Decision ID: 963877ec-93f2-575b-94fe-16c39b37b20a
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o Procap Schweiz, Frohburg
strasse 4, Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ bezog ab ihrem Geburtsjahr Leistungen der Invalidenversicherung aufgrund
der Folgen einer Frühgeburt (IV-act. 6) und einer spastischen Cerebralparese (IV-
act. 11). Am 28. Mai 2004 ersuchte sie die IV-Stelle um die Vergütung der Kosten einer
psychotherapeutischen Behandlung (IV-act. 31). Die seit dem Jahr 2002 behandelnde
Psychiaterin B._ berichtete am 30. Oktober 2004 (IV-act. 39), die Versicherte leide an
einer reaktiven Bindungsstörung des Kindesalters. In Anbetracht der schweren
familiären Belastung mit Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis und
Suiziden sowie der Schwere der Störung der Versicherten sei voraussichtlich eine
lange psychotherapeutisch-psychiatrische Behandlung zur Bewältigung der in der
adoleszenteren Entwicklung anstehenden Aufgaben und den mit diesen verbundenen
Problemen erforderlich. Ohne eine Psychotherapie mindestens bis zum Erreichen der
Volljährigkeit erschienen die psychische Entwicklung mit der Bewältigung der
altersentsprechenden Lebensaufgaben, besonders die anstehende psychosexuelle und
psychosoziale Identitätsbildung in der Adoleszenz, sowie die spätere berufliche
Eingliederung gefährdet. Mit einer Verfügung vom 8. Februar 2005 wies die IV-Stelle
das Begehren um die Vergütung der Kosten der psychotherapeutischen Behandlung
aufgrund der unsicheren Prognose ab (IV-act. 42). Eine dagegen erhobene Einsprache
(IV-act. 45) wurde ebenfalls abgewiesen (IV-act. 49).
A.b Am 21. Januar 2008 meldete sich die Versicherte für berufliche Massnahmen bei
der IV-Stelle an (IV-act. 52). Da B._ darauf hingewiesen hatte, dass die Versicherte
bereits eine Lehrstelle als Buchhändlerin gefunden habe (IV-act. 64), wies die IV-Stelle
das Gesuch mit einer Verfügung vom 17. Juni 2008 ab (IV-act. 70). Am 29. Juli 2009
meldete sich die Versicherte erneut für berufliche Massnahmen an (IV-act. 75). Am
3. August 2009 gab der Pflegevater der Versicherten telefonisch an (IV-act. 81), die
Versicherte habe die Berufslehre abbrechen müssen, da ihre schulischen Leistungen
ungenügend gewesen seien und sie am Arbeitsplatz überfordert gewesen sei. Aktuell
stelle sich die Frage einer Anlehre zur Buchbinderin in einem geschützten Rahmen. Der
IV-Stelle ging in der Folge unter anderem eine Beurteilung des früheren Lehrbetriebs
der Versicherten vom 9. August 2009 zu, welchem sich entnehmen liess (IV-act. 88–
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3 f.), dass die Versicherte psychisch sehr labil gewesen war und in fast allen
praktischen Arbeiten weit hinter den Bildungszielen hinterher gehinkt hatte. Die
Versicherte hatte selbst einfachste Aufgaben nur mit Hilfestellung erledigen können.
Die Lehrverantwortlichen hatten eine Ausbildung der Versicherten in einem
wirtschaftlich geführten Betrieb als unmöglich erachtet. Am 22. Januar 2010 erteilte die
IV-Stelle eine Kostengutsprache für eine zweijährige Anlehre zur Buchbinderin (IV-
act. 104). Am 9. November 2010 berichtete der neue Ausbildungsbetrieb (IV-act. 118),
die Versicherte habe mit der Suche nach einer Ausbildungsstelle im Bereich
Hauswirtschaft im Anschluss an die Anlehre begonnen. Die damit verbundene
Zusatzbelastung habe sie derart überfordert, dass die Arbeitsanforderungen auf ein
Minimum hätten reduziert werden müssen. Beim Ausbildungsprogramm habe ein Stop
eingelegt werden müssen. Die Versicherte konnte die Anlehre trotzdem im Juli 2011
abschliessen (IV-act. 123). Bereits vor dem Abschluss ihrer Ausbildung hatte sie eine
Lehrstelle für die Ausbildung zur Fachfrau Hauswirtschaft erhalten (IV-act. 121). Diese
Stelle konnte sie allerdings nicht antreten, da sie schwanger geworden war (vgl. IV-
act. 124). Am 29. September 2011 teilte ihr die IV-Stelle mit (IV-act. 129), dass weitere
berufliche Massnahmen nach dem Abschluss der ersten Ausbildung und angesichts
der Schwangerschaft nicht angezeigt seien.
A.c Am 15. Dezember 2011 berichtete B._ (IV-act. 137), dass die Versicherte am
14. Oktober 2011 von einem gesunden Mädchen entbunden worden sei. Im gesamten
Verlauf habe sich gezeigt, dass die Versicherte zwar im Allgemeinen motiviert, aber
noch nicht eigenständig genug sei, um beim Auftreten sachlicher oder
zwischenmenschlicher Probleme alleine zurecht zu kommen. Sie sei vielmehr auf
intensive Begleitung und Unterstützung angewiesen, zumal sie auch rasch überfordert
sei, wenn mehrere Probleme oder Aufgaben zu lösen seien. Dies verunmögliche die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nach dem Ablauf des Mutterschaftsurlaubes. Wann
die Versicherte eine Erwerbstätigkeit oder Ausbildung aufnehmen könne, sei nicht
absehbar. Auf eine entsprechende Frage der IV-Stelle hin teilte die Versicherte am
18. Januar 2012 mit, dass sie ohne Gesundheitsbeeinträchtigung einer Erwerbstätigkeit
in einem Pensum von 80 Prozent nachgehen würde (IV-act. 140). Ihr Vormund führte
am 11. April 2012 aus (IV-act. 145), dass die Versicherte gerne zu 80–100 Prozent
arbeiten würde. Der von der IV-Stelle zugesandte Fragebogen betreffend
Erwerbstätigkeit und Haushalt könne nicht beantwortet werden, da die Versicherte
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noch nie einen eigenen Haushalt geführt habe. Am 23. April 2012 fragte die IV-Stelle
nach, ob die Versicherte eher zu 80 Prozent oder eher zu 100 Prozent arbeiten würde,
und erkundigte sich nach bestimmten Details einer allfälligen Kinderfremdbetreuung
(IV-act. 147). Der Vormund antwortete am 30. Mai 2012, dass es für die Versicherte vor
der Geburt ihrer Tochter klar gewesen sei, dass sie voll erwerbstätig sein wolle, sie nun
aber je nach Möglichkeit zu 80–100 Prozent arbeiten würde (IV-act. 149). B._
berichtete am 4. Februar 2013 (IV-act. 154), dass eine Störung des emotionalen und
sozialen Verhaltens mit Beginn in der Kindheit und Jugend vorliege, die
Selbstwertprobleme und starke Ängste mit sich bringe. Der Versicherten könne
sicherlich keine Erwerbstätigkeit in einem Pensum von 50 Prozent oder mehr
zugemutet werden. Eine Wiedereingliederung sei in einem nahe gelegenen Arbeitsplatz
ohne Zeitdruck und mit wohlwollenden Vorgesetzten denkbar. Es müsse mit einem
kleinen Pensum von zum Beispiel einem halben Tag pro Woche begonnen werden.
Dieses könne dann langsam entsprechend der Belastbarkeit der Versicherten
gesteigert werden.
A.d Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der Psychiater Dr. med. C._ am 16. Mai 2013
ein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 160). Er führte aus, die Versicherte leide an einer
protrahierten Verhaltens- und emotionalen Störung mit Beginn in der Kindheit und
gegenwärtig vordergründig Ängstlichkeit und Selbstwertproblematik. Ihr könne in der
freien Wirtschaft ein Pensum von 50 Prozent zugemutet werden. Es bestehe kein
Bedarf nach einem geschützten Arbeitsplatz. Am 9. Juli 2013 nahm die Psychiaterin
Dr. med. D._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) Stellung zum
Gutachten (IV-act. 162). Sie führte aus, das Gutachten überzeuge. Der Versicherten
könne die Ausübung einer Erwerbstätigkeit in einem Pensum von mehr als 50 Prozent
nicht zugemutet werden. Mit einem Vorbescheid vom 29. Juli 2013 teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit (IV-act. 167), dass sie ihr ab dem 1. August 2011 eine Viertelsrente
zusprechen werde. Der Rentenanspruch beginne mit dem Ende des
Taggeldanspruchs. Für die Berechnung des Invaliditätsgrades werde von einer
hypothetischen Erwerbstätigkeit im Umfang von 90 Prozent ausgegangen. Angesichts
der attestierten Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent im angestammten Beruf als angelernte
Buchbinderin ergebe sich für den Anteil der Erwerbstätigkeit eine Einschränkung von
44 Prozent, was einem anteiligen Invaliditätsgrad von 40 Prozent entspreche. Die
Einschränkung in Bezug auf die Führung des Haushaltes von ebenfalls 50 Prozent
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entspreche einem anteiligen Invaliditätsgrad von fünf Prozent. Der Invaliditätsgrad
betrage insgesamt also 45 Prozent. Die Versicherte liess am 23. September 2013
einwenden (IV-act. 171), die Invaliditätsgradberechnung müsse unter Berücksichtigung
eines Valideneinkommens einer Frühbehinderten erfolgen. Zudem sei gemäss dem
Gutachten von Dr. C._ von einer Arbeitsfähigkeit von lediglich 30 Prozent bis zur
Geburt des Kindes der Versicherten und erst anschliessend von einer solchen von 50
Prozent auszugehen. Mit einem weiteren Vorbescheid vom 14. November 2013 teilte
die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 177), dass sie die Zusprache einer ganzen
Rente ab dem 1. August 2011 und einer Viertelsrente ab dem 1. Februar 2012 vorsehe.
Dagegen liess die Versicherte am 6. Dezember 2013 einwenden, dass das
Valideneinkommen nach wie vor falsch festgelegt worden sei (IV-act. 179). Am
10. Februar 2014 (IV-act. 184 f.) verfügte die IV-Stelle gemäss dem Vorbescheid vom
14. November 2013.
B.
B.a Am 13. März 2014 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine
Beschwerde erheben und die Aufhebung der Verfügung vom 10. Februar 2014 sowie
die Zusprache einer ganzen Rente ab dem 1. August 2011 und mindestens einer
halben Rente ab dem 1. Februar 2012 beantragen (act. G 1). Zur Begründung liess sie
ausführen, sie habe aufgrund ihrer Gesundheitsbeeinträchtigung keine zureichenden
beruflichen Kenntnisse erwerben und daher nicht dieselben Verdienstmöglichkeiten wie
eine gesunde Person realisieren können. Sie müsse daher als Frühbehinderte
qualifiziert werden. Alternativ müsse ein Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 15–
20 Prozent gewährt werden, da die Anforderungen an eine leidensadaptierte Tätigkeit
unüblich hoch seien.
B.b Am 12. Mai 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte sie aus, die Beschwerdeführerin sei
nicht als Frühinvalide zu qualifizieren, da sie eine berufliche Ausbildung abgeschlossen
habe. Weil ausschliesslich psychische Beschwerden die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigten, falle ein Abzug vom Tabellenlohn nicht in Betracht.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 16. Juni 2014 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).
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Erwägungen:
1.
1.1 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich
zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind, haben einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist der voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde, durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung
verursachte und nach der zumutbaren Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 8 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades von erwerbstätigen Versicherten wird das Erwerbseinkommen, das
diese nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihnen zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnten, in Beziehung zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnten, wenn sie nicht invalid geworden wären,
gesetzt (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität
darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind,
wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Sind sie daneben auch
im Aufgabenbereich tätig gewesen, wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil
der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden
Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Konnte eine versicherte Person wegen
der Invalidität keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben, entspricht das
Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, einem nach dem Alter
abgestuften Prozentsatz des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (Art. 26 Abs. 1 IVV). Konnte die
versicherte Person wegen der Invalidität eine begonnene berufliche Ausbildung nicht
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abschliessen, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen
könnte, dem durchschnittlichen Einkommen eines Erwerbstätigen im Beruf, für den die
Ausbildung begonnen wurde (Art. 26 Abs. 2 IVV).
1.2 Die Beschwerdeführerin ist erwiesenermassen seit frühester Kindheit in ihrer
Gesundheit beeinträchtigt. Dies wirft die Frage auf, ob es der Beschwerdeführerin
trotzdem möglich gewesen ist, eine berufliche Ausbildung zu absolvieren, die es ihr
erlaubt hätte, das Erwerbspotential, das sie als Gesunde gehabt hätte, voll
auszuschöpfen. Diesfalls entspräche das Valideneinkommen dem Einkommen einer
gesunden Arbeitnehmerin im entsprechend erlernten Beruf, weil eine entsprechende
Berufskarriere am plausibelsten wäre. Andernfalls könnte das Valideneinkommen nicht
so einfach bestimmt werden, weil nicht bekannt wäre, welche Ausbildung die
Beschwerdeführerin hätte absolvieren können, wenn sie gesund gewesen wäre. Für
diesen Fall sieht Art. 26 Abs. 1 IVV die Anwendung statistischer Werte für die
Ermittlung des Valideneinkommens vor. Der Beschwerdeführerin ist es zwar gemäss
den Akten gelungen, trotz gesundheitsbedingter Probleme ihre schulische Ausbildung
ordentlich abzuschliessen. Im Anschluss hat sie mithilfe persönlicher Beziehungen
ihres Pflegevaters eine Berufslehre als Buchhändlerin beginnen können, was
angesichts des schulischen Abschlusses als eine im üblichen Rahmen liegende
Ausbildung qualifiziert werden kann. Die Gesundheitsbeeinträchtigung der
Beschwerdeführerin hat sich allerdings in dieser beruflichen Ausbildung deutlich
stärker als noch in der schulischen Ausbildung bemerkbar gemacht und schliesslich
zum Abbruch der Berufslehre geführt. Die Ausbildner haben angesichts der
Erfahrungen während der Berufslehre eine Ausbildung in der freien Wirtschaft als
unmöglich erachtet und dies nachvollziehbar begründet. Der Ausbildungsabbruch ist
also invaliditätsbedingt erfolgt. Die Beschwerdeführerin hat zwar anschliessend eine
Anlehre im geschützten Rahmen absolvieren können, doch liegt auf der Hand, dass
diese nicht als eine im üblichen Bereich der Möglichkeiten einer gesunden jungen Frau
liegende berufliche Ausbildung qualifiziert werden kann. Daran ändert die Tatsache
nichts, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Abschluss gemäss der Aussage des
Berufsberaters der Beschwerdegegnerin eine Stelle in der freien Wirtschaft finden
könnte, denn die damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten liegen dessen ungeachtet
weit unter den Möglichkeiten, welche die Beschwerdeführerin hätte, wenn sie ihre
Ausbildung als Buchhändlerin ordentlich hätte abschliessen können. Folglich kann das
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als angelernte Buchbinderin erzielbare Einkommen nicht als Valideneinkommen
herangezogen werden. Eine Karriere als angelernte Buchbinderin entspricht angesichts
des invaliditätsbedingten Abbruchs der Ausbildung zur gelernten Buchhändlerin einer
Invalidenkarriere und nicht etwa der Validenkarriere, wie die Beschwerdegegnerin
fälschlicherweise angenommen hat. Obwohl die Beschwerdeführerin in der Lage
gewesen ist, ihre schulische Ausbildung ordentlich abzuschliessen, hat sie bloss durch
Vermittlung ihres Pflegevaters eine Berufslehre beginnen können, deren Erfolg von
Beginn weg fraglich gewesen ist. Jedenfalls hat sich rasch gezeigt, dass die
Beschwerdeführerin zum Vorneherein invaliditätsbedingt nicht in der Lage gewesen ist,
eine solche Berufslehre abzuschliessen. Folglich liegt ein Anwendungsfall von Art. 26
Abs. 1 IVV vor. Das Valideneinkommen entspricht damit 80 Prozent des Medianwertes
gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik, denn die
Beschwerdeführerin hat im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns (1. August
2011) ihr 21. Altersjahr vollendet gehabt. Das Valideneinkommen beträgt also für das
Jahr 2011 60’800 Franken (76’000 Franken [Medianwert 2011; vgl. IV-Rundschreiben
Nr. 294] × 80 Prozent; für ein Vollpensum).
1.3 Bis zur Geburt ihrer Tochter hat sich die Beschwerdeführerin vollzeitig in Aus
bildung befunden. Wäre sie nicht schwanger geworden, hätte sie eine weitere
vollzeitige Ausbildung absolviert. Gemäss den Angaben ihres Vormundes wäre sie
anschliessend auch vollzeitig erwerbstätig gewesen. Die Invalidenkarriere der
Beschwerdeführerin wäre damit jene einer angelernten, vollzeitig erwerbstätigen
Buchbinderin oder allenfalls jene einer vollzeitig erwerbstätigen Fachfrau
Hauswirtschaft gewesen. Die Geburt der Tochter hat zumindest vorerst die zweite
Möglichkeit unwahrscheinlich werden lassen. Die Beschwerdeführerin hat ausführen
lassen, dass sie ohne Gesundheitsbeeinträchtigung eine Fremdbetreuung ihrer Tochter
organisieren und in einem Pensum von 80–100 Prozent arbeiten würde. Angesichts der
Kosten für eine Fremdbetreuung hätte die Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung
ihrer Erwerbsmöglichkeiten einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen müssen. Das
Einkommen aus einem Teilpensum von 80 Prozent hätte nämlich zu einem massiven
finanziellen Engpass geführt. Folglich ist der Invaliditätsgrad anhand eines
Einkommensvergleichs ausgehend von einer hypothetischen vollzeitigen
Erwerbstätigkeit zu berechnen.
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1.4 Als Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist der
vom letzten Ausbildungsbetrieb unter Hinweis auf den massgebenden
Gesamtarbeitsvertrag angegebene Jahreslohn von 41’100 Franken heranzuziehen.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin rechtfertigt sich ein Abzug von diesem
Lohn im Sinne von BGE 126 V 75, da die Beschwerdeführerin die ihr zumutbare
Arbeitsleistung nicht zuverlässig wird erbringen können. Ein wirtschaftlich denkender
Arbeitgeber wird den zu erwartenden Überforderungssituationen,
Leistungsschwankungen und unvorhergesehenen Absenzen vom Arbeitsplatz bei der
Festsetzung des Lohnes Rechnung tragen müssen, weshalb die Beschwerdeführerin
nicht in der Lage sein wird, denselben Lohn zu erzielen wie eine gesunde, im selben
Pensum tätige Arbeitnehmerin im gleichen Beruf. Die entsprechenden Nachteile wären
überdurchschnittlich hoch, weil der Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin ausserordentlich labil sind und ausserordentlichen Schwankungen
unterliegen. Deshalb erscheint ein Abzug von 15 Prozent als angemessen. Gemäss
dem überzeugenden Gutachten von Dr. C._ hat die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin bis 14 Wochen nach der Geburt der Tochter 30 Prozent und ab
diesem Zeitpunkt 50 Prozent betragen. Entsprechend hat sich das zumutbarerweise
erzielbare Invalideneinkommen auf 10’481 Franken bzw. 17’468 Franken belaufen.
Daraus resultiert unter Berücksichtigung des Valideneinkommens von 60’800 Franken
ein Invaliditätsgrad von 83 bzw. 71 Prozent.
1.5 Die Beschwerdeführerin hat ab dem Ende ihres Taggeldanspruchs, das heisst ab
dem 1. August 2011 einen Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung.
Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 10. Februar 2014 ist also
aufzuheben und durch die Zusprache einer ganzen Rente ab dem 1. August 2011 zu
ersetzen.
2. Damit obsiegt die Beschwerdeführerin vollständig. Das hat zur Folge, dass die
gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu erhebenden und angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten vollumfänglich
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind. Die Beschwerdegegnerin ist weiter zu
verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessene Parteientschädigung
auszurichten, die angesichts des durchschnittlichen Aufwandes praxisgemäss auf
3’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt wird.
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP