Decision ID: 5d8fb658-85a1-4496-bb38-9c39f86e6bcb
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1979,
ist gelernter Automonteur (vgl.
Urk.
6/2/3 unten), war jedoch aufgrund einer Allergie auf Motorenöle als Chauffeur tätig (vgl.
Urk.
6/13,
Urk.
6/18)
und arbeitet
seit
1.
August 2004 in einem Pensum von 50
%
bei
Y._
als Occasionsverkäufer
(
Urk.
6/51). Am
5.
September 2002 meldete er sich
wegen Nackenbeschwerden mit starker Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule (HWS)
sowie generellen
Rücken
beschwerden
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
(Rente)
an (
Urk.
6/7).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte Arztberichte (
Urk.
6/
15
,
Urk.
6/55
), einen Auszug aus dem individuellen Konto des Versi
cherten (IK-Auszug;
Urk.
6/9)
sowie
einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
6/13,
Urk.
6/18)
ein
,
zog die Akten des Unfallversicherers
(
Urk.
6/11) bei und veran
lasste ei
n neurologisches Gutachten,
welches am
4.
April beziehungsweise
3.
Juli 2006 (
Urk.
6/68)
erstattet
wurde.
Mit Verfügung vom
8.
Januar 2007 (
Urk.
6/80) sprach die IV-Stelle dem Versi
cherten ab
1.
Mai 2004 eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
zu.
1.2
Im Rahmen eines im Februar 2010 eingeleiteten Revisionsverfahren
s
(vgl.
Urk.
6/88) holte die IV-Stelle
weitere Arztberichte (
Urk.
6/91-92), einen IK-Aus
zug (
Urk.
6/89)
sowie
einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
6/90)
ein und bestätigte mit Mitteilung vom 2
7.
Mai 2010 (
Urk.
6/94) einen unveränderten Anspruch des Versicherten auf die bisherige halbe Rente.
1.3
Im September 2010 unterbreitete die IV-Stelle dem Versicherten ein Angebot für den beruflichen Wiedereinstieg (
Urk.
6/95) und leitete im März 2013 eine erneute Rentenrevi
sion ein (vgl.
Urk.
6/97-99).
Mit Verfügung vom 2
8.
Juni 2013
stellte die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6
/
102-113
) die Invalidenrente auf den ersten Tag des zweiten auf die Zustellung des Entscheids folgenden Monats
hin ein
; gleich
zeitig entzog sie einer Beschwerde gegen die Verfügung d
ie aufschiebende Wir
kung (
Urk.
6
/
115
=
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 2
8.
Juni 2013 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 3
0.
August 201
3
Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es sei festzustellen, dass er weiterhin Anspruch auf eine Rente von 50
%
habe (S. 2
Ziff.
1). Eventuell sei
die IV-Stelle anzuweisen, den relevanten Sachverhalt vollständig festzustellen und alsdann einen neuen materiellen Entscheid zu fällen (S. 2
Ziff.
2). In pro
zessualer Hinsicht stellte er den Antrag auf Wiederherstellung der aufschieben
den Wir
kung der Beschwerde (S. 2
unten
).
Mit Beschwerdeantwort vom
7.
Oktober 2013 (
Urk.
5) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am
6.
Januar 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Die am 1. Januar 2012 in Kraft getretene Revision des IVG hat zum Ziel, die Invalidenversicherung (IV) zu sanieren. Dabei steht der Eingliederungsgedanke im Zentrum. Insbesondere durch sogenannte „eingliederungsorientierte
Ren
ten
revisionen
“ sollen laufende Renten erheblich reduziert oder gar aufgehoben wer
den können, indem systematisch überprüft wird, ob bei den
Rentenbezüge
rinnen
und -bezügern Potential zur Wiedereingliederung vorhanden ist (Thomas
Gächter
/Eva
Siki
, Sparen um jeden Preis?, in:
Jusletter
29. November 2010, S. 2).
1.3
Gemäss
lit
. a der
Schlussbestimmung
en
der Änderung des IVG vom 18. März 2011 wer
den Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Be
schwerdebildern
ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wur
den, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Art. 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente
herab
gesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen der ordentli
chen Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind.
Mithin finden auf diese IV-Rentnerinnen und -rentner nicht die geplanten Best
immungen über die eingliederungsorientierte Rentenrevision Anwendung, die mit flankierenden und begleitenden Massnahmen abgerundet werden. Viel
mehr sind die Rentenansprüche, die etwa gestützt auf die Diagnose eines orga
nisch nicht erklärbaren Schmerzzustandes gesprochen wurden, zu überprüfen und unter dem Gesichtspunkt der seit BGE 130 V 352 verschärften Praxis neu zu beurteilen (
Gächter
/
Siki
, a.a.O., S. 2).
1.4
Das Bundesgericht erachtete es aus Gründen der Rechtsgleichheit als geboten, sämtliche
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage den gleichen Anforderungen zu un
ter
stellen, und hat in der Folge die im Bereich der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelte „Schmerz-Rechtsprechung“ bei verschiedenen verwandten Diagnosen, so bei der Würdigung des invalidisierenden Charakters von
Fibromyalgie
,
Chronic
Fatigue
Syndrome oder Neurasthenie, dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, der dissoziativen Bewegungsstörung sowie einer spezifischen HWS-Verletzung ohne organisch nachweisbare
Funkti
onsausfälle
(HWS- oder Schleudertrauma) zur Anwendung gebracht (
Gäch
ter
/
Siki
, a.a.O., S. 4, mit zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts).
Das gemeinsame Merkmal dieser Beschwerdebilder, welche die einheitliche Anwendung der „Schmerz-Rechtsprechung“ des Bundesgerichts rechtfertigt,
be
steht darin, dass die Betroffenen unter körperlichen Symptomen – wie Rücken
schmerzen
, Müdigkeit oder Magen-Darmproblemen – leiden, die sich nicht durch organische Befunde erklären lassen. Weder fallen unter die Anwendung der „Schmerz-Rechtsprechung“ somit sämtliche psychiatrischen Diagnosen noch ist ausschlaggebend, ob ein bestimmtes Leiden organischen oder psychischen Charakter hat. So hat die Rechtsprechung die zu vorwiegend psychisch begrün
deten Schmerzstörungen (ICD-10: F45.4) entwickelten Regeln unter anderem bereits auf die als organisches Leiden qualifizierte
Fibromyalgie
(ICD
10: M79.0) übertragen (
Gächter
/
Siki
, a.a.O., S. 4, mit zahlreichen Hin
weisen auf die Recht
sprechung des Bundesgerichts).
1.5
A
usgangspunkt für die Bemessung der Invalidität bildet die Frage, ob und in welchem Ausmass es einer versicherten Person zumutbar ist, trotz ihres
Ge
sundheitsschadens
ein Erwerbseinkommen zu erzielen. In
Art.
7
Abs.
2 ATSG, der mit der
5.
IVG-Revision am
1. J
anuar 2008 in Kraft getreten ist, wird fest
gelegt, dass eine Erwerbsunfähigkeit nur vorliegt, wenn sie aus objektiver Sicht
nicht überwindbar ist. Damit wurde gesetzlich verankert, dass die Zumutbarkeit nicht nach dem subjektiven Empfinden der versicherten Person, sondern nach objektiven Gesichtspunkten zu beurteilen ist.
Art.
7
Abs.
2 ATSG schreibt somit auf Gesetzesstufe das Erfordernis der Objektivierbarkeit fest, was nach der bun
desgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 135 V 215 E. 7.3) seit jeher gilt (
Gäch
ter
/
Siki
, a.a.O., S. 3).
Bei der Beantwortung der Frage, welche Tätigkeiten einer versicherten Person trotz ihres Gesundheitsschadens zumutbar sind, ist der Rechtsanwender massge
blich auf die Informationen angewiesen, die ihm ärztliche und andere
Fachper
sonen
liefern. Diese haben sich darauf zu beziehen, ob und inwieweit eine ver
sicherte Person trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung noch über Fähigkeiten verfügt, welche für die bisherigen Arbeitsmöglichkeiten wesentlich sind, und in welchen anderen Arbeitsbereichen das verbliebene Leistungsvermögen unter Berücksichtigung ihrer Kenntnisse verwertet werden könnte. Im Rahmen des das
Sozialversicherungsverfahren beherrschenden Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43
Abs.
1 ATSG) ist es die Pflicht der rechtsanwendenden Behörden, alle dies
be
züg
lich erforderlichen Auskünfte einzuholen und die notwendigen
Ab
klärungen vorzunehmen.
Insbesondere wenn es bei
den genannten Diagnosen (E.
1.4) darum geht zu beur
teilen, welche (Willens-)Anstrengung von der versicherten Person nach objek
tiven Gesichtspunkten erwartet werden darf, mit ihren Beschwerden umzu
gehen und eine erwerbliche Tätigkeit zu verrichten, muss sich der
Rechtsan
wender
auf nachvollziehbare medizinische – in der Regel fachärztlich-psychiat
rische – Stellungnahmen stützen können. Die ärztliche Fachperson hat die Beurteilung der zumutbaren Willensanstrengung und der dem Betroffenen zur Verfügung stehenden Ressourcen mit Blick auf die mit BGE 130 V 352 erstmals eingeführten („Foerster“-)Kriterien vorzunehmen, wobei sich die psychiatrische Expertise nicht in jedem Fall über jedes einzelne dieser Foerster-Kriterien aus
sprechen muss, sich aber immer dann zur Gesamtheit der Kriterien äussern sollte, wenn die zu beurteilende Einschränkung vorwiegend auf psychischen Gründen beruht (vgl. Urs Müller, Das Verwaltungsverfahren in der Invaliden
versicherung,
Rz
. 1693).
Entscheidmassgeblich
ist in jedem Fall eine
Gesamt
würdigung
der Situation, die Aufschluss gibt über die noch vorhandenen Ressourcen.
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) auf den Standpunkt, dass die beim Beschwerdeführer gestellten Diagnosen zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlage gehörten. Den medizinischen Unterlagen seien keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu entnehmen, welche aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründe
ten.
Es lägen keine Anhaltspunkte für eine psychische
Komorbidität
oder sons
tige schwere Funktionseinschränkungen vor.
Zudem lägen keine weiteren Kri
terien in erheblichem Ausmass vor, die eine Schmerzüberwindbarkeit in Frage stellten. Somit bestehe für die Zukunft kein Anspruch mehr auf eine Invaliden
rente (S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde (
Urk.
1) demgegenüber
gel
tend
,
er werte mit der heute ausgeübten 50%igen Tätigkeit bei
Y._
seine Resterwerbsfähigkeit optimal aus.
Das Gutachten des
Z._
stütze sich auf klinische Untersuchungen
, wo
bei
die von ihm geltend gemachten Beeinträchtigungen
damit kompatibel und demnach
medizinisch feststellbar
seien
(S. 4)
.
Gemäss den Gutachtern könnten die unfallbedingten Einschränkungen nicht überwunden werden
. Insbesondere liege ein fachärztlich ausgewiesenes psychisches Leiden mit Krankheitswert vor und eine bestmögliche Wiedereingliederung habe er bereits vor Jahren vorge
nommen (S. 6 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegner
in die bisher ausgerichtete halbe Rente des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 28
. Juni 2013 (Urk. 2) zu Recht gestützt auf
lit
. a Abs. 1
SchlB
IVG aufgehoben hat.
3.
3.1
Der
Zusprache
einer halben Invalidenrente durch die Beschwerdegegnerin (
Ver
fügung
vom
8.
Januar 2007;
Urk.
6/80)
lagen die folgenden Arztberichte zu
grunde:
3.2
Dr.
med.
A._
, Innere Medizin FMH, berichtete am 1
4.
Oktober 2001 (
Urk.
6/6/
26) und nannte als Diagnose ein HWS-Schleudertrauma nach Auf
fahrunfall am 2
9.
Juni 200
1.
Der Beschwerdeführer
klage
über starke
Bewe
gungseinschränkungen
der HWS, Nackenbeschwerden, ausgeprägte Schlafstö
rungen, Konzentrationsstörungen sowie über frontale Kopfschmerzen. Aktuell bestehe nach wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der starken Nackenbeschwerden. Der angestammte Beruf als Chauffeur
sei zurz
eit nicht ver
antwortbar.
3.3
Dr.
phil.
B._
, Fachpsychologe für klinische Psychologie und Psychothe
rapie, und
Dr.
med.
C._
, Leitender Arzt, FMH Psychiatrie und Psy
chotherapie,
Klinik D._
, Psychosomatische Abtei
lung, erstatteten am 1
4.
März 2002 ihr psychosomatisches Konsilium (
Urk.
6/6/17-21)
und führten aus,
es bestehe keine psychische Störung von Krankheitswert, sondern
es lägen
lediglich gewisse Verarbeitungsschwierigkeiten im Rahmen einer
Opferrollen
problematik
mit Stellenverlust
vor
(S. 1).
Die erhöhte Ängstlichkeit im Auto sei im Rahmen einer normalpsychologischen Reaktion auf das Unfalltrauma einzu
ordnen und habe nicht das Ausmass einer eigentlichen Phobie (S. 4 Mitte).
3.4
Die Ärzte der
D._
berichteten am 3
1.
Juli 2002 (
Urk.
6/2) über das Ergonomie-Trainingsprogramm (ERT) des Beschwerdeführers vom 1
2.
Juni bis
9.
Juli 2001 und vom 1
8.
Februar bis 1
0.
Juni 2002 und
nannten folgende Diagnosen (S. 8):
HWS-Distorsion mit Kopfaufprall an der Kopfstütze
initiale
Bewusstlosigkeit, danach Benommenheit und Verwirrtheit
rechtsbetontes
Zervikalsyndrom
Kopfschmerzen vom Spannungskopfweh- und Migränetyp gemischt
rezidivierender
Schwankschwindel
leichte neuropsychologische Störung mit leichter, schmerzbedingter Ein
schränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit
Sie
führten aus, das arbeitsbezogen relevante Problem sei eine Funktionsstörung der HWS mit rechtsbetonten Belastungsschmerzen, teilweise ausstrahlend bis in die Schulter (S. 1). Es habe sich bald gezeigt, dass eine Wiedereingliederung in die bisherige berufliche Tätigkeit als Chauffeur nicht möglich sei und auch nicht realistisch sei (S. 1 f.). Die Leistungsbereitschaft des Beschwerdeführers sei im Wesentlichen zuverlässig und die Konsistenz bei den Tests und im Training sei gut gewesen (S. 2 oben). Eine leichte Tätigkeit ohne Arbeit über Brusthöhe oder in vorgeneigter Position sowie ohne erhöhte Ansprüche an die
Nackenbeweg
lichkeit
sei dem Beschwerdeführer halbtags zumutbar (S. 2 Mitte).
3.5
Die Ärzte der
D._
berichteten am 2
5.
Oktober 2004 (
Urk.
6/55) und nannten folgende Diagnosen (S. 1):
rechtsbetonte
s
Zervikovertebralsyndrom
Kopfschmerzen
vom Spannungskopfweh- und Migränetyp gemischt
Sie führten aus, der Beschwerdeführer arbeite als Wagenverkäufer bei
Y._
in einem 50%igen Pensum. Die Arbeitsunfähigkeit bezogen auf die jetzige Tätigkeit betrage vorläufig weiterhin 50
%
. D
ie zeitliche Präsenz
betrage
etwa viereinhalb
Stunden morgens.
3.6
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie FMH,
Z._
, erstattete sein neurologisches Gutachten am
3.
Juli 2006 (
Urk.
6/68) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchung des Beschwerdeführers vom
4.
April 200
6.
Er nannte folgende Diagnosen (S. 12 unten):
zervikocephales
Syndrom bei Status nach HWS-Distorsion durch Auf
fahrunfall vom 2
9.
Juni 2001 mit:
rechtsbetonten zervikalen Schmerzen
frontalbetonten
zervikogenen
und anstrengungsabhängigen Kopf
schmerzen
kurzzeitigen Schwindelgefühlen bei bestimmten Kopfbewegungen
Er führte aus,
in der jetzigen klinischen Untersuchung falle vor allem die ausge
prägte Beeinträchtigung der HWS-Beweglichkeit in allen Richtungen auf sowie die ausgeprägten Verspannungen der gesamten paravertebralen HWS-Musku
latur und der M.
trapezi
beidseits. Die Beeinträchtigung der HWS-Beweglichkeit finde sich nicht nur in der Untersuchungssituation, sondern auch in
Spontan
bewegungen
, indem sich der Beschwerdeführer im Allgemeinen „en bloc“ drehe.
Die vom Beschwerdeführer angegebenen Nackenschmerzen seien mit dem kli
nischen Befund kompatibel
(S. 11 oben)
.
Klinisch und aus der Anamnese ergä
ben sich keine Anzeichen einer organisch bedingten neuropsychologischen Störung (S. 11 unten).
Der gesundheitliche Zustand des Beschwerdeführers habe sich mittlerweile stabilisiert. In den letzten Jahren sei es zu keiner subjektiven Verbesserung der Schmerzsymptomatik mehr gekommen. Auch objektiv sei der heutige Zustand mit den in den Akten aufgeführten letzten Untersuchungen in der
D._
von Oktober 2004 vergleichbar.
Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
in seinem jetzigen B
eruf beurteile er mit 50
%
. Eine Steige
rung der Arbeitsfähigkeit werde auch in einem angepassten Beruf in Zukunft nicht mehr möglich sein
(S. 12)
.
In seinem Beruf als Chauffeur sei er seit dem Unfallereignis als vollständig arbeitsunfähig einzustufen. Auch in Zukunft werde er diesen Beruf nicht mehr ausüben können (S. 16 oben).
4.
4.1
Aus den im Rahmen der Rentenrevisionen eingeholten medi
zinischen Berichten ergibt sich
Folgendes:
4.2
Die Ärzte des
F._
, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, berichteten am 1
0.
Januar 2010 (
Urk.
6/91/4-5)
und nannten als Diag
nose eine akute
Tonsillopharyngitis
. Sie führten aus, die Ursache des Fiebers und der Halsschmerzen sei eine akute Tonsillitis, möglicherweise bakteriell.
4.3
Dr.
A._
berichtete am 1
6.
Mai 2010 (
Urk.
6/91/1-3,
Urk.
6/91/7-9) und nannte folgende Diagnose:
Status nach HWS-Distorsionsverletzung am 2
9.
Juni 2001 mi
t
Kopfauf
prall
an der Kopfstütze mit
commotio
cerebri
rechtsbetontem
Zervikalsyndrom
Verdacht auf
zervikogenen
Schwankschwindel
Spannungskopfschmerzen, Migräne
s
chmerzbedingter Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit
Er führte aus, es bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angepassten Tätig
keit als Autooccasionsverkäufer, entsprechend einem täglichen Pensum von vier Stunden. Insgesamt müsse von einem
chronifizierten
Zustand ausgegangen werden. Die Arbeitsfähigkeit werde sich mittelfristig nicht ändern. In der ange
stammten Tätigkeit als Chauffeur sei der Beschwerdeführer seit dem 2
9.
Juni 2001 zu 100
%
arbeitsunfähig.
5.
5.1
Die erstmalige
Rentenzusprache
durch die Beschwerdegegnerin erfolgte vorwie
gend gestützt
auf das neurologische Gutachten von
Dr.
E._
(vgl.
vorstehend E. 3.6),
welche
r
aufgrund des diagnostizierten
zervikocephalem
Syndrom bei Status nach HWS-Distorsion durch Auffahrunfall eine 50%ige Arbeitsunfähig
keit attestiert hatte
, jedoch weder klinisch noch aus der Anamnese Anzeichen einer organisch bedingten neuropsychologischen Störung fand.
Ferner erfolgte die
Re
ntenzusprache
auch gestützt auf die Berichte der Ärzte der
D._
(vgl. vorstehend E. 3.4-3.5), welche
als arbeitsbezogen relevantes Problem
eine Funktionsstörung der HWS mit rechtsbetonten
Belastungsschmer
zen
s
ahen.
5.2
Im Rahmen des im Jahre
2010
durchgeführten Rentenrevisionsverfahren
s
berich
tete
Dr.
A._
über einen
chronifizierten
Zustand
und eine weiterhin bestehende
Arbeitsunfähigkeit von 50
%
in der angepassten Tätigkeit als
Autooccasionsverkäufer und einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit als Chauffeur (vgl. vorstehend E. 4.3).
5.3
Angesichts dessen, dass die
diagnostizierten neuropsychologischen Funktions
störungen mangels Bestätigung durch apparative/bildgebende Abklärungen organisch nicht fassbare Diagnosen darstellen, erfolgte
die ursprüngliche
Ren
tenzusprache
somit gestützt auf Diagnosen, welche in den Anwendungsbereich
von
lit
. a
der Schlussbestimmung
en
der Ände
rung des IVG vom 18. März 2011
fallen, weshalb die Beschwerdegegnerin die laufende Rente zu Recht unter die
sem Titel einer Neubeurteilung unterzogen hat.
5
.4
Hingegen ist die Beschwerdegegnerin – wie sogleich gezeigt wird – bei der
Neu
beurteilung
des Rentenanspruchs unter dem Blickwinkel von
Art.
7
Abs.
1 und 2 ATSG ihren sich aus dem Untersuchungsgrundsatz nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG ergebenden Pflichten (vgl. vorstehend E. 1.5) ungenügend nachgekommen.
Bei der im
März 2013
von Amtes wegen eingeleiteten Revision (
Urk.
6/
88) holte die Beschwerdegegnerin
einzig vom behandelnden
Dr.
A._
den
ausgefüllten Fragenbogen
vom 1
9.
März 2013 (vgl.
Urk.
6/97) ein.
Ohne weitere Berichte, insbesondere eine fachärztliche psychiatrische Stellungnahme
einzuholen bezie
hungsweise
gar ohne jeglichen
Beizug
ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD),
gab die Beschwerdegegnerin am 1
0.
April 2013 an, dass sowohl das Vorliegen einer psychischen
Komorbidität
wie auch das Vorliegen eines orga
ni
schen Korrelats verneint werden könne
und die übrigen
rechtsprechungs
gemäss
relevanten Kriterien vorliegend ebenfalls nicht erfüllt seien
(vgl.
Urk.
6/101/6 Mitte).
Dieses Vorgehen der Beschwerdegegnerin vermag nicht zu genügen
(vgl. auch zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_972/2012 vom 3
1.
Oktober 2013 E. 10.2)
. Denn zur Frage, ob
sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdefüh
rers
seit den Begutachtungen im Jahr 200
1
(vgl. vorstehend E.
3.2 bis E. 3.6) verändert hat, liegen keine verlässlichen Aussagen vor.
So beurteilte die Beschwerdegegnerin die Frage der Zumutbarkeit der Überwindung der vorhandenen Beschwerden und der Verwertung der verbleibenden Arbeits
fähigkeit im Zeitpunkt der strittigen Verfügung vom 2
8.
Juni 2013 einzig auf
grund mehrere Jahre alten ärztlichen Stellungnahmen und
gestützt auf den
we
nig aussagekräftigen
, von
Dr.
A._
ausgefüllten Fragebogen
(vgl.
Urk.
6/97).
Die Aktenlage erlaubt nach dem Gesagten keine schlüssige Beurteilung des Ren
tenanspruchs nach den rechtsprechungsgemässen Kriterien
, da insbesondere auch keiner
lei fachärztlich-psychiatrische
Untersuchungen und Beurteilungen im Hinblick
auf die versicherungsmedizinisch relevante Frage der
Überwindbar
keit
und Erwerbsfähigkeit im Sinne von
Art.
7
Abs.
1 und 2 ATSG (vgl. vorste
hend E. 1.5) vorgenommen wurden, was auf das Versäumen der
Beschwerde
gegnerin
zurückzuführen ist.
5.
5
Die angefochtene Verfügung vom
28. Juni 2013 (Urk. 2)
ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie unter Weiterausrichtung de
r bisherigen
halben
Rente
die für die Beurteilung des Ren
tenanspruchs erforderlichen Abklärungen
bezüglich der Frage der
Über
windbar
keit
der geklagten Beschwerden
treffe und neu
über
den Rentenan
spruch
be
finde.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Mit dem sofortigen Rückweisungsentscheid erübrigt sich auch der prozessuale Antrag des Beschwerdeführers auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wir
kung der Beschwerde (vgl. Urk. 1 S. 2 unten).
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Ausgangsgemäss sind die Geri
chtskosten in der Höhe von Fr. 7
00.-- der unterliegenden
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
6
.2
Bei
diesem Verfahrensausgang hat der
vertretene
Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (
§
34
Abs.
3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
) und beim mass
geblichen
Stun
denansatz
von Fr.
200.-- (zuzügli
ch Mehrwertsteuer) auf Fr. 2‘
4
00
.-- (inkl.
Bar
auslagen
und
MWSt
) festzulegen.