Decision ID: b7b6f24e-825f-4784-b7af-7c0ce4c3932c
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Karin Bürki Sonderegger, Auerstrasse 2,
Postfach 91, 9435 Heerbrugg,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1959, meldete sich am 4. September 2006 wegen starker
Kopfschmerzen und variablen Blutdrucks, bestehend seit September 2005, zum Bezug
einer Rente der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an.
Ergänzend gab er an, er habe am 29. Juni 1999 einen Betriebsunfall erlitten – ihm sei
eine Spule auf den Kopf gefallen und er habe mit dem Helikopter ins Kantonsspital
St. Gallen gebracht werden müssen –; seither verschlechtere sich sein
Gesundheitszustand (IV-act. 1).
A.b Am 10. Oktober 2006 erstattete der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. B._,
Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, einen Arztbericht. Er diagnostizierte einen
Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung mit Kribbelparästhesien und
attackenartiger Cephalea, eine geringe Bandscheibenprotrusion C4/5 sowie eine
arterielle Hypertonie mit rezidivierenden hypertensiven Krisen und attestierte eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 2. Januar 2006. Der Versicherte sei in seiner
Konzentrationsfähigkeit stark eingeschränkt, weshalb die Ausübung einer beruflichen
Tätigkeit nicht mehr möglich sei (IV-act. 13).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Zentralschweiz am 18. Januar 2008 ein polydisziplinäres Gutachten mit
neurologischem und psychiatrischem Teilgutachten. Die Gutachter diagnostizierten
eine Somatisierungsstörung mit Kopfschmerzen vom Spannungstyp (teils Übergang in
Migräne; Verdacht auf Analgetikaüberkonsum mit Kopfschmerztriggerung),
Hemidysästhesie ohne sicheres organisches Korrelat, unbestimmtem Schwindel (zum
Teil mit anamnestisch vasovagalen Synkopen) und psychosomatischer
Persönlichkeitsstruktur und attestierten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bezogen auf
die angestammte Tätigkeit sowie eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit für berufliche
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Tätigkeiten ohne hohe Leistungsanforderungen, wie beispielsweise einfachere
Büroarbeiten in einem technischen Betrieb (IV-act. 24).
A.d In der Folge erhob der Versicherte diverse Einwände gegen das Gutachten der
MEDAS Zentralschweiz. Insbesondere machte er geltend, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung sei nicht nachvollziehbar, da nicht näher begründet, und
stehe im Widerspruch zu den Arbeitsfähigkeitsschätzungen sämtlicher behandelnder
Ärzte (IV-act. 31).
A.e Auf Ersuchen des Versicherten hin nahm die IV-Stelle weitere medizinische
Berichte, die von den Gutachtern der MEDAS Zentralschweiz gewürdigt worden waren,
zu den Akten, insbesondere den Bericht von Dr. med. C._, Facharzt FMH für Innere
Medizin und Kardiologie, vom 16. Mai 2007, in welchem keine strukturelle
Herzkrankheit festgestellt und deshalb die Vermutung geäussert worden war, die
Ohnmachtsanfälle seien am ehesten vasovagal (neural vermittelt) bedingt (IV-act. 33–
23 ff.), den Bericht des KopfwehZentrums der Klinik Hirslanden Zürich vom 18. Juli
2007, der nach einer ersten Untersuchung und ohne Kenntnis der übrigen Unterlagen
abgegeben worden war und in dem die Kopfschmerzen des Versicherten als chronisch,
posttraumatisch und mit migräneartigem Charakter beschrieben worden waren (IV-
act. 33–26 ff.), den Bericht von Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 3. September 2007, in welchem eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
für sämtliche Tätigkeiten attestiert worden war (IV-act. 33–33 ff.), sowie den Bericht von
Dr. med. E._, Facharzt FMH für Oto-Rhino-Laryngologie, vom 29. September 2007,
in welchem im Wesentlichen ein postcommotionelles cervico-cephales und multi-
senso-motorisches Defizit-Syndrom diagnostiziert worden war (IV-act. 33–38 ff.).
A.f Auf Anfrage der IV-Stelle nahmen die Gutachter der MEDAS Zentralschweiz am
2. Juni 2008 Stellung zu den Einwänden des Versicherten sowie zu einem der IV-Stelle
zwischenzeitlich zugegangenen Bericht von Dr. med. F._, Facharzt FMH für
Ophthalmologie, vom 12. April 2008 (IV-act. 36); sie führten aus, weder aufgrund der
Einwände des Versicherten noch aufgrund des neueren Berichts von Dr. F._ sei eine
vom Gutachten abweichende Beurteilung angezeigt (IV-act. 40).
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A.g Im August 2008 fand ein Arbeitsversuch mit einem Pensum von 50 % statt, der
aber nach weniger als einem Monat abgebrochen wurde, nachdem der Versicherte
vermehrte Beschwerden geklagt hatte und wiederholt zusammengebrochen war (IV-
act. 50 und 67; vgl. auch IV-act. 53 f.). Auf eine geplante Abklärung in einer Beruflichen
Abklärungsstelle (BEFAS) wurde verzichtet.
A.h Am 29. August 2008 nahm Dr. E._ Stellung zur Arbeitsfähigkeit des
Versicherten; er hielt dafür, dass aus neuro-otologischer Sicht eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit für sitzende Arbeiten mit ruhiger visueller Umgebung theoretisch
gegeben sei, solche Tätigkeiten aber effektiv nicht vorstellbar seien (IV-act. 65). Am
30. August 2008 nahm Dr. D._ Stellung zum Gutachten der MEDAS Zentralschweiz;
er erklärte sich mit den psychiatrischen Diagnosen grundsätzlich einverstanden,
bemängelte aber eine ungenügend begründete Arbeitsfähigkeitsschätzung (IV-act. 57).
Schliesslich nahm auch Dr. rer. nat. G._, Facharzt FMH für Anästhesiologie, am
8. September 2008 Stellung zur Arbeitsfähigkeit; er hielt die Wiederaufnahme einer
beruflichen Tätigkeit für nicht zumutbar (IV-act. 66).
A.i In der Folge wurde die MEDAS Zentralschweiz mit der Erstellung eines
Verlaufsgutachtens beauftragt. Dieses wurde am 13. Mai 2009 erstattet. Die Gutachter
diagnostizierten im Wesentlichen wiederum eine Somatisierungsstörung sowie neu eine
Störung der visuellen Wahrnehmung. Im psychiatrischen Konsiliargutachten wurde ein
im Wesentlichen unveränderter Zustand festgestellt; im ophthalmologischen
Konsiliargutachten wurde unter Einbezug der „nicht zu überprüfenden“ (gemeint wohl:
nicht überprüfbaren) subjektiven Angaben der erschwerten Erfassung von bewegten
Bildinhalten eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Gesamthaft
attestierten die Gutachter eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für die angestammte wie für
adaptierte Tätigkeiten (IV-act. 92).
A.j Mit Vorbescheid vom 13. Juli 2009 stellte die IV-Stelle die Zusprache einer
Viertelsrente ab 1. Oktober 2008 und einer halben Rente ab 1. Januar 2009 in Aussicht
(IV-act. 97).
A.k Dagegen erhob der Versicherte am 3. September 2009 diverse Einwände. Er
bemängelte insbesondere das zweite Gutachten der MEDAS Zentralschweiz (IV-
act. 98).
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A.l Mit Verfügung vom 14. Oktober 2009 wurde dem Versicherten eine halbe Rente
der Invalidenversicherung ab 1. November 2009 zugesprochen (IV-act. 106). Mit
Verfügungen vom 9. November 2009 wurden dem Versicherten sodann eine
Viertelsrente für den Zeitraum vom 1. Oktober 2008 bis 31. Dezember 2008 und eine
halbe Rente für den Zeitraum vom 1. Januar 2009 bis 31. Oktober 2009 zugesprochen
(IV-act. 108 f.).
B.
B.a Am 13. November 2009 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die
Verfügung vom 14. Oktober 2009 (act. G 1). Am 4. Dezember 2009 ergänzte er die
Beschwerde. Er beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 14. Oktober 2009 und
die Zusprache einer ganzen Rente und führte zur Begründung im Wesentlichen aus,
dass den beiden Gutachten der MEDAS Zentralschweiz kein Beweiswert zukomme,
und dass anhand der Berichte der behandelnden Ärzte erwiesen sei, dass ihm die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht mehr möglich sei. Ergänzend führte er aus,
eventuell sei ein neues Gutachten – nicht bei der MEDAS Zentralschweiz – einzuholen;
bei der Bemessung des Invaliditätsgrades sei zudem allenfalls ein angemessener
Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen (act. G 3).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 8. Januar 2010 beantragte die Beschwerdegegnerin,
es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung habe; im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen aus, es sei auf das zweite Gutachten der
MEDAS Zentralschweiz abzustellen, dabei aber der Tatsache Rechnung zu tragen,
dass die festgestellten Befunde rechtsprechungsgemäss keine Invalidität begründen
würden (act. G 5).
B.c Mit Replik vom 11. Februar 2010 hielt der Beschwerdeführer an den in der
Beschwerde vom 13. November 2009 gestellten Anträgen fest (act. G 10).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).
B.e Am 20. Mai 2010 reichte der Beschwerdeführer ein Arztzeugnis von
Dr. med. H._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, vom 17. Mai 2010 betreffend eine
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Behandlung vom 30. März 2010 nach einem Sturz zufolge Ohnmachtsanfall ein
(act. G 16.1).
B.f Am 25. März 2011 reichte der Beschwerdeführer weitere Arztberichte nach:
Dr. G._ hatte in seiner Stellungnahme vom 23. Februar 2011 ausgeführt, dass der
Beschwerdeführer seiner Meinung nach immer noch zu 100 % arbeitsunfähig sei
(act. G 18.1); Dr. B._ hatte in seiner Stellungnahme vom 7. Februar 2011 diverse
Stürze infolge Ohnmachtsunfällen dokumentiert (act. G 18.2); Dr. med. I._, Facharzt
FMH für Neurochirurgie, hatte in einem Bericht vom 17. Januar 2011 unter anderem
ausgeführt, der Beschwerdeführer habe sehr depressiv gewirkt (act. G 18.3); Dr. D._
hatte in seinem Bericht vom 8. März 2011 nochmals bestätigt, dass der
Beschwerdeführer seiner Ansicht nach zu 100 % arbeitsunfähig sei (act. G 18.4). Der
Eingabe lag schliesslich ein Bericht der Ehefrau des Beschwerdeführers vom
9. Februar 2011 bei, in welchem diese ihre Sicht der Dinge schilderte (act. G 18.5).
B.g Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine weitere Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitgegenstand bildet die rückwirkende Zusprache einer Invalidenrente ab
1. Oktober 2008. Die IV-Stelle hat diese Zusprache von Leistungen der
Invalidenversicherung mit drei separaten Verfügungen geregelt, nämlich mit einer
Verfügung vom 14. Oktober 2010 für die Zeit ab 1. November 2009 und zwei weiteren
Verfügungen vom 9. November 2009 betreffend den Zeitraum vom 1. Oktober 2008 bis
31. Dezember 2008 und 1. Januar 2009 bis 31. Oktober 2009. Formell angefochten
wurde allein die Verfügung vom 14. Oktober 2010. Da die rückwirkende und auf
unbestimmte Zeit wirkende Rentenzusprache ein einheitliches Rechtsverhältnis bildet,
ist der Rentenanspruch für den gesamten Zeitraum Gegenstand der gerichtlichen
Überprüfung, und es gelten mithin die weiteren Verfügungen als mitangefochten (vgl.
BGE 131 V 164).
1.2 Streitig und zu prüfen ist in erster Linie, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung hat, und wie hoch diese Rente wäre. Die
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Beschwerdegegnerin hat ihm mit der angefochtenen Verfügung ab 1. Oktober 2008
eine Viertelsrente und ab 1. Januar 2009 eine halbe Rente zugesprochen. Der
Beschwerdeführer fordert eine höhere Rente, während die Beschwerdegegnerin nun
die Feststellung, dass kein Rentenanspruch bestehe, beantragt. Ergäbe sich, dass
grundsätzlich ein Rentenanspruch im Raum stünde, wäre zu prüfen, ob die
Beschwerdegegnerin die berufliche Eingliederung zuverlässig geprüft hat.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
2.2 Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und
die gestützt darauf gestellte Diagnose, aber auch die Prognose und die Ätiologie, die
durch den festgestellten Gesundheitsschaden verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie
das noch vorhandene funktionelle Leistungsvermögen oder das Vorhandensein und die
Verfügbarkeit von Ressourcen sind Tatfragen (BGE 132 V 398 E. 3.2), deren
Beantwortung entsprechendes Fachwissen voraussetzt. Im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat die IV-Stelle daher in aller Regel
ärztliche Sachverständige zur Beantwortung dieser Fragen beizuziehen (vgl. Art. 43
Abs. 2 ATSG und Art. 69 Abs. 2 und 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung
[IVV; SR 831.201]), so etwa jene des IV-internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD;
vgl. Art. 49 Abs. 1 IVV) oder solche einer MEDAS. Aufgabe der IV-Stelle und des
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Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu würdigen, das heisst zu
beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die zuverlässige Beurteilung
des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist, gestützt auf diese
Feststellungen sowie die Feststellungen zu den beiden Vergleichseinkommen den
Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f. E. 3.2 f.).
3.
Zunächst ist die medizinische Aktenlage zu würdigen.
3.1 Den bei den Akten liegenden medizinischen Berichten lässt sich entnehmen, dass
der Beschwerdeführer insbesondere unter starken Kopfschmerzen und Schwindel
leidet, was Konzentrationsstörungen und mit gewisser Regelmässigkeit
Ohnmachtsanfälle und Stürze nach sich zieht, sowie weiter an unregelmässigem
Blutdruck. Dr. B._ vermutet aufgrund der Dokumentation der Anfälle, die er wohl vom
Beschwerdeführer erhalten hat, dass der stark schwankende Blutdruck Ursache der
Ohnmachtsanfälle sein könnte (act. G 18.2), was sich allerdings weder mit der
kardiologischen Beurteilung (vgl. IV-act. 33–23 ff.) noch mit den Angaben des
Beschwerdeführers deckt, der vielmehr einen Zusammenhang mit
Kopfschmerzexacerbationen sieht (vgl. IV-act. 92–24 und 92–35). Den medizinischen
Akten lassen sich keine objektivierbaren Ursachen für die Ohnmachtsanfälle
entnehmen. Was die Kopfschmerzen betrifft, so stellen sich Dr. E._, Dr. G._ und
die Ärzte des KopfwehZentrums der Klinik Hirslanden Zürich auf den Standpunkt, diese
seien wohl auf den Arbeitsunfall im Jahr 1999 zurückzuführen. Diesbezüglich ist
allerdings darauf hinzuweisen, dass den Ärzten des KopfwehZentrums der Klinik
Hirslanden Zürich im Zeitpunkt der aktenkundigen Berichterstattung – soweit
ersichtlich – keine Unterlagen vorlagen und die Schlussfolgerungen unter dem
Vorbehalt der Ergebnisse der weiteren Abklärungen standen (IV-act. 33–28). Die von
Dr. G._ angenommenen „Schädigungen der oberen Kopfgelenke“ konnte dieser
allein mittels „diagnostischer Blockaden“ bestätigen (IV-act. 66–1); sie sind mithin nicht
bildgebend objektiviert. Dr. E._ konnte ebenfalls keine objektiv überprüfbaren
Befunde erheben. Er äusserte aber den dringenden Verdacht auf multisegmentale
Läsionen der cervicalen Facettengelenke, wobei er eine erfolgreiche Behandlung der
Beschwerden für möglich hielt (IV-act. 33–46). Die Aussagekraft der genannten
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Arztberichte ist insgesamt nicht so gross, dass auf sie abgestellt werden könnte.
Sodann konnte auch der ophthalmologische Konsiliargutachter der MEDAS
Zentralschweiz keine objektivierbare Ursache für die genannten Beeinträchtigungen
feststellen; er hielt dafür, dass die von ihm nicht überprüfbaren Probleme –
insbesondere die angegebene erschwerte Erfassung von bewegten Bildinhalten –
neuropsychologisch zu untersuchen seien (IV-act. 92–21). Die neuropsychologische
Untersuchung fiel dann aber weitgehend, insbesondere bezüglich der visuell-
räumlichen und visuo-konstruktiven Funktionen, unauffällig aus (IV-act. 92–27). Den
medizinischen Akten lässt sich mithin weder eine Ursache der Kopfschmerzen, des
Schwindels und der Ohnmachtsanfälle noch ein entsprechender objektivierbarer
somatischer Befund entnehmen.
3.2 Vor diesem Hintergrund überzeugt die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter
der MEDAS Zentralschweiz bezüglich leidensadaptierter Tätigkeiten aus folgendem
Grund nicht: Der ophthalmologische Konsiliargutachter hatte die Arbeitsfähigkeit
aufgrund der von ihm mess- und überprüfbaren Parameter auf 100 % geschätzt, was
nachvollziehbar und überzeugend ist. Bezüglich der erschwerten Erfassung von
bewegten Bildinhalten hatte er auf die Unmöglichkeit der Objektivierung und
Überprüfung aus ophthalmologischer Sicht hingewiesen, was ebenfalls nachvollziehbar
ist, und angeregt, dieser Problematik im Rahmen der neuropsychologischen
Untersuchung auf den Grund zu gehen. Auf die vom ophthalmologischen
Konsiliargutachter schliesslich – ungeachtet seiner eigenen Ausführungen – trotzdem
gemachte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (mindestens 50 %) durfte unter diesen
Umständen nicht ohne Weiteres abgestellt werden. Nachdem im Rahmen der
neuropsychologischen Untersuchung keine Auffälligkeiten festgestellt werden konnten,
hätte entweder eine Rückfrage an den Ophthalmologen gerichtet oder aber die von ihm
geschätzte Arbeitsunfähigkeit verworfen werden müssen. Jedenfalls rechtfertigt sich
bei umfassender Würdigung des zweiten Gutachtens der MEDAS Zentralschweiz sowie
der übrigen Akten die Annahme einer ophthalmologisch bedingten Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit um 50 % auch in leidensadaptierten Tätigkeiten nicht. Insofern kann
nicht auf dieses zweite Gutachten der MEDAS Zentralschweiz abgestellt werden.
3.3 In psychiatrischer Hinsicht diagnostizierte Dr. D._ insbesondere eine
undifferenzierte Somatisierungsstörung, mithin eine psychische Störung in
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Zusammenhang mit körperlich nicht oder nicht genügend begründbarer Symptome
(vgl. Bernd Graubner, ICD-10-GM 2009 Systematisches Verzeichnis, Version 2009,
Stand 24. September 2008, S. 190), und einen akzentuiert narzisstischen
Persönlichkeitsstil mit der Differentialdiagnose einer narzisstischen
Persönlichkeitsstörung (IV-act. 33–33). Der psychiatrische Konsiliargutachter der
MEDAS Zentralschweiz beschrieb ebenfalls eine Somatisierungsstörung sowie eine
psychosomatische Persönlichkeitsstruktur (IV-act. 92–36). Dr. D._ hat sich im
Übrigen mit der Diagnose des psychiatrischen Konsiliargutachters der MEDAS
Zentralschweiz (die in beiden Gutachten gleich ausgefallen ist) einverstanden erklärt
(IV-act. 63–1). Es ist deshalb zu prüfen, inwieweit der Beschwerdeführer aufgrund
dieser Gesundheitsbeeinträchtigung in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.
3.4 Der psychiatrische Konsiliargutachter der MEDAS Zentralschweiz schätzte die
Arbeitsfähigkeit in der angestammten (anspruchsvollen) Tätigkeit auf 50 % und in einer
dem Leiden angepassten (mit weniger Verantwortung verbundenen) Tätigkeit auf 80 %
(IV-act. 92–41 f.); Dr. D._ hielt dafür, dass dem Beschwerdeführer keine Tätigkeit
mehr zugemutet werden dürfe (IV-act. 33–35, IV-act. 63–2 und act. G 18.4). Da sich die
beiden Ärzte hinsichtlich Diagnose weitgehend einig sind, handelt es sich bei dieser
erheblichen Diskrepanz zwischen den beiden Schätzungen um einen eigentlichen
Widerspruch. Allein die Tatsache, dass Dr. D._ behandelnder Facharzt ist und
aufgrund seines therapeutischen Auftrags eine andere Sichtweise hat als der
Konsiliargutachter der MEDAS Zentralschweiz, vermag diese erhebliche Diskrepanz
nicht zu erklären. Die Schlussfolgerungen des Konsiliargutachters beruhen zu einem
wesentlichen Teil auf der Annahme, der Beschwerdeführer habe bislang nur harmlosere
Stürze vor Publikum erlitten, was auf einen bewusstseinsnahen Prozess hindeute. Den
übrigen Berichten lässt sich aber entnehmen, dass der Beschwerdeführer mehrere
Male zusammengebrochen ist, als er alleine war, und dass er sich dabei bereits
mehrmals so verletzt hat, dass eine ärztliche Behandlung notwendig wurde (vgl. IV-
act. 50, 57–2, 58 und 100 sowie act. G 16.1, 18.2 und 18.4). Das Leiden und die
dadurch bedingten Einschränkungen könnten deshalb doch stärker oder anders
ausgeprägt sein, als vom Konsiliargutachter der MEDAS Zentralschweiz angenommen,
was sich auf den Arbeitsunfähigkeitsgrad auswirken könnte. Insofern weckt der
Hinweis von Dr. D._, die Ohnmachtsanfälle seien vom Konsiliargutachter der MEDAS
Zentralschweiz – aufgrund einer offensichtlich lückenhaften Aktenlage – unterschätzt
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worden, berechtigte Zweifel an der Zuverlässigkeit der Beurteilung des
Konsiliargutachters der MEDAS Zentralschweiz.
3.5 Zusammenfassend rechtfertigt es sich, zu den aufgezeigten Widersprüchen und
Unsicherheiten ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Namentlich hält das Gericht
eine erneute Evaluation der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus
ophthalmologischer Sicht für erforderlich. Allenfalls wird dazu nochmals eine
neuropsychologische Untersuchung und Testung notwendig sein. Schliesslich sollte
der psychiatrische Gutachter in Kenntnis dieser Ergebnisse eine neue Beurteilung
abgeben, die auch die vom Beschwerdeführer berichteten und vom Hausarzt
bestätigten Sturzereignisse berücksichtigt.
3.6 Formale Gründe, nicht auf das Gutachten der MEDAS Zentralschweiz
abzustellen, insbesondere Anhaltspunkte für eine Befangenheit des psychiatrischen
Konsiliargutachters, liegen – entgegen der Ausführungen des Beschwerdeführers –
nicht vor. Vielmehr ist gerade das Offenlegen fehlenden Mitleids als Indiz dafür
anzusehen, dass sich der Gutachter um eine möglichst objektive Beurteilung bemüht
hat, legt er doch so offen, wie die Beschwerdeschilderung auf ihn selbst gewirkt hat,
und worauf sich seine Schlussfolgerungen zumindest teilweise stützen. Es handelt sich
dabei also um sachliche Gesichtspunkte. Wäre dem nicht so gewesen, hätte der
Gutachter dies wohl kaum offen gelegt. Auch die pauschale Kritik an der MEDAS
Zentralschweiz wie auch an anderen MEDAS ist nicht zu hören, weist sie doch keinen
Bezug zum konkreten Fall auf. Überdies ist darauf hinzuweisen, dass das
Versicherungsgericht die Beweise frei zu würdigen hat (Art. 61 lit. c ATSG), mithin die
Herkunft eines medizinischen Gutachtens keine entscheidende Rolle spielen darf. Das
Gericht würdigt deshalb auch medizinische Berichte der Versicherten grundsätzlich
nicht anders als jene der Versicherungsträger, bloss weil sie von dieser oder jener
Partei beigebracht wurden. Es trägt aber – was als inhaltlicher Gesichtspunkt und nicht
als „Richtlinie“ bei der Beweiswürdigung zu qualifizieren ist – der Tatsache Rechnung,
dass im konkreten Einzelfall allenfalls von gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen
abweichende Schätzungen behandelnder Ärzte auf den unterschiedlichen Fokus
zwischen Behandlungs- und Begutachtungsauftrag zurückzuführen sind. Jedenfalls
besteht aufgrund der Akten kein Anlass, die Beschwerdegegnerin anzuweisen, die zu
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ergänzenden Abklärungen nicht durch die MEDAS Zentralschweiz durchführen zu
lassen.
4.
Sollte sich aufgrund der weiteren medizinischen Abklärungen ergeben, dass der
Beschwerdeführer grundsätzlich Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
haben könnte, wären Eingliederungsmöglichkeiten vertieft zu prüfen. Dabei fallen
insbesondere Massnahmen, wie sie der psychiatrische Konsiliargutachter der MEDAS
Zentralschweiz angeführt hat, in Betracht (vgl. IV-act. 92–41).
5.
5.1 Insofern ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, die angefochtene Verfügung
(Teilverfügungen vom 14. Oktober und 9. November 2009) aufzuheben und die Sache
zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.2 Nach Art. 69 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt. Eine Entscheidgebühr
von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in
Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden. Die Rückweisung einer Sache an die Verwaltung zu
weiterer Abklärung und neuer Verfügung gilt praxisgemäss als volles Obsiegen der
Beschwerde führenden Partei (BGE 132 V 235 E. 6.1 mit zahlreichen Hinweisen).
Angesichts des in diesem Sinn vollen Unterliegens der Beschwerdegegnerin
rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten gesamthaft aufzuerlegen. Die Bewilligung
der unentgeltlichen Prozessführung wird damit obsolet.
5.3 Der teilweise obsiegende Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Die Parteikosten werden vom Gericht ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
bis
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Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). In einem Fall mit
mittlerem Aufwand und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine
Pauschalentschädigung von Fr. 3’500.-- ausgerichtet. Die Vertreterin des
Beschwerdeführers hat eine Honorarnote über Fr. 3’092.35 (um 20 % gekürzt)
eingereicht; dem angeführten Arbeitsaufwand von knapp 14 Stunden entspräche bei
einem ungekürzten Honoraransatz ein Honorar von Fr. 3’452.50 zuzüglich Barauslagen
und Mehrwertsteuer, womit der Pauschalansatz um einige hundert Franken
überstiegen würde. Angesichts der Tatsachen, dass die vorliegende Sache keinen
aussergewöhnlichen Vertretungsaufwand erforderlich machte und dass die
Beschwerdeschrift selbst zu einem erheblichen Anteil wortwörtlich vorherigen Eingaben
an die Beschwerdegegnerin entspricht, erscheint ein über die genannte Pauschale
gehender Aufwand nicht gerechtfertigt. Mit der Zusprache einer Entschädigung von
pauschal Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) erübrigt sich
die Frage einer Entschädigung aus unentgeltlicher Rechtsverbeiständung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP