Decision ID: 2e945963-7da6-5ef7-bf7f-2b36de8df47c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 8. Dezember 2020 um Asyl in der
Schweiz. Anlässlich der Personalienaufnahme vom 14. Dezember 2020
und der Anhörung vom 3. Februar 2021 führte er im Wesentlichen aus, er
sei ethnischer Araber und habe von der Geburt bis zu seiner Ausreise in
B._ gelebt. Die Schule habe er nicht besucht. Im Alter von neun
Jahren habe er eine Boxkarriere gestartet. Ausserdem habe er seinen El-
tern bei der Viehzucht geholfen. Seit dem Jahr 2016 sei er wegen seiner
Tätowierungen und weil er manchmal mit Freunden über das Christentum
gesprochen habe, von Salafisten bedroht worden. Die Polizei würde ihm
nicht helfen. Seine Eltern und sein Bruder seien im Jahr 2017 respektive
eine Woche vor seiner Ausreise aus Algerien bei einem Autounfall ums
Leben gekommen. Als die Salafisten sein Haus angezündet hätten, sei er
ungefähr im Dezember 2018 oder März 2020 aus Algerien ausgereist.
Während seines ungefähr dreitägigen Aufenthalts in der Türkei sei er zum
Christentum konvertiert.
Der Beschwerdeführer reichte eine medizinische Abklärung vom 11. De-
zember 2020, einen Arztbericht vom Stadtspital (...) vom 31. Dezember
2020 sowie zwei Arztberichte – Rückmeldung an Medic-Help vom 9. Ja-
nuar 2021 und vom 25. Januar 2021 ein.
B.
Mit Schreiben vom 10. Februar 2021 nahm der Beschwerdeführer zum
Entscheidentwurf der Vorinstanz Stellung und legte einen Konsultations-
bericht der (...) vom 9. Februar 2021 zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 12. Februar 2021 (gleichentags eröffnet) verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Vollzug an.
D.
Mit Schreiben vom 12. Februar 2021 teilte der Rechtsvertreter die Beendi-
gung des Mandatsverhältnisses mit.
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E.
Mit Eingabe vom 23. Februar 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene Verfü-
gung sei in allen Dispositiv-Ziffern aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er als
Flüchtling anzuerkennen und vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei
die angefochtene Verfügung aufzuheben und zwecks Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Subsubeventualiter sei der Beschwerde-
führer als Ausländer vorläufig aufzunehmen. Es sei die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sei zu verzichten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet
des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG
[SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Ver-
fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1
AsylG i.V.m. Art. 10 COVID-19-Verordnung [SR 142.318] und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Kognition im Bereich des
Ausländerrechts richtet sich nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a AsylG).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt eine unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts. Dabei handelt es sich um eine formelle
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Rüge, welche vorab zu beurteilen ist, da sie allenfalls geeignet wäre, eine
Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
3.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.3 Der Beschwerdeführer moniert, die Vorinstanz habe es unterlassen,
seine Gesundheitssituation korrekt und vollständig abzuklären.
Es liegen mehrere Arztberichte vor. Es bestehen keine Anhaltspunkte da-
für, dass der Gesundheitszustand nicht genügend abgeklärt worden wäre,
weshalb weitere Abklärungen nicht angezeigt sind.
3.4 Die formelle Rüge erweist sich angesichts dieser Sachlage als unbe-
gründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbe-
zügliche Rechtsbegehren ist somit abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, die Schilderungen des
Beschwerdeführers zur Verfolgung durch die Salafisten seien vage und
substanzarm. Trotz mehrmaliger gezielter Rückfragen seien seine Erklä-
rungen nicht über allgemeine Aussagen hinausgegangen. Es würden Wi-
dersprüche hinsichtlich des fehlenden Schutzes durch die Polizei, des Her-
gangs und des Zeitpunktes des Autounfalls sowie des Todes seiner Ange-
hörigen bestehen. Seine Aussagen zur Konversion zum Christentum wür-
den nicht den Anschien erwecken, dass er die Prozesse des Loslösens von
der einen Religion und die Konversion zu einer anderen tatsächlich durch-
lebt habe. Insgesamt seien seine Aussagen unglaubhaft, so dass deren
Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse.
5.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, alleine aus der fehlenden Tiefe seiner
Erzählungen zu schliessen, er habe keine Bedrohung durch die Salafisten
erlebt, sei nicht angemessen. Seine Ausführungen zum fehlenden Schutz
durch die Polizei seien kohärent. Aufgrund seiner Erfahrungen mit den Sa-
lafisten könne er nicht ausschliessen, dass diese etwas mit dem Unfall sei-
ner Angehörigen zu tun gehabt hätten. Die Diskrepanz von zwei Jahren
hinsichtlich des Unfallzeitpunkts sei gering und würde den Tod seiner An-
gehörigen nicht in Frage stellen. Aufgrund der mangelnden Schulbildung
habe er seine persönliche innere Haltung, welche zu seiner Konversion
zum Christentum geführt habe, anlässlich der Anhörung nicht zum Aus-
druck bringen können. Dies könne ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden.
Seinen Lebensunterhalt habe er bis zu seiner Ausreise aus Algerien durch
seine Boxerkarriere finanziert. Seine gesundheitlichen Probleme würden
die Fortführung seiner Boxerkarriere in Algerien behindern. Durch den Tod
seiner Eltern und seines Bruders verfüge er in Algerien über kein soziales
Netzwerk und er könne auch nicht mehr von den Verdiensten seiner Fami-
lie leben. Der Wegweisungsvollzug sei angesichts dessen nicht zumutbar.
6.
6.1 Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge-
langt, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers zu seiner ungefähr drei
Jahre lang erlebten Verfolgung durch die Salafisten, zum fehlenden Schutz
durch die algerische Polizei, zum Autounfall seiner Eltern und seines Bru-
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ders sowie zu seiner Konversion zum Christentum äusserst vage, sub-
stanzarm und widersprüchlich ausfielen. Es darf vom Beschwerdeführer
erwartet werden, dass er die Hauptelemente seiner Asylvorbringen nach-
vollziehbar und widerspruchslos schildern kann. Dies gelang dem Be-
schwerdeführer indes nicht. So wurde er beispielsweise mehrfach gebeten
zu erklären, wie die Probleme mit den Salafisten begonnen haben und was
bei den Bedrohungen im Detail vorgefallen ist. Seine Erklärungen, es sei
ihm gesagt worden, seine Tätowierungen seien schariarechtswidrig, wes-
halb er sie entfernen solle, ansonsten sie ihn umbringen würden, die Be-
drohungen seien stets ernsthafter geworden, indem sich die Salafisten mit
Waffen gezeigt hätten, er sei in einem Zug vor ihnen geflüchtet und alle
Menschen hätten Angst vor ihnen, überzeugen nicht, da er sie nicht kon-
kretisieren konnte (act. 24 F 27, F 45 ff.). Den Angriff auf sein Haus durch
die Salafisten vermochte er ebenfalls nicht im Detail zu beschreiben. Seine
Aussage, er habe die Verfolgungen nicht anzeigen können, da sein Dorf zu
weit entfernt liege von einer Polizeistation, steht im Widerspruch dazu,
dass er als Boxer in Algerien gereist ist und sich unter anderem in der Stadt
C._ aufgehalten hat. Konfrontiert mit dem Widerspruch, konnte er
diesen nicht aufklären und gab stattdessen an, er habe die Vorfälle zwei
Mal bei der Polizei angezeigt. Das Argument in der Beschwerde, es habe
sich um eine allgemeine Aussage gehandelt, dass er keine Möglichkeit ge-
habt habe, die Polizei über die Drohungen zu informieren, ist nicht nach-
vollziehbar. In seinen weiteren Aussagen zum tödlichen Autounfall seiner
Eltern und seines einzigen Bruders in Algerien und seiner Vermutung, die
Salafisten hätten damit etwas zu tun, verstrickt er sich in zahlreiche Unge-
reimtheiten. Eine Fremdeinwirkung ist seinen anfänglichen Schilderungen
nicht zu entnehmen und die voneinander abweichenden Angaben zum
Zeitpunkt des Unfalls sind entgegen seiner Ansicht in der Beschwerde er-
heblich. Des Weiteren sind seine Aussagen zum Zeitpunkt seiner Ausreise
widersprüchlich, indem er gemäss der Personalienaufnahme ungefähr im
März 2020, gemäss der Anhörung hingegen bereits im Dezember 2018
ausreiste. Darüber hinaus gab er anlässlich der Personalienaufnahme an,
dass sein Bruder in der Schweiz lebt. In der Beschwerde äusserte er sich
zu diesem Widerspruch nicht. Seine Erklärungen zur Konversion zum
Christentum anlässlich der Anhörung stehen im Widerspruch zu seinen An-
gaben in der Peronalienaufnahme, wonach er islamischen Glaubens ist.
Die Beschwerde erschöpft sich hierzu einzig in Wiederholungen seiner An-
gaben in der Anhörung. Entgegen seiner Ansicht lassen sich all diese Wi-
dersprüche nicht auf eine Medikamenteneinnahme zurückführen. Dem
Protokoll der Personalienaufnahme sind weder Ungereimtheiten zu ent-
nehmen, welche auf eine Medikamenteneinnahme hindeuten würden,
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noch ist ersichtlich, dass er den Fragestellungen nicht folgen konnte. Ins-
gesamt ist von der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers auszugehen; damit erübrigt es sich, die Vorbringen auf ihre Asylrele-
vanz zu prüfen.
6.2 Angesichts dieser Sachlage ergibt sich, dass der Beschwerdeführer
keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft machen konnte. Die Vorinstanz
hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint
und sein Asylgesuch abgelehnt.
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings-
eigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-
bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-
meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3
BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der
Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung in Algerien dort mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK ver-
botenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine
Menschenrechtssituation in Algerien lässt den Wegweisungsvollzug zum
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heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Weg-
weisung ist zulässig.
8.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Die allgemeine Lage in Algerien ist landesweit nicht durch Krieg, Bürger-
krieg oder eine Situation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet (Urteil des
BVGer D-5045/2020 vom 23. Oktober 2020 E. 8.3.1). Sodann lassen we-
der die allgemeine Lage in Algerien noch individuelle Gründe auf eine kon-
krete Gefährdung des Beschwerdeführers in seinem Heimatland schlies-
sen. Aufgrund der Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen zu seinen Eltern und
zu seinem Bruder ist vom Bestehen eines tragfähigen familiären Bezie-
hungsnetzes in seiner Heimat auszugehen, welches in der Lage sein sollte,
ihn bei der Wiedereingliederung zu unterstützen. Seinen Lebensunterhalt
verdiente er in der elterlichen Viehzucht und mit seiner Boxkarriere. Ge-
mäss den eingereichten Arztberichten hat er Schlafstörungen, eine starke
innere Unruhe, eine Fraktur am Fuss, eine Muskelzerrung, Vitamin-D-Man-
gel und Calciummangel sowie psychische Verhaltensstörungen durch Se-
dativa oder Hypnotika. Seine Beschwerden werden medikamentös sowie
mit einer Physiotherapie behandelt. Die Vorinstanz verweist zu Recht auf
die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten, die ihm in Algerien zur Ver-
fügung stehen (act. 26 S. 5). Insbesondere ist in Algerien der Zugang zu
ambulanten psychologischen und psychiatrischen Therapien sowie zu
Suchtbehandlungen gewährleistet. Die medizinische Versorgung seiner in-
neren Unruhe war bereits in seinem Heimatland gewährleistet, da diese
dort bereits bestand. Der Vollzug erweist sich deshalb auch in individueller
Hinsicht als zumutbar.
8.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
da es dem Beschwerdeführer obliegt, sich bei der zuständigen Vertretung
seines Heimatstaats die für seine Rückkehr notwendigen Reisedokumente
zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AslyG; BVGE 2008/34 E. 12).
Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvollzug
nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus,
dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern
voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Mo-
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nate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hin-
dernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidun-
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-Pandemie handelt es
sich um ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Voll-
zugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist,
indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland ange-
passt wird.
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Die gestellten Rechtsbegehren erweisen sich als aussichtslos, wes-
halb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung un-
geachtet einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist
(Art. 65 Abs. 1 VwVG).
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem
Urteil gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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