Decision ID: 19060d2f-b0ba-58cc-9464-2cd35b25af71
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerinnen reichten am 15. September 2016 bei der Gemeinde
Laupen ein Baugesuch ein für den Neubau von 12 Doppeleinfamilienhäusern mit Auto- und
Zweiradabstellplätzen auf Parzelle Laupen Grundbuchblatt Nr. G._. Die Parzelle
liegt im Bereich der Überbauungsordnung "D._". Gegen das Bauvorhaben
erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache.
Mit Gesamtbauentscheid vom 5. Juli 2017 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 4. August 2017 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragten die
Aufhebung des Gesamtbauentscheides vom 5. Juli 2017 und die Erteilung des
Bauabschlags. Zur Begründung machten sie im Wesentlichen geltend, das gemäss den
Überbauungsvorschriften geforderte architektonische Gesamtkonzept fehle; die
Überbauung werde unzulässig etappiert; die Ausrichtung des Doppeleinfamilienhauses Nr.
15/16, das gegenüber dem Wohnhaus der Beschwerdeführenden erstellt werden soll,
verstosse gegen Ästhetikvorschriften der Überbauungsordnung und des
Gemeindebaureglements; zudem habe die Vorinstanz das rechtliche Gehör der
Beschwerdeführenden verletzt, indem sie sich mit den Einspracherügen ungenügend
auseinandergesetzt habe.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. In ihrer Beschwerdeantwort vom
17. August 2017 signalisierten die Beschwerdegegnerinnen ihre Bereitschaft, die
Ausrichtung des Doppeleinfamilienhauses Nr. 15/16 sowie – damit zusammenhängend –
des Doppeleinfamilienhauses Nr. 23/24 durch "Drehen" zu ändern, um dem Anliegen der
Beschwerdeführenden zu entsprechen; diese hätten im Gegenzug den
Beschwerdeverzicht in Aussicht gestellt. Die Gemeinde Laupen sowie die Burgergemeinde
Laupen als Grundeigentümerin hätten sich damit jedoch nicht einverstanden erklärt.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Die Gemeinde Laupen beantragte mit Stellungnahme vom 22. August 2017 die Abweisung
der Beschwerde. Gleichzeitig erklärte sie, dass sie das vorgeschlagene "Drehen" der
Doppeleinfamilienhäuser Nr. 15/16 sowie Nr. 23/34 als bewilligungsfähig erachte und einer
solchen Projektänderung zustimmen würde. Die Vorinstanz beantragte mit Stellungnahme
vom 4. September 2017 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Die
Beschwerdeführenden erklärten mit Beschwerdeantwort vom 5. September 2017, dass sie
ihre Beschwerde zurückziehen würden, wenn mit einer Projektänderung die Ausrichtung
der Doppeleinfamilienhäuser Nr. 15/16 sowie Nr. 23/24 geändert werde und das Projekt
ansonsten unverändert bleibe.
4. Am 26. September 2017 reichten die Beschwerdegegnerinnen die in Aussicht
gestellte Projektänderung ein.2 Zudem reichten sie eine Vereinbarung zwischen den
Parteien vom 19./26. September 2017 zu den Akten, wonach die Beschwerdegegnerinnen
bei der BVE die Projektänderung mit den "gedrehten" Doppeleinfamilienhäusern einreichen
und die Beschwerdeführenden sich im Gegenzug verpflichten, nach deren rechtskräftiger
Bewilligung ihre Beschwerde "soweit noch erforderlich zurückzuziehen bzw. das
Beschwerdeverfahren als gegenstandslos zu erklären und kein Rechtsmittel (...) zu
ergreifen". Die Vereinbarung umfasst zudem eine Einigung über die Tragung der
Verfahrens- und der Parteikosten.
Das Rechtsamt gewährte den Beteiligten das rechtliche Gehör zur Projektänderung.
Zudem beauftragte es die Gemeinde Laupen, die Projektänderung öffentlich zur
Einsichtnahme aufzulegen, allenfalls berührte Dritte anzuhören und deren Eingaben
zusammen mit der eigenen Stellungnahme dem Rechtsamt einzureichen. Die Vorinstanz
verzichtete mit Schreiben vom 20. Oktober 2017 auf Bemerkungen zur Projektänderung.
Die Beschwerdeführenden erklärten mit Eingabe vom 3. November 2017 ihr Einverständnis
mit der Projektänderung. Die Gemeinde Laupen teilte am 16. November 2017 mit, sie habe
die betroffenen Dritten (Nachbarn), darunter die Burgergemeinde Laupen, schriftlich über
die Projektänderung, die Möglichkeit zur Einsichtnahme und die Einsprachemöglichkeit
informiert. Zudem habe sie die Bauherrschaft aufgefordert, die Profile entsprechend der
2 Situationsplan im Mst. 1:1'000 vom 14. September 2017; Plan "Untergeschoss, Werkleitungen, Entwässerung" im Mst. 1:200 vom 14. September 2017; Plan "Erdgeschoss, Umgebung" im Mst. 1:200 vom 14. September 2017; Plan "Fassaden Häuser 9-16" im Mst. 1:100 vom 14. September 2017; Plan "Fassaden Häuser 17-24" im Mst. 1:100 vom 14. September 2017, alle von der BVE gestempelt am 26. September 2017
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Projekänderung umzustellen. Es sei keine Einsprache eingereicht worden. Die Gemeinde
stimme der Projektänderung zu.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen,
die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden,
deren Einsprache abgewiesen wurde, sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Projektänderung
a) Das Bauvorhaben betrifft eine Überbauung mit 12 Doppeleinfamilienhäusern, die
beidseitig einer Erschliessungsstrasse angeordnet sind. Nach dem Baugesuch vom
15. September 2016 sollte bei den meisten Häusern die dem Garten zugewandte
Längsseite nach Süden gerichtet sein; auf der West- und der Ostseite der Überbauung
sollten jedoch jeweils zwei am Rand der Überbauung gelegene Doppeleinfamilienhäuser
nach Aussen (also auf der Westseite nach Westen und auf der Ostseite nach Osten)
ausgerichtet sein.5 Bei den beiden ostseitigen, nach Osten ausgerichteten Häusern handelt
es sich um die Nummern 15/16 sowie 23/24.6
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 5 Vorakten, pag. 253 6 Beilage I zur Stellungnahme der Gemeinde Laupen vom 16. November 2016
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Mit ihrer Beschwerde wandten sich die Beschwerdeführenden gegen die geplante
Ausrichtung des Doppeleinfamilienhauses Nr. 15/16, das direkt gegenüber ihrer
Liegenschaft errichtet werden soll. Nach Ansicht der Beschwerdeführenden würde dessen
Ostausrichtung einen Widerspruch zur quartierüblichen Südausrichtung schaffen; sie
befürchteten zudem eine Einschränkung ihrer Privatsphäre.7
b) Mit der Projektänderung wird das Doppeleinfamilienhaus Nr. 15/16 entsprechend
dem Anliegen der Beschwerdeführenden nach Süden ausgerichtet. Zugleich soll das
nördliche Nachbargebäude Nr. 23/24 nach Süden abgedreht werden, so dass östlich der
Erschliessungsstrasse nunmehr sämtliche Häuser der Überbauung nach Süden
ausgerichtet sind. Die Beschwerdegegnerinnen erläutern in ihrer Beschwerdeantwort vom
17. August 2017, die ursprüngliche Anordnung wäre symmetrisch gewesen und hätte einen
harmonischen Gesamteindruck geschaffen. Mit dem Abdrehen der Häuser Nr. 15/16 und
Nr. 23/24 werde das Gesamtbild auf den Plänen weniger stimmig. Die Siedlung werde
dadurch aber weder konzeptionell noch in ihrem Erscheinungsbild negativ beeinflusst. Die
Wohnqualität der abgedrehten Häuser werde infolge günstigerer Besonnung verbessert.
c) Nach Art. 43 Abs. 1 und 3 BewD8 kann eine Projektänderung im laufenden
Beschwerdeverfahren beurteilt werden, wenn das Bauvorhaben in seinen Grundzügen
gleich bleibt. Zuvor müssen die Gemeinde, die Gegenpartei und die von der
Projektänderung berührten Dritten angehört werden. Eine Veränderung in den Grundzügen
ist anzunehmen, wenn ein Hauptmerkmal wie Erschliessung, Standort, äussere Masse,
Geschosszahl, Geschosseinteilung oder Zweckbestimmung wesentlich verändert wird oder
wenn eine Mehrzahl geringer Änderungen dem Bau oder der Anlage eine gegenüber dem
ursprünglichen Projekt veränderte Identität verleiht.9
Vorliegend bleibt die Identität des Bauvorhabens mit der Projektänderung gewahrt. Die
Änderung gegenüber dem ursprünglichen Projekt beschränkt sich auf das Abdrehen der
Häuser Nr. 15/16 und Nr. 23/24. Die Zahl der Häuser in der Überbauung, deren
Ausgestaltung und deren Anordnung – abgesehen von der erwähnten Abdrehung von zwei
Häusern – bleibt gleich. Damit bleibt das Projekt in seinen Grundzügen erhalten. Die
7 Beschwerde, S. 9; vgl. Vorakten, pag. 105 8 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 12a
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Anpassung kann deshalb als Projektänderung nach Art. 43 Abs. 1 und 3 BewD behandelt
werden. Das Projektänderungsgesuch ersetzt dabei das ursprüngliche Baugesuch.10
Gegenstand des Verfahrens ist somit nur das geänderte Projekt gemäss der
Projektänderung vom 26. September 2017. Die gesetzlich vorgeschriebene Anhörung ist
erfolgt. Die Beschwerdeführenden widersetzen sich in ihrer Stellungnahme zur
Projektänderung dem Bauvorhaben nicht mehr. Die Beschwerde ist somit gegenstandslos
geworden.
d) Über das geänderte Projekt wurde noch nicht entschieden. Das
Projektänderungsverfahren ist nach wie vor hängig und wird durch die
Gegenstandslosigkeit der Beschwerde nicht hinfällig. Es bleibt von Amtes wegen zu
prüfen, ob die Projektänderung bewilligt werden kann.
Mit der Projektänderung wird dem Anliegen der Beschwerdeführenden entsprochen, ohne
dass daraus Bedenken – namentlich ästhetischer Natur – resultieren. Die Beeinträchtigung
der Symmetrie, die nur auf den Plänen bzw. beim Blick von oben überhaupt wahrnehmbar
ist, ist unter ästhetischen Gesichtspunkten vernachlässigbar. Beim Blick vom Boden aus,
der bei der Beurteilung der ästhetischen Wirkung entscheidend ist, wird das Gesamtbild
nicht beeinträchtigt.
Die Gemeinde stimmt der Projektänderung zu. Auch die Vorinstanz hat gegen die
Projektänderung keine Einwände erhoben. Es sind keine Gründe erkennbar, die gegen
eine Bewilligung des Vorhabens sprechen. Die Projektänderung kann daher genehmigt
werden.
3. Kosten
a) Die Verfahrenskosten des Beschwerdeverfahrens sind gemäss Art. 108 Abs. 1
VRPG11 der unterliegenden Partei aufzuerlegen, es sei denn, das prozessuale Verhalten
einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten,
keine Verfahrenskosten zu erheben. Die Parteien haben sich in ihrer Vereinbarung vom
19. / 26. September 2017 geeinigt, dass die bis zur Einreichung der Projektänderung
10 BVR 1989, S. 400 ff. 11 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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angefallenen Verfahrenskosten von ihnen je hälftig getragen werden sollen, die
Beschwerdegegnerinnen aber die Verfahrenskosten tragen sollen, die mit der Beurteilung
der Projektänderung entstehen.
Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'200.– (Art. 103
Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV12). Gestützt auf Art. 108 Abs. 1 VRPG und die
Vereinbarung der Parteien wird den Beschwerdeführenden davon ein Anteil von Fr. 300.–
auferlegt und den Beschwerdegegnerinnen ein Anteil von Fr. 900.–.
b) Nach Art. 108 Abs. 3 VRPG hat die unterliegende Partei der Gegenpartei die
Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen
Umstände eine andere Teilung oder die Wettschlagung gebieten oder die Auflage der
Parteikosten an das Gemeinwesen als gerechtfertigt erscheint. Die Parteien haben auch
über die Tragung der Parteikosten eine Einigung getroffen. Danach bezahlen die
Beschwerdegegnerinnen den Beschwerdeführenden einen Anteil von Fr. 3'000.– (inkl.
Mehrwertsteuer) an deren Parteikosten. Allfällige weitere Parteikosten sollen die Parteien
je selber tragen. Die Umstände und das prozessuale Verhalten der Parteien rechtfertigen
es, die Parteikosten entsprechend dieser Vereinbarung zu verlegen.
12 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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