Decision ID: 811705b3-0a59-5648-a9e3-1011dbdf502b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die schweizerische Botschaft in Beirut verweigerte mit Formularverfügung
vom 29. April 2019 die Ausstellung von humanitären Visa an Y._
und Z._ (geb. 1944 bzw. 1953, syrische Staatsangehörige, [nach-
folgend Gesuchstellende]). Dies mit der Begründung, die Gesuchstellen-
den seien im Heimat- oder Herkunftsstaat nicht unmittelbar, ernsthaft und
konkret an Leib und Leben gefährdet (Akten der Vorinstanz [SEM
act.] 2/20).
B.
Gegen diesen Entscheid erhob die Schwiegertochter der Gesuch-
stellenden (nachfolgend Beschwerdeführerin) Einsprache (SEM act. 1/1-
17). Mit Verfügung vom 11. Juli 2019 wies die Vorinstanz das Rechtsmittel
ab, da sie die Auffassung vertrat, die Gesuchstellenden befänden sich nicht
in einer Situation unmittelbarer individueller Gefährdung bzw. in einer
besonderen Notsituation, die ein behördliches Eingreifen zwingend
erfordern würde (SEM act. 7/83-85).
C.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 7. August 2019 (Datum des Poststempels)
beantragte die Beschwerdeführerin die Aufhebung der vorinstanzlichen
Verfügung und die Bewilligung der Einreise. Eventualiter sei die Sache zur
weiteren Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses und um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung. Zusammenfassend wurde ausgeführt, die Gesuch-
stellenden seien aus dem Libanon wieder nach Syrien gereist. An ihrem
aktuellen Wohnort, Aleppo, fehle die dringend nötige medizinische
Versorgung komplett. Auch bei einer Wiederausreise in den Libanon sei
eine adäquate Behandlung mangels finanzieller Möglichkeiten nicht
gewährleistet (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer act.] 1).
D.
Mit Zwischenverfügung vom 21. August 2019 wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ab (BVGer
act. 3).
E.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 26. September
F-3986/2019
Seite 3
2019 die Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 6). Replikweise nahm
die Beschwerdeführerin am 4. November 2019 Stellung (BVGer act. 8).
F.
Mit Schreiben vom 20. April 2020 reichte die Beschwerdeführerin auf Ersu-
chen des Bundesverwaltungsgerichts hin eine aktualisierte Stellungnahme
ein (BVGer act. 10).
G.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einspracheentscheide betreffend huma-
nitäre Visa sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfecht-
bar (vgl. Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). In diesem Bereich entscheidet
das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Beschwerde berechtigt (vgl. Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor,
weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist (vgl. Art. 50 und Art. 52
VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die
Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Miss-
brauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
F-3986/2019
Seite 4
3.
3.1 Als Staatsangehörige Syriens unterliegen die Gesuchstellenden für die
Einreise in die Schweiz der Visumspflicht. Mit ihren Gesuchen beabsichti-
gen sie einen längerfristigen Aufenthalt, weshalb nicht die Erteilung eines
Schengen-Visums auf der Grundlage der entsprechenden Übereinkom-
men zu prüfen ist, sondern mit Art. 4 der Verordnung vom 15. August 2018
über die Einreise und die Visumserteilung (VEV, SR 142.204) ausschliess-
lich nationales Recht zur Anwendung gelangt.
3.2 In Art. 4 Abs. 2 VEV wird ausdrücklich festgehalten, dass ein Visum für
einen längerfristigen Aufenthalt erteilt werden kann, wenn humanitäre
Gründe dies gebieten. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die be-
treffende Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an
Leib und Leben gefährdet ist. Demnach kann ein nationales Visum aus hu-
manitären Gründen erteilt werden, wenn bei einer gesuchstellenden Per-
son aufgrund individuell-konkreter Umstände davon ausgegangen werden
muss, dass sie sich im Heimat- oder Herkunftsstaat in einer besonderen
Notsituation befindet, die ein behördliches Eingreifen zwingend notwendig
macht. Dies kann etwa bei akuten kriegerischen Ereignissen oder aufgrund
einer konkreten individuellen Gefährdung, die die betroffene Person mehr
als andere betrifft, gegeben sein. Befindet sich die gesuchstellende Person
bereits in einem Drittstaat oder ist sie nach einem Aufenthalt in einem sol-
chen freiwillig in ihr Heimat- oder Herkunftsland zurückgekehrt und hat sie
die Möglichkeit, sich erneut in den Drittstaat zu begeben, ist in der Regel
davon auszugehen, dass keine Gefährdung mehr besteht (vgl. dazu BVGE
2018 VII/5 E. 3.6.3; F-4658/2017 vom 7. Dezember 2018 E. 3.2 m.w.H.).
3.3 Das Visumsgesuch ist unter Berücksichtigung der aktuellen Gefähr-
dung, der persönlichen Verhältnisse der betroffenen Person und der Lage
im Heimat- oder Herkunftsstaat zu prüfen. Dabei können auch weitere Kri-
terien wie das Bestehen von Bindungen zur Schweiz und die hier beste-
henden Integrationsaussichten oder die Unmöglichkeit, in einem anderen
Land um Schutz nachzusuchen, mitberücksichtigt werden (vgl. BVGE 2018
VII/5 E. 3.6.3; F-7298/2016 E. 4.2 am Ende; vgl. ferner BVGE 2015/5 E.
4.1.3; je m.H.).
F-3986/2019
Seite 5
4.
4.1 Die Vorinstanz wies in ihrem ablehnenden Entscheid vom 11. Juli 2019
im Wesentlichen auf den Umstand hin, dass die Gesuchstellenden nach
ihrem Aufenthalt im Libanon wieder nach Syrien zurückgereist seien. Dies
sei ein starkes Indiz dafür, dass die geltend gemachte Gefährdung an Leib
und Leben in Syrien aktuell nicht mehr unmittelbar und konkret sei. Es sei
dem Ehepaar gegebenenfalls möglich, den im Libanon bestehenden
Schutz erneut in Anspruch zu nehmen. Dies gelte ebenfalls im Hinblick auf
die dort verfügbare, bessere medizinische Versorgung (SEM act. 7/84).
Dieser Auffassung folgte das SEM auch in seiner Vernehmlassung vom 26.
September 2019 (BVGer act. 6).
4.2 In der Rechtsmitteleingabe wurde dagegen im Wesentlichen vorge-
bracht, die Gesuchstellenden hätten im Libanon weder medizinische noch
finanzielle Unterstützung erhalten. Sie seien gezwungen gewesen, nach
Syrien zurückzukehren, ansonsten hätten sie unter äusserst prekären Um-
ständen auf der Strasse leben müssen. Eine ambulante ärztliche Behand-
lung in einem Spital sei ihnen verweigert worden, da sie das geforderte
Geld nicht hätten aufbringen können. Aktuell befänden sie sich im Keller
eines Hauses in der verwüsteten und zerstörten Stadt Aleppo, wo die
Grundversorgung nicht als gesichert gelten könne. Die Lebensbedingun-
gen im Keller würden sich als äusserst harsch darstellen. Sie seien dort
gänzlich auf sich alleine gestellt. Der Schwiegervater der Beschwerdefüh-
rerin leide an Frühdemenz. Medizinische Untersuchungen (neuropsycho-
logische Abklärungen, Blutuntersuchungen, CT und MRT des Kopfes)
seien dringend notwendig. In Aleppo würden diese nicht angeboten wer-
den. In den Nachbarländern führe man die entsprechenden Untersuchun-
gen nicht kostenlos durch. Der Gesuchsteller habe einen sehr schwierigen
Alltag und brauche dringend Betreuung. Bei der Gesuchstellerin sei eine
Zyste an der rechten Niere entdeckt worden; diese könne nicht behandelt
werden, da sie unter Anaphylaxie leide. Die dringend benötigte medizini-
sche Versorgung für die Gesuchstellenden fehle in Aleppo komplett. Es sei
ihnen nicht möglich, Ärzte in dem rund 60 Kilometer vom Aufenthaltsort
entfernten Vorort von Aleppo aufzusuchen. Aufgrund ihrer finanziellen Si-
tuation und der fehlenden nötigen Medikamente sowie mangelnden medi-
zinischen Infrastruktur hätten die Ärzte den Gesuchstellenden keine Be-
handlung gewähren können. Es sei ihnen lediglich ein kurzes ärztliches
Zeugnis ausgestellt worden, in welchem festgehalten werde, dass sie ge-
sundheitliche Probleme hätten und medizinische Behandlung benötigten
(BVGer act. 1).
F-3986/2019
Seite 6
Mit Replik vom 4. November 2019 nahm die Beschwerdeführerin Bezug
auf die allgemeine aktuelle Lage der syrischen Flüchtlinge im Libanon.
Weiter führte sie aus, die Gesuchstellenden hätten bei einem Verbleib dort
keine Aufenthaltsgenehmigung erhalten und wären nur in einem Betonroh-
bau oder Keller unter extrem ärmlichen Bedingungen untergekommen.
Diese Wohnsituation sei nicht geeignet für kranke und ältere Menschen wie
die Gesuchstellenden. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung würden
in astronomische Höhen steigen. Zudem würden sich die Gesuchstellen-
den im Libanon nicht sicher fühlen und hätten Angst vor der Willkür der
Behörden (BVGer act. 8).
In ihrer Stellungnahme vom 18. März 2020 führte die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen aus, der Gesundheitszustand der Gesuchstellenden habe
sich weiterhin verschlechtert. Aktuelle Berichte könnten hingegen aufgrund
der Coronavirus-Pandemie nicht erhältlich gemacht werden. Weiter wurde
eine CD eingereicht, welche die Wohnverhältnisse der Gesuchstellenden
in Aleppo aufzeigen würde (BVGer act. 10).
5.
Gemäss den obgenannten Ausführungen befinden sich die Gesuchstellen-
den derzeit in Aleppo. Prekär sei gemäss der Beschwerde nebst ihrer
Wohnsituation auch die dortige medizinische Versorgung, auf die sie drin-
gend angewiesen wären.
5.1 Den Akten sind diverse ärztliche Atteste in arabischer Sprache zu ent-
nehmen. Aus deren miteingereichten Übersetzungen ergibt sich, dass der
Gesuchsteller an «sensorisch-neurologischer Hörschwäche beider Ohren»
leide sowie ein «Loch in der Trommelmembran» habe (SEM act. 2/38). Er
habe überdies Probleme am rechten Auge («Blutung, Teil der Linse im
Glaskörper» [SEM act. 2/28]) und einen «Bandscheibenvorfall im Bereich
der Lendenwirbel 4/5» (SEM act. 2/31). Weiter sei bei ihm eine Frühde-
menz diagnostiziert worden (SEM act. 1/11). Bei der 67-jährigen Gesuch-
stellerin soll eine «akute postpartum Depression» vorliegen (SEM act.
2/44), wobei diese Diagnose aufgrund ihres Alters Zweifel an der Echtheit
des Dokuments aufkommen lässt. Sie leide weiter an einer Degeneration
beider Kniegelenke (SEM act. 2/41), einer Entzündung der Geschlechts-
und Harnwege, einer Zyste an der rechten Niere (SEM act. 1/8) sowie an
einer chronischen Allergie (SEM act. 1/5).
F-3986/2019
Seite 7
5.2 Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin ist nicht davon
auszugehen, die Gesuchstellenden seien in Aleppo nicht medizinisch ver-
sorgt worden. Die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten medizini-
schen Dokumente zeigen vielmehr auf, dass sie bei der Untersuchung und
Behandlung ihrer jeweiligen Leiden auf fachärztliche Betreuung zurück-
greifen konnten. So erfolgten Konsultationen bei einem Psychiater/Neuro-
logen, Orthopäden, Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Augenarzt, Facharzt für Fami-
lienmedizin, Physiotherapeuten sowie einer Gynäkologin. Zwar ist den me-
dizinischen Berichten zu entnehmen, dass den Behandlungsmöglichkeiten
in Aleppo Grenzen gesetzt sind. Das darin beschriebene weitere Proze-
dere weist aber nicht auf lebensnotwendige Massnahmen hin. Es ist über-
dies nicht ersichtlich, dass die jeweils empfohlenen Behandlungen bzw.
medizinischen Eingriffe in Syrien gar nicht durchführbar seien. Vielmehr ist
davon auszugehen, dass komplexere Operationen und spezialisierte Be-
handlungen für chronische Krankheiten in Damaskus oder in den Küsten-
orten Tartous und Lattakia verfügbar sind (vgl. Auswärtiges Amt, Bericht
über die Lage in der Arabischen Republik Syrien [Stand: November 2018],
13.11.2018, abgerufen auf https://fragdenstaat.de/dokumente/96/ im Sep-
tember 2020). Schliesslich hat sich die Situation in Syrien in Bezug auf die
Coronavirus-Massnahmen entschärft (https://www.wko.at/service/aussen-
wirtschaft/coronavirus-infos-syrien.html). Zu Gute kommt den Gesuchstel-
lenden auch, dass sie in finanzieller Hinsicht durch ihre in der Schweiz le-
benden Familienangehörigen unterstützt werden können.
5.3 Vorliegend kommt hinzu, dass auch das Bundesverwaltungsgericht –
wie bereits die Vorinstanz – davon ausgeht, die Gesuchstellenden könnten
nötigenfalls in den Libanon zurückkehren. Zwar gilt es keinesfalls die all-
gemein schwierige Lage von syrischen Staatsangehörigen im Libanon zu
verkennen. In casu muss jedoch in Abrede gestellt werden, die Gesuch-
stellenden hätten überhaupt konkrete und ernsthafte Bestrebungen unter-
nommen, um ihre Lage im Libanon zu verbessern. Bereits in einem unda-
tierten Schreiben an die Schweizer Vertretung kündigte die Beschwerde-
führerin an, dass ihre in Syrien lebenden Schwiegereltern nach dem Termin
in Beirut wieder in ihr Heimatland zurückkehren würden (SEM act. 2/61-64;
1/17). Gemäss einem Bericht der schweizerischen Botschaft seien die Ge-
suchstellenden am 17. April 2019 in den Libanon eingereist; sie hätten ihre
Abreise am Abend des Folgetags geplant (SEM act. 2/67). In diesem Sinne
wurde in der Einsprache vom 31. Mai 2019 festgehalten, dass es den Ge-
suchstellenden nicht möglich gewesen sei, im Libanon zu bleiben; sie seien
nach dem Termin bei der Schweizer Vertretung tatsächlich nach Syrien zu-
rückgekehrt (SEM act. 1/14-17). In Anbetracht dieser Ausführungen ist
https://fragdenstaat.de/dokumente/96/ https://www.wko.at/service/aussenwirtschaft/coronavirus-infos-syrien.html https://www.wko.at/service/aussenwirtschaft/coronavirus-infos-syrien.html
F-3986/2019
Seite 8
nicht davon auszugehen, die Gesuchstellenden hätten sich im Libanon
ernsthaft um Inanspruchnahme von Hilfe bemüht. So wäre es ihnen offen
gestanden, sich an eine der dort ansässigen Hilfsorganisationen oder an
die lokalen Behörden zu wenden (vgl. dazu auch Urteile des BVGer
F-4115/2019 vom 9. Juni 2020 E. 5.1 und F-6511/2018 vom 28. August
2019 E. 4.3; zu den kostenlosen medizinischen Angeboten für Flüchtlinge
im Libanon vgl. Urteil F-4631/2018 vom 27. Dezember 2018 E. 4.5). Damit
ist der Auffassung der Vorinstanz, die Rückkehr der Gesuchstellenden
nach Syrien sei ein starkes Indiz dafür, dass die Gesuchstellenden dort
nicht mehr unmittelbar und konkret an Leib und Leben gefährdet seien,
nichts entgegenzusetzen.
5.4 Eine Gesamtwürdigung der Situation der Gesuchstellenden in Syrien
führt zum Schluss, dass ihre Situation zweifellos schwierig und belastend
ist. Eine unmittelbare, ernsthafte und konkrete Gefährdung an Leib und Le-
ben vermag jedoch weder ihr Gesundheitszustand noch ihre Wohnsituation
zu begründen. Entgegen den beschwerdeweisen Vorbringen hat die
Vorinstanz den Sachverhalt damit auch richtig und vollständig abgeklärt
(vgl. dazu statt vieler BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar zum VwVG, 2.
Aufl. 2019, Art. 49 Rz. 29) und ist genügend auf die Ausführungen der Be-
schwerdeführerin eingegangen.
6.
Nichts daran zu ändern vermag auch das replikweise Vorbringen der Be-
schwerdeführerin, vorliegend sei das Prinzip der Rechtsgleichheit
(Art. 8 BV) verletzt worden. Es seien ihr viele ähnlich gelagerte Fälle be-
kannt, in der die Vorinstanz ein humanitäres Visum für die Schweiz erteilt
habe. Die betroffenen Personen würden sogar aus der gleichen Region
stammen wie ihre Schwiegereltern und sich kennen. Die Situation ihrer
Schwiegereltern sei im Vergleich zu den anderen Fällen schwieriger.
Grundsätzlich sind Einreisegesuche vom SEM nach Massgabe ihrer spe-
zifischen Gegebenheiten und unter Berücksichtigung der aktuellen Um-
stände – die insbesondere in Kriegsgebieten raschen Änderungen unter-
worfen sind – einzelfallweise zu beurteilen, was in casu geschah und nicht
zu beanstanden ist. Als unbehelflich erweist sich auch der Einwand der
Beschwerdeführerin, die Gesuchstellenden würden nach Ende des Krie-
ges wieder nach Syrien zurückkehren.
7.
Soweit sich die Beschwerdeführerin sinngemäss auf den Schutz des Fa-
milienlebens beruft (vgl. Beschwerde Art. 3), so ist ihr zu entgegnen, dass
F-3986/2019
Seite 9
es sich bei ihren Schwiegereltern nicht um Mitglieder der Kernfamilie, mit-
hin Ehegatten und ihre minderjährigen Kinder, handelt. Ein Abhängigkeits-
verhältnis im Sinne der Rechtsprechung liegt zudem nicht vor. In dieser
Hinsicht ist auch das pauschale Vorbringen der Beschwerdeführerin (Be-
schwerde S. 4) nicht geeignet, ein solches darzulegen (vgl. dazu BGE 135
I 143 E. 3.1 m.w.H.).
8.
Die angefochtene Verfügung erweist sich somit im Lichte von Art. 49 VwVG
als rechtmässig. Damit ist die Beschwerde abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
F-3986/2019
Seite 10