Decision ID: 604b0c6b-7db3-4240-897f-3509ac03228d
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960,
arbeitet
seit März 2001 als kaufmänni
sche Ange
stellte bei der
Y._
(Urk. 7
/4
Ziff.
6.3.1
, Urk. 7/11/2-3
).
Am 2
8
.
September
2007 meldete sie sich unter Hin
weis
auf
eine
Multiple Sklerose
(
MS
)
, Schmerzen, Taubheitsgefühl, Kribbeln, Un
sicher
heit sowie Müdig
keit
bei der Invaliden
versicherung zum
Leistungs
be
zug
an (Urk. 7/
4
Ziff. 7.2 und Ziff.
7.8).
Die
Sozial
ver
sicherungs
an
stalt
des Kantons Zürich,
IV-Stelle, holte Arztberichte (Urk. 7/10
, Urk. 7/
16
), einen
Arbeit
geber
be
richt
(Urk. 7
/11
) sowie einen Auszug aus dem in
dividuellen Konto (IK-Auszug, Urk. 7/
12
)
ein
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/19) sprach die IV-Stelle der Versicherten
mit Verfügung
vom
24. April
2008 (Urk. 7/
25
und Urk. 7/
28
)
eine
halbe Rente
mit Wirkung
ab 1.
Februar 2008
zu.
1.2
Im Rahmen des amtlichen Revisionsverfahren
s bestätigte die IV-Stelle am
25. Oktober
20
10
(Urk. 7/
42
) die laufende
halbe
Rente, nachdem sie
die
Ver
si
cher
te
befragt (Urk. 7/29
/1-6
) und
zwei aktuelle
Arztbericht
e
(Urk. 7/
30
, Urk. 7/
3
6
)
sowie ei
nen Auszug aus dem individuellen Konto (Urk. 7/
31
) einge
holt hatte
(vgl.
auch
Verfügung vom
5. Oktober 2010
,
Urk. 7/40)
.
1.3
Auf Veranlassung
ihrer Pensionskasse
ersuchte die Versicherte die IV-Stelle a
m 25. Januar 2011 um erneute Prüfung ihrer IV-Leistungen
be
ziehungs
weise um revisionsweise Erhöhung der halben Rente
(Urk. 7/52
, vgl. dazu auch
Urk. 7/47/2-3
).
Mit Schreiben vom
31. Januar 2011 (Urk. 7/54) forderte die IV-Stelle
sie zur Glaub
haft
machung einer wesentlichen Veränderung der tatsächli
chen Ver
hält
nis
se seit Er
lass der l
etzten Verfügung auf
, ansonsten auf ihr Ge
such nicht
ein
getreten werde
.
Nachdem die Versicherte
ein
e Krankenkarte der
Kollektiv-Kranken
tag
geldversicherung
(Urk. 7/57)
sowie eine Mail ihres behan
deln
den Haus
arztes
vom 9. Februar 2011 (Urk. 7/58)
auf
ge
legt hatte
, in welchen letzterer ihr eine
20
%ige Arbeits
fähigkeit
attestierte
hatte
, holte
die IV-Stelle
einen IK-Auszug
(Urk. 7/59)
sowie weitere
Arztberichte
ein
(
Urk. 7/60
,
Urk.
7/62 mit Ergänzun
gen
in Urk. 7/
64
)
. Nach
Erlass des Vorbescheids
(
Urk.
7/69)
und Prüfung der
Einwände
der Versicherten
vom 3
1
.
Oktober
respektive 7. Dezember
2011
(Urk. 7/70
, Urk. 7/73) wies die IV-Stelle das Gesuch um Erhöhung der Rente
mit Verfügung vom 3. Januar 2012 (Urk.
2
) ab.
2.
Gegen die Verfügung vom 3. Januar 2012 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 2. Februar 2012 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, diese sei aufzuheben und
es sei
ihr mit Wirkung ab 1. Januar 2011 eine ganze Rente der Invalidenver
siche
rung aus
zu
richten
; al
les unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten
der
Be
schwerde
gegnerin
.
Mit Beschwerdeantwort vom
12
.
März
2012 (Urk.
6
) beantragte die IV-Stelle die
Ab
weisung der Beschwerde,
was der Be
schwerde
führerin
am 1
2
.
April
2012 (Urk.
8
)
zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglich
keiten auf dem in Betracht kommen
den
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vor
liegens einer Erwerbs
unfähig
keit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zu
dem
nur vor, wenn sie aus ob
jektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG)
.
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be
i ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invaliden
ein
kom
men
), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art.
17
Abs.
1 ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
säch
lichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
In
validitäts
grad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer
wesentlichen Änderung des Gesund
heits
zustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Aus
wirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349 mit Hinweisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beur
teilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung,
welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sach
verhaltsabklärung
, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommens
vergleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
wir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 134 V 131 E. 3 S. 132 f. und 133 V 108 E. 5.4 S. 114 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Recht
spr
echung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhält
nisse
festgestellt wurde (Art. 74
ter
lit
. f.
der Verordnung über die Invaliden
ver
s
icherung
[
IVV
]
) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird.
Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (Art. 74
quater
IVV),
ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechts
kräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom
10. September 2010 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010, je E. 2.2, mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der strittigen Verfügung vom
3
.
Januar 2012
(Urk. 2) davon aus, dass der Beschwerdeführer
in
weiterhin eine 50%ige Büro
tä
tig
keit zumutbar und
kein
e Verschlechterung
des
Gesundheits
zustandes
aus
ge
wiesen s
ei, weshalb weiterhin ein Anspruch auf die bisherige Invaliden
rente be
stehe.
In der Vernehmlassung fügte sie an, dass
s
ie sich für diese Beurteilung auf
die Berichte ihres
Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) stützen könne (Urk. 6).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin beschwerdeweise (Urk. 1)
und
unter Verweis auf
verschiedene medizinische
Berichte
(Urk. 7/60, Urk.
7/
62
,
Urk. 7/64)
auf
den Standpunkt,
dass sich
ihr Gesundheitszustand
seit
Som
mer/
Herbst 2010 massiv verschlechtert
habe
und es im Spätsommer 2010
gar
zu einem eigentlichen Einbruch beziehungsweise
Be
schwerdeschub
ge
kom
men sei
,
was
zu einer einmonatig
en Arbeitsunfähigkeit geführt h
abe
(
S. 2
Ziff.
1 unten
,
S. 6
Ziff.
9).
Insbesondere dürfe
- aus näher dargelegten Gründen – nicht auf die
unhaltbare
RAD-Beurteilung
von Dr.
med.
Z._
vom 11. Oktober 2011
ab
gestellt werden
(
S. 9 ff.
Ziff.
13-14
).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob
das Gesuch der Beschwerdeführerin
vom 25. Januar 2011 (Urk. 7/52)
um Erhöhung der laufenden halben Rente zu R
echt
ab
ge
wiesen wurde.
Insbesondere fragt sich, ob eine
revisionsre
levante
Ver
än
de
rung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten ist.
Zeitlicher
Referenz
punkt
für
die Prüfung einer anspruchsrelevanten Änderung bilden die Ver
fügung vom 24. April
2008 (Urk. 7/25, Urk. 7/28) beziehungsweise die
renten
be
stätigende
Mit
teilung vom 2
5
.
Oktober 2010
(Urk. 7/42
).
Namentlich sind die Verhältnisse im
Zeitpunkt
der rente
nbestätigenden Mitteilung vom 25
.
Oktober 2010
mit den
Verhältnissen im Zeitpunkt
des Erlasses
der umstrittenen Verfü
gung vom
3. Ja
nu
ar
2012
(Urk. 7/75)
zu vergleichen.
3.
3.1
Im Zus
ammenhang mit dem im Januar 2010 amtlich
eingeleiteten
Renten
re
visions
ver
fah
ren
finden sich die folgenden medizinischen Be
richte in den Ak
ten:
3.
1
.1
Dr.
med.
A._
nannte im
Verlaufs
bericht
vom 22. März 2010 (Urk. 7/30) als Diag
nosen mit Aus
wir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Multiple Sklerose seit 2003, ein
Lum
bo
verte
bralsyndrom
und
lumbospondylogenes
Syndrom seit 2009,
chronische Müdig
keit seit 2003 sowie Blasenbeschwerden seit 2003 und atte
stier
te
der Be
schwerde
führerin in ihrer Tätigkeit als kaufmännische Ange
stell
te eine Arbeits
un
fähigkeit von 80
%
vom 14. Februar 2007 bis heute.
Als ärztlichen
Befund nannte
Dr.
A._
eine Muskelschwäche, vor allem im
Rücken- und Bauchbereich. Die Beschwerdeführerin sei aber noch
gehfähig
und in Bezug auf Pflege noch völlig selbständig. Trotz Medikamenten sei ein lang
sa
mer progredienter Krankheitsverlauf festzustellen. Einschränkung
en
be
stünden in
Form von Müdigkeit,
Nebenwirkungen der Medikamente
und
ver
mindertem
Kon
zentrations
vermögen
. Zudem seien
die Bewegungsabläufe und das Gleich
ge
wicht sowie
die
Koordination
sfähigkeit
zunehmend beeinträchtigt. Durch die
E
in
schrän
kungen werde das Arbeitspensum ver
kleinert un
d das Arbeitstempo ver
langsamt.
3.1
.2
Mit Verlaufsbericht
vom 23. Juli 2010 (Urk. 7/36
/1-4
)
basierend auf der letzten Kon
trolle
am 27. April 2010
attestierte
Dr.
B._
der Beschwerdeführerin als Se
kre
tärin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit Jahren bis auf weiteres und nannte
folgende Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (
Ziff.
1.1):
Encephalomyelitis
disseminata
ES 2003, Erstdiagnose 2003, EDSS 2,5
generalisiertes
Schmerzsyndrom und
Fatigue
Dr
.
B._
hielt fest,
die Krankheit verlaufe schubförmig. Seit Dezember 2008
habe die Beschwerdeführerin
unter anhaltender Interferon-Therapie (
Betaferon
)
keinen Schub mehr gehabt
. In den letzten Jahren
sei
en
vor allem
das generali
sierte, zum Teil intensive
Schmerz-Syn
drom (kaum nicht neurologische Anteile) so
wie d
ie
Fatigue
symp
tomatisch therapiert worden.
Unter ärztlichem Befund führ
te
Dr.
B._
unter Verweis auf den Bericht vom 9. April 2010 (vgl. dazu
Urk. 7/36/7-8)
und den Befund der Magnetresonanztomographie des Kopfes vom
19. April 2010 aus,
i
n der letzten Kontrolle im April 2010
sei
ein weitge
hend normaler klini
scher Befund erhoben wo
rden
. In Bezug auf das
Schmerzsyndrom
und die
Grundkrankheit
sei
eher
eine
weiter
e
Pro
gredienz zu erwarten
. N
icht aus
geschlosse
n
werden könne
, dass jene
schub
förmig
erfolge.
Die Be
schwerde
füh
reri
n sei zeitlich und bezüglich
kon
zentrativer
,
aber auch körperlicher Arbeits
fähig
keit in oben erwähntem Grad limitiert.
Ihr
sei noch eine
be
hinderungs
an
gepasste
Tätig
keit von zirka vier Stunden pro Tag mit der Mög
lichkeit selb
stän
diger
Arbeits
ein
teilung
zumutbar
(vgl. dazu auch Urk. 7/36/9-13)
.
Mit ärztlichem
Zeugnis vom 10. August 2010 (Urk. 7/35)
respektive 7.
September 2010 (Urk. 7/38) attestierte
Dr.
A._
der Beschwerdeführerin eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 10. August bis 7. Sept
ember 2010 be
zie
hungs
weise
eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
ab 8. September 2010 bis auf weiteres.
Mit Stellungnahme vom 14. Oktober 2010
(Urk. 7/41 S. 3)
führte
Dr.
med.
C._
,
praktische Ärztin, Vertrauensärztin SGV,
des RAD
aus, gestützt auf den
Be
richt von
Dr.
B._
vom 23. Juli 2010 könne davon aus
gegangen werden, das
s
bei unverändertem EDSS von 2,
5 und
einer att
e
stierten Arbeits
fähig
keit von
50
%
bis auf weiteres für den gegenwär
tig aus
geübten Beruf als Sekretärin keine
wesentliche Verschlechterung des Ge
sund
heitszustandes aus
ge
wiesen sei. Auch wenn im Arztzeugnis des Hausarztes
Dr.
A._
vom 2
2.
März 2010 eine
der
zeit
höhere Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei, sei auf das aktuelle fach
ärzt
liche Arztzeugnis von
Dr.
B._
ab
zu
stellen.
3.2
Im Rahmen der vorliegend zu beurteilenden Rentenrevision finden sich die fol
genden wesentlichen medizinischen Berichte in den Ak
ten:
3.2
.1
In der
Krankenkarte der
Kollektiv-Kranken
tag
geldversicherung
attestierte Dr.
A._
der Beschwerdeführerin
am 1. Februar 2011
eine
80%ige Arbeits
un
fähig
keit
seit 8. September
2010
(Urk. 7
/
57
, vgl. dazu auch
Urk.
7/43-46, Urk. 7/49-51
, Urk. 7/58
)
.
3.2
.2
Mit Verlaufsbericht vom 25. Februar 2011 (Urk. 7/62/2-5)
erwähnte
Dr.
B._
eine Arbeitsunfähigkeit
als kaufmännische Angestellte von 80
%
von zirka Ende 2010 (nicht von ihm attestiert; vgl. dazu auch
Urk. 7/62/6-7
)
bis auf weiteres und nannte folgende Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
Encephalomyelitis
disseminata
schubförmig
generalisiertes neurogenes Schmerzsyndrom und
Fatigue
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine leichte
sensible Polyneuropathie unklarer Ätiologie. Aufgrund der bisherigen
Therapie
resi
stenz
, vor allem des invalidisierenden Schmerzsyndroms und des natür
licher
weise progredienten Charakters de
r
Encephalomyelitis
disseminata
sei eher mit
einer
weiteren (eventuell schubweise
n
) Beschwerdezunahme und eventuellen Ein
schränkung zu rechnen. Einschränkungen bestünden in Form
einer
Fatigue
, einer
limitierten körperlichen und kognitiven Leistungsfähigkeit
, dies
auch durch das
permanent
e, nur teilweise beeinflussbare
Schmerz
syndrom
. Die Ein
schrän
kung
en be
stünden vor allem in einer zeitlichen Beschränkung, aber auch in einer einge
schränkten körperlichen Leistung. Die bisherige Tätigkeit sei der Be
schwerde
führerin aus medizinischer Sicht noch zu 20
%
zumutbar und zwar
halb
tage
weise
. Leichte Büro- beziehungsweise Hausarbeiten, maximal
halb
tage
weise
oder
mit möglichst individuell planbaren Pausen, seien noch möglich. Hin
sichtlich
des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit seit dem 25. Oktober 2010
hielt
Dr.
B._
so
dann
fest
, aus neurologischer Sicht sei eine Re
duktion der Arbeits
fähigkeit nach
vollziehbar gewesen, der Verlauf sei aber nicht genau re
konstru
ierbar, da er die Arbeitsfähigkeit nicht direkt attestiert habe. Aufgrund der schubförmig anmutenden Schmerzverstärkung sei eine 100%ige Arbeits
un
fähig
keit für den Zeitraum von mindestens Mitte Januar 2011 bis Ende Februar 2011 aus neuro
lo
gischer Sicht indes indiziert gewesen. Danach habe wieder der Status
wie vor dem
Schub bestanden.
3.2
.3
Mit Verlaufsbericht
vom 5. April 2011 (Urk. 7/60)
diagnostizierte
Dr.
A._
eine MS seit August 2003
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
und attes
tierte der Be
schwerde
führerin als Büroangestellte
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
von September 2007 bis September 2010
sowie von 80
%
s
eit 8. Septem
ber 2010 bis heute.
Dr.
A._
führte in seinem Bericht aus, die
Beschwerdeführerin leide u
nter einer langsam progrediente
n
Muskelschwäche sowie unter starken Schmerzen, wel
che schon längere Zeit die Behandlung mit Opiaten erforderten.
Aus medizi
nischer Sicht sei der Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit
noch zu 20
%
(einzelne Stunden pro Tag) zumutbar. Bei all
ge
mein eingeschränkter Körperkraft seien nur kurze Einsätze möglich. Schliesslich stellte er der Be
schwerde
führerin trotz Therapie mit
Betaferon
eine schlechte Prognose.
3
.2
.4
Mit Bericht vom 16. August 2011 (Urk. 7/64) führte
Dr.
B._
ergänzend aus, der
aktuelle EDSS bleibe im Bereich zwischen 2,5-3. Seit Februar 2011 habe sich keine wesentliche Änderung der Arbeitsfähigkeit ergeben; die Be
schwerde
füh
re
r
in arbeite (hauptsächlich eingeschränkt durch das Schm
erzsyndrom be
zieh
ungs
weise die
Fatigue
) um 20
%
im administrativen Bereich. Dabei erledige sie neben der auswärtigen Arbeit mit Unterstützung ihres Partners auch den Haus
halt.
Eine aktuelle Objektivierung (soweit dies überhaupt möglich sei)
des seit
Jahren bestehenden, glaubhaft geschilderten, generalisierten neurogene
n
Schmerz
syndrom
s
bestehe nicht. Zu berücksichtigen sei
auch
, dass
die Beschwer
deführerin
durch die sehr ausgebaute medikamentöse Schmerztherapie zu
sätz
lich
in ihrer Leistungs
fähigke
it eingeschränkt werde (Müdigke
i
t
,
"
Trümmel
"
, zum Teil
Nausea).
3.2
.5
Mit Stellungnahme vom 11. Oktober 2011
(Urk. 7/67 S. 3 f.)
hielt
Dr.
med.
Z._
,
FMH Arbeits
medizin und FMH Allgemeinmedizin, RAD, fes
t,
laut Berich
ten werde die Arbeitsfähigkeit hauptsächlich durch das
Schmerzsyndrom sowie
die
Fatigue
eingeschränkt. Die Ursache des Schmerzsyndroms sei nach wie vor un
klar, möglicherweise stehe es nicht im Zusammenhang mit
der
–
sich weiter
hin
nicht klar manifestierenden – MS. Dennoch führe
Dr.
B._
in Er
man
gelung einer
Diagnose aus dem rheumatologischen Formenkreis die
Schmerz
problematik
auf die MS zurück. Neue somatische Funktionsausfälle würden keine beschrieben. Rein versicherungsmedizinisch-theoretisch müsste bei einer reinen
Schmerz
pro
blematik
ohne objektive Ursache laut
Kreisschreiben über In
validität und Hilf
losigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH) Randziffer 1018.1 angewendet und
die
Foerster’schen
Kriterien diskutiert werden. Aus psy
chiatrischer Sicht sei die Be
schwerdeführerin allerdings nicht untersucht wor
den, ebenso wenig rheuma
tologisch (jedenfalls fehlten die entsprechenden Ak
ten).
Da neue
Funktionsein
schrän
kungen
fehlten, werde auf die weitere Diag
nostik der seit 2003 bestehen
d
en Problematik mittels Begutachtung ver
zichtet. Ausweislich der medizini
schen
Unterlagen sei eine
invaliden
ver
sicherungs
rele
vante
Verschlechterung des Ge
sund
heitszustandes jedenfalls nicht dar
gestellt. Mit einer Arbeitsunfähigkeit von
50
%
in Bürotätigkeit und anderen
leidens
an
gepassten
Tätigkeiten sei auch die
Schmer
z
problematik
– un
ab
hängig von der Ätiologie – genügend abgedeckt be
zieh
ungsweise berück
sichtigt. Die 50%ige Bürotätigkeit sei der Beschwerde
füh
rerin weiterh
in zumut
bar. D
ie An
gabe eines Tätigkeitsprofils oder die Auferleg
ung
einer
Schaden
minderungs
pflicht
mit vor
zeitiger Überprüfung
erübrige sich
.
4.
4.1
In Frage steht vorliegen
d, ob sich die Erwerbsfähigkeit
aufgrund eines veränder
ten Gesund
heitszustandes
seit der renten
bestätigenden Mitteilung vom 25. Ok
to
ber 2010
(Urk. 7/42
)
in mass
geb
l
icher Weise ver
schlechtert hat
.
4.2
Ein Vergleich der medizinischen Situation anlässlich der
rentenbestäti
genden
Mit
teilun
g vom 25. Oktober 2010 (E. 3.
1
hiervor
)
mit de
m
Bericht von Dr.
B._
vom 25. Februar 2011
inklusive Ergänzung
vom 16.
August 2011
(E.
3.
2
.2
und E.
3.
2
.
4
hier
vor
)
ergibt, dass
sich sowohl die Diagnosen als auch die er
hobenen Befunde nicht wesentlich verändert haben.
So wiederholte
Dr.
B._
im
Bericht
vom 25. Februar 2011
die bereits im Rahmen der amtlich ein
ge
lei
te
ten
Renten
re
vision
im Jahr 2010
genannten Diagnosen
einer
schub
förmigen
Ence
phalo
myelitis
disseminata
mit einem
generalisierte
n neurogenen
Schmerz
syn
drom
sowie
eine
r
Fatigue
. Ebenso
decken sich
die von
Dr.
B._
im näm
li
chen
Bericht
in
klusive Er
gänzung
en vom 16. August 2011
geschilderten Be
schwer
den/
Befunde
wie
Fatigue
,
limitierte körperliche und kognitive Leis
tungs
fähig
keit (
auch durch
das nur teilweise beeinflussbare Schmerzsyndrom), "
Trüm
mel
“, Nausea
im We
sent
lichen
mit
den
jenigen, die
im
Rahmen der
amtlich einge
lei
teten
Renten
revision
im Jahr 2010
(
E. 3.1
hiervor;
vgl. dazu
auch den
Be
richt
von
Dr.
B._
vom 24. Juli 2007
an die Allianz Suisse,
Urk. 7/8/22)
fest
gehalten wur
den
.
Sodann
führte selbst Dr.
B._
in seinem ergänzend
en Bericht vom 16. Au
gust 2011 auf
Nach
frage hin aus, dass der aktuelle EDSS i
m Bereich zwi
schen 2,5-3 bleibe.
Das stellt
im Vergleich zum im
Rahmen des
amtlich einge
leiteten
Revi
si
onsverfahren
s
im Jahr 2010 diagnostizierten
EDSS von 2,5
je
denfalls keine
an
spruchsrelevanten
Ver
änderung
dar
(Urk. 7/16/7-8)
.
Neue
Be
funde
oder
zu
sätz
liche
oder ausgeweitete
Funktionseinschränkungen
sind
nicht
ersichtlich.
4.
3
Vor diesem Hintergrund ist eine wesentliche Verschlechterung des Ge
sund
heits
zustands der Beschwerdeführerin seit der rentenbestätigenden Mitteilung vom 25. Oktober 2010 (Urk. 7/42) nicht aus
gewiesen. Dass
Dr.
B._
trotz gleich
lau
tender Diagnosen und
ähnlichen
Befunde
n
in Abweichung zu s
einer
im Rahmen der
Rentenzusprache
respektive der amtlich eingeleiteten
Renten
re
vi
sion
atte
stier
ten Restarbeitsfähigkeit von 50
%
eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit von
80
%
attestierte
, ändert hieran nichts, handelt es sich doch bloss um eine
an
dere Einschätzung des gleichen Sachverhaltes, was
revisions
recht
lich
irrele
vant
ist.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass sich der Gesundheitszustand der
Be
schwerdeführerin seit der rentenbestätigenden Mitteilung vom 25. Oktober 20
10 nicht wesentlich und damit
nicht
in anspruchsrelevanter Weise
verändert hat.
4.4
Die von der Beschwerdeführerin dagegen erhobenen Einwände vermögen an dieser
Beurteilung nichts zu ändern:
4.4.1
Wenn d
ie Beschwerdeführerin
vorwiegend gestützt auf
die Berichte
von
Dr.
B._
vom
28
. Januar 2011 (Urk. 7/62/10)
, 25. Februar 2011 (E. 3.
2
.2 hier
vor)
und
16. August 2011 (E. 3.
2
.4 hiervor)
eine Beschwerdezunahme und damit eine
mas
sive Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der
renten
be
stäti
gen
den
Mitteilung 25. Oktober 2010 geltend machte, kann ihr nicht gefolgt wer
den
. Zw
ar
konstatierte
Dr.
B._
in
den
Bericht
en vom
28. Januar 2011 und
25. Feb
ru
ar 2011
eine Verstärkung der Schmerzen in den Beinen (zu
sätz
lich zu dem
be
reits vor
be
stehendem hohen generalisierten Schmerzniveau) und eine even
tuell
ver
mehrte Gangunsicherheit
sowie
auf
grund einer
schub
förmig
an
mutenden
Schmerz
ver
stärkung
eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit von mindestens Mit
te Januar
bis Ende Februar 2011
(E. 3.
2
.2)
,
doch erwähnte er gleich
zeitig, dass da
nach wieder der Status quo ante Schub vorgelegen habe.
In Bezug
auf
die im ergänzenden Bericht
vom 16. August 2011 (E. 3.
2
.4 hiervor)
fest
gehaltene
zusätzliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit
be
dingt durch
die
sehr ausge
baute medikamentöse Schmerztherapie (
Müdigkeit, "
Trümmel
", zum
Teil Nausea
)
ist
zu bemerken
, dass
Beeinträchtigungen wie
un
ter anderem
Gleich
gewichts
unsicherheit
mit
"
Trümmel
"
und
Fatigue
bereits in
Dr.
B._
Be
richt
vom 24. Juli 2007 (Urk. 7/8/22) an die Allianz Suisse als
Haupt
symptome
aufgeführt worden sind
.
Neue klare Be
funde oder zusätzliche
Funktions
ein
schränkungen
, die eine Erhöhung der Ein
schränkung der Arbeits
fähig
keit von 50 % auf 80
%
recht
fertigen würden
,
sind
hingegen keine
er
sicht
lich
.
So
h
ielt
Dr.
B._
in seinem
Bericht
vom 16.
August 2011 (E.
3.
2
.4
hiervor
)
denn auch
fest, dass eine
aktuelle Ob
jektivierung - soweit dies über
haupt mög
lich sei – des seit Jahren be
stehenden, glaub
haft ge
schil
der
ten, ge
neralisierten neurogenen
Schmerz
syn
droms
nicht
bestehe
.
4.4.2
Die Beschwerdeführerin kann auch aus dem Bericht von
Dr.
A._
vom 5. April 2011 (E.
3.
2
.3 hiervor) nichts zu ihren Gunsten ableiten.
Zum einen ver
fügt er als Arzt für Allge
meine Innere Medizin FMH nicht über die not
wen
digen fachlichen Voraussetzungen für eine
vertiefte Auseinandersetzung
, wes
halb er auch mehrmals auf die Ausführungen von
Dr.
B._
verwies (Urk. 7/60
Ziff.
1.4,
Ziff.
1.7)
. Zum anderen
darf un
d
soll das Gericht in Bezug auf Berichte von
Haus
ärztin
nen
und Hausärzte der Erfahrungstatsache Rech
nung tragen, dass diese mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver
trauensstellung in Zweifels
fäl
len eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Pati
enten aussagen
(BGE 125 V 351 E.
3b/cc).
Der blosse Hinweis auf eine lang
sam progrediente Mus
kelschwäche sowie starke Schmerzen ohne konkrete
Be
fund
schilderung
oder Schilderung ausgeweiteter Funktionsdefizite
vermag eine Verschlechterung
des Gesundheitszustandes
der Be
schwerdeführerin
mit dem im
Sozialver
siche
rungs
recht
geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit
jeden
falls
nicht darzulegen.
Anzufügen bleibt, dass Dr.
A._
bereits im Rahmen des rentenbestätigenden Revisionsverfahrens eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit ab 8. September 2010 bis auf weiteres attestiert hatte (E.
3.
1
.3), womit auch unter diesem Blickwinkel keine Verschlechterung ausgewiesen ist.
4.4.3
Angesichts des Umstandes, dass
gestützt auf di
e Berichte von
Dr.
B._
vom 25.
Februar 2011 (E.
3.
2
.2 hiervor) respektive 16. August 2011 (E.
3.
2
.4 hiervor)
eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerde
füh
rerin seit der
letzten amt
lichen
Ren
ten
revision
im Jahr 2010 nicht aus
ge
wiesen
ist und es sich bloss um eine an
dere Ein
schätzung des gleichen Sachver
hal
tes
handelt
, erübrigt es sich, auf die geltend ge
machten Kritikpunkte
in Be
zug auf die RAD-Stellungnahme vom 11. Oktober 2011
(Urk. 1 S. 4
Ziff.
4, S. 9-14
Ziff.
13 ff.) näher einzugehen.
5
.
Die angestammte Tätigkeit
als kaufmännische Angestellte
entspricht de
m noch zumutbaren Stellenprofil
(Urk. 7/60 S. 3
Ziff.
1.7, S. 4
Ziff.
3
)
. Damit erleidet die
Be
schwerde
führer
in
wie bis anhin eine
Einkom
mens
einbusse
von 50
%
, weshalb sie
keinen An
spruch auf eine Erhöhung der laufen
den halben Rente der In
vali
den
ver
sicherung hat.
6.
D
ie angefochtene Verfügung
erweist
sich somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zu
legen (Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG)
,
auf Fr.
7
00.-- anzusetzen und ausga
ngsgemäss der Beschwerdeführer
aufzuerlegen.