Decision ID: 9e188d1d-d242-59a4-86a0-ea62ba2a2a47
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde von der B._ AG als Bauarbeiter vermittelt und war dadurch
obligatorisch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva)
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (Suva-act. 1), als am
16. Januar 2006 bei der Arbeit in einem Einsatzbetrieb eine abzureissende Mauer
einstürzte, er von den herunterfallenden Steinen getroffen wurde und sich verletzte. Der
Versicherte war vom 16. Januar bis 7. Februar 2016 im Kantonsspital St.Gallen
hospitalisiert. Die behandelnden Ärzte diagnostizierten einen knöchernen Ausriss des
hinteren Kreuzbandes links, eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes links sowie des
medialen und lateralen Seitenbandes links, eine Kondylenimpressionsfraktur lateral
links, eine laterale Meniskusläsion links, eine Thoraxprellung und eine
Rissquetschwunde am linken Ellenbogen. Am 26. Januar 2006 wurden mehrere
Operationen am linken Knie durchgeführt (Austrittsbericht vom 8. Februar 2006; Suva-
act. 3-3 ff., vgl. Suva-act. 3-4 ff.). Vom 7. bis 28. Februar 2006 befand sich der
Versicherte stationär in der Klinik Valens. Die behandelnden Ärzte erachteten ihn vom
16. Januar bis 25. April 2006 als Maurer als zu 100% arbeitsunfähig (Austrittsbericht
vom 20. März 2006; Suva-act. 4-2 f.). Danach attestierte ihm Hausarzt Dr. med. C._,
Allgemeine Medizin FMH, weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (Suva-act. 5,
Suva-act. 8). Der Versicherte war wiederholt zur Kontrolle im Kantonsspital St.Gallen,
wo er über Schmerzen und Schwellungen des Knies klagte (Suva-act. 7-2, Suva-act.
12, Suva-act. 18, Suva-act. 21). Nach Durchführung einer Infiltration des linken
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kniegelenks berichteten die behandelnden Ärzte am 1. Dezember 2006, die Schmerzen
hätten sich nicht gebessert. Im Vordergrund stünden die psychischen Beschwerden,
der Versicherte sei depressiv und habe deshalb Schwierigkeiten sich aufzubauen für
die Probleme im Kniegelenk (Suva-act. 26). Am 2. April 2007 wurden aufgrund der
geklagten Dauerschmerzen eine Arthroskopie des Knies und ein Shaving im Bereich
der Eminentia intercondylaris links durchgeführt (Suva-act. 31).
A.b Vom 10. April bis 22. Mai 2007 war der Versicherte erneut für eine stationäre
Therapie in der Klinik Valens. Dabei wurde neben dem Kniegelenkstrauma links eine
mittelgradig depressive Episode mit teilweiser Reaktivierung von Symptomen einer vor
einiger Zeit präsenten und vorübergehend remittierten post-traumatic disorder
diagnostiziert. Die behandelnden Ärzte führten mit Bericht vom 22. Juni 2007 aus, unter
derzeitiger Belastung sei es zu einer erneuten psychischen Destabilisierung mit
Vorliegen einer mittelgradig depressiven Episode im Sinne einer Anpassungsstörung
mit teilweiser Reaktivierung von Symptomen der zurückliegenden post-traumatischen
Belastungsstörung gekommen. Das Schmerzverhalten des Versicherten sei stark
ausgeprägt und es bestünden Hinweise auf eine hohe Angstvermeidung. Aus
interdisziplinärer Sicht erachteten sie ihn als zu 50% arbeitsfähig für eine leichte,
wechselbelastende, vorwiegend sitzende Tätigkeit, soweit von orthopädischer Seite
nichts dagegen spreche (Suva-act. 41). Der Versicherte nahm ab 11. Juni 2007 an
einem Beschäftigungsprogramm teil (vgl. Suva-act. 35, Suva-act. 39, Suva-act. 175),
welches jedoch im August 2007 abgebrochen wurde, da er sich nicht arbeitsfähig
fühlte (Besprechungsbericht vom 28. August 2007; Suva-act. 164).
A.c Auf Veranlassung der IV-Stelle (vgl. Suva-act. 36) wurde der Versicherte am 20.
und 23. August 2007 von der MEDAS Ostschweiz polydisziplinär begutachtet. Die
Ärzte diagnostizierten im Gutachten vom 1. Oktober 2007 mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit eine psychogene Überlagerung (ICD-10: F54) der
Unfallfolgen vom 16. Januar 2006, eine längere depressive Reaktion im Rahmen einer
Anpassungs- und Belastungsstörung (ICD-10: F43.21) sowie ein schmerzhaftes
Funktionsdefizit des linken Kniegelenks (ICD-10: S80.9). Sie beurteilten, in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Bauarbeiter bestehe seit dem Unfall vom 16. Januar 2006
keine vernünftig verwertbare Restarbeitsfähigkeit mehr, dies primär aus
orthopädischen Gründen als Folge des Unfalls. Für eine adaptierte Tätigkeit bestehe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
polydisziplinär beurteilt seit dem zweiten Aufenthalt in der Klinik in Valens eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung von qualitativen Einschränkungen. Während
somatischerseits eine Besserung zu verzeichnen sei, sei durch die aktuelle
Verschlechterung der psychiatrischen Situation die 50%ige Arbeitsunfähigkeit
weiterbestehend. Der weitere Verlauf und damit die Arbeitsfähigkeit hingen primär
davon ab, wie weit der Versicherte jetzt unter der psychiatrischen Behandlung in der
Lage sei, sein ausgeprägt maladaptives Bewältigungsmuster zu korrigieren. Bei
Verbesserung der psychischen Situation könne im weiteren Verlauf davon
ausgegangen werden, dass rein somatisch rheumaorthopädisch die zumutbare
Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung erwähnter qualitativer Einschränkungen
deutlich über 50% betrage (Suva-act. 48). Das MEDAS-Gutachten stützte sich unter
anderem auf das von Dr. med. D._, Eidg. Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, erstellte psychiatrische Konsiliargutachten vom 24. August 2007 (vgl.
Suva-act. 48). Dr. D._ beurteilte, der psychische Anteil der 50%igen
Arbeitsunfähigkeit aus interdisziplinärer Sicht (Klinik Valens) des Versicherten dürfte bei
20-30% liegen. Seit ca. 4 Wochen, nach massiven Eheproblemen, die zur Trennung
geführt hätten, hätten die reaktiven depressiven Symptome exazerbiert und er sei
seitdem allein aus psychiatrischer Sicht zu 50% arbeitsunfähig. Die im Vordergrund
stehenden Eheprobleme (ICD-10: Z63.0) seien im Sinne des Gesetzes nicht
invalidisierend (Suva-act. 48). Mit Schreiben vom 26. September 2007 teilte die Suva
mit, ab dem 1. Oktober 2007 müsse sie, was rein die Unfallfolgen betreffe, von einer
Arbeitsfähigkeit von 50% ausgehen. Entsprechend reduziere sich das Taggeld (Suva-
act. 46).
A.d Suva-Kreisarzt Dr. med. E._, Facharzt FMH für Chirurgie, untersuchte den
Versicherten am 8. Januar 2008. Er befand, das Ausmass der Beschwerden sei aus
organischen Pathologien schwierig zu erklären. Er erachtete für den Versicherten eine
adaptierte Tätigkeit vollschichtig zumutbar (Suva-act. 58). Dr. med. F._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete mit Schreiben vom 28. Mai 2008, beim
Erstkontakt am 29. März 2008 habe ein ausgeprägtes depressives Syndrom mit
gedanklicher Einengung auf die Scheidung und Wut auf die Familie der Ex-Ehefrau
bestanden. Der Versicherte beschreibe anamnestisch eine Depression seit ca. einem
Jahr, sie habe jedoch bereits nach dem Unfall begonnen. Beim letzten Kontakt am 19.
Mai 2008 sei das depressive Syndrom leicht gebessert gewesen (Suva-act. 71).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.e Der Versicherte befand sich vom 11. September bis 9. Dezember 2008 stationär in
der Psychiatrischen Klinik G._, wobei die diesbezüglichen Kosten von seiner
Krankenversicherung getragen wurden (vgl. Suva-act. 89 f.). Dr. med. H._,
Psychiatrische Klinik G._, diagnostizierte mit Bericht vom 18. Dezember 2008 mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine schizoaffektive, gegenwärtig depressive
Störung (ICD-10: F25.1) mit Differentialdiagnose einer affektiven Störung, eine
gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10:
F32.3) sowie eine komplexe Knieinnenläsion mit langandauernder Schmerzstörung. Der
Versicherte habe beim Eintrittsgespräch über akustische (Stimmenhören) und visuelle
Halluzinationen berichtet. Zusätzlich leide er unter Ängsten und einer depressiven
Stimmungslage. Diese Symptome würden seit etwa 1,5 Jahren bestehen und hätten
sich kurz nach dem Tod seiner Mutter entwickelt. Er sei auf absehbare Zeit zu 100%
arbeitsunfähig (Suva-act. 218-182 ff.). Vom 15. Dezember 2008 bis 4. Januar 2009
befand sich der Versicherte erneut stationär in der Klinik Valens. Gemäss
Austrittsbericht vom 19. Januar 2009 konnte das Ausmass der demonstrierten
Einschränkungen aufgrund der klinischen Befunde nur unzureichend erklärt werden.
Die Leistungsbereitschaft des Versicherten sei nicht zuverlässig, es beständen eine
deutliche Selbstlimitierung und Inkonsistenzen. Es bestehe mindestens eine
Belastbarkeit für leichte bis mittelschwere Arbeit in Wechselbelastung, aktuell sei der
Versicherte jedoch aufgrund der psychiatrischen Diagnose nicht arbeitsfähig (Suva-act.
94).
A.f Dr. E._ untersuchte den Versicherten am 3. Juni 2009 erneut und diagnostizierte
unter anderem eine funktionell verbliebene Belastungs- und Bewegungseinschränkung
des linken Knies bei erheblicher nicht organischer Überlagerung sowie eine
schizoaffektive, depressive Störung. Dem Versicherten sei aus organischen Folgen eine
adaptierte mittelschwere Tätigkeit vollschichtig zumutbar (Suva-act. 104). Am 5. Juni
2009 schätzte er den Integritätsschaden auf 7,5% (Suva-act. 105).
A.g In seinem Verlaufsgutachten vom 11. Juni 2009 diagnostizierte Dr. D._ mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine psychogene Überlagerung (ICD-10: F54) der
Kniebeschwerden nach dem Unfall, eine leichte bis mittelschwere depressive Störung
mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.01/F32.11), einen Status nach Anpassungs-
und Belastungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) sowie einen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Status nach schweren depressiven Episoden mit psychotischen Symptomen (ICD-10:
F32.3). Die psychogene Überlagerung bestehe überwiegend aus Hoffnungslosigkeit
und ängstlichen Erwartungen um die Schmerzen im linken Knie. Die depressive
Entwicklung lasse sich im Vordergrund auf die Eheprobleme und sonst anderweitige,
nicht invalidisierende Faktoren zurückführen. Es handle sich auf jeden Fall um ein
maladaptives Bewältigungsmuster, nun auch einhergehend mit Symptomausweitung,
Selbstlimitierung und Inkonsistenzen bei der subjektiven Einschätzung der eigenen
Fähigkeiten. Die aus polydisziplinärer Sicht festgestellte Arbeitsfähigkeit von 50% ab
Ende Juli 2007 für körperlich adaptierte Tätigkeiten habe nach wie vor Gültigkeit bis
September 2008. Durch die Exazerbation der depressiven Symptome mit Auftreten von
psychotischen Symptomen und nachdem der Versicherte sowohl in der Klinik G._ als
auch in der Klinik Valens stationär behandelt worden sei, habe für diese Zeit eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% bis zum 4. Januar 2009 bestanden. Seit Januar 2009
bestehe aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50%, jedoch
besserungsfähig. Unter der Voraussetzung, dass der Versicherte im therapeutischen
Prozess aktiv mitwirke, könne seine Arbeitsfähigkeit für körperlich adaptierte Tätigkeit
aus psychiatrischer Sicht bis zu 70-80% verbessert werden (Suva-act. 130-16).
A.h Die Suva stellte die Taggeldleistungen per 1. August 2009 gestützt auf das
Ergebnis der kreisärztlichen Untersuchung vom 3. Juni 2009 (vgl. Suva-act. 104),
wonach von Seiten der organischen Unfallfolgen für eine mittelschwere Tätigkeit mit
Einnahme von Wechselpositionen ein vollschichtiger Arbeitseinsatz zumutbar sei, ein
(Suva-act. 131). Mit Schreiben vom 8. April 2013 beantragte der Versicherte, es sei ihm
ab dem 5. Januar 2009 eine Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 55%
zuzusprechen. Für die dauernde Schädigung seiner körperlichen Integrität sei ihm eine
Integritätsentschädigung in der Höhe von 10% zuzusprechen (Suva-act. 208).
Nachdem Dr. C._ am 10. März 2014 von einer bezüglich des Knies gegenüber der
letzten kreisärztlichen Untersuchung unveränderten Situation berichtete (Suva-act.
216-1) und der Versicherte am 19. August 2014 aussagte, es habe sich am Zustand
des linken Knies in letzter Zeit nichts Wesentliches verändert (Suva-act. 223-9),
verneinte die Suva mit Verfügung vom 29. August 2014 einen Anspruch auf eine
Invalidenrente und sprach dem Versicherten eine Integritätsentschädigung von Fr.
8‘010.-- zu, basierend auf einer Integritätseinbusse von 7,5% (Suva-act. 227).
B.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.a Dagegen erhob der Versicherte am 29. September 2014 Einsprache (Suva-act.
230). Mit Eingabe vom 3. Februar 2015 beantragt er, die Verfügung der Suva betreffend
Verneinung einer IV-Rente sei aufzuheben. Es sei eine Expertise anzuordnen und nach
Durchführung derselben der IV-Grad neu festzulegen. Die ihm zugesprochene
Integritätsentschädigung sei ebenfalls aufzuheben und nach Durchführung der
Expertise neu festzulegen (Suva-act. 239).
B.b Dr. C._ berichtete am 16. Februar 2015, die am 12. Januar 2015 angefertigten
Röntgenbilder des Kniegelenks zeigten einen völlig unveränderten Zustand gegenüber
den Voraufnahmen. Er habe die Problematik mit den Kollegen des Kantonsspitals
St.Gallen besprochen, welche weiterhin zu einer konservativen Therapie rieten. Er habe
dem Versicherten geraten, weiterhin regelmässig seinen Psychiater, Dr. med. I._,
aufzusuchen. Sie hätten sich auf eine Schmerztherapie bei Bedarf geeinigt (Suva-act.
245). Nach der Untersuchung vom 25. Februar 2015 beurteilte Dr. E._, es ergäben
sich keine neuen medizinischen Tatsachen, die zu einer Veränderung der Beurteilung
aus dem Jahr 2009 Anlass gäben, die damals formulierte Integritätsentschädigung und
medizinische Zumutbarkeitsbeurteilung blieben dieselben (Suva-act. 250).
B.c Der Versicherte hielt in seiner Stellungnahme vom 10. April 2015 an seinen
Anträgen fest. Er führte aus, das kreisärztliche Gutachten von Dr. E._ vom 25.
Februar 2015 könne nicht akzeptiert werden, da es vom gleichen Arzt erstellt worden
sei wie diejenigen vom 9. Januar 2008 und 3. März 2009. Um ein objektives Bild zu
erhalten, dränge sich eine neutrale Zweitbeurteilung geradezu auf (Suva-act. 253).
B.d Mit Entscheid vom 24. April 2015 wies die Suva die Einsprache ab. Sie
begründete, es handle sich um einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den
leichten Unfällen. Da kein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und
den psychischen Gesundheitsschäden bestehe, sei sie diesbezüglich nicht
leistungspflichtig. Es bestehe kein Anspruch auf eine Rente, da die durch die
somatischen Unfallfolgen bedingte Erwerbsunfähigkeit unter 10% liege. Eine 7,5%
übersteigende Integritätsentschädigung sei nicht rechtsgenüglich ausgewiesen (Suva-
act. 254). Ein Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung im Einspracheverfahren hiess
die Suva am 20. Mai 2015 gut (Suva-act. 260).
C.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.a Gegen den Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 27.
Mai 2015. Der Beschwerdeführer beantragt darin dessen vollumfängliche Aufhebung
und die Anordnung eines neutralen, objektiven Obergutachtens. Nach Durchführung
der Expertise sei der IV-Grad neu festzulegen. Die ihm zugesprochene
Integritätsentschädigung mit einer Integritätseinbusse von 7,5% sei aufzuheben. Diese
sei nach Durchführung der Expertise neu festzulegen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Weiter sei dem Beschwerdeführer für das vorliegende
Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren sowie
Rechtsanwalt lic.iur. Markus Roos als Rechtsbeistand zu bestimmen (act. G1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Juni 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheids. Die
kreisärztliche Einschätzungen seien vollumfänglich beweiskräftig. Ein formeller
Anspruch auf Beizug versicherungsexterner medizinischer Gutachter bestehe nicht.
Was die psychischen Probleme des Beschwerdeführers betreffe, so fehle es an der
Leistungsvoraussetzung der adäquaten Unfallkausalität (act. G3).
C.c In seiner Replik vom 3. November 2015 hält der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen und Ausführungen fest. Er bringt vor, Dr. D._ habe festgehalten, beim
Beschwerdeführer bestehe eine psychogene Überlagerung der Unfallfolgen. Somit
bestünden erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
Feststellungen der verwaltungsinternen medizinischen Fachperson. Deshalb müsse ein
unabhängiges Gutachten nachgeholt werden, welches die Frage zu beantworten habe,
wieviel Prozent die psychogenen Überlagerungen, welche auf den Unfall
zurückzuführen seien, ausmachten (act. G11).
C.d Die mit Schreiben vom 4. November 2015 (act. G12) zur Einreichung einer Duplik
aufgeforderte Beschwerdegegnerin liess sich darauf nicht mehr vernehmen (vgl. act.
G13).

Erwägungen
1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Streitig und zu prüfen ist vorliegend der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung gegenüber der Beschwerdegegnerin.
1.1 Gemäss Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) hat die versicherte Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge
eines Unfalls zu mindestens 10% invalid ist. Invalidität ist nach Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Marktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung – und im
Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeit die
versicherte Person arbeitsfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Aussagen eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen einer
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4, BGE 115 V 314 E. 2,
BGE 114 V 314 E. 3.c).
1.3 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis). Auch den Berichten versicherungsinterner Ärzte kann
rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 123 V 331 E. 1c, BGE 135 V 465 E.
4.4). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen
Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den
Prozess ohne Weiterungen – insbesondere ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens
– abschliessen (vgl. BGE 135 V 469 E. 4.3.2, mit Hinweisen).
2.
Ob beim Verfügungserlass im August 2014 überhaupt noch ein relevanter Schaden im
Sinne einer relevanten Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers bestand, ist mit Blick
auf die medizinischen Akten fraglich. Wie sich aus den folgenden Erwägungen ergibt,
kann dies jedoch offen bleiben.
3.
Unter den Parteien ist streitig, ob zwischen den geltend gemachten psychischen
Beschwerden und dem Unfall vom 26. Januar 2006 ein adäquater
Kausalzusammenhang besteht. Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, gestützt auf das
IV-Konsiliargutachten von Dr. D._ sei dies zu bejahen (act. G1). Die
Beschwerdegegnerin stellt sich hingegen auf den Standpunkt, es fehle an der
Leistungsvoraussetzung der adäquaten Unfallkausalität (act. G3).
3.1 Bei der Beurteilung des Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer
anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung der
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist nach der Rechtsprechung (BGE 115 V 133) vom
Unfallereignis auszugehen. Dabei lassen Lehre und Rechtsprechung den sozialen
Unfallversicherer für Schäden nur dann einstehen, wenn diese sowohl in einem
natürlichen wie auch in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem
schädigenden Ereignis stehen. Der Voraussetzung des adäquaten
Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbeschränkung zu
(BGE 123 V 102 E. 3b). Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs hat
im Hinblick auf die Gebote der Rechtssicherheit und der rechtsgleichen Behandlung
der Versicherten eine objektivierte Betrachtungsweise Platz zu greifen (BGE 115 V 135
E. 4b).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2 Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Unfall
besteht, wenn dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der
Beschwerden zukommt. In objektivierter Betrachtungsweise werden die Unfälle nach
ihrer erfahrungsgemässen Eignung, psychische Beschwerden zu bewirken, eingeteilt in
banale und leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle andererseits und in einen
dazwischen liegenden Bereich der mittelschweren Unfälle. Bei banalen Unfällen kann
der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und psychischen
Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil auf Grund der
allgemeinen Lebenserfahrung davon ausgegangen werden kann, dass ein solcher
Unfall nicht geeignet ist, einen invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden zu
verursachen. Bei schweren Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang
in der Regel zu bejahen, denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheitsschäden zu bewirken. Dabei gelten als schwer nur solche Unfälle, bei
denen sämtliche Umstände, insbesondere die Dramatik des Unfallereignisses und die
Dauer desselben wie auch die somatischen Unfallfolgen eine für die versicherte Person
aussergewöhnliche Eindrücklichkeit aufweisen.
3.3 Bei Unfällen im mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen dem Unfall und
der psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht, nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig beantworten. Vielmehr sind weitere,
objektiv fassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang
stehen oder als direkte bzw. indirekte Folge davon erscheinen, in eine
Gesamtwürdigung einzubeziehen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei besonders
dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die
Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; eine
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen;
eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erhebliche verschlimmert; ein
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie der Grad und die
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 133 E. 6). Um die
adäquate Kausalität bejahen zu können, müssen nicht alle Umstände gegeben sein.
Vielmehr genügt ein Kriterium, wenn es sich um einen schweren Unfall im mittleren
Bereich handelt. Falls keinem Kriterium besonderes Gewicht zukommt, müssen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mehrere unfallbezogene Kriterien bejaht werden können. Dabei gilt, dass je leichter der
Unfall ist, desto mehr Kriterien erfüllt sein müssen. Diese Würdigung führt zur Bejahung
oder Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs, ohne dass nach weiteren
Ursachen geforscht werden muss, die eine psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit
begünstigt haben könnten (SVR 1999 UV Nr. 10 S. 32). Mit Urteil vom 29. Januar 2010
(8C_897/2009 E. 4.5) hat das Bundesgericht die Rechtsprechung zur Anzahl der zu
erfüllenden Adäquanzkriterien bei mittelschweren Unfällen insofern präzisiert, als bei
mittelschweren Unfällen im engeren Sinn drei Adäquanzkriterien genügen, auch wenn
sich nicht in besonders ausgeprägter oder auffallender Weise vorliegen. Bei Unfällen im
mittleren Bereich an der Grenze zu den leichten Unfällen sind hingegen vier
Adäquanzkriterien zu erfüllen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember
2009, 8C_487/2009 E. 5 mit Hinweis).
3.4 Vorliegend musste der Beschwerdeführer in einem Lager eine Kalksandsteinwand
abbrechen. Nachdem der auf einer Höhe von ca. zwei Metern verankerte Betonträger
entfernt worden war, begann der Beschwerdeführer mittels eines Schlagbohrhammers
die restlichen Steine auf einer Höhe von ca. 1,8 Meter zu beseitigen. Dadurch lösten
sich einige Steine aus der Wand, worauf die restlichen folgten und die Wand einstürzte.
Als der Beschwerdeführer dies feststellte, versuchte er auszuweichen, stürzte auf die
linke Körperseite und wurde durch die herabfallenden Steine verletzt (Polizeirapport
vom 26. Februar 2006; Suva-act. 11, vgl. Suva-act. 10, vgl. Suva-act. 48-6, Suva-act.
48-13, Suva-act. 48-22, Suva-act. 202-2). Aufgrund des augenfälligen
Geschehensablaufs ist im Sinne der höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 28. September 2000, U 452/99 E. 2.b) mit der
Beschwerdegegnerin von einem mittelschweren Ereignis im Grenzbereich zu den
leichten Unfällen auszugehen. Dass im zitierten Bundesgerichtsentscheid, wie vom
Beschwerdeführer geltend gemacht (vgl. act. G1), keine psychischen
Gesundheitsstörungen vorlagen, ist für die Kategorisierung des Unfalls unerheblich.
Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers (vgl. act. G1) ändert auch die
psychiatrische Diagnose, namentlich diejenige von Dr. D._, nichts an der
Kategorisierung. Wie die Beschwerdegegnerin richtig vorbringt, ist die Unfallschwere
ausschliesslich anhand des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entwickelnden Kräften zu bestimmen und psychische Aspekte sind ausser Acht zu
lassen (act. G3, vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 2010, 8C_95/2010 E. 3.1).
3.5 Folglich müssen für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs
mindestens vier der relevanten Kriterien oder ein einzelnes Kriterium in besonders
ausgeprägter Weise erfüllt sein. Bei der Prüfung dieser Kriterien sind psychische
Aspekte ausser Acht zu lassen (BGE 115 V 133 E. 6c/aa).
3.5.1 Bei der Beurteilung des Kriteriums der dramatischen Begleitumstände oder
der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls sind objektive Massstäbe anzuwenden.
Nicht was in der einzelnen betroffenen Person beim Unfall psychisch vorgeht, soll
entscheidend sein, sondern die objektive Eignung solcher Begleitumstände, bei ihr
psychische Vorgänge auszulösen (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc). Zu beachten
ist auch, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit
eigen ist, die noch nicht für die Bejahung dieses Adäquanzkriteriums ausreichen kann
(vgl. SVR 2009 UV Nr. 41 S. 142). Von einer besonderen Eindrücklichkeit oder Dramatik
im Sinn der Rechtsprechung kann im vorliegenden Fall nicht gesprochen werden,
weshalb das Kriterium zu verneinen ist. Nach dem dargestellten Sachverhalt ist
entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers (act. G1) nicht erwiesen, dass er
teilweise von herunterfallenden Steinen zugedeckt worden wäre. Vielmehr ist
anzunehmen, dass er versuchte, zur Seite zu gehen, dabei von herunterfallenden
Steinen getroffen wurde und auf die linke Körperseite fiel. Selbst die in der
Beschwerdeschrift vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung gäbe jedoch keinen Anlass
dazu, den Unfall als besonders eindrücklich oder mit dramatischen Umständen
einhergehend zu betrachten.
3.5.2 Der Beschwerdeführer zog sich beim Unfall vom 16. Januar 2006 einen
knöchernen Ausriss des hinteren Kreuzbandes links, eine Ruptur des vorderen
Kreuzbandes links sowie des medialen und lateralen Seitenbandes links, eine
Kondylenimpressionsfraktur lateral links, eine laterale Meniskusläsion links, eine
Thoraxprellung und eine Rissquetschwunde am linken Ellenbogen zu (Suva-act. 3-3 ff.).
Es handelt sich folglich zur Hauptsache um eine komplexe Knieverletzung (vgl. Suva-
act. 51), welche jedoch weder für sich allein noch in Wechselwirkung mit den übrigen
Verletzungen als besonders schwer oder als Verletzung besonderer Art eingestuft
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
werden kann. Auch ist eine derartige Verletzung in der Regel nicht geeignet,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen.
3.5.3 Zur Beantwortung der Frage der Dauer der ärztlichen Behandlung ist nicht
allein der zeitliche Massstab massgeblich. Ebenfalls in die Prüfung einzubeziehen sind
die Art und Intensität der Behandlung sowie die Frage, inwieweit davon noch eine
Besserung des Gesundheitszustands zu erwarten war (Urteil des EVG vom 20. Oktober
2006, U 488/05 E. 3.2.3, BGE 134 V 128 E. 10.2.3). Eine Behandlung, die lediglich noch
der Erhaltung des Gesundheitszustands und nicht der Heilung dient, ist im Rahmen der
Adäquanzprüfung grundsätzlich nicht relevant. Abklärungsmassnahmen und blossen
ärztlichen Kontrollen kommt nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten
Behandlung zu (Urteil des Bundesgerichts vom 27. Februar 2008, U11/07 E. 5.3.1 mit
Hinweisen). Der Beschwerdeführer befand sich nach seinem Unfall vom 16. Januar
2006 bis zum 6. Februar 2006 stationär im Kantonsspital St.Gallen, wo sein Knie
operiert wurde (Suva-act. 3). Danach befand er sich bis zum 28. Februar 2006 stationär
in der Klinik Valens (Suva-act. 4). Am 9. November 2006 wurde eine Infiltration des
linken Knies durchgeführt (Suva-act. 30). Nach einer Arthroskopie am 2. April 2007
(Suva-act. 31) weilte der Beschwerdeführer erneut zur stationären Therapie in der Klinik
Valens (Suva-act. 41). Vom 15. Dezember 2008 bis 4. Januar 2009 befand er sich
schliesslich nochmals stationär in der Klinik Valens (Suva-act. 94). Daneben unterzog er
sich zeitweise einer Physiotherapie (vgl. Suva-act. 59, Suva-act. 166), ging zu
Kontrolluntersuchungen im Kantonsspital St.Gallen (vgl. u.a. Suva-act. 7, Suva-act. 12,
Suva-act. 18, Suva-act. 21, Suva-act. 215) sowie zu seinem Hausarzt Dr. C._ (vgl.
Suva-act. 51, Suva-act. 73, Suva-ct. 146, Suva-act. 216, Suva-act. 245) und besuchte
die Schmerzsprechstunde des Kantonsspitals St.Gallen (Suva-act. 66-5), letzteres
jedoch trotz ärztlicher Empfehlung nur unregelmässig bzw. verspätet (vgl. Suva-act. 54,
Suva-act. 64, Suva-act. 65). Seit Mitte 2008 befand er sich zudem in Behandlung bei
Dr. med. J._, Zentrum K._ des Kantonsspitals St.Gallen (Suva-act. 87 f., Suva-act.
97, Suva-act. 107, Suva-act. 123). Bezüglich seiner psychischen Beschwerden suchte
er Dr. F._ auf (vgl. Suva-act. 110) und wurde stationär in der Psychiatrischen Klinik
G._ behandelt (vgl. Suva-act. 89). Dies lässt grundsätzlich insgesamt auf eine lange
Dauer der ärztlichen Behandlung schliessen (vgl. Suva-act. 218-200). Diesbezüglich gilt
es jedoch zu beachten, dass die behandelnden Ärzte des Kantonsspitals St.Gallen
bereits am 1. Dezember 2006 berichteten, die psychischen Beschwerden stünden im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vordergrund. Der Beschwerdeführer sei depressiv und habe deshalb Schwierigkeiten,
sich aufzubauen für die Probleme im linken Kniegelenk. Sie würden momentan
(somatisch) nichts unternehmen, um das Problem mit der Psyche in den Griff zu
bekommen (Suva-act. 26). Dr. C._ berichtete am 29. März 2008, im Heilungsverlauf
spiele die unfallfremde psychologische Diagnose mit (Suva-act. 66-1). Am 26. Juni
2008 berichtete er, der Verlauf sei deutlich überlagert von der psychischen und
familiären Situation. Der Beschwerdeführer nehme die Termine der Physiotherapie und
des Psychiaters nicht oder nur sehr sporadisch war. Er verletze seine
Schadenminderungspflicht massiv und habe eine Tendenz zum Sozialmissbrauch
(Suva-act. 73). Am 29. April 2009 führte er erneut aus, das depressive Zustandsbild, die
familiäre Scheidungssituation und der geringe Kontakt zu den Kindern würden als
unfallfremde Faktoren im Heilungsverlauf mitspielen (Suva-act. 99). Der
Beschwerdeführer führte anlässlich der Besprechung mit der Beschwerdegegnerin
vom 9. Januar 2008 auch selbst aus, er sei im vorherigen Jahr wegen der familiären
Probleme einfach nicht in der Verfassung gewesen, die Therapie intensiv zu gestalten.
Er hoffe, es gehe nun aufwärts (Suva-act. 61). Neben den psychischen Problemen,
welche die Heilungsdauer verlängerten, wirkte sich auch die teilweise mangelnde
Kooperation und Leistungsbereitschaft des Beschwerdeführers negativ auf den Verlauf
aus. So meldete sich der Beschwerdeführer nicht wie vereinbart in der
Schmerzsprechstunde (Suva-act. 155), verwertete seine Restarbeitsfähigkeit nicht (vgl.
Suva-act. 151) und suchte trotz der psychischen Beschwerden vorerst keinen
Psychiater auf (Suva-act. 66-1, vgl. Suva-act. 151, Suva-act. 153 f.). Die MEDAS-
Gutachter hielten fest, der Verlauf nach der Operation sei zunehmend durch das
maladaptive Bewältigungsmuster des Versicherten gekennzeichnet, was durch die
zunehmende Verschlechterung der Partnerbeziehung nur verstärkt worden sei (Suva-
act. 48-25). Dr. D._ führte aus, der Beschwerdeführer scheine die notwendige
Behandlung nicht ernst zu nehmen und trage keinerlei Aktivität zu einer Verbesserung
seines Zustands bei. In seinem passiv-abhängigen Verhalten überlasse er die
Verantwortung für die Verbesserung seines Zustandes Dritten, ohne sich ernsthaft um
die Therapie oder Arbeitsintegration zu bemühen (Suva-act. 130-35). Die Dauer der
ärztlichen Behandlung wurde damit durch die aufkommenden psychischen
Beschwerden verlängert und hat nur teilweise somatische Ursachen. Seit dem 4. April
2007 fanden keine operativen Eingriffe mehr statt und der letzte stationäre Aufenthalt in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Klinik Valens endete am 4. Januar 2009. Danach fanden aus somatischer Sicht
keine weiteren Massnahmen zur Heilung mehr statt, der Beschwerdeführer wurde
lediglich bezüglich seiner geltend gemachten Schmerzen weiter medikamentös
behandelt und begab sich regelmässig in ärztliche Kontrollen. Zudem ist zu bemerken,
dass die Beschwerdegegnerin bereits seit 1. Oktober 2007 – was rein die Unfallfolgen
betrifft - von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausging (Suva-act. 151) und das
Kantonsspital St.Gallen mit Bericht vom 3. Oktober 2007 festhielt, die
Kniegelenksfunktionen seien unauffällig mit stabilem Bandapparat und guter
Beweglichkeit (Suva-act. 49). Die Behandlung kann somit aus rein somatischer Sicht
nicht als ungewöhnlich lange bezeichnet werden.
3.5.4 Der Beschwerdeführer äusserte in nahezu sämtlichen aktenkundigen
Arztberichten Schmerzen im linken Knie bzw. Bein, meist mit starker Ausprägung (vgl.
u.a. Suva-act. 7, Suva-act. 12, Suva-act. 18, Suva-act. 26, Suva-act. 30, Suva-act. 41).
Die behandelnden Ärzte konnten die Schmerzen aus somatischer Sicht jedoch nur
teilweise nachvollziehen. So ist dem Bericht der Klinik Valens vom 22. Juni 2007 eine
Diskordanz von organischem Befund und dem Ausmass der Beschwerden sowie der
langen Zeitdauer mit fehlendem Ansprechen auf jegliche Intervention und
Unmöglichkeit der Arbeitsaufnahme zu ent-nehmen. Der Beschwerdeführer sei deshalb
in das Programm für chronisch Schmerzerkrankte integriert worden. Der
Beschwerdeführer habe sich sehr schmerzfixiert gezeigt. Bei mobilisierenden
Selbsttrainingsübungen sei eine Schmerzvermeidung deutlich beobachtbar gewesen.
Das Schmerzverhalten sei stark ausgeprägt und der durchgeführte Test weise auf eine
hohe Angstvermeidung hin (Suva-act. 41). Dr. D._ beurteilte, die Knieschmerzen
seien eindeutig psychogen überlagert. Falls sich diese nicht durch die Verletzung bzw.
Folgen der Operation am linken Knie vollständig erklären liessen, müsse hier auch
differentialdiagnostisch eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, in Verbindung
mit psychosozialen Belastungen (insbesondere Familienprobleme) in Erwägung
gezogen werden. Es handle sich auf jeden Fall um ein maladaptives
Bewältigungsmuster mit Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenzen
bei der subjektiven Einschätzung der eigenen Fähigkeiten (Suva-act. 48-30 ff.). Die
Ärzte der Klinik Valens berichteten am 19. Januar 2009, es bestehe eine chronische
Schmerzstörung. Es sei eine deutlich sichtbare Selbstlimitierung vorhanden (Suva-act.
94). In unbeobachteten Situationen oder wenn er gedanklich oder durch ein Gespräch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
abgelenkt wirke, falle keine physische Einschränkung auf (Suva-act. 94-6). Am 26. Juni
2008 berichtete Dr. C._, der Beschwerdeführer artikuliere in seiner Praxis, wie
schlecht es ihm gehe, bewege sich aber auf der Strasse anders. Es bestehe eine
Tendenz zum Sozialmissbrauch (Suva-act. 73). Auch Dr. E._ befand, das Ausmass
der Beschwerden sei aus organischen Pathologien schwierig zu erklären (Suva-act.
58). Das Kriterium der Dauerschmerzen ist damit zwar erfüllt, wegen der genannten
Zweifel am Ausmass jedoch nicht in besonders ausgeprägter Weise.
3.5.5 Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert hätte, ergeben sich weder aus den Akten noch werden solche von den
Parteien geltend gemacht.
3.5.6 Die Dauer der ärztlichen Behandlung und die geklagten Beschwerden deuten
alleine nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf hin. Das entsprechende
Kriterium erfordert besondere Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt und verzögert
haben (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 7. Februar 2008, U 590/06 E. 4.3.2 und
vom 10. Juli 2008, 8C_61/2008 E. 7.6). Der Heilungsverlauf war, wie in Erwägung 2.5.3
ausgeführt, durch die psychische Situation und das Verhalten des Beschwerdeführers
negativ beeinflusst. Die genannten Umstände wirkten sich nicht nur auf die Länge,
sondern auch auf die Schwierigkeit des Heilungsverlaufs aus. Die beiden operativen
Eingriffe und der postoperative Verlauf waren jedoch jeweils komplikationslos (Suva-
act. 3-4, Suva-act. 31-2). Laut den MEDAS-Gutachtern zeigten die operativen
Massnahmen ein gutes Resultat (Suva-act. 48-25). Bereits am 4. Oktober 2007
berichteten die Ärzte des Kantonsspitals St.Gallen von unauffälligen Kniefunktionen mit
stabilem Bandapparat und guter Beweglichkeit. Bei gleichbleibendem Verlauf und
sofern keine weitere Verschlimmerung der Beschwerden auftrete, sahen sie keine
Notwendigkeit einer erneuten Vorstellung in ihrer Sprechstunde (Suva-act. 49). Im
Vordergrund standen während der Heilung die psychische Problematik sowie die
geltend gemachten andauernden Schmerzen. Das Kriterium des schwierigen
Heilungsverlaufs und erheblicher Komplikationen ist damit zu verneinen.
3.5.7 Der Beschwerdeführer war vom Zeitpunkt des Unfalls am 16. Januar 2006 bis
zum 30. September 2007 zu 100% arbeitsunfähig. Ab 1. Oktober 2007 ging die
Beschwerdegegnerin in Übereinstimmung mit der Einschätzung von Dr. C._ (vgl.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Suva-act. 51) und den MEDAS-Gutachtern (vgl. Suva-act. 48-26) von einer
Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit von 50% aus (Suva-act. 46). Das
Kantonsspital St.Gallen hatte dem Beschwerdeführer bereits mit Bericht vom 5. Juli
2007 eine volle Arbeitsfähigkeit für eine sitzende, nicht körperliche Tätigkeit attestiert
(Suva-act. 40). Die Klinik Valens war am 22. Juni 2007 aus interdisziplinärer Sicht von
einer 50%igen Arbeitsfähigkeit für eine leichte, wechselbelastende, vorwiegend
sitzende Tätigkeit ausgegangen, soweit von orthopädischer Seite nichts dagegen
spreche (Suva-act. 41). Aus rein somatischer Sicht erachtete Dr. K._ den
Beschwerdeführer seit Juli 2007 als zu 15% arbeitsunfähig (Suva-act. 218-143). Die
MEDAS-Gutachter befanden, die 50%ige Arbeitsunfähigkeit sei seit Juli 2007 weit
überwiegend psychiatrisch bedingt. Bei Verbesserung der psychischen Situation könne
im weiteren Verlauf davon ausgegangen werden, dass rein somatisch
rheumaorthopädisch die zumutbare adaptierte Arbeitsfähigkeit deutlich über 50%
betrage (Suva-act. 48-26). Mit Bericht vom 8. Januar 2008 erachtete Dr. E._ den
Beschwerdeführer für adaptierte Tätigkeiten als zu 100% arbeitsfähig (Suva-act. 58).
Seine Einschätzung wiederholte er am 23. Juni 2009 (Suva-act. 104). Es ist darauf
hinzuweisen, dass auch die somatische Arbeitsfähigkeit durch das Verhalten und die
psychische Situation des Beschwerdeführers negativ beeinflusst wurden. Laut den
MEDAS-Begutachtern war die rein orthopädisch funktionell und strukturell beurteilbare
Situation wesentlich besser als das demonstrierte Unvermögen und bedingte rein
somatisch lediglich eine qualitative Einschränkung der Belastbarkeit des Knies (Suva-
act. 48-25). Dr. C._ schlug am 29. März 2008 die Steigerung der Arbeitsfähigkeit vor.
Der Druck bezüglich Arbeitsfähigkeit müsse deutlich erhöht werden, da die Compliance
tief sei bzw. sinke und die Gefahr des Sozialmissbrauchs bestehe (Suva-act. 66-1). Die
behandelnde Ärztin der Klinik Valens berichtete am 19. Januar 2009, das Ausmass der
demonstrierten Einschränkungen habe bei der Basistestung der arbeitsbezogenen
körperlichen Leistungsfähigkeit aufgrund der klinischen Befunde nur unzureichend
erklärt werden können. Die Leistungsbereitschaft beurteilte sie als nicht zuverlässig. Es
zeigten sich deutliche Zeichen einer Selbstlimitierung und eine schlechte Konsistenz
bei den Tests, weshalb diese für die Beurteilung der Belastbarkeit nur bedingt
verwertbar seien (Suva-act. 94). Das Kriterium der Dauer der physisch bedingten
Arbeitsunfähigkeit ist insgesamt eher zu bejahen, wenn auch nicht in besonders
ausgeprägter Weise.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.6 Da somit höchstens zwei der zu berücksichtigenden Kriterien erfüllt sind, beide
allerdings nicht in besonders ausgeprägter Weise, ist der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 16. Januar 2006 und den geklagten
psychischen Beschwerden zu verneinen. Damit erübrigt sich grundsätzlich die Prüfung
des natürlichen Kausalzusammenhangs (vgl. BGE 135 V 465 E. 5.1). Die medizinischen
Akten legen jedoch nahe, dass ein solcher nicht als erstellt gelten kann. Neben der
Einschätzung des Kreisarztes Dr. E._ (Suva-act. 250, Suva-act. 104) ging auch Dr.
C._ von einer unfallfremden psychischen Problematik aus (vgl. Suva-act. 51, Suva-
act. 66-1, Suva-act. 99). Der behandelnde Psychiater Dr. F._ berichtete, die
Kausalität sei durch ihn nicht beurteilbar (Suva-act. 110). Dr. med. H._ der
Psychiatrischen Klinik G._ berichtete, die vom Beschwerdeführer geschilderten
Symptome hätten sich kurz nach dem Tod seiner Mutter entwickelt. Es sei zunehmend
zu verbalen Auseinandersetzungen mit seiner Ehefrau und im weiteren Verlauf zur
Trennung gekommen. Er habe keinen Kontakt mehr zu den Kindern, was ihn sehr
belaste (Suva-act. 218-182). Dies deutet ebenfalls auf eine unfallfremde Problematik
hin. Auch Dr. D._ führte aus, im Vordergrund stünden die nichtinvalidisierenden
Eheprobleme. Zudem erwähnte er die Reaktivierung von Symptomen einer
zurückliegenden posttraumatischen Belastungsstörung im Zusammenhang mit
Kriegserlebnissen in der Heimat (Suva-act. 48). In seinem Gutachten vom Juni 2009
führte er sodann aus, die depressive Entwicklung lasse sich im Vordergrund auf die
Eheprobleme und sonst anderweitige, nichtinvalidisierende Faktoren zurückführen
(Suva-act. 130-33). Auch er ging somit zumindest von einem überwiegenden nicht
unfallkausalen Anteil an den psychischen Beschwerden aus. Dr. J._ beurteilte, die
depressive Entwicklung sei eindeutig im Rahmen der Schmerzerkrankung zu sehen
und sei sicherlich durch die schwierige familiäre Situation noch unterstützt worden. Aus
seiner Sicht bestehe eine Kausalität (Suva-act. 79, vgl. Suva-act. 87). Seine Beurteilung
stützte er ausschliesslich auf die Schilderungen des Beschwerdeführers und dessen
Nichte. Zudem stellte er selbst fest, über den Schweregrad der depressiven
Entwicklung erlaube er sich als Nicht-Psychiater kein abschliessendes Urteil (Suva-act.
78). Weiter ist zu berücksichtigen, dass er den Beschwerdeführer erst seit dem 23. Juli
2008 kannte (Suva-act. 86). In den Akten finden sich zudem auch Hinweise auf weitere
unfallfremde Faktoren wie die schlechte finanzielle Lage, Einsamkeit sowie Todesfälle
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und eine schwere Erkrankung in der Verwandtschaft (Suva-act. 218-77, Suva-act. 97,
Suva-act. 111).
4.
Die aus somatischer Sicht 100%ige Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit ist
aktenmässig ausgewiesen und wird auch vom Beschwerdeführer im Grundsatz nicht
bestritten. Nach der Berechnung der Beschwerdegegnerin führt die unfallbedingte
körperliche Einschränkung zu einer Erwerbseinbusse von 3,43%. Der
Beschwerdeführer hat gegen diese Berechnung keine konkreten Einwände erhoben.
Die vorliegenden Akten liefern keine Hinweise, gemäss welchen die Berechnung des
Invaliditätsgrads zu beanstanden wäre. Der Beschwerdeführer hat damit keinen
Anspruch auf eine Invalidenrente.
5.
Im angefochtenen Einspracheentscheid werden die für die Bemessung von
Integritätsschäden nach Art. 25 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 36 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) und Anhang 3 der UVV geltenden Regeln
zutreffend dargelegt, so dass darauf verwiesen werden kann. Kreisarzt Dr. E._ hat in
seiner Beurteilung vom 5. Juni 2009 dargelegt, der Übergang in eine mässige Arthrose
sei mit je 2,5% in jedem Kompartiment, das heisst femorotibial, medial-lateral sowie
femoropatellär zu berücksichtigen, so dass der organisch bedingte Integritätsschaden
insgesamt mit 7,5% zu bewerten sei. Beim Beschwerdeführer sei keine Instabilität des
Knies aktenmässig dokumentiert und daher nicht zu entschädigen. Ein Eingreifen in
diese Beurteilung rechtfertigt sich nicht. Der Integritätsschaden bemisst sich
ausschliesslich aufgrund des medizinischen Befundes. Allfällige individuelle
Besonderheiten der versicherten Person müssen daher unberücksichtigt bleiben (BGE
113 V 221 E. 4). Der Beschwerdeführer wendet nichts konkret gegen die Berechnung
ein, sondern führt lediglich aus, eine Bemessung der Integritätsentschädigung könne
erst nach der von ihm beantragten Expertise durchgeführt werden (vgl. act. G1). Die im
Einspracheentscheid zugesprochene Integritätsentschädigung von 7,5% ist somit
ebenfalls nicht zu beanstanden.
6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 24. April
2015 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
6.3 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung (act. G1). Die diesbezüglichen Voraussetzungen sind erfüllt,
wenn der Prozess nicht offensichtlich aussichtslos, die Partei bedürftig und die
Verbeiständung durch einen Anwalt notwendig oder doch geboten ist (Art. 61 lit. f
ATSG; BGE 103 V 46; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Bern/St.Gallen/Zürich
2015, Rz 177 zu Art. 61 ATSG), wobei als bedürftig gilt, wer aus seinen Mitteln die zu
gewärtigenden Anwaltskosten nicht zu bestreiten vermag (vgl. KIESER, a.a.O., Rz 179
zu Art. 61 ATSG). Nach Lage der Akten generierte der Beschwerdeführer zum
Zeitpunkt der Einreichung der Beschwerde monatlich Einkünfte von rund Fr. 2‘000.--.
Die anerkennbaren Auslagen (um 30% erweiterter betreibungsrechtlicher Grundbedarf
[Fr. 1‘599.--], Miete [Fr. 1‘030.--], Krankenversicherungsprämie [Fr. 304.75], Anteil
Franchise/Selbstbehalt [max. Fr. 83.--]; act. G1.9; vgl. die vom Kantonsgericht im Mai
2011 herausgegebenen, vom Versicherungsgericht analog angewendeten Richtlinien
zur unentgeltlichen Rechtspflege im Zivilprozess und für die Privatklägerschaft im
Strafprozess) übersteigen diese Einnahmen. Damit ist die finanzielle Bedürftigkeit
ausgewiesen. Aussichtslosigkeit ist angesichts der Komplexität der Fragestellungen im
Sozialversicherungsrecht nur zurückhaltend anzunehmen und vorliegend zu verneinen.
Es ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer über keine tiefergehenden Kenntnisse des
Sozialversicherungsrechts verfügt und somit diesbezüglich nicht als "bewandert"
gelten kann (vgl. KIESER a.a.O., Rz 183 zu Art. 61 ATSG). Zudem ist die Bemessung
einer allfälligen Rente und Integritätsentschädigung für den Beschwerdeführer
einschneidend, weswegen der Beizug einer rechtlichen Vertretung nachvollziehbar
erscheint und wohl auch erfolgt wäre, wenn er nicht bedürftig gewesen wäre. Damit ist
die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu bewilligen.
6.4 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-
bis Fr. 12'000.-. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von
Fr. 4‘000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Diese
ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes, sGS
963.70). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal mit
Fr. 3‘200.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
6.5 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).