Decision ID: d3d29df3-01a7-4a71-948c-eed36bca7bb9
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974,
gelernter kaufmännischer Angestellter (Urk. 7/18/13
), meldete sich am
24. Juni 2010 bei der Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
zum Bezug von Leistungen (Berufliche Mass
nahmen) an
(Urk. 7/2)
.
Die IV-Stelle
tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen. Insbesondere holte sie
Berichte der behandelnden Ärzte
Dr. med.
Z._
,
Allgemeinmedizin FMH (Bericht vom 9. Juli 2010, Urk.
7/11
)
,
und Dr.
med.
A._
,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH (Bericht vom 30. August 2010
, Urk. 7/14)
,
ein
.
Die IV-Stelle
leistete
dem Versi
cherten mit Verfügung vom 5. August 2011 (Urk. 7/34) Kostengutsprache für
eine
berufliche Abklärung
vom 8. August 2011 bis 28. Oktober 2011
im
B._
. Mit Verfügung vom 26. Oktober 2011 (Urk. 7/44) übernahm sie sodann die Kosten eines Arbeitstrainings im
B._
vom 29. Oktober 2011 bis 29. April 2012
(vgl. diesbezügliche Berichte des
B._
,
Urk. 7/48 und Urk. 7/60)
.
Weil die Fortführung des Arbeitstrainings nicht Erfolg versprechend sei (Urk. 7/55/4), schrieb die IV
Stelle die beruflichen Mass
nahmen mit Mitteilung vom 28. April 2012 als erledigt ab
(Urk. 7/56).
1.2
Die IV-Stelle holte
in der Folge
einen Bericht des neuen behandelnden Arztes des
Versicherten
, Dr. med.
C._
, Allgemeine Innere Medizin FMH,
ein (
Bericht vom 16. Mai 2012,
Urk. 7/61) und ordnete
am 8. Juni 2012
eine psy
chiatrische Begutachtung an (Urk. 7/63).
Am 15. Juni 2012 stellte der Versi
cherte erneut ein Begehren um Unterstützung bei der Stellensuche und der Wiedereing
liederung (Urk. 7/64). Dr. med.
D._
,
Fachärztin für Psychi
atrie und Psychotherapie FMH, untersuchte den Versicherten am 30. Juli 2012 und erstattete d
ie
psychiatrische
Expertise
tags darauf
(Urk. 7/70).
Gestützt auf die medizinischen Abklärungen stellte die IV-Stelle
dem Versicherten mit Vor
bescheid vom 20. August 2012 (Urk. 7/72-73) die Abweisung des
Leistungsbe
gehrens
in Aussicht
, wogegen der Versicherte Einspruch erhob (Urk. 7/80).
Er
reichte ausserdem einen Bericht des
E._
vom 6. De
zember 2012
zu den Akten
(Urk. 7/81). Nachdem die IV-Stelle beim Beschwer
deführer um Angaben betreffend psychiatrische Behandlung
ersucht
hatte, teilte
dieser
der IV-Stelle mit, er sei lediglich vom 19. März 2012 bis am 9. August 2012 in Behandlung gewesen, seither
stehe
er
nicht mehr in
psychi
atrische
r
Behandlung (Urk. 7/83).
Mit
Verfügung vom 24. April 2013 (Urk.
2
) verneinte
die IV-Stelle
daraufhin
wie angekündigt einen Leistungsanspruch des Ver
sicherten.
2.
Dagegen erhob
X._
am 27. Mai 2013 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihm berufliche Massnahmen zu gewähren. Eventualiter sei ihm eine halbe IV-Rente
zuzusprechen. Mit Beschwerdeantwort vom 24. Juni 2013 (Urk. 6 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-87) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 25. Juli 2013 (Urk. 8) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin hielt
im angefochtenen Entscheid
dafür, es sei kein
andauernder relevanter
Gesundheitsschaden ausgewiesen,
weshalb weder ein Anspruch auf
weitere
berufliche Massnahmen noch auf eine Rente bestünde
(Urk. 2
).
1.2
Der Beschwerdeführer
führte in der Beschwerdeschrift aus,
es sei unbestritten, dass
die Diskushernien an der Hals- und der Lendenwirbelsäule bei einer ange
passten, das heisse leichten und wechselbelastenden Tätigkeit, nicht zu einer längerfristigen Einschränkung seiner Arbeitsfähigkeit führen
würden
. Jedoch sei
er
aufgrund seiner psychischen Einschränkungen
nur noch zu 50 % arbeitsfä
hig
. Die beruflichen Massnahmen seien deshalb weiterzuführen und allenfalls sei auch eine Umschulung zu prüfen. Falls eine solche scheitern sollte, sei ihm eine halbe Rente zuzusprechen
(Urk. 1).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiterkrankun
gen
; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiese
ner sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krank
heitsgewinn
;
„
Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes
Behandlungser
gebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und geschei
terte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigenan
strengung
(kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Krite
rien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde dar
stellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumut
bare
Willens
anstrengung
zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2,
BGE 139 V 547 E. 3 ff.
).
In BGE 139 V 547 hat das Bundesgericht an dieser Rechtsprechung unter Ausei
nandersetzung mit der daran geübten Kritik festgehalten und auf die besondere Bedeutung einer fachgerechten Abklärung hingewiesen
(E. 9.1.3, E. 9.2.1). Ins
besondere erkannte das Bundesgericht,
dass sich die unklaren Beschwerden hinsichtlich ihrer invalidisierenden Folgen von anderen (psychischen) Leiden durch die mangelnde Objektivierbarkeit unterscheiden. Dabei hand
elt
es sich um ein sachliches Kriterium, das überprüft werden kann. Die hinreichende Objekti
vierbarkeit der gesundheitlichen Beeinträchtigung
wird
für Ansprüche auf
So
zial
versicherungsleistungen
seit jeher vorausgesetzt und ha
t
im Rahmen der 5.
IV-Re
vision auch Eingang in die Gesetzgebung gefunden (Art.
7 Abs.
2 ATSG). Von einer unbegründeten Schlechterstellung
beziehungsweise
einer Dis
kriminierung der betroffenen Versicherten in
verfassungsmässigem
Sinne
bezie
hungsweise
nach
Massgabe
der EMRK k
a
nn daher nicht gesprochen werden
(Urteil des Bundesgerichts
8C_142/2013 vom 20.
November 2013 E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 139 V 547 E. 5.6 in
fine
und
E.
5.7).
2.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer nahm vom 6. Januar 2009 bis am 26. Februar 2009 an einem Ambulanten Interdisziplinären
Schmerzprogramm
des
F._
,
Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin, teil (Abschlussbericht vom 12. März 2009, Urk. 7/11/14-16). Die behandelnden Fachpersonen
diagnostizierten
eine
anhalt
ende
somatoforme
Schmerzstörung
,
eine leichte depressive Episode
sowie ein
chronisches
myofasziales
panver
tebrales
Schmerzsyndrom
mit degenerativen Veränderungen, wobei sie auf Röntgenbilder und MRI aus den Jahren 2006/2008 verwiesen, wo unter ande
rem
Chondrosen
, ein
Spondylophyt
, eine
Diskusprotrusion
und Diskushernien festgestellt worden war
en
.
Im Übrigen führten sie als Diagnosen ein
en
Status nach HWS-Distorsionstrauma (
ananmnestisch
) sowie ein leichtes
Sulcus
ulnaris
-
Syndrom links unter Hinweis auf eine Abklärung im Jahr 2006 auf (Urk. 7/11/14).
Sie empfahlen stützende Gespräche bei einem Psychotherapeuten sowie eine körperliche
Rekonditionierung
vor allem der Arme und des Schulter
gürtels in einem therapeutisch betreuten Trainingszentrum (Urk. 7/11/15).
Im April 2009 fand ausserdem noch eine psychiatrische Abklärung
am
F._
,
Psychiatrische Poliklinik, statt, wo ebenfalls eine
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4)
sowie eine leichte bis mittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F32.1)
diagnostiziert
wurden
(
Bericht vom 6. April 2009,
Urk. 7/11/12-13).
3.2
Dr.
Z._
,
seit
Juli 2008 behandelnder Arzt des Beschwerdeführers,
wies in sei
nem IV-Bericht vom
9.
Juli 2010
(Urk. 7/11
) auf die Abklärungen am
F._
hin und hielt fest
, s
einer Meinung nach sei
d
ie Prognose
für eine langfristige Rein
t
egration in die Arbeitswelt schlecht, unter anderem sicher auch, weil der Beschwerdeführer einer psychiatrischen Behandlung eher
ablehnend
gegen
überstehe. Auffallend sei zudem, dass
der Beschwerdeführer
in Phasen von Arbeitsverhältnissen angeblich mehrere Stunden pro Woche unter körperlicher Vollbelastung problemlos im Fitnessstudio trainieren könne,
bei Stellenwechsel jedoch die beschriebenen Schmerzsyndrome umso stärker und heftiger zu Tage träten
(Urk. 7/11/3)
.
Hinsichtlich Empfehlungen für zukünftige Therapien erklärte er, e
ine Abnahme der immer wieder auftretenden
somatoformen
Schmerz
störung
und des depressiven Verhaltens sei seiner Meinung nach nur durch eine konsequente psychiatrisch geleitete Therapie möglich
.
Die Leis
tungsfähigkeit sei aufgrund der
somatoformen
Schmerzstörung vermindert.
Ausserdem hielt er fest, die
degenerativen Veränderungen führten wiederholt zu Schmerzzuständen, wobei auffallend sei, dass es Phasen von vollkommener Schmerzfreiheit gebe, die einhergehend mit intensiver körperlicher Tätigkeit im Fitnessstudio seien
(Urk. 7/11/5)
.
3.3
Dr.
A._
,
seit April 2009 behandelnde Psychiaterin des Beschwerdeführers, stellte mit Bericht vom 30. August 2010 (Urk. 7/14) ebenfalls die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1
; Urk. 7/14/1
). Sie hielt dafür, der
Beschwerdeführer
sei momentan aus psychischen Gründen zu 100 % arbeitsunfähig, mit
Psychotherapie
und
medikamentöser Therapie sei jedoch eine
Arbeitsfähigkeit
von 50 % möglich (Urk. 7/14/5).
3.4
Dr.
C._
,
behandelnder Arzt seit Oktober 2011, führte in seinem Bericht vom 16. Mai 2012 (Urk. 7/61
/1-7
) als Diagnosen eine
Zervikobrachialgie
mit Aus
strahlung in den linken Arm, eine Diskushernie C6/7, eine Diskushernie lumbal sowie eine Depression auf.
Hinsichtlich
Einschränkungen
der Arbeitsfähigkeit
hielt er fest, der Beschwerdeführer sei psychisch nicht belastbar, er könne nicht mit Stress, Hektik und Lärm umgehen, da es ihn nervös und
wütend
mache und er Ruhe brauche.
Aufgrund
der Rückenschmerzen brauche er häufige Pausen und verschiedenartige Tätigkeiten. Dr.
C._
hielt dafür, es bestehe noch eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (Urk. 7/61/4+6). Durch intensivierte Physiotherapie und psychologische Betreuung
könnten
die Einschränkungen der
Arbeitsfähig
keit
jedoch vermindert werden (Urk. 7/61/4)
.
3.
5
Die
Gutachter
in
Dr.
D._
untersuchte den Beschwerdeführer am
30. Juli 2012 und erstattete
ihre
psychiatrische Expertise
am 31. Juli 2012
(Urk. 7/70).
Sie
stellte die folgenden Diagnosen (Urk. 7/70/23-24):
Anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
Akzentuierte
histrionische
, selbstunsichere und ängstlich-vermeidende sowie
dependente
Persönlichkeitszüge (ICD-10
Z
73.1)
Anamnestisch Status nach Adoleszentenkrise sowie
redizidivierenden
depressiven Episoden in psychosozialen Belastungssituationen, gegen
wärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
Anamnestisch Störungen durch Alk
ohol, Abhängigkeitssyndrom,
exaz
er
bierend
in Belastungssituationen/Beziehungskrisen, gegenwärtig absti
nent, Vollremission (ICD-10 F10.202)
Canabisabusus
, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F12.25)
Kokainabusus
, sporadischer Substanzgebrauch (ICD-10 F14.26)
Nikotinabhängigkeit, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25)
.
Die Gutachterin führte aus,
nach ein
er
Adoleszen
ten
krise sei die berufliche Ent
wicklung
des Beschwerdeführers
bis ins Jahr 2007 soweit unauffällig gewesen, als
er
jeweils mehrere Jahre in diversen Bereichen zu 100 % tätig gewesen sei. Ein einmaliger Unterbruch der Berufskarriere in den Jahren 2001
-
2004
habe
offen
bar im
Zusammenhang mit einer Alkoholabhängigkeitsphase mit reaktiver Depressivität aufgrund des Auflösens
der
damaligen Partnerschaft gestanden. Hiervon habe sich der Beschwerdeführer erholt, ohne eine Therapie zu bean
spruchen. Im Übrigen seien in der Beziehungsanamnese keine eigentlichen Hinweise auf wiederkehrende pathologische Bindungsmuster
eruierbar
. Auch wenn Verlassenheitsängste und eine Tendenz zur Abhängigkeit vom Partner sicherlich vorliegen würden, entsprächen sie aber keineswegs den Kriterien einer eigentlichen
dependenten
Persönlichkeitsstörung (Urk. 7/70/20).
Ab 2007 sei
es
sodann zunehmend zu Schmerzen gekommen, die zum Teil in Zusammenhang mit degenerativen Veränderungen (Diskushernien und
pro
trusionen
) der
Cervikal
- und Lumbalwirbelsäule hätten gebracht werden
können, nach Einschätzung der involvierten somatische
n Fachärzte
aber offen
bar doch ungenügend korreliert hätten, so dass erstmals im Jahr 2009 am
F._
die Diagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung gestellt worden sei. Damals seien auch Zeichen einer leichten depressiven
Störung, zum Teil auch wieder im
Zusammenhang mit der psychosozialen Belastung der
damaligen
Stellenlosig
keit
, festgestellt
worden.
Die Gutachter
in
hielt dafür, e
igentliche depressive Episoden
könnten ihrer Ansicht nach
für die vergangenen fünf Jahr
e
, bis auf die erwähnte
Adoles
zenten
krise und die längere depressive Erkrankung nach Par
t
nerverlust in den Jahren 2001
–
2004
,
nicht eindeutig abgegrenzt werden. Vielmehr
bestünden
anamnestisch vor allem Hinweise auf eine
Dysthymia
, mit flüchtigen depressiven Stimmungsschwankungen, die in Reaktion auf psycho
soziale Belastungssituationen, Stellenverlust, Partnerschaftskrisen sowie im Zusammenhang mit den erlebten Schmerzen
bestünden
(Urk. 7/70/21).
Die Gutachterin hielt fest, anlässlich der Untersuchung sei der Versicherte
euthym
gewesen und habe über das ganze affektive Spektrum verfügt. Eine aktuelle klinische Depression sei auch psychometrisch durch
d
en
gegenwärtig tiefe
n
Score auf der Hamilton- und MADRS-Depressionsskala widerlegt.
Die
Dysthymia
habe sodann als überdauernde neurotische Depressionsvariante kei
nen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Es läge jedoch eine
somatoforme
Schmerz
störung
vor. Die Schmerzen
könnten
offenbar aus somatischer Sicht nicht abschliessend ätiologisch eingeordnet werd
en. Das subjektive Erleben einer
ungenügend befriedigenden Balance zwischen verschiedenen Lebensberei
chen, insbesondere
im
beruflichen Leben
des Beschwerdeführers
, mit dem heute bitter vorgebrachten Selbstvorwurf, seine früheren intellektuellen Begabungen nicht genügend umgesetzt zu haben (abgebrochene Kantonsschule) und wohl auch die Sorgen um die psychisch angeschlagenen Brüder
sowie die
Mutter seien schwer genug, um als Einfluss für das Entstehen der
somatoformen
Schmerzstörung angenommen zu werden (Urk. 7/70/22). Es liege
jedoch we
de
r
eine gegenwärtige beziehungsweise überdauernde erh
ebliche psychische
Komorbidität
, noch eine chronische körperliche Begleiterkrankung vor. Ein sozialer Rückzug in allen Lebenslagen sei
sodann auch
nicht festzustellen
-
der Beschwerdeführe
r pflege sein soziales Netzwerk - und
e
s sei auch kein primärer
Krankheitsgewinn vorhanden. D
ie Gutachterin wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass lediglich ein niedrig dosiertes schmerzdistanzierendes Antide
pressivum eingesetzt werde
, ansonsten jedoch keine Schmerzmedikation
erfolge
,
bis anhin drei Infiltrationen bei C7 gemacht worden seien
und gegenwärtig lediglich eine stützende Gesprächstherapie bei einem Psychologen stattfinde (Urk. 7/70/23).
Die Gutachterin hielt fest, eine langdauernde Arbeitsunfähigkeit beziehungs
weise ein andauernder arbeitsmedizinisch relevanter Gesundheitsschaden sei bei diesen Diagnosen aus psychiatrischer Sicht nicht gegeben (Urk. 7/70/24).
E
s lägen keinerlei aktuelle Störungen vor, die eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit (Bürobereich, Telefondienstleistungsbereich) begründen
könnten. Auch die leichte depressive Episode, die im Jahr 2009 beschrieben worden sei,
könne nicht zu einer langandaue
rnden Arbeitsunfähig
keit führen und sei die
somatoforme
Schmerzstörung mangels erfüllter Foerster Kriterien invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant
(Urk. 7/70/25)
.
Stellungnehmend zu den sich in den Akten befindenden Arztberichte
n
führte die Gutachterin aus, aus psychiatrischer Sicht würden keine relevanten diag
nostischen Diskrepanzen mit den von den Ärzten des
F._
im Jahr 2009 gestellten Diagnosen einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung und der damals leichten depressiven Episode, die in Zusammenhang mit den psychoso
zialen Belastungsfaktoren gebracht worden seien, vorliegen. Auch Dr.
A._
,
die den Beschwerdeführer in den Jahren 2010/2011 behandelt habe, halte diese Diagnosen fest, attestiere jedoch eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Die Diskre
panz zu ihrer eigenen Einschätzung hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sei wahr
scheinlich dadurch begründet, dass Dr.
A._
die Überwindbarkeitskriterien nicht geprüft habe
. Im Übrigen überzeuge ihre Annahme einer bis zu mittelgra
digen depressiven Episode im Juli 2010 nicht; diese Diagnose werde auch nicht mit einem entsprechenden Psychostatus untermauert (Urk. 7/70/26).
4.
4.1
Entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung (Urk. 1 S. 4) ver
mag das
von Dr.
D._
erstattete Gutachten
die
an eine beweiskräftige ärzt
liche Expertise gestellten Anforderungen
(E. 2.3) vollumfänglich zu erfüllen
.
Die Gutachterin
tätigte eigene, umfassende
Abklärungen
, berücksichtigte die beklagten Beschwerden und begründete ihre Einschätzung in nachvollziehbarer Weise sowie in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
.
4.2
Wenn der
Beschwerdeführer
vorbringt
, die Gutachterin
habe zu Unrecht eine
somatoforme
Schmerzstörung
diagnostiziert, da
somatische Diagnosen vorhan
den seien, welche die
se
Diagnose ausschliessen würden (Urk. 1 S. 4), ist darauf hinzuweisen, dass
bereits die behandelnden Ärzte des
F._
sowie
auch
die
Dr
es
.
Z._
und
A._
zum Schluss kamen
, es liege beim Beschwerdeführer eine
somatoforme
Schmerzstörung vor (E. 3.1-3)
. E
ine solche Diagnose
kann denn auch gestellt werden
, wenn körperliche Störungen vorliegen, jedoch durch diese nicht vollständig
er
klärt werden können (
Dilling
/
Mom
bour
/Schmidt, Hrsg.,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10,
9.
Aufl., Bern 201
4
, S.
233
).
Selbst wenn
aber
der in der Beschwerdeschrift geltend
gemachte
n
Auf
fassung gefolgt und die
Schmerzen
als
ausschliesslich organisch
begründet
erachtet würden
,
änderte
sich am Ausgang des Verfahrens n
ichts
.
In der Beschwerdeschrift
hält
der Beschwerdeführer selber
dafür
,
die
somatischen Diagnosen
seien
bei einer angepasste
n
,
leichten und wechselbelastenden
Tätig
keit
, ohne längerfristige Auswirkung auf
seine
Arbeitsfähigkeit (Urk. 1 S. 3).
Der angestammte Tätigkeitsbereich
des Beschwerdeführers
als Sachbearbeiter mit Fähigkeitsausweis für
kaufmännische Angestellte
(Urk.
7/18/13)
enthält eine grosse Palette an
leichte
n
und wechselbelastende
n
Tätigkeiten.
Dass der Beschwerdeführer sich auch selber eine
solche Tätigkeit
zutraut, ergibt sich aus
seinen anlässlich der Begutachtung gemachten Ausführungen
, wo
er erklärte
, sein Problem sei vor allem, dass er keine gute Ausbildung habe,
eine solche
bei
Büro
stellen jedoch benötigt würde
. Er würde ansonsten sehr gerne
mit Leuten zusammenarbeiten, er
müsse dabei
aber
vermeiden
,
den ganzen Tag sitzen
zu
müs
sen
. Er stelle sich eine Tätigkeit im
Backoffice
, am Empfang,
oder
im Sekretariat vor (Urk. 7/70/17).
Sodann hielt auch Dr. med.
G._
,
Facharzt Allgemeine Medizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst, am 18. März 2013
stellung
nehmend
zu den im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
eingebrachten Vor
wände
n
(Urk. 7/80) sowie dem eingereichten Bericht des
E._
vom 6. Dezember 2012 (Urk. 781/2-3) dafür, die Einschränkungen an der Wirbelsäule würden aufgrund der klinischen und
versicherungsmedizini
schen
Erfahrung keine Arbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit mit entsprechendem Belastungsprofil, wie zum Beispiel für eine Bürotätigkeit, begründen (Urk. 7/85/2).
Eine dauerhafte relevante Einschränkung der Arbeits
fähigkeit aus somatischer Sicht für den angestammten Tätigkeitsbereich lässt sich mithin nicht begründen.
4.3
4.3.1
Der Beschwerdeführer wandte sodann ein,
es müsse der Einschätzung der
Fach
leute des
B._
sowie der behandelnden Ärzte gefolgt werden
, die zum Schluss gekommen seien, dass er aufgrund seiner psychischen Einschränkungen nicht mehr als
zu
50 % arbeiten könne;
die
mehr
monatige berufliche Abklärung sei aussagekräftiger als eine einmalige Untersuchung
durch die
Gutachterin (Urk. 1 S. 3). Die Gutachterin habe sich im Übrigen auch nicht mit den Ergebnissen der beruflich
en Abklärung auseinandergesetzt, weshalb
die Expertise nicht voll
ständig sei
(Urk. 1 S. 4)
.
4.3.2
Was die Einschätzungen von den zuständigen
Personen beim
B._
betrifft
(Urk. 7/60, Urk. 7/48)
, so basieren diese nicht auf medizinischen Befunden
und
lassen insbesondere unberücksichtigt, dass aus fachärztlicher Sicht weder eine relevante psychiatrische
Komorbidität
noch eine nicht überwindbare
Schmerz
problematik
hat bestätigt werden können (E. 3.5). Fehlt es mithin aus objektiver Sicht an nicht überwindbaren gesundheitlichen Einschränkungen (E. 2.1), so kann nicht auf die anlässlich des genannten Arbeitstrainings demonstrierte Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers abgestellt werden.
4.3.3
Wenn Dr.
A._
sodann eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % gestützt auf die Diag
nosen einer
somatoformen
Schmerzstörung sowie einer leichten bis mittel
gradigen depressiven Episode attestiert
e
(E. 3.3)
, so ist
mit der
Gutachterin
davon aus
zugehen, dass diese Diskrepanz bei der
Einschätzung der Arb
eitsfä
higkeit einerseits
dadurch
begründet
ist, dass Dr.
A._
die
Überwindbar
k
eitskriterien
nicht geprüft hat
.
Die Gutachterin kam nämlich
-
mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (E. 2.2)
-
zu Recht zum Schluss, dass die Folgen der
somatoformen
Schmerzstörung vorliegend zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen
.
B
ei der von Dr.
A._
diagnostizierten leichten bis mittelgradigen depressiven Episode
handelt es sich
ausserdem
definitions
gemäss
um ein vorübergehendes Leiden, indem solche Episoden im Mittel
etwa sechs Monate, selten länger als ein Jahr dauern
, weshalb ein solches Leiden
von vorn
herein
nicht geeignet ist, eine leistungsspezifische Invalidität zu begründen
. Länger dauernde Störungen
sind unter F33 (rezidivierende depressive Störung) oder F34 (anhaltende affek
tive Störung) zu subsumieren (Urteil des Bundesge
richts I 510/06 vom 2
6.
Januar
2007,
E
. 6.3
, mit Hinweis auf
Dil
ling
/
Mom
bour
/Schmidt, Hrsg.,
Internationale
Klassifikation psychischer Störun
gen, ICD-10,
7.
Aufl., Bern 2010, S. 149 ff.; Urteil
8C_80/2011 vom 14. Juni 2011, E. 6.3.2
).
Dass die Gutachterin
im Gegensatz zu Dr.
A._
im Übrigen
keine depressive Störung
diagnostizierte,
gibt
mit Blick auf die vom Beschwer
deführer gemachten Angaben
zu seiner Freizeitgestaltung
und die
von ihr
erho
benen Befunde
zu keinerlei Beanstandungen Anlass
. So gab der Beschwerde
führer an,
er benütze oft den Computer
,
lese Nachrichten und chatte mit Kolle
gen, am Nachmittag erledige er mit seinem Lebenspartner Einkäufe, abends gehe er ins Fitnesscenter, auch weil er soziale Kontakte brauche, Nachtessen koche er abwechselnd mit seinem Lebenspartner, am Sonntag besuche
er seine Eltern
, wenn er nicht
zu viele
Schmerzen habe;
sodann gab er an,
gerne auf der Terrasse in der Sonne
zu liegen und im August
mit seinem Partner nach
Südita
lien
zu fahren
,
wobei die Fahrt
mit dem Auto
zwei Tage
daure und
man sich
am Steuer
abwechseln
werde (Urk. 7/70/12-13)
.
4.3.4
Was
schliesslich
die Einschätzungen von Dr.
Z._
und Dr.
C._
betrifft (E.
3.2, 3.4
),
so handelt es sich bei ihnen um Allgemeinmediziner (vgl. Sachver
halt E. 1.1-2)
,
weshalb
auf
ihre
mit psychischen Beschwerden begründete
n
Ein
schränkung
en
der Arbeitsfähigkeit
von vorneherein
nicht abgestellt werden kann.
4.4
Hinsichtlich des Einwandes des Beschwerdeführers, von seinem aktuell
behandeln
den Therapeuten
habe die IV-Stelle keinen Bericht eingeholt, weshalb die Aktenlage nicht vollständig sei und es somit auch
aus dieser Sicht
dem Gut
achten an Beweiswert mangle (Urk. 1 S. 4)
, ist darauf hinzuweisen, dass
nachdem im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
geltend gemacht worden war, es fehle ein Bericht des a
ktuell behandelnden Psychiaters
(Urk. 7/80/2)
und die Beschwerdegegnerin beim Beschwerdeführer
dies
bezüglich
um
ergänzende Angaben
ersucht hatte
der
Beschwerdeführer
mitteilte, die Behandlung sei bereits wieder beendet, da
es
nichts gebracht habe
; er sei seither in keiner Behandlung mehr. Für ihn stünden klar die Rückenbeschwerden im Vorder
grund (Urk. 7/83).
Sein Vorbringen
die Aktenlage sei nicht vollständig und das Gutachten deshalb nicht beweistauglich,
zielt mithin ins Leere
.
4.5
Zusammenfassend
ergeben sich damit keine Hinweise, welche das Gutachten von
Dr.
D._
zu erschüttern vermögen, weshalb darauf abzustellen ist, dass der Beschwerdeführer in bisheriger Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig ist. Dies führt zur vollumfänglichen Abweisung der Beschwerde.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600
.--
festzulegen
und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).