Decision ID: 0e2ad888-64b3-4def-80b9-1f6a1e09f275
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1965 geborene
X._
meldete sich am 1
4.
Mai 2010
unter Hinweis auf Depressionen sowie Herz-/Lungenprobleme
bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Leistungsbezug an (
Urk.
2/
2/
10/
1
3).
Diese gewährte Eingliederungsmassnahmen
im Sinne von Arbeitsplatzerhalt und Arbeitsvermittlung (
Urk.
2/
2/
10/41 ff.).
Nachdem der Versicherte eine seiner gesundheitlichen Situation angemessene Stelle gefunden hatte, stellte die IV-Stelle
des Kantons St. Gallen
am
2.
November 2011 fest, dass er rentenausschliessend eingegliedert sei
und schloss die Arbeitsvermittlung ab
(
Urk.
2/
2/
10/54).
Am
4.
Dezember 2012 meldete sich
X._
unter Hinweis auf eine Depression
bei der nunmehr (aufgrund eines Wohnsitzwechsels) zuständigen IV-Stelle des Kantons Zürich
erneut
zum Leistungsbezug an (
Urk.
2/
2/
10/61). Diese tätigte medizinische Abklärungen
und
verneinte mit Verfügung vom 1
2.
August 2016 einen Leistungsanspruch, da das psychische Leiden des Versicherten therapierbar und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant sei (
Urk.
2/
2/
10/197
).
Die von
X._
hiegegen
erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Entscheid vom 2
8.
September 2017 ab (
Urk.
2/
2/13; Prozess IV.2016.01038). Dieses Urteil hob das Bundesgericht mit Urteil vom 1
5.
Mai 2018 (
Urk.
2/2/16
) auf und wies die Sache ans hiesige Gericht zum Entscheid unter Berücksichtigung der geänderten Rechtsprechung gemäss BGE 143 V 409 und 418
samt
Auseinandersetzung mit den massgebenden Standardindikatoren zurück
(8C_876/2017)
.
1.2
Das hiesige Gericht wies in der Folge mit
Urt
eil vom 2
9.
Juni 2018 im Verfahren IV.2018.00
5
0
7 die Beschwerde
gegen
di
e Verfügung der IV-Stelle vom 1
2.
August 2016 ab
(
Urk.
2/4)
. Dieses Urteil hob das Bundesge
richt am
2.
April 2019
abermals
auf und wies die Sache an das hiesige Gericht zurück,
nunmehr
,
damit es ein Gutachten
einhole
und hernach erneut über die Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Zürich vom
1
2.
August 2016
entschei
de (8C_592/2018;
Urk.
2/7
).
2.
Im vorliegenden, neu angelegten Verfahren stellte das Gericht mit Beschluss vom
1.
Juli 2019 (
Urk.
3
) in Aussicht, ein psychiat
risches Gutachten bei
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie
und Neurologie FMH
, einzuholen und gab den Parteien Gelegenheit, hie
r
zu und zu den seitens des Gerichts
formulierten Fragen Stellung zu nehmen. Die Beschwerdegegnerin äusserte sich am
2
3.
Juli 2019 (
Urk.
7) und
der Beschwerdeführer
am
2.
September 2019 zur Sache (
Urk.
10)
.
Das mit Beschluss vom
2
4.
September 2019
(
Urk.
11
) veranlasste Gutachten wurde durch
Dr.
Y._
am 2
4.
Juli 2020
erstattet (
Urk.
15). Am
4.
September 2020 (
Urk.
23
) liess sich
die Beschwerdegegnerin und am
1.
Oktober 20
20
(Urk.
25
) der Beschwerdeführer zum Gutachten ve
rnehmen, was den Parteien am 6. Oktober 2020
gegenseitig zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
26
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die rechtlichen Grundlagen und Grundsätze betreffend den Leistungsanspruch und die Invaliditätsbemessung (
Art.
28 des Bu
ndesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG) sind in den
beiden
vorangegangenen Gerichtsurteil
en
bereits umfassen
d wiedergegeben worden (
Urk.
2/2/13 E. 1.1 bis E. 1.5,
Urk.
2/4 E. 1.2 bis E. 1.4
). Darauf kann, mit der nach
folgenden Ergänzung, verwiesen werden.
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Da
rlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachperson ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist
oder
wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende
Beurteilung kann ferner gerecht
fertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass er die Überprüfung durch einen Oberexperten für
angezeigt hält, sei es, dass er ohne Oberexperti
se vom Ergebnis des Gerichtsgut
achtens abweichende Schlussfolgerungen zieht
(BGE 125 V 352 E. 3b/
aa
mit Hin
weisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet die angef
ochtene Verfügung vom 1
2.
August 2016
im Wesentlichen damit,
dass sich die Ärzte in der
Diagnosestellung einer rezidivierenden depressiven Störung leichter bis mittelgradiger Ausprägung einig seien.
Indes könne a
uf die aus medizinischer Sicht attestierte Arbeitsunfä
higkeit nicht abge
stellt werden, da leichte bis mittelschwere psychische Störungen als
therapeu
tisch behandelbar gälten und in der Regel keine dauerhafte
und erhebliche Ar
beitsunfähigkeit zur Folge hätten.
Es
habe sich
auch
gezeigt, dass die Unterstützung des behandelnden Arztes und der psychiatrischen Spitex zu einer Verbesserung des Gesund
heitszustandes geführt
habe
und s
omit von einer Behandelbarkeit des Leidens auszugehe
n sei. Den Akten sei auch zu entneh
men, dass schwierige Lebensumstände (zum Be
ispiel die Trennung von der Ehe
frau) zur Entwicklung der psychischen Proble
matik beigetragen hätten und ak
tuell die Erkrankung noch von mehreren psychosozialen Belastungsfaktoren aufrechterhalten werde. Ausserdem hätten
sich Hinweise auf eine Symptom
ausweitung ergeben.
Da das Leiden grundsätzlich
als
therapierbar gelte, entstehe auch kein Anspruch auf eine befristete Rente
(
Urk.
2/2/10/197
).
2.2
Demgegenüber stellt sich der Besc
hwerdeführer auf den Standpunkt
(
Urk.
2/2/1 S. 6 f.), er leide seit Jahren an rezidivierenden depressiven Episoden und stehe deswegen seit Jahren in fachärztlicher Behandlung. Der von der Beschwerdegegnerin beauftragte Psychiater habe festgehalten, dass er in der Regel mittelgradig depressiv sei und nicht ausgeschlossen werden könne, dass es phasenweise sogar mittel- bis
schwergradig
depressive Episoden gegeben habe. Es habe sich eine verselbständigte psychische Störung herausgebildet und neben allfällig vorhandenen psychosozialen Belastungen komme ihr eine eigenständige Bedeutung zu. Die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit durch die depressive Symptomatik sei auch durch die ungünstige Konstellation einer akzentuierten Persönlichkeit mit narzisstischen Zügen unterhalten.
Nach ersten depressiven Episoden in den Ja
hren 2005/06 und 2010 stehe er
seit dem Jahr 2012 ununterbrochen in fachärztlicher psychiatrischer Behandlung, habe die ihm offenstehenden Therapieangebote angenommen und werde auch medikamentös behandelt. Trot
z der konsequenten Depressions
therapie mit Ausschöpfung der therapeutis
chen und medikamentösen Behandlungsmöglich
keiten
habe sich das psychische Leiden jedoch als
resistent erwiesen. Der rezidi
vierenden depressive
n Störung komme damit invalidi
sierende Wirkung zu (S. 8 f.).
Nach Ablauf des Wartejahrs nach Neuanmeldung vom November/Dezember 2012 habe er damit Anspruch auf eine ganze Rente ab
1.
Juli 2013 (S. 11).
2.3
Das
Bundesgericht erwog im Urteil 8C_876/2017 vom 1
5.
Mai 2018 (
Urk.
2/2/16)
in E. 4.2
, die Voraussetzungen, unter denen leichten bis mittelschweren Depressionen invalidisierende Wirkung zukommen könne, seien mit BGE 143 V 409 und 418 geändert worden und laut BGE 143 V 409 seien namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen einem strukturierten Beweisverfahren zu unterziehen. Da bis anhin noch kein solches Beweisverfahren stattgefunden habe und insbesondere auch eine umfassende vorinstanzliche Auseinandersetzung mit den massgebenden Standardindikatoren fehle, sei der kantonale Entscheid aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese, allenfalls nach weiteren medizinischen Abklärungen, ein solches Beweisverfahren durchführe und hernach über die Beschwerde des Versicherten neu entscheide.
Im Urteil 8
C_
592/2018
vom
2.
April 2019
(
Urk.
1
)
erkannte das Bundesgericht, dass sich alle involvierten Ärzte
darin einig seien, dass eine de
pressive Symptomatik die Leistungsfähigkeit des Versicherten einschränke, wobei das Ausmass der Depression im Verlauf phasenweise als schwer, mittelgradig und zuletzt als leicht bis mittelgradig
bezeichnet worden sei (E. 3.1)
. Die vorinstanzliche Prüf
ung der Indikatoren habe zum Er
gebnis geführt, dass ein erheblicher funktioneller Schweregrad des Leidens im
Verfügungszeitpunkt
zu
verneinen
sei und sich auch im Verlauf ab Mai 2013 bis zur Verfügung nicht derart verändert habe, dass die Wirkung des Gesundheitsschadens im Zeitablauf unterschiedlich zu beurteilen sei (E. 3.2). Dieser vorinstanzlichen Beurteilung könne aus verschiedenen Gründen nicht gefolgt werden (vgl. die Ausführungen E. 4.1 bis E. 4.7). Allerdings liessen die vorhandenen medizinischen Unterlagen auch keine zuverlässige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu und die Sache sei dahe
r an die Vorinstanz zurückzuwei
sen, damit sie ein Gerichtsgutachten einhole u
nd danach über die Sache neu be
finde (E. 4.8).
2.4
Nach Erstattung des Ger
ichtsgutachtens durch
Dr.
Y._
(
Urk.
15) machte der Beschwerdeführer geltend,
es seien keine Gründe vorhanden, die ein Abweichen vom Gutachten von
Dr.
Y._
erlauben würden. Aufgrund der gestellten Diagnose einer Double Depression mit rezidivierenden Störungen in Form von mittel- bis
schwergradigen
depressiven Episoden und einer
Dysthymie
, die jedoch die ernste Form der chronischen Depression angenommen habe, die kaum noch von einer anhaltenden mittel- bis
schwergradigen
depressiven Ep
isode abzugrenzen
sei, erscheine
es nachvollziehbar, dass die Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten Lehrertätigke
it wie auch in einer Verweis
tätigkeit seit Mai 2012 durchgängig aufgehoben sei. Dies müsse zur vollen Berentung ab
1.
Mai 2013 führen (
Urk.
25 S. 3
).
2.5
Die Beschwerdegegnerin stellte sich auf den Standpunkt
(
Urk.
23)
,
die im Gutachten von
Dr.
Y._
attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten könne aus rechtlicher Sicht nicht nachvollzogen werden.
Objektive Befunde sowie
die
funktionellen
Einschränkungen
seien nicht
rechtsgenüglich
begründet und die Gutachterin orientiere sich bei ihrer Beurteilung zu
einem wesentlichen Teil an den subjektiven Beschwerde
angaben
des Beschwerdeführers.
So seien trotz gewisser
Einschränkungen
Freizeitaktivitäten weiterhin möglich, was b
ei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit nur ungenügend
berücksichtigt worden sei.
Schliesslich best
ünden
auch Hinweise auf psychosoziale Belastungsfaktoren wie
der
Tod des Sohnes,
d
ie
bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit nicht ausgeklammert
worden seien respektive
deren Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit
unklar
bleibe. Eine vollständig aufgehobene Arbeitsfähigkeit sei nicht
rechtsgenüglich
erstellt und diesbezüglich
seien
weitere Abklärungen vorzunehmen.
3.
3.
1
Am 2
4.
Juli 2020 erstattete
Dr.
Y._
das bei ihr vom Gericht in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten (
Urk.
15). Die Expertin stützte sich auf die überlassenen Akte
n (S. 3 ff.) und auf die von ihr
im Rahmen der Untersuchung
en vom 16.
Januar
und
9.
Juli 2020 erhob
enen Befunde
ab
(S.
1 und
S.
34 f.). A
ufgrund der
Angaben des Beschwerdeführers
in der Untersuchung
und
Erkundigungen bei
der
Spitex-Betreuerin
sowie unter Zuzug der Akten
wurde
n
die
Anamnese
erhoben
sowie die gek
lagten Leiden
festgehalten
(S. 28 ff.).
3.
2
Zur Diagnosestellung führt
e
die Gutachterin aus
(S. 35
f.
), mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit liege eine depressive Erkrankung in Form einer «doppelten Depression» vor. Es bestünden rezidivierende depressive Störungen in Form von mittel- bis
schwergradigen
depressiven Episoden mit und ohne psychotische Symptome, die sich erstmalig im Herbst 2009 manifestierten und zu mehrfachen und längerdauernden stationären und einer teilstationären Behandlung geführt hätten. Vor der Erstmanifestation von Episoden einer depressiven Störung mittel- bis
schwergradigen
Ausmasses und auch nach Besserung der sogenannten «Major
Disorder
»,
liege eine
Dysthymie
vor. Diese habe
in
jüngeren Jahren wa
hrschein
lich eher noch leichte und
besser überwindbare Beschwerden verursacht
. S
eit längerem
und
bis
zum
aktuell
en Zeitpunkt anhaltend habe
die
Dysthymie
aber
die ernste Form der chroni
schen Depression angenommen
.
3.3
Zum psych
opathologischen Befund hielt die Expertin
fest
(S. 34
f.
)
, der Beschwerdeführer
habe an beiden Untersuchungsterminen mit gedämpfter Stimme gesprochen. Er sei jeweils pünktlich zu den vereinbarten Untersuchungsterminen erschienen. Der Allgemeinzustand
habe
reduzier
t
gewirkt
bei ausgeprägter Erschöpfung und
der Ernährungszustand sei ungewöhnlich schlank
gewesen
. Beim ersten Termin im Januar sei das Hautkolorit bleich, beim zweiten Untersuchungstermin im Sommer gebräunt gewesen. Bei beiden Terminen habe er ein mässig gepflegtes Erscheinungsbild aufgewiesen. Er sei einfach und sauber mit Jeans und Hemd bekleidet gewesen, die ungekämmt wirkenden Haare seien ihm ins Gesicht gefallen und er habe einen ungepflegten Mehrtagesbart getragen. Während des gesamten Untersuchungszeitraums sei er wach und bei klarem Bewusstsein, in allen Qualitäten regelrecht orientier
t
gewesen. Das Auffassungsvermögen, die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit hätte
n
herabgesetzt gewirkt und es hätten insbesondere beim ersten Untersuchungstermin
teilweise die
Fragen wiederholt ge
stellt o
der umformuliert werden müssen.
Hinweise auf Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses
hätten sich jedoch keine ergeben und d
as Langzeitgedächtnis
habe
gesamthaft unauffällig
gewirkt
. Im inhaltlichen Denken seien im Verlauf der Untersuchungen keine Störungen wie Zwänge,
Hypchondrien
, Phobien, überwertige Ideen oder Wahnmerkmale festgestellt worden.
Hinweise auf Ich-Störungen in Form von Depersonalisation, Gedankenausbreitung, Gedankenentzug oder Gedankeneingebungen hätten sich keine ergeben, jedoch
Hinweise
auf eine leichtere Form der Ich-Störung als
Derealisationserleben
. Der emotionale Rapport sei beim ersten Untersuchungstermin fast gar nicht, beim zweiten eingeschränkt herstellbar gewesen. Die affektive Schwin
gungsfähigkeit sei herabgesetzt und
der Beschwerdeführer habe besonders beim ersten Untersuch
ungstermin misstrauisch gewirkt. B
eim zweiten
Termin habe er
etwas offener und weniger gehemmt berichtet. Es habe teilweise eine
dysphorisch
-gereizte Stimmungslage
bestanden
bei gleichzeitig deutlicher Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit und insbesondere während beider Untersuchungstermine der Eindruck einer tiefen Gekr
änktheit und Trauer. B
eim zweiten Untersuchungstermin
habe sich
dann auch Verzweiflung
gezeigt
. Der
Antrieb und die Psychomotorik
hätten etwas gehemmt gewirkt. D
er Beschwerdeführer sei aber während beider
Untersuchungstermine im Kontaktverhalten wohlerzogen/fre
und
lich und auch bei
dys
phorischer
Stimmungslage beherrscht
gewesen
, wohingegen während eines der ersten Untersuchung
vorausgegangenen Telefonates eine deutliche Verzweiflung
und
Affektlabilität imponiert habe
.
Hinweise auf Verdeutlichungstendenz, Aggravation oder gar Simulation hätten keine bestanden. Die Serumspiegel für die Wirkstoffe der verordneten Antidepressiva (
Fluctine
und
Wellbutrin
)
hätten
jeweils im therapeutischen Bereich gelegen.
3.4
Zum Verlauf führte die Expertin aus, d
ie Phasen von seit dem Jahr 2010 aufgetretenen mittel- bis
schwergradigen
depressiven Episoden nach ICD-10 F33.1 bzw. auch F33.2 sowie F33.3 seien durch die Eigenanamnese des Beschwerdeführers sowie den jeweiligen Verlauf
der stationären bzw. teilstationären
Aufenthalte, die in den Jahren 2010 bis 2013 erfolgt seien, belegt. Angesichts der jeweilig beschriebenen psychopathologischen Befunde, Behandlungsverläufe, Medikation und Austrittsbefunde könnten an diesen Diagnosen keine begründeten Zweifel bestehen. Bemerkenswert sei, dass es während des gesamten Verlaufs nie zu einer
restitutio
ad
integrum
gekomm
en sei, wofür insbesondere die Austrittsdiagnosen
und für die Zeit nach den stationären Aufenthalten, vor allem im Jahr 2013
,
die
organisierten Massnahmen zur Unterstützung des
Beschwerdeführers,
wie
die
regelmässige Betreuung durch die Psychiatrie-Spitex und
die
fortgesetzte hochdosierte antidepressiv-medikamentöse Behandlung sprächen. Die Diagnose einer
Dysthymie
als Teil der «Doppelten Depressi
on» sei darin begründet, dass
inzwischen
beim
Beschwerdeführer seit viel mehr als zwei Jahren anhaltende und an der überwiegenden Anzahl
der Tage depressive
Verstimmungen mit Appetitminderung,
Hypersomnie
, Energieverlust und Müdigkeit, geringem Selbstvertrauen, schlechter Konzentration und dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit,
bestehen würden
wie sie sich aus der Eigenanamnese, der Fremdanamnese durch seine ihn jahrelang betreuende Spitex-Betreuerin und die aktuelle
n
Untersuchung
en
ergeben hätten
.
Dies sei auch a
nhand der Aktenlage plausibel
und dabei
sei festzuhalten,
dass das seit der ersten dokumentierten schweren depressiven E
pisode feststellbare anhaltende
Bild einer
Dysthymie
im Fall des
Beschwerdeführers
nicht einer q
uasi leichten, aber anhaltenden
depressiven Stimmung (depress
ive Persö
nlichkeit) entspreche. Diese habe
eine ernste Form der
chron
ischen Depression angenommen
, die kaum noch vo
n einer anhaltenden mittel- bis
schwergradigen
dep
ressiven Episode abzugrenzen sei (S. 36)
.
I
n der Zeit seit Mai 2012 habe über einen sehr langen Zeitraum anhaltend ein nahezu unverändertes Krankheitsbild bestanden, wofür die Notwendigkeit einer langjährig intensiven Betreuung durch die Psychiatrie-Spitex spreche. Eine leichte Besserung
sei insofern zu konstatieren
,
als sich der Beschwerdeführer wieder habe selbständig um seine administrativen Obliegenheiten kümmern können, sodass die Spitex-Unterstützung mindestens vorläufig habe reduziert werden können (S. 37).
Zur
Frage der Arbeitsfähigkeit
in angestammter Tätigkeit
seit Mai 2012
hielt
die Expertin
fest
,
aus
der Gesamtschau
müsse
von einer durchgängigen Aufhebung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seit diesem Zeitpunkt aus
gegangen werden.
Zur
Frage, wie sich die diagnostizierten Beeinträchtigungen seit Mai 2013 in behinderungsangepassten Tätigkeit auswirkten und wie eine solche Tätigkeit aussehen müsste,
führte die Expertin aus
,
ab diesem Zeitpunkt
sei
auch die Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
nicht
gegeben und die Arbeitsfähigkeit
sei
seither und vorläufig weiterhin vollständig aufgehoben
(S. 45).
4.
4.1
Das Gerichtsgutachten erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.2), setzt sich mit den Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Be
schwerdeführers auseinander,
berücksichtigt die medizinischen
Vorakten
und begründet Abweichungen, soweit die Beurteilung mit diesen nicht im Einklang steht. Das Gutachten ist nachvollziehbar und vermag zu überzeugen. Insbesondere wurde mit Bezug
auf die
d
epressive
Symptomatik (rezidivierende depressive Störung) für den Rechtsanwender nachvollziehbar dargelegt, dass aufgrund der aktuellen Untersuchungen
und gemäss den in
den
Akten liegenden Berichten von einer langjährigen Störung auszugehen ist, die
als k
rankheitswertig einzustufen ist
.
Dabei zeigte die
Expertin
auf
,
dass
neben der depressiven Störung zwar auch
belaste
nde
Ereignis
se
-
Trennung von der Ehegattin, finanzielle Schwierigkeiten
, sozialer Abstieg
,
kürzlicher
Tod des Sohnes
(vgl.
Urk.
15 S. 32)
-
vorliegen
.
Es
wurde dabei auch
aufgezeigt
, dass solche Faktoren
allenfalls
die Depression unterhalten
und verstärkt
haben könnte
n
. Es wurde aber auch aufgezeigt, dass
möglicherweise
ein
kr
ankheitsbedingte
s
dysfunktionale
s
Verhalten des Beschwerdeführers für
die
im Verlauf aufgetret
enen Schwierigkeiten bei den letzten Anstellungen als Lehrer
verantwortlich
sein könnte
. Mit Blick auf die pharmakologische Behandlung mittels hochdosierter Antidepressiva und den aktenkundigen Bemühungen des Beschwerdeführers um die Wiederaufnahme respektive Aufrechterhaltung sein
er Tätigkeit als Lehrperson
i
st
aber auch plausibel
dargelegt
,
weshalb
die
Expertin
das
Leistungsvermögen des
Beschwerdeführers
letztlich
nicht
als
durch
solche
sozialen Belastungen,
sondern
als
krankheitsbedingt beeinträchtigt
taxiert hat
(vgl. S. 43 f.).
Damit einher
geht
, dass
trotz offenbar langjähriger antidepressiver Medikation (vgl.
Unilabs
[Anhang zu
Urk.
15
S. 3]) und verschiedener stationäre
r
Behandlungen
nur eine leichtgradige
,
insbesondere aber
keine
vollständige
Restitution
der psychischen Symptomatik
erreicht
werden konnte und in diesem Zusammenhang
auch
auf eine Behandlungsresistenz hingewiesen wurde (
Urk.
15 S. 41).
Die
erheblichen
Auswirkungen der psychischen Symptomatik widerspiegeln sich sodann auch im
Haushalt des Beschwerdeführers
, wonach
er seit etlichen Jahren auf die Hilfe der Psychiatrie
Spitex angewiesen ist, ohne die er nicht
in der Lage ist, seinen Hau
shalt zu bewältigen
. Damit sind auch im Alltag
relevante
psychischen Einschränkungen auszumachen und es ergeben
sich medizinische
Gründe, wesha
lb
beim
Beschwerdeführer
selbst im eigenen Haushalt und in der Freizeit
nur noch wenig
Res
sourcen
zur Verfügung stehen und
solche ihm auch
im beruflichen Kontext und bei der beruflichen Wiedereingliederung
nicht mehr zur Verfügung stehen
(
Urk.
15 S. 43 f.
).
Die Ges
amtschau und die Beurteilung der Expertin
vermag damit insgesamt und insbesondere auch mit Blick auf die Rechtspr
echungsänderung zur Überwindbar
keit seelischer Leiden mit Krankheitswert (BGE 139 V 547 E. 5) zu überzeugen (siehe die expliziten gutachterlichen Ausführunge
n dazu auf S. 28 ff.). Denn auf
grund des
seit
Mai 2012
dargelegten Verlaufs mit
einem anhaltenden nahezu unveränderten Krankheitsbild
mit
ü
berwiegend schwerer
Ausp
rägung der psychischen Symptoma
tik
,
ohne
dass dem Beschwerdeführer
erheblichere
Kompensationsmöglichkeiten
oder
vorhandene Ressourcen
angerechnet werden können,
ist die
Einschränkung im Leistungsvermö
gen mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit
ausgewiesen
.
4.2
M
it den beweiskräftigen Schlussfolgerungen im gerichtlichen Sachverständigengutachten, welches im Kontext
mit der Aktenlage und den fach
ärztlichen Berichten steht und auch eine schlüssige Beurteilung erlaubt,
muss es somit
sein Bewenden haben. Massgebend ist insbesonde
re, dass es sich bei der psychi
schen Symptomatik um eine
schwere
psychische St
örung handelt, die auch bei zusätzlich optimier
ter Behandlung
in näherer Zukunft
keine
weiter
e Besserung erwarten lässt
(
Urk.
15 S.
46
).
Der medizinische Sachverhalt ist mithin dahingehend
erstellt, dass dem Be
schwerdeführer aus psychiatrischer Sicht
seit
Mai 2012
(vgl.
Urk.
15 S. 37 und S. 45)
keine Arbeits
fähigkeit
in der Tätigkeit als Lehrer und ab Mai 2013 auch keine Tätigkeit
mehr
in einer angepassten Tätigkeit
zu attestieren ist.
Vor diesem Hintergrund erübrigt sich eine
weitergehende
Prüfung der erwerblichen Auswirkun
gen in dem Sinne, dass der Invaliditätsgrad aufgrund eines Einkommensvergleichs zu ermitteln ist.
4.3
Zusammenfassend ist festzuhalten,
dass
auf das psychiatrische Gutachten abzustellen
ist
. Mit Bezug auf die Anmeldung vom
4.
Dezember 2012 (
Urk.
2/2/10/61) und der seit Mai 2012 bestehenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit in angestammter wie
auch nach Ablauf des Wartejahrs
in angepasster Tätigkeit i
st daher unter Berücksichtigung von
Art.
29
Abs.
1 IVG (Anspruchsberechtigung frühestens sechs Monate nach Anmeldung) der
Anspruch auf eine ganze Rente der In
validenversicherung
ab
1.
Ju
n
i 20
13
ausgewiesen
. Die angefochtene Verfügung der IV-Stelle
vom 1
2.
August 2016
ist damit
aufzuheben
und festzustellen, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Ju
n
i 2013 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind nach dem Verfahrens-aufwand zu bemessen und ermessensweise auf
Fr.
1‘000.-- festzusetzen. In Anbetracht des
Obsiegens des Beschwerdeführers
sind die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Zur Frage der Überbindung der Gutachtenskosten an die Beschwerdegegnerin hat das Bundesgericht einerseits konkret festgehalten,
dass d
ie
Indikatorenprüfung
der Vorinstanz sich als unvollständig
erwiesen habe, weil sie
zahlreiche Aspekte nicht berücksichtigt
habe
.
Allerdings liesse
n
die vorhandenen medizinischen Unterlagen keine zuverlässige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu. Denn
Dr.
med.
Z._
attestier
e bei einer im Untersuchungszeitpunkt mittelgradigen depressiven Episode eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der angestammten Tätigkeit als Lehrer und von 60
%
in einer angepassten
Tätigkeit. Demgegenüber vernein
e
Dr.
med.
A._
im Gutachten vom
7.
März 2016 bei einem leicht verbesserten Gesundheitszustand (leichtes bis mittelgradiges depressives Zustandsbild) die Arbeitsfähigkeit als Lehrer und setzte die Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeit
en auf 50
%
fest. Weiter bestehe
auch Erklärungsbedarf bezüglich des zeitlichen und prozentualen Verlaufs der Erkrankung, des Belastungsprofils allfälliger angepasster Tätigkeiten und möglicher weiterer medizinischer Massnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustands. Die Sache
sei
daher an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit s
ie ein Gerichtsgutachten einhole (
Urk.
1 E. 4.8).
Damit sind die vom Bundesgericht
im Urteil
BGE 137 V 210 E. 4.4.2 auf
gestellten Kriterien, die in BGE 139 V 496
E. 4.4
weiter
präzisiert wurden,
namhaft gemacht
, waren doch die
Abklärungen
Verwaltung lückenhaft und
ungenügend
weshalb mit
ein
em gerichtlichen
Gutachten diese Mängel
zu beheben waren
.
Ein
kausaler Zusammenhang
z
wischen
den
Mängeln der Administrativuntersuchung und der
Notwendigkeit weiterer Abklärungen
ist damit gegeben, was
zur Überbindung der Gutachtenskosten an die Beschwerdegegnerin
ausreicht (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_301/2016 vom
7.
Juli 2016 E. 2.2)
. Diese hat demnach die Kosten für
das Gerichtsgutachten von
Fr.
12‘158.60
(vgl.
Urk.
2
2) zu tragen.
5.3
Bei diese
m Ausgang des Verfahrens hat der
anwaltlic
h vertretene Beschwerdeführer
gestützt auf
Art.
61
lit
. g
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsge
richt Anspruch auf eine Prozess
entschädigung, die unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses a
uf
Fr.
3‘4
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen ist.
Hiervon hat die Beschwerdegegnerin
den vom Geri
cht bereits entrichteten Betrag
von
Fr.
2'194.90 (
Urk.
2/2/13 Dispositiv
Ziff.
3 und
Urk.
2/4 E. 6.3)
diesem
zu erstatten
und
Fr.
1'
205.10
Rechtsanwalt
Stephan Kübler, Winterthur,
zu bezahlen.