Decision ID: 05afe976-d8a5-49d0-885a-1c8c9d5d2d5c
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1970 geborene
X._
arbeitete
in
Pensen
von
40
%
bzw. 50
%
als Dentalhygienikerin bei
den
Dres
.
med.
dent
.
Y._
und
Z._
und
war dadurch bei den
Elvia
Versicherungen (
Elvia
,
heute Allianz Suisse
Versi
cherungs
-Gesellschaft [Allianz])
und der Schweizerischen Mobiliar
Versiche
rungsgesellschaft
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie am 2
4.
August 1993 von einem Pferd stürzte. Sie erlitt dabei eine Beckenfraktur und eine doppelte Schambeinastfraktur (
Unfallmeldungen UVG vom 1
2.
Sep
tember 1993,
Urk.
9/4, und vom
7.
September 1993,
Urk.
9/
2
,
Arztzeug
nis
UVG des
A._
vom 1
6.
September 1993,
Urk.
9/5
,
und Bericht dessel
ben vom
2.
Oktober 1993,
Urk.
9/
11).
X._
war
in der Folge zunächst zu 100
%
und hernach teilarbeitsunfähig (
Unfallschein von Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin,
Urk.
9/42). Die
Elvia
richtete Taggelder aus und kam für die Heilbehandlungskosten auf.
Per
1.
Oktober 1994
nahm
X._
die
Arbeit wieder zu 100
%
auf
(
Arzt
zeugnis
von
Dr.
B._
vom 1
9.
November 1994,
Urk.
9/44).
Mit Verfügung vom 1
9.
August 1996 sprach die
Elvia
X._
ein
e
auf einer
Integritäts
einbusse
von 15
%
beruhende Entschädigung in der Höhe von Fr. 14‘580.--
zu
(
Urk.
9/60).
Ab
dem 2
7.
August 1996
richtete die
Elvia
aufgrund einer neuen 25%igen Arbeitsunfähigkeit von
X._
wieder
Taggelder aus
(Schrei
ben der
Elvia
vom
1
9.
Februar 1997,
Urk.
9/74). A
m 5.
September 1996
meldete
sich
X._
b
ei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, zum Leistungsbezug an
(
Urk.
19)
.
Die IV-Stelle nahm in der Folge medi
zinische und erwerbliche Abklärungen vor und sprach
X._
die
Kosten für die Umschulung zur Naturärztin
inkl. Fussreflexzonenmasseu
r
in und Zusatzausbildung Homöopathie
zu
und richtete
ein entsprechendes Taggeld
aus (vgl. Aktennotiz,
Urk.
9/120)
.
Nach Abschluss der beruflichen Massnahmen sprach d
ie IV-Stelle
X._
mit Verfügung vom 1
7.
Juni
2005
mit Wirkung ab
1.
Juli 2004 eine halbe Rente
(
Urk.
2 S. 6)
und die Allianz mit
Verfügung vom 1
4.
September 2005
mit
Wirkung ab
1.
Juli 2004
bei einem versicherten Verdienst von Fr. 78‘724.--
eine auf einem Invaliditätsgrad von 53
%
beruhende Ren
t
e und neu eine einer Integritätseinbusse von 20
%
entsprechende Entschädigung von
Fr.
19‘440.
--
zu
(
Urk.
9
/1
30
).
1.2
Im Mai 2010 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein. Sie gab dabei beim
C._
eine ambulante rheumatologische Abklärung mit Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) in Auftrag, welche am 2
1.
März 2011 erstattet wurde.
Mit Vorbescheid vom
1.
Juni 2012 stellte die IV
Stelle
X._
in
Aussicht
, die Rente revisionsweise aufzuheben. Die IV-Stelle ging dabei davon aus, dass
X._
neu im Gesundheitsfall nur noch zu 80
%
erwerbstätig und zu 20
%
im Aufgabenbereich tätig wäre.
Mit Verfügung vom 1
7.
Juli 2012 hob die Allianz die Verfügung vom 1
4.
September 2005
wiedererwägungsweise
auf und sprach
X._
neu eine auf einem Invaliditätsgrad von 44
%
basierende Rente
zu.
Sie setzte den versicherten Ver
dienst dabei neu auf Fr. 66‘510.-- fest (
Urk.
9
/163)
. Hiergegen erhob
X._
am 2
0.
August 2012 Einsprache (
Urk.
9/164). Mit Verfügung vom 4.
Oktober 2012 hob die IV-Stelle die halbe Rente von
X._
revisi
onsweise
auf (
Urk.
9
/166). Mit
Einspracheentscheid
vom 2
3.
November 2012
hiess die Allianz die Einsprache von
X._
in dem Sinne teilweise gut, als der versicherte Verdienst neu auf
Fr. 67‘173.60 festgesetzt wurde. Am
Inva
liditätsgrad
von 44
%
wurde festgehalten
(
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess
X._
am 1
1.
Januar 2013 Besch
werde erheben und
beantragen
, die Verfügung vom 1
7.
Juli 2012 und der
Einspracheentscheid
vom 2
3.
November 2012 seien ersatzlos aufzuheben (
Urk.
1). Die
Beschwerdegegne
rin
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Februar 2013
die
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8), wa
s der Beschwerdeführerin am 15.
Februar 2013 mitge
teilt wurde (
Urk.
10). Die Beschwerdeführerin liess am 2
8.
März 2013 eine Rep
lik einreichen (
Urk.
13), worauf die Beschwerdegegnerin am 1
0.
April 2013 duplizierte (
Urk.
17). Die Duplik wurde der Beschwerdeführerin am 1
5.
April 2013 zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
18).
3.
Mit heutigem Urteil wurde die von der Beschwerdeführerin
am
7.
November 2012
gegen die Verfügung der IV-Stelle vom
4.
Oktober 2012 erhobene Beschwerde abgewiesen (Prozess Nr. IV.2012.01179).
4
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Ändert sich der Grad der Invalidität eines Rentenbezügers oder einer
Renten
bezü
gerin
in einer für den Anspruch erheblichen Weise, so ist
die Rente laut
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts
(ATSG)
für die Zukunft entsprechend zu erhöhen, herabzu
setzen oder aufzuheben. Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht
jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E. 2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die Revisions
voraussetzungen des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifel
lose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung erst vom Gericht fest
gestellt, so kann es die auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Verwaltung mit dieser Begründung schützen (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hin
weisen). Nach der Rechtsprechung lässt sich eine allgemein gültige
betragliche
Grenze für die Voraussetzung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Massgebend sind vielmehr die gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei perio
dischen Leistungen ist die Erheblichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E. 1c; Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hinweisen.
Bei der Beurteilung, ob eine Wiedererwägung wegen zweifelloser Unrichtigkeit zulässig sei, ist
von der Rechtslage
auszugehen, wie
sie
im Zeitpunkt des
Verfü
gungserlassen
bestanden hat, wozu auch die seinerzeitige Rechtspraxis gehört (Urteil des Bundesgerichts U 209/06 vom 2
2.
November 2006 E. 5.2)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führt zur Begründung der Herabsetzung der Rente der Beschwerdeführerin auf eine auf einem Invaliditätsgrad von 44
%
beruhende Rente und des versicherten Verdienstes auf Fr. 67‘173.60 an, die ursprüngliche B
emessung des versicherten Verdienstes
und des
Valideneinkommens
in der Verfügung vom 1
4.
September 2005 sei
en
zweifellos unrichtig.
Die Verfügung sei daher entsprechend anzupassen.
Für die Berechnung des versicherten Verdienstes
seien damals allein die
bei den
Dres
.
Z._
und
Y._
erzielten
Einkommen der Beschwerdeführerin berück
sichtigt worden. Ein Blick in den individuellen Kontoauszug der Beschwerde
führerin zeige indessen, dass sie ihm Jahr vor dem Unfall – mithin vom 2
4.
August 1992 bis zum 2
3.
August 1993 – bei weiteren Zahnärzten angestellt gewesen sei.
Diese weiteren Einkommen hätte
n
bei der Berechnung des versi
cherten Verdienstes mitberücksichtigt werden müssen, so dass sich der versi
cherte Verdienst richtigerweise auf Fr. 67‘173.60 belaufe.
Bei der Berechnung des
Valideneinkommens
sei statt auf das von der Beschwer
deführerin im Jahr
1993 bei den
Dres
.
Z._
und
Y._
auf das von ihr
im Jahr 2004
bei
Dr.
med.
dent
.
D._
erzielte
Einkommen abgestellt worden. Das
Valideneinkommen
der
Beschwerdeführerin habe im Jahr 2004 richtiger
weise Fr. 90‘948.60 und nicht Fr. 106‘981.-- betragen.
2
.2
Die Beschwerdeführerin lässt hiergegen im Wesentlichen vorbringen,
sei
t
der ursprünglichen
Zusprache
der Invalidenrente
seien
keine neuen Tatsachen oder Sachverhaltselemente aufgetaucht, welche die damaligen Feststellung
e
n als zweifellos unrichtig erschienen liessen. Sie habe im Zeitpunkt des Unfalls vom 2
4.
August 1993 seit
1.
Februar 1993
i
n einem Pensum von 50
%
bei Dr.
Z._
sowie
seit dem
1.
August 1993 in einem Pensum von
40
% bei
Dr.
Y._
gear
beitet
. Beide Arbeitsverhältnisse seien unbefristet gewesen. Der versicherte Ver
dienst sei daher gestützt auf
Art.
22
Abs.
4 Satz 2
der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
zu berechnen. Dies habe die Beschwerdegegnerin in der ursprüngli
chen Verfügung korrekt gemacht.
Für die Berechnung des Invalidenei
n
k
ommens sei massgebend, was eine versi
cherte
Person
im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns bei voller Gesundheit erzielen würde, und nicht was sie im Unfallzeitpunkt verdient habe. Das von der Beschwerdegegnerin bei der ursprünglichen
Rentenzusprache
angenommene Einkommen sei korrekt gewesen, auf keinen Fall sei der dama
lige Ermessensentscheid zweifellos unrichtig gewesen.
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob
die Beschwerdegegnerin bei der mit Verfügung vom 1
4.
September 2005
erfolgten
Rentenzusprache
den versicherten Verdienst und das
Valideneinkommen
der Beschwerdeführerin korrekt berechnet hat oder ob si
ch die damaligen Beträge und somit auch die Verfügung vom 14. September 2005
als zweifellos unrichtig erweis
en
.
3.2
3.2.1
Die Beschwerdegegnerin berechnete den versicherten Verdienst in der Verfü
gung vom 1
4.
September 2005 (
Urk.
9/130) gestützt auf das Einkommen, wel
ches die
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Unfalls vom 2
4.
August 1993 seit
1.
Februar 1993 bei
Dr.
Z._
und
zusätzlich
seit
1.
August 1993 bei
Dr.
Y._
erzielt hatte (S. 2).
3.
2.2
Gemäss
Art.
15
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
werden die Renten nach dem versicherten Verdienst bemessen (
Art.
1). Als versicherter Verdienst gilt für die Bemessung der Renten der innerhalb eines Jahres vor dem
Unfall bezogene Lohn (
Abs.
2). Gestützt auf die in
Art.
15
Abs.
3 UVG einge
räumte Ermächtigung hat der Bundesrat
Art.
22 bis 24 UVV erlassen. Art.
22 UVV, der den versicherten Verdienst „im allgemeinen“ umschreibt
,
bestimm
t
in
Abs.
4:
Als Grundlage für die Bemessung der Renten gilt der innerhalb eines Jahres vor dem Unfall bei einem oder mehreren Arbeitgebern bezogene Lohn,
einschliesslich
noch nicht ausbezahlter Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsan
spruch besteht (Satz 1). Dauerte das Arbeitsverhältnis nicht das ganze Jahr, so wird der in dieser Zeit bezogene Lohn auf ein volles Jahr umgerechnet (Satz 2). Bei einer zum Voraus befristeten Beschäftigung bleibt die Umrechnung auf die vorgesehene Dauer beschränkt
(Satz 3).
Beginnt die Rente mehr als fünf Jahre nach dem Unfall oder dem Ausbruch der Berufskrankheit, so ist der Lohn
massgebend
, den der Versicherte ohne den Unfall oder die Berufskrankheit im Jahre vor dem Rentenbeginn bezogen hätte, sofern er höher ist als der letzte vor dem Unfall oder dem Ausbruch der Berufs
krankheit erzielte Lohn (
Art.
24
Abs.
2 UVV).
3.2.3
Die Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin bis zum Unfall vom 2
4.
August 1993 war wie folgt: Die Beschwerdeführerin schloss im März 1992 die Ausbil
dung zur Dentalhygienikerin ab. Rund ein halbes Jahr nach diesem Abschluss machte sie
gemäss
ihren eigenen, von der Beschwerdegegnerin nicht bestritte
nen Angaben (
Urk.
1 S. 8-9,
Urk.
8 S. 7), von Oktober bis Dezember 1992 einen Sprachenaufenthalt in Italien. Zuvor arbeitete sie in der Funktion einer Aushilfe in einem Pensum von 100
%
bei
Dr.
med.
dent
.
E._
. Nach ihrer Rück
kehr aus Italien konnte sie wieder bei
Dr.
E._
und
als Aushilfe bei
Dr.
med.
dent
.
F._
arbeiten. Im Frühling 1993 arbeitete sie zudem bei
Dr.
med.
dent
.
G._
(vgl.
Urk.
1 S. 8-9
und
Urk.
2 S. 10). Ab Februar 1993 arbeitete sie in einem Pensum
von
50
%
bei Dr.
Z._
(
Urk.
9/2) und ab
1.
August 1993 in einem Pensum
von
40
%
bei
Dr.
Y._
(
Urk
.
9/4). Diese bei
den unbefristeten Arbeitsverhältnisse hatten im Zeitpunkt des Unfalls vom 24. August 1993 weiterhin
B
estand.
3.2.4
Wie ausgeführt (E. 1) sind für die Beurteilung, ob ein Entscheid zweifellos unrich
tig war,
die Rechtslage
und die Rechtspraxis massgebend, welche im Zeitpunkt des Erlasses des in Frage stehenden Entscheides
B
estand hatten (Urteil des Bundesgerichts U 209/06 vom 2
2.
November 2006 E. 5.2). Vorliegend sind
damit
die Rechtslage
und die Rechtspraxis im September 2005 entscheidend.
Das Eidgenössische Versicherungsgericht hielt mit Urteil vom 1
0.
März 1992 (U 148;
RKUV 1992 S. 117 ff. E. 4c/
aa
) fest, bei unterjährigen Arbeitsverhält
nissen werde vermutet, dass die Versicherte ganzjährig zu den gleichen Bedin
gungen gearbeitet hätte, weshalb die Umrechnung nach
Art.
22
Abs.
4 Satz 2 UVV auf 12 Monate erfolge, so beispielsweise bei Stellenwechsel, Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit oder Wechsel von selbständiger zu unselbständiger Erwerbstätigkeit. Einschränkungen
davon sah
das Eidgenössische
Versiche
rungsgericht
bei
Saisonbeschäftigte
n
und Versicherte
n
, die nur einen zeitlich begrenzten Teil des Jahres erwerbstätig sind, wobei hiervon unübliche Reduk
tionen der Arbeitszeit, die Ausnahmecharakter haben
(z.B. unbezahlter Urlaub)
, ausdrücklich ausgenommen
waren
. Der Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 1
0.
März 1992
erfolgte in
Bestätigung der damals gelten
den Rechtsprechung.
Bereits aus dem Urteil des Eidgenössischen
Versiche
rungs
gerichts
vom 2
5.
April 1988 (BGE 114 V 113) ergibt sich, dass eine Umrech
nung des Lohnes auf ein ganzes Jahr nicht nur in Fällen zu erfolgen hat, wo das Arbeitsverhältnis noch kein ganzes Jahr gedauert hat
namentlich bei Stellenwechsel, Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, Übergang von selb
ständiger zu unselbständiger Tätigkeit sowie Rückkehr aus dem Aus
land -, sondern auch beim Vorliegen eines unbezahlten Urlaubs. Dabei kam das Gericht zum Schluss, dass es stossend wäre, wenn ein Versicherter, welcher zwei Monate nach Antritt einer neuen Stelle verunfallt, Anspruch auf Umrechnung des erzielten Lohnes auf einen Jahreslohn hätte, während es dem Versicherten, der seit Jahren beim gleichen Arbeitgeber tätig war und kurze Zeit nach einem mehrmonatigen unbezahlten Urlaub verunfallt, diese Möglichkeit verschlossen bliebe (E. 3.c).
Angesichts dieser vorgenannten Rechtsprechung kann es nicht als zweifellos unrichtig gelten, dass die Beschwerdegegnerin den von der Beschwerdeführerin von Oktober bis Dezember 1992 getätigten Sprachaufenthalt als Lohnlücke betrachtete und den versicherten Verdienst gestützt auf die Erwerbsverhältnisse, wie sie im Zeitpunkt des Unfallgeschehens im August 1993 vorlagen, auf zwölf Monate umrechnete. Dass das Eidgenössische Versicherungsgericht seine dies
bezügliche Rechtsprechung mit Urteil vom 2
5.
Oktober 2006 dahingehend prä
zisierte (U 421/05), dass allfällige zeitliche Lücken durch eine Hochrechnung sämtlicher Arbeitstätigkeit im letzten Jahr vor dem Unfallgeschehen auszufüllen sind (E. 3.4), vermag nicht zur zweifellosen Unrichtigkeit der Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1
4.
September 2005 (
Urk.
9/130) zu führen, sind doch wie bereits festgestellt, die Verhältnisse im September 2005 entscheidend (E. 3.2.4 zu Beginn). Zu keinem anderen Schluss führt der Hinweis (
Urk.
2 S. 9) auf das Urteil U 196 vom 2
1.
März 1994 (RKUV 1994 S. 212
ff.), war hierbei doch ein Sachverhalt zu beurteilen, bei welchem keine eigentliche Lohnlücke, sondern ein Verdienst mit starken Schwankungen vorlag.
3.2.5
Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass
die Festsetzung
de
s
versicherte
n
Verdienst
es
in der
Verfügung vom 14. September 2005
zwar nicht der
heutigen Rechtsprechung
folgt,
u
nter Beachtung der im
Verfügungszeit
punkt
gültigen Rechtslage und Rechtsprechung aber zumindest nicht derart falsch
bestimmt
wurde
, dass die Verfügung vom 1
4.
September 2005
als zwei
fel
los unrichtig im Sinne von Art.
53
Abs.
2 ATSG zu qualifizieren
wäre. Hierfür wäre nämlich
erforderlich, dass die Beurteilung nur ein
en
einzige
n
Schluss zulässt, derjenigen der Unrichtigkeit (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
2.
Auflage,
Art.
53 N 31).
Dies ist vorliegend nicht der Fall.
3.3
3.3.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkom
mens
entwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 mit Hinweisen).
3.3.
2
Die Beschwerdeführerin arbeitete
im Zeitpunkt des Unfalls vom 2
4.
August 1993 bei
Dr
.
Z._
in einem Pensum von 50
%
und bei
Dr.
Y._
in einem Pensum von 40
%
. Die Beschwerdeführerin arbeitete
damit
insgesamt in einem Pensum von 90
%
(50
%
+ 40
%
). Bei
Dr.
Y._
erzielte sie im Jahr 1993 ein Einkommen von Fr. 2‘400.-- pro Monat (
Urk.
9/4). Dies entsprach im Jahr 2003 einem Einkommen von Fr. 35‘225.-- pro Jahr (Fr. 2‘400.--: 100 x 112,9
[
Nomi
nallohnindex
des Bundesamtes für Statistik, Tabelle T1.2.93, M
,N,O
] x 13
). Bei
Dr.
Z._
verdiente die Beschwerdeführerin im Jahr 1993 Fr. 3‘000.-- (
Urk.
9/2). Im Jahr 1997 hätte sie in einem
100%-
Pensum Fr. 6‘400.-- pro Monat verdient
(
Urk.
19/1
), was bei einem 50%
Pensum ein Einkommen von Fr. 3‘200
.
ergibt. Dies entsprach
im Jahr 20
03
einem
Einkommen von Fr.
44‘944.--
(Fr.
3
‘
2
00.
--
:
104,5 x
112,9
[Nominallohnindex des Bundesamtes für Statistik, Tabelle T1.2.93, M,N,O]
x 13
).
D
ie
Beschwerdeführerin hätte
demnach
im Jahr 20
03
- unter der Annahme, sie hätte
weiterhin in
Pensen
von 40
bzw. 50
%
bei
Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
weitergearbeitet
Fr.
80‘169.--
verdient. Dies entspricht bei einem Pensum von 100
%
einem Einkommen von Fr.
89‘077
.--
.
3.3.
3
Die Beschwerdegegnerin
legte das
Valideneinkommen
der Beschwerdeführerin in Abweichung hiervon gestützt auf das von der Beschwerdeführerin
im Jahr 2000 bei
Dr.
D._
erzielte Einkommen
fest, welches die IV-Stelle mit
Fr.
106‘981.--
beziffert hatte
(
Urk.
9/130 S. 3
; Urk. 19/2
).
Zwar ist zur Festsetzung des
Valideneinkommens
in der Regel am zuletzt erzielten Verdienst - vorliegend am Einkommen, welches die Beschwerdeführerin bei
Dr.
Y._
und
Dr
.
Z._
erzielte - anzuknüpfen (E. 3.3.1). Dass die Beschwerdegegnerin - wie schon die IV-Stelle zuvor - das
Valideneinkommen
abweichend von diesem Grundsatz und in Hochrechnung eines aus einem Teilzeitpensum erzielten Einkommens festgesetzt hat, erscheint mit Blick auf den von der Beschwerdeführerin mit
Dr.
D._
geschlossenen Vertrag, wonach ihr für die Tätigkeit als
Dentalhygie
nikerin
ab Januar 2000 für eine 45%-Anstellung ein Monatsgehalt von
Fr.
3‘500.-- ausgerichtet werde
(
Urk.
19/3), sowie angesichts des Arbeitsvertra
ges mit
Dr.
H._
, welcher ab Januar 2005 einen Monatslohn von
Fr.
7‘700.
für ein Vollzeitpensum und mithin ein Jahreslohn von rund
Fr.
100‘000.-- in Aussicht stellte (
Urk.
9/113), zumindest als vertretbar. Zweifellose Unrichtigkeit scheidet mithin auch in diesem Punkt aus.
4
.
Nach
dem
Gesagten
ist weder
der mit
Verfügung vom 1
4.
September 2005
festge
setzte
versicherte Verdienst noch das
Valideneinkommen
der Beschwer
deführerin
als
offensichtlich unrichtig
zu qualifizieren
. Da sich die Verfügung vom 1
4.
September 2005 auch ansonsten nicht als offensichtlich unrichtig erweist und auch kein
Revisionsgrund
im Sinne
von
Art.
17 ATSG vorliegt,
ist die
Beschwerde gutzuheissen und
sind
die Verfügung vom 1
7.
Juli 2012
sowie
der
Einspracheentscheid
vom 2
3.
November 2012 ersatzlos aufzuheben.
5.
N
ach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine
Prozessentschädi
gung
von
Fr.
2‘700
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemessen.