Decision ID: 2ad5d2dd-5ae8-4e29-b2b0-ed6afe778a6e
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
P._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a P._ meldete sich am 15. Dezember 2003 zum Bezug von IV-Leistungen
(Berufsberatung) an. Wegen einer Thrombose am linken Auge, die sich trotz
Behandlung nicht gebessert habe, könne sie nicht mehr arbeiten (act. G 9.1). In der
Folge holte die IV-Stelle diverse Arztberichte ein (vgl. act. G 9.9 und 9.11). Am 3. Mai
2004 wurde die Versicherte von Dr. med. A._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin,
untersucht und begutachtet. Im Gutachten vom 5. Mai 2004 gelangte er zum Schluss,
die angestammte Tätigkeit als Näherin sei der Versicherten nicht mehr zumutbar. Eine
adaptierte Tätigkeit sei ihr während ein bis zwei Monaten zu 50% zumutbar; danach sei
ein Ausbau bis 100% durchaus möglich (act. G 9.17). Mit Verfügung vom 5. Januar
2005 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, sie habe keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente (act. G 9.24).
A.b Am 26. Januar 2005 erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur.
Robert Baumann, Einsprache gegen diese Verfügung, die sie am 8. März 2006
begründete (act. G 9.28 und 9.37). In der Folge holte die IV-Stelle einen Bericht von Dr.
med. B._, Allgemeinmedizin FMH, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein. Dieser
führte am 28. Mai 2005 aus, eine eigentliche psychische Krankheit, welche per se die
Arbeitsfähigkeit einschränken würde, habe bei der konsiliarischen Untersuchung vom
5. April 2005 nicht festgestellt werden können. Eine psychische Komponente im Sinne
einer psychischen Überlagerung der körperlichen Beschwerden sei allerdings
ersichtlich. Diese psychische Komponente sollte bei der Beurteilung von den
Somatikern berücksichtigt werden (act. G 9.40). Am 17. Oktober 2005 wurde die
Versicherte vom Regionalen Ärztlichen Dienst der Invalidenversicherung (nachfolgend:
RAD) rheumatologisch und psychiatrisch untersucht und begutachtet. Im Gutachten
vom 16. November 2005 gelangten Dr. med. C._, Facharzt für Rheumatologie/
Physikalische Medizin und Rehabilitation/Innere Medizin, und Dr. D._, Facharzt für
Neurologie und Psychiatrie, zur Auffassung, die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit belaufe sich auf 60% (act. G 9.45).
Am 5. Januar 2006 widerrief die IV-Stelle die Verfügung vom 5. Januar 2005 (act. G
9.47). Mit Vorbescheid vom 19. Juli 2006 stellte sie der Versicherten die Zusprache
einer Viertelsrente in Aussicht, basierend auf einem Invaliditätsgrad von 46% (act. G
9.69). Am 19. September 2006 erhob der Vertreter der Versicherten Einwand gegen
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den Vorbescheid (act. G 9.75). Mit Verfügung vom 16. März 2007 sprach die IV-Stelle
der Versicherten eine Viertelsrente mit Wirkung ab 1. März 2004 zu (act. G 9.90).
B.
B.a Am 20. April 2007 erhebt der Vertreter der Versicherten Beschwerde und beantragt,
die Verfügung vom 16. März 2007 sei aufzuheben, soweit weitergehende Leistungen
verneint werden. Der Beschwerdeführerin sei mit Wirkung ab wann rechtens, allerdings
spätestens ab 1. Dezember 2003 (Ablauf der Wartefrist), eine ganze Invalidenrente

zuzusprechen und auszurichten. Eventualiter seien im Sinne der Erwägungen der noch
nachzureichenden Beschwerdeergänzung weitere medizinische Abklärungen
vorzunehmen, insbesondere weitere Berichte und Gutachten einzuholen, mit
anschliessender Neubeurteilung und Neufestsetzung der Leistungsansprüche der
Beschwerdeführerin. Der Beschwerdeführerin sei für das Beschwerdeverfahren die
unentgeltliche Prozessführung sowie die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu
bewilligen (act. G 1). Mit Beschwerdeergänzung vom 4. Juni 2007 hält er an diesen
Anträgen fest. Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, die Beschwerdeführerin
sei zu 100% arbeitsunfähig. Es könne nicht auf das RAD-Gutachten abgestellt werden.
Gemäss Dr. med. E._, Innere Medizin Rheumatologie FMH, bewerte dieses die fatale
Kombination von Augen- und Handproblemen nur ungenügend. Es sei bei Beurteilung
auf Grund der vorliegenden Akten auf die Berichte von Dr. E._ und Dr. med. F._,
Spezialarzt FMH für Innere Medizin, spez. Gastroenterologie, abzustellen. Beim
Invalideneinkommen sei ein Leidensabzug von 25% vorzunehmen (act. G 7).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. Juli 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung macht sie im Wesentlichen geltend, die
Einschätzungen von Dr. E._ und Dr. F._ gäben keinen Anlass, vom RAD-Gutachten
abzuweichen. Dieses habe die Kombination von Augen- und Handproblemen sehr wohl
beachtet. Weitere Abklärungen seien nicht angezeigt. Der Beginn der
Arbeitsunfähigkeit bzw. der Wartefrist sei zu Recht auf März 2003 festgesetzt worden.
Das Invalideneinkommen wie auch das Valideneinkommen seien nach Tabellenlöhnen
ermittelt worden. Der Beschwerdeführerin sei ein Leidensabzug von 10% gewährt
worden; ein weiterer Abzug sei nicht gerechtfertigt (act. G 9).
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B.c Mit Präsidialverfügung vom 6. Juli 2007 wird der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung) bewilligt (act. G 10).
B.d Mit Replik vom 21. August 2007 hält der Vertreter der Beschwerdeführerin an
seinen Anträgen fest (act. G 12).
B.e Mit Duplik vom 27. August 2007 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest
(act. G 14).
B.f Mit Verfügung vom 9. Oktober 2007 (als Ersatz der angefochtenen Verfügung vom
16. März 2007) spricht die IV-Stelle der Beschwerdeführerin betragsmässig eine leicht
höhere Viertelsrente aufgrund eines Invaliditätsgrads von 46% zu, da die Invalidenrente
aufgrund eines neuen Individuellen Kontos mit einer zusätzlichen Buchung neu
berechnet worden sei. Gegen diese Verfügung erhebt der Vertreter der
Beschwerdeführerin am 9. November 2007 "der guten Ordnung und Vollständigkeit
halber" ebenfalls Beschwerde (act. G 16). Mit Schreiben vom 14. November 2007 teilt
ihm der Abteilungspräsident des Versicherungsgerichts mit, die neue Verfügung
bestätige offensichtlich in den strittigen Punkten die angefochtene Verfügung, weshalb
die eingereichte Beschwerde insoweit ins Leere stosse. Er beabsichtige daher, die
Eingabe zu den Akten zu nehmen, ohne eine neue Beschwerde einzuschreiben. Ohne
Gegenbericht innert 10 Tagen gehe er davon aus, dass er (der Vertreter) mit dieser
formlosen Erledigung einverstanden sei (act. G 17). Der Vertreter der
Beschwerdeführerin lässt sich innert Frist nicht vernehmen.
Erwägungen:
1.
Anfechtungsobjekt ist die Verfügung vom 16. März 2007, mit welcher die IV-Stelle der
Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 46% eine Viertelsrente ab 1. März
2004, berechnet auf der Basis von 29 vollen Versicherungsjahren (Rentenskala 34),
zugesprochen hat. Am 9. Oktober 2007 hat die IV-Stelle eine neue Rentenverfügung
mit höherem Rentenbetrag erlassen, welche nach ihrem Wortlaut die Verfügung vom
16. März 2007 ersetzt; die neue Verfügung unterscheidet sich inhaltlich von der
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Verfügung vom 16. März 2007 allein dadurch, dass die Rentenberechnung auf der
Basis von 30 vollen Versicherungsjahren (Rentenskala 35) beruht. Hinsichtlich der
Invaliditätsbemessung stimmen die beiden Verfügungen vollumfänglich überein. Zu
prüfen ist, welche Auswirkungen die zweite Verfügung auf das vorliegende
Beschwerdeverfahren hat. Gemäss Art. 53 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann der
Versicherungsträger eine Verfügung, gegen die Beschwerde erhoben wurde, so lange
wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt. Im Übrigen
kommt der Beschwerde an das Versicherungsgericht Devolutiveffekt zu; die
Behandlung der Sache geht also auf die Beschwerdeinstanz über (vgl. Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, Art. 61 N 65). Nachdem die Beschwerdegegnerin die Verfügung
vom 9. Oktober 2007 nach Einreichung der Beschwerdeantwort erlassen hat, kommt
dieser Verfügung somit lediglich der Charakter eines Antrags an die
Beschwerdeinstanz zu (Kieser, a.a.O., Art. 53 N 30, mit Hinweis auf die
Rechtsprechung).
2.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
E. 1b), sind die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen
anzuwenden.
3.
3.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
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ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
3.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der
Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das
Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189 E. 2a
in fine, BGE 122 V 161 E. 1c). Auch den Berichten und Gutachten
versicherungsinterner Ärzte kommt schliesslich Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte
Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon
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auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr
besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung
objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung,
welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die
Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125
V 354 E. 3b/cc).
4.
Im Rahmen der rheumatologischen Untersuchung vom 17. Oktober 2005 stellte Dr.
C._ im RAD-Gutachten vom 16. November 2005 folgende Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: 1. chronisches cervico-brachiales Syndrom links
(ICD-10 M53.1) mit segmentaler Dysfunktion C1/C2 links, Verkürzung des Musculus
trapezius Pars descendens links, leichten Spondylarthrosen und
Unkovertebralarthrosen der Halswirbelsäule; 2. Fingerpolyarthrosen mit Rhizarthrose
links mehr als rechts, Heberden-Arthrosen Dig. I und II rechts (radiologisch leichte
Heberden- und Bouchard-Arthrosen beidseits); 3. chronisches lumbo-vertebrales
Syndrom mit leichter Osteochondrose L5/S1, Spondylarthrosen beidseits; 4. leichte
Valgus-Gonarthrosen beidseits mit Retropatellararthrose; 5. therapieresistentes,
chronisches Makulaödem nach Venenastthrombose der Retina temporal links mit
Visusverlust auf 0.5 (Erstdiagnose 03/03). Aufgrund der eingeschränkten Stereopsis
bestehe in der angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin im Textilbereich eine
Arbeitsfähigkeit von 0% ab März 2003 bis auf weiteres. Würden die Leiden des
Bewegungsapparats isoliert betrachtet, ergäbe sich hier eine partielle Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der gut erhaltenen Funktionsfähigkeit des
Bewegungsapparats bestehe in einer adaptierten Tätigkeit ohne höhere Sehansprüche
eine Arbeitsfähigkeit von 80%. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20% gelte
aufgrund der Vorgeschichte ab 1. Januar 2003. Konditionen für eine adaptierte
Arbeitsfähigkeit seien keine erhöhten Sehansprüche (Binokularsehen), leichte
Wechseltätigkeiten ohne repetitives Heben von Gewichten über 5 kg, kein Einnehmen
von Zwangspositionen sowie keine Vibrations- oder Kälteexpositionen (act. G 9.45-6
f.). Dr. D._ stellte anlässlich der psychiatrischen RAD-Untersuchung vom 17. Oktober
2005 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 1. Dysthymia
(ICD-10 F43.1), DD: rezidivierende depressive Störung, derzeit leichte bis mittelgradige
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Episode (ICD-10 F33.0); 2. schädlicher Gebrauch (DD: Abhängigkeit) Benzodiazepine
und Analgetika (ICD-10 F13.1); 3. polytopes Schmerzsyndrom des
Bewegungsapparates; 4. Visusminderung links. Unter ausschliesslicher Beachtung der
aufgeführten psychiatrischen Diagnosen ergebe sich eine Minderung der
Arbeitsfähigkeit von 30% (70% Arbeitsfähigkeit). Dies gelte für eine der früheren Arbeit
als Näherin vergleichbare, einfache Tätigkeit ohne erhöhte Anforderung an das
Sehvermögen (act. G 9.45-10). Interdisziplinär beurteilten die RAD-Ärzte im Gutachten
vom 16. November 2005 die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin wie folgt: Vor
allem wegen der reduzierten Fähigkeit beim räumlichen Sehen ergebe sich in der
angestammten Tätigkeit als Näherin eine Arbeitsfähigkeit von 0%. Unter
Berücksichtigung der Einschränkungen seitens des Bewegungsapparats ergebe sich
aus der internistisch-rheumatologischen Untersuchung in adaptierter Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von 80%. Die gesundheitsbedingten Einschränkungen seitens des
psychiatrischen Fachgebiets führten zu einer Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
von 70%. Wegen der nur teilweise vorhandenen Überlappung der gestörten Funktions-
und Fähigkeitsbereiche ergebe sich nach interdisziplinärer Besprechung eine
Arbeitsfähigkeit adaptiert von 60%. Bezüglich der Bedingungen für adaptierte
Tätigkeiten wird auf den rheumatologischen Teil des Gutachtens verwiesen (act. G
9.45-12).
5.
Der Vertreter der Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, das RAD-
Gutachten sei nicht mehr aktuell. Bis heute liege kein verwaltungsexternes bzw. IV-
unabhängiges Gutachten vor. Dr. F._ bestätige in seinem Bericht vom 5. September
2006 eine nach wie vor 100%ige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin sowohl in
der angestammten wie auch in einer adaptierten Tätigkeit. Dessen Feststellungen
würden durch den Arztbericht von Dr. E._ vom 3. Oktober 2006 unterstützt. Dieser
betone als Konklusion, dass das rheumatologische RAD-Gutachten die fatale
Kombination von Augen- und Handproblemen nur ungenügend bewerte. In seinem
neuesten Bericht vom 16. Juli 2007 bringe Dr. E._ klar zum Ausdruck, dass die vom
RAD festgestellte 40%ige Arbeitsunfähigkeit den Leiden und Einschränkungen der
Beschwerdeführerin nicht gerecht werde. Soweit nicht auf die Feststellungen von Dr.
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F._ und Dr. E._ abgestellt werden sollte, wären in jedem Fall weitere medizinische
Abklärungen durchzuführen (act. G 1, 7 und 12).
5.1 Das RAD-Gutachten beruht auf eigenständigen interdisziplinären Abklärungen,
mithin auf allseitigen Untersuchungen und ist damit für die streitigen Belange
umfassend. Es wurden die Vorakten verwertet und die von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden berücksichtigt. Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein.
Vor diesem Hintergrund vermögen auch die darin enthaltenen Schlussfolgerungen,
namentlich die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit, –
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin – zu überzeugen. Das RAD-
Gutachten erfüllt mithin alle praxisgemässen Kriterien für beweiskräftige Gutachten
(vgl. BGE 125 V 352 E. 3a), so dass grundsätzlich darauf abzustellen ist.
5.2 Was der Vertreter der Beschwerdeführerin gegen das RAD-Gutachten vorbringt,
vermag keine ernsthaften Zweifel an dessen Beweistauglichkeit zu begründen. Wie
oben dargelegt (E. 3.2), kommt auch den Gutachten versicherungsinterner Ärzte
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in
sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen.
Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt. Beim erwähnten Bericht von Dr. F._
vom 5. September 2006 handelt es sich um ein Schreiben desselben an den
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, in dem er ihm gestellte Fragen beantwortet.
Dr. F._ hält bezüglich der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100%
fest. Zur Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit äussert er sich nicht konkret, führt
jedoch Zweifel an, ob der Arbeitsmarkt für die Beschwerdeführerin geeignete Stellen
offen halte (act. G 9.75-10). Im Bericht vom 20. Juli 2007 weist Dr. F._ auf die wegen
eines Schilddrüsenkarzinoms am 29. März 2007 erfolgte Thyreoidektomie hin, welcher
eine Nachbehandlung mit Bestrahlung habe folgen müssen. Die Beschwerdeführerin
werde weitere Monate arbeitsunfähig sein (act. G 12.1). Hinsichtlich der massgeblichen
Verhältnisse bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vermögen die
Ausführungen von Dr. F._ das RAD-Gutachten nicht in Frage zu stellen. Die im
Bericht vom 20. Juli 2007 erwähnte Verschlechterung des Gesundheitszustandes
betrifft die Zeit nach dem Verfügungserlass und wird gegebenenfalls Anlass für ein
Revisionsverfahren bilden. Was die erwähnten Einschätzungen von Dr. E._
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anbelangt, so bemängelt dieser in seinen Berichten vom 3. Oktober 2006 und 16. Juli
2006 in erster Linie, dass das RAD-Gutachten die fatale Kombination von Augen- und
Handproblemen ungenügend bewertet habe (act. G 9.76). Dies trifft indes nicht zu,
geht doch das RAD-Gutachten ausdrücklich auf beide Problembereiche ein und
definiert entsprechend auch die Konditionen für eine adaptierte Tätigkeit (keine
erhöhten Sehansprüche, leichte Wechseltätigkeiten ohne repetitives Heben von
Gewichten über 5 kg, kein Einnehmen von Zwangspositionen, keine Vibrations- oder
Kälteexpositionen; act. G 9.45). Ein ausgeglichener Arbeitsmarkt, der bei der
Invaliditätsbemessung Ausgangspunkt ist, bietet – wie der Fachmitarbeiter der
Beschwerdegegnerin in seiner Stellungnahme vom 26. Januar 2006 ausführt (act. G
9.52) – diesem Anforderungsprofil angepasste Tätigkeiten an. Soweit sich Dr. E._ mit
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit
auseinandersetzt, wird auch von den RAD-Gutachtern anerkannt, dass diesbezüglich
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit besteht. Die Ausführungen von Dr. E._ wie auch die
übrigen Akten vermögen demnach mit Bezug auf den hier allein massgebenden
Sachverhalt bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung keine ernsthaften Zweifel
am RAD-Gutachten hervorzurufen. Gemäss diesem Gutachten ist die
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit zu 60% arbeitsfähig. Weitere
Abklärungen sind nicht angezeigt. Der Beginn der relevanten Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit ist gemäss Bericht von Dr. med. G._, Augenarzt FMH, vom 7. Januar
2004 auf den 21. März 2003 festzulegen, zumal ein früherer Beginn nicht nachweisbar
ist und die Beschwerdeführerin bis 21. März 2003 zu 100% gearbeitet hat (act. G 9.12).
Demnach entstand der Rentenanspruch am 1. März 2004 (aArt. 29 Abs. 1 lit. b i.V.m.
aArt. 29 Abs. 2 IVG), wie die Beschwerdegegnerin korrekt verfügt hat.
6.
6.1 Der Vertreter der Beschwerdeführerin macht weiter geltend, beim von der
Beschwerdegegnerin vorgenommenen Einkommensvergleich sei das
Invalideneinkommen zu hoch angesetzt. Es sei ein höherer Abzug vom Tabellenlohn
vorzunehmen als die veranschlagten 10%. Nebst einem leidensbedingten Abzug seien
auch ein "Teilzeitabzug" und ein "Ausländerabzug" zu berücksichtigen. Insgesamt
rechtfertige sich vorliegend der Maximalabzug von 25% (act. G 7).
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6.2 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Entscheid für das
Invalideneinkommen zu Recht auf die Tabellenlöhne abgestellt und das
Valideneinkommen diesem angepasst, da die Beschwerdeführerin in ihrer früheren
Tätigkeit einen tieferen Verdienst erzielt hatte. Dieses Vorgehen wird von der
Beschwerdeführerin denn auch nicht beanstandet. Umstritten ist lediglich die Höhe des
Leidensabzugs, den die Beschwerdegegnerin im Hinblick auf deren beschränkte
Einsatzfähigkeit (Notwendigkeit leichter Arbeit) auf 10% festgesetzt hat (vgl. act. G
9.52, Beschwerdeantwort [G 9] S. 6).
6.3 Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen – auch von invaliditätsfremden
Faktoren – des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), wobei
der maximal zulässige Abzug auf 25% festzusetzen ist (BGE 129 V 481 E. 4.2.3,
m.w.H.). Bei der Überprüfung des gesamthaft vorzunehmenden Abzuges, der eine
Schätzung darstellt und von der Verwaltung kurz zu begründen ist, darf das
Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen (BGE 126 V 75, m.w.H.).
6.4 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kann ihr kein weiterer Abzug
gewährt werden. Ein "Ausländerabzug" ist bei Hilfsarbeitern nicht möglich, weil die
grosse Mehrheit derjenigen Hilfsarbeiter, auf deren Einkommen die
Lohnstrukturerhebung aufbaut, Ausländer sind. Auch ein Teilzeitabzug kommt
vorliegend nicht in Frage, wirkt sich eine Teilzeitbeschäftigung bei Frauen mit einem
Beschäftigungsgrad zwischen 50% und 74 % im Anforderungsniveau 4 gemäss
Statistik doch eher lohnerhöhend, jedenfalls aber nicht lohnmindernd aus (LSE 2006, S.
16 T2*). Zudem wirkt sich bereits das Anheben des Valideneinkommens auf das Niveau
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des Invalideneinkommens zu Gunsten der Beschwerdeführerin aus. Erfolgt auf Grund
eines unterdurchschnittlichen Valideneinkommens eine Parallelisierung der
Vergleichseinkommen, so dürfen lohnbestimmende Umstände, die bereits bei der
Parallelisierung bzw. Heraufsetzung des Valideneinkommens in Anschlag gebracht
worden sind, nicht für die Begründung eines zusätzlichen Abzugs vom anhand
statistischer Werte ermittelten Invalideneinkommen herangezogen werden. Vielmehr
wird sich in solchen Fällen der Abzug in der Regel auf die Berücksichtigung
leidensbedingter Faktoren beschränken (BGE 134 V 329 f. E. 6.2). Der von der
Beschwerdegegnerin gewährte Abzug von 10% ist somit nicht zu beanstanden.
7.
Zusammenfassend erweist sich die gegen die Zusprache einer Viertelsrente ab 1. März
2004 gerichtete Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen. Mit ihrem in die
Form einer Verfügung gekleideten Antrag vom 9. Oktober 2007 will die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine – nach Berücksichtigung eines
zusätzlichen IK-Eintrages - auf der Basis einer längeren Versicherungsdauer
berechnete höhere Rente zusprechen. Die beantragte Rentenberechnung ist
unbestritten geblieben. Entsprechend ist die Verfügung vom 16. März 2007
dahingehend abzuändern, dass ihr die Rentenberechnung und die Festsetzung der
Rentenbeträge gemäss Antrag der Beschwerdegegnerin vom 9. Oktober 2007 zu
Grunde zu legen sind.
8.
Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung am 6. Juli 2007 bewilligt (act. G 10). Wenn die wirtschaftlichen
Verhältnisse der Beschwerdeführerin es gestatten, kann sie jedoch zur Nachzahlung
der Gerichtskosten, der Auslagen für die Vertretung und der vom Staat entschädigten
Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/
SG).
8.1 Da beim vorliegenden Verfahrensausgang die Beschwerdeführerin als
unterliegende Partei zu betrachten ist, sind ihr die Gerichtskosten in der Höhe von
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Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung
zu befreien.
8.2 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
verzichtete auf das Einreichen einer Kostennote. Die Entschädigung ist auf Fr. 3'500.--
festzulegen und um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit hat der Staat
den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit Fr. 2'800.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG