Decision ID: 41cc1156-1307-515a-b2f0-9337e39725eb
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im September 2002 wegen einer Kniearthrose,
Rückenbeschwerden und einem Diabetes mellitus bei der IV-Stelle des Kantons
Aargau erstmals zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
(Berufsberatung, Umschulung, Arbeitsvermittlung) an (IV-act. 4). Er gab an, er habe
eine Lehre als Verkäufer und eine Ausbildung als B._ absolviert. Später habe er als
B._ bei der C._ sowie als Lastwagenchauffeur bei der D._ gearbeitet. Die
Rehaklinik E._ berichtete am 9. Oktober 2002 (IV-act. 6), der Versicherte leide an
einem rezidivierenden Lumbovertebralsyndrom bei einer Fehlhaltung/Fehlform der
Wirbelsäule und einer muskulären Dysbalance mit beginnenden degenerativen
Veränderungen in der Form von Osteochondrose und Spondylose, einer beidseitig
beginnenden Gonarthrose, einem Diabetes mellitus und einer arteriellen Hypertonie.
Die IV-Stelle des Kantons Aargau gewährte dem Versicherten berufliche
Eingliederungsmassnahmen (Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche,
berufliche Abklärung, IV-act. 10, 17), die sie mit einer Verfügung vom 12. Februar 2004
abschloss (IV-act. 28). Die dagegen erhobene Einsprache wies sie am 29. Oktober
2004 ab (IV-act. 37). Dieser Einspracheentscheid erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
B.
Im September 2005 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle des Kantons
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St. Gallen erneut zum Leistungsbezug an (Umschulung, Arbeitsvermittlung, IV-act. 56).
Er gab an, es seien neue gesundheitliche Probleme aufgetreten. Die IV-Stelle trat mit
einer Verfügung vom 5. Januar 2006 auf das Begehren nicht ein (IV-act. 68). Zur
Begründung gab sie an, der Versicherte habe keine neuen Tatsachen geltend gemacht,
welche eine Veränderung der bisherigen vollen Arbeitsfähigkeit in einer
leidensadaptierten Tätigkeit begründen würden. Die dagegen erhobene Einsprache
wies sie am 31. Mai 2006 ab (IV-act. 73). Das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen wies die gegen den Einspracheentscheid erhobene Beschwerde am 5. Juli
2006 ab (IV 2006/112, IV-act. 83). Die dagegen erhobene
Verwaltungsgerichtsbeschwerde wurde vom Bundesgericht am 19. Februar 2007
abgewiesen (I 628/06, IV-act. 91).
C.
Der Versicherte meldete sich im Oktober 2015 wegen einer Fussverletzung und
eines Diabetes mellitus erneut bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Leistungsbezug an (IV-act. 94). Er gab an, er sei seit dem 24. April 2015 arbeitsunfähig
(Arbeitsunfähigkeitsgrad schwankend zwischen 50 und 100%). Seit November 2013
arbeite er in der Z._ bei der C._ mit einem Pensum von 20-40%. Die IV-Stelle
ersuchte den Versicherten am 29. Oktober 2015, Unterlagen einzureichen, um
glaubhaft zu machen, dass sich der Sachverhalt in einer für den Anspruch auf
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen erheblichen Weise geändert habe (IV-
act. 98). Am 17. November 2015 ging ein Bericht des Hausarztes Dr. med. F._,
Facharzt FMH Innere Medizin, vom Vortag ein (IV-act. 100). Dr. F._ hatte angegeben,
der Versicherte sei aufgrund eines OSG-Supinationstraumas vom 24. April 2015 (recte:
23. April 2015, vgl. Fremdakten-act. 5-157, 5-211) immer noch arbeitsunfähig. Er hatte
mehrere Berichte beigelegt. Fachärzte der Klinik Y._ hatten am 18. Juni 2015
berichtet (IV-act. 101), der Versicherte habe am 23. April 2015 eine OSG-Distorsion
links bei einem St. n. fibulotalarer Bandplastik links 2007 erlitten. Eine Fraktur sei
ausgeschlossen worden. Nach sieben Wochen persistierten die Beschwerden. Am
26. Juni 2015 hatten dieselben Fachärzte angegeben (IV-act. 102), in einem MRI vom
22. Juni 2015 sei eine Ruptur des linken Ligamentum calcaneo-fibulare festgestellt
worden. Am 13. August 2015 war eine Infiltration am OSG links durchgeführt worden
(IV-act. 103). Fachärzte derselben Klinik hatten am 16. September 2015 mitgeteilt (IV-
act. 104), die OSG-Infiltration habe nicht den gewünschten Effekt gebracht; es sei
C.a.
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davon auszugehen, dass die Schmerzursache nicht im Bereich des OSG liege. Eine
Zweitmeinung durch einen Kreisarzt der Suva sei sinnvoll. In der angestammten
Tätigkeit als B._ könne der Versicherte zurzeit nicht arbeiten. Der Versicherte habe
angegeben, seit der Infiltration sei der Zucker sehr hoch. Am 7. Oktober 2015 hatte Dr.
med. G._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
Fusschirurgie, von der Klinik H._ angegeben (IV-act. 105), es bestünden sehr starke
Druckschmerzen im Bereich des antero-lateralen Kapselbandapparates sowie leichte
Dysästhesien im Bereich der Grosszehe im Sinne einer Polyneuropathie bei einem
bekannten Diabetes mellitus. Am 27. Oktober 2015 hatte Dr. G._ berichtet (IV-
act. 107), im Spect-CT und in den MRI-Aufnahmen hätten sich keine federführenden
Hinweise gezeigt. Er empfehle deshalb das Ausschlussverfahren mittels
Infiltrationsdiagnostik. In der Untersuchung vom Vortag habe er eine Infiltration in das
OSG durchgeführt. Dr. med. I._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am
23. November 2015 (IV-act. 109), der Gesundheitszustand des Versicherten sei noch
nicht stabil. Die IV-Stelle teilte dem Versicherten gleichentags mit (IV-act. 111), zurzeit
seien keine beruflichen Massnahmen möglich.
In einem Arbeitgeberbericht gab die C._ AG am 9. Dezember 2015 an (IV-act.
112), der Versicherte sei seit November 2013 als B._ tätig. Vor Eintritt des
Gesundheitsschadens habe er ein bis zwei Tage pro Woche gearbeitet. Zurzeit arbeite
er drei Stunden pro Woche zu einem Stundenlohn von Fr. 31.77 brutto.
C.b.
Am 6. April 2016 gingen bei der IV-Stelle Akten der Suva ein (IV-act. 130). Die
Suva-Kreisärztin Dr. med. J._ hatte am 28. September 2015 berichtet (Fremdakten-
act. 5-102 ff.), im Bereich des linken oberen Sprunggelenkes bestehe eine
persistierende Instabilität. Gesamthaft liege noch kein Endzustand vor. Eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit, die ausschliesslich
gehend und stehend ausgeübt werde, sei nachvollziehbar. Zurzeit arbeite der
Versicherte zweimal zwei bis zweieinhalb Stunden pro Woche im Innendienst. Am
17. Dezember 2015 hatte Dr. G._ mitgeteilt (Fremdakten-act. 5-65), die Infiltration
habe die Beschwerdesymptomatik nur geringfügig verbessert. Am 17. Februar 2016
war die Lohnabrechnung der C._ AG für den Monat Januar 2016 eingegangen. Laut
dieser Abrechnung hatte der Versicherte bei einem 30%-Pensum Fr. 1'341.85 brutto
verdient. Der Jahresbruttolohn hatte Fr. 17'444.-- betragen. Der Versicherte war per
C.c.
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1. Januar 2016 neu im Monatslohn angestellt worden (Fremdakten-act. 5-37 ff.). Die
RAD-Ärztin Dr. I._ notierte am 18. April 2016 (IV-act. 131), der Gesundheitszustand
des Versicherten sei noch nicht stabil.
Im Juli 2016 gingen weitere Akten der Suva ein (vgl. IV-act. 134). Dr. G._ hatte
am 4. April 2016 berichtet (Fremdakten-act. 8), es bestünden weiterhin eine starke
Instabilität und antero-laterale Schmerzen im OSG. Er empfehle ein operatives
Vorgehen. Am 9. Mai 2016 war der Versicherte von Dr. G._ am OSG links operiert
worden (Arthroskopie und antero-laterales Débridement OSG links,
Exostosenabtragung Tibiavorderkante und laterale Talusschulter, Rekonstruktion des
LTFA und CFL mittels Broström-Gould, Fremdakten-act. 17-3). Dr. G._ hatte eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit bis zum 29. August 2016 attestiert (Fremdakten-act.
19-2). Die RAD-Ärztin Dr. med. K._ notierte am 15. August 2016 (IV-act. 135), der
Gesundheitszustand sei wahrscheinlich noch instabil. Für sitzende Tätigkeiten sei ein
Eingliederungspotential anzunehmen.
C.d.
Dr. F._ berichtete am 19. August 2016 (IV-act. 136), der Versicherte leide an
persistierenden Fussschmerzen bei einem OSG Supinationstrauma links, an einem
neuropathischen Schmerz thorakal links nach einem Zoster im Februar 2016, an einem
Diabetes mellitus Typ II und an einem rezidivierenden lumbovertebralen Syndrom. Der
Versicherte sei am 9. Mai 2016 von Dr. G._ am Sprunggelenk operiert worden. Auch
nach der Operation sei der Verlauf sehr schleppend gewesen mit persistierenden
Schmerzen und einem Wundinfekt. Die neuropathischen Schmerzen thorakal links
hätten sich im Verlauf gebessert. Auch der initial schlecht eingestellte Diabetes mellitus
habe sich verbessert. Die Wunde im Bereich des OSG linksseitig sei zurzeit reizlos;
lokal bestehe jedoch eine deutliche Druckdolenz. Aufgrund der Schmerzen im Fuss
könne der Versicherte nur eingeschränkt gehen; er sei, auch infolge der Operation, bis
im August 2016 auf Stöcke angewiesen gewesen. In der angestammten Tätigkeit als
B._ sei der Versicherte zurzeit arbeitsunfähig. Ab September sei er in einer
adaptierten Tätigkeit allenfalls wieder einsetzbar, wahrscheinlich jedoch nur in einer
sitzenden Tätigkeit. Der Verlauf müsse abgewartet werden. Dr. F._ legte mehrere
Arztberichte von Dr. G._, einen Bericht der Klinik X._ vom 29. April 2016 und einen
Bericht von Dr. med. L._, FMH Innere Medizin und FMH Endokronologie/
Diabetologie, vom 18. März 2016 bei. Die RAD-Ärztin Dr. K._ notierte am 25. August
C.e.
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2016 (IV-act. 138), der postoperative Verlauf nach dem OSG-Eingriff mit
Bänderrekonstruktion gestalte sich protrahiert und sei durch einen Wundinfekt
beeinträchtigt gewesen. Auch der initial schlecht eingestellte Diabetes mellitus dürfte
sich ungünstig auf den Heilungsverlauf ausgewirkt haben. Es bestehe noch ein
deutlicher Rehabilitationsbedarf. Anzunehmen sei, dass sich die anhaltenden
neuropathischen Schmerzen an der linken Thoraxwand nicht erheblich auf die
Arbeitsfähigkeit auswirken würden. In der Tätigkeit als B._ sei keine Arbeitsfähigkeit
ausgewiesen. Für adaptierte, überwiegend sitzende Tätigkeiten liege bei einer
Arbeitsfähigkeit von 50% steigerbar ein Eingliederungspotential vor. Am 22. September
2016 fand ein Assessementgespräch mit dem Versicherten statt. Die
Eingliederungsverantwortliche hielt fest (IV-act. 148), der Versicherte würde gerne
wieder arbeiten und fühle sich für eine sitzende Tätigkeit arbeitsfähig. Er sei seit dem
1. Januar 2016 zu einem 35%-Pensum bei C._ fest angestellt. Er habe zu einem
höheren Pensum arbeiten wollen, aber C._ habe nicht mehr Arbeit. Nach dem Unfall
habe er im Innendienst W._ zusammenstellen können. Dies gehöre grundsätzlich in
das normale Tätigkeitsprofil eines B._. Leider gehe dies nicht auf Dauer. In Bezug auf
die gesundheitlichen Beschwerden gab der Versicherte unter anderem an, dass er
wegen des Diabetes mellitus in beiden Augen eine Makuladegeneration habe und
deshalb regelmässig Spritzen in die Augen benötige. Am 4. Oktober 2016 fand ein
Round-Table mit dem Arbeitgeber des Versicherten statt (IV-act. 150). Dieser ergab,
dass langfristig keine Möglichkeit bestehe, den Versicherten in einer adaptierten
Tätigkeit zu beschäftigen.
Dr. F._ berichtete am 31. Januar 2017 (IV-act. 152), der Versicherte klage trotz
einer intensiven Physiotherapie und diversen Abklärungen (Angiologie, Neurologie und
Rückenorthopädie) über Schmerzen im Bereich des Sprunggelenkes linksseitig. Er
könne den Fuss nur wenig belasten. In einer sitzenden Tätigkeit mit einer Entlastung
des linken Fusses sei eine Tätigkeit zu einem Pensum von 50 bis 100% zumutbar.
Dr. F._ legte verschiedene Arztberichte bei. Fachärzte der Klinik X._ hatten am
10. Mai 2016 angegeben (IV-act. 152-20), der Versicherte leide seit einiger Zeit unter
Kribbelparästhesien, Hypästhesien und Dysästhesien vor allem an der Fusssohle und
am Zehenballen links, wenig auch am Fussrücken links. Zum Zeitpunkt der
Untersuchung sei die Dys-/Hypästhesie am Fussrücken links nicht objektivierbar
C.f.
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gewesen. Die Untersuchung habe eine leichte, axonale, längenabhängige,
sensomotorische Polyneuropathie gezeigt. Ein Anhaltspunkt für eine lokale Schädigung
des N. peroneus sowie des N. tibialis im Fussbereich habe sich nicht ergeben.
Dr. G._ hatte am 18. Oktober 2016 mitgeteilt (IV-act. 152-18), die
Beschwerdesymptomatik (wohl in Bezug auf das am 9. Mai 2016 operierte
Sprunggelenk) habe sich verbessert. Weiterhin hätten sich Schmerzen und
Dysästhesien im Bereich der Narbe, hier auch mit einer deutlichen Veränderung der
Narbe selber, gezeigt. Am 30. November 2016 hatte er festgehalten (IV-act. 152-16),
die Narbensituation habe sich verbessert. Der Versicherte habe über vermehrte Stürze
berichtet und eine Dysästhesie für die gesamte linke untere Extremität, vor allem auch
im Unterschenkel und Fuss, beschrieben. Fachärzte der Klinik V._ hatten am
14. Dezember 2016 berichtet (IV-act. 152-11), eine vaskuläre Ursache der
Schmerzsymptomatik und der Kribbelparästhesien im Bereich des linken Fusses habe
ausgeschlossen werden können. Bei einem langjährigen Diabetes mellitus sowie einer
Mediasklerose Mönckeberg und Wundheilungsstörungen sei von einer
Mikroangiopathie auszugehen. Die Hypästhesien im Bereich der Vorfüsse und
gegebenenfalls auch die Kribbelparästhesien seien am ehesten neuropathisch bedingt.
Dr. med. M._ vom Wirbelsäulenzentrum der Klinik H._ hatte am 16. Januar 2017
mitgeteilt (IV-act. 152-6), ein MRI habe eine geringgradige Facettengelenksarthrose
L4/5 sowie eine mässiggradige Osteochondrose L5/S1 mit einer
Facettengelenksarthrose gezeigt. Sie habe zur diagnostischen Intervention die unteren
Facettenetagen infiltriert. Am gleichen Tag hatte eine Fachärztin der U._ angegeben
(IV-act. 152-7), sie habe in Bezug auf das rechte Auge eine schwere, nicht proliferative
diabetische Retinopathie mit einem klinisch signifikanten Makulaödem mit einem
Status nach 3x IVI von Lucentis und in Bezug auf das linke Auge eine proliferative
diabetische Retinopathie mit einem klinisch signifikanten Makulaödem mit einem
Status nach 6x IVI von Lucentis und einem Status nach pan-ALK diagnostiziert. Der
Visus rechts betrage 73 Buchstaben (dies entspreche 0.625) und links 59 Buchstaben
(dies entspreche 0.32). Die RAD-Ärztin Dr. K._ notierte am 3. Februar 2017 (IV-
act. 154), nach einem wiederum langwierigen Heilungsverlauf nach der OSG-
Arthroskopie im Mai 2016 habe sich die Narbensituation am linken Fuss deutlich
verbessert. Die anhaltenden Hyp- und Kribbelparästhesien seien am ehesten als
neuropathisch gedeutet worden. In einer adaptierten Tätigkeit mit einer Entlastung des
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linken Fusses (sitzend, wechselbelastend mit intermittierendem Hochlagern) bestehe
per sofort ein Eingliederungspotential. Die Arbeitsfähigkeit könne mit 50% beginnend
im Verlauf auf etwa 80% gesteigert werden. Zusätzlich zu beachten sei, dass keine
Nacht- oder Schichtarbeit zu leisten sei und keine besonderen Anforderungen an das
Sehvermögen bestünden. Dr. G._ gab am 12. April 2017 an (IV-act. 159), aufgrund
der deutlichen Wundprobleme sei damit zu rechnen, dass die Tätigkeit als B._ nicht
mehr möglich sei. Er empfehle eine stehende-sitzende-laufende Tätigkeit. Am
15. Februar 2017 hatte Dr. G._ berichtet (IV-act. 159-3), es bestehe weiterhin eine
deutlich aufgetriebene Narbe mit Schmerzen in diesem Bereich. Die Beweglichkeit des
OSG sei gut und die Verhältnisse seien stabil.
Die RAD-Ärztin Dr. K._ notierte am 19. April 2017 (IV-act. 161), in der
angestammten Tätigkeit als B._ liege dauerhaft keine Arbeitsfähigkeit mehr vor. In
einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne das Gehen in unebenem
Gelände, ohne besondere Anforderungen an das Sehvermögen und ohne Nacht- oder
Schichtarbeit betrage die Arbeitsfähigkeit etwa 80%.
C.g.
Am 11. Mai 2017 gingen weitere Akten der Suva ein (IV-act. 166). Am 29. März
2017 hatte eine kreisärztliche Untersuchung stattgefunden. Der Suva-Kreisarzt Dr.
med. N._ hatte gleichentags berichtet (Fremdakten-act. 105), die Beweglichkeit des
OSG und die Stabilität seien als gut zu werten. Ein spezielles Augenmerk müsse auf die
immer wieder instabile Operationsnarbe gelegt werden. Mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit könne von weiteren Operationen im Sprunggelenksbereich auf der
linken Seite keine Verbesserung mehr erwartet werden; der Endzustand sei erreicht. In
der angestammten Tätigkeit als B._ könne der Versicherte nicht mehr arbeiten. Es
werde daher ein Zumutbarkeitsprofil formuliert: Das Heben und Tragen von Lasten
solle nur leicht sein. Das Heben über Brusthöhe dürfe fünf Kilogramm nicht
überschreiten. Arbeiten über Kopfhöhe sollten nicht durchgeführt werden,
Rotationsarbeiten im Sitzen seien jedoch möglich. Das Sitzen könne vorgeneigt sein,
ebenso das Stehen. Die länger dauernde Haltung sollte auf das Sitzen fokussiert sein
(75:25). Arbeiten, welche rezidivierendes Knien oder Kniebeugen erforderten oder
Schläge auf die linke untere Extremität, speziell im Knöchelbereich, generierten, dürften
nicht durchgeführt werden. Das Gehen bis 50m sei frei, das Gehen über 50m solle nur
manchmal durchgeführt werden. Das Gehen über lange Strecken solle nicht
C.h.
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durchgeführt werden. Auf das Gehen in unebenem Gelände sei zu verzichten. Das
Treppensteigen sei nicht eingeschränkt, Leitern sollten aber nur selten bestiegen
werden. Dabei sei zu beachten, dass der Versicherte nichts in den Händen trage.
Beidhändige Arbeiten könnten im Sitzen durchgeführt werden. Arbeiten, welche das
Gleichgewicht oder Balancieren erforderten, dürften nicht durchgeführt werden.
Zeitliche Einschränkungen bestünden nicht. Er hatte also eine vollständige
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit attestiert. Die RAD-Ärztin Dr. K._
notierte am 24. Mai 2017 (IV-act. 166), im Vergleich zur Arbeitsfähigkeitsschätzung der
kreisärztlichen Untersuchung habe sie in der Stellungnahme vom 19. April 2017
zusätzlich die Einschränkungen durch den Diabetes mellitus mit einer Polyneuropathie
und einer Mikroangiopathie berücksichtigt, wodurch sich die Arbeitsfähigkeit in
adaptierten Tätigkeiten gesamthaft etwas vermindere. Das formulierte adaptierte
Tätigkeitsprofil entspreche auch den Konditionen bei Rückenbeschwerden, so dass
keine weitere Anpassung erforderlich sei. An der Arbeitsfähigkeitsschätzung vom
19. April 2017 sei festzuhalten.
Dr. G._ teilte am 10. August 2017 mit (IV-act. 170-7), der Versicherte habe erneut
Wundheilungsprobleme und eine Hyperkeratose im Narbengebiet. Diese
Hyperkeratosen träten spontan auf und es komme zu erneuten offenen Wunden.
Derzeit sei die Wunde geschlossen. Der Versicherte habe in diesem Wundgebiet starke
Schmerzen, teilweise schwelle auch das Gelenk selber an. Laufen und stehende
Arbeiten mit schwererem Heben seien nicht mehr möglich. Vorwiegend leichte Arbeiten
im Sitzen könnten noch durchgeführt werden. Der Versicherte sei zur Zweitmeinung in
das T._ überwiesen worden.
C.i.
Mit einer Verfügung vom 30. November 2017 wies die IV-Stelle, nach der
Durchführung eines Vorbescheidverfahrens, das Begehren um berufliche Massnahmen
ab (IV-act. 176). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.j.
Am 28. März 2018 teilte die IV-Stelle mit (IV-act. 186), dass sie vorsehe, das
Begehren um eine Invalidenrente abzuweisen. Zur Begründung gab sie an, die
Abklärungen hätten ergeben, dass in der angestammten Tätigkeit als B._ keine
Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. In einer körperlich leichten, wechselbelastenden
Tätigkeit ohne das Gehen in unebenem Gelände, ohne besondere Anforderungen an
C.k.
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das Sehvermögen sowie ohne Nacht- oder Schichtarbeit bestehe eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit. Bei einer Verwertung dieser Arbeitsfähigkeit sei es dem Versicherten
möglich, auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt ein Einkommen von
Fr. 48'843.-- zu erzielen (LSE-Tabelle des Bundesamts für Statistik). Das Einkommen
ohne gesundheitliche Beeinträchtigung betrage Fr. 58'147.--. Aus dem
Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 16%. Der Versicherte erhob
am 15. Mai 2018 einen Einwand (IV-act. 188). Er beantragte die Aufhebung des
Vorbescheids vom 28. März 2018, die Durchführung zusätzlicher medizinischer
Abklärungen, die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 30. November
2017 und die Zusprache beruflicher Massnahmen sowie die erneute Prüfung des
Rentenanspruchs gestützt auf die medizinischen Abklärungen. In der Begründung
führte er aus, der Einwand werde in erster Linie erhoben, um die Wiedereingliederung
in den Arbeitsmarkt zu beantragen. Er machte dementsprechend Ausführungen zur
Wiedererwägung der Verfügung vom 30. November 2017 und zum Anspruch auf
berufliche Massnahmen. Insbesondere brachte er vor, dass die Verfügung vom
30. November 2017 offensichtlich unrichtig sei. In Bezug auf den Rentenanspruch
machte er im Wesentlichen geltend, die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. G._ vom
10. August 2017, laut der er (der Versicherte) lediglich noch sitzende Tätigkeiten
ausüben könne, lasse das lumbovertebrale Schmerzsyndrom unberücksichtigt. Eine
Rückenoperation komme wegen dem Diabetes mellitus nicht in Frage. Eine
ausschliesslich sitzende Tätigkeit sei aufgrund der Rückendiagnose nicht oder nur
eingeschränkt zumutbar. Im gleichen Bericht habe Dr. G._ ausserdem vermerkt, dass
im T._ eine Zweitmeinung betreffend das OSG eingeholt werde. Zu diesem Zeitpunkt
sei der Gesundheitszustand also noch nicht stabil gewesen. Die IV-Stelle habe trotz
Kenntnis dieser Untersuchung keinen entsprechenden Bericht eingeholt. Im Herbst
2017 sei eine weitere Revision des OSG erfolgt mit dem Ziel, die Wundheilung zu
verbessern. Diese habe sich zwar vorübergehend verbessert, zwischenzeitlich öffne
sich die Wunde jedoch wieder. Er habe zudem kein Gefühl mehr im grossen Zehen,
was zu Gangunsicherheiten führe. Was die Retinopathie betreffe, so hätten die Ärzte
festgestellt, dass die Spritzen keine Verbesserung, sondern nur eine Stabilisierung
bringen würden. Dies sei von der IV-Stelle nicht berücksichtigt worden. Obschon ein
äusserst komplexes Beschwerdebild bestehe, habe die IV-Stelle keine polydisziplinäre
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit angeordnet und sich stattdessen auf die Beurteilung
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D.
durch den Suva-Kreisarzt gestützt. Dieser habe aber nur die Einschränkungen in Bezug
auf das OSG berücksichtigt. Weitergehende Abklärungen aufgrund des Diabetes
mellitus, der Retinopathie, des lumbovertebralen Schmerzsyndroms und der nach wie
vor nicht heilenden Wunde am OSG seien nicht erfolgt. Die vorhandenen Berichte seien
daher unvollständig und liessen keine umfassende (polydisziplinäre), schlüssige
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit zu. Aus dem Vorbescheid
gehe nicht hervor, auf welche Berufskategorie und welche LSE sich die IV-Stelle beim
Invalideneinkommen abstütze. Betreffend das Valideneinkommen sei offen, ob die
Nominallohnentwicklung berücksichtigt worden sei und, falls ja, bis zu welchem Jahr.
Am 17. Mai 2018 führte die IV-Stelle aus (IV-act. 189), nach Art. 53 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1) könne der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig seien und wenn
ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung sei. Der Entscheid über die Vornahme der
Wiedererwägung sei in das Ermessen des Versicherungsträgers gestellt. In Bezug auf
die Verfügung vom 30. November 2017 seien diese Voraussetzungen nicht erfüllt.
C.l.
Mit einer Verfügung vom 15. Juni 2018 wies die IV-Stelle das Begehren um eine
Invalidenrente ab (IV-act. 190). Zum Einwand hielt sie fest, das Valideneinkommen sei
für das Jahr 2016, dem frühesten Anspruch auf eine Rentenleistung, berechnet
worden. Diesem sei die Lohnabrechnung der C._ AG für den Monat Januar 2016
zugrunde gelegt worden. Beim Invalideneinkommen werde auf den Anhang 2 der IV
Ausgabe 2018 (herausgegeben durch die Informationsstelle AHV/IV), 2016,
Kompetenzniveau 1, Männer, abgestellt. Neue medizinische Unterlagen, welche eine
andere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ermöglichen könnten, seien keine eingereicht
worden. An der Arbeitsfähigkeitsschätzung durch den RAD sei festzuhalten.
C.m.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob am 16. August 2018 eine
Beschwerde (act. G 1). Er beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 15. Juni 2018,
die Durchführung zusätzlicher medizinischer Abklärungen und gestützt darauf die
erneute Prüfung von beruflichen Massnahmen und des Rentenanspruchs. Ergänzend
zum Einwand gegen den Vorbescheid machte er im Wesentlichen geltend, die IV-Stelle
D.a.
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(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) stütze sich in der Hauptsache auf die Unfallakten
sowie auf die Stellungnahme des RAD. Dessen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
könne jedoch nicht nachvollzogen werden. Am 25. August 2016 sei der RAD von einer
50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen, die in der Folge auf 80% gesteigert werden
könne. Unter welchen Voraussetzungen und Therapien und innerhalb welchen
Zeitraums eine solche Steigerung realisiert werden solle, gebe der RAD nicht an. Die
vom RAD hypothetisch angenommene Verbesserung des Gesundheitszustands bzw.
Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei gar nie eingetreten. Die Beschwerdegegnerin
vermöge daher nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachzuweisen, dass er zu 80% in einer angepassten Tätigkeit arbeiten könnte. Folglich
seien weitere medizinische Abklärungen notwendig. Der Anspruch auf eine
Umschulung sei zu Unrecht verneint worden. Nach erfolgter Abklärung seien daher
auch die beruflichen Massnahmen nochmals zu prüfen. Am 10. Oktober 2018 reichte
der Beschwerdeführer Berichte der Klinik Y._ betreffend eine am 29. September
2017 durchgeführte Operation am OSG links (spindelförmige Wundexzision, Neurolyse
eines Nervenastes) ein (act. G 4, 4.1). Fachärzte hatten am 17. Oktober 2017 berichtet
(act. G 4.3), im Bereich des distalen Wundrandes habe sich eine minime blutig seröse
Sezernierung gezeigt. Am 12. Dezember 2017 hatten sie angegeben an (act. G 4.4), im
Bereich der Wunde komme es erneut zu einer hypertrophen Narbenbildung ohne eine
Sezernierung auf Druck.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 26. November 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, sie habe ihren
Entscheid in der Verfügung vom 15. Juni 2018 auf durch den RAD gewürdigte, selbst
eingeholte Berichte der behandelnden Ärzte sowie auf den kreisärztlichen
Untersuchungsbericht der Suva vom 29. März 2017 gestützt. Der RAD habe in seinen
Stellungnahmen in Übereinstimmung mit den behandelnden Ärzten und dem Kreisarzt
der Suva die Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer adaptierten Tätigkeit
festgelegt. Dabei seien die zusätzlichen Einschränkungen durch den Diabetes mellitus
Typ II mit einer Polyneuropathie und einer Mikroangiopathie angemessen
berücksichtigt worden. Bezüglich des Augenleidens sei im Tätigkeitsprofil angegeben
worden, dass keine besonderen Anforderungen an das Sehvermögen gestellt werden
dürften. Aus den Akten ergäben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass weitere
D.b.
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Abklärungen notwendig wären. Selbst der Hausarzt Dr. F._ betrachte die
Augenprobleme nicht als die Arbeitsfähigkeit einschränkend. Die vom
Beschwerdeführer am 10. Oktober 2018 eingereichten Berichte seien dem RAD zur
Stellungnahme vorgelegt worden. Der RAD habe am 24. Oktober 2018 festgehalten
(vgl. act. G 8.1), eine Narbenrevision sei durchgeführt und ein Neurom sei entfernt
worden. Die Wunde sei unter erneuter Ausbildung von übermässigem Narbengewebe
verheilt, was auf die Funktion des klinisch stabilen OSG keinen Einfluss habe. Falls die
Narbe beim Tragen geschlossener Schuhe weiterhin als störend empfunden werde,
empfehle sich eine entsprechende Zurichtung/Polsterung des Schuhwerks. Die
vorgebrachte verzögerte Wundheilung und die persistierenden Missempfindungen am
Fuss veränderten die Arbeitsfähigkeitsschätzung somit nicht. Der Beschwerdeführer
habe beantragt, nach erfolgter Abklärung seien die beruflichen Massnahmen nochmals
zu prüfen. Die Verfügung vom 30. November 2017 sei nicht angefochten worden. Die
beruflichen Massnahmen bildeten somit nicht Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens betreffend eine Invalidenrente.
Der Beschwerdeführer machte in der Replik vom 15. Januar 2015 im Wesentlichen
ergänzend geltend (act. G 10), der RAD habe sich in der Stellungnahme vom
24. Oktober 2018 ausschliesslich zu den Beschwerden am OSG geäussert. Nach wie
vor blieben die anderen Diagnosen, insbesondere das stark eingeschränkte
Sehvermögen und die Rückenbeschwerden, bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
unberücksichtigt. Auf den Stellungnahmen des RAD sei die fachärztliche Ausrichtung
nicht vermerkt. Fraglich sei, ob die RAD-Ärztin qualifiziert sei, eine schlüssige
Beurteilung vorzunehmen. In der Stellungnahme des RAD vom 24. Mai 2017, auf
welche die Beschwerdegegnerin ihren ablehnenden Entscheid abgestützt habe, habe
der RAD festgehalten, dass das von der Suva formulierte Zumutbarkeitsprofil (leichte
Tätigkeit in Wechselbelastung mit überwiegendem Sitzen, kein Knien, kein Gehen auf
unebenem Gelände, kein Arbeiten auf Gerüsten und Leitern) auch den Konditionen bei
Rückenbeschwerden, der Polyneuropathie und der Mikroangiopathie Rechnung trage.
Abgesehen davon, dass eine überwiegend sitzende Tätigkeit weder für die
Rückenbeschwerden noch für die Angiopathie als adaptiert erachtet werden könne, sei
die Formulierung wechselbelastend und hauptsächlich sitzend widersprüchlich und
wenig schlüssig.
D.c.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 15. Juni 2018
einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem Invaliditätsgrad von 16%
verneint. Die Verfügung vom 30. November 2017 betreffend einen Anspruch auf
berufliche Massnahmen ist demgegenüber unangefochten in Rechtskraft erwachsen,
was vom Beschwerdeführer auch anerkannt worden ist. Er hat im
Vorbescheidverfahren betreffend den Rentenanspruch nämlich beantragt, die
Verfügung vom 30. November 2017 sei in Anwendung von Art. 53 Abs. 2 ATSG
wiedererwägungsweise aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin hat in einem Schreiben
vom 17. Mai 2018 die Regelung von Art. 53 Abs. 2 ATSG wiedergegeben und
festgehalten, dass der Entscheid über die Vornahme der Wiedererwägung in das
Ermessen des Versicherungsträgers gestellt sei. Sie hat mitgeteilt, diese
Voraussetzungen seien nicht erfüllt (IV-act. 189). Im vorliegenden Beschwerdeverfahren
hat der Beschwerdeführer dann beantragt, die Verfügung vom 15. Juni 2018
(betreffend Rente) sei aufzuheben, es seien zusätzliche medizinische Abklärungen
durchzuführen und gestützt auf diese Abklärungen seien die beruflichen Massnahmen
sowie der Rentenanspruch erneut zu prüfen. Zu klären ist zunächst, wie die Anträge
des Beschwerdeführers zu interpretieren sind. Der erste Antrag ist klar formuliert und
verlangt die Aufhebung der rentenabweisenden Verfügung vom 15. Juni 2018. Beim
zweiten Antrag, es seien zusätzliche medizinische Abklärungen durchzuführen, stellt
sich die Frage, ob sich dies an die Beschwerdegegnerin oder an das Gericht richtet. In
der Beschwerdebegründung finden sich keine Ausführungen, welche darauf hindeuten
würden, dass das Gericht selbst zusätzliche medizinische Abklärungen tätigen solle;
namentlich wird nicht verlangt, dass ein Gerichtsgutachten eingeholt werde. Im
Die Beschwerdegegnerin führte in der Duplik vom 28. Januar 2019 aus (act. G 12),
die RAD-Ärztin Dr. I._ sei Fachärztin für physikalische Medizin und Rehabilitation
sowie zertifizierte medizinische Gutachterin (SIM); Dr. K._ sei Praktische Ärztin FMH
sowie zertifizierte medizinische Gutachterin (SIM). Das Bundesgericht habe zum Thema
Facharzttitel eines RAD-Arztes festgehalten, dass ein Arzt unabhängig von seiner
Fachrichtung grundsätzlich in der Lage sei, die Kohärenz eines Berichts eines Kollegen
zu beurteilen (Ulrich Meyer/Marco Reichmuth, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung, 2014, Rz 5 zu Art. 59 mit Verweis auf das Urteil des
Bundesgerichts vom 27. Oktober 2008, 9C_149/2008, E. 3.2).
D.d.
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Vorbescheidverfahren hat der Beschwerdeführer ebenfalls die Durchführung
zusätzlicher medizinischer Abklärungen beantragt. Dieses Begehren kann sich nur an
die Beschwerdegegnerin gerichtet haben. Der zweite Beschwerdeantrag ist deshalb so
zu interpretieren, dass der Beschwerdeführer die Rückweisung der Angelegenheit an
die Beschwerdegegnerin zu weiteren medizinischen Abklärungen verlangt hat. Beim
dritten Beschwerdeantrag ist klärungsbedürftig, ob der Beschwerdeführer eine
materielle Überprüfung des Anspruchs auf berufliche Massnahmen und auf eine
Invalidenrente oder lediglich einen formellen Antrag im Sinne einer Rückweisung an die
Beschwerdegegnerin zur erneuten Prüfung der beiden Ansprüche gemeint hat.
Angesichts der Interpretation des zweiten Beschwerdeantrags kann nur letzteres
gemeint gewesen sein. Der dritte Beschwerdeantrag ist deshalb in Bezug auf den
Rentenanspruch so zu verstehen, dass die Angelegenheit zu weiteren medizinischen
Abklärungen und zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen sei. In Bezug auf den Anspruch auf berufliche Massnahmen kann er
nur so gemeint gewesen sein, dass das Gericht das Nichteintreten auf das
Wiedererwägungsgesuch durch die Beschwerdegegnerin am 17. Mai 2018 (zur
Qualifikation des Schreibens vom 17. Mai 2018 vgl. E. 2.1 und 2.3) aufheben und die
Angelegenheit zur Behandlung des Wiedererwägungsgesuchs an die
Beschwerdegegnerin zurückweisen solle. Eine Rückweisung zur erneuten Prüfung der
beruflichen Massnahmen kann nicht gemeint gewesen sein, weil die formell
rechtskräftige Verfügung vom 30. November 2017 auch für das Gericht verbindlich
gewesen ist. Das ist dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer bewusst gewesen,
da er ja vorgängig ein Wiedererwägungsgesuch zur Aufhebung der formell
rechtskräftigen Verfügung vom 30. November 2017 gestellt hatte. Demnach beinhaltet
das Beschwerdeverfahren zwei Streitgegenstände, nämlich den Anspruch auf eine
Invalidenrente und die Frage des Eintretens auf das Wiedererwägungsgesuch
betreffend die berufliche Eingliederung. Aus verfahrensökonomischen Gründen ist es
sinnvoll, die beiden Streitgegenstände in einem Urteil zu behandeln. Das bedeutet
allerdings nicht, dass dieses Urteil nur gesamthaft angefochten werden könnte.
Vielmehr steht es den Parteien frei, das Urteil nur bezüglich des einen
Streitgegenstandes mit einer Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten
beim Bundesgericht anzufechten. Diesem Umstand wird mit einer strikten Trennung
der beiden Entscheide (und der jeweiligen Kosten- und Entschädigungsfolgen) im
Urteilsdispositiv Rechnung getragen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/24
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2.
Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell
rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese
zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist.
Aus der Formulierung im Schreiben vom 17. Mai 2018 ergibt sich nicht klar, ob die
Beschwerdegegnerin auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers nicht
eingetreten ist oder ob sie darauf eingetreten und nach einer Prüfung der
Voraussetzungen für eine Wiedererwägung zum Schluss gekommen ist, dass diese in
Bezug auf die Verfügung vom 30. November 2017 nicht erfüllt seien. Die Akten
enthalten keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdegegnerin geprüft hätte,
ob die Verfügung zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung
sei. Das Schreiben vom 17. Mai 2018 kann deshalb nur so interpretiert werden, dass
die Beschwerdegegnerin unter Berufung auf das ihr von Art. 53 Abs. 2 ATSG
eingeräumte "schrankenlose Ermessen" (bei genauer Betrachtung: die von Art. 53 Abs.
2 ATSG eingeräumte Freiheit, willkürlich über die Eröffnung eines
Wiedererwägungsverfahrens zu entscheiden) auf das Wiedererwägungsgesuch nicht
eingetreten ist und dem Beschwerdeführer diesen Nichteintretensentscheid formlos
eröffnet hat.
2.1.
Nach der langjährigen, konstanten Praxis des Bundesgerichts sind die
Versicherungsträger nicht verpflichtet, ein Wiedererwägungsverfahren zu eröffnen. Das
Zurückkommen auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide
beim Fehlen von Revisionsgründen liegt vielmehr im "schrankenlosen Ermessen", d.h.
in der gesetzlich eingeräumten Willkür des Versicherungsträgers. Das Bundesgericht
leitet daraus ab, dass ein Nichteintretensentscheid nicht angefochten werden könne