Decision ID: 84e788e6-ced1-4b3c-8cc9-4721627ee3a6
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfachen Diebstahl etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 28. Januar 2016 (DG140038)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 25. September
2014 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk 25).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB,
- der mehrfachen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses im
Sinne von Art. 321ter Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu
Fr. 50.00, wovon 36 Tagessätze als durch Anrechnung von 36 Tagen Poli-
zeiverhaft und Untersuchungshaft geleistet gelten.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 17. April
2013 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 838.85 (eingebucht bei der Be-
zirksgerichtskasse Dietikon) wird eingezogen und zur teilweisen Deckung
der Verfahrenskosten verwendet.
5. Die Privatklägerin B._ AG wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
6. Die Privatklägerin C._ wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
- 3 -
7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 350.– Auslagen Vorverfahren;
Fr. 450.– Kosten Kantonspolizei;
Fr. 1'600.– Gebühr Strafuntersuchung.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 19'207.00 (inkl.
Barauslagen und 8 % MwSt.) entschädigt.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 48 S. 3 f.)
1. Die Dispositiv-Ziff. 1 bis und mit 6. sowie 9. des im Verfahren mit der
Geschäfts-Nr. DG140038-M/U vor Bezirksgericht Dietikon ergangenen
Urteils vom 28.01.2016 (angefochtenes Urteil) seien aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei von den Vorwürfen des mehrfachen Diebstahls
i.S.v. Art. 139 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und der mehrfachen Verletzung des
Post- und Fernmeldegeheimnis i.S.v. Art. 321ter Abs. 1 StGB von
Schuld und Strafe freizusprechen.
3. Die mit Verfügung der Anklägerin vom 17.04.2013 verfügte und mit an-
gefochtenem Urteil (Ziff. VIII.) bestätigte Beschlagnahme einer Bar-
- 4 -
schaft in der Höhe von CHF 838.85 sei aufzuheben und dem Beschul-
digten auszuhändigen.
4. Es seien die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens sowie des vorlie-
genden Berufungsverfahrens auf die Staatskasse zu nehmen und es
sei der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten für dessen Bemü-
hungen und Auslagen im Zusammenhang mit dem vorliegenden Beru-
fungsverfahren eine angemessene Entschädigung zzgl. MwSt. zulas-
ten derselben zuzusprechen.
b) Der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis:
(Urk. 52, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
Gesuch um Dispensation von der Teilnahme an der Hauptverhandlung.

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom 28. Januar 2016 wurde der
Beschuldigte des mehrfachen Diebstahls sowie der mehrfachen Verletzung des
Post- und Fernmeldegeheimnisses schuldig gesprochen und mit 100 Tagessät-
zen Geldstrafe zu Fr. 50.– bestraft, wovon 36 Tagessätze als durch Haft geleistet
gelten (Urk. 47). Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben und die Probe-
zeit auf 2 Jahre festgesetzt. Ferner wurde bezüglich einer mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 17. April 2013 beschlagnahmten Bar-
schaft in der Höhe von Fr. 838.85 entschieden, dass diese einzuziehen und zur
teilweisen Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden sei. Die Privatklägerin-
nen B._ AG (nachfolgend Privatklägerin 1) und C._ (nachfolgend Privat-
klägerin 2) wurden mit ihren jeweiligen Schadenersatzbegehren auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen (Urk. 47 S. 51 ff.).
- 5 -
2. Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte mit Eingabe der Verteidigung
vom 29. Januar 2016 rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 39). Das begründete
Urteil wurde der Verteidigung am 7. Juli 2016 zugestellt (Urk. 46/2). Mit Eingabe
vom 27. Juli 2016 (Aufgabe der Postsendung am selben Tag) reichte die Verteidi-
gung fristwahrend die Berufungserklärung ein (Urk. 48). Mit Präsidialverfügung
vom 8. August 2016 wurde den vorerwähnten Privatklägerinnen und der Staats-
anwaltschaft eine Kopie der Berufungserklärung zugestellt und Frist zur An-
schlussberufung oder für einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 50). Wäh-
rend die Privatklägerinnen diese Frist verstreichen liessen, beantragte die Staats-
anwaltschaft mit Eingabe vom 11. August 2016 die Bestätigung des vorinstanzli-
chen Urteils. Gleichzeitig ersuchte sie um Dispensation von der Teilnahme an der
Berufungsverhandlung (Urk. 52). Da die Anklagebehörde kein Rechtsmittel ergrif-
fen hat und bei einem allfälligen Schuldspruch aufgrund des Verbotes der refor-
matio in peius (Art. 391 Abs. 2 StPO) eine Strafe von maximal 100 Tagessätzen
Geldstrafe ausgefällt werden kann, besteht keine Erscheinungspflicht für die
Staatsanwaltschaft (Art. 405 Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 337 Abs. 3 StPO), weshalb
sich eine Dispensation erübrigt. Mit Eingabe vom 30. August 2016 liess der Be-
schuldigte aufforderungsgemäss Unterlagen zu seinen wirtschaftlichen Verhält-
nissen einreichen (Urk. 53/1-6). Am 15. September 2016 wurde zur Berufungs-
verhandlung auf den 6. Dezember 2016 vorgeladen (Urk. 54).
II. Prozessuales
1. Mit der Berufungserklärung des Beschuldigten wurde ein vollumfänglicher
Freispruch beantragt. Zudem sei die bestätigte Beschlagnahme der Barschaft in
der Höhe von Fr. 838.85 aufzuheben und die Barschaft sei dem Beschuldigten
auszuhändigen. Schliesslich wurde beantragt, die Kosten des erstinstanzlichen
Verfahrens sowie des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen
und der amtliche Verteidiger sei für das Berufungsverfahren angemessen zu ent-
schädigen (Urk. 48 S. 3 f.). Die Staatsanwaltschaft hat auf eine Anschlussberu-
fung verzichtet, und die Privatklägerinnen liessen sich nicht vernehmen.
- 6 -
2. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Urteilsdispositivziffern 7 (Kostenfestsetzung) und 8 (Entschädigung der amtli-
chen Verteidigung) unangefochten blieben (Urk. 48 S. 3 f.), ist mittels Beschluss
festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft er-
wachsen ist.
3. Wie bereits vor der Vorinstanz wurde seitens der amtlichen Verteidigung
vorgebracht, die beiden Befragungen des Beschuldigten vom 12. April 2013 und
vom 13. April 2013 seien für das vorliegende Verfahren unbeachtlich, da diese
ohne die Anwesenheit eines Verteidigers stattgefunden hätten, obwohl ab der
ersten Einvernahme ein Fall einer notwendigen Verteidigung vorgelegen habe
(Urk. 35 S. 5 ff. und Urk. 57 S. 3). Der amtliche Verteidiger verwies zur Begrün-
dung seines Vorbringens unter anderem auf Art. 131 Abs. 2 StPO, gemäss wel-
cher Bestimmung eine notwendige Verteidigung vor Eröffnung der Untersuchung
sicherzustellen sei (Urk. 35 S. 5 f. und Urk. 57 S. 3 f.). Weiter machte der amtliche
Verteidiger vor der Vorinstanz geltend, dass ein Untersuchungsverfahren gemäss
Art. 309 Abs. 1 lit. b StPO dann zu eröffnen sei, wenn die Staatsanwaltschaft
Zwangsmassnahmen anordne, wobei entsprechendes bei hoher Eingriffsintensität
auch für Zwangsmassnahmen der Polizei gelte (Urk. 35 S. 5). Da die Polizei nach
der Festnahme des Beschuldigten am 12. April 2013 und vor dessen ersten Be-
fragung bei diesem auch eine Hausdurchsuchung durchgeführt habe, hätte ge-
mäss dem amtlichen Verteidiger bereits im Zeitpunkt der ersten polizeilichen Be-
fragung das Untersuchungsverfahren eröffnet und als Folge davon auch eine
notwendige Verteidigung bestellt worden sein müssen (Urk. 35 S. 6). Im Rahmen
der Berufungsverhandlung brachte der Verteidiger vor, dass die Staatsanwalt-
schaft im Sinne von Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO auch dann eine Untersuchung zu
eröffnen habe, wenn sich aus den Informationen und Berichten der Polizei ein hin-
reichender Tatverdacht ergebe (Urk. 57 S. 5). Dazu führte er aus, dass die Polizei
aufgrund der Strafanzeige durch die Privatklägerin 1 über tatsächliche Anhalts-
punkte für die Begehung einer strafbaren Handlung durch eine bestimmte Person
verfügt habe und sie daher im Sinne von Art. 307 Abs. 3 in Verbindung mit
- 7 -
Art. 307 Abs. 4 lit. a StPO die Staatsanwaltschaft über diesen konkreten Tatver-
dacht hätte informieren müssen (Urk. 57 S. 4 ff.).
3.1. Tatsächlich wurde der Beschuldigte am 12. April 2013 zunächst durch
die Polizei (Urk. 6/2) und am 13. April 2013 im Rahmen der Hafteinvernahme
durch die Staatsanwaltschaft (Urk. 6/3) ohne Beisein eines Verteidigers einver-
nommen. Dieses Vorgehen war aber nicht ungesetzlich.
3.2. Art. 159 StPO (vgl. auch Art. 129 StPO) gibt dem Beschuldigten das
Recht, schon für die erste Befragung einen Verteidiger beizuziehen ("Anwalt der
ersten Stunde"), wozu die Einvernahme nötigenfalls unterbrochen (wenn auch
nicht verschoben) werden muss. Auf diesen Anspruch wurde der Beschuldigte zu
Beginn beider Befragungen explizit hingewiesen (Urk. 6/2 S. 1 und Urk. 6/3 S. 2).
In der polizeilichen Befragung vom 12. April 2013 erklärte der Beschuldigte auf
diesen Hinweis angesprochen, ihn verstanden zu haben. Weiter erklärte er, nicht
genau zu wissen, was er machen müsse, da ihm so etwas zum ersten Mal pas-
siere (Urk. 6/2 S. 1). Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme
gab der Beschuldigte sodann als Reaktion zu demselben Hinweis an, dass er die-
sen verstanden habe und es in Ordnung sei, wenn die Einvernahme ohne Vertei-
digung durchgeführt werde. Es sei ihm bewusst, dass er schuldig sei (Urk. 6/3
S. 2). Der Beschuldigte machte somit zunächst von seinem Recht, bereits für die
erste Befragung einen Verteidiger beizuziehen, keinen Gebrauch, und in der wei-
teren Befragung verzichtete er gar ausdrücklich auf das Beiziehen eines Verteidi-
gers.
3.3. Aufgrund der Strafanzeige der Privatklägerin 1 stand der Beschuldigte
unter Verdacht, regelmässig Pakete der Privatklägerin 2 an unberechtigte Emp-
fänger zugestellt und somit mehrere Diebstähle begangen zu haben. Bis zum
Zeitpunkt der Einvernahme durch die Polizei vom 12. April 2013 konnten jedoch
andere Personen als Täter nicht ausgeschlossen werden (Urk. ND 4/1 S. 4). Bei
einer solchen Konstellation ist die Verteidigung gemäss Art. 131 Abs. 2 StPO
nach der ersten Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft, also nachdem sich
diese als Verfahrensleitung selbst ein erstes Bild über die Straftat und die recht-
liche Würdigung und damit die Notwendigkeit der Verteidigung machen konnte,
- 8 -
sicherzustellen. Am Ende der staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom
13. April 2013, nachdem sich die Staatsanwaltschaft persönlich ein Bild über die
Geschehnisse und die Berechtigung des von der Polizei angenommenen Tatver-
dachts machen konnte, wurde der Beschuldigte darauf hingewiesen, dass ein Fall
einer notwendigen Verteidigung vorliege und entsprechend eine Verteidigung be-
stellt werden müsse (Urk. 6/3 S. 7). Mit Schreiben vom 15. April 2013 ersuchte
Rechtsanwalt lic. iur. X._ sodann um Einsetzung als amtlicher Verteidiger
(Urk. 19/1). Diesem Ersuchen kam die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zü-
rich mit Verfügung vom 16. April 2013 nach, wobei Rechtsanwalt lic. iur. X._
bereits mit Wirkung ab dem 15. April 2013 als amtlicher Verteidiger bestellt wurde
(Urk. 19/3). Die Anhörung durch das Zwangsmassnahmengericht des Bezirks
Dietikon vom 15. April 2013 wurde sodann im Beisein des amtlichen Verteidigers
des Beschuldigten durchgeführt (Urk. 20/8). Der gesetzlichen Vorgabe aus
Art. 131 Abs. 2 StPO wurde demnach entsprochen. Wie bereits die Vorinstanz in
zutreffender Weise darlegte, war die Staatsanwaltschaft vor jener Einvernahme
noch nicht in das vorliegende Verfahren involviert (Urk. 47 S. 7), weshalb entge-
gen der Ansicht des amtlichen Verteidigers erst ab diesem Zeitpunkt von einer
materiell eröffneten Untersuchung gesprochen werden kann.
3.4. Da die Voraussetzungen von Art. 131 Abs. 2 StPO somit eingehalten
wurden, findet die Beweisverwertungseinschränkung im Sinne von Art. 131 Abs. 3
StPO, wie bereits die Vorinstanz zutreffend erwog (Urk. 47 S. 7.), vorliegend kei-
ne Anwendung. Zudem ist der Vorinstanz auch insofern zuzustimmen, als sie in
Bezug auf den zunächst erfolgten ausdrücklichen Verzicht des Beschuldigten, ei-
nen Verteidiger beizuziehen (Urk. 6/3 S. 2), darauf hinwies, dass es als rechts-
missbräuchlich zu erachten ist, wenn ein Verfahrensbeteiligter zunächst auf ein
Recht verzichtet und dann später geltend macht, er sei in seinen Rechten be-
einträchtigt worden (Urk. 47 S. 8; Urteil des Bundesgerichts 6B_214/2011 vom
13. September 2011, E. 4.1.3.). Da die Verteidigungsrechte des Beschuldigten
vorliegend jedenfalls nicht eingeschränkt wurden, sind auch die ersten beiden
Einvernahmen des Beschuldigten vom 12. und vom 13. April 2013 verwertbar, wie
dies bereits die Vorinstanz zutreffend darlegte (Urk. 47 S. 4 ff.).
- 9 -
4. Der amtliche Verteidiger machte vor der Vorinstanz weiter geltend, durch
den Einsatz einer chemischen Täterfalle in Bezug auf das am 12. April 2013 in
Umlauf gebrachte C._ Paket seien in der Untersuchung technische Überwa-
chungsgeräte eingesetzt worden, ohne dass dieser Einsatz, welcher sich nach
den Artikeln 269 - 279 StPO richte, durch das Zwangsmassnahmengericht ge-
nehmigt worden sei (Urk. 35 S. 4). Dieser Umstand habe gemäss dem amtlichen
Verteidiger die Unverwertbarkeit dieser Überwachung und der daraus resultieren-
den Feststellungen zur Folge (Urk. 35 S. 5). Bereits die Vorinstanz wies in diesem
Zusammenhang darauf hin (Urk. 47 S. 8), dass als technische Überwachungs-
geräte im Sinne von Art. 280 f. StPO grundsätzlich Bild- und Tonaufnahmegeräte
sowie Teleobjektive oder Peilsender in Betracht fallen (EUGSTER/KATZENSTEIN, in:
NIGGLI/HEER/WIPRÄCHTIGER [Hrsg.], BSK StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 22 zu
Art. 280). Im vorliegenden Fall führte die eingesetzte chemische Täterfalle jedoch
weder dazu, dass der Standort des Pakets laufend hätte nachverfolgt noch dass
Bild- oder Tonaufnahmen des Beschuldigten hätten erzeugt werden können. Wie
die Vorinstanz zutreffend festhielt, lag in Bezug auf die chemische Täterfalle kein
Einsatz von technischen Überwachungsgeräten vor. Eine Genehmigung im Sinne
von Art. 281 Abs. 4 StPO in Verbindung mit Art. 272 Abs. 1 StPO war mithin nicht
erforderlich, weshalb auch keine Unverwertbarkeit der durch den Einsatz der
chemischen Täterfalle erlangten Erkenntnisse vorliegt.
III. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift zusammengefasst vorge-
worfen, im Zeitraum zwischen dem 9. März 2010 und dem 10. April 2013 insge-
samt 46 Postsendungen des Absenders C._ mit einem Gesamtwert von
Fr. 90'500.– dem Mitbeschuldigten D._ überbracht zu haben, obwohl diese
Sendungen jeweils nicht an diesen adressiert gewesen seien. Weiter wird dem
Beschuldigten zur Last gelegt, am 12. April 2013 ein zusätzliches Paket des Ab-
senders C._ mit einem Gesamtwert von Fr. 480.– erneut entgegen seiner
Plicht als Angestellter der B._ AG zur Auslieferung an den angegebenen
Empfänger an den Mitbeschuldigten D._ statt an die B1._, überbracht
- 10 -
zu haben. Durch diese Zustellungen an den Mitbeschuldigten D._ soll der
Beschuldigte diesem zudem ermöglicht haben, die nicht für diesen bestimmten
Pakete zu öffnen und von deren Inhalt Kenntnis zu nehmen. Diese Taten soll der
Beschuldigte zu seiner eigenen sowie zur finanziellen Besserstellung des Mitbe-
schuldigten D._ und im Wissen darum, dass er an das Postgeheimnis ge-
bunden war, begangen haben.
2. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass der Beschuldigte am 12. April
2013 sowie zu zwei Gelegenheiten im Jahre 2012, mithin am 19. April 2012 und
am 8. Mai 2012, Pakete des Absenders C._ im Gesamtwert von Fr. 1'780.–
entgegen seiner Verpflichtung an den Mitbeschuldigten D._ bzw. an den
Kiosk E._ statt an die adressierten Empfänger überbracht habe (Urk. 47
S. 40). In Bezug auf den Vorwurf, auch die übrigen in der Anklageschrift aufge-
listeten Pakete an den Mitbeschuldigten D._ statt an die adressierten Emp-
fänger überbracht zu haben, wurde der Beschuldigte durch die Vorinstanz implizit
freigesprochen (Urk. 47 S. 40). In Anbetracht dessen, dass die Staatsanwaltschaft
keine Anschlussberufung erhob und seitens des Beschuldigten ein Freispruch be-
züglich sämtlicher Vorwürfe beantragt wird (Urk. 48 und Urk. 52), ist dieser impli-
zite Teilfreispruch unangefochten. Nachfolgend sind sodann einzig die bestritte-
nen Anklagevorwürfe hinsichtlich der beiden Vorfälle im Jahre 2012 sowie vom
12. April 2013 aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrach-
ten Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu prüfen.
3. Soweit Aussagen der Beteiligten im angefochtenen Urteil wiedergegeben
und gewürdigt wurden, kann vorab darauf verwiesen werden (Urk. 47 S. 9 ff. und
Art. 82 Abs. 4 StPO).
4. Noch zu Beginn dieses Strafverfahrens zeigte sich der Beschuldigte in
Bezug auf die ihm gemachten Vorwürfe teilweise geständig. So räumte er im
Rahmen der ersten polizeilichen Einvernahme vom 12. April 2013 ein, der Mitbe-
schuldigte habe ihm gesagt, er solle diesem Pakete der C._ bringen, wenn er
solche sehe. Dazu habe der Mitbeschuldigte erklärt, dass er manchmal finanzielle
Probleme habe und ihm diese Pakete helfen würden. Auf die Frage, was er als
Gegenleistung erhalten habe, gab der Beschuldigte an, dass dies nicht so viel
- 11 -
gewesen sei. Manchmal habe ihm der Mitbeschuldigte ein oder zwei Pack Ziga-
retten oder einen Kaffee gegeben. Darauf angesprochen, wie oft er dem Mitbe-
schuldigten schon auf diese Weise Pakete ausgeliefert habe, erklärte der Be-
schuldigte, dass er vielleicht zweimal Pakete an den Mitbeschuldigten zugestellt
habe, ohne die eigentlich erforderliche Unterschrift des Empfängers einzuholen
(Urk. 6/2 S. 5). Bereits zu Beginn der staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme
vom 13. April 2016 machte der Beschuldigte jedoch erstmals geltend, durch die
Polizei unter Druck gesetzt worden zu sein, was dazu geführt habe, dass er bei
der Polizei teilweise falsche Aussagen gemacht habe (Urk. 6/3 S. 3 f.). Dennoch
blieb er bei seinem Teilgeständnis, im Jahre 2012 ein bis zwei Mal in der ihm vor-
geworfenen Weise Pakete an den Mitbeschuldigten zugestellt und von diesem da-
für Zigaretten oder Kaffee erhalten zu haben (Urk. 6/3 S. 3 f.). Im weiteren Verlauf
der Untersuchung sowie gegenüber der Vorinstanz und auch anlässlich der Beru-
fungsverhandlung bestritt der Beschuldigte die ihm gemachten Vorwürfe hingegen
gänzlich. Er gab weiter an, dass er sich während den Einvernahmen vom 12. und
vom 13. April 2013 durch die Polizei unter Druck gesetzt gefühlt habe und er da-
her unkorrekte Aussagen gemacht habe. Er habe einfach irgendetwas gesagt und
gehofft, dass er freigelassen würde (Urk. 6/6 S. 5 f.; Urk 6/11 S. 4; Urk. 6/12 S. 9;
Prot. I S. 7 ff. und Prot. II S. 12 f.).
4.1. Bereits die Vorinstanz zeigte auf, dass die Aussagen des Beschuldigten
nach dem Widerruf seines Teilgeständnisses wenig glaubhaft sind und vielmehr
auf dessen Aussagen zu Beginn der Untersuchung und mithin auf sein Teilge-
ständnis, im Jahre 2012 ein bis zwei Pakete der C._ an den Mitbeschuldigten
zugestellt zu haben, obwohl er gewusst habe, dass diese nicht an den Mitbe-
schuldigten adressiert gewesen seien, abzustellen ist. Auf die diesbezüglichen
Erwägungen der Vorinstanz kann verwiesen werden (Urk. 47 S. 27 ff.). Insbeson-
dere ist den Überlegungen der Vorinstanz in diesem Zusammenhang zu folgen,
da darauf hingewiesen wurde, dass der Beschuldigte in der polizeilichen Einver-
nahme vom 12. April 2013 zahlreiche in sich stimmige Details zu den unrecht-
mässig erfolgten Zustellungen preis gab, obwohl er damals gemäss seinen Anga-
ben unter grossem Druck gestanden habe. Wie die Vorinstanz nachvollziehbar
daraus folgerte, ist nur schwer vorstellbar, dass der Beschuldigte all diese Details,
- 12 -
wie beispielsweise den Erhalt von Kaffee oder Zigaretten als Gegenleistung, hätte
erfinden sollen (Urk. 47 S. 28). Zudem ist nicht ersichtlich, was auch die Vor-
instanz festhielt (Urk. 47 S. 28), weshalb der Beschuldigte den ihm gut bekannten
Mitbeschuldigten zu Unrecht hätte belasten sollen. Diese Frage stellt sich vor al-
lem auch deshalb, weil sich der Beschuldigte durch diese Belastung des Mitbe-
schuldigten selbst nicht zugleich entlastete.
4.2. In Bezug auf diese Aussagen des Beschuldigten aus den ersten beiden
Einvernahmen vom 12. und vom 13. April 2013 machte der Verteidiger vor der
Vorinstanz geltend, dass diese nicht von Relevanz seien. Die erstmalige Konfron-
tation mit den Strafverfolgungsbehörden sowie die Festnahme hätten den Be-
schuldigten in sehr grosse Angst versetzt, so dass er die Tragweite seiner Aus-
sagen nicht habe erkennen können (Urk. 35 S. 7). Im Rahmen der Berufungsver-
handlung brachte der Verteidiger weiter vor, dass unter anderem die suggestive
Frageweise des einvernehmenden Polizisten am 12. April 2013 zu den in Frage
stehenden Aussagen des Beschuldigten geführt hätte (Urk. 57 S. 7 f.).
4.3 In Abweichung dieses Vorbringens des Verteidigers handelte es sich bei
der durch ihn genannten Frage 24 aus der Einvernahme vom 12. April 2013 nicht
um eine suggestiv gestellte Frage, sondern um einen Vorhalt, welcher dem Be-
schuldigten gemacht wurde (Urk. 6/2 S. 4). Ausserdem ist den Vorbringen des
Verteidigers entgegenzuhalten, dass sich der Beschuldigte auch zum Zeitpunkt
des Widerrufs seines Teilgeständnisses am 13. Mai 2013 noch immer in Haft be-
fand und er auch in jener Einvernahme mit den Strafverfolgungsbehörden kon-
frontiert war (Urk. 6/6 S. 5). Zudem ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte
bereits anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom 13. April
2013 erstmals vorbrachte, dass er zuvor gewisse Äusserungen nur aufgrund des
Drucks, den er durch die Polizei verspürt habe, getätigt habe (Urk. 6/3 S. 2). Da-
ran, dass er im Jahre 2012 ein bis zwei Pakete unrechtmässig zugestellt habe,
hielt der Beschuldigte in jener Einvernahme aber trotzdem noch fest (Urk. 6/3
S. 3). Aus diesem Grund erweist sich das weitere Vorbringen dieser Angst als
Begründung für dieses Teilgeständnis als Schutzbehauptung des Beschuldigten,
um sich in einem besseren Licht darstellen zu können.
- 13 -
4.4. Da die diesbezüglichen Zugaben des Beschuldigten als zutreffend zu
erachten sind, erweist es sich als erstellt, dass der Beschuldigte im Jahre 2012
ein bis zwei Pakete der C._ an den Mitbeschuldigten auslieferte, obwohl die-
ser nicht der Adressat der Pakete war. Der Vorinstanz ist weiter zu folgen, wenn
sie erwog, dass es sich nicht nur um eine, sondern um zwei Zustellungen handel-
te (Urk. 47 S. 39). Andernfalls hätte der Beschuldigte zur Erklärung, was er für die
Zustellungen an den Mitbeschuldigten erhalten habe, nicht darauf hingewiesen,
dass er manchmal Zigaretten oder Kaffee erhalten habe (Urk. 6/2 S. 5). Er hätte
sich an die Gegenleistung genauer erinnert, wenn es sich nur um eine Übergabe
gehandelt hätte. Wann genau diese beiden unrechtmässigen Zustellungen im
Jahre 2012 erfolgten, muss offen bleiben. Hingegen ist zu Gunsten des Beschul-
digten vom minimalen Deliktsbetrag in der Höhe von Fr. 1'300.– (Fr. 700.– und
Fr. 600.–) in Bezug auf die beiden Pakete mit dem wertmässig geringsten Inhalt
auszugehen.
5. In Bezug auf das Paket, welches der Beschuldigte am 12. April 2013 un-
ter Beobachtung der Polizei an den Mitbeschuldigten zustellte (Urk. 1 S. 4), ohne
das Paket zu scannen und die Unterschrift des Mitbeschuldigten einzuholen, gab
der Beschuldigte ab der staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom 13 April
2013 an, dass es sich dabei um ein Versehen gehandelt habe (Urk. 6/3 S. 3 ff.).
Er habe nicht auf die Adresse geachtet, aber erkannt, dass es sich um ein Paket
mit ...-Losen gehandelt habe. Deshalb habe er gedacht, dass es für den Mitbe-
schuldigten bestimmt gewesen sei (Urk. 6/3 S. 3). Den Empfang habe er durch
den Mitbeschuldigten nicht sogleich durch eine Unterschrift bestätigen lassen,
weil der Mitbeschuldigte im Kiosk noch mit Kundschaft beschäftigt gewesen sei
und er selbst keine Zeit gehabt habe, um zu warten. Er hätte dem Mitbeschuldig-
ten aber gesagt, dass er wiederkommen werde, um seine Unterschrift zu holen.
Dazu sei es jedoch nicht gekommen, weil er noch vorher von der Polizei verhaftet
worden sei (Urk. 6/3 S. 5 und Urk. 6/11 S. 11).
5.1. Die Vorinstanz kam in Bezug auf diese Behauptungen des Beschuldig-
ten zum Schluss, dass er dieses Paket der C._ absichtlich nicht der
B1._, sondern dem Mitbeschuldigten übergeben habe. Dem ist zu folgen. Auf
- 14 -
die Erwägungen der Vorinstanz, welche zu dieser Feststellung führen, kann daher
verwiesen werden (Urk. 47 S. 29 ff.). Daran vermag auch die Argumentation des
Verteidigers, der Beschuldigte habe dieses Paket aufgrund seiner Erfahrung klar
dem Kiosk des Mitbeschuldigten zugeordnet (Urk. 57 S. 11), nichts zu ändern.
Der Beschuldigte erklärte im Rahmen der Berufungsverhandlung erneut, dass
sich auf seiner Zustellroute drei bis vier Kioske befunden hätten (Urk. 6/2 S. 3 und
Prot. II S. 12). Es ist daher nicht ersichtlich, weshalb der Beschuldigte das Paket
mit den Losen ausgerechnet dem Kiosk des Mitbeschuldigten und nicht einem
anderen Kiosk hätte zuordnen sollen. Ergänzend ist zudem darauf hinzuweisen,
dass der Beschuldigte erklärte, die Unterschrift beim Mitbeschuldigten nicht sofort
bei Ablieferung des Pakets eingeholt zu haben, da dieser mit Kundschaft beschäf-
tigt gewesen sei und ihm selbst keine Zeit geblieben sei, um zu warten (Urk. 6/11
S. 11 und Urk. 35 S. 12). Andererseits zeigten die Beobachtungen der Polizei,
dass der Mitbeschuldigte das erhaltene Paket nach Erhalt hinter der Theke ver-
steckt habe (Urk. 1 S. 4). Dass der Mitbeschuldigte trotz Anwesenheit von Kund-
schaft Zeit hatte, das Paket hinter die Theke zu bringen zeigt, dass er diese Zeit
auch hätte aufbringen können, um dem Beschuldigten den Erhalt des Pakets
durch seine Unterschrift zu bestätigen. Dass seitens des Beschuldigten gar nicht
geplant war, die Zustellung bestätigen zu lassen, wird durch diesen Umstand
noch bestärkt.
5.2. Dass der Beschuldigte auch das Paket der Privatklägerin 2 mit einem
Deliktsbetrag von Fr. 480.– entwendete und dieses dem Mitbeschuldigten über-
reichte, ist somit ebenfalls als erstellt zu erachten.
6. Demzufolge erweist sich dieser Teil des dem Beschuldigten zur Last ge-
legten Anklagesachverhaltes als rechtsgenügend erstellt.
IV. Rechtliche Würdigung
Die rechtliche Würdigung des eingeklagten Sachverhaltes durch die Ankla-
gebehörde und die Vorinstanz ist zutreffend. Auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz kann verwiesen werden (Urk. 47 S. 40 ff. und Art. 82 Abs. 4 StPO).
- 15 -
Der Beschuldigte ist demnach des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139
Ziff. 1 StGB sowie der mehrfachen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheim-
nisses im Sinne von Art. 321ter Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
V. Strafzumessung
1. Im angefochtenen Urteil wurde der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von
100 Tagessätzen zu Fr. 50.– bestraft, wobei deren Vollzug aufgeschoben und die
Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt wurde. Die amtliche Verteidigung hat mit der
Berufung einen Freispruch von Schuld und Strafe in Bezug auf die Vorwürfe des
mehrfachen Diebstahls und der mehrfachen Verletzung des Post- und Fernmelde-
geheimnisses beantragt, während die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des
erstinstanzlichen Urteils verlangte (Urk. 48 und Urk. 52).
2. Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vor-
instanzlichen Urteil unter Hinweis auf die Lehre und Rechtsprechung korrekt und
umfassend wiedergegeben und der massgebliche Strafrahmen von einem Tages-
satz Geldstrafe bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe (Art. 139 Ziff. 1 StGB) korrekt
abgesteckt (Urk. 47 S. 42 f.). Dies braucht nicht wiederholt zu werden.
3. Ausgehend vom schwersten der zu bestrafenden Vergehen ist demzufol-
ge zunächst die Tatkomponente des mehrfachen Diebstahls zu bewerten.
3.1. Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschul-
digte insgesamt dreimal ein Paket der C._ an den Mitbeschuldigten zustellte,
obwohl diese Pakete an andere Empfänger adressiert waren. Weiter ist darauf
hinzuweisen, dass die durch den Beschuldigten entwendeten Pakete einen Ge-
samtwert von rund Fr. 1'780.– aufwiesen. Da die Pakete, wie dem Beschuldigten
bewusst war, ...-Lose enthielten, ist weiter zu bemerken, dass der Inhalt der Pa-
kete potenziell von noch grösserem Wert hätte sein können, falls diese Lose
grosse Gewinne beinhaltet hätten. In Anbetracht dessen, dass die Pakete aber
auch vorwiegend Nieten hätten enthalten können, ist dem Deliktsbetrag, wie dies
bereits die Vorinstanz zu Recht anfügte (Urk. 47 S. 44), eine nicht allzu grosse
Bedeutung beizumessen. Schwerer wiegt jedoch, dass der Beschuldigte mehr-
- 16 -
fach handelte, und er daher auch mehrmals den Entschluss fassen musste, seine
eigene langjährige Arbeitgeberin zu schädigen. Dass der Beschuldigte nicht davor
zurückschreckte, deren Vertrauen zu missbrauchen, zeugt von einer gewissen
kriminellen Energie.
Die objektive Schwere dieser Taten ist daher als innerhalb des weit gesetz-
ten Strafrahmens von bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe als eher leicht zu qualifizie-
ren.
3.2. Was die subjektive Tatschwere anbelangt, fällt ins Gewicht, dass der
Beschuldigte seine Taten insofern geplant hatte, als er die Pakete gezielt aus sei-
ner eigentlichen Sortierung der Pakete nach Empfänger bei der Beladung seines
Transporters aussonderte, um diese dem Mitbeschuldigten zu übergeben. Um die
unrichtige Zustellung zu verheimlichen unterliess er es weiter, den Mitbeschuldig-
ten jeweils den Empfang eines Pakets mit dessen Unterschrift bestätigen zu las-
sen. Der Beschuldigte handelte mithin mit direktem Vorsatz und in der Absicht,
sowohl sich selbst, vor allem aber den Mitbeschuldigten zu bereichern. Hingegen
ist ebenfalls zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte einerseits gemäss seinen
eigenen Angaben durch den Mitbeschuldigten einzig mit Zigaretten oder Kaffee
für das hohe Risiko, welches er einging, entschädigt wurde, und er andererseits
durch diesen zu diesen Taten angestiftet wurde.
Eine verschuldensmindernde Beeinträchtigung seiner Schuldfähigkeit im
Sinne von Art. 19 StGB im Tatzeitpunkt oder andere Strafmilderungsgründe im
Sinne von Art. 48 StGB sind nicht gegeben.
3.3. Demzufolge wird die objektive Tatschwere des mehrfachen Diebstahls
durch die subjektive Schwere der Tat nicht verändert. Das Verschulden ist insge-
samt als eher leicht einzustufen. Die bereits durch die Vorderrichter festgesetzte
hypothetische Einsatzstrafe von rund 120 Tagessätzen Geldstrafe erweist sich als
angemessen.
4. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts
- 17 -
zu tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im
Wesentlichen täterbezogene Komponenten wie die persönlichen Verhältnisse,
Vorstrafen, Leumund und Nachtatverhalten, wie Geständnis, Einsicht, Reue etc.
(HUG, in: DONATSCH/FLACHSMANN/HUG/WEDER, Kommentar zum StGB, 19. Auflage
2013, N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
4.1. Der Beschuldigte wurde am tt. November 1967 in Istanbul geboren. Zu
seinen persönlichen Verhältnissen erklärte er weiter, in der Türkei zusammen mit
einer Schwester und zwei Brüdern aufgewachsen zu sein. Sein Vater, der im Jah-
re 2003 verstorben sei, sei bereits 1970 in die Schweiz eingereist. Mit Ausnahme
seiner Schwester sei seine Familie dann in die Schweiz nachgezogen. Mittlerwei-
le seien alle seine Geschwister verheiratet. Seine beiden Brüder würden in der
Schweiz leben und seine Schwester sowie seine Mutter seien in die Türkei zu-
rückgekehrt.
Er selbst habe in der Türkei die Grundschule sowie ein Jahr der Oberstufen-
schule besucht. Danach sei er im Jahre 1984 in die Schweiz gekommen. Im sel-
ben Jahr habe er auch geheiratet. Mit seiner Ehefrau habe er zwei Kinder. Sein
Sohn sei im Jahre 1985 und seine Tochter im Jahre 1987 zur Welt gekommen.
Eine Berufslehre habe er nicht absolviert. Als er in die Schweiz gekommen
sei, habe er zunächst als Küchenhilfe in einem Restaurant und dann in einer Bä-
ckerei gearbeitet. Seit dem Jahre 1986 arbeite er bei der B._. Im Rahmen
dieser Tätigkeit habe er auch verschiedene Kurse besucht und dadurch ein Zer-
tifikat erhalten. Seine Arbeitsstelle bei der B._ habe er aufgrund der vorlie-
gend zu beurteilenden Delikte verloren. Derzeit sei er bei der F._ GmbH in ...
tätig. Seine Ehefrau sei aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr berufstätig.
Zu seinen finanziellen Verhältnissen erklärte der Beschuldigte anlässlich der
Berufungsverhandlung, rund Fr. 4'500.– pro Monat zu verdienen. Für die Miete
bezahle er Fr. 1'600.– und für seine und die Krankenkassenprämie seiner Ehefrau
werde er im nächsten Jahr rund Fr. 650.– pro Monat bezahlen müssen. Die Steu-
ern würden ihn im nächsten Jahr ca. Fr. 3'000.– kosten. Über Vermögen verfüge
er nicht. Schulden habe er aber auch keine, da er seine Leasingschulden bezahlt
- 18 -
habe (Urk. 6/12 S. 12 f.; Urk. 21/1; Urk. 21/5 S. 1 ff.; Urk. 53/2; Urk. 53/5;
Urk. 53/6; Prot. I S. 11 f. und Prot. II S. 8 ff.).
4.2. Aus dem Werdegang und den persönlichen Verhältnissen des Beschul-
digten ergeben sich keine Besonderheiten, aus welchen sich strafmassrelevante
Faktoren ableiten lassen.
4.3. Der Beschuldigte ist im Schweizerischen Strafregister nicht verzeichnet
(Urk. 21/4). Die Vorstrafenlosigkeit ist neutral zu behandeln (BGE 136 IV 1).
4.4. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und
im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhal-
ten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue
wirken strafmindernd. Dabei können umfangreiche und prozessentscheidende
Geständnisse eine Strafreduktion von maximal bis zu einem Drittel bewirken
(BGE 121 IV 202 E. 2d/cc).
4.5. Im Rahmen der ersten polizeilichen Einvernahme vom 12. April 2013
zeigte sich der Beschuldigte noch geständig, die Delikte, bezüglich welchen er
vorliegend schuldig zu sprechen ist, begangen zu haben. Im Verlaufe des Unter-
suchungsverfahrens widerrief er dieses Geständnis. Auch im Berufungsverfahren
stellte der Beschuldigte in Abrede, die ihm vorgeworfenen Taten begangen zu
haben (Prot. II S. 11). Da der Beschuldigte sein ursprüngliches Geständnis wider-
rief, fällt auch eine entsprechende Strafreduktion ausser Betracht.
5. Die Vorinstanz berücksichtigte die Verfahrensdauer bis zum vorinstanzli-
chen Urteil von knapp drei Jahren strafmindernd ohne eingehendere Begründung
(Urk. 47 S. 46).
5.1. Zur Garantie eines gerechten Verfahrens nach Art. 29 Abs. 1 BV gehö-
ren der ausdrückliche Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist und
das Verbot der Rechtsverzögerung. Sie gelten in allgemeiner Weise für sämtliche
Sachbereiche und alle Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsbehörden. Über-
dies konkretisiert Art. 5 StPO das Beschleunigungsgebot für den Bereich des
Strafrechts; nach Abs. 1 dieser Bestimmung nehmen die Strafbehörden die Straf-
- 19 -
verfahren unverzüglich an die Hand und bringen sie ohne unbegründete Verzöge-
rung zum Abschluss. Diese Grundsätze kommen sowohl auf die Behörden der
Strafverfolgung (Art. 12 und Art. 15 ff. StPO) wie auf die mit Strafsachen befass-
ten Gerichte (Art. 13 und Art. 18 ff. StPO) zur Anwendung.
5.2. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird der Anspruch auf
Beurteilung innert angemessener Frist missachtet, wenn eine Sache über Gebühr
verschleppt wird. Die Beurteilung der angemessenen Verfahrensdauer entzieht
sich starren Regeln. Es ist vielmehr in jedem Einzelfall zu prüfen, ob sich die
Dauer unter den konkreten Umständen als angemessen erweist. Der Streitgegen-
stand und die damit verbundene Interessenlage können raschere Entscheide er-
fordern oder längere Behandlungsperioden erlauben. Entscheidend ist weiter der
Umfang und die Komplexität der aufgeworfenen Sachverhalts- und Rechtsfragen.
Kriterien für die Angemessenheit der Verfahrensdauer im Rahmen von Strafver-
fahren bilden etwa die Schwere des Tatvorwurfs, die Komplexität des Sachver-
halts, die dadurch gebotenen Untersuchungshandlungen, das Verhalten der be-
schuldigten Person und dasjenige der Behörden (z.B. unnötige Massnahmen oder
Liegenlassen des Falls) sowie die Zumutbarkeit für die beschuldigte Person.
Strafverfahren sind zügig voranzutreiben, um die beschuldigte Person nicht
unnötig über die gegen sie erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen
(BGE 130 I 269 E. 2.3 und 3.1 S. 272 f.; Urteile des Bundesgerichts 1B_388/2011
vom 5. September 2011 E. 2.2 und 1B_208/2012 vom 22. Juni 2012 E. 2). An-
spruch auf Verfahrensbeschleunigung haben primär beschuldigte Personen, in
etwas geringerem Masse jedoch auch die übrigen Verfahrensbeteiligten, wie die
Privatklägerschaft (vgl. Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung
des Strafprozessrechts, BBl 2006 1130 Ziff. 2.1.2; SCHMID, Schweizerische Straf-
prozessordnung, Praxiskommentar, 2. Auflage 2013, N 1 zu Art. 5 StPO; Urteil
des Bundesgerichts 1B_699/2011 vom 20. Februar 2012 E. 2.6).
5.3. Eine Rechtsverzögerung liegt damit insbesondere vor, wenn die Behör-
de im Verfahren über mehrere Monate hinweg untätig gewesen ist (WOHLERS, in:
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage 2014, N 9 zu
Art. 5 StPO), mithin das Verfahren respektive der Verfahrensabschnitt innert we-
- 20 -
sentlich kürzerer Zeit hätte abgeschlossen werden können (SCHMID, Handbuch
des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Auflage 2013, N 147).
5.4. In Bezug auf die vorliegend geführte Untersuchung fällt auf, dass zwi-
schen der Entlassung des Beschuldigten aus der Untersuchungshaft am 17. Mai
2013 und der Zeugeneinvernahme von G._ vom 23. April 2014 (Urk. 6/10
und Urk. 20/17) keine Untersuchungshandlungen ergangenen sind. Gründe, wie
beispielsweise das Abwarten eines Gutachtens oder die Durchsicht zahlreicher
edierter Unterlagen, welche diese lange Bearbeitungslücke von fast einem Jahr
zu rechtfertigen vermögen würden, liegen nicht vor. Weiter ist darauf hinzuweisen,
dass auch bei der Vorinstanz nach Eingang der Anklageschrift vom
25. September 2014 an demselben Datum rund ein Jahr verstrich, bis am
30. September 2015 zur Hauptverhandlung am 25. Januar 2016 vorgeladen wur-
de (Urk. 25 und Urk. 26). Auch in Bezug auf diese Zeitspanne sind keine fallspe-
zifischen Gründe ersichtlich, welche das lange Zuwarten für die Vorladung zur
Hauptverhandlung von über einem Jahr rechtfertigen könnten.
5.5. Aufgrund dieser Bearbeitungslücken liegt eine Verletzung des Be-
schleunigungsgebots vor. Diese lange Verfahrensdauer von rund drei Jahren ist
daher strafmindernd zu berücksichtigen.
6. Während die Täterkomponente keine Auswirkungen auf die Einsatzstrafe
zeitigt, ist diese aufgrund der festgestellten Verletzung des Beschleunigungsge-
bots auf rund 80 Tagessätze Geldstrafe zu reduzieren.
7. Im Rahmen der Asperation gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB ist nun die Tat-
komponente der mehrfachen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses
zu gewichten.
7.1. In Bezug auf die objektive Tatschwere der mehrfachen Verletzung des
Post- und Fernmeldegeheimnisses ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Vor-
instanz in zutreffender Weise festhielt, dass es sich bei diesen Delikten um eine
Begleiterscheinung des mehrfachen Diebstahls handelt. Auch berücksichtigte die
Vorinstanz zu Recht, dass den Paketen gemäss den Angaben des Beschuldigten
- 21 -
bereits von aussen anzusehen war, dass diese Lose der C._ enthalten wür-
den (Urk. 47 S. 45). Dennoch fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigte den Inhalt
dieser Postsendungen nicht nur einem Unberechtigten offenbarte, sondern dass
er es ausserdem verunmöglichte, dass die jeweiligen eigentlich Berechtigten ihre
Postsendungen erhielten. Dadurch generierte der Beschuldigte zusätzlich admi-
nistrativen Aufwand, welcher nötig wurde, um dem Verbleib der Postsendungen
nachzugehen.
Die objektive Schwere dieser Taten ist daher als noch leicht zu bezeichnen.
7.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere der mehrfachen Verletzung des
Post- und Fernmeldegeheimnisses ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte
zwar in erster Line versuchte, dem Mitbeschuldigten und letztlich auch sich selbst
einen finanziellen Vorteil zu verschaffen. Dadurch, dass er dem Mitbeschuldigten
die Pakete aushändigte, welche offensichtlich nicht für diesen bestimmt waren,
war dem Beschuldigten auch bewusst, dass er nicht dazu berechtigt war, die In-
halte gegenüber dem Mitbeschuldigten zu offenbaren. Da er die Pakete dem Mit-
beschuldigten auf dessen Anstiftung hin dennoch übergab, nahm er in Kauf, dass
dieser Kenntnis der Inhalte nehmen würde.
Die subjektive Tatschwere der mehrfachen Verletzung des Post- und Fern-
meldegeheimnisses ist ebenfalls als noch leicht einzustufen.
7.3. Das Verschulden für diese Delikte erweist sich somit insgesamt als
noch leicht. Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips ist die hypothetische
Einsatzstrafe um rund 30 Tagessätze Geldstrafe zu erhöhen.
7.4. Bezüglich der Täterkomponente zu diesem Delikt ist auf das bereits
Dargelegte zu verweisen (vgl. vorstehend, Erw. V.4. ff.). Aufgrund der strafredu-
zierend einzurechnenden Verletzung des Beschleunigungsgebotes resultiert
schliesslich eine Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe von insgesamt 20
Tagessätzen Geldstrafe für die Begehung der mehrfachen Verletzung des Post-
und Fernmeldegeheimnisses.
- 22 -
8. Nachdem die Staatsanwaltschaft kein Rechtsmittel ergriffen hat, steht ei-
ner strengeren Bestrafung das Verbot der reformatio in peius entgegen (Art. 391
Abs. 2 StPO), weshalb die Geldstrafe auf 100 Tagessätze festzusetzen ist. Ange-
sichts der engen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldig-
ten erscheint die festgesetzte Tagessatzhöhe von Fr. 50.– als angemessen (vgl.
vorstehend, Erw. V.4.1.).
Der Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft von 36 Tagen steht
nichts entgegen (Art. 51 StGB).
VI. Vollzug
Die Staatsanwaltschaft hat kein Rechtsmittel ergriffen. Es bleibt daher beim
vorinstanzlich gewährten bedingten Vollzug der Geldstrafe und einer zweijährigen
Probezeit (Art. 391 Abs. 2 StPO).
VII. Zivilansprüche
1. Im angefochtenen Urteil wurden die Privatklägerinnen 1 und 2 mit ihren
Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Mit der Be-
rufung hat die amtliche Verteidigung darum ersucht, die entsprechenden Disposi-
tivziffern aufzuheben (Urk. 48). Die Staatsanwaltschaft beantragte hingegen die
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 52).
2. Hinsichtlich der rechtstheoretischen Voraussetzungen für die Geltendma-
chung von Schadenersatzansprüchen kann vollumfänglich auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 47 S. 49).
3. Privatklägerin B._ AG
3.1. Die Privatklägerin 1 beantragte mit Formularerklärung vom 6. Mai 2013
für die dem Beschuldigten im Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2010 und dem
3. Oktober 2012 zur Last gelegten Delikten Schadenersatz in der Höhe von
Fr. 52'776.– (Urk. 14/2). Anlässlich der Hauptverhandlung der Vorinstanz vom
- 23 -
25. Januar 2016 erhöhte die Privatklägerin 1 diesen Betrag, indem sie Schaden-
ersatz in der Höhe von Fr. 53'370.– verlangte. Zur Begründung dieses Schaden-
ersatzbegehrens wurde seitens der Privatklägerin 1 ausgeführt, die Deliktssumme
der abhandengekommenen Pakete in der Höhe von Fr. 90'500.– werde gemäss
einer Vereinbarung mit der Privatklägerin 2 zu rund 40 % von dieser und zu rund
60 % von der Privatklägerin 1 getragen (Prot. I S. 20 f.).
3.2. In Bezug auf dieses Schadenersatzbegehren ist darauf hinzuweisen,
dass der Beschuldigte nur in Bezug auf die Entwendung zweier Pakete im Zeit-
raum zwischen dem 1. Januar 2010 und dem 3. Oktober 2012 schuldig zu spre-
chen ist. Entsprechend entzieht sich der allfällige bei der Privatklägerin 1 durch
den Verlust der übrigen Paketsendungen entstandene Schaden der adhäsions-
weisen Beurteilung durch das Gericht im Rahmen des vorliegenden Strafverfah-
rens. Hinsichtlich des Schadens, welchen der Beschuldigte der Privatklägerin 1
durch die Entwendung zweier Pakete im Jahre 2012 verursachte, führte die Vor-
instanz zu Recht aus, dass die Privatklägerin 1 nicht nachvollziehbar und sub-
stantiiert darzulegen vermochte, woraus sich die von ihr geltend gemachte Quote
von 60 % des Gesamtschadens ableitet (Urk. 47 S. 49). Das Schadenersatzbe-
gehren der Privatklägerin 1 ist daher infolge Illiquidität auf den Weg des Zivilpro-
zesses zu verweisen.
4. Privatklägerin C._
Die Privatklägerin 2 erklärte zwar am 7. Mai 2013 im Rahmen dieses Straf-
verfahrens Schadenersatzansprüche zu stellen (Urk. 15/3), bislang ging jedoch
kein beziffertes Schadenersatzbegehren ein. Der Vorinstanz ist daher in ihrem
Entscheid, die Privatklägerin 2 mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg
des Zivilprozesses zu verweisen (Urk. 47 S. 49), zu folgen.
VIII. Einziehung / Herausgabe
1. Mit Urteil der Vorinstanz wurde die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft
Limmattal / Albis vom 17. April 2013 beschlagnahmte Barschaft in der Höhe von
Fr. 838.35.– eingezogen und zur teilweisen Deckung der Verfahrenskosten ver-
- 24 -
wendet. Während die amtliche Verteidigung mit der Berufung die Aufhebung der
Beschlagnahme der Barschaft in der Höhe von Fr. 838.35.– sowie die Herausga-
be dieses Geldes an den Beschuldigten beantragte, ersuchte die Staatsanwalt-
schaft um Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils (Urk. 48 S. 3 und Urk. 52).
2. Hinsichtlich der rechtstheoretischen Voraussetzungen für die Beschlag-
nahmung von Vermögenswerten kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 47 S. 49). Ergänzend ist jedoch darauf
hinzuweisen, dass das Gericht die Einziehung von Vermögenswerten nur dann
verfügt, wenn die entsprechenden Vermögenswerte durch eine strafbare Hand-
lung erlangt worden sind oder dazu bestimmt waren, eine Straftat zu veranlassen
oder zu belohnen und sofern sie nicht dem Verletzten zur Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes ausgehändigt werden (Art. 70 Abs. 1 StGB).
3. Im Dispositiv des vorinstanzlichen Urteils wurde festgehalten, die mit Ver-
fügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 17. April 2013 beschlag-
nahmte Barschaft in der Höhe von Fr. 838.85 sei einzuziehen und zur Deckung
der Verfahrenskosten zu verwenden. In der Begründung dieses Entscheids äus-
serte sich die Vorinstanz jedoch weder zur Herkunft noch zum Verwendungs-
zweck dieses Geldes (Urk. 47 S. 50). Der Begründung ist auch nicht zu entneh-
men, ob die Vorinstanz von einer deliktischen Herkunft ausging, was den Ent-
scheid, diese Barschaft einzuziehen, gerechtfertigt hätte. In Anbetracht dessen,
dass die Vorinstanz jedoch festsetzte, dass die Barschaft zur Deckung der Ver-
fahrenskosten herangezogen werde, was mit einer gleichzeitigen Einziehung des
Geldes nicht vereinbar wäre, ist davon auszugehen, dass es sich bei der im Dis-
positiv verwendeten Bezeichnung "einzuziehen" um ein Versehen handelte. Dafür
spricht denn auch, dass die Vorinstanz noch in ihrer Begründung zum Schluss
kam, die Barschaft in der Höhe von Fr. 838.85 sei definitiv zu beschlagnahmen
und zur Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden (Urk. 47 S. 50).
3.1. Die Barschaft, welche mit Verfügung der Staatsanwaltschaft
Limmattal / Albis vom 17. April 2013 beschlagnahmt wurde (Urk. 13/4), setzt sich
jedenfalls zusammen aus Fr. 594.– sowie aus EUR 205.–, welche zu einem Ge-
genwert von Fr. 244.85 verkauft wurden (Urk. 13/5). Diese Beträge sowie weitere
- 25 -
Fr. 136.– wurden beim Beschuldigten anlässlich seiner Verhaftung vom 12. April
2013 in bar sichergestellt (Urk. 6/3 S. 8 und Urk. 6/12 S. 11). Der Beschuldigte
erklärte von sich aus, dass ein Teil des bei ihm sichergestellten Geldes aus Ein-
nahmen von Nachnahmen stammen würde und dieser Anteil daher der Privatklä-
gerin 1 gehöre (Urk. 6/3 S. 8 und Urk. 6/12 S. 11). Ein Betrag in der Höhe von
Fr. 136.– wurde denn auch mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal /
Albis vom 17. April 2013 an die B._ AG herausgegeben (Urk. 13/2). Im Übri-
gen erklärte der Beschuldigte unwiderlegbar, dass das Bargeld ihm gehöre. Den
Betrag von EUR 205.– habe er auf sich getragen, da er am Tag seiner Festnah-
me noch nach Deutschland hätte gehen wollen, um seinen Cousin abzuholen
(Urk. 6/12 S. 11).
3.2. Hinweise auf eine deliktische Herkunft dieses Bargeldes sind demnach
nicht ersichtlich. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom
17. April 2013 beschlagnahmte Barschaft in der Höhe von Fr. 838.85 ist demnach
im Sinne von Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO und Art. 442 Abs. 4 StPO zur Deckung
der Verfahrenskosten zu verwenden.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Im angefochtenen Urteil wurden die Kosten der Untersuchung und des
gerichtlichen Verfahrens mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung
dem Beschuldigten auferlegt. In diesem Zusammenhang beantragte der amtliche
Verteidiger in der Berufung, diese Kosten seien auf die Staatskasse zu nehmen
(Urk. 48 S. 4). Die Staatsanwaltschaft beantragte hingegen die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils (Urk. 52).
1.1. Gemäss Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO trägt die beschuldigte Person die
Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Wird das Verfahren eingestellt oder
die beschuldigte Person freigesprochen, so können ihr nach Abs. 2 dieser Be-
stimmung die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie
rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen
Durchführung erschwert hat.
- 26 -
1.2. Der Beschuldigte ist nur in Bezug auf drei der insgesamt 47 Entwen-
dungen von Paketen der C._, welche ihm in der Anklage vorgeworfen wer-
den, schuldig zu sprechen. Dem Teilfreispruch trug die Vorinstanz insofern Rech-
nung, als sie erklärte, lediglich eine reduzierte Gerichtsgebühr in der Höhe von
Fr. 1'500.– festzusetzen (Urk. 47 S. 50 f.). Was die Kosten der Untersuchung be-
trifft, nahm die Vorinstanz jedoch keine Reduktion vor. Der Beschuldigte ist aber
bezüglich eines Grossteils der ihm gemachten Vorwürfe freizusprechen. Da diese
Vorwürfe, welche sich nicht bestätigt haben, einen wesentlichen Teil des Unter-
suchungsaufwandes ausmachten, ist auch eine entsprechende Anpassung der
Kostentragungspflicht des Beschuldigten in Bezug auf die Untersuchungskosten
erforderlich.
1.3. Dem Teilfreispruch des Beschuldigten ist hinsichtlich der Kosten der Un-
tersuchung und des gerichtlichen Verfahrens insofern Rechnung zu tragen, als
ihm diese mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung nur zu einem
Viertel aufzuerlegen sind. Die anderen drei Viertel der Kosten der Untersuchung
und des gerichtlichen Verfahrens sind auf die Staatskasse zu nehmen.
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-
liegt mit seiner Berufung. Dementsprechend sind ihm die Kosten des Berufungs-
verfahrens aufzuerlegen.
3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren gehen
ebenfalls zu Lasten des Beschuldigten, doch hat er diese nur dann nachträglich
zu bezahlen, wenn es seine finanzielle Lage erlaubt (Art. 426 Abs. 1 StPO;
Art. 135 Abs. 4 StPO).
4. Der Beschuldigte liess eine Entschädigung für die im Zusammenhang mit
der Untersuchungshaft erlittene Unbill in der Höhe von Fr. 200.– pro Hafttag und
somit von Fr. 7'200.– zuzüglich 5 % Zins geltend machen (Urk. 57 S. 13). Ange-
sichts des Ausgangs dieses Verfahrens gibt es jedoch keinen Raum für eine sol-
che Entschädigung an den Beschuldigten.
- 27 -