Decision ID: 9db78f87-ace6-435e-8d75-242a790319ed
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Staatsanwaltschaft Kopenhagen gelangte mit Rechtshilfeersuchen vom
19. April 2017, ergänzt am 2. Februar 2018, an die Schweiz und ersuchte
um Herausgabe der bei der Bank B. und Bank C. befindlichen Vermögens-
werte von EUR 7‘988‘000.-- und EUR 91‘800.--, die der geschädigten D. her-
ausgegeben werden sollen. Das Rechtshilfeersuchen richtete sich direkt an
die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Schwyz (nachfolgend „OStA SZ“),
die bereits für die dem Ersuchen vom 19. April 2017 vorangehenden Rechts-
hilfeersuchen zuständig war. Im Ersuchen vom 19. April 2017 wurde ausge-
führt, dass E. und die F. Ltd. im Urteil des Landgerichts Ost vom 22. Dezem-
ber 2014 zur Zahlung von je EUR 9‘367‘932.60 an die D. verurteilt worden
seien. Mit Urteil des Amtsgerichts Kopenhagen vom 1. Juli 2016 sei E. we-
gen besonders schweren Betruges zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wor-
den. Das Amtsgericht Kopenhagen sei zum Schluss gekommen, dass E. und
G. der dänischen Gesellschaft D. durch Straftaten einen Vermögensverlust
in Höhe von DKK 90‘240‘000.-- (was etwa EUR 12‘000‘000.-- entspreche)
verursacht hätten. E. sei im September 2014 in Belgien festgenommen und
im Januar 2016 nach Dänemark ausgeliefert worden. Der Einwand von E.,
der eineiige Zwillingsbruder der Person zu sein, gegen welche die Staatsan-
waltschaft Klage erhoben habe, sei vom Amtsgericht Kopenhagen abgelehnt
worden. Das Landgericht Ost habe im Berufungsurteil vom 15. März 2017
bestätigt, dass E. mit dem Angeklagten identisch sei. Der Einziehungsent-
scheid sei somit rechtskräftig (Verfahrensakten, Urk. 1.0.01, 2.0.13).
B. Am 5. März 2018 setzte Rechtsanwalt H. die OStA SZ darüber in Kenntnis,
dass er E. und die F. Ltd. im Rechtshilfeverfahren RHO 2017 90 CC betref-
fend das dänische Ersuchen vom 19. April 2017 vertrete und ersuchte um
Akteneinsicht (Verfahrensakten, Urk. 4.1.01). Mit Schreiben vom 18. Mai
2018 teilte RA H. der OStA SZ mit, dass die dem Ersuchen beigelegten Ur-
teile noch nicht endgültig seien und dass vor dem „Special Court of Indict-
ment and Revision“ unter der Aktennummer G-102-17 ein Verfahren hängig
sei. Zudem führte er aus, dass sein Mandant E., dessen Aufenthaltsort sich
auf der Krim befinde, mit dem Angeklagten E. nicht identisch sei, und dass
es sich dabei um seinen Zwillingsbruder A. handle, der in Dänemark inhaf-
tiert sei (Verfahrensakten, Urk. 4.1.12). Auf entsprechenden Antrag hin
wurde RA H. als amtlicher Verteidiger von E. bestellt. Mit Schreiben vom
30. August 2018 ersuchte RA H. um Bestätigung, dass er als amtlicher Ver-
teidiger von E., ukrainischer Staatsbürger, wohnhaft auf der Krim, bestellt
worden sei. Falls dies nicht der Fall sei, könne er die Bestellung als amtlicher
Verteidiger wegen eines möglichen Interessenkonfliktes nicht akzeptieren
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(Verfahrensakten, Urk. 4.1.21). In der Folge widerrief die OStA SZ die Be-
stellung von RA H. zum amtlichen Verteidiger von E. (Verfahrensakten,
Urk. 4.1.23).
C. Mit E-Mail vom 7. November 2018 ersuchte A. die OStA SZ sinngemäss um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Rechtshilfeverfahren RHO 2017 90
CC und führte zugleich aus, er sei in Dänemark inhaftiert und sei der Zwil-
lingsbruder von E. (Verfahrensakten, Urk. 4.2.09).
D. Die OStA SZ setzte am 14. November 2018 Rechtsanwältin I. als amtliche
Rechtsbeiständin von E. (alias A.) ein (Verfahrensakten, Urk. 4.3.01). Nach-
dem Rechtsanwalt Marcel Esslinger (nachfolgend „RA Esslinger“) der
OStA SZ am 20. November 2018 anzeigte, von A. mandatiert worden zu
sein, wurde Rechtsanwältin I. mit Verfügung vom 21. November 2018 aus
ihrem Amt als amtliche Rechtsbeiständin entlassen und RA Esslinger wurde
als amtlicher Rechtsbeistand von E. (alias A.) ernannt (act. 1.1).
E. Dagegen liess A., vertreten durch RA Esslinger, bei der Beschwerdekammer
des Bundesstrafgerichts am 3. Dezember 2018 Beschwerde erheben und
folgende Anträge stellen (act. 1):
1. Die Verfügung der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Schwyz im Verfahren
RHO 2017 90 CC datierend vom 21. November 2018 betreffend die Bestellung eines
amtlichen Rechtsbeistands sei wie folgt abzuändern:
- Dispositivziffer 1: Dem Gesuch von A., geb. [...], schwedischer Staatsangehöri-
ger, zurzeit in Haft in Z./DK (Block [...], Zelle-Nr. [...]) um amtliche Rechtsver-
beiständung wird entsprochen.
- Dispositivziffer 2: Rechtsanwältin lic. iur. I. wird aus ihrem Mandat als amtliche
Rechtsbeiständin für A., geb. [...], schwedischer Staatsangehöriger, zurzeit in
Haft in Z./DK (Block [...], Zelle-Nr. [...]) entlassen und für ihre Aufwendungen
mit CHF 200.00 (inkl. MWST) aus der Staatskasse entschädigt.
- Dispositivziffer 3: Rechtsanwalt M.A. HSG Marcel Esslinger wird als amtlicher
Rechtsbeistand für A., geb. [...], schwedischer Staatsangehöriger, zurzeit in Haft
in Z./DK (Block [...], Zelle-Nr. [...]), im erstinstanzlichen Rechtshilfeverfahren
eingesetzt.
2. Das Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Dänemark in Sachen A., Verfah-
ren-Nr. RHO 2017 90 CC der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Schwyz, sei
einstweilen bis zur rechtskräftigen Erledigung des vorliegenden Beschwerdeverfah-
rens zu sistieren.
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3. Dem Beschwerdeführer sei für das vorliegende Beschwerdeverfahren die amtliche
Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwalt M.A. HSG Marcel Esslinger und die un-
entgeltliche Rechtspflege zu bewilligen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu Lasten der Staatskasse.
F. Die Schreiben des Bundesamtes für Justiz (nachfolgend „BJ“) und der
OStA SZ vom 11. und 14. Dezember 2018, worin sie auf die Einreichung
einer Stellungnahme verzichteten, wurden A. am 17. Dezember 2018 zur
Kenntnis gebracht (act. 4-6). Die OStA SZ stellte dem Gericht und RA Ess-
linger am 21. Dezember 2018 unter anderem den Entscheid mit der Akten-
nummer G-102-17 des besonderen Klagegerichts vom 1. Oktober 2018 zu
(act. 7).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, sofern
erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen Dänemark und der Schweiz sind in erster Linie
das Europäische Übereinkommen vom 20. April 1959 über die Rechtshilfe in
Strafsachen (EUeR; SR 0.351.1) und das zweite Zusatzprotokoll vom 8. No-
vember 2001 zum EUeR (ZP II EUeR; SR 0.351.12) massgeblich. Überdies
gelangen die Bestimmungen der Art. 48 ff. des Übereinkommens vom
19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom
14. Juni 1985 (Schengener Durchführungsübereinkommen, SDÜ; ABl. L 239
vom 22. September 2000, S. 19–62) zur Anwendung, wobei die zwischen
den Vertragsparteien geltenden weitergehenden Bestimmungen aufgrund
bilateraler Abkommen unberührt bleiben (Art. 48 Abs. 2 SDÜ; Art. 26 Ab-
sätze 2 und 3 EUeR; ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale
en matière pénale, 4. Aufl. 2014, N. 18-21, 28-40, 77, 109).
Soweit die Staatsverträge und das Zusatzprotokoll bestimmte Fragen weder
ausdrücklich noch stillschweigend regeln, bzw. das schweizerische Landes-
recht geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (sog.
Günstigkeitsprinzip; BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 136 IV 82 E. 3.1;
135 IV 212 E. 2.3; ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en
matière pénale, 4. Aufl. 2014, N. 229), sind das Bundesgesetz vom 20. März
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1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und
die dazugehörige Verordnung vom 24. Februar 1982 (IRSV; SR 351.11) an-
wendbar (Art. 1 Abs. 1 IRSG; BGE 143 IV 91 E. 1.3; 136 IV 82 E. 3.2; 130 II
337 E. 1; vgl. auch Art. 54 StPO). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Men-
schenrechte (BGE 139 II 65 E. 5.4; 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c;
TPF 2008 24 E. 1.1; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 211 ff., 223 ff., 681 ff.).
1.2 Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten
sind zudem die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz,
VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 12 Abs. 1 IRSG, Art. 39 Abs. 2 lit. b
i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die
Organisation des Strafbehörden des Bundes [Strafbehördenorganisations-
gesetz, StBOG; SR 173.71]).
2.
2.1 Gemäss Art. 25 Abs. 1 IRSG unterliegen erstinstanzliche Verfügungen der
kantonalen Behörden und der Bundesbehörden, soweit das Gesetz nichts
anderes bestimmt, unmittelbar der Beschwerde an die Beschwerdekammer
des Bundesstrafgerichts. Im Bereich der kleinen Rechtshilfe sieht das IRSG
vor, dass die Verfügung der ausführenden kantonalen Behörde oder der aus-
führenden Bundesbehörde, mit der das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen
wird, zusammen mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der Be-
schwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts unterliegt
(Art. 80e Abs. 1 IRSG).
Der Schlussverfügung vorangehende Zwischenverfügungen können nur
ausnahmsweise selbständig angefochten werden, nämlich dann, wenn sie
durch die Beschlagnahme von Vermögenswerten und Wertgegenständen
oder durch die Anwesenheit von Personen, die am ausländischen Prozess
beteiligt sind, einen unmittelbaren und nicht wiedergutzumachenden Nach-
teil bewirken (Art. 80e Abs. 2 lit. a und b IRSG). Die Aufzählung der selb-
ständig anfechtbaren Zwischenverfügungen ist gemäss bundesgerichtlicher
Auslegung grundsätzlich abschliessend (BGE 126 II 495). Die Frist gegen
die Schlussverfügung beträgt 30 Tage, gegen die Zwischenverfügung zehn
Tage ab der schriftlichen Mitteilung der Verfügung (Art. 80k IRSG).
2.2 Die hier angefochtene Verfügung schliesst weder das Rechtshilfeverfahren
ab noch ist sie eine selbständig anfechtbare Zwischenverfügung i.S.v.
Art. 80e Abs. 2 IRSG. Es handelt sich um eine Zwischenverfügung, die nur
zusammen mit der Schlussverfügung angefochten werden kann. Mangels
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eines zulässigen Anfechtungsobjekts ist auf die vorliegende Beschwerde
nicht einzutreten. Bei diesem Ergebnis bedarf es keiner Sistierung des Ver-
fahrens, weshalb der entsprechende Antrag des Beschwerdeführers abzu-
weisen ist.
3.
3.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hätte der Beschwerdeführer die Ge-
richtskosten zu tragen. In seiner Beschwerde ersucht er um unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung (act. 1).
3.2 Die Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderlichen
Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern
ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und bestellt
dieser einen Anwalt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist
(Art. 65 Abs. 2 VwVG). Diese Regelung ist Ausfluss von Art. 29 Abs. 3 BV.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Prozessbegehren
als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich gerin-
ger erscheinen als die Verlustgefahren. Dagegen gilt ein Begehren nicht als
aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr
die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend
ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger
Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde (BGE 139 III 475 E. 2.2
S. 476 f.; 139 III 396 E. 1.2; 138 III 217 E. 2.2.4).
3.3 Die vorliegende Beschwerde ist als aussichtslos zu bezeichnen. Folglich ist
das Gesuch RP.2018.61 bereits aus diesem Grund abzuweisen. Die Ge-
richtsgebühr ist unter der Berücksichtigung der besonderen Situation des
Beschwerdeführers auf Fr. 400.-- festzusetzen und dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen (Art. 8 Abs. 3 des Reglement des Bundesstrafgerichts vom
31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-
desstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162] i.V.m. Art. 63 Abs. 5 VwVG).
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