Decision ID: 9a6f1841-0af2-4284-8bbe-01d3a32e0121
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war vom 15. März 2014 bis ca. Mitte August
2014 beim B._ in C._ tätig und deshalb als Arbeitnehmer bei der Helvetia
Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: Helvetia; vor einer
durchgeführten Fusion Schweizerische National-Versicherungs-Gesellschaft AG)
obligatorisch unfallversichert (UV-act. SI 3 ff.; UV-act. K 1 ff. und act. G 1.2). Am 11.
September 2014 erlitt er einen Verkehrsunfall. Den polizeilichen Akten kann
entnommen werden, dass der Versicherte am Unfalltag mit einem Motorrad vom
Bahnhof C._ kommend auf der Strasse D._ in E._ Richtung F._ unterwegs war,
als eine Lenkerin eines Personenwagens von der Strasse G._ links in die Strasse
D._ abbog und ihm damit die Vorfahrt nahm, wobei es um ca. 15.00 Uhr zu einem
Zusammenprall kam (act. G 1.3; vgl. ferner UV-act. P)
A.b Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 22. September 2014 gab die am Unfall
beteiligte Personenwagenlenkerin an, dass sie vor der Verzweigung den Blinker nach
links gestellt und ganz angehalten habe. Sie habe dann zwei Mal nach links und rechts
geschaut und keine anderen Verkehrsteilnehmer gesehen. Sie sei in die Strasse D._
abgebogen, worauf es bereits gekracht habe. Sie habe den Motorradfahrer nicht
gesehen und könne sich beim besten Willen nicht vorstellen, warum es zum Unfall
gekommen sei (act. G 1.3; vgl. ferner UV-act. P).
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A.c Beim Verkehrsunfall hatte der Versicherte ca. ein Gramm Marihuana mit sich
geführt, weshalb seitens der Polizei eine Blut- und Urinprobe angeordnet worden war.
Dem Untersuchungsbericht des Instituts für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St.
Gallen vom 3. Oktober 2014 und dem dazugehörigen Begleitschreiben vom 8. Oktober
2014 ist zu entnehmen, dass im Blut des Versicherten der aktive Cannabiswirkstoff
Tetrahydrocannabinol (THC) mit einer Blutkonzentration von 7.2 μg/l festgestellt
werden konnte. Die THC-Carbonsäure (THC-COOH) wurde in einer Konzentration von
64 μg/l gemessen. Weiter wurde in dem Begleitschreiben festgehalten, dass aufgrund
des qualitativen und quantitativen THC-Nachweises die Voraussetzung für die
Fahrunfähigkeit im Sinne des Gesetzes gegeben sei. Trinkalkohol (Ethanol) konnte in
der untersuchten Blutprobe nicht nachgewiesen werden (vgl. UV-act. P).
A.d Der Versicherte führte in der Befragung vom 24. November 2014 zum
Unfallereignis gegenüber der Polizei aus, dass er mit ca. 40-50 km/h auf der Strasse
D._ Richtung F._ gefahren sei. Kurz vor der Unfallstelle habe er noch an einem
stehenden Bus vorbeifahren müssen. Als er sich der Strasse G._ genähert habe,
habe er gesehen, dass dort ein Personenwagen gestanden habe. Er habe realisiert,
dass die Lenkerin ihn angesehen habe, dann auf die andere Seite geschaut habe und
schliesslich in die Strasse eingefahren sei. Dadurch sei ihm die Weiterfahrt blockiert
worden. Er habe noch versucht, gegen die Strassenmitte hin auszuweichen, jedoch
habe er den Zusammenstoss mit dem Personenwagen nicht mehr verhindern können.
Der Versicherte erwähnte überdies, dass er seit Jahren jeden Abend einen Joint
rauche. Den letzten Joint vor dem Unfallereignis habe er am Vorabend, um 22.00 Uhr,
konsumiert. Ausserdem verneinte er, im Besitz eines gültigen Führerausweises für
Motorräder für die Schweiz zu sein. Er hätte einen ausländischen Ausweis gehabt,
diesen in der Schweiz aber nicht umgeschrieben, weshalb er aberkannt worden sei
(act. G 1.3; vgl. ferner UV-act. P).
A.e Mit Strafbefehl vom 6. Februar 2015 wurde der Versicherte des mehrfachen
Fahrens in fahrunfähigem Zustand und des mehrfachen Führens eines
Motorfahrzeuges trotz Verweigerung des Führerausweises schuldig gesprochen. Laut
Strafbefehl war dem Versicherten vom Strassenverkehrsamt H._ mit Verfügung vom
1. Juli 2013 der Führerausweis für alle Kategorien wegen Drogensucht auf
unbestimmte Zeit verweigert worden (vgl. UV-act. P).
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A.f Mit Verfügung vom 19. Oktober 2016 kürzte die Helvetia die Taggeldleistungen um
50 %, während sie die ungekürzte Kostenübernahme für die Heilbehandlungen
zusprach. Sie begründete ihren Entscheid damit, dass der Versicherte als Lenker eines
Motorrads nach dem Konsum von Cannabis in einem fahrunfähigen Zustand und ohne
entsprechenden Führerausweis am Verkehrsunfall beteiligt gewesen sei, womit er ein
Vergehen begangen habe (vgl. UV-act. K 33.4).
B. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic.
iur. Roland Zahner, Kreuzlingen, mit Schreiben vom 21. November 2016 Einsprache
(vgl. UV-act. K 33), welche die Helvetia mit Einspracheentscheid vom 7. Februar 2017
abwies (act. G 1.2).
C.
C.a Am 10. März 2017 liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) durch
seinen Rechtsvertreter gegen den Einspracheentscheid der Helvetia (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) Beschwerde erheben (act. G 1). Darin beantragte er die
vollumfängliche Aufhebung des Einspracheentscheids der Beschwerdegegnerin vom 7.
Februar 2017 sowie die Ausrichtung der ungekürzten unfallversicherungsrechtlichen
Geldleistungen. Eventualiter beantragte er die Rückweisung der Angelegenheit an die
Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung. Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1 S. 2).
C.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 26. April 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde vom 10. März
2017 unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschwerdeführers (act. G
3 S. 2).
C.c Am 12. Juni 2017 reichte der Beschwerdeführer seine Replik ein, in welcher er an
den in der Beschwerde gestellten Anträgen festhielt (act. G 7).
C.d Die Beschwerdegegnerin hielt ihrerseits in der Duplik vom 22. Juni 2017 an der
beantragten Beschwerdeabweisung fest (act. G 9).

Erwägungen
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1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Unfallereignis aus dem Jahr 2014 zur Diskussion steht, die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
2.
Vorliegend ist streitig und zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer die Taggeldleistungen zu Recht um 50 % gekürzt hat, weil dieser
unbestrittenermassen im Unfallzeitpunkt über keinen gültigen Führerausweis verfügt
und einen THC-Wert von 7.2 μg/l im Blut aufgewiesen hatte (vgl. UV-act. P).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, dass zwischen seinem
Verhalten, für welches er strafrechtlich verurteilt worden sei, und dem Unfallereignis
kein Kausalzusammenhang bestehe (vgl. act. G 1 und G 7). Weder aus dem Nachweis
von THC im Blut noch aus der Tatsache, dass er keinen gültigen Führerausweis
besessen habe, könne geschlossen werden, dass er fahrunfähig gewesen sei. Ein
regelmässiger, aber kontrollierter und mässiger Haschischkonsum für sich allein lasse
noch nicht den Schluss auf eine fehlende Fahreignung zu (act. G 1 S. 5; act. G 7 S. 2).
Ob eine solche gegeben sei, könne gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ohne
Angaben über die Konsumgewohnheiten des Betroffenen, namentlich über Häufigkeit,
Menge und Umstände des Cannabiskonsums und des allfälligen Konsums weiterer
Betäubungsmittel und/oder Alkohol sowie zu seiner Persönlichkeit nicht beurteilt
werden (act. G 1 S. 5 f.). Die Akten enthielten keinerlei Anhaltspunkte für einen
Fahrfehler von ihm oder sonstige Verhaltensauffälligkeiten bzw. Ausfallerscheinungen.
Auch der Untersuchungsbefund in der zentralen Notaufnahme sei unauffällig gewesen.
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Laut ärztlicher Einschätzung sei beim Beschwerdeführer keine Beeinträchtigung
merkbar gewesen. Auch habe er adäquat reagiert, indem er noch gegen die
Strassenmitte hin auszuweichen versucht habe, um dem unerwartet einfahrenden
Personenwagen auszuweichen (act. G 1 S. 6 f.). Durch Bremsen hätte der Unfall unter
Berücksichtigung des Anhalteweges bei einer Geschwindigkeit von 40-50 km/h
augenscheinlich nicht verhindert werden können, weshalb das Ausweichmanöver die
adäquateste Reaktion gewesen sei (act. G 7 S. 3). Er habe ohnehin - auch ohne
Cannabiskonsum – keine Möglichkeit gehabt, die Unfallfolgen zu verringern oder ganz
zu verhindern. Ihm sei ohne Vorwarnung der Weg abgeschnitten worden, was die
Bilder des Polizeirapports bestätigen würden (vgl. act. G 1 S. 6). Die Autofahrerin sei
auch mit Strafbefehl vom 1. Juni 2015 verurteilt worden. Dem Strafbefehl sei zu
entnehmen, dass sie das von links entgegenkommende und aufgrund des
Strassenverlaufs sowie der Frontbeleuchtung erkennbare Motorrad übersehen habe
und losgefahren sei, worauf es zu einer Kollision gekommen sei (vgl. act. G 7 S. 3).
Auch habe er über genügend Fahrpraxis verfügt (act. G 7 S. 4). Insgesamt sei mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass sich der Unfall auch ohne
Cannabiskonsum bzw. unabhängig vom Besitz eines gültigen Führerausweises
ereignet hätte (act. G 1 S. 7; act. G 7 S. 2 f.).
3.2 Die Beschwerdegegnerin wendet ein, dass der Beschwerdeführer wegen Fahrens
in fahrunfähigem Zustand mit in Rechtskraft erwachsenem Strafbefehl verurteilt worden
sei. Auch der Umstand, dass dem Beschwerdeführer die Erteilung eines
Führerausweises aufgrund einer Drogensucht verweigert worden sei, sei als starkes
Indiz dafür zu werten, dass bei ihm generell eine Fahrunfähigkeit gegeben sei. Bei
Sucht beeinträchtige Cannabis gemäss der vom Beschwerdeführer zitierten
Rechtsprechung die Fahreignung generell (act. G 3 S. 3). Ferner sei zweifelhaft, ob ein
täglicher Konsum von Cannabis noch als regelmässig, kontrolliert und mässig
angesehen werden könne. Dies umso weniger, als dem Beschwerdeführer die Erteilung
des Führerausweises aufgrund einer Drogensucht verweigert worden sei (act. G 9 S. 2).
Überdies sei auch das Institut für Rechtsmedizin von einer Fahrunfähigkeit im Sinne
des Gesetzes ausgegangen. Es gebe keinen Grund, von dieser Einschätzung
abzuweichen (act. G 3 S. 4). Im Blut des Beschwerdeführers seien zum Unfallzeitpunkt
7.2 μg/l THC und 64 μg/l THC-COOH festgestellt worden, womit die Fahreignung umso
mehr zu verneinen sei (act. G 3 S. 3). Schliesslich sei auch der Zeitpunkt, in welchem
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der letzte Joint vor dem Unfall geraucht worden sei, unklar. Der Beschwerdeführer
habe gegenüber der Polizei zwar angegeben, dass der letzte Cannabiskonsum am
Vortag des Unfalls, um 22.00 Uhr, stattgefunden habe. Er habe Einschlafprobleme.
Allerdings erscheine es nicht einleuchtend, warum er im Unfallzeitpunkt Cannabis
mitgeführt habe, wenn er dieses angeblich nur zu Hause als Hilfsmittel für das
Einschlafen konsumiere. Auch anhand der im Blut gemessenen Werte erscheine es
unwahrscheinlich, dass ein Cannabiskonsum zuletzt 17 Stunden vor dem Unfall erfolgt
sei, da aktives THC im Blut in der Regel nur wenige Stunden nachweisbar sei (act. G 9
S. 1 f.). Schliesslich sei im Protokoll der ärztlichen Untersuchung angegeben, dass der
letzte Cannabiskonsum am 11. September 2014 um 15.00 Uhr erfolgt sei (act. G 3 S.
4). Ob es sich dabei um einen Verschrieb handle, könne offenbleiben, da die
Fahrunfähigkeit ohnehin festgestellt worden sei (act. G 9 S. 2). Weiter bringt die
Beschwerdegegnerin vor, dass eine Verkehrsregelverletzung entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers keine Voraussetzung für die Kürzung der Taggeldleistungen sei.
Eine solche bzw. eine auffällige Fahrweise könne zwar ein Anhaltspunkt für eine
Fahrunfähigkeit darstellen, sei aber keine Voraussetzung dafür. Vorliegend wäre
denkbar, dass der Beschwerdeführer eine auffällige Fahrweise an den Tag gelegt habe,
was sich rückwirkend aber nicht mehr feststellen lasse. Soweit der Beschwerdeführer
ausführe, dass in der Notaufnahme keine Beeinträchtigung festgestellt worden sei,
bleibe anzumerken, dass der Beschwerdeführer mit mehreren Frakturen und unter
massivem Einfluss von Schmerzmitteln eingeliefert worden sei. Eine Beeinträchtigung
durch Cannabis dürfte somit schwer feststellbar gewesen sein. Der Beschwerdeführer
sei zumindest als schläfrig beschrieben worden. Darüber hinaus bringe der
Beschwerdeführer nichts vor, was die Vermutung, dass ein Kausalzusammenhang
zwischen dem Konsum von Cannabis und dem Verkehrsunfall bestehe, widerlegen
würde. Die Bilder im Polizeirapport würden keineswegs belegen, dass der Unfall in
nüchternem Zustand nicht passiert wäre. Im Polizeirapport würden sich auch keine
Angaben darüber finden, ob der Unfall in normalem Zustand vermeidbar gewesen wäre
(act. G 3 S. 4). Von weiteren Beweiserhebungen liessen sich darüber nun auch keine
neuen Erkenntnisse mehr erwarten. Eine Unfallmeldung sei erst über ein Jahr nach dem
Unfall erfolgt, weshalb zeitnah keine Abklärungen getätigt hätten werden können. Für
die Abklärung der Vermeidbarkeit des Unfalls wären Angaben über die gefahrene
Geschwindigkeit, die Distanz zwischen Motorrad und Personenwagen, den Zustand
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der Bremsen im Unfallzeitpunkt, die Distanz des Motorrads zum Randstein und vieles
mehr erforderlich. Eine solche Rekonstruktion dürfte im Nachhinein nicht mehr möglich
sein. Die Beweislast für die Unvermeidbarkeit des Unfalls liege beim Beschwerdeführer,
weshalb sich die diesbezügliche Beweislosigkeit zu seinen Ungunsten auswirke (act. G
3 S. 5).
4.
4.1 Nach Art. 21 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) können einer versicherten Person, die
einen Versicherungsfall vorsätzlich oder bei vorsätzlicher Ausübung eines Verbrechens
oder Vergehens herbeigeführt oder verschlimmert hat, die Geldleistungen
vorübergehend oder dauernd gekürzt oder in schweren Fällen verweigert werden. Art.
37 Abs. 3 UVG bestimmt sodann, dass einer versicherten Person, die einen Unfall bei
nicht vorsätzlicher Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens herbeigeführt hat, in
Abweichung von Art. 21 Abs. 1 ATSG die unfallversicherungsrechtlichen
Geldleistungen gekürzt oder in besonders schweren Fällen verweigert werden können.
Die erste Tatbestandsvariante von Art. 21 Abs. 1 ATSG (die vorsätzliche Herbeiführung
des Versicherungsfalls) fällt vorliegend ausser Betracht. Es ist nicht davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer absichtlich in einen Unfall geraten ist bzw. zu einem Unfall
hat beitragen wollen. Demnach bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch
vorsätzliche oder fahrlässige Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens (vgl. zweite
Tatbestandsvariante von Art. 21 Abs. 1 ATSG und Art. 37 Abs. 3 UVG) den Unfall im
Sinne des Gesetzes herbeigeführt hat. Aus unerklärlichen Gründen stellt die
Beschwerdegegnerin bei der Kürzung ihrer Geldleistungen automatisch auf Art. 37 Abs.
3 UVG ab. Indessen erscheint bei den Delikten, zu welchen der Beschwerdeführer
verurteilt worden ist, die vorsätzliche Begehung naheliegend. Demnach käme Art. 21
Abs. 1 ATSG zur Anwendung. Letztlich spielt es jedoch keine Rolle, ob vorliegend auf
Art. 21 Abs. 1 ATSG oder auf Art. 37 Abs. 3 UVG abgestellt wird, stellen doch beide
Bestimmungen (mit Ausnahme der Vorsatzfrage) die gleichen Voraussetzungen für eine
Leistungskürzung auf.
4.2 Erste Voraussetzung zur Leistungskürzung stellt die Verübung eines Verbrechens
oder Vergehens dar (vgl. Art. 21 Abs. 1 ATSG; Art. 37 Abs. 3 UVG; Urteil des
Bundesgerichts 9C_785/2010 E. 7.2).
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4.2.1 Ob ein Verbrechen oder Vergehen vorliegt, bestimmt sich nach der
strafrechtlichen Definition (BGE 129 V 354 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts vom 10.
Juni 2011, 9C_785/2012, E. 7.2). Gemäss Art. 10 Abs. 3 des Schweizerischen
Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) gilt eine Tat dann als Vergehen, wenn sie mit einer
Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bedroht ist. Ein Verbrechen
liegt vor, wenn die Tat mit einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren bedroht ist
(Art. 10 Abs. 2 StGB). Es müssen die objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale
des Straftatbestandes erfüllt sein, während nicht erforderlich ist, dass effektiv eine
Strafe ausgesprochen worden ist. Liegt ein strafrechtliches Urteil vor, ist das
Sozialversicherungsgericht weder hinsichtlich der verletzten Vorschriften noch
hinsichtlich der Beurteilung des Verschuldens an die Feststellungen und Würdigungen
des Strafgerichts gebunden. Von den tatbeständlichen Feststellungen des Strafgerichts
soll aber nur abgewichen werden, wenn der im Strafverfahren ermittelte Tatbestand
und dessen rechtliche Subsumtion nicht zu überzeugen vermögen oder auf
strafrechtlichen Grundsätzen beruhen, welche im Sozialversicherungsrecht unerheblich
sind (BGE 125 V 242 E. 6a; Urteile des Bundesgerichts vom 20. Februar 2002, U
186/01, E. 3, und 10. Juni 2011, 9C_785/2010, E. 7.2.1; je mit weiteren Hinweisen).
4.2.2 Mit zum rechtskräftigen Urteil gewordenen Strafbefehl vom 6. Februar 2015 ist
der Beschwerdeführer des mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand gemäss Art.
91 Abs. 2 lit. b des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01) sowie des mehrfachen
Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweigerung des Führerausweises gemäss Art. 95
Abs. 1 lit. b SVG schuldig gesprochen worden (vgl. UV-act. P). Für das Fahren eines
Motorfahrzeuges in fahrunfähigem Zustand nach Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG ist eine
Strafandrohung von bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vorgesehen.
Dieselbe Strafandrohung sieht Art. 95 Abs. 1 SVG für das Führen eines
Motorfahrzeuges ohne den erforderlichen Führerausweis vor. Ebenso bestraft wird, wer
ein Motorfahrzeug führt, obwohl ihm der Führerausweis verweigert, entzogen oder
aberkannt worden ist. Demnach ist der Beschwerdeführer für zwei Vergehen
rechtskräftig verurteilt worden. Diese strafrechtlichen Verurteilungen erscheinen
angesichts der bei ihm im Blut festgestellten THC-Konzentration von 7.2 μg/l (vgl. UV-
act. P) nachvollziehbar. Denn nach Art. 2 Abs. 2 lit. a der Verkehrsregelverordnung
(VRV, SR 741.11) gilt eine Fahrunfähigkeit als erwiesen, wenn im Blut des
Fahrzeuglenkers THC (Cannabis) nachgewiesen wird. Als nachgewiesen gilt THC
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gemäss Art. 34 lit. a der Verordnung des ASTRA zur
Strassenverkehrskontrollverordnung (VSKV-ASTRA, SR 741.013.1), wenn der Messwert
im Blut den Grenzwert von 1.5 μg/l überschreitet. Vorliegend hat der Beschwerdeführer
den Grenzwert bei weitem überschritten. Die Würdigung des Sachverhalts und die
Subsumtion unter die genannten Straftatbestände erscheint demnach stimmig. Die
erste Voraussetzung für eine Leistungskürzung ist somit grundsätzlich gegeben.
4.3 Zweite Voraussetzung zur Kürzung der Taggeldleistungen ist, dass der
Versicherungsfall bei der Ausübung des Vergehens herbeigeführt wurde (Art. 21 Abs. 1
ATSG; Art. 37 Abs. 3 UVG).
4.3.1 Es ist nicht erforderlich, dass der Versicherungsfall durch die strafbare
Handlung selber herbeigeführt worden ist, sondern es reicht, dass sich der
Versicherungsfall bei der Ausübung der Straftat ereignet hat. Mit anderen Worten wird
ein sachlicher und zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Delikt und dem
Versicherungsfall vorausgesetzt. Der Versicherungsfall muss sich somit anlässlich der
Ausübung der Tat ereignen, wobei auch alle unmittelbar damit zusammenhängenden
Geschehensabläufe mitumfasst sind (Urteile des Bundesgerichts vom 10. Juni 2011,
9C_785/2010, E. 7.3, 27. August 2010, 8C_737/2009, E. 3.2, und 20. Februar 2002, U
186/01, E. 4a; je mit Hinweisen). Drittverschulden schliesst den kausalen
Zusammenhang zwischen der Deliktsbegehung und dem Unfallereignis im Grundsatz
nicht aus. Ein Zusammenhang zwischen Delikt und Versicherungsfall liegt gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung beispielsweise auch dann vor, wenn der
Versicherte in angetrunkenem Zustand fährt und durch das schuldhafte Dazutreten
eines dritten Verkehrsteilnehmers ein Unfall geschieht. Unterbrochen wird der
Zusammenhang erst dann, wenn der Versicherte nachweist, dass das Delikt mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit keinen Einfluss auf den Eintritt des
Versicherungsfalls gehabt hat. Mit anderen Worten gilt der Zusammenhang erst dann
als unterbrochen, wenn dem Versicherten der Nachweis gelingt, dass sich der Unfall
auch ohne das Delikt ereignet hätte (Urteile des Bundesgerichts vom 10. Juni 2011,
9C_785/2010, E. 7.3, und 27. August, 8C_737/2009, E. 3.3 und 3.4; je mit Hinweisen).
4.3.2 Vorliegend hat sich das Unfallereignis offensichtlich anlässlich der Ausübung
zweier Vergehen ereignet (vgl. E. 4.2.2). Der Beschwerdeführer ist ohne Führerausweis
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und mit einem THC-Gehalt von 7.2 μg/l im Blut mit einem Motorrad unterwegs
gewesen, als es zu einer Kollision im Strassenverkehr gekommen ist, durch welche er
Verletzungen erlitten hat (vgl. UV-act. P). Ein sachlicher und zeitlicher Zusammenhang
zwischen dem Unfallereignis und den vom Beschwerdeführer begangenen Vergehen
(Fahren in fahrunfähigem Zustand und Führen eines Motorfahrzeuges trotz
Verweigerung des Führerausweises) ist somit grundsätzlich gegeben. Der Umstand,
dass eine andere Verkehrsteilnehmerin ihm die Vorfahrt genommen hat und somit ein
Drittverschulden vorliegt, vermag diesen Kausalzusammenhang, wie bereits erwähnt,
nicht automatisch zu unterbrechen. Wie die Parteien richtig erkannt haben, kann erst
der mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erbrachte Beweis, dass der Unfall auch ohne
Deliktsbegehung eingetreten wäre bzw. in diesem Ausmass eingetreten wäre, zu einer
Unterbrechung des Kausalzusammenhangs führen, wobei die Beweislast beim
Beschwerdeführer als Versicherten liegt (vgl. E. 4.3.1). Wie die Beschwerdegegnerin zu
Recht vorbringt, lässt sich den polizeilichen Akten im Wesentlichen lediglich
entnehmen, dass dem Beschwerdeführer die Vorfahrt genommen worden ist und dass
es trotz eines von ihm versuchten Ausweichmanövers zu einem Zusammenstoss
gekommen ist. Ob das Ausweichmanöver die adäquateste Reaktion gewesen ist, kann
aufgrund der Aktenlage nicht beantwortet werden. Auch geht aus den Akten nicht
hervor, mit welchen Geschwindigkeiten und Abständen die Autos genau unterwegs
gewesen sind und ob durch Bremsen die Kollision hätte verhindert werden können. All
dies lässt sich mehrere Jahre nach dem Unfall wohl auch durch weitere Abklärungen
kaum mehr rekonstruieren. Die Akten geben insbesondere auch darüber nicht klar
Aufschluss, ob der Beschwerdeführer die Folgen des Unfalls in einem Zustand ohne
Cannabiskonsum hätte verringern oder gar vermeiden können (vgl. UV-act. P; act. G
1.3 ff.). Fest steht jedoch, dass der Beschwerdeführer mit zum rechtskräftigen Urteil
gewordenen Strafbefehl wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand verurteilt worden ist.
Weiter ist erwiesen, dass der THC-Gehalt im Blut des Beschwerdeführers zum
Unfallzeitpunkt die in Art. 34 lit. a VSKV-ASTRA vorgesehene Grenze für die Annahme
noch gegebener Fahrfähigkeit eindeutig überschritten hat (vgl. Suva-act. P). Eine
Fahrunfähigkeit im Sinne des Gesetzes hat somit bestanden. Anderes ergibt sich auch
nicht aus den vom Beschwerdeführer genannten Urteilen des Bundesgerichts, in
welchen teilweise ausgeführt wird, dass ein regelmässiger, jedoch mässiger und
kontrollierter Cannabiskonsum für sich allein noch nicht auf Fahrunfähigkeit schliessen
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lasse, sondern diese mit Rücksicht auf die Konsumgewohnheiten bestimmt werden
müsse (vgl. act. G 1 S. 5; BGE 130 IV 32 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts vom 7. März
2016, 1C_618/2015, E. 2). Zum einen ist unklar, inwiefern diese Rechtsprechung, die
ihren Ursprung vor dem Inkrafttreten der genannten VSKV-ASTRA
Verordnungsbestimmung hat, nach Erlass der klar geregelten Grenzwerte noch
Anwendung findet. Zum anderen hat das Bundesgericht, wie die Beschwerdegegnerin
zu Recht vorbringt (vgl. act. G 3 S. 3), in der vom Beschwerdeführer zitierten
Rechtsprechung gerade auch ausgeführt, dass Cannabis bei Sucht die Fahreignung
generell und bei gelegentlichem Konsum die Fahrfähigkeit unmittelbar nach dem
Genuss der Droge beeinträchtige (vgl. BGE 130 IV 32 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts
vom 7. März 2016, 1C_618/2015, E. 2). Der Beschwerdeführer hat im Unfallzeitpunkt
über keinen gültigen Führerausweis verfügt, weil er ihm aufgrund einer Drogensucht für
unbestimmte Zeit aberkannt worden ist (vgl. UV-act. P). Eine Drogensucht lässt einen
kontrollierten Konsum grundsätzlich ausser Betracht fallen. Gegen einen kontrollierten
abendlichen Konsum vor dem Einschlafen, wie ihn der Beschwerdeführer geltend
macht (vgl. act. G 1 S. 5 i.V.m. act. G 1.3), spricht auch das Mitführen des Cannabis auf
dem Motorrad zum Unfallzeitpunkt (vgl. UV-act. P). Schliesslich hat der
Beschwerdeführer die Verordnungsgrenzwerte, die selbst bei einer
Einzelfallbestimmung der Fahrunfähigkeit zumindest als Orientierungsrichtlinie gelten
können, nicht nur leicht, sondern massiv überschritten (vgl. UV-act. P). Aus all diesen
Gründen ist davon auszugehen, dass beim Beschwerdeführer im Unfallzeitpunkt eine
Fahrunfähigkeit vorgelegen hat. Mangels klarer Beweislage, dass sich der Unfall in
gleichem Ausmass auch bei uneingeschränkter Fahrfähigkeit des Beschwerdeführers
ereignet hätte, kann der Kausalzusammenhang nicht als unterbrochen angesehen
werden. Im Übrigen war das Fahren ohne gültigen Führerausweis, welches ebenfalls
ein Vergehen darstellt (vgl. E. 4.2.2), für sich alleine schon geeignet, das Unfallrisiko zu
erhöhen (vgl. z.B. BGE 129 V 361 E. 4). Folglich erweist es sich als rechtmässig, dass
die Unfallversicherung die Taggeldleistungen gekürzt hat.
5.
Zu prüfen bleibt demzufolge die Verhältnismässigkeit der Kürzung der Taggelder um 50
%. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht vorbringt, handelt es sich bei der
Entscheidung um den Kürzungssatz von Geldleistungen um einen Ermessensentscheid
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(vgl. act. G 3 S. 5). Das Gericht soll sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die
Stelle desjenigen des Versicherungsträgers setzen (vgl. BGE 137 V 73 E. 5.2; Urteil des
Bundesgerichts vom 28. August 2017, 8C_342/2017, E. 4.2). Angesichts dessen, dass
der Beschwerdeführer mit einem THC-Gehalt von 7.2 μg/l mit einem Motorrad im
Strassenverkehr unterwegs gewesen ist, obwohl ihm aufgrund einer Drogensucht der
Führerausweis verweigert worden war (vgl. UV-act. P), ist eine Kürzung von 50 % nicht
zu beanstanden.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung.