Decision ID: 5db9872a-55bd-4751-858d-51cf543c601f
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 2. Januar 2006 zum Bezug von IV-Rentenleistungen an
(act. G 6.1.1). Der Anmeldung legte die Versicherte ein ärztliches Zeugnis des
behandelnden Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, vom 11. November
2005 bei, worin dieser mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronifiziertes
lumbospondylogenes Syndrom mit belastungsabhängigen Rückenschmerzen
diagnostizierte. Eine leichte ausserhäusliche Tätigkeit sei der Versicherten zu
mindestens 50% zumutbar (act. G 6.1.2).
A.b Am 10. Mai 2006 nahm die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt der Versicherten
vor. Im Bericht vom 22. Mai 2006 hielt die Abklärungsperson fest, dass die Versicherte
im Gesundheitsfall weiterhin im Rahmen der letzten Tätigkeit (30% Pensum) einer
Heimarbeit und mit einem Pensum von 70% der Haushaltstätigkeit nachgehen würde.
Im Haushaltsbereich bestehe eine Einschränkung von 21.7% (act. G 6.1.17).
A.c Mit Vorbescheid vom 5. Juli 2006 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie
mangels erforderlichen Invaliditätsgrads keinen Rentenanspruch habe (act. G 6.1.26).
Dagegen erhob die Versicherte am 7. September 2006 Einwand (act. G 6.1.28).
Entsprechend dem Vorbescheid vom 5. Juli 2006 lehnte die IV-Stelle in der Verfügung
vom 16. Januar 2007 einen Rentenanspruch der Versicherten ab (act. G 6.1.36).
A.d Gegen die ablehnende Verfügung erhob die Versicherte am 16. Februar 2007
Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. Dieses hob die
Verfügung vom 16. Januar 2007 auf und wies die Sache zur weiteren Abklärung des
Sachverhalts (betreffend medizinische Situation sowie hypothetischer Erwerbsanteil) an
die IV-Stelle zurück (Entscheid vom 16. Juli 2008, IV 2007/85).
A.e Dr. B._ berichtete am 15. April 2009, dass die Versicherte an einem
invalidisierenden, therapieresistenten, chronischen lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom leide. Die Schmerzen hätten in den letzten 1 bis 2 Jahren
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zugenommen. Für die Tätigkeit als Hausfrau bestehe seit ungefähr einem Jahr eine
Arbeitsunfähigkeit von "ca. 66 2/3" (act. G 6.1.45-1 ff.).
A.f Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte in der MEDAS Ostschweiz am
21. und 23. September 2009 polydisziplinär (rheumatologisch und psychiatrisch)
untersucht. Die Experten diagnostizierten mit Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit ein chronifiziertes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts bei
muskulärer Dysbalance und Insuffizienz, lumbaler Hyperlordose und fortgeschrittener
erosiver Osteochondrose L5/S1. Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit stellten sie u.a. eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen Anteilen. Trotz radiologisch
festgestellter fortgeschrittener degenerativer Veränderungen und kleiner
rechtsforaminaler Diskushernie L5/S1 bestehe eine klare Diskrepanz zwischen den
klinischen Befunden und den von der Versicherten geschilderten Beschwerden. Bei
auch aktuell fehlenden Hinweisen für das Vorliegen einer lumboradikulären Reiz- oder
sensomotorischen Ausfallsymptomatik könne die Versicherte sowohl die zuletzt
ausgeführten Textilheimarbeiten wie auch andere körperlich leichte, leidensangepasste
Tätigkeiten in einem zeitlichen Rahmen von schätzungsweise 70% ausüben. Die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit betrage für den Haushaltsbereich 20 bis höchstens
30% (act. G 6.1.55).
A.g Im Vorbescheid vom 27. Januar 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht einen Rentenanspruch zu verneinen. Sie ermittelte im Rahmen eines
Einkommensvergleichs einen Invaliditätsgrad von 30% (act. G 6.1.60). Dagegen erhob
die Versicherte am 11. März 2010 Einwand. Sie beantragte, dass ihr mit Wirkung ab
Januar 2005 mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen sei. Im Wesentlichen rügte
sie, dass das MEDAS-Gutachten nicht beweiskräftig und bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens ein Leidensabzug von 25% zu gewähren sei (act. G 6.1.62).
A.h Die IV-Stelle lehnte in der Verfügung vom 23. März 2010 einen Rentenanspruch
der Versicherten ab. Zur Begründung gab sie an, dass die gutachterliche Einschätzung
aussagekräftig sei und kein Leidensabzug zu gewähren sei, da die Versicherte nur
invaliditätsfremde Faktoren geltend mache. Diese könnten keine Berücksichtigung
finden (act. G 6.1.67).
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B.
B.a Gegen die Verfügung vom 23. März 2010 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 4. Mai 2010. Die Beschwerdeführerin beantragt darin
unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache
mindestens einer Viertelsrente mit Wirkung ab Januar 2005. Sie rügt, dass der MEDAS
keine aktuelle MRI vorgelegen habe. Ferner sei auch die Aussage der Gutachter
bezüglich der Restarbeitsfähigkeit unklar. So äussere sie sich nicht zur Frage, wie hoch
die Leistungsfähigkeit im bescheinigten 70%igen Rahmen sei. Des Weiteren sei die
Auffassung der Beschwerdegegnerin unzutreffend, dass invaliditätsfremde Faktoren
beim Leidensabzug nicht berücksichtigt werden könnten (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 8. Juni 2010
die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich im Wesentlichen auf den Standpunkt,
dass das MEDAS-Gutachten beweiskräftig sei, da die vorgelegenen
Röntgenaufnahmen ausreichend gewesen seien für eine zuverlässige medizinische
Beurteilung. Bezüglich des Einkommensvergleichs bringt die Beschwerdegegnerin vor,
dass eine Einkommensparallelisierung vorgenommen werden müsse. Da die
Beschwerdeführerin nur noch leichte Hilfstätigkeiten ausführen könne, sei die
Vornahme eines 10%igen Leidensabzugs gerechtfertigt. Hingegen seien die geltend
gemachten invaliditätsfremden Faktoren bereits im Rahmen der
Einkommensparallelisierung berücksichtigt worden. Vor diesem Hintergrund ergebe
sich ein Invaliditätsgrad von 34% (act. G 6).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 29. Juni 2010 wird dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 8).
B.d In der Replik vom 24. September 2010 hält die Beschwerdeführerin unverändert
an ihrer Beschwerde fest. Ergänzend bringt sie vor, dass die
Einkommensparallelisierung wegen ungenügender Repräsentativität ohne 5%ige
Kürzung zu erfolgen habe. Bei der Bemessung des Leidensabzugs seien ein
Teilzeitabzug sowie die invaliditätsfremden Faktoren zu berücksichtigen (act. G 12).
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B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 14).
B.f Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts ersucht die Experten der MEDAS
Ostschweiz am 21. April 2011 um die Beantwortung von Ergänzungsfragen (act. G 16).
B.g Am 15. Juni 2011 reicht die Beschwerdeführerin einen Bericht von Dr. med.
C._, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie FMH, vom 20. Mai 2011 ein (act.
G 18 und G 18.1).
B.h Im Schreiben vom 21. Juni 2011 führen die Experten der MEDAS Ostschweiz aus,
dass sie von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen seien bzw. eine über das
attestierte Ausmass von 30% hinausgehende Arbeitsunfähigkeit aus medizinischer
Sicht nicht begründet werden könne. Der erhöhte Pausenbedarf sei bei der
bescheinigten 30%igen Arbeitsunfähigkeit bereits mit berücksichtigt. Auf die
Durchführung einer lumbovertebrospinalen Kernspintomographie sei verzichtet
worden, "weil weder aktenanamnestisch, aufgrund der aktuell von der
Beschwerdeführerin geschilderten Beschwerden noch der klinischen Befunde
Anhaltspunkte für das Vorliegen einer lumboradikulären Reiz- oder sensomotorischen
Ausfallsymptomatik" bestanden hätten. Eine ergänzende MRI-Untersuchung der LWS
hätte demnach keine relevante Bedeutung für die medizinische Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit gehabt (act. G 20).
B.i Die Beschwerdeführerin hält mit Stellungnahme vom 13. Juli 2011 daran fest,
dass die Vornahme eines neuen MRI für eine verlässliche Beurteilung der
Restarbeitsfähigkeit notwendig gewesen wäre (act. G 22).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) sowie des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
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der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467
E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 23. März
2010 (act. G 6.1.67) ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision begonnen hat (IV-
Anmeldung vom 2. Januar 2006, act. G 6.1.1). Demnach ist vorliegend auf den
Sachverhalt, wie er sich bis zum 31. Dezember 2007 entwickelt hat, auf die bis
31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen abzustellen. Auf die
Sachverhaltsentwicklung danach sind die per 1. Januar 2008 in Kraft getretenen
Rechtsänderungen anwendbar. Diese übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen
insofern keine materiellrechtlichen Folgen, als die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
2. Zwischen den Parteien ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin streitig.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
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mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
3.
Die Beschwerdegegnerin stellte bei der Bemessung der Restarbeitsfähigkeit auf das
Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 10. Dezember 2009 ab (act. G 6.1.55).
3.1 Nach der Ergänzung des Gutachtens durch die Stellungnahme der MEDAS-
Experten vom 21. Juni 2011 bringt die Beschwerdeführerin gegen die gutachterliche
Beurteilung nur noch vor, dass es nicht auf einem aktuellen MRI beruhe (act. G 22).
3.2 Die Gutachter begründeten einen Verzicht auf die Vornahme eines neuen MRI
damit, dass sich in den neu angefertigten Röntgenaufnahmen gegenüber den
Voraufnahmen keine neuen Gesichtspunkte von Relevanz bezüglich der Diagnosen
bzw. Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gefunden hätten. Es habe insbesondere auch
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keine über das altersphysiologische Mass hinausgehende Progredienz der bereits
vorgängig festgestellten degenerativen Veränderungen objektiviert werden können. Auf
die Durchführung einer lumbovertebrospinalen Kernspintomographie sei verzichtet
worden, weil weder aktenanamnestisch, aufgrund der aktuell von der
Beschwerdeführerin geschilderten Leiden noch der klinischen Befunde Anhaltspunkte
bestanden hätten für das Vor-liegen einer lumboradikulären Reiz- oder
sensomotorischen Ausfallsymptomatik. Eine ergänzende MRI-Untersuchung der LWS
hätte demnach keine relevante Bedeutung für die medizinische Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit gehabt (act. G 20).
3.3 Dagegen wendet die Beschwerdeführerin ein, die Gutachter selbst seien es ja
gewesen, die behauptet hätten, die von ihnen festgestellten Befunde würden sich mit
den subjektiven Angaben nicht im geschilderten Ausmass in Übereinstimmung bringen
lassen. Dann könne aber nicht erklärt werden, dass die "aktuell von der Versicherten
geschilderten Beschwerden" keine Anhaltspunkte hierfür gegeben hätten, dass eine
lumboradikuläre Reizsymptomatik vorliege. Die Gutachter hätten eine unzulässige
antizipierte Beweiswürdigung vorgenommen (act. G 22).
3.4 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung obliegt es Gutachtern zu
entscheiden, ob noch zusätzliche Röntgenaufnahmen oder MRI für eine Begutachtung
erforderlich sind. Allein der Umstand, dass solche später noch ergänzend erstellt
würden, bedeute nicht, dass diese Bildgebungen für die Begutachtung tatsächlich
erforderlich gewesen wären (Urteil des Bundesgerichts vom 15. April 2011,
8C_882/2010, E. 5.2). Vorliegend ist von Bedeutung, dass die Experten der MEDAS
bildgebende Untersuchungen veranlassten (LWS ap/seitlich vom 23. September 2009,
act. G 6.1.55-12) und gestützt darauf sowie auf die klinische Befunderhebung, einen
weiteren bildgebenden Ab-klärungsbedarf verneinten, zumal keine Hinweise für eine
lumboradikuläre Reiz- oder sensomotorische Ausfallsymptomatik vorgelegen hätten.
Ferner würdigten die Experten das am 28. September 2005 erstellte MRI
(lumbovertebrale Kernspintomographie), das abgesehen von einer auffälligen Atrophie
der paravertebralen Muskulatur keine weiteren nennenswerten Befunde ergab (act.
G 6.1.55-11 und G 6.1.55-17). Die Beschwerdeführerin legt nicht substantiiert dar,
welche von der medizinischen Beurteilung der Gutachter abweichenden Erkenntnisse
durch ein zusätzliches MRI zu erwarten gewesen wären. Damit geht einher, dass der
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behandelnde Dr. C._ - wie der rheumatologische Gutachter - die Ursache der
lumbalen Beschwerden in erster Linie in der erosiven Osteochondrose L5/S1 und den
übrigen seit längerem bekannten degenerativen Veränderungen erblickte. Zusätzlich
wies er auf eine wesentliche nicht-organische Komponente hin (Bericht vom 20. Mai
2011, act. G 18.1, S. 4; zu den damit korrespondierenden gutachterlichen Angaben vgl.
act. G 6.1.55-17 f.). Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die behandelnden Ärzte
offenbar ebenfalls keine Veranlassung für eine erneute lumbovertebrospinale
Kernspintomographie hatten, sondern vielmehr ein MRI des Iliosakralgelenks erstellten,
woraus sich im Übrigen keine neuen Gesichtspunkte im Zusammenhang mit den LWS-
Schmerzen ergaben (act. G 18.1, S. 4). Der Verzicht auf die Erstellung eines aktuellen
MRI's vermag daher die Beweiskraft der gutachterlichen Einschätzung nicht zu
erschüttern. Die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, ergänzt durch die
Stellungnahme vom 21. Juni 2011 (act. G 20), erfüllt sämtliche Anforderungen an
beweiskräftige Gutachten (vgl. hierzu BGE 125 V 352 E. 3a), weshalb darauf
abzustellen und für leidensangepasste Tätigkeiten von einer 70%igen
Restarbeitsfähigkeit auszugehen ist.
3.5 Der von der Beschwerdeführerin eingereichte Bericht von Dr. C._ vom 20. Mai
2011 (act. G 18.1) beschlägt im Übrigen nicht den bis zum Verfügungserlass vom
23. März 2010 eingetretenen Sachverhalt, weshalb sich Weiterungen hierzu erübrigen.
4.
Ausgehend von einer 70%igen Restarbeitsfähigkeit bleiben die erwerblichen
Auswirkungen zu prüfen.
4.1 Mit den Parteien ist davon auszugehen, dass das Valideneinkommen mangels
repräsentativer Grundlage (act. G 6, S. 3, und G 13, S. 4 f.) nicht gestützt auf die von
der Beschwerdeführerin lediglich bis 1998 erzielten Einkommen ermittelt werden kann
(zum IK-Auszug vgl. act. G 6.1.4). Es ist daher - wovon auch die Beschwerdegegnerin
ausgeht (act. G 6.1.67) - auf derselben Grundlage wie das Invalideneinkommen zu
erheben. Die von der Beschwerdegegnerin angeführte Rechtsprechung betreffend die
5%ige Kürzung bei unterdurchschnittlichem Valideneinkommen ist für den vorliegend
zu beurteilenden Fall nicht einschlägig. Es findet somit keine entsprechende
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Bereinigung statt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2011, 9C_882/2010,
E. 7.3.1 f.). Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben
Tabellenlohn zu berechnen, entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn gemäss BGE
126 V 75 (SVR 2008 IV Nr. 2, I 697/05 E. 5.4). Beim Invalideneinkommen ist in Form
eines entsprechenden Abzugs der Tatsache Rechnung zu tragen, dass persönliche und
berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre,
Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die
Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 323 E. 3b/aa) und je nach Ausprägung die
versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg
verwerten kann (BGE 126 V 80 E. 5b/aa). Dabei ist der Abzug unter Würdigung der
Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Er
darf 25 % nicht übersteigen (BGE 134 V 327 E. 5.2).
4.2 Die Beschwerdegegnerin erachtet einen 10%igen "Leidensabzug" für
angemessen, da die Beschwerdeführerin nur noch leichte Hilfstätigkeiten ausführen
könne. Im Weiteren seien sämtliche von der Beschwerdeführerin aufgeführten
invaliditätsfremden Faktoren mit der "Parallelisierung" bereits berücksichtigt worden,
weshalb diesbezüglich ein weiterer Abzug entfalle (act. G 6, S. 4).
4.2.1 Vorweg ist festzuhalten, dass vorliegend keine "Parallelisierung" der
Einkommen aufgrund unterdurchschnittlichem Valideneinkommens vorzunehmen ist,
sondern ein Prozentvergleich (vgl. vorstehende E. 4.1). Die allfällige Berücksichtigung
invaliditätsfremder Faktoren bei der Bestimmung des Abzugs ist diesfalls zulässig (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2011, 9C_882/2010, E. 7.3.1).
4.2.2 Der von der Beschwerdegegnerin für gerechtfertigt erachtete Abzug von
10% allein mit Blick auf den Umstand, dass die Beschwerdeführerin nur noch leichte
Hilfstätigkeiten ausführen kann (act. G 6, S. 4), erscheint als grosszügig. Denn die
angestammte Tätigkeit als Textilheimarbeiterin wurde gemäss beweiskräftiger
gutachterlicher Beurteilung als leidensangepasste Tätigkeit beschrieben. Bei der
Beschwerdeführerin sind daher keine grösseren lohnwirksamen
Umstellungsschwierigkeiten zu erwarten. Ihr steht aber nur noch ein Markt leichter
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Hilfsarbeitertätigkeiten offen, wobei zusätzliche Einschränkungen bestehen
(Wechselbelastung, keine Tätigkeiten in Wirbelsäulenzwangshaltungen oder mit
repetitiven Wirbelsäulenflexionen/-extensionen, act. G 6.1.55-18), weshalb ein Abzug
gerechtfertigt ist.
4.2.3 Die Beschwerdeführerin begründet nicht, weshalb sie aufgrund der
Faktoren Dienstjahre und Nationalität (act. G 12, S. 5 f.) einen Lohnnachteil zu
gewärtigen hätte. Ein solcher ist auch nicht ersichtlich. Da eine rasche Ermüdbarkeit,
Schwächezustände und mangelnde Flexibilität von den Gutachtern nicht - zumindest
nicht als Einschränkung der Arbeitsfähigkeit - beschrieben wurden und sich derlei auch
nicht aus den übrigen Akten ergibt, fällt ein Abzug aus diesen Gründen ausser
Betracht.
4.2.4 Hingegen schmälert das fortgeschrittene Alter der Beschwerdeführerin –
nicht zuletzt aufgrund der hohen Sozialkosten – den zu erwartenden Lohn zusätzlich
(vgl. zur Benachteiligung von Personen ab 50 Jahren auch Bundesamt für Statistik,
Erwerbstätigkeit der Personen ab 50 Jahren, 2008, S. 12). Zu beachten ist indessen,
dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 23. März
2010 noch über eine 10-jährige Aktivitätsdauer verfügte.
4.2.5 Bei der Bemessung des Abzugs ist nach der Auffassung der
Beschwerdeführerin auch der Umstand zu berücksichtigen, dass sie nur teilzeitlich
erwerbstätig sein könne (act. G 12, S. 5 f.). Allein gestützt auf die Angaben des
Bundesamtes für Statistik, wonach Frauen bei Teilzeitbeschäftigung im Vergleich zur
Vollzeitbeschäftigung einen höheren Grundlohn erwarten könnten, geht das
Bundesgericht in den letzten Jahren davon aus, dass Frauen - im Gegensatz zu
Männern - keinen lohnwirksamen Nachteil wegen teilzeitlicher Beschäftigung erfahren
und daher kein Teilzeitabzug zu gewähren ist (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts vom
26. August 2011, 8C_379/2011, E. 4.2.2.2 mit Hinweisen auf die Statistik; anders noch
in der früheren Rechtsprechung: in BGE 126 V 82 E. 7b sowie im Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 18. August 2000, I 68/00, E. 3b wurde betont,
dass "vor allem die Verdienstmöglichkeiten von Frauen durch eine Teilzeitarbeit
reduziert werden."; vgl. ferner auch Urteil EVG vom 27. September 2000, I 561/99,
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E. 3b/cc). Gemäss der - in der entsprechenden Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
nicht mehr enthaltenen - Tabelle "Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert) nach
Beschäftigungsgrad, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und Geschlecht, Privater
Sektor und öffentlicher Sektor (Bund) zusammen" des Jahres 2008 erzielten Frauen im
Anforderungsniveau 4 aufgerechnet auf ein Vollzeitäquivalent bei einem
Beschäftigungsgrad zwischen 50 und 74% einen Monatslohn von Fr. 4'244.--, was
gemessen am Total von Fr. 4'131.-- einen "Gewinn" von gerundet 3% ([Fr. 113.-- /
Fr. 4'131.--] x 100) ergibt. Allerdings bestehen keine plausiblen Gründe, weshalb ein
Arbeitgeber einer Arbeitnehmerin allein mit Blick auf einen reduzierten
Beschäftigungsgrad einen höheren Grundlohn bezahlen würde, zumal bei den Männern
gemäss genannter Tabelle gerade erheblich geringere Löhne bei Teilzeit resultieren und
Teilzeit-arbeitende - unabhängig vom Geschlecht - im Vergleich zu Vollzeitarbeitenden
relativ höhere Einstellungs-, Einarbeitungs-, Weiterbildungs- sowie Fixkosten
(Infrastruktur, Administration, höherer Koordinations- und Informationsaufwand)
verursachen. Gründe für diesen nur bei Frauen resultierenden statistischen
"Teilzeitgewinn" scheinen denn auch nicht im Zusammenhang mit dem
Beschäftigungsgrad als solchem zu liegen. So verdienen Frauen im
Anforderungsniveau 4 bei einem Beschäftigungsgrad zwischen 25 - 49%
durchschnittlich weniger, als vollzeitlich Tätige. Wie die Statistiker selbst einräumen,
beruht der "Teilzeitgewinn" bei Frauen vielmehr auf dem Umstand, dass Frauen mit
Teilzeitpensen rund 2 Mal mehr Erschwerniszulagen erhalten als Frauen mit
Vollzeitpensen (Schweizerische Lohnstrukturerhebung, Die Löhne 2006 im Überblick,
S. 16). Die Frage, ob vor diesem Hintergrund im Sinn der genannten
höchstrichterlichen Rechtsprechung des Jahres 2000 auch bei der Beschwerdeführerin
ein Teilzeitabzug zu gewähren ist, kann aber letztlich offen gelassen werden, da selbst
deren Bejahung keinen über 10% liegenden Abzug rechtfertigen würde (vgl.
nachstehende E. 4.2.6).
4.2.6 Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein
Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt,
haben das kantonale Versicherungsgericht oder das Bundesgericht den Abzug
gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle oder von der
Vorinstanz vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser angemessen zu erhöhen
(Urteil des Bundesgerichts vom 21. September 2010, 9C_728/2009, E. 4.1.2).
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Insgesamt erscheint selbst bei Bejahung eines Teilzeitabzugs der von der
Beschwerdegegnerin gewährte Abzug von 10% den Umständen als angemessen. Bei
einem Abzug von 10% und unter Berücksichtigung der 70%igen Restarbeitsfähigkeit
resultiert ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 37% ([1 - {0.7 x 0.9}]
x 100).
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 29. Juni 2010
(act. G 8) bewilligt. Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann sie
jedoch zur Nachzahlung verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 der kantonalen
Zivilprozessordnung [ZPO/SG; sGS 961.2] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1] i.V.m. Art. 404 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO/CH; SR 272]).
5.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der
unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien. Die im Gerichtsverfahren angefallenen Gutachterkosten im Umfang von
Fr. 300.-- (Rechnung der MEDAS Ostschweiz vom 21. Juni 2011, act. G 20.1) sind
durch die Beschwerdegegnerin zu tragen. Denn der zu behebende Mangel (unklare
Formulierung der Restarbeitsfähigkeit) und die entsprechenden Kosten wurden durch
das diesbezüglich unzureichende MEDAS-Gutachten verursacht. Mit Blick auf die
Untersuchungspflicht der Verwaltung ist dieser Mangel dem Risikobereich der IV-Stelle
zuzuschreiben (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, N 12 zu
Art. 45, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.4 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
bis
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St.Galler Gerichte
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis
Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit
erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. Diese ist
um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Demnach entschädigt der Staat den
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) mit Fr. 2'800.-- ([Fr. 3'500.-- x 0.8]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP