Decision ID: 2242baf5-ee61-5880-bb69-292adcc69fe2
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
X._ (geb. 1976) ist kosovarischer Staatsangehöriger und reiste im Rahmen des
Familiennachzugs (Verbleib bei der Ehegattin) am 17. Februar 1999 in die Schweiz ein,
wo ihm eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde. Aus der Ehe gingen zwei Kinder
(geb. 2000 und 2003) hervor. Am 1. Juni 2007 erhielt er die Niederlassungsbewilligung.
Im November 2007 kam es zur Trennung, nachdem X._ von seiner Ehefrau wegen
Vergewaltigung, Tätlichkeit und Drohung angezeigt worden war. Seit Ende 2008 hatte
er zunehmend psychische Probleme, weshalb er wiederholt zu stationären
Aufenthalten in der psychiatrischen Klinik A._ in Y._ weilte. X._ war häufig
krankgeschrieben und bezog für seinen Lebensunterhalt Sozialhilfe. Seit 2008 hat der
Beschwerdeführer Sozialhilfeschulden von gegen CHF 200'000 sowie zusätzliche
weitere Privatschulden angehäuft. Am 29. September 2011 wurde die Ehe geschieden.
In einem Strafverfahren wurde X._ vom Obergericht des Kantons Aargau am 3. Mai
2012 vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung seiner früheren Ehefrau
freigesprochen. Ein Schuldspruch erfolgte wegen mehrfacher Tätlichkeit und wegen
Drohung. Zudem hat X._ während seines Aufenthalts in der Schweiz mehrmals gegen
Verkehrsregeln verstossen, wurde ein weiteres Mal wegen Drohung und je einmal
wegen Tätlichkeit, Hehlerei und Diebstahl verurteilt. Der Beschwerdeführer reiste in den
vergangenen Jahren jährlich mindestens einmal für mehrere Wochen in den Kosovo,
wo er ein weiteres Kind (B._, geboren 2011), eine Partnerin, seine Mutter, mehrere
Geschwister und diverse Nichten und Neffen hat.
B.
Mit Verfügung vom 26. April 2017 widerrief das Migrationsamt des Kantons St. Gallen
die Niederlassungsbewilligung von X._ und hielt ihn an, die Schweiz spätestens 60
Tage nach Rechtskraft der Verfügung zu verlassen. Der daraufhin eingereichte Rekurs
wurde mit Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes des Kantons St. Gallen
vom 20. Februar 2019 abgewiesen. Die Beschwerdefrist verstrich in der Folge
unbenutzt. Daraufhin wurde am 20. März 2019 beim Verwaltungsgericht ein Gesuch um
Wiederherstellung der Beschwerdefrist eingereicht, welches am 28. Juni 2019
abgewiesen wurde (Verfahren B 2019/67). Eine hiergegen erhobene Beschwerde wies
das Bundesgericht am 4. Februar 2020 (2C_764/2019) ab. Die Verfügung des
Migrationsamtes erwuchs somit in Rechtskraft und wurde vollstreckbar. X._ reiste in
der Folge nicht aus. Das Untersuchungsamt K._ erliess am 25. August 2020 gegen
X._ einen Strafbefehl. Darin wurde er des rechtswidrigen Aufenthalts schuldig
gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 40 Tagen, bedingt aufgeschoben bei einer
Probezeit von drei Jahren, und einer Busse von CHF 300 bestraft.
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C.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 24. August 2020 ersuchte X._ das
Migrationsamt, vom Vollzug der Wegweisung abzusehen, dem Vorliegen eines
schwerwiegenden persönlichen Härtefalls Rechnung zu tragen und beim
Staatssekretariat für Migration die vorläufige Aufnahme zu beantragen. Mit Verfügung
vom 9. Oktober 2020 wies das Migrationsamt das Gesuch ab und verweigerte die
Unterbreitung des Falls an das Staatssekretariat für Migration.
D.
Gegen diese Verfügung legte X._ (Rekurrent) mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
26. Oktober 2020 beim Sicherheits- und Justizdepartement Rekurs ein und stellte
zugleich ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung. Mit Verfügung vom 13. November 2020 wies das Sicherheits-
und Justizdepartement das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
und Rechtsverbeiständung ab. Am 24. November 2020 erhob der Rekurrent mit
Eingabe seines Rechtsvertreters Beschwerde an das Verwaltungsgericht. Mit
Entscheid vom 4. März 2021 wies das Verwaltungsgericht die Beschwerde sowie das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung
im Verfahren B 2020/229 wegen Aussichtslosigkeit der Begehren ab. Die dagegen
erhobene Beschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil 2D_18/2021 vom 5. Mai 2021
ab.
E.
Mit Entscheid vom 2. August 2021 wies das Sicherheits- und Justizdepartement den
Rekurs in der Hauptsache ab und wies das Migrationsamt an, dem Rekurrenten eine
neue Ausreisefrist anzusetzen. Weiter auferlegte es ihm eine Entscheidgebühr von
CHF 1'000, welche es mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe
verrechnete. Das Begehren um Ersatz der ausseramtlichen Kosten wies es ab.
F.
Der Beschwerdeführer (vormals Rekurrent) erhob gegen den am 2. August 2021
versandten Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) mit
Eingabe seines Rechtsvertreters vom 30. August 2021 sowie Ergänzung vom
17. September 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Begehren, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer sei der angefochtene
Entscheid aufzuheben, vom Ansetzen einer Ausreisefrist sei abzusehen und dem
Beschwerdeführer sei eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen; eventualiter sei der
Entscheid der Vorinstanz aufzuheben, vom Ansetzen einer Ausreisefrist sei abzusehen,
der Beschwerdeführer sei vorläufig aufzunehmen bzw. die Beschwerdegegnerin sei
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anzuweisen, dem Staatssekretariat für Migration (SEM) die vorläufige Aufnahme des
Beschwerdeführers zu beantragen; subeventualiter sei der Entscheid der Vorinstanz
aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Weiter beantragte der Beschwerdeführer, ihm sei für das vorliegende
Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, wobei er
namentlich von der Kostenpflicht zu befreien und sein Rechtsvertreter als
unentgeltlicher Rechtsbeistand einzusetzen sei.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 27. September 2021 unter Verweis
auf die Erwägungen im Entscheid vom 2. August 2021, die Beschwerde sei
abzuweisen. Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe vom 5. November 2021 zur
Vernehmlassung Stellung. Die Vorinstanz verzichtete in der Folge stillschweigend auf
eine weitere Äusserung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer
ist zur Beschwerde gegen den Rekursentscheid, mit welchem sein Rechtsmittel gegen
die Abweisung des Gesuches um Unterbreitung als schwerwiegender persönlicher
Härtefall erfolgslos blieb, befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerde wurde mit Eingabe vom 30. August 2021 unter Berücksichtigung der
Gerichtsferien vom 15. Juli bis 15. August 2021 rechtzeitig erhoben und erfüllt
zusammen mit der Ergänzung vom 20. September 2021 in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1,
Art. 30 Abs. 1 VRP und Art. 145 Abs. 1 Ingress und lit. b der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272, ZPO) sowie Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2. Schwerwiegender persönlicher Härtefall
bis
Ausführungen des Beschwerdeführers
Der Beschwerdeführer strebt die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung wegen eines
schwerwiegenden persönlichen Härtefalls an, nachdem seine
Niederlassungsbewilligung rechtskräftig widerrufen worden ist. Er führt im
2.1.
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Wesentlichen aus, er befinde sich in einer persönlichen Notlage. Er leide nachweislich
an schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen, welche sowohl körperlicher als
auch psychischer Natur seien. Die Ausführung der Vorinstanz, wonach es sich bei den
Arztzeugnissen um Gefälligkeitszeugnisse handle, sei eine reine Behauptung und nicht
belegt. Das Arztzeugnis von Dr. med. M._ sei, da es vor drei Jahren erstellt wurde,
ungeeignet, um seine aktuelle gesundheitliche Situation darzulegen. Er befinde sich in
ständiger ambulanter psychiatrischer Behandlung. Die Weiterführung dieser
Behandlung sei zwingend geboten. Die Nichtanerkennung der gesundheitlichen
Probleme durch die Vorinstanz sei willkürlich. Eine Weiterbehandlung im Kosovo könne
nur unzureichend bzw. nicht sichergestellt werden, da einerseits im Kosovo aufgrund
der Behandlungsangebote eine therapeutische Behandlung nicht angemessen
gewährleistet werden könne. Andererseits sei es für ihn aufgrund seiner dauernden
Arbeitsunfähigkeit unmöglich, genug Geld aufzubringen, um sich eine angemessene
Gesundheitsversorgung im Kosovo zu leisten. Im Fall einer Wegweisung in den Kosovo
sei deshalb eine signifikante Verschlimmerung seines gesundheitlichen Zustandes zu
erwarten, wobei auch die Suizidgefährdung zu berücksichtigen sei.
Sodann könne ihm nicht vorgeworfen werden, dass er in schwerwiegender Weise
gegen die Sicherheit und Ordnung verstossen habe. Er habe keine schweren, gegen
besonders hohe Rechtsgüter gerichteten, mit längerfristigen Freiheitsstrafen
sanktionierten Delikte begangen. Es liege auch keine mutwillige Schuldenanhäufung
vor. Im Rahmen seiner gesundheitlichen Möglichkeiten sei er stets arbeitstätig und um
den Schuldenabbau bemüht gewesen. Sein Sozialhilfebezug sei ausschliesslich
gesundheitlich bedingt gewesen. Einer Arbeitstätigkeit könne er aufgrund seiner
Arbeitsunfähigkeit sowie seines Alters nicht nachgehen und auf ein funktionierendes
soziales Beziehungsnetz könne er in seinem Heimatland nicht zurückgreifen. Sein
persönliches familiäres Umfeld befinde sich in der Schweiz, wobei er auf eine
Intensivierung des persönlichen Kontakts mit seinen Kindern hoffe. Im Kosovo habe er
seit dem Tod seines Bruders keine Bezugspersonen mehr. Mit den sporadischen
Besuchen im Kosovo könnten keine sozialen Beziehungen bewiesen werden.
Erwägungen der Vorinstanz
Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, die Niederlassungsbewilligung
des Beschwerdeführers sei rechtskräftig widerrufen worden, weil er angesichts seines
strafbaren Verhaltens die hiesige Rechtsordnung nicht eingehalten und aufgrund der
erfolgten Verschuldung seine öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen
Verpflichtungen mutwillig nicht erfüllt habe. Die Wegweisung des Beschwerdeführers
hinsichtlich Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs sei bereits
2.2.
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Gegenstand in jenem Verfahren gewesen und die vorgenommene Abwägung zwischen
dem öffentlichen Interesse an der Wegweisung des Beschwerdeführers und seinem
privaten Interesse am Verbleib in der Schweiz habe ergeben, dass das öffentliche
Interesse überwiege. Dieser rechtskräftige Entscheid könne nicht auf dem Umweg über
ein Härtefallgesuch quasi in Wiederwägung gezogen werden. Soweit keine
wesentlichen neuen Tatsachen vorlägen, welche beim Entscheid betreffend Widerruf
der Niederlassungsbewilligung nicht berücksichtigt worden seien, könne auf diese
rechtskräftige und damit verbindliche Einschätzung grundsätzlich nicht
zurückgekommen werden.
Trotz seiner über 20-jährigen Anwesenheit in der Schweiz könne beim
Beschwerdeführer, mit Hinweis auf die erfolgten Verurteilungen sowie die mutwillig
angehäuften Schulden zudem weder von einer erfolgreichen Integration noch von
geordneten finanziellen Verhältnissen gesprochen werden. Hinsichtlich der geltend
gemachten schwerwiegenden gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdeführers
liege gemäss Gutachten von Dr. med. M._ vom 13. Dezember 2018 keine relevante
psychische Störung, sondern höchstens eine Anpassungsstörung vor, welche
allerdings keinen Einfluss auf seine Arbeitsfähigkeit habe. Eine Neubeurteilung der
gesundheitlichen Verhältnisse erübrige sich insofern, als dieselben gesundheitlichen
Beschwerden wie im Verfahren betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung
vorgebracht würden. Der Beschwerdeführer sei, soweit ersichtlich, weiterhin reisefähig.
Die Behandlung psychiatrisch-psychotherapeutischer Probleme im Kosovo sei
gewährleistet. Allfälligen Wiedereingliederungsproblemen könne im Rahmen des
Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen werden. Die sozialen
Wiedereingliederungsmöglichkeiten seien auch nach dem Tod des Bruders gegeben,
da der Beschwerdeführer gemäss Akten über weitere nahestehende Personen im
Herkunftsland, u.a. eine Freundin und einen zehnjährigen Sohn, verfüge. Gelebte
familiäre Bindungen oder ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis zu den
erwachsenen Kindern in der Schweiz seien im Übrigen nicht ersichtlich. Die losen
familiären Bindungen würden somit keinen Anspruch auf Schutz des Familienlebens
nach Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
0.101; EMRK) bzw. Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101; BV) zu begründen vermögen.
Insgesamt verneinte die Vorinstanz deshalb das Vorliegen eines schwerwiegenden
persönlichen Härtefalls und erwog, dass nach wie vor keine Gründe im Sinne von
Art. 83 Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration
(Ausländer- und Integrationsgesetz; SR142.20, AIG) ersichtlich seien, welche eine
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Rückkehr des Beschwerdeführers nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar
erscheinen liessen.
Rechtliche Grundlagen
Mit Beschwerde beim Verwaltungsgericht können gemäss Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP
lediglich Rechtsverletzungen geltend gemacht werden. Das Verwaltungsgericht kann
deshalb die Ausübung des Ermessens durch das Migrationsamt und die Vorinstanz nur
überprüfen, soweit eine rechtsfehlerhafte Ermessenshandhabung – und nicht lediglich
die Unangemessenheit – in Frage steht.
Gestützt auf Art. 99 AIG in Verbindung mit Art. 85 der Verordnung über Zulassung,
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) und Art. 5 lit. d der Verordnung
des EJPD über die dem Zustimmungsverfahren unterliegenden ausländerrechtlichen
Bewilligungen und Vorentscheide (SR 142.201.1, ZV-EJPD) ist die Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung bei einem schwerwiegenden persönlichen Härtefall dem SEM
zur Zustimmung zu unterbreiten. Über die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung
entscheidet die kantonale Behörde hingegen in eigener Zuständigkeit (M. Nyffenegger,
in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 12 zu Art. 99 AuG).
Nach Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b AIG kann von den Zulassungsvoraussetzungen
der Art. 18-29 AIG abgewichen werden, um insbesondere schwerwiegenden
persönlichen Härtefällen oder wichtigen öffentlichen Interessen Rechnung zu tragen.
Diese Bestimmung räumt keinen Bewilligungsanspruch ein (BGer 2C_154/2013 vom
14. Februar 2013 E. 2 mit Hinweisen; sog. Ermessensbewilligung, BGE 137 II 345
E. 3.2.1). Nach Art. 96 Abs. 1 AIG berücksichtigen die zuständigen Behörden bei der
Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse
sowie die Integration der Ausländerinnen und Ausländer. Eine gesetzliche Pflicht,
Ermessen in irgendeiner Weise grosszügig zu handhaben, besteht nicht (vgl. VerwGE
B 2010/185 vom 16. Dezember 2010 E. 2.4). Bei der Beurteilung, ob ein
schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt, sind laut Art. 31 Abs. 1 VZAE vor allem
die Integration anhand der Integrationskriterien nach Art. 58a Abs. 1 AIG (lit. a;
Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung; Respektierung der Werte der
Bundesverfassung; Sprachkompetenzen; Teilnahme am Wirtschaftsleben oder am
Erwerb von Bildung), die Familienverhältnisse insbesondere der Zeitpunkt der
Einschulung und die Dauer des Schulbesuchs der Kinder (lit. c), die finanziellen
Verhältnisse (lit. d), die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (lit. e), der
Gesundheitszustand (lit. f) sowie die Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im
2.3.
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Herkunftsstaat (lit. g) zu berücksichtigen. Die genannten Gesichtspunkte können bei
der Beurteilung eine wesentliche Rolle spielen, auch wenn sie einzeln betrachtet
grundsätzlich noch keinen Härtefall zu begründen vermögen (vgl. BGE 137 II 1 E. 4.1
im Zusammenhang mit der Beurteilung, unter welchen Umständen ein nachehelicher
Härtefall und damit ein Anspruch zu bejahen ist). Bei der Beurteilung, ob ein
schwerwiegender persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG vorliegt,
ist anhand der in Art. 31 Abs. 1 VZAE aufgeführten Kriterien eine Gesamtwürdigung der
Situation unter Berücksichtigung aller Umstände vorzunehmen (vgl. M. Spescha, in:
Spescha / Zünd / Bolzli / Hruschka / de Weck [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht,
5. Aufl. 2019, N 13 zu Art. 30 AIG). Der Begriff des schwerwiegenden persönlichen
Härtefalls ist restriktiv auszulegen und an die genannten Härtefallkriterien ist ein
strenger Massstab zu legen (VerwGE B 2010/294 vom 31. Mai 2011 E. 3). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt ein Härtefall vor, wenn sich die betroffene
Person in einer persönlichen Notlage befindet. Ihre Lebens-/Daseinsbedingungen
müssen, gemessen am durchschnittlichen Schicksal ausländischer Personen, in
gesteigertem Mass in Frage gestellt sein (BGE 130 II 39 E. 3; BGE 128 II 200 E. 4).
Während die Anwendung der «Härtefallklausel» von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG
grundsätzlich im Ermessen der Behörden liegt, kann das Recht auf Achtung des
Familienlebens (Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV) bei gegebenen Voraussetzungen
einen Rechtsanspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsberechtigung vermitteln (vgl. M.
Caroni, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., N 60 ff. der Vorbemerkungen zu
Art. 42-52 AuG). Dies kommt in Betracht, wenn einem Ausländer, dessen Angehörige
hier weilen und über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen, die Anwesenheit
untersagt und damit das Familienleben vereitelt wird (BGE 135 1 143 E. 1.3.1). Art. 8
EMRK schützt in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit
ihren minderjährigen Kindern (BGE 135 1 143 E. 1.3.2; BGE 127 II 60 E. 1). Die
Beziehung zu einem volljährigen Kind kann nur ausnahmsweise – und grundsätzlich
nur, wenn ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zu einem anwesenheitsberechtigten
Familienmitglied vorliegt – ein Anwesenheitsrecht verschaffen (BGE 120 Ib 257 E. 1d;
J. Meyer-Ladewig / M. Nettesheim, in: von Raumer [Hrsg.], Handkommentar EMRK,
4. Aufl. 2017, N 61 zu Art. 8 EMRK mit Hinweisen).
Würdigung
Die Ausführungen der Vorinstanz stimmen mit der Aktenlage überein und sind unter
Berücksichtigung der wesentlichen Kriterien für die Beurteilung eines persönlichen
Härtefalls nachvollziehbar sowie schlüssig begründet. Richtigerweise nimmt die
Vorinstanz bei ihrer Beurteilung, ob ein persönlicher Härtefall vorliegt, eine
2.4.
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Gesamtbeurteilung der Situation des Beschwerdeführers vor und zieht die relevanten
Kriterien mit in Betracht.
Zur Gesundheitssituation des Beschwerdeführers wiederholt auch der neu eingereichte
Arztbericht vom 16. März 2021 von Dr. med. P._ im Wesentlichen die gestellte
Diagnose ihres früheren Arztberichts, wonach beim Beschwerdeführer eine
schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv (ICD-10 F25.1), vorliege (act. 3/3). Auch
dem E-Mail vom 5. November 2021 von lic. phil. R._ liegen keine neuen Tatsachen
zugrunde, auf welche sich die Fachpsychologin stützen würde. Gemäss Angabe der
Fachpsychologin ist die neuste Datengrundlage der Diagnose nämlich der letzte
Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Klinik A._ vom 18. Februar 2021 bis zum
19. April 2021, während welchem auch der Arztbericht vom 16. März 2021 (act. 3/4)
verfasst wurde. Zum aktuellen Zustand kann sie keine Angaben machen (act. 14).
Damit handelt es sich bei dem Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend den
gesundheitlichen Zustand und den neu eingereichten Akten im Wesentlichen um
dieselben Tatsachen, welche bereits Gegenstand des Verfahrens waren, in welchem es
um den Widerruf der Niederlassungsbewilligung ging. Der diesbezügliche Entscheid
der Vorinstanz vom 20. Februar 2019 ist in Rechtskraft erwachsen. Eine Neubeurteilung
der gesundheitlichen Verhältnisse erübrigt sich deshalb.
Ganz unabhängig davon, ob der Beschwerdeführer nun an einer schizoaffektiven
Störung oder paranoiden Schizophrenie leidet – was von Dr. med. M._ im Gutachten
vom 13. Dezember 2018 (Akten Migrationsamt, S. 597 ff.) verneint, von den
behandelnden Ärzten Dr. med. T._ und Dr. med. P._ indessen bejaht wird –, vermag
dieser Umstand keinen persönlichen Härtefall im Sinn von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG zu
begründen. Das Vorliegen einer Krankheit allein reicht nicht aus, um die Lage der
betroffenen Person als Härtefall einzustufen. Damit ein Härtefallgesuch aufgrund
medizinischer Beschwerden gutgeheissen wird, muss die betreffende Person unter
einer schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigung leiden, die einer über lange
Zeit andauernden, permanenten medizinischen Betreuung oder punktueller
Notfallbehandlungen bedarf, die im Herkunftsland nicht verfügbar sind, so dass eine
Ausreise aus der Schweiz (bzw. die Verweigerung des Aufenthalts) geeignet wäre,
gravierende Konsequenzen für deren Gesundheit zu haben. Die Tatsache allein, dass in
der Schweiz Zugang zu qualitativ besserer medizinischer Versorgung besteht als im
Herkunftsland, reicht hingegen nicht aus, um eine Abweichung von den
Zulassungsbedingungen zu rechtfertigen (vgl. BGE 128 II 200 E. 5.3).
Der Kosovo verfügt über eine funktionierende medizinische Grundversorgung, auch
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hinsichtlich psychiatrischer Behandlungen (sowohl therapeutisch als auch
medikamentös; vgl. Analyse des SEM vom 9. März 2017 mit dem Focus Kosovo:
Medizinische Grundversorgung, und Analyse des SEM vom 25. Oktober 2016 mit dem
Focus Kosovo: Behandlungsangebote bei psychischen Erkrankungen, beides unter
www.sem.admin.ch). Im Grundsatz können in den verschiedenen staatlichen
psychiatrischen Einrichtungen alle Krankheitsbilder, das heisst leichte bis schwere
Depressionen, Psychosen und auch paranoide Schizophrenien behandelt werden.
Insbesondere die Behandlung von Personen mit chronischen psychischen Problemen
ist in staatlichen Institutionen kostenfrei, was gerade für den Beschwerdeführer
angesichts seiner finanziellen Situation relevant ist; dies gilt auch für Rückkehrer. Auch
wenn anzunehmen ist, dass sich die Wegweisung in den Herkunftsstaat nicht förderlich
auf den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers auswirken wird und
gewisse (Behandlungs-)Einschränkungen im therapeutischen Bereich bestehen mögen,
steht ihm in seinem Heimatland eine fachärztliche Behandlung zur Verfügung. Der
Beschwerdeführer führte im Rahmen der Begutachtung selber aus, er habe im Kosovo
einen Psychiater, mit dem er albanisch sprechen könne. Dieser habe ihm auch
geholfen, als er in Y._ wegen der Tabletten «voll kaputt» gewesen sei (Akten
Migrationsamt, S. 611). Die Ausführungen der Vorinstanz zur Gesundheitssituation als
auch die Erwägungen zur Reisefähigkeit mit den Hinweisen auf die Einschätzung von
Dr. med. T._ und das erteilte Rückreisevisum für Ferien im Heimatland im Sommer
2021 sowie zu den Rückkehrmassnahmen sind vor diesem Hintergrund nicht zu
beanstanden.
Das Verwaltungsgericht stimmt mit der Vorinstanz überein, dass vorliegend nicht von
einem Härtefall ausgegangen werden kann. Berücksichtigt man die üblichen Kriterien
für den Widerruf von Bewilligungen, so ist festzustellen, dass gerade den Kriterien der
Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie den geordneten finanziellen
Verhältnissen ein besonderes Gewicht eingeräumt wird. Und diese Kriterien sprechen
vorliegend eine deutliche Sprache gegen den Beschwerdeführer, wie sowohl das
strafbare Verhalten als auch die hohen Sozialhilfe- und Privatschulden verdeutlichen.
Die diesbezüglichen Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach es sich bei seinem
strafrechtlichen Verhalten um Bagatelldelikte gehandelt habe, treffen sodann nicht zu.
Der Beschwerdeführer wurde während seines Aufenthalts in der Schweiz neben den
SVG-Delikten sowohl wegen Drohung, Tätlichkeit und Diebstahls als auch wegen
Hehlerei verurteilt. Letztere beide qualifizieren als Verbrechen mit einem Strafmass von
bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Die Drohung ist ein Vergehen,
welches mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft wird.
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War aufgrund des Alters, des Gesundheitszustandes oder des asylrechtlichen
Arbeitsverbots die Teilnahme am Wirtschaftsleben oder am Erwerb von Bildung nicht
möglich, so ist dies bei der Prüfung der finanziellen Verhältnisse zu berücksichtigen
(Art. 31 Abs. 5 VZAE). Dass der Beschwerdeführer seit Jahren nicht arbeitsfähig
gewesen wäre, trifft indessen nicht zu, wie aus dem Gutachten von Dr. med. M._
hervorgeht (Akten Migrationsamt, S. 618 f.). Auch im Abklärungsverfahren für eine
Invalidenrente wurde er zu maximal 20 Prozent für arbeitsunfähig erklärt. Die
ausgeprägte Schuldenanhäufung des Beschwerdeführers ist somit nicht, wie vom
Beschwerdeführer angeführt, ausschliesslich auf seinen Gesundheitszustand
zurückzuführen und ist deshalb beim Kriterium der finanziellen Verhältnisse nur in
eingeschränktem Mass mitzuberücksichtigen.
Die Vorinstanz hat zudem nicht ohne guten Grund ausgeführt, dass die sozialen
Wiedereingliederungsmöglichkeiten im Herkunftsland nach wie vor gegeben seien. In
den vergangenen Jahren ist der Beschwerdeführer regelmässig jedes Jahr mindestens
einmal für mehrere Wochen in den Kosovo gereist. Dort leben nach wie vor drei
Geschwister, seine Mutter, diverse Nichten und Neffen, ein weiteres Kind von ihm (geb.
2011) und seine Partnerin. Dass er unter diesen Umständen in seinem Herkunftsstaat
über keine Bezugsperson verfügen soll, erscheint nicht nur unglaubwürdig, sondern
geht eindeutig an den Tatsachen vorbei. Die Prognose für eine Wiedereingliederung im
Kosovo ist daher als gut einzustufen. Schliesslich bestehen keine gelebten familiären
Beziehungen in der Schweiz. Zu seinen zwei in der Schweiz lebenden Kindern hat er
seit mehr als zehn Jahren keinen Kontakt mehr. Allein die Hoffnung, die Beziehung zu
diesen wieder verbessern zu können, rechtfertigt die Annahme eines Härtefalles nicht.
Der persönliche Kontakt kann sowohl brieflich als auch telefonisch aus dem Kosovo
gepflegt werden. Hinzukommt, dass sowohl die Tochter als auch der Sohn bereits
volljährig sind und zwischen dem Vater und den in der Schweiz lebenden Kindern kein
Abhängigkeitsverhältnis besteht. Schliesslich vermag auch die lange Aufenthaltsdauer
des Beschwerdeführers in der Schweiz all diese oben aufgeführten und insgesamt
stark gegen den Beschwerdeführer sprechenden Momente nicht aufzuwiegen.
Im Übrigen ist die Ausführung der Vorinstanz zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und
Möglichkeit des Vollzugs zutreffend. Die diesbezüglichen Fragen waren bereits
Gegenstand im Verfahren betreffend den Widerruf der Niederlassungsbewilligung. Die
Rückkehr des Beschwerdeführers ist gemäss den Akten nach wie vor möglich, zulässig
und zumutbar. Die im Entscheid der Vorinstanz vom 20. Februar 2019 vorgenommene
Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Wegweisung des
Beschwerdeführers und seinem privaten Interesse am Verbleib in der Schweiz hat nach
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3. Vorläufige Aufnahme
Auch in Bezug auf den Eventualantrag betreffend vorläufige Aufnahme treffen die
Ausführungen der Vorinstanz zu. Diese zog eine vorläufige Aufnahme zum Vornherein
nicht in Betracht, da die Niederlassungsbewilligung aufgrund des Widerrufsgrundes
von Art. 63 Abs. 1 Bst. b AIG rechtskräftig entzogen worden sei. Art. 83 Abs. 6 AIG
(erheblicher Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz)
sieht ausdrücklich vor, dass eine vorläufige Aufnahme nur von der kantonalen Behörde
beim Bundesamt beantragt werden kann. Art. 83 AIG verschafft dem Einzelnen keinen
Rechtsanspruch; im Gegenteil: Der Gesetzgeber schloss den direkten Zugang des
Ausländers zu diesem Verfahren bewusst aus und überliess es dem Kanton,
gegebenenfalls ein solches einzuleiten. Ein Ermessensfehler des Migrationsamtes ist in
diesem Zusammenhang nicht ersichtlich. Der Eventualantrag des Beschwerdeführers
ist folglich abzuweisen.
4. Zusammenfassung
Gesamthaft betrachtet erscheint der Entscheid der Vorinstanz nicht als
rechtsfehlerhaft. Der Vorinstanz kann weder ein Ermessensmissbrauch noch eine
ungenügende Feststellung des Sachverhalts vorgeworfen werden. Damit ist dem
Beschwerdeführer keine neue Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, und es fehlt auch an
einem Anlass, dem SEM ein Gesuch um Zustimmung zu einer Härtefallbewilligung für
den Beschwerdeführer zu unterbreiten oder die vorläufige Aufnahme zu beantragen.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
5. Unentgeltliche Rechtsverbeiständung und Rechtspflege im Beschwerdeverfahren
Der Entscheid über das Begehren um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren fällt in die Zuständigkeit des
Abteilungspräsidenten (Art. 99 Abs. 1 und 2 VRP in Verbindung mit Art. 119 Abs. 3 ZPO
und Art. 6 Abs. 2 des Reglements über die Organisation und den Geschäftsgang des
Verwaltungsgerichts, sGS 941.22). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren ist angesichts der offenkundigen
Aussichtslosigkeit abzuweisen (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 117 Ingress
und lit. b ZPO). Weitere Ausführungen zur Aussichtslosigkeit des Gesuchs erübrigen
sich vor dem Hintergrund der Entscheide B 2020/229 des Verwaltungsgerichts vom
4. März 2021 und 2D_18/2021 des Bundesgerichts vom 5. Mai 2021, in welchen die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung im Rekursverfahren aufgrund
wie vor Gültigkeit. Diese ergab, dass das öffentliche Interesse überwiegt. Dieser
rechtskräftige Entscheid kann, wie bereits ausgeführt, nicht auf dem Umweg über ein
Härtefallgesuch quasi in Wiedererwägung gezogen werden.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/15
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der Aussichtslosigkeit nicht gewährt wurde. Es kann dabei offenbleiben, ob in
Anbetracht dessen das vorliegende Gesuch als rechtsmissbräuchlich zu beurteilen
wäre. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege erweist sich, da auf die Erhebung
von Kosten verzichtet wird (vgl. Erwägung 5 nachfolgend), als gegenstandslos.
6. Kosten
Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2’000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Auf die Erhebung der amtlichen Kosten ist angesichts der unbestrittenen und
aufgrund der Akten ausgewiesenen prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers
und zufolge vor–aussichtlicher Uneinbringlichkeit ausnahmsweise zu verzichten (Art. 97
VRP). Damit wird das von ihm im vorliegenden Beschwerdeverfahren gestellte Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gegenstandslos (vgl. Erwägung 4
vorstehend).
Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Verfahrensausgang mangels Obsiegens und
mangels Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung nicht zu entschädigen
(Art. 98 Abs. 1 und 98 VRP).