Decision ID: dc114f22-5b83-4529-974e-0bf0cd2e22dd
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1976 geborene
X._
, Mutter von vier Kindern
, arbeitete zu 50
%
als Küchenhilfe
(Urk.7/6/2-5)
und betreute daneben ihre vier Kinder sowie den Haus
halt
(
Urk.
7/23/3)
, als sie am
9.
April 2007 mit dem Fahrrad stürzte und sich eine Fraktur des rechten Handgelenks zuzog. In der Folge entwickelte sich ein schwe
res komplexes regionales Schmerzsyndrom
(
Urk.
7/9/2-3)
. Vom
1.
April 2008
(
Urk.
7/47)
bis
zur Aufhebung per
Ende April 2012
nach
einer Besserung des Ge
sundheitszustandes
bezog sie eine
Dreivier
t
elsrente
der Invalidenversicherung
(
Urk.
7/96
,
Urk.
7/108
)
.
1.2
Am 2
9.
Oktober
2015 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine gesundheitliche Verschlechterung wegen einer Depression erneut z
um Leistungs
bezug an (
Urk.
7/118
-120). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
liess s
ie
durch die
Medas
Y._
internistisch, rheumatologisch
, psychiatrisch und neurologisch begutachten
(Expertise vom 1
9.
August 2016 [
Urk.
7/139])
und klärte
die Hilflosigkeit bei ihr zu Hause
ab
(Abklärungsbericht vom 2
1.
Juni 2017 [
Urk.
7/159]).
Jeweils nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
7/158,
Urk.
7/160,
Urk.
7/164
,
Urk.
7/184
) sprach ihr die IV-Stelle
zunächst
m
it Verfügung vom
6.
August
2017
ab
1.
No
vember 2015 eine ganze Rente (
Urk.
7/169,
Urk.
7/171)
und sodann mit Verfü
gung vom 1
9.
März 2018
ab
1.
November 2016 eine
Hilflosenentschädigung
für eine Hilflosigkeit leichten Grades zu (
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
9.
März 2018 erhob
die Versicherte, vertreten dur
ch
Milosav Milovanovic, am
1.
Mai 2018 Beschwerde mit dem Antrag, es sei ihr eine
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades zuzusprechen
. Mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
Mai 2018 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Davon wurde der Beschwerdeführerin am 3
1.
Mai 2018 Kenntnis gege
ben (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des
Bun
desgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenentschä
digung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die we
gen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV)
). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Le
bensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1.3
Gemäss
Art.
37
Abs.
2 IVV
gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versi
cherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.4
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungsan
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen
(vgl. auch
Rz
8131 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015).
Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgen
den Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhält
nisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergeben
den Beeinträchtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über phy
sische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigen
den Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsper
son näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE
133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.1 f.
). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt
der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4)
.
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Zusprechung einer
Hilflosenentschädigung
für eine Hilflosigkeit leichten Grades in der angefochtenen Verfügung damit,
die Abklä
rungen zu Hause bei der Beschwerdeführerin hätten ergeben, dass sie auf lebens
praktische Begleitung zur Strukturierung und Organisation des Alltags und Erle
digung des Haushalts angewiesen sei.
Im eingeholten Bericht des
Z._
werde überzeugend dargelegt,
dass sie auch
Hilfe im Bereich Körperpflege benötige. In diesem Arztbericht
werde
zudem
geltend gemacht, sie sei wegen der Schmerzen im rechten Arm und der Gebrauchsunfähigkeit des Arms auf Hilfe beim An- und Auskleiden angewiesen. Eine nähere Begründung fehle
aber
.
Ausserdem sei a
nlässlich der Abklärung vor Ort
noch
angegeben wor
den, die Beschwerdeführerin könne angepasste Kleidung mit dem linken Arm selbst an- und ausziehen.
Auch
aus dem
Medas
-Gutachten
ergebe sich
, dass sie den rechten Arm beim An- und Auskleiden hängen lasse, sich aber trotzdem alleine anziehen könne. Diese «Aussagen der ersten Stunde» seien massgeblich, da sie in der Regel unbefangener und zuverlässiger seien als spätere Aussagen, welche bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versiche
rungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein könnten
.
Dass aufgrund der funktionellen
Einarmigkeit
beim An-/Auskleiden Erschwernisse und eine Ver
langsamung bestünden, begründe gemäss dem
Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit
(
KSIH
) noch keine Hilflosigkeit.
Die lebenspraktische Begleitung sei im November 2015 installiert worden;
nach Ablauf des Wartejahres ha
be die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
für eine leichte Hilflosigkeit (
Urk.
2; vgl. auch
Urk.
6).
2.2
Die Beschwerdeführerin
macht
demgegenüber
geltend
,
sie habe Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades.
Ihren Standpunkt begründet sie damit, sie könne mit dem rechten dominanten Arm nichts mehr unternehmen. Die Schmerzen
breiteten
sich bis zur rechten Schulter und zum Hinterkopf aus und hinderten sie daran,
irgendwelche
Tätigkeiten aufzunehmen.
Die Ärzte
des
Z._
hätten
bestätigt
, dass sie beim An- und Aus
kleiden und bei der Körperpflege auf die Hilfe einer Drittperson angewiesen sei
.
Die Behauptung der IV-Stelle, sie müsse nur angepasste Kleidung tragen, welche mit einem Arm an- und abgezogen werden könne, sei inakzeptabel
. Bei schweren psychischen Beschwerden könne sie sich nicht alleine aus- und ankleiden, habe Angst, alleine
zu baden
,
und bei der Verrichtung der grossen Notdurft sei sie nicht in der Lage, sich alleine korrekt zu reinigen.
Beim Erlass der angefochtenen Verfügung
sei der Sachverhalt nicht genügend abgeklärt gewesen; auch habe
die
IV-Stelle die
Einschätzung
der behandelnden
Ärzte ungenügend berücksichtig
t
(
Urk.
1).
3.
3.1
Im
mit der
Neuanmeldung zum Leistungsbe
zug
vom 2
9.
Oktober
2015
(
Urk.
7/120)
eingereichten Formular
gab
die
Beschwerdeführer
in
an,
sie sei
für die alltäglichen Lebensv
errichtungen
dauernd und regelmässig
auf Dritthilfe
oder persönliche Überwachung
angewiesen; ebenso benötige sie eine
lebenspraktische Begleitung (
Urk.
7/119/6).
3.2
Das polydisziplinäre
internistische
, rheumatologisch
e
, psychiatrisch
e
und neuro
logisch
e
Gutachten der
Medas
Y._
vom 1
9.
August 2016
beruht auf Untersuchungen vom
7.
Juni und
2.
Juli 2016 (
Urk.
7/139/1). Der Expertise sind folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen: Ein schweres
chronifiziertes
depressives Zustandsbild, eine Schmerz
verarbeitungsstörung, ein komplexes regionales Schmerzsyndrom Typ I der rech
ten Hand, ein generalisiertes
myofasciales
Schmerzsyndrom der rechten Körper
hälfte sowie ein leichtes
zervikospondylogenes
Syndrom (
Urk.
7/139/24). Die Sachverständigen attestierten der Beschwerdeführerin wegen der dominierenden schweren psychischen Krankheit
mit schlechter Prognose eine vollständige Ar
beitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten (
Urk.
7/139/26-27).
Zusätzlich hielten sie fest, wegen der rheumatologischen Problematik habe die Beschwerdeführerin als funktionell einhändige Person zu gelten (
Urk.
7/139/21).
Zu
ihre
m
Alltag
gab die Beschwerdeführerin den
Gutachte
r
n
a
n, sie
wohne
mit ihrem Mann und den vier Kindern in einem 5-Zimmer-Haus. Sie selbst habe ein Zimmer mit WC im Erdgeschoss, weil
sie keine Treppen gehen könne. Die Haus
arbeiten würden durch den Mann und ihre Töchter erledigt.
Die älteste Tochter (geboren 1998) mache eine Lehre, die anderen drei Töchter (geboren 2002, 2003 und 2006) gingen noch zur Schule. Zusätzlich werde die Familie zweimal pro Woche durch eine Haushaltshilfe der Spitex unterstützt. Die Kinder müssten sich selbst versorgen, sie liege viel im Bett. Mittags bereite sie sich ein einfaches Essen zu, abends koche der Mann für die Familie. Da sie die rechte Hand nicht einsetzen könne, sei sie nicht in der Lage, zu kochen, die Wohnung zu reinigen, den Staub
sauger zu benützen und die Einkäufe nach Hause zu tragen.
Sie könne beispiels
weise noch die Kleider der Kinder aufheben und die Wäsche falten, Geschirr falle ihr oft aus der Hand.
Zudem könne sie zubereitete Mahlzeiten in der Mikrowelle
erwärmen
(
Urk.
7/139/15,
Urk.
7/139/31).
Wegen Schwindel sei sie bereits mehr
mals gestürzt, inzwischen müsse der Mann ihr beim Duschen helfen. Baden könne sie nicht mehr alleine. Anziehen könne sie sich dagegen alleine (
Urk.
7/139/16,
Urk.
7/139/32).
D
ie Gutachter
hielten fest
, die Beschwerdefüh
r
erin
habe
den rech
ten Arm bei den Untersuchungen am Körper
gehalten
, ohne diesen einzusetzen. Auch beim Aus-/Ankleiden habe sie die rechte Hand nicht benützt. Dies habe sie alleine mit der linken Hand gemacht
. Lediglich beim An- und Ausziehen der Socken habe sie Hilfe benötigt
(
Urk.
7/139/17,
Urk.
7/139/32
).
3.3
Im
Bericht vom 2
1.
Juni 2017 über die Abklärung einer allfälligen Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin bei ihr zu Hause am 1
2.
Januar 2017
werden als
fach
ärztliche Diagnosen
eine rezidivierende depressive Episode, ein CRPS rechts, eine Adipositas sowie ein zervikal und lumbal betontes
Panvertebralsyndrom
erwähnt. Laut dem Bericht gaben die Beschwerdeführerin und ihr Mann an, sie könne im Haushalt gar nichts machen. Der Haushalt werde vom Ehemann, den Töchtern und
teilweise der Spitex erledigt
; die zuständige Mitarbeiterin der Psychiatrie-Spitex betreue die Beschwerdeführerin zwei Mal pro Woche während zwei Stun
den.
Der Ehemann habe berichtet, dass
sie
auch mit der gesunden Hand nichts tun könne, alles falle ihr herunter. Manchmal sei ihr schwindelig; dann falle sie hin. Die Körperpflege werde vom Ehemann übernommen
(
Urk.
7/159/1-4
).
Die zuständige Mitarbeiterin der Spitex
habe
an
gegeben
, ihre Arbeit bestehe darin, die Beschwerdeführerin zu motivieren, ihren Ha
ushalt selber zu erledigen. Da s
ie sehr eingeschränkt sei, müsse
die Spitex-Mitarbeiterin
sämtliche Arbeiten,
welche nicht von der
Familie erledigt würden,
zusammen mit ihr erledigen, etwa das Zusammenlegen der Wäsche und die Reinigungsarbeiten.
Zu den Einschränkungen in den alltäglichen Lebensverrichtungen wird im
Bericht
angegeben, die Beschwerdeführerin könne sich selbständig
Ankleiden und Aus
kleiden. Alle Positionswechsel (Aufstehen, Absitzen, Abliegen) könnten selbstän
dig vorgenommen
werden
. Auch bezüglich Essen und Reinigung nach Verrich
tung der Notdurft sei die Beschwerdeführerin selbständig. Die geltend gemachte Einschränkung bei der Körperpflege könne nicht anerkannt werden
.
Laut d
er
Mit
arbeiterin der
Psychiatrie-S
pitex
könnte
sie
sich nämlich aus rein körperlicher Sicht waschen, auch die Haare. Bei der
in Anspruch genommenen Hilfe handle es sich überwiegend um Motivationsarbeit, also um indirekte Dritthilfe im Sinne von lebenspraktischer Begleitung.
Auch h
insichtlich des Bereichs Fortbewe
gung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte sei auf
die lebenspraktische Begleitung verwiesen:
D
ie Beschwerdeführerin
sei
seit November 2015
unter
?
erücksichtigung
der Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht dauernd und regelmässig auf lebenspraktische Begleitung angewiesen.
Ohne die regelmässige
Unters
t
ützung der Spitex
und ihrer Familie
während mindeste
ns zwei Stunden pro Woche wäre s
ie nicht in der Lage
,
selbs
tändig zu wohnen
. Zudem müsse sie bei allen ausserhäuslichen Verrichtungen und Kontakten begleitet werden
. Dem
gegenüber benötige sie keine dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe und
keine
persönliche Überwachung
(
Urk.
7/159/2-6).
3.4
Im Bericht
des
Z._
vom 1
8.
September 2017
nannten
m
ed.
pract
.
A._
, Assistenzärztin Psychiatrie und Psychotherapie, sowie
Dr.
phil.
B._
, klinischer Psychologe
,
als Diagnosen
eine gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, eine Adipositas per magna und Schmerzen im rechten Handgelenk wegen des CRPS, welche für das Ausmass der Hilflosigkeit relevant seien.
Nach einer Magenbypass-Operation habe sich das Gewicht verän
dert. Die Schmerzen in der rechten Hand und Körperhälfte bestünden unverändert weiter. Funktionell sei die Beschwerdeführerin insofern eingeschränkt, als dass sie sich nicht alleine an- und auskleiden könne. Ferner benötige sie Hilfe bei der Körperpflege,
weil
sie den rechten Arm wegen der Schmerzen nicht gebrauchen könne. Auch könne sie nicht selbständig wohnen
(
Urk.
7/173).
3.5
Mit interner Stellungnahme vom 1
3.
März 2018 würdigte die zuständige Mitar
beiterin des Abklärungsdienstes
Hilflosenentschädigung
der IV-Stelle den Arzt
bericht des
Z._
vom 1
8.
September 201
7.
Laut ihrer Beurteilung könne gestützt auf diesen Bericht davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin für gewisse Teilbereiche der Köperpflege Hilfe benö
tige, sodass für diesen Bereich eine Hilfsbedürftigkeit anerkannt werden könne.
Bezüglich An-/Auskleiden habe die Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung vor Ort klar gesagt, dass sie angepasste Kleidung selber an- und ausziehen könne. Auch dem
Medas
-Gutachten sei zu entnehmen, dass sie sich alleine anziehen könne. Die
anders lautenden
späteren Angaben im Bericht des
Z._
seien insbesondere hinsichtlich der Regelmässigkeit und Er
heblichkeit der benötigten Dritthilfe nicht begründet. Es sei auf die früheren «Aus
sagen der ersten Stunde» abzustellen, die in der Regel unbefangener und zuver
lässiger seien als spätere Darstellungen. Die funktionell einarmige Beschwerde
führerin könne den linken Arm normal gebrauchen. Deshalb sei es ihr zumutbar, angepasste Kleidung selbst an- und auszuziehen. Die bestehenden Erschwernisse und die Verlangsamung bei der Vornahme dieser Lebensverrichtung begründeten gemäss
Rz
8013 des KSIH keine Hilflosigkeit (
Urk.
7/184).
3.6
A
m 1
2.
April 2018
nahmen
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, und
Dr.
phil
.
B._
vom
Z._
zu
Han
den
des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin zu ihrem Antrag auf eine mit
telgradige
Hilflosenentschädigung
Stellung. Sie hielten fest, die Beschwerdefüh
rerin sei im Alltag weitgehend hilflos und könne praktisch nichts mehr selbstän
dig erledigen. Wegen der Schmerzen in der rechten Hand sei sie nicht in der Lage, sich ohne Hilfe der Familienangehörigen anzukleiden. Deshalb könne sie auch nicht mehr alleine Duschen, Kochen, Putzen, Waschen und Einkaufen (
Urk.
3).
4.
4.1
Unstrittig und aktenmässig ausgewiesen ist, dass
die Beschwerdeführerin in den alltäglichen Lebensverrichtungen
Aufstehen, Absitzen, Abliegen, Essen und Fort
bewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte nicht in
wesentlichem
Ausmass ein
geschränkt ist
(Urk.
7/159/3
)
. Dagegen ist sie bei der Körperpflege regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen, und sie bedarf lebensprakti
scher Begleitung im Sinne von
Art.
38 IVV (
Urk.
7/159/4-6)
. Strittig und zu prü
fen ist, ob
sie zusätzlich beim Ankleiden/Auskleiden
und der Verrichtung der Notdurft
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen
ist
und deshalb
nicht nur eine leichte, sondern eine mittelschwere Hilflosigkeit vorliegt.
4.2
Der Bericht
vom 2
1.
Juni 2017 über die Abklärung
der
Hilflosigkeit
zu Hause bei der Beschwerdeführerin ist, zusammen mit den präzisierenden Ausführungen in der ergänzenden Stellungnahme der Abklärungsperson vom 1
3.
März 2018, von eine
r
qualifizierten Person in
Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse
erstellt worden. In ihm werden die
im interdisziplinären Gutachten der
Medas
Y._
vom 1
9.
August 2016 und im Bericht der behandeln
den Ärzte des
Z._
vom
1
8.
September 2017
er
wähnten
Diagnosen und Einschränkungen
berücksichtigt, ebenso
die Angaben der Beschwerdeführerin und ihrer Spitex-Haushalthilfe
.
Der Berichtstext
ist
ge
nerell
plausibel, begründet und detailliert
.
Zudem wird im Bericht
aufgezeigt, in
wiefern die Schlussfolgerungen der Abklärungsperson von
den Angaben der Be
schwerdeführerin
und von der Einschätzung der behandelnden Ärzte abweichen
(
Urk.
7/159)
.
D
ie Abklärungsperson
stellte
auf die
übereinstimmenden
Angaben der Beschwer
deführerin gegenüber den
Medas
-Gutachtern
im Juni/Juli 2016
und während der Abklärung der Hilflosigkeit vor Ort
im Januar 2017 ab, wonach sie beim An- und Auskleiden nicht wesentlich
eingeschränkt sei
(
Urk.
7/139/16,
Urk.
7/159/2,
Urk.
7/184/1
)
. Im
Medas
-Gutachten wird vermerkt
, sie
habe sich mit dem noch funktionierenden
linken Arm an- und a
usgezogen und lediglich bei den Socken
Hilfe benötigt
(
Urk.
7/139/17)
.
Trotz
der
Erschwernisse beim An- und Auskleiden
aufgrund der funktionellen
Einarmigkeit
ist ein Bedarf an regelmässiger erhebli
cher Dritthilfe noch nicht ausgewiesen.
Auch ist die Annahme der Abklärungs
person, dass die Einschränkungen
durch das verwenden geeigneter Kleidung mi
nimiert werden können,
plausibel. Entgegen der Behauptung der Beschwerdefüh
rerin in der Beschwerde
schrift (
Urk.
1 S. 3)
finden sich
in den Akten
sodann keine
Hinweise
dafür, dass sie sich
in
schwer depressiven Phasen nicht alleine an- und auskleiden
könnte
.
Selbst wenn
sie in solchen Phasen
mitunter
dazu motiviert werden m
üsste, sich an- und aus
zukleiden, wären
entsprechende Hilfeleistung
en
unter die lebenspraktische Begleitung zu subsumieren
; darauf wurde im Abklä
rungsbericht in anderem Zusammenhang
zu Recht
hingewiesen (
Urk.
7/159/3)
.
Zu einem anderen Schluss
gelangten
die Ärzte
des
Z._
erst in
ihrem
Bericht
vom 1
8.
September 201
7.
Ihrer Ansicht nach
kann
sich
die Beschwerdeführerin nicht alleine an- und auskleiden. Da
dem
Bericht
zu entnehmen ist
, dass die Schmerzen in der rechten Hand und die Depression da
mals weitgehend unverändert fortbestanden
hätten
, ist von einer anderen Beur
teilung des gleichgebliebenen
Gesundheitszustandes durch
die
Fachleute
auszu
gehen
(
Urk.
7/173
/3
)
.
Die
IV-Stelle hat die
se
spätere Darstellung
der behandeln
den Ärzte auf Betreiben des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin nach Erhalt des Vorbescheids vom 2
8.
Juni 2017 eingeholt
(
Urk.
7/164/2,
Urk.
7/172
,
Urk.
7/184/1
)
. D
er
en unbefangenen, spontanen Aussagen der ersten Stunde ge
genüber der Abklärungs
person
(und den
Medas
-Gutachtern)
kommt
indes
grös
seres G
ewicht zu, weil sie noch nicht bewusst oder unbewusst
von versicherungs
rechtlichen Überlegungen beeinflusst wurden (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_741/2017 vom 1
7.
Juli 2018 E. 5.2.2).
Weil
die Ärzte des
Z._
ihre
- vom Gutachten und von der früheren eigenen Ein
schätzung -
abweichend
e
Sichtweise
zudem
nicht begründet
hab
en
(
Urk.
7/173/3)
,
gibt
ihr Bericht
k
einen Anlass
da
zu
,
von
der
ursprüngliche
n
An
nahme, die Beschwerdeführerin
sei
beim An- und Auskleiden nicht wesentlich eingeschränkt
, abzuweichen
.
Aus diesen Gründen stellen die Angaben der Abklärungsperson im Bericht vom 2
1.
Juni 2017 und
in
dessen Ergänzung vom 1
3.
März 2018
eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage zur Feststellung des Hilf
l
osigkeitsgrades dar
(
BGE
133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.1 f.
; vgl. auch vorstehende E. 1.4
)
.
4.3
Die zweite Stellungnahme der Ärzte des
Z._
vom 1
2.
April 2018 wurde e
rst nach Erlass der angefochtenen Verfügung
vom 1
9.
März 2018 erstellt. D
eshalb
ist
un
klar
, inwiefern im Bericht Verhältnisse wie
der
ge
geben werden, welche bereits im für das Gericht massgeblichen Beurtei
lungszeitraum bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung bestanden. Immerhin sind
der neusten Stellungnahme der behandelnden Ärzte
wie bereits
ihrem
frühe
ren Bericht vom 1
8.
September 2017
keine Anhaltspunkte für eine gesundheitli
che Verschlechterung zu entnehmen.
D
ie
der Beschwerdeführerin
attestierte Un
fähigkeit, sich selbständig an- und auszukleiden
,
wird
wie im Vorb
ericht
nicht begr
ündet. Deshalb
ist
auch
der Bericht des
Z._
vom 1
2.
April 2018 nicht geeignet, die Beweiskraft der
a
m
2
1.
Juni 2017
und
a
m
1
3.
März 2018
festgehaltenen Erhebungen der Abklärungsperson der IV-Stelle
zu erschüttern.
4.4
Soweit sich die Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift auf den Standpunkt stellt, auch beim Verrichten der Notdurft - und zwar betreffend
Körperreinigu
ng - regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen zu sein, findet dies in den Akten
k
eine Stütze. Im beweiskräftigen
Bericht vom 2
1.
Juni 2017
(vgl. E. 4.2)
über die Abklärung der Hilflosigkeit zu Hause
wurde gestützt auf die Angaben der Beschwerdeführerin festgehalten, dass sie die Reinigung nach der Verrichtung der Notdurft selbständig vornehmen könne (
Urk.
7/159/3). Warum diese Beurteilung unzutreffend sein sollte,
wird in der Beschwerdeschrift nicht näher begründet und
lässt sich auch den medizinischen Stellungnahmen nicht entnehmen.
Insbesondere w
urde
auch in den Berichten des
Z._
vom 1
8.
September 2017 und vom 1
2.
April 2018 kein
e
Hilfsbedürftigkeit
bei dieser Lebensverrichtung
festgestellt
(
Urk.
7/173/3,
Urk.
3).
D
a eine Hilfsbedürftigkeit der Beschwerdeführerin in den Bereichen Anklei
den/Auskleiden sowie Aufstehen, Absitzen und Abliegen
ohnehin
nicht
gegeb
en ist (vgl. E. 4.
1 und 4.3), ist folgerichtig auch bezüglich der
- abgesehen von der Körperreinigung -
weiteren vom
Verrichten der Notdurft umfass
ten Handlungen
(
Ordnen der Kleider und
Absitzen beziehungsweise
Wiederaufstehen
; vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
9C_633/201
2 vom
8.
Januar 2013 E. 4.2.2)
eine Hilflosigkeit zu verneinen.
Da von weiteren Abklärungen keine
entscheidrelevanten
neuen Erkenntnisse zu erwarten sind, ist darauf zu verzichten (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 13
7 V 64 E. 5.2
).
4.5
Mithin kann g
estützt auf
die
Angaben
der Abklärungsperson
davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin einerseits auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von
Art.
38 IVV
angewiesen ist und zum andern
(lediglich)
bei der Kör
perpflege
regelmässig in erheblicher Weise die Hilfe Dritter
benötigt
. Gemäss
Art.
37
Abs.
3 IVV
gibt der Bedarf an lebenspraktischer Begleitung und die er
hebliche Einschränkung in einer alltäglichen Lebensverrichtung Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
für eine leichte Hilflosigkeit. Die angefochtene Ver
fügung ist folglich rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
600.-- zulasten der unter
liegenden Beschwerdeführerin (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).