Decision ID: 9a3d4aa8-c7a0-5cf0-9ea9-db7a74404798
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Heinz T. Stadelmann, Oehler Stadelmann
Rechtsanwälte, Kesslerstrasse 1, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
Der 19_ geborene A._ meldete sich am 21. März 2003 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Dabei wies er
darauf hin, dass er sich bei einem Unfall einen Riss in der Sehnenplatte der linken
Schulter zugezogen habe. Seit dem 18. Mai 2002 sei sein linker Arm nicht mehr oder
zumindest nur einsetzbar, wenn Lasten vermieden würden (IV-act. 1). Da er seitdem an
der Arbeitsleistung verhindert gewesen war, kündigte ihm die Arbeitgeberin am 16. Juni
2003 die Stelle als Servicemonteur (vgl. IV-act. 5) auf den 31. August 2003 (IV-act. 9/4).
Der behandelnde Dr.med. B._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete am 4. August
2003, der Versicherte beklage bereits bei geringerer Belastung ausgeprägte Schmerzen
im linken Arm; er sei zwar in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig,
in einer leichten Tätigkeit könnte er aber eine anfänglich 30%ige Arbeitsleistung
halbtags erreichen - je nach Verlauf sei eine langsame Steigerung angezeigt (IV-
act. 12/3 f.).
B.
B.a Am 10. Februar 2004 verfügte die IV-Stelle die Übernahme der Kosten für eine
Umschulung zum Technischen Kaufmann in der Zeit vom 19. Januar 2004 bis
30. Oktober 2007 (IV-act. 27).
B.b Gemäss Zwischenbericht der Berufsberatung vom 27. September 2004 fühlte sich
der Versicherte überfordert: Er wirke pflichtbewusst und engagiert, stehe aber unter
Leistungsdruck, und der abrupte Übergang vom Mechaniker zum Schüler bereite ihm
grosse Mühe. Deshalb werde er das erste Jahr der Handelsschule auf zwei Jahre
verteilt absolvieren (IV-act. 45). Gestützt darauf verlängerte die IV-Stelle mit Verfügung
vom 11. Oktober 2004 die Umschulung um ein Jahr (IV-act. 48).
B.c Vom 7. Juni 2005 bis 5. Juli 2005 begab sich der Versicherte in eine stationäre
Behandlung in die Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation des
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Bewegungsapparates Valens (IV-act. 70/2). In der Folge wurde die Umschulung
abgebrochen (vgl. IV-act. 57 und 64).
C.
C.a Vom 5. Dezember 2005 bis 13. Januar 2006 fand eine berufliche Abklärung in der
Abklärungsstätte Appisberg statt. Im BEFAS-Schlussbericht vom 1. Februar 2006
attestierten die Experten bei einer Arbeitspräsenz von 6 Stunden eine Arbeitsfähigkeit
von 70% - unter Berücksichtigung der physischen sowie psychischen Belastbarkeit.
Ein stufenweiser beruflicher Wiedereinstieg erscheine sinnvoll. Der Versicherte sei ein
guter und vielseitiger Handwerker. Er erledige handwerkliche Aufgaben ausgesprochen
genau und in einer guten Qualität, benötige dafür jedoch entsprechend mehr Zeit. Sein
Qualitätsniveau halte er auch bei Schmerzen aufrecht. Da der Versicherte bei
feinhandwerklichen Arbeiten vermehrt über Schmerzen klage, seien folgende
angepasste Tätigkeiten zu empfehlen: technische Kontroll- und Wartungsarbeiten,
Maschinenbedienung, Verkaufsberatung und telefonischer technischer Support (IV-
act. 102/9 f.).
C.b Gestützt auf einen Bericht des Berufsberaters der IV-Stelle (IV-act. 109) übernahm
die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. Februar 2006 die Kosten für ein Arbeitstraining im
Rahmen des technischen Dienstes des Werk- und Technologiezentrums C._ vom 13.
März 2006 bis 11. Juni 2006 (IV-act. 115).
C.c In einem psychiatrischen Gutachten vom 1. April 2006 stellte Dr.med. D._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, die Diagnose einer
Anpassungsstörung mit Störung diverser Gefühle, etwa Angst, Depression,
Verärgerung etc. (ICD-10: F43.23), die weder schwerwiegend noch in bedeutendem
Masse die Arbeitsfähigkeit beeinflusse (IV-act. 125/6).
C.d In einer Stellungnahme vom 7. April 2006 legte der Regionale Ärztliche Dienst
(RAD) Ostschweiz die adaptierte Arbeitsfähigkeit auf 70% fest. Er erachtete die
Beurteilung durch die Abklärungsstelle Appisberg und die psychiatrische Beurteilung
durch Dr. D._ für plausibel und überzeugend (IV-act. 128).
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C.e Am 19. Juni 2006 berichtete der Berufsberater der IV-Stelle, dass zwar die Leistung
des Versicherten vom WTL gelobt werde, seine Belastungsfähigkeit aber noch extrem
niedrig sei. Der tägliche Einsatz von beginnend 3 3⁄4 Stunden habe sich auf 2 1⁄2
Stunden reduziert. Dennoch sei geplant, den Versicherten in der Haustechnik zu
qualifizieren, wobei offen sei, ob das Umschulungsziel erreicht werden könne (IV-act.
133). In der Folge gewährte die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 27. Juni
2006 eine Umschulung im technischen Dienst (Beratung/Planung) im WTL vom 12. Juni
2006 bis 31. Dezember 2006 (IV-act. 136). Mit Schlussbericht vom 29. Dezember 2006
hielt der Berufsberater der IV-Stelle fest, der Eingliederungsversuch sei trotz allseitiger
professioneller Bemühungen nicht erfolgreich. Dem Versicherten würden fachlich sehr
gute Fähigkeiten attestiert. Weil sich der Versicherte aber konstant körperlich und
psychisch als sehr schlecht erlebe, beständen keine realen Vermittlungschancen (IV-
act. 154).
D.
D.a Mit Verfügung vom 4. August 2007 sprach die Suva dem Versicherten eine
Invalidenrente zu, und zwar mit Wirkung ab dem 1. Januar 2007. Dabei stellte sie fest,
dem Versicherten sei eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ganztags zumutbar, mit
zusätzlichen Pausen von 1⁄2 Stunden pro Tag. Sie ermittelte gestützt darauf einen
Invaliditätsgrad von 33%. Dagegen erhob der Versicherte Einsprache (act. G 7.2.1).
D.b Das Psychiatrie-Zentrum C._ berichtete am 31. März 2008 von einer ambulanten
Behandlung seit dem 12. Dezember 2007. Es stellte die Diagnosen schwere depressive
Episode ohne psychotische Symptome (ICD 10: F32.2), akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit erhöht narzisstischer Vulnerabilität (ICD 10: Z73.1),
psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten
Krankheiten (ICD 10: F54) und Zustand nach Subscapularissehnenruptur an der linken
Schulter im Mai 2002 mit mehrfachen operativen Eingriffen. Der Versicherte sei
infolgedessen zu 75% arbeitsunfähig und nur im geschützten Rahmen einsetzbar, mit
dem Ziel, Struktur in den Tag zu bringen und ein stressarmes Umfeld zu bieten, das
keine wesentliche Anforderungen an die Leistungsfähigkeit stelle (IV-act. 174).
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D.c In einer Stellungnahme vom 6. Juni 2008 wies der RAD darauf hin, eine gemäss
ICD 10 codierte Erkrankung stehe nun psychiatrisch gesichert seit Dezember 2007 fest.
Der Zustand könne nach dem Bericht der behandelnden Psychiater medizinisch
gebessert werden. Der weitere therapeutische Verlauf sei somit abzuwarten und die
psychische Situation danach gutachterlich einzuschätzen. Zurzeit sei an der bisherigen
Arbeitsfähigkeit von 70% festzuhalten (IV-act. 181).
D.d Im Rahmen des hängigen Einspracheverfahrens ordnete die SUVA eine interne
bidisziplinäre Abklärung durch Dr. med. E._, Facharzt für Chirurgie FMH, und durch
Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, an. Dr. F._
untersuchte den Versicherten am 14. Januar 2009. Im Bericht vom 26. Januar 2009
führte der Psychiater aus, der Versicherte habe sich als überaus pflichtbewusste
Persönlichkeit erwiesen, und die gesundheitsbedingte berufliche Neuorientierung sei
vor allem an einem Druck gescheitert, den er sich selbst auferlegt habe. Der Verlust an
körperlicher Integrität und beruflicher Identität bedeute für ihn eine schwerste
Erschütterung seines Daseins, die zu einer Verbitterung geführt habe. Letztere zeige
sich im Unvermögen, auch unter schwierigen Umständen versöhnlich, sinnstiftend und
dankbar zu sein. Diese Affektstörung lasse sich mit den gängigen Annahmen über
Depression, Ärger und Wut nur ungenügend erfassen, weshalb sie mangels sinnvoller
Alternativen in die Klassifikation "sonstige affektive Störungen" (ICD-10: F38.8)
einzuordnen sei. Die Verbitterung habe nicht mehr die begrenzte Dimension einer
Anpassungsstörung, wie sie durch Dr. D._ 2005 festgestellt worden sei. Die
Problematik erscheine umfassender und tiefgreifender; sie habe entscheidend dazu
beigetragen, dass der Versicherte beruflich und persönlich ins Abseits geraten sei.
Diagnostisch sei auch an eine Persönlichkeitsstörung zu denken. Das würde bedeuten,
dass eine längere Zeit verborgene Persönlichkeitsproblematik in den letzten Jahren,
auch unter dem Einfluss der Unfallfolgen, zum Vorschein gekommen sei, mit
zunehmendem Versagen jener persönlichen Merkmale, die früher die beruflichen
Qualitäten begründeten, nun aber dysfunktional wirkten. Unter diesen Gesichtspunkten
erkenne man anankastische, narzisstische und zum Teil auch paranoide
Persönlichkeitszüge im Sinne einer unfallkausal dekompensierten
Persönlichkeitsstörung. Eine Persönlichkeitsänderung, wie sie das Psychiatriezentrum
C._ diagnostiziere, erscheine ihm eher unwahrscheinlich. In der Auswirkung bestehe
aber Einigkeit. Das Erleben und Verhalten des Versicherten sei tiefgreifend und recht
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umfassend dysfunktional. Aufgrund dieser psychischen Störung sei davon auszugehen,
dass der Versicherte zu 100% arbeitsunfähig sei. Zwar wiege das psychische Leiden
schwer und könne das berufliche Leistungsvermögen in absehbarer Zeit nicht
gebessert werden; der Zustand sei aber nicht als dauerhaft zu bezeichnen, was für eine
Integritätsentschädigung vorausgesetzt wäre. Eine weitere psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung erscheine zweckmässig als wesentliche persönliche
Stütze, auch wenn davon kaum eine wesentliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu
erwarten sei (IV-act. 204/43-55).
D.e Im Bericht vom 27. Februar 2009, von Dr. F._ mitunterzeichnet, ging Dr.med.
E._ gestützt auf die fachärztliche Untersuchung vom 5. November 2008 davon aus,
dass es aus somatischer Sicht dem Versicherten zumutbar sei, eine leichte,
wechselbelastende Tätigkeit unter Einhaltung von je einer zusätzlichen Pause morgens
und nachmittags von 15 Minuten auszuüben. Aus psychischen Gründen betrage die
Arbeitsunfähigkeit hingegen 100% (IV-act. 204/56-84).
D.f Mit Verfügung vom 16. Mai 2009 hob die Suva die Verfügung vom 4. August 2007
auf und sprach dem Versicherten ab 1. Januar 2007 eine Invalidenrente aufgrund eines
Invaliditätsgrads von 100% zu. Ob ein dauernder, erheblicher Integritätsschaden
seitens der psychischen Beschwerden zurückbleibe, könne gemäss ärztlicher
Beurteilung zurzeit nicht zuverlässig gesagt werden (act. G 7.2.1).
D.g Der RAD stellte am 19. Januar 2010 die auf psychiatrischer Grundlage geschätzte
Arbeitsunfähigkeit gemäss Suva-Akten infrage: Die Suva beurteile den
Leistungsanspruch gestützt auf ein nicht dauerhaftes psychisches Leiden, was nicht
nachvollziehbar sei. Zudem liege hier eine somatoforme Schmerzstörung vor. Deshalb
sei interdisziplinär zu evaluieren, ob eine Schmerzüberwindung zumutbar sei. Eine
Oberbegutachtung in einer MEDAS sei somit angezeigt
(IV-act. 195).
E.
Im Namen des Ärztlichen Begutachtungsinstituts (ABI), Basel, erstellten Dr.med. G._,
internistische/allgemeinmedizinische Fallführung, Dr.med. H._, FMH Psychiatrie und
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Psychotherapie, und Dr.med. I._, FMH Orthopädische Chirurgie, am 10. Juni 2010
ein interdisziplinäres Gutachten. Dabei führten sie folgende Diagnosen mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit an: 1. Mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), 2.
Anhaltendes somatoformes Schmerzsyndrom (ICD-10: F45.4), 3. Chronische
Schulterschmerzen links (ICD-10: M79.61). 4. Chronisches panvertebrales
Schmerzsyndrom ohne radikuläre Ausfälle (ICD-10: M54.80). Der Versicherte sei aus
orthopädischer Sicht zu 100% arbeitsunfähig in der angestammten Tätigkeit - ebenfalls
in jeglichen anderen körperlich mittelschwer und schwer belastenden Tätigkeiten. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe aufgrund der anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und der mittelgradigen depressiven Störungen eine Arbeitsunfähigkeit
von 50% für sämtliche Tätigkeiten. Insgesamt betrage die Arbeitsfähigkeit daher 50%
für körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten, wobei der Einsatz der linken
oberen Extremität oberhalb der Brusthöhe sowie das Heben und Tragen von Lasten
über 10 kg zu vermeiden seien (IV-act. 204/25 f.).
F.
Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (IV-act. 213, 221) stellte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 17. Januar 2011 zwar auf das ABI-Gutachten vom 10. Juni 2010 ab,
verneinte aber gestützt auf die zur somatoformen Schmerzstörung ergangene
höchstrichterliche Rechtsprechung die Frage, ob das psychische Leiden die
Arbeitsfähigkeit beschränke. Sie ermittelte in der Folge einen Invaliditätsgrad von 28%
und wies das Rentenbegehren ab. Der Invaliditätsgrad von 100%, den die Suva
ermittelt habe, sei für die Invalidenversicherung unverbindlich, weil er auf einem nicht
überzeugenden psychiatrischen Gutachten beruhe (IV-act. 225).
G.
G.a Dagegen richtet sich die am 18. Februar 2011 erhobene und am 23. März 2011
begründete Beschwerde des anwaltlich vertretenen Versicherten, mit dem Antrag, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer ab
1. Januar 2007 eine ganze IV-Rente zuzusprechen - unter Kosten und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung führt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers im Wesentlichen aus, es sei gemäss Feststellungen der Suva von
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einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Die Beschwerdegegnerin habe die
Invaliditätsbemessung der Unfallversicherung nicht angemessen mitberücksichtigt,
weshalb das ABI-Gutachten zu ergänzen sei, indem die Suva-Akten, namentlich die
Berichte von Dr. F._ vom 26. Januar 2009 und Dr. E._ vom 27. Februar 2009,
eingehend gewürdigt würden. Das ABI sei aufgrund des Auftragsverhältnisses mit der
Beschwerdegegnerin nicht imstande, ein neutrales und unparteiliches Gutachten zu
erstellen. Da die Beschwerdegegnerin aber darauf abgestellt habe, hätte sie nur bei
triftiger Begründung von den Schlussfolgerungen der ABI-Gutachter abweichen
können, wonach eine Schmerzüberwindung nur teilweise zumutbar sei und
infolgedessen eine beschränkte Restarbeitsfähigkeit (50%) bestehe. Gestützt darauf
und bei einem Leidensabzug von 20% betrage der Invaliditätsgrad 75% (act. G 1 und
3).
G.b Dem hält die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 26. Mai 2011
entgegen, es bestehe keine Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung der Unfallver
sicherung für die Invalidenversicherung. Die UV-Rente sei gestützt auf ein nicht
dauerhaftes psychisches Leiden zugesprochen worden. Das ABI-Gutachten stelle ein
neues Beweismittel dar, welches eine abweichende Beurteilung vom Rentenentscheid
der SUVA rechtfertige. Der SUVA-Untersuchungsbericht vom 27. Februar 2009 stimme
mit dem ABI-Gutachten überein, dass der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht in
einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig sei. Dem ABI-
Gutachten sei zwar in Bezug auf die medizinischen Tatsachen voller Beweiswert
beizumessen; es sei aber von der darin auf psychiatrischer Grundlage geschätzten
Arbeitsunfähigkeit von 50% abzuweichen, denn diese Beurteilung erfülle die
rechtlichen Kriterien nicht, wonach die Vermutung der Überwindbarkeit der
Schmerzsymptomatik widerlegt werden könnte. Demzufolge bestehe kein Raum für die
Annahme einer mit dem psychischen Leiden begründeten Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Der Invaliditätsgrad betrage 32%: Das Valideneinkommen sei gestützt
auf den Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) des Beschwerdeführers zu bestimmen
und das Invalideneinkommen anhand des Tabellenlohnes für Männer mit "Berufs- und
Fachkenntnissen" (LSE 2008). Beim Invalideneinkommen sei von einer nur in
qualitativer Hinsicht eingeschränkten Restarbeitsfähigkeit auszugehen, wobei keine
Umstände ersichtlich seien, die einen Tabellenlohnabzug rechtfertigten (act. G 7).
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G.c Mit Schreiben vom 18. August 2011 hat der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers auf eine Replik verzichtet.
H.
H.a Mit Schreiben vom 17. Mai 2013 teilte das Versicherungsgericht den Parteien mit,
dass es beschlossen habe, bei Dr. med. J._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie sowie für Neurologie, Leiterin Zentrale Psychiatrische Gutachtenstelle,
Psychiatrische Dienste Thurgau, Klinik K._, ein psychiatrisches Obergutachten
einzuholen (act. G 16). Nachdem die Parteien dagegen keine Einwände erhoben hatten
(vgl. act. G 18 und 19), beauftragte das Versicherungsgericht am 12. Juni 2013 Dr.
J._ mit der Erstellung des Gerichtsgutachtens (act. G 21).
H.b Im Gerichtsgutachten vom 3. Oktober 2013 diagnostizierte die Gutachterin eine
leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0) sowie eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41); zusätzlich bestehe eine
Akzentuierung der Persönlichkeit - vor allem mit narzisstischen und histrionischen
Zügen (ICD-10: Z73.1). In einer den körperlichen Einschränkungen optimal
angepassten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht zu 50%
arbeitsfähig. Aus der eigenen Untersuchung und den Vorbefunden gehe hervor, dass
"ein Teil der Beschwerdebewältigung willentlich modifizierbar wäre"; eine
Überwindbarkeit der Beschwerden über das Ausmass einer auf die Hälfte reduzierten
Leistungsfähigkeit hinaus sei aufgrund der Häufung ungünstiger Prognosefaktoren
jedoch nicht anzunehmen. Die Gerichtsgutachterin teilt im Ergebnis die
Schlussfolgerungen des ABI-Vorgutachtens vom 10. Juni 2010 (act. G 22).
H.c In der Stellungnahme vom 25. Oktober 2013 hält die Beschwerdegegnerin die
medizinische Tatsachenfeststellungen im Gerichtsgutachten für beweiskräftig; sie
distanziert sich aber von der aus medizinisch-psychiatrischer Sicht geschätzten
Arbeitsunfähigkeit von 50%, weil diese aus rechtlicher Sicht - nach den Massstäben
der zur somatoformen Schmerzstörung ergangenen höchstrichterlichen
Rechtsprechung - nicht invalidisierend sei: Zum einen stelle eine leichte depressive
Episode keine Komorbidität von erheblicher Schwere und Ausprägung dar; zum andern
würden keine anderen Kriterien vorliegen, welche gegen die Verwertung der
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Restarbeitsfähigkeit sprächen - nämlich kein ausgeprägter sozialer Rückzug, keine
erhebliche körperliche Begleiterkrankung, kein Scheitern einer konsequent
durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (act. G 24).
H.d Mit Eingabe vom 27. November 2013 stellt sich der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers auf den Standpunkt, die Gutachterin stelle fest, dass der
Beschwerdeführer einen langenjährigen Krankheitsverlauf aufweise und bisher nur
gering auf Behandlungen angesprochen habe. So zeige sich deutlich, dass er resistent
gegen Therapien und Therapieversuche gewesen sei: Diese hätten bis anhin keinen
signifikanten Erfolg erkennen lassen. Deshalb sei die Arbeitsfähigkeit von 50% zu
optimistisch festgelegt; vielmehr sei davon auszugehen, dass auch in Zukunft allfällige
Therapieversuche zur Ausschöpfung der prognostizierten Arbeitsfähigkeit nicht
erfolgreich sein würden. Es sei daher wohl von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen. Der Beschwerdeführer habe die Begutachtung in K._ als sehr belastend
empfunden und danach einen massiven gesundheitlichen Rückfall erlitten. Er habe
wieder verstärkte Schmerzen, welche der Hausarzt medikamentös habe behandeln
müssen, und zeige Mühe die Ereignisse psychisch zu verarbeiten. Der Hausarzt
befürchte, dass ein neuerlicher Versuch der Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit zu
einem vollständigen Zusammenbruch der Persönlichkeit des Beschwerdeführers führen
werde (act. G 27). Dieser Stellungnahme wurde ein Bericht der Psychiatrischen-Dienste
Süd zuhanden der Suva vom 14. März 2011 beigelegt (act. G 27.1).

Erwägungen:
1
Am 1. Januar 2004 trat die 4. IV-Revision in Kraft und am 1. Januar 2008 folgte das
Inkrafttreten der 5. IV-Revision. Die Beschwerdegegnerin erliess die angefochtene
Verfügung am 17. Januar 2011 (IV-act. 225), das heisst, unter der Geltung des Rechts
der 5. IV-Revision. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des
Erlasses dieser Verfügung entwickelt hat. Dieser Sachverhalt reicht in eine Zeit vor
Inkrafttreten der 5. IV-Revision und der 4. IV-Revision zurück, weil der
Beschwerdeführer am 18. Mai 2002 verunfallte, sich am 21. März 2003 bei der IV-Stelle
anmeldete und sich ab 12. Dezember 2007 einer ambulanten psychiatrischen
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Behandlung unterzog. Da sich die Definition der Invalidität und die damit
zusammenhängenden Begriffe nicht geändert haben, werden diesbezüglich in diesem
Urteil die seit dem 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wiedergegeben.
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente.
1.1 Anspruch auf eine solche Rente hat die versicherte Person, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern kann, während einer einjährigen Wartefrist durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen ist und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 1 IVG). Die Invalidität im rechtlichen Sinn ist
die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 4
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG); sie umfasst mit anderen Worten die erwerblichen
Folgen der Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit.
1.2 Die Invalidität setzt daher voraus, dass der Gesundheitsschaden sowie dessen
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zuerst durch ärztliche und gegebenenfalls auch
andere Fachleute festgestellt worden sind. Aufgabe der Medizinalpersonen ist es, den
Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist
(BGE 125 V 261 E. 4; vgl. BGE 105 V 158 E. 1 und ZAK 1982 S. 34). Aufgabe der IV-
Stelle und der Sozialversicherungsgerichte ist es zu würdigen, ob die ärztlichen
Aussagen und Schätzungen eine zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs
erlauben. Wenn dies der Fall ist, ist gestützt auf diese medizinischen Feststellungen
und, in der Regel, anhand eines Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG) der
Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f. E. 3.2 f.). Die Rentenabstufungen
nach Art. 28 Abs. 2 IVG geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60%
Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70%
Anspruch auf eine ganze Rente.
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2
In medizinischer Hinsicht ist vorerst zu prüfen, ob das psychiatrische
Gerichtsgutachten vom 3. Oktober 2013 eine rechtsgenügliche Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt.
2.1 Das psychiatrische Gerichtsgutachten vom 3. Oktober 2013 beruht auf den dem
Verwaltungsverfahren zugrunde liegenden IV- und Suva-Akten (act. G 22/2-24) und auf
der am 31. Juli 2013 durch die Gutachterin direkt vorgenommenen klinisch-
psychiatrischen Untersuchung (act. G 22/24-32). Die Gutachterin veranlasste überdies
eine am 8. August 2013 durch Dr. phil. L._ durchgeführte neuropsychologische
Untersuchung, inkl. Validierungstestung (act. G 22/37-44). Das Gerichtsgutachten
enthält eine vollständige Anamnese, setzt sich ausführlich mit den Klagen und dem
Empfinden des Beschwerdeführers auseinander (act. G 22/24-32) und erklärt den
Krankheitsverlauf (vgl. act. G 22/56-58) von anfänglichen "Schmerzen als
Begleitsymptom einer körperlichen Störung", die sich wegen
Anpassungsschwierigkeiten zu einer Schmerzausweitung im Sinne "von körperlich zum
Teil erklärbaren Schmerzen mit psychischer Komorbidität" entwickelt hätten
(act. G 22/46 f.). Es beschreibt den psychischen Befund unter Anwendung des AMDP-
Systems (act. G 22/32-34), beurteilt das Ausmass der depressiven Störung gestützt auf
den klinischen Eindruck und das Fremdbeurteilungsinstrument Hamilton-Score
(act. G 22/34-37), schliesst das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung
aus (act. G 22/45) und erläutert, dass keine Persönlichkeitsstörung vorliege, aber doch
eine Persönlichkeitsakzentuierung (act. G 22/47-50). Die Gutachterin beantwortet die
massgebenden Fragen für die Beurteilung des Leistungsanspruchs und legt dabei
verständlich und klar dar, inwiefern eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe
und weshalb der Beschwerdeführer nur teilweise über die Ressourcen verfüge, um
trotz Beschwerden einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (act. G 22/50-55, 61-63). Sie
setzt sich auch ausführlich mit den Vorgutachten auseinander und begründet
nachvollziehbar, weshalb und welcher Beurteilung sie folgt bzw. nicht folgt
(act. G 22/58-60). Mithin ist das Gerichtsgutachten formell gesehen vollständig,
sorgfältig und hinreichend begründet.
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2.2 Es drängt sich die Frage auf, ob die Schlussfolgerungen des Gerichtsgutachtens
auch inhaltlich schlüssig und überzeugend sind. Die Gutachterin hält fest, eine leichte
depressive Störung wirke sich per se kaum auf die berufliche Leistungsfähigkeit aus,
könne aber Antrieb und Motivation bzw. Anstrengungsbereitschaft und
Selbsteinschätzung wegen der Mutlosigkeit, welche der Depression innewohne,
negativ beeinflussen. Die Tätigkeiten, die der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben
tatsächlich ausführe, seien mit einer komplett erloschenen Leistungsfähigkeit nicht
vereinbar. Zudem würden Feststellungen im Rahmen der Rehabilitationsbehandlung,
der Eingliederungsmassnahmen und der aktuellen Begutachtung Inkonsistenzen
zeigen, die dem Vorliegen einer belastungsabhängigen Schmerzproblematik
widersprächen. Es ergebe sich auch eine Diskrepanz zwischen dem schweren
Beschwerdeausmass und den vergleichsweise geringen Behandlungsmassnahmen.
Der fehlende Nachweis des Antidepressivums im Blut möge noch auf einen inneren
Widerstand eines psychosomatischen Patienten gegen eine psychiatrische Behandlung
hinweisen; die Nichteinnahme des verschriebenen Schmerzmittels sei jedoch sehr
ungewöhnlich für einen Schmerzpatienten. Die geklagten deutlichen kognitiven
Beschwerden hätten sich in der hiesigen Untersuchungssituation nicht erhärtet; sie
würden aber nicht auf eine Simulation hindeuten, sondern vielmehr auf ein
suboptimales Leistungsverhalten des Beschwerdeführers, das nicht durch
psychiatrische, neurologische oder entwicklungsbedingte Faktoren erklärbar sei. Eine
missglückte, psychisch aber entlastende Konfliktbewältigung in der Entwicklung der
Schmerzstörung wird aus gutachterlicher Sicht als gegeben angenommen, weil die
innerpsychische dysfunktionale Kompromissbildung auch auf Kosten des Bestehens
der hoch idealisierten Ehe beibehalten worden sei. Allerdings seien das Ausmass der
geklagten Schmerzen und die damit verbundenen Funktionsstörungen sowie die
darüber hinausgehenden geklagten Beschwerden nicht "ohne vernünftigen Zweifel" in
der angegebenen Schwere nachweisbar. Aufgrund dieser Situation sei mit der
Einschätzung des ABI-Gutachtens übereinzustimmen, dass es dem Beschwerdeführer
aufgrund seiner auffälligen Persönlichkeitsstruktur kaum möglich sei, mit seinen
Einschränkungen konstruktiv umzugehen: Es handle sich bei der psychosomatischen
Symptombildung "anhaltende Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren" um eine ins Körpersymptom verschobene chronifizierte Anpassungsstörung;
dramatisierende und unflexible Persönlichkeitszüge, vergesellschaftet mit einer
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depressiv getönten Wahrnehmung, würden dazu führen, dass die berufliche
Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei, wenngleich nicht im vom Beschwerdeführer
angegebenen Ausmass. Aufgrund der diskutierten Inkongruenzen lasse sich eine
Arbeitsunfähigkeit über 50% hinaus nicht ohne Zweifel belegen, obwohl ein primärer
Krankheitsgewinn gesehen werde. Jedoch bestünden keine schweren psychiatrischen
Komorbiditäten und auch das soziale Rückzugsverhalten sei nicht schwer ausgeprägt,
so dass es dem Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht zumutbar erscheine, trotz
der geklagten Beschwerden die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um halbtags
einer beruflichen Tätigkeit nachgehen zu können. Eine Überwindbarkeit der
Beschwerden über das Ausmass einer auf die Hälfte reduzierte Leistungsfähigkeit
hinaus sei aufgrund der Häufung ungünstiger Prognosefaktoren nicht anzunehmen
(act. G 22/50-55). Die Überzeugungskraft dieses Gerichtsgutachtens ergibt sich aus
der differenzierten Abwägung zwischen Inkonsistenzen und plausiblen
Einschränkungen, seiner inneren Logik und der nachvollziehbaren Begründung.
2.3 Die Gerichtsgutachterin setzt sich obendrein gründlich mit den bereits geäusserten
medizinischen Auffassungen auseinander und beantwortet eindeutig die Frage, ob
bzw. wieweit diesen Beurteilungen gefolgt werden kann:
2.3.1 Beim Vorgutachten von Dr. D._ vom 1. April 2006 (IV-act. 125/6) vermisst sie
eine diagnostische Stellungnahme zu den Schmerzen, Aussagen zur Persönlichkeit und
- bei einem Wert von 12 Punkten gemäss Hamilton-Depression-Skala - die
Diagnostizierung einer leichten depressiven Störung. Die Arbeitsfähigkeit wäre aber bei
einer nur leichten depressiven Störung und fehlenden zusätzlichen Diagnosen nicht
anders einzuschätzen gewesen: Damals sei die Arbeitsfähigkeit auf psychischer
Grundlage noch nicht eingeschränkt gewesen (act. G 22/58).
2.3.2 In Bezug auf den Bericht von Dr. F._ vom 14. Januar 2009 (IV-act. 204/43-55)
gibt die aktuelle Gutachterin zum einen zu bedenken, dass der Suva-
Versicherungsmediziner von einer unspezifischen "Affektstörung" spreche, die weniger
einer Depression als einer Verbitterungsstörung zuzuordnen sei. Diese Diagnose sei
nicht in der ICD-10 Klassifikation enthalten, weshalb ihre Existenz in Expertenkreisen
umstritten sei. Zum andern sei es kritisch zu bewerten, dass der Suva-Experte aus
einer Einzelbeobachtung auf eine Störung schliesse, die nicht operationalisiert sei, und
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auf die Schmerzproblematik nicht eingehe. Zudem diagnostiziere er zwar eine
Persönlichkeitsstörung und nenne auffällige Persönlichkeitszüge, welche die aktuelle
Gutachterin nachvollziehen könne und ebenfalls anspreche; er wende jedoch dabei
kein anerkanntes Klassifikationssystem für psychische Störungen an. Der Einschätzung
einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit könne überdies nicht gefolgt werden, da eine
Argumentation darüber fehle, was für Defizite welche Einschränkungen der
Leistungsfähigkeit bedingen würden, und eine Konsistenzprüfung nicht erfolgt sei
(act. G 22/59).
2.3.3 Was das Vorgutachten des ABI-Psychiaters Dr. H._ anbelangt (IV-act. 204/25
f.), teilt das Gerichtsgutachten die diagnostische Einschätzung im Wesentlichen;
lediglich das Ausmass der affektiven Störung werde aktuell etwas geringer
eingeschätzt als 2010: eine leichte anstatt einer mittelgradigen depressiven Störung.
Anders als Dr. H._ bejaht die Gerichtsgutachterin einen primären Krankheitsgewinn.
Einig geht sie mit dem ABI-Gutachter, dass der Beschwerdeführer zu einem
konstruktiven Umgang mit den Beschwerden kaum in der Lage sei und aufgrund des
Fehlens schwerer depressiver Beeinträchtigungssymptome und der Schilderung
erhaltener Lebensgestaltungsmöglichkeiten eine teilweise Überwindbarkeit der
Schmerzen (bzw. deren Folgen) bestehe, was sich in einer Arbeitsfähigkeit von 50%
niederschlage (act. G 22/59 f.).
2.3.4 Damit macht das Gerichtsgutachten klar und verständlich, inwiefern der Suva-
Bericht relevante medizinische Aspekte entweder überhaupt nicht gewürdigt oder nicht
fachgerecht abgehandelt hat. Die Suva-Abklärung konzentriert sich auf das negative
Krankheitsbild und die Überzeugung des Beschwerdeführers über seine
Einschränkungen, und berücksichtigt nicht seine noch vorhandenen Ressourcen. Der
Beschwerdegegnerin ist gestützt auf BGE 126 V 294 (E. 2d fine) beizupflichten, dass
mangelhafte Abklärungen und kaum überzeugende Schlussfolgerungen der
Unfallversicherung für die Invalidenversicherung unverbindlich sind. Gestützt auf das
aktuelle Gutachten kann das Gericht obendrein als erwiesen betrachten, dass die
Schlussfolgerungen des psychiatrischen Teilgutachtens des ABI korrekt waren.
2.4 Auf das psychiatrische Gerichtsgutachten vom 3. Oktober 2013, weil vollständig,
nachvollziehbar und schlüssig, ist somit abzustellen. Es setzt sich mit den anders
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lautenden Auffassungen auseinander, präzisiert und validiert im Ergebnis die
Schlussfolgerung des psychiatrischen Teilgutachtens von Dr. H._.
3
Ausser Frage steht, dass dem Beschwerdeführer aus orthopädischer Sicht eine
adaptierte, leichte Tätigkeit uneingeschränkt zumutbar ist. Aus psychiatrischer Sicht
schätzt das Gerichtsgutachten eine Arbeitsfähigkeit von 50% - dies aufgrund der
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren und der
leichten depressiven Störung auf dem Boden einer Akzentuierung der Persönlichkeit,
vor allem mit narzisstischen und histrionischen Zügen. Diese Diagnosen würden
gesamthaft zu einer Unterschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit, mangelndem
Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, eingeschränkter Frustrationstoleranz und
mangelnder Flexibilität - vor allem im interpersonellen Bereich - führen und die
Schmerztoleranz vermindern (act. G 22/54). Die Beschwerdegegnerin misst zwar den
Tatsachenfeststellungen der aktuellen Gutachterin sowie den früheren der ABI-
Experten vollen Beweiswert bei, stellt aber die medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung
gestützt auf rechtliche Kriterien infrage:
3.1 Anhaltende somatoforme Schmerzstörungen sind grundsätzlich als psychisches
Leiden anzusehen. Im Lichte der zur somatoformen Schmerzstörung ergangenen
Rechtsprechung gelten sie oder ihre Folgen jedoch als überwindbar (BGE 131 V 50
E. 1.2; BGE 130 V 353 f. E. 2.2.3), es sei denn, die betroffene Person leidet unter einer
psychischen Begleiterkrankung von erheblicher Schwere, Intensität und Dauer
(sogenannte Komorbidität) oder erfüllt mit gewisser Intensität und Konstanz bestimmte
qualifizierte Kriterien: Erstens, chronische körperliche Begleiterkrankungen und
mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik
ohne längerfristige Rückbildung; zweitens, ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen
Belangen des Lebens; drittens, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer
innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn) oder, viertens, das Scheitern einer
konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung trotz
kooperativer Haltung der versicherten Person (BGE 136 V 281 E. 3.2.1; BGE 130 V 354
f. E. 2.2.3). Je mehr diese Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die
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entsprechenden Befunde darstellen würden, desto eher seien die Voraussetzungen für
eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 131 V 50 f. E. 1.2). Nicht
erforderlich sei, dass sich eine psychiatrische Expertise in jedem Fall über jedes
einzelne der genannten Kriterien ausspreche; massgeblich sei eine Gesamtwürdigung
der Situation (SVR 2005 IV Nr. 6 S. 21, I 457/02 E. 7.4 mit Hinweis, nicht publiziert in:
BGE 130 V 396).
3.2 Die höchstrichterliche Rechtsprechung hat die Gesamtheit dieser ursprünglich als
fachpsychiatrische Prognosekriterien formulierten Gesichtspunkte zu einem rechtlichen
Anforderungsprofil verselbstständigt (Urteil des Bundesgerichtes 9C_936/2011 vom
21. März 2012, E. 2.2 mit Hinweis unter anderem auf BGE 135 V 212 E. 7.1.2):
Einerseits habe der begutachtende Mediziner die Tatsachen festzustellen, ob eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung vorliege, und bejahendenfalls sodann, ob
eine psychische Komorbidität oder weitere Umstände gegeben seien, welche die
Schmerzbewältigung behindern würden; andererseits habe die rechtsanwendende
Behörde gestützt auf die fachärztliche Beurteilung als Rechtsfrage zu prüfen, ob eine
festgestellte psychische Komorbidität hinreichend erheblich sei und ob einzelne oder
mehrere der festgestellten weiteren Kriterien in genügender Intensität und Konstanz
vorlägen, um gesamthaft den Schluss auf eine nicht mit zumutbarer
Willensanstrengung überwindbare Schmerzstörung und somit auf eine invalidisierende
Gesundheitsschädigung zu gestatten (BGE 137 V 66 E. 1.2 mit Hinweis auf SVR 2008
IV Nr. 23 S. 72, I 683/06 E. 2.2).
3.3 Das Gerichtsgutachten stellt eine leichte depressive Episode und eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie zusätzlich eine
Akzentuierung der Persönlichkeit fest. Die affektive Störung bilde vorliegend eine
grundsätzlich gut behandelbare und typischerweise episodisch verlaufende Erkrankung
bzw. keine schwere psychiatrische Komorbidität, obwohl es auch bei solchen
Erkrankungen, wenn sie sich gerade als psychiatrische Komorbiditäten manifestierten,
chronifizierte Verläufe gebe. In Bezug auf die somatoforme Schmerzstörung gelte
Folgendes: Ein chronischer körperlicher Kern (Schulterverletzung) liege vor; es handle
sich um einen langjährigen Krankheitsverlauf ohne längerfristige Remissionen; zwar
bestehe ein soziales Rückzugsverhalten, dieses sei aber nicht schwer ausgeprägt; es
sei ein primärer Krankheitsgewinn im Sinne einer missglückten, psychisch aber
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entlastenden Konfliktbewältigung (Flucht in die Krankenrolle) vorhanden, was sich auf
dem Boden der rigiden Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers erklären lasse.
Unbefriedigende Behandlungen würden sich dadurch zeigen, dass
Rehabilitationsmassnahmen und Eingliederungsbemühungen zu einer Verbesserung
der Situation bis zu dem Punkt geführt hätten, als der Beschwerdeführer mit der dann
wieder anstehenden Weiterführung integrativer Massnahmen in den Arbeitsprozess
konfrontiert gewesen sei. Da sich ungünstige Prognosefaktoren häufen würden, könne
der Beschwerdeführer nur teilweise die Folgen der geklagten Beschwerden überwinden
(act. G 22/54 f.). Mithin darf sich weder die Beschwerdegegnerin noch das Gericht über
folgende medizinische Tatsachenfeststellung hinwegsetzen (vgl. BGE 136 V 284 E. 3.3):
Der langjährige Krankheitsverlauf, der primäre Krankheitsgewinn und das geringe
Ansprechen auf Behandlungen sprechen teilweise gegen die Überwindbarkeit der
geklagten Beschwerden. Die rechtliche Prüfung der gutachterlichen Einschätzung
besteht darin zu erwägen, ob die ihr zugrunde liegenden Tatsachen nachgewiesen und
in ihrer konkreten sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu beachten
sind. Nach dem Unfall am 18. Mai 2002 und bis zur Operation vom November 2002
sowie zum Abschluss des objektiv komplizierten Heilungsverlaufs bestand ein
körperlich begründbarer Schmerz. Danach folgte eine Schmerzausweitung als
Entwicklung zu einer Schmerzsymptomatik im Sinne "von körperlich zum Teil
erklärbaren Schmerzen mit psychischer Komorbidität". Von einem somatischen Kern
ausgehend entwickelte sich eine psychogene Symptomatik als Symptombildung einer
Anpassungsschwierigkeit des Beschwerdeführers (act. G 22/46 f., 56-58). Zwar wirkt
sich die körperliche Erkrankung nicht quantitativ auf die Arbeitsfähigkeit aus, sie zeigt
aber einen langjährigen Verlauf. Die berufliche Neuorientierung hat für den
Beschwerdeführer verheerende Folgen gehabt: Er wurde von Mitarbeitenden der
Invalidenversicherung (IV-act. 45), behandelnden Ärzten (IV-90, 174) und Suva-Ärzten
(IV-act. 204/43-55) als pflichtbewusst, engagiert und zuverlässig, aber überfordert
erlebt. Selbst bei vorhandenen Inkonsistenzen geht es nicht an, jegliche Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit zu verneinen; so haben sowohl die aktuelle Gutachterin sowie die
ABI-Experten diese Umstände gewürdigt und sind zum Schluss gekommen, dass
trotzdem eine Arbeitsunfähigkeit in der Höhe von 50% besteht. Eine gewisse
Selbstlimitierung ist krankheitsbedingt nachvollziehbar, da eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung definitionsgemäss (ICD-10-GM Version 2013: F45.4) in
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Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Belastungen auftritt.
Vorliegend werden invaliditätsfremde Gesichtspunkte (insbesondere psychosoziale und
soziokulturelle Belastungsfaktoren) gutachterlicherseite erkannt, aber im Sinne der
Rechtsprechung bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ausgeklammert (vgl. Urteile
des Bundesgerichtes 9C_651/2009 vom 7. Mai 2010 E. 5.1 und 9C_1040/2010 vom
6. Juni 2011 E. 3.4.1). Die gutachterliche Feststellung, dass die Ressourcen des
Beschwerdeführers begrenzt seien und er nur imstande sei, einen Teil der
Beschwerden willentlich zu überwinden und trotz Schmerzen in einem Teilpensum zu
arbeiten, hält einer eingehenden rechtlichen Prüfung stand. Darauf ist abzustellen.
3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten: Gestützt auf das interdisziplinäre ABI-
Gutachten vom 10. Juni 2010 (IV-act. 204) steht beim Beschwerdeführer eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestemmten Tätigkeit und in jeglichen anderen
körperlich mittelschwer und schwer belastenden Tätigkeiten fest. Das
Gerichtsgutachten vom 3. Oktober 2013 bestätigt, dass im Rahmen der körperlich
zumutbaren leichten, adaptierten Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 50% verbleibt.
4
Bei Erwerbstätigen erfolgt die Ermittlung des Invaliditätsgrads anhand eines
Einkommensvergleichs: Das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), wird zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen), in Beziehung gesetzt (Art. 16 ATSG).
4.1 Die zu vergleichenden Einkommen sind auf zeitidentischer Grundlage zu erheben.
Massgebend ist vorliegend das Jahr 2008 als Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns
(vgl. BGE 129 V 223 ff. E. 4.1, 4.2; BGE 128 V 174): Der Beschwerdeführer verunfallte
am 18. Mai 2002 und meldete sich am 21. März 2003 bei der Invalidenversicherung (IV-
act. 1). Anfang 2003 stand gemäss Gerichtsgutachten fest, dass im Bereich der
Schulter eine medizinische Einschränkung bleiben würde und die Arbeitsfähigkeit im
angestammten Beruf als Servicemonteur nicht mehr gegeben war. Aufgrund seiner
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unflexiblen Persönlichkeit gelang es dem Beschwerdeführer nicht, sein Selbstbild
anzupassen und Kompromisse einzugehen. Es setzte in der Folge eine Spirale nach
unten ein, in der seine krampfhaften und unflexiblen Anstrengungen zu
Stressreaktionen und letztlich zum Scheitern von beruflichen
Rehabilitationsmassnahmen führten und sich so die innere Situation immer weiter in
Richtung Krankenrolle zuspitzte und verfestigte (act. G 22/62). Im Jahr 2006 war die
Arbeitsfähigkeit auf psychischer Grundlage noch nicht eingeschränkt, weshalb eine
dem körperlichen Leiden angepasste Tätigkeit zu 100% zumutbar war. Erst ab
12. Dezember 2007 folgte eine ambulante psychiatrische und psychotherapeutische
Behandlung damals unter der Diagnose einer schweren Episode ohne psychotische
Symptome (act. G 22/58). Ab diesem Zeitpunkt nimmt das ABI-Gutachten den Beginn
der psychiatrisch begründeten Arbeitsunfähigkeit von 50% an (IV-act. 204/27). Damit
ist die Wartezeit am 11. Dezember 2008 abgelaufen, so dass der 1. Dezember 2008 als
Zeitpunkt für die Entstehung eines allfälligen Rentenanspruches gelten kann (Art. 28
Abs. 1 lit. b und c IVG i.V.m. Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG; vgl. aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG
gemäss bis 31. Dezember 2007 geltend gewesene Fassung).
4.2 Die Einkommensermittlung erfolgt in der Regel gestützt auf den letzten vor Eintritt
der Gesundheitsschädigung erzielten Lohn (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai
2001, I 42/01, E. 3a mit Hinweisen), weil die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall
meist weitergeführt würde (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2002, I 97/00,
E. 1.2). Nach Eintritt des Gesundheitsschadens am 18. Mai 2002 hat der
Beschwerdeführer nur im Rahmen von Eingliederungsbemühungen gearbeitet. Gemäss
Fragebogen für den Arbeitgeber vom 9. April 2003 betrug der AHV-beitragspflichtige
Lohn des Beschwerdeführers als Monteur damals Fr. 5 ́900.-- pro Monat bzw. 76
́700.-- pro Jahr (IV-act. 5). Im Rahmen der Abklärungen der Unfallversicherung
(act. G 7.2.2, Suva-Akten 241) schätzte der ehemalige Arbeitgeber mit Schreiben vom
11. Januar 2007 einen hypothetischen Validenlohn von Fr. 80 ́600.-- (Fr. 6 ́200.-- x 13).
Es fällt aber Folgendes ins Gewicht: Bevor der Beschwerdeführer im Jahr 2002
verunfallte, hatte er gemäss IK-Auszügen für die Jahre 1997-2001 erheblich höhere
Einkommen (Fr. 85'019.--, Fr. 85'173.--, Fr. 87'987.--, Fr. 95'152.--, Fr. 96'843.--)
erzielt (IV-act. 3/1). Daraus ergeben sich an den Nominallohnindex per 2008 folgende
Werte: Fr. 98'310.-- (1919/2219), Fr. 97'826.-- (1932/2219), Fr. 100'745.-- (1938/2219),
Fr. 107'561.-- (1963/2219 und Fr. 106'860.-- (2011/2219), total Fr. 511'302.-- oder im
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Durchschnitt pro Jahr Fr. 102'260.--. Auf dieser Basis kann davon ausgegangen
werden, dass der Beschwerdeführer, wenn gesund, ein auf das Jahr 2008 indexiertes
Valideneinkommen von Fr. 102'260.-- hätte erzielen können.
4.3 Da dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar ist und
er ebenfalls keiner zumutbaren Verweistätigkeit nachgeht, ist für die Ermittlung des
Invalideneinkommens auf die Durchschnittslöhne der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) abzustellen. Auch wenn die Eingliederung als
Technischer Kaufmann letztlich gescheitert ist, handelt es sich beim Beschwerdeführer
um einen Mitarbeiter, der immer mit einer sorgfältigen Arbeitsweise und guten
Kenntnissen auffiel. Deshalb ist das durchschnittliche Einkommen gemäss LSE 2008
für Männer heranzuziehen, dieTätigkeiten mit vorausgesetzten Berufs- und
Fachkenntnissen ausübten (TA1, Anforderungsniveau 3, 41,6 Wochenstunden): Fr. 72
́247.-- (Fr. 5 ́789.-- x 12: 40 x 41.6). EinInvalideneinkommen, das gestützt auf
Tabellenlöhne ermittelt wird, ist nach Ermessen bis zu 25% zu kürzen, wenn
behinderungsbedingte sowie persönliche oder berufliche Umstände - auch
invaliditätsfremde Faktoren - dafür sprechen, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich bedingte Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten könnte (BGE 126 V 79 E. 5b,
bestätigt in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Da der
Beschwerdeführer den Einsatz der linkeren oberen Extremität oberhalb der Brusthöhe
vermeiden soll, auf leichte Tätigkeiten verwiesen ist und ihm einzig eine Teilzeittätigkeit
zumutbar ist, muss er mit Lohnnachteilen rechnen. Dieser Umstand ist mit einem
Tabellenlohnabzug von höchstens 10% zu berücksichtigen, so dass sich das
Invalideneinkommen bei einem Pensum von 50% auf Fr. 32 ́511.-- beläuft (Fr. 72 ́247.--
x 0.50 x 0.90).
4.4 Im Einkommensvergleich (Fr. 102'260.-- gegenüber Fr. 32 ́511.--) resultiert eine
Erwerbseinbusse von Fr. 69 ́749.--. Diese entspricht einem rentenbegründenden
Invaliditätsgrad von 68%. Daraus ergibt sich gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG ein Anspruch
auf eine Dreiviertelsrente mit Wirkung auf den 1. Dezember 2008.
5
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Nachdem ein Rentenanspruch besteht, stellt sich im Hinblick auf den Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" nochmals die Frage, ob Eingliederungsmassnahmen
durchzuführen sind. Trotz allseitiger Bemühungen der Eingliederungsverantwortlichen
sowie guter fachlicher Kompetenz und pflichtbewusster Persönlichkeit des
Beschwerdeführers sind die geplanten Umschulungen zum Technischen Kaufmann
und im technischen Dienst gescheitert. Weitere Eingliederungsmassnahmen hat weder
das ABI noch die Gerichtsgutachterin empfohlen (IV-act. 204/28; act. G 22/62).
6
6.1 Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 17. Januar 2011 teilweise gutzuheissen und dem
Beschwerdeführer eine Dreiviertelsrente mit Wirkung auf den 1. Dezember 2008
zuzusprechen.
6.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor
dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1’000.-- festgelegt. Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Mit Blick
auf das Beweisverfahren vor Gericht erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 1 ́000.-- als
angemessen und ist der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
6.3 Angesichts der Tatsache, dass zur Durchführung der vom Gericht als notwendig
erachteten Beweismassnahme (Gerichtsgutachten) an sich eine Rückweisung in Frage
gekommen wäre, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der
Verfahrensfairness entfallen ist, sind diese Kosten in der Höhe von Fr. 7 ́610.-- der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Die Vergütung der Kosten von solchen
Abklärungen durch die IV-Stellen ist nach der Rechtsprechung mit Art. 45 Abs. 1
zweiter Satz ATSG vereinbar. Danach übernimmt der Versicherungsträger die Kosten
bis
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der Abklärung, selbst wenn er die Beweisergänzung nicht angeordnet hat, falls diese
für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich war (BGE 137 V 210 S. 265 E. 4.4.2).
6.4 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Vorliegend erscheint
ebenfalls mit Blick auf das im Beschwerdeverfahren durchgeführte Beweisverfahren
eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 5'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) angemessen.