Decision ID: 92048a9a-0d48-5b33-b456-fb02bbd4e465
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
E._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin Bettina Umhang, Weinbergstrasse 20, Postfach,
8023 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
E._ meldete sich am 28. Oktober 2004 zum Bezug von IV-Leistungen an. Er legte
dem Gesuchsformular u.a. einen Austrittsbericht der Klinik Zihlschlacht vom
14. September 2004 bei. Gemäss diesem Bericht hatte er beim Eintritt über Schmerzen
im Schulter-Nacken-HWS-Bereich und über eine reduzierte Belastbarkeit des rechten
Arms geklagt. Im Vordergrund hatte jedoch ein plötzlich und unerwartet auftretender
Schwindel gestanden. Die Rehabilitation hatte sowohl die Schmerzempfindlichkeit als
auch den Schwindel reduziert. Letzterer war bei Klinikaustritt nicht mehr provozierbar
gewesen, war jedoch immer noch unregelmässig und kurzfristig aufgetreten. Der
Versicherte hatte diese Intensität des Schwindels aber tolerieren können, so dass er im
Alltag kaum mehr eingeschränkt gewesen war. Der Berufstherapeut der Klinik
Zihlschlacht hatte eine rasche berufliche Eingliederung empfohlen, da ein
Zusammenhang zwischen den Zukunftssorgen und der Ausprägung des
Beschwerdebildes bestehe. Er hatte eine gestufte Eingliederung beginnend mit einem
Pensum von 40-50% und einer Steigerung auf 100% innert drei bis vier Monaten
empfohlen. Dr. med. A._ gab am 3. Januar 2005 folgende Diagnose an: St. n.
Schädelkontusion und ev. HWS-Distorsion am 2. Nov. 2003, HWS-Distorsionstrauma
am 24. Juli 2004 und chronifiziertes Zervikalsyndrom. Als gelernter Koch und zuletzt als
Geschäftsführer einer Bar sei der Versicherte seit dem 4. Mai 2004 zu 100%
arbeitsunfähig. Für eine körperlich wenig belastende, abwechslungsreiche Tätigkeit
müsse der zeitliche Rahmen in Arbeitsversuchen erprobt werden.
B.
Dr. med. B._ berichtete der IV-Stelle am 9. November 2005, nach dem zweiten Unfall
am 19. April 2004 sei aufgrund der Reaktivierung der HWS-Distorsion ein
Schwankschwindel mit Schwitzattacken und Praesynkopen aufgetreten, der ab 4. Mai
2004 wieder eine volle Arbeitsunfähigkeit ausgelöst habe. Der Versicherte sei bereits
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vom 2. November 2003 bis 16. Februar 2004 zu 100% arbeitsunfähig gewesen.
Empfehlenswert wäre eine Umschulung in einen kaufmännischen Beruf. In einer
solchen Tätigkeit sollte eine vollständige Arbeitsfähigkeit resultieren. In einem Bericht
an die SWICA vom 25. März 2005 hatte Dr. med. B._ darauf hingewiesen, dass der
Versicherte nach dem ersten Unfall wieder gearbeitet habe, obwohl er weiter unter
Beschwerden gelitten habe. Der zuständige Arzt des RAD Ostschweiz ging am 5.
Dezember 2005 davon aus, dass bei den Beschwerden des Versicherten eine
Somatisierungsstörung aufgrund psychosozialer Probleme im Vordergrund stehe. Am
27. Dezember 2005 gab er ergänzend an, eine berufliche Eingliederung des
Versicherten sollte möglich sein. Der Neurologe Dr. med. C._ berichtete Dr. med.
B._ am 15. Mai 2006, beim Versicherten liege ein chronisches zervikozephales
Schmerzsyndrom mit Ausbreitung thorakal und zervikobrachial bds., aus
neurologischer Sicht ohne Nachweis radikulärer und/oder spinaler Funktionsstörungen
vor. Aufgrund der klinischen und kernspintomographischen Befunde könne zur Zeit
kein relevantes Zervikalsyndrom diagnostiziert werden. Für die chronifizierte
Schmerzsymptomatik finde sich somatisch kein fassbares Substrat. Die
Unfallmechanismen seien vereinbar mit distorsionellen Verletzungen der HWS,
wogegen sich aufgrund der anamnestischen Angaben und auch des jeweiligen
posttraumatischen Zustands keine verwertbaren Anhaltspunkte für eine erlittene MTBI
fänden. Zu empfehlen sei die Weiterführung eines regelmässigen muskelaktivierenden/
stabilisierenden Trainings sowie die Einnahme eines Magnesiumpräparates. Im
Vordergrund stehe aber die Indikation für eine psychotherapeutisch orientierte
Begleittherapie zur Vermittlung von Copingstrategien und zur stützenden Begleitung
bei der beruflichen Reintegration. Eine geeignete Tätigkeit sei wechselbelastend, ohne
vorwiegend einseitige Körperhaltung/Belastung. Der Wiedereinstieg sollte stufenweise
erfolgen, zunächst mit einer hälftigen Belastung.
C.
Die BEFAS am Bürgerspital Basel berichtete am 23. August 2006 über die Abklärung,
die vom 26. Juni bis 21. Juli 2006 stattgefunden hatte, der Versicherte habe ein
gepflegtes und motiviertes Bild gezeigt, das aber durchbrochen gewesen sei von z.T.
entschuldigten, z.T. aber auch unentschuldigten und Tage dauernden Absenzen. Er
habe in einem gemässigten Rahmen Zusatzpausen beansprucht. Das Verhalten
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während der Abklärung werfe die Frage auf, inwieweit die psychische Belastung
(finanzielle Probleme, Abhängigkeit vom Sozialamt, Alimente, Motivation für einen
beruflichen Wiedereinstieg, Somatisierungsstörung) eine Rolle gespielt habe. Der
Versicherte habe konzentriert, rasch und mit wenig bis keinen Zusatzpausen arbeiten
können. Dann sei er aber wieder plötzlich tagelang nicht zur Arbeit erschienen und gar
nicht kontaktierbar gewesen. In einem angepassten Rahmen könnte der Versicherte
wieder eine ganztägige Arbeitsfähigkeit erreichen. Aktuell sei der Versicherte in einem
geschützten Rahmen zu 50% arbeitsfähig. Nach frühestens sechs Monaten im
geschützten Rahmen sollte die Arbeitsfähigkeit zwischenbilanziert werden. Die parallele
Psychotherapie sollte auf das Erlangen der vollen Arbeitsfähigkeit gerichtet sein. Zur
Zeit sei der Versicherte in der Privatwirtschaft nicht eingliederungsfähig. Vor der
Aufnahme einer psychotherapeutischen Massnahme sei jeder Arbeitsversuch zum
Scheitern verurteilt. Der Psychiater Dr. med. D._ führte in einem Bericht vom 17.
November 2006 aus, der Versicherte leide an einer Stimmungslabilität mit wiederholten
depressiven Einbrüchen und Ansätzen von Selbstaggression bei Dysthymie (DD:
Persönlichkeitsauffälligkeit mit narzisstischen, emotional instabilen, ev.
psychosomatischen Anteilen), an Agoraphobie und Panikstörung, an somatischen oder
psychosomatischen Beschwerden wie Schwindel, Rückenschmerzen,
Nackenschmerzen und Migräne. Der Einsatz eines Antidepressivums habe subjektiv
eine Besserung der Stimmungslabilität und der Panikstörung bewirkt. Der Versicherte
sollte zu 50% (zwei bis drei Stunden am Vormittag und zwei bis drei Stunden am
Nachmittag) mit einer zusätzlichen Rückzugsmöglichkeit arbeiten.
D.
Das Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI) führte in einem Gutachten vom 27. Juni 2007
aus, der Versicherte arbeite seit Februar 2007 wieder zu 100% für eine
Versicherungstreuhandgesellschaft. Er habe angegeben, das Schleudertrauma sei am
Ausheilen. Der Schwindel trete nur noch selten auf. Gelegentlich habe er Rücken- und
Nackenbeschwerden. Der psychiatrische Sachverständige gab als Diagnose nur einen
St. n. einer leichten depressiven Episode an. Er konnte weder die von Dr. med. D._
gestellte Diagnose noch dessen Arbeitsfähigkeitsschätzung nachvollziehen. Der
neurologische Sachverständige führte aus, der Versicherte habe angegeben, es gehe
ihm jetzt deutlich besser als vor einem Jahr, als er durch Dr. med. C._ untersucht
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worden sei. Insbesondere seien die Schwindelbeschwerden nicht mehr vorhanden. Der
neurologische Sachverständige fand keine Anhaltspunkte für eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit in der aktuellen oder jeder anderen körperlich leicht bis mittelschwer
belastenden Tätigkeit. Die Sachverständigen des ABI äusserten sich nicht zur
Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der Zeit vor ihrer Begutachtung, da eine
Beurteilung nur anhand der Akten sehr schwierig sei.
E.
Mit einem Vorbescheid vom 7. April 2008 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung seines Rentengesuchs an. Der Versicherte liess am 16. Mai 2008
einwenden, er sei vom 24. März 2004 bis 1. Februar 2007 zu 100% arbeitsunfähig
gewesen. Das Wartejahr habe am 24. März 2005 geendet. Deshalb bestehe für die
Periode 24. März 2005 bis 31. Januar 2007 ein Anspruch auf eine ganze Rente. Dr.
med. F._ gab am 27. Juni 2008 an, es sei nicht möglich, etwas Fundiertes über die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der Zeit von März 2005 bis Ende Januar 2007 zu
sagen. Mit einer Verfügung vom 30. Juni 2008 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren
des Versicherten ab.
F.
Der Versicherte liess am 31. August 2008 Beschwerde gegen die Abweisung seines
Rentenbegehrens erheben und die Zusprache und Ausrichtung der gesetzlichen
Leistungen, insbesondere einer befristeten ganzen Rente beantragen. Zur Begründung
führte seine Rechtsvertreterin aus, nach dem ersten Unfall vom 2. November 2003
habe sich das typische Beschwerdebild nach einer Stauchung der HWS gezeigt. Der
Versicherte habe sich durchgebissen und nach einiger Zeit wieder teilweise gearbeitet,
obwohl er nicht voll arbeitsfähig gewesen sei. Auch an seiner neuen Arbeitsstelle ab
17. Februar 2004 sei er nie beschwerdefrei gewesen. In dieser rekonvaleszenten
Situation habe er einen Unfall erlitten, der den Schwindel und die Nacken-, Kopf- und
Rückenschmerzen verstärkt habe. Erst unter grossem Leidensdruck, weil er die
Arbeitsstelle nicht habe verlieren wollen, habe er wieder den Arzt aufgesucht. Im
Austrittsbericht der Klinik Zihlschlacht sei eine Arbeitsfähigkeit von 40-50% mit der
Möglichkeit einer Steigerung innert drei bis vier Monaten auf 100% angegeben worden.
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Dr. med. A._ habe am 3. Januar 2005 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% ab 4. Mai
2004 angegeben. Dr. med. B._ habe am 9. November 2005 ebenfalls eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% angegeben. Der RAD habe die Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit am 27. Dezember 2005 mit mindestens 20% beziffert, für eine
adaptierte Tätigkeit aber eine Arbeitsfähigkeit von 100% angenommen. Die BEFAS
habe die Arbeitsfähigkeit auf lediglich 50% in einem geschützten Umfeld geschätzt; für
eine Beschäftigung in der freien Wirtschaft habe sie eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit angegeben. Die Rechtsvertreterin des Versicherten führte weiter aus,
bei einem guten Casemanagement hätte die Arbeitsfähigkeit bald nach dem Austritt
aus der Klinik Zihlschlacht wiederhergestellt werden können. Aufgrund der
Arbeitsunfähigkeit für die Periode 24. März 2005 bis 31. Januar 2007 bestehe ein
Anspruch auf eine ganze Rente, denn die Klinik Zihlschlacht, die behandelnden Ärzte
A._ und B._ und der Neurologe C._ seien alle der Auffassung gewesen, dass
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestanden habe, die allerdings durch geeignete
Massnahmen hätte beseitigt werden können. Als Folge des Umstands, dass die IV-
Stelle nicht eingegliedert, sondern nur abgeklärt habe, sei er fast drei Jahre lang zu
100% arbeitsunfähig gewesen.
G.
Die IV-Stelle wandte am 12. September 2008 ein, der Austrittsbericht der Klinik
Zihlschlacht habe ein Erreichen der vollen Arbeitsfähigkeit nach drei bis vier Monaten
prognostiziert. Demnach sei sie von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 100%
ausgegangen. Dr. med. A._ habe keine präzise Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben. Dr. med. B._ habe eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit attestiert. Auch Dr. med. C._ habe eine schrittweise Steigerung der
Arbeitsfähigkeit erwartet. Die BEFAS-Abklärung entfalte für die Frage nach der
Arbeitsfähigkeit keinen Beweiswert. Die Angaben von Dr. med. D._ zur
Arbeitsfähigkeit seien nicht schlüssig, weil er keine relevanten psychopathologischen
Befunde erhoben habe. Die Agoraphobie und die Panikstörung seien nämlich nur aus
den Schilderungen des Versicherten abgeleitet worden. Im Bericht des BEFAS fehle ein
Hinweis auf eine Agoraphobie oder auf eine Panikstörung. Es gebe in den Akten also
keinen Hinweis darauf, dass die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der Zeit vor der
Begutachtung durch das ABI wesentlich tiefer gewesen wäre.
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Erwägungen:
1.
Der Beschwerdeführer hat sich vor dem 1. Januar 2008 (Inkrafttreten der 5. IV-
Revision) zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet. Strittig ist ein Rentenanspruch für
eine beschränkte Zeit vor diesem Datum. Praxisgemäss ist deshalb auf den
vorliegenden Fall das an sich ausser Kraft gesetzte IVG in der Fassung bis 31.
Dezember 2007 anwendbar. Gemäss Art. 48 Abs. 2 Satz 1 aIVG kann demnach bereits
für die Zeit vor der Anmeldung zum Leistungsbezug ein Rentenanspruch bestehen. Der
Rentenanspruch entsteht frühestens in dem Zeitpunkt, in dem eine versicherte Person
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu
40% arbeitsunfähig gewesen ist. Das gilt selbstverständlich nur dann, wenn
unmittelbar im Anschluss an das sogenannte Wartejahr eine rentenbegründende
Invalidität vorliegt. Nach dem Wortlaut von Art. 7 f. und 16 ATSG und Art. 28 aIVG kann
nur dann von einer rentenbegründenden Invalidität gesprochen werden, wenn die
zumutbare Behandlung und/oder Eingliederung absolviert sind. Der Beschwerdeführer
beruft sich nun aber auf seine Arbeitsunfähigkeit vor der Aufnahme der Erwerbstätigkeit
im Februar 2007, um die behauptete Rentenberechtigung zu belegen. Die
Arbeitsunfähigkeit allein kann - zumindest nach dem klaren Wortlaut der genannten
Gesetzesbestimmungen - keine Invalidität als Voraussetzung eines Rentenanspruchs
darstellen. Das Bundesgericht geht denn auch davon aus, "dass in der
Invalidenversicherung kein Raum für die Zusprechung von derweise konstruierten
'Berufsunfähigkeits-' oder 'Arbeitsunfähigkeitsrenten' besteht" (Bundesgerichtsurteil
vom 5. Oktober 2009, 9C_141/2009). Verlangt wird, dass "das Invalideneinkommen
stets auf die Verdienstmöglichkeiten im allgemeinen (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt und
nicht auf den bisherigen Beruf bezogen bestimmt wird". Das Bundesgericht ist jedoch
dem Ansinnen des beschwerdeführenden Bundesamtes für Sozialversicherung nicht
gefolgt, dass zwischen dem Ende des Wartejahres und einem verzögerten, späteren
Beginn beruflicher Eingliederungsmassnahmen nie ein Rentenanspruch bestehen
könne, weshalb des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen eine neue st.
gallische Rentenart einführen wolle. Im Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober
2009 (8C_376/2009) hat das Bundesgericht seine Auffassung bestätigt. Es hat am
kantonalen Entscheid nicht bemängelt, dass er für die Zeit nach dem Ablauf des
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Wartejahres überhaupt von einem Anspruch auf eine Rente ausgegangen sei, sondern
nur dass er bei der Ermittlung der Invalidität auf die Arbeitsunfähigkeit und als Folge
davon auf ungenügende medizinische Abklärungen abgestellt habe. Auch eine
langjährige krankheitsbedingte Arbeitsabsenz, die schliesslich durch eine medizinische
Behandlung wieder beseitigt wird, kann also einen Rentenanspruch begründen. In der
bundesgerichtlichen Praxis wird ohne weiteres auf eine langdauernde
Arbeitsunfähigkeit als Invalidität im Sinne von Art. 7 f. ATSG abgestellt, wenn trotz
Behandlung und/oder Eingliederung eine rentenbegründende Invalidität zurückbleibt.
Die Rente wird also nicht auf den Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität im wörtlichen
Sinn, d.h. auf das Ende der Behandlung oder der beruflichen Eingliederung
zugesprochen, sondern rückwirkend auf die Vollendung des sogenannten Wartejahres,
u.U. also rückwirkend in eine Phase, in der regelmässig noch von einer
Arbeitsunfähigkeit gesprochen werden muss. Die Höhe eines Rentenanspruchs richtet
sich für diese begrenzte Zeit nach der Höhe der Arbeitsunfähigkeit gemäss der
obgenannten Bundesgerichtspraxis, wobei der Verweis auf den allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt bei vielen Rentenfällen eine sehr theoretische Sichtweise
ist, insbesondere wenn die versicherte Person nach einer langdauernden
krankheitsbedingten Arbeitsabsenz an ihren früheren Arbeitsplatz zurückkehren und
dort eine der behinderungsbedingten Einschränkung angepasste Teilleistung erbringen
kann.
2.
2.1 Die Frage nach einer rentenbegründenden Invalidität, die nicht einfach in einer
langdauernden Arbeitsunfähigkeit besteht, darf nicht mit der Frage verwechselt
werden, wie diese Invalidität zu bemessen sei. Das Bundesgericht hat in den bereits
genannten Urteilen darauf hingewiesen, dass diese Invalidität jedenfalls nicht gestützt
auf die ärztlich ermittelte Arbeitsunfähigkeit im angestammten oder im bisherigen Beruf
zu ermitteln sei. Ob dies als generelle Regel richtig ist, kann im vorliegenden Fall offen
bleiben, denn der Beschwerdeführer weist keine Berufskarriere auf, die ein Ausweichen
auf eine andersartige Berufstätigkeit im Sinne von Art. 6 Abs. 2 ATSG bzw. eine
Erfüllung der dahinter stehenden spezifischen Schadenminderungspflicht ausschlösse
oder als unzumutbar erscheinen liesse. Der Beschwerdeführer hat zwar den Beruf
eines Kochs erlernt, aber diesen Beruf hat er nie ausgeübt. Die Arbeitsunfähigkeit als
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Koch ist deshalb irrelevant. Dasselbe gilt für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in einem
Barbetrieb, denn dabei hat es sich nach den Angaben des Beschwerdeführers
gegenüber einigen Ärzten um eine nicht behinderungsadaptierte Tätigkeit gehandelt.
Zudem hatte der Beschwerdeführer nicht vorgängig eine auf diese Tätigkeit bezogene
Berufsausbildung absolviert. Der Beschwerdeführer hat durch die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit im Bereich Versicherungstreuhand bewiesen, dass er beruflich sehr
flexibel ist. Auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt hätten ihm – fiktiv –
schon im Jahr 2004 entsprechende Arbeitsstellen zur Verfügung gestanden.
Massgebend für eine allfällige Invalidität ist also die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers ab Mai 2005 in einer Erwerbstätigkeit, die der ab Februar 2007
ausgeübten entspricht.
2.2 Seit Februar 2007 geht der Beschwerdeführer zu 100% einer adaptierten
Erwerbstätigkeit nach. Damit steht fest, dass er mindestens seit diesem Zeitpunkt zu
100% arbeitsfähig ist. Zu prüfen ist demnach nur, ob bis Ende Januar 2007 von einer
erheblichen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist. Dr. med. B._ hat am 9. November
2005 für die Zeit ab dem ersten Unfall am 2. November 2003 bis 16. Februar 2004 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% "gemäss Aktenlage" angegeben. Für die Zeit ab 17.
Februar 2004 bis 3. Mai 2004 hat er eine volle Arbeitsfähigkeit, danach wieder eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers bestätigt. Auch Dr. med. A._
hat dem Beschwerdeführer am 3. Januar 2005 erst ab dem 4. Mai 2004 eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht,
er sei auch in der Zeit vom 16. Februar bis 3. Mai 2004 arbeitsunfähig gewesen. Seiner
Auffassung nach hätte das Wartejahr also am 2. November 2003 zu laufen begonnen
und es wäre im November 2004 erfüllt gewesen, so dass ein Rentenanspruch ab
November 2004 und nicht erst ab Mai 2005 zu prüfen wäre. Dr. med. B._ hat sich in
bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers vor der Aufnahme der
Behandlung zu Beginn des Jahres 2005 auf die Aktenlage berufen. Von ihm ist also
kein weiterer Aufschluss über die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zwischen
dem 16. Februar und dem 3. Mai 2004 zu erwarten. Dr. med. A._ hat den
Beschwerdeführer zwar in der fraglichen Zeit behandelt, d.h. er verfügt über eine bis
zum Wechsel zu Dr. med. B._ geführte Krankengeschichte. Aber auch davon ist kein
Aufschluss über die behauptete Arbeitsunfähigkeit zwischen dem 16. Februar und dem
3. Mai 2004 zu erwarten, denn ab dem 17. Februar 2004 ist der Beschwerdeführer im
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Lokal "G._" tätig gewesen. In dieser Zeit hat er mit vollem Einsatz gearbeitet, um die
Stelle nicht gleich wieder zu verlieren. Es ist deshalb sehr unwahrscheinlich, dass Dr.
med. A._ ihn in dieser Phase arbeitsunfähig geschrieben hätte (zumal er dies in
seinem Bericht an die Beschwerdegegnerin sicherlich angegeben hätte). Es ist vielmehr
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in der Zeit vom 16. Februar bis 3. Mai
2004 nicht ärztlich untersucht/behandelt worden ist. Alle Hinweise auf eine
Arbeitsunfähigkeit in den dem Gericht vorliegenden Akten beruhen auf entsprechenden
späteren Angaben des Beschwerdeführers gegenüber den abklärenden Ärzten und
weisen deshalb nur einen geringen Beweiswert auf. Die Behauptung, nach dem ersten
Unfall am 2. November 2003 habe durchgehend eine Arbeitsunfähigkeit bestanden,
kann demnach weder mit den dem Gericht vorliegenden Akten noch durch den Beizug
anderer Akten mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden, wie auch die Sachverständigen des ABI in
ihrem Gutachten festgehalten haben. Die Folgen der Beweislosigkeit muss der
Beschwerdeführer tragen. Das bedeutet, dass das Wartejahr frühestens am 4. Mai
2005 zu laufen begonnen hat.
2.3 Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer ab dem 4. Mai 2004 und über den
30. April 2005 (Ablauf des Wartejahres) hinaus arbeitsunfähig gewesen ist. Eine
allfällige Arbeitsunfähigkeit muss sich auf jene Art von Erwerbstätigkeit beziehen, die
der Beschwerdeführer seit Februar 2007 effektiv ausübt, denn der allgemeine und
ausgeglichene (fiktive) Arbeitsmarkt hat bereits im Jahr 2004 solche Arbeitsstellen
aufgewiesen. Die Klinik Zihlschlacht hat am 14. September 2004 für die Zeit ab dem
Klinikaustritt am 3. September 2004 eine Arbeitsfähigkeit von 40-50% angegeben, die
innert drei bis vier Monaten auf 100% gesteigert werden könne. Die
Beschwerdegegnerin hat also zu Recht darauf hingewiesen, dass die Klinik
Zihlschlacht im Ergebnis eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit attestiert habe. Der allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt hätte
dem Beschwerdeführer nämlich trotz der drei- bis viermonatigen Einarbeitungszeit mit
stufenweise ansteigendem Beschäftigungsgrad die Möglichkeit geboten, eine
geeignete Arbeitsstelle anzutreten. Dr. med. A._ und Dr. med. B._ haben ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzungen auf eine nicht adaptierte Erwerbstätigkeit, nämlich auf die
Arbeit in einem Barbetrieb (oft stehend mit Heben und Tragen von Gewichten) bezogen
und dabei insbesondere die Schwindelattacken als behindernd betrachtet. Im Ergebnis
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besteht also kein Widerspruch zur Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik Zihlschlacht,
denn diese hat sich auf eine adaptierte Erwerbstätigkeit bezogen, bei der die
Schwindelattacken entweder seltener aufgetreten oder die Arbeitsleistung weniger
stark beeinträchtigt hätten. Dr. med. C._ hat die Auffassung der Klinik Zihlschlacht
geteilt, laut welcher der Beschwerdeführer schrittweise in drei bis vier Monaten eine
Arbeitsfähigkeit von 100% in einer adaptierten Erwerbstätigkeit hätte erreichen können.
Das Ergebnis der BEFAS-Abklärung ist in bezug auf die angegebene Arbeitsunfähigkeit
unbrauchbar, weil es sich um eine weitgehend an der Selbsteinschätzung und –
darstellung des Beschwerdeführers orientierte und damit die erforderliche Objektivität
vermissen lassende Beurteilung gehandelt hat. In den dem Gericht vorliegenden Akten
fehlt also ein überzeugender Beleg dafür, dass der Beschwerdeführer in der Zeit bis
Ende Januar 2007 in einer adaptierten, der seither effektiv ausgeübten Erwerbstätigkeit
entsprechenden Arbeit in einem erheblichen Ausmass arbeitsunfähig gewesen wäre.
Von weiteren Abklärungen ist gemäss der überzeugenden Aussage im Gutachten des
ABI kein näherer Aufschluss zu erwarten. Der Beschwerdeführer, der aus der
angeblichen erheblichen Arbeitsunfähigkeit einen Rentenanspruch ableiten will, trägt
den Nachteil der Beweislosigkeit für seine Behauptung. Es ist deshalb sinngemäss
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zwischen dem 1. Mai 2005 und dem
31. Januar 2007 nicht arbeitsunfähig gewesen ist. Damit kann er auch nicht in einem
rentenbegründenden Ausmass invalid (i.S. der erweiterten Interpretation der Art. 7 f.
und 16 ATSG und Art. 28 aIVG) gewesen sein. Der Einkommensvergleich zur Ermittlung
einer allfälligen Invalidität, die im vorliegenden Fall in einer Gegenüberstellung des
Lohns als Mitarbeiter in einem Barbetrieb (Valideneinkommen) und des an einer
adaptierten Arbeitsstelle erzielbaren Lohns (Invalideneinkommen) bestanden hätte,
kann somit unterbleiben. Der Beschwerdeführer ist durch die aufgrund der langen
Wartefristen verzögerte Abklärung des Sachverhalts nicht daran gehindert worden,
seine Arbeitsfähigkeit zu verwerten, wie die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit im
Februar 2007, also vor der Begutachtung durch das ABI, zeigt. Der geltend gemachte
Rentenanspruch lässt sich nicht damit begründen, dass der Beschwerdeführer bis zum
Abschluss der Abklärungen habe untätig bleiben und sich auf seine Arbeitsunfähigkeit
berufen können, solange ihm nicht eine Arbeitsfähigkeit nachgewiesen werde. Die
Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht einen Rentenanspruch des
Beschwerdeführers verneint.
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3.
Entsprechend den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Der
vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung; sein entsprechendes Begehren ist ebenfalls abzuweisen. Er trägt
die Kosten des Beschwerdeverfahrens. Diese bemessen sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Da es sich diesbezüglich um einen
durchschnittlichen Fall handelt, erscheint praxisgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr.
600.- als angemessen. Die Gerichtsgebühr ist durch den vom Beschwerdeführer
geleisteten Vorschuss in gleicher Höhe gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG