Decision ID: 1568913a-339f-49fe-b01f-27e35b3e54e7
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfachen Pfändungsbetrug etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Abteilung, vom
14. Juli 2015 (DG140014)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 6. März 2014 ist
diesem Urteil beigeheftet (HD 66).
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte A._ ist schuldig
− des mehrfachen Pfändungsbetruges im Sinne von Art. 163 Ziff. 1
Abs. 1 und 2 StGB (Anklageziffer I.2 [HD]);
− der Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB (Anklageziffer III.1
[ND2]);
− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Anklagezif-
fer III.2 [ND2]);
− der Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte im Sinne
von Art. 169 Abs. 1 und 2 StGB (Anklageziffer I.1 [HD]);
− des mehrfachen Ungehorsams gegen amtlichen Verfügungen im Sinne
von Art. 292 StGB (Anklageziffer I.3 [HD]);
− der fahrlässigen Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 37 Abs. 3 SVG und Art. 22 Abs. 1
VRV (Anklageziffer II.4 [ND1]);
− der Vereitlung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit
im Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG (Anklageziffer II.6 [ND1]);
− des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1
SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 3 SVG (Anklageziffer II.5 [ND1]);
− der Übertretung der Polizeiverordnung der Gemeinde B._ im Sin-
ne von Art. 29 PolVO der Gemeinde B._ in Verbindung mit § 34
Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über das Gemeinwesen (Anklageziffer
IV [ND3]).
- 3 -
2. Die Beschuldigte A._ ist nicht schuldig und wird freigesprochen vom
Vorwurf der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Ankla-
geziffer III.1 [ND2]).
3. Die Beschuldigte A._ wird mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten be-
straft, wovon 77 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden
sind, sowie mit einer Busse von CHF 500.–.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 10 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt. Im Übrigen (8 Monate)
wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
5. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
6. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Fribourg vom 6. Februar 2013
ausgefällte bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu CHF 100.– wird wi-
derrufen und vollzogen.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 18. Septem-
ber 2013 beschlagnahmte Barschaft von CHF 1'300.– wird eingezogen und
zur Vollstreckung des Urteils verwendet.
8. Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 4. Oktober
2013 sowie vom 11. November 2013 beschlagnahmten Gegenstände (ge-
mäss den Anhängen I und II zu HD act. 42.5 sowie der Auflistung zu
HD act. 42.6) werden eingezogen und dem Betreibungsamt C._ zur
Nachpfändung zugewiesen.
8a. Die Privatkläger 1 bis 7 und 10 werden mit ihren Schadenersatzforderungen
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
- 4 -
9. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf
CHF 4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 10'000.– Gebühr für das Vorverfahren
CHF 650.– Kosten Kantonspolizei Zürich
CHF 12'657.90 amtliche Verteidigung (RA Dr. iur. X3._)
CHF 27'807.90 Total
Wird auf eine Begründung verzichtet, so reduziert sich die Gerichtsgebühr
auf zwei Drittel.
10. Rechtsanwalt lic. iur. X1._ wird für seine Bemühungen als amtlicher
Verteidiger der Beschuldigten mit total CHF 14'741.65 (inkl. MwSt) entschä-
digt. Die Kasse des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, diesen Betrag
an Rechtsanwalt lic. iur. X1._ auszubezahlen.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, mit Aus-
nahme der Kosten für die amtliche Verteidigung, werden der Beschuldigten A._ auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung von insgesamt CHF 27'399.55
(CHF 14'741.65 [RA lic. iur. X1._] plus CHF 12'657.90 [RA Dr. iur.
X3._]) werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt ei-
ne Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 67 S. 1)
1. Es sei die Rechtskraft der Schuldsprüche des vorinstanzlichen Urteils festzustellen.
2. Frau A._ sei mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten zu .
3. Die Strafe sei bedingt auszusprechen bei einer Probezeit von 3 Jahren.
- 5 -
4. Es sei eine Verbindungsbusse in Höhe von Fr. 3'000.– auszusprechen.
5. Es sei festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in Bezug auf den Widerruf, die Einziehung und die Zivilansprüche in Rechtskraft  ist.
6. Alles unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsfolge.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 51, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
_

Erwägungen:
I.
1. a) Im Hauptdossier wird der Beschuldigten zunächst angelastet, im Zeit-
raum vom 7. Januar 2013 bis zum 25. September 2013 gegenüber dem Betrei-
bungsamt C._ wahrheitswidrige Angaben zum Verbleib eines gepfändeten
Diodenlasers "..." gemacht bzw. denselben an verschiedenen Orten versteckt zu
haben (Ziff. 1). Anlässlich der Pfändungsvollzüge vom 13. November 2012,
16. Januar 2013, 15. März 2013 und 29. April 2013 habe sie sodann gegenüber
den Betreibungsbeamten verschwiegen, dass sie ein Motorboot, drei Autos der
Marken "Porsche" bzw. "Hummer", diverse Pneus samt Felgen sowie verschiede-
ne Luxusutensilien (Kleider, Uhren, Schuhe etc.) besessen, eine Versicherungs-
zahlung von Fr. 15'000.– erhalten und ausserdem im November 2012 von
D._ insgesamt ca. Fr. 70'000.– geschenkt bekommen habe. In der Folge
seien ihren Gläubigern für Forderungen von ca. Fr. 76'000.– provisorische Ver-
lustscheine ausgestellt worden (Ziff. 2). Zudem sei die Beschuldigte entgegen ei-
ner vom Betreibungsamt C._ am 16. Januar 2013 unter Androhung straf-
rechtlicher Folgen gemäss Art. 292 StGB erlassenen Verfügung in der Zeit vom
- 6 -
5. Februar 2013 bis zum 12. September 2013 nicht regelmässig auf dem Amt er-
schienen und habe diesem verschiedene Einkünfte im Gesamtbetrag von mindes-
tens ca. Fr. 1'500.– verschwiegen (Ziff. 3).
b) Das Nebendossier 1 betrifft einen Verkehrsunfall, der sich am frühen
Morgen des 5. Juni 2013 am ...weg ... in E._/ZH ereignete. Die Beschuldig-
te, so die Anklage, habe dort ihr Auto abgestellt, aber nicht gegen ein mögliches
Wegrollen gesichert. In der Folge sei der Wagen ins Rollen geraten und gegen
einen Kandelaber geprallt, so dass dieser aus seiner Verankerung gerissen wor-
den und auf ein parkiertes Auto gefallen sei (Ziff. 4). Die Beschuldigte habe dies
bemerkt, habe es aber unterlassen, unverzüglich die Geschädigten oder die Poli-
zei über den Unfall zu orientieren. Stattdessen habe sie einen Zettel mit den Wor-
ten "Bitte melden bei Anwalt D._ 079 / ..." unter den Scheibenwischer des
beschädigten Autos geklemmt und sich vom Unfallort entfernt (Ziff. 5). Ca. eine
Stunde später habe sie zwar die Polizei angerufen, sei aber in der Folge für einen
Rückruf nicht mehr erreichbar gewesen und habe sich geweigert, sofort an den
Unfallort zurückzukehren. Erst um ca. 11.15 Uhr sei sie auf einem Polizeiposten
in Zürich erschienen. Auf diese Weise habe sie die rechtzeitige Durchführung ei-
nes Atem- bzw. Blutalkoholtests vereitelt, mit der sie aufgrund der gesamten Um-
stände hätte rechnen müssen (Ziff. 6).
c) Im Nebendossier 2 geht es um einen Personenwagen "Porsche Cayenne
Turbo", den die Beschuldigte im Rahmen eines Miet-Kaufvertrages seit Juni 2012
besass, der aber erst nach vollständiger Bezahlung in ihr Eigentum übergehen
sollte. Im Juli 2013 kündigte die Eigentümerin wegen Zahlungsrückständen den
Vertrag. Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sie habe vor der am 8. August 2013
erfolgten Rückgabe des Autos zahlreiche Fahrzeugbestandteile im Gesamtwert
von ca. Fr. 19'000.– aus dem "Porsche" ausbauen lassen. Diese habe sie darauf-
hin in einem Bastelraum in F._/ZH versteckt (Ziff. 1). Zudem habe G._
aufgrund eines gemeinsam mit der Beschuldigten gefassten Tatentschlusses und
in ihrer Gegenwart das Fenster der Fahrertüre eingeschlagen (Ziff. 2).
d) Das Nebendossier 3 schliesslich enthält den Vorwurf, dass die Beschul-
digte spätestens am 15. Juli 2013 in B._ Wohnsitz genommen, sich aber in
- 7 -
Missachtung der lokalen Polizeiverordnung nicht innert acht Tagen, sondern erst
am 4. Dezember 2013 dort angemeldet habe.
2. Mit Urteil vom 14. Juli 2015 sprach das Bezirksgericht Meilen die Be-
schuldigte des mehrfachen Pfändungsbetrugs (Art. 163 Ziff. 1 Abs. 1 und 2
StGB), der Sachentziehung (Art. 141 StGB), der Sachbeschädigung (Art. 144
Abs. 1 StGB), der Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte
(Art. 169 Abs. 1 und 2 StGB), des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Ver-
fügungen (Art. 292 StGB, mit Ausnahme des Nichtmeldens der Tätigkeit als selb-
ständige Coiffeuse), der Verletzung von Verkehrsregeln (Art. 90 Ziff. 1 SVG), der
Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit (Art. 91a
Abs. 1 SVG), des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall (Art. 51 Abs. 3 SVG) sowie
der Übertretung von Art. 29 der Polizeiverordnung der Gemeinde B._ schul-
dig. Vom Vorwurf der Veruntreuung (in ND 2) wurde sie freigesprochen. Das Ge-
richt fällte gegen die Beschuldigte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten aus und
gewährte ihr im Umfang von 10 Monaten den teilbedingten Strafvollzug mit zwei
Jahren Probezeit. Ausserdem wurde die Beschuldigte mit Fr. 500.– gebüsst und
der Vollzug einer bislang aufgeschoben gewesenen Geldstrafe angeordnet. Zu-
dem traf das Gericht Entscheide betreffend beschlagnahmte Sachen. Die Privat-
kläger, welche Schadenersatzforderungen erhoben hatten, wurden damit auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen. Die Verfahrenskosten wurden der Beschuldig-
ten auferlegt (Urk. 43 S. 77-79).
3. a) Nach der Urteilseröffnung vom 26. August 2015 (Prot. I S. 70) liess die
Beschuldigte rechtzeitig die Berufung anmelden (Urk. 36) und sodann auch frist-
gerecht (vgl. Urk. 42/2) die Berufungserklärung einreichen. Nach dem teilweisen
Rückzug der Berufung (Urk. 63/1), wovon Vormerk zu nehmen ist, werden nun-
mehr die Strafe und der Strafvollzug mit Ausnahme der Übertretungsbusse sowie
die Kostenauflage angefochten (Urk. 67 S. 1). Die Verteidigung beantragt eine
Freiheitsstrafe von 18 Monaten, welche bedingt auszusprechen sei, unter Anset-
zung einer Probezeit von drei Jahren, sowie eine Verbindungsbusse von
Fr. 3'000.–. Die Kosten und Entschädigungen seien ausgangsgemäss zu regeln
(Urk. 67 S. 1).
- 8 -
b) Die Staatsanwaltschaft See/Oberland teilte am 24. Oktober 2016 mit,
dass sie keine Anschlussberufung erhebe, sondern die Bestätigung des erstin-
stanzlichen Urteils beantrage (Urk. 51). Von den Privatklägern erklärten die
H._ AG (Urk. 49) und die I._ AG [Versicherung] ausdrücklich, auf eine
Anschlussberufung zu verzichten. Die übrigen Privatkläger ergriffen ebenfalls kein
Rechtsmittel. Ebenso wenig wurden im Berufungsverfahren Beweisanträge ge-
stellt. Nach der heutigen Berufungsverhandlung erweist sich der Prozess als
spruchreif.
II.
Unangefochten blieb das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Schuldsprü-
che (Dispositiv-Ziffer 1), des Freispruchs der Beschuldigten vom Vorwurf der Ver-
untreuung (von Autobestandteilen, gemäss ND 2, Dispositiv-Ziffer 2), der Übertre-
tungsbusse (in Dispositiv-Ziffer 3) und der dafür festgesetzten Ersatzfreiheitsstra-
fe (Dispositiv-Ziffer 5). Nicht appelliert wurde ferner gegen den Widerruf (Disposi-
tiv-Ziffer 6), die Entscheide über beschlagnahmtes Bargeld und konfiszierte Ge-
genstände (Dispositiv-Ziffern 7 und 8), die Verweisung von Privatklägern auf den
Zivilweg (Dispositiv-Ziffer 8a), die Kostenaufstellung (Dispositiv-Ziffer 9) und die
Festsetzung des Honorars für Rechtsanwalt lic. iur. X1._ (Dispositiv-Ziffer
10). In diesem Umfang ist das vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwachsen
(Art. 402 StPO), was vorab in einem Beschluss festzustellen ist.
III.
1. a) Die Beschuldigte hat mehrere Verbrechen bzw. Vergehen begangen.
Bei der Strafzumessung ist daher zunächst die Strafe für das schwerste Delikt,
vorwiegend also für den Pfändungsbetrug (Art. 163 Ziff. 1 StGB), festzusetzen.
Dafür sieht das Gesetz als Sanktion Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geld-
strafe vor. Die Strafe ist sodann wegen der mehrfachen Tatbegehung und der Er-
füllung weiterer Straftatbestände angemessen zu erhöhen (Art. 49 Abs. 1 StGB),
soweit gleichartige Strafen auszufällen sind (Trechsel / Pieth, StGB-Praxiskom-
mentar, 2.A., N 7 zu Art. 49). Es bestehen keine besonderen Umstände, die es
- 9 -
als angezeigt erscheinen liessen, dabei den dargelegten ordentlichen Strafrah-
men zu überschreiten (vgl. BGE 136 IV 55 ff, Erw. 5.8). Ebenso wenig sind Straf-
milderungsgründe gegeben.
b) Innerhalb des gegebenen Rahmens misst das Gericht die Strafe nach
dem Verschulden der Täterin zu. Es berücksichtigt dabei deren Vorleben und per-
sönliche Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf ihr Leben. Das Verschul-
den wird nach der Schwere der Rechtsgutverletzung, der Verwerflichkeit des
Handelns und den Beweggründen und Zielen der Täterin sowie danach bestimmt,
wie weit sie nach den gesamten Umständen in der Lage war, rechtskonform zu
handeln (Art. 47 Abs. 1 und 2 StGB).
c) Die Beschuldigte beging den mehrfachen Pfändungsbetrug (Art. 163
Ziff. 1 StGB) und die Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte
(Art. 169 StGB) teilweise vor ihrer am 6. Februar 2013 wegen grober Verletzung
der Verkehrsregeln erfolgten Verurteilung zu einer Geldstrafe und einer Busse
von Fr. 500.–. Die teilweise Ausfällung einer Zusatzstrafe entfällt jedoch, weil die-
se nur bei gleichartigen Strafen möglich ist (BGE 137 IV 58) und, wie nachste-
hend dargelegt wird, für die genannten Betreibungsdelikte eine Freiheitsstrafe
auszufällen ist. Für den mehrfachen teilweise ebenfalls vor der erwähnten Verur-
teilung begangenen Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen wäre eine teilwei-
se Zusatzstrafe zur Busse vom 6. Februar 2013 auszufällen gewesen. Die Vor-
instanz sprach für diese Übertretungen eine Busse von Fr. 500.– aus. Diese ist
bereits rechtskräftig und daher nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Beru-
fungsverfahrens.
2. a) In Anbetracht des engen Sachzusammenhangs drängt es sich auf, den
mehrfachen Pfändungsbetrug (Art. 163 Ziff. 1 StGB) und die Verfügung über mit
Beschlag belegte Vermögenswerte (Art. 169 StGB) gemeinsam zu beurteilen. Die
Beschuldigte verheimlichte gegenüber dem Betreibungsamt während ca. eines
halben Jahres und zum Nachteil zahlreicher Gläubiger (vgl. HD 2/14, 3/10, 3/11
und 3/13) immer wieder Vermögenswerte von erheblichem Wert, so mehrere teu-
re Autos, ein Motorboot sowie Luxuskleider und -uhren. In einem Fall versteckte
sie einen für Fr. 42'000.– (vgl. HD 2/5) angeschafften Diodenlaser, der bereits ge-
- 10 -
pfändet war, in einem Bastelraum, von dem zunächst niemand Kenntnis hatte, um
ihn dem Zugriff des Betreibungsamtes zu entziehen. Gleichzeitig lebte sie auf-
grund beträchtlicher Geldschenkungen eines Freundes weiterhin auf grossem
Fuss. Erst als die Beschuldigte in einem Fall ungeschickt vorging (vgl. Erw. III/2b),
kam ihr das Betreibungsamt hinsichtlich des Motorbootes und im Zuge der weite-
ren Ermittlungen auch bezüglich der weiteren verheimlichten Vermögenswerte auf
die Schliche. Sie offenbarte mit ihren anhaltenden deliktischen Machenschaften
ein hohes Mass an krimineller Energie. Ihr diesbezügliches Verschulden ist so-
wohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht als insgesamt keinesfalls mehr
leicht einzustufen. Für diese Delikte erscheint eine Einsatzstrafe von 16 Monaten
Freiheitsstrafe als angemessene Sanktion.
b) Für die Tatbestände der Sachentziehung und der Sachbeschädigung
sieht das Gesetz die Bestrafung der Täterin mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder Geldstrafe vor (Art. 141 bzw. Art. 144 Abs. 1 StGB). Die wegen der unrecht-
mässigen Demontage von Fahrzeugteilen und der Beschädigung eines Autofens-
ters erforderlichen Reparaturarbeiten kosteten rund Fr. 30'000.– (Urk. ND 2/11.3
S. 5). Diese Taten brachten der Beschuldigten keinen wirtschaftlichen oder an-
derweitigen Nutzen. Sie handelte vielmehr aus Bosheit (HD 4/5 S. 9: "Es hätte ein
Denkzettel an Herrn J._ sein sollen."). Ihr Verschulden wiegt insofern nicht
mehr leicht. Für diese Delikte allein wäre aber noch keine Freiheitsstrafe am Plat-
ze. Sie führen deshalb – obwohl grundsätzlich zulässig (Urteil 6B_1246/2015 vom
9. März 2016) – nicht zwingend zur Asperation der Freiheitsstrafe, sondern sind in
concreto mit einer zusätzlichen Geldstrafe zu ahnden (BGE 6B_1011/2014,
E. 4.3.2 mit Hinweisen auf BGE 138 IV 120 E. 5.2 und BGE 137 IV 249 E. 3.4.2),
wobei eine solche von 150 Tagessätzen als angemessen erscheint.
c) Hinsichtlich der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahr-
unfähigkeit fällt auf, dass bei der Beschuldigten gut fünf Stunden nach dem Unfall
eine Blutalkoholkonzentration von 0,00 Gewichtspromillen ermittelt wurde und
auch der Drogenschnelltest negativ ausfiel (ND 1/1 S. 1). Es ist demnach zuguns-
ten der Beschuldigten davon auszugehen, dass sie am Unfallort zwar einem Al-
koholtest unterzogen worden wäre, dieser aber keinen Wert über 0,5 o/oo erge-
ben hätte. Dies lässt darauf schliessen, dass sie nicht mit dem direkten Vorsatz
- 11 -
handelte, eine allfällige Angetrunkenheit zu vertuschen, sondern lediglich vermei-
den wollte, am Unfallort länger aufgehalten zu werden (ND 1/3 S. 6). Dabei nahm
sie allerdings die Vereitelung des Alkoholtests im Sinne eines Eventualvorsatzes
in Kauf. In diesem Anklagepunkt ist von einem leichten Verschulden auszugehen.
Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips führt dies zu einer Erhöhung der
Geldstrafe um 20 Tagessätze.
3. a) A._ wurde 1969 in Wien (Österreich) als Tochter von Hotelbesit-
zern geboren. Sie hat zwei Halbbrüder, die in Wien leben. Die Beschuldigte ist ös-
terreichische Staatsangehörige und verfügt über die Niederlassungsbewilligung C.
Sie kam ca. 1974 mit ihrer Mutter erstmals für kurze Zeit in die Schweiz, besuchte
dann aber in K._ (A) die Primarschule bis zur 4. Klasse und war anschlies-
send ein Jahr in einem Internat. Nach der erneuten Übersiedlung in die Schweiz
absolvierte sie in L._ die Realschule. Es folgte eine Berufslehre als Coiffeu-
se. Später legte die Beschuldigte auch die Prüfung als Coiffeurmeisterin ab. Eine
Zeit lang lebte sie in M._, wo sie aber auf dem erlernten Beruf nur wenig ver-
diente. Sie wechselte deshalb ins Gastgewerbe und arbeitete einige Zeit in einem
Restaurant in N._/ZH. Ab 1998 führte sie einen eigenen Coiffeursalon. In den
letzten Jahren erzielte sie allerdings nur wenig eigenes Einkommen. Im Übrigen
lebte sie von Zuwendungen ihres Freundes D._. Die Beschuldigte ist ledig
und kinderlos. Sie gab an, kein Vermögen, aber beträchtliche Schulden zu haben,
die sie indessen nicht beziffern könne. Vor Bezirksgericht erklärte die Beschuldig-
te, dass sie zwischenzeitlich in O._/ZH ein neues Coiffeurgeschäft auf- und
Schulden abgebaut habe. Sie sei aber zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes
noch immer weitgehend auf die Unterstützung ihres Freundes angewiesen
(HD 63/4, HD 63/6, Prot. I S. 14-35). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte
die Beschuldigte aus, dass sie inzwischen wieder ein fixes Einkommen und einen
guten Stammkundenkreis habe. Sie habe keinen Coiffeursalon mehr, sondern
fahre zu den Kunden nach Hause. Ihr monatlicher Nettoverdienst belaufe sich auf
Fr. 4'000.– bis Fr. 4'500.– bei einer Auslastung von ungefähr 70 bis 80 Prozent.
Sie wohne alleine in einer 1 1⁄2-Zimmerwohnung in P._. Von D._ habe
sie sich ungefähr anfangs 2013 getrennt. Lohnpfändungen und Betreibungen lie-
fen keine gegen sie. Vermögen habe sie keines, nur einen Alfa Romeo, den sie
- 12 -
für Fr. 900.– gekauft habe und für ihre Kundenbesuche benötige. Seit letztem
Frühling habe sie den Führerausweis wieder. Zuvor sei er ihr für 1 1⁄2 Jahre entzo-
gen worden. Neue Strafverfahren würden keine gegen sie laufen. Neue Schulden
seien nicht hinzugekommen. Es bestünden aber noch Verlustscheine gegen sie.
Sie wisse jedoch nicht, wie hoch ihre Schulden seien. Einen Teil habe sie abbe-
zahlt (Prot. II S. 6 ff.). Aus der Lebensgeschichte der Beschuldigten ergeben sich
insgesamt keine straferhöhenden oder strafmindernden Faktoren.
b) Im Strafregister ist die Beschuldigte mit zwei Verurteilungen verzeichnet.
Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl fällte gegen sie am 25. März 2009 wegen Fah-
rens in alkoholisiertem Zustand und trotz Entzug des Führerausweises eine be-
dingt vollziehbare Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 50.– sowie eine Busse
von Fr. 500.– aus. Seitens des Ministère public du canton de Fribourg folgte am
6. Februar 2013 wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln eine (wiederum
bedingt vollziehbare) Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 100.–, verbunden mit
Fr. 500.– Busse (HD 63/1). Gegen die Beschuldigte als Autolenkerin mussten
schon etliche Administrativmassnahmen ausgesprochen werden. Sie wurde zwi-
schen 1993 und 2005 wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen dreimal verwarnt
und musste zweimal den Führerausweis für einen Monat abgeben. Zu einem wei-
teren einmonatigen Ausweisentzug kam es 1994 wegen des Lenkens eines nicht
betriebssicheren Fahrzeugs. 2009 wurde der Beschuldigten der Führerausweis
schliesslich für sechs Monate entzogen, nachdem sie unter Alkoholeinfluss und
trotz Ausweisentzug gefahren war (HD 63/3). Das administrativrechtliche Verfah-
ren betreffend den Vorfall vom 5. Juni 2013 wurde bis zur rechtskräftigen Erledi-
gung des Strafverfahrens sistiert (HD 63/7). Die beiden teilweise einschlägigen
Vorstrafen und der getrübte automobilistische Leumund sind straferhöhend zu
gewichten. Gleiches gilt für die Tatsache, dass die Beschuldigte einen grossen
Teil der heute zu beurteilenden Delikte – insbesondere mehrere Pfändungsbetrü-
ge – während einer laufenden Probezeit beging und auch nach Anhebung der
Strafuntersuchung weiter delinquierte. Diese Umstände führen insgesamt zu einer
Erhöhung der Freiheitsstrafe um 4 Monate und der Geldstrafe um 40 Tagessätze.
c) Die Beschuldigte legte nur unter dem Druck der sich im Laufe der Unter-
suchung ansammelnden Beweise nach und nach ein Teilgeständnis ab. Im Beru-
- 13 -
fungsverfahren anerkannte sie letztlich die vorinstanzlichen Schuldsprüche und
war somit vollumfänglich geständig. Dieses Geständnis kann lediglich zu einer
leichten Strafminderung führen. In Anbetracht der immer neuen Ausflüchte, wel-
che die Beschuldigte vorbrachte, kann bei ihr nicht von echter Einsicht und Reue
gesprochen werden. Dies bestätigte sich anlässlich der Berufungsverhandlung,
an welcher sich die Beschuldigte mitnichten einsichtig und reuig zeigte, sondern
die äusseren Umstände und insbesondere ihren früheren Partner, D._, für ihr
Verhalten und die von ihr begangenen Delikte verantwortlich machte (Prot. II
S. 12 ff. und S. 17 f.).
d) Die Beschuldigte verdient gemäss ihren Angaben zwischen Fr. 4'000.–
und Fr. 4'500.– netto pro Monat, wobei sie immer noch Schulden in Form von
Verlustscheinen hat, welche sie nicht zu beziffern vermochte (Prot. II S. 7 und 11).
Auf dieser Basis erweist sich ein Tagessatz von Fr. 70.– als angemessen.
e) Unter Berücksichtigung aller für die Strafzumessung relevanter Faktoren
wäre die Beschuldigte demnach mit 18 Monaten Freiheitsstrafe und 180 Tages-
sätzen zu Fr. 70.– Geldstrafe zu sanktionieren. Dem steht indessen das Verbot
der reformatio in peius entgegen (Art. 391 Abs. 2 StPO). Um diesem Rechnung
zu tragen, müssen die Freiheits- und die Geldstrafe so reduziert werden, dass
insgesamt keine strengere Strafe resultiert als die erstinstanzlich ausgefällten
18 Monate Freiheitsstrafe. Die Beschuldigte ist demnach mit 14 Monaten Frei-
heitsstrafe und 120 Tagessätzen zu Fr. 70.– Geldstrafe zu sanktionieren. 77 Tage
bereits erstandene Haft (HD 43/1-20) sind ihr auf die Freiheitsstrafe anzurechnen
(Art. 51 StGB). Hinzu kommt die bereits rechtskräftige Busse von Fr. 500.– für die
von der Beschuldigten begangenen Übertretungen.
IV.
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei
Jahren oder einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn eine unbedingt vollziehbare
Strafe nicht als notwendig erscheint, um die Täterin von der Begehung weiterer
Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Der teilbedingte
Strafvollzug (Art. 43 Abs. 1 StGB) fällt in Betracht, wenn der Täterin an sich eine
- 14 -
schlechte Prognose gestellt werden müsste, die vom Vollzug wenigstens eines
Teils der ausgesprochenen Sanktion ausgehende Warnwirkung die Bewährungs-
aussichten aber so weit verbessert, dass der Rest der Strafe aufgeschoben wer-
den kann (BGE 134 IV 14 f.).
2. a) Die Beschuldigte wurde schon zweimal wegen SVG-Delikten zu be-
dingt vollziehbaren Geldstrafen verurteilt. Dies hinderte sie nicht daran, noch wäh-
rend der Probezeit erneut Straftaten zu begehen. Im weiteren Verlauf kam es
auch bezüglich Strassenverkehrsdelikten zum Rückfall. Von der erneuten Ausfäl-
lung einer bedingten Geldstrafe ist bei der Beschuldigten offensichtlich keine hin-
reichende Warnwirkung zu erwarten. Die heute ausgesprochene Geldstrafe ist
deshalb zu vollziehen.
b) Ausserhalb des Strassenverkehrs wurde die Beschuldigte bis anhin noch
nie straffällig, und es muss gegen sie heute auch erstmals eine Freiheitsstrafe
ausgefällt werden. Die erstandene Untersuchungshaft und die Aussicht, bei weite-
ren Delikten erneut ins Gefängnis gehen zu müssen, sollten zusammen mit dem
Vollzug der heute ausgesprochenen und einer bislang aufgeschoben gewesenen
Geldstrafe ausreichen, um die Beschuldigte von der Begehung weiterer Verbre-
chen oder Vergehen abzuhalten. Der Vollzug der Freiheitsstrafe kann somit auf-
geschoben werden. Zu berücksichtigen bleibt jedoch, dass die Beschuldigte ihre
Schuld auch noch an der Berufungsverhandlung externalisierte, was zu erhebli-
chen Bedenken in Bezug auf ihre künftige Bewährung führt. Diesen Bedenken ist
mittels einer längeren Probezeit von vier Jahren anstelle von zwei Jahren Rech-
nung zu tragen. Das Verschlechterungsverbot steht der Verlängerung der Probe-
zeit nicht entgegen, weil die Beschuldigte im Vergleich zum vorinstanzlichen Urteil
in den Genuss einer vollbedingten Freiheitsstrafe und damit einer insgesamt mil-
deren Strafe kommt.
V.
a) Da die erstinstanzliche Kostenauflage zwar angefochten, aber im Beru-
fungsverfahren nicht mehr substantiiert bestritten wurde, ist sie zu bestätigen.
- 15 -
b) Im Berufungsverfahren erreicht die Beschuldigte die teilweise Ausfällung
einer Geld- statt einer Freiheitsstrafe und vor allem den vollbedingten Vollzug der
Letzteren. Im Übrigen bleiben ihre Berufungsanträge erfolglos. Bei diesem Aus-
gang sind die zweitinstanzlichen Kosten zu vier Fünfteln der Beschuldigten aufzu-
erlegen und zu einem Fünftel auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1
StPO).
c) Der bis zum 9. Mai 2017 eingesetzte amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt
lic. iur. X1._, ist für den von ihm geltend gemachten Aufwand von 8.74 Stun-
den im hiesigen Verfahren mit Fr. 2'113.90 (inklusive Barauslagen und Mehrwert-
steuer) zu entschädigen (Urk. 66). Ab dem 10. Mai 2017 war die Beschuldigte in-
folge Mandatierung des Wahlverteidigers Rechtsanwalt Dr. iur. X2._ nicht
mehr amtlich verteidigt (Urk. 64). Für diese erbetene Vertretung ist der Beschul-
digten entsprechend dem Verhältnis der Kostenauflage eine reduzierte Prozess-
entschädigung von Fr. 1'300.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen (Urk. 68).