Decision ID: c665a964-1104-459a-a948-90dda39e7ec7
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 9. November 2009 wegen chronischer, starker Muskel- und
Gelenksschmerzen, Empfindungsstörungen an den Händen und Schlafstörungen bei
der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). Gemäss
Schadenmeldung UVG vom 9. März 2009 und Bericht des Spitals B._ über die
ambulante Behandlung auf der Notfallstation vom 8. März 2009 war die Versicherte am
7. März 2009 mit ihrem Hund spazieren, wobei es zur Rauferei mit einem anderen Hund
gekommen war. Die Versicherte hatte die Hunde trennen wollen, wurde dabei von
einem der Hunde gebissen, war gestürzt und hatte eine OSG-Distorsion links erlitten
(act. G 4.2). Dr.med. C._, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, hatte im
Bericht vom 29. September 2009 als Diagnosen unter anderem ein Fibromyalgie-
Syndrom sowie einen Status nach Distorsion des Sprunggelenks links am 7. März 2009
mit protrahiertem Heilungsverlauf und komplexem, generalisiertem Schmerzbild
festgehalten (IV-act. 14-3).
A.b Im Auftrag des Krankentaggeldversicherers fand am 22. März 2010 eine
arbeitsspezifische interdisziplinäre Abklärung in der Klinik Valens statt. Dabei wurden
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die Diagnosen eines chronischen lumbospondylogenen Syndroms links (ICD-10:
M54.4) bei Fehlform und Fehlhaltung der Wirbelsäule, muskulärer Dysbalance,
Haltungsinsuffizienz und degenerativen Veränderungen der unteren LWS, einer
Dysthymie (ICD-10: F43.1) auf der Grundlage langjähriger multipler emotionaler
Belastungen, von Polyarthralgien (ICD-10: M25.5, Fingerpolyarthrosen, Status nach
OSG-Distorsion links März 2009), eines unspezifischen generalisierten
Weichteilrheumatismus (ICD-10: R52.2) sowie einer arteriellen Hypertonie festgehalten.
Die Arbeitsfähigkeit sei vor allem durch die rheumatologischen Befunde eingeschränkt.
In leichten, wechselbelastenden Arbeiten sei die Versicherte ganztags arbeitsfähig mit
zusätzlichem Pausenbedarf von zwei Stunden; nach Rehabilitationsmassnahmen
betrage die Arbeitsfähigkeit 70 % bis 80 %. Als Maschinenbedienerin sei sie zu 50 %
arbeitsfähig (Bericht vom 29. März 2010, IV-act. 90-9 ff.).
A.c Vom 20. August bis 17. November 2010 wurde die Versicherte in der Klinik D._
stationär behandelt. Die leitende Psychologin berichtete (nebst den somatischen
Diagnosen) von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere
Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2), von einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit dependenten und vermeidend selbstunsicheren Zügen
(ICD-10: F60.9), von einer chronifizierten posttraumatischen Belastungsstörung
(ICD-10: F43.1), von einer Belastung nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit durch
eine Person innerhalb der engen Familie (ICD-10: Z61.4) und von Problemen in der
Beziehung zum Ehepartner (ICD-10: Z63.0). Leistungs-, Konzentrationsfähigkeit und
Stressverträglichkeit seien eingeschränkt. Die Tätigkeit als Hilfsarbeiterin in der
Montage sei in Anbetracht der starken Schmerzen nicht mehr denkbar. Zur weiteren
Behandlung wurde u.a. die tagesklinische Behandlung in der Tagesklinik E._
empfohlen (Bericht vom 27. Dezember 2010, IV-act. 48; vgl. auch Bericht vom 23.
November 2010, IV-act. 90-30 ff.).
A.d Nachdem die Versicherte vom 10. Januar bis 11. Februar 2011 in der Tagesklinik
E._ am Psychiatrischen Zentrum F._ behandelt worden war (vgl. dazu Bericht vom
18. März 2011, IV-act. 52), erfolgte die Weiterbehandlung vom 21. Februar bis 12.
August 2011 in der Tagesklinik der Psychiatrischen Klinik G._. Dr.med. H._,
Oberarzt, diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte
Episode (ICD-10: F33.0), eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1),
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eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie eine
Fibromyalgie. Wegen fehlender Kostengutsprache der Krankenkasse sei die
tagesklinische Behandlung nicht weitergeführt worden. Die Versicherte sei seit 10.
Februar 2010 arbeitsunfähig (Austrittsbericht vom 19. August 2011, IV-act. 90-40 ff.).
A.e Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 15. August 2011 mit, aufgrund ihres
Gesundheitszustandes seien zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich (IV-act. 63).
A.f Dr. H._ hielt im Verlaufsbericht vom 6. Dezember 2011 unter anderem fest, die
Versicherte sei seit 3. November 2011 in ambulanter Behandlung im Ambulatorium
I._. Es sei zu keiner nachhaltigen Besserung der Beschwerden gekommen. Eine
Änderung der Arbeitsfähigkeit habe sich nicht ergeben (IV-act. 66).
A.g Nachdem die IV-Stelle am 24. Januar 2012 berufliche Massnahmen abgewiesen
hatte, weil sich die Versicherte nicht in der Lage fühle, an Eingliederungsmassnahmen
mitzuwirken (IV-act. 74), erklärte sich die Versicherte am 13. Februar 2012 zu den
vorgeschlagenen beruflichen Massnahmen bereit (IV-act. 75). Vom 9. Juli bis 31.
Oktober 2012 absolvierte sie ein Einsatzprogramm über die Regionale
Arbeitsvermittlung (RAV; IV-act. 80). Am 27. November 2012 wies die IV-Stelle den
Anspruch auf berufliche Massnahmen ab, da es trotz Einsatzproramm und
Arbeitsvermittlung nicht gelungen sei, die Versicherte in angemessener Zeit in den
Arbeitsmarkt einzugliedern (IV-act. 83).
A.h Die behandelnde Dr.med. J._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, stellte die
Diagnosen einer mittel- bis schwergradigen Depression bei langjähriger emotionaler
Belastung (ICD-10: F32.2), einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit vermeidend-
selbstunsicheren und dependenten Zügen (ICD-10: F60.9), einer posttraumatischen
Belastungsstörung bei langjähriger Traumatisierung im Kindesalter (sexueller
Missbrauch in der Kindheit durch eigenes Familienmitglied, Gewalt in der Ehe, ICD-10:
F43.1), von Problemen in der Ehe mit langjähriger Gewalt des Ehemannes (ICD-10:
Z63.0) und einer anhaltenden Schmerzstörung mit Kraftminderung in oberen
Extremitäten (ICD-10: F45.0). Die Arbeitsfähigkeit liege bei nicht mehr als 50 %
(Arztbericht vom 16. Januar 2013, IV-act. 87). Dr.med. K._, Innere Medizin FMH,
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führte als die Arbeitsfähigkeit einschränkende Diagnosen eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom links,
Polyarthralgien sowie eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) an.
Von Februar 2009 bis 11. März 2012 bestehe eine 100 %ige, ab 12. März 2012 eine 50
%ige Arbeitsunfähigkeit (Bericht vom 22. Februar 2013, IV-act. 90-1 ff.).
A.i Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte durch die MEDAS Zentralschweiz am
9./16. Oktober 2013 bidisziplinär begutachtet (Dr.med. L._, Rheumatologie FMH,
Chefarzt, Dr.med. M._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH; Gutachten vom 13.
November 2013; IV-act. 100). Die Gutachter stellten die Diagnosen einer andauernden
Persönlichkeitsänderung (ICD-10: F62.0) bei vorbestehender kombinierter
Persönlichkeitsstörung mit dependenten, vermeidend selbstunsicheren Zügen und
Zügen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F61.0), einer
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0) bzw. eines Ganzkörperschmerzsyndroms in
Form einer Fibromyalgie sowie rezidivierender depressiver Episoden (ICD-10: F33). Aus
rheumatologischer Sicht seien Arbeiten in Nässe und Kälte, stereotyp repetitive
Tätigkeiten und Arbeiten in prolongiert ergonomisch ungünstiger Körperposition
ungeeignet. Aus psychiatrischer Sicht sei die langdauernde Arbeitsfähigkeit bzw.
Restarbeitsfähigkeit derzeit nicht sicher festzulegen; sie dürfte aber auch unter
optimalen Bedingungen nicht über 50 % steigerbar sein.
A.j Mit Vorbescheid vom 16. Januar 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens auf Rente in Aussicht. Die Beschwerden seien
vollständig überwindbar. Aus IV-rechtlicher Sicht bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit
(IV-act. 106). Mit Einwand vom 31. Januar 2014 liess die Versicherte geltend machen,
es sei auf das psychiatrische Gutachten abzustellen und gestützt darauf der
Invaliditätsgrad zu berechnen und die gesetzlichen Leistungen zu erbringen (IV-act.
107).
A.k Mit Verfügung vom 4. März 2014 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren auf IV-
Rente ab. Die rechtliche Beurteilung sei höher einzustufen als die medizinisch-
theoretische. Es sei der Versicherten zumutbar, "unter einer zumutbaren
Willensanstrengung die vorhandenen Diagnosen zu überwinden und die volle
Arbeitsfähigkeit zu realisieren" (IV-act. 108).
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B.
B.a Gegen die Verfügung vom 4. März 2014 erhebt A._ am 2. April 2014
Beschwerde. Sie lässt beantragen, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr
mindestens eine halbe Invalidenrente zu gewähren. Eventualiter sei eine
polydisziplinäre Abklärung durchzuführen und daraufhin neu zu entscheiden. Alle
Mediziner seien sich einig, dass selbst unter Berücksichtigung der aktuellen
Rechtsprechung die Beschwerdeführerin mindestens zu 50 % arbeitsunfähig bleibe.
Dies ergebe sich auch aus dem RAD-Bericht vom 18. November 2013. Die Frage nach
dem Vorliegen der Foerster-Kriterien sei keine rein rechtliche Frage, sondern zunächst
von den Medizinern zu beantworten. Bevor eine Rente definitiv abgelehnt würde, wäre
die Restarbeitsfähigkeit polydisziplinär abzuklären und zu evaluieren. Schliesslich sei
das Valideneinkommen von der Beschwerdegegnerin zu tief veranschlagt (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 22. Mai 2014
unter Hinweis auf die Stellungnahme ihres Rechtsdienstes vom 19. Dezember 2013 (IV-
act. 102) die Abweisung der Beschwerde. Da es sich bei der Frage nach der
zumutbaren Willensanstrengung um eine ausserhalb des Kompetenzbereiches des
Arztes liegende Rechtsfrage handle, sei es möglich, dass - wie vorliegend der Fall - die
medizinische Beurteilung von einer anderen Arbeitsfähigkeit ausgehe als die juristische.
Die Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom stelle für sich alleine
keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden im Rechtssinne dar und sei nach den
rechtlichen Kriterien zu beurteilen, die für somatoforme Schmerzstörungen und
ähnliche Leiden gälten. Die Beschwerdeführerin gelte in IV-rechtlicher Hinsicht als
vollumfänglich arbeitsfähig und habe damit keinen Anspruch auf eine IV-Rente (act. G
4).
B.c Mit Replik vom 7. Juli 2014 lässt die Beschwerdeführerin geltend machen, wenn
die Beschwerdegegnerin von der medizinischen Beurteilung der Überwindbarkeit
anhand der Foerster-Kriterien abweichen wolle, sei sie aufgrund des
Untersuchungsgrundsatzes verpflichtet, diese Kriterien einzeln zu evaluieren und zu
erläutern. Da das Gutachten die Frage der Zumutbarkeit der Schmerzüberwindung
jedoch nachvollziehbar beurteilt habe, sei darauf abzustellen. Bevor ein
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Rentenanspruch verneint würde, wäre zuerst ein weiteres Gutachten bei unabhängigen
Fachmedizinern in Auftrag zu geben, um zu klären, ob tatsächlich eine
Restarbeitsfähigkeit bestehe (act. G 9).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 11).

Erwägungen
1.
1.1 Gegenstand des Verfahrens bildet der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
1.2 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40% invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
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1.4 Die Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsunfähigkeit ist ärztliche
Aufgabe (vgl. BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; Urteil vom 1. Dezember 2015,
8C_586/2015, E. 2). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen;
BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, ist volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen
die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E.
3b/bb).
1.5 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht.
Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen
möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E.
5b, 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.
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Eine gesundheitsbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit muss in jedem
Einzelfall unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie
ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein (BGE 127 V 298 E. 4c, mit weiteren
Hinweisen). Subjektive (Schmerz-)Angaben der versicherten Person genügen in
Anbetracht der sich naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten für die
Begründung einer (teilweisen) Arbeitsunfähigkeit alleine nicht. Voraussetzung einer
invalidisierenden Gesundheitseinschränkung ist zunächst, dass diese Folge einer
Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist
(BGE 130 V 396; BGE 141 V 285 E. 2.1). Den unklaren Beschwerden (wie etwa der
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung) ist eigen, dass mittels klinischer
Untersuchungen weder Pathologie noch Ätiologie (vollständig) nachweis- oder
erklärbar sind. Wie das Bundesgericht in Änderung der Rechtsprechung entschieden
hat, ist in solchen Fällen anhand eines strukturierten Beweisverfahrens ergebnisoffen
zu prüfen, wieweit aus objektivierter Betrachtungsweise ein invalidisierender
Gesundheitsschaden nachgewiesen ist (BGE 141 V 281). Die Vermutung,
Schmerzsyndrome und vergleichbare psychosomatische Leiden seien überwindbar,
wurde in BGE 141 V 281 aufgegeben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell
durch einen strukturierten, normativen Prüfungsraster ersetzt (BGE 141 V 294 f. E. 3.5
f.). Das funktionelle Leistungsvermögen ist anhand von Indikatoren zu beurteilen (BGE
141 V 296 f. E. 4.1 und S. 298 ff., E. 4.3). Diese betreffen den Schweregrad einer
Gesundheitsschädigung (zit. Urteil E. 4.3.1), die Persönlichkeit (zit. Urteil E. 4.1.3 ff.),
den sozialen Kontext (zit. Urteil E. 4.3.3) sowie die Konsistenz (zit. Urteil E. 4.4). Der
medizinische Gutachter hat das Leistungsvermögen einzuschätzen und dabei den
einschlägigen Indikatoren zu folgen. Die Rechtsanwender überprüfen die betreffenden
Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen
Rahmenbedingungen gehalten haben, das heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle
Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung
sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die versicherungsmedizinische
Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter
Satz ATSG). Recht und Medizin tragen in diesem Sinn, je nach ihren fachlichen und
funktionellen Zuständigkeiten, zur Feststellung ein und derselben Arbeitsunfähigkeit
bei. Es gibt keine unterschiedlichen Regeln gehorchende, getrennte Prüfung einer
medizinischen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit (zit. Urteil, E. 5.2.2. und 5.2.3).
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3.
3.1 Das MEDAS-Gutachten vom 13. November 2013 hat durch die Änderung der
Rechtsprechung seine Beweiskraft nicht per se eingebüsst; vielmehr ist zu prüfen, ob
es deren Anforderungen erfüllt bzw. eine der neuen Rechtsprechung genügende
Beurteilung zulässt (BGE 141 V 281 E. 8 S. 309; Urteil des Bundesgerichts vom 13.
April 2016, 9C_168/2015, E. 2.2.3).
3.2 In somatischer Hinsicht bemängelt die Beschwerdeführerin, der rheumatologische
Gutachter habe in seiner Diagnosestellung nicht sämtliche im MRI-Bericht vom 3. Juli
2013 (act. G 1.3) erwähnten Diskushernien, Diskusprotrusionen und Spondylarthrosen
berücksichtigt (act. G 1 Ziff. 3). Der genannte MRI-Bericht wird im Gutachten
zusammenfassend zitiert (IV-act. 100-14). Unter den Diagnosen ohne wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert wird im Gutachten eine
Diskusprotrusion C6/7 paramedian links ohne Kompression neuraler Strukturen
aufgezählt (IV-act. 100-18). Dass die übrigen im MRI-Bericht beschriebenen Befunde
gar keinen Krankheitswert aufweisen, mag fraglich sein. Immerhin wird bei der
Wiedergabe der MRI festgehalten, dass an der HWS leicht verschmälerte
Zwischenwirbelräume mit dorsalen Diskusprotrusionen C4/5, C5/6 und C6/7 mit
leichter Eindellung des Duralsackes und eine Diskusprotrusion auf Höhe C6/7 leicht
paramedian linksbetont, ohne sichere Kompression neuraler Strukturen, vorhanden
seien. An der LWS fänden sich weitgehend normal breit erhaltene
Zwischenwirbelräume und keine wesentliche Diskuspathologie (IV-act. 100-14).
Entscheidend ist, dass die Befunde jedenfalls nicht wesentlich die Arbeitsfähigkeit
einschränken, wie aus der zusammenfassenden Wiedergabe hervorgeht. Darüber
hinaus führte der rheumatologische Gutachter plausibel aus, im Vordergrund stehe ein
Ganzkörperschmerzsyndrom, dessen Symptomatik vor vielen Jahren begonnen habe
und das von der Phänomenologie her die Kriterien für die Diagnose eines
Fibromyalgiesyndroms bzw. einer Somatisierungsstörung erfülle. Die Entwicklung
dieses Ganzkörperschmerzsyndroms werde verständlich in Würdigung der sehr
belastenden Lebensgeschichte. Ein isoliertes lumbospondylogenes Syndrom könne
nicht eindeutig festgestellt werden, zumal in der kürzlich durchgeführten
Magnetresonanztomographie keine nennenswerten Pathologien an Wirbelsäule und
Bandscheiben hätten festgestellt werden können. Die Symptomatik am linken Fuss
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stehe derart im Hintergrund, dass auch hier nicht eine isolierte sichere Pathologie
diagnostiziert werden könne. Die geklagte Symptomatik erinnere nicht an eine typische
Arthrosesymptomatik, es ergäben sich auch keine Hinweise für eine klinisch relevante
Instabilität (IV-act. 100-16). Damit erscheint schlüssig, dass der rheumatologische
Gutachter aus somatischer Sicht einzig eine qualitative Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit attestierte, während in quantitativer Hinsicht die psychiatrische
Beurteilung führend ist.
3.3 Anlässlich der Begutachtung schilderte die Beschwerdeführerin traumatisierende
Erlebnisse in ihrer Kindheit, die auch im Zusammenhang mit Alkohol gestanden und
sich in ihrer Ehe ähnlich wiederholt hätten (IV-act. 100-10; IV-act. 100-25, 27). Diese
Vorkommnisse wurden übereinstimmend auch in vorangegangenen Anamnesen
erhoben (Bericht Dr.med. N._, Leitender Arzt Psychosomatik Klinik Valens vom 24.
März 2010, Ziff. 2 [betreffender Abschnitt in Fremdakten act. G 4.2 abgedruckt, in IV-
act. 90-19 abgedeckt], Bericht der Klinik D._ vom 23. November 2010, IV-act. 90-33;
Bericht der Leitenden Psychologin Psychotherapie der Klinik D._ vom 27. Dezember
2010, IV-act. 48-3; Bericht Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums F._ vom
18.03.2011, IV-act. 52-1; Bericht Dr. J._ vom 16. Januar 2013, IV-act. 87-2).
Widersprüche oder Inkonsistenzen in den Ausführungen der Beschwerdeführerin sind
nicht ersichtlich und auch die behandelnden Ärzte haben keine entsprechenden
Anzeichen festgehalten. Auch im MEDAS-Gutachten wird die Beschwerdeführerin
durchwegs als glaubwürdig beschrieben. Der psychiatrische Gutachter führte aus,
aufgrund der Lebensgeschichte habe die Beschwerdeführerin schon in ihrer Kindheit
unter einem hohen chronischen Disstress gestanden. Sie habe nie stabile Ich-
Funktionen und ein positives Selbstbild entwickeln können und sich stets als
Aussenseiterin gefühlt. Lange Zeit sei es der Beschwerdeführerin gelungen, die
strukturellen Defizite über Leistungsbereitschaft, Überanpassung, attraktives
gepflegtes Auftreten, Konfliktvermeidung und Aggressionshemmung zu neutralisieren
(IV-act. 100-17). Die Beschwerdeführerin leide an einer vorbestehenden komplexen
Persönlichkeitsstörung mit dependenten, vermeidend selbstunsicheren Zügen und
Zügen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Diese habe sich durch das
Unfallereignis 2009 zu einer andauernden Persönlichkeitsänderung (ICD-10: F61.0)
transformiert, weil die Folgen der vorbestehenden posttraumatischen
Belastungsstörung nach dem Unfallereignis krankheitswirksam geworden seien.
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Daraus habe sich im Verlaufe der Jahre eine andauernde Persönlichkeitsänderung
entwickelt. Es fänden sich Persönlichkeitsanteile wie hohe Leistungsbereitschaft,
Abhängigkeit vom Lob von Dritten (Überanpassung), Aggressionshemmung,
Konfliktvermeidung, hohes Unabhängigkeitsbedürfnis und Dyslexiethymie, die
pathognomonisch seien für Menschen, die unter Disstress zu psychosomatischen
Reaktionsbildern neigten (IV-act. 100-32). Zudem bestehe eine Somatisierungsstörung
(ICD-10: F45.0), die in Form eines Ganzkörperschmerzsyndroms mit multiplen
vegetativen Begleiterscheinungen erkennbar werde (IV-act. 100-17, 32 f.). Limitierend
bei der Arbeitsfähigkeit seien nicht die Auswirkungen der Somatisierungsstörung,
sondern die verminderte Stresstoleranz aufgrund der Persönlichkeitsstörung, die zu
einer andauernden Persönlichkeitsänderung transformiert sei. Deren Folgen hätten sich
in den letzten vier Jahren auf der somatischen und auf der psychischen Ebene
manifestiert. Unter Disstress verstärke sich die Depressivität und sei die
Konzentrationsfähigkeit vermindert. Aufgrund der zwanghaften Persönlichkeitsanteile
komme es zu vermehrten Kontrollen mit Auswirkungen auf das Arbeitstempo. Der
Disstress manifestiere sich auf der somatischen Ebene in Form von Schmerzen, welche
die Konzentrationsfähigkeit ebenfalls beeinträchtigten. Aufgrund der
Persönlichkeitsveränderungen, des verminderten Selbstwertgefühls und unter dem
Aspekt der depressiven Realitätsverzerrungen und der eingeschränkten affektiven
Schwingungsfähigkeit eigne sich die Beschwerdeführerin nicht mehr für Team- oder
Gruppenarbeiten (IV-act. 100-33). Die Beschwerdeführerin verfüge über ein hohes
Pflichtbewusstsein, eine hohe Leistungsbereitschaft und ein hohes
Unabhängigkeitsbedürfnis. Sie spreche sehr gut Deutsch und wünsche nach wie vor,
erwerbstätig zu sein. Die Arbeitsfähigkeit sei aufgrund eines invalidisierenden
Gesundheitsschadens eingeschränkt und aufgrund der verminderten Stresstoleranz
bleibend beeinträchtigt. Aus psychiatrischer Sicht sei die langdauernde Arbeitsfähigkeit
derzeit nicht sicher festzulegen; sie dürfte aber auch unter optimalen Bedingungen
nicht über 50 % liegen. Eine Steigerung der Leistungsfähigkeit und die
Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt sei zumutbar. Dabei sei ein
verständnisvolles Arbeitsklima mit vorerst wenig Leistungsanforderungen (wenig Druck)
wichtig. Die Willensanspannung zur Überwindung der Schmerzen sei teilweise
zumutbar (IV 100-18, 19, 33 f., 35). RAD-Ärztin Dr.med. O._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, notierte am 18. November 2013, gemäss
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Gutachten zeige die Beschwerdeführerin eine deutlich verminderte Stresstoleranz.
Eingeschränkt seien zudem die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, das
Durchhaltevermögen, die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Kontaktfähigkeit zu Dritten,
das Arbeitstempo und die Eignung zur Team- oder Gruppenarbeit. Seit dem 24. Juli
2009 sei von einer 50 %igen Arbeitsunfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit
auszugehen; während den stationären und teilstationären Behandlungen habe eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (IV-act. 101).
3.4 Mit dem RAD ist das Gutachten als umfassend, in Kenntnis der Vorakten erstellt,
auf allseitigen Untersuchungen beruhend, die geklagten Beschwerden
berücksichtigend und als schlüssig und nachvollziehbar zu beurteilen (vgl. IV-act.
101-2). Aus den Ausführungen des psychiatrischen Gutachters und der RAD-Ärztin
geht hervor, dass die attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf
Beeinträchtigungen der Persönlichkeit (andauernde Persönlichkeitsänderung bei
vorbestehender kombinierter Persönlichkeitsstörung) und nicht auf die organisch
unerklärlichen Schmerzen zurückzuführen ist. Die persönlichkeitsstrukturellen
Beeinträchtigungen sind im Gutachten klinisch beschrieben und diagnostisch
nachvollziehbar objektiviert. Es handelt sich um psychiatrische Befunde, die über
depressive Verstimmungen oder syndromale Beschwerden, die als Auswirkung
psychosozialer oder soziokultureller Belastungsfaktoren aufzufassen wären, weit
hinausgehen und insoweit verselbständigt sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28.
Juni 2012, 9C_537/2011, E. 3.2, mit weiteren Verweisen). Der Diagnose "andauernde
Persönlichkeitsänderung bei vorbestehender kombinierter Persönlichkeitsstörung"
kommt auch gegenüber der ebenfalls diagnostizierten Somatisierungsstörung
selbständige Wirkung zu, anders als in Fällen, in denen eine Persönlichkeitsänderung
als Folge einer somatoformen Schmerzstörung eingetreten ist (wie etwa bei der im
Urteil des Bundesgerichts vom 15. Juni 2012 8C_167/2012, E. 6.1 vorgelegenen
"Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom"). Selbst wenn dennoch
von einem überwiegend organisch nicht erklärbaren, syndromalen Leiden ausgegangen
würde, entfällt nach neuer Rechtsprechung die Vermutung der Überwindbarkeit (BGE
141 V 294 E. 3.5). Die Arbeits- resp. Erwerbsunfähigkeit ist in allen Fällen das Resultat
der - einem objektiven Massstab folgenden - Beurteilung, ob die versicherte Person
trotz des ärztlich diagnostizierten Leidens einer angepassten Arbeit zumutbarerweise
ganz oder teilweise nachgehen kann. Es fehlt daher am Gegenstand für eine
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gesonderte, weitergehende Prüfung der Überwindbarkeit (BGE 141 V 296, E. 3.7.3).
Wird durch die medizinischen Fachexperten eine teilweise Arbeitsfähigkeit attestiert,
beruht dies darauf, dass trotz voller Willensanstrengung nur ein Teilpensum (oder eine
teilweise Leistungsfähigkeit) zumutbar ist und nicht auf einer lediglich teilweise
zumutbaren Willensanstrengung. Die Gutachter haben die Beeinträchtigungen
(Persönlichkeitsstruktur, belastende Erlebnisse) und die Ressourcen (Leistungswille,
Pflichtbewusstsein, Unabhängigkeitsbedürfnis) abgewogen und entsprechend den
nach neuer Rechtsprechung massgebenden Indikatoren (funktioneller Schweregrad,
Persönlichkeit, sozialer Kontext) gewürdigt. Auf das Gutachten der MEDAS
Zentralschweiz ist demnach abzustellen und es bleibt kein Raum für eine davon
abweichende rechtliche Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit.
3.5 Der psychiatrische Gutachter geht davon aus, dass unter optimalen Bedingungen
höchstens eine Arbeitsfähigkeit von 50 % erreicht werden könne; zur genaueren
Exploration schlägt er Wiedereingliederungsmassnahmen vor (IV-act. 100-35). Mit Blick
darauf, dass die Beschwerdeführerin in absehbarer Zeit das Pensionsalter erreicht,
rechtfertigt es sich indes, mit dem RAD von einer Arbeitsfähigkeit von 50 %
auszugehen und im Kontext der Frage nach einem Tabellenlohnabzug zu
berücksichtigen, dass diese nur im besten Fall erreicht werden kann.
4.
4.1 Gestützt auf das Gutachten ist vom 7. März bis 23. Juli 2009 von einer 100 %igen
vom 24. Juli 2009 bis 19. August 2010 von einer 50 %igen, vom 20. August 2010 bis
12. August 2011 von einer 100%igen und seither von einer 50 %igen Arbeitsunfähigkeit
in der bisherigen und in angepasster Tätigkeit auszugehen (IV-act. 100-19). Das
Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG war demnach am 6. März 2010 erfüllt.
Aufgrund der erst am 9. November 2009 erfolgten Anmeldung besteht ein
Rentenanspruch indes frühestens ab 1. Mai 2010. Massgebend für den
Einkommensvergleich ist demnach das Jahr 2010 (BGE 129 V 222). Die
Beschwerdeführerin hat gemäss Art. 88a Abs. 1 und 2 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) somit vom 1. Mai 2010 bis 30. November 2010
Anspruch auf eine Rente entsprechend der 50 %igen Arbeitsunfähigkeit, vom 1.
Dezember 2010 bis 30. November 2011 auf eine ganze Rente (100 %
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Arbeitsunfähigkeit), und ab 1. Dezember 2011 wiederum auf eine Rente entsprechend
der 50 %igen Arbeitsunfähigkeit.
4.2 Die Beschwerdeführerin arbeitete ab 1. Januar 2001 als Montiererin in der Branche
Elektromagnete/Feinmechanik (Fragebogen Arbeitgeber, 5. Januar 2010, IV-act. 23). Im
Jahr 2008 wurden ihr brutto Fr. 62'624.-- ausbezahlt, beinhaltend einen Grundlohn von
Fr. 3'810.-- und eine Schichtzulage von Fr. 381.-- (IV-act. 23-9). Der Auszug aus dem
individuellen Konto (IK) weist für diese Tätigkeit einen regelmässigen Anstieg des
Jahreseinkommens von rund Fr. 50'000.-- auf rund Fr. 60'000.-- in den Jahren 2001 bis
2007 auf (IV-act. 9-2 f.). Das Arbeitsverhältnis wurde gemäss Angaben der
Beschwerdeführerin Ende März 2010 auf Ende Juni 2010 gekündigt. Der Vorgesetzte
hatte angegeben, man sei mit ihrer Leistung nicht mehr zufrieden und das Leiden und
die schlechte psychische Verfassung seien der Beschwerdeführerin deutlich
anzumerken; ausserdem müsste die Beschwerdeführerin in der Lage sein, mittelfristig
im vollen Pensum zu arbeiten (Bericht der Eingliederungsverantwortlichen vom 8. Juli
2010, IV-act. 32-3, 4, 6). Es ist demnach davon auszugehen, dass gesundheitliche
Gründe zur Kündigung führten, und dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall
weiterhin an der bisherigen Arbeitsstelle verblieben wäre. Nach Angaben des
Arbeitgebers hätte sie im Jahr 2010 bei 100 %iger Leistung ein Jahreseinkommen von
Fr. 66'000.-- erhalten (Fragebogen Arbeitgeber, 5. Januar 2010, IV-act. 23-3). Die
Lohnerhöhung gegenüber 2008 übersteigt die Nominallohnentwicklung (Bundesamt für
Statistik [BFS], Lohnentwicklung 2014, T 39, Index Frauen 2008: 2499; 2010: 2579; Fr.
62'624.-- : 2499 x 2579 = Fr. 64'629.--). Sie entspricht jedoch der aus dem IK
ersichtlichen Entwicklung des Einkommens in den vorangegangenen Jahren, weshalb
von einem Valideneinkommen von Fr. 66'000.-- auszugehen ist.
4.3 Das Invalideneinkommen ist ausgehend vom Durchschnittswert im
Anforderungsniveau 4, Frauen, gemäss Lohnstrukturentwicklung (LSE) 2010 des BFS
zu ermitteln. Dieses beträgt Fr. 52'728.-- (vgl. Informationsstelle AHV/IV, IV, Ausgabe
2015, Anhang 2) und entspricht bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % Fr. 26'364.--. Da
die Beschwerdeführerin die attestierte Arbeitsfähigkeit nur im optimalen Fall und
insbesondere nicht in Gruppen- oder Teamarbeit erreichen kann (E. 3.4), erscheint ein
Tabellenlohnabzug von jedenfalls 10 % angemessen. Das Invalideneinkommen beträgt
somit Fr. 23'728.--. Daraus resultiert ein Invaliditätsgrad von 64 % und somit ein
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Anspruch auf eine Dreiviertelsrente ab 1. Mai 2010. Ab 1. Dezember 2010 besteht
Anspruch auf eine ganze Rente, und ab 1. Dezember 2011 wiederum auf eine
Dreiviertelsrente (E. 4.1).
5.
5.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 4. März 2014 aufzuheben
und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Mai 2010 eine Dreiviertelsrente, ab 1.
Dezember 2010 eine ganze Rente und ab 1. Dezember 2011 eine Dreiviertelsrente
zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). In der vorliegenden
Streitsache erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.