtigung am Ellbogen wurde eine zusätzliche Integritäts
entschädigung von 5 % angenommen und ausführlich begründet (vgl. vorstehend E.
4.1).
5.3
Gemäss
Art. 36 Abs. 4 UVV
sind voraussehbare Verschlimmerungen des Integri
tätsschadens angemessen zu berücksichtigen, und Revisionen der Integritäts
entschädigung sind nur im Ausnahmefall möglich, wenn die Verschlimmerung insbesondere nicht voraussehbar war.
Eine voraussehbare Verschlimmerung liegt vor, wenn im Zeitpunkt der Festsetzung der Integritätsentschädigung eine Verschlimmerung als wahrscheinlich prognostiziert und damit auch geschätzt werden kann. Die blosse Möglichkeit einer Verschlimmerung des Integritäts
schadens genügt hingegen nicht (vgl. RKUV 19
95 Nr. U 228 S. 192, U 23/93 E.
3a).
Diese Prognose im Sinne einer fallbezogenen medizinischen Beurteilung über die voraussichtliche künftige Entwicklung der Gesundheitsbeeinträchtigung ist, genauso wie die Beurteilung der einzelnen Integritätsschäden an sich (RKUV 1998 Nr. U 296 S. 235, U 245/96 E. 2d;
Urteil U 121
/06 vom 23. April 2007
E.
4.2),
eine Tatfrage, die ein Mediziner zu beurteilen hat
(BGE 132 V 393 E. 3.2 S.
398
;
Urteil 8C_459/2008 vom 4. Februar 2009 E. 2.3).
Zu dieser Frage äusserten sich die Gutachter und erachteten
eine
Verschlechte
rung im Sinne von Arthrosen
lediglich als möglich, denn es lasse sich heute nicht abschätzen, wann eine solche Verschlechterung eintreten werde (vgl. vorstehend E. 4.1). Auch Dr.
H._
vermochte diesbezüglich nur eine ungewisse Prognose abzugeben (vgl. vorstehend E. 3.12).
Damit besteht einzig die Möglichkeit einer Verschlechterung, was rechtsprechungsgemäss für die Berücksichtigung bei der Bemessung der Integritätsentschädigung nicht genügt.
5.4
Zu den Kopfschmerzen hielten die Gutachter fest, dass selbst wenn ein Schädel
hirntrauma eingetreten sei, dieses als leicht eingestuft werden müsse. Strukturelle Schäden waren nicht nachweisbar, und eine solche - abgeheilte -
leichte Hirn
erschütterung
verursacht gemäss nachvollziehbarer Einschätzung Jahre später überwiegend wahrscheinlich keine Beeinträchtigungen mehr. Konzentrations
probleme schilderte der Beschwerdeführer anlässlich der kreisärztlichen Unter
suchung im Jahr 2017 (vgl. vorstehend E. 3.7) nicht
und diese konnten
anlässlich der Begutachtung
aus neurologischer Sicht
auch
nicht einer Hirnverletzung zugeordnet werden (vgl. vorstehend E. 4.2). Selbst wenn ein Zusammenhang bestünde, bestehen keine Hinweise darauf, dass die Funktionsfähigkeit des Beschwerdeführers im Alltag eingeschränkt oder seine beruflichen Leistungen vermindert wären (vgl. Suva-Tabelle 8, Integritätsschäden bei psychischen Folgen von Hirnverletzungen, S. 8.3 Ziff. 3.1). Eine
muskuloskelettale
Beteiligung im Sinne einer
Triggerung
durch Verspannungen i
m Nacken wurde diskutiert (vgl.
vorstehend E. 4.2). Bei fehlenden strukturellen Ve
rletzungen der HWS ist
jedoch
nicht ersichtlich, welcher Integrationsschaden dadurch verursacht werden soll.
5.5
Die geltend gemachten urologischen Beeinträchtigungen
wurden als funktionell bedingt eingeschätzt und konnten
keiner organischen Ursache zugeordnet werden
. Eine strukturelle Schädigung der Urethra bestätigte sich nicht, und die übrigen Befunde waren unauffällig
(vgl. vorstehend E. 4.4)
, womit eine relevante unfallbedingte Beeinträchtigung zu verneinen ist
. Eine Integritätsentschädigung gemäss Tabelle 22 (Verlust der Geschlechtsorgane oder der Fortpflanzungs
fähigkeit)
kommt mangels entsprechender Diagnosen nicht
in Betracht
.
5.6
Die Kiefer- und Kaubeschwerden wurden bereits von PD Dr.
F._
als nicht mehr behandlungsbedürftig beurteilt; es bestehe kein Integritätsschaden (vgl. vorste
hend E. 3.10). Dies wurde im entsprechenden
Gutachtenstelle A
._
-Teilgutachten bestätigt; eine relevante Pathologie fand sich nicht (vgl. vorstehend
E. 4.5). Auch für diesen Bereich ist somit keine Integritätsentschädigung geschuldet.
5.7
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass
es bezüglich den nicht mit einer Integritätsentschädigung abgegoltenen Beeinträchtigungen um nicht unfall
bedingte beziehungsweise solche von so geringfügiger Schwere handelt, dass der Schwellenwert von insgesamt 5 % nicht erreicht wird (vgl. vorstehend E. 1.5). Damit ist
die zugesprochene Integritätsentschädigung von 15 % nicht zu bean
standen.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.