Decision ID: e2217641-cefa-5c3a-bd7d-a8b77c7e9d7d
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
W._,
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St.Galler Gerichte
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. oec. Thomas Frey, Rorschacher Strasse 107,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrückerstattung
Sachverhalt:
A.
W._ meldete sich am 11. Dezember 2000 zum Bezug einer Invalidenrente an. Er gab
an, er habe ein eigenes Kind, die am 24. März 1992 geborene A._, und ein Stiefkind,
die am 23. November 1987 geborene B._. Gemäss dem Geburtsschein handelte es
sich beim Stiefkind B._ um das nicht eheliche Kind der Ehefrau des Versicherten. Mit
einer Verfügung vom 11. Juli 2002 sprach die IV-Stelle dem Versicherten rückwirkend
ab 1. Dezember 2001 eine halbe Invalidenrente und eine entsprechende Kinderrente für
A._ zu. Ab 1. August 2004 richtete die IV-Stelle dem Versicherten eine ganze
Invalidenrente und eine entsprechende Kinderrente für A._ aus. Die entsprechende
Revisionsverfügung erging am 16. Dezember 2004.
B.
Der Versicherte reichte der IV-Stelle am 28. Oktober 2005 den Lehrvertrag seines
Stiefkindes B._ ein. Er wies darauf hin, dass er weiterhin einen Anspruch auf eine
Kinderrente für B._ habe, da deren Ausbildung über das 18. Altersjahr hinaus
andauere. Am 11. November 2005 reichte er den zwischen seiner Ehefrau und dem
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leiblichen Vater von B._ abgeschlossenen Unterhaltsvertrag vom Januar 1988 ein.
Der leibliche Vater hatte sich verpflichtet, für B._ eine monatliche Unterhaltsleistung
von Fr. 850.- (indexiert) zu erbringen. Der Versicherte gab der IV-Stelle an, dass die
Unterhaltsleistung aktuell Fr. 1175.- monatlich betrage. Er machte geltend, damit seien
die Unterhalts- und Erziehungskosten gemäss dem Anhang 3 zur Rentenwegleitung in
der Höhe von Fr. 1676.- (viermal Fr. 419.-) nicht gedeckt. Da die Mutter von B._ nicht
erwerbstätig sei, liege also ein unentgeltliches Pflegeverhältnis vor. Es müsse eine
Nachzahlung der Kinderrente für B._ erfolgen. Mit einer Verfügung vom 5. Dezember
2005 sprach die IV-Stelle dem Versicherten rückwirkend ab 1. Dezember 2001 eine
Kinderrente für sein Stiefkind B._ zu. Sie richtete eine entsprechende Nachzahlung
aus.
C.
Die intern zuständige Ausgleichskasse erkundigte sich am 5. Juli 2006 beim
Versicherten, ob B._ ihre Ausbildung inzwischen abgeschlossen habe. Der
Versicherte antwortete am 4. August 2006, B._ strebe eine zweijährige
Zusatzausbildung an. Er gehe deshalb davon aus, dass die Kinderrente weiterhin
ausgerichtet werde. Die Ausgleichskasse wollte am 8. August 2006 von ihm wissen, ob
B._ gleichzeitig einer Erwerbstätigkeit nachgehe. Der Versicherte reichte daraufhin
einen Anstellungsvertrag vom 28. Juli 2006 ein, laut dem B._ ab 1. September 2006
einen Bruttolohn von Fr. 1600.- und ab 1. Dezember 2006 einen Bruttolohn von Fr.
1800.- (x13) erzielen würde. Die Ausgleichskasse hielt am 12. September 2006 in einer
internen Aktennotiz fest, es bestehe gar kein Anspruch des Versicherten auf eine
Kinderrente für B._. Ein Pflegekindverhältnis sei nämlich nur dann als unentgeltlich zu
qualifizieren, wenn die von dritter Seite erbrachten Leistungen weniger als einen Viertel
der tatsächlichen Unterhaltskosten deckten. Die Ehefrau des Versicherten erhalte Fr.
1175.- monatlich. Dieser Betrag übersteige den Ansatz von Fr. 419.-, so dass das
Pflegeverhältnis entgeltlich sei. Die Kinderrente müsse deshalb eingestellt werden und
die früher ausgerichteten Rentenleistungen seien zurückzufordern. Mit einer Verfügung
vom 12. September 2006 forderte die IV-Stelle die für die Zeit von Dezember 2001 bis
August 2006 für B._ ausbezahlte Kinderrente (Fr. 16'180.-) zurück.
D.
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Der Versicherte erhob am 12. Oktober 2006 Beschwerde gegen diese Verfügung. In
seiner Beschwerdeergänzung vom 16. November 2006 stellte er den Antrag, die
Verfügung vom 12. Oktober 2006 sei aufzuheben. Zur Begründung machte er
sinngemäss geltend, die angefochtene Verfügung sei völlig unerwartet und ohne
Gewährung des rechtlichen Gehörs erlassen worden. Ihm hätte gemäss Art. 42 ATSG
die Möglichkeit zu einer Stellungnahme eingeräumt werden müssen, bevor die
Wiedererwägungs- und Rückforderungsverfügung hätte erlassen werden dürfen, zumal
die Verfügung nicht mehr durch eine Einsprache habe angefochten werden können. Da
auch die letztlich betroffene Anspruchsberechtigte, nämlich B._, nicht vorgängig
angehört worden sei, sei auch ihr Gehörsanspruch verletzt. Er nehme zwar kurz zur
Wiedererwägung Stellung, bestehe aber darauf, dass die Verfügung wegen Verletzung
des rechtlichen Gehörs aufgehoben und die Sache zur neuen Verfügung unter
Wahrung des Anspruchs auf rechtliches Gehör an die IV-Stelle zurückzuweisen sei.
Eine Heilung der Gehörsverletzung sei ausgeschlossen, weil eine Gehörsgewährung
überhaupt unterblieben sei. In materieller Hinsicht richte sich die angefochtene
Verfügung an die falsche Person, denn B._ habe die Kinderrente bezogen. Da die
Wiedererwägung im Spannungsfeld von Treu und Glauben und Rechtssicherheit stehe,
sei von ihr nur restriktiv Gebrauch zu machen. Die Unrichtigkeit beurteile sich nicht
nach der Grobheit des Fehlers. Vielmehr sei erforderlich, dass kein vernünftiger Zweifel
an der Unrichtigkeit bestehen könne. Dazu gehöre, dass der Fehler für ihn, den
Verfügungsadressaten, leicht erkennbar hätte sein müssen. Die IV-Stelle habe bei der
Zusprache einer Kinderrente für B._ über sämtliche Akten verfügt. Sie habe
ermessensweise festgestellt, dass das Verhältnis unentgeltlich sei. Ein
Ermessensentscheid sei der Wiedererwägung nicht zugänglich. Zudem komme der
wiedererwägungsweisen Berichtigung der Kinderrentenzusprache für B._ keine
erhebliche Bedeutung zu. Zumindest fehle eine Begründung für die angebliche
erhebliche Bedeutung, was selbst wieder eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör sei.
E.
Die IV-Stelle beantragte am 16. Januar 2007 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG habe sie der versicherten Person den
vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren, den Entzug oder die
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Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels eines Vorbescheids mitzuteilen.
Nach dem klaren Wortlaut dieser Bestimmung sei die Rückforderung ohne Vorbescheid
abzuwickeln. Pflegekinder verschafften den Pflegeeltern einen Kinderrentenanspruch,
wenn sie unentgeltlich zu dauernder Pflege und Erziehung aufgenommen seien.
Praxisgemäss sei ein Stiefkind dem Pflegekind gleichzustellen. Nach der
Rechtsprechung liege ein unentgeltliches Pflegeverhältnis vor, wenn Drittleistungen
weniger als einen Viertel der Unterhaltskosten des Kindes deckten. Für Kinder über
siebzehn Jahren betrage der Viertelsanteil der Unterhaltskosten Fr. 419.-. Weil der
leibliche Vater von B._ Fr. 1175.- monatlich bezahle, bestehe kein Anspruch auf eine
Kinderrente. Die Kinderrente sei somit zu Unrecht ausgerichtet worden, weshalb die
angefochtene Rückforderung rechtmässig sei. Die Verfügung sei dem Versicherten und
nicht B._ eröffnet worden, weil die Kinderrente zusammen mit der Stammrente
ausbezahlt werde. Die Bedingungen der Aufhebung einer formell rechtskräftigen
Verfügung (Wiedererwägung, prozessuale Revision) müssten nicht erfüllt sein, damit
eine zu Unrecht ausgerichtete Leistung zurückgefordert werden könne. Im übrigen
seien die Voraussetzungen einer Wiedererwägung der Verfügung vom 8. Dezember
2005 erfüllt. Bei der Zusprache einer Kinderrente für B._ habe es sich nicht um einen
Ermessensentscheid gehandelt. Eine Berufung auf Treu und Glauben sei nicht möglich,
weil der Gesetzgeber in Art. 53 Abs. 2 ATSG verbindlich bezüglich des
Legalitätsprinzips und des Vertrauensschutzes entschieden habe.
F.
Der Versicherte wies am 26. Februar 2007 nochmals darauf hin, dass die IV-Stelle die
Verfügung vom 8. Dezember 2005 in voller Kenntnis des Unterhaltsvertrages erlassen
habe. Weiter führte er aus, die Rückforderung werde zwar in Art. 57a Abs. 1 IVG nicht
explizit erwähnt. Daraus könne aber nicht abgeleitet werden, dass eine Rückforderung
ohne Vorbescheid abzuwickeln sei. Damit würde der Sinn und Zweck des Art. 57a Abs.
1 IVG verkannt. Diese Bestimmung solle nämlich den Einbezug der versicherten Person
in das Verfahren zum Erlass einer Verfügung immer dann sicherstellen, wenn über
Leistungsansprüche zu entscheiden sei. Da die Rückforderung einer Leistung genauso
gravierend sei, sei ein Vorbescheid unerlässlich. Art. 57a Abs. 1 IVG sei einer
restriktiven Auslegung nicht zugänglich. Demnach habe die IV-Stelle seinen Anspruch
auf rechtliches Gehör ignoriert. Eine Rückforderung sei erst möglich, wenn die
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ausgerichtete Leistung durch den Wegfall der entsprechenden Leistungsverfügung zu
einer unrechtmässig bezogenen werde. Eine Wiedererwägung setze eine
Meldepflichtverletzung voraus. Eine solche liege aber nicht vor. Er erbringe die
Leistungen gegenüber B._ unentgeltlich. Diese Leistungen entsprächen mindestens
dem vierfachen Ansatz in Anhang 3 zur Rentenwegleitung. Zudem erhalte nicht er die
Unterhaltsleistungen des leiblichen Vaters, sondern B._ bzw. seine Ehefrau. Da er
also für seine Pflegeleistungen kein Entgelt von dritter Seite beziehe, erfülle er klar die
Voraussetzungen des Kinderrentenanspruchs.
G.
Die IV-Stelle verzichtete am 7. März 2007 auf eine Duplik.
H.
Der Rechtsvertreter des Versicherten bezifferte die Vertretungskosten am 13. März
2007 mit Fr. 2789.75.

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG sind Verfügungen der IV-Stellen in Abweichung
von Art. 52 ATSG direkt beim Versicherungsgericht anfechtbar. Da das rechtliche
Gehör also nicht nachträglich im Rahmen des Einspracheverfahrens gewährt werden
kann, sieht Art. 57a Abs. 1 IVG vor, dass die IV-Stellen den versicherten Personen den
vorgesehenen Endentscheid über das Leistungsbegehren oder den Entzug oder die
Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels eines Vorbescheides mitzuteilen
hätten; die versicherten Personen hätten Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von
Art. 42 ATSG. Die Verwaltungsweisungen (vgl. Rz 3013.5 KSVI) sehen eine
Einschränkung des Anwendungsbereiches des Art. 57a Abs. 1 IVG vor: Der
Vorbescheid soll sich einzig auf jene Fragen beziehen, die im Zusammenhang mit den
in Art. 57 Abs. 1 lit. a bis d IVG aufgelisteten Aufgaben der IV-Stellen stehen. Dazu
gehört die Rückforderung einer zu Unrecht ausgerichteten Kinderrente nicht. Der
Zweck dieser einschränkenden Interpretation des Art. 57a Abs. 1 IVG soll wohl darin
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bestehen, es den IV-Stellen zu ermöglichen, den Vorbescheid bereits dann zu erlassen,
wenn die "IV-spezifische" Seite des Verfahrensgegenstandes geklärt ist und die Sache
zur Prüfung der AHV-spezifischen Elemente des Verfahrensgegenstandes an die intern
zuständige Ausgleichskasse weitergegeben wird. Die IV-Stellen sollen also nicht mit
dem Erlass des Vorbescheides zuwarten müssen, bis auch die Ausgleichskasse ihre
Aufgabe erfüllt hat. Müsste der Vorbescheid auch die "AHV-spezifischen" Elemente
des Verfahrensgegenstandes beinhalten, könnte die intern zuständige Ausgleichskasse
das Verfahren nicht durch die Erstellung und den Versand der IV-Verfügung
abschliessen, sondern sie müsste den Fall an die IV-Stelle zurückgeben, damit diese
den Vorbescheid erlassen könnte. Die IV-Stelle müsste also die "AHV-spezifischen"
Elemente des Verfahrensgegenstandes in den Vorbescheid einbeziehen und dann
aufgrund der Stellungnahme der versicherten Person zu diesem Vorbescheid die
Verfügungsbegründung erstellen und anschliessend den Fall wieder der
Ausgleichskasse überweisen, damit diese schliesslich die Verfügung versenden könnte.
Das Verfahren zur Behandlung eines IV-Leistungsgesuches würde also deutlich
aufwendiger, wenn der Vorbescheid den gesamten Inhalt der vorgesehenen
Leistungsverfügung inklusive die "AHV-spezifischen" Leistungselemente beinhalten
müsste. Dies gilt erst recht dann, wenn der Verfahrensgegenstand - wie im
vorliegenden Fall - ausschliesslich "AHV-spezifische" Elemente aufweist. Hier führt die
Interpretation des Art. 57a Abs. 1 IVG in der Form einer den Wortlaut teilweise
ignorierenden teleologischen Reduktion dazu, dass vor dem Erlass der Verfügung
überhaupt kein Vorbescheid ergehen muss, weil die IV-Stelle gar nicht mit der Sache
befasst ist, denn intern ist ja ausschliesslich die Ausgleichskasse zuständig.
1.2 Auf den ersten Blick deckt sich die einschränkende Interpretation des Art. 57a Abs.
1 IVG durch die Verwaltungsweisungen mit dem Zweck der Änderung des IVG vom
16. Dezember 2005, die unter dem Titel "Massnahmen zur Verfahrensstraffung" steht.
Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die "Verfahrensstraffung" viel weiter
ausholt. Sie soll nämlich die Akzeptanz der Verfügungen in IV-Sachen verbessern und
damit nicht nur die IV-Stellen, sondern auch die Versicherungsgerichte entlasten. Die
Akzeptanz soll insbesondere dadurch gefördert werden, dass den versicherten
Personen die Beweggründe für die vorgesehene Entscheidung erläutert werden (vgl.
die Botschaft des Bundesrates vom 4. Mai 2005 betreffend die Änderung des IVG, BBl
2005 S. 3085). Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich hat dies so
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interpretiert, dass ein mediationsähnlicher Dialog notwendig sei (vgl. die Erw. 1.10 des
Urteils i.S. F. vom 30. Mai 2007, IV.2007.00436). Unterbleibt ein mediationsähnlicher
Dialog, so muss zumindest der Vorbescheid so umfassend sein, dass die versicherte
Person den vorgesehenen Endentscheid und dessen Begründung kennt und sich dazu
gegenüber der IV-Stelle äussern kann. Die Förderung der Akzeptanz der IV-
Verfügungen verbietet geradezu eine Reduktion des Inhalts des Vorbescheides auf die
"IV-spezifischen" Elemente, denn damit wäre es der versicherten Person in den
meisten Fällen gar nicht möglich, den Inhalt des noch zu erlassenden Endentscheides
zu erkennen und vorweg zu akzeptieren. Trotz der Verkürzung des Verfahrens bis zum
Erlass des Endentscheides lässt sich die Beschränkung des Vorbescheidsinhalts auf
die "IV-spezifischen" Elemente also nicht rechtfertigen, zumal dies auch dem klaren
Wortlaut des Art. 57a Abs. 1 IVG widersprechen würde. Im vorliegenden Fall ist die
Beschwerdegegnerin sogar noch weiter gegangen, indem sie ganz auf einen
Vorbescheid verzichtet hat. Das lässt sich nur damit erklären, dass die
Beschwerdegegnerin wieder zur Praxis zu Art. 73bis IVV in der bis 31. Dezember 2002
geltenden Fassung zurückgekehrt ist. Jene Praxis sah nämlich keine Notwendigkeit,
einer Verfügung, die nur "AHV-spezifisch", d.h. allein durch die intern zuständige
Ausgleichskasse vorzubereiten war, einen Vorbescheid vorauszuschicken. Die
Änderung des IVG vom 16. Dezember 2005 hatte aber gerade nicht zum Zweck, wieder
zum Zustand vor dem Inkrafttreten des ATSG bzw. vor der Einführung des
Einspracheverfahrens zurückzukehren. Vielmehr sollte der Einbezug der versicherten
Personen in die Entscheidfindung gegenüber dem Zustand während des Bestehens
des Einspracheverfahrens verbessert und nicht etwa verschlechtert werden, denn
damit würde die Akzeptanz ja nicht erhöht, sondern herabgesetzt. Das lässt nur den
Schluss zu, dass der Wortlaut des Art. 57a Abs. 1 IVG ernst zu nehmen ist, d.h. dass
jeder Verfügung in IV-Sachen ein Vorbescheid vorauszugehen hat. Die Rückkehr zu der
vor dem 1. Januar 2003 bestehenden Praxis ist ebenso rechtswidrig wie die Rz 3013.5
KSVI, welche nur die "IV-spezifischen" Elemente eines Verfahrensgegenstandes als
notwendigen Inhalt des Vorbescheides bezeichnet (vgl. zum Ganzen das Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. Oktober 2007 i.S. R. K., IV
2007/90). Der angefochtenen Verfügung vom 12. September 2006 hätte also ein
Vorbescheid vorausgehen müssen, in dem der Beschwerdeführer über die
vorgesehene Rückforderung der für B._ ausgerichteten Kinderrente und über deren
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Ursache und Rechtsgrundlage informiert worden wäre. Die angefochtene Verfügung ist
somit unter Missachtung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör
gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 42 Satz 1 ATSG ergangen.
1.3 Die angefochtene Verfügung ist in Verletzung der Verfahrensvorschrift des Art. 57a
Abs. 1 IVG erlassen worden. Sie ist demnach als rechtswidrig zu qualifizieren und zwar
ungeachtet einer allfälligen materiellen Rechtmässigkeit. Eine Missachtung
verfahrensrechtlicher Bestimmungen führt in gewissen Fällen direkt zu einer Aufhebung
der beschwerdeweise angefochtenen Verfügung, so dass gar keine materielle
Beurteilung mehr erfolgen kann. In anderen Fällen hat eine verfahrensrechtliche
Rechtswidrigkeit einer Verfügung keine Auswirkung, so dass eine materiellrechtliche
Beurteilung der Verfügung erfolgen muss. Das Kriterium für die Unterscheidung
zwischen einer verfahrensrechtlichen Rechtswidrigkeit, die das Gericht ohne weiteres
zur Aufhebung der Verfügung zwingt, und einer verfahrensrechtlichen Rechtswidrigkeit,
die einer materiellen Beurteilung nicht im Wege steht, ist der hinter der - missachteten -
Verfahrensnorm stehende Zweck. Dieser Zweck kann grundsätzlich privaten oder
öffentlichen Interessen dienen. Ist eine IV-Stelle beispielsweise auf ein
Rentenerhöhungsgesuch eingetreten, obwohl der Rentner keine erhebliche
Veränderung seines Invaliditätsgrades glaubhaft gemacht hat, so muss die Verfügung
bereits aus rein verfahrensrechtlichen Gründen aufgehoben werden, denn es wäre eine
unzulässige Ungleichbehandlung, wenn in einem willkürlich ausgewählten Fall die
Anwendung der in Art. 87 Abs. 3 IVV geregelten Eintretenshürde unterbleiben könnte
und es im Beschwerdeverfahren zu einer materiellen Beurteilung der
Rentenrevisionsverfügung kommen würde, obwohl die Verfahrensnorm, also Art. 87
Abs. 3 IVV, eben gerade diese materielle Neubeurteilung der laufenden Rente
verhindern sollte. Umgekehrt schliesst beispielsweise ein Verfahrensfehler bei der
Bestimmung des Sachverständigen, der ein Gutachten zur Abklärung des
leistungserheblichen Sachverhalts erstellen soll, in der Regel die materielle Beurteilung
der schliesslich erlassenen und nun angefochtenen Verfügung nicht aus, auch wenn
diese Verfügung aufgrund der Missachtung einer Verfahrensnorm an sich rechtswidrig
ist. Dem durch die entsprechende Verfahrensnorm zum Ausdruck gebrachten Interesse
wird bei der materiellen Beurteilung, d.h. bei der Würdigung des Gutachtens als
Beweismittel dadurch ausreichend Rechnung getragen, dass nötigenfalls nicht auf
dieses Gutachten abgestellt wird. Das sogenannte "Heilen" der verfahrensrechtlichen
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Rechtswidrigkeit von Verfügungen ist also nicht auf jene Fälle beschränkt, in denen
dem Anspruch auf rechtliches Gehör nicht nachgekommen worden ist.
1.4 Das durch Art. 57a Abs. 1 IVG zum Ausdruck gebrachte Interesse besteht darin,
die versicherte Person als "Subjekt" der Rechtsanwendung in die Entscheidfindung
einzubeziehen, sie also mitsprechen zu lassen, und zwar nicht zum Zweck der
zusätzlichen Sachverhaltsabklärung, denn jene Mitsprachemöglichkeit beruht als
Mitwirkungsrecht bei der Sachverhaltsermittlung ausschliesslich auf dem
Untersuchungsgrundsatz. Es geht vielmehr um die Mitsprachemöglichkeit bei der
rechtlichen Würdigung des ermittelten Sachverhalts (wozu natürlich auch die Frage
gehört, ob der Sachverhalt mit dem erforderlichen Beweisgrad feststeht). Der so
verstandene Anspruch auf rechtliches Gehör ist nicht von einem Interesse von so
überragender Stärke getragen, dass er immer eine materielle Beurteilung verbieten und
ausschliesslich gestützt auf die verfahrensrechtliche Rechtswidrigkeit der Verfügung
eine Gutheissung der Beschwerde erfordern würde. Die Praxis der "Heilung" der
Gehörsverletzung, die zumindest im Leistungsrecht der Sozialversicherung die
materielle Beurteilung trotz der Verfahrensrechtswidrigkeit der Verfügung zum
Normalfall hat werden lassen, zeigt, dass das hinter dem Anspruch auf rechtliches
Gehör stehende Interesse immer gegen andere, gegenläufige Interessen der
versicherten Person, aber allenfalls auch der Verwaltung abgewogen werden muss,
bevor über die Frage entschieden wird, ob die Verfügung als Folge der Verletzung des
rechtlichen Gehörs aufzuheben oder ob die Verletzung des rechtlichen Gehörs zu
heilen und die Verfügung materiell zu beurteilen ist. Das gegen den Anspruch auf
rechtliches Gehör abzuwägende Interesse ist regelmässig jenes an einem
beförderlichen Verfahrensabschluss. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
geht in ständiger Praxis davon aus, dass letzteres jedenfalls dann überwiegt, wenn die
Beschwerde führende versicherte Person nicht ausdrücklich erklärt, sie verlange nur
die rein verfahrensrechtliche Beurteilung und damit die Aufhebung der
verfahrensrechtlich rechtswidrigen Verfügung und die Rückweisung zum Erlass einer
neuen Verfügung unter Beachtung jener Verfahrensnorm, welche die Gewährung des
rechtlichen Gehörs vorschreibt (vgl. die Urteile vom 15. März 2005 i.S. M, IV 2004/80,
und vom 12. Dezember 2007 i.S. H. K.-A., IV 2007/94 und IV 2007/217).
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1.5 Der Beschwerdeführer hat in seiner Beschwerdeergänzung vom 16. November
2006 (Ziffer B. 1.2) klar zum Ausdruck gebracht, dass er auf einer Aufhebung der
angefochtenen Verfügung wegen der Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches
Gehör beharre und dass er eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur
Durchführung eines formell korrekten Verwaltungsverfahrens verlange. Damit hat der
Beschwerdeführer die mit einem solchen Vorgehen verbundene Verzögerung in der
endgültigen Entscheidung über seinen Kinderrentenanspruch für B._ in Kauf
genommen, was angesichts der drohenden Rückforderung von Rentenleistungen ohne
weiteres einleuchtet. Nach dem oben Ausgeführten wäre dem Begehren des
Beschwerdeführers nachzukommen, d.h. die angefochtene Verfügung wäre
aufzuheben und die Sache wäre zur Neuverfügung nach vorausgegangenem
Vorbescheidsverfahren an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Nun weist das
vorliegende Verfahren aber eine Besonderheit auf. Der rechtserhebliche Sachverhalt ist
völlig liquid und von den Parteien nicht bestritten. Uneinig sind sich die Parteien nur
über die rechtliche Würdigung dieses Sachverhalts (und über die daraus resultierende
Rechtsfolge). Relevanter Gegenstand eines Vorbescheides und damit auch einer
allfälligen Stellungnahme des Beschwerdeführers zum Vorbescheid wäre also nur die
rechtliche Würdigung des liquiden Sachverhalts. Grundsätzlich rechtfertigt auch ein auf
die rechtliche Würdigung eines Sachverhalts beschränkter Gegenstand die
Durchführung eines Vorbescheidverfahrens, denn auch eine Auseinandersetzung über
die richtige rechtliche Würdigung eines liquiden Sachverhalts kann dazu führen, dass
eine von beiden Parteien akzeptierbare Lösung resultiert. Im vorliegenden Verfahren
allerdings haben sowohl die Beschwerdegegnerin als auch der Beschwerdeführer klar
zur Frage Stellung bezogen, ob für B._ ein Anspruch auf eine Kinderrente besteht,
dass sie unterschiedlicher Auffassung sind und dass sie auch in Kenntnis der jeweils
anderen Auffassung bei ihrer eigenen Auffassung bleiben werden. Es ist nicht
ersichtlich, wie die Beschwerdegegnerin aufgrund der von ihr dargelegten Rechtslage
von ihrer Auffassung abweichen und einen Kinderrentenanspruch für B._ bejahen
könnte. Auf Seiten des Beschwerdeführers besteht keine Veranlassung anzunehmen,
dass er seine Auffassung ändern und das Fehlen eines Kinderrentenanspruchs für
B._ akzeptieren könnte, denn andernfalls hätte er dies im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens zu erkennen gegeben. Eine Kompromisslösung ist nicht
denkbar, denn entweder ist der Beschwerdeführer für B._ kinderrentenberechtigt
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oder er ist es nicht. Angesichts der definitiv bezogenen Positionen in dieser Frage hätte
eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung eines korrekten
Vorbescheidverfahrens mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit den Erlass einer inhaltlich
mit der angefochtenen übereinstimmenden Verfügung zur Folge. Das bedeutet, dass
die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin eine Anweisung zur Durchführung einer
blossen Formalie wäre. Trotz der formellen Natur des Anspruchs auf rechtliches Gehör
(vgl. allerdings H. Seiler, Abschied von der formellen Natur des rechtlichen Gehörs, SJZ
2004 S. 377 ff.) kann der Beschwerdeführer kein schutzwürdiges Interesse an einer
solchen zusätzlichen "Verfahrensschlaufe" haben. Das Begehren, die angefochtene
Verfügung aufzuheben, um die Sache zur Durchführung eines korrekten
Vorbescheidverfahrens und zur anschliessenden neuen Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, ist deshalb abzuweisen. Die angefochtene
Verfügung muss auf ihre materielle Rechtmässigkeit geprüft werden, zumal sich der
Beschwerdeführer auch dazu geäussert und mit der abweichenden Auffassung der
Beschwerdegegnerin auseinandergesetzt hat.
2.
2.1 Personen, denen eine Invalidenrente zusteht, haben für jedes Kind, das im Falle
ihres Todes eine Waisenrente der AHV beanspruchen könnte, einen Anspruch auf eine
Kinderrente (Art. 35 Abs. 1 IVG). Anspruch auf eine Waisenrente haben jene Kinder,
deren Vater oder Mutter gestorben ist (Art. 25 Abs. 1 AHVG). Pflegekinder haben beim
Tod der Pflegeeltern einen Anspruch auf eine Waisenrente, wenn sie unentgeltlich zu
dauernder Pflege und Erziehung aufgenommen worden sind (Art. 25 Abs. 3 AHVG
i.V.m. Art. 49 Abs. 1 AHVV). Ein Stiefkind ist praxisgemäss einem Pflegekind
gleichzustellen (vgl. Ueli Kieser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Alters- und Hinterlassenenversicherung, 2. A., S. 169 unten).
Der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Kinderrente für seine Stieftochter B._
hängt also davon ab, ob er B._ unentgeltlich zu dauernder Pflege und Erziehung
aufgenommen hat. Die Bedingung der Unentgeltlichkeit beruht auf der Überlegung,
dass leibliche Eltern allein für die mit der Pflege und Erziehung ihrer Kinder
verbundenen Kosten aufkommen müssen. Sie erhalten keine Leistungen Dritter an den
Unterhalt ihrer leiblichen Kinder. Bei Pflegeeltern (und auch bei Stiefeltern) ist das
anders, denn i.d.R. erbringen die leiblichen Eltern der Kinder finanzielle
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Unterhaltsleistungen. Würde man den Pflegeeltern trotzdem einen
Kinderrentenanspruch zugestehen, wären sie gegenüber leiblichen Eltern, die ihre
Kinder selbst pflegen und erziehen, besser gestellt, denn sie könnten die finanziellen
Unterhaltsleistungen Dritter und die Kinderrente kumulieren. Eine solche den
Gleichbehandlungsgrundsatz verletzende Kumulation wird dadurch verhindert, dass
der Kinderrentenanspruch für Pflegeeltern davon abhängig gemacht wird, dass keine
Unterhaltsleistungen Dritter fliessen. Die in Art. 49 Abs. 1 AHVV enthaltene Bedingung,
dass die Pflegekinder unentgeltlich zu dauernder Pflege und Erziehung aufgenommen
sein müssen, soll sicherstellen, dass nur jene Pflegeeltern einen Kinderrentenanspruch
begründen, die wirtschaftlich betrachtet in derselben Situation sind wie jene Eltern, die
allein für die Unterhaltskosten ihrer eigenen Kinder aufkommen. Angesichts des klaren
Gesetzeswortlauts und des Zwecks dieser Einschränkung erscheint es als
problematisch, wenn die Rechtsprechung das Wort 'unentgeltlich' nicht ernst nimmt
und durch eine Lösung ersetzt, die eine finanzielle Unterhaltsleistung von dritter Seite
unter bestimmten Voraussetzungen noch als anspruchskonform betrachtet.
Pflegeeltern (und damit auch Stiefeltern) sollen also, anders als leibliche Eltern, bis zu
einem gewissen Mass finanzielle Unterhaltsleistungen Dritter und Kinderrenten
kumulieren dürfen (vgl. Rz 3310 der Rentenwegleitung [RWL] m.H. auf die
Rechtsprechung). Ob es sich dabei um eine zulässige Interpretation gegen den klaren
Gesetzeswortlaut handelt, muss angesichts der langjährigen unangefochtenen Praxis
offen bleiben. Fest steht jedenfalls, dass nur eine Kumulation der Kinderrente mit einer
bescheidenen finanziellen Unterhaltsleistung von dritter Seite kumulierbar sein darf. Die
praxisgemäss zur Anwendung gelangende Obergrenze von einem Viertel der effektiven
Unterhaltskosten des Kindes (vgl. Rz 3310 RWL) muss deshalb konsequent
Berücksichtigung finden. Die Verwaltungspraxis, die wohl aus Gründen der
Verfahrensvereinfachung nicht auf die tatsächlichen Unterhaltskosten im Einzelfall,
sondern auf statistisch erhobene durchschnittliche Unterhaltskosten abstellt (vgl. den
Anhang III zur RWL), ist deshalb nur so lange unproblematisch, als im Einzelfall nicht
deutlich unterdurchschnittliche Unterhaltskosten entstehen. Im vorliegenden Fall ist
anzunehmen, dass der Unterhalt von B._ während der gesamten zur Diskussion
stehenden Periode Kosten hat entstehen lassen, die nicht wesentlich unter den
Durchschnittskosten gelegen haben. Die massgebende Grenze beträgt somit auch
vorliegend einen Viertel der durchschnittlichen Unterhaltskosten (vgl. Ziffer 3 lit. b des
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Anhangs III zur RWL). Die im Unterhaltsvertrag zwischen dem leiblichen Vater und der
Ehefrau des Beschwerdeführers vereinbarte finanzielle Unterhaltsleistung, von der
anzunehmen ist, dass sie immer geflossen ist, hat die massgebende Grenze von einem
Viertel der durchschnittlichen Unterhaltskosten immer deutlich überschritten. Entgegen
der Auffassung des Beschwerdeführers ist es irrelevant, wer rein zivilrechtlich
betrachtet der Empfänger der vom leiblichen Vater erbrachten finanziellen Leistung
gewesen ist. Bei der vom Sinn und Zweck des Art. 49 Abs. 1 AHVV her einzig
sinnvollen ökonomischen Betrachtungsweise ist nur massgebend, dass aus einer
Drittquelle an die Deckung der Unterhaltskosten von B._ beigetragen worden ist. Bei
einer korrekten Anwendung des materiellen Rentenrechts hätte dem Beschwerdeführer
also nie eine Kinderrente für B._ ausgerichtet werden dürfen.
2.2 Am 11. Juli 2002 hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die
Invalidenrente und eine Kinderrente für die leibliche Tochter A._, aber keine
Kinderrente für die Stieftochter B._ zugesprochen. Da der Beschwerdeführer in der
Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen sowohl A._ als auch B._ angegeben
hatte, ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin einen allfälligen
Kinderrentenanspruch für B._ geprüft und mit der Verfügung vom 11. Juli 2002
verneint, das entsprechende Leistungsbegehren also abgewiesen hat. Mit der
Verfügung vom 5. Dezember 2005 ist dem Beschwerdeführer rückwirkend ab
Rentenbeginn doch noch eine Kinderrente für B._ zugesprochen worden. Die
Beschwerdegegnerin ist also auf ihre Verfügung vom 11. Juli 2002, mit der sie einen
Kinderrentenanspruch für B._ formell rechtskräftig verneint hatte, zurückgekommen
und sie hat neu das Gesuch um eine Kinderrente für B._ gutgeheissen. Die
Verfügung vom 5. Dezember 2005 war demnach nichts anderes als eine die Verfügung
vom 11. Juli 2002 aufhebende Wiedererwägungsverfügung. Diese
Wiedererwägungsverfügung vom 5. Dezember 2005 ist in formelle Rechtskraft
erwachsen. Obwohl dies aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht erwähnt worden
ist, beinhaltet die angefochtene Verfügung vom 12. September 2006 also nicht nur eine
Rückforderung der für Dezember 2001 bis August 2006 für B._ ausgerichteten
Kinderrentenleistungen, sondern auch eine Wiedererwägung der formell rechtskräftigen
Wiedererwägungsverfügung vom 5. Dezember 2005. Entgegen der von der
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vertretenen Auffassung wird eine
gestützt auf eine formell rechtskräftige Verfügung ausbezahlte Leistung nämlich erst
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dann zu einer rückerstattungspflichtigen unrechtmässig bezogenen Leistung (Art. 25
Abs. 1 Satz 1 ATSG), wenn die formell rechtskräftige Verfügung aufgehoben und durch
eine das Leistungsgesuch abweisende Verfügung oder durch die Zusprache einer
tieferen Leistung ersetzt wird (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar N. 7 zu Art. 25 ATSG).
Die angefochtene Verfügung muss also notwendigerweise auch eine
wiedererwägungsweise Aufhebung der Wiedererwägungsverfügung vom 5. Dezember
2005 enthalten. Dies erklärt auch, weshalb die Beschwerdegegnerin die Auszahlung
der Kinderrente für B._ per 31. August 2006 eingestellt hat. Dabei handelte es sich
nämlich nicht um eine Revision gemäss Art. 17 ATSG, denn der leistungserhebliche
Sachverhalt hatte sich ja offenkundig nicht verändert. Vielmehr hatte die Aufhebung der
Verfügung vom 5. Dezember 2005, auf die sich die Auszahlung der Kinderrente für
B._ bis dahin gestützt hatte, die Einstellung zur Folge. Würde die Rückforderung -
der Auffassung der Beschwerdegegnerin gemäss - keine Wiedererwägung der
Verfügung vom 5. Dezember 2005 voraussetzen, dann müsste das auch für die
Einstellung der Kinderrente für B._ gelten, d.h. auch diese Einstellung müsste ohne
eine wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 5. Dezember 2005 erfolgt
sein. Da das verfahrensrechtlich gar nicht möglich ist, steht fest, dass die
Beschwerdegegnerin die Verfügung vom 5. Dezember 2005 in Wiedererwägung
gezogen, d.h. aufgehoben und durch die Abweisung des im Jahr 2000 gestellten
Gesuchs um eine Kinderrente für B._ ersetzt hat.
2.3 Die angefochtene Verfügung vom 12. September 2006 weist in bezug auf ihren
Wiedererwägungsteil insofern eine Besonderheit auf, als sie eine formell rechtskräftige
Wiedererwägungsverfügung aufhebt und dies damit begründet, dass die damals
wiedererwägungsweise aufgehobene Verfügung vom 11. Juli 2002 gar nicht zweifellos
unrichtig gewesen sei. Das bedeutet, dass als Grund für die Wiedererwägung der
formell rechtskräftigen Wiedererwägungsverfügung vom 5. Dezember 2005 ein reiner
Rechtsanwendungsfehler zur Diskussion steht. Aus dem oben Dargelegten folgt, dass
die Verfügung vom 11. Juli 2002 tatsächlich nicht zweifellos unrichtig, sondern im
Gegenteil rechtmässig war. Das bedeutet, dass die Wiedererwägungsverfügung vom 5.
Dezember 2005 unrichtig war, weil sie zu Unrecht von einer zweifellosen Unrichtigkeit
der Verfügung vom 11. Juli 2002 ausgegangen war. Zu prüfen bleibt, ob die
Wiedererwägungsverfügung vom 5. Dezember 2005 in bezug auf diese Annahme
zweifellos unrichtig war, ob Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV eine Wiedererwägung bis
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ausschliesst oder ob vertrauensschutzrechtliche Gründe eine Wiedererwägung der
Wiedererwägungsverfügung verbieten. Letzteres trifft nicht zu, denn Art. 53 Abs. 2
ATSG nennt als Wiedererwägungsvoraussetzungen nur die zweifellose Unrichtigkeit
und die erhebliche Bedeutung der Korrektur. Vertrauensschutzrechtliche Überlegungen
finden sich erst in Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG, der einen Erlass der aus einer
Wiedererwägung resultierenden Rückforderung erlaubt, wenn die Leistung
unrechtmässig, aber in gutem Glauben bezogen worden ist. Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV,
dessen Anwendbarkeit auf die Wiedererwägung angesichts des eindeutig auf die
Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG ausgerichteten Wortlauts sehr fraglich ist, bezieht
sich nach der herrschenden Rechtsprechung nur auf die IV-spezifisch, nicht aber auf
die AHV-spezifisch begründete Wiedererwägung (vgl. Ulrich Meyer-Blaser,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, S. 285). Da es sich bei der Kinderrentenberechtigung
eindeutig um ein AHV-spezifisches Element handelt, kann eine Wiedererwägung auch
dann erfolgen, wenn der Erlass der zweifellos unrichtigen Verfügung, hier der
Wiedererwägungsverfügung vom 5. Dezember 2005, nicht auf eine
Meldepflichtverletzung zurückzuführen ist. Die am 5. Dezember 2005 verfügte
Zusprache einer Kinderrente für B._ war auf jeden Fall zweifellos unrichtig, denn die
dahinter stehende fehlerhafte Rechtsanwendung erfolgte nicht im Rahmen einer
Ermessensausübung. Die massgebenden Gesetzesbestimmungen und
Verwaltungsweisungen liessen der Beschwerdegegnerin überhaupt keinen
Ermessensspielraum. Die erhebliche Bedeutung der Korrektur der
Kinderrentenzusprache für B._ ist angesichts der Höhe der Rückforderung und der
für die Zukunft andernfalls noch auszurichtenden Kinderrentenbeträge offensichtlich.
Die Wiedererwägungsverfügung vom 5. Dezember 2005 ist also zu Recht in
Wiedererwägung gezogen und durch eine Verfügung ersetzt worden, mit der ein
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Kinderrente für B._ verneint worden ist.
Damit sind die für die Periode Dezember 2001 bis August 2006 für B._
ausgerichteten Kinderrentenleistungen als im Sinne von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 IVG
unrechtmässig bezogen zu qualifizieren und zurückzuerstatten. Auch der
Rückforderungsteil der angefochtenen Verfügung erweist sich somit als rechtmässig.
Da der Anspruch auf eine Kinderrente nur dem hauptrentenberechtigten Eltern- bzw.
Stiefelternteil, d.h. weder B._ noch der Mutter zusteht (vgl. etwa BGE 108 V 78 oben),
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es sich bei der Kinderrente also im Ergebnis nur um einen prozentualen Zuschlag zur
Hauptrente handelt (vgl. das unveröffentlichte Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 23. Dezember 2002 i.S. R. P., IV 2002/142), muss sich die
Rückforderung gegen den Beschwerdeführer richten. Die Beschwerdegegnerin hat
deshalb zu Recht nicht nur die Wiedererwägung, sondern auch die Rückforderung dem
Beschwerdeführer eröffnet. Die angefochtene Verfügung erweist sich in
materiellrechtlicher Hinsicht in allen Teilen als korrekt.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gemäss Art.
61 lit. g ATSG hat nur die obsiegende Beschwerde führende Person einen Anspruch
auf eine Parteientschädigung. Diese Bestimmung ist als lückenhaft zu qualifizieren,
denn es fehlt ihr eine Ausnahmeregelung für jene Fälle, in denen das Unterliegerprinzip
ein ungerechtes Ergebnis liefern würde und deshalb durch das Verursacherprinzip
ersetzt werden muss. "Das Verursacherprinzip besagt, dass unnötige Parteikosten
unabhängig vom Verfahrensausgang von demjenigen zu tragen sind, der sie
(schuldhaft) verursacht hat" (Martin Bernet, Die Parteientschädigung in der
schweizerischen Verwaltungsrechtsprechung, S. 137). Das st. gallische
Verwaltungsrechtspflegegesetz (VRP/SG) wendet ebenfalls das Unterliegerprinzip an
(Art. 98bis VRP/SG), lässt aber die Möglichkeit einer abweichenden Verteilregel zu (Art.
98ter VRP/SG i.V.m. Art. 265 Abs. 1 ZPG/SG). Auch im vorliegenden Fall ist in bezug
auf die Tragung der dem Beschwerdeführer entstandenen Vertretungskosten vom
Unterliegerprinzip abzuweichen und das Verursacherprinzip zur Anwendung zu
bringen, denn der Beschwerdeführer ist aufgrund der Verletzung seines Anspruchs auf
rechtliches Gehör vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung genötigt gewesen,
Beschwerde zu erheben, um sich so überhaupt erst das ihm zustehende Gehör zu
verschaffen. Hätte die Beschwerdegegnerin einen Vorbescheid erlassen, so hätte der
Beschwerdeführer noch im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eine Stellungnahme
abgeben können. Das bedeutet, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
durch den Zwang zur Beschwerdeerhebung unnötige Vertretungskosten verursacht
hat. Das gilt nicht nur für die Beschwerde selbst, sondern auch für die Replik, obwohl
sich der Beschwerdeführer dort nicht mehr mit dem Problem der Verletzung seines
Anspruchs auf rechtliches Gehör, sondern mit der sich stellenden materiellen
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Rechtsfrage auseinandergesetzt hat. Denn auch dies hat er nur getan, um sich für den
Fall einer Heilung der Gehörsverletzung und damit einer materiellen Beurteilung nicht
vorwerfen zu müssen, sich nicht oder nur unzureichend mit den materiellen
Argumenten der Beschwerdegegnerin auseinandergesetzt zu haben. Die in diesem
Sinn nur eventualiter vorgebrachte, aber unerlässliche materielle Argumentation des
Beschwerdeführers bildet also ebenfalls Teil des durch die Gehörsverletzung
provozierten unnötigen Vertretungsaufwandes. Dies rechtfertigt es, trotz des
vollumfänglichen Unterliegens dem Beschwerdeführer zulasten der
Beschwerdegegnerin eine Entschädigung im Ausmass der gesamten
Vertretungskosten zuzusprechen (vgl. dazu auch Benjamin Schindler, Die "formelle"
Natur von Verfahrensgrundrechten, ZBl 2005 S. 193, und Lorenz Kneubühler,
Gehörsverletzung und Heilung, ZBl 1998 S. 118 f.). Die geltend gemachten
Vertretungskosten von Fr. 2789.75 erweisen sich unter Berücksichtigung der
Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG)
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin wird den Beschwerdeführer deshalb mit Fr.
2789.75 zu entschädigen haben. Das Verursacherprinzip muss auch auf die
Gerichtskosten zur Anwendung gelangen, denn auch dort gilt, dass die
Beschwerdegegnerin durch die Gehörsverletzung unnötigen Aufwand verursacht hat.
Zwar lässt sich dem Wortlaut von Art. 69 Abs. 1 IVG nicht entnehmen, dass die
Gerichtskosten im Normalfall nach dem Unterliegerprinzip zu verlegen seien. Offenbar
hat der Gesetzgeber dies aber als selbstverständlich betrachtet. Die ausnahmsweise
Anwendbarkeit des Verursacherprinzips beruht deshalb auch hier auf der Ausfüllung
einer Gesetzeslücke, die sich mit denselben Argumenten begründen lässt wie die
ausnahmsweise Anwendbarkeit des Verursacherprinzips in bezug auf die Parteikosten:
Die Beschwerdegegnerin deckt die Kosten, die sie durch ihr rechtswidriges Verhalten
verursacht hat (vgl. Art. 95 Abs. 2 VRP/SG). Nach dem Verursacherprinzip sind die
Gerichtskosten also vollumfänglich durch die Beschwerdegegnerin zu tragen. Die
Gerichtsgebühr wird entsprechend dem Verfahrensaufwand auf Fr. 600.- festgesetzt.
Der geleistete Vorschuss von Fr. 600.- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht