Decision ID: 799d729f-02cc-4b54-93e1-bb6247e65984
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 7. März 2017 beschlagnahmte die Zollkreisdirektion [...], Sektion
Zollfahndung, unter anderem die Skulptur «A._» von B._
(nachfolgend: Kunstwerk), welche sich auf dem Areal C._ in [...]
befand, und sprach ein Verfügungsverbot aus. Ferner beanspruchte sie
das Kunstwerk als Zollpfand. Als Drittansprecher wurden die X._
AG [im Land 1] und E._ in der Beschlagnahmungs- und Zollpfand-
verfügung aufgeführt. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft (Urteil des
BVGer A-1751/2018 vom 7. September 2018).
A.b Mit Eingabe vom 26. Oktober 2021 ersuchten die Anwälte der [Kanzlei
F._] (nachfolgend: Rechtsvertreter) die Eidgenössische Zollverwal-
tung (nachfolgend: EZV) im Namen der X._ AG, [Land 1], der
G._ Inc. und E._ um Zustimmung zur Restaurierung des
von der Zollbehörde beschlagnahmten Kunstwerks. Die Rechtsvertreter
wiesen darauf hin, dass das Kunstwerk aufgrund einer inneren unstabilen
Struktur abgebaut sei und die Einzelteile zunächst neben dem ursprüngli-
chen Standort platziert worden seien. Mittlerweile befänden sich die Ein-
zelteile in dafür angefertigten Kisten in einem näher bezeichneten Ventila-
tionsraum. Die Rechtsvertreter legten diesem Gesuch eine Kostenschät-
zung vom 20. September 2021 (ausgestellt von der H._ AG mit Sitz
in [...] [nachfolgend: Restaurierungsbetrieb], adressiert an I._, Art
Administrator, E._, Administrativ Office in [...]) bei.
A.c Die EZV bestätigte den Eingang des Schreibens am 2. November
2021.
A.d Nachdem sich die Rechtsvertreter am 12. November 2021 nach dem
Stand der Dinge erkundigt und die EZV am 17. November 2021 geantwor-
tet hatte, wiesen die Rechtsvertreter am 3. Dezember 2021 auf die Dring-
lichkeit des Gesuchs hin und baten um dessen Gutheissung oder den Er-
lass einer anfechtbaren Verfügung.
A.e Mit Schreiben vom 13. Dezember 2021 gab die EZV den Rechtsver-
tretern Gelegenheit darzulegen und zu belegen, welche der gesuchstellen-
den Personen gestützt auf welche Grundlage am betreffenden Kunstwerk
berechtigt und legitimiert sei, das Ersuchen zu stellen.
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A.f Die Rechtsvertreter antworteten am 23. Dezember 2021, die
X._ AG sei seit dem Eigentumserwerb vom 13. März 2006 ununter-
brochen Eigentümerin des Kunstwerks. Sie legten ein Schreiben des Auk-
tionshauses J._ bei.
B.
Mit Verfügung vom 21. Januar 2022 trat die per 1. Januar 2022 in Bundes-
amt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) umbenannte EZV, auf das Ge-
such vom 26. Oktober 2021 sowie die Ergänzung vom 23. Dezember 2021
nicht ein (Ziff. 1 des Dispositivs). Sie erhob weder Verfahrenskosten (Ziff. 2
des Dispositivs) noch sprach sie eine Parteientschädigung zu (Ziff. 3 des
Dispositivs).
Das BAZG führte hierzu zusammengefasst aus, aus den Ausführungen der
Rechtsvertreter sei darauf zu schliessen, dass die Legitimation der
X._ AG, ein Gesuch um Instandstellung bzw. Restauration zu stel-
len, aus der geltend gemachten Stellung als Eigentümerin abgeleitet
werde. Die Unterlagen und die Aussagen der verschiedenen, in den ge-
samten Verfahrenskomplex involvierten Personen seien diesbezüglich je-
doch widersprüchlich.
C.
C.a Mit Eingabe vom 23. Februar 2022 erhebt die X._ AG, eine
«Nonresident Domestic Corporation» aus [dem Land 1] (nachfolgend: Be-
schwerdeführerin), Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht gegen
die Verfügung des BAZG vom 21. Januar 2022. Sie beantragt, Ziff. 1 und
2 der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben und die Vorinstanz an-
zuweisen, das Kunstwerk zum Zwecke der Restauration dem Restaurie-
rungsbetrieb zu übergeben und im Anschluss an die Restauration an den
gegenwärtigen Standort zu retournieren. Eventualiter sei ihr (der Be-
schwerdeführerin) zu erlauben, selbst so vorzugehen. Subeventualiter sei
die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwertsteuer). In pro-
zessualer Hinsicht beantragt die Beschwerdeführerin, die Verfahrensakten
beizuziehen.
Zur Begründung führt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, das
fragliche Kunstwerk stehe in ihrem Eigentum und sei am 18. März 2011
durch die K._ im Verlagerungsverfahren importiert worden. Diese
Transaktion sei Gegenstand eines von der EZV im Jahre 2012 gegen
E._ und weitere Personen geführten Zollverfahrens gewesen und
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dort als Fall Nr. 27 dokumentiert. Über die Nachforderung von Zollabgaben
und Mehrwertsteuern betreffend das fragliche Kunstwerk habe das Bun-
desgericht im Verfahren 2C_219/2019 mit Urteil vom 27. April 2020 rechts-
kräftig entschieden.
Das gegenständliche Kunstwerk sei von der EZV mit Zollbeschlag belegt
worden und diene als Zollpfand. Das Kunstwerk habe sich auf dem Aus-
senareal C._ in [...] befunden. Im Juni 2021 habe das Ingenieur-
team des C._ bemerkt, dass sich das Kunstwerk aufgrund starker
Winde gefährlich bewegt habe. Die weiteren Analysen hätten ergeben,
dass das Werk eine innerlich instabile Struktur aufweise, weshalb es, um
weiteren Schaden zu verhindern, abgebaut und in einer speziellen Box ge-
lagert worden sei. Um irreparable Schäden zu vermeiden, seien sofort
Massnahmen zur Restauration notwendig. Es gehe vorliegend nicht um
eine Freigabe im Sinne von Art. 84 Abs. 1 des Zollgesetzes vom 18. März
2005 (ZG, SR 631.0), sondern einzig um die Zustimmung zur Restauration.
Die entsprechenden Bestimmungen zur Freigabe seien auch nicht analog
anwendbar. Sie (die Beschwerdeführerin) sei zudem Eigentümerin des
Kunstwerks. Zum Nachweis ihres Eigentums reicht die Beschwerdeführe-
rin ein Schreiben von E._ vom 18. Februar 2022, eines der
G._ Inc. ebenfalls vom 18. Februar 2022 sowie eines der
D._ AG vom 23. Februar 2022 ein. E._ bestätigt, dass das
Kunstwerk der X._ AG, [Land 1], gehöre; die G._ Inc. gibt
nach bestem Wissen an, nicht sie selbst, sondern die X._ AG,
[Land 1], sei Eigentümerin des Kunstwerks; die D._ AG bestätigt,
dass das Kunstwerk gemäss ihrer Information der X._ AG, [Land 1],
gehöre. Schliesslich moniert die Beschwerdeführerin das Verhalten des
BAZG als unverhältnismässig und als gegen das Gebot von Treu und Glau-
ben verstossend.
C.b Das BAZG (nachfolgend auch: Vorinstanz) beantragt mit Vernehmlas-
sung vom 4. April 2022, die Beschwerde sei unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolge abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
Die Vorinstanz hält unter Hinweis auf ihre Vernehmlassung in einem ande-
ren Verfahren (A-2357/2021) fest, auch im vorliegenden Beschwerdever-
fahren sei es an der Beschwerdeführerin, ihre Partei- und Prozessfähigkeit
zu belegen, und an der Beschwerdeinstanz, diese zu beurteilen. Ferner
fehle es der Beschwerdeführerin an einem schutzwürdigen Interesse an
der Aufhebung oder Änderung der angefochtenen Verfügung. Die Be-
schwerdeführerin habe nicht dargelegt, warum das Kunstwerk nicht vor Ort
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restauriert werden könnte. Ein aktuelles Rechtsschutzinteresse an einem
Transport zum Restaurierungsbetrieb sei daher nicht auszumachen. Zu-
dem könne vorliegend nur das Nichteintreten beanstandet werden und
nicht verlangt werden, dass materiell entschieden werde. Der Abbau des
Kunstwerks und dessen Unterbringung seien von ihr (der Vorinstanz) we-
der im Voraus bewilligt noch im Nachhinein genehmigt worden. Ein
Restaurationsgesuch könne nicht von einer beliebigen Person eingereicht
werden, denn eine Restauration sei potenziell wert- und eigentumsrele-
vant. Zur Berechtigung der Beschwerdeführerin am Kunstwerk würden in
der Beschwerde aber unterschiedliche Ausführungen gemacht. Zudem er-
kläre die Beschwerdeführerin nicht, warum das Gesuch im Namen von drei
Personen gestellt worden sei und anschliessend der Kreis der gesuchstel-
lenden Personen auf eine Person reduziert worden sei. Die von der Be-
schwerdeführerin eingereichten Bestätigungen betreffend ihre Eigentümer-
schaft stammten von E._ und von diesem kontrollierten Gesell-
schaften, so dass letztlich alle E._ zuzuordnen seien. Dies bestä-
tige, dass eine Klärung der widersprüchlichen Aussagen aussichtslos sei.
Da die Beschwerdeführerin die für eine Parteistellung erforderliche Legiti-
mation weder plausibel machen noch rechtsgenüglich nachweisen könne,
sei die Parteistellung und somit eine Eintretensvoraussetzung nicht gege-
ben. Der Nichteintretensentscheid sei zu Recht gefällt worden.
C.c Mit Replik vom 17. Juni 2022 präzisiert die Beschwerdeführerin ihre
Beschwerde dahingehend, dass das Hauptbegehren nur auf Aufhebung
der Ziff. 1 der angefochtenen Verfügung lautet und das Subeventualbegeh-
ren auf Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz mit
der Anweisung zu ergänzen sei, dass die Vorinstanz auf das Ersuchen der
Beschwerdeführerin einzutreten habe.
Sinngemäss führt die Beschwerdeführerin aus, sie sei zur Anfechtung legi-
timiert. Die Beschwerdeführerin reicht sodann ein «Certificate of election
and incumbency» vom 6. Oktober 2017 mit Beglaubigung der Kopie vom
13. August 2021 zum Nachweis der Zeichnungsberechtigung der die An-
waltsvollmacht unterzeichnenden Person ein. Aus prozessökonomischer
Sicht sei auf eine Rückweisung zu verzichten und über die Restauration zu
entscheiden. Als Eigentümerin des Kunstwerks und als Kunstliebhaberin
habe sie (die Beschwerdeführerin) ein aktuelles und praktisches Interesse,
dass am Kunstwerk keine irreparablen Schäden entstünden. Die Restau-
rationsarbeiten könnten nicht im Freien oder in einem Lagerungsraum
durchgeführt werden. Sie sei im Jahr 2006 Eigentümerin des Kunstwerks
geworden. Für eine Aufgabe oder Übertragung des Eigentums gebe es
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keine Hinweise. Auch behaupte keine andere Person das Eigentum, son-
dern es würden im Gegenteil andere Personen bestätigen, dass sie nicht
Eigentümerin des Kunstwerks seien. Es sei daher unbeachtlich, dass auch
weitere Personen ursprünglich das Gesuch um Restauration des Kunst-
werks gestellt hätten.
C.d Die Vorinstanz erklärt am 29. Juni 2022 den Verzicht auf eine weitere
Stellungnahme.
Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien wird im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen, soweit sie entscheidwesentlich sind.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Angefochten ist eine Verfügung des BAZG vom 21. Januar 2022.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 des
Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) gege-
ben ist (Art. 31 VGG). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor. Der angefoch-
tene Entscheid ist eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG. Das BAZG
ist eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts (Art. 33 VGG). Das
Bundesverwaltungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegenden
Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 116 Abs. 4 ZG). Das Verfahren richtet
sich – soweit das VGG nichts anderes bestimmt – nach den Vorschriften
des VwVG (Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerde wurde form- und fristgerecht eingereicht (vgl. Art. 50
Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Die Parteifähigkeit setzt die Rechtsfähigkeit voraus und erfasst alle na-
türlichen und juristischen Personen des Privatrechts und des öffentlichen
Rechts. Im Rahmen des Zollrechts werden auch gesetzlich zugelassene
Personenverbindungen ohne eigene Rechtspersönlichkeit als Person be-
trachtet (Art. 6 ZG). Vorliegend kann offenbleiben, ob die Beschwerdefüh-
rerin eine juristische Person (nach ausländischem Recht) oder eine (aus-
ländische) Personenvereinigung ohne Rechtspersönlichkeit ist. Beide
Rechtsformen sind nach ZG parteifähig. Folglich ist die Parteifähigkeit der
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Beschwerdeführerin und damit auch ihre Prozessfähigkeit vor dem Bun-
desverwaltungsgericht zu bejahen.
1.5 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men und ist inhaltlich von der Verfügung vom 21. Januar 2022 betroffen.
Die aktenkundige Anwaltsvollmacht vom 26. Oktober 2021 für das vor-
instanzliche Verfahren nennt sie als Auftraggeberin. Die Vorinstanz ist so-
dann auf das Gesuch vom 26. Oktober 2021 unter anderem deshalb nicht
eingetreten, weil sie das Verfügungsrecht über das Kunstwerk als ent-
scheidwesentlich betrachtet und die Beschwerdeführerin ein solches nicht
nachgewiesen habe. Mit anderen Worten sieht die Vorinstanz das Eigen-
tum der Beschwerdeführerin am Kunstwerk als nicht erstellt an. Die Be-
schwerdeführerin ist somit als materielle Adressatin der Verfügung vom
21. Januar 2022 zu betrachten. Sie hat ein Interesse an deren Aufhebung
bzw. Änderung und ist damit zur Beschwerdeerhebung vor Bundesverwal-
tungsgericht legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.6 Nach dem Gesagten ist auf das Rechtsmittel vor Bundesverwaltungs-
gericht grundsätzlich einzutreten (vgl. aber nachfolgend: E. 1.7).
1.7 Anfechtungsobjekt in einem Verfahren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt bildet der angefochtene vorinstanzliche Entscheid. Im vorliegenden
Fall ist dies die Nichteintretensverfügung vom 21. Januar 2022. Mit einer
Beschwerde gegen einen Nichteintretensentscheid kann nur geltend ge-
macht werden, die Vorinstanz habe zu Unrecht das Bestehen der Eintre-
tensvoraussetzungen verneint. Die beschwerdeführende Partei kann ent-
sprechend nur die Anhandnahme durch die Vorinstanz beantragen (Urteil
des BVGer A-174/2020 vom 2. Februar 2021 E. 1.3).
Vorliegend ist somit einzig zu prüfen, ob die Vorinstanz auf das Gesuch
vom 26. Oktober 2021 hätte eintreten müssen. Auf den sinngemässen An-
trag der Beschwerdeführerin zur Erteilung der Zustimmung zur Restaura-
tion bzw. Standortverschiebung ist somit nicht einzutreten.
1.8 Dem prozessualen Antrag der Beschwerdeführerin auf Beizug der Ver-
fahrensakten wurde mit Zwischenverfügung vom 3. März 2022 entspro-
chen. Die Vorinstanz hat ihrer Vernehmlassung vom 4. April 2022 zahlrei-
che Akten beigelegt.
1.9 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-
letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder
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unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Rüge der Unangemessenheit erheben (Art. 49
Bst. c VwVG).
1.10
1.10.1 Die für die Entscheidfindung (Rechtsanwendung) vorzunehmende
Tatsachenfeststellung setzt voraus, dass die Sachlage korrekt und voll-
ständig ermittelt wurde. Das Verwaltungsverfahren und die Verwaltungs-
rechtspflege werden deshalb grundsätzlich von der Untersuchungsmaxime
beherrscht. Demnach muss die entscheidende Behörde den Sachverhalt
von sich aus abklären. Sie trägt die Beweisführungslast (sog. subjektive
oder formelle Beweislast). Der Untersuchungsgrundsatz erfährt durch die
Mitwirkungspflicht der Verfahrensparteien allerdings eine Einschränkung
(ANDRÉ MOSER et al., Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
3. Aufl. 2022, Rz. 1.49 ff.).
1.10.2 Im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung (BGE 130 II 485 E. 3.2). Die Beweiswürdigung
endet mit dem richterlichen Entscheid darüber, ob eine rechtserhebliche
Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der Beweis ist geleistet,
wenn das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdigung zur Überzeugung
gelangt ist, dass sich der rechtserhebliche Sachumstand verwirklicht hat
(MOSER et al., a.a.O., Rz. 3.141). Es ist dabei nicht an bestimmte förmliche
Beweisregeln gebunden, die genau vorschreiben, wie ein gültiger Beweis
zu Stande kommt und welchen Beweiswert die einzelnen Beweismittel im
Verhältnis zueinander haben (vgl. BGE 130 II 482 E. 3.2; Urteile des BVGer
A-584/2020 vom 24. August 2021 E. 1.5.2 [bestätigt durch Urteil des BGer
2C_798/2021 vom 11. Mai 2022], A-2106/2018 vom 31. Dezember 2018
E. 1.4.2.2; MOSER et al., a.a.O., Rz. 3.140).
Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung kann das Beweisverfahren ge-
schlossen werden, wenn die noch im Raum stehenden Beweisanträge eine
nicht erhebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind,
etwa weil ihnen die Beweiseignung abgeht oder umgekehrt die betreffende
Tatsache aus den Akten bereits genügend ersichtlich ist und angenommen
werden kann, dass die Durchführung des Beweises im Ergebnis nichts än-
dern wird (BGE 131 I 153 E. 3; zum Ganzen: Urteile des BVGer
A-2932/2017 vom 18. Januar 2018 E. 1.4, A-5216/2014 vom 23. April 2015
E. 1.5.4). Diesfalls werden die von den Parteien gestellten Beweisanträge
im Rahmen einer vorweggenommenen, sog. antizipierten Beweiswürdi-
gung abgewiesen (Urteile des BVGer A-584/2020 vom 24. August 2021
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E. 1.5.2 [bestätigt durch Urteil des BGer 2C_798/2021 vom 11. Mai 2022],
A-1328/2018 vom 18. April 2018 E. 1.4.3 f.; MOSER et al., a.a.O.,
Rz. 3.144).
Bleibt eine entscheidrelevante Tatsache unbewiesen, gilt im Bereich des
öffentlichen Rechts grundsätzlich die Beweislastregel von Art. 8 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB,
SR 210) als allgemeiner Rechtsgrundsatz (vgl. BGE 138 II 465 E. 6.8.2;
Urteil des BVGer A-6341/2015 vom 28. Juni 2016 E. 2.1.3). Demnach hat
jene Partei die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen, die aus der unbewie-
sen gebliebenen Tatsache Rechte ableitet (vgl. BGE 133 V 205 E. 5.5; Ur-
teil des BGer 1C_236/2016 vom 15. November 2016 E. 3.6 am Ende; MO-
SER et al., a.a.O., Rz. 3.150).
1.10.3 Nach dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen ist
das Bundesverwaltungsgericht verpflichtet, auf den unter Mitwirkung der
Verfahrensbeteiligten festgestellten Sachverhalt die richtigen Rechtsnor-
men und damit jenen Rechtssatz anzuwenden, den es als den zutreffenden
erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (MO-
SER et al., a.a.O., Rz. 1.54 unter Verweis auf BGE 119 V 347 E. 1a). Aus
dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen folgt sodann,
dass das Bundesverwaltungsgericht als Beschwerdeinstanz nicht an die
rechtliche Begründung der Begehren gebunden ist (vgl. Art. 62 Abs. 4
VwVG). Es kann eine Beschwerde aus anderen als den geltend gemach-
ten Gründen (ganz oder teilweise) gutheissen oder den angefochtenen
Entscheid im Ergebnis mit einer von der Vorinstanz abweichenden Begrün-
dung bestätigen (sog. Motivsubstitution; vgl. anstelle vieler: Urteil des
BVGer A-825/2016 vom 10. November 2016 E. 2.2).
2.
2.1 Der Bund hat gemäss Art. 82 Abs. 1 ZG ein gesetzliches Pfandrecht
(Zollpfandrecht) a) an Waren, für welche Zollabgaben zu entrichten sind,
und b) an Waren bzw. Sachen, welche zur Verletzung zollrechtlicher Er-
lasse oder nichtzollrechtlicher Erlasse des Bundes, bei deren Vollzug das
BAZG mitwirkt, gedient haben. Das Zollpfandrecht entsteht zugleich mit
der Zollforderung, welche es zu sichern hat, und geht sämtlichen übrigen
dinglichen Rechten an der Sache vor (Art. 82 Abs. 3 ZG).
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2.2 Als dingliches Recht haftet es an der Sache als solcher, unabhängig
davon, wem diese gehört oder in wessen Besitz sie sich befindet. Dritte,
die nicht am mit der Sache zusammenhängenden Verwaltungs- oder Ver-
waltungsstrafverfahren beteiligt sind, müssen daher grundsätzlich dulden,
dass die Sache zur Deckung der Zollforderung beschlagnahmt und verwer-
tet wird (Art. 214 Abs. 1 der Zollverordnung vom 1. November 2006 [ZV,
SR 631.01]; Urteil des BVGer A-584/2020 vom 24. August 2021 E. 4.5.1
[bestätigt durch Urteil des BGer 2C_798/2021 vom 11. Mai 2022]; vgl. RO-
GER M. CADOSCH, in: Kocher/Clavadetscher [Hrsg.], Stämpflis Handkom-
mentar Zollgesetz [ZG], 2009 [nachfolgend: Zollkommentar], Art. 82 N 12).
Eine Ausnahme hiervon bildet Art. 84 ZG (siehe E. 2.5). Sind die Dritten
bekannt, so setzt das BAZG sie von der Beschlagnahme in Kenntnis
(Art. 214 Abs. 2 ZV).
2.3 Das BAZG kann das Zollpfand mittels Beschlagnahme geltend machen
(Art. 83 Abs. 1 ZG). Die Beschlagnahme besteht in der Besitzergreifung
oder in einem Verfügungsverbot, welches an den Besitzer der Waren bzw.
Sachen gerichtet wird (Art. 83 Abs. 2 ZG).
2.4 Das Zollpfandrecht nach Art. 82 ZG und die Beschlagnahmung nach
Art. 83 ZG sind verwaltungsrechtliche Zwangsmassnahmen, die dem un-
mittelbaren Zwang zuzurechnen sind (vgl. Botschaft vom 15. Dezember
2003 über ein neues Zollgesetz, BBl 2004 567, E. 2.3.2.3 S. 649; HÄFE-
LIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1478; CADOSCH, Zollkommentar, Art. 83
N 4; das Urteil des BGer 2C_798/2021 vom 11. Mai 2022 E. 1.2 spricht von
einer vorsorglichen Massnahme). Sie dienen primär der Sicherung von
Zollforderungen (CADOSCH, Zollkommentar, Art. 82 N 13 und Art. 83 N 4).
Die zivilrechtlichen Eigentumsverhältnisse (vgl. Art. 641 ZGB; zum interna-
tionalen Verhältnis vgl. Art. 100 des Bundesgesetzes vom 18. Dezember
1987 über das internationale Privatrecht [IPRG, SR 291]) am beschlag-
nahmten Kunstwerk bleiben dabei grundsätzlich bestehen.
2.5 Beschlagnahmte Waren bzw. Sachen können der berechtigten Person
gegen Sicherstellung freigegeben werden (Art. 84 Abs. 1 ZG). Die Eigen-
tümerin oder der Eigentümer einer gefundenen und beschlagnahmten
Ware gilt als berechtigte Person (Art. 217 Abs. 1 ZV). Sicherzustellen ist
der Betrag, für den der um Freigabe Ersuchende schlimmstenfalls zu haf-
ten hat (BGE 97 I 455 E. 3b; Urteil des BVGer A-584/2020 vom 24. August
2021 E. 4.5.2 [bestätigt durch Urteil des BGer 2C_798/2021 vom 11. Mai
2022]).
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Seite 11
Ohne Sicherstellung werden beschlagnahmte Waren bzw. Sachen gemäss
Art. 84 Abs. 2 ZG freigegeben, sofern der Eigentümer für die gesicherte
Zollforderung nicht selber haftet (Art. 84 Abs. 2 Bst. a ZG) und nachweist,
dass die Waren bzw. Sachen ohne ihre oder seine Schuld zur Widerhand-
lung benutzt worden sind oder dass sie oder er das Eigentum oder den
Anspruch auf Erwerb von Eigentum vor der Beschlagnahme erworben hat,
ohne von der Nichterfüllung der Zollpflicht zu wissen (Art. 84 Abs. 2 Bst. b
ZG; Art. 218 Abs. 1 ZV; vgl. BVGE 2017 III/2 E. 3.3.5). Trotz angebotener
Sicherheitsleistung bzw. trotz Vorliegens von Befreiungsgründen nach
Art. 84 Abs. 2 ZG wird die als Zollpfand beschlagnahmte Ware bzw. Sache
jedoch nicht freigegeben, wenn sie in einem Strafverfahren als Beweismit-
tel dient oder zur Vernichtung bestimmt ist (Urteil des BVGer A-584/2020
vom 24. August 2021 E. 4.5.2 [bestätigt durch Urteil des BGer
2C_798/2021 vom 11. Mai 2022]; CADOSCH, Zollkommentar, Art. 84 N 1
und 4).
2.6 Mit Busse bis zum Fünffachen des Warenwerts wird bestraft, wer
a) eine vom BAZG als Zollpfand beschlagnahmte Ware beziehungsweise
Sache, die in seinem Besitz belassen worden ist, vernichtet; oder b) ohne
Zustimmung des BAZG darüber verfügt (Art. 122 Abs.1 ZG).
3.
3.1 Im vorliegenden Fall ist die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung
vom 21. Januar 2022 auf ein Gesuch der Beschwerdeführerin zur Restau-
ration eines zollrechtlich beschlagnahmten Kunstwerks mangels eines
schutzwürdigen Interesses nicht eingetreten.
3.2 Es kann offenbleiben, inwieweit die vorstehend genannten Bestimmun-
gen zur Beschlagnahmung und zum Zollpfand dem materiellen Recht und
inwieweit sie dem Verfahrensrecht zuzuordnen sind. Es liegt nämlich im
hier zu beurteilenden Fall einzig die Frage im Streit, ob die Voraussetzun-
gen zur Einleitung des Verwaltungsverfahrens vor der Vorinstanz gegeben
waren bzw. sind.
3.3 Das Verwaltungsverfahren – auch Verfahren auf Erlass einer Verfü-
gung, erstinstanzliches Verfahren oder nichtstreitiges Verwaltungsverfah-
ren genannt – ist das formalisierte, mithin rechtlich geregelte Verfahren,
das in den Erlass einer Verfügung mündet (vgl. Art. 1 Abs. 1 VwVG; BGE
146 V 38 E. 4.1; PIERRE TSCHANNEN, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
VwVG, Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Kommentar,
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Seite 12
2. Aufl. 2019 [nachfolgend: Kommentar VwVG], Art. 1 N 9; GREGOR BACH-
MANN, Anspruch auf Verfahren und Entscheid, Der Zugang zum Verwal-
tungsverfahren und zur Verwaltungsrechtspflege unter besonderer Berück-
sichtigung der verfassungsrechtlichen Verfahrensgarantien, 2019, S. 5).
3.4 Der Anspruch auf ein Verwaltungsverfahren beurteilt sich nach formel-
lem Recht (vgl. BACHMANN, a.a.O., S. 27 m.Hw. auf die Rechtsprechung).
Er setzt voraus, dass die Behörde über die Frage eine Verfügung im Sinne
von Art. 5 VwVG bzw. Art. 25 VwVG bzw. Art. 25a VwVG erlassen kann
(vgl. BACHMANN, a.a.O., S. 27). Diese muss ihre Grundlage im öffentlichen
Recht des Bundes haben (vgl. MARKUS MÜLLER, Kommentar VwVG, Art. 5
N 60). Des Weiteren ist Voraussetzung, dass die Behörde zum Erlass die-
ser Verfügung zuständig ist (vgl. Art. 7 bis 9 VwVG) und dass die Partei-
stellung im Sinne von Art. 6 VwVG bzw. Art. 48 VwVG gegeben ist.
3.4.1 Gemäss Art. 5 Abs. 1 VwVG gelten als Verfügungen Anordnungen
von Behörden im Einzelfall, die sich auf öffentliches Recht des Bundes
stützen und die Begründung, Änderung oder Aufhebung von Rechten oder
Pflichten (Bst. a), die Feststellung des Bestehens, Nichtbestehens oder
Umfanges von Rechten und Pflichten (Bst. b) oder die Abweisung von Be-
gehren auf Begründung, Änderung, Aufhebung oder Feststellung von
Rechten und Pflichten oder das Nichteintreten auf ein solches Begehren
(Bst. c) zum Gegenstand haben. Als Verfügungen gelten mithin autorita-
tive, einseitige, individuell-konkrete Anordnungen einer Behörde, die in An-
wendung von Verwaltungsrecht ergehen, auf Rechtswirkungen ausgerich-
tet sowie verbindlich und erzwingbar sind (BGE 139 V 72 E. 2.2.1, 135 II
38 E. 4.3 m.w.Hw.; vgl. auch TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 28 N 1 f. und N 16 ff.). Diese Struktur-
merkmale bzw. Elemente des Verfügungsbegriffs müssen kumulativ erfüllt
sein (vgl. zum Ganzen: Urteile des BVGer A-4731/2019 vom 3. Februar
2020 E. 2.1.1, A-3146/2018 vom 24. Januar 2019 E. 2.1.1, A-3808/2018
vom 14. August 2018 E. 2.1, B-1290/2017 vom 22. September 2017
E. 2.1).
3.4.2 Die Legitimation, ein Verfahren auf Erlass einer Verfügung nach Art. 5
VwVG zu verlangen, bemisst sich nach den Voraussetzungen von Art. 6
und Art. 48 VwVG (BACHMANN, a.a.O., S. 74). Die Legitimation in Art. 6
VwVG ist nämlich weitgehend deckungsgleich mit der Legitimation in
Art. 48 VwVG (ISABELLE HÄNER, Kommentar VwVG, Art. 6 N 1).
A-880/2022
Seite 13
3.4.3 Nach Art. 6 VwVG gelten als Parteien Personen, deren Rechte oder
Pflichten die Verfügung berühren soll, und andere Personen, Organisatio-
nen oder Behörden, denen ein Rechtsmittel gegen die Verfügung zusteht.
Zu den Parteien zählen damit neben materiellen Verfügungsadressaten,
deren Rechte oder Pflichten die Verfügung betrifft, auch Dritte, die nach
Art. 48 VwVG beschwerdeberechtigt sind (BVGE 2010/12 E. 2.2; Urteile
des BVGer A-4114/2020 vom 22. Februar 2022 E. 4.1, A-4929/2017 vom
31. Januar 2018 E. 3.1).
Dritte müssen damit stärker als jedermann betroffen sein und in einer be-
sonderen Beziehungsnähe zur Streitsache stehen. Zudem ist erforderlich,
dass sie ein persönliches Interesse daran haben, einen materiellen oder
ideellen Nachteil zu vermeiden, den der angefochtene Entscheid mit sich
bringen würde. Die Beschwerdebefugnis soll die Popularbeschwerde aus-
schliessen und den Charakter des Beschwerderechts als Instrument des
Individualrechtsschutzes unterstreichen (vgl. BGE 142 II 80 E. 1.4.1, 142 II
451 E. 3.4.1, 131 II 361 E. 1.2; Urteile des BVGer A-4114/2020 vom
22. Februar 2022 E. 4.1, A-2669/2016 vom 22. August 2016 E. 3.2,
A-4929/2017 vom 31. Januar 2018 E. 4.1.2; HÄNER, Kommentar VwVG,
Art. 48 N 12).
3.4.4 Das öffentliche Verfahrens- und Prozessrecht unterscheidet nicht
zwischen Prozess- und Sachlegitimation (HÄNER, Kommentar VwVG,
Art. 6 N 3).
3.4.5 Die Legitimation ist von Amtes wegen zu prüfen, wobei die gesuch-
stellende Partei die Beweislast hierfür trägt. Das Beweismass ist unter-
schiedlich; teilweise genügt Glaubhaftmachung, teilweise wird eine ge-
wisse Wahrscheinlichkeit vorausgesetzt (HÄNER, Kommentar VwVG,
Art. 48 N 2).
3.5
3.5.1 Mit Verfügung vom 7. März 2017 (vgl. Sachverhalt A.a) hat die Zoll-
behörde das Kunstwerk als Zollpfand im Sinne von Art. 82 ZG beansprucht
und mit einem Verfügungsverbot im Sinne von Art. 83 ZG belegt. Sie hat
damit die ausschliessliche Verfügungsmacht über die Sache beansprucht.
Nach der Sachdarstellung der Beschwerdeführerin im Gesuch vom 26. Ok-
tober 2021 muss das Kunstwerk zum Zwecke der Restauration in den Ge-
wahrsam des Restaurationsbetriebs übergeben werden. Damit zeigt die
A-880/2022
Seite 14
Beschwerdeführerin, dass sie die Besitzverhältnisse betreffend das Zoll-
pfand verändern will bzw. die Zollbehörde hierzu anhalten will.
3.5.2 Zweifelsohne zielt das Gesuch vom 26. Oktober 2021 auf den Erlass
einer Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG ab. Das BAZG als Inhaber der
ausschliesslichen Verfügungsmacht ist hierfür zuständig (vgl. E. 3.4 ff.).
Bereits wegen des Risikos einer Bestrafung nach Art. 122 ZG ist – entge-
gen der Ansicht der Vorinstanz und für den Fall, dass die Beschwerdefüh-
rerin die Restauration selber veranlassen möchte – auch für die Beschwer-
deführerin ein schutzwürdiges Interesse am Erlass einer zustimmenden
Verfügung zur Vornahme der Restauration ohne Weiteres zu bejahen
(s. aber E. 3.5.5).
3.5.3 Soweit die Beschwerdeführerin ihr Gesuch vom 26. Oktober 2021
dahingehend verstanden haben wollte, die Zollbehörde anzuhalten, das
Kunstwerk sorgfältig zu behandeln bzw. einen allfälligen drohenden Scha-
den abzuwenden, stünde eine Einflussnahme auf die Amtsführung der Zoll-
behörden zur Diskussion, welche ausserhalb der Prüfungsbefugnis des
Bundesverwaltungsgerichts liegen würde und im vorliegenden Verfahren
nicht zu behandeln wäre. Darauf ist nicht weiter einzugehen.
3.5.4 Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Restaurationsvorhaben,
welches im Rahmen eines Werkvertrags (vgl. hierzu: GAUDENZ G. ZINDEL/
BERTRAND G. SCHOTT, in: Widmer Lüchinger/Oser [Hrsg.], Basler Kom-
mentar, Obligationenrecht I, Art. 1 – 529 OR, 7. Aufl. 2020 [nachfolgend:
BSK OR], Art. 363 N 3; PETER LEHMANN, in: Honsell [Hrsg.], Kurzkommen-
tar OR, 2014 [nachfolgend: Kurzkommentar OR], Art. 363 N 4 m. Hw. auf
BGE 130 III 461 E. 4) vorzunehmen sein wird, bedarf es zumindest einer
tatsächlichen Übergabe des Pfandobjekts (vgl. Art. 365 Abs. 2 des Obliga-
tionenrechts vom 30. März 191 [SR 220; nachfolgend: OR], in sinngemäs-
ser Anwendung; ZINDEL/SCHOTT, BSK OR, Art. 365 N 4 m.Hw. auf BGE 113
II 422 E. 2a und E. 2b sowie Art. 365 N 11 f.; zu den Nebenpflichten siehe
auch: LEHMANN, Kurzkommentar OR, Art. 364 N 4 und Art. 365 N 5) an den
Werkunternehmer bzw. an den Restaurationsbetrieb. Es ist in diesem Zu-
sammenhang darauf hinzuweisen, dass die Akten nicht darauf schliessen
lassen, dass die Zollbehörde Partei des angestrebten Werkvertrags sein
soll. Zumindest hat die Beschwerdeführerin bereits ein Unternehmen be-
stimmt, welches die Restauration vornehmen soll, sowie eine Analyse des
Zustands des fraglichen Kunstwerks vornehmen lassen.
A-880/2022
Seite 15
Damit die Restauration vorgenommen werden kann, bedarf es zwingend
der Verfügung über die Pfandsache durch die Zollbehörde bzw. der Über-
gabe oder der Zustimmung zur Übergabe an den Restaurationsbetrieb, zu-
mindest aber der Zustimmung zur Bearbeitung der Pfandsache am bishe-
rigen Ort. Sofern die Vorinstanz nicht selbst eine Restauration vornehmen
lässt (dazu E. 3.5.3), kommen sämtliche der vorgenannten Handlungen ei-
ner (zumindest teilweisen) Freigabe des Kunstwerks im Sinne von Art. 84
Abs. 1 ZG durch die Vorinstanz als Inhaberin der ausschliesslichen Verfü-
gungsgewalt über die Pfandsache gleich, auch wenn die Beschwerdefüh-
rerin mehrfach betont, nicht deren Freigabe zu verlangen. Es rechtfertigt
sich deshalb, für die Frage der Sachlegitimation im Sinne einer Lückenfül-
lung Art. 84 Abs. 1 ZG analog anzuwenden (zur richterlichen Lückenfüllung
siehe: BGE 144 II 281 E. 4.5.1; zum Analogieschluss siehe: BGE 144 IV
97 E. 3.1.2). Mit der Übergabe des Pfandgegenstandes und dessen Bear-
beitung durch eine Drittperson besteht zudem die Gefahr eines zufälligen
Untergangs des Kunstwerks bzw. Restaurationsobjekts. Insoweit rechtfer-
tigt es sich auch, grundsätzlich nach Art. 84 Abs. 1 ZG eine Sicherstellung
zu verlangen und insoweit ebenfalls analog anzuwenden bzw. ausnahms-
weise in analoger Anwendung von Art. 84 Abs. 2 ZG auf eine Sicherstellung
zu verzichten. Wird der Antrag der Beschwerdeführerin so verstanden, ist
eine öffentlich-rechtliche Grundlage für den Erlass der Verfügung durch die
Vorinstanz zu bejahen.
3.5.5 Davon abzugrenzen ist jedoch ein schutzwürdiges Interesse am be-
schlagnahmten Kunstwerk bzw. Zollpfand selber. Dieses akzentuiert sich
durch eine besondere Nähe zum Objekt. Insoweit geht es um die Sachle-
gitimation am Kunstwerk bzw. Pfandobjekt, welche vorliegend umstritten
ist.
3.6 Wie soeben ausgeführt (E. 3.5.4), ist Art. 84 ZG vorliegend analog an-
zuwenden. Damit ist die Rüge der Beschwerdeführerin nicht zu hören, sie
habe keine Freigabe nach Art. 84 ZG verlangt, weshalb sich die Eigen-
tumsfrage nicht stelle.
3.7 Gemäss Art. 84 Abs. 1 ZG erfolgt die Freigabe gegenüber dem Berech-
tigten. Als solcher gilt nach Art. 217 Abs. 1 ZV der Eigentümer des Pfand-
gegenstands (E. 2.5).
A-880/2022
Seite 16
3.7.1 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 121 Abs. 3 des
Zollgesetzes vom 1. Oktober 1925 (aZG, AS 42 287) durfte die Zollverwal-
tung von demjenigen, der die Herausgabe eines beschlagnahmten Zoll-
pfandes gegen Sicherstellung beanspruchte, den strikten Nachweis des
Eigentums verlangen (BGE 107 Ib 94 E. 3a) und war auch nicht verpflich-
tet, von Amtes wegen die Eigentumsverhältnisse am beschlagnahmten
Zollpfand abzuklären (BGE 107 Ib 94 E. 4), zumal es dem Gesuchsteller
jederzeit freistand, mit weiteren Beweismitteln den Beweis für sein Eigen-
tum zu erbringen.
Daraus ist zu folgern, dass die Zollverwaltung nach aZG die Herausgabe
eines Zollpfandes gegen Sicherstellung verweigern durfte, wenn eine sum-
marische Prüfung ergab, dass die Eigentumsverhältnisse nicht liquid wa-
ren oder umgekehrt formuliert, die Zollverwaltung die vorhandenen Be-
weismittel zwar zu würdigen hatte, auf weitere Abklärungen aber verzich-
ten durfte.
3.7.2 Nach neuem Recht versucht das BAZG gemäss Art. 83 Abs. 3
2. Satz ZG die berechtigte Person ausfindig zu machen, falls der Wert der
Waren es rechtfertigt. Dies wird in Art. 217 Abs. 2 ZV insofern bekräftigt,
als dort festgehalten wird, das BAZG ermittle die berechtigte Person durch
sachdienliche Nachforschungen. Abs. 3 von Art. 217 ZV hält fest, dass eine
öffentliche Bekanntmachung erfolgt, wenn die berechtigte Person nicht er-
mittelt werden kann. Art. 217 Abs. 4 ZV konkretisiert in seinem 2. Satz den
in Art. 83 Abs. 3 2. Satz ZG genannten Wert der Ware. Dort wird festgehal-
ten, dass auf die Ermittlung der berechtigten Person dann generell verzich-
tet werden kann, wenn der Wert der Ware Fr. 1'000.- nicht übersteigt. Auch
sonst muss nach dem 1. Satz dieser Verordnungsvorschrift der Aufwand
zur Ermittlung der berechtigten Person in einem vernünftigen Verhältnis
zum Wert der Ware stehen. Hier wird demnach der Grundsatz der Verhält-
nismässigkeit präzisiert. Ohnehin muss aber die berechtigte Person ihr
Recht an einer gefundenen oder beschlagnahmten Ware nachweisen
(Art. 218 Abs. 1 ZV) und sonst das Recht mit einer Klage beim zuständigen
Zivilgericht geltend machen (Art. 218 Abs. 2 ZV). Nach Art. 219 Abs. 1 ZV
wird die Beschlagnahme des Zollpfandes durch dessen Freigabe aufgeho-
ben und die Sache dem Adressaten bzw. der Adressatin (vgl. hierzu:
E. 2.2) der Beschlagnahmeverfügung übergeben. Im Streitfall oder wenn
mehrere Personen die Berechtigung an der Ware beanspruchen, wird nach
Massgabe von Art. 218 Abs. 3 ZV vorgegangen. Gemäss dieser Bestim-
A-880/2022
Seite 17
mung kann sich das BAZG durch gerichtliche Hinterlegung von der Her-
ausgabe befreien, wenn streitig ist, welcher von mehreren berechtigten
Personen die Ware zurückzugeben sei.
Unter dem aktuellen Verordnungsrecht ist die Zollverwaltung somit nicht
verpflichtet, bei illiquiden Eigentumsverhältnissen ein aufwändiges Verfah-
ren zur Feststellung des Eigentums durchzuführen. Sie hat nur verhältnis-
mässige Massnahmen zu ergreifen.
3.7.3 Die Beschlagnahmungsverfügung vom 7. März 2017 war an die
D._ AG adressiert (vgl. E. 2.2). Soweit die Beschwerdeführerin das
fragliche Kunstwerk reparieren lassen bzw. über das Kunstwerk Anordnun-
gen treffen will, hat sie demnach ein besseres Recht als die D._ AG
nachzuweisen. Das behauptete Eigentum am Kunstwerk wäre als besse-
res Recht zu betrachten.
Die Freigabe nach Art. 84 Abs. 1 ZG beendet die Zwangsmassnahme, wes-
halb sich die Zollbehörde für die Frage der Eigentümerschaft auf eine prima
facie-Prüfung beschränken und liquide Verhältnisse verlangen darf. Inso-
weit gilt ein strengeres Beweismass (vgl. E. 3.4.5). Gleiches muss auch für
die analoge Anwendung von Art. 84 Abs. 1 bzw. Abs. 2 ZG gelten.
Infolgedessen durfte die Vorinstanz für ihre Beurteilung ohne Weiteres auf
die von der Gesuchstellerin vorgelegten Unterlagen abstellen. Es war ihr
auch unbenommen, weitere behördennotorische Informationen heranzu-
ziehen.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob das Eigentum der Beschwerdeführerin vor
der Vorinstanz liquid war.
3.8
3.8.1 Die Vorinstanz negierte die Sachlegitimation der Beschwerdeführerin
zur Einreichung eines Gesuches um Restauration des beschlagnahmten
Kunstwerks bzw. Pfandgegenstandes. Sie führte hierzu in der angefochte-
nen Verfügung vom 21. Januar 2022 aus, dass die Beschwerdeführerin
ihre Legitimation, ein Gesuch um Instandstellung bzw. Restauration zu stel-
len, aus deren angeblicher Stellung als Eigentümerin ableite. Allerdings er-
kläre die Beschwerdeführerin nicht, warum das ursprüngliche Gesuch vom
26. Oktober 2021 von drei Personen eingereicht worden sei. Die Eigentü-
merstellung der Beschwerdeführerin sei aber ohnehin – so die Vorinstanz
weiter – nicht erstellt. Das Kunstwerk sei nach der Ausstellung eines Kauf-
A-880/2022
Seite 18
vertrags vom 13. März 2006 zwischen «J._» und der Beschwerde-
führerin am 16. Mai 2006 in ein auf E._ lautendes Lager eingelagert
worden. Danach sei es in ein unter G._ Inc. verfasstes und mit Da-
tum vom 8. April 2008 versehenes Schreiben aufgenommen und am glei-
chen Tag in ein auf die G._ Inc. lautendes Lager umgebucht wor-
den, wobei das Kunstwerk faktisch im auf E._ lautenden Lager ver-
blieben sei. Am 10. April 2008 sei das Kunstwerk in ein «Consignment Ag-
reement» zwischen der K._ als «commission agent» und der
G._ Inc. als «principal» aufgenommen worden. Dort sei festgehal-
ten worden, dass das Kunstwerk bis zur vollständigen Bezahlung im Ei-
gentum des «principal» verbleibe. Weiter sei im Verfahren A-714/2018 vor
Bundesverwaltungsgericht geltend gemacht worden, dass die G._
Inc. berechtigt gewesen sei, über das fragliche Kunstwerk zu verfügen und
mit der K._ einen Kommissionsvertrag abzuschliessen. Von der Be-
schwerdeführerin sei damals nicht die Rede gewesen. Ferner habe die
L._ Stiftung in ihrer Beschwerde vom 19. Februar 2021 in einem
anderen Verfahren an das Bundesverwaltungsgericht unter anderem fest-
gehalten, dass die indirekt von E._ kontrollierten ausländischen Ge-
sellschaften mit der K._ Kommissionsverträge abgeschlossen hät-
ten, um die jeweils in ihrem Eigentum stehenden Kunstwerke verkaufen zu
lassen. Dies lasse darauf schliessen, dass die G._ Inc. auch Eigen-
tümerin des vom vorliegenden Verfahren betroffenen Kunstwerks sei. Die
Beschwerdeführerin habe zudem die sie betreffende Nachbezugsverfü-
gung vom 19. August 2015 mit Beschwerde vom 21. September 2015 an-
gefochten und ihr Eigentum an den Kunstwerken bestritten. Nochmals in
einem anderen Beschwerdeverfahren führe die K._ in der Replik
vom 20. Dezember 2021 gegen die sie betreffende Nachbezugsverfügung
vom 19. August 2015 aus, dass es für sie keinen Anlass gegeben habe, an
der Eigentümerstellung der jeweiligen Kommittenten resp. von E._
zu zweifeln. Demnach – so die Vorinstanz sinngemäss – wäre die
G._ Inc. Eigentümerin des Kunstwerks gewesen. Sodann habe die
Beschwerdeführerin im Oktober und November 2019 Gesuche um Frei-
gabe im Sinne von Art. 84 Abs. 1 ZG eingereicht betreffend das Gemälde
«[Bild 1]» und weitere zur Auktion vorgesehene Kunstwerke. In der Folge
habe schon in jenen Verfahren keine Klarheit über die Vertretungs- und
Eigentumsverhältnisse betreffend diese Kunstgegenstände geschaffen
werden können. Auch ein weiteres Gesuch der Beschwerdeführerin vom
6. August 2020 um Freigabe des Gemäldes «[Bild 1]» sei ohne Eigentums-
nachweis der Beschwerdeführerin geblieben. Sinngemäss macht die Vor-
instanz geltend, dass die Eigentumsverhältnisse betreffend die Kunst-
werke von E._ und dessen Umfeld grundsätzlich unklar seien.
A-880/2022
Seite 19
Schliesslich erübrigten sich nach der Auffassung der Vorinstanz weitere
Abklärungen betreffend die Legitimation der Beschwerdeführerin. Es sei
nämlich davon auszugehen, dass E._ die Beschwerdeführerin, die
L._ Stiftung, die M._ Ltd., die N._ Inc., die
O._ Inc., die G._ Inc. und die D._ AG kontrolliere,
weshalb seitens der genannten Gesellschaften keine unabhängigen Aus-
sagen zu erwarten seien.
3.8.2 Es ist mit der Vorinstanz einig zu gehen, dass das ursprüngliche Ge-
such von drei Personen gestellt wurde, was in Bezug auf die Berechtigung
bzw. die Eigentumsverhältnisse nicht zu einer Klärung beiträgt. Dass die
weiteren Personen die Beschwerdeführerin unterstützen wollten, wie diese
geltend macht, ändert daran nichts. Allerdings hat nur die Beschwerdefüh-
rerin die vorliegend zu beurteilende Beschwerde eingereicht, weshalb da-
rauf nicht weiter einzugehen ist.
Die im Vorverfahren eingereichte Kostenschätzung des Restaurationsbe-
triebs vom 20. September 2021 richtet sich an «I._, Art Administra-
tor, E._, Administrative Office». Es ist nicht ersichtlich, warum diese
Kostenschätzung an das Büro von E._ gerichtet ist, wenn doch die
Beschwerdeführerin Eigentümerin des fraglichen Kunstwerks sein soll. Es
mag sein, dass die Beschwerdeführerin letztlich von E._ kontrolliert
wird, was hier offenbleiben kann. Zumindest trägt dieses Schreiben aber
nichts zur Klärung der Eigentumsverhältnisse bei.
Des Weiteren schloss die Vorinstanz aus den bisherigen Ausführungen der
Beschwerdeführerin auch in weiteren Verfahren sowie aufgrund von Zoller-
hebungsverfahren aus dem Umkreis von E._ und einem Freigabe-
verfahren hinsichtlich eines weiteren Kunstwerks, in welchen die Eigen-
tumsverhältnisse ungeklärt geblieben waren, darauf, dass auch die Eigen-
tumsverhältnisse betreffend das hier strittige Kunstwerk unklar sein dürften
und von den von E._ beherrschten Gesellschaften diesbezüglich
auch keine objektiven Auskünfte erhältlich seien. Auch diese Schlussfolge-
rung ist grundsätzlich nicht zu beanstanden.
Allerdings ergibt sich aus dem Protokoll über die Beschlagnahme als Zoll-
pfand (Dossier Nr. [...]), welches zwar undatiert ist, dem jedoch aufgrund
der weiteren Beschlagnahmeprotokolle, je vom 7. März 2017, das Datum
vom 7. März 2017 zuzuschreiben ist, dass die «X._ AG,
A-880/2022
Seite 20
[Land 1]/E._, c/o Admin. [Initialen von E._]-Büro, [...], als Ei-
gentümerin bzw. Drittansprecher/in des fraglichen Kunstwerks in Frage
kommen könnten.
Indessen vermag auch das vorerwähnte «Protokoll über die Beschlag-
nahme als Zollpfand» keinen rechtsgenüglichen Nachweis über die Eigen-
tümerschaft der Beschwerdeführerin zu erbringen, weil ihre Nennung darin
ohne sachliche Prüfung des Eigentums erfolgte.
3.9 Die Beschwerdeführerin beruft sich vor Bundesverwaltungsgericht
selbst auf ihr Eigentum am fraglichen Kunstwerk.
Somit ist in einem nächsten Schritt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin
im Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht ihr Eigentum zum beschlag-
nahmten Kunstobjekt bzw. Zollpfand liquid darzulegen vermag.
3.9.1 Die Beschwerdeführerin macht in diesem Zusammenhang geltend,
mit ihrem Gesuch vom 26. Oktober 2021 als Eigentümerin über das Kunst-
werk verfügen und dieses auf eigene Kosten restaurieren lassen zu wollen.
Sie verweist hierzu auf Unterlagen der Zollfahndung [...], worin Folgendes
vermerkt worden sei:
«Gekauft wurde das Werk von der X._. [...] Eine Eigentumsüber-
tragung auf G._ [Inc.] ist nicht bekannt.»
Bei diesen Ausführungen handelt es sich um Ausführungen der untersu-
chenden Beamten im Zollverfahren. Sie vermögen den belegmässigen
Nachweis der Beschwerdeführerin für ihre Eigentümerschaft nicht zu er-
setzen, zumal ein rechtskräftiges Gerichtsurteil hierzu nicht ersichtlich ist.
3.9.2 Mit ihrer Beschwerde vom 23. Februar 2022 reicht die Beschwerde-
führerin ferner eine schriftliche Bestätigung der G._ Inc. ein, wo-
nach Letztere nicht Eigentümerin des vorerwähnten Kunstwerks sei, son-
dern das Kunstwerk nach bestem Wissen der X._ AG, [Land 1], ge-
höre. Diese Bestätigung der G._ Inc. vom 18. Februar 2022 vermag
bestenfalls als indirektes Beweismittel zu dienen und ist als solches nicht
geeignet, das Eigentum der Beschwerdeführerin rechtsgenüglich nachzu-
weisen.
3.9.3 Auch die beiden von der Beschwerdeführerin mit der Beschwerde
eingereichten Bestätigungen von E._ 18. Februar 2022 und der
A-880/2022
Seite 21
D._ AG vom 23. Februar 2022, wonach das Kunstwerk der Be-
schwerdeführerin gehöre, vermögen nicht zweifelsfrei zu belegen, dass die
Beschwerdeführerin die rechtmässige Eigentümerin des fraglichen Kunst-
werks ist:
Zum einen ist E._ gemäss dem «Certificate of election and incum-
bency» (Kopie vom 13. August 2021) weder als «Director» noch als «acting
Officer» der Beschwerdeführerin im [...] Register [des Landes 1] eingetra-
gen (obwohl dort eine Person mit ähnlichem Namen verzeichnet ist). Aller-
dings hatte ihn die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 21. Septem-
ber 2015 an die EZV noch als ihren Geschäftsführer bezeichnet (daselbst
Rz. 28). Ohnehin hat aber E._ seine schriftliche Äusserung vom
18. Februar 2022 nicht im Namen der Beschwerdeführerin, sondern in sei-
nem eigenen Namen gemacht. Insoweit liegt wiederum ein indirektes Be-
weismittel vor. Entscheidend jedoch ist, dass die schriftliche Erklärung von
E._ vom 18. Februar 2022 erst während des aktuellen Verfahrens
vor Bundesverwaltungsgericht getätigt worden ist, obschon gegen ihn seit
längerer Zeit mehrere Zollverfahren laufen und teilweise bereits abge-
schlossen sind. Die Beschwerdeführerin hatte zuvor im Verfahren betref-
fend die Nachforderung von Einfuhrabgaben in ihrer Eingabe vom 21. Sep-
tember 2015 an die EZV ihr Eigentum an sämtlichen ihrem Geschäftsführer
zugeordneten Kunstwerken noch bestritten, ohne zu erklären, welche
Kunstgegenstände davon auszunehmen waren.
Zum andern ist die Erklärung der D._ AG vom 23. Februar 2022
ebenfalls erst vor Bundesverwaltungsgericht vorgebracht worden. Zudem
geben die Unterzeichnenden darin nur ihren Wissenstand betreffend die
Eigentumsverhältnisse einer anderen angeblichen Eigentümerin wieder.
Infolgedessen kann auch aufgrund der beiden Erklärungen vom 18. und
23. Februar 2022 nicht mit rechtsgenüglicher Sicherheit geschlossen wer-
den, dass die Beschwerdeführerin Eigentümerin des streitgegenständli-
chen Kunstwerks ist.
3.9.4 Die Beschwerdeführerin reicht sodann vor Bundesverwaltungsge-
richt zum Nachweis ihres Eigentumserwerbs die Rechnung des Auktions-
hauses J._ [...] vom 13. März 2006 ins Recht. Sie lässt hierbei aber
unbeachtet, dass diese Rechnung an die «X._» mit Adresse in [der
Schweiz] gerichtet war. Laut dem von der Beschwerdeführerin mit Eingabe
vom 17. Juni 2022 ebenfalls eingereichten «Certificate of election an
incumbency» (Kopie vom 13. August 2021) ist sie am 27. März 1992 nach
A-880/2022
Seite 22
[dem] Recht [des Landes 1] als «Nonresident Domestic Corporation» ge-
gründet worden. Dass diese [...] Gesellschaft [im Land 1] mit der Rech-
nungsempfängerin identisch ist, lässt sich diesen Dokumenten nicht zwei-
felsfrei entnehmen. Damit ist auch nicht zweifelsfrei erstellt, dass die Be-
schwerdeführerin im Jahre 2006 Eigentümerin des streitgegenständlichen
Kunstwerks geworden ist. Selbst wenn sie das Kunstwerk im Jahre 2006
zu Eigentum erworben hätte, hat sie im Jahre 2015 bestritten, Eigentüme-
rin zu sein, weshalb sich die Frage stellt, ob sie in der Zwischenzeit das
Eigentum aufgegeben hatte.
3.9.5 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist festzuhalten, dass die Ei-
gentumsverhältnisse weiterhin illiquid sind.
3.9.6 Soweit die Beschwerdeführerin auf ein anderes Kunstwerk hinweist,
bei dem die Vorinstanz eine Restauration zugelassen habe, ist ihr zu ent-
gegnen, dass gemäss den von ihr selbst eingereichten Unterlagen, sie die
Restauration eigenmächtig und ohne Absprache mit der Vorinstanz hat vor-
nehmen lassen. Nachdem die Vorinstanz davon erfahren hatte, drückte sie
ihr Erstaunen über die Vorgehensweise aus und wies ausdrücklich darauf
hin, dass ohne Zustimmung ihrerseits nicht über einen als Zollpfand be-
schlagnahmten Gegenstand verfügt werden dürfe. Daraus kann die Be-
schwerdeführerin mithin nichts zu ihren Gunsten ableiten.
3.9.7 Daneben unterlässt es die Beschwerdeführerin, darzulegen, aus wel-
chem anderen Grund, sie zum fraglichen Kunstobjekt eine besondere Be-
ziehung aufweise, um über dieses verfügen zu dürfen. Es kann daher of-
fenbleiben, ob der Begriff der berechtigten Person im Sinne von Art. 84
Abs. 1 ZG möglicherweise über den Begriff des Eigentümers der Pfandsa-
che (vgl. Art. 217 ZV) hinausgeht.
3.9.8 Davon abzugrenzen ist die Frage, ob die Restauration des Kunst-
werks tatsächlich der Werterhaltung dient, wie das die Beschwerdeführerin
geltend macht. Letztere Frage betrifft die sachliche Prüfung des Gesuchs
und war nicht Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens und ist deshalb
vorliegend nicht zu beurteilen (E. 1.7).
3.10 Die Beschwerdeführerin rügt ferner, die Vorinstanz verstosse mit ih-
rem Nichteintretensentscheid gegen das Gebot von Treu und Glauben,
weil sie eine Schädigung des Kunstwerks in Kauf nehme. Zudem verstosse
sie damit auch gegen den Grundsatz der Verhältnismässigkeit, weil ja nur
A-880/2022
Seite 23
die Restauration ermöglicht werden solle und keine Pfandentlassung ver-
langt werde.
Beide Argumente betreffen jedoch nicht die Eintretensvoraussetzungen,
sondern vielmehr die Frage, ob die Bewilligung zur Restauration zu erteilen
wäre (bzw. eine Frage, für deren Beantwortung das Bundesverwaltungs-
gericht nicht zuständig ist: E. 3.5.3). Sie betreffen damit die weiteren Vo-
raussetzungen für die Erteilung der Bewilligung, welche von der Vorinstanz
gar nicht erst geprüft worden sind. Da die Vorinstanz die Legitimation zu
Recht verneint hat und es der Beschwerdeführerin auch vor Bundesver-
waltungsgericht nicht gelingt, ihre Legitimation zur Durchführung des Ver-
waltungsverfahrens betreffend Bewilligung über eine beschlagnahmte Sa-
che bzw. Zollpfand zu verfügen, rechtsgenüglich zu belegen, bleibt kein
Raum für eine Beurteilung des Gesuches vom 26. Oktober 2021. Für eine
Rückweisung an die Vorinstanz bleibt unter diesen Umständen ebenfalls
kein Raum.
3.11 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde vollumfänglich
abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist.
4.
4.1 Ausgangsgemäss sind die auf Fr. 1‘500.- festzusetzenden Verfahrens-
kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zur Bezahlung der
Verfahrenskosten zu verwenden.
4.2 Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1
VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3
VGKE).
A-880/2022
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