Decision ID: 3a142409-3e61-4d9a-b09d-9273d1d10117
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren B._, war zuletzt als Gouvernante tätig. Am 6. April
2021 meldete sie einen Anspruch auf Arbeitslosenversicherungstaggeld
im Umfang von 100 % ab dem 7. April 2021 an.
2. Auf die Stellenmeldung des Hotels C._ in D._ einer vom 16. Juni
2021 bis 15. Oktober 2021 befristeten Vollzeitstelle als Zimmermädchen
schlug das zuständige Regionale Arbeitsvermittlungszentrum
(nachfolgend RAV) A._ als Kandidatin vor. Mit Rückmeldung vom 5.
Juli 2021 hielt besagtes Hotel fest, die Kandidatin habe telefonisch
mitgeteilt, sie suche wegen ihres Babys und der Kita eine Stelle im Umfang
von 50 % für den Sommer 2021. Nachdem das Hotel ihr eine solche Stelle
angeboten und zugesagt habe, sei A._ nicht mehr erreichbar
gewesen. Anlässlich eines zufälligen Treffens im Dorf habe sie mitgeteilt,
sie sei nicht mehr an der Stelle interessiert. Am 8. Juli 2021 forderte das
Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden (nachfolgend KIGA)
A._ zur Stellungnahme auf, welche sodann verspätet und nur mit
einem Stempel des Hotels und einer Unterschrift versehen beim KIGA
einging.
3. Mit Verfügung vom 29. Juli 2021 stellte das KIGA den Anspruch von
A._ auf Arbeitslosenentschädigung für die Dauer von 30 Tagen ein.
Begründend führte es aus, die Versicherte sei vom Hotel C._ in
D._ betreffend eine offene Stelle als Zimmermädchen kontaktiert
worden. Gemäss Rückmeldung des potenziellen Arbeitgebers habe die
Versicherte einer Anstellung per 5. Juli 2021 im Umfang von 50 % vorerst
zugesagt, diese in der Folge aber dennoch nicht antreten wollen. Damit
habe die Versicherte eine nicht amtlich zugewiesene Stelle durch ihr
Verhalten faktisch abgelehnt. Bei der Festlegung der Anzahl Einstelltage
sei berücksichtigt worden, dass es sich um eine befristete Anstellung
gehandelt habe.
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4. Dagegen erhob A._ am 9. August 2021 sinngemäss Einsprache. Sie
habe am Vorstellungsgespräch zugesagt und sei noch am gleichen Tag in
der Kita gewesen. Dort habe sie die Antwort erhalten, ihr Kind müsse für
mindestens vier Monate bleiben, was ungefähr CHF 1'500.-- gekostet
hätte. Die Arbeit sei jedoch auf zwei Monate befristet gewesen, weswegen
sie die Arbeit nicht akzeptiert habe.
5. Mit Entscheid vom 12. August 2021 wies das KIGA die Einsprache gegen
die Einstellung in der Anspruchsberechtigung mit der Begründung ab, das
Hotel in D._ habe der Versicherten mindestens eine befristete Stelle
angeboten, welche diese abgelehnt habe. Sie sei offenbar nicht in der
Lage bzw. nicht gewillt gewesen, zwecks Stellenantritts eine
Kinderbetreuung zu organisieren.
6. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführerin) am 9. September 2021 (Datum Poststempel;
Posteingang beim KIGA am 10. September 2021; Weiterleitung
zuständigkeitshalber an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
am 16. September 2021) Beschwerde und beantragte sinngemäss die
Aufhebung der 30 Einstellungstage in der Anspruchsberechtigung.
Begründend brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, sie
hätte bei der Annahme der angebotenen Stelle bei zwei Monaten Arbeit
die Kosten von vier Monaten Betreuung ihres Sohnes in der
Kindertagesstätte zu tragen gehabt.
7. Mit Stellungnahme vom 30. September 2021 beantragte das KIGA
(nachfolgend Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde und
hielt an seinen Ausführungen im Einspracheentscheid vom 12. August
2021 fest. Er wiederholte im Wesentlichen seine bereits im
Einspracheentscheid genannte Begründung hinsichtlich des abgelehnten
Stellenantritts sowie der Organisation der Kinderbetreuung, welche in der
Verantwortung der Beschwerdeführerin liege.
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Am 5. Oktober 2021 gelangte der Beschwerdegegner mit einer Eingabe
an das Gericht mit dem Hinweis, bei der Stellungnahme samt
Beweismitteln sei ihm ein Fehler unterlaufen. Anstelle der
fälschlicherweise eingereichten Aufforderung zur Stellungnahme vom 28.
Juli 2021, welche eine andere Bewerbung betraf, sowie der
Stellungnahme vom 20. Juli 2021 reichte er die korrekte Aufforderung vom
8. Juli 2021 sowie die entsprechende Stellungnahme nach.
8. In ihrer Replik vom 12. Oktober 2021 (Datum Poststempel), verfasst auf
dem Briefpapier von Frau Dr. med. E._, Fachärztin FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom Medizinischen Zentrum Gesundheit
D._ AG sowie von der Ärztin und der Beschwerdeführerin
unterzeichnet, wiederholte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ihre
Begründung. Sie führte aus, sie sei im Juli/August 2021 von der
Verantwortlichen des Hotels C._ zu einem Vorstellungsgespräch
eingeladen worden, bei dem ihr mitgeteilt worden sei, dass es sich um eine
2 Monate dauernde Temporärstelle handle, nämlich für Juli und August
2021. Daraufhin hätte man ihr in der Kita erklärt, nur Kinder mit einer
Verweildauer von mind. 4 Monaten aufzunehmen. Andere Auskünfte habe
sie – entgegen dem Bericht des RAV – nicht erhalten. Sie habe keinen
Spielraum gehabt auszuweichen, dies aus psychischen Gründen und der
Unmöglichkeit, das Kind selber zu betreuen (Alternativen gebe es keine),
oder die zwei Monate zu bezahlen, ohne dass das Kind in der Kita wäre,
so dass sie abgesagt habe.
9. Am 20. Oktober 2021 verzichtete der Beschwerdegegner auf die
Einreichung einer Duplik.
10. Am 5. Mai 2022 forderte die Instruktionsrichterin beim Beschwerdegegner
die Basisangaben zur im Jahr 2021 ausgeschriebenen Stelle des Hotels
C._ an (Stellen-Nr. F._/Job-Room-Nr. G._). Diese wurden
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der Beschwerdeführerin mit der Möglichkeit zur freigestellten
Stellungnahme zur Kenntnis gebracht.
11. Am 16. Mai 2022 ging die Stellungnahme der Beschwerdeführerin beim
Gericht ein; wiederum verfasst von Frau Dr. med. E._, sowie von
dieser und der Beschwerdeführerin unterzeichnet. Sie wiederholte erneut
ihre Begründung in der Beschwerde bzw. der Replik und hielt fest, sie
könne nicht bestätigen, dass es sich bei besagtem Hotel um eine
Anstellung vom 16. Juni 2021 bis zum 15. Oktober 2021 im Umfang von
100 % gehandelt habe. Die Chefin des Hotels habe ihr nur eine Stelle zu
50 % für die beiden Monate Juli und August 2021 angeboten. Sie hätte
gerne eine längerfristige Anstellung gehabt, vor allem eine mehr als zwei
Monate dauernde.
12. Am 17. Mai 2022 forderte die Instruktionsrichterin den Beschwerdegegner
zu einer Stellungnahme dazu auf, ob es sich bei der der
Beschwerdeführerin vom Hotel C._ anfangs Juli 2021 angebotenen
Stelle um die ausgeschriebene Stelle (100 % vom 16. Juni 2021 bis 15.
Oktober 2021) oder um eine andere Stelle gehandelt habe, welche den
Angaben der Beschwerdeführerin (50 % für die beiden Monate Juli und
August 2021) entsprach. Der Beschwerdegegner führte in seiner
Stellungnahme vom 30. Mai 2022 aus, die Stellenmeldung erfolge durch
die Eingabe von Basisdaten über die Internetseite im Job-Room. Die
Arbeitgeber würden die Basisangaben für die Stelle entsprechend
eintragen, welche durch die Mitarbeitenden des Beschwerdegegners nicht
verändert werden können.
13. Mit letzter Stellungnahme vom 11. Juni 2022 hielt die Beschwerdeführerin
am bereits Vorgebrachten fest.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und
auf den angefochtenen Einspracheentscheid vom 12. August 2021 sowie
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auf die im Recht liegenden Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid des Beschwerdegegners
vom 12. August 2021, womit er die Einsprache der Beschwerdeführerin
vom 9. August 2021 gegen die Verfügung vom 29. Juli 2021 abwies und
an der Einstellung in der Anspruchsberechtigung für 30 Tage festhielt.
Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR
837.0) i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der
Arbeitslosenversicherung Beschwerde beim kantonalen
Versicherungsgericht erhoben werden. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m.
Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02)
ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen
(Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das
Verwaltungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der
angefochtene Einspracheentscheid wurde vom KIGA als kantonale
Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG erlassen, sodass die örtliche
Zuständigkeit des angerufenen Gerichts gegeben ist. Die sachliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden ergibt
sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100).
1.2. Als Adressatin des angefochtenen Entscheids ist die Beschwerdeführerin
berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung
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oder Änderung auf, weshalb sie zur Beschwerdeerhebung legitimiert ist
(vgl. Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht am
10. September 2021 eingereichte Beschwerde (Art. 30 ATSG, Art. 60
ATSG und Art. 61 lit. b ATSG) ist demnach einzutreten.
2. Das Verwaltungsgericht entscheidet in einzelrichterlicher Kompetenz,
wenn der Streitwert CHF 5'000.-- nicht überschreitet (Art. 43 Abs. 3 lit. a
VRG) und keine Fünferbesetzung (Art. 43 Abs. 2 VRG) vorgeschrieben ist.
Ausgangspunkt für die Bemessung des Streitwerts ist vorliegend der
versicherte Verdienst (Art. 23 AVIG) der Beschwerdeführerin von
CHF 3'535.-- (vgl. Akten des Beschwerdegegners [Bg-act.] 1). Dieser
Verdienst wird zum Taggeldsatz von 80 % (Art. 22 Abs. 1 AVIG)
entschädigt (vgl. Bg-act. 1). Die Beschwerdeführerin hat demnach
Anspruch auf ein Taggeld von CHF 130.30 (ermittelt aus CHF 3'535.-- x
0.8 : 21.7 Tage [Art. 40a AVIV]). Aus der vom Beschwerdegegner
verfügten, hier angefochtenen Einstellungsdauer von 30 Tagen in der
Anspruchsberechtigung ergibt sich ein Streitwert von insgesamt CHF
3'909.-- (30 x CHF 130.30). Da der Streitwert somit unter CHF 5'000.-- liegt
und die Streitsache nicht in Fünferbesetzung entschieden werden muss,
ist die Zuständigkeit der Einzelrichterin gegeben.
3.1. Gemäss Art. 17 Abs. 1 AVIG hat der Versicherte alles Zumutbare zu
unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Satz
1). Insbesondere ist er verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch
ausserhalb seines bisherigen Berufes (Satz 2). Er muss seine
Bemühungen nachweisen können (Satz 3). Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung i.S.v. Art. 30 AVIG dient dazu, die in Art. 17 Abs.
1 AVIG statuierte Schadenminderungspflicht des Versicherten
durchzusetzen. Sie hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der
Versicherung für Schäden, die der Versicherte hätte vermeiden oder
vermindern können. Als versicherungsrechtliche Sanktion bezweckt sie
die angemessene Mitbeteiligung der versicherten Person am Schaden,
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den sie durch ihr Verhalten der Arbeitslosenversicherung in schuldhafter
Weise natürlich und adäquat kausal verursacht hat. Kern der Pflicht, alles
Zumutbare zu unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu
verkürzen, sind die persönlichen Arbeitsbemühungen der versicherten
Person selbst (GERHARDS, Kommentar zum
Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], Bern 1987, Bd. I [Art. 1-58], N.
12 zu Art. 17), die in der Regel streng beurteilt werden. Es gilt
gewissermassen der Grundsatz, dass die Arbeitsbemühungen umso
intensiver sein müssen, je weniger Aussicht eine versicherte Person hat,
eine Stelle zu finden. Dabei stehen sowohl Tatsache als auch Intensität
nicht aber der Erfolg dieser Bemühungen im Vordergrund (GERHARDS,
a.a.O., N. 14 zu Art. 17, ähnlich N. 16 zu Art. 17; vgl. BGE 133 V 89
E.6.1.1).
3.2. Der Grundsatz der Schadenminderungspflicht wird in Art. 17 Abs. 3 AVIG
konkretisiert. Demnach muss der Versicherte eine ihm vermittelte
zumutbare Stelle annehmen (Satz 1). Befolgt er die Kontrollvorschriften
oder Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht, namentlich indem er
eine zumutbare Arbeit nicht annimmt, ist er in der Anspruchsberechtigung
einzustellen (Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG). Davon erfasst ist neben der
Nichtannahme einer von der zuständigen Amtsstelle zugewiesenen
zumutbaren Arbeit auch die Nichtannahme einer selbst gefundenen
zumutbaren Arbeit oder einer durch Dritte vermittelten oder angebotenen
zumutbaren Stelle (vgl. Urteil des Bundesgerichts C 17/07 vom 22.
Februar 2007 E.2.2). Laut Rechtsprechung ist dieser
Einstellungstatbestand auch dann erfüllt, wenn der Versicherte die Arbeit
zwar nicht ausdrücklich ablehnt, es aber durch sein Verhalten in Kauf
nimmt, dass die Stelle anderweitig besetzt wird (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_468/2020 vom 27. Oktober 2020 E.5.2). Der
arbeitslose Versicherte hat bei den Verhandlungen mit dem künftigen
Arbeitgeber klar und eindeutig die Bereitschaft zum Vertragsabschluss zu
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bekunden, um die Beendigung der Arbeitslosigkeit nicht zu gefährden (vgl.
BGE 122 V 34 E.3b; Urteil des Bundesgerichts 8C_468/2020 vom
27. Oktober 2020 E.5.2). Ebenso ist der Tatbestand erfüllt, wenn sich der
arbeitslose Versicherte trotz Zuweisung einer Stelle nicht ernsthaft um die
Aufnahme von Vertragsverhandlungen bemüht.
3.3 Unbestritten ist der Nichtantritt der – der Beschwerdeführerin vom Hotel
C._ als potenzielle Arbeitgeberin angebotenen – befristeten Stelle.
Die Beschwerdeführerin begründete den Nichtantritt der Stelle damit, dass
sie für die zwei Monate dauernde Arbeitstätigkeit eine mindestens vier
Monate dauernde Betreuung in der Kindertagesstätte für ihren Sohn hätte
organisieren müssen, was sie ca. CHF 1'500.-- gekostet hätte. Sie rügt
damit sinngemäss die Unzumutbarkeit der Arbeit gemäss Art. 16 Abs. 2
lit. c AVIG.
3.4. Grundsätzlich ist nach Art. 16 Abs. 1 AVIG jede Arbeit zumutbar, es sei
denn, einer der in Abs. 2 dieser Bestimmung abschliessend aufgelisteten
Ausnahmetatbestände liege vor (vgl. BGE 124 V 62 E.3b). Unzumutbar
und somit von der Annahmepflicht ausgenommen ist gemäss Art. 16 Abs.
2 lit. c AVIG unter anderem eine Arbeit, die dem Alter, den persönlichen
Verhältnissen oder dem Gesundheitszustand der versicherten Person
nicht angemessen ist (vgl. BGE 124 V 234 E.4bb; Urteil des
Bundesgerichts 8C_584/2020 vom 17. Dezember 2020 E.4; AVIG-Praxis
ALE [Arbeitslosenentschädigung], Oktober 2012, Rz. B287 ff.). Unter die
persönlichen Verhältnisse gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG fallen
insbesondere der Zivilstand, die Zahl der betreuungsbedürftigen Kinder
und die Intensität der Verwurzelung am Wohnort oder das Vorhandensein
eines Eigenheims (vgl. Urteile des Verwaltungsgerichts [VGU] S 20 129
vom 3. Dezember 2021 E.4.3.2., S 16 75 vom 16. August 2016 E.5c;
GERHARDS, a.a.O., N. 27 zu Art. 16). Bezüglich der Betreuungspflichten
gegenüber minderjährigen Kindern gilt es zu beachten, dass diese
grundsätzlich keinen persönlichen Grund darstellen, der eine
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arbeitsmarktliche Massnahme – respektive wie vorliegend eine
Stellenannahme – unzumutbar macht. Dies ist höchstens dann denkbar,
wenn eine Kinderbetreuung durch Drittpersonen bei objektiver
Betrachtungsweise auch potenziell nicht infrage kommt, was nach Ablauf
des Mutterschaftsurlaubs regelmässig nicht mehr der Fall sein dürfte (vgl.
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts C_43/04 vom 25. Juni
2004 E.2.2.; VGU S 20 129 vom 3. Dezember 2021 E.4.3.2, S 16 125 vom
23. Februar 2017 E.4d; BUCHER KUPFER, in: STAUFFER/CARDINAUX [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Aufl., Zürich 2019, S.
123 f.).
3.5. Die Beschwerdeführerin hat sich für einen Beschäftigungsgrad von 100 %
(ganztags) zur Stellensuche bzw. -vermittlung bei der Arbeitslosenkasse
Graubünden angemeldet (vgl. Bg-act. 1 und 4). Wie der
Beschwerdegegner im angefochtenen Einspracheentscheid vom 12.
August 2021 (S. 3 f.) zu Recht vorbringt, muss eine versicherte Person mit
betreuungsbedürftigen Kindern hinsichtlich Vermittlungsfähigkeit,
namentlich in Bezug auf die Verfügbarkeit, die gleichen Bedingungen
erfüllen wie alle anderen Personen. Es liegt somit an ihr, das Privat- und
Familienleben so zu gestalten, dass sie nicht daran gehindert ist, im
Umfang des geltend gemachten Beschäftigungsgrades einer
unselbständigen Erwerbstätigkeit nachzugehen (AVIG-Praxis ALE Rz.
B225). Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie hätte bei einer
Stellenannahme zwei Monate arbeiten können, für ihr Kind jedoch eine
mindestens viermonatige Betreuung in der Kindertagesstätte organisieren
und bezahlen müssen, verfängt folglich nicht. Aufgrund ihrer
Schadenminderungspflicht wäre die Beschwerdeführerin gehalten
gewesen, die ihr zugewiesene Stelle anzunehmen und anzutreten, zumal
ihr die potenzielle Arbeitgeberin entgegenkam und sie zu dem von ihr
gewünschten Arbeitspensum von 50 % anzustellen bereit war. Auch wäre
nicht auszuschliessen gewesen, dass sich nach Ablauf der befristeten
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Anstellung eine Anschlusslösung beispielsweise im Hotel C._ in
D._ ergeben hätte, so dass der Sohn der Beschwerdeführerin weiter
in der Kindertagesstätte hätte betreut werden können. Es ist jedenfalls –
entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin – nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin
nach Ablauf der befristeten Arbeitsstelle ihre Zeit zu Hause hätte
verbringen und trotzdem die Kita hätte bezahlen müssen. In ihrer Replik
liess die Beschwerdeführerin Frau Dr. E._, Fachärztin FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, ausführen, sie habe die Stelle aus
psychischen Gründen und aufgrund der Unmöglichkeit, das Kind selber zu
betreuen, weil keine Alternativen bestanden hätten, auf die sie hätte
ausweichen können, abgesagt, respektive weil sie zwei Monate Betreuung
in der Kindertagesstätte hätte bezahlen müssen, ohne dass das Kind dort
gewesen wäre. Daraus geht jedoch nicht hervor und ist überdies nicht mit
einem Arztzeugnis belegt, inwiefern der Beschwerdeführerin der Antritt der
Stelle aus psychischen Gründen unzumutbar gewesen sein sollte, was
aber nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung durch ein eindeutiges
ärztliches Zeugnis oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel
belegt sein müsste (vgl. BGE 124 V 234 E.4b/bb; Urteile des
Bundesgerichts 8C_513/2018 vom 7. November 2018 E.2.2, 8C_66/2017
vom 9. Juni 2017 E.2; AVIG-Praxis ALE Rz. B290).
3.6. Obschon das Hotel C._ der Beschwerdeführerin auf deren Wunsch
hin eine 50 %-Anstellung angeboten hatte, nach welcher sie
unbestrittenermassen suchte und für die sie ihre Zusage bereits erteilt
hatte, war sie in der Folge für die potenzielle Arbeitgeberin nicht mehr
erreichbar (vgl. Bg-act. 5) und trat die Stelle ebenfalls
unbestrittenermassen nicht an. Daraus, dass es sich bei der vermittelten
Arbeitsstelle nicht um eine Anstellung im Umfang von 100 %, sondern nur
von 50 % gehandelt habe, vermag die Beschwerdeführerin nichts zu ihren
Gunsten abzuleiten, war die 50 %-Anstellung doch ein Entgegenkommen
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der potenziellen Arbeitgeberin, welche eine 100 %-Anstellung
ausgeschrieben hatte (vgl. edierte Bf-act. 2), gegenüber der
Beschwerdeführerin. Ein Unzumutbarkeitsgrund (persönliche Verhältnisse
oder Gesundheitszustand der Versicherten) im Sinne von Art. 16 Abs. 2
lit. c AVIG ist nicht ersichtlich. Mit ihrem Verhalten lehnte sie in Verletzung
ihrer Schadenminderungspflicht eine nicht amtlich zugewiesene Stelle ab
und befolgte damit Kontrollvorschriften und Weisungen der zuständigen
Amtsstelle nicht. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung an sich ist
somit nicht zu beanstanden (vgl. Art. 17 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 30. Abs.
1 lit. d AVIG).
4.1. Damit bleibt zu prüfen, ob die Dauer der Einstellung in der
Anspruchsberechtigung von 30 Tagen angemessen ist. Gemäss Art. 30
Abs. 3 AVIG bemisst sich die Dauer der Einstellung in der
Anspruchsberechtigung nach dem Grad des Verschuldens, das sich die
versicherte Person vorwerfen lassen muss. Die Einstellung dauert 1 bis 15
Tage bei leichtem Verschulden, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem
Verschulden und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs.
3 AVIV). Da es sich dabei um eine typische Ermessensfrage handelt, bei
welcher der Verwaltung ein grosser Ermessensspielraum zusteht, ist dem
Verwaltungsgericht bei der Beurteilung der Einstellungsdauer
Zurückhaltung geboten. Es darf sein Ermessen nicht ohne triftige Gründe
an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen, sondern muss sich bei der
Korrektur auf Gegebenheiten abstützen können, welche eine
abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen
(vgl. BGE 123 V 150 E.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_138/2017 und
8C_143/2017 vom 23. Mai 2017 E.6.1).
4.2. Die Ablehnung einer zumutbaren Stelle ohne entschuldbaren Grund stellt
gemäss Art. 45 Abs. 4 lit. b AVIV grundsätzlich ein schweres Verschulden
dar. Liegt jedoch ein entschuldbarer Grund vor, ist nicht zwingend von
einem schweren Verschulden auszugehen (vgl. BGE 130 V 125 E.3.5).
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Bei entschuldbaren Gründen im Sinne von Art. 45 Abs. 4 AVIV handelt
sich mithin um Gründe, die – ohne zur Unzumutbarkeit zu führen – das
Verschulden mittelschwer oder leicht erscheinen lassen können. Diese im
konkreten Einzelfall liegenden Gründe können sich aus der subjektiven
Situation der betroffenen Person (beispielsweise gesundheitliche
Probleme, familiäre Situation, Religionszugehörigkeit) oder aus objektiven
Gegebenheiten (beispielsweise befristete Stelle) ergeben. Liegt ein
solcher Grund vor, wiegt das Verschulden nicht schwer im Sinne von Art.
45 Abs. 4 AVIV und bemisst sich die Einstellungsdauer nach der
allgemeinen Regel von Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG (BGE 130 V 125 E.3.4.3
f.; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_24/2021 vom 10. Juni 2021
E.3.2.1; TRABER, Die schuldhafte Ablehnung einer zumutbaren Arbeit in
der Arbeitslosenversicherung, in: SZS 2022, S. 160 ff.; NUSSBAUMER,
Arbeitslosenversicherung in: MEYER [Hrsg.], Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Auflage, Basel
2016, S. 2524, Rz. 864). Danach bemisst sich die Dauer der Einstellung
nach dem Grad des Verschuldens und beträgt je Einstellungsgrund
höchstens 60 Tage (Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG).
4.3. Vorliegend wurde die Beschwerdeführerin unter der Berücksichtigung der
Tatsache, dass ihr eine befristete Stelle zugewiesen wurde, für 30 Tage in
der Anspruchsberechtigung eingestellt. Grundsätzlich ist mit der
(faktischen) Ablehnung der Arbeitsstelle durch die Beschwerdeführerin
von schwerem Verschulden auszugehen. Die Tatsache, dass es sich um
eine befristete Stelle handelte, berücksichtigte der Beschwerdegegner
sanktionsmildernd und entschied auf mittelschweres Verschulden. Die
verfügte Sanktion liegt im obersten Bereich des Rahmens des
mittelschweren und an der Grenze zum schweren Verschulden gemäss
Art. 45 Abs. 3 lit. b und c AVIV und im mittleren Bereich des Rahmens der
AVIG-Praxis ALE bei einer Ablehnung einer zugewiesenen oder
selbstgefundenen zumutbaren, auf vier Monate befristeten Stelle bzw.
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eines Zwischenverdienstes (27-34 Einstelltage, D79 Ziff. 2.2.A/7). Insofern
die Beschwerdeführerin geltend macht, es habe sich nicht um eine vom
16. Juni 2021 bis zum 15. Oktober 2021 befristete – mithin viermonatige –
Anstellung gehandelt, sondern lediglich für die beiden Monate Juli und
August 2021, kann sie daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Aus der
Stellenmeldung des Hotels C._ geht hervor, dass die bezeichnete
Stelle vom 16. Juni 2021 bis zum 15. Oktober 2021, also auf vier Monate,
befristet war (BUR-Nr. H._, Stellen-Nr. F._, Job-Room-Nr.
G._; vgl. edierte Bg-act. 2 und Gerichtsakte D5). Der
Beschwerdeführerin misslingt indessen der Nachweis nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei der
ihr angebotenen Stelle – in Abweichung der Basisangaben besagter Stelle
– lediglich um eine auf zwei Monate befristete Stelle gehandelt haben
sollte. Vielmehr substanziiert sie dieses Vorbringen nicht weiter, weshalb
es als Schutzbehauptung zu qualifizieren ist. Im Resultat sind keine
Gründe ersichtlich, welche ein Abweichen von der verfügten Anzahl
Einstellungstage rechtfertigen würden.
5. Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid
vom 12. August 2021 sowohl bezüglich der Einstellung in der
Anspruchsberechtigung an sich als auch bezüglich der Höhe der verfügten
Einstellungsdauer als gerechtfertigt, weshalb die dagegen erhobene
Beschwerde abzuweisen ist.
6.1. Nach Art. 61 lit. fbis ATSG ist das kantonale Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen
Einzelgesetz vorgesehen ist; sieht das Einzelgesetz keine Kostenpflicht
bei solchen Streitigkeiten vor, so kann das Gericht einer Partei, die sich
mutwillig oder leichtsinnig verhält, Gerichtskosten auferlegen. Da das
AVIG keine Kostenpflicht statuiert und Mutwilligkeit oder Leichtsinn nicht
vorliegen, sind der Beschwerdeführerin keine Kosten aufzuerlegen.
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6.2. Dem obsiegenden Beschwerdegegner steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).
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