Decision ID: 8ad84d33-4f25-4c64-8a7a-72440466cd8c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1965 geborene
X._
hat
1985 die
Lehre zur k
auf
männi
schen Angestellten
abgeschlossen und war zuletzt von Januar bis Februar 2012 bei der
Y._
in einem 70%-Pensum
als Rezeptionistin angestellt, wobei das Arbeitsverhältnis
noch in der Probezeit aufgelöst wurde.
Seither war
sie nicht mehr erwerbstätig
(
Urk.
11/4/4 f., 11/10 f.
, 11/24/3
und
11/47/1
).
Unter
Hinweis auf Schulter
beschwerden meldete sie sich am
7.
Mai 2014 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/4). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zog
nebst einem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
11/11) einen Arbeitgeberfragebogen (
Urk.
11/20) sowie Arzt
berichte (
Urk.
11/13, 11/19)
bei
.
Mit Schreiben vom
4.
Mai
2015 teilte sie der Versicherte
n
mit, dass zurzeit keine beruflichen Ein
gliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
11/26).
Nach Eingang weiterer ärzt
licher Berichte (
Urk.
11/38, 11/42/6 f., 11/43 und 11/45) sowie einer Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD;
Urk.
11/47/8 f.)
wurde der Versicherten mit Vorbescheid vom
9.
Oktober 2015 die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht gestellt (
Urk.
11/48)
, wogegen
diese Einwand
erhob (
Urk.
11/52, 11/55).
Daraufhin holte die IV-Stelle weitere ärztliche
Berichte
ein (
Urk.
11/57, 11/62/5 f., 11/63 und 11/65),
welche sie der Versicherten zur Stellung
nahme unterbreitete (
Urk.
11/60, 11/70). Nach erneuter Rücksprache mit dem RAD (
Urk.
11/72/3 ff.) verfügte sie am 3
0.
März 2017 im Sinne des Vor
bescheids (
Urk.
11/73 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
2.
Mai 2017 Beschwerde (
Urk.
1) mit den Rechts
begehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine an
gemessene Rente zuzusprechen. Eventuell sei die Sache zwecks ergänzender medizinischer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Mit Beschwer
deantwort vom
7.
Juli 2017 (
Urk.
10) schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde, worüber die Versicherte mit Verfügung vom 1
2.
Juli 2017 (
Urk.
12) in Kenntnis gesetzt wurde. Gleichzeitig wurde ihr Gesuch um unent
geltliche Prozessführung bewilligt.
Auf
die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit er
forderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin vertrat in der angefochtenen Verfügung vom 3
0.
März 2017 (
Urk.
2) im Wesentlichen den Standpunkt,
aus versicherungsmedizinischer Sicht seien aufgrund der konkreten Befunde keine dauerhaften Einschrän
kung
-
en
in der
Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
als kaufmännische Ange
stellte ausgewiesen, weshalb keine Invalidität im Sinne des Gesetzes
und kein
Rentenanspruch best
ünden
.
Die im Zuge des
Vorbescheidverfahrens
ergänzend eingeholten Arztberichte hätten ferner
keine Angaben zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit enthalten.
Im Übrigen habe seit September 2015 keine fachärztliche, orthopädische Behandlung mehr stattge
funden. Die durch den Facharzt empfohlenen weiterführenden Behandlungen seien von der Versicherten ebenfalls nicht durchgeführt worden.
2.2
Die Versicherte rügte in ihrer Beschwerdeschrift vom 1
2.
Mai 2017
(
Urk.
1)
zu
sammengefasst,
soweit der RAD nicht auf die Berichte der behandelnden Ärzte abgestellt habe, sei der medizinische Sachverhalt im Wesentlichen nicht festge
stellt worden. Der RAD habe vor diesem Hintergrund zu Unrecht keine eigene Untersuchung vorgenommen, weshalb dessen Stellungnahme jeglicher Beweis
wert abzusprechen sei. Bei der Beurteilung des Rentenanspruchs habe die IV-Stelle demnach sowohl den Untersuchungs-grundsatz als auch die
Begrün
dungspflicht verletzt
.
Im Weiteren brachte die Beschwerdeführerin vor, aus den medizinischen Akten gehe hervor, dass sie zahlreiche Behandlungen durchge
führt habe, jedoch erfolglos. Nach Ausschöpfung der ärztlich verordneten The
rapien verfolge sie das Schmerzmanagement nun selbständig. Sie richte den ganzen Tagesablauf danach aus und sei im sozialen Leben sehr eingeschränkt.
Aufgrund der Aktenlage könne zudem nicht davon ausgegangen werden, dass durch die empfohlenen weiteren Behandlungen überhaupt eine wesentliche Ver
besse
rung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden könne. Die Beschwerdegegnerin habe in diesem Kontext sodann nie eine Mitwirkungs- oder Schadenmin
derungspflicht auferlegt, weshalb die Leistungsverweigerung auch unter diesem Aspekt nicht rechtmässig sei (zum Ganzen
Urk.
1 S. 13 f.).
3.
3.1
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin stellt sich anhand der Akten
lage zusammengefasst wie folgt dar:
Dem Bericht von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom
3.
September 2014 sind folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit zu entnehmen (
Urk.
11/13/1):
-
Chronisches,
myofasciales
cervicospondylogenes
/
cervicoradikuläres
Schmerz
syndrom rechts seit 2008 mit permanenten Schmerzen mit/bei
-
degenerativen Halswirbelsäulenveränderungen,
-
Diskusprotrusion
,
-
foraminaler
Enge C5/6 beidseits (rechts mehr als links),
-
Achillessehnentendinopathie
rechts sowie
neuralgiformes
Schmerz-syndrom nach
Melanomexzision
distaler Unterschenkel lateral 2010,
-
Status nach grossräumiger
Melanomexzision
rechter Unterschenkel 2010
,
-
Status nach Schultertrauma der rechten Schulter im Alter von 15 Jahren (1980) mit
Rotatorenmanschettenverletzung
mit Ausbildung einer post
traumatischen
Omarthrose
/ AC-Gelenksarthrose und einer
Periar
thro
pathia
humeroscapularis
mit chronischem Schmerzsyndrom,
-
Posttraumatische Gonarthrose links bei Knorpelverletzungen,
bone
bruise
, Läsion des
Aussenmeniskushinterhorns
; Status nach
arthroskopischer
Meniskusglättung März 2010, jedoch persistierende belastungsabhängige Schmerzen.
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei eine reaktive depressive Verstimmung bei
chronifizierten
Schmerzen im Bereich des Bewegungsa
pparates und Arbeits
unfähigkeit (
Urk.
11/13/1).
Dr.
Z._
attestierte sowohl für die angestammte als auch für eine behinderungsangepasste Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsun
fähig
keit (
Urk.
11/13/3
; vgl. auch
Urk.
11/43/
).
3.2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rheumatologie, hielt in seinem Bericht vom 1
2.
November 2014 fest, dass die Versicherte aus rein rheumato
logischer Sicht in einer wechselbelastenden Tätigkeit zu 30
%
arbeitsfähig sei. Diese Ein
schätzung beruhe insbesondere auf der Tatsache, dass sie ihren rechten Arm wegen der ausgeprägten Schmerzsymptomatik kaum einsetzen könne. Im Weiteren sei eine stehende und gehende Tätigkeit wegen der massiven Knie
arthrose links und der
Achillodynie
rechts nicht möglich. Da eine depressive Stimmungslage vorliege, bleibe eine weitere Minderung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht vorbehalten (
Urk.
11/19/1
, 11/19/4
). Die Prognose bezüg
lich einer Reintegration in den Arbeitsprozess erweise sich bei dieser komplexen Problematik und der langanhaltenden Beschwerden mit den entsprechenden objektivierbaren Befunden als äusserst ungünstig (
Urk.
11/19/3).
3.3
Aufgrund
stark
er Schmerzen an der Brustwirbelsäule und einer Hypästhesie an der lateralen
Thoraxwand
rechts b
egab sich die Versicherte
ab
2
4.
August 2015 bei
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, in Behand
lung.
Im Rahmen einer MRI-Untersuchung konnte eine paramedian linksseitige Diskushernie Th6/7 mit leichter Impression des Duralsacks festgestellt werden. Zwecks Behandlung dieser Erkrankung sowie der Schmerzen am rechten dis
talen Unterschenkel verordnete
Dr.
B._
Physiotherapie (
Urk.
11/43/7 f.). Ausser
dem machte er darauf aufmerksam, dass die Versicherte grosse Schwie
rigkeiten habe, mit den bestehenden Schmerzen umzugehen.
Das Hinzuziehen einer psychologischen Betreuung sei empfehlenswert (
Urk.
11/43/6).
In diesem Sinne äusserte
er sich
ebenfalls mit Stellungnahme vom 2
8.
September 2015
, wobei er ergänzend festhielt
, dass – abgesehen von den anderen Problemfeldern
- aufgrund der Rückenbeschwerden im Moment keine Tätigkeit vorstellbar sei (
Urk.
11/45/1).
3.4
In seinem Bericht vom 1
8.
September 2015 wies
Dr.
Z._
auf eine
Chronifi
zierung
der weitgehend stationären Beschwerden hin. Die belastungsabhängigen Kniebeschwerden links sowie die Schmerzen am rechten Fuss hätten allerdings
seit 2014 zugenommen. Die Versicherte sei nicht mehr erwerbsfähig (
Urk.
11/
43/1, 11/43/3).
Der Stellungnahme von
Dr.
Z._
vom 1
4.
April 2016 ist im Weiteren zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im Frühjahr 2016 infolge Einknickens des linken Kniegelenks zwei Mal gestürzt sei und sich ihre gesundheitliche Verfassung weiter verschlechtert habe (
Urk.
11/57/1).
3.5
Dem Bericht des
F._
vom 2
2.
September 2016
ist die Diagnose einer chroni
schen Schmerzstörung mit somatischen und psy
chischen Faktoren (ICD-10 F45.41) zu entnehmen. Die Versicherte habe berich
tet, dass sich ihr gesamter Tages- und Nachtablauf nach dem Schmerz
mana
gement richte. Sie habe zudem über Konzentrations- und Schlafstörungen, Exi
stenz
ängste, Hoffnungslosigkeit und Minderwertigkeitsgefühle geklagt.
Anläss
lich
des Gesprächs sei sie bewusst
seinsklar und allseits orientiert gewesen. In der emotionellen Kontaktaufnahme habe sie abwartend, zurückhaltend und leicht misstrauisch gewirkt. Die Stim
mung sei depressiv-resigniert, leicht unsi
cher respektive ängstlich, affektiv nie
dergeschlagen und weinerlich gewesen. Im Gesprächsverlauf sei die Versicherte überdies mitteilungsaktiv und redebe
dürftig, stimmlich laut sowie psycho
motorisch sehr unruhig gewesen. Kognitiv seien in Bezug auf die Aufmerksam
keit, Konzentration, Merkfähigkeit und das Gedächtnis deutliche Einschränkun
gen feststellbar gewesen.
Anhaltspunkte für psychotische Erlebnisweisen, Suizidgedanken oder eine akute Suizidalität hätten sich nicht ergeben (
Urk.
11/62/5 f.).
3.6
Eine Angst- und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2) diagnostizierten die Ärzte der Städtischen Gesundheitsdienste, Psychiatrisch-Psychologische Poliklinik, in ihrem Bericht vom 1
2.
Oktober 2016
(
Urk.
11/63/1)
.
Aus dem ärzt
lichen Befund geht hervor, dass die Beschwerdeführerin voll orientiert und be
wusstseinsklar gewesen sei. Sinnes-, Ich- oder formale Denkstörungen hätten nicht vorgelegen. Affektiv sei die Versicherte reagibel
, aber
teilweise inkon
ti
nent gewesen.
Es habe im Weiteren eine leicht depressive Stimmung geherrscht. Die Beschwerdeführerin leide unter starken Schamgefühlen wegen des Bezugs von Sozialhilfe sowie – seit sie körperlich eingeschränkt sei – vermehrt unter einem negativen Selbstwertgefühl. Durch die chronischen körperlichen Schmer
zen habe sie Schlafprobleme. Überdies bestünden Ängste und Unsicherheiten hinsichtlich der Zukunft, aktuell aber primär aufgrund einer belastenden Wohn
situation (
Urk.
11/63/3). Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit. Unter Berücksichtigung der Schlafprobleme infolge der Schmerzproblematik (Früherwachen, kurzer Schlaf) bestehe seit Behand
lungs
beginn jedoch eine eingeschränkte Produktivität aufgrund der Tages
müdig
keit im Umfang von circa 20-30
%
(
Urk.
11/63/4).
3.7
Bei persistierenden Schmerzen am linken Hüftgelenk und deutlichen Beschwer
den am linken Kniegelenk (vgl.
Urk.
11/65/1) wurden am 1
0.
Oktober 2016 in
der
C._
MRI-Untersuchungen durchgeführt. Am Knie
ha
be
sich ein Substanz
verlust des lateralen Meniskus beziehungsweise differential
diagnostisch ein Status nach
Teilmeniskektomie
gezeigt
. Im
Hinterhorn
des lateralen Meniskus sei ein komplexer Riss feststellbar gewesen.
Retropatellar hätten oberflächliche
und im lateralen Kompartiment tiefe
Knorpeldefekte vor
gelegen
(
Urk.
11/65/3).
Das MRI der linken Hüfte
habe nebst einem Labrumriss
anterosuperior
mit
paralabralem
Ganglion eine
coxa
profunda
, eine Taillie
rungs
störung am
Femur
kopf-Halsübergang
respektive differentialdiagnostisch einen beginnenden
Osteophysenkranz
sowie tiefe Knorpeldefekte am
Femurkopf
mit
Knorpel
delamination
ergeben (
Urk.
11/65/4).
Zur Befundbesprechung und allfälligen Therapieplanung sei die Versicherte allerdings gemäss Schreiben der
D._
vom 1
4.
Februar 2017 nicht erschienen (
Urk.
11/68/6).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Stel
lungnahmen des RAD
berechtigterweise
den Rentenanspruch der Versicherten verneint hat (vgl. E. 2.1 f.).
Aus den Akten geht hervor, dass
pract
. med.
E._
, Facharzt für Arbeits
medizin, den medizinischen Sachverhalt am 1
7.
Dezember 2014 ausgeh
end von den Berichten der
Dres
.
Z._
und
A._
(
Urk.
11/13, 11/19) zunächst als unklar er
achtete. Er empfahl daher, nach der Rückkehr der Ver
sicherten aus dem Ausland eine polydisziplinäre Begutachtung zu veranlassen (
Urk.
11/24/2 f.). Nach Ein
gang weiterer Arztberichte (
Urk.
11/43, 11/45) vertrat er allerdings am
3.
Oktober 2015 die Auffassung, aus orthopädischer Sicht sei keine Arbeits
unfähigkeit ausgewiesen. Bei den genannten Diagnosen und funk
tio
nellen Ein
schränkungen sei nicht von einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit für die bishe
rige Tätigkeit als Sachbearbeiterin auszugehen (
Urk.
11/47/8).
In seiner Stellungnahme vom 2
6.
April 201
6 führte
pract
. med.
E._
aus, die in den Arztberichten genannten Diagnosen seien im Wesentlichen dem
Bereich Orthopädie / Rheumatologie zuzuordnen. Ausgehend davon und unter Berück
sichtigung der damit verbundenen funktionellen Einschränkungen (belas
tungsabhängige Knieschmerzen links, weitgehend stationäre Beschwerden) sei weiterhin nicht von einer dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus
zugehen. Aus den Unterlagen ergebe sich, dass seit September 2015 keine fach
ärztliche orthopädische Therapie mehr stattgefunden habe. Ebenso scheine die Versicherte nicht die durch den Facharzt empfohlenen weiterführenden Behand
lungen durchgeführt zu haben. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei dem
nach davon auszugehen, dass bei ihr kein entsprechender Leidensdruck bestehe. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht angezeigt (
Urk.
11/72/3 f.).
Unter Bezugnahme auf die Berichte des
F._
und der
G._
vom 2
2.
September respektive 1
2.
Oktober
2016 (vgl. E.
3.5 f.) äusserte sich
pract
. med.
E._
am 1
9.
Dezember 2016 ebenfalls dahingehend, dass keine regelmässige Behandlung mehr stattfinde und damit aus versicherungsmedizinischer Sicht
kein Leidens
druck ausgewiesen
sei. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit; die vorhandene Schlafstörung sei aus arbeitsme
di
zinischer Sicht therapierbar. Die Berichte der
D._
und
der
C._
(vgl. E. 3.7) würden ausserdem keinerlei Angaben zu einer Einschränkung der Arbeitsfähig
keit enthalten. Aufgrund der genannten Diag
nosen sei für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Sachbearbeiterin nicht von einer wesentlichen Leistungsein
schränkung auszugehen. Der weitere Therapie
verlauf bleibe abzuwarten (
Urk.
11/72/4 f.).
4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbs
tätig
keit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizi
nischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach
Art. 49 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilen die RAD
die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigne
ten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden
haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An
sicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
folgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit
jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten
vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
ka
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zu
ver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014
vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.3
4.3
.1
Entgegen der Argumentation der Beschwerdegegnerin
erweisen sich
die
Stellun
g
nahmen
von
pract
. med.
E._
in mehrfacher Hinsicht nicht
als schlüssig.
So erachtete er
am 1
7.
Dezember 2014
– ausgehend von einem unklaren medi
zinischen Sachverhalt - zunächst eine polydisziplinäre Begutachtung für not
wendig (
Urk.
11/24/2 f.). Obwohl die behandelnden Ärzte im weiteren Verlauf weiterhin von einer hochgradig
eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit der Versicher
ten
sowie einem stationären bis verschlechterten Gesundheitszustand ausgingen
(
Urk.
11/43/3, 11/45
, 11/57/1-3
)
,
kam
pract
. med.
E._
am
3.
Oktober 2015
zum Schluss, dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als Sach
be
arbeiterin vollumfänglich zumutbar sei
(
Urk.
11/47/8)
.
Eine
r
nachvollzieh
bare
n
Würdigung sämtlicher objektiven Befunde ent
b
ehren
jedoch
sowohl
d
iese, als auch d
ie späteren
RAD-Stellungnahmen
(vgl.
Urk.
11/72/3 ff.)
.
So ist zwar für die Einschätzung der Leistungsfähigkeit nicht unerheblich, dass die Versicherte im Frühjahr 2015 in der Lage war, in die USA zu reisen; dies war
pract
. med.
E._
indes bereits im Zeitpunkt seiner erstmaligen Stellungnahme bekannt (
Urk.
11/24/3). Im Weiteren
wurde
am
3.
Oktober 2015 nur sehr punktuell Be
zug auf die im Bericht von
Dr.
B._
vom
7.
September 2015 festgehaltenen Aussagen der Versicherten zu ihren körperlichen Einschränkungen
genommen
(vgl.
Urk.
11/42/6 f.).
Es erschliesst sich
vor diesem Hintergrund jedenfalls
nicht, weshalb
trotz im Grundsatz unveränderter Diagnosen
im Unterschied
zu den Ausführungen
vom 1
7.
Dezember 2014
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
am
3.
Oktober 2015
ohne
We
iteres
möglich gewesen sein soll.
Hinzu kommt, dass
sich den
Berichten verschiedener behandelnder Ärzte
Hin
weise auf eine psychische Problemstellung entnehmen lassen.
Insbesondere wur
de
mehrfach auf eine depressive Stimmungslage und Schwierigkeiten im Um
gang mit den chronischen Schmerzen aufmerksam gemacht (vgl.
Urk.
19/2, 19/5, 43/6 und
45/1
), weswegen sich die Versicherte auch vorübergehend in ambu
lante fachärztliche Behandlung begab
(
Urk.
11/62/5 f., 11/63/3)
.
Eine
detail
lierte
Auseinandersetzung mit den von den Ärzten des
F._
und der
G._
erhobe
nen psychiatrischen Befunden findet sich
allerdings
namentlich in der RAD-Stellungnahme vom 1
9.
Dezember 2016 nicht
(vgl.
Urk.
11/72/5)
.
4.3.2
Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass die Beurteilungen von
pract
. med.
E._
vom 2
6.
April und
1
9.
Dezember 2016 die
allgemeinen be
weis
rechtlichen Anforderungen an einen RAD-Bericht nicht erfüllen, da in ver
schiedener Hinsicht zumindest geringe Zweifel an deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit nicht auszuräumen sind
(vgl. zur strengen bundesgerichtlichen Praxis E.
4.2)
.
Es kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausge
schlossen werden, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der ange
stammten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte in somatischer und/oder psy
chi
scher Hinsicht beeinträchtigt ist.
Soweit sich die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Stellungnahmen von
pract
. med.
E._
auf den fehlenden Leidensdruck beruft, da die Versicherte keine fachärztliche
n
Behandlungen
mehr beanspruche (vgl.
Urk.
11/72/3 ff.,
Urk.
2 S.
2), ist jener beizupflichten, dass sich den Unterlagen
nicht
mit ausreichender Klarheit
entnehmen lässt, ob und inwieweit die offenbar seit Jahren
persistie
ren
den
Schmerzen (vgl.
Urk.
3/4,
11/13) noch therapeutisch
angehbar
sind.
Überdies weist die Versicherte berechtigterweise darauf hin
(vgl.
Urk.
1 S.
14)
, dass
ihr die Nichtdurchführung zumutbarer Behandlungsmöglichkeiten erst zum Nachteil gereichen kann, wenn ihr die Beschwerdegegnerin zuvor eine ent
sprechende Schadenminderungspflicht auferlegt beziehungsweise das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG eingehalten hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_391/2016 vom
4.
November 2016 E. 3.1).
4.3.3
Entgegen dem Hauptantrag der Beschwerdeführerin rechtfertigt
sich allerdings gestützt auf die zum jetzigen Zeitpunkt bestehende Aktenlage keine Zuspre
chung einer Invalidenrente. Namentlich kann nicht ohne
W
eiteres auf die Ein
schätzungen der (ehemals) behand
elnden Ärzte abgestellt werden, da
der Erfah
rungstatsache Rechnung zu tragen
ist
, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten und Patientinnen aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5).
Dem Eventualantrag der Versicherten entsprechend besteht
jedoch
Anlass für zusätzliche medizinische Abklärungen, da die Beantwortung der
entscheid
wesentlichen
Tatfragen wie namentlich Gesundheitszustand und Arbeitsfähig
keit nur auf einer vollständigen Beweisgrundlage möglich ist (vgl. Urteil des Bun
des
gerichts 8C_953/2010 vom 2
9.
April 2011 E. 5.1). Angesichts des gelten
den Untersuchungsgrundsatzes (
Art.
43
Abs.
1
ATSG
) wäre die Beschwerde
gegnerin gehalten gewesen, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein, was sie nachzuholen hat. Dabei drängt sich in Anbetracht der seitens der behandelnden Ärzte gestellten Diagnosen, welche sowohl den physischen als auch
den
psychischen Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin betreffen, eine
polydisziplinäre
Begutachtung auf.
4.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Aktenlage für eine abschlies
sende Beurteilung der gesundheitlichen Situation sowie der (allfälligen) Invali
di
tät der Beschwerdeführerin als unzulänglich erweist. Die angefochtene Verfü
gung vom 3
0.
März 2017 (
Urk.
2) ist
daher
aufzuheben und die Angelegenheit
ist
zwecks weiterer Abklärungen im Sinne der obigen Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gut
zu
heissen.
5.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und
ermessensweise
auf
Fr.
7
00.--
anzusetzen.
Nach ständiger Rechtspre
chung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Ab
klärung und neuen Verfügung als
vollständiges
Obsiegen (BGE 137 V
57 E. 2.2). Demnach sind die Kosten
der
u
nterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.