Decision ID: 854fd47b-31cf-50ad-b590-59bc07d8c008
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1985 geborene
X._
, ausgebildete Pharmaassistentin, meldete sich am 11. März 2014 unter Hinweis auf Depressionen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
tätig
t
e erwerbliche und medizini
sche Abklärungen und zog un
ter anderem
die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 11/5, Urk. 11/7, Urk. 11/19, Urk. 11/21-22, Urk. 11/25-26, Urk. 11/115) bei.
Am 28. April, 17. Juni
,
15. September
und
21. Dezember
2015
respektive am
15.
März
2016
in
formierte die IV-Stelle die Versicherte ü
ber die Kostenübernahme für
eine beruf
liche Abklärung
sowie ein
Belastbarkeits
-
,
Aufbau
- und Arbeits
training
durch
Z._
in
A._
vom 12. Mai bis 8. Juni 2015
, vom 15. Juni bis 11. September 2015
,
vom 14. September
2015
bis 1
1.
März 2016 und vom 1
4.
März
bis
9. Sep
tember 2016
(Urk. 11/44
, Urk. 11/56, Urk. 11/64
, Urk. 11/72, Urk. 11/87
).
Mit Mitteilung vom 7. September 2016 (Urk. 11/105) setzte die IV-Stelle die Versi
cherte über den Abschluss der Arbeitsvermittlung in Kenntnis, da es seit 27. April 2015 nicht gelun
gen sei,
sie
innert angemessener Zeit in den Arbeitsmarkt zu integrieren. In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine psychiatrische Begutach
tung bei Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Facharzt für Neurologie
(Expertise vom 30. August 2017,
Urk. 11/129
).
Mit Vor
bescheid vom 16. November 2017 (Urk. 11/137) stellte die IV-Stelle die Abwei
sung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen
die Versicherte
am 7. Dezem
ber 2017 Einwand
(Urk. 11/139, Urk. 11/143, Urk. 11/150)
erhob
und den Bericht von Dr. med.
C._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 24. Januar 2018 (Urk. 11/149) vorlegte.
Am 25. August 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbe
gehren ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte
unter
Beilage
des
Berichts von Dr.
C._
vom 20. September 2018 (Urk. 3)
am 24. September 2018 Beschwerde (Urk. 1) und be
antragte, es sei die Verfügung vom 25. August 2018 aufzuheben, ihr eine befris
tete halbe Rente vo
n
September 2016 bis August 2018 zuzusprechen und die Sache für den zukünftigen Rentenanspruch an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen, um weitere berufliche und medizinische Abklärungen vorzunehmen. In formeller Hinsicht stellte sie das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (S.
1
). Mit Beschwerdeantwort vom 5. November 2018 (Urk. 10) schloss die Be
schwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde
.
In
der
Replik
vom
28. Novem
ber
2018
(Urk. 13)
hielt d
ie
Beschwerdeführer
in an ihr
en Anträgen fest, worauf die Beschwerdegegnerin
am
18. Januar 2019
mitteilte, auf das Einreichen einer
Duplik zu verzichten (Urk. 15)
, was der Beschwerdeführerin am 23. Januar 2019
zur Kenntnis gebracht
wurde (Urk. 16
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Inval
idenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten
Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verf
ügung vom 25. Au
gust 2018 (Urk.
2) damit, dass bei der Beschwerdeführerin aufgrund der Abklä
rungen gesundheitliche Einschränkungen bestünden. Diese seien therapierbar und eine Behandlung sei zumutbar
, weshalb
kein Anspruch auf eine Invaliden
rente
bestehe
.
Mit der Aufnahme des Studiums
per September 2018 habe sich zudem eine Stabilität des Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin
gezeigt und die Entwicklung scheine positiv zu verlaufen (S. 1 f.
, vgl. auch Urk. 10 S. 1 f.
).
In der Beschwerdeantwort wies die Beschwerdegegnerin sodann darauf hin, dass gemäss dem Gutachten von Dr.
B._
die objektiven Befunde überwie
gend unauffällig ausgefallen seien, weshalb die Diagnose und die attestierte Ar
beitsunfähigkeit nicht nachvollzogen werden könnten und ein invalidisierender Gesundheitsschaden nicht belegt sei (S. 1).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1)
,
dass
Dr.
B._
und die behandelnde Psychiaterin übereinstimmend von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % in der angestammten und einer solchen von 50 % in einer angepassten Tätigkeit ausgingen. Im Weiteren habe sich die Beschwer
degegnerin
bei Erlass des
Vorbescheid
s
nicht auf die aktuellste Rechtsprechung
abgestützt
.
Danach
schliesse d
er Umstand, dass eine Depression noch therapierbar sei, die IV-Relevanz nicht aus, massgebend sei vielmehr die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person. Die Kundenberaterin der Be
schwerdegegnerin habe sich zudem über die Anweisungen des Regionalen Ärzt
lichen Dienstes (RAD) sowie der Fachexpertin
hinweggesetzt
, wonach abgewartet werden solle, ob die Beschwerdeführerin den Studiengang erfolgreich starten
könne,
und
am 25.
August 2018
über den Rentenanspruch entschieden,
ehe
die Beschwerdeführerin
am 10. September 2018 ihr Studium
aufgenommen
habe
. Be
vor die Beschwerdegegnerin von einer positiven Entwicklung, Stabilität und Res
sourcen der Beschwerdeführerin ausgehen könne, müsse das erste Semester in
klusive Prüfungen abgewartet werden
.
Der Beschwerdeführerin sei
ab September 2016
aufgrund der
50%igen Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit eine Rente zu gewähren.
Wie sich der Gesundheitszustand
mit dem Studium ent
wickle
,
könne
im aktuellen
Zeitpunkt nicht beurteilt werden, weshalb die Sache bezüglich des zukünftigen Rentenanspruchs an die Beschw
erdegegnerin zurück
zuweisen sei
und
diese den Verlauf des Studiums ab
zu
warten und allenfalls noch weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen habe
(S. 3 f.).
3.
3.1
Der psychiatrische Gutachter Dr.
B._
nannte
in seiner Expertise vom 30. Au
gust 2017 (Urk. 11/129)
als
Diagnose mit Auswirkun
g
auf die Arbeitsfähigkeit
eine
rezidivierende depressive Störung, mitt
elgradige Episode (ICD-10 F33.1; S. 22).
Der Experte
hielt fest, dass vom Querschnittsbefund her und in der Zusammen
schau mit der Eigenanamnese die Diagnose eines depressiven Syndroms zu stellen sei, welche vom rein klinischen Befund her leichtgradig sei. I
n
Zusammenschau mit der Eigenanamnese sei die Diagnose einer mittelgradigen Depression zu stel
len.
Im Weiteren führte Dr.
B._
aus, dass s
ichere Hinweise auf eine Abhängig
keitserkrankung fehlten, auch wenn der Drogenscreen für Cannabis positiv und der Messwert im niedrigen Bereich gewesen sei (S. 19). Ebenso wenig lägen sichere
Anzeichen
auf eine manifeste Persönlichkeitsstörung vor, es gebe aber Hinweise auf eine Persönlichkeitsakzentuierung aus dem Bereich «emotional in
stabil», jedoch keine sicheren Anzeichen für das Vorliegen eines Vollbildes einer
Borderline
-Persönlichkeitsstörung (S. 20).
Die von der Beschwerdeführerin
ge
klagten
diffusen Ängste sowie die leichteren agora- und
klaustrophobischen
Ängste subsumierte der Gutachter unter die depressive Erkrankung (S. 21).
Des
Weiteren
berichtete Dr.
B._
, dass die bisherige
Therapie lege
artis
erfolgt
und ausreichend sei,
sofern
die Beschwerdeführerin ihre
Behandlungs
termine re
gelmässig wahrnehme. Der Experte wies auf die öfters auftretende Unpünktlich
keit, das streckenweise
minim
e Interesse, die
fehlende Motivation
und die oftma
lige Passivität der Beschwerdeführerin im Rahmen der Wiedereingliederungsbe
mühungen hin und hielt fest, dass vorhandene Probleme bei der Eingliederung nicht durch das Störungsbild selbst bedingt seien (S. 27 f.).
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit
attestierte Dr.
B._
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 22. Juli 2013 bis 7. Dezember 2016 respektive eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
seit 7. Dezember 201
6.
Hinsichtli
ch einer angepassten Tätigkeit ging
er
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit vom 22. Juli 2013 bis
mindestens 3. Februar 2015 aus, wobei aufgrund der Dokumen
tationslücke von zirka 11⁄2 Jahren vom Frühjahr 2015 bis Herbst 2016 keine sicheren Angaben für
diese Periode
möglich sei
en
.
Für die Zeit ab 14. März 201
6
erachtete er eine Arbeitsfähigkeit von 50 % im Umfang, wie sie dem A
rbeitstrai
ning entsprochen habe -
mithin de facto
in einer geschützten Tätigkeit -
als plau
sibel. Ab Herbst 2016 habe schliesslich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für ange
pas
ste Tätigkeiten bestanden (S. 30
f
f.).
3.2
Der RAD-Arzt Dr.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Facharzt für Neurologie, hielt in seiner Stellungnahme vom 13. Oktober 2017 (Urk. 11/136 S. 5 f.) fest, dass die von Dr.
B._
diagnostizierte depressive Stö
rung vor dem Hintergrund einer Persönlichkeitsakzentuierung aus dem emotio
nal-instabilen Bereic
h teilweise plausibel erscheine. Es lägen indessen gewisse Inkonsistenzen betreffend den Drog
enkonsum der Beschwerdeführerin und
deren Schwierigkeiten bezüglich der Einhaltung von Behandlungsterminen
vor. Im Weiteren fehlten
gutachterliche
Angaben
über die
funktionalen Einschränkun
gen,
die
Motivation und berufliche Identität
der Beschwerdeführerin
sowie
eine
kritische Würdigung der psychiatrischen Vorberichte. Entsprechend sei der Er
kenntnisgewinn durch das Gutachten
im Vergleich zu den im Dossier
liegenden Berichten nicht wesentlich erhöht, vielmehr werfe die Expertise neue Fragen (bei
spielsweise
betreffend Substanzkonsum) auf.
Aus
rein medizinischer Sicht
sei deshalb
eine erneu
te Begutachtung zu empfehlen
, da die ausstehenden Fragen nicht allein anhand von Rückfragen
an
Dr.
B._
beantwortet werden könnten.
Am 21. Juni 2018 äusserte sich der RAD-Arzt erneut zum medizinischen Sach
verhalt und wies darauf hin, dass die von der Beschwerdeführerin im
Einwand
verfahren
vorgebrachten Argumente zur Klärung der Inkonsistenzen im Gutach
ten nicht ausreichten und die Aufnahme des Studiums und die Teilzeitanstellung als Besuchsbetr
euerin eher nicht mit der postulierten Krankheitsschwere korr
e
lierten. Sinnvollerweise solle
deshalb abgewartet werden, wie sich die beruflichen Pläne der Beschwerdeführerin bis Ende Juli 2018 entwickelten, sodass bei einem positiven Verlauf allenfalls auf eine erneute Begutachtung verzichtet werden könne (Urk. 11/155 S. 3).
3.3
Die behandelnde Psychiaterin Dr.
C._
führte am 24. Januar 2018 aus, dass sie mit der vom Gutachter gestellten Diagnose übereinstimme und dass in der Ver
gangenheit mehrere Psychiater depressive Episoden diagnostiziert hätten
und
sich auch anamnestisch klare Anhaltspunkte für die
se
Diagnose fänden. Im Wei
teren halte sie die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als zu 100 % arbeitsunfähig und teile die vom Experten attestierte 50%ige Arbeitsfä
higkeit in e
iner angepassten Tätigkeit. Dr.
C._
wies weiter darauf hin, dass die Be
schwerdeführerin immer noch mit
depressiven Einbrüchen, Minderwertigkeits
gefühlen und Hilflosigkeit auf belastende Lebenssituationen reagiere und ein Rückfall in eine schwer depressive Episode nach Abschluss der Wiedereingliede
rungsmassnahme
n
im Herbst 2016
aufgetreten sei. Betreffend die
Schwierigkeiten zur Einhaltung von Behandlungsterminen hielt Dr.
C._
fest, dass die Thera
pietermine wegen den Wiedereingliederungsmassnahmen
an die Randzeiten hät
ten verlegt werden müssen und die Beschwerdeführerin an einem ausgeprägten Morgentief und Schlafstörungen gelitten habe. Im Laufe der Behandlung
sei
es
unter der antidepressiven und stimmungsstabilisierenden Medikation zu einer leichten Stimmungsaufhellung und Besserung der Compliance gekommen (Urk. 11/149 S. 1 f.).
Am 20. September 2018 wies Dr.
C._
darauf hin, dass sie den Cannabiskonsum als Selbstheilungsversuch der Beschwerdeführerin zwecks Linderung der Schlaf
probleme und des panvertebralen Schmerzsyndroms
sehe
, wobei dem Substanz
konsum kein Krankheitswert zukomme. Betreffend die Zulassung zum Studium hielt Dr.
C._
fest, dass die Beschwerdeführerin bisher noch keinem Leistungs
druck ausgesetzt gewesen sei und erst der Verlauf zeigen werde, wie weit sie belastbar sei und
neben
der Teilzeitanstellung als Besuchsbetreuerin das Vollzeit
studium wahrnehmen könne (Urk. 3).
4.
4.1
Im Zusammenhang mit dem
psychiatrischen Befund nannte Gutachter Dr.
B._
als
depressive Symptome
leichtere Insuffizienzgefühle, leichtere Störungen der Vitalgefühle
, eine
S
törung der
circadianen Rhythmik mit Einschlafstör
ung, eine Dur
ch
schlafstörung,
ein Morgentie
f
sowie einen teilweise sozialen Rückzug und verneinte insbesondere Einschränkungen in der Auffassung, Konzentration und im formalen Denken sowie Zwangsgedanken oder –
handlungen
. Den Affekt be
schrieb er als
euthym
, die Schwingungsfähigkeit als erhalten und den Antrieb als unauffällig, wobei er keine innere Unruhe, keine gesteigerten Selbstwertgefühle, keine Schuldgefühle, keinen verminderten Appetit und keine Suizidalität fest
stellte.
Entsprechend qualifizierte der Experte
die depressive Störung unter Hin
weis auf den rein klinischen Befund als leichtgradig
. Die Diagnose einer mittel
gradigen depressiven Störung stellte er
lediglich
unter Berücksichtigung der
ei
genanamnestischen
respektive subjektiven
Angaben der Be
schwerdeführerin, welche eine Konzentrationsminderung, ausgeprägtes Grübeln betreffen
d
die so
ziale und berufliche Situation, leichtere Phobien in grösseren Menschenmengen und in der S-Bahn, vereinzelte nicht näher bezeichnete diffuse Ängste sowie eine Antriebsminderung mit abendlicher Besserung
nannte
(
Urk. 11/129 S. 16. f.,
S. 19).
Dr.
B._
machte im Weiteren
keine Angaben darüber, inwiefern die Beschwer
deführerin durch die
depressive Störung
in ihrer
Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit
konkret eingeschränkt
ist.
Entsprechend hielt er lediglich in pauschaler Weise und ohne weitere Begründung fest, dass im Untersuchungszeitpunkt
(31. Mai 2017)
in der angestammten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestehe.
Für die Zeit davor stützte er sich auf die
eher
dürftigen
Beric
hte der behandelnden Psychiater
(Urk. 11/11/6-7, Urk. 11/22, Urk. 11/32, Urk. 11/118) ab
, wobei er deren Ein
schätzung
der Arbeitsfähigkeit ohne entsprechende kritische Würdigung über
nahm. Gleiches gilt mit Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit,
wo Dr.
B._
ebenfalls unbesehen auf die Berichte
der behandelnden Ärzte sowie
die
Verlaufsp
rotokolle
der
E
ingliederungsberatung ab
stellte
(
Urk. 11/129
S. 30 ff.)
. Betreffend
die
P
rotokolle
ist
zu berücksichtigen
, dass
sie
nicht von einer in Psychiatrie
und Psychoth
e
rapie
spezialisierten Arzt
person verfasst worden sind
(vgl.
Urk. 11/47,
Urk. 11/63, Urk. 11/68,
Urk. 11/
74, Urk. 11/99, Urk. 11/104
). Im Übrigen machte der Experte – zumindest für die Zeit nach Herbst 2016 - keine Angaben betreffend das Belastungsprofil der angepass
ten Tätigkeit.
Die von
Dr.
B._
attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten res
pektive in einer angepassten Tätigkeit
(Urk. 11/129 S. 31 f.) erscheint sodann vor dem Hintergrund der von ihm während der Exploration festgestellten
und über
wiegend unauffälligen
objektiven Befunde
(leichtere Insuffizienzgefühle, leich
tere Störungen der Vitalgefühle, Störung der circadianen Rhythmik mit Einschlaf
störung, Durschlafstörung, Morgentief, teilweiser sozialer Rückzug) als nicht voll
ends nachvollziehbar.
Das psychiatrische Gutachten enthält sodann gewisse Inkonsistenzen bezüglich des Substanzkonsums der Beschwerdeführerin. Während der
Experte
im Rahmen der Suchtanamnese
festhielt
, dass die Beschwerdeführerin keine Drogen nehme (S. 15), wies er in seiner zusammenfassenden Beurteilung auf das positive Dro
genscreening für Cannabi
s hin. Seine Bemerkung, dass keine sicheren Hinweise auf eine Abhängigkeitserkrankung bestünden,
begründete er nicht
(S. 19).
Dr.
B._
setzte sich schliesslich nicht eingehend
mit
der
von ihm erwähnten
wechselhaften
Kooperation der Beschwerdeführerin im Rahmen der Eingliede
rungs
massnahmen
und
der psychotherapeutischen Therapie auseinander
. Auf die Frage, ob die vorhandenen Probleme bei der Eingliederung durch das Störungs
bil
d bedingt seien, antwortete Dr.
B._
lediglich mit
«nein»,
obwohl
namentlich
das Versäumen von Therapieterminen (zirka
50 % der vereinbarten Termine) und
die Unpünktlichkeit
in den Arztberichten respektive den
Verlaufsprotokollen der Eingliederungsberatung wiederholt
thematisiert wurden (S. 27,
Urk. 11/
104 S. 3, Urk. 11/99 S. 2, Urk. 11/74 S. 1
)
.
Im Lichte der obigen Erwägungen erweist sich das Gutachten von Dr.
B._
als nicht schlüssig, weshalb mangels Beweiswert
es
(E. 1.
4
hievor
) nicht darauf abge
stellt werden kann.
4.2
Gestützt auf die Bericht
e der behandelnden Ärzte
kann ebenfalls nicht in rechts
genügender Weise auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Be
schw
erdeführe
rin geschlossen werden.
Die Berichte der
E._
und von
Dr.
med.
F._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
datieren vom 11. April 2014 und
3. Februar 2015, wobei sich d
ie Ärzte
gar nicht zur
Arbeits
fähigkeit
respektive nicht zur Arbeitsfähigkeit
in einer
angepassten Tätigkeit äus
serte
n
(
Urk. 11/6-7,
Urk. 11/32 S. 3 Ziff. 1.7
).
Ebenso wen
ig machte
Dr.
C._
am 20. September 2018 Angaben betreffend die Arbeitsfähigkeit (Urk. 3) und wie
derholte am 24. Januar 2018 im Wesentlichen
lediglich
die von Dr.
B._
ge
nannten Diagnosen und
Arbeitsfähigkeiten (Urk. 11/149).
Im Übrigen ist
auch
die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hin
blick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (B
GE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc).
4.
3
Nach dem Gesagten ist der medizinische Sachverhalt in wesentlichen Teilen un
geklärt, weshalb es weiterer Abklärungen bedarf. Entsprechend ist die Verfügung vom
25. August 2018
(Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen, damit diese ergänzende medizinische Ab
klärungen veran
lasse und über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
neu verfüge
.
Im Rah
men dieser Weiterungen
werden
insbesondere auch die gesundheitliche Situation
seit Aufnahme des Studiums sowie allfällige Rücken- und Beckenbeschwerden (Urk. 13 S. 2) zu berücksichtigen sein.
Im Übrigen ist die Beschwerdegegnerin darauf hinzuweisen, dass
gemäss BGE 143 V 409 auch leichte
bis mittelschwere Depressionen
und auch Suchter
krankungen (Urteil des Bundesgerichts 9C_274/2018 vom 1
1.
Juli 2019)
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach
Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (Änderung der Rechtspre
chung) und eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesund
heitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapiere
sistenz auszuschliessen
ist (E.
5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2).
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerde
führerin um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 1)
als gegenstandslos.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat. Letztere ist nach Art. 61 lit. g ATSG in Verbin
dung mit § 34
GSVGer
ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozess
es
, dem Zeitaufwand und den Bar
auslagen festzusetzen. Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ist der Be
schwerdeführerin ein
e Prozessentschädigung von Fr. 1‘
6
00.-- (inklusive Mehr
wertsteuer und Barauslagen) zuzusprechen.