Decision ID: e64b69ca-9841-585b-af30-314935322322
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 20. Juni 2016 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 29. Juni 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) und am
6. August 2018 die Anhörung statt. Hierbei machte er geltend, er sei Syrer
kurdischer Ethnie. Er sei wegen der allgemeinen Lage aufgrund des Krie-
ges und wegen des bevorstehenden Militärdienstes ausgereist. Er habe
seinen Dienstantritt aufgrund seines Studiums zunächst erfolgreich ver-
schieben können, habe aber befürchtet, trotzdem eingezogen zu werden.
Am (...) sei sein Bruder zum Dienst eingezogen worden, seither habe er
nichts mehr von ihm gehört. Er (der Beschwerdeführer) sei schliesslich am
(...) aus Syrien ausgereist.
B.
Mit Verfügung vom 25. September 2018 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete aufgrund
der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme
an.
C.
Mit Eingabe vom 29. Oktober 2018 reichte der Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers unter Beilage der bereits aktenkundigen Beweismittel
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei
vollumfängliche Einsicht in die Akten A4/24, A10/1, A11/1 und A20/2, even-
tualiter das rechtliche Gehör zu diesen zu gewähren. Nach Gewährung der
Akteneinsicht, eventualiter des rechtlichen Gehörs, sei eine angemessene
Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Die ange-
fochtene Verfügung des SEM vom 25. September 2018 sei aufzuheben
und die Sache dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung, zur
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung
zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und
die Flüchtlingseigenschaft festzustellen sowie Asyl zu gewähren. Eventua-
liter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und der Beschwerdeführer als
Flüchtling anzuerkennen. In prozessualer Hinsicht sei auf die Erhebung
von Verfahrenskosten sowie eines Kostenvorschusses zu verzichten.
D.
Mit Schreiben vom 1. November 2018 bestätigte das Bundesverwaltungs-
gericht den Eingang der Beschwerde.
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Seite 3
E.
Am 29. Mai 2019 heiratete der Beschwerdeführer B._ in
C._, die mit Verfügung des SEM vom 17. April 2020 als Flüchtling
anerkannt und der in der Schweiz Asyl gewährt wurde.
F.
Mit Schreiben vom 28. Oktober 2019 informierte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers das Bundesverwaltungsgericht über neue Entwicklun-
gen vor Ort, reichte eine Landkarte zu den Akten und ersuchte um Anset-
zung einer angemessenen Frist zur Aktualisierung des Dossiers, sobald
sich die Situation vor Ort stabilisiert habe.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 24. September 2021 hiess der Instruktions-
richter den Antrag auf Einsicht in die Aktenstücke A4/24 und A20/2 gut; die
Anträge auf Einsicht in die Aktenstücke A10/1 und A11/1 sowie auf Anset-
zung einer Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung wies er ab.
Gleichzeitig gab er dem Beschwerdeführer Gelegenheit mitzuteilen, ob er
trotz der inzwischen stattgefundenen Eheschliessung an seiner Be-
schwerde vom 29. Oktober 2018 festhalte und forderte ihn auf, seine aktu-
elle finanzielle Situation offenzulegen.
H.
Mit Eingabe vom 6. Oktober 2021 teilte der Beschwerdeführer dem Bun-
desverwaltungsgericht mit, er halte an seiner Beschwerde fest und werde
nicht mehr vom Sozialdienst unterstützt, womit sich sein ursprünglich ge-
stelltes Gesuch um Erlass der Gerichtskosten erübrige.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
2.
Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende
Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmun-
gen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
3.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
E-6175/2018
Seite 4
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG, Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
4.
4.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
4.2 Der Wegweisungsvollzug wurde zugunsten einer vorläufigen Auf-
nahme aufgeschoben und bildet deshalb nicht Gegenstand des Beschwer-
deverfahrens.
5.
Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht, die Vorinstanz habe den
Anspruch auf Akteneinsicht und gleichzeitig den Anspruch auf rechtliches
Gehör schwerwiegend verletzt. Zudem habe sie die Pflicht zur vollständi-
gen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts verletzt.
Hiermit macht er verschiedene formelle Rügen geltend, die vorab zu prüfen
sind, da sie zu einer Kassation der angefochtenen Verfügung führen kön-
nen.
6.
6.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, der in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift.
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass ei-
nes solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise bei-
zubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträ-
gen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entwe-
der mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1,
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
E-6175/2018
Seite 5
Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit-
frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab-
gefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachge-
recht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nen-
nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Aus dem Akteneinsichtsrecht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs folgt,
dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteiligten of-
fenzulegen sind, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Verfügung da-
rauf abgestellt wird (BGE 132 V 387 E. 3.1 f.). Die Wahrnehmung des Ak-
teneinsichts- und Beweisführungsrechts durch die von einer Verfügung be-
troffene Person setzt die Einhaltung der Aktenführungspflicht der Verwal-
tung voraus, gemäss welcher die Behörden alles in den Akten festzuhalten
haben, was zur Sache gehört und für den Entscheid wesentlich sein kann
(BGE 130 II 473 E. 4.1 m.w.H.). Der Anspruch auf Akteneinsicht setzt eine
geordnete, übersichtliche und vollständige Aktenführung (Ablage, Paginie-
rung und Registrierung der vollständigen Akten im Aktenverzeichnis)
voraus (vgl. BVGE 2012/24 E. 3.2, 2011/37 E. 5.4.1).
6.2 Soweit der Beschwerdeführer zunächst rügt, die Vorinstanz habe sich
in seinem Fall nicht mit ihrer Praxis betreffend die asylrechtliche Relevanz
einer illegalen Ausreise aus Syrien auseinandergesetzt und sei dieser nicht
gefolgt, ist keine Verletzung der Begründungspflicht beziehungsweise des
rechtlichen Gehörs erkennbar. Vielmehr übt der Beschwerdeführer mit die-
ser Argumentation inhaltliche Kritik an den materiellen Erwägungen der an-
gefochtenen Verfügung. Die Vorinstanz hat ihren ablehnenden Asylent-
scheid ausführlich begründet und dabei im Einzelnen dargelegt, weshalb
sie die Asylvorbringen des Beschwerdeführers als den Anforderungen an
die Glaubhaftmachung nach Art. 7 AsylG beziehungsweise die Asylrele-
vanz nach Art. 3 AsylG nicht genügend erachtet. Dem Beschwerdeführer
war es denn auch ohne Weiteres möglich, die vorinstanzliche Verfügung
sachgerecht anzufechten. Es stellt offensichtlich keine Verletzung der Be-
gründungspflicht dar, wenn die Behörde in ihrem Entscheid darauf verzich-
tet, ihre Praxis in anderen, im zu beurteilenden Fall als nicht gegeben er-
achteten Fallkonstellationen zu diskutieren. Die entsprechende Rüge ist
daher als unbegründet zu qualifizieren. Demnach fallen die in diesem Zu-
sammenhang gestellten Anträge sowohl auf Rückweisung der Sache als
http://links.weblaw.ch/BVGE-2012/24
E-6175/2018
Seite 6
auch die geforderte Überweisung an die Vorinstanz zwecks Wiederauf-
nahme des Verfahrens gemäss Art. 58 Abs. 2 VwVG ausser Betracht.
6.3 Was die Akteneinsicht anbelangt, war der Rechtsvertreter nach der Ant-
wort der Vorinstanz auf sein Akteneinsichtsgesuch offensichtlich nicht der
Ansicht, die Akten seien unvollständig zugestellt worden, ansonsten er um-
gehend hätte remonstrieren müssen, was nicht geschehen ist (vgl. Urteil
BVGer E-1670/2014 vom 14. April 2014 E. 5.4). Die Aktenführungspflicht
ist nicht verletzt, was bereits die Informationen zeigen, die dem Rechtsver-
treter des Beschwerdeführers aufgrund des Aktenverzeichnisses vorlie-
gen.
Der Antrag auf Einsicht in die Aktenstücke A10/1 («Korrespondenz») und
A11/1 («Empfangsbestätigung») wurde mit Zwischenverfügung vom
24. September 2021 abgewiesen, da es sich um verwaltungsinterne Akten-
stücke beziehungsweise Aktenstücke mit Geheimhaltungsinteressen han-
delt, womit kein Anspruch auf Einsicht besteht. Dies, weil verhindert wer-
den soll, dass die ganze Meinungsbildung der Verwaltung vor der Öffent-
lichkeit ausgebreitet wird (BGE 122 I 153 E. 6a) oder weil öffentliche be-
ziehungsweise private Interessen vorliegen, welche die Geheimhaltung er-
fordern (Art. 27 VwVG). Es konnte dem Beschwerdeführer jedoch mitgeteilt
werden, dass es sich beim Aktenstück A10/1 um die standardmässige
Übermittlung der im Rahmen der Befragung generierten Dokumente an
den Nachrichtendienst des Bundes (NDB) und bei dem Aktenstück A11/1
um dessen Empfangsbestätigung handelt. Zwar wäre eine etwas genauere
Benennung wünschenswert. Die Bezeichnung dieser Aktenstücke – nicht
editionspflichtig – ist indes vorliegend gesetzes- sowie praxiskonform und
in keiner Weise zu beanstanden (vgl. BGE 115 V 303, wonach in interne
Akten, die von der verfügenden Behörde ausschliesslich für den Eigenge-
brauch oder die interne Entscheidfindung erstellt werden, keine Einsicht zu
gewähren ist; BVGE 2011/37 E. 5.4.1). Die Gesuche betreffend Einsicht in
die Aktenstücke A10/1 und A11/1, eventualiter das rechtliche Gehör hierzu
sowie anschliessende Beschwerdeergänzung wurden deshalb bereits mit
Zwischenverfügung vom 24. September 2021 abgewiesen.
Was hingegen die Aktenstücke A4/24 (Akten der Eidgenössischen Zollver-
waltung EZV, als Akten anderer Behörden paginiert) und A20/2 (Rücksen-
dung des Führerscheins durch den Kanton, ebenfalls als Akten anderer
Behörden paginiert) anbelangt, ist dem Beschwerdeführer darin beizu-
pflichten, dass die Vorinstanz die Akteneinsicht zu Unrecht verweigert hat,
weshalb ihm mit Zwischenverfügung vom 24. September 2021 Einsicht in
E-6175/2018
Seite 7
diese gewährt wurde. So weist der Beschwerdeführer in Bezug auf die Ak-
tenstücke A4/24 und A20/2 zutreffend darauf hin, dass Akten anderer Be-
hörden durch die Aufnahme in das Aktenverzeichnis Gegenstand des Ver-
fahrens werden und damit grundsätzlich der Akteneinsicht unterliegen (vgl.
Urteil des BVGer A-5275/2015 vom 4. November 2015 insb. E. 8.8.2.1).
Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist durch die Einsichtsverweige-
rung jedoch nicht gegeben, weil die Qualifizierung dieser Akten zutrifft und
ein Potenzial zur Entscheidbeeinflussung diesen Aktenstücken klar abzu-
sprechen ist. Daher wurde der Antrag, nach Einsicht in diese Aktenstücke
eine Frist zur Beschwerdeergänzung anzusetzen, mit Zwischenverfügung
vom 24. September 2021 abgewiesen.
6.4 Weiter wird gerügt, die Beweismittel seien im Beweismittelumschlag
ohne Nummerierung aufgenommen worden. Der Umschlag enthalte zwar
ein Verzeichnis, die gewährte Akteneinsicht zeige jedoch, dass sämtliche
Beweismittel durcheinander aufgenommen und zugestellt worden seien.
Insbesondere sei als erstes Beweismittel Akteneinsicht in das Militärbüch-
lein gewährt worden, obwohl dieses auf dem Beweismittelumschlag nicht
aufgelistet sei. Diese mangelhafte Erfassung der eingereichten Beweismit-
tel illustriere, dass die Vorinstanz diese Unterlagen nicht vollständig gewür-
digt habe. Diese Rügen gehen ins Leere, sind doch all diese Beweismittel
inklusive Militärbüchlein auf dem Beweismittelumschlag aufgeführt und in
diesem entsprechend der Nummerierung auf dem Umschlag mittels Post-
its abgelegt. Einzig das am Ende des Beweismittelumschlages aufgeführte
Militärbüchlein («livret militaire») wurde ohne Nummer aufgeführt und im
Umschlag mit einem Post-it entsprechend bezeichnet. Die vom Beschwer-
deführer eingereichte Kopie des Beweismittelumschlages (Beschwerde-
beilage 2) umfasst sodann auch nur einen Teil der Liste auf dem Umschlag
und endet bei «ducuments universitaires». Lediglich der Umstand, dass
ihm das Militärbüchlein im Rahmen der Akteneinsicht möglicherweise als
erstes Beweismittel zugestellt worden ist, ist nach dem Gesagten nicht zu
beanstanden und lässt auch nicht auf eine unvollständige oder ungeord-
nete Dossierführung schliessen. Eine relevante Verletzung der Paginie-
rungs- oder Aktenführungspflicht ist daher zu verneinen. Im Übrigen wur-
den die Beweismittel in der angefochtenen Verfügung vollständig und de-
tailliert aufgelistet (vgl. angefochtene Verfügung insb. S. 3). Die Aktenfüh-
rung ist nicht zu beanstanden. Inwiefern die Vorinstanz die Beweismittel
aufgrund einer mangelnden Aktenführung nicht vollständig gewürdigt ha-
ben soll, ist nicht ersichtlich.
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Seite 8
7.
7.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Ur-
kunden, Auskünfte der Parteien, Auskünfte oder Zeugnis von Drittperso-
nen, Augenschein und Gutachten von Sachverständigen). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegenüber unvollständig,
wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt werden (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 630). Der Amts-
grundsatz zur Feststellung des Sachverhalts findet seine Grenze an der
Mitwirkungspflicht der Partei (Art. 8 AsylG).
7.2 Die Rügen der rechtsfehlerhaften Sachverhaltsfeststellung gehen
ebenfalls fehl. Zusätzliche Abklärungen würden weder zu neuen sachdien-
lichen Erkenntnissen führen, noch wären sie im vorinstanzlichen Verfahren
entscheiderheblich gewesen. Vor dem Hintergrund, dass im syrischen
Kontext gegen Bezahlung auch formell echte amtliche Dokumente be-
schafft werden können, die Aussagen des Beschwerdeführers unglaubhaft
ausgefallen sind und die eingereichten Dokumente in der vorliegenden
Konstellation keine Asylrelevanz zu entfalten vermögen (vgl. hierzu E. 9),
war die Vorinstanz auch nicht gehalten, eine Dokumentenanalyse durch-
zuführen. Ebenso geht die Rüge ins Leere, die Vorinstanz habe die darge-
legte – insbesondere diejenige unter den Anhörungsfragen 65 und 66 ge-
schilderte (SEM-Akten A26/21 F 65 f.) – Vorverfolgung mit keinem Wort
erwähnt, hat sie doch alle in der Anhörung erwähnten Festnahmen im
Sachverhalt der angefochtenen Verfügung aufgeführt und diese – wie
nachfolgend zu zeigen sein wird (vgl. E. 9) – soweit notwendig in ihre Er-
wägungen aufgenommen (vgl. angefochtene Verfügung S. 2 und S. 5).
7.3 Aus der Verfahrensdauer kann der Beschwerdeführer, der vor Ergehen
der angefochtenen Verfügung keine formelle Rechtsverzögerungsbe-
schwerde eingereicht hat, ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten. Die
Rüge, die Vorinstanz habe die Abklärungspflicht verletzt, indem sie bis zur
Durchführung der Anhörung mehr als zwei Jahre zugewartet habe, ist
unbegründet, weil es sich bei der vom Beschwerdeführer angerufenen
Empfehlung, die Anhörung möglichst zeitnah zur Befragung zur Person
durchzuführen, um keine justiziable Verfahrenspflicht handelt.
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Seite 9
7.4 Schliesslich rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe die Abklä-
rungspflicht zudem dadurch schwerwiegend verletzt, dass die Anhörung zu
lange (sechs Stunden und fünf Minuten) gedauert habe und vor der Rück-
übersetzung keine Pause gemacht worden sei. Es besteht indes kein da-
hingehender Rechtsanspruch, dass die Anhörung nicht länger als vier
Stunden dauern darf und abgebrochen werde muss, wenn sich abzeichnet,
dass ein höherer Zeitbedarf besteht. In erster Linie massgebend ist, ob die
angehörte Person in der Lage ist, der Anhörung zu folgen, was nicht an-
hand von starren zeitlichen Kriterien, sondern im Rahmen einer individuel-
len Beurteilung ihrer Befindlichkeit zu beurteilen ist (vgl. Urteil des BVGer
D-2157/2017 vom 21. Dezember 2017 E. 6.3.5). Obwohl die Anhörung tat-
sächlich länger gedauert hat, als in den internen Weisungen des SEM vor-
gesehen, ergeben sich aus den Akten keine Hinweise darauf, dass die An-
hörungsdauer für den Beschwerdeführer eine unzumutbare Belastung dar-
gestellt haben könnte (vgl. Urteil des BVGer E-4434/2017 vom 5. Septem-
ber 2017 E. 6, Anhörung inkl. Pausen und Rückübersetzung von neun
Stunden Dauer oder D-2157/2017 vom 21. Dezember 2017 E. 6.3.5, An-
hörung inkl. Pausen und Rückübersetzung über fünf Stunden Dauer). Im
Übrigen wurden zwei Pausen eingelegt (SEM-Akten A26/21 S. 9 und
S. 17). Auch haben weder der Beschwerdeführer noch die anwesende
Hilfswerksvertretung entsprechende Einwendungen erhoben oder sind
dem Befragungsprotokoll entsprechenden Hinweise zu entnehmen (vgl.
SEM-Akten A26/21 S. 21 Unterschriftenblatt der Hilfswerksvertretung). Der
Beschwerdeführer kann auch aus der Tatsache nichts zu seinen Gunsten
ableiten, dass Dokumente während der Anhörung übersetzt worden sind,
reichte er die Mehrzahl der Dokumente doch erst während der Anhörung
ein und war die Übersetzung für den weiteren Verlauf der Anhörung not-
wendig.
8.
Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen – bis auf die Ein-
sicht in die Aktenstücke A4/24 und A20/2 – als unbegründet. Es besteht
keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen
aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der ent-
sprechende Beschwerdeantrag ist abzuweisen.
9.
9.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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Seite 10
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG).
9.2 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (sog. subjektive Nachfluchtgründe).
9.3 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft
machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht
ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind ins-
besondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder
massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-
den (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publi-
zierten Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann
hier verwiesen werden (BVGE 2015/3 E. 6.5.1, m.w.H.).
10.
10.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz festzustellen, dass die Asylvorbringen des Beschwerdefüh-
rers weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG noch denjenigen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG
standzuhalten vermögen, weshalb vorab auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz zu verweisen ist.
Es trifft zu, dass im Rahmen von Krieg oder Situationen allgemeiner Gewalt
erlittene Nachteile keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes darstellen
und somit die diesbezüglichen Vorbringen des Beschwerdeführers keine
Asylrelevanz zu entfalten vermögen. Es trifft ebenfalls zu, dass der Be-
schwerdeführer in der BzP weder Festnahmen noch den Erhalt einer Vor-
ladung zum Militärdienst erwähnte und erklärte, keine Probleme mit Dritten
beziehungsweise anderen Organisationen wie dem IS (Islamischer Staat)
gehabt zu haben (vgl. SEM-Akten A5/13 Ziff. 7.02). Vor diesem Hintergrund
sind die erst in der Anhörung geltend gemachten Festnahmen und der Er-
halt eines Aufgebots zum Militärdienst als nachgeschoben zu betrachten
E-6175/2018
Seite 11
und die Schlussfolgerung der Vorinstanz im Ergebnis nicht zu beanstan-
den. Es trifft zwar zu, dass einer BzP nicht dieselbe Gewichtung wie einer
Anhörung zukommt. Klare asylrelevante Aussagen, die in der Erstbefra-
gung von den späteren Aussagen diametral abweichen oder bestimmte Er-
eignisse oder Befürchtungen, die nicht ansatzweise erwähnt werden, sind
jedoch Widersprüche, die im Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksich-
tigen sind (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 1993/3 E. 3 S. 13). Die vorliegende BzP
ist – entgegen der Behauptung in der Beschwerde und ungeachtet des
Dublin-Teils (SEM-Akten A5/13 Ziff. 8) – verhältnismässig ausführlich (vgl.
SEM-Akten A5/13 Ziff. 7). Hiernach bestätigte der Beschwerdeführer keine
weiteren Asylgründe zu haben und schliesslich die Vollständigkeit seiner
Aussagen. Zudem hat er mündlich und schriftlich die Kenntnisnahme der
Vertraulichkeit sowie seiner Wahrheits- und Vollständigkeitspflicht bestä-
tigt, weshalb die entsprechenden Beschwerdeausführungen ins Leere ge-
hen. Der Beschwerdeführer moniert zudem die vorinstanzliche Argumen-
tation, wonach er gesagt haben solle, keine Probleme mit der Regierung
gehabt zu haben, obwohl er von Anfang an politische Verfolgung wegen
der Militärdienstverweigerung geltend gemacht habe. Es trifft zwar zu, dass
die entsprechende vorinstanzliche Formulierung zu wünschen übrig lässt,
da im BzP-Protokoll innerhalb der entsprechenden Standardfrage das Wort
«Regierung» fehlt (vgl. angefochtene Verfügung S. 5 Ziff. 3 zweiter Satz,
SEM-Akten A5/13 Ziff. 7.02 unten). Die vorinstanzliche Schlussfolgerung
ist indessen entgegen der auf Beschwerdeebene geäusserten Kritik inso-
fern nicht zu beanstanden, als dass die Vorinstanz stets von Militärdienst-
verweigerung ausging und zutreffend zum Schluss kam, die Vorladung sei
nachgeschoben. Weiter trifft es zwar zu, dass die Vorinstanz zwei der erst
in der Anhörung erwähnten Festnahmen nur im Sachverhalt ihrer Verfü-
gung ausdrücklich erwähnte. Diese sind jedoch ungeachtet dessen inso-
fern ausreichend in die Erwägungen eingeflossen, als sie zusammen mit
der Vorladung zum Militärdienst ebenfalls als nachgeschoben zu betrach-
ten sind (vgl. angefochtene Verfügung S. 4 zur Unglaubhaftigkeit nachge-
schobener Sachverhaltselemente). Selbst bei Wahrunterstellung dieser
beiden kurzen Festnahmen wären diese auch nicht geeignet, Asylrelevanz
zu entfalten, waren sie doch den Schilderungen zufolge weder Ausreise-
grund, noch musste der Beschwerdeführer nach den beiden Entlassungen
Nachteile gewärtigen (vgl. SEM-Akten A26/21 F65 und F67 f.). Weiter hat
die Vorinstanz zutreffend aufgezeigt, dass die Region, aus welcher der Be-
schwerdeführer stammt, nicht unter Kontrolle der syrischen Sicherheits-
kräfte stand, sondern von den kurdischen Kräften kontrolliert wurde. Dem
Gericht liegen zur Rekrutierungs- und Mobilisierungspraxis in der Provinz
E-6175/2018
Seite 12
al-Hasaka ebenfalls verschiedene Quellen vor, nach welchen die syrische
Regierung anlässlich der damaligen Übernahme der Kontrolle durch die
YPG aufgehört hat, Personen in den kurdisch-kontrollierten Gebieten in
den Militärdienst einzuberufen (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer
E-5758/2015 vom 8. Januar 2018 E. 6.2.4 m.w.H.). Es erscheint somit
auch aus dieser Perspektive fragwürdig, ob die Ausführungen des Be-
schwerdeführers zum Erhalt des Aufgebots für den Militärdienst zutreffen.
Die ins Recht gelegte Vorladung vermag die Zweifel hieran nicht auszuräu-
men, auch wenn in der Beschwerde zutreffend darauf hingewiesen wird,
allein das Fehlen fälschungssicherer Merkmale sei nicht entscheidend. In
Bezug auf die auf Beschwerdeebene bemängelte formelle Dokumenten-
prüfung ist darauf hinzuweisen, dass aufgrund der grassierenden Korrup-
tion in Syrien nicht nur Fälschungen unterschiedlichster Qualität erhältlich
sind, sondern gegen Bezahlung auch formell echte amtliche Dokumente
beschafft werden können (vgl. Urteil des BVGer D-5750/2017 vom 13. Mai
2019 E. 4.3). Daher ist selbst einem formell echten amtlichen Dokument
nur dann eine relevante Beweiskraft beizumessen, wenn dieses im Kontext
eines hinreichend schlüssigen Sachverhaltsvortrags eingereicht wird.
Die Frage nach deren Echtheit kann in casu jedoch offengelassen werden,
da alleine aufgrund des Besitzes eines Militärbüchleins und dem Erhalt ei-
nes Militäraufgebots, nicht auf eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefähr-
dung geschlossen werden kann. Das Bundesverwaltungsgericht hat mit
Grundsatzentscheid BVGE 2015/3 festgestellt, dass auch nach der Einfüh-
rung von Art. 3 Abs. 3 AsylG die bisherige Rechtspraxis in Bezug auf Per-
sonen, die ihr Asylgesuch mit einer Wehrdienstverweigerung oder Deser-
tion im Heimatstaat begründen, weiterhin Bestand hat. Eine Wehrdienst-
verweigerung oder Desertion für sich allein begründet die Flüchtlingseigen-
schaft hiernach nicht; diese ist anzuerkennen, wenn Desertion oder Wehr-
dienstverweigerung zu einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG
führen. Mit anderen Worten muss die betroffene Person aus den in dieser
Norm genannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu
einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen
ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewär-
tigen haben, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleich-
kommt. In Bezug auf die spezifische Situation in Syrien erwog das Gericht
weiter, die genannten Voraussetzungen seien im Falle eines syrischen Re-
fraktärs erfüllt, welcher der kurdischen Ethnie angehöre, einer oppositionell
aktiven Familie entstamme und bereits in der Vergangenheit die Aufmerk-
samkeit der staatlichen syrischen Sicherheitskräfte in erhöhtem Masse auf
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sich gezogen habe (vgl. a.a.O. E. 6.7.3 und BVGE 2020 VI/4). Eine ver-
gleichbare Konstellation ist vorliegend nicht ersichtlich. Der Beschwerde-
führer macht weder in der BzP noch in der Anhörung geltend politisch aktiv
gewesen zu sein oder aus einer oppositionell aktiven Familie zu stammen.
Den Akten lassen sich auch keine Anhaltspunkte für gezielte Verfolgungs-
massnahmen der syrischen Behörden gegen den Beschwerdeführer vor
seiner Ausreise entnehmen. Aus den Erklärungen seinen Bruder betref-
fend kann er schliesslich nichts zu seinen Gunsten ableiten. Im Übrigen ist
anzumerken, dass die Zugehörigkeit zur kurdischen Ethnie für sich alleine
nicht genügt, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen.
Gemäss Praxis führt sodann weder eine illegale Ausreise aus Syrien noch
das Stellen eines Asylgesuchs im Ausland zur begründeten Furcht, bei ei-
ner Rückkehr in das Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt zu werden. Vor dem Hin-
tergrund, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Ausreise keiner Ver-
folgungssituation ausgesetzt war, weder bei ihm noch bei seiner eigenen
Familie eine besondere Vorbelastung vorliegt, und er seine Heirat weder
dem Gericht mitteilte noch in dieser begründete Umstände geltend machte,
die zu einer Verfolgungsgefahr seiner eigenen Person führen könnten, ist
das Vorliegen konkreter Indizien für die Annahme einer begründeten
Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne der Rechtsprechung auch in die-
ser Hinsicht zu verneinen (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 sowie BVGE 2011/50
E. 3.1.1). Daran vermag der Umstand nichts zu ändern, dass er aufgrund
seiner längeren Landesabwesenheit bei einer Wiedereinreise in Syrien
wahrscheinlich einer Befragung durch die heimatlichen Behörden unterzo-
gen würde. Ferner ist er exilaktivistisch nicht in Erscheinung getreten, wes-
halb auch unter diesem Gesichtspunkt nicht davon auszugehen ist, er
könnte nach einer (hypothetischen) Rückkehr als regimefeindliche Person
ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten (vgl. Urteil des BVGer
D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3 [als Referenzurteil publiziert]).
10.2 Angesichts der aufgezeigten Sachlage erübrigt es sich, auf weitere
Ausführungen mit Verweisen auf die Rechtsprechung und Internetquellen
in der Beschwerde einzugehen, da diese nicht geeignet sind, zu einer an-
deren rechtlichen Würdigung der Aktenlage zu führen. Auch die Ausführun-
gen vom 28. Oktober 2019 zur Lage vor Ort sind nicht geeignet, am Be-
weisergebnis etwas zu ändern. Deshalb wurde das Gesuch um Ansetzung
einer angemessenen Frist zur Aktualisierung des Dossiers mit Zwischen-
verfügung vom 24. September 2021 abgewiesen. Im Übrigen hätte der Be-
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schwerdeführer hierzu inzwischen genügend Zeit gehabt. Es ist festzustel-
len, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, einen glaubhaften
und flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Sachverhalt darzulegen. Die Fest-
stellung der Vorinstanz, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, ist dementsprechend zu bestätigen. Die Vorinstanz hat das
Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
11.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf
nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733), zumal kein Zusammenle-
ben der Eheleute aktenkundig ist. Die Wegweisung wurde zu Recht ange-
ordnet.
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-
weisen.
13.
13.1 Der Beschwerdeführer beantragte in der Beschwerde die Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Mit Ein-
gabe vom 6. Oktober 2021 informierte er das Gericht, er werde nicht mehr
vom Sozialdienst unterstützt, womit das entsprechende Gesuch dahinfällt.
Mit dem vorliegenden Urteil ist der Antrag auf Verzicht der Erhebung eines
Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
13.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären somit die Kosten von
Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE],
SR 173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG). Der Beschwerdeführer hat teilweise zu Recht die Verletzung des
Akteneinsichtsrechts gerügt, auch wenn er mit seinem Begehren auf Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung nicht durchgedrungen ist. Vor die-
sem Hintergrund rechtfertigt es sich, die Verfahrenskosten um Fr. 150.– auf
Fr. 600.– zu reduzieren (vgl. Art. 63 Abs. 1 Satz 2 VwVG).
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13.3 Praxisgemäss ist eine anteilsmässige Parteientschädigung zuzuspre-
chen, wenn, wie vorliegend, eine Verfahrensverletzung auf Beschwerde-
ebene geheilt wird. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungs-
faktoren (Art. 9–13 VGKE) ist die vom SEM auszurichtende Parteientschä-
digung auf Fr. 150.– festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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