Decision ID: f90c3541-258d-4ec6-9d34-532bc962e51d
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist seit 7. März 1988 im Besitz des Führerausweises der Kategorie B. Wegen
Nichtbeherrschens des Fahrzeugs wurde er ihm mit Verfügung des Strassenverkehrs-
und Schifffahrtsamtes, Abteilung Administrativmassnahmen (nachfolgend:
Strassenverkehrsamt), vom 24. November 1989 für zwei Monate entzogen. Am 11.
Oktober 1994 wurde X wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung verwarnt.
Nachdem er am 24. Juni 1995 ein Fahrzeug in angetrunkenem Zustand gelenkt hatte
(minimale Blutalkoholkonzentration von 1,35 Gewichtspromille) wurde ihm der
Führerausweis für fünf Monate entzogen. Nach einer weiteren Trunkenheitsfahrt
(minimale Blutalkoholkonzentration von 0,85 Gewichtspromille) sowie dem Lenken
eines Fahrzeugs ohne Führerausweis verfügte das Strassenverkehrsamt am 25.
September 1997 einen Führerausweisentzug von 22 Monaten. Im Zusatz zu jener
Massnahme verlängerte sich der Entzug um weitere drei Monate, da X ein Fahrzeug in
übermüdetem Zustand gelenkt und eine Blutprobe vereitelt hatte (Verfügung vom 6.
Januar 1999). Wegen Führens eines Fahrzeugs mit nicht angepasster Geschwindigkeit
entzog das Strassenverkehrsamt den Führerausweis am 8. Juni 2006 für einen Monat.
Am 29. August 2008 folgte ein Führerausweisentzug für sechs Monate (Führen eines
Fahrzeuges in angetrunkenem Zustand mit einer minimalen Blutalkoholkonzentration
von 1,29 Gewichtspromille). Nachdem X am 12. Juni 2010 erneut alkoholisiert gefahren
war (minimale Blutalkoholkonzentration von 1,76 Gewichtspromille), wurde der
Führerausweis mit Verfügung vom 29. September 2011 für zwölf Monate entzogen.
Gleichzeitig wurde der Führerausweis mit einer Alkoholabstinenzauflage versehen. Mit
Verfügung vom 30. Juli 2014 kam eine psychiatrisch betreute Drogenabstinenzauflage
hinzu. Am 19. Januar 2015 wurde die Alkoholabstinenzauflage aufgehoben. Wegen
Vornehmens einer ablenkenden Verrichtung während der Fahrt (Bedienen des
Mobiltelefons) wurde X mit Verfügung vom 12. Februar 2015 verwarnt. Ein dagegen
erhobener Rekurs wurde mit Urteil IV-2015/37 der Verwaltungsrekurskommission vom
28. Mai 2015 abgewiesen.
B.- Am Samstag, 8. August 2015, um ca. 21.00 Uhr, warf sich X beim Bahnhof A gegen
einen vorbeifahrenden Zug. Dabei verletzte er sich am Kopf, brach sich den
Mittelfussknochen sowie eine Rippe und erlitt eine Amnesie. Nach dem Vorfall fuhr er
mit seinem Personenwagen nach B zu seiner von ihm getrennt lebenden Frau, die den
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Notarzt verständigte. Im Kantonsspital wurde ihm um 23.15 Uhr eine Blutprobe
entnommen. Nachträglich mass das Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St.
Gallen, Abteilung Verkehrsmedizin (nachfolgend: IRM), eine mittlere
Blutalkoholkonzentration von 1,15 Gewichtspromille sowie eine
Lorazepamkonzentration von 64 μg/l. X weilte anschliessend für einige Wochen in der
Kantonalen Psychiatrischen Klinik (KPK).
Das Untersuchungsamt C leitete ein Strafverfahren gegen X ein, unter anderem wegen
Führens eines Fahrzeugs in nicht fahrfähigem Zustand; dieses ist immer noch hängig.
C.- Mit Verfügung vom 14. Oktober 2015 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis vorsorglich, da er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein
Fahrzeug in fahrunfähigem Zustand gelenkt habe, was eine schwere
Verkehrsregelverletzung darstelle. Wegen der Vorgeschichte mit mehreren schweren
Widerhandlungen sei gestützt auf Art. 16c Abs. 2 lit. d SVG ein Führerausweisentzug
auf unbestimmte Zeit, mindestens für zwei Jahre, vorgesehen. Dazu wurde ihm das
rechtliche Gehör gewährt.
Parallel dazu beauftragte das Strassenverkehrsamt das IRM, eine Aktenbeurteilung zur
Fahreignung von X vorzunehmen. Im Aktengutachten vom 21. Oktober 2015 kam der
Experte zum Schluss, dass die Fahreignung im Kontext mit einer nicht stabilen
psychischen Verfassung bei komplexer psychischer Problematik mit wiederholten
Suizidversuchen nicht befürwortet werden könne.
Der Rechtsvertreter stellte am 9. Juni 2016 den Antrag, X den Führerausweis unter den
vorgängig bestehenden Auflagen auszuhändigen und das Strafverfahren abzuwarten.
Es gehe nicht an, den Führerausweis im Zusammenhang mit einem
Warnungsentzugsverfahren wegen eines vermuteten Delikts so lange
zurückzubehalten. Daraufhin entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis mit
Verfügung vom 13. Juni 2016 wegen mangelnder Fahreignung gestützt auf Art. 16d
Abs. 1 lit. a SVG auf unbestimmte Zeit. Als Bedingungen für die Aufhebung des
Sicherungsentzugs wurden eine regelmässige fachärztliche psychiatrische
(psychotherapeutische) Kontrolle und Behandlung mit stabilem Verlauf über
mindestens zwölf Monate, eine Alkohol- und Drogenabstinenz mit Haaranalyse (auch
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auf suchterzeugende/zentralwirksame Medikamente) sowie eine verkehrsmedizinische
und verkehrspsychologische Kontrolluntersuchung genannt. Einem allfälligen Rekurs
wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
D.- Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29. Juni 2016 und Ergänzung vom 26.
August 2016 erhob X Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben; unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zudem beantragte er die Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Das
Strassenverkehrsamt verzichtete auf eine Vernehmlassung. Auf ein vom Rekurrenten
gestelltes Wiedererwägungsgesuch trat die
Vorinstanz mit Verfügung vom 6. Juli 2016 nicht ein. Der Rechtsvertreter verzichtete in
der Folge stillschweigend auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Auf die

Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 29. Juni 2016 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 26. August 2016 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- a) In formeller Hinsicht macht der Rekurrent im Wesentlichen geltend, sein
Anspruch auf rechtliches Gehör sei im vorinstanzlichen Verfahren in schwerwiegender
Weise verletzt worden. Ihm sei stets und ausschliesslich ein
Warnungsentzugsverfahren angezeigt worden. Sowohl im Brief vom 14. Oktober 2015
als auch im Schreiben vom 26. Oktober 2015 habe die Vorinstanz unter Verweis auf
Art. 16c SVG einen Warnungsentzug in Aussicht gestellt. Von einem Sicherungsentzug
nach Art. 16d SVG, wie anschliessend verfügt, sei nirgends die Rede gewesen. Sein
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Rechtsvertreter habe die Vorinstanz in der Stellungnahme vom 9. Juni 2016
ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass das eingeleitete Verfahren nur den
Erlass eines Warnungsentzugs zum Gegenstand habe. Daraus sei klar ersichtlich
gewesen, dass er zu einem allfälligen Sicherungsentzug samt Auflagen hätte Stellung
nehmen wollen, sobald eine entsprechende Massnahme angekündigt worden wäre.
Auch auf das in diesem Zusammenhang gestellte Wiedererwägungsgesuch sei die
Vorinstanz nicht eingetreten.
b) Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) verankerte
Anspruch auf rechtliches Gehör ist das Recht des Privaten, in einem vor einer
Verwaltungs- oder Justizbehörde geführten Verfahren mit seinen Begehren angehört zu
werden, Einblick in die Akten zu erhalten und zu den für die Entscheidfindung
wesentlichen Punkten vorgängig Stellung nehmen zu können. Er umfasst auch das
Recht auf Vertretung und Verbeiständung sowie auf Begründung von Verfügungen. Der
Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachaufklärung und stellt
andrerseits zugleich ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien dar.
Der Grundsatz verlangt, dass die Behörde die Vorbringen der vom Entscheid oder der
Verfügung in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und
berücksichtigt und ihren Entscheid vor diesem Hintergrund begründet (vgl. G.
Steinmann, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 49 zu Art. 29 BV). Der Umfang des
Anspruchs auf rechtliches Gehör hängt von der Intensität der Betroffenheit durch die
Verfügung ab. Je grösser die Gefahr einer Beeinträchtigung schutzwürdiger Interessen
ist und je bedeutsamer diese sind, desto umfassender ist das rechtliche Gehör zu
gewähren (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, N
1006).
Um dem Betroffenen eine Stellungnahme zu ermöglichen, muss ihm die Behörde den
vor-aussichtlichen Inhalt der Verfügung, das heisst zumindest die wesentlichen
Elemente, bekannt geben, sofern er diese nicht selbst beantragt hat oder voraussehen
konnte. Dabei genügt in der Regel die Möglichkeit, sich vorgängig zu den Grundlagen
des Entscheids, insbesondere zum Sachverhalt und zu den anwendbaren
Rechtsnormen, zu äussern. Unter Umständen muss die entscheidende Behörde die
Parteien jedoch auch zu ihrer voraussichtlichen rechtlichen Würdigung des
Sachverhalts anhören. So kann eine Behörde verpflichtet sein, bevor sie in Anwendung
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einer unbestimmt gehaltenen Norm oder in Ausübung eines besonders grossen
Ermessensspielraums einen Entscheid von grosser Tragweite fällt, den Betroffenen
vorgängig über seine Rechtsauffassung zu orientieren und ihm Gelegenheit zu bieten,
dazu Stellung zu nehmen. Gleiches gilt, wenn die Behörde einen Entscheid mit einer
völlig neuen, von den Parteien in keiner Weise zu erwartenden Begründung versehen
will (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 1011 mit Hinweisen).
Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs führt grundsätzlich dazu, dass im
Beschwerdeverfahren der formell mangelhafte Entscheid der Vorinstanz aufgehoben
wird. Die Kassation, insbesondere bei schwerwiegenden Verfahrensfehlern, steht im
Vordergrund. Das Bundesgericht lässt in Ausnahmefällen die Heilung des Anspruches
auf rechtliches Gehör im Rechtsmittelverfahren zu, um einen prozessualen Leerlauf und
damit verbunden eine zeitliche Verzögerung zu vermeiden (BGE 137 I 195 E. 2.3.2).
Vorausgesetzt wird, dass der betroffenen Partei daraus kein Nachteil erwächst, d.h.
dass sie ihre Rechte im Beschwerdeverfahren voll wahrnehmen und die zweite Instanz
alle Tat- und Rechtsfragen frei nachprüfen kann (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N
1174 f.).
c) Die Vorinstanz schilderte im Schreiben vom 14. Oktober 2015 den Vorfall vom 8.
August 2015, als der Rekurrent, nachdem er einen Suizidversuch unternommen habe,
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in fahrunfähigem Zustand (Alkohol-
und Medikamenteneinfluss sowie Amnesie) von A nach B gefahren sei. Die Auswertung
der Blut- und Urinprobe habe eine mittlere Blutalkoholkonzentration von 1,15
Gewichtspromille ergeben. Zudem sei Lorazepam in einer therapeutischen
Konzentration von 64 μg/l nachgewiesen worden. Dabei handle es sich um eine
schwere Verkehrsregelverletzung. Zwischen 1996 und 2011 sei ihm der Führerausweis
bereits viermal wegen Alkoholdelikten entzogen worden. Aufgrund des neuen Vorfalls
bestünden erhebliche Zweifel an der Fahreignung, weshalb ihm bis zum
Schlussentscheid der Führerausweis vorsorglich entzogen werde. Nach Art. 16c Abs. 2
lit. d des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) werde der
Führerausweis nach einer schweren Widerhandlung auf unbestimmte Zeit entzogen,
wenn in den vorangegangenen zehn Jahren der Ausweis zweimal wegen schweren
Widerhandlungen oder dreimal wegen mindestens mittelschweren Widerhandlungen
entzogen gewesen sei. Es stehe dem Rekurrenten frei, innerhalb von zehn Tagen
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schriftlich zu diesem Verfahren Stellung wie auch in die Akten Einsicht zu nehmen.
Nach Ablauf dieser Frist werde das Verfahren mit einer kostenpflichtigen Verfügung
abgeschlossen (act. 4/251 f.).
In diesem Schreiben stellte die Vorinstanz einen Ausweisentzug auf unbestimmte Zeit
gestützt auf Art. 16c Abs. 2 lit. d SVG in Aussicht. Beim Führerausweisentzug zufolge
wiederholten Rückfalls handelt es sich entgegen der Ansicht des Rekurrenten um einen
Sicherungs- und nicht um einen Warnungsentzug, da dieser auf einer unwiderlegbaren
Vermutung der fehlenden charakterlichen Fahreignung nach Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG
beruht (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_492/2014 vom 17. April 2015 E. 3.2).
Daran ändert nichts, dass dieser Führerausweisentzug systematisch bei den
Warnungsentzügen aufgeführt ist. Von einer fehlenden Fahreignung mangels
körperlicher oder geistiger Leistungsfähigkeit gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG,
wovon in der angefochtenen Verfügung nachher ausgegangen wurde, war hingegen
keine Rede.
In einem weiteren Schreiben vom 26. Oktober 2015 mit dem Betreff "Rechtliches
Gehör/im Zusatz zu unserem Schreiben vom 14. Oktober 2015" teilte die Vorinstanz
dem Rekurrenten nach Wiederholung derselben Einleitung wie im Brief vom 14.
Oktober 2015 mit, dass die Akten dem IRM zwecks Einschätzung der Fahreignung
vorgelegt worden seien. Gemäss Aktengutachten vom 21. Oktober 2015, das dem
Schreiben beilag, könne die Fahreignung aufgrund der gesamten Akten (inkl.
Vorgeschichte) aus verkehrsmedizinischer Sicht nicht weiter befürwortet werden. Vor
einer verkehrsmedizinischen und verkehrspsychologischen Neubeurteilung habe der
Rekurrent eine regelmässige psychiatrisch-fachärztliche bzw. psychotherapeutische
Betreuung und Behandlung nach Massgabe des Psychiaters mit Einreichen eines
fachärztlichen Zeugnisses, das eine mindestens einjährige stabile psychische
Verfassung im Rahmen einer regelmässigen Betreuung bestätige, sowie eine Alkohol-
und Drogenabstinenz mit Haaranalyse nach zwölf Monaten zu absolvieren, wobei auf
die Verordnung von suchterzeugenden zentralwirksamen Medikamenten zu verzichten
sei. Gestützt auf Art. 16c Abs. 2 lit. d SVG sei für den Vorfall vom 8. August 2015 eine
Sperrfrist von 24 Monaten zu erwarten. Es werde jedoch der Ausgang des
Strafverfahrens abgewartet. Es stehe dem Rekurrenten frei, innerhalb von zehn Tagen
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zu diesem Verfahren Stellung zu nehmen und Einsicht in die Akten zu nehmen. Danach
werde das Verfahren mit einer Verfügung abgeschlossen (act. 4/258 f.).
In diesem Schreiben wird zwar unter Verweis auf das Aktengutachten des IRM
ausgeführt, dass die Fahreignung aus verkehrsmedizinischer Sicht nicht weiter
befürwortet werden könne; gleichzeitig werden die Bedingungen für eine
verkehrsmedizinische und verkehrspsychologische Neubeurteilung genannt. Dass
deswegen jedoch die Verfügung eines Sicherungsentzugs gestützt auf Art. 16d Abs. 1
lit. a SVG vorgesehen sei, wird nirgends erwähnt. Der Rekurrent musste deshalb weder
mit einer solchen Massnahme rechnen noch konnte er sie voraussehen. Hinzu kommt,
dass die Vorinstanz nach Ablauf der Frist zur Stellungnahme entgegen ihrer
Ankündigung das Verfahren nicht mit einer Verfügung abschloss und auch keine
weiteren Abklärungen mehr vornahm, sondern offenbar zuwartete. Erst als der
Rechtsvertreter des Rekurrenten, nachdem er Einsicht in die Akten genommen hatte,
am 9. Juni 2016 die Aufhebung des vorsorglichen Führerausweisentzugs beantragte,
verfügte sie am 13. Juni 2016 einen Sicherungsentzug gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. a
SVG, ohne diese schwerwiegende Massnahme vorher je angekündigt zu haben.
Dadurch wurde das rechtliche Gehör des Rekurrenten – namentlich sein Recht, sich
zum voraussichtlichen Inhalt der ihn belastenden Verfügung zu äussern – in
unzulässiger Weise verletzt. Aus dem Schreiben des Rechtsvertreters vom 9. Juni 2016
war zudem klar ersichtlich, dass der Rekurrent nicht mit einem Sicherungsentzug nach
Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG rechnete und auch nicht rechnen musste, nachdem die
Vorinstanz entgegen ihrer eigenen Ankündigung im Oktober 2015 bis anhin nicht
definitiv verfügt hatte.
Da die Verletzung des rechtlichen Gehörs schwer wiegt, kommt eine Heilung im
vorliegenden Verfahren nicht in Frage. Die angefochtene Verfügung vom 13. Juni 2016
ist daher antragsgemäss aufzuheben.
3.- Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der verfügte
Sicherungsentzug auch aus anderen Gründen nicht standhielte.
a) Der Führerausweis muss entzogen werden, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen für die Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
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Abs. 1 SVG). In diesen Fällen dient der Entzug des Ausweises der Sicherung des
Verkehrs vor ungeeigneten Fahrzeugführern und wird daher als Sicherungsentzug
bezeichnet. Ein solcher Entzug wird grundsätzlich auf unbestimmte Zeit
ausgesprochen (Art. 16d Abs. 1 SVG). Bestehen Zweifel an der Fahreignung einer
Person, so wird diese einer Fahreignungsuntersuchung unterzogen (Art. 15d Abs. 1
SVG). Absatz 1 von Art. 15d SVG nennt in den lit. a bis e beispielhaft die fünf
wichtigsten Fälle, die Zweifel an der Fahreignung begründen und deren Abklärung in
der Regel obligatorisch machen. Es handelt sich dabei um die Abhängigkeit von
Alkohol und Betäubungsmitteln (lit. a und b), Verkehrsregelverletzungen, die auf
Rücksichtslosigkeit schliessen lassen (lit. c), die Meldung einer IV-Stelle (lit. d) oder die
Meldung eines Arztes, dass eine Krankheit vorliegt, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen ausschliesst (lit. e). Die Liste in Art. 15d Abs. 1 SVG ist nicht
abschliessend (BGer 1C_445/2012 vom 26. April 2013 E. 3.2; BBl 2010 S. 8500).
Sofern kein Sondertatbestand nach Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e SVG vorliegt, kann eine
Fahreignungsuntersuchung auch gestützt auf die Generalklausel in Abs. 1 angeordnet
werden. Die Behörden dürfen somit auch eine Fahreignungsabklärung anordnen, wenn
kein Grund nach lit. a bis e vorliegt. Anlass für die Abklärung der Fahreignung können
deshalb grundsätzlich alle Hinweise auf eine Einschränkung der körperlichen oder
geistigen Leistungsfähigkeit geben, und zwar unabhängig davon, ob sie einen Bezug
zum Strassenverkehr aufweisen oder nicht. So verhält es sich etwa bei einer
Verlangsamung der Reaktionen (vgl. etwa BGer 6A.17/2006 vom 12. April 2006), bei
geistigen Absenzen oder bei Krankheiten wie Epilepsie, Diabetes, Alzheimer,
Parkinson, Schizophrenie und dergleichen. Eine solche Massnahme drängt sich umso
mehr auf, wenn die betreffende Person in einem solchen Zustand ein Fahrzeug gelenkt
hat und ihr der Führerausweis durch die Polizei gestützt auf Art. 31 Abs. 1 der
Strassenverkehrskontrollverordnung (SR 741.013) auf der Stelle abgenommen wurde
(Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 15d N 53). Ein
verkehrsmedizinisches Gutachten ist immer dann einzuholen, wenn hinreichend
konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die ernsthafte Zweifel an der Fahreignung des
Betroffenen aufkommen lassen (BGer 1C_445/2012 vom 26. April 2013 E. 3.2).
Wegen fehlender Fahreignung wird einer Person der Führerausweis entzogen, wenn
ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, ein
Motorfahrzeug sicher zu führen (Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG). Darunter fallen alle in
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Betracht kommenden medizinischen und psychischen Gründe (Botschaft zur Änderung
des SVG vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4491). Grundsätzlich müssen die
medizinischen Mindestanforderungen – bezogen auf die jeweilige
Führerausweiskategorie – gemäss Anhang 1 der Verordnung über die Zulassung von
Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV) erfüllt
sein (Art. 25 Abs. 3 lit. a SVG, Art. 7 Abs. 1 VZV). Für die erste medizinische Gruppe
(u.a. mit den Führerausweiskategorien A und B) heisst dies unter anderem, dass der
Betreffende keine psychischen Störungen mit bedeutsamen Auswirkungen auf die
realitätsgerechte Wahrnehmung, die Informationsbearbeitung und -bewertung, das
Reaktionsvermögen und die situationsgerechte Verhaltenssteuerung, keine
Beeinträchtigungen von verkehrsrelevanten Leistungsreserven, keine manische oder
erhebliche depressive Symptomatik, keine erheblichen Persönlichkeitsstörungen,
insbesondere keine ausgeprägten dissozialen Verhaltensstörungen und keine
erhebliche Intelligenzminderung aufweisen darf (vgl. Anhang 1 zur VZV).
Da ein Sicherungsentzug stark in den Persönlichkeitsbereich eingreift, ist eine genaue
Abklärung der persönlichen Verhältnisse des Betroffenen in jedem Fall und von Amtes
wegen vorzunehmen. Das Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen
richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen
Ermessen der Entzugsbehörde (vgl. BGE 129 II 82 E. 2.2). Die Beweismittel und damit
auch das verkehrsmedizinische Gutachten unterliegen der freien richterlichen
Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 VRP). Die Vorinstanz
trägt die Beweislast für das Vorliegen der fehlenden Fahreignung beim
Sicherungsentzug. Beim Sicherungsentzug aus medizinischen Gründen ist ein
ärztliches Gutachten, das die Fahruntauglichkeit beweist, erforderlich.
b) Die Vorinstanz ging in der angefochtenen Verfügung von einer mangelnden
Fahreignung des Rekurrenten aus. Sie führte darin aus, aufgrund der erneuten
Auffälligkeit am 8. August 2015 sei eine positive Befürwortung der Fahreignung
nachvollziehbar nicht möglich. Notwendig sei vor allem auch eine längerfristige
psychisch stabile Verfassung. Bei der gebotenen summarischen Überprüfung des
Aktengutachtens seien keine offenkundigen Mängel erkennbar, welche dessen
Richtigkeit und Schlüssigkeit in Frage zu stellen vermöchten. Aufgrund des Gutachtens
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und der Vorgeschichte stehe fest, dass der Rekurrent im heutigen Zeitpunkt ein
besonderes Risiko im Strassenverkehr darstelle und daher nicht fahrgeeignet sei.
Die Vorinstanz stützte sich auf das verkehrsmedizinische Aktengutachten des IRM vom
21. Oktober 2015, das nach dem Suizidversuch im August 2015 eingeholt worden war
(act. 4/255 ff.). Entgegen ihrer Ansicht bedarf es bei der Verfügung eines
Sicherungsentzugs jedoch nicht bloss einer summarischen Prüfung des Gutachtens
und damit des Nachweises, ob die Voraussetzungen für einen solchen Entzug erfüllt
sind. Das Gutachten ist vielmehr umfassend auf Vollständigkeit, Nachvollziehbarkeit
und Schlüssigkeit zu untersuchen. Da der Sicherungsentzug einen schwerwiegenden
Eingriff in den Persönlichkeitsbereich darstellt, sind die Anforderungen an den
Nachweis der mangelnden Fahreignung und die damit einhergehenden Abklärungen
sodann hoch. Ein Aktengutachten vermag daher in den meisten Fällen – so auch
vorliegend – für den Nachweis der mangelnden Fahreignung nicht zu genügen. Gerade
hier, wo es um die psychische Verfassung des Rekurrenten geht, ist eine persönliche
Befragung und Untersuchung durch den Gutachter unerlässlich. Da sich der Rekurrent
seit längerem in psychiatrischer Behandlung befindet, sind auch die Auskünfte des
behandelnden Arztes, allenfalls auch der KPK, einzuholen. Offenbar ging auch die
Vorinstanz bei der Erteilung des Auftrags zur Aktenbegutachtung davon aus, dass es
noch zu einer Fahreignungsabklärung kommen würde (vgl. act. 4/242). Hinzu kommt,
dass die Aktenbegutachtung vom Oktober 2015 im Verfügungszeitpunkt vom 9. Juni
2016 beinahe acht Monate alt und damit insbesondere zur Frage der Suizidalität nicht
mehr aktuell war. Eine umfassende verkehrsmedizinische Begutachtung samt
psychiatrischer Beurteilung des Rekurrenten erweist sich daher für die Beurteilung der
Fahreignung als unerlässlich.
4.- Zusammenfassend ist der Rekurs gutzuheissen und die angefochtene Verfügung
vom 13. Juni 2016 aufzuheben. Die Streitsache ist zu weiteren Abklärungen (Einholung
eines neuen verkehrsmedizinischen Gutachtens inkl. psychiatrischer Beurteilung,
Gewährung des rechtlichen Gehörs) und neuer Verfügung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Die Vorinstanz wird zudem zu prüfen haben, ob der Führerausweis
dem Rekurrenten für die Dauer des Verfahrens vorsorglich zu entziehen ist.
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5.- a) Die amtlichen Kosten sind den Beteiligten nach Massgabe ihres Obsiegens und
Unterliegens aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Der Rekurrent dringt mit seinem Antrag
auf Aufhebung der Verfügung durch, weshalb die amtlichen Kosten dem Staat
aufzuerlegen sind. Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.– (vgl.
Art. 7 Ziff. 111 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von
Fr. 1'500.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten.
b) Bei diesem Verfahrensausgang hat der Rekurrent Anspruch auf volle Entschädigung
der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP), soweit diese aufgrund der Rechts- und
Sachlage als notwendig und angemessen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Im
Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter
hat keine Kostennote eingereicht. Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission
wird das Honorar als Pauschale ausgerichtet; der Rahmen liegt zwischen Fr. 1'000.–
und Fr. 12'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75; abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO). Da sich im Rekursverfahren hauptsächlich
formelle Fragen stellten, erscheint ein Honorar von Fr. 1'800.– als angemessen.
Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von Fr. 72.– und die Mehrwertsteuer von
Fr. 149.75 (Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO). Die ausseramtliche Entschädigung
beträgt damit insgesamt Fr. 2'021.75; kostenpflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs-
und Schifffahrtsamt).