Decision ID: 116b4c81-c257-4724-810a-a176c11e0e70
Year: 2021
Language: de
Court: SH_OG
Chamber: SH_OG_001
Canton: SH
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

lichen Sachverhalts nachgekommen sind (E. 5.1).
Neue Sachverhaltselemente sind jedoch substantiiert unter Nennung der konkre-
ten Beweismittel in den Prozess einzuführen. Trotz uneingeschränkter Untersu-
chungsmaxime genügt es nicht, im Berufungsverfahren einfach die eigene Sicht-
weise der Umstände darzulegen und unkommentierte Beilagen einzureichen
(E. 5.2 und E. 6.9.3).
Das Einkommen einer selbständigerwerbenden Person bestimmt sich in der Regel
nach dem erzielten Reingewinn, der entweder als Vermögensstandsgewinn oder
als Gewinn in einer ordnungsgemässen Gewinn- und Verlustrechnung ausgewie-
sen wird. Sind die Angaben zur Höhe des so verstandenen Einkommens nicht
glaubhaft oder die beigebrachten Belege nicht überzeugend, kann auf die getätig-
ten Privatbezüge abgestellt werden (E. 6.3.2).
OGE 10/2020/3 vom 6. April 2021
Keine Veröffentlichung im Amtsbericht
Sachverhalt
A. und B. sind die unverheirateten und seit 1. November 2017 getrennt lebenden,
gemeinsam sorgeberechtigten Eltern des 2013 geborenen C. Am 20. November
2017 gelangte A. an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde des Kantons
Schaffhausen (KESB) und beantragte die Regelung des Kindesunterhalts.
Nachdem ein Einigungsversuch bei der KESB wegen Nichterscheinens von B.
gescheitert war, reichte A. beim Kantonsgericht Schaffhausen eine Unterhaltsklage
ein, wobei sie ab dem Zeitpunkt der Trennung am 1. November 2017 Unterhalt für
C. beantragte.
B. blieb in der Folge der Hauptverhandlung unentschuldigt fern und reichte auch
die vorgängig vom Kantonsgericht eingeforderten Unterlagen nicht ein. A. stellte
anlässlich der Hauptverhandlung bezifferte Anträge auf Bar- und
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Betreuungsunterhalt für C. Das Kantonsgericht forderte im Anschluss an die
Hauptverhandlung bei der Kantonalen Steuerverwaltung des Kantons
Schaffhausen die letzten drei definitiven Veranlagungsmitteilungen inklusive
Steuerveranlagungsprotokolle von B. ein. Zu diesen Belegen liess sich wiederum
nur A. vernehmen.
Am 22. Mai 2019 erliess das Kantonsgericht ein Urteil ohne schriftliche
Begründung im Dispositiv, worin es B. zu indexierten Barunterhaltszahlungen für
C. verpflichtete, zahlbar ab Trennungszeitpunkt bis zur Volljährigkeit bzw. bis zum
Abschluss einer Ausbildung, längstens bis zum Eintritt in die volle Erwerbstätigkeit
von C.
Auf Antrag des inzwischen anwaltlich vertretenen B. spedierte das Kantonsgericht
am 29. Januar 2020 das begründete Urteil. B. erhob dagegen Berufung an das
Obergericht und verlangte die Festlegung wesentlich tieferer Unterhaltsbeiträge
sowie die Korrektur der festgehaltenen finanziellen Verhältnisse. Eventualiter sei
die Sache zu neuem Entscheid an das Kantonsgericht zurückzuweisen.
Das Obergericht hiess die Berufung mit Beschluss vom 6. April 2021 teilweise gut
und wies die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das
Kantonsgericht zurück.

Aus den Erwägungen
5. Der Berufungskläger bringt vor, die Säumnisfolgen von Art. 234 i.V.m.
Art. 219 ZPO seien ihm nicht angedroht worden, weshalb das Kantonsgericht
seinem Entscheid nicht einfach die Vorbringen der Berufungsbeklagten habe
zugrunde legen dürfen. Er könne daher die versäumten Handlungen nachholen
und sei vor Berufungsinstanz mit sämtlichen (echten und unechten) Noven zu
hören.
5.1. Gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO werden neue Tatsachen und Beweismittel im
Berufungsverfahren nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht
werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht
werden konnten.
5.1.1. Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens ist Kindesunterhalt. Es
gilt die Offizial- und uneingeschränkte Untersuchungsmaxime (Art. 296 Abs. 1 und
3 ZPO), wonach das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen erforscht und nicht
an die Parteianträge gebunden ist. Dies hat zur Folge, dass neue Tatsachen und
Beweismittel im Berufungsverfahren selbst dann noch vorgebracht werden
können, wenn sie vor der Vorinstanz aus Unsorgfalt nicht geäussert wurden, d.h.
die Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht erfüllt sind (BGer 5A_800/2019
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vom 9. Februar 2021 E. 2.2 mit Hinweisen, zur Publikation vorgesehen; BGE 144
III 349 E. 4.2.1 S. 351 f.; BGer 5A_290/2020 vom 8. Dezember 2020 E. 3.3.5 mit
Hinweisen). Einzig im Rahmen vorsorglicher Massnahmen und im
Eheschutzverfahren gelten strengere Voraussetzungen an den Sorgfaltsmassstab
der Prozessführung (vgl. BGE 144 III 349 E. 4.2.1 S. 351 f. = Pra 2019 Nr. 88
E. 4.2.1; BGer 5A_678/2018 vom 19. Juni 2019 E. 4.1.5).
5.1.2. Zwar haben die Parteien auch im Geltungsbereich der uneingeschränkten
Untersuchungsmaxime bei der Ermittlung des wesentlichen Sachverhalts
mitzuwirken (BGer 5A_743/2020 vom 14. Oktober 2020 E. 2 mit Hinweisen).
Sodann ist das allgemeine Gebot zu beachten, im Verfahren nach Treu und
Glauben zu handeln (Art. 52 ZPO). Ungeachtet dessen ist das Gericht jedoch
verpflichtet, alle tatsächlichen Elemente in Betracht zu ziehen, die
entscheidwesentlich sind. Es hat mithin alle rechtserheblichen Umstände, die sich
im Verlauf des Verfahrens ergeben, unabhängig von den Anträgen der Parteien zu
erheben und zu berücksichtigen, auch wenn die Parteien nicht ausdrücklich darauf
Bezug nehmen (BGE 128 III 411 E. 3.2.1 S. 413; BGer 5A_899/2019 vom 17. Juni
2020 E. 3.3.2 mit Hinweisen; BGer 5A_242/2019 vom 27. September 2019
E. 3.2.1; vgl. auch Sébastien Moret, Aktenschluss und Novenrecht nach der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, Diss. Zürich 2014, Rz. 905, S. 336).
5.2. Trotz des unbeschränkten Novenrechts der Parteien ist die Pflicht des
Gerichts zur Beweisabnahme von Amtes wegen nicht schrankenlos (BGE 130 III
180 E. 3.2 S. 183 f.). Das Obergericht als kantonale Rechtsmittelinstanz wendet
das Recht nur innerhalb des Rahmens von Amtes wegen an, der durch die mit dem
Rechtsmittel erhobenen Beanstandungen vorgegeben ist. Bei der Frage, ob
weitere Beweise abzunehmen sind, steht dem Gericht ein weites Ermessen zu.
Entscheidend ist, ob das Wohl des Kindes weitere Abklärungen erfordert, wobei
eine willkürfreie antizipierte Beweiswürdigung nicht ausgeschlossen ist (BGE 138
III 374 E. 4.3.1 und 4.3.2 S. 375 f.; Baumgartner/Dolge/Markus/Spühler,
Schweizerisches Zivilprozessrecht, mit Grundzügen des internationalen
Zivilprozessrechts, 10. A., Bern 2018, 10. Kapitel § 44, N. 93 S. 271). Das Gericht
kann folglich auf die Abnahme weiterer Beweise verzichten, wenn es über
genügend Grundlagen für eine sachgerechte Entscheidung verfügt (BGE 130 III
734 E. 2.2.3 S. 735; Mazan/Steck, in: Spühler/ Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler
Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung [ZPO], 3. A., Basel 2017 [BSK
ZPO], Art. 296 N. 17, S. 1772). Dies gilt umso mehr im Rechtsmittelverfahren,
wenn bereits ein erstinstanzliches Urteil vorliegt. Die Rechtsmittelinstanz ist –
abgesehen von offensichtlichen Mängeln – nicht gehalten, von sich aus, d.h. ohne
konkrete Beanstandungen, die Beweisabnahme bzw. das Beweisergebnis der
Vorinstanz zu hinterfragen und durch eigene Sachverhaltserforschungen zu
https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgi4f62ljnfptimjr https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgm4f62ljnfptgnzu https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgm4f62ljnfptgnzu https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgmyf62ljnfptomzu https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgmyf62ljnfptomzu
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ergänzen bzw. zu vervollständigen (vorstehende E. 2.1; BGE 142 III 413 E. 2.2.2
S. 415 mit Hinweisen). Die Parteien haben auch in Kinderbelangen Beweismittel
zu nennen und Beweis zu führen. Das unbeschränkte Novenrecht entbindet daher
nicht von der Pflicht, neue Sachverhaltselemente substantiiert unter Nennung der
konkreten Beweismittel in den Prozess einzuführen und nicht einfach die eigene
Sichtweise der Umstände darzulegen und unkommentierte Beilagen einzureichen.
Dabei handelt es sich jedoch lediglich um eine Obliegenheit, um den Nachteil der
Beweislosigkeit abzuwenden; eine (subjektive) Beweisführungslast trifft die
Parteien nicht (BGer 5A_1037/2019 vom 22. April 2020 E. 2.5; vgl. zum Ganzen:
Mazan/Steck, BSK ZPO, Art. 296 N. 12 f., S. 1770 f., und
Baumgartner/Dolge/Markus/Spühler, 5. Kapitel § 25, N. 37, S. 112 f.).
5.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorliegend ein unbeschränktes
Novenrecht gilt. Soweit der Berufungskläger neue Tatsachen und Beweismittel
begründet vorgebracht und den Zusammenhang mit den im Rechtsmittel
erhobenen Beanstandungen dargelegt hat, handelt es sich erkennbar um
entscheidwesentliche Umstände, denen das Obergericht im Rahmen seiner Pflicht
zur Sachverhaltserforschung von Amtes wegen nachgehen muss. Entsprechend
sind die so vorgebrachten Noven unabhängig von einer allfälligen Verletzung der
Aufklärungspflicht über die Säumnisfolgen nach Art. 234 ZPO zu berücksichtigen.
Namentlich kann offenbleiben, ob der Berufungskläger aufgrund der gescheiterten
Einigungsverhandlung bei der KESB im Sinne von Art. 138 Abs. 3 lit. a ZPO mit
der Zustellung von Schreiben und der Vorladung des Kantonsgerichts rechnen
musste, d.h. ob bereits das Schlichtungsverfahren bei der KESB vorliegend ein
Prozessrechtsverhältnis begründete. Der Berufungskläger macht immerhin auch
nicht geltend, vom Verfahren keine Kenntnis gehabt zu haben.
5.4. Allerdings sind zufolge des unbeschränkten Novenrechts auch die von der
Berufungsbeklagten neu eingereichten Urkunden zu berücksichtigen. Entgegen
der Ansicht des Berufungsklägers sind diese nicht verspätet.
[Es folgt die Prüfung der Leistungsfähigkeit des Berufungsklägers gestützt auf die
neuen Behauptungen und Unterlagen zu seinem Einkommen aus selbständiger
Tätigkeit.]
6.3.2. Das Einkommen einer selbständigerwerbenden Person bestimmt sich
grundsätzlich nach dem erzielten Reingewinn, der entweder als
Vermögensstandsgewinn (Differenz zwischen dem Eigenkapital am Ende des
laufenden und am Ende des vorangegangenen Geschäftsjahres) oder als Gewinn
in einer ordnungsgemässen Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen wird. Weil
bei selbstständiger Erwerbstätigkeit die finanzielle Verflechtung zwischen
Unternehmerhaushalt und Unternehmung gross und intensiv ist und weil der
Gewinnausweis sich relativ leicht beeinflussen lässt, kann sich die Bestimmung der
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Leistungskraft eines Selbständigerwerbenden als äusserst schwierig erweisen.
Um ein einigermassen zuverlässiges Resultat zu erreichen und namentlich um
Einkommensschwankungen Rechnung zu tragen, sollte auf das
Durchschnittsnettoeinkommen mehrerer – in der Regel der letzten drei – Jahre
abgestellt werden. Auf diese Weise kann die Einkommensberechnung vereinfacht
und gleichzeitig eine Annäherung an die tatsächlichen Verhältnisse über einen
längeren Zeitraum erreicht werden. Die diesbezüglich resultierende Vereinfachung
der Einkommensberechnung ist zulässig. Auffällige, d.h. besonders gute oder
besonders schlechte Abschlüsse können unter Umständen ausser Betracht
bleiben. Nur bei stetig sinkenden oder steigenden Erträgen gilt der Gewinn des
letzten Jahres als massgebendes Einkommen, korrigiert insbesondere durch
Aufrechnungen von ausserordentlichen Abschreibungen, unbegründeten
Rückstellungen und Privatbezügen (zum Ganzen: BGE 143 III 617 E. 5.1 S. 620;
BGer 5A_543/2020 vom 5. November 2020 E. 3.2; BGer 5A_125/2020 vom
31. August 2020 E. 4.2.1; je mit Hinweisen).
Sind die Angaben zur Höhe des so verstandenen Einkommens nicht glaubhaft oder
die beigebrachten Belege nicht überzeugend – etwa weil Gewinn- und
Verlustrechnung fehlen – kann auf die getätigten Privatbezüge abgestellt werden.
Diese widerspiegeln die effektiv von dem Unternehmen bezogenen geldwerten
Leistungen und können gleichsam als Gewinnvorbezug während des
Geschäftsjahrs aufgefasst werden. Sie ergeben sich einerseits aus dem Bedarf für
den Lebensunterhalt und andererseits aus einer Schätzung des zu erwartenden
Jahresgewinns. Entsprechen die Privatbezüge dem erzielten Gewinn, wurde der
gesamte Gewinn aus der Unternehmung abgezogen. Erreichen die Privatbezüge
den erzielten Gewinn nicht, kann dies zur Bildung von Reserven führen, während
über den Gewinn hinausgehende Privatbezüge auf die Auflösung von Reserven
hindeuten. Hieraus folgt insbesondere, dass nicht ohne Weiteres von sinkendem
Einkommen auszugehen ist, wenn die Privatbezüge hinter dem Nettogewinn
zurückbleiben. Dementsprechend kann ebenso wenig allein deshalb ein
gestiegenes Einkommen angenommen werden, weil die Privatbezüge den
bilanzierten Nettogewinn übersteigen. Damit auf die Privatbezüge abgestellt
werden kann, müssen vielmehr (weitere) Indizien dafür vorliegen, dass das ausge-
wiesene nicht mit dem tatsächlichen Einkommen übereinstimmt und dieses
deshalb nicht auf der Grundlage der Bilanz ermittelt werden kann (zum Ganzen:
BGer 5A_678/2018 vom 19. Juni 2019 E. 4.2.4 mit Verweis auf BGE 143 III 617
E. 5.4.2).
[...]
6.9. Im Zusammenhang mit seinem eigenen Bedarf rügt der Berufungskläger,
das Kantonsgericht habe zu Unrecht seine Unterhaltszahlungen an sein weiteres
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(älteres) Kind nicht berücksichtigt. Als Beweismittel legt er u.a. einen Kontoauszug
ins Recht, worauf ein Dauerauftrag in Höhe von Fr. 750.– zugunsten von Z., der
Mutter seines Kindes Y., ersichtlich ist. Weiter beziffert der Berufungskläger seine
Krankenkassenprämien mit Fr. 444.– sowie die Steuerausgaben mit Fr. 250.– im
Monat. Bezüglich seiner Wohnkosten hält der Berufungskläger fest, diese würden
"mindestens Fr. 1'000.– im Monat" betragen.
6.9.1. Das Berufungsverfahren dient nicht der Vervollständigung des
vorinstanzlichen Verfahrens, sondern der Überprüfung und Korrektur des
erstinstanzlichen Entscheids im Lichte konkret dagegen vorgebrachter
Beanstandungen (BGE 142 III 413 E. 2.2.2 S. 415 mit Hinweisen). Wie dargelegt
hat der Berufungskläger aufgrund seiner Mitwirkungspflicht im Geltungsbereich der
unbeschränkten Untersuchungsmaxime bei der Ermittlung des wesentlichen
Sachverhalts mitzuwirken und das Gericht auf erhebliche Tatsachen hinzuweisen.
Dies gilt auch, wenn Noven vorgebracht werden (vgl. vorstehende E. 5.1.2 und
5.2). Es genügt daher nicht, wenn wie vorliegend lediglich ein neuer
Prämienausweis eingereicht und angebliche Steuerausgaben bzw.
Mindestwohnkosten genannt werden, ohne dass diese näher begründet werden.
Namentlich fehlt es gänzlich an einer Bezugnahme auf die vom Kantonsgericht
ermessensweise festgelegten Bedarfspositionen. Entsprechend kann auch nicht
nachvollzogen werden, ob bzw. für welche Berechnungsperiode diese neuen
Beträge beansprucht werden. Mangels substantiierter bzw. begründeter Rügen
gegen die Feststellungen des Kantonsgerichts besteht daher auch im
Anwendungsbereich der unbeschränkten Untersuchungsmaxime keine
Veranlassung, auf diese Bedarfspositionen zurückzukommen.
6.9.2. Anders präsentiert sich die Situation im Zusammenhang mit den
Unterhaltsbeiträgen für das im Jahr 2006 geborene Kind Y. Hierzu ist festzuhalten,
dass die Unterhaltspflichten des Berufungsklägers im kantonsgerichtlichen
Verfahren bekannt waren. So hatte die Berufungsbeklagte erstmals bei
Klageerhebung vorgebracht, der Berufungskläger zahle bereits für seinen
erstgeborenen Sohn Y. Unterhalt, der dannzumal in B._ lebte und 13 Jahre
alt war. Die konkreten Unterhaltsbeiträge wurden sodann (wiederum von der
Berufungsbeklagten) unter Beilage der Unterhaltsvereinbarung vom 19. Dezember
2006 mit der Kindsmutter Z. belegt. Daraus geht hervor, dass sich der
Berufungskläger am 12. Dezember 2006 u.a. verpflichtete, für das Kind Y., welches
er am 29. September 2006 anerkannt hatte, von dessen 7. bis zum vollendeten 12.
Altersjahr Fr. 750.– sowie vom 13. Altersjahr bis zur Mündigkeit bzw. bis zum
Abschluss einer ordentlichen Erstausbildung Fr. 850.– im Monat zu bezahlen.
Weiter wurden in den gerichtlich beigezogenen Veranlagungsprotokollen des
Berufungsklägers Unterhaltszahlungen in Höhe von Fr. 9'000.– pro Jahr (Fr. 750.–
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pro Monat) ausgewiesen, worauf der Vertreter der Berufungsbeklagten
ausdrücklich Bezug nahm unter Hinweis auf den Grundsatz der Gleichbehandlung
der Geschwister.
6.9.3. Die Feststellung des Kantonsgerichts, wonach zur "angeblichen" weiteren
Unterhaltsverpflichtung "sämtliche Angaben" fehlten, ist folglich aktenwidrig. Dem
Berufungskläger ist zwar vorzuwerfen, dass er seine Unterhaltspflicht bzw. die
Unterhaltszahlungen nicht bereits im kantonsgerichtlichen Verfahren dargelegt
hatte. Damit verletzte er seine Mitwirkungspflicht, zumal es darum ging, einen
Sachverhalt aufzuklären, mit dem er am besten vertraut ist (vgl. BGE 140 I 285
E. 6.3.1 S. 299). Das ändert jedoch nichts daran, dass Unterhaltsbeiträge an
unmündige Kinder zum Notbedarf des Unterhaltspflichtigen gehören und das
Gericht entscheidwesentliche Elemente von sich aus in Betracht ziehen muss,
wenn es wie vorliegend davon Kenntnis hat (vgl. E. 5.1.2). Das Kantonsgericht be-
gründete nicht, weshalb es die aktenkundige Unterhaltspflicht des
Berufungsklägers anzweifelte. Weiter unterstellte es ihm auch nicht, die in den
Veranlagungsprotokollen angegebenen Unterhaltsbeiträge tatsächlich nicht
überwiesen zu haben. Unter diesen Umständen bestand keine Veranlassung, den
Berufungskläger zu verpflichten, die Unterhaltsbeiträge aus seinem Freibetrag zu
bezahlen. Dieses Vorgehen ist weder mit dem Grundsatz vereinbar, dass die Eltern
gemeinsam, ein jeder Elternteil nach seinen Kräften, für den Unterhalt des Kindes
zu sorgen haben (Art. 276 Abs. 2 ZGB), noch wird dabei berücksichtigt, dass sich
der Unterhaltsbeitrag nach den Bedürfnissen des Kindes und der Lebensstellung
sowie Leistungsfähigkeit der Eltern bemisst (Art. 285 ZGB). Die Rüge des
Berufungsklägers ist daher begründet. Allerdings ist festzustellen, dass der
Berufungskläger gemäss eigenen Vorbringen weiterhin Fr. 750.– Unterhalt bezahlt,
obwohl das Kind Y. bereits das 13. Altersjahr erreicht hat.