Decision ID: 3592ae08-dd17-5d33-a6b5-fbd8db949133
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein libyscher Staatsangehöriger – wurde am
12. September 2000 in der Schweiz als Flüchtling anerkannt und es wurde
ihm gleichzeitig Asyl gewährt.
B.
Gemäss Aktenlage konnte beim Beschwerdeführer durch die
Flughafenpolizei Zürich anlässlich der Grenzkontrolle vom (...) ein
heimatliches Reisedokument sichergestellt werden. Aus den
eingetragenen Stempeln seines libyschen Reisepasses geht hervor, dass
er sich in den Jahren 2013 und 2014 mehrere Male nach Libyen begeben
hat.
C.
Im Hinblick auf einen eventuellen Asylwiderruf oder eine Aberkennung der
Flüchtlingseigenschaft wurde ihm vom SEM mit Schreiben vom
12. Februar 2016 die Gelegenheit eingeräumt, zu diesem Sachverhalt
Stellung zu nehmen.
Der Beschwerdeführer reichte keine Stellungnahme ein.
D.
Mit Verfügung vom 21. Juli 2017 – am 24. Juli 2017 eröffnet – aberkannte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und widerrief
das Asyl.
E.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit ans SEM gerichteter Eingabe
vom 14. August 2017 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhe-
bung der vorinstanzlichen Verfügung.
F.
Das SEM übermittelte die Beschwerde am 15. August 2017 dem Bundes-
verwaltungsgericht zur Behandlung.
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Seite 3

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
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4.
4.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG wird die Flüchtlingseigenschaft ab-
erkannt und das Asyl widerrufen, wenn Gründe nach Art. 1C Ziffern 1–6
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorliegen.
Art. 1C FK beinhaltet die Beendigungsklauseln betreffend den Flüchtlings-
status. Die Beendigungsgründe in den Ziffern 1-4 der genannten Bestim-
mung beruhen im Gegensatz zu jenen in den Ziffern 5 und 6 auf einer Ver-
änderung in der Situation des Flüchtlings, welche dieser selber herbeige-
führt hat. Namentlich fällt eine Person unter anderem dann nicht mehr unter
die Bestimmungen der FK, wenn sie sich freiwillig wieder unter den Schutz
des Landes, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, gestellt hat (Art. 1C
Ziff. 1 FK). Diese Ziffer dient als Grund- und Auffangtatbestand, während
die Ziffern 2-4 Unterkategorien der Ziffer 1 darstellen. Solche Verhaltens-
weisen des Flüchtlings, die im Bestreben auf eine Normalisierung der Be-
ziehungen zum Heimatland erfolgen, sind jedoch bloss als Indizien für
möglicherweise eingetretene objektive Änderungen zu werten, welche die
Asylbehörden nicht von der Prüfung der konkreten Umstände im Heimat-
land entbinden. Zudem muss in jedem Fall die Verhältnismässigkeit beach-
tet werden (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-
kurskommission [EMARK] 1993 Nr. 22 E. 4b).
4.2 Vorliegend ist zu prüfen, ob sich der Beschwerdeführer mit seinen in
den Jahren 2013 und 2014 unbestrittenermassen erfolgten Aufenthalten in
Libyen freiwillig unter den Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit
er besitzt, gestellt hat (Art. 1C Ziff. 1 FK). Dafür müssen kumulativ drei
Voraussetzungen erfüllt sein: Der Beschwerdeführer muss erstens freiwillig
in Kontakt mit seinem Heimatland getreten sein, er muss zweitens beab-
sichtig haben, von seinem Heimatland Schutz in Anspruch zu nehmen, und
drittens muss ihm dieser Schutz auch tatsächlich gewährt worden sein
(BVGE 2010/17 E. 5.1.1 f.).
Heimatreisen von Flüchtlingen müssen restriktiv beurteilt werden. Grund-
sätzlich stellt der Umstand, dass sich jemand zurück in den Verfolgerstaat
begibt, ein starkes Indiz dafür dar, dass die frühere Verfolgungssituation
oder die Furcht vor Verfolgung nicht mehr bestehen. Trotzdem stellt nicht
jeder Kontakt mit den Heimatbehörden und damit auch nicht jede Heimat-
reise einen Aberkennungsgrund dar. Deshalb dürfen eine Aberkennung der
Flüchtlingseigenschaft und ein Widerruf des Asyls erst dann ausgespro-
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chen werden, wenn die erwähnten drei Voraussetzungen in ihrer Gesamt-
heit erfüllt sind. Entfällt eine dieser drei Voraussetzungen, ist von der Aber-
kennung der Flüchtlingseigenschaft und vom Widerruf des Asyls abzuse-
hen (BVGE 2010/17 E. 5.1.2; EMARK 1996 Nr. 7 E. 10a S. 62).
4.3 Die Beweislast für die Voraussetzungen einer Aberkennung der Flücht-
lingseigenschaft liegt nach den allgemeinen Regeln des Verwaltungsrechts
bei den asylrechtlichen Behörden, da diese aus den zu beweisenden Tat-
sachen Rechtsfolgen ableiten wollen (vgl. Urteil des BVGer E-7605/2007
vom 10. August 2009 E. 5.2.5). Dies gilt für alle drei der genannten Voraus-
setzungen zur Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft.
4.4 Bezüglich des Beweismasses ist festzuhalten, dass die Asylbehörden
die relevanten Tatsachen grundsätzlich zu beweisen haben. Soweit sich
relevante Tatsachen nur mit unverhältnismässigem Aufwand oder mit den
den Behörden zur Verfügung stehenden Mitteln gar nicht beweisen lassen,
müssen sie mindestens überwiegend wahrscheinlich gemacht werden
(analog Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung vom 21. Juli 2017
aus, der Beschwerdeführer habe sich einen heimatlichen Reisepass aus-
stellen lassen und sei mit diesem auch mehrere Male freiwillig in seinen
Heimatstaat gereist. Um seinen heimatlichen Reisepass zu erhalten, habe
er zudem Kontakt zu den libyschen Behörden aufnehmen müssen. Somit
habe er sich offenkundig dem Schutz seines Heimatstaates unterstellt. Zu-
sammenfassend sei deshalb festzuhalten, dass die von der Praxis entwi-
ckelten Bedingungen für einen Asylwiderruf und die Aberkennung der
Flüchtlingseigenschaft erfüllt seien. Somit werde das Asyl widerrufen und
die Flüchtlingseigenschaft aberkannt. Durch den Asylwiderruf und die Ab-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft unterstehe er nicht mehr der Flücht-
lingskonvention. Die heimatlichen Ausweisschriften würden ihm durch die
Migrationsbehörden des zuständigen Kantons ausgehändigt, sobald die
vorliegende Verfügung rechtskräftig geworden sei.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe entgegnet der Beschwerdeführer, dass er,
bevor er die libysche Botschaft kontaktiert habe, um sich einen Reisepass
ausstellen zu lassen, dies dem SEM per eingeschriebenen Brief mitgeteilt
habe. Den libyschen Pass habe er gebraucht, weil er damals Angelegen-
heiten im Zusammenhang mit seiner Arbeit in arabischen Ländern zu erle-
digen gehabt habe. Es folgen weitere Ausführungen zur Verschlechterung
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der Situation in Libyen seit 2014 aufgrund des Bürgerkrieges, insbeson-
dere in seinem ehemaligen Wohnquartier ([...]) in (...). Er habe aufgrund
des Krieges seine Mutter und seine Schwester verloren. Zudem sei sein
Neffe in (...) im Krieg getötet worden. Sein Familienhaus sei von Mitglie-
dern der Armee von General Haftar und dessen Unterstützern verbrannt
worden. Er sei zudem persönlich mehrmals mit dem Tode bedroht worden
von Mitgliedern der Armee von General Haftar und dessen Unterstützern.
Fotos und Audio-Clips seien vorhanden.
6.
6.1 Vorab weist das Bundesverwaltungsgericht darauf hin, dass in den
SEM Akten (N-Dossier „Schweizerische Reisedokumente“) tatsächlich ein
unbeantwortetes, nicht paginiertes und nicht ins Aktenverzeichnis aufge-
nommenes, als Mitteilung betiteltes Schreiben des Beschwerdeführers
vom 15. März 2013 abgelegt wurde. Danach gedenke er, einen libyschen
Pass zu beantragen, damit er Libyen nach der Revolution besuchen könne.
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass im N-Dossier
„Schweizerische Reisedokumente“ zudem ein Schreiben der Ehefrau des
Beschwerdeführers vom 27. Dezember 2012 (ebenfalls nicht paginiert und
nicht im Aktenverzeichnis aufgenommen sowie als Mitteilung betitelt) ab-
gelegt wurde. Darin wird mitgeteilt, dass sie einen libyschen Pass „haben
wolle“, um Libyen nach dem Krieg zu besuchen. Obwohl die Sicherheits-
lage schlecht sei, erfordere ihr Gesundheitszustand einen Besuch mit den
Kindern. Dieses Schreiben wurde vom SEM am 4. Januar 2013 dahinge-
hend beantwortet, sie habe sich für die Ausstellung des Reisepasses an
die libysche Vertretung in der Schweiz (mit Hinweis auf Adresse und Tele-
fonnummer) zu wenden. Auch das SEM-Schreiben wurde nicht paginiert
oder ins Aktenverzeichnis aufgenommen.
In Zusammenhang mit diesen drei Schreiben ist das SEM an seine allge-
meine Aktenführungspflicht zu erinnern, wonach die Akten grundsätzlich
von Beginn weg in chronologischer Reihenfolge abgelegt und durchge-
hend paginiert werden müssen sowie ein Aktenverzeichnis zu erstellen ist,
welches eine chronologische Auflistung sämtlicher in einem Verfahren ge-
machten Eingaben enthält (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_319 vom
15. Dezember 2010 E. 2.2). Die Aktenführungspflicht der Verwaltung stellt
das Gegenstück zum Akteneinsichtsrecht der beschwerdeführenden Per-
son dar, welches seinerseits Bestandteil des rechtlichen Gehörs nach
Art. 29 Abs. 2 BV bildet, und ist insofern ein Teilaspekt des Anspruchs auf
rechtliches Gehör, als die Wahrnehmung des Akteneinsichtsrechts eine
korrekte Aktenführung voraussetzt (vgl. BGE 124 V 372 E. 3b, 124 V 389
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E. 3a). Die Behörde ist verpflichtet, ein vollständiges Aktendossier über das
Verfahren zu führen, um gegebenenfalls ordnungsgemäss Akteneinsicht
gewähren und bei einem Weiterzug diese Unterlagen an die Rechtsmit-
telinstanz weiterleiten zu können (vgl. BGE 130 II 473 E. 4.1; Urteil des
Bundesgerichts 9C_231/2007 vom 5. November 2007 E. 3.2; WALD-
MANN/WEISSENBERGER, in: Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensge-
setz, 2. Auflage 2016, N. 35 ff zu Art. 26 VwVG). Der verfassungsmässige
Anspruch auf eine geordnete und übersichtliche Aktenführung verpflichtet
die Behörden und Gerichte, die Vollständigkeit der im Verfahren einge-
brachten und erstellten Akten sicherzustellen (BGE 138 V 218 E. 8.1).
Vorliegend stützt sich das SEM betreffend die Begründung der Aberken-
nung der Flüchtlingseigenschaft und des Asylwiderrufes indes nicht auf das
oben erwähnte Schreiben des Beschwerdeführers vom 15. März 2013,
sondern auf eine Mitteilung der Flughafenpolizei Zürich vom (...), wonach
der Beschwerdeführer mit seinem libyschen Reisepass in den Jahren 2013
und 2014 mehrmals in seinen Heimatstaat gereist sei. Dieses als W2/1 pa-
ginierte Dokument sowie der dazugehörige Grenzkontrollrapport vom (...)
der Flughafenpolizei Zürich (vgl. W1/29) wurden in den SEM-Akten im Dos-
sier „Asylwiderruf“ aufgenommen und aufgelistet. Der Beschwerdeführer
wurde mit Schreiben vom 12. Februar 2016 auf diese Akten aufmerksam
gemacht und ihm wurde gestützt auf die damit belegten Tatsachen (Reise-
passbeantragung und erfolgte Heimreisen) das rechtliche Gehör gewährt.
Im vorliegenden Beschwerdeverfahren kann dem SEM somit keine Verlet-
zung seiner Aktenführungspflicht oder des rechtlichen Gehörs des Be-
schwerdeführers vorgeworfen werden.
6.2 Der vom Beschwerdeführer (implizit) vertretene Standpunkt, er habe
mangels anderweitiger Mitteilung durch das SEM davon ausgehen dürfen,
die Kontaktaufnahme mit der libyschen Botschaft zwecks Passbeantra-
gung und die damit angetretenen Reisen in sein Heimatland seien mit sei-
nem Status vereinbar und folgenlos, kann vom Gericht nicht geteilt werden,
zumal es dem SEM nicht oblag, ihn darauf hinzuweisen, dass er mit dieser
Absichtserklärung anzeige, er gedenke sich freiwillig wieder unter den
Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, zu stellen und
damit einen Beendigungsgrund gemäss FK zu schaffen. Folgerichtig ver-
mag der Beschwerdeführer aus der Tatsache, dass er das SEM vorgängig
über seine Absicht, den libyschen Reisepass zu beantragen, um damit
nach Libyen zu reisen, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Schliesslich
sind auch die Ausführungen in der Beschwerdeschrift zur Verschlechterung
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der Lage in Libyen seit 2014 beziehungsweise zu allfälligen neuen Asyl-
gründen (Bedrohung durch Mitglieder der Armee von General Haftar) un-
beachtlich, da diese nicht direkt im Zusammenhang mit der unbestrittenen
Beantragung des heimatlichen Reisepapieres und der darauf folgenden
mehrmaligen „Heimreisen“ in den Jahren 2013 und 2014 stehen, mit den
zu beurteilenden Tatsachen hinsichtlich die Aberkennung der Flüchtlings-
eigenschaft und den Asylwiderruf also.
6.3 Zu den einzelnen Voraussetzungen der Aberkennung der Flüchtlings-
eigenschaft und des Asylwiderrufs stellt das Gericht sodann fest, dass das
Kriterium der Freiwilligkeit vorliegend offensichtlich erfüllt ist, führt der Be-
schwerdeführer doch keine Gründe an – wie z.B. der Besuch von todkran-
ken Verwandten –, aufgrund welcher auf einen derart hohen seelischen
und moralischen Druck beim Beschwerdeführer geschlossen werden
könnte, dass hierdurch das Kriterium der Freiwilligkeit in Abrede gestellt
werden müsste. Vielmehr führt er einzig geschäftliche Gründe an. Hinsicht-
lich des Kriteriums der Unterschutzstellung unter den Heimatstaat ist fest-
zuhalten, dass die Inkaufnahme von Schutzgewährung durch den Heimat-
staat grundsätzlich zur Erfüllung dieser Voraussetzung als ausreichend er-
achtet wird. Unternimmt der Flüchtling indessen heimlich eine Reise in das
Heimatland – unter Umgehung der Grenzkontrollen und hält sich während
des Aufenthalts weitgehend versteckt – zeigt er durch dieses Verhalten un-
ter Umständen an, dass ein Kontakt mit Organen des Staates vermieden
werden soll, was zur Annahme führen kann, dass eine Unterschutzstellung
durch den Flüchtling gerade nicht in Kauf genommen wird. Im vorliegenden
Fall ist aufgrund der Akten und gemäss den Angaben des Beschwerdefüh-
rers erstellt, dass dieser die Ausstellung eines heimatlichen Reisepasses
bei der libyschen Botschaft beantragt und diesen auch erhalten hat (vgl.
die Kopie des Reisepasses in Akte W1/29; Ausstellungsdatum: [...]). Zu-
sätzlich ist aufgrund der im Reisepass eingetragenen Stempel erwiesen,
dass er damit in den Jahren 2013 und 2014 mehre Male kontrolliert in sei-
nen Heimatstaat ein- und wieder ausgereist ist. Die Vorinstanz führte dazu
aus, der Beschwerdeführer habe sich damit offenkundig dem Schutz sei-
nes Heimatstaates unterstellt. Diese Einschätzung ist vollumfänglich zu be-
stätigen. Das Kriterium der effektiven Schutzgewährung ist sodann erfüllt,
wenn objektive Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die betreffende Person
tatsächlich im Heimatland nicht mehr gefährdet ist. Diese Anhaltspunkte
können vorwiegend in entsprechenden Handlungen des Heimatstaates be-
ziehungsweise dessen Organen gesehen werden. Aufgrund der Tatsache,
dass der Beschwerdeführer problemlos einen heimatlichen Pass erhalten
hat, in den Jahren 2013 und 2014 mehrere Male ungehindert nach Libyen
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ein- und auch wieder ausreisen konnte, bestehen objektive Anhaltspunkte
dafür, dass er in Libyen zumindest in jenen Jahren nicht (mehr) gefährdet
beziehungsweise effektiv geschützt war. Betreffend der auf Beschwerde-
ebene gemachten Ausführungen zur angeblichen Gefährdung des Be-
schwerdeführers durch Mitglieder der Armee von General Haftar ist Fol-
gendes zu bemerken: Einerseits wurde dieses Vorbringen anlässlich der
Gewährung des rechtlichen Gehörs im Februar 2016 überhaupt nicht an-
geführt, da der Beschwerdeführer auf die Einreichung einer Stellungnahme
gänzlich verzichtete. Zudem wurden die Vorbringen in der Beschwerde-
schrift unsubstantiiert vorgetragen und blieben unbelegt (trotz Hinweis auf
angeblich vorhandene Fotos und Audio-Clips). Diese angeblichen Bedro-
hungen werden schliesslich auch nicht in Bezug gesetzt mit seinen erfolg-
ten Heimreisen. Zusammenfassend bestehen also auch heute objektive
Anhaltspunkte für eine aktuelle, effektive Schutzgewährung im Heimatland.
6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die in Art. 1 C Ziffer 1 FK sta-
tuierten Voraussetzungen erfüllt sind, weshalb die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer zu Recht gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG die Flücht-
lingseigenschaft aberkannt und das Asyl widerrufen hat.
7.
Anzumerken bleibt, dass der Aufenthalt des Beschwerdeführers in der
Schweiz durch die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und den Asyl-
widerruf (derzeit) nicht beeinträchtigt ist. Zudem erstrecken sich der vorlie-
gend bestätigte Asylwiderruf und die Aberkennung der Flüchtlingseigen-
schaft nicht auf seine Ehefrau und die Kinder (Art. 63 Abs. 4 AsylG). Es
obliegt dem SEM zu prüfen, ob die Voraussetzungen für einen Asylwiderruf
und die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft angesichts des Schrei-
bens der Ehefrau vom 27. Dezember 2012 (vgl. E. 5.3, 1. Absatz, oben)
allenfalls auch bei ihnen erfüllt sind.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
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9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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