Decision ID: cd538cde-03eb-45d1-b849-7cde5e4e7696
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ erhält seit 1994 von der IV-Stelle ein Hörgerät als Hilfsmittel (IV-act. 7; vgl.
auch IV-act 14 und 22).
A.a.
Am 23. Mai 2014 meldete die Versicherte sich zum Bezug von weiteren Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 27). Sie war zuletzt als ungelernte Arbeiterin im
Textilbereich zu 100% berufstätig. Die Stelle wurde ihr aus wirtschaftlichen Gründen
am 29. August 2013 per 30. November 2013 gekündigt. Wegen Krankheit verlängerte
sich die Kündigungsfrist bis 31. Mai 2014 (IV-act. 39-1 ff. und 64-23). Seit dem
29. August 2013 ist die Versicherte durchgehend krankgeschrieben (IV-act. 39-11 ff.).
A.b.
Mit Mitteilung vom 27. November 2014 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
um berufliche Massnahmen mit der Begründung ab, aufgrund des
Gesundheitszustands der Versicherten seien zurzeit keine beruflichen Massnahmen
möglich (IV-act. 45). Nachdem sie Berichte der behandelnden Ärzte eingeholt hatte,
gab sie eine polydisziplinäre Begutachtung (Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie,
Neurologie und Rheumatologie) bei der SMAB AG Swiss Medical, Bern (nachfolgend:
SMAB), in Auftrag (vgl. IV-act. 52, 54 und 59). Diese fand im Juli 2015 statt (IV-act. 60).
A.c.
Im Gutachten vom 21. August 2015 stellten die SMAB-Gutachter folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig schwere Episode (F33.2), generalisierte Angststörung (F41.1),
Agoraphobie ohne Panikstörung, mässig ausgeprägt (F40.00) sowie generalisiertes und
chronifiziertes Weichteil-Schmerzsyndrom. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit nannten sie insbesondere einen psychogenen Tremor (F44.8; IV-
A.d.
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act. 64-12). Die Arbeitsfähigkeit betrage sowohl in der bisherigen als auch in einer
Verweistätigkeit seit dem 29. August 2013 durchgehend 0% (IV-act. 64-14 f.).
Am 2. März 2016 erteilte die IV-Stelle einen Überwachungsauftrag (IV-act. 81).
Daraufhin wurde die Versicherte im Zeitraum vom 4. März bis 4. April 2016 sowie am
20. und 29. April 2016 observiert (vgl. IV-act. 85 f.).
A.e.
Vom 13. Oktober bis 7. Dezember 2016 befand sich die Versicherte bei der Klinik
B._, Psychiatrische Dienste C._, in stationärer Behandlung (IV-act. 126).
A.f.
Am 9. November 2016 fand bei der IV-Stelle ein Standortgespräch statt. An
diesem wurde sie zu ihrem aktuellen Befinden befragt und zudem über die Ergebnisse
der Observation informiert. Sie sah sich dabei auch die erstellten Filmmaterialien an (IV-
act. 115).
A.g.
Im Februar 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie eine
bidisziplinäre Untersuchung (Psychiatrie, Neurologie) als notwendig erachte. Die
entsprechende Begutachtung werde durch Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. E._, Facharzt Neurologie FMH,
erfolgen (IV-act. 128 und 131).
A.h.
Mit Gutachten vom 4. Dezember 2017 kamen Dr. D._ (Untersuchungen vom
17. August und 17. September 2017) und Dr. E._ (Untersuchung vom 17. August
2017) zum Schluss, es könnten weder auf neurologischem noch auf psychiatrischem
Fachgebiet Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Dabei
stützten sie sich unter anderem auf die am 24. November 2017 durch Dr. phil. F._,
Fachpsychologe für Psychotherapie, Neuropsychologe SVNP, durchgeführte
neuropsychologische Untersuchung (IV-act. 149-1; bidisziplinärer Konsens, IV-
act. 148-1 ff., insbesondere IV-act. 148-5, Ziff. 12.5.4). Es würden Diskrepanzen,
Widersprüche und Hinweise auf eine Aggravation und teilweise gezielte Manipulation
bestehen. Die Versicherte könne völlig normal bimanuell ohne relevante
Einschränkungen tätig sein. Dass nach dem Stellenverlust und als Reaktion darauf
tatsächlich eine depressive Verstimmung aufgetreten sei, sei plausibel. Nicht plausibel
sei hingegen die seither diagnostizierte anhaltende schwere depressive Episode (IV-
act. 147-80 und 148-3). Die psychiatrische Vorbegutachtung habe sich ausschliesslich
A.i.
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auf die Angaben der Versicherten abgestützt und darum zu einer anderen Einschätzung
kommen müssen (IV-act. 148, 147-66 und 147-80).
Mit Verlaufsbericht vom 25. März 2018 äusserte die behandelnde Psychiaterin,
Dr. med. G._, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH, was Dr. D._ als
Aggravation beschreibe, seien krankheitsbedingte Symptome. Die
neuropsychologische Untersuchung habe klar widergespiegelt, dass die Versicherte
sehr schnell abgelenkt sei. Die Versicherte sei deshalb gepflegt, weil ihre Töchter sich
darum kümmern würden und nicht möchten, dass die Mutter verwahrlost aussehe. Wie
alle anderen Psychiater, welche die Versicherte untersucht hätten, bestätige Dr. G._
die Diagnosen rezidivierende depressive Störung, ggw. mittelgradige depressive
Episode (F33.3), generalisierte Angststörung (F41.1) und anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (F45.4).
A.j.
Mit Schreiben vom 29. März 2018 hielt Dr. med. H._, Facharzt für
Allgemeinmedizin FMH, fest, er kenne die Versicherte seit mehr als 20 Jahren. Sie sei
schon früher immer eine nervöse, unruhige, teils etwas wirre Patientin gewesen,
weshalb sie den Eindruck erwecke, dass sie etwas übertreibe, was aber nicht richtig
sei. Die Versicherte habe auch mit grossen Schmerzen immer gearbeitet, sich nie krank
schreiben lassen. Auch deshalb habe der Verlust der Arbeit ihr sehr weh getan. Die
Versicherte als Simulantin darzustellen, wie die IV-Stelle das mehrfach mache, finde er
absolut falsch. Dr. H._ verstehe auch nicht, warum ein Dolmetscher beigezogen
worden sei. Die Versicherte spreche sehr gut Deutsch. Dies erwecke nur den Eindruck,
dass sie nicht integriert sei, die Sprache nicht habe lernen wollen, was auch falsch sei.
Die Versicherte sei wirklich seit längerer Zeit krank (IV-act. 158).
A.k.
Mit Vorbescheid vom 25. April 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Ablehnung ihres Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 162). Dagegen erhob die
Versicherte am 4. Mai 2018 Einwand (IV-act. 165).
A.l.
Mit Verfügung vom 24. Mai 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der
Versicherten ab. Zur Begründung führte sie aus, die im Konsens von der SMAB
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100% basiere auf Diagnosen, welche sich
ausschliesslich auf die subjektiven Angaben der Versicherten gestützt hätten.
A.m.
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B.
Ausgehend von den Observationserkenntnissen habe die IV-Ärztin eine Überprüfung
der psychiatrischen Situation empfohlen. Anlässlich der psychiatrisch-neurologischen
Begutachtung seien keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt
worden. Das bidisziplinäre Gutachten sei beweiskräftig. Die Behauptung, der Tremor
sei Folge einer früheren verfehlten Medikation, lasse sich auch anhand der neu
beigebrachten ärztlichen Berichte nicht nachvollziehen. Die Schwerhörigkeit
beeinträchtige die Leistungsfähigkeit in einer geeigneten Tätigkeit nicht. Aus den am
4. April 2018 eingereichten Berichten würden keine neuen Aspekte hervorgehen,
welche eine Änderung der bisherigen Feststellungen rechtfertigen könnten. Ein
Gesundheitsschaden, der einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe, sei nicht
nachgewiesen. In jeglichen angepassten Tätigkeiten bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit.
Somit bestehe kein Rentenanspruch (IV-act. 168).
Gegen diese Verfügung erhebt A._ am 22. Juni 2018 Beschwerde. Sie
beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei mindestens eine
halbe Rente zu gewähren. Eventualiter sei eine neue polydisziplinäre Abklärung vom
Gericht in Auftrag zu geben, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 7.7%
Mehrwertsteuer zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdegegnerin habe
das rechtliche Gehör verletzt. Sie schreibe, die von der Beschwerdeführerin
beigebrachten medizinischen Berichte würden nichts zum Tremor aussagen. Dabei sei
ausdrücklich beantragt worden, dass der Bericht der Klinik Valens über die
Falschmedikation beigezogen werde. Dies sei nachzuholen. Die Beschwerdegegnerin
habe nicht zu den Berichten von Dr. med. I._, Spezialarzt FMH für
Otorhinolaryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie, Audio-Neurootologie und
Aequilibriometrie, und Dr. med. J._, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Stellung genommen. Ständig werde die Kündigung als Ursache der Depression
angesehen, dabei sei die Beschwerdeführerin nachweislich lange vor Erhalt der
Kündigung erkrankt. Die SMAB-Gutachter hätten eine vollständige Berentung
vorgeschlagen. Die Grundprämissen des bidisziplinären Gutachtens träfen nicht zu.
Dr. D._ habe nicht beachtet, dass die Beschwerdeführerin als Kind beide Eltern
verloren habe und bei einer Tante, die ebenfalls an Tremor gelitten habe,
aufgewachsen sei. Die Fachmediziner müssten klären, ob der Tremor der
B.a.
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Beschwerdeführerin familiär/genetisch bedingt oder durch falsche Medikation
eingetreten sei. Die Schwerhörigkeit der Beschwerdeführerin sei nicht berücksichtigt
worden. Die Gutachter hätten die Vorakten von Dr. K._ nicht besessen, welche
einzuholen seien. Die Übersetzer hätten nicht korrekt übersetzt. So habe sie nach ihrer
Erinnerung einmal gesagt, dass sie oft im Bett sein müsse, wobei übersetzt worden sei,
dass sie den ganzen Morgen im Bett verbringe. Die Materialien der illegalen
Observation seien aus den Akten zu eliminieren. Die Versuche des Bundesgerichts, die
fehlende gesetzliche Grundlage mit dem öffentlichen Interesse zu ersetzen, seien
"politische Versuche, die kochende Volkswut zu beruhigen". Sie seien aber nicht
EMRK-konform (act. G1).
Mit Beschwerdeantwort vom 27. September 2018 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin habe
keinen konkreten Antrag gestellt, den "Bericht der Klinik Valens über die
Falschmedikation" beizuziehen. Dass ein solcher Bericht existiere, werde bezweifelt.
Die Frage nach der Genese des Tremors sei letztlich irrelevant, da er nach
gutachterlicher Einschätzung keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
habe. Der beantragte Beizug einer vollständigen Krankengeschichte sei weder sinnvoll
noch erforderlich. Dass seit langem eine depressive Symptomatik vorgelegen habe,
werde von Dr. D._ ausdrücklich festgehalten. Dennoch habe die Kündigung
unbestreitbar einen wesentlichen Einfluss auf die psychische Situation der
Beschwerdeführerin gehabt. Das Gutachten lasse durchaus eine schwere Kindheit
erkennen. Die belastete Vergangenheit ändere aber nichts daran, dass die
Beschwerdeführerin heute ein nicht authentisches Beschwerdebild präsentiere
(act. G4).
B.b.
Mit Replik vom 2. November 2018 bringt die Beschwerdeführerin vor, sie habe bei
der letzten Stelle wegen des Tremors Mühe beim Einfädeln gehabt. Diesbezüglich sei
ein Augenschein bei der letzten Arbeitgeberin durchzuführen oder die Mitarbeiterinnen,
welche der Beschwerdeführerin jeweils geholfen hätten, zu befragen. Die
Beschwerdegegnerin habe den Untersuchungsgrundsatz missachtet. Die
Beschwerdeführerin habe den Bericht der Klinik Valens vom 16. Januar 2002 über den
stationären Aufenthalt beim Hausarzt Dr. H._ erhältlich gemacht. Daraus sei
ersichtlich, dass sie schon damals an einer Anpassungsstörung mit ängstlich-
B.c.
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depressiver Reaktion mittleren bis schweren Grades und an essentiellem Tremor der
rechten Hand gelitten habe. Die Tremorproblematik sei also über 16 Jahre alt und
chronifiziert. Darum müsse vom Gericht aus eine Klärung des Tremors stattfinden. Der
Tremor habe bereits bei der letzten Tätigkeit einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin gehabt. Die lapidare Bemerkung, er habe keinen wesentlichen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, sei sibyllinisch. Die Gutachter hätten nicht über die
vollständige Krankengeschichte verfügt (Behandlung Dr. J._, Dr. I._ und Dr. K._).
Die Gutachter würden sich diametral widersprechen und im neuen Gutachten würden
die Beurteilungen der behandelnden Ärzte einschliesslich des Kantonsspitals St. Gallen
als Hirngespinste dargestellt. Auf das bidisziplinäre Gutachten könne nicht abgestellt
werden. Die Beschwerdeführerin berichte, dass sie immer noch observiert werde. Es
liege also eine langandauernde Observation vor. Die dürftige Darstellung der schweren
Kindheit der Beschwerdeführerin im Gutachten genüge den Anforderungen nicht
(act. G6).
Mit Duplik vom 7. Januar 2019 führt die Beschwerdegegnerin aus, der Tremor
finde keine somatische Erklärung. Aus dem von der Beschwerdeführerin eingereichten
Bericht der Klinik Valens vom 16. Januar 2002 lasse sich nicht ableiten, dass der
Tremor durch ein Medikament ausgelöst worden sei. Bei dem von der
Beschwerdeführerin damals schlecht vertragenen Medikament handle es sich um ein
Antidepressivum, von dem keine solchen Nebenwirkungen bekannt seien. Nachdem er
bei der Observation nicht zu beobachten gewesen sei, stehe die Authentizität des
Tremors in Frage. Auf jeden Fall habe er keinen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit, weshalb dieses Thema nicht weiter zu erörtern sei. Durch
den Beizug der früheren Krankengeschichte würde sich kaum Erhellendes zum Thema
ergeben. Im Übrigen sei nicht einzusehen, warum die Beschwerdeführerin diese Akten
nicht selber beibringe. Die Auskunftspflicht der Ärzte gegenüber der IV sei beschränkt.
Dagegen könne die Beschwerdeführerin als Patientin ohne Weiteres in ihre vollständige
Krankengeschichte Einsicht nehmen. Ihre wiederkehrenden Rügen würden vor diesem
Hintergrund querulatorisch anmuten. Von den dem Einwand vom 4. Mai 2018
beigelegten zwei Schreiben Dr. J._s sei mindestens eines falsch datiert. Der viel
zitierte Tremor habe darin keine Erwähnung gefunden, obwohl die angeschriebene
Klinik für Neurologie wahrscheinlich für die Abklärung und Therapie eines solchen
B.d.
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Erwägungen
1.
Leidens zuständig gewesen wäre. Daraus sei zu schliessen, dass der Tremor in der
Wahrnehmung der Beschwerdeführerin und des behandelnden Psychiaters keine
wesentliche Bedeutung gehabt habe. Die Beschwerdegegnerin habe das
Abklärungsverfahren abgeschlossen und tätige keine Überwachung mehr. Von einer
weiteren Begutachtung sei Abstand zu nehmen, da dadurch nicht nur unnötige Kosten
entstehen würden, sondern die Beschwerdeführerin auch in ihrer Krankenrolle weiter
bestärkt würde (act. G8).
Die Beschwerdeführerin macht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend,
weil die Beschwerdegegnerin ihrer Begründungspflicht ungenügend nachgekommen
sei. Das formellrechtliche Vorbringen der Gehörsverletzung ist vorweg zu prüfen.
Soweit die Beschwerdeführerin zusätzlich eine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes geltend macht, weil die Beschwerdegegnerin keine
Berichte von Dr. I._, Dr. J._ und Dr. K._ sowie der Klinik Valens eingeholt habe,
wird auf E. 4 nachstehend verwiesen.
1.1.
Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör.
Ein wesentlicher Bestandteil des Gehörsanspruchs ist die Begründungspflicht. Die
Pflicht der Verwaltung, Verfügungen zu begründen, wenn sie den Begehren der
Parteien nicht voll entsprechen, ist für das Sozialversicherungsrecht in Art. 42 und
Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) normiert. Die Verwaltung hat sich
ausdrücklich mit den konkreten Einwendungen auseinander zu setzen oder zumindest
die Gründe anzugeben, weshalb sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksichtigen
kann (BGE 124 V 183 E. 2b). Dabei ist jedoch nicht erforderlich, dass sie sich mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Dezember 2014,
8C_586/2014, E. 2.2.1). Die Begründung muss wenigstens kurz die Überlegungen
nennen, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid
stützt. Der Zweck der Begründungspflicht liegt darin, dass die betroffene Person die
Verfügung sachgerecht anfechten kann (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Bern/
St. Gallen/ Zürich 2020, Art. 49 N 66 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
1.2.
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2.
Zwar ist die Beschwerdegegnerin nicht auf alle Vorbringen der Beschwerdeführerin
einzeln eingegangen. Sowohl der Vorbescheid als auch die Verfügung sind aber
ausführlich begründet und die für den Entscheid wesentlichen Punkte wurden darin
aufgeführt. Insbesondere ergibt sich aus der Begründung der Beschwerdegegnerin,
dass sie die von der Beschwerdeführerin geforderte Einholung weiterer Akten nicht als
erforderlich erachtete, da sie sich daraus keine wesentlichen zusätzlichen Erkenntnisse
erhoffte. Zudem sah sie die Vorbringen der Beschwerdeführerin zu ihrem
Gesundheitszustand und ihren Einschränkungen nicht als rentenrelevant an. Ob dies
vor Gericht standhält, wird die nachfolgende Überprüfung zeigen. Eine
Gehörsverletzung wegen Verletzung der Begründungspflicht ist jedoch zu verneinen.
1.3.
Die Beschwerdeführerin verlangt die Entfernung der Observationsunterlagen aus
dem Jahr 2016 aus den Akten.
2.1.
Für die von der Beschwerdegegnerin veranlasste Observation fehlte die
gesetzliche Grundlage, womit die Observationsergebnisse unrechtmässig erhoben
worden sind. Beiden Parteien ist das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte (nachfolgend: EGMR) in Sachen Vukota-Bojic gegen Schweiz, Urteil
no. 61838/10, vom 18. Oktober 2016 bekannt, in welchem die Konventionswidrigkeit
festgehalten wurde (zur Verfassungswidrigkeit siehe Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 6. Dezember 2016, IV 2016/145, E. 3, insoweit bestätigt im
Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 2017, 8C_69/2017, E. 5). Anzumerken ist,
dass die Beschwerdegegnerin die Observation abgeschlossen hatte, bevor das Urteil
des EGMR in Sachen Vukota-Bojic ergangen ist. Die Vorwürfe des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin, diese werde weiterhin – mithin auch nach dem Urteil Vukota-Bojic
– von der Beschwerdegegnerin überwacht (vgl. etwa sein Schreiben vom 1. Mai 2017,
IV-act. 139) finden in den Akten keine Stütze.
2.2.
Was die Verwertbarkeit illegal beschaffter Beweismittel anbelangt, so ist das
Bundesgericht im Wesentlichen zur Auffassung gelangt, dass von der IV-Stelle in
Auftrag gegebenes, illegal beschafftes Observationsmaterial grundsätzlich verwertbar
sei, sofern die Überwachung aufgrund ausgewiesener Zweifel eingeleitet sowie im
öffentlich einsehbaren Raum erfolgt sei und die versicherte Person keiner
systematischen oder ständigen Überwachung ausgesetzt gewesen sei. Von einem
absoluten Verwertungsverbot sei insoweit auszugehen, als es sich um Beweismaterial
handelt, das im nicht öffentlich frei einsehbaren Raum zusammengetragen wurde (BGE
143 I 377 E. 5.1 ff. mit Hinweisen; bestätigt etwa im Urteil des Bundesgerichts vom
2.3.
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9. November 2017, 9C_328/2017). Das Bundesgericht räumt dem Interesse des
Sozialversicherers und der Versichertengemeinschaft an der Verhinderung
unrechtmässiger Leistungsbezüge eine vorrangige Stellung in der Interessenabwägung
ein (BGE 143 I 377 E. 5.1.2; Thomas Gächter/Michael E. Meier, Rechtswidrige
Observationen in der IV - Verwertbarkeit der Observationserkenntnisse, Bemerkungen
zum Leitentscheid 9C_806/2016 vom 14. Juli 2017, in: Jusletter vom 14. August 2017,
Rz 104). Wie in der Lehre für die Prüfung der Verwertbarkeit illegal beschafften
Beweismaterials gefordert, ist im Rahmen einer ergebnisoffenen, umfassenden
Interessenabwägung auch den Schutzinteressen der verletzten Rechtsgüter gebührend
Rechnung zu tragen. Die verletzten Rechtsgüter sind einerseits die Privatsphäre der
versicherten Person (Art. 13 BV; Art. 8 der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK; SR 0.101]) und andererseits auch das
Legalitätsprinzip (Art. 5 Abs. 1 BV) als solches (Gächter/Meier, a.a.O., Rz 104; siehe
zum Ganzen beispielhaft den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 14. Dezember
2018, IV 2017/5, E. 2.1 ff.).
Die Observation muss gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung objektiv
geboten sein. Damit ist gemeint, dass konkrete Anhaltspunkte vorliegen müssen, die
Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend
gemachten Arbeitsunfähigkeit aufkommen lassen. Solche Anhaltspunkte können
beispielsweise gegeben sein bei widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person,
oder wenn Zweifel an der Redlichkeit derselben bestehen (eventuell durch Angaben
und Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen
Untersuchung, Aggravation, Simulation oder Selbstschädigung. Diese Elemente
können einzeln oder in Kombination zureichende Hinweise liefern, die zur objektiven
Gebotenheit der Observation führen (vgl. BGE 143 I 377 E. 5.1 i.V.m. BGE 137 I 327
E. 5.4.2.1).
2.4.
Vorliegend stellte der RAD suboptimales Leistungsverhalten sowie relevante
Inkonsistenzen fest, da im Gutachten festgehalten wurde, dass die Beschwerdeführerin
die Medikamente nicht regelmässig nehme und den Empfehlungen der behandelnden
Psychiaterin nicht folge (RAD-Stellungnahme, Dr. med. M._, vom 10. September
2015, IV-act. 66). Die Beschwerdegegnerin entnahm dem SMAB-Gutachten nebst
schlechter Therapie- und Medikamentencompliance, dass eine völlige Lustlosigkeit zur
Verbesserung des Gesundheitszustands aufgefallen sei, die Versicherte keine
Tagesstruktur habe, bis Mittag im Bett liegen bleibe und angeblich ein ausgeprägter
sozialer Rückzug bestehe. Die Beschwerdeführerin sehe sich ausserstande, den
Haushalt zu führen oder einer Arbeit nachzugehen. Die Beschwerdegegnerin hielt
2.5.
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zudem fest, es würden Hinweise auf eine Somatisierungsstörung und starke
Selbstlimitierung vorliegen (IV-act. 67). Weiter stellte die IV-Ärztin Dr. med. N._ fest,
die bisherige medizinische Einschätzung basiere grossenteils auf subjektiven Angaben.
Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Versicherte in ihrem unbeobachteten Alltag ein
deutlich höheres Funktionsniveau als das in den medizinischen Behandlungs- und
Untersuchungssituationen präsentiere. Es stelle sich die Frage, ob die mangelnde
Inanspruchnahme der therapeutischen Optionen tatsächlich im Rahmen der
psychiatrischen Symptomatik zu interpretieren sei oder ob ein nicht ausreichender
Leidensdruck, sekundärer Krankheitsgewinn oder andere Gründe dafür verantwortlich
seien (IV-act. 76-2). Es bestanden somit gestützt auf das SMAB-Gutachten sowie die
Stellungnahme von Dr. M._ und Dr. N._ Zweifel an der Dauer sowie Höhe der
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin.
Die Somatisierungstendenz der Beschwerdeführerin wurde zudem im Bericht des
Kantonsspitals St. Gallen, Rheumatologie und Rehabilitation, vom 5. Oktober 1999 ("im
Gegenteil könnte dies die Somatisierungstendenz der Patientin weiterhin unterstützen",
IV-act. 52-13), im Austrittsbericht des Spitals O._ vom 8. Juni 2015 ("Insgesamt ist
eine Somatisierung im Rahmen der Depression nicht auszuschliessen", IV-act. 64-55)
und im neurologischen Teil des SMAB-Gutachtens ("Zu beachten ist, dass in der
Vorgeschichte in den letzten Jahren multiple andere Somatisierungen vorkamen und
dass bei der klinisch-neurologischen Untersuchung ausgesprochen variable und
unübliche Konstellationen des Zitterns auffallen", IV-act. 64-47) beschrieben. Die
Beschwerdegegnerin durfte insbesondere aufgrund dieser Somatisierungstendenz
davon ausgehen, dass eine unauffällige Beobachtung der alltäglichen Verrichtungen
der Beschwerdeführerin in ihrem häuslichen Umfeld eine zuverlässigere Einschätzung
der bestehenden Leistungsbeeinträchtigungen ermöglichen würde als eine
angekündigte Abklärung innerhalb des sozialversicherungsrechtlichen Kontexts.
Zudem konnte sie sich aufgrund der Beobachtung Hinweise auf den Grund für die
fehlende Behandlungsmotivation erhoffen, die auf andere Weise nicht erhältlich zu
machen gewesen wären, da die Beschwerdeführerin auch gegenüber anderen
medizinischen Fachpersonen dieselben Angaben gemacht hätte.
2.6.
Die Observation erfolgte an elf Tagen während eines Zeitraums von knapp zwei
Monaten (IV-act. 85 f.). Sie erfasste das Verhalten der Beschwerdeführerin im
öffentlichen Raum im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. hierzu
Urteile des Bundesgerichts vom 15. Mai 2019, 8C_837/2018, E. 5.1, und vom 9. März
2012, 8C_830/2011, E. 6.4). Auf ihr Verhalten nahmen die Abklärungspersonen keinen
Einfluss. Unter diesen Umständen war die Observation verhältnismässig (vgl. Urteil des
2.7.
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3.
Bundesgerichts vom 15. Januar 2019, 8C_689/2018, E. 4.1 f.). Ein überwiegendes
privates Interesse an der vollständigen Entfernung des Observationsmaterials ist nicht
auszumachen. Die Observationserkenntnisse sind somit gestützt auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung verwertbar und verbleiben in den Akten.
Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
3.3.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
3.4.
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4.
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 157 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Die urteilenden Instanzen haben
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
3.5.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit
Hinweisen).
3.6.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, auf das bidisziplinäre Gutachten könne
schon deshalb nicht abgestellt werden, weil es nicht in Kenntnis der vollständigen
Vorakten erstellt worden sei. Insbesondere habe die Beschwerdegegnerin es versäumt,
Berichte von Dr. K._ (früherer Neurologe), Dr. J._ (früherer Psychiater) und Dr. I._
(Spezialarzt FMH für Otorhinolaryngologie) einzuholen. Die Beschwerdeführerin macht
damit eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes geltend.
4.1.
Die Beschwerdeführerin reichte einen Bericht Dr. I._s vom 24. April 2015 ein (IV-
act. 164-3). Dieser Bericht lag den SMAB-Gutachtern ebenfalls vor (vgl. IV-act. 64-8).
Dadurch konnten auch die späteren Gutachter von dessen Inhalt Kenntnis nehmen, da
sie über die kompletten Vorakten der Beschwerdegegnerin, namentlich auch das
SMAB-Gutachten, verfügten (vgl. IV-act. 147-3). Dr. I._ hielt in diesem Bericht fest,
der aktuelle Hörverlust von rechts 99.8% und links 69.6% habe sich im Verlauf der
letzten vier Jahre (mithin seit dem Jahr 2011) nicht wesentlich verändert. Die
Abklärungen aus dem Jahr 2011 liegen bei den IV-Akten (IV-act. 18 und 20), über
4.2.
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welche sowohl die SMAB-Gutachter als auch Dr. D._ und Dr. E._ verfügten.
Nachdem das Hörvermögen über vier Jahre stabil geblieben ist, bestand für die
Beschwerdegegnerin kein Anlass, weitere Abklärungen diesbezüglich anzustellen,
zumal die Beschwerdeführerin selbst nie substantiiert geltend machte, ihr
Hörvermögen habe sich erheblich verschlechtert. Da die Beschwerdeführerin zwischen
2011 und 2013 wie schon in den Jahren davor zu 100% erwerbstätig war (die
Kündigung ihrer damaligen Anstellung erfolgte aus wirtschaftlichen Gründen am
29. August 2013 per 30. November 2013; wegen Krankheit verlängerte sich die
Kündigungsfrist bis 31. Mai 2014, vgl. IV-act. 39-10 und 64-23), ist ausgewiesen, dass
ihr eingeschränktes Hörvermögen keine Arbeitsunfähigkeit begründet. Die
Beschwerdegegnerin hat den Untersuchungsgrundsatz somit nicht verletzt, indem sie
keine weiteren Arztberichte bei Dr. I._ eingeholt hat.
Dr. J._ war der vorbehandelnde Psychiater der Beschwerdeführerin. Sie befindet
sich seit dem 22. Januar 2014 bei Dr. G._ in psychiatrischer Behandlung (IV-
act. 36-1). Die IV-Anmeldung erfolgte am 23. Mai 2014 (IV-act. 27), mithin rund vier
Monate nach Beginn der Behandlung bei Dr. G._. Der Rentenanspruch kann
frühestens nach Ablauf des Wartejahrs gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (welches frühestens
mit der ersten Krankschreibung ab 29. August 2013, bzw. ab 17. September 2013
begann, vgl. IV-act. 47-35 bzw. act. G4.2/1-10) und der sechsmonatigen Karenzfrist ab
Anmeldung (Art. 29 Abs. 1 IVG) entstehen, vorliegend also frühestens ab 1. November
2014. Relevant ist folglich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ab
November 2013 (Wartejahr im Sinne eines Jahres vor Ende der Karenzfrist). Für den
Zeitraum ab September 2013 liegt der Bericht der Klinik B._ vom 28. November 2013
über die stationäre Behandlung vom 17. September 2013 bis 26. November 2013 im
Recht (IV-act. 36-3 ff.; vgl. auch den Bericht vom 4. Juni 2014, IV-act. 47-30 ff.).
Danach war die Beschwerdeführerin nicht mehr bei Dr. J._, sondern bei Dr. G._ in
Behandlung. Dr. J._ kann lediglich über den Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin während der bei ihm erfolgten Behandlung Auskunft erteilen. Wie
sich der Gesundheitszustand ab November 2013 darstellte, kann er also nicht mehr
beurteilen. Dies obliegt vielmehr der Beurteilung der Klinik B._ und Dr. G._s.
Vertiefte oder zusätzliche Erkenntnisse waren (und sind) demnach von einem
Arztbericht Dr. J._s nicht zu erwarten. Der Untersuchungsgrundsatz gebietet mithin
nicht, einen Arztbericht von Dr. J._ einzuholen.
4.3.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei schon vor der Kündigung 2013
psychisch krank gewesen. Die Kündigung sei nicht der Auslöser für ihre psychische
4.4.
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Erkrankung gewesen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass ihre Behandlung
aktenkundig ist und den SMAB- wie auch den bidisziplinären Gutachtern bekannt war.
Beispielsweise gab die Beschwerdeführerin schon anlässlich des Gesprächs zur
Früherfassung vom 22. Mai 2014 gegenüber der Beschwerdegegnerin an, sie sei schon
seit Jahren in psychotherapeutischer Behandlung. Trotzdem habe sie immer
gearbeitet. Im Frühling 2013 hätten sich die depressiven Beschwerden verstärkt und
Dr. J._ habe zu einem Klinikeintritt geraten. Ende August sei sie dann
krankgeschrieben worden, worauf umgehend die Kündigung des Arbeitgebers erfolgt
sei. Da sei "etwas explodiert" in ihrem Kopf. Ihre Beschwerden hätten sich massiv
verstärkt (IV-act. 30-2).
4.4.1.
Die Klinik B._ hielt mit Bericht vom 28. November 2013 fest: "Erste
Hospitalisation aufgrund einer seit Jahren bestehenden depressiven und Angststörung,
chronifiziert, psychisch mitbedingte Kopfschmerzen mit Dekompensation nach
Arbeitsplatzverlust." (IV-act. 36-6). Aus diesem Bericht geht wie aus dem Gespräch zur
Früherfassung hervor, dass die Beschwerdeführerin seit langem in psychiatrischer
Behandlung stand, dass die Dekompensation aber mit der Kündigung der Arbeitsstelle
erfolgte.
4.4.2.
Die SMAB-Gutachter hielten in der Konsens-Beurteilung fest, bei der
Beschwerdeführerin sei es bei langjährig bestehender rezidivierender depressiver
Störung ab Anfang 2013 zu einer schweren depressiven Episode gekommen (IV-
act. 64-13 und 64-18). Gegenüber dem psychiatrischen SMAB-Gutachter äusserte die
Beschwerdeführerin, eine Depression sei erstmals 2003 aufgetreten. Soweit sie sich
erinnere, sei damals aufgrund von Problemen der Firma ihre Arbeitsstelle in Gefahr
gewesen. Zu einer Verschlechterung der Depression sei es gekommen, nachdem ab
Frühjahr 2013 deutlich geworden sei, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren werde (IV-
act. 64-21). Die SMAB-Gutachter haben damit offenkundig richtig erfasst, dass die
Beschwerdeführerin bereits vor 2013 in psychiatrischer Behandlung war. Zudem war
es die Beschwerdeführerin selbst, die den SMAB-Gutachtern gegenüber (wie bereits
schon früher gegenüber anderen Stellen) mitteilte, dass die psychische
Dekompensation mit dem befürchteten und dann eingetretenen Verlust der
Arbeitsstelle zusammenhing.
4.4.3.
Dr. D._ hielt fest, dass die depressive Symptomatik bereits 2003 erwähnt
werde (IV-act. 147-63). Ausserdem hat die Beschwerdeführerin auch ihm gegenüber
angegeben, dass die Kündigung 2013 eine massive Verschlimmerung ausgelöst habe
("sie wisse nur, dass etwas in ihrem Kopf kaputt gegangen sei", als sie die Kündigung
4.4.4.
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erhalten habe, IV-act. 147-47). Seit der Kündigung gehe es immer gleich schlecht oder
sogar noch schlechter (IV-act. 147-63). Schliesslich wird in der neuropsychologischen
Beurteilung vom 24. November 2017 festgehalten, die beklagten Symptome hätten
sich gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin schleichend entwickelt. Erst vor
ungefähr vier Jahren sei es in ihrem Kopf "explodiert", sie habe dann "alles
aufgegeben" (IV-act. 149-2).
Nach dem Gesagten wurde die psychiatrische Anamnese hinreichend erhoben.
Die Feststellung, dass die Kündigung der Arbeitsstelle mit einer Verschlechterung des
Gesundheitszustands einherging, ist nicht zu beanstanden, zumal die
Beschwerdeführerin selbst angab, dass sie bis ins Jahr 2013 "immer gearbeitet" habe
(IV-act. 30-2). Sowohl sie selbst als auch ihre Behandler machen mithin geltend, die
langandauernde Arbeitsunfähigkeit sei 2013 eingetreten. Weitere Erhebungen zum
gesundheitlichen Vorzustand (psychiatrische Behandlung vor 2013) waren somit nicht
notwendig.
4.4.5.
Die Beschwerdeführerin rügt, die Beschwerdegegnerin habe den Bericht der Klinik
Valens aus dem Jahr 2002 nicht eingeholt. Aus diesem gehe hervor, dass die
Beschwerdeführerin damals bereits psychisch erkrankt gewesen sei und einen Tremor
der rechten Hand entwickelt habe (act. G1 und G6). Zwischenzeitlich hat die
Beschwerdeführerin diesen Bericht selbst eingereicht (act. G6.1). Daraus ergibt sich,
dass die Beschwerdeführerin in der Klinik Valens nicht wegen einer Depression (damals
wurde als Diagnose lediglich eine – definitionsgemäss zeitlich begrenzte –
Anpassungsstörung mit ängstlich-depressiver Reaktion diagnostiziert) oder
Agoraphobie, sondern wegen Schmerzen (Schmerzsyndrom) behandelt wurde, wobei
vornehmlich ein Ergonomietraining durchgeführt wurde. Bezüglich Tremor der rechten
Hand wurde lediglich eine Verdachtsdiagnose gestellt (V.a. essentiellen Tremor,
act. G6.1). Aus diesem Bericht ergeben sich folglich keine relevanten medizinischen
Erkenntnisse, welche bei der Begutachtung der Beschwerdeführerin hätten
berücksichtigt werden müssen bzw. nicht ohnehin schon berücksichtigt worden sind.
Dies war auch nicht zu erwarten, zumal die Beschwerdeführerin nach ihrem
Klinikaufenthalt in Valens 2001 noch über zehn Jahre berufstätig war, zuletzt in einem
100%-Pensum bei ihrer letzten Arbeitgeberin (siehe hierzu Auszug aus dem
Individuellen Konto, IV-act. 34).
4.5.
Die Beschwerdeführerin verlangt die Einholung eines Arztberichts bzw. der
Krankengeschichte bei Dr. K._. Dabei handelt es sich gemäss beiden Parteien um
den Vorbehandler von Dr. med. P._, Spezialärztin Neurologie FMH, welche dessen
Praxis übernommen hat. Dr. P._ behandelt die Beschwerdeführerin schon seit
4.6.
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5.
spätestens 2010 (vgl. Arztbericht Dr. P._ vom 13. Dezember 2010, IV-act. 52-21 ff.).
Es ist deshalb nicht ersichtlich, inwiefern aus einem Bericht von Dr. K._ vertiefte
medizinische Erkenntnisse gewonnen werden könnten. Die Beschwerdegegnerin war
somit nicht verpflichtet, diesbezüglich weitere Abklärungen vorzunehmen.
Als Zwischenfazit kann festgehalten werden, dass die Beschwerdegegnerin den
Sachverhalt grundsätzlich rechtsgenüglich abgeklärt hat.
4.7.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, auf das bidisziplinäre Gutachten sei nicht
abzustellen. Stattdessen sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 100% gemäss SMAB-
Gutachten auszugehen. Es ist deshalb nachfolgend zu klären, ob das bidisziplinäre
Gutachten Dr. D._s und Dr. E._s beweiskräftig ist.
5.1.
Das bidisziplinäre Gutachten stützt sich auf die vollständigen Vorakten, welche
nach dem Gesagten nicht durch weitere Arztberichte früherer Behandler ergänzt
werden müssen. Beide Gutachter nahmen eine persönliche Untersuchung vor,
anlässlich welcher die Beschwerdeführerin ihre Beschwerden schildern konnte. Zudem
wurde die Beschwerdeführerin neuropsychologisch abgeklärt (IV-act. 149). Das
Gutachten erfüllt somit die Anforderung, auf allseitigen Untersuchungen zu beruhen, in
Kenntnis der Vorakten ergangen zu sein und die beklagten Beschwerden
berücksichtigt zu haben. Es ist für die Fachgebiete Psychiatrie und Neurologie
umfassend und leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und
der medizinischen Situation grundsätzlich ein. Seine Schlussfolgerungen sind
begründet und nachvollziehbar. Damit erfüllt es grundsätzlich die Kriterien an ein
beweiskräftiges Gutachten. Zu prüfen bleibt, ob die Vorbringen der
Beschwerdeführerin bzw. die im Recht liegenden Berichte der Behandler sowie das
SMAB-Gutachten an den Ergebnissen der bidisziplinären Begutachtung Zweifel zu
wecken vermögen.
5.2.
Weshalb die Einholung weiterer Arztberichte und medizinischer Unterlagen bei den
Dres. I._, J._ und K._ sowie der Klinik Valens nicht erforderlich war, wurde
vorstehend bereits erläutert (E. 4).
5.3.
Auch auf das Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie sei schon vor 2013
psychisch krank gewesen, wurde bereits eingegangen (siehe E. 4.4 vorstehend). An
dieser Stelle ist lediglich noch einmal zu erwähnen, dass Dr. D._ und Dr. E._
bekannt war, dass die Beschwerdeführerin schon Jahre vor dem Verlust ihrer
5.4.
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Arbeitsstelle in psychiatrischer Behandlung stand. Insofern ist das bidisziplinäre
Gutachten beweiskräftig.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, ihre Schwerhörigkeit sei von den Gutachtern
nicht berücksichtigt worden. Ihr Hörvermögen ist jedoch weder dem psychiatrischen
noch dem neurologischen Fachgebiet zugeordnet und war schon aus diesem Grund
nicht von Dr. D._ und Dr. E._ zu beurteilen. Die beiden Gutachter hielten explizit
fest, dass weder auf neurologischem noch auf psychiatrischem Fachgebiet eine
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne (IV-act. 148-1).
Diagnosen aus anderen Fachgebieten wurden demnach von ihnen korrekterweise nicht
gestellt. Auch für das SMAB-Gutachten wurde kein entsprechender Facharzt
(Otorhinolaryngologie) beigezogen (vgl. IV-act. 64-1). Für beide Begutachtungen war
ein Beizug eines Otorhinolaryngologen auch nicht notwendig. Das Hörvermögen der
Beschwerdeführerin ist nachweislich eingeschränkt, ihr ist aber mittels Hörgeräten die
Wahrnehmung von Geräuschen sowie die Kommunikation möglich. Insbesondere
konnte die Beschwerdeführerin Gespräche mit den Verantwortlichen der
Beschwerdegegnerin ebenso führen wie mit den Gutachtern bzw. den Dolmetschern,
welche anlässlich der Gutachten übersetzten. Dr. E._ erwähnt denn auch, die
Übersetzerin habe in normaler Zimmerlautstärke gesprochen und die
Beschwerdeführerin habe dies gut verstanden (IV-act. 146-11). Anlässlich der
neuropsychologischen Beurteilung vom 24. November 2017 war es der
Beschwerdeführerin ohne Weiteres möglich, den auditiv vorgegebenen Anweisungen
zu folgen. Es liessen sich während der gesamten Abklärung keine
Verständnisschwierigkeiten feststellen (IV-act. 149-3). Auch aus dem
Observationsmaterial ergeben sich keine Hinweise darauf, dass die
Beschwerdeführerin durch ihr vermindertes Hörvermögen im Alltag wesentlich
eingeschränkt ist. Insbesondere war es ihr möglich, sich in einem Geschäft mit ihrem
Ehemann über Einkaufsartikel zu beraten (IV-act. 85-11 f.) und sich vor dem Haus mit
einem Mann und einem Kind zu unterhalten (IV-act. 85-17). Wie bereits erwähnt, blieb
der Hörverlust sodann über Jahre hinweg stabil, wobei die Beschwerdeführerin 100%
erwerbstätig sein konnte (siehe E. 4.2 vorstehend). Der Hinweis auf ihre
Schwerhörigkeit vermag nach dem Gesagten keine Zweifel am bidisziplinären
Gutachten (oder auch am SMAB-Gutachten) zu wecken.
5.5.
Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, ihre schwere Kindheit sei nur dürftig
dargestellt und bei der Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht
berücksichtigt worden. Sie bezieht sich dabei darauf, dass sie als Neunjährige die
Mutter, wenig später einen älteren Bruder und schliesslich als Elfjährige den Vater
5.6.
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verloren hat, danach von einer Tante aufgezogen worden sei und keine Ausbildung
habe absolvieren können. Dies wird im Bericht der Klinik B._ vom 28. November
2013 ebenso ausgeführt wie im SMAB-Gutachten und im bidisziplinären Gutachten (IV-
act. 36-4, 64-22 und 147-61), war somit den Gutachtern ebenso wie den Behandlern
bekannt. Solche Ereignisse in der Kindheit führen aber nicht ohne Weiteres zu
psychiatrischen Diagnosen oder einer Arbeitsunfähigkeit im Erwachsenenalter. Die
Beschwerdeführerin war denn auch über 20 Jahre lang in der Lage, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen, zuletzt bis ins Jahr 2013 in einem 100%-Pensum. Für
den Zeitraum der Kindheit und Jugend hat die Beschwerdeführerin selbst in der
neuropsychologischen Beurteilung vom 24. November 2017 keine Einschränkungen
angegeben (IV-act. 149-2). Für das Erwachsenenalter und insbesondere den Zeitraum
ab 2013 geben zudem auch die Behandler, insbesondere Dr. G._, keine
psychiatrische Erkrankung als Folge der in der Kindheit und Jugend erlebten Ereignisse
an.
Die Beschwerdeführerin bemängelt, der Tremor der rechten Hand sei ungenügend
abgeklärt worden. Dem kann nicht zugestimmt werden. Schon im SMAB-Gutachten
klärte der neurologische Gutachter den Tremor ausführlich ab. Er hielt insbesondere
fest: "Es fallen auch ausgesprochen variable und unübliche Konstellationen der
klinischen Ausprägung des Tremors der rechten Hand auf. Zu beobachten sind die
variable Frequenz sowie die Reduktion oder gar das Verschwinden des Zitterns bei
Ablenkung oder im beiläufigen Gespräch." (IV-act. 64-46). Zu beachten sei, dass in der
Vorgeschichte multiple Somatisierungen vorgekommen seien. Ein wichtiges Kriterium
bei einem nicht organischen Zittern sei die tastbare muskuläre Vorspannung der
Extremität, die hier deutlich vorhanden sei, einerseits tonisch, dann aber auch
zahnradartig. Bei wiederholten Ablenkungen während der Untersuchung verschwinde
das Zittern weitgehend. Die Beurteilung als dystoner Tremor werde von den SMAB-
Gutachtern deshalb nicht geteilt, sie hätten auch keine anderweitige Dystonie
feststellen können. Trotz des Zitterns konnte bei der Untersuchung keine wesentliche
Beeinträchtigung in alltäglichen Verrichtungen festgestellt werden (IV-act. 64-47).
Gestützt auf die Observationsergebnisse kommt Dr. E._ sodann zum Schluss, dass
die Beschwerdeführerin "völlig normal bimanuell ohne relevante Einschränkung tätig
sein kann." (IV-act. 146-10). Dr. E._ begründet im Weiteren ausführlich, weshalb kein
dystoner Tremor vorliegt und mit einiger Wahrscheinlichkeit von einem psychogenen
Tremor ausgegangen werden müsse (IV-act. 146-13 f.). Beide Gutachten sind in
diesem Punkt nachvollziehbar und nicht zu beanstanden. Unabhängig vom Ursprung
des Tremors hat dieser keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdeführerin
kann beidhändig tätig sein. Sie hat das im Übrigen in der Vergangenheit schon
5.7.
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bewiesen. Aus dem von ihr selbst eingereichten Bericht der Klinik Valens vom
16. Januar 2002 ergibt sich, dass der Tremor schon damals vorlag. Die
Beschwerdeführerin gibt zudem selbst an, dass ihr deshalb an ihrer letzten
Arbeitsstelle Mitarbeiterinnen beim Einfädeln geholfen hätten. Dennoch konnte sie mit
dem Tremor noch über zehn Jahre lang erwerbstätig sein, zuletzt bis Sommer 2013 in
einer 100% Anstellung. Arztberichte, welche die Einschätzung des SMAB-Gutachters
und Dr. E._s in Zweifel ziehen, liegen nicht im Recht. Damit ist auch der in der Replik
gestellte Antrag der Beschwerdeführerin, bei der letzten Arbeitgeberin einen
Augenschein zu nehmen oder ihre ehemaligen Mitarbeiterinnen als Zeuginnen zu
befragen, abzuweisen.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Übersetzung sei nicht in allen Teilen
korrekt erfolgt. Sie habe beispielsweise nicht gesagt, dass sie bis am Mittag im Bett
bleibe. Gemäss den Akten hat die Beschwerdeführerin gegenüber den verschiedenen
SMAB-Gutachtern leicht variierende Angaben gemacht. So hat sie gegenüber dem
neurologischen SMAB-Gutachter offenbar geäussert, ihre Töchter würden sie am
Morgen wecken, sonst würde sie einfach bis 12:00 Uhr liegen bleiben (IV-act. 64-44).
Dem psychiatrischen Gutachter erzählte sie offenbar, sie stehe zwischen 7:00 und 8:00
Uhr auf, teilweise bleibe sie aber auch bis zum frühen Nachmittag im Bett (IV-
act. 64-21). Gegenüber dem internistischen Gutachter äusserte die
Beschwerdeführerin, dass sie zwischen 7:00 und 10:00 Uhr aufstehe. Sie sei nicht in
der Lage, alleine aufzustehen. Die Kinder oder der Ehemann würden sie wecken (IV-
act. 64-38). Diese Angaben wirken differenziert. Auch aus den übrigen Schilderungen in
den Gutachten entsteht nicht der Eindruck, die Übersetzung könnte in wesentlichen
Teilen fehlerhaft sein. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin, wie ihr Hausarzt Dr.
H._ betont, gut deutsch spricht (IV-act. 158). Es ist deshalb davon auszugehen, dass
sie ihre Dolmetscher bei groben Falschübersetzungen korrigiert hätte, zumal, wenn es
sich um lebensnahe Angaben wie etwa den Tagesablauf gehandelt hätte. Im Übrigen
wurden von Dr. D._, Dr. E._ und den SMAB-Gutachtern verschiedene Dolmetscher
beigezogen. Sprachliche Verständigungsschwierigkeiten wurden keine vermerkt.
5.8.
Die Beschwerdeführerin beantragt, für die Arbeitsfähigkeitsschätzung sei auf das
SMAB-Gutachten abzustellen und von einer vollen Arbeitsunfähigkeit aus psychischen
Gründen auszugehen. Dr. D._ begründete indes ausführlich, weshalb er keine
psychiatrische Diagnose stellen kann und von den Einschätzungen der Behandler
sowie dem Vorgutachter abweicht. Insbesondere führte er aus, bei der aktuellen
Untersuchung habe die Beschwerdeführerin eine gewisse depressive Symptomatik
demonstriert und beschrieben. Allerdings sei bereits im Gespräch eine starke
5.9.
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Aggravation aufgefallen (siehe hierzu IV-act. 147-63 ff.). Die Beschwerdeführerin habe
angegeben, dass sie sich im Beisein der Töchter wohl fühle und es ihr beim Gang zur
nahegelegenen Kapelle gut gehe, was sich allerdings rasch verändere, wenn sie wieder
daheim sei. Bei Vorliegen einer depressiven Verstimmung wäre die Beschwerdeführerin
hingegen nicht auslenkbar und es würde sich nichts an ihrer Befindlichkeit ändern. Es
würden sich daher keine eindeutigen und zuverlässigen Hinweise für das Vorliegen
einer depressiven Episode finden (IV-act. 147-65 f.). Eine generalisierte Angststörung
dürfe aus formalen Gründen nicht neben einer Depression diagnostiziert werden (IV-
act. 147-67). Eine Persönlichkeitsstörung werde übereinstimmend mit dem
Vorgutachter ausgeschlossen (IV-act. 147-67). Invaliditätsfremde Faktoren würden eine
wesentliche Rolle spielen (zur Dekompensation sei es nach dem Arbeitsplatzverlust
gekommen. Die Beschwerdeführerin spreche die deutsche Sprache schlecht, sie habe
keine Berufsausbildung abgeschlossen, die Familie wäre auf ihr Einkommen
angewiesen. Gegenwärtig werde sie von ihren Kindern unterstützt, ein für sie schwer
auszuhaltender Zustand. Auch sei die Beschwerdeführerin natürlich in einem etwas
fortgeschrittenen Alter; IV-act. 147-68). Wichtig ist im vorliegenden Kontext auch die
Feststellung Dr. D._s, der Vorgutachter sei davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeschilderung der Beschwerdeführerin zuverlässig gewesen sei. Diesem
seien die Observationsergebnisse und vor allem auch die Ergebnisse der aktuellen
neuropsychologischen Untersuchung nicht zur Verfügung gestanden (IV-act. 147-73).
Dr. D._ hielt weiter fest, es würden erhebliche Diskrepanzen zwischen
Beschwerdeschilderung und dem gezeigten Verhalten bzw. der Aktenlage bestehen.
Das Verhalten der Beschwerdeführerin bei der Observation sei mit den
Einschränkungen, wie sie in den Vorakten dokumentiert seien, nicht vereinbar. Mit den
Schilderungen der Aktivitäten bei der aktuellen Untersuchung seien sie doch deutlich
besser vereinbar. Die Beschwerdeführerin habe bei der aktuellen Untersuchung
gewisse Aktivitäten eingeräumt, allerdings auch nicht widerspruchsfrei (IV-act. 147-77).
Dr. G._ machte zwar mit ihrem Verlaufsbericht vom 25. März 2018 geltend, die
neuropsychologische Untersuchung habe widergespiegelt, dass die
Beschwerdeführerin sehr schnell abgelenkt sei. Dem kann nicht gefolgt werden.
Einerseits wird in den Akten dokumentiert, dass die Beschwerdeführerin ihren Blick
nicht, wie vorgängig durch die Dolmetscherin erläutert, auf den Bildschirm richtete und
auf die relevanten Reize reagierte (rasches Betätigen der Antworttaste), sondern immer
wieder aus dem Fenster schaute und dabei wahllos die Antworttaste betätigte (IV-
act. 149-11). Andererseits waren die Testergebnisse (mit Ausnahme eines
grenzwertigen Testergebnisses) deutlich auffällig und wiesen damit auf eine
Antwortverzerrung hin. Die hoch auffälligen Schwankungen der
5.10.
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Reaktionsgeschwindigkeit der Beschwerdeführerin sind für die Simulationssensibilität
des Alertness-Tests von Bedeutung. Das Verhalten der Beschwerdeführerin anlässlich
dieser Untersuchung hatte zur Folge, dass aus den erzielten Daten keine Aussage über
ihre Arbeitsfähigkeit aus rein neuropsychologischer Sicht gemacht werden konnte (IV-
act. 149-10 ff.). Dr. G._ hält sodann an der Diagnose sowohl einer Depression wie
auch einer generalisierten Angststörung fest, obschon Dr. D._ in seinem Gutachten
darauf hingewiesen hat, dass die Kombination einer depressiven Episode mit einer
generalisierten Angststörung nach ICD-10 nicht in Frage kommt. Im ICD-10 werde
dazu explizit ausgeführt, dass ein vorübergehendes Auftreten anderer Symptome
während jeweils weniger Tage, besonders von Depression, eine generalisierte
Angststörung als Hauptdiagnose nicht ausschliesse, der Betreffende aber nicht die
vollständigen Kriterien für eine depressive Episode erfüllen dürfe (IV-act. 147-67). Damit
hat sich die behandelnde Psychiaterin ebenso wenig auseinandergesetzt wie mit der
von Dr. D._ beschriebenen Auslenkbarkeit der Beschwerdeführerin, welche ebenfalls
gegen eine depressive Erkrankung spricht.
Nach dem Gesagten wecken weder die Ausführungen der Beschwerdeführerin
noch die im Recht liegenden Arztberichte ernsthafte Zweifel am Ergebnis der
bidisziplinären Begutachtung. Ein nicht auflösbarer Widerspruch zum SMAB-Gutachten
besteht nicht. Vielmehr ist die abweichende Diagnosestellung und Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar und einleuchtend erklärt. Das bidisziplinäre Gutachten
ist demnach beweiskräftig und es ist darauf abzustellen. Die Gutachter hielten fest, es
sei nicht auszuschliessen, dass zu einem früheren Zeitpunkt die Kriterien einer
depressiven Episode erfüllt gewesen seien. Überwiegend wahrscheinlich sei dies
während des ersten Aufenthalts in der Klinik B._ der Fall gewesen. Nicht plausibel sei
die seither diagnostizierte anhaltende schwere depressive Episode. Diese Diskrepanz
sei damit zu erklären, dass sich die Behandler und der Vorgutachter in erster Linie auf
die Angaben der Explorandin gestützt hätten (IV-act. 147-66). Formal könne man eine
100%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit während der Klinikaufenthalte und der
Tagesklinikaufenthalte begründen, zuvor und danach aber nicht (IV-act. 147-80).
Gemäss den getätigten Schlussfolgerungen ist somit davon auszugehen, dass lediglich
als Reaktion auf den Arbeitsplatzverlust eine gravierende depressive Verstimmung
aufgetreten ist. Für die übrige Zeit ist mangels Diagnosen sowie festgestellten
Einschränkungen davon auszugehen, dass eine Arbeitsunfähigkeit nicht ausgewiesen
ist.
5.11.
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6.