Decision ID: 61118d52-e70a-5b36-be4f-3920e9bc39c1
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis der Kategorie B am 23. Mai 1986. Zudem ist er im
Besitz des Führerausweises der Kategorie D (Motorwagen zum Personentransport). Am
Freitag, 10. August 2012, war er mit einem Personenwagen um 20.00 Uhr auf der
Zugerstrasse von Wädenswil in Richtung Baar unterwegs. Gemäss Feststellungen der
Kantonspolizei Zürich hielt er dabei zum voranfahrenden Personenwagen einen
ungenügenden Sicherheitsabstand ein. Mit Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk
Horgen vom 12. September 2012 wurde X gestützt auf Art. 90 Ziff. 1 SVG wegen
ungenügenden Abstands beim Hintereinanderfahren mit einer Busse von Fr. 150.--
bestraft. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen entzog ihm
mit Verfügung vom 25. Oktober 2012 den Führerausweis wegen einer schweren
Verkehrsregelverletzung für die Dauer von drei Monaten und auferlegte ihm die
Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 250.--.
B.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Vertreters vom 13. November
2012 und Ergänzung vom 30. November 2012 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und anstelle des
Führerausweisentzugs sei eine Verwarnung auszusprechen, eventualiter sei ein
Führerausweisentzug von einem Monat anzuordnen. Die Vorinstanz verzichtete auf eine
Vernehmlassung. Die Verwaltungsrekurskommission holte bei den Strafbehörden die
Video-Aufzeichnungen der Polizei ein und liess diese den Verfahrensbeteiligten
zukommen. Der Vertreter des Rekurrenten nahm dazu mit Schreiben vom 6. Februar
2013 Stellung. Auf die Rekursbegründung wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 13. November 2012 ist rechtzeitig
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eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 30. November 2012 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent macht geltend, die Begründung der angefochtenen Verfügung sei
widersprüchlich, weshalb die Verfügung bereits aus formellen Gründen aufzuheben sei.
Die Begründung der Vorinstanz in der Verfügung vom 25. Oktober 2012 enthält
tatsächlich Widersprüche. Zunächst wird festgehalten, es liege eine schwere
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit.
a des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) vor. Nur wenige Zeilen
später ist die Rede von einem mittelschweren Fall nach Art. 16b Abs. 1 SVG. Dabei
handelt es sich jedoch offensichtlich um ein Versehen der Vorinstanz. Bei Würdigung
der Verfügung als Ganzer inklusive der zitierten gesetzlichen Bestimmungen besteht
kein Zweifel, dass die Vorinstanz die Verkehrsregelverletzung des Rekurrenten als
schweren Fall im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG qualifizierte. Die teilweise nicht
zutreffende Begründung stellt weder einen Formfehler noch eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs dar, welche die Aufhebung der Verfügung rechtfertigen würden.
3.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
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einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind
(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487; VRKE IV-2009/19 vom 26. August 2009, in:
www.gerichte.sg.ch).
b) Die Vorinstanz wirft dem Rekurrenten vor, er habe bei einer Geschwindigkeit von ca.
60 km/h einen ungenügenden Sicherheitsabstand von etwa 10 Metern zum
voranfahrenden Fahrzeug eingehalten. Dabei handle es sich um eine schwere
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften, der Führerausweis müsse für
mindestens drei Monate entzogen werden.
Dem hält der Rekurrent im Wesentlichen entgegen, im Widerspruch zum Strafbefehl
vom 12. September 2012, in welchem von einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 km/h
die Rede sei, und in Verletzung des Grundsatzes "im Zweifel für den Angeklagten"
gehe die Vorinstanz von einer Geschwindigkeit von 60 km/h aus. Die gegenüber der
Polizei gemachten Angaben des Rekurrenten seien nicht verwertbar, da der
Angeschuldigte vorgängig nicht auf sein Schweigerecht aufmerksam gemacht worden
sei. Den Video-Aufzeichnungen sei zu entnehmen, dass der Rekurrent mit einer
Geschwindigkeit von 45 bis 55 km/h gefahren sei und diese nur zum Schluss für den
Bruchteil einer Sekunde überschritten habe. Der Abstand habe grösstenteils mehr als
10 Meter betragen. Zudem sei der Rekurrent mit konstanter Bremsbereitschaft
unterwegs gewesen und hätte jederzeit eine Schnellbremsung einleiten können. Unter
Berücksichtigung sämtlicher Begleitumstände liege keine grobe, sondern eine
mittelschwere Verletzung der Verkehrsregeln vor. Diese führe zu einem einmonatigen
Führerausweisentzug.
c) Gegenüber allen Strassenbenützern ist ausreichender Abstand zu wahren,
namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- und Hintereinanderfahren
(Art. 34 Abs. 4 SVG). Die Regel zur Wahrung eines ausreichenden Abstands beim
Hintereinanderfahren bezweckt, dass der Fahrzeugführer auch bei überraschendem
Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs rechtzeitig halten kann (vgl. Art. 12 Abs. 1 der
Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11, abgekürzt: VRV).
Die Regel zur Wahrung eines ausreichenden Abstands beim Hintereinanderfahren ist
von grundlegender Bedeutung. Was unter einem "ausreichenden Abstand" im Sinne
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von Art. 34 Abs. 4 SVG zu verstehen ist, hängt von den gesamten Umständen ab. Dazu
gehören unter anderem die Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnisse sowie die
Beschaffenheit der beteiligten Fahrzeuge. Der Sinn der Verkehrsregel zum
ausreichenden Abstand beim Hintereinanderfahren besteht in erster Linie darin, dass
der Fahrzeuglenker auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs
rechtzeitig hinter diesem halten kann. Das überraschende Bremsen schliesst auch ein
brüskes Bremsen mit ein. Letzteres ist, auch wenn ein Fahrzeug folgt, im Notfall
gestattet (vgl. Art. 12 Abs. 2 VRV). Die Rechtsprechung hat deshalb keine allgemein
gültigen Grundsätze zur Frage entwickelt, bei welchen Abständen in jedem Fall, d.h.
auch bei günstigen Verhältnissen, eine leichte (Art. 16a SVG), mittelschwere (Art. 16b
SVG) oder schwere Widerhandlung (Art. 16c SVG) gegen die
Strassenverkehrsvorschriften anzunehmen ist. Zur Beurteilung, ob eine einfache
Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG, welche administrativrechtlich die
leichte und mittelschwere Widerhandlung gemäss Art. 16a und 16b SVG umfasst,
vorliegt, wird im Sinne von Faustregeln für Personenwagen auf die Regel "halber
Tacho" (entsprechend 1,8 Sekunden) und die "Zwei-Sekunden"-Regel abgestellt. Diese
Distanz entspricht ungefähr der Anhaltestrecke bei plötzlichem, ordnungsgemässem
Bremsen und Anhalten des vorausfahrenden Fahrzeugs (BGE 131 IV 133 E. 3.1). Zur
Beantwortung der Frage, ob eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90
Ziff. 2 SVG, welche administrativrechtlich einer schweren Widerhandlung gemäss
Art. 16c SVG entspricht, begangen wurde, wird in Lehre und Rechtsprechung als
Richtschnur die Regel "1/6-Tacho" bzw. ein Abstand von 0,6 Sekunden herangezogen
(J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 57 f.; Urteil des
Bundesgerichts 6B_127/2012 vom 3. September 2012 E. 3.1). Das Bundesgericht geht
bei Abständen von rund 10 Metern (bzw. 0,36 Sekunden) bei Tempi um die 100 km/h
auf Autobahnen regelmässig von groben Verkehrsregelverletzungen aus (BGE 131 IV
133 E. 3.2.3 mit Hinweisen). Im dichten Stadtverkehr und beim Anfahren nach
Lichtsignalen kann nicht strikte auf die "Zwei-Sekunden-" oder "halber Tacho"-Regel
abgestellt werden, da der Verkehr ansonsten zum Erliegen käme. Geringere Abstände
rechtfertigen sich im dichten Stadtverkehr aufgrund der reduzierten Geschwindigkeit
und der erforderlichen ständigen Bremsbereitschaft. Auf jeden Fall ist aber selbst bei
guter Sicht und trockener Fahrbahn mindestens ein Abstand von einer Sekunde
einzuhalten. Lassen es die Verkehrsverhältnisse zu, müssen auch im Stadtverkehr
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grössere Abstände verlangt werden, da sich das Eingehen eines erhöhten Risikos
durch nahes Auffahren von Vornherein nicht rechtfertigt, wo dies nicht verkehrsbedingt
ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1030/2010 vom 22. März 2011 E. 3.3).
Nach konstanter Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem
Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht
beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen
Entscheid führt, wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den feststehenden
Tatsachen klar widerspricht, oder wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf
den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, namentlich die Verletzung
bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat. Anders verhält es sich bei der rechtlichen
Würdigung des Sachverhalts. Diesbezüglich ist die Verwaltungsbehörde grundsätzlich
nicht an den Strafentscheid gebunden, es sei denn, die rechtliche Würdigung hänge
sehr stark von der Würdigung von Tatsachen ab, die das Strafgericht besser kennt als
die Verwaltungsbehörde, etwa wenn der Beschuldigte im Strafverfahren persönlich
einvernommen wurde, was im vorliegenden Fall nicht zutrifft (vgl. BGE 124 II 103 E. 1c).
d) In tatsächlicher Hinsicht bestreitet der Rekurrent nicht, einen ungenügenden
Abstand zum voranfahrenden Personenwagen eingehalten zu haben. Die gefahrene
Geschwindigkeit habe jedoch 45 bis 55 km/h und der Abstand grösstenteils 10 Meter
betragen. Die Vorinstanz ging in der angefochtenen Verfügung von einer
Geschwindigkeit von ca. 60 km/h und einem Sicherheitsabstand von etwa 10 Metern
aus. Zur gefahrenen Distanz fehlen jegliche Angaben. Die Vorinstanz stützte sich dabei
auf den Rapport der Kantonspolizei Zürich vom 8. September 2012 (act. 5/3 ff.). Die
Patrouille der Kantonspolizei Zürich fuhr mit ihrem Dienstfahrzeug auf der Zugerstrasse
in Richtung Hirzel. Dabei schloss sie auf eine Fahrzeugkolonne auf, die von einem
Gesellschaftswagen angeführt wurde. Dahinter fuhr ein Personenwagen, gefolgt vom
Fahrzeug des Rekurrenten und dem Polizeifahrzeug. Im Bereich "Änderholz" habe der
Rekurrent während rund 350 Metern bei einer Geschwindigkeit von 40 bis 45 km/h
einen Abstand von 5 bis 10 Metern zum vor ihm fahrenden Fahrzeug eingehalten.
Ausgangs der Ortschaft Hirzel sei er während mindestens 1'000 Metern mit einem
Abstand von 5 bis 10 Metern und einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 km/h unterwegs
gewesen.
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Im Strafbefehl vom 12. September 2012 wird der Sachverhalt mit "Ungenügender
Abstand beim Hintereinanderfahren (während rund 1'000 Metern mit einem Abstand
von 5 bis 10 Metern, bei einer Geschwindigkeit von ca. 50 bis 60 km/h)" umschrieben.
Die Kantonspolizei Zürich machte zwei Videoaufzeichnungen von der Fahrt des
Rekurrenten, die im Rekursverfahren beigezogen wurden (vgl. act. 15/4). Damit verfügt
das Gericht über dasselbe Beweismaterial wie der Strafrichter. Die erste Sequenz der
Aufzeichnungen dauert 43 Sekunden. Die vom Polizeifahrzeug gefahrene
Geschwindigkeit variiert zwischen 31 und 61 km/h. Vom Abstand des Rekurrenten zum
voranfahrenden Fahrzeug ist nur wenig zu erkennen, da sich mehrere enge Kurven mit
geraden Strecken abwechseln und die Sicht auf den Abstand dadurch verhindert wird.
Der Abstand auf der ersten Strecke war denn auch nicht Gegenstand der Verurteilung.
Die zweite Sequenz dauert 63 Sekunden. Die von der Polizei gefahrene
Geschwindigkeit bewegt sich im Bereich zwischen 37 und 59 km/h; meist liegt sie
zwischen 50 und 55 km/h, woraus sich eine gefahrene Distanz von rund 1'000 Metern
ergibt. Entgegen der Feststellung im Strafbefehl und der Annahme der Vorinstanz lässt
sich eine über längere Distanz gefahrende Geschwindigkeit des Rekurrenten von 60
km/h anhand der Video-Aufzeichnung nicht nachweisen. Zudem ist zu berücksichtigen,
dass sich die Geschwindigkeit des Polizeifahrzeugs nicht unmittelbar auf jene des
Fahrzeugs des Rekurrenten übertragen lässt. Zugunsten des Rekurrenten ist daher von
einer Geschwindigkeit von 50 km/h auszugehen. Hingegen steht fest und wird vom
Rekurrenten nicht bestritten, dass der von ihm eingehaltene Sicherheitsabstand auf
dieser Strecke zu gering war. Wie gering der Abstand indessen tatsächlich war, ist aus
der Perspektive des Polizeifahrzeugs nicht leicht abschätzbar. Auf den geraden
Strecken wurde die Sicht jeweils vom Fahrzeug des Rekurrenten verdeckt. In drei
Kurven ist jedoch zu sehen, dass sich der Abstand auf der abfallenden Strecke
aufgrund von Bremsmanövern des voranfahrenden Fahrzeugs kurzfristig auf gegen 5
Meter verringerte. Der Rekurrent bremste jeweils sogleich auch, womit der Abstand
sich wieder vergrösserte. Entgegen der Sachverhaltsfeststellung im Strafbefehl vermag
die Video-Aufzeichnung aber nicht den Beweis zu erbringen, dass der Rekurrent über
die gesamte Distanz von 1'000 Metern einen Abstand von lediglich 5 bis 10 Metern
zum voranfahrenden Personenwagen aufwies. Die Beweiswürdigung des Strafrichters
widerspricht in diesem Punkt den Tatsachen.
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e) In rechtlicher Hinsicht ging die Vorinstanz von einer schweren Gefährdung und
einem schweren Verschulden im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG aus, was
strafrechtlich einer groben Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Ziff. 2 SVG
entspricht. Die Strafbehörde hingegen erachtete den qualifizierten Tatbestand von Art.
90 Ziff. 2 SVG als nicht erfüllt. Nach Art. 90 Ziff. 2 SVG wird mit Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln
eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Der
Tatbestand ist nach der Rechtsprechung objektiv erfüllt, wenn der Täter eine wichtige
Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit
ernstlich gefährdet. eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer ist nicht erst bei
einer konkreten, sondern bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben.
Subjektiv erfordert der Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG nach der Rechtsprechung ein
rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein
schweres Verschulden, bei fahrlässigem Verhalten mindestens grobe Fahrlässigkeit.
Vielmehr wendete die Strafbehörde Art. 90 Ziff. 1 SVG an und sprach eine eher geringe
Busse von Fr. 150.-- aus. Mangels Einvernahme des Rekurrenten im Strafverfahren
besteht zwar keine Bindung an die rechtliche Würdigung des Strafrichters. Nach dem
Grundsatz der Einheit der Rechtsordnung sind widersprüchliche Entscheide von Straf-
und Verwaltungsbehörden jedoch wenn möglich zu vermeiden (Urteil des
Bundesgerichts 1C_424/2012 vom 15. Januar 2013 E. 4.4). Die Annahme einer
schweren Widerhandlung setzt kumulativ eine qualifizierte objektive Gefährdung und
ein qualifiziertes Verschulden voraus. Ist die Gefährdung gering, aber das Verschulden
hoch, oder umgekehrt die Gefährdung hoch, das Verschulden aber gering, liegt eine
mittelschwere Widerhandlung vor (Botschaft vom 31. März 1999 zur Änderung des
Strassenverkehrsgesetzes, BBl 1999, S. 4489).
Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h entspricht ein Abstand von 10 bzw. 5 Metern
einem zeitlichen Abstand von 0,72 bzw. 0,36 Sekunden. Der Video-Aufzeichnung ist zu
entnehmen, dass der Abstand des Rekurrenten zum voranfahrenden Personenwagen
vor bzw. in drei Kurven für kurze Zeit lediglich noch rund 5 Meter und damit weniger als
0,6 Sekunden betrug. Der Rekurrent hat damit die Verkehrssicherheit objektiv
qualifiziert gefährdet. In subjektiver Hinsicht ist davon auszugehen, dass dem
Rekurrenten als Lenker bekannt war, welchen Abstand er zum Vordermann hätte
einhalten müssen, und dass er diese Regel in pflichtwidriger Unvorsichtigkeit
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missachtete. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass der Rekurrent die Richtschnur für
die schwere Widerhandlung von 0,6 Sekunden jeweils nur für kurze Zeit unterschritten
hat. Der vorliegende Sachverhalt ist daher nicht mit jenen vom Bundesgericht als grobe
Verkehrsregelverletzungen eingestuften Fällen vergleichbar, welchen jeweils ein über
eine längere Strecke von mehreren hundert Metern permanent zu geringer zeitlicher
Abstand von weniger als 0,6 Sekunden zugrundelag (BGE 131 IV 133 E. 3.2.3; Urteil
des Bundesgerichts 6B_3/2010 vom 25. Februar 2010 E. 3.3.1). Die Sicht- und
Strassenverhältnisse waren gut. Ferner bewegte sich der Rekurrent im
Kolonnenverkehr, wo es – ähnlich wie im dichten Stadtverkehr – aufgrund der
verzögerten Bremsreaktionen häufiger zu geringeren Abständen kommt. Genau dies
war hier der Fall, indem sich der Abstand aufgrund von Bremsmanövern des
voranfahrenden Lenkers und nicht durch ein näheres Aufschliessen des Rekurrenten
verringerte. Der Rekurrent befand sich schliesslich in ständiger Bremsbereitschaft und
reagierte jeweils umgehend auf die erwähnten Bremsmanöver. Diese Umstände lassen
das Verschulden des Rekurrenten in einem milderen Licht erscheinen. Seine Fahrweise
kann in subjektiver Hinsicht daher nicht als geradezu grobfahrlässig bzw. rücksichtslos
qualifiziert werden. Es liegt somit keine schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c
Abs. 1 lit. a SVG, sondern eine mittelschwere Widerhandlung gemäss Art. 16b Abs. 1
lit. a SVG vor.
4.- Nach einer mittelschweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens
einen Monat entzogen (Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG); eine Verwarnung im Sinn von Art.
16a Abs. 3 SVG kommt nicht in Frage. Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr-
oder Führerausweisentzugs sind gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des
Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das
Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die berufliche
Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen. Die Mindestentzugsdauer darf jedoch
nicht unterschritten werden.
a) Der automobilistische Leumund des Rekurrenten ist ungetrübt. Das Ausmass von
Gefährdung und Verschulden begründet keine Erhöhung der Entzugsdauer. Daher ist
dem Rekurrenten der Führerausweis für die gesetzlich vorgeschriebene minimale
Entzugsdauer von einem Monat zu entziehen. Da das Gesetz eine Unterschreitung
dieser Mindestentzugsdauer ausschliesst (Art. 16 Abs. 3 SVG), erübrigt es sich,
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massnahmemindernde Umstände wie eine berufliche Angewiesenheit des Rekurrenten
auf das Führen eines Motorfahrzeugs zu prüfen.
b) Nachdem der Rekurrent in seiner Eingabe vom 6. Februar 2013 sinngemäss einen
einmonatigen Führerausweisentzug beantragte, ist der Rekurs folglich gutzuheissen
und die Verfügung der Vorinstanz vom 25. Oktober 2012 mit Ausnahme des
Kostenspruchs aufzuheben. Der Führerausweis ist dem Rekurrenten für die Dauer
eines Monats zu entziehen.
5.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von
Fr. 1'200.-- (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12, abgekürzt:
GKV). Hinzu kommen die Barauslagen für die Video-Aufzeichnungen von Fr. 60.--
(Art. 21 GKV; act. 17). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist dem Rekurrenten
zurückzuerstatten.
b) Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes
geboten. Eine Kostennote ist nicht eingereicht worden, entsprechend werden die
Parteikosten nach Ermessen zugesprochen (Art. 6 Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten; sGS 963.75, abgekürzt: HonO). Angesichts des geringen
Aktenumfangs und des auf die Thematik des ausreichenden Abstands beim
Hintereinanderfahren beschränkten Prozessthemas erscheint eine Entschädigung von
Fr. 1'500.-- (Barauslagen und Mehrwertsteuer inbegriffen) als angemessen (Art. 19, 22
Abs. 1 lit. b, 28 und 29 HonO). Entsprechend dem Verfahrensausgang sind dem
Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten vollumfänglich, d.h. im Betrag von Fr. 1'500.--
zu entschädigen (Art. 98 VRP). Kostenpflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt).