Decision ID: 7cb20c41-b56f-56f2-8619-095297d05bfc
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juli/August 2010 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1 und 4). Er gab an, er habe eine Berufslehre zum
Zahntechniker abgeschlossen und anschliessend an einer Filmschule in Los Angeles
ein Zertifikat als Regisseur erlangt. Im August 2011 wurde der Versicherte im Auftrag
der IV-Stelle von der medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz
begutachtet. Die Sachverständigen führten in ihrem Gutachten vom 31. Januar 2012
aus (IV-act. 66), der Versicherte leide an einer multiplen Sklerose mit einem
schubförmigen Verlauf, an einer Spondylolisthesis, an einer Alopecia areata universalis,
an einer kombinierten histrionischen und narzisstischen Persönlichkeitsstörung sowie
an einer rezidivierenden depressiven Störung, die aktuell remittiert sei. Die
angestammte Tätigkeit als Zahntechniker sei ihm nicht mehr zumutbar. Die vom
Versicherten angestrebte journalistische Tätigkeit könnte dagegen uneingeschränkt
ausgeübt werden. Mit gewissen qualitativen Einschränkungen sei auch die bisherige
Tätigkeit als Filmemacher oder als Kameramann zumutbar. Mit einer Verfügung vom
15. Februar 2013 wies die IV-Stelle das Begehren des Versicherten um die Gewährung
von beruflichen Massnahmen, insbesondere einer Umschulung, ab (IV-act. 91). Sie
führte aus, der Versicherte habe seinen erlernten Beruf als Zahntechniker freiwillig
aufgegeben, um ohne ein anerkanntes Fähigkeitszeugnis als Filmemacher zu arbeiten.
Folglich müsse er als Hilfsarbeiter qualifiziert werden. Da ihm leidensadaptierte
Tätigkeiten aus medizinischer Sicht uneingeschränkt zumutbar seien, liege keine
Invalidität vor. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hiess eine vom
Versicherten gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde in einem Entscheid vom
26. November 2013 teilweise gut (IV 2013/140; vgl. IV-act. 110). Es führte aus, der
Versicherte verfüge über ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis als Zahntechniker. In
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den Akten seien Kontaktallergien auf verschiedene Stoffe, mit denen Zahntechniker
regelmässig in Berührung kämen, ausgewiesen. Der Versicherte habe überzeugend
dargelegt, dass er seinen erlernten Beruf deswegen habe aufgeben müssen. Dieser sei
ihm nun aber ohnehin nicht mehr zumutbar, weil er nicht mehr in der Lage sei, die
notwendigen feinmotorischen Tätigkeiten auszuführen. Ihm könne nicht zum Vorwurf
gemacht werden, dass er versucht habe, sich selbst umzuschulen, denn damit sei er
seiner Schadenminderungspflicht nachgekommen. Die Selbsteingliederung sei für
einige Jahre erfolgreich gewesen. Bei der Arbeit in der Filmindustrie habe es sich um
eine qualifizierte und nicht um eine Hilfstätigkeit gehandelt. Folglich sei der Versicherte
als ein Berufsmann zu qualifizieren. Das Gericht wies die Sache zur Durchführung einer
umfassenden Eingliederungsprüfung an die IV-Stelle zurück.
A.b Der Berufsberater der IV-Stelle empfahl eine berufliche Abklärung durch die
berufliche Abklärungsstelle (BEFAS) Basel (IV-act. 134). Die IV-Stelle teilte dem
Versicherten am 30. September 2014 mit (IV-act. 136), dass sie ihm eine stationäre
Abklärung im Zeitraum vom 6. bis zum 31. Oktober 2014 zuspreche. Für die Ermittlung
der Taggeldhöhe während dieser Abklärungsmassnahme ging sie von dem Lohn aus,
den der Versicherte im Jahr 1997 als Zahntechniker erhalten hatte (45’500 Franken; IV-
act. 137). Mit einer Verfügung vom 10. Oktober 2014 teilte sie dem Versicherten mit,
dass er bei einem durchschnittlichen Tageseinkommen von 141 Franken einen
Anspruch auf ein Taggeld von 112.80 Franken habe, von dem für jeden
Eingliederungstag ein Anteil von 20 Franken für die Verpflegung in Abzug zu bringen sei
(IV-act. 142). Am 19. November 2014 liess der Versicherte eine Beschwerde gegen die
Verfügung vom 10. Oktober 2014 erheben (vgl. IV-act. 151). Sein Rechtsvertreter
beantragte die Zusprache eines höheren Taggeldes. Zur Begründung führte er an, der
Versicherte hätte angesichts seiner beruflichen Erfahrung mittlerweile als Regie-
Assistent mindestens das Lohnstufen-Niveau II gemäss der Richtlohntabelle des
Schweizer Syndikats Film und Video erreicht und folglich ein Tageseinkommen von 280
Franken erzielt. Als Zahntechniker hätte er ebenfalls einen deutlich höheren Lohn
erzielt. Das Tageseinkommen hätte 198 Franken betragen. Am 8. Dezember 2014
notierte ein Berufsberater der IV-Stelle (IV-act. 161), der Lohn eines Zahntechnikers
betrage gemäss dem einschlägigen Gesamtarbeitsvertrag 59’000 Franken, wenn er
zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen könne. Der Lohn eines Zahntechnikermeisters
betrage 65’000 Franken. Der Versicherte könnte über eine langjährige Berufserfahrung
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verfügen, wenn er den Beruf nicht aufgegeben hätte. Dies rechtfertige es, von einem
Valideneinkommen auszugehen, das höher als 59’000 Franken sei, aber nicht 65’000
Franken erreiche. Seines Erachtens sei ein Lohn von 62’400 Franken angemessen. Ein
Inhaber eines zahntechnischen Labors habe die Angemessenheit dieses
hypothetischen Lohnes bestätigt. Mit einer Verfügung vom 9. Januar 2015 widerrief die
IV-Stelle ihre Verfügung vom 10. Oktober 2014 (IV-act. 176). Mit einer weiteren
Verfügung vom 16. Januar 2015 sprach sie dem Versicherten für den Zeitraum vom 6.
bis zum 14. Oktober 2014 bei einem Tageseinkommen von 179 Franken ein Taggeld
von 143.20 Franken zu (IV-act. 178).
B.
B.a Am 18. Februar 2015 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 16. Januar 2015 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Zusprache eines
höheren Taggeldes. Zur Begründung führte er aus, für die Berechnung des
Taggeldansatzes müsse von einer Validenkarriere im Filmbereich ausgegangen
werden. Der Beschwerdeführer hätte 280 Franken pro Tag verdient. Auch wenn von
einer Validenkarriere als Zahntechniker ausgegangen würde, resultiere ein höheres
Tageseinkommen, nämlich ein solches von 214 Franken.
B.b Am 18. März 2015 schrieb das Versicherungsgericht die (noch hängige frühere) Be
schwerde gegen die Verfügung vom 10. Oktober 2014 infolge des am 9. Januar 2015
verfügten Widerrufs der Verfügung als gegenstandslos ab (IV 2014/538).
B.c Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 23. März 2015
die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie aus, die Angaben
des Beschwerdeführers zum Tageseinkommen als Filmemacher seien unrealistisch. Als
freischaffender Regieassistent würde er nicht jede Woche ein Engagement erhalten.
Wenn von einer Auslastung von zwei Dritteln respektive 34 Wochen ausgegangen
werde, resultiere bei einem Wocheneinkommen von 1’965 Franken ein
Jahreseinkommen von rund 66’800 Franken. Gemäss den Ergebnissen der
Lohnstrukturerhebung betrage das Monatseinkommen in der Branche audiovisuelle
Medien für Männer mit Berufs- und Fachkenntnissen 5’507 Franken, was einen
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Jahreslohn von rund 66’000 Franken ergebe. Zusammenfassend stehe fest, dass der
Beschwerdeführer sowohl in der Filmbranche als auch als Zahntechniker ungefähr
65’000 Franken pro Jahr verdient hätte.
B.d Die Verfahrensleitung bewilligte dem Beschwerdeführer am 24. März 2015 die
unentgeltliche Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren (act. G 4).
B.e Am 26./27. März 2015 liess der Beschwerdeführer an seinem Antrag festhalten
(act. G 6 f.). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).

Erwägungen
1.
Eine versicherte Person hat gemäss dem Art. 22 Abs. 1 IVG während der Durchführung
einer Eingliederungsmassnahme im Sinne des Art. 8 Abs. 3 IVG einen Anspruch auf ein
Taggeld, wenn sie an wenigstens drei aufeinanderfolgenden Tagen wegen der
Massnahme verhindert ist, einer Arbeit nachzugehen, oder wenn sie in ihrer gewohnten
Tätigkeit zu mindestens 50 Prozent arbeitsunfähig ist. Zu den
Eingliederungsmassnahmen gehören gemäss dem Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG unter
anderem auch die Massnahmen beruflicher Art, das heisst die Berufsberatung, die
erstmalige berufliche Ausbildung, die Umschulung, die Arbeitsvermittlung und die
Kapitalhilfe. Wenn die versicherte Person infolge einer Krankheit, eines Unfalls oder
einer Mutterschaft eine Eingliederungsmassnahme unterbrechen muss, hat sie
weiterhin einen Anspruch auf das Taggeld (Art. 20 Abs. 1 IVV). Im ersten Jahr der
Eingliederungsmassnahmen wird das Taggeld gemäss dem Art. 20 Abs. 2 lit. a IVV
während längstens 30 Tagen weiter ausgerichtet. Der Anspruch auf das Taggeld
entfällt, wenn feststeht, dass die Eingliederungsmassnahme nicht mehr weitergeführt
wird (Art. 20 Abs. 4 IVV). Die Grundentschädigung des Taggeldes beträgt 80
Prozent des letzten ohne eine gesundheitliche Einschränkung erzielten
Erwerbseinkommens (Art. 23 Abs. 1 IVG). Hat die versicherte Person aber seit mehr als
zwei Jahren keine Erwerbstätigkeit mehr ausgeübt, ist gemäss dem Art. 21 Abs. 3 IVV
auf das Erwerbseinkommen abzustellen, das sie durch die gleiche Tätigkeit unmittelbar
vor der Eingliederung erzielt hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Wenn die
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Invalidenversicherung vollständig für die Kosten der Unterkunft und der Verpflegung
aufkommt, wird vom Taggeld ein Abzug vorgenommen (Art. 24 IVG). Der Abzug
beträgt bei einer versicherten Person ohne Unterhaltspflichten gegenüber
minderjährigen Kindern 20 Prozent, höchstens aber 20 Franken (Art. 21 Abs. 1
IVV).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer hat am 6. Oktober 2014 eine stationäre berufliche
Abklärung begonnen. Bei dieser Massnahme hat es sich um eine (ausgedehnte)
Berufsberatung im Sinne des Art. 15 IVG gehandelt (vgl. Rz. 2003 KSBE). Der in seinem
erlernten Beruf als Zahntechniker vollständig arbeitsunfähige Beschwerdeführer hat
deshalb ab dem 6. Oktober 2014 und während der Dauer der stationären Abklärung
einen Anspruch auf ein Taggeld gehabt. Für die Bemessung dieses Taggeldes ist das
Erwerbseinkommen massgebend, das der Beschwerdeführer erzielt hätte, wenn er
gesund geblieben wäre.
2.2 Der Beschwerdeführer hat den Beruf des Zahntechnikers erlernt. Der Abschluss
dieser Ausbildung ist zwar bereits durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung
(Kontaktallergie auf diverse Stoffe) gefährdet gewesen, aber der Beschwerdeführer hat
die Ausbildung erfolgreich beenden und in der Folge noch während eines Jahres in
diesem Beruf erwerbstätig sein können. Den Entscheid, in den USA Zahnmedizin zu
studieren, hat der Beschwerdeführer bereits unter dem Einfluss der
Gesundheitsbeeinträchtigung gefällt, nachdem ihm bewusst geworden ist, dass ihn die
Kontaktallergie an der erfolgreichen Ausübung des erlernten Berufs bleibend behindern
würde. Die Erstdiagnose der multiplen Sklerose hat dann allerdings zu einem
Studienwechsel geführt. Die Krankheit ist massgebend für den Entscheid des
Beschwerdeführers gewesen, eine Ausbildung in der Filmbranche statt eines
Zahnmedizinstudiums zu absolvieren. Wie bereits im Entscheid IV 2013/140 vom 26.
November 2013 ausgeführt worden ist (E. 2.2), hat es sich bei dieser Ausbildung um
den Versuch einer gesundheitsbedingten Umschulung gehandelt, der nur für eine
verhältnismässig kurze Zeit von Erfolg gekrönt gewesen ist. Der Beschwerdeführer hat
einsehen müssen, dass er den Anforderungen der Tätigkeit in der Filmbranche
gesundheitsbedingt nicht gewachsen ist. Er hat zwar geltend gemacht, dass er in der
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Filmbranche ein deutlich höheres Einkommen als im erlernten Beruf als Zahntechniker
erzielen würde. Dies erscheint allerdings nicht als plausibel. Bei der Ausbildung in den
USA hat es sich um einen Zertifikatslehrgang gehandelt, der lediglich ein knappes Jahr
gedauert hat (Beginn: Juni 2000, Ende: Mai 2001; vgl. IV-act. 4–5 und 6–2). Das
Zertifikat der Filmschule Los Angeles kann in Bezug auf die Qualität der absolvierten
Ausbildung nicht mit einem schweizerischen Fähigkeitsausweis verglichen werden. Der
Beschwerdeführer hat in den Jahren nach dem Abschluss dieses Zertifikatslehrgangs
zwar einige Erfahrung als Regieassistent sammeln können. Die Angabe seines
Rechtsvertreters, er könnte heute den Lohn eines Regieassistenten gemäss dem
Lohnstufenniveau II gemäss der Richtlohntabelle des Schweizer Syndikats Film und
Video erreichen, ist nicht plausibel, denn der Beschwerdeführer ist mehrheitlich nicht
als Regie-, sondern als Produktionsassistent tätig gewesen und er hat lediglich rund
zwei Jahre in diesem Beruf gearbeitet (vgl. act. G 1). Somit könnte er wohl nur den
Lohn eines Produktionsassistenten gemäss dem Lohnstufenniveau I erzielen (1’230
Franken pro Woche). Der in der Richtlohntabelle angegebene Wochenlohn kann
selbstverständlich nicht mit dem Faktor 52 multipliziert werden, denn die einzelnen
Engagements dürften sich nicht über Jahre hinweg nahtlos aneinanderreihen und für
eine Festanstellung fehlen die offenen Stellen. Gesamthaft ist also nicht plausibel, dass
der Beschwerdeführer in der Filmbranche ein wesentlich höheres als das von der
Beschwerdegegnerin für den erlernten Beruf als Zahntechniker angegebene
Einkommen erzielen könnte.
2.3 Allerdings hätte der Beschwerdeführer im erlernten Beruf als Zahntechniker wohl
ein höheres Einkommen als von der Beschwerdegegnerin angegeben erzielen können,
wenn er gesund geblieben wäre. Da er den Willen und die Fähigkeit bewiesen hat, sich
beruflich aus- und weiterzubilden, wäre er nämlich nach dem Lehrabschluss im Jahr
1996 wohl kaum 20 Jahre lang Zahntechniker geblieben. Plausibler ist, dass er nach
einigen Jahren das eidgenössische Meisterdiplom erlangt hätte. Gemäss dem
einschlägigen Gesamtarbeitsvertrag beträgt der Mindestlohn eines
Zahntechnikermeisters 65’000 Franken pro Jahr und damit nur 13’000 Franken mehr
als der Mindestlohn eines Zahntechnikers. Ein Zahntechniker mit einer mehrjährigen
Berufserfahrung verdient gemäss den plausiblen Ausführungen der
Beschwerdegegnerin lediglich rund 2’500 Franken weniger als ein
Zahntechnikermeister. Vor diesem Hintergrund erscheint eine wesentliche
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Lohnsteigerung nach wenigen Jahren Tätigkeit als Zahntechnikermeister als eher
unwahrscheinlich. Gerichtsnotorisch ist die Nachfrage nach Zahntechnikerleistungen in
den vergangenen Jahren erheblich zurückgegangen, da es computerunterstützte neue
Verfahren den Zahnärzten erlauben, die meisten Arbeiten eines Zahntechnikers selbst
durchzuführen. Die Nachfrage nach Leistungen eines Zahntechnikers wird in den
nächsten Jahren wohl weiter zurückgehen, was zur Folge haben wird, dass auch die
Lohnhöhe sinken wird. Der vom Beschwerdeführer angegebene Lohn von 78’000
Franken pro Jahr ist deshalb nicht plausibel. Als plausibler erscheint das im
Gesamtarbeitsvertrag angeführte Einkommen von 65’000 Franken pro Jahr
beziehungsweise von 178 Franken pro Tag. Der Beschwerdeführer hat folglich für
jeden Eingliederungstag einen Anspruch auf ein Taggeld von 142.45 Franken (80
Prozent von 178 Franken) abzüglich eines Verpflegungsbeitrages von 20 Franken
gehabt.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer hat der beruflichen Abklärung aufgrund eines Schubs der
multiplen Sklerose ab dem 14. Oktober 2014 fern bleiben müssen. Die anfängliche
Hoffnung, dass es sich dabei nur um einen vorübergehenden Unterbruch der
Massnahme handle, hat sich zerschlagen; die Abklärung hat definitiv abgebrochen
werden müssen. Tatsächlich ist die Abklärung also am 14. Oktober 2014 abgebrochen
worden. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer zwar erst am 17.
Dezember 2014 mitgeteilt, dass sie von einem definitiven Abbruch am 14. Oktober
2014 ausgehe, doch hat es sich dabei nur um eine Subsumtion des Sachverhaltes
unter den Art. 20 Abs. 4 IVV gehandelt; der massgebende Sachverhalt ist davon
nicht betroffen gewesen oder beeinflusst worden. Revisionsrechtlich könnte zwar als
relevanter Zeitpunkt einer Leistungsanpassung nebst der Sachverhaltsveränderung
auch die Eröffnung einer Verfügung oder einer Mitteilung in Frage kommen (vgl. etwa
die verschiedenen Anknüpfungsmöglichkeiten im – hier allerdings nicht anwendbaren –
Art. 88 IVV), doch steht vorliegend gar keine Revision im Sinne des Art. 17 Abs. 2
ATSG zur Diskussion, da die leistungszusprechende Taggeldverfügung vom 10.
Oktober 2014 nie formell rechtskräftig geworden ist.
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3.2 Die Beschwerdegegnerin hat die Taggeldverfügung vom 10. Oktober 2014 nämlich
am 9. Januar 2015 während eines hängigen Beschwerdeverfahrens betreffend die
Verfügung vom 10. Oktober 2014 widerrufen. Am 16. Januar 2015 hat sie eine neue
Verfügung erlassen, mit der sie dem Beschwerdeführer zwar ein leicht höheres Taggeld
zugesprochen hat. In dieser Verfügung hat sie aber die Taggeldbezugsdauer auf neun
(statt 26) Tage verkürzt, da im Zeitpunkt des Verfügungserlasses der Abbruch der
Massnahme am 14. Oktober 2014 schon längst bekannt gewesen ist. Gesamthaft
betrachtet hat es sich bei der Verfügung vom 9./16. Januar 2015 um einen Widerruf
zum Nachteil des Beschwerdeführers gehandelt, denn das Total der Taggeldleistungen
ist gemäss der Verfügung vom 16. Januar 2015 deutlich tiefer als das Total der
Taggeldleistungen gemäss der Verfügung vom 10. Oktober 2014 ausgefallen. Gemäss
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung soll es sich bei einem derartigen Widerruf um
eine nichtige Verfügung respektive lediglich um einen Antrag an das Gericht handeln.
Das Beschwerdeverfahren IV 2014/538 hätte bei einer Anwendung dieser
Rechtsprechung also nicht abgeschrieben werden dürfen. Käme die höchstrichterliche
Rechtsprechung nun doch noch zur Anwendung, würde der formell rechtskräftige
Abschreibungsbeschluss des Versicherungsgerichtes vom 18. März 2015 zur
unhaltbaren Situation führen, dass der Taggeldanspruch nie mehr den Gegenstand
eines Beschwerdeverfahrens bilden könnte. Die Verfügung vom 16. Januar 2015
müsste nämlich als blosser Antrag an das Gericht qualifiziert werden und könnte daher
nicht den Anfechtungsgegenstand eines weiteren Beschwerdeverfahrens bilden. Der
Antrag wäre aber mit dem gerichtlichen Abschreibungsbeschluss vom 18. März 2015
bereits rechtskräftig erledigt. Eine solch unsinnige Verfahrenskonstellation kann
offensichtlich nicht der Intention des Gesetzgebers entsprechen. Das
Versicherungsgericht interpretiert deshalb den Art. 53 Abs. 3 ATSG anders als das
Bundesgericht, indem es den klaren Wortlaut der Bestimmung ernst nimmt und den
Widerruf einer Verfügung unabhängig von deren Inhalt zulässt. Es besteht nämlich kein
Grund, einen Widerruf zum Nachteil eines Beschwerdeführers anders als einen
Widerruf zu dessen Vorteil zu behandeln, weil jeder Widerruf, unabhängig von seinem
Inhalt, als Verfügung qualifiziert wird, die selbst wieder mit einer Beschwerde beim
Gericht angefochten werden kann. Während die bundesgerichtliche Rechtsprechung
es dem Beschwerdeführer vorliegend verunmöglichen würde, den Taggeldanspruch
nochmals zum Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens zu erheben, stellt sich die
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Rechtslage bei einer dem Wortlaut des Art. 53 Abs. 3 ATSG folgenden Interpretation
als problemlos dar, weil in diesem Beschwerdeverfahren nun frei über den noch nicht
formell rechtskräftig verfügten Taggeldanspruch entschieden werden kann.
3.3 Wenn eine versicherte Person eine Eingliederungsmassnahme wegen einer
Krankheit unterbrechen muss, wird ihr das Taggeld weitergewährt (Art. 20 Abs. 1
IVV). Im ersten Jahr der Eingliederungsmassnahme wird das Taggeld während
längstens 30 Tagen weiter ausgerichtet (Art. 20 Abs. 2 lit. a IVV). Diese beiden
Bestimmungen regeln den krankheitsbedingten Unterbruch einer Massnahme, d.h. sie
setzen voraus, dass die Massnahme weiterläuft, von der versicherten Person also
weiter besucht wird. Das ist hier nicht der Fall gewesen. Die akute Erkrankung des
Beschwerdeführers hat nicht zu einem Unterbruch, sondern zu einem definitiven
Abbruch der Abklärungsmassnahme geführt. Der Abbruch einer Massnahme wird nicht
in Art. 20 Abs. 1 und 2 IVV, sondern in Art. 20 Abs. 4 IVV geregelt. Diese
Bestimmung sieht vor, dass der Anspruch auf das Taggeld entfällt, wenn feststeht,
dass die Massnahme nicht mehr weitergeführt wird. Das kann nur so verstanden
werden, dass der letzte Tag, an dem die Massnahme noch durchgeführt worden ist,
auch der letzte Tag ist, für den noch ein Anspruch auf ein Taggeld besteht. „[...] wenn
feststeht [...]“ bedeutet nämlich nicht „[...] sobald feststeht [...]“. Vielmehr wird damit
ein Konditionalsatz eingeleitet. Damit ist der Zeitpunkt, in dem schliesslich feststeht,
dass die Massnahme hat abgebrochen werden müssen, irrelevant. Da feststeht, dass
die berufliche Abklärung nur bis zum 14. Oktober 2014 gedauert hat, kann der
Beschwerdeführer nur bis und mit dem 14. Oktober 2014 einen Anspruch auf ein
Taggeld haben.
4.
4.1 An sich wäre damit die Beschwerde teilweise gutzuheissen, denn ausgehend von
einem höheren Jahresverdienst von 65’000 Franken statt 62’400 Franken resultiert
auch ein entsprechend höheres Taggeld. Die Beschwerdegegnerin hat sich allerdings
offenbar bei der Taggeldberechnung verrechnet, denn statt von einem Tagesverdienst
von 62’400 Franken ÷ 365 = 170.96 Franken ist sie aus nicht nachvollziehbaren
Gründen von einem Tagesverdienst von 179 Franken ausgegangen. Sie dürfte sich
wohl vertippt haben. Dieser Fehler der Beschwerdegegnerin hat zur Folge, dass das
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aus dem höheren Jahresverdienst von 65’000 Franken resultierende Taggeld (142.45
Franken) tiefer als das in der Verfügung vom 16. Januar 2015 zugesprochene Taggeld
(143.20 Franken) ist. Die teilweise Gutheissung der Beschwerde würde sich damit zum
Nachteil des Beschwerdeführers auswirken, da dieser ein um 75 Rappen tieferes
Taggeld pro Tag respektive insgesamt ein um 6.75 Franken tieferes Taggeld erhielte.
Bei dieser minimalen Differenz und angesichts des Umstandes, dass die
Taggeldberechnung auf Hypothesen beruht, besteht kein hinreichender Anlass zu einer
– entsprechend minimalen – reformatio in peius; de minimis non curat praetor.
Zugunsten des Beschwerdeführers wird die Verfügung vom 16. Januar 2015 nicht
korrigiert. Die Beschwerde wird folglich abgewiesen.
4.2 Die Gerichtsgebühr wird angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes
auf 600 Franken festgesetzt. An sich hätte der unterliegende Beschwerdeführer diese
Gebühr zu bezahlen. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung ist er
aber von dieser Pflicht zu befreien. Der Vertretungsaufwand ist insgesamt als deutlich
unterdurchschnittlich zu qualifizieren, weil der wesentliche Anteil des
Vertretungsaufwandes bereits im Verfahren IV 2014/538 angefallen und entschädigt
worden ist. Dies rechtfertigt es, von einem Vertretungsaufwand von 1’500 Franken
auszugehen. Der Staat hat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers infolge der
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung folglich mit 1’200 Franken
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer; 80 Prozent von 1’500 Franken; vgl.
Art. 31 Abs. 3 AnwG) zu entschädigen. Der Beschwerdeführer wird zur Nachzahlung
der Gerichtsgebühr und zur Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können, wenn seine wirtschaftlichen
Verhältnisse dies dereinst erlauben sollten (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).