Decision ID: 245ed9bd-856f-57e9-9b3d-aa0bac024e6d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin reiste am 9. Dezember 2015 in die Schweiz
ein und suchte am 14. Dezember 2015 um Asyl nach. Am 7. Januar 2016
wurde sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum zur Person befragt (BzP).
Die Vorinstanz hörte die Beschwerdeführerin am 14. November 2017 ver-
tieft zu ihren Asylgründen an.
A.b Die Beschwerdeführerin erklärte, sie sei Angehörige der kurdischen
Ethnie und in B._, Provinz Hassaka, geboren worden. Im Jahre
2008 sei sie nach Damaskus gezogen, wo sie bis zu ihrer Ausreise gelebt
habe. Sie habe dort (...) studiert und das Studium im Jahre 20(...) abge-
schlossen. Ihre Mutter sowie eine ihrer (...) Schwestern würden immer
noch in Syrien leben. Ihr Vater sei nach ihrer Ausreise gestorben. Ferner
habe sie (...) Brüder. (...) Brüder und (...) Schwester würden in der
Schweiz leben.
A.c Zu ihren Fluchtgründen führte die Beschwerdeführerin anlässlich der
BzP im Wesentlichen aus, sie sei wegen des Bürgerkriegs geflüchtet und
habe des Weiteren an der Universität Probleme mit einer Dozentin gehabt.
Diese habe sie unter anderem dazu bringen wollen, der Regierungspartei
beizutreten. Wegen dieser Lehrkraft habe sie ihr Studium vier Jahre lang
in einem Fach nicht abschliessen können. Sie sei nie politisch tätig gewe-
sen und habe in ihrem Heimatland ansonsten nie Probleme mit Privaten
oder mit Behörden gehabt.
A.d Anlässlich der Anhörung machte die Beschwerdeführerin im Wesentli-
chen geltend, nach Ausbruch der Unruhen in ihrem Heimatland im Jahre
2011 sei sie aufgrund ihrer Ethnie und des Umstands, dass sie nicht der
Regierungspartei habe beitreten wollen, benachteiligt worden. Eine Dozen-
tin, welche sie unter anderem wegen ihrer kurdischen Ethnie verspottet
habe, habe sie drei Mal in einem Fach durchfallen lassen und ihr Studium
dadurch erheblich verzögert. Wegen ihrer Weigerung, etwas mit der Re-
gierungspartei zu tun zu haben, sei ihr später der Masterstudiengang ver-
weigert worden. Sodann habe sich ihr Bruder C._ auf der Flucht vor
dem Militär befunden, weshalb die heimatlichen Behörden im Hause der
Familie nach ihm gesucht hätten. Beim zweiten Besuch hätten sie sie (die
Beschwerdeführerin) verhaften wollen. Nachdem die Soldaten auf Flehen
der Eltern von der Verhaftung abgelassen hätten, sei gedroht worden, dass
sie inhaftiert würde, falls der Bruder nicht aus der Familie verstossen oder
sich bei den Behörden melden würde. Daraufhin habe sie sich zirka zehn
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Tage lang bei einer Familie versteckt und danach das Land verlassen.
Nach ihrer Ausreise habe sich das Militär abermals nach ihr und ihrem Bru-
der erkundigt.
A.e Die Beschwerdeführerin reichte eine syrische Identitätskarte sowie ei-
nen Visumantrag zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 13. August 2018 stellte die Vorinstanz fest, die Be-
schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylge-
such ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, schob den Vollzug
jedoch wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
C.
Die Beschwerdeführerin erhob mit Eingabe vom 13. September 2018 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt, die Dispositivzif-
fern 1-3 der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben und es sei die
Vorinstanz anzuweisen, ihr in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter
seien die Dispositivziffern 1-3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben
und es sei die Sache zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsfeststel-
lung und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sodann
sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege sowie Verbeiständung zu gewähren
und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten. Des
Weiteren sie ihr zu gestatten, sich für die Dauer des Verfahrens in der
Schweiz aufzuhalten und demzufolge das zuständige kantonale Amt anzu-
weisen, für die Dauer des Beschwerdeverfahrens von jeglichen Wegwei-
sungs- und Vollzugsmassnahmen abzusehen. Schliesslich sei ihr gegen-
über allfälligen Stellungnahmen der Vorinstanz das Replikrecht einzuräu-
men.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 3. Oktober 2018 wies die Instruktionsrichterin
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um
Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes ab und forderte die Be-
schwerdeführerin dazu auf, innert Frist einen Kostenvorschuss von
Fr. 750.– zu leisten.
E.
Der einverlangte Kostenvorschuss wurde am 16. Oktober 2018 innert Frist
beglichen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist – mit nachfolgendem Vorbehalt – ein-
zutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Soweit in der Rechtsmitteleingabe beantragt wird, die kantonalen Be-
hörden seien anzuweisen, von Wegweisungs- und Vollzugsmassnahmen
abzusehen, ist festzuhalten, dass der Beschwerde von Gesetzes wegen
aufschiebende Wirkung zukommt (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 55 Abs. 1
VwVG) und die Vorinstanz diese vorliegend nicht entzogen hat, weshalb –
in Ermangelung eines Rechtsschutzinteresses – auf den Antrag nicht ein-
zutreten ist. Zudem wird die durch die Vorinstanz angeordnete vorläufige
Aufnahme durch die erhobene Beschwerde nicht berührt.
1.4 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, wes-
halb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffenen
Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexverfolgung
vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Reflexverfol-
gung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2
AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet befürchten
muss (zum Begriff der Reflexverfolgung: BVGE 2007/19 E. 3.3 S. 225, un-
ter Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h; vgl. ausserdem EMARK
1994 Nr. 17).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
4.
Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten weder den Anforderungen an
das Glaubhaftmachen nach Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft nach Art. 3 AsylG stand.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19 http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/5 http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/17 http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/17
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Zur Begründung führt die Vorinstanz aus, am Wahrheitsgehalt der Vorbrin-
gen der Beschwerdeführerin seien erhebliche Zweifel anzubringen. Insbe-
sondere erstaune es, dass sie anlässlich der BzP angegeben habe, abge-
sehen von den Problemen an der Universität habe sie nie Probleme mit
Privaten oder mit Behörden gehabt, anlässlich der Anhörung dagegen vor-
gebracht habe, Soldaten hätten sie zu Hause besucht und aufgrund der
Dienstverweigerung ihres Bruders mitnehmen wollen. Mit dem Hinweis, sie
habe die Ausführlichkeit ihrer Schilderungen dem summarischen Charakter
der BzP anpassen müssen und sei aufgrund des Umstandes, dass der
Sachbearbeiter sie im Zusammenhang mit ihren Angaben zu einem Vi-
sumsantrag der Lüge bezichtigt habe, verunsichert gewesen, vermöge sie
nicht überzeugend zu erklären, weshalb sie den Hauptgrund ihrer Ausreise
anlässlich der BzP mit keinem Wort erwähnt habe. Die Vorbringen im Zu-
sammenhang mit den Hausrazzien würden aufgrund der Nachgeschoben-
heit als unglaubhaft erscheinen. Sodann sei darauf hinzuweisen, dass der
Bruder der Beschwerdeführerin, nach welchem bei den geltend gemachten
Hausrazzien gesucht worden sei, in der Schweiz zwar als Flüchtling aner-
kannt worden sei, aber nicht über ein politisches Profil verfüge, welches
befürchten liesse, sie könnte in ihrem Heimatland bei ihrer Rückkehr einer
Reflexverfolgung ausgesetzt sein. Schliesslich vermöchten ihre Schilde-
rungen im Zusammenhang mit den Diskriminierungen an der Universität
und ihrem weiteren Bildungsgang keine flüchtlingsrechtlich relevante Inten-
sität zu entfalten.
5.
In der Rechtsmitteleingabe wird im Wesentlichen geltend gemacht, der
Bruder der Beschwerdeführerin, C._, sei durch die Vorinstanz am
13. August 2018 als Flüchtling anerkannt und ihm sei Asyl gewährt worden
(vgl. N [...]). Ferner seien auch zwei weitere Brüder sowie zwei ihrer Onkel
verfolgt worden. Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Re-
flexverfolgung müsse ihr daher geglaubt werden. Zwar habe sie anlässlich
der BzP ausgeführt, selber nie Probleme mit den syrischen Behörden ge-
habt zu haben, aber damit habe sie erklären wollen, dass sie nie direkte
Probleme gehabt habe. Reflexverfolgungen gehörten in Syrien zum Alltag.
Ferner sei sie anlässlich der BzP wegen einer fehlerhaften Übersetzung
fälschlicherweise der Lüge bezichtigt worden, wodurch sie sehr verunsi-
chert worden sei. Es sei unter diesen Umständen verständlich, dass sie
erst anlässlich der Anhörung ihre Reflexverfolgung habe schildern können.
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Seite 7
6.
6.1 Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung bereits zutreffend
ausführte, erklärte die Beschwerdeführerin anlässlich der BzP, sie habe ihr
Heimatland wegen des Bürgerkrieges und der an ihrer Universität prakti-
zierten Diskriminierung verlassen. Sie sei jedoch nie politisch tätig gewe-
sen und habe in Syrien sonst nie Probleme mit Privaten oder mit Behörden
gehabt (vgl. SEM-Akten A7/11 Ziff. 7.01). Im Rahmen der Anhörung er-
klärte sie demgegenüber, die Behörden hätten beabsichtigt beziehungs-
weise damit gedroht, sie in Haft zu setzen, falls sich ihr Bruder nicht bei
den Behörden melde beziehungsweise dieser nicht aus der Familie
verstossen werde (vgl. A19/16 F61).
Klare asylrelevante Aussagen, die in der Erstbefragung von den späteren
Aussagen diametral abweichen oder bestimmte Ereignisse oder Befürch-
tungen, die nicht ansatzweise erwähnt werden, sind Widersprüche, die im
Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksichtigen sind (so bereits EMARK
1993/3 E. 3 S. 13).
Unter Berücksichtigung dieser Rechtsprechung sowie in Übereinstimmung
mit der Vorinstanz sind die Ausführungen in Zusammenhang mit den Be-
hördenbesuchen und Drohungen wegen des Bruders als nachgeschoben
und deshalb unglaubhaft zu qualifizieren. Insbesondere vermag der Hin-
weis in der Rechtsmitteleingabe, die Beschwerdeführerin habe in der BzP
zum Ausdruck bringen wollen, dass sie nie direkte Probleme mit den Be-
hörden gehabt habe, nicht zu überzeugen. Auch ist nicht davon auszuge-
hen, die Beschwerdeführerin habe aufgrund des summarischen Charak-
ters der BzP bewusst nur oberflächliche beziehungsweise generelle Schil-
derung zu den Fluchtgründen gemacht, da ihre Vorbringen zu den geltend
gemachten Problemen an der Universität relativ eingehend ausfielen (vgl.
SEM-Akten A7/11 Ziff. 7.01). Insofern ist nicht nachvollziehbar, weshalb sie
anlässlich der BzP Behördenbesuche und Drohungen bei ihr zu Hause,
welche sie selber als ihren zentralen Fluchtgrund betrachtet (vgl. SEM-Ak-
ten A19/16 F79), nicht mit einem Wort erwähnt hat. Sodann vermag die
Erklärung, sie sei anlässlich der BzP von Seiten des Sachbearbeiters we-
gen ihrer Aussage zum Visumantrag bereits früh der Lüge bezichtigt wor-
den und deshalb eingeschüchtert gewesen, das Gericht nicht zu überzeu-
gen; dies insbesondere deshalb, weil sie sich – wie bereits erwähnt – in
anderen Bereichen durchaus einlässlich zu äussern getraute. Ferner be-
stätigte sie anlässlich der BzP nach der Rückübersetzung die Korrektheit
des Protokolls und machte den angeblichen Übersetzungsfehler im Zu-
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sammenhang mit den Fragen zum Visumantrag erst im Rahmen der Anhö-
rung und auf Vorhalt von Widersprüchen in ihren Vorbringen geltend. Er-
gänzend ist dazu festzuhalten, dass die Anmerkungen der Hilfswerkvertre-
tung zum Verlauf der BzP (vgl. SEM-Akten A19/16, Unterschriftenblatt der
Hilfswerkvertretung) für das Gericht keinen Erkenntniswert zu entfalten
vermögen, da diese daran nicht teilgenommen hat. Ferner ist eine unvoll-
ständige oder falsche Sachverhaltsfeststellung – entgegen den Ausführun-
gen in der Rechtsmitteleingabe – in diesem Zusammenhang nicht festzu-
stellen, weshalb der entsprechende Antrag auf Rückweisung an die Vor-
instanz abzuweisen ist.
Nach dem Ausgeführten ist festzuhalten, dass nicht glaubhaft dargelegt
werden konnte, die Beschwerdeführerin habe vor ihrer Ausreise wegen ih-
rer Angehörigen, insbesondere wegen ihres Bruders C._, im Fokus
der heimatlichen Behörden gestanden. Dass ihr Bruder anlässlich seiner
Anhörung zu seinen Fluchtgründen ebenfalls vorbrachte, ihr sei seinetwe-
gen von den Behörden mit Haft gedroht worden (vgl. N [...], A19/12 F41)
vermag – nicht zuletzt aufgrund der verwandtschaftlichen Nähe der Ge-
suchstellenden – an dieser Einschätzung nichts zu ändern.
6.2 In der Rechtsmitteleingabe wird ferner geltend gemacht, dass zwei wei-
tere Brüder sowie zwei Onkel durch die syrischen Behörden verfolgt wor-
den seien.
Das Problem der Reflexverfolgung im Zusammenhang mit Syrien ist auf-
grund zahlreicher Berichterstattungen gut dokumentiert. In den meisten
Fällen sind Familienmitglieder im engeren Sinne davon betroffen. Jedoch
können auch entferntere Verwandte von Personen mit oppositionellen po-
litischen Hintergrund in den Fokus der Behörden geraten (vgl. UN High
Commissioner for Refugees [UNHCR], Relevant Country of Origin Informa-
tion to Assist with the Application of UNHCR’s Country Guidance on Syria:
“Illegal Exit” from Syria and Related Issues for Determining the Internatio-
nal Protection Needs of Asylum-Seekers from Syria, 02.2017, abrufbar un-
ter http://www.refworld.org/docid/58da824d4.html , abgerufen am
8.04.2020).
Es wurde bereits unter E. 6.1 ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin
nicht glaubhaft machen konnte, dass sie aufgrund ihrer verwandtschaftli-
chen Beziehungen tatsächlich Probleme mit den heimatlichen Behörden
hatte. Weiter kann den Akten nicht entnommen werden, dass nach ihrer
Ausreise im November 2015 die in Syrien verbliebenen Angehörigen (die
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Mutter, eine Schwester sowie der im Zeitraum zwischen BzP und Anhörung
verstorbene Vater) aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen irgendwel-
chen Repressalien durch die syrischen Behörden ausgesetzt gewesen wä-
ren. Dies wird von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht.
Ergänzend ist in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass die Mutter der
Beschwerdeführerin im Rahmen ihres Asylverfahrens nicht vorbrachte, sie
sei bis zu ihrer Ausreise im Jahre 2019 von Seiten der syrischen Behörden
in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise bedrängt worden (vgl. N 720 563,
Anhörungsprotokoll vom 16. Dezember 2019 F29 ff.).
Angesichts der sich präsentierenden Sachlage sind somit keine konkreten
Anzeichen dafür vorhanden, welche für eine begründete Furcht der Be-
schwerdeführerin vor Reflexverfolgung in ihrem Heimatland sprechen wür-
den.
7.
Aufgrund des Ausgeführten ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin zu Recht verneint und ihr
Asylgesuch abgelehnt hat.
8.
8.1.1 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung
aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht ein-
tritt. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9, BVGE 2013/37 E. 4.4.). Die Wegweisung
wurde demnach zu Recht angeordnet.
8.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Un-
zulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alternativer Natur: Ist
eine von ihnen erfüllt, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar
zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den
Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2011/7
E. 8). Gegen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme steht dem
weggewiesenen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde an das Bun-
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desverwaltungsgericht offen, wobei in jenem Verfahren die Vollzugshinder-
nisse von Amtes wegen und nach Massgabe der dannzumal herrschenden
Verhältnisse von Neuem zu prüfen sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 m.w.H.;
aus der jüngeren Rechtsprechung vgl. z.B. Urteil des BVGer E-2322/2019
vom 21. Juni 2019 E. 8.2).
Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung vom 13. August 2018 die vorläufige
Aufnahme der Beschwerdeführerin in der Schweiz angeordnet, weshalb
sich weitere Ausführungen zum Wegweisungsvollzug erübrigen.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen, so-
weit darauf einzutreten ist.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE;
SR 173.320.2]). Der am 16. Oktober 2018 geleistete Kostenvorschuss in
gleicher Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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