Decision ID: 27358111-b594-467e-8e24-960e17ace7a0
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ (Jahrgang 1962) arbeitete zuletzt als Zeitungsausträger bei
der B._ AG, nachdem er über viele Jahre mehrheitlich im
Informatikbereich tätig gewesen war. In der Vergangenheit hatte er
mehrere Unfälle erlitten. Am 9. August 2019 war er in einen Autounfall
involviert. Dabei zog er sich eine Halswirbelsäulendistorsion zu und wurde
zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. Ausserdem verschlechterte sich in
der Folge sein psychischer Gesundheitszustand, weshalb eine ambulante
Psychotherapie bei lic. phil. C._ eingeleitet wurde. Am 6. Mai
2020 berichtete sie, dass sich bei A._ eine depressive
Verstimmung abzeichne.
2. Im Juni 2020 meldete sich A._ unter Hinweis auf
Entzündungsschmerzen (seit ca. 1980 stetig zunehmende Fibromyalgie),
Wirbelsäulenbeschwerden, enorme Kopfschmerzen und
Konzentrationseinbussen bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden
(nachfolgend IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Diese zog die Akten der
Unfallversicherung (SUVA) bei und tätigte erwerbliche und medizinische
Abklärungen. Nach dem Evaluationsgespräch betreffend Eingliederung
teilte die IV-Stelle A._ am 1. Juli 2020 mit, dass die
Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen würden, da er sich
gesundheitlich nicht in der Lage fühle, im wesentlichen Umfang einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen.
3. In der Folge liess die IV-Stelle A._ polydisziplinär in den
Fachdisziplinen Neurologie, Rheumatologie, Allgemeine Innere Medizin,
Neuropsychologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie begutachten,
wobei der Auftrag der medexperts AG zugeteilt wurde (nachfolgend
medexperts-Gutachten). In dem am 22. Juli 2021 erstatteten Gutachten
stellten die Gutachterinnen und Gutachter folgende Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: Anpassungsstörung mit längerer
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depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21), chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), leichtes
kognitives Defizit vermutlich hirntraumatischer Genese bei Status nach
Schädel-Hirn-Trauma 1997 (ICD-10 F06.7) und Mischkopfschmerz (ICD-
10 G44.8). Die Gutachterinnen und Gutachter erachteten A._ in
der Tätigkeit als Informatik-Techniker zu 60 % arbeitsfähig. In einer
leidensangepassten Tätigkeit wiesen sie eine Arbeitsfähigkeit von 70 %
aus, wobei es aufgrund des Berichts von lic. phil. C._ gute
Hinweise dafür gebe, dass diese bereits ab dem 6. Mai 2020 gelte.
4. Mit Vorbescheid vom 23. August 2021 stellte die IV-Stelle A._ die
Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht. Begründend führte sie
namentlich aus, seit dem Unfall am 9. August 2019 habe bei A._
eine gewisse Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden. Ihre
Abklärungen hätten nun ergeben, dass ihm bereits ab dem 6. Mai 2020
sowohl die früher erlernte Tätigkeit als Informatik-Techniker als auch jede
andere Tätigkeit wieder im Ausmass von 70 % auszuüben möglich
gewesen wäre. Gestützt darauf sowie aufgrund von fehlenden Angaben
lasse sich der Invaliditätsgrad anhand der Lohnstrukturerhebung (LSE)
des Bundesamts für Statistik (BfS), Total aller Wirtschaftszweige,
Kompetenzniveau 1 für einfache Arbeiten, männlich, 100 %-Pensum und
in Gegenüberstellung ebenfalls gemäss LSE, Kompetenzniveau 1 für
einfache Arbeiten, männlich zu den erwähnten 70 % berechnen, was
einen Invaliditätsgrad von 30 % ergebe. Dieser sei nicht
rentenbegründend, wodurch die Anspruchsvoraussetzungen für den
Bezug von Rentenleistungen nicht erfüllt seien. Mit Verfügung vom
4. Oktober 2021 entschied die IV-Stelle wie vorbeschieden und verneinte
einen Anspruch auf eine Invalidenrente.
5. Dagegen liess A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am
8. November 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden erheben und in Aufhebung der Verfügung vom 4. Oktober
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2021 namentlich beantragen, ihm sei eine Dreiviertelsrente zuzusprechen.
Eventualiter sei die Angelegenheit an die IV-Stelle zur Neubeurteilung
zurückzuweisen und ein neues, unabhängiges medizinisches Gutachten
anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche
Prozessführung und Verbeiständung. Zur Begründung machte er im
Wesentlichen geltend, sein Hausarzt Dr. med. D._ und die
Neurologin Dr. med. E._ erachteten ihn zu 100 % arbeitsunfähig,
was der im polydisziplinären Gutachten ausgewiesenen Arbeitsfähigkeit
von 60 % im angestammten Beruf als Informatiker genauso wie der von
der IV-Stelle angenommenen Arbeitsfähigkeit von 70 % in jeglicher
Tätigkeit stark widerspreche. Zudem dürfte es aufgrund des
gutachterlichen Anforderungsprofils für ihn kaum Jobs in der
Privatwirtschaft geben. Schliesslich sei für die Bemessung des
Valideneinkommens auf das von ihm im Jahre 2004 tatsächlich erzielte
und seinen Fähigkeiten als ausgewiesener Spezialist im Bereich der
Softwareprogrammierung entsprechende Einkommen abzustellen,
woraus teuerungsbereinigt ein Betrag von CHF 147'135.-- resultiere.
Selbst wenn aber der LSE-Tabellenlohn als Basis für die Berechnung
beigezogen würde, wäre auf das Kompetenzniveau 4 in seiner
angestammten Tätigkeit als Informatiker abzustellen, was ein
Valideneinkommen von mindestens CHF 115'356.-- ergäbe.
6. Mit Vernehmlassung vom 13. Dezember 2021 schloss die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde.
Hinsichtlich der Bemessung des Valideneinkommen hielt sie daran fest,
dass dieses korrekterweise gestützt auf das Kompetenzniveau 1
berechnet worden sei, da der Beschwerdeführer in den letzten 15 Jahren
nicht mehr als Informatik-Techniker wie von 2001 bis 2004 gearbeitet,
sondern schwankend und abwechselnd verschiedene Berufe ausgeübt
habe. Ausserdem hielt sie dafür, dass die Schlussfolgerungen des
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Hausarztes und der Neurologin nur bedingt schlüssig und nachvollziehbar
seien.
7. Der Beschwerdeführer hielt in seiner Replik vom 10. Januar 2022 an
seinen Anträgen fest und vertiefte seine Argumentation. Am 20. Januar
2022 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer
Duplik.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die
angefochtene Verfügung vom 4. Oktober 2021 sowie die weiteren Akten
wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 4. Oktober 2021. Eine solche
Anordnung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das
Versicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann
beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als das örtlich und
sachlich zuständige Versicherungsgericht angefochten werden (vgl.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG;
BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formeller und
materieller Verfügungsadressat ist der Beschwerdeführer von der
angefochtenen Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Er ist somit
zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59
ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht
(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61
lit. b ATSG). Darauf ist somit einzutreten.
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2.1. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage des Anspruchs des
Beschwerdeführers auf eine Rente der Invalidenversicherung, welcher
infolge der Anmeldung im Juni 2020 gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens
am 1. Dezember 2020 entstehen konnte. Anspruch auf eine Invalidenrente
haben Versicherte von vornherein nur dann, wenn sie während eines
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 %
arbeitsunfähig gewesen sind (sog. Wartejahr) und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (siehe Art. 28 Abs. 1 IVG).
Vorliegend ging die Beschwerdegegnerin ausweislich der Akten davon
aus, dass das Wartejahr im August 2020 erfüllt war (siehe IV-act. 66 S. 15
f). Indes verneinte sie in der angefochtenen Verfügung vom 4. Oktober
2021 das Vorliegen eines rentenbegründenden Invaliditätsgrads, da
gemäss ihren Abklärungen bereits ab dem 6. Mai 2020 sowohl in der
früher erlernten Tätigkeit als Informatik-Techniker als auch in jeder
anderen Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70 % vorgelegen habe und aus
einem Einkommensvergleich per 2021 nur ein Invaliditätsgrad von 30 %
resultierte (Valideneinkommen: CHF 69'759.--, Invalideneinkommen:
CHF 48'831.30; siehe IV-act. 65 S. 1 f.).
2.2. Uneinig sind sich die Parteien hinsichtlich der (Rest-)Arbeitsfähigkeit in
einer leidensadaptierten Tätigkeit, der weiteren Bemessung des
Invalideneinkommens, namentlich der Verwertbarkeit der (Rest-
)Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, sowie der
Bemessung des Valideneinkommens.
2.3. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem
1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG)
und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in
Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Gemäss lit. c der
Übergangsbestimmungen des IVG zur Änderung vom 19. Juni 2020 gilt
für Rentenbezügerinnen und -bezüger, deren Rentenanspruch vor dem
Inkrafttreten dieser Änderung entstanden ist und die bei Inkrafttreten
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dieser Änderung das 55. Altersjahr vollendet haben, das bisherige Recht.
Vorliegend konnte – wie bereits dargelegt – der Rentenanspruch
frühestens am 1. Dezember 2020 entstehen und der Beschwerdeführer
war am 1. Januar 2022 bereits über 55 Jahre alt. Demnach finden die bis
zum 31. Dezember 2021 gültigen Bestimmungen Anwendung.
3.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachpersonen zur Verfügung stellen.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu
beschreiben. Dies bedeutet in erster Linie, mit den Mitteln fachgerechter
ärztlicher Untersuchungen unter Berücksichtigung der subjektiven
Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose
zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson
hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr
nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst sie gibt
eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich
begründet bzw. nimmt sie dazu Stellung, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist.
Insoweit sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (siehe BGE 145 V 364 E.3.2.1 f., 140 V
193 E.3.1 f. und 132 V 93 E.4; Urteile des Bundesgerichts 8C_569/2021
vom 2. Februar 2022 E.3.2.2, 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2,
8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E.2.4, 8C_47/2021 vom 18. März 2021
E.5.2.3).
3.2. Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den
Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien
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Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel
– frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von
wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische
These abstellt (siehe BGE 143 V 124 E.2.2.2 und 125 V 351 E.3a).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach
entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl.
BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a; Urteile des Bundesgerichts
8C_380/2021 vom 21. Dezember 2021 E.3.2, 8C_173/2021 vom
25. Oktober 2021 E.4.1, 8C_101/2021 vom 25. Juni 2021 E.5.1,
8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2, 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021
E.2.4). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit
weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a und 122 V 157 E.1c).
3.3. Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für
die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche
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Zusammenstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E.3b mit
zahlreichen Hinweisen). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in
die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125
V 351 E.3b/bb; siehe auch Urteile des Bundesgerichts 8C_33/2021 vom
31. August 2021 E.2.2.2 und 9C_257/2020 vom 23. Juli 2020 E.3.2). In
Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll der Richter
auch der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde Ärzte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (siehe BGE 135
V 465 4.5, 125 V 351 E.3b/cc). Insbesondere lässt es die unterschiedliche
Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person
einerseits und der Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
fachmedizinischen Experten (vgl. dazu BGE 124 I 170 E.4) andererseits
nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu
stellen und zum Anlass für weitere Abklärungen zu nehmen, wenn die
behandelnden Arztpersonen oder Therapiekräfte zu anderslautenden
Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben immerhin die Fälle, in
denen sich eine vom (amtlichen) Gutachten abweichende Beurteilung
aufdrängt, weil die Berichte der behandelnden Ärzte wichtige – nicht rein
der subjektiven Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei
der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (siehe
Urteile des Bundesgerichts 8C_491/2021 vom 20. Dezember 2021 E.4.1,
8C_277/2021 vom 25. August 2021 E.3 und 8C_105/2021 vom 8. Juni
2021 E.3).
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3.4. Insofern ist vorliegend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf
das medexperts-Gutachten vom 22. Juli 2021 abgestellt hat oder ob
konkrete Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit sprechen bzw. dieses von
den übrigen medizinischen Akten derart in Zweifel gezogen wird, dass von
der 70%igen Arbeitsfähigkeitsschätzung in adaptierter Tätigkeit ab Mai
2020 abzuweichen wäre.
3.5. Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde geltend, die
gutachterliche Arbeitsfähigkeitseinschätzung stehe in starkem
Widerspruch zu jener seines Hausarztes Dr. med. D._ und der
Neurologin Dr. med. E._, welche ihm eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestierten. Dabei übersieht er jedoch, dass die
medexperts-Gutachterinnen und Gutachter sich in ihrer Beurteilung in
Kenntnis der medizinischen Vorakten (siehe dazu IV-act. 63 S. 60 ff.),
insbesondere auch der Berichte von Dr. med. D._ und Dr. med.
E._ vom 1. Juli 2020 (siehe IV-act. 63 S. 71) sowie den
Arbeitsunfähigkeitszeugnissen von Dr. med. D._ (siehe IV-act. 63
S. 60 bis 62), sorgfältig mit seinen gesundheitlichen Einschränkungen
auseinandergesetzt und ihre Schlussfolgerungen gestützt auf die eigenen
klinischen, bildgebenden und laborchemischen Untersuchungen getroffen
haben (vgl. etwa IV-act. 63 S. 21 ff., S. 34 ff., S. 44 f. und S. 52 ff.). Dabei
berücksichtigten und untersuchten sie namentlich auch die von Dr. med.
D._ in seinem Bericht vom 1. Juli 2020 (siehe IV-act. 40 S. 2 ff.)
ausgewiesene Symptomatik, wie Nacken-, Schulter-, Kopf- und
Rückenschmerzen, Konzentrationsprobleme, Seh- und Schlafstörungen,
Taubheitsgefühle in den Händen sowie generalisierte Gelenkschmerzen
(vgl. dazu IV-act. 63 S. 5 ff., S. 21, S. 34 ff., S. 41, S. 54 und S. 79). Auch
flossen die vom Beschwerdeführer gemachten Angaben zur
Krankheitsentwicklung und zum jetzigen Leiden in die Gesamtbeurteilung
zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeitseinschätzung mit ein
(vgl. IV-act. 63 S. 16 ff., S. 30 ff., S. 40 f., S. 48 ff. und S. 75 f.). Die
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gutachterlichen Ausführungen zur Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge sind einleuchtend und die gezogenen
Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand sowie zur
versicherungsrechtlich relevanten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (in
einer adaptierten Tätigkeit) nachvollziehbar begründet (vgl. IV-act. 63 S. 5
ff., S. 25 ff., S. 35 ff., S. 45 f., S. 54 ff. und S. 79 f.). Ferner ist das
Gutachten für die streitigen Belange umfassend. In der
Konsensbeurteilung wiesen die Gutachterinnen und Gutachter folgende
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aus:
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21),
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10 F45.41), leichtes kognitives Defizit vermutlich hirntraumatischer
Genese bei St. n. Schädel-Hirn-Trauma 1997 (ICD-10 F06.7) und
Mischkopfschmerz (ICD-10 G44.8) mit v.a. chronischen
Spannungskopfschmerzen (ICD-10 G44.2),
Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz (ICD-10 G44.4) und HWS-
bedingtem Kopfschmerz (ICD-10 M53.0) (siehe IV-act. 63 S. 6). Den
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wiesen sie unter
anderem das Fibromyalgiesyndrom, den Status nach Commotio cerebri
1977 und 2015 sowie jenen nach HWS-Distorsion 1977, 1997, 2015 und
2019 bei HWS-Degeneration mit möglicher C5-Kompromittierung, die
degenerativen HWS- und LWS-Syndrome, die degenerativen
Schultergelenksveränderungen links sowie das leichte obstruktive
Schlafapnoesyndrom zu (siehe IV-act. 63 S. 7). Dazu führten sie
nachvollziehbar aus, Hinweise auf ein Erkrankungsbild aus dem
rheumatologischen Formenkreis ergäben sich beim Beschwerdeführer
nicht. Die grossen Gelenke seien beidseits frei beweglich ohne
Bewegungseinschränkungen. Auch bestehe keine myostatische
Insuffizienz. Hinsichtlich der Wirbelsäule gebe es keine Hinweise auf eine
neuroradikuläre Ausfallsymptomatik. Belastungsabhängige C5-Irritationen
rechts seien möglich. Die überwiegend wahrscheinliche Ursache der
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berichteten sensiblen Störungen der Hände entstehe durch eine
Kompromittierung unterer Anteile des Plexus brachialis. Dadurch ergäben
sich Einschränkungen für Tätigkeiten über Kopf- bzw. Schulterhöhe. Die
Kriterien zur Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms seien bei subjektiver
Angabe von diffusen Schmerzen am ganzen Körper in Form des Wide-
spread-Pain-Indexes zwar erfüllt. Nicht sicher erkennen liessen sich aber
ausgeprägte Erschöpfbarkeit bzw. konsekutive kognitive Einbussen bei
kaum auffälligen Aktivitäten des täglichen Lebens resp. beim berichteten
Tagesablauf. Subjektiv werde aber mehrfach auf eine vermehrte
Erschöpfbarkeit hingewiesen. Dennoch sei die Diagnose einer
Fibromyalgie weder ganz eindeutig zu bestätigen noch sicher
auszuschliessen (siehe IV-act. 63 S. 5 und 36). Fatigue beruhe auf
subjektiven Angaben und sei durch technische Methoden objektivierbar.
Die Diagnose des Fibromyalgiesyndroms allein begründe beim
Beschwerdeführer keine Arbeitsunfähigkeit. Jedoch ergäben sich
aufgrund der dabei leichteren Schmerzempfindung Einschränkungen des
möglichen Belastungsprofils. Daher seien mittelschwere und schwere
Tätigkeiten nicht mehr zumutbar, weil durch die Gewichtsbelastung der
Schmerz rascher ausgelöst und verstärkt werde. Die Fibromyalgie zeige
Übergänge und Komorbiditäten mit psychisch bedingten Störungen in der
Schmerzempfindung. Beim Beschwerdeführer sei die Diagnose einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
festzustellen, denn die Diagnosekriterien nach ICD-10 seien hierfür erfüllt.
Durch die psychisch mitbestimmte Schmerzempfindung mit vermehrter
inhaltlicher Präsenz der Schmerzen im Denken komme es zur Reduktion
der Arbeitsfähigkeit, bedingt durch Einschränkungen wie vermehrte
Schmerzempfindung und verminderte Durchhaltefähigkeit. Insgesamt
verstärkend und zur Chronifizierung beitragend sei auch die schwierige
und angespannte psychosoziale Situation, welche zusätzlich Stress
auslöse. Darüber hinaus habe sich eine chronifiziert verlaufende
Anpassungsstörung entwickelt. Aus psychiatrischer Sicht seien die
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diagnostischen Kriterien für eine Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion erfüllt. Darunter werde ein vorübergehender Zustand
verstanden, in dem es der betroffenen Person nicht gelinge, sich mit
verschiedenen Belastungssituationen konstruktiv auseinanderzusetzen.
Symptome seien Angst und Depression. Zwar bestünden diese bei einer
Anpassungsstörung meist nur temporär, jedoch könne bei
Persönlichkeiten, auch wenn diese sonst gute Lösungsstrategien hätten,
das dauerhafte Einwirken von unangenehmen Reizen den
Kompensationsmechanismus überschreiten und so – wie im
Erkrankungsfall des Beschwerdeführers – zu einer länger anhaltenden
depressiven Reaktion führen. Da aber anhaltende weitere typische
depressive Symptome nicht geschildert würden, seien die diagnostischen
Kriterien für die Diagnose einer manifesten Depression nicht erfüllt. Durch
die Beeinträchtigungen der höheren psychischen Funktionen im Rahmen
der chronifizierten Anpassungsstörung und der chronischen
Schmerzstörung seien leichte bis mittelgradige Beeinträchtigungen der
Arbeitsfähigkeit in allen Tätigkeiten bedingt. Die beklagte erhöhte
Ermüdbarkeit sei aber psychiatrisch auch nicht sicher zu erklären. Dafür
wäre zunächst eine Abklärung einer Verursachung durch das aktuell
unbehandelte Schlafapnoesyndrom nötig. Nach dem Unfallereignis 1997
sei es zu einer Reduktion der neurokognitiven Leistungsfähigkeit
gekommen, die auch testpsychologisch belegt sei mit persistierender
Abnahme der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Informatik-Techniker. Aktuell zeigten sich in Übereinstimmung mit der
untersuchenden Neurologin Dr. med. E._ nach klinischen
Kriterien neurokognitive Einschränkungen, die aber klinisch – wie auch bei
den neuropsychologischen Vorbefunden – nur leichtgradig imponierten.
Die nach 1997 erlittenen weiteren Unfälle erklärten dagegen keine erneute
hirntraumatische Schädigung, insofern auch keine Zunahme der seit 1997
bestehenden neurokognitiven Defizite. Formell zeige sich jedoch bei der
aktuellen neuropsychologischen Begutachtung eine Verschlechterung,
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denn nun lägen mittelschwere bis schwere kognitive
Funktionseinschränkungen vor. Allerdings seien diese
Untersuchungsergebnisse nicht als valide einschätzen. Bei der
neuropsychologischen Untersuchung hätten sich nämlich Hinweise für
Symptomverdeutlichung gezeigt. Auch nach der Gesamtbeurteilung unter
Einbezug der Ergebnisse der Beschwerdevalidierung, des Testprofils und
der Verhaltensbeobachtung bestünden Zweifel an einer durchgängig
ausreichenden Mitwirkung des Beschwerdeführers in der Untersuchung.
Die Ausprägung der Einschränkungen zeigten sich auch mit den noch
vorhandenen Fähigkeiten des alltäglichen Lebens völlig inkonsistent, da
mit einer derart deutlichen neurokognitiven Einschränkung des
Beschwerdeführers die aktuell dargestellte Lebensführung mit Mithilfe im
Haushalt, Aufsicht der Kinder und Teilnahme als Autofahrer am
Kraftverkehr nicht leisten könnte. Ausfälle dieser Intensität würden zum
Beispiel bei Demenzen gefunden, wofür keinerlei Hinweise bestünden.
Allerdings sei zu berücksichtigen, dass durch die psychiatrischen
Diagnosen mit gestörter psychischer Befindlichkeit und betonter
Empfindung körperlicher Schmerzen wechselnd die neurokognitive
Funktion beeinträchtigt werden könne (bei seit 1997 vorbestehenden
leichteren hirntraumatisch bedingten Einschränkungen). Auch schlössen
nicht valide neuropsychologische Befunde Leistungseinschränkungen
nicht primär aus, jedoch müsse die integrierende Beurteilung der
medizintheoretischen Leistungsfähigkeit auch die auffällige
Symptomvalidierung berücksichtigen. Versicherte mit
neuropsychologischen Defiziten, chronischen Schmerzen und/oder
organischen Befunden würden auch nicht selten aggravieren. Aus den
beschriebenen Validierungsverfahren könne zunächst nur abgeleitet
werden, dass die beklagten Beschwerden und Funktionseinbussen nicht
in der angegebenen Ausprägung und/oder Qualität vorlägen. Schon Slick
habe im Rahmen seiner 1999 formulierten Kriterien berücksichtigt, dass
auffällige Ergebnisse in Beschwerdevalidierungsverfahren durchaus auch
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Ausdruck einer krankheitswerten Störung sein könnten. Jedoch gebe es
umgekehrt auch keine Belege dafür, dass psychische Erkrankungen
leichter bis mittelgradiger Ausprägung bei vorhandener
Anstrengungsbereitschaft – krankheitsbezogen – zu auffälligen
Resultaten in Performancevalidierungstests führten. Auch die beim
Beschwerdeführer vorliegende somatoforme Störung bzw.
Anpassungsstörung sollte grundsätzlich mit einer unauffälligen
Bewältigung üblicher Performancevalidierungstests vereinbar sein.
Hinsichtlich der berichteten Kopfschmerzsymptomatik sei ein
Mischkopfschmerz anzunehmen, der therapeutisch stabilisierbar sei. Eine
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit werde dadurch nicht eintreten, da diese
allein schon durch die überdauernden neurokognitiven Einschränkungen
eingeschränkt bleibe. Die heterogene Verursachung einschliesslich eines
dringenden Verdachts auf Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz
mache zudem eine komplexe Schmerztherapie nötig. Zusätzliche
Anstrengungskopfschmerzen führten zur Einschränkung für schwere
körperliche Tätigkeiten bei grundsätzlicher Behandlungsmöglichkeit mit
Betarezeptorenblockern. Aus allgemein-internistischer Sicht bestehe beim
Beschwerdeführer keine Diagnose mit relevanten Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit (siehe zum Ganzen IV-act. 63 S. 5 f.).
Mit Blick auf die funktionelle Auswirkungen der Diagnosen und Befunde
hielten die Gutachterinnen und Gutachter schlüssig fest, aufgrund der
leichten neurokognitiven Einschränkungen, bedingt hirntraumatisch sowie
im Rahmen der Körper- und Kopfschmerzen mit Verstärkung durch die
psychiatrische Erkrankungen (mit Einschränkungen der höheren
psychischen Funktionen) seien dem Beschwerdeführer nur noch geistig
nicht belastende Tätigkeiten (möglichst vorstrukturierte Tätigkeiten ohne
komplexe geistige Anforderungen, ohne Zeit- und Termindruck und mit
Möglichkeit zur Fremdkontrolle, ohne hohen Publikumsverkehr, möglichst
bei wohlwollenden Arbeitsbedingungen ohne spezielle Gefährdung und
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Überwachungsfunktion) möglich. Die Flexibilität zur Planung und
Strukturierung von Aufgaben sei leicht bis mittelgradig eingeschränkt. Die
Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sei mittelgradig eingeschränkt. Die
Anwendung fachlicher Kompetenzen sei nur mässig eingeschränkt. Die
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit seien dagegen mittelgradig
beeinträchtigt. Das Durchhaltevermögen sei mässig, die
Selbstbehauptungsfähigkeit leicht beeinträchtigt. Die Gruppenfähigkeit sei
leicht eingeschränkt, teilweise gebe es Probleme in der Beziehung zu
vertrauten Menschen. Die Fähigkeit zu Spontanaktivitäten sei ebenfalls
mässig eingeschränkt. Aufgrund der degenerativen Veränderungen am
Skelett einschliesslich der Halswirbelsäule und Lendenwirbelsäule seien
auch ständig mittelschwere wie auch schwere Tätigkeiten nicht zumutbar.
Dasselbe gelte für Wirbelsäulenzwangshaltungen bzw. Tätigkeiten in
unergonomischer Haltung. Bei reiner Bürotätigkeit sollte auf eine
ergonomische Ausrichtung des Arbeitsplatzes geachtet werden. Nicht
möglich sei wegen der Rumpfataxie das Überwinden von
Höhendifferenzen. Das Treppensteigen sei dagegen möglich. Im Hinblick
auf die kostoklavikuläre Engpasssituation des Plexus brachialis seien
keine Tätigkeiten mit längerem Hochheben der Arme bzw. Tätigkeiten mit
den Armen über Schulterhöhe anzuraten (siehe IV-act. 63 S. 8).
Aufgrund dieser Ausführungen und der vorhandenen Ressourcen und
Belastungsfaktoren (vgl. hierzu IV-act. 63 S. 9) erscheint es plausibel,
wenn die Gutachterinnen und Gutachter dem Beschwerdeführer
insbesondere in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit
von 70 % ab dem 6. Mai 2020 attestierten (siehe IV-act. 63 S. 10 ff.).
3.6. Wenn nun Dr. med. D._ eine andere Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit trifft (vgl. dazu etwa Arztberichte vom 18. Juni 2021 und
1. Juli 2020 in den Akten des Beschwerdeführers [Bf-act.] 6 und 7 sowie
die Arbeitsunfähigkeitszeugnisse vom 2. November 2021 [Bf-act. 5], vom
12. Juni 2020 sowie 6. Mai 2020 [Bf-act. 8), ist dem sich darauf
- 17 -
abstützenden Beschwerdeführer entgegenzuhalten, dass ärztliche
Beurteilungen von der Natur der Sache her unausweichlich
Ermessenzüge aufweisen, die es bei einer lege artis erfolgten Beurteilung
grundsätzlich zu respektieren gilt (vgl. BGE 145 V 361 E.4.1.2 und 4.3,
140 V 193 E.3.1 sowie 137 V 210 E.3.4.2.3; Urteile des Bundesgerichts
8C_153/2021 vom 10. August 2021 E.5.3.2, 8C_138/2021 vom 7. Juni
2021 E.4.2 und 8C_699/2018 vom 28. August 2019 E.4.2.2). Nur weil ein
behandelnder Arzt, der ausserdem Allgemeinmediziner ist und seine vom
Beschwerdeführer ins Recht gelegten Arbeitsunfähigkeitsatteste bzw.
Berichte nicht bzw. nicht näher substanziiert (vgl.
Arbeitsunfähigkeitszeugnisse vom 2. November 2021 [Bf-act. 5], vom
12. Juni 2020 und 6. Mai 2020 [Bf-act. 8] sowie der Berichte vom 18. Juni
2021 [Bf-act. 7] und vom 1. Juli 2020 [Bf-act. 6]), zu einer anderen
Einschätzung gelangt bzw. an vorgängig geäusserten, abweichenden
Auffassungen festhält, kann dies nicht zum Anlass weiterer Abklärungen
genommen werden. Dr. med. D._ bringt denn auch nichts vor,
was bei der gutachterlichen Beurteilung durch die Fachärzte der
medexperts AG unerkannt oder ungewürdigt geblieben sein soll (vgl.
BGE 135 V 465 E.4.5 f.; Urteile des Bundesgerichts 8C_308/2021 vom
4. Oktober 2021 E.5.1.2, 8C_313/2020 vom 12. August 2020 E.8.2.3,
8C_143/2019 vom 21. August 2019 E.4.4.1 und 8C_379/2019 vom
21. August 2019 E.2). Dasselbe gilt mit Blick auf die konsiliarische
Beurteilung der Neurologin Dr. med. E._ vom 1. Juli 2020 (siehe
Bf-act. 11 und IV-act. 40 S. 61 ff.). So haben sich die medexperts-
Gutachterinnen und Gutachter in der Konsensbeurteilung im Allgemeinen
sowie in den neurologischen, rheumatologischen und psychiatrischen
Teilgutachten im Speziellen namentlich mit den chronischen
generalisierten Schmerzen und den Unfallfolgen – hinsichtlich der
neurokognitiven Einschränkungen mitunter unter ausdrücklicher
Bezugnahme auf Dr. med. E._ – auseinandergesetzt (vgl. IV-
act. 63 S. 5 ff., S. 22 ff., S. 26 f., S. 35 ff., S. 54, S. 58 und 71). Dabei
- 18 -
erweisen sich namentlich die gutachterlichen Ausführungen zu den
neuropsychologischen Untersuchungsergebnissen als nachvollziehbar,
weshalb der ohnehin nicht substanziiert vorgebrachten, gegenteiligen
Auffassung des Beschwerdeführers nicht gefolgt werden kann.
Ausserdem leuchtet nicht ein, weshalb bei den von Dr. med. E._
erhobenen Untersuchungsbefunden (wie massive cervicale Myogelosen
vor allem im Bereich des Musculus trapezius beidseits, diffuse
Kraftminderung beider oberen Extremitäten bei starken Schmerzen,
schmerzhafte Einschränkung der Schulterbeweglichkeit links,
Hyposensibilität über dem Musculus deltoideus links, schwerfällige
Bewegungen der unteren Extremitäten bei starken Schmerzen und
schwerfällig wirkendes Gangbild), soweit diese nicht ohnehin den
subjektiven Angaben des Beschwerdeführers entspringen, im Bericht vom
1. Juli 2020 darauf geschlossen wird, dass die Wiederaufnahme einer
beruflichen Tätigkeit, unabhängig von der Tätigkeit, – mithin jeglicher
Arbeit – unrealistisch bzw. eine Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit nicht
zu erwarten sei (siehe Bf-act. 11 S. 3, IV-act. 40 S. 63). Vielmehr
erscheinen auch bei dieser Befundung die im medexperts-Gutachten vom
22. Juli 2021 als leidensadaptiert ausgewiesene Tätigkeiten,
insbesondere keine laufend mittelschwere oder schwere körperliche
Tätigkeit ohne Wirbelsäulenzwangshaltungen bzw. Tätigkeiten in
unergonomischer Haltung, keine Tätigkeiten mit längerem Hochheben der
Arme und mit den Armen über Schulterhöhe sowie keine Tätigkeiten mit
Überwindung von Höhendifferenzen (siehe IV-act. 63 S. 11) als zumutbar.
3.7. Insgesamt ergibt sich daher, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers
und die von ihm beigebrachten Berichte und Atteste namentlich von
Dr. med. D._ und Dr. med. E._ nicht geeignet sind, den
Beweiswert des medexperts-Gutachtens vom 22. Juli 2021 zu schmälern.
Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin auf die
darin ausgewiesene 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
- 19 -
Tätigkeit ab dem 6. Mai 2020 abstellte. Dass sie in der angefochtenen
Verfügung vom 4. Oktober 2021 zum Abklärungsergebnis ausführte, der
Beschwerdeführer sei gemäss ihren Abklärungen bereits seit dem 6. Mai
2020 sowohl in der früher erlernten Tätigkeit als Informatik-Techniker als
auch in jeder anderen Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig (siehe IV-act. 65
S. 1), erweist sich – wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt – zwar
als aktenwidrig, attestierten die medexperts-Gutachterinnen und
Gutachter dem Beschwerdeführer in der Tätigkeit als Informatik-Techniker
doch eine Arbeitsfähigkeit von 60 % und nur für leidensangepasste – nicht
jegliche Tätigkeiten – sowie die "aktuelle, angestammte Tätigkeit
(ungelernte Hilfsarbeiten)" eine solche von 70 % (siehe IV-act. 63 S. 10 f.,
19, 32, 42, 50 und 74 f. sowie IV-act. 66 S. 11 f. und 13 f.). Diese
fehlerhaften Ausführungen hatten aber keine Auswirkung auf die
Bemessung des Invalideneinkommens, da dieses auf der Grundlage der
gutachterlich ausgewiesenen 70%igen Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit anhand des LSE-Tabellenlohns im Kompetenzniveau 1 ermittelt
wurde (siehe IV-act. 65 S. 1 f. und IV-act. 66 S. 16). Vor diesem
Hintergrund kann auf die beantragten Beweisvorkehrungen, insbesondere
die Einholung eines medizinischen Gutachtens sowie die
Parteibefragungen, verzichtet werden, zumal das streitberufene Gericht
aufgrund der bereits abgenommenen Beweise seine Überzeugung
gebildet hat und annehmen darf, dass diese Überzeugung durch weitere
Beweiserhebungen nicht geändert würde (vgl. BGE 144 II 427 E.3.1.3,
141 I 60 E.3.3, 136 I 229 E.5.3 und 134 I 140 E.5.3; Urteile des
Bundesgerichts 8C_411/2021 vom 27. August 2021 E.4.3.2,
9C_319/2020 vom 19. August 2020 E.2.2, 9C_89/2020 vom 18. Juni 2020
E.4.8 und 8C_709/2019 vom 19. Mai 2020 E.4.2.4).
4. Im Weiteren macht der Beschwerdeführer hinsichtlich der Bemessung des
Invalideneinkommens geltend, gestützt auf das gutachterlich definierte
- 20 -
Zumutbarkeitsprofil dürfte für es ihn in der Privatwirtschaft kaum Jobs
geben.
4.1. Soweit der Beschwerdeführer damit die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit in Abrede stellt, ist ihm entgegenzuhalten, dass der
Referenzpunkt dafür nicht die Privatwirtschaft, sondern der hypothetisch
ausgeglichene Arbeitsmarkt ist (vgl. Art. 7 Abs. 1 und Art. 16 ATSG;
Urteile des Bundesgerichts 8C_202/2021 vom 17. Dezember 2021 E.5.1,
8C_811/2018 vom 10. April 2019 E.4.4.1 f., 8C_611/2018 vom 7. Januar
2019 E.4.3 und 8C_187/2018 vom 10. September 2018 E.2). Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts handelt es sich dabei um einen
theoretischen abstrakten Begriff, der dazu dient, den Leistungsbereich der
Invalidenversicherung von demjenigen der Arbeitslosenversicherung
abzugrenzen. Der Begriff umschliesst einerseits ein bestimmtes
Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach
Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner
Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und zwar
sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen
Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach
diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person
die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten (siehe
BGE 134 V 64 E.4.2.1, 110 V 273 E.4b; Urteile des Bundesgerichts
8C_202/2021 vom 17. Dezember 2021 E.5.1, 8C_710/2018 vom
30. Januar 2019 E.7.1 und 8C_458/2018 vom 23. Oktober 2018 E.4.2;
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVGE] I 350/89 vom
30. April 1991 E.3b, in: ZAK 1991 S. 318 ff. S. 320 f.). Daraus folgt, dass
für die Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen ist, ob eine invalide
Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden
kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch
wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem
Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (vgl. Urteile des
- 21 -
Bundesgerichts 8C_231/2010 vom 12. Juli 2010 E.3.1, 9C_610/2007 vom
23. Oktober 2007 E.4.2, je m.H. auf EVGE I 198/97 vom 7. Juli 1998 E.3b,
in: AHI-Praxis 6/1998 S. 287 ff. S. 291). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt
umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Arbeitsangebote, bei
welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des
Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann dann
nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein
ausgeschlossen erscheint (siehe Urteile des Bundesgerichts
8C_369/2021 vom 28. Oktober 2021 E.6.4, 8C_170/2021 vom
23. September 2021 E.5.1.1 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1).
Art und Mass dessen, was einem Versicherten an Erwerbstätigkeit noch
zugemutet werden kann, richtet sich nach seinen besonderen
persönlichen Verhältnissen einerseits und nach den allgemein
herrschenden Auffassungen andererseits (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_170/2021 vom 23. September 2021 E.5.1.1 und 8C_416/2020 vom
2. Dezember 2020 E.4). Für die Beurteilung der Zumutbarkeit ist letztlich
insofern eine objektive Betrachtungsweise massgebend, als es nicht auf
eine bloss subjektiv ablehnende Bewertung der infrage stehenden
Erwerbstätigkeit durch die Versicherte ankommt (siehe
MEYER/REICHMUTH, in: Stauffer/Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 28a
Rz. 28 m.H.a. BGE 109 V 25 [E.3c]).
4.2. Vorliegend wurde im medexperts-Gutachten vom 22. Juli 2021 ein
Belastungsprofil definiert. Danach sind leicht erlernbare, geistig nicht
fordernde Tätigkeiten, die vorgegebenen Abläufen folgen, seriell und ohne
- 22 -
Zeitdruck sowie ohne Eigen- und Fremdgefährdung, ohne
Überwachungstätigkeiten, möglichst mit der Möglichkeit der
Fremdkontrolle sowie selbstbestimmbaren, zusätzlichen Pausen bei
wohlwollender Arbeitsatmosphäre, ohne Tätigkeiten mit der Überwindung
von Höhendifferenzen (Treppensteigen ist davon ausgenommen), ohne
Tätigkeiten mit längerem Hochheben der Arme und mit den Armen über
Schulterhöhe, ohne laufend mittelschwere oder schwere körperliche
Tätigkeiten mit Wirbelsäulenzwangshaltungen bzw. ohne Tätigkeiten in
unergonomischer Haltung, möglichst ohne Arbeiten mit intensivem
Publikumsverkehr zumutbar (siehe IV-act. 63 S. 11). Auch wenn diese
Anforderungen ein Erschwernis darstellen, kann nicht gesagt werden,
dass die zumutbare Tätigkeit nur noch in so eingeschränkter Form möglich
ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_170/2021 vom 23. September 2021
E.5.1.1, 9C_644/2019 vom 20. Januar 2020 E.4.2 8C_143/2019 vom
21. August 2019 E.5.2, 8C_458/2018 vom 23. Oktober 2018 E.4.1 ff. und
9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1). Vielmehr umfasst das hier
anwendbare Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder
handwerklicher Art) auch dem Beschwerdeführer zumutbare geistig nicht
fordernde, strukturierte und geordnete Tätigkeiten mit überschaubaren
Abläufen sowie eine Vielzahl von körperlich leichten und teilweise
sitzenden Tätigkeiten ohne starken Zeitdruck umfasst (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 9C_488/2021 vom 10. Januar 2022 E.3.2.2, 8C_369/2021
vom 28. Oktober 2021 E.8.2.2, 8C_143/2021 vom 7. Juni 2021 E.4.3.2,
8C_139/2020 vom 30. Juli 2020 E.6.3.3, 8C_495/2019 vom 11. Dezember
2019 E.4.2.1 f., 8C_528/2019 vom 12. November 2019 E.4.1 und 4.2.2
sowie 8C_219/2019 vom 30. September 2019 E.5.2). Zu denken wäre
beispielsweise an leichte Sortier- oder Prüffunktionen sowie leichte
Montagearbeiten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_202/2021 vom
17. Dezember 2021 E.5.3, 8C_535/2021 vom 25. November 2021 E.5.4.3
und 9C_574/2019 vom 16. Oktober 2019 E.2.3). Zudem kann auf dem
- 23 -
ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers (Nischenarbeitsplätze) gerechnet werden (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_269/2021 vom 1. Dezember 2021 E.3.2,
8C_627/2021 vom 25. November 2021 E.4.2, 8C_170/2021 vom
23. September 2021 E.5.1.1 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1).
Dass der für den Beschwerdeführer nötige Betreuungsaufwand derart
gross wäre, dass ein entsprechendes Entgegenkommen
realistischerweise von einem durchschnittlichen Arbeitgeber auf dem
ersten Arbeitsmarkt nicht erwartet werden kann (vgl. ähnlich Urteile des
Bundesgerichts 9C_644/2019 vom 20. Januar 2020 E.4.3.2 und
9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.5 m.H.a. 9C_277/2016 vom
15. März 2017 E.4.3), ist nicht ersichtlich. Insofern stehen dem
Beschwerdeführer auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend
Einsatzmöglichkeiten in einer leidensadaptierten Tätigkeit offen.
4.3. Allerdings ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des
Einkommensvergleichs, der Erstattung des medexperts-Gutachtens vom
22. Juli 2021 und als die angefochtene Verfügung am 4. Oktober 2021
erging bereits weit über 50 Jahre alt war (vgl. hierzu BGE 146 V 16 E.7.1
und Urteile des Bundesgerichts 8C_627/2021 vom 25. November 2021
E.6.1, 8C_587/2019 vom 30. Oktober 2019 E.7.3 und 9C_459/2019 vom
5. November 2019 E.5.3 m.H.a. 8C_766/2017, 8C_773/2017 vom 30. Juli
2018 E.8.6) und über die Verrichtung körperlich leichter Tätigkeiten hinaus
in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (vgl. die Rechtsprechung,
wonach ein Leidensabzug in Frage kommt, wenn eine versicherte Person
selbst im Rahmen einer körperlich leichten Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist und dies nicht bereits in der
Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit eingeflossen ist: BGE 146
V 16 E.4.1 und 126 V 75 E.5a/bb; Urteile des Bundesgerichts
8C_115/2021 vom 10. August 2021 E.3.2.1 und 9C_283/2020 vom
17. August 2020 E.7.1.1). So ist er zusätzlich insbesondere auf Tätigkeiten
- 24 -
mit einem überschaubaren, geordneten Arbeitslauf, ohne starken
Zeitdruck mit der Möglichkeit der Fremdkontrolle sowie
selbstbestimmbaren, zusätzlichen Pausen bei wohlwollender
Arbeitsatmosphäre angewiesen (vgl. das in der vorstehenden
Erwägung 4.2 beschriebene Zumutbarkeits-/Belastungsprofil). Insofern
erscheinen die funktionellen Einschränkungen des Beschwerdeführers
nicht ohne Weiteres mit den gewöhnlichen betrieblichen Anforderungen
vereinbar und sind auch noch nicht vollständig durch die medizinisch
theoretische Arbeitsfähigkeitsschätzung abgedeckt, weshalb sich ein
Leidensabzug von insgesamt 5 % als angemessen erweist (vgl. Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 19 72 vom 9. Juni
2020 E.6.3). Dies auch wenn die durch ein psychisches Leiden bedingte
Rücksichtnahme durch den Vorgesetzten und Arbeitskollegen für sich
alleine noch keinen eigenständigen abzugsfähigen Umstand darstellt und
sich ein fortgeschrittenes Lebensalter im Bereich der Hilfskräfte bzw.
Stellen ohne Kaderfunktion eher lohnerhöhend auswirkt (siehe Urteile des
Bundesgerichts 9C_488/2021 vom 10. Januar 2022 E.3.2.2, 9C_206/2021
vom 10. Juni 2021 E.4.4.5 und 9C_702/2020 vom 1. Februar 2021
E.6.3.2; siehe auch LSE 2018, Tabelle TA9 sowie die dem
Kompetenzniveau 1 zuzuordnende Berufshauptgruppe 9
"Hilfsarbeitskräfte" in der Tabelle T17).
4.4. Das Invalideneinkommen beläuft sich somit per 2020 auf CHF 45'857.70
(CHF 5'417.-- [LSE 2018, Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Zeile "Total",
Männer] : 40 x 41.7 [Anpassung an betriebsübliche Arbeitszeit] x 1.009117
x 1.0084 [Nominallohnentwicklung] x 12 x 0.7 [Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit] x 0.95 [Abzug von 5 % vom Tabellenlohn]).
5. Rechtsprechungsgemäss hat der Einkommensvergleich in der Regel in
der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
- 25 -
Invaliditätsgrad bestimmen lässt (siehe Urteil des Bundesgerichts
8C_176/2021 vom 18. Mai 2021 E.5.2.2). Der Invaliditätsgrad ist durch
Prozentvergleich (siehe dazu BGE 114 V 310 E.3a und 104 V 135 E.2b;
Urteile des Bundesgerichts 8C_285/2020 vom 15. September 2020 E.4.1,
9C_271/2018 vom 19. März 2019 E.3.1, 9C_267/2018 vom 29. Juni 2018
E.2.1, 9C_804/2016 vom 10. April 2017 E.2.2 und 9C_532/2016 vom
25. November 2016 E.3.1; MEYER/REICHMUTH, in: Stauffer/Cardinaux
(Hrsg.), a.a.O., Art. 28a Rz. 36 ff.) zu ermitteln, wenn Validen- und
Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit
unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem
Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach
Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit
Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein
ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist
insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen,
dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den
Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50
und 40 Prozent (siehe Art. 28 Abs. 2 IVG in der bis am 31. Dezember 2021
gültigen Fassung) eindeutig über- oder unterschreitet (siehe Urteile des
Bundesgerichts 8C_285/2020 vom 15. September 2020 E.4.1,
9C_228/2019 vom 27. August 2019 E.4.1, 9C_492/2018 vom 24. Januar
2019 E.4.3.2 m.H.). Davon ist jedoch die Konstellation zu unterscheiden,
in welcher der Invaliditätsgrad bei Anwendung desselben statistischen
Durchschnittlohnes als Basis (rechnerisch vereinfacht) mit dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom
Tabellenlohn gleichgesetzt werden kann (siehe dazu Urteile des
Bundesgerichts 9C_368/2019 vom 8. Oktober 2019 E.4.2, 8C_148/2017
vom 19. Juni 2017 E.4, 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E.3.2.1 und
9C_882/2010 vom 25. Januar 2011 E.7.1 ff. sowie Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 1/03 vom 15. April 2003 E.5.2;
vgl. aber Urteile des Bundesgerichts 9C_478/2021 vom 11. November
- 26 -
2021 E.5.2.1, 9C_15/2020 vom 10. Dezember 2020 E.4.2.1 und
8C_296/2020 vom 25. November 2020 E.6.1). Denn die entsprechende
Rechnung lässt sich bei identischer Basis der Vergleichseinkommen
folgendermassen vereinfachen: 1 - (Grad der Arbeitsfähigkeit [{100 % -
Grad der Arbeitsunfähigkeit in %} : 100] x Reduktionsfaktor infolge eines
allfälligen Leidensabzugs [{100 % - Leidensabzug in %} : 100]).
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die
versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns
überwiegend wahrscheinlich als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei
wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der
realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es
der Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (siehe BGE 144 I 103
E.5.3, 139 V 28 E.3.3.2, 134 V 322 E.4.1; Urteile des Bundesgerichts
9C_478/2021 vom 11. November 2021 E.5.3.1 f. und 8C_720/2020 vom
8. Januar 2021 E.8.1). Fehlen aussagekräftige konkrete Anhaltspunkte für
die Einkommensermittlung, so ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte
zurückzugreifen, wie sie in der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
(LSE) enthalten sind (siehe Urteil des Bundesgerichts 8C_152/2021 vom
8. Juni 2021 E.3.1). Da die Invalidität der voraussichtlich bleibenden oder
längere Zeit dauernden Erwerbsunfähigkeit zu entsprechen hat (vgl. Art. 8
Abs. 1 ATSG), ist auch die berufliche Weiterentwicklung zu
berücksichtigen, die eine versicherte Person normalerweise vollzogen
hätte. Rechtsprechungsgemäss sind theoretisch vorhandene berufliche
Entwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten nur dann beachtlich, wenn sie
mit hoher Wahrscheinlichkeit eingetreten wären (siehe BGE 145 V 141
E.5.2.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_572/2021 vom 19. Januar 2022
E.3.1, 8C_276/2021 vom 2. November 2021 E.4.2, 9C_868/2018 vom
22. August 2019 E.3.1 und 8C_879/2017 vom 5. Februar 2018 E.4.3.2.2).
- 27 -
Für die Annahme einer mutmasslichen Weiterentwicklung wird daher der
Nachweis konkreter Anhaltspunkte dafür verlangt, dass die versicherte
Person einen beruflichen Aufstieg und ein entsprechend höheres
Einkommen auch tatsächlich realisiert hätte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre. Es müssen konkrete Hinweise für das behauptete
berufliche Fortkommen bestehen. Blosse Absichtserklärungen der
versicherten Person genügen nicht. Vielmehr muss die Absicht, beruflich
weiterzukommen, bereits durch konkrete Schritte wie Kursbesuche,
Aufnahme eines Studiums etc. kundgetan worden sein (siehe BGE 145 V
141 E.5.2.1 und 139 V 28 E.3.3.3.2; Urteile des Bundesgerichts
8C_384/2021 vom 8. Oktober 2021 E.5.1, 8C_713/2020 vom 26. März
2021 E.6.2, 9C_316/2020 vom 6. Oktober 2020 E.3.1, 9C_868/2018 vom
22. August 2019 E.3.1 und 8C_599/2018 vom 12. März 2019 E.4.1).
5.1. Während die Beschwerdegegnerin für die Bemessung des
Valideneinkommens auf den Totalwert der LSE-Tabelle TA1 im
Kompetenzniveau 1 für Männer abstellte, macht der Beschwerdeführer
beschwerdeweise insbesondere geltend, er habe ursprünglich eine
Ausbildung zum Primar-/Sportlehrer begonnen, diese aber wegen bereits
damals vorhandenen gesundheitlichen Problemen nie abgeschlossen.
Nach Ausübung diverser Temporärarbeiten und dem Besuch der
Handelsschule habe er in den Informatikbereich gewechselt, wo er von
1986 bis 2014 tätig gewesen sei. Aufgrund seiner Ausbildung und den
Arbeitszeugnissen erhelle, dass er in seinem Tätigkeitsbereich über ein
sehr fundiertes und geschätztes Fachwissen verfüge und somit als
Spezialist bezeichnet werden könne. Hätte er seine Karriere ohne
gesundheitliche Einschränkung fortsetzen können, sei mit grosser
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er dieses Know-how mittels
Weiterbildungen und Praxiserfahrung weiter ausgebaut und sich sein
Erwerbseinkommen entsprechend gesteigert hätte. In seiner letzten
Anstellung als Software-Entwickler in einem 100 %-Pensum bei
- 28 -
H._ in I._ habe er im Jahr 2004 ein auf 12 Monate
hochgerechnetes Erwerbseinkommen von rund CHF 140'000.-- erzielt.
Alle nachfolgenden Tätigkeiten seien nur noch in Teilzeit ausgeübt worden
und hätten nicht mehr dem Anspruchsprofil entsprochen. Ohne
gesundheitliche Einschränkung sei davon auszugehen, dass er seinen
Beruf auf diesem Niveau hätte weiterführen können. Werde vom
tatsächlich erzielten Einkommen im Jahr 2004 ausgegangen, welches in
einer Tätigkeit erzielt worden sei, welche seinen Fähigkeiten als
ausgewiesener Spezialist im Bereich der Software-Programmierung
entspreche, so ergebe sich ein teuerungsbereinigter Verdienst von
CHF 147'135.--. Selbst wenn aber der LSE-Tabellenlohn als Basis für die
Berechnung beigezogen würde, wäre auf das Kompetenzniveau 4 in
seiner angestammten Tätigkeit als Informatiker abzustellen, weshalb sich
das Valideneinkommen auf mindestens CHF 115'356.-- belaufen würde.
5.2.1. Der Beschwerdeführer weist unter Berücksichtigung seiner eigenen
Angaben folgende Ausbildungs- und Erwerbsbiografie auf: Nach dem
Besuch der Primar- und Sekundarschule absolvierte er von 1978 bis 1984
die Ausbildung zum Primarlehrer, wobei er seinen Angaben zufolge keine
Primarlehrerpatente erworben hatte (vgl. Anmeldung vom 15. Juni 2020
[IV-act. 4 S. 5], Evaluationsgespräch Eingliederung vom 29. Juni 2020 [IV-
act. 26 S. 2] und medexperts-Gutachten vom 22. Juli 2021 [IV-act. 63 S. 4
und 18]). Nach mehreren, kürzeren Anstellungen im Baugewerbe, Verkauf
und Informatikbereich, absolvierte er von 1993 bis 1996 eine
berufsbegleitende Ausbildung zum Informatik-Techniker (siehe
medexperts-Gutachten vom 22. Juli 2021 [IV-act. 63 S. 18] und Case-
Report [IV-act. 66 S. 2], Evaluationsgespräch Eingliederung vom 29. Juni
2020 [26/2], Verlaufsprotokoll Eingliederung [IV-act. 25 S. 1]). Danach war
er als Applikationsentwickler bei der F._, später G._ AG,
tätig, bevor er sich im Informatikbereich selbstständig gemacht hatte und
auf Auslandreisen ging (vgl. IK-Auszug vom 17. Juni 2020 [IV-act. 3],
- 29 -
Lebenslauf vom 15. Juni 2020 [IV-act. 6 S. 2]). Von Mitte 2001 bis Mitte
2004 arbeitete er als Applikationsentwickler beim H._ in
I._ (vgl. Arbeitszeugnis vom 30. Juni 2004 [Bf-act. 16]). Nachdem
er sich sodann im Informatikbereich selbstständig gemacht hatte,
wechselte er den Tätigkeitsbereich und war in der Geschäftsleitung der
J._ AG (Zweiradhandel) tätig (vgl. Lebenslauf vom 15. Juni 2020
[IV-act. 6 S. 1], IK-Auszug vom 17. Juni 2020 [IV-act. 3]). Ab April 2009
arbeitete er wiederum als Informatiker bei der K._ AG bzw.
L._ AG (Papierwaren und [gedruckte und digitale] Direkt-
Marketing-Mittel), bevor er im 2014 eine Auszeit nahm und danach
Hilfstätigkeiten ausübte (vgl. IK-Auszug vom 17. Juni 2020 [IV-act. 3]
sowie Lebenslauf vom 15. Juni 2020 [IV-act. 6 S. 1]).
5.2.2. Für die Bemessung des Erwerbseinkommens im Gesundheitsfalle ist
dabei massgebend, wann beim Beschwerdeführer
Gesundheitsbeeinträchtigungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
aufgetreten sind. Aus den Akten ergibt sich im Wesentlichen folgender
Krankheitsverlauf: Der Beschwerdeführer erlitt nach seinen Angaben im
Jahr 1977 eine Commotio cerebri mit HWS-Distorsion nach einem
Hochsprung (siehe IV-act. 40 S. 61, 63 und 64 sowie IV-act. 63 S. 17).
Dieser Unfall habe sich indes nicht auf seine Ausbildung und berufliche
Tätigkeit ausgewirkt; diese habe er gut durchführen können (siehe IV-
act. 63 S. 17). Zudem machte er geltend, seit ca. 1980 an einer stetig
zunehmenden Fibromyalgie zu leiden (siehe IV-act. 4 S. 6). In den Akten
finden sich jedoch keine echtzeitlichen medizinischen Beurteilungen,
welche eine Erstdiagnose ca. im Jahr 1980 bestätigen würden. Davon
berichtete erstmals Dr. med. M._ am 9. März 2011, indem er
festhielt, die vom Beschwerdeführer beklagten multiplen
muskuloskelettalen Beschwerden seien möglicherweise durch ein
beginnendes Fibromyalgiesyndrom bedingt (siehe IV-act. 40 S. 9). Im
Untersuchungsbericht vom 11. April 2011 führten Dr. med. N._
- 30 -
und dipl. med. O._ aus, eine Fibromyalgie könne nicht mit
Sicherheit ausgeschlossen werden, auch wenn die Druckdolenz eher in
den Muskelansätzen anstatt in den klassischen Tenderpoints bestehe.
Entsprechend wiesen sie die Fibromyalgie als Differenzialdiagnose aus
(siehe IV-act. 40 S. 12 f.). Demgegenüber führte Dr. med. P._ in
seinem Bericht vom 22. August 2011 ein Fibromyalgiesyndrom als
Diagnose auf, ohne diese aber herzuleiten oder zeitlich einzuordnen
(siehe IV-act. 40/33 f.; so auch im Bericht vom 7. Oktober 2011 [IV-act. 40
S. 35]; vgl. ferner kreisärztliche Beurteilung von Dr. med. Q._ vom
15. Mai 2020 [IV-act. 15 S. 5], von Dr. med. R._ vom 13. Mai 2020
[IV-act. 15 S. 21] und von Dr. med. S._ vom 3. Februar 2016 [IV-
act. 15 S. 11 und 18] sowie Bericht von Dr. med. E._ vom 1. Juli
2020 [IV-act. 40 S. 63]). Mit Bericht vom 27. Februar 2013 sprach Dr. med.
M._ sodann von einem hochgradigen Verdacht auf ein
Fibromyalgiesyndrom (siehe IV-act. 40 S. 43; vgl. auch Bericht von
Dr. med. W._ vom 11. Dezember 2015 [IV-act. 40 S. 49, IV-act. 15
S. 9 und 17]), während er im Bericht vom 9. Dezember 2019 ein seit
Jahren bestehendes, progredientes weichteilrheumatisches Syndrom
auswies (siehe IV-act. 40 S. 56 f.). Dr. med. T._ diagnostizierte
mit Bericht vom 28. Juli 2020 ein weichteilrheumatisches Beschwerdebild
mit Erstsymptomatik ca. 1980, differenzialdiagnostisch eine Fibromyalgie
mit positiven Tenderpoints (siehe IV-act. 40 S. 64 und 66). Woraus –
abgesehen von den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers – sie
diese seit ca. 1980 bestehende (Differenzial-)Diagnose herleitete bzw. ob
diese bereits damals funktionelle Auswirkungen zeitige, lässt sich ihren
Ausführungen jedoch nicht entnehmen. Die Angaben des
Beschwerdeführers zur Frage, ob bzw. inwiefern sich das
Fibromyalgiesyndrom – sollte es überhaupt bereits damals vorgelegen
haben – einen Einfluss auf seine Ausbildung zum Primarlehrer gehabt hat,
erweisen sich als widersprüchlich. Während er beschwerdeweise
vorbringt, er habe die Ausbildung zum Primarlehrer gesundheitsbedingt
- 31 -
nie abschliessen können (siehe Beschwerde vom 8. November 2021 S. 8
unten), führte er an anderer Stelle aus, er habe seine Ausbildung normal
absolvieren können (vgl. Bericht von Dr. med. E._ vom 1. Juli
2020 [IV-act. 40 S. 62]). Im medexperts-Gutachten vom 22. Juli 2021 wird
das Fibromyalgiesyndrom, welches gemäss rheumatologischer
Gutachterin weder eindeutig bestätigt noch sicher ausgeschlossen werden
könne (siehe IV-act. 63 S. 36), den Diagnosen ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit zuordnet (siehe IV-act. 63 S. 7 und 37). Dazu wird in der
Konsensbeurteilung ausgeführt, das Fibromyalgiesyndrom begründe für
sich alleine beim Beschwerdeführer keine Arbeitsunfähigkeit. Jedoch
ergäben sich aufgrund der leichteren Schmerzempfindung
Einschränkungen des möglichen Belastungsprofils. Daher seien
mittelschwere und schwerste Tätigkeiten nicht mehr zumutbar, weil durch
die Gewichtsbelastung der Schmerz rascher ausgelöst und verstärkt
würde (siehe IV-act. 63 S. 5). Die rheumatologische Teilgutachterin
Dr. med. U._ führte erläuternd zur Diagnose des
Fibromyalgiesyndroms aus, sie beschreibe lediglich einen Zustand, in
welchem die betroffenen Personen leichter Schmerz empfinden würden
als andere. Entsprechend gestalte sich das Belastungsprofil, wonach
mittelschwere und schwere Tätigkeiten nicht mehr zumutbar seien. Im
vorliegenden Fall sei die angestammte Tätigkeit diejenige eines
Informatikers. Dies entspreche einer leichten Tätigkeit und sei von
versicherungsmedizinischer Seite jedenfalls zumutbar und auch körperlich
betrachtet möglich (siehe IV-act. 63 S. 36). Dasselbe hat für die
Ausbildung zum Primarlehrer zu gelten, handelt es sich dabei doch
ebenfalls um eine körperlich leichte Tätigkeit (vgl. EVGE I 639/05 vom
8. Mai 2006 E.3.2 und 3.4). Wenn nun das Fibromyalgiesyndrom für sich
allein im Begutachtungszeitpunkt keine funktionellen Auswirkungen
zeitigte, liegt für den Zeitpunkt der Ausbildung umso eher nahe, dass das
gemäss den Angaben des Beschwerdeführers seit ca. 1980 stetig
zunehmende Syndrom – sollte es damals überhaupt vorgelegen haben –
- 32 -
keinen invalidisierenden Einfluss gehabt hat. Insoweit kann entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass er die Ausbildung zum
Primarlehrer invaliditätsbedingt nie abschliessen konnte (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_488/2021 vom 10. Januar 2022 E.3.2.1). Anlässlich
der psychiatrischen medexperts-Begutachtung gab der Beschwerdeführer
denn auch im Sinne eines invaliditätsfremden Grundes an, sich am
Lehrerseminar nicht gerecht behandelt gefühlt zu haben, wobei er –
nachdem er ein Jahr habe wiederholen müssen – das Lehrerpatent nicht
bekommen habe (siehe IV-act. 63 S. 56; vgl. ferner IV-act. 63 S. 74).
Damit entfällt die Bemessung des Valideneinkommens gestützt auf Art. 26
Abs. 2 IVV (in der bis am 31. Dezember 2021 gültigen Fassung), wonach
das Erwerbseinkommen, das ein Versicherter als Nichtinvalider erzielen
könnte, dem durchschnittlichen Einkommen eines Erwerbstätigen im
Beruf, für den die Ausbildung begonnen wurde, entspricht, wenn er wegen
der Invalidität eine begonnene berufliche Ausbildung nicht abschliessen
konnte.
5.2.3. Im Weiteren ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer im Jahr
1997 einen Motorradunfall erlitt und sich eine Contusio capitis sowie eine
Stauchung der HWS zuzog. Die SUVA sprach ihm in der Folge eine
Invalidenrente entsprechend einer Erwerbsunfähigkeit von 15 % zu (siehe
IV-act. 15 S. 8 und 16). Dass sich die infolge des Unfallereignisses
entstandenen neurokognitiven Einschränkungen leichter bis mittelgradiger
Ausprägung auch auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
auswirkten, bestätigten denn auch die medexperts-Gutachterinnen und
Gutachter (siehe IV-act. 63 S. 9 f.). Präzisierend führten sie dazu aus, in
der Tätigkeit als Informatik-Techniker würden die neurologischen
Funktionsstörungen aufgrund der traumatischen Hirnsubstanzschädigung
dominieren, da es sich dabei um eine vorwiegend geistige Tätigkeit
handle, bei der sich auch leichte neurokognitive Auswirkungen bereits
- 33 -
deutlich einschränkend auswirkten (siehe IV-act. 63 S. 11). Der
neurologische Teilgutachter wies dabei eine Arbeitsfähigkeit von 60 % in
der angestammten Tätigkeit als Informatik-Techniker seit 1997 aus (siehe
IV-act. 63 S. 28). Ab diesem Zeitpunkt bestand somit aus medizinischer
Sicht eine gesundheitsbedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in
seiner damaligen Tätigkeit im Informatikbereich. Auch der
Beschwerdeführer berichtete anlässlich der Begutachtung von einem
Leistungsknick aufgrund des Unfallereignisses, das ihm fortan nur noch
erlaubt habe, in einem 50 %-Pensum als Informatik-Techniker zu arbeiten
(siehe IV-act. 63 S. 25, 50 und 74). Dabei erscheint aber es nicht
sachgerecht, für die Bemessung des Valideneinkommens auf den vor dem
Unfallereignis im Jahr 1997 erzielten Verdienst abzustellen, stand der
Beschwerdeführer doch unbestrittenermassen von 1993 bis 1996 noch in
berufsbegleitender Ausbildung zum Informatik-Techniker (vgl. Anmeldung
vom 15. Juni 2020 [IV-act. 4 S. 5], Lebenslauf vom 15. Juni 2020 [IV-act. 6
S. 2] und Evaluationsgespräch Eingliederung vom 29. Juni 2020 [IV-
act. 26 S. 2]). Gleichzeitig geht es aber auch nicht an, – wie in der
Beschwerde vorgebracht – von einer beruflichen Weiterentwicklung im
Informatikbereich auszugehen, welche dem Beschwerdeführer dauerhaft
ermöglicht hätte, rund CHF 140'000.-- pro Jahr zu verdienen. Zwar erzielte
er in seiner Tätigkeit als Applikationsentwickler beim H._ in
I._ ab Mitte 2001 ein Einkommen von CHF 49'280.-- (für die
zweite Hälfte des Jahres 2001), CHF 115'330.-- im Jahr 2002,
CHF 121'660.-- im Jahr 2003 und CHF 69'550.-- für das erste Halbjahr im
2004 (siehe den ausländischen IK-Auszug vom 25. Oktober 2021 [Bf-act.
17]). Dabei handelt es sich aber um überdurchschnittlich hohe Verdienste,
denn während seiner Tätigkeit bei der G._ AG erzielte er im Jahr
1998 noch CHF 74'396.-- und im Jahr 1999 CHF 56'329.-- (vgl. IK-Auszug
vom 17. Juni 2020 [IV-act. 3]), bevor er sich im 2000 (wiederum)
selbstständig gemacht hatte und sieben Monate auf Auslandreise ging
(vgl. Lebenslauf vom 15. Juni 2020 [IV-act. 6 S. 2]). Auch nach seiner
- 34 -
Tätigkeit beim H._, welche er auf eigenen Wunsch verliess (vgl.
Arbeitszeugnis vom 30. Juni 2004 [Bf-act. 16]), war er ab Mitte 2004
(erneut) selbstständig im Informatikbereich tätig, bevor er einen
Tätigkeitswechsel vollzog und in der Geschäftsführung eines
Motorradgeschäfts tätig war, wo er als einziger aktenkundiger
Gesamtjahresverdienst im 2007 CHF 68'400.-- erwirtschaftete (vgl. IK-
Auszug vom 17. Juni 2020 [IV-act. 3]). Daneben begab er sich auf Reisen
in die Karibik, betätigte sich als Hausbauer und erteilte Nachhilfeunterricht
(vgl. Lebenslauf vom 15. Juni 2020 [IV-act. 6 S. 1]). Ferner erzielte er ab
April 2009, als er erneut als Informatiker bei der K._ AG bzw.
L._ AG tätig war, wiederum mehrheitlich rund CHF 70'000.-- pro
Jahr (vgl. IK-Auszug vom 17. Juni 2020 [IV-act. 3]: CHF 54'600.-- für die
Monate April bis Dezember 2009, CHF 72'800.-- im 2010, CHF 47'271.--
im 2011, CHF 68'552.-- im 2012, CHF 72'800.-- im 2013 und
CHF 12'133.-- für Januar und Februar 2014), bevor er eine Auszeit mit
seiner Familie nahm und danach Hilfstätigkeiten ausübte. Daher erscheint
nicht überwiegend wahrscheinlich, dass er den im Informatikbereich beim
H._ erwirtschafteten, sehr hohen Verdienst (im hypothetischen
Gesundheitsfall) auch weiterhin erzielt hätte (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 9C_520/2021 vom 22. Dezember 2021 E.4.2.2,
8C_329/2021 vom 27. Oktober 2021 E.4.3.2, 8C_745/2020 vom 29. März
2021 E.6.3 und 9C_239/2019 vom 5. September 2019 E.2.2.1 und E.2.4
m.H.). Vielmehr fehlt es für ein solches berufliches Fortkommen an
konkreten Anhaltspunkten in den Akten. Ebenso wenig werden solche
vom Beschwerdeführer benannt. Hinzu kommt, dass beim
Beschwerdeführer im Laufe der Zeit weitere Gesundheitsschäden
hinzugetreten sind. Zu nennen sind dabei neben dem im 2011
festgestellten leichten obstruktiven Schlafapnoesyndrom (siehe Bericht
von Dr. med. P._ und dipl. med. V._ vom 7. Oktober
2011 [IV-act. 40 S. 35 f.] sowie Berichte von Dr. med. P._ vom
13. Oktober 2011 und 3. September 2012 [IV-act. 40 S. 39 f.]), das
- 35 -
gemäss medexperts-Gutachten vom 22. Juli 2021 ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit ist (siehe IV-act. 63 S. 7 und 45), insbesondere die im Jahr
2015 und am 9. August 2019 erlittenen Verkehrsunfälle. Während der
Beschwerdeführer eine weitere Verschlechterung der neurokognitiven
Funktionen beklagte (siehe dazu IV-act. 63 S. 17, 55 und 75), verneinten
die medexperts-Gutachterinnen und -Gutachter eine solche mit der
Begründung, es hätten sich keine konkreten Hinweise für eine
Verschlimmerung der neurokognitiven Funktion auf somatischer Basis
ergeben, auch unter Berücksichtigung der Umstände der nach 1997
erlittenen Unfälle (siehe IV-act. 63 S. 9). Der neurologische Teilgutachter
führte präzisierend aus, die Kriterien zur Annahme einer schwereren
Schädel-Hirntraumatisierung seien nicht erfüllt, denn es sei nicht zu
zentralen neurologischen Ausfällen, zu Bewusstlosigkeit über 30 Minuten,
zu Amnesie über 8 Stunden oder zu Verwirrtheit über 24 Stunden
gekommen (siehe IV-act. 63 S. 23). Seit dem Autounfall am 9. August
2019 leidet der Beschwerdeführer ausserdem an Nacken- und
Kopfschmerzen (siehe IV-act. 63 S. 17). Diese sind gemäss medexperts-
Gutachten vom 22. Juli 2021 nicht neurologisch erklärbar, sondern
vielmehr auf eine degenerative Vorerkrankung der HWS zurückzuführen.
Hinsichtlich der Kopfschmerzsymptomatik wies der neurologische
Teilgutachter ein Mischkopfschmerz mit funktionellen Auswirkungen aus
(siehe IV-act. 63 S. 23 f.). Nach dem Unfall verschlechterte sich zudem
der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers (vgl.
kreisärztliche psychiatrische Beurteilung durch Dr. med. R._ vom
13. Mai 2020 [IV-act. 15 S. 19] sowie Berichte von lic. phil. C._
vom 1. April 2020 und 6. Mai 2020 [IV-act. 13 S. 29 ff.]), was unter
anderem dazu führte, dass die psychiatrische medexperts-Gutachterin die
Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellte (siehe IV-act. 63 S. 54 und 56 ff.).
- 36 -
5.3. Vor diesem Hintergrund lässt sich das Valideneinkommen aufgrund der
konkreten erwerblichen Gegebenheiten nicht hinreichend genau
feststellen, weshalb nicht zu beanstanden ist, dass die
Beschwerdegegnerin für dessen Bemessung auf die LSE-Tabellenlöhne
zurückgegriffen hat. Indes kann ihr nicht gefolgt werden, wenn sie dabei
auf das Kompetenzniveau 1 abstellt. Wenn sie dazu in der
Vernehmlassung anführt, der Beschwerdeführer sei in den letzten Jahren
schwankend und abwechselnd arbeitstätig gewesen sei und habe
verschiedene Berufe ausgeübt, verkennt sie, dass er bereits vor dem
Unfallereignis im Jahr 1997 eine Ausbildung zum Informatik-Techniker
absolviert hatte und auch danach grossmehrheitlich auf diesem Beruf bzw.
im Informatikbereich tätig war. Darin verfügt er somit über eine langjährige
praktische Erfahrung und konnte sich ein eingehendes Fachwissen in
einem Spezialgebiet aneignen. So bestätigte auch das H._ mit
Arbeitszeugnis vom 30. Juni 2004, dass der Beschwerdeführer sehr gute
Kenntnisse im Bereich Access-Programmierung mitgebracht hatte und
diese durch gezielte Weiterbildung vertiefen konnte. Er habe als
Applikationsentwickler hauptsächlich eine Verwaltung für die
Dossierablage in Access entwickelt und diese mit einer Lösung für das
Bestellen von Dossiers ergänzt. Dabei habe sich seine Tätigkeit von der
Analyse, der Erstellung einer Pilot-Applikation, der Implementierung der
Lösung bis hin zur Einführung und Pflege der Programme in der Benutzer-
Umgebung erstreckt (siehe Bf-act. 16). Auch die G._ AG, bei
welcher der Beschwerdeführer zuvor als Applikationsentwickler tätig war,
führte im Arbeitszeugnis vom 31. Dezember 1999 aus, der
Beschwerdeführer verfüge über ein hohes Fachwissen, welches er
erfolgreich habe einsetzen können. Seine Hauptaufgaben umfassten
dabei die Entwicklung von EDV-Applikationen in Access, die Wartung, der
Betrieb und die Dokumentation von EDV-Applikationen, die Erstellung von
Programm-Modulen mit diversen Programmier-Tools sowie die Betreuung
von Informatik-Lehrlingen (siehe Bf-act. 15). Nach seinen eigenen
- 37 -
Angaben im Lebenslauf war er zudem von April 2009 bis März 2014 bei
der K._ AG bzw. L._ AG im Bereich Datenmanagement
und Programmierung personalisierter Werbung tätig (siehe IV-act. 6 S. 1).
Diese Tätigkeiten gehen bei Weitem über die Hilfsarbeiten hinaus, welche
dem Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher und
handwerklicher Art) zugeordnet werden. Vielmehr sind sie – wie der
Beschwerdeführer beschwerdeweise richtigerweise vorbringt – dem
Kompetenzniveau 4 zuzuschreiben. Dabei handelt es sich um Tätigkeiten
mit komplexer Problemlösung und Entscheidfindung, welche ein grosses
Fakten- und theoretisches Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen.
Das Bundesgericht hat denn auch die Einstufung eines Informatikers in
das Kompetenzniveau 4 in seiner jüngsten Rechtsprechung geschützt
(siehe Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2020 vom 2. Juli 2020 E.4.1.2).
Vorliegend fällt zudem ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer nicht (nur)
in der Anwendung von Software bzw. im Applikationssupport beschäftigt
war (siehe dazu Urteile des Bundesgerichts 8C_636/2021 vom
10. November 2021 E.4.1 und E.5.2, 8C_395/2019 vom 20. September
2019 E.6.3.1; vgl. zudem ISCO 08, Part I, Introductory and Methodological
Notes, 2.2 Definitions of the four skill levels, 2.2.3 Skill level 3, S. 13,
abrufbar unter:
http://www.ilo.org/public/english/bureau/stat/isco/docs/methodology08.do
cx). Vielmehr war er unmittelbar in der Analyse und Entwicklung von
Software und Anwendungen sowie in der Programmierung tätig, was – wie
für das Kompetenzniveau 4 umschrieben – erfordert, vielschichtige
Problemstellungen auf der Grundlage eines eingehenden faktischen und
fachlichen Wissens in einem Spezialgebiet zu lösen (vgl. Urteil
8C_395/2019 vom 20. September 2019 E.6.3.1; vgl. ferner ISCO 08, Part
I, Introductory and Methodological Notes, 2.2 Definitions of the four skill
levels, 2.2.4 Skill level 4, S. 14 sowie Schweizer Berufsnomenklatur CH-
ISCO-19, Berufsgruppe 25 und LSE-Tabelle T17, Berufsgruppen nach
ISCO, wonach die vorerwähnte Berufsgruppe 25 zur Berufshauptgruppe 2
- 38 -
gehört, welche dem Kompetenzniveau 4 zuzuschreiben ist). Dass der
Beschwerdeführer diese Tätigkeiten ausübte, als bereits ein
beeinträchtigender Gesundheitsschaden vorlag, tut der Annahme des
Kompetenzniveaus 4 keinen Abbruch, haben sie doch auch für den
hypothetischen Gesundheitsfall zu gelten.
Des Weiteren ist der Lohn gemäss LSE-Tabelle TA 1 – wie praxisgemäss
üblich – anzuwenden (siehe Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2019 vom
20. September 2019 E.6.3.2). Dabei erweist es sich als sachgerecht,
innerhalb dieser Tabelle auf die Wirtschaftszweige Ziffer 62-63 für
Informationstechnologie und Informationsdienstleistungen abzustellen, da
der Beschwerdeführer zwar in verschiedenen Branchen, dabei aber
namentlich in der Entwicklung, Anpassung, Testung und Pflege von
Software, in der Programmierung sowie in der Erbringung anderer
Dienstleistungen auf dem Gebiet der Informationstechnologie tätig war
(vgl. hierzu https://www.kubb-tool.bfs.admin.ch/de/code/62). Der hier
anzuwendende statistische Männerlohn beträgt demnach gemäss
LSE 2018 CHF 9'494.--, welcher umgerechnet auf die betriebsübliche
wöchentliche Arbeitszeit in der als massgebend erachteten
Wirtschaftsabteilung Informationstechnologische und
Informationsdienstleistungen und angepasst an die
Nominallohnentwicklung für das Jahr 2020 ein Valideneinkommen von
CHF 119'410.35 ergibt (CHF 9'494.-- [LSE 2018, Tabelle TA1,
Kompetenzniveau 4, Zeile 62-63, Männer] : 40 x 41.2 [Anpassung an
betriebsübliche Arbeitszeit in der massgebenden Wirtschaftsabteilung,
Zeile 62-63] x 1.009117 x 1.0084 [Nominallohnentwicklung] x 12).
6. Wird dieses Valideneinkommen von CHF 119'410.35 dem
Invalideneinkommen von CHF 45'857.70 (vgl. vorstehende Erwägung 4.4)
gegenübergestellt, resultiert ein Invaliditätsgrad von gerundet 62 %. Damit
besteht ein Anspruch auf eine Dreiviertelrente (siehe Art. 28 Abs. 2 IVG in der bis am 31. Dezember 2021 gültigen Fassung).
- 39 -
Die Beschwerde erweist sich demnach als begründet und die Beschwerde
ist in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 4. Oktober 2021
gutzuheissen. Dem Beschwerdeführer steht für den Zeitraum ab dem
1. Dezember 2020 eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung zu.
7. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Vorliegend setzt das Gericht die Kosten in Berücksichtigung
des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.-- fest. Infolge des
Ausgangs des Beschwerdeverfahrens sind diese der
Beschwerdegegnerin zu überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).
8. Der Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die
Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig
durch die Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird
die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Satz 1 ATSG
nach dem kantonalen Recht bestimmt (siehe Urteile des Bundesgerichts
8C_672/2020 vom 15. April 2021 E.5.2, 9C_714/2018 vom 18. Dezember
2018 E.9.2, 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.1, 8C_98/2017 vom
27. Oktober 2017 E.4.1 f. und 9C_688/2009 vom 19. November 2009
E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 16a des kantonalen
Anwaltsgesetzes (Anwaltsgesetz; BR 310.100) und Art. 2 der Verordnung
über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und
Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; BR 310.250) wird die
Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts festgesetzt, wobei es
grundsätzlich von dem in der Honorarnote geltend gemachten (und als
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angemessen zu betrachtenden) Aufwand sowie (üblichen) Stundenansatz
ausgeht. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte dem Gericht
am 10. Januar 2022 eine Honorarnote über CHF 5'879.34 (26.5 Stunden
à CHF 200.-- [CHF 5'300.--] zzgl. 3 % Spesenpauschale [CHF 159.--] und
7.7 % MWST [CHF 420.34]) ein. Der veranschlagte Stundenansatz von
CHF 200.-- weicht damit von der im Recht liegenden Honorarvereinbarung
über einen Stundenansatz von CHF 250.-- (siehe Bf-act. 4) ab. Dies mag
auf den Umstand zurückzuführen sein, dass ein Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers (MLaw Andreas Thoma) nicht im Anwaltsregister des
Kantons Graubünden eingetragen ist. Gemäss Praktikantenregister der
Aufsichtskommission über die Rechtsanwälte besteht für ihn hingegen
eine Praktikumsbewilligung im Sinne von Art. 8 des Anwaltsgesetzes.
Gemäss Art. 6 HV beträgt das Honorar für Rechtspraktikantinnen und
Rechtspraktikanten 75 % des Ansatzes für Rechtsanwältinnen und
Rechtsanwälte, vorliegend mithin CHF 187.50 pro Stunde (vgl. hierzu
auch VGU S 20 104 und S 20 121, jeweils vom 22. Dezember 2020,
jeweilige E.7). Indessen wird in der Honorarnote vom 10. Januar 2022
nicht ausgewiesen, wie viele Stunden von welchem Rechtsvertreter
aufgewendet worden sind. Insofern wird die Parteientschädigung vom
Gericht ermessensweise auf pauschal CHF 5'500.-- (inkl. Spesen und
MWST) festgesetzt. In diesem Umfang hat die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer aussergerichtlich zu entschädigen.
Bei diesem Verfahrensausgang wird das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege und Verbeiständung gegenstandslos.