Decision ID: 5777c2f0-4b48-4399-a574-3239331433d1
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit dem 1. Januar 2009 Geschäftsführer
bei der B._ GmbH (act. A1, A11). Die Arbeitgeberin hatte ab 16. Januar 2009 bei der
AXA Versicherungen AG (nachfolgend: Axa) mit Police unter anderem eine
Krankentaggeldversicherung abgeschlossen (act. G3.3, Beilage 2). Der
Versicherungsschutz umfasste die Deckung eines krankheitsbedingten Lohnausfalls zu
80% bei einer Leistungsdauer von 730 Tagen nach einer Wartefrist von 30 Tagen.
A.b Am 21. März 2013 wurde gestützt auf das Arztzeugnis von Dr. med. C._,
Facharzt Allgemeinmedizin (act. K1), eine Krankenmeldung ab 2. Januar 2013 im
Umfang von 100% gemacht und bei Art der Krankheit "Psyche" angegeben (act. A1).
Die Axa anerkannte ihre Leistungspflicht und entrichtete nach einer Wartefrist von 30
Tagen Taggelder ab 1. Februar 2013 (act. A34, A37, act. G3.3, Beilage 7). Im
Arztbericht vom 5. April 2013 (act. M1) diagnostizierte Dr. C._ Symptome der
Überarbeitung/Burnout-Symptom. Durch die medikamentös
komplementärmedizinische Behandlung und Achtsamkeitsübungen (v.a. im Bereich
Yoga) sowie neu wieder aufgenommene, sportliche Tätigkeiten habe sich der
Versicherte seit Januar 2013 gefestigt, die Konzentrationsfähigkeit sei wieder
zurückgekehrt und die Müdigkeit habe etwas abgenommen. Vorgeschlagene
spezifische Angebote in D._ oder H._ wolle der Versicherte nicht wahrnehmen, er
fühle sich mit seinen Massnahmen auf dem richtigen Weg. Ab 8. April 2013 werde er
die Arbeit vorläufig zu 20% wieder aufnehmen. Eine augenärztliche Kontrolle am
4. März 2013 hatte einen altersentsprechend unauffälligen Augenstatus ergeben
(act. M3). Am 22. Juli 2013 hielt Dr. C._ erneut fest, er habe dem Versicherten im
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Februar/März vorgeschlagen, bei einem Psychiater, einem psychiatrischen Zentrum
oder ähnlichem gleichzeitig in Behandlung zu gehen, was dieser abgelehnt habe
(act. M5). Ab 12. August 2013 betrage die Arbeitsunfähigkeit noch 50% (act. K4; vgl.
auch act. G3.3, Beilage 7).
A.c Am 23. August 2013 wurde der Versicherte von Dr. med. F._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, begutachtet. Mit
Schreiben vom 26. August 2013 (act. G1.16) erklärte der Versicherte gegenüber
Dr. F._, dessen Begutachtung habe eine Verschlechterung seines
Gesundheitszustands ausgelöst. Im psychiatrischen Gutachten vom 28. August 2013
(act. M6) diagnostizierte Dr. F._ eine leichte depressive Episode im Sinne einer
überwiegend remittierten mittelgradigen depressiven Episode seit Ende 2012 und
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen und histrionischen Anteilen. Beide
Diagnosen hätten keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten. Die
aktuell noch vorliegende depressive Restsymptomatik wäre gemäss Dr. F._ bei einer
Einleitung einer adäquaten und konsequenten ambulanten psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung voraussichtlich kurzfristig weiter besserungsfähig
gewesen. Eine vollständige Remission der aktuell noch vorliegenden, allenfalls noch
leichten psychischen Einschränkung sei in Kürze zu erwarten. Es sei schon zum
aktuellen Zeitpunkt – bei nur noch sehr geringen psychischen Einschränkungen – von
einer vollständigen Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die
persönlichen Angriffe des Versicherten im Schreiben vom 26. August 2013 (act. G1.16)
gegen den Referenten wiesen seiner Ansicht nach sicher nicht auf eine noch
vorliegende depressive Symptomatik hin, sondern im Gegenteil eher auf eine fast
vollständige Remission der depressiven Symptomatik. Aus psychiatrischer Sicht
bestehe in der angestammten Tätigkeit als Geschäftsführer der eigenen GmbH, aber
auch in anderen Tätigkeiten ab 1. August 2013 eine volle Arbeitsfähigkeit.
A.d Mit Schreiben vom 4. September 2013 (act. A43) teilte die Axa dem Versicherten
mit, der Untersuch bei Dr. F._ vom 23. August 2013 habe ergeben, dass er ab
1. August 2013 in seiner bisherigen Tätigkeit und im angestammten Pensum von 100%
voll arbeitsfähig sei. Daher bestehe ab diesem Zeitpunkt kein weiterer Anspruch auf
Krankentaggelder. Aus Kulanz und im Sinne eines Entgegenkommens sei die Axa
bereit, die Taggeldleistungen bis 31. August 2013 zu erbringen. Mit Schreiben vom
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22. November 2013 (act. G3.3, Beilage 10) gelangte der Versicherte an die Axa und
machte sinngemäss die Befangenheit des Gutachters Dr. F._ geltend. Zudem teilte er
der Axa mit, er werde seit dem Untersuch bei Dr. F._ von Dr. med. G._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, psychosomatische und psychosoziale
Medizin, Konsiliar- und Liasonpsychiatrie, psychiatrisch betreut (zum
Überweisungsschreiben vom 24. September 2013 von Dr. C._ vgl. act. G1.12) und
erwäge nach Besprechung mit einem Anwalt rechtliche Schritte.
A.e Daraufhin eröffnete eine Axa-Mitarbeiterin dem Versicherten am 29. November
2013 (act. A48), die Angelegenheit nochmals zu prüfen und einen ausführlichen Bericht
beim behandelnden Psychiater Dr. G._ zu verlangen. Mit Arztbericht vom
13. Dezember 2013 (act. M7) stellte Dr. G._ die Diagnose einer anhaltenden
depressiven Störung, gegenwärtig leichtgradig bei/mit Anpassungsstörung mit
Verbitterungsaffekt sowie Erschöpfung am Arbeitsplatz. Vom 23. September bis
12. November 2013 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 80%. Danach sei bis
30. November 2013 von einer 75%-igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Vom
13. Dezember 2013 bis 17. Januar 2014 ging Dr. G._ von einer Arbeitsunfähigkeit von
65% aus. Der Bericht von Dr. G._ wurde dem medizinischen Beratungsdienst der
Axa vorgelegt. In der Beurteilung vom 29. Januar 2014 (act. M9) erachtete Dr. med.
H._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, das Gutachten von Dr. F._ vom
28. August 2013 als seriös, ausführlich, klar und sachlich abgefasst. Die psychiatrische
Beurteilung von Dr. G._ stimme im Wesentlichen mit derjenigen von Dr. F._
überein. Die von Dr. G._ ab 13. Dezember 2013 attestierte 65%-ige
Arbeitsunfähigkeit war angesichts der nur noch höchst geringen depressiven
Symptomatik für Dr. H._ nicht nachvollziehbar. Eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes nach der Begutachtung durch Dr. F._ werde nicht festgestellt,
hingegen eine gewisse Verbitterung wegen der Beurteilung. Mit Arztbericht vom
4. Februar 2014 hielt Dr. G._ fest, die Arbeitsunfähigkeit betrage zurzeit 60% und
werde langsam stufenweise erhöht. Eine Erhöhung des Pensums auf 50% ab April
2014 könnte erprobt werden. Es gebe keinen Anlass, vom aktuellen Therapiekonzept
abzuweichen.
A.f Mit Schreiben vom 7. Februar 2014 (act. A52) hielt die Axa an ihrem
abschlägigen Entscheid vom 4. September 2013 fest. Am 11. März 2014 (act. A53)
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zeigte Rechtsanwalt Dr. iur. P. Sutter, Heiden, das Vertretungsverhältnis zum
Versicherten an und versuchte eine aussergerichtliche Bereinigung der Angelegenheit
zu erreichen. Am 14. März 2014 (act. A54) teilte die Axa mit, sie halte an ihrem
Entscheid fest und sei nicht an einer Vergleichslösung interessiert.
B.
B.a Mit Klage vom 15. April 2014 (act. G1) liess der Versicherte durch Rechtsanwalt
Sutter beantragen, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm den aus dem Beweisverfahren
resultierenden Betrag, mindestens aber Fr. 5'807.30 nebst 5% Zins seit dem
30. September 2013, Fr. 6'000.85 nebst 5% Zins seit dem 31. Oktober 2013,
Fr. 5'589.40 nebst 5% Zins seit dem 30. November 2013, Fr. 5'311.10 nebst 5% Zins
seit dem 31. Dezember 2013, Fr. 4'875.70 nebst 5% Zins seit dem 31. Januar 2014,
Fr. 4'403.85 nebst 5% Zins seit dem 28. Februar 2014 und Fr. 4'875.00 nebst 5% Zins
seit dem 31. März 2014 zu bezahlen. Es sei von einem Nachklagerecht des Klägers
Vermerk zu nehmen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung liess
der Kläger insbesondere vorbringen, dass die seit 28. Januar 2013 bestehende
Arbeitsunfähigkeit seit 1. September 2013 im Rahmen von 65% weiterhin vorliege und
von Dr. G._ bescheinigt werde.
B.b Mit Klageantwort vom 22. Mai 2014 (act. G3) schloss die Beklagte auf
Abweisung der Beschwerde und begründete dies im Wesentlichen damit, dass auf das
Gutachten von Dr. F._ vom 28. August 2013 abzustellen sei. Die Einschätzung des
behandelnden Psychiaters Dr. G._ vermöge die Beurteilung des Gutachters Dr. F._
nicht in Frage zu stellen. Dies umso weniger, als beide Beurteilungen im Wesentlichen
übereinstimmten. Aus der Stellungnahme von Dr. H._ gehe klar hervor, dass es nicht
nachvollziehbar sei, wenn Dr. G._ mit Blick auf die gestellte Diagnose bzw. die nur
locker gehaltene psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung ohne
klassische antidepressive medikamentöse Behandlung dennoch von einer 65%-igen
Arbeitsunfähigkeit ausgehe.
B.c Mit Replik vom 30. Juni 2014 (act. G7) hielt der Rechtsvertreter des Klägers an
seinem Rechtsbegehren fest und reichte den Bericht von Dr. G._ vom 4. Juni 2014,
den Herzraten-Variabilitäts(HRV-)Befund vom 19. Dezember 2013 und die HRV-
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Beurteilung vom 21. Dezember 2013 (act. G7.1ff.) ein. Die Beurteilungen von Dres.
F._ und H._ erwiesen sich als unvollständig, indem sie lediglich die depressive
Symptomatik Rechnung getragen und die davon zu unterscheidende Burnout-
Problematik negiert hätten.
B.d Mit Duplik vom 1. September 2014 (act. G9) hielt die Beklagte an ihrem
bisherigen Standpunkt fest und reichte eine Stellungnahme von Dr. H._ vom
27. August 2014 (act. G9.1, act. M11) ein.
B.e Am 22. Oktober 2014 (act. G11) legte der Rechtsvertreter des Klägers einen
Bericht von Dr. G._ vom 20. Oktober 2014 (act. G11.1) ins Recht, welcher der
Beklagten am 24. Oktober 2014 zur Kenntnisnahme übermittelt wurde (act. G12).

Erwägungen
1.
Das vorliegende Verfahren beschlägt Leistungen aus einer Zusatzversicherung zur
sozialen Krankenversicherung. Gemäss lit. J1.2 der zum Zeitpunkt des
Vertragsabschlusses anwendbaren Allgemeinen Vertragsbedingungen (AVB,
Personenversicherung Professional, Ausgabe 08.2008; act. G3.3, Beilage 1) kann der
Versicherungsnehmer bzw. der Anspruchsberechtigte gegen die Axa betreffend die
VVG-Deckungen an seinem schweizerischen Wohnort, an seinem schweizerischen
Arbeitsort oder in Winterthur Klage erheben. Der Kläger wohnt in I._. Damit ist die
örtliche Zuständigkeit gegeben. Das Versicherungsgericht entscheidet gemäss Art. 9
des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (EGZPO;
sGS 961.2) in Verbindung mit Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO;
SR 272) als einzige kantonale Instanz über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur
sozialen Krankenversicherung nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung
(KVG; SR 832.10). Es ist damit auch sachlich zuständig. Vor der Klageanhebung beim
Versicherungsgericht ist kein Schlichtungsverfahren gemäss Art. 197 ff. ZPO
durchzuführen (vgl. BGE 138 III 558 E. 4). Auf die Klage ist einzutreten.
2.
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2.1 Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss
Art. 12 Abs. 2 und 3 KVG dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG; SR 221.229.1).
Streitigkeiten aus solchen Versicherungen sind privatrechtlicher Natur (BGE 133 III 439
E. 2.1). Nach Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO gilt für vermögensrechtliche Streitigkeiten aus
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach KVG das vereinfachte
Verfahren ohne Rücksicht auf den Streitwert. Die rechtskundig vertretenen Parteien
haben auf eine mündliche Verhandlung verzichtet (act. G13f.; vgl. dazu auch Urteil des
Bundesgerichts vom 1. September 2014, 4A_65/2014, auszugsweise publiziert als BGE
140 III 450). Stattdessen wurde ein doppelter Schriftenwechsel durchgeführt (vgl.
Art. 246 Abs. 2 ZPO).
2.2 Gemäss der in Art. 247 Abs. 2 lit. a ZPO festgehaltenen gemässigten (sozialen)
Untersuchungsmaxime beschränkt sich das Gericht im vereinfachten Verfahren darauf,
bei der Feststellung des Sachverhalts und der Beweiserhebung "mitzuwirken".
Grundsätzlich ist es Sache der Parteien, das Tatsächliche vorzutragen und die
Beweismittel zu nennen (Stephan Mazan, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler
Kommentar zur Schweizerischen ZPO, 2. Aufl. Basel 2013, N 4 und 13 zu Art. 247). Es
gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 157 ZPO). Das Gericht hat bei der
Bewertung der erhobenen Beweise unabhängig von abstrakten (schablonenhaften)
Regeln nach seiner eigenen Überzeugung darüber zu befinden, ob es eine behauptete
Tatsache als wahr oder unwahr einstuft. Dabei bleibt es dem Gericht überlassen, die
Kraft eines Beweismittels nach seiner Überzeugung festzulegen. Die verschiedenen
Beweismittel sind in Bezug auf ihre Beweiskraft gleichberechtigt (vgl. Franz
Hasenböhler, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur
Schweizerischen ZPO, Zürich/Basel/Genf 2013, N 8 f. zu Art. 157). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist analog der Praxis im Sozialversicherungsrecht
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V
351 E. 3a mit Hinweis). Das Gericht kann auf Antrag einer Partei oder von Amtes wegen
ein (medizinisches) Gutachten einholen (Art. 183 ff. ZPO; vgl. auch Thomas
Weibel in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], a.a.O., Art. 183 N 8 ff.).
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2.3 Gemäss lit. A4.2 AVB ist Krankheit jede Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist und die eine
medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur
Folge hat. Arbeitsunfähigkeit ist lit. A4.3 zufolge die durch einen Unfall oder eine
Krankheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die
zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt.
3.
3.1 Die Beklagte leistete dem Kläger nach einer Wartefrist von 30 Tagen für den
Zeitraum vom 1. Februar 2013 bis 22. April 2013 Fr. 19'600.-- (81 Tage x Fr. 241.97)
bei einer vollen Arbeitsunfähigkeit und Fr. 13'357.-- (69 Tage x Fr. 193.58) für die Zeit
vom 23. April bis 30. Juni 2013 bei einer 80%-igen Arbeitsunfähigkeit (act. A34). Für
den Juli 2013 entrichtete sie dem Kläger bei einer weiterhin anerkannten
Arbeitsunfähigkeit von 80% Taggeldleistungen von Fr. 6'001.-- (31 Tage x Fr. 193.58;
act. A37). Für den 1. bis 11. August 2013 erfolgten – bei einer Arbeitsunfähigkeit von
weiterhin 80% – Taggeldzahlungen in Höhe von Fr. 2'130.-- (11 Tage x Fr. 193.58) und
für die Zeit vom 12. bis 31. August 2013 wurden bei einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit
Fr. 2'420.-- (20 Tage x Fr. 120.99) ausgerichtet (act. G3.3, Beilage 7). Die gesamten
bisherigen Krankentaggeldleistungen der Beklagten beliefen sich damit auf
Fr. 43'508.--. Streitig ist vorliegend, ob die Beklagte dem Kläger weitere
Krankentaggelder für die Zeit vom 1. September 2013 bis 31. März 2014 (eingeklagter
Zeitraum) zu bezahlen hat.
3.2 Bis zur Begutachtung durch Dr. F._ waren die Krankentaggelder von der
Beklagten allein auf Grundlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen des Hausarztes
des Klägers, Dr. C._, geleistet worden. Als objektive Befunde erhob Dr. C._ am
5. April 2013 (act. M1) einzig einen leichten Eisenmangel ohne Anämie, der inzwischen
korrigiert worden sei. Unter "Verlauf" beschrieb er eine Festigung des Klägers, eine
Rückkehr der Konzentrationsfähigkeit sowie eine Abnahme der Müdigkeit durch
medikamentös komplementärmedizinische Behandlung und Achtsamkeitsübungen (vor
allem im Bereich Yoga). Die von Dr. C._ protokollierten Äusserungen des Klägers
hinsichtlich seiner Beschwerden zeichnen ein anderes Bild: Unter anderem leide er
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unter enormer Müdigkeit und Energielosigkeit, seine Konzentrationsfähigkeit sei
massivst herabgesetzt. Trotz viel Schlaf sei er nach 15 Minuten nicht mehr fähig, sich
zu konzentrieren und produktiv zu arbeiten. Am 22. Juli 2013 (act. M5) berichtete
Dr. C._ schliesslich von einer langsamen Verbesserung seit April 2013 mit Stillstand
im Juni 2013, weshalb man die Medikation geändert habe. Daraufhin sei es wieder zu
einer deutlichen Verbesserung gekommen. Zudem äusserte er die Vermutung, bei der
psychischen Erkrankung des Klägers könnte es sich um eine larvierte Depression im
Rahmen eines Burnout-Syndroms handeln. Die am 22. Juli 2013 attestierte deutliche
Verbesserung des Gesundheitszustands hatte nach Auffassung von Dr. C._ auf die
Arbeitsfähigkeit des Klägers offenbar keine unmittelbaren Auswirkungen: Der Hausarzt
attestierte dem Kläger bis 11. August 2013 unverändert eine Arbeitsunfähigkeit von
80%. Danach betrage die Arbeitsfähigkeit 50% und solle bei weiteren Fortschritten des
Klägers im Monatsrhythmus erhöht werden.
3.3
3.3.1 Die Beklagte stützte ihren am 4. September 2013 eröffneten Bescheid (act. A43)
zur Einstellung der Taggeldleistungen auf das psychiatrische Gutachten von Dr. F._
vom 28. August 2013, wonach der Kläger trotz einer leichten depressiven Episode ab
1. August 2013 wieder voll arbeitsfähig sei (act. M6). Der Rechtsvertreter des Klägers
spricht diesem Gutachten jeglichen Beweiswert ab und ist der Ansicht, es sei auf die
Berichte des behandelnden Psychiaters Dr. G._ abzustellen.
3.3.2 Gemäss lit. H2.1 AVB hat der Versicherte im Versicherungsfall sobald als möglich
für fachgemässe ärztliche Pflege zu sorgen und den Anordnungen des Arztes Folge zu
leisten. Jeder Versicherte ist zudem verpflichtet, sich auch kurzfristig einer
Untersuchung oder Begutachtung durch von der Axa beauftragte Ärzte zu unterziehen.
Aufgrund des oben beschriebenen Verlaufs (vgl. E. 3.2) und nachdem sich der Kläger
trotz entsprechendem Vorschlag von Dr. C._ nicht in psychiatrische Behandlung
begeben hatte, war die Durchführung einer psychiatrischen Begutachtung seitens der
Beklagten für eine Standortbestimmung unerlässlich, ist doch Dr. C._ als
Allgemeinmediziner zur längerfristigen Attestierung einer psychisch begründeten
Arbeitsunfähigkeit nicht kompetent. Ein auf den 24. Juli 2013 angesetzter
Begutachtungstermin konnte vom Kläger aufgrund eines Kurzurlaubs nicht
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wahrgenommen werden. Der Kläger beschrieb das mit Dr. F._ geführte Telefonat
vom 9. Juli 2013 bezüglich Terminverschiebung als sehr belastend. Es habe ihn auf
dem Weg der Besserung zurückgeworfen. Dr. F._ sei ihm nun nicht mehr wohl
(act. A30). Aufgrund der in lit. H2.1 AVB klar formulierten Auflage, der Kläger habe sich
auch kurzfristig einer Begutachtung zu unterziehen, hätte die Beklagte grundsätzlich
ohne weiteres auf eine Durchführung am 24. Juli 2013 beharren können. Die kritischen
Äusserungen von Dr. F._ hinsichtlich der Terminverschiebung (vgl. Telefonprotokoll
vom 9. Juli 2013; act. A29) drücken ein gewisses Unverständnis dafür aus, dass
während Ferien Taggelder bezogen werden können. Dies lässt aber nicht bereits auf
eine Befangenheit Dr. F._s im Sinne einer fehlenden Ergebnisoffenheit schliessen.
Für eine Begutachtung durch eine andere Person bestand kein Anlass.
3.3.3 Die von Dr. F._ gestellte Diagnose einer leichten depressiven Episode im Sinne
einer überwiegend remittierten mittelgradigen depressiven Episode seit Ende 2012
beruht auf einer sorgfältigen Anamnese und berücksichtigt die gesamte Aktenlage.
Nach der Begutachtung erkundigte er sich beim behandelnden Arzt Dr. C._
insbesondere über die aktuelle Therapie. Dr. F._ berücksichtigte die vom Kläger
geklagten Beschwerden. Bei der Begutachtung fand er zwar Hinweise für akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit narzisstischen und histrionischen Anteilen, konnte aber
zugleich keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine manifeste und voll ausgebildete
Persönlichkeitsstörung feststellen. Dementsprechend unterstellte Dr. G._ in seinem
Bericht vom 13. Dezember 2013 (act. M7) Dr. F._ zu Unrecht eine solche
Diagnosestellung. Auch bei Exploration durch Dr. F._ konnte der Kläger offenbar bei
einem sehr eigenwilligen Krankheitsmodell für eine reguläre psychotherapeutische
Behandlung nicht motiviert werden. Die Schlussfolgerung von Dr. F._, dass der
Kläger nach bisher schrittweise erfolgter Erhöhung der Arbeitsfähigkeit bis auf 50% ab
1. August 2013 wieder voll arbeitsfähig sei, ist mit Blick auf die gesamten Umstände
nachvollziehbar und schlüssig.
3.3.4 Diese gutachterlichen Feststellungen sind nicht durch die Berichte von Dr. G._
zu erschüttern. Eine massgebliche und sofortige Verschlechterung des
Gesundheitszustands nach der Begutachtung wird von Dr. G._ nicht nachvollziehbar
begründet. Obwohl er eine Anpassungsstörung mit ausgeprägtem Verbitterungs-Affekt
feststellte, ging er weiterhin – im Einklang mit Dr. F._ – von einer lediglich
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leichtgradigen anhaltenden depressiven Störung aus und erachtete die bisherige
antidepressive Medikation mit Johanniskraut als ausreichend. Gemäss Beurteilung von
Dr. H._ vom 29. Januar 2014 (act. M9) ist die von Dr. G._ attestierte
Arbeitsunfähigkeit durch seine gestellte Diagnose nicht begründet. Dr. G._ schildere
nicht, welche psychischen Funktionen des Versicherten Einbussen aufwiesen, welche
eine 65%-ige Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würden. Gesamthaft erscheint unter
diesen Umständen eine Arbeitsunfähigkeit von 80% vom 23. September bis
12. November 2013, eine anschliessende Reduktion derselben um lediglich 5% bis
30. November 2013, und eine Arbeitsfähigkeit von 35% vom 13. Dezember 2013 bis
17. Januar 2014 nicht nachvollziehbar, dies auch in Berücksichtigung dessen, dass der
Kläger vor Begutachtung nach seinem eigenen Dafürhalten bereits eine Arbeitsfähigkeit
von 50% erreicht hatte.
3.3.5 Der Rechtsvertreter des Klägers wendet ein, die von Dr. G._ diagnostizierte
Burnout-Symptomatik sei von Dr. H._ nicht diskutiert worden. Dabei verweist er auf
den Bericht von Dr. G._ vom 4. Juni 2014 (act. G7.1). Zudem sei die Beschädigung
der Stressachse durch eine Herzratenvariablitäts-Messung nachgewiesen worden
(act. G7.2 und G7.3). Die von der klägerischen Seite postulierten angeblichen Mängel
an der Aktenbeurteilung von Dr. H._ vom 29. Januar 2014 vermögen jedenfalls den
Beweiswert des Gutachtens von Dr. F._ vom 28. August 2013 nicht herabzusetzen.
Selbst wenn bezüglich der Burnout-Symptomatik der Auffassung von Dr. G._ gefolgt
würde, wäre bei Erschöpfungsgefühlen und anderen gesundheitlichen "Burnout"-
Beschwerden, die zusammen mit einem überdauernden Gefühl der Überforderung
durch Arbeit auftreten, nach anerkannten medizinischen Standards nicht von einer
Krankheit zu sprechen. Gemäss Überschrift des hier einschlägigen Kapitels XXI ("Z-
Diagnosen") der von der WHO herausgegebenen ICD-Klassifikation (Bernd Graubner
in: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI; Hrsg.),
ICD-10-GM 2015 Systematisches Verzeichnis, 10. Revision – German Modification,
Version 2015, S. 767) handelt es sich hierbei um Faktoren, die den Gesundheitszustand
beeinflussen und zur Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten führen können. Ein
"Burnout" ist ein Risikozustand für eine spätere psychische oder körperliche
Erkrankung wie Depression, Tinnitus, Hypertonie oder Infektionskrankheiten (Philipp
Egli, Was soll das Verwaltungsverfahren?, in: recht 2013, S. 72 mit weiteren Hinweisen)
und fällt nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens (vgl. Urteil
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des Bundesgerichts vom 20. September 2011, 8C_302/2011, publiziert in: SVR 2012 IV
Nr. 22 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen). Daher ist nicht zu beanstanden, dass Dr. H._
auf die diesbezüglichen Ausführungen von Dr. G._ nicht näher eingegangen ist.
3.3.6 Entgegen der Ansicht des klägerischen Rechtsvertreters wird dem Gutachten
von Dr. F._ beweisrechtlich kein genereller Vorrang gegenüber den Beurteilungen der
behandelnden Ärzte eingeräumt (vgl. hierzu auch Urteile des Bundesgerichts vom
17. Dezember 2014, 4A_526/2014, E. 2.4, und vom 14. April 2015, 9C_203/2015, E. 3.2
bzgl. Willkürprüfung im erstgenannten Urteil). Die beweisrechtliche Würdigung
sämtlicher medizinischer Akten führt jedoch vorliegend zum Ergebnis, dass auf die
Beurteilung von Dr. F._ abzustellen ist. Zusammenfassend besteht daher gestützt auf
das psychiatrische Gutachten von Dr. F._ ab 1. August 2013 bzw. aus Kulanz der
Beklagten ab 1. September 2013 kein Anspruch mehr auf Taggeldleistungen der
Beklagten.
3.4 Dem Antrag auf Einholung eines Gerichtsgutachtens wird nicht stattgegeben, da
eine erneute Begutachtung aufgrund der vorliegenden Aktenlage für den Entscheid in
der Sache nicht erforderlich ist und für den strittigen Zeitraum keine neuen
Erkenntnisse erwarten liesse.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Klage vom 15. April 2014 vollumfänglich
abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 114 lit. e ZPO).
4.3 Der unterliegende Kläger hat ausgangsgemäss keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Dagegen bestände nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung im Bereich der Zusatzversicherungen zur sozialen
Krankenversicherung ein Anspruch des obsiegenden Versicherungsträgers unter der
Voraussetzung, dass dieser durch einen externen Anwalt vertreten ist (in BGE 137 III 47
[= Urteil des Bundesgerichts vom 17. November 2010, 4A_194/2010] nicht publizierte
E. 2.2.1). Die Beklagte wird durch intern im Rechtsdienst angestellte
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Rechtsanwältinnen vertreten, weshalb sie die Ausrichtung einer Parteientschädigung zu
Recht nicht geltend gemacht hat.