Decision ID: 7e87e925-2049-53bc-ad8e-f063fa62be5e
Year: 2003
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Biathlonanlage, die durch den Beschwerdeführer betrieben wird, befindet sich
innerhalb des Perimeters der Moorlandschaft Nr. C._ Gurnigel/Gantrisch. Die
Anlage, die in der Landwirtschaftszone der Gemeinde Rüeggisberg gelegen ist, wurde mit
einer Baubewilligung vom 30. November 2000 des zuständigen Regierungsstatthalters
inklusive Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24 RPG1 errichtet. Mit Schreiben vom 9. April
2002 informierte der Beschwerdeführer den Regierungsstatthalter von Seftigen unter
anderem darüber, dass die Mauer des Scheibenstandes gemäss den Vorschriften der
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (RPG; SR 700)
2
Internationalen Biathlon Union (IBU) ohne Baubewilligung weiss gestrichen worden sei.
Der Regierungsstatthalter setzte daraufhin mit Schreiben vom 10. April 2002 die
Baukommission der Einwohnergemeinde Rüeggisberg darüber in Kenntnis. Der
Gemeinderat von Rüeggisberg erliess am 8. Mai 2002 eine Wiederherstellungsverfügung.
Der Beschwerdeführer wurde aufgefordert, den weissen Anstrich an der Rückwand der
Biathlonanlage zu entfernen, die vier Reklametafeln an der Stirnseite der
Scheibenstandüberdeckung zu demontieren und den Container auf der Panzerplatte
wegzuräumen. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer unter anderem darauf
hingewiesen, dass die Wiederherstellungsverfügung aufgeschoben wird, sofern ein
nachträgliches Baugesuch innert der Rechtsmittelfrist eingereicht wird.
2. Der Beschwerdeführer reichte am 4. Juli 2002 ein nachträgliches Baugesuch ein für
den weissen Maueranstrich des Scheibenstandes, das Abstellen eines Containers für mehr
als drei Monate sowie das Anbringen von Reklametafeln.
3. In seiner "Stellungnahme für das Bauvorhaben ausserhalb des Baugebietes" vom
28. Oktober 2002 billigte das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) den weissen
Anstrich, lehnte jedoch eine Ausnahmebewilligung für das Abstellen des Containers für
mehr als drei Monate sowie für das Anbringen von Reklametafeln ab. Das Bundesamt für
Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) empfahl in seinem Schreiben vom 12. Dezember
2002 die Auflage, in schnee- und wettkampffreien Zeiten den weissen Anstrich des
Scheibenstandes mit einer unauffälligen Abdeckung aus naturbelassenem Holz zu
versehen. Für das Abstellen des Containers für mehr als drei Monate und das Anbringen
von Reklametafeln verlangte das BUWAL den Bauabschlag.
4. In seinem Gesamtbauentscheid mit integrierter Wiederherstellungsverfügung vom
9. Januar 2003 erteilte der Regierungsstatthalter die nachträgliche Baubewilligung für den
weissen Anstrich an der Wand des Scheibenstandes sowie die dafür erforderliche
Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24 RPG. Den Nebenbedingungen ist unter anderem zu
entnehmen, dass der weisse Anstrich in schnee- und wettkampffreien Zeiten von mehr als
einer Woche mit einer unauffälligen Abdeckung aus naturbelassenem Holz zu versehen ist.
Zudem wurde der Beschwerdeführer unter Androhung einer Busse verpflichtet, den
jährlichen Wettkampfplan sowie die Abdeckperioden jeweils bis zum 30. November der
Gemeinde Rüeggisberg zu melden. Für das Abstellen des Containers für mehr als drei
Monate sowie das Anbringen von Reklametafeln auf dem Scheibenstand wurde der
3
Bauabschlag erteilt. Der Beschwerdeführer wurde zudem aufgefordert, den aufgestellten
Container und die Reklametafeln wegzuräumen.
5. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 10. Februar 2003
Baubeschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE). Er
beantragt die Aufhebung der Nebenbestimmungen über die Abdeckung des weissen
Anstrichs in schnee- und wettkampffreien Tagen sowie die Aufhebung der Meldung des
Wettkampfplans und der Abdeckperioden. Zudem stellt er den Antrag, die Baubewilligung
für das Abstellen des Containers sowie das Anbringen von Reklametafeln sei jeweils für
die Zeit von Mitte November bis Mitte April zu erteilen. In seiner Begründung bringt er vor,
dass die Wand der Anlage weiss sein müsse gemäss den Vorschriften der Internationalen
Biathlon Union (IBU). Die Materialkosten für die Abdeckung sowie der Arbeitsaufwand für
das Aufstellen derselben seien ein zu grosser finanzieller Aufwand für eine Non-Profit-
Organisation. Zudem beeinträchtige die weisse Wand die Landschaft weniger als eine
graue Betonwand. Die Biathlonanlage sei ohnehin kaum einsehbar. Es sei ein Anliegen
des Beschwerdeführers, den Container während der gesamten Betriebeszeit der Anlage in
der Wintersaison am heutigen Standort aufstellen zu können. Für diese Zeit bestehe
fraglos die Standortgebundenheit.
6. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,2 holte die
Stellungnahmen des Regierungsstatthalters von Seftigen, der Gemeinde Rüeggisberg
sowie des AGR ein. Danach führte es im Beisein der Parteien und eines Mitgliedes der
kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) einen
Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Während des Augenscheins hat der
Beschwerdeführer die Beschwerde betreffend die Reklametafeln zurückgezogen. Die
Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu äussern und
Schlussbemerkungen einzureichen. Die Vorakten enthalten keinen Hinweis darauf, dass
das Bauvorhaben publiziert worden ist. Es ist deshalb davon auszugehen, dass keine
Publikation erfolgt ist. Aus diesem Grunde wies das Rechtsamt den Regierungsstatthalter
an, das Bauvorhaben im Amtsblatt zu publizieren und nach anschliessender Auflage mit
den eingegangenen Einsprachen und einer Stellungnahme dem Rechtsamt wieder
einzureichen. Auf die nachträgliche Publikation hin gingen keine Einsprachen ein.

II. Erwägungen
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
4
1. Prozessvoraussetzungen / Eintreten
Der Regierungsstatthalter hat einen Gesamtbauentscheid im Sinne von Art. 9 KoG3 mit
integrierter Wiederherstellungsverfügung gefällt. Dieser kann, unabhängig von den geltend
gemachten Einwänden, einzig mit dem für das Leitverfahren massgeblichen Rechtsmittel
angefochten werden (Art. 11 Abs. 1 KoG). Leitverfahren ist das Baubewilligungsverfahren
(Art. 5 Abs. 1 KoG). Gestützt auf Art. 40 Abs. 1 BauG4 und Art. 49 Abs. 1 BauG können
Bauentscheide und Wiederherstellungsverfügungen innert dreissig Tagen seit Eröffnung
mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung
der vorliegenden Beschwerde zuständig. Beschwerdebefugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer ist als Baugesuchsteller sowohl formell als
auch materiell beschwert. Auf die form- und fristgerechte Beschwerde ist einzutreten.
2. Bauen ausserhalb der Bauzone und innerhalb einer Moorlandschaft
a) Zu beurteilen sind zwei Vorhaben, die zu einer Biathlonanlage gehören: der weisse
Anstrich des Scheibenstandes und ein Container, der der Zeitmessung und der Erfassung
der Schiessresultate dient. Die Biathlonanlage selber und die beiden Vorhaben sind
zweifellos und unbestritten nicht landwirtschaftlich bedingt und bedürfen deshalb einer
Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der Bauzonen. Die Voraussetzungen zur
Erteilung dieser Ausnahmen sind in Art. 24 bis 24d RPG geregelt. In Frage kommt hier
ausschliesslich Art. 24. Voraussetzungen für die Erteilung dieser Bewilligung sind, dass
das Vorhaben einen Standort ausserhalb der Bauzone erfordert und dass ihm keine
überwiegenden Interessen entgegenstehen. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ
erfüllt sein. Die Anlagen stehen in einer Moorlandschaft. Darin sind Massnahmen nur dann
zulässig, wenn sie mit den Schutzzielen der Moorlandschaft zu vereinbaren sind. Deshalb
wird zuerst geprüft, ob die Vorhaben den Bestimmungen über den Schutz der
Moorlandschaften entsprechen. Nur wenn diese Frage bejaht wird, muss die
Standortgebundenheit geprüft werden.
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
5
Es ist unbestritten, dass sich die Parzelle des Beschwerdeführers in der
Landwirtschaftszone und innerhalb des Perimeters der Moorlandschaft Nr. C._
Gurnigel/Gantrisch von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung befindet (vgl.
Anhang 1 und 2 der Moorlandschaftsverordnung5). Der Schutz der Moorlandschaften ist
auf höchster Stufe, nämlich in der Bundesverfassung, verankert worden (Art. 78 Abs. 5
BV6). Der Verfassungsauftrag wurde im NHG7 (Abschnitt 3a, Art. 23a - 23d) und in der
Moorlandschaftsverordnung umgesetzt.
Nach Art. 5 Moorlandschaftsverordnung obliegt es den Kantonen, Schutz- und
Unterhaltsmassnahmen zu treffen. Im Kanton Bern ist bereits ein kantonaler Sachplan
"Moorlandschaften" erarbeitet und am 8. Januar 2001 in Kraft gesetzt worden. Dieser ist
behördenverbindlich und definiert die spezifischen Schutzziele für die einzelnen
Moorlandschaften. Die in Art. 5 Abs. 2 Bst. a Moorlandschaftsverordnung verlangte
Umsetzung mit den erforderlichen Schutz- und Unterhaltsmassnahmen in der
Nutzungsplanung ist jedoch bisher noch nicht erfolgt. Deshalb gilt ein grundsätzliches
Bauverbot. Der Kanton kann Ausnahmen bewilligen, wenn die Voraussetzungen von Art.
23d NHG erfüllt sind (Art. 7 und Art. 5 Moorlandschaftsverordnung).
3. Weisser Anstrich des Scheibenstandes
a) Die Biathlonanlage und damit der Scheibenstand sind rechtskräftig bewilligt. Zwar
bezweifelt das Bundesgericht im Zusammenhang mit der Beurteilung einer
Mobilfunkanlage in unmittelbarer Nähe der Biathlonanlage, ob diese zu Recht bewilligt
wurde (unpublizierter BGE 1A.124/2003 vom 23.9.2003, E. 6.1). Diese Frage ist aber nicht
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens. Sie spielt allenfalls bei der Interessenabwägung
eine Rolle, die bei der Anwendung der Bestimmungen über den Schutz der
Moorlandschaften vorzunehmen ist. Die Bewilligung vom 30. November 2000 nennt als
Bauart des Scheibenstandes eine Holzkonstruktion. Ausgeführt wurde er als Mauer mit
weissem Anstrich. Der weisse Anstrich und damit die Konstruktion als Mauer wurden
5 Verordnung vom 1. Mai 1996 über den Schutz der Moorlandschaften von besonderer Schönheit
und nationaler Bedeutung (Moorlandschaftsverordnung; SR 451.35) 6 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 7 Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451)
6
bewilligt, umstritten ist heute nur noch die Auflage, dass der Anstrich in bestimmten Zeiten
mit einer Abdeckung versehen werden muss.
Die Gestaltung und die Nutzung der Moorlandschaften sind grundsätzlich nur zulässig,
wenn sie der Erhaltung der für die Moorlandschaft typischen Eigenheiten nicht
widersprechen (Art. 23d Abs. 1 NHG). Unter dieser Voraussetzung werden bestimmte nicht
abschliessend aufgezählte Massnahmen als zulässig erachtet. Genannt wird
insbesondere der Unterhalt und die Erneuerung rechtmässig erstellter Bauten und Anlagen
(Art. 23d Abs. 2 Bst. b). Ein Farbanstrich gehört zweifellos zu Unterhalts- oder
Erneuerungsmassnahmen. Zwar bedarf die noch neue erst im Jahr 2000 bewilligte Anlage
noch keines Unterhalts. Das Vorhaben darf aber heute nicht anders beurteilt werden als
wenn der weisse Anstrich in einigen Jahren unter dem Titel des Unterhalts nötig würde.
Damit gehört er zu den in einer Moorlandschaft grundsätzlich zulässigen Massnahmen.
b) Bauliche Massnahmen in einer Moorlandschaft müssen mit den Schutzzielen vereinbar
sein. Die Schutzzielverträglichkeit beurteilt sich nach den allgemeinen Kriterien von Art. 4
Abs. 1 Moorlandschaftsverordnung, anhand der Objektbeschreibungen im Anhang 2 der
Moorlandschaftsverordnung und der durch den Kanton erlassenen objektspezifischen
Schutzziele. Die Moorlandschaft Nr. C._ Gurnigel/Gantrisch ist eine der grössten
Moorlandschaften der Schweiz und erstreckt sich über mehrere weite Hänge an den
Wasserscheiden zwischen Gürbe, Sense und Schwarzwasser. Sie fasziniert durch ihren
rauen Charakter und ihre teilweise schwer zugänglichen Gebiete. Der kantonale Sachplan
Moorlandschaften erhält nebst anderen die folgenden Schutzziele:
- An die Gestaltung von Neu-, Um- oder Ausbauten werden erhöhte Anforderungen
gestellt. Diese betreffen namentlich die Wahl von Konstruktion, Material und Farbe
sowie die Einpassung der Bauten in die Landschaft und das Gelände;
- für die zukünftige Nutzung erforderliche Infrastrukturanlagen sollen unter
Berücksichtigung des Moorbiotops- und Moorlandschaftsschutzes erstellt werden
können;
- die touristische Nutzung soll natur- und landschaftsschonend bleiben; ein gewisser
Ausbau ist möglich, sofern er mit den Schutzzielen in Einklang steht. Eine Ergänzung
der bestehenden Anlagen soll im Bereich der lokalen, intensiver genutzten Zentren
zulässig sein.8
8 Kantonaler Sachplan Moorlandschaften, S. 49 - 50
7
Zu untersuchen ist, ob das zu beurteilende Bauvorhaben die Schönheit oder die nationale
Bedeutung der Moorlandschaft (Art. 4 Abs. 1 Bst. a Moorlandschaftsverordnung) oder die
objektbezogenen Schutzziele beeinträchtigt.
c) Der Scheibenstand befindet sich am nördlichen Rand der Panzerplatte, die - wenn sie
nicht vom Militär belegt ist - als Parkplatz genutzt wird. Das Gebiet ist nicht frei von Bauten
und Anlagen. Am Augenschein war augenfällig, dass die Panzerpiste und die
Biathlonanlage als Fremdkörper im Landschaftsbild deutlich auffallen. Sie widersprechen
somit den für die Moorlandschaft typischen Eigenheiten. Da sie aber bewilligt sind, ist zu
prüfen, ob der weisse Anstrich die Wirkung als Fremdkörper noch verstärkt oder ob er
allenfalls schon allein für sich betrachtet die Schutzziele verletzt. Durch den Schattenwurf
des Zielscheibendaches wirkt der weisse Anstrich nicht grell. Zudem wirkt auch der
Betonboden als Ablenkung, wodurch die Wirkung des weissen Anstrichs geschmälert wird.
Am Augenschein hat sich gezeigt, dass der weisse Anstrich des Scheibenstandes nicht
von weither auffällt, da er sich in einer Senke befindet. Auch eine Abdeckung aus
naturbelassenem Holz würde als Fremdkörper wirken und sich nicht in die Landschaft
einfügen. Es kann auch nicht gesagt werden, dass sich die Holzabdeckung besser eignen
würde. Zum Augenschein wurde auch ein Vertreter der Kantonalen Kommission zur Pflege
der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) beigezogen. Er betrachtete die Anlage als Ganzes
als problematisch, nicht aber den weissen Anstrich für sich.
Der weisse Anstrich beeinträchtigt somit die massgebenden Schutzziele nicht.
d) Es ist nutzlos, den weissen Anstrich an einem anderen Standort anzubringen, da er
funktional zu diesem Scheibenstand gehört. Ein anderer Standort kommt für ihn nicht in
Frage. Der weisse Anstrich ist deshalb standortgebunden. Damit sind beide
Voraussetzungen zur Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG (Standortgebundenheit und
Interessenabwägung) erfüllt.
Die Nebenbestimmungen Ziff. 2 über die Abdeckung sowie Ziff. 3 und 4 über die Kontrolle
dieser Massnahmen werden deshalb aufgehoben.
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4. Aufstellen eines Containers für mehr als drei Monate
a) Der Container dient der Zeitmessung und der Erfassung der Schiessergebnisse bei
Biathlonwettkämpfen. Nach kantonalem Recht ist das Aufstellen von Fahrnisbauten bis zu
einer Dauer von drei Monaten bewilligungsfrei (Art. 5 Abs. 1 Bst. i BewD). Der
Beschwerdeführer möchte einen Container für mehr als drei Monate in der unmittelbaren
Nähe der Biathlonanlage aufstellen. Der Container ist deshalb baubewilligungspflichtig.
b) Wie in E.2 und E.3 ausgeführt, sind Massnahmen in der Moorlandschaft grundsätzlich
nur zulässig, wenn sie der Erhaltung der für die Moorlandschaft typischen Eigenheiten
nicht widersprechen (Art. 23d Abs. 1 NHG). Unter dieser Voraussetzung werden bestimmte
nicht abschliessend aufgezählte Massnahmen als zulässig erachtet. Der Container fällt
unter keine dieser Massnahmen:
- Er dient nicht der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung (Art. 23d Abs. 2 Bst. a NHG);
- er hat zwar einen funktionalen Bezug zum Scheibenstand, er dient aber nicht seinem
Unterhalt oder seiner Erneuerung (Art. 23d Abs. 2 Bst. b NHG). Die darin
untergebrachten und von der Internationalen Biathlon Union vorgeschriebenen
Messgeräte mögen für die Ausstattung der Biathlonanlage zwingend und damit zulässig
sein. Bei der Unterbringung und der Installation der Messgeräte besteht aber ein
grosser Spielraum;
- er dient nicht dem Schutz vor Naturereignissen (Art. 23d Abs. 2 Bst. c NHG);
- er stellt keine Infrastrukturanlage dar (Art. 23d Abs. 2 Bst. d NHG). Mit dem Begriff der
Infrastruktur sind die Erschliessungsanlagen im Sinne des Raumplanungsgesetzes
gemeint, also insbesondere Zufahrt, Energie, Wasser und Abwasserleitungen (Keller,
Kommentar NHG, Zürich 1997, Art. 23d, Rz 16; BGE 1A.24/2003 vom 23.9.2003, E. 3.3
zu einer Mobilfunkanlage).
Die Aufzählung in Art. 23d Abs. 2 NHG ist nicht abschliessend. Nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts verbleibt aber für weitere als die in Art. 23d Abs. 2 NHG
umschriebenen Nutzungen nur ein sehr enger Raum (BGE 1A.24/2003 vom 23.9.2003,
E.4.4). Die neben Art. 23d Abs. 2 NHG zulässigen Bauten werden in Art. 5 Abs. 2 Bst. d
der Moorlandschaftsverordnung unter anderem mit dem Kriterium des nationalen
Interesses umschrieben. Ob dieses Kriterium den Spielraum, den die nicht abschliessende
Liste von Art. 23d Abs. 2 NHG für weitere zulässige Vorhaben belässt, zutreffend
umschreibt, lässt das Bundesgericht offen. Das nationale Interesse bestimmt aber
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zusammen mit der Liste der beispielhaften Vorhaben die Qualität des Interesses, das eine
zulässige Anlage erfüllen muss. Das Bedürfnis, einen mobilen Container für die
Zeitmessung und die Erfassung der Schiessergebnisse bei Biathlonwettkämpfen während
der gesamten Wettkampfperiode und somit länger als 3 Monate aufstellen zu können, ist
aus der Sicht der betroffenen Sportler und Verbände verständlich, die im NHG verlangten
Interessen sind aber ungleich höher. Der Container fällt deshalb nicht unter die nach NHG
grundsätzlich zulässigen Nutzungen.
c) Zudem ist der Container von weit her gut sichtbar und wirkt als Fremdkörper. Bleibt er
über längere Zeit aufgestellt, würde er die Schutzziele dieser Moorlandschaft
beeinträchtigen. Er kann nach Beendigung eines Wettkampfes oder einer Serie von
Wettkämpfen auf ein Fahrzeug aufgeladen und an einen dafür geeigneten und zulässigen
Ort verschoben werden. Dies ist grundsätzlich auch im Winter möglich. Der
Strassenunterhalt ist gewährleistet, so dass der Beschwerdeführer gleich wie die
ansässige Bevölkerung, der Tourismus und das Militär von einer grundsätzlich
ganzjährigen Erschliessung profitieren. Die Schneeräumung auf der Biathlonanlage selber,
soweit sie für das Aufstellen und Wegfahren des Containers nötig ist, ist dem
Beschwerdeführer zuzumuten. Er kann sich die Unterstützung durch das ortsansässige
VBS, die er bereits für die Biathlonanlage erfahren durfte, nutzbar machen.
Die Bewilligung für das Bauen ausserhalb der Bauzonen kann deshalb nicht erteilt werden.
Die Beschwerde wird in diesem Punkt abgewiesen und der Bauabschlag des
Regierungsstatthalters wird bestätigt.
5. Zusammenfassung
Der weisse Anstrich des Scheibenstandes stellt eine Unterhaltsmassnahme dar, die in der
Moorlandschaft Gurnigel/Gantrisch grundsätzlich zulässig ist. Er ist überdies mit den
Schutzzielen in dieser Landschaft vereinbar. Die Ziffern 1. C. 2 - 4 des
Gesamtbauentscheides vom 9. Januar 2003 werden daher aufgehoben.
Der Container fällt nicht unter die Bauten, die in einer Moorlandschaft grundsätzlich
zulässig sein können. Er beeinträchtigt zudem die Schutzziele der Moore
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Gurnigel/Gantrisch und ist nicht standortgebunden. Der dafür ausgesprochenen
Bauabschlag wird bestätigt. Die Wiederherstellungsverfügung für den Container wird dahin
präzisiert, dass er nur zwischen Mitte November und Ende März aufgestellt werden darf. In
dieser Zeit darf er insgesamt nicht mehr als drei Monate dort stehen. Hält sich der
Beschwerdeführer nicht an diese Bestimmung, so ist die Baupolizei zur Ersatzvornahme
berechtigt.
6. Verfahrens- und Parteikosten
Die Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere
Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben
werden. Die Behörde setzt die Gebühr gestützt auf die gesetzliche Gebührenordnung nach
pflichtgemässem Ermessen fest (Art. 103 Abs. 1 und 2 VRPG9). Die Pauschalgebühr wird
festgesetzt auf Fr. 1'400.--. Dazu kommen die Kosten des Augenscheins von Fr. 200.--
sowie die Kosten für die Bemühungen der OLK von Fr. 332.80 (gemäss Rechnung vom
5. Juni 2003). Gesamthaft betragen die Verfahrenskosten Fr. 1'932.80. Die
Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigen, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Der
Beschwerdeführer ist mit einem Rechtsbegehren durchgedrungen (weisser Anstrich) und
mit einem Begehren unterlegen (Container). Das Reklamegesuch hat er zurückgezogen.
Er hat daher die Hälfte der gesamten Kosten, ausmachend Fr. 966.40, zu tragen.
Parteikosten sind keine zu sprechen.
9 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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