Decision ID: 2471d666-0a36-47a1-b5dc-b34fd615e9ff
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 27. Mai 2016 aufgrund verschiedener Rückenbeschwerden
zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Der Versicherte machte vom 8. August
2011 bis 31. Dezember 2015 bei der B._ AG eine Lehre als Holzbearbeiter EBA und
als Zimmermann (IV-act. 6; IV-act. 3). Im Arztbericht vom 21. April 2016 der Radiologie
C._ wurden eine lumbo-sakrale Übergangsanomalie mit Lumbalisation von S1
beidseits sowie eine leichtgradige rechtskonvexe Fehlhaltung thorako-lumbal/lumbal
mit Scheitelpunkt LWK2 mit einem Skoliosewinkel nach Cobb von ca. sieben Grad
ohne wesentlicher Torsionskomponente aufgeführt. Ansonsten bestünden ein normaler
Brustkyphose-Winkel und normale ossäre Strukturen der BWS und LWS mit normalem
Alignement (IV-act. 8-9).
A.b Im Konsiliarbericht Orthopädie vom 13. Mai 2016 von Dr. med. D._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, wurde
folgendes diagnostiziert: Wirbelsäulendeformität sagittal und frontal mit Hyperkyphose
der Brust- und Hyperlordose der Lendenwirbelsäule; sekundäre Skoliose rechtskonvex
lumbal bei reeller Beinverkürzung rechts; Übergangsstörung lumbosakral mit residueller
Bandscheibe L6/S1. Bei milder Symptomatik bestehe kein Handlungsbedarf, starke
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physische Belastungen in der Freizeit und im Beruf sollten jedoch vermieden werden
und eine berufliche Neuorientierung sei zu empfehlen (IV-act. 8-7 f.).
A.c Im Arztbericht vom 15. Juni 2016 diagnostizierte Dr. med. E._, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin FMH, eine belastungsabhängige Lumbalgie (10/2012)
beidseits bei Wirbelsäulendeformität sagittal und frontal mit Hyperkyphose der Brust-
und Hyperlordose der Lendenwirbelsäule, eine sekundäre Skoliose rechtskonvex
lumbal bei reeller Beinverkürzung rechts und eine Übergangsstörung lumbosakral mit
residueller Bandscheibe L6/S1. Die Belastungen als Zimmermann seien auf die Dauer
nicht tolerabel. Der Versicherte könne Tätigkeiten mit verminderter Belastung des
Rückens (Tragen von Lasten von maximal 15 Kilogramm ohne ausgeprägte Rotations-
und Lateralflexionsbewegungen) zeitlich unlimitiert ausführen und es sei auf eine
möglichst wechselbelastende Tätigkeit mit wenig monotoner Arbeitshaltung zu achten
(IV-act. 8-3 f.).
A.d Aufgrund der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 14.
Juli 2016 (IV-act. 13) teilte die IV-Stelle dem Versicherten gleichentags mit, es sei eine
medizinische Abklärung bei Dr. med. F._, Fachärztin für Physikalische Medizin und
Rehabilitation FMH, notwendig (IV-act. 14). Ab dem 1. September 2016 bis zum 31. Juli
2017 absolvierte der Versicherte ein Ausbildungspraktikum bei der G._ AG, und
erhielt dort ab dem 1. August 2017 einen Lehrvertrag (IV-act. 24; act. G 5.2 ff.). Die
Begutachtung fand am 11. Oktober 2016 statt (IV-act. 22).
A.e Im Gutachten vom 4. November 2016 stellte Dr. F._ keine Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
bestünde ein chronisches, lumbal akzentuiertes myofasziales bzw. tendomyogenes
Schmerzsyndrom bei/mit: diskreter Fehlstatik und -haltung, muskulärer Dysbalance/
Dekonditionierung, funktioneller Beinlängendifferenz, lumbosakraler
Übergangsanomalie mit Lumbalisation von SWK1 beidseits. Auf orthopädisch-
rheumatologischem Fachgebiet bestehe kein Gesundheitsschaden, welcher
versicherungsmedizinisch eine dauerhafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit begründe. Auch für sämtliche Verweistätigkeiten sei der
Versicherte aus orthopädisch-rheumatologischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig
(IV-act. 26).
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A.f Gestützt auf die RAD-ärztliche Stellungnahme vom 10. November 2016 (IV-act. 27)
kündigte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 22. November 2016 an,
der Anspruch auf berufliche Massnahmen und Rentenleistungen werde abgewiesen. Es
bestünde keine gesundheitliche Beeinträchtigung, welche zu anhaltenden
Funktionseinschränkungen führe und eine Arbeitsunfähigkeit begründe (IV-act. 31).
A.g Gegen diesen Vorbescheid erhob der Versicherte am 14. Dezember 2016 Einwand
mit der Begründung, Dr. E._, der Militärarzt, der Orthopäde und die
Physiotherapeutin hätten eindeutig Rückenschädigungen attestiert (IV-act. 32).
A.h Mit Verfügung vom 12. Januar 2017 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen mit der Begründung ab, der Versicherte teile seine
Sicht der Dinge mit, aus medizinischer Sicht ergäben sich jedoch keine fallrelevanten
Erkenntnisse (IV-act. 35).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers erhobene Beschwerde vom 13. Februar 2017/2. März 2017 mit den
Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache zur weiteren
Abklärung und neuem Entscheid zurückzuweisen. Zur Begründung führte der
Beschwerdeführer aus, es sei fraglich, ob die Lumbalgien auf eine - gemäss Gutachten
- deutliche muskuläre Dekonditionierung der Rückenmuskulatur zurückzuführen seien.
Es lasse sich in jedem Fall aus dem zeitlichen Beginn der Lumbalgien im zweiten
Lehrjahr als Zimmermann/Holzbauer darauf schliessen, dass das mit dem in diesem
Beruf zusammenhängenden Tragen und Heben von schweren und sehr schweren
Lasten adäquat kausal für das wiederholte Auftreten und insbesondere die Intensität
der Lumbalgien gewesen sei. Dafür spreche auch, dass sich die Rückenbeschwerden
seit Abschluss der Lehre stark vermindert hätten. Das Gutachten äussere sich zudem
nicht dazu, ob die Lumbalgien und deren Intensität und Häufigkeit belastungsabhängig
oder -unabhängig seien. Die Beschwerdegegnerin habe nicht abgeklärt, ob die Arbeit
als Zimmermann/Holzbauer weiterhin noch zumutbar sei. Dr. E._ und Dr. D._
hätten ausgeführt, die berufliche Tätigkeit als Zimmermann sei für den
Beschwerdeführer auf Dauer nicht tolerabel. Das Gutachten stütze sich weniger auf die
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bildmorphologischen Befunde ab, sondern führe die Rückenschmerzen vorwiegend auf
eine (angeblich) deutliche Insuffizienz insbesondere der wirbelsäulenstabilisierenden
Muskulatur zurück. Dieser Schluss erscheine fragwürdig. Zusammenfassend seien die
Lumbalgien nicht zufällig, sondern belastungsabhängig, beim Tragen und Heben von
schweren Lasten (act. G 1 und 5).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. April 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Dazu führt sie aus, die Gutachterin habe den
Beschwerdeführer ausführlich körperlich untersucht, wobei auch die Vorakten
berücksichtigt worden seien und die Anamnese und die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers umfangreich dargestellt worden seien. Die Gutachterin habe
aufgrund der Röntgenbefunde festgehalten, es läge einzig eine diskrete Fehlstatik bei
ansonsten altersentsprechend regelrechter Darstellung von BWS und LWS vor.
Bildmorphologische Befunde derartiger Veränderungen der Lendenwirbelsäule
gewännen deshalb nur dann einen klinisch relevanten diagnostischen Wert, wenn die
vorgetragenen klinischen Beschwerden mit einem pathologischen körperlichen
Untersuchungsbefund sicher korrelierten, was im Fall des Beschwerdeführers jedoch
nicht gegeben sei. Muskelverspannungen, muskuläre Dysbalancen und
Dekonditionierungen gälten nicht als invalidisierend. Dem Beschwerdeführer sei es
aufgrund seiner Selbsteingliederungspflicht zumutbar, durch eine adäquate
Lebensweise die Folgen seiner Dekonditionierung zu überwinden. Des Weiteren wird
auf die Stellungnahme des RAD vom 16. März 2017 verwiesen (act. G 7). Gemäss
RAD-Arzt sei die Arbeitsfähigkeit aufgrund von objektiven Faktoren zu bestimmen,
ausschliesslich subjektives Empfinden sei nicht massgebend. Bei bildgebenden
Verfahren komme es darauf an, ob festgestellte Veränderungen zu klinisch
objektivierbaren Funktionseinschränkungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
führten, was beim Beschwerdeführer nicht der Fall sei (IV-act. 52).
B.c In der Replik vom 11. April 2017 führt der Beschwerdeführer aus, die sportlichen
Wettkampftätigkeiten und die regelmässige Stärkung der Muskulatur sprächen gegen
eine Insuffizienz der die Wirbelsäule stabilisierenden Muskulatur. Zudem seien die
Lumbalgien zu Beginn der Lehre, als er aufgrund seines sportlichen Trainings mit
Sicherheit eine ausgeprägt starke Rückenmuskulatur gehabt habe, aufgetreten. Die
Lumbalgien hätten sich erst zurückgebildet, als er beruflich keine schweren/sehr
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schweren Lasten mehr habe heben/tragen müssen, und dies trotz Reduktion der
sportlichen Tätigkeit (act. G 9).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf das Einreichen einer Duplik (act. G 11).

Erwägungen
1.
1.1 Nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Die
Eingliederungsmassnahmen bestehen u.a. in Massnahmen beruflicher Art:
Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung
sowie Kapitalhilfe (Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
1.2 Gemäss Art. 17 Abs. 1 IVG besteht ein Anspruch auf eine Umschulung in eine neue
Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch
die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert werden kann.
Gemäss der höchstrichterlichen Rechtsprechung setzt der Anspruch auf Umschulung
voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des
Gesundheitsschadens in der bisher ausgeübten Tätigkeit und in den für sie ohne
zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine
bleibende oder länger dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 Prozent erleidet (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2015, 9C_511/2015 E. 3 mit Hinweisen; Rz.
4011 des Kreisschreibens über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art, KSBE,
Stand 1. Mai 2017). Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) gelten als Umschulung unter anderem
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen
beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige
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berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit benötigen.
1.3 Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit und gestützt darauf die Erwerbsunfähigkeit
und die Invalidität bemessen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen
angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu
stellen haben. Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Unter Berücksichtigung des Grundsatzes der freien
Beweiswürdigung hat das Gericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig
davon, von wem sie stammen. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
deshalb allein entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a). Je mehr ein Gutachten von diesen Qualitätsanforderungen abweicht, desto
kleiner ist sein Beweiswert (Gabriela Riemer-Kafka [Hrsg.], Versicherungsmedizinische
Gutachten, 2007, S. 20). Die Rechtsprechung hat es aber mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar betrachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen. So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten (sofern sie auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen) volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit Hinweisen). In Bezug auf Berichte von
Hausärzten darf und soll das Gericht demgegenüber der Erfahrungstatsache Rechnung
tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Stellung in
Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc mit
Hinweisen). Dies gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt wie für den
behandelnden Spezialarzt (Urteil des Bundesgerichts 8C_871/2008 vom 24. März
2009, E. 3.2 mit Hinweisen). Mit Blick auf die Verschiedenheit von Behandlungs- und
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Begutachtungsauftrag kann daher im Streitfall regelmässig nicht auf die Sicht des
behandelnden (Fach-) Arztes abgestellt werden (vgl. statt vieler: Urteil des
Bundesgerichts vom 5. Januar 2007, I 701/05, E. 2 mit Hinweisen).
1.4 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_73/2011, E. 4.1).
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin holte ein monodisziplinäres Gutachten bei Dr. F._ ein.
Es sollten insbesondere die Fragen beantwortet werden, ob eine gesundheitliche
Beeinträchtigung besteht, die die Tätigkeit als Zimmermann verunmöglicht, und wenn
ja, ob therapeutische Möglichkeiten bestehen, die es erlauben würden, diese Tätigkeit
dennoch auszuüben (vgl. IV-act. 15). Zunächst ist zu prüfen, ob das Gutachten von Dr.
F._ die Kriterien der Beweistauglichkeit erfüllt und darauf abgestellt werden kann.
2.2 Die Gutachterin stellte aufgrund einer umfassenden Würdigung der Vorakten, der
erhobenen Anamnese und einer ausführlichen Exploration des Beschwerdeführers,
inklusive einer Beurteilung der Röntgenbilder vom 20. April 2016 sowie insbesondere
unter Berücksichtigung seiner Angaben fest, es bestünden keine Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer leide an einem
chronischen, lumbal akzentuierten myofaszialen bzw. tendomyogenen
Schmerzsyndrom. Es imponiere beim Beschwerdeführer eine deutliche Insuffizienz
insbesondere der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur. Dafür spreche auch die
Anamnese mit Zunahme der Schmerzen im Verlauf monoton-statischer
Haltungsbelastungen. Diese muskuläre Dekonditionierung habe keinen eigenständigen
Krankheitswert, da diese durch entsprechende aktive Therapie behoben werden könne.
Unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde bestehe auf orthopädisch-
rheumatologischem Fachgebiet kein Gesundheitsschaden, der
versicherungsmedizinisch betrachtet eine dauerhafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit,
bezogen auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Zimmermann, begründen könne. Auch
für ausserberufliche Tätigkeiten liesse sich aus medizinisch-theoretischer Sicht keine
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Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Der Beschwerdeführer beurteile aus
subjektiver Sicht die Einschränkungen als erheblich, objektiv bestünden jedoch
erhebliche Zweifel am Ausmass der geklagten Beschwerden, insbesondere aufgrund
der nur bedarfsweisen Einnahme einer zudem niedrigpotenten schmerzmodulierenden
Medikation. Auch während der Begutachtung seien die Schmerzen nicht sichtbar.
Auffällig sei, dass der Beschwerdeführer bereits bei oberflächlicher Palpation der
Dornfortsätze (ohne wesentliche Druckausübung) des oberen und mittleren Drittels der
BWS sowie von LWK 3 und 4 über erhebliche Schmerzen klage. Es imponiere eine
auffallende Diskrepanz zwischen den objektivierbaren klinischen und radiologischen
Befunden im Vergleich zu den vom Beschwerdeführer demonstrierten Beschwerden
und Schmerzen. Des Weiteren führte die Gutachterin betreffend die Röntgenbilder aus,
bildmorphologische Befunde derartiger Veränderungen der Lendenwirbelsäule
gewännen nur dann einen klinisch relevanten diagnostischen Wert, wenn die
vorgetragenen klinischen Beschwerden mit einem pathologischen körperlichen
Untersuchungsbefund sicher korrelierten, was im Fall des Beschwerdeführers nicht
gegeben sei. Bei den vom Beschwerdeführer geklagten Rückenschmerzen sei
differenzialdiagnostisch an eine Erkrankung aus dem entzündlich-rheumatischen
Formenkreis zu denken. Es fehlten jedoch richtungsweisende klinische, bildgebende,
labordiagnostische oder anamnestische Korrelate sowohl in den vorliegenden Akten als
auch anlässlich der Begutachtung (vgl. IV-act. 26). Die Bescheinigung einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit für die angestammte sowie eine leidensadaptierte Tätigkeit leuchtet in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation ein. Sie wurde ferner vom RAD bestätigt (IV-act. 27 und 52).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Frage der Belastungsabhängigkeit der
Schmerzen sei durch das Gutachten nicht geklärt worden. Diesbezüglich hätten sich
Dr. E._ und Dr. D._ dahingehend geäussert, dass auf längere Dauer hin eine
wesentliche Verschlimmerung der Rückenbeschwerden als wahrscheinlich bis sicher
prognostiziert werden könnte und deshalb eine berufliche Neuorientierung empfohlen
sei (act. G 1 Ziff. IV/2.). In den Arztberichten von Dr. E._ wurde eine
belastungsabhängige Lumbalgie beidseits, dies seit Lehrbeginn, erstmals 10/2012,
diagnostiziert (vgl. IV-act. 8-3 ff.). Dr. D._ führte aus, dass langfristig starke physische
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Belastungen in der Freizeit und im Beruf vermieden werden sollten und eine berufliche
Neuorientierung zu empfehlen sei (IV-act. 8-7 f.).
3.2 Das Gutachten setzte sich eingehend mit den medizinischen Vorakten
auseinander. Dr. E._ habe in seinem Untersuchungsbefund vom 3. August 2015 eine
linkskonvexe LWS-Skoliose, am 8. April 2016 hingegen eine rechtskonvexe LWS-
Skoliose festgehalten. In den vorliegenden Bildgebungen der BWS und LWS imponiere
eine diskret ausgeprägte rechtskonvexe Seitenausbiegung ohne wesentliche
Rotationskomponente. Dr. D._ habe in seinem Bericht vom 13. Mai 2016 betont, dem
Versicherten sei eine berufliche Neuorientierung zu empfehlen, eine
versicherungsmedizinische fundierte Begründung dieser Einschätzung mit Erarbeitung
eines positiven und negativen Arbeitsprofils in Gegenüberstellung mit den körperlichen
Restressourcen sei jedoch nicht erfolgt. Dr. E._ stütze sich bei seinen Ausführungen
vom 27. April 2016 - aufgrund der belastungsabhängigen Rückenschmerzen sei die
weitere Berufsausübung als Zimmermann für den Beschwerdeführer nicht mehr
möglich - rein auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers, während sich die
Gutachterin an die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit halten müsse.
Insbesondere sei von Dr. E._ kein nachvollziehbares positives und negatives
Leistungsprofil des Beschwerdeführers ermittelt worden, das in Bezug auf die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit eine dauerhafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit begründen würde.
Ferner habe der Beschwerdeführer gegenüber Dr. D._ am 13. Mai 2016 angegeben,
neben einer Kraftminderung in den Beinen auch "regelmässig" unter Schmerzen in der
thorakalen und lumbalen Wirbelsäule sowie im Nacken und unter starken Lumbalgien
zu leiden, habe aber zum damaligen Zeitpunkt nur bei Bedarf Analgetika
eingenommen. Dies lasse keinen erhöhten Behandlungsbedarf bzw. Leistungsdruck
erkennen, wie er durch eine höhergradige subjektive Schmerzintensität objektiv zu
erwarten wäre. Zuletzt führte die Gutachterin aus, im Bericht von Dr. E._ zu Handen
der IV-Stelle vom 15. Juni 2016 beantworte dieser die Frage, welche Funktionsausfälle
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers einschränken würden, rein mit den
subjektiven Beschwerdeangaben des Beschwerdeführers. Objektiv nachvollziehbare
Funktionsstörungen, insbesondere solche mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit,
seien aus dem Bericht von Dr. E._ nicht hervorgegangen (vgl. IV-act. 26-39 f.). Diese
Ausführungen sind nachvollziehbar und plausibel sowie auch umfassend, weshalb
ihnen zu folgen ist. Auch ist bei der Beweiswürdigung der Verschiedenheit von
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Behandlungs- und Begutachtungsauftrag Rechnung zu tragen, weshalb abweichende
Einschätzungen der behandelnden medizinischen Fachpersonen die
Schlussfolgerungen der Gutachterin nicht in Frage stellen können, es sei denn, das
Gutachten lasse wesentliche Gesichtspunkte ausser Acht, was hier nicht zutrifft.
3.3 Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer bei Belastung Schmerzen im
Lendenwirbelbereich verspürt. Die Gutachterin hielt jedoch fest - wie vorstehend in E.
2.2 bereits erwähnt -, dass beim Versicherten eine deutliche Insuffizienz insbesondere
der wirbelstabilisierenden Muskulatur imponiere. Dafür, dass die Beschwerden im
Zusammenhang mit dieser allgemeinen Dekonditionierung stünden, spreche auch die
Anamnese mit Zunahme der Schmerzen im Verlauf monoton-statischer
Haltungsbelastung (IV-act. 26-28 f.). Die Belastungsabhängigkeit der Schmerzen wurde
somit thematisiert und auch erklärt. Zudem wies die Gutachterin darauf hin, dass
Rückenbeschwerden in der überwiegenden Zahl der Fälle auf muskuläre
Dekonditionierungen zurückzuführen seien, welchen kein eigenständiger
Krankheitswert zukomme (IV-act. 26-29). Derart diskrete Fehlhaltungen bzw.
Fehlstatiken, wie sie beim Versicherten vorlägen, seien jedoch ebenso wie anatomische
Varianten des lumbosakralen Übergangs insgesamt häufige Befunde in der allgemeinen
Population und ohne eigenständigen Krankheitswert. So sei eine Vielzahl von Personen
mit derartigen Veränderungen beschwerdefrei, vice versa weise eine Vielzahl von
Patienten mit lumbalen Schmerzen keine oder allenfalls geringe frontale/sagittale
Fehlstatiken oder anatomische Varianten/Übergangsanomalien auf. Angesichts der
hohen Prävalenz der genannten bildmorphologischen Befunde in der Normalpopulation
sei das gemeinsame Auftreten von lumbalen Beschwerden und den genannten
Bildbefunden somit ohne unmittelbaren Beleg einer ursachlichen Kausalität.
Bildmorphologische Befunde derartiger Veränderungen der Lendenwirbelsäule
gewännen deshalb nur dann einen klinisch relevanten diagnostischen Wert, wenn die
vorgetragenen klinischen Beschwerden mit einem pathologischen körperlichen
Untersuchungsbefund sicher korrelierten, was beim Beschwerdeführer nicht gegeben
sei (IV-act. 26-31).
3.4 Nichts anderes erläuterte auch der RAD-Arzt in seiner Stellungnahme vom 16.
März 2017 (IV-act. 52). Schmerzen würden subjektive Empfindungen darstellen. Eine
Arbeitsfähigkeit sei aufgrund von objektiven Faktoren zu bestimmen.
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Funktionseinschränkungen seien klinisch nur dann objektiviert, wenn sie auf sorgfältig
erhobenen Befunden beruhten. Mit bildgebenden Verfahren festgestellte
Veränderungen seien nur entscheidend, wenn sie zu klinisch objektivierbaren
Funktionseinschränkungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führen würden. Er
betonte ebenfalls, dass klinisch objektivierbare Funktionseinschränkungen, die die
Einschränkungen bzw. Schmerzen erklären würden, vorliegend genau fehlen würden
(IV-act. 52).
3.5 Gemäss Gutachterin beurteile der Beschwerdeführer die aus den gestellten
Diagnosen resultierenden Einschränkungen als erheblich. Objektiv bestünden jedoch
erhebliche Zweifel am Ausmass der subjektiv geklagten Beschwerden, dies
insbesondere aufgrund der nur bedarfsweisen (durchschnittlich einmal im Monat)
Einnahme einer zudem niedrigpotenten schmerzmodulierenden Medikation, der
Hinweise auf nicht in dem geklagten Umfang vorhandene Auswirkungen der
Funktionsbeeinträchtigungen sowie der fehlenden sachlichen Diskussion bezüglich
einer möglichen Tätigkeit im erlernten Beruf als Zimmermann (IV-act. 26-35). Hinzu
kommt, dass die muskuläre Dekonditionierung aus versicherungsmedizinischer Sicht
keinen anhaltenden Gesundheitsschaden darstellt, da dieser Zustand durch
entsprechende Therapie behoben werden kann. Gemäss Gutachterin kommt dem
gezielten Aufbau der kleinen wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur dabei eine
signifikante breitbandspektrale Wirkung zu und verändert nachweislich nicht nur
motorische Parameter, sondern auch Schmerz- und Lebensqualitätsparameter (IV-act.
26-30). Dies wäre mit einem konsequenten und medizinisch korrekt durchgeführten
Training zu erreichen. Aufgrund der allgemein gültigen Selbsteingliederungspflicht ist
es dem Beschwerdeführer ohne weiteres zumutbar, seine zuhause und im
Fitnessstudio durchgeführten Übungen entsprechend anzupassen.
4.
4.1 Gesamthaft betrachtet erweist sich das monodisziplinäre Gutachten in
medizinischer Hinsicht als beweistauglich. Auch der RAD-Arzt hält das Gutachten aus
versicherungsmedizinischer Sicht für beweistauglich, insbesondere in der Hinsicht,
dass sich die Gutachterin fundiert mit den Befunden und Einschätzungen der
behandelnden Ärzte Dr. E._ und Dr. D._ auseinandersetze und in plausibler und
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nachvollziehbarer Weise darlege, dass die Einschätzungen dieser beiden Ärzte nicht
hinreichend plausibel nachvollzogen werden können (vgl. IV-act. 27 und 52). Die
Gutachterin legte überzeugend dar, dass die belastungsabhängigen Schmerzen
massgeblich durch die Dekonditionierung hervorgerufen wurden und nicht durch
erhobene Befunde mit Krankheitswert, die zu klinisch objektivierbaren
Funktionseinschränkungen und damit einhergehenden Schmerzen führen würden.
Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer nicht an gesundheitlichen Problemen leidet, die erhebliche
Auswirkungen auf seine Arbeitsfähigkeit - insbesondere als Zimmermann - haben. Bei
dieser Sachlage erübrigen sich weitere Abklärungen. Es liegt keine Verletzung der
Abklärungspflicht vor.
4.2 Mithin ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer gesamtmedizinisch
betrachtet in angestammter sowie adaptierter Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig ist. Da
deshalb keine Invalidität vorliegt oder auch nur droht, hat die Beschwerdegegnerin das
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen sowie einen Rentenanspruch zu Recht
abgelehnt.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 12. Januar 2017 nicht zu
beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig und die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Diese ist dem
unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen unter Anrechnung des von ihm
bezahlten Kostenvorschusses von Fr. 600.--. Ausgangsgemäss hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.