Decision ID: 0f953123-03f4-4424-a652-7d0913e0d86e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. A (nachfolgend der Pflichtige), geb. am ...1952, war bis ... 2017 als Ingeni-
eur bei B tätig. Nach seiner Pensionierung begann er am ... 2017 ein Studium an der
Universität C mit Hauptfach Geschichte. Die dadurch entstandenen Ausgaben von
Fr. 2'943.- machte er als berufsorientierte Aus- und Weiterbildungskosten in der Steu-
ererklärung 2017 geltend.
Im Veranlagungs- bzw. Einschätzungsentscheid vom 19. Februar 2019 strich
das kantonale Steueramt den geltend gemachten Abzug und gewährte stattdessen
lediglich die Pauschale von Fr. 500.-. Begründet wurde dies damit, dass der Pflichtige
bereits Renten beziehe und gleichzeitig weiterhin beim ehemaligen Arbeitgeber tätig
sei, weswegen es unwahrscheinlich erscheine, dass er künftig seinen Lebensunterhalt
mit einem Bachelor in Geschichte bestreiten werde. Aus diesem Grund seien die gel-
tend gemachten Auslagen als nicht abzugsfähige Lebenshaltungskosten zu würdigen.
B. Hiergegen erhob der Pflichtige am 7. März 2019 Einsprache und beantrag-
te die volle Gewährung des Abzugs.
Mit Auflage vom 13. März 2019 forderte das kantonale Steueramt den Pflichti-
gen zur Einreichung folgender Unterlagen ein:
 Nachweis, dass der Pflichtige sämtliche Stufen bis zum Erlangen des Ab-
schlusses als Bachelor Geschichte zu absolvieren beabsichtige bzw. inzwi-
schen bereits absolviert habe;
 Kopien der Stundenpläne der Vorlesungen;
 Belegsmässiger Nachweis der während des Studiums erlangten ECTS Cre-
dits;
 Substanziierte Sachdarstellung und belegsmässiger Nachweis der beruflichen
Tätigkeit nach Erlangen des Abschlusses Bachelor Geschichte.
Die Auflage wurde am 8. April 2019 beantwortet.
Am 29. April 2019 wies das kantonale Steueramt die Einsprachen ab.
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C. Am 20. Mai 2019 erhob der Pflichtige Beschwerde bzw. Rekurs und wie-
derholte den Einspracheantrag. Das kantonale Steueramt schloss in der Beschwerde-
und Rekursantwort vom 4. Juni 2019 auf Abweisung der Rechtsmittel. Die Eidgenössi-
sche Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, sofern rechtserheblich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1. Ab Steuerperiode 2016 können die Kosten der berufsorientierten Aus-
und Weiterbildung bis zum Gesamtbetrag von Fr. 12'000.- abgezogen werden (Art. 33
Abs. 1 lit. j des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezem-
ber 1990 [DBG], Art. 9 Abs. 2 lit. o des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der
direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 [StHG], § 31
Abs. 1 lit. k des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 [StG]), sofern ein erster Abschluss
auf der Sekundarstufe II vorliegt oder das 20. Lebensjahr vollendet ist und es sich nicht
um die Ausbildungskosten bis zum ersten Abschluss auf der Sekundarstufe II handelt.
Abzugsfähig sind nur die berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten. Der Lehr-
gang, für den die Aus- und Weiterbildungskosten aufgewendet werden, muss demnach
einer aktuellen oder künftigen beruflichen Tätigkeit dienen (Hunziker/Mayer-Knobel, in:
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bun-
dessteuer, 3. A., 2017, Art. 33 N 36b DBG; Reich/von Ah/Brawand, in: Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten
Steuern der Kantone und Gemeinden, 3. A., 2017, Art. 9 N 56j StHG, auch zum Fol-
gen). Dies ist dann der Fall, wenn der absolvierte Bildungslehrgang nach der allgemei-
nen Lebenserfahrung und dem allgemeinen Lauf der Dinge für die berufliche Tätigkeit
nützlich und die gewonnenen Erkenntnisse somit im konkreten Fall bei der Arbeit an-
gewendet werden können. Es spielt keine Rolle, ob die Aus- oder Weiterbildung in di-
rekten Zusammenhang mit der Erzielung des gegenwärtigen Erwerbseinkommens
steht. Die berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten berechtigen auch dann
zum Abzug, wenn nach Abschluss der Aus- oder Weiterbildung nicht im erlernten Be-
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rufsfeld gearbeitet wird. Alle Bildungskosten, die nicht berufsorientiert sind, werden
nicht zum Abzug zugelassen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es sich um
eine Weiterbildung im Bereich der Freizeitgestaltung (Liebhaberei, Hobby) handelt. Als
berufsorientiert gelten Bildungslehrgänge, die zu einer beruflichen Qualifikation führen,
auch wenn der Nachweis, dass die steuerpflichtige Person den neuen Beruf tatsächlich
ausübt, nicht erbracht wird. Ein Bildungslehrgang wird demnach als Liebhaberei ange-
sehen, wenn er zu keiner beruflichen Qualifikation führt und auch nicht berufsorientiert
ist. Eine berufliche Qualifikation liegt vor, wenn die steuerpflichtige Person aufgrund
des absolvierten Bildungslehrgangs dazu befähigt wird, unter Einsetzung des durch
diesen Lehrgang erworbenen Wissens bei einer 100% Anstellung die finanzielle Unab-
hängigkeit zu erlangen. Die steuerpflichtige Person hat den Nachweis zu erbringen.
Der Abzug ist bei Altersrentnern nur möglich, falls sie eine aktuelle oder künftige Er-
werbstätigkeit glaubhaft machen (Kreisschreiben Nr. 42 der Eidgenössischen Steuer-
verwaltung über die steuerliche Behandlung der berufsorientierten Aus- und Weiterbil-
dungskosten vom 30. November 2017, Ziff. 4.1, nachfolgend Kreisschreiben).
2. a) Der Pflichtige absolviert ein Bachelor an der Universität C mit dem
Hauptfach Geschichte. Nach eigener Aussage strebt er eine selbstständige Tätigkeit
als Berufsgenealoge an. Die Fähigkeit zum Lesen alter Handschriften habe er in den
vergangenen 15 Jahren als Amateur erworben. Nun fehle ihm die historische Grund-
ausbildung. Ein Netzwerk potentieller Kunden habe er im Verlaufe der vergangenen
15 Jahren bereits erworben. Er habe über sein Hobby Kontakte aufgebaut zu mehreren
Hundert Personen in Übersee, deren Vorfahren aus dem deutschsprachigen Raum
ausgewandert seien.
b) Es ist unstreitig, dass der vom Pflichtigen besuchte Lehrgang grundsätzlich
die Anforderungen des Gesetzes für eine Abzugsfähigkeit erfüllt. Nachgewiesen ist
zudem, dass der Pflichtige den Lehrgang seriös angeht, hat er doch per Ende des
Herbstsemesters 2018 bereits 78 ECTS Credits erlangt. Das kantonale Steueramt be-
gründet die Abweisung damit, dass der Pflichtige bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt
seine Dienstleistungen anbieten könne, habe er sich doch bereits die Fähigkeiten zum
Lesen alter Handschriften angeeignet. Dies sowie die Tatsache, dass er seinen Le-
bensunterhalt dank seiner Renten bestreiten könne, sprächen dafür, dass ihm eine
Gewinnerzielungsabsicht fehle.
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Dabei übersieht das kantonale Steueramt, dass grundsätzlich ein Bildungs-
lehrgang nur dann als Liebhaberei angesehen wird, wenn er zu keiner beruflichen Qua-
lifikation führt, was vorliegend von der Vorinstanz nicht behauptet wird. Der Pflichtige
soll dadurch befähigt werden, bei einer 100% Anstellung finanzielle Unabhängigkeit zu
erlangen, jedoch ist weder erforderlich, dass tatsächlich nach Abschluss der Ausbil-
dung eine solche angetreten wird, noch, dass der Pflichtige für den Lebensunterhalt
auf diesen Verdienst angewiesen ist. Selbst wenn man gestützt auf das Kreisschreiben
an Rentnern erhöhte Anforderungen stellt, verlangt dieses keinen Beweis, sondern
lediglich Glaubhaftmachung einer künftigen Erwerbstätigkeit. Naturgemäss können die
Anforderung an die Glaubhaftmachung eines künftigen Ereignisses nicht allzu hochge-
stellt werden, weswegen eine nachvollziehbare Schilderung der Berufspläne grund-
sätzlich als hinreichend zu erachten ist.
Auch das Argument, der Pflichtige habe sich die nötigen beruflichen Qualifika-
tionen bereits angeeignet, läuft ins Leere. Zum einen behauptet das der Pflichtige kei-
nesfalls, zum anderen ist historisches Grundwissen für die Ausübung des Berufs Ge-
nealoge notwendig, ist doch wichtig, dass man die zur Verfügung stehenden
Dokumente historisch einordnen kann (so auch der Verband der Deutschen Berufs-
genealogen, Verbindliche Berufsgrundsätze, Ziff. 2.14).
3. a) Die Beschwerde und der Rekurs sind damit gutzuheissen und der Pflich-
tige ist mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 111'000.- (direkte Bundessteuer)
bzw. Fr. 98'800.- (satzbestimmend Fr. 110'100.-, Staats- und Gemeindesteuern) und
einem steuerbaren Vermögen von Fr. 1'966'000.- (satzbestimmend Fr. 2'232'000.-) zu
veranlagen/einzuschätzen.
b) Ausgangsgemäss sind die Kosten des vorliegenden Verfahrens der
Beschwerdegegnerin/dem Rekursgegner aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG, § 151
Abs. 1 StG).
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