Decision ID: a4822d0a-a3e6-46bb-ad86-4bb3d6537ecf
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1992, war seit 1. April 2014 bei einer Familie als Au-Pair angestellt, ohne über eine Nichtberufsunfallversicherung zu verfügen. Am 13. Juli 2014 erlitt sie bei einer schweren Verkehrskollision
ein Polytrauma
(Urk. 9/1
; Urk. 9/4
).
1.2
Die Ersatzkasse gemäss dem Bundesgesetz vom 20. März 1981 über die Unfall
versicherung (Ersatzkasse UVG)
anerkannte das Ereignis vom 13. Juli 2014 als Unfall und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (vgl. Urk. 9/8).
Zwecks Prüfung und Festlegung der weiteren Leistungen beauftragte sie Dr. med.
Y._
,
Klinik Z._
, mit der Erstellung eines Gutachtens, welches am 22. Februar 2019 erstattet wurde (Urk. 9/112). Mit Verfügung vom 20. März 2019 stellte sie die gesetzlichen Leistungen per 30. September 2017 ein, verneinte einen Rentenanspruch und
sprach der Versicherten eine Integritätsentschädigung von 5
%
zu (Urk. 9/114).
Am 18. April 2019 erhob die Versicherte Einsprache (Urk. 9/118), worauf der Gutachterin Dr.
Y._
zusätzliche Fragen bezüglich der Beurtei
lung des Integritätsschadens gestellt wurden, welche diese mit Stellungnahme vom 27. Dezember 2019 (Urk. 9/122) beantwortete. Am 21. Februar 2020 wies die
Ersatzkasse UVG die Einsprache
ab (Urk. 9/127 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
17. April 2020
Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
vom
21. Februar 2020
(Urk. 2) und beantragte,
dieser sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente zuzusprechen, eventuell sei die Beschwerdegegnerin zur Rentenprüfung nach Aufnahme der Berufstätigkeit zu verpflichten, es sei ihr eine angemessene Integritätsentschädigung auf Basis einer Einbusse von mindestens 35
%
zuzusprechen, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Kosten ärzt
licher und therapeutischer Massnahmen weiterhin zu übernehmen
, es seien die Kosten der Praxis
A._
im Betrag von Fr. 915.55 zu übernehmen, eventuell seien weitere medizinische Abklärungen von Seiten des Gerichts anzuordnen beziehungsweise subeventuell die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, solche zu veranlassen (Urk. 1 S. 2).
Am 21. April 2020 reichte die Versicherte eine Foto
dokumentation zum
erlittenen
Verkehrsunfall nach (Urk. 4; Urk. 5/1-2).
Mit Beschwerdeantwort vom
15. Mai 2020
(Urk.
8
) beantragte die
Beschwerde
gegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
4. Juni 2020
zur Kenntnis gebracht (Urk.
10
).
Die Instruktionsverhandlung vom 9. Dezember 2020 führte zu keiner Einigung
zwischen den Parteien
vor dem hiesigen Gericht
(vgl. Prot. S. 4).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 13. Juli 2014 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesge
richts 8C_527/2020 vom 2. November 2020 E. 4.1 mit Hinweisen).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung
des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss
(Urteil des Bundesgerichts 8C_363/2020 vom 29. September 2020 E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3).
1.4
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht; er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des
Anhangs
3.
Voraussehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens werden angemessen berücksichtigt. Revisionen sind nur im Ausnahmefall möglich, wenn die Verschlimmerung von grosser Tragweite ist und nicht voraussehbar war (Abs. 4).
Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung festgesetzt, wobei die Gesamtentschädigung den Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen darf und bereits nach dem Gesetz bezogene Entschädigungen prozentual angerechnet werden (Art. 36 Abs. 3 UVV). Die den einzelnen Schädigungen entsprechenden Prozentzahlen werden selbst dann zusammengezählt, wenn eine, mehrere oder alle davon für sich die Schwelle von 5 % nicht erreichen; die Entschädigung ist geschuldet, sobald die Summe der Prozentzahlen die
Erheblichkeitsgrenze
von 5 % übersteigt (BGE 116 V 156 E. 3b mit Hinweis). Die Bestimmung regelt grund
sätzlich nur das Zusammentreffen von Integritätsschäden, die nach dem UVG als solche versichert sind (BGE 113 V 54).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) betref
fend die geltend gemachten Beschwerden des rechten Knies auf das Gutachten von Dr.
Y._
vom 22. Februar 2019 ab, wonach die
Beschwerden
nicht kausal zum Unfallereignis vom 13. Juli 2014 seien (S. 6 Ziff.
15-
18). Sodann sei die Beschwerdeführerin gemäss Gutachten
im massgebenden Zeit
punkt des Fallabschlusses per
30. September beziehungsweise
1. Oktober 2017
in einer angestammten sowie einer angepassten
Tätigkeit
zu 100
%
arbeitsf
ähig, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (S. 6 Ziff. 22).
Bei unein
geschränkter Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestehe nach einem rentenausschliessenden Fallabschluss kein Anspruch auf Gewährung der Heil
behandlungskosten, auch nicht zur Erhaltung des Status quo
. Die
weitere
Heilbehandlung sei durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung zu gewähren
(S. 7 Ziff.
24-
26).
Die Gutachterin habe in ihrer Stellungnahme vom 27. Dezember 2019 den Integ
ritätsschaden aufgrund der Beinv
erkürzung und leichten
Schwäche links durch die
Gastrocnemiuslappenplastik
auf noch unter 5
%
bemessen.
Dieser Beurteilung könne aus rechtlicher Sicht nicht gefolgt werden, da Voraussetzung für eine Integritätsentschädigung sei, dass eine gewisse Erheblichkeit vorliege
, was nicht der Fall sei. Es lägen z
udem keine Gründe vor, weshalb d
ie
Gutachterin
von ihrer ursprünglichen Beurteilung
vom
Februar 2019 abgewichen sei, wo sie keine Integritätsentschädigung aufgrund der Beinverkürzung festgehalten habe (S. 8 f. Ziff. 34-36).
Auch die Beurteilung der Gutachterin, wonach die Narbe am lateralen Unter
schenkel einen Integritätsschaden von 5 bis 10
%
begründe, könne nicht über
nommen werden.
Im Gutachten vom Februar 2019
habe sie noch klar festgehalten, dass gemäss SUVA
-
Tabelle 18 (Schädigungen der Haut) Narben, welche nicht im Gesicht oder an den Händen seien, nicht gewichtet würden,
und
zu einer Funktionseinschränkung würde die Narbe am Unterschenkel nicht führen. Es gehe nicht an, die Integritätsentschädigung nach dem Modegeschmack am Wohnort der Beschwerdeführerin in Spanien zu beurteilen. Mit der Annahme, dass sich Personen in Spanien leichter kleideten als in der Schweiz
,
berücksichtige die Gutachterin zudem
medizinalfremde
Gründe, welche
auf keinerlei Evidenz basierten. Zudem sei nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerin die Beine nicht mit leichter Kleidung bedecken könne. Schliesslich könnten die Narben gemäss den medizinischen Berichten korrigiert werden, weshalb auch die Dauer
haftigkeit der Schädigung nicht gegeben sei (S. 9 f. Ziff. 37-40).
Betreffend die geltend gemachten Panikattacken habe die von der Gutachterin beigezogene Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie kein belegtes Leiden ausmachen können. Fraglich seien so
dann deren Krankheitswertigkeit,
Alltags
relevanz
und Unfallkausalität. Schliesslich seien Panikattacken auch behandel
bar, so dass eine Integritätsentschädigung ohnehin hinfällig werde (S. 10 Ziff. 41). Nicht zu berücksichtigen seien sodann rechtsprechungsgemäss eine allfällige zukünftige Beschwerdezunahme im Bereich des Beckenringes sowie die Möglichkeit der Entwicklung einer
Coxarthrose
(S. 10 Ziff. 42).
Insgesamt sei
lediglich
eine Integritätsentschädigung von 5
%
ausgewiesen, welche bereits im März 2019 ausbezahlt worden sei (S. 10 f. Ziff. 43-44).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
es treffe nicht zu, dass sich die Beschwerden im Bereich des rechten Knies erst vier Jahre nach dem Unfall entwickelt hätten und demnach nicht unfallkausal seien. Bereits im Bericht von Dr.
B._
vom 5. Mai 2015 seien Schmerzen in beiden Beinen und gemäss Bericht von Dr.
C._
vom 21. April 2016 in beiden Knien beschrieben worden (S. 8 Ziff. 15). Die Bemessung der Arbeitsfähigkeit per dato sei hypothetisch, weil sie studiere und nur temporär in wechselbelastenden Tätigkeiten (Hotellerie, Kinderhüten et
cetera
) tätig sei
.
Gerade für den Fall, dass der Beruf der Hebamme kniende, länger stehende und teilweise vornüber geneigte Körperhaltungen erfordern würde, wären Einschränkungen nachvollziehbar (S. 8 Ziff. 16). Ein Fall
abschluss während noch laufenden
Studium
s
sei verfrüht (S. 10 Ziff. 23). Entsprechend sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, eine Renten
prüfung nach Aufnahme der Berufstätigkeit vorzunehmen (S. 10 Ziff. 24).
Werde ein
Rentenentscheid aufgesch
oben und sei eine Behandlung eingliede
rungswirksam, so bestehe ein Anspruch auf Kostenübernahme auch nach Erreichen des Endzustandes (S. 10 Ziff. 25). Die Gutachterin erachte ein Aufbau
training zur Stärkung der Muskulatur an Rumpf und Wirbelsäule als indiziert. Da ein solches der Erlangung oder Erhaltung der Arbeitsfähigkeit diene, sei die Beschwerdegegnerin zur Übernahme der entsprechenden Heilungskosten auch in der Zukunft zu verpflichten (S. 11 Ziff. 27).
Die Gutachterin weise ausdrücklich auf eine dorsal am Schambeinast heraus
stehende Schraube hin, welche Kind und Mutter während eines Geburtsvorganges verletzen könne. Bis heute klage sie zudem über spontanen Urinabgang, Miktionsbeschwerden und häufiges Wasserlösen. Zur Beurteilung, ob diese Beschwerden eine Integritätsbusse darstellten und ob die von der Gynäkologin Dr.
D._
, Praxis
A._
, im Bericht vom 7. Januar 2020 empfohlenen Mass
nahmen (urodynamische Abklärung, operative Schraubenentfernung, Sectio bei Geburt) zweckmässig seien, bedürfe es im Bestreitungsfalle einer fachärztlichen Expertise aus dem Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe. Zudem sei
en
die von Dr.
D._
für die Untersuchung in Rechnung gestellten Kosten von Fr. 915.55 durch die Beschwerdegegnerin zu übernehmen (S. 11 f. Ziff. 28-33).
Es sei nicht zu beanstanden, dass die Gutachterin den Integritätsschaden für die Narben am Unterschenkel auf 5 bis 10
%
ver
anschlage. Schliesslich habe die Gutachterin
sie persönlich gesehen und sich einen Eindruck von Ausmass und Wirkung der Narbe verschaffen können (S. 14 f. Ziff. 43). Von den behandelnden Ärzten habe ihr nicht zugesichert werden können, dass ein operativer Eingriff eine Behebung des
Ästhetikschadens
herbeiführen würde. Zudem würde
durch den weiteren Eingriff nebst den ordentlichen Operationsrisiken eine Operationsnarbe von zirka 40 cm resultieren (S. 15 Ziff. 44). Nachdem sie bereits 9 Opera
tionen als Folge des Unfalle
s
hinter sich habe, könne ihr auch keine Verletzung der Schadenminderungspflicht vorgeworfen werden, wenn sie diesen Eingriff nicht durchführen wolle
(S. 15 Ziff. 45
).
Die Gesamtbeeinträchtigung sei rechtsprechungsgemäss im Sinne einer Addition der einzelnen Beschwerdebilder oder im Sinne einer Schätzung des Gesamt
schadens vorzunehmen. Dass die Gutachterin die weiteren Beschwerden nicht bemesse, gründe auf ihrer falschen Vorstellung, dass die einzelne Einschränkung nicht zu berücksichtigen sei, sofern diese nicht 5
%
ausmache
.
Diesen Irrtum offenbare sie ausdrücklich mit Blick auf die Beinlängenverkürzung (S. 15 f. Ziff. 46). Diverse näher genannten Beschwerden beeinträchtig
t
en die Integrität und seien insofern prozentgenau zu erheben (S. 16 ff. Ziff. 47).
Für den Fall, dass über die Höhe der Integritätsentschädigung keine Einigung mit der Beschwerde
gegnerin gefunden werde, sei der Einbezug eines orthopädischen Gutachtens mit Ergänzungen aus der Gynäkologie und der Psychiatrie unerlässlich (S. 19 Ziff. 48-49).
Die mit Eingabe vom 21. April 2020 (Urk. 4) nachgereichten Unfallbilder (Urk. 5/1-2) vermöchten zu veranschaulichen, welche unfallmechanischen Kräfte auf den Körper der Beschwerdeführerin eingewirkt hätten und lieferten äusserst starke Indizien für die Unfallkausalität der Wirbelsäulen- und Nackenbeschwer
den, der Kopfschmerzen sowie der Panikattacken.
2.3
In der Beschwerdeantwort (Urk. 8) merkte die Beschwerdegegnerin an, dass mit dem Gutachten vom 22. Februar 2019 die Arbeitsfähigkeit nicht nur
in der angestammten Tätigkeit als Au-
Pair, sondern auch in der beabsichtigten Tätigkeit als Hebamme beurteilt worden seien. Die Ausführung der Beschwerdeführerin vermöchten an dieser beweiswertigen Beurteilung keine Zweifel zu wecken
(S. 4 Ziff. 14). Die Gutachterin habe sich detailliert mit dem verbliebenen Osteosyn
thesematerial, insbesondere mit dem abgebrochenen Schraubenrest, auseinander
gesetzt. Das verbliebene Material
bereite
keine Beschwerden, weitere Massnahmen dazu würden aus ärztlicher Sicht nicht empfohlen. Die Beschwer
deführerin habe zudem am 8. September 2017 selbst gewünscht, die Behandlung abzuschliessen (S. 5 Ziff. 17). Eine urogenitale Abklärung sei vorgenommen worden, habe jedoch keine objektivierbaren Befunde ergeben. Eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit werde diesbezüglich nicht geltend gemacht und sei auch nicht ausgewiesen. Damit bestehe für eine Leistungspflicht für eine den Status quo erhaltende Heilbehandlung über den rentenausschliessenden Fallab
schluss hinaus kein Raum (S. 5 Ziff. 18). Der Bericht vom 7. Januar 2020 habe somit lediglich die Beurteilung durch die
Gutachterin bestätigt, für seine Ein
holung habe keine Veranlassung bestanden. Deshalb sei eine Kostenübernahme durch die Beschwerdegegnerin abzulehnen (S. 5 Ziff. 19-21).
2.4
Strittig und zu prüfen ist somit
der Fallabschluss per 30. September 2017, der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente und
insbesondere die Höhe der Integritätsentschädigung.
3.
3.1
Gemäss Unfallmeldung vom 27. Juli 2014 (Urk. 9/1) kam am 13. Juli 2014 der Fahrer mit dem Camper von der Strasse ab und kollidierte mit einem parkierten Lieferwagen (Ziff. 4-6). Dabei zog sich die Beschwerdeführerin (als Beifahrerin)
unter anderem
diverse Frakturen zu (Ziff. 9).
3.2
Dr. med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates und Facharzt für Chirurgie, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Kantonsspital
E._
, nannte
im Bericht vom 16. September 2014 (Urk.
9/4) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Polytrauma nach Verkehrsunfall (VKU) am 13. Juli 2014
-
instabile Beckenringfraktur Typ C mit/bei:
-
dislozierter, schräg verlaufender
transiliakaler
Fraktur rechts
-
Iliosakralgelenk (
ISG
)
Sprengung links
-
stark dislozierter oberer u
nd unterer Schambeinastfraktur
links
-
Symphysensprengung
/ -inkongruenz
-
Hämatom im Musculus obturatorius
internus
links
-
Thoraxtrauma mit
-
Pneumothroax
apikal links
-
Lungenkontusion rechts
-
kleinen Pleuraergüssen beidseitig
-
zweitgradig
offene
Tibiaschaftfraktur
links
-
drittgradige
Verbrennung lateraler Unterschenkel links (3% der Körper
fläche)
-
Rissquetschwunde dorsaler Oberschenkel rechts
-
Commotio cerebri mit
-
Galeahämatom
frontal
-
Höckerfraktur Zahn 48, Schmelz-Dentin-Fraktur an den Zähnen 11, 21, 22
-
postoperativer Wundinfekt Unterschenkel links mit Bacillus
cereus
Die Beschwerdeführerin berichte, es gehe ihr im Wesentlichen gut, Schmerzen bestünden keine (S. 2 Mitte).
Bezüglich der Frakturen zeige sich der erwartete Verlauf
(S. 2 unten).
3.3
Die Ärzte der Reha
k
lini
k
F._
berichteten
im Kurz-Austrittsbericht vom
26. September 2014 (Urk. 9/5) über die Hospitalisation vom 13. August 2014 bis zum Berichtsdatum. Sie führten aus, die Patientin sei als Beifahrerin in einem VW-Bus unterwegs gewesen, als der Fahrzeuglenker fremdanamnestisch in einen Sekundenschlaf gefallen und von der Fahrbahn abgekommen sei. Dabei
sei
das Fahrzeug auf der Beifahrerseite mit einem Fahrzeuganhänger kollidiert. Die Patientin habe bei deformierter Fahrgastzelle durch die Feuerwehr geborgen werden müssen und sei ins
E._
verlegt worden, von wo sie zur Anschluss
behandlung überwiesen worden sei (S. 2 Mitte). Am 26. September 2014 sei sie in gebessertem, stabilem Allgemeinzustand klinikmobil aus der stationären Behandlung entlassen worden (S. 2 unten
).
Der Austrittsbericht vom 6. Oktober 2014 befindet sich nicht in den Akten. Gemäss Aktenzusammenfassung im Gutachten von Dr.
Y._
(Urk. 9/112 S. 9 f.)
wurde dort festgehalten, dass die Patientin eine Muskel
schwäche im Bereich des Rückens, teilweise auch Rückenschmerzen beklage (S. 10 Mitte).
3.4
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.2) berichtete
am
5. Mai 2015 (Urk. 9/28)
,
das Poly
trauma habe bis zum jetzigen Zeitpunkt gut therapiert werden können. Die Patientin sei soweit wiederhergestellt, dass sie selbständig und ohne Gehhilfen mobil sei. Sie könne jedoch ihrer Arbeit noch nicht zu 100
%
nachgehen, dies primär, weil sie immer noch geschwächte Beine habe und Missempfindungen verspüre. In Anbetracht der schweren Verletzungen habe sich die Patientin jedoch sehr gut erholt. Aktuell bestünden noch zeitweise elektrisierende Schmerzen in den Beinen sowie Konditionsprobleme mit Schmerzprogredienz im Rücken bei längerem Stehen (S. 1 Ziff. 2)
.
3.
5
Die Ärzte des
E._
(vorstehend E. 3.2) führten im Bericht vom 21. April 2016 (Urk. 9/56) aus, die Beschwerdeführerin berichte, dass sie bei knienden Tätigkei
ten leichte Beschwerden in beiden Knien habe (S. 1 Mitte).
3.6
Dr. med.
G._
, Facharzt für
Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
, erstattete am 30. Mai 2016 einen Bericht, auf den sich die Beschwer
degegnerin beruft (vgl. Urk. 2 S. 10 Ziff. 40), der sich jedoch nicht in den Akten befindet. Gemäss Aktenzusammenfassung im Gutachten von Dr.
Y._
(Urk. 9/112 S. 13) wurde dort festgehalten, die Weichteilrekonstruktion am Unterschenkel könne wie folgt durchgeführt werden: Behandlung der kosme
tisch störenden narbigen Einziehung von 7
x
3 cm Grösse am rechten (gemeint: linken) Unterschenkel ventral durch Einbringung von 2 halbmondförmigen Silikonexpandern
prätibial
und lateral und wöchentliche Expansion für die folgenden 8-12 Wochen. In einer zweiten Sitzung Exzision des gesamten Narbenmaterials und Defektdeckung mittels expandierter
Haut von lateral und medial mit dem Resultat einer verbleibenden langen Narbe von proximal nach distal. In der gleichen Sitzung werde der Volumenersatz mittels Transplantation von Eigenfett in die grossflächige Narbe dorsal
erfolgen
(Status nach Spalthaut
transplantation).
3.
7
Dr. med.
H._
, Facharzt für Chirurgie, führte im Überweisungsschreiben vom 22. September 2016 (Urk. 9/61) an das
E._
aus, die Patientin beklage nach wie vor eine posttraumatische Funktionsstörung mit Stressinkontinenz, welche sich anamnestisch gebessert habe, aber bei kühleren Wetterverhältnissen nach wie vor Beschwerden bereite (S. 1 f.). Es frage sich, ob eine geburtshilfliche Beratung ins Auge zu fassen sei im Hinblick auf das eventuelle Unvermögen einer Geburt auf natürlichem Wege respektive nötiger Sectio. Weiter frage sich, ob nicht allenfalls nochmals eine urodynamische Abklärung angezeigt sei. Es sei bereits eine urologische Untersuchung in Spanien durchgeführt worden, wobei Dr.
H._
nicht im Besitz der Unterlagen sei
(S. 2 Ziff. 1). Ebenfalls dankbar wäre er um eine Stellungnahme betreffend die wahrscheinlich posttraumatisch entstandene Diskushernie zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem Kreuz
bein (L5/S1), welche erst nachträglich im Rahmen einer neurologischen Nach
untersuchung im März 2015 in Spanien in der Magnetresonanztomographie (MRI) festgestellt worden sei. Er könne sich nicht vorstellen, dass es sich hier
bei einer im Zeitpunkt des Unfallgeschehens 22-jährigen Patientin
um ein degenera
tives Geschehen handeln könne (S. 2 Ziff. 2).
3.
8
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.2) nannte im Bericht über die Operation vom 28. November 2016 (Urk. 9/58) folgende, hier verkürzt wiedergegebene Diagno
sen
, wobei ORIF
für
open
reduction
with
internal
fixation
steht
(S. 1 Mitte):
-
Status nach ORIF-Symphyse oberer Schambeinast links und Becken
schaufel rechts vom 14. Juli 2014
-
Status nach ORIF
-
Tibiamarknagel
links vom 25. Juli 2014
Nach Durchführung einer Computertomographie (CT) am Becken habe sich gezeigt, dass zwei Schrauben nah am Gelenk lägen, weshalb der Eingriff zur Entfernung der
Symphyseplatte
und des
Tibianagels
vorgenommen worden sei (S. 1 unten). Beim Entfernen der Schrauben der
Symphyseplatte
seien die Schrau
benköpfe der beiden distal gelegensten Schrauben abgebrochen. Die Entfernung der
acetabulumnahen
Schraube, welche gebogen sei und dadurch einen extrem guten Halt im jungen Knochen der Patientin aufweise, sei nicht gelungen, obwohl alle Schraubenentfernungssets der Klinik benützt worden seien. Die Schraube am
Pubis
rechts sei ohne den Versuch einer Entfernung belassen worden (S. 2 Mitte).
3.
9
I
m Bericht vom 22. September 2017 (Urk. 9/42)
führte Dr.
B._
aus, die Beschwer
deführerin berichte,
dass sie mit dem postoperativen Verlauf sehr zufrieden sei und auch die Erwartung
habe
, dass sie heute die Behandlung abschliessen könne, da sie nach England umgezogen sei. Sie berichte nur noch über eine Verspannung im Rücken und Nacken und dass sie sich nach dem Unfall nie wieder so gefühlt habe wie vorher. Beim Gehen oder beim Sport sei sie nicht mehr eingeschränkt. Aktuell sei sie nicht mehr in physiotherapeutischer Behandlung, mache aber Übungen zuhause (S. 1 Mitte). Auf Patientenwunsch werde die Behandlung abgeschlossen (S. 2).
3.
10
Dr. med.
I._
, Facharzt für Chirurgie, führte in seinem Aktengut
achten vom 13. Juli 2018 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 9/75) aus, der Endzustand bezüglich der Folgen des Unfalls vom 13. Juli 2014 sei anlässlich der Abschlusskontrolle
im
E._
vom 22. September 2017 eingetreten (S. 4 Ziff. 2). Eine relevante bleibende Schädigung der körperlichen Integrität der Versicherten ergebe sich nicht (S. 4 Ziff. 5).
4.
4.1
Am 22. F
ebruar 2019 erstattete Dr. med.
Y._
, Fachärztin
für Allgemeine Innere Medizin,
für Rheumatologie sowie für Physikalische Medizin und Rehabilitation, ihr Gutachten (Urk. 9/112). Sie nannte folgende aktuellen Diagnose
n
(S. 36 f.):
-
residuelles
myofasziales Schmerzsyndrom Beckenmuskulatur rechts /
tractus
iliotibialis
-
Beinverkürzung links von knapp 1 cm (Verkürzung Unterschenkel links)
-
muskuläre Dysbalance und Haltungsinsuffizienz bei anhaltender Dekonditionierung mit verminderter Belastungstoleranz und segmentalen Dysfunktionen untere Lendenwirbelsäule (LWS), mittlere Brustwirbelsäule (BWS) und obere Halswirbelsäule (HWS), bei leichter Skoliose linkskonvex lumbal (
Cobbwinkel
13 Grad) und rechtskonvex
cervikothorakaler
Über
gang
-
MRI HWS vom 7. Januar 2019: regelrechte Artikulationen und Band
scheibenfächer
vom ersten bis fünften Halswirbel (
C0 bis C5
)
sowie
von
C7 bis
zum vierten Brustwirbel
(
Th4
). Leicht entwässerte Bandscheibe C5/6 und C6/7 mit diskreter
Kyphosierung
und angedeuteter Bandscheiben
vorwölbung. Regelrechte Höhe der Wirbelkörper sowie Zwischenwirbel
räume, kein Anhalt für eine stattgehabte Wirbelkörperfraktur. Keine Diskushernie. Keine spinale, keine
neuroforaminale
Enge. Keine Myelopathie
-
MRI LWS vom 4. März 2015 (Spanien):
posterozentrale
Diskusprotrusion
zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem Kreuzbein (L5/S1), keine Wurzelkompression
-
Skelettszintigraphie mit SPECT und CT-Fusion (Becken/LWS/HWS) vom 4. Januar 2019:
-
leichte Subluxationsstellung der Symphyse mit
parasymphysären
Ossifikationen rechts kranial des oberen Schambeinastes ohne hier Zeichen einer Aktivierung der Degeneration, kein Nachweis einer Pseudoarthrose/Aktivierung im Becken/in den übrigen ossären Struk
turen insbesondere ISG
-
verbliebenes Osteosynthesematerial an bekannten Lokalisationen Ala
os
illi
rechts/Spina iliaca anterior inferior rechts,
supraacetabulär
median links mit hier fraglich intraartikulärem Verlauf ohne aber sichere Zeichen einer aktivierten
Coxarthrose
links
-
kein Hinweis auf eine posttraumatische Veränderung/aktivierte Spondylarthrose der HWS/LWS
-
Beckenmasse im Normbereich, fragliche vorstehende Schraubenspitze des oberen Schambeinastes rechts nach dorsal als relevantes Merkmal zu beachten, Überstand zirka 4 mm
-
linke Hüfte
:
abgebrochene Schraubenspitze gemäss
Arthro
-CT vom 19. Januar 2017 extraartikulär, kleiner
anterosuperiorer
Labrumriss, asymptomatisch
-
Gonalgie
rechts medial, belastungsabhängig
-
MRI Knie rechts vom 7. Januar 2019: leichte Knorpelverschmälerung medial
retropatellär
, Verdacht auf singulären Knorpeleinriss am medialen
Tibiaplateau
, Menisken und Bänder intakt
-
MRI Knie links vom 7. Januar 2019: leichte Knorpelschäden medial
femorotibial
, Signalalteration laterales
Tibiaplateau
, Menisken und Bänder intakt.
Residuelle
Veränderung nach Marknagelung der Tibia
-
diskrete Kraftminderung linkes Bein nach
Tibiafraktur
und
Gastrocne
miuslappenplastik
, beim Gehen nicht manifest, im Laufschritt diskret nachweisbar (Ganganalyse vom 7. Januar 2019)
4.2
Die Beschwerden im Bereich des rechten Beckens und die Beinverkürzung links (Verkürzung Unterschenkel nach Fraktur) seien mit überwiegender Wahrschein
lichkeit Folge des Unfalles vom 13. Juli 201
4.
Gleiches gelte für die verminderte Beinkraft links: Beim ebenen Gehen sei zwar keine Kraftminderung mehr feststellbar, im Laufschritt erfolge aber ein leichtes Schonverhalten mit reduzier
ter Belastungsrate und leicht reduzierter Powerentwicklung beim Abstossen links. Die Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule (HWS, BWS, LWS) könnten noch indirekt als Folge des Unfalls betrachtet werden, indem es noch nicht zu einer ausreichenden muskulären Rekonditionierung gekommen sei. Die leichte Skoliose und segmentalen Dysfunktionen seien jedoch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in unfall
kausalem Zusammenhang zu sehen, s
trukturell best
ünden
keine unfallkausale
n
Schädigung
en
der Wirbelsäule
(S. 43 f. Ziff. 2.1).
Sie hätten sich auch ohne Unfall entwickeln können, seien aber begünstigt worden durch die noch anhaltende muskuläre Dysbalance und Dekonditionierung (S. 45
Ziff. 2.3.1).
Auch die Beschwerden im Bereich
des rechten
Knie
s
seien nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in unfallkausalem Zusammenhang zu sehen. Knorpelveränderungen an
Patellafazette
und
Tibiaplateau
entsprächen einer
Chondromalazie
, die unabhängig vom Unfall zu sehen sei. Es bestünden keine Hinweise für eine traumatische Verletzung am Knie, bei bildgebend intakten Menisken und Bandapparat. Die Beschwerden hätten sich erst 4 Jahre nach dem Unfall entwickelt (S.
44
Ziff. 2.1).
4.3
In der angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Au-Pair sei keine Beeinträchtigung zu erwarten. Hebeleistungen hingen in erster Linie von der muskulären Leistungsfähigkeit der Haltemuskulatur ab. Diese könne durch gezieltes Training verbessert werden (S. 46 Ziff. 3.1.1). Auch in der beabsichtigten Tätigkeit im Pflegebereich beziehungsweise als Hebamme sei keine Beeinträchti
gung zu erwarten (S. 46 Ziff. 3.1.2). In beiden Tätigkeiten sei nicht mehr von einer Arbeitsunfähigkeit auszugehen (S. 46 Ziff. 3.1.3-4). Auch in einer rein sitzenden Tätigkeit oder in einer Reinigungstätigkeit bestehe keine Beeinträchti
gung (S. 49 Ziff. 7.1.1-2).
4.4
Auf die Frage, ob mit einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung der Unfall
folgen eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands erreicht werden könne, antwortete die Gutachterin, weitere ärztliche Behandlungen seien nicht angezeigt. Hingegen könne der Zustand durch ein gezieltes Aufbautraining der Rumpf- und Haltemuskulatur weiter verbessert werden (S. 47 Ziff. 4.1). Bis auf die diesbezüglich reduzierte Muskelkraft sei der medizinische Endzustand erreicht. Anhand der Akten sei davon auszugehen, dass der Endzustand anlässlich der Abschlusskontrolle im
E._
im September 2017 erreicht gewesen sei (S. 47 Ziff. 4.2).
Langfristig sei die Entwicklung einer Arthrose der
Sakroiliakalgelenke
(SIG; früher: Iliosakralgelenk
,
ISG)
denkbar. Im Bereich der Symphyse sei es bereits zu einer
osteophytären
Reaktion gekommen. Die Entwicklung einer
Coxarthrose
könne letztlich nicht ausgeschlossen werden. Bisher bestünden dazu aber keine Hinweise (S. 49 Ziff. 7.2.1). Da szintigraphisch keine Aktivierung nachzuweisen sei, sei nicht von einer Beschwerdezunahme in absehbarer Zeit auszugehen (S. 49 Ziff. 7.2.2).
Bei einer Schwangerschaft könne es auch ohne vorbestehende Beckenverletzung zu Beschwerden von Seiten der
SIG
kommen. Es sei durchaus möglich, dass solche bei der schwangerschaftsbedingten Belastung des Beckenringes und Lockerung der Bandstrukturen verstärkt auftreten könnten. Bezüglich Geburts
kanal seien die Beckenmasse anlässlich der CT-Untersuchung alle im Normbereich gewesen. Es werde allerdings auf die dorsal am Schambeinast um zirka 4 mm überstehende Schraube hingewiesen. An der Wirbelsäule bestünden keine Verletzungsfolgen. Die
Rekonditionierung beziehungsweise Vorbereitung der Muskulatur auf eine allfällige Mutterschaft hänge in erster Linie vom durch
geführten Aufbautraining ab (S. 50 Ziff. 7.2.3).
4.5
Die unfallbedingte Beinverkürzung links von knapp 1 cm ergebe gemäss SUVA
-
Tabelle 2 keine Integritätsentschädigung. Im Bereich des Beckens sei mittel- bis langfristig die Entwicklung einer SIG-Arthrose möglich. Eine Arthrose mit überbrückendem Osteophyt habe sich auf Höhe der Symphyse bereits eingestellt, aktuell ohne Aktivierung. Mässige Beanspruchungsschmerzen erlaubten gemäss SUVA
-
Tabelle 7 einen Integritätsschaden von 5
%
. Sollte sich langfristig eine
Coxarthrose
links entwickeln, wäre auch dies als unfallkausal zu werten. Aktuell bestünden aber keine Hinweise eines vermehrten degenerativen Umbauprozesses im Bereich der Hüftgelenke (S. 48 Ziff. 6.2).
5.
5.1
Mit Verfügung vom 20. März 2019 stellte die Beschwerdegegnerin gestützt auf das Gutachten vom 22. Februar 2019 (vorstehend E. 4) die gesetzlichen Leistun
gen per 30. September 2017 ein, verneinte einen Rentenanspruch und sprach der Beschwerdeführerin eine Integritätsentschädigung von 5
%
zu (Urk. 9/114).
Am 18. April 2019 erhob
die
Beschwerdeführerin Einsprache (Urk. 9/118). Dabei äusserte sie unter anderem die Vermutung, die Beurteilung der Integritäts
entschädigung gründe auf der falschen Vorstellung der Gutachterin, dass eine einzelne Einschränkung nicht zu berücksichtigen sei, sofern diese nicht 5
%
ausmache. Diesen Irrtum offenbare sie ausdrücklich mit Blick auf die Bein
längenverkürzung (S. 6 Ziff. 13).
Es gebe diverse weitere näher genannten Beschwerden und Einschränkungen, welche die Integrität beeinträchtigten, und sei es auch nur in einem geringen Ausmass von 1
%
. Insofern seien die Beein
trächtigungen prozentgenau zu erheben (S. 7 f. Ziff. 14).
Mit Schreiben vom 29. November 2019 (Urk. 9/121) bat die Beschwerdegegnerin die
Gutachterin Dr.
Y._
unter Beilage der Einsprache (Urk. 9/118), hierzu Stellung zu nehmen und auszuführen, ob für die einzelnen geltend gemachten Punkte jeweils eine Integritätseinschränkung vorliege und falls ja, in welchem Ausmass diese bereits bemessen worden sei oder zu berücksichtigen wäre
.
5.2
Mit Stellungnahme vom 27. Dezember 2019 (Urk. 9/122) beantwortete Dr.
Y._
die aufgeworfenen zusätzlichen Fragen.
Dabei führte sie aus, die
residuellen
myofaszialen Beschwerden
im Beckenbereich
führten nicht zu einer Funktionseinbusse, die für einen zusätzlichen Integritäts
schaden relevant wäre.
Sie
seien mit dem Integritätsschaden für die Beckenring
verletzung
bereits
abgedeckt (S. 1 unten).
5.3
Eine Beinverkürzung von
weniger als 2 cm ergebe gemäss SUVA
-
Tabelle 2 keine Integritätsentschädigung. Die Beinverkürzung links sei unter 1 cm. Eine zusätz
liche Achsen- oder Rotationsfehlstellung des Beines bestehe nicht. Die leicht verlangsamte Ganggeschwindigkeit sei nicht auf die Beinverkürzung zurückzu
führen, sondern entspreche einer leicht verlangsamten wenig dynamischen Gangart, die im Rahmen der Schonung und der durch die
Gastrocnemiuslappen
plastik
bedingten leichten Schwächung der Wadenmuskulatur zu erklären sei (S. 2 oben). Wie im Gutachten festgehalten worden sei, bestehe eine leicht verminderte Beinkraft links. Diese könne aber nicht als «Lähmung» im Sinne der SUVA
-
Tabelle 2 interpretiert werden und reiche somit nicht aus,
u
m einen Integ
ritätsschaden geltend zu machen. Der Integritätsschaden aus Beinverkürzung und leichter Schwäche links durch die
Gastrocnemiuslappenplastik
wäre zusammen noch unter 5
%
zu bemessen (S. 2 unten
).
5.4
Betreffend die Narbenplatte am lateralen Unterschenkel sei zu sagen, dass gemäss SUVA
-
Tabelle 18 über Integritätsschäden bei Schädigung der Haut Narben an bedeckten Körperstellen im Gegensatz zu solchen im Gesicht oder an den Händen nicht gewichtet würden. Da in Spanien aber die Beine oft nicht bedeckt sei
e
n, könne die Narbe am lateralen Unterschenkel kosmetisch von Bedeutung sein. Somit könne dazu ein Integritätsschaden von 5 bis 10
%
angenommen werden, was im Gutachten vom Februar 2019 nicht berücksichtigt worden sei (S. 3 oben).
5.5
Die Kniebeschwerden könnten (weiterhin) nicht mit überwiegender Wahrschein
lichkeit in unfallkausalem Zusammenhang gesehen werden. Es bestünden keine Hinweise für eine traumatische Verletzung am Knie, bei bildgebend intakten Menisken und Bandapparat. Die im MRI beschriebenen Knorpelveränderungen entsprächen einer
Chondromalazie
, das heisst einem degenerativen Prozess. Auch der vom MRI-
Befunder
beschriebene «Knorpel-Riss» gehöre zum Komplex der
Chondromalazie
und sei nicht als traumatischer Riss zu verstehen (S. 3 Mitte).
5.6
Betreffend
die
Wirbelsäule bestehe strukturell keine unfallkausale Schädigung.
Die 2016 beschriebene Läsion des Anulus fibrosus der Bandscheibe L5/S1 mit
Diskusprotrusion
sei nicht gesichert in unfallkausalem Zusammenhang zu inter
pretieren. Zum Zeitpunkt des Gutachtens hätten keine Hinweise für eine persis
tierende Nervenkompression ausgehend vom Segment L5/S1 bestanden (S. 3 f.).
5.7
Betreffend die Nackenbeschwerden hätten in der gutachterlichen Abklärung keine strukturellen Verletzungen an der Halswirbelsäule dokumentiert werden können, die gemäss SUVA
-
Tabelle 7 einen Integritätsschaden begründen würden. Eine
Osteochondrose
liege bisher nicht vor, auch nicht eine fixierte Kyphose. Die in der liegenden MRI-Aufnahme beschriebe
ne
diskrete
Kyphosierung
C5/6 sei nur in dieser vorhanden, hingegen bestehe in der stehenden seitlichen Röntgenauf
nahme der ganzen Wirbelsäule eine physiologische Haltung der Halswirbelsäule und in der Extensionsaufnahme eine gute
Lordosierung
dieses Segments. Die leichte im MRI beschrieben
e
«Entwässerung» der Bandscheibe C5/6 und C6/7 entspreche einem normalen, äusserst diskreten Alterungsprozess und sei unwahr
scheinlich in unfallkausalem Zusammenhang zu sehen. Die in der klinischen Untersuchung beschriebenen segmentalen Dysfunktionen und auch die zu Grunde liegende Dekonditionierung der Haltemuskulatur, die noch in unfallkau
salem Zusamme
nhang interpretiert worden sei
, seien behandelbar und somit reversibel und begründeten keinen Integritätsschaden (S. 4 f.).
5.8
Betreffend die urogenitalen Restbeschwerden habe die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt des Gutachtens berichtet, dass sie anfangs nach dem Unfall Probleme gehabt habe, den Urin zu halten, das
s sich dies aber gebessert habe
und sie nur noch zum Zeitpunkt der Menstruation und der Ovulation etwas Beschwerden habe. Sie habe in Spanien eine Abklärung der Nerven und der Blase durchgeführt, habe aber kein Resultat erhalten. Da die Beschwerden allmählich gebessert hätten, sei
sie
dem nicht mehr weiter nachgegangen. Dies bedeute, dass zum Zeitpunkt des Gutachtens keine relevanten Probleme, die einen Integritätsschaden begrün
det hätten, mehr vorgelegen
hätt
en. Falls sich die Situation seit dem Gutachten wieder verschlechtert haben sollte, wäre eine urodynamische Abklärung sinnvoll, mit der Frage, ob eine unfallkausale relevante Funktionseinbusse der Miktion vorliege (S. 5 Mitte
).
5.9
Betreffend die Panikattacken habe die Gutachterin anlässlich der Begutachtung als «Nicht-Psychiaterin» den Eindruck einer ausgeglichenen Stimmungslage mit adäquater Verarbeitung der Unfallsituation erhalten. Falls ein dauerhafter psychischer Schaden von der Schwere, der gemäss SUVA
-
Tabelle 19 eine Integ
ritätsentschädigung rechtfertigen würde, geltend gemacht werden wolle, müsse eine psychiatrische Begutachtung erfolgen (S. 5 f
.).
5.10
Zusammengefasst ergebe die Beckenringverletzung inklusive der daraus folgen
den myofaszialen Beschwerden und einer möglichen Entwicklung einer
Sakroiliakalgelenksarthrose
einen Integritätsschaden von 5
%
. Darin einge
schlossen sei auch das noch liegende Osteosynthesematerial. Betreffend die Unterschenkelfraktur links sei die Narbenplatte im bisherigen Gutachten nicht berücksichtigt worden,
ein Integritätsschaden
dürfte aber gewährt werden. In der Gesamtschau wäre somit durch die Unterschenkelfraktur links, der daraus folgen
den Beinverkürzung von weniger als 1 cm, der leichten Schwächung der Waden
muskulatur links durch die
Gastrocnemiusplastik
und die Narbe am lateralen Unterschenkel ein Integritätsschaden von 10
%
nachvollziehbar. Gesamthaft könne somit ein Integritätsschaden von 15
%
gerechtfertigt werden (S. 6 unten).
5.11
Dr. med.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, beratende Ärztin der Beschwerdegegnerin,
nahm am 7. Januar 2020 (Urk. 9/126) dazu Stellung, ob ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung aufgrund der genannten Panikattacken bestehe, welche die Versicherte gemäss eigenen anläss
lich der Begutachtung getätigten Aussagen bekomme, w
enn sie in einem Auto sitze. Dr.
J._
führte aus, die Selbstdeklaration von «Panikattacken» sei medizinisch kein belegtes Leiden, es bestehe keine Diagnosesicherung. Es bestehe eine fragliche Krankheitswertigkeit/Relevanz im Alltag. Die Unfallkausalität sei nicht ausgewiesen. Überdies wären Panikattacken behandelbar, so dass eine Integritätsentschädigung hinfällig würde.
5.12
Dr. med.
D._
, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Praxis
A._
, führte im Bericht vom 7. Januar 2020 (Urk. 9/125) aus, die gynäkolo
gische Untersuchung mit Ultraschall am 15. November 2019 habe ausser einer
Aminkolpitis
unauffällige gynäkologische Befunde ergeben (S. 1 Mitte). Durch die vorstehende Schraubenspitze am oberen Schambeinast rechts dorsal könne möglicherweise ein Risiko von Verletzungen von Weichteilen bestehen. Durch die Volumenausdehnung und erhöhten Druck des Uterus während einer Schwanger
schaft könnte sich dieses Risiko verstärken
.
Basierend auf der Un
tersuchung der Patientin und den
vorliegenden Berichte
n
und Röntgenbilder
n
werde empfohlen zu prüfen, ob der Vorstand dieser Schraubenspitze, insbesondere vor einer geplanten Schwangerschaft, operativ entfernt werden sollte (S. 1 unten). Aufgrund der asymmetrischen Beckenöffnung könne der Kopfdurchtritt unter der Geburt erschwert oder gar verunmöglicht und entsprechend eine Sectio indiziert sein (S. 2 oben). Seit dem Unfall 2014 leide die Patientin an rezidivierendem ungewollten Urinabgang.
Als sie nach der Entfernung des Katheters 2014 aufzu
stehen und herumzugehen begonnen habe, habe sie spontane unkontrollierte grössere und kleinere Urinabgänge gehabt. Sie habe die Füllung der Blase nicht richtig gespürt.
Auch beim Husten, Lachen und Niesen sowie mindestens einmal spontan während einer Busfahrt habe sie unkontrollierten Urinabgang gehabt.
Aufgrund fortdauernd spontanen Urinabgangs und zur Festlegung des therapeu
tischen Vorgehens würden weitere urodynamische Abklärungen empfohlen (S. 2 unten
).
6.
6.1
Das von Dr. med.
Y._
am 22. Februar 2019 erstattete Gutachten (E. 4) sowie ihre Stellungnahme vom 27. Dezember 2019 (E. 5.2-10) sind für die streitigen Belange umfassend, beruhen auf allseitigen Untersuchun
gen, berücksichtigen auch die geklagten Beschwerden, wurden in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen der Expertin sind begründet. Beide Expertisen sind mithin beweiswertig (E. 1.5), weshalb grundsätzlich auf sie abgestellt werden kann.
6.2
Entsprechend berufen
sich auch die
Parteien (E. 2.1-3)
weitgehend auf die Exper
tisen von Dr.
Y._
.
Nicht einverstanden ist die Beschwerdeführerin hingegen
zunächst
damit, dass ihre Kniebeschwerden nicht unfallkausal seien (E. 2.2). Zum Beleg, dass sich diese entgegen der Gutachterin nicht erst 4 Jahre nach dem Unfall entwickelt hätten, beruft sie sich zunächst auf den Bericht von Dr.
B._
vom 5. Mai 201
5.
In diesem (E. 3.4) finden sich jedoch keine Hinweise auf Kniebeschwerden, die Rede ist lediglich von geschwächten und zeitweise schmerzhaften Beinen. Effektiv hielten die Ärzte des
E._
hingegen im zweiten angerufenen Bericht vom 21. April 2016 (E. 3.5)
erstmals
fest, die Beschwerdeführerin berichte von leichten Beschwerden in beiden Knien bei knienden Tätigkeiten.
Es handelte sich somit lediglich um eine subjektive Beschwerdeangabe seitens der Beschwerdeführerin ohne einen objektiven Befund.
Zu diesem Zeitpunkt waren
zudem
seit dem Unfallereignis vom 13. Juli 2014
doch
immerhin auch schon fast zwei Jahre vergangen
, was ebenfalls gegen eine Unfallkausalität spricht. Dass die Gutachterin die Knorpel
veränderungen im Knie einer
Chondromalazie
(E. 4.2) und somit einem degenerativen Prozess (E. 5.5) zuordnete, schliesst zudem leichte belastungs
abhängige Kniebeschwerden im April 2016 nicht aus, nachdem der e
rwähnte degenerative Prozess
damals durchaus schon im Anfangsstadium gesteckt haben könnte. Entscheidend ist, dass die Gutachterin keine
bildgebenden Hinweise
auf eine traumatische Knieverletzung
fand.
Entgegen der Interpretation der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 1 S. 16 Ziff. 47
lit
. c) erachtete sie die Knie
beschwerden rechts nie als unfallkausal, sondern hielt an der zitierten Stelle im Gutachten lediglich fest, dass die Beschwerden
im
Untersuchungszeitpunkt
objektivierbar seien (Urk. 9/112 S. 41 f. Ziff. 1.
6). Auf ihre schlüssige,
eine Unfallkausalität
betreffend die Kniebeschwerden
verneinende,
Beurteilung
ist daher abzustellen.
6.3
Die Beschwerdeführerin bemängelt weiter den Fallabschluss per 30. September 201
7.
Bei der Festlegung dieses Zeitpunkts stützte sich die Gutachterin – wie auch schon der ber
atende Arzt Dr.
I._
(E. 3.1
0
) - zu Recht auf den Bericht von Dr.
B._
zur Abschlusskontroll
e vom 22. September 2017 (E. 3.
9
), wo die Beschwerdeführerin berichtet hatte, sie sei mit dem Verlauf sehr zufrieden und
auf ihren Wunsch die Behandlung abgeschlossen wurde. Die Gutachterin kam zum Schluss, dass weitere ärztliche Behandlungen nicht angezeigt seien (E. 4.
4)
und
dass
die Beschwerdeführerin sowohl in der angestammten Tätigkeit als Au-Pair als auch in der beabsichtigten Tätigkeit im Pflegebereich beziehungsweise als Hebamme voll arbeitsfähig sei. Ausdrücklich hielt sie fest, Hebeleistungen hingen in erster Linie von der muskulären Leistungsfähigkeit der Haltemuskulatur ab, welche durch gezieltes Training verbessert werden könne (E. 4.3). Nachdem
die Gutachterin
die volle Arbeitsfähigkeit bereits per 30. September 2017 als wiederhergestellt ansah, können
solche Trainings
jedoch mangels weiter zu steigernder Arbeitsfähigkeit zu keiner namhaften Verbesserung des Gesundheits
zustands mehr führen und stehen deshalb einem Fallabschluss nicht entgegen (
vgl.
E. 1.3).
Dassel
be gilt für den vorstehenden
Schraube
nrest
am Schambeinast sowie für die geltend gemachten urogenitalen Restbeschwerden. Beiden kommt kaum eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu, was denn auch gar nicht geltend gemacht wird.
Vorliegend besteht auch kein Anspruch auf weitere Heilbehandlung nach Fallab
schluss im Sinne von Art. 21 UVG, nachdem der Beschwerdeführerin keine Rente zuzusprechen ist, weil sie keine
Erwerbsunfähigkeit ausweist
(Urteil des Bundes
gerichts
8C_191/2011
vom 16. Sep
tember
2011 E. 5.3).
6.4
Das Argument der Beschwerdeführerin, die Bemessung der Arbeitsfähigkeit per dato sei hypothetisch, weil sie derzeit noch studiere, überzeugt nicht. Dass Gutachterpersonen die Arbeitsfähigkeit von Exploranden in Tätigkeiten beurtei
len müssen, die diese derzeit noch gar nicht ausführen, ist absolut üblich, da
insbesondere im
Unfallversicherungsrecht und im Invalidenversicherungsrecht ganz regelmässig die Arbeitsfähigkeit des Exploranden in einer
hypothetischen
angepassten Tätigkeit geprüft werden muss.
Ein Zuwarten mit der Rentenprüfung bis zur Aufnahme der Berufstätigkeit wäre somit geradezu systemwidrig.
Die Gutachterin untersuchte und befragte di
e Beschwerdeführerin eingehend.
Ihre Arbeitsfähigkeitsbeurteilung erscheint als durchwegs schlüssig.
Dass allenfalls – so ist die zurückhaltende Formulierung in der Beschwerdeschrift zu verstehen -
Einschränkungen beim Beruf der Hebamme bestehen könnten (E. 2.2), entspringt hingegen keiner fachärztlichen Beurteilung, sondern einzig der Befürchtung der Beschwerdeführe
rin selber beziehungsweise ihres
Rechts
vertreter
s
. Darauf ist nicht weiter einzugehen.
Gestützt
auf das Gutachten ist eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Au-Pair und in der beabsichtigten Tätigkeit im Pflegebereich beziehungsweise als Hebamme per Fall
abschluss am 30. September 2017 ausgewiesen. Demnach besteht kein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente.
6.5
Nachdem sich der angefochtene
Einspracheentscheid
somit sowohl bezüglich des Fallabschlusses per 30. September 2017 als auch der
Ablehnung eines Rentenan
spruchs als rechtens
erweist, ist nachstehend die
von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Bemessung der Integritätsentschädigung zu prüfen.
7.
7.1
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der Integritätsschäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) häufig vorkommende und typische Schäden prozentual gewichtet. Für die darin genannten Integritäts
schäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädi
gung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Ziff. 1 Abs. 2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben
für sich alleine (vgl. vorstehend E. 1.4)
keinen Anspruch auf Entschädigung (Ziff. 1 Abs. 3).
7.2
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrät
lichen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Fein
raster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für das Gericht nicht verbindlich, umso weniger als Ziff. 1 Abs. 1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, der in der Skala angegebene Prozentsatz des Integritätsschadens gelte im Regelfall, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicher
ten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
7.3
Gemäss
Art.
36
Abs.
4 UVV sind voraussehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens angemessen zu berücksichtigen. Revisionen der Integritäts
entschädigung sind nur im Aus
nahmefall möglich, wenn die Verschlimmerung insbesondere nicht voraussehbar war. Eine voraussehbare Verschlimmerung liegt vor, wenn im Zeitpunkt der Fest
setzung der Integritätsentschädigung eine Verschlimmerung als wahrscheinlich prognostiziert und damit auch geschätzt werden kann. Die blosse Möglichkeit einer Verschlimmerung des Integritäts
schadens genügt hingegen nicht (
Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2013 vom 23. Juli 2013 E. 3.4.1).
Im Sozialversicherungs
recht hat
das Gericht
seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichen
des vorsieht,
ganz generell
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachver
halts genügt den Beweisanforderungen nicht
(
BGE 119 V 7
E. 3c/
aa
)
.
7.
4
Für die mässigen Beanspruchungsschmerzen im Bereich des Beckens veranschlagte Dr.
Y._
einen Integritätsschaden von 5
%
gemäss SUVA
-
Tabelle 7 (E. 4.5).
Damit seien auch die
residuellen
myofaszialen Beschwerden im Beckenbereich abgedeckt (E. 5.2). Dies
e Beurteilung
wurde von der Beschwerdegegnerin in den
Einspracheentscheid
übernommen (E. 2.1), ist
nicht zu beanstanden und soweit unbestritten.
Soweit die Beschwerdeführerin g
eltend macht, aufgrund der hervorstehenden Schraube bestünden im Rahmen der Gesamtbeeinträchtigung zu berücksichti
gende mögliche Komplikationen für die Weichteile und im Falle der Geburt
(Urk. 1 S. 16 Ziff. 47
lit
. a)
, so ist ihr einerseits entgegen zu halten, dass die
hier vorliegende
blosse Möglichkeit der Verschlimmerung oder gar erst Ent
stehung eines Integritätsschadens nicht zu berücksichtigen ist (
E. 7.3) und andererseits – wie d
ie
Beschwerdeführerin
richtig erkannt hat
(vgl. Urk. 1 S. 16 Ziff. 47
lit
. a)
– das Erfordernis einer Sectio anstatt einer Spontangeburt in SUVA
-
Tabelle 22
(Integritätsschaden bei Verlust der Geschlechtsorgane oder der Fortpflanzungs
fähigkeit)
nicht erwähnt ist.
Für die Verletzungen und Operationsfolgen im Beckenbereich bleibt es somit bei einem Integritätsschaden von 5
%
.
7.5
Das linke Bein der Beschwerdeführerin ist aufgrund einer Verkürzung des Unter
schenkels unfallbedingt um knapp 1 cm verkürzt
(E. 4.1)
.
Die SUVA-Tabelle 2 (
Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den unteren Extremitäten
)
sieht für eine Beinverkürzung von 3-4 cm eine Integritätsentschädigung von 10
%
vor. Bis maximal 2 cm ohne zusätzliche morphologische oder funktionelle Störung (zum Beispiel Rotationsfehler, Achsenfehlstellung) betrage sie 0
%
. Nachdem die
Gutachterin ursprünglich für die Beinverkürzung keine Integritätsentschädigung veranschlagt hatte (E. 4.5), erachtete sie mit Stellungnahme vom Dezember 2019 (E. 5.3) einen Integritätsschaden von «noch unter 5%» als angemessen. Dabei berücksichtigte sie nun auch die leichte Beinschwäche aufgrund der unfal
lbe
dingten
Gastrocnemiuslappenpl
a
s
tik
, die allerdings keine «Lähmung» im Sinne der SUVA
-
Tabelle 2 darstelle und somit alleine keinen Integritätsschaden begründe. Die Beurteilung durch die Gutachterin, wonach diese beiden
nicht unerheblichen
Beeinträchtigungen, welche für sich gesehen die Schwelle von 5
% nicht erreichen, auch kumuliert die 5
%
noch nicht erreichen und somit
nur - aber immerhin
-
einen Integritätsschaden von «noch unter 5
%
»
begründen, erscheint als angemessen.
Der Beschwerdegegnerin kann darin nicht zugestimmt werden, dass die Gutach
terin keine Gründe gehabt habe, diesbezüglich von ihrer ursprünglichen Beurtei
lung abzuweichen (E. 2.1). Einen solchen Grund hatte sie eben sehr wohl, nachdem sie von der Beschwerdegegnerin auf Veranlassung der Beschwerdefüh
rerin aufgefordert worden war,
dazu Stellung zu nehmen
, ob für einzelne Punkte auch eine Integritätsentschädigung
von unter 5
%
zu berücksichtigen sei (E. 5.1).
7.6
Diese Erklärung
kann
allerdings
für
den Umschwung der Gutachterin betreffend die Narbenplatte am lateralen Unterschenkel
eher nicht gelten
, denn die diesbe
zügliche Integritätsentschädigung bezifferte sie im Dezember 2019 (E. 5.2) neuerdings statt auf 0
%
auf 5-10
%
und somit auf deutlich über 5
%
.
Ihre
Begründung, die Narbe könne kosmetisch von Bedeutung sein, ist hingegen
bei einem Blick in die Akten
(vgl. Urk. 9/120 Foto 2)
sofort
nachvollziehbar. Die kosmetische Bedeutung sieht die Gutachterin selber darin, dass in Spanien die Beine oft nicht bedeckt seien. Zwar ist der Beschwerdegegnerin darin zuzustim
men, dass der Modegeschmack in Spanien für eine in der Schweiz ausgesprochen
e
Integritätsentschädigung nicht relevant sein kann, sie ist jedoch darauf hinzu
weisen, dass –
vor allem in der warmen Jahreszeit und
insbesondere bei den Damen
– die
Unterschenkel
auch hierzulande oft unbedeckt bleiben.
7.7
Nach
SUVA-
Tabelle 18 (Integritätsschaden bei Schädigung der Haut) kann der Integritätsschaden bei Verbrennungsnarben der Haut je nach Schweregrad und Ausdehnung von 5
bis
50
%
(bei schwerer Entstellung des Gesichtes entsprechend der
bundesrätlichen
Skala von Anhang 3 zur UVV) reichen. Dabei werden Narben an Gesicht und Händen deutlich höher bemessen als solche an bedeckten Körper
partien. Neben dem kosmetischen Aspekt können auch funktionelle Beeinträch
tigungen beispielsweise durch Kontrakturen, verminderte mechanische Belastbar
keit der Haut oder dauernde Herabsetzung der Hautsensibilität ins Gewicht fallen
(Urteil des Bundesgerichts U143/02 vom 25. Oktober 2002 E. 4.2).
Dem
eben
genannten Bundegerichtsurteil lag der Sachverhalt zugrunde, dass sich die Versicherte mit heissem Fett verbrannt und dabei Verbrennungen zweiten Grades zugezogen hatte. Es verblieben Narben, die rund 4
%
des recht
en Unterschenkels bedeckten, sowie
Narben am rechten Fuss (E. 2.1; E. 3.3). Der Unfall führte nach Auffassung des Bundesgerichts zwar
nicht zu einer Entstel
lung, immerhin aber zu ausgedehnten Narben an einer zumindest nicht reg
el
-
mäs
sig bedeckten Körperpartie.
Nach der in den Akten e
nthaltenen Fotodokumentation sei
der Integritätsschaden aus kosmetischer Si
cht als erheb
lich zu beurteilen, funktionelle Einschränkungen bestünden hingegen keine.
Auf Grund allein des kosmetischen Integritätsschadens
erachtete das Bundesgericht
die zugesprochene
Integritätsentschädigung
von 10
%
als
angemessen
(E. 4.2).
7.8
Vorliegend erlitt die Beschwerdeführerin eine Verbrennung dritten Grades am lateralen Unterschenkel
, welche
dort 3
%
der Körperfläche bedeckt
e
(E. 3.2)
,
und eine Narbe beziehungsweise narbige Einziehungen mit einer Grösse von 7
x
3 cm (
vorstehend E. 3.
6
sowie
Urk. 9/60 S. 2 Mitte) hinterliess
. Die in den Akten enthaltene Fotodokumentation zeigt eine lange, breite, tiefe und sehr gut sicht
bare Narbe
mit tiefer Einziehung
(vgl. Urk. 9/120 Foto 2), so dass der Integritäts
schaden auch vorliegend aus kosmetischer Sicht als erheblich beurteilt werden muss. Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (E. 7.7) erweist sich die von der Gutachterin im Dezember 2019 veranschlagte Integritätsentschä
digung von 5-10
%
klarerweise als angemessen.
Zwar ist der Beschwerde
gegnerin darin zuzustimmen, dass die Narbe ästhetisch-chirurgisch behandelt werden könnte (E. 2.1). Dr.
G._
, auf den sie sich beruft, skizzierte indes ein Vorgehen, welches mindestens zwei Eingriffe beinhalten und erneut eine Narbe zurücklassen würde (E. 3.
6
). Die Beschwerdeführerin musste in Folge des Unfalls bereits 8 operative Eingriffe über sich ergehen lassen
(Urk. 9/45, Urk. 9/47, Urk. 9/48, Urk. 9/49,
Urk. 9/53,
Urk. 9/51, Urk. 9/52, Urk. 9/54, Urk. 9/58
). Erneute Eingriffe brächten nebst den entsprechenden Strapazen mit der Beschwerdeführerin (E. 2.2)
zudem
auch die
stets bestehenden
Operations
risiken mit sich. Die Kosten des
Eingriffs
– wenn
nicht von der Beschwerde
gegnerin
, dann wohl
von der Krankenpflegeversicherung
zu übernehmen -
lägen
schliess
lich
vermutlich deutlich über denjenigen der veranschlagten Integritätsentschä
digung. Der Beschwerdeführerin ist dieser
Eingriff daher nicht zuzumuten, womit ein dauernder Integritätsschaden im Sinne von Art. 24 Abs. 1 UVG (vgl. E. 1.4) vorliegt.
7.9
Sachgerecht und rechnerisch gut nachvollziehbar veranschlagte
die Gutachterin
die
addierte
Integritätsentschädigung für den Bereich des linken Unterschenkels von
noch unter 5% für die Beinverkür
zung sowie
Beinschwäche
und
von 5-10
%
für die Narbe
zusammen auf 10
%
(E. 5.10). Darauf ist abzustellen.
Dr.
Y._
berücksichtigte in ihrer Stellungnahme vom 27. Dezem
ber 2019 also auch Integritätsschäden, die die Schwelle von 5
%
für sich
alleine
noch nicht erreichten. Damit agierte sie ganz im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 116 V 156 E. 3b; vgl. vorstehend E. 1.4) und widerlegte damit die Behauptung der Beschwerdeführerin, sie habe ihre Bemessung der Integritätsentschädigung in der falschen Vorstellung vorgenommen, dass einzelne Einschränkungen nicht zu berücksichtigen seien, sofern diese nicht 5
%
ausmach
t
e
n
(E. 2.2). Solches wäre doch auch verwunderlich, nachdem
sie auf Betreiben der Beschwerdeführerin gerade im Hinblick auf diese Fragestellung um eine
erneute Stellungnahme
gebeten worden
war (vgl. E. 5.1).
7.10
Entsprechend sind auch keine medizinisch oder rechtlich fundierten Gründe ersichtlich, von ihren
detaillierten und sorgfältigen, eine weitere Integritätsent
schädigung verneinenden Einschätzungen betreffend die
von der Beschwerde
führerin zusätzlich
geltend gemachten Punkte (vgl. vorstehend E. 5.5-9) abzuweichen.
So vermag betreffend die Wirbelsäule die Beschwerdeführerin mit ihrem Verweis auf Schmerzen und Muskelschwächen im Rücken anlässlich der Rehabilitation im Herbst 2014 (Urk. 1 S. 17 Ziff. 47
lit
. d; vgl. E. 3.3) nichts für ihren Stand
punkt zu gewinnen. Die Gutachterin nahm die
se
Beschwerden durchaus zur Kenntnis und hielt fest, es sei diesbezüglich noch nicht zu einer ausreichenden muskul
ären Rekonditionierung gekommen, was aber durch gezieltes Training verbessert werden könne.
Gegen diese Einschätzung wird seitens
der
Beschwer
deführerin nichts medizinisch Fundiertes vorgebracht.
Dasselbe gilt für die geltend gemachten Nackenbeschwerden (Urk. 1 S. 17 f. Ziff. 47
lit
. f) sowie insbesondere
auch für die
urogenitalen Restbeschwerden. Die Gutachterin stellte
betreffend letztere
schlüssig fest, dass im Gutachtenszeitpunkt anfangs Januar 2017 keine relevanten Probleme mehr vorlagen, die einen Integ
ritätsschaden begrü
ndet hätten (E. 5.8). Der neuer
e Bericht von Dr.
D._
vom Januar 2020 (E. 5.12) führte denn auch lediglich Vorfälle in der Vergangenheit an und legte nicht näher dar, inwieweit der «fortdauernd spontane Urinabgang» über die von der Gutachterin genannten gelegentlichen Beschwerden zum Zeitpunkt der Menstruation und der Ovulation (E. 5.8) hinausgehen sollten.
Auch hier ist ein
zukünftiger
Integritätsschaden höchstens möglich, nicht jedoch wahrscheinlich (vgl. E. 7.3-4)
.
Was die weder fachärztlich behandelten noch klar diagnostizierten und zudem behandelbaren «Panikattacken» anbelangt, kann sodann ohne Weiteres auf die schlüssige Beurteilung durch Dr.
J._
(E. 5.11) abgestellt und ein Anspruch auf Integritätsentschädigung verneint werden.
In Anbetracht der durchwegs überzeugenden und ausgewogenen Beurteilung durch Dr.
Y._
, notabene Fachärztin in drei Disziplinen, ist nicht ersichtlich, inwiefern die von der Beschwerdeführerin im Even
tualstandpunkt
beziehungsweise Subeventualpunkt
bean
tragten weiteren Abklärungen neue, für die Beur
teilung des vorliegenden Falles entscheidende Erkenntnisse liefern könnten. Auf weitere Abklärungen ist daher im Sinne der antizipierten Beweis
würdigung zu verzichten (BGE 122 V 157 E. 1d).
7.
11
Der
Beschwerdegegnerin
ist
darin
zuzustimmen
, dass der Bericht vom 7. Januar 2020
von Dr.
D._
von der Praxis
A._
(E. 5.12) lediglich die Beurteilung durch die Gutachterin bes
tätigte und für
die Einholung dieses
späten Privat
gut
achtens
keine Veranlassung bestand.
Zwar hatte
Dr.
Y._
erwähnt, es sei bei Verschlechterung der Situation eine urodynamische Abklärung sinnvoll. Damit meinte sie allerdings kaum das
Einholen eines Privatgutachtens
,
welches eine
Verschlechterung
ohnehin nicht
dokumentiert
e
(vgl. E. 7.10)
und keine
rlei
neuen Erkenntnisse zutage
förderte
,
übrigens
auch nicht betreffend die
vorstehende
Schraube am Schambeinast.
Die Beschwerde ist daher betreffend die beantragte Übernahme der Kosten der Praxis
A._
im Betrag von Fr. 915.55 abzuweisen.
7.
12
Nach dem Gesagten ist
in teilweiser Gutheissung der Beschwerde
der angefoch
tene
Einspracheentscheid
vom 21. Februar 2020
mit der Feststellung
aufzuheben, dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Integritätsentschädigung von insgesamt
Fr. 18'900.-- hat,
dies entsprechend
einem Integritätsschaden von
15
%
und einem Höchstverdienst von Fr. 126'000.
im Jahr 201
4.
Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
Es ist davon
Vormerk
zu nehmen, dass der einer Integritätsentschädigung von 5
%
entsprechende Betrag von Fr. 6'300.-- bereits im März 2019 von der Beschwerdegegnerin an die Beschwerdeführerin überwiesen wurde
.
8.
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die teilweise obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die um die Hälfte reduzierte Prozessentschädigung ermessensweise auf Fr. 1’800.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.