Decision ID: f963200d-ecd8-4b97-bd72-86db00a42b64
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 17. August 2009 zum Bezug von
Leistungen der IV (Invalidenversicherung) in Form von Hilfsmitteln an (IV-act. 1). Am 10.
Dezember 2008 war die Versicherte beim Überqueren eines Fussgängerstreifens von
einem Motorroller angefahren worden (Fremdakten, Suva-act. 1 ff.). Vom 10. bis 18.
Dezember 2008 war sie im Kantonsspital St. Gallen hospitalisiert gewesen. Im
Austrittsbericht des Spitals vom 22. Dezember 2008 finden sich die Diagnosen
Unterschenkelschaftfraktur rechts, Commotio cerebri, HWS (Halswirbelsäule)- und
Schädelkontusion rechts, passagerer HWI (gemeint wohl Harnweginfekt) und
posttraumatische Belastungsstörung (Fremdakten, Suva-act. 6). Die Versicherte war im
Kantonsspital St. Gallen am rechten Unterschenkel operiert worden und einige Male
zur Nachkontrolle dort gewesen (Fremdakten, Suva-act. 6 ff.). Zudem hatte sich die
Versicherte ab 14. April 2009 in eine ambulante integrierte psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung im Psychiatrie-Zentrum B._ begeben. Als
Aufnahmediagnose war dort eine schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome festgestellt worden, als Verlaufsdiagnose war in einem Bericht vom 18. Juni
2009 zudem der Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung geäussert
worden (Fremdakten, Suva-act. 19).
A.b Mit Verfügung vom 2. September 2009 wurde die Kostengutsprache für
Gehstützen von der IV-Stelle verweigert, da diese zum Schluss gekommen war, dass
die beantragte Leistung durch die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva)
übernommen werde (IV-act. 6).
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A.c Vom 1. September bis 1. Oktober 2009 begab sich die Versicherte in der Klinik
C._ stationär in psychiatrische Behandlung. Dort wurde wiederum die Diagnose der
posttraumatischen Belastungsstörung gestellt (IV-act. 68). Der zusammenfassenden
Beurteilung des Berichts vom 15. Oktober 2009 ist zu entnehmen, dass die Versicherte
nach fehlender Verbesserung des Zustandes und aufgrund fehlender Motivation aus
der Klinik entlassen worden sei (IV-act. 68 S. 5). Allerdings war die Versicherte nach der
stationären Behandlung für eine gewisse Zeit noch bei Dr. med. D._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ambulant in Therapie (vgl. IV-act. 28, 29, 43 und
65 sowie Fremdakten, Suva-act. 77 und 87). Dr. D._ erwähnte gegenüber der IV-
Stelle im Januar 2010 als Diagnose eine posttraumatische Belastungsstörung sowie
eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (IV-act. 28). In einem
Bericht vom 14. Mai 2010 ging sie von einer mittelgradig depressiven Episode mit
restlicher posttraumatischer Symptomatik in Form von Albträumen aus (Fremdakten,
Suva-act. 77). Wie lange die Behandlung bei Dr. D._ genau andauerte, geht aus den
Akten nicht deutlich hervor (vgl. IV-act. 70).
A.d Am 5. Januar 2010 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV an. Dieses Mal
erfolgte die Anmeldung für den Bezug von beruflichen Massnahmen und
Rentenleistungen (IV-act. 10).
A.e Die IV-Stelle schloss mit Verfügung vom 23. September 2010 die
Arbeitsvermittlung ab, da sich die Versicherte subjektiv nicht arbeitsfähig fühle (IV-act.
37 und 40). Die Versicherte hatte vor dem Unfall als Näherin mit einem Pensum von
100 % gearbeitet (IV-act. 94). Nach dem Unfall hatte sie diese Tätigkeit bis auf einen
kurzen Arbeitsversuch nicht mehr aufgenommen (vgl. Fremdakten, Suva-act. 3 und
137; IV-act. 37 und 40). Das Arbeitsverhältnis der Versicherten wurde deshalb im
Herbst 2010 auf Ende Jahr aufgelöst (Fremdakten, Suva-act. 96).
A.f Am 15. Oktober 2010 erfolgte bei der Versicherten am rechten Unterschenkel die
operative Entfernung des bei der Operation im Dezember 2008 eingesetzten
Osteosynthesematerials (vgl. Fremdakten, Suva-act. 6 und 99).
A.g Mit Verfügung vom 18. November 2011 stellte die Suva ihre
Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilbehandlung) in der Annahme, dass keine
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behandlungsbedürftigen Unfallfolgen mehr vorliegen würden, per 30. November 2011
ein. Mit gleicher Verfügung sprach sie der Versicherten aufgrund einer
Integritätseinbusse von 12.5 % sodann eine Integritätsentschädigung zu, verneinte
jedoch einen Anspruch auf eine Invalidenrente, da die medizinischen Abklärungen
ergeben hätten, dass die Versicherte trotz der verbleibenden reinen Unfallrestfolgen
jede sitzende Tätigkeit ohne besondere Beanspruchung des rechten Fusses, ohne
längeres Gehen oder Stehen, ohne Besteigen von Leitern oder Gerüsten und ohne
Gehen in unwegsamem Gelände sowie mit nur ausnahmsweisem Treppen steigen und
ohne Heben bzw. Tragen schwerer Lasten ganztags ausführen könnte. Die
angestammte, vorwiegend sitzende Tätigkeit als Näherin sei ihr unbeschränkt zumutbar
(vgl. Fremdakten Suva). Die von der Versicherten dagegen erhobene Einsprache wurde
von der Suva mit Einspracheentscheid vom 3. September 2012 (Fremdakten, Suva-act.
172) und die dagegen erhobene Beschwerde vom Versicherungsgericht mit Entscheid
vom 19. September 2013 abgewiesen (Fremdakten, Suva-act. 187).
A.h Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte im Zeitraum vom 9. bis 19. März
2015 durch Dr. med. E._, FMH Allgemeine Innere Medizin, Dr. med. F._, Facharzt
für Neurologie, Dr. med. G._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie und Dr. med.
H._, FMH Rheumatologie, der ABI Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH
(nachfolgend: ABI), untersucht (IV-act. 87 f.). In ihrem Gutachten vom 13. April 2015
nannten die Experten als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeits¬fähigkeit der
Versicherten eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, Zustand nach
Verkehrsunfall mit Commotio cerebri sowie Schädel- und Wirbelsäulenprellung, Status
nach posttraumatischer Belastungsstörung, gegenwärtig remittiert, Nikotinabusus,
Übergewicht und Medikamenten-Noncompliance. Die Gutachter stellten hingegen
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und kamen im Gutachten vom
13. April 2015 zum Schluss, dass bei der Versicherten für ihre angestammte Tätigkeit
als Näherin ebenso für jede andere körperlich leichte, angepasste Tätigkeit eine
Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100 % bestehe. Auch im Haushalt gebe es keine
Einschränkung ihrer Arbeitsfähigkeit. Die Gutachter empfahlen medizinische, jedoch
keine beruflichen Massnahmen (IV-act. 88).
A.i Mit Vorbescheid vom 20. Mai 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten die
beabsichtigte Ablehnung des Anspruchs auf Rentenleistungen mit (IV-act. 93).
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Hiergegen erhob die anwaltlich vertretene Versicherte mit Schreiben vom 23. Juni 2015
Einwand mit dem Antrag, dass ihr nach Ablauf der Wartefrist eine ganze Rente
zuzusprechen sei. Insbesondere beanstandete sie das Gutachten des ABI. Zudem
reichte die Versicherte der IV-Stelle das Arbeitszeugnis ihrer letzten Anstellung vor dem
Unfall sowie ein Einsatzprotokoll des Rettungsdienstes vom Unfall ein (IV-act. 94).
A.j Zu der von der Versicherten in ihrem Einwand vorgebrachten Kritik am Gutachten
des ABI holte die IV-Stelle beim RAD (Regionaler ärztlicher Dienst der
Invalidenversicherung) eine Stellungnahme ein. Dieser äusserte sich am 2. September
2015 dahingehend, dass der Rechtsvertreter der Versicherten als medizinischer Laie
seine Sicht der Dinge darstelle. Diese könne aus versicherungsmedizinischer Sicht
nicht nachvollzogen werden. Es bleibe bei der im Gutachten vorgenommenen
Beurteilung. Am 27. November 2015 bat der RAD die IV-Stelle überdies darum, das
Einwandschreiben der Versicherten sowie seine dazu ergangene Stellungnahme dem
ABI vorzulegen, damit dieses Stellung zu den vorgebrachten fachlichen
Beschuldigungen nehmen könne (IV-act. 98). Nach entsprechender Anfrage teilte das
ABI der IV-Stelle mit, dass es das Schreiben der Versicherten zur Kenntnis genommen
habe. Dem Einwandschreiben würden keine weiteren medizinischen Berichte beiliegen.
Es enthalte lediglich laienhafte Überlegungen, aus denen es keine eigentlichen Fragen
herausfiltern könne (IV-act. 102). Der RAD äusserte sich in einer erneuten
Stellungnahme an die IV-Stelle vom 30. Dezember 2015 dahingehend, dass den
Feststellungen des ABI gefolgt werden könne und es unnötig sei, sich noch weiter mit
den laienhaften Überlegungen des Rechtsvertreters der Versicherten
auseinanderzusetzen. Weitere Rückfragen an das ABI würden sich erübrigen (IV-act.
103).
A.k Mit Verfügung vom 6. Januar 2016 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch
der Versicherten (IV-act. 104).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin),
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael Ausfeld, Zürich, am 29. Januar 2016 die
vorliegende Beschwerde. Darin beantragt sie im Wesentlichen, dass die angefochtene
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Verfügung aufzuheben und ihr nach Ablauf der Wartefrist eine ganze IV-Rente
zuzusprechen sei (act. G 1 S. 1 und S. 4). Weiter wird beantragt, dass die Verfügung
zur neuen Abklärung, Begründung und Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen
sei. Eventualiter sei der Sachverhalt durch ein gerichtlich angeordnetes Gutachten
abzuklären. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Überdies stellte die Beschwerdeführerin ein
Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung
(act. G 1 S. 2).
B.b Am 16. März 2016 erstattete die Beschwerdegegnerin ihre Beschwerdeantwort.
Sie beantragt darin, dass die Beschwerde teilweise gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin für den Zeitraum vom 1. Februar 2010 bis 30. November 2011 eine
ganze Rente zuzusprechen sei (act. G 6).
B.c Mit Schreiben vom 4. April 2016 nahm die Beschwerdeführerin zur Streitsache
erneut Stellung und zog ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zurück (act. G 7).
B.d Am 5. Juli 2016 erstattete die Beschwerdeführerin Replik und hielt an den
gestellten Anträgen vollumfänglich fest (act. G 13).
B.e Mit Schreiben vom 22. August 2016 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine
Duplik und erklärte, dass sie an ihrem Antrag vollumfänglich festhalte (act. G 15).
B.f Am 30. August 2016 reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin seine
Kostennote (act. G 17) und mit Schreiben vom 21. Dezember 2017 eine ärztliche
Bestätigung des Hausarztes der Versicherten, Dr. med. I._, Facharzt für
Allgemeinmedizin FMH, vom 13. Dezember 2017 ein (act. G 19.1).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente.
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1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4; BGE 115 V 134 E. 2). Im
Weiteren sind die ärztlichen Aussagen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
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Frage, welche Arbeitsleistungen einer Person noch zugemutet werden können (BGE
115 V 134 E. 2). Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der Fachperson begründet sind (zum Ganzen BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.
Zunächst ist demnach zu prüfen, ob der rechtserhebliche Sachverhalt genügend
abgeklärt worden ist. Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Ablehnung des
Rentenanspruchs vorwiegend auf das polydisziplinäre Gutachten des ABI vom 13. April
2015. Sie ist der Ansicht, dass mit der Beschwerde keine neuen oder anderslautenden
Berichte beigebracht worden seien. Auffällig sei, dass sich die Beschwerdeführerin in
den letzten Jahren trotz der geltend gemachten Schmerzen von sich aus kaum in
medizinische Behandlung begeben habe und auch aktuell lediglich einmal pro Monat
beim Hausarzt vorbeischaue, um Medikamente abzuholen, die sie dann offenbar nicht
einnehme. Eine vorgeschlagene interdisziplinäre Therapie in einer Rehabilitationsklinik
hätten die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann aus unerfindlichen Gründen
abgelehnt. Bereits früher sei eine Hospitalisation von ihr abgebrochen worden. Mangels
anderslautender Berichte und mangels intensiver fachärztlicher Therapien oder
abweichender Arbeitsfähigkeitsschätzungen bestehe von vornherein kein Anlass, an
der Einschätzung des ABI zu zweifeln (act. G 6 N 7). Die Beschwerdeführerin macht
demgegenüber zahlreiche Mängel des Gutachtens geltend und stellt dessen
Beweiswert damit in Frage, worauf nachfolgend genauer einzugehen ist (act. G 1; act.
G 7; act. G 13).
2.1
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2.1.1 Zunächst macht die Beschwerdeführerin geltend, dass die Gutachter des ABI
ganz generell befangen seien, weshalb auf das ABI Gutachten nicht abgestellt werden
könne (act. G 1 S. 6 ff.). Zum einen sei notorisch, dass die Gutachterstelle schon
mehrmals Gegenstand massiver Kritik gewesen sei. Zum anderen sei die
Stellungnahme des ABI vom 14. Dezember 2015, in welchem Einwände ihres
Rechtsvertreters als Allgemeinplätze bezeichnet worden seien, als unnötig
herabsetzend zu qualifizieren, was wiederum den Anschein der Befangenheit
hervorrufe (act. G 1 S. 4 f.). Zudem hätten die Gutachter die anfänglich aus somatischer
Sicht unzweifelhaft bestehende Arbeitsunfähigkeit schlichtweg ignoriert (act. G 1 S. 4;
act. G 1 S. 6) und generell nur Umstände berücksichtigt, die sich zu Ungunsten von ihr
ausgewirkt hätten (act. G 1 S. 6 f.). Auch hätte von den Gutachtern erwartet werden
dürfen, dass sie sich damit auseinandersetzen, weshalb seitens der
Invalidenversicherung für die Zeitspanne ab dem Unfallereignis respektive ab
Anmeldung bei der IV und Ablauf der Wartefrist bis zur Terminierung der
Taggeldzahlungen der Unfallversicherung keine Leistungen zu erbringen seien (act. G 1
S. 7).
2.1.2 Die Beschwerdegegnerin wendet ein, dass die Gutachter sich naturgemäss
lediglich mit den medizinischen Fakten des Falles zu beschäftigen hätten. Bei Themen
wie Anmeldedatum, Wartejahr, Rentenbeginn oder Koordination handle es sich um
rechtliche Elemente, die in der Prüfungskompetenz des Rechtsanwenders lägen.
Demnach könne keinerlei Grund zur Befangenheit erkannt werden (act. G 6).
2.1.3 Nach der Rechtsprechung gelten für Sachverständige, also auch für
begutachtende Ärzte in einem Invalidenversicherungsverfahren, grundsätzlich die
gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind.
Befangenheit ist danach anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind,
Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken (vgl. BGE 132 V 109 E. 7.1). Solche
Hinweise können in einem bestimmten Verhalten oder in gewissen äusseren
Gegebenheiten funktioneller und organisatorischer Natur begründet liegen. Nicht
entscheidend ist das subjektive Empfinden der Parteien (BGE 131 I 24 E. 1.1, mit
Hinweisen).
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2.1.4 Die Gutachterstelle ABI ist entsprechend einem Zufallsprinzip mit der Erstellung
des Gutachtens beauftragt worden (IV-act. 80 und 82). Im Vorfeld der Begutachtung
sind der Beschwerdeführerin die beauftragten Gutachter bekannt gegeben worden und
sie hat Gelegenheit erhalten, triftige Einwände gegen diese vorzubringen (IV-act. 84).
Soweit ersichtlich, hat sie davon keinen Gebrauch gemacht, sondern den
Befangenheitsvorwurf erst in ihrem Einwand vom 23. Juni 2015, also nach der
Arbeitsfähigkeitsschätzung durch die Gutachter, erhoben (IV-act. 94). Sodann ist die
Behauptung, dass die Gutachter nur Umstände berücksichtigt hätten, die gegen die
Beschwerdeführerin sprechen, nicht richtig. Vielmehr haben beispielsweise auch die
Vorgeschichte der Beschwerdeführerin, ihr langjähriges Arbeitsverhältnis und ihre
beklagten Beschwerden Eingang in das Gutachten gefunden (vgl. IV-act. 88). Auch
haben die Gutachter die ursprüngliche Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht
unberücksichtigt gelassen. Vielmehr führt der neurologische Gutachter beispielsweise
aus, dass nach dem Unfall naturgemäss eine höhere Arbeitsunfähigkeit vorgelegen
habe (vgl. IV-act. 88 S. 24). In der Gesamtbeurteilung wird ebenfalls festgehalten, dass
nach dem erlittenen Unfall eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen haben
dürfte, wobei die Dauer von den Gutachtern retrospektiv nicht eindeutig festgestellt
werden könne (IV-act. 88 S. 26). Schliesslich hat die Beschwerdegegnerin zu Recht
eingewendet, dass es nicht Aufgabe der Gutachter ist, eine genaue rechtliche
Einordnung des Falles vorzunehmen (vgl. act. G 6 N 4). Demnach haben sie sich im
Gutachten nicht über das Zusammenspiel von Taggeldern der Unfallversicherung und
den Leistungen der Invalidenversicherung zu äussern. Vor dem Hintergrund, dass der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin im Einwand vom 23. Juni 2015 ohne
entsprechende medizinische Berichte zahlreiche Diagnosen in den Raum gestellt hatte
(vgl. IV-act. 94), ist es zumindest nachvollziehbar, dass in der Stellungnahme des ABI
und damit aus der Sicht von Medizinern von „laienhaften Überlegungen“ des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin die Rede ist (vgl. IV-act. 102). Insgesamt
erweckt die Stellungnahme des ABI vom 14. Dezember 2015 nicht den Eindruck der
Befangenheit (vgl. IV-act. 88 und 102). Es sind den Akten auch sonst keinerlei
Anzeichen auf eine Befangenheit der Gutachter zu entnehmen.
2.2
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2.2.1 Gegen das psychiatrische Gutachten als Teil des polydisziplinären Gutachtens
wendet die Beschwerdeführerin ein, dass es wesentliche Elemente ihrer
Lebensgeschichte nicht berücksichtige. Ihr langjähriges Arbeitsverhältnis finde keine
Beachtung. Im Arbeitszeugnis ihres letzten Arbeitgebers vom 28. Dezember 2010
werde sie als pflichtbewusste, teamfähige und einsatzfreudige Mitarbeiterin
geschildert, die auch in schwierigen und hektischen Situationen den Überblick behalten
habe, in ihrem Verhalten korrekt und sicher gewesen sei, über gute Umgangsformen
und ein natürliches, freies Auftreten verfügt habe. Das Gutachten lasse auch ausser
Acht, dass sie neben ihrer Arbeitstätigkeit fünf Kinder habe grossziehen können und in
der Lage gewesen sei, den gesamten Haushalt erfolgreich zu meistern.
Familienmitglieder würden schildern, dass sie seit dem Unfallereignis nicht mehr die
gleiche Person sei. Sie gehe nicht mehr ausser Haus und besorge auch keine Einkäufe.
Sie befinde sich tagtäglich im Haus und sei gegenüber den Familienmitgliedern
abweisend und streitbar mit einer Verhaltensweise, wie sie auch im Gutachten
ansatzweise festgehalten worden sei, nämlich unfreundlich, abweisend, wortkarg und
nicht kooperativ. Auch bei Konsultationen mit dem Rechtsvertreter lege sie ein
abweisendes Verhalten an den Tag und einen Arzt besuche sie ausschliesslich unter
Begleitung eines Familienmitgliedes. In Erwägung zu ziehen sei daher eine eigentliche
Wesensveränderung mit einem absoluten sozialen Rückzug und einer Krankheits- und
Schmerzüberzeugung, die nicht angegangen werden könne. Daher hätte eine
Persönlichkeitsstörung diskutiert werden sollen (act. G 1 S. 10 f.). Den totalen sozialen
Rückzug einer zuvor umfassend tätigen und vitalen Person habe der Gutachter
überhaupt nicht gewürdigt (act. G 13 S. 9). Es sei offensichtlich, dass eine Art
Anpassungsstörung vorliege. Ihre Persönlichkeit sei aber im Gutachten gar nicht
erfasst, geschweige denn bewertet worden (act. G 13 S. 8). Ihr Verhalten sei nicht
inkonsistent, wie es ihr in dem Gutachten teilweise vorgeworfen werde. Aus dem
Umstand, dass ihr Verhalten objektiv nur schwer nachvollziehbar sei, dürfe ihr nicht
eine schlechte Compliance angelastet werden, bevor nicht nachvollziehbare
psychiatrische Ausführungen zu ihrer Persönlichkeit vorliegen würden (act. G 13 S. 9).
Sodann bemängelt die Beschwerdeführerin in ihrer Replik auch, dass im Gutachten zu
Unrecht von einer posttraumatischen Belastungsstörung ausgegangen worden sei.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung könne eine solche nämlich nur dann
angenommen werden, wenn die betroffene Person das Unfallereignis bei vollem
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Bewusstsein erlebt habe. Aus ihrer polizeilichen Befragung gehe aber hervor, dass sie
vom Zeitpunkt des Betretens des Fussgängerstreifens an nichts mehr wisse. Auch
liege kein Unfallereignis von ausserordentlicher Schwere, wie es die ICD-Klassifikation
für die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung fordere, vor. Den
Gutachtern hätte auffallen müssen, dass die Diagnose der posttraumatischen
Belastungsstörung, die schon zuvor von Ärzten gestellt worden sei, fehlerhaft sei. Ein
weiterer Fehler in der Begutachtung bestehe darin, dass im Gutachten davon
ausgegangen werde, dass sie die posttraumatische Belastungsstörung überwunden
habe, da ihr damit Lösungsstrategien zuerkannt würden, die sie gar nicht habe (act. G
13 S. 8 f.). In ihrer Beschwerde ist die Beschwerdeführerin hingegen der Ansicht, dass
sie unstreitig eine posttraumatische Belastungsstörung durchgemacht habe, soweit
diese nicht noch andaure (act. G1 S. 11). Sodann empfindet sie es als unverständlich,
dass der psychiatrische Gutachter keine Hinweise für eine depressive Störung erkannt
habe, obwohl er doch festgestellt habe, dass sie sehr passiv sei, kaum grüsse, sich
langsam bewege, ein Desinteresse und Gleichgültigkeit zeige (act. G 13 S. 8; vgl. auch
act. G 7). Der Hausarzt gehe von einem schweren depressiven Zustandsbild aus. Diese
Ansicht dürfe nicht ausser Acht gelassen werden, zumal der Arzt sie schon vor dem
Unfallereignis behandelt habe (act. G 1 S. 11). Sodann seien auch die von ihr
eingenommenen Medikamente in der psychiatrischen Begutachtung nicht gebührend
berücksichtigt worden. Die Medikamente, namentlich Mirtazapin, Lexotanil und
Dalmadorm, würden aufzeigen, dass bei ihr massive Spannungszustände vorliegen
würden (act. G 7). Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin, dass die Gutachter ohne
weiteres davon ausgegangen seien, dass die gestellte Diagnose der somatoformen
Schmerzstörung ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei. Die Foersterkriterien, auf
welche das psychiatrische Gutachten noch Bezug nehme, würden nach neuer
bundesgerichtlicher Rechtsprechung keine Rolle mehr spielen. Aufgrund der aktuellen
Rechtsprechung könne bei Annahme einer somatoformen Schmerzstörung nicht
leichthin der Schluss gezogen werden, dass keine Leistungen geschuldet seien.
Vielmehr habe die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine ergebnisoffene
Untersuchung, welche auch fremdanamnestische Umstände berücksichtige (act. G 1
S. 12).
2.2.2 Die Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, dass die Beschwerdeführerin laut
psychiatrischem Gutachten zu konkreten psychischen Beschwerden keine Angaben
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habe machen können. Die Versorgung mit Psychopharmaka erfolge gemäss Gutachten
durch den Hausarzt, wobei der Serumspiegel darauf hindeute, dass keine effektive und
regelmässige Pharmakotherapie stattfinde. Dies lasse laut dem Gutachten auf einen
vermutlich geringen psychischen Leidensdruck schliessen. Die Versicherte habe sich
gemäss dem Gutachten sodann lustlos, unhöflich und unkooperativ mit einer lustlosen
Gleichgültigkeit verhalten. Sie habe vorgegeben, sich an vieles nicht mehr zu erinnern,
gleichzeitig habe sie eine intakte Affektivität ohne Hinweise für eine erhebliche
depressive Symptomatik oder Demenz gezeigt. Dem Gutachten könne auch
entnommen werden, dass die beklagten Schmerzen aufgrund ihrer diffusen und
ausgeweiteten Form keinem organischen Korrelat zugeordnet werden könnten. Dass
die Beschwerdeführerin einer Behandlung nicht zugänglich sei, gehe aus den Angaben
des Austrittsberichts des Spitals J._ vom 13. Februar 2013 nicht hervor. Vielmehr
habe sie sich gemäss diesem Bericht unmotiviert gezeigt. Sodann hätten die
Psychiatrie-Dienste Z._ schon früher festgestellt, dass sich die Beschwerdeführerin
alles übersetzen lasse und nicht auskunftsbereit sei, obwohl sie gut Deutsch spreche
und verstehe. Auch seien den Akten keine Hinweise zu entnehmen, dass eine
Behandlung aus medizinischer Sicht nicht möglich sei (act. G 6 N 8).
2.2.3 Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin hat der psychiatrische
Gutachter ihre Vorgeschichte vor dem Unfallereignis bei der Untersuchung nicht ausser
Acht gelassen. Neben der Berücksichtigung umfangreicher Vorakten (vgl. IV-act. 88 S.
2 ff.) hat er eine ausführliche Anamnese zur beruflichen, familiären und sozialen
Situation der Beschwerdeführerin aufgenommen. Dabei wird im Gutachten auch
erwähnt, dass sie vom Jahr 2000 bis in das Jahr 2008 mit einem Pensum von 100 %
gearbeitet habe und fünf Kinder habe (IV-act. 88 S. 10 f.). Wie die Beschwerdeführerin
selber einräumt, hat der Gutachter sodann auch ausgeführt, dass sie sich anlässlich
der Untersuchung langsam bewegt habe, kaum gegrüsst habe, sich insgesamt sehr
passiv verhalten und ein Desinteresse sowie eine Gleichgültigkeit an den Tag gelegt
habe. Allerdings schliesst der Gutachter nachvollziehbarerweise aus diesen
Verhaltensweisen nicht automatisch auf eine psychische Störung. Vielmehr hat er in
seiner Untersuchung festgestellt, dass die Beschwerdeführerin bei klarem Bewusstsein
sowie zeitlich, örtlich und autopsychisch orientiert gewesen sei. Ihr Gedankengang
habe sich formal geordnet entfaltet und sei inhaltlich unauffällig gewesen. Hinweise für
ein psychotisches Geschehen hat der Gutachter anlässlich der Untersuchung nicht
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beobachten können, insbesondere hat er das Vorliegen von Wahnideen,
Halluzinationen oder einer Ich-Störung verneinen können. Auch wenn die kognitiven
Fähigkeiten der Beschwerdeführerin auf den Gutachter eingeschränkt gewirkt haben,
so hat der Gutachter doch keine Demenz erkennen können. Die Konzentration und
Aufmerksamkeit habe die Beschwerdeführerin während der gesamten Untersuchung
aufrechterhalten können. Die höheren Ich-Funktionen wie Realitätsprüfung,
Beziehungsfähigkeit, Urteilsfähigkeit, Impulskontrolle sowie Willensbildung seien intakt
gewesen. Psychomotorisch habe sich die Beschwerdeführerin weder agitiert noch
gehemmt gezeigt. Der Gutachter hat sich demnach, entgegen dem entsprechenden
Einwand der Beschwerdeführerin, auch mit ihrer Persönlichkeit auseinandergesetzt.
Sodann hat der Gutachter angemerkt, dass die Beschwerdeführerin sich im Affekt
lustlos, desinteressiert und gleichgültig gezeigt habe. Allerdings hat er sie als emotional
lebhaft und psychomotorisch nicht gehemmt wahrgenommen sowie keine Hinweise für
eine vitale Traurigkeit, eine Antriebsstörung oder Suizidgedanken feststellen können,
weshalb er eine Depression unter Berücksichtigung weiterer Umstände nachvollziehbar
verneint hat. Die von der Beschwerdeführerin angesprochenen, sich in den Akten
befindenden kurzen Berichte von Dr. I._, ihrem Hausarzt, in welchen teilweise
erwähnt wird, dass es ihr schlecht gehe oder dass sie unter einer Depression leide (vgl.
z.B. act. G 19.1; IV-act. 70; Fremdakten, Suva-act. 28 und 74), vermögen die
psychiatrische gutachterliche Einschätzung diesbezüglich nicht in Zweifel zu ziehen.
Denn zum einen handelt es sich bei dem Gutachter um einen Facharzt aus dem
Bereich der Psychiatrie. Zum anderen besteht zwischen dem Hausarzt und seinen
Patienten erfahrungsgemäss eine gewisse Vertrauensbasis bzw. ist der
Behandlungsauftrag ein anderer als der Begutachtungsauftrag (vgl. BGE 135 V 470 E.
4.5). Vor allem aber kann den hausärztlichen Berichten von Dr. I._ nicht entnommen
werden, worauf die Diagnose einer Depression gestützt wird (vgl. z.B. act. G 19.1; IV-
act. 70; Fremdakten, Suva-act. 28 und 74). Aus dem Umstand, dass die
Beschwerdeführerin von ihrem Hausarzt die Medikamente Mirtazapin oder Lexotanil
verabreicht zu bekommen scheint, kann sie vorliegend ebenfalls nichts zu ihren
Gunsten ableiten, da diese Medikamente bei den Messungen in ihrem Blut praktisch
nicht nachweisbar gewesen sind (IV-act. 88 S. 10). Dies legt die Vermutung nahe, dass
die Beschwerdeführerin diese Medikamente gar nicht oder nur selten einnimmt. Wie
der Gutachter schlüssig ausgeführt hat, deutet dies im konkreten Fall auf einen
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geringen psychischen Leidensdruck hin (IV-act. 88 S. 13). Schliesslich spricht auch die
von der Beschwerdeführerin teilweise kritisierte Diagnose der posttraumatischen
Belastungsstörung, die tatsächlich nicht restlos nachvollziehbar ist, nicht gegen die
Zuverlässigkeit des ABI-Gutachters, da er diese Diagnose gerade nicht stellt. Er selber
kommt in seiner Untersuchung in nachvollziehbarer Weise zum Schluss, dass bei der
Beschwerdeführerin keine Befunde für eine posttraumatische Belastungsstörung mehr
erhoben werden konnten. Die Beschwerdeführerin beklage keine Flashbacks, keine
Albträume und sie zeige keine Schreckhaftigkeit oder eine emotionale Abstumpfung.
Sodann sei sie in der Lage, sachlich und ohne Erregung über den Unfall zu berichten.
Auch habe sie mitgeteilt, dass sie von ihrem Wohnzimmer auf den Unfallort sehe (IV-
act. 88 S. 13). Dass er sich im Gutachten mit den bisherigen ärztlichen Berichten, die
eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert hatten (Fremdakten, Suva-act.
6, 19 und 77), auseinandersetzt und das Bestehen einer solchen Störung in der
Vergangenheit nicht kategorisch verneint, sondern davon ausgeht, dass die Störung
wohl abgeklungen sei (vgl. IV-act. 88 S. 13), spricht nicht gegen die Zuverlässigkeit des
ABI Gutachters. Es spricht vielmehr gerade für den psychiatrischen Gutachter, dass er
vorsichtig damit ist, eine von anderen Ärzten echtzeitlich gestellte Diagnose
retrospektiv als eindeutig falsch zu bezeichnen. Es ist nachvollziehbar, dass er zu
erklären versucht, warum andere Ärzte früher zu einer solchen Diagnose gekommen
sind. Er beschreibt zutreffend, dass sich die posttraumatische Belastungsstörung
bereits im Bericht von Dr. D._ vom 14. Mai 2010 nur noch residual in Form von
Albträumen dargestellt habe, weshalb er in schlüssiger Weise davon ausgeht, dass
sich diese Diagnose zurückgebildet habe, aktuell jedenfalls nicht mehr bestehe (vgl. IV-
act. 88 S. 13 f.).
2.2.4 Zur im psychiatrischen Gutachten diagnostizierten Schmerzstörung ist
festzuhalten, dass das Bundesgericht seine Rechtsprechung zu diesem und weiteren
syndromalen bzw. organisch nicht objektivierbaren Beschwerdebildern geändert und
festgehalten hat, diese seien mittels eines strukturierten Beweisverfahrens anhand
massgeblicher Indikatoren zu beurteilen (BGE 141 V 294, E. 3.5 f.; BGE 143 V 409, E.
4.5 ff.; BGE 143 V 418, E. 6 ff.). Gemäss altem Verfahrensstandard eingeholte
Gutachten verlieren ihren Beweiswert nicht per se. Mit Blick auf die nunmehr materiell-
beweisrechtlich geänderten Anforderungen bei der Einschätzung des funktionellen
Leistungsvermögens ist jedoch in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen
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administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten, gegebenenfalls im
Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten, eine schlüssige Beurteilung im Lichte
der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 309 E. 8; Urteil des
Bundesgerichts vom 13. April 2016, 9C_168/2015, E. 2.2.3). Demnach ist nachfolgend
zu prüfen, ob aufgrund der Einschätzung der Gutachter und der anderweitigen
Unterlagen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, dass die somatoforme
Schmerzstörung die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht herabsetzt.
2.2.5 Bezüglich Schwere der Funktionsstörung ist auffällig, dass die
Beschwerdeführerin von sehr schweren Einschränkungen und Schmerzen auf der
ganzen rechten Körperhälfte sowie starken Kopf- und Nackenschmerzen berichtet (vgl.
IV-act. 88). Diese Angaben sind teilweise auch durch ihre Familienangehörigen
gemacht worden (vgl. act. G 1 S. 10; IV-act. 68; Fremdakten, Suva-act. 79 und 81). Der
psychiatrische Gutachter hält fest, dass sich für die in diffuser und ausgeweiteter Form
angegebenen Schmerzen der Beschwerdeführerin keine objektivierbaren Korrelate
finden würden (vgl. dazu auch Fremdakten, Suva-act. 14, 56, 57, 79, 83, 99, 117, 118
und 132; IV-act. 88 S. 14 ff.), weshalb er von einer psychischen Überlagerung ausgeht
und diese mit der Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung erfasst
(IV-act. 88 S. 13). Allerdings misst der psychiatrische Gutachter der Schmerzstörung
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bei (IV-act. 88 S. 14). Die Schilderungen der
Beschwerdeführerin bzw. ihrer Familienangehörigen wirken tatsächlich nicht sehr
plausibel, sondern deuten auf eine gewisse Aggravation hin. Es erscheint
beispielsweise nicht glaubwürdig, dass die Beschwerdeführerin den ganzen Tag nur
herumliegen und praktisch gar nichts machen soll. Denn zum einen ist davon
auszugehen, dass sie diesfalls nach der langen Zeit, in welcher der Zustand schon
andauern soll, noch viel gravierendere gesundheitliche Probleme haben würde.
Objektivierbare muskuläre Atrophien sind gemäss dem rheumatologischen Gutachten
aber gerade nicht festgestellt worden (IV-act. 88 S. 20). Auch laut dem neurologischen
Gutachter haben sich in objektiver Hinsicht keine Atrophien oder Reflexdifferenzen
ergeben, die auf einen tatsächlichen Mindergebrauch einer Extremität schliessen
lassen könnten (IV-act. 88 S. 24). Zum anderen sind in dem polydisziplinären
Gutachten, jedoch auch in anderen ärztlichen Berichten (vgl. z.B. Fremdakten, Suva-
act. 14, 44 und 79), zahlreiche Inkonsistenzen festgestellt worden. So ist es der
Beschwerdeführerin gemäss dem rheumatologischen Gutachten beispielsweise
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möglich gewesen, in sitzender Position die Kleidungsstücke relativ flüssig zu wechseln
und dabei die Arme frei und flüssig ohne Schmerzartikulation zu bewegen. Auch hat die
Beschwerdeführerin gemäss diesem Gutachten in der Langsitzposition einen Abstand
Fingerspitzen-Fusssohle von 10 cm ohne Angabe von spezifisch zunehmenden
Schmerzen erreichen können, während im Stehen der Finger-Boden-Abstand massiv
eingeschränkt gewesen sei (IV-act. 88 S. 19). Dem kreisärztlichen Bericht der Suva
vom 24. Juni 2010 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin langsamen
Schrittes mit zwei Gehstöcken zur Untersuchung gekommen sei, jedoch die rechte
untere Extremität voll belastet habe (Fremdakten, Suva-act. 79 S. 2). Im kreisärztlichen
Bericht vom 10. Mai 2011 ist sodann zu lesen, dass die Beschwerdeführerin das rechte
Knie aufgrund von angeblichen Schmerzen bei der Beugung kontinuierlich in
Streckstellung gehalten habe, während jedoch die radiologische Untersuchung vom 10.
Mai 2011 das Kniegelenk in Beugestellung zeige (Fremdakten, Suva-act. 117). Im
neurologischen Gutachten werden wechselnde Angaben der Beschwerdeführerin
erwähnt. Zunächst seien die Schmerzen als streng mittellinig auf die rechte Seite
begrenzt vom Kopf bis in das rechte Bein verlaufend bezeichnet worden, während im
weiteren Verlauf der Untersuchung am rechten Bein kein sensibles Defizit angegeben
worden sei (IV-act. 88 S. 22). Der neurologische Gutachter spricht sogar explizit von
einer bewusstseinsnahen Symptomausweitung (IV-act. 88 S. 24). Auch das
Schmerzmittel Ibuprofen, von welchem die Beschwerdeführerin angibt, täglich drei bis
vier Tabletten einzunehmen, hat bei den Serumspiegelmessungen praktisch nicht
nachgewiesen werden können (IV-act. 88 S. 10 und S. 26), was auf eine nicht
regelmässige Einnahme und einen geringen Leidensdruck hinweist. Zudem wird in dem
polydisziplinären Gutachten sowie in anderen ärztlichen Berichten immer wieder davon
berichtet, dass sie sich unmotiviert, gleichgültig oder lustlos gezeigt habe, ohne dass
konkret festgestellt worden wäre, dass ihr die Krankheitseinsicht fehlen bzw. dass sie
keine Therapiefähigkeit besitzen würde (vgl. z.B. IV-act. 68, 71 und 88). Ferner ist im
psychiatrischen Gutachten festgehalten, dass sie sehr ungenaue Aussagen gemacht
habe (IV-act. 88 S. 10), und auch dem Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 7. Mai
2009 ist zu entnehmen, dass sie ausweichende, ungenaue Antworten auf die Fragen
gegeben habe (Fremdakten, Suva-act. 14). Sodann hat die Beschwerdeführerin die
stationäre Therapie in der Klinik C._ wegen fehlender Besserung und Motivation von
sich aus abgebrochen (IV-act. 68). Die ambulante Therapie bei Dr. D._ ist laut
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Aussage von Dr. I._ abgebrochen worden, da sowohl die Beschwerdeführerin als
auch die Therapeutin frustriert gewesen seien (IV-act. 70). Den Austritt aus dem Spital
J._ haben die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann bereits nach einem
Behandlungstag gewünscht (IV-act. 71). Im Austrittsbericht des Spitals J._ ist sodann
festgehalten worden, dass von der Beschwerdeführerin in der Vergangenheit jegliche
Hospitalisationen abgelehnt worden seien (IV-act. 71 S. 2). Darüber hinaus hat sie auch
einen durch die Suva organisierten Arbeitsversuch bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber
nach nur kurzer Zeit abgebrochen (IV-act. 37 und 40). Schliesslich ist auffällig, dass
sich die Beschwerdeführerin gemäss den Akten in letzter Zeit kaum in ärztliche
Behandlung begeben hat (vgl. IV-act. 1 ff.; Suva-act. 1 ff.; act. G 1 ff.). Demgegenüber
scheint die Beschwerdeführerin ein intaktes familiäres Umfeld zu haben, welches ihre
Ressourcen möglicherweise stärken kann (vgl. act. G 1; act. G 13; IV-act. 68;
Fremdakten, Suva-act. 79 und 81). Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die
Beschwerdeführerin medizinische Behandlungen kaum in Anspruch nimmt, eine
schlechte Compliance zeigt und aufgrund der zahlreichen Inkonsistenzen überzeugt die
psychiatrische Einschätzung. Der Beschwerdeführerin ist es demnach aus
psychiatrischer Sicht trotz der von ihr angegebenen Schmerzen mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zumutbar, in einer angepassten Tätigkeit bzw. selbst in der
angestammten Tätigkeit als Näherin einer vollen Erwerbsfähigkeit nachzugehen (vgl. IV-
act. 88 S. 14 i.V.m. S. 27).
2.3
2.3.1 Hinsichtlich des neurologischen Gutachtens bemängelt die Beschwerdeführerin,
dass die Gutachter einen Bewusstseinsverlust nach dem Unfall als fraglich darstellen
würden und dass sie nicht zumindest von einer milden traumatischen Hirnverletzung
ausgegangen seien. Im Einsatzprotokoll der Sanität sei nämlich aufgeführt, dass die
Beschwerdeführerin mehrere Hämatome am Schädel aufgewiesen habe und sie beim
Eintreffen des Rettungsdienstes nur bedingt ansprechbar gewesen sei. Sodann habe
sie auch in der polizeilichen Befragung ausgeführt, dass sie sich nur noch daran
erinnern könne, wie sie den Fussgängerstreifen habe überqueren wollen, wie es zur
Kollision gekommen sei, könne sie nicht sagen. Sie habe in der Befragung sodann
ausgesagt, dass das Erste, woran sie sich nach dem Unfall erinnern könne, das vage
Hören von Stimmen am Unfallort sowie das Krankenauto gewesen seien. Die erste
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klare Erinnerung sei laut Befragungsprotokoll jene, als sie im Spital zu sich gekommen
sei (act. G 1 S. 8 f.).
2.3.2 Der neurologische Gutachter erwähnt, dass die Beschwerdeführerin durch den
Unfall mehrere Prellungen, unter anderem auch eine Schädelprellung mit Commotio
cerebri erlitten habe. Diese Feststellungen stützen sich auf die im Austrittsbericht des
Kantonsspitals St. Gallen vom 22. Dezember 2008 gestellten Diagnosen und sind
demnach nicht zu beanstanden (Fremdakten, Suva-act. 6). Dazu merkt der Gutachter
weiter an, dass sich die Diagnose der Schädelprellung mit Commotio cerebri auf die
angegebene Amnesie sowie einen fraglichen Bewusstseinsverlust gestützt habe, wozu
gut sechs Jahre nach dem Unfall im Zeitpunkt der Begutachtung keine präzisen
Angaben mehr erhältlich gewesen seien. Sodann merkt er noch an, dass bereits in
einem Bericht der Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen vom 7. Mai 2009 auf
diesbezüglich inkonsistente Angaben hingewiesen worden sei (IV-act. 88 S. 23). Im
Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 7. Mai 2009 zu einer am 30. April 2009
durchgeführten Schmerz-Sprechstunde wird ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin
über permanenten Drehschwindel und lageunabhängige Kopfschmerzen klage. Sodann
berichte sie über Schlafstörungen, Albträume, Angststörungen und
Hyperventilationsattacken. Weiter heisst es in dem Bericht, dass das Erleben des
Unfallhergangs in den Albträumen der fehlenden Erinnerungsfähigkeit an den
Unfallhergang widerspreche (Fremdakten, Suva-act. 14). Vor diesem Hintergrund ist es
nachvollziehbar, dass der neurologische Gutachter einen Bewusstseinsverlust als
fraglich eingestuft hat. Er stellt einen solchen damit nicht kategorisch in brede, sondern
legt seine Zweifel dar. Dieser Einschätzung steht somit namentlich auch der Eintrag im
Einsatzprotokoll der Sanität, wonach die Beschwerdeführerin beim Eintreffen nur
bedingt ansprechbar gewesen sei (IV-act. 94), nicht entgegen. Die in der polizeilichen
Befragung vom 30. Dezember 2008 gemachte Aussage der Beschwerdeführerin, dass
sie sich nicht mehr daran erinnern könne, wie es zur Kollision gekommen sei
(Fremdakten, Suva-act. 4 S. 2), bringt ebenfalls keine sicheren Erkenntnisse darüber,
ob es infolge des Unfalls zu einem Bewusstseinsverlust gekommen ist. Weiter wird von
der Beschwerdeführerin nicht dargelegt, auf welche medizinischen Berichte sie die von
ihr in den Raum gestellte Diagnose der traumatischen Hirnverletzung stützt oder warum
die Einschätzungen des neurologischen Gutachters falsch sein sollen (vgl. act. G 1).
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2.4 Die seitens der Beschwerdeführerin vorgetragenen Einwände hinsichtlich des
polydisziplinären ABI Gutachtens erweisen sich nach dem Gesagten als unbegründet.
Sodann beruht das ABI-Gutachten auf eigenständigen Abklärungen und ist für die
streitigen Belange umfassend. Die medizinischen Vorakten und die von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden sind berücksichtigt worden. Die
bescheinigte Arbeitsfähigkeit leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Das
Gutachten erscheint nachvollziehbar und schlüssig. Weiter bestehen keine
Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden
wären. Gestützt auf die gutachterliche Einschätzung ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der
Begutachtung über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für die Tätigkeit als Näherin sowie für
andere leidensangepasste Tätigkeiten verfügt hat (IV-act. 88 S. 26 f.). Es besteht
diesbezüglich somit kein weiterer medizinischer Abklärungsbedarf. Angesichts dessen,
dass sich die 100%ige Arbeitsfähigkeit auch auf den angestammten Tätigkeitsbereich
der Beschwerdeführerin als Näherin bezieht, besteht offensichtlich kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 40 %, weshalb sich die Vornahme eines
Einkommensvergleichs erübrigt.
3.
3.1 Weiter macht die Beschwerdeführerin sinngemäss geltend, dass die
Unfallversicherung eine Arbeitsunfähigkeit anerkannt und Taggelder bis zum 30.
November 2011 ausgerichtet habe. Sie ist daher der Ansicht, dass zumindest bis zu
diesem Zeitpunkt eine Arbeitsunfähigkeit und somit nach Ablauf des Wartejahres auch
ein Anspruch auf eine Rente der IV bestanden habe. Das für die Berechnung ihres
Anspruchs entscheidende Anmeldedatum sei der 17. August 2009, das Datum ihrer
ersten Anmeldung bei der IV (act. G 1 S. 3 ff.).
3.2 Die Beschwerdegegnerin ist der Meinung, dass die Beschwerdeführerin zu Recht
davon ausgehe, dass ihre erste Anmeldung bei der IV vom 17. August 2009 für die
Prüfung ihrer Ansprüche massgebend sei. Unter Berücksichtigung der ersten
Anmeldung sei der frühestmögliche Rentenbeginn der 1. Februar 2010. Sodann könne
der Rentenanspruch zugunsten der Beschwerdeführerin analog den Leistungen der
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Suva bis Ende November 2011 befristet werden. Denn die ABI-Gutachter hätten das
Ende der Arbeitsunfähigkeit retrospektiv in das Jahr 2010 gelegt und gestützt auf die
kreisärztliche Untersuchung vom 20. Juli 2011 sei von einer maximal bis Juli 2011
andauernden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Der Anspruch auf ein
100%iges unfallversicherungsrechtliches Taggeld stehe der Zusprache einer ganzen
befristeten IV-Rente nicht entgegen. Soweit das Zusammentreffen beider Leistungen
zu einer Überentschädigung führe, sei eine Abschöpfung vorzunehmen, wobei die IV-
Rente von einer Kürzung ausgeschlossen sei (act. G 6 N 11).
3.3 Der die Arbeitsunfähigkeit auslösende Unfall hat sich am 10. Dezember 2008
ereignet (Fremdakten, Suva-act. 1 ff.). Das Wartejahr i.S.v. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ist
somit grundsätzlich am 10. Dezember 2009 abgelaufen. Die Beschwerdeführerin hat
sich am 17. August 2009 erstmals bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von
Leistungen in Form von Gehstützen angemeldet (IV-act. 1). Mit Verfügung vom 2.
September 2009 ist ihr Leistungsbegehren von der Beschwerdegegnerin abgewiesen
worden (IV-act. 6). Am 5. Januar 2010 hat sich die Beschwerdeführerin erneut bei der
Beschwerdegegnerin angemeldet und zwar dieses Mal für den Bezug von beruflichen
Massnahmen und Rentenleistungen (IV-act. 10). Gemäss N 1030 des Kreisschreibens
über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI; Versionsnummer 17, gültig ab 1.
Januar 2010, Stand 1. Januar 2018) wahren die versicherten Personen mit der
Anmeldung bei der IV grundsätzlich alle bis zum Zeitpunkt der Verfügung bestehenden
Ansprüche. Die frühere Anmeldung bleibt sodann auch wirksam, wenn nach Abschluss
des Verfahrens neue gleichartige oder andersartige Ansprüche bei der IV angemeldet
werden, sofern aufgrund der Aktenlage anzunehmen ist, dass der Anspruch schon
anlässlich der ersten Anmeldung hätte geprüft werden müssen (N 1032 KSVI).
Grundsätzlich haben sich die Abklärungen einer IV-Stelle auf sämtliche in Betracht
fallenden Leistungen zu beziehen, auch wenn diese nicht ausdrücklich geltend
gemacht worden sind (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2011, 8C_233/2010, E.
5.1; KSVI N 2033). Diese Abklärungspflicht geht vorliegend aber nicht derart weit, dass
die Beschwerdegegnerin im Rahmen der ersten Anmeldung vom 17. August 2009, in
welcher einzig Gehstützen beantragt worden sind, zugleich auch eine Rentenprüfung
hätte durchführen müssen. Es haben im Zeitpunkt der ersten Anmeldung keinerlei
Anzeichen dafür bestanden, dass die Beschwerdeführerin eine Rente gewünscht hätte.
So hat sie etwa die Felder im Formular zum Bestehen einer Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 6.6)
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nicht ausgefüllt und eine aktuell noch andauernde Beschäftigung als Näherin zu 100 %
erwähnt (Ziff. 6.3.1; IV-act. 1 S. 5). Demnach ist für die Berechnung der Ansprüche
vorliegend auf das Datum der zweiten Anmeldung abzustellen. Unter Berücksichtigung
der zweiten Anmeldung der Beschwerdeführerin vom 5. Januar 2010 und des
Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ist der frühestmögliche Rentenbeginn der 1.
Juli 2010 (Art. 29 IVG). Die Beschwerdeführerin hat bis zum 30. November 2011
Unfalltaggelder der Suva für eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bezogen. Demnach ist zu
prüfen, ob für die Dauer vom 1. Juli 2010 bis grundsätzlich zum 30. November 2011 ein
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin gegenüber der Beschwerdegegnerin besteht.
3.4 Die Einstellung der Taggeldleistungen hat sich auf den kreisärztlichen
Abschlussbericht vom 25. Oktober 2011 gestützt, in welchem festgehalten worden ist,
dass die Skelettzintigraphie vom 5. Oktober 2011 keine somatisch-objektivierbare
Begründung für das Schmerzsyndrom ergeben habe. Aus somatischer Sicht bestehe
daher die ab sofort gültige Zumutbarkeitsbeurteilung, dass eine sitzende Tätigkeit ohne
besondere Beanspruchung des rechten Fusses ganztags möglich sei. Gehen bzw.
Stehen auf einer ebenen Unterlage sei bis zu 30 Minuten ohne Unterbrechung möglich,
sollte jedoch intervallweise maximal bis höchstens 50% der Arbeitszeit ausmachen.
Nicht möglich sei das Besteigen von Leitern oder Gerüsten oder Gehen in
unwegsamem Gelände und das Begehen von Treppen sei nur ausnahmsweise
zumutbar (vgl. Fremdakten, Suva-act. 172 S. 7 und 187 S. 11). Die zuvor erstellten
kreisärztlichen Berichte hatten zwischen der Aussage, dass eigentlich keine
Unfallrestfolgen mehr vorliegen würden (vgl. IV-act. 42), und derjenigen, dass doch
etwa eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit mit weiteren qualitativen Einschränkungen
gegeben sei (Fremdakten, Suva-act. 117 und 132; vgl. auch den Bericht des
Kantonsspitals St. Gallen vom 7. Juli 2011, Suva-act. 125), geschwankt, wobei jeweils
weitere Abklärungen empfohlen worden sind (vgl. IV-act. 42; Fremdakten, Suva-act.
117, 132, 136, 172 S. 6 f. und 187 S. 8 ff.). Eine abschliessende kreisärztliche
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist erst durch den Bericht
vom 25. Oktober 2011 erfolgt. Die Suva hat sodann die Taggeldleistungen auf den 30.
November 2011 eingestellt (vgl. Fremdakten Suva) und somit den Beginn der
Verwertbarkeit der Leistungsfähigkeit auf den 1. Dezember 2011 festgesetzt. Im ABI
Gutachten vom 13. April 2015 haben die Experten ausgeführt, dass nach dem am 10.
Dezember 2008 erlittenen Unfall eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen haben
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dürfte, jedoch könne von ihnen die Dauer der Arbeitsunfähigkeit retrospektiv nicht
eindeutig festgestellt werden. Auch aus psychiatrischer Sicht dürfte laut Gutachten
eine Arbeitsunfähigkeit bestanden haben, wobei ab 2010 diesbezüglich nur noch
Residualsymptome vorgelegen zu haben scheinen (IV-act. 88 S. 26). Vor diesem
Hintergrund und mangels anderer überzeugenderer Arbeitsunfähigkeitsschätzungen ist
eine verwertbare Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erst ab 1. Dezember 2011
ausgewiesen. Allfällige psychische Probleme dürften zu diesem Zeitpunkt laut dem
polydisziplinären Gutachten ebenfalls keinen Einfluss mehr auf die Arbeitsfähigkeit
gehabt haben (vgl. IV-act. 88 S. 26). Dies erscheint plausibel, zumal sich auch aus den
Berichten von Dr. D._ ergibt, dass sich der psychische Zustand der
Beschwerdeführerin bereits im Jahr 2010 zu bessern begonnen hat (vgl. Fremdakten,
Suva-act. 77 im Vergleich mit IV-act. 27). Aufgrund dessen, dass erst ab 1. Dezember
2011 eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit ausgewiesen ist, resultiert ein befristeter
Anspruch auf eine ganze Rente bis 29. Februar 2012 (vgl. Art. 88a Abs. 1 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Der Anspruch auf ein
100%iges UV-Taggeld steht der Zusprache einer ganzen (befristeten) IV-Rente nicht
entgegen. Soweit das Zusammenfallen beider Leistungen zu einer Überentschädigung
der Beschwerdeführerin führt, wird eine Abschöpfung derselben im Rahmen von Art.
69 ATSG vorzunehmen sein, wobei die IV-Rente von einer Kürzung ausgeschlossen ist.
Daher hat die Beschwerdegegnerin eine entsprechende Rentenverfügung gemäss Art.
49 Abs. 4 ATSG auch der Unfallversicherung der Beschwerdeführerin zu eröffnen (vgl.
zur Meldepflicht der Beschwerdeführerin ferner Art. 51 Abs. 1 der Verordnung über die
Unfallversicherung [UVV; SR 832.202]).
4.
4.1 Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
bzw. der Begründungspflicht durch die Beschwerdegegnerin. Die angefochtene
Verfügung enthalte zwar einen kurzen Passus, in welchem auf die von ihr im Schreiben
vom 23. Juni 2015 vorgetragenen Einwände eingegangen werde, respektive sich die
Behauptung finde, dass die Eingabe näher geprüft worden sei. Allerdings werde in der
angefochtenen Verfügung nicht dargelegt, warum keine Befangenheit der Gutachter
vorliege. Ferner habe sich die angefochtene Verfügung wiederum auf das
Rentengesuch vom 5. Januar 2010 bezogen, obwohl sie in ihrem Einwand zum
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Vorbescheid schon ausgeführt habe, dass sie sich bereits am 17. August 2009 zum
Bezug von Versicherungsleistungen angemeldet habe. Es liege somit auf der Hand,
dass die bereits im Zeitpunkt der Anmeldung vom August 2009 und darüber hinaus
bestehende Arbeitsunfähigkeit in der angefochtenen Verfügung überhaupt keine
Beachtung gefunden habe (act. G 1 S. 3 ff.).
4.2 Die Beschwerdegegnerin ist demgegenüber der Ansicht, dass die Begründung der
Verfügung vom 6. Januar 2016 ausreichend gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe
Einwand erhoben, habe die Akten erhalten und in der Verfügung sei kurz auf den
Einwand der Beschwerdeführerin eingegangen worden. Auch habe der Verfügung
sowohl die Stellungnahme des RAD als auch diejenige des ABI beigelegen. Die Basis
und die Begründung der Verfügung seien somit nachvollziehbar gewesen. Überdies
würde eine Rückweisung nur ein verfahrensmässiger Leerlauf bedeuten (act. G 6 N 2).
4.3 Gemäss Art. 42 ATSG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör.
Wichtiger Bestandteil dieses Anspruchs ist die Pflicht der Behörden, einen Entscheid
zu begründen (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2015, N 41
zu Art. 42). Diese soll verhindern, dass sich eine Behörde von unsachlichen Motiven
leiten lässt, und den Betroffenen soll durch die Begründung ermöglicht werden, den
Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu können. In diesem Sinn müssen in
der Begründung wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich
die Behörde leiten lassen hat und auf die sich der Entscheid stützt, wobei sich die
Begründung aber auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken
darf (zum Ganzen BGE 112 Ia 109 f. E. 2b mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
vom 17. Dezember 2015, 8C_608/2015, E. 3.2.2 mit Hinweis).
4.4 Die Beschwerdegegnerin ist in der Verfügung vom 6. Januar 2016 kurz auf die von
der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 23. Juni 2015 geltend gemachten
Einwände eingegangen. Sie hat angemerkt, dass die Beschwerdeführerin in diesen
lediglich die medizinische Situation aus ihrer Sicht darstelle, während keine
medizinischen Fakten vorgetragen worden seien, welche den Entscheid zu ändern
vermöchten (IV-act. 106). Ferner hat der Verfügung laut Beschwerdegegnerin auch die
Stellungnahme des ABI vom 13. April 2015 bezüglich des Befangenheitsvorwurfs
beigelegen sowie die diesbezügliche Stellungnahme des RAD (vgl. act. G 6 N 2). In der
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Tat sind die eben erwähnten Stellungnahmen der Beschwerdeführerin bekannt
gewesen, ist sie doch in ihrer Beschwerde detailliert auf diese eingegangen (vgl. act. G
1). Die Grundlagen, auf welche sich die Verfügung vom 6. Januar 2016 gestützt hat,
sind demnach bekannt gewesen und die Begründung in der Verfügung selber ist
nachvollziehbar. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern es der Beschwerdeführerin nicht
möglich gewesen sein soll, die Verfügung sachgerecht anzufechten. Ob eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs darin zu sehen ist, dass die Beschwerdegegnerin
sich nicht in der Verfügung, sondern erst in ihrer Beschwerdeantwort explizit zu der von
der Suva vorgenommenen Arbeitsunfähigkeitsschätzung bzw. zum einschlägigen
Anmeldezeitpunkt bei der IV geäussert hat, kann sodann offen bleiben. Denn die
Beschwerdegegnerin hat in ihrer Beschwerdeantwort im vorliegenden Verfahren auch
zu den Fragen, welche sich im Zusammenhang mit dem unfallversicherungsrechtlichen
Verfahren stellen, und zum Anmeldezeitpunkt bei der IV Stellung genommen (vgl. act. G
6). Die Beschwerdeführerin ihrerseits hat Gelegenheit erhalten, sich zur
Beschwerdeantwort vor dem Versicherungsgericht, einer Instanz mit voller Kognition,
zu äussern (vgl. act. G 13). Eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs könnte
somit jedenfalls als geheilt betrachtet werden, zumal eine Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz einen formalistischen Leerlauf bedeuten würde (vgl. BGE 133 I 204 f. E.
2.2; Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2008, 8C_424/2008, E. 2.3, je mit
Hinweisen).
5.
5.1 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde teilweise gutzuheissen ist
und die Beschwerdeführerin für die Dauer vom 1. Juli 2010 bis 29. Februar 2012 einen
Anspruch auf eine ganze Rente hat. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der
geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr.
1'000.00 festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.00
erscheint als angemessen. Davon hat die Beschwerdeführerin, die mit ihrem
Rentenbegehren nicht vollständig durchgedrungen ist, die Hälfte, d.h. Fr. 300.00, zu
tragen. Den Restbetrag von Fr. 300.00 hat die Beschwerdegegnerin zu bezahlen, und
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der Beschwerdeführerin ist in diesem Umfang der geleistete Kostenvorschuss
zurückzuerstatten.
5.3 Da die Beschwerdeführerin teilweise obsiegt, hat sie einen reduzierten Anspruch
auf eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen,
wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu
tragen ist. Der Rechtsvertreter macht in seiner am 30. August 2016 eingereichten
Kostennote einen Aufwand von 1‘280 Minuten zuzüglich einer Stunde für die
Urteilslektüre, sprich 22.3 Stunden, geltend (act. G 17). Der übliche Stundenansatz liegt
bei Fr. 250.00. Zusammen mit den geltend gemachten Barauslagen von Fr. 31.80 und
unter Berücksichtigung des geltenden Mehrwertsteuersatzes von acht Prozent würde
bei vollem Obsiegen entsprechend der Kostennote ein Honorar von Fr. 6‘055.35
resultieren. Dies erweist sich mit Blick auf vergleichbare Fälle als deutlich übersetzt. In
Bezug auf den Vertretungsaufwand präsentiert sich der Fall nicht als
überdurchschnittlich. Daher wäre bei vollem Obsiegen eine Parteientschädigung von
pauschal Fr. 3'500.00 angemessen. Entsprechend dem Ausmass des hälftigen
Obsiegens erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 1‘750.00 als
gerechtfertigt. Die Beschwerdegegnerin hat die Rechtsvertretung der
Beschwerdeführerin somit mit Fr. 1‘750.00 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu entschädigen.