Decision ID: aed61708-e640-5b45-9d21-db703ff1d0f4
Year: 2005
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1. Die 1955 geborene E._ ist als Geschäftsleiterin des A._ bei der Unfallversicherung Stadt Zürich im Rahmen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) versichert. Ihr Arbeitspensum betrug 60 %. Daneben war sie als selbständigerwerbende Unternehmensberaterin tätig.
Am 7. April 2001 fiel der Versicherten während einer Bahnfahrt von der Gepäckablage eine Reisetasche auf den Kopf. Dr. med. B._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, den sie am folgenden Tag im C._ aufsuchte, stellte Druckdolenzen parietal rechts fest und diagnostizierte eine Schädel-Kontusion (Urk. 8/M1). Wegen Zunahme der Beschwerden konsultierte E._ am 11. April 2001 Dr. med. D._, Spezialarzt FMH für Allgemeine Medizin. Dieser stellte allseits bis gegen die Schultern und Mitte des Rückens verspannte Nackenmuskeln, eingeschränkte Kopfbeweglichkeit mit in die Brustwirbelsäule ausstrahlendem Endphasenschmerz, Schwitzen, leichten Schwindel, subjektiv verminderte Konzentrationsfähigkeit, rasche Ermüdbarkeit und Kopfschmerzen fest. Er stellte die Diagnose HWS-Distorsion mit Kopfanprall, bemass die Arbeitsfähigkeit mit 50 % und verordnete Physiotherapie (Urk. 8/M2-4). Die Beschwerden besserten jedoch nicht; auch Ende 2002 bestanden noch Kopfschmerzen, Verspannungen im Nacken und ausgeprägte Konzentrationsstörungen, und die Arbeitsfähigkeit konnte per 1. November 2002 nur auf zwei Drittel gesteigert werden (Urk. 8/M6).
Nach Anordnung einer Begutachtung durch die Ärzte der Gutachtenstelle F._ (Urk. 8/M7) teilte die Versicherungskasse E._ am 4. November 2003 mit, dass die Leistungen per 1. Oktober 2003 wegen fehlender Unfallkausalität der Beschwerden eingestellt würden (Urk. 12/G11). Eine entsprechende Verfügung erging am 3. März 2004 (Urk. 12/G17). Die dagegen gerichtete Einsprache der Versicherten wurde am 29. Juli 2004 abgewiesen (Urk. 12/G23).
2. Gegen den Einspracheentscheid vom 29. Juli 2004 liess E._ am 3. November 2003 durch ihre Rechtsanwältin Beschwerde mit dem Rechtsbegehren erheben, in Aufhebung von Verfügung und Einspracheentscheid sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weiterhin Leistungen aus dem Unfall vom 7. April 2001 zu erbringen, alles unter Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1). Die Unfallversicherung Stadt Zürich schloss mit Beschwerdeantwort vom 25. November 2004 auf Beschwerdeabweisung (Urk. 7). Nach Vervollständigung der Akten (Urk. 10-12) hielten die Parteien in Replik und Duplik an ihren Anträgen fest (Urk. 15, 18), worauf der Schriftenwechsel am 28. Februar 2005 geschlossen wurde (Urk. 20).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 406 Erw. 4.3.1, 123 V 45 Erw. 2b, 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 119 V 338 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen).
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 119 V 338, 117 V 360 Erw. 4b). Beweisrechtlich kann es aber nicht genügen, auf die vom Versicherten subjektiv geklagten Beschwerden abzustellen, wenn diese durch fachärztliche Erhebungen nicht einer medizinisch fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung zugeschrieben werden können (BGE 119 V 340 ff. Erw. 2b).
1.2 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 Erw. 3.2, 405 Erw. 2.2, 125 V 461 Erw. 5a).
Bei organisch nachweisbaren Unfallfolgen spielt indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung praktisch keine Rolle, indem die Unfallversicherung auch für seltenste, schwerwiegendste Komplikationen haftet, welche nach der unfallmedizinischen Erfahrung im Allgemeinen gerade nicht einzutreten pflegen (vgl. BGE 128 V 172 Erw. 1c, 123 V 102 Erw. 3b, 118 V 291 Erw. 3a, 117 V 365 Erw. 5d/bb mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; RKUV 2004 Nr. U 505 S. 249 Erw. 2.1). Insbesondere bei psychogenen Störungen, den typischen Beschwerden nach einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS), einer dem Schlädertrauma ähnlichen Verletzung der HWS oder einem Schädel-Hirntrauma ist jedoch die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung zu prüfen (BGE 118 V 291 Erw. 2a mit Hinweisen).
1.3 Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 102 Erw. 3b, 122 V 417 Erw. 2c). Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzubeziehen sind. Als wichtigste Kriterien nennt das Eidgenössische Versicherungsgericht hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
Dauerbeschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit.
Anders als bei den Kriterien, die das Eidgenössische Versicherungsgericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung für relevant erachtet, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und der in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 Erw. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 Erw. 4a; BGE 117 V 363 Erw. 5d/aa und 367 Erw. 6a).
Die zum Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung wendet das Eidgenössische Versicherungsgericht sinngemäss auch bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas (BGE 117 V 382 f. Erw. 4b) oder den Folgen einer dem Schleudertrauma ähnlichen Verletzung der Halswirbelsäule an (vgl. RKUV 1999 Nr. U 341 S. 408 Erw. 3b; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2).
2. Das von Dr. med. G._, Spezialarzt FMH für Neurologie, unterzeichnete interdisziplinäre Gutachten des F._ vom 1. Oktober 2003 enthält folgende Beurteilung (Urk. 8/M7 S. 6 ff.):
"Status nach Kopfkontusion durch ein schweres Gepäckstück, fallend vom Gepäckabteil auf völlig überraschte Patientin, mit HWS-Distorsion, mit nachfolgender Amnesie von ca. 17 Std. beziehungsweise mit Commotio cerebri, mit persistierendem Cervicalsyndrom, neurovegetativer und neuropsychologischer Symptomatik. Aus psychiatrischer Sicht sind keine Auffälligkeiten fest zu stellen. Die Quantifizierung der neuropsychologischen Symptome ergab eine leichte kognitive Funktionsstörung. Aus orthopädischer Sicht lagen myofasciale Symptome vor. Die neuroradiologischen Befunde konnten diese Symptome objektivieren mit Feststellung von Fehlstellungen und Hypomobilitäten der HWS. Diskushernien oder nennenswerte degenerative Veränderungen lagen nicht vor. Die EEG-Untersuchung ergab Hinweise auf vertebrobasiläre Durchblutungsstörung (hinterer Kreislauf) im Rahmen der neurovegetativen Symptomatik und im Zusammenhang mit der HWS-Distorsion."
Ferner wird im Gutachten festgehalten, dass die Genese der Konzentrationsstörungen, Ermüdbarkeit und cervicocephalen Schmerzen organischer Art ist und diese Beschwerden für die erlittenen Verletzungen typisch sind. Als Befunde wurden eine druckdolente Nackenmuskulatur, segmentale Störungen der Halswirbelsäule, eine Fehlstellung des Atlas und eine kognitive Störung angegeben. Die Diagnose lautet: Status nach Unfall mit Kopf- und Körperkontusion, HWS-Distorsion mit cervicocephale-Syndrom mit neurovegetativer und neuropsychologischer Symptomatik sowie milde traumatische Hirnverletzung (MTBI) bei Amnesie von ca. 17 Stunden. Alle Beschwerden und Befunde werden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 7. April 2001 zurückgeführt, wobei das Cervicalsyndrom, die myofasciale Symptomatik, die segmentalen Störungen der Halswirbelsäule sowie die neurovegetativen Symptome der HWS-Distorsion und der Contusio capitis, die neuropsychologischen Symptome teils der HWS-Distorsion, teils der MTBI zugeordnet wurden. Das Bestehen prä- oder posttraumatischer unfallfremder Faktoren wurde verneint (Urk. 8/M7 S. 7-8).
Dr. G._ ging davon aus, dass von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine wesentliche Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden könne, und bemass den unfallbedingten Integritätsschaden mit 35 % (Urk 8/M/ S. 10 f.). Die Fragen nach der Arbeitsfähigkeit der Versicherten beantwortete er wie folgt (Urk. 8/M7 S. 9 f.):
"Alle im Arbeitsprofil als A._-Geschäftsleiterin vorhandenen Aufgaben, wie vor dem Unfall, sind weiterhin zumutbar, jedoch unter Berücksichtigung der durch den Unfall bedingten Einschränkungen, welche mehr als 3-4 Stunden beanspruchen, z.b. Seminar geben, nicht zumutbar."
"Für die Tätigkeit als A._-Leiterin besteht allgemein eine Reduktion von einem Drittel (d.h. 20 % bezogen auf 60 %-Arbeitspensum, und 33
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/
3
% bezogen auf 100 % Arbeitspensum). In den einzelnen Aufgaben sind gewisse Gewichtungen vorzunehmen: Am meisten Einschränkungen sind im Bereich von Konzept- und Projektarbeit zu verzeichnen. In zeitlicher Hinsicht realisiert die Pat 5 bis 5
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Stunden pro Tag, 3 Tage in der Woche, in leistungsmässiger Hinsicht sind es jeweils 3 bis 3
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Stunden produktiver Arbeit, d.h. die Pat braucht mehr Zeit für die Aufgaben. Voraussetzung für diese Arbeitsleistung sind die eingeschalteten arbeitsfreien Tage. Die selbständige Tätigkeit ist nicht versichert. Die diesbezüglichen Einschränkungen sind ähnlich gelagert wie oben, wobei die Seminartätigkeit nicht mehr möglich ist."
Auf entsprechende Nachfrage der Beschwerdegegnerin erklärte Dr. G._ im Schreiben vom 6. Mai 2004, das Cervicocephalsyndom sei dem muskuloskelettalen System, die Ermüdbarkeit dem Neurovegetativum und die Konzentrationsstörung dem Gehirn zuzuordnen (Urk. 8/M8).
3.
3.1 Das F._-Gutachten beruht auf gründlichen orthopädischen, psychiatrischen, neuropsychologischen und neurologischen Abklärungen (Urk 8/M7a-e). Auch ist es ausführlich und überzeugend begründet. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin besteht daher kein Grund, sich über das Gutachtensergebnis, wonach die vorhandenen Beschwerden in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall stehen, hinwegzusetzen. Dies umso weniger, als diese Schlussfolgerung im Einklang mit der Rechtsprechung steht, die bei einem diagnostizierten Schleudertrauma der Halswirbelsäule beziehungsweise Schädel-Hirntrauma und bei Vorliegen des für diese Verletzungen typischen Beschwerdebildes den natürlichen Kausalzusammenhang in der Regel bejaht (vgl. Erw. 1.1). Die Diagnose einer HWS-Distorsion war denn auch von Anfang an gestellt worden, und die geklagten Beschwerden waren damit ohne weiteres vereinbar. Dass nicht alle vom Eidgenössischen Versicherungsgericht angeführten Störungen auftraten, ändert daran nichts; ist doch für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass diese kumulativ gegeben sind. Das von Dr. G._ zusätzlich diagnostizierte leichte Schädel-Hirntrauma (MTBI) wurde mit dem Kopfanprall und einer 17-stündigen Amnesie begründet. Aufgrund der vom Gutachter erhobenen anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin (Urk. 8/M7 S. 3) erscheint die geschilderte Gedächtnisstörung als durchaus plausibel. Folglich ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nebst einer HWS-Distorsion auch ein leichtes Schädel-Hirntrauma erlitten hat und noch immer unter den Folgen dieser beiden Verletzungen leidet.
3.2 Dass Gutachter Dr. G._ von einer organischen Genese der Konzentrationsstörungen, Ermüdbarkeit und cervicocephalen Schmerzen ausgeht, erklärt sich damit, dass er die Beschwerden einzelnen Organen zuordnen kann, und einzelne von ihnen klinisch, neuropsychologisch oder mittels funktionellem HWS-Computertomogramm nachvollziehbar sind. Ein eigentliches organisches Substrat, das direkt auf den Unfall zurückgeht, liegt jedoch nicht vor. Nach der Rechtsprechung ist aber ohnehin nicht entscheidend, ob die im Anschluss an ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung der HWS auftretenden Beschwerden medizinisch eher als organischer oder als psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 117 V 364 Erw. 5d/aa). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 7) kann daher auf die Adäquanzprüfung nicht verzichtet werden.
4.
4.1 Beim Gepäckstück, das auf den Kopf der Beschwerdeführerin fiel, handelte es sich um eine schwere, aber weiche Reisetasche (Urk. 8/G14). Der Vorfall ist von seinem Geschehensablauf und den erlittenen Verletzungen her höchstens mit einer Auffahrkollision auf ein haltendes Fahrzeug vergleichbar, die rechtssprechungsgemäss als mittelschwer, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen liegend qualifiziert wird (vgl. SZS 2001 S. 431 ff., Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i.S. K. vom 11. Februar 2004 Erw. 5.3, U 97/03, i.S. P. vom 24. September 2003 Erw. 3.3, U 361/02, i.S. P. vom 31. Mai 2005 Erw. 3.2, U 329/03). Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs müssen somit die massgebenden unfallbezogenen Kriterien in auffallender oder gehäufter Weise gegeben sein.
4.2 Zu Recht beruft sich die Beschwerdeführerin nicht auf besonders dramatische Begleitumstände oder die besondere Eindrücklichkeit des Unfalls. Auch kam es nicht zu einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte. Wenn der Heilungsverlauf auch langwierig war, so kann er doch nicht als schwierig bezeichnet werden, dies um so weniger, als auch keine erheblichen Komplikationen auftraten.
Aber auch das Kriterium der Dauerbeschwerden ist nicht erfüllt. Die eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit tritt nämlich erst nach längerer Arbeit auf (Urk. 8/M4, 8/M7a S. 3). Auch räumte die Beschwerdeführerin bei der orthopädischen und psychiatrischen Abklärung im Rahmen der interdisziplinären Begutachtung ein, am Morgen habe sie nicht konstante Schmerzen, die Beschwerden im Nacken und Kopf seien in ihrer Intensität unterschiedlich und nähmen bei Belastung zu (Urk. 8/M7b S. 2, Urk. 8/M7c S. 3). Somit ist auszuschliessen, dass die im Vordergrund stehenden Beeinträchtigungen im gewöhnlichen Tagesablauf durchgehend vorhanden sind (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 9. Mai 2005 i.S. B. Erw. 2.4, U 407/04).
4.3 Erfüllt sind hingegen die Kriterien der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung, der langdauernden Arbeitsunfähigkeit und der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung. Indes ist keines von ihnen besonders auffallend und ausgeprägt:
So beschränkte sich die ärztliche Behandlung ab dem 25. April 2001 im Wesentlichen auf die Verordnung von physikalischer Therapie mit jeweils sieben bis neun Sitzungen pro zwei Monate (Urk. 8/M2-M6, Urk. 8/M7 S. 2 f.). Auch bezüglich der Arbeitsfähigkeit, die zwar bis November 2001 praktisch durchgehend zu 50 % eingeschränkt war und auch danach nicht mehr vollständig wiederhergestellt werden konnte, ist zu beachten, dass die Arbeit wegen der Unfallfolgen nie vollständig ausgesetzt werden musste (Urk. 8/M4, 8/M6, 12/G9).
Bezüglich des Kriteriums der Art und Schwere der erlittenen Verletzungen fällt ins Gewicht, dass beim Unfall nicht nur die Halswirbelsäule verletzt wurde, sondern dass es auch zu einem leichten Schädel-Hirntrauma kam. Bis auf die von Dr. G._ nachträglich erhobene Amnesie und gewisse neuropsychologische Symptome hatte das MTBI jedoch keine eigenständigen Beschwerden zur Folge. Auch beschränkt sich die Symptomatik im Wesentlichen auf Konzentrationsstörungen, Ermüdbarkeit und cervicocephale Schmerzen. Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität kommen in den medizinischen Akten kaum zur Sprache. Lediglich in Dr. D._s Zeugnis vom 2. August 2001 ist von leichter Übelkeit und leichtem Schwindel die Rede (Urk. 8/M4), und im Rahmen der interdisziplinären Begutachtung erwähnte die Beschwerdeführerin gegenüber dem Psychiater Dr. med. H._, selten unter Schwindel zu leiden und sehr lärmempfindlich zu sein. Auch sehe sie schlecht, wenn sie erschöpft sei (Urk. 8/M7b S. 2). Depression und Wesensveränderung, wie sie nach einem HWS-Schleudertrauma und nach einem Schädel-Hirntrauma ebenfalls typisch sind (vgl. BGE 119 V 338, 117 V 360 Erw. 4b), traten hingegen nicht auf.
4.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass von den insgesamt sieben in Betracht fallenden Kriterien nur deren drei erfüllt sind und keines von diesen besonders ausgeprägt ist. Angesichts der Qualifikation des Unfalls als an der unteren Grenze des mittelschweren Bereichs liegend genügt dies zur Bejahung der Adäquanz der noch vorhandenen Unfallfolgen nicht. Die Leistungseinstellung erfolgte deshalb zu Recht.