Decision ID: b46d0e6b-c6bc-5330-8827-8c690c7d1b25
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Simone Schmucki, Marktgasse 3, 9004 St.
Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Integritätsentschädigung
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als Bezüger von ALV-Taggeldleistungen bei der Suva unfallversichert,
als er sich am 3. August 2009 bei einem Sprung ins Meer mit Kopfaufprall eine
Jefferson-Fraktur (C1) und eine inkomplette Berstungsfraktur C7 zuzog (UV-act. 8, 16,
29, 110). Am 18. Februar 2010 wurden beim Versicherten in der Schulthess Klinik,
Spondylodesen C1/C2 und C6-Th1 durchgeführt (UV-act. 60). Die Suva anerkannte
ihre Leistungspflicht.
A.b Nach Durchführung von ärztlichen Behandlungen und Abklärungen eröffnete die
Suva dem Versicherten mit Verfügung vom 11. Januar 2012, aufgrund der
kreisärztlichen Beurteilung (UV-act. 158) ergebe sich eine Integritätseinbusse von 20%.
Auf dieser Basis habe er Anspruch auf eine Integritätsentschädigung (UV-act. 163). Die
gegen diese Verfügung von Rechtsanwältin S. Schmucki, St. Gallen, für den
Versicherten erhobene Einsprache (UV-act. 171) wies die Suva, nachdem sie eine
ärztliche Stellungnahme von Suva-Arzt Dr. med. B._, Chirurgie FMH, vom 23. April
2012, eingeholt hatte (UV-act. 188), mit Einspracheentscheid vom 26. Juni 2012 ab
(UV-act. 198). Die Verfügung vom 11. Januar war von der Suva am 7. Juni 2012 auch
dem Krankenversicherer zugestellt worden mit dem Hinweis, dass eine Arthrose im
Kiefergelenk nur als mögliche Unfallfolge betrachtet werde und hierfür keine Leistungen
erbracht werden könnten (UV-act. 192). Die vom Krankenversicherer hierauf erhobene
Einsprache (UV-act. 194) wurde wieder zurückgezogen (UV-act. 196).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 26. Juni 2012 erhob Rechtsanwältin
Schmucki für den Versicherten mit Eingabe vom 29. August 2012 Beschwerde mit den
Anträgen, der Entscheid sei aufzuheben, und die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen,
die Integritätsentschädigung neu festzusetzen. Im Gerichtsverfahren seien weitere
medizinische Abklärungen zu treffen, und es sei gestützt auf die medizinische
Einschätzung des Integritätsschadens die Integritätsentschädigung neu zu bemessen.
Zur Begründung legte die Rechtsvertreterin unter anderem dar, neben den
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orthopädischen Einschränkungen bestünden seit dem Unfall weitere Beschwerden,
welche Einfluss auf die körperliche Integrität hätten. Es lägen zum einen
Schluckbeschwerden mit gelegentlichen Aspirationen und eine Kieferarthrose vor.
Gemäss Suva-Tabelle 17.5 sei auch bei leichten Schluckstörungen von einem
Integritätsschaden auszugehen. Dieser werde vom Beschwerdeführer auf ca. 15-20%
geschätzt, da er zwar nicht auf pürierte Kost angewiesen sei, aber keine harten Speisen
zu sich nehmen könne und sich häufig verschlucke. Es werde eine kieferorthopädische
Abklärung beantragt zur Frage des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall bzw.
der Operation und den heutigen Kieferbeschwerden inklusive Arthrose sowie zur Frage
der Höhe des Integritätsschadens. Aufgrund der Versteifung im HWS-Bereich seien
sodann Schlafstörungen entstanden, welche ebenfalls eine dauernde Beeinträchtigung
darstellen würden. Der Beschwerdeführer erwache mehrmals in der Nacht aus der
Notwendigkeit heraus, die Schlafposition zur Verhinderung von Druckstellen zu
verändern, weil durch die Versteifung der entsprechende Automatismus aufgehoben
sei. Folge davon sei eine Tagesmüdigkeit mit entsprechend verminderter
Leistungsfähigkeit. Der Beschwerdeführer habe sich im Schlaflabor angemeldet, wo er
am 24. September 2012 den ersten Termin erhalten habe. Es werde im Rahmen des
Gerichtsverfahrens um Einholung eines Arztberichts beim Schlaflabor ersucht zur
Klärung der Frage der Unfallkausalität sowie der Einschränkung der Integrität durch
das gestörte Schlafverhalten. Im Weiteren bestünden eine begrenzte körperliche
Belastbarkeit und Schmerzen bei Temperaturwechseln. Möglichlicherweise sei dies
schon von den Werten nach Suva-Tabelle 7.2 erfasst. Wenn dies nicht der Fall sei,
müssten die begrenzte körperliche Belastbarkeit und Schmerzen bei
Temperaturwechseln zusätzlich bewertet werden. Es werde um diesbezügliche
medizinische Abklärung im Gerichtsverfahren ersucht. Der Beschwerdeführer bleibe
aufgrund des Unfalls nicht nur bezüglich der Funktion der Wirbelsäule mit
entsprechenden Schmerzen beeinträchtigt, sondern müsse auch mit der Entwicklung/
Verschlimmerung einer Arthrose rechnen. Bei letzterer wäre die Beschwerdegegnerin
zur Abklärung der Kausalität verpflichtet gewesen, zumal sie einen Wegfall des
Kausalzusammenhangs nach ursprünglicher Übernahme der Leistungspflicht geltend
mache, wofür sie beweisbelastet sei. Insgesamt schätze der Beschwerdeführer seinen
Schaden in der körperlichen Integrität auf mindestens 50%, wenn nicht höher.
Gemessen am Ausmass der Verletzungen und des Dauerschadens, welchen selbst die
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Beschwerdegegnerin mit 20% bemesse, sei eine gutachterliche Abklärung durch einen
unabhängigen Sachverständigen nicht unverhältnismässig. Es werde daher eine
medizinische Überprüfung mit klinischer Untersuchung im Gerichtsverfahren verlangt.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 20. September 2012 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des angefochtenen
Einspracheentscheids. Zur Begründung verwies sie auf die Darlegungen im
angefochtenen Entscheid und führte unter anderem aus, aus den Akten ergebe sich
unmissverständlich, dass der Unfall vom 3. August 2009 lediglich den
Halswirbelbereich geschädigt habe. Der Mund-/Kieferbereich sei nicht betroffen
gewesen. Diesbezüglich entfalle der Anspruch auf Integritätsentschädigung bereits
mangels natürlicher Unfallkausalität. Aus medizinischer Sicht sei auch ein kausaler
Zusammenhang zwischen den unfallkausalen Halswirbelfrakturen und den geltend
gemachten Kiefer- und Schluckproblemen ausgeschlossen. Neben der Unfallkausalität
fehle es auch an einer dauernden und erheblichen Schädigung. Die teilweise
Schlaflosigkeit des Beschwerdeführers, die von ihm ins Feld geführte beschränkte
körperliche Belastbarkeit und die Schmerzen bei Temperaturwechseln seien mit Suva-
Tabelle 7.2 bereits berücksichtigt. Die Annahme des Beschwerdeführers, ihm stehe
eine Integritätsentschädigung von mindestens 50% zu, sei in Anbetracht seiner eher
bescheidenen Einschränkungen und im Vergleich zu anderen Ansätzen der Suva-
Tabellen geradezu utopisch (vgl. Suva-Tabellen 3 und 4: Integritätsschaden von 50%
bei vollständigem Verlust eines Armes oder eines Beines). Die Vorstellungen des
Beschwerdeführers stünden auch in krassem Missverhältnis zu seiner vollen
Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten und zu seiner Fähigkeit, eine
Umschulung zum Sozialpädagogen zu absolvieren.
B.c Mit Replik vom 17. Oktober 2012 bestätigte die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers ihren Standpunkt und hielt insbesondere fest, dass der Umstand,
wonach eine Stellungsänderung des Atlas Kieferprobleme auslösen könne, von der
Beschwerdegegnerin medizinisch nicht untersucht worden sei, was nun im
Gerichtsverfahren nachzuholen sei (act. G 5). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf
eine Duplik (act. G 7).

Erwägungen:
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1.
Zu prüfen ist die Höhe des unfallbedingten Integritätsschadens. Die
Beschwerdegegnerin legte die rechtlichen Voraussetzungen für das Vorliegen der
Unfallkausalität von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und für die Zusprechung
einer Integritätsentschädigung im angefochtenen Entscheid (E. 1) zutreffend dar.
Darauf ist zu verweisen.
2.
2.1 Im Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom 13. Juli 2010 wurden als Diagnosen
im Zusammenhang mit dem Unfall vom 3. August 2009 eine inkomplette
Berstungsfraktur C7, eine Atlas (C1)-Jefferson-Fraktur mit im Verlauf Pseudoarthrose
C1 sowie eine Kiefersperre festgehalten (UV-act. 85). Eine interdisziplinäre
(internistisch-rheumatologisch-psychiatrische) Begutachtung des Beschwerdeführers
ergab gemäss Bericht von Dr. med. C._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, vom 24.
Februar 2011, unter anderem, dass der Beschwerdeführer weniger schmerz- als
verspannungsbedingt mit seiner weitgehend eingesteiften HWS im Schlaf behindert
sei; er erwache mehrmals und fühle sich morgens unausgeruht. Er könne seinen
Haushalt selbst besorgen und uneingeschränkt Auto fahren. Das Sitzen sei mit
gelegentlichem Entspannen (kurzes Aufstehen) uneingeschränkt möglich, ebenso das
Stehen und Gehen. In unebenem Gelände seien Gehen und Stehen erschwert durch
die HWS-Steife. Arbeiten am PC seien mit kurzen Pausen ausreichend möglich.
Tätigkeiten an der Werkbank würden durch das gebückte Hinabsehen zu starken
HWS-Verspannungen führen. Zu den früheren Einschätzungen der Rehaklinik Bellikon
und der Schulthess Klinik bestünden keine Differenzen (UV-act. 137). Kreisarzt Dr.
med. D._ bestätigte im Bericht vom 15. Dezember 2011 die bisherigen Diagnosen
und hielt unter anderem fest, subjektiv bestünden Verspannungen der Hals-/Nacken
muskulatur und eine Bewegungseinschränkung der HWS. Objektiv finde sich eine
deutliche Bewegungseinschränkung der HWS in allen Richtungen ohne jegliche
neurologische Ausfälle (UV-act. 157). In der Beurteilung vom 21. Dezember 2011 hielt
Dr. D._ fest, dass gemäss Suva-Tabelle 7.2 Frakturen der LWS, BWS oder HWS
inklusive Spondylodese, Kyphose oder Skoliose bei geringen Dauerschmerzen, bei
Belastung verstärkt, auch in Ruhe, mit einem Kyphosewinkel von höchstens 10 Grad,
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eine Integritätsentschädigung von 5-10% ergeben würden. Da zwei Segmente
betroffen seien, seien hier 10% gerechtfertigt. Aufgrund der erheblichen funktionellen
Einschränkung der HWS erscheine eine Erhöhung um weitere 10% angemessen, so
dass insgesamt eine Integritätsentschädigung von 20% resultiere (UV-act. 158).
2.2 In der ärztlichen Beurteilung vom 23. April 2012 legte Suva-Arzt Dr. B._ unter
anderem dar, in der kreisärztlichen Beurteilung des Integritätsschadens seien bereits
alle Unfallfolgen angemessen berücksichtigt worden. Speziell sei ein zukünftiges
Arthroserisiko an der HWS nach stabilen Spondylodesen in anatomischer Stellung
weder wahrscheinlich noch vorhersehbar. Das Rückfallmelderecht bleibe aber
gewährleistet. Schluckstörungen wegen der flachen Platte C6-Th1 ventral seien
mechanisch nicht erklärbar. Bei der Abschlussuntersuchung vom 14. Dezember 2011
sei davon auch keine Rede mehr gewesen (2010 nur nebenbei in Bellikon). Auch für die
im Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon erwähnte Kiefersperre könnte fachärztlich
keine wahrscheinlich traumatische Ursache gefunden werden. Die im CT vom 5.
August 2010 beschriebene Arthrose im Kiefergelenk links sei bloss eine mögliche
Unfallfolge (erwähnt im rheumatologischen Gutachten für die IV vom 24. Februar 2011).
Bei abstrakter und egalitärer Beurteilung sei keine Erhöhung der
Integritätsentschädigung gerechtfertigt. Subjektive Befindlichkeitsstörungen könnten
nicht berücksichtigt werden (UV-act. 188). Eine Konsultation in der Schulthess Klinik
vom 3. Juli 2012 ergab gemäss Bericht vom Folgetag ein unverändert gutes Ergebnis
der Spondylodese. Dem Beschwerdeführer sei empfohlen worden, weiterhin
Physiotherapie sowie Massagen, gegebenenfalls Osteopathie, durchzuführen (UV-act.
200).
3.
3.1
3.1.1 Der Beschwerdeführer lässt eine höhere Integritätsentschädigung als 20%
geltend machen mit der Begründung, dass er an Schluckbeschwerden und einer
Kieferarthrose, an Schlafproblemen sowie einer begrenzten körperlichen Belastbarkeit
und an Schmerzen bei Temperaturwechseln leide (act. G 1). Dazu ist festzuhalten, dass
der Unfall vom 3. August 2009 zu einer Verletzung im Halswirbelbereich führte, der
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Mund- bzw. Kieferbereich jedoch nach Lage der in den Monaten nach dem Unfall
erstellten medizinischen Akten (vgl. UV-act. 12, 16, 17, 21, 33, 37, 42, 45, 47, 54, 55,
60, 65) nicht betroffen war. In der Replik lässt der Beschwerdeführer mit Hinweis auf
medizinische Informationen aus dem Internet festhalten, dass die Stellungsänderung
des Atlas - rein mechanisch - Kieferprobleme auslösen könne. Dem Operationsbericht
der Schulthess Klinik vom 19. Februar 2010 (UV-act. 55) könne zumindest entnommen
werden, dass der Atlas habe belassen werden müssen, da eine Reposition nicht
gelungen sei (act. G 5 S. 3).
3.1.2 Dazu ist festzuhalten, dass der vorerwähnte Operationsbericht (UV-act. 55) als
Teil der Suva-Akten auch dem Kreisarzt und dem Suva-Arzt Dr. B._ für ihre
Beurteilungen zur Verfügung stand. Dem Operationsbericht kann lediglich entnommen
werden, dass eine Kompression des gesprengten Atlasringes von lateral her kaum eine
Stellungveränderung ergeben habe, weshalb man sich "zur Fixation in situ. Anlagern
des Knochenblockes dorsal, zwischen Atlasbogen und Dornfortsatz C2 ..."
entschlossen habe (UV-act. 55). Eine Stellungsänderung des Atlas, wie sie vom
Beschwerdeführer angesprochen wird, ergab sich somit anlässlich der Operation nicht
bzw. "kaum" (UV-act. 55). Im Bericht vom 27. April 2010 hielt der operierende Arzt
einen insgesamt günstigen Verlauf nach zunächst etwas schleppender Therapie bei
doppelter Fraktur der HWS fest. Nun scheine aber die Situation geregelt, und es könne
mit aktiver Therapie begonnen werden, um die Restbeweglichkeit möglichst gut
auszunutzen und die Muskulatur zu kräftigen. Zu vermeiden seien schwere und
anspruchsvolle körperliche Arbeiten; im Übrigen sei der Patient aber voll einsatzfähig
(UV-act. 65). Beschwerden im Mund- und Kieferbereich waren vom Beschwerdeführer
in der Zeit nach dem Unfall überhaupt nicht erwähnt worden (UV-act. 8, 15, 22, 25, 35,
38, 41). Ein solcher Gesundheitsschaden kam erstmals in einem Bericht des Spital
E._ vom 1. Juli 2010 mit der Feststellung eines Verdachts auf Arthrose im Bereich
des linken Kieferköpfchens und der Empfehlung zur Sprache, ein CT durchzuführen
(UV-act. 85 Beilage). Hierauf bestätigten die Ärzte der Rehaklinik Bellikon im
Abschlussbericht vom 13. Juli 2010 die Diagnose einer Kiefersperre (UV-act. 85). Im
Gutachten von Dr. C._ vom 24. Februar 2011 wurde sodann ein im Kantonsspital
Aarau durchgeführtes CT des Kiefers vom 5. August 2010 zitiert mit folgendem Befund:
"Kieferköpfchen links deformiert, hauptsächlich abgeflacht, in seiner Gelenksfläche
deutlich unregelmässig und sklerosiert ohne Fraktur. Als vermutlich degenerative,
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möglicherweise posttraumatische Veränderung" (UV-act. 138 S. 4). Anlässlich der
Begutachtung durch Dr. C._ im Februar 2011 und auch später äusserte sich der
Beschwerdeführer jedoch nicht dahingehend, dass er an Kieferproblemen oder
Schluckstörungen leide (vgl. UV-act. 137 S. 7 und 20, UV-act. 147 und 149 S. 1). Dr.
C._ beschrieb die Ursache der aktenkundigen Kiefersperre und Schluckstörung mit
Hinweis auf das erwähnte kieferorthopädische Konsil im Kantonsspital Aarau wie folgt:
"..vermutlich degenerativ, möglicherweise posttraumatische Deformation
(Abflachung).." (UV-act. 137 S. 9). Gegenüber dem Kreisarzt gab der Beschwerdeführer
am 15. Dezember 2011 an, er habe ab und zu Verspannungen im HWS-Bereich und
könne zum Teil nicht einschlafen. Ab und zu spüre er, wenn er in Seitenlage schlafe,
auch die Lendenwirbelsäule. Ansonsten habe er keine Beschwerden (UV-act. 157 S.
4f).
3.1.3 Wenn Dr. B._ Schluckstörungen wegen der flachen Platte C6-Th1 mechanisch
als Unfallfolge nicht erklärbar erachtete und sich auf den Standpunkt stellte, dass für
die im CT vom 5. August 2010 beschriebene Arthrose im Kiefergelenk keine
überwiegend wahrscheinlich traumatische Ursache gefunden werden konnte (UV-act.
188), so erscheint dies angesichts des geschilderten Hergangs nachvollziehbar und
begründet. Eine bloss mögliche Unfallursache genügt den Beweisanforderungen
(überwiegende Wahrscheinlichkeit) nicht. Aus dem vom Beschwerdeführer geltend
gemachten Umstand, dass die Beschwerdegegnerin für kieferorthopädische
Heilungskosten aufgekommen sei und Physiotherapiekosten bezahlt habe (act. G 1 S.
4), lässt sich keine Anerkennung einer diesbezüglichen Unfallkausalität bzw. eines
entsprechenden unfallkausalen Integritätsschadens ableiten. Die Unfallkausalität der
Schluckbeschwerden bzw. der Kieferarthrose war entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers (act. G 1 S. 4 unten) zu keinem Zeitpunkt aktenmässig erstellt, so
dass die Beschwerdegegnerin auch deren "Wegfall" nicht belegen muss. Die
Anordnung weiterer medizinischer Abklärungen (kieferorthopädische Abklärung) durch
das Gericht erscheint in dieser Situation, in welcher krankheits- und unfallbedingte
Ursachen mit gleicher Wahrscheinlichkeit in Betracht kommen, nicht gerechtfertigt.
Dies umso weniger, als eine ärztliche Meinung, welche auf eine Unfallkausalität der
beim Beschwerdeführer bestehenden Kieferbeschwerden auch nur hindeuten würde,
sich weder bei den Akten befindet noch vom Beschwerdeführer eingereicht wurde.
3.2
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3.2.1 Die vom Beschwerdeführer angeführte Schlaflosigkeit stellt nach Lage der Akten
(UV-act. 137 S. 6, 7, 11; UV-act. 147 und 149 S. 1; UV-act. 157 S. 4f) eine Folge von
Schmerzen und Verspannungen bzw. der Einsteifung im HWS-Bereich dar. Aus der
Suva-Tabelle 7 (Integritätsschäden bei Wirbelsäulenaffektionen) lässt sich für den
vorliegenden medizinischen Sachverhalt die Integritätseinbusse nicht unmittelbar
entnehmen, weshalb der Schaden anhand von Annäherungen zu schätzen war. Suva-
Tabelle 7.2 beinhaltet eine Schmerzfunktionsskala, welche die Berücksichtigung von
Schmerzen nach Dauer und Intensität ermöglicht. Dr. D._ ging von einem
Kyphosewinkel von höchstens 10° aus; hierfür ist gemäss Tabelle 7.2 bei mässigen
Beanspruchungsschmerzen, welche in Ruhe selten bestehen, eine Integritätseinbusse
von 0-5% vorgesehen. Der Kreisarzt verdoppelte den oberen Grenzwert (5%), da zwei
Segmente betroffen sind. Aufgrund der erheblichen funktionellen Einschränkung sah er
zudem einen Zuschlag von 10% vor. Mit diesem Zuschlag sind auch die durch die
Verspannung/Einsteifung bedingten Schlafprobleme zureichend abgegolten, wenn
beachtet wird, dass gemäss Tabelle 7.2 eine Integritätseinbusse von 20% für
Kyphosewinkel vonbis 20° mit geringen Dauerschmerzen (bei Belastung verstärkt und
auch in Ruhe bestehend; ++) vorgesehen ist. Die Kriterien der höchsten Schmerzskala
(+++; starke Dauerschmerzen, Zusatzbelastung nicht möglich, auch nachts und in
Ruhe) sind beim Beschwerdeführer nach Lage der Akten offensichtlich nicht erfüllt (vgl.
dazu z.B. UV-act. 147 und 149 S. 1 oben), so dass hieraus sich kein höherer Zuschlag
als 10% ableiten liesse. Dies umso weniger, als von weiteren physiotherapeutischen
Massnahmen im Jahr 2011 mittelfristig noch eine Zustandsverbesserung erwartet
wurde (UV-act. 137 S. 13, UV-act. 139 S. 3) und somit eine solche künftig nicht
ausgeschlossen ist. In dieser Situation ist kein konkreter Anlass ersichtlich, aufgrund
dessen sich weitere Abklärungen zu Unfallkausalität und Integritätsbeeinträchtigung
der - unbestrittenen - Schlafprobleme aufdrängen würden.
3.2.2 Ebenfalls berücksichtigt sind mit dem erwähnten Zuschlag von 10% die vom
Beschwerdeführer geltend gemachte beschränkte körperliche Belastbarkeit und
Schmerzen bei Temperaturwechseln (act. G 1 S. 6). Die von den Ärzten der
Beschwerdegegnerin angewendete Suva-Tabelle 7.2 ermöglicht wie dargelegt den
differenzierten Einbezug von Schmerzen in die Integritätsschadenschätzung. Inwiefern
hier weitere Abklärungen erforderlich oder gerechtfertigt sein sollten, wird weder vom
Beschwerdeführer dargelegt noch ergeben sich diesbezügliche Anhaltspunkte aus den
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Akten. Was im Übrigen das Ausmass der funktionellen Einschränkung betrifft, ist zu
beachten, dass der Beschwerdeführer in der Lage war, eine Umschulung zum
Sozialpädagogen zu absolvieren (vgl. UV-act. 148, 151, 152, 155, 164); sodann ist er in
einer adaptierten Tätigkeit zu einem hohen Prozentsatz bzw. voll arbeitsfähig (UV-act.
137 S. 12f; UV-act. 157 S. 7). Auch wenn die Frage der Arbeitsfähigkeit und diejenige
des Integritätsschadens zu unterscheiden sind, zeigt der erwähnte Umstand doch,
dass die unfallbedingte Integritätseinbusse die Absolvierung einer (anspruchsvollen)
Umschulung nicht behinderte.
3.3 Hinsichtlich des in der Beschwerde angeführten Arthroserisikos (act. G 1 S. 4) ist
festzuhalten, dass vorliegend die tatsächlichen Verhältnisse bis zum Datum des
angefochtenen Entscheids (26. Juni 2012) zu prüfen sind. Konkrete Anhaltspunkte
dafür, dass sich die medizinischen Verhältnisse bezüglich Halswirbelsäule in der Zeit
bis Ende Juni 2012 verschlechtert hätten, lassen sich den Akten nicht entnehmen.
Jedenfalls fehlt es an ärztlichen Berichten, die solches bestätigen würden. Dr. B._
erwähnte überdies, dass ein künftiges Arthroserisiko weder wahrscheinlich noch
voraussehbar sei (UV-act. 188). Im Übrigen ist festzuhalten, dass die
Integritätsentschädigung bei nicht voraussehbarer nachträglicher Verschlimmerung
einer Revision bzw. einer nachträglichen Erhöhung zugänglich ist (SZS 1988, 274).
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 26. Juni 2012 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu er
heben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 24.05.2013 Art. 24 UVG. Bade-Unfall mit Verletzung mit Verletzung der HWS. Frage der Höhe der Integritätsentschädigung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. Mai 2013, UV 2012/67).
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2021-09-19T12:43:11+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen