Decision ID: df00139a-665a-4847-9764-226c264c24a4
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 17. Juni 2014 (vgl. Urk. 2/1; Prozess IV.2013.00333) wurden
X._
Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- auferlegt. Gleichzeitig wurde der unentgeltliche Rechts
vertreter von
X._
, Rechtsanwalt Guy Reich, mit Fr. 1'312.20 aus der Gerichtskasse entschädigt. Infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wurden die Gerichtskosten und die Kosten für die anwaltliche Vertretung einst
weilen auf die Gerichtskasse genommen.
X._
wurde darauf hingewie
sen, dass er gemäss § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zur Erstattung der ihm einstweilen erlassenen Gerichtskosten und der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, wenn er in günstige wirt
schaftliche Verhältnisse kommt (
Urk.
2/1).
2.
Mit Eingabe vom 21. Mai 2019 wandte sich die Zentrale Inkassostelle der Zürcher Gerichte ans Sozialversicherungsgericht und beantragte die Feststellung der Nachzahlungspflicht von
X._
für die Gerichtskosten von Fr. 600.-- und die Entschädigung für den unentgeltlichen Rechtsvertreter in der Höhe von Fr. 1'312.20, das heisst total Fr. 1'912.20 (Urk. 1).
Mit Verfügung vom 27. März 2019 wurde
X._
– unter Hinweis auf seine fortdauernden Mitwirkungspflichten gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
- das For
mular zur Abklärung seiner finanziellen Verhältnisse zugestellt und Gelegenheit eingeräumt, zum Gesuch um Feststellung der Nachzahlungspflicht Stellung zu nehmen. Bei Säumnis wurde in Aussicht gestellt, dass Verzicht auf Stellung
nahme angenommen und der Entscheid über die Nachzahlungspflicht aufgrund der Akten gefällt werde, was zur Verpflichtung zur Nachzahlung führen könne (Urk. 3). Darauf reagierte er nicht (vgl. Urk. 4).
Mit weiterer Verfügung vom
6.
Juni 2019 wurde
X._
darauf hinge
wiesen, dass die
Bemühungen der Zentrale
n
Inkassostelle,
seine
aktuellen finan
ziellen V
erhältnisse zu erheben beziehungsweise seine
Steuerdaten erhältlich zu machen,
erfolglos
geblieben seien
.
Im Nachzahlungsverfahren sei
die Partei in gleichem Masse zur Mitwirkung verpflichtet wie im Bewilligungs
verfahren. Eine Verletz
ung der Mitwirkungspflicht führe
, sofern eine fortdauernde Bedürftigkeit n
icht anderweitig ausgewiesen sei
, zur Bejahung der Nachzahlungs
fähigkeit und der Nachzahlungsp
f
licht
.
Das Gericht setzte
X._
daher nochmals Frist an, um zum
Gesuch um Feststellung der Nachzahlungspflicht Stellung zu neh
men. Bei
Säumnis wurde in Aussicht gestellt, dass
angenommen
werde
, dass ei
ne
Nachzahlungsfähigkeit bestehe
, da eine Bedürftigkeit anderweitig nicht aus
ge
wiesen sei. Eine Säumnis we
rd
e
also aller Voraussicht nach zur Verpflichtung der Nachzahlung führen
(
Urk.
5
)
.
Darauf reagierte
X._
wiederum nicht (vgl.
Urk.
6).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss § 16 Abs. 4 Satz 1
GSVGer
ist eine Partei, der die unentgeltliche Rechts
pflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist.
1.2
M
ittellosigkeit im Sinne des prozessualen Armenrechts setzt voraus, dass die Ge
such stellende Person sämtliche eigenen Hilfsmittel zur Finanzierung des Prozes
ses erschöpft hat. Zu berücksichtigen ist unter anderem auch die Möglichkeit, vom Ehegatten aufgrund der ehelichen Unterhaltspflicht (Art. 163 des Schweize
rischen Zivilgesetzbuches [ZGB]) einen angemessenen Prozesskostenvorschuss zu erhalten. In zweiter Linie ist zu prüfen, ob die um das Armenrecht nachsuchende Partei über eigenes Vermögen verfügt. Erst in dritter Linie ist die Gesuch stellende Person sodann auf die allgemeine eheliche Beistandspflicht zu verweisen. Die Pflicht des Staates zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung geht der Unterhaltspflicht aus Familienrecht nach; erst wenn alle diese Mittel zur Finan
zierung des Prozesses nicht ausreichen, ist die Mittellosigkeit im Sinne des pro
zessualen Armenrechts gegeben (ZR 90 Nr. 82 S. 260).
2.
2.1
Der
Gesuchsgegner
hat innert den
angesetzten Frist
en
weder das Formular zur Abklärung der finanziellen Verhältnisse eingereicht noch zum Gesuch um
Fest-stellung
der Nachzahlungspflicht Stellung genommen.
D
ie Bemühungen des Ge
suchstellers
, die
aktuellen finanziellen Verhältnisse
des
Gesuchsgegners
zu
erhe
ben beziehungsweise dessen
Steuerdaten erhältlich zu machen,
blieben, wie e
r
wähnt, erfolglos (
Urk.
2/2-5).
2.2
Im Nachzahlungsverfahren ist die Partei in gleichem Masse zur Mitwirkung v
er
pflichtet wie im Bewilligungs
verfahren. Eine Verletzung der Mitwirkungspflicht führt, sofern eine fortdauernde Bedürftigkeit nicht anderweitig ausgewiesen ist
, zur Bejahung der Nachzahlungs
fähigkeit und der Nachzahlungsplicht (vgl. Alfred
Bühler, Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 2012,
N.
39 zu
Art.
123 ZPO).
2.3
Da der
Gesuchsgegner
seine Mitwirkungspflicht (wiederholt) verletzt hat und eine fortdauernde Bedürftigkeit aufgrund der Akten nicht ausgewiesen ist, ist seine Nachzahlungsfähigkeit zu bejahen, was zur Nachzahlungspflicht führt. Der
Ge
suchsgegner
ist daher zu
verpflichten, dem Gesuch
steller
betreffend das Verfah
ren IV.2013.00333 des hiesigen Gerichts
Fr.
1'912.20 nachzuzahlen.
3.
In analoger Anwendung von
§
28
lit
. a
GSVGer
in Verbindung mit
Art.
119
Abs.
6 der Schweizerischen Zivilprozessordnung
(ZPO) ist für das Nachzahlungs
verfahren weder eine
Entscheidgebühr
zu erheben noch eine Parteientschädigung zuzusprechen.