Decision ID: 3ecd302d-4f75-484d-a910-72b5bc79e0d2
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- der Staatsanwalt des Bundes B. mit der Führung der u.a. gegen A. gerichte-
ten Untersuchung Nr. SV.16.0614 betraut ist;
- A. am 16. Dezember 2019 dem Bundesanwalt C. eine E-Mail-Nachricht zu-
gehen liess, in welcher er eine «persönliche, völlig unprofessionelle Abnei-
gung» von B. ihm gegenüber rügte und u.a. verlangte, dass unverzüglich ein
anderer Staatsanwalt eingesetzt werde, da nur die Befangenheit von B. ver-
hindere, dass das Verfahren nicht schon längst eingestellt worden sei
(act. 1);
- B., welchem die E-Mail-Nachricht am 9. Januar 2020 weitergeleitet wurde
(vgl. act. 1), diese der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts unter-
breitete, mit dem Ersuchen, die Eingabe als Ausstandsgesuch entgegenzu-
nehmen, wobei er beantragt, auf dieses sei (infolge verspäteter Geltendma-
chung von Ausstandsgründen) nicht einzutreten, eventuell sei es abzuwei-
sen, unter Kostenfolge zulasten des Gesuchstellers A. (act. 2);
- die Beschwerdekammer den Verteidiger von A. einlud, diesbezüglich eine
allfällige Replik einzureichen (act. 3);
- dieser mit Eingabe vom 27. Januar 2020 mitteilte, bei der an Bundesanwalt
C. gerichteten E-Mail-Nachricht von A. handle es sich nicht um ein Aus-
standsgesuch (act. 4);
- diese Eingabe B. am 28. Januar 2020 zur Kenntnisnahme übermittelt wurde
(act. 5).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- sie zuständig ist zum Entscheid über Ausstandsgesuche, wenn ein Aus-
standsgrund nach Art. 56 lit. f StPO geltend gemacht wird und die Bundes-
anwaltschaft betroffen ist (Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1
StBOG);
- vorab festzuhalten ist, dass die als Ausstandsgesuch weitergeleitete E-Mail-
Nachricht keine schriftliche Eingabe im Sinne von Art. 110 Abs. 1 StPO dar-
stellt (Urteil des Bundesgerichts 6B_277/2019 vom 5. Juli 2019 E. 1.4) und
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auch nicht erkennbar ist, dass sie mit einer qualifizierten elektronischen Sig-
natur gemäss Bundesgesetz vom 18. März 2016 über die elektronische Sig-
natur versehen ist (vgl. Art. 110 Abs. 2 StPO);
- die Parteien vorliegend zudem offenbar unterschiedlicher Ansicht sind, ob es
sich bei den Ausführungen in der E-Mail-Nachricht um ein Ausstandsgesuch
handelt oder nicht;
- die Frage aber offengelassen werden kann, nachdem der Verteidiger des
Gesuchstellers in seiner Eingabe vom 27. Januar 2020 (act. 4) signalisierte,
kein Interesse an einem allfälligen Ausstandsverfahren zu haben;
- das vorliegende Verfahren deshalb zufolge Gegenstandslosigkeit als erledigt
abgeschrieben werden kann, soweit auf das Gesuch überhaupt einzutreten
ist (vgl. auch schon den Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2019.52 vom
26. März 2019);
- angesichts des geringen Aufwands in der Sache, der zudem wohl auch durch
einen Hinweis auf die mangelnde Formgültigkeit der E-Mail-Nachricht bzw.
durch eine kurze Nachfrage durch den Gesuchsgegner beim Gesuchsteller
oder bei dessen Verteidiger hätte vermieden werden können, auf die Erhe-
bung einer Gerichtsgebühr zu verzichten ist (vgl. Art. 5 des Reglements des
Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und
Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]);
- vorliegend aber auch keine Entschädigung auszurichten ist, weil die Formu-
lierung des Gesuchstellers in seiner E-Mail-Nachricht eine Deutung der Ein-
gabe als Ausstandsgesuch zuliess und zudem nicht ersichtlich ist, dass die
einzige Eingabe des Verteidigers des Gesuchstellers (act. 4) einen nennens-
werten entschädigungsberechtigten Aufwand verursacht hat;
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