Decision ID: 0aedfe4c-0ebf-4bb8-af92-711a5475c52b
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ arbeitete seit 1. Juli 2010 zunächst als Projektleiter und ab 1. Januar 2013
als Leiter der gesamten Supply Chain des Werks für die D._ AG (siehe das
Arbeitszeugnis vom 30. November 2016, act. G 9.5), und war dadurch bei der B._
berufsvorsorgeversichert (siehe den Vorsorgeausweis per 1. Januar 2013, act. G 1.13).
Am 28. Juli 2013 kollidierte er bei der Fahrt mit seinem Motorrad unverschuldet mit
einem entgegenkommenden Motorrad und zog sich dabei einen doppelten, offenen
Unterarmbruch links, einen Schlüsselbeinbruch links, einen Abbruch am
Schädelknochen am Hinterkopf und eine schwere Nerventraumatisierung des linken
Armplexus zu. Aufgrund eines unfallbedingten Schlags auf den Sehnerv litt er während
ungefähr dreieinhalb Monaten an Doppelbildern (siehe den Rapport der Kantonspolizei
Uri vom 13. Oktober 2013, act. G 1.4, sowie den Austrittsbericht der Kliniken E._
vom 5. November 2013 über die vom 8. August bis 17. Oktober 2013 erfolgte
Rehabilitation, act. G 1.7).
A.a.
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Die behandelnde PD Dr. med. F._, Oberärztin Neurologie an den Kliniken E._,
berichtete am 14. April 2015, der Versicherte habe am 9. März 2015 seine Tätigkeit als
Projektleiter mit einem 50%igen Pensum wieder aufgenommen. Aktuelles
Hauptproblem bleibe weiter das erhebliche neuropathische Schmerzsyndrom des
linken Arms. Aufgrund der Ressourcen zehrenden Schmerzsymptomatik, die vom
Versicherten häufige Gegenmassnahmen erfordere, werde eine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit (derzeit 50 %) allenfalls in kleinen Schritten empfohlen.
Empfehlenswert sei eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit um 10 % mit einer
Beobachtungsdauer von 2 Monaten. Falls diese toleriert werde, könne dann
versuchsweise eine weitere Steigerung um 10 % erfolgen. Eine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit auf «perspektivisch» mehr als 60 bis 70 % sei nach gegenwärtigem
Kenntnisstand nicht anzustreben, um keine Rückfälle hervorzurufen. Eine erhebliche
Besserung des Schmerzsyndroms sei nicht mehr zu erwarten (act. G 18.1). Der im
Schmerzzentrum am Kantonsspital St. Gallen (KSSG) behandelnde Leitende Arzt
Dr. med. G._ stellte die Diagnose einer anhaltenden Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Charakteren und berichtete, dass der Versicherte seit
anfangs September 2015 im Rahmen einer Testphase 100 % arbeite. Die
Arbeitszeitbelastung sei für ihn hoch bis zu hoch, dies gemessen an den
durchzuführenden Therapien (Ergotherapie, Physiotherapie, Psychotherapie, MTT).
Insgesamt zeige sich ein sehr erfreulicher Verlauf der Schmerzerkrankung (Bericht vom
10. November 2015, act. G 1.8).
A.b.
Am 11. Mai 2016 wurde der Versicherte in der Klinik für Plastische Chirurgie und
Handchirurgie am Spital H._ operiert (1. Osteosynthesematerialentfernung Ulna links
und 2. motorische Ersatzplastik an der oberen Extremität links mit Sehnentransfer FCU
auf EDC Unterarm links, Muskeltransfer M. trapezius [Pars transversa] auf
M. infraspinatus-Sehne und Release des Ansatzes des M. subscapularis am prox.
Humerus). Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen gaben im
Austrittsbericht vom 6. Juni 2016 über den Aufenthalt des Versicherten vom 10. bis
27. Mai 2016 an, der postoperative Verlauf habe sich problemlos gestaltet. Dem
Versicherten wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 10. Mai bis 10. Juni 2016
(act. G 6.3) und vom 14. Juni bis 14. August 2016 (act. G 6.4) bescheinigt. Seine
Arbeitgeberin kündigte ihm am 17. August 2016 per 30. November 2016 und stellte ihn
A.c.
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gleichentags von der Arbeitsleistung frei (act. G 6.5). Der Versicherte führte gegenüber
der Case Managerin der Suva am 21. September 2019 aus, er habe seine Arbeit am
15. August 2016 wieder zu 100 % aufgenommen. Nach der Kündigung sei es ihm sehr
schlecht gegangen und die Schmerzen hätten zugenommen. Deswegen sei er seit
1. September 2016 wieder zu 100 % arbeitsunfähig (act. G 6.6).
Am 8. Dezember 2016 wurde der Versicherte vom Kreisarzt Dr. med. I._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
untersucht. Dieser hielt im Bericht vom 12. Dezember 2016 fest, es liege eine schwere
Restlähmung im Bereich des linken Arms vor mit einer geringen aktiven Beweglichkeit
im Bereich der Schulter, einer ordentlichen Beweglichkeit aktiv im Ellbogen und
minimer aktiver Bewegungsmöglichkeit im Handbereich. Funktionell entspreche die
aktuelle Situation weitgehend einem einhändigen Patienten. Der Versicherte sei
offenbar erschöpft von all den Bemühungen um seine motorischen Fortschritte und als
Arbeitsloser demoralisiert. Nach längerem Gespräch habe er allerdings erwähnt, dass
er eine Anstellung für eine Bürotätigkeit in Aussicht habe. Um diese
Eingliederungsmöglichkeit offen zu halten, werde die Arbeitsfähigkeit bezogen auf
diese leidensangepasste Tätigkeit ab 12. Dezember 2016 auf 75 % festgelegt. Dabei
handle es sich um eine zeitliche Einschränkung (vermehrte Pausen als
Angewöhnungsphase). Der Kreisarzt Dr. I._ ging davon aus, dass eine volle
Arbeitsfähigkeit für eine geeignete Tätigkeit in 3 bis 4 Monaten erreicht sein dürfte (act.
G 9.6). Vom 9. bis 31. Januar 2017 erfolgte in der Rehaklinik Bellikon eine berufliche
Grundabklärung. Die berufliche Anschlusslösung habe sich insofern konkretisiert, als
der Versicherte am 1. Februar 2017 eine Anstellung als Betriebsleiter bei der J._ AG
beginnen könne. Die berufliche Abklärung habe sich deshalb in Richtung Erprobung
von verschiedenen Hilfsmitteln am Computer verändert. Der Versicherte leide täglich an
starken Schmerzen, weshalb unklar sei, ob eine volle Leistungsfähigkeit und ein volles
Pensum umsetzbar sein würden (Bericht vom 30. Januar 2017, act. G 1.21; zur
Anstellung als «Betriebsleiter 100 %» ab 1. Februar 2017 und der damit verbundenen
Berufsvorsorgeversicherung bei der C._ [nachfolgend: Allianz] siehe den
Arbeitsvertrag vom 14. / 15. Dezember 2016, act. G 6.9).
A.d.
Der Versicherte orientierte die Case Managerin der Suva am 28. Februar 2017,
dass er gut bei der neuen Arbeitgeberin gestartet sei. Er arbeite täglich etwa
A.e.
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10 Stunden. Die Arbeit lenke ihn ab und er gehe richtig auf in der Arbeit. Es gehe ihm
gut (act. G 9.10). Am 31. März 2017 wurde der Versicherte vom Kreisarzt Dr. med.
K._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, untersucht. Dieser ging von einem stationären medizinischen
Zustand bezüglich der Unfallfolgen aus und bescheinigte eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
für die vom Versicherten ausgeübte Tätigkeit (Bericht vom 3. April 2017, act. G 6.10).
Gegenüber dem Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen berichtete der Versicherte am 20. April 2017, er sei zu 100 % arbeitsfähig
und durch die vielen Aufgaben im Alltag und den hektischen Betrieb gut abgelenkt von
den Schmerzen. Er spüre nur noch wenig Schmerzen durch den Tag. Allerdings habe
er am Abend dafür mehr Schmerzen. Es sei aber «aushaltbar» (act. G 6.11, S. 10).
A.f.
Im Bericht vom 20. Juni 2017 zum vom 6. Februar bis 20. Juni 2017 erfolgten
Coaching am Arbeitsplatz legten die Fachpersonen der Rehaklinik Bellikon dar, trotz
seiner gesundheitlichen Einschränkungen scheine der Versicherte die berufliche
Aufgabe gut zu meistern. Er erbringe gemäss Arbeitgeberin sehr gute Leistungen. Es
müsse abgewartet werden, ob der Versicherte auch längerfristig so hohe Leistungen
werde erbringen können (act. G 6.12).
A.g.
Die J._ AG kündigte am 22. September 2017 das Arbeitsverhältnis mit dem
Versicherten auf den 31. März 2018 (act. G 1.14). Gemäss der gegenüber der Case
Managerin der Suva am 27. Dezember 2017 geäusserten Darstellung des Versicherten
war er im Rahmen einer Übernahme der Arbeitgeberin durch eine andere Gesellschaft
wegen schlechten Geschäftsgangs zum «Opfer» geworden. Er werde sich nun eine
neue Arbeitsstelle suchen, die Suva müsse vorläufig nichts machen. Bis zur
Umstrukturierung sei «alles Tip Top» gewesen und die Arbeit habe ihm gut gefallen
(act. G 9.14).
A.h.
Mit Verfügung vom 6. Februar 2018 sprach die IV-Stelle des Kantons St. Gallen
dem Versicherten vom 1. Juli bis 31. Oktober 2014 eine ganze Invalidenrente, vom
1. November 2014 bis 30. September 2015 und vom 1. Mai bis 31. August 2016 eine
halbe Invalidenrente sowie vom 1. September bis 31. Dezember 2016 eine ganze
Invalidenrente je samt Kinderrenten zu (act. G 6.1).
A.i.
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B.
Die J._ AG stellte den Versicherten ab 1. April 2018 als Projektleiter
Prozessoptimierung mit einem 80%igen Beschäftigungsgrad an, wodurch die
Berufsvorsorgeversicherung bei der Allianz fortbestand (Arbeitsvertrag vom 26. März/
3. April 2018, act. G 1.16).
A.j.
Mit Verfügung vom 2. August 2018 sprach die Suva dem Versicherten vom
1. Februar 2017 bis 31. März 2018 eine Rente für einen 13%igen Invaliditätsgrad und
ab 1. April 2018 eine Rente für einen 48%igen Invaliditätsgrad zu (act. G 1.2).
A.k.
Die IV-Stelle des Kantons L._ sprach dem Versicherten mit Verfügung vom
29. Januar 2019 ab 1. Februar 2019 eine Viertelsrente zu (act. G 9.18).
A.l.
Die B._ teilte dem Versicherten am 22. Juli 2019 mit, er habe ihr gegenüber
einen Leistungsanspruch bis zum 31. Dezember 2016. Infolge Unterbruchs des
zeitlichen Konnexes sei sie für die von der Eidgenössischen Invalidenversicherung ab
Februar 2019 ausgerichtete Viertelsrente nicht mehr leistungszuständig. Da der
Versicherte bis Ende 2016 Taggelder aus der obligatorischen Unfallversicherung
erhalten habe, bestehe gegenüber der B._ kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
Unter Berücksichtigung der reglementarischen Wartefrist von 24 Monaten bestehe wie
folgt Anspruch auf eine Beitragsbefreiung: -50 % vom 28. Juli bis 30. September 2015,
-50 % vom 1. Mai bis 31. August 2016 und -100 % vom 1. September «2019» (richtig:
2016) bis 31. Dezember 2016 (act. G 1.3). An dieser Leistungsanspruchsbeurteilung
hielt sie in der Folge fest (siehe die Schreiben vom 31. Oktober 2019, act. G 1.18, und
vom 13. Februar 2020, act. G 1.19).
A.m.
Am 2. Dezember 2020 erhob A._ gegen die B._ (nachfolgend: Beklagte 1) und
gegen die Allianz (nachfolgend: Beklagte 2) Klage. Er beantragte darin: 1. Die
Beklagte 1 sei zu verpflichten, ihm die ihm gemäss Gesetz und Reglement
zustehenden Leistungen auszurichten. Es sei das Altersguthaben weiter zu äufnen
gemäss Art. 29 der Statuten unter Beitragsbefreiung für 48 % der Leistung (eventualiter
40 %, subeventualiter einem Viertel); 2. Eventualiter sei die Beklagte 2 (bei
abgewiesener Leistungspflicht der Beklagten 1) zu verpflichten, ihm die ihm gemäss
Gesetz und Reglement zustehenden Leistungen auszurichten; 3. Vorfrageweise sei zu
B.a.
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klären, welche Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig sei; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beklagten 1, eventualiter zu Lasten der
Beklagten 2. Zur Begründung brachte der Kläger im Wesentlichen vor, der zeitliche
Konnex zwischen der während der Versicherungsdeckung bei der Beklagten 1
eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität bestehe ununterbrochen über den
31. Dezember 2016 fort. Insbesondere sei er mit einem 100%igen Beschäftigungsgrad
bei der J._ AG von Beginn an überfordert gewesen. Die damit verbundene Belastung
sei ihm gar nicht zumutbar gewesen. Da er (der Kläger) mit der Zahlung der
Beklagten 1 überentschädigt wäre, müsse sie einfach das Altersguthaben weiter
äufnen im Umfang der Invalidität (Beitragsbefreiung). Richtig wäre, wenn 48 % des
Lohns beitragsbefreit wären (act. G 1).
Die Beklagte 2 beantragte in der Klageantwort vom 8. Februar 2021 die
vollumfängliche Abweisung der Klage bezüglich der ihr gegenüber geltend gemachten
Leistungspflicht. Sie teilte im Wesentlichen den Hauptstandpunkt des Klägers, dass
der zeitliche Konnex zwischen der während der Versicherungsdeckung bei der
Beklagten 1 eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität über den
31. Dezember 2016 fortbestehe (act. G 6).
B.b.
In der Klageantwort vom 15. März 2021 beantragte die Beklagte 1, die gegen sie
gerichtete Klage sei vollumfänglich abzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Sie machte im Wesentlichen geltend, aufgrund der 100%igen
Arbeitsfähigkeit und der vollzeitlichen Tätigkeit als Betriebsleiter bei der der
Beklagten 2 angeschlossenen Unternehmung von Februar 2017 bis Ende März 2018
sei der enge zeitliche Konnex zur ursprünglichen Arbeitsunfähigkeit unterbrochen
worden. Sie (die Beklagte 1) sei für die im Rahmen der IV-Verfügung vom 29. Januar
2019 zugesprochene IV-Viertelsrente ab Februar 2019 nicht mehr leistungszuständig.
Bezüglich Ansprüchen auf Beitragsbefreiung vor dem 2. Dezember 2015, die über die
bereits gewährte Beitragsbefreiung für die Zeit vom 28. Juli bis 30. September 2015
hinausgehen würden, erhob sie die Einrede der Verjährung (act. G 9).
B.c.
Der Kläger hielt in der Replik vom 15. Juni 2021 unverändert an den
Klagebegehren fest. Er beantragte den Beizug der IV-Akten (act. G 18; siehe auch die
ergänzende Eingabe des Klägers vom 17. Juni 2021, act. G 20).
B.d.
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Erwägungen
1.
In der Duplik vom 17. August 2021 hielt die Beklagte 2 unverändert an ihrem
Antrag fest (act. G 29).
B.e.
Die Beklagte 1 hielt ihrerseits in der Duplik vom 30. August 2021 unverändert an
ihren Anträgen fest (act. G 30).
B.f.
Auf Aufforderung des Versicherungsgerichts (act. G 32) nahm die Beklagte 2 am
11. November 2021 Stellung zur Höhe allfälliger Invalidenleistungen, falls sie für die
Invalidität des Klägers leistungspflichtig wäre (act. G 33).
B.g.
Am 15. November 2021 räumte das Versicherungsgericht dem Kläger eine
Gelegenheit für eine Stellungnahme zur Frage ein, ob mit Blick auf das vorliegend zu
beachtende Überentschädigungsverbot eine allfällige Gutheissung des Rentenantrags
einen praktischen und unmittelbaren Nutzen bewirken bzw. einen Nachteil
wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderweitiger Natur vermeiden würde (act.
G 34). Der Kläger brachte am 6. Dezember 2021 hierzu im Wesentlichen vor, die
konkrete Überentschädigungsberechnung bei einer Überentschädigungsgrenze von
Fr. 125'100.-- (Fr. 139'000.-- x 0,9) würde nicht dazu führen, dass die Rentenleistungen
aus der beruflichen Vorsorge vollumfänglich gekürzt würden (act. G 35). Am 10. Januar
2022 wurde die Kostennote des Rechtsvertreters des Klägers eingereicht (act. G 37).
B.h.
Die Beklagte 2 reichte am 7. Januar 2022 eine Stellungnahme ein, worin sie geltend
machte, eine aus ihrer Sicht korrekt vorgenommene Überentschädigungsberechnung
führe zu einer vollumfänglichen Kürzung allfälliger Rentenleistungen (act. G 38).
B.i.
Am 10. Januar 2022 liess der Kläger eine aktualisierte Kostennote seines
Rechtsvertreters einreichen (act. G 39). In der Stellungnahme vom 1. Februar 2022
stellte er sich auf den Standpunkt, eine Überentschädigungsberechnung bilde nicht
Gegenstand des Klageverfahrens. Sollte das Gericht wider Erwarten die
Überentschädigungsberechnung prüfen wollen, sei er aufzufordern, belegmässige
Auskunft über sämtliche Einnahmen ab Februar 2019 zu erteilen (act. G 42).
B.j.
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Vorab zu prüfen ist die Frage, ob bzw. in welchem Umfang auf die Klagen einzutreten
ist.
Für berufsvorsorgerechtliche Klagen bildet der Gerichtsstand der schweizerische
Sitz oder Wohnsitz der beklagten Partei oder der Ort des Betriebs, bei dem die
versicherte Person angestellt wurde (Art. 73 Abs. 1 und Abs. 3 des Bundesgesetzes
über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG; SR 831.40]).
Die Beklagte 1 hat ihren Sitz im Kanton St. Gallen, womit der Gerichtsstand für die
gegen sie erhobene Klage im Kanton St. Gallen liegt. Die passive subjektive
Klagenhäufung ist im Anwendungsbereich von Art. 73 Abs. 3 BVG
rechtsprechungsgemäss zulässig. Deshalb ist das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen auch für die Beurteilung der Klage gegen die Beklagte 2 zuständig (Urteil des
Bundesgerichts vom 12. März 2012, 9C_41/2012, E. 3.4 mit Hinweisen). Die örtliche
Zuständigkeit des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen sowie die weiteren
formellen Eintretensvoraussetzungen sind denn auch zu Recht von den Beklagten nicht
bestritten worden.
1.1.
Bezüglich der u.a. beantragten Rentenleistungen fehlt es dem Kläger an einem
aktuellen schützenswerten Interesse für einen rechtsgestaltenden Entscheid und damit
an einer Eintretensvoraussetzung. Denn wie er in der Klage vom 2. Dezember 2020
selbst zu Recht anerkannte (act. G 1, Rz 36), erhielte er von der Beklagten 1 infolge
Überentschädigungskürzung keine Rentenleistungen ausgerichtet. Zudem legte die
Beklagte 2 mit ausführlicher Begründung zutreffend dar, dass der Kläger auch von ihr
infolge Überentschädigungskürzung keine Rentenleistungen erhalten würde (act. G 38).
Darauf wird verwiesen, zumal der Kläger daran keine substanziierten Einwände
vorbrachte (siehe hierzu act. G 42) und solche auch nicht ersichtlich sind. Nichts
anderes gilt bezüglich der vom Kläger vorfrageweise beantragten gerichtlichen
Feststellung der für die Rentenleistungen an sich zuständigen Vorsorgeeinrichtung (act.
G 1, Antrag Ziff. 3). Wird im Verfahren nach Art. 73 Abs. 1 BVG ein
Feststellungsbegehren gestellt, kann diesbezüglich ein Rechtsschutzinteresse ebenfalls
nur dann bejaht werden, wenn die klagende Partei ein schutzwürdiges (unmittelbares
und aktuelles) Interesse rechtlicher oder tatsächlicher Natur an der verlangten
Feststellung hat, dass bestimmte Rechte oder Pflichten bestehen oder nicht bestehen
(Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juli 2016, 9C_938/2015, E. 3.2). Vorliegend kommt
hinzu, dass zumindest im rechtsgestaltenden Entscheid über die Beitragsbefreiung die
Feststellung der leistungspflichtigen Vorsorgeeinrichtung enthalten ist. Von weiteren
Abklärungen sind keine zusätzlichen relevanten Erkenntnisse zu erwarten, weshalb
darauf entgegen dem Antrag des Klägers (act. G 42) zu verzichten ist. Sowohl auf den
1.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/18
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2.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch des
Klägers auf weitere berufsvorsorgerechtliche Leistungen für die von ihm geltend
gemachte Invalidität für die Zeit ab dem 1. Februar 2017 (act. G 1, insbesondere
Rz 21). Der Kläger bringt vor, vom 1. Februar 2017 bis 31. März 2018 zu 13 %
erwerbsunfähig gewesen zu sein. Seit dem 1. April 2018 betrage die
Erwerbsunfähigkeit 48 % (act. G 1, Rz 21).
3.
Bezüglich des Zeitraums vom 1. Februar 2017 bis 31. März 2018 gilt es zu beachten,
dass die vom Kläger gegenüber der Beklagten 1 geltend gemachte 13%ige
Erwerbsunfähigkeit kein für einen Anspruch auf eine Beitragsbefreiung
leistungsbegründendes Ausmass erreichte (siehe zur leistungsbegründenden 40%igen
Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität Art. 29 Abs. 2 des Vorsorgereglements der
Beklagten 1 in den verschiedenen seit 1. Januar 2013 gültigen Fassungen, act. G 9.19).
Der Kreisarzt Dr. I._ bescheinigte dem Kläger am 14. Dezember 2016 eine 75%ige
Arbeitsfähigkeit für die Tätigkeit bei der J._ AG. Er ging davon aus, dass in den
Folgemonaten eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne (act. G 9.6). Zu einer
vergleichbaren Einschätzung gelangten auch die Abklärungspersonen der Rehaklinik
Bellikon im Bericht zur beruflichen Grundabklärung vom 30. Januar 2017 (act. G 9.7;
siehe auch den Eintrag des Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen vom 24. Januar 2017 im Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung, act.
G 6.11, S. 8, worin zudem ausdrücklich das Vorliegen kognitiver Einschränkungen
verneint worden war). Unter diesen Umständen ist mit der Beklagten 1 davon
auszugehen, dass bereits im Januar 2017 ein nicht mehr leistungsbegründender
Invaliditätsgrad von unter 40 % bestanden hatte. Selbst wenn zugunsten des Klägers
auch noch im Januar 2017 von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen würde,
resultierte gestützt auf die von der Suva ermittelten Vergleichseinkommen (siehe hierzu
act. G 1.2, S. 2) ein nicht leistungsbegründender Invaliditätsgrad von aufgerundet 35 %
([Fr. 139'000.-- - {Fr. 120'900.-- x 0.75}] / Fr. 139'000.--). Es kann bezüglich des
Anspruchs auf Beitragsbefreiung ergänzend auf die zutreffenden Ausführungen der
Beklagten 1 verwiesen werden (act. G 9, Rz 27), die vom Kläger nicht (zumindest nicht
substanziiert; vgl. act. G 18) bestritten wurden.
rechtsgestaltenden Rentenantrag gegen die Beklagte 1, eventualiter gegen die
Beklagte 2, als auch den Antrag um Feststellung der für den Rentenanspruch
leistungspflichtigen Vorsorgeeinrichtung ist folglich nicht einzutreten.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/18
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4.
Hinsichtlich des vom Kläger gegenüber der Beklagten 1 – nebst dem Rentenanspruch
– eingeklagten Leistungsanspruchs für die seit 1. April 2018 von ihm geltend gemachte
48%ige Invalidität ist zwischen den Parteien der enge zeitliche Konnex zur während
des andauernden Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten 1 eingetretenen
Arbeitsunfähigkeit umstritten. Auf einen Beizug der vollständigen Akten der IV-Stellen
der Kantone St. Gallen und L._ kann entgegen dem Antrag des Klägers (act. G 18,
Rz 3) verzichtet werden, da die entscheidwesentlichen IV-Akten eingereicht wurden
und die im vorliegenden Verfahren bereits bestehende Aktenlage insgesamt ein
spruchreifes Bild vermittelt.
Nach Art. 23 lit. a BVG haben Personen Anspruch auf Invalidenleistungen, die im
Sinn der Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Unter
Vorbehalt des vorliegend nicht einschlägigen Art. 8 Abs. 3 BVG endet die
Versicherungspflicht u.a., wenn das Arbeitsverhältnis aufgelöst wird (Art. 10 Abs. 2 lit. b
BVG). Für die Risiken Tod und Invalidität bleibt die arbeitnehmende Person während
eines Monats nach Auflösung des Vorsorgeverhältnisses bei der bisherigen
Vorsorgeeinrichtung versichert. Wird vorher ein neues Vorsorgeverhältnis begründet, so
ist die neue Vorsorgeeinrichtung zuständig (Art. 10 Abs. 3 BVG; siehe auch Art. 5
Abs. 1 und Abs. 3 der dem Gericht eingereichten zeitlich unterschiedlichen Fassungen
des Vorsorgereglements der Beklagten 1, act. G 9.19). Entscheidend im Rahmen von
Art. 23 BVG ist einzig der Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon,
in welchem Zeitpunkt und in welchem Mass daraus ein Anspruch auf
Invalidenleistungen entsteht. Die Versicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt
des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Der Wegfall der
Versicherteneigenschaft bildet keinen Erlöschungsgrund. Umgekehrt entsteht im
Anwendungsbereich von Art. 23 lit. a BVG keine Leistungspflicht einer
Vorsorgeeinrichtung, wenn die massgebliche Arbeitsunfähigkeit bereits vor der
Entstehung des Versicherungsverhältnisses eingetreten ist (vgl. das Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_52/2018, E. 3.2 mit Hinweisen).
4.1.
Für die Bestimmung der Leistungszuständigkeit ist eine erhebliche und dauerhafte
Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich massgebend. Diese muss mindestens 20 % betragen (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 2.1 mit Hinweisen). Der Anspruch
4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/18
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auf Invalidenleistungen setzt einen engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang
zwischen der während des andauernden Vorsorgeverhältnisses (einschliesslich der
Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) bestehenden Arbeitsunfähigkeit und der
allenfalls erst später eingetretenen Invalidität voraus. Der sachliche Konnex ist
gegeben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat, im
Wesentlichen derselbe ist, welcher der Erwerbsunfähigkeit zugrunde liegt. Die
Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs setzt voraus, dass die versicherte
Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat,
nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig war (BGE 134 V 22 E. 3.2 und E. 3.2.1).
Bei der Prüfung dieser Fragen sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalls
zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen
prognostische Beurteilung durch die medizinische Fachperson sowie die
Beweggründe, welche die versicherte Person zur Wiederaufnahme oder
Nichtwiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (siehe zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 2.2 mit Hinweisen). Zu den für die
Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten Umständen zählen ausserdem die in
der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tretenden Verhältnisse, wie etwa die
Tatsache, dass eine versicherte Person über längere Zeit hinweg als voll
vermittlungsfähige Stellensuchende Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezieht.
Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche Bedeutung beigemessen werden wie
Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018,
9C_100/2018, E. 4.1.2 mit Hinweisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
bedarf es zum rechtsgenüglichen Nachweis einer berufsvorsorgerechtlich relevanten
Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen nicht zwingend einer echtzeitlich
attestierten Arbeitsunfähigkeit. Eine zuverlässige Einschätzung des zeitlichen
Zusammenhangs ist nur möglich, wenn die Entwicklung gesamthaft betrachtet wird;
wobei die Frage, ob eine nachhaltige Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit möglich
war, auch im Licht von erst später gewonnenen Erkenntnissen zu beurteilen ist (siehe
zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 4.2.2 mit
Hinweisen). Eine Unterbrechung des zeitlichen Konnexes ist gemäss der
bundesgerichtlichen Praxis dann anzunehmen, wenn während mehr als dreier Monate
eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % in einer angepassten Erwerbstätigkeit gegeben ist
(Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 2.2 mit Hinweisen).
Im Rahmen der Eingliederungsbemühungen äusserte der Kläger noch im Jahr
2016, dass er bei der Arbeit eine 100%ige Präsenz und Leistung erbringen könne,
wenn er im Management arbeiten könne (Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung,
Eintrag vom 18. November 2016, S. 4 unten, act. G 6.11). Der Kreisarzt Dr. I._
4.3.
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prognostizierte im Bericht vom 14. Dezember 2016, dass der Kläger in den
Folgemonaten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit «für eine geeignete Tätigkeit» erreichen
werde (act. G 9.6), und der Kreisarzt Dr. K._ bescheinigte am 3. April 2017 ab
1. Februar 2017 eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit (act. G 6.10,
S. 4). Am 15. Dezember 2016 unterzeichnete der Kläger einen Arbeitsvertrag mit der
J._ AG. Darin wurde eine am 1. Februar 2017 beginnende Anstellung als
Betriebsleiter mit einem 100%igen Beschäftigungsgrad bei einer Soll-Arbeitszeit von
43,5 Stunden pro Woche vereinbart (act. G 6.9). Gegenüber der Case Managerin der
Suva berichtete der Kläger am 28. Februar 2017, er sei bei der neuen Arbeitgeberin gut
gestartet. Er arbeite täglich etwa 10 Stunden. Die Arbeit lenke ihn ab und er gehe
richtig in ihr auf. Es gehe ihm gut (act. G 9.10). Am 20. April 2017 bestätigte der Kläger
im Rahmen der beruflichen Eingliederungsbemühungen, er sei zu 100 % arbeitsfähig
und gut abgelenkt von den Schmerzen. Er spüre nur wenig Schmerzen durch den Tag.
Allerdings habe er am Abend dafür mehr Schmerzen. Es sei aber aushaltbar
(Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung, Eintrag vom 20. April 2017, act. G 6.11,
S. 10; siehe auch die damit zu vereinbarenden Ausführungen der für die
Personalbelange zuständigen Mitarbeiterin der Arbeitgeberin in den Einträgen vom
14. März 2017 und vom 20. April 2017, act. G 6.11, S. 10 oben und S. 11 oben, worin
allerdings auf einen erhöhten Pausenbedarf des Klägers hingewiesen wurde). Dem
Bericht der Rehaklinik Bellikon über das vom 6. Februar bis 20. Juni 2017 erfolgte
Coaching am Arbeitsplatz vom 20. Juni 2017 ist zu entnehmen, dass der Kläger viel
und intensiv arbeite. Trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen scheine er die
Arbeit gut zu meistern und erbringe gemäss Arbeitgeberin sehr gute Leistungen (act.
G 6.12, S. 1 unten). Dank dem grossen Engagement des Klägers und seiner Freude an
der Arbeit, was Ablenkung bringe und Ressourcen schaffe, sei es überhaupt möglich,
dass er die anspruchsvolle Tätigkeit als Betriebsleiter meistern könne (act. G 6.12, S. 2
Mitte).
Aus der soeben dargestellten anerkennenswerten Leistung des Klägers ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit zu schliessen, dass er spätestens seit 1. Februar
2017 während mehr als 3 Monaten wieder über eine Arbeitsfähigkeit von mehr als
80 % bezogen auf eine leidensangepasste Tätigkeit verfügte. Diese Betrachtungsweise
wird durch die – offenbar in Rechtskraft erwachsene (vgl. act. G 9, Rz 25) – Verfügung
der Suva vom 2. August 2018 bestätigt, worin davon ausgegangen wurde, dass die
Arbeitsfähigkeit des Klägers bezogen auf eine leidensangepasste Tätigkeit vom
1. Februar 2017 bis zum 31. März 2018 100 % und gestützt darauf der Invaliditätsgrad
13 % betragen hatte (act. G 1.2). Entgegen der Ansicht des Klägers (act. G 1, Rz 21
und Rz 24) spricht daher die von ihm ins Feld geführte Verfügung der Suva vom
4.4.
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2. August 2018 nicht gegen, sondern für die von der Beklagten 1 geltend gemachte
Unterbrechung des zeitlichen Konnexes. Ferner weist die Beklagte 1 zutreffend darauf
hin (act. G 9, Rz 25), dass auch im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren
vergleichbare Schlüsse gezogen wurden (act. G 6.1, S. 4; zum am 16. Mai 2017
erklärten erfolgreichen Abschluss der Eingliederung siehe act. G 6.11, S. 12). Hinzu
kommt, dass die konkrete Umsetzung der über 80 % liegenden Arbeitsfähigkeit nicht
an einem optimal leidensangepassten Arbeitsplatz erbracht wurde. Denn die an sich als
leidensangepasst zu betrachtende Managementtätigkeit bzw. Tätigkeit als
Betriebsleiter wurde an einem Arbeitsplatz mit völlig fehlender elektronischer
Infrastruktur für die Produktionsprozess-, Führungsprozess- und «GL-
Prozessplanung» («grosser Stressfaktor») und in einer Phase ausgeübt, in der bei der
Arbeitgeberin «diverse Umstrukturierungen» anstanden, die zeitlich besonders hohe
und inhaltlich besonders intensive Belastungen mit sich brachten (act. G 6.12, S. 12
unten; siehe auch das Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung, Eintrag vom
20. April 2017, act. G 6.11, S. 10; zur «Krisensituation» siehe auch die Aktennotiz der
J._ AG vom 26. Juli 2017, act. G 18.6), welche der Kläger trotz – erheblich über der
vereinbarten Soll-Arbeitszeit von 43,5 Stunden (act. G 6.9, S. 2 oben) liegenden – 50-
stündigen Arbeitswoche jedenfalls während Monaten zu bewältigen vermochte.
Entgegen der Auffassung der Beklagten 2 (act. G 6, insbesondere Rz 32, und act. G 29)
kann angesichts dieser Umstände auch nicht davon ausgegangen werden, bei der
vereinbarten Tätigkeit für die J._ AG habe es sich um einen blossen Arbeitsversuch
gehandelt. Selbst wenn im Übrigen der Charakter eines Arbeitsversuchs zu bejahen
wäre, würde dies nichts daran ändern, dass gestützt auf die vorstehenden
Ausführungen davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer ab Februar 2017
während mehrerer Monate über eine zumindest höher als 80 % liegende
Arbeitsfähigkeit für optimal leidensangepasste Tätigkeiten verfügt hatte und deren
Verwertung nicht zum Vornherein zum Scheitern verurteilt war.
Was der Kläger und die Beklagte 2 gegen den vorstehend dargestellten Verlauf der
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Managementtätigkeiten bzw. den dadurch
bedingten Wegfall des zeitlichen Konnexes vorbringen, verfängt nicht.
4.5.
Zwar ist nicht von der Hand zu weisen, dass bezüglich einer längerfristigen
100%igen Leistungserbringung am Arbeitsplatz als Betriebsleiter bei der J._ AG
teilweise Zweifel geäussert wurden (siehe etwa act. G 6.12, S. 2 oben und «Fazit»;
siehe auch act. G 6.11, S. 11), worauf der Kläger an sich zutreffend hinweist (act. G 1,
Rz 27 ff.). Von einer «offensichtlichen Überforderung» (act. G 1, Rz 28) kann indessen
angesichts der während einiger Monate erbrachten Leistung und der damaligen
4.5.1.
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Aussagen des Klägers und der Arbeitgeberin (siehe zum Ganzen vorstehende E. 4.3)
keine Rede sein. Dies erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass der
Eingliederungsberater der IV-Stelle des Kantons St. Gallen (act. G 6.11, S. 11) davon
ausging, eine nachhaltige Leistung könne allein schon mit Verhaltensänderungen
gewährleistet sein. Auch die Abklärungspersonen der Rehaklinik Bellikon stellten
lediglich in Frage, ob der Kläger längerfristig «so hohe Leistungen» erbringen könne
(act. G 6.12, S. 2). Von Bedeutung ist ausserdem, dass sich diese Bedenken nicht auf
eine optimal leidensangepasste Tätigkeit bezogen – wie sie der ursprünglich
vereinbarten Soll-Arbeitszeit von 43,5 Stunden pro Woche wohl entsprochen hätte (act.
G 6.9, S. 2) –, sondern auf die ausserordentlich hohe Arbeitsbelastung infolge
Umstrukturierung (siehe vorstehende E. 4.4). Zudem geht aus den Angaben des
Klägers vom 27. Dezember 2017 hervor, dass bei der Kündigung der Arbeitgeberin
gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht im Vordergrund standen. So führte er aus,
die Bücher der J._ AG seien nicht gut gewesen und «sie haben ein Opfer gesucht».
Er sei das Opfer gewesen. Bis zur Übernahme der J._ AG sei alles «Tip Top»
gewesen (act. G 9.14). Die vom Kläger geltend gemachte Euphorie bei der Tätigkeit als
Betriebsleiter (act. G 18, Rz 8) scheint daher nicht durch gesundheitliche
Beeinträchtigungen, sondern aufgrund einer verständlichen Kränkung infolge
Kündigung verflogen zu sein. Aus der am 26. Juli 2017 erstellten Aktennotiz der J._
AG gehen denn auch Hinweise hervor, dass das Verhältnis des Klägers zu einem
Arbeitskollegen konfliktreich war und er sich durch diesen in seinen Kompetenzen
angegriffen sah (act. G 18.6). Vor diesem Hintergrund erscheint fraglich, ob der später
in einem als Bestätigungsschreiben bezeichneten Schreiben der Arbeitgeberin vom
8. Februar 2018 u.a. erwähnte Vorwurf, der Kläger sei in der Position als
Produktionsleiter zu wenig stressresistent (act. G 18.7), zutreffend war und
bejahendenfalls, ob eine allfällige mangelhafte Stressresistenz auf einen
Gesundheitsschaden zurückzuführen ist. Ohnehin bezieht sich dieser Vorwurf nicht auf
eine optimal leidensangepasste Betriebsleiter- bzw. Managementtätigkeit (siehe
vorstehende E. 4.4). Anzufügen ist, dass im ersten Kündigungsschreiben vom
22. September 2017 noch kein Vorwurf mangelhafter Stressresistenz enthalten war
(act. G 20.1).
Bezüglich des von der Beklagten 2 zusätzlich vorgetragenen Umstands, eine
Überforderung am Arbeitsplatz zeige sich auch darin, dass der Kläger aufgrund seiner
Tätigkeit als Betriebsleiter bei der J._ AG keine Zeit mehr für Therapien gehabt habe
(act. G 6, Rz 16), gilt es zu beachten, dass der Kläger im Februar 2017 zum Ausdruck
brachte, die bisherigen umfassenden Therapien (siehe hierzu act. G 6.6) lediglich noch
4.5.2.
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in einem erheblich beschränkteren Umfang zu benötigen (act. G 9.10). Im Rahmen der
kreisärztlichen Untersuchung vom 31. März 2017 gab der Kläger an, dass sich eine
Verbesserung der Situation durch die physio- und ergotherapeutischen Massnahmen
nicht mehr ergeben habe (act. G 6.10, S. 2). Auch der Kreisarzt Dr. K._ gelangte zur
Auffassung, dass von weiteren Behandlungsmassnahmen keine relevante Besserung
mehr erwartet werden könne (act. G 6.10, S. 3 unten). Schliesslich ergibt sich auch
nicht aus dem Bericht der Rehaklinik Bellikon vom 20. Juni 2017 über das Coaching
am Arbeitsplatz (act. G 6.12), dass ein medizinischer Therapiebedarf bestanden hätte
bzw. angezeigte Therapien vernachlässigt worden wären. Entscheidend ist ausserdem,
dass – wie bereits erwähnt (siehe vorstehende E. 4.4) – erhebliche Zweifel bestehen,
dass die Tätigkeit als Betriebsleiter bei der J._ AG aufgrund der damals besonders
anforderungsreichen Unternehmenssituation einer leidensangepassten Tätigkeit als
Betriebsleiter entsprach. Deshalb kann aus einer allfälligen Überforderung bei einem
nicht mehr leidensangepassten Arbeitsplatz ohnehin nichts gegen eine über 80 %
liegende Arbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste Managementtätigkeiten
abgeleitet werden.
In Anbetracht der vorstehend dargestellten Verhältnisse ist davon auszugehen,
dass der enge zeitliche Konnex zwischen der während des Vorsorgeverhältnisses bei
der Beklagten 1 eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der vom Kläger für die seit
1. April 2018 geltend gemachte 48%ige Invalidität spätestens im Mai 2017 (act. G 6.11,
S. 11, Eintrag vom 16. Mai 2017) unterbrochen wurde. Unter diesen Umständen kann
offenbleiben, ob die Auffassung der Beklagten zutrifft, dass sich die für eine
Unterbrechung des zeitlichen Konnexes massgebende Arbeitsfähigkeit an einer
durchschnittlichen Arbeitszeit von 41,7 Wochenstunden zu bemessen hat, womit beim
Kläger auch für die Zeit nach April 2018 von einer über 80 % liegenden Arbeitsfähigkeit
auszugehen wäre (act. G 9, Rz 23). Folglich ist die Beklagte 2 für eine nach Mai 2017
eingetretene Erwerbsunfähigkeit, insbesondere für den vom Kläger ab 1. April 2018
geltend gemachten 48%igen Invaliditätsgrad, leistungspflichtig, da er bei ihr seit
Februar 2017 vorsorgeversichert war (vgl. act. G 1.16 und act. G 6.9). Da sich die
Beklagte 2 zum betraglichen Umfang der Beitragsbefreiung nicht, insbesondere auch
nicht in act. G 33, äusserte, rechtfertigt sich allein schon mit Blick auf die
Verfahrensökonomie die Beschränkung des Entscheids auf die grundsätzliche
Feststellung der leistungspflichtigen Vorsorgeeinrichtung für den im Streit stehenden
Zeitraum (Entscheid des Versicherungsgerichts vom 12. Februar 2019, BV 2016/12,
E. 3.6 mit Hinweis auf BGE 129 V 453 E. 3.4 f.).
4.6.
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