Decision ID: bb21646d-c592-4808-a54a-809144d225a5
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Raub etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 20. Oktober 2014 (DG140201)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 7. Juli 2014 (Urk. 20)
ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 68 S. 39 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
- der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von
Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit
heute 416 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
5. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom
18. Oktober 2012 ausgefällten Strafe von 8 Monaten Freiheitsstrafe unter
Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren wird widerrufen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 10. Januar 2014
beschlagnahmte weisse Herrenjacke des Privatklägers B._ wird diesem nach
Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 10. Januar 2014
beschlagnahmte schwarze Herrenjacke sowie Jeanshose des Beschuldigten
werden diesem nach Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 10. Januar 2014
beschlagnahmten Fr. 232.– werden dem Privatkläger B._ nach Rechtskraft
des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben.
9. Der Privatkläger B._ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
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10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 1'500.–
zuzüglich 5 % Zins ab 31. August 2013 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehr-
betrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
11. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten wird mit Fr. 19'198.95 (inkl. MwSt) ent-
schädigt.
12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'800.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 15'156.15 Auslagen Untersuchung
Fr. 19'198.95 amtliche Verteidigung RA X._
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
14. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
15. (Mitteilungen)
16. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 8 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 103 S. 2 f.)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
Abs. 1 StGB freizusprechen.
2. Der Beschuldigte sei der mehrfachen Übertretung des BetmG im Sinne von
Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig zu sprechen.
3. Der Beschuldigte sei mit einer Busse von CHF 300.– zu bestrafen.
4. Die Busse sei zu bezahlen.
Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse sei eine Ersatz-
freiheitsstrafe von drei Tagen festzusetzen.
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5. Vom Widerruf des bedingten Vollzuges der mit Urteil des Bezirksgerichts
Zürich, 4. Abteilung, vom 18. Oktober 2012 ausgefällten Freiheitsstrafe von
8 Monaten sei abzusehen, soweit darauf einzutreten sei.
6. Die beschlagnahmten CHF 232.00 seien nach Rechtskraft dem Beschuldig-
ten herauszugeben.
7. Die adhäsionsweise geltend gemachten Zivilansprüche des Privatklägers
B._ seien vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
8. Die Kosten des Vorverfahrens sowie des erstinstanzlichen Hauptverfahrens,
mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, seien dem Beschul-
digten zu einem Fünftel aufzuerlegen, jedoch definitiv zu erlassen, an-
sonsten auf die Gerichtskasse zu nehmen.
9. Es sei dem Beschuldigten eine angemessene Genugtuung für zu Unrecht
erlittene Untersuchungs- und Sicherheitshaft aus der Gerichtskasse zuzu-
sprechen.
10. Es seien die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der
amtlichen Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Eventualanträge:
1. In Ergänzung des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom
20. Oktober 2014, sei eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 61
StGB anzuordnen.
2. Es seien die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der
amtlichen Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 105 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei – in Abänderung von Ziff. 2 des Urteils des Bezirks-
gerichts Zürich – mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren (statt 24 Monaten) zu
bestrafen (zuzüglich der nicht angefochtenen Busse).
2. Unter entsprechender Kostenfolge.
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Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit vorstehend wiedergegebenen Urteil vom 20. Oktober 2014 wurde der
Beschuldigte des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der
mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a
Ziff. 1 BetmG schuldig gesprochen und mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
416 Tage durch Haft erstanden waren, sowie einer Busse von Fr. 300.– bestraft.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde nicht aufgeschoben. Weiter wurde der
bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom
18. Oktober 2012 ausgefällten teilbedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten wider-
rufen. Ferner entschied die Vorinstanz über beschlagnahmte Gegenstände sowie
über die beschlagnahmte Barschaft von Fr. 232.– und verwies den Privatkläger
mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses. Sodann
verpflichtete sie den Beschuldigten, dem Privatkläger eine Genugtuung von
Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 31. August 2013 zu bezahlen. Im Mehrbetrag
wurde das Genugtuungsbegehren abgewiesen. Schliesslich wurden die Kosten
der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens dem Beschuldigten auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung wurden einstweilen auf die Gerichtskasse
genommen, unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO.
1.2. Gegen dieses am 20. Oktober 2014 mündlich eröffnete Urteil liess der
Beschuldigte seinen amtlichen Verteidiger mit Eingabe vom 24. Oktober 2014
fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 46). Mit Verfügung vom 27. Oktober 2014
wurde dem Beschuldigten der vorzeitige Strafantritt bewilligt (Urk. 47). Nach
Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 66/1-3) reichte der amtliche Verteidiger
dem Obergericht am 14. Februar 2015 ebenfalls fristgerecht die Berufungs-
erklärung ein (Urk. 71).
1.3. Nach Zustellung der Berufungserklärung an die übrigen Parteien erklärte
die Staatsanwaltschaft am 19. Februar 2015 Anschlussberufung (Urk. 75). Der
Privatkläger liess sich nicht verlauten. Mit Präsidialverfügung vom 11. Mai 2015
wurde der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um ihre Anschlussberufung zu
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verdeutlichen (Urk. 78), welcher Aufforderung diese mit Eingabe vom 13. Mai
2015 nachgekommen ist (Urk. 80).
1.4. Mit Eingabe vom 12. Mai 2015 liess der Beschuldigte ein Gesuch um
bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug einreichen (Urk. 84 und 85/1–4).
Nachdem die Verteidigung sowie die Staatsanwaltschaft Gelegenheit zur
Stellungnahme erhalten hatten (Urk. 87, 89, 91), wurde das Gesuch mit Präsidial-
verfügung vom 2. Juni 2015 abgewiesen (Urk. 95 S. 11).
1.5. Zu Beginn der Berufungsverhandlung vom 9. Juli 2015, zu welcher der
Beschuldigte und sein amtlicher Verteidiger sowie der zuständige Staatsanwalt
erschienen sind, waren weder Vorfragen zu entscheiden noch Beweise abzu-
nehmen (Prot. II S. 12). Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die
Berufungsverhandlung (Prot. II S. 16 ff).
1.6. Im Anschluss an die Urteilseröffnung stellte die Verteidigung namens des
Beschuldigten ein Gesuch um vorzeitigen Massnahmeantritt, mit welchem sich
die Staatsanwaltschaft auf entsprechende Frage der Verfahrensleitung einver-
standen erklärte (Prot. II S. 19). Mit Verfügung vom 10. Juli 2015 wurde der vor-
zeitige Massnahmeantritt bewilligt (Urk. 107).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich anfechten
und möchte vom Vorwurf des Raubes freigesprochen werden (Urk. 71, Urk. 103
S. 2). Die Staatsanwaltschaft beschränkt ihre Anschlussberufung auf die Bemes-
sung der Freiheitsstrafe (Urk. 80, Urk. 105).
2.2. In diesem Sinne ist das vorinstanzliche Urteil grundsätzlich in seiner
Gesamtheit angefochten. Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärten die
Parteivertreter indessen übereinstimmend, dass die Dispositivziffern 1 (betreffend
Schuldspruch wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im
Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG), 2, 3 und 4 (soweit die Busse betreffend) sowie
6 und 7 (Herausgabe der beschlagnahmten Gegenstände) und schliesslich auch
die Dispositivziffern 11 und 12 (Entschädigung der amtlichen Verteidigung sowie
die Kostenfestsetzung) nicht zum Berufungsgegenstand gemacht werden und
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demgemäss in Rechtskraft erwachsen sind (Prot. II S. 10 ff.). Das ist vorab vor-
zumerken (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO,
Art. 404 StPO).
3. Sachverhalt
3.1. Im Rahmen der – einzig noch strittigen – Thematik des Raubes wird dem
Beschuldigten von der Staatsanwaltschaft – kurz zusammengefasst – vorge-
worfen, am 31. August 2013, ca. um 01:30 Uhr auf dem Trottoir auf Höhe der
C._-strasse in Zürich dem Privatkläger mit der Faust ins Gesicht und in den
Nacken und mit den Füssen in die Beine geschlagen zu haben. Nachdem der Be-
schuldigte vergebens versucht habe, dem nunmehr auf dem Boden liegenden
Privatkläger die Armbanduhr wegzunehmen, habe er den – sich mit den Händen
auf dem Boden abstützenden – Privatkläger in einen Durchgang gezogen, um ihm
dort – nach Schlägen in den Rücken – das Portemonnaie aus der Gesässtasche
zu ziehen und das darin befindliche Bargeld in unbestimmter Höhe (ca. Fr. 500.–
bis 600.–) an sich zunehmen (Urk. 20 S. 2).
3.2. Der Beschuldigte bestreitet durchwegs, diejenige Person zu sein, welche
anklagegemäss für den Überfall auf den Privatkläger vom 31. August 2013 ver-
antwortlich sein soll (Urk. 3/1 S. 2 f.; Urk. 3/2 S. 2; Urk. 3/3 S. 1; Urk. 3/4 S. 6 ff.;
Urk. 3/5 S. 2; Urk. 3/7 S. 2; Prot. I S. 11 f.; Urk. 102 S. 11, 16 f.).
3.3. Auch der Verteidiger hält berufungsweise daran fest, dass aus seiner Sicht
die aus den Aussagen der Zeugen und des Privatklägers hergeleitete Täteridenti-
fikation des Beschuldigten in materieller Hinsicht zu bemängeln sei und verneint
das Vorliegen diesbezüglich stichhaltiger Argumente und rechtsgenügender
Beweise (Urk. 38 S. 3, 5; Urk. 103 S. 4 ff.).
3.4. Der massgebliche Sachverhalt ist damit aufgrund der vorliegenden
Beweismittel zu erstellen. Welchen Grundsätzen dabei zu folgen ist, hat die Vor-
instanz zutreffend aufgezeigt. Auf die entsprechenden Erwägungen ist zu ver-
weisen (Urk. 68 S. 5 f., Urk. 82 Abs. 4 StPO).
3.5. Der Anklagesachverhalt stützt sich in Bezug auf das eigentliche Tat-
geschehen vornehmlich auf die Aussagen des Privatklägers. Die diesbezüglichen
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Ausführungen des Privatklägers wurden von der Vorinstanz sorgfältig und zutref-
fend zusammengefasst, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen vorab zu
verweisen ist (Urk. 68 S. 15 ff. mit Verweis auf Urk. 4/1, 2; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.6. Der Privatkläger schilderte im Rahmen der Einvernahmen nachvollziehbar,
wie es zum Überfall gekommen sei, wie er diesen erlebt hatte und wie er vom
Täter traktiert worden sei. So erklärte er, dass er in jener Nacht – nachdem er
sein Auto in der blauen Zone parkiert habe – auf dem Nachhauseweg noch einen
Kebab habe holen wollen, als er völlig unvermittelt angegriffen worden sei
(Urk. 4/1 S. 2; Urk. 4/2 S. 3). Zu Recht weist die Vorinstanz darauf hin, dass der
Privatkläger an der polizeilichen Einvernahme noch erklärt habe, der Täter sei von
hinten gekommen, während er vor der Staatsanwaltschaft festhielt, von vorne an-
gegriffen worden zu sein (Urk. 68 S. 15, 25; Urk. 4/1 S. 2, Urk. 4/2 S. 3). Mit der
Vorinstanz – und entgegen der seitens der Verteidigung vertretenen Ansicht
(Urk. 38 S. 6, 15; Urk. 103 S. 6 f.) – ist dieser Widerspruch allerdings als nicht
entscheidend einzustufen, da der Privatkläger – wie die Vorinstanz dies zutreffend
erwogen hat – konstant aussagte, vom Privatkläger mitten ins Gesicht geschlagen
worden zu sein, was naturgemäss voraussetzt, dass der Angreifer zumindest im
Moment des Zuschlagens vor dem Privatkläger gestanden haben musste (Urk. 68
S. 25). Bereits anlässlich der polizeilichen Einvernahme hielt er auf genaueres
Nachfragen denn auch fest, dass er sich aufs Laufen konzentriert und damit nicht
darauf geachtet habe, was um ihn herum geschehen sei. Er könne daher nicht
genau sagen, von wo der Täter gekommen sei, dieser sei einfach plötzlich "da"
gewesen (Urk. 4/1 S. 3, vgl. auch Urk. 4/2 S. 5, 8 f.). Ebenso ist es – wiederum
mit der Vorinstanz – nachvollziehbar, dass der Privatkläger erst an der zweiten
Einvernahme erwähnte, dass der Täter ihm vergebens die nunmehr beschädigte
Armbanduhr habe wegnehmen wollen (Urk. 68 S. 25), wurde er doch im Rahmen
der nur gerade einige Stunden nach der Tat erfolgten polizeilichen Einvernahme
vornehmlich zu den durch die Einwirkung des Täters erfolgten Verletzungen, zum
Deliktsgut sowie zur Person des Täters befragt (Urk. 4/1). In Bezug auf das
Deliktsgut ist es zudem einleuchtend, dass im Rahmen eines Erlebnisberichts
kurz nach der Tat der Eindruck der Verletzung der körperlichen Integrität
schwerer wiegt, als die Beschädigung bzw. versuchte Entwendung von Wert-
gegenständen, zumal der Raub in erster Linie auf die Wegnahme von Geld aus-
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gerichtet war, was dem Täter offensichtlich auch gelungen ist. Auch sonst liegen
keinerlei Anhaltspunkte vor, die Richtigkeit betreffend den seitens des Privat-
klägers geschilderten äusseren Geschehensablauf in Zweifel zu ziehen. Ins-
besondere kann nicht alleine aufgrund der seitens des Privatklägers gestellten
Zivilansprüche auf eine Falschaussage geschlossen werden – auch wenn mit der
Verteidigung diesbezüglich durchaus von einem gewissen Eigeninteresse des
Privatklägers an der Verurteilung des Beschuldigten auszugehen ist (Urk. 38
S. 15) –, hat doch naturgemäss jeder Privatkläger, der adhäsionsweise Zivil-
ansprüche geltend macht, ein solches Eigeninteresse.
Das Aussageverhalten des Privatklägers ist plausibel und plastisch. Insbesondere
unterliess er es, den Übergriff unnötig zu dramatisieren, obwohl davon auszu-
gehen ist, dass er an der tatnahen polizeilichen Einvernahme noch unter dem
Eindruck des Erlebten gestanden haben muss. So erklärte er beispielsweise,
dass der Täter ihn mit Faustschlägen traktiert und auch mit den Füssen getreten
habe, als er – der Privatkläger – auf dem Boden gelegen sei. Relativierend hielt er
aber zugleich fest, dass der Täter ihn "nicht an den Kopf gekickt habe" (Urk. 4/1
S. 2). An anderer Stelle präzisierte er, dass es sich bei den von ihm erwähnten
Fusstritten weniger um Tritte, sondern mehr um ein Fixieren gehandelt habe,
damit er nicht habe aufstehen können (Urk. 4/1 S. 3). Überdies lässt sich das vom
Privatkläger geschilderte Tatgeschehen zwanglos mit dem Verletzungsbild in Ein-
klang bringen, welches durch die Stadtpolizei fotografisch festgehalten und im
Stadtspital Triemli dokumentiert wurde (vgl. Urk. 8/2, Urk. 8/3). Insbesondere die
Hautablederung an der Innenfläche der rechten Hand passt zur Sachdarstellung,
wonach er vom Täter in den Durchgang gezogen worden sei, während er sich auf
dem Boden abgestützt habe (Urk. 4/1 S. 2; Urk. 4/2 S. 4 f., 8 f.). Auch wenn ge-
mäss dem ärztlichen Befund eine Selbstbeibringung theoretisch möglich gewesen
wäre, wird dies als wenig plausibel eingestuft. Vielmehr sei das Verletzungsbild
unfallkausal erklärbar (Urk. 8/5). Selbst die Verteidigung hält dafür, dass der
Privatkläger allem Anschein nach Opfer eines Überfalls geworden sei und er sich
die Verletzungen wohl kaum selbst zugefügt habe (Urk. 38 S. 3, 12; Urk. 103 S. 4,
11). Ferner hält er dafür, dass wohl auch der Tatort an der C._-strasse
erstellbar sei (Urk. 38 S. 14, Urk. 103 S. 12, 14). Auch der Beschuldigte ging
zumindest anfänglich noch davon aus, dass der Privatkläger wohl tatsächlich
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einen Überfall erlitten haben könnte, selbstverständlich aber unter dem Einwand,
nicht der Täter gewesen zu sein (Urk. 3/3 S. 1). Daran hielt er auch anlässlich der
Berufungsverhandlung fest (Urk. 102 S. 11).
3.7. Dass an dem vom Privatkläger angegebenen Ort eine körperliche Aus-
einandersetzung stattgefunden haben muss, ergibt sich auch aufgrund der im
Durchgang aufgefundenen Blutspuren (vgl. Urk. 6/1 S. 3 f.).
3.8. Die Aussagen des Privatklägers betreffend den äusseren Geschehens-
ablauf decken sich überdies mit den Angaben zweier Anwohner, welche gemäss
eigenen Angaben die Auseinandersetzung akustisch mitverfolgen konnten.
Daraufhin sei jemand – den sie aufgrund der Dunkelheit allerdings nur in den Um-
rissen gesehen hätten – in Richtung ...-strasse bzw. ...-gut davongerannt (Urk. 5/7
S. 1, 3 f., Urk. 5/8 S. 2 f.). Die Wohnung der Zeugen D._ und E._ befin-
det sich an der F._-strasse und verfügt über zwei Balkone, wovon der eine
auf die F._-strasse und der andere zu einem Innenhof ausgerichtet ist. Die-
ser Innenhof grenzt an den Durchgang, in dem sich die Tat abgespielt
haben soll (vgl. Urk. 5/7/1). Die Ausführungen der Zeugen D._ und E._
wurden von der Vorinstanz sorgfältig und zutreffend zusammengefasst, worauf
zur Vermeidung von Wiederholungen zu verweisen ist (Urk. 68 S. 21 ff.). Die Aus-
sagen sind – mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 27) und auch der Verteidigung
(Urk. 38 S. 12, Urk. 103 S. 11 f.) – als glaubhaft einzustufen. Es bestehen keiner-
lei Anhaltspunkte, die Schilderungen über das von ihnen Wahrgenommene in
Zweifel zu ziehen. Insbesondere ist ihr Aussagerhalten von Zurückhaltung
geprägt, betonen sie doch, gestützt auf die Distanz und Lichtverhältnisse keinerlei
Aussagen über das Aussehen des Täters machen zu können.
3.9. Es spricht damit alles dafür und nichts dagegen, dass sich die Tat tatsäch-
lich so abgespielt hat, wie vom Privatkläger geschildert, einstweilen (noch) unter
dem Vorbehalt der Identität des Angreifers. Einzig die Angabe der Höhe des
Deliktsbetrags wirft Fragen auf, sollte sich der Beschuldigte tatsächlich als Täter
erweisen: Der Privatkläger behauptete, etwa Fr. 500.– bis Fr. 600.– im Portemon-
naie gehabt zu haben, namentlich zwei Zweihunderternoten und noch ein paar
Zehner- und Zwanzigernoten (Urk. 4/1 S. 3, Urk. 4/2 S. 5). An der zweiten Einver-
nahme auf Ergänzungsfrage der Verteidigung zur Anzahl Zweihunderternoten
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befragt, gab der Privatkläger an, mindestens eine Solche bei sich gehabt zu
haben (Urk. 4/2 S. 10).
An sich fügte der Privatkläger dem Umstand, dass er so viel Geld dabei gehabt
haben will und auch den ungefähren Betrag nennen konnte, eine plausible Erklä-
rung an: So gab er zu Protokoll, dass gleichentags noch die Hochzeit seiner
Schwägerin angestanden habe. Allerdings nannte er unterschiedliche Verwen-
dungszwecke. Währenddem er an der polizeilichen Einvernahme noch ange-
geben hatte, so viel Geld dabei gehabt zu haben, damit er "den Frauen Geld
geben kann, wenn Sie welches brauchen" (Urk. 4/1 S. 3), erklärte er an der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, das Geld bereits am Morgen des
30. August 2013 abgehoben zu haben, da er davon ausgegangen sei, dass man
noch Geschenke einkaufen würde (Urk. 4/2 S. 6). An anderer Stelle gab er an,
dass er das Geld der Schwägerin als Geschenk habe überreichen wollen
(Urk. 9/4). Der vom Privatkläger angegebene Betrag stimmt nicht mit dem beim
Beschuldigten sichergestellten Betrag von lediglich Fr. 232.– überein (Urk. 10/1-
4), worauf auch der Beschuldigte und seine Verteidigung hinweisen (Urk. 3/4 S. 7,
Urk. 3/7 S. 2, Urk. 38 S. 15, Urk. 102 S. 16, Urk. 103 S. 15). Es kann nicht aus-
geschlossen werden, dass der Privatkläger aus Eigeninteresse einen höheren
Betrag angab, als denjenigen, den er tatsächlich in der Tasche gehabt hatte, was
allerdings an der Sachverhaltserstellung ansonsten nichts ändert. Insbesondere
vermag es die Glaubhaftigkeit des Privatklägers in Bezug auf die übrigen Aus-
sagen nicht grundsätzlich zu erschüttern. Denn dass der Privatkläger in der Nacht
vom 30. August auf den 31. August 2013 um ca. 01:30 Uhr auf Höhe der
C._-strasse in Zürich auf die in der Anklageschrift umschriebene
Weise überfallen worden ist, muss – mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 27) – als
erstellt erachtet werden. Dafür sprechen die diesbezüglichen konstanten und
nachvollziehbaren Aussagen des Privatklägers, dessen Verletzungsbild (Urk. 8/2
und 3) und insbesondere auch die im Durchgang aufgefundenen Blutspuren
(Urk. 6/1 S. 3 f.). Ebenso stimmt der vom Privatkläger dargelegte Ablauf des Tat-
geschehens mit den seitens der Zeugen D._ und E._ abgegebenen
glaubhaften Erklärungen über das von ihnen Wahrgenommene überein. Nachfol-
gend wird aufzuzeigen zu sein, ob Gleiches auch für die Täterschaft des Beschul-
digten spricht, wie dies die Vor-instanz angenommen hat (Urk. 68 S. 27).
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3.10. Die Vorinstanz hat ausführlich, sorgfältig und zutreffend auch die weiteren
massgeblichen Aussagen all jener Personen zusammengefasst, die etwas zur
Tatnacht aussagen konnten (Urk. 68 S. 8 ff.). Auch hierauf ist vorab zu verweisen
(Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.11. Es kann vorweggenommen werden, dass auch diesbezüglich den von der
Vorinstanz aus dem Beweismaterial gezogenen Schlüssen ganz grossmehrheit-
lich zu folgen ist. Die folgenden Erwägungen sind deshalb schwergewichtig
ergänzender und präzisierender Natur.
3.12. Verhaftet wurde der Beschuldigte um ca. 2:15 Uhr an der ...-strasse in Zü-
rich, welche sich in der Nähe des Tatortes befindet (Urk. 16/1). Nach der Verhaf-
tung konfrontierten die Beamten den Beschuldigten gemäss Polizeibericht mit
dem Privatkläger, welcher diesen als Täter identifizierte (Urk. 1 S. 4). Anlässlich
der polizeilichen Einvernahme am Folgetag des Überfalls zur Täterschaft befragt,
erklärte der Privatkläger: "Ich kann diesen Mann nicht mehr vergessen. Ich bin mir
ganz sicher." Ferner hielt er fest, dass es sich beim Verhafteten "zu 200%" um
den Mann handle, der ihn angegriffen habe (Urk. 4/1 S. 4), was er auch an der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme bestätigte (Urk. 4/2 S. 4). Es steht mithin
fest, dass der Privatkläger den Beschuldigten ganz bewusst und ohne jeden Zwei-
fel über dessen Identität belastete. Daran ändert auch nichts, dass der Privatklä-
ger bei der Täterbeschreibung anlässlich der Einvernahmen angegeben hatte,
dass dieser im Gesicht eine Narbe habe, was auf den Beschuldigten offensichtlich
nicht zutrifft, worauf sowohl die Verteidigung als auch der Beschuldigte zutreffen-
derweise hinweisen (Urk. 3/4 S. 7, Urk. 3/7 S. 3; Urk. 38 S. 16, Urk. 102 S. 16,
Urk. 103 S. 15). Entscheidend ist vielmehr, dass der Privatkläger den Beschuldig-
ten kurz nach der Tat und direkt mit diesem
konfrontiert, wiedererkannte. Es ist durchaus plausibel, dass die Wiederkennung
einer Person von Angesicht zu Angesicht durch das wahrnehmbare Gesamtbild
inklusive etwa auch der Mimik und Gestik leichter fällt, als eine Täterbeschreibung
lediglich aus der Erinnerung, zumal die direkte Konfrontation zwischen den beiden
kurz nach der Tat erfolgte. Im Übrigen lässt der Umstand, dass er anlässlich der
polizeilichen Einvernahme noch erklärte, zu glauben, dass der Täter über dem
Auge eine Narbe gehabt habe (Urk. 4/1 S. 2) und dann anlässlich der staats-
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anwaltschaftlichen Einvernahme zu Protokoll gab, der Beschuldigte habe unter
dem Auge eine Narbe (Urk. 4/2 S. 4), auf ein spontanes Aussageverhalten
schliessen, was eher für die Glaubhaftigkeit der Aussage des Privatklägers
spricht. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass es nicht auszuschliessen ist, dass der
Beschuldigte sich in jener Nacht im Rahmen der tätlichen Auseinandersetzung
tatsächlich eine vorübergehende Verletzung im Gesicht zugezogen hatte. In
diesem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte ge-
mäss eigenen Angaben nach der Auseinandersetzung das Gesicht gewaschen
hatte (Urk. 102 S. 19), was etwaige Spuren der Auseinandersetzung hätte besei-
tigen können. Jedenfalls beschrieb der Privatkläger anlässlich der Einvernahmen
diejenige Person, die er in der Nacht als Täter und hernach als Verhafteten wahr-
genommen hatte. Zudem entspricht die übrige (wenn auch etwas vage) Täter-
beschreibung – ein schwarzer Mann mit einem schwarzen Jackett, darunter ein
schwarzes T-Shirt, der eine Sonnenbrille auf dem Kopf getragen habe und sicher
grösser gewesen sei als er, aber wie gross genau, wisse er nicht (Urk. 4/1 S. 2) –
dem Erscheinungsbild des Beschuldigten. Insbesondere wurde im Effekten-
verzeichnis des Beschuldigten eine Sonnenbrille verzeichnet (Urk. 16/2).
3.13. Sollte der Beschuldigte in Tat und Wahrheit nicht der Täter sein, müsste
sich der Privatkläger entweder getäuscht oder den Beschuldigten bewusst falsch
der Tat bezichtigt haben. Auch die Verteidigung hält dafür, dass es durchaus
möglich sei, dass es sich beim ganzen Tatvorhalt an die Adresse des Beschuldig-
ten um eine Verwechslung handeln könnte (Urk. 38 S. 15 f.; Urk. 103 S. 4 f., 14
f.). Davon ist jedoch – wie nachfolgend noch aufzuzeigen sein wird – nicht auszu-
gehen.
3.14. Dem Polizeibericht ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte durch Passan-
ten zurückgehalten worden ist, bis er durch die Polizei arretiert wurde (Urk. 1
S. 2). Diese Passanten wurden hernach als Zeugen einvernommen. Auch dies-
bezüglich kann vorab wiederum auf die sorgfältige Zusammenfassung im vor-
instanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 68 S. 18 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.15. Die Zeugen G._, H._ und I._ sind gemäss übereinstimmen-
der Darstellung befreundet und trafen sich in der Nacht vom 30. auf den
31. August 2013 in der ...-Bar, einer Bar an der F._-strasse zwischen Albis-
- 14 -
riederplatz und Lochergut (Urk. 5/1 S. 2 f., Urk. 5/2 S. 2, Urk. 5/3 S. 2). Im Verlau-
fe des Abends seien sie nach draussen gegangen, um eine Zigarette zu rauchen
und hätten sich bei dieser Gelegenheit, wie G._ bereits zuvor in der Bar, kurz
mit dem – ihnen zuvor unbekannten – Beschuldigten unterhalten, der an diesem
Abend gemäss eigenen Angaben (Urk. 3/1 S. 1, Urk. 3/2 S. 2, Urk. 3/3 S. 1,
Urk. 3/4 S. 2, Urk. 3/5 S. 2, Urk. 3/6 S. 1) ebenfalls in dieser Bar weilte. Danach
seien sie – also G._, H._ und I._ – nochmals zurück in die Bar,
welche sie dann nach einiger Zeit wieder verlassen hätten (Urk. 5/1 S. 2, 5 f.;
Urk. 5/2 S. 2 ff.; Urk. 5/3 S. 2, 5 f.). In der Folge hätten sie den Privatkläger getrof-
fen, was von den Zeugen wie folgt umschrieben wird:
3.15.1 G._ erklärte: "Beim Lochergut trafen wir das Opfer mit blutender Nase.
Wir fanden das nicht lustig. Er hat uns beschrieben, was geschehen sei und hat
auf den Beschuldigten gezeigt. Wir liefen ihm nach [...]. Irgendwo an der ...-
strasse haben wir ihn zur Rede gestellt. Es gab ein kleines Gerangel und dann
kam die Polizei. [...]I._ blieb beim Opfer und H._ kam mit mir. [...] Das
ging ganz schnell. Das Opfer blutete aus der Nase und weinte. Er sagte, er sei
ausgeraubt worden und zeigte auf den Täter. Wir fragten ihn war es derjenige? Er
antwortete: Ja" (Urk. 5/1 S. 2 ff.). Daraufhin hätten er und H._ den Beschul-
digten – der zuvor noch auf der gegenüberliegenden
Strassenseite gestanden und dann weggerannt sei – mit Fahrrädern verfolgt. Auf
entsprechende Frage erklärte G._, dass sie den Beschuldigten ca. 10 bis 15
Minuten festgehalten hätten. Vielleicht habe die Auseinandersetzung auch
20 Minuten gedauert, das wisse er nicht mehr. Es sei eigentlich eher ein "Hinter-
nachgehen" gewesen und habe immer wieder Gerangel gegeben. Dazu befragt,
bestätigte G._, gegen den Beschuldigten Pfefferspray eingesetzt zu haben
(Urk. 5/1 S. 3 ff.). Auf Ergänzungsfrage der Verteidigung gab G._ zu
Protokoll, dass er diesen wohl zweimal gegen den Beschuldigten eingesetzt habe
(Urk. 5/1 S. 8).
3.15.2 Die Aussagen von H._ decken sich mit denjenigen von G._.
H._ wies im Gegensatz zu G._ noch daraufhin, dass der Privatkläger
am Telefon gewesen sei, als sie ihn getroffen hätten (Urk. 5/2 S. 2, 4), was sich
mit den Schilderungen des Privatklägers deckt (Urk. 4/2 S. 4). Dazu befragt,
- 15 -
erklärte H._, dass zwischen ihnen und dem Opfer kein eigentliches Ge-
spräch stattgefunden habe. Dieser habe einfach in Richtung des Beschuldigten
gezeigt, als sie ihn gefragt hätten, was passiert sei (Urk. 5/2 S. 3 f.). Zur Häufig-
keit des Pfeffersprayeinsatzes durch G._ befragt, erklärte H._, dass die-
ser ihn an zwei Orten insgesamt zwei oder mehrere Male eingesetzt habe
(Urk. 5/2 S. 7). H._ betonte, dass es ihrerseits nur eine Vermutung gewesen
sei, dass diejenige Person, die sie verfolgt hätten, auch der Täter sei und es ihnen
leid tun würde wegen dem Pfefferspray, falls es sich um einen Irrtum gehandelt
hätte. Sie hätten aber reagieren müssen. Der Privatkläger habe schliesslich in
Richtung des Beschuldigten gezeigt und er habe in seiner Kultur gelernt, auf
schwächere Personen aufzupassen. Er wisse auch, dass ein solches Verfahren
grosse Konsequenzen haben könne, weshalb er vor der Einvernahme ein mulmi-
ges Gefühl gehabt habe, da er ja nicht hundertprozentig sicher sei, ob der Be-
schuldigte tatsächlich der Täter sei (Urk. 5/2 S. 4, 6).
3.15.3 Auch I._ erklärte übereinstimmend, dass sie nicht gewusst hätten, ob
tatsächlich der Beschuldigte der Täter sei. Es sei einfach die erste Reaktion ge-
wesen, als der Privatkläger auf den Beschuldigten gezeigt habe (Urk. 5/3 S. 6).
3.16. Der Beschuldigte bezeichnet die Aussagen von G._ als "Bullshit"
(Urk. 3/5 S.2), die Geschichte von H._ sei "komisch" und was er aussage
"lächerlich". Überhaupt würden alle Zeugen lügen, sie seien ja schliesslich auch
Kollegen untereinander (Urk. 3/6 S. 1 f.). Er stellt sich auf den Standpunkt, selbst
Opfer eines (versuchten) Raubüberfalls geworden zu sein und hält auch beru-
fungsweise an dieser Behauptung fest (Urk. 102 S. 11 ff.). Nach seiner Sachdar-
stellung seien es die Zeugen G._, H._ und I._ gewesen, die ihn
angegriffen hätten (Urk. 3/1 S. 3, Urk. 3/7 S. 3, Prot. I S. 11, Urk. 102 S. 12), als
er auf Kollegen (Urk. 3/2 S. 2) bzw. auf ein Taxi (Urk. 3/3 S. 2; Urk. 3/4 S. 5; Urk.
3/5 S. 2; Urk. 102 S. 12, 15) gewartet habe, um zu einer Party zu gehen.
3.17. Wie bereits von der Vorinstanz zutreffend aufgezeigt, sind die Aussagen
des vom Beschuldigten behaupteten Überfalls auf ihn selbst wenig stringent
(Urk. 68 S. 23). So gab er an der polizeilichen Einvernahme noch an, vor der Bar
von drei Männern nach Marihuana gefragt worden zu sein. Als er erklärt habe,
keines zu haben, seien ihm – nachdem er mit Pfefferspray bespritzt worden sei –
- 16 -
zwei Personen mit ihren Fahrrädern gefolgt. Sie hätten ihn dann angehalten und
auf ihn eingeschlagen (Urk. 3/1 S. 2, Urk. 3/2 S. 2). In einer späteren Einver-
nahme sollen es dann vier Männer gewesen sein, wobei der eine ihm habe das
Geld wegnehmen wollen. Dabei seien Fr. 20.– kaputt gegangen (Urk. 3/3 S. 1 f.).
In einer weiteren Variante will er derjenige gewesen sein, der den Angreifern
Fr. 30.– habe geben wollen, da er erkannt habe, keine Chance zu haben, sich zu
wehren. Da diese aber die gesamten Fr. 230.– gewollt hätten, habe es eine
Rangelei gegeben. Dabei könne es sein, dass auch er geschlagen habe, da es
"um Leben und Tod" gegangen sei (Urk. 3/4 S. 2, 5). Zur Örtlichkeit der körperli-
chen Auseinandersetzung befragt, gab der Beschuldigte wiederum an, dass diese
erst dort stattgefunden habe, wo er von den Beiden mit dem Velo eingeholt
worden sei und nicht an der Stelle, wo er auf das Taxi gewartet habe. Die Ausei-
nandersetzung habe gedauert, bis dann die Polizei gekommen sei (Urk. 3/4 S. 2,
4 f.). Im Januar 2014 nochmals dazu befragt, änderte er seine Aussage dahinge-
hend ab, dass er bereits geschlagen worden sei, bevor er davongerannt sei
(Urk. 3/7 S. 3). An der Berufungsverhandlung merkte er an, dass es irgendwie ja
gar keinen Sinn mache, wenn sie – die Zeugen G._, H._ und I._ –
ihn nach Marihuana gefragt hätten und ihn dann besprayten. Sie hätten einfach
Streit gehabt. An die Ursache der Auseinandersetzung könne er sich nicht mehr
erinnern (Urk. 102 S. 13 ff., 19).
3.18. Die Sachdarstellung des Beschuldigten, wonach er selbst Opfer eines
Angriffs geworden sei, steht den übrigen Beweisergebnissen diametral gegen-
über:
3.18.1 Wie gesehen (vgl. Erw. 3.9), kann der Sachverhalt insoweit als erstellt
erachtet werden, als dass der Privatkläger tatsächlich Opfer eines Raubüberfalls
geworden ist. Dafür sprechen die diesbezüglich einleuchtenden Schilderungen
des Privatklägers, dessen Verletzungsbild, die im Durchgang an der C._-
strasse aufgefundenen Blutspuren sowie die Beobachtungen der Zeugen
D._ und E._. Das wird seitens der Verteidigung auch nicht in Abrede
gestellt und wurde zumindest anlässlich der polizeilichen Einvernahme auch vom
Beschuldigten als durchaus möglich anerkannt (vgl. Erw. 3.6).
- 17 -
3.18.2 Ferner steht fest, dass der Beschuldigte in Kontakt mit dem Privatkläger
getreten sein bzw. das Geld, welches beim Beschuldigten sichergestellt worden
ist, vom Privatkläger stammen oder zumindest mit ihm in Berührung gekommen
sein muss. Dies ergibt sich eindeutig aus dem Kurzbericht des forensischen
Instituts Zürich, wonach die Blutanhaftungen auf der beim Beschuldigten sicher-
gestellten 200er Note eindeutig vom Privatkläger stammen (Urk. 6/1 S. 2 f.,
Urk. 6/3 S. 2). Die Richtigkeit dieses Kurzberichts wurde vom Beschuldigten aner-
kannt (Urk. 3/7 S. 4).
3.19. Die Verteidigung hält dafür, dass alleine die Tatsache, dass auf der beim
Beschuldigten sichergestellten 200er Note Blut des Privatklägers festgestellt
werden konnte, keinen eindeutigen Schluss auf die Täterschaft des Beschuldigten
erlaube. Dabei verweist sie – abgesehen von dem Umstand, dass die Auswertung
allenfalls falsch sein könnte, und ohne von sich aus weitere Vermutungen aufzu-
stellen – auf die Erklärungsversuche des Beschuldigten (Urk. 38 S. 4, 11 f., 15 f.;
Urk. 103 S. 11, 14), die, wie sogleich aufzuzeigen sein wird, allerdings keines-
wegs überzeugen. Da einzig der Privatkläger den Raub auf diesen gesehen habe
und dessen Aussagen alles andere als glaubhaft seien, sei der Beschuldigte in
Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo frei zu sprechen (Urk. 38 S. 5, 16;
Urk. 103 S. 15).
3.20. Zu folgen ist der Verteidigung, dass nicht der Beschuldigte seine Unschuld
beweisen, sondern diese ihm vielmehr rechtsgenügend nachgewiesen werden
muss (Urk. 38 S. 4, Urk. 103 S. 6). Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass sich die
seitens der Verteidigung zitierte Frage der Staatsanwältin, ob der Beschuldigte
Beweismittel nennen könne, die den Tatverdacht widerlegen oder entkräften
könnten (Urk. 38 S. 9), anlässlich der Hafteinvernahme und damit zugunsten des
Beschuldigten im Zusammenhang mit der Prüfung der Haftvoraussetzungen und
keineswegs im Zusammenhang mit dem Tatvorwurf an sich erfolgte (Urk. 3/2
S. 2). Sodann ist festzuhalten, dass der Grundsatz in dubio pro reo nur dann
verletzt ist, wenn das Gericht einen Beschuldigten (einzig) mit der Begründung
verurteilt, er habe seine Unschuld nicht nachgewiesen bzw. er habe bestimmte
Entlastungsbeweise nicht beigebracht (BGE 127 I 38 E. 2a). Im Bereich recht-
fertigender Tatsachen [hier die Erklärung betreffend die Blutspuren auf der Geld-
- 18 -
note] trifft den Beschuldigten indes eine gewisse Beweislast. Auch wenn kein
strikter Beweis verlangt werden kann, müssen seine Behauptungen plausibel
sein; es muss ihnen eine gewisse Überzeugungskraft zukommen. Wenn die
belastenden Beweise nach einer Erklärung rufen, welche der Beschuldigte geben
können müsste, dies jedoch nicht tut, darf nach Massgabe des gesunden
Menschenverstandes der Schluss gezogen werden, es gebe keine mögliche
Erklärung und er sei schuldig. Nichts anderes kann gelten, wenn er zwar eine
Erklärung gibt, diese aber unglaubhaft oder gar widerlegt ist (Bundesgerichts-
entscheide 6B_453/2011 vom 20. Dezember 2011, E. 1.6; und 6B_562/2010 vom
28. Oktober 2010, E.2.1; Pra 90 [2001] Nr. 110 S. 643).
3.21. Die seitens des Beschuldigten vorgebrachten Erklärungsversuche, wie das
Blut des Privatklägers – auf andere Weise als durch einen durch ihn begangenen
Raub – auf die bei ihm sichergestellte 200er Note gekommen sein könnte, sind
alles andere als glaubhaft und in sich widersprüchlich:
3.21.1 An der polizeilichen Einvernahme dazu befragt, ob sich der Beschuldigte
vorstellen könne, woher das Blut auf dem bei ihm sichergestellten Geld stammen
könnte, erklärte er zunächst: "Ich hoffe, dass es mein Blut ist, dass Sie sehen,
dass ich geschlagen wurde". Auf die Frage, was er sagen würde, wenn das Blut
auf den Banknoten vom Privatkläger stammte, meinte er: "Das geht ja irgendwie
gar nicht" (Urk. 3/1 S. 3). An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme erklärte
der Beschuldigte, nachdem er die Einvernahme des Privatklägers durch einen
Nebenraum mitverfolgen konnte (Urk. 4/2 S. 3), den Privatkläger zuvor noch nie
gesehen zu haben. Noch in der gleichen Einvernahme mit dem Kurzbericht
konfrontiert, hielt der Beschuldigte dann aber dafür, dass diesfalls der Privatkläger
einer der vier Angreifer gewesen sein musste (Urk. 3/3 S. 2). Ob während der
Auseinandersetzung jemand geblutet habe, wisse er nicht. Auf den Widerspruch
hingewiesen, dass gemäss seiner ursprünglichen Darstellung während der
körperlichen Auseinandersetzung nur zwei Personen – namentlich der Grosse
und derjenige mit dem Bart – dabei gewesen seien, erklärte er, dass er aufgrund
des Pfeffersprays in seinen Augen nicht gut habe sehen können und es schon
möglich sei, dass der Privatkläger auch involviert gewesen sei und sich dabei
auch verletzt habe. Auf Vorhalt des ärztlichen Befundes betreffend die Verletzun-
- 19 -
gen des Privatklägers (Urk. 8 S. 5) hielt er dann aber dafür, auch nicht zu wissen,
woher diese Verletzungen stammten. Jedenfalls würden sie sicher nicht von ihm
stammen, vielleicht von einem, der das Velo geworfen habe. Wenn dennoch er es
gewesen sei, der die Verletzungen zugefügt habe, dann tue ihm das Leid. Er sei
angegriffen worden und habe sich verteidigen wollen. Der Privatkläger solle
lernen, die Wahrheit zu sagen (Urk. 3/4 S. 6ff.). In einer weiteren Einvernahme
brachte er zu Protokoll: "Diejenige Person von Bangladesch war der arme Typ,
der kassiert hat [...]. Seine Kollegen haben es geschickt gemacht. Sie haben mich
mit Pfefferspray bespritzt. Dann habe ich mich mit Fäusten gewehrt. Vielleicht
habe ich dabei denjenigen von Bangladesch getroffen" (Urk. 3/6 S. 2). Auch
anlässlich der Haupt- sowie Berufungsverhandlung erklärte er, nicht zu wissen,
wie das Blut des Privatklägers auf die Geldnote gekommen sei (Prot. I S. 12,
Urk. 102 S. 20). Jedenfalls sei der Privatkläger einer der Angreifer gewesen und
er – der Beschuldigte – habe sich nur verteidigt (Prot. I S. 12). Den Ausführungen
der Verteidigung zufolge sei der Beschuldigte der Ansicht, dass es sein könnte,
dass die Blutspuren des Privatklägers – nach einem ersten Stadium der Aus-
einandersetzung vor der Bar, an welcher der Privatkläger beteiligt gewesen sei –
via den Beschuldigten oder aber via die Verfolger (also G._ und H._)
auf sein Geld hätte gelangen können. Denkbar wäre ferner, dass das Blut des
Privatklägers durch eine Ungeschicklichkeit der Polizei, insbesondere durch den
Kontakt mit dem Beschuldigten, hätte auf die Note kommen können (Urk. 38
S. 15, Urk. 103 S. 15).
3.21.2 Dass der Privatkläger zu jenen Personen gehörte, die den Beschuldigten
angegriffen haben sollen und das Blut des Privatklägers auf diesem Weg auf das
Geld des Beschuldigten gelangte, ist völlig unglaubhaft und mit den objektiven
Gegebenheiten unvereinbar. Dagegen spricht schon, dass der Privatkläger
gemäss erstelltem Sachverhalt selbst Opfer eines Raubüberfalls geworden ist,
wovon, wie bereits aufgezeigt, auch die Verteidigung ausgeht (vgl. vorstehende
Erw. 3.6 und 3.18.1). Es ist aber völlig undenkbar, dass der Privatkläger – zu-
nächst selbst Opfer eines Überfalls – sich hernach mit immerhin nicht zu vernach-
lässigenden Verletzungen dazu entschieden haben könnte, gemeinsam mit
G._, H._ und I._ einen Angriff auf den Beschuldigten vorzuneh-
men, zumal nichts dafür spricht, dass sich die Zeugen und der Privatkläger zuvor
- 20 -
gekannt hätten. Dagegen spricht auch, dass der Beschuldigte in den tatnäheren
Einvernahmen mehrmals erklärt hatte, es seien drei Personen – also G._,
H._ und I._ – gewesen, die auf ihn zugekommen seien und diese Aus-
sage – entgegen dem Vorbringen der Verteidigung (Urk. 38 S. 15) – erst nach
und nach an das Beweisergebnis anpasste. Sodann ist auszuschliessen, dass
dem
Beschuldigten die doch augenscheinlichen Verletzungen des Privatklägers nicht
aufgefallen wären, auch wenn seine Sehfähigkeit durch den Pfeffersprayeinsatz
vorübergehend eingeschränkt gewesen sein mag. Aber nicht nur die seitens des
Beschuldigten behauptete Beteiligung des Privatklägers an dem behaupteten
Übergriff muss als reine Schutzbehauptung bezeichnet werden. Bereits schon die
Sachdarstellung, wonach der Beschuldigte selbst Opfer eines Übergriffs ge-
worden sei, erweist sich als unwahr. Es widerspräche jeglicher Logik, dass
G._ und H._, nachdem sie den Beschuldigten einholen konnten und es
offenbar eine Auseinandersetzung gegeben hatte, bei diesem hätten verweilen
sollen, wenn sie sich tatsächlich eines Angriffs bzw. Überfalls schuldig gemacht
hätten. Wenn sie den Beschuldigten tatsächlich hätten "auseinandernehmen"
wollen, dann hätten sie ohne weiteres noch vor Eintreffen der Polizei wieder von
ihm ablassen können. Denn wie der Beschuldigte selbst erklärte, sei er "irgendwie
am Boden" gewesen und "hatte keine Chance" (Urk. 3/4 S. 2). Die Annahme,
dass G._ und H._ trotz Fluchtmöglichkeit ruhig zugewartet hätten, bis
die Polizei eingetroffen war, um ihr dann, eine zuvor noch mit (dem Privatkläger
und) I._ abgesprochene Geschichte aufzutischen, ist absolut lebensfremd,
zumal die Polizei ihr Eintreffen offenbar angekündigt hatte, erklärte der Beschul-
digte doch selbst, das Wechselhorn gehört zu haben (Urk. 3/4 S. 5). Überdies gibt
es keinerlei Anhaltspunkte für einen solchen Angriff. Vielmehr ist davon auszu-
gehen, dass sich das Zusammentreffen zwischen dem Beschuldigten und den
Zeugen G._, H._ und I._ so abgespielt hatte, wie von Letzteren
geschildert. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die diesbezüglichen – im
Kerngehalt kongruenten – Aussagen der Zeugen G._, H._ und I._
als glaubhaft einzustufen sind (Urk. 68 S. 26 f.). Insbesondere ist nicht ersichtlich,
weshalb die drei Zeugen das Geschehen an der F._-strasse kurz nach der
Tat anders darstellen sollten, als von ihnen tatsächlich wahrgenommen. Nicht
- 21 -
gefolgt werden kann der Verteidigung, wenn sie es als lebensfremd erachtet,
davon auszugehen, dass der Beschuldigte – sollte er tatsächlich der Täter
gewesen sein – ruhig auf ein Taxi gewartet hätte, bevor die Zeugen G._,
H._ und I._ ihn gestützt auf den Hinweis des Privatklägers erblickt hat-
ten (Urk. 38 S. 14). Vielmehr kann ein sich unauffällig unter die Leute mischen ei-
nen geeigneten Fluchtplan darstellen, zumal der Beschuldigte selbst vorbrachte,
dass es auf der F._-strasse viele Leute gehabt habe (Urk. 3/7 S. 2). Die
Zeugen haben glaubhaft dargelegt, vor der Tatnacht weder den Beschuldigten
noch den Privatkläger gekannt zu haben. Damit ist kein Motiv für eine Falschaus-
sage
ersichtlich. Sie betonen denn auch, die Tat selbst nicht mitverfolgt zu haben, wes-
halb sie keine Angaben zur Täterschaft machen könnten. Ihr Aussageverhalten ist
damit – mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 26) – zurückhaltend und frei von Über-
treibungen sowie Mutmassungen. Dabei schadet auch nicht, dass G._ –
sozusagen als Rechtfertigung für seinen Pfeffersprayeinsatz – erwähnte, dass der
Beschuldigte – soweit er sich erinnern vermöge, eine Bewegung gemacht habe,
als hätte er ein Messer (Urk. 5/1 S. 8). Schliesslich hatte er – entgegen der
Darstellung des Beschuldigten (Urk. 3/5 S. 2) – nicht behauptet, dass jener tat-
sächlich ein Messer auf sich getragen habe.
3.22. Zusammengefasst muss der Schluss gezogen werden, dass es nur der
Beschuldigte gewesen sein kann, der den Privatkläger, wie von diesem geschil-
dert, überfallen und ausgeraubt hatte. Aufgrund der sichergestellten Blutspuren
ausgeschlossen werden kann nämlich insbesondere auch die unwahrscheinliche
Annahme, dass der Privatkläger von einem Dritten ausgeraubt und der Beschul-
digte als völlig unbeteiligter Passant rein zufälligerweise gestützt auf eine
Verwechslung und damit zu Unrecht der Tat bezichtigt worden wäre.
3.23. Mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 27) ist damit aufgrund der Beweislage
zweifelsfrei davon auszugehen, dass der Beschuldigte den Raubüberfall auf den
Privatkläger am 31. August 2013 anklagegemäss begangen hat.
- 22 -
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Die Vorinstanz hat das Handeln des Beschuldigten als Raub im Sinne von
Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB gewürdigt (Urk. 68 S. 28) und ist damit dem Antrag
der Staatsanwaltschaft gefolgt (Urk. 20 S. 3, Urk. 37 S. 6). Auf die zutreffenden
Erwägungen kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StGB). Im Eventualstand-
punkt anerkennt denn auch die Verteidigung diese rechtliche Würdigung (Urk. 71
S. 2; Urk. 103 S. 3, 16 f.).
4.2. Der Beschuldigte ist deshalb des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
5. Strafzumessung
5.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten wegen Raubes im Sinne von
Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten bestraft
(Urk. 68 S. 39). Sie entspricht damit dem Eventualstandpunkt der Verteidigung
(Urk. 38 S. 16), welcher auch anlässlich der Berufungsverhandlung vertreten
worden ist (Urk. 103 S. 17). Die Staatsanwaltschaft verlangt im Rahmen ihrer
Anschlussberufung hingegen eine deutlich höhere Strafe von 3 Jahren (Urk. 80,
Urk. 105).
5.2. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen
ist, unter Verweis auf die einschlägige Rechtsprechung richtig zusammengefasst
(Urk. 68 S. 29 mit Verweis auf BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.). Darauf und auf die
weitere aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichts zu diesem Thema (BGE
135 IV 130 E. 5.3.1; BGE 132 IV 102 E. 8.1, je mit Hinweisen; Bundesgerichts-
entscheide 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, E. 2.1, und 6B_274/2013 vom
5. September 2013, E. 1.2.2) kann vorab verwiesen werden.
5.3. Auszugehen ist von der Strafandrohung gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1
StGB, wonach Raub mit Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder Geldstrafe nicht
unter 180 Tagessätzen zu bestrafen ist.
5.4. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen zu den objektiven und
subjektiven Tatkomponenten richtig wiedergegeben (Urk. 68 S. 29).
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5.5. Betreffend die objektive Erscheinung des vom Beschuldigten begangenen
Raubes hat die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte
die Tat alleine und unbewaffnet begangen hat (Urk. 68 S. 29). Entgegen dem
Vorbringen der Staatsanwaltschaft (Urk. 105 S. 2) ist der Vorinstanz uneinge-
schränkt zuzustimmen, wenn sie dafür hält, dass die objektive Tatschwere eines
Raubes im Sinne des Grundtatbestandes weniger schwer wiegt, wenn die Tat un-
bewaffnet begangen wird. Dies gilt aber nicht nur für Waffen, sondern auch in
Bezug auf das Fehlen anderer Alltagsgegenstände, die bei zweckwidriger Ver-
wendung die Gefahr ernsthafter Verletzungen erhöhen. Nicht gefolgt werden kann
der Staatsanwaltschaft, dass beim Grundtatbestand des Raubes regelmässig von
einem unbewaffneten Raub auszugehen sei, kommt doch eine Qualifikation nach
Art. 140 Ziff. 2 StGB nur bei gefährlichen Waffen zur Anwendung (vgl. Bundes-
gerichtsentscheid 6B_756/2010 vom 6. Dezember 2010, E. 3.2). Ebenso ist eine
besondere Gefährlichkeit des Täters nach Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB nur mit
grosser Zurückhaltung anzunehmen (vgl. BGE 117 IV 135). Gleichwohl ist aber
von einer nicht unerheblichen Einwirkung auf den Privatkläger auszugehen. Der
Beschuldigte schlug den körperlich deutlich unterlegenen Privatkläger völlig un-
vermittelt mit der Faust ins Gesicht und in den Nacken. Nachdem er ihn durch
Tritte zu Boden gezwungen hatte, schleifte er ihn in einen dunklen Durchgang, um
ihn dort – unbemerkt von etwaigen Passanten – unter weiteren Schlägen zu
berauben. Es steht ausser Diskussion, dass dies den Privatkläger in hohem Mass
verängstigt haben muss. Physisch erlitt er allerdings nur relativ leichte Verletzun-
gen (Urk. 8/5: multiple Blutergüsse im Gesicht, Schürfungen am linken Unterarm
und eine Hautablederung von 3 x 3 cm auf der linken Handfläche), die ambulant
behandelt werden konnten (Urk. 8/2). Gering war sodann der Deliktsbetrag von –
nach Darstellung des Privatklägers – Fr. 600.–, wobei Fr. 232.– tatsächlich beim
Beschuldigten sichergestellt werden konnten. Nicht gefolgt werden kann der Auf-
fassung der Staatsanwaltschaft, wonach die geringe Höhe des Deliktsbetrages
überhaupt nicht zugunsten bzw. sogar zulasten des Beschuldigten zu werten sei
(Urk. 105). Vielmehr stellt die Höhe der Deliktsumme gemäss ständiger Recht-
sprechung ein gewichtiges Strafzumessungskriterium dar, wobei ein geringer
Deliktsbetrag bei Vermögensdelikten verschuldensmindernd zu berücksichtigen
ist (BSK-StGB I, Wiprächtiger/Keller, 3. Auflage 2013, Art. 47 N 91; BGE 118 IV
38). Allerdings ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte wohl auch mehr ge-
- 24 -
nommen hätte, wenn sich die Möglichkeit dazu eröffnet hätte. Insgesamt zeugte
die Vorgehensweise des Beschuldigten doch von einer hohen Gewaltbereit-
schaft, worauf auch die Vorinstanz zutreffenderweise hingewiesen hat.
5.6. Subjektiv fällt – mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 30) – das direkt vorsätzliche
und in höchstem Masse egoistische und rücksichtslose Vorgehen auf, worauf
auch die Staatsanwaltschaft verwiesen hat (Urk. 37 S. 7). Mutmasslich weil er
kein Geld mehr hatte, aber zur nächsten Party aufbrechen wollte, beschloss er,
den ihm unbekannten und körperlich offensichtlich völlig unterlegenen Privat-
kläger – der Beschuldigte gab an, bei einer Körpergrösse von 185 cm 84 kg zu
wiegen (Prot. I S. 14), während der Privatkläger erklärte, etwa 165 cm gross und
ca. 55 kg schwer zu sein (Urk. 4/2 S. 9) – zu überfallen. Auch wenn mit der Vor-
instanz von einem spontanen Tatentschluss auszugehen ist, was verschuldens-
mässig weniger schwer wiegt als eine von langer Hand geplante Tat, fällt die aus-
gesprochen rücksichtslose Vorgehensweise des Beschuldigten negativ und damit
leicht straferhöhend ins Gewicht.
5.7. Der Beschuldigte wurde von J._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Zertifizierter Forensischer Psychiater SGFP, ausführlich
begutachtet (Urk. 12/5). Der Gutachter kam zum Schluss, dass beim Beschuldig-
ten bedingt durch eine für die Tatbegehung begünstigend wirkenden Kombination
aus dissozialer Persönlichkeitsstörung und Suchtmitteleinfluss zum Tatzeitpunkt
eine leichte Verminderung der Fähigkeit zum einsichtsgemässen Handeln vorge-
legen habe, woraus sich eine leichte Verminderung der Schuldfähigkeit herleiten
lasse (Urk. 12/5 S. 52, 61). Mangels konkreter Einwände gegen die gutachter-
lichen Schlussfolgerungen kann – mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 33) – den über-
zeugenden und klaren Aussagen des Gutachters gefolgt und auf diese abgestellt
werden. Vorliegend wirkt sich die in tatsächlicher Hinsicht ermittelte leichte Ver-
minderung der Schuldfähigkeit des Beschuldigten auch in rechtlicher Hinsicht ent-
sprechend aus und mindert sein Verschulden in subjektiver Hinsicht leicht (vgl.
BGE 136 IV 55 E. 5.6).
5.8. Innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens von 180 Tages-
sätzen Geldstrafe bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB)
erscheint das Gesamtverschulden – mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 30) – nicht
- 25 -
mehr leicht. Die von der Vorinstanz festgesetzte Einsatzstrafe von 20 Monaten –
mithin ungefähr ein Sechstel der maximal möglichen Strafe – erscheint damit als
angemessen, wenn die verminderte Schuldfähigkeit noch nicht berücksichtigt ist
(vgl. Urk. 68 S. 33). Mit einer leichten Minderung des Verschuldens unter diesem
Titel erscheint eine Einsatzstrafe von 18 Monaten als angemessen.
5.9. Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten ergeben sich aus der zu-
sammenfassenden Wiedergabe im vorinstanzlichen Urteil (Urk. 68 S. 30 ff.). Zur
Vermeidung von unnötigen Wiederholungen und nachdem der sich seither in Haft
befindliche Beschuldigte auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung
nichts Neues vorgebracht hat (Urk. 102 S. 2 ff.), kann auf diese Ausführungen
und auch auf diejenigen im Gutachten vorab verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO; Urk. 12/5 S. 15 ff., S. 41). Kurz zusammengefasst war das Leben des
Beschuldigten gemäss seinen Angaben von einer gewissen Instabilität in den
Beziehungen zu seinen Bezugspersonen geprägt. Nachdem seine Mutter offen-
bar einige Jahre vor ihm ihre gemeinsame Heimat im Kongo mit dem heutigen
Stiefvater des Beschuldigten verlassen hatte, lebte er zwischenzeitlich bei seiner
Grossmutter, die dann aber verstarb. Der Vater sei bereits seit dem frühen
Kindesalter des Beschuldigten nicht für ihn verfügbar gewesen. Nachdem sich
das Verhältnis zu seinem Onkel – den ihn vorübergehend aufgenommen habe –
offenbar schwierig gestaltete, kam der Beschuldigte im Zuge einer Familien-
zusammenführung im Jahr 2005 in die Schweiz. Nach Konflikten sowohl im fami-
liären als auch im schulischen Bereich sei er dann im Folgejahr wieder zurück
nach Kongo gegangen. Nachdem sich die Verwandten dort nicht recht um ihn
gekümmert hätten, sei er dann bei einem Onkel in Frankreich aufgenommen
worden, bevor er dann im Jahr 2007, spätestens aber im Jahr 2008 wieder in die
Schweiz gekommen sei. Die Vorinstanz hat das Vorleben des Beschuldigten im
geringen Masse strafmindernd berücksichtigt. Dem kann beigepflichtet werden.
Eine weitergehende Berücksichtigung ist nicht angezeigt, stellt doch eine schwie-
rige Jugend keinen "Freipass" für Delinquenz dar. Auch Personen, die in widrigen
Verhältnissen aufwuchsen, haben sich an die Rechtsordnung zu halten und tun
dies in aller Regel auch. Soweit sich die schwierige Jugend des Beschuldigten auf
seine Persönlichkeitsstörung ausgewirkt haben sollte, ist dies bereits im Rahmen
der verminderten Schuldfähigkeit berücksichtigt worden.
- 26 -
5.10. Eine erhöhte Strafempfindlichkeit des Beschuldigten ist nicht ersichtlich.
Insbesondere bildet nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine allfällige
ausländerrechtliche Folge der Straftat (wie die drohende Wegweisung aus der
Schweiz) grundsätzlich keinen Grund für die Annahme einer erhöhten Straf-
empfindlichkeit (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 6B_619/2011 vom 1.11.2011,
E. 3; 6B_203/2010 vom 27.5.2010, E. 5.3.3.; 6B_1027/2009 vom 18.2.2010,
E 4.1.4. und 4.5.; vgl. Cavallo/Donatsch, Entwicklungen im Strafrecht in: SJZ
107/2011 S. 521). Auch eine Strafminderung aufgrund seines noch jugendlichen
Alters – wie dies von der Verteidigung beantragt worden ist (Urk. 38 S. 16) –, ist
vorliegend nicht angezeigt, ist dieser Milderungsgrund seit der Revision des All-
gemeinen Teils des StGB nicht mehr im Gesetz verankert. Jemand der bereits
wegen Raub verurteilt worden ist (vgl. Erw. 5.11 nachstehend), sollte in der Lage
sein, die Schwere seiner Tat und die möglichen Folgen zu erkennen. Die seitens
des Gutachters attestierte leicht verminderte Einsichtsfähigkeit wurde bereits im
Rahmen der leicht verminderten Schuldfähigkeit berücksichtigt (vgl. Erw. 5.7).
5.11. Massiv straferhöhend schlagen dann aber die – trotz seines noch jugendli-
chen Alters – zahlreichen Vorstrafen des Beschuldigten zu Buche. So weist er im
Zeitraum von Januar 2012 bis Oktober 2012 nicht weniger als vier Verurteilungen
auf, zum Teil einschlägiger Natur und in Erfüllung ganzer Deliktskataloge
(Urk. 69). Im Rahmen dieser Verurteilungen wurde er bereits zwei Mal wegen
(teilweise mehrfach begangenen) Raubdelikten schuldig gesprochen, einmal noch
von der Jugendanwaltschaft. Dies ist stark straferhöhend zu berücksichtigen,
zumal er die vorliegend zu beurteilende Tat während laufender Probezeit und nur
gerade 10 Monate nach der letzten einschlägigen Verurteilung beging.
5.12. Ein Geständnis betreffend den vorliegend zu beurteilenden Raub liegt
nicht vor. Ebensowenig könnte der Beschuldigte Einsicht und Reue für sich
reklamieren.
5.13. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen muss festgehalten werden,
dass sich die Täterkomponente gestützt auf die einschlägigen Vorstrafen und
trotz der aufgrund der persönlichen Vorgeschichte angezeigten leichten Straf-
minderung deutlich straferhöhend auswirkt.
- 27 -
5.14. Mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. ) erscheint es damit in Würdigung aller Straf-
zumessungsgründe angemessen, den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
24 Monaten zu bestrafen. Davon sind bis und mit heute 678 Tage durch Unter-
suchungshaft bzw. vorzeitigem Strafantritt erstanden (Art. 51 StGB).
6. Strafvollzug und Massnahme für junge Erwachsene
6.1. Die Staatsanwaltschaft stellte sich bereits vor Vorinstanz auf den Stand-
punkt, es sei – mangels vorhandener Massnahmewilligkeit und nur beschränkter
Massnahmefähigkeit des Beschuldigten – auf die Anordnung einer Massnahme
für junge Erwachsene nach Art. 61 StGB zu verzichten (Urk. 37 S. 9), an welcher
Auffassung sie grundsätzlich auch anlässlich der Berufungsverhandlung festhielt
(Prot. II S. 15). Noch vor Vorinstanz verzichtete auch die Verteidigung für den Fall
eines Schuldspruchs auf einen Eventualantrag betreffend eine Massnahme, dies
unter Hinweis auf die fehlende Massnahmewilligkeit des Beschuldigten. Gleich-
zeitig merkte der Verteidiger aber an, dass aus seiner persönlichen Sicht eine
Massnahme für junge Erwachsene angezeigt wäre (Urk. 38 S. 17). Die Vorinstanz
sah schliesslich – unter Hinweis auf die fehlende Massnahmewilligkeit und der nur
beschränkten Massnahmefähigkeit – von der Anordnung einer Massnahme ab
(Urk. 68 S. 34). Berufungsweise stellt die Verteidigung nun den Eventualantrag,
dass bei einem Schuldspruch eine Massnahme für jugendliche Erwachsene im
Sinne von Art. 61 StGB anzuordnen sei (Urk. 71 S. 2; Urk. 103 S. 3, 17).
6.2. Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn die Strafe allein nicht geeignet ist,
der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen und ein Behandlungs-
bedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit eine Behandlung
erfordert, und die Voraussetzungen der Artikel 59–61, 63 oder 64 erfüllt sind
(Art. 56 Abs. 1 StGB). Gemäss Absatz 2 setzt die Anordnung einer Massnahme
voraus, dass der mit ihr verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des
Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten
nicht unverhältnismässig ist.
6.3. War der Täter zur Zeit der Tat noch nicht 25 Jahre alt und ist er in seiner
Persönlichkeitsentwicklung erheblich gestört, so kann ihn das Gericht in eine Ein-
richtung für junge Erwachsene einweisen, wenn der Täter ein Verbrechen oder
- 28 -
Vergehen (sog. Anlasstat) begangen hat, das mit der Störung seiner Persönlich-
keitsentwicklung im Zusammenhang steht und zu erwarten ist, dadurch lasse sich
der Gefahr weiterer mit der Störung in Zusammenhang stehender Taten begeg-
nen (Art. 61 Abs. 1 StGB). Somit wird vorausgesetzt, dass der Täter einer thera-
peutischen oder pädagogischen Einwirkung zugänglich erscheint und seine Ent-
wicklung sich noch wesentlich beeinflussen lässt. Zweck dieser Bestimmung ist
es, dem Täter mit therapeutischen Mitteln die Fähigkeit zu vermitteln, selbstver-
antwortlich und straffrei zu leben (vgl. Art. 61 Abs. 3 StGB). Als zentrale Voraus-
setzung dieser Vorschrift muss Aussicht darauf bestehen, die Entwicklung
des Täters durch den betreffenden Vollzug beeinflussen zu können, was seine
Therapierbarkeit bedingt (vgl. BGE 125 IV 237 E. 6b mit Hinweisen). Als Bestand-
teil der Erziehbarkeit wird sodann die Abwesenheit einer qualifizierten Gefährlich-
keit des Beschuldigten verlangt, damit insbesondere auch der möglichst störungs-
freie Vollzug sichergestellt werden kann (BSK-Heer, StGB I, a.a.O., N 32 ff zu
Art. 61 mit Hinweisen; BGE 125 IV 237 E. 6a). Dieses Kriterium wird auch
im Rahmen der ohnehin notwendigen Abklärung der Vollzugsmöglichkeiten zu
überprüfen sein (vgl. Art. 56 Abs. 3 lit. c StGB). Die Problematik wird dadurch
entschärft, dass auch Vollzugseinrichtungen mit geschlossenen Abteilungen
existieren (BSK-StGB I, Heer, a.a.O., N 34 und N 55 ff. zu Art. 61). Sind die
Voraussetzungen von Art. 61 StGB erfüllt, muss das Gericht eine Massnahme für
junge Erwachsene anordnen. Es besteht kein Ermessensspielraum (BSK-StGB I,
Heer, a.a.O., N 11 zu Art. 61).
6.4. Der Entscheid des Gerichts muss sich gemäss Art. 56 Abs. 3 StGB in jedem
Fall auf ein sachverständiges Gutachten abstützen, das sich über die Notwendig-
keit und Erfolgsaussichten einer Behandlung, die Art und die Wahrscheinlichkeit
zukünftig zu erwartender Straftaten sowie über die konkreten Vollzugsmöglich-
keiten zu äussern hat. Es muss aufzeigen, ob die Straftat mit dem besonderen
körperlichen oder geistigen Zustand des Betroffenen in Zusammenhang steht
(psychische Störung, Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, gestörte Persönlich-
keitsentwicklung). Der Experte hat ferner eine Kriminal- oder Gefährlichkeits-
prognose zu erstellen (Art. 56 Abs. 3 lit. b StGB), d.h. das allgemeine (Verübung
einer beliebigen Straftat) und spezifische (bezogen auf eine spezifische Delikts-
gruppe) Rückfallrisiko des Täters zu ermitteln (Schwarzenegger/Hug/Jositsch,
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-IV-237%3Ade&number_of_ranks=0#page237
- 29 -
Strafrecht II, 8. Aufl. 2007, S. 156 ff.). Ausgehend davon hat der Experte die
Notwendigkeit und die Erfolgsaussichten einer Behandlung darzulegen sowie
die konkreten Möglichkeiten ihres Vollzugs abzuklären (Art. 56 Abs. 3 lit. a und
lit. c StGB).
6.5. Wie bereits im Rahmen der Strafzumessung gesehen (Erw. 5.7), wurde der
Beschuldigte von J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
Zertifizierter Forensischer Psychiater SGFP, begutachtet (Urk. 12/5).
Obwohl der Beschuldigte das Gutachten noch vor Staatsanwaltschaft unter
Verweis darauf, dass der Gutachter ihn gar nicht kenne, als Frechheit betitelte,
brachte er – wie auch die Verteidigung – keine konkreten Einwände gegen
dessen inhaltliche Ausgestaltung vor (Urk. 3/8, Urk. 102 S. 7 ff.). Auf die klaren
und überzeugenden Ausführungen des Gutachters kann demnach abgestellt
werden. Es erfüllt zudem die Voraussetzungen von Art. 56 Abs. 3 StGB, indem es
sich über sämtliche tatsächlichen Voraussetzungen der in Frage kommenden
Massnahme äussert. Das Gutachten stammt vom Juni 2014 und ist damit gut ein
Jahr alt. Der Beschuldigte befindet sich seit der Erstellung des Gutachtens in Haft
bzw. vorzeitigem Strafvollzug. In Übereinstimmung mit der gutachterlichen
Einschätzung, wonach nicht zu erwarten sei, dass der Strafvollzug eine legal-
prognostisch positive Einstellungs- und Verhaltensmodifikation bewirken könne,
sondern vielmehr von der Beibehaltung des Status quo auszugehen sei (Urk. 12/5
S. 64), kann davon ausgegangen werden, dass das Gutachten – mangels ver-
änderter Verhältnisse – bis heute nicht an Aktualität eingebüsst hat.
6.6. Der Gutachter kam in seinem Gutachten vom 10. Juni 2014 zur Erkenntnis,
dass der Beschuldigte eine andauernde schwere dissoziale Persönlichkeits-
störung (ICD–10, F 60.2) sowie ein mittelschweres Cannabisabhängigkeits-
syndrom (ICD–10, F 10.2) aufweise (Urk. 12/5 S. 41 ff., 60, 62). Aufgrund unein-
heitlicher Angaben des Beschuldigten sowie der sich damit teilweise widerspre-
chenden Ergebnisse des pharmakologisch-toxikologischen Gutachtens sowie
dem rückgerechneten Blutalkoholanalyseergebnis zum Tatzeitpunkt (Urk. 7/4 f.)
könne nicht schlüssig beurteilt werden, ob beim Beschuldigten im strengen
psychiatrisch–diagnostischen Sinne zudem noch eine störungswertige Sucht-
mittelkonsumproblematik bezüglich der Suchtstoffe Alkohol und Kokain vorliege.
- 30 -
Der Beschuldigte sei von einer Externalisierungstendenz getragen, die ihm eine
kritische Auseinandersetzung seiner selbst in Bezug auf sein soziales Umfeld
erschwere und ihn somit (vermeintlich) auch seiner Verantwortung für allfällige
Probleme enthebe. Anhand der Vorgeschichte werde unzweifelhaft eine Unfähig-
keit des Beschuldigten deutlich, seine Erfahrungen im Zuge strafrechtlicher Inter-
ventionen und Sanktionierungen aus den vergangenen Jahren dahingehend zu
verwerten, sich selbst in seiner (delinquenten) Verhaltensdisposition zu hinter-
fragen und hieraus Verhaltensmodifikationen herzuleiten (Urk. 12/5 S. 46 ff., 60).
Betreffend Gewaltverbrechen und Raubdelikte müsse von einer hohen Rückfall-
gefahr ausgegangen werden und auch bezüglich anderer Delikte wie Diebstähle,
weiterer Eigentumsdelikte sowie Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz
bestehe eine deutliche Begehungsgefahr. Die tatmotivationale Triebfeder müsse
dabei primär in der dissozialen Persönlichkeitsstörung gesehen werden. Der
Suchtmittelabhängigkeit komme lediglich eine tatkonstellierende Wirkung zu
(Urk. 12/5 S. 53 ff., 59, 62). Wenngleich man die legalprognostischen Erfolgsaus-
sichten in realistischer Betrachtung zum gegenwärtigen Zeitpunkt als gering ein-
stufen müsse, könne mit einer stationären Massnahme für junge Erwachsene der
Gefahr neuerlicher Straftaten begegnet werden, wobei etwa das Massnahme-
zentrum Uitikon oder Arxhof als geeignete Institutionen in Frage kämen. Dabei
müsse allerdings der Einwand vorgebracht werden, dass der Beschuldigte
gemäss dem Ergebnis der FOTRES-Auswertung ungünstige Voraussetzungen im
Bereiche der Beeinflussbarkeit (Wert 0.5) mit sich bringe. Ferner verweist der
Gutachter auf ein früher erstelltes Gutachten der Psychiatrischen Dienste Aargau
vom 22. Dezember 2011 (Urk. 18/8), wonach eine früher noch unter dem Jugend-
strafrecht ins Auge gefasste Behandlung im Massnahmezentrum Uitikon nach der
Auswertung des Vorstellungsgesprächs mangels angemessener Betreuungs-
möglichkeit als nicht möglich erachtet worden sei (Urk. 12/5 S. 59 f., 62). Unter
Berücksichtigung der eingeschränkten kognitiven Ressourcen und der gleichzeitig
auch limitierten psychotherapeutischen Zugänglichkeit komme zur Erlangung
einer besseren Reflektion der bisherig deliktnahen Lebensbewältigungsstrategie
einem milieutherapeutischen Ansatz eine grosse Bedeutung zu. So könnten dem
Beschuldigten im Zusammenleben mit anderen beispielsweise soziale Rücksicht-
nahme, Erkennen und Anerkennen von Bedürfnissen Dritter, Verlässlichkeit und
das Einfügen in einen sozialen Beziehungskontext näher gebracht werden. Ziel
- 31 -
müsse es sein, beim Beschuldigten auf eine Verhaltensmodifikation hinzuwirken,
damit betreffend die Persönlichkeitsstörungsproblematik eine bessere "Alltagsver-
träglichkeit" erreicht werden könne. Eine ambulante Massnahme könne mangels
psychosozialer Einbettung hingegen nicht als zweckmässig erachtet werden
(Urk. 12/5 S. 57 f., S. 63). Obwohl der Beschuldigte unterschwellig Ablehnung
gegen eine Massnahme signalisiere und die Vorgeschichte des Beschuldigten
(Abbruch einer Massnahme im Januar 2011 sowie Ablehnung einer Aufnahme
im Massnahmezentrum Uitikon) eine relativ konsequente Verfolgung dieser
Ablehnung befürchten lassen müsse, könne auch eine gegen den Willen des
Beschuldigten angeordnete Behandlung allenfalls Erfolg versprechend durch-
geführt werden. Eine Verinnerlichung von legalprognostisch positiv wirkenden
Verhaltensmodifikationen sei aber erst nach zwei- bis dreijährigem Massnahme-
verlauf zu erwarten. Da von einem reinen Strafvollzug keine legalprognostisch
positive Einstellungs- und Verhaltensmodifikation zu erwarten sei, erscheine der
Anlauf für eine neuerliche milieutherapeutische Massnahmedurchführung als
sinnvoll (Urk. 12/5 S. 59 ff.).
6.7. Das Gericht würdigt ein Gutachten grundsätzlich frei. Von den Feststellun-
gen einer sachverständigen Person darf nach konstanter Praxis des Bundes-
gerichts indessen nur dann abgewichen werden, wenn wirklich gewichtige zuver-
lässig begründete Tatsachen oder Indizien deren Überzeugungskraft ernstlich
erschüttern. Dabei bedarf es einer einlässlichen Begründung (Bundesgerichts-
entscheid 6B_440/2014 vom 14.10.2014, E. 2.4; BSK-StGB I, Heer, a.a.O., N 74
zu Art. 56, mit Hinweisen). Allerdings sind dem Gutachter bloss Sach-, und keine
Rechtsfragen zu unterbreiten. Die Beantwortung letzterer obliegt zwingend dem
Gericht (BGE 130 I 337 E. 5.4.1).
6.8. Die Vorinstanz stützte sich bei ihrem ablehnenden Massnahmeentscheid
auf die sachverständige Begutachtung. So stellte sie zunächst auf die psychiatri-
sche Diagnostik in Bezug auf den Beschuldigten ab. Sodann würdigte sie die
Aussagen des Beschuldigten anlässlich der Hauptverhandlung, woraufhin sie das
Vorhandensein einer Massnahmewilligkeit verneinte (Urk. 68 S. 34 mit Verweis
auf Urk. 12/5 S. 34 und Prot. I S. 13). Wiederum verwies die Vorinstanz auf das
Gutachten, wonach der Beschuldigte eine ablehnende Haltung gegen eine Mass-
- 32 -
nahme signalisiere (Urk. 68 S. 34 mit Verweis auf Urk. 12/5 S. 63). Ferner hielt sie
dafür, der Gutachter sei der Auffassung, eine Massnahme für junge Erwachsene
könne gegen den Willen des Beschuldigten nicht erfolgreich durchgeführt werden.
Schliesslich sah die Vorinstanz aufgrund der fehlenden Massnahmewilligkeit des
Beschuldigten von der Anordnung einer Solchen ab (Urk. 68 S. 34).
6.9. Dem ist entgegenzuhalten, dass der Gutachter die Frage, ob eine Mass-
nahme für junge Erwachsene auch gegen den Willen des Beschuldigten durchge-
führt werden könne, ausdrücklich bejahte (Urk. 12/5 S. 65). Es trifft zwar zu, dass
dies unter dem Vorbehalt der zu erwartenden Abwehrhaltung des Beschuldigten
sowie aufgrund der gemäss FOTRES-Auswertung ungünstigen Voraussetzung im
Bereich der Beeinflussbarkeit (Wert 0.5) erfolgte. Wie gesehen (vorstehende
Erw. 6.6) erachtete der Gutachter aber gerade vor dem Hintergrund des noch
jugendlichen Alters des Beschuldigten in Verbindung mit seiner bisherigen delin-
quenten Vorgeschichte selbst bei geringer Therapierbarkeit – limitierend wirke
in psychotherapeutischer Hinsicht auch seine eingeschränkten kognitiven
Ressourcen – den Anlauf für eine neuerliche Massnahmedurchführung im
Rahmen eines milieutherapeutischen Settings gleichwohl als sinnvoll. Dies ins-
besondere, weil von einem reinen Strafvollzug jedenfalls keine legalprognostisch
positive Einstellungs- und Verhaltensmodifikation zu erwarten sei (Urk. 12/5
S. 59 ff.).
6.10. Indem die Vorinstanz von der Anordnung einer Massnahme für junge
Erwachsene absah, wich sie von den tatsächlichen Feststellungen im Gutachten
ab, ohne dies einlässlich zu begründen. Dem vorinstanzlichen Urteil sind keine
triftigen Gründe zu entnehmen, die eine Abweichung vom Gutachten rechtfertig-
ten. Vielmehr begründete die Vorinstanz den ablehnenden Massnahmeentscheid
unter anderem damit, dass auch der Gutachter eine erfolgreiche Durchführung
einer Massnahme für junge Erwachsene gegen den Willen des Beschuldigten
verneint habe, was indessen – wie gesehen – nicht zutrifft.
6.11. Dass der Beschuldigte massnahmebedürftig ist, steht unstreitig fest. Weder
die Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung stellen dies in Abrede (Urk. 37 S. 9,
Urk. 38 S. 17, Urk. 71 S. 2, Urk. 103 S. 19). Die schlüssig begründete Diagnose
des Gutachters wurde zu Recht von keiner Seite in Frage gestellt. Beim Beschul-
- 33 -
digten liegt demzufolge eine andauernde schwere dissoziale Persönlichkeits-
störung (ICD–10, F 60.2) sowie ein mittelschweres Cannabisabhängigkeits-
syndrom (ICD–10, F 10.2) vor (Urk. 12/5 S. 41 ff., 60, 62). Wie bereits unter Erw.
6.6 festgehalten, geht der Gutachter bezüglich Gewalt- und Raubdelikten von
einer hohen Rückfallgefahr aus, worauf auch die Verteidigung verweist (Urk. 103
S. 18). Auch bezüglich anderer Delikte wie Diebstähle, weiterer Eigentumsdelikte
sowie Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz bestehe eine deutliche
Begehungsgefahr (Urk. 12/5 S. 53 ff., 59, 62). Ferner bejaht der Gutachter das
Vorliegen einer erheblichen Störung der Persönlichkeitsentwicklung des Beschul-
digten, welche direkt im Zusammenhang mit der Anlasstat stehe, speise sich doch
aus der dissozialen Persönlichkeitsstörung eine deutliche Nähe zu strafrechtli-
chem Fehlverhalten (Urk. 12/5 S. 64). Da mit einem gleichzeitigen oder vor-
herigen Strafvollzug lediglich der Status quo beibehalten würde (Urk. 12/5 S. 64),
erscheint nur eine stationäre Therapie als geeignet, der Gefahr weiterer mit der
Störung der Persönlichkeit des Beschuldigten in Zusammenhang stehender Taten
zu begegnen (Art. 59 Abs. 1 i.V.m. Art. 61 Abs. 1 StGB).
6.12. Für die Geeignetheit der Massnahme, welche sich in ihrer voraussichtlich
präventiven Wirkung zeigt, verlangt die bundesgerichtliche Rechtsprechung, dass
der Betroffene ein Mindestmass an Kooperationsbereitschaft bzw. ein Minimum
an Willen, sich einer Therapie zu unterziehen, zeigt und diese nicht von vorn-
herein kategorisch ablehnt (Bundesgerichtsentscheide 6B_373/2010 vom
13.07.2010, E. 5.5; 6B_347/2007 vom 29. November 2007, E. 4.2; BGE 123 IV
113 E. 4.c). An die Therapiewilligkeit dürfen im Zeitpunkt des richterlichen Ent-
scheids allerdings keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden. Eine nicht
von Anfang an klar vorhandene Motivation spricht nicht gegen eine Massnahme.
Es genügt, wenn der Betroffene wenigstens motivierbar ist (Bundesgerichts-
entscheid 6B_784/2010 vom 2. Dezember 2010, E. 2.2.3). Die fehlende Motivati-
on und mangelnde Einsicht gehört bei schweren Störungen regelmässig zum
Krankheitsbild. Ein erstes Therapieziel wird daher regelmässig darin bestehen,
Einsicht und Therapiewilligkeit zu schaffen, was gerade im Rahmen stationärer
Behandlungen auch Aussicht auf Erfolg hat (BSK-StGB I, Heer, a.a.O., N 78 zu
Art. 59; Bundesgerichtsentscheid 6B_373/2010 vom 13.07.2010, mit Hinweisen).
- 34 -
Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, erklärte der Beschuldigte anlässlich
der Hauptverhandlung, dass eine Massnahme seiner Ansicht nach wahrscheinlich
nichts bringen würde (Urk. 68 S. 34 mit Verweis auf Prot. I S. 13). Allerdings lehn-
te der Beschuldigte eine Solche nicht mit letzter Absolutheit ab, worauf auch die
Verteidigung verweist (Urk. 103 S. 17). Auf Vorhalt der klaren Empfehlung des
Gutachters erklärte der Beschuldigte nämlich, dass er eine Massnahme für junge
Erwachsene eigentlich schon gut finden würde und führte weiter aus: "Wenn ich
etwas gemacht habe und dafür ins Gefängnis muss, dann wäre ich bereit, eine
Massnahme auszuprobieren. Ich habe aber nichts getan" (Prot. I S. 14). Diese
Haltung vertrat er schon, als er seitens des Gutachters zur Einstellung betreffend
eine therapeutische Massnahme befragt worden war (Urk. 12/5 S. 27). An der
Hauptverhandlung führte er weiter aus, bereits einmal eine Massnahme wegen
eines Jugendstrafverfahrens begonnen zu haben, was dann aber nicht geklappt
habe. Er denke, dass es nichts bringen würde. Vor Vorinstanz darauf hinge-
wiesen, dass er im Rahmen einer solchen Massnahme die Möglichkeit hätte, im
geschützten Rahmen eine Ausbildung zu machen, und dies wohl die beste
Chance seines Lebens wäre, erklärte er: "Eigentlich schon. Ich möchte aber nicht
lügen. Nach zwei Monaten hätte ich wahrscheinlich keine Lust mehr." Vom Vor-
sitzenden – unter Bezugnahme auf die abgelaufene Aufenthaltsbewilligung und
das hängige Migrationsverfahren (vgl. Urk. 18/6, Urk. 38 S. 5) – darauf hinge-
wiesen, dass auch vor diesem Hintergrund eine Massnahme in Bezug auf die
Möglichkeit zum Verbleib in der Schweiz eine positive Wirkung hätte, führte er
aus: "Ja, ich verstehe. Doch schlussendlich wird es nichts bringen, da ich sowieso
nach Afrika zurück muss" (Prot. I S. 14). Damit lehnte der Beschuldigte eine
therapeutische Massnahme bereits vor Vorinstanz nicht kategorisch ab, wenn-
gleich sich die Bereitschaft für eine solche in engen Grenzen bewegt. Dem
seitens des Beschuldigten noch vor erster Instanz vertretenen Standpunkt ist
jedenfalls keine vertiefte Bereitschaft zu entnehmen, sich im Rahmen eines
milieutherapeutischen Settings ernsthaft mit sich, seinen Problemen sowie
Alltagsbewältigungsstrategien auseinanderzusetzen. Es drängt sich auch die
Vermutung auf, dass sich der Beschuldigte bei einer Einwilligung in eine Mass-
nahme von sachfremden Kriterien leiten lassen könnte, wurde ihm doch anläss-
lich der Hauptverhandlung die positive Wirkung eines Massnahmeentscheids auf
das laufende Migrationsverfahren konkret vorgehalten. Es scheint, als mangle es
- 35 -
dem Beschuldigten – zumindest noch vor Vorinstanz – überhaupt die Bereitschaft,
sich ernsthaft mit der Frage der Therapiewilligkeit bezüglich einer angeordneten
stationären Therapie auseinanderzusetzen. Diese Haltung kann aber auch mit
dem Umstand erklärt werden, dass der Beschuldigte nach wie vor seine Unschuld
beteuert, worauf auch die Verteidigung hinweist (Urk. 103 S. 17). Auch der
Gutachter hält fest, dass es – vor dem Hintergrund einer dem Tatvorwurf zuwider-
laufenden Tathergangsschilderung, wonach er Opfer und nicht Täter sei – nicht
verwundere, dass eine Auseinandersetzung mit der Tat seitens des Beschuldig-
ten bis zur Erstellung des Gutachtens erkennbar nicht stattgefunden habe
(Urk. 12/5 S. 57). In der Tat mag es für einen – zumal noch jugendlichen
und gemäss Gutachter leicht intelligenzleistungsverminderten (Urk. 12/5 S. 42) –
Beschuldigten, der seine Unschuld beteuert, schwierig sein, sich sozusagen im
Rahmen eines Eventualstandpunktes zu seiner Massnahmewilligkeit zu äussern.
Dem Gutachten ist aber weiter zu entnehmen, dass es dem Beschuldigten auch
bezüglich früher begangener Delinquenz an einem deliktreflektiven Zugang mang-
le und er entsprechend auch keine deliktprotektiv wirksame alternative Hand-
lungsstrategien zu entwickeln vermocht habe. Vielmehr zeige er sich insgesamt
darum bemüht, für sich und gegen aussen Erklärungen für frühere Tatbegehun-
gen (beispielsweise aus Provokation heraus auf Schlägereien einlassen) darzu-
legen, die einer deutlichen Verantwortungsabschiebung/-verschiebung gleich-
komme. Dies wiederum führe dazu, dass der Beschuldigte sich gar nicht veran-
lasst sehe, Verhaltensmodifikationen in Richtung einer legalkonformen Lebens-
bewältigung zu erreichen, sondern diese vielmehr unterschwellig im Verhalten
seines Umfeldes ihm gegenüber erwarte (Urk. 12/5 S. 57).
Anders als noch vor Vorinstanz zeigte der Beschuldigte anlässlich der Berufungs-
verhandlung die Bereitschaft, eine Massnahme für junge Erwachsene in Angriff
nehmen zu wollen. Seine anfänglich noch fehlende Bereitschaft begründete er
damit, dass er Angst gehabt habe, nicht durchzuhalten und damit sich und seine
Familie erneut zu enttäuschen. Er wünsche sich aber, ein anständiges Leben zu
führen. Er glaube daran, dass er es – im Rahmen einer Massnahme – schaffen
könnte, eine Lehre durchzuziehen und abschliessen zu können (Urk. 102 S. 2, 9).
- 36 -
Auch die Verteidigung betont diese veränderte Haltung des Beschuldigten und
verweist auf dessen Einsicht, dass das Gefängnis nicht der richtige Ort sei, um
sich vernünftig und sinnvoll auf ein Leben ohne inkriminiertes Verhalten vorzu-
bereiten (Urk. 103 S. 18; Prot. II S. 13 f.).
6.13. Zusammengefast kann – gestützt auf das Gutachten – festgehalten
werden, dass das sich abzeichnende Unvermögen des Beschuldigten, aus Erfah-
rungen, besonders aus Bestrafung, zu lernen und die Neigung, vordergründige
Rationalisierungen für das eigene Verhalten anzubieten, als Ausprägung der beim
Beschuldigten diagnostizierten dissozialen Persönlichkeitsstörung zu werten ist
(Urk. 12/5 S. 46). Die – zumindest anfänglich – fehlende Motivation und die
mangelnde Einsicht des Beschuldigten gehören damit zum Krankheitsbild des
Beschuldigten. So geht auch der Gutachter lediglich von einer unterschwellig
ablehnenden Haltung des Beschuldigten gegenüber Massnahmen aus (Urk. 12/5
S. 63). Damit kann betreffend die Therapiewilligkeit des Beschuldigten insgesamt
von einer Motivierbarkeit ausgegangen werden. Entsprechend war der Mass-
nahmewille – entgegen der Vorinstanz (Urk. 68 S. 34) – bereits im Zeitpunkt des
vorinstanzlichen Urteils in dem gemäss bundesgerichtlicher Praxis verlangten
Umfang vorhanden. Aufgrund der seitens des Beschuldigten an der Berufungs-
verhandlung vertretenen Haltung ist nunmehr – mit der Verteidigung (Urk. 103
S. 18) – von einem auch über eine blosse Motivierbarkeit hinausgehenden Mass-
nahmewillen auszugehen. Dafür spricht auch, dass sich der Beschuldigte – trotz
bereits mehrheitlich verbüsster Freiheitsstrafe – für eine Massnahme ausspricht,
auch wenn dies mit einem neuerlichen und der zu erwartenden Freiheitsstrafe
übersteigenden Freiheitsentzug verbunden sein wird.
6.14. Die Staatsanwaltschaft weist auf die beim Beschuldigten nur gering vorhan-
dene Massnahmefähigkeit hin (Urk. 37 S. 9; Prot. II S. 15). Es trifft zu, dass auch
der Gutachter die legalprognostischen Erfolgsaussichten im Beurteilungszeitraum
als gering einstufte. Gleichwohl geht er aber von einer grundsätzlichen Behand-
lungsfähigkeit des Beschuldigten aus, worauf auch die Verteidigung verweist. Er
hielt nämlich dafür, dass mit einer stationären Massnahme für junge Erwachsene
der Gefahr neuerlicher Straftaten begegnet werden könne, wobei von einem Zeit-
horizont von zwei bis drei Jahren auszugehen sei. Dabei komme dem milieu-
- 37 -
therapeutischen Ansatz eine grosse Bedeutung zu (Urk. 12/5 S. 59 f., 63 ff.).
Durch das psychiatrische Gutachten ist damit nicht erhärtet, dass der Beschuldig-
te Beeinflussungsversuchen überhaupt nicht zugänglich wäre (vgl. BSK-StGB I,
Heer, a.a.O., N 36 zu Art. 61). Es ist damit – mit der Verteidigung (Urk. 103 S. 1;
Prot. II S. 14) – von der grundsätzlichen Massnahmefähigkeit des Beschuldigten
auszugehen.
6.15. Ein staatlicher Eingriff darf in sachlicher, räumlicher, zeitlicher und personel-
ler Hinsicht nicht einschneidender sein, als notwendig (BGE 126 I 112 E. 5b).
Gerade bei sichernden Massnahmen erlangt der Verhältnismässigkeitsgrundsatz
eine zentrale Bedeutung, da ein überwiegendes öffentliches Interesse an einer
Verhinderung von Rückfällen auch einen möglicherweise schuldüberschreitenden
Freiheitsentzug legitimieren kann. Die Voraussetzung der Eignung wird in Art. 56
Abs. 1 StGB und den Bestimmungen über die einzelnen Massnahmen konkreti-
siert. Das Kriterium der Erforderlichkeit erscheint in der Regelung über das Ver-
hältnis der Massnahme zur Freiheitsstrafe (Ergänzungsbedürftigkeit der Strafe,
Art. 56 Abs. 1 lit. a StGB). In Art. 56 Abs. 2 und Art. 56a Abs. 1 StGB wird die
Verhältnismässigkeit i.e.S. festgehalten: Auch eine geeignete und erforderliche
Massnahme kann unverhältnismässig sein, wenn der mit ihr verbundene Eingriff
im Vergleich zur Bedeutung des angestrebten Ziels unangemessen schwer wiegt.
Auf der einen Seite sind damit das Behandlungsbedürfnis des Täters sowie die
Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten zu bewerten, auf der anderen
Seite ist der Eingriff in die Freiheit abzuwägen (Schwarzenegger/Hug/Jositsch,
a.a.O., S. 153 f.). Mit Blick auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit muss die
Befürchtung nicht unerheblicher künftiger Straftaten im Raum stehen, d.h. es
muss mit Schädigungen von einer gewissen Tragweite gerechnet werden bzw.
mit strafbaren Handlungen, die den Rechtsfrieden ernsthaft zu stören geeignet
sind (Bundesgerichtsentscheide 6S.69/2006 vom 29. Mai 2006, E. 3.1 sowie
6B_590/2010 vom 18. Oktober 2010, E. 7.3.2). Den Gefahren, die von einem
Täter zu befürchten sind, muss bei einer Interessenabwägung grössere Bedeu-
tung zukommen als der Schwere des mit einer Massnahme verbundenen Eingriffs
(Bundesgerichtsentscheide 6B_137/2013 vom 7.11.2013, E. 3.3.1.; und
6B_596/2011 vom 19. Januar 2012, E. 3.2.3 mit Hinweisen; vgl. BGE 118 IV 213
E. 2c/bb und cc). Festzustellen ist ein überwiegendes Interesse der Gesellschaft,
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-IV-213%3Ade&number_of_ranks=0#page213
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welches die Schutzverpflichtung des Staates begründet. Je mehr eine Einschrän-
kung der persönlichen Freiheit das Mass einer schuldabhängigen Strafe bezüglich
Dauer und/oder Behandlungsintensität überschreitet, umso gewichtigere
Delinquenz muss der Begründung einer ungünstigen Legalprognose zugrunde
liegen, um die Massnahme rechtfertigen zu können. Insofern stehen die
Eingriffsintensität von Interventionen mit der Legalprognose in einem wechsel-
seitigen Abhängigkeitsverhältnis (BSK-StGB I, Heer, a.a.O., N 34 ff. zu Art. 56 mit
Hinweisen).
6.16. Der Vollzug einer Massnahme nach den Art. 59–61 StGB geht einer
zugleich ausgesprochenen Freiheitsstrafe vor (Art. 57 Abs. 1 und 2 StGB). Der
mit der stationären Massnahme verbundene Freiheitsentzug ist auf die (von Ge-
setzes wegen aufgeschobene) Strafe anzurechnen (Art. 57 Abs. 3 StGB). Vorlie-
gend wäre damit bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen sowohl die
Freiheitsstrafe als auch die Massnahme anzuordnen. Die Anordnung einer Mass-
nahme bedeutet zugleich eine ungünstige Legalprognose, so dass ein (teil-)be-
dingter Aufschub einer gleichzeitig ausgefällten Strafe gemäss Art. 42 und 43
StGB ausgeschlossen ist (Bundesgerichtsentscheid 6B_370/2013 vom
16.01.2014, E. 4.3.2). Der Vollzug der Freiheitsstrafe wäre aber zugunsten der
Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 Abs. 1 StGB von
Gesetzes wegen aufzuschieben (Art. 57 Abs. 2 StPO).
6.17. Nun befindet sich der Beschuldigte aber bereits seit dem 31. August 2013 in
(Untersuchungs-)Haft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug und hat bis zur Berufungs-
verhandlung bereits 678 Tage erstanden. Bei Anordnung einer Massnahme käme
es damit zu einem zumindest teilweisen kumulativen Vollzug von Freiheitsstrafe
und Massnahme, weshalb sich – ähnlich wie beim monistischen System – das
Problem einer (allenfalls zumindest so empfundenen) doppelten Übelszufügung
stellt (BSK-StGB I, Heer, a.a.O., N 2 ff. zu Art. 57).
6.18. Abgesehen von der Verwahrung herrscht im schweizerischen Massnahme-
recht ein dualistisch-vikariierendes System. Um die resozialisierende Wirkungen
der Massnahmen möglichst zu begünstigen, tritt der Vollzug der Massnahme
weitgehend an die Stelle der Strafe. Massnahmen haben bei gegebener Indikati-
on Vorrang (BSK-StGB I, Heer, a.a.O., N 1 zu Art. 57). Dies bedeutet aber nicht,
- 39 -
dass mit der Verbüssung der Strafe jeder Massnahme die Grundlage entzogen
wäre. Massnahmen im Sinne von Art. 59 ff. StGB werden ohne Rücksicht auf Art
und Dauer der ausgesprochenen Strafe angeordnet. Massgebend sind der Geis-
teszustand des Täters und die Auswirkungen der Massnahme auf die Gefahr
weiterer Straftaten (BGE 136 IV 156, E. 2.3 betreffend Anordnung einer stationä-
rer Behandlung nach vollständiger Verbüssung der Strafe). Damit ist der Vollzug
einer Massnahme selbst bei vollständiger Verbüssung der Strafe möglich (Bun-
desgerichtsentscheid 6B_340/2009 vom 07.09.2009, E. 3.7 und 6S_400/2005,
E.3.1 und 3.2; BGE 128 I 184 E. 2.3.2). Die Massnahme nimmt das begangene
Delikt nur zum Anlass, orientiert sich aber an der Gefährlichkeit des Täters, die
mit prognostischen Methoden zu ermitteln ist. Wegen ihrer spezialpräventiven
Zielsetzung müssten sichernde Massnahmen stets auf unbestimmte Dauer ange-
ordnet und erst durch besonderen Rechtsakt wieder beendet werden, wenn sie
sich nicht mehr nötig erweisen. In Bezug auf Massnahmen für junge Erwachsene
sieht Art. 61 Abs. 4 StGB allerdings eine Höchstdauer von 4 Jahren vor. Dabei
besteht – anders als bei anderen sichernden Massnahmen – keine Verlänge-
rungsmöglichkeit (Schwarzenegger/Hug/Jositsch, a.a.O., S. 26 f., 150 ff.). Zu
einer Überschreitung der Regeldauer kann es damit nur bei einer Rückversetzung
wegen Nichtbewährung während der Probezeit nach bedingter Entlassung kom-
men. Die Höchstdauer beträgt insgesamt 6 Jahre (Art. 61 Abs. 4 Satz 2-3). Sind
nach Erreichung dieser Höchstdauer die Voraussetzungen für die bedingte Ent-
lassung nicht gegeben – falls sie eingetreten sind, wird der Täter endgültig ent-
lassen (Art. 62b Abs. 2 StGB) und die Reststrafe nicht mehr vollzogen (Art. 62b
Abs. 3 StGB) – muss sie aufgehoben werden, doch bleiben weitere Sanktionen
vorbehalten. So kann eine andere Massnahme angeordnet werden oder es kann
zur Vollstreckung der Reststrafe kommen. Denkbar sind auch vormundschaftliche
Massnahmen (Art. 62c StGB) (Schwarzenegger/Hug/Jositsch, a.a.O., S. 26 f.).
6.19. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen kann zusammenfassend fest-
gehalten werden, dass der Umstand, dass der Beschuldigte bereits einen
beträchtlichen Teil seiner heute zu verhängenden Strafe betreffend das Raub-
delikt erstanden hat, der Anordnung einer Massnahme nicht entgegensteht. Eine
Behandlung des Beschuldigten ist aufgrund der seitens des Gutachters als hoch
eingeschätzten Rückfallgefahr in Bezug auf Raub- und damit eingeschlossenen
- 40 -
Gewaltdelikte indiziert. Da seitens des Gutachters für den Behandlungserfolg ins-
besondere ein milieutherapeutischer Ansatz als weichenstellend eingestuft wurde,
kann dieser hohen Rückfallgefahr nur mit einer stationären Massnahme, nament-
lich einer solchen für junge Erwachsene, entgegengewirkt werden. Ziel ist es,
dass beim Beschuldigten eine legalprognostisch positive Einstellungs- und Ver-
haltensmodifikation bewirkt werden kann. An der Verhinderung von Raubdelikten
besteht sodann ein erhebliches öffentliches Interesse. Sie sind unzweifelhaft
geeignet, den Rechtsfrieden ernsthaft zu stören. Das miteinhergehende Schädi-
gungspotential ist nicht nur materieller, sondern vielmehr auch körperlicher und
seelischer Natur. Das Vorhandensein eines öffentlichen Interessens zeigt sich
denn auch an der gemäss Art. 140 StGB angedrohten Höchststrafe von
10 Jahren und dem Umstand, dass der Raub bei der Verwahrung als Katalogtat
aufgelistet ist (Art. 64 Abs. 1 StGB). Dies rechtfertigt den mit der Anordnung einer
Massnahme verbundenen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Beschuldigten.
Die Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene erweist sich damit als
verhältnismässig.
6.20. Daran ändert auch nichts, dass der Verbleib des Beschuldigten in der
Schweiz aufgrund des migrationsrechtlichen Verfahrens betreffend Nichtver-
längerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung ungewiss sein mag
(Urk. 38 S. 5). Strafrecht und Ausländerrecht verfolgen unterschiedliche Ziele und
sind unabhängig voneinander anzuwenden. Eine drohende Wegweisung nach
dem Ausländergesetz steht der Durchführung einer Massnahme nicht entgegen.
Das Strafgesetzbuch ist für alle Täter gleich anzuwenden (vgl. BSK-StGB I, Heer,
a.a.O., N 50 zu Art. 56; BGE 137 II 233 E.5).
Zusammenfassend ergibt sich damit, dass die Voraussetzungen zur Anordnung
einer Massnahme für junge Erwachsene i.S.v. Art. 61 Abs. 1 StGB gestützt auf
die gutachterlichen Erkenntnisse gegeben sind, weshalb eine solche Massnahme
anzuordnen ist. Die Massnahme ist kumulativ zur grundsätzlich zu vollziehenden
Freiheitstrafe auszusprechen, welche allerdings zugunsten der Massnahme auf-
zuschieben ist (Art. 57 Abs. 1 und 2 StGB).
- 41 -
7. Widerruf
7.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 18. Oktober 2012
wurde der Beschuldigte im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens wegen ver-
suchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB, der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamten im
Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB, des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186
StGB sowie der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne
von Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig gesprochen. Bereits damals erfolgte ein
Widerruf und zwar betreffend die mit Strafmandat der Jugendanwaltschaft des
Kantons Aargau vom 6. Januar 2012 ausgefällte Strafe von 3 Monaten. Der
Beschuldigte wurde unter Einbezug der widerrufenen Strafe mit einer Gesamt-
freiheitsstrafe von 15 Monaten bestraft, wobei der Vollzug der Strafe im Umfang
von 7 Monaten angeordnet und im Umfang von 8 Monaten aufgeschoben wurde,
unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren. Ferner wurde er zu einer Busse
von Fr. 100.– verpflichtet (Urk. 69; DG120242 Urk. 39).
7.2. Nach Verbüssung des zu vollziehenden Teils der Freiheitsstrafe wurde der
Beschuldigte mit Verfügung vom 30. November 2012 aus dem vorzeitigen Straf-
vollzug entlassen (DG120242; Urk. 48). Nur gerade drei Viertel Jahre danach
delinquierte er während laufender Probezeit erneut und einschlägig.
7.3. Die Vorinstanz hat zutreffend aufgezeigt, wie gemäss Art. 46 StGB bei
erneuter Delinquenz des Täters in der Probezeit zu reagieren ist (vgl. Urk. 68
S. 36). Darauf kann vorab verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
7.4. Wie bereits gesehen (Erw. 6.16) bedeutet die Anordnung einer Mass-
nahme zugleich eine ungünstige Legalprognose, so dass der bedingte oder teil-
bedingte Aufschub einer gleichzeitig ausgefällten Strafe gemäss Art. 42 und 43
StGB ausgeschlossen ist. Dies bedeutet aber nicht automatisch auch eine
Schlechtprognose im Sinne von Art. 46 Abs. 1 StGB. Vielmehr ist auch die Warn-
wirkung des Strafvollzugs der neuen Strafe und allfällige Erfolge einer Mass-
nahme bei den Bewährungsaussichten zu berücksichtigen (Bundesgerichtsent-
scheid 6B_370/2013 vom 16.01.2014, E. 4.3.2 in Bezug auf eine ambulante
Massnahme bei gleichzeitig angeordnetem Strafvollzug).
- 42 -
7.5. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte von der nur
teilweise unbedingt verhängten Freiheitsstrafe offensichtlich nicht hat beein-
drucken lassen. Gleiches gilt für den damit verbundenen Widerruf der seitens der
Jugendanwaltschaft ausgesprochenen bedingten Freiheitsstrafe. In Überein-
stimmung mit der Vorinstanz kann dem Beschuldigten unter diesen Umständen
keinesfalls das Fehlen einer ungünstigen Prognose zuerkannt werden (Urk. 68
S. 36 f.). Vielmehr ist – auch gestützt auf die gutachterlichen Schlussfolgerungen
(Urk. 12/5 S. 61 f.) – von einer deutlichen Rückfallgefahr auszugehen. Ein Wider-
rufsverzicht ist unter diesen Umständen auch unter Berücksichtigung der seitens
der neu ausgesprochenen Freiheitsstrafe ausgehenden Warnwirkung nicht statt-
haft. Daran ändert auch die Anordnung der Massnahme für junge Erwachsene
nichts, ist doch der Erfolg derselben (noch) ungewiss. Jedenfalls vermag sie die
Bewährungsaussichten nicht dermassen zu verbessern, dass sich ein Widerrufs-
verzicht rechtfertigen würde. Sollte sich der Massnahmeverlauf aber erfolgreich
erweisen oder wird bei gleichzeitiger Erfüllung der Voraussetzungen für die
bedingte Entlassung dessen Höchstdauer erreicht, folgt ohnehin eine Entlassung
aus der Massnahme und eine allfällige Reststrafe würde nicht mehr vollzogen
(Art. 62b StGB). Zudem ist der mit der Massnahme verbundene Freiheitsentzug
auf die Strafe anzurechnen (Art. 57 Abs. 3 StGB), weshalb nicht davon auszu-
gehen ist, dass nach Massnahmedurchführung überhaupt noch eine Reststrafe
verbleiben wird.
7.6. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 38 S. 17) und im Rahmen
einer Gesamtwürdigung ist ein Widerruf des mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich,
4. Abteilung, vom 18. Oktober 2012 bedingt ausgesprochenen Teils der Freiheits-
strafe von 8 Monaten angezeigt, was auch seitens der Verteidigung im Eventual-
standpunkt nicht in Frage gestellt wurde (Urk. 38 S. 17; Urk. 103 S. 17).
7.7. Ebenso ist der Vorinstanz – sowie der Verteidigung (Urk. 38 S. 17,
Urk. 103 S. 17) – zu folgen, wenn sie – unter Verweis auf die aktuelle Recht-
sprechung (BGE 134 IV 241, E. 4) – festhält, dass bei der vorliegenden Konstella-
tion die Möglichkeit der Bildung einer Gesamtstrafe wegen Gleichartigkeit der
Strafen ausser Betracht fällt, weshalb die neue Freiheitsstrafe kumulativ zur
widerrufenen auszusprechen ist (Urk. 68 S. 37).
- 43 -
7.8. Der Vollzug der widerrufenen Freiheitsstrafe ist zugunsten der Massnahme
für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 Abs. 1 StGB von Gesetzes wegen
aufzuschieben (Art. 57 Abs. 2 StGB).
8. Entscheid über beschlagnahmte Gegenstände
8.1. Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, sind über beschlagnahmte
Gegenstände und Vermögenswerte gemäss Art. 267 Abs. 3 StPO im Endent-
scheid zu befinden, soweit die Beschlagnahme nicht bereits vorher aufgehoben
worden ist (Urk. 68 S. 37).
8.2. Das Gericht verfügt die Einziehung von Vermögenswerten, die durch eine
strafbare Handlung erlangt worden sind oder dazu bestimmt waren, eine Straftat
zu veranlassen oder zu belohnen, sofern sie nicht dem Verletzten zur Wieder-
herstellung des rechtmässigen Zustandes ausgehändigt werden (Art. 70 Abs. 1
StGB). Die Rückerstattung eines deliktisch erlangten Vermögenswertes geht der
Einziehung vor. Voraussetzung für eine solche Zuweisung ist indes, dass die
Rechtslage hinreichend liquid ist und keine besseren Ansprüche Dritter geltend
gemacht werden (BGE 128 I 129 E. 3.1.2 mit Verweis auf BGE 122 IV 365 E. 2b).
8.3. Aufgrund der hinreichend liquiden Sachlage und in Ermangelung von
Drittansprüchen ist die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
10. Januar 2014 (Urk. 10/4) beschlagnahmte Barschaft in Höhe von Fr. 232.– in
Übereinstimmung mit der vorinstanzlichen Regelung dem Privatkläger auf erstes
Verlangen herauszugeben (Urk. 68 S. 37).
9. Zivilansprüche
9.1. Nachdem es bei der Verurteilung des Beschuldigten bleibt, kann hinsicht-
lich der vom Privatkläger gestellten Schadenersatz- und Genugtuungsforderun-
gen vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 68 S. 37 ff.). Sie wurden von der Verteidigung denn auch nicht
explizit angefochten, sondern stehen aufgrund ihrer Konnexität zum beantragten
Freispruch der Überprüfung offen.
9.2. Korrekt hat die Vorinstanz dem Privatkläger die für die beschädigte Uhr
und die zerstörten Kleider insgesamt geforderten Fr. 1'000.– nicht zugesprochen
- 44 -
(Urk. 68 S. 38). Dieser Schaden wurde vom Privatkläger nicht genügend substan-
ziiert (Urk. 9/4). Gleiches gilt in Bezug auf die geforderten Fr. 600.–, die der
Privatkläger als Ersatz für das gestohlene Bargeld geltend macht. Der Privat-
kläger ist deshalb mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivil-
prozesses zu verweisen.
9.3. Die von der Vorinstanz dem Privatkläger weiter zugesprochene Genug-
tuung von Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 31. August 2013 ist ebenfalls zu
bestätigen (Urk. 68 S. 38 f.). Ein solcher Betrag erscheint der vom Privatkläger
erlittenen Persönlichkeitsverletzung angemessen.
10. Kosten- und Entschädigungsfolgen
10.1. Ausgangsgemäss – es bleibt, abgesehen von der Anordnung der Mass-
nahme, welche allerdings vor Vorinstanz nicht beantragt worden ist, beim vor-
instanzlichen Urteil – ist die Kostenverlegung der Vorinstanz zu bestätigen (ange-
fochtenes Urteil Dispositivziffern 13 und 14).
10.2. Die Verteidigung beantragt, auch für den Fall eines Schuldspruchs, die
Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Vertei-
digung, definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen (Urk. 103 S. 19).
Gemäss Art. 425 StPO können Forderungen aus Verfahrenskosten von der Straf-
behörde gestundet oder unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse
der kostenpflichtigen Person herabgesetzt oder erlassen werden. In Kommenta-
torenkreisen ist man sich unter Hinweis auf die Materialien zwar mehrheitlich
einig, dass diese Bestimmung – die begrifflich an sich eine rechtskräftige Kosten-
auflage voraussetzt – auch Grundlage für die Festsetzung und Auflage der
Gebühren und Kosten bilden soll (Schmid, Praxiskommentar, 2. Auflage, N 3f. zu
Art. 425; Griesser, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO Komm., 2. Auflage 2014,
N 2 zu Art. 425; BSK-StPO, Domeisen, 3. Auflage 2014, N 3 zu Art. 425). Keines-
falls verlangt aber Art. 425 StPO, dass – gleichsam zwingend – schon im Urteil
darüber befunden wird, ob der minderbemittelte Betroffene von der Kosten-
tragungspflicht (allenfalls auch nur teilweise) zu befreien ist. Vielmehr ermöglicht
es die genannte Bestimmung – bzw. legt es deren Wortlaut gar nahe – dass den
Verhältnissen des Betroffenen erst im Zeitpunkt des Kostenbezugs Rechnung ge-
- 45 -
tragen werden kann. Ein solches Vorgehen war auch bereits unter dem bis Ende
2010 in Kraft gestandenen § 190a StPO/ZH zulässig, obwohl jene Bestimmung
noch ausdrücklich festgelegt hatte, dass bereits bei der Bemessung und der
Auflage der Kosten die Verhältnisse des Betroffenen zu berücksichtigen waren
(Bundesgerichtsentscheide 6B_417/2007 vom 7. Dezember 2007, E. 2.4.4. samt
Verweisen und 1P.411/2002 vom 6. November 2002, E. 5.4.; Donatsch/Schmid,
Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich, Zürich 1996 ff., N 9 zu
§ 190a StPO, Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. Auflage 2013, N 1215 und
Rechenschaftsbericht des Kassationsgerichtes 1987, S. 337 Nr. 70). Zu beden-
ken ist in diesem Zusammenhang nämlich, dass die definitive Abschreibung von
Gerichtskosten eine weitreichende Wirkung aufweist und einem Erlass gleich-
kommt. Sie können daher selbst dann nicht mehr geltend gemacht werden, wenn
der Schuldner in der Folgezeit in günstige finanzielle Verhältnisse kommt. Diese
Art der Abschreibung sollte daher nur in ausgesprochenen Ausnahmefällen
gewährt werden (vgl. zum alten Recht ZR 103 Nr. 46).
Der Beschuldigte geht im Moment keiner Erwerbstätigkeit nach und ist bereits seit
August 2013 inhaftiert, bevor er nun für geraume Zeit eine Massnahme für junge
Erwachsene antreten wird. Im Moment ist damit von der Mittellosigkeit des
Beschuldigten auszugehen. Der Beschuldigte ist aber erst 21 Jahre alt. Ein Ziel
der Massnahme für junge Erwachsene wird sein, dass der Beschuldigte eine
Lehre absolvieren kann. Bei erfolgreicher Absolvierung einer Lehre ist zu
erwarten, dass der Beschuldigte durch eigenen Arbeitserwerb in günstige(re)
finanzielle Verhältnisse kommen wird. Ebenso ist nicht ausgeschlossen, dass der
Beschuldigte in den Genuss eines Vermögensanfall sonstiger Art, beispielsweise
aus ehe- oder erbrechtlichen Ansprüchen kommen könnte. Es kann daher nicht
gesagt werden, es sei ausgeschlossen, dass er in absehbarer Zeit in eine günsti-
gere wirtschaftliche Situation kommen wird. Den Beschuldigten im jetzigen Zeit-
punkt von der – ganzen oder teilweisen – Tragung der Verfahrenskosten definitiv
zu entbinden, wäre daher nicht gerechtfertigt.
10.3. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Vorliegend unterliegt
der Beschuldigte mit seiner Berufung ganz weitgehend und die Staatsanwalt-
- 46 -
schaft mit ihrer Anschlussberufung vollständig. In Gewichtung der Berufungs-
bzw. Anschlussberufungsanträge (der Beschuldigte wollte vollumfänglich frei-
gesprochen werden und im Eventualstandpunkt die Anordnung einer Mass-
nahme, die Staatsanwaltschaft eine höhere Strafe) sind damit die Kosten des
Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, zur
Hälfte dem Beschuldigten aufzuerlegen und zur Hälfte auf die Gerichtskasse zu
nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind zur Hälfte definitiv und zur Hälfte
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Im Umfang der Hälfte bleibt die
Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbe-
halten.