Decision ID: 48a27662-6905-5f10-a457-ffda45c6925a
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die dominikanische Staatsangehörige X. Y. reiste am 8. Januar 2009 mit ihrer
Tochter W. Z. in die Schweiz ein und heiratete am 27. Februar 2009 den Schweizer
Bürger A. B. Im Rahmen des Familiennachzugs erhielten Mutter und Tochter am 16.
April 2009 eine Aufenthaltsbewilligung mit Gültigkeit bis 26. Februar 2010.
Am 16. Februar 2010 informierte A. B. das Ausländeramt (heute Migrationsamt) über
die Trennung von X. Y. und seine Absicht, die Ehegemeinschaft nicht wieder
aufzunehmen. Mit Verfügung vom
10. Juni 2010 verlängerte das Migrationsamt deshalb die Aufenthaltsbewilligung von X.
Y. und W. Z. nicht mehr und wies sie an, die Schweiz bis spätestens 22. August 2010
zu verlassen.
B./ Gegen die Verfügung des Migrationsamtes erhoben X. Y. und W. Z. durch ihren
Rechtsvertreter am 15. Juni 2010 Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement,
welcher mit Entscheid vom
4. Mai 2011 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe vom 9. Mai 2011 erhoben X. Y. und W. Z. durch Rechtsanwalt A.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, der angefochtene Entscheid
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des Sicherheits- und Justizdepartements vom 4. Mai 2011 sei, gleich wie die analoge
Verfügung des Migrationsamtes vom
10. Juni 2010, aufzuheben; die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerinnen sei
zu verlängern, allenfalls mit Bedingungen und Auflagen; von der Ansetzung einer
Ausreisefrist sei abzusehen; alles unter vollen Kosten- und Entschädigungsfolgen für
das Verfahren vor Migrationsamt, das Rekurs-verfahren vor dem Sicherheits- und
Justizdepartement und das Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht,
Parteientschädigung nach Ermessen. Im weiteren wurde beantragt, es sei eine gross-
zügig bemessene Frist für die Beschwerdebegründung anzusetzen und der
Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen.
(...).
Innert gesetzter Nachfrist reichten X. Y. und W. Z. am 25. Mai 2011 durch ihren
Rechtsvertreter die Beschwerdebegründung ein. Sie hielten an ihren Anträgen fest und
beantragten zusätzlich, das vorliegende Verfahren betreffend Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung inklusive das vorliegende
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren sei zu sistieren bis zur rechtskräftigen
Entscheidung über das Familiennachzugsgesuch bzw. Gesuch zum Verbleib beim
Lebenspartner.
(...).
Mit Schreiben vom 3., 6. und 12. Juni sowie 4. Juli 2011 orientierte der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerinnen über weitere, das Gesuch um Aufenthaltsbewilligung zum
Verbleib beim Lebenspartner vom 17. Mai 2011 betreffende Eingaben an das
Migrationsamt bzw. Justiz- und Sicherheitsdepartement. Im Rahmen des rechtlichen
Gehörs informierte das Migrationsamt am
10. Juni 2011, es beabsichtige das erwähnte Gesuch der Beschwerdeführerinnen
abzulehnen. In der Folge liessen die Beschwerdeführerinnen dem Verwaltungsgericht
durch ihren Rechtsvertreter verschiedene weitere Eingaben zukommen, die im
Wesentlichen darauf abzielten, das Verfahren zu sistieren bis zum Entscheid über den
Verbleib beim Kindsvater.
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Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,
soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1, abgekürzt VRP]). Die
Beschwerdeführerinnen sind zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 9. und 25. Mai
2011 wurden rechtzeitig eingereicht und entsprechen formal und inhaltlich den
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
Soweit die Beschwerdeführerinnen jedoch beantragen, die bisherigen, vor dem
Migrationsamt und im Rekursverfahren angeführten Argumente und Vorbringen hätten,
soweit durch die Entwicklung nicht überholt, als vollständig bestätigt und erneuert zu
gelten, ohne dass sie im einzelnen wiederholt würden, können sie nicht gehört werden.
Es ist nicht Aufgabe der Rechtsmittelinstanz, in vorinstanzlichen Eingaben der
Beteiligten nach Gründen zu suchen, weshalb der angefochtene Entscheid unrichtig
sein könnte (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen
2003, Rz. 921).
2. Die Beschwerdeführerinnen beantragen, das Verfahren vor Verwaltungsgericht sei
solange zu sistieren, bis das Migrationsamt das Gesuch um Verbleib beim
Lebenspartner der Beschwerdeführerin 1 vom 17. Mai 2011 rechtskräftig entschieden
habe.
Eine Sistierung bedeutet eine Abweichung vom Grundsatz einer möglichst
beförderlichen Fortführung und Erledigung des Verfahrens (Beschleunigungsgebot). Sie
bedarf daher einer Rechtfertigung. Eine Sistierung des Verfahrens ist anzuordnen,
wenn sie gesetzlich vorgeschrieben ist oder wenn ein anderes Verfahren anhängig ist,
dessen Ausgang von präjudizieller Bedeutung ist. Zulässig ist die Verfahrenssistierung
ausserdem, wenn sie aus wichtigen Gründen geboten er-scheint und ihr keine
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überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen (Cavelti/Vögeli,
a.a.O., Rz. 1093).
Das Migrationsamt kam im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum Gesuch um
Unterbreitung als schwerwiegender persönlicher Härtefall am 10. Juni 2011 zum
Schluss, es bestünden weiterhin keine hinreichenden Gründe zur Erteilung einer
ordentlichen Aufenthaltsbewilligung. Es fehle somit an der grundsätzlichen
Bereitschaft, eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, und der Fall müsse des-halb dem
Bundesamt für Migration nicht unterbreitet werden. Unter diesen Umständen besteht
für das Verwaltungsgericht keine Veranlassung, das Verfahren zu sistieren.
3. Streitgegenstand ist die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht davon ausging, die
Beschwerdeführerinnen hätten aufgrund der Trennung von A. B. keinen Anspruch auf
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und müssten die Schweiz verlassen.
3.1. Ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter achtzehn Jahren von
Schweizerinnen und Schweizern haben Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. (Art. 42 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer [SR 142.20, abgekürzt AuG]).
Es ist unstreitig, dass sich die Beschwerdeführerin 1 und ihr Ehemann trennten. Mit
Entscheid vom 15. Juli/13. August 2010 nahm der Einzelrichter des Kreisgerichts R.
vom Getrenntleben vormerk. Im weiteren wurde das Verwaltungsgericht mit Schreiben
vom 17. Mai 2011 darüber informiert, dass sich die Beschwerdeführerinnen beim
neuen Lebenspartner der Beschwerdeführerin 1 aufhalten. Somit besteht kein
Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 Abs. 1 AuG. Zu
prüfen ist nachfolgend, ob wichtige Gründe für das Getrenntleben bestehen.
3.2. Nach Art. 49 AuG besteht das Erfordernis des Zusammenwohnens nicht, wenn für
getrennte Wohnorte wichtige Gründe geltend gemacht werden und die
Familiengemeinschaft weiter besteht. Wichtige Gründe können gemäss Art. 76 der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, abgekürzt
VZAE) insbesondere durch berufliche Verpflichtungen oder eine vorübergehende
Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme entstehen.
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Die Beschwerdeführerin 1 macht geltend, es habe wichtige Gründe für eine Trennung
gegeben. Sie sei vom Ehemann schwer beleidigt worden. Mit der Trennung sei die
Überwindung der Eheprobleme bezweckt worden. Sie räumt aber selber ein, dass sich
die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung im Sommer 2010 zerschlagen habe, worauf
es später zum Verhältnis mit dem jetzigen Freund und Vater ihres werdenden Kindes
gekommen sei. Damit steht fest, dass die Eheleute spätestens seit Sommer 2010 nicht
mehr aus familiären Gründen vorübergehend getrennt leben. Nach der klaren Aussage
des Ehemanns, die eheliche Gemeinschaft nicht mehr aufnehmen zu wollen und
angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin 1 zwischenzeitlich mit ihrem
neuen Lebenspartner zusammenwohnt, ist von einer endgültigen Trennung
auszugehen.
3.3. Der Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art.
42 und 43 AuG besteht auch nach Auflösung der Ehe oder Familiengemeinschaft
weiter, wenn die Ehe-gemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine
erfolgreiche Integration besteht oder wichtige persönliche Gründe einen weiteren
Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Diese können namentlich vorliegen,
wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer erheblicher Gewalt wurde und die soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 1 und 2
AuG).
Es besteht kein Zweifel darüber, dass die Ehegemeinschaft weniger als drei Jahre
dauerte. Dies bestreitet auch die Beschwerdeführerin 1 nicht. Das von ihr angeführte
voreheliche Zusammenleben ist nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes nicht zu
berücksichtigen. Ebensowenig fällt die Vor-bringe der Beschwerdeführerin 1 ins
Gewicht, es sei nach der Trennung zu weiteren sexuellen Kon-takten gekommen (vgl.
Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Kommentar Migrationsrecht, Zürich 2008, N 4 zu Art. 50
AuG). Zu prüfen ist nachfolgend, ob wichtige persönliche Gründe einen weiteren
Aufenthalt der Beschwerdeführerinnen in der Schweiz erforderlich machen.
3.3.1. Art. 50 AuG bezweckt die Vermeidung von schwerwiegenden Härtefällen bei der
Auflösung der ehelichen Gemeinschaft (BBl 2002, S. 3753). Ein weiterer Aufenthalt in
der Schweiz kann sich etwa dann als gerechtfertigt erweisen, wenn der in der Schweiz
lebende Ehepartner verstorben ist oder wenn aufgrund der gescheiterten Ehe die
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familiäre und soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark erschwert wird. Dies
gilt auch, wenn gemeinsame Kinder vorhanden sind, zu denen eine enge Beziehung
besteht und die in der Schweiz gut integriert sind. Zu berücksichtigen sind jedoch stets
auch die Umstände, die zur Auflösung der Gemeinschaft geführt haben. Steht fest,
dass die im Familiennachzug zugelassene Person durch das Zusammenleben in ihrer
Persönlichkeit ernsthaft gefährdet ist und ihr eine Fortführung der ehelichen Beziehung
nicht länger zugemutet werden kann, ist dies beim Entscheid besonders in Rechnung
zu stellen. Demgegenüber ist eine Rückkehr zumutbar, wenn der Aufenthalt in der
Schweiz nur kürzere Zeit gedauert hat, keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft
wurden und die erneute Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt.
Dabei ist zu beachten, dass die Aufzählung in Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AuG nicht
abschliessend ist, so dass den Behörden ein gewisser Beurteilungsspielraum verbleibt.
Die eheliche Gewalt einerseits und die starke Gefährdung der sozialen
Wiedereingliederung im Herkunftsland andererseits können ihrem Ausmass und den
Gesamtumständen entsprechend bei der Beurteilung je für sich allein bereits einen
wichtigen persönlichen Grund begrün-den; die eheliche Gewalt muss dabei aber eine
gewisse Intensität erreicht haben. Unter Umständen können somit sowohl die eheliche
Gewalt wie auch die Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung im Herkunftsland
grundsätzlich einen wichtigen persönlichen Grund im Sinn von Art. 50 Abs. 2 AuG
darstellen; diese Bedingungen müssen nicht kumulativ erfüllt sein. Sind jedoch beide
Bedingungen erfüllt, drängt sich die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung für die
Ehegattin auf (BGE 2C_540/2009 vom 26. Februar 2010, E. 2.1; VerwGE B 2010/199
vom 26. Januar 2011 i.S. A.K., in: www.gerichte.sg.ch).
3.3.2. Die Beschwerdeführerinnen führen an, ihre Wiedereingliederung in der
Dominikanischen Republik sei stark gefährdet. Die Beschwerdeführerin 1 sei Studentin
gewesen und beide Eltern-teile lebten im Ausland; der Vater in den USA und die Mutter
in Rorschach. Sie hätte Probleme, in ihrem Heimatland eine Wohnung zu finden und
wäre fast sicher mit Arbeitslosigkeit konfrontiert. Für die Beschwerdeführerin 2 habe
die Rückkehr wohl langfristige traumatische Auswirkungen. Erschwerend komme nun
noch die Schwangerschaft der Beschwerdeführerin 1 hinzu.
Fest steht, dass die Beschwerdeführerin 1 ihr Heimatland im Alter von etwas mehr als
22 Jahren verliess, um in der Schweiz zu heiraten. Die Beschwerdeführerin 2 war zu
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diesem Zeitpunkt fünf Jahre alt. Bis dahin lebten sie nach eigenen Angaben bei ihren
Grosseltern bzw. Ur-Grosseltern, nachdem die Mutter der Beschwerdeführerin 1 im
Jahre 1996 zu ihrem Ehemann in die Schweiz gezogen war. Die Beschwerdeführerin 1
schloss die Schule nach eigenen Angaben mit dem Abitur ab und studierte
anschliessend Jurisprudenz. Angesichts dieser Umstände und insbesondere der relativ
kurzen Verweildauer in der Schweiz ist nicht nachvollziehbar, weshalb die familiäre und
soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland der Beschwerdeführerinnen stark
erschwert sein sollte. Insbesondere legen die Beschwerdeführerinnen nicht dar,
inwiefern sich die Situation in den letzten zweieinhalb Jahren derart verändert haben
sollte, dass sie nun weder Arbeit noch Wohnung finden könnten. Auch kann das
Verwaltungsgericht die Befürchtung nicht teilen, eine Rückkehr führe zu einer
Traumatisierung der Beschwerdeführerin 2. Immerhin lebte sie vor ihrem Umzug in der
Schweiz bereits fünf Jahre in ihrem Heimatland und dürfte in dieser Zeit auch Kontakt
zu anderen Kindern gepflegt haben. Es ist davon auszugehen, dass der Umzug in die
Schweiz und damit in eine völlig fremde Kultur wesentlich schwieriger gewesen sein
dürfte als die Rückkehr in das Heimatland.
3.3.3. Im weiteren wurde geltend gemacht, die Beschwerdeführerin 1 sei wiederholt
Opfer ehelicher Gewalt geworden. Ihr Ehemann habe ihr zwei- bis dreimal ins Gesicht
gesagt, sie solle doch dorthin arbeiten gehen, wo alle Dominikanerinnen arbeiteten,
womit er Nachtclub-Tätigkeit bzw. Prostitution im Auge gehabt habe. Die durch diese
respektlosen Äusserungen verursachten Persönlichkeitsverletzungen erreichten sehr
wohl jenen Level, der ein weiteres Zusammenleben als Ehegatten unzumutbar mache.
Es ist den Beschwerdeführerinnen zuzustimmen, dass auch Beschimpfungen und
Beleidigungen als eheliche Gewalt zu werten sind. Es muss jedoch eine gewisse
Erheblichkeit vorliegen, damit sich eine betroffene Person auf Art. 50 Abs. 2 AuG
berufen kann (Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009,
Rz. 14.54). Das Verwaltungsgericht hielt in einem Urteil aus dem Jahre 2008 dazu fest,
es seien konkrete Hinweise auf die Misshandlung erforderlich. Verbale, tätliche und
andere Angriffe müssten sodann so massiv sein, dass die Fortführung der ehelichen
Beziehung für den davon betroffenen Ehegatten unzumutbar werde. Andernfalls
bestehe die Gefahr der rechtsmissbräuchlichen Berufung auf häusliche Gewalt. Daran
vermöge grundsätzlich nichts zu ändern, dass die Beweisführung insbesondere bei
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psychischer Misshandlung im Rahmen von häuslicher Gewalt schwierig sei (VerwGE B
2008/4 vom 3. April 2008 i.S. E.S., in: www.gerichte.sg.ch). Vorliegend ist die gefordert
Intensität nicht erreicht, denn die Beschwerdeführerin 1 hat nach eigenen Angaben bis
im Sommer bzw. Herbst 2010 versucht, die eheliche Gemeinschaft zu retten.
Offensichtlich erlebte sie die von ihr geschilderten Beschimpfungen nicht als derart
schmerzhaft, dass ihr ein weiteres Zusammenleben mit dem Ehemann als geradezu
unzumutbar erschien.
3.3.4. Die Beschwerdeführerinnen rügen im weiteren eine Verletzung von Art. 8 der
Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(SR 0.101, abgekürzt EMRK) und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101,
abgekürzt BV). Diese Normen gewährleisten das Recht auf Achtung des Privat- und
Familienlebens. Darauf kann sich eine Person mit ausländischer Staatsangehörigkeit
berufen, wenn sie einen Rechtsanspruch auf Anwesenheit in der Schweiz hat (vgl.
ausführlich BGE 126 II 377 ff. E. 2 b, c; BGE 130 II 281 ff. E. 3.1).
Das Verwaltungsgericht hat in einem Entscheid im Jahre 2007 festgehalten, nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts gewährleiste das Recht auf Schutz des
Familienlebens, welches gestützt auf Art. 8 EMRK einen Anspruch auf eine
fremdenpolizeiliche Bewilligung verschaffen könne, vor allem die Beziehung zwischen
Ehegatten sowie zwischen Eltern und minderjährigen Kindern, welche im gleichen
Haushalt lebten. Der Anspruch auf Schutz des Familienlebens komme aber in gewissen
Fällen nicht nur bei der Kernfamilie im engeren Sinn zum Tragen, also bei der
Gemeinschaft von Eltern und Kindern (vgl. BGE 120 Ib 257 ff. E. d). Gehe es um
Personen, die nicht der eigentlichen Kernfamilie zuzurechnen seien, setze eine
schützenswerte familiäre Beziehung - in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung der
Strassburger Organe - voraus, dass der um die fremdenpolizeiliche Bewilligung
ersuchende Ausländer vom hier Anwesenheitsberechtigten abhängig sei (VerwGE B
2006/219 vom 23. Januar 2007 i.S. A.B., in: www.gerichte.sg.ch). Vor einer derartigen
Abhängigkeit kann vorliegend nicht die Rede sein. Die Beschwerdeführerinnen bringen
dies selbst auch nicht vor; sie sprechen lediglich von einer engen und intensiv gelebten
Beziehung zu der in der Schweiz lebenden Mutter bzw. Grossmutter der
Beschwerdeführerinnen.
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Unbehelflich ist sodann die Berufung auf Art. 14 BV, dessen Schutzobjekt das Recht
ist, unbeeinträchtigt durch staatliche, insbesondere polizeiliche Einschränkungen eine
Ehe einzugehen und eine Familie zu gründen (Häfelin/Haller/Keller, Schweizerisches
Bundesstaatsrecht, 7. Aufl., Zürich 2008, Rz. 391). Inwieweit diese Norm überhaupt
betroffen sein sollte, wird von den Beschwerdeführerinnen nicht dargetan.
3.3.5. Im weiteren führen die Beschwerdeführerinnen an, die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung tangiere ebenfalls die Art. 3, 10, 18 und 28 des
Übereinkommens über die Rechte des Kindes (SR 0.107; abgekürzt KRK), legen jedoch
wiederum nicht dar, inwiefern sie die zitierten Normen durch die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung als verletzt erachten. Es ist unstreitig, dass die Kinderaspekte
des vorliegend zu beurteilenden Falles einzelne Artikel der KRK berühren. Aus diesen
Normen ergeben sich jedoch keine rechtlichen Aspekte, welche nicht bereits im
Rahmen der verfassungs- und völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 50 Abs. 1 lit.
b AuG berücksichtigt wurden.
3.3.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nach der Auflösung der
Familiengemeinschaft keine Umstände vorliegen, die einen Anspruch auf die
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung auf der Grundlage von Art. 50 AuG begründen
könnten. Weder hat die Familiengemeinschaft drei Jahre gedauert, noch liegen
wichtige persönliche Gründe vor, die einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz
erforderten. Unter diesen Umständen kann auch offen bleiben, wie es sich mit der von
der Vorinstanz angeführten drohenden Sozialhilfeabhängigkeit der
Beschwerdeführerinnen verhält.
3.4. Besteht kein Rechtsanspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, ist über
die Erteilung bzw. Verlängerung der Bewilligung nach pflichtgemässem Ermessen zu
entscheiden. Nach Art. 96 Abs. 1 AuG berücksichtigen die zuständigen Behörden bei
der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse
sowie den Grad der Integration.
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3.4.1. Es ist der Vorinstanz grundsätzlich zuzustimmen, dass ein öffentliches Interesse
daran besteht, dass Ausländer, bei denen nach kurzem Aufenthalt in der Schweiz die
familiären Voraussetzungen für die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung wegfallen, das
Land wieder verlassen. Insbesondere ist auch zu beachten, dass die Schweiz im
Hinblick auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Bestand der schweizerischen
und der ausländischen Wohnbevölkerung gegenüber Ausländern ausserhalb des EU-
und EFTA-Raums in Fragen der Aufenthaltsberechtigung eine restriktive Politik verfolgt
(VerwGE B 2006/52 vom 8. Juni 2006 i.S. A.R.; VerwGE B 2010/190 vom 26. Januar
2011 i.S. A.B., beide in: www.gerichte.sg.ch). Bei der Beurteilung der Härtefälle nach
Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ist jedoch auf die Umstände des Einzelfalles abzustellen. Im
Gegensatz zur früheren Praxis zu den Ermessensentscheiden kann es hiebei nicht
darauf ankommen, wie stark der jeweilige Kanton das öffentliche Interesse an einer
restriktiven Einwanderungspolitik gewichtet. Dieser Gesichtspunkt kommt zwar
regelmässig bei einer Beurteilung nach Art. 18-30 AuG zum Tragen, bei Art. 50 Abs. 1
AuG ist hingegen wesentlich, ob die Verpflichtung des Ausländers, die Schweiz zu
verlassen, für ihn einen Härtefall darstellt. Daher ist die persönliche Situation des
jeweils Betroffenen entscheidend (BGE 137 II 1 E. 4.1).
3.4.2. Die Beschwerdeführerin 1 reiste anfangs 2009 im Alter von 22 Jahren mit ihrer
damals fünf-jährigen Tochter in die Schweiz ein. Folglich verbrachte sie einen grossen
Teil ihres Lebens in ihrem Heimatland und nur etwas mehr als zwei Jahre in der
Schweiz. Aus dieser kurzen Frist kann nicht bereits auf eine gute Integration
geschlossen werden. Dass sie sich um Arbeit bemühte und ihre Sprachkenntnisse
verbesserte, darf erwartet werden und ist nicht als Zeichen besonderer Verwurzelung
zu werten. Im übrigen ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin 1 derzeit
arbeitslos ist und damit den Nachweis einer gelungenen beruflichen Integration nicht
erbringen konnte. Aus den genannten Gründen erübrigt sich die beantragte persönliche
Befragung der Beschwerdeführerin 1.
Ins Gewicht fällt allerdings, dass sowohl die Mutter als auch der Vater der
Beschwerdeführerin 1 nicht in ihrem Heimatland leben. Diese Situation bestand jedoch
schon bevor die Beschwerdeführerinnen in die Schweiz ausreisten. Zudem bot sich der
Beschwerdeführerin 1 in der Vergangenheit zweimal die Chance, ihm Rahmen des
Familiennachzugs zu ihrer in der Schweiz lebenden Mutter zu ziehen. Diesbezüglich
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kann auf die Erwägungen der Vorinstanz (E. 4b.ee) verwiesen werden. Die
Beschwerdeführerin 1 verbrachte rund 22 Jahre in ihrer Heimat bei ihren Grosseltern,
schloss die Schule mit dem Abitur ab und nahm anschliessend das Studium der
Jurisprudenz auf (act. 65/Migrationsamt). Angesichts dieser Umstände erscheint es
nach der allgemeinen Lebenserfahrung wahrscheinlich, dass sie in ihrem Heimatland -
insbesondere aufgrund ihres Bildungswegs - über ein gewisses Beziehungsnetz verfügt
und nicht vor einer durchwegs düsteren Zukunft steht. Im Rekursverfahren gab die
Beschwerdeführerin 1 zudem an, seit dem Einzug bei ihrem Ehemann habe sie
Erinnerungsfotos von ihrer Heimat und früheren Bezugspersonen bei sich gehabt. Es
ist deshalb davon auszugehen, dass sie nach wie vor über freundschaftliche Kontakte
in ihre Heimat verfügt, die sie bei ihrer Rückkehr nutzen kann.
Zu berücksichtigen ist im weiteren die Schwangerschaft der Beschwerdeführerin 1. Der
errechnete Geburtstermin ist gemäss ärztlicher Bestätigung am 28. September 2011.
Diese Tatsache alleine vermag jedoch keinen Anspruch auf die Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung zu begründen. Die Beschwerdeführerinnen reichten zwar, wie
erwähnt, ein Härtefallgesuch zum Verbleib beim Kindsvater ein. Das Migrationsamt
teilte ihnen jedoch mit, es beabsichtige das Gesuch abzulehnen. Zur Begründung kann
auf die Ausführungen des Migrationsamtes vom 10. Juni 2011 im Rahmen des
rechtlichen Gehörs zum Härtefallgesuch verwiesen werden. Ins Gewicht fällt dabei
besonders, dass keine Anerkennung der Vaterschaft durch den derzeitigen
Lebenspartner der Beschwerdeführerin 1 vorliegt und die Vaterschaft aufgrund der
Aktenlage somit nicht geklärt ist. Aufgrund der gesamten Umstände kann demnach
nicht gesagt werden, die neue Partnerschaft mit dem mutmasslichen Kindsvater sei auf
Dauer ausgelegt und rechtfertige eine grundsätzlich andere Beurteilung der Situation.
Daran ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin 1 und ihr derzeitiger Lebenspartner
im März 2011 eine gemeinsame Wohnung gemietet haben und eine Heirat anstreben.
Sollten aufgrund dieser Beziehung die Voraussetzungen für den Verbleib der
Beschwerdeführerin 1 in der Schweiz gegeben sein, kann sie ohne weiteres ein neues
Gesuch stellen. Folglich ergeben sich derzeit aus der Schwangerschaft der
Beschwerdeführerin 1 keine neuen Aspekte, die eine Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung als unverhältnismässig erscheinen liessen. Der
Schwangerschaft ist aber insofern Rechnung zu tragen, als das Migrationsamt bei der
Festlegung der Ausreisefrist den Geburtstermin gebührend zu berücksichtigen hat.
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3.4.3. Die Beschwerdeführerin 2 reiste im Alter von viereinhalb Jahren im Rahmen des
Familiennachzugs zu ihrer Mutter und ihrem Stiefvater in die Schweiz ein. Sie besuchte
vorerst den Kindergarten und wurde im August 2010 eingeschult. Ihre Lehrerin stellt die
schulische Situation nach anfänglichen Schwierigkeiten insgesamt als positiv dar.
Daraus kann jedoch nicht abgeleitet werden, eine Rückreise in das Heimatland sei
unzumutbar. Kinder in diesem Alter, insbesondere von Eltern mit internationalen
Bezügen, sind häufig solchen Wechseln ausgesetzt. Sie verfügen in aller Regel über die
dafür notwendige Anpassungsfähigkeit. Dies scheint auch vorliegend der Fall zu sein.
In den ärztlichen Berichten vom 4. November 2010 und 25. Mai 2011 wird die
Beschwerdeführerin 2 als psychisch unauffällig und gesund bezeichnet. Die Tatsache,
dass sie den Arzt in der Zeit vom 28. Oktober 2010 bis 25. Mai 2011 nur zweimal
wegen Windpocken und Bronchitis konsultieren musste, deutet zudem auf keine
aussergewöhnliche gesundheitliche Belastung hin, die eine Anwesenheit in der
Schweiz unbedingt erforderlich machte. Nachdem den Darstellungen der Lehrerin und
der Ärztin keinerlei Hinweise auf ernste schulische oder gesundheitliche Probleme zu
entnehmen sind, ist nicht ersichtlich, inwiefern die von den Beschwerdeführerinnen
verlangte zusätzliche Befragung dieser Personen weiteren Aufschluss über die
Befindlichkeit der Beschwerdeführerin 2 geben könnte. Darauf ist zu verzichten. In
diesem Zusammenhang wird zudem eine Befragung der Beschwerdeführerin 2 sowie
die Einholung eines kinderpsychologischen / psychiatrischen Gutachtens verlangt.
Dabei legen die Beschwerdeführerinnen jedoch nicht dar, welche relevanten
Erkenntnisse daraus gewonnen werden könnten. Einem solch allgemein formulierten
Antrag kann von vorneherein nicht stattgegeben werden. Im übrigen ist festzuhalten,
dass Äusserungen von Kindern durch die Eltern beeinflusst werden können und ihre
Aussagen entsprechend zu würdigen sind.
3.4.4. Die Beschwerdeführerinnen beantragen ohne nähere Begründung den Beizug
der Eheschutzakten des Kreisgerichts Rorschach und eine persönliche Befragung des
derzeitigen Lebenspartners der Beschwerdeführerin 1. Da nicht ersichtlich ist, was für
neue Erkenntnisse daraus gewonnen werden sollten, sind die Beweisanträge
abzulehnen.
3.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder die persönlichen Verhältnisse der
Beschwerdeführerinnen noch deren Integration in der Schweiz eine Rückkehr in ihr
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Heimatland als unverhältnismässig erscheinen lassen. Ein besonderer Härtefall liegt
nicht vor. Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht entschieden, die
Beschwerdeführerinnen hätten keinen Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung. Die Beschwerde ist demzufolge als unbegründet abzuweisen.
4. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht