Decision ID: 97ced48a-8afe-5639-a317-6208a0567b1b
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Die B._ GmbH war seit dem 1. Oktober 2006 der Ausgleichskasse Gewerbe St.
Gallen als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen. Am 26. März 2014 wurde
über die Gesellschaft der Konkurs eröffnet und am 7. April 2014 mangels Aktiven
wieder eingestellt (Online-Handelsregisterauszug, abgerufen am 17. August 2016). Mit
Verfügung vom 7. Oktober 2014 verlangte die Ausgleichskasse von A._,
Gesellschafterin und Geschäftsführerin der B._ GmbH, Schadenersatz für
entgangene Sozialversicherungsbeiträge betreffend den Zeitraum Oktober 2006 bis
März 2014 in Höhe von Fr. 144'243.15 (bundesrechtliche Beiträge Fr. 126'640.95,
kantonalrechtliche Beiträge Fr. 17'602.20). Die Belangte habe die gesetzlichen
Aufsichts- und Überwachungspflichten nicht wahrgenommen (act. G 3.1/6).
A.b Die dagegen erhobene Einsprache vom 5. November 2014 - die
Schadensberechnung sei nicht nachvollziehbar; vor dem 18. August 2010 sei die
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Einsprecherin weder Gesellschafterin noch Geschäftsführerin gewesen - wurde mit
Entscheid vom 16. April 2015 abgewiesen. Mit der Übernahme der Organfunktion trete
das Organ in die Verantwortung sowohl für die laufenden als auch für die vor der
Übernahme unbezahlt gebliebenen Beiträge ein. Es sei Pflicht der Einsprecherin
gewesen, nicht nur für die Bezahlung der laufenden Beiträge, sondern gerade auch für
die Begleichung bereits entstandener Ausstände besorgt zu sein (act. G 3.1/7ff.).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 15. Mai
2015 mit dem Antrag auf dessen Aufhebung. Zur Begründung wird vorgebracht, die
Beschwerdeführerin hafte nicht für Ausstände vor dem Zeitpunkt ihres Amtsantritts im
August 2010. Für die Jahre 2013 und 2014 lägen zudem keine rechtskräftigen
Veranlagungen zu Grunde. Es fehle schliesslich an den Jahresabrechnungen. Diese
seien von der Beschwerdegegnerin nicht unter Fristansetzung angemahnt und verfügt
worden. Für die Jahre 2011 und 2012 führe die Beschwerdegegnerin aus, die Beiträge
hätten erst am 24. September 2013 festgelegt werden können. Beide
Veranlagungsberechnungen hätten am 11. März 2014 (sieben Tage nach Ausstellung
des Pfändungsverlustscheins) korrigiert werden müssen. Auch diesbezüglich fehle es
an einer nachvollziehbaren Lohnabrechnung. Die Schadenersatzforderung sei damit
nicht begründet.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 29. Juni 2015 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Der von der Beschwerdeführerin verursachte Schaden sei sowohl in
der Zusammenstellung des Schadens als auch im Kontokorrent-Auszug
nachvollziehbar und begründet dargelegt. Dass sich die beiden Aufstellungen nicht 1 :
1 vergleichen liessen, liege auf der Hand, seien doch der Kontokorrent-Auszug
chronologisch nach Buchungsdaten und die Zusammenstellung des Schadens nach
den Beitragsabschnitten sortiert. Die Gutschriften hätten sich in der Regel aus der
Reduktion der Jahreslohnsumme ergeben, was zur Folge gehabt habe, dass weniger
Akontobeiträge in Rechnung gestellt worden seien. Diese seien dann mit offenen
Forderungen verrechnet worden. Die von der Beschwerdeführerin monierten
Veranlagungen bei fehlender Lohnmeldung, Nachträge zu den Veranlagungen infolge
nachträglicher Einreichung der Lohnmeldung und Jahresabrechnungen ohne
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vorgängige Veranlagung lägen bei den Akten. Unbestrittenermassen sei die
Beschwerdeführerin erst seit dem 18. August 2010 als Geschäftsführerin formelles
Organ der B._ GmbH. Genau ab diesem Zeitpunkt seien auch keine
Sozialversicherungsbeiträge mehr abgeführt worden (act. G 3).
B.c Mit Replik vom 29. September 2015 hält die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen und Ausführungen fest. Die B._ GmbH habe die Löhne für die Jahre 2013
und 2014 nicht deklariert. Sie sei am 26. März 2014 in Konkurs gefallen. Die
Schadensberechnung für diese Jahre basiere offenbar auf der Buchhaltung der Firma
und auf einem Protokoll der Einvernahme von C._ durch das Konkursamt D._. Die
Grundlagen der Berechnung (Buchhaltung der B._ GmbH und Einvernahmeprotokoll)
fehlten. Umso mehr, als fraglich sei, ob die Buchhaltung der Gesellschaft in den letzten
Monaten vor der Konkurseröffnung nachgeführt worden sei, tauge die von der
Beschwerdegegnerin offenkundig selber erstellte Lohnmeldung nicht für die
Geltendmachung eines Schadenersatzanspruchs. Das heisse, der von der
Beschwerdegegnerin für die Jahre 2013 und 2014 geltend gemachte Schaden von Fr.
56'254.05 bzw. Fr. 7'608.75 sei nicht ausgewiesen (act. G 8).
B.d Mit Duplik vom 4. November 2015 führt die Beschwerdegegnerin aus, die
Ausführungen der Beschwerdeführerin seien in Bezug auf die berechneten Löhne in
den Jahren 2013 und 2014 nicht nachvollziehbar. Zwar treffe zu, dass die Gesellschaft
diese Löhne in Verletzung der Abrechnungspflicht, die wiederum die
Beschwerdeführerin getroffen habe, nicht mitgeteilt habe. Diese seien sodann im
Rahmen der Schlusskontrolle vom 8. Juli 2014 durch die rsa Revisionsstelle der
Ausgleichskassen erhoben worden. Die Kontrolle habe in den Räumen des
Konkursamtes D._ stattgefunden und der Revisor habe auf die beim Konkursamt
vorhandenen Buchhaltungsunterlagen Zugriff gehabt (act. G 10).
B.e Am 20. November 2015 teilt die Beschwerdegegnerin auf entsprechende
Nachfrage der Verfahrensleitung mit, der geltend gemachte Schaden von Fr.
144'243.15 unterteile sich in bundesrechtliche Beiträge von Fr. 126'640.95 und
kantonalrechtliche Beiträge von Fr. 17'602.20 (act. G 12).
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B.f Das Gericht holte am 1. September 2016 bei der Revisionsstelle der
Ausgleichskassen weitere Unterlagen betreffend die Lohnsummen 2013 und 2014 ein
(act. G 14). Die Parteien liessen sich dazu nicht vernehmen (act. G 16 - 18).

Erwägungen
1.
Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von
Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen (Art. 52
Abs. 1 AHVG). Nach ständiger Rechtsprechung gilt diese Haftung entgegen dem
(früheren) Wortlaut des Gesetzes nicht nur für die Arbeitgeber, sondern auch für die
Organe von Arbeitgebern (BGE 129 V 11, 126 V 237, 123 V 12 E. 5b S. 15, je mit
Hinweisen; seit 1. Januar 2012 ausdrücklich geregelt in Art. 52 Abs. 2 AHVG). Die
Arbeitgeber sind verpflichtet, von dem von ihnen ausgerichteten Einkommen aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen, mit der
Ausgleichskasse abzurechnen sowie die erforderlichen Angaben zu machen, und die
Beiträge zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch der Ausgleichskasse zu
entrichten (Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 AHVG, Art. 34 und 36 AHVV). Die Missachtung
dieser Pflichten verletzt Vorschriften der Versicherung im Sinne von Art. 52 AHVG. Art.
52 Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit
eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen
gegeben sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches
und schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. Zudem
muss zwischen dem Verhalten der belangten Person und dem eingetretenen Schaden
ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben sein. Diese Haftungsordnung gilt auch
für die Beitragsforderungen der Familienausgleichskasse (Art. 47 des
Kinderzulagengesetzes [KZG SG; sGS 371.1] in Verbindung mit Art. 25 lit. c des
Bundesgesetzes über die Familienzulagen [SR 836.2]). Die Schadenersatzforderung
verjährt zwei Jahre nachdem die zuständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenntnis
erhalten hat, spätestens aber fünf Jahre nach Eintritt des Schadens (Art. 52 Abs. 3
AHVG).
2.
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2.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet zunächst, dass sie für den verlangten
Schadenersatz verantwortlich gemacht werden könne. So sei sie erst ab dem 18.
August 2010 als Gesellschafterin und Geschäftsführerin im Handelsregister eingetragen
gewesen. Dies trifft zwar zu. Indessen war sie auch bereits zuvor vom 21. Februar 2007
bis zum 10. Dezember 2008 in denselben Funktionen im Handelsregister eingetragen
(vgl. Online-Handelsregisterauszug, abgerufen am 17. August 2016). Im Übrigen ist mit
der Beschwerdegegnerin festzustellen, dass die Beschwerdeführerin in der zweiten
Phase ab 18. August 2010 auch für die Beitragsabrechnung und -ablieferung von bis
zu diesem Zeitpunkt bereits aufgelaufenen Beitragsforderungen verantwortlich war und
damit als Organ gemäss Art. 52 Abs. 2 AHVG in Anspruch genommen werden kann
(vgl. Art. 810 Abs. 2 Ziff. 3 OR). Vorliegend datieren aber die offen gebliebenen Beiträge
ohnehin erst aus der Zeit ab September 2010, während davor lediglich geringfügige
Betreffnisse aus offen gebliebenen Verzugszinsen resultierten (vgl. Schadenaufstellung
[act. G 3.1/1 S. 1-10]). Soweit die Beschwerdeführerin geltend machen will, die
Schadenersatzforderung sei verjährt (vgl. Replik Ziff. III.3. zweiter Abschnitt), ist dem
entgegen zu halten, dass die ersten definitiven Verlustscheine vom 26. Februar 2013
datieren (Pfändung vom 8. Februar 2012 [Pfändungsnummer 1'201'415], betreffend die
Akontozahlungen ab April 2011 [act. G 3.1/1.58, 1.61, 1.62 und weitere]). Mithin ist ein
Teil des Schadens frühestens zu diesem Zeitpunkt eingetreten, womit die
Beschwerdegegnerin auch nicht vorher Kenntnis haben konnte. Mit Erlass der
Verfügung vom 7. Oktober 2014 hat sie demnach sowohl die relative zweijährige als
auch die absolute fünfjährige Verjährungsfrist eingehalten.
2.2 Im Weiteren bestreitet die Beschwerdeführerin das Vorliegen eines Schadens in
der von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten Höhe von Fr. 144'243.15 (davon
bundesrechtliche Beiträge Fr. 126'640.95 sowie kantonalrechtliche Beiträge Fr.
17'602.20). Dabei hält sie sich im Wesentlichen an die Jahre 2011 bis 2013 als jene
Jahre mit den höchsten Schadenspositionen (vgl. Schadenersatzverfügung vom 7.
Oktober 2014, act. G 3.2/6 S. 2). In Bezug auf die Beiträge 2011 und 2012 macht die
Beschwerdeführerin geltend, es fehle an einer nachvollziehbaren Lohnabrechnung.
Dazu führte die Beschwerdegegnerin in ihrem Einspracheentscheid vom 16. April 2015
aus, dass für beide Jahre erst am 24. September 2013 die Beiträge im
Veranlagungsverfahren hätten festgelegt werden können und dass beide
Veranlagungsabrechnungen am 11. März 2014 auf Grund der tatsächlichen
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Lohnzahlungen hätten korrigiert werden müssen (act. G 3.1/9). Tatsächlich musste die
Lohnsumme 2011 durch die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 24. September
2013 ermessensweise festgelegt werden, nachdem die B._ GmbH die
Jahresabrechnung 2011 auch nach Mahnung vom 21. Februar 2012 nicht eingereicht
hatte. Dabei ging die Beschwerdegegnerin von einer Lohnsumme von Fr. 156'000.--
aus. Diese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen (act. G 3.1/1.68).
Betreffend das Jahr 2012 teilte die B._ GmbH der Beschwerdegegnerin am 21. März
2012 zunächst mit, sie habe den Personalbestand stark reduziert und werde
voraussichtlich noch eine Jahreslohnsumme von Fr. 20'000 bis Fr. 40'000.-- aufweisen.
Daraufhin setzte die Beschwerdegegnerin die Akontobeiträge auf Grund einer
Jahreslohnsumme von Fr. 30'000.-- fest (Schreiben vom 22. März 2012 [act. G
3.1/1.74]). Nachdem die Gesellschaft trotz Mahnung vom 21. Februar 2013 auch die
Jahresabrechnung 2012 nicht eingereicht hatte, mussten die Beiträge erneut
ermessensweise veranlagt werden (Jahreslohnsumme Fr. 52'000.-- [Verfügung vom 24.
September 2013; act. G 3.1/1.79]). Auch diese Verfügung ist unangefochten in
Rechtskraft erwachsen. Am 3. März 2014 reichte die Gesellschaft doch noch
Lohndeklarationen für die Jahre 2011 und 2012 ein und gab für 2011 eine Lohnsumme
von Fr. 356'330.05 und für 2012 eine solche von Fr. 216'164.75 an. Mit
Nachtragsverfügungen vom 11. März 2014 veranlagte die Beschwerdegegnerin die
entsprechenden Lohnbeiträge in Höhe von Fr. 51'322.20 und Fr. 31'278.25 (jeweils inkl.
Verwaltungskosten), wobei sie für 2012 für den Mitarbeiter E._ von einem um Fr.
1'000.-- höheren Lohn ausging (Gesamtlohnsumme somit Fr. 217'164.75 (act. G
3.1/1.69 und 1.80). Auch diese Verfügungen sind unangefochten in Rechtskraft
erwachsen. Zu den Beiträgen für 2011 in Höhe von Fr. 51'322.20 (inkl.
Verwaltungskosten) kommen Nebenkosten (Mahngebühren, Betreibungskosten und
Verzugszinsen) von insgesamt Fr. 6'715.15 hinzu. Dem stehen Zahlungen in Höhe von
Fr. 1'938.70, eine Gutschrift aus "Restanzen/Diverses" von Fr. 2'225.60 sowie eine
CO2-Gutschrift von Fr. 367.40 gegenüber, sodass für 2011 ein Schaden von Fr.
53'505.65 resultiert (act. G 3.1/1 S. 11f.). Zu den Beiträgen für 2012 von Fr. 31'278.25
(inkl. Verwaltungskosten) kommen Nebenkosten in Höhe von insgesamt Fr. 2'300.75
hinzu. Davon sind Familienzulagen und eine FZ-Nachzahlung von je Fr. 600.--, eine
Gutschrift aus "Restanzen/Diverses" von Fr. 3'121.20, Zahlungen von Fr. 210.50 sowie
eine CO2-Gutschrift von Fr. 185.35 in Abzug zu bringen. Der offen gebliebene Betrag,
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und damit der Schaden, beträgt demzufolge Fr. 28'861.95 (act. G 3.1/1 S. 13f.). Die
selbst deklarierten Lohnsummen und rechtskräftig verfügten Beiträge 2011 und 2012
stehen hier nicht mehr zur Diskussion, sodass im vorliegenden Verfahren nicht mehr
geltend gemacht werden kann, es seien weniger Löhne ausbezahlt worden. Nachdem
die Beschwerdeführerin auch nicht substantiiert belegen kann, weitere Zahlungen
geleistet zu haben, ist vom genannten Schaden für die Jahre 2011 und 2012 - wie von
der Beschwerdegegnerin verfügt - auszugehen.
2.3 Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, die Beschwerdegegnerin habe für
2013 Beiträge in Höhe von Fr. 51'992.95 verfügt, ohne im Besitz einer entsprechenden
Lohndeklaration zu sein. Für diese Verfügung sei offenbar ein Pfändungsverlustschein
vom 4. März 2014 ausschlaggebend gewesen. Es fehle an einer Fristansetzung und an
einer Verfügung. Den Schadenersatzforderungen für die Jahre 2013 und 2014 lägen
demnach keine rechtskräftigen Verfügungen zu Grunde. Tatsächlich reichte die B._
GmbH auch nach Mahnung vom 21. Februar 2014 keine Lohnmeldungen für die Jahre
2013 und 2014 mehr ein. Die Gesellschaft wurde auch darauf hingewiesen, dass die
Beiträge im Unterlassungsfall durch Veranlagungsverfügung festgesetzt werden
müssten. Dies geschah denn auch am 2. September 2014, gestützt auf den
Revisionsbericht vom 25. August 2014 über die Schlusskontrolle vom 8. Juli 2014, der
für 2013 eine Lohnsumme von Fr. 390'501.15 und für 2014 eine solche von Fr.
53'781.10 festgestellt hatte (act. G 3.1/1.86, 1.89 und 4). Allerdings war unterdessen
der Konkurs über die Gesellschaft eröffnet und am 7. April 2014 wieder eingestellt
worden. Die Gesellschaft war zudem am 13. August 2014 von Amtes wegen aus dem
Handelsregister gelöscht worden, existierte also nicht mehr. Die
Veranlagungsverfügungen vom 2. September 2014 waren damit mangels existierenden
Rechtssubjekts nichtig (vgl. Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts 2013/38 vom
28. Mai 2013 E. 4.3 f.) und können der Beschwerdeführerin im Schadenersatzverfahren
nicht entgegen gehalten werden. Unter diesen Umständen können die verfügten
Beitragsforderungen von Fr. 52'543.15 bzw. Fr. 6'573.40 (2013 und 2014, jeweils
inklusive Verwaltungskosten und Verzugszinsen) nicht ohne weiteres als
Schadenersatzforderungen anerkannt werden. Vielmehr ist für diese beiden Jahre
detailliert zu belegen, wie sich die Forderung zusammensetzt (welche Mitarbeitende mit
welcher Lohnsumme?). Zu diesem Zweck hat das Gericht bei der Revisionsstelle der
Ausgleichskassen weitere Unterlagen eingeholt. Aus dem Lohnkonto 5000 (act. G 15.3)
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ergibt sich für 2013 eine Lohnsumme von Fr. 359'469.92, ausbezahlt an zehn
Mitarbeitende (C._, A._, F._, G._, H._, E._, I._, J._, K._ und L._).
Davon sind die das Jahr 2012 betreffenden Lohnzahlungen von Fr. 1'611.15, Fr.
1'309.80, Fr. 1'319.40, Fr. 3'031.--, Fr. 1'506.--, Fr. 1'500.-- sowie der (Januar
2013-)Lohn von K._ von Fr. 1'351.40, welcher im Jahr 2013 den Freibetrag von Fr.
2'300.-- nicht erreicht hat (vgl. Art. 34d Abs. 1 AHVV), abzuziehen. Demgegenüber sind
die erst im Jahr 2014 ausbezahlten, aber das Jahr 2013 betreffenden Lohnzahlungen
an diverse Mitarbeitende von Fr. 4'316.40, Fr. 3'612.55, Fr. 3'031.--, Fr. 3'670.10 und
Fr. 3'627.70 zu addieren. Dies ergibt ein Ergebnis von Fr. 366'098.92, welches nur
geringfügig von der Nettolohnsumme 2013 von Fr. 366'094.90 (richtig: Fr. 366'104.90
[vgl. H._]) abweicht, wie sie die Revisionsstelle der Ausgleichskassen in der
Zusammenfassung ermittelt hat (act. G 15.1 und 15.3). Für 2014 ergibt sich, ausgehend
von der Lohnbuchhaltung (Saldo: Fr. 68'677.50 abzüglich die erst in diesem Jahr pro
2013 ausbezahlten Betreffnisse von Fr. 3'000.--, Fr. 3'000.--, Fr. 670.10, Fr. 1'316.40,
Fr. 3'627.70, Fr. 3'612.55 und Fr. 3'031.--), eine Lohnsumme von Fr. 50'419.75,
ausbezahlt an C._, A._ und F._, G._, H._ und E._. Diese Lohnsumme deckt
sich mit der Nettolohnsumme 2014, wie sie von der Revisionsstelle in der
Zusammenfassung ermittelt wurde (act. G 15.1 und 15.4). Von diesen ermittelten
Lohnsummen wurden keine Sozialversicherungsbeiträge abgebucht - als Gegenkonto
wurde in der Regel das Konto 1020 (Bank), bei Barauszahlungen das Konto 1000
(Kassa) genannt. Wären die Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitnehmerbeiträge) auch
als Lohnaufwand im Konto 5000 gebucht worden, müsste jeweils ein entsprechendes
Gegenkonto für die Sozialversicherung (Kreditor Sozialversicherung) genannt werden
(Konto 2270 [vgl. Sterchi/Mattle/Helbling, Schweizer Kontenrahmen KMU]), was jedoch
nicht der Fall ist. Es handelt sich bei den aufgeführten Beträgen somit um Nettolöhne.
Die Beschwerdegegnerin bzw. die Revisionsstelle der Ausgleichskassen hat
demzufolge zu Recht eine Aufrechnung auf Bruttolöhne vorgenommen. Für 2013 ergibt
sich damit - bei einem Beitragssatz von 6.25% (AHV/IV/EO: 5,15 %, AlV: 1,1 %) - eine
massgebende Lohnsumme von Fr. 390'501.-- (Fr. 366'094.40 : 93,75 x 100 [es
bestehen kleine Rundungsdifferenzen, da die Revisionsstelle jeden Arbeitnehmenden
einzeln gerechnet und gerundet hat]). Für 2014 ergibt sich eine massgebende
Lohnsumme von Fr. 53'781.10 (Fr. 50'419.75 : 93.75 x 100). Dementsprechend
erweisen sich die mit den Nachtragsverfügungen vom 2. September 2014 verfügten
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Sozialversicherungsbeiträge als korrekt, weshalb die daraus resultierenden - und
unbezahlt gebliebenen - Beiträge von Fr. 56'243.85 und Fr. 7'638.55 an die
Schadensberechnung anzurechnen sind. Zuzüglich Mahnspesen von Fr. 110.--,
Betreibungskosten von Fr. 669.10, Verzugszinsen von Fr. 680.80 und einer
Familienzulagen-Rückforderung von Fr. 400.--, abzüglich Familienzulagen-Leistungen
von Fr. 1'826.65 und einer CO2-Rückvergütung von Fr. 23.05 ergibt sich für 2013 ein
Schaden von Fr. 56'254.05 (act. G 3.1/1 S. 15 f. und 1.86). Für 2014 ist von den
Beiträgen von Fr. 7'638.55 lediglich eine CO2-Vergütung von Fr. 29.80 abzu¬ziehen,
sodass ein Schaden von Fr. 7'608.75 resultiert (act. G 3.1/1 S. 17 f. und 1.89).
2.4 Für die Beitragsjahre 2007, 2008 und 2010 verlangt die Beschwerdegegnerin
Schadenersatz in Höhe von Fr. 844.-- (2007), Fr. 1'467.40 (2008) sowie Fr. 16'395.90
(2010). Für die Jahre 2006 und 2009 schreibt die Beschwerdegegnerin Beiträge inkl.
Nebenkosten in Höhe von Fr. 2'146.55 bzw. Fr. 18'548.-- gut (act. G 3.1/1). Diese
Aufstellung wird von der Beschwerdeführerin nicht bestritten. Im Übrigen entsprechen
die unterlegten Lohnsummen von Fr. 154'185.75 (2006), Fr. 863'718.-- (2007), Fr.
853'513.-- (2008), Fr. 479'639.-- (2009 [Fr. 570'464.-- - Fr. 22'855.-- - Fr. 31'371.-- -Fr.
21'409.-- - Fr. 15'190.-gemäss Revision vom 28. März 2011]) sowie Fr. 376'002.-- (Fr.
373'002.-- + Fr. 3'000.--) den Deklarationen der Gesellschaft oder rechtskräftigen
Veranlagungen durch die Beschwerdegegnerin (act. G 3.1/1.1, 1.7 - 1.9, 1.22, 1.36 f.
und 1.51 f.). Mithin besteht kein Grund, davon abzuweichen. Der Schaden beträgt
somit insgesamt Fr. 144'243.15, wovon Fr. 126'640.95 bundesrechtliche Beiträge und
Fr. 17'602.20 kantonalrechtliche Beiträge.
2.5 Die übrigen Voraussetzungen zur Geltendmachung von Schadenersatz sind
ebenfalls erfüllt. So verletzt die Nichtablieferung der Beiträge durch die Gesellschaft
bzw. deren Organe Vorschriften der Versicherung im Sinn von Art. 52 Abs. 1 AHVG und
ist somit widerrechtlich.
2.6
2.6.1 Die Haftung nach Art. 52 AHVG ist sodann keine Kausalhaftung, sondern setzt
nach dem klaren Wortlaut und Sinn des Gesetzes ein zumindest grobfahrlässiges
Verhalten voraus (BGE 136 V 268 E. 3 S. 274). Der Begriff der Grobfahrlässigkeit im
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Sinn von Art. 52 AHVG ist gleich zu verstehen wie im übrigen Haftpflicht- und
Versicherungsrecht, so dass grobfahrlässig handelt, wer eine elementare
Vorsichtsmassnahme missachtet bzw. das ausser Acht lässt, was jedem verständigen
Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte
einleuchten müssen (Urteil 9C_330/2010 vom 18. Januar 2011 E. 3.2 mit Hinweisen).
Vorausgesetzt ist des Weiteren, dass die Möglichkeit zu einem rechtmässigen
Alternativverhalten bestand, was zutrifft, wenn ein pflichtgemäss handelndes Organ
den Schaden hätte verhindern können.
2.6.2 Indem die Beschwerdeführerin als verantwortliche Geschäftsführerin seit ihrem
Amtsantritt im August 2010 (bzw. seit den letzten geleisteten Zahlungen vom 24.
Februar 2011) bis zur letzten Quartalsrechnung vom 10. März 2014 (act. G 3.1/1.88),
also während über drei Jahren keinerlei Anstalten traf, dafür zu sorgen, dass die B._
GmbH ihrer Beitragsabrechnungs- und -ablieferungspflicht nachkam, muss ihr
zumindest ein grobfahrlässiges Handeln bzw. Unterlassen angelastet werden. Die
Beschwerdeführerin hat sich offensichtlich nicht um ihre Pflichten gekümmert. Dazu
gehören unter anderem auch die unübertragbaren Aufgaben gemäss Art. 810 Abs. 2
Ziff. 3 OR (Ausgestaltung des Rechnungswesens und der Finanzkontrolle). Die
Gesellschaft hat vom 24. Februar 2011 (Akontorechnung August 2010 [act. G 3.1/1.1
und 1.46]) bis zur Konkurseröffnung am 26. März 2014 praktisch keine Zahlungen mehr
geleistet. Fast jede Quartalsrechnung musste gemahnt und betrieben werden. Auch die
Jahresabrechnungen wurden ab 2011 nicht termingerecht oder überhaupt nicht
eingereicht und mussten jeweils ebenfalls gemahnt werden (vgl. act. G 3.1/1.68, 1.79,
1.86 und 1.89). Im Weiteren kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten
daraus ableiten, dass die Jahresabrechnung 2014 infolge Konkurseröffnung nicht mehr
gemahnt werden konnte. Die Gesellschaft hätte auch in diesem Jahr nur so viele Löhne
ausrichten dürfen, als darauf Beiträge bezahlt werden können. Die mit der
Schlusskontrolle vom 8. Juli 2014 ermittelte Lohnsumme war zudem gut siebenmal
höher als die der Akontorechnung für das erste Quartal 2014 zu Grunde liegende (act.
G 3.1/1.88). Solche wesentlichen Änderungen der Lohnsumme hätten der
Beschwerdegegnerin gemeldet werden müssen (Art. 35 Abs. 2 AHVV). Schliesslich
werden weder Exkulpationsgründe geltend gemacht noch sind solche ersichtlich. Im
Übrigen wird das Verschulden von der Beschwerdeführerin nicht bestritten.
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2.7 Schliesslich muss zwischen der schuldhaften Verletzung von Vorschriften und dem
Eintritt des Schadens ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Ein Ergebnis hat
dann als adäquate Ursache eines Schadens zu gelten, wenn es nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach allgemeiner Lebenserfahrung an sich geeignet
ist, einen Erfolg in der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs
durch das Ereignis also allgemein als begünstigt erscheint (AHI 1994 S. 204 mit
Hinweisen). Vorliegend ist ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den
Unterlassungen der Beschwerdeführerin und dem eingetretenen Schaden gegeben.
Hätte die Beschwerdeführerin dafür gesorgt, dass die B._ GmbH ihrer
Beitragsablieferungspflicht nachkommt bzw. nur so viele Löhne ausbezahlt, als darauf
Beiträge entrichtet werden können, wäre kein Schaden in dieser Höhe entstanden.
3.
3.1 Zusammenfassend sind die Voraussetzungen für die Leistung von Schadenersatz
erfüllt. Exkulpations- oder Rechtfertigungsgründe liegen keine vor. Die
Beschwerdegegnerin hat demnach die Beschwerdeführerin zu Recht verpflichtet,
Schadenersatz für entgangene Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von Fr.
144'243.15.-- zu leisten. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).