Decision ID: 5f88dc8b-be86-4fde-9efb-f3a0009c1023
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber, Oberer Graben 44,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 22. Mai 2009 zur Früherfassung bei der IV-Stelle (IV-act. 1).
Am 8. Juni 2009 folgte die Anmeldung zum Leistungsbezug (berufliche Integration/
Rente, IV-act. 5). Die Versicherte gab an, seit Juli 2008 an einer Depression zu leiden.
Im Juli 2008 sei bei ihr eine Hysterektomie vorgenommen worden. Anschliessend an
die Operation sei sie zur ambulanten physio- und psychotherapeutischen Rehabilitation
in der Tagesklinik B._ gewesen. Der behandelnde Arzt, Dr. med. C._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Chefarzt der Klinik B._, berichtete von einer
integrativen psychosomatischen Rehabilitation in der Klinik vom 15. September bis
24. Oktober 2008. Seither beanspruche sie ca. 14-täglich Psychotherapie (IV-act. 26).
Im Oktober 2008 habe die Chefin der Versicherten Druck gemacht, dass sie wieder zur
Arbeit komme. Am 20. Oktober 2008 habe die Versicherte ihre Arbeit mit einem 50%-
Pensum wieder aufgenommen, obwohl sie noch zwei Wochen hätte in B._ bleiben
sollen (Fremdakten, AXA-Winterthur, act. M-6, Gutachten Dr. D._ vom 24.4.2009).
A.b Im Auftrag der Taggeldversicherung (AXA-Winterthur) erstattete Dr. med. D._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, nach einer Untersuchung der Ver
sicherten am 16. April 2009, ein psychiatrisches Gutachten. Darin stellte er fest, er
könne sich der in der Klinik B._ gestellten Diagnose einer "Anpassungsstörung mit
Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22)" anschliessen. Da diese
Diagnose allerdings nur während sechs Monaten gestellt werden könne, diagnostizierte
er eine "mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10:
F31.11)". Differentialdiagnostisch sei beim Vorhandensein von Angst auch die
Diagnose "Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10: F41.2)" in Betracht zu
ziehen. Er schätzte die Versicherte im Zeitpunkt seiner Begutachtung als zu 100%
arbeitsunfähig ein. Wenn sie die Arbeit wieder aufnehme, dürfe diese nicht körperlich
belastend sein und sollte eher im Bereich Alters- als Pflegeheim erfolgen. Die
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Behandlung in der Klinik B._ sei geeignet, Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit
namhaft zu verbessern. Dies werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen (Fremdakten,
AXA-Winterthur, act. M-6, Gutachten Dr. D._ vom 24.4.2009).
A.c Die Eingliederungsverantwortliche schätzte den Gesundheitszustand der
Versicherten im August 2009 als instabil ein, weshalb sie zum damaligen Zeitpunkt
Eingliederungsmassnahmen als nicht möglich erachtete. Sie hielt aber fest, die
Versicherte fühle sich zwar im Augenblick noch nicht in der Lage wieder arbeiten zu
gehen, sie sei aber dabei sich seelisch und körperlich aufzubauen und habe den
Wunsch wieder zu arbeiten (IV-act. 23-4).
A.d Dr. C._ hielt mit Bericht vom 24. November 2009 fest, die Versicherte habe im
Jahre 2004 ein Burnout-Syndrom erlitten. Seit der Hysterektomie im Juli 2008 leide sie
an einer "rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11)". Dies resultiere in einer massiven
Erschöpfung und einer stark reduzierten psychischen Belastbarkeit (IV-act. 26).
A.e In einer internen Stellungnahme vom 16. Dezember 2009 stellte der befasste Arzt
des Regionalen Ärztlichen Dienstes Ostschweiz (RAD) fest, die generelle Arbeitsun
fähigkeit der Versicherten von 100% sei nachvollziehbar. In der geplanten Behandlung
könne vielleicht der therapeutische Durchbruch erreicht werden. Es sei nun sinnvoll,
der Versicherten Integrationsmassnahmen anzubieten und so zur Stabilisierung
beizutragen (IV-act. 27)
A.f Von Anfang Dezember 2009 bis Mitte Januar 2010 hielt sich die Versicherte für
sechs Wochen für eine ambulante psychiatrische Therapie in der Klinik B._ auf (IV-
act. 31). Bei einem weiteren Gespräch mit der Eingliederungsberaterin im Februar 2010
erklärte die Versicherte, dass sie sich derzeit für eine berufliche Massnahme nicht
bereit fühle (IV-act. 34). Die Arbeitsvermittlung wurde daraufhin abgeschlossen (IV-
act. 42). Für die Evaluation der zumutbaren Arbeitsfähigkeit empfahl der RAD-Arzt im
Juni 2010 die Anordnung einer polydisziplinären Begutachtung (IV-act. 43).
A.g Die Begutachtung erfolgte am 13. und 15. September 2010 in der MEDAS
Ostschweiz. Das Gutachten wurde am 23. November 2010 erstattet (IV-act. 47). Der
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psychiatrische Gutachter Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, hielt fest:
"Diagnostisch ist aus psychiatrischer Sicht zum aktuellen Untersuchungszeitpunkt von
einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom bei
rezidivierender depressiver Störung auf dem Boden von akzentuierten
Persönlichkeitszügen mit histrionischen, selbstunsicher-vermeidenden und passiv-
aggressiven Anteilen auszugehen. Zudem besteht eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung." (IV-act. 47-26).
Aufgrund der geschilderten Untersuchungsbefunde würden leicht- bis mittelgradige
Einschränkungen der Arbeits-und Leistungsfähigkeit bestehen. Diese seien bedingt
durch eine leichte Einschränkung der Ausdauer, leichte Konzentrations- und
Aufmerksamkeitsstörungen, eine Verminderung der Stress- und Frustrationstoleranz
und der emotionalen Belastbarkeit sowie durch gewisse Defizite der sozialen
Kompetenzen, insbesondere der Abgrenzungs- und Konfliktfähigkeit (IV-act. 47-28).
Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er:
"Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig depressive Episode mit
somatischem Syndrom, beginnend chronifiziert in leichter depressiver Ausprägung
(ICD-10: F33.8).
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen, selbstunsicher-vermeidenden und
passiv-aggressiven Anteilen (ICD-10: Z73.1)."
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei die anhaltende somatoforme Schmerz
störung (ICD-10: F45.40). In der angestammten Tätigkeit als Krankenschwester
bestehe aus rein psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 40-50%. Daraus
ergebe sich ein mögliches Arbeitspensum von ca. 6 Stunden täglich. Den Beginn der
Arbeitsunfähigkeit legte er auf den 11. Juli 2008 fest. Auch in einer adaptierten Tätigkeit
sei von einer Arbeitsunfähigkeit von ca. 40-50% auszugehen, wobei dem Leiden ideal
angepasste Tätigkeiten solche seien, die keine speziell erhöhten Anforderungen an die
Stress- und Frustrationstoleranz oder die emotionale Belastbarkeit stellen würden. Ob
die Übernahme von Führungsaufgaben sinnvoll sei, musste er zum damaligen
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Zeitpunkt in Frage stellen (IV-act. 47-28). Die Prognose stufte er als vorsichtig günstig
ein. Es sei eine stufenweise Eingliederung gegebenenfalls in Absprache des
behandelnden Psychiaters vorzunehmen. Aus objektiv-gutachterlicher Sicht sei die
subjektive Selbsteinschätzung der Versicherten, die sich nicht arbeitsfähig fühlte, nicht
nachvollziehbar. Es sei bei sekundärem Krankheitsgewinn von einer
Verdeutlichungstendenz auszugehen. Sie schätze ihre Arbeitsfähigkeit aus objektiver
Sicht eindeutig zu tief ein. Überdies bestünden verschiedene psychosoziale
Belastungsfaktoren. Abschliessend wies der Gutachter ausdrücklich daraufhin, die
Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit von ca. 40-50% resultiere aus einer Beurteilung
unter Ausschluss von IV-fremden Faktoren (IV-act. 47-30).
A.h In einer internen Stellungnahme vom 26. November 2010 erachtete der befasste
RAD-Arzt die im MEDAS-Gutachten festgestellte Arbeitsunfähigkeit für plausibel. Er
riet, der Versicherten zur beruflichen Eingliederung erneut berufliche Massnahmen
anzubieten. Zusätzlich solle die Einnahme der psychoaktiven Medikation monatlich
überprüft werden (IV-act. 48).
A.i Mit Stellungnahme vom 21. Oktober 2011 hielt der RAD-Arzt fest, ein Jahr nach
der Begutachtung der Versicherten müsse die damalige günstige Prognose
zurückgenommen werden. Die mittelgradige Depression wirke sich weiterhin limitierend
aus und gestalte sich als therapierefraktär. Aus arbeitsmedizinischer Sicht sei die
Versicherte als Stationsleiterin weiterhin zu 100% arbeitsunfähig. In einer Tätigkeit in
der Krankenpflege mit geringeren Anforderungen sei ihr aber ein 50%iges
Leistungspensum zumutbar (IV-act. 74).
A.j Mit Vorbescheid vom 9. Februar 2012 teilte die IV-Stelle mit, bei einem
Invaliditätsgrad
von 22% habe die Versicherte keinen Rentenanspruch; sie stellte die Abweisung des
Leistungsgesuchs in Aussicht. Dabei ging die IV-Stelle davon aus, eine
leidensangepasste Tätigkeit sei der Versicherten zu 100% zumutbar (IV-act. 80).
A.k Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 16. März 2012 Einwand erheben
(IV-act. 87). Ihre Rechtsvertreterin, Rechtsanwältin B. Surber, verlangte rückwirkend ab
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dem 1. Dezember 2009 die Ausrichtung einer ganzen Rente an die Versicherte,
eventualiter eine Dreiviertelsrente. Einerseits bestritt sie das von der IV-Stelle zur
Berechnung verwendete Valideneinkommen. Die Versicherte habe – entgegen der
Behauptung der IV-Stelle – ihre Stelle nicht aus betrieblichen Gründen verloren und es
sei daher das tatsächliche Einkommen der Versicherten, welches sie vor Eintritt der
Invalidität erzielt habe, zur Berechnung heranzuziehen. Es sei davon auszugehen, dass
die Versicherte als hypothetisch Gesunde wieder in der Funktion als Stationsleiterin
arbeiten würde. Andererseits sei es nicht nachvollziehbar, wie die IV-Stelle zur
Auffassung gelange, es sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen, wo doch die
Gutachter von einer Arbeitsunfähigkeit von 40-50% ausgegangen seien. Insofern als
der Rechtsdienst damit seine Beurteilung an die Stelle der Beurteilung der Gutachter
gesetzt habe, stelle er die Glaubwürdigkeit des Gutachtens in Frage. Dabei sei es
unklar, auf welche Beurteilung sich der Rechtsdienst dann stütze, da sämtliche
Arztberichte eine Arbeitsunfähigkeit der Versicherten aufgrund der psychischen
Beeinträchtigung bescheinigen würden.
A.l Mit Verfügung vom 26. März 2012 bestätigte die IV-Stelle ihren Vorbescheid und
wies das Leistungsbegehren der Versicherten ab (IV-act. 88). Ob ein gewisses Leiden
invalidisierend sei, sei eine Rechtsfrage. Nach gefestigter bundesgerichtlicher Praxis
sei im vorliegenden Fall von einer vollen Arbeitsfähigkeit der Versicherten aus
psychischen Gründen auszugehen. In den Jahren 2002 bis 2004 habe die Versicherte
immer ungefähr das in die Berechnung einbezogene Einkommen erzielt. Es sei
realistisch, dass die Versicherte wieder in etwa ein Einkommen in dieser Höhe – wie im
Einkommensvergleich berücksichtigt – erzielen könnte.
B.
B.a Dagegen lässt die Versicherte mit Eingabe vom 15. Mai 2012 Beschwerde erheben
(act. G 1). Die Rechtsvertreterin bestreitet erneut das von der Beschwerdegegnerin
zum Einkommensvergleich verwendete Valideneinkommen. Weiter sei nicht
nachvollziehbar, wie die Beschwerdeführerin in der Lage sein sollte, 100% zu arbeiten.
Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Gutachten sei schlüssig und klar. Die Gutachter
seien zum Ergebnis gelangt, die Beschwerdeführerin sei in der Lage, die Schmerzen
mit zumutbarer Willensanstrengung zu überwinden. Aufgrund dessen sei die
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somatoforme Schmerzstörung nicht in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit mit
einbezogen worden. Das Vorgehen der Beschwerdeführerin, ihre eigene Beurteilung an
die Stelle derjenigen in den ärztlichen Berichten und dem eigens dafür in Auftrag
gegebenen Gutachten zu stellen, lasse sich nicht rechtfertigen. Es sei auf das
Gutachten abzustellen und damit von einer Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 5. Oktober 2012 hält die Beschwerdegegnerin an
ihrem Standpunkt fest und beantragt, die Beschwerde abzuweisen (act. G 10). Aus
dem Gutachten gehe hervor, dass die depressive Störung Ausfluss der somatoformen
Schmerzstörung sei. Es handle sich um eine reaktive Begleiterscheinung der
Schmerzstörung und eine solche stelle keine Komorbidität dar. Der psychiatrische
Gutachter komme zum Schluss, es sei der Beschwerdeführerin zumutbar, mit der ihr
zumutbaren Willensanstrengung ihre Schmerzen zu überwinden und eine höhere
Arbeitsleistung zu erbringen. Der Gutachter ziehe dann rechtlich aber einen falschen
Schluss, indem er der Beschwerdeführerin gleichwohl eine teilweise Arbeitsunfähigkeit
attestiere. Damit werde die Willensanstrengung in zwei Bereiche aufgeteilt, was aber
nicht möglich sei. Eine Willensanstrengung sei entweder unzumutbar oder nicht. Die
Beschwerdeführerin könne nicht als IV-rechtlich eingeschränkt gelten. Insofern könne
vom MEDAS-Gutachten abgewichen werden, ohne diesem im restlichen Teil den
Beweiswert abzusprechen. In Bezug auf den Einkommensvergleich fügt die
Beschwerdegegnerin an, die Beschwerdeführerin habe ihre zuletzt ausgeübte Stelle
nicht aus gesundheitlichen Gründen verloren. Aus den Akten gehe hervor, dass sie aus
Gründen, die in ihrer Persönlichkeit liegen würden, für die verlorene Stelle wohl nicht
geeignet gewesen sei. Die Stelle sei ihr aus betrieblichen Gründen gekündigt worden
und der zuletzt erzielte Lohn könne daher nicht als Basis für den Validenlohn dienen. Es
sei gerechtfertigt, die früheren tieferen Löhne als Basis für das Valideneinkommen zu
nehmen.
B.c Mit Replik vom 17. Dezember 2012 (act. G 21) führt die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin an, die Gutachter hätten bei der Beschwerdeführerin als Diagnose
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine "rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode" diagnostiziert. Als Diagnose ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit sei die "anhaltende somatoforme Schmerzstörung" genannt worden.
Es sei nicht nachvollziehbar, wieso nun die Beschwerdegegnerin die anhaltende
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somatoforme Schmerzstörung als Diagnose ins Zentrum stelle und diese als
überwindbar erkläre. Offensichtlich würden auch die Gutachter – in Kenntnis der IV-
Rechtsprechung – davon ausgehen, dass aus der somatoformen Schmerzstörung
keine für die IV relevante Arbeitsunfähigkeit resultiere. Aufgrund der weiteren
Diagnosen seien die Gutachter aber offensichtlich der Ansicht, dass eine erhebliche
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Dieser Einschätzung sei zu folgen. Zur
Untermauerung ihrer Argumentation legt die Rechtsvertreterin einen neuen Bericht des
behandelnden Psychiaters (act. G 21.1) bei. Dr. C._ weise in seinem Bericht drauf
hin, die Gutachter hätten die somatoforme Schmerzstörung unter den Diagnosen ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt und seien diesbezüglich von der
Zumutbarkeit des Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess ausgegangen. Die
rezidivierende depressive Störung habe hingegen nichts mit der somatoformen
Schmerzstörung zu tun. Es gehe daher nicht um die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
bei einer psychischen Komorbidität sondern bei einer selbständigen psychiatrischen
Erkrankung. Der Beschwerdeführerin sei aufgrund einer anhaltenden mindestens
mittelschweren Einschränkung der psychokognitiven Funktionen eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% zu attestieren. Die Rechtsvertreterin kritisiert nochmals die
Bestimmung des Valideneinkommens und hält fest, das Arbeitszeugnis der
Beschwerdeführerin (act. G 21.2) belege, dass sie die Stelle aus gesundheitlichen
Gründen verloren habe. Es sei daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
als hypothetisch Gesunde weiterhin eine leitende Funktion ausüben würde. Damit sei
ihr letztes erzieltes Einkommen für die Berechnung heranzuziehen.
B.d Nachdem die Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer Duplik verzichtete,
wurde der Schriftenwechsel abgeschlossen (act. G 23).

Erwägungen:
1.
Angefochten ist die einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneinende Ver
fügung der Beschwerdegegenerin vom 26. März 2012. Die Beschwerdeführerin
beantragt, die Verfügung aufzuheben und ihr eine ganze, eventualiter eine
Dreiviertelsrente zuzusprechen.
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2.
2.1 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich
zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen,
erhalten oder verbessern können, haben gemäss Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) Anspruch auf eine Rente (lit. a), wenn
sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht
Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf
eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine
Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze
Invalidenrente. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist
gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar. Danach wird für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt
zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre. Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt
und einander gegenübergestellt werden. Beim zur Bemessung des IV-Grads
vorzunehmenden Einkommensvergleich sind Werte aus demselben Vergleichsjahr
beizuziehen.
2.2 Für die Bemessung des Invaliditätsgrades sind die zuständige Behörde und später
das Gericht auf von den Ärzten zur Verfügung zu stellende Unterlagen angewiesen.
Aufgabe der Ärzte ist es denn auch, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261, E. 4 mit weiteren Hinweisen). Im
Rahmen der freien Beweiswürdigung dürfen sich Verwaltung und Gericht weder über
die medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen, noch sind die ärztlichen
Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer sozialversicherungsrechtlichen
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Tragweite zu übernehmen. Die rechtsanwendende Behörde hat sorgfältig zu prüfen, ob
die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt,
welche vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich sind (BGE
130 V 356, E. 2.2.5). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten
von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Unter
suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung
der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung
volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen (BGE 125 V 351, E. 3b/bb).
2.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei aus psychischen Gründen in ihrer
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung können
psychische Beeinträchtigungen der Gesundheit in gleicher Weise wie körperliche
Gesundheitsschäden Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 ATSG
bewirken (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2007, I 290/06, E. 4.2.1). Ein
geistiger oder psychischer Gesundheitsschaden liegt dann vor, wenn aufgrund eines
Geburtsgebrechens, eines Unfalles oder einer Krankheit eine bleibende oder längere
Zeit dauernde Beeinträchtigung der mentalen, intellektuellen, kognitiven oder
emotionalen Funktionen besteht, welche durch therapeutische Massnahmen nicht
ausreichend behoben werden kann und die Arbeitsfähigkeit langdauernd vermindert
oder verunmöglicht (Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung [KSIH], Rz 1007). Zur Annahme einer Invalidität braucht es in
jedem Fall ein medizinisches Substrat, welches schlüssig von einem Facharzt
festgestellt wird und nachweislich die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich
beeinträchtigt (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juni 2012, 9C_537/2011, E. 3.2). Das
klinische Beschwerdebild darf nicht einzig in Beeinträchtigungen bestehen, die von den
belastenden soziokulturellen und psychosozialen Faktoren herrühren, sondern es hat
davon unterscheidbare Befunde zu umfassen. Zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im
fachmedizinischen Sinn oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand.
Damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann, muss eine von
soziokulturellen oder psychosozialen Belastungssituationen zu unterscheidende und in
diesem Sinne verselbständigte psychische Störung mit Auswirkungen auf die
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Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vorliegen (Urteil des Bundesgerichts vom 20. September
2011, 8C_302/2011, E. 2.5.1).
2.4 Die Beschwerdeführerin wurde am 13. und 15. September 2010 in der MEDAS
Ostschweiz begutachtet. Der psychiatrische Gutachter stellte eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, mit somatischem
Syndrom (ICD-10: F33.8) fest. Gestützt auf diese Beurteilung schätzte er die
Beschwerdeführerin als zu 40-50% arbeitsunfähig ein.
2.5 Die Beschwerdegegnerin gelangt zu einer anderen Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit. Ihrer Ansicht nach ist der Beschwerdeführerin eine 100%ige
Arbeitstätigkeit zumutbar. Die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters trage dem
Umstand nicht Rechnung, dass die Unzumutbarkeit einer willentlichen
Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess nur in
Ausnahmefällen anzunehmen sei. In dieser Hinsicht könne vom Gutachten abgewichen
werden, ohne diesem im restlichen Teil den Beweiswert abzusprechen.
2.6 Soweit die Beschwerdegegnerin geltend macht, es handle sich bei der
depressiven Störung um eine Begleiterkrankung eines Schmerzsyndroms und es
rechtfertige sich daher, von der im MEDAS-Gutachten bescheinigten Arbeitsunfähigkeit
von 40-50% aus psychiatrischer Sicht in dem Sinn abzuweichen, dass der
Beschwerdeführerin eine volle Arbeitstätigkeit zumutbar sei, kann dem mit Blick auf die
dargelegten gutachterlichen Ausführungen nicht beigepflichtet werden. Zwar genügt
nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts die (rein) psychiatrische Erklärbarkeit
einer Schmerzsymptomatik allein – bei weitgehendem Fehlen eines somatischen
Befundes – für eine sozialversicherungsrechtliche Leistungsbegründung nicht (BGE
130 V 352, E. 2.2.4). Eine depressive Störung stellt indessen keinen pathogenetisch
(ätiologisch) unklaren syndromalen Zustand dar, bei welchem die Rechtsprechung zu
den somatoformen Schmerzstörungen zur Anwendung gelangen würde (vgl. BGE 136
V 279, E. 3.2.1, BGE 137 V 64, E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Januar 2013,
8C_680/2012, E. 4.5).
2.7 Aus dem Gutachten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin (als
Hauptdiagnose) an einer "rezidivierenden depressiven Störung, aktuell mittelgradige
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depressive Episode mit somatischem Syndrom, beginnend chronifiziert in leichter
depressiver Ausprägung (ICD-10: F33.8)", leidet. Aufgrund der dadurch entstandenen
verminderten Leistungsfähigkeit, dem erhöhten Pausenbedarf und einem etwas
verlangsamten Arbeitstempo, hat der psychiatrische Gutachter eine Arbeitsfähigkeit
von 40-50% als ausgewiesen angesehen. Weiter führte der Gutachter aus, die von der
Beschwerdeführerin geschilderten Schmerzen, liessen sich nicht ausschliesslich durch
die somatischen Diagnosen begründen. Sie würden aus psychiatrischer Sicht den
diagnostischen Kriterien einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nach der
ICD-10 Klassifikation entsprechen. Es stelle sich – bezugnehmend auf die gängige
Gerichtspraxis – die Frage, ob es der Beschwerdeführerin in Aufwendung der
zumutbaren Willensanstrengung möglich sei, ihre Schmerzen zu überwinden und eine
höhere Arbeitsleistung zu erbringen bzw. wieder in den Arbeitsprozess einzusteigen
(IV-act. 47-9). Bei den Laborkontrollen sei aufgefallen, dass das verordnete
Antidepressivum mit sehr niedrigem Blutspiegel, an der Grenze zum therapeutischen
Bereich, nachweisbar gewesen sei. Hier würden sich eindeutig noch offene
Behandlungsoptionen zeigen. Daher könne aus gutachterlicher Sicht festgehalten
werden, dass der Beschwerdeführerin die Aufwendung der zumutbaren
Willensanstrengung aus psychiatrischer Sicht, die Schmerzen zu überwinden und eine
höhere Arbeitsleistung zu erbringen bzw. wieder in den Arbeitsprozess einzusteigen,
möglich erscheine (IV-act. 47-10). Abschliessend hielt der psychiatrische Gutachter
folgendes fest:
"Zusammenfassend kann anhand der geschilderten Untersuchungsbefunde aus
psychiatrischer Sicht festgehalten werden, dass aufgrund der unten aufgeführten
psychischen Störungen derzeit leicht- bis mittelgradige Einschränkungen der Arbeits-
und Leistungsfähigkeit bestehen. Diese sind bedingt durch eine leichte Einschränkung
der Ausdauer, leichte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, eine
Verminderung der Stress- und Frustrationstoleranz und der emotionalen Belastbarkeit
sowie gewisse Defizite der sozialen Kompetenzen, insbesondere der Abgrenzungs-
und Konfliktfähigkeit."
Der psychiatrische Gutachter hat sich mit dem Einfluss sozialer, IV-fremder, Faktoren
(wie z.B. Migrationshintergrund, Erkrankung des Ehemannes, partnerschaftliche
Konflikte, subjektives Krankheitskonzept etc.) auseinandergesetzt und zwischen diesen
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und den (aufgrund der gestellten Diagnosen) als krankheitsbedingt erkannten
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit unterschieden. Demgemäss hielt er fest, dass er
unter Ausklammerung IV-fremder Faktoren zu einer Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin von 40-50% gelange (IV-act. 47-12). Eine Verwertung der
Restarbeitsfähigkeit sei in der freien Wirtschaft gut realisierbar und eine Tätigkeit in
geschütztem Rahmen sicher nicht erforderlich. Er gab Hinweise für die Fortführung der
ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung und merkte an,
inwiefern eine weitere Verbesserung der Arbeitsfähigkeit möglich erscheine, könne zum
aktuellen Untersuchungszeitpunkt nicht abschliessend beurteilt werden. Es scheine
allerdings nicht ausgeschlossen, dass sich eine weitere Verbesserung einstellen werde
(IV-act. 47-11). Abschliessend empfahl er im Falle einer Berentung eine kurzfristig
anberaumte Rentenrevision und gegebenenfalls eine Nachbegutachtung, um die
Fortschritte der therapeutischen Bemühungen beurteilen zu können (IV-act. 47-13).
2.8 Es sind keine Gründe ersichtlich, wieso nicht auf das MEDAS-Gutachten
abgestützt werden sollte. Das psychiatrische Gutachten basiert auf umfassenden
Kenntnissen des Sachverhalts und der psychiatrische Gutachter hat eigene Befunde
und Beobachtungen erhoben. Die Beurteilung der zumutbaren Arbeitsleistung ist in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden und die Schlussfolgerungen des
Experten sind ausführlich, schlüssig und nachvollziehbar begründet. Entgegen der
Ansicht der Beschwerdegegnerin geht aus dem Gutachten eindeutig hervor, dass der
Gutachter die Beschwerdeführerin allein aufgrund der psychischen Störung als nur
teilweise arbeitsfähig einschätzte. Die anhaltende somatoforme Schmerzstörung
nannte er lediglich als Nebendiagnose. Dazu hielt er fest, dass die Beschwerdeführerin
in der Lage sei, mit der ihr zumutbaren Willensanstrengung diese Schmerzen zu
überwinden. Das MEDAS-Gutachten entspricht den Anforderungen der
Rechtsprechung. Die Ausführungen sind schlüssig und überzeugend, womit darauf
abgestellt werden kann (BGE 125 V 352, E. 3a mit Hinweisen).
2.9 Es ist demzufolge festzuhalten, dass es sich bei der diagnostizierten
rezidivierenden depressiven Störung vorliegend nicht bloss um die Begleiterscheinung
einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbständiges, vom psychogenen
Schmerzsyndrom losgelöstes, depressives Leiden handelt (vgl. dazu auch die Urteile
des Bundesgerichts vom 17. Juli 2013, 8C_162/2013, E. 3.1.2; vom 17. Januar 2013,
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9C_521/2012, E. 3.1.2 und 4.1; SVR 2012 IV Nr. 22 S. 95, 8C_302/2011, E. 2.4). Der
Gutachter mutete der Beschwerdeführerin denn auch zu, die subjektiv empfundenen
körperlichen Schmerzen trotz der depressiven Symptomatik überwinden zu können
und kam zum Schluss, es bestehe dennoch eine 40-50%ige Arbeitsunfähigkeit (aus
psychischen Gründen).
2.10 Auch der behandelnde Psychiater, Dr. C._ legte in seinem Bericht vom
23. Oktober 2012 dar, die körperlichen Schmerzen seien bei der Beschwerdeführerin
nie im Vordergrund gestanden (act. G 21.1). Es könne keine Rede von der Entwicklung
einer depressiven Störung aufgrund der Schmerzen sein. Er attestiert der
Beschwerdeführerin ebenfalls eine ca. 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Gleicher Ansicht ist überdies auch der RAD-Arzt (IV-act. 74).
2.11 Ausgehend vom Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juni 2014, 9C_850/2013 und
der dort unter Erwägung 3.2. zitierten Rechtsprechung kommt bei der
Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die
Arbeitsfähigkeit der Arztperson keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu.
Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine
Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet.
Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden
können. Entgegen der Einschätzung der Beschwerdegegnerin, welche eine
Arbeitsunfähigkeit gänzlich verneint, erscheint die Beurteilung des psychiatrischen
Gutachters auch hinsichtlich seiner Schätzung der Arbeitsfähigkeit als schlüssig. Diese
Einschätzung wird denn auch vom RAD geteilt. Der psychiatrische Gutachter benennt
die Defizite hinsichtlich Konzentration, Aufmerksamkeit, Stress- und
Frustrationstoleranz, der Abgrenzungs- und Konfliktfähigkeit und der emotionalen
Belastbarkeit, welche einen erhöhten Pausenbedarf sowie ein etwas verlangsamtes
Arbeitstempo bedingen und in ihrer Gesamtheit damit auch die quantitative Schätzung
der Leistungsfähigkeit, bezogen auf eine Tätigkeit im Gesundheitsbereich (keine
Leitungsfunktion), plausibel erscheinen lassen.
2.12 Nachdem der gutachterlichen Einschätzung einer Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin von 40-50% zu folgen ist, muss nachfolgend der Invaliditätsgrad
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bestimmt werden. Wenn – wie hier – seitens der Mediziner eine Bandbreite angegeben
wird, ist gemäss bundesgerichtlicher Praxis der Mittelwert zugrundezulegen (vgl. Urteile
des Bundesgerichts vom 20. August 2009, 9C_193/2009, E. 1.3.1, und vom 28.
Dezember 2007, 9C_626/2007, E. 3.2), vorliegend demzufolge 45 %.
3.
3.1 Zu prüfen ist im Weiteren die in der angefochtenen Verfügung vorgenommene
Invaiditätsbemessung. Diese hat mittels Einkommensvergleichs zu erfolgen.
3.2 Für die Ermittlung des Einkommens, welches die Beschwerdeführerin ohne Inva
lidität erzielen könnte (Valideneinkommen), ist entscheidend, was sie im Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte (BGE 129 V 222, E. 4.3.1).
Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von
sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Die
Beschwerdeführerin hat sich im Juni 2009 zum Leistungsbezug angemeldet (IV-act. 5).
Da der Rentenbeginn mithin im Dezember 2009 anzusetzen ist, sind bei einem
allfälligen Leistungsanspruch dem Einkommensvergleich die Lohnverhältnisse im Jahre
2009 zu Grunde zu legen. Gemäss Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin hätte die
Beschwerdeführerin im Jahr 2009 ohne Gesundheitsschaden ein Einkommen von
Fr. 87'000.-- erzielt (IV-act. 21-2). Die Beschwerdeführerin gab an, bereits an der
vorangegangenen Stelle in leitender Funktion tätig gewesen zu sein. Sie verfügt über
eine abgeschlossene Ausbildung und kann diverse Weiterbildungen vorweisen.
Überdies macht die Beschwerdeführerin, wie sich aus den Akten (act. G 21.2) ergibt, zu
Recht geltend, sie habe ihre Stelle nicht aus betrieblichen Gründen verloren. Daher
erscheint es realistisch, dass die Beschwerdeführerin bei voller Gesundheit (weiterhin)
in einer leitenden Position tätig wäre. Das von ihrer ehemaligen Arbeitgeberin
angeführte hypothetische Einkommen für 2009 erscheint auch daher angemessen, da
die Beschwerdeführerin gemäss Auszug aus dem individuellen Konto bereits im Jahr
2007 Fr. 86'447.-- verdiente (IV-act. 12-2). Für das theoretische Valideneinkommen
wird demnach auf diese Angaben abgestützt und ein Einkommen von Fr. 87'000.-- bei
der Berechnung berücksichtigt.
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3.3 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist
– wie vorliegend – kein effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die
Beschwerdeführerin nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung statistische Werte (Tabellenlöhne) beigezogen werden (BGE 129 V
472, E. 4.2.1). Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin führt an, da die
Beschwerdeführerin nicht mehr in der Lage sei, einer Tätigkeit als Pflegefachfrau
nachzugehen und sie sonst über keine Ausbildung verfüge, sei das
Invalideneinkommen nach der Tabelle TA1 Niveau 4 zu bestimmen. Dem ist entgegen
zu halten, dass der psychiatrische Gutachter ausdrücklich festhielt, es sei zwar fraglich,
ob die Beschwerdeführerin erneut eine Leitungsfunktion übernehmen könne, er aber
eine Tätigkeit im angestammten Beruf weiterhin als möglich erachte (IV-act. 47-10f.).
Da die Beschwerdeführerin über eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrere
Zusatzqualifikationen verfügt, ist auf die Tabelle TA1,
Niveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse als Voraussetzung) abzustellen. Gemäss
Lohnstrukturerhebung 2008 erzielten Frauen im Gesundheitswesen im Jahr 2008 bei
einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden einen durchschnittlichen Jahreslohn
von Fr. 66'468.-- (Tabelle TA1, Niveau 3). Aufgerechnet auf das Jahr 2009 und die im
Gesundheitswesen massgebliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41.6
Stunden ergibt sich ein durchschnittlicher Jahreslohn von Fr. 70'509.--. Bei einem
55%-Pensum resultiert ein hypothetisches Invalideneinkommen der
Beschwerdeführerin von Fr. 38'780.--.
3.4 Stellt man das Invalideneinkommen von Fr. 38'780.-- dem Valideneinkommen von
Fr. 87'000.-- gegenüber, resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 48'220.--, was einem
Invaliditätsgrad von 55% entspricht.
3.5 Die Beschwerdeführerin verlangt eine ganze oder allenfalls eine Dreiviertelsrente.
Bei einem Invaliditätsgrad von 55% ergibt sich allerdings lediglich ein Anspruch auf
eine halbe Rente. Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr in einer
leitenden Funktion tätig sein kann, wird dadurch berücksichtigt, dass für das
Invalideneinkommen für die Berechnung der Tabellenlohn "Gesundheits- und
Sozialwesen, Frauen, Niveau 3" verwendet wird. Mit einer leitenden Funktion wäre die
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Beschwerdeführerin in die Tabelle "Niveau 1+2" einzuteilen gewesen. Vorliegend sind
keine Gründe ersichtlich, die einen leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn
rechtfertigen würden, denn in ihrem erlernten Beruf ist die Beschwerdeführerin
gegenüber anderen Bewerberinnen nicht benachteiligt und muss daher nicht mit einer
Lohneinbusse rechnen.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin eine halbe Rente zuzusprechen.
4.2 Zu prüfen bleibt der Rentenbeginn. Gemäss Art. 28 IVG entsteht ein Renten
anspruch frühestens im Zeitpunkt, in welchem eine versicherte Person während eines
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch zu mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen ist.
Der psychiatrische Gutachter legte den Beginn der 40-50%igen Arbeitsunfähigkeit auf
den 11. Juli 2008 fest (IV-act. 47-10). Bei der Anmeldung im Juni 2009 war dieses
Wartejahr demnach knapp erfüllt. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der
Rentenanspruch frühestens sechs Monate nach Geltendmachung des
Leistungsanspruchs. Demgemäss entstand vorliegend der Anspruch der
Beschwerdeführerin im Dezember 2009 und die Rente wird
gemäss Art. 29 Abs. 3 IVG ab dem 1. Dezember 2009 ausgerichtet.
5.
5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend beurteilten Angelegenheit angemessen und ist von der
unterliegenden Beschwerdegegnerin zu tragen. Der von der Beschwerdeführerin
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr zurückzuerstatten.
5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungs
gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und
bis
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nach der Schwierigkeit des Prozesses festgesetzt. Die Honorarpauschale beträgt in der
Verwaltungsrechtspflege vor Versicherungsgericht Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75).
In einem Fall mit mittlerem Aufwand und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine
Pauschalentschädigung von Fr. 3'500.-- ausgerichtet. Die Beschwerdeführerin hat
damit Anspruch auf volle Entschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP