Decision ID: ce5da1df-4e7b-53e2-9374-52b7d657200a
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 31. März 2016 bei der IV-Stelle
des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen an (IV-act. 1). Er war im Jahr 20_ als Flüchtling in die Schweiz
eingereist (IV-act. 1 S. 2 und 5) und hatte hierzulande ausser im Rahmen von
Integrationsmassnahmen (vgl. IV-act. 1 S. 6) bzw. eines ca. halbjährigen Praktikums als
Küchenhilfe keine berufliche Tätigkeit ausgeübt (vgl. IV-act. 1, 8, 10 und 21 S. 2). In der
IV-Anmeldung gab der Versicherte an, an Knieproblemen zu leiden (IV-act. 1 S. 7) und
er legte seiner Anmeldung einen Bericht von Dr. med. B._, Orthopädie Klinik C._,
vom 9. September 2015 bei (IV-act. 5). Dr. B._ hatte darin ausgeführt, dass der
Versicherte infolge einer komplexen Knieinstabilität bereits mehrfach operiert worden
sei. Es bestehe eine komplexe Situation mit bereits mässiggradiger arthrotischer
Veränderung. Im Vordergrund stehe sodann eine Weichteilüberlastung infolge einer
muskulären Insuffizienz. Infolgedessen sei der Versicherte zum aktuellen Zeitpunkt
weiterhin nicht arbeitsfähig. Die Kniegelenksinstabilität, die fehlende muskuläre Kraft
und die Schmerzsituation würden eine Arbeit nicht zulassen. "Ein Arbeitsprofil wäre
zum aktuellen Zeitpunkt sicherlich wechselnd belastend sitzend und stehend ohne
Lasten zu tragen und ohne Abdrehbewegungen während maximal zwei Stunden pro
Tag." Eine Verbesserung sei in näherer Zukunft kaum zu erwarten. Folglich gelte das
umschriebene Arbeitsprofil möglicherweise langfristig, sodass allenfalls eine
Umschulung diskutiert werden sollte (IV-act. 5). Am 15. April 2016 gab der Hausarzt,
Dr. med. D._, Facharzt FMH für Innere Medizin und Lungenkrankheiten, an, dass
keine Gründe gegen einen sofortigen Beginn der Wiedereingliederung sprechen
würden. Als laufende Behandlungsmassnahmen erwähnte er eine Physiotherapie und
ein Aufbautraining, wobei er die Prognose als ungünstig bezeichnete, da bisher keine
A.a.
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Besserung eingetreten sei. Im Übrigen verwies er auf die Ausführungen im Bericht der
Klinik C._ vom 9. September 2015 sowie auf einen weiteren Bericht der Klinik C._
vom 5. Januar 2016 (IV-act. 12 S. 1 f.). In letzterem hatte Dr. med. E._, Orthopädie
Klinik C._, folgende Diagnose genannt: Status nach VKB-Revisionsplastik sowie
Osteosynthese-Materialentfernung und Notch-Plastik vom Mai 2015 links nach
komplexer biplanarer Umstellungsosteotomie, lateraler Seitenbandrekonstruktion und
zweimaliger VKB-Rekonstruktion. Weiter hatte Dr. E._ ausgeführt, dass der
Versicherte noch immer Schmerzen über dem lateralen Fibulakopf verspüre. Das
Instabilitätsgefühl sei im Alltag vorhanden und störe den Versicherten insbesondere bei
schnellen Abdrehbewegungen. Der Versicherte sei mit dem Verlauf nicht zufrieden. In
einer komplexen Knietestung habe sich eine Verbesserung der Situation gezeigt,
jedoch lägen insbesondere die Extensoren noch deutlich unter dem Referenzwert. Der
Versicherte sei darüber aufgeklärt worden, dass der muskulären Kraft für die Stabilität
des Knies massgebliche Bedeutung zukomme. In einem halben Jahr werde das Knie
erneut getestet. Bezüglich der Schmerzen bleibe abzuwarten, wie sich diese nach dem
Muskelaufbau präsentieren würden. MR-tomographisch liege lateral leider bereits eine
nicht unerhebliche Arthrose vor, welche sich durch die Valgisationsosteotomie in
Zukunft eher noch verstärken werde. Diesbezüglich wäre dann zu evaluieren, inwieweit
die Situation mit Infiltrationen verbessert werden könne (IV-act. 12 S. 4 f.). In einer
Stellungnahme vom 25. April 2016 hielt der regionale ärztliche Dienst (RAD) fest, dass
gemäss den Angaben im neuesten orthopädischen Bericht die beklagten Beschwerden
und medizinisch erhobenen Befunde nicht mehr so ausgeprägt seien, als dass die im
September 2015 attestierte Arbeitsfähigkeit von zwei Stunden täglich in einer
leidensadaptierten Tätigkeit noch nachvollziehbar wäre. Gestützt auf die Befunde im
neuesten Bericht könne medizinisch-theoretisch aktuell mindestens eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit bestätigt werden. Der Beginn des
Gesundheitsschadens mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gehe aus den
vorliegenden Unterlagen nicht hervor. Weitere Berichte seien einzuholen (IV-act. 13
S. 2). In einem bei der IV-Stelle am 9. Mai 2016 eingegangenen Bericht gab Dr. E._
an, dass eine rein sitzende Tätigkeit mit geringer Geh- und Stehbelastung dem
Versicherten möglich wäre. Für andere Fragen verwies Dr. E._ im Wesentlichen auf
seinen Bericht vom 5. Januar 2016 (IV-act. 14). Am 17. Mai 2016 hielt der RAD fest,
dass aufgrund der vorhandenen Aktenlage aus medizinsicher Sicht keine
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Einschränkung bei der Stellensuche festgestellt werden könne (IV-act. 16). Im Rahmen
eines von einer Eingliederungsberaterin der IV-Stelle durchgeführten
Assessmentgesprächs vom 5. Juli 2016 gab der Versicherte an, sich aufgrund der
gesundheitlichen Situation nicht in der Lage zu fühlen, einer Tätigkeit nachzugehen (IV-
act. 21). In einem Verlaufsbericht vom 20. Juni 2016 erwähnte Dr. E._, dass es dem
Versicherten unverändert schlecht gehe. Die Situation sei sehr unbefriedigend. Das
Problem bestehe höchstwahrscheinlich in der persistierenden Instabilität und der damit
einhergehenden Schmerzhaftigkeit. Er habe dem Versicherten empfohlen, für drei
Monate eine stabilisierende Schiene zu tragen und in drei Monaten eine MRT-
Verlaufsuntersuchung durchzuführen (IV-act. 26).
Am 18. November 2016 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von der
medizinischen Gutachtenszentrum Region St. Gallen GmbH (MGSG) orthopädisch und
psychiatrisch untersucht (IV-act. 38 S. 2; vgl. ferner IV-act. 29 ff.). Im polydisziplinären
Konsens ihres Gutachtens vom 12. Dezember 2016 (bzgl. Datum vgl. IV-act. 38 S. 1)
hielten die Sachverständigen folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit fest: Deutliche retropatelläre Chondropathie und leichte Chondropathie
des lateralen Femurcondylus mit Partialruptur des vorderen Kreuzbandtransplantats bei
Valgusstellung von 11 Grad nach vorderer Kreuzbandersatzplastik mit lateraler
Teilmeniskektomie 2001, VKB-Ersatzplastik 2008, arthroskopischer VKB-Resektion mit
Bohrkanaldebridement und Spongiosaauffüllung der Bohrkanäle sowie biplanarer
proximaler anterior closing wedge-Tibiaosteotomie und lateraler
Seitenbandrekonstuktion mittels modifizierter Larson-Technik 2014,
Osteosynthesematerialentfernung und arthroskopisch assistierter VKB-Ersatzplastik
und Notchplastik 2015. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannten die Gutachter eine chronische depressive Verstimmung (Dysthymie) sowie ein
Lumbovertebralsyndrom (IV-act. 38 S. 37). Schliesslich hielten die Gutachter fest, dass
dem Versicherten aus psychiatrisch-orthopädischer Sicht körperlich leichte Tätigkeiten
in temperierten Räumen, abwechslungsweise sitzend und stehend, ohne Laufen
(insbesondere auf Treppen, Leitern und schrägen Ebenen) und ohne kniende
Positionen seit mindestens Juni 2011 gesamthaft bei voller Stundenpräsenz zu 100 %
zugemutet werden könnten (IV-act. 38 S. 38). Am 21. Dezember 2016 beurteilte der
RAD das bidisziplinäre Gutachten als umfassend. Weiter hielt der RAD fest, dass das
A.b.
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Gutachten in Kenntnis der wichtigsten Vorakten erstellt worden sei und die IV-
relevanten Fragen beantworte. Die Darstellung der Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der
nachvollziehbar erarbeiteten interdisziplinären Konsensmeinung überzeugend. Die vom
Versicherten geschilderten Beschwerden seien hinreichend berücksichtigt und
gewürdigt worden (IV-act. 39).
Mit Mitteilung vom 17. Januar 2017 informierte die IV-Stelle den Versicherten
darüber, dass sie das Leistungsbegehren um beruflichen Massnahmen abweise, da bei
ihm keine gesundheitsbedingten Einschränkungen die Stellensuche beeinträchtigen
würden (IV-act. 42).
A.c.
Mit Vorbescheid vom 3. März 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Ablehnung seines Rentenbegehrens mangels Erwerbseinbusse in Aussicht. Zur
Begründung führte die IV-Stelle im Wesentlichen an, dass dem Versicherten gemäss
der gutachterlichen Einschätzung adaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt zumutbar
seien (IV-act. 44).
A.d.
In seinem Einwand vom 11. Mai 2017 schilderte der Versicherte die aus seiner
Sicht bestehenden Beschwerden und deren Verlauf. Er beanstandete, dass der
orthopädische Gutachter seine Schmerzen völlig unberücksichtigt gelassen habe.
Weiter machte er geltend, dass eine erhebliche Diskrepanz zwischen den Aussagen
des orthopädischen Gutachters und denjenigen der behandelnden Ärzte bestehe. Die
behandelnden Ärzte gingen von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus. Der Versicherte
beantragte die Aufhebung des Vorbescheids und eine Neubeurteilung der Situation
bezüglich der Ausrichtung einer IV-Rente (IV-act. 48). Weiter wurde der IV-Stelle ein
vom 20. Juni 2016 datiertes Schreiben von Dr. E._ zugestellt, in welchem dieser
festgehalten hatte, dass der Versicherte aus seiner Sicht in einer vorwiegend sitzenden
Tätigkeit aktuell bestenfalls zu 50 % arbeitsfähig sei (IV-act. 49 S. 2; vgl. ferner IV-
act. 50).
A.e.
Am 28. August 2017 nahm der orthopädische MGSG-Gutachter auf entsprechende
Nachfrage der IV-Stelle (vgl. IV-act. 53 ff.) zu den Diskrepanzen zwischen seiner
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und derjenigen der behandelnden Ärzte Stellung. Er
führte aus, dass Dr. B._ in seinem Schreiben vom September 2015 widersprüchliche
A.f.
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B.
Aussagen gemacht habe. Einerseits habe er festgehalten, dass der Versicherte nicht
arbeitsfähig sei. Gleichzeitig habe er aber eine Teilarbeitsfähigkeit mit Einschränkungen
angegeben. Aufgrund der vorliegenden Befunde sei eine attestierte Arbeitsfähigkeit von
lediglich zwei Stunden pro Tag inakzeptabel. Offenbar habe Dr. B._ keine Erfahrung
mit Arbeitsfähigkeitsschätzungen. Weiter hielt der orthopädische Gutachter fest, dass
das Schreiben von Dr. E._ vom Juni 2016 nicht verwertbar sei. In dem Schreiben
werde keine Diagnose aufgeführt, auf welche sich die attestierte 50%ige
Arbeitsfähigkeit beziehen könnte. Erwähnenswert sei zudem, dass der Versicherte
angegeben habe, maximal zwei Stunden sitzen zu können. Dr. B._ habe diese
subjektive Einschätzung für seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit übernommen. Dr.
E._, welcher im gleichen Spital wie Dr. B._ arbeite, sei zu einer völlig anderen
Einschätzung gelangt. Folglich liege es primär an den behandelnden Ärzten der Klinik
C._ darzulegen, weshalb sie auf diese unterschiedlichen Einschätzungen gekommen
seien. Da der Versicherte in der Schweiz nie gearbeitet habe, sei die Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit festgelegt worden und in einer solchen betrage die
Arbeitsfähigkeit aufgrund der vorliegenden Befunde 100 % (IV-act. 58).
Am 13. September 2017 hielt der RAD fest, dass sich der orthopädische
Gutachter im Schreiben vom 28. August 2017 nun mit den abweichenden
Einschätzungen von Dr. B._ und Dr. E._ auseinandergesetzt habe. Die
Ausführungen seien nachvollziehbar. Deshalb könne weiterhin auf das Ergebnis der
Begutachtung abgestellt werden (IV-act. 59). Mit gleichentags verfasstem Schreiben
stellte die IV-Stelle dem Versicherten unter Verweis auf die eingeholten Stellungnahmen
in Aussicht, dass sie an ihrem ablehnenden Entscheid festhalten werde (IV-act. 60). Mit
Verfügung vom 3. Oktober 2017 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten ab (IV-act. 61).
A.g.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
am 30. Oktober 2017 Beschwerde. Darin beantragte er sinngemäss die Aufhebung der
Verfügung vom 3. Oktober 2017 und das Zusprechen einer Invalidenrente (act. G 1).
Weiter stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (act. G 1 und 4).
B.a.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente.
2.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 14. Dezember 2017 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
Gleichentags entsprach das Versicherungsgericht dem Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für das vorliegende
Verfahren (act. G 6).
B.b.
Mit Schreiben vom 17. Januar 2018 zeigte Rechtsanwältin lic. iur. L. Keller, St.
Gallen, ihre Vertretung des Beschwerdeführers an (act. G 8). In seiner Replik vom 12.
März 2018 liess der nun anwaltlich vertretene Beschwerdeführer beantragen, die
Verfügung vom 3. Oktober 2017 sei aufzuheben und ihm sei eine Invalidenrente
basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 65 % auszurichten. Eventualiter
sei eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag zu geben. Weiter liess der
Beschwerdeführer ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor Versicherungsgericht stellen (act. G 13).
B.c.
Mit Schreiben vom 16. März 2018 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer Duplik und hielt an dem in der Beschwerdeantwort gestellten Antrag
vollumfänglich fest (act. G 15).
B.d.
Am 27. März 2018 bewilligte das Versicherungsgericht die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwältin Keller seit Mandatsübernahme vom 7.
Januar 2018 für das Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 16).
B.e.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
2.1.
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3.
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
2.2.
Zunächst ist zu prüfen, ob aufgrund der vorliegenden medizinischen Aktenlage der
Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
feststeht (zum Beweismass siehe BGE 138 V 221 E. 6 und Urteil des Bundesgerichts
vom 2. August 2017, 8C_128/2017, E. 2).
3.1.
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Die Beschwerdegegnerin hat sich für die Ablehnung des Rentenanspruchs in erster
Linie auf das orthopädisch-psychiatrische MGSG-Gutachten gestützt, wonach der
Beschwerdeführer in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei
(vgl. IV-act. 61; act. G 5; vgl. ferner IV-act. 38 S. 38 f.). Der Beschwerdeführer spricht
dem orthopädischen Teilgutachten hingegen den Beweiswert ab. Insbesondere
bemängelt er, dass der orthopädische Gutachter die von ihm geklagten Schmerzen
nicht ausreichend berücksichtigt habe und die behandelnden Ärzte zu einer
gegenteiligen Arbeitsfähigkeitsschätzung gekommen seien. Auch der RAD sei in seiner
Stellungnahme vom 25. April 2016 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen.
Es sei fraglich, ob der orthopädische Gutachter aufgrund einer 55-minütigen
Untersuchung die Arbeitsfähigkeit überhaupt einschätzen könne. Die behandelnden
Ärzte würden ihn schon länger betreuen und hätten ihn teilweise sogar operiert (vgl.
act. G 1 und 13).
3.2.
Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers (vgl. act. G 1 und 13) hat der
orthopädische Gutachter bei seiner Beurteilung die geklagten Beschwerden nicht
unberücksichtigt gelassen. Er hat den Beschwerdeführer zu seinen aktuellen Leiden
befragt und sich auch mit der Beschwerdeentwicklung auseinandergesetzt (vgl. IV-
act. 38 S. 3 f.). Dass der orthopädische Gutachter sich aber bei der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit nicht in erster Linie von den subjektiv geklagten Beschwerden leiten
lassen hat, sondern zur Hauptsache auf die objektiv erhobenen Befunde abgestellt hat,
ist nicht zu beanstanden (vgl. dazu insbesondere IV-act. 38 S. 9). Was die Dauer der
Untersuchung betrifft, ist anzumerken, dass es in der Natur der Sache liegt, dass sich
eine Begutachtung nicht auf denselben Beobachtungszeitraum stützen kann wie die
Berichte behandelnder Ärzte. Der Beweiswert eines Gutachtens wird allein dadurch
nicht geschmälert (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. November 2012,
9C_671/2012, E. 4.5). Vorliegend sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die
Dauer der Untersuchung keine seriöse Beurteilung des Beschwerdeführers erlaubt
hätte. Gestützt auf seine eigenen Untersuchungen und unter Berücksichtigung der
Voraktenlage ist der orthopädische Gutachter in nachvollziehbarer Weise zum Schluss
gekommen, dass der Beschwerdeführer in einer optimal adaptierten Tätigkeit aus
orthopädischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig sei (vgl. IV-act. 38 S. 1 ff.). Zwar hat sich
der orthopädische Sachverständige in seinem Teilgutachten, wie der
Beschwerdeführer in seinem Einwand vom 11. Mai 2017 zu Recht geltend gemacht
hatte (vgl. IV-act. 48), nicht ausreichend zu den abweichenden Einschätzungen der
behandelnden Ärzte geäussert. Dies hat er jedoch in seinem Schreiben vom 28. August
2017 nachgeholt, indem er schlüssig aufgezeigt hat, warum die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr. B._ und Dr. E._ nicht zu überzeugen
3.3.
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vermögen (vgl. IV-act. 58). Nicht gefolgt werden kann dem Beschwerdeführer, wenn er
einwendet, entgegen der Behauptung des orthopädischen Gutachters handle es sich
um keinen Widerspruch, wenn Dr. B._ im Schreiben vom 9. September 2015
einerseits eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert und andererseits ein
Zumutbarkeitsprofil für eine adaptierte Tätigkeit mit einer Teilarbeitsfähigkeit von zwei
Stunden pro Tag umschrieben habe, da sich die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf
den damaligen Zeitpunkt bezogen habe, während die Umschreibung des
Zumutbarkeitsprofils für eine zukünftige Teilarbeitsfähigkeit abgegeben worden sei
(vgl. act. G 13 S. 7). Vielmehr hat Dr. B._ im Schreiben vom 9. September 2015
ausdrücklich erwähnt, dass sich seine Zumutbarkeitsbeurteilung auf den damaligen
Zeitpunkt bezogen hatte (vgl. IV-act. 5; "Ein Arbeitsprofil wäre zum aktuellen Zeitpunkt
[...]"). Insofern erscheint die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. B._ vom 9.
September 2015 tatsächlich widersprüchlich und vermag somit die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht in Zweifel zu ziehen. Auch die Einschätzung von Dr.
E._ vom 20. Juni 2016, wonach der Beschwerdeführer bestenfalls zu 50 %
arbeitsfähig sei (vgl. IV-act. 49 S. 2), überzeugt nicht. Der orthopädische MGSG-
Gutachter hat zu Recht darauf hingewiesen (vgl. IV-act. 58), dass Dr. E._ diese
Einschätzung in keiner Weise erklärt hat. Gerade wenn die Diagnosen seit der letzten
Einschätzung von Dr. E._ unverändert geblieben sein sollten, wie der
Beschwerdeführer sinngemäss geltend macht (vgl. act. G 13 S. 8), leuchtet die
Attestierung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit vom Juni 2016 nicht ein, da Dr. E._ in
einem Bericht vom Mai 2016 noch davon ausgegangen war, dass dem
Beschwerdeführer eine rein sitzende Tätigkeit mit geringer Geh- und Stehbelastung
möglich sei, ohne dass er dabei eine Einschränkung in zeitlicher Hinsicht angegeben
hatte (vgl. IV-act. 14). Weiter ist anzumerken, dass auch Dr. D._ gegenüber der IV-
Stelle am 15. April 2016 ausgeführt hat, dass keine Gründe gegen einen sofortigen
Beginn der Wiedereingliederung sprechen würden (vgl. IV-act. 12 S. 2). Soweit der
Beschwerdeführer weiter geltend macht, der RAD sei in seiner Stellungnahme vom 25.
April 2016 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen (vgl. act. G 13 S. 7), kann
ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Der RAD hat am 25. April 2016 nämlich keine
50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert, sondern festgehalten, dass mindestens eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit vorliege, was für die Frage, ob Eingliederungsmassnahmen angezeigt
sein könnten, relevant gewesen war (vgl. IV-act. 13 S. 2). Am 17. Mai 2016 hat der RAD
sodann festgehalten, dass aufgrund der vorhandenen medizinischen Aktenlage aus
medizinischer Sicht keine Einschränkung bei der Stellensuche festgestellt werden
könne (IV-act. 16). Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die vorliegenden
medizinischen Akten nicht geeignet sind, Zweifel an einer seit der Begutachtung
bestehenden 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit zu wecken. Die
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gutachterliche Schätzung beruht auf einer eingehenden orthopädischen Untersuchung
vom 18. November 2016 und leuchtet aufgrund der objektiv erhobenen Befunde sowie
unter Berücksichtigung der gesamten Aktenlage und der vom Beschwerdeführer
gemachten Angaben (vgl. dazu z.B. IV-act. 27 S. 1, wonach ihn das Instabilitätsgefühl
im Knie insbesondere bei schnellen Abdrehbewegungen störe) ein. Erklärungsbedürftig
ist hingegen die retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung des orthopädischen
Gutachters, wonach beim Beschwerdeführer ab dem Juni 2011 eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit bestanden haben soll (vgl. IV-act. 38
S. 10). Eine Begründung dafür lässt das Gutachten vermissen. Möglicherweise ist der
orthopädische Gutachter gestützt auf die MRT-Bilder vom 21. Juni 2011 zu diesem
Schluss gekommen (vgl. IV-act. 38 S. 2, oben). Angesichts der noch im März 2014 und
Mai 2015 durchgeführten Operationen (vgl. IV-act. 38 S. 3), die mit grosser
Wahrscheinlichkeit zumindest zu vorübergehenden Arbeitsunfähigkeiten geführt haben,
ist die gutachterliche retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aber jedenfalls nicht
ohne Weiteres nachvollziehbar. Da die IV-Anmeldung des Beschwerdeführers erst am
31. März 2016 bei der IV-Stelle eingegangen ist (vgl. IV-act. 1) und der frühestmögliche
Rentenbeginn somit auf den 1. September 2016 fällt (Art. 29 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 IVG),
braucht die Gesundheitssituation rückwirkend allerdings nicht mehr genauer evaluiert
zu werden. Denn aufgrund der gesamten Aktenlage kann mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die gutachterlich attestierte
100%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit im September 2016 jedenfalls
bereits bestanden hat (vgl. insbesondere IV-act. 38, 16, 14 S. 4 und 12 S. 2).
Gegen das psychiatrische Gutachten hat der Beschwerdeführer keine konkreten
Einwände erhoben (vgl. act. G 1 und 13). Auch sprechen keine Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der psychiatrischen Beurteilung. Namentlich befinden sich keine
anderslautenden Einschätzungen von behandelnden Psychiatern in den Akten. Auch ist
das Gutachten sorgfältig erstellt worden. Der psychiatrische Gutachter hat sich
einlässlich mit den geklagten Beschwerden auseinandergesetzt und ist unter
Berücksichtigung der von der Rechtsprechung aufgestellten Standardindikatoren zum
Schluss gekommen, dass beim Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege (vgl. IV-act. 38 S. 40 ff.).
3.4.
In ihrem bidisziplinären Konsens haben die Gutachter nochmals schlüssig
aufgezeigt, dass der Beschwerdeführer in einer optimal leidensangepassten Tätigkeit
zu 100 % arbeitsfähig sei (vgl. IV-act. 38 S. 33 ff.). Zusammenfassend ist demnach mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
spätestens ab dem Zeitpunkt der Begutachtung im November 2016 bzw. ab dem
3.5.
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4.
Zeitpunkt des potentiellen Rentenbeginns im September 2016 (vgl. dazu E. 3.3) in einer
leidensangepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig war. Daran vermag auch das mit
der Beschwerde eingereichte Zeugnis seines Hausarztes dipl. med. F._, Allgemeine
Innere Medizin FMH, vom 29. Oktober 2017 nichts zu ändern. Weder gehen daraus
Diagnosen noch konkrete objektivierbare Einschränkungen des Beschwerdeführers
hervor. Auch gibt dipl. med. F._ in dem Zeugnis keine eindeutige Schätzung der
Arbeitsfähigkeit ab, sondern begnügt sich mit einer relativ pauschal gehaltenen Kritik
an der gutachterlich attestierten 100%igen Arbeitsfähigkeit und macht einen
Berentungsvorschlag (vgl. act. G 1.7). An dieser Stelle ist auch anzumerken, dass die
behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung eher geneigt
sein können, zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten auszusagen (BGE 135 V 470
E. 4.5; Urteil des Bundesgerichts vom 29. Oktober 2014, 8C_677/2014, E. 7.2).
Aufgrund dessen, dass bei einer Beurteilung immer ein gewisser Ermessensspielraum
besteht und unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Zielsetzungen eines
Behandlungsauftrags auf der einen Seite und eines Begutachtungsauftrags auf der
anderen Seite, kann eine medizinische Expertise nicht stets dann in Frage gestellt und
zum Anlass weiterer Abklärungen genommen werden, wenn die behandelnden Ärzte
nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten
abweichenden Auffassungen festhalten (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 4. März
2013, 9C_794/2012, E. 4.2, und vom 10. August 2011, 8C_997/2010, E. 3.2).
Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
bleiben die erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei
ist der Invaliditätsgrad anhand eines Einkommensvergleichs zu ermitteln (vgl. E. 2).
4.1.
Vorliegend ist sowohl hinsichtlich des (hypothetischen) Valideneinkommens als
auch bezüglich des Invalideneinkommens derselbe Tätigkeitsbereich zugrunde zu
legen, da der Beschwerdeführer in der Schweiz mit Ausnahme eines Praktikums noch
nie berufstätig gewesen ist (vgl. IV-act. 1, 8, 10 und 21 S. 2). Demnach kann ein so
genannter Prozentvergleich vorgenommen werden. Dabei entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung
eines Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75). Selbst bei Vornahme des maximal
zulässigen Tabellenlohnabzugs von 25 % (vgl. BGE 126 V 75) würde bei einer
Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad resultieren. Weitere Ausführungen zum Einkommensvergleich erübrigen
sich somit.
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
6.
Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt worden ist, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).