Decision ID: b3b0f9ac-8929-4b9f-97d7-8cad114c4c0e
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
versuchte schwere Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 30. Juni 2011 (DG100655)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
22. November 2010 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 28).
Entscheid der Vorinstanz: (Urk. 118 S. 90 ff.)
„Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB [HD],
- der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
teilweise in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 1 und 6 StGB [HD],
- der mehrfachen Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und 3
StGB [HD],
- der mehrfachen, teilweise qualifizierten Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
teilweise in Verbindung mit Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB [HD],
- des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB [ND 1],
- der versuchten falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB [ND 2].
2. Vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs [HD] sowie vom Vorwurf der versuchten
schweren Körperverletzung zum Nachteil von B._ [ND 1] wird der Beschuldigte
freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 505 Tage durch
Haft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (18 Monate, abzüglich 505 Tage,
die durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
5. Für die Dauer der Probezeit wird die folgende Weisung erteilt: Fortführung der
ambulanten Psychotherapie sowie Behandlung der Alkoholabhängigkeit.
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6. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 3. Mai 2010 beschlagnahmte Beil-
hammer ... mit gelbem Griffstück wird eingezogen und der Lagerbehörde zur gut-
scheinenden Verwendung überlassen.
7. Das gemäss Vorbericht der Stadtpolizei Zürich vom 28. Oktober 2009 sichergestellte
Gipserbeil "..." 750 g wird eingezogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden
Verwendung überlassen.
Das restliche gemäss Vorbericht der Stadtpolizei Zürich vom 28. Oktober 2009
sichergestellte Material (Kleider, etc.) wird dem jeweiligen Berechtigten auf erstes
Verlangen herausgegeben. Verlangt der jeweilige Berechtigte dieses Material nicht
innerhalb eines Jahres seit Rechtskraft des Urteils heraus, wird es zerstört.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ – unter allfälliger solida-
rischer Verpflichtung mit Mittätern – Schadenersatz von Fr. 2'023.15 zuzüglich 5 %
Zins ab 16. November 2009 zu bezahlen (Fr. 1'593.15 Erwerbsausfall; Fr. 430.– Uhr).
Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses
verwiesen.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ – unter allfälliger solida-
rischer Verpflichtung mit Mittätern – Genugtuung von Fr. 2'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 18. September 2009 zu bezahlen.
10. Auf die Schadenersatzbegehren der Geschädigten C._ und D._ wird nicht
eingetreten.
11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 7'000.– die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 9'905.10 Auslagen Untersuchung
Fr. 23'581.70 amtliche Verteidigung (RA X._)
Fr. unentgeltlicher Geschädigtenvertreter (RA Y._)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens sowie der unentgelt-
lichen Vertretung der Privatklägerschaft werden dem Beschuldigten auferlegt. Die
Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbe-
halten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
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13. (Mitteilung)
14. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
a) der Verteidigung des Beschuldigten:
(schriftlich und mündlich; Urk. 141)
„Ziff. 1 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und durch folgende
Fassung zu ersetzen:
,1. Der Angeklagte ist schuldig der mehrfachen einfachen Körperverlet-
zung. Eines weiteren Deliktes, namentlich auch des Angriffs, ist er nicht
schuldig’
Ziff. 3 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und durch folgende
Fassung zu ersetzen:
,3. Der Angeklagte wird bestraft mit 1 Jahr Freiheitsstrafe, wovon die gan-
ze Zeit bereits durch Haft erstanden ist.’
Ziff. 4 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und durch folgende
Fassung zu ersetzen:
,4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit
auf 2 Jahre angesetzt.’
Ziff. 12 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und durch folgende
Fassung zu ersetzen:
,12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahren sowie
der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden zu zwei
Drittel dem Beschuldigten auferlegt und zu einem Drittel auf die Staats-
kasse genommen. Dem Beschuldigten wird eine Genugtuung von
Fr. 14'000.– für die zuviel erstandene Untersuchungshaft ausgerichtet.’
Unter K.u.E.f. im Berufungsverfahren.“
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b) der Anklagebehörde:
(mündlich sinngemäss; Prot. II. 6 ff.)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils mit Ausnahme von Dispositiv-
ziffer 3, Erhöhung der Freiheitsstrafe auf vier Jahre

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit eingangs im Dispositiv zitierten Urteil vom 30. Juni 2011 wurde der
Beschuldigte A._ vom Bezirksgericht Zürich, 2. Abteilung, der versuchten
schweren Körperverletzung, der mehrfachen einfachen Körperverletzung, der
mehrfachen Freiheitsberaubung, der mehrfachen, teilweise qualifizierten Dro-
hung, des Angriffs sowie der versuchten falschen Anschuldigung schuldig ge-
sprochen. Vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs sowie vom Vorwurf der versuch-
ten schweren Körperverletzung zum Nachteil von B._ [ND 1] wurde er freige-
sprochen. Der Beschuldigte wurde zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 3
Jahren verurteilt. Zudem wurde ihm die Weisung erteilt, während der Probezeit
von drei Jahren die ambulante Psychotherapie weiterzuführen und seine Alkohol-
abhängigkeit zu behandeln. Weiter wurde über die Verwendung der beschlag-
nahmten Gegenstände sowie die seitens der Privatklägerschaft gestellten Zivilfor-
derungen entschieden (Urk. 118 S. 90 ff.). Die vorinstanzliche Hauptverhandlung
fand am 27. April 2011 (Prot. I S. 10 - 23) sowie am 30. Juni 2011 statt, wobei am
zweiten Termin die beiden Privatkläger D._ und C._ (HD) nochmals ein-
vernommen wurden (Prot. I. S. 10 - 35; Urk. 98, Urk. 99; Urk. 100).
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2. Am 5. Juli 2011 meldete die Staatsanwaltschaft rechtzeitig innert der
10-tägigen Frist von Art. 399 Abs. 1 StPO Berufung an (Urk. 103). Mit Eingabe
vom 11. Juli 2011 meldete auch der amtliche Verteidiger innert Frist Berufung an
(Urk. 104). Das begründete Urteil wurde den Parteien am 10. Oktober 2011
zugestellt (Urk. 115/1-3). Die Berufungserklärungen gingen beim Obergericht
rechtzeitig innert der 20-tägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO am 12. Oktober
2011 und am 1. November 2011 ein (Urk. 119 und 121). Der Privatkläger B._
verzichtete darauf, selbständig Berufung zu erheben und schloss sich dieser auch
nicht an (Urk. 130).
3.1. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist die von der Vorinstanz ausgefällte
Freiheitsstrafe deutlich zu tief (Urk. 119). Sie erachtet eine Strafe von mindestens
4 Jahren für angemessen.
3.2. Der Beschuldigte bestreitet bezüglich des Vorfalls vom 5. März 2010
(Anklageschrift A., Hauptdossier; Urk. 28 S. 3) insbesondere die Benutzung eines
Beilhammers. Er habe sich weder der versuchten schweren Körperverletzung,
noch der mehrfachen, teilweise qualifizierten Drohung noch der mehrfachen Frei-
heitsberaubung schuldig gemacht. Hinsichtlich des Hauptdossiers ist er indes
geständig, sich der mehrfachen einfachen Körperverletzung schuldig gemacht zu
haben (Urk. 141 S. 1; Prot. II S. 5). Angefochten ist auch der Schuldspruch des
Angriffs bezüglich der Auseinandersetzung am 18. September 2009 (Anklage-
schrift B., Nebendossier 1; Urk. 28 S. 5). Nicht der Beschuldigte habe den Streit
begonnen, sondern der Privatkläger B._ mit dessen Begleiter (Urk. 141 S. 3
ff.). Weiter wird bestritten, dass der Beschuldigte E._ wider besseres Wissen
angeschuldigt habe (Urk. 121 S. 2; Urk. 141 S. 2). Insgesamt beantragt der amtli-
che Verteidiger eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr. Als Folge davon
wird auch eine abweichende Kosten- und Entschädigungsregelung beantragt
(Urk. 121 S. 2).
3.3. Da die Staatsanwaltschaft eine unbedingte Strafe beantragt, hat selbst-
redend auch die Weisung zur Fortführung der ambulanten Psychotherapie
während der Dauer der Probezeit als angefochten zu gelten.
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3.4. Somit ist im Sinne von Art. 404 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 402 StPO
vorab festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil wie folgt in Rechtskraft
erwachsen ist:
„Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- (...)
- der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
Abs. 1 teilweise in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 1 und 6 StGB [HD]
- (...)
2. Vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs [HD] sowie vom Vorwurf der versuchten
schweren Körperverletzung zum Nachteil von B._ [ND 1] wird der Beschuldigte
freigesprochen.
3. (...)
4. (...)
5. (...)
6. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 3. Mai 2010 beschlagnahmte Beil-
hammer ... mit gelbem Griffstück wird eingezogen und der Lagerbehörde zur gut-
scheinenden Verwendung überlassen.
7. Das gemäss Vorbericht der Stadtpolizei Zürich vom 28. Oktober 2009 sichergestellte
Gipserbeil "..." 750 g wird eingezogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden
Verwendung überlassen.
Das restliche gemäss Vorbericht der Stadtpolizei Zürich vom 28. Oktober 2009
sichergestellte Material (Kleider, etc.) wird dem jeweiligen Berechtigten auf erstes
Verlangen herausgegeben. Verlangt der jeweilige Berechtigte dieses Material nicht
innerhalb eines Jahres seit Rechtskraft des Urteils heraus, wird es zerstört.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ – unter allfälliger solida-
rischer Verpflichtung mit Mittätern – Schadenersatz von Fr. 2'023.15 zuzüglich 5 %
Zins ab 16. November 2009 zu bezahlen (Fr. 1'593.15 Erwerbsausfall; Fr. 430.– Uhr).
Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses
verwiesen.
- 8 -
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ – unter allfälliger solida-
rischer Verpflichtung mit Mittätern – Genugtuung von Fr. 2'000.– zuzüglich 5 % Zins
ab 18. September 2009 zu bezahlen.
10. Auf die Schadenersatzbegehren der Geschädigten C._ und D._ wird nicht
eingetreten.
11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 7'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 9'905.10 Auslagen Untersuchung
Fr. 23'581.70 amtliche Verteidigung (RA X._)
Fr. unentgeltlicher Geschädigtenvertreter (RA Y._)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
12. (...)
13. (Mitteilung)
14. (Rechtmittel)
II. Sachverhalt
1. Hauptdossier: Vorfall vom 5. März 2010 zum Nachteil von C._ und D._, versuchte schwere Körperverletzung, mehrfache Drohung,  Freiheitsberaubung
1.1. Im Berufungsverfahren wird vom Beschuldigten bestritten, dass er im Laufe
der Auseinandersetzung einen Beilhammer benützt habe. Ebenso bestreitet er,
den Privatklägern D._ sowie C._ gedroht zu haben sowie diese in der
Wohnung gegen deren beider Willen festgehalten zu haben (Urk. 121 S. 2; Urk.
141 S. 5-11). Geständig ist er indes wie eingangs erwähnt bezüglich der in Ankla-
gesachverhalt A. (Hautdossier) umschriebenen mehrfachen einfachen Körperver-
letzung (Urk. 141 S. 1; Prot. II S. 5).
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1.2. Die Vorinstanz hat vorab die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdi-
gung festgehalten, worauf grundsätzlich verwiesen werden kann (Urk. 118 S. 50
Ziff. 5. und 6. mit Verweis auf S. 23 -27 Ziff. 7. und 9.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Sodann führte sie aus, die Aussagen des Beschuldigten seien mit besonderer
Vorsicht zu würdigen, weil er keiner Wahrheitspflicht unterliege und als direkt
Betroffener ein Interesse daran habe, die Geschehnisse in einem für ihn
günstigen Licht erscheinen zu lassen (Urk. 118 S. 50 Ziff. 6.1. mit Verweis auf
S. 24 f. Ziff. 8.1.). Soweit ihm dadurch eine verminderte Glaubwürdigkeit
unterstellt wird, verstösst diese Feststellung gegen die Unschuldsvermutung. So
hat auch ein Unschuldiger, der beschuldigt wird, ein legitimes Interesse daran, die
Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Abgesehen davon
geht auch das Bundesgericht bei der Aussagenwürdigung in seiner neueren
Rechtsprechung von der sogenannten Nullhypothese aus (BGE 129 I 49 E. 5;
Entscheid vom 19. Juni 2008, 6B_96/2008). Zu überprüfen ist mit anderen Worten
in erster Linie die Hypothese, ob die aussagende Person unter Berücksichtigung
der Umstände, der intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage ihre Aus-
sage auch ohne realen Erlebnishintergrund machen könnte. Bei der Würdigung
von Aussagen ist folglich nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine
Glaubwürdigkeit von Aussagenden abzustellen, denn dies lässt keinen allgemei-
nen Rückschluss auf die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu. Massgebend ist viel-
mehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Äusserungen (vgl.
R. Bender, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in
SJZ 81 [1985] S. 53 ff.; Bender/ Nack/Treuer, Tatsachenfeststellung vor Gericht,
Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 3. Aufl., München 2007,
N. 310 ff. und 350 ff.).
Die Vorinstanz hat sodann die Aussagen des Beschuldigten und der Privatkläger
richtig zusammengefasst (Urk. 118 S. 42-50 Ziff. 3. und 4.). Auch hierauf kann in
Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen werden. Weiter kann den Aus-
führungen der Vorinstanz zur Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beteiligten bzw.
der Würdigung des Sachverhalts uneingeschränkt zugestimmt werden (Art. 82
Abs. 4 StPO; Urk. 118 S. 51 - 63). Die nachfolgenden Ausführungen beinhalten
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gewisse Wiederholungen, dienen aber vor allem der Präzisierung oder Ergän-
zung.
1.3. Die Aussagen des Beschuldigten weisen eine geringe Glaubhaftigkeit auf.
Vorab fällt insbesondere die Bagatellisierungstendenz auf. Er spricht nicht von
Schlägen gegen die Privatklägerin D._. Vielmehr will er sie bloss "wegge-
drückt" oder "weggeschubst" haben, worauf sie zunächst zu Boden, beim zweiten
Mal gegen die Türe gefallen sei (Urk. HD 3/2 S. 3). Die Verletzungen der Privat-
kläger würden nicht von ihm stammen, sondern der Privatkläger C._ habe
sich beim Fenster gestossen, die Privatklägerin D._ habe sich am Türgriff
"weh getan" (Urk. HD 3/2 S. 3, 5 und 6). Darauf angesprochen, dass die Privat-
klägerin D._ eine Nasenbeinfraktur erlitten habe, meinte der Beschuldigte, es
sei durchaus möglich, dass seine Hand beim Wegdrücken der Privatklägerin ihre
Nase getroffen habe (Urk. HD 3/2 S. 4). An anderer Stelle sagte der Beschuldigte
dann wiederum aus, er habe sich nicht mehr kontrollieren können (Urk.
HD 3/4 S. 4). Die Heftigkeit der Auseinandersetzung kommt jedoch in den Aus-
sagen des Beschuldigten in keiner Weise zum Ausdruck, was letztlich nur den
Schluss zulässt, dass er nicht die ganze Wahrheit aussagte. Im Berufungsver-
fahren zeigt sich der Beschuldigte hinsichtlich der mehrfachen einfachen Körper-
verletzung denn auch geständig (Prot. II S. 5).
Dass der Beschuldigte erheblich gewalttätig geworden war, passt zudem zur
Motivlage sowie den gesamten Umständen. Er trank zuvor Alkohol, trat die eigene
Haustüre gewaltsam ein, nachdem ihm nicht geöffnet worden war, und sah dann
einen fremden Mann zusammen mit seiner Freundin im Bett (Urk. HD 3/1 S. 2,
Urk. HD 3/2 S. 3). Der Beschuldigte führte selbst aus (Urk. HD 3/1 S. 5): "sie hat
mich so geliebt, dass ich nie gedacht hätte, dass sie jemand anderen hat". Vor diesem
Hintergrund erscheint insbesondere die Darstellung des Beschuldigten nicht
glaubhaft, dass die Handgreiflichkeit von C._ ausgegangen sei (Urk. HD 3/1
S. 3). Zudem ist eine übersteigert aggressive Reaktion für den Beschuldigten
nicht persönlichkeitsfremd (vgl. nachstehend Ziff. II. 2.). Dies wird auch vom Gut-
achter attestiert (Urk. HD 11/2 S. 45 Ziff. 2):
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Zum Tatzeitpunkt wies der Explorand ein teilweise abnormes Ver-
haltensmuster, geprägt durch Impulsivität wie auch eine niedrige
Schwelle zur Gewalt auf, das sich auch im Rahmen des Vorfalls vom
18. September 2009 (...) nachweisen lässt.
Weiter sind die Aussagen des Beschuldigten in sich nicht schlüssig. Der Beschul-
digte erwähnte mehrmals, dass er der Privatklägerin D._ gesagt habe, es tue
ihm leid, er habe sich entschuldigt (Urk. HD 3/4 S. 3, Urk. HD 3/1 S. 5). Auch ge-
genüber dem Privatkläger C._ habe er sich entschuldigt (Urk. HD 3/4 S. 3).
Wofür müsste er sich denn entschuldigen, wenn nicht für seinen gewalttätigen
Ausbruch? Unglaubhaft wirkte der Beschuldigte auch, indem er sich quasi als
Nothelfer darstellte: "Der Junge [C._] hat gesagt, dass er auch Schmerzen habe. Er hat seine Jacke aufgemacht und ich habe festgestellt, dass er eine kleine Schnittwun-
de hat. Ich ging ins Bad und gab ihm eine Desinfektionscreme" (Urk. HD 3/1 S. 4, so
auch heute: Prot. II S. 8). Diese Darstellung wurde vom Geschädigten C._
als Zeuge glaubhaft bestritten; so habe ihm dieser weder den Rücken eincremen
wollen noch ihm Creme angeboten (Urk. HD 4/4 S. 5). Die Vorstellung, dass der
Privatkläger sich von seinem Peiniger widerstandslos den Rücken eincremen
lässt, mutet doch auch reichlich seltsam an und ist schwer nachvollziehbar. Nicht
überzeugend ist auch die Darstellung des Beschuldigten, die Privatklägerin
D._ beschuldige ihn wahrheitswidrig, um ihr Fremdgehen zu verdecken (Urk.
HD 3/1 S. 5 sowie S. 7, Frage 46): „Mein Gefühl sagt, sie möchte ihr Gesicht , sie schämt sich für ihr Verhalten, ich habe ihr soviel gemacht, um das zu verde-
cken hat sie das gemacht“. Wer etwas verdecken will, macht keine Anzeige bei der
Polizei. Zudem ist das Rechtfertigen von eigenem (bestrittenen) Fehlverhalten
durch Hinweis auf moralisches Fehlverhalten des Kontrahenten bzw. der Kontra-
hentin eine typisches Lügensignal.
1.4. Zu den Aussagen der Privatkläger ist vorab Folgendes festzuhalten:
1.4.1. In krassem Gegensatz zu den Aussagen des Beschuldigten enthalten jene
des Privatklägers C._ zahlreiche eindrückliche Realitätskennzeichen, d.h. er
schilderte verschiedene Dinge so, wie es nur von jemanden zu erwarten ist, der
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dies tatsächlich in der erzählten Art und Weise erlebt hatte. Die Aussagen von
C._ sind detailreich und enthalten auch viele Schilderungen von der damali-
gen emotionalen Situation, wie zum Beispiel (Urk. HD 4/1 S. 1): „Die Tür war ver-
schlossen und der Schlüssel steckte. Ich weiss, dass ich zweimal gedreht habe“, oder
(Urk. HD 4/1 S. 1): „Es brannte im Korridor Licht“. Ein solches Detail schildert nur
jemand, der aufwacht und vom Bett in Richtung des gehörten Lärms schaut. Sehr
lebensnah erläuterte C._ auch, wie er der Privatklägerin D._ zur Flucht
verhelfen wollte, diese aber seine Gesten nicht verstanden habe (Urk. HD 4/1 S. 2
und 4 f.). Auch die Einvernahme von C._ als Zeuge vor dem Staatsanwalt
enthält wiederum Realitätskennzeichen und vor allem keine Widersprüche zur
früheren Aussagen vor der Polizei (Urk. HD 4/4 S. 2): „Er war gross und hatte so ei-
ne Art Axt dabei“. Solche Darstellungen von visuellen Eindrücken sind glaubhaft,
denn sie sind Indiz für tatsächlich Erlebtes. Die Aussagen des Privatklägers sind
somit insgesamt als glaubhaft einzustufen.
1.4.2. Auch die Aussagen der Privatklägerin sind glaubhaft und wirken erlebt.
Realitätsnah ist beispielsweise, dass die Privatklägerin D._ als Frau und
wohl aus gewissem Schamgefühl die Geschichte mit dem Penis etwas um-
schreibend schilderte (Urk. HD 4/2 S. 2): „Dann ging er wieder auf meinen Freund [C._] los. Und sprach auch die ganze Zeit mit ihm äusserst abartig und primitiv. Er
sagte immer wieder zu ihm, so, wer hat das grössere Teil“. Auch ihre Flucht, nur im
Pyjama und barfuss, erzählte die Privatklägerin D._ derart lebendig, wie es
nur von jemandem zu erwarten ist, der unter grosser Angst stand (Urk. HD 4/2 S.
2 f.): „Die Leute im Laden [wohin D._ flüchtete] dachten, ich spinne und schauten
mich nur doof an“. In ihrer Einvernahme als Zeugin wiederholte die Privatklägerin
D._ den Vorfall zudem im Einklang mit ihren früheren Aussagen. Dass die
Privatklägerin als Auskunftsperson vor Gericht einvernommen ihre Aussagen teil-
weise widerrief und sich an ihre früheren, den Beschuldigten belastenden Aussa-
gen nicht erinnern konnte (Urk. 98), kann der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen vor
der Polizei und Staatsanwaltschaft nichts anhaben: Bei unbefangener Lektüre der
Aussagen vor Vorinstanz (Urk. 98) ist es gerade zu augenfällig, dass sie aus
Angst vor Repressionen nicht frei aussagte. Dies stellte sie gleichentags (im An-
schluss an die Einvernahme des Privatklägers) auch richtig (Urk. 100 S. 3).
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1.5. Zum bestrittenen Sachverhalt:
1.5.1. Bezüglich der Verwendung des Beilhammers - was vom Beschuldigten
vehement bestritten wird - sind die Aussagen des Privatklägers konstant und
lebensnah: Eindrücklich ist die Passage, wonach der Beschuldigte ins Schlafzim-
mer gekommen und ihn (den Privatkläger C._) zusammen mit der Privatklä-
gerin D._ gesehen habe, worauf er nochmals retour gegangen und dann
wieder mit dem Beilhammer gekommen sei und zwischen sie in die Mitte des Bet-
tes geschlagen habe (Urk. HD 4/1 S. 3). Hätte der Geschädigte C._ den
Beilhammer bloss erfunden, hätte er einfach ausgesagt, der Beschuldigte sei mit
einem Beilhammer hineingestürmt. Das Behändigen einer Waffe macht demge-
genüber erst Sinn, nachdem der Beschuldigte den Nebenbuhler zusammen mit
seiner Freundin im Bett erblickte. Ein Lügner achtet nicht auf solche Details in
seinen Aussagen. Hinsichtlich der Waffe ist zu bemerken, dass C._ bereits in
seiner ersten Einvernahme unmittelbar nach dem Vorfall mehrfach aussagte, der
Beschuldige habe einen Beilhammer als Waffe gehabt (Urk. HD 4/1 S. 3). Die
Aussagen von C._ enthalten zudem keinerlei unrealistische Übertreibungen
oder unnötige Wertäusserungen gegenüber dem Beschuldigten. Weiter sagte
C._ aus (Urk. HD 4/1 S. 4): „das Beil hatte er so in der Hand, dass er mich hätte
schlagen können“. Genau solche Aussagen macht jemand, welcher den bedrohen-
den Anblick noch frisch im Gedächtnis hat. Gegen eine Absprache zwischen den
beiden Privatkläger sprechen zudem die zeitlichen Begebenheiten: So traf die
Privatklägerin nach ihrer Flucht als erste bei der Polizei ein und berichtete bereits
von einem ‚gelben Hammer oder Axt’ als Tatmittel (Urk. HD 1 S. 5 und 7). Der
Privatkläger wurde am Tatort an der ...-Strasse von der Polizei aufgegriffen. Die
beiden hätten sich somit in der Zeit zwischen der Flucht und dem Eintreffen der
Privatklägerin bei der Polizei gar nicht absprechen können. Selbst wenn sich eine
Gelegenheit dazu anerboten hätte, spricht es gegen jegliche Lebenserfahrung,
dass jemand, der einen anderen vorsätzlich und wahrheitswidrig der Verwendung
einer Waffe bezichtigt, diese Waffe nicht einmal bezeichnen kann. Viel eher wirkt
es lebensnah, dass die Privatklägerin nicht einmal weiss, was ein Beilhammer ist
(Urk. HD 4/2 S. 1): „Dann hatte er in der linken Hand eine Axt, also es war auf der einen
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Seite eine Axt und auf der anderen ein Hammer. Ich muss es ihnen zeichnen“. Nur je-
mand, der es tatsächlich so erlebt hat, schildert es so wie die Privatklägerin
D._ (Urk. HD 4/2 S. 6): „Mit der Axt hat er vor meinem Körper wild umhergefuch-
telt. (...). Er hatte so richtig den Hass im Gesicht". Mit der Verteidigung mutet es in der
Tat seltsam an, dass am Tatort kein Beilhammer gefunden werden konnte, die
Privatklägerin aber knapp acht Wochen nach dem Vorfall dem Staatsanwalt einen
solchen übergab (Urk. HD 4/3 S. 6, Urk. HD 14/2). So erscheint auch die Verwun-
derung des Privatklägers C._ darüber, dass die Privatklägerin die vermeintli-
che Tatwaffe erst dann einreichte, echt (Urk. HD 4/4 S. 4): „Ob es genau dieser Beilhammer war, kann ich nicht so genau sagen. Diese Geschichte finde ich aber ko-
misch, dass die Sache nicht da war und jetzt hat sie sie wieder.“ Die diesbezüglich
übereinstimmenden und glaubhaften Aussagen der Privatkläger lassen jedoch
keine Zweifel daran offen, dass der Beschuldigte einen Beilhammer als Tatwaffe
verwendete. Ob es sich dabei um den von der Privatklägerin eingereichten han-
delte, kann offen bleiben. Der Sachverhalt kann diesbezüglich als erstellt erachtet
werden.
Dass der Beschuldigte den Beilhammer gegenüber dem Privatkläger C._ so
wie in der Anklageschrift umschrieben einsetzte, kann aufgrund der übereinstim-
menden und glaubhaften Aussagen der Privatkläger ebenfalls als erstellt erachtet
werden (vgl. hierzu Urk. 118 S. 52 f. Ziff. 8.3.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Entgegen der
Verteidigung wurde zu keinem Zeitpunkt behauptet - und ist auch nicht Gegen-
stand des Anklagesachverhalts -, der Beschuldigte habe unzählige Male auf den
Privatkläger eingeschlagen (Urk. 141 S. 11). Letzterer führte aus, der Beschuldig-
te habe ‚lediglich’ zwei resp. drei bis vier Mal versucht, ihn mit dem Beilhammer
am Kopf zu treffen (Urk. HD 4/1 S. 5 sowie Urk. HD 4/4 S. 3; Urk. 99 S. 5; Urk.
100 S. 5). Dies fand sodann auch Eingang in die Anklage (’mehrfach’ Urk. 28 S.
3). Die Schilderungen C._s, wie er die Schläge mit dem Beilhammer habe
abwehren können, stimmen im Übrigen mit dem ärztlich festgestellten Verlet-
zungsbild überein (Urk. HD 9/1). Zwar wurde mit der Verteidigung kein vertiefter
medizinischer Bericht zu den Verletzungen eingeholt, doch kann auch mit an Si-
cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass sich der
Privatkläger die 2x2 cm grosse Schürfwunde am Rücken (Urk. HD 10/1; Urk. HD
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10/3) - wie von der Verteidigung geltend gemacht (Urk. 141 S. 11) - an einem der
stumpfen Fenstergriffe zufügte (Urk. HD 5 bspw. Bild 6). Dies hätte nach allge-
meiner Lebenserfahrung eine Prellung zur Folge gehabt, nicht jedoch eine sicht-
bare Verletzung der Haut. Auch diesbezüglich ist auf die zutreffenden vorinstanz-
lichen Ausführungen zu verweisen (Urk. 118 Ziff. 8.6. S. 61 f.; Art. 82 Abs. 4
StPO).
1.5.2. Auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung lässt der Beschuldigte
bezüglich der Drohung und der Freiheitsberaubung auf Freispruch plädieren
(Urk. 141 S. 12).
Diesbezüglich führte der Privatkläger C._ konstant aus, der Beschuldigte ha-
be ihm damit gedroht, seinen Penis abzuhacken (Urk. HD 4/1 S. 2; Urk. 4/4 S. 2
f.; Urk. 99 S. 8). So gab er zu Protokoll, der Beschuldigte habe ihn gefragt, ob er
einen grossen oder kleinen Schwanz habe (Urk. HD 4/1 S. 4): „Ich sagte ihm, ich
hätte einen kleinen, ich wollte ihn beruhigen“. Solche Aussagen stehen im Einklang
mit der damaligen Situation und ein Lügner erfindet in der Regel keine solchen
Details. Gleiches gilt, wenn C._ von einem Psychospiel auf dem Sofa spricht,
als der Beschuldigte ihn und D._ verhörmässig festgehalten, bedroht und
ausgefragt habe (Urk. HD 4/1 S. 6; Urk. HD 4/4 S. 3). Bemerkenswert ist schliess-
lich auch das Fazit des Privatklägers C._ am Ende seiner Befragung (Urk.
HD 4/1 S. 7): „Dieser Mensch gehört ins Irrenhaus, das nützt nichts, wenn man ihn ins
Gefängnis steckt. Der braucht psychiatrische Hilfe“. Auch solche Aussagen belegen
gemäss den Erkenntnissen der Aussagenanalyse die grosse Glaubhaftigkeit. Zum
Verhör auf dem Sofa sagte C._ weiter aus, die Fragen seien zwei Tage zu-
rück gegangen und die vom Beschuldigten gelieferten Informationen seien alle
richtig gewesen. Wiederum sehr lebensnah gab C._ dazu einerseits zu Pro-
tokoll (Urk. HD 4/4 S. 3): „Er sagte, wir müssten ihm Fragen beantworten sonst würde
er mir der Axt zuschlagen. Er sprach gebrochen Deutsch.“ Sodann (Urk. HD 4/4 S. 3):
„Es hatte den Eindruck für mich, als ob er mich schon seit einiger Zeit beschattet habe.“
Auch die Privatklägerin schildert die ihr gegenüber ausgesprochenen Drohungen
anlässlich der polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Einvernahme überein-
stimmend (Urk. HD 4/2 S. 2 Frage 3; Urk. HD 4/3 S. 5 f.).
- 16 -
1.6. Insgesamt weisen die Aussagen der Privatkläger C._ und D._
einen hohen Grad an Glaubhaftigkeit und Übereinstimmungen auf. Dass der Pri-
vatkläger C._ an der vorinstanzlichen Befragung zunächst von einem gelben
Messer sprach, vermag daran nichts zu ändern, denn er äusserte dabei gleichzei-
tig, dass er nicht mehr sicher sei, weil der Vorfall bereits lange zurückliege. Auf
Nachfrage hin bestätigte er dann, dass es ein Beilhammer, gelb oder grau, gewe-
sen sei (Urk. 99 S. 9). Bewertet man auf der anderen Seite die Aussagen des Be-
schuldigten, deren Glaubhaftigkeit sehr gering ist, besteht kein vernünftiger Zwei-
fel daran, dass die Darstellung in der Anklageschrift, welche auf den Aussagen
der Privatkläger C._ und D._ beruht, der Wahrheit entspricht.
2. Nebendossier 1: Vorfall vom 23. September 2009, Angriff zum Nachteil von B._
2.1. Die Vorinstanz hat vorab die Aussagen des Beschuldigten, von F._
und G._ (je separates Verfahren), des Privatklägers B._, sowie der
Zeugen H._ und I._ richtig zusammengefasst (Urk. 118 S. 12-22 Ziff. 2.
bis 6.). Hierauf kann in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen werden.
Bezüglich der vorinstanzlichen Ausführungen hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der
Beteiligten (Urk. 118 S. 24 f. Ziff. 8.) ist auf das vorstehend Festgehaltene zu ver-
weisen (Ziff. II. 1.2.). Weiter kann den Ausführungen der Vorinstanz zur Glaubhaf-
tigkeit der Aussagen der Beteiligten bzw. der Würdigung des Sachverhalts unein-
geschränkt zugestimmt werden (Urk. 118 S. 27-33 Ziff. 10.-12.; Art. 82 Abs. 4
StPO). Nachfolgendes ist lediglich ergänzender Natur.
2.2. Wie hinsichtlich Anklagesachverhalt C. (ND 2, falsche Anschuldigung) noch
zu zeigen sein wird, hat der Beschuldigte hinsichtlich der Teilnahme von E._
an der Auseinandersetzung bewusst die Unwahrheit ausgesagt (vgl. nachstehend
Ziff. II. 3.). Dies alleine ist bereits ein starkes Indiz dafür, dass auch der Grund der
Auseinandersetzung und deren Ablauf wahrheitswidrig von ihm geschildert wur-
den.
2.3. Die Vorinstanz ist bereits umfassend darauf eingegangen, dass zwischen
den Aussagen des Beschuldigten, F._ und G._ hinsichtlich der Anzahl
- 17 -
der Kontrahenten und wie diese dazugestossen sind, erhebliche Widersprüche
bestehen. Auf die zutreffenden Darlegungen kann verwiesen werden (Urk. 118 S.
27 f. Ziff. 10.1.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.4. Weiter bietet der Umstand zu Zweifeln Anlass, dass G._ im Gegen-
satz zu F._ und dem Beschuldigten nicht mitbekommen haben will, weshalb
der Streit entbrannt war. Dies obschon alle drei übereinstimmend angaben, sie
hätten zusammen am J._-Platz Bier getrunken (Urk. ND 1/10/1 S. 2; Urk. ND
1/11/1 S. 1; Urk. ND 1/11/4 S. 3) und G._ ausführte, er sei auf der einen Sei-
te des Beschuldigten und F._ auf dessen anderen Seite gesessen (Urk. ND
1/11/4 S. 4). Im Widerspruch dazu sagte G._ dann an anderer Stelle aus, der
Beschuldigte sei "angerannt" gekommen (Urk. ND 1/11/4 S. 3).
2.5. Auch zwischen den Aussagen von F._ und jenen des Beschuldigten
bestehen Ungereimtheiten. So gab der Beschuldigte an, 5 - 6 Personen seien ge-
kommen und hätten gefragt, weshalb sie während des ... Bier trinken würden
(Urk. ND 1/10/1 S. 2). Auf die Antwort von F._ hin hätten die Leute ihn be-
schimpft, und B._ habe ihm gleichzeitig einen Faustschlag verpasst (Urk. ND
1/10/1 S. 2). Zunächst sei mit den Fäusten gekämpft worden, dazwischen sei
B._ weggegangen und habe einen kleinen Gegenstand behändigt, eine
Hohlstange oder etwas Ähnliches. Damit habe er F._ auf die Hand geschla-
gen (Urk. ND 1/10/1 S. 3). In eklatantem Widerspruch dazu sagte F._ aus,
B._ habe ihn zunächst gefragt, warum er an ... Bier trinke (Urk. ND 1/11/2 S.
4). Darauf hin habe B._ den Park verlassen und habe 5 - 6 Personen geholt.
B._ sei mit einem Messer oder einem anderen scharfen Gegenstand auf ihn
zugekommen und habe ihm auf die Hand geschlagen, worauf es geblutet habe
(Urk. ND 1/11/2 S 4).
2.6. Die Würdigung der Vorinstanz zur vom Beschuldigten verwendeten Tatwaf-
fe überzeugt. Es ist nicht erklärbar, dass der Beschuldigte während der
Auseinandersetzung einen Gegenstand benützte, diesen aber nur derart vage
beschreiben konnte (Urk. ND 1/10/1 S. 3 f.). Auch sein diesbezügliches Aussage-
verhalten deutet stark auf eine Lüge hin: Als der Privatkläger B._ den Ge-
genstand in der Hand gehalten habe, sprach der Beschuldigte zunächst von ei-
- 18 -
nem kleinen Gegenstand, er könne nicht genau sagen, ob es eine Hohlstange
oder etwas gewesen sei (Urk. ND 1/10/1 S. 3). Er, der Beschuldigte, habe diesen
Gegenstand dann aufgehoben und damit hin und her geschwungen, um sich zu
schützen. Später in seiner Einvernahme sagte der Beschuldigte dann, es sei wie
eine Stange gewesen. Das Material wisse er nicht. Ihm sei aber aufgefallen, dass
der Kopf des Gegenstands schwer gewesen sei. Der Gegenstand sei ca. 31 cm
lang und 4 cm breit gewesen (Urk. ND 1/10/1 S. 4). Aus nicht nachvollziehbaren
Gründen verneinte der Beschuldigte dann die Frage, ob er den Gegenstand
zeichnen könne; und auf die Frage, ob es ein Hammer gewesen sei, entgegnete
er (Urk. ND 1/10/1 S. 4): "Ich weiss es nicht". Anlässlich der Berufungsverhandlung
widersprach sich der Beschuldigte sodann, indem er ausführte, er habe so etwas
wie eine Stange gespürt, diese in die Hand genommen und sogleich wieder weg-
geworfen. Dann sei er weggerannt (Urk. 140 S. 11). Vom Hin- und Herschwingen
des Gegenstandes zur eigenen Abwehr, wie er es jeweils in den vorgängigen
Einvernahmen (Urk. ND1 10/1 S. 3 Frage 15; Urk. ND 1 10/2 S. 3) deponiert
hatte, war keine Rede mehr. Wiederum zeigt sich hier die Tendenz des Beschul-
digten, sein Verhalten zu bagatellisieren. Würde die Geschichte des Beschuldig-
ten über die Auseinandersetzung stimmen, würde er nicht zu solchen Ausflüchten
greifen. Auch seine nachgeschobene Erklärung, er sei eben stark betrunken
gewesen, ist unglaubhaft.
2.7. Widerlegt ist auch die Darstellung des Beschuldigten, wonach die Ausei-
nandersetzung im Park am J._-Platz stattgefunden habe, wo er mit Kollegen
Bier getrunken habe (Urk. ND 1/10/1 S. 2). Die Zeugen H._ und I._
schilderten glaubhaft und übereinstimmend, dass die Auseinandersetzung vor ih-
rem Haus stattgefunden habe und die Kontrahenten des Privatklägers B._
Richtung J._-Platz weggerannt seien (Urk. ND 1/12/6; Urk. ND 1/12/8). Leute
am J._-Platz hätten den Zeugen dann erzählt, dass die Flüchtenden einen
Beilhammer weggeworfen hätten, welchen die Zeugen dann behändigten und der
Polizei übergaben. Die beiden Zeugen sind glaubwürdig, haben sie doch keinerlei
ersichtliches Interesse, sich durch Falschaussagen selbst der Gefahr einer straf-
rechtlichen Verurteilung auszusetzen. Hätte die Auseinandersetzung am J._-
Platz stattgefunden und wäre der Beschuldigte mit seinen Kumpanen von dort
- 19 -
aus in die vom Privatkläger aus entgegengesetzte Richtung geflohen, hätten die
Zeugen die Auseinandersetzung nicht so mitbekommen, wie sie es schilderten.
Zudem wurde das Mobiltelefon des Privatklägers vor dessen Haus aufgefunden,
wo auch dessen Essen am Boden zerstreut lag (Urk. ND 1/13). Mit der Vorinstanz
lässt sich auch daraus schliessen, dass die Auseinandersetzung vor dem Haus
des Privatklägers stattfand (Urk. 118 S. 31 Ziff. 10.3.).
2.8. Im Übrigen kann auf die zutreffende Würdigung des Sachverhalts der Vo-
rinstanz verwiesen werden (Urk. 118 S. 24 - 33; Art. 82 Abs. 4 StPO). Der Sach-
verhalt des Angriffs gemäss Anklageschrift kann in dem von der Vorinstanz fest-
gestellten Umfang als erstellt erachtet werden (Urk. 118 S. 33 Ziff. 11); der
Freispruch bezüglich der versuchten schweren Körperverletzung ist bereits in
Rechtskraft erwachsen.
3. Nebendossier 2: Vorfall vom 23. September 2009, falsche Anschuldigung zum Nachteil von E._
3.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe gegenüber der Polizei
wahrheitswidrig und wider besseres Wissen angegeben, an der handgreiflichen
Auseinandersetzung am 18. September 2009 habe auf Seiten des Privatklägers
auch E._ teilgenommen.
3.2. Die Vorinstanz hat wiederum vorab die Aussagen des Beschuldigten, der
Zeugen und Auskunftspersonen richtig zusammengefasst, worauf zu verweisen
ist (Urk. 118 S. 35 f. Ziff. 2. und 3.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Weiter kann den Aus-
führungen der Vorinstanz zur Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beteiligten bzw.
der Würdigung des Sachverhalts uneingeschränkt zugestimmt werden (Urk. 118
S. 37 ff. 37-39 Ziff. 5. bis 6.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Nachfolgendes ist lediglich
ergänzender Natur.
3.3. E._ machte hierzu stets geltend, er habe an jenem Abend wie ge-
wohnt im Restaurant ... gearbeitet und sei nicht am Tatort gewesen
(Urk. ND 1/12/11 S. 4; Urk. ND 1/12/2 S. 3). Der Privatkläger B._ habe ihm
aber in der Nacht des Vorfalls telefoniert, weshalb er davon erfahren habe.
- 20 -
3.4. Sowohl der Arbeitgeber von E._, K._, als auch die Restaurantan-
gestellte L._ bestätigten als Zeugen sinngemäss, dass E._ an jenem
Tag gearbeitet habe (Urk. ND1 12/3; Urk. ND1 12/14). Allerdings ist aus ihren
Aussagen am 9. Dezember 2009 - über zwei Monate später - zu schliessen, dass
sie sich nicht konkret an die Anwesenheit von E._ erinnern konnten, mit an-
deren Worten nicht positiv seine Anwesenheit bestätigten. Vielmehr schlossen sie
sinngemäss aufgrund der Umstände aus, dass E._ an jenem Abend nicht ge-
fehlt habe. Beide verwiesen auf den damaligen personellen Engpass im Restau-
rant, weshalb E._ zu jener Zeit jeden Tag gearbeitet habe. Dass ihre Aussa-
gen somit eine gewisse Vermutung oder Interpretation enthalten, macht sie noch
nicht unzuverlässig. Sowohl K._ als auch L._ erklärten, dass personell
ansonsten nur zwei Herren am Grill und zwei in der Küche gearbeitet hätten
(Urk. ND 1/12/13 S. 3; Urk. ND 1/12/15 S. 3). Wenn nur eine Person im Service
tätig ist, fällt sofort auf, wenn diese Person unvermittelt fehlt. Es braucht wenig
Kenntnis im Gastgewerbe um zu wissen, dass solche Abwesenheiten sofort zu
massiven Problemen führen und häufig grosse Schelte auslösen. So hielt L._
denn auch Folgendes fest (Urk. ND 1/12/14 S. 3: „Was ich sagen kann ist, dass es
im Service unmöglich ist, aus dem Restaurant wegzugehen“. Es ist kaum vorstellbar,
dass sich K._ und L._ nicht an solche Friktionen aufgrund einer Abwe-
senheit von E._ erinnert hätten.
3.5. Der Privatkläger B._ hat in seiner ersten polizeilichen Aussage keine
andere Begleitperson erwähnt (Urk. ND 1/12/2). In seiner zweiten Einvernahme
gab er auf Frage hin an, er sei alleine gewesen (Urk. ND 1/12/4 S. 4). Die spätere
Frage, ob E._ dabei gewesen sei, verneinte er (Urk. ND 1/12/4 S. 5). Als
Zeuge wiederholte er wiederum, dass er alleine gewesen sei (Urk. ND 1/12/4 S. 4
f.).
3.6. Auch in diesem Zusammenhang kommt den Aussagen der beiden in
unmittelbarer Nähe des Tatorts wohnhaften Nachbarn I._ und H._ er-
hebliche Bedeutung zu. Diese sagten nämlich übereinstimmend aus, sie hätten
lautes Geschrei von draussen gehört und seien deshalb hinunter auf die Strasse
gegangen (Urk. ND 1/12/6 S. 3 und Urk. ND 1/12/). Sie erklärten, dass der Privat-
- 21 -
kläger B._ verletzt und allein gewesen sei (Urk. ND 1/12/6 S. 5 f. und
Urk. ND 1/12/7 S. 4; Urk. ND 1/12/8 S. 3 und Urk. ND 1/12/9 S. 3). Auch wenn es
sich um Nachbarn des Privatklägers B._ handelt, ist keinerlei vernünftiges
Motiv für eine Falschaussage ersichtlich. Hätte E._ auf Seiten des Privatklä-
gers am Streit teilgenommen, hätte er diesen nicht einfach verletzt alleine stehen
gelassen bzw. wäre er nicht einfach plötzlich spurlos verschwunden.
3.7. Würdigt man diese Aussagen insgesamt, kann kein Zweifel daran beste-
hen, dass E._ entgegen der Darstellung des Beschuldigten nicht am Tatort
anwesend war.
3.8. An dieser eindeutigen Beweislage ändert auch der Umstand nichts, dass
die beiden Begleiter des Beschuldigten, F._ und G._, übereinstimmend
angaben, dass nebst B._ auch E._ an der Schlägerei teilgenommen ha-
be (Urk. ND1/11/1 S. 2; Urk. ND1/11/4 S. 3). Deren Einvernahme fand fünf bzw.
fünfundzwanzig Tage nach dem Vorfall statt, weshalb sie und der Beschuldigte
genügend Zeit hatten, sich vorgängig abzusprechen. Schliesslich sind die drei
Kollegen (Urk. ND 1/11/4 S. 2; Urk. ND 1/11/1 S. 2; Urk. ND 1/10/1 S. 2). Bei
G._ ist auffällig, dass er zunächst schilderte, er habe auch von E._
Schläge erhalten, später dann aber erklärte, nach längerem Überlegen sei er zum
Schluss gekommen, dass er ein Durcheinander gemacht habe und von E._
nicht geschlagen worden sei (Urk. ND 1/11/4 S. 6 und Urk. ND 1/11/5 S. 1). Bei
seiner staatsanwaltlichen Einvernahme sagte G._ dann aus, er sei nicht si-
cher, ob es E._ gewesen sei oder nicht, der Mann habe jedenfalls ähnlich
ausgesehen (Urk. ND 1/11/6 S. 4). Solche Abschwächungen in Aussagen sind
klassische Lügensignale. Auch die nachgeschobenen Erklärung von G._, der
Übersetzer habe nicht richtig ... [Sprache] gekonnt, ist nicht zu hören (Urk. ND
1/11/6 S. 4). So wurde er anlässlich der polizeilichen Einvernahmen jeweils ge-
fragt, ob er den Dolmetscher verstehe, was er stets bejahte (Urk. ND 1/11/1 Frage
2 und 22; Urk. ND 1/11/2 Frage 2). Verräterisch wirkt auch die Antwort von
G._ auf die Frage, ob er nach dem Vorfall mit F._ darüber gesprochen
habe. Er antwortete: "nicht wirklich" und präzisierte auf Nachhaken, was diese
vage Aussage bedeute, mit "nein" (Urk. ND 1/11/6 S. 5).
- 22 -
3.9. Sowohl der Beschuldigte als auch F._ und G._ sprachen von
mehreren Beteiligten auf Seiten von B._ und E._: Nach Darstellung von
G._ waren es 4 - 5, nach Darstellung von F._ 6 oder 7 und der Beschul-
digte sprach von zunächst 5 - 6, wobei 2 - 3 geflüchtet seien und später 8 - 10
wieder gekommen seien (Urk. ND 1/11/4 S. 3; Urk. ND 1/11/1 S. 1 und Urk. ND
1/10/1 S. 3). Als er dann die Stimmen von 10 - 12 Personen gehört habe, sei er
geflüchtet. Es erstaunt etwas, dass sowohl G._ als auch F._ nichts von
neu hinzugekommenen 8 - 10 weiteren Personen erwähnten. Möglich, aber trotz-
dem merkwürdig ist zudem, dass alle drei nur B._ und E._ erkannt ha-
ben wollen. Trotzdem wollte F._ wissen, dass alle Kontrahenten aus
M._ [Staat] stammten (Urk. ND 1/11/1 S. 2).
3.10. Bemerkenswert sind auch die diesbezüglichen Aussagen des Beschuldig-
ten. Anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme, wer denn an der Schlägerei
beteiligt gewesen sei, führte er bestimmt aus (Urk. ND 1/10/1 S. 3 Frage 13):
„E._, den habe ich erkannt, ebenso erkannte ich B._“. Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung schwächte er diese Aussagen ab und führte aus, er wisse nicht
mehr was richtig und was falsch sei (Urk. 140 S. 10) und liess ausführen, dass bei
einer mitternächtlichen Schlägerei falsche Beobachtungen gemacht werden kön-
nen (Prot. II S. 9).
3.11. So wie der wahre Grund der Auseinandersetzung letztlich im Dunkeln
blieb, kann auch nur gemutmasst werden, weshalb E._ wahrheitswidrig als
Teilnehmer der tätlichen Auseinandersetzung bezeichnet wurde. Aus dem Um-
stand, dass sowohl der Beschuldigte als auch seine zwei Begleiter wahrheitswid-
rig aussagten, lässt sich jedoch nur der Schluss ziehen, dass sie sich vorgängig
abgesprochen haben. Dies schliesst wiederum ernsthafte Zweifel am Vorsatz,
E._ zu Unrecht falsch anzuschuldigen, aus. Der Sachverhalt gemäss Ankla-
geschrift ist diesbezüglich deshalb erwiesen, weshalb der vorinstanzliche Schuld-
spruch in der Sache zu bestätigen ist.
- 23 -
III. Rechtliche Würdigung
1. Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung des erwiesenen Sachverhalts als
versuchte schwere Körperverletzung, mehrfache Freiheitsberaubung sowie als
mehrfache, teilweise qualifizierte Drohung und versuchte falsche Anschuldigung
kann grundsätzlich auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 118 S. 63 - 70; Art. 82 Abs 4 StPO).
2.1. Bezüglich der Drohung ist ergänzend zu den theoretischen Ausführungen
im angefochtenen Entscheid (Urk. 118 S. 69 f. Ziff. 10.4.1) anzufügen, dass der
Täter die ausgesprochene Drohung nicht ernst zu meinen braucht. So kann bei-
spielsweise auch eine Scheindrohung ohne tatsächliche Gefahr für das Opfer
(z.B. Drohung mit ungeladener Waffe) die beabsichtigte Wirkung erzielen
(Donatsch in: Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, 18. Aufl., Zürich 2010, N2 zu
Art. 180). In Anbetracht der Tatsache, dass der Beschuldigte mit einem Beil-
hammer bewaffnet war und gegenüber beiden Privatklägern Gewalt anwandte, ist
es entgegen der Verteidigung (Urk. 141 S. 12) evident, dass eine solche Drohung
in eben dieser Situation sehr ernst genommen wird und mithin den Privatkläger in
Angst und Schrecken versetzte; dies unabhängig davon, ob der Beschuldigte das
Angedrohte auch tatsächlich ernst meinte oder eben nicht.
2.2. Hinsichtlich der Freiheitsberaubung lässt sich ergänzen, dass nach über-
wiegender Lehrmeinung auch dann von mehrfacher Tatbegehung auszugehen ist,
wenn mehrere Personen als Opfer betroffen sind. Es handelt sich um eine soge-
nannte gleichartige Idealkonkurrenz (BGE 124 IV 145 S. 147). Weiter ist festzu-
halten, dass die (mehrfache) Freiheitsberaubung vorliegend nicht als blosse
Nebenfolge des Schlagens zu betrachten ist. Die Privatkläger befanden sich
während ca. einer halben Stunde in der Gewalt des Beschuldigten und wurden
während dieser Zeit von diesem zur Rede gestellt, mehrmals geschlagen sowie
bedroht (vgl. hierzu Delon/Rüdy in: BSK Strafrecht II, 2. Aufl. Basel 2007, N55 zu
Art. 183 StGB). Zwischen den Körperverletzungsdelikten und der mehrfachen
Freiheitsberaubung ist somit entgegen den Ausführungen der Verteidigung
(Urk. 141 S. 12) von echter Konkurrenz auszugehen.
- 24 -
2.3. Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung des Anklagesachverhalts B. (ND 1)
macht die Verteidigung geltend, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass
der Privatkläger B._ mit der Schlägerei begonnen habe. Ein Angriff indes lä-
ge nur vor, wenn das Opfer passiv sei (Urk. 141 S. 2). Aufgrund des erwiesenen
Sachverhalts hat der Privatkläger B._ weder den Beschuldigten noch einen
seiner Mitstreiter tätlich angegangen. Auf die entsprechenden Beanstandungen
der Verteidigung ist deshalb nicht weiter einzugehen.
3. Dementsprechend ist der Beschuldigte zudem schuldig zu sprechen
- der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB
in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB [HD],
- der mehrfachen Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1
Abs. 1 und Abs. 3 StGB [HD],
- der mehrfachen, teilweise qualifizierten Drohung im Sinne von Art. 180
Abs. 1 teilweise in Verbindung mit Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB [HD],
- des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB [ND 1] sowie
- der versuchten falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB [ND 2].
IV. Strafzumessung
1. Strafrahmen
1.1. Zunächst ist der Rahmen festzulegen, innert welchem die Strafe festzu-
setzen ist. Sind mehrere Delikte zu beurteilen, ist nach Art. 49 Abs. 1 StGB eine
Gesamtstrafe zu bilden. Dabei ist vom Delikt auszugehen, für welches das Gesetz
die höchste Strafandrohung vorsieht. Dies ist vorliegend die falsche Anschuldi-
gung, welche mit Freiheits- oder Geldstrafe bedroht ist (Art. 303 Ziff. 1 StGB). Da
in Art. 303 StGB keine Höchstdauer der Freiheitsstrafe genannt wird, kommt Satz
3 von Art. 49 Abs. 1 StGB bzw. das gesetzliche Höchstmass für Freiheitsstrafe
von 20 Jahren gemäss Art. 40 StGB zur Anwendung.
1.2. Die Vorinstanz hat richtig festgehalten, dass der Strafrahmen somit von
einem Tagessatz Geldstrafe bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe reicht (Art. 40 StGB,
- 25 -
Art. 82 Abs. 4 StPO, Urk. 118 S. 71 - 73). Strafschärfungs- und Strafmilderungs-
gründe sind folglich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens zu berücksichtigen,
welcher vorliegend gegen oben ohnehin der gesetzlichen Höchstdauer entspricht.
Vorliegend besteht auch kein Anlass den Strafrahmen gegen unten zu verlassen,
insbesondere wird dem Beschuldigten volle Schuldfähigkeit attestiert (Urk.
HD 11/2 S. 56).
2. Methode zur Bildung der Gesamtstrafe bei mehreren Delikten
2.1. Bei der Festlegung der Strafe innerhalb des besagten Strafrahmens bzw.
für die Bildung der Einsatzstrafe stellt sich dogmatisch die Frage, ob mit dem
Begriff "schwerste Straftat" das Delikt mit der höchsten maximalen gesetzlichen
Strafandrohung gemeint ist oder jenes Delikt, welches einzeln betrachtet im
konkreten Fall zur höchsten auszufällenden Strafe führt, mit anderen Worten das
Schwergewicht der Strafzumessung bildet.
2.2. Die Vorinstanz ist im Einklang mit der verbreiteten Lehrmeinung so vorge-
gangen, dass sie wiederum vom Delikt ausgegangen ist, für welches das Gesetz
die höchste Strafandrohung vorsieht, obschon - wie die Vorinstanz richtig festhielt
- vorliegend die versuchte schwere Körperverletzung weitaus schwerer wiegt.
Diese Methode ergibt sich vor allem aus der Interpretation, wonach sich der
Begriff "Höchstmass der angedrohten Strafe" in Satz 2 von Art. 49 Abs. 1 StGB
auf den Ausdruck "schwerste Straftat" in Satz 1 von Art. 49 Abs. 1 StGB beziehe.
In der Literatur wird dieses Vorgehen häufig mit Verweis auf zahlreiche Bundes-
gerichtsentscheide untermauert, in welchen das Bundesgericht jedoch gar nicht
ausdrücklich festgehalten hat, dass es mit "schwerste Straftat" jenes Delikt mit der
höchsten gesetzlichen Strafandrohung gemeint habe (BGE 116 IV 304; Urteil vom
27. Dezember 2008, 6B_579/2008, Erw. 4.2.2.). Immerhin hat sich das Bundes-
gericht aber beispielsweise im Urteil vom 23. Juni 2010 ausdrücklich in diesem
Sinne geäussert: "Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Vo-
raussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht
zu der Strafe der schwersten Straftat, d.h. derjenigen Tat, die mit der schwersten
Strafe bedroht ist, und erhöht sie angemessen (Asperationsprinzip)"
(6B_323/2010, Erw. 2.2.).
- 26 -
2.3. Das Abstellen auf das Delikt mit der abstrakt höchsten gesetzlichen Straf-
androhung entspricht wohl am ehesten dem Wortlaut von Art. 49 Abs. 1 StGB.
Allerdings befriedigt diese Methode dann nicht, wenn wie vorliegend, das Delikt
mit der höchsten gesetzlichen Strafandrohung aufgrund individueller Strafzumes-
sungsgründe im Endeffekt als völlig untergeordnet da steht, währenddem ein
Delikt mit einer tieferen maximalen Strafandrohung letztlich ausschlaggebend für
die Gesamtstrafenhöhe ist. Zum einen erscheint es zwar nicht ausgeschlossen,
so aber zumindest etwas merkwürdig von Asperation, d.h. von Strafschärfung zu
sprechen, wenn die zu schärfende Strafe faktisch vervielfacht wird. Zum anderen
ist es wenig sachgerecht bei der Strafzumessung von einem Delikt auszugehen,
welches letztlich nur geringe oder sogar geringsten Einfluss auf die Strafhöhe der
gesamten Strafe hat. In solchen Fällen kann die Methode zur inhaltslosen Etikette
werden, die nicht der faktischen Entscheidfindung entspricht (vgl. dazu auch
Ackermann in: BSK Strafrecht-I, 2. Aufl. Basel 2007, N 47 zu Art. 49 mit Verweis
auf die gegenteilige frühere Bundesgerichtspraxis und die deutsche Praxis). Das
Bundesgericht verlangt im Rahmen der Begründungspflicht von Art. 50 StGB zu
Recht die Festlegung einer Einsatzstrafe. Dies mit der Begründung, ohne Fest-
legung der Einsatzstrafe sei nicht nachvollziehbar, ob und um wie viel diese
Strafe auf Grund der anderen Straftaten erhöht worden sei und ob die Vorinstanz
das Asperationsprinzip korrekt angewendet habe (Urteil vom 25. März 2010,
6B_865_2009), Erw. 1.3.). Bei quantitativ unerheblicher Einsatzstrafenhöhe greift
diese Argumentation allerdings zu kurz. Abgesehen davon entspricht es denn
auch bei Konkurrenz von Delikten mit derselben maximalen gesetzlichen Strafan-
drohung der verbreiteten und überzeugenden Methode, jeweils vom faktisch
schwersten Delikt auszugehen.
2.4. Die Vorinstanz hat diese Problematik zu Recht erkannt, ist aber Lehre und
bundesgerichtlicher Rechtsprechung folgend nicht vom konkret schwersten Delikt
ausgegangen, sondern von der falschen Anschuldigung mit der höchsten ab-
strakten, d.h. gesetzlichen Strafandrohung (Urk. 118 S. 73 und S 76 - 78). Trotz
der erwähnten Bedenken wird auch nachfolgend dieses Vorgehen gewählt.
- 27 -
3. Strafzumessung im konkreten Fall
3.1. Allgemeine Grundlagen der Verschuldensbemessung
Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundlagen zur Verschuldensbemessung sehr
eingehend und zutreffend dargelegt. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden,
wird darauf verwiesen (Urk. 118 S. 74 ff. Ziff. 1.).
Ergänzend ist festzuhalten, dass es im Ermessen des Sachrichters liegt, in
welchem Umfang er die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt.
Das Gericht ist nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die
einzelnen Strafzumessungskriterien bewertet (Urteil des Bundesgerichtes
6B_524/2010&6B_626/2011 vom 8. Dezember 2011 E. 4.4.). Das Verschulden ist
zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im Urteil ausdrücklich zu benennen,
wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist.
Das Bundesgericht drängt in seiner aktuellen Praxis vermehrt darauf, dass
Formulierung des Verschuldens und Festsetzung des Strafmasses auch begriff-
lich im Einklang stehen (Urteile des Bundesgerichtes 6B_524/2010&6B_626/2011
vom 8. Dezember 2011 E. 4.4., 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.2.,
6B_1048/2010 vom 6. Juni 2011 E. 3.2. und 6B_763/2010 vom 26. April 2011 E.
4.1.).
3.2. Einsatzstrafe - falsche Anschuldigung (ND 2)
3.2.1. Vorerst ist mithin die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die
Verschuldensbewertung festzulegen und zu bemessen. Die Bewertung der objek-
tiven Tatschwere hat in Relation zum geschützten Rechtsgut zu erfolgen. Vor-
liegend richtete sich die Tathandlung des Beschuldigten einerseits gegen den
ungehinderten Gang der Rechtspflege und andererseits gegen das Persönlich-
keitsrecht des zu Unrecht angeschuldigten E._ (vgl. dazu Donatsch/
Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., N3 f. zu Art. 303). Die Tatschwere ist aber inner-
halb der denkbaren Tathandlungen dieser Deliktskategorie zu gewichten.
Die Vorinstanz unterliess es, eine Einsatzstrafe nach Beurteilung des Tatver-
schuldens festzusetzen. Dies ist nachzuholen.
- 28 -
Im weiten Strafrahmen der falschen Anschuldigung gemäss Art. 303 StGB, Frei-
heitsstrafe bis zu 20 Jahren, ist das Tatverschulden des Beschuldigten im unteren
Bereich anzusiedeln. Zwar ist die Beteiligung an einem Angriff gemäss Art. 134
StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bedroht. Mangels erheblicher Verlet-
zungen des Beschuldigten und seiner Begleiter und der vagen Umschreibung des
Tatbeitrags des fälschlich Angeschuldigten E._ war von vornherein abzuse-
hen, dass für E._ höchstens eine geringe Strafe resultiert hätte. Mangels
substantiierter Angaben zum Tatbeitrag von E._ oder irgendwelcher weiterer
Vorkehrungen und Lügengebäuden war die kriminelle Energie hinter diesem Vor-
haben eher gering. Immerhin handelte es sich aber um eine konzertierte Aktion
des Beschuldigten und seiner Begleiter und Mittäter, was nicht unerheblich zu
seinen Lasten zu bewerten ist. Aus diesem Grund kann auch keine
Strafminderung wegen blossen Versuchs angenommen werden. Der eine Mittäter
steht verschuldensmässig nicht besser da, bloss weil die Anschuldigung bereits
vom einem anderen Mittäter bei der Polizei deponiert worden ist.
Aufgrund der objektiven Umstände ist die Einsatzstrafe auf drei Monate festzu-
setzen.
3.2.2. In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des (subjektiven) Verschul-
dens vorzunehmen. Es stellt sich somit die Frage, wie dem Täter die objektive
Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Dazu gehören etwa die Frage der
Zurechnungs- beziehungsweise Schuldfähigkeit sowie das Motiv. Ferner sind die
weiteren subjektiven Verschuldenskomponenten (zum Beispiel einige der in
Art. 48 StGB aufgeführten Gründe) zu berücksichtigen.
Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz (Urk. 118 S. 39 f., sowie vor-
stehend Ziff. II. 3.11.). Er ist hinsichtlich der falschen Anschuldigung nicht
geständig, weshalb sein Motiv im Dunkeln bleibt. Weitere subjektive Verschul-
denselemente sind nicht ersichtlich. Die objektive Tatschwere wird somit aufgrund
der subjektiven nicht relativiert.
3.3. Straferhöhung aufgrund der Deliktsmehrheit
Die Einsatzstrafe ist folglich unter Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung
des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen.
- 29 -
3.3.1. Angriff (ND 1)
Verschuldensmässig gravierender als die falsche Anschuldigung ist demgegen-
über der Angriff, d.h. die Beteiligung an der tätlichen Einwirkung auf B._ zu
bewerten. In der Nacht in Überzahl und mit einem Beilhammer bewaffnet ein
wehrloses Opfer anzugreifen, ist dreist und zeugt von nicht unerheblicher krimi-
neller Energie. Dabei ist für die Strafzumessung aber in Erinnerung zu rufen, dass
der Beschuldigte von der Vorinstanz rechtskräftig vom Vorwurf der Körperverlet-
zung freigesprochen wurde. Daran kann im Berufungsverfahren nichts geändert
werden. Aufgrund des Angriffs erlitt der Privatkläger multiple Kontusionen sowie
mehrere Schnittwunden (vgl. Urk. ND 1/14/3). Der Beschuldigte verwendete einen
Beilhammer, was potentiell eine sehr gefährliche Waffe ist. Eine Kausalität zu den
Verletzungen darf allerdings wegen des erwähnten Freispruchs von der Körper-
verletzung nicht angenommen werden, da zwischen diesen Delikten Idealkonkur-
renz besteht (BGE 118 IV 229, 135 IV 152). Insgesamt ist das objektive Tatver-
schulden als keineswegs mehr leicht zu bezeichnen.
Zum subjektiven Verschulden ist anzufügen, dass von einer leichten Strafminde-
rung wegen vorgängigem Alkoholkonsums auszugehen ist, auch wenn dies
zweifelhaft ist. Ausgehend von der bewiesenen Version des Privatklägers,
wonach dieser unvermittelt überfallen worden ist, läge die Annahme einer vor
dem Alkoholkonsum geplanten Aktion jedenfalls nahe. Da die Hintergründe der
Auseinandersetzung aber letztlich im Dunkeln blieben, kann ein blosses Mutan-
trinken des Beschuldigten jedoch nicht nachgewiesen werden. Wiederum im
Dunkeln bleibt das Motiv des Beschuldigten, da er nicht geständig ist. Weiter
handelte er auch hier mit direktem Vorsatz.
Von einer Verminderung der Schuldfähigkeit ist nicht auszugehen; das Gutachten
verneint das Vorliegen einer Beeinträchtigung des Bewusstseins oder der
kognitiven Fähigkeiten zum Tatzeitpunkt. Der Beschuldigte habe das Delikt bei
erhaltener Schuldfähigkeit begangen (Urk. HD 11/2 S. 50 f.).
Die objektive Tatschwere wird durch das subjektive Verschulden folglich nur
minim relativiert. Zu Recht hat die Vorinstanz den Angriff als stark straferhöhend
gewertet (Urk. 118 S. 77): Nur schon alleine betrachtet, wäre für den Angriff (der
- 30 -
Strafrahmen reicht bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe, Art. 134 StGB) eine Strafe
im Bereich von einem Jahr angemessen.
3.3.2. Versuchte schwere Körperverletzung, mehrfache einfache Körperverlet-
zung, mehrfache Drohung, mehrfache Freiheitsberaubung (HD)
3.3.2.1. Objektives Tatverschulden
Bei diesem Tatkomplex fällt in objektiver Hinsicht auf, dass der Beschuldigte - wie
dies die Vorinstanz korrekt ausführte (Urk. 118 S. 77) - brutal und gewalttätig vor-
ging. Vorliegend richtete sich die Tathandlung des Beschuldigten gegen die
höchsten Rechtsgüter, nämlich Gesundheit und Leben beider Opfer. (Versuchte)
schwere Körperverletzungen gehören neben den Tötungsdelikten zu den
schwersten Delikten überhaupt. Die Tatschwere ist aber innerhalb der denkbaren
Tathandlungen dieser Deliktskategorie zu gewichten. Bei Würdigung der objekti-
ven Tatschwere hinsichtlich der Körperverletzungsdelikte ist das Doppelverwer-
tungsverbot zu beachten. Das Verhalten des Beschuldigten ist innerhalb des Tat-
bestandes der schweren resp. einfachen Körperverletzung zu würdigen. Umstän-
de, die schon Merkmale des gesetzlichen Tatbestandes sind, dürfen nicht für die
konkrete Strafzumessungsentscheidung innerhalb des anzuwendenden gesetzli-
chen Strafrahmens berücksichtigt werden - weder zu Lasten noch zu Gunsten des
Täters. Der Richter ist aber nicht gehindert zu berücksichtigen, in welchem Aus-
mass ein qualifizierender oder privilegierender Tatumstand gegeben ist (vgl. dazu
Urteil des Bundesgerichtes 6B_294/2010 vom 15. Juli 2010 E. E. 3.3.2. und Hans
Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 77 zu Art. 47 StGB samt Ver-
weisen; Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar,
Zürich/St. Gallen, 2008, N 27 zu Art. 47 StGB).
Führt man sich vor Augen, dass der Beschuldigte mit einem 30 cm langen Beil-
hammer versuchte, auf den Kopf des Privatklägers zu schlagen, muss die Vorge-
hensweise des Beschuldigten als sehr brutal bezeichnet werden. Er liess es auch
nicht bei einem Schlag bewenden, sondern versuchte es zumindest ein zweites
Mal. Sein Verhalten war somit darauf gerichtet, dem Privatkläger erhebliche Ver-
letzungen im sensiblen Bereich des Kopfes zuzufügen. Welche Verletzungen dar-
- 31 -
aus resultierten, kann den ärztlichen Befunden entnommen werden (Urk. HD 10/1
und Urk. HD 10/7). Der Privatkläger war während drei Tagen nicht arbeitsfähig
(Urk. HD 10/4). Er ist verhältnismässig glimpflich davon gekommen, doch sowohl
das Tatmittel sowie die Art und Weise wie der Beschuldigte dieses verwendete,
war ohne Weiteres geeignet, schwerste Verletzungen herbeizuführen. Hätte der
Privatkläger C._ die Schläge nicht erfolgreich mit Händen und Armen abweh-
ren können, wohlverstanden unter Inkaufnahme schmerzhafter Verletzungen an
diesen Extremitäten, hätte es auch zu lebensgefährlichen oder sogar tödlichen
Verletzungen kommen können. Es ist gerichtsnotorisch, dass aus Schlägen mit
einem spitzen oder stumpfen Gegenstand gegen den Kopf Frakturen resultieren
können und folglich schwerste Verletzungen, die allenfalls bleibende gesundheitli-
che Beeinträchtigung zur Folge haben können.
Dass es letztlich nur bei einem Versuch zu einer schweren Körperverletzung
blieb, ist den Abwehrhandlungen des Privatklägers zuzuschreiben; dies kann dem
Beschuldigten nicht positiv veranschlagt werden. Dieser Umstand muss jedoch
von Gesetzes wegen zu einer – wenn auch nur minimen – Minderung der Strafe
führen (Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 48a StGB).
Mit der Vorinstanz ist auch sein Vorgehen gegenüber der Privatklägerin als
skrupellos zu bezeichnen. Es zeugt von erheblichen Niederträchtigkeit, einem am
Boden liegenden Opfer einen Fusstritt in die Nase zu versetzen, insbesondere der
Beschuldigte dieses vorgängig mehrfach mit Händen und Fäusten schlug und
welches aufgrund seines Faustschlags zu Boden ging. Die Verletzungen der
Privatklägerin sind den ärztlichen Berichten zu entnehmen und als nicht unerheb-
lich einzustufen (Urk. HD 9/1; Urk. HD 9/7). Dies gilt vor allem für den Nasenbein-
bruch, den ihr der Beschuldigte durch einen Faustschlag und/oder Fusstritt ins
Gesicht zufügte. Eine bleibende Deformierung der Nase kann nicht ausgeschlos-
sen werden (Urk. HD 9/7S. 1). Auch die Privatklägerin war während drei Tagen
nicht arbeitsfähig (Urk. HD 10/4).
Das vollständige Ausrasten des Beschuldigten musste den Privatklägern auf der
obersten Stufe der Konflikteskalationsleiter erschienen sein: Gemeinsam in den
Abgrund. Die Privatkläger hatten praktisch eine halbe Stunde lang den Tod vor
- 32 -
ihren Augen. Dementsprechend traumatisch können solche Erlebnisse tiefe
Spuren und lebensprägende negative Auswirkungen auf Opfer haben. Der massi-
ve Einsatz des Beilhammers muss als potentiell sehr gefährlich bezeichnet wer-
den. Es hätte - wie erwähnt - auch zu lebensgefährlichen oder sogar tödlichen
Verletzungen kommen können. Dabei ist zu berücksichtigen, dass solche Folgen
unabhängig von einem Vorsatz resultieren können, allein durch die emotional
aufgewühlte, hektische und unkontrollierte Situation im Rahmen einer heftigen
tätlichen Auseinandersetzung. Die schweren Drohungen waren vor diesem
Hintergrund sehr ernst zu nehmen. Selbst ein unerschrockenes und mutiges
Opfer hätte unter diesen Umständen objektiv zu Recht ernsthaft um sein Leben
fürchten müssen.
Eher untergeordnet erscheint die Freiheitsberaubung gegenüber den beiden
Privatklägern, wobei das objektive Tatverschulden wegen dem Mittel der Gewalt
aber auch hier nicht mehr leicht ist. Der Beschuldigte erfüllte durch sein Handeln
diverse Straftatbestimmungen gleich mehrfach (vgl. vorstehend Ziff. III), was,
ebenso wie der Umstand, dass zwei Opfer resp. Privatkläger involviert waren, bei
der Beurteilung der Tatschwere erschwerend ins Gewicht fällt.
Bezüglich dieses Tatkomplexes ist festzuhalten, dass das sehr gefährliche,
unkontrollierte Vorgehen des Beschuldigten von erheblicher krimineller Energie
zeugt. Insgesamt wiegt die Tat des Beschuldigten in objektiver Hinsicht mit der
Vorinstanz als mittelschwer (Urk. 118 S. 78).
3.3.2.2. Subjektives Tatverschulden
In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass das Verschulden eines Täters, der
eine Tat vorsätzlich begeht, wesentlich schwerer zu werten ist, als das Verschul-
den eines Täters, der "bloss" fahrlässig oder mit Eventualvorsatz handelt. Dies ist
beim Verschulden zu berücksichtigen, wiegt dieses doch dann geringer (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 6P.119/2003/6S.333/2003 vom 20. Januar 2004, Erw. II. 7.5.;
Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II, 2.A., Bern 2006, S. 185 f. N 25 ff.
- 33 -
und Hans Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 89 zu Art. 47 StGB).
Wer mit einem Beilhammer mehrmals versucht, den Kopf eines Menschen zu
treffen, der nimmt wohl eine schwere Körperverletzung nicht bloss in Kauf,
sondern will diesen Erfolg. Nachdem die Anklagebehörde aber auch die Möglich-
keit eines Eventualvorsatzes offen liess und die Vorinstanz davon ausging
(Urk. 118 S. 65-75 Ziff. 10.1..3.), hat es damit sein Bewenden. Die weiteren
Delikte dieses Tatkomplexes beging der Beschuldigte direktvorsätzlich.
Der Strafmilderungsgrund der entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung oder
der grossen seelischen Belastung, liegt beispielsweise vor, wenn eine ungerechte
Reizung oder ungerechte Kränkung den Täter zutiefst aufgewühlt oder zu einer
spontanen Reaktion getrieben hat. Bei der Prüfung der Frage, ob ein Gemütszu-
stand entschuldbar sei, spielen kulturelle oder individuelle Besonderheiten keine
Rolle. Der Strafmilderungsgrund der Provokation findet jedoch nur Anwendung,
wenn die Verhältnismässigkeit zwischen dem Provozierenden Anlass und der
Reaktion des Täters gewahrt wird (Stefan Trechsel, Schweizerisches Straf-
gesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen, 2008, N 11 zu Art. 113 StGB
sowie Wiprächtiger in: BSK StGB-I, a.a.O. N23 ff. zu Art. 48).
Der Beschuldigte ertappte - wohlverstanden aus seiner Sicht - seine Freundin in
flagranti beim Fremdgehen. Dass er beim Anblick eines Nebenbuhlers in seinem
Bett erzürnt und verletzt war, ist nachvollziehbar. Zu seinen Gunsten ist davon
auszugehen, dass für den Beschuldigten nicht klar war, dass die Beziehung zu
Ende war. So interpretierte es auch die Privatklägerin (Urk. HD 4/3 S. 3). Immer-
hin fand der letzte intime Kontakt nur rund zwei Wochen vor dem Vorfall statt und
der Beschuldigte hatte auch noch einen Schlüssel zur Wohnung und persönliche
Gegenstände dort gelagert (Urk. HD 4/3 S. 6). Dies versteht sich selbstverständ-
lich nicht als Schuldzuweisung, sondern als Beurteilung des subjektiven Tat-
bestands. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang allerdings auch, dass der
Beschuldigte die sexuelle Beziehung mit der Geschädigten ebenfalls "hinter dem
Rücken" ihres damaligen Noch-Ehemannes begonnen hatte, so ist es jedenfalls
dem psychiatrischen Gutachten zu entnehmen (Urk. HD 11/2 S. 33). Insofern
erscheint seine moralische Verurteilung der Geschädigten sehr egoistisch. Im-
merhin zeigt das ambivalente Verhalten des Beschuldigten im Laufe der Tat - er
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küsste die Privatklägerin D._ zum Teil zwischen den Schlägen und beteuerte
ihr seine Liebe (Urk. HD 3/1 S. 5, Urk. HD 4/1 S. 2 und Urk. HD 4/2 S. 2) - wie
sehr er in einem emotionalen Chaos steckte. Nach eigenen Worten sei er total
verzweifelt gewesen (Urk. HD 3/1 S. 1). Andererseits offenbart sich dadurch na-
türlich auch eine gewisse potentielle Gefährlichkeit des Beschuldigten, was aller-
dings weniger für die Strafzumessung als mehr für die Massnahmebedürftigkeit
eine Rolle spielt. Massgebend für die Strafzumessung ist vor allem, dass die Re-
aktion des Beschuldigten auf die Fremdbeziehung der Geschädigten völlig unver-
hältnismässig war.
Das Gutachten spricht von teilweise abnormen Verhalten, von erhöhter Impulsivi-
tät, niederer Hemmschwelle zu Aggression und Gewalt, eingeschränkter Frustra-
tionstoleranz, gering ausgeprägter Introspektionsfähigkeit und erhöhter Kränkbar-
keit (Urk. HD 11/2 S. 47 und 58). Der Umstand, dass einige dieser Schwächen
beim Beschuldigten unter Alkoholgenuss offenbar verstärkt werden, erweckt er-
hebliche Bedenken. Der Gutachter attestierte jedoch eine volle Einsichts- und
Handlungsfähigkeit im Zeitpunkt der Taten; es lasse sich keine Verminderung der
Steuerungsfähigkeit feststellen (Urk. HD 11/2 S. 50 und S. 56).
Aufgrund des vorgängigen Alkoholkonsums ist jedoch zugunsten des Beschuldig-
ten von einer leicht verminderten Schuldfähigkeit im Zeitpunkt der Tat auszuge-
hen.
3.3.2.3. Aufgrund des minim strafmindernd zu berücksichtigenden Versuchs
(was lediglich einen Teil des Tatkomplexes betrifft), der sehr leicht verminderten
Schuldfähigkeit aufgrund des Alkoholkonsums und der eventualvorsätzlichen
Begehung (wiederum lediglich einen Teils des Tatkomplexes) wird das objektive
Tatverschulden nur leicht relativiert. Insgesamt ist das Verschulden des Beschul-
digten bezüglich dieses Tatkomplexes nun mit der Anklagebehörde (Prot. II S. 6)
als erheblich (nicht mehr als mittelschwer) einzustufen.
In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die schweizerische Praxis bei
nicht besonders schweren Verschulden in aller Regel die Strafen im unteren bis
mittleren Teil des vorgegebenen Strafrahmens ansiedelt. Strafen im oberen
Bereich, insbesondere Höchststrafen, sind bloss ausnahmsweise und bei sehr
- 35 -
schwerem Verschulden des Täters auszusprechen (Wiprächtiger in BSK StGB I,
2.A., Basel 2007, N 15 zu Art. 47 StGB). Wäre vorliegend somit nur die Tat vom
5. März 2012 zu beurteilen, wäre die Einsatzstrafe ausgehend vom Strafrahmen
des schweren Körperverletzung (gemäss Art. 122 Abs. 4 StGB Freiheitsstrafe bis
zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagen) aufgrund des Tatver-
schuldens auf 3 1⁄2 Jahre Freiheitsstrafe festzusetzen.
3.4. Täterkomponenten
3.4.1. Zum Vorleben kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden. Richtig wurde festgehalten, dass sich darin keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren erblicken lassen (Urk. 118 S. 79 f. Ziff. 3;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde ergänzend
ausgeführt, dass er nunmehr im Gleisbau tätig ist und bald Vater werde. Seit dem
10. September 2011 ist er verheiratet. Seine Frau lebt in M._ bei seinen
Verwandten (Urk. 140 S. 1 ff.).
3.4.2. Bei der Strafzumessung ist auch das Nachtatverhalten eines Täters mit zu
berücksichtigen. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren
(vgl dazu: Wiprächtiger in: BSK Strafrecht-I, a.a.O., N 109 Absatz 2 zu Art. 47
StGB). Ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters bei der Auf-
klärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wirken strafmindernd
(Wiprächtiger in: BSK Strafrecht-I, a.a.O., N 130 f. zu Art. 47 StGB). Der Beschul-
digte ist mit Ausnahme der mehrfachen einfachen Körperverletzung nicht
geständig, weshalb dies lediglich gering strafmindernd zu berücksichtigen ist. Bei
der Täterkomponenten fällt weiter leicht strafmindernd ins Gewicht, dass von
einer gewissen Einsicht oder Reue ausgegangen werden kann. Immerhin hat der
Beschuldigte sein Alkoholproblem angegangen und bekundete mehrfach, dass er
sich für seine Taten schäme und es ihm leid tue (Urk. 140 S. 4; Prot. II S. 10). Seit
seiner Haftentlassung hat er regelmässig die Gruppenabende und Therapie-
sitzungen der Fachstelle ..., die Therapiesitzungen bei der Fachstelle ... und die
Einzelsitzungen der Abteilung Lernprogramme des Justizvollzugs besucht (Urk.
139/2-4).
- 36 -
3.4.3. Entgegen der Vorinstanz nicht nur leicht straferhöhend zu bewerten ist die
Tatsache, dass der Beschuldigte während laufendem Strafverfahren, mithin
knapp vier Monate nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft (ND 1;
Urk. ND 1/23/12) wiederum einschlägig delinquierte, was von grosser Gleich-
gültigkeit zeugt. Dass der Beschuldigte nicht vorbestraft ist, kann ihm in Korrektur
zum vorinstanzlichen Entscheid (Urk. 118 S. 80) nicht zugute gehalten werden;
dies wirkt sich auf die Strafzumessung neutral aus (Urteil des Bundesgerichts
6B_390/2009 vom 14.1.2010, Erw. 2.6.).
3.4.4. Insgesamt ist festzuhalten, dass die strafmindernden Faktoren der Täter-
komponente die straferhöhenden leicht überwiegen.
3.5. Zusammenfassung
Die vorinstanzliche Strafe erscheint als zu milde und nicht falladäquat. Zwar
wurde das Verschulden jeweils grundsätzlich korrekt formuliert, steht indes mit
der Festsetzung des Strafmasses begrifflich nicht im Einklang (vgl. vorstehend
Ziff. IV. 3.1.). Zusammenfassend ist von einer Einsatzstrafe für die falsche
Anschuldigung von 3 Monaten auszugehen. Das Verschulden des Angriffs wurde
als keineswegs mehr leicht eingeschätzt, dasjenige des Tatkomplexes vom
5. März 2010 insgesamt als erheblich qualifiziert. In Anwendung des Asperations-
prinzip ist die Einsatzstrafe aufgrund der Delikts- als auch der Tatmehrheit stark
zu erhöhen. Aufgrund der Täterkomponenten ist wiederum eine leichte Reduktion
gerechtfertigt. Den Taten und dem Verschulden des Beschuldigten angemessen
erscheint somit eine Freiheitsstrafe von insgesamt vier Jahren.
4. Anrechnung gemäss Art. 51 StGB
Der Beschuldigte befand sich vom 23. September 2009 bis zum 4. November
2009 sowie vom 25. März 2010 bis zum 13. August 2011 in Untersuchungs- und
Sicherheitshaft (Urk. ND 1/23/3-12; Urk. HD 16/1; Urk. 110). Der Anrechnung der
durch Untersuchungs- sowie Sicherheitshaft erstandenen 549 Tagen an die
Strafe steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
- 37 -
V. Massnahme
1. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine vollzugsbegleitende ambulante
Massnahme, wogegen die Verteidigung sich ebenfalls für die Anordnung einer
ambulanten Massnahme ausspricht, jedoch den Aufschub der Freiheitsstrafe zu
diesem Zwecke für sinnvoller erachtet (Prot. II S. 9 ff.).
2.1. Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn eine Strafe allein nicht geeignet ist,
der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, wenn ein Behandlungs-
bedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert und
wenn die Voraussetzungen von Art. 59 bis 61, 63 oder 64 StGB erfüllt sind
(Art. 56 Abs. 1 StGB). Sie setzt voraus, dass der mit ihr verbundene Eingriff in die
Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und
Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2 StGB).
Das Gericht muss sich bei seinem Entscheid über die Anordnung einer stationä-
ren Massnahme zur Behandlung psychischer Störungen nach Art. 59 StGB auf
eine sachverständige Begutachtung stützen, die sich über die Notwendigkeit und
die Erfolgsaussichten einer Behandlung des Täters, die Art und die Wahrschein-
lichkeit weiterer möglicher Straftaten und die Möglichkeiten des Vollzugs der
Massnahme äussert (Art. 56 Abs. 3 lit. a und lit. b StGB). Sind mehrere Mass-
nahmen in gleicher Weise geeignet, ist aber nur eine notwendig, so ordnet das
Gericht diejenige an, die den Täter am wenigsten beschwert (Art. 56a Abs. 1
StGB).
2.2. Den Akten liegt das Gutachten des Psychiatrie Zentrum ... vom 7. Oktober
2010, erstellt durch Dr. med. N._, bei (Urk. HD 11/2).
3.1. Gemäss Gutachten ist von einem schädlichen Gebrauch von Alkohol im
Zeitpunkt der Taten auszugehen (Urk. HD 11/2 S. 47). Hinsichtlich der Legal-
prognose attestierte der Gutachter beim Beschuldigen bei Alkoholeinfluss und vor
dem Hintergrund gewisser Persönlichkeits- bzw. Charaktermerkmale eine leichte
bis mittelgradige Rückfallwahrscheinlichkeit (Urk. HD 11/2 S. 52). Weiter wird
festgehalten, dass beim Beschuldigten u.a. seine Impulsivität auffalle, sein feh-
lendes Schuldbewusstsein, die Bagatellisierung des Deliktes, eine gewisse ober-
- 38 -
flächliche Selbstdarstellung sowie die Projektion von Schuld auf andere (Urk. HD
11/2 S. 54). Zur Massnahmeindikation wurde festgehalten, dass als zentrale
Problemfelder die Alkoholproblematik und seine Impulskontrollstörung zu sehen
sei, insbesondere dass zwischen beiden ein enger Zusammenhang im Sinne ei-
ner gegenseitigen Verstärkung bestehe. Eine stationäre Massnahme gemäss
Art. 59 StGB sei nicht indiziert, da die problematischen Persönlichkeitsaspekte
des Exploranden nicht das Ausmass einer Persönlichkeitsstörung im psychiatri-
schen Sinne erreichen würden. Auch sei eine Suchtbehandlung gemäss Art. 60
StGB nicht indiziert, da die Alkoholproblematik des Exploranden zwar als schädli-
cher Gebrauch Krankheitswert aufweise, jedoch nicht den Schweregrad eines
Abhängigkeitssyndroms. Um den Alkoholmissbrauch und die Impulsivität des Ex-
ploranden im Zusammenhang mit Alkoholkonsum als Problembereich anzugehen,
sei eine vollzugsbegleitende psychiatrischen Behandlung gemäss Art. 63 StGB
angebracht (Urk. HD 11/2 S. 55). Durch eine solche Behandlung lasse sich der
Gefahr neuerlicher Straftaten begegnen (Urk. HD 11/2 S. 57).
3.2. Die Ausführungen des Gutachters sind ohne Weiteres nachvollziehbar. Den
Empfehlungen des Gutachters kann gefolgt werden. Demgemäss sind Mass-
nahmebedürftigkeit und Massnahmefähigkeit als Voraussetzungen für die Anord-
nung einer ambulanten Massnahme gegeben. Die Massnahmewilligkeit des
Beschuldigten wird von der Verteidigung bejaht und seitens des Beschuldigten
dahingehend untermauert, dass er sich bereits mehreren Therapien unterzieht
(Urk. 139/2-4). Somit ist auch die Massnahmewilligkeit gegeben, womit beim
Beschuldigten sämtliche Voraussetzungen für die Anordnung einer ambulanten
Massnahme nach Art. 63 Abs. 1 StGB erfüllt sind und eine solche anzuordnen ist.
4.1. Gemäss Art. 63 Abs. 2 StGB kann das Gericht den Vollzug einer zugleich
ausgesprochenen unbedingten Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambulanten
Behandlung aufschieben. Entsprechend der bisherigen konstanten Praxis gilt
jedoch der Grundsatz, dass die Strafe vollstreckt und die ambulante Massnahme
gleichzeitig durchgeführt wird. Folglich ist vom Ausnahmecharakter des Strafauf-
schubs auszugehen (Heer in: BSK Strafrecht-I, a.a.O., N39 zu Art. 63 N 57 ff.).
Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichtes zu Art. 43 Ziff. 2 Abs. 2 aStGB ist
- 39 -
der Strafaufschub anzuordnen, wenn eine tatsächliche Aussicht auf erfolgreiche
Behandlung durch den sofortigen Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe erheb-
lich beeinträchtigt würde. Die Therapie geht vor, falls eine Behandlung gute
Resozialisierungschancen bieten, welche der Strafvollzug klarerweise verhindern
oder vermindern würde (BGE 129 IV 161 ff.; 124 IV 246 E. 2b; 120 IV 1 E 2b.).
Daran hat sich auch unter Geltung des neuen Rechts nichts geändert (Donatsch/
Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., N 7 zu Art. 63 StGB). Vorliegend sind keine
Gründe ersichtlich, von diesem Grundsatz abzuweichen. Insbesondere verneint
der Gutachter, dass der gleichzeitige Vollzug der Freiheitsstrafe die ambulante
Behandlung verunmöglichen oder beeinträchtigen würde (Urk. HD 11/2 S. 58
Ziff. 4.5.). Die Freiheitsstrafe ist deshalb zu vollziehen und die ambulante Mass-
nahme vollzugsbegleitend anzuordnen.
4.2. Da keine bedingte oder teilbedingte Strafe auszufällen ist, entfällt selbst-
redend eine Weisung während der Probezeit im Sinne von Art. 44 Abs. 2 StGB,
wie sie noch von der Vorinstanz angeordnet wurde.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolge
1. Bei diesem Verfahrensausgang ist die Kostenverlegung der Vorinstanz zu
bestätigen (Dispositivziffer 12).
2.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind auf Fr. 4'000.– zu veranschlagen
(Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebührenverordnung des
Obergerichts, LS. 211.11).
2.2. Die Staatsanwaltschaft dringt mit ihrer Berufung vollumfänglich durch,
während der Beschuldigte unterliegt. Der Beschuldigte hat deshalb die Kosten
des Berufungsverfahrens zu tragen (Art. 428 StPO). Die Kosten der amtlichen
Verteidigung sowie der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung sind dem
Beschuldigten nicht aufzuerlegen, sondern auf die Gerichtskasse zu nehmen,
wobei die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
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