Decision ID: 34119bae-2ab2-4d03-b5d1-02c89c9af848
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1984, war seit Juni 2016 bei der
Y._
AG
als Rohbaumitarbeiter angestellt und damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch unfallversichert, als er am 8. August 2017 bei der Arbeit eine Treppe hin
unterfiel und
dabei
eine leichte traumatische Hirnverletzung (LTHV) sowie eine Schulterkontusion links erlitt
(
vgl. Urk. 8/1+7
).
Am 3. Dezember 2017 verlor er bei einem Spaziergang plötzlich das Bewusstsein und schlug mit seinem Kopf auf den Asphalt (Urk. 9/2).
1.2
Die
SUVA
anerkannte die
Ereignis
se
vom
8. August 2017
und vom 3. Dezember 2017 jeweils
als Unfall und erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Mit Verfügung vom
29. Januar 2019
stellte sie die
se
per
3. Dezember 2018
ein (Urk.
8/168
). Die vom Versicherten am
28. Februar 2019
erhobene Einsprache (Urk.
8/174
) wies die
SUVA
am
20. März 2019
ab (
Urk.
2 =
Urk.
8/183
= Urk.
9/28
).
2.
Der Versicherte erhob am
3. Mai 2019
Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
vom
20
. März 2019
(Urk. 2) und beantragte,
die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, ihm über den 3. Dezember 2018 hinaus Taggelder zu bezahlen und die Heilungskosten zu übernehmen
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
7. Juni 2019
(Urk.
7
) beantragte die
Beschwerde
gegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
11. Juni 2019
zur Kenntnis gebracht (Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei weiteren Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Abs. 2
).
Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit
eingetreten gedacht werden kann
.
1.3
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall entwic
kelt worden ist (vgl. BGE 123 V
98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzu
sammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kri
terien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adä
quaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurtei
lung
des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleuder
trauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 N
r. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U
341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.4
Kausalzusammenhang adäquat bei Schädelhirntrauma und dem Schleudertrauma ähnlichen Verletzungen der Halswirbelsäule
Die zum Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung wendet das Bundesgericht sinngemäss auch bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwi
schen einem Unfall und den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas (BGE 117 V 369 E. 4b) oder den Folgen einer dem Schleudertrauma ähnlichen Verletzung der Halswirbelsäule an (vgl. RKUV 1999 Nr. U 341 S. 408 E. 3b; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2; ferner BGE 134 V 109 E. 10.2 f.).
1.
5
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im
Einspracheentscheid
vom 29. März 2019 (Urk. 2)
gestützt auf die fachärztliche neurologische
Beurteilung
ihres Versiche
rungsmediziners
Dr.
Z._
vom 10. Januar 2019 davon aus, dass für die vom Beschwerdeführer
g
eklagten Beschwerden kein unfallbedingtes organisches Sub
strat struktureller Natur gegeben sei. Die Berichte der behandelnden Ärzte vermöchten diese Beurteilung nicht zu entkräften. Bei der Prüfung
der
Leistungs
pflicht könne die Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang offenbleiben (
E. 3
). Für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs seien die
höchstrichterlich definierten Kriterien zu berücksichtigen (
E. 4c-d; vgl. vorste
hend E. 1.3
). Der Unfall vom 8. August 2017 sei als mittelschwer im Grenzbereich zu leicht, derjenige vom 3. Dezember 2017 als leicht einzustufen (E. 5a).
Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Ein
drücklichkeit des Unfalles sei
bei beiden Unfällen
nicht erfüllt
(E. 5b)
, die erlitte
nen Verletzungen seien weder ihrer Schwere noch ihrer besonderen Art nach geeignet, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen
(E. 5c)
, das Kriterium «fort
gesetzte spezifische, belastende ärztliche Behandlung»
sei nicht erfüllt (E. 5d), eine die Unfallfolgen erheblich verschlimmernde ärztliche Fehlbehandlung
sei nicht ersichtlich (E. 5e),
von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen könne nicht gesprochen werden (E. 5f) und auch das Kriterium der Arbeitsunfähigkeit sei nicht als erfüllt zu betrachten (E. 5g
).
Das verbleibende Kriterium «erhebliche Beschwerden» müsste für die Bejahung der Adäquanz in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein. Dies treffe nach Lage
der Akten nicht zu, womit offen
bleiben könne, ob dieses Kriterium überhaupt in der einfachen Form vorliege (E. 5h
)
.
Somit sei der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den Unfällen vom 8. August 2017 sowie vom 3. Dezember 2017 und den heute geklagten gesund
heitli
chen Einschränkungen zu verneinen, womit kein weitergehender Leis
tungsan
spruch bestehe (E. 5i).
Das medizinische Behandlungspotenzial, welches noch eine namhafte Verbesse
rung verspreche,
sei
ausgeschöpft. Nachdem die versuchten Therapien keine nachhaltige Besserung gebracht hätten, sei der Heilungsprozess als abgeschlossen zu betrachten
(E. 6c)
.
Im Übrigen müsse gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre
chung bei Verneinung der
Unfalladäquanz
auf die Einwände des Versicherten zum Zeitpunkt des Fallabschlusses nicht eingegangen werden. Denn lägen keine unfallkausalen Beschwerden mehr vor, ergebe sich ohne Weiteres, dass kein Leis
tungsanspruch aus dem Unfall mehr bestehe (E. 6d). Folglich sei die leistungsein
stellende Verfügung vom 29. Januar 2019 nicht zu beanstanden (E. 6e
)
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk.
1
),
er leide seit dem Unfall vom 8. August 2017 unter Schwindelbeschwerden, die eine Tätigkeit im angestammten Beruf als Bauarbeiter verunmöglichten. Er sei davon überzeugt, dass diese Beschwerden unfallbedingt seien. In dieser Auffassung werde er durch seine behandelnden Ärzte unterstützt.
Gemäss seinem Chiroprak
tiker Dr.
A._
sei zwar der frühere Unfall vom 16. Juli 2016 mit dem schweren Diskusprolaps abgeschlossen, es sei aber evident, dass es durch den Sturz vom 8. August 2017 zu einer Verschlechterung der Halswirbelsäule
n
(HWS)- Situation
gekommen und deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Unfallkau
salität gegeben sei.
Beim Sturz vom 8. August 2017 habe es sich sodann um ein erhebliches Unfallereignis gehandelt. Er sei nach dem Sturz bewusstlos
gewesen. Beim Eintreffen des Notarztes habe er gemäss dem
Glasgow
Coma
Score (GCS) einen Wert von 12-13 aufgewiesen. Es sei eine stationäre Behandlung von drei Tagen notwendig geworden. Zudem habe ein
subgaleales
Hämatom bestanden, also eine Blutung im Bereich des Bindegewebes zwischen Kopfhaut und Schädel
knochen (S. 4 Ziff. 5).
Gemäss neurologischer Beurteilung durch Dr.
Z._
liessen sich offenbar keine somatischen Unfallfolgen mehr objektivieren. Wesentlich sei indessen, dass noch immer Schwindelbeschwerden bestünden, die vor dem Unfall vom 8. August 2017 nicht vorhanden gewesen seien. Diesbezüglich stehe er nach wie vor in Behandlung, insbesondere beim Chiropraktiker Dr.
A._
. Es werde auch nach wie vor Physiotherapie durchgeführt. Dr.
A._
habe unter Bezugnahme auf die MRI-Befunde der Halswirbelsäule darauf hingewiesen, dass sich der Dis
kusprolaps im Verlauf wesentlich verbessert habe. Angesichts der noch nicht abgeschlossenen Behandlung bei ihm sei weiterhin eine erhebliche Verbesserung des Gesundheitszustands zu erwarten. Angesichts der persistierenden Schwindel
beschwerden könne somit einerseits nicht von einem Status quo ante
vel
sine ausgegangen werden, anderseits sei die Behandlung noch nicht abgeschlossen (S. 4 f. Ziff. 6). Der Fallabschluss sei somit zu früh erfolgt. Dies gelte auch in Bezug auf die Adäquanzprüfung (S. 5 Ziff. 7).
2.3
In der Beschwerdeantwort
vom
7.
Juni 2019
(Urk. 7)
hielt
die Beschwerdegegne
rin
fest,
der Beschwerdeführer
klage
lediglich noch über Schwindelbeschwerden und
fordere
somit Versicherungsleistungen im Zusammenhang mit diesen Beschwerden. Nacken- und Kopfschmerzen sowie weitere Beschwerden würden nicht (mehr)
g
eklagt (S. 3 Ziff. 4.3).
Bezüglich der Ausführungen des Chiroprak
tikers zu einer Verschlechterung der HWS-Situation sei nicht klar, worauf er hier
mit hinauswolle, nachdem er gemäss früherem Schreiben die Ursachen der Beschwerden im leichten Hirntrauma gesehen habe (S. 4 Ziff. 4.4). Dr.
B._
habe sodann
am 13. Dezember 2017
eine «
Schwindligkeit
» nicht nachweisen kön
nen und festgestellt,
die Gleichgewichts
organe funktionierten perfekt, a
namnes
tisch handle es sich eher um Synkopen (S. 4 Ziff. 4.5).
Bereits der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den (Schwindel-)
Beschwerden und den Unfallereignissen vom 8. August 2017 und vom 3. Dezem
ber 2017 seien spätestens ein Jahr nach dem zwe
iten Ereignis weggefallen (S. 4
f. Ziff. 4.7). Ein adäquater Kausalzusammenhang sei gemäss dem zutreffenden
Einspracheentscheid
(Urk. 2) ohnehin zu verneinen, was vom Beschwerdeführer nicht bestritten worden sei. Auch sei der Zeitpunkt des Fallabschlusses bezie
hungsweise der Prüfung eines adäquaten Kausalzusammenhangs nicht zu bean
standen. Es könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegan
gen werden, dass durch die noch immer
durchgeführte Physiotherapie noch eine namhafte Besserung der
g
eklagten Beschwerden zu erwarten gewesen sei, hätten diese doch in den 9 Serien vorher auch nicht verbessert werden können. Dasselbe gelte für die Therapie beim Chiropraktiker
Dr.
A._
, welcher sich auch gar nicht dahingehend geäussert habe, dass noch eine erhebliche Verbesserung zu erwarten sei. Es sei ohnehin nicht ersichtlich, was aus einer allfälligen Verbesserung des Befundes Diskusprolaps für die Behandlung der Schwindelbeschwerden ableitbar wäre, erachte doch auch der Chiropraktiker selbst das leichte
Hirntraum
a
als deren Ursache (S.
5 Ziff. 4.8).
3.
3.1
In der Schadenmeldung vom 11. August 2017 (Urk. 8/1) wurde festgehalten, der Beschwerdeführer sei am 8. August 2017 um 09:00 Uhr auf der Baustelle eine Treppe hinuntergestürzt. Der Krankenwagen sei gekommen, er sei nicht ansprech
bar gewesen. Er habe eine Hirnerschütterung erlitten.
3.
2
Die Ärzte des Kantonsspitals
C._
berichteten am 8. August 2017 (Urk. 8/27) über die gleichentags
durchgeführte
Computertomografie (CT) Poly
trauma beidseits. Es habe sich ein
subgaleales
Hämatom frontal rechts mit angrenzender Rissquetschwunde (RQW) ohne intrakranielle Hämorrhagie gezeigt. Ansonsten liege ein regelrechtes
Polyblessé
-CT ohne
Traumafolgen
vor.
3.3
Im provisorischen Austrittsbericht vom 9. August 2017 (Urk. 8/7) führten die Ärzte des
C._
aus,
der Patient sei vom 8. -10. August
2017 hospitalisiert gewe
sen. Sie nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
Leichte traumatische Hirnverletzung (LTHV) vom 8. August 2017
-
Schulterkontusion links vom 8. August 2017
Der Patient habe in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden können (S. 1).
Die Zuweisung sei über den Rettungsdienst erfolgt. Der Patient sei in einem Roh
bau unbeobach
tet zirka 10 bis 15 Stufen auf ein
er Treppe
hinunter
gestürzt. Der Helm sei einige Stufen oberhalb des Patienten gelegen. Init
ial sei er bewusstlos gewesen, s
eine Arbeitskollegen hätten ihn mit einem Wasserschlauch abgespritzt, um ihn zu wecken. Bei Eintreffen des Rettungsdi
enstes sei er dann wach gewesen
mit einem
GCS von 12 bis 1
3.
Der Patient sei initial erheblich agitiert gewesen. Es sei keine Anamnese möglich gewesen. Er habe nur «Okay» und «hinten» von sich gegeben. Anamnestisch seien keine Vorerkrankungen oder Allergien zu eruieren. Es habe kein Erbrechen und keine Übelkeit gegeben (S. 3 oben).
Zum Status bei Eintritt wurde festgehalten, die Schädelkalotte sei weder druck- noch klopfschmerzhaft, es gebe keine Aufprallmarken auf dem Schädel, der Gesichtsschädel sei palpatorisch unauffällig. Es lägen keine
Kontusionsmarken am Rücken vor und
keine Stufenbildung. Die Halswirbelsäule (HWS) sei vollbe
weglich und indolent, es bestehe keine
Druckdolenz
über den
Processi
spinosi der Lendenwirbelsäule (LWS), jedoch
Druckdolenz
der mittleren Brustwirbelsäule (BWS). Es lägen Prellmarken und oberflächliche Schürfwunden der rechten Gesichtshälfte, des rechten
Hemithorax
, der rechten Hüfte und des rechten Beines vor (S. 3).
Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100
%
vom 8. bis zum 14. August 2017 (S. 4).
3.4
Dr. med.
D._
und Dr.
E._
, Fach
ärzte für Radiologie, führten im Bericht vom 21. August 2017 (Urk. 8/30) zur gleichentags durchgeführten Magnetresonanztomographie (MRI) des Neurokrani
ums aus, es gebe MR-tomographisch kein Korrelat zu den angegebenen Beschwerden. Es bestünden keine Anhaltspunkte für posttraumatische Patholo
gien intrakraniell.
3.
5
Dr. med.
F._
,
Fachärztin für Neurologie, nannte im Bericht vom 23. August 2017 (Urk. 8/15) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Status nach leichtem Schädelhirntrauma am 8. August 2017 bei Sturz unklarer Ätiologie
-
Status nach Schulterkontusion links
-
Status nach HWS-Distorsion
-
leichtes
Lumbovertebralsyndrom
ohne radikuläre Ausfälle, Differentialdi
agnose (DD) posttraumatisch
Der Patient arbeite als Elektromonteur auf dem Bau. Am 8. August 2017 habe er eine schwere Fräsmaschine in den unteren Stock hinuntertragen wollen. Dabei sei es aus unklaren Gründen zu einem Sturz gekommen. Für diesen bestehe eine Amnesie, der Patient erinnere sich erst wieder ans Kantonsspital
C._
, wohin er ein
geliefert worden sei (S. 1). Er
klage
über linksseitige Schulterschmer
zen, Schmerzen im Bereich des Nackens sowie im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS). Intermittierend träten auch Kopfschmerzen auf. Seit dem Unfall klage er auch über Schwindel bei raschen Kopfbewegungen sowie über einen rechtsseiti
gen Tinnitus (S. 2 oben). Die Ursache des Sturzes sei unklar. Das Schädel-MRI zur Abklärung allfälliger cerebraler Kontusionsmarken sowie die
cerebrovaskuläre
Doppleruntersuchung
sei
en
unauffällig ausgefallen
. Dem Patienten seien physio
therapeutische Massnahmen rezeptiert worden, wegen der posttraumat
ischen Schwindelbeschwerden sei
eine medikamentöse Therapie eingeleitet worden (S. 3).
4.
4.1
In der Schadenmeldung vom 6. Dezember 2017 (Urk. 9/2) wurde festgehalten, der Beschwerdeführer sei am 3. Dezember 2017 bei einem Spaziergang mit dem Kin
derwagen mit Kind und Ehefrau plötzlich zusammengeklappt, habe das Bewusst
sein verloren und habe mit seinem Kopf auf den Asphalt geschlagen (S. 2). Dabei habe er eine Prellung im Gesicht erlitten (S. 1 Ziff. 9).
4.
2
Die Ärzte des Departements Operative Disziplinen des Spitals
G._
berichteten am 8. Dezember 2017 (Urk. 9/6) über die Hospitalisation des Beschwerdeführers vom 4. - 5. Dezember 201
7.
Sie nannten folgende Diagnosen (S. 1 oben):
-
leichte traumatische Hirnverletzung vom 3. Dezember 2017
-
Synkope unklarer Genese
-
Status nach leichter traumatischer Hirnverletzung mit
postcommotio
nellem
Syndrom mit persistierendem Schwindel und Kopfschmerzen (8. August 2017)
-
HWS Distorsion Grad I–II vom 3. Dezember 2017
Der Patient könne sich nicht erinnern, weshalb er gestürzt sei. Die Ehefrau, wel
che dabei gewesen sei, bestätige einen kurzen Bewusstseinsverlust. Auf der Notfallstation habe er sich kardiopulmonal stabil präsentiert, habe jedoch zusam
menhangslos erzählt und lediglich einen GCS von 13 Punkten erreicht. Des Weiteren habe der Patient über starke Kopfschmerzen und Übelkeit geklagt. Seit dem Unfall vom 8. August 2017 habe er einen persistierenden Schwindel und Kopfschmerzen (S. 1 Mitte).
Ein CT des Neurokraniums/Gesichtsschädels vom 4. Dezember 2017 habe keine intrakranielle Blutung und keine Fraktur gezeigt. Ein CT der HWS vom 4. Dezem
ber 2017 habe keine frischen ossären traumatischen Läsionen und keine signifi
kanten Weichteilverletzungen gezeigt (S. 2 Mitte).
4.
3
Dr. med.
B._
, Facharzt für
Oto
-Rhino-Laryngologie
, führte im Bericht vom 13. Dezember 2017 (Urk. 9/
7)
aus,
er habe
die vom Patienten angegebene «
Schwindligkeit
» nicht nach
weisen
können. Die Gleichgewichtsorgane funktio
nierten perfekt.
Anamnestisch dürften eher Synkopen vorliegen
. Bevor er den Patienten als rein funktionell abgebe,
sei
eine erneute Untersuchung angebracht
.
Aus seiner Sicht sei der Patient zu 100
%
arbeitsfähig, wobei vorläufig auf Arbeiten in der Höhe mit Sturzgefahr verzichtet werden sollte (S. 2).
4.
4
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.5) führte im Bericht vom 14. Mai 2018 (Urk. 9/17) aus, der Patient
gehe zweimal pro Woche in die Physiotherapie und mache daneben Fitnesstraining. Medikamente nehme er keine mehr ein. Er
klage
über ein Spannungsgefühl im Nacken und im Kopf fluktuierender Ausprägung. Er sei weiterhin lärmempfindlich und reizbar. Zu erneuten Synkopen sei es nicht mehr gekommen. Der Patient klage weiterhin über ungerichteten Schwindel, ins
besondere be
i körperlicher Anstrengung (S. 1
f.
).
4.5
Die Ärzte des Instituts Radiologie des Spitals
G._
berichteten am 25. Juli 2018 (Urk. 9/20) über das am Vortag durchgeführte MRI der HWS. Es habe sich ein altersentsprechend normales,
vertebrospinales
, zervikales MRI insbesondere ohne Nachweis von
Traumafolgen
oder relevanten degenerativen Veränderung
en
ergeben.
4.
6
Die Ärzte des
I
nstituts
H._
führten im Bericht vom 18. September 2018 (Urk. 8/124) zum gleichentags durchgeführten MRI
des Neurokraniums aus, es liege eine regelrechte Darstellung der intrazerebralen Strukturen vor. Es gebe keine posttraumatischen Residuen, keine
Hämosiderinablagerungen
und keine Befundänderung im Vergleich zum MRI vom 21. August 2017.
4.
7
Am 10. Januar 2019 erstattete Dr. med.
Z._
, Facharzt für Neu
rologie, Versicherungsmediziner der Beschwerdegegnerin, seine neurologische Beurteilung (Urk. 8/153
=
Urk.
9/22
).
Er führte aus, im Gegensatz zum Unfallge
schehen vom 8. August 2017 fehlten bei der Bewusstlosigkeit aufgrund einer Synkope vom 3. Dezember 2017 jegliche äusseren Verletzungszeichen hinsicht
lich Weichteilhämatom oder Rissquetschwunden. Insgesamt sei hier aus versiche
rungsmedizinischer Sicht lediglich von einem einfachen Kopfanprall auszugehen. Die durch das Spital
G._
festgestellte leichte traumatische Hirnverletzung sowie HWS-Distorsion sei aus versicherungsmedizinischer Sicht somit nicht nachvoll
ziehbar, da ein entsprechender schwerwiegender Unfallmechanismus fehle.
Hingegen könne im Rahmen des Unfallgeschehens vom 11. August 2017 aus neurologischer und versicherungsmedizinscher Sicht bei vorliegender Echtzeit
dokumentation mit Weichteilverletzungen und Bewusstlosigkeit sowie GCS von 12 bis 13 von einer leichten traumatischen Hirnverletzung mit einem post-
commotionellen
Syndrom (wie durch das
C._
und Dr.
F._
bestätigt) ausge
gangen werden
.
Die durchgeführte kraniale Bilddiagnostik habe weder nach dem Unfallgeschehen vom 8. August 2017 noch nach dem Kopfanprall vom 3. Dezember 2017 eine strukturelle Hirnschädigung ausgewiesen. Hiermit fehle die organische Grundlage für die geklagten mannigfaltigen Beschwerden (Kognition, Nacken- und Kopf
schmerzen, Lumbalgien, Schwindel und Tinnitus) sowie den protrahierten Ver
lauf.
Üblicherweise sei bei einer leichten traumatischen Hirnverletzung
oder einer HWS-Distorsion, wie im Rahmen des Unfallgeschehens vom 8. August 2017 aufgetreten, innerhalb von Wochen beziehungsweise maximal drei Monaten mit einer Rückbildung der post-
comotionellen
Beschwerdesymptomatik zu
rech
nen
.
Im Anschluss gelte eine LTHV beziehungsweise ein HWS-Beschleunigungstrauma als abgeheilt. Die Neurologin Dr.
F._
habe am 14. Mai 2018 lediglich ein Spannungsgefühl im Nacken und Kopf bei fluktuie
render Ausprägung dokumentiert. Hieraus ergebe sich, dass die Beschwerden offensichtlich schon nahezu abgeklungen gewesen seien (S. 5, vgl. auch S. 6
).
Ein Korrelat für den Schwindel habe sich im neurologischen Untersuchungsbe
fund im Anschluss an den
Treppensturz im
August 2017 nicht gefunden (S. 5 unten). Betreffe
nd den einfachen Kopfanprall im
Dezember 2017
träten Beschwerden üblicherweise für Tage bis maximal Wochen auf. Der protrahierte Verlauf sei weder durch das eine noch das andere dieser Ereignisse zu erklären (S. 6 oben).
Drei Monate nach dem Unfallgeschehen vom August 2017 hätten aus neurologi
scher und versicherungsmedizinischer Sicht keine Unfallfolgen mehr bestanden. Die Beschwerden im Zusammenhang mit dem einfachen Kopfanprall vom Dezember 2017 seien innerhalb von Tagen beziehungsweise einer Woche als
regredient
zu betrachten (S. 6 unten).
4.8
Dr. med.
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im Schrei
ben vom 14. Januar 2019 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 8/155) aus, der Patient habe nach wie vor Ängste bei der Arbeit, weshalb er diese sistiert habe. Die Ängste seien verbunden mit Schwindel. Er getraue sich nicht mehr, auf ein Gerüst zu steigen.
4.9
Dr.
A._
,
Chiropraktor
, führte im Bericht vom 1. Februar 2019 (Urk. 8/174
/4
) aus, auf dem MRI sei ein Diskusprolaps zu sehen, der als degene
rativ eingestuft worden sei. Es mache wenig Sinn, wenn nur eine Bandscheibe in diesem Ausmass geschädigt sei und dies degenerativ bedingt sein solle. Dagegen spreche auch, dass das neue MRI eine massive Verbesserung des Prolapses zeige. Wäre es degenerativ, so wäre der Prolaps kaum besser
geworden
. Betreffend
den
Schwindel werde nicht gesagt, dass er (nur) vertebragen sei
.
Man wisse, dass ein leichtes Hirntrauma solche Beschwerden verursachen könne.
4.10
Im Schreiben vom 6. Februar 2019 (Urk. 8/174/5) führte Dr.
I._
aus, seiner Ansicht nach sei der Sturz für die jetzt noch vorhandenen Schwindelbeschwerden verantwortlich. Er glaube auch nicht, dass di
e Bandscheibenprotrusion vor drei
Jahren die Ursache für diese Schwindelbeschwerden seien.
4.11
Im Bericht vom 4. April 2019 (Urk. 3) führte Dr.
A._
aus, er realisiere, dass der Unfall vom 6. Juli 2016 mit dem schweren Diskusprolaps abgeschlossen sei. Mit hoher Sicherheit könne aber gesagt werden, dass es durch den Unfall vom 8. August 2017 zu einer Verschlechterung der HWS-Situation gekommen sei und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine U
nfallkausalität vorhanden sei.
5.
5.1
Die neurologische Beurteilung
durch
Dr.
Z._
vom 10. Januar 2019 (vorste
hend E. 4.7) erscheint als schlüssig, ist nachvollziehbar begründet und in sich widerspruchsfrei.
Zweifel an ihr vermochte der Beschwerdeführer
auch unter Zuhilfenahme von Stellungnahmen seiner behandelnden Ärzte nicht zu wecken. So begründete Dr.
A._
nicht weiter, weshalb es seiner im April 2019 geäusser
ten Ansicht nach durch den Unfall vom 8. August 2017 zu einer Verschlechterung der HWS-Situation gekommen sei (vorstehend E. 4.11).
Vielmehr wirkt diese Aus
sage nachgeschoben, nachdem Dr.
A._
sich im Bericht vom Februar 2019 irri
gerweise zur HWS-Konstellation nach einem hier nicht interessierenden Unfall
ereignis im Jahr 2016 geäussert, die Schwindelbeschwe
r
den hingegen – zumin
dest teilweise –
auch
dem leichten Hirntrauma zugeschrieben hatte
(vorstehend E. 4.9). Auch Dr.
I._
unterlegte seine Ansicht, der Sturz sei für die noch vorhandenen Schwindelbeschwerden verantwortlich (vorstehend E. 4.10)
,
nicht mit Argumenten
.
Indizien gegen
die
Zuverlässigkeit
der neurologischen Beurtei
lung durch Dr.
Z._
bestehen
somit
keine, weshalb grundsätzlich auf sie abge
stellt we
rden kann (vgl. vorstehend E. 1.5
).
Es wurde
von ihm
überzeugend dargetan
, dass die Beschwerden im Kopf- und Nackenbereich im Mai 2018
bereits nahezu abgeklungen seien
, nachdem der Beschwerdeführer gegenüber der behandelnden Neurologin
(vgl. vorstehend E. 4.4) betreffend diesen Bereich
lediglich noch
ein
Spannungsgefühl
angegeben
habe.
Die Beschwerdegegnerin wies denn auch zu Recht darauf hi
n, dass der Beschwer
deführer
keine Versicherungsleistungen für Beschwerden im Kopf- und Nacken
bereich mehr fordere, sondern nur noch für die persistierenden Schwindelbe
schwerden (vgl. vorstehend E. 2.2 und E.2.3). Für diese wiederum fehlt mit Dr.
Z._
eine organische Grundlage, kann doch von organisch objektiv ausge
wiesenen
Unfa
llfolgen erst dann gespro
chen werden, wenn die erhobenen Befunde mit
apparativen/bildgebenden Abklä
rungen bestätigt wur
den und die hierbei angewandten
Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009 E. 2).
Dies ist nicht der Fall,
nachdem die durchgeführte kraniale Bilddiagnostik weder nach dem Unfallgeschehen vom 8. August 2017 noch nach dem Kopfanprall vom 3. Dezember 2017 eine strukturelle Hirnschädigung auswies (vgl. vorstehend E.
3.4, E.
4.2, E. 4.6, E. 4.7)
. Auch der behandelnde
Oto
-Rhino-Laryngolog
e
Dr.
B._
konnte die Schwindelbeschwerden
im Übrigen
bei perfekt funktionie
renden Gleichgewichtsorganen objektiv nicht nachweisen (vorstehend E. 4.
3).
Zwar
sind
die weiteren Behandler Dr.
A._
und Dr.
I._
(vorstehend E. 4.
8
11)
wie der Beschwerdeführer überzeugt, dass die Schwindelbeschwerden unfall
bedingt seien. Eine organische Grundlage derselben
machen
sie
aber
nicht
geltend (vorstehend E. 2.2).
Es ist somit erstellt, dass die geklagten Schwindelbeschwerden kein o
rganisches Korrelat aufweisen.
Üblicherweise bilden sich solche post-
comotionellen
Beschwerden mit Dr.
Z._
innerhalb von maximal drei Monaten zurück.
Dennoch handelt es sich bei ihnen um eine
potentiell
natürlich unfallkausale Schädigung
nach Schädel-Hirn-Trauma
. Die Adäquanz ist daher gesondert zu prüfen (vgl.
vorstehend E. 1.3
und E. 1.4
).
Ergibt sich, dass es an der Adäquanz fehlt, erübrigen sich auch Weiterungen zur natürlichen
Kausalität (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_70/2009 vom 31. Juli 2009 E. 3).
5.2
Im Hinblick auf die Prüfung der Adäquanz ist zunächst der Unfall nach seiner Schwere zu qualifizieren, welche sich nach dem augenfälligen Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften bestimmt (
Urteil des Bundesgerichts 8C_546/2013 vom 24. September 2013, E. 3.2).
Der Beschwerdeführer stürzte am 8. August 2017 auf der Baustelle rund 10 bis 15 Stufen einer Treppe hinunter.
Dabei oder b
ereits
zuvor
hatte
er das Bewusst
sein
verloren
.
Beobachtet wurde er
sodann beim Sturz
nicht
, womit das Unfall
geschehen im Ergebnis kaum dokumentiert ist. Jedenfalls existiert eine breite Palette von weit gravierenderen
möglichen
Unfallhergängen
. Zum Vergleich wurde vom Bundesgericht im vorgenannten Urteil ein
Verkehrsunfall, bei dem die Versicherte auf dem Fussgängerstreifen von einem mi
t einer Geschwindigkeit von zirka
40 bis 50 km/h fahrenden Per
sonenwagen frontal erfasst worden
und verletzt auf der Strasse liegen
ge
blieb
en war, lediglich als mittelschweres Ereignis im mittleren Bereich beurteilt (E. 3.2). D
ie Einstufung
des Unfalles vom 8. August 2017
als mittelschwer im Grenzbereich zu leicht
ist daher ebenso wenig
zu bean
standen
wie
die
unbestrittene
Qualifikation des Kopfanpralls auf dem Asphalt anlässlich des Spaziergangs vom 3. Dezember 2017 als leichter Unfall.
De
r adäquate Kausalzusammenhang zwischen den Schwindelbeschwerden und dem Unfall vom 3. Dezember 2017
ist
somit ohne Weiteres zu verneinen und im Folgenden nur noch auf den Unfall vom 8. August 2017 zu fokussieren.
Die Adä
quanz eines Kausalzu
sammenhanges der Schwindelbeschwerden ist dann zu bejahen, wenn vier der massgeblichen Kriterien (oder eines der Kriterien ausge
prägt) erfüllt sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_833/2016 vom 14. Juni 2017 E. 6.1; vgl. auch vorstehend E. 1.4).
5.3
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit
des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens
beziehungsweise Angstgefühls
der versicherten Person. Zu beacht
en ist dabei, dass jedem mindes
tens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrück
lichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen ka
nn.
Die Rechtsprechung hat dabei insbesondere etwa in Erwägung gezogen, ob das Ereignis objektiv einen unmittelbar lebensbedrohenden Charak
ter habe
.
So wurde das Kriterium beispielsweise als erfüllt erachtet im Fall einer Versicherten, die bei einem Motorradunfall zusammen mit ihrem Freund über das Auto, mit dem sie kollidiert waren, hinweg rund zehn Meter durch die Luft geschleudert wurde
(Urteile des Bundesgerichts 8C_611/2016 vom 16. Dezember 2016 E. 3.4 sowie
8C_134/2015
vom 14. September 2015 E. 5.3.1
).
Der Unfall ereignete sich bei der Arbeit
auf der Baustelle
, als der Beschwerdefüh
rer eine schwere Fräsmaschine eine Treppe hinuntertragen wollte und diese dann hinunterstürzte. Für den Sturz besteht indes eine Amnesie, der Beschwerdeführer kann sich an diesen nicht erinnern (vorstehend E.
3.3 und E. 3.5). Besonders dra
matische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit sind somit nicht
eruierbar
. Selbst wenn sie vorlägen, könnten sie angesichts der Amnesie des Beschwerdeführers wohl nur eine beschränkte Wirkung entfalten.
Der Beschwerdeführer erlitt eine leichte traumatische Hirnverletzung in Form eines
subgaleaen
Hämatoms frontal rechts mit angrenzender Rissquetschwunde ohne intrakranielle Hämorrhagie sowie eine Schulterkontusion links (vorstehend E. 3.2).
Er wies einen GCS von 12 bis 13 auf, als der Rettungsdienst eintraf, und musste von diesem
ins
C._
eingeliefert werden, wo er nach zwei bis drei Tagen in gutem Allgemeinzustand wieder nach Hause entlassen werden konnte, wobei ihm insgesamt lediglich eine einwöchige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (vor
stehend E. 3.3).
Aus objektiver Sicht kann demnach nicht von schweren oder besonderen Verletzungen gesprochen werden.
Was das Kriterium der «fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behand
lung» betrifft,
muss eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustands gerichtete fachärztliche Behandlung, welche von ungewöhnlich langer Dauer oder in anderer Hinsicht mit einer deut
lichen Mehrbelastung verbunden gewesen ist, vorliegen
(Urteil des Bundesge
richts 8C_749/2010 vom 1. Juni 2011 E. 6.3.2).
G
emäss der behandelnden Neurologin Dr.
F._
sei
im August 2017 eine medikamentöse Therapie eingeleitet worden (vgl. vorstehend E. 3.5). Der Hausarzt Dr.
I._
erwähnte in seinen Zwischenberichten
von Oktober 2017 bis März 2018 indes als gegenwärtige Behandlung lediglich eine Physiotherapie (vgl. Urk. 8/39; Urk. 8/62; Urk. 8/77) und Dr.
F._
führte im Mai 2018 aus, der Beschwerdeführer nehme keine Medikamente mehr ein (vorstehend E. 4.4).
Mit besonderen Belastungen ist eine Physiotherapie rechtsprechungsgemäss nicht verbunden (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_726/2010 vom 19. November 2010 E. 4.1.3).
Auch die
regelmässigen
Besuche beim Hausarzt
sowie
die punk
tuellen bei
den Spezialisten sind
lediglich
als diagnostische Massnahmen oder Verlaufskontrollen zu werten.
D
as Kriterium der fortgesetzten spezifischen un
d belastenden ärztlichen Behand
lung
ist vorliegend also nicht erfüllt.
Keine Hinweise ergeben sich sodann auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, und
auch ein schwieriger Hei
lungs
verlauf oder erhebliche Komplikationen sind ohne Weiteres zu verneinen.
Grössere Anstrengungen
,
sich wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern,
sind
vorliegend
nicht ersichtlich, womit auch das Kriterium der «erheblichen Arbeits
unfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen»
mit der Beschwerdegegnerin (
Urk.
2 S. 11 E. 5g)
nicht gegeben ist.
Die Erheblichkeit der Beschwerden beurteilt sich nach den glaubhaften Schmer
zen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person im Lebensall
tag wegen ihnen erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4). Der vom Beschwerdeführer
g
eklag
te Schwindel äussere
sich gemäss seinen
im August 2017 getätigten
Angaben bei raschen Kopfbewegungen (vorstehend E. 3.5), gemäss seinen
im Mai 2018 getätigten
Angaben hingegen als ungerichteter Schwindel, der insbesondere bei k
örperlicher Anstrengung auftrete
(vorstehend E. 4.4). Aus Angst getraue er sich deshalb nicht mehr, auf ein Gerüst zu steigen (vorstehend E. 4.8). Nachdem keines der übrigen Kriterien gegeben ist, müsste das verbleibende Kriterium der erheblichen Beschwerden für die Bejahung der Adäquanz in besonders ausge
prägter Weise erfüllt sein. Mit der Beschwerdegegnerin (vorstehend E. 2.1) trifft
dies klarerweise nicht zu, womit offenbleiben kann, ob es überhaupt in der einfachen Form vorliegt.
5.4
Zusammenfassend steht fest, dass von den praxisgemässen Kriterien höchstens diejenigen der «erheblichen Beschwerden» erfüllt sind, dies jedoch bestenfalls in einfacher – nicht in ausgeprägter – Weise. Entsprechend ist der adäquate Kausal
zusammenhang zwischen den nach wie vor bes
te
henden
Schwindelbeschwerden
des Beschwerdeführers
und dem Unfallereignis vom
8. August 2017
zu verneinen und weitere Ausführungen zum natürlichen Kausalzusammenhang erübri
gen sich (vgl. E. 5.1
).
5.5
Ein Fallabschluss ist dann vorzunehmen, wenn von einer Fortsetzung der ärzt
li
chen Behandlung keine namhafte Besserung mehr erwartet werden kann. In diesem Zeitpunkt ist der Fall somit unter Einstellung der vorübergehenden Leis
tungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invaliden
rente und eine Integri
täts
entschädigung abzuschliessen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat die verunfallte Person Anspruch auf Heilbehandlung
und Taggeldleistungen (vgl. Art. 19
Abs. 2 UVG; Urteile des Bundesgerichts 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3 und 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1). Nach der Rechtsprechung ist der Begriff
der nam
haften Besserung namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steige
rung ode
r Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit un
fallbedingt beein
trächtigt, aus
zulegen
(BGE
134 V 109 E. 4.3).
Die
einzig noch
geltend gemachten Schwindelbeschwerden sind nach dem Gesagten
(vorstehend E. 5.4)
nicht unfallbedingt. Bei der Prüfung eines allfällig verfrühte
n Fallabschlusses stellt sich
aber nur
betreffend die unfallbedingten Beeinträchtigungen
die Frage, ob
noch eine namhafte Verbesserung zu erwarten ist. Das allfällige Verbesserungspotential betreffend die
nicht unfallbedingten
Schwindelbeschwerden ist somit irrelevant.
Damit ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerd
egegnerin ihre Leistungen per 3
.
Dezember 2018
eingestellt hat.
5.6
Der angefochtene
Einspracheentsch
eid
der Beschwerdegegnerin vom 20
.
März 2019
erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.