Decision ID: 81504e69-3d2b-5324-8bcb-ba4c0caf8d3c
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Nach Absolvieren der eidgenössischen Berufsprüfung "ICT-System- und
Netzwerktechniker mit eidgenössischem Fachausweis" reichte der
Beschwerdeführer am 4. März 2019 bei der Vorinstanz ein Gesuch um Bei-
träge für vorbereitende Kurse ein.
B.
Mit Verfügung vom 5. Juni 2019 trat die Vorinstanz auf das Beitragsgesuch
nicht ein. Sie begründete ihren Entscheid im Wesentlichen damit, dass das
Gesuch unvollständig sei. Die vom Anbieter des vorbereitenden Kurses
ausgestellten Rechnungen der vom Beschwerdeführer zu bezahlenden
Kursgebühren und die Zahlungsbestätigung würden fehlen. Die dem Ge-
suchsteller wiederholt angesetzten Fristen zur Ergänzung des Gesuchs
habe dieser ungenutzt verstreichen lassen.
C.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 11. Juli 2019 Be-
schwerde an das Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt die Aufhebung
der vorinstanzlichen Verfügung und die Gutheissung seines Beitragsge-
suchs. Im Eventualstandpunkt ersucht er um Aufhebung der vorinstanzli-
chen Verfügung und Rückweisung zur Neubeurteilung an die Vorinstanz.
Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus, sein Beitragsgesuch sei voll-
ständig gewesen. Die Kursgebühren in der Höhe von Fr. 14'418.– sowie
die Prüfungsgebühren inkl. Lehrmittel über Fr. 2'900.– seien zunächst von
seiner Arbeitgeberin im Rahmen einer Ausbildungsvereinbarung übernom-
men worden. Diese Ausbildungskosten habe er aufgrund eines Stellen-
wechsels jedoch vollständig zurückerstatten müssen, was er durch die ein-
gereichten Unterlagen belegt habe. Indem die Vorinstanz auf sein Gesuch
nicht eingetreten sei, habe sie überspitzt formalistisch gehandelt und
Art. 29 Abs. 1 BV verletzt.
D.
In ihrer Vernehmlassung vom 19. September 2019 beantragt die Vor-
instanz unter Verweis auf die angefochtene Verfügung die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, die in Frage stehenden
Bundesbeiträge seien nicht angezeigt, wo die Finanzierung der Kurse –
wie vorliegend – keine Schwierigkeiten bereitet habe. Angesichts des mit
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einer Einzelprüfung von Subventionsgesuchen verbundenen Verwaltungs-
aufwands sei es zulässig, allein auf die Zahlungsbestätigung abzustellen.
Der Beschwerdeführer könne aus der eingereichten Zahlungsbestätigung
nichts zu seinen Gunsten ableiten, da daraus hervorgehe, dass die Kurs-
gebühren von der Arbeitgeberin bezahlt worden seien. Zudem würden nur
die Kurs-, nicht aber die Prüfungsgebühren subventioniert.
E.
Mit Eingabe vom 24. Oktober 2019 teilte der Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers die Auflösung des Mandatsverhältnisses mit. Der Be-
schwerdeführer verlangt mit Stellungnahme vom 25. Oktober 2019 die
Gutheissung der beschwerdeweise gestellten Anträge. Er macht im Kern
geltend, die in Frage stehende Subventionierung setze keine finanzielle
Bedürftigkeit der Gesuchstellenden voraus.
F.
Die Vorinstanz liess sich in der Folge nicht mehr vernehmen. Auf die
weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird – soweit
rechtserheblich – im Folgenden eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden
gegen Entscheide der Vorinstanz zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG
sowie Art. 61 des Berufsbildungsgesetzes vom 13. Dezember 2002 [BBG,
SR 412.10]). Die Beschwerde wurde innert der gesetzlichen Frist von
Art. 50 Abs. 1 VwVG eingereicht und der verlangte Kostenvorschuss recht-
zeitig geleistet. Als Adressat der angefochtenen Verfügung ist der Be-
schwerdeführer zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 VwVG). In Anlehnung
an die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den anwaltlichen General-
vollmachten (vgl. BGE 117 Ia 440 E. 1.a) ist davon auszugehen, dass die
abweichende Referenz-Nr. in der Anwaltsvollmacht vorliegend nicht scha-
det. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers war somit hinreichend be-
vollmächtigt.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht prüft bei der Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid nur, ob die Vorinstanz das Bestehen der
Eintretensvoraussetzungen zu Recht verneint hat (Urteil des BVGer
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B-1862/2019 vom 18. November 2019 E. 1.3; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH-
LER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl., Basel
2013, Rz. 2.8 [S. 30]; je m.H.).
Die Begehren des Beschwerdeführers gehen im Hauptstandpunkt über die
Eintretensfrage hinaus. Auf die Beschwerde ist deshalb nur insoweit einzu-
treten, als der Beschwerdeführer im Eventualstandpunkt um Aufhebung
der angefochtenen Verfügung und Rückweisung an die Vorinstanz ersucht.
2.
2.1 Der Bund kann nach Art. 56a Abs. 1 BBG Beiträge an Absolventinnen
und Absolventen von Kursen leisten, die auf eidgenössische Berufsprüfun-
gen vorbereiten (Subjektfinanzierung). Zweck dieser Norm ist es, die finan-
zielle Belastung der Absolventinnen und Absolventen durch direkte Bei-
tragszahlungen an sie zu senken (Urteil des BVGer B-1862/2019 vom
18. November 2019 E. 2; m.H. auch zum Folgenden). Die Beiträge decken
höchstens 50 Prozent der anrechenbaren Kursgebühren (Art. 56a Abs. 2
BBG). Nach Art. 56a Abs. 3 BBG legt der Bundesrat die Voraussetzungen
für die Beitragsberechtigung, den Beitragssatz sowie die anrechenbaren
Kursgebühren fest.
2.2 Gestützt auf Art. 56a BBG hat der Bundesrat den sechsten Abschnitt
(Art. 66a ff.) der Berufsbildungsverordnung vom 19. November 2003 (BBV,
SR 412.101; Änderung vom 15. September 2017, in Kraft seit 1. Januar
2018, AS 2017 5147) erlassen. In Art. 66c Abs. 1 BBV finden sich die
Voraussetzungen für die Beitragsberechtigung nach Absolvieren der eid-
genössischen Berufsprüfung. Art. 66f Abs. 1 BBV legt den Beitragssatz auf
50 Prozent der anrechenbaren Kursgebühren fest. Die Obergrenze für an-
rechenbare Kursgebühren pro beitragsberechtigte Person und Abschluss
liegt nach Art. 66f Abs. 2 Bst. a BBV für eidgenössische Berufsprüfungen
bei Fr. 19'000.–. Anrechenbar ist nur der Anteil der Kursgebühren, der un-
mittelbar der Wissensvermittlung für die eidgenössische Berufsprüfung
dient (Art. 66f Abs. 3 BBV). Nicht anrechenbar sind Kursgebühren, die über
Beiträge im Rahmen der Interkantonalen Vereinbarung vom 22. März 2012
über Beiträge an die Bildungsgänge der höheren Fachschulen (HFSV) ver-
billigt wurden (Art. 66f Abs. 4 BBV).
2.3 Absolventinnen und Absolventen von Kursen, die auf eidgenössische
Berufsprüfungen vorbereiten, können bei der Vorinstanz ein Gesuch um
Bundesbeiträge stellen (Art. 66a Abs. 1 BBV). Das Gesuch umfasst nach
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Art. 66b BBV Angaben zur gesuchstellenden Person (Bst. a), die vom An-
bieter des vorbereitenden Kurses ausgestellten Rechnungen über die von
der Absolventin oder dem Absolventen zu bezahlenden Kursgebühren (im
Folgenden: "Kursrechnungen"; Bst. b), die vom Anbieter des vorbereiten-
den Kurses ausgestellte Bestätigung über die von der Absolventin oder
dem Absolventen bezahlten, anrechenbaren Kursgebühren (im Folgenden:
"Zahlungsbestätigung"; Bst. c) und die Verfügung über das Bestehen oder
Nichtbestehen der absolvierten eidgenössischen Berufsprüfung oder eid-
genössischen höheren Fachprüfung (im Folgenden: "Prüfungsverfügung";
Bst. d).
2.4 Nach dem Grundmodell der neuen Subjektfinanzierung werden die
Bundesbeiträge erst nach Absolvieren der eidgenössischen Prüfung aus-
gerichtet. Es wird davon ausgegangen, dass die Vorfinanzierung von den
Absolvierenden selbst oder Dritten (Arbeitgeber, Branchenverbände etc.)
übernommen werden kann. Für Personen in finanziellen Schwierigkeiten
wird dagegen ein zweites Modell, die Überbrückungsfinanzierung, als Här-
tefallregelung bereitgestellt. In deren Rahmen kann ausnahmsweise be-
reits während des Kursbesuchs finanzielle Unterstützung durch den Bund
gewährt werden (vgl. Art. 66a Abs. 2 und 3 und Art. 66e BBV sowie S. 6 f.
des erläuternden Berichts zur Vernehmlassungsvorlage zur Änderung der
BBV vom 22. Februar 2017, < https://www.admin.ch/ch/d/gg/pc/docum-
ents/2844/Bericht_BerufV_d.pdf >, besucht im November 2019; [im
Folgenden: erläuternder Bericht]).
3.
Vorliegend strittig ist, ob das Gesuch des Beschwerdeführers die in Art. 66b
Bst. b und c BBV verlangten Kursrechnungen sowie die Zahlungsbestäti-
gung enthielt. Nicht strittig sind die übrigen Gesuchsvoraussetzungen nach
Art. 66b BBV (vgl. zu diesen vorn E. 2.3).
3.1 Aus den vorinstanzlichen Gesuchsunterlagen ergibt sich, dass der Be-
schwerdeführer bei der Vorinstanz eine auf die Arbeitgeberin lautende
Rechnung vom 2. Februar 2017 für Kursgebühren in der Höhe von
Fr. 14'418.– eingereicht hat. Weiter lagen dem Gesuch Zahlungsbestäti-
gungen der Kursanbieterin vom 26. Januar 2018 bei.
Im Mai 2019 ergänzte der Beschwerdeführer sein Gesuch auf Aufforderung
der Vorinstanz hin mit einer vom 6. Mai 2019 datierenden Zahlungsbestä-
tigung der Kursanbieterin. Für die Zahlungsbestätigung wurde das von der
Vorinstanz zur Verfügung gestellte Formular verwendet (< https://www.sb-
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fi.admin.ch > Bildung > Höhere Berufsbildung > Bundesbeiträge vorberei-
tende Kurse BP und HFP > Kursanbieter > Was sollten Kursanbieter bei
der Zahlungsbestätigung beachten?, abgerufen im November 2019). Aus
der mit roter Schrift manuell ergänzten Zahlungsbestätigung geht hervor,
dass die Kursgebühren in der Höhe von Fr. 14'418.– durch die Arbeitgebe-
rin bezahlt worden sind. Die Passage, wonach für den Kurs keine kantona-
len Subventionen bestehen, wurde durchgestrichen. Auf der bei der Vor-
instanz eingereichten Zahlungsbestätigung fehlt eine Unterschrift, auf der-
jenigen in den Beschwerdeunterlagen ist sie vorhanden.
Weiter legte der Beschwerdeführer dem Gesuch Unterlagen bei, welche
Indizien dafür enthalten, dass er die Kursgebühren in der Höhe von
Fr. 14'418.– der Arbeitgeberin zurückerstattet hat (vgl. insbesondere die
Zahlungserinnerung der Arbeitgeberin vom 8. Mai 2018 in Kombination mit
der Bewegungsliste Debitoren vom 11. Februar 2019 und der Ausbildungs-
vereinbarung vom 13. Februar 2017). Die Bestätigung über die Bezahlung
der Prüfungsgebühren über Fr. 2'900.– vom 12. März 2018 wurde dagegen
erst im Beschwerdeverfahren eingereicht.
3.2 Trotz dieser Aktenlage geht die Vorinstanz vorliegend davon aus, dass
das Gesuch des Beschwerdeführers nicht vollständig gewesen sei, da die
Kursrechnungen sowie die Zahlungsbestätigung im Sinne von Art. 66b
Bst. b und c BBV fehlen würden. In ihrer Vernehmlassung beanstandet sie
nur noch das Fehlen der Zahlungsbestätigung ausdrücklich. Die Vorinstanz
trat folglich auf das Gesuch des Beschwerdeführers nicht ein. Diese Folge
erscheint mit Blick auf die Funktionsweise des Grundmodells der vorlie-
genden Subjektfinanzierung sehr streng. Dieses geht – im Gegensatz zur
Überbrückungsfinanzierung – gerade davon aus, dass die Absolvierenden
für die Kursgebühren (allenfalls auch mit Hilfe von Dritten wie dem Arbeit-
geber) zunächst selbst aufkommen können (vgl. hierzu vorn E. 2.4).
3.3 Eine gewisse Schematisierung ist in Verfahren wie dem vorliegenden
zulässig. Aus dem Verbot des überspitzten Formalismus (Art. 29 Abs. 1 BV;
vgl. BGE 142 IV 299 E. 1.3.2; Urteil des BVGer B-337/2019 vom 7. Mai
2019 E. 3.3; je m.H.) ergibt sich allerdings, dass besonderen Konstellatio-
nen durch eine einzelfallweise Berücksichtigung der Umstände zu begeg-
nen ist (vgl. Urteil des BGer 5A_932/2018 vom 22. Juli 2019 E. 3.3.2). Im
vorliegenden Fall liegen insofern besondere Umstände vor, als es dem Be-
schwerdeführer gar nicht möglich war, eine auf seinen Namen lautende
Kursrechnung oder Zahlungsbestätigung einzureichen, da die Arbeitgebe-
rin – so wie sich die Aktenlage darstellt – die Kursgebühren (vor)finanziert
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hat. Die entsprechenden Belege hatte der Beschwerdeführer bereits im
vorinstanzlichen Verfahren eingereicht. Vor diesem Hintergrund hätte die
Vorinstanz auf das Gesuch des Beschwerdeführers eintreten und die ein-
gereichten Belege prüfen müssen.
4.
Die Beschwerde erweist sich somit als begründet und ist gutzuheissen, so-
weit darauf einzutreten ist. Der angefochtene Entscheid ist aufzuheben und
die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Die Vorinstanz ist anzuweisen, auf das Gesuch des Beschwerdeführers
einzutreten. Im Rahmen der materiellen Anspruchsprüfung hat sie insbe-
sondere abzuklären, ob der Beschwerdeführer belegen konnte, dass er die
Kursgebühren in der Höhe von Fr. 14'418.– am Ende selbst getragen hat.
Weiter hat sie zu prüfen, ob die von ihm geltend gemachten Prüfungsge-
bühren im Umfang von Fr. 2'900.– für die in Frage stehenden Beitragszah-
lungen zu berücksichtigen sind.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer gilt entsprechend dem Verfahrensausgang als
obsiegende Partei (BGE 132 V 215 E. 6). Es sind ihm daher keine Kosten
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der geleistete Kostenvorschuss in der
Höhe von Fr. 300.– ist dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft
des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten. Vorinstanzen haben keine Ver-
fahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
5.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Antrag eine
Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zugesprochen
werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 73.320.2]). Die Parteientschädigung um-
fasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere notwendige Ausla-
gen der Partei und ist anhand der eingereichten Kostennote oder, bei Feh-
len einer solchen, aufgrund der Akten festzulegen (Art. 8 i.V.m. Art. 14
VGKE). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat eine Kostennote
mit Datum vom 11. Juli 2019 über Fr. 2'038.76 (inkl. MWST) eingereicht.
Ein Aufwand von Fr. 2'039.– (inkl. MWST) erscheint unter Würdigung sämt-
licher massgeblicher Berechnungsfaktoren (vgl. Art. 8, 9 und 11 VGKE) für
das vorliegende Beschwerdeverfahren angemessen.
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