Decision ID: 63ff20b5-b951-40b7-8aba-1db884f3eee1
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1989, war zuletzt von Juli 2014 bis
Dezember 2017
als Customer Consultant bei der
Y._
AG tätig, wobei er ab
dem
6.
b
e
ziehungsweise 1
3.
Februar 2017 zu 100
%
arbeitsunfähig
geschrieben
war (Urk.
8/
5, vgl. auch
Urk.
8/2
;
Urk.
8/11/6
). Am
5.
Mai 2017 meldete ihn seine Arbeitgeberin
unter Hinweis auf psychische Probleme
bei der Invalidenver
sicherung zur Früherfassung an (
Urk.
8/2), am
9.
Juni 2017 reichte der Versi
cherte die Anmeldung
zum Leistungsbezug
ein (
Urk.
8/5). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
holte daraufhin die Akten des Krankentaggeldversicherers ein und teilte dem Versicherten am 26. September 2017 mit, er habe keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung, da
er
ab
1.
Oktober 2017
s
eine
Erwerbstätigkeit wieder
vollumfänglich
aufnehmen könne
(
Urk.
8/13)
. Diese Mitteilung wurde am 16.
Oktober 2017 wiedererwägungsweise aufgehoben, da die Krankentaggeldversicherung auf Einsprache weiterhin Leis
tungen ausrichtete (
Urk.
8/16/2,
Urk.
8/17).
In der Folge tätigte die IV-Stelle
erwerbliche und
medizinische Abklärungen
(Urk.
8/25 ff.)
und veranlasste ein allgemeininternistisch-psychiatrisches Gutach
ten
beim I
nstitut
Z._
(
Urk.
8/38-39
)
,
das am
8. Februar 2019 erstattet wurde (
Urk.
8/49). Am
1.
März
201
9
stellte di
e
IV-Stelle Rückfragen
zum Gutachten
(
Urk.
8/52)
, die am 1
9.
März 2019 (
Urk.
8/53) beant
wortet wurden. Mit Schreiben vom
5.
April 2019
wurde dem Versicherten
im Hinblick auf eine künftige Anmeldung
eine Schadenminderungspflicht in Form einer regelmässigen psychiatrischen Behandlung sowie eine
s
stationären
Benzodiazepinentzug
s
auferlegt (
Urk.
8/55). Mit Vorbescheid vom
5.
April 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/56), wogegen dieser Einwand erhob (
Urk.
8/62,
Urk.
8/67).
Mit Verfügung vom
1
0.
September 2019
wurde das Leistungsbegehren wie angekün
digt abgewiesen (
Urk.
8/69 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Anna
Härry
, mit Eingabe vom 1
7.
Oktober 2019 Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 1
0.
September 2019 sei aufzuheben, das Verfahren sei auf berufliche Massnah
men ausz
udehnen und es sei die Beschwer
degegnerin zu verpflichten,
ihm
die gesetzlichen Leistungen gemäss IVG (Rente und Eingliederungsmassnahmen
)
zu gewähren. Ferner sei er durch das Gericht medizinisch begutachten zu lassen; eventuali
ter sei die Sache zwecks Einhol
ung eines Gutachtens und anschliessen
der
Entscheidung über den Leistungsanspruch an die Beschwerdegegnerin zu
rückzuweisen. Das Verfahren sei zudem auf die Auflage betreffend
die
Voraus
setzung
en
künftiger Leistungsansprüche auszudehnen und es sei die Auflage vom
5.
April 2019 betreffend stationärem
Benzodiazepinentzug
aufzuheben.
In for
meller Hinsicht
stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung (
Urk.
1
S. 2-3
). Die Beschwer
degegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom
1
5.
November 2019 auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
7). Dies wurde dem Beschwe
rdeführer mit Verfü
gung vom 19.
November 2019 mitgeteilt. Darüber hinaus wurde sein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung bewilligt und Rechtsanwältin Anna
Härry
als un
entgeltliche Rechtsvertreterin bestellt (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG)
.
1.3
1.3.1
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mit
telgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E.
2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Mit BGE 145 V 215 liess das Bundesgericht sodann die bisherige Rechtsprechung fallen, wonach primäre Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanz
konsumstörungen von vornherein keine invalidenversicherungsrechtlich relevan
ten Gesundheitsschäden darstellen können, und ihre funktionellen Auswirkungen deshalb keiner näheren Abklärung bedürfen. Fortan ist - gleich wie bei allen an
deren psychischen Erkrankungen - nach dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitteln, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirkt.
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die
Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung dahingehend, aus dem
Z._
-
Gutachten
gehe
hervor, dass der Beschwerde
führer
in seiner bishe
rigen Tätigkeit -
welche einer a
ngepassten Tätigkeit entspreche -
zu 80
%
arbeits
fähig sei. Auch seien die Therapiemöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft, bei einer Intensivierung könne in Zukunft eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100
%
angenommen werden (
Urk.
2 S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer machte
dagegen
geltend, dass der Sachverhalt ungenügend abgeklärt worden sei, da dem Gutachten des
Z._
kein voller Beweiswert zuge
sprochen werden könne (
Urk.
1
S. 7).
Insbesondere sei die Abhängigkeitsstörung noch nach alter Rechts
prechung aus der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ausge
klammert worden, womit eine neue medizinische Einschätzung der gesamthaft, auch unter Berücksichtigung der Abhängigkeit vorhandenen funktionellen Ein
schränkungen und ihrer Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nötig sei (
Urk.
1 S. 8 f.). Ferner sei das Gutachten ohne Kenntnis sämtlicher
Vorakten
durchgeführt worden und setze sich auch nicht genügend mit anderslautenden Beurteilungen auseinander (
Urk.
1 S
.
9 f.). Schliesslich sei
en
die
Indikatorenprüfun
g
fehlerhaft durchgeführt
, das Anford
erungs- und Belastungsprofil ungenügend erhoben so
wie
Diagnosen unterschlagen worden (
Urk.
1 S. 10 ff.).
Zur beantragten Ausdehnung des Verfahrens führte der Beschwerdeführer aus, dass
er
in erster Linie an beruflichen Massnahmen interessiert sei und es daher aus prozessökonomischen Gründen Sinn mache, d
as Verfahren auf diese auszu
deh
nen (
Urk.
1 S. 16). Die
ihm
auferlegte
Abstin
en
z
sei
ihm
sodann derzeit nicht zumutbar (
Urk.
1 S. 17).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung verneint hat.
3.
3.1
In ihrem Bericht vom 2
2.
Mai 2017 (
Urk.
8/11/27 f.)
zu
Handen
der Krankentag
geldversicherung
diagnostizierte
die behandelnde
Dr.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
eine mittelschwere depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Stör
ung (ICD-10 F33.1;
Urk.
8/11/27
).
Nachdem sie dem Beschwerdeführer bereits mit Zeugnis vom 2
1.
März 2017 eine volle Arbeitsunfähigkeit
ab 1
3.
Februar 2017
attestiert hatte (
Urk.
8/11/29),
bescheinigte sie nunme
h
r, der Beschwerd
eführer
sei weiterhin
zu wenig funktionstüchtig, um
seine
bisherige Tätigkeit wieder auf
nehmen
zu kön
nen
, es sei nicht absehbar
,
wann dies möglich sei. Eventuell könne der Beschwer
deführer zur Zeit eine stundenweise Tätigkeit von zu Hause
aus
ausüben, dies sei jedoch vom Arbeitgeber h
er nicht möglich (Ur. 8/11/28).
3.2
Im Rahmen einer «Second Opinion zur aktuellen Arbeitsfähigkeit» zu
Handen
des Taggeldversicherers vom 1
7.
Juli 2017
(
Urk.
8/11/19-26)
diagnostizierte
Dr.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine Anpassungsstö
rung mit vorwiegender Störung von anderen Gefühlen (paranoid anmutende Reaktionen, Selbstwertproblematik, Alkoholkonsum, exzessive
Steigerung der Nahrungsaufnahme
, sozialer Rückzug; ICD-10 F43.23
, Urk.
8/11/23
).
Aktuell be
stehe
eine
Belastbarkeit für ein Arbeitspensum von
30
%
in der bisherigen Tätig
keit und von 50
%
in einer angepassten Tätigkeit ohne direkten Kundenkontakt. Nach Ablauf von vier Wochen ab
dem
Begutachtungstermin könne das Arbeits
pensum in der bisherigen Tätigkeit auf 60
%
, nach acht Wochen auf
100
%
ges
teigert werden. In einer angepa
ssten Tätigkeit bestehe nach vier Wochen ei
ne Arbeitsfähigkeit von 100
%
.
Auf den Heilungsverlauf hätten auch krankheits
fremde Faktoren, insbesondere familiäre Probleme und der teilweise exzessive Alkoholkonsum des Beschwerdeführers bei grundsätzlicher Abstinenzfähigkeit, einen Einfluss. Ein weiterer Faktor könnte im weiter zunehmenden Körpergewicht aufgrund exzessiver Essgewohnheiten bestehen (
Urk.
8/11/25 f.).
3.3
Im
Kurzbericht vom 1
4.
August 2017
(
Urk.
8/11/10-12)
diagnostizierte
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine rezidi
vierende depressive Störung gegenwärtig
mittelschwere Episode (ICD-10 F
33.3), Differenzialdiagnose bipolar
affektive Störung (ICD-10 F31.4; Urk.
8/11/11 f.)
.
Aktuell bestehe keine Arbeitsfähi
gkeit. Der Beschwerdeführer sei
seit circa drei Wochen in tagesklinischer Behandlung
(vgl. dazu nachfolgend E. 3.5
und 3.8
)
, sodann sei am 2
1.
August 2017 eine Magen-Bypass-Operation geplant. Nach dem dreimonatigen tagesklinischen Aufenthalt könne prognostisch vo
n einer Arbeits
fähigkeit von 30
% und in aller Regel danach von einer weiteren Steigerung aus
gegangen werden (
Urk.
8/11/11).
3.4
Im
Schreiben
an den Krankentaggeldversi
cherer vom
8.
August 2017 (Urk.
8/11/17 f.)
betreffend Einspruch gegen die
am
4.
August 2017 angeordnete
Einstellung der Taggeldleistungen
(
Urk.
8/11/2)
führte
Dr.
A._
aus, sie sei mit der Beurteilung durch
Dr.
B._
(vgl.
Urk.
8/11/19-26)
nicht einverstanden
. Der Beschwerdeführer habe unterdessen zwar kleine Fortschritte gemacht, insbe
sondere habe er seinen sekundären Alkoholabusus sistieren können und seine Stimmung helle sich bei freudvollen Ereignissen etwas auf. Er befinde sich jedoch grundsätzlich
weiterhin in einem mittelschwer
en depressiven Zustand. Weiterhin konsum
i
ere er
kompensa
torisch überm
ässig Schokolade und habe einen relativ hohen
Benzodiazepinbedarf
. Antidepressiva hätten bisher nicht die gewünschte Wirkung erbracht (
Urk.
8/11/17 f.).
3.5
Die Ärzte der
Tagesklinik
D._
der p
sychiatrischen
K
linik
E._
berichteten am
1
8.
August 2017 (
Urk.
8/16/3-4)
,
dass der Beschwerdeführer Anfang Juli 2017 in die Tagesklinik eingetreten sei. Die teilstationäre Behandlung sei auf sechs Mo
nate ausgelegt. Der Beschwerdeführer habe bereits Fortschritte hinsichtlich einer wesentlichen Reduktion der konsumierten Alkoholmenge sowie einer regelmäs
sigen Teilnahm
e
am tagesklinischen Programm erzielen können, leide jedoch weiterhin unter depressiver Stimmung, schweren Schlafstörungen sowie sozialem Rückzug. Aktuell bestehe aus psycholo
gisch-psychiatrischer Sicht
eine
Arbeits
unfähigkeit (
Urk.
8/16/3).
Die Arbeitsfähigkeit soll
e zum Abschluss der tageskli
nischen Behandlung frühestens Ende
2017 neu beurteilt werden (Urk.
8/16/4).
3.6
Am 2
1.
August 2017
legte
Dr.
F._
, Facharzt für Viszeral
chirurgie, beim Beschwerdeführer
laparoskopisch ein
en proximalen
Stan
dard Roux-Y-Magenbypass an
(
Urk.
8/25/9).
Gemäss Bericht vom 13.
September 2017 s
ei der Beschwerdeführer vom 2
1.
bis am
2
7.
August 2017 hospitalisiert gewesen, nach der Entlassung sei der Verlauf anfänglich unauffällig gewesen. Nach einer notfallmässigen
Rehospitalisation
am 3
0.
August 2017 aufgrund von Beschwer
den
,
für die kein somatischer Grund habe eruiert werden können, hätten die
chirurgischen
Nachkontrollen abgeschlossen werden können (
Urk.
8/25/
6 f.). Der Beschwerdeführer s
e
i
vom 2
1.
August bis am 30.
September
201
7
voll arbeitsun
fähig, danach
bezüglich des behandelten Leidens arbeitsfähig gewesen (
Urk.
8/25/3).
3.7
Im Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin vom
6.
April 2018 (
Urk.
8/26) diagnostizierte
Dr.
A._
eine mittelschwere bis schwere depressive Episode bei Bipolar
-
II
-
Störung (
Urk.
8/26/3). Der Beschwerdeführer sei
vom
1
3.
Februar 2017 bis 3
0.
April 2018 respektive bis auf Weitere
s zu 100
%
arbeitsunfähig (Urk.
8/26/2). Zumutbar sei ihm eine Tätigkeit im zweiten Arbeitsmarkt von zwei bis drei Stunden pro Tag (
Urk.
8/
26
/5).
Anlässlich der Einreichung der von der Beschwerdegegnerin angeforderten Blutspiegel
der Medikamente (
Urk.
8/37/1)
merkte
Dr.
A._
sodann an
, dass
es sich
betreffend
Alprazolam
(
Xanax
) nicht um eine Sucht im engeren Sinne handle, sondern dass das Medikament dem Beschwerdeführer zur Therapie von Panikattacken und innerer Unruhe zur Zeit weiterhin
-
aber in viel geringerer Dosis als 2017
-
verschrieben werde. Valium sei schon längst ausgeschlichen worden, der Alkoholkonsum sistiert (
Urk.
8/36).
3.8
In einer Behandlungsbestätigung vom 1
9.
November 2018 der Tag
esklinik der
E._
berichteten die
behandelnden
Fachleute
, dass der Beschwerdeführer vom
19.
Juni bis am 1.
September 2017 sowie vom 1
2.
März bis am 1
3.
August 2018 be
handelt worden sei. Ferner stellte
n
sie
die folgenden Diagnosen (
Urk.
8/43):
-
Bipolare affektive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F31.3), Differenzialdiagnose rezidivierende depressive Störung, ge
genwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1)
-
Psychische und Verhaltensstörungen
(durch)
Sedative und Hypnotika, schäd
licher Gebrauch (ICD-10 F13.1)
Nach dem Austritt aus der Tagesklinik sei eine Anmeldung zu einer
stationären
Elektrokonvulsionstherapie (EKT) erfolgt, da sich die depressive Episode des Beschwerdeführers auch nach Ausschöpfung der medikamentösen Optionen als therapieresistent erwiesen habe.
3.9
3.9.1
In ihrem allgemeininternistisch-psychiat
r
ischen Gutachten vom
8.
Februar 2019
(
Urk.
8/49)
diagnostizierten
Dr.
G._
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin
,
und
Dr.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
Z._
als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Bipolar-II
-
Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradi
ge depressive Episode (ICD-10 F
31.80, F33.0/F33.1)
,
sowie folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
8/49/7)
:
-
Störung durch multiplen Substanzgebrauch
,
gegenwärtig Sedativa oder Hyp
notika, anamnestisch Alkohol, ständ
iger Substanzgebrauch (ICD-10 F
19.25)
-
Status nach Adipositas per magna, aktuell BMI 27 kg/m
2
(ICD-10 E66.0)
-
Status nach Magenbypass-Operation 08/2017
-
Status nach mehreren Hautstraffungen und Korrektur-Operationen 2017
-
k
linisch und labormässig stoffwechselkompensiert
-
Fortgesetzter Nikotinkonsum, schädlicher Gebrauch (circa 20
py
; ICD-10 F17.1)
Die Gutachter führten
im Rahmen der Konsensbeurteilung
aus, der
Beschwerde
führer habe vorwiegend psychische Probleme mit Leistungseinschränkungen und Panikattacken angegeben. Die depressiven Symptome würden durch den Sub
stanzgebrauch noch verstärkt. Aus allgemeininternistischer Sicht bestehe eine Adipositas mit Status
nach mehreren Opera
tionen.
Die Gewichtsabnahme sei er
folgreich gewesen, der klinische Zustand sei kompensiert. Die Arbeitsfähigkeit
werde
aus allgemeininternistischer
Sicht
nicht eingeschränkt.
Die subjektive Ein
schätzung der vollständigen Arbeitsunfähigkeit könne mit den medizinischen Befunden nicht erklärt werden
(Urk.
8/49/7).
3.9.2
Anlässlich der psychiatrischen Begutachtung
führte
der Beschwerdefüh
rer aus
, dass er mit
Xanax
nicht arbeiten könne. Er leide unter Depressionen und panik
artigen Ängsten, bereits wenn das Telefon läute. Er lebe seit Februar 2018 bei seinen Eltern und habe seine Wohnung vermietet. Am Tag beschäftige er sich mit Fernsehen und ziehe sich auch gerne in sein Zimmer zurück, vor allem wenn die Eltern da seien. Die Mutter erledige die Haushaltsarbeiten. Er mache auch schon mal die Wäsche, sonst helfe er nicht mit. Er fühle sich schl
app und ohne Antrieb. Ein eigen
t
l
iches Hobby habe er nicht, er habe stets viel gearbeitet
. Wenn es ihm besser gehe, wolle er auch
wieder arbeiten. Nun stehe noch eine EKT an, z
uerst müsse
aber das
Xanax
abgebaut werden.
Auch stehe ein Magenband bevor. Lithium hab
e
er
wegen Übelkeit und Schwindel
nicht toleriert (
Urk.
8/49/23)
.
Der begutachtende
Dr.
H._
legte dar, der
affektive Kontakt
zum Beschwerde
führer
sei gut herstellbar
. Die Stimmung sei depressiv, mit verminderter Freude und einem gewissen Interessensve
rlust. Der Beschwerdeführer gebe
Schlafstörun
gen in der Nacht und erhöhte Ermüdbarkeit am Tag sowie anfallsartige Ängste, ausgelöst durch äussere Reize
,
an. Der Selbstwert sei vermindert
,
mit einer Ver
unsicherung und Insuffizienzgedanken. Anamnestisch habe
der Beschwerdefüh
rer eine gehob
ene Stimmungslage mit
vermehrtem Alkoholkonsum
mit dann depressiver Stimmungslage angegeben. Der Beschwerdeführer sei
wach, bewusst
seinsklar und alls
eits orientiert
. Es
könnten
weder Zwänge noch Zeitgitter
störun
gen festgestellt werden
. Abgesehen davon, dass er den Namen des Gutachters am Ende der Untersuchung nicht mehr gewusst habe, seien d
ie Aufmerksamkeit, das Ge
dächtnis und di
e Auffassung intakt
. Das
Denken sei formal geordnet
, inhaltlich bestünden
keine Hinweise auf Wahnideen, Sinnest
äuschungen, Halluzinationen oder
Ich-Störungen
. Eine
Zirkadianität
sei nicht ausgeprägt. Es bestünden keine Hinweise auf Suizi
dalität oder ein fremdgefährdend
es Verhalten
(
Urk.
8/49/24)
.
Beim Beschwerdeführer bestehe diagnostisch eine leichte bis mittelgradige depressive Episode, gekennzeichnet durch depressive Verstimmung mit
vermin
der
ter Freude, Interessenverlu
st, aber auch durch erhöhte Ermü
dbarkeit, Schlaf
störung
en
und
verminder
t
en
Selbstwert mit Insuffizienzgedanken
.
In den Akten werde
eine Bipol
ar-II
-
Störung diagnostiziert. Da
bei komme es neben einer oder mehreren depressiven Episoden zu einer oder mehreren hypomanischen, aber keiner manischen
Episode
mit deutlicher situation
s
in
adäquater gehobener Stim
mung, Grössenideen und Tätigen von überspannten und undurchführbaren Pro
jekten und Ideen.
Er
habe
eine
stimmungsmässig le
icht angetriebene Phase mit
vermehrtem Alkoholkonsum mit anschliessender depressiver Phase und Sucht
verlagerung auf Benzodiazepine und Hypnotika angegeben. Es sei gemäss Anga
ben des Beschwerdeführers auch zu einer Entzugsepilepsie gekommen. Die Stö
rung durch Substanzkonsum sei deutlich ausgeprägt, es bestünden auch Hinweise auf eine sekundäre Störung durch Substanzkonsum bei zuvor hypomanischer Gestimmtheit. Eine genaue Beurteilung könne aber
erst
unter einer Abstinenz nach entsprechender Entzugsbehandlung gemacht werden. Irreversible Sekundär
schäden seien nicht erwiesen. Der gegenwärtige Konsum des Benzodiazepins und des Hypnotikums könne aber die bestehende depressive Symptomatik verschlech
tern
(
Urk.
8/49/25)
.
Zur Konsistenz führte der Gutachter aus,
der Beschwerdeführer
habe sich gut
konzentrieren können, er fahre auch selbst Auto, was ebenfalls gegen das Vor
liegen von deutlichen Konzentrationsstörungen spreche. Ebenso konsumiere der Beschwerdeführer Benzodiazepine, auch Reisen in die Türkei seien ihm möglich. Trotzdem werde eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit geltend gemacht. Wenn dem Beschwerdeführer im Alltag zu viel abgenommen werde, könne ein sekundärer Krankheitsgewinn entstehen. An Ressourcen bestünden Berufserfahrung und ein normaler Schulabschluss. Der Beschwerdeführer lebe bei seinen Eltern, es bestehe eine schwierige Situation, da die Familie von ihm erwarte, dass er eine Frau heirate. Der Beschwerdeführer mache gegenwärtig in seinem Alltag nicht viel
(
Urk.
8/49/26)
.
Durch eine stationäre Entzugsbe
handlung könne eine volle Arbei
tsfähigkeit er
reicht werden. Sollte sich eine Bipolar-II-Störung bestätigen
,
könne eine medika
mentöse Behandlung mit Lithium sehr hilfreich sein
(
Urk.
8/49/27)
. Berufliche Massnahmen könnten zur Zeit ni
cht empfohlen werden, da
sich der Beschwerde
führer nicht arbeitsfähig fühle. Unter Abstinenz und einer adäquaten Behandlung könnten
berufliche Massnahmen im Sinne einer Beratung mit Hilfe bei der Stel
lensuche oder allenfalls einem schrittweisen Arbeitstraining zur Realisierung der bestehenden medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit empfohlen werden
(
Urk.
8/49/28)
.
3.9.3
In der Konsensbeurteilung attestierten d
ie Gutachter dem Beschwerdeführer, er
könne in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit
sieben bis acht Stunden anwesend sein
;
bei vermehrtem Pausenbedarf bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80
%
. Die angestammte Tätigkeit sei angepasst, jede andere ähnlich gelagerte Tätigkeit sei möglich. Die
Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit sei durch das psy
chische Leiden
begründet
. Mit einer regelmässigen psychiatrischen Behandlung
sowie einem stationären
Benzodiazepinentzug
könne die Arbeitsfähigkeit verbes
sert werden. Nach einem Entzug sei voraussichtlich ein volles Arbeitspensum möglich (
Urk.
8/49/8).
3.10
In ihrer Stellungnahme zum Vorbescheid
vom 2
1.
Juni 2019 (
Urk.
8/67
/3-5
) führte
Dr.
A._
aus, dass der Beschwerdeführer keinesfalls als Supervisor im Kontaktcenter der
Y._
arbeitsfähig sei. Es handle sich um eine mindes
tens mittelschwere, chronische, therapieresistente depressive Episode bei Bipolar-II-Störung. Die Benzodiazepine benötige er bis auf Weiteres gegen Angst und Pa
nik
,
da sich SSRIs bei ihm als p
raktisch wirkungslos erwiesen hätten. Es handle sich um eine sekundäre
low
-dose-
Benzodiazepinabhängigkeit
und nicht um einen Abusus. Der hohe Medikamentenkonsum des Beschwerdeführers sei Aus
druck seines hohen Leidensdrucks. Der depressive Zustand habe sich als therapieresistent erwiesen. Versucht worden seien zahlreiche Antidepressiva,
kontinu
ierliche
Psychotherapie und zwei Aufenthalte in einer Tagesklinik. Der Beschwer
deführer sei jetzt auf der Warteliste für eine ambulante
EKT
(
Urk.
8/67/4).
Ein
Benzodiazepinentzug
würde zum jetzigen Zeitpunkt den psychischen Zustand und damit die Arbeitsfähigkeit verschlechtern, insbesondere die innere Unruhe und die Ängste massiv verstärken und die Häufigkeit und Intensität der Panik
attacken erhöhen. Ein Entzug sei deshalb erst nach Abklingen der Depressi
on
zumutbar. Sie beantrage eine IV-unterstützte berufliche Wiedereingliederung nach Abschluss der EKT
(Urk.
8/67/5).
3.11
In einer Stellungnahme vom
9.
August 2019 (
Urk.
8/68/3 f.) führte
Dr.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom Regionalärztlichen Dienst (RAD) aus, dass der Gutachter die angestammte Tätigkeit aufgrund der psychiatrischen Untersuchung, die neben der leicht
-
bis mittelgradigen depressi
ven Symptomatik (verstärk
t
durch den Substanzkonsum) keine gröberen Auffälligkeiten gezeigt habe, als angepasst eingeschätzt habe, was plausibel nachvoll
ziehbar sei. Anzumerken sei, dass Benzodiazepine unter andere
m
Kon
zentrations
störungen, Antriebsstörungen, erhöhte Ermüdbarkeit, Interessensver
lust und Affektabflachungen verursachen könnten, so dass grundsätzlich nicht klar sei, ob tatsächlich eine Depression alleinige Ursache der beschriebenen Ein
schränkungen sei. Nur schon um Klarheit bezüglich der depressiven Symptomatik zu erhalten
,
wäre eine Abstinenz anzustreben. Da die
Behandlerin
eine berufliche Wiederein
gliederung nach EKT-Behandlung wünsche
,
sei offensichtlich eine sol
che Be
handlung geplant. Vorgängig sei es jedoch unumgänglich
,
eine Benzodia
zepin-Abstinenz zu erreichen (Bedingung zur EKT-Behandlung). Aus diesem Grund könne das Argument der
Behandlerin
, dass
e
ine Entzugsbehand
lung und nach
folgende Abstinenz nicht zumutbar sei, nicht nachvollzogen wer
den. Eine fixe Benzodiazepin-Medikation bei Panikattacken und
Ängsten sei sicher keine adä
quate psychiatrische Therapie, diese könnten psychotherapeutisch sehr gut ange
gangen werden
.
Zur Abhängigkeitsproblematik legte
Dr.
I._
dar, be
i einer
Xanax
-Dosis von 4 x 0.5
mg pro T
ag sowie ein bis drei
Xana
x
1
mg pro Tag als Reserve
könne
nicht von einer
low
-dose-A
bhängigkeit ausgegangen werden
(
Urk.
8/68/3 f.)
.
Weiter legte sie dar, d
ie von
Dr.
A._
angeführ
te Symptomatik entspreche
einer mittelgradigen depressiven Episode, was auch in etwa mit der Aussage des Gutachters übereinstimme. Unklar sei dabei
,
welcher Anteil zu Lasten der Seda
tiv
medikat
ion gehen könnte. W
eder
im Einwand noch in der Stellung
nahme von
Dr.
A._
würden
neue medizinische Fakten genannt, auf das Gutachten könne
weiterhin abgestellt werden (
Urk.
8/68/
4).
4.
4.1
Das
bidisziplinäre
Z._
-Gutachten wurde
zur Hauptsache
in Kenntnis der medizi
nischen
Vorakten
erstellt und es basiert auf einlässlichen fachärztlichen Unter
su
chungen. Die Gutachter führten jeweils eine sorgfältige Anamnese- und Befund
erhebung durch. Sie berücksichtigen die geklagten Beschwerden angemes
sen und beantworteten die gestellten Fragen umfassend. Insbesondere setzten sie sich auch mit den zum Teil anderslautenden ärztlichen Beurteilungen auseinan
der. Sie begründeten die eigene Einschätzung schlüssig und nachvollziehbar.
Namentlich erscheint die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20
%
a
ufgrund der
relativ gering ausgeprägten
psychiatrischen Untersuchungsbefunde
(
Urk.
8/49/24) als einleuchtend.
Sämtliche von der Rechtsprechung statuierten Anforderungen an ein medizinisches Gutachten sind
daher grundsätzlich
er
füllt (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1 und 125 V 351 E. 3a).
4.2
Die
Z._
-Gutachte
r
Dr.
G._
und Dr.
H._
nannten
keine somatischen Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(vorstehend E. 3.9.1).
In somatischer Hinsicht machte der Beschwerdeführer
dagegen
geltend, der Befund eines essentiellen Tremors sei bei der
gutachterlichen
Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit unterschlagen worden, obwohl er selbst unter Medikation nicht vollständig beschwerdefrei, sondern in der Feinmotorik und der Handmuskelkoordination eingeschränkt sei (
Urk.
1 S. 16).
Allerdings handelt
es sich dabei nicht u
m einen Befund, der vom Gutachter Dr.
G._
im Rahmen der allgemeininternisti
schen Untersuchung erhoben wurde
.
Vielmehr hatte
der Beschwerdeführer selbst im Rahmen der Anamneseerhebung auf den Tremor hin
gewiesen und erklärt, er nehme deshalb
Inderal
, womit er nicht zittere. Eine all
fällige Einschränkung der Feinmotorik oder der Koordination erwähnte er nicht (Ur
k.
8/48/15). Eine solche konnte alsdann bei der Untersuchung der Extremitä
ten durch den Gutachter auch nicht festgestellt werden (vgl. Urk. 8/49/17). Unter diesen Umständen und insbesondere auch angesichts der Tatsache, dass sich die Diagnose eines essentiellen Tremors aus den
weiteren
medizinischen
A
kten nicht ergibt, ist nicht zu beanstanden, dass Dr.
G._
diesen in der Diagnose
liste
nicht aufführte. Ansonsten geht weder aus dem allgemeininternistischen Gutach
ten noch aus den Vorbringen des Beschwerdeführers eine die Arbeits- oder Leistungsfähigkeit einschränkende somatische Beeinträchtigung hervor (vgl.
Urk.
1,
Urk.
8/49/7). Relevant für die Würdigung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit sind somit einzig die psychiatrischen Befunde und gestellten Diagnosen.
4.3
4.3.1
Dr.
H._
nannte
im psychiatrischen Gutachten im Wesentlichen die Diagnosen einer Bipolar-II-Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradig
e depressive Episode (ICD-10 F31.80, F
33.0/33.1) sowie einer Störung durch multiplen Substanzge
brauch (ICD-10 F19.25
;
Urk.
8/49/24 f.
)
. Die
Einschätzung der
dadurch bewirkte
n
Einschränkung
in
der Leistungsfähigkeit vermag - wie bereits ausgeführt (vorste
hend E. 4.1) - zu überzeugen
.
Dagegen
erachtete
der Beschwerdeführer das Gutachten nicht
als
beweiskräftig, da es nicht in Kenntnis aller medizinischen
Vorakten
erstellt worden sei. Insbe
sondere sei die Behandlungsbestätigung der Tagesklinik der
E._
nicht berück
sichtigt worden. Da darin unter anderem eine Panikstörung diagnostiziert werde, sei diese für die Beurteilung
sein
es Gesundheitszustandes relevant. In der Folge habe sich der Gutachter auch nicht mit der Diagnose einer Panikstörung aus
einandergesetzt obwohl sich diese auch aus
den
Vorakten
ergebe (
Urk.
1 S.
10).
D
ie Ausführungen des Beschwerdeführers
sind insofern
zutreffend,
als
die Behandlungsbestätigung der Tagesklinik der
E._
(
Urk.
8/43;
vorstehend E. 3.8)
in der Auflistung der vorhandenen Akten im Gutachten nicht aufgeführt ist (vgl.
Urk.
8/49/11 f.)
. A
llerdings wurde sie
den Gutachtern von der Beschwerdegegne
rin vor Erstellung des Gutachtens zugestellt (
Urk.
8/44)
.
A
ngesichts der fehlenden
Ausführungen, wie sich die
Störung manifestier
t
und auswirk
t
(vgl.
Urk.
8/
43)
,
sowie der Tatsache, dass sich die Diagnose einer Panikstörung auch aus der im Gutachten wiedergegebenen Stellungnahme von RAD-Ärztin
Dr.
I._
vom
9.
August 2018 ergibt (Urk. 8/54/3, vgl.
Urk.
8/49/5)
enthält die Bestätigung
keine relevanten, im Gutachten nicht berücksichtigten Informationen über den Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers. D
ies
er berichtete sodann auch selbst während der psychiatrischen Begutachtung von anfallsartigen Ängsten, die durch äussere Situationen ausgelöst würden (
Urk.
8/49/
23,
Urk.
8/49/24; vorstehend E.
3.9.2)
;
diese wurden
in der interdisziplinären Beurteilung
als
Panikattacken
bezeichnet
(Urk. 8/49/7). Unter diesen Umständen
ist
die
allenfalls
fehlende Berücksichtigung der genannten Behandlungsbestätigung
nicht geeignet, den Beweiswert des Gutachtens in Frage zu stellen.
In diesem Zusammenhang ist sodann
darauf hinzuweisen, dass
nicht die diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens entscheidend
ist
,
sondern die zugrunde liegenden psychiatrischen Befunde (vgl. BGE 130 V 352 E. 2.2.3 mit Hinweisen
; Urteil
des Bundesgerichts
8C_782/2012
vom 2
2.
Oktober 2013
E. 4.3.3
)
. Die
psychiatrische Exploration
kann
von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen
und dem
begutachtenden Psychiater
bleibt
praktisch im
mer ein gewisser Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist (Urteil
des Bundesgerichts
8C_629/2017
vom 2
8.
November 2017
E. 4.3 mit Hinweis auf
8C_839/2013 vom 1
3.
März 2014 E. 4.2.2.1
). Aus der Erwähnung der vom Beschwerdeführer beschriebenen Panik
attacken sowohl im psychiatrischen Gutachten
(
Urk.
8/49/23 f.)
als auch in der interdisziplinären Beurteilung
(
Urk.
8/49/7)
ergibt sich, dass sich Dr.
H._
de
r
entsprechenden Beschwerden
des Beschwerdeführers bewusst war und diese in seine Diagnosestellung mit einbezog. Dass er zu einem anderen Schluss als die Fachleute der
E._
kam, erscheint mit Blick darauf, dass die Panikstörung einzig von diesen diagnostiziert wurde
(vgl.
Urk.
8/11/11,
8/11/
23,
8/26/3)
, durchaus nachvollziehbar.
Z
war
erwähnte auch
die behandelnde Psychiaterin Dr.
A._
, dass der Beschwerdeführer unter Panikattacken und Ängsten leide
,
und verschrieb ihm
entsprechende
Medikamente
, doch
stellte
auch sie
keine entspre
chende Diagnose
(
Urk.
8/67/4)
. Es liegt somit keineswegs eine Situation vor, in der die behandelnden Ärzte einhellig eine Panikstörung diagnostizierten und nur der psychiatrische Gutachter davon abwich, was eine vertiefte Auseinander
setzung mit den Diagnosekriterien erfordert hätte. Dass der Gutachter nicht weiter auf die nicht begründete abweichende Diagnosestellung der Fachleute der
E._
einging, ist daher nicht zu beanstanden, insbesondere ist
es nicht erforderlich, dass der Gutachter mit den behandelnden Ärzten Kontakt aufnimmt (
Urteil
des Bundesgerichts 9C_65/2012
vom 2
8.
Februar 2012
E. 4.3).
4.3.2
Im
Weiteren
kritisierte
der Beschwerdeführer die Dauer der Untersuchung, welche nur 45 Minuten in Anspruch genommen habe (
Urk.
1 S. 11)
. G
emäss bundes
gerichtlicher Praxis
ist indes
von vornherein
nicht die Dauer der jeweiligen Untersuchung massgebend, sondern in erster Linie vielmehr, ob die darauf basie
renden ärztlichen Folgerungen inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_848/2012 vom 1
6.
April 2013 E. 3.2.2 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend - wie noch zu zeigen sein wird - der Fall.
4.3.3
Der Beschwerdeführer brachte ferner vor, der psychiatrische Gutachter klammere die Auswirkungen der Abhängigkeitsstörung aus der Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit aus, was nach neuster bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zulässig sei (Urk. 1 S. 8).
Aus dem
Z._
-Gutachten ergibt sich, dass die Leistungsfähigkeit des Beschwerde
führers aufgrund der diagnostizierten Bipolar-II-Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradi
ge depressive Episode (ICD-10 F
31.80, F33.0/F33.1)
,
in der ange
stammten Tätigkeit um 20
%
verringert ist. Der Störung durch multiplen Sub
stanzgebrauch, gegenwärtig Sedativa oder Hypnotika, anamnestisch Alkohol, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F19.25), wurde hingegen kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zugemessen. Ferner hielten die Gutachter fest, dass die de
pressiven Symptome durch den Substanzgebrauch noch verstärkt würden
(Urk. 8/49/7)
. Im psychiatr
ischen Teilgutachten führte Dr.
H._
sodann aus, dass die Störung durch
den
Substanzkonsum deutlich ausgeprägt sei. Es bestün
den Hinweise auf eine sekundäre Störung durch Substanzkonsum bei zuvor hypomanischer Gestimmtheit. Eine genaue Beurteilung könne aber erst unter einer Abstinenz nach entsprechender Entzugsbehandlung gemacht werden (Urk. 8/49/25). Aus diesen Ausführungen ergibt sich jedoch entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht, dass die Auswirkungen der Abhängigkeitsstörung aus der Beurteilung ausgeklammert worden sind.
Auch wenn
der Gutachter dar
legt, dass die Störung durch Substanzkonsum die depressive Symptomatik ver
stärken könnte,
bedeutet
dies nicht, dass dadurch die Arbeitsfähigkeit um mehr als die attestierten 20
%
eingeschränkt wird. Ganz im Gegenteil ergibt sich aus der Beurteilung des Gutachters, mit einer Entzugsbehandlung könne eine Arbeits
fähigkeit von 100
%
erreicht werden
(
Urk.
8/49/8)
, dass er die Auswirkungen der Abhängigkeitsstörung auf die Depression in seine Einschätzung der Arbeitsfähig
keit einbezogen hatte und ihr lediglich keinen zusätzlichen Einfluss beimass
, was
auch im Lichte der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht zu bean
standen
ist
.
4.3.4
Im Folgenden
ist die Frage nach den Auswirkungen psychischer Erkrankungen
- wie auch von Abhängigkeitssyndromen (BGE
145 V 215
)
-
auf das funktionelle
Leistungsvermögen
rechtsprechungsgemäss
unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten
(
BGE 143 V 418 E. 6
; vgl. vorstehend E. 1.3).
Zu den für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit massgeblichen Standardindikato
ren (vgl. E. 1.3 vorstehend) ist zum Komplex
«
Gesundheitsschädigung
»
festzuhal
ten, dass der diagnostizierten Bipolar-II-Störung, gegenwärtig leichte bis mittel
gradige depressive Episod
e (ICD-10 F
31.80, F33.0/F33.1)
,
ein leichter bis mittlerer Schweregrad inhärent ist
.
Zum Indikator
«
Behandlungs- und Eingliederungser
folg oder -resistenz
»
ist anzumerken, dass die Therapiemöglichkeiten gemäss dem psychiatrischen Gutachter nicht ausgeschöpft sind. Durch eine stationäre Ent
zugsbehandlung sowie Anpassungen der Medikation könn
t
e eine volle Arbeits
fähigkeit erreicht werden (
Urk.
8/49/27).
Eine solche
Entzugsbehandlung
erscheint entgegen den
Einwendungen
von
Dr.
A._
in ihrem
Schreiben im Rahmen des
Einwandverfahrens
gegen den Vorbescheid (
Urk.
8/67)
als
zumutbar, hatte sie doch selbst in einem Bericht vom
6.
April 2018 ausgeführt, dass auch die geplante EKT wegen der zu hohen
Benzodiazepinmedikation
nicht durchge
führt werden könne und diese langsam reduziert werde
. Einen stationären Auf
enthalt habe der Beschwerdeführer bisher immer abgelehnt (
Urk.
8/26/8). Dies deckt sich mit der Einschätzung von RAD-Ärztin
Dr.
I._
, dass eine Abstinenz Bedingung für die Durchführung einer EKT
sei (
Urk.
8/68
/4)
.
Aus
der Stellung
nahme
vom 21.
Juni 2019
von
Dr.
A._
ergibt sich sodann, dass der Beschwerdeführer auf hohen Dosen sedierender Substanzen beharrt (
Urk.
8/67/3).
Unter diesen Umständen kann nicht von einem definitiven Scheitern einer indi
zierten, lege
artis
und mit optimaler Kooperation des Beschwerdeführers durch
geführten Therapie gesprochen werden (
Urteil des Bundesgerichts
9C_549/2015 vom 2
9.
Januar 2016 E. 4.4). Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kann dem
nach davon ausgegangen werden, dass keine Therapieresistenz vorliegt, sondern verschiedene Behandlungsoptionen noch nicht ausgeschöpft wurden.
Hinsichtlich der Komorbiditäten ist anzumerken, dass
Dr.
H._
zwar der als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführten Abhängigkeits
störung eine die Depression möglicherweise verschlechternde Wirkung zu
schreibt, diese jedoch wie oben
dargelegt
(vgl.
vorstehend
E.
4.3.
3
) bei seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bereits berücksichtigte. Weitere relevante Komorbiditäten liegen nicht vor.
In Bezug auf die Persönlichkeit des Beschwerdeführers ist festzuhalten, dass we
der eine Persönlichkeitsstörung noch akzentuierte Persönlichkeitszüge vorliegen
(vgl.
Urk.
8/49/24)
. Der Persönlichkeitsstruktur ist in Anbetracht dieser Umstände keine ressourcenhemmende Wirkung beizumessen.
Zum sozialen Lebenskontext äusserte sich der Beschwerdeführer dahingehend, dass er bei seinen Eltern lebe
. Selbst wenn
die Beziehung aufgrund der Erwartung der Eltern, dass er eine Frau heirate, belastet
ist, kann nicht gesagt werden, dass das ansonsten intakte Familienleben mit der Mutter, die für ihn die Haushalts
arbeiten erledigt, eher als ressourcenfördernd zu betrachten ist.
In Bezug auf die beweisrechtlich entscheidende Kategorie «Konsistenz» ist festzu
halten, dass der Beschwerdeführer einen eher passiven Alltag mit einem geringen Aktivitätsniveau geschildert hat (
Urk.
8/49/23). Zu berücksichtigen ist allerdings, dass der Beschwerdeführer auch vor der Erkrankung keinen Hobbies nachgegan
gen ist (
Urk.
8/49/23). Zudem ist er gemäss Einschätzung der Gutachter im Alltag nicht wesentlich eingeschränkt. Seine Untätigkeit werde auch unterstützt durch die Hilfe der Familie, was zu einem sekundären Krankheitsgewinn führe (
Urk.
8/49/7).
Ferner fährt der Beschwerdeführer
auch selbständig Auto und reist in die Türkei
(
Urk.
8/49/26)
, wobei nicht nur die von seiner Rechtsvertreterin an
geführte Reise anlässlich des Todes seiner Grossmutter (
Urk.
1 S. 13)
,
sondern auch solche zur Durchführung von plastischen Operationen Ende des Jahres 2017 aktenkundig sind (
Urk.
8/26/7
).
Der Beschwerdeführer nimmt
seit Februar 2017
eine ambulante psychiatrische Behandlung wahr
(Urk.
8/67/3)
und befand sich vom
1
9.
Juni 2017 bis
1.
September 2017 sowie vom 1
2.
März 2018
bis
1
3.
August 2018
in einem teilstationären Setting in der Tagesklinik der
E._
(
Urk.
8/
43
). Ferner liegen die Spiegel der verordneten Medikamente im therapeu
tischen Bereich, was darauf schliessen lässt, dass er diese regelmässig einnimmt. Dies und auch die Tatsache, dass er mit der geplanten EKT weiter
e Therapiemög
lichkeiten
in Betracht zieht
, weist auf einen nicht zu vernachlässigenden Leidens
druck hin. Andererseits wurde die vom Gutachter empfohlene Entzugsbehand
lung
trotz deren Zumutbarkeit und Notwendigkeit für die EKT
bisher noch nicht durchgeführt.
Die Gutachter erachteten eine Arbeitstätigkeit
von 80
%
sowohl in der bisherigen Tätigkeit als Customer Consultant als auch in jeder ähnlich gelagerten Tätigkeit für zumutbar (
Urk.
8/49/8). Angesichts des leichten bis mittleren Schweregrads des diagn
ostizierten Gesundheitsschadens
ohne namhafte Komorbiditäten oder ressourcenhemmende Persönlichkeitsmerkmale, der mangelnden Behandlungs
resistenz und der nicht wesentlichen Einschränkung im Alltag ist diese Ein
schätzung gestützt auf das strukturierte Beweisverfahren nicht zu beanstanden.
Dies vermag
die
abweichende Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit durch die behandelnde
Psychiaterin
Dr.
A._
, die dem Beschwerdeführer nach langsa
mer Angewöhnung
eine Arbeitsfähigkeit von höchstens drei bis vier Stunden pro Tag im zweiten Arbeitsmarkt attestiert
e
(Urk. 8/67/3)
, nicht in Zweifel zu ziehen.
Allgemein ist i
n Bezug auf Berichte von behandelnden Arztpersonen
zunächst
auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc)
.
Vorliegend ist
Dr.
A._
eine gewisse Nähe zum Beschwerdeführer
und eine Identifikation mit dessen Interessen
nicht abzusprechen
, was den Beweiswert ihrer Beurteilung mindert (Urteil des Bundesgerichts 8C_695/2019 vom 1
8.
Dezember 2019 E. 4.3)
. So ist sie nicht nur seit
etwa
zwei Jahren seine be
handelnde Psychiaterin, sondern stellte auch Anträge im Rahmen des
Einwand
verfahrens
gegen den Vorbescheid der Beschwerdegegnerin (Urk. 8/67/5)
und d
ie
Einstellung der Taggeldleistungen durch die Krankentaggeldversicherung (
Urk.
8/11/18 f.)
. Ferner lässt es
auch
die
unterschiedliche Natur von Behand
lungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach
-)Person einerseits und Begutach
tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behan
delnden Arztpersonen
beziehungsweise
Therapiekräfte zu anderslautenden Ein
schätzungen ge
lange
n
(Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06])
.
5.
5.1
Es bleibt die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen, wobei der Beschwerdeführer unbestrittenermassen als zu 100
%
Erwerbstätiger zu qualifi
zieren ist (vgl.
Urk.
8/68/1
).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
In gewissen Fällen, insbesondere dort, wo Validen- und Invalideneinkommen an
hand derselben Tätigkeit zu ermitteln sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_295/2017 vom 2
7.
September 2017 E. 6.5), kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne Invalidität erzielbare hypothetische Er
werbseinkommen ist alsdann mit 100
%
zu bewerten, während das Invalidenein
kommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sogenannter Prozent
vergleich; BGE 114 V 310 E. 3a mit Hinweisen).
5.2
Aktuell geht der Beschwerdeführer keiner Erwerbstätigkeit nach. Gemäss der be
weiskräftigen medizinischen Beurteilung ist jedoch nach wie vor auch die ange
stammte Tätigkeit als Customer Consultant in einem Pensum von 80
%
zumutbar
(
Urk.
8/49/8)
. Somit sind sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen ausgehend von denselben Lohnansätzen zu berechnen.
Deren zahlenmässige Er
mittlung erübrigt sich indessen. Vielmehr entspricht der Grad der Arbeitsfähigkeit dem Invaliditätsgrad (Urteil des Bundesgerichts 8C_365/2012 vom 3
0.
Juli 2012 E. 7).
Der Invaliditätsgrad liegt somit grundsätzlich bei 20
%
. Nur
die Vornahme
ein
es
leidensbedingte
n
Abzug
s
in der maximal möglichen Höhe von 25
%
(
BGE 135 V
297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc)
hätte einen rentenbe
gründenden Invaliditätsgrad von mindestens 40
%
zur Folge.
Daf
ür besteht vor
liegend jedoch kein Anlass
, umso mehr als dies
vom Beschwerdeführer auch nicht anbegehrt
wurde
, womit es bei einem Invaliditätsgrad von 20
%
sein Bewenden hat
.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt der vom Beschwerdeführer gestellte Antrag, wonach das Ver
fahren auf berufliche Massnahmen auszudehnen sei (
Urk.
1 S. 2).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann das verwaltungsgerichtliche Verfahren aus prozessökonomischen Gründen auf eine ausserhalb des Anfech
tungsgegenstandes, das heisst ausserhalb des durch die Verfügung beziehungs
weise durch den
Einspracheentscheid
bestimmten Rechtsverhältnisses liegende
spruchreife Frage ausgedehnt werden, wenn diese mit dem bisherigen Streit
gegenstand derart eng zusammenhängt, dass von einer Tatbestandsgesamtheit gesprochen werden kann, und wenn sich die Verwaltung zu dieser Streitfrage mindestens in Form einer Prozesserklärung geäussert hat (BGE 130 V 501, 122 V
34 E. 2a mit Hinweisen).
Der angefochtenen Verfügung sind keine Ausführungen betreffend berufliche Massnahmen zu entnehmen (
Urk.
2 S. 2). Ferner nimmt die Beschwerdegegnerin auch in der Beschwerdeantwort keine Stellung dazu (Urk
.
7).
Daher fehlt es an einer Äusserung der Beschwerdegegnerin zu einem
allfällige
n
Anspruch des Beschwerdeführers auf Eingliederungsmassnahmen
.
Auf den Antrag des Beschwerdeführers ist vor diesem Hintergrund nicht einzutreten.
Ihm bleibt es jedoch unbenommen, bei der Beschwerdegegnerin ein entsprechen
des Gesuch zu stellen.
6.2
Der Beschwerdeführer beantragte sodann, das Verfahren auf die Auflage vom
5.
April 2019 betreffend stationären
Benzodiazepinentzug
auszudehnen und diese aufzuheben (
Urk.
1 S. 2).
Im
Schreiben vom
5.
April 2019 (
Urk.
8/55) -
überschrieben mit «Voraussetzun
gen für allfällige zukünftige Leistungsansprüche: Durchführung einer
Mass
nahme zur Verbesserung
des
Gesundheitszustandes»
-
hielt die
Beschwerdegeg
nerin
unter anderem und unter Hinweis auf die gleichentags in Aussicht gestellte Abweisung des Leistungsbegehrens (vgl.
Urk.
8/56
) fest, dass der Gesundheitszu
stand mit regelmässiger
psychiatrischer
Behandlung
und
Benzodiazepinentzug
w
esentlich
verbessert
werden könne und die Mitwirkungspflicht auch im Hinblick auf eine zukünftige IV-Anmeldung gelte.
Dem Schreiben kommt in Bezug auf den vorliegend zu
beurteilenden
Rentenanspruch keine Bedeutung zu
. Erst wenn der Beschwerdeführer der Aufforderung keine Folge leistet, könnte
allenfalls
eine Verweigerung der
Leistungen
und somit ein nicht wieder gutzumachender Nach
teil eintreten (vgl. Meyer/Reichmuth,
Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum IVG, N 29 zu
Art.
7-7b). Ein solcher ist weder ersichtlich noch geltend gemacht.
Da die angefochtene leistungsanspruchsverneinende Verfügung (
Urk.
2) nicht mit einer Verletzung der Schadenminderungspflicht begründet wurde und sich die Ausführungen im fraglichen Schreiben der Beschwerdegegnerin auf einen allfäl
ligen zukünftigen Leistungsanspruch bezogen, ist diesbezüglich auf die Beschwerde nicht einzutreten.
7.
Zusammengefasst hat die Beschwerdegegnerin somit
zu Recht
auf das
Z._
-Gutachten abgestellt und einen Leistungsanspruch verneint. Die angefochtene Verfügung vom 1
0.
September 2019 ist somit nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist
, soweit darauf eingetreten wird
.
8
.
8
.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Strei
twert festzulegen (
Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge der ihm gewähr
ten unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Urk.
9) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
8
.2
Mit Verfügung vom 1
9.
November 2019 (
Urk.
9) wurde dem Beschwerdeführer Rechtsanwältin Anna
Härry
als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt. Da diese von der Möglichkeit, eine Honorarnote einzureichen (vgl.
Urk.
9 Dispositiv-Ziffer 3), keinen Gebrauch gemacht hat, ist die Entschädigung ermessensweise ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses festzulegen (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Unter Berücksichtigung der genannten Kri
terien ist die Entschädigung von Amtes wegen auf
Fr.
2’100.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
8
.3
Der Beschwerdeführer ist abschliessend auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichtskos
ten und der Entschädigung an die unentgeltliche
Rechtsvertreter
in
verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.