Decision ID: b72aadfc-0d46-597d-acf7-cc2f1fe5d36b
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob,
St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Am 9. Dezember 2008 meldete die private Krankentaggeldversicherung A._ zur
Früherfassung bei der Invalidenversicherung des Kantons St. Gallen an
(Arbeitsunfähigkeit 100% seit 25. August 2008; IV-act. 1). Auf Aufforderung der
Eingliederungsberatung der IV-Stelle meldete sich der Versicherte am 31. Dezember
2008 zum Leistungsbezug an. Er sei selbständiger Schuhmacher seit 2001 und leide
aktuell an einer Diskushernie, ferner gab er Pneumothorax an (IV-act. 5).
A.b Am 7. Januar 2009 gab der Hausarzt Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeine
Medizin, Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) telefonisch
Auskunft. Bei Status nach Diskushernienoperation lumbal am 18. September 2008 (IV-
act. 25-4 ff.) sei der Versicherte seit 25. August 2008 zu 100% und seit 5. Januar 2009
zu 60% arbeitsunfähig; er befinde sich in ambulanter Rehabilitation, mit einer
Verbesserung sei zu rechnen (IV-act. 12, 25). Mit Eingangsdatum 10. Februar 2009
berichtete der Hausarzt der IV-Stelle, nach drei Spontanpneumothoraxen im Jahr 1991
und Sequesterektomie, Nukleotomie sowie Fenestration L4/L5 der Diskushernie im
Jahr 2008 seien postoperativ anhaltende Verspannungsbeschwerden der unteren
Wirbelsäule, vor allem bei längerem Stehen, vorhanden. Der Versicherte arbeite derzeit
zwei bis drei Stunden in seinem angestammten Beruf als Schuhmacher. Leichte
Tätigkeiten seien dem Versicherten ohne Bücken, Heben und Tragen von Lasten in
wechselnder Körperhaltung (Gehen, Stehen, Sitzen) bei herabgesetzter Arbeitsleistung
an zwei bis drei Stunden pro Tag zumutbar. Bis 3. Februar 2009 habe sich zunehmend
eine Besserung eingestellt (IV-act. 31). Mit Schreiben vom 11. Februar 2009 berichtete
der Hausarzt vom Stillstand der Fortschritte, eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf
über 50% sei nicht möglich. Die stehende Tätigkeit als selbständiger Schuhmacher sei
maximal vier Stunden täglich möglich, eine sitzende Tätigkeit wahrscheinlich länger (IV-
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act. 34). Im Verlaufsbericht vom 6. April 2009 bestätigte der Hausarzt unter Beilage
zweier Berichte des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG; Klinik für Neurochirurgie vom 1.
Oktober 2008 und 25. Februar 2009) einen ungünstigen postoperativen Verlauf bei
objektiv lumbalen Muskelverspannungen mit eingeschränkter
Wirbelsäulenbeweglichkeit, vor allem bei Flexion und Schmerzen beim Aufrichten. Er
bestätigte Arbeitsunfähigkeiten von 100% vom 25. August 2008 bis 4. Januar 2009 und
ab 7. März 2009, dazwischen eine Arbeitsunfähigkeit von 80% (IV-act. 35).
A.c Die IV-Stelle betraute in der Folge den Physiotherapeuten D._ mit einer
Arbeitsplatz-Beurteilung. Die Abklärung vom 4. März 2009 im Betrieb des Versicherten
ergab Verbesserungspotential für die Arbeitshaltung mittels Erhöhung des
Arbeitsplatzes, einer besseren Beleuchtung und verbesserter "Beinarbeit" zufolge
Rumpfstabilisierung (IV-act. 37). Eine lumbale Facettengelenksinfiltration beidseitig auf
Höhe L4/L5 wurde am 26. März 2009 in der Klinik für Neurochirurgie am KSSG durch
geführt (IV-act. 38). Der Eingliederungsverantwortliche hielt am 28. April 2009 fest, der
Gesundheitszustand des Versicherten sei noch nicht stabil, konkrete Aussagen zur
Arbeitsfähigkeit angestammt und adaptiert seien noch nicht möglich; Eingliederungs
potential bestehe deshalb noch nicht (IV-act. 40; Assessmentverlaufsprotokoll). Dem
Versicherten wurde am 30. April 2009 mitgeteilt, dass Eingliederungsmassnahmen zur
zeit nicht angezeigt seien, dass der weitere medizinische Verlauf abgewartet und der
Rentenanspruch mit der Einleitung weiterer Abklärungen geprüft werde (IV-act. 45).
Offenbar hatte der Versicherte im Frühjahr 2009 einen Mitarbeiter zu 100% angestellt
(vgl. Triage-Protokoll vom 14. Juli 2009; IV-act. 52). Der Hausarzt berichtete am 2. Juni
2009, der Versicherte arbeite zurzeit zu 30% in seinem Betrieb (IV-act. 49).
A.d Am 18. Juni 2009 erstattete Dr. med. C._, Fachärztin für Physikalische Medizin
und Rehabilitation, vom RAD über ihre Abklärung des Versicherten zur Stand
ortbestimmung und Klärung der Arbeits- und Eingliederungsfähigkeit vom 9. Juni 2009
einen Bericht. Sie stellte folgende Diagnosen: lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
bei Status nach Fenestration L4/L5 links, Sequesterektomie und Nukleotomie am
18. September 2008 bei grosser Diskushernie L4/L5 links und ein myofasziales
Schmerzsyndrom linker Schultergürtel. Aktuell bestünden noch Restbeschwerden nach
der Operation lumbal mit Ausstrahlung in das linke Bein ohne radikuläre Aus
strahlungen. Die vom Versicherten geschilderten Beschwerden und Funktionsein
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schränkungen (eingeschränkte Rückenbelastbarkeit) seien durch die objektivierbaren
Befunde weitgehend erklärbar. Die aktuell verwertete Arbeitsfähigkeit von 30% dürfte
im weiteren Verlauf noch auf mindestens 50% zu steigern sein. In einer adaptierten
Tätigkeit – körperlich leicht bis selten mittelschwer, streng wechselbelastend,
rückenergonomisch angepasst, keine längeren Positionen in
Wirbelsäulenzwangshaltung und Oberkörpervorneigung – bestehe eine Arbeitsfähigkeit
von mindestens 80%, ganztags verwertbar (IV-act. 51). Am 7. Oktober 2009 erfolgte
eine Abklärung im Betrieb des Versicherten. Der zuständige Sachbearbeiter hielt in
seinem Bericht vom 9. November 2009 fest, der Versicherte sei durch sein
Rückenleiden deutlich eingeschränkt, hauptsächlich durch die ungünstige Position
beim Schuhe Flicken. Eine Weiterführung des Betriebs erscheine auch dem
Versicherten nicht sinnvoll, er finde nur keinen solventen Käufer. Zurzeit habe er einen
unentgeltlich tätigen Mitarbeiter, der für ihn mit einem Pensum von 50% (entsprechend
Fr. 2'250.-- x 13 plus Lohnnebenkosten, total Personalaufwand ca. Fr. 38'000.--)
arbeite (Der im Frühjahr 2009 eingestellte Mitarbeiter zu 100% hatte die Schweiz
wieder verlassen, vgl. IV-act. 58). Um den Betrag von Fr. 38'000.-- hätte sich das
Einkommen des ungelernten selbständigen Versicherten vermindert, was einer
Erwerbseinbusse von 67% entspräche. Vor einem Rentenentscheid sei der Versicherte
bei der beruflichen Neuorienteirung zu unterstützen (IV-act. 57). Die IV-Stelle eröffnete
die Frühinterventionsphase erneut am 27. November 2009 (IV-act. 60, 62).
A.e Im Verlaufsbericht vom 4. Dezember 2009 bestätigte der Hausarzt persistierende
Rückenschmerzen vorwiegend unter Belastung, aber auch nach kürzerem Sitzen,
häufig lumbal, mittlerweile auch als brennende Schmerzen im ganzen Rücken vor
handen (muskuläre Probleme mit vorwiegend Hartspann, keine radikuläre Symptoma
tik). Die Prognose sei ungünstig. Vom 7. März bis 3. Mai 2009 habe die Arbeitsunfähig
keit 100% betragen, vom 4. Mai bis 7. Juli 2009 70% und ab 8. Juli 2009 betrage sie
50% (IV-act. 63). Am 3. Mai 2010 teilte der Hausarzt der IV-Stelle mit, der Versicherte
habe sein Geschäft verkauft, der Gesundheitszustand habe sich insoweit stabilisiert,
als die Beschwerden trotz Therapien gleichbleibend seien (brennende Sensationen im
ganzen Rücken, zum Teil auch in den Beinen, gelegentlich mit Krämpfen). Der Ver
sicherte halte dafür, dass er während zwei bis maximal vier Stunden täglich einfache
Arbeiten ausführen könnte. Unter Beilage der letzten neurochirurgischen Beurteilungen
vom 4. November 2009 (KSSG) und 6. April 2010 (Neuropraxis F._) attestierte der
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Hausarzt eine Arbeitsunfähigkeit von 70% (IV-act. 68). Gegenüber der Eingliederungs
beratung erachtete sich der Versicherte am 26. Mai 2010 für eine Tätigkeit auf dem
freien Arbeitsmarkt auch für lediglich zwei bis drei Stunden täglich nicht arbeitsfähig
(IV-act. 69-3). Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 1. Juni 2010 deshalb erneut mit,
berufliche Eingliederungsmassnahmen seien derzeit nicht angezeigt (IV-act. 71).
A.f Nach Eingang eines erneuten Zwischenberichts des Hausarztes vom 11. Juni 2010
(IV-act. 76) veranlasste die IV-Stelle auf Anregung des RAD eine orthopädische Begut
achtung des Versicherten (IV-act. 79). Dr. med. E._, FMH Orthopädische Chirurgie,
erstatte am 26. August 2010 sein Gutachten (Untersuchungsdatum 24. August 2010)
und hielt als Diagnosen fest: Osteochondrose und Spondylarthrose L4 bis S1,
Fenestration wegen Diskushernie L4/5, Ansatztendinopathie Handextensoren rechts,
N. ulnaris-Subluxationen beidseits und unklares Muskelbrennen thorakal und dorsal.
Seit den operativen Behandlungen eines rezidivierenden Pneumothorax (1991) würden
Muskelkrämpfe am linken Thorax beschrieben, die die Arbeit aber nicht beeinträchtigt
hätten. Seit der Diskushernienoperation würden Beschwerden geschildert, die seitens
der Neurochirurgie nicht der Fenestration zugeordnet werden könnten. Für die
Mischung aus nicht ausstrahlenden Schmerzen und Brennen der Muskulatur habe
keine ursächliche Diagnose gefunden werden können. Das gleichzeitig beschriebene
Brennen über der linken Schulter sei schon vor fünf Jahren vorhanden gewesen, habe
aber offenbar die Arbeitsfähigkeit nicht tangiert. Am Schultergelenk finde sich klinisch
und radiologisch kein pathologischer Befund. Das Sitzen werde heute als gut
tolerierbar geschildert. Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule seien nach
gewiesen, welche die lokalen Schmerzen und die verminderte Belastbarkeit der Wirbel
säule erklären würden. Die Schuhmacherei sei nicht mehr zumutbar. Die aktuell be
klagte Sehnenansatzentzündung rechts sei offenbar auch schon aufgetreten und werde
behandelt. Die Heilungsdauer könne länger sein, allerdings bestehe jetzt keine grosse
Belastung. Auf der Kante des Sulcus sei der Nervus ulnaris beidseits luxierbar, eine
lose Bandage könnte die nachts auftretende Nervenkompression im Liegen verhindern.
Gesamthaft bestünden einige Inkonsistenzen in Anamnese und Befund, die eine höhere
Leistungsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit als vom Versicherten vermutet zulassen
würden. Eine adaptierte Tätigkeit müsse vorwiegend im Sitzen erfolgen mit zwischen
zeitlicher Möglichkeit zum Aufstehen und Herumgehen, Lasten über 10 kg dürften nicht
wiederholt gehoben werden und keine langandauernde Inklination des Oberkörpers
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vorkommen. Diese Bedingungen wären im Schlüssel-Service, beim Gravieren und im
Verkauf erfüllt. Parallel dazu könnte eine leichte Produktionstätigkeit durchgeführt
werden, wenn höchstens alle zwei Stunden eine Last gehoben werden müsste. Diese
Vorgaben seien zeitlich mit einer Einschränkung von gesamthaft 30% zu
berücksichtigen. Die Arbeitszeit wäre am besten in zwei Blöcke zu unterteilen mit einer
unüblichen Pause von zwei bis drei Stunden. Prognostisch sei bezüglich der
Wirbelsäulenpathologie mit einem stationären Verlauf zu rechnen. Im Übrigen seien
noch therapeutische Möglichkeiten vorhanden, ohne allerdings die Arbeitsfähigkeit
wesentlich zu verbessern (IV-act. 80). Der RAD erachtete das Gutachten am 21.
Oktober 2010 als ausführlich, schlüssig und nachvollziehbar (IV-act. 84).
B.
B.a Mit Vorbescheid vom 15. November 2010 teilte die IV-Stelle dem nunmehr durch
die procap vertretenen Versicherten mit, dass die Abweisung des Rentengesuchs vor
gesehen sei. Die Abklärungen hätten ergeben, dass er in der angestammten Tätigkeit
als selbständiger Schuhmacher seit 25. August 2008 eingeschränkt sei. Mit Be
hinderung sei ihm aus medizinischer Sicht eine adaptierte Tätigkeit weiterhin ganztags
bei einer Arbeitsfähigkeit von 70% zumutbar. Ohne Behinderung hätte er gemäss Ab
klärung vor Ort im Jahr 2009 ein Valideneinkommen von Fr. 56'625.-- erzielt, mit
Behinderung und in Berücksichtigung eines Teilzeitabzugs von 10% in adaptierter
Tätigkeit (LSE 2009) Fr. 37'457.--. Bei einer Erwerbseinbusse von Fr. 19'168.-- ergebe
sich ein IV-Grad von unter 40% (34%), weshalb kein Rentenanspruch bestehe (IV-
act. 88).
B.b Mit Einwand vom 28. Dezember 2010 machte der Versicherte eine
Gesundheitsverschlechterung in den letzten drei Monaten geltend. Zu den bekannten
Symptomen hätte er nun auch Schmerzen im rechten Ellbogen und in der rechten
Hand, auch Nacken und Rücken machten seit längerer Zeit vermehrt Probleme. Auch
die Krämpfe in den Beinen hätten zugenommen. Er halte eine leichte und
abwechslungsreiche Tätigkeit im Umfang von 50% für zumutbar und bitte um
Neuprüfung (IV-act. 92). Im Verlaufsbericht vom 21. Januar 2011 bestätigte der
Hausarzt anhaltende Ellbogenschmerzen seit 15. September 2010 (Epikondylitis
lateralis rechts), die trotz Medikation und Physiotherapie nicht gebessert hätten. Auch
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die übrigen Schmerzen seien stärker geworden, der Versicherte habe mehr
Muskelbrennen und sei wenig belastbar. Die Auswirkungen der gesundheitlichen
Störungen seien im Vergleich zum Vorbericht gleich. Der Hausarzt hielt weiterhin eine
Arbeitsfähigkeit von nur 50% in adaptierter Tätigkeit möglich (IV-act. 94). Der RAD
erachtete am 26. Januar 2011 eine relevante Verschlechterung als nicht ausgewiesen
(IV-act. 95).
C.
C.a Mit Verfügung vom 27. Januar 2011 lehnte die IV-Stelle das Rentengesuch
gestützt auf den Vorbescheid und die Stellungnahme des RAD ab (IV-act. 96).
C.b Mit Beschwerde vom 23. Februar 2011 lässt der nunmehr durch Fürsprecher
lic.iur. Daniel Küng, St.Gallen, vertretene Versicherte die Aufhebung dieser Verfügung
und die Zusprache einer ganzen Rente spätestens ab August 2009 beantragen,
eventualiter sei die Angelegenheit zwecks weiterer Abklärungen und anschliessender
Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wird im
Wesentlichen sinngemäss ausgeführt, die Beschwerdegegnerin habe ausschliesslich
orthopädische Beschwerden berücksichtigt. Bereits aus orthopädischer Sicht allein sei
eine adaptierte Tätigkeit ganztags mit einer Arbeitsfähigkeit von 70% nicht zumutbar.
Psychisch bedingte – gerichtsnotorisch oft mit lumbalen Schmerzen verbundene –,
rheumatologische und allenfalls aus weiteren medizinischen Teilbereichen bestehende
Beschwerden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe die Beschwerdegegnerin ohne
entsprechende Vorabklärungen verneint, obwohl der Gutachter auf Inkonsistenzen
zwischen Anamnese und Befunden hingewiesen habe. Zudem habe die ausländische
Sozialversicherung wegen ausgewiesener pneumologischer Beschwerden eine 30%-
Rente zugesprochen. Die Beschwerdegegnerin sei ihrer Pflicht zur rechtsgenüglichen
Abklärung des Sachverhalts nicht nachgekommen. In Berücksichtigung sämtlicher
gesundheitlicher Beschwerden könne der Beschwerdeführer kein Einkommen erzielen.
Im Weiteren bemängelt der Rechtsvertreter die Bemessung des Valideneinkommens.
Das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit sei in den Jahren 2002 bis 2008
sehr variabel gewesen, mit steigender Tendenz vor allem in den Jahren 2007 und 2008.
Wäre der Beschwerdeführer gesund geblieben, hätte sich die Einkommenssteigerung
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wohl fortgesetzt. Aus der Tatsache, dass er sich bei der Arbeitslosenkasse angemeldet
habe, sei überdies zu schliessen, dass er bereit sei, in die Unselbständigkeit
zurückzukehren, wo er markant mehr verdienen könnte denn als selbstständiger
Schuhmacher (Verweis auf Einkommen in den Jahren 1996 und 1999). Im Validenfall
hätte er weit über Fr. 65'000.-- verdient, in der zutreffenden Annahme, der
Beschwerdeführer begnüge sich auf Dauer nicht mit einem geringeren Einkommen aus
selbständiger Tätigkeit (act. G 1).
C.c Mit Beschwerdeantwort vom 7. April 2011 beantragt die Beschwerdeführerin die
Abweisung der Beschwerde. Die medizinischen Akten seien dem RAD und dem Gut
achter vollständig vorgelegen. Weder pneumologische noch psychische Probleme mit
(oder ohne) Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien je erwähnt worden, weder vom Be
schwerdeführer noch vom betreuenden Hausarzt. Es seien auch keine aktuellen
Berichte über allenfalls neu aufgetretene Probleme beigebracht worden. Auf das Gut
achten von Dr. E._ könne abgestellt werden. Da der Beschwerdeführer
unbeeinträchtigt über Jahre selbständig tätig gewesen sei, sei davon auszugehen, dass
er sich mit einem bescheideneren Einkommen begnügt habe als theoretisch in
unselbständiger Stellung möglich gewesen wäre. Der Verdienst als
Selbständigerwerbender sei deshalb grundsätzlich als Validenbasis heranzuziehen. Im
Gesundheitsfall hätte der Beschwerdeführer überwiegend wahrscheinlich sein Geschäft
nicht aufgegeben, weshalb auf den Durchschnitt der Betriebsergebnisse der Jahre
2006 bis 2008 abzustellen sei (act. G 4).
C.d Am 14. September 2011 reicht der Rechtsvertreter Replik ein und hält an den
Anträgen gemäss Beschwerdeeingabe fest und bekräftigt, die medizinische Vor
geschichte des Beschwerdeführers sei ungenügend berücksichtigt worden: keine
Auseinandersetzung mit der italienischen Rentenzusprache wegen der pulmonalen
Problematik und der geltend gemachten Muskelkrämpfe am linken Thorax, neu
verschlimmerte Epikondylitis mit Schmerzausstrahlung in den gesamten Arm. Zum
Valideneinkommen hält der Rechtsvertreter neu fest, es sei nicht nachvollziehbar, wes
halb nur drei Jahre der selbständigen Erwerbstätigkeit berücksichtigt worden seien
statt die Entwicklung seit zumindest 2003. Der gesundheitsbedingte Geschäftsverkauf
lasse überdies nicht automatisch den Schluss zu, im Fall guter Gesundheit wäre der
Beschwerdeführer Selbständigerwerbender geblieben. Im Zeitpunkt des Eintritts der
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Invalidität habe er noch nicht abschätzen können, ob er mit seinem Geschäft ein an
gemessenes Einkommen erzielen würde. Das Valideneinkommen betrage mindestens
Fr. 65'000.--, das Invalideneinkommen Fr. 0.-- (act. G 17).
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 30. September 2011 auf die Einreichung
einer ergänzenden Duplik (act. G 19).

Erwägungen:
1.
Strittig ist vorliegend der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente. Als
Invalidität gelten gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder länger
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die ver
sicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie
mindestens zu 50% oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid
ist.
2.
2.1 Bezüglich der noch zumutbaren Leistungsfähigkeit führte der Hausarzt wiederholt
aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Rückenbeschwerden und in zweiter
Linie auch wegen Ellbogen- und Fingerschmerzen für die Arbeit als selbständiger
Schuhmacher in der Arbeitsfähigkeit deutlich eingeschränkt sei. Den Grad der Arbeits
unfähigkeit bezifferte er, bezogen auf die angestammte Tätigkeit, schliesslich am
21. Januar 2011 mit 100%. Für adaptierte leichte Arbeiten beurteilte er den Be
schwerdeführer noch zu 50% arbeitsfähig (IV-act. 94).
2.2 Der Gutachter Dr. E._ erachtete am 26. August 2010 eine Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als selbständiger Schuhmacher ebenfalls als nicht mehr
gegeben. Eine adaptierte Tätigkeit müsste vorwiegend im Sitzen verübt werden, mit
der Möglichkeit zum Aufstehen und Herumgehen. Lasten über 10 kg dürften nicht
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wiederholt gehoben werden und es dürfe keine langandauernde Inklination des
Oberkörpers vorkommen. Höchstens dürfe in leichter Produktionsarbeit alle zwei
Stunden eine Last gehoben werden. Diese Vorgaben seien zeitlich mit einer
Einschränkung von gesamthaft 30% zu berücksichtigen. Die Arbeitszeit wäre am
besten in zwei Blöcke zu unterteilen, mit einer unüblichen Pause von zwei bis drei
Stunden.
2.3 Nachdem der RAD aufgrund eigener Abklärung im Juni 2009 vorerst von einer
Arbeitsfähigkeit von 30%, steigerbar auf mindestens 50% in der angestammten
Tätigkeit und von mindestens 80% in adaptierten Tätigkeiten ausgegangen war (IV-act.
51), erachtete er die gutachterlichen Feststellungen am 21. Oktober 2010 als
ausführlich, schlüssig und nachvollziehbar. Die Arbeitsfähigkeit als Schuhmacher
betrage 0%, die Arbeitsfähigkeit als selbständiger Schuhmacher werde durch eine
Abklärung vor Ort bestimmt, und in adaptierter Tätigkeit betrage sie 70%, ganztags
verwertbar (IV-act. 84).
2.4 Es ist festzuhalten, dass sich Hausarzt und Gutachter (auch RAD) wohl einig sind,
wie eine adaptierte Tätigkeit aussehen müsste. Differenzen bestehen betreffend den
Grad der Arbeitsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit.
2.4.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Be
schwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls
auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der
Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen
festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuver
lässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi
zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
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2.4.2 Die ärztlichen Stellungnahmen zur Arbeitsfähigkeit und die Darlegungen der
aus medizinischer Sicht noch zumutbaren Arbeitsleistung sind von einem gewissen
ärztlichen Ermessen getragen, in welches der Richter nicht ohne triftige Gründe ein
greifen soll (Pra 83 Nr. 192; PVG 1996 Nr. 92, 271; RSKV 1983, 265; nicht veröffent
lichtes Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. September
2002 i/S Z.A.-I. [IV 2001/123]). Grundsätzlich ist es nicht Aufgabe des Arztes, sich zur
Zumutbarkeit zu äussern. Die Zumutbarkeit ist als Rechtsbegriff durch den Versicherer
und nicht durch den Arzt zu definieren (Bruno Häfliger, Invaliditätsbemessung im
Sozialversicherungsrecht und Haftpflichtrecht, in: Have 2005, S. 4). Den ärztlichen
Angaben für die Beurteilung der Zumutbarkeit einer bestimmten Tätigkeit kommt
gemäss der höchstrichterlichen Rechtsprechung insofern Bedeutung zu, als aufgrund
der medizinischen Feststellungen die Frage zu beurteilen ist, welche Arbeitsleistungen
der versicherten Person trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigungen, bei Aufbietung
allen guten Willens und in Nachachtung des im Sozialversicherungsrecht allgemein
geltenden Grundsatzes der Schadenminderungspflicht, noch zugemutet werden
können. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades ist nicht die medizinisch-
theoretische Arbeitsunfähigkeit als solche massgebend, sondern die erwerblichen
Auswirkungen des Gesundheitsschadens (EVGE I 527/05 vom 20. Dezember 2005, E.
2.1).
2.4.3 Erstatten behandelnde Ärzte, insbesondere Hausärzte (unaufgefordert oder
im Auftrag der IV-Stelle) einen Bericht über die Arbeitsfähigkeit einer versicherten
Person, so treten sie verfahrensrechtlich nicht als Sachverständige, sondern als
Auskunftspersonen mit besonderer Sachkenntnis auf. Als Sachverständige
unterstünden sie nämlich der Ausstandspflicht, denn aufgrund ihrer engen Beziehung
zur versicherten Person müssten sie - zumindest dem äusseren Anschein nach - als
befangen betrachtet werden. Auf Auskunftspersonen trifft dies nicht zu. Einer allfälligen
Befangenheit kann hier bei der Würdigung, d.h. bei der Einschätzung der
Überzeugungskraft der Aussage, Rechnung getragen werden. Kann sich ein
behandelnder Arzt aus seiner Rolle als Therapeut und Vertragspartner der versicherten
Person lösen und sich so objektiv wie ein Sachverständiger äussern, so kann seine
Aussage eine Überzeugungskraft entfalten, die derjenigen der Aussage eines
Sachverständigen entspricht. Wie objektiv die Angaben sind, lässt sich nur anhand des
Inhalts des Berichts des behandelnden Arztes beurteilen.
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2.4.4 Insgesamt ist vorliegend in Würdigung der Stellung des Hausarztes als
therapeutisch tätiger Mediziner und weil er in der Beurteilung der verbleibenden
Restarbeitsfähigkeit mindestens teilweise auf die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers abgestellt (vgl. z.B. IV-act. 94-1, 68-1) sowie eine MEDAS-
Abklärung für hilfreich resp. notwendig gehalten hat, nicht von einer Überzeugungskraft
seiner Einschätzung auszugehen, die das Gutachten grundsätzlich erschüttern könnte.
Als behandelnder Arzt hat er keine objektiv feststellbaren Gesichtspunkte vorgebracht,
die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben sind und sich eignen würden,
zu einer abweichenden Beurteilung zu gelangen. Den vom Hausarzt eingereichten
spezialärztlichen Berichten der Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen
und der Neuropraxis F._ ist keine Arbeitsfähigkeitsschätzung zu entnehmen. Zudem
ist anzufügen, dass die ausländische Sozialversicherung am 29. Januar 2010 einen
Rentenanspruch abgelehnt hat (IV-Grad unter 33,3%, vgl. IV-act. 67-2).
2.4.5 Der Gutachter hat den medizinischen Sachverhalt ab 1991, die berufliche
und persönliche Anamnese und das jetzige Leiden samt Beschwerdeschilderung und
Beurteilung der Situation durch den Beschwerdeführer erhoben, die Vorakten berück
sichtigt und sich damit auseinandergesetzt, eigene Untersuchungen getätigt, neue
Röntgenbilder der Schulter und der LWS angefertigt und eine orthopädische objektive
und schlüssige Gesamtbeurteilung vorgenommen. Das Gutachten ist nach eingehender
Prüfung nicht zu beanstanden, es kann darauf vollumfänglich abgestützt werden, der
Sachverhalt ist als ausreichend abgeklärt zu betrachten. Eine verlässlichere, eine über
wiegende Wahrscheinlichkeit begründende Arbeitsfähigkeitsschätzung wäre auch von
weiteren medizinischen Abklärungen nicht zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten
ist (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157, Erw. 1d). Es ist demnach von
einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als Schuhmacher und
von einer Restarbeitsfähigkeit von 70% in adaptierter Tätigkeit auszugehen.
3.
3.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der beeinträchtigten Leistungs
fähigkeit.
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3.2 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad in der Regel aufgrund
eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Der Ein
kommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht
genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten
Umstände zu schätzen und sind die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu
vergleichen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuver
lässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für
Nichterwerbstätige (Art. 27 IVV) bei selbstständig Erwerbenden ein Betätigungs
vergleich anzustellen (ausserordentliches Bemessungsverfahren) und der Invaliditäts
grad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähig
keit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen (vgl. BGE 128 V 30 f. E. 1
mit Hinweisen).
3.2.1 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die
versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die Ein
kommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Es ist in der Regel vom
letzten Lohn, welchen die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
erzielt hat, auszugehen (Urteil des EVG [seit 1. Januar 2007: Sozialversicherungs
rechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Mai 2001, I 42/01, mit Hinweisen).
Diese Praxis wird mit der empirischen Feststellung begründet, dass die bisherige
Tätigkeit im Gesundheitsfall in der Regel weitergeführt worden wäre (Urteil des EVG
vom 29. August 2002, I 97/00).
3.2.2 Der Rentenablehnung vom 27. Januar 2011 liegt richtigerweise ein
"normaler" Einkommensvergleich zu Grunde (vgl. IV-act. 85). Ein korrekter
Betätigungsvergleich beim bis anhin selbständig erwerbstätigen Beschwerdeführer
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konnte zufolge der Geschäftsaufgabe per Mitte April 2010 (vgl. IV-act. 69-3; ferner die
allgemeinen Ausführungen im Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 20. August 2012, IV 2010/325, E. 1.2) nicht durchgeführt werden. Das Validenein
kommen ist gestützt auf die Abklärung vor Ort am 7. Oktober 2009 festgelegt worden
(IV-act. 57-5/10). In diese Abklärung wurden die Zahlen der Buchhaltungsunterlagen
des Betriebs (Durchschnitt der Betriebsgewinne in den Jahren 2006 bis 2008 =
Fr. 56'625, vgl. jeweils die Betriebsergebnisse 1 vor Abschreibungen und Finanzerfolg
in IV-act. 19 und 21) integriert. Es sind insbesondere die Jahre 2006 und 2007 mit
steigender Einkommenstendenz berücksichtigt worden.
3.2.3 Die Ermittlung des Valideneinkommens aus den reinen Buchhaltungsunter
lagen (Betriebsergebnis) ist oft nicht zuverlässig möglich, weil das Betriebsergebnis
nicht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit abbildet, sondern von vielen Zufällen und
der konjunkturellen Lage abhängt. Das Einkommen eines selbständig Erwerbenden
hängt überdies nicht nur von seiner Arbeitsleistung ab, denn er trägt auch ein (z.T.
vielfältiges) Unternehmerrisiko. Nur in besonders stabilen wirtschaftlichen Situationen
kann die erwerbliche Leistungsfähigkeit eines Versicherten vor und nach Eintritt des
Gesundheitsschadens aus dem Reingewinn zuverlässig abgeleitet werden. Solange der
Reingewinn durch die Einstellung eines Geschäftsführers oder – wie vorliegend – eines
weiteren Mitarbeiters nicht im Umfang von mindestens 40% sinkt, bleibt der Wert der
Einschränkungen des Versicherten unter der Hürde für einen Rentenanspruch.
3.2.4 In Anbetracht der Akten und der Gesamtumstände erscheint es im
vorliegend zu beurteilenden Fall überwiegend wahrscheinlich, dass der
Beschwerdeführer im Gesundheitsfall seinen eigenen Betrieb weitergeführt hätte, hatte
er doch seinerzeit (2001) wegen vorangegangenen Perioden von Arbeitslosigkeit den
Schritt in die Selbständigkeit gewagt und dazu sein ganzes verfügbares
Vorsorgeguthaben in den eigenen Betrieb investiert. Die Betriebsaufgabe ist dem
Beschwerdeführer offensichtlich nicht leicht gefallen, musste er doch aus dem Verkauf
einen Verlust hinnehmen. Die Umsatz- und Betriebsgewinnzahlen haben sich bis zum
Beginn der gesundheitlichen Einschränkungen (spätestens im August 2008) - nach
einem "Einbruch" im Jahr 2005 - aufwärts entwickelt. Für die Bemessung des
Valideneinkommens kann deshalb in Analogie zum Grundsatz "letzter Lohn vor Eintritt
der relevanten Gesundheitsschädigung" auf den Durchschnitt der letzten beiden
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Betriebsergebnisse ohne gesundheitliche Beeinträchtigung abgestellt werden, also auf
die der Jahre 2006 und 2007. Das Valideneinkommen beträgt somit Fr. 57'614 ([Fr.
55'711 + Fr. 59'516] : 2).
3.3 Für die Ermittlung des Invalideneinkommens ist praxisgemäss auf die
Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für Statistik abzustellen, wenn eine
zumutbare Tätigkeit im Invaliditätsfall nicht ausgeübt wird (BGE 135 V 297 E. 5.2). Als
Schuhmacher hat sich der Beschwerdeführer im Lauf der Selbständigkeit einige
Berufs- und Fachkenntnisse angeeignet, die er in einer adaptierten Tätigkeit als
Hilfsarbeiter nicht mehr wird verwerten können. Es ist deshalb auf das Lohnniveau für
einfache und repetitive Arbeiten abzustellen. Eine für den Beschwerdeführer adaptierte
Tätigkeit muss vorwiegend im Sitzen ausgeübt werden können mit der Möglichkeit zum
Aufstehen und Herumgehen; Lasten über 10 kg dürfen nicht wiederholt gehoben
werden und es soll keine langandauernde Inklination des Oberkörpers vorkommen.
Höchstens darf in leichter Produktionsarbeit alle zwei Stunden eine Last gehoben
werden. Diese Vorgaben sind zeitlich mit einer Einschränkung von gesamthaft 30% zu
berücksichtigen. Die Arbeitszeit wäre am besten in zwei Blöcke zu unterteilen mit einer
unüblichen Pause von zwei bis drei Stunden. Derartige adaptierte Tätigkeiten sind
grundsätzlich in allen Wirtschaftszweigen vorhanden, weshalb unter Berücksichtigung
der bis 2007 eingetretenen Nominallohnentwicklung und der Durchschnittsarbeitszeit
2007 (41,7 Wochenstunden) auf Anhang 2 (Lohnentwicklung) zur Textausgabe 2012
Invalidenversicherung / Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts (total aller
Wirtschaftszeige), Niveau 4 für Männer, abgestellt werden kann. Die Berechnung ergibt
Fr. 60'168 (Fr. 5'014 X 12). In Berücksichtigung der Arbeitsfähigkeit von 70% beläuft
sich das Invalideneinkommen somit auf Fr. 42'118, die Erwerbseinbusse bei einem
Valideneinkommen von Fr. 57'614 auf Fr. 15'490, was rund 27% entspricht.
3.4 Praxisgemäss können persönliche und berufliche Merkmale der versicherten
Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthalts
kategorie sowie Beschäftigungsgrad einen auf höchstens 25 % begrenzten Leidens
abzug von dem nach den LSE-Tabellenlöhnen zu ermittelnden Invalideneinkommen
rechtfertigen, soweit anzunehmen ist, dass die trotz des Gesundheitsschadens ver
bleibende Leistungsfähigkeit infolge eines oder mehrerer dieser Merkmale auf dem all
gemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwertet werden
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kann (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327 mit Hinweis auf BGE 126 V 75, ferner BGE 129
V 472 E. 4.2.3). Der im Zeitpunkt der Verfügung 53 Jahre alte Beschwerdeführer ist
nach bundesgerichtlichem Auffassung als "im fortgeschrittenen Alter" stehend zu be
zeichnen (z.B. im Urteil vom 5. August 2011, 9C_436/2011 E. 3.3) und hat deshalb
i.d.R. bei der Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit im ganztägigen Pensum
lohnwirksame Nachteile zu gewärtigen (vgl. zum Ganzen: Philipp Geertsen, Der
Tabellenlohnabzug, in: Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, S. 139 ff.). Bei
einem Tabellenlohnabzug von 10%, wie von der Beschwerdegegnerin zugebilligt,
ergäbe sich ein Invaliditätsgrad von 34%. Selbst in Berücksichtigung eines Abzugs von
maximal 15% wäre bei einem Invaliditätsgrad von 38% ein Rentenanspruch nicht
ausgewiesen.
4.
Dem Eventualantrag des Beschwerdeführers auf Rückweisung zur weiteren Abklärung
ist nicht stattzugeben. Da nicht anzunehmen ist, dass weitere medizinische
Abklärungen für die Beurteilung des vorliegend relevanten Sachverhalts neue Er
kenntnisse bringen, kann darauf verzichtet werden. Ebenso sind sämtliche entscheid
relevanten Buchhaltungsunterlagen in den Akten enthalten, weshalb auch
diesbezüglich keine weiteren Abklärungen angezeigt sind (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 124 V 94 E. 4b; Pra 88 Nr. 117; SVR-UV 1996 Nr. 62.211).
5.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1, 1 und 2 IVG). Die Höhe der Kosten
wird nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
200 bis 1000 Franken festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Es rechtfertigt sich vorliegend,
die Gerichtskosten auf Franken 600.-- festzulegen. Die Gerichtskosten von Fr. 600.--
werden dem Beschwerdeführer auferlegt, wobei der geleistete Kostenvorschuss
angerechnet wird.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP