Decision ID: f8c9f468-a044-561f-a312-d379986f1ce7
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein Angehöriger der Volksgruppe der
B._ mit letztem Wohnsitz in C._, Provinz D._, suchte
am (...) in der Schweiz um Asyl nach und wurde in der Folge dem Bundes-
asylzentrum (BAZ) der Region E._ zugewiesen. Am 22. Oktober
2019 fand die Personalienaufnahme (PA), am 1. November 2019 die Erst-
befragung und am 23. Dezember 2019 die Anhörung zu den Asylgründen
durch das SEM statt.
A.b Zur Begründung seines Gesuchs brachte er vor, er habe sowohl in
F._ als auch in G._ (Nennung höhere Ausbildung) begon-
nen. Dieses habe er wegen seiner Rückkehr nach Burundi aus finanziellen
Gründen nach (Nennung Dauer) abbrechen müssen. Am (...) habe er in
G._ mit (Nennung Personen) an einer Demonstration gegen das
dritte Mandat des burundischen Präsidenten teilgenommen. Sein (Nen-
nung Verwandter), der Präsident der H._-Partei gewesen sei, habe
sich seinerseits in Burundi an einer solchen Kundgebung beteiligt. Am (...)
sei sein (Nennung Verwandter) festgenommen und mutmasslich getötet
worden, er sei seither verschwunden und sein Leichnam sei bis heute nicht
gefunden worden. Im Jahr (...) sei er (Beschwerdeführer) in die Heimat zu-
rückgekehrt. Seit dem (Nennung Zeitpunkt) habe er als (Nennung Funk-
tion) des I._ gearbeitet. Dabei sei er (Nennung Tätigkeiten in seiner
Funktion). Wegen seiner Zusammenarbeit mit (Nennung Länder) sei ihm
von der machthabenden Regierung in D._ eine oppositionelle Ge-
sinnung unterstellt worden. Ferner habe ihm die Regierung vorgeworfen,
seinerzeit im Jahr (...) an besagter Demonstration in G._ teilgenom-
men zu haben und der Sohn von (...) zu sein. Angehörige der Regierung
respektive des (Nennung Behörde) hätten ihn als (Nennung Funktion) im
(Nennung Zeitpunkt) aufgefordert, die (...) Mitglieder der I._ dazu
zu bewegen, Mitglied in der Regierungspartei zu werden, zumal diese Mit-
gliederanzahl etwa (...) Prozent der Gesamtbevölkerung Burundis dar-
stelle. Ausserdem hätten sie gewollt, dass er der machthabenden Regie-
rung einen Teil der Finanzen der I._ übergebe. Weil er beide Ansin-
nen abgelehnt habe, sei er in der Folge als Oppositioneller beziehungs-
weise als Gefahr für die Regierung betrachtet und im (Nennung Zeitpunkt)
bedroht worden. So habe er von Unbekannten Drohanrufe erhalten und sei
von Freunden gewarnt worden, dass er eines Tages umgebracht würde
oder im Gefängnis lande. Im (Nennung Zeitpunkt) sei er nach L._
gereist, um in J._ und K._ Partner der I._ zu treffen.
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Da die (Nennung Bündnis) in dieser Zeit Sanktionen gegen Burundi ergrif-
fen habe, sei ihm dies nach seiner Rückkehr zum Vorwurf gemacht worden.
Am (...) sei ein Auto des burundischen (Nennung Behörde), der seine Ent-
führung oder seine Ermordung geplant habe, vor seinem Haus vorgefah-
ren. Der (Nennung Verwandter), der beim burundischen (Nennung Be-
hörde) gearbeitet habe, habe ihn jedoch gewarnt. Daraufhin sei er am
nächsten Tag (...) nach J._ geflohen, wo er sich – ohne ein Asylge-
such zu stellen – bei einem Freund aufgehalten habe. In der Folge sei es
zu einem Personalwechsel im heimatlichen (Nennung Behörde) gekom-
men. Der (Nennung Verwandter) habe ihm darauf mitgeteilt, dass er die
Regierung darüber informieren werde, dass er (Beschwerdeführer) keine
Gefahr mehr für sie darstelle und deshalb nach Burundi zurückkehren
könne. Im (...) sei er deshalb in seine Heimat zurückgekehrt und ins Quar-
tier M._ in D._ umgezogen. Während (Nennung Dauer)
habe er gearbeitet und sei dabei zwei Mal nach L._ gereist und
habe sich in verschiedenen Ländern, so auch in der Schweiz, aufgehalten.
Am (...) sei er nach Burundi zurückgereist. Als er in der Schweiz gewesen
sei, sei bei den Vereinten Nationen ein Bericht über Menschenrechtsver-
letzungen in Burundi eingereicht worden. Er sei deshalb nach seiner Rück-
kehr verdächtigt worden, diesen Bericht eingereicht zu haben, weshalb er
wieder in Gefahr gewesen sei. Am (...) habe ihn auf dem Heimweg ein
Fahrzeug des burundischen (Nennung Behörde) verfolgt. Es sei ihm je-
doch gelungen, seine Verfolger abzuschütteln. In der Folge sei er nicht
mehr nach Hause zurückgekehrt, sondern habe sich in (Nennung Lokali-
tät)s oder bei Freunden aufgehalten. Am (...) sei er zu einem (Nennung
Veranstaltung) der I._ nach O._ unterwegs gewesen, als er
vom (Nennung Verwandter) gewarnt worden sei, dass ihn der (Nennung
Behörde) am (...) im (Nennung Lokalität) abholen werde. Er habe daher
nicht im vorgesehenen (Nennung Lokalität) logiert und sei am folgenden
Tag nach D._ zurückgekehrt. Er habe darauf nach einem Weg ge-
sucht, um nach L._ zu fliehen. Es seien jedoch vor (Nennung Zeit-
punkt) keine Flüge dorthin möglich gewesen. Am (...) habe er sich nach
P._ begeben, um dort (Nennung Grund). Der (Nennung Behörde)
sei durch das Organisationskomitee der Feier über seine Anwesenheit in-
formiert worden. Im Anschluss an (Nennung Feier) hätten er und sein (Nen-
nung Verwandter) ein ihnen angebotenes (Nennung Getränk) getrunken,
das vergiftet gewesen sei. Da er sich sogleich schlecht gefühlt und erbro-
chen habe, sei er umgehend mit dem Auto nach D._ zurückgekehrt.
Ein Freund habe ihm ein Gegenmittel gebracht, das er während mehreren
Tagen eingenommen habe. Sein (Nennung Verwandter) sei aber an den
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Folgen des Gifts verstorben. Trotz den Medikamenten sei er (Beschwerde-
führer) am (...) als Notfall hospitalisiert und behandelt worden. (Nennung
Zeitpunkt) später habe er seine Heimat verlassen. Nach seiner Ankunft in
der Schweiz sei er noch immer sehr krank gewesen, weshalb er zunächst
kein Asylgesuch eingereicht habe. Nach seiner Genesung habe er sich
(Nennung Dauer) im Q._ aufgehalten, um sich als Katholik dafür zu
bedanken, dass er die Vergiftung überlebt habe. Anschliessend habe er in
R._ seine dort deponierten Unterlagen abgeholt. Nach seiner Rück-
reise in die Schweiz habe er ein Asylgesuch eingereicht. Hierzulande habe
er erfahren, dass der (Nennung Verwandter) in der Zwischenzeit bedroht
worden sei, weil er ihm geholfen habe, und aus dem (Nennung Behörde)
entlassen worden und nach S._ geflüchtet sei. Der burundische
(Nennung Behörde) sei zudem – laut einer telefonischen Warnung eines
beim (Nennung Behörde) arbeitenden Freundes – im Besitz eines Flugti-
ckets gewesen, gemäss welchem er am (...) nach Burundi zurückkehre,
und habe an jenem Tag überprüft, ob er sich unter den Passagieren befun-
den habe. Dabei hätten zwei Polizisten den Auftrag erhalten, ihn nach dem
Eintreffen sogleich anzuhalten. Seine Ehefrau sei nach seiner Ausreise be-
schuldigt worden, die Frau eines Oppositionellen zu sein. Sie habe deswe-
gen seit dem (...) seitens des burundischen (Nennung Behörde) Drohun-
gen erhalten. Am (...) seien zwei Personen im Haus seiner Ehefrau erschie-
nen, unter dem Vorwand, (Nennung Vorwand). In Wirklichkeit hätten sie
seine Ehefrau ausspioniert. Am (Nennung Zeitpunkt) seien seine Ehefrau
und die Kinder nach P._ geflüchtet, wo seine Frau aber weiterhin
telefonische Drohungen erhalte. Aufgrund der Ereignisse in Burundi leide
er an (Nennung Leiden).
Der Beschwerdeführer reichte folgende Unterlagen ein: (Aufzählung Be-
weismittel).
A.c Mit Verfügung vom 9. Januar 2020 lehnte das SEM das Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz so-
wie deren Vollzug an. Am 20. Januar 2020 erhob der Beschwerdeführer
gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
Seiner Eingabe lagen mehrere Beweismittel (Nennung Beweismittel) bei.
Mit Verfügung vom 29. Januar 2020 hob das SEM seinen Asylentscheid
vom 9. Januar 2020 auf und nahm das vorinstanzliche Verfahren wieder
auf. Mit Entscheid vom 4. Februar 2020 schrieb das Bundesverwaltungs-
gericht das Beschwerdeverfahren D-338/2020 als gegenstandslos gewor-
den ab.
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A.d Mit Eingaben vom 5. März 2020, 2. Juli 2020 und – nach Aufforderung
des SEM vom 11. September 2020 zur Nachreichung weiterer Doku-
mente – vom 5. Oktober 2020 legte der Beschwerdeführer zusätzliche Be-
weismittel (Aufzählung Beweismittel) ins Recht.
A.e Am 4. Dezember 2020 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer das
rechtliche Gehör zur internen Dokumentenanalyse des (Nennung Beweis-
mittel). Mit Schreiben vom 14. Dezember 2020 nahm der Beschwerdefüh-
rer dazu Stellung und stellte gleichzeitig die Unbefangenheit der zuständi-
gen (Nennung Person) des SEM in Frage.
B.
Mit Verfügung vom 25. Januar 2021 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch
ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz an, schob
den Vollzug derselben jedoch wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vor-
läufigen Aufnahme auf. Gleichzeitig lehnte es das als Ausstandsgesuch
gegen die fallführende (Nennung Person) entgegengenommene Begehren
ab.
C.
Mit Eingabe vom 24. Februar 2021 erhob der Beschwerdeführer gegen
diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragte, es seien die Dispositivziffern 1 bis 3 sowie 8 der angefochtenen
Verfügung aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm
Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Sache zur Feststellung des vollstän-
digen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen, wobei diese anzu-
weisen sei, eine andere Amtsperson mit der Verfahrensführung zu be-
trauen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege unter Beiordnung seines Rechtsvertreters als
amtlicher Rechtsbeistand und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses.
Der Beschwerde lagen (Aufzählung Beweismittel) bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 5. März 2021 hiess die Instruktionsrichterin
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um
Beigabe eines amtlichen Rechtsbeistands gut, verzichtete auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses und bestellte dem Beschwerdeführer den
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rubrizierten Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand. Ferner lud sie
die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
E.
In der Vernehmlassung vom 19. März 2021 hielt die Vorinstanz an ihren
Erwägungen vollumfänglich fest.
F.
Die Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 8. April 2021 unter Bei-
lage mehrerer Beweismittel im Original (Nennung Beweismittel).
G.
In der ergänzenden Vernehmlassung vom 26. Mai 2021 hielt die Vorinstanz
an ihren Erwägungen weiterhin vollumfänglich fest.
H.
Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe vom 8. Juni 2021 zur ergänzen-
den Vernehmlassung Stellung. Er legte weitere Beweismittel (Nennung Be-
weismittel) ins Recht.
I.
Die Verfahrensstandanfrage des Beschwerdeführers vom 10. November
2021 – welcher weitere Beweismittel beilagen (Nennung Beweismittel) –
wurde von der Instruktionsrichterin am 12. November 2021 beantwortet.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 In der Rechtsmitteleingabe werden formelle Rügen erhoben, welche
vorab zu behandeln sind.
3.2
3.2.1 Die hier angefochtene Verfügung, mithin auch die Ablehnung des
Ausstandsbegehrens, wurde durch jene (Nennung Person) des SEM mit-
unterzeichnet, welche vom Beschwerdeführer als befangen bezeichnet
worden ist. Der Beschwerdeführer sieht dadurch Art. 10 Abs. 2 VwVG ver-
letzt.
Im Zusammenhang mit der geltend gemachten Befangenheit der (Nen-
nung Person) des SEM hält der Beschwerdeführer fest, die fragliche Fach-
spezialistin des SEM habe bereits durch ihr Verhalten im Rahmen der An-
hörung zumindest den Eindruck erweckt, nicht mit der gebotenen Unvor-
eingenommenheit zu Werke gegangen zu sein. Durch die haltlose Unter-
stellung im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur amtsinternen Dokumen-
tenanalyse, er habe nicht glaubhaft gemacht, wie er in den Besitz der (Nen-
nung Beweismittel) gekommen sei, hätten sich diese Zweifel erhärtet. So
habe ihm das SEM gar nie die Gelegenheit gegeben, den Ablauf des Er-
halts des besagten Dokuments darzulegen. Im angefochtenen Asylent-
scheid bringe das SEM vor, die Authentizität des (Nennung Dokument)
habe nicht abschliessend beurteilt werden können, da es sich um eine Ko-
pie handle. Zudem sei er (Beschwerdeführer) aufgefordert worden, zum
Erhalt des Dokuments Stellung zu nehmen. Diese Formulierung stehe im
Widerspruch zu derjenigen im rechtlichen Gehör: dort sei klar festgehalten
worden, dass (Nennung Dokument) als gefälscht erachtet werde und er
nicht habe glaubhaft machen können, wie er in den Besitz des geprüften
Dokuments gelangt sei. Diese Umformulierung deute darauf hin, dass
seine Vermutung, die (Nennung Person) selber und nicht die das Doku-
ment analysierende Person habe das Dokument noch vor Gewährung des
rechtlichen Gehörs als Fälschung erkannt, zutreffend sei. Es bestehe der
Eindruck, dass die Häufung von Verfahrensfehlern durch die nicht unbe-
fangene und nicht unvoreingenommene Herangehensweise der (Nennung
Person) verursacht worden sei.
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3.2.2 Die Frage, ob der Entscheid über das Ausstandsbegehren des Be-
schwerdeführers gegen die (Nennung Person) des SEM an die Kollegial-
behörde oder an die zuständige Aufsichtsbehörde (das EJPD, vgl. Art. 24
Regierungs- und Verwaltungsorganisationsverordnung vom 25. November
1998 [RVOV, SR 172.010.1]) hätte zurückgewiesen werden müssen bezie-
hungsweise ob eine Verletzung von Art. 10 Abs. 2 VwVG vorliegt, nachdem
anstatt einer Rückweisung die als befangen bezeichnete (Nennung Per-
son) die angefochtene Verfügung samt Ablehnung des gegen sie gestellten
Ausstandsbegehrens (mit)unterzeichnet hat, kann vorliegend offen blei-
ben. Das Bundesverwaltungsgericht kann aus verfahrensökonomischen
Gründen jedenfalls dann von einer Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz absehen und selbst über den Ausstand entscheiden, sofern dies
die Aktenlage zulässt und sich das entsprechende Begehren als offensicht-
lich unbegründet erweist (vgl. BVGE 2017/2 E. 2.4.1 m.w.H. sowie das Ur-
teil des BVGer E-243/2016 vom 8. August 2017 E. 3.2). Beide Vorausset-
zungen sind hier – wie im Folgenden ausgeführt – erfüllt.
3.2.3 Nach Art. 29 Abs. 1 BV sind Amtspersonen zum Ausstand verpflich-
tet, wenn Umstände vorliegen, die nach objektiven Gesichtspunkten geeig-
net sind, den Anschein der Befangenheit zu erwecken (BGE 127 I 196
E. 2b); auf die subjektive Empfindung einer Partei ist nicht abzustellen
(BGE 140 III 221 E. 4.1). Bei Ausstandsbegehren gegen Verwaltungsbe-
hörden ist freilich den jeweiligen konkreten Verhältnissen in besonderem
Masse Rechnung zu tragen (BGE 125 I 209 E. 8a). Nach der Rechtspre-
chung haben nicht-richterliche Amtspersonen im Wesentlichen nur dann in
den Ausstand zu treten, wenn sie an der zu behandelnden Sache ein per-
sönliches Interesse haben, zu einem früheren Zeitpunkt gegenüber der
Partei ihre persönliche Geringschätzung oder Abneigung zum Ausdruck
gebracht haben oder wenn ihnen Verfahrens- oder Ermessensfehler unter-
laufen sind, die nach ihrer Natur oder wegen ihrer aussergewöhnlichen
Häufung besonders schwer wiegen und auf eine gravierende Verletzung
ihrer Amtspflichten gegenüber dem Betroffenen hinauslaufen (Urteil des
BGer 2C_36/2010 vom 14. Juni 2010 E. 3.3 mit zahlreichen Hinweisen).
Jedes Behördenmitglied ist dazu verpflichtet, Ausstandsgründe, die gegen
seine Mitwirkung sprechen, von sich aus zu beachten, auch wenn keine
Verfahrenspartei entsprechende Einwände erhebt. Tritt der Amtsträger bei
Vorliegen eines Ausstandsgrunds nicht von sich aus in den Ausstand, hat
die Verfahrenspartei ein Ausstandsbegehren zu stellen. Ist der Ausstand
streitig, so entscheidet die jeweilige Aufsichtsbehörde über die Sache
(Art. 10 Abs. 2 VwVG).
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3.2.4 Aus den Akten sind keine vernünftigen Gründe ersichtlich, die im
Sinne vorstehender Erwägung die (Nennung Person) des SEM als befan-
gen erscheinen lassen. Weder liegen Anhaltspunkte für die Annahme vor,
die (Nennung Person) habe die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers
von Anfang an herabgewürdigt und dadurch ihre Geringschätzung oder Ab-
neigung zum Ausdruck gebracht, noch lassen sich Indizien finden, dass sie
an der zu behandelnden Sache ein persönliches Interesse gehabt oder
wiederholt schwerwiegende Verfahrensfehler begangen hätte. Soweit der
Beschwerdeführer kritisiert, aus seinen schriftlich festgehaltenen Asylgrün-
den sei zu Unrecht auf einen konstruierten Sachverhalt geschlossen wor-
den, hat das SEM die diesbezüglichen Erklärungen in der ersten Stellung-
nahme zum Entscheidentwurf in seinem Asylentscheid vom 9. Januar 2020
bereits geprüft und entsprechend gewürdigt. Allein aus einer missverständ-
lichen Formulierung lässt sich noch keineswegs eine Verletzung der Amts-
pflicht herleiten. Gleiches hat auch für die geäusserte Kritik im Zusammen-
hang mit der Einräumung des rechtlichen Gehörs in die Dokumentenana-
lyse zu gelten. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht liegen
diesbezüglich keine widersprüchlichen Aussagen vor. Sowohl im Schrei-
ben des SEM vom 4. Dezember 2020 zur Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs (vgl. SEM act. 1053825-48/2, S. 1) als auch im Asylentscheid vom
25. Januar 2021 (vgl. SEM act. 1053825-50/17, S. 10, 2. Absatz) wurde
festgehalten, dass die Authentizität des (Nennung Dokument) – da er nur
in Kopie vorliege – nicht abschliessend überprüft beziehungsweise beur-
teilt werden könne. Zudem stellt sich die Feststellung im Asylentscheid,
wonach das SEM im Rahmen des rechtlichen Gehörs den Beschwerdefüh-
rer aufgefordert habe, zum Erhalt des Dokuments Stellung zu nehmen, als
logische Folge der im Schreiben vom 4. Dezember 2020 eingeräumten
Möglichkeit, den Erhalt des (Nennung Dokument) detailliert zu begründen,
dar. Der in der Beschwerdeschrift (S. 21 unten) erhobene Vorwurf, das
SEM habe festgehalten, er hätte nicht glaubhaft gemacht, wie er in den
Besitz dieses Dokuments gelangt sei, erweist sich im Übrigen als akten-
widrig. Sodann war das besagte Dokument im Rahmen dessen Überprü-
fung durch den zuständigen Länderreferenten lediglich zu analysieren; die
rechtliche Subsumption des Analyseresultats ist jedoch Aufgabe der mit
dem Fall betrauten Mitarbeitenden des SEM. Daher stellt es keinen Ver-
fahrensfehler dar, wenn die (Nennung Person) bei der Offenlegung des
Resultats der Dokumentenanalyse festhielt, das SEM erachte aufgrund der
Ergebnisse der Analyse das besagte Dokument als gefälscht. Der Be-
schwerdeführer konnte sich denn auch im Rahmen seiner ausführlichen
Stellungnahme zur Dokumentenanalyse äussern und dessen Ausführun-
gen fanden ihren Niederschlag im Asylentscheid. Dadurch wurde weder
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der Verfahrensausgang präjudiziert noch liegen Umstände vor, die objektiv
geeignet wären, den Anschein der Befangenheit zu erwecken. Zusammen-
fassend ist das Verhalten der (Nennung Person) des SEM nicht zu bean-
standen und die Rüge erweist sich als offensichtlich unbegründet.
3.3
3.3.1 Der Beschwerdeführer sieht das rechtliche Gehör dadurch verletzt,
dass die Vorinstanz zwar die Zuweisung ins erweiterte Verfahren verfügt,
jedoch in der Folge ihre weiteren Abklärungen auf die Vornahme einer
zweifelhaften Dokumentenanalyse eines einzigen Dokuments beschränkt
und darauf verzichtet hat, ihn etwa erneut anzuhören oder weitere Beweis-
mittel einer ordnungsgemässen Prüfung zu unterziehen oder eine Bot-
schaftsabklärung oder weitere Beweismassnahmen durchzuführen. Zu-
dem habe das SEM weder die zahlreichen Beweismittel noch seine strin-
genten Erklärungen zum angeblich gefälschten (Nennung Dokument)
ernsthaft geprüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Dadurch sei
der Sachverhalt mangelhaft festgestellt und sinngemäss die Begründungs-
pflicht verletzt worden.
3.3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
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3.3.3 Das SEM hat nachvollziehbar und hinreichend differenziert aufge-
zeigt, von welchen Überlegungen es sich vorliegend leiten liess und sich
auch mit sämtlichen zentralen Vorbringen des Beschwerdeführers ausei-
nandergesetzt. Dabei musste sich das SEM nicht ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinan-
dersetzen, sondern durfte sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte be-
schränken. Der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer die Auffas-
sung und Schlussfolgerungen des SEM nicht teilt, ist keine Verletzung der
Begründungspflicht, sondern eine materielle Frage. Im Übrigen hat das
SEM die Erklärungen des Beschwerdeführers zur Dokumentenanalyse –
entgegen seiner Behauptung – durchaus berücksichtigt (vgl. SEM act.
1053825-50/17, S. 5 und S. 10 f.). Sodann hat sich die Vorinstanz hinsicht-
lich der gerügten Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und mit Blick
auf die Vornahme weiterer Abklärungen nicht bloss auf die Durchführung
einer Dokumentenanalyse beschränkt, sondern den Beschwerdeführer zur
Einreichung weiterer Beweismittel aufgefordert (vgl. SEM act. 1053825-43
bis 1053825-45), deren Würdigung im angefochtenen Entscheid ihren Nie-
derschlag fand (vgl. SEM act. 1053825-50/17, S. 5 und S. 9 f.). Es stellt
auch keine unrichtige oder unvollständige Sachverhaltsfeststellung dar,
wenn die Vorinstanz im Rahmen der Sachverhaltsermittlung andere Abklä-
rungen als vom Beschwerdeführer gewünscht durchgeführt hat. Sodann
zeigt die ausführliche Beschwerdeeingabe auf, dass eine sachgerechte
Anfechtung ohne weiteres möglich war. Eine Verletzung der Begründungs-
pflicht liegt nicht vor.
3.4 Die formellen Rügen erweisen sich demnach als unbegründet, weshalb
keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben
und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der eventualiter gestellte Rückwei-
sungsantrag ist abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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Seite 12
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.).
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung betreffend den
Beschwerdeführer zum Schluss, dessen Asylvorbringen würden weder den
Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG noch den-
jenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten.
Dem Beschwerdeführer seien bei der Registrierung seines Asylgesuchs di-
verse Dokumente abgenommen worden, darunter ein schriftlich verfasstes
und vom (...) datierendes Asylgesuch. Die darin enthaltenen Asylgründe
würden seinen Aussagen bei den Befragungen teilweise widersprechen.
So habe er im schriftlichen Gesuch festgehalten, dass seine Ehefrau ein
Verhältnis mit (Nennung Person) gehabt und geplant habe, ihn umbringen
zu lassen. Dazu habe sie den (Nennung Behörde) über seine Agenda in-
formiert. Solcherlei habe er im Rahmen der Anhörungen mit keinem Wort
erwähnt, sondern anlässlich der Befragung vom 23. Dezember 2019 auf
Drohungen, die seine Ehefrau seit dem (...) seitens des (Nennung Be-
hörde) erhalten habe, hingewiesen. Die im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs gemachten Entgegnungen seien als Ausflüchte zu werten, zumal er
anlässlich der Befragung vom 1. November 2019 die an seine Ehefrau ge-
richteten Drohungen mit keinem Wort erwähnt habe, obwohl er eigenen
Angaben zufolge (Nennung Zeitpunkt) vor der Anhörung mit ihr in Kontakt
gestanden sei und die Drohungen somit hätte in Erfahrung bringen können.
Weiter würden seine Schilderungen bezüglich der Aufforderung des burun-
dischen (Nennung Behörde) respektive der Aufforderung von Freunden,
Mitglieder der I._ dazu zu bewegen, sich der Regierungspartei an-
zuschliessen und Gelder der I._ abzugeben, jegliche Details oder
inhaltliche Besonderheiten vermissen lassen und seien auch auf gezielte
Nachfragen sehr oberflächlich ausgefallen. Seine diesbezüglichen Aussa-
gen erschöpften sich in Allgemeinplätzen, die in dieser Form von irgendje-
mandem nacherzählt werden könnten. Weiter sei er den Fragen nach sei-
nem angeblichen Einfluss als (Nennung Funktion) der I._ und dem
daraus resultierenden Druck der burundischen Regierung ausgewichen
und habe diese lediglich in stereotyper Weise beantwortet. Ferner wider-
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spreche sein Verhalten insgesamt der geltend gemachten Gefährdungssi-
tuation. So sei er eigenen Angaben zufolge im Jahr (...) nach Burundi zu-
rückgekehrt, um dort zu arbeiten und seine Familie zu unterstützen, obwohl
ihn die burundische Regierung dort angeblich wegen seiner Teilnahme an
einer Kundgebung in G._ gegen die heimatliche Regierung im (...)
und wegen des Umstands, dass sein (Nennung Verwandter) ein Oppositi-
oneller gewesen und (Nennung Zeitpunkt) entführt respektive umgebracht
worden sei, verfolgt habe. Seine diesbezüglichen Erklärungen vermöchten
vor dem Hintergrund, dass er mit einer Rückkehr nach Burundi nicht nur
sich, sondern auch seine Familie in Gefahr gebracht hätte, nicht zu über-
zeugen. Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, der (Nennung Be-
hörde) habe (Nennung Anzahl) versucht, ihn umzubringen. Nach dem ers-
ten Mordversuch im (...) sei er nach J._ gereist und im (...) nach
einem Personalwechsel beim (Nennung Behörde) wieder in die Heimat zu-
rückgekehrt. Es sei jedoch nicht einsichtig, warum er nicht gleich in
J._ ein Asylgesuch gestellt habe. Zudem sei nicht plausibel, dass
er wegen einem Personalwechsel beim (Nennung Behörde) nicht mehr von
der burundischen Regierung gesucht worden sein soll. Dies hätte nämlich
bedeutet, dass er von einzelnen Personen des (Nennung Behörde) ge-
sucht und nicht, wie geltend gemacht, von der heimatlichen Regierung als
Oppositioneller betrachtet worden wäre. Der Einwand in der Beschwerde-
schrift, die Gefährdungslage sei eine Zeitlang nicht mehr so akut gewesen,
wiederhole lediglich seine Aussagen, vermöge die entsprechenden
Schlussfolgerungen jedoch nicht zu entkräften. Ebenfalls nicht nachvoll-
ziehbar sei, dass er sich nach dem ersten und zweiten Mordversuch am
(...) zu einem (Nennung Veranstaltung) nach O._ und am zu einer
(Nennung Feier) nach P._ für (...) begeben haben wolle, zumal er
sich dadurch absichtlich einem erhöhten Risiko für einen weiteren Mordan-
schlag durch den burundischen (Nennung Behörde) ausgesetzt hätte.
Seine Erklärung, er habe geglaubt, dass sich der (Nennung Behörde) nicht
nach P._ begeben würde, sei als Schutzbehauptung zu werten.
Weiter entspreche sein Verhalten in der Schweiz nicht einer schutzbedürf-
tigen Person. Einerseits solle er wegen der vorgebrachten Vergiftung wäh-
rend mehreren Wochen nicht fähig gewesen sein, nach der Einreise in die
Schweiz hierzulande ein Asylgesuch einzureichen, sei aber trotz dieser ge-
sundheitlichen Beschwerden in der Zwischenzeit in L._ herumge-
reist. Dies lasse an der geltend gemachten Vergiftung und an seiner
Schutzbedürftigkeit zweifeln. Schliesslich habe er aufgrund seiner vagen
Angaben nicht substanziiert darlegen können, dass der (Nennung Ver-
wandter), welcher beim burundischen (Nennung Behörde) tätig gewesen
D-831/2021
Seite 14
sein solle, ihn anlässlich der geplanten Attentate vom (...) und (...) rechtzei-
tig habe warnen können. Insgesamt sei unglaubhaft, dass er den geltend
gemachten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen sei.
Die eingereichten Beweismittel vermöchten diese Einschätzung nicht zu
entkräften, zumal sie zwar seine Anstellung und Kündigung bei der
I._, nicht jedoch die angeführte Verfolgungssituation zu belegen
vermöchten. Überdies lägen die Unterlagen fast allesamt als blosse Kopien
vor, weshalb diesen nur ein verminderter Beweiswert beizumessen sei. Da-
her könnten auch über die Authentizität der (Nennung Beweismittel) keine
verbindlichen Aussagen gemacht werden, da eine fundierte Analyse dieser
Kopien nicht möglich sei. Am (...) sei dem Beschwerdeführer das rechtliche
Gehör zu einer internen Dokumentenanalyse des – ebenfalls nur in Kopie
– eingereichten (Nennung Dokument) gewährt worden. Das Dokument
weise formale Mängel auf und im Übrigen sei Burundi bekannt für seine
notorische Korruption, weshalb nicht ausgeschlossen werden könne, dass
staatliche Beamte Fälschungen ausstellen würden. Auch wenn er in seiner
Stellungnahme vom 14. Dezember 2020 die Unklarheit bezüglich der
Schreibweise des Namens derjenigen Person, welche (Nennung Doku-
ment) unterschrieben habe, habe erklären können, könne nicht per se da-
von ausgegangen werden, dass es sich beim (Nennung Dokument) um ein
authentisches Dokument handle. Es würden Ungereimtheiten bezüglich
der Zuständigkeit der ausstellenden Person bestehen bleiben. Ausserdem
könne die Authentizität dieses Dokuments, da es sich lediglich um eine Ko-
pie handle, ohnehin nicht abschliessend beurteilt werden.
Sodann bestünden keine konkreten Hinweise, dass der Beschwerdeführer
aufgrund seiner beruflichen Aktivitäten eine begründete Furcht vor asylre-
levanten Nachteilen hätte. Die geltend gemachten staatlichen Verfolgungs-
massnahmen seien nicht glaubhaft gemacht worden. Eigenen Angaben zu-
folge sei er denn auch bis zu seiner Ausreise für die I._ tätig gewe-
sen, was gegen eine Gefährdungssituation spreche. Zudem habe er sein
(Nennung Beweismittel) eingereicht, weshalb er nach einer Rückkehr nach
Burundi nicht mit zukünftigen Verfolgungsmassnahmen zu rechnen hätte.
Sein persönlich verfasstes Schreiben vom (...) bezüglich der allgemeinen
Situation in seiner Heimat vermöge diese Einschätzung nicht umzustos-
sen.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Rechtsmitteleingabe in
materieller Hinsicht, er sei seiner Mitwirkungspflicht stets nachgekommen,
D-831/2021
Seite 15
was für seine persönliche Glaubwürdigkeit spreche. Sodann sei zu berück-
sichtigen, dass er aufgrund seiner mehreren Reisen nach L._ ei-
nige Möglichkeiten gehabt hätte, ein Asylgesuch einzureichen, dies jedoch
unterlassen habe und regelmässig in seine Heimat zurückgekehrt sei. Zu-
dem sei er aufgrund seiner Ausbildung der Elite seines Landes zuzurech-
nen und habe für burundische Verhältnisse überdurchschnittlich gut ver-
dient. Es deute nichts darauf hin, dass ihn wirtschaftliche Motive zur Aus-
reise hätten veranlassen sollen. Überdies habe er eine spannende und ein-
flussreiche Tätigkeit ausgeübt, weshalb davon ausgegangen werden
könne, dass er sein Heimatland nicht verlassen hätte, wäre er nicht in
ernsthafter Gefahr gewesen. Ausserdem sei nicht nachvollziehbar, wes-
halb er seine Stelle hätte kündigen sollen, wäre er nicht tatsächlich verfolgt
worden. Ferner sei zu beachten, dass er seine komplexen Schilderungen
über zwei Befragungen sowie auch in Schriftform in sich stimmig und prak-
tisch widerspruchsfrei dargelegt habe, was kaum möglich wäre, würde es
sich um einen konstruierten Sachverhalt handeln. Seine Darlegungen wür-
den im Weiteren verschiedene Realkennzeichen enthalten: So sei auf den
quantitativen Detailreichtum in seiner freien Rede, die teilweise sprunghaf-
ten Schilderungen und die spontanen Präzisierungen hinzuweisen. Zudem
seien Teilaspekte der Verfolgungsgeschichte als erwiesen anzusehen und
die Verfolgungsvorbringen würden sich nahtlos in diese Tatsachen einfü-
gen und liessen sich mit der allgemeinen Lebenserfahrung in seiner Hei-
mat vereinbaren, so beispielsweise die innen- und aussenpolitische Ent-
wicklung in Burundi oder die Verübung von Giftmorden. Sodann sei die
vom SEM vorgenommene Prüfung der Glaubhaftigkeit zu bemängeln. Der
angebliche Widerspruch zwischen seinen Vorbringen und dem schriftlichen
Dokument, welches ihm gegen seinen Willen bei der Einreichung des Asyl-
gesuch abgenommen worden sei, habe er bereits im Rahmen der zweiten
Anhörung einleuchtend erklärt. So habe sich sein Wissensstand zwischen
dem Zeitpunkt, als er das vom (...) datierte Schreiben verfasst habe (Nen-
nung Inhalt) und den beiden Befragungen verändert. Zudem habe das
SEM das fragliche Dokument in unfairer Weise verwendet. So sei ihm zu-
nächst der unzutreffende Vorhalt gemacht worden, im besagten Dokument
stehe, dass sich seine (Nennung Verwandte) in der Schweiz befinde. In der
Folge sei ihm der vermeintliche Widerspruch in Bezug auf die Rolle seiner
Ehefrau im damaligen Entscheidentwurf erneut vorgeworfen worden. Es
stelle keine Ausflucht dar, dass er sich im Rahmen der ersten Anhörung
nicht von sich aus zu allfälligen Widersprüchen zum Schreiben vom (...)
geäussert habe. Zum Vorhalt, seine Antworten zu den Aufforderungen des
burundischen (Nennung Behörde) würden sich in Allgemeinplätzen er-
D-831/2021
Seite 16
schöpfen, sei anzuführen, dass es sich dabei einerseits um beiläufige Be-
merkungen an diversen Anlässen gehandelt habe und andererseits seien
die kulturell unterschiedlichen Gepflogenheiten zu berücksichtigen. So
habe er mehrmals in aufschlussreicher Art und Weise auf seine dement-
sprechenden Reaktionen verwiesen, so in der zweiten Anhörung (F44 ff.
und F101 ff.). Weiter sei sein Einfluss in der Organisation I._ durch
seine zentrale Rolle zu erklären. Er sei als einziger Funktionär derselben
nach L._ gereist, weshalb er mit den Berichten über Burundi und
den gegenüber seinem Heimatland ergriffenen Sanktionen in Verbindung
gebracht und von der Regierung unter Druck gesetzt worden sei, zumal er
auch der Sohn eines Oppositionellen sei. Zudem würden die eingereichten
Bestätigungen der H._ und der S._ zeigen, dass die Nomi-
nation des neuen Präsidenten und seines Nachfolgers als (Nennung Funk-
tion) der I._ Drohungen seitens der regierenden Partei ausgelöst
habe. Dies belege im Weiteren die Todesgefahr, in welcher er in Burundi
geschwebt habe. Zum Vorhalt des nicht plausiblen Verhaltens vor seiner
definitiven Ausreise und jenes nach seiner Einreise in die Schweiz sei an-
zuführen, dass der Entscheid, ein Asylgesuch einzureichen, für ihn als in-
tellektuellen Patrioten grundsätzlich sehr schwierig sei. Zudem habe er aus
finanziellen Gründen im Jahr (...) sein (Nennung Weiterstudium) abbrechen
müssen und wäre bei einem weiteren Verbleib ohne gültigen Aufenthaltsti-
tel oder als Asylbewerber in J._ auf der Strasse gelandet. Er habe
sich daher entschieden, lieber in Burundi zu sterben als in J._ oder
F._ um Asyl nachzusuchen. Die schwierige Situation von Asylsu-
chenden in J._, eine zu erwartende Rückführung dorthin im Rah-
men des (Nennung Abkommen) im Falle einer Asylgesuchstellung in einem
anderen Staat der (Nennung Bündnis) sowie die Zusicherung einer in Bu-
rundi einflussreichen Person, sich bei einer Rückkehr um seine Sicherheit
zu kümmern, habe ihn sodann im (...) veranlasst, erneut aus J._ in
seine Heimat zurückzukehren. Ferner habe er am (Nennung Veranstal-
tung) in O._ teilgenommen, weil er sonst seine Stelle beim
I._ verloren und nicht mehr die finanziellen Möglichkeiten gehabt
hätte, auf dem Luftweg aus Burundi auszureisen; so wäre eine Flucht auf
dem Landweg für ihn zu riskant gewesen. Ferner sei er bezüglich seiner
Teilnahme an einer (Nennung Feier) in P._ davon ausgegangen,
dass ihm im Rahmen einer (Nennung Feier) in einer weit von der Haupt-
stadt entfernten Ortschaft nichts geschehen werde. Zudem sei niemand
über seine weiteren Schritte im Bild gewesen. Überdies habe er die Leute
über die kommende Geburt seines Kindes informiert, weshalb diese ge-
glaubt hätten, er sei noch immer in Burundi und hege keine Fluchtgedan-
D-831/2021
Seite 17
ken. Zu seinem Verhalten nach der Ankunft in der Schweiz sei anzumer-
ken, dass er sich erst nach einer einmonatigen Rekonvaleszenz nach
K._ und F._ begeben habe und sich in dieser Zeit ausrei-
chend von seiner Vergiftung habe erholen können. Da er über die Zustände
in den Schweizer Asylzentren nicht im Bild gewesen sei, habe er es ange-
sichts seines schlechten Gesundheitszustands vorgezogen, während sei-
ner Rekonvaleszenz kein Asylgesuch einzureichen und privat zu logieren.
Danach habe er zunächst seine in F._ und K._ deponierten
Diplome geholt, da er nach Stellung eines Asylgesuchs in der Schweiz das
Land als Asylbewerber nicht mehr hätte verlassen können. Im Sinne einer
Gesamtbetrachtung seien seine Schilderungen als glaubhaft zu qualifizie-
ren. Es sei zweifelsfrei von einer politisch motivierten Verfolgung auszuge-
hen. Die Furcht vor weiteren Verfolgungshandlungen werde insbesondere
dadurch gestützt, dass er in seinem Heimatland mit (Nennung Dokument)
gesucht werde.
5.3 In seiner Vernehmlassung vom 19. März 2021 hielt das SEM in mate-
rieller Hinsicht fest, es werde in der Beschwerdeschrift mehrfach auf die
bedenkliche Menschenrechtslage in Burundi hingewiesen und entspre-
chende Quellen zitiert. Die schlechte Menschenrechtslage in Burundi sei
vom SEM nie in Abrede gestellt und der dort herrschenden generellen Si-
tuation mit dem Erlass einer vorläufigen Aufnahme Rechnung getragen
worden. Das Vorbringen, er habe im Rahmen seines Asylverfahrens in der
Schweiz nicht den leisesten Anlass zur Bezweiflung seiner persönlichen
Glaubwürdigkeit erweckt, zumal er beispielsweise seit dem Jahr (...) mehr-
fach legal nach L._ und zurück nach Burundi gereist sei, weshalb
er bereits unzählige Möglichkeiten gehabt hätte, in L._ ein Asylge-
such zu stellen, vermöge nicht zu überzeugen. Genau so wenig die Argu-
mentation, dass er der Elite seines Landes angehöre und gut verdient habe
und deshalb sein Land nicht ohne triftigen Grund verlassen hätte. Die per-
sönliche Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers sei jedoch vom SEM nie
in Abrede gestellt worden. Es sei durchaus nachvollziehbar, dass er auf-
grund seines persönlichen Hintergrunds sein Heimatland nicht ohne trifti-
gen Grund verlassen habe. Das SEM gehe jedoch aufgrund seiner un-
glaubhaften Aussagen davon aus, dass dies aus anderen als den geltend
gemachten Gründen geschehen sei. Weiter weise er in der Beschwerde-
schrift darauf hin, dass die komplexe Fluchtgeschichte gegen ein Sachver-
haltskonstrukt spreche, ansonsten er eine weniger komplizierte und klare
Verfolgungsgeschichte geltend gemacht hätte. Dieser Logik könne nicht
gefolgt werden. Er habe seine Verfolgungsvorbringen offensichtlich gerade
D-831/2021
Seite 18
nicht auf ein vollständig konstruiertes Profil (Beruf, Arbeit, Aufenthalte) ge-
stützt. Es sei daher anzunehmen, dass geltend gemachte Ereignisse statt-
gefunden hätten. Aufgabe des SEM sei es aber festzustellen, ob die gel-
tend gemachten Ereignisse in dem vorgebrachten Verfolgungskontext
glaubhaft gemacht worden seien. Es sei weder das Ziel einer Glaubhaftig-
keitsprüfung, jedes geltend gemachte Ereignis als Konstrukt zu qualifizie-
ren, noch Voraussetzung dafür, dass ein flüchtlingsrechtlich relevantes
Vorbringen als unglaubhaft qualifiziert werden könne. Vorliegend sei nicht
glaubhaft, dass er unter den geltend gemachten Umständen und Gründen
Burundi verlassen habe. Zum Vorhalt der fehlenden ernsthaften Prüfung
und Würdigung der eingereichten Beweismittel sei anzuführen, dass der
Beschwerdeführer im Laufe des Asylverfahrens zu entscheidrelevanten
Beweismitteln lediglich Kopien oder Printscreens eingereicht habe, so
auch auf Beschwerdeebene. Es sei hinlänglich bekannt, dass solche Ko-
pien aufgrund ihrer leichten Manipulierbarkeit einerseits einen verminder-
ten Beweiswert aufweisen würden und andererseits nicht abschliessend
auf ihre Authentizität überprüft werden könnten. Der ebenfalls lediglich in
Kopie vorliegende (Nennung Dokument) sei von dem für Burundi zustän-
digen Länderreferenten des SEM demnach im Rahmen des Möglichen
analysiert worden. Im rechtlichen Gehör sei dann auch festgehalten, dass
die Authentizität nicht abschliessend habe beurteilt werden können, jedoch
mehrere Merkmale vorlägen, die auf eine Fälschung des Originals schlies-
sen lassen würden. Ferner habe er während des Asylverfahrens wiederholt
in Aussicht gestellt, Originale der Beweismittel einzureichen, so auch in der
Beschwerdeschrift. Bis heute lägen aber keinerlei Originale vor, die einer
fachgerechten Überprüfung durch den Länderreferenten unterzogen wer-
den könnten.
5.4 In seiner Replik vom 8. April 2021 erwiderte der Beschwerdeführer, die
nun im Original eingereichten Dokumente seien durch die Vorinstanz einer
fachgerechten Überprüfung durch ihren Länderreferenten zu unterziehen.
Weiter dienten seine Verweise auf Internetartikel zu Entwicklungen und
Lage in Burundi der Feststellung, dass sich seine Asylgründe nahtlos in die
politischen Vorgänge sowie in die dem soziokulturellen Kontext entspre-
chende allgemeine Lebenserfahrung im Heimatstaat einfügten. Weiter
scheine das SEM den Beweismassstab der Glaubhaftmachung zu verken-
nen, zumal die Glaubhaftmachung – im Gegensatz zum strikten Beweis –
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen of-
fenlasse. Die Vorinstanz vermöge weiterhin nicht stichhaltig zu begründen,
weshalb sie seine Schilderungen vorliegend als unglaubhaft qualifiziere.
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Seite 19
Stattdessen ergehe sie sich in Allgemeinplätzen und versäume es, sich mit
seinen begründeten Argumenten eingehend auseinanderzusetzen.
5.5 In der ergänzenden Vernehmlassung vom 26. Mai 2021 brachte das
SEM vor, der Beschwerdeführer habe auf Beschwerdeebene die Originale
der beiden (Nennung Beweismittel) nachgereicht. Das SEM verfüge nicht
über gesichertes Vergleichsmaterial, um eine abschliessende Analyse der
beiden Dokumente vornehmen zu können. Auch wenn sie nicht als Fäl-
schungen qualifiziert werden könnten, bestünden erhebliche Zweifel an de-
ren Authentizität. So verfügten die beiden (Nennung Beweismittel) als ein-
ziges Sicherheitsmerkmal über einen Nassstempel. Die Stempel des Ver-
gleichsmaterials, welche jedoch von anderen burundischen Behörden
stammten, würden eine ovale Form aufweisen, während die Stempel der
vorliegenden Dokumente kreisförmig seien. Weiter seien die personalisier-
ten Informationen und die Unterschrift mit Kugelschreiber eingetragen. Bei
der (Nennung Beweismittel) sei mit Hilfe eines Streiflichts der Abdruck ei-
ner zweiten Unterschrift desselben Beamten ersichtlich. Dies dürfte daher
rühren, dass ein weiteres Dokument, bei welchem die Unterschrift ange-
bracht worden sei, direkt auf dem Dokument vom (...) gelegen haben
müsse. Die sichtbaren Elemente dieses "Durchdrucks" würden genau die-
selben individuellen Züge aufweisen wie bei der Unterschrift der (Nennung
Beweismittel). Dies könne ein Hinweis darauf sein, dass die beiden Doku-
mente – trotz unterschiedlicher Ausstellungsdaten – zur gleichen Zeit un-
terschrieben worden seien. Abgesehen von den oben erwähnten Auffällig-
keiten sei erneut auf die notorische Korruption in Burundi hinzuweisen,
weshalb nicht auszuschliessen sei, dass Fälschungen von staatlichen Be-
hörden ausgestellt würden. Überdies erachte das SEM die Fluchtgründe
als nicht glaubhaft. Die beiden (Nennung Beweismittel) vermöchten daher
nichts an der vorinstanzlichen Einschätzung zu ändern.
5.6 In seiner Triplik vom 8. Juni 2021 hielt der Beschwerdeführer an seinen
bisherigen Einwänden fest und erwiderte ergänzend, der Hinweis des
SEM, das verwendete Vergleichsmaterial anderer burundischer Behörden
weise nicht runde, sondern ovale Stempelformen auf, vermöge nicht zu
überzeugen. Eine simple Bildersuche auf Google mit dem Suchbegriff
"Sceau Republique du Burundi" ergebe, dass in seiner Heimat kreisför-
mige, ovale und auch rechteckige Stempel zur Anwendung gelangten, wie
aus den beigelegten Ausdrucken von Printscreens und seinen (Nennung
Beweismittel) ersichtlich sei. Sodann scheine die Verwendung von Nass-
stempeln sowie durch Kugelschreiber ergänzte Vorlagen bei burundischen
Behörden üblich zu sein. Weiter mute der Vorhalt des SEM, dass es mit
D-831/2021
Seite 20
Hilfe eines Streiflichts auf einer der (Nennung Beweismittel) den Abdruck
einer zweiten (identischen) Unterschrift habe feststellen können, was auf
eine gleichzeitige Unterzeichnung der beiden (Nennung Beweismittel) hin-
weise, absurd an. So sei es grundsätzlich naheliegend, dass derselbe Be-
amte verschiedene Dokumente bearbeitet beziehungsweise unterzeichnet
und sich dadurch ein Abdruck auf der (Nennung Beweismittel) ergeben
habe. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern ein "Durchdruck" derselben Unter-
schrift ein Indiz für eine gleichzeitige Unterzeichnung der Dokumente dar-
stelle. Das SEM lasse bereits zum wiederholten Mal die zu erwartende
Sorgfalt und Ernsthaftigkeit bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit seiner
durch Beweismittel untermauerten und substantiierten sowie wider-
spruchsfreien Vorbringen vermissen. Auch der neuerliche pauschale Hin-
weis auf die Korruption in Burundi vermöge über die mangelhafte Qualität
der von ihr getätigten Abklärungen nicht hinwegzutäuschen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass das SEM im Rahmen seiner Beurteilung der Asylvorbringen
zu Recht erkannt hat, der Beschwerdeführer erfülle die Voraussetzungen
der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht. Die Entgegnungen
in den Eingaben auf Beschwerdeebene und die eingereichten Beweismittel
vermögen in entscheidrelevanter Hinsicht nicht gegen die angefochtene
Verfügung durchzudringen.
6.2 Zunächst ist festzustellen, dass die geschilderten Asylgründe des Be-
schwerdeführers wohl einige Details enthalten, indes bezüglich der we-
sentlichen Aspekte seines Gesuchs (vgl. nachfolgende E. 6.1.2 ff.) stereo-
typ und wenig differenziert sind, kaum relevante inhaltliche Konkretisierun-
gen enthalten sowie in gewissen Teilen als realitätsfremd zu erachten sind.
Mit Blick auf die geltend gemachten ersten drei Mordanschläge fällt auf,
dass der Beschwerdeführer zwei Mal von einer Person, die er im Verlaufe
des Verfahrens zunächst als "Jemand", dann als "Freund" und noch später
als (Nennung Verwandter) bezeichnete, dessen Dienstgrad er nicht nen-
nen konnte, gewarnt worden sei, dass am (...) ein Auto des (Nennung Be-
hörde) vor seinem Haus parkiert und die Beamten auf ihn warten würden
beziehungsweise ihn sein "Freund" am (...) in O._ im (Nennung Lo-
kalität) abholen würde, zumal sie wüssten wo er in jener Zeit in O._
logieren werde (vgl. SEM act. 1053825-13/18, F75, F79, F89). Diesbezüg-
lich wusste der Beschwerdeführer somit einerseits lediglich durch eine
Drittperson von der angeblichen Gefährdung, andererseits widersprach er
sich bezüglich des dritten Vorfalls, wonach ihm der (Nennung Verwandter)
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Seite 21
laut Erstbefragung gesagt habe, er werde ihn am (...) im (Nennung Lokali-
tät) abholen, währenddessen er in der Anhörung ausführte, dass geplant
sei, ihn im (Nennung Lokalität) zu entführen (vgl. SEM act. 1053825-13/18,
F79, S. 13 oben; act. 1053825-23/19, F60). Zudem ist es logisch nicht
nachvollziehbar, dass – den Angaben in der Anhörung folgend – der Be-
schwerdeführer von der gleichen Person, die ihn im (Nennung Lokalität)
hätte abholen sollen, gleichzeitig vorgängig vor dieser Aktion hätte gewarnt
werden sollen. Sodann schliesst er bereits aus dem Umstand, dass ihm ein
Auto nach einem Barbesuch am (...) einige Zeit gefolgt sei, dass der (Nen-
nung Behörde) ihn habe umbringen wollen, zumal eine telefonische Nach-
frage beim Wächter seines Hauses ergeben habe, dass vor dem Gebäude
ein Auto während mehreren Stunden parkiert gewesen sei (vgl. SEM act.
1053825-13/18, F75, S. 11 unten). Weitere Angaben, die eine solche Ver-
mutung zu konkretisieren vermöchten, brachte er hingegen nicht vor.
6.3 Sodann bringt der Beschwerdeführer hinsichtlich des Vorhalts wider-
sprüchlicher Aussagen zwischen den anlässlich der Anhörungen gemach-
ten Vorbringen und seinen am (...) schriftlich festgehaltenen Asylgründen
zur möglichen Verstrickung seiner Ehefrau in die geplante Ermordung sei-
ner Person vor, er habe diesen Punkt bereits im Rahmen der zweiten An-
hörung einleuchtend erklärt. So habe sich sein Wissensstand zwischen
dem Zeitpunkt, als er das vom (...) datierte Schreiben verfasst habe (Nen-
nung Inhalt des Schreibens) und den beiden Befragungen verändert. Diese
Erklärung vermag jedoch nicht zu überzeugen. Zunächst ist festzustellen,
dass der Beschwerdeführer das besagte Sachverhaltselement im Rahmen
der am 1. November 2019 durchgeführten Erstbefragung tatsächlich mit
keinem Wort erwähnte. Anlässlich der zweiten Anhörung führte er dazu an,
"seit ich festgestellt habe, dass sie auch Drohungen erhalten hat, ist mit
klar geworden, das ich sie zu Unrecht beschuldige" (vgl. SEM act.
1053825-23/19, F99). Die Drohungen hätten am (...) begonnen. Dies habe
er aber während der Erstbefragung noch nicht detailliert erwähnt, weil sich
die Drohungen erst am (...) zugespitzt hätten (vgl. SEM act. 1053825-
23/19, F16). Die Nichtnennung des erwähnten Sachverhaltselements er-
staunt aber in hohem Masse, soll es sich doch um Rache- beziehungs-
weise Todesdrohungen gegenüber seiner Frau gehandelt haben und die
Drohungen seien "reell" gewesen. Es ist nicht einsichtig, weshalb ihm seine
Ehefrau anlässlich des letzten Kontakts zwei bis drei Tage vor der Erstbe-
fragung, jedoch bereits vier bis fünf Tage nach Beginn dieser Drohungen,
nicht hätte darüber berichten sollen. Es ist deshalb davon auszugehen –
wie dies das SEM zutreffend erwog – dass er von diesen Drohungen im
D-831/2021
Seite 22
Zeitpunkt der ersten Anhörung Kenntnis erhalten und diese dementspre-
chend erwähnt hätte.
6.4 Weiter entgegnet der Beschwerdeführer zum Vorhalt, seine Antworten
zu den Aufforderungen respektive Drohungen des (Nennung Behörde)
seien undifferenziert, oberflächlich und würden sich in Allgemeinplätzen er-
schöpfen, es habe sich dabei einerseits um beiläufige Bemerkungen an
diversen Anlässen gehandelt und andererseits seien die kulturell unter-
schiedlichen Gepflogenheiten zu berücksichtigen. So habe er mehrmals in
aufschlussreicher Art und Weise auf seine Reaktionen in diesem Zusam-
menhang verwiesen, so in der zweiten Anhörung (F44 ff. und F101 ff.).
Diese Ausführungen vermögen nicht zu überzeugen. Sie sind nicht geeig-
net, die lediglich floskelartigen und kaum Substanz aufweisenden Ausfüh-
rungen zu erklären. Solches ergibt sich auch nicht bei einer Durchsicht der
diesbezüglich relevanten Protokollstellen (vgl. SEM act. 1053825-23/19,
F44 ff. und F101 ff.). So will der Beschwerdeführer auf die jeweiligen Auf-
forderungen zum Beitritt zur Regierungspartei und der Abzweigung von
Geldern der I._ und den damit zusammenhängenden Drohungen
jeweils bloss geschwiegen und lediglich einmal geantwortet haben, dass
normalerweise die Freiheit bestehe, Mitglied zu werden oder nicht (vgl.
SEM act. 1053825-23/19, F40-43, F45). Ausserdem erstaunt, dass die An-
gehörigen des burundischen (Nennung Behörde), bei welchen es sich zum
Teil um Freunde des Beschwerdeführers gehandelt habe, ihn angesichts
seines passiven Verhaltens nach den Aufforderungen offenbar nie zu einer
klaren Antwort gedrängt, jedoch ohne eindeutige Stellungnahme seiner-
seits sogleich in schwerwiegender Weise bedroht haben sollen. Diese Dar-
stellung überrascht umso mehr, als der Beschwerdeführer die (Nennung
Anzahl) zählenden Mitglieder der I._ zu einem Beitritt zur Regie-
rungspartei hätte bewegen sollen, weshalb diesbezüglich eine viel subti-
lere Vorgehensweise – da ungleich erfolgsversprechender – zu erwarten
gewesen wäre.
6.5 Ferner vermag er die Frage nach seinem Einfluss in der I._ und
dem Grund, wieso gerade er von der heimatlichen Regierung unter Druck
gesetzt worden sei, auch mit seinen Entgegnungen auf Beschwerdeebene
nicht zu erklären, zumal er darin erneut bloss in ausweichender Weise auf
alle seine Gründe, weshalb er von der burundischen Regierung verfolgt
worden sei, hinweist. Auch überzeugt das pauschale Vorbringen, er sei als
einziger Funktionär der I._ nach L._ gereist, weshalb er mit
den Berichten über Burundi und den gegenüber seinem Heimatland ergrif-
fenen Sanktionen in Verbindung gebracht und von der Regierung unter
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Druck gesetzt worden sei, in keiner Weise. So habe die burundische Re-
gierung laut seinen Angaben offenbar Kenntnis gehabt von der Urheber-
schaft des eingereichten Berichts über Menschenrechtsverletzungen (vgl.
SEM act. 1053825-23/19, F54 ff.), weshalb die Verdächtigung seiner Per-
son jeglicher Grundlage entbehrt. Soweit er diesbezüglich auf die Bestäti-
gungen der H._ und der S._ hinweist, gemäss welchen die
Nomination des neuen Präsidenten und seines Nachfolgers als (Nennung
Funktion) der I._ Drohungen seitens der regierenden Partei ausge-
löst hätten, was ein Beleg sei für die Todesgefahr, in welcher er in Burundi
geschwebt habe, vermag dieses Vorbringen zu keiner anderen Einschät-
zung zu führen. Zunächst wird in der Bestätigung der H._ ein sol-
ches Vorbringen gar nicht erwähnt. Im Schreiben der S._ wird so-
dann nicht konkret dargelegt, in welchem Zusammenhang die Einschüch-
terung und Entlassung des vormaligen Präsidenten der I._ mit dem
Rücktritt des Beschwerdeführers von seinem Posten als (Nennung Funk-
tion) gestanden haben soll. Ebenso wenig ist ersichtlich, inwiefern die Dro-
hungen gegenüber sämtlichen Mitgliedern der I._ durch die Regie-
rungspartei als Folge der Nomination des neuen Präsidenten und des
Nachfolgers des Beschwerdeführers in einem Zusammenhang mit den vor-
liegenden Asylvorbringen stehen sollen.
6.6 Sodann ist das vom Beschwerdeführer an den Tag gelegte Verhalten
(wiederholte Rückkehr nach Burundi; keine Einreichung eines Asylgesuchs
anlässlich früherer Aufenthalte in L._) angesichts der geltend ge-
machten drohenden Todesgefahr in seiner Heimat infolge wiederholter
Mordversuche, als nicht nachvollziehbar und daher nicht glaubhaft zu er-
achten. Seine diesbezüglichen Erklärungen sind als unbehelflich zu erach-
ten und erscheinen als realitätsfremd. So verweist er auf seine grundsätz-
lichen Schwierigkeiten, als intellektueller Patriot überhaupt ein Asylgesuch
stellen zu wollen oder zu können. Dann führt er im Wesentlichen finanzielle
Gründe und die schwierige Situation von Asylsuchenden in den teilweise
von ihm besuchten europäischen Ländern an, die ihn zum – nach Ansicht
des Gerichts wenig nachvollziehbaren – Schluss hätten kommen lassen,
lieber in Burundi zu sterben als um Asyl nachzusuchen. Das Vorbringen,
wonach ihn die Zusicherung einer in Burundi einflussreichen Person, sich
bei einer Rückkehr um seine Sicherheit zu kümmern, im (Nennung Zeit-
punkt) zur Rückkehr veranlasst habe, vermag ebenfalls nicht zu überzeu-
gen, zumal eigenen Angaben zufolge alle Teilnehmer der Demonstration
(...) in J._ gefilmt und den Behörden bekannt gewesen sowie – so-
weit nicht aus dem Land geflüchtet – umgebracht worden seien (vgl. SEM
act. 1053825-23/19, F24 ff.) und er laut diesen Aussagen somit das gleiche
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Schicksal zu befürchten gehabt hätte. Lediglich von finanziellen Überle-
gungen geprägt und bar jeglicher Vernunft ist sodann sein Vorbringen, er
habe – im Anschluss an den zweiten Mordversuch – deshalb am (Nennung
Veranstaltung) in O._ teilgenommen, weil er sonst seine Stelle beim
I._ verloren und nicht mehr die finanziellen Möglichkeiten gehabt
hätte, auf dem Luftweg aus Burundi auszureisen. Ebenso realitätsfern ist
die lapidare Aussage des Beschwerdeführers, der sich gemäss Beschwer-
deschrift aufgrund seiner Ausbildung immerhin zur intellektuellen Elite sei-
nes Landes zählt, zu werten, dass er an einer (Nennung Feier) in
P._ teilgenommen habe, weil er davon ausgegangen sei, dass ihm
dort im Rahmen einer (Nennung Feier) in einer weit von der Hauptstadt
entfernten Ortschaft nichts geschehen werde. Dies umso mehr, als er an
der erwähnten (Nennung Feier) nicht bloss teilgenommen, sondern sich
(Nennung Tätigkeit) beteiligt habe (vgl. SEM act. 1053825-13/18, F79,
S. 13). Daran vermag nichts zu ändern, dass laut seinen Angaben in der
Beschwerdeschrift niemand über seine weiteren Schritte im Bild gewesen
sei und er die Leute über die kommende Geburt seines Kindes informiert
habe, weshalb diese geglaubt hätten, er sei noch immer in Burundi und
hege keine Fluchtgedanken, zumal er im Widerspruch dazu anlässlich der
Erstbefragung noch angab, das Organisationskomitee der (Nennung Feier)
in P._ habe den (Nennung Behörde) über sein Kommen informiert
(vgl. SEM act. 1053825-13/18, F79 S. 13).
6.7 Zu der vom SEM bezweifelten Schutzbedürftigkeit infolge seines Ver-
haltens nach der Ankunft in der Schweiz (Nennung Verhalten) entgegnet
der Beschwerdeführer, er habe sich erst nach einer (Nennung Dauer) Re-
konvaleszenz nach F._ und K._ begeben. Er habe es ange-
sichts seines schlechten Gesundheitszustands vorgezogen, während sei-
ner Rekonvaleszenz kein Asylgesuch einzureichen und privat zu logieren.
Danach habe er zunächst seine in F._ und K._ deponierten
(Nennung Dokumente) geholt, da er nach Stellung eines Asylgesuchs in
der Schweiz das Land als Asylbewerber nicht mehr hätte verlassen kön-
nen. Angesichts des dem Beschwerdeführer zweifellos bekannten hohen
Standards der hiesigen medizinischen Infrastruktur und des Umstands,
dass er sich in die Schweiz begeben haben will, um hier um Schutz zu
ersuchen, vermögen seine Erklärungsversuche nicht zu überzeugen. Aus-
serdem wäre es ihm ohne Weiteres möglich gewesen, seine (Nennung Do-
kumente) auf andere Weise als mit einer persönlichen Vorsprache im be-
treffenden Land zu organisieren, beispielsweise durch die Vermittlung ei-
ner Drittperson (vgl. SEM act. 1053825-9/10, Ziff. 5.03; act. 1053825-
13/18, F65).
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6.8 Der Beschwerdeführer vermag daher nicht glaubhaft zu machen, dass
er infolge seiner – vom SEM nicht bestrittenen – Tätigkeit bei der I._
seitens der burundischen Behörden in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise
verfolgt wurde. Die eingereichten Beweismittel vermögen diese Einschät-
zung nicht zu entkräften. Diesbezüglich ist zunächst auf die zutreffende
Einschätzung des SEM im angefochtenen Entscheid (S. 9 Ziff. 2) zu ver-
weisen (so insbesondere hinsichtlich der Ausbildung, der Anstellung und
Kündigung bei der I._, der [Aufzählung weitere Beweismittel]). So-
weit die Unterlagen sodann lediglich als blosse Kopien vorliegen, kann die-
sen aufgrund ihrer leichten Manipulierbarkeit kein rechtserheblicher Be-
weiswert beigemessen werden. Diese Schlussfolgerung gilt grundsätzlich
auch für den im Original eingereichten (Nennung Dokument). Die Vor-
instanz hielt diesbezüglich fest, die Authentizität des Dokuments habe nicht
abschliessend beurteilt werden können, jedoch lägen auch in Berücksich-
tigung der entsprechenden Stellungnahme im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs weiterhin Ungereimtheiten in formeller Hinsicht vor, weshalb nicht da-
von ausgegangen werden könne, das Original des (Nennung Dokument)
stelle ein echtes Dokument dar. Der Beschwerdeführer vermag dieser Ein-
schätzung nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen. Sodann stellt das Ge-
richt fest, dass sich der fragliche (Nennung Dokument) als ein behördenin-
ternes Dokument darstellt, weshalb es als äusserst zweifelhaft zu erachten
ist, dass der Beschwerdeführer in den Besitz dieses Dokuments hätte ge-
langen können. Dazu gab er in seiner Beschwerdeschrift vom 17. Januar
2020 einerseits in pauschaler Weise an, er habe den (Nennung Dokument)
durch einen Mittelsmann mit Kontakten zum (Nennung Behörde) erhältlich
machen können. Andererseits führte er im Rahmen seiner Stellungnahme
zum rechtlichen Gehör vom 14. Dezember 2020 in einem persönlichen
Schreiben Folgendes an: Er habe über einen Freund im Geheimen erfah-
ren, dass (Nennung Dokument) der (Nennung Behörde) übergeben wor-
den sei, zumal er gemäss einem (Nennung Beweismittel) am (...) nach Bu-
rundi hätte zurückkehren sollen. Er habe dann einen weiteren, am (Nen-
nung Ort) arbeitenden einflussreichen Freund gebeten, eine Kopie des
(Nennung Dokument) bei der (Nennung Behörde) zu besorgen und ihm
zuzustellen. Aufgrund dieser unstimmigen Ausführungen vermag der Be-
schwerdeführer nicht glaubhaft darzulegen, wie er effektiv in den Besitz
des besagten (Nennung Dokument) gekommen sei.
Im Weiteren hat der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 8. April 2021 meh-
rere Originaldokumente von bereits eingereichten Kopien ins Recht gelegt,
so (Aufzählung Beweismittel). Diesen (Nennung Beweismittel) kann nach
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Auffassung des Gerichts zum Nachweis der geltend gemachten Verfolgung
keine relevante Beweiskraft beigemessen werden.
Auch wenn dem Beschwerdeführer insoweit beizupflichten ist, dass die
Form des auf den (Nennung Dokumente) angebrachten Stempels noch
keinen Rückschluss auf die Authentizität der Dokumente zulässt und der
vom SEM angeführte "Durchdruck" einer zweiten Unterschrift auf der (Nen-
nung Dokument) nicht per se aufzuzeigen vermag, dass die beiden (Nen-
nung Beweismittel) zeitgleich von der ausstellenden Person signiert wor-
den wären, ist Folgendes festzuhalten: Wie vom SEM zutreffend ausge-
führt hat sich der Beschwerdeführer weder in seiner Beweismitteleingabe
vom 5. Oktober 2020 noch in seinen weiteren Eingaben vor und nach der
Wiederaufnahme des Verfahrens und auch nicht auf Beschwerdeebene
(vgl. persönliche Stellungnahme vom 11. Dezember 2020 im Rahmen des
rechtlichen Gehörs zum Entscheidentwurf; Beschwerde vom 24. Februar
2021; Beweismitteleingabe vom 8. April 2021; Replik vom 8. Juni 2021)
dazu geäussert, wie es ihm genau gelungen ist, die eingereichten (Nen-
nung Dokumente) erhältlich zu machen, was erste Zweifel erweckt. Die
eingereichten "Originale" der besagten (Nennung Beweismittel) erweisen
sich sodann als ein jeweils wiederholt kopiertes Formular geringer Qualität
in der Grösse A5, dessen oberer Rand die gleiche Struktur aufweist, wie
wenn beispielsweise ein A4-Blatt einmal gefaltet und dann von Hand ab-
gerissen wird, und auf welchen mit Kugelschreiber Einträge von Hand vor-
genommen wurden und worauf sich jeweils ein einzelner Nassstempel be-
findet. Sodann erstaunt, dass der von Hand eingefügte Vorname des Be-
schwerdeführers auf den beiden (Nennung Dokumente), die gemäss Un-
terschrift von derselben Person ausgefertigt worden seien, jeweils in unter-
schiedlicher Weise notiert wurde. Überdies wird in beiden (Nennung Doku-
mente) die Wohnadresse des Beschwerdeführers aufgeführt (...) sowie der
Name der Strasse und die Hausnummer. Demgegenüber führte der Be-
schwerdeführer in der PA an, seine Strasse habe keine Anschrift gehabt,
da es ein neues Quartier gewesen sei (vgl. SEM act. 1053825-9/10,
Ziff. 2.01). Da der Beschwerdeführer im (...) seine Heimat letztmals verliess
und die (Nennung Dokumente) vom (...) datieren, ist zudem praktisch aus-
zuschliessen, dass genau in der Zwischenzeit die Strasse benannt und
Hausnummern vergeben worden wären. Der entsprechende Adresszu-
satz, welcher mit Kugelschreiber eingefügt wurde, ist daher als fiktive An-
gabe zu werten. Ausserdem wird als Grund für die Vorladung lediglich (...)
angegeben, was äusserst fragwürdig erscheint, zumal eine solche Abkür-
zung für einen Laien nicht nachvollziehbar ist, richtet sich das Dokument
doch an den Beschwerdeführer selber.
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Die im Original eingereichte (Nennung Beweismittel) über den unbekann-
ten Aufenthalt der (Nennung Verwandte) vom (...) sowie (Nennung Beweis-
mittel) vermögen, da in diesen Dokumenten der Grund für den jeweils un-
bekannten Aufenthalt dieser Personen nicht genannt wird, keinen Beleg für
die geltend gemachte Verfolgungssituation darzustellen. Zur gleichen
Schlussfolgerung kommt das Gericht auch hinsichtlich der Bestätigungen
der H._ vom (...) sowie der S._ vom (...), welche offensicht-
lich auf Verlangen des Beschwerdeführers ausgestellt wurden (...) und sich
nur allgemein zu einer Verfolgung des Beschwerdeführers und dessen Fa-
milie äussern, weshalb sie als blosse Gefälligkeitsschreiben zu qualifizie-
ren sind.
6.9 Aufgrund der als unglaubhaft zu erachtenden Asylvorbringen besteht
vorliegend sodann kein begründeter Anlass zur Annahme, dass der Be-
schwerdeführer bei einer (hypothetischen) Rückkehr nach Burundi mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit oder in absehbarer Zukunft asylrelevanten
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt würde. Es genügt nicht, bloss auf
Vorkommnisse zu verweisen, welche sich früher oder später eventuell er-
eignen könnten, auch wenn sich der Beschwerdeführer in subjektiver Hin-
sicht vor behördlichen Nachteilen gefürchtet haben mag. Weder aus den
Akten noch aus den Vorbringen auf Beschwerdeebene lassen sich objek-
tivierbare Anhaltspunkte für eine solche Annahme entnehmen.
6.10 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine
relevante Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 darzutun oder auch nur
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat demnach die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch ab-
gelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Burundi im
Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG wurde durch das SEM mit der Anordnung der
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vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers wegen Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen, so dass sich Ausführungen zur
Frage der Zulässigkeit sowie der Möglichkeit des Wegweisungsvollzuges
(vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748) erübrigen.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit
Zwischenverfügung vom 5. März 2021 das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung gutgeheissen, weshalb auf die Erhebung von
Verfahrenskosten zu verzichten ist.
10.2 Mit derselben Verfügung wurde ausserdem das Gesuch um amtliche
Verbeiständung gutgeheissen (Art. 102m Abs. 1 AsylG) und dem Be-
schwerdeführer sein Rechtsvertreter als Rechtsbeistand bestellt. Demnach
ist diesem ein amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwendungen im
Beschwerdeverfahren auszurichten. Seitens der Rechtsvertretung wurde
mit der Beschwerdeschrift vom 24. Februar 2021 eine Kostennote und mit
Eingabe vom 8. Juni 2021 eine aktualisierte Kostennote ins Recht gelegt.
Nach letzterer Kostennote belaufen sich die Bemühungen auf 17.5 Stun-
den bei einem Stundenansatz von Fr. 150.–. Zusätzlich werden Auslagen
in der Höhe von Fr. 43.90 aufgeführt. Der gesamte Aufwand sowie der an-
geführte Stundenansatz sind als angemessen zu erachten. Das amtliche
Honorar für den Rechtsvertreter ist somit auf insgesamt Fr. 2668.90 fest-
zusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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