Decision ID: 612a3c2e-7f3a-41da-86e7-8301898d50df
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im ordentlichen Verfahren des Bezirksgerichtes Uster vom 16. November 2017; Proz. FE150031
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Rechtsbegehren (sinngemäss):
"Es sei die Ehe der Gesuchsteller zu scheiden, unter gerichtlicher  der Nebenfolgen."
Urteil des Bezirksgerichtes Uster vom 16. November 2016 (act. 96 = act. 100 = act. 101 [Aktenexemplar]):
1. Die Ehe der Gesuchsteller wird geschieden. 2. Das aus der Ehe der Gesuchsteller hervorgegangene Kind
C._, geboren am tt.mm.2010, wird unter der gemeinsamen elterlichen Sorge der Gesuchsteller belassen.
3. Der Gesuchstellerin wird die alleinige Obhut über C._ .
4. Die Teilvereinbarung der Gesuchsteller über die Kinderbelange vom 2. bzw. 6. Mai 2015 wird im Übrigen hinsichtlich deren Ziffer 1 bis 4 genehmigt. Sie lautet wie folgt: "1. Die gemeinsame Tochter C._, geboren tt.mm.2010, sei unter der gemeinsamen el-
terlichen Sorge der Parteien zu belassen. 2. Der Gesuchsteller / Vater erklärt sich schweren Herzens damit einverstanden, dass die
Gesuchstellerin / Mutter ab August 2015 mit C._ ihren Wohnsitz nach Bern verlegt. C._ wird demzufolge ab August 2015 ihren Wohnsitz bei der Mutter in Bern haben und dort ab 10. August 2015 in den Kindergarten gehen.
3. Die AHV-Erziehungsgutschriften stehen der Gesuchstellerin / Mutter zu. 4. Die Parteien / Eltern sind sich darin einig, dass der Vater und die Tochter C._ mög-
lichst viel Zeit miteinander verbringen sollen. Die Betreuung von C._ durch den  regeln die Eltern möglichst flexibel und im gegenseitigen Einvernehmen unter  der Interessen und Bedürfnisse des Kindes. Sollten sich die Parteien / Eltern nicht einigen können, gilt folgende Minimalregelung: a) Der Vater betreut die Tochter C._ jeweils an zwei aufeinanderfolgenden
Wochenenden, von Freitagabend, 18.30 Uhr bis Sonntagabend 17.00 Uhr. Am dritten Wochenende wird C._ von der Mutter betreut. Die beiden  Wochenenden verbringt C._ erneut beim bzw. mit dem Vater und das sechste Wochenende wieder bei der Mutter, usw. (d.h. somit jedes durch 3 teilbare Wochenende bei der Mutter).
b) An allen Wochenenden des Vaters bringt die Mutter C._ auf eigene Kosten von Bern nach Zürich und übergibt sie um 18.30 Uhr am Hauptbahnhof Zürich dem Vater. Am ersten Sonntag des väterlichen Betreuungswochenendes holt die Mutter auf eigene Kosten C._ wieder am Sonntag, 17.00 Uhr, am  Zürich ab. Am jeweils zweiten Wochenende des Vaters bringt dieser auf eigene Kosten C._ auf 18.00 Uhr an den mütterlichen Wohnsitz in Bern , usw.
c) Der Vater verbringt im Kalenderjahr 5 Wochen Ferien mit der Tochter C._. Davon betreut er C._ während den Sommerferien jeweils an zwei aneinan-
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derhängenden Wochen. Ausnahmsweise wird C._ in den Sommerferien 2015 aufgrund ihrer Einschulung im Kindergarten am 10. August 2015 in Bern lediglich 9 Tage mit dem Vater verbringen, namentlich von Freitagabend, 31. Juli 2015, 18.30 Uhr, bis Sonntag, 9. August 2015, 17.00 Uhr. Bei der Ausübung der Ferienbetreuung durch den Vater übernehmen beide  für die Übergabe von C._ je einen Weg Bern - Zürich bzw. Zürich - Bern auf eigene Kosten.
d) Der Wochenendrhythmus soll unabhängig von den Ferien erhalten bleiben. Das heisst, wenn C._ während den Ferien ein Wochenende beim anderen  verbringt als im Grundrhythmus vorgesehen, wird das entsprechende Wochenende abgetauscht.
e) Die Parteien / Eltern verpflichten sich, ihre Ferienwünsche für die Zeit 1. Januar bis Ende des jeweiligen Schuljahres im September bekannt zu geben bzw.  abzusprechen. Für die Zeit ab Ende des jeweiligen Schuljahres bis 31. Dezember eines jeden Jahres erfolgt die entsprechende Absprache im . Bei den Ferienwünschen haben die Eltern alternierend das Wahlrecht, sofern sich ihre Ferienabsichten überschneiden würden. Die Ferienwochen dauern jeweils von Samstagmittag bis Samstagmittag.
f) Die Betreuung an den Feiertagen wird wie folgt geregelt: C._ verbringt Weihnachten in den ungeraden Kalenderjahren am 24.  bei der Mutter sowie am 25. und 26. Dezember beim Vater. In den  Kalenderjahren erfolgt die Betreuung an den Weihnachtstagen umgekehrt. In den ungeraden Jahren verbringt C._ die Tage vom 25. Dezember bis 2. Januar (des geraden Jahres) beim Vater. Die Ostertage (Gründonnerstag, 14.00 Uhr bis Ostermontag, 17.00 Uhr),  C._ in den geraden Jahren beim Vater und in den ungeraden Jahren bei der Mutter. Die Pfingstfeiertage (Freitagabend, 18.30 Uhr bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr), verbringt C._ jedes Jahr beim Vater. Bei den Feiertagen gilt die gleiche Übergaberegelung wie bei den , d.h. die Mutter bringt C._ am Abend zuvor 18.30 Uhr nach Zürich HB und holt sie dort wieder um 17.00 Uhr ab; am folgenden Feiertag bringt die  C._ nach Zürich HB und der Vater bringt sie wieder auf 18.00 Uhr nach Bern zurück.
5. Die Parteien / Eltern unterbreiten die vorliegende Teil-Vereinbarung dem  und ersuchen um deren Genehmigung nach erfolgter Anhörung."
5. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin persönlich monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats zahlbare Unterhaltsbeiträge gestützt auf Art. 125 ZGB wie folgt zu bezahlen:
- Fr. 181.– rückwirkend ab 5. April 2017 bis 15. November 2017, danach
- Fr. 258.– ab 16. November 2017 bis tt.mm. 2020 und 
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- Fr. 208.– ab tt.mm.2020 bis tt.mm.2026. 6. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, an die Kosten des Unterhalts
der Tochter C._ monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats zahlbare Unterhaltsbeiträge, zuzüglich  gesetzlicher oder vertraglicher Kinder-/Ausbildungs- /Familien-zulagen, wie folgt zu bezahlen:
- Fr. 1'663.– (davon Betreuungsunterhalt Fr. 258.–) ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis tt.mm.2020, danach
- Fr. 1'784.– (davon Betreuungsunterhalt Fr. 0.–) ab tt.mm.2020 bis tt.mm.2026, danach
- Fr. 2'069.– (kein Betreuungsunterhalt) ab tt.mm.2026 bis zur Volljährigkeit von C._.
Diese Unterhaltsbeiträge sind auch über die Volljährigkeit hinaus bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung der Tochter geschuldet und an die Gesuchstellerin zahlbar,  die Tochter in ihrem Haushalt lebt und keine eigenen  stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger .
7. Die Unterhaltsbeiträge gemäss Ziffer 5 und 6 basieren auf dem Landesindex der Konsumentenpreise des Bundesamtes für  (BFS) per Ende Oktober 2017 mit 100.9 Punkten (Basis  2015 = 100 Punkte). Sie sind jährlich auf den 1. Januar dem Indexstand per Ende November des Vorjahres anzupassen, erstmals auf den 1. Januar 2018. Berechnungsart:
(Alter Unterhaltsbeitrag) x (neuer Index)
Neuer Unterhaltsbeitrag =
–––––––––––––––––––––––––––––––––
100.9
8. Die Teilvereinbarung der Gesuchsteller über die güterrechtliche Auseinandersetzung vom 3. bzw. 10. Februar 2016 wird  deren Ziffern 1 und 2 genehmigt. Sie lautet wie folgt: "1. Der Gesuchsteller verpflichtet sich, der Gesuchstellerin eine güterrechtliche Aus-
gleichszahlung von CHF 75'000.– zu bezahlen, zahlbar in 2 Raten: CHF 35'000 bis 31.12.2016 CHF 40'000 bis 31.12.2017
2. Im Übrigen behält jede Partei, was sie derzeit besitzt, bzw. was auf ihren Namen lautet. Die Parteien erklären sich damit güterrechtlich vollumfänglich auseinandergesetzt."
9. Die BVG-Sammelstiftung D._, ... [Adresse], wird , vom Berufsvorsorgekonto des Gesuchstellers (A._,  am tt. März 1977, Versicherten-Nr. ...) den Betrag von Fr. 13'882.80 auf das Berufsvorsorgekonto der Gesuchstellerin (B._, geboren am tt. November 1983, Policen-Nr. ..., -Nr. ...) bei der E._, ... [Adresse], zu übertragen.
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10. Die Erziehungsgutschriften für die Berechnung der AHV/ werden allein der Gesuchstellerin angerechnet.
11. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 8'000.–. 12. Die Kosten werden den Gesuchstellern je zur Hälfte auferlegt und
mit den von ihnen geleisteten Kostenvorschüssen verrechnet. 13. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 14. [Schriftliche Mitteilung] 15. [Rechtsmittelbelehrung].
Berufungsanträge (Erstberufung) des Gesuchstellers (act. 99):
1. Disp. Ziff. 6 des Urteils des Einzelgerichtes am Bezirksgericht  vom 16. November 2017 (Geschäfts-Nr.: FE150031) sei  und durch folgende Fassung zu ersetzen:
"Der Gesuchsteller wird verpflichtet, an die Kosten des Unterhalts der Tochter C._ monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats zahlbare Unterhaltsbeiträge zuzüglich  gesetzlicher oder vertraglicher Kinder-/Ausbildungs- /Familienzulagen, wie folgt zu bezahlen:
- Fr. 1'500.- (davon Betreuungsunterhalt Fr. 258.-) ab  des Scheidungsurteils bis tt.mm.2020,
- Fr. 1'000.- (davon Betreuungsunterhalt Fr. 0.-) ab tt.mm.2020 bis 31. August 2023,
- Fr. 750.- (davon Betreuungsunterhalt Fr. 0.-) ab 1.  2023 bis zum Abschluss einer angemessenen .
Diese Unterhaltsbeiträge sind an die Gesuchstellerin zahlbar,  die Tochter in ihrem Haushalt lebt und keine eigenen  stellt bzw. keine anderen Zahlungsempfänger .
Die Unterhaltsbeiträge des Gesuchstellers reduzieren sich ab dem 16. Altersjahr von C._ um einen Drittel und ab der  um die Hälfte eines allfälligen Nettoeinkommens der Tochter.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MwSt) zu Laster der Berufungsbeklagten."
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Berufungsanträge (Zweitberufung) der Gesuchstellerin (act. 99 in Proz.- Nr. LC180007):
1. Es sei Dispositivziffer 5 des Scheidungsurteils vom 16. Novem-
ber 2017 aufzuheben und wie folgt zu ersetzen: "5. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin per-
sönlich monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines  Monates zahlbare Unterhaltsbeiträge gestützt auf Art. 125 ZGB wie folgt zu bezahlen:
- mindestens CHF 354.- rückwirkend ab 05. April 2017 bis tt.mm.2020 und
- mindestens CHF 295.- ab tt.mm.2020 bis tt.mm.2026." 2. Eventualiter sei zusätzlich zu den Beträgen gemäss Berufungsan-
trag Ziffer 1 die Höhe der nachehelichen Unterhaltsbeiträge an die Klägerin persönlich unter Berücksichtigung des  C._s festzustellen und für die weitere Dauer des Konkubinats, längstens bis 31. Juli 2020, zu sistieren.
3. Es sei Dispositivziffer 6 des Scheidungsurteils vom 16.  2017 aufzuheben und wie folgt zu ersetzen:
"Der Gesuchsteller wird verpflichtet, an die Kosten des Unterhalts der Tochter C._ monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats zahlbare Unterhaltsbeiträge, zuzüglich  gesetzlicher oder vertraglicher Kinder-/Ausbildungs- /Familien-zulagen wie folgt zu bezahlen:
ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis tt.mm.2020: - CHF 1'271.- Barunterhalt (mit Überschussanteil) und - CHF 1'537.- Betreuungsunterhalt, danach ab tt.mm.2020 bis tt.mm.2026: - CHF 1'698.- Barunterhalt (mit Überschussanteil) und - CHF 939.- Betreuungsunterhalt, danach ab tt.mm.2026 bis zur Volljährigkeit von C._: - CHF 1'815.- Barunterhalt. Diese Unterhaltsbeiträge sind auch über die Volljährigkeit hinaus
bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung der Tochter geschuldet und an die Gesuchstellerin zahlbar,  die Tochter in ihrem Haushalt lebt und keine eigenen  stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger ."
4. Es sei der Gesuchsteller zu verpflichten, sämtliche  Kinderkosten (z.B. Kosten für Zahnkorrektur, schuli-
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sche Fördermassnahmen, Sehhilfen, etc.), die den Betrag von CHF 250.- übersteigen, nach vorgängiger Information und  entsprechender Rechnungen, vollumfänglich zu bezahlen.
Eventualiter sei der Gesuchsteller zu verpflichten, die  Kinderkosten (z.B. Kosten für Zahnkorrektur,  Fördermassnahmen, Sehhilfen, etc.) die den Betrag von CHF 250.- übersteigen, nach vorgängiger Information und  entsprechender Rechnungen, nach Massgabe seiner  im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit der Klägerin zu bezahlen.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge, zzgl. 7,7% MwSt, zulasten des Berufungsbeklagten."

Erwägungen:
1. Sachverhaltsüberblick und Prozessgeschichte
1.1. Die Parteien heirateten am tt. August 2009. Aus ihrer Ehe ging die Tochter
C._ hervor (geb. tt.mm.2010). Am 9. Februar 2013 lösten die Parteien ihren
gemeinsamen Haushalt auf. Seit Sommer 2013 führt die Gesuchstellerin, Erstbe-
rufungsbeklagte und Zweitberufungsklägerin (nachfolgend: Gesuchstellerin) eine
Beziehung mit einem neuen Partner. Anfangs August 2015 zog die Gesuchstelle-
rin mit C._ zu ihrem neuen Partner nach Bern.
1.2. Seit dem 9. bzw. 10. Februar 2015 standen die Parteien vor dem Einzelge-
richt am Bezirksgericht Uster in einem Scheidungsverfahren auf gemeinsames
Begehren. Im Verlauf des Verfahrens schlossen die Parteien am 2. bzw. 6. Mai
2015 eine Teilvereinbarung betreffend Sorgerecht, Obhut und Betreuung der
Tochter C._ (act. 21). Am 3. bzw. 10. Februar 2016 schlossen die Parteien
eine weitere Teilvereinbarung über die güterrechtlichen Ansprüche (act. 49). Über
den nachehelichen Unterhalt und die Kinderunterhaltsbeiträge konnten die Partei-
en keine Einigung finden.
1.3. Mit Urteil vom 16. November 2017 fällte das Einzelgericht am Bezirksgericht
Uster das obgenannte Scheidungsurteil. Im Einzelnen wurde die Ehe der Parteien
geschieden (Dispositiv-Ziffer 1), das Kind C._ unter der gemeinsamen elterli-
chen Sorge belassen (Dispositiv-Ziffer 2) und unter die alleinige Obhut der Ge-
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suchstellerin gestellt (Dispositiv-Ziffer 3) sowie - in Genehmigung der Vereinba-
rung der Eltern vom 2./6. Mai 2015 - der persönliche Verkehr des Gesuchstellers,
Erstberufungsklägers und Zweitberufungsbeklagten (nachfolgend: Gesuchsteller)
mit seiner Tochter C._ geregelt (Dispositiv-Ziffer 4, insbes. Ziffer 4.4). So-
dann setzte das Gericht den nachehelichen Unterhalt (Dispositiv-Ziffer 5) sowie
den Kinderunterhalt (Dispositiv-Ziffer 6) fest und unterstellte diese Unterhaltsrege-
lung der Indexklausel (Dispositiv-Ziffer 7). Weiter regelte das Einzelgericht - in
Genehmigung der zweiten Teilvereinbarung der Parteien vom 3/10. Februar 2016
- die güterrechtliche Ausgleichszahlung (Dispositiv-Ziffer 8) und den Vorsorge-
ausgleich (Dispositiv-Ziffer 9). Sodann wurde bestimmt, dass die Erziehungsgut-
schriften für die Berechnung der AHV/IV-Renten der Gesuchstellerin angerechnet
werden (Dispositiv-Ziffer 10). Schliesslich setzte das Einzelgericht die Entscheid-
gebühr fest (Dispositiv-Ziffer 11), auferlegte die Kosten den Parteien je zur Hälfte
(Dispositiv-Ziffer 12) und sprach keine Prozessentschädigungen zu (Dispositiv-
Ziffer 13).
1.4. Im vorliegenden Berufungsverfahren ist nur die Unterhaltsregelung umstrit-
ten. Der Gesuchsteller beantragt mit Erstberufung vom 16. Februar 2018 in Ab-
änderung von Dispositiv-Ziff. 6 des angefochtenen Urteils die Herabsetzung der
Kinderunterhaltsbeiträge (act. 99 S. 2). Die Gesuchstellerin beantragt mit Zweitbe-
rufung vom 19. Februar 2018 in Abänderung der Dispositiv-Ziffern 5 und 6 eine
Erhöhung der nachehelichen Unterhaltsbeiträge und der Kinderunterhaltsbeiträge
(act. 99 S. 2 ff. in Proz.-Nr. LC180007). In ihren Berufungsantworten vom 18. Mai
2018 (act. 107 [Gesuchstellerin]) und 22. Mai 2018 (act. 107 in Proz.-
Nr. LC180007 [Gesuchsteller]) beantragen beide Parteien im Wesentlichen die
Abweisung der Berufungen der jeweiligen Gegenpartei. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht beantragt der Gesuchsteller überdies die Vereinigung der Verfahren
LC180006 (Erstberufung des Gesuchstellers) und LC180007 (Zweitberufung der
Gesuchstellerin). Die Berufungsantworten wurden der jeweiligen Gegenpartei am
23. Mai 2018 zugestellt (act. 109 und act. 108 in Proz.-Nr. LC180007). Das Ver-
fahren ist spruchreif.
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2. Prozessuales
2.1. Die von den Parteien eigenständig erhobenen Berufungen (act. 99 [Erstbe-
rufung des Gesuchstellers] und act. 99 in Proz.-Nr. LC180007 [Zweitberufung der
Gesuchstellerin]) betreffen den gleichen Sachverhalt, und es stellen sich in beiden
Fällen die vergleichbaren tatsächlichen und rechtlichen Fragen. In Anwendung
von Art. 125 lit. c ZPO ist das Verfahren LC170007 daher mit dem vorliegenden
Verfahren LC160006 zu vereinigen und unter der letztgenannten Nummer weiter-
zuführen.
2.2. Die Berufung hemmt die Rechtskraft und die Vollstreckbarkeit des angefoch-
tenen Entscheides im Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Der Gesuch-
steller verlangt eine Herabsetzung der Kinderunterhaltsbeiträge und damit eine
Änderung von Dispositiv-Ziffer 6. Die Gesuchstellerin verlangt eine Erhöhung der
nachehelichen Unterhaltsbeiträge und der Kinderunterhaltsbeiträge und damit ei-
ne Änderung der Dispositiv-Ziffern 5 und 6. Die übrigen Dispositiv-Ziffern sind
nicht angefochten und damit nach Ablauf der Frist für die Berufungsantworten un-
ter Berücksichtigung der Pfingstfeiertage am 22. Mai 2018 rechtskräftig gewor-
den. Dies ist vorzumerken.
3. Materielles
3.1. Zu Dispositiv-Ziffer 5: Nachehelicher Unterhalt
3.1.1. Die Dispositiv-Ziffer 5 des Scheidungsurteils wird nur von der Gesuchstelle-
rin angefochten. Sie beantragt in erster Linie, dass die ihr zuzusprechenden Un-
terhaltsbeiträge gestützt auf Art. 125 ZGB auf mindestens CHF 345.00 rückwir-
kend ab 5. April 2017 bis tt.mm.2020 und auf mindestens CHF 295.00 ab
tt.mm.2020 bis tt.mm.2026 zu erhöhen seien (nachfolgend E. 3.1.2 und E. 3.1.3).
Eventualiter sei zusätzlich zu den genannten Beträgen der nacheheliche Unter-
haltsanspruch der Klägerin persönlich festzustellen und für die weitere Dauer des
Konkubinats, längstens bis 31. Juli 2020, zu sistieren (nachfolgend E. 3.1.4).
3.1.2. Die Vorinstanz ging davon aus, dass die Gesuchstellerin mit ihrem Partner
in einem qualifizierten Konkubinat lebe. Bei Vorliegen eines qualifizierten Konku-
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binats entfalle grundsätzlich ein Anspruch auf nachehelichen Unterhalt nach
Art. 125 ZGB. Dies gelte allerdings nicht für den Vorsorgeunterhalt, weil ein quali-
fiziertes Konkubinat nichts daran ändere, dass bei der Gesuchstellerin ein ehebe-
dingtes Vorsorgedefizit bestehe (act. 101 S. 16/17). Die Gesuchstellerin bestreitet
das Vorliegen eines qualifizierten Konkubinats (act. 99 S. 5 f. in Proz.-Nr.
LC180007). Der Gesuchsteller geht davon aus, dass die Vorinstanz das Vorliegen
eines qualifizierten Konkubinats zu Recht bejaht habe (act. 107 Rz. 4 in Proz.-
Nr. LC180007).
a. Nach der Rechtsprechung liegt ein qualifiziertes oder gefestigtes Konkubinat
vor bei einer auf längere Zeit, wenn nicht auf Dauer angelegten umfassenden Le-
bensgemeinschaft zweier Personen unterschiedlichen Geschlechts mit grundsätz-
lich Ausschliesslichkeitscharakter, die sowohl eine geistig-seelische als auch eine
wirtschaftliche Komponente aufweist. Verkürzt wird dies auch etwa als Wohn-,
Tisch- und Bettgemeinschaft bezeichnet. Das Gericht hat diesbezüglich sämtliche
massgebenden Faktoren zu würdigen, wobei für die Beurteilung der Qualität einer
Lebensgemeinschaft die gesamten Umstände des Zusammenlebens von Bedeu-
tung sind. Der Unterhaltsanspruch fällt weg, wenn der Ehegatte in einer festen
Beziehung lebt, die ihm ähnliche Vorteile bietet wie eine Ehe. Entscheidend ist
dabei nicht das Kriterium des Rechtsmissbrauchs, sondern vielmehr, ob der Un-
terhaltsberechtigte mit seinem neuen Partner eine so enge Lebensgemeinschaft
bildet, dass dieser bereit ist, ihm Beistand und Unterstützung zu leisten, wie es
Art. 159 Abs. 3 ZGB vom Ehegatten fordert (BGE 138 III 97 E. 2.3.3 S. 100 f. mit
Hinweisen). Bei einem Konkubinat, das im Zeitpunkt der Einleitung des Verfah-
rens mindestens fünf Jahre gedauert hat, ist nach der Rechtsprechung zu vermu-
ten, dass ein qualifiziertes oder gefestigtes Konkubinat vorliegt und kein Unter-
haltsanspruch besteht (BGE 118 II 235 E. 3a S. 237 [Rechtsprechung zu
aArt. 153 ZGB]). Schon vor Ablauf von fünf Jahren kann ein Konkubinat eine ehe-
ähnliche Gemeinschaft sein, wenn der Unterhaltsverpflichtete die dafür geforder-
ten Voraussetzungen nachweist (BGE 124 III 52 E. 2a.aa. S. 54).
b. Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Gesuchstellerin ihren neuen
Partner im Jahr 2013 kennen lernte und seit Sommer 2013 eine Beziehung mit
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ihm führt (act. 101 S. 15, act. 99 S. 5 in Proz.-Nr. LC180007 [Gesuchstellerin] und
act. 107 Rz. 8 in Proz.-Nr. LC180007 [Gesuchsteller]). Weiter ist auch unbestritten
dass die Gesuchstellerin anfangs August 2015 zu ihrem neuen Partner nach Bern
zog und seither in Bern lebt, wobei sie ihre frühere Anstellung im Kanton Zürich
aufgab und eine Stelle in Bern annahm (act. 101 S. 15, act. 99 S. 5 in Proz.-
Nr. LC180007 [Gesuchstellerin], act. 107 Rz. 8 in Proz.-Nr. LC180006 [Gesuch-
steller]). Weiter ist erstellt, dass sich der Partner an den Erwerbstagen der Ge-
suchstellerin um die Betreuung von C._ kümmert (act. 101 S. 16, act. 99 S. 6
in Proz.-Nr. LC180007 [Gesuchstellerin], act. 107 Rz. 9 in Proz.-Nr. LC180007
[Gesuchsteller]). Schliesslich ist die Feststellung der Vorinstanz unbestritten ge-
blieben, dass die Gesuchstellerin und ihr Partner ein gemeinsames Konto für die
Miete und die übrigen Lebenskosten führen (act. 101 S. 16).
c. Die Gesuchstellerin stellt das Vorliegen eines qualifizierten oder gefestigten
Konkubinats im Wesentlichen mit den Argumenten in Abrede, dass ihr Konkubinat
erst im August 2015 aufgenommen worden sei und damit noch keine fünf Jahre
daure und dass sie nicht wegen ihrem Partner nach Bern gezogen sei, sondern
weil ihre beste Freundin in Bern und ihre Familie in Aarau wohnten (act. 99 S. 6 f.
in Proz.-Nr. LC180007). Diese Einwände sind nicht überzeugend. Nach der
Rechtsprechung kann schon vor Ablauf von fünf Jahren von einem qualifizierten
Konkubinat ausgegangen werden, wenn der Unterhaltsschuldner die Umstände
nachweist, die für eine eheähnliche Verbindung sprechen (BGE 124 III 52
E. 2a.aa. S. 54). Dies ist hier aufgrund der weitgehend unbestrittenen Ausgangs-
lage der Fall. Wenn wie im vorliegenden Fall in tatsächlicher Hinsicht unbestritten
ist, dass ein Ehegatte unmittelbar nach der Trennung vom Ehepartner eine nun-
mehr 5 Jahre dauernde Beziehung eingeht, dass die betreffende Person vor ca.
drei Jahren zu ihrem neuen Partner in einen anderen Landesteil gezogen ist und
zu diesem Zweck ihre bisherige Arbeitsstelle im Kanton Zürich aufgegeben und
eine neue Stelle in Bern angenommen hat und dass ihr neuer Partner für das aus
der Ehe stammende Kind teilweise Betreuungsverantwortung übernommen hat,
ist in rechtlicher Hinsicht davon auszugehen, dass sich die Gesuchstellerin und ihr
neuer Partner auf die Dauer in einem Ausmass Beistand und Unterstützung leis-
ten, dass unter Würdigung aller Umstände von einer eheähnlichen Beziehung
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bzw. von einem qualifizierten oder gefestigten Konkubinat, und nicht nur von einer
unkostenmindernden Lebensgemeinschaft, auszugehen ist. Dass es sich bei der
Beziehung zwischen der Gesuchstellerin und ihrem neuen Partner um eine auf
Dauer angelegte Verbindung handelt, ergibt sich auch daraus, dass die Gesuch-
stellerin ausführt, ein Umzug nach Bern habe zum Wohl von C._ rechtzeitig
vor der Einschulung in die Wege geleitet werden müssen (act. 99 S. 6 in Proz.-Nr.
LC180007), woraus zu schliessen ist, dass geplant ist, C._ werde ihre Schul-
zeit auf die Dauer in Bern am Wohnort des Partners der Gesuchstellerin verbrin-
gen. Unter diesen Umständen kann der Umstand, dass die Gesuchstellerin mög-
licherweise eine gute Freundin hat, die in Bern lebt, und dass ihre Familie in Aar-
au leben soll, höchstens ein untergeordneter Grund für einen Umzug nach Bern
gewesen sein. Entscheidend für den Schritt, dass sich die Gesuchstellerin dafür
entschied, sich mit ihrer Tochter auf die Dauer in Bern einzurichten, war die Quali-
tät der Beziehung zu ihrem Lebenspartner.
3.1.3. Da ein qualifiziertes Konkubinat vorliegt, ging die Vorinstanz aufgrund der
oben zitierten Rechtsprechung zutreffend davon aus, dass der Gesuchstellerin
kein nachehelicher Unterhalt nach Art. 125 ZGB zustehe, weil sie von ihrem Part-
ner Beistand und Unterstützung in einer Qualität erwarten könne, die sich Ehegat-
ten gestützt auf Art. 159 Abs. 3 ZGB schulden. Weiter führte die Vorinstanz je-
doch aus, dass bei der Gesuchstellerin trotz dem qualifizierten Konkubinat ein
ehebedingtes Vorsorgedefizit bestehe, das von deren Partner nicht gedeckt wer-
de, weshalb es durch den Gesuchsteller auszugleichen sei (act. 101 S. 16 f.). In
der Folge setzte die Vorinstanz die der Gesuchstellerin zustehende Kompensati-
on Vorsorge während der Zeit vom 5. April 2017 bis 15. November 2017 auf
Fr. 181.00, während der Zeit von 16. November 2017 bis tt.mm.2020 auf
Fr. 258.00 und schliesslich während der Zeit vom tt.mm.2020 bis tt.mm.2026 auf
Fr. 208.00 fest (act. 101 S. 32 ff.).
a. Die Gesuchstellerin geht mit der Vorinstanz davon aus, dass ihr eine Kom-
pensation für die Vorsorge zustehe; sie beanstandet aber die falsche Berechnung
dieses Ausgleichs und beantragt in Berufungsantrag Ziffer 1 eine Erhöhung der
Kompensation (act. 99 S. 8 ff. in Proz.-Nr. LC180007). Demgegenüber macht der
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Gesuchsteller geltend, aufgrund des qualifizierten Konkubinats sei kein nachehe-
licher Unterhaltsbeitrag nach Art. 125 ZGB geschuldet; dies gelte nicht nur für den
Verbrauchsunterhalt, sondern auch für die Kompensation Vorsorge, welche Teil
von Art. 125 ZGB sei; allerdings beanstandet er die von der Vorinstanz zugespro-
chene Kompensation nicht (act. 107 S. 3 f. in Proz.-Nr. LC180007).
b. Gemäss Art. 125 ZGB besteht ein Unterhaltsanspruch für den "gebührenden
Unterhalt unter Einschluss einer angemessenen Altersvorsorge". Die "angemes-
sene Altersvorsorge" - d.h. die Kompensation Vorsorge - bildet damit Teil des Un-
terhaltsanspruchs nach Art. 125 ZGB. Wenn aufgrund eines qualifizierten Konku-
binats ein Unterhaltsbeitrag nach Art. 125 ZGB entfällt, muss dies auch für die
Kompensation Vorsorge als Teil von Art. 125 ZGB gelten. Das Bundesgericht hielt
zum früheren Scheidungsunterhaltsrecht fest, dass ein Ehegatte, der keinen An-
spruch auf Unterhaltsbeiträge nach aArt. 151 bzw. 152 ZGB habe, auch keine
Übertragung eines Teils des Freizügigkeitsguthaben nach aArt. 22 FZG verlangen
könne, weil diese Bestimmung nur im Rahmen von Ansprüchen nach aArt. 151
bzw. 152 ZGB zur Anwendung gelange (BGE 124 III 52 E. 2b S. 55 f.). Diese
Rechtsprechung zum alten Recht ist auch für das aktuell geltende Unterhaltsrecht
anwendbar.
c. Allerdings ist zu beachten, dass der Gesuchsteller die von der Vorinstanz
zugesprochene Kompensation Vorsorge ausdrücklich nicht angefochten hat
(act. 107 Rz. 13 in Proz.-Nr. LC180007). Da im Bereich des nachehelichen Unter-
halts die Verhandlungs- und Dispositionsmaxime gilt, darf einer Partei nicht mehr
und nichts anderes zugesprochen werden, als sie verlangt, und nicht weniger, als
die Gegenpartei anerkannt hat (Art. 58 Abs. 1 und Art. 277 Abs. 1 ZPO). Da der
Gesuchsteller Dispositiv-Ziffer 5 der erstinstanzlichen Urteils nicht angefochten
hat und damit die dort zugesprochene Kompensation Vorsorge anerkannt hat, ist
er verpflichtet, der Gesuchstellerin Fr. 181.00 rückwirkend ab 5. April 2017 bis
15. November 2017, danach Fr. 258.00 rückwirkend ab 16. November 2017 bis
tt.mm.2020 und schliesslich Fr. 208.00 ab tt.mm.2020 bis tt.mm.2026 zu bezah-
len.
- 14 -
3.1.4. Die Gesuchstellerin verlangt in Berufungsantrag Ziffer 2 im "Eventualstand-
punkt", dass zusätzlich zur ohnehin geschuldeten Kompensation Vorsorge nach-
eheliche Unterhaltsbeiträge für sie persönlich festzusetzen und für die weitere
Dauer des Konkubinats, längstens bis zum Ablauf der Fünfjahresfrist seit der Auf-
nahme des Zusammenlebens, zu sistieren sei (act. 99 S. 7 f. in Proz.-
Nr. LC180007). Der Gesuchsteller führt dazu aus, dass der "Eventualantrag" ab-
zuweisen bzw. dass darauf nicht einzutreten sei, weil Anträge zu beziffern seien
(act. 107 Rz. 6 in Proz.-Nr. LC180007). Gemäss Art. 311 Abs. 1 ZPO ist die Beru-
fung schriftlich und begründet einzureichen. Das Begründungserfordernis bedeu-
tet, dass die Berufung einen klaren Antrag enthalten muss, der im Fall von Geld-
zahlungen beziffert sein muss. Auch die geforderten Unterhaltsbeiträge müssen
beziffert werden (BGE 137 III 617 E. 4.2 und 4.3 S. 618 f., OGerZH LC110056
vom 30. September 2011 E. 3). Die Formulierung des Antrages, es sei "die Höhe
der nachehelicher Unterhaltsbeiträge festzustellen und für die weitere Dauer des
Konkubinats ... zu sistieren", ist ungenügend, weshalb insoweit auf die Berufung
nicht einzutreten ist. Damit kann dahin gestellt bleiben, ob ein Anspruch auf Fest-
setzung und gleichzeitige Sistierung von Unterhaltsbeiträgen für die Dauer eines
qualifizierten Konkubinats besteht.
3.2. Zu Dispositiv-Ziffer 6: Kinderunterhalt
3.2.1. Einleitendes
a. Am 1. Januar 2017 trat die Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbu-
ches über den Kindesunterhalt (Änderung vom 20. März 2015, AS 2015 4299 ff.
und S. 5017) in Kraft. Gemäss Art. 13cbis SchlT ZGB gelangt das neue Recht in
Verfahren zur Anwendung, die bei Inkrafttreten vor einer kantonalen Instanz
rechtshängig sind. Die Vorinstanz stellte daher für die Festsetzung des Kindesun-
terhaltes zu Recht auf das neue Unterhaltsrecht ab (act. 101 S. 49).
b. Gemäss nArt. 276 ZGB wird der Unterhalt des Kindes durch Pflege, Erzie-
hung und Geldzahlung geleistet (Abs. 1). Die Eltern sorgen gemeinsam für den
gebührenden Unterhalt des Kindes und tragen insbesondere die Kosten von Be-
treuung, Erziehung, Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen (Abs. 2). Der ge-
- 15 -
bührende Unterhalt des Kindes umfasst nach dieser Regelung verschiedene
Komponenten, nämlich den Naturalunterhalt (Pflege, Erziehung), den Barunterhalt
(Kosten des Kindes) und den Betreuungsunterhalt (Ausgleich der finanziellen
Auswirkung der Betreuung). Der Unterhalt wird in natura (Pflege und Erziehung)
und/oder in Geldzahlung (Bar- und Betreuungsunterhalt) geleistet. Im Folgenden
ist zunächst auf den Barunterhalt von C._ (E. 3.2.2) und anschliessend auf
den Betreuungsunterhalt einzugehen (E. 3.2.3).
3.2.2. Barunterhalt
a. Die Vorinstanz errechnete den Barunterhalt für C._, indem sie deren
Barbedarf ermittelte und davon die Kinder- und Ausbildungszulagen abzog, die
zur Deckung des Barbedarfs verwendet werden müssen (Art. 285 ZGB). Dabei
stellte die Vorinstanz während drei Phasen (Phase I bis zum 10. Altersjahr, Phase
II bis zum 16. Altersjahr, Phase III ab dem 16. Altersjahr von C._) auf folgen-
de Beträge ab (act. 101 S. 39-42):
Phase I Phase II Phase III
Grundbetrag Fr. 400.00 600.00 600.00 Wohn- inkl. Nebenkosten Fr. 587.50 587.50 587.50
Krankenkasse (KVG) Fr. 87.85 87.85 87.85
Gesundheitskosten Fr. 20.00 20.00 20.00
Zusätzliche Kinderkosten Fr. 200.00 200.00 200.00
Fremdbetreuungskosten Fr. 256.00 256.00 0.00
Mobilitätskosten Fr. 0.00 137.00 137.00
Krankenkasse (VVG) Fr. 19.70 19.70 19.70
Total Fr. 1'571.05 1'908.05 1'652.05 abzügl. Kinder-/Ausbildungszulagen Fr. - 330.00 - 355.00 - 540.00
Barunterhalt Fr. 1'241.05 1'553.05 1'112.05
b. Diese Berechnung wird von der Gesuchstellerin grundsätzlich anerkannt, al-
lerdings unter Vorbehalt der ausserordentlichen Kinderkosten (act. 99 S. 15 in
Proz.-Nr. LC180007); darauf wird weiter unten einzugehen sein (nachfolgend
E. 3.2.6). Auch der Gesuchsteller anerkennt den Barbedarf von C._ grund-
- 16 -
sätzlich (act. 107 Rz. 21 in Proz.-Nr. LC180007), lehnt aber unter Hinweis auf
verschiedene, nicht zum Notbedarf gehörende Bedarfspositionen ("Zusätzliche
Kinderkosten" [Fr. 200.00], "Mobilitätskosten" [Fr. 137.00 in Phase II und III] und
"Krankenkasse VVG [Fr. 19.70]) eine Überschussbeteiligung ab (act. 99 Rz. 27-
36); auch darauf wird zurückzukommen sein (nachfolgend E. 3.2.4). Weiter ver-
langt der Gesuchsteller in Bezug auf die von der Vorinstanz in der Phase II ange-
nommenen Kinder- und Ausbildungszulagen (Fr. 355.00) aufgrund eines höheren
zumutbaren Arbeitspensums der Gesuchstellerin entsprechend höhere Abzüge
vom Barbedarf (Fr. 405.00 / Fr. 480.00, act. 97 Rz. 17 ff.); auch darauf wird weiter
unten einzugehen sein (nachfolgend E. 3.2.3 lit. e).
c. Da sich die Parteien in Bezug auf den Barunterhalt für C._ weitgehend
einig sind, ist die Berechnung der Vorinstanz gemäss lit. a zu übernehmen.
3.2.3. Betreuungsunterhalt
a. Für die Berechnung des Betreuungsunterhalts folgte die Vorinstanz dem
sog. "Lebenskostenansatz". Sie berechnete zunächst das Total der Lebenskosten
der Gesuchstellerin für die Phase I (bis zum 10. Altersjahr von C._) und für
die Phase II (bis zum 16. Altersjahr von C._) und zog alsdann das zu erwar-
tende Einkommen in den betreffenden Phasen ab. Die Vorinstanz ging dabei von
folgenden Beträgen aus (act. 101 S. 50):
Phase I Phase II
Grundbetrag Fr. 850.00 850.00 Wohn- inkl. Nebenkosten Fr. 881.25 881.25
Krankenkasse (KVG) Fr. 381.05 381.05
Versicherungen Fr. 15.80 15.80
Billag Fr. 19.00 19.00
Kommunikationskosten Fr. 70.00 70.00
Mobilitätskosten Fr. 321.00 321.00
Verpflegung Fr. 90.00 110.00
Steuern Fr. 100.00 100.00
Total Fr. 2'728.10 2'748.10
- 17 -
abzüglich Einkommen Fr. - 2'470.00 - 3'088.00
Betreuungsunterhalt Fr. 258.10 0.00
b. Die Gesuchstellerin macht geltend, dass in dieser Berechnung verschiedene
Bedarfspositionen nicht oder mit einem zu tiefen Betrag berücksichtigt worden
seien (act. 99 S. 11-15 in Proz.-Nr. LC180007); die Vorinstanz hätte bei der Be-
rechnung des Betreuungsunterhaltes nicht auf den "betreibungsrechtlichen Not-
bedarf", sondern auf den "erweiterten familienrechtlichen Bedarf" abstellen müs-
sen (act. 99 S. 16-19 in Proz.-Nr. LC180007). Der Gesuchsteller geht demgegen-
über davon aus, dass die Vorinstanz für die Berechnung des Betreuungsunterhal-
tes zutreffend vom "familienrechtlichen Notbedarf" ausgegangen sei (act. 107
Rz. 23 f. in Proz.-Nr. LC180007).
c. Bei der Berechnung des Betreuungsunterhalts auf den sog. "Lebenskosten-
ansatz" abzustellen. Danach umfasst der Betreuungsunterhalt grundsätzlich die
Lebenshaltungskosten der betreuenden Person, soweit diese aufgrund der Be-
treuung nicht selbst dafür aufkommen kann. Für die Bemessung der Lebenshal-
tungskosten ist vom betreibungsrechtlichen Existenzminimum auszugehen, wobei
dieses bei entsprechenden finanziellen Mitteln um die Bedarfspositionen VVG-
Prämien und auf den Lebenshaltungskosten berechneten Steuern zu ergänzen ist
(ZR 106/2017 Nr. 21, S. 89 f. [I. Zivilkammer]; OGerZH LC160041 vom 23. Juni
2017, E. 10, S. 43 ff. [II. Zivilkammer]). Das Bundesgericht erklärte unlängst, die
Anwendung des "Lebenskostenansatzes" werde der Zielsetzung des Bundesge-
setzgebers am ehesten gerecht (zur amtlichen Publikation bestimmtes Urteil
5A_454/2017 vom 17. Mai 2018, E. 7.1 und 7.2). Auch in der Literatur wird die
Berechnungsmethode des "Lebenskostenansatzes" favorisiert (Jungo/Aebi-
Müller/Schweighauser, Der Betreuungsunterhalt, FamPra.ch 2017, S.172 f.).
d. Wie erwähnt verlangt die Gesuchstellerin, dass für die Berechnung des Be-
treuungsunterhaltes der "erweiterte familienrechtliche Bedarf" zu berücksichtigen
sei. Im Einzelnen macht sie geltend, dass ein höherer Betrag für die Wohnkosten
(Fr. 1'100.00), die Prämien Krankenversicherung VVG (Fr. 44.10), die Gesund-
heitskosten (Fr. 134.00), die Hausrat- und Haftpflichtversicherung (Fr. 15.80), ein
- 18 -
Betrag für Ferien/Hobbies/Freizeit/Sparen (Fr. 500.00), die Kompensation Vorsor-
ge (Fr. 345.00 [Phase I] bzw. Fr. 295.00 [Phase II]) sowie die effektiv bezahlten
Steuern (Fr. 700.00) zusätzlich zu den von der Vorinstanz berücksichtigten Beträ-
gen eingesetzt werden müssten. Damit ergäben sich nicht die von der Vorinstanz
errechneten Lebenshaltungskosten in der Höhe von Fr. 2'728.10 (Phase I) bzw.
2'748.10 (Phase II), sondern Kosten in der Höhe von Fr. 4'360.86 (Phase I) bzw.
Fr. 4'321.85 (Phase II). Im Einzelnen ist zu diesen Bedarfspositionen folgendes
auszuführen:
aa. In Bezug auf die Wohnkosten behauptet die Gesuchstellerin, dass ein Be-
trag von Fr. 1'100.00 angemessen sei (act. 97 S. 11 in Proz.-Nr. LC180007), setzt
aber in ihrer Tabelle den von der Vorinstanz angenommene Betrag von Fr. 881.25
ein (act. 97 S. 15 in Proz.-Nr. LC180007), so dass nicht klar ist, was sie nun ver-
langt. Wie dem auch sei: die Vorinstanz ging zutreffend davon aus, dass die ge-
samten Wohnkosten von Fr. 2'350.00, die im Haushalt der Gesuchstellerin anfal-
len, im Umfang von je 3/8 auf die Gesuchstellerin und ihren Partner (je Fr. 881.25)
sowie im Umfang von 1/4 auf C._ (Fr. 587.50) zu verlegen sind. Im Bedarf
der Gesuchstellerin sind somit Fr. 881.25 einzusetzen.
bb. Weiter verlangt die Gesuchstellerin die Berücksichtigung der Prämien für die
Krankenzusatzversicherung (act. 99 S. 15 in Proz.-Nr. LC180007). Die Prämien
Krankenversicherung VVG von Fr. 44.10 sind auch nach der Darstellung der Vor-
instanz belegt (act. 101 S. 30 mit Hinweis auf act. 68/2). Da diese Kosten bei ent-
sprechenden wirtschaftlichen Verhältnissen beim Lebenskostenansatz berück-
sichtigt werden können, gehört dieser Betrag zum familienrechtlichen Notbedarf.
cc. Sodann verlangt die Gesuchstellerin die Berücksichtigung der Gesundheits-
kosten von Fr. 134.00 und verweist dazu auf act. 50/5 und act. 68/3 (act. 99
S. 13 f. in Proz.-Nr. LC180007). Die Vorinstanz hielt dazu fest, dass die Gesund-
heitskosten nicht substantiiert seien (act. 101 S. 31). In act. 50/5 wird für das Jahr
2015 ausgewiesen, dass die Franchise (Fr. 300.00) und nicht versicherte Behand-
lungskosten (Fr. 890.30) in der Höhe von Fr. 1'190.30 angefallen sind; darin sind
zwei nicht anerkannte Behandlungen von Fr. 527.30 und Fr. 16.50 enthalten; ins-
gesamt sind im Jahr 2015 somit Gesundheitskosten von rund Fr. 100.00 pro Mo-
- 19 -
nat angefallen. In act. 68/3 wird für das Jahr 2016 ausgewiesen, dass die Ge-
suchstellerin die Franchise (Fr. 300.00) und nicht versicherte Behandlungskosten
(Fr. 375.40) in der Höhe von insgesamt Fr. 675.40 finanzieren musste, so dass im
Jahr 2016 von nicht gedeckten Gesundheitskosten von rund Fr. 55.00 pro Monat
auszugehen ist. Die Gesundheitskosten bewegen sich damit im normalen Rah-
men und sind vom monatlichen Grundbetrag gedeckt (Richtlinien für die Berech-
nung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums, Ziff. II [publ. in ZR 2009
Nr. 62). Da für den Betreuungsunterhalt die Lebenshaltungskosten entsprechend
dem betreibungsrechtlichen Existenzminimum - allenfalls ergänzt um die VVG-
Prämien und die Steuerbelastung - massgebend sind, sind keine Gesundheits-
kosten, die sich im vorliegenden Fall ohnehin im normalen Rahmen bewegen,
einzusetzen.
dd. Weiter verlangt die Gesuchstellerin eine Berücksichtigung der Prämien für
die Hausrat- und Haftpflichtversicherung in der Höhe von Fr. 15.80 (act. 99 S. 15
in Proz.-Nr. LC180007). Dieser Betrag ist bereits in der Berechnung der Vor-
instanz enthalten.
ee. Sodann verlangt die Gesuchstellerin die Berücksichtigung eines Betrages
von Fr. 500.00 für Ferien/Hobbies/Freizeit/Sparen (act. 99. S. 11 und 15 in Proz.-
Nr. LC180007). Entgegen der Darstellung der Gesuchstellerin widerspiegeln die
Lebenskosten nicht den "letzten gemeinsam gelebten Lebensstandard" (act. 97
S. 13 in Proz.-Nr. LC180007), sondern entsprechen dem familienrechtlichen Exis-
tenzminimum, das bei entsprechenden finanziellen Verhältnissen um die VVG-
Prämien sowie die auf den Lebenshaltungskosten berechneten Steuern erweitert
werden kann.
ff. Soweit die Gesuchstellerin in ihrer Zusammenstellung für Kompensation
Vorsorge Fr. 345.00 (Phase I) bzw. Fr. 295.00 (Phase II) geltend macht (act. 99
S. 15 in Proz.-Nr. LC180007), ist sie darauf hinzuweisen, dass die Kompensation
Vorsorge im Rahmen des nachehelichen Unterhalts zu gewährleisten ist und be-
reits in diesem Zusammenhang behandelt wurde (vgl. E. 3.1). Beim Betreuungs-
unterhalt ist darauf nicht einzugehen.
- 20 -
gg. Schliesslich verlangt die Gesuchstellerin, dass für Steuern Fr. 700.00 im fa-
milienrechtlichen Notbedarf einzusetzen sei (act. 99 S. 15 und 17 in Proz.-
Nr. LC180007). Der von der Vorinstanz eingesetzte Pauschalbetrag von
Fr. 100.00 erweist sich in der Tat als nicht angemessen. Bei einem Vermögen von
mindestens CHF 75'000.00 (act. 101 S. 59) und einem geschätzten Einkommen
von Fr. 35'000.00 ist gemäss dem Steuerrechner des Kantons Bern von Kantons-
und Gemeindesteuern (ohne Kirchensteuern) sowie direkte Bundessteuern von
rund Fr. 550.00 pro Monat auszugehen.
e. Nicht nur die Gesuchstellerin, sondern auch der Gesuchsteller beanstandet
die vorinstanzliche Berechnung der Betreuungsunterhaltes. Er lässt zwar die vor-
instanzliche Berechnung der Lebenshaltungskosten der Gesuchstellerin gelten,
stellt sich aber auf den Standpunkt, dass der Gesuchstellerin ein höheres Er-
werbspensum zuzumuten sei, so dass sie einen höheren Anteil ihrer Lebenshal-
tungskosten selbst finanzieren könne (act. 99 Rz. 7 ff.).
aa. Die Vorinstanz folgte grundsätzlich der sog. "10/16-Regel", die vorsieht,
dass es für den betreuenden Elternteil in der Regel erst dann zumutbar sei, eine
50%-Erwerbstätigkeit auszuüben, wenn das jüngste Kind 10 Jahre alt ist, und ei-
ne 100%-Erwerbstätigkeit auszuüben, wenn das jüngste Kind 16 Jahre alt ist; al-
lerdings rechnete sie der Gesuchstellerin das aktuell erzielte Einkommen an. In
Anwendung dieser Richtlinie setzte die Vorinstanz das aktuell erzielte Einkommen
der Gesuchstellerin von Fr. 2'470.00 während der Phase I (40% Pensum bis am
tt.mm.2020 [10. Altersjahr von C._]), alsdann ein Einkommen von
Fr. 3'088.00 während der Phase II (50% Pensum von tt.mm.2020 bis tt.mm.2026
[16. Altersjahr von C._]) und schliesslich ein Einkommen von Fr. 6'175.00
während der Phase III ein (100% Pensum ab tt.mm.2020 [ab 16. Altersjahr von
C._]).
bb. In seiner Berufung macht der Gesuchsteller geltend, dass im vorliegenden
Fall nicht die "10/16-Regel", sondern das sog. "Schulstufenmodell" anwendbar
sei. Er macht geltend, dass die Gesuchstellerin spätestens mit dem Eintritt
C._s in die 4. Primarschulklasse (Mitte August 2020) ihr Erwerbspensum auf
70% auszudehnen habe. Ab dem Übertritt von C._ in die Oberstufe (Mitte
- 21 -
August 2023) sei der Gesuchstellerin eine Vollzeiterwerbstätigkeit zuzumuten
(act. 99 Rz. 7 ff.). Die Gesuchstellerin beantragt, dass in Bezug auf ihr Einkom-
men auf die von der Vorinstanz unterstellten Zahlen abzustellen sei (act. 107 S. 8
f.).
cc. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtes favorisiert die sog. "10/16-Regel",
wonach der betreuende Elternteil spätestens ab dem 10. Altersjahr des jüngsten
Kindes eine 50%-Erwerbstätigkeit und spätestens nach dem 16. Altersjahr des
jüngsten Kindes eine 100%-Erwerbstätigkeit auszuüben hat (aus der amtlich
publizierten Rechtsprechung BGE 137 III 102 E. 4.2.2.2 S. 109 und BGE 115 II 6
E. 3c S. 10; aus der neueren, nicht amtlich publizierten Rechtsprechung
5A_442/2014 vom 27. August 2014 E. 3.2.1 und 5A_308/2016 vom 7. Oktober
2016 E. 4). Allerdings ist diese Regel nicht starr anzuwenden. Eine über die
"10/16-Regel" hinausgehende Erwerbstätigkeit ist zumutbar, wenn sie bereits
während des ehelichen Zusammenlebens ausgeübt wurde oder das Kind fremd-
platziert ist und daher den betreffenden Elternteil nicht an einer Erwerbsarbeit
hindert; umgekehrt kann das geforderte Arbeitspensum bei besonderer Betreu-
ungsbedürftigkeit eines verhaltensauffälligen bzw. behinderten Kindes oder bei
zahlreichen Kindern reduziert sein (5A_98/2018 vom 25. Juni 2018 E. 3.5 und
5A_277/2014 vom 26. September 2014 E. 3.2, mit weiteren Hinweisen).
dd. Im vorliegenden Fall gibt es keinen Grund, von der nach der Praxis nach wie
vor massgebenden "10/16-Regel" grundsätzlich abzuweichen und das "Schulstu-
fenmodell" anzuwenden. Die Gesuchstellerin leistet für die Zeit bis zum zehnten
Altersjahr von C._ mit einem 40% Pensum ein über die "10/16-Regel" hin-
ausgehendes Arbeitspensum. Zutreffend weist die Gesuchstellerin darauf hin,
dass nach dem zehnten Altersjahr von C._ der Betreuungsbedarf nicht zwin-
gend sinkt, da schulische Herausforderungen und die Begleitung in der persönli-
chen Entwicklung weiterhin einen hohen Einsatz des betreuenden Elternteiles
verlangten. Hinzu kommt, dass die nun in Bern lebende Gesuchstellerin bei der
Betreuung von C._ nicht auf die Unterstützung des in .../ZH lebenden Ge-
suchstellers zählen kann und ihr Partner keine Betreuungspflichten hat, weshalb
die Gesuchstellerin bei der Betreuung weitgehend auf sich selbst gestellt ist. Die
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Vor-instanz ist daher von zutreffenden Erwerbspensen ausgegangen. Unbestrit-
ten ist dabei der mit den genannten Pensen erreichbare Lohn.
ee. Bei der Gesuchstellerin ist daher ein Nettoeinkommen von Fr. 2'470.00 (40%
Pensum) bis am tt.mm.2020 (10. Altersjahr von C._), von Fr. 3'088.00 (50%
Pensum) von tt.mm.2020 bis tt.mm.2026 (16. Altersjahr von C._) und von
Fr. 6'175.00 (100% Pensum) ab tt.mm.2026 einzusetzen.
f. Damit ergibt sich folgender Betreuungsunterhalt (die gegenüber dem ange-
fochtenen Urteil geänderten Beträge sind fett und kursiv aufgeführt):
Phase I Phase II
Grundbetrag Fr. 850.00 850.00 Wohn- inkl. Nebenkosten Fr. 881.25 881.25
Krankenkasse (KVG) Fr. 381.05 381.05
Krankenkasse (VVG) Fr. 44.10 44.10
Versicherungen Fr. 15.80 15.80
Billag Fr. 19.00 19.00
Kommunikations-kosten Fr. 70.00 70.00
Mobilitätskosten Fr. 321.00 321.00
Verpflegung Fr. 90.00 110.00
Steuern Fr. 550.00 550.00
Total Fr. 3'222.20 3'242.20 abzüglich Einkommen Fr. - 2'470.00 - 3'088.00
Betreuungsunterhalt (gerundet) Fr. 752.20 154.20
3.2.4 Überschussbeteiligung
a. Zusätzlich zum Bar- und Betreuungsunterhalt geht die Vorinstanz im ange-
fochtenen Urteil von einem Überschussanspruch von C._ aus. Konkret stellte
- 23 -
die Vorinstanz für drei Phasen das Total der Einkommen (bestehend aus dem
Einkommen des Gesuchstellers, der Gesuchstellerin sowie den Kinder- und Aus-
bildungszulagen) dem Total der Bedarfe (bestehend aus dem Bedarf des Ge-
suchstellers, dem Bedarf der Gesuchstellerin sowie dem Barbedarf von C._)
gegenüber und errechnete so den Überschuss, wovon die Vorinstanz C._ ei-
nen Anteil von 20% als Unterhaltsbeitrag zusprach (act. 101 S. 52 f.).
b. Der Gesuchsteller will beim Barbedarf von C._ gewisse Positionen be-
rücksichtigen, die über den Notbedarf hinausgehen (vgl. E. 3.2.1), lehnt darüber
hinaus jedoch eine zusätzliche Zuweisung eines Überschussanteils grundsätzlich
ab (act. 99 Rz. 27 ff.). Die Gesuchstellerin bejaht einen Überschussanteil von
C._, verlangt jedoch eine Erhöhung dieser Beteiligung von 20% auf 33,3%
(act. 99 S. 19-21).
c. Bei der Festsetzung der Kinderunterhaltsbeiträge hat das Kind Anspruch auf
eine Beteiligung an einem höheren Lebensstandard des unterhaltspflichtigen El-
ternteils. Methodisch lässt sich diese Beteiligung umsetzen durch eine Berück-
sichtigung zusätzlicher bzw. höherer Bedarfspositionen bei der Berechnung des
Barbedarfs des Kindes (so Jungo/Aebi-Müller/Schweighauser, a.a.O., S. 179),
durch eine Beteiligung am Überschussanteil resultierend aus der Differenz zwi-
schen dem Einkommen sowie dem gebührenden Bedarf des unterhaltspflichtigen
Elternteils und der Unterhaltszahlungen oder aus einer Kombination der beiden
Methoden "Erweiterung des Barbedarfs" und "Überschussbeteiligung". Im letzte-
ren Fall muss bei der Bemessung der Überschussbeteiligung allerdings dem Um-
stand Rechnung getragen werden, dass das Kind schon im Rahmen des erweiter-
ten Barbedarfs am gehobenen Lebensstandard des unterhaltspflichtigen und nicht
obhutsberechtigten Elternteils partizipiert; weiter muss im Auge behalten werden,
dass das Kind auch Anspruch auf einen Überschussanteil gegenüber dem ob-
hutsberechtigten Elternteil hat, wenn dieser aufgrund seines eigenen Erwerbsein-
kommens und unter Berücksichtigung seines gebührenden Bedarfs dazu in der
Lage ist.
d. Im vorliegenden Fall präsentiert sich die finanzielle Lage der Parteien wie
folgt:
- 24 -
aa. Gesuchsteller Phase I Phase II Phase III
Einkommen Gesuchsteller (unbestr.) Fr. 8'509.00 8'509.00 8'509.00 abzügl. Bedarf Gesuchsteller (unbestr.) Fr. - 5'287.20 - 5'287.20 - 5'287.20 abzügl. Barunterhalt Fr. - 1'241.05 1'553.05 - 1'112.05 abzügl. Betreuungsunterhalt Fr. - 752.45 - 154.45 0.00 abzügl. Kompensation Vorsorge - 258.00 - 208.00 Überschuss Fr. 970.30 1'306.30 2'109.75 Überschussanteil (20%, zuletzt 10%) Fr. 194.05 261.25 211.00
bb. Gesuchstellerin Phase I Phase II Phase III
Einkommen Gesuchstellerin Fr. 2'470.00 3'088.00 6'175.00 Betreuungsunterhalt Fr. 752.45 154.45 Lebenshaltungskosten Gesuchstellerin Fr. - 3'222.45 - 3'242.45 - ca. 4'000.00 Überschuss Fr. 0.00 0.00 ca. 2'175.00
Diese Gegenüberstellung zeigt, dass der Gesuchsteller in den Phasen I und II
über einen Überschuss von Fr. 970.30 bzw. Fr. 1'306.30 verfügt. Unter Berück-
sichtigung des Umstandes, dass im Barunterhalt von C._ bereits eine Positi-
on "Zusätzliche Kinderkosten" in der Höhe von Fr. 200.00 berücksichtigt sind,
rechtfertigt sich entgegen der Auffassung der Gesuchstellerin keine Beteiligung
von 33,3% am Überschuss; vielmehr ist es angemessen, C._ im Umfang von
20% am jeweiligen Überschuss des Gesuchstellers - und damit am höheren Le-
bensstandard des Gesuchstellers - teilhaben zu lassen. Auch für die Phase III hat
C._ Anspruch auf eine Beteiligung am höheren Lebensstandard ihrer Eltern.
Im Vergleich zu den Phasen I und II ändern sich die Verhältnisse aber insofern,
als die Gesuchstellerin ebenfalls über einen namhaften Überschuss verfügen
wird. Unter Annahme eines Einkommens mit einem 100%-Pensum von
Fr. 6'175.00 und unter Berücksichtigung der erhöhten Lebenshaltungskosten -
wegen höheren Verpflegungskosten und insbesondere höheren Steuern - von ca.
Fr. 4'000.00 wird die Gesuchstellerin einen vergleichbaren Überschuss wie der
Gesuchsteller erzielen; dabei ist zwar zu berücksichtigen, dass bei den "Lebens-
haltungskosten" von rund Fr. 4'000.00 anders als beim "gebührenden Bedarf" des
Gesuchstellers von Fr. 5'287.20 keine Position für Darlehensrückzahlung von
Fr. 500.00 berücksichtigt ist. Umgekehrt partizipiert die Gesuchstellerin in dieser
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Phase nicht am Barunterhalt von C._, obwohl sie ähnlich leistungsfähig wie
der Gesuchsteller sein wird. Es rechtfertigt sich daher, in dieser Phase die Beteili-
gung von C._ am Überschuss des Gesuchstellers auf 10% zu reduzieren, da
C._ ab dem 16. Altersjahr auch Anspruch auf eine Beteiligung an den dann-
zumal guten finanziellen Verhältnissen der Gesuchstellerin hat.
3.2.5 Reduktion des Unterhaltsanspruchs von C._ um einen Anteil ihres Ein-
kommens ab dem 16. Altersjahr
a. Die Vorinstanz lehnte einen Antrag des Gesuchsteller ab, einen Anteil an ei-
nem künftigen Einkommen von C._ ab deren 16. Altersjahr an die Unter-
haltsbeiträge anzurechnen. Zur Begründung führte sie aus, es sei nicht absehbar,
ob C._ ab dem 16. Altersjahr Einkünfte erzielen werde und wie sich dannzu-
mal die Kosten C._s darstellen würden (act. 101 S. 48 f.). In seiner Berufung
hält der Gesuchsteller am Antrag fest, dass der Unterhaltsbeitrag an C._ ab
deren 16. Altersjahr um einen Drittel und ab deren Volljährigkeit um die Hälfte ei-
nes allfälligen Nettoeinkommens zu reduzieren sei (act. 99 Rz. 21-26). Die Ge-
suchstellerin wendet dagegen ein, es sei nicht angebracht, einem knapp 8-
jährigen Kind für die Zeit ab dem 16. Altersjahr ein hypothetisches Einkommen
anzurechnen, zumal auch auf der Bedarfseite des Kindes Anpassungen notwen-
dig wären (act. 107 S. 11).
b. Gemäss Art. 276 Abs. 3 ZGB sind die Eltern von der Unterhaltspflicht in dem
Masse befreit, als dem Kind zugemutet werden kann, den Unterhalt aus seinem
Arbeitserwerb zu bestreiten. Die Rechtsprechung geht davon aus, dass sich das
Kind in der Regel mit einem Drittel seiner Nettoeinkünfte an seinem Barbedarf zu
beteiligen hat (OGerZH LY170010 vom 11. August 2017, E. III/D/4). Im zitierten
Fall handelte es sich jedoch um ein 17-jähriges Kind, das effektiv bereits Einkünf-
te erzielte. Im vorliegenden Fall ist C._ knapp 8-jährig, und im Moment ist
nicht absehbar, welche Ausbildung C._ verfolgen wird und wann sie Einkünf-
te in welcher Höhe erzielen wird. Es ist daher nicht angebracht, bereits heute An-
ordnungen für einen Fall zu treffen, von dem nicht voraussehbar ist, ob und in
welcher Art er eintreten wird.
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c. Eine Beteiligung von C._ an ihrem Barunterhalt mit einem Anteil an ih-
ren allfälligen künftigen Einkünften ist daher nicht angebracht.
3.2.6 Beteiligung an den ausserordentlichen Kinderkosten
a. Die Gesuchstellerin beantragt im Berufungsverfahren neu, dass der Ge-
suchsteller sämtliche - eventuell einen Teil der - ausserordentlichen Kinderkosten
(Kosten für Zahnkorrektur, schulische Fördermassnahmen, Sehhilfen etc.) zu
übernehmen habe (act. 99 S. 22 in Proz.-Nr. LC180007). Der Gesuchsteller hält
diesen neuen Antrag für unzulässig; eventualiter sei der Antrag abzuweisen
(act. 107 Rz. 32 f. in Proz.-Nr. LC180007).
b. Im Verfahren vor Bezirksgericht war die Beteiligung an den ausserordentli-
chen Kinderkosten nicht Gegenstand des Verfahrens. Der im vorliegenden Beru-
fungsverfahren gestellte Antrag ist somit neu. Es ist von einer Klageänderung im
Berufungsverfahren auszugehen. Diese ist gemäss Art. 317 Abs. 2 ZPO zulässig,
wenn die Voraussetzungen für eine Klageänderung nach Art. 227 Abs. 1 ZPO ge-
geben sind (lit. a) und wenn sie auf neuen Tatsachen oder Beweismitteln beruhen
(lit. b). Diese Voraussetzungen sind im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Zwar steht
die Beteiligung an den ausserordentlichen Kinderkosten in einem engen sachli-
chen Zusammenhang mit dem Kinderunterhalt (lit. a). Allerdings wäre es der Ge-
suchstellerin ohne weiteres möglich gewesen, schon im erstinstanzlichen Verfah-
ren eine Beteiligung des Gesuchstellers an den ausserordentlichen Kinderkosten
zu verlangen. Es sind keine neuen Tatsachen und Beweismittel ersichtlich, die
den im Berufungsverfahren neu erhobenen Antrag rechtfertigen würden (lit. b).
c. Aus diesen Gründen ist auf den Antrag der Gesuchstellerin, der Gesuchstel-
ler habe die nicht vorhersehbaren, ausserordentlichen Kinderkosten zu bezahlen
(Berufungsantrag Ziffer 4), nicht einzutreten.
3.2.7 Zusammenfassung Kinderunterhaltsbeiträge
Insgesamt ist der Gesuchsteller für die Phasen I (bis zum 10. Altersjahr von
C._), für die Phase II (vom 10. bis zum 16. Altersjahr von C._) und für
die Phase III (ab dem 16. Altersjahr von C._ bis zur Volljährigkeit bzw. dem
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ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung) verpflichtet, folgende
Unterhaltsbeiträge zu bezahlen:
Phase I Phase II Phase III
Barunterhalt Fr. 1'241.05 1'553.05 1'112.05 Betreuungsunterhalt (gerundet) Fr. 750.00 150.00 0.00 Überschussanteil Fr. 194.05 261.25 211.00 Total Unterhaltsbeiträge (gerundet) Fr. 2'190.00 1'970.00 1'320.00
Diese Unterhaltsbeiträge unterstehen der Anpassung an die Entwicklung des
Landesindex der Konsumentenpreise (vgl. rechtskräftige Dispositiv-Ziffer 8 des
angefochtenen Urteils).
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Da die Parteien mit ihrer Erstberufung und Zweitberufung insgesamt zu etwa glei-
chen Teilen obsiegen und unterliegen, rechtfertigt es sich, die Gerichtskosten des
Berufungsverfahrens den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen und aus den von
ihnen geleisteten Vorschüssen zu beziehen. Parteientschädigungen für das Beru-
fungsverfahren sind nicht zuzusprechen.
Die erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung wurde nicht angefoch-
ten und ist rechtskräftig geworden, weshalb sich weitere Bemerkungen dazu erüb-
rigen.