Decision ID: 67f49360-15ca-50fe-941a-b8e80fe423f1
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X. Y. wurde am 27. Oktober 1984 geboren und wuchs als ältestes von vier
Geschwistern bei seinen aus dem Kosovo stammenden Eltern auf. Er war bereits kurz
nach der Geburt ein auffälliges Kind, weshalb er schon früh kinderärztlich abgeklärt
wurde. Auch im Kindergarten fiel er durch eine psychomotorische
Entwicklungsverzögerung auf, was weitere schulpsychologische und kinderärztliche
Abklärungen zur Folge hatte. Nach dem Kindergarten besuchte er bis zum 17.
Altersjahr die Heilpädagogische Schule in F. Die daraufhin unternommenen
kurzzeitigen Arbeitsversuche in der Gastronomie scheiterten. Am 17. Juni 2004 zog die
Familie Y. von R. nach S., wo die Eltern das Restaurant A. in W. führen. X. Y. lebt heute
immer noch bei seinen Eltern, geht keiner Erwerbstätigkeit nach und bezieht eine IV-
Rente sowie Ergänzungsleistungen.
Am 13. Oktober 2005 wandten sich die Eltern von X. Y. an die Vormundschaftsbehörde
S. (nachfolgend: Vormundschaftsbehörde) und baten um Unterstützung wegen
schulischer Probleme ihres Sohns K.. Im Rahmen dieses Gesprächs berichteten die
Eltern dann aber vor allem vom ältesten Sohn X., der nach ihren Angaben durch sein
Verhalten die ganze Familie tyrannisiere. An einer Besprechung vom 21. Oktober 2005
wurde den Eltern von der Vormundschaftsbehörde mitgeteilt, dass
Erwachsenenschutzmassnahmen für X. Y. geprüft würden. Dabei haben sich die Eltern
mit der Einholung eines ärztlichen Berichts einverstanden erklärt. Daraufhin ersuchte
die Vormundschaftsbehörde Dr.med. Beat Knechtle vom SWICA-Gesundheitszentrum
in St. Gallen um eine Einschätzung der gesundheitlichen Situation von X. Y., worauf
dieser am 17. November 2005 mitteilte, dass X. Y. in seiner Urteilsfähigkeit
offensichtlich eingeschränkt sei. Am 21. Dezember 2005 wurde X. Y. in Anwesenheit
seines Vaters von der Vormundschaftsbehörde über die verschiedenen
vormundschaftlichen Massnahmen informiert. Er lehnte jedoch die Errichtung einer
Beistandschaft oder einer Vormundschaft strikte ab. Den in der Folge organisierten
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Termin für ein Standortgespräch im Ambulatorium des Psychiatrischen Zentrums in St.
Gallen nahm er nicht wahr.
B.- Am 10. Februar 2006 wurde der Amtsarzt des Kantons St. Gallen, Dr.med.
Hermann Etter, von der Vormundschaftsbehörde im Hinblick auf die Errichtung einer
Vormundschaft beauftragt, ein Doppelgutachten über X. Y. zu erstellen. In seinem
Gutachten vom 27. März 2006 kam Dr.med. Hermann Etter zum Schluss, dass X. Y. an
einer Geistesschwäche leidet. Zum gleichen Ergebnis gelangte am 23. April 2006 auch
der im Rahmen des Doppelgutachtens zur Abgabe einer Zweitmeinung beigezogene
Dr.med. Beat Knechtle.
Am 23. Mai 2006 wurde X. Y. persönlich von einem Mitglied der
Vormundschaftsbehörde, Susi Tapernoux, sowie vom juristischen Sachbearbeiter,
Martin Widmer, auf dem Vormundschaftsamt das rechtliche Gehör gewährt. X. Y. gab
dabei an, dass er mit der Vormundschaft nicht einverstanden sei und keinen Vorschlag
für einen Vormund habe.
Mit Beschluss vom 7. Juli 2006 (versandt am 13. Juli 2006) errichtete die
Vormundschaftsbehörde gestützt auf das Doppelgutachten vom 27. März und 23. April
2006 eine Vormundschaft gemäss Art. 369 ZGB über X. Y. Zum Vormund ernannte sie
H.-J. R., Amtsvormund.
C.- Gegen diesen Beschluss erhob X. Y. mit Eingabe vom 24. Juli 2006 (eingegangen
am 26. Juli 2006) öffentlich-rechtliche Klage bei der Verwaltungsrekurskommission mit
dem sinngemässen Antrag, die errichtete Vormundschaft sei aufzuheben. Die Klage
wurde auch von den Eltern und zwei seiner Geschwister unterschrieben. Am 27. Juli
2006 teilte X. Y. telefonisch mit, dass er das Verfahren selber führe und sich nicht vom
Vater oder einem anderen Familienmitglied vertreten lassen wolle.
Mit Vernehmlassung vom 14. September 2006 beantragte die Vorinstanz die
kostenfällige Abweisung der Klage.
D.- Anlässlich der mündlichen Verhandlung vom 11. Dezember 2006 waren der Kläger,
seine Eltern, T. und V. Y., sowie M. W. als Vertreter der Vorinstanz anwesend.
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a) Auf entsprechende Befragung durch das Gericht führte der Kläger aus, er sei nicht
einverstanden mit der Errichtung einer Vormundschaft. Welche Aufgaben ein Vormund
habe, wisse er aber eigentlich nicht. Er könne für sich selbst schauen. Er sei erwachsen
und verstehe nicht, weshalb die Ärzte behaupteten, er sei geistig auf dem Niveau eines
Acht- bis Zehnjährigen. Auf die Frage nach seinem Tagesablauf meinte er nach einigem
Zögern und Nachfragen bei seiner Mutter, er räume sein Zimmer auf, sehe fern oder
gehe spazieren. Besser könne es ihm doch gar nicht gehen. Vor zwei Jahren sei er
zuletzt bei einem Arzt gewesen. Den Grund für diesen Arztbesuch kenne er nicht. Der
Besuch der Heilpädagogischen Schule sei für ihn normal gewesen, obwohl die anderen
Kinder krank gewesen seien. Er hingegen sei gesund. Er habe in der Schule keine
Probleme gehabt. Er habe weder eine Therapie noch Medikamente benötigt. Nach
Abschluss der Schule habe er einen Tag als Koch in einem Restaurant und danach für
einen Monat irgendwo in Uzwil gearbeitet. Er habe aufgehört, weil er eine Operation am
Fuss habe vornehmen lassen müssen. Er wisse nicht, weshalb er eine IV-Rente erhalte.
Er beziehe sie einfach, so wie dies jeder normale Mensch tun könne.
b) Der Vater des Klägers gab als Auskunftsperson an, es sei bisher 22 Jahre lang gut
gegangen mit X. Er sehe daher nicht ein, weshalb man nun plötzlich einen Vormund
einsetzen wolle. Er habe sich damals lediglich wegen schulischer Probleme seines
Sohns K. an die Vormundschaftsbehörde gewandt. Dies sei jedoch keine grosse Sache
gewesen. X. habe zwar schon einige kleine Fehler gehabt und sei auch schon laut
geworden, nun mache er jedoch keine Probleme mehr. Die ganze Familie sei glücklich.
X. sei halt X. Man könne ihn nicht ändern. Weiter führte T. Y. aus, die IV-Rente reiche
aus, um die Auslagen zu decken. Er verwalte die IV-Rente von monatlich Fr. 1'400.--
für X. und zahle ihm ein Sackgeld aus. X. wisse nicht, wie hoch die Rente sei. Im Alter
von zwei Jahren habe sich X. verbrannt, weshalb er im Kinderspital Zürich habe
behandelt werden müssen. Ansonsten habe er nie gesundheitliche Probleme gehabt.
Weiter führte der Vater aus, das Restaurant laufe nicht so gut, zum Überleben reiche es
aber. Die gesamte Familie helfe mit, wobei er koche. X. sei das einzige
Familienmitglied, das eine Rente erhalte. Mehr Geld vom Staat wolle seine Familie
nicht. Mit dem Sohn K. hätten sie heute keine Probleme mehr. Dieser lebe auch noch
zu Hause und helfe im Restaurant mit. Die Tochter C. sei seit letztem Jahr verheiratet
und wohne bei ihrem Mann. M., die jüngere Tochter, gehe noch zur Schule und wohne
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zu Hause. Er empfinde es nicht als Beleidigung, dass man seiner Familie helfen wolle.
Er finde es einfach nicht nötig. Er denke, dass X. in der Lage wäre, alleine zu wohnen.
Er werde jedoch bis zum Tod seiner Eltern zu Hause bleiben. Für seine Familie sei es
normal, dass ihr erwachsener Sohn noch zu Hause lebe. Sie könnten ihn nicht ändern.
Er habe ja auch schon versucht zu arbeiten. Man solle die Familie in Ruhe lassen und
keine Briefe mehr schicken.
c) Die Mutter erklärte, dass sie den Aussagen ihres Mannes und ihres Sohnes
zustimme. Sie fügte hinzu, dass X. ein normaler Erwachsener sei.
d) Der Vertreter der Vorinstanz hielt am schriftlich gestellten Antrag auf Abweisung der
Klage fest. Er führte aus, die Voraussetzungen für die Errichtung einer Vormundschaft
seien klar gegeben. Als der Vater von X. Y. zum ersten Mal zur
Vormundschaftsbehörde gekommen sei, sei die Situation in der Familie zugespitzt
gewesen. Es könne wieder so weit kommen. Daher wolle die Vormundschaftsbehörde
der Familie Y. eine Unterstützung bieten und ihr Ruhe verschaffen. Man habe auch
schon versucht, im Ambulatorium des Psychiatrischen Zentrums S. einen Termin für X.
Y. zu vereinbaren und eine Tagesstruktur für ihn zu schaffen. Die Termine seien jedoch
nie eingehalten worden. Die aggressive Art und Weise, wie X. Y. anlässlich der
persönlichen Einvernahme mit seinem Vater gesprochen habe, sei sehr auffällig
gewesen.
e) Der Fachrichter Dr.med. Stefan Lendi führte aus, dass das Gutachten des
Amtsarztes für ihn nachvollziehbar sei. Die heutige Befragung habe die gutachtlichen
Ausführungen bestätigt. Daher könne er dem Gutachten zustimmen.
f) Im Schlusswort bekräftigte X. Y., dass er keinen Vormund wolle.
E.- Auf die von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge vorgebrachten
Ausführungen und die Akten wird, soweit notwendig, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen.
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Verfügungen der Vormundschaftsbehörde betreffend Bevormundung, Verbeiratung und
Verbeiständung von Erwachsenen können innert zehn Tagen mit öffentlich-rechtlicher
Klage bei der Verwaltungsrekurskommission angefochten werden (Art. 373 Abs. 1 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, abgekürzt: ZGB; Art. 64 Abs. 2 des
Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, sGS 911.1, abgekürzt: EG
zum ZGB; Art. 71a lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Bei der Berechnung der Klagefrist sind vorliegend die Gerichtsferien
vom 15. Juli bis 15. August 2006 zu berücksichtigen (Art. 90 lit. a und Art. 91 Abs. 1
des Gerichtsgesetzes, sGS 941.1). Die Eingabe vom 24. Juli 2006 (Poststempel: 25.
Juli 2006) ist rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 71d in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1
VRP). Auf die Klage ist daher einzutreten.
2.- Die angefochtene Verfügung und das vorinstanzliche Verfahren sind von Amtes
wegen auf ihre formelle Rechtmässigkeit hin zu überprüfen.
a) Die örtliche Zuständigkeit für die Errichtung einer Vormundschaft bestimmt sich nach
Bundesrecht. Gemäss Art. 376 Abs. 1 ZGB erfolgt die Bevormundung am Wohnsitz der
zu bevormundenden Person. Der Kläger wohnt in S. Die Vormundschaftsbehörde S. ist
daher örtlich zur Errichtung einer Vormundschaft nach Art. 369 ZGB zuständig.
b) Art. 373 Abs. 1 ZGB enthält keine Regelung des Entmündigungsverfahrens, sondern
überbindet den Kantonen im Sinn eines unechten Vorbehalts das Recht und die Pflicht
zum Erlass der entsprechenden Normen. Der Kanton St. Gallen regelt das Verfahren
betreffend den Erlass vormundschaftlicher Massnahmen in den Art. 64 ff. EG zum ZGB.
Die sachliche Zuständigkeit liegt im Kanton St. Gallen bei der Vormundschaftsbehörde
(vgl. dazu Art. 4 und 64 Abs. 1 EG zum ZGB). In der Regel verfügt die Gesamtbehörde,
was vorliegend der Fall war. Auch die sachliche Zuständigkeit der Vorinstanz ist somit
gegeben.
c) Gemäss Art. 374 Abs. 1 ZGB ist die zu entmündigende Person vorgängig persönlich
anzuhören. Die Anforderungen an die mündliche Anhörung gehen dabei über Art. 29
Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101) hinaus (Schnyder/Murer, Berner Kommentar
zum schweizerischen Privatrecht, Band II/3/1, 3. Aufl. 1984, N 26 ff. zu Art. 374 ZGB).
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Die Anhörung dient nicht nur der Wahrung der Verteidigungsrechte der betroffenen
Person, sondern sie bildet auch ein Mittel der von Amtes wegen erfolgenden Erhebung
des Sachverhaltes, das der urteilenden Behörde ein Urteil über die körperliche und
geistige Verfassung dieser Person und über die Notwendigkeit der Anordnung einer
vormundschaftlichen Massnahme ermöglichen soll. Nach der geltenden
bundesgerichtlichen Praxis erfordert die in Art. 374 ZGB vorgeschriebene Anhörung bei
Entmündigung nicht die Einvernahme durch die gesamte entscheidende Behörde. Mit
Blick auf die grosse Bedeutung, welche der Beurteilung der Persönlichkeit und der
unmittelbaren Wahrnehmung des Betroffenen von Bundesrechts wegen zukommt, ist
eine persönliche Anhörung des Betroffenen durch einen einzelnen Beamten aber in der
Regel nur dann mit Art. 374 ZGB vereinbar, wenn dieser auch in der Sache selbst
entscheidungsbefugt ist (BGE 117 II 132 ff.).
Die persönliche Anhörung erfolgte am 23. Mai 2006 durch ein Mitglied der
entscheidenden Behörde, im Beisein des juristischen Sachbearbeiters. Dabei wurde
der Kläger über den Inhalt des Gutachtens sowie über die Auswirkungen einer
Entmündigung in Kenntnis gesetzt. Damit ist den bundesrechtlichen Anforderungen an
die Durchführung der Anhörung Genüge getan.
d) Art. 374 Abs. 2 ZGB bestimmt, dass die Entmündigung wegen Geisteskrankheit und
Geistesschwäche nur nach Einholung eines Gutachtens von Sachverständigen erfolgen
darf, das sich auch über die Zulässigkeit einer vorgängigen Anhörung des zu
Entmündigenden auszusprechen hat. Gemäss Art. 67 Abs. 2 Satz 1 EG zum ZGB hat
die Begutachtung durch zwei Sachverständige, unter denen sich der Amtsarzt oder der
Arzt einer staatlichen Heilanstalt befinden muss, zu erfolgen. Nach der Praxis der
Verwaltungsrekurskommission müssen die beiden Experten, d.h. Ärzte mit genügenden
psychiatrischen Kenntnissen, aufgrund eigener Untersuchung und unabhängig
voneinander, sowie ohne an die Weisungen des anderen Experten gebunden zu sein,
sich eine eigene Meinung bilden und sich anschliessend mit dem anderen Experten
beraten, so dass sie, selbst wenn sie sich nicht bis ins letzte Detail einig sind,
zumindest am Schluss zu einem übereinstimmenden Ergebnis über die zu
beantwortende Frage gelangen, ob der Betroffene an einer psychischen Erkrankung
leidet und daher des vormundschaftlichen Schutzes bedarf. Es kann sich beim
Doppelgutachten auch um zwei Dokumente mit je einer Unterschrift der zwei Experten
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handeln, sofern sie das Ergebnis vorangegangenen Austausches sind und in den
Resultaten übereinstimmen (vgl. zum Ganzen GVP 2004 Nr. 41 mit Hinweisen).
Die Vorinstanz hat in Anwendung von Art. 374 Abs. 2 ZGB und Art. 67 Abs. 2 Satz 1 EG
zum ZGB den Amtsarzt, Dr.med. Hermann Etter, mit der Erstellung eines
Doppelgutachtens im Hinblick auf die Errichtung einer Vormundschaft beauftragt. Die
Begutachtung des Klägers erfolgte am 24. Februar 2006 in der Praxis von Dr.med.
Hermann Etter, worauf dieser am 27. März 2006 ein schriftliches Gutachten erstellte. In
diesem Gutachten werden das Vorliegen einer psychischen Störung und die
Zulässigkeit der persönlichen Anhörung des Klägers bejaht. Am 23. April 2006 erklärte
Dr.med. Beat Knechtle, Allgemeine Medizin FMH, St. Gallen, sein Einverständnis mit
dem Gutachten von Dr.med. Hermann Etter.
Der Amtsarzt ist zweifellos als Sachverständiger zu betrachten, da er in Art. 67 Abs. 2
Satz 1 EG zum ZGB ausdrücklich bezeichnet wird. Er hat auch den Kläger vor der
Erstellung persönlich untersucht und Einsicht in die Krankengeschichte genommen. Er
hat die massgebenden medizinischen Vorakten beigezogen. An der fachlichen
Qualifikation von Dr.med. Beat Knechtle bestehen ebenfalls keine Zweifel. Er hat den
Kläger bereits früher ärztlich betreut und kennt damit den Kläger und seine
Krankengeschichte aus eigener Wahrnehmung. Es ist daher davon auszugehen, dass
sich Dr.med. Beat Knechtle eine eigene Meinung über den Kläger gebildet hat. Er hat
sich auch mit dem Gutachten von Dr.med. Hermann Etter auseinandergesetzt und sich
damit ausdrücklich einverstanden erklärt.
Zusammenfassend ergibt sich, dass das Gutachten vom 27. März 2006 und die
Bestätigung vom 23. April 2006 den Anforderungen an ein Doppelgutachten im Sinn
von Art. 67 Abs. 2 Satz 1 EG zum ZGB genügen.
3.- Nach Art. 369 ZGB gehört jede mündige Person, die infolge von Geisteskrankheit
oder Geistesschwäche ihre Angelegenheiten nicht zu besorgen vermag, zu ihrem
Schutze dauernd des Beistandes und der Fürsorge bedarf oder die Sicherheit anderer
gefährdet, unter Vormundschaft.
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a) Angefochten ist der Beschluss der Vorinstanz betreffend Anordnung der
Entmündigung nach Art. 369 ZGB. Die Vorinstanz geht davon aus, dass der Kläger
gemäss ärztlichem Doppelgutachten an einer Geistesschwäche im Sinn von Art. 369
ZGB leide. Es ist im Folgenden zu prüfen, ob der Entmündigungsgrund der
Geisteskrankheit oder Geistesschwäche im Sinn des Gesetzes gegeben ist. Dabei folgt
die Verwaltungsrekurskommission ihrer bereits gefestigten Praxis bei der
fürsorgerischen Freiheitsentziehung (vgl. E. Spirig, Zürcher Kommentar, Band II/3a,
Zürich 1995, N 21 zu Art. 397a ZGB).
Der Begriff der Geisteskrankheit ist als Rechtsbegriff zu verstehen und nicht in streng
medizinischem Sinn auszulegen. In Lehre und Rechtsprechung sind mit dem
juristischen Begriff der Geisteskrankheit Fälle gemeint, bei denen psychische
Symptome oder Verlaufsweisen hervortreten, die einen stark auffallenden Charakter
haben und die bei einem besonnenen Laien nach hinreichender Bekanntschaft den
Eindruck völlig uneinfühlbarer, qualitativ tiefgehend abwegiger, grob befremdender
Störungszeichen erwecken. Als Geisteskrankheit im juristischen Sinn gelten demnach
alle psychischen Störungsformen (im medizinischen Sinn), sofern sie den "juristischen
Schwellenwert" der Uneinfühlbarkeit durch den besonnenen Laien erreichen. Wird
dieser juristische Schwellenwert nicht erreicht, so liegt keine Geisteskrankheit,
möglicherweise jedoch eine Geistesschwäche im Sinn des Gesetzes vor. Eine solche
wird angenommen, wenn auf die Dauer psychische Störungen auftreten, die ein
besonnener Laie nicht mehr als Krankheit erachtet, weil sie bei ihm nicht den Eindruck
uneinfühlbarer, qualitativ tiefgehend abwegiger Störungen erwecken, die ihm aber
doch als Störungen (unter Umständen sehr stark) auffallen. Die Störungen erscheinen
dabei irgendwie noch einfühlbar, weil sie nach aussen nur quantitativ vom "Normalen"
abweichen. Dieser Begriffsbestimmung entsprechend sind demnach – über den
allgemeinen Sprachgebrauch hinaus – unter dem juristischen Begriff der
Geistesschwäche nicht bloss intellektuelle Schwächen, sondern auch psychische
Störungen ohne intellektuelle Komponente zu verstehen, wenn diese Störungen
hinreichend ausgeprägt sind (vgl. auch Spirig, a.a.O., NN 26 ff. und 42 f. zu Art. 397a
ZGB; Schnyder/Murer, a.a.O., NN 26 und 32 f. zu Art. 369 ZGB; GVP 1988 Nr. 35 mit
Hinweisen).
b) Die Vorinstanz stützt sich auf das Gutachten von Dr.med. Hermann Etter vom 27.
März 2006 und die Zweitmeinung von Dr.med. Beat Knechtle vom 23. April 2006.
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Das Gutachten kommt zum Schluss, dass beim Kläger eine geistige Behinderung
unklarer Ursache vorliegt. Aus den Ausführungen von Dr.med. Hermann Etter ergibt
sich im Wesentlichen, dass der Kläger an einer Geistesschwäche leidet. Er hält fest,
dass der Kläger geistig auf dem Niveau eines acht- bis zehnjährigen Kindes stehen
geblieben sei und sich voraussichtlich nicht weiter entwickeln werde. Die
Geistesschwäche habe sich als verlangsamte sprachliche und psychomotorische
Entwicklung schon ab dem Kleinkindalter gezeigt. Die Ursache und eine genaue
Diagnose seien jedoch trotz gründlicher Untersuchung unklar. Zudem leide er an
krankhaftem Übergewicht.
Die im Gutachten gemachten Ausführungen hinsichtlich der psychischen Störung des
Klägers überzeugen. Sie decken sich mit den früheren Feststellungen von Dr.med. Beat
Knechtle. Auch der an der heutigen Verhandlung anwesende Dr.med. Stefan Lendi
schliesst sich dem Gutachten vollumfänglich an. Die Ärzte stimmen somit darin
überein, dass es sich bei der psychischen Störung des Klägers um eine
Geistesschwäche im medizinischen Sinn handelt. Auf diese überzeugende
Einschätzung ist abzustellen.
Entsprechend den eingangs dargelegten Grundsätzen liegt eine nach Art. 397a Abs. 1
ZGB massgebliche Geisteskrankheit oder Geistesschwäche im juristischen Sinn dann
vor, wenn die psychische Störung im medizinischen Sinn den erwähnten
Schwellenwert der Uneinfühlbarkeit bzw. die hinreichende Ausgeprägtheit erreicht.
Im Gutachten werden Symptome der genannten Geistesschwäche (im medizinischen
Sinn) festgestellt, welche einem besonnenen Laien als Störungszeichen auffallen. Diese
Einschätzung wird auch durch die Vorakten der Vorinstanz belegt. So geht aus einer
Besprechungsnotiz hervor, dass die Eltern des Klägers am 13. Oktober 2005
berichteten, dass es mit ihrem Sohn Bibe zu Hause nicht mehr gehe. Die Familie gehe
zu Grunde. Er tyrannisiere die ganze Familie, welche im gleichen Haus wohne, in dem
sich auch das Restaurant befinde. Solange er jeweils nur in der Wohnung getobt habe
und gegenüber ihnen, den Eltern, frech gewesen sei, sei er eher tragbar gewesen. Nun
komme er aber ins Restaurant und rufe auch dort aus. Er habe den Vater mehrfach ein
"verdammtes Arschloch" genannt. Damit vertreibe er die Gäste. Da das Restaurant
sowieso nicht so gut laufe, sei dies existenzschädigend. Es komme vor, dass er zwei
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Stunden lang ausrufe und tobe. Er werfe auch Sachen in der Wohnung rum. Er
absorbiere die Familie eigentlich vollständig. Sie, die Eltern, seien am Rande ihrer
Kräfte. Er träume vom grossen Geld, wolle dies aber von anderen. Dass er selber etwas
tun müsste, sei ihm fremd. Dieses von den Eltern geschilderte Verhalten des Klägers ist
sehr auffällig.
Wie dem Gutachten zu entnehmen ist, tritt der Kläger gegenüber seinen Eltern sehr
fordernd und respektlos auf und beansprucht in der gemeinsamen Wohnung viel Platz.
Er verlangt unsinnig viele Mahlzeiten am Tag. Zudem ist seine Anwesenheit in der
Gastwirtschaft der Eltern problematisch, da er mit seinem groben und verletzenden
Verhalten die Gäste verstört. Die anlässlich der Begutachtung gemachten
Äusserungen, wonach er nächstens die Absolvierung der Auto- und die Wirteprüfung
plant sowie danach viel Geld verdienen und in einer eigenen Wohnung leben will,
zeigen, dass er einen gestörten Realitätsbezug hat. Dies bestätigt sich auch darin, dass
er der Ansicht ist, dass er die IV-Rente nicht brauche und bald eine gut bezahlte Stelle
finde, obwohl er keine Berufsausbildung hat und über keine Berufserfahrung verfügt.
Der Kläger, dem überdies wegen seines Leidens und der daraus resultierenden
Unfähigkeit, einem Erwerb nachzugehen, sogar eine Invalidenrente zugesprochen
werden musste, ist somit seit mehreren Jahren nicht in der Lage, ein angepasstes mit
seinem Umfeld nicht in Konflikt geratendes Leben zu führen. Auch diese anhaltend
fehlende soziale Integration ist sehr auffällig. Zudem wurde wiederholt beobachtet,
dass der Kläger gegenüber seinen Eltern verbal ausfällig wurde.
An der mündlichen Verhandlung hat sich das Störungsbild des Klägers bestätigt. Er
wirkt sehr lethargisch und völlig hilflos. In der Diskussion kann er kaum die
elementarsten Zusammenhänge begreifen und er ist nicht in der Lage, einfachste
Fragen selbständig zu beantworten. So kann er beispielsweise die Gründe für seinen
letzten Arztbesuch und die IV-Berentung nicht nennen. Er ist der Ansicht, dass es
normal sei, eine Rente zu beziehen und dies jeder tun könne. Sehr auffällig ist auch,
dass er selbst seinen Tagesablauf nicht schildern kann. Sein Verhalten ist insgesamt
nicht situationsangemessen und altersadäquat. Bei jeder Frage sucht er die Hilfe seiner
Eltern, die ihm dann auch die Antworten in den Mund legen. Er ist unfähig, seine eigene
Situation und die dadurch entstehenden Probleme zu verstehen. Sein Realitätsbezug
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ist klar gestört. So geht er davon aus, dass er in der Heilpädagogischen Schule der
einzige normale Schüler gewesen sei.
Insgesamt erscheinen die beim Kläger feststellbaren Störungszeichen aus dem
Blickwinkel des besonnenen Laien als hinreichend ausgeprägt. Es schadet nicht, dass
keine klare medizinische Diagnose hinsichtlich der Ursache der festgestellten
Geistesschwäche vorliegt. Folglich ist beim Kläger von einer Geistesschwäche im
juristischen Sinn auszugehen.
c) Die Anordnung der Vormundschaft nach Art. 369 ZGB setzt sodann voraus, dass
zusätzlich eine der drei besonderen Schutzbedürftigkeiten vorliegt.
Als Schutzbedürftigkeiten kommen dabei die Unfähigkeit der Besorgung der eigenen
Angelegenheiten, das dauernde Bedürfnis nach Beistand und Fürsorge oder die
Gefährdung der Sicherheit anderer in Betracht, wobei das alternative Vorliegen einer
der drei genannten Voraussetzungen genügt (Schnyder/Murer, a.a.O., N 94 f. zu Art.
369 ZGB).
aa) Unter "eigenen Angelegenheiten" - zu deren Besorgung der zu Entmündigende
unfähig sein muss - sind vor allem solche wirtschaftlicher Natur zu verstehen, deren
Nichtbesorgung im Ergebnis existenziell ist, wie das Halten des Arbeitsplatzes, die
Leitung des eigenen Betriebes, die Verwaltung des Vermögens, der Umgang mit Geld,
das Führen des Haushaltes in wirtschaftlich-finanzieller Beziehung, das tatsächliche
und/ oder rechtliche Sich-Wehren-Können gegenüber Ausnützungsversuchen Dritter
usw. (Schnyder/Murer, a.a.O., N 104 ff. zu Art. 369 ZGB). Nebst den wirtschaftlichen
Belangen sind unter "eigenen Angelegenheiten" aber auch die persönlichen Interessen
zu verstehen. Es sind somit darunter all jene privaten Angelegenheiten gemeint, die der
Einzelne um seiner persönlichen oder wirtschaftlichen Existenz willen lösen können
muss (Schnyder/Murer, a.a.O., N 77 ff. zu Art. 372 ZGB; E. Langenegger, in: Honsell/
Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht,
Zivilgesetzbuch I, Art. 1-456 ZGB, 3. Auf. 2006, N 8 zu Art. 372 ZGB).
Unter Bedürfnis nach Beistand und Fürsorge versteht man insbesondere die
Unterstützung der zu entmündigenden bzw. unter Vormundschaft stehenden Person in
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deren persönlichen Angelegenheiten. Dazu gehören etwa Ernährung, Wohnung,
Kleidung, Gesundheitspflege, Wahrung der Ehre und Schutz des eigenen Lebens
(Schnyder/Murer, a.a.O., N 131 zu Art. 369 ZGB).
bb) Die Vorinstanz geht davon aus, dass der Kläger aufgrund seiner psychischen
Störungen nicht in der Lage sei, seine eigenen Angelegenheiten selber zu besorgen
und zu seinem Schutze der dauernden Fürsorge und des Beistandes bedürfe. Sie führt
im angefochtenen Beschluss aus, der Kläger sei in allen Angelegenheiten, die das
Leben als Erwachsener betreffen würden, überfordert. Sein Umgang mit Geld sei
problematisch, da ihm jeglicher Sinn fürs Aufteilen, Zählen und Sparen abgehe. Er sei
ebenso unfähig einen Vertreter zu benennen und diesen zu überwachen. Damit geht
die Vorinstanz vom Vorliegen der zwei genannten Schutzbedürftigkeiten aus.
Im Gutachten vom 27. März 2006 wird ausgeführt, dass der Kläger die Welt mit den
Augen eines grossen Kindes sehe und die komplexen Zusammenhänge der
Erwachsenenwelt nicht verstehe. Anlässlich der Begutachtung berichtete der Vater des
Klägers, dass der Kläger seine Fähigkeiten überschätze und keine Beziehungen zur
Realität habe. Dr.med. Beat Knechtle hielt am 17. November 2005 fest, dass der Kläger
in allen Belangen des Alltags an der Besorgung seiner persönlichen, finanziellen und
rechtlichen Angelegenheiten und der Wahrung seiner Interessen verhindert sei.
Aus den Akten und dem Eindruck an der mündlichen Verhandlung ergibt sich, dass der
Kläger nicht in der Lage ist, seine Angelegenheiten selber zu regeln, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen und sich ein geordnetes, finanziell unabhängiges Leben
aufzubauen. Vielmehr lebt er noch bei seinen Eltern und ist auf ihre Hilfe angewiesen.
Aus den Akten ergibt sich, dass der Kläger ständig Taschengeld fordere, über das er
keine Kontrolle habe und immer wieder sofort ausgebe. Auch die Natelrechnung sei ein
Problem und ein ewiger Streitpunkt. Selbst die Körperhygiene bereitet ihm offenbar
Probleme. An der Verhandlung hat sich bestätigt, dass der Kläger völlig hilflos und von
seinen Eltern abhängig ist. Er ist geistig auf dem Niveau eines kleinen Kindes. Ohne die
Hilfe seiner Eltern war er kaum in der Lage, eine Frage zu beantworten. Auch die Höhe
seiner eigenen Rente kennt er nicht. Eine Tagesstruktur fehlt dem Kläger völlig, so dass
er Gefahr läuft geistig weiter zu verarmen. Es ist nicht denkbar, dass er selbständig in
einer eigenen Wohnung leben könnte. Die Lebensumstände des Klägers sind für einen
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22-jährigen aussergewöhnlich, was hauptsächlich auf seine psychische Störung
zurückgeführt werden muss. Die gegenteiligen Ausführungen des Klägers selbst sowie
seiner Eltern an der Verhandlung müssen als beschönigend bezeichnet werden. Sie
finden keine Stütze in den Akten und stehen in offensichtlichem Widerspruch zu den
Feststellungen der medizinischen Fachleute sowie dem Bild, dass sich an der
mündlichen Verhandlung ergab.
In persönlicher Hinsicht ist zu beachten, dass sich das soziale Beziehungsnetz des
Klägers auf seine Familie beschränkt. Er hat weder Bekannte noch Freunde, zu denen
er regelmässige Kontakte pflegt oder die ihm in irgendeiner Weise bei Problemen zur
Seite stehen. Eine soziale Integration als Erwachsener und eine sinnvolle Beschäftigung
fehlen damit vollständig. Seine Eltern sind mit der Situation überfordert, auch wenn sie
das selber nicht eingestehen können. Andererseits erhält der Kläger im familiären
Umfeld keine Förderung. Vielmehr verharrt er in seiner Hilflosigkeit und ist nicht in der
Lage, ansatzweise vorhandene Fähigkeiten zu entwickeln. Er wird vollständig
fremdbestimmt und verfügt über keine Autonomie.
Zusammenfassend ergibt sich, dass beim Kläger sowohl die Unfähigkeit zur gehörigen
Besorgung der eigenen Angelegenheiten wie auch das Bedürfnis nach Beistand und
Fürsorge im Sinn von Art. 369 ZGB genügend ausgewiesen erscheinen.
d) Die Schutzbedürftigkeit für die Besorgung der eigenen Angelegenheiten muss wie
die Bedürftigkeit nach Beistand und Fürsorge – für welche das Gesetz dieses
Erfordernis ausdrücklich erwähnt – von gewisser Dauer sein, damit sie als
Entmündigungsvoraussetzung genügt (Langenegger, a.a.O., N 27 zu Art. 369 ZGB).
Der Kläger leidet seit Jahren an einer psychischen Störung. Er wurde bereits als Kind
auffällig. Im Gutachten vom 27. März 2006 wird zudem festgehalten, dass es sich um
ein chronisches und lebenslanges Problem handle. Es sei ein konstanter Verlauf zu
erwarten. Eine kausale Therapie sei nicht möglich und eine Heilung nicht zu erwarten.
Das Verhalten des Klägers ist seit mehreren Jahren auffällig. Eine nur vorübergehende
Schutzbedürftigkeit liegt deshalb nicht vor.
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4.- a) Die in Art. 369 ZGB genannten Voraussetzungen für eine Entmündigung liegen
damit grundsätzlich vor. Es bleibt noch zu prüfen, ob die von der Vorinstanz
angeordnete Massnahme vor dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit und der
Subsidiarität standhält (Deschenaux/Steinauer, Personnes physiques et tutelle, 3. Aufl.
1995, S. 335). Danach darf eine Person nur dann entmündigt werden, wenn der damit
verfolgte Zweck nicht mit einer die persönliche Freiheit weniger einschränkenden
Massnahme erreicht werden kann (zur Stufenfolge der vormundschaftlichen
Massnahmen vgl. Riemer, Grundriss des Vormundschaftsrecht, 2. Aufl. 1997, S. 149 ff.;
Schnyder/Murer, a.a.O., N 162 zu Art. 369 ZGB).
Wie bereits erwähnt, ist der Kläger wegen seiner Geistesschwäche nicht mehr in der
Lage, seine wirtschaftlichen und persönlichen Angelegenheiten zu besorgen. Er ist
dauernd auf Beistand und Fürsorge von Drittpersonen angewiesen.
Die umfassende Hilfsbedürftigkeit des Klägers erfordert eine enge persönliche
Betreuung und Fürsorge. Eine Beistandschaft, die die Handlungsfähigkeit nicht
einschränkt, ist angesichts der psychischen Störung des Klägers nicht ausreichend.
Eine Vertretungsbeistandschaft ist dann zu errichten, wenn eine Person in einer
einzelnen, bestimmten Angelegenheit nicht selbst handeln kann (vgl. Art. 367 Abs. 2
ZGB). Die Verwaltungsbeistandschaft umfasst diejenigen Fälle, in welchen
Vermögenswerte vorhanden sind, die von niemandem verwaltet werden (Art. 393 ZGB).
Der Kläger bedarf aber in erster Linie der persönlichen Fürsorge, wobei beide Arten der
Beistandschaft diesem Anliegen nicht genügend Rechnung tragen. Auch die dringend
notwendige Tagesstruktur kann durch einen Beistand nicht sichergestellt werden. Die
Beistandschaft setzt sodann ein Mindestmass an Kooperationsbereitschaft der zu
verbeiständenden Person voraus, da diese ihre volle Handlungsfähigkeit beibehält (vgl.
Schnyder/Murer, a.a.O., N 7 und 19 zu Art. 392 und N 26 zu Art. 393 ZGB). Diese
Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist beim Kläger im familiären Umfeld nicht vorhanden.
So sagte er auch ein bereits vereinbartes Standortgespräch im Psychiatrischen S.
kurzfristig ab, weil er der Ansicht war, dass er keine Abklärung benötige. Auch an der
Verhandlung äusserten der Kläger und seine Eltern keinerlei Kooperationsbereitschaft.
Was die Beiratschaft angeht, so ist weder die Mitwirkungs- noch die
Verwaltungsbeiratschaft auf die Problematik des Klägers zugeschnitten. Es geht nicht
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um die Verhinderung von mitwirkungsbedürftigen Rechtsgeschäften. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass auch im Rahmen der Beiratschaft ein beschränkter Einbezug der
persönlichen Fürsorge möglich ist. Das Recht und die Pflicht des Beirates zur
persönlichen Fürsorge ist jedoch nur Neben- und nicht Hauptwirkung der Massnahme.
Infolgedessen darf nur verbeiratet werden, wenn bei der betroffenen Person im
konkreten Fall das persönliche Fürsorgebedürfnis als sekundäres und nicht - wie bei
der Entmündigung - als primäres, insbesondere nicht als ein nach einer dauernden
Überwachung und Fürsorge rufendes Bedürfnis in Erscheinung tritt (Schnyder/Murer,
a.a.O., N 24 ff. zu Art. 395 ZGB). Zudem genügt eine Beiratschaft dann nicht, wenn ein
Bedarf nach dauernder persönlicher Fürsorge und Überwachung besteht oder die
Betreuungsperson Zwangsmassnahmen gegen den Willen der betreuten Person
durchsetzen muss (K. Affolter, in: Basler Kommentar, a.a.O., N 19 zu Art. 406 ZGB;
BGE 97 II 302, 99 II 20).
Deshalb erweisen sich mildere Massnahmen in der vorliegenden Streitsache als
offensichtlich ungenügend. Das umfassende Bedürfnis nach Beistand und Fürsorge ist
nur im Rahmen einer Vormundschaft sichergestellt. Die Errichtung einer Vormundschaft
ist für den Kläger eine Chance aus seinem perspektivenlosen Leben auszubrechen.
b) Im Falle des Klägers stellt sich noch die Frage, ob die Errichtung einer
Vormundschaft notwendig ist, da zurzeit die Eltern des Klägers dessen Bedarf an
Fürsorge zu decken versuchen. Die Eltern sind jedoch mit der ganzen Situation massiv
überfordert und scheinen in betreuerischer Hinsicht nicht kompetent. Sie sind nicht in
der Lage, dem Kläger zu einer geordneten Tagesstruktur zu verhelfen und ihm eine
Perspektive zu bieten. Obwohl sie an der Verhandlung jegliche Probleme mit dem
Kläger verneinten, kann dem Kläger die nötige persönliche Fürsorge und Betreuung im
familiären Rahmen nicht in hinreichendem Masse erbracht werden. Die Aggressionen
des Klägers gegenüber seinen Eltern, können dahingehend interpretiert werden, dass
er selbst mit seiner Lebenssituation nicht zufrieden ist. Eine Verbesserung der Lage ist
aufgrund der fehlenden Bereitschaft des Klägers, Hilfe von aussen anzunehmen, im
familiären Rahmen nicht absehbar. Im Falle des Klägers kann daher die elterliche Sorge
nicht an die Stelle der Vormundschaft treten (Art. 385 Abs. 3 und Art. 379 Abs. 1 ZGB;
Ch. Häfeli, in: Basler Kommentar, a.a.O., N 10 zu Art. 385, NN 1 - 3 und 29 ff. zu Art.
379 ZGB).
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c) Zusammenfassend ergibt sich, dass sich die Entmündigung nach Art. 369 ZGB zur
Regelung der persönlichen und wirtschaftlichen Angelegenheiten des Klägers als
notwendige und geeignete Massnahme erweist, solange seine Schutzbedürftigkeit
infolge seiner Geistesschwäche fortbesteht. Andere, weniger weitgehende
Massnahmen würden nicht genügen, insbesondere bietet einzig die Errichtung einer
Vormundschaft die Handhabe, gegen den Willen des Klägers eine geordnete
Tagesstruktur einzuführen und die Wohn- und Betreuungssituation zu regeln. Die
Vorinstanz hat deshalb zu Recht eine Vormundschaft nach Art. 369 ZGB errichtet. Dem
Antrag, die Vormundschaft sei aufzuheben, kann demnach nicht gefolgt werden.
Folglich ist der Beschluss der Vormundschaftsbehörde St. Gallen vom 7. Juli 2006 zu
bestätigen und die Klage abzuweisen.
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Kläger
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist
angemessen (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 400.-- ist bei der Kostenerhebung zu verrechnen. Auf die
Erhebung der restlichen Fr. 1'600.-- ist angesichts der angespannten finanziellen
Verhältnisse des Klägers (monatliches Renteneinkommen inklusive
Ergänzungsleistungen Fr. 1'996.--) zu verzichten (Art. 97 VRP).