Decision ID: 7f95ab7b-303e-5dcb-8b89-a09d7866674a
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, g
eboren 1970, absolvierte von April
1987 bis April 1991 eine Ausbildung als Elektromonteur
.
Nach einer Umschulung
zum Technischen Kauf
mann
durch
die
Eidgenössische
Invalidenversicherung (
Urk.
10/1-6
)
war
der Ver
sicherte
vom
1.
Juli
2006
bis zum 3
0.
Juni 2013
als
Geschäftsleiter
bei der
Z._
(vormals:
A._
)
angestellt und dadurch bei der BVG-Sammel
-
stiftung Swiss Life berufsvorsorgeversichert (
Urk.
6/1,
Urk.
6/19 und Urk.
10/17
.1
).
Ab Mai 2
012 war
er
zu 50
%
und
ab Juni 2013 zu 100
%
arbeits
unfähig (
Urk.
10/131.1/14).
1.2
Am 1
0.
Dezember 2012 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte unter Hin
weis auf diverse Beschwerden bei
der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Aargau,
IV-Stelle
,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/9).
Die IV-Stelle nahm beruf
lich-erwerbliche un
d medizinische Abklärungen vor und zog das von
Dr.
med.
B._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
im Auftrag der Swiss Life AG am 1
2.
April 2013
erstattete
Gutachten (
Urk.
10/44)
bei
.
Am
8.
Mai
2013 teilte
sie
dem Versicherten mit, dass er
Frühinterventionsmassnahmen in Form von
Beratung und Unterstützung bei der beruflichen Integration erhalte (
Urk.
10/48).
In der Folge nahm die IV-Stelle die von der Swiss Life AG veran
lasste Expertise von
Dr.
med.
C._
, FMH Psychiatrie und Psychothera
p
ie,
vom 1
1.
Dezember 2013 zu den Akten
(
Urk.
10/80
; vgl
. auch ergänzende Stellungnahme
von
Dr.
C._
vom 1
2.
Januar
2014,
Urk.
10/83).
Der Versicherte reichte der IV-Stelle
das Gutachten
von
Dr.
med.
D._
, FMH Psy
chiatrie und Psychotherapie, vom
7.
Januar 2013 (richtig: 2014) ein (
Urk.
10/85).
Am 1
2.
Februar 2014 nahm
Dr.
C._
zu diesem Gutachten
von Dr.
D._
Stellung (
Urk.
10/88
).
Mit Verfügung vom
5.
Mai
2014 teilte die IV-Stelle
dem Versicherten mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnah
men möglich seien (
Urk.
10/99).
Daraufhin veranlasste sie bei der
E._
Begutachtung des
F._
ein polydi
sziplinäres Gutachten
, das am 3
0.
Juni 2015 erstattet wurde (
Urk.
10/131). Nach entsprechendem Vorbescheid vom 2
3.
Juli 2015 (
Urk.
10/134)
sprach die IV-Stelle
dem Versicherten mit Verfügung vom 1
0.
November 2015
(
Urk.
10/144)
bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 79
%
mit Wirkung ab dem
1.
Juni 2013 eine ganz
e Invalidenrente zu.
Gestützt auf
diese Verfügung
der IV-Stelle richtete die BVG-Sammelstiftung Swiss Life dem Versicherten mit Wirkung ab dem
1.
Mai 2014
(nach Ablauf d
er
zw
eijähri
gen Wartefrist
)
eine volle
Invalidenrente aus (
Urk.
2/14
und
Urk.
5 S. 4
).
1.3
Am 1
4.
März 2016 gab
Dr.
C._
zum Gutachten des
E._
vom 3
0.
Juni 2015 eine Stellungnahme ab (
Urk.
2/18).
Mit Schreiben vom 1
1.
M
ai 2016 teilte die
Swiss Life AG
dem Versicherten
mit, dass sie die Invalidität unabhängig von der
IV-Stelle mit 50
%
bemesse und die Leistungen ab dem
1.
Septemb
er 2016 ent
sprechend reduziere (
Urk.
2/15
).
Mit Schreiben vom 2
0.
Juli 2016 machte der Versicherte dagegen Einwendungen geltend (
Urk.
2/16). Im Rahmen der darauf
folgenden Korrespondenz hielten die Swiss Life AG mit Schreiben vom 11.
Oktober 2016 (
Urk.
2/17)
und
vom
1
8.
Januar 2017 (
Urk.
2/20) sowie
der Ver
sicherte mit Schreiben vom
8.
November 2016 (
Urk.
2/19) je an ihren
Standpunk
t
en
fest.
2.
Am 1
0.
März
2017 erhob der Versicherte Klage gegen die BVG-Sammelstiftung Swiss Life und beantragte, es sei ihm ab dem
1.
September 2016 weiterhin eine ganze Invalide
nrente auszurichten (
Urk.
1
).
Die Beklagte
beantragte mit
Kla
geantwort vom
2.
Mai 2017 die
Abweisung der Klage (
Urk.
5
).
Nachdem das Gericht mit
Verfügung vom
3.
Mai 2017 (
Urk.
7)
die Akten der Eidgenössischen Invalidenversicherung
in Sachen des Klägers
(
Urk.
10)
beig
ezogen
hatte,
hielten der Kläger mit Replik vom
2
0.
Juni 2017 (
Urk.
12
) und die Beklagte mit Duplik vom
1
3.
Juli 2017 (Urk. 15
)
je
an ihren Anträgen fest. Die Duplik wurde dem Kläger am
1
8.
Juli 2017
zugestellt (Urk. 16
)
.
Mit Eingabe vom
4.
September 2018 (
Urk.
19) reichte der Kläger die
Mitteilung der IV-Stelle
vom 1
4.
August 2018
(
Urk.
20)
ein, mit welcher dessen
Anspruch auf eine ganze Invalide
nrente bestä
tigt wurde
. Dies wurde der
Beklagten am 1
0.
Septe
mber 2018 zur Kenntnis gebracht
(
Urk.
21).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (
BVG
)
Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach Art. 24 Abs. 1 BVG hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindes
tens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist.
1.2
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überle
gung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen auf
wändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Ver
fahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsor
geeinrichtung beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
Art.
73
ter
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung,
IVV) einbezogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach
dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (
IVG
)
zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerecht
lich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
1.3
Die Annahme einer offensichtlichen
Unhaltbarkeit
der Feststellungen der Invali
denversicherung ist
rechtsprechungsgemäss
an strenge Voraussetzungen geknüpft. Es bedarf einer qualifizierten Unrichtigkeit des IV-Entscheides. Dieser muss geradezu willkürlich sein. Willkür in der Rechtsanwendung liegt aber nur vor, wenn der angefochtene Entscheid offensichtlich
unhaltbar
ist, mit der tat
sächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unum
strittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in
stossender
Weise dem Gerech
tigkeitsgedanken zuwiderläuft; dabei ist erforderlich, dass der Entscheid nicht nur in der Begründung, sondern auch im Ergebnis willkürlich ist. Willkürlich ist ein Entscheid jedoch nicht schon dann, wenn eine andere Lösung ebenfalls als vertretbar oder gar zutreffender erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_30/2014 vom 6. Mai 2014 E. 2.3 mit Hinweis auf BGE 140 III 16 E. 2.1;
Hürzeler
, BVG und
FZG
– Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invali
denversicherung sowie über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenversicherung, Bern 2010, Art. 23 N 14;
Hürzeler
, Invali
ditätsproblematiken in der beruflichen Vorsorge, Basel 2006, S. 202 f. und Moser, Die berufsvorsorgerechtliche Bindu
ngswirkung von IV-Entscheiden:
«
Ruhekis
sen
»
oder
«
Prokru
stesbett
»
?, in: AJP 2002 S. 927).
2.
2.1
Der Kläger brachte
zur Begründung seiner Klage vor,
dass die Beklagte an die Feststellungen der I
V-Stelle in der Verfügung vom 1
0.
November 2015
grund
sätzlich
gebunden sei.
Die IV-
Stelle habe sich
in medizinischer Hinsicht auf das
beweiskräftige
polydiszipli
näre Gutachten des
E._
vom 3
0.
Juni 2015
gestützt
,
das
durch deren
Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
überprüft worden sei.
Eben
falls nicht zu beanstanden sei der
von der
IV-Stelle
vorgenommene Einkommens
vergleich, der einen Invaliditätsgrad von 79
%
ergeben habe.
Die IV-rechtliche Betrachtung
sei
damit
nicht
offensichtlic
h unhaltbar (
Urk.
1 und
Urk.
12
).
2.2
Die Beklagte machte
demg
egenüber geltend
, dass
die Invaliditätsbemess
ung durch die IV-Stelle
unhaltbar sei. Aus medizinsicher Sicht sei das neuropsycho
logische Teilgutachten des
E._
vom
9.
März 2015 insofern nic
ht schlüssig, als die festgestellte
leichtgradige neuropsychologische Störung keine Arbeitsunfä
higkeit von 100
%
bewirken könne. Diese Beurteilung
des neuropsychologischen Gutachters sei von der IV-Stelle jedoch
unkritisch übernommen worden. Hinzu komme, dass die IV-Stelle im Rahmen des Einkommensvergleich
s
bei der Ermitt
lung des Invalideneinkommens
den Tabellenlohn
eines ungelernten
Hilfsarbeiter
s
gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik
herangezogen habe
. Da der Kläger
im Jahr
1999 eine Umschulung zum Technischen Kaufmann abgeschlossen und danach während mindest
ens zehn Jahren auf diesem Beruf gearbeitet habe, hätte indes
auf den Tabellenlohn
eines Technischen Kaufmanns
abgestellt werden müssen (
Urk.
5 und
Urk.
15).
3.
3.1
Dr.
B._
stellte im Gutachten vom 1
2.
April 2013 als Diagnose mit
Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syn
drom bei rezidivierender depressiver Störung (ICD-10 F33.11). Diagnosen ohne Einfluss au
f die Arbeitsfähigkeit nannte sie keine.
Dr.
B._
erklärte, dass
der Kläger in der Tätigkeit als Geschäftsleiter aktuell zu 50
%
arbeitsunfähig sei
(
Urk.
10/44/9-10
).
3.2
Dr.
C._
nannte
im Gutachten vom 1
1.
Dezember 2013 als Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradig ausgeprägte depressive Epi
sode ohne somatisches Syndrom im Rahmen eines rezidivierenden de
pressiven Geschehens (ICD-10 F
33.10). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit
führte
er (1) anamnestisch Lese- und Rechtschreibstörung («Legasthenie»; ICD-10 F81.0) und (2) einen Verdacht auf eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41
) an (
Urk.
10/80/26
).
Dr.
C._
hielt fest
, dass
aus versicherungspsychiatrischer Sicht eine Arbeitsun
fähigkeit von 50
%
(von 100
%
) für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Geschäfts
leiter anzunehmen sei.
In einer Verweistätigkeit bestehe eine Arbeitsfäh
igkeit von 60
%
(von 100
%
;
Urk.
10/80/52).
3.3
Dr.
D._
diagnostizierte im Gutachten vom
7.
Januar 2013 (richtig: 2014) (1) eine mittelschwere bis schwere depressive Episode mit protrahiertem Verlauf (ICD-10 F33.2)
, Rezidiv, erste Episode 1995
, (2) chronische Schmerzen aufgrund eines
Lumbovertebralsyndroms
, Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung
,
und (3) eine akzentuierte Persönlichkeit mit hoher Leistungsorientierung
und Hang zum Perfektionismus.
Dr.
D._
erklärte
, dass
der
Kläger
aktuell zu
100
%
arbeitsunfähig
sei
(
Urk.
10/85/5-6).
3.4
Prof.
Dr.
med.
G._
, Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte im Bericht vom
6.
März 2014 aus
, dass der Kläger an einer schweren depres
siven Episode ohne psychotische
Symptome (ICD-10 F32.2) leide. Nach den diagnosti
schen Leitlinien von ICD-10 sei es sehr unwahrscheinlich, dass ein Patient wäh
rend einer schweren depressiven Episode in der L
age sei, soziale, häusliche und
berufliche Tätigkeiten fortzuführen (
Urk.
10/93/6).
3.5
Die Ärzte des
E._
hielten im polydisziplinären Gutachten vom 3
0.
Juni 2015 folgende Diagnosen mit
Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
10/131
.1
/28):
(1)
eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
(2)
eine
Dysthymie
(ICD-10 F34.1) bei
-
akzentuierter Persönlichkeitsorganisation (narzisstisch; ICD-10 F71.1)
(3)
eine
leichte
neuropsychologische
Störung (ICD-10 F06.7)
-
multifaktoriell bedingt
Als weitere Diagnosen ohne Einfluss auf die Arb
eitsfähigkeit nannten sie (Urk.
10/131/28):
(1)
ein
ch
ronisches
lumbospondylogenes
Syndrom links bei multisegmentalen lumba
len
Diskopathien
(
Osteochondrose
Lendenwirbelkör
per [
LWK
]
2/3, Diskushernien LWK3/4,
LWK4/5
und
Diskusprotrusion
LWK5/S1 sowie
Spondylarthrosen
LWK2 bis S1, gemäss MRI der Lendenwirbelsäule vom 2
0.
Januar 2014)
-
in
termittierendes
radikuläres
S1-Schmerzsyndrom rechts, ohn
e nachweisbarem sensomotorischem
Ausfall, vermutlich bei chronisch-degenerativ veränderter Wirbe
l
säule mit mechanischer intermittierender Irritation der S1-Wurzel rechts
(2)
Status nach
zervikospondylogenem
Schmerzsyndrom bei
geringgradigen
degen
era
tiven Halswirbelsäule-
Veränderungen laut Akten
(3)
unspezifische Knieschmerzen
(4)
eine
muskuläre
Dysbalance
am Beckengürtel (
Rectus
femoris
und Knieflexoren beidseits)
(5)
ein
leichter Knick-Senkfuss links
-
Spreizfüsse
(6)
eine
e
pisodische Migräne ohne Aura
Die Gutachter
des
E._
erklärten, dass
im angestammten Beruf als T
echnischer Kaufmann in leitender Funktion aufgrund der neuropsychologisch festgestellten Defizite keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Es handle sich hier jedoch nicht um e
inen Endzustand. Durch eine B
esserung der depressiven Symptomatik, aber auch durch neuropsychologisches Training sei eine Verbesserung
der Arbeitsfähigkeit
zu erreichen. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
.
Für kognitiv einfache, strukturierte Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 40
%
, welche in einem zeitlichen Arbeitspensum von 60
%
ausgeübt werden sollten. Auch bei der Arbeitsfähigkeit in angepasster
Tätigkeit
sei eine Verbesserung möglich. Mit Ausnahme der Zeit
räume der stationären Behandlung habe
seit Stellung des IV-Antrages in einer Verweistätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 40
%
bestanden
. Unter Berücksichti
gung der vo
rhandenen
Arztberichte sei am wahrscheinlichsten davon auszuge
hen, dass die im Vordergrund stehende depressive Erkrankung seit Oktober 2012 in – mit für diese Erkrankung üblichen kleineren Schwankungen – unveränder
tem Schweregrad als mittelschwere Depression vorliege
(
Urk.
10/131
.1
/30).
4
.
4
.1
Fest steht, dass die Beklagte ins
Vorbescheidverfahren
der IV-Stelle einbezogen und ihr die Rentenverfügung vom 1
0.
November 2015 formgülti
g eröffnet wurde (
Urk.
10/134
und
Urk.
10/
1
44), wobei sie diese Verfügung nicht angefochten hat.
Die Beklagte ist demnach
unbestrittenermassen
an den
Entscheid der IV-Ste
lle gebunden,
soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich
unhaltbar erscheint (vgl. E. 1.2
).
Die Fra
ge, ob die Invaliditätsbemessung
der
IV-Stelle
offensichtlich unhaltbar und daher für die berufliche Vorsorge nicht verbindlich ist, beurteilt sich nach der Aktenlage bei Erlass der Rentenverfügung. Nachträglich geltend gemachte Tatsachen oder Beweismittel, welche die IV-Stelle nicht von Amtes wegen hätte erheben müssen, sind nur beachtlich, sofern sie im Rahmen einer prozessualen Revision (Art. 53 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) zu berücksichtigen wären (Urteil des Bundes
gerichts 9
C_182/2007 vom 7. Dezember 2007
E. 4.1.2 mit Verweis auf
BGE 126 V 308 E. 2a).
4.2
Die IV-Stelle stützte sich
in der Verfügung vom 1
0.
November 2015 (
Urk.
10/144)
in medizinischer Hinsicht auf
das
polydisziplinäre
Gutachten des
E._
vom 30.
Juni 2015 (
Urk.
10/131).
Die Gutachter des
E._
legten i
n dieser
Expertise
der Fachdisziplinen Innere Medizin
, Rheumatologie, Neurologie,
Psychiatrie
und Neuropsychologie
,
die sie in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgaben,
im Wesent
lichen dar,
dass
aktuell eine depressive Erkrankung im Vordergrund stehe, welche
im
Ausprägungsgrad als mittelschwer
einzustufen sei
. Zusätzlich bestehe eine
Dysthymie
bei einer narzisstisch gefärbten
,
akzentuierten Persönlichkeit. Da sich bereits in den vergangenen Jahren Hinweise auf relevante neurokognitive Beein
trächtigungen bei Schlafstörung mit exzessiver
Tagesschläfrigkeit und
Hyper
somnie
ergeben hätten, sei eine neuropsychologische Beurteilung durchgeführt worden. Diese habe Minderleistungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, des ver
balen Gedächtnisses
sowie in den Teilbereichen
der
Exekutivfunktionen
ergeben
. Bei erhalte
ner Validität der Befunde habe
sich
beim Lösen der psychologischen Fragestellung
eine verminderte Belastbarkeit und
eine erhöhte Ermüdbarkeit gezeigt
.
Als Ursache für die neuropsychologischen Beeinträchtigungen würden sie am ehesten von einem multifaktoriellen Geschehen ausgehen, welches sich neben den üblichen, bei einer depressiven Erkrankung vorliegenden Defiziten, auch aus weiteren Anteilen zusammensetze
. Differenzialdiagnostisch seien diese am ehesten als Medikamenten-Nebenwirkungen zu verstehen. Möglich sei auch ein Zusammenhang mit dem Schmerzsyndrom der Wirbelsä
ule, der Migräneer
krankung oder einer allfälligen
neurodegenerativen Erkrankung
(Urk.
10/131.1/29).
4.3
Dass die Gutachter des
E._
den Kläger in der
zuletzt ausgeübten
geistig bzw.
kognitiv
anspruchsvollen Tätigkeit
als
Geschäftsleiter
einer Firma
mit mehreren
Angestellten
, im Rahmen derer
er
für
das
Personalwesen,
die
interne Organisa
tion, EDV und Projektleitung zuständig war
(
Urk.
10/17.1
)
,
als
zu
100
%
arbeits
unfähig
einstuften
,
ist angesichts der genannten
psychiatrischen und neuropsy
chologischen
Befunde sowie der dazugehörigen Erläuterungen
-
jedenfalls
-
nicht offensichtlich unhaltba
r.
Dasselbe gilt auch für die von den Gutachtern des
E._
attestierte Arbeitsfähigkeit von 40
%
in einer angepassten Tätigkeit mit
dem nachvollziehbar
umschriebenen Belastungsprofil.
Dies auch vor dem Hinter
grund, dass der neuropsychologische Gutachter
des
E._
zwei
verschiedene
Beschwerdevalidierungstests (DMT
und TBFN)
durchgeführt
hatte, dere
n Ergeb
nisse
– ebenso wie die
aufgrund von Verhaltensbeobachtungen festgestellte
Leis
tungsbereitschaft
-
unauffällig gewesen seien
.
Im Übrigen
sprach der neuropsy
chologische Gutachter
mit Blick auf die
eigenanamnestisch beschriebene
Alltag
s- und Berufsfunktionalität
auch
von konsistenten kognitiven
Testb
efunden und hielt
explizit
fest, dass nicht von einer
Symptomverdeutlichung oder Aggravation ausgegangen werden
müsse
(Urk.
10/131.6/17-18).
4.4
Was die Beklagte gegen die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Gutachter des
E._
respektive der IV-Stelle
vorbrachte, ist nicht stichhaltig.
So haben die Gut
achter des
E._
ihre
Schlussfolgerungen
– entgegen der Behauptung der Beklag
ten
(
Urk.
5 S. 9
)
–
sehr wohl
konsensual
besprochen (
Urk.
10/131/28-32
).
Dass der Kläger zum ersten Mal neuropsychologisch begutachtet wurde, weshalb die Angabe einer Arbeitsunfähigkeit von 60
%
in diesem Bereich von keinem ande
ren A
rzt bestätigt wurde (
Urk.
5
S. 10), vermag den
Beweiswert des Gutachtens
des
E._
nicht in Zwei
fel zu ziehen. Im Weiteren
erging die Beurteilung der
Gut
achter des
E._
insbesondere auch
in
Kenntnis des
Gutachten
s
von
Dr.
C._
vom 1
1.
Dezember 2013 (
Urk.
10/131.1/10-11
), wobei der psychiatrische Guta
ch
ter des
E._
in
Übereinstimmung mit
Dr.
C._
von einer aus
rein psychiatrischer Sicht
bestehenden 50%igen
Arbeits
fähigkeit
ausging
(
Urk.
10/131.3/12).
Die von
Dr.
C._
erst
am 1
4.
März 2016,
das heisst nach Erlass der Verfügung der IV-Stelle vom 1
0.
November 2015
(
Urk.
10/144)
verfasste Stellungnahme zum Gut
achten des
E._
(
Urk.
2/18) ist im Zusammenhang mit der Frage, ob die damalige IV-rechtliche Betrachtung offensichtlich unhaltbar war,
sodann
unbeachtlich (vgl. E. 4.1
).
Schliesslich
ist
darauf hinzuweisen, dass das Gutachten des
E._
v
on
den RAD-Ärzten
med.
pract
.
H._
, Fach
arzt für Allgemeine Medizin, und
med.
pract
.
I._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
eingehend
geprüft
und als nachvollziehbar erachtet
wurde
(
Urk.
10/132-133).
Dass die IV-Stelle die Beurteilung durch den neuropsychologischen Gutachter des
E._
unkritisch übernommen habe (
Urk.
5 S. 9), erweist sich
aufgrund des Gesagten
als unzutreffend.
5.
5.1
Nicht
offensichtlich unhaltbar ist
auch
der von der
IV-Stelle vorgenommene
Ein
kommensvergleich (
Urk.
10/144).
5.2
Zur Ermittlung des
Valideneinkommens
ist entscheidend, was die versicherte Per
son i
m Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der
Teuerung
und der
realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fort
gesetzt worden wäre (BGE 134 V 322 E. 4.1 S. 325 f.).
Angesichts des
von Juli 2006 bis Juni 2013, das heisst
insgesamt sieben Jahre andauernden Arbeitsverhältnisses
bei der
Z._
(
Urk.
10/17.1 und
Urk.
6/19)
kann davon ausgegangen werden, dass der Verwaltungsrat
d
er
Firma
mit der
Arbeit
sleistung
des Klägers
offenbar
zufrieden war
und
dieser
– entgegen dem Vorbringen
der Beklagten
(
Urk.
5 S. 8 f.
) –
mit dieser
Tätigkeit
nicht
überfordert war. Mit Blick au
f die
vom Kläger in den Jahren 2006 bis 2011 vor Eintritt des Gesundheitsschadens
erzielten Jahrese
inkommen zwischen
Fr.
108'000.-- un
d Fr.
120'237.-- (
Urk.
6/1 und
Urk.
10/23) ist
sodann
nicht zu beanstanden, dass
die Beschwerdegegnerin bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
vom Lohn in der Höhe von
Fr.
126'000.-- ausging, den der Kläger im Jahr 2012 bei der
Z._
zuletzt erzielte
(
Urk.
10/17.1
).
5.3
Da der Kläger nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine ihm an sich zumut
bare Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, zog die IV-Stelle bei der Bemessung des Invalideneinkommens
die Löhne gemäss
LSE
2012 heran. Dass sie dabei
aufgrund
der
von den Gutachtern des
E._
umschriebenen psychiatrischen und neuropsy
chologischen
Einschränkungen
(
Urk.
10/131.1/29
)
nicht auf den Tabellenlohn
eines T
echnischen Kaufmann
s
, sondern auf denjenigen eines Hilfsarbeiters (Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Total, M
änner) in der Höhe von
Fr.
26'091.
--
abstellte (ohne einen Leidensabzug zu gewähren), ist
ebenfalls nicht zu beanstan
den.
5.4
Bei
einem
Valideneinkommen
von
Fr.
126‘000.--
und e
inem Invalideneinkom
men von
Fr.
26‘091.-- resultiert
eine
Erwerbseinbusse
von Fr.
99‘929.--
und damit ein
Invaliditätsgrad von 79
% (Fr.
99‘929.
--
:
Fr
.
126‘000.--
).
5.5
Die Bindungswirkung der Verfüg
ung der IV-Ste
lle vom 1
0.
November 2015 (Urk.
10/144
)
ist demzufolge zu bejahen.
6
.
6
.1
Die von der Beklagten
per
1.
September 2016
vorgeno
mmene Reduktion der vol
len
auf eine halbe Rente erfolgte damit zu Unrecht.
Der Kläger
hat
mit Wirkung ab dem
1.
September 2016 basierend auf e
inem Invaliditätsgrad von 79
% wei
terhin
Anspruch auf
eine volle Invalidenrente der Beklagten.
6.2
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art. 105 Abs. 1 des Obligationenrechts anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4). Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5 %, sofern das Regle
ment der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c).
Der Kläger erhob am
1
0.
März 2017
Klage gegen
die Beklagte
(Urk.
1)
. Mangels einer anderslautenden reglementarischen Regelung sind
ihm
somit ab dem
1
0.
März 2017
Verzugszinsen von 5 % pro Jahr für die bis zu die
sem Zeitpunkt fällig gewordenen
Betreffnisse
und für die übrigen ab dem jewei
ligen Fälligkeitsdatum zuzusprechen.
6.3
In
Gutheissung
der
Klage ist die Beklagte demnach zu verpflichten,
dem Kläger mit Wirkung ab dem
1.
September 2016
basierend auf einem Invaliditätsgrad von
79
%
weiterhin
eine
volle
Invalidenrente
zuzüglich Verzugszinsen von
5 % seit dem 1
0.
März 2017
für die bis dahin fällig gewordenen
Rentenbet
reffnisse
sowie für die übrigen
ab
dem jeweiligen
Fälligkeitsdatum auszurichten.
7
.
Gemäss
§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht haben die Parteien nach
Massgabe
ihres Obsiegens Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten. Dieser wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Unter Berücksichtigung
der
massgeblichen
Kriterien
erscheint die
Zusprache
einer Prozessentschädigung für den
vertretenen Kläger von Fr. 1‘800
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) als angemessen.