Decision ID: b9f9671a-9012-4445-b943-444aae4717e5
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren
1992, war ab 1. Januar 2016 bei der
Y._
AG angestellt und bei der
Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG
(nachfolgend: Helvetia) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie am 28. Juli 2016 auf dem Weg zur Arbeit stürzte und sich dabei an den Beinen
(«offene Wunden»)
verletzte (Urk. 7/K1.1).
Die medizinische Erstversorgung fand im Spital
Z._
statt. Nachbe
handelnder Arzt war
Dr.
med.
A._
(Urk. 7/K1.1
; vgl. auch Urk. 7/AUF1-AUF3
).
Die Versicherte war während einiger Tage arbeitsunfähig; die ärztliche Behand
lung endete (einstweilen) am 5. August 2016 (Urk. 7/AUF3).
1.2
In der Folge konsultierte die Versicherte
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Hautkrankheiten, der in seinem Bericht vom 23. Januar 2017 ein Ke
l
oid am rech
ten Knie diagnostizierte (Urk. 7/M2).
Am 7. März 2017 wandte sich die Versi
cherte telefonisch an die Helvetia und ersuchte wegen ihres Umzugs von
C._
nach
D._
darum, einen neuen Arzt konsultieren zu dürfen (Urk. 7/M1: «Unter der verletzten Stelle habe sich ‘etwas Störendes’ gebildet und sie möchte dies einem Arzt zeigen [...
].»
)
. Die Helvetia bewilligte der Versicherten diesen Arzt
wechsel
(vgl. Urk. 7/M1)
.
Am 2
8.
Juli 2017 sandte die Versicherte der Helvetia Rechnungen der Behandlungen vom 1
1.
April, 1
1.
Mai und vom 1
5.
Juni 2017 bei der
E._ GmbH
(
«
Microneedling
Narbe, PRP Körper/Narbe
»
) zur Kostenerstattung zu
, was die Helvetia mit Schreiben vom 3. August 2017 ab
lehnte
(
Urk.
7/
K5, 7/K6.1, 7/K4
).
Am 5. März 2018 stellte
Dr.
med.
F._
, Fach
ärztin FMH für Dermatologie und Venerologie, vom
Z
entrum
G._
ein Ge
such um Kostengutsprache
für
weitere
geplante Behandlungen («Kombination aus fraktioniertem Radio
frequenz-
Microneedling
und
Platelet
Rich Plasma» [Urk. 7/M3]). Die Helvetia legte dieses Gesuch ihrem beratenden Arzt,
Dr.
med.
H._
, Facharzt FMH für Chirurgie, vor, welcher dazu abschlägig Stellung nahm (vgl. Urk. 7/M5).
Mit Verfügung vom 16. April
2018 (Urk.
7/K9
) wies die Helvetia das Kos
tengutsprachegesuch ab. Sie führte zur Begründung aus, dass
das Radio
frequenz
Micro
needling
und
die
Plate
le
t
-Rich-Plasma-Behandlungen weder wis
sen
schaftlich anerkannt noch wirtschaftlich seien. Die dagegen von der Ver
sicherten erhobene Einsprache (Urk.
7/K10
) wies die Helvetia
nach Einholung einer weiteren Stellungnahme ihres beratenden Arztes
Dr.
H._
mit Entscheid vom 8. Juli 2019 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 5. September 2019 (Urk. 1) Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, es sei der angefochtene
Einsprache
ent
scheid
vom 8. Juli 2019 aufzuheben und die Helvetia zu verpflichten, die Kosten für das Radiofrequenz-
Microneedling
und die
Plate
le
t
-Rich-Plasma-Behandlun
gen zu übernehmen. Die Helvetia schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 4. Oktober 2019 (Urk. 6) auf koste
n- und entschädigungsfällige
Abweisung der Be
schwerde, was der Versicherten mit Verfügung vom 9. Oktober 2019 (Urk. 8) mit
geteilt wurde.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Der hier zu be
urteilende Unfall hat sich am 2
8.
Juli 2016
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall An
wendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.1
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den
Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Aus
serdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Ver
unfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
2.2
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (
Art.
11 UVV). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglich
erweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
2.3
Nach
Art.
10
Abs.
1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung der Unfallfolgen, nämlich auf die ambulante Behandlung durch den Arzt, den Zahnarzt oder auf deren Anordnung durch eine medizinische Hilfs
person sowie im
weiteren
durch den
Chiropraktor
(
lit
. a), die vom Arzt oder Zahn
arzt verordneten Arzneimittel und Analysen (
lit
. b), die Behandlung, Verpflegung und Unterkunft in der allgemeinen Abteilung eines Spitals (
lit
. c), die ärztlich verordneten Nach- und Badekuren (
lit
. d) und die der Heilung dienlichen Mittel und Gegenstände (
lit
. e).
2.4
Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine nam
hafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu und sind allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversi
cherung abgeschlossen, geht die Unfallversicherung zur Berentung über, wenn der Unfall eine Invalidität im Sinne von
Art.
8
Abs.
1 ATSG hinterlässt (
Art.
19
Abs.
1 UVG e
contrario
; BGE 116 V 41 E. 2c). Dem Rentenbezüger werden Heil
behandlungsleistungen gemäss Art. 21 Abs. 1 UVG nur noch unter bestimmten Voraussetzungen ausgerichtet.
Da die Heilbehandlung gemäss
Art.
10 UVG eine unfallbedingte Behandlungsbe
dürftigkeit, nicht aber eine Arbeitsunfähigkeit voraussetzt, vermag die trotz des Unfalls uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit allein ein Dahinfallen des Anspruchs auf Heilbehandlung nicht zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 8C_354/2014 vom 1
0.
Juli 2014 E. 3.2).
Soweit für die Frage der zu erwartenden namhaften Besserung des Gesundheits
zustands nicht auf die zu erwartende Steigerung oder Wiederherstellung der un
fallbedingt beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit abgestellt werden kann, ist die
se
Frage anhand der zu erwartenden Steigerung der Funktion
sfähigkeit zu beant
worten (
Geertsen
,
in: Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, UVG Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Bern 2018
,
Art.
19
Rz
8). Eine zu
erwartende namhafte Verbesserung
wurde vom Bundesgericht bejaht im Fall eines Versicherten, der an unfallbedingten Kraftdefiziten und Bewegungsein
schränkungen am rechten Fuss/Unterschenkel litt,
die ihn im Alltag behinderten
(Urteil des Bund
e
sgerichts 8C_354/2014 vom 1
0.
Juli 2014 E. 3.3). Ebenso schützte das Bundesgericht einen kantonalen Entscheid
,
in welchem das Vorlie
gen eines medizinischen Endzustandes verneint wurde bei einer zunehmenden Beschwerdesymptomatik, die sich auf die Funktionsfähigkeit von Finger und Hand auszuwirken vermochte (Urteil des Bundesgerichts
8C_614/2019 vom 2
9.
Januar 2020
E. 5.3
).
Ä
sthetische Einbussen
geben nur dann Anspruch auf weitere Behandlung, wenn es sich um Verunstaltungen oder
Entstellungen von erheblichem Ausmass
han
delt und oder wenn
sie
wesentliche
Beschwerden oder Funktionseinbussen ver
ursachen (
vgl.
Urteil des Bundesgeric
hts U 276/03 vom 2
8.
Juli 2004
E. 4
;
vgl. auch:
Eugster
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum KVG,
2.
Auflage, Zürich 2018,
Art.
1a
Rz
10, S. 11 f.
).
2.5
Zusätzlich zum von
Art. 10 UVG
ausdrücklich genannten Kriterium der Zweck
mässigkeit müssen – in Anwendung von
Art. 54 UVG
– die Behandlungen auch wirtschaftlich und wir
ksam sein
.
Das Kriterium der Wissenschaftlichkeit der Behandlungen wird als selbstver
ständlich vorausgesetzt.
Eine Behandlungsart gilt dann als wissenschaftlich an
erkannt, wenn sie von Forschern und Praktikern der medizinischen Wi
ssenschaft auf breiter Basis an
erkannt ist. Entscheidend sind dabei das Erge
bnis der Erfah
rungen und der Er
folg einer bestimmten Therapie. Dabei bedeutet der Umstand, dass eine ärztliche Leistung im Anhang 1 der Krankenpflege-Leis
tungsverord
nung (KLV) nicht auf
geführt ist, noch nicht, dass sie wissenschaftlich nicht
aner
kannt ist (BGE 120 V 122 E. 1a, 200 E. 7a, 472 f. E.
4a; SVR 200
1 UV Nr. 1 S. 3 E. 5b;
Rumo-Jungo
,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Bundesgesetz ü
ber die Unfallversicherung,
4
. Auflage, Zürich 2012,
S.
244 f. mit Hinweisen)
.
Gemäss Anhang 1 der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV), Ziffer 5 Dermatologie, handelt es sich
etwa
bei der Laserbehandlung von Keloiden nicht um
eine Pflicht
leistung
.
2.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 8. Juli 2019 (Urk. 2) ihre Leistungspflicht in Bezug auf das Radiofrequenz-
Microneedling
und die
Plate
le
t
-Rich-Plasma-Behandlungen
im Wesentlichen mit der Begründung, dass gemäss Beurteilung ihres beratenden Arztes
Dr.
H._
das Narbenfeld die Kniebeweglichkeit nicht einschränke. Von weiteren Behandlun
gen insbesondere in Form von
Mic
roneedling
mit Radiofrequenz und
Platelet
Rich Plasma wie auch einer Narbenexzision an dieser Körperstelle könne keine nam
hafte Verbesserung des Gesundheitszustandes erwartet werden. Mit weiteren Be
handlungen könnte nur noch eine leichte, optische Verbesserung erreicht werden. Da die Beschwerdeführerin in ihrer beruflichen Tätigkeit nicht eingeschränkt sei, könne eine namhafte, also ins Gewicht fallende Verbesserung des Gesundheits
zustandes durch die gewünschte Behandlung überwiegend wahrscheinlich nicht erreicht werden.
An dieser Sichtweise hielt die Beschwerdegegnerin im Rahmen dieses Prozesses fest. Dabei berief sie sich wiederum auf die Beurteilung ihres beratenden Arztes (vgl. Urk. 6).
3
.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, dass die Meinung des beratenden Arztes, wonach die geforderten Behandlungen nicht wissenschaftlich anerkannt und wirtschaftlich seien, in «
Medizinierkreisen
» nicht überall geteilt werde. Es seien durchaus Studien vorhanden, welche die Zweck
mässigkeit dieser Behandlungsmethoden belegten. Zudem seien ihre Beschwerden durch die Behandlungen stark gelindert worden. Es seien auch wesentliche opti
sche Verbesserungen eingetreten (Urk. 1).
3
.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschw
erdegegnerin die Kostenübernahme für das Radiofrequenz-
Microneedling
und die
Plate
le
t
-Rich-Plasma-Behandlungen zu Recht verneint hat.
4
.
4
.1
Dr.
B._
führte in seinem Bericht vom 23. Januar 2017 (Urk. 7/
M2) aus, dass sich nach dem Sturz im Bereich des rechten Knies ein weiches, leicht erhabenes 1,5 x 2 cm grosses
erythematös
-livides
Kleoid
gebildet habe. Aktuell bestehe im Bereich der Narbe immer wieder ein Juckreiz. Zunächst sei ein abwartendes Ver
halten und eine Wiedervorstellung Ende des Jahres besprochen worden. Prinzi
piell seien zum Beispiel eine Kryotherapie,
Stereoidinjektionen
oder auch eine Exzision möglich.
4
.2
Dr.
F._
erklärte in ihrem Bericht vom 5. März 2018 an die Beschwerdegegnerin (Urk. 7/M3), dass die im Rahmen des Unfallereignisses vom 28. Juli 2016 ent
standene Narbe
patellär
rechts - wie bereits im vorgängigen Schreiben erwähnt (fehlt
- soweit ersichtlich -
in den Akten der Beschwerdegegnerin) - eine protra
hierte Induration, eine livide Verfärbung
und eine periphere
postinflammatori
sche
Hypopigmentation
zeige.
Neben der sichtbaren Auffälligkeit der Läsion leide die Beschwerdeführerin insbesondere unter dem zunehmend auftretenden Juck
reiz, der für
Kleoidentwicklungen
typisch sei. Da eine blosse Behandlung mit
Stereoidinfiltration
oder Kryotherapie keine Besserung des Befundes erbringe, habe man drei Mal mit einer Kombination
aus fraktioniertem Radiofrequen
z-
Microneedling
und
Platelet
Rich Plasma behandelt. Auf den beiliegenden Fotos sei eine erhebliche Besserung ersichtlich; auch der Juckreiz sei spürbar rückläufig. Es seien dennoch zirka drei weitere Behandlungen erforderlich, um ein stabiles und gutes Ergebnis zu erhalten.
4
.3
Dr.
H._
äusserte sich am 23. März 2018 auf entsprechende Anfragen der Be
schwerdegegnerin folgendermassen (Urk. 7/M5): «
Microneedling
nicht
indiziert!»
und «Ev. Exzision».
4
.4
Am 30. Oktober 2018 äusserte sich
Dr.
H._
etwas ausführlicher (Urk. 7/M6): Er sei von der Beschwerdegegnerin beauftragt worden, «Stellung zu nehmen zu einer Narbe am Knie (links und rechts
werde
in den Dokumenten nicht angege
ben
).»
Es bestehe eine ganz spärliche Dokumentation, wobei aus den Akten nicht ersichtlich ist, wie der Schaden am 28. Juli 2016 entstanden sei. Objektiv bestehe am Knie ein zentrales, hyperpigmentiertes, rundliches Narbenfeld und distal ein weiteres, kleineres ovales Narbenfeld. Das Narbenfeld sei sicher funktionell un
bedeutend, das heisse
,
die Kniebeweglichkeit sei dadurch nicht eingeschränkt
. Ästhetisch könne es möglicherweise etwas stören.
Aus der täglichen Erfahrung und aus der Literatur sei bekannt, dass Narbenexzi
sionen in diesem Körperbereich keine überzeugenden Resultate bringen würden. Auch das
Microneedling
mit Radiofrequenz bringe hier keine entscheidende Ver
besserung. Eine Narbenbehandlung mit PRP sei hier nicht indiziert. Der Fall könne von der Unfallversicherung nicht übernommen werden; das heisse, dass die Kostengutsprache für eine eventuelle Behandlung nicht möglich sei.
5
.
5
.1
In E.
2.6
wurde dargelegt, welche Anforderungen die Gerichtspraxis an Arzt
berichte stellt. Es ist insbesondere erforderlich, dass ein Arztbericht
für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseiti
gen Untersuchungen beruht und
die geklagten Beschwerden berücksichtigt
. Zudem muss er - neben weiteren Anforderungen -
in der Beurtei
lung der med
izinischen Situation einleuchtend
sein. Schliesslich müssen
die Schlussfolgerungen
der Experten begründet
sein.
5
.2
Die Berichte des beratenden Arztes
Dr.
H._
genügen diesen Kriterien offensichtlich nicht. Die Frage, ob die fraglichen Behandlungsmassnahmen wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich seien, beantwortet er folgendermassen: «
Microneed
ling
nicht
indiziert!»
Das ist zum einen nicht vollständig, weil seine Meinungsäusserung zu den
Platelet
-Rich-Plasma-Behandlungen fehlt. Zum an
deren fehlt jegliche Begründung. Immerhin empfiehlt
Dr.
H._
eventuell eine Exzision - wiederum ohne Begründung (Urk. 7/M5; vgl. auch E. 3.3).
Das hindert
Dr.
H._
allerdings nicht
daran
, in seinem nächsten Bericht (Urk. 7/M6; vgl. auch
E. 3.4) ohne nähere Begründung von einer Narbenexzision abzuraten; damit würden keine überzeugenden Resultate erzielt.
Soweit
Dr.
H._
, der Facharzt für Chirurgie ist und die Beschwerdeführerin nie
mals untersucht hat, monierte, dass eine «ganz spärliche Dokumentation» bestehe (Urk. 7/M6), ist ihm vollumfänglich zuzustimmen. Für seine Einschätzung, dass sämtliche denkbaren Behandlungen nicht
s
bringen würden, beruft sich
Dr.
H._
auf die «tägliche Erfahrung» und auf die «Literatur» (Urk. 7/M6). Ob damit die tägliche Erfahrung eines Chirurgen gemeint ist, bleibt ebenso ungeklärt wie die Frage, um welche Literatur es sich
dabei handeln könnte
;
j
edenfalls fehlt jegliche Quellenangabe
.
Dr.
H._
vertrat weiter die Ansicht, dass aus den Dokumen
ten nicht hervorgehe, ob es um das linke oder rechte Knie gehe (Urk. 7/M6). Auch diesbezüglich überzeugt sein Aktenstudium nicht vollumfänglich: «
Kleoid
Knie rechts» (Urk. 7/M2); «Narbe
patellär
rechts» (Urk. 7/M3); «stürzte auf das rechte Knie» (Urk. 7/M5
). Auch ob
Dr.
H._
den von der Beschwerdeführerin geklagten Juckreiz zur Kenntnis genommen hat, ist unklar.
Dasselbe gilt für die von der Beschwerdeführerin geschilderten Schmerzen (vgl.
Urk.
7/K10).
Ob die
Beurteilung
von
Dr.
H._
im Ergebnis vielleicht sogar richtig sein könnte, kann aufgrund der vorliegenden Akten nicht beurteilt werden. Den Be
richten von
Dr.
H._
kommt
jedoch angesichts der strengen Anforderungen der Praxis (vgl. oben E. 1.3)
kein
Beweiswert
zu
.
5
.3
Damit sind die Fragen nach der Zweckmässigkeit, der Wirtschaftlichkeit, der Wirksamkeit und der Wissenschaftlichkeit der streitgegenständlichen Behandlun
gen (
Radiofrequenz-
Microneedling
und die
Plate
le
t
-Rich-Plasma-Behandlungen
) nach wie vor offen. Ebenso ungeklärt ist, ob die genannten Behandlungen
ge
eignet gewesen waren
, eine
namhafte Verbesserung
des
Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin
herbeiz
uführen (vgl. dazu oben E.
2.4
).
5
.4
Aus dem Gesagten folgt, dass sich die Sache als nicht spruchreif erweist. Die Frage, ob die Kosten der streitgegenständlichen Behandlungen durch die Be
schwerdegegnerin zu tragen sind
oder nicht
,
kann erst gestützt auf die Ergebnisse von
ergänzenden
Abklärung
en beantwortet werden
. Der angefochtene
Ein
spracheentscheid
vom
8. Juli 2019 ist demzufolge aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die erforderlichen Abklärun
gen veranlasse. Angesichts der Umstände erscheint es angezeigt, mit der Abklä
rung versicherungsunabhängige Expertinnen
und/
oder Experten zu betrauen.
Letztlich wird die Beschwerdegegnerin gegebenenfalls auch zu prüfen haben, von welchem Leistungserbringer die entsprechenden Behandlungen erbracht wurden und werden und ob unter diesem Aspekt Anspruch auf Kostenerstattung besteht (vgl.
Art.
53 UVG).
6
.
Das Verfahren ist kostenlos. Der Beschwerdegegnerin steht - trotz ihres Antra
ges
- unter keinem Titel eine Prozessentschädigung zu
.