Decision ID: 53a7f994-8c46-4a24-a23a-733c668c4a8b
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1945 geborene
Dr.
med.
X._
arbeitet
als se
lbständig erwerben
der Arzt
. Er schloss
bei der Basler Versicherung AG (Basler)
eine freiwillige Un
fallversicherung entsprechend dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) und in Ergänzung dazu eine Zusatzversicherung ab
(
vgl.
die
Taggeldab
rechnung
vom 10. September 2007
sowie
Urk.
8/1-2
).
Am
19. Mai 2007 erlitt er nach einem Fehltritt beim Joggen (
Urk.
8/1) eine mediale
Meniskushinterhorn
läsion
am linken Knie (
Urk.
9/1). Eineinhalb Monate später – am 4. Juli 2007 (
Urk.
8/11) – rutschte der Versicherte beim Nordic Walking aus und zog sich
am rechten Knie
eine
kleine Läsion im
Korpushinterhornbereich
des medialen Me
niskus (Meniskusspitzenamputation) zu (
Urk.
9/5). Die Basler anerkannte in der Folge ihre grundsätzliche Leistungspflicht im Zusammenhang mit diesen beiden Ereignissen und holte verschiedene medizinische Berichte ein (
Urk.
9/1-16).
Mit Verfügung vom 1.
September 2011 stellte die Basler ihre Leistungen per 31. De
zember 2010
ein
(
Urk.
8/26). Die dagegen erhobene Einsprac
he vom 1
2.
September 2011 (Urk.
8/27) wies sie mit Entscheid vom 1
2.
Dezember 2011 ab (
Urk.
8/31 = Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
2.
Dezember 2011 (
Urk.
2) erhob der Versi
cherte mit Eingabe vom 30. Januar 2012 Beschwerde und beantragte,
in Aufhebung des
angefochtene
n
Entscheid
s sei die Basler zu verpflichten, weiter
hin Versicherungsleistungen in Form von Heilbehandlung zu erbringen (
Urk.
1)
. Mit Beschwerdeantwort v
om 17. Februar 2012 schloss die Unfallversicherung
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Replik vom 23.
März 2012 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest (
Urk.
13). Am 16. April 2012 bean
tragte die Beschwerdegegnerin erneut die Abweisung der Beschwerde (Duplik,
Urk.
16).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 10
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung
ihrer
Unfallfol
gen. Bis zu welchem Zeitpunkt Heilbehandlung durch den Unfallversicherer zu gewähren ist, kann Art. 10 UVG nicht entnommen werden. Dieser Zeitpunkt ergibt sich indessen aus Art. 19 UVG des zweiten Kapitels über Beginn und Ende der Invalidenrente, die, sofern die Voraussetzungen für deren Ausrichtung erfüllt sind, den vorübergehenden Leistungen folgt. Danach entsteht der Ren
tenanspruch, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine nam
hafte Besserung des Gesundheitszustands
des Versicherten mehr erwartet wer
den kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (Abs. 1 erster Satz). Mit dem Rentenbeginn fallen die Heil
behandlung und die Taggeldleistungen dahin (
Abs.
1 zweiter Satz).
Nach kon
stanter Rechtsprech
ung heisst dies, der Versicherer
hat – sofern allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind – die Heilbehandlung (und das Taggeld) nur solange zu gewähren, als von der Fort
setzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesund
heitszustands erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung abzu
schliessen (Urteil des Bundesgerichts 8C_81/2013 vom 16. April 2013 E. 3.1.1 mit weiteren Hinweisen).
Der Abschluss des Falls durch den Unfallversicherer bedingt daher nicht, dass eine medizinische Behandlung nicht länger erforder
lich ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2010 vom 15. Dezember 2010 E. 3.3).
Die Frage, ob eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands erwartet wer
den kann, beurteilt sich namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steige
rung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfall
bedingt beein
trächtigt. Dabei verdeutlicht die Verwendung des Begriffs „namhaft“
durch den Gesetzgeber, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_277/2012 vom 1
2.
Oktober 2012 E. 2.2 und
8C_90/2010 vom 23. Juli 2010 E. 5.2 mit Hinweis
en
auf BGE 134 V 109 E. 4.3).
1.2
Laut Art. 21
Abs.
1
lit
. c UVG werden nach der Festsetzung der Rente dem Bezü
ger die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen gewährt, wenn er zur Er
haltung seiner verbleibenden Erwerbsfähigkeit dauernd der Behandlung und Pflege bedarf.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Leistungseinstellung per 3
1
. Dezember 2010 damit,
dass
durch
die Fortsetzung
der Heilbehandlung über diesen Zeit
punkt hinaus keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands zu erwar
ten sei.
Die Medikamentenkosten für das
Chondroitinsulfat
seie
n
angesichts der fehlenden Wirtschaftlichkeit und Zweckmässigkeit
der Behandlung
ohnehin
nicht mehr
zu übernehmen
(
Urk.
2
, 6
und 16
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
im Wesentlichen
auf den Stand
punkt,
beim
Chondroitinsulfat
handle es sich um ein
a
uf der
Spezialitä
tenliste
des Bundesamts für Gesundheit aufgeführt
es Medikament, weshalb schon deshalb die
Wirksamkeit der Behandlung ausgewiesen
sei
. Ohne die Ein
nahme des besagten Medikaments
müss
e mit einer beginnenden Arthrose vor allem im rechten Knie gerechnet werden
.
In analoger Anwendung des Art.
21 UVG sei überdies von einer Leistungspflicht des Unfallversicherers auszugehen, wenn der Gesundheitszustand durch eine Behandlung wesentlich verbessert oder vor einer wesentlichen Beeinträchtigung bewahrt werde
n könn
e, was vor
liegend zutreffe (
Urk.
1 und
Urk.
13).
3.
3.1
Der an der
Klinik Z._
tätige
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Chirur
gie, diagnostizierte eine ausgedehnte mediale
Meniskushinterhornläsion
links
und führte am 25. Mai 2007 eine
A
rthroskopie am linken Knie mit einer parti
ellen medialen
Meniskektomie
durch (Operationsbericht vom 29. Mai 2007 [
Urk.
9/1]). Er attestierte dem Beschwerdeführer vom 23. bis 28. Mai 2007 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und anschliessend bis am 18. Juni 2007 eine solche von 60 % (
Urk.
9/5).
3.2
Das nach einem Ausrutsche
n
beim Nordic Walking am 25. Juli 2007 angefer
tigte MRI
des rechten Knies ergab eine kleine Läsion im
Korpushinterhornbe
reich
des medialen Meniskus (Meniskusspitzenamputation). Angesichts der ge
ringen Symptomatik entschieden sich die Ärzte der
Z._
für ein exspektatives Vorgehen (
Urk.
9/5).
3.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt
FMH für Chirurgie sowie Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
von der
Z._
,
be
richtete am 1
2.
September 2007 von einer langsamen Besserung der Sympto
matik
und der
Schmerzen in beiden Kni
en. Im All
tag verspüre der Beschwerde
führer keine Beschwerden mehr (
Urk.
9/7).
3.4
Die MRI-Untersuchung des linken Knies am 17. Oktober 2007 zeigte einen regel
rechten postoperativen Befund bei einem Status nach einer
Teilmenis
kektomie
medial im Bereich des
Hinterhorns
und einen Corpus ohne Zeichen ei
ner
Rezidivläsion
. Im Vergleich zur Voruntersuchung konnte
n weder ein
Kno
chenmark- noch ein Weichteilödem fest
gestellt werden und auch die
Signal
störung
im
Tibiakopf
war nicht mehr sichtbar (
Urk.
9/8).
Das MRI des rechten Knies zeigte
weiterhin eine Oberflächenunregelmässigkeit.
Ein
Knochenmark
ödem
war nicht mehr ersichtlich (
Urk.
9/9).
Anlässlich der gleichentags durchgeführten Untersuchung durch
Dr.
B._
berichtete der Beschwerdeführer von noch wechselnden Symptomen im linken Kniegelenk und von weiterhin persistierenden, belastungsabhängigen Schmer
zen im medialen und
posteromedialen
Gelenkspalt im rechten Knie (Urk.
9/9).
3.5
Dr.
med.
C._
,
Klinik D._
, verordnete dem Beschwerdeführer am 23. Juli 2008 zwei orthopädische Masseinlagen (
Urk.
9/12b).
3.6
Die am
E._
tätige
Dr.
med.
F._
, Fachärztin FMH für Physikalische Medizin und Rehabili
t
ation sowi
e Rheumatologie, stellte am 29.
August
2008 folgende Diagnosen:
Periarthropathia
genu
beidseits sowie
retropatelläres
Beschwerdesyn
drom
bei einem Status nach einem Distorsionstrauma des linken Knie
gelenks durch einen Fehltritt beim Joggen am 20. Mai 2007 (richtig: 19. Mai 2007)
Status nach einer Kniearthroskopie links mit einer partiellen
Meniskekto
mie
am 25. Mai 2007 (
Dr.
A._
,
Z._
)
Periarthropathia
genu
des rechten Kniegelenks bei einem Status nach ei
nem Distorsionstrauma des rechten Kniegelenks durch ein Ausrutschen beim Nordic Walking Anfang Juli 2007
Die betreffende Ärztin berichtete, die Kniebeschwerden hätten sich dank der Verordnung von leicht
varisierenden
Fusseinlagen, der Durchführung von Phy
siotherapie und der Fortsetzung der Massnahmen zur muskulären Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur weitgehend zurückgebildet (
Urk.
9/13).
3.7
Die MRI-Untersuchungen der beiden Kniegelenke vom 30. März 2009 zeigten im Vergleich zu den früheren Untersuchungen keine auffallenden Veränderun
gen (
Urk.
9/15).
3.8
Dr.
med.
F._
führte am 8. September 2011 aus, der Beschwerdeführer nehme seit dem Unfallereignis regelmässig
chondroprotektive
Medikamente ein. Bei
Beschwerdeexazerbationen
behelfe er sich jeweils mit der Einnahme
von Schmerzmitteln, der Applikation von
Flector
-Pflastern und dem Gebrauch von Sprays und Gels
. Obwohl eine Kniearthroskopie mit einer
Teilmeniskektomie
im Mai 2007 durchgeführt worden sei, seien die Beschwerden im linken Kniegelenk nicht vollständig abgeklungen.
Es
müsse
daher
mit der Entwicklung einer post
traumatischen
Gonarthrose
gerechnet
werden. Aus diesem Grund sei
en
die Fortsetzung der Medikation mit
chondroprotektiven
Medikamenten, welche im Frühstadium einer
Gonarthrose
als wirksam erachtet w
ü
rden (Zürcher Studie 2008), die Einnahme von
Ent
z
ündungshemmer
n
und
die Durchführung von lo
kalen Anwendungen indiziert, um die Entwicklung einer posttraumatischen
Go
narthrose
möglichst zu bremsen respektive zu verhindern. Die Verordnung die
ser Medikamente seit 2007 sei deshalb eindeutig auf das Unfallereignis vom Mai 2007 zurückzuführen und diene dazu, die Folgen des Unfalls zu mildern (
Urk.
9/16).
4.
Im massgebenden Zeitpunkt der Leistungseinstellung
per 31. Dezember 2010 (
Urk.
2)
war der Beschwerdeführer se
it mehreren Jahren
wieder uneingeschränkt
arbeitsfähig
(
Urk.
9/4 und
Urk.
9/5; vgl. auch die Taggeldabrechnung vom 10.
September 2007).
E
ine
andauernde
ärztliche
Behandlung
ist
n
icht
ausge
wiesen und auch die Anordnung von
therapeutische
n Massnahmen wurde
– soweit ersichtlich – von
den
behandelnden
Ärzten nicht mehr für indiziert er
achtet.
Die Beschwerdegegnerin ging
daher
zu Recht davon aus, dass
von der
Fortführung der Heilbehandlung
– insbesondere in Form einer medikamentösen Behandlung –
keine n
amhafte
Besserung des Gesundheitszustands
mehr erwar
ten werden konnte. Dies ergibt sich auch aus den
aktuellsten
Ausführungen der
Dr.
F._
vom 8. September 2011
,
welche
rechtsseitig von keinen Beschwer
den mehr berichtete und die
weiterführende (medikamentöse) Behandlung der
linksseitigen
Kniebeschwerden hauptsächlich
aus
prophylaktischen Gründen
für
angezeigt hält (
Urk.
9/16
)
.
5.
Nach dem Wortlaut des
Art.
21
Abs.
1 UVG wird vorausgesetzt, dass die entspre
chenden Leistungen „
N
ach der Festsetzung der Rente
[...]
dem Bezüger“ ausgerichtet werden. Die Bestimmung gemäss
lit
. c bezieht sich demnach ein
deutig auf Personen, die bereits eine Rente beziehen, aber noch erwerbstätig sind, also einen Invaliditätsgrad zwischen 10
%
und weniger als 100
%
(für
vollständig Erwerbsunfähige kommt
lit
. d des
Art.
21
Abs.
1
UVG
zur Anwen
dung) aufweisen (Urteil des Bun
desgerichts 8C_191/2011 vom 16.
September 2011 E
. 5.2 mit weiterem Hinweis). Dies bedeutet e
contrario
, dass versicherte Personen, die keine Rente der Unfallversicherung beziehen – wie dies auch beim Beschwerdeführer mangels Invalidität der Fall ist –
keinen A
nspruch auf Über
nahme
der Heilbehandlung
skosten nach dieser Norm haben
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_81/2013 vom 1
6.
April 2013 E. 3.2 mit Hinweisen)
.
F
ür
die beschwerdeweise postulierte
analoge Anwendung d
ieser
B
estimmung bleibt an
gesichts der
klaren
gesetzgeberischen
Konzeption
kein Raum
.
6.
Nach dem Gesagten
erweist sich die Leistungseinstellung per 3
1.
Dezember 2010 als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. Bei dieser Sachlage
kann offen bleiben, ob die Behandlung mit
chondroprotektiven
Medikamenten
(grundsätzlich)
wirksam und zweckmässig ist.