Decision ID: 88edb942-4580-4e39-b5c9-dd61efdeece4
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Februar 2004 wegen Rücken- und Schulterbeschwerden,
Kopfschmerzen, Schwindel, Magenbeschwerden, "Beinknochenproblemen" und
psychischen Problemen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an
(IV-act. 1). Er gab an, dass er am 30. Januar 2003 einen Autounfall erlitten habe. Er
habe in B._ die Schule besucht und anschliessend in C._ eine Bäckerlehre
gemacht. In der Schweiz habe er als Hilfsarbeiter im Gartenbau und in einem
Gipsergeschäft gearbeitet. Er sei verheiratet und habe zwei Kinder (Jahrgänge 199_
und 200_ [ein drittes Kind wurde im Jahr 200_ geboren, IV-act. 69]).
A.a.
Der damalige Hausarzt Dr. med. D._ gab am 5. Mai 2004 die folgenden
Diagnosen an (IV-act. 15): Chronifiziertes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom (mit/
bei St. n. Autounfall am 30. Januar 2003, ISG-Dysfunktion, muskulärer Dysbalance,
Spondylarthrose, breitbasiger Diskusprotrusion L4/5, Anulus fibrosus-Riss),
Depression, Angststörung, psychosomatische Beschwerden und Verdacht auf
posttraumatische Belastungsstörung bei Kriegstrauma, aber auch bei St. n. Autounfall
am 30. Januar 2003, Nacken- und Kopfschmerzen (mit/bei muskulärer Verspannung,
St. n. Kopfprellung nach Sturz am 11. August 2003), rezidivierende
Magenbeschwerden (mit/bei St. n. Vagotomie und Ulcusübernähung 1995 wegen
perforiertem Ulcus duodeni), Nikotinabusus. Er attestierte eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit ab 3. Februar 2003.
A.b.
Die SUVA verneinte mit einem Einspracheentscheid vom 30. November 2004
einen Anspruch auf Versicherungsleistungen mit der Begründung, dass keine Folgen
des Unfalls vom 30. Januar 2003 vorlägen (Fremdakten-act. 3-3 ff.).
A.c.
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Am 22. März 2005 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass eine
polydisziplinäre Begutachtung notwendig sei (IV-act. 33). Vom 23. bis 26. Oktober 2006
wurde der Versicherte vom Zentrum für Medizinische Begutachtung (ZMB)
polydisziplinär (internistisch, orthopädisch und psychiatrisch) abgeklärt. Im Gutachten
vom 11. Januar 2007 gaben die Sachverständigen folgende Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit an (IV-act. 54-24): Chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom (mit/bei Discusprotrusion L4/5 mit fraglichem Riss des Anulus
fibrosus, präsacraler Spondylarthrose), cervicales tendomyopathisches
Schmerzsyndrom, undifferenzierte Somatisierungsstörung (F45.1), Persönlichkeit mit
auffälligen neurotischen Charakterzügen (F60.8), sonstige gemischte Angststörung
nach negativen Kriegserlebnissen (F41.3), Verdacht auf orthostatische Hypotonie mit
Verdacht auf orthostatisch bedingte Synkope 08/2003. Als Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie: St. n. Vagotomie und Operation eines
perforierten Ulcus ventriculi 1995, Nikotinabusus, St. n. Autounfall (PW-Streifkollision)
am 30. Januar 2003. Der psychiatrische Gutachter hielt insbesondere fest (IV-
act. 54-23, 54-27), die von den behandelnden Fachärzten gestellte Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung könne nicht aufrechterhalten werden. Der
Versicherte habe sehr viele unspezifische psychopathologische Symptome beklagt,
welche in diverse Formenkreise aus den psychischen Störungen passen würden. Er
habe weder von sich aus noch auf Befragen über immer wiederkehrende Bilder oder
Erlebnisse mit entsprechender affektiver Beteiligung berichtet. Auch beim Besprechen
der Kriegserlebnisse habe er keine affektive Reaktion gezeigt. Sicher bestehe eine
unspezifische Angststörung mit Regressionstendenz, Selbstlimitierung und mit
teilweisem Aufgeben der Sozialkompetenz. Es bestehe eine Polymorbidität mit
depressiven, ängstlichen, regressiven Anteilen bei deutlicher Symptom- und
Schmerzfehlverarbeitung und deutlicher Selbstlimitierung. Betrachte man den Verlauf,
falle auf, dass der Versicherte mit den Erfahrungen von Kriegsgräueln in die Schweiz
eingereist sei, aber doch während zehn Jahren sozial und teilweise auch beruflich habe
funktionieren können. Erst nach dem Autounfall sei er psychisch dekompensiert. In
Bezug auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter an (IV-act. 27 f.), die Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei nicht einfach. Aufgrund der Akten
könnte man annehmen, dass man einen schwerstkranken Menschen vor Augen habe,
was nicht bestätigt werden könne. Der Versicherte sei sicher stark verunsichert, etwas
A.d.
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B.
ratlos, zeige allerdings auch Hinweise darauf, dass er sich regressiv gehen und sich
stark von aussen beeinflussen lasse. Ein schwerster depressiver Zustand liege nicht
vor. Der Zustand sei vielmehr gemischt durch eine regressive Verhaltensauffälligkeit mit
sich Gehenlassen, Tag-Nachtumkehr und mit einer Tendenz, sich nichts mehr
zuzumuten und die Verantwortung abzugeben. Es sei von einer weitgehenden
Arbeitsunfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt auszugehen. In einem geschützten
Rahmen könnte der Versicherte durchaus noch eingesetzt werden, dies mehr als
halbtags. Die psychische Verschlechterung habe sich ab Januar 2004 entwickelt, als
der Versicherte erstmals psychiatrisch hospitalisiert worden sei. Aus somatischer Sicht
seien dem Versicherten körperlich schwere Tätigkeiten wie die angestammte Tätigkeit
als Gipser nicht mehr zumutbar. Körperlich leichte Tätigkeiten ohne das Heben und
Tragen von schweren Lasten von mehr als 15 Kilogramm, ohne das Besteigen von
Leitern (wegen der Sturzgefahr aufgrund der orthostatischen Hypotonie) und ohne
repetitive körperliche Zwangshaltungen seien möglich.
Mit einer Verfügung vom 3. August 2007 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
rückwirkend ab 1. Januar 2005 bei einem Invaliditätsgrad von 100% eine ganze Rente
zu (IV-act. 67).
A.e.
Am 20. August 2014 gab der Versicherte im Revisionsfragebogen an (IV-act. 71),
der Gesundheitszustand sei gleich geblieben. Der Hausarzt Dr. med. E._ teilte am
24. Oktober 2014 mit (IV-act. 76), er behandle den Versicherten seit dem 10. Dezember
2012. Der Gesundheitszustand sei stationär. Der Versicherte beziehe Medikamente
über ihn, da die behandelnde Psychiaterin ihre Praxistätigkeit aufgegeben habe. Zu
den Konsultationen komme der Versicherte nur in Begleitung seiner Ehefrau. Er wirke
angespannt, verängstigt, verschlossen und lebe in seiner eigenen Welt. Er schreibe viel
und gehe nur für Besuche bei seinen Eltern und bei einem Verwandten ausser Haus.
Der somatische Status sei unauffällig. Der Versicherte erklärte am 10. Februar 2015 (IV-
act. 80), dass er ca. sieben Jahre in der Gesprächstherapie bei lic. phil. F._ in der
Praxis von Frau Dr. med. G._ gewesen sei. Anfang 2011 habe sie ihn über ihr
Aufhören informiert. Da er Probleme habe, jemand neuen kennenzulernen, habe er bis
jetzt keine neue Vertrauensperson gefunden. Er habe nun erneut Kontakt mit lic. phil.
B.a.
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F._ aufgenommen und erfahren, dass sie ihre Arbeit wieder aufgenommen habe. Sie
werde alles daran setzen, ihm eine Behandlung bei ihr zu ermöglichen. Dr. med. H._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 24. Februar 2015 (IV-act. 81), es
müsse davon ausgegangen werden, dass der Gesundheitszustand im Vergleich zum
psychiatrischen Gutachten von 2007 stationär sei.
Am 11. Januar 2017 bat die IV-Stelle den Versicherten mitzuteilen, bei wem und in
welchen Abständen er in psychiatrischer Behandlung sei (IV-act. 83). Dieser teilte am
30. Januar 2017 mit (IV-act. 85), er sei vom 14. August 2003 bis 17. März 2011 (159
Sitzungen) bei lic. phil. F._ (delegiert von Dr. G._) und vom 27. Februar 2015 bis
26. Januar 2017 (6 Sitzungen) erneut bei lic. phil. F._ (delegiert von Dr. med. I._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie) in Behandlung gewesen. Aktuell sei er
in keiner psychotherapeutischen Behandlung. Dr. I._ berichtete am 8. Mai 2017 (IV-
act. 89), der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich verschlechtert. Sie gab
folgende Diagnosen an: Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
(ICD-10 F62.0), undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1), chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom (mit/bei Diskusprotrusion L4/5 mit fraglichem Riss
des Anulus fibrosus), präsacrale Spondylarthrose, cervicales tendomyopathisches
Schmerzsyndrom, Verdacht auf orthostatische Hypotonie mit Verdacht auf
orthostatisch bedingte Synkope 08/2003. Sie hielt fest, im März 2011 habe der
Versicherte die Behandlung beendet. Seine Ehefrau sei eine Zeit lang allein zu den
beratenden Gesprächen gekommen. Zwischen Februar 2015 und Mai 2016 hätten
nochmals gemeinsame Gespräche stattgefunden. Der Versicherte fühle sich von
Menschen bedroht, weshalb er nicht mehr unter die Menschen gehe, die Wohnung
kaum und nur in Begleitung seiner Ehefrau verlasse. Er lebe völlig zurückgezogen und
auch innerhalb der Familie isoliert in seinem Zimmer. Sie attestierte eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Am 20. Juni 2017 gab der Versicherte im Revisionsfragebogen an
(IV-act. 93), sein Gesundheitszustand sei gleich geblieben. Er sei mehrheitlich zu
Hause; in der letzten Zeit verbringe er seine Aktivität beim Laufen. Er habe Kontakt mit
wenigen Personen und gehe ein- bis zweimal pro Monat einkaufen.
B.b.
Am 21. Juni 2018 ging ein Arbeitsvertrag zwischen dem Versicherten und der
J._ GmbH ein (IV-act. 96). Der Versicherte war seit dem 1. März 2018 zu einem
Pensum von 20% angestellt. Am 20. August 2018 gab der Versicherte in einem
B.c.
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weiteren Revisionsfragebogen an (IV-act. 100), sein Gesundheitszustand sei gleich
geblieben. Er habe sich vom 1. März bis 20. Juli 2018 aufgrund seiner grossen
Depressionen und der schwachen Beinmuskulatur gezwungen, 20% zu arbeiten,
"leider mit Schwierigkeiten". Kontakte habe er sehr selten. Zweimal pro Monat gehe er
einkaufen. Die J._ GmbH teilte am 31. August 2018 mit (IV-act. 102), der Versicherte
sei ab 1. März bis 20. Juli 2018 angestellt gewesen. Er habe ca. zwei Stunden pro Tag
(acht Stunden pro Woche) leichte Abdeck- und Spachtelarbeiten ausgeführt. Die
Kündigung sei aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt (IV-act. 101).
Der Hausarzt Dr. E._ berichtete am 18. April 2020 (IV-act. 111), der
Gesundheitszustand sei stationär. Er gab die Diagnosen posttraumatische
Belastungsstörung, chronische lumbovertebrale und spondylogene Rückenschmerzen
bei degenerativen Veränderungen LWS (MRI 06/2003), Diabetes mellitus Typ 2 (ED
02/2019) und rez. Fistelung Gesässfalte links bei DD Sinus pilonidalis/DD Atherom an.
Er hielt fest, er habe den Versicherten seit 2014 zwölfmal gesehen. Er komme immer in
Begleitung seiner Ehefrau und wirke unruhig, gespannt, rede kaum, gebe auf Fragen
kurze Antworten und schaue seine Frau an. Er rezeptiere dem Versicherten
Medikamente (u.a. Xanax 1.0 mgr, Anafranil 75, Sequase 200 mgr). Ihm sei nicht
bekannt gewesen, dass die Behandlung bei Dr. I._ im Januar 2017 beendet worden
sei.
B.d.
Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 15. Juli 2020 mit (IV-act. 116), dass eine
polydisziplinäre Begutachtung notwendig sei. Am 24. August 2020 informierte sie ihn
darüber (IV-act. 123), dass die Begutachtung durch die ABI GmbH erfolgen werde.
Sofern er einen Dolmetscher benötige, sei dies der Gutachterstelle zu melden. Am
9. November 2020 wurde der Versicherte durch die ABI GmbH polydisziplinär
(internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch) abgeklärt. Im Gutachten vom
9. Dezember 2020 gaben die Sachverständigen keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit an (IV-act. 125-8). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit nannten sie: Intermittierendes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom,
chronisches multilokuläres, somatisch nicht abstützbares Schmerzsyndrom,
chronischer Nikotinabusus. Der internistische Gutachter führte aus (IV-act. 125-19 ff.),
der Versicherte habe angegeben, dass die Blutzuckerwerte früher auch schon zu hoch
gewesen seien, er aber nie ein Medikament gegen Diabetes habe einnehmen müssen.
B.e.
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Er gehe regelmässig mit seiner Ehefrau kurz spazieren und fahre auch noch selber
Auto. Der internistische Gutachter stellte keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit und attestierte eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Er gab an,
retrospektiv hätten sich keine Hinweise für eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit
aufgrund einer allgemeininternistischen Diagnose gefunden. Der rheumatologische
Experte hielt fest (IV-act. 125-33 ff.), im Rahmen der Anamneseerhebung und dem
Status habe eruiert werden können, dass der Versicherte selbstständig Liegestützen
und mit Hanteln Kraftübungen für die oberen Extremitäten durchführe. Vor zwei bis drei
Jahren habe er diese Massnahmen regelmässig durchgeführt, aktuell noch alle sieben
bis zehn Tage. Seit der Begutachtung durch das ZMB habe keine erneute Evaluation
des Bewegungsapparats durch einen Facharzt stattgefunden. Der klinisch-
rheumatologische Status habe bei sehr guter Compliance durchgeführt werden
können. Inspektorisch habe sich eine sehr gut trainierte Schultergürtelmuskulatur
gezeigt; Abschwächungen der abdominellen und rückenstabilisierenden
Muskelgruppen hätten sich nicht gefunden. Eine leichte, gut kompensierte
Wirbelsäulenfehlhaltung und -fehlform habe bestanden. Das aktuelle Röntgenbild der
Lendenwirbelsäule habe eine gewisse Fehlhaltung thorakal und lumbal mit nur sehr
diskreten angedeuteten Chondrosen ergeben. Im kursorisch-neurologischen Status
hätten keine Hinweise für aktuelle oder residuelle zervikale oder lumboradikuläre
sensomotorische Ausfälle bestanden. Der Status an den oberen Extremitäten sei
regelrecht mit einer sehr kräftigen innervierbaren Rotatorenmanschettenmuskulatur
gewesen. Aufgefallen sei eine klare Beschwielung der Handinnenseite. Der periphere
Gelenkstatus an den unteren Extremitäten sei klinisch unauffällig gewesen. Insgesamt
müsse eindeutig konstatiert werden, dass sich der Versicherte im Rahmen der klinisch-
rheumatologischen Evaluation ohne Hinweise für eine segmentale
Bewegungseinschränkung an der Wirbelsäule oder eine relevante Pathologie an den
peripheren Gelenken an den oberen sowie unteren Extremitäten präsentiert habe.
Neurologische Defizite hätten nicht bestanden. Die orthopädische Beurteilung im
Gutachten der ZMB könne retrospektiv nur teilweise nachvollzogen werden. Aufgrund
des damaligen Status und insbesondere unter Berücksichtigung der damaligen
Aktenlage wären dem Versicherten sicherlich sämtliche körperlich leichten bis auch
regelmässig mittelschwer belastenden beruflichen Tätigkeiten zumutbar gewesen. Eine
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit könne nicht gestellt werden. In der
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bisherigen Tätigkeit bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Der Versicherte sei in
der Lage, alle beruflichen Tätigkeiten in der freien Wirtschaft ohne spezifische
Einschränkung durchzuführen. Diese Beurteilung gelte mit Sicherheit ab Datum des
Gutachtens. Da seit Jahren keine Fachärzte des Bewegungsapparats eine objektive
Untersuchung durchgeführt oder dokumentiert hätten, sei eine rückwirkende
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht möglich. Seit der letzten Begutachtung bestehe
eine Verbesserung der gesamten Befunde am Bewegungsapparat. Der psychiatrische
Gutachter gab an (IV-act. 125-25 ff.), der Versicherte habe erzählt, dass er nach der
obligatorischen Schule keine Berufsausbildung absolviert, sondern in einer Bäckerei
gearbeitet habe. In der Schweiz habe er im Gartenbau und in einem Gipsergeschäft
gearbeitet. Er gehe immer wieder Aushilfsarbeiten nach; beispielsweise helfe er seit
etwa fünf Monaten einem guten Kollegen bei Renovationsarbeiten. Er führe leichte
Arbeiten aus, verkleide Wände und führe Spachtelarbeiten aus. Er habe einige
Kollegen, mit denen er sich ab und zu treffe. Er schreibe gerne Lieder. Sport treibe er
nicht. Manchmal gehe er mit seiner Frau spazieren und sorge ansonsten dafür, dass er
ein bisschen Bewegung habe. Im Haushalt helfe er wenig, da seine Ehefrau alles alleine
machen wolle. Er schaue fern und surfe im Internet. Er fahre Auto und erledige Einkäufe
gemeinsam mit seiner Ehefrau, welche nicht Auto fahre. Im Abschnitt zum
psychiatrischen Befund hielt der Gutachter fest, die Untersuchung habe problemlos in
deutscher Sprache durchgeführt werden können. Im Gespräch sei aufgefallen, dass
der Versicherte auch bei einfachsten Fragen angegeben habe, die Frage nicht
verstanden zu haben. Auch sei er immer wieder abgeschweift, habe die ihm gestellten
Fragen nicht beantwortet und wiederholt angegeben, häufig an den Krieg denken zu
müssen. In der Untersuchung hätten sich keine Hinweise auf klinisch relevante
Beeinträchtigungen des kognitiven Funktionsniveaus gefunden. Die Stimmungslage
habe sich ausgeglichen gezeigt und sei als glücklich beschrieben worden. Bei
normalem Antrieb habe eine gute affektive Modulationsfähigkeit bestanden.
Formalgedanklich hätten sich keine Auffälligkeiten gefunden. Symptome aus dem
Spektrum der Angststörungen hätten sich nicht gefunden. Kriteriengeleitet sei die
Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht zu stellen; auch eine
andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung liege nicht vor.
Bezüglich der Schmerzsymptomatik habe der Versicherte zwar berichtet, am ganzen
Körper unter Schmerzen zu leiden, diese seien jedoch nur vage beschrieben und im
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Verlauf der Untersuchung nicht weiter erwähnt worden. Bei einem gesamthaft völlig
unauffälligen psychopathologischen Befund liege kein Störungsbild aus dem Spektrum
der psychischen Erkrankungen vor. Der Versicherte sei seit drei Jahren in keiner
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung mehr. Die Psychopharmaka würden
vom Hausarzt verordnet. In der Untersuchung hätten sich deutliche Tendenzen zur
Aggravation gefunden; der Versicherte habe angegeben, einfachste Fragen nicht zu
verstehen, und er sei im Gespräch immer wieder zum Sachverhalt, unter Albträumen zu
leiden, abgewichen. Zwar gehe der Versicherte keinen regelmässigen und
strukturierenden Alltagsaktivitäten nach; insgesamt hätten sich in der Gestaltung des
Alltags jedoch keine Einschränkungen gefunden, welche mit einer psychischen
Erkrankung begründbar wären. Der Versicherte habe angegeben, seit einigen Monaten
mit einem Pensum von ca. 20% bei Renovationsarbeiten auszuhelfen. Aus
psychiatrischer Sicht sei der Versicherte in der Lage, handwerklichen Tätigkeiten, wie
zuletzt ausgeübt, uneingeschränkt nachzugehen. Diese Einschätzung gelte sicher seit
der aktuellen Untersuchung. In der Konsensbeurteilung (Ziffern I.4.6 und I.4.7) gaben
die Sachverständigen an (IV-act. 125-9), in der zuletzt ausgeübten und in allen anderen
beruflichen Tätigkeiten in der freien Wirtschaft bestehe eine vollständige Arbeits- und
Leistungsfähigkeit. Diese Angabe gelte mit Sicherheit ab Datum dieses Gutachtens. Da
seit Jahren keine Fachärzte des Bewegungsapparats eine objektive Untersuchung
durchgeführt oder dokumentiert hätten und da keine psychiatrische Behandlung
stattgefunden habe, sei eine genauere Rückdatierung mangels valider Berichte nicht
möglich. Jedenfalls könne im Gegensatz zur ursprünglichen Berentung keine
psychiatrische Pathologie mehr festgestellt werden. Berufliche Massnahmen seien
aufgrund der ausgeprägten subjektiven Krankheitsüberzeugung kaum erfolgreich
durchführbar. Die Angaben in Ziffer I.3.1 "Information der Auftraggeber (reine Zitate des
Auftraggebers)" und die Fragestellung in Ziffer I.4.11 "Fallspezifische Fragen/Diverses"
des Gutachtens ("Liegt eine Verschlechterung seit 2014 vor?") betrafen eine andere
versicherte Person.
Der RAD-Arzt Dr. med. K._ notierte am 22. Dezember 2020 (IV-act. 126), das
Gutachten entspreche formal und inhaltlich den Konventionen, welche man an ein
medizinisches Gutachten stellen dürfe. Eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle hielt am
29. April 2021 fest (IV-act. 130), dass Ziffer I.3.1 des Gutachtens eine andere
B.f.
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C.
versicherte Person betroffen habe und dass die im Gutachterauftrag gestellte Frage
nach einer Veränderung des Gesundheitszustands seit der Verfügung vom 3. August
2007 nicht explizit beantwortet worden sei. Am 21. Mai 2021 stellte die IV-Stelle der
ABI GmbH Rückfragen (IV-act. 131). Der fallführende Gutachter gab am 31. Mai 2021
an (IV-act. 132), die Gutachter hätten sich auf die Angaben in Ziffer I.3.2 abgestützt, der
vom Fallführer bei der Aktenevaluation formuliert worden sei. Bezüglich des Verlaufs
seit 2007 (statt wie im Gutachten beantwortet 2014) könne auf Ziffer I.4.11, dass keine
Verschlechterung stattgefunden habe, und auf Ziffer I.4.6.4 des Gutachtens verwiesen
werden. Der RAD-Arzt Dr. K._ notierte am 15. Juni 2021 (IV-act. 133), die Rückfragen
seien ausreichend beantwortet worden. Auf das Gutachten vom 9. Dezember 2020
könne weiterhin abgestellt werden.
Mit einem Vorbescheid vom 24. Juni 2021 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit
(IV-act. 136), sie sehe vor, die Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung
folgenden Monats einzustellen. Zur Begründung gab sie an, gemäss dem Gutachten
habe sich der Gesundheitszustand seit der Rentenzusprache verbessert. In der zuletzt
ausgeübten oder in einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine vollständige
Arbeitsfähigkeit. Der Invaliditätsgrad betrage 0%. Der Versicherte erhob dagegen
keinen Einwand. Mit einer Verfügung vom 16. September 2021 stellte die IV-Stelle die
Rente per 31. Oktober 2021 ein (IV-act. 137).
B.g.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) liess am 18. Oktober 2021 eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 16. September 2021 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Nichteinstellung der Invalidenrente. Zudem beantragte er die unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Zur Begründung machte er im
Wesentlichen geltend, das Gutachten der ABI GmbH vom 9. Dezember 2020 sei nicht
beweiskräftig. Die Sachverständigen hätten eine nicht gestellte Gutachterfrage
beantwortet und dafür die zentrale, gestellte Gutachterfrage nicht beantwortet. Das
Gutachten enthalte in Ziffer I.3 Angaben zu einer anderen versicherten Person. Es sei
ein erneutes Gutachten bei einer professionellen Stelle einzuholen. Die komplexe
Symptomatik bei einer Traumafolgestörung hätte eine Fremdanamnese und eine
C.a.
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arbeitspsychologische Analyse erfordert, um die Leistungsfähigkeit abzuklären. Der
Beschwerdeführer sei ca. fünf Minuten vom rheumatologischen Gutachter und ca.
sieben Minuten vom psychiatrischen Gutachter untersucht worden. Der internistische
Gutachter habe ihm während ca. zwei Minuten Blut entnommen. Insgesamt sei er
während maximal 15 Minuten untersucht worden. Der Beschwerdeführer spreche nur
gebrochenes Deutsch. Den Gutachtern scheine die Verständigung auf "magische
Weise" gelungen zu sein; sie schienen sich geradezu echauffiert zu haben, dass der
Beschwerdeführer nicht auf ihre spezifischen Fragen eingegangen sei, sondern
"mantramässig" seine psychiatrische Grundproblematik wiederholt habe. Dies sei keine
Aggravation, sondern eine Manifestierung der mangelnden Sprachkenntnisse und
Aussagekompetenz des Beschwerdeführers gewesen. Die Sprachbarriere habe zu
einem "Rattenschwanz" an falschen oder oberflächlichen Sachverhaltsermittlungen
geführt: Der psychiatrische Gutachter habe den Beschwerdeführer nur oberflächlich
befragt. Hätte er nachgefragt, wäre insbesondere zum Vorschein gekommen, dass der
Beschwerdeführer seit mehr als 15 Jahren keine Nacht durchschlafen könne, dass er
nicht in der Lage sei, eine Tagesstruktur einzuhalten und das Haus ohne Angst alleine
zu verlassen und dass er sich nur in Begleitung seiner Ehefrau sicher und wohl genug
fühle, um Spaziergänge zu machen. Offensichtlich liege hinter dieser Symptomatik eine
schwere traumatische Erkrankung. Der Beschwerdeführer trainiere drei- bis viermal pro
Woche mit Hanteln, was die Beschwielung der Handinnenseite erkläre. Unzutreffend
sei die Angabe im psychiatrischen Teilgutachten, der Beschwerdeführer helfe seit
einigen Monaten mit einem Pensum von etwa 20% bei Renovationsarbeiten aus. Die
beschriebene Tätigkeit habe im Jahr 2018 stattgefunden. Diese exemplarisch
aufgeführten Folgen der Sprachbarriere belegten, dass ein grober Verfahrensfehler
vorliege und dass das Gutachten mangelhaft sei. Der psychiatrische Gutachter habe
zugestanden, dass der Beschwerdeführer keinen regelmässigen und strukturierenden
Alltagsaktivitäten nachgehe; in der Gestaltung des Alltags fänden sich jedoch keine
Einschränkungen, welche mit einer psychischen Erkrankung begründbar seien. Dies sei
nicht nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer würde gerne arbeiten. Der
rheumatologische Gutachter habe versucht, die Glaubwürdigkeit des Hausarztes in
Zweifel zu ziehen. Nicht sachgerecht sei, ohne das Erforschen der Gründe für die nur
sporadischen Besuche des Beschwerdeführers beim Hausarzt zu "lesen", dass wohl
keine rheumatologischen Beschwerden bestünden.
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Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 9. Dezember
2021 die Abweisung der Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung machte sie im
Wesentlichen geltend, offensichtlich hätten die Angaben in Ziffer I.3.1 des Gutachtens
eine andere versicherte Person betroffen. Die Verantwortlichen der ABI GmbH hätten
nachvollziehbar angegeben, dass sich die Gutachter bei ihrer Beurteilung auf die
Ausführungen in Ziffer I.3.2 gestützt hätten. Die fehlerhaften Ausführungen in Ziffer I.3.1
beträfen damit keine wesentlichen Punkte. Die Behauptung des Beschwerdeführers, er
sei vom psychiatrischen Gutachter lediglich während sieben Minuten untersucht
worden, sei völlig unglaubwürdig, denn sonst hätte das psychiatrische Gutachten nicht
in der vorliegenden Dichte erstellt werden können. Alle Gutachter hätten die
Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers als ausreichend erachtet. Der
psychiatrische Gutachter habe den Beschwerdeführer ausführlich befragen können,
obwohl dieser immer wieder abgeschweift sei, die gestellten Fragen nicht beantwortet
und wiederholt angegeben habe, an den Krieg denken zu müssen. Ob bei einer
psychiatrischen Begutachtung eine Fremdanamnese einzuholen sei, liege im
gutachterlichen Ermessen, ebenso die Wahl der Methode zur Erstellung des
Gutachtens. Die Kritik wegen der Nichtdurchführung einer arbeitspsychologischen
Analyse stosse deshalb ins Leere. In Bezug auf die internistische und
rheumatologische Begutachtung habe der Rechtsvertreter nicht aufgezeigt und es
fehlten Anhaltspunkte dafür, dass die Untersuchungen nicht lege artis erfolgt sein
sollten. Das Gutachten erfülle die allgemeinen Anforderungen an ein beweiskräftiges
Gutachten. Zu prüfen sei, ob diesem rechtsgenüglich entnommen werden könne, ob
und allenfalls inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustands seit dem
Referenzzeitpunkt eingetreten sei. Zu bemängeln sei, dass das Gutachten keine
konkrete Auseinandersetzung mit den Feststellungen im ZMB-Gutachten enthalte. Die
Gutachter hätten sich nicht rechtsgenüglich zur Frage einer allfälligen
anspruchserheblichen Veränderung des Gesundheitszustands seit der ZMB-
Begutachtung geäussert. Zu prüfen bleibe, ob es evident sei, dass sich der
Gesundheitszustand anspruchserheblich verändert habe. Die ZMB-Gutachter hätten
die Auswirkungen der im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung festgestellten
Psychopathologie, die sie diagnostisch in erster Linie als unspezifische Angststörung
qualifiziert hätten, als derart schwerwiegend betrachtet, dass sie dem
Beschwerdeführer psychiatrisch begründet eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für
C.b.
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Tätigkeiten in der freien Wirtschaft attestiert hätten. Im Vergleich dazu habe der
psychiatrische Gutachter der ABI GmbH keinerlei Symptome aus dem Spektrum der
Angststörung und auch keine Hinweise für das Bestehen einer affektiven Erkrankung
feststellen können. Eine relevante Verbesserung des psychischen Zustandsbilds sei
damit geradezu offensichtlich. Damit habe ein Revisionsgrund bestanden und es könne
auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung im ABI-Gutachten abgestellt werden. Nachdem der
Beschwerdeführer im Revisionszeitpunkt weder als arbeits- noch als erwerbsunfähig zu
betrachten sei, liege keine Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG vor. Auf die
Vornahme eines Einkommensvergleichs nach Art. 16 ATSG könne daher verzichtet
werden. Die angefochtene Verfügung sei nicht zu beanstanden.
Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen bewilligte
am 27. Januar 2022 das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das
Beschwerdeverfahren (act. G 12).
C.c.
Der Beschwerdeführer liess in einer Replik vom 26. Januar 2022 ergänzend
geltend machen (act. G 13), das Argument der Beschwerdegegnerin betreffend die von
ihm angegebene Dauer der psychiatrischen Untersuchung von sieben Minuten sei nicht
stichhaltig, denn in dieser Zeit könnten sehr viele Fragen gestellt werden, insbesondere
wenn wie vorliegend auf die Erstattung eines freien Berichts verzichtet werde. Die
Argumentation im Gutachten scheine weitgehend aus Negativa zu bestehen. Der
Rechtsvertreter reichte eine Stellungnahme der Ehefrau des Beschwerdeführers vom
7. Januar 2022 ein (act. G 13.1) und hielt fest, schleierhaft sei, wie vor dem Hintergrund
der darin beschriebenen Einschränkungen von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen werden könne. Im Weiteren reichte er eine Stellungnahme des
Hausarztes Dr. E._ vom 12. Dezember 2021 ein (act. G 13.2). Dr. E._ hatte
angegeben, er könne die Beurteilung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit im Gutachten
nicht nachvollziehen. Nach seiner Beurteilung sei nur eine langsame Steigerung der
Arbeitsleistung in einer adaptierten Tätigkeit möglich.
C.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1. Februar 2022 auf eine Duplik und hielt
am Antrag und an den Ausführungen in der Beschwerdeantwort fest (act. G 15).
C.e.
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Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer hat seit dem 1. Januar 2005 eine ganze Rente bezogen. Mit der
angefochtenen Verfügung vom 16. September 2021 hat die Beschwerdegegnerin die
Rente per 31. Oktober 2021 aufgehoben. Zu prüfen ist, ob diese Rentenaufhebung zu
Recht erfolgt ist.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat die Rente mittels einer Revision nach Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1) aufgehoben. Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG; vgl. auch
Art. 87 Abs. 2, Art. 88a und Art. 88 der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV, SR 831.201). Anlass zur Revision einer Invalidenrente gibt jede Änderung in den
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob
bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche
Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige
Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8. Juli 2020,
8C_196/2020 E. 3.2.1, und vom 29. August 2011, 9C_418/2010 E. 3.1). Die letzte
rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
beruht hat, ist die rentenzusprechende Verfügung vom 3. August 2007 gewesen, denn
das im Jahr 2014 eingeleitete Revisionsverfahren, das mit der angefochtenen
Verfügung vom 16. September 2021 abgeschlossen worden ist, ist das erste
Revisionsverfahren seit der Rentenzusprache gewesen.
Am 11. Mai 2022 liess der Beschwerdeführer mitteilen (act. G 17), er habe wieder
einen Psychiater gefunden. Er reichte eine Einladung der Psychiatrie L._ vom
29. April 2022 zum Erstgespräch am 23. Mai 2022 ein (act. G 17.1).
C.f.
bis
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3.
Die ursprüngliche Rentenzusprache ist gestützt auf das Gutachten des ZMB vom
11. Januar 2007 erfolgt. Massgebend für die Zusprache der ganzen Rente war die aus
psychiatrischer Sicht attestierte "weitgehende Arbeitsunfähigkeit auf dem freien
Arbeitsmarkt". Aus somatischer Sicht hatte in einer adaptierten Tätigkeit (körperlich
leichte Tätigkeit ohne das Heben und Tragen von schweren Lasten von mehr als 15
Kilogramm, ohne das Besteigen von Leitern [wegen der Sturzgefahr aufgrund der
orthostatischen Hypotonie] und ohne repetitive körperliche Zwangshaltungen) eine
vollständige Arbeitsfähigkeit bestanden. Der Arbeitsfähigkeitsschätzung hatten aus
psychiatrischer Sicht die folgenden Diagnosen zugrunde gelegen: Sonstige gemischte
Angststörung (F41.3) nach negativen Kriegserlebnissen, undifferenzierte
Somatisierungsstörung (F45.1), Persönlichkeit mit auffälligen neurotischen
Charakterzügen (F60.8). Die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung
hatte der psychiatrische Gutachter explizit verneint. Er hatte festgehalten, dass sicher
eine unspezifische Angststörung bestehe. Der internistische und der orthopädische
Gutachter des ZMB hatten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt: Verdacht auf orthostatische Hypotonie mit Verdacht auf orthostatisch bedingte
Synkope 08/2003, chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom (mit/bei
Discusprotrusion L4/5 mit fraglichem Riss des Anulus fibrosus, präsacraler
Spondylarthrose), cervicales tendomyopathisches Schmerzsyndrom. Zur Abklärung, ob
sich der Gesundheitszustand und damit verbunden die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in einem für den Rentenanspruch relevanten Ausmass verbessert
hätten, hat die Beschwerdegegnerin die ABI GmbH mit der Erstellung eines Gutachtens
beauftragt. Im Folgenden ist das Gutachten vom 9. Dezember 2020 auf seinen
Beweiswert zu prüfen.
3.1.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418). Einem der Rechtsprechung entsprechenden
3.2.
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Administrativgutachten ist voller Beweiswert zuzuerkennen, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen (BGE 135 V 470 E. 4.4).
Bei einem zwecks Rentenrevision erstellten Gutachten hängt der Beweiswert zudem
wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Thema, nämlich auf eine allfällige
erhebliche Änderung des Sachverhalts, bezieht. Einer für sich allein betrachtet
vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im
Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre,
mangelt es daher in der Regel am erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer
früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht,
inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat.
Vorbehalten bleiben Sachlagen, bei denen es evident ist, dass sich die
gesundheitlichen Verhältnisse verändert haben (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juli
2020, 8C_196/2020 E. 6.1).
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat geltend gemacht, das Gutachten
der ABI GmbH sei nicht beweiskräftig. Er hat mehrere Einwände gegen das Gutachten
erhoben. Im Folgenden ist zu prüfen, ob diese Einwände erhebliche Zweifel am
Beweiswert des Gutachtens wecken.
3.3.
Der Rechtsvertreter hat geltend gemacht, das Gutachten enthalte in Ziffer I.3
Angaben zu einer anderen versicherten Person. Die Sachverständigen hätten eine nicht
gestellte Gutachterfrage beantwortet und dafür die zentrale, gestellte Gutachterfrage
nicht beantwortet. Offensichtlich ist, dass die Angaben in Ziffer I.3.1 und die
Fragestellung in Ziffer I.4.11 ("Liegt eine Verschlechterung seit 2014 vor?") des
Gutachtens eine andere versicherte Person betroffen haben. Diese Angaben müssen
aus einem anderem Gutachtensauftrag kopiert worden sein. Der Grund für dieses
Versehen kann offenbleiben. Der fallführende Gutachter der ABI GmbH hat in der
Stellungnahme vom 31. Mai 2021 nämlich überzeugend erklärt, dass sich die
Sachverständigen bei ihren Beurteilungen auf die Fallzusammenfassung in Ziffer I.3.2
gestützt hätten. In den drei Teilgutachten bestehen denn auch keine Hinweise darauf,
dass sie sich auf die Angaben in Ziffer I.3.1 bezogen hätten. Dieses Versehen hat somit
keinen Einfluss auf die Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers gehabt. Die falsche Fragestellung nach einer Verschlechterung
seit 2014, die die Gutachter in der Konsensbeurteilung mit "Nein" beantwortet haben,
ist ebenfalls ohne Relevanz gewesen. Massgebend ist nämlich nur, dass aus dem
Gutachten eine Verbesserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers seit
dem 3. August 2007 hervorgeht (vgl. nachfolgende E. 3.4 bis 3.6). In der
Konsensbeurteilung haben die Sachverständigen insbesondere angegeben, dass im
3.3.1.
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Gegensatz zur ursprünglichen Berentung keine psychiatrische Pathologie mehr habe
festgestellt werden können (IV-act. 125-9). Entgegen der Auffassung des
Rechtsvertreters schmälert dieses Versehen den Beweiswert des Gutachtens also
nicht.
Der Rechtsvertreter hat vorgebracht, der Beschwerdeführer sei ca. fünf Minuten
vom rheumatologischen Gutachter und ca. sieben Minuten vom psychiatrischen
Gutachter untersucht worden; der internistische Gutachter habe ihm während ca. zwei
Minuten Blut entnommen. Diese Behauptung ist völlig unglaubwürdig. Aus dem
internistischen Teilgutachten geht nämlich klar hervor, dass dem Beschwerdeführer
nicht nur Blut entnommen, sondern dass er auch ausführlich befragt worden ist. Der
rheumatologische Gutachter hat nebst der Befragung des Beschwerdeführers eine
umfassende klinische Untersuchung des Bewegungsapparats durchgeführt, was bei
einer Untersuchungsdauer von lediglich fünf Minuten nicht möglich gewesen sein
dürfte. Der psychiatrische Sachverständige hat den Beschwerdeführer ebenfalls
ausführlich befragt. Entgegen der Behauptung des Rechtsvertreters hat der
Beschwerdeführer auch frei berichten können (IV-act. 125-24 ff.). Es bestehen keine
Anhaltspunkte dafür, dass die Untersuchungen nicht lege artis erfolgt wären. Gegen
die angebliche Untersuchungsdauer von insgesamt rund 15 Minuten spricht zudem die
Tiefe, in der das Gutachten verfasst worden ist. Diese Behauptung ist damit nicht
plausibel. Ein Anlass für eine Rückfrage bei der ABI GmbH zur Klärung der
Untersuchungsdauer besteht nicht.
3.3.2.
Im Weiteren hat der Rechtsvertreter gerügt, die Deutschkenntnisse des
Beschwerdeführers seien für die Begutachtungssituation ungenügend gewesen. Die
Sprachbarriere habe zu einem "Rattenschwanz" an falschen oder oberflächlichen
Sachverhaltsermittlungen geführt. Dazu ist festzuhalten, dass der rheumatologische
und der psychiatrische Gutachter der ABI GmbH angegeben haben, dass die
Verständigung auf Hochdeutsch gut bzw. problemlos gewesen sei. Die Angabe des
internistischen Sachverständigen "Verständigung auf Hochdeutsch" kann nur so
gemeint gewesen sein, dass die Verständigung ohne Probleme gewesen sei. Bereits
der psychiatrische Sachverständige des ZMB hatte festgehalten, die
Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers seien passabel gewesen (IV-act. 54-23).
Der Beschwerdeführer hat auch keinen Dolmetscher angefordert, obwohl er vor der
Begutachtung auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht worden ist. Das Vorbringen
des Rechtsvertreters, dass während der Begutachtung eine Sprachbarriere bestanden
haben solle, ist damit nicht stichhaltig.
3.3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/24
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Gegen das psychiatrische Teilgutachten hat der Rechtsvertreter eingewendet,
der psychiatrische Gutachter habe den Beschwerdeführer nur oberflächlich befragt.
Hätte er nachgefragt, wäre insbesondere zum Vorschein gekommen, dass der
Beschwerdeführer seit mehr als 15 Jahren keine Nacht durchschlafen könne, dass er
nicht in der Lage sei, eine Tagesstruktur einzuhalten und das Haus ohne Angst alleine
zu verlassen und dass er sich nur in Begleitung seiner Ehefrau sicher und wohl genug
fühle, um Spaziergänge zu machen. Der psychiatrische Gutachter hat im Gutachten
festgehalten, dass der Nachtschlaf als streckenweise gestört beschrieben worden sei.
Symptome aus dem Spektrum der Angststörungen hat er nicht gefunden (IV-
act. 125-27). Es ist ohne weiteres davon auszugehen, dass er – als Voraussetzung für
seine Beurteilung, dass keine Symptome aus dem Spektrum der Angststörungen
bestanden hätten – den Beschwerdeführer entsprechend untersucht hat. Er hat den
Beschwerdeführer auch zum Tagesablauf befragt (IV-act. 125-26). Daraus geht hervor,
dass der Beschwerdeführer eine Tagesstruktur hat, auch wenn er die meiste Zeit zu
Hause verbringt. Dieser Einwand des Rechtsvertreters überzeugt somit nicht. Im
Weiteren hat der Rechtsvertreter vorgebracht, nicht nachvollziehbar sei, dass der
psychiatrische Gutachter zugestanden habe, dass der Beschwerdeführer keinen
regelmässigen und strukturierenden Alltagsaktivitäten nachgehe, und zugleich
festgehalten habe, in der Gestaltung des Alltags fänden sich keine Einschränkungen,
welche mit einer psychischen Erkrankung begründbar wären. Diese Aussage des
psychiatrischen Gutachters kann nur so verstanden werden, dass der
Beschwerdeführer seinen Alltag zwar vorwiegend zu Hause verbringt, dass der Grund
dafür aber nicht eine psychiatrische Erkrankung ist. In Anbetracht des unauffälligen
psychopathologischen Befundes ist diese Aussage stimmig. Der Rechtsvertreter hat
sodann bemängelt, dass die komplexe Symptomatik bei einer Traumafolgestörung eine
Fremdanamnese und eine arbeitspsychologische Analyse erfordert hätten, um die
Leistungsfähigkeit abzuklären. Er hat dabei übersehen, dass der psychiatrische
Gutachter die Diagnosen einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung und einer posttraumatischen Belastungsstörung verneint hat. Eine
Traumafolgestörung hat also nicht vorgelegen. Das Einholen einer Fremdanamnese
liegt ausserdem im Ermessen des Sachverständigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 30. April 2014, 8C_76/2014 E. 3.2). Da der psychiatrische Gutachter keine
Diagnose (weder mit noch ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) gestellt hat, sind
weitergehende Abklärungen zur Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht
angezeigt gewesen. Der Rechtsvertreter hat eine Stellungnahme der Ehefrau des
Beschwerdeführers vom 7. Januar 2022 und des Hausarztes Dr. E._ vom
12. Dezember 2021 eingereicht. Die Ehefrau hat sich darin zum Alltag mit dem
3.3.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/24
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Beschwerdeführer geäussert. Diese Ausführungen vermögen keine Zweifel am
Gutachten zu wecken, denn aufgrund der Ehe mit dem Beschwerdeführer erscheint die
Ehefrau als objektiv befangen. Hinsichtlich der Stellungnahme des Hausarztes ist der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zu Gunsten ihrer
Patienten auszusagen pflegen (BGE 125 V 353 E. 3b.cc; Urteil des Bundesgerichts vom
8. Januar 2020, 8C_653/2019 E. 4.2 m.w.H.). Die Eingabe des Rechtsvertreters vom
11. Mai 2022 betreffend einen Ersttermin am 23. Mai 2022 in der Psychiatrie L._ ist
für das vorliegende Beschwerdeverfahren unbeachtlich, denn massgebend ist nur die
Sachverhaltsentwicklung bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
vom 16. September 2021.
Schliesslich hat der Rechtsvertreter vorgebracht, der rheumatologische
Gutachter habe versucht, die Glaubwürdigkeit des Hausarztes in Zweifel zu ziehen.
Nicht sachgerecht sei, ohne das Erforschen der Gründe für die nur sporadischen
Besuche des Beschwerdeführers beim Hausarzt zu "lesen", dass wohl keine
rheumatologischen Beschwerden bestünden. Dazu ist festzuhalten, dass der
rheumatologische Gutachter nicht aufgrund der sporadischen Besuche des
Beschwerdeführers beim Hausarzt, sondern aufgrund einer umfassenden klinischen
und bildgebenden Untersuchung die Diagnosen gestellt und eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit attestiert hat. Im Weiteren hat er seine von Dr. E._ im Bericht vom
18. April 2020 festgehaltene abweichende Beurteilung überzeugend begründet (IV-
act. 125-39). Dieser Einwand weckt deshalb keine Zweifel am rheumatologischen
Teilgutachten.
3.3.5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Einwände des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers keine erheblichen Zweifel am Beweiswert des Gutachtens wecken.
3.3.6.
Im Folgenden ist hinsichtlich des Beweiswerts des Gutachtens festzustellen, dass
alle Sachverständigen der ABI GmbH umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt
und diese gewürdigt haben. Sie haben den Beschwerdeführer persönlich untersucht,
seine subjektiven Klagen aufgenommen und die objektiven Befunde im Gutachten
wiedergegeben. Gestützt darauf haben sie die Diagnosen gestellt und ihre Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit, inklusive eine Konsensbeurteilung, abgegeben.
3.4.
Der psychiatrische Gutachter hat nachvollziehbar dargelegt, dass der
psychopathologische Befund völlig unauffällig gewesen ist. Insbesondere hat er
festgehalten, dass sich keine Symptome aus dem Spektrum der Angststörungen
gefunden hätten. Dass der Beschwerdeführer angegeben hat, sein Nachtschlaf sei
3.4.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/24
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streckenweise gestört und er müsse häufig an den Krieg denken, hat er dabei
berücksichtigt. Die von Dr. I._ und dem Hausarzt Dr. E._ genannten Diagnosen
einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung und einer
posttraumatischen Belastungsstörung hat er nicht bestätigen können, da die dafür
erforderlichen Kriterien nicht erfüllt gewesen sind. Auch wenn die Begründung für die
Verneinung dieser Diagnosen kurz ausgefallen ist, ist davon auszugehen, dass der
psychiatrische Sachverständige diese Diagnosen lege artis verneint hat. Im Übrigen
hatte bereits der psychiatrische Gutachter des ZMB die Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung verneint. Der psychiatrische Sachverständige
hat darauf hingewiesen, dass sich der Beschwerdeführer seit drei Jahren nicht mehr in
einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung befinde, was gegen einen
relevanten Leidensdruck spricht. Im Weiteren hat er sich zu den Standardindikatoren,
namentlich zur Konsistenz und zu den Ressourcen, geäussert. Er hat insbesondere
festgehalten, dass in der Untersuchung deutliche Tendenzen zur Aggravation
bestanden hätten. Seine Beurteilung, dass im Untersuchungszeitpunkt sicher eine
vollständige Arbeitsfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten bestanden hat, ist damit
überzeugend. Zu dem für eine Rentenrevision wesentlichen Aspekt, ob sich der
psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit dem 3. August 2007
verändert hat, hat er sich im Teilgutachten nicht explizit geäussert. Aus dem Gutachten
geht aber offenkundig hervor, dass sich dieser verbessert hat, da im Unterschied zum
Gutachten des ZMB, wonach sicher eine unspezifische Angststörung bestanden habe,
im Zeitpunkt der Begutachtung durch die ABI GmbH keine psychopathologischen
Befunde mehr festgestellt worden sind. In der Konsensbeurteilung haben die Gutachter
denn auch angegeben, dass im Gegensatz zur ursprünglichen Berentung keine
psychiatrische Pathologie mehr habe festgestellt werden können. Damit können sie nur
gemeint haben, dass sich der psychiatrische Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers seit der Begutachtung durch das ZMB verbessert hat.
Der internistische Sachverständige hat aufgezeigt, dass er keine Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hat stellen können. Insbesondere hat er den
Beschwerdeführer auf die vom Hausarzt angegebene Diagnose eines Diabetes mellitus
Typ 2 angesprochen und zur Antwort erhalten, dass die Blutzuckerwerte früher auch
schon zu hoch gewesen seien, der Beschwerdeführer aber noch nie ein Medikament
gegen den Diabetes habe einnehmen müssen. Der Laborwert (HbA1c, 3-monats-
Zucker) hat knapp über dem Grenzwert gelegen (IV-act. 125-44). Gestützt darauf
erscheint es als schlüssig, dass der internistische Gutachter keinen Diabetes mellitus
Typ 2 diagnostiziert hat. Der Beschwerdeführer hat keine Beschwerden, die aus
internistischer Sicht relevant gewesen wären, beklagt. Namentlich hat er im
3.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/24
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Unterschied zur Begutachtung durch das ZMB keinen Schwindel angegeben. Die
Beschwerden, die im Gutachten des ZMB zur Diagnose "Verdacht auf orthostatische
Hypotonie mit Verdacht auf orthostatisch bedingte Synkope 08/2003" geführt hatten,
haben also überwiegend wahrscheinlich nicht mehr bestanden. Die Beurteilung des
internistischen Gutachters, dass eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestanden hat,
ist damit überzeugend. Zum Aspekt einer Veränderung des Gesundheitszustands seit
dem 3. August 2007 hat er sich – gleich wie der psychiatrische Gutachter – nicht
explizit geäussert. Er hat lediglich angegeben, dass retrospektiv keine Hinweise für eine
lang andauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden hätten. Da er aber keine Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hat stellen können und da die Beschwerden, die im
ZMB-Gutachten zur oben genannten Verdachtsdiagnose geführt, nicht mehr beklagt
worden sind, hat sich der Gesundheitszustand aus internistischer Sicht überwiegend
wahrscheinlich verbessert.
Der rheumatologische Sachverständige hat gestützt auf die klinischen und
bildgebenden Untersuchungen ebenfalls keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit stellen können. Den Diagnosen eines intermittierenden
lumbospondylogenen Schmerzsyndroms und eines chronischen multilokulären,
somatisch nicht abstützbaren Schmerzsyndroms hat er keine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit zugemessen. Er hat dies mit dem Fehlen von Hinweisen für eine
segmentale Bewegungseinschränkung an der Wirbelsäule oder für eine relevante
Pathologie an den peripheren Gelenken an den oberen und unteren Extremitäten
begründet. Neurologische Defizite hat er verneint. Im Weiteren hat er auf eine sehr gut
trainierte Schultergürtelmuskulatur und auf eine Beschwielung der Handinnenseiten
hingewiesen, was für regelmässige manuelle Belastungen im Alltag gesprochen hat.
Der Rechtsvertreter hat in diesem Zusammenhang angegeben, der Beschwerdeführer
trainiere nicht nur einmal, sondern drei- bis viermal pro Woche mit Hanteln. Diese
Präzisierung ist insofern relevant, als dies zusätzlich gegen eine Einschränkung des
funktionellen Leistungsvermögens spricht. Der rheumatologische Sachverständige hat
sich ausführlich mit dem orthopädischen Teilgutachten des ZMB auseinandergesetzt
und die darin enthaltenen Schlussfolgerungen als nur teilweise nachvollziehbar
qualifiziert. Ob dem Beschwerdeführer damals nur noch eine körperlich leichte Tätigkeit
zumutbar gewesen ist oder ob ihm auch mittelschwere Tätigkeiten zumutbar gewesen
wären, kann offenbleiben. Massgebend ist nämlich, dass der rheumatologische
Gutachter im Vergleich zum orthopädischen Teilgutachten des ZMB eine Verbesserung
des Gesundheitszustands festgestellt hat. Seine Beurteilung einer vollständigen
Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten und in allen anderen beruflichen Tätigkeiten
ist damit überzeugend. Die in der Konsensbeurteilung angegebene vollständige
3.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/24
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4.
Somit ist der Einkommensvergleich (Art. 16 ATSG) vorzunehmen. Der
Beschwerdeführer hat nach dem Abschluss der obligatorischen Schule in einer
Bäckerei gearbeitet. Eine Berufsausbildung hat er nicht absolviert (vgl. die Angaben im
ABI-Gutachten, IV-act. 125-19, 145-25). Nach der Einreise in die Schweiz hat er als
Hilfsarbeiter im Gartenbau und in einem Gipsergeschäft gearbeitet (IV-act. 1, 7, vgl.
auch IK-Auszug, IV-act. 8). Seine Validenkarriere kann deshalb nur in einer
durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeitertätigkeit bestehen. Da er keinen Beruf erlernt
hat, besteht die Invalidenkarriere ebenfalls in einer Tätigkeit als durchschnittlich
entlöhnter Hilfsarbeiter. Da sowohl die Validen- als auch die Invalidenkarriere in einer
durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeitertätigkeit bestehen, kann der Betrag der
Vergleichseinkommen mathematisch keine Rolle spielen; der Invaliditätsgrad ist
anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen. Er entspricht also dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen zusätzlichen Abzug. Der
Arbeitsfähigkeitsgrad beträgt vorliegend in der angestammten und in allen anderen
Erwerbstätigkeiten mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 100%.
Da der Beschwerdeführer bei einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in sämtlichen
Erwerbstätigkeiten nicht mit Lohnnachteilen zu rechnen hat, ist kein zusätzlicher Abzug
vorzunehmen. Der Invaliditätsgrad beträgt damit 0%. Die Beschwerdegegnerin hat die
bisherige ganze Invalidenrente somit zu Recht mit der Verfügung vom 16. September
2021 revisionsweise per 31. Oktober 2021 (vgl. Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV) aufgehoben.
Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten und in allen anderen beruflichen Tätigkeiten
in der freien Wirtschaft im Begutachtungszeitpunkt ist somit ebenfalls überzeugend.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine konkreten Indizien bestehen, die
erhebliche Zweifel am Gutachten wecken. Das Gutachten der ABI GmbH vom
9. Dezember 2020 ist also beweiskräftig. Damit steht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers seit der rentenzusprechenden Verfügung vom 3. August 2007
verbessert hat und dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung vom 16. September 2021 in der angestammten und in allen
anderen Erwerbstätigkeiten vollständig arbeitsfähig gewesen ist. Damit hat ein
Revisionsgrund gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG bestanden.
3.7.
bis
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5.
6.
Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur Nachzahlung
der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Parteientschädigung verpflichtet,
sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung
[ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
[VRP, sGS 951.1]).