Decision ID: 7747bcbd-be3d-4567-9bb5-9c4591893bcb
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1954
,
war vom
2
1.
Januar
2001 bis
3
1.
August 2012
im
Y._
, als
Mitarbeiterin Service
im Bereich Pflege
in einem Pensum von 45
%
angestellt
,
w
obei der letzte Arbeitstag am 3
0.
Juni
2012
war
(
Urk.
7/11/8
-13
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.3
Ziff.
2.7 und
Ziff.
2.9
). Unter Hinweis auf seit dem
3.
Juli 2012 bestehende Probleme mit der Psyche meldete sich die Versi
cherte am 3
0.
Oktober 2012 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2
Ziff.
6.2-3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, klärte die medizinische und erwerbl
iche Situation ab, zog Akten des Krankentaggeldversicherer
s
bei (
Urk.
7/
9,
Urk.
7/40
)
und
klärte einen Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
ab (
Urk.
7/21), welchen sie mit unange
fochten in Rechtskraft erwachsener Verfügung vom 1
9.
November 2013 ver
neinte (
Urk.
7/24). Sodann veranlasste sie eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (Bericht vom
2.
Dezember 2013;
Urk.
7/25).
N
ach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/28, 7/33-34,
Urk.
7/42-44,
Urk.
7/47)
verneinte die IV
Stelle
mit Verfügung vom
8.
September 2014 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/
49
=
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
8.
Oktober 2014 Beschwerde gegen die Verfügung vom
8.
September 2014 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
,
und es sei ihr eine halbe Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
November 2014 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1
7.
Dezember 2014 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8). Am 1
7.
April 2015 ergänzte die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde
und reichte weitere medizinische Berichte ein
(
Urk.
9,
Urk.
10/1-3 und
Urk.
11), was der Beschwerdegegnerin am 2
7.
April 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, es lägen zwar gesundheitliche Einschränkungen vor, welche die Arbeitsfähigkeit jedoch lediglich in subjektiver Weise einschränkten und überwindbar seien. Dies bedeute, dass mit einer zumutbaren Willensanstrengung die angestammte Tätigkeit in einem Pensum von 45
%
sowie die Haushaltsführung in einem Pensum von 55
%
uneingeschränkt ausgeübt werden könnten.
Die vorliegende mittelgradige depressive Episode habe nach der Rechtsprechung nicht die erfor
derliche Intensität, als dass sie als invalidisierend gelten könnte.
Soziale
Belas
tungsfaktoren
seien invaliditätsfremd und könnten nicht berücksichtigt werden. Aus somatischer Sicht sei jede leichte bis gelegentlich maximal mittelschwere Tätigkeit, überwiegend sitzend oder wechselbelastend, zumutbar.
Somit sei kein relevanter
Gesundheitsschaden ausgewiesen (S. 1 f.).
Aus medizinischer Sicht liege kein dauerhaftes Leiden vor. In somatischer Hinsicht sei die bildgebende Untersuchung der Osteoporose der Lendenwirbelsäule unauffällig gewesen (
Urk.
6 S. 2).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, es handle sich durchaus um eine ersthafte Erkrankung
,
die nicht bloss subjekti
ver Natur und auch nicht ohne weiteres überwind
bar sei. Sie sei in einer acht
wöchigen Behandlung gewesen und
immer noch stark depressiv und übe kaum mehr Aktivitäten aus. An eine Arbeitsfähigkeit sei kaum zu denken. Inzwischen handle es sich nicht bloss um eine Episode
,
sondern um eine Störung, da die Krankheit seit Anfang 2012 konstant verlaufe und keine Besserung habe erzielt werden können (S. 6 f.
Ziff.
4-5). Sie sei auch physisch
durch die Knie- und Fussbeschwerden und die Osteoporose
stark eingeschränkt, sodass an die Wie
deraufnahme der angestammten Tätigkeit nicht zu denken sei. Diese Beschwer
den se
ien unberücksichtigt geblieben
(S. 8
Ziff.
6-7). Des Weiteren sei ihr ein leidensbedingter Abzug von 25
%
zu gewähren (S. 8 f. Ziff.
8).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente verneint hat.
3.
3.
1
Hausärztin
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
nannte in ihrem Bericht vom 1
8.
März 2013 (
Urk.
7/17 =
Urk.
7/38) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelschwere Depression mit Agoraph
obie und einer Angststörung
, bestehend seit Juni 2012
,
sowie einen Status nach
Talusfraktur
im April 201
0.
Als Diagnose ohne Aus
wirkungen
auf
die Arbeitsfähigkeit
nannte sie einen Status nach zweifachen Lungenembolien (
Ziff.
1.1).
Dr.
Z._
führte aus, die
Beschwerdeführerin befinde sich seit Jahren in ihrer Behandlung und die
letzte Kontrolle sei am 1
8.
März 2013 erfolgt (Ziff.
1.2).
Bei langem Gehen oder S
te
hen schmerze der linke Fuss. Die Beschwerdeführerin sei antriebs-
und kraftlos (
Ziff.
1.4). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Krankenhilfspflegerin
habe bis zum
3.
Juli 2012 eine Arbeits
unfähigkeit von 50
%
bestanden
.
Ab 4.
Juli 2012 bestehe in der angesta
mmten Tätigkeit bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 0 % (rich
tig wohl: 100 %; Ziff. 1.6).
Sie habe Schmerzen im linken Fuss bei acht Stunden Arbeit. Psychisch sei sie nicht belastbar.
Die bisherige Tätigkeit sei aus medizi
nischer Sicht
vorläufig
nicht mehr zumutbar (
Ziff.
1.7). In einer angepassten Tätigkeit stehe auch das psychische Problem im Vordergrund (
Urk.
7/17/4
).
3.
2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie, erstat
tete am 1
1.
September 2013 das vom Krankentaggeldversicherer veran
lass
t
e psychiatrische Gutachten (
Urk.
7/40/26-38). Er konnte keine die Arbeits
fähigkeit nennenswert einschränkende psychiatrische Erkrankung diagnostizie
ren oder eine nennenswerte Persönlichkeits-Pathologie erkennen (S.
12
Ziff.
4).
Aufgrund der Beschwerde-Schilderung könne differenzialdiagnostisch auch von einer ursächlich am ehesten auf langdauernde Belastungsfaktoren der vergan
genen Jahre (Drogenprobleme des älteren Sohnes, mangelnde Belastbarkeit des Ehemannes, Unfall vom April 2010) zurückzuführende kombinierte
Anpas
sungsstörung
(ICD-10 F43.28) ängstlicher und neura
sthenischer Ausrichtung ausgega
n
g
en we
rden, wobei davon im Lauf der Untersuchung kaum etwas an entsprechender Symptomatik objektivierbar gewesen sei, schon gar nicht Symptome einer nennenswerten depressiven Störung.
Somatischerseits
habe die Beschwerdeführerin drei Lungenembolien (1988, 1998 und 2008) erlitten und stehe seit der letzten unter Dauer-Antikoagulation. Ferner habe sie sich im April 2010 bei einem Sturz im Bereich des linken Sprunggelenkes verletzt, wobei die diesbezüglichen Fakten ihm nicht bekannt seien (S. 11 unten).
Die Beschwerdeführerin habe ausgeführt, dass die ärztliche Behandlung aus
schliesslich bei ihrer Hausärztin
Dr.
Z._
stattfinde und ferner einmal pro Woche bei der Psychologin Fra
u
B._
(S. 5 Mitte). Früher habe
sie nie in psy
chiatrischer Behandlung gestanden.
Dr.
A._
führte aus, die Beschwerdeführe
rin sei bei klarem Bewusstsein und in den üblichen Qualitäten orientiert. Die Gedächtnisleistung sei intakt und die Aufmerksamkeit in unauffälliger Weise vorhanden und im Laufe des
zweie
inviertel
stündigen
Gespräches keinen nennenswerten Schwankungen unterliegend. Der Denkprozess sei geord
net, themenbezogen strukturiert und
recht differenziert im sprachlichen Ausdruck
,
ausser wenn es um eine genaue Beschreibung der Art ihrer Krankheit gehe (S. 5 unten f.).
Die Beschwerdeführerin sei inhaltlich sehr defekt-orientiert wirkend und halte nichthinterfragend an der Überzeugung ihres Noch-Krankseins und ihrer grundsät
zlichen Arbeitsunfähigkeit fest. D
abei habe sie wenig Abstand von sich selbst. Sonst wie auch formal sei sie in psychopathologischer Sicht unauffällig.
Dr.
A._
führte aus, depressionstypische Anzeichen
, wie etwa Hemmungen, Blockaden oder ein
schleppender Gedankengang seien keine zu beobachten gewesen (S. 6 oben).
Die Grundstimmung sei durch die deutlich zu beobach
tende Krankenrolle maskiert und nicht ohne weiteres erkennbar, unter Abzug der Artefakte sei diese aber doch als ausgeglichen wahrzunehmen (S. 6 Mitte). Zusammenfassend ergäben sich aufgrund der vorliegenden psychopatholo
gi
schen Befunde keine Anhaltspunkte für eine die Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin nennenswert einschränkende psychiatrische Erk
rankung (S. 6 unten).
3.
3
Lic
. phil.
B._
, Psychotherapeutin SPV/ASP
,
nannte in ihrem Bericht vom
9.
Dezember 2013 (
Urk.
7/32/2) als
Diagnose eine depressive Episode mitt
leren Grades mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11).
Die Beschwerdeführe
rin wirke freudlos, antriebslos und klage über Energielosigkeit und sehr schnelle Ermüdbarkeit. Die Stimmung sei gedrückt
,
und nichts vermöge ihr Interesse zu wecken. Sie klage über Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, der
Selbst
wert
sei stark vermindert
,
und sie fühle sich wertlos, da sie nichts mehr auf die Reihe bringe. Die Schlafstörungen belasteten sie zusätzlich.
Der Ausdruck der Beschwerdeführerin sei sehr verhalten, emotionale Regungen seien kaum spürbar
,
und sie wirke psychomotorisch gehemmt. Am Morgen fühle sie sich besonders schlecht. Das klinische Bild der Diagnose sei vollum
fänglich erfüllt
,
und eine Arbeitsfähigkeit in diesem Zustand ausgeschlossen.
Lic
. phil.
B._
führte aus, diese Aussagen stützten sich auf ihre Beobachtungen, Eindrücke und Erfahrungen mit der Beschwerdefü
hrerin von mehr als einem Jahr.
3.
4
Die Fachpersonen des Medizinischen Zentrums
C._
führten in ihrem Bericht vom
7.
Januar 2014 (
Urk.
7/40/19-21 =
Urk.
3/8) aus, dem psychiatri
schen
Gutachten von
Dr.
A._
vom September 2013 komme aufgrund von Fehlern im Gutachten kein Beweiswert zu
(S. 1
f.
Ziff.
1-3
). Auch seien die Beschwerden oberflächlich aufgenommen worden
,
und der psychiatrische Befund entspreche nicht dem AMDP-System (S. 2
Ziff.
4-5
). Der Tagesablauf sei positiv überzeichnet worden und spiegle einen guten Tag wieder. Hingegen sei die Situation an zwei Tagen die Woche schlecht
,
und die Patientin komme nicht aus dem Bett (S. 3
Ziff.
6). Die richtigen Diagnosen lauteten daher (S. 3
Ziff.
7):
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
Status nach
Spongiosafraktur
links am
9.
April 2010
Verdacht auf Gonarthrose rechts mit/bei
degenerativem
Meniskusschaden Grad 2 im medialen
Hinterhorn
ausgedehntem
Knochenmarködem im medialen
Condylus
, Eindruck einer diskreten okkulten Infraktion, Differenzialdiagnose Morbus
Ahlbäck
Überlastungs
reaktion des medialen
collateralen
Bandes, möglicher
weise Zerrung (MRI Spital
D._
1
2.
Dezember 2013).
Status nach drei Lungenembolien 1988 (in Zusammenhang mit hormonel
ler Behandlung), 1998, 2008
Die Fachpersonen führten zur Arbeitsfähigkeit aus, diese Diagnosen hätten sehr wohl Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Patientin.
Sie
sei
aktuell sehr depressiv, unternehme kein Shopping mehr
,
und es seien kaum mehr Aktivitä
ten und Bewegung vorhanden. Der Alltag bestehe aus leichtem Kochen und wenig Haushaltarbeiten.
Sie fahre nur noch kurze Strecken mit dem Auto und sei auf Hilfe angewiesen. Aus diesen Gründen sei die Patientin aktuell und bis auf weiteres mit Sicherheit zu 100
%
arbeitsunfähig auch in einer angepassten Tätigkeit. Eine tagesklinische Behandlung im Medizinischen Zentrum
C._
sei geplant und das Resultat abzuwarten (S. 3
Ziff.
8).
3.
5
Am 1
2.
Februar 2014 erstattete
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie,
e
in
weiteres
zuhanden des Krankentaggeldversicherer
s
erstellt
es
psychiatrische
s
Gutachten (
Urk.
7/35
=
Urk.
7/40/13-18 =
Urk.
3/7).
Dr.
E._
führte in sei
ner Beurteilung aus,
die 59-jährige Explorandin
zeige
aufgrund der aktuellen Untersuchungsbefunde aktuell ein
ausgeprägt depressi
ves Krankheitssyndrom
. Die Symptomatik erreiche den Schweregrad einer
min
destens mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11).
Er könne diesbezüglich
die
von den psychiatrischen Behandlern vom Zentrum
C._
gestellte Diagnose bestätigen. Dies bedeute eine Verschlech
terung des Zustandsbildes und der abzuleitenden Diagnosen gegenüber der Begutachtung durch
Dr.
A._
vom August 2013 (S
.
4 unten f.).
Zur Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
E._
aus, im vorliegenden ausgeprägten depressiven Zustandsbild sei die Beschwerdeführerin funktionell in der Belast
barkeit, der Durchhaltefähigkeit, der Anpassungsfähigkeit, der kognitiven Leis
tungsfähigkeit sowie der interpersonellen Flexibilität und emotionalen Stabilität deutlich eingeschränkt. Aktuell sei
sie
auf einen
intensiven Behandlungsprozess im psychiatrischen Tagesklinik-Rahmen entsprechend der aktuell berichteten teilstationären Behandlung im Medizinischen Zentrum
C._
/
F._
angewiesen und
nicht ausreichend stabil für die konstante Umsetzung einer Arbeitslei
s
tung
unter angestellten Arbeitsbedingungen der freien Wirtschaft entsprechend der aktuell zu bestätig
enden 100%igen Krankschreibung
.
Die Be
schwerdeführerin sollte zunächst den eingeleiteten achtwöchigen
teilstatio
nären
Aufenthalt in der psychiatrischen Tagesklinik des Medizinischen Zent
rums
C._
/
F._
inklusive der Psychopharmaka-Behandlung absol
vieren. Es werde das Einholen eines ersten Zwischenberichtes inklusive
versicherungs
medizinischer
Beurteilung nach vier Wochen empfohlen (S. 5 Mitte).
Unter adäquat fortgesetzter und intensiver teilstationärer psychiatrischer Be
hand
lung mit optimierter antidepressiver Medikation sei aus fachärztlich psychi
atri
scher
Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine deutliche
Zustandsbes
se
rung
und Stabilisierung bezogen auf das depressive Beschwerdebild zu erwar
ten. Entspre
chend nehme er bei mit erhöhter Wahrscheinlichkeit erwartungsge
mäs
sem Ver
lauf die Wiederer
langung einer zunäch
st mindestens Teil
-Arbeitsfä
hig
keit von 50
%
innerhalb von sechs bis acht Wochen und die
Wi
e
dererlangung einer voll
ständigen Arbeitsfähigkeit in einem Zeitraum von drei bis vier Monaten an.
Sollte im Rahmen der aktuellen tagesklinischen Behandlung im Verlauf keine deutliche Zustandsbesserung mit Erreichen zunächst einer mindestens
Teilar
beitsfähigkeit
umgesetzt werden können, sei eine zügige Verlau
fsbegutachtung inklusive Serums
piegelbestimmung der verordneten Psychopharmak
a zu emp
fehlen (S. 5 unten f.).
3.6
Die Fachpersonen des Medizinischen Zentrums
C._
hielten mit Schreiben vom 2
6.
Mai 2014 (
Urk.
7/45 =
Urk.
3/10) fest, es bestehe seit Anfang 2012 bis heute eine konstante Depression, trotz vielfacher medikamentöser sowie wöchentlicher psychotherapeutischer Behandlung. Die Beschwerdeführerin gehe tagelang nicht aus dem Haus, ziehe sich nicht an, liege nur im Bett und habe Schlafstörungen. Es bestehe Lust- und Interesselosigkeit, Müdigkeit, sie leide an Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und Freudunfähigkeit, Rückzug, Antriebslosigkeit Gedankenkreisen und Sinnlosigkeitsgedanken (S. 1).
3.
7
Dr.
med.
G._
,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
Zentrum für Rheuma- und Knochenerkrankungen,
stellte in ihrem
Bericht vom
7.
Juli 2014
(
Urk.
7/46/1-3 =
Urk.
3/6) folgende Diagnosen (S. 1):
etablierte Osteoporose der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
mit/bei
aktuellem T-Score der LWS:
-3.1
aktuellem T-Score des Neck:
-
2
.4
Status nach
Fibulafraktur
bei nicht adäquatem Trauma 2010
Fraktur laterales
Tibiaplateau
recht
s
nach nicht adäquatem Trauma 1/14 (MRI
4.
Juni 2014)
aktuell neu Fussschmerzen rechts
Druckdolenz
os
naviculare
, Ferse
Differenzialdiagnose: Fehlbelastung, Fraktur
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
Hyperlordose der LWS
Verdacht auf
Fazettengelenksüberlastung
muskuläre
Dysbalance
Status nach dreimaliger Lungenembolie
mit 33/35 und 45 Jahren
keine Ursache bekannt
unter dauernder oraler Antikoagulation (
OAK
)
Status nach Nikotinkonsum bis 1978
depressive Verstimmung
Dr.
G._
führte aus,
die Knieschmerzen seien nur noch beim Drücken auf die mediale
Tibiaregion
apparent
und beim Treppenlaufen respek
tive in Knieflexion unter Belastung (S. 2 oben).
Es liege gemäss WHO Definition 1994 eine etablierte Osteoporose in der LWS vor. Die aktuell durchgeführten MRI-Bilder am rechten Knie seien mit einer
Tibiafraktur
nach nicht adäquatem Trauma vereinbar. Ein laterales konventionelles Röntgen der Wirbelsäule mit der Frage nach
osteoporotischen
Frakturen sei
bland
gewesen.
D
as absolute 10-Jahres-Frakturrisiko für eine typische
osteoporotische
Fraktur liege
ohne spezifische Therapie
bei 26
%
und sei damit relevant und signifikant erhöht. Pro Tag sollten daher 800 bis 1200 mg Kalzium eingenommen werden
,
und es sollte Vitamin D täglich substituiert und eine Therapie mit einem
Biphosphonat
eingeleitet werden
(S. 2 Mitte)
.
Die Patientin habe zusätzlich über seit zwei Wochen neu aufgetretene Fussschmerzen rechts berichtet. Nach bei den Kollegen der Orthopädie durchgeführtem unauffälligem Röntgen sei zu
nächst eine Physiotherapie zu empfehlen.
Bei positivem Verlauf sei eine
Ver
laufskontrolle
nach sechs M
onaten wünschenswert (S. 2 unten
).
3.
8
Prakt. med.
H._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst
(RAD),
führte in seiner Stellungnahme vom 3
0.
Au
gust 2014 (
Urk.
7/48/5) aus, im
Bericht von
Dr.
G._
seien
abgesehen von Schmerzen des rechten Fusses im Bereich der Ferse keinen neuen
Funktions
einschränkungen
beschrieben
worden
und es werde keine Arbeit
sunfähigkeit ausgewiesen.
Damit sei von folgendem
Belastungsprofil
auszugehen
: leichte bis gelegentlich maximal mittelschwere Tätigkeiten, überwiegend sitzend oder wechselbelastend, ohne dauerhaftes Gehen ode
r Stehen, kein häufiges Treppen
steigen und keine Tätigkeiten auf Leitern oder Gerüsten
(vgl.
Urk.
7/48/3).
3.9
Die Fachpersonen des Medizinischen Zentrums
C._
führten in ihrem Bericht vom
2.
Oktober 2014 (
Urk.
3/11) zum Verlauf der Depression aus, es bestehe nach wie vor trotz intensiver psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung
(einmal pro Woche) sowie Medikation keine Verbesserung der Situ
ation. Im Gegenteil bestehe ein deutlich zunehmender Rückzug, eine Antriebs
losigkeit sowie Freudunfähigkeit und der Schweregrad der Depression sei zunehmend.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging in psychiatrischer Hinsicht von der grundsätzli
chen Überwindbarkeit der verschiedentlich diagnostizierten
mittelgradigen
depressiven Episode aus. In somatischer Hinsicht erachtete sie
gestützt auf die Ausführungen des RAD
jede leichte bis gelegentlich maxima
l
mittelschwere, überwiegend sitzende oder wechselbelastende Tätigkeit für zumutbar
(vgl. vor
stehend E. 2.1
und E. 3.7
)
.
4.2
E
ine
psychisch bedingte Invalidität im Sinne des Gesetzes liegt nur dann vor, wenn ein psychisches Leiden mit Krankheitswert fachärztlich ausgewiesen ist und es der betroffenen Person trotz Aufbietung allen guten Willens, die verblei
bende Leistungsfähigkeit zu verwerten, wegen ihrer Beschwerden nicht zuzu
muten ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, wobei das
Mass
des
Forderbaren
weitgehend objektiv bestimmt wird (BGE 130 V 352 f. E. 2.2.1, 131 V 49).
Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsun
fähigkeit, als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (vgl. vorste
hend E. 1.2).
Weiter ist zu beachten, dass es
gemäss
Rechtsprechung in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beeinträchtigungen keineswegs allein Sache der mit dem kon
kreten Einzelfall gutachtlich befassten Arztpersonen ist, selber
abschliessend
und für die rechtsanwendende Stelle verbindlich zu entscheiden, ob das medizi
nisch festgestellte Leiden zu einer andauernden oder vorübergehenden Arbeits
unfähigkeit in bestimmter Höhe und Ausprägung führt.
Vielmehr hat die rechtsanwendende Instanz die ärztliche Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit auf ihre beweisrechtlich erforderliche Schlüssigkeit hin zu überprüfen (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2-3.3).
4
.3
Die erste fachärztliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin fand im August 2013 durch
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.2) statt. Dieser konnte keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit stell
en. Im Verlauf gingen sodann
sowohl
die Psychologi
n Frau
B._
(vorstehend E. 3.3),
die Fachpersonen des Medizinischen Zentrums
C._
(vorstehend E. 3
.
4
) als auch
Dr.
E._
in seinem im Februar 2014 erstellten Gutachten (vorstehend E. 3
.
5
) vom V
orliegen einer mittelgradigen depressiven
Episode (ICD-10 F32.1) aus,
Dr.
E._
von einer solchen mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11). Er bestätigte damit in seinem Gutach
ten
vom Februar 2014
, welches
grundsätzlich die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise (vorstehend E. 1.
3
)
erfüllt, eine seit der letztmaligen Begutachtung durch
Dr.
A._
im August 2013
eingetretene
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes
und
attestierte der Beschwerdeführerin zunächst innerhalb der folgenden zwei Monate
eine Teilarbeitsfähigkeit von 50
%
und ging - eine adäquate Behandlung vorausgesetzt - von einer Verbes
serung des depressiven Beschwerdebildes und damit
der
Wiedererlangung der vollständigen Arbeitsfähigkeit in einem Zeitraum von drei bis vier Monaten aus.
Diesbezüglich ist zu beachten, dass es sich bei einer mittelgradigen depressiven Episode mit dem Diagnose-Code ICD-10 F32.1 definitionsgemä
ss um ein vorübergehendes und damit nicht invalidisierendes Leiden handelt.
Des Weite
ren hat das Bundesgericht wiederholt festgestellt, dass leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis
- ent
sprechend den Ausführungen von
Dr.
E._
-
grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
gelten (vgl. etwa Urteil 8C_759/2013 vom
4.
März 2014 E. 3.6.1; Urteil 9C_266/2012 vom 2
9.
August 2012 E. 4.3.2 und Urteil 9C_302/2012 vom 1
3.
August 2012 E. 4.3.2).
Es ist damit von keiner aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht relevanten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugeh
en. Gegenteiliges lässt sich
auch den Ausführungen der Fachpersonen des Medizinischen Zentrums
C._
nicht entnehmen. Die Begründung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit unter Verweis darauf, dass kein Shopping mehr stattfinde und lediglich noch leicht gekocht werde
,
erweist sich als fragwürdig.
G
enauso wenig
lässt sich dem ein
gereichten
Verlaufsbericht
vom
Mai und
Oktober 2014
(vorstehend E.
3.6 und 3.9
)
eine tatsächliche Verschlechterung des psychischen Gesundheitsz
ustandes entnehmen
, da nicht auszuschliessen ist, dass die darin enthaltenen Befunde und Beobachtungen im Wesentlichen auf subjektiven Angaben der Beschwer
deführerin beruhen, es mithin an einer differenzierten Befunderhebung fehlt.
Nicht abgestellt werden kann auch auf die Einschätzung der behandelnden
Haus
ärztin
Dr.
Z._
vom März 2013
(vorstehend E. 3.1
).
Abgesehen davon, dass sie die Arbeitsunfähigkeit fachfremd begründete
,
hat das Gericht in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften der Erfahrungs
tatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre
auf
tragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati
entinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b/cc).
Dass der Fuss der Beschwerdeführerin nach acht Stunden Arbeit schmerze, dürfte im Übrigen bei einem täglich geleisteten Pensum von 3.78 Stunden (vgl.
Urk.
7/11
Ziff.
2.9) ohnehin nicht ins Gewicht fallen.
Im Weiteren liegen
hinsichtlich
der
somatischen Beschwerden
keine medizini
schen Berichte vor, welche sich zur Arbeitsfähigkeit äussern.
So
sprach sich
Dr.
G._
vom Zentrum für Rheuma- und Knochenerkrankungen im Juli
2014 (vorstehend E. 3.
7
) lediglich
zum
therapeutischen Vorgehen zur Behandlung der Osteoporose
aus
. Wie die Beschwerdegegnerin in der
Beschwer
deantwort
zu Recht festhielt
(vgl.
Urk.
6
Ziff.
5)
, ergab
die von
Dr.
G._
veranlasste
Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule keine Hinweise auf
osteoporotische
Frakt
uren
.
Im Übrigen konnte
sie auch
betreffend die
geltend gemachten Fussschm
erzen keine definitive Diagnose stellen
,
und
die angefer
tigten
Röntgen
aufnahmen
zeigten unauffällige Verhältnisse
. Betreffend die Knieschmerzen führte
Dr.
G._
aus, diese seien lediglich noch beim Drücken auf die
mediale
Tibiaregion
vorhanden, beim Treppenlaufen und
in Knieflexion unter Belastung
, weshalb auf das von
RAD-Arzt prakt. med.
H._
erstellten Belastungsprofil (vgl. vorstehend E. 3.
7
)
abzustellen ist
.
Den
nach Verfügungserlass von der Beschwerdeführerin am 1
7.
April 2015 ein
gereichten medizinischen Berichte (
Urk.
10/2-3) s
ind
keine Anhaltspunkte für eine andere Beurteilung des
Sachverhaltes zu entnehmen.
4
.4
Aufgrund des Gesagten ist der Beschwerdegegnerin folgend davon auszugehen, dass das Vorliegen eines invalidisierenden Gesun
dheitsschadens zu verneinen ist
.
Bei einem geleisteten Arbeitspensum von 45
%
würde selbst bei der Annahme einer Einschränkung von 50
%
im Erwerbsbereich kein
rentenbe
gründender
Invaliditätsgrad resultieren.
D
ie angefochtene Verfügung vom 8
.
September
2014 erweist sich daher als rech
tens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerdeführer
in aufzuerlegen.