Decision ID: d721b38c-0d0a-43ed-8a4f-4882b2eef8fb
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1965 geborene
X._
, welche
im Jahr 1984
eine Bürolehre
abschloss und
Mutter eines 1998 geborenen Sohnes ist, meldete sich am 7. Juli
2014 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung, Schwindel und Kopfschmerzen, bestehend seit 2009, bei der Sozial
ver
siche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Inva
li
denversicherung an (Urk. 7/7). Die IV-Stelle klärte die beruflich-erwerblichen sowie die medizini
schen Verhältnisse ab und veranlasste eine Begutachtung der Versicherten. Das polydisziplinäre Gutachten des
Y._
wurde am 9. August 2016 erstattet (Urk. 7/44). Mit Vorbescheid vom 2. November 2016 wurde der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht ge
stellt (Urk. 7/49). Dagegen erhob sie, vertreten durch die Sozialen Dienste der Stadt Zürich, am 2. Dezember 2016 Einwand (Urk. 7/52), welchen sie mit Eingabe vom 27. Februar 2017 begründete (Urk. 7/60). Die IV-Stelle nahm weitere Abklä
rungen vor und räumte der Versicherten am 22. Juni 2017 die Gelegenheit ein, sich zu äussern (Urk. 7/67). Darauf verzichtete die Versicherte (Urk. 7/68). Mit Verfügung vom 3. Juli 2018 verneinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch der Versicherten (Urk. 7/81).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 21. August 2018 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und es sei ihr ab Juni 2015 eine ganze und ab November 2016 eine halbe Invalidenrente zuzu
sprechen. In prozessualer Hinsicht beantragte die
Beschwerdeführerin
die Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 20. September 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). In der Replik vom 2. Oktober 2018
hielt
die Beschwerdefüh
rerin
an ihren
Anträge
n fest
(Urk. 11). Die Beschwerdegegnerin
verzichtete
in ihrer Eingabe vom 18. Oktober 2018
auf
die Erstattung einer Duplik (Urk. 13), worüber die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 19. Oktober 2018 in Kennt
nis gesetzt wurde (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In je
dem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit un
abhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung
zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März
2018 E. 7.4).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen,
und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung,
aus dem Gut
achten und den Abklärungen gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin in einer einfachen Bürotätigkeit vollständig arbeitsfähig sei. Da sie eine Bürolehre absol
viert habe, könne sie die Arbeitsfähigkeit verwerten. Die im Gutachten attestierte Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Buchhalterin könne nachvoll
zogen werden. Es bestünden Funktionsschwächen in der Daueraufmerksamkeit, in der Antwortreaktionsbereitschaft und im verbalen Arbeitsgedächtnis.
Die 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe aus medizinischer Sicht für alle einfachen Bürotätigkeiten in Routine und ohne Zeitdruck. Eine solche Tätigkeit sei der Be
schwerdeführerin aufgrund ihrer Ausbildung als Kauffrau und aufgrund ihrer Ressourcen zumutbar. Aus
epileptologischer
Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Bei einem Invaliditätsgrad von 28 % bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, die Beschwerdegegnerin stütze sich in ihrer Begründung auf die Einschätzung ihrer Kundenberaterin, wel
che teilweise schlichtweg falsch sei.
Im Gutachten sei ihr
in der angestammten Tätigkeit eine 50%ige und in einer angepassten Tätigkeit eine 60%ige Arbeitsfä
higkeit attestiert worden. Für die Zeit davor hätten die Gutachter auf die Ein
schätzung der
Vorbehandler
abgestellt, wonach eine Arbeitsunfähigkeit von
100 % bestanden habe (Urk. 1).
2.3
In der Beschwerdeantwort vom 20. September 2018
korrigierte
die Beschwerde
gegnerin
ihre
Begründung. Dem Gutachten würden sich zahlreiche Faktoren ent
nehmen lassen, welche eine positive Auswirkung auf das Ressourcenpotent
ial der Beschwerdeführerin hätten.
Die sozialen Kontakte und die damit verbundenen Aktivitäten seien sodann auch bei der Prüfung des Aspekts der Konsistenz zu berücksichtigen. Aufgrund des geringen funktionellen Schweregrads des Gesund
heitsschadens, der Diskrepanzen zwischen den geltend gemachten beruflichen Einschränkungen und dem Aktivitätsniveau im Freizeitbereich sowie den Hin
weisen auf fehlende Motivation, Aggravation und psychosoziale Belastungsfak
toren sei ein invalidisierender Gesundheitsschaden zu verneinen (Urk. 6).
2.4
Die Beschwerdeführerin brachte in der Replik vom 2. Oktober 2018 vor, die von den Gutachtern festgestellten Funktionsstörungen entsprächen gemäss den Gut
achtern im Wesentlichen jenen, die bei einer Depression in der Regel zu erheben seien, wobei sich möglicherweise auch intermittierend Störeinflüsse von Seiten der Epilepsie bemerkbar machten. Es sei auf das Gutachten abzustellen
, denn eine Prüfung der vom Bundesgericht aufgestellten Indikatoren ergebe, dass sich das Leiden der Beschwerdeführerin im gutachterlich festgestellten Rahmen invalidi
sierend auswirke
(Urk. 11).
3.
3.1
Das polydisziplinäre Gutachten des
Y._
vom 9. August 2016 basiert auf in
ternistischen, neuropsychologischen, neurologischen und psychiatrischen Unter
suchungen (Urk. 7/44/5). Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit wurden die folgenden
aufgeführt
(Urk. 7/44/61 f.):
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradig (ICD-10 F33.1)
-
leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störung mit subkortikal,
frontodiencephal
und linksfrontal
betonten Hirnfunktionsschwächen
-
fokale Epilepsie unklarer Ätiologie seit circa 1985 (ICD-10 G40.2)
Die Gutachter führten
sodann
die folgenden Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auf (Urk. 7/44/62):
-
Verdacht auf Migräne ohne Aura (ICD-10 G43.0)
-
diskreter
distalbetonter
feinschlägiger
Haltetremor beidseits und diskreter Aktionstremor links unklarer Ätiologie
-
Differentialdiagnose: beginnender essentieller Tremor (ICD-10 R25.1, G25.0)
-
Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeit (ICD-10 Z73.1)
Die Gutachter hielten fest, eine Wechselwirkung zwischen den psychischen und somatischen Problemen sei anzunehmen (Urk. 7/44/62)
,
und gelangten zum Schluss, bei der Beschwerdeführerin bestehe bezogen auf die bisherige Tätigkeit eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und bezogen auf eine angepasste Tätigkeit, bei welcher kein Zeitdruck und kein hoher Anspruch an Sorgfalt und Genauigkeit sowie an das Gedächtnis bestehe, eine Arbeitsfähigkeit von 60 % (Urk. 7/44/65). Aufgrund der Epilepsie sollten sodann keine Tätigkeiten an unfall- oder verletzungsträchtigen Maschinen und Geräten, Tätigkeiten in ungeschützten Höhen oder fahrausweispflichtigen Kraftfahrzeugen oder Tätigkeiten mit alleini
ger Verantwortung für
schutzbefohlene
Personen aus
geübt werden (Urk. 7/44/64). Die
Beschwerdeführerin sei angesichts ihrer kognitiven Funkti
onsstörungen derzeit nicht zuverlässig in der Lage, eine qualifizierte, per se sehr
aufmerksamkei
ts- und konzentrationsintensive
/-sensitive
Sachbearbeitertätigkeit
im weiteren administrativen Dienstleistungsbereich zu bewerkstelli
gen/bewäl
ti
gen. Bei einer wesentlichen und anhaltenden psychischen Stabilisie
rung/Besserung sei
eine Rückkehr zu einer wieder qualifizierten beruflichen Tä
tigkeit möglich
(Urk. 7/44/64). Aufgrund der depressiven Störung sei die Be
schwerdeführerin vermindert belastbar. Sie habe Mühe, eine genügende Anspan
nung tagsüber auf
recht zu erhalten und müsse deshalb Pausen einlegen können. Sie sei auch nicht in der Lage, ganztags eine Arbeit zu verrichten. Tätigkeiten unter Zeitdruck seien nicht möglich, sie könne auch keine Verantwortung über
nehmen (Urk. 7/44/65).
Anlässlich der neuropsychologischen Evaluation vom
4.
und 5. Juli 2016 (Urk. 7/44/13) gab die Beschwerdeführerin an, sei leide seit ihrem 20. Lebensjahr an einer Epilepsie, zudem seit etlichen Jahren an Depressionen. Ihre Epilepsie beeinträchtige sie in ihrer Arbeitsfähigkeit kaum. Diese sei vor allem durch die Depressionen eingeschränkt (Urk. 7/44/14).
Sie lebe von der Sozialhilfe und wohne,
seit
ihr Sohn vor einem Jahr in eine betreute Wohngruppe gezogen sei, alleine mit zwei Katzen in einer 3-Zimmerwohnung. Sie erledige, wenn sie sich dazu aufraffen könne, den Haushalt, die Einkäufe usw. selbständig. Sie lege sich tagsüber, weil sie müde sei oder keine Initiative aufbringe, oft wieder für eine Weile hin. Ihr Haushalt sei denn auch mehr schlecht als recht geführt. Ausser Haus gehe sie nur, wenn sie müsse, etwa zu ihren Arztterminen. Am Dienstag
abend und an den Wochenenden treffe sie sich mit ihrem derzeitigen Freund. Dieser koche dann jeweils für beide, was sie sonst, wenn sie alleine sei, nicht mehr mache. Sie helfe ihm dann dafür in der Küche, räume diese auf und spüle das Geschirr. Sie würden viel miteinander reden, zusammen fernsehen und ab und zu auch spielen. Darüber hinaus würden sie nicht viel gemeinsam unterneh
men. Das sei beiden recht so. Sie pflege allgemein nur noch wenige soziale Kon
takte. Dienstag- und Mittwochnachmittag arbeite sie ehrenamtlich für drei bis vier Stunden in einem «
Kleiderlädeli
», in welchem gespendete Kleider für zwei Franken erstanden werden könnten. In letzter Zeit habe sie allerdings oft absagen müssen, weil ihr auch das zu viel geworden sei. Über die Wintermonate, von Dezember bis April, habe sie ehrenamtlich auch im «
Z._
» von Pfarrer
A._
mitgearbeitet. Sie habe aber auch da oft absagen müssen. Insbesondere den Nachtwache-Einsätzen sei sie nicht gewachsen gewesen (Urk. 7/44/15 f.).
In der neuropsychologischen Beurteilung wurde festgehalten
, bei der Beschwerdeführe
rin bestehe
eine leichte bis mittel
schwere neuropsychologische Stö
rung mit
Funktionsschwächen in der Antwortreaktionsbereitschaft, in der Daueraufmerk
sam
keit/Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit, in der selektiven Aufmerksam
keit/Suppressionsfähigkeit, in der geteilten Aufmerksamkeit, im verbalen Arbeits
gedächtnis und in von diesen Basisfunktionen wesentlich abhängigen
weiteren Exekutivfunktionen. Es fänden
sich bei ihr auch Belege für eine Gedächtniskon
solidationsschwäche.
Diese Funktionsstörungen entsprä
chen im Wesentlichen jenen, die bei einer Depress
ion in der Regel zu erheben seien
. Möglicherweise
wür
den
sich darin aber auch intermittierend Störeinflüsse von Seiten der Epilepsie bemerkbar
machen
. Diese könn
t
en von neuropsychologischer Seite
her
aber nicht
selektiv identifiziert werden (Urk. 7/44/28).
Die mit der Beschwerde
führerin durchgeführten Symptomvalidierungstests sowie die Auswertung einge
betteter Indikatoren hätten lediglich einen einzigen diesbezüglich auffälligen Wert erge
ben. In der gesamtheitlichen Betrachtung aller Indikatoren sowie des klinischen Gesamtbefundes sei die Leistungsbereitschaft der Beschwerdeführerin und damit auch die Authentizität der erhobenen neuropsychologischen Befunde trotz dieses auffälligen Einzelbefundes als überwiegend wahrscheinlich gewährleistet zu be
urteilen
(Urk. 7/44/26 f.). Die
Konsistenz der erhobenen Daten sei mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit gegeben (Urk. 7/44/29).
Der begutachtende Psychiater führte in seinem Teilgutachten Folgendes aus: So wie
sich
die Beschwerdeführerin aktuell präsentiere, sei
sie im Alltag
zuhause nicht wesentlich einge
schränkt, sie pflege
auch einige w
enige soziale Kontakte, sie könne ihre Belange weitgehend regeln. Teilweise habe
sie allerdings Mühe,
sich an gewisse Umstände zu hal
ten, wie auch
die Abklärungen aufzeig
en
wür
den
, in
dem sie wenig strukturiert wirke. Es könne
aufgrund der Angaben bestätigt werden, dass
eine etwa mittelschwere depressive Störung vorliege
, die sich in einem Rückgang der Freude, Interessenrückgang und Verminderung des Antrie
bs mit Ermüdbarkeit manifestiere
. Es
würden sich
auch Hinweise auf kognitive Schwierigkeiten, die durchaus mit de
r depressiven Störung zusammenhi
ngen
,
und eine allgemein eher
negativistische
Haltung
zeigen. Die Beschwerdeführerin weise
auch einen ziemlich unstrukturierten Tagesablauf auf, wo
bei
sie sich
tags
über teilweise lange ausruhe
und d
ann unter Schlafstörungen leide
,
welche
sie mit der Me
dikation ordentlich angehen könne
. Subjekt
iv bestehe
ein Appetitrück
gang, allerdings ohne relevante Ge
wichtsveränderung. Im Alltag sei die Be
schwerdeführerin
ansonsten nicht wesentlich beeinträchtigt und in der Lage
,
ihre Aufgaben
wahrzunehmen.
S
ie pflege
auch z
wischenmenschliche Kontakte, sei
in der Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt
und
k
önne
Termine wahrnehmen.
Sie benötige keine Unterstützung.
Es
könne
demnach nicht von einer gravierenden depressiven Störung ausgegangen werden, was allerdings im Gegensatz
zu der subjektiven Leistungsein
schränkung steh
e
, die aus psychiatrischer Sicht in
die
sem Ausmass nicht zu begrün
den
sei.
Für eine volle Einschränkung der Arbeits
fä
higkeit müssten auch im Alltag
wesentlic
h
höhere Beeinträchtigungen vorlie
gen.
Es
habe sich auch gezeigt,
dass im Wesentlichen psychosoziale Umstände eine Rolle spiel
t
en, indem die
Beschwerdeführerin
je nach Belas
tung vermehrt depressiv reagiere. I
n den letzten Jahren
seien
Beziehungsprobleme und Schwie
rigkeiten in der Erziehung
des
Sohn
es
im Vordergrund
gestanden
. Es
könnten
insgesamt daher wohl eine verminderte Belastbarkeit und
ein
erhöhter Erholungs
bedarf angenommen werden, doch sollte es
der Beschwerdeführerin
möglich sein, zumindest in Teilzeit eine einfach strukturierte Tätigkeit durchzuführen.
Objektiv fänden sich Hinweise auf kognitive Beeinträchtigungen. Die Beschwerdeführerin wirke unstrukturiert, habe auch Mühe, rechtzeitig zu Terminen zu erscheinen, wobei diesbezüglich möglicherweise auch
motivationelle
Probleme eine Rolle spielten. Stimmungsmässig sei sie subdepressiv
verstimmt oder allenfalls leicht
gradig depressiv, eher etwas kraftlos (Urk. 7/44/53). Es sei schwierig abzuschät
zen, ob eine Aggravation vorliege. Eine solche sei aber durchaus anzunehmen, da bei einer mittelschwer depressiven Störung in der Regel nicht eine derart hohe subjektive Einschränkung in einer Erwerbstätigkeit begründet werden könne (Urk. 7/44/54). Die Beschwerdeführerin verfüge über einige Ressourcen, die sie grundsätzlich ausnützen könnte, sie wirke aber wenig motiviert dazu (Urk. 7/44/55). Es falle auf, dass die Beschwerdeführerin nur wenig vorbereitet zu den Abklärungen erschienen sei. Zudem habe sie offensichtlich Mühe gehabt, den Ort der Abklärung zu finden, da sie sich nicht vorgängig vorbereitet habe oder frühzeitig genug erschienen sei. In der Untersuchungssituation selbst habe sie nicht derart schwer depressiv gewirkt,
als
dass die angegebene Passivität nach
vollzogen werden könnte.
Es würden sich demnach Hinweise auf gewisse Inkon
sistenzen zeigen. Es könne zudem aufgrund der in den Akten erwähnten psycho
sozialen Belastungsfaktoren nicht alleine aufgrund des psychischen Zustands
bilds eine volle Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nachvollzogen werden. Trotz der subjektiv starken Einschränkung sei die Beschwerdeführerin offensichtlich in der Lage, eine Beziehung zu führen, die sie auch als gut erlebe, was andererseits nicht zur angegebenen Depressivität passe (Urk. 7/44/58).
3.2
Im Austrittsbericht der
B._
vom 14. Oktober
2016 wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin sei vom 10.
14. Oktober 2016 hospitalisiert gewesen. Der Eintritt sei vor dem Hintergrund einer bekannten psychosozialen Belastungssituation erfolgt. So hätten eine man
gelnde Kommunikation und Unstimmigkeiten im Zusammenleben mit dem 18
jährigen Sohn, welcher nach dem Rausschmiss aus dem betreuten Wohnen seit August 2016 wieder bei ihr wohne, zu Appetitlosigkeit, Schlafproblemen, innerer Leere, Gefühlen der Sinnlosigkeit und Gedankenkreisen geführt (Urk. 7/47/1).
4.
4.1
Zunächst ist festzuhalten, dass das Gutachten des
Y._
vom 9. August 2016 die Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten erfüllt (E. 1.4), wovon auch beide Parteien ausgehen.
Die
medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung
haben
aber
die Arbeitsfähigkeit –
mit Blick auf die n
ormativ vorgegebenen Kriterien –
je aus ihrer Sicht
zu
beurteilen.
Die Beschwerdegegnerin war damit nicht
verpflichtet, die ärztliche Einschätzung
tel
quel
zu übernehmen.
Sie ist korrekt vorgegangen, indem
sie
in der Beschwerdeantwort vom 20. Sep
tem
ber
2018 (Urk. 6)
eingehend geprüft
hat, ob und in welchem Umfang die gutachterlichen Feststellungen anhand der Indikatoren nach BGE 141 V 281 auf eine rechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen
(
vgl. das
Urteil des Bundesgerichts 9C_710/2018
vom 2.
April 2019
E. 4.2)
.
Der Beurteilung der Beschwerdegegnerin ist im Ergebnis zuzustimmen, was nachfolgend zu begrün
den ist.
4.2
In Bezug auf die Kategorie «funktioneller Schweregrad» ist festzustellen, dass die anlässlich der psychiatrischen Begutachtung erhobenen objektiven Befunde weit
gehend unauffällig waren. So hielt der begutachtende Psychiater
insbesondere fest,
der Beschwerdeführerin sei es gelungen, problemlos während der gesamten Untersuchung entspannt im Stuhl sitzen zu bleiben.
Der Affekt wirke subdepres
siv verstimmt, eher resigniert, im Verhalten eher passiv, abwartend (Urk. 7/44/49)
oder allenfalls leichtgradig depressiv (Urk. 7/44/53).
So, wie sie sich aktuell prä
sentiere, sei sie im Alltag zu Hause nicht wesentlich eingeschränkt und sei in der Lage, ihre Aufgaben sowie Termine wahrzunehmen. Teilweise habe sie allerdings Mühe, sich an gewisse Umstände zu halten und wirke wenig strukturiert, wobei diesbezüglich möglicherweise auch
motivationelle
Probleme
eine Rolle spielen würden (Urk.
7/44/53). Wenngleich
der
begutachtende Psychiater sodann aus
führte, es würden sich auch Hinweise auf kognitive Schwierigkeiten zeigen, die durchaus mit der depressiv
en Störung zusammenhingen (Urk.
7/44/52), ist darauf hinzuweisen, dass die von der Beschwerdeführerin geschilderte Konzentrations- und Gedächtnisstörung anlässlich der neurologischen Konsultation nicht na
ch
vollzogen werden konnte (Urk.
7/44/41). Hinzu kommt, dass der psychiatrische Gutachter eine allgemeine
negativistische
Haltung beschrie
b (
Urk.
7/44/52) und von einer – zumindest teilweisen –
Aggravation ausging (Urk.
7/44/54). Sodann besteht gemäss neuropsychologischer Evaluation bloss eine leichte bis mittel
schwere neuropsychologische Störung, deren Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit nicht quantifiziert wurde. Schliesslich erfolgte im neuropsychologischen Teilgutachten der Hinweis, dass die Beschwerdeführerin
seit Jahren gesundheits
be
dingt arbeitslos und von der Sozialfürsorge abhängig sei. Es bestehe seit Jahren eine grosse Besorgnis betreffend den
mittlerweile nicht mehr im gleichen Haus
halt wohnenden
Sohn
. Beide Umstände hätten einen möglichen Einfluss auf das psychische Befinden der Besch
werdeführerin und auch auf ihre
kognitive Funk
tionsfähigkeit (Urk. 7/44/28).
Bei der Beschwerdeführerin stehen
augenscheinlich
psychosoziale Belastungsfak
toren im Vordergrund, welche
immer wieder
direkt
e
negativ
e funktionelle Folgen (insbesondere stationäre und teilstationäre Aufenthalte in psychiatrischen Klini
ken)
zeitigen. Diese psychosozialen Belastungsfaktoren sind aber versicherungs
rechtlich
aus
zuklammern (
BGE 141 V 281 E. 4.3.3)
. Im Bericht der
B._
vom 30. Dezember 2014 wurde beispielsweise festgehalten, es bestünden verschiedene Belastungsfaktoren in der Umgebung der Beschwerdeführerin (Belästigung durch den Ex-Partner, konfliktvolles Verhältnis zum 16-jährigen Sohn, langjährige Arbeitslosigkeit und Epilepsie). Die Beschwerdeführerin sei während der teilsta
tio
nä
ren Behandlung in der Akut-Tagesklinik zweimal aufgrund kurzfristiger Eska
lation der häuslichen Situation mit dem Sohn in das Kriseninter
ven
ti
ons
zentrum im Haus eingetreten (Urk. 7/16/3). Auch der Eintritt in die
B._
am 10. Oktober 2016 mit stationärem Aufenthalt bis 14. Oktober 2016 erfolgte vor dem Hinter
grund einer bekannten psychosozialen Belastungssituation (vgl. E. 3.2).
Der begutachtende Psychiater hat die psychosozialen Belastungsfaktoren
zwar benannt. Dennoch scheinen sie bei der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
einge
flossen zu sein. So
hielt
er
fest, dass im Wesentlichen psychosoziale Umstände eine Rolle spielten
,
und
schlussfolgerte
,
insgesamt
könne
daher wohl eine ver
minderte Belastbarkeit und ein erhöhter Erholungsbedarf angenommen werde
n
, doch sollte es möglich sein, zumindest in Teilzeit eine einfach strukturierte Tä
tigkeit durchzuführen (Urk. 7/44/53). Angesichts des Umstands, dass der begut
achtende Psychiater die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begutachtung bloss als «
subdepressiv verstimmt
» beziehungsweise als «leichtgradig depressiv» be
zeichnete, lässt sich eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
nicht rechtfertigen, wenn im Wesentlichen psychosoziale Umstände für die psychische Verfassung verantwortlich gemacht werden. Auch der begutachtende Neuropsychologe hielt dafür, dass die psychosozialen Belastungsfaktoren einen möglichen Einfluss auf das psychische Befinden der Beschwerdeführerin und damit auch auf ihre kogni
tive Funktionsfähigkeit habe (Urk. 7/44/28).
Angesichts dieser Feststellungen
kann dem Fazit der Beschwerdegegnerin,
es lie
ge
lediglich
ein geringer
Schweregrad des psychischen Leidens
vor
(Urk. 6 S. 2),
ohne Weiteres
gefolg
t werden.
Dass der begutachtende Psychiater die Diagnose einer mittelschweren depressiven Störung stellte, wird
dabei
weder
übergangen,
noch wird –
entgegen der Ansicht der Bes
chwerdeführerin (Urk. 11 S. 2) –
von der Beschwerdegegnerin ein verfälschtes Bild gezeichnet,
resultiert aus einer Diagnose –
mit oder ohne diagnosein
härenten Bezug zum Schweregrad –
allein noch keine verlässliche Aussage über das Ausmass der mit dem Gesundheitsscha
den
korrelierenden funktionellen Leistungseinbusse bei psychisc
hen Störungen (BGE 143 V 418 E.
6).
Was die Prüfung der übrigen Indikatoren anbelangt, ist darauf hinzuweisen, dass diese
bei
im Vordergrund stehenden psychosozialen Faktoren sowie
aufgrund des
Umstands, dass der begutachtende Psychiater von einer Aggravation
und fehlen
der Motivation der Beschwerdeführerin
ausging,
nicht
stark ins Gewicht
zu
fallen
vermögen
.
Dennoch sind zu den übrigen Indikatoren folgende Bemerkungen an
zufügen:
Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend
erwähnte
, besteht zwar eine Komorbidität, da die Beschwerdeführerin an einer Epilepsie leidet. Diese hat jedoch lediglich in qualitativer Hinsicht Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin (Urk. 7/44/42). Die Beschwerdeführerin gab
sodann
selbst an, i
hre Epilepsie beeinträchtige sie
in ihrer Arbeitsfähigkeit kaum
(
Urk.
7/44/14).
Der begutachtende Psychiater gelangte
ausserdem
zum Schluss, die Beschwerdefüh
rerin verfüge über einige Ressourcen, die sie grundsätzlich aus
nützen könn
t
e, sie wirke aber wenig motiviert dazu (Urk. 7/44/55).
Das Vorhandensein von Ressour
cen
im Zeitpunkt der Begutachtung
ist unter Hinweis auf die
vorstehend wieder
gegebenen Schilderungen der Beschwerdeführerin
anlässlich der gutachterlichen Untersuchungen
(E. 3.1
) zu bestätigen. Wenn die Beschwerdeführerin
replicando
vorbringt, ihr soziales Netz habe sich seit der Begutachtung im Jahr 2016 noch
mals verkleinert, sie pflege kaum noch soziale Kontakte und führe auch keine Beziehung mehr
, da ihr dazu die Kraft fehle
(Urk. 11 S. 3),
ist
in diesem Zusam
menhang wiederum
dem Umstand Rechnung zu tr
agen, dass
nach der Begutach
tung
durch die Rückkehr des Sohnes in den Haushalt der Beschwerdeführerin eine massive Belastungssituation aufgetreten ist
,
welche selbstredend auch Auswir
kungen
auf die Ressourcen
haben kann
.
Dasselbe gilt in Bezug auf die nach der Begutachtun
g erfolgten Therapiemassnahmen, welche im Zusammenhang mit der
durch die Belastungs
situation verursachte Verschlechterung der psychischen Ver
fassung der Be
schwer
deführerin durchgeführt werden mussten.
4.
3
Zusammenfassend kann damit gestützt auf die Folge
n
abschätzung
mittels Stan
dardindikatoren (E.
1.2.2) an der ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsschätzung der Gutachter nicht festgehalten werden, sondern es ist darauf abzustellen, dass der Beschwerdeführerin zumindest in einer angepassten Tätigkeit (einfache und be
kannte, von Routinen bestimmte T
ätigkeiten ohne Zeitdruck, Urk.
7/44/59
-60) eine Beschäftigung von 100
% zumutbar ist.
5
.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
In der angefochtenen Verfügung vom 3. Juli 2018 nahm die Beschwerdegegnerin einen Einkommensvergleich vor und stellte für die Ermittlung des
Validenein
kommens
au
f statistische Werte, konkret auf das Einkommen im Finanzwesen (Zentralwert)
für das Jahr 2015 von Fr. 65'641.
30, ab
(Urk. 2)
.
Dieses Vorgehen vermag indessen nicht zu überzeugen. Im Jahr 2009 war die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben lediglich auf Probe als Kreditoren-/Debitoren-Buchhal
terin
angestellt (Urk. 7/44/16);
ü
ber eine Ausbildung im Bereich Buchhaltung ver
fügt sie nicht. Es erscheint daher angemessen, das Einkommen bei der
C._
heranzuziehen, wo die Beschwerdeführerin in den Jahren 2001 bis Mitte 2008 angestellt war und
fast durchwegs ein jährliches
Einkommen von Fr.
54'600.--, so auch no
c
h im Jahr 2007,
erzielt hatte
(Urk. 7/14/2 f.).
A
ngepasst an die Nomi
nallohnentwicklung ergibt sich im Jahr 2015
(frühestmöglicher Rentenbeginn nach der Anmeldung im Juli 2014 [Art. 29
Abs. 1 IVG]) somit
ein
Validenein
kommmen
von Fr. 59
’
762
.
-- (
Indexstand 2454 [2007
] auf 2686 [2015];
vgl. Bun
desamt für Statistik,
Schweizerischer Lohnindex
,
Landesindex der Konsumenten
preise,
T
39,
Entwicklung der Nominal
löhne, der Konsumentenpreise un
d der Reallöhne, 1976-2018,
Nominallöhne
Frauen
).
5.3
Da der Beschwerdeführerin die bisherige Arbeitstätigkeit nicht mehr zumutbar ist, sind zur Bemessung des Invalideneinkommen
s die Tabellenlöhne der Schwei
ze
rischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2014 heranzuziehen.
Der Beschwerdeführe
rin
, welche
eine
bloss
zweijährige Bürolehre absolviert hat (Urk. 7/7/5), sind nur noch einfache und bekannte, von Routinen bestimmte Tätigkeiten ohne Zeitdruck zumutbar
(Urk. 7/44/59)
, unter Vermeidung von
Tätigkeiten an unfall- oder ver
letzungsträchtigen Maschinen und Geräten, Tätigkeiten in ungeschützten Höhen oder fahrausweispflichtigen Kraftfahrzeugen oder Tätigkeiten mit alleiniger Ver
antwortung für
schutzbefohlene
Personen
(Urk. 7/44/64). Abzustellen ist daher auf das
standardisierte monatliche Einkommen für
weibliche
Arbeits
kräfte (LSE 2014, TOTAL in der Tabell
e TA1) im Kompetenzniveau 1 von Fr. 4‘300.--. Dieses monat
liche Einkommen ist unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2015 von 41,7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Sta
tistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsa
bteilungen [NOGA 2008], in Stun
den pro Woche, 2004-2015, A-S 01-96) sowie der Nominallohnentwicklung bi
s ins Jahr 2015 (Indexstand 2673
[2014]
auf 2686 [2015];
vgl. Bundes
amt für Statistik,
Schweizerischer Lohnindex
,
Landesindex der Konsumenten
preise,
T
39,
Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise un
d der Reallöhne, 1976-2018
,
Nominallöhne
Frauen
) au
f ein Jahreseinkommen
hochzurechnen. Es resul
tiert somit
ein Invalideneinkommen von Fr.
54’055
.
--
(
Fr. 4‘
300
.--
x
12 :
40 x 41,7: 2673 x
2686
).
5.4
Die aus dem Einkommensvergleich resultierende Erwerbseinbusse beträgt dem
nach Fr.
5’707
.-- (
Valideneinkommen
von
Fr. 59’762
.
-- abzüglich Invalidenein
kommen von
Fr. 54’055
.
--
), was einem rent
enausschliessenden Invaliditäts
grad von gerundet
10
% entspricht.
Selbst wenn – wofür kein Anlass besteht – ein leidensbedingter Abzug von
maximal 2
5 % gewährt und sich das Invalidenein
kommen auf Fr.
40'541.--
reduzieren würde, ergäbe sich noch immer ein
rent
en
ausschliessender Invaliditäts
grad von
32
%.
6.
Nach dem Gesagten
erweist sich
die Beschwerde
somit
im Ergebnis
als unbegrün
det, weshalb sie abzuweisen ist.
7
.
7
.1
Gestützt auf die eingereichte Unterstützungsbestätigung des Sozialzentrums
D._
vom 18. Juli 2018 (Urk. 3) sowie in Anbetracht einer fehlenden Rechts
schutzversicherung (Urk. 1 S. 2) sind die Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechtspflege gemäss § 16 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
) gegeben. Der Beschwerdeführerin ist die beantragte un
entgeltliche Prozessführung somit zu gewähren.
7
.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Ausgangsgemäss sind diese der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Bewil
ligung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
7
.3
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.