Decision ID: 86a07ede-e17a-49ec-8ed2-56a22a65679b
Year: 2010
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Rechtsbegehren noch eine Sachverhaltsdarstellung. Zudem sei auch die
Begründung sehr vage und allgemein gehalten. Der Parkplatz sei von ...
unbestrittenermassen ohne Baubewilligung erweitert worden. Er sei durch die
Gemeinde verfügungsweise zur Einreichung eines Baugesuchs aufgefordert
worden; die entsprechende Anordnung sei unangefochten in Rechtskraft
erwachsen. Fest stehe, dass der Beschwerdeführer mit seiner Weigerung, ein
Gesuch einzureichen auf jeden Fall formelles Baupolizeirecht verletzt habe,
was die Ausfällung einer Busse rechtfertige. Die ausgefällte Busse von Fr.
1'000.-- bewege sich an der untersten Limite des Strafrahmens. Zu
berücksichtigen sei insbesondere seine Uneinsichtigkeit sowie der Umstand,
dass er bereits früher wegen ähnlicher Verstösse habe gebüsst werden
müssen. Sodann handle es sich bei der Parkplatzerweiterung auch nicht um
eine Lappalie, sei das Areal doch bereits gekoffert und mittels Feinplanie
eingedeckt worden.
b) Währenddem das beigeladene Tiefbauamt festhielt, dass keine
Zusatzbewilligung nach kantonalem Strassengesetz erforderlich sei, stellte
das kantonale Amt für Raumentwicklung klar, dass die bereits realisierte
Erweiterung der bestehenden Parkierungsfläche ausserhalb der Bauzone von
rund 630 m2 um zirka 300 m2 der Durchführung eines BAB-Verfahrens
bedürfe. Mit der Missachtung der Baubewilligungspflicht sei formelles
Baupolizeirecht verletzt worden, was die Ausfällung einer Busse in Fällen wie
dem vorliegenden rechtfertige.
4. Währenddessen sich die Beschwerdeführer nicht mehr vernehmen liessen,
verzichtete die Gemeinde auf eine weitere Eingabe.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 6. Oktober 2009, mit welcher der
gegenüber den Beschwerdeführern am 3. Juni 2009 verfügte Baustopp bis
zum Vorliegen einer Baubewilligung bestätigt, diese zur Einreichung eines
Baugesuches zum Bauen ausserhalb der Bauzonen bis zum 9. November
2009 aufgefordert und sie zudem in eine Busse von Fr. 1'000.-- verfällt worden
sind.
2. a) Ob die äusserst rudimentär verfasste Beschwerdeeingabe den in Art. 38 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG) umschriebenen
Voraussetzungen genügt, kann angesichts des Verfahrensausganges offen
gelassen und auf die Beschwerde daher eingetreten werden.
b) Vorweg festzuhalten ist, dass die von der Gemeinde bereits am 3. Juni 2009
verfügte Anordnung, wonach ... ein nachträgliches Baugesuch für ein
Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen (BAB-Gesuch) einzureichen habe,
unangefochten in Rechtskraft erwachsen ist. Damit steht bereits fest, dass die
Baubewilligungspflicht für die - entgegen der Darstellung der
Beschwerdeführer keine „Lappalie“ darstellende - Parkplatzerweiterung (von
630 m2 um weitere rund 300 m2, Kofferung, etc.; vgl. Art. 87 Abs. 1 des
Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden, KRG) mithin verbindlich
feststeht. In Ziff. 1 der angefochtenen Verfügung vom 6. Oktober 2009 hat die
Beschwerdegegnerin diese Verpflichtung (zusammen mit der angeordneten
Verlängerung des Baustopps) lediglich noch einmal bestätigt. Der
entsprechenden gemeindlichen Anordnung wird seitens des
Beschwerdeführers nun noch nachzuleben sein.
c) Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die gegenüber den
Beschwerdeführern ausgefällte Busse, wobei deren Höhe, sofern sich eine
Busse als gerechtfertigt ergeben sollte, seitens der Beschwerdeführer nicht
in Frage gestellt worden ist. Sie wehren sich grundsätzlich gegen eine Busse
und machen geltend, eine solche hätte gar nicht ausgefällt werden dürfen,
weil kein rechtswidriges Verhalten vorliege und der rechtmässige Zustand vor
Ort zudem spätestens im Frühjahr 2010 wieder hergestellt sein werde. Ihnen
kann im Ergebnis nicht gefolgt werden.
3. In formeller Hinsicht steht fest, dass der Vorhalt mit Bussandrohung vom 3.
Juni 2009, welcher der nunmehr mit der angefochtenen Verfügung vom 6.
Oktober 2009 ausgesprochenen Busse von Fr. 1'000.-- zugrunde liegt,
lediglich an ... gerichtet worden ist. Entsprechend sind denn auch nur diesem
die ihm entgegen gehaltenen Anklagepunkte und drohenden Sanktionen
eröffnet worden und nur ihm ist denn auch Gelegenheit (u.a. betreffend
angedrohter Busse) zur Stellungnahme erteilt worden. Von einem förmlichen
Einbezug der Ehefrau ... hat die Beschwerdegegnerin in der damaligen
Aufforderung zur Stellungnahme (Verfügung vom 3. Juni 2009) abgesehen.
Weil ihr nun aber jener Vorhalt nie förmlich korrekt zugestellt worden ist, war
es ihr denn auch verwehrt, zur drohenden Ausfällung einer Busse vorgängig Stellung zu nehmen. Wenn nun die Gemeinde ihr gegenüber trotzdem eine
Busse ausgefällt hat, so verdient dieses Vorgehen bereits aufgrund der
offenkundigen und eklatanten Verletzung des ... zustehenden (formellen
Anspruchs) auf rechtliches Gehör (vgl. zum Ganzen: PVG 2003 Nr. 37 und
dort zitierte Literatur und Rechtsprechung) keinen Rechtsschutz. Der
Umstand, dass sie im Schreiben vom 25. Juni 2009 zusammen mit ihrem
Ehemann Stellung zum Vorhalt genommen hat, vermag die umschriebene
gemeindliche Rechtsverletzung nicht zu heilen. Bezüglich ... ist die Busse
daher bereits zufolge Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehörs
aufzuheben und die Beschwerde in diesem Sinne teilweise gutzuheissen.
4. Anders verhält es sich hingegen bezüglich der gegenüber ... ausgefällten
Busse. Gemäss Art. 95 KRG wird mit Busse zwischen 200 Franken und
40'000 Franken bestraft, wer das KRG oder darauf beruhende Erlasse oder
Verfügungen des Kantons oder der Gemeinde verletzt (Abs. 1). Strafbar ist
die vorsätzliche oder fahrlässige Widerhandlung, begangen durch die nach
Art. 93 [KRG] verantwortlichen Personen (Abs. 2). Vorliegend steht - nachdem
das nachträgliche BAB-Baubewilligungsverfahren, wie oben ausgeführt, noch
durchzuführen sein wird - eine Verletzung formellen Baupolizeirechts zur
Diskussion. Wie bereits die Gemeinde im Zuge des Erlasses der ersten
Verfügung vom 3. Juni 2009 zutreffend erkannt hat, besteht diese im
Wesentlichen darin, dass der Beschwerdeführer ohne Baubewilligung auf
Dauer angelegte bauliche Vorkehren (Erweiterung des bestehenden
Parkplatzes von rund 630 m2 um weitere rund 300 m2 durch Abstossen der
Grasnarbe, Einbringen einer Kofferung sowie Eindecken mit einer Feinplanie)
vornehmen liess, die er, im Lichte von Art. 95 KRG betrachtet, zu vertreten
hat. Was er zu seiner Rechtfertigung vorbringt, geht an der Sache vorbei.
Abgesehen davon, dass der Entscheid über die Baubewilligungspflicht eines
Bauvorhabens nicht im Belieben eines Bauwilligen steht, verkennt er damit
vorliegend völlig, dass es sich bei seinen ausserhalb der Bauzonen
durchgeführten baulichen Vorkehren offenkundig längst nicht mehr um ein
bewilligungsfreies Bauvorhaben i. S. von Art. 40 Abs. 1 der kantonalen
Raumplanungsverordnung (KRVO) handeln kann. So übersteigen die
geschilderten baulichen Vorkehren z.B. den Rahmen des (bewilligungsfreien)
ordentlichen Unterhaltes (Ziff. 1 der erwähnten Bestimmung) bei weitem, und
sie sind zudem auch nicht im Katalog der baubewilligungsfreien Bauten und
Anlagen (Art. 40 Ziff. 1 – 22 KRVO) aufgeführt. Hält man sich nun zum einen
die umschriebene Rechtswidrigkeit und zum anderen die Uneinsichtigkeit des
Beschwerdeführers vor Augen erhellt ohne weiteres, dass für die von ihm
eingestandenermassen zu vertretenden Verletzungen formellen Baurechts
das Aussprechen einer Busse geradezu geboten war. Deren Höhe erscheint
bereits angesichts des Bussenrahmens im KRG, des Vorhaltes einer
Verletzung formellen Baurechts, des umschriebenen Verschuldens des
Beschwerdeführers und dessen früheren Verstössen (1997, 2002) als ohne
weiteres gerechtfertigt. Hinzu kommt, dass die Bussenhöhe - wie bereits oben
erwähnt - vom Gebüssten nicht gerügt worden ist. Daher erweist sich die
streitige Ausfällung der Busse gegenüber dem Beschwerdeführer als
gerechtfertigt, weshalb die Beschwerde diesbezüglich abzuweisen ist.
5. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten je zur Hälfte zulasten von
... und der Gemeinde ... (Art. 73 VRG). Parteientschädigungen sind keine
geschuldet (Art. 78 VRG)