Decision ID: 0615be63-94c3-4058-a7bd-e2019e7dbf42
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 16. Februar 2017 richtete die zuständige österreichische Steuer-
behörde, das Central Liaison Office for International Cooperation, Bundes-
ministerium für Finanzen, Brehmstrasse 14, 1110 Wien (nachfolgend: CLO
oder ersuchende Behörde), gestützt auf Art. 26 des Abkommens vom
30. Januar 1974 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und
der Republik Österreich zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem
Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen
(SR 0.672.916.31, nachfolgend: DBA CH-AT) ein Amtshilfeersuchen an die
Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV).
Als vom Ersuchen betroffene Personen nannte das CLO mutmasslich in
Österreich steuerpflichtige Personen, die anhand von Kundenstammnum-
mern gemäss einer dem Ersuchen beigelegten Liste identifizierbar seien.
Als Informationsinhaberin in der Schweiz wurde die UBS Switzerland AG
(nachfolgend: UBS) genannt. Die Informationen würden für die Erhebung
der Einkommenssteuer, die Kapitalertragssteuer und die Körperschafts-
steuer für die Steuerjahre 2012 bis 2015 benötigt.
A.b Gemäss der ersuchenden Behörde basiert das Ersuchen auf einer
Auflistung von Bankverbindungen mit Vermögensdaten, die anlässlich ei-
ner Hausdurchsuchung bei einer deutschen Niederlassung der UBS si-
chergestellt und den österreichischen Behörden von Deutschland gestützt
auf die europäische Richtlinie 2011/2016/EU als Spontaninformation zur
Verfügung gestellt worden sei. Die deutschen Behörden hätten dabei einer
Weiterverwendung der betroffenen Informationen gegenüber der Schweiz
zugestimmt. Aus der (elektronisch verfügbaren) Aufstellung gehe hervor,
dass diese Bankverbindungen und Vermögensdaten Personen zuzuord-
nen seien, welche einen steuerlichen Bezug zu Österreich hätten (Domizil-
code 12400 -12409). Die Aufstellung enthalte das Vermögen im Jahr 2006
und 2008 sowie [mehrere tausend] eindeutig zuordenbare Kundennum-
mern, jedoch keine Namen oder sonstigen Daten der betroffenen Perso-
nen. Damit sei eine weitere Ermittlungstätigkeit gegenüber den betroffenen
Personen ohne Mithilfe der Schweiz nicht möglich.
Durch das Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Schwei-
zerischen Eidgenossenschaft über die Zusammenarbeit in den Bereichen
Steuern und Finanzmarkt sollte die (Nach-)versteuerung von Kontobezie-
hungen für in Österreich ansässige Personen garantiert werden. Bekannt-
lich seien jedoch insbesondere im Jahr 2012 etliche Bankbeziehungen in
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der Schweiz vor Inkrafttreten des Abkommens beendet worden. Auch
könne es andere Gründe geben, warum das Abkommen für bestimmte
Konten nicht greife. Bei solchen Kontobeziehungen bestehe ein verstärkter
begründeter Verdacht, dass diese Bankbeziehungen der Abgabenhinter-
ziehung dienen könnten. Im Zuge der Kontrolltätigkeit der österreichischen
Finanzverwaltung sei es daher unbedingt notwendig, die Inhaber gerade
solcher Konten bzw. die Deklaration von im Zusammenhang mit diesen
Konten entstandenen steuerpflichtigen Erträgen überprüfen zu können.
Aus oben genannten Gründen seien die angefragten Informationen zu
Konten, welche nicht unter obgenanntes Abkommen fallen, voraussichtlich
erheblich für die Einkommens-, Körperschaft- und Kapitalertragsbesteue-
rung in Österreich.
Die Guthaben, welche auf dieser Liste verzeichnet seien, würden sich auf
[mehrere] Milliarden Schweizer Franken belaufen, was möglicherweise ei-
nen Ausfall an Steuergeldern bis zu (...) Milliarden Euro für den österrei-
chischen Fiskus bedeuten könnte.
Ein Abgleich der auf der Liste enthaltenen Kundenstammnummern auf Ba-
sis des Abkommens zwischen der Republik Österreich und der Schweize-
rischen Eidgenossenschaft über die Zusammenarbeit in den Bereichen
Steuern und Finanzmarkt sowie des EU-Zinsbesteuerungsabkommens
habe zur Zuordnung und Aussonderung von [mehreren hundert] Konten
geführt.
A.c Konkret ersucht das CLO die ESTV für jedes im Anhang des Ersu-
chens aufgeführte Bankkonto um die Übermittlung der folgenden Informa-
tionen für den Zeitraum vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2015:
a) Name(n)/Vorname(n), Geburtsdaten und letzte bekannte Domi-
ziladresse gemäss den Bankunterlagen der Kontoinhaber und der wirt-
schaftlich berechtigten Personen bzw. von deren Rechtsnachfolgern.
b) Die Kontosalden jeweils per 1. Januar der Jahre 2012 bis 2015 und per
31. Dezember 2015.
c) Davon ausgenommen sind Bankkonten, die gemäss entsprechenden
Abkommen der Abgeltungssteuer unterlagen bzw. als «technische
Konten» gelten.
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B.
B.a Mit Editionsverfügung vom 28. April 2017 forderte die Vorinstanz die
UBS auf, die ersuchten Informationen einzureichen. Zudem bat sie, die be-
troffenen bzw. beschwerdeberechtigten Personen mit noch aktiven Ge-
schäftsbeziehungen über das Amtshilfeverfahren zu informieren.
B.b Darüber hinaus informierte die ESTV die betroffenen/beschwerdebe-
rechtigten Personen mittels Publikation im Bundesblatt vom 13. Juni 2017
(BBl 2017 3964) über das laufende Amtshilfeverfahren und forderte diese
auf, in der Schweiz ein Zustelldomizil zu bezeichnen. Gleichzeitig wies sie
auf die Möglichkeit der Teilnahme im sog. vereinfachten Verfahren hin, an-
sonsten das Verfahren mittels Schlussverfügung abgeschlossen werde.
B.c Mit Schreiben vom 28. Juni 2017 präzisierte die ESTV die Editionsver-
fügung gegenüber der UBS dahingehend, dass vor dem Hintergrund des
im Amtshilfeverfahren geltenden Subsidiaritätsprinzips diejenigen Konto-
nummern zu kennzeichnen seien, bei denen eine Meldung gegenüber Ös-
terreich bereits im Rahmen des (ehemaligen) EU-Zinsbesteuerungsab-
kommens (heute: Abkommen über den automatischen Informationsaus-
tausch über Finanzkonten zur Förderung der Steuerehrlichkeit bei interna-
tionalen Sachverhalten [AIA, SR 0.641.926.81]) erfolgt sei.
B.d Am 28. Juli 2017 gab die UBS die von ihr einverlangten Daten fristge-
recht an die ESTV heraus.
C.
Mit Schreiben vom 23. August 2017 liess A._ (nachfolgend: be-
troffene Person; vertreten durch die im Rubrum genannte Rechtsvertrete-
rin) ihre Verfahrensteilnahme als vom Amtshilfeersuchen betroffene Per-
son erklären. Mit besagtem Schreiben verweigerte die betroffene Person
die Zustimmung zur Herausgabe ihrer Bankdaten an das CLO, da sie seit
Februar 2008 wieder in [Land] lebe. Ferner verlangte sie vollständige Ak-
teneinsicht, welche die ESTV am 12. Oktober 2017 gewährte.
D.
Mit Schreiben vom 27. September 2017 teilte die ESTV dem CLO mit, wel-
che der im Ersuchen erwähnten Kontobeziehungen bei der UBS per 1. Ja-
nuar 2012 bereits saldiert waren.
E.
Am 7. November 2017 leistete die ESTV für einen Teil der Fälle, bei denen
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eine Zustimmung zur Informationsübermittlung erfolgt war, Amtshilfe im
vereinfachten Verfahren.
F.
Mit drei separaten Schreiben vom 16. März 2018 bezeichnete die ESTV
gegenüber dem CLO jene Konten, für die infolge bereits erfolgter Offenle-
gung im Rahmen des (ehemaligen) EU-Zinsbesteuerungsabkommens und
des (ehemaligen) Quellensteuerabkommens mit Österreich (beide heute:
AIA) bzw. wegen einer bereits erhobenen Abgeltungssteuer keine Amts-
hilfe geleistet werden könne.
G.
In Erwartung eines Grundsatzurteils des Bundesgerichts bezüglich eines
ähnlichen Amtshilfeersuchens der französischen Behörden, welches auf
Daten derselben Quelle basierte, setzte die ESTV die Bearbeitung der auf
dem Amtshilfeersuchen des CLO vom 16. Februar 2017 basierenden Ver-
fahren vorübergehend aus.
H.
Mit Urteil vom 26. Juli 2019 erkannte das Bundesgericht im Amtshilfever-
fahren betreffend das französische Ersuchen, dass Amtshilfe zu leisten sei
(Urteil des BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 [teilweise publiziert in:
BGE 146 II 150]). Die schriftliche Urteilsbegründung wurde im Dezember
2019 veröffentlicht.
I.
Mit Schreiben vom 16. Januar 2020 informierte die ESTV die ersuchende
Behörde über die neusten Entwicklungen in der Rechtsprechung und über
ihre Auffassung, wonach der vom CLO zum Ausdruck gebrachte Verdacht,
dass die Mehrheit der vom Gesuch betroffenen Konten den österreichi-
schen Behörden nicht gemeldet worden seien (Globalverdacht der Steuer-
hinterziehung) nach der neusten Rechtsprechung eine «fishing expedition»
ausschliesse. Schliesslich wies sie darauf hin, dass allfällige bereits im
Rahmen des AIA übermittelten Daten vom vorliegenden Austausch ausge-
schlossen seien, und bat um Klärung der in Österreich geltenden Verjäh-
rungsfristen.
J.
Mit Schreiben vom 24. Januar 2020 bestätigte das CLO das Vorliegen des
Globalverdachts der Steuerhinterziehung und wies auf die innerstaatliche
Verjährungsfrist von 10 Jahren für die Abgabefestsetzung hin. Allerdings
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sei eine Verlängerung dieser Festsetzungsverjährung gewährleistet, wenn
die Abgabefestsetzung von der Erledigung einer Beschwerde abhänge.
K.
Mit E-Mail vom 22. September 2020 eröffnete die ESTV der betroffenen
Person, dass sie (die ESTV) vorhabe, persönliche Daten der betroffenen
Person an das CLO zu versenden. Mit genanntem Schreiben erhielt die
betroffene Person die Möglichkeit, Einwände gegen die Datenauslieferung
vorzubringen. Die betroffene Person nahm am 12. November 2020 dazu
Stellung. Sie liess gestützt auf eingereichte Beweismittel ausführen, dass
sie mit der Weitergabe ihrer Daten nicht einverstanden sei, da sie seit dem
29. Februar 2008 nicht mehr in Österreich gemeldet sei. Der Domizilwech-
sel bzw. der Wegzug der betroffenen Person aus Österreich sei der UBS
bereits im Jahr 2010 angezeigt worden.
L.
Mit Schlussverfügung vom 17. Dezember 2020 qualifizierte die ESTV das
Amtshilfeersuchen Österreichs als zulässig und ordnete die Amtshilfeleis-
tung in Bezug auf die vom CLO erfragten und von der UBS edierten Bank-
kundeninformationen betreffend die betroffene Person an.
M.
Gegen die Schlussverfügung der ESTV (nachfolgend: Vorinstanz) vom
17. Dezember 2020 liess die betroffene Person (nachfolgend: Beschwer-
deführerin) am 18. Januar 2021 beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde erheben. Sie lässt unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der Vorinstanz beantragen, es sei die Verfügung der Vorinstanz
vom 17. Dezember 2020 vollumfänglich aufzuheben und es seien keine
Daten im Zusammenhang mit ihr an das CLO zu übermitteln. Im Weiteren
liess sie den Verfahrensantrag stellen, es seien sämtliche Vorakten beizu-
ziehen.
N.
Mit Vernehmlassung vom 16. Februar 2022 schliesst die Vorinstanz auf
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
O.
Mit unaufgeforderter Replik vom 1. März 2022 hält die Beschwerdeführerin
an ihren Anträgen und ihrem Standpunkt fest.
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Auf die detaillierten Vorbringen in den Eingaben der Parteien wird – sofern
sie entscheidwesentlich sind – im Rahmen der Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen des österrei-
chischen CLO gestützt auf Art. 26 des DBA CH-AT zugrunde. Die Durch-
führung dieser Abkommensbestimmung richtet sich – unter Vorbehalt ab-
weichender Regelungen im DBA CH-AT – nach dem Steueramtshilfege-
setz vom 28. September 2012 (StAhiG, SR 651.1; vgl. Art. 1 StAhiG).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden
gegen Schlussverfügungen der ESTV betreffend die internationale Amts-
hilfe in Steuersachen zuständig (vgl. Art. 19 Abs. 5 StAhiG i.V.m. Art. 31 ff.
des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]).
Das Verfahren vor diesem Gericht richtet sich nach dem Verwaltungsver-
fahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Die Beschwerdeführerin hat
am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und ist als Adressat der an-
gefochtenen Schlussverfügung und Person, die vom Amtshilfeersuchen
betroffen ist bzw. über welche Daten übermittelt werden sollen, zur Be-
schwerdeführung legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 19 Abs. 2 StA-
hiG). Auf die frist- und formgerecht (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1
VwVG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-
letzung von Bundesrecht und der unrichtigen oder unvollständigen Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts auch die Unangemessenheit
rügen (Art. 49 Bst. a bis c VwVG).
2.
2.1 Die Amtshilfeklausel von Art. 26 DBA CH-AT entspricht in ihrem heute
geltenden Wortlaut weitgehend demjenigen von Art. 26 des Musterabkom-
mens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwick-
lung (nachfolgend: OECD-MA; siehe Fassung gemäss Art. II des Protokolls
vom 3. September 2009 zur Abänderung des DBA CH-AT, in Kraft getreten
am 1. März 2011 [AS 2011 823, nachfolgend: Änderungsprotokoll] und Bot-
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schaft vom 20. Januar 2010 zur Genehmigung eines Protokolls zur Ände-
rung des DBA CH-AT [BBl 2010 1303, 1307]). Diese (revidierte) Bestim-
mung zum Informationsaustausch findet Anwendung auf Veranlagungs-
jahre, die ab dem 1. Januar 2012 beginnen (vgl. Art. IV Ziff. 2 des Ände-
rungsprotokolls [AS 2011 823]).
2.2
2.2.1 Gemäss Art. 26 Abs. 1 DBA CH-AT tauschen die zuständigen Behör-
den der Vertragsstaaten unter sich diejenigen Informationen aus, «die zur
Durchführung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder Durchset-
zung des innerstaatlichen Rechts betreffend die unter das Abkommen fal-
lenden Steuern voraussichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht
entsprechende Besteuerung nicht dem Abkommen widerspricht». Dabei ist
der Informationsaustausch nicht durch Art. 1 DBA CH-AT (persönlicher An-
wendungsbereich), wonach das Abkommen (nur) für in einem Vertrags-
staat oder in beiden Vertragsstaaten ansässige Personen gilt, beschränkt.
Zu den unter das Abkommen fallenden Steuern zählt namentlich die Ein-
kommenssteuer (einschliesslich der Steuern vom Gewinn aus der Ver-
äusserung beweglichen oder unbeweglichen Vermögens) und die Körper-
schaftssteuer in Österreich (vgl. Art. 2 DBA CH-AT, insbesondere Abs. 3
Ziff. 1 Bst. a und b sowie Abs. 2).
2.2.2 Art. 26 Abs. 2 DBA CH-AT enthält das sog. Spezialitätsprinzip, wo-
nach die im Rahmen des Informationsaustauschs erhaltenen Daten im
Grundsatz ebenso geheim zu halten sind wie die aufgrund des innerstaat-
lichen Rechts beschafften Informationen und regelt unter welchen Voraus-
setzungen diese Daten dennoch zugänglich gemacht und weiterverwendet
werden dürfen.
2.2.3 Nach Art. 26 Abs. 3 DBA CH-AT sind die Absätze 1 und 2 nicht so
auszulegen, als verpflichteten sie einen Vertragsstaat, von den Gesetzen
oder der Verwaltungspraxis des einen oder des anderen Vertragsstaates
abzuweichen (Bst. a), oder Informationen zu erteilen, welche nach den Ge-
setzen oder im üblichen Verwaltungsverfahren eines der beiden Vertrags-
staaten nicht beschafft werden können (Bst. b). Schliesslich besteht auch
keine Verpflichtung zur Erteilung von Informationen, die ein Handels-, Ge-
schäfts-, Industrie-, Gewerbe- oder Berufsgeheimnis oder ein Geschäfts-
verfahren preisgeben würden oder deren Erteilung dem Ordre Public wi-
derspräche (Bst. c).
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2.2.4 Art. 26 Abs. 5 DBA CH-AT enthält insofern eine Gegenausnahme, als
er bestimmt, dass Absatz 3 nicht so auszulegen sei, als könne ein Vertrags-
staat die Erteilung von Informationen nur deshalb ablehnen, weil sich die
Informationen bei einer Bank, einem sonstigen Finanzinstitut, einem Be-
vollmächtigten, Beauftragten oder Treuhänder befinden oder weil sie sich
auf das Eigentum einer Person beziehen. Ungeachtet des Abs. 3 oder ent-
gegenstehender Bestimmungen des innerstaatlichen Rechts verfügen die
Steuerbehörden des ersuchten Vertragsstaats über die Befugnis, die Of-
fenlegung der in diesem Absatz genannten Informationen durchzusetzen.
2.3 Im Zusammenhang mit Art. 26 DBA CH-AT ist weiter das zugehörige
Schlussprotokoll (eingefügt durch Art. VIII des Protokolls vom 21. März
2006 zur Abänderung des DBA CH-AT [AS 2007 1253], von der Bundes-
versammlung genehmigt am 6. Oktober 2006 [AS 2007 1251]; ebenfalls
unter SR 0.672.916.31) zu beachten.
2.3.1 Gemäss Ziff. 2 Bst. a des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT besteht
zwischen den Vertragsparteien Einigkeit darüber, dass der ersuchende
Vertragsstaat ein Begehren um Austausch von Informationen erst dann
stellt, wenn er alle in seinem innerstaatlichen Steuerverfahren vorgesehe-
nen üblichen Mittel zur Beschaffung der Informationen ausgeschöpft hat
(sog. Subsidiaritätsprinzip).
2.3.2 Nach Ziff. 2 Bst. b des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT besteht
der Zweck der Verweisung auf Informationen, die voraussichtlich erheblich
sind, darin, einen möglichst weitgehenden Informationsaustausch in Steu-
erbelangen zu gewährleisten, ohne den Vertragsstaaten zu erlauben,
«fishing expeditions» zu betreiben oder um Informationen zu ersuchen, de-
ren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbelange einer bestimmten steuer-
pflichtigen Person unwahrscheinlich ist. Die im Amtshilfeersuchen zu lie-
fernden Angaben sind gemäss dieser Bestimmung zwar wichtige verfah-
renstechnische Voraussetzungen für die Vermeidung von «fishing expedi-
tions»; sie sind jedoch nicht so auszulegen, dass sie einen wirksamen In-
formationsaustausch behindern würden.
2.3.2.1 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine in diesem Staat steuerpflichtige Person dort
korrekt zu besteuern (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.1, 141 II 436 E. 4.4.3). Die
Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist erfüllt, wenn im Zeit-
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Seite 10
punkt der Einreichung des Amtshilfeersuchens eine vernünftige Möglich-
keit besteht, dass sich die verlangten Informationen als erheblich erweisen
werden (BGE 143 II 185 E. 3.3.2). Keine Rolle spielt, ob sich diese Infor-
mationen nach deren Übermittlung für die ersuchende Behörde als nicht
erheblich herausstellen. Ob eine Information erheblich ist, kann in der Re-
gel nur der ersuchende Staat abschliessend feststellen (BGE 145 II 112
E. 2.2.1, 142 II 161 E. 2.1.1).
2.3.2.2 Um bei Amtshilfeersuchen, welche die betroffenen Personen nicht
namentlich identifizieren, unzulässige Beweisausforschungen, d.h.
«fishing expeditions», auszuschliessen, ist nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung verlangt (BGE 143 II 136 E. 6.1.2), dass die ersuchende
Behörde in ihrem Ersuchen
(i) eine detaillierte Beschreibung der Gruppe geben, welche die spezifischen Tat-
sachen und Umstände beschreibt, die zum Ersuchen geführt haben;
(ii) das anwendbare (Steuer-)Recht erläutern und aufzeigen, weshalb Gründe vor-
liegen, welche annehmen lassen, die Steuerpflichtigen in der Gruppe hätten ihre
Verpflichtungen nicht erfüllt, d.h. das Steuerrecht verletzt; und
(iii) aufzeigen, dass die eingeforderten Informationen zur Erfüllung der Verpflich-
tungen der Steuerpflichtigen der Gruppe führen können.
Diese Kriterien gelten aus Kohärenzgründen nicht nur für die ursprünglich
ins Auge gefassten Gruppenersuchen nach Art. 3 Bst. c StAhiG, sondern
finden nach der Rechtsprechung ebenfalls auf sog. Listenersuchen Anwen-
dung (vgl. BGE 146 II 150 E. 6.1.3, 143 II 628 E. 5.1).
2.3.3 Gemäss Ziff. 2 Bst. c des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT (in der
am 14. November 2012 in Kraft getretenen Fassung; vgl. AS 2012 6941)
besteht zwischen den Vertragsparteien sodann Einigkeit darüber, dass die
Steuerbehörden des ersuchenden Staates bei der Stellung eines Amtshil-
febegehrens nach Art. 26 des Abkommens den Steuerbehörden des er-
suchten Staates die nachstehenden Angaben zu liefern haben:
i) die Identifikation der steuerpflichtigen Person, wobei diese Identifikation auch
auf andere Weise als durch Angabe des Namens und der Adresse erfolgen
kann;
ii) die Zeitperiode, für welche die Informationen verlangt werden;
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iii) eine Beschreibung der verlangten Informationen sowie Angaben hinsichtlich
der Form, in der der ersuchende Staat diese Informationen vom ersuchten
Staat zu erhalten wünscht;
iv) den Steuerzweck, für den die Informationen verlangt werden;
v) den Namen und die Adresse des mutmasslichen Informationsinhabers, soweit
sie bekannt sind.
2.4
2.4.1 Auf ein Ersuchen ist nach Art. 7 Bst. c StAhiG nicht einzutreten, wenn
es den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt, «insbesondere wenn es
auf Informationen beruht, die durch nach schweizerischem Recht strafbare
Handlungen erlangt worden sind». Letzteres bedeutet, dass die objektiven
Tatbestandsmerkmale eines Straftatbestandes des Schweizerischen Straf-
gesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) erfüllt sein müs-
sen und die Delikte unter die schweizerische Straf- bzw. Gerichtshoheit ge-
mäss Art. 3 bis 8 StGB fallen (BGE 143 II 202 E. 8.5.6).
2.4.2 Sofern eine Partei behauptet, ein Amtshilfeersuchen beruhe auf straf-
baren Handlungen, ist jeweils zu prüfen, ob das Ersuchen dem im interna-
tionalen öffentlichen Recht geltenden Grundsatz von Treu und Glauben
entspricht. Gegen diesen Grundsatz wird etwa verstossen, wenn der ersu-
chende Staat versichert hatte, dass keine auf schweizerischem Territorium
geheime Bankdaten für ein Amtshilfeersuchen verwendet werden, und er
dennoch ein Ersuchen stellt, das direkt oder indirekt kausal mit solchen
geheimen Daten zusammenhängt (vgl. BGE 143 II 224 E. 6.4; statt vieler:
Urteil des BVGer A-1534/2018 vom 3. August 2020 E. 6.2). Ein treuwidri-
ges Verhalten ist in der Regel auch ohne vorgängige ausdrückliche Zusi-
cherung anzunehmen, wenn der ersuchende Staat illegal erworbene Daten
kauft und ein darauf abgestütztes Amtshilfeersuchen stellt (vgl. Urteil des
BGer 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018 E. 2.3.4). Das blosse Verwenden
illegal erworbener Daten durch den ersuchenden Staat, welche dieser im
Rahmen der (spontanen) Amtshilfe durch einen anderen Staat erhalten
hat, stellt rechtssprechungsgemäss jedoch noch kein treuwidriges Verhal-
ten dar (Urteil des BGer 2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 2.3.5
mit Hinweisen; Urteile des BVGer A-3186/2019 vom 20. August 2020
E. 2.8.3, A-1534/2018 vom 3. August 2020 E. 6.2).
2.5 Ein wichtiges Element der internationalen Behördenzusammenarbeit
bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch
oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit dem Schutz des
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Seite 12
schweizerischen oder internationalen Ordre public (vgl. Art. 7 StAhiG) –
prinzipiell kein Anlass besteht, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklärun-
gen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip;
BGE 144 II 206 E. 4.4, 142 II 218 E. 3.3). Auf diesem Vertrauen gründet
letztlich das ganze Amtshilfeverfahren. Dementsprechend ist die ESTV an
die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebunden, als
diese nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprüche so-
fort entkräftet werden kann (BGE 142 II 161 E. 2.1.1 und 2.1.3, 139 II 451
E. 2.2.1; statt vieler: Urteil des BVGer A-2258/2020 vom 19. Februar 2021
E. 2.2).
3.
Das vorliegende Verfahren hat – worauf die Vorinstanz in ihrer Vernehm-
lassung zu Recht hinweist – einen engen inhaltlichen Bezug zum rechts-
kräftigen Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021, welchem
dasselbe Amtshilfeersuchen des CLO wie in casu zu Grunde lag. Dem Ur-
teil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 kommt somit für das
vorliegende Verfahren Grundsatzcharakter zu (nachfolgend auch: Refe-
renzurteil). Das Bundesverwaltungsgericht kam in diesem Urteil zum
Schluss, dass hinreichend konkrete Anhaltspunkte für ein steuerrechtswid-
riges Verhalten der vom österreichischen Ersuchen betroffenen Personen
gegeben seien und eine verbotene «fishing expedition» daher nicht vor-
liege (E. 4.4.3 f.). Im Folgenden sind die wesentlichen konkreten Rügen
der Beschwerdeführerin im Lichte des Urteils des BVGer A-6532/2020 vom
21. Dezember 2021 zu beurteilen.
Vorliegend hält die Beschwerdeführerin die Übermittlung der ersuchten In-
formation an das CLO aus verschiedenen Gründen für rechtswidrig und
insbesondere für eine unzulässige «fishing expedition». Streitig und im Fol-
genden zu prüfen sind im Wesentlichen zunächst formelle Punkte (Verfah-
rensantrag und rechtliches Gehör; E. 3.1), anschliessend die Eintretensvo-
raussetzungen sowie die Fragen, ob die zur Übermittlung vorgesehenen
Informationen für die Steuerpflicht der Beschwerdeführerin in Österreich
voraussichtlich erheblich sind (E. 3.2-3.5) und ob deren Übermittlung ver-
hältnismässig ist (E. 3.6).
3.1 Vorab ist auf die formellen Aspekte einzugehen.
3.1.1 Die Beschwerdeführerin stellt gestützt auf Art. 57 Abs. 1 VwVG den
Verfahrensantrag, es seien sämtliche Vorakten beizuziehen. Die Vo-
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Seite 13
rinstanz hat dem Bundesverwaltungsgericht zusammen mit der Vernehm-
lassung vom 16. Februar 2022 (Sachverhalt, Bst. N) sämtliche Akten, in
welche die Beschwerdeführerin von der Vorinstanz bereits Einsicht erhielt
(Sachverhalt, Bst. C und K), übermittelt. Diese fanden auf diese Weise Ein-
gang in die bundesverwaltungsgerichtlichen Verfahrensakten. Der be-
schwerdeführerische Verfahrensantrag erweist sich somit als gegen-
standslos.
3.1.2 Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Vorinstanz das rechtliche Gehör der
Beschwerdeführerin verletzt hat.
3.1.2.1 Die Beschwerdeführerin macht eine Verletzung der Begründungs-
pflicht gemäss Art. 29 der Bundesverfassung der schweizerischen Eidge-
nossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) und damit eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs geltend, da die Vorinstanz das Vorbringen betref-
fend Wohnsitz in [Land] seit Anfang 2008 in der Schlussverfügung vom 17.
Dezember 2020 nur ungenügend berücksichtigt, den rechtserheblichen
Sachverhalt nur unvollständig festgestellt und nur eine standardisierte Ver-
fügung statt eines Einzelfallentscheids erlassen habe.
3.1.2.2 Die Vorinstanz verneint die Verletzung des rechtlichen Gehörs, da
aus der Schlussverfügung hinreichend hervorgehe, weshalb die Geltend-
machung einer Ansässigkeit oder Steuerpflicht ausserhalb von Österreich,
aber auch die Einreichung von Beweisen, welche eine Steuerpflicht in ei-
nem Drittstaat bescheinigen würden, die voraussichtliche Erheblichkeit der
ersuchten Informationen nicht zu entkräften vermöchten. Gestützt auf die
Ausführungen sei die Beschwerdeführerin ohne Weiteres in der Lage ge-
wesen, die Tragweite der Schlussverfügung zu verstehen und diese in vol-
ler Kenntnis der Sachlage anzufechten.
3.1.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt von der Behörde, dass
sie die Vorbringen der Betroffenen tatsächlich hört, ernsthaft prüft und in
ihrer Entscheidfindung angemessen berücksichtigt. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. In der
angefochtenen Schlussverfügung der Vorinstanz vom 17. Dezember 2020
werden die entscheidwesentlichen Faktoren hinlänglich festgestellt und ge-
würdigt, so dass die Beschwerdeführerin sich über dessen Tragweite ein
Bild machen konnte. Aus den präzisen tatsächlichen und rechtlichen Vor-
bringen in der Beschwerde und in der Replik ergibt sich denn auch zwei-
fellos, dass die Beschwerdeführerin in der Lage war, die vorinstanzliche
A-274/2021
Seite 14
Schlussverfügung vom 17. Dezember 2020 sachgerecht anzufechten (zum
Ganzen: BGE 142 II 49 E. 9.2 m.w.H.). Der Vorwurf der Verletzung der
vorinstanzlichen Untersuchungspflicht und des rechtlichen Gehörs ist so-
mit unbegründet.
3.2 Sodann ist auf die Frage der Rechtmässigkeit der Amtshilfeleistung
einzugehen und in diesem Zusammenhang insbesondere darauf, ob das
vorliegende Listenersuchen den erhöhten Anforderungen genügt, um eine
verbotene Beweisausforschung (sog. «fishing expedition») auszuschlies-
sen. Das Bundesverwaltungsgericht hat diese Fragen im Referenzurteil
ausführlich geprüft und dabei in seinem Urteil A-6532/2020 vom 21. De-
zember 2021 Folgendes erwogen:
3.2.1
3.2.1.1 Zur Frage, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Amtshilfeersuchen
des CLO vom 16. Februar 2017 eingetreten ist, hielt das Bundesverwal-
tungsgericht dafür, das vorliegend zu beurteilende Amtshilfeersuchen
stütze sich auf eine Liste mit ursprünglich über 8000 eindeutig zuordenba-
ren Kundenstammnummern, mithilfe derer die ESTV und die zur Edition
aufgeforderte Bank die betroffenen Personen in der Folge identifizieren
und die ersuchten Informationen hätten zusammenstellen können. Nebst
den erwähnten Banknummern enthalte das Ersuchen weder Namen noch
Adressen der betroffenen Personen. Ein solches «Listenersuchen» stelle
nach der gefestigten Rechtsprechung eine nach innerstaatlichem Recht
grundsätzlich zulässige Sammlung von Einzelersuchen dar, welche nicht
mit einem Gruppenersuchen im Sinn von Art. 3 Bst. c StAhiG zu verwech-
seln sei (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.2.1).
Des Weiteren enthalte das Amtshilfeersuchen auch die weiteren erforder-
lichen Angaben gemäss Ziff. 2 Bst. c des Schlussprotokolls zum DBA CH-
AT (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.2.3).
3.2.1.2 In Bezug auf das Subsidiaritätsprinzips nach Ziff. 2 Bst. a des
Schlussprotokolls zum DBA CH-AT habe die ersuchende Behörde im Amts-
hilfeersuchen bestätigt, dass alle üblichen Informationsquellen ausge-
schöpft worden seien, auf die sie in diesem Fall hätte zugreifen können,
um die erforderlichen Informationen einzuholen, ohne das Risiko einzuge-
hen, das Ergebnis der Ermittlungen zu gefährden. Nach dem völkerrechtli-
chen Vertrauensprinzip bestehe grundsätzlich kein Anlass, an Erklärungen
anderer Staaten zu zweifeln. Mangels gegenteiliger, konkreter Anhalts-
punkte sei damit von der Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips auszugehen
(Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.3).
A-274/2021
Seite 15
3.2.2 Zur Frage, ob das vorliegende Listenersuchen den erhöhten Anfor-
derungen genügt, um eine verbotene Beweisausforschung (sog. «fishing
expedition») auszuschliessen, äusserte sich das Bundesverwaltungsge-
richt im Referenzurteil wie folgt:
3.2.2.1 Erforderlich sei erstens, dass das Ersuchen eine detaillierte Be-
schreibung der Gruppe enthalte, welche die Tatsachen und speziellen Um-
stände nennt, die zum Ersuchen geführt hätten. Das vorliegende Ersuchen
[des CLO] identifiziere die betroffenen Personen mittels eindeutig zuorden-
baren Kundenstammnummern. Eine hinreichend detaillierte Beschreibung
der Gruppe sei damit vorliegend zu bejahen (Urteil des BVGer
A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.1).
3.2.2.2 Gemäss der dritten Voraussetzung habe die ersuchende Behörde
aufzuzeigen, dass die verlangten Informationen geeignet seien, für die Er-
füllung der steuerlichen Verpflichtungen der Steuerpflichtigen zu sorgen.
Auch dieses Kriterium sei vorliegend erfüllt. Mit der Aufdeckung eines bis-
her im Rahmen der Steuererklärung nicht deklarierten Kontos – sofern ein
solches bestehe – erhalte der ersuchende Staat die Möglichkeit, allfällige
von Steuerpflichtigen zu Unrecht nicht entrichtete Steuern nachzufordern
(Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.2).
3.2.3 Was die verbleibende zweite Voraussetzung betreffe, so müsse das
Amtshilfeersuchen das anwendbare Steuerrecht und die Motive darlegen,
die es erlauben würden, davon auszugehen, dass die vom Ersuchen be-
troffenen Steuerpflichtigen ihre steuerlichen Verpflichtungen nicht erfüllt
hätten. Das hier streitbetroffene Amtshilfeersuchen Österreichs bezeichne
unbestrittenermassen das anwendbare Steuerrecht. Fraglich und zu prü-
fen bleibe, ob auch hinreichende Motive für die Annahme von Steuerpflicht-
verletzungen genannt werden (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. De-
zember 2021 E. 4.4.3).
Die einschlägige bundesgerichtliche Rechtsprechung hat das Bundesver-
waltungsgericht im Referenzurteil wie folgt dargelegt:
3.2.3.1 Gemäss der Rechtsprechung müssten für die Annahme einer Miss-
achtung steuerrechtlicher Verpflichtungen konkrete Anhaltspunkte bzw.
Verdachtsmomente vorliegen, wobei sich diese nicht auf die einzelnen In-
dividuen bezögen, wohl aber in allgemeiner Weise auf die Personen in die-
ser Gruppe. Je nach den Umständen könne auch die Art und Weise, wie
der ersuchende Staat Kenntnis von der Liste erlangt habe, ein Indiz dafür
A-274/2021
Seite 16
sein, dass die Kontoinhaber ihre steuerrechtlichen Verpflichtungen nicht
eingehalten hätten (Urteil des BGer 2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018
E. 5.2; Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.3.1).
Solche hinreichenden Anhaltspunkte habe das Bundesgericht namentlich
in folgenden zwei Fallkonstellationen bejaht:
Im einen Fall habe das Amtshilfeverfahren auf einem Listenersuchen
Frankreichs basiert. Dabei seien die dem Ersuchen zugrundeliegenden
Daten (im Urteil bezeichnet als Listen A, B und C) anlässlich einer von der
Staatsanwaltschaft Bochum durchgeführten Hausdurchsuchung bei einer
deutschen Gruppengesellschaft der UBS im Mai 2012 und im Juli 2013
gefunden worden. Das Bundesgericht habe erwogen, dass erste Überprü-
fungen der ersuchenden Behörde hinsichtlich der Liste A, welche die Na-
men von 1'130 Personen auswies, gezeigt hätten, dass die betroffenen
Steuerpflichtigen ihr Konto entweder nicht deklariert oder bereits zu einem
früheren Zeitpunkt regularisiert gehabt hätten. Es habe eine Verbindung
zwischen der Liste A und den Listen B (betreffend Jahr 2006) und C (be-
treffend Jahr 2008) als gegeben erachtet, wobei die Listen B und C zwar
keine Namen enthalten hätten aber einen Domizilcode, der auf eine Ansäs-
sigkeit in Frankreich hingedeutet habe. Das Gericht habe hervorgehoben,
dass gegen die Bank ein Strafverfahren in Frankreich eingeleitet worden
sei und ihr der Aufbau eines Steuerfluchtsystems zur Last gelegt werde. Es
sei zum Schluss gekommen, dass diese Anhaltspunkte zusammen be-
trachtet einen hinreichenden Verdacht auf steuerrechtswidriges Verhalten
der mittels Banknummern identifizierten Personen der Listen B und C be-
gründet hätten. Weiter habe es den Umstand, dass die Listen B und C bei
einer Hausdurchsuchung im Rahmen einer Steuerstrafuntersuchung in
Deutschland gefunden worden seien, als zusätzliches Indiz für ein steuer-
rechtswidriges Verhalten gewertet (vgl. BGE 146 II 150 E. 6.2.5 f.; zum
Ganzen: Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021
E. 4.4.3.2).
Im anderen Fall habe dem Verfahren ein Amtshilfeersuchen aus Deutsch-
land zugrunde gelegen, welches die betroffene Person mittels einer Kon-
tonummer identifiziert habe. Das Bundesgericht habe die Tatsache, dass
die ersuchende Behörde die Kontonummer kenne und wisse, dass darauf
ein hoher Geldbetrag liegt, für sich allein genommen noch nicht als Indiz
dafür gewertet, dass dieser Geldbetrag nicht oder nicht ordnungsgemäss
versteuert worden sei. Als ausschlaggebend habe es vielmehr erachtet,
dass gemäss der Schilderung der ersuchenden Behörde durch einen Zu-
fallsfund (anlässlich einer Durchsuchung der Geschäftsräume einer Bank
A-274/2021
Seite 17
mit Sitz in Frankfurt) Listen mit Kundendaten in Form von Kundenstamm-
nummern, Alter, Domizil und Einlagehöhe in einer verborgenen Datei auf
dem Personal Computer einer Mitarbeiterin habe gesichert werden kön-
nen. Der Umstand, dass diese Daten nicht regulär im Systembackup der
Bank vorhanden gewesen seien, habe es als Indiz dafür gewertet, dass die
betreffenden Konten möglicherweise verdeckt hätten geführt werden sollen
und allenfalls nicht gesetzeskonform deklariert worden seien. Dieses Indiz
in Kombination mit den übrigen Umständen (Ermittlungsverfahren bei der
Bank mit anschliessender Beschlagnahmung der Daten sowie hohe
Summe auf dem betreffenden Konto) stelle gemäss Bundesgericht einen
konkreten Hinweis auf Unregelmässigkeiten dar. Das Bundesgericht habe
im Ergebnis eine unzulässige Beweisausforschung verneint (Urteil des
BGer 2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018 E. 5, insbes. E. 5.3.1; zum Gan-
zen: Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.3.2).
3.2.3.2 Wie im oben erwähnten, bereits gerichtlich beurteilten Listenersu-
chen Frankreichs stütze sich auch das vorliegende Amtshilfeersuchen auf
(von den deutschen Behörden zur Verfügung gestellte) Listen mit Bank-
nummern und Vermögensdaten der Jahre 2006 und 2008, die anlässlich
einer Hausdurchsuchung der deutschen Strafverfolgungsbehörden bei ei-
ner Niederlassung der UBS in Frankfurt aufgefunden worden seien. Mit an-
deren Worten würde das vorliegende Listenersuchen Österreichs und das
erwähnte Listenersuchen Frankreichs auf Daten derselben Quelle basie-
ren. Es sei zwischenzeitlich gerichtsnotorisch, dass sich diese «Listen» –
wie betreffend das oben zitierte Urteil 2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018
ausgeführt – mutmasslich auf einer verborgenen Datei auf dem PC einer
Bankmitarbeiterin befunden hätten (siehe Urteil des BVGer A-1534/2018
vom 3. August 2020 E. 3.6; Beschlüsse des Bundesstrafgerichts
BB.2019.61 und BB.2019.63 vom 20. November 2019). Weiter habe die
spontane Übermittlung der erwähnten «Listen» von Deutschland nach Ös-
terreich – wie sich aus dem Ersuchen ergebe – gestützt auf die europäi-
sche Richtlinie 2011/16 vom 15. Februar 2011 über die Zusammenarbeit
der Verwaltungsbehörden im Bereich der Besteuerung und zur Aufhebung
der Richtlinie 77/799/EWG (ABl. L 64/1 vom 11. März 2011) stattgefunden.
Ein solch spontaner Informationsaustausch sei u. a. vorgesehen, wenn die
zuständige Behörde eines Mitgliedstaats Gründe für die Vermutung einer
Steuerverkürzung im anderen Mitgliedstaat hat (s. Abschn. II Art. 9 Abs. 1
Bst. a der Richtlinie 2011/16; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-6532/2020
vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.3.2).
A-274/2021
Seite 18
Der Bezug zu Österreich werde vorliegend über die in der Liste erwähnten
Domizilcodes hergestellt. Gemäss Amtshilfeersuchen habe sodann ein Ab-
gleich der auf der Liste enthaltenen Kundenstammnummern auf Basis von
zwei Abkommen mit der Schweiz (Sachverhalt Bst. A.b in fine) zur Zuord-
nung und Aussonderung von über 370 Konten geführt. Dies zeige, dass
sich zumindest in diesen Fällen der Domizilcode als korrekt erwiesen habe.
Sodann sei der Domizilcode auch bereits beim französischen Listenersu-
chen, das auf Daten derselben Quelle beruht habe, als genügend erachtet
worden (vgl. BGE 146 II 150 E. 6.2.6 f.; Urteil des BVGer
A-1562/2018 vom 3. August 2020 E. 4.2). Gemäss Angaben der ersuchen-
den Behörde würden sich die in der «Liste» ausgewiesenen Vermögens-
werte auf [mehrere] Milliarden Schweizer Franken belaufen und damit eine
erhebliche Summe darstellen (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. De-
zember 2021 E. 4.4.3.2).
Wie bereits erwähnt, genüge es nach der höchstrichterlichen Rechtspre-
chung für die Vermutung von Steuerpflichtverletzungen, dass die dem
Amtshilfeersuchen zugrundeliegenden Daten nicht regulär im Systemba-
ckup der Bank vorhanden gewesen seien, ein Ermittlungsverfahren bei der
Bank mit anschliessender Beschlagnahmung der Daten sowie eine hohe
Summe von Vermögenswerten betroffen seien. Dies decke sich mit der
Ausgangslage im Referenzurteil und es komme hinzu, dass die den Refe-
renzurteil betreffenden Daten aus derselben Quelle stammen würden, die
auch dem vom Bundesgericht als zulässig qualifizierten Listenersuchen
Frankreichs zugrunde gelegen habe. Vor diesem Hintergrund sei hinsicht-
lich des Referenzurteils das Vorliegen hinreichend konkreter Anhaltspunkte
für ein steuerrechtswidriges Verhalten der betroffenen Personen – und da-
mit der (dortigen) Beschwerdeführenden – im dort streitbetroffenen Amts-
hilfeersuchen des CLO zu bejahen. Eine verbotene «fishing expedition»,
welche ein Nichteintreten auf das Amtshilfeersuchen nach sich ziehen
müsste, liege daher nicht vor (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. De-
zember 2021 E. 4.4.3.2).
3.3 An diesen Erwägungen ist für den vorliegenden Fall vollumfänglich
festzuhalten. Die diesbezüglichen nachfolgenden Vorbringen der Be-
schwerdeführerin vermögen an dieser Rechtsprechung nichts zu ändern.
3.4
3.4.1 Gemäss Beschwerdeführerin befindet sich ihr Wohnsitz seit dem
29. Februar 2008 nachweislich in [Land]. Das DBA CH-AT und auch das
StAhiG würden auf das vorliegende Verfahren deshalb keine Anwendung
A-274/2021
Seite 19
finden, womit es dem Ersuchen an einer gesetzlichen Grundlage mangle.
Aus diesem Grund fehle es an der voraussichtlichen Erheblichkeit der er-
suchten Informationen. Das Ersuchen des CLO stütze sich auf Daten, die
mittlerweile 14 Jahre alt seien. Für diesen Zeitraum wäre ohnehin die Ver-
jährung eingetreten. Nun auf die Jahre 2012 ff. aufgrund der Daten aus
2006 und 2008 zu schliessen, komme einer «fishing expedition» gleich. Sie
(die Beschwerdeführerin) unterliege erwiesenermassen keiner Steuer-
pflicht in Österreich ab 2012. Im Referenzurteil werde festgehalten, dass
das DBA AT-CH ab dem 1. März 2011 anwendbar sei, ab einem Zeitpunkt
also, als sie keinen Wohnsitz mehr in Österreich gehabt habe. Das Refe-
renzurteil sei daher vorliegend nicht einschlägig.
Die Vorinstanz verweist auf die verschiedenen Rechtsgrundlagen, wie
Art. 26 DBA CH-AT, die bundesgerichtliche Rechtsprechung sowie insbe-
sondere auf das Referenzurteil und die dortigen Ausführungen zum Bezug
zu Österreich durch die in der Liste der UBS aufgeführten Domizilcodes.
Die Beschwerdeführerin habe selbst bestätigt, im Zeitraum vom 23. April
2007 bis 29. Februar 2008 in Österreich wohnhaft gewesen zu sein und
während dieses Zeitraums der österreichischen Steuerpflicht unterlegen zu
haben. Es sei nicht schädlich, dass sich das Amtshilfeersuchen auf Anga-
ben aus den Jahren 2006 und 2008 stütze, während Auskünfte für die
Jahre 2012 bis 2015 ersucht würden. Die Vorlage von Unterlagen, die eine
Besteuerung in einem Drittstaat belegen würden, vermöge die voraussicht-
liche Erheblichkeit der ersuchten Informationen nicht zu entkräften und
schliesse ein Steuerdomizil in Österreich während des betreffenden Zeit-
raums nicht aus. Die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Um-
stände für den Nachweis eines steuerrechtlichen Wohnsitzes in einem
Drittstaat seien von ihr im innerstaatlichen, österreichischen Steuerverfah-
ren geltend zu machen. Zudem spiele es keine Rolle, wenn sich die er-
suchten Informationen nach ihrer Bereitstellung letztlich als unerheblich er-
weisen würden.
3.4.2 Die Beschwerdeführerin bestreitet zu Recht nicht, dass auch im An-
wendungsbereich des DBA CH-AT ein («Listenersuchen») grundsätzlich
zulässig ist (E. 3.2.1.1). Des Weiteren enthält das Amtshilfeersuchen auch
die weiteren erforderlichen Angaben gemäss Ziff. 2 Bst. c des Schlusspro-
tokolls zum DBA CH-AT (Sachverhalt, Bst. A.b und A.c; E. 2.3.3 und
E. 3.2.1.1). Auch vorliegend ist mangels gegenteiliger, konkreter Anhalts-
punkte von der Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips (E. 2.3.1) auszuge-
hen.
A-274/2021
Seite 20
Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil bereits entschieden,
dass sich wie im bundesgerichtlich beurteilten Listenersuchen Frankreichs
(E. 3.2.3.2) auch das vorliegende Amtshilfeersuchen des CLO auf Daten
derselben Quelle («Listen») basieren. Wie ebenfalls erwähnt begründet die
Kombination der Tatsache, dass Listen mit Kundendaten nicht regulär im
Systembackup der Bank vorhanden gewesen sind mit den übrigen Um-
ständen (Ermittlungsverfahren bei der Bank mit anschliessender Beschlag-
nahmung der Daten sowie hohe Summe auf dem betreffenden Konto) ei-
nen konkreten Hinweis auf Unregelmässigkeiten (E. 3.2.3.1). Die Übermitt-
lung der in E. 3.2.3.1 und E. 3.2.3.2 erwähnten «Listen» von Deutschland
nach Österreich fand zudem auf legalem Weg der spontanen Amtshilfe von
Deutschland statt (E. 3.2.3.2). Demnach können diese Daten sehr wohl
Basis für das vorliegend zu beurteilende Amtshilfeersuchen des CLO bil-
den.
Gemäss Referenzurteil wird der relevante Bezug zu Österreich über die in
der Liste erwähnten Domizilcodes hergestellt. Damit seien hinreichende
(statistische) Hinweise auf eine Steuerunehrlichkeit der vom Amtshilfeer-
suchen betroffenen Personen gegeben, zumal für die Zulässigkeit eines
Listenersuchens ein globaler Verdacht für eine Steuerhinterziehung aus-
reichend sei. Sodann seien der Domizilcode auch bereits beim französi-
schen Listenersuchen, das auf Daten derselben Quelle beruht habe, als
genügend erachtet worden. Gemäss Angaben der ersuchenden Behörde
belaufen sich die in der «Liste» ausgewiesenen Vermögenswerte auf über
[mehrere] Milliarden Schweizer Franken, mithin auf eine erhebliche
Summe (E. 3.2.3.2). Daran ist festzuhalten.
Im Referenzurteil hat das Bundesverwaltungsgericht überdies festgehal-
ten, dass es nicht im Rahmen des Amtshilfeverfahrens zu klären sei, wo
letztendlich der Steuerwohnsitz liege, und es sei in diesem Verfahren auch
nicht Aufgabe der Schweizer Behörden zu prüfen, ob nach österreichi-
schem Recht ein Steuerwohnsitz in Österreich bestehe (dortige E. 5.2
m.w.H.). Die genannten Umstände möchten im Rahmen des Ansässig-
keitsstreits wesentlich sein, der jedoch in einem anderen Verfahren durch-
zuführen sei. Damit ist – wie bereits im Referenzurteil (E. 5.2) – von der
voraussichtlichen Erheblichkeit der vorliegend zur Übermittlung vorgese-
henen Informationen betreffend die Beschwerdeführerin auszugehen.
Diese ist für den Nachweis ihres steuerrechtlichen Wohnsitzes in einem
Drittstaat vorab auf das innerstaatliche, österreichische Steuerverfahren zu
verweisen.
A-274/2021
Seite 21
Anzufügen bleibt ferner, dass sich auch die Frage der Verjährung nach dem
ausländischen Recht des ersuchenden Staats richtet und vor den dortigen
Behörden geltend zu machen ist (Urteile des BGer 2C_662/2021,
2C_663/2021 vom 18. März 2022 E. 5.4 ff.; 2C_800/2020 vom 7. Oktober
2020 E. 4 und E. 6.3 i.f.). Anders liegen die Dinge nur dann, wenn Gründe
für die Annahme bestehen, dass im ausländischen Verfahren elementare
Verfahrensgrundsätze verletzt werden könnten oder anderweitig schwere
Mängel bestünden. Solche Gründe macht die Beschwerdeführerin indes
nicht geltend, es sind für das Bundesverwaltungsgericht nach Aktenlage
auch keine ersichtlich (BGE 144 II 206 E. 4.6 m.w.H.). Für die voraussicht-
liche Erheblichkeit reicht schliesslich aus, dass die ersuchten Informatio-
nen für eine Verwendung im ausländischen Verfahren als potenziell geeig-
net erscheinen (BGE 144 II 206 E. 4.3 m.w.H.). Die Beschwerdeführerin
vermag somit weder mit ihrem Argument der Nichtansässigkeit in Öster-
reich während des ersuchten Zeitraums noch mit demjenigen der mögli-
chen Verjährung der Steuerschulden in Österreich durchzudringen.
3.5 Zusammenfassend zeichnet sich vorliegend – wie auch im Referenz-
urteil – das folgende Bild: Es genügt nach der höchstrichterlichen Recht-
sprechung für die Vermutung von Steuerpflichtverletzungen, dass die dem
Amtshilfeersuchen zugrundeliegenden Daten nicht regulär im Systemba-
ckup der Bank vorhanden waren, ein Ermittlungsverfahren bei der Bank mit
anschliessender Beschlagnahmung der Daten sowie eine hohe Summe
von Vermögenswerten betroffen sind. Dies deckt sich mit der vorliegenden
Ausgangslage. Es kommt hinzu, dass die vorliegenden Daten aus dersel-
ben Quelle stammen, die auch dem vom Bundesgericht als zulässig quali-
fizierten Listenersuchen Frankreichs zugrunde lag (E. 3.2.3.2). Vor diesem
Hintergrund ist in casu das Vorliegen hinreichend konkreter Anhaltspunkte
für ein steuerrechtswidriges Verhalten der betroffenen Personen – und da-
mit der Beschwerdeführerin – im hier streitbetroffenen Amtshilfeersuchen
des CLO zu bejahen. Eine verbotene «fishing expedition», welche ein
Nichteintreten auf das Amtshilfeersuchen nach sich ziehen müsste, liegt
daher nicht vor.
Nach dem Dargelegten ergibt sich überdies zur Frage der voraussichtli-
chen Erheblichkeit der ersuchten Informationen Folgendes: Für die Beja-
hung der voraussichtlichen Erheblichkeit genügt wie erwähnt eine vernünf-
tige Möglichkeit im Zeitpunkt der Einreichung des Amtshilfeersuchens,
dass sich die verlangten Informationen als erheblich erweisen werden
(E. 2.3.2.1). Weil vorliegend wie gezeigt hinreichend konkrete Hinweise für
A-274/2021
Seite 22
Unregelmässigkeiten in der Steuerabwicklung bestehen, sind die ersuch-
ten Informationen geeignet, für die mögliche Erfüllung der steuerlichen Ver-
pflichtungen der Beschwerdeführerin zu sorgen (E. 3.2.2.2). Damit ist von
der voraussichtlichen Erheblichkeit der vorliegend zur Übermittlung vorge-
sehenen Informationen betreffend die Beschwerdeführerin auszugehen.
3.6 Schliesslich ist die Verhältnismässigkeit der Übermittlung der ersuch-
ten Informationen zu prüfen.
3.6.1 Für die Beschwerdeführerin bedeutet die Herausgabe der Daten an
die ersuchende Behörde eine Verletzung des Verhältnismässigkeitsprin-
zips nach Art. 5 Abs. 2 BV. Auch in persönlicher Hinsicht sei die Heraus-
gabe der Daten der Beschwerdeführerin nicht erforderlich. Die Herausgabe
von Daten habe sich auf die im ersuchten Zeitraum in der Republik Öster-
reich ansässigen Personen zu beschränken. Nicht nur der Gesetzgeber
habe verhältnismässig zu handeln, sondern auch alle Behörden seien an
Art. 5 Abs. 2 BV gebunden. Dies habe zur Folge, dass jeder Fall einzeln zu
prüfen sei, was mit einer standardisierten Verfügung nicht möglich sei.
Laut Vorinstanz erfüllt das vorliegende österreichische Amtshilfeersuchen
alle Voraussetzungen nach Art. 26 DBA CH-AT. Darüber hinaus unterlägen
Gesetze (in casu das StAhiG) als auch internationale Abkommen (in casu
das DBA CH-AT) aufwendigen Ausarbeitungs- und Genehmigungsprozes-
sen, die sicherstellen würden, dass vorgesehene Einschränkungen der
Rechte betroffener Personen verhältnismässig seien. So sehe das DBA
CH-AT etwa vor, dass nur Informationen übermittelt werden dürften, die
«voraussichtlich erheblich» seien.
3.6.2 Die Frage der Ansässigkeit der Beschwerdeführerin im ersuchten
Zeitraum vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2015 (Sachverhalt,
Bst. A.c) ist vorliegend wie gesehen irrelevant (E. 3.4.2). Dass die ange-
fochten Schlussverfügung der Vorinstanz vom 17. Dezember 2020 hinrei-
chend (individuell) begründet und demnach nicht von einer in casu unge-
nügend substantiierten «standardisierten Verfügung» auszugehen ist, hat
das Bundesverwaltungsgericht bereits erkannt (E. 3.1.3). Ebenso ergibt
sich aus der festgestellten voraussichtlichen Erheblichkeit der ersuchten
Informationen für die Prüfung der allfälligen Steuerpflicht der Beschwerde-
führerin in Österreich für den ersuchten Zeitraum (E. 3.5) ohne Weiteres
deren Geeignetheit und Erforderlichkeit zu ebendiesem Zweck. Der Be-
schwerdeführerin stehen schliesslich im allfälligen österreichischen Steu-
erverfahren weitere Rechtsschutzmöglichkeiten zur Verfügung (E. 3.4.2).
A-274/2021
Seite 23
Daher ist der Beschwerdeführerin die Übermittlung der ersuchten Informa-
tionen auch zumutbar. Die Übermittlung der ersuchten Informationen er-
weist sich folglich als verhältnismässig.
4.
Zusammenfassend ist das Vorliegen hinreichend konkreter Anhaltspunkte
für ein steuerrechtswidriges Verhalten der betroffenen Personen – und da-
mit der Beschwerdeführerin – im hier streitbetroffenen Amtshilfeersuchen
des CLO zu bejahen. Eine verbotene «fishing expedition», welche ein
Nichteintreten auf das Amtshilfeersuchen nach sich ziehen müsste, liegt
daher nicht vor. Die vom CLO ersuchten Informationen sind zudem als vo-
raussichtlich erheblich zur Besteuerung der Beschwerdeführerin zu quali-
fizieren und dementsprechend zu übermitteln.
5.
Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die in der Schlussver-
fügung vorgesehene Amtshilfeleistung erfüllt. Die Beschwerde erweist sich
als unbegründet und ist vollumfänglich abzuweisen.
6.
6.1 Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin die auf Fr. 5'000.-- fest-
zusetzenden Verfahrenskosten zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG und
Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
6.2 Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädigung
zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE
e contrario).
7.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen nur dann mit
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesge-
richt weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzli-
cher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen
besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt
(Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet
das Bundesgericht.
A-274/2021
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