Decision ID: e9a34fd1-22ff-5c14-bc21-c4c4e1263b58
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 18. November 2020 in der Schweiz
um Asyl nach und wurde am 30. Dezember 2020 im Rahmen der Anhörung
nach Art. 29 AsylG und am 10. März 2021 im Rahmen der ergänzenden
Anhörung im erweiterten Verfahren zu seinen persönlichen Verhältnissen,
zu seinen Asylgründen sowie zum Reiseweg befragt.
Zu seinem persönlichen Hintergrund führte er aus, er sei eritreischer
Staatsbürger und im Dorf B._, Provinz C._, geboren und
aufgewachsen. Bis zur Ausreise aus Eritrea habe er dort mit seiner Mutter
und den (...) Geschwistern zusammengewohnt. Nach dem Weggang sei-
nes Vaters habe er als Ältester der Familie die Verantwortung für diese
übernehmen müssen. So habe er seine Mutter etwa bei der Feldarbeit un-
terstützen müssen. Wegen dieser Umstände habe er oft die Schule ver-
säumt und sei aufgrund der daraus folgenden Fehlzeiten im Jahr (...) von
der Schule verwiesen worden.
Nachdem er die Schule abgebrochen habe, sei eines Tages der Dorfver-
walter zu ihm nachhause gekommen und habe seiner Mutter eine Vorla-
dung für den Einzug in den Militärdienst überbracht, welche an ihn gerichtet
gewesen sei. Nachdem seine Mutter ihn vom Erhalt der Vorladung in
Kenntnis gesetzt habe, habe er, da er nicht in den Militärdienst habe gehen
wollen, sich – ohne die Mutter oder seine Geschwister zu informieren –
einer Gruppe von Dorfbewohnern, die ihr Vieh nach D._ hätten brin-
gen wollen, angeschlossen und sei mit ihnen mitgegangen. Nach fünf Ta-
gen Fussmarsch habe er D._ erreicht, von wo er zusammen mit
einem anderen Mann illegal aus Eritrea ausgereist sei. Innert zwei Tagen
sei er nach Äthiopien gelangt, wo er zunächst ins Auffanglager End-
abaguna gekommen sei. Zwei Monate später sei seine Mutter, zusammen
mit seinen Geschwistern, ebenfalls nach Äthiopien ausgereist, wo er sie
per Zufall im Flüchtlingslager wiedergetroffen habe. Anschliessend seien
sie zusammen nach E._ gereist. Seine Familie sei via Familien-
nachzug in die Schweiz gereist, er habe aber aufgrund seiner Volljährigkeit
nicht in den Familiennachzug miteingebunden werden können. Nach der
Ausreise der Mutter und der Geschwister aus Äthiopien habe der Vater
eine äthiopische Frau organisiert, welche sich um ihn gekümmert habe.
Trotzdem habe er mit der Zeit, aufgrund der Trennung von seiner Familie,
psychische Probleme bekommen. Daher habe er ein Gesuch um Erteilung
eines humanitären Visums zwecks Einreise in die Schweiz gestellt. Dieses
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sei nach anfänglicher Abweisung am 10. September 2020 gutgeheissen
worden und so sei er am 15. November 2020 in die Schweiz eingereist.
A.b Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätsdokumente oder Be-
weismittel zu den Akten. Den Taufschein hatte seine Mutter anlässlich ihrer
eigenen Einreise in die Schweiz eingereicht.
A.c Aus den Akten des Vaters des Beschwerdeführers (N [...]) ergibt sich
im Weiteren, dass dieser in der Schweiz am (...) 2016 Asyl erhalten hat.
B.
Mit Verfügung vom 11. Mai 2021 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und
ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug der Wegwei-
sung schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Auf-
nahme auf.
C.
C.a Mit Eingabe vom 9. Juni 2021 reichte der Beschwerdeführer durch
seine Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Flücht-
lingseigenschaft sei anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter
sei der Wegweisungsvollzug als unzulässig festzustellen und die vorläufige
Aufnahme anzuordnen, subeventualiter seien die Akten der Vorinstanz zur
neuen Entscheidung zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän-
dung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
C.b Die Rechtsvertretung verweist in der Beschwerde – ohne einen ent-
sprechenden prozessualen Antrag zu stellen – auf eine Beschwerdeergän-
zung, welche sie noch zu den Akten reichen werde, in welcher sie Erläute-
rungen betreffend die Glaubhaftmachung in Aussicht stellt (S. 7 der Be-
schwerdeschrift).
Auf die Begründung der Beschwerde wird in den Erwägungen eingegan-
gen.
C.c Der Beschwerde wurden die angefochtene Verfügung, eine gültige
Vollmacht sowie eine Unterstützungsbedürftigkeitserklärung beigelegt.
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D.
Mit Eingabe vom 1. Juli 2021 wurde die in Aussicht gestellte Beschwerde-
ergänzung eingereicht, in welcher im wesentlichen Ausführungen zur
Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers, zur Flüchtlingsei-
genschaft und zum Wegweisungsvollzug aus der Schweiz gemacht wer-
den. Es wurden keine Beweismittel beigelegt.
E.
Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wurde der Eingang der Be-
schwerde vom 9. Juni 2021 und der Beschwerdeergänzung vom 1. Juli
2021 mit Schreiben vom 6. Juli 2021 bestätigt.
Mit Eingabe vom 29. Juli 2021 gelangte der Rechtsvertreter des Beschwer-
deführers an das Bundesverwaltungsgericht und teilte diesem mit, er sei
erstaunt, dass das Gericht ihm den Eingang der beiden Rechtsschriften
nicht bestätigt habe. Im Weiteren wolle er wissen, wie der Stand des Ver-
fahrens sei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
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daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-
risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
4.
4.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in
dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen An-
schauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG); den frauenspezi-
fischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen.
4.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaub-
haft gemacht werden. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vor-
handensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Un-
glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu
wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht
entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-
tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen
des Landes – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht
sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel-
tend. Diese begründen die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3
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AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls.
Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nach-
weisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenom-
men (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
5.
5.1 Das SEM führt insbesondere zur Begründung seiner Verfügung aus,
der Beschwerdeführer habe bereits zu Beginn der Anhörung und noch vor
der freien Schilderung der Ausreisegründe angegeben, dass seine Mutter
die Vorladung der Verwaltung erhalten habe. Aus Angst vor dem Einzug in
den Militärdienst und das damit verbundene Tragen einer Waffe habe er
sich versteckt und sogar im Wald übernachtet. Er habe sich sodann zur
Ausreise entschieden, ohne aber die Mutter über diese Absicht zu infor-
mieren.
5.2 Im Verlaufe der Anhörung sei der Beschwerdeführer aufgefordert wor-
den, sich präzise und detailliert zu den Ausreisegründen zu äussern. Trotz-
dem habe er lediglich in äusserst knapper Darlegung erklärt, dass er sich
nach dem Erhalt der Vorladung zur Ausreise entschieden habe. Auf Nach-
frage hin habe er präzisiert, dass die Vorladung nicht ihm persönlich, son-
dern seiner Mutter überreicht worden sei, wobei diese Aussage im Wider-
spruch zu einer seiner früheren Aussagen stehe (vgl. Akten der Vorinstanz
A22/F36, A22/F48-49).
Der Beschwerdeführer habe im Weiteren nicht nachvollziehbar erklären
können, weshalb die Vorladung der Mutter und nicht ihm persönlich – er
sei zu diesem Zeitpunkt volljährig gewesen – zugestellt worden sei. Eben-
falls werfe der Zeitpunkt der Ausreise, welche nur einen Tag nach dem Er-
halt der Vorladung stattgefunden habe, Fragen auf. Auch sei es wenig
nachvollziehbar, dass er die Mutter über die geplante Ausreise nicht infor-
miert habe, weil er Angst davor gehabt habe, dass diese ihm die Ausreise
nicht gestattet hätte.
Sodann habe die Aussage erstaunt, er habe keine Kenntnis vom Inhalt der
Vorladung erlangt, es aber offensichtlich gewesen sei, dass es sich um
eine Aufforderung zum Militärdienst gehandelt habe.
Die Antworten zum Schulabbruch seien persönlicher und detaillierter aus-
gefallen. Angesichts dessen erstaune es umso mehr, dass die Schilderun-
gen zum Erhalt der Vorladung und dem Ausreisemoment derart oberfläch-
lich ausgefallen seien.
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Im Allgemeinen seien die Antworten unpersönlich, pauschal und wider-
sprüchlich ausgefallen und hielten den Anforderungen an die Glaubhaf-
tigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, wobei deren Asylrelevanz nicht zu
prüfen sei.
Für den detaillierten Inhalt der Erwägungen wird auf die angefochtene Ver-
fügung verwiesen.
6.
In der Beschwerdeschrift wird geltend gemacht, dass die Aussagen des
Beschwerdeführers anlässlich der Anhörungen glaubhaft und folgerichtig
seien. Auch würden sie sich nicht in Allgemeinplätzen erschöpfen und
seien so detailliert und präzise wie überhaupt möglich. Ebenfalls seien die
Fluchtgründe gehörig begründet, widerspruchslos sowie schlüssig vorge-
bracht worden und enthielten Realkennzeichen.
Beschwerdeseitig wird weiter geltend gemacht, dass der Beschwerdefüh-
rer Eritrea illegal verlassen habe, um nach Äthiopien zu gelangen. Darüber
hinaus sei sein Vater in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden. Es
liege daher im Interesse der eritreischen Behörden, nach ihm zu suchen
und, würde er nach Eritrea zurückkehren, ihn zu befragen. Somit sei er
verfolgt und es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen.
Für den detaillierten Inhalt der Beschwerdebegründung und der vorgeleg-
ten Beweismittel wird auf die Rechtsmitteleingabe verwiesen.
7.
7.1 In der Beschwerde wird zunächst eine Verletzung des Untersuchungs-
grundsatzes gerügt, da der Sachverhalt von der Vorinstanz unvollständig
erstellt worden sei. Sie habe es nämlich versäumt, die illegale Ausreise des
Beschwerdeführers zu thematisieren und dabei auch zu berücksichtigen,
dass sein Vater in der Schweiz Asyl erhalten habe. Dabei handelt es sich
um eine formelle Rüge, welche vorab zu beurteilen ist, da sie gegebenen-
falls geeignet ist, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewir-
ken.
7.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen
des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach stellt
die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nöti-
genfalls der unter Buchstaben a–e aufgelisteten Beweismittel. Dieser
Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt; er findet seine Grenzen an der
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Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). Dazu gehört un-
ter anderem, die Identität offenzulegen, vorhandene Identitätspapiere ab-
zugeben und an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken.
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde ge-
legt wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungs-
maxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle
für die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl.
dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundes-
gesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16).
7.3 Eng mit dem Untersuchungsgrundsatz zusammen hängt die Pflicht der
Behörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Aus der
Begründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ergibt sich, dass
die Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen soll, den Ent-
scheid sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl
der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Ent-
scheides ein Bild machen können. Die Begründungsdichte richtet sich da-
bei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und den
Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die
rechtlich geschützten Interessen des Betroffenen – und um solche geht es
bei Verfahren betreffend Asyl und Wegweisung – eine sorgfältige Begrün-
dung verlangt wird (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2).
7.4 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz-
lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden,
wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht er-
scheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 m.w.H.). Eine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt – angesichts des for-
mellen Charakters des Gehörsanspruchs unabhängig davon, ob die ange-
fochtene Verfügung bei korrekter Verfahrensführung im Ergebnis anders
ausgefallen wäre – grundsätzlich zur Kassation und Rückweisung der Sa-
che an die Vorinstanz. Die Heilung von Gehörsverletzungen aus prozess-
ökonomischen Gründen ist auf Beschwerdeebene nur möglich, sofern das
Versäumte nachgeholt wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen
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kann und der Beschwerdeinstanz für die konkrete Streitfrage die freie
Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zu-
kommt sowie die festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist
und die fehlende Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertret-
barem Aufwand hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2014/22 E. 5.3
m.w.H.).
8.
8.1 Den Akten lässt sich in der Tat nicht entnehmen, dass die Vorinstanz
ihrer Prüfung auch die behauptete illegale Ausreise des Beschwerdefüh-
rers und die Asylgewährung seines Vaters in der Schweiz zugrunde gelegt
hätte.
Der Sachverhalt erweist sich somit als nicht hinlänglich erstellt. Aus der
Verfügung lässt sich nicht ersehen, dass das SEM sich mit diesen – ent-
scheidrelevanten – Aspekten auseinandergesetzt hätte, was auch eine Be-
gründungspflichtverletzung darstellt.
Die vom Beschwerdeführer erhobenen Rügen erweisen sich somit als be-
gründet.
8.2 Das Bundesverwaltungsgericht kommt zum Schluss, dass eine Heilung
der festgestellten formellen Rechtsverletzungen auf Beschwerdeebene im
vorliegenden Fall nicht in Betracht kommt, zumal bei einer Heilung durch
das Gericht und einem daraufhin allenfalls ergehenden abweisenden Ent-
scheid eine Instanz verloren geht. Zudem lässt sich die Entscheidreife im
vorliegenden Verfahren nicht mit geringem Aufwand herstellen, weshalb es
angezeigt ist, die angefochtene Verfügung gestützt auf Art. 61 Abs. 1 in fine
VwVG aufzuheben und die Sache zwecks vollständiger Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts und neuem Entscheid an das SEM zurück-
zuweisen.
Das SEM wird dabei einerseits zu prüfen haben, ob dem Beschwerdefüh-
rer bei einer Rückkehr nach Eritrea wegen seines Vaters künftig eine Re-
flexverfolgung drohen könnte (vgl. bereits Entscheidungen und Mitteilun-
gen der Schweizerischen Asylrekurskommission EMARK 1994 Nr. 5 E.
3.h; BVGE 2011/51 E. 6.2).
Zum anderen wird es zu prüfen haben, ob die Situation des Vaters zusätz-
lich zur allfälligen illegalen Ausreise des Beschwerdeführers Anknüpfungs-
punkte in Anlehnung an das Referenzurteil des Bundesverwaltungsge-
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richts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 darstellen, welche eine Schär-
fung des Profils des Beschwerdeführers und damit eine künftige Verfol-
gung begründen könnten.
9.
Bei dieser Sachlage erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den restli-
chen Vorbringen in der Beschwerdeschrift.
10.
Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, soweit die Aufhebung der ange-
fochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
beantragt werden.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG).
11.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Entschädigung für die
ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten
(Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote
zu den Akten gereicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann jedoch
verzichtet werden, da sich im vorliegenden Verfahren der Aufwand zuver-
lässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Dem Beschwerdeführer ist
eine Parteientschädigung zu Lasten des SEM von insgesamt Fr. 1’100.–
zuzusprechen.
Mit vorliegendem Urteil werden die Anträge auf amtliche Rechtsverbeistän-
dung, auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und auf Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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