Decision ID: ecdba011-b56b-5819-9741-c6e5a28b3a23
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X wohnt in D in der Gemeinde G/SZ. Sie ist dipl. Kindergärtnerin und
dipl. Personalberaterin und als Therapeutin im pädagogischen, sozialen und
psychologischen Bereich selbständig erwerbstätig. Vom 1. April 2000 bis
31. Dezember 2003 war sie Gesellschafterin der Kollektivgesellschaft "Team X + Y" mit
Sitz in A/SZ. Seither führt sie ihren Betrieb in der Form eines im Handelsregister nicht
eingetragenen Einzelunternehmens.
B.- Für 2007 deklarierte X im Kanton Schwyz am 15. August 2008 ausgehend von
Einkünften aus der Erwerbstätigkeit von Fr. 108'683.-- ein steuerbares Einkommen von
Fr. 103'099.-- und kein steuerbares Vermögen. Sie reichte am 2. September 2008 eine
Kopie der Deklaration dem Steueramt der Gemeinde U ein. Das kantonale Steueramt
St. Gallen bat die Schwyzer Steuerbehörden am 30. März 2009, die Veranlagung für
2007 bis auf weiteres zurückzustellen. Da die Steuervertreterin für die Veranlagung im
Kanton St. Gallen nicht mitwirkte, wurden die Schwyzer Behörden zudem am 25. Mai
2009, am 22. September 2009 und erneut am 7. Januar 2010 ersucht, die Kontodetails
einzufordern und an das Steueramt der Gemeinde U weiterzuleiten. Die
Steuerverwaltung des Kantons Schwyz reagierte auf das Begehren nicht. Sie
veranlagte X mit Verfügung vom 6. Oktober 2009 entsprechend ihrer Deklaration und
nahm keine Steuerausscheidung mit dem Kanton St. Gallen vor. Am 19. Januar 2010
teilte die Schwyzer Veranlagungsbehörde auf telefonische Anfrage hin mit, die
Veranlagung für 2007 sei "falsch gelaufen" und ersuchte, die Veranlagung 2007 "ruhen
zu lassen", dafür den gesamten Gewinn 2008 in U zu besteuern. Das Steueramt des
Kantons St. Gallen hielt am 21. Januar 2010 an einer Steuerausscheidung für das
Steuerjahr 2007, nämlich 75% im Kanton St. Gallen und 25% im Kanton Schwyz, fest.
Der im Kanton Schwyz zuständige Veranlagungsbeamte sicherte am 25. Januar 2010
eine Übernahme der von den st. gallischen Behörden vorgeschlagenen Ausscheidung
zu. Dementsprechend wurde X am 26. Januar 2010 für die st. gallischen Staats- und
Gemeindesteuern 2007 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 85'100.-- zum Satz
von Fr. 113'800.-- veranlagt. Die Schwyzer Behörde passte ihre Ausscheidung für das
Steuerjahr 2007 am 16. Februar 2010 an. Das kantonale Steueramt wies die gegen die
st. gallische Veranlagung erhobene Einsprache am 26. November 2010 ab.
C.- Gegen den Einsprache-Entscheid vom 26. November 2010 erhob X durch ihre
Vertreterin mit Eingabe vom 6. Dezember 2010 Rekurs bei der
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Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, mangels steuerlich massgebenden
Geschäftsdomizils in U sei die Steuerausscheidung aufzuheben, eventualiter unter
Streichung der Kürzung der verbuchten Mietanteile eine Steuerausscheidung von 25%
für St. Gallen und 75% für Schwyz festzulegen.
Die Vorinstanz beantragte mit am 1. Februar 2011 eingegangener Vernehmlassung die
Abweisung des Rekurses. Die Rekurrentin nahm dazu mit Eingabe vom 7.
Februar 2011 Stellung. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung
ihrer Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 6. Dezember 2010 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Zwischen den Verfahrensbeteiligten ist unbestritten, dass die Rekurrentin im
Steuerjahr 2007 an ihrem Wohnsitz in D, Gemeinde G, im Kanton Schwyz kraft
persönlicher Zugehörigkeit unbeschränkt steuerpflichtig war. Auch wenn die
Rekurrentin ihr Einzelunternehmen im Handelsregister nicht eingetragen hat, ist
aufgrund der tatsächlichen Gegebenheiten ebenso unbestritten, dass der Mittelpunkt
ihres Geschäftsbetriebs im Steuerjahr 2007 an ihrem Wohnsitz im Kanton Schwyz
anzusiedeln war. Umstritten ist indessen, ob die Rekurrentin im Jahr 2007 in U über
eine Betriebsstätte und damit ein sekundäres Steuerdomizil verfügte und deshalb im
Kanton St. Gallen kraft wirtschaftlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig war (vgl. dazu
nachfolgend E. 3; zur Unterscheidung zwischen dem Spezialsteuerdomizil des
Geschäftsortes und dem sekundären Steuerdomizil am Ort der Betriebsstätte vgl.
Urteile des Bundesgerichts vom 4. März 2009 und 25. Mai 2011, in: StE 2009 A
24.24.41 Nr. 3 und StE 2011 A 24.24.41 Nr. 5; BGE 134 I 303 E. 2.2). Ist von einer
beschränkten Steuerpflicht der Rekurrentin im Kanton St. Gallen auszugehen, ist
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sodann umstritten, in welchem Umfang der Kanton St. Gallen die Einkünfte aus der
Erwerbstätigkeit der Rekurrentin besteuern darf (vgl. dazu nachfolgend E. 4). Zwar
haben sich die Steuerbehörden der beteiligten Kantone Schwyz und St. Gallen auf eine
quotenmässige Ausscheidung von 25% am Geschäftsort, der mit dem Wohnsitz der
Rekurrentin zusammenfällt, und 75% am Ort der Betriebsstätte geeinigt, so dass
jedenfalls keine aktuelle Doppelbesteuerung in Frage steht. Indessen liegt ein Verstoss
gegen das Doppelbesteuerungsverbot gemäss Art. 127 Abs. 3 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt: BV) auch dann vor, wenn
ein Kanton in Verletzung der geltenden Kollisionsnormen seine Steuerhoheit
überschreitet und eine Steuer erhebt, die einem anderen Kanton zusteht (virtuelle
Doppelbesteuerung; vgl. anstelle vieler BGE 132 I 129 E. 2.1; 131 I 285 E. 2.1).
3.- Zu prüfen ist zunächst, ob die Rekurrentin im Steuerjahr 2007 an der Z-Strasse in U
über eine Betriebsstätte verfügte.
a) Gemäss Art. 14 Abs. 1 StG sind natürliche Personen ohne steuerrechtlichen
Aufenthalt im Kanton aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig, wenn sie
im Kanton Geschäftsbetriebe oder Betriebsstätten unterhalten. Als Betriebsstätte gilt
eine feste Geschäftseinrichtung, in der die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens oder
ein freier Beruf ganz oder teilweise ausgeübt wird (Art. 14 Abs. 3 StG). Betriebsstätten
sind gemäss Art. 7 der Steuerverordnung (sGS 811.11, abgekürzt: StV) insbesondere
Zweigniederlassungen, Fabrikationsstätten, Werkstätten, Verkaufsstellen, ständige
Vertretungen, Bergwerke und andere Stätten der Ausbeutung von Bodenschätzen
sowie Bau- oder Montagestellen von wenigstens 12 Monaten Dauer. Die kantonalen
Regelungen entsprechen den Vorgaben des Bundesgesetzes über die Harmonisierung
der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (SR 642.14, abgekürzt: StHG).
Insbesondere entspricht die Umschreibung der Betriebsstätte im Ergebnis Art. 21
Abs. 1 lit. b StHG, der – mangels einer eigenen Begriffsdefinition – auf die
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Doppelbesteuerungsverbot verweist.
Demnach setzt eine Betriebsstätte eine ständige körperliche Anlage voraus, die Teil
des ausserkantonalen Unternehmens bildet und in der dieses eine qualitativ und
quantitativ erhebliche Tätigkeit entfaltet (vgl. BGE 134 I 303 E. 2.2 mit Hinweisen).
Damit eine Tätigkeit qualitativ und quantitativ erheblich ist, muss sie einerseits zum
eigentlichen Geschäftsbetrieb gehören, wobei hierzu in erster Linie sämtliche der
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Produktion und dem Kundenkontakt dienenden Tätigkeiten zählen. Es darf sich jedoch
vor dem Hintergrund der Gesamttätigkeit des Unternehmens nicht nur um eine
unwesentliche, bloss untergeordnete oder nebensächliche Funktion handeln, soll doch
eine unerträgliche Zersplitterung der Steuerpflicht vermieden werden (vgl. BGE 110 Ia
190 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 2P.249/2006 vom 29. Januar 2007 E. 3.2; SGE
2006 Nr. 22 E. 3b).
b) Die Rekurrentin führte im Jahr 2007 in den an der Z-Strasse in U gemieteten
Räumlichkeiten einen wesentlichen Teil der von ihr angebotenen Kurse und Seminare
durch. Dass sie die Räumlichkeiten nicht als Eigentümerin, sondern als Mieterin und
lediglich zusammen mit anderen Therapeuten nutzte, ist nicht von Belang (vgl. Höhn/
Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, 4. Aufl. 2000, S. 144 mit Hinweis; SGE 2009 Nr. 8
für das gemeinsame Theorielokal mehrerer Fahrlehrer). Für die Lokalitäten zahlte die
Rekurrentin einen monatlichen Mietzins von Fr. 1'100.--. Die Zahlungen gingen an die
frühere Mitgesellschafterin, die bestätigte, dass die Rekurrentin in den Räumlichkeiten
"einen Teil ihrer Seminare" durchführe (vgl. Bestätigung vom 14. Januar 2007, act. 7-V).
Für die Räumlichkeiten wurde eine separate Rechnung mit Einnahmen – Mietzinsen
weiterer Nutzer – und Ausgaben – insbesondere Reinigungs-, Heiz- und weitere
Betriebskosten sowie Versicherungen – geführt. Die Ausgaben umfassten sodann auch
Infrastrukturkosten, die nicht als Raumkosten bezeichnet werden können, wie
Aboerneuerungen für – teilweise nicht der Rekurrentin, teilweise ausschliesslich ihr
zuzurechnende – Domain-Namen (...), das Hosting von Websites (...) und der Druck
von Karten. Der Kostenüberhang wurde zwischen der Rekurrentin und ihrer früheren
Mitgesellschafterin hälftig geteilt (vgl. act. 7-II/2.5).
Die Räumlichkeiten an der Z-Strasse in U standen der Rekurrentin zwar nicht exklusiv
zur Verfügung. Nach der Darstellung ihrer Vertreterin mietete sie die Räume, damit sie
für die Kurstage flexibel planen konnte und nicht auf die Verfügbarkeit bzw.
Zustimmung ihrer früheren Mitgesellschafterin angewiesen war, was ihr die frühzeitige
Planung der Seminare erleichterte und die Durchführung der Kurse an den
teilnehmerreichsten Tagen ermöglichte (vgl. act. 7-II/2.0). Die Räumlichkeiten standen
ihr das ganze Jahr über zur Verfügung. Sie beteiligte sich zudem, wie dies im Rahmen
einer einfachen Gesellschaft üblich ist (vgl. Art. 531 Abs. 2 und Art. 533 Abs. 1 des
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Schweizerischen Obligationenrechts; SR 220), am Kostenüberhang. Damit verfügte sie
im Jahr 2007 im Kanton St. Gallen über eine ständige körperliche Einrichtung.
c) Die Rekurrentin ist als Therapeutin im pädagogischen, sozialen und psychologischen
Bereich tätig. Im Jahr 2007 hat sie insgesamt gegen 40 Kurse und Seminare angeboten
(vgl. act. 7-II/2.3; 2/2). Davon haben gegen 30 in den Räumlichkeiten des "Team X + Y"
an der Z-Strasse in U stattgefunden. Die Durchführung dieser Kurse und Seminare
bildet das Kernstück der selbständigen Erwerbstätigkeit der Rekurrentin und die
zentrale Einnahmequelle. Die Leistungen, welche die Rekurrentin im Jahr 2007 in den
Räumlichkeiten an der Z-Strasse in U erbrachte, waren deshalb für ihre selbständige
Erwerbstätigkeit in quantitativer und qualitativer Hinsicht erheblich. Keinesfalls handelte
es sich dabei um eine bloss untergeordnete oder nebensächliche Funktion ihrer
selbständigen Tätigkeit.
d) Die Vorinstanz ist damit zu Recht davon ausgegangen, dass die Rekurrentin an der
Z-Strasse in U im Kanton St. Gallen über eine Betriebsstätte verfügte. Selbst im Rekurs
wird ausgeführt, die Rekurrentin habe in den angemieteten Räumlichkeiten zahlreiche
Kurse durchgeführt. Daran, dass diese Räumlichkeiten eine Betriebsstätte darstellten,
vermag nichts zu ändern, dass die Rekurrentin einzelne Kurse auch an anderen Orten
durchführte und ihr – wie sie geltend macht – die Beratungszimmer weder zur
Verfügung stünden noch gebraucht würden. Ebensowenig ist von Bedeutung, ob die
Rekurrentin bei der Durchführung der Kurse und Seminare in U Referenten beigezogen
hat. Unbestritten ist, dass sie die Kurse veranstaltet und die Kursgelder eingenommen
und davon auch die Honorare der beigezogenen Personen beglichen hat. Für die
Qualifikation der Räumlichkeiten als Betriebsstätte ist ebenfalls nicht von Belang, ob
die Rekurrentin mit ihrer früheren Mitgesellschafterin ein "Team" gebildet hat.
4.- Verfügte die Rekurrentin mit den Räumlichkeiten an der Z-Strasse in U im Jahr 2007
über eine Betriebsstätte, ist zu prüfen, in welchem Umfang die von ihr erzielten
Einkünfte aus der selbständigen Erwerbstätigkeit im Kanton St. Gallen steuerbar sind.
a) Bei wirtschaftlicher Zugehörigkeit beschränkt sich die Steuerpflicht gemäss Art. 15
Abs. 2 StG auf die Teile des Einkommens und Vermögens, für die nach Art. 14 StG eine
Steuerpflicht im Kanton besteht. Dabei erfolgt die Steuerausscheidung nach den
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Grundsätzen des Bundesrechts über das Verbot der interkantonalen
Doppelbesteuerung (Art. 16 Abs. 1 StG). Die Steuerausscheidung bei interkantonalen
Unternehmen erfolgt quotenmässig, d.h. Vermögen bzw. Kapital und Einkommen bzw.
Gewinn sind anteilmässig auf die einzelnen Steuerdomizile aufzuteilen. Da die
Buchhaltung der Rekurrentin für die einzelnen Kursorte keine separaten Ergebnisse
ausweist, ist zur Festsetzung der Quoten auf repräsentative Hilfskriterien (Vermögens-
bzw. Kapitalausscheidung) bzw. Hilfsfaktoren (Einkommens- bzw.
Gewinnausscheidung), d.h. betriebsspezifische Kennzahlen (sog. "indirekte Methode")
abzustellen. Als Hilfsfaktoren für die Einkommens- bzw. Gewinnausscheidung kommen
die Umsatzzahlen, die sog. Erwerbsfaktoren (Arbeit und Kapital), die Honorar- oder
Prämieneinnahmen usw. in Betracht (vgl. P. Locher, Einführung in das interkantonale
Steuerrecht, 3. Aufl. 2009, S. 102). Mangels klarer Anhaltspunkte kann die Aufteilung
auch ermessensweise erfolgen (vgl. Locher/Locher, Das interkantonale
Doppelbesteuerungsrecht, Loseblattsammlung, § 8, II C, 5 Nr. 1 [BGE 34 I 681] und
Nr. 6 [ZBl 1947 S. 23]; VRKE I/1-2009/49 vom 16. Februar 2010 E. 3).
b) Die Vorinstanz hat den im Jahresabschluss per 31. Dezember 2007 ausgewiesenen
Reingewinn von Fr. 114'683.-- um überhöhte Mietaufwendungen für das Büro und die
Garage am Wohnsitz von Fr. 7'200.-- erhöht (vgl. dazu nachfolgend E. 5) und die
Einkünfte der Rekurrentin aus ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit in Absprache mit
den Steuerbehörden am Hauptsteuerdomizil mangels Zuordnung der Umsätze auf die
"Betriebsorte" sowie mangels anderer geeigneter Hilfsfaktoren teilweise nach
Ermessen zu 75% dem Kanton St. Gallen und zu 25% dem Kanton Schwyz
zugeschieden. Der Vorausanteil (Präzipuum) des Verwaltungsortes betrage in der Regel
10 bis maximal 20% des Reingewinnes. Sämtliche mündlichen Einzelbehandlungen
und Gespräche seien in U oder beim Kunden vor Ort durchgeführt worden, weil am
Wohnort dafür keine geeigneten Geschäftsräume zur Verfügung gestanden seien. Mit
der Ausscheidung seien auch einzelne telefonische Beratungen abgegolten, welche
sich nicht in ständigen Einrichtungen und Anlagen am Geschäftsort in U abspielten.
Dagegen wird im Rekurs vorgebracht, die Ausscheidung sei nach den tatsächlichen
Gegebenheiten vorzunehmen. Die Räumlichkeiten stünden der Rekurrentin nicht
ständig, sondern an den Kurstagen gemäss Kursprogramm zur Verfügung. Ausserhalb
der Kurse sei sie nicht in U anwesend, da sie für die Vorbereitung, Planung und
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Durchführung dort keine Infrastruktur habe. Anhand der Kalendereinträge könne sie
nachweisen, dass sie an 25% aller Arbeitstage in U beschäftigt gewesen sei (act. 2/2).
Die Durchführung der Kurse bedinge einen langen Vorlauf für die Planung und
Organisation (Festlegung der Themen/Inhalte, Koordination der Module/Fortsetzungen,
Anfragen bei Referenten/Hotels/Kursräume, erste grobe Terminplanung, Erstellung/
Überarbeitung der Dokumentation/Kursbroschüre/Schulungs- und Kursunterlagen,
Erstellung der verschiedenen Druckstufen etc.). Dies mache den grössten Teil des
Arbeitspensums aus. Die Ausscheidung von 75% zugunsten des Kantons St. Gallen
erscheine nicht willkürfrei. Im Jahr 2005 seien "kulanterweise" zwei Drittel dem Kanton
St. Gallen zugewiesen worden. Läge eine Betriebsstätte vor, wäre deshalb eine
Ausscheidung von höchstens 25% an den Kanton St. Gallen gerechtfertigt.
c) Zwar ist nicht in Abrede zu stellen, dass die Planung, Vorbereitung und Organisation
von Kursen und Seminaren hinsichtlich des zeitlichen Aufwands jenen für die
Durchführung übersteigen kann. Die Rekurrentin weist allerdings in der Regel weniger
Vorbereitungs- als Durchführungszeit aus. Dies gilt insbesondere für die am häufigsten
durchgeführten dreitägigen "S"-Seminare, bei denen sie jeweils einen Tag für die
Vorbereitung reserviert (vgl. act. 2/2). Da im Rahmen der Steuerausscheidung zudem
Einkünfte – und nicht Aufwendungen – den einzelnen Steuerdomizilen zuzuweisen sind,
ist es nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz für die Steuerausscheidung nicht an
der Aufwandseite, sondern an der Ertragsseite angeknüpft hat. Für die Zulässigkeit
dieses Vorgehens spricht auch der Umstand, dass praxisgemäss für die Verwaltung ein
Präzipuum ausgeschieden wird. Auch die Verwaltung ist für die Erzielung der Einkünfte
unabdingbar und zuweilen mit erheblichen Aufwänden verbunden; trotzdem bewegt
sich der Anteil in der Veranlagungspraxis – worauf die Vorinstanz hinweist – in der
Regel im Rahmen von 10-20% (vgl. dazu die Urteile des Bundesgerichts 2P.
338-440/2006 vom 10. September 2007). Für die Erzielung der Einkünfte aus der
Tätigkeit der Rekurrentin ist die Durchführung der Kurse und Seminare zentral. Die
Höhe des Umsatzes hängt unmittelbar von der Zahl der zustande gekommenen Kurse
und der Teilnehmer ab.
Aus den Aufstellungen der Rekurrentin ergibt sich, dass die weit überwiegende Zahl
der Kurse des Jahres 2007 in den Räumlichkeiten an der Z-Strasse in U durchgeführt
worden ist. Von 39 Veranstaltungen (Kurse, Seminare, Coachingtage usw.) mit einer
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Dauer von zusammen 97 Tagen haben 28 Veranstaltungen von zusammen 70 Tagen
Dauer in U stattgefunden (vgl. act. 2/2). Dies entspricht rund 72% der Veranstaltungen
und Tage. Zudem haben in diesen Räumlichkeiten auch geschäftlich bedingte
Besprechungen stattgefunden (vgl. Schreiben der Steuervertreterin an das Steueramt
U vom 2. September 2008, act. 7-I/1.1). Eine Präzisierung hinsichtlich des erzielten
Umsatzes ist nicht möglich, da die Buchhaltung der Rekurrentin eine Zuordnung der
Erlöse zu den einzelnen Kursen und Seminaren nicht zulässt (vgl. Details des Kontos
"Erlöse", act. 7-II/2.2 S. 27-35). Die Zuordnung von 75% der Einkünfte der Rekurrentin
aus der selbständigen Erwerbstätigkeit zur Besteuerung durch den Kanton St. Gallen,
die im Übrigen mit den Steuerbehörden am Wohnsitz der Rekurrentin abgesprochen
ist, ist unter diesen Umständen angemessen.
5.- Im Rekurs wird schliesslich beanstandet, dass die Vorinstanz bei den Einkünften
der Rekurrentin aus ihrer selbständigen Tätigkeit nicht den im Rechnungsabschluss per
31. Dezember 2007 ausgewiesenen Unternehmenserfolg von Fr. 114'683.19
übernommen, sondern den für die geschäftlich genutzten Räumlichkeiten am Wohnsitz
verbuchten Mietaufwand von Fr. 12'000.-- (vgl. Details des Kontos "Miete", act. 7-II/2.2
S. 50) um Fr. 7'200.-- reduziert hat. Sie hat damit einen jährlichen Mietaufwand von
Fr. 4'800.--, d.h. monatlich Fr. 400.-- statt Fr. 1'000.-- anerkannt. Bei der Berechnung
hat sie einerseits den Mietzins von Fr. 24'120.-- für die 4 1⁄2-Zimmer-Wohnung ohne
Abstellplatz (12 x Fr. 2'060.-- abzüglich 12 x Fr. 50.--) zuzüglich Fr. 600.-- für den
Abstellplatz und anderseits den fehlenden Privatanteil für Strom- und Wasserkosten
berücksichtigt.
Im interkantonalen Verhältnis bestimmt jeder Kanton das steuerbare und das
satzbestimmende Einkommen nach seinem eigenen Recht. Die st. gallische
Veranlagungspraxis ermittelt den Mietwert eines geschäftlich genutzten Raumes in der
Privatwohnung nach der Anzahl Zimmer der Wohnung, erhöht um eine Einheit für die
Nebenräume (vgl. SGE 2010 Nr. 31, StB 39 Nr. 1 Ziff. 2, Weidmann/Grossmann/
Zigerlig, Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 43). Im Rekurs
wird geltend gemacht, der Mietaufwand sei nach der durch die Einzelfirma tatsächlich
belegten Fläche ermittelt worden. Belege für diese Behauptung werden indessen nicht
eingereicht, indem konkret beispielsweise mit Fotografien dargelegt würde, dass in der
Wohnung insgesamt zwei Zimmer – beispielsweise ein Büro und ein Therapiezimmer –
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ausschliesslich für die Berufsausübung genutzt werden. Die Miete für die 4 1⁄2-Zimmer-
Wohnung der Rekurrentin in D ohne Nebenkosten und Abstellplatz beträgt monatlich
Fr. 1'850.-- (vgl. Mietvertrag act. 7-I/1.8). Die anrechenbaren Kosten für ein Zimmer je
Jahr belaufen sich dementsprechend auf Fr. 4'036.35 (12 x Fr. 1'850.-- : 5,5). Hinzu
kommt ein Anteil an den Nebenkosten und an den Kosten des Abstellplatzes von
jährlich Fr. 600.--. Die Berücksichtigung eines geschäftlich begründeten Mietaufwands
von Fr. 4'800.-- bei der Ermittlung der Einkünfte der Rekurrentin aus ihrer
selbständigen Erwerbstätigkeit ist unter diesen Umständen nicht zu beanstanden.
6.- Zusammenfassend erweist sich der Rekurs als unbegründet. Er ist abzuweisen.
7.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu verrechnen.