Decision ID: c53fb21d-0b07-583d-ae72-3b66a638f99a
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X erwarb den Führerausweis auf Probe am 12. September 2006. Am 15. November
2006 verursachte er einen Verkehrsunfall. Wegen Nichtanpassens der Geschwindigkeit
entzog ihm das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen
(nachfolgend: Strassenverkehrsamt) den Führerausweis auf Probe mit Verfügung vom
20. Februar 2007 für die Dauer von drei Monaten. Gleichzeitig wurde die Probezeit um
ein Jahr verlängert. Einen dagegen bei der Verwaltungsrekurskommission erhobenen
Rekurs zog X am 20. März 2007 zurück. Am 10. Juli 2010 lenkte er einen
Personenwagen mit einer minimalen Blutalkoholkonzentration von 1,09 Gew.-‰. Als
Folge davon wurde der Führerausweis auf Probe mit Verfügung des
Strassenverkehrsamtes vom 3. September 2010 annulliert und eine Wartefrist für den
Erwerb eines neuen Lernfahrausweises bis 10. Juli 2011 angeordnet; ferner wurde
festgehalten, dass dieser erst nach Vorlage eines die Fahreignung bejahenden
verkehrspsychologischen Gutachtens erteilt werde.
B.- Am 17. März 2011 lenkte X in A einen Personenwagen mit einer minimalen
Blutalkoholkonzentration von 1,34 Gew.-‰. Zudem überschritt er die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h und verursachte zufolge nicht angepasster
Geschwindigkeit einen Selbstunfall. Mit Strafbescheid des Untersuchungsamtes B vom
9. Juni 2011 wurde er in diesem Zusammenhang wegen mehrfacher Verletzung von
Verkehrsregeln, Führens eines Personenwagens in angetrunkenem Zustand, Führens
eines Personenwagens ohne Führerausweis, Nichttragens der Sicherheitsgurte sowie
unberechtigter Verwendung von Händlerschildern zu einer bedingten Geldstrafe von
70 Tagessätzen zu je Fr. 60.-- und einer Busse von Fr. 2'550.-- verurteilt. Eine bedingte
Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je Fr. 120.-- aus einem anderen Strafverfahren
wurde widerrufen und vollziehbar erklärt.
C.- Aufgrund des Vorfalls vom 17. März 2011 verlängerte das Strassenverkehrsamt die
Wartefrist für den Erwerb eines neuen Lernfahrausweises um 15 Monate bis 9. Oktober
2012. Der dagegen erhobene Rekurs wurde teilweise gutgeheissen und die
Verlängerung der Wartefrist mit Entscheid vom 24. November 2011 auf 12 Monate bis
9. Juli 2012 beschränkt (Proz.Nr. IV-2011/75).
D.- Nach Ablauf der Wartefrist ersuchte X im Juli 2012 das Strassenverkehrsamt um
Erteilung eines Lernfahrausweises. Am 17. August 2012 wurde er am Institut für
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Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen (IRM) verkehrsmedizinisch und -
psychologisch untersucht. Im Gutachten vom 21. September 2012 wurde die
Fahreignung von X aus charakterlichen Gründen bei episodenhaftem
Alkoholmissbrauch verneint. Vor einer verkehrspsychologischen Neubeurteilung wurde
die Durchführung einer mindestens sechsmonatigen fachtherapeutisch betreuten und
kontrollierten Alkoholabstinenz empfohlen. Gestützt auf dieses Gutachten wies das
Strassenverkehrsamt das Gesuch um Erteilung des Lernfahrausweises mit Verfügung
vom 6. November 2012 ab.
E.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 20.
November 2012 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und den Lernfahrausweis zu erteilen; eventuell
sei die Erteilung des Lernfahrausweises mit weiteren Massnahmen zu verbinden; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz trug mit Vernehmlassung vom
4. Januar 2013 auf Abweisung des Rekurses an. Der Aufforderung, das Gutachten zu
ergänzen, kamen der Verkehrspsychologe mit Schreiben vom 12. März 2013 und der
Verkehrsmediziner mit Schreiben vom 5. April 2013 nach. Dazu nahm der Vertreter des
Rekurrenten mit Eingaben vom 9. und 24. April 2013 Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,
soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 20. November 2012 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekursverfahren ist umstritten, ob die Vorinstanz das Gesuch des Rekurrenten
um Erteilung eines Lernfahrausweises zu Recht wegen charakterlicher Nichteignung
abgewiesen hat.
bis
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a) Der Rekurrent macht zur Hauptsache geltend, das eingeholte Gutachten sei aus
verkehrsmedizinischer Sicht praktisch einwandfrei ausgefallen. Die Gutachter hätten
die positiven Aspekte erkannt, die Fahreignung jedoch aus anmassenden
Unterstellungen verneint. Angeblich fehlten dem Rekurrenten Strategien, wie er in
Zukunft alkoholisierte Fahrten verhindern wolle. Zudem könne er die Frage, weshalb er
nach dem ersten Vorfall mit Alkohol ein Jahr später erneut mit 1,34 Gew.-‰ gefahren
sei, zu wenig differenziert beantworten. Nach immerhin eineinhalbjährigem Entzug und
tadelloser Führung sei ihm eine mindestens sechsmonatige fachtherapeutisch betreute
und kontrollierte Alkoholabstinenz empfohlen worden. Die Vorinstanz habe diese
Empfehlung unkritisch übernommen. Für einen weiteren Sicherungsentzug aus
charakterlichen Gründen sei die schlechte Prognose über das Verhalten als
Motorfahrzeugführer massgebend. Es müssten hinreichend begründete Anhaltspunkte
vorliegen, dass der Führer rücksichtslos fahren werde. Die Frage sei anhand der
Vorkommnisse und der persönlichen Umstände zu beurteilen. Der Rekurrent lebe
familiär und beruflich in stabilen Verhältnissen. Die begangenen Verstösse liessen nicht
auf einen charakterlichen Mangel schliessen. Er habe Schule und Lehre einwandfrei
absolviert. Im Sommer 2013 schliesse er eine Zweitlehre ab. Die von den Gutachtern
nach dem Untersuch vom 17. August 2012 erhobenen Vorhaltungen seien völlig
ungeeignet, einen strebsamen jungen Menschen wegen zwei Trunkenheitsfahrten als
charakterlich ungeeignet einzustufen. Der Untersuch habe nur wenige Stunden
gedauert. Hinzu komme, dass die fraglichen Aussagen unter einer gewissen Nervosität
und Anspannung gemacht worden seien und daher vielleicht einen etwas zu
unbekümmerten und selbstüberschätzenden Eindruck hinterlassen hätten. Dies dürfe
jedoch nicht genügen, um den Rekurrenten, der die verkehrsmedizinische
Untersuchung erfolgreich überstanden habe, als charakterlich ungeeignet
abzuqualifizieren. Der Hausarzt des Rekurrenten bescheinige, dass dieser abstinent
lebe und es zu keinen Rückfällen oder einer Suchtverlagerung gekommen sei. Er
komme auf Aufforderung hin regelmässig in die Praxis und verhalte sich kooperativ.
Am fraglichen Abend des zweiten Vorfalls habe der Rekurrent nie die Absicht gehabt,
ein Fahrzeug zu lenken. Erst unterwegs habe er in erheblich angetrunkenem Zustand
die hirnrissige Idee gehabt, sich ans Steuer zu setzen. Daraus habe er seine Lehren
gezogen und trinke seit Jahr und Tag keinen Alkohol mehr. Ihm unter diesen
Umständen nach einem nur 15-minütigen Gespräch beim Untersuch in St. Gallen und
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einem kurzen Telefonanruf mangelnde Einsicht und Charakterlosigkeit anzulasten,
erscheine schon etwas mutig. Es gebe klare und messbare Fakten zugunsten des
Rekurrenten. Trotzdem würden die Gutachter mit zuweilen doch recht subjektiven
Einschätzungen und wenig griffigen und wenig überprüfbaren Begründungen
umschwenken. Angesichts der beruflichen Situation erweise sich die Nichterteilung des
Lernfahrausweises als unangemessen, vor allem dann, wenn sich der Rekurrent mit
weiteren Massnahmen und Auflagen ausdrücklich einverstanden erkläre.
Dem hält die Vorinstanz entgegen, die Verwaltungsrekurskommission habe in ihrem
Entscheid über die Verlängerung der Wartefrist festgehalten, dass die Umstände der im
Zusammenhang mit der unerlaubten Fahrt ohne Führerausweis begangenen
Verkehrsregelverletzungen in die Beurteilung der Fahreignung einzufliessen hätten.
Dies habe der Verkehrspsychologe vorliegend gemacht und die Fahreignung des
Rekurrenten wegen fehlender Erkenntnis über die Ursachen und Hintergründe des
eigenen Fehlverhaltens sowie fehlender Strategien verneint. Das Gutachten sei
schlüssig, nachvollziehbar und stehe nicht im Widerspruch zur Aktenlage.
b) aa) Führerausweise dürfen nicht erteilt werden, wenn der Bewerber an einer die
Fahreignung ausschliessenden Sucht leidet (Art. 14 Abs. 2 lit. c des
Strassenverkehrsgesetzes; SR 741.01, abgekürzt: SVG) oder wenn er nach seinem
bisherigen Verhalten nicht Gewähr bietet, dass er als Motorfahrzeugführer die
Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen wird (Art. 14 Abs. 2
lit. d SVG).
Der erstmals erworbene Führerausweis für Motorräder und Motorwagen wird zunächst
auf Probe erteilt. Die Probezeit beträgt drei Jahre (Art. 15a Abs. 1 SVG). Er wird
unbefristet erteilt, wenn die Probezeit abgelaufen ist und der Inhaber an den vom
Bundesrat vorgeschriebenen, in erster Linie praktischen Weiterbildungskursen zur
Erkennung und Vermeidung von Gefahren sowie zu umweltschonendem Fahren
teilgenommen hat (Art. 15a Abs. 2 SVG). Wird dem Inhaber der Ausweis auf Probe
wegen einer Widerhandlung entzogen, so wird die Probezeit um ein Jahr verlängert.
Dauert der Entzug über die Probezeit hinaus, so beginnt die Verlängerung mit der
Rückgabe des Führerausweises (Art. 15a Abs. 3 SVG). Der Führerausweis auf Probe
verfällt mit der zweiten Widerhandlung, die zum Entzug des Ausweises führt (Art. 15a
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Abs. 4 SVG). Ein neuer Lernfahrausweis kann frühestens ein Jahr nach Begehung der
Widerhandlung und nur aufgrund eines verkehrspsychologischen Gutachtens erteilt
werden, das die Eignung bejaht (Art. 15a Abs. 5 SVG).
bb) Die Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht, wenn die betroffene Person
regelmässig so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit vermindert wird und sie
diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu
überwinden oder zu kontrollieren vermag. Auf eine fehlende Fahreignung darf
geschlossen werden, wenn die Person nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht,
dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt (vgl.
BGE 129 II 82 E. 4.1). Der Begriff der Trunksucht oder der Alkoholabhängigkeit im Sinn
des Strassenverkehrsgesetzes ist nicht identisch mit demjenigen im medizinischen
oder gesellschaftlichen Sinn. Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG geht von einem mehr oder
weniger lang dauernden, als Sucht zu bezeichnenden Zustand aus, welcher die Gefahr
schafft, dass der davon Betroffene die Sicherheit des Strassenverkehrs beeinträchtigt,
wenn er ein Fahrzeug führt. Dabei ist nicht erforderlich, dass der Süchtige gerade im
Zeitpunkt, da über die Erteilung oder den Entzug des Führerausweises entschieden
wird, fahrunfähig ist; massgebend ist die potenzielle Gefahr. Immerhin genügt die
blosse Möglichkeit einer späteren Gefährdung nicht. Die Trunksucht muss derart sein,
dass der Betroffene mehr als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich ans
Steuer eines Fahrzeuges in einem – dauernden oder zeitweiligen – Zustand zu setzen,
der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Dieses Verständnis der Trunksucht
erlaubt es, auch bloss suchtgefährdete Personen, bei denen aber jedenfalls ein
Alkoholmissbrauch vorliegt, vom Strassenverkehr fernzuhalten (vgl. BGE 129 II 86 ff
m.w.H.), vorausgesetzt, dass sie das Führen von Motorfahrzeugen und einen die
Fahrfähigkeit beeinträchtigenden Alkoholkonsum nicht hinreichend sicher trennen
können (R. Seeger, Fahreignung und Alkohol, in: Probleme der Verkehrsmedizin, hrsg.
vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich).
Aus charakterlichen Gründen sind jene Personen zum Führen von Motorfahrzeugen
nicht geeignet, die nicht über ein Minimum an Verantwortungsbewusstsein,
Beständigkeit und Selbstbeherrschung verfügen, die gleichzeitig ungeschickt,
unbeholfen und ohne Entscheidungssinn sind, die übertrieben optimistisch und ganz
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ohne Bewusstsein für Gefahren sind oder die dazu neigen, sich immer im Recht zu
glauben und völlig hemmungslos sind (vgl. M. Perrin, Délivrance et retrait du permis de
conduire, Fribourg 1982, S. 49). Bezugspunkt der Beurteilung ist einzig die
Verkehrssicherheit. Diejenigen Personen sollen nicht zugelassen werden, von denen
anzunehmen ist, dass sie aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur eine besondere Gefahr
für die anderen Verkehrsteilnehmer darstellen. Eine solche Gefahr liegt etwa nahe bei
sehr starker emotionaler Unausgeglichenheit, unbeherrschter Impulsivität oder
dauernder affektiver Gespanntheit. Positiv wird eine einigermassen angepasste
charakterliche Reife vorausgesetzt. Nicht jede Person mit ungünstigen
Charakteranlagen ist zum Führen von Motorfahrzeugen nicht geeignet (vgl.
R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I:
Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln, 2. Aufl. 2002, Rz. 332 ff.).
Fahrzeuglenker müssen über eine Reihe von charakterlichen Eigenschaften verfügen,
die mindestens minimal vorliegen: Risikobewusstsein, Tendenz zu Vermeidung hoher
Risiken, geringe Impulsivität, geringe Aggressionsneigung, reife Konfliktbearbeitung,
Stressresistenz, soziales Verantwortungsbewusstsein, soziale Anpassungsbereitschaft,
Flexibilität im Denken und psychische Ausgeglichenheit (vgl. Leitfaden der
Expertengruppe Verkehrssicherheit, Verdachtsgründe fehlender Fahreignung,
Massnahmen, Wiederherstellung der Fahreignung, 26. April 2000, nachfolgend:
Leitfaden, S. 6).
cc) Der Untersuchungsgrundsatz verlangt von der Verwaltung und vom Gericht die
richtige und vollständige Abklärung des massgebenden Sachverhalts, d.h. die
Ermittlung der materiellen Wahrheit. Je tiefer in den Persönlichkeitsbereich eingegriffen
wird, desto sorgfältiger ist diesem Grundsatz nachzuleben (vgl. R. Schaffhauser, Zur
Entwicklung von Recht und Praxis des Sicherungsentzugs von Führerausweisen, in:
AJP 1/1992 S.17 ff., insbesondere S. 33, N 58). Da ein Sicherungsentzug bzw. die
Verweigerung eines neuen Lernfahrausweises auf Probe stark in den
Persönlichkeitsbereich eingreift, ist eine genaue Abklärung der persönlichen
Verhältnisse des Betroffenen in jedem Fall und von Amtes wegen vorzunehmen. Das
Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen richtet sich nach den
Umständen des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde
(vgl. BGE 129 II82 E. 2.2). Von Gesetzes wegen ist ein verkehrspsychologisches
Gutachten einzuholen (Art. 15a Abs. 5 SVG).
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Das verkehrsmedizinische wie auch das verkehrspsychologische Gutachten
unterliegen der freien richterlichen Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit
Art. 58 Abs. 1 VRP). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ärztlichen
Gutachten Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien
gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 123 V 331 E. 1c). In Sachfragen weicht das
Gericht nur aus triftigen Gründen von einer gerichtlichen Expertise ab. Es prüft, ob sich
auf Grund der übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthafte
Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen.
Erscheint die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat
es nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben (vgl. BGE
133 III 385 mit weiteren Hinweisen). Das verkehrspsychologische Gutachten soll in der
Gesamtbeurteilung die erhobenen Befunde hinsichtlich der Fragestellung würdigen und
so gewichten, dass die Schlussfolgerungen und die Beantwortung der Fragestellung
auch für einen psychologischen Laien nachvollziehbar sind (vgl. J. Bächli-Biétry, Inhalt
des Gutachtens, Würdigung, Folgefragen aus verkehrspsychologischer Sicht, in:
Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2009, St. Gallen 2009, S. 58).
c) Die Vorinstanz geht in der angefochtenen Verfügung davon aus, dass beim
Rekurrenten eine mangelnde charakterliche Fahreignung vorliege. Die Kritikfähigkeit,
die Einsicht, das Erkennen der Ursachen und Hintergründe sowie das Aufzählen von
Strategien, wie er in Zukunft nicht mehr auffällig werden wolle, seien derzeit
ungenügend. Die Vorinstanz stellt dabei auf das verkehrsmedizinisch-
verkehrspsychologische Gutachten vom 21. September 2012 ab, wonach die
Fahreignung aus charakterlichen Gründen nicht gegeben sei.
aa) Da die letzten zwei strassenverkehrsrechtlichen Verfehlungen des Rekurrenten im
Zusammenhang mit Alkohol standen, war es im Hinblick auf die Erteilung des
Lernfahrausweises angezeigt, nebst der vom Gesetz geforderten
verkehrspsychologischen Untersuchung auch eine verkehrsmedizinische Abklärung
durchzuführen. Der verkehrsmedizinische Teil des Gutachtens vom 21. September
2012 (act. 10/13 ff.) stützt sich einerseits auf die Vorgeschichte und die Angaben des
Rekurrenten, insbesondere zu seinem Alkoholkonsum sowie zu den FiaZ-Ereignissen
vom 10. Juli 2010 und 17. März 2011, andererseits auf die Befunde der körperlichen
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Untersuchung vom 17. August 2012, die Ergebnisse der Analysen von Blut-, Urin- und
Haarproben sowie die Auskünfte des Hausarztes des Rekurrenten.
Bei der körperlichen Untersuchung fanden sich keine verkehrsmedizinisch relevanten
Besonderheiten. Die Blutuntersuchung (GOT, GPT, GGT, MCV und CDT) ergab
durchwegs im Toleranzbereich liegende Resultate. Auch die Urinuntersuchung verlief
negativ auf Cannabis und Ethylglucuronid (EtG). In der Haarprobe von 3 cm Länge ab
Kopfhaut konnte kein EtG nachgewiesen werden. Gemäss Angaben des Hausarztes
bestehen beim Rekurrenten keine Anhaltspunkte für eine Alkoholerkrankung.
In der Beurteilung hält das Gutachten fest, aufgrund der Trinkangaben des Rekurrenten
sei von einem episodenhaften Alkoholüberkonsum auszugehen, welcher zur
Gewöhnung führen könne. Die Blutalkoholkonzentration-Werte bei beiden Ereignissen
liessen ebenfalls auf eine Toleranzentwicklung schliessen. Hierzu passe die ärztliche
Einschätzung einer nur leichtgradigen Alkoholisierung beim ersten FiaZ-Ereignis. Für
eine Alkoholgewöhnung spreche auch die erhebliche Alkoholisierung im Zeitpunkt des
Trinkendes um ca. 02.30 Uhr unter Berücksichtigung eines durchschnittlichen
Alkoholabbaus von 0.15 Gew.-‰ pro Stunde beim ersten FiaZ mit Ereigniszeitpunkt
um 13.15 Uhr. Zumindest früher sei der Alkoholkonsum beim Rekurrenten durch eine
Belastungssituation (Trennung) beeinflusst worden. Ein derartiges Trinkverhalten
spreche für ein psychisches Verlangen, in bestimmten Situationen zu konsumieren.
Meist sei ein solches Trinkmuster bereits in früheren Belastungsphasen erlernt worden
und bilde sich erwartungsgemäss nicht spontan zurück. Gemäss Angaben des
Rekurrenten sei es letztmals im Frühjahr 2012 zu einem Alkoholüberkonsum
gekommen. Aufgrund der Laboruntersuchungen würden sich derzeit keine Hinweise
auf einen konstant vermehrten Alkoholüberkonsum ergeben. Die erhobenen Parameter
seien aber vereinbar mit einem episodenhaften Alkoholüberkonsum, weshalb von
einem solchen auszugehen sei.
Das Resultat der Haaranalyse stellt bei der gängigen Messmethode einen
Durchschnittswert für eine längere Zeitperiode dar. Insbesondere werden
Schwankungen im Trinkverhalten nicht erfasst (vgl. Gutachten S. 5). Dies darf aber
nicht dazu führen, dass bei jedem unauffälligen Haaranalyseergebnis von einem
episodenhaften Alkoholüberkonsum ausgegangen wird. Dieser Schluss ist nur zulässig,
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wenn zusätzliche Anhaltspunkte bestehen, die zuverlässig auf ein solches Trinkmuster
hinweisen. Nachdem die beiden FiaZ-Ereignisse im Zeitpunkt der Untersuchung bereits
mehr als zwei bzw. eineinhalb Jahre zurücklagen, können jene Vorfälle für die
Beurteilung der aktuellen Situation nur bedingt herangezogen werden. Schliesslich geht
es im vorliegenden Verfahren nicht um die Abklärung der Fahreignung als Folge der
Verfehlungen im Hinblick auf einen Sicherungsentzug. Die gesetzlich vorgesehene
Sanktion für jene Ereignisse ist mit der Annullierung des Führerausweises bzw. der
Verlängerung der Wartefrist vielmehr bereits erfolgt. Zu klären ist die Frage, ob der
Rekurrent im heutigen Zeitpunkt geeignet ist, ein Motorfahrzeug zu führen. Dabei
deuten die aktuellen Resultate, insbesondere das in den Haaren nicht nachweisbare
EtG, darauf hin, dass der Rekurrent seinen Alkoholkonsum deutlich reduziert hat. Er ist
zwar nicht, wie in der Eingabe vom 9. April 2013 (act. 21) behauptet wird, total
abstinent. Bei den vom Rekurrenten erwähnten Gelegenheiten, in denen er alle drei bis
vier Monate bis maximal sechs Stangen Bier trinke, kann jedoch nicht von eigentlichen
Trinkexzessen bzw. einem problematischen Alkoholüberkonsum die Rede sein. Der
Rekurrent liess beim Hausarzt seit Juli 2012 alle drei Monate sein Blut untersuchen.
Dabei ergaben sich durchwegs unauffällige Werte (vgl. act. 22). Das
verkehrsmedizinische Gutachten vermag daher weder den Nachweis eines chronisch
exzessiven Alkoholkonsums noch jenen eines Alkoholmissbrauchs zu erbringen. Der
Lernfahrausweis wurde dem Rekurrenten denn auch nicht wegen Vorliegens einer
Trunksucht im strassenverkehrsrechtlichen Sinn, sondern aus charakterlichen Gründen
verweigert.
bb) Die verkehrspsychologische Untersuchung vom 17. August 2012 (act. 10/23 ff.)
umfasste ein verkehrspsychologisches Interview, verschiedene Tests zum
Leistungsverhalten sowie – in der Form von Fragebogen – einen verkehrsbezogenen
Persönlichkeitstest (VPT.2) sowie das Testverfahren für alkoholauffällige Kraftfahrer
(TAAK). Der Untersuch dauerte insgesamt eine Stunde und fünfzig Minuten. Dafür, dass
das Gespräch zu kurz für eine Beurteilung gewesen ist, wie vom Rekurrenten
beanstandet wird, bestehen keine Hinweise. Nebst dem Gespräch spielen auch das
Studium der Akten, die Resultate der verschiedenen Tests sowie die Ausführungen des
Rekurrenten im Aufsatz eine entscheidende Rolle. Zusätzlich wurde der Rekurrent vom
Gutachter am 28. Februar 2013 für die Ergänzung des Gutachtens telefonisch befragt.
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Die zur Abklärung der verkehrsrelevanten Persönlichkeitsmerkmale eingesetzten
Fragebogentests entsprechen unbestrittenermassen dem aktuellen Stand der
verkehrspsychologischen Diagnostik (J. Bächli-Biétry, Was kann die
Verkehrspsychologie im Bereich Fahreignungsdiagnostik leisten?, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 74 ff.). Der Fragebogen für
alkoholauffällige Kraftfahrer TAAK ist ein objektives mehrdimensionales
Fragebogenverfahren (insgesamt 68 Fragen in sechs Skalen), das Einstellungen zum
Trinken und Fahren erfasst und speziell für den Einsatz in der verkehrspsychologischen
Fahreignungsbegutachtung konzipiert wurde. Auf der Basis einer umfangreichen
Literaturanalyse wurden die wesentlichsten, empirisch abgesicherten
Bedingungsvariablen für eine alkoholisierte Verkehrsteilnahme identifiziert, wovon
insgesamt fünf Variablengruppen systematisch erfasst werden. Bei diesem Test
bewegten sich die Ergebnisse des Rekurrenten im Normbereich.
Der verkehrsbezogene Persönlichkeitstest VPT.2 klärt mittels 70 Fragen die
Expressivität(Emotionsausdruck)-Selbstsicherheit, die soziale Anpassung, die
emotionale Ansprechbarkeit, die Selbstkontrolle und die Selbstreflexion ab. Als
Kontrollskala für die Beurteilung der Verwertbarkeit der Angaben in den übrigen
Bereichen dient die Offenheit der Selbstbeschreibung. In dieser Skala erzielte der
Rekurrent einen Prozentrang von 94 (Normbereich 25-75). Mit einem Prozentrang von
90 liegt das Ergebnis für die Expressivität-Selbstkontrolle ausserhalb des
Normbereichs. Ebenso ist der Prozentrang für die emotionale Ansprechbarkeit mit 77
knapp auffällig. In den anderen Bereichen (Soziale Anpassung 55, Selbstkontrolle 55,
Selbstreflexion 69) bewegen sich die Ergebnisse innerhalb des Normbereichs. Der
hohe Wert bei der Offenheit ist offenbar nicht negativ zu werten, da der
Verkehrspsychologe im Gutachten unter dem Stichwort "Offenheit" festhält, es zeige
sich diesbezüglich keine Auffälligkeit. Der Rekurrent sei im Interview freundlich und
aktiv. Weiter wird im Gutachten ausgeführt, zur Beurteilung der Kritikfähigkeit müssten
verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Positiv sei, dass der Rekurrent strebsam
sei, sich beruflich weiterbilde und im Fragebogen TAAK keine Auffälligkeiten für die
alkoholspezifische Dissimulation, die Informationsdefizite, die alkoholaffine Einstellung
und das alkoholaffine Umfeld erzielt habe. Im persönlichen Interview gebe er an, es sei
ihm eine grosse Lehre gewesen, was er falsch gemacht habe. Er habe sich nicht an die
Regeln gehalten und gedacht, es würde schon gehen. An die Umstände des Unfalls
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könne er sich nicht mehr erinnern. Es sei für ihn sehr schlimm gewesen, er habe sich
Vorwürfe gemacht. Er habe gelernt, dass er, wenn er mit dem Auto unterwegs sei, nicht
mehr trinken werde oder das Auto stehen lasse.
Aus drei Gründen ist die Kritikfähigkeit nach Ansicht des Verkehrspsychologen jedoch
ungenügend. Der erhöhte Wert im Fragebogen VPT.2 für die Expressivität in der
Selbstsicherheit bedeute erstens nicht nur, dass der Rekurrent gerne im Zentrum
stehe, sondern dass er die Tendenz habe, sich selber zu überschätzen und
unbekümmert zu sein. Der hohe Wert sei nicht allein mit der erhöhten Offenheit zu
erklären, sondern deute darauf hin, dass der Rekurrent sich zeitweise überschätze und
dann falsch entscheide. Zweitens könne der Rekurrent trotz der unauffälligen
Ergebnisse im Fragebogen TAAK zu wenig differenziert beantworten, warum er nach
dem ersten Vorfall mit Alkohol im Jahr 2010 ein Jahr später erneut mit 1,34 Gew.-‰
gefahren sei. Er könne sich an diesen Abend nicht mehr erinnern. Auf die Frage,
weshalb er beruflich strebsam sei, sich im Strassenverkehr dann aber doch falsch
verhalte, sage er, dass er sich das auch nicht erklären könne. Schliesslich schreibe der
Rekurrent im Aufsatz, dass er das Problem des Restalkohols völlig unterschätzt habe.
Dies sei für ihn eine grosse Lehre. Genauer könne er jedoch keine Auskunft geben, da
er sich an den Vorfall selber nicht mehr erinnern könne. Er wisse nicht, weshalb er
gefahren sei. Der Rekurrent könne nicht beschreiben, mit welchen Strategien er in
Zukunft Trunkenheitsfahrten verhindern wolle. Die emotionale Stabilität des
Rekurrenten wird vom Gutachter als positiv eingeschätzt. Der leicht erhöhte Wert
könne mit der erhöhten Offenheit erklärt werden. Bezüglich der Einsicht gebe der
Rekurrent an, es sei für ihn sehr schlimm gewesen und er habe sich Vorwürfe gemacht.
Falls er getrunken habe, wolle er künftig nicht mehr selber fahren. Im Aufsatz habe er
sich aber auch gefragt, weshalb er im Nachhinein gesehen nicht schon früher daraus
gelernt habe. Er sei auf das Auto angewiesen und habe in den letzten zwei Jahren das
Lehrgeld für seine Dummheit und Fahrlässigkeit bezahlt. Dass der Rekurrent sich nach
dem Schädel-Hirn-Trauma nicht mehr an den genauen Verlauf des Unfalls erinnern
könne, sei möglich. Schwieriger sei jedoch, warum er nach dem Vorfall im Jahr 2010
nicht die Konsequenzen gezogen habe und ein Jahr später in eine ähnliche Situation
geraten und erneut alkoholisiert gefahren sei. Er habe sich zwar vorgenommen, in
Zukunft ein Taxi zu nehmen. Wer aber nicht genau wisse, warum er alkoholisiert
gefahren sei und dies sich auch selbst nicht erklären könne, sei gefährdet für ein
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weiteres Ereignis. Im Vordergrund stehe daher zurzeit die fehlende Erkenntnis über die
Ursachen und Hintergründe des eigenen Fehlverhaltens sowie fehlende Strategien.
Die Schlussfolgerungen des Verkehrspsychologen sind aufgrund der Vorgeschichte,
der Aussagen des Rekurrenten anlässlich der Begutachtung sowie der Resultate der
durchgeführten Tests nachvollziehbar. Der Verkehrspsychologe hat sich mit den
Angaben des Rekurrenten sowie den Testresultaten detailliert auseinandergesetzt. Von
einer floskelhaften bzw. subjektiven Beurteilung oder gar einer "déformation
professionelle" kann nicht die Rede sein. Der Rekurrent fuhr acht Monate nach der
ersten Trunkenheitsfahrt, welche mit der Annullierung des Führerausweises auf Probe
einschneidende Folgen nach sich zog, erneut in angetrunkenem Zustand. Ferner war er
nicht im Besitz eines Führerausweises, überschritt die zulässige
Höchstgeschwindigkeit und verursachte einen Verkehrsunfall. Obschon er gegenüber
dem Verkehrspsychologen aussagte, der Vorfall vom 10. Juli 2010, aufgrund dessen
der Führerausweis annulliert wurde, sei ihm eine grosse Lehre gewesen (vgl. act. 10/2),
kam es am 17. März 2011 erneut zu einer Trunkenheitsfahrt. Die zuvor verfügten
Administrativmassnahmen haben demnach nicht hinreichend Wirkung gezeitigt. Nur so
ist zu erklären, dass der Rekurrent trotz Annullierung des Führerausweises und
beruflicher Angewiesenheit sein Verhalten nicht nachhaltig geändert hat. Da er sich
nicht an die Umstände des zweiten Vorfalls – wobei hier nicht der Unfallablauf als
solcher gemeint ist – erinnern kann und nicht in der Lage ist, erfolgversprechenden
Strategien zur künftigen Vermeidung solcher Ereignisse zu nennen, kann ihm keine
günstige Prognose gestellt werden. Die Resultate der Tests stehen ebenfalls im
Einklang mit der Beurteilung des Gutachters, wonach die Kritikfähigkeit ungenügend
sei. In mehreren Bereichen ergaben sich auffällige Werte. Der deutlich erhöhte Wert für
Expressivität-Selbstsicherheit zeigt, dass der Rekurrent sich zuweilen überschätzt und
in solchen Situationen dann falsch entscheidet. Die vom Gutachter als ungenügend
beurteilte Einsicht in das Fehlverhalten erscheint aufgrund der im Aufsatz gemachten
Ausführungen, wonach der Rekurrent sich nach wie vor nicht erklären könne, weshalb
er im Nachhinein gesehen nicht schon früher daraus gelernt habe, ebenfalls als
schlüssig. Daran hielt er auch bei der telefonischen Befragung vom 28. Februar 2013
fest. Das Verständnis über das Fehlverhalten ist jedoch Voraussetzung für die
Entwicklung künftiger Strategien zur Vermeidung weiterer Vorfälle.
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Der gutachtliche Schluss, die Kritikfähigkeit und die Einsicht und das Erkennen der
Ursachen und Hintergründe sowie das Aufzählen von Strategien seien derzeit
ungenügend, ist daher nachvollziehbar. Unter diesen Umständen läuft der Rekurrent
mehr als jede andere Person Gefahr, sich erneut über die Regeln im Strassenverkehr
hinwegzusetzen. Daran vermögen weder das stabile Umfeld des Rekurrenten noch
dessen berufliche Angewiesenheit auf den Führerausweis etwas zu ändern. Nachdem
kein verkehrspsychologisches Gutachten vorliegt, das die Fahreignung des
Rekurrenten bejaht, kann der Führerausweis im jetzigen Zeitpunkt auch nicht unter
Auflagen erteilt werden. Der Rekurs ist folglich im Hauptpunkt abzuweisen.
d) Die Vorinstanz hat in den Erwägungen der angefochtenen Verfügung gestützt auf
das verkehrsmedizinisch-verkehrspsychologische Gutachten ausgeführt, dass die
Gutachter vor einer verkehrspsychologischen Neubegutachtung eine ärztlich
kontrollierte und fachtherapeutisch betreute Alkoholabstinenz von mindestens sechs
Monaten empfehlen würden. Zur Wiedererlangung der Fahreignung ist es nötig, dass
der Rekurrent Ursachen und Hintergründe seines Fehlverhaltens erkennt und
ausgehend von dieser Einsicht die nötigen Strategien zur Vermeidung weiterer
strassenverkehrsrechtlich relevanter Vorfälle entwickelt. Beim Rekurrenten steht dabei
die Verhinderung von Trunkenheitsfahrten im Vordergrund; er soll lernen, Fahren und
Trinken zu trennen. Exakt dies ist das Ziel der fachtherapeutisch begleiteten
Alkoholabstinenz. Der Rekurrent muss sich dort mit den Ursachen und Hintergründen
seines Alkoholkonsums auseinandersetzen, um allfällig erlernte Trinkmuster zu
durchbrechen. Mit der Einhaltung der Alkoholabstinenz kann er zudem zeigen, dass er
verzichten und sich an Regeln halten kann. Es trifft zwar zu, dass der Rekurrent seinen
Alkoholkonsum bereits seit längerer Zeit eingeschränkt hat, wie die Resultate der
Haaranalyse und die Blut-Laborwerte des Hausarztes zeigen. Der Empfehlung der
Vorinstanz in der Verfügung hinsichtlich der Verlängerung der Wartefrist vom 31. Mai
2011, im Hinblick auf die Erteilung eines neuen Lernfahrausweises eine
Suchtberatungsstelle aufzusuchen, kam er nicht nach. Gemäss eigenen Angaben hat
er zudem bisher nie eine Totalabstinenz eingehalten. Eine Aufarbeitung der Ursachen
und Hintergründe, die zu den FiaZ-Ereignissen geführt haben, hat bisher auch noch
nicht stattgefunden.
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Eine sechsmonatige ärztlich kontrollierte und fachtherapeutisch betreute Abstinenz
umfasst gemäss Merkblatt in etwa zehn Therapiestunden (ein- bis zweimal pro Monat,
vgl. act. 2/4). In der zusätzlichen Stellungnahme vom 5. April 2013 erachtet es der
Verkehrsmediziner für vertretbar, den Therapiezeitraum auf drei Monate zu reduzieren,
falls sich seit September 2012 keine weiteren Auffälligkeiten mehr ergeben hätten
(act. 19). Da der Rekurrent sich seit dem letzten Vorfall wohlverhalten hat und über ein
stabiles familiäres und berufliches Umfeld verfügt, spricht nichts dagegen, die für eine
verkehrspsychologische Neubeurteilung nötige Alkoholabstinenz gemäss Merkblatt auf
drei Monate zu reduzieren. Innerhalb dieser drei Monate sind allerdings die geforderten
zehn Therapiestunden zu absolvieren. In diesem Sinn ist die angefochtene Verfügung
abzuändern und der Rekurs folglich teilweise gutzuheissen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten von Fr. 1'200.--,
worunter die Kosten für die Ergänzung des Gutachtens von Fr. 150.--, zu zwei Dritteln
vom Rekurrenten und zu einem Drittel vom Staat zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP, Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von
Fr. 1'200.-- ist bis zum Betrag von Fr. 800.-- zu verrechnen und im Restbetrag von Fr.
400.-- zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang ist keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen
(Art. 98 VRP).