Decision ID: 247f3290-9757-578c-8add-93eec5bd3456
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ M.E., geboren 1954, ist Staatsangehöriger von Serbien. Er hielt sich in den Jahren
1990 bis 1994 als Saisonnier im Kanton St. Gallen auf. 1994 wurde seine
Saisonbewilligung in eine ordentliche Aufenthaltsbewilligung umgewandelt. Die Ehefrau
und die beiden Kinder (Jahrgang 1988 und 1990) leben in Serbien.
Mit Verfügung vom 6. Dezember 2001 wurde M.E. rückwirkend per 1. März 1997 eine
volle IV-Rente zugesprochen. Daneben bezieht er eine Rente aus der beruflichen
Vorsorge sowie Ergänzungsleistungen.
Am 16. Dezember 2004 reichte M.E. durch seinen Rechtsvertreter ein
Familiennachzugsbegehren für seine Ehefrau und die beiden Kinder ein. Im Rahmen
der Prüfung des Gesuchs tätigte das Ausländeramt Abklärungen und teilte dem
Gesuchsteller am 27. Juni 2005 mit, bei einem allfälligen Familiennachzug sei mit einer
Reduktion der Ergänzungsleistungen zu rechnen, da für die Ehefrau und allenfalls die
ältere Tochter ein hypothetisches Einkommen angerechnet werde. Der Gesuchsteller
verzichtete mit Schreiben seines Rechtsvertreters vom 15. Juli 2005 auf eine
ergänzende Stellungnahme.
Am 3. Januar 2005 wurde M.E. die Niederlassungsbewilligung erteilt.
Mit Verfügung vom 20. Juli 2005 wies das Ausländeramt das Gesuch um
Familiennachzug ab mit der Begründung, die Renteneinkünfte des Gesuchstellers
deckten den Bedarf der gesamten Familie nach den SKOS-Richtlinien nicht. Da im Fall
der Einreise der Familie zudem mit einer Reduktion der Ergänzungsleistungen
gerechnet werden müsse, bestehe die Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen
Fürsorgeabhängigkeit. Darüber hinaus habe der Gesuchsteller Sozialhilfeschulden in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Höhe von rund Fr. 19'700.--. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
B./ Am 25. April 2006 stellte M.E., nunmehr vertreten durch Rechtsanwalt M., Zürich,
erneut ein Familiennachzugsbegehren. Dieses reichte er beim Einwohneramt der
Wohngemeinde Au ein. Zur Begründung machte er geltend, dass er einen Anspruch
auf Familiennachzug habe und die Zusatzleistungen im Falle eines Nachzugs seiner
Familie neu berechnet würden und seine Ehefrau einer Erwerbstätigkeit nachgehen
könne, weshalb keine Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit
bestehe.
Das Ausländeramt behandelte das Begehren als Wiedererwägungsgesuch und trat mit
Verfügung vom 25. Juli 2006 nicht darauf ein. Zur Begründung führte es an, es liege
gegenüber der Verfügung vom 20. Juli 2005 kein wesentlich veränderter Sachverhalt
vor und es würden keine neuen tatsächlichen Verhältnisse geltend gemacht, die
berücksichtigt werden müssten.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. August 2006 erhob M.E. Rekurs mit
dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und auf das
Familiennachzugsbegehren sei einzutreten. Zur Begründung machte er im
wesentlichen geltend, es sei willkürlich und gesetzwidrig, dass das Ausländeramt sein
Nachzugsbegehren als Wiedererwägungsgesuch entgegengenommen habe und ohne
Begründung nicht darauf eingetreten sei. Das Recht, ein Familiennachzugsbegehren zu
stellen, bestehe uneingeschränkt, weshalb bei Vorliegen der formellen
Voraussetzungen darauf einzutreten und das Gesuch materiell zu behandeln sei.
Das Justiz- und Polizeidepartement wies den Rekurs mit Entscheid vom 23. Oktober
2006 ab. Es erwog, die Wiedererwägung von Verwaltungsentscheiden sei nicht beliebig
zulässig. Sie dürfe namentlich nicht dazu dienen, rechtskräftige Verwaltungsentscheide
immer wieder in Frage zu stellen und die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu
umgehen. Eine Wiedererwägung aus Gründen, die bereits mit einem ordentlichen
Rechtsmittel gegen den ursprünglichen Entscheid hätten geltend gemacht werden
können, sei deshalb ausgeschlossen. Wer die formgerechte Anfechtung eines
fremdenpolizeilichen Bewilligungsentscheids verpasse, habe keinen Anspruch darauf,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dass die zuständige Behörde über die gleiche Angelegenheit ohne das Vorliegen
qualifizierter Gründe noch einmal materiell entscheide und den Rechtsmittelweg damit
erneut öffne. Der Rekurrent habe gegen die Verfügung vom 20. Juli 2005 kein
Rechtsmittel ergriffen. Diese Verfügung sei daher formell rechtskräftig geworden. Das
neue Gesuch habe dieselbe Angelegenheit betroffen wie diejenige, die bereits mit der
rechtskräftigen Verfügung beurteilt worden sei. Es sei daher nicht zu beanstanden,
dass das neue Begehren als Wiedererwägungsgesuch qualifiziert worden sei. Selbst
wenn davon ausgegangen würde, dass das Gesuch vom 25. April 2006 ein neues
Begehren sei, wäre das Ausländeramt nur zum Eintreten verpflichtet gewesen, wenn
sich die Sach- und Rechtslage seit Erlass der ursprünglichen Verfügung wesentlich
verändert hätte. Dies sei im vorliegenden Verfahren nicht der Fall.
D./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. November 2006 erhob M.E.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der angefochtene Entscheid sei
aufzuheben und es sei das Ausländeramt anzuweisen, auf das
Familiennachzugsbegehren vom 25. April 2006 einzutreten, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. In der Beschwerde wird vorgebracht, ein
Familiennachzugsgesuch könne jederzeit gestellt werden. Dieses Recht dürfe weder
aberkannt noch eingeschränkt werden. Allein der Umstand, dass das
Familiennachzugsbegehren nicht dem Ausländeramt, sondern dem Einwohneramt Au
zugestellt worden sei, schliesse die Annahme eines Wiedererwägungsgesuchs aus.
Ferner sei im Gesuch kein Bezug zur Verfügung vom 20. Juli 2005 gemacht worden,
weshalb der Entscheid des Ausländeramts als willkürlich betrachtet werden müsse. Im
übrigen sei die Qualifikation als Wiedererwägungsgesuch gerade dann falsch, wenn
keine neuen Argumente vorgebracht würden. Auf ein Gesuch sei immer einzutreten.
Die Argumente des Justiz- und Polizeidepartements wären geeignet, die Abweisung
eines Gesuchs zu begründen; sie könnten aber keinen Nichteintretensentscheid
rechtfertigen. Auf die einzelnen Vorbringen wird, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen näher eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 30. November 2006 unter
Hinweis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der
Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 8. November 2006
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2./ Fest steht, dass die Verfügung des Ausländeramts vom 20. Juli 2005, mit welcher
das Gesuch des Beschwerdeführers vom 16. Dezember 2004 um Familiennachzug
abgewiesen wurde, unangefochten blieb. Die Verfügung erwuchs somit in formelle
Rechtskraft. Dies bedeutet, dass sie mit einem ordentlichen Rechtsmittel nicht mehr
angefochten werden kann.
a) Im Gegensatz zu Urteilen der Zivilgerichte werden Verwaltungsakte nicht materiell
rechtskräftig, d.h. unabänderlich und zur Einrede der abgeurteilten Sache
ermächtigend (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St.
Gallen 2003, Rz. 1077). Zu unterscheiden ist zwischen formeller und materieller
Rechtskraft. Verfügungen und Entscheide von Verwaltungsbehörden, die nicht mit
einem ordentlichen Rechtsmittel angefochten werden, erwachsen in formelle
Rechtskraft. Diese hat zur Folge, dass die Verfügung nur noch mit einem
ausserordentlichen Rechtsmittel anfechtbar und damit grundsätzlich vollstreckbar ist
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1083).
Die materielle Rechtskraft betrifft die Frage, ob eine Verfügung inhaltlich nochmals in
einem neuen Verfahren aufgerollt werden kann. Das VRP regelt die Möglichkeit der
Wiedererwägung, des Widerrufs und der Wiederaufnahme in den Art. 27, 28 und 81 ff.
VRP. Daraus ergibt sich, dass Verwaltungsakte nicht beliebig geändert oder
aufgehoben werden können. Es kommt ihnen vielmehr eine Rechtsbeständigkeit bzw.
eine Verbindlichkeit zu, die der materiellen Rechtskraft von Urteilen wenn nicht
gleichkommt, so doch nahe steht.
Formell rechtskräftige Verfügungen sind zwar einer Wiedererwägung zugunsten des
Adressaten grundsätzlich zugänglich. Weil jedoch auf Wiedererwägung kein Anspruch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
besteht, bildet die formelle Rechtskraft, bei deren Eintritt ein ordentliches Rechtsmittel
nicht zur Verfügung steht, zumindest aus der Sicht des Betroffenen ein erhebliches
Hindernis für eine zu seinen Gunsten erfolgende Aufhebung der Verfügung, welches
nur unter besonderen Voraussetzungen beseitigt werden kann (Kölz/Bosshart/Röhl,
Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Aufl., Zürich
1999, Vorbemerkungen zu § 86a-86d, N 6).
Rechtsbeständigkeit kommt auch negativen Verfügungen zu, indem die Behörde,
welche die Bewilligung für ein Vorhaben verweigert hat, nicht verpflichtet ist, auf ein
neues Bewilligungsgesuch für das gleiche Projekt einzutreten, sofern sich die Sach-
und Rechtslage seither nicht verändert hat (vgl. Kölz/Bosshart/Röhl, a.a.O., Vorbem. zu
§§ 86a-86d, N 14). Bei Vefügungen über Rechtsverhältnisse mit Dauerwirkung bezieht
sich die Verbindlichkeit der Regelung des Rechtsverhältnisses auf die Sach- und
Rechtslage im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung (F. Gygi, Verwaltungsrecht, Bern
1986, S. 305). Negative Verfügungen beziehen sich meist auf Dauerrechtsverhältnisse
und können daher aufgrund veränderter Sachumstände oder Rechtsgrundlagen ersetzt
werden (Kölz/Bosshart/Röhl, a.a.O., Vorbem. zu §§ 86a-86d, N 14).
Die Ablehnung einer fremdenpolizeilichen Bewilligung entspricht einer Verfügung mit
Dauerwirkung. Dies bedeutet, dass auf eine ablehnende Verfügung nicht ohne weiteres
zurückgekommen werden kann. Ein genereller Anspruch auf Wiedererwägung nach Art.
27 VRP besteht nicht. Dagegen ist ein Anspruch auf Wiedererwägung bzw. auf Erlass
einer neuen materiellen Verfügung gegeben, wenn sich die Sach- und Rechtslage
gegenüber den der formell rechtskräftigen Verfügung zugrundeliegenden Umständen
wesentlich geändert haben (vgl. BGE 120 Ib 46, Kölz/Bosshart/Röhl, a.a.O., Vorbem. zu
§§ 86a-86d, N 14; Gygi, a.a.O., S. 311). In Bezug auf ein fremdenpolizeiliches
Bewilligungsverfahren bedeutet dies, dass auf erneute Gesuche oder Anträge in der
Regel nicht eingetreten werden muss, sofern ein identisches Gesuch formell
rechtskräftig abgewiesen wurde. Es besteht in solchen Fällen kein Anlass, vom ersten
Entscheid abzuweichen, sondern es kann auf diesen verwiesen werden (vgl. Rhinow/
Krähenmann, Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel und Frankfurt a.M.
1990, Nr. 42, B I a). Die ursprüngliche Verfügung ist hingegen auf ein gleiches Gesuch
hin in Wiedererwägung zu ziehen, wenn sich seit dem Erlass der früheren Verfügung
eine anspruchsbegründende neue Sach- oder Rechtslage ergeben hat. Wer jedoch die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
formgerechte Anfechtung eines fremdenpolizeilichen Bewilligungsentscheids
unterlässt, hat keinen Anspruch darauf, dass die zuständige Behörde über die gleiche
Angelegenheit ohne Vorliegen qualifizierter Gründe nochmals materiell befindet und
den Rechtsmittelweg damit erneut öffnet. Das Institut der Wiedererwägung dient nicht
dazu, prozessuale Versäumnisse zu korrigieren (Urteile des Bundesgerichts 2A.
383/2001 vom 23. November 2001, E. 2e und 2A.318/2002 vom 15. Juli 2002, E. 2.2).
Das Bundesgericht erwog im Urteil vom 23. November 2001, eine Aenderung der
Sachlage gegenüber einem früher beurteilten Gesuch könne unter Umständen auch
schon im seitherigen Zeitverlauf und den damit verbundenen Entwicklungen liegen. Im
konkreten Fall waren seit dem ersten Gesuch über zwei Jahre verstrichen, und zudem
war eine Aenderung der Rechtsprechung zu berücksichtigen (BGE a.a.O., E. 2g). Im
vorliegenden Fall wurde das erneute Gesuch nur rund neun Monate seit Erlass der in
formelle Rechtskraft erwachsenen Verfügung gestellt, und es trat in diesem Zeitraum
weder eine Aenderung der tatsächlichen Verhältnisse noch eine Aenderung der
anwendbaren Rechtsnormen ein.
c) Das Ausländeramt hat in seiner Verfügung vom 20. Juli 2005 das Gesuch um
Familiennachzug der Ehefrau sowie der beiden Kinder des Beschwerdeführers
abgewiesen mit der Begründung, es bestehe die konkrete Gefahr einer fortgesetzten
und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit. Es wies insbesondere darauf hin, dass das
monatliche Einkommen des Gesuchstellers unter dem Mindestbedarf gemäss den
SKOS-Richtlinien liege und aufgrund einer Abklärung bei der Ausgleichskasse des
Kantons St. Gallen davon ausgegangen werden müsse, dass die Ergänzungsleistungen
reduziert würden, wenn die Familie in die Schweiz einreisen würde. Zudem wurde
darauf hingewiesen, dass der Gesuchsteller beim Sozialamt A. Schulden von Fr.
19'786.-- aufweist.
Das Gesuch vom 25. April 2006 stützte sich auf die gleichen tatsächlichen und
rechtlichen Grundlagen wie jenes vom 16. Dezember 2004. Insbesondere wurden
gegenüber diesem Gesuch keine wesentlich veränderten finanziellen Verhältnisse
geltend gemacht. Mit dem Gesuch wurden wiederum die Ausweise über den Zufluss
der IV-Rente, der BVG-Rente sowie der Ergänzungsleistungen eingereicht. Im Gesuch
vom 25. April 2006 wurde nicht geltend gemacht, die entsprechenden Tatsachen
hätten sich gegenüber der Verfügung vom 20. Juli 2005 wesentlich verändert. Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ergänzungsleistungen wurden für 2006 sogar noch geringer ausgewiesen als für 2005.
Der Gesuchsteller machte wiederum geltend, es bestehe keine Gefahr einer
fortgesetzten und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit im Falle eines Familiennachzugs
und behauptete, selbst ein ungedeckter Bedarf von einigen hundert Franken vermöchte
das wirtschaftliche Wohl des Landes nicht zu gefährden und die Abweisung des
Familiennachzugsbegehrens nicht zu rechtfertigen. Der Gesuchsteller stützte sich
somit auf dieselben tatsächlichen und rechtlichen Grundlagen, wie sie der Verfügung
vom 20. Juli 2005 zugrundelagen. Da die in dieser Verfügung angeordnete
Verweigerung des Familiennachzugs unangefochten in Rechtskraft erwuchs, durfte das
Ausländeramt ohne Rechtsverletzung auf das neuerliche Gesuch um Familiennachzug
nicht eintreten bzw. durfte die Vorinstanz den Rekurs gegen die
Nichteintretensverfügung ohne Rechtsverletzung abweisen. Es war namentlich
zulässig, das Gesuch nur dahingehend zu prüfen, ob neue tatsächliche und rechtliche
Verhältnisse gegeben sind bzw. geltend gemacht wurden. Was in der Beschwerde
dagegen ausgeführt wird, ist nicht stichhaltig. Insbesondere ist es nicht zutreffend,
dass ein Familiennachzugsbegehren jederzeit gestellt werden kann bzw. die Behörde
jederzeit darauf eintreten muss. Diese ist nach den vorstehenden Erwägungen nicht
verpflichtet, nach der umfassenden materiellen Prüfung eines Gesuchs und der
formellen Rechtskraft einer Ablehnung jederzeit eine neue materielle Prüfung eines
Gesuchs vorzunehmen, in dem keine veränderten Sach- oder Rechtsumstände geltend
gemacht werden. Auch lässt sich aus dem Umstand, dass das zweite Gesuch dem
Einwohneramt zugestellt wurde, nichts gegen die Behandlung als
Wiedererwägungsgesuch ableiten. Das Einwohneramt war sachlich und funktionell
nicht zum Entscheid über das Familiennachzugsbegehren zuständig, was der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wissen musste. Das Einwohneramt hat das
Gesuch zu Recht an das zuständige Ausländeramt überwiesen. Unzutreffend ist
ausserdem der Einwand, die Qualifikation eines Begehrens als
Wiedererwägungsgesuch sei namentlich dann falsch, wenn keine neuen Argumente
vorgebracht würden. Kennzeichen eines Wiedererwägungsgesuchs ist es, dass die
verfügende Behörde ersucht wird, ihre eigene Verfügung zu überprüfen. Ob neue
Argumente vorgebracht werden bzw. eine neue Sach- oder Rechtslage besteht, ist
hinsichtlich des Anspruchs auf Wiedererwägung massgebend. Im übrigen hat die
Vorinstanz in Erw. 3 b und c des angefochtenen Entscheids zutreffend dargelegt,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
inwiefern die Gesuche auf derselben Tatsachen- und Rechtsgrundlage beruhten. Diese
Erwägungen bezogen sich nicht materiell auf die Abweisung eines Begehrens, sondern
bildeten die Begründung, inwiefern das Ausländeramt zu Recht einen
Nichteintretensentscheid erlassen durfte. Auch ist es nicht zutreffend, dass sich das
Ausländeramt um eine beschwerdefähige Verfügung gedrückt hat. Der
Beschwerdeführer konnte gegen den Nichteintretensentscheid Rekurs und gegen den
Rekursentscheid Beschwerde erheben und gerichtlich überprüfen lassen, inwiefern der
Nichteintretensentscheid rechtmässig ist.
3./ Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde als unbegründet abzuweisen
ist. Daher sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr.
2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).