Decision ID: a0d93a13-14d0-43a6-9d1f-e1ae26fe9319
Year: 2005
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X.Y. besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit Januar 1993. In der
Eidgenössischen Administrativmassnahmen-Kontrolle ist sie nicht verzeichnet. Am 3.
August 2004 lenkte sie um 23.47 Uhr ihren Personenwagen auf der A-gasse in St.
Gallen stadtauswärts. Eine entgegenkommende Polizeipatrouille stellte fest, dass ihr
Wagen abrupt nach rechts an den Strassenrand schwenkte. Daraufhin wurde X.Y. bei
der Migroltankstelle, wohin sie ihr Fahrzeug lenkte, polizeilich kontrolliert. Als sie ihre
Handtasche auf Ausweise durchsuchte, wurde die Polizei auf vier leere
Minigripsäcklein mit weissen Rückständen aufmerksam. X.Y. machte geltend, vor
längerer Zeit Kokain konsumiert zu haben. Es könne auch sein, dass jemand die
Säcklein in ihre Handtasche geworfen habe. Der wegen starken Alkoholgeruchs
durchgeführte Atemlufttest verlief belastend. Der Führerausweis wurde X.Y. jedoch
nicht abgenommen. Die Analyse der daraufhin entnommenen Blut- und Urinprobe
ergab einerseits für den Zeitpunkt der Kontrolle eine minimale Blutalkohol-
Konzentration von 0,53 Gew.-‰ und anderseits einen erhöhten, aber unterhalb des
Cut-Off liegenden Messwert für Kokain. Dem blutentnehmenden Arzt erschien X.Y.
leicht unter dem Einfluss von Alkohol zu stehen. Neben einem geschwätzigen Verhalten
fielen ihm weite Pupillen und die gerötete Nasenscheidewand auf.
B.- Wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs zufolge mangelnder Aufmerksamkeit
wurde X.Y. vom Untersuchungsamt A. mit Bussenverfügung vom 10. September 2004
in Anwendung von Art. 90 Ziff. 1 SVG mit Fr. 300.-- gebüsst. Gleichzeitig hob es das
Strafverfahren wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand und unter Drogeneinfluss
auf.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung
Personenzulassung, eröffnete am 24. August 2004 gegenüber X.Y. ein Verfahren zur
Abklärung der Fahreignung und ordnete mit Zwischenverfügung vom 15. September
2004 eine spezialärztliche Untersuchung an. Am 29. Oktober 2004 wurde X.Y. am
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Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich verkehrsmedizinisch untersucht. Dabei
wurde auch eine Haarprobe sichergestellt, die am 21. Dezember 2004 chemisch-
toxikologisch untersucht wurde. Im Gutachten vom 6. Januar 2005 kam der
Verkehrsmediziner zum Schluss, aufgrund einer erheblichen Drogenproblematik mit
ableitbarem Suchtcharakter sei die Fahreignung von X.Y. derzeit nicht zu befürworten.
Er empfahl eine konsequente längerfristige, mindestens aber 1-jährige, mit mindestens
zwei Urinproben pro Monat kontrollierte sowie vor allem auch fachtherapeutisch
betreute Drogenabstinenz vor einer neuerlichen Beurteilung der Fahreignung.
Mit Verfügung vom 4. Februar 2005 entzog das Strassenverkehrsamt X.Y. den
Führerausweis auf unbestimmte Zeit und legte als Bedingung für die Aufhebung des
Entzugs eine kontrollierte und fachlich betreute Drogenabstinenz von mindestens zwölf
Monaten fest. Einem allfälligen Rekurs wurde zufolge Gefahr die aufschiebende
Wirkung entzogen.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X.Y. durch ihren Vertreter mit Eingabe vom 18.
Februar 2005 und Ergänzung vom 17. (recte: 11.) März 2005 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei dem Rekurs die aufschiebende Wirkung wieder zu erteilen
und die angefochtene Verfügung nach mündlicher Verhandlung aufzuheben. Der
Führerausweis sei nicht zu entziehen, eventuell sei er mit sinnvollen Bedingungen und
Auflagen zu verbinden. Zusammen mit Schreiben vom 14. und 18. März 2005 sowie
vom 20. April und 18. Mai 2005 wurden die Ergebnisse von weiteren
Urinuntersuchungen vom 11. März, 13. April und 14. Mai 2005 sowie die Bestätigung,
dass sich die Rekurrentin in der Suchtberatung befindet, zu den Akten gereicht. - Auf
die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit notwendig, in den

Erwägungen eingegangen.
Mit Vermerk vom 22. März 2005 verzichtete die Vorinstanz auf eine Vernehmlassung.
Mit Schreiben vom 24. März 2005 teilte der zuständige Abteilungspräsident der
Rekurrentin unter Hinweis auf die einschlägige Rechtsprechung des Bundesgerichts
und der Verwaltungsrekurskommission mit, eine mündliche Verhandlung sei nicht
vorgesehen. Mit Eingabe vom 26. März 2005 bestand der Vertreter auf einer solchen.
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Mit Verfügung vom 31. März 2005 wies der Abteilungspräsident das Gesuch um
Wiedererteilung der aufschiebenden Wirkung ab. Die Kosten der Verfügung verblieben
bei der Hauptsache.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 18. Februar 2005 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 17. (recte: 11.) März
2005 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 24 Abs.
1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG; Art. 41 lit. e, 45, 47 und
48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf
den Rekurs ist einzutreten.
2.- Vorab ist über den Antrag des Rekurrenten, es sei eine mündliche Verhandlung
anzusetzen, zu entscheiden.
a) Gemäss Art. 55 VRP wird eine mündliche Verhandlung angeordnet, wenn sie zur
Wahrung der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint.
b) aa) Zur Wahrung der Parteirechte ist eine mündliche Verhandlung anzuordnen,
soweit ein Anspruch gestützt auf Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt: BV; vgl. auch Lehre und
Rechtsprechung zu Art. 4 der früheren Bundesverfassung; Art. 30 Abs. 3 BV schreibt
vor, dass eine allfällige Gerichtsverhandlung öffentlich ist, schliesst aber Aktenprozesse
und nicht öffentliche Beratung nicht aus) oder Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101,
abgekürzt: EMRK) besteht (vgl. Botschaft, ABl 1994 S. 2349). Art. 29 Abs. 2 BV
gewährt kein Recht auf mündliche Äusserung (vgl. zu Art. 4 der früheren
Bundesverfassung BGE 115 II 129 E. 6a mit Hinweisen) und geht diesbezüglich
jedenfalls nicht über den in Art. 6 Ziff. 1 EMRK verankerten Minimalanspruch hinaus.
Der Begriff der zivilrechtlichen Ansprüche und Verpflichtungen im Sinn von Art. 6 Ziff. 1
EMRK umfasst nicht nur zivilrechtliche Streitigkeiten im engeren Sinn, d.h.
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Streitigkeiten zwischen Privaten, sondern auch Verwaltungsakte, die sich auf Rechte
und Verpflichtungen privatrechtlicher Natur bestimmend auswirken (vgl.
unveröffentlichter BGE vom 28. August 1998 in Sachen R.F., S. 5 mit Hinweisen auf
BGE 119 Ia 88 E. 3b, 121 I 30 E. 5c und 122 II 464 E. 3b). Dazu gehören insbesondere
das Recht auf Weiterführung einer zugelassenen freiberuflichen, gewerblichen oder
kaufmännischen Tätigkeit sowie das Recht, Eigentum zweckentsprechend zu nutzen
(vgl. Frowein/Peukert, EMRK-Kommentar, 2. Aufl. 1996, N 19-21 zu Art. 6 EMRK).
Zivilrechtsstreitigkeiten im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK liegen nach der
Rechtsprechung der Konventionsorgane mithin auch in Fällen staatlicher
Beeinträchtigung privatrechtsrelevanter Grundrechte wie Eigentumsgarantie,
Wirtschaftsfreiheit und Vertragsfreiheit vor (vgl. dazu die Darstellung der
Rechtsprechung der Konventionsorgane bei A. Kley-Struller, Art. 6 EMRK als
Rechtsschutzgarantie gegen die öffentliche Gewalt, Zürich 1993, S. 19 ff.,
insbesondere S. 30 f.). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung können deshalb im
Verfahren betreffend den Entzug des Führerausweises mangels Fahreignung die
Garantien von Art. 6 Ziff. 1 EMRK nur von denjenigen angerufen werden, für die der
Besitz des Führerausweises unbedingt notwendig ist. Dies ist insbesondere der Fall bei
Berufschauffeuren wie Bus-, Lastwagen- und Taxifahrern, nicht aber bei Personen, die
ihr Fahrzeug lediglich dazu benutzen, um sich an ihren Arbeitsort zu begeben oder um
ihre Arbeit unter angenehmeren Bedingungen ausüben zu können (vgl. BGE 122 II 464
= Pra 86 Nr. 86 E. 3c; unveröffentlichter BGE vom 21. März 1997 in Sachen E.K., S. 6
f.).
Die Rekurrentin ist ausgebildete Kosmetikerin. Sie übte diesen Beruf seit 1992 bei
verschiedenen Arbeitgebern aus. In der Zeit zwischen 2001 und 2004 war sie als
Aussendienstmitarbeiterin im Kosmetikbereich tätig. Einem Schreiben ihres Vertreters
vom 4. Februar 2005 ist zu entnehmen, dass der Rekurrentin das Arbeitsverhältnis per
Ende März 2005 gekündigt worden ist. In einer Eingabe vom 14. März 2005 macht er
geltend, sie sei für die Stellensuche auf den Führerausweis angewiesen. Weder für die
Ausübung der Tätigkeit als Kosmetikerin noch für die Suche einer Stelle ist die
Rekurrentin jedoch gleichermassen wie ein Berufschauffeur unbedingt auf den Besitz
des eigenen Führerausweises angewiesen.
Dementsprechend lässt sich aus Art. 6 Ziff. 1 EMRK für den vorliegenden Fall kein
Anspruch auf Durchführung einer mündlichen und öffentlichen Verhandlung ableiten.
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bb) Als zweckmässig im Sinn von Art. 55 VRP erscheint die Durchführung einer
mündlichen Verhandlung im Interesse der Streiterledigung insbesondere im Hinblick
auf eine gütliche Verständigung (vgl. Botschaft, ABl 1994 S. 2349). Nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann zudem im Verfahren betreffend den Entzug
des Führerausweises mangels Fahreignung die Anhörung des Betroffenen als
Beweismittel nach Einreichen des Gutachtens, das sich über den Charakter des
Betroffenen ausspricht und nicht mit einem technischen Gutachten verglichen werden
kann, notwendig sein (vgl. BGE 122 II 464 = Pra 86 Nr. 86 E. 4c).
Die Positionen der Verfahrensbeteiligten stehen sich diametral gegenüber. Da im
Ergebnis der angefochtene Sicherungsentzug nur als zulässig oder als nicht zulässig
beurteilt werden kann, sind Zwischenlösungen ausgeschlossen. Dass eine der beiden
Parteien anlässlich einer mündlichen Verhandlung von ihrem Standpunkt Abstand
nähme, kann aus den Vorbringen im Rekursverfahren und den Vorakten nicht
geschlossen werden. Dementsprechend erübrigt sich im Hinblick auf eine gütliche
Verständigung die Anordnung einer mündlichen Verhandlung. Darüber hinaus erscheint
im vorliegenden Fall die mündliche Verhandlung auch nicht geeignet, über die
schriftlichen Vorbringen hinaus Hilfe bei der Entscheidung der Streitfragen zu bieten.
Die aufgeworfenen Fragen sind durchwegs einer schriftlichen Stellungnahme
zugänglich. Abgesehen von den Rechtsfragen steht die Würdigung des über die
Rekurrentin erstellten verkehrsmedizinischen Gutachtens im Zentrum. Das Gutachten
beschlägt die Frage einer Abhängigkeit von Kokain und anderen Betäubungsmitteln.
Das Gutachten erweist sich jedoch weder als oberflächlich noch als lückenhaft. Zu den
fachmedizinisch erhobenen Tatsachen kann der bei medizinischen Laien anlässlich
einer einmaligen, geplanten kurzen Begegnung im Beisein des Rechtsvertreters
hinterlassene Eindruck unter diesen Umständen nichts Zuverlässiges und
Entscheidwesentliches beitragen. Kokain hat sich im Mittelstand zu einer verbreiteten
Droge und zu einem Statussymbol entwickelt (vgl. Th. Geschwinde, Rauschdrogen, 4.
Aufl. 1998, S. 327, insbesondere Rz. 1287). Sie wird also durchaus auch von
unauffälligen, beruflich erfolgreichen und sozial integrierten Personen konsumiert (vgl.
dazu Geschwinde, a.a.O., S. 331 Rz. 1300). Weil der "user" bei versöhnlicher, nicht
problembelasteter Stimmungslage und gleichzeitiger Kritik- und Urteilsschwäche die
Illusion hat, die Dinge besser unter Kontrolle zu haben und die von der Gesellschaft
erwarteten Leistungen erbringen zu können, ist Kokain - jedenfalls bislang - weniger die
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Droge der "drop outs" als vielmehr die der Aufsteiger und Arrivierten (vgl. Geschwinde,
a.a.O., S. 341 Rz. 1338). Vergleichbares gilt auch für die Konsumenten von MDMA, die
meist bei weitgehender Integration in Ausbildung oder Beruf als "Raver" am
Wochenende Amphetamin-Derivate als "saubere" Freizeit-Stimulanz einnehmen (vgl.
Geschwinde, a.a.O., S. 169 Rz. 769). Hinzu kommt, dass die Rekurrentin offenbar
bereits seit längerer Zeit eine kontrollierte und betreute Drogenabstinenz einhält und
damit der Eindruck, den sie heute hinterlässt, für die Frage, ob sie im Zeitpunkt der
Untersuchung und vorinstanzlichen Verfügung an einer Betäubungsmittelabhängigkeit
litt, grundsätzlich ohnehin nicht von Bedeutung sein kann. Unter den dargelegten
Umständen vermöchte selbst ein günstiger Eindruck anlässlich der mündlichen
Verhandlung nicht, den Entscheid des Gerichts zu beeinflussen.
Dementsprechend ergibt sich, dass im vorliegenden Fall die Durchführung einer
mündlichen Verhandlung im Interesse der Streiterledigung nicht als zweckmässig
erscheint.
c) Zusammenfassend steht fest, dass der Rekurrentin kein Anspruch auf Durchführung
einer mündlichen Verhandlung im Sinn von Art. 55 VRP zukommt. Das entsprechende
Begehren ist deshalb abzuweisen.
3.- Am 1. Januar 2005 ist die Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 14.
Dezember 2001 in Kraft getreten, mit der insbesondere die Bestimmungen im Bereich
der Administrativmassnahmen revidiert wurden. Gemäss Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen wird nach den Vorschriften der Änderung beurteilt, wer nach
ihrem Inkrafttreten eine leichte, mittelschwere oder schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften begeht (vgl. AS 2004 S. 2767 ff. und S. 2849). Kommt ein
Sicherungsentzug in Betracht, ist auf das Recht abzustellen, das im Zeitpunkt des
Entscheids in Kraft steht (vgl. BGE 104 Ib 87 E. 2b).
4.- Mit dem Antrag, auf einen Sicherungsentzug des Führerausweises auf unbestimmte
Zeit sei zu verzichten, wird im Rekurs zum Ausdruck gebracht, dass das vorliegende
verkehrsmedizinische Gutachten samt den ihm zugrunde liegenden Untersuchungen
nicht ausreichen, um nachzuweisen, dass die Rekurrentin in jenem Zeitpunkt an einer
Sucht, welche die Fahreignung ausschliesst, litt.
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a) Zur Begründung des Standpunkts wird im Rekurs im Wesentlichen vorgebracht, die
Rekurrentin besitze den Führerausweis seit 1993 und sei seither im Verkehr nicht
aufgefallen. Auch vor der Fahrt vom 3. August 2004 habe sie weder Drogen oder
Medikamente eingenommen noch Alkohol in einer Menge getrunken, die zu einer
Alkoholisierung über dem gesetzlichen Limit geführt habe. Sie habe zugestanden, im
Februar oder März 2004 an einem Wochenende, als sie in einem psychischen Tief
gewesen sei, Drogen konsumiert zu haben. Seither sei es aber zu keinem
Drogenkonsum mehr gekommen. Dies decke sich mit den Feststellungen des sehr
erfahrenen Hausarztes, der keine Hinweise auf eine Suchtproblematik festgestellt habe.
Dass sie Kokain ein bis drei Tage vor der Fahrt vom 3. August 2004 zu sich genommen
haben soll, könne sie sich schlicht nicht erklären. Bezüglich des angeblichen
Amphetamin-Konsums wird die Einnahme von Schlankheits- bzw. Abnahmetropfen,
die die Rekurrentin von einer Kollegin erhalten habe, erwähnt. Dass sie irgendwelche
Amphetamine oder Ecstasy gezielt und gewollt zu sich genommen habe, verneine die
Rekurrentin ihrem Vertreter gegenüber so bestimmt wie glaubhaft, ebenso wie
bewussten und gewollten Kokainkonsum. Indessen könne sie nicht ausschliessen,
dass ihr von Kollegenseite, z.B. in einem Getränk, etwas "untergeschoben" worden sei.
Dem blutentnehmenden Arzt habe sie einen normalen Eindruck gemacht. Die
Darstellung der Rekurrentin werde durch das Ergebnis der chemisch-toxikologischen
Haaruntersuchung vom 21. Dezember 2004 bestätigt. Danach könne ein Nullkonsum in
der jüngsten Zeit durchaus möglich sein. Bezüglich des Kokainkonsums in der Zeit von
Mitte Juli bis Mitte Oktober 2004 könnten keine sicheren Aussagen gemacht werden.
Die anschliessenden Vermutungen und Spekulationen seien rechtlich ohne Bedeutung.
Auch beim erwähnten "mittelstarken" Konsum handle es sich um eine rechtlich nicht
verbindliche Abschätzung. Die Meinung des Gutachters, die Haaranalyse beweise
einen Konsum von Kokain, Amphetaminen und Ecstasy über einen längeren Zeitraum
im Jahr 2004, beruhe auf einem unzutreffenden Verständnis des Berichtes über die
Haaranalyse und gehe von einer falschen Beweislastverteilung aus. Eine eigentliche
Suchtproblematik - auch betreffend Alkohol - sei nicht einmal indiziell glaubhaft
gemacht. Unter diesen Umständen könne der Führerausweis der Rekurrentin auch
ohne weitere Abklärungen belassen werden. Sollten trotzdem noch Zweifel bestehen,
sei die Rekurrentin bereit, sich erneut sämtlichen zweckdienlichen Untersuchungen zu
stellen. Obwohl sie mehr als den sehr gelegentlichen Konsum von Kokain im Februar/
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März 2004 entschieden in Abrede stelle, sei sie bereit, sich zur Prophylaxe bzw.
weiteren Stabilisierung einer geeigneten Therapie und Abstinenzkontrolle auch
bezüglich Alkohol zu unterziehen. Sie lasse sich seit Februar 2005 ärztlich und durch
die Suchtberatungsstelle Uzwil betreuen und Blut und Urin regelmässig untersuchen.
Die aktuellen Untersuchungsbefunde seien negativ. Sie sei auch bezüglich Alkohol
äusserst zurückhaltend. Die Rekurrentin sei gepflegt und sehr zuverlässig und lebe in
geregelten und bestens geordneten Verhältnissen.
b) Der Führerausweis ist zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG).
Führerausweisentzüge wegen fehlender Fahreignung dienen der Sicherung des
Verkehrs vor ungeeigneten Führern. Der Ausweis wird auf unbestimmte Zeit entzogen,
unter anderem wenn eine Person an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung
ausschliesst (vgl. Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG). Dazu gehören beispielsweise Alkohol-,
Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit (vgl. Botschaft, S. 30). Die Bestimmung
ersetzt Art. 14 Abs. 2 lit. c aSVG (vgl. R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 218). Für die Trunksucht im Sinn von
Art. 14 Abs. 2 lit. c aSVG hat das Bundesgericht in BGE 104 Ib 46 (E. 3a) ausgeführt,
diese sei gegeben, wenn der Betreffende regelmässig so viel Alkohol konsumiere, dass
seine Fahrfähigkeit vermindert werde und er diese Neigung zum übermässigen
Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu überwinden vermag. Vergleichbares
gilt auch für die Drogensucht: Zu berücksichtigen sind Unterschiede hinsichtlich der
Wirkung der Stoffe auf den menschlichen Organismus. Die Abhängigkeit von der Droge
müsse derart sein, dass der Befallene mehr als jede andere Person der Gefahr
ausgesetzt sei, sich ans Steuer eines Fahrzeugs in einem - dauernden oder zeitweiligen
- Zustand zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleiste (vgl. BGE 105 Ib
385 E. 1b, 120 Ib 305 E. 3c mit Hinweisen). Sowohl Kokain als auch Amphetamine und
MDMA (Ecstasy) vermögen - ebenso wie Alkohol - durch ihre Wirkungen
verkehrsgefährdende Leistungsstörungen hervorzurufen (vgl. St. Harbort,
Rauschmitteleinnahme und Fahrsicherheit, Stuttgart et al. 1996, S. 117 Rz. 261
betreffend MDMA, S. 125 Rz. 289 betreffend Kokain, S. 130 Rz. 306 betreffend
Amphetamine).
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Der Sicherungsentzug wegen eines Suchtleidens, das die Fahreignung ausschliesst,
wird auf unbestimmte Zeit angeordnet (vgl. Art. 16d Abs. 1 SVG). Gemäss Art. 17 Abs.
3 SVG kann der auf unbestimmte Zeit entzogene Lernfahr- oder Führerausweis bedingt
und unter Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte
Sperrfrist abgelaufen ist und die betroffene Person die Behebung des Mangels
nachweist, der die Fahreignung ausgeschlossen hat. Für den Nachweis der Heilung
von einem Suchtleiden wird in der Regel eine mindestens einjährige kontrollierte
Abstinenz verlangt. Der Sicherungsentzug greift damit tief in den
Persönlichkeitsbereich des Betroffenen ein. Nach der Rechtsprechung ist daher in
jedem Fall und von Amtes wegen eine genaue Abklärung der persönlichen Verhältnisse
und insbesondere der Trinkgewohnheiten bzw. der Konsumgewohnheiten bezüglich
anderer Drogen des Betroffenen vorzunehmen. Das Ausmass der notwendigen
behördlichen Nachforschungen, namentlich die Frage, ob ein medizinisches Gutachten
eingeholt werden soll, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im
pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde. Bei Drogensucht ist die
Entzugsbehörde in aller Regel verpflichtet, ein gerichtsmedizinisches Gutachten
einzuholen. Ein Verzicht auf eine spezialärztliche Begutachtung ist nur ausnahmsweise,
etwa in Fällen offensichtlicher, schwerer Drogenabhängigkeit, gerechtfertigt (vgl. BGE
129 II 82 E. 2.2). Indem die Vorinstanz eine spezialärztliche Begutachtung angeordnet
hat und auf das verkehrsmedizinische Gutachten vom 6. Januar 2005 des Instituts für
Rechtsmedizin der Universität Zürich abgestellt hat, ist sie ihrer behördlichen
Verpflichtung zur Klärung des Sachverhalts grundsätzlich gerecht geworden. Da sie die
Schlussfolgerungen des Verkehrsmediziners als widerspruchsfrei und nachvollziehbar
beurteilt hat, war sie auch nicht verpflichtet, weitere Abklärungen beispielsweise in
Form eines zusätzlichen Gutachtens zu treffen.
c) Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz der Rekurrentin gestützt auf das
verkehrsmedizinische Gutachten und die Akten den Führerausweis in Anwendung von
Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG zu Recht wegen eines Suchtleidens auf unbestimmte Zeit
entzogen hat. Dabei steht die Frage im Vordergrund, ob sie das verkehrsmedizinische
Gutachten, welches die Fahreignung der Rekurrentin wegen einer Drogenproblematik
mit abgeleitetem Suchtcharakter zu Recht als widerspruchsfrei, schlüssig und
überzeugend beurteilt hat.
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aa) Das verkehrsmedizinische Gutachten vom 6. Januar 2005 stützt sich einerseits auf
die Vorgeschichte und den Untersuchungsgrund sowie die Angaben der Rekurrentin
anlässlich der Untersuchung vom 29. Oktober 2004, anderseits auf die Ergebnisse
dieser Untersuchung und der Analysen der gleichentags der Rekurrentin
abgenommenen Blut-, Urin- und Haarproben.
Die Vorgeschichte und der Untersuchungsgrund werden zutreffend wiedergegeben.
Insbesondere wird festgehalten, aufgrund der Analyse der anlässlich des Ereignisses
vom 3. August 2004 entnommenen Blut-Urin-Probe seien der Konsum von Kokain, der
allerdings die Fahrfähigkeit nicht mehr beeinflusst habe, und von Alkohol, der zu einer
Blutalkohol-Konzentration von 0,53 - 1,06 Gew.-‰ geführt habe, festgestellt worden.
Aus der Wiedergabe der Angaben der Rekurrentin anlässlich der Untersuchung zeigt
sich, dass der Gutachter sie zu ihrer medizinischen Vorgeschichte und zu ihren
Konsumgewohnheiten bezüglich Alkohol, Drogen und Medikamenten befragt hat.
Die Darstellung der Untersuchungsbefunde zeigt, dass der Gutachter den Körperstatus
der Rekurrentin, soweit er im Hinblick auf die Feststellung von Drogenkonsum von
Bedeutung ist, abgeklärt hat. Die entsprechenden Befunde waren ebenso wie die
Laborbefunde hinsichtlich der Blut- und der Urinprobe unauffällig. Aus dem Ergebnis
der Analyse der Haarprobe leitete der Gutachter ab, der Konsum von Kokain etwa von
Mitte Januar bis Mitte Oktober 2004 sei bewiesen. Für die Zeit zwischen Mitte Januar
und Mitte Juli 2004 dürfe von einem mittelstarken Konsum gesprochen und für die Zeit
von Mitte Januar 2004 bis Mitte Oktober 2004 von einem vereinzelten bis
gelegentlichen Konsum von Amphetaminen sowie von einem mittelstarken Konsum
von MDMA (Ecstasy) ausgegangen werden. Schliesslich werden die relevanten
Angaben des Hausarztes, den die Rekurrentin letztmals am 26. März 2004 konsultiert
hatte, wiedergegeben. Dabei werden ein am 18. April 2003 erlittenes Schleudertrauma
sowie ein psychischer Erschöpfungszustand aufgrund von Stressbelastung am
Arbeitsplatz im Februar und März 2004 erwähnt, der medikamentös mit ReBalance und
Lexotanil, welches die Rekurrentin schlecht ertragen habe, behandelt worden sei. Die
Rekurrentin sei an eine Fachärztin für Psychiatrie überwiesen worden. Hinweise auf
eine Suchtproblematik hätten nicht bestanden.
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bb) In der anschliessenden Beurteilung hält der Gutachter den am 3. August 2004
festgestellten Konsum von Kokain und die Blutalkohol-Konzentration von 0,53 Gew.-‰
der Rekurrentin fest. Er beschreibt die Rekurrentin als freundlich, kooperativ und
gesprächig. Sie erwähne, dass sie nach zwei Schleudertraumata und
Geschlagenwerden durch den Partner im Frühjahr 2004 depressive Zustände gehabt
habe und einmalig Kokain probiert hätte. Sie könne sich aber weder den am 3. August
2004 festgestellten Konsum von Kokain noch die vier Minigripsäcklein mit
Kokainrückständen, die damals in ihrer Handtasche gefunden worden seien, erklären.
Sie trinke sozusagen keinen Alkohol und habe auch nie Phasen mit vermehrtem
Alkoholkonsum bzw. Probleme mit dem Alkohol gehabt. Der Gutachter hält sodann
fest, die allseits im Normbereich liegenden Werte der Blutuntersuchung würden einen
zumindest zeitweise vermehrten Alkoholkonsum nicht ausschliessen. Das Urin-
Screening auf gängige Drogen und psychotrope Medikamente habe keine
labormässigen Hinweise auf einen im näheren zeitlichen Umfeld vor der Untersuchung
erfolgten Konsum der geprüften Substanzen ergeben. Die Haaranalyse beweise aber,
dass die Rekurrentin entgegen ihren Aussagen im Jahr 2004 über einen längeren
Zeitraum nicht nur Kokain, sondern auch Amphetamin und MDMA (Ecstasy) konsumiert
habe. Zusammenfassend ergäben sich keine konkreten Hinweise auf eine
Alkoholproblematik, jedoch müsse - trotz der diesbezüglich unauffälligen Angaben des
Hausarztes - von einer erheblichen Drogenproblematik mit ableitbarem Suchtcharakter
ausgegangen werden, zumal vor allem auch erheblich Kokain, das bekanntermassen
ein hohes Suchtpotenzial habe - konsumiert worden sei. Unter Berücksichtigung der
diesbezüglichen verkehrsmedizinischen Richtlinien sowie den gesetzlichen Grundlagen
lasse sich die Fahreignung derzeit klar nicht befürworten.
cc) Das verkehrsmedizinische Gutachten vom 6. Januar 2005 erscheint
widerspruchslos. Insbesondere steht die Feststellung, die Rekurrentin habe im Jahr
2004 nicht nur Amphetamin und MDMA (Ecstasy), sondern vor allem auch erheblich
Kokain konsumiert, nicht im Widerspruch mit dem die Analyse der Haarprobe
betreffenden chemisch-toxikologischen Untersuchungsbericht des Instituts für
Rechtsmedizin der Universität Zürich, der von einer forensischen Toxikologin und von
einem Oberassistenten unterzeichnet ist. Untersucht wurden von den etwa 28 cm
langen, am 29. Oktober 2004 entnommenen Haaren der Rekurrentin die kopfseitigen 9
cm. Unter Berücksichtigung der am Kopf verbleibenden Stoppeln und Haarwurzeln und
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eines durchschnittlichen Wachstums des Haars von 1 cm pro Monat gibt die Analyse
Auskunft über den durchschnittlichen Konsum der untersuchten Stoffe in der Zeit
zwischen Mitte Oktober und Mitte Januar 2004. Die untersuchte Probe wurde in ein
erstes Segment von 3 cm (kopfseitig) und ein zweites Segment von 6 cm aufgeteilt.
Das erste Segment widerspiegelt damit den Konsum etwa im Zeitraum zwischen Mitte
Oktober und Mitte Juli 2004, das zweite Segment jenen im Zeitraum zwischen Mitte
Juli und Mitte Januar 2004.
Bezüglich Kokain und einen Kokain-Metaboliten ergaben sich Gehalte für das erste
Segment von 6'200 ng/g und von 2'500 ng/g sowie für das zweite Segment von 20'000
ng/g und von 9'300 ng/g. Aus der Konzentration im zweiten Segment wird auf einen
mittelstarken Konsum in der Zeit von Mitte Januar bis Mitte Juli 2004 geschlossen. Der
Konzentrationsabfall vom zweiten zum ersten Segment wird als nicht so deutlich
eingestuft, wie dies der Fall wäre, wenn in der Zeit von Mitte Juli bis Mitte Oktober
2004 überhaupt kein Kokain mehr konsumiert worden wäre. Wenn ein Nullkonsum für
diesen Zeitraum also für eher unwahrscheinlich gehalten wird, stimmt dies mit dem
Ergebnis der Analyse der am 3. August 2004 entnommenen Urinprobe überein. Damals
wurde festgestellt, die Rekurrentin habe im Zeitraum von ein bis drei Tagen vor der
Urinentnahme Kokain konsumiert. Es besteht kein Anlass, die Schlussfolgerungen der
Fachperson zu bezweifeln. Zwar trifft zu, dass die Ergebnisse der Analyse keine
präzisen Angaben über das Konsumverhalten zulassen. Indessen beschränkt sich die
forensische Toxikologin darauf, den Konsum für den Zeitraum von Mitte Januar bis
Mitte Juli 2004 als mittelstark einzustufen und für die anschliessende Zeit bis Mitte
Oktober 2004 davon auszugehen, dass entgegen der Aussagen der Rekurrentin ein
weiterer Konsum erfolgt sei. Wesentlich ist aber auch für die weiteren
Schlussfolgerungen des Verkehrsmediziners, dass die Rekurrentin nicht bloss einmalig,
sondern während mehrerer Monate Kokain in erheblichen Mengen, d.h. offenkundig
wiederholt konsumiert hat.
Amphetamine wurden in beiden untersuchten Haarsegmenten in vergleichbaren
Mengen nachgewiesen, im ersten Segment 350 ng/g, im zweiten Segment 400 ng/g.
Für die Zeit von Mitte Januar bis Mitte Oktober 2004 wird dementsprechend von einem
vereinzelten bis gelegentlichen Konsum ausgegangen. Auch diese Schlussfolgerung
einer Fachperson ist nicht zu beanstanden. Sie sagt aber nichts darüber aus, in
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welcher Form und zu welchem Zweck die Substanz allenfalls auch ohne Wissen
konsumiert wurde.
Bezüglich MDMA (Ecstasy) ergab die Analyse der Haarprobe einen Gehalt für das erste
Segment von 1'300 ng/g und für das zweite Segment von 1'900 ng/g. Der Konsum
wird für die Zeit zwischen Mitte Januar und Mitte Oktober 2004 als mittelstark
eingestuft. Umso mehr als sich die Rekurrentin nie zum Konsum von MDMA geäussert
hat, besteht kein Anlass an der Schlussfolgerung der Fachperson zu zweifeln. Auch
hier ist für die weiteren Schlussfolgerungen des Verkehrsmediziners von Bedeutung,
dass der Konsum zudem zusammen mit anderen Betäubungsmitteln über längere Zeit
in signifikanten Mengen erfolgte.
dd) Der Schluss des Gutachters auf eine Drogenproblematik mit ableitbarem
Suchtcharakter ist nachvollziehbar. Auch wenn der Konsum von Kokain in der Zeit
zwischen Mitte Januar 2004 und Mitte Oktober 2004 nicht genau quantifiziert, sondern
als mittelstark für die Zeit zwischen Mitte Januar 2004 und Mitte Juli 2004 und als nicht
Null für die Zeit zwischen Mitte Juli und Mitte Oktober 2004 bezeichnet wird, ist von
mehrfachem Konsum - und nicht bloss von einem einmaligen, wie die Rekurrentin
angibt - in dieser Zeit auszugehen. Dass der Konsum nicht bewusst erfolgte, weil der
Rekurrentin "etwas untergeschoben" wurde, kann mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Wäre es so, hätte die Rekurrentin nicht
bloss eine entsprechende Vermutung geäussert. Vielmehr hätte darüber Sicherheit
bestehen müssen, da sie trotz bewusstem Nichtkonsum eine Wirkung der Droge
wahrgenommen hätte. Es erscheint als sehr unwahrscheinlich, dass der Rekurrentin
über Monate Kokain "untergeschoben" wurde, ohne dass sie davon etwas bemerkt
hätte. Auch die in der Handtasche der Rekurrentin gefundenen vier Minigripsäcklein mit
Kokain-Rückständen deuten auf einen mehrfachen Konsum vor dem 3. August 2004
hin. Schliesslich weist auch die gemäss Feststellung des blutentnehmenden Arztes am
4. August 2004 gerötete Nasenscheidewand der Rekurrentin auf einen relativ kurz
vorausgegangenen Kokainkonsum durch "Sniffen" hin. Über die Art des Konsums des
Kokains bestehen allerdings keine ausdrücklichen Angaben der Rekurrentin. Ihre
Vermutung, es sei ihr etwas ins Getränk gemischt worden, zeigt, dass ihr zumindest die
orale Anwendung von Kokain bekannt ist. Auch wenn beim reinen "Sniffen" die
Symptome einer körperlichen Abhängigkeit weitgehend fehlen, ist bei einem
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erheblichen Kokain-Konsum über mindestens einen Monat von einem Kokain-
Missbrauch zu sprechen, wobei die Gruppe derjenigen besonders gefährdet erscheint,
die Kokain zur Leistungssteigerung und Bekämpfung depressiver Phasen - wie sie bei
der Rekurrentin auftrat - zunehmend regelmässig konsumiert (vgl. Geschwinde, a.a.O.,
S. 366 Rz. 1457/1458). Kokain weist mit Toleranzbildung, Dosissteigerung und
Entzugserscheinungen alle Symptome einer Sucht auf und verursacht sowohl eine
körperliche als auch eine seelische Abhängigkeit (vgl. Harbort, a.a.O., S. 124 mit
Hinweis). Angesichts des Suchtpotenzials von Kokain einerseits und des aus dem
Ergebnis der Analyse der Haarprobe abgeleiteten Konsumverhaltens der Rekurrentin
und der Tatsache, dass die Rekurrentin trotz vordergründiger Offenheit ihren Konsum
erheblich beschönigte, anderseits, erweist sich der Schluss des Verkehrsmediziners
auf einen Suchtcharakter der Drogenproblematik der Rekurrentin während der
fraglichen Zeit von mehreren Monaten als nachvollziehbar. Dies ist umso mehr
gerechtfertigt, als die Haaranalyse für den Nachweis der mangelnden Fahreignung das
wohl verlässlichste Beweismittel darstellt (vgl. Harbort, a.a.O., S. 222 Rz. 533).
Der vereinzelte bis gelegentliche Konsum von Amphetaminen parallel zum Konsum von
Kokain würde die Tendenz der Rekurrentin bestätigen, Unlustgefühlen mit
Betäubungsmitteln zu begegnen. Die Amphetamine gehören als Weckamine zu den
Aufputschmitteln (vgl. Geschwinde, a.a.O., S. 389). Die Wirkung ist bei mittleren
Rauschdosen mit jener von Kokain zu vergleichen (vgl. Geschwinde, a.a.O., S. 408 Rz.
1628/ 1629). Gegen die Vermutung der Rekurrentin, das Ergebnis sei auf einen
Konsum von Schlankheits- bzw. Abnahmetropfen zurückzuführen, spricht, dass sie
den Namen des Produkts nicht mehr kennen will und auch nicht abgeklärt hat.
Indessen ist aus den Laborbefunden selbst nicht abzuleiten, ob die gefundene
Konzentration auch auf den Konsum von "Schlankheitskapseln oder -tropfen" zur
Gewichtsreduktion zurückgeführt werden kann (vgl. dazu Geschwinde, a.a.O., S. 404
Rz 1610). Umso mehr als die nachgewiesenen Mengen lediglich auf einen vereinzelten
bis gelegentlichen Konsum hinweisen, ist aber nicht mit Sicherheit auszuschliessen,
dass die Rekurrentin die Substanz in Form eines "Schlankheitsmittels" zu sich nahm.
Unabhängig von der Form und dem Zweck, zu welchem die Rekurrentin den Stoff
einnahm, kam ihm die ihm innewohnende antriebssteigernde Wirkung zu. Selbst bei
Dosierungen unterhalb der Rauschdosis entfaltet der Stoff psychische Wirkungen, die
auch bei nicht ermüdeten Personen auftreten, insbesondere ein erhöhtes
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Konzentrationsvermögen und Selbstvertrauen, verstärkte Aktivität und beschleunigte
Denkabläufe. Eine euphorisierende Wirkung ist hierbei allenfalls leicht gegeben und
kann erst durch häufigere Einnahme verstärkt werden (vgl. Geschwinde, a.a.O., S.
407/408, insbesondere Rz. 1626). Bei Dauergebrauch kommt es zu einer raschen
Wirkungseinbusse, die eine stetige Dosissteigerung notwendig macht, um die
Rauscherlebnisse wiederholen zu können. Die Gewöhnung führt zu physischer
Abhängigkeit, die mit Gewichtsverlust, Schlaflosigkeit, Halluzinationen und
psychotischen Episoden einhergeht. Das Absetzen der Mittel führt zu
Entzugserscheinungen, die sich in Müdigkeit, Heisshunger, Verwirrtheit und
Depressionen äussern (vgl. Harbort, a.a.O., S. 130). Soweit der Konsum des
Amphetamins mit der Einnahme von Schlankheitsmitteln verbunden gewesen sein
sollte, bestand deshalb die naheliegende Möglichkeit, dass der Wegfall der
psychischen Wirkungen mit dem Absetzen des Mittels durch die Anpassung der Dosis
der anderen ähnlich wirkenden Betäubungsmittel, welche die Rekurrentin in der
fraglichen Zeit ebenfalls zu sich nahm, kompensiert wurde.
MDMA (Ecstasy) schliesslich weist amphetaminartige Effekte auf (vgl. Geschwinde,
a.a.O., S. 163 Rz. 757). Bei niedriger Dosis steht die anregende bis stimulierende
Wirkungskomponente im Vordergrund (vgl. Geschwinde, a.a.O., S. 165 Rz. 763). Als
"Harmoniedroge" verhilft MDMA in erster Linie zu einer stundenlangen milden Euphorie
und psychischen Ausgeglichenheit, verbunden mit dem Gefühl, alle zu lieben und zu
verstehen, zu der auch eine spannungslösende, zugleich aber auch antriebssteigernde
Komponente beiträgt. Gleichzeitig nimmt das Verantwortungsbewusstsein ab und die
Risikobereitschaft zu. Akustische, taktile und visuelle Sinneswahrnehmungen werden
verstärkt, jedoch kommt es regelmässig nicht zu Halluzinationen. Der MDA-Rausch
unterscheidet sich vom alltäglichen Erleben vor allem durch seine intensive Verzerrung
des Raum- und Zeiterlebnisses, daneben kommt es ebenfalls zu Sinnestäuschungen
(etwa eine "Dreidimensionalität" der Musik), die jedoch verschwimmen, sobald der
Betreffende sich darauf konzentriert; die Wahrnehmung ist gestört. Erst nach etwa
sechs Wochen Abstinenz verspürt der Konsument wieder die volle Wirkung, was
vielfach dazu führt, bei wiederholter Einnahme zusätzlich "speed" oder Alkohol mit
nicht abschätzbaren Effekten zu konsumieren (vgl. Geschwinde, a.a.O., S. 167 Rz.
767). Bei dieser Substanzgruppe kann es bei mehrmaligem wöchentlichen Konsum
über etwa ein halbes Jahr hinweg zur Ausbildung einer psychischen Abhängigkeit
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kommen. Das Abhängigkeitspotenzial dürfte in etwa dem des Amphetamins
vergleichbar sein, höher bei MDMA, geringer bei MDEA. Symptome einer auch
physischen Abhängigkeit wurden jedoch nicht festgestellt (vgl. Geschwinde, a.a.O., S.
168 Rz. 768).
ee) Zusammenfassend ergibt sich, dass sämtliche in der Haaranalyse nachgewiesenen
Stoffe, welche die Rekurrentin in der Zeit zwischen Mitte Januar und Mitte Oktober
2004 zu sich nahm, ähnlich wirken und geeignet waren, ihren auf psychische Belastung
zurückzuführenden depressiven Zuständen zu begegnen. Sämtliche drei Wirkstoffe
weisen ein, wenn auch unterschiedliches, Abhängigkeitspotenzial insbesondere in
psychischer Hinsicht auf. Darauf, dass die Rekurrentin im Jahr 2004 über längere Zeit,
d.h. jedenfalls zwischen Mitte Januar und Mitte Oktober 2004, ein erhebliches
Drogenproblem mit einer Abhängigkeit vorab bezüglich Kokain entwickelte, deutet
auch der Umstand hin, dass sie hinsichtlich des Konsums wenig offen und bestrebt
war, ihn herunterzuspielen. Sie gestand ausschliesslich den einmaligen Konsum von
Kokain zu. Den Konsum von MDMA verschwieg sie ganz. Da die Umstände des
Konsums deshalb nicht erhellt werden konnten, konnte der Gutachter auch nicht davon
ausgehen, der Konsum habe sich in Grenzen gehalten, welcher mit der Fahrfähigkeit
insofern vereinbar war, dass keine Gefahr bestand, dass die Rekurrentin sich in einem
fahrunfähigen Zustand noch ans Steuer setzte. Wenn der Hausarzt in seinem Bericht
zuhanden des Gutachters ausführt, es hätten keine Hinweise auf eine
Drogenabhängigkeit bestanden, ist zu berücksichtigen, dass ihn die Rekurrentin
letztmals gegen Ende März 2004 aufsuchte und eine entsprechende Abhängigkeit bei
sozial und beruflich integrierten und unauffälligen Personen ohne gezielte
Untersuchung oft schwer erkennbar ist.
Anschliessend blieb es bei der einmaligen Konsultation der Psychiaterin, an welche die
Rekurrentin durch den Hausarzt überwiesen wurde. Insgesamt ergibt sich das Bild der
Selbstbehandlung von durch psychischen Stress ausgelösten depressiven Zuständen.
Dementsprechend ist die Schlussfolgerung des Verkehrsmediziners, die Fahreignung
der Rekurrentin sei im Zeitpunkt der Untersuchung zufolge einer Drogenproblematik
mit ableitbarem Suchtcharakter nicht gegeben, nicht zu beanstanden. Sie steht auch
im Einklang mit den aktenkundigen Tatsachen. Dass die Rekurrentin am 3. August
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2004 bereits am Morgen, also noch erheblich näher beim letzten Kokainkonsum bereits
Auto gefahren ist (vgl. act. 19/2 S. 2), ist ein konkreter Anhaltspunkt dafür, dass die
Gefahr bestand, die Rekurrentin könne den Konsum von Kokain und das Lenken von
Motorfahrzeugen nicht ausreichend trennen, mithin der Konsum von Kokain insoweit
nicht mehr kontrolliert war. Da das Gutachten sich als überzeugend, widerspruchsfrei
und schlüssig erweist und insbesondere auch das Ergebnis der Haaranalyse in einer
Weise berücksichtigt, die nachvollziehbar ist, bedarf es keiner weiteren
verkehrsmedizinischen Begutachtung.
ff) Auch wenn die Rekurrentin bereits vor der verkehrsmedizinischen Untersuchung
vom 29. Oktober 2004 den Konsum von Kokain, Amphetaminen und MDMA (Ecstasy),
frühestens nach dem Vorfall vom 3. August 2004, eingestellt hat, kann angesichts der
zur Überwindung einer Abhängigkeit regelmässig erforderlichen einjährigen Abstinenz
nicht davon ausgegangen werden, dass sie im Zeitpunkt der Beurteilung durch den
Verkehrsmediziner die bestehende Abhängigkeit von diesen Betäubungsmitteln bereits
vollständig überwunden hat. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die Schlussfolgerung
des Gutachters auf eine Drogenproblematik mit ableitbarem Suchtcharakter nicht zu
beanstanden.
5.- Für die Beurteilung der Frage, ob die Vorinstanz den Sicherungsentzug zu Recht
verfügt hat, ist der Zustand des Betroffenen im Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung massgebend (vgl. VRKE IV vom 29. Oktober 1997 in Sachen
J.G., S. 10). Neue Vorbringen sind nur insoweit von Bedeutung, als sie Rückschlüsse
auf diesen Zeitpunkt zulassen. Eine nachträgliche Verbesserung des Zustandsbildes
des Betroffenen kann bei der Überprüfung der Rechtmässigkeit des
Sicherungsentzuges nicht berücksichtigt werden; sie ist erst bei der Frage der
Wiedererteilung des Führerausweises von Belang. Ist für den Zeitpunkt des
vorinstanzlichen Entscheides eine Drogenabhängigkeit nachgewiesen, gelangt
einerseits die vom Gesetz vorgesehene Sperrfrist zur Anwendung (vgl. Art. 16d Abs. 2
SVG). Anderseits ist für den Nachweis der Überwindung dieser Abhängigkeit gemäss
verkehrsmedizinischer Praxis und der Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission grundsätzlich eine mindestens einjährige vollständige
und kontrollierte Drogenabstinenz erforderlich (vgl. GVP 1993 Nr. 11). Dies gilt auch
unter dem neuen Recht. Unter Berücksichtigung dieser Rechtsprechung kann davon
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abgesehen werden, zusätzliche Auskünfte bei dem die Rekurrentin seit Februar 2005
betreuenden Suchtberater einzuholen. Auch wenn die Rekurrentin die kontrollierte und
betreute Drogenabstinenz begonnen hat, bevor über ihre Fahreignung rechtskräftig
entschieden wurde, ändert dies nichts daran, dass auch vorliegend von einer
mindestens einjährigen Abstinenz für den Nachweis der Überwindung der Sucht
auszugehen ist.
6.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist.
7.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'400.--, darin
eingeschlossen die Kosten der Verfügung vom 31. März 2005, ist angemessen (vgl.
Ziff. 361 und 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.