Decision ID: 039f5acc-fb99-5889-8e56-04f22d6cf19b
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1962 und Mutter von zwei Kindern (geboren 1994 und 1998), war zuletzt von 1. April 1989 bis 31. Oktober 2002 (letzter effektiver Arbeitstag: 12. Juli 2002) als Mitarbeiterin im Reinigungsdienst zu einem Pensum von 50 % angestellt gewesen (vgl. Urk. 7/4), als sie sich am 10. Dezember 2002 bei der Invalidenversicherung unter Hinweis auf eine Erschöpfungsdepression und chronische Rückenschmerzen zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 7/1). Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen sowie Erhebungen über ihre häusliche Situation sprach ihr die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit durch Einspracheentscheid vom 6. Januar 2005 (Urk. 7/27) und Gerichtsurteil vom 15. März 2006 im Prozess Nr. IV.2005.00173 (Urk. 7/31) bestätigter Verfügung vom 14. Juli 2004 mit Wirkung ab 1. Februar 2003 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 45 % eine Viertelsrente (samt Zusatzrenten für den Ehegatten und die Kinder) zu (Urk. 7/18).
1.2
Im Zuge eines Revisionsverfahrens (vgl. Urk. 7/32-33) sprach die IV-Stelle nach durchgeführten medizinischen Abklärungen und Erhebungen im Haushalt am 19. März 2007 bei einem Invaliditätsgrad von 60 % mit Wirkung ab 1. April 2006 eine Dreiviertelsrente (samt Zusatzrenten für die Familienangehörigen) zu (Urk. 7/49).
1.3
Mit Mitteilung vom 21. Mai 2010 schloss die IV-Stelle ein erneut eingeleitetes Revisionsverfahren (vgl. Urk. 7/53) ab und bestätigte die Dreiviertelsrente (Urk. 7/59).
1.4
Mit Fragebogen vom 22. Juli 2015 leitete die IV-Stelle abermals ein Revisions
ver
fahren ein (Urk. 7/65), im Zuge dessen sie das bidisziplinäre Gutachten von Dr. med. Y._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. Z._, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation und für Rheumatologie, vom 25. Mai 2016, ergänzt um die bidisziplinäre Zusammen
fassung vom 25. Mai 2016 (Urk. 7/86) einholte. Mit Vorbescheid vom 8. No
vem
ber 2016 stellte sie die Einstellung der Rente in Aussicht (Urk. 7/90). Mit Einwand vom 5. Dezember 2016 beantragte die Versicherte die Weiterausrichtung einer Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 40 % (Urk. 7/93; Ein
wandergänzung vom 23. Januar 2017, Urk. 7/96). Mit Verfügung vom 24. März 2017 stellte die IV-Stelle die Rente ein (Urk. 7/98 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 24. März 2017 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 9. Mai 2017 Beschwerde mit dem Antrag auf deren Aufhebung und Zusprache einer Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 40 % (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 12. Juni 2017 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Darüber wurde die Beschwerdeführerin am 16. Juni 2017 in Kenntnis gesetzt (Urk. 8).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann
unter anderem
Folge von Krankheit
sein
(Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invaliden
ver
siche
rung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbs
un
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächti
gung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG,
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vier
ten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hinweis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychoso
ma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tat
sächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktio
nellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit BGE 143 V 418 hat das Bundesgericht erkannt, dass grund
sätzlich sämt
liche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisver
fahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hin
dern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensations
potenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungs
vermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
be
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch anlässlich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Gesichtspunkt des
Art.
28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbe
messungsmethode
.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich, gemischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträch
tigung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne Gesundheitsschaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
IVV).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die konkrete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozialver
sicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit erforderlich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hinweisen).
Bei der Bestimmung der im konkreten Fall anwendbaren Invaliditäts
bemessungs
methode und damit der Beantwortung der entscheidenden Statusfrage handelt es sich um eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische Willensent
scheidungen der versicherten Person berücksichtigen muss. Dies gilt auch für die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beein
trächtigung erwerbstätig wäre. Diese inneren Tatsachen sind indessen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden. Die Beurteilung hypothetischer Geschehensabläufe ist eine Tatfrage, soweit sie auf Beweiswürdigung beruht, selbst wenn darin auch Schlussfolgerungen aus der allgemeinen Lebenserfahrung mitberücksichtigt wer
den. Rechtsfragen sind hingegen Folgerungen, die ausschliesslich – losgelöst vom konkreten Sachverhalt – auf die allgemeine Lebenserfahrung gestützt werden oder die Frage, ob aus festgestellten Indizien mit Recht auf bestimmte Rechtsfol
gen geschlossen worden ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_287/2013 vom
8.
November 2013 E.
3.5
und 8C_511/2013 vom 3
0.
Dezember 2013, je
mit Hin
weisen).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
bezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsäch
lichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesund
heitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundes
gerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheits
zu
standes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisions
grund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beur
teilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einsprache
ent
scheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenan
spruchs mit rechtskon
former Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
be
messung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesge
richts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Rentenaufhebung damit (Urk. 2), die medizinische Beurteilung habe ergeben, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit Sommer 2015 verbessert habe. Seither sei sie in ihrem ursprünglichen 80%-Pensum als Reinigungsmitarbeiterin und in jeder anderen angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Die Einschränkung im Haushalt sei nicht genauer abgeklärt worden, da dies nicht rententangierend sei (S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin wandte sich zusammengefasst gegen das von der Beschwer
de
gegnerin veranlasste polydisziplinäre Gutachten, das als Ent
schei
dungs
grundlage diente, und brachte vor, dass sie, nachdem die Kinder erwachsen seien, zu 100 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde, und bemängelte den fehlenden Einkommensvergleich (Urk. 2).
2.3
Streitig und zu prüfen ist einerseits die Statusfrage und andererseits ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin derart verbessert hat, dass kein Ren
tenanspruch mehr besteht. Die letzte materielle Prüfung fand mit der Mitteilung vom 21. Mai 2010, wonach ein unveränderter Rentenanspruch bestand (Urk. 7/59), ihren Abschluss. Die Mitteilung vom 21. Mai 2010 bildet somit z
eit
liche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen
Änderung des Invaliditätsgrades (vgl. vorstehende E. 1.3).
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie würde im Gesundheitsfall einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen, da ihre Kinder mittlerweile erwachsen seien (Urk. 1 Ziff. 36).
3.2
Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden im ursprünglich Pensum von 80 % erwerbstätig gewesen wäre (Urk. 2). Welchen Zeitpunkt sie mit ursprünglich bezeichnet, geht weder aus der Verfügung noch dem Feststellungsblatt vom 8. November 2016 (Urk. 7/89) hervor. Die Beschwerdeführerin wurde jedenfalls nach Lage der Akten zu ihrem aktuellen Status nicht befragt, weder schriftlich noch im Rahmen einer Haus
haltsabklärung
Dem Bericht über die Haushaltsabklärung vom 27. November 2003 (Urk. 7/13) kann entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem 50%igen Erwerb, dem Haushalt und der Erziehung zweier hörgeschädigter Kinder über
for
dert gewesen sei, und es wurde angenommen, dass die Beschwerde
führerin ohne Gesundheitsschaden einer 50%igen ausserhäuslicher Tätigkeit nachginge. Auch dem Fragebogen für die Arbeitgeberin vom 18. Dezember 2002 (Urk. 7/4) kann entnommen werden, dass die Beschwerde
führerin im Zeitpunkt des Eintritts des Gesundheitsschadens einem Erwerb im Umfang von 50 % nachging.
Die Beschwerdeführerin war seit 1989 bei der gleichen Arbeitgeberin im Reini
gungs
dienst beschäftigt (Urk. 7/4 S. 1). Laut IK-Auszug vom 23. Mai 2003 (Urk. 7/7-9) erzielte sie dort im Jahr 1993, vor der Geburt des ersten Kindes, ein Salär von Fr. 47’224.--. Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 2'024 Punkten für Frauen im Jahr 1993 und 2'245 Punkten im Jahr 2001 (
Bundesamt für Statistik, BFS,
Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumen
tenpreise und der Reallöhne, 1976-2016, T39
)
ergibt dies ein Jahressalär von Fr. 52'383.--. Bei einem 50%-Pensum erzielte die Beschwerdeführerin im Jahr 2001 ein Jahressalär von Fr. 27'972.--, was gut der Hälfte entspricht. Hieraus kann geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin vor der Geburt des ersten Kindes einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachging. Mit dem Wegfall der Kinder
betreuung ist daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden mit überwiegender Wahr
schein
lich
keit einer 100%igen aus
serhäuslichen Tätigkeit nachginge.
3.3
Allein schon der mutmassliche Statuswechsel stellt einen Revisionsgrund dar und rechtfertigte es, den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin umfassend und ohne Bindung an frühere Einschätzungen zu überprüfen. Wie im Folgenden zu zeigen sein wird, stellt aber auch der veränderte Gesundheitszustand einen Revisionsgrund dar.
4.
4.1
Die Dreiviertelsrente wurde am 21. Mai 2010 gestützt auf folgende Arztberichte bestätigt (vgl. Feststellungsblatt vom 21. Mai 2010, Urk. 7/58):
4.2
Dr. med. A._, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation und Facharzt für Rheumatologie, stellte im Bericht vom 4. September 2008 (Urk. 7/54/7-8) folgende Diagnosen:
-
chronisches lumbospondylogenes bis fraglich radikuläres Reizsyndrom L5/S1 rechts mit/bei
-
mässig ausgeprägter Wirbelsäulenfehlhaltung bei allgemeiner Dekon
ditionierung
-
leichtgradigen degenerativen Veränderungen lumbal
-
Zeichen von Bandlaxität
-
depressives Syndrom
Bei der Untersuchung seien eindeutige Hinweise auf eine lumbovertebrale Schmerz
problematik bei ausgeprägten segmentalen Provokationsschmerzen auf Höhe L4/5 und L5/S1 zu finden. Zudem sprächen die in das rechte Bein aus
strahlenden Ischialgien für eine zusätzliche radikuläre Schmerzkomponente. Klinisch liessen sich allerdings keine weiteren und für eine Wurzelsymptomatik charakteristische Zusatzbefunde erheben. Erschwerend komme zweifellos die psychische Dimension hinzu, welche die Intensität der empfundenen Schmerzen verstärken dürfte. Die Weiterführung der ambulanten psychotherapeutischen Unterstützung unter Einsatz von zentral schmerzmodulierenden Substanzen sei deshalb weiter zu unterstützen.
Nachdem am 5. September 2008 ein MRI der Lendenwirbelsäule (LWS) ange
fer
tigt worden war (vgl. Urk. 7/54/10), berichtete Dr. A._ am 15. Sep
tember 2008 (Urk. 7/54/9), die Untersuchung zeige lediglich auf Höhe L4/5 und L5/S1 leichte, zirkuläre Bandscheibenprotrusionen ohne raumfordernden Effekt auf die benachbarten Nervenwurzeln. In struktureller Hinsicht ergäbe sich somit keine Konsequenz für eine invasive Therapie. Das weitere Vorgehen müsse weiter
hin aktiv gestaltet werden, damit die Beschwerdeführerin wieder Vertrauen in ihre eigenen körperlichen Ressourcen finde.
Am 17. Juli 2009 berichtete Dr. A._ (Urk. 7/54/11), es sei am 22. Juni 2009 das rechte ISG infiltriert worden. Da Schmerzverlaufsprotokoll zeige auf, dass die Schmerzen nach etwa einer halben Stunde auf ungefähr 30-40 % des ursprüng
lichen Niveaus zurückgegangen seien. Eine Stunde später hätten noch 50 % Rest
schmerzen bestanden und ab der zweiten Stunde seien die Schmerzen sogar stärker gewesen als vor der Injektion. Der Effekt der Infiltration müsse somit als negativ und eine relevante Mitbeteiligung des rechten Iliosakralgelenks (ISG) am Schmerzgeschehen kritisch beurteilt werden.
Am 24. August 2009 (Urk. 7/54/12) stellte Dr. A._ fest, die Beschwerde
führerin klage über die bekannten, rechtsseitigen Lumboischialgien. Bei der klinischen Untersuchung habe er einen segmentalen Provokationsschmerz auf Höhe L4/5 und L5/S1 gefunden. Obwohl die Bildgebung vom 5. September 2006 keine Wurzelkompression zeige, könne die auf Höhe L5/S1 dokumentierte Chondrose durch Chemoirritation ein solches radikuläres Zustandsbild hervorru
fen. Deshalb sei die Hypothese einer radikulären Reizsymptomatik noch lange nicht vom Tisch. Andererseits berichte die Beschwerdeführerin von dauerndem Stress zu Hause und erwähne erstmals auch Schmerzen im Schultergürtelbereich, was in dieser Hinsicht auch an die üblichen zentralen Mechanismen mit konse
kutiver Schmerzausweitung denken lasse.
4.3
Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte im Bericht vom 9. Februar 2010 (Urk. 7/55) folgende Diagnosen (S. 5):
-
chronisches lumbospondylogenes Syndrom
-
Differentialdiagnose (DD): radikuläres Reizsyndrom L5/S1 rechts
-
mässig ausgeprägte Wirbelsäulenfehlhaltung
-
allgemeine Dekonditionierung
-
degenerative Veränderungen lumbal, leichtgradig
-
Zeichen der Bandlaxität
-
chronische Fussschmerzen
-
chronische Gastritis
-
Depression
Für die Beschwerdeführerin seien die täglichen Schmerzen im gesamten Skelett
system sowie die Verspannungen im Bereich der Nackenmuskulatur, die bis in den Kopf ausstrahlen, sehr belastend. Wegen der Fussbeschwerden müsse sie immer wieder die Beine hochlagern. Alle bisherigen Massnahmen hätten zu keiner Besserung der Gesamtsituation geführt (S. 6). Eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit sei nicht wahrscheinlich (S. 6).
4.4
Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im Bericht vom 8. April 2010 (Urk. 7/57) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syn
drom (F33.11; S. 1). Die Beschwerdeführerin sei bewusstseinsklar und allseitig orientiert. Sie sei meist angespannt und agitiert mit depressiver Stimmung und breche immer wieder in Tränen aus. Sie kreise gedanklich stets um schmerzliche Erinnerungen, meist an den früher gewalttätigen Mann. Es lägen keine Wahr
nehmungs
störungen oder wahnhaftes Denken vor (S. 2). Die Arbeitsunfähigkeit betrage für alle Tätigkeiten 70 %. Es beständen kognitive Einschränkungen (Kon
zentration, Gedächtnis, Denkfähigkeit), eine hochgradige Daueranspannung und eine Erschöpfbarkeit. Die Arbeiten seien fehlerhaft und die Beschwerde
führerin vermindert durchhaltefähig (S. 2).
5.
5.1
Der aktuelle Gesundheitszustand ergibt sich aus den folgenden Arztberichten:
5.2
Dr. med. C._ wiederholte im Bericht vom 6. August 2015 (Urk. 7/68) die psychiatrische Diagnose. Seit dem letzten Bericht vom 8. April 2010 sei die Ver
fassung schwankend gewesen: üblicherweise sei die Beschwerdeführerin psychisch und physisch stark angespannt, stark reizbar und hoch empfindlich. Sie erleide bei auch nur geringen Belastungen einen schweren depressiven Stimmungs
abfall. Die stark hörbehinderte Tochter habe vor zirka zwei Jahren erhebliche Unruhe in der Familie verursacht, als sie diese verlassen, die Arbeit aufgegeben und monatelang bei einer Familie in Biel gelebt habe. Die Beschwer
deführerin habe mit Verzweiflung und Suizidgedanken reagiert und habe ihren häuslichen Pflichten überhaupt nicht mehr nachgehen können (S. 1 f.). Seit Jahren bestehe ein unverändertes Zustandsbild (S. 2). Die Arbeits
un
fähigkeit betrage unverändert 70 % (S. 2).
5.3
Dr. A._ berichtete am 8. November 2012 dem Hausarzt (Urk. 7/70), die Beschwerdeführerin leide an belastungsabhängigen Schmerzen entlang der Fuss
sohlen beidseits (S. 1). Bei bilateraler Knicksenk- und Spreizfüssigkeit zeige die Beschwerdeführerin klinisch die charakteristischen Befunde einer chronischen Vorfussüberlastung mit bilateralem leichtem bis mässig ausgeprägtem Hallux valgus und beginnender Bunionett-Fehlstellung der Kleinzehen. Zusätzlich bestehe eine ausgeprägte Metatarsalgie II sowie eine ausgeprägte Druck
empfind
lich
keit der gesamten Plantarfaszie beidseits. Erschwerend komme kli
nisch/so
no
graphisch ein fragliches Morton’sches Interdigitalneurom II/III auf der rechten Seite hinzu (S. 2).
5.4
Dr. B._ nannte am 12. Januar 2016 (Urk. 7/77) folgende Diagnosen (S. 5):
-
cervico-brachiales Schmerzsyndrom beidseits, wahrscheinlich tendo
myo
gen
-
chronische Müdigkeit, Kraftlosigkeit
-
Verdacht auf Morton Neurom Dig II/IV beidseits
-
chronische Depression, Erschöpfungszustand
Der Zustand verschlechtere sich, die Beschwerdeführerin könne sich nicht selber betreuen. Sie stehe erst um 11 Uhr auf und könne am Mittag etwas Weniges aufräumen, aber nur langsam. Am Abend koche sie etwas für Kinder und Mann. Es bestehe eine deutliche Verminderung der Leistungsfähigkeit (S. 5). Die Prog
nose sei ungünstig, da der Verlauf chronifiziert und die depressive Komponente sehr stark seien (S. 6).
5.5
5.5.1
Im psychiatrischen Teilgutachten stellte Dr. Y._ folgende Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8):
-
rezidivierende depressive Störung, seit Sommer 2015 leichtgradige Epi
sode (F33.0)
Überdies nannte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8):
-
Probleme mit dem Ehemann (Z63.0)
-
gesundheitliche Schwierigkeiten der Kinder (Z63)
Die Beschwerdeführerin leide an einem Schmerzsyndrom, welches sich vor allem im Nacken-Armbereich zeige. Sie leide aber auch an Rücken- und seit einigen Jahren an beidseitigen Fussschmerzen. Sie zeige die Symptomatik einer anhal
tenden somatoformen Schmerzstörung nicht eindeutig: Sie sei nicht auf die Schmerzen fixiert, äussere keine hypochondrischen Befürchtungen und die Schmerzschilderung sei nicht diffus. Die Schmerzen seien auch nicht immer quälend oder von Lebensproblemen abhängig. Vielmehr spielten körperliche Belastungen eine ausschlaggebende Rolle. Im Weiteren könne beobachtet werden, dass die Beschwerdeführerin bei der Untersuchung eine gewisse Diskrepanz zeige, indem sie doch über phasenweise starke Schmerzen klage, ohne dabei stimmungsmässig zu reagieren (S. 9).
Bei der aktuellen Untersuchung könne die Symptomatik einer leichtgradigen depressiven Episode festgestellt werden: Die Beschwerdeführerin sei insbesondere zu Beginn des Gesprächs euthym beziehungsweise guter Dinge. Sie reagiere erst subdepressiv, wenn von belastenden Angelegenheiten gesprochen werde. Die Konzentration sei in Ordnung und der affektive Rapport gut herstellbar. Sie interessiere sich für politische Geschehnisse und pflege Kontakte. Die Tagesge
staltung sei regelmässig und sie sei fähig, Ferienreisen ins Heimatland zu unter
nehmen. Sie könne auch das Haus selber verlassen und ein Restaurant besuchen. Der Appetit sei gut und der Schlaf mit Unterstützung ordentlich. Die Beschwer
deführerin zeige gewisse Selbstwertprobleme und sei eher angespannt und nervös (S. 10).
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit könne den Akten entnommen werden, dass die depressive Episode in der Regel mittelgradig ausgeprägt gewesen sei, was aus heutiger Sicht nachvollziehbar sei. Beachtet werden müsse, dass es immer wieder ungünstige krankheitsfremde Umstände gegeben habe, welche zu Krisen geführt hätten, was als krankheitsfremdes Geschehen zu werden sei. Die Beschwerde
führerin suche ihre Psychiaterin nur alle drei Monate auf, was kaum mit einer relevanten Depressivität in Übereinstimmung gebracht werden könne. Die depressive Episode sei seit Sommer 2015 leichtgradig. Berücksichtige man die etwas eingeschränkte Belastbarkeit und eine gewisse Rückfallgefahr, könne ins
gesamt von einer zirka 20%igen verminderten Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden.
5.5.2
Im rheumatologischen Gutachten diagnostizierte Dr. Z._ (Urk. 7/68/26-44) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 12):
-
doppelseitige Tarsalgie
-
Senk-Spreiz-Plattfüsse
-
aktenanamnestisch Morton-Neuralgie II/III rechts
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (S. 12):
-
Fibromyalgiesyndrom
-
chronisches lumbales Schmerzsyndrom
-
im Rahmen des Fibromyalgiesyndroms
-
remittiertes lumboradikuläres Schmerzsyndrom bei Diskushernie L3/4 (DD: lumbospondylogenes Syndrom)
-
altersnormale Klinik
-
mässiggradige Spondylarthrosen distale Lendenwirbelsäule (LWS)
-
chronisches zervikales Schmerzsyndrom
-
im Rahmen des Fibromyalgiesyndroms
-
altersnormale Klinik
-
mässiggradige Osteochondrosen mit Spondylosen C4/5 und C5/6
Klinisch bestünden erhebliche statische Veränderungen an beiden Füssen. Eine genauere Untersuchung sei wegen massiven Schmerzangaben nicht möglich, seien doch alle Zehengrundgelenke und die metatarsalen Interdigitalräume beid
seitig massiv druckdolent. Die Diagnose einer Mortonneuralgie müsse deshalb aus den Akten übernommen werden, wobei allerdings erstaune, dass fast gleichzeitig beide Füsse betroffen seien und die Schmerzen jeweils den ganzen Vorfuss beträfen (S. 13).
Rheumatologisch falle vor allem die geäusserte Panalgie auf, die fast keine Kör
perstelle auslasse. Klinisch liesse sich keine organische Pathologie objekti
vieren, da alle Stationen frei beweglich seien. 18/18 tender points seien positiv, was zusammen mit der Anamnese die Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms zulasse (S. 13).
Nach der Klinik müssten die geäusserten Nacken- und Kreuzschmerzen in erster Linie dem Fibromyalgiesyndrom zugeordnet werden, da sich die Klinik von Hals
wirbelsäule (HWS) und LWS altersnormal präsentiere. Hinweise auf ein radiku
lä
res Syndrom bestünden nicht, und die gefundenen degenerativen Ver
ände
rungen an HWS und LWS änderten an der diagnostischen Einschätzung nichts. Der Beginn des Fibromyalgiesyndroms lasse sich nicht genau festlegen. Hinweise gäben die Angaben von Dr. A._ in seinem Bericht von August 2009 (Schmerz
ausweitung) und die Angaben von Dr. B._ von Februar 2010 (tägliche Schmerzen im gesamten Skelettsystem; S. 13).
Das von der Beschwerdeführerin geäusserte Schmerzausmass in Relation zu den objektiven Befunden und die geäusserte massive Einschränkung für alle Belange des täglichen Lebens liessen eine Aggravationstendenz annehmen (S. 13).
Angesichts der geäusserten Einschränkung der Gehfähigkeit müsse die Beschwer
deführerin als für die Arbeit als Putzfrau arbeitsunfähig betrachtet werden. Für eine sitzende Tätigkeit mit reduzierten Geh- und Stehanteilen sei sie aus somati
scher Sicht arbeitsfähig (S. 13 f.).
5.5.3
In der interdisziplinären Beurteilung (Urk. 7/86/18-19) kamen Dr. Y._ und Dr. Z._ zum Schluss, aus rheumatologischer Sicht müsse auf die einge
schränkte Gehfähigkeit Rücksicht genommen werden, so dass eine Arbeit als Putzfrau nicht möglich sein dürfte. Für eine vorwiegend sitzende Tätigkeit bestehe jedoch eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 1). In psychiatrischer Hinsicht liege die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seit Sommer 2015 bei 20 %. Für eine den rheumatologischen Befunden angepasste berufliche Tätigkeit sei der psychiatrisch-psycho
somatische Gesichtspunkt massgeblich (S. 2).
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin rügt, auf das Gutachten Y._/Z._ (E. 5.5) könne schon aus formellen Gründen nicht abgestellt werden. So bemängelt sie, dass ihr der Fragekatalog an die Gutachter - mit Ausnahme der Zusatzfragen - nicht unterbreitet worden sei und sie daher dazu nie habe Stellung nehmen können.
Aufgrund der Akten ist tatsächlich davon auszugehen, dass die Beschwerde
gegnerin der Beschwerdeführerin neben der ergänzenden Fragestellung (Urk. 7/80/3) lediglich das Merkblatt für mono- und bidisziplinäre Gutachten (Urk. 7/81) zukommen liess, womit die Beschwerdegegnerin deren Mitwirkungs
rechte verletzt hat. Allerdings führt dies allein nicht zur Beweis
untauglichkeit des Gutachtens, denn spätestens im Einwandverfahren, in welchem die Beschwerde
führerin sich rechtskundig vertreten liess, hatte sie Kenntnis von den den Gut
achtern gestellten Fragen, ohne dass sie die Gelegenheit benutzte, Ergänzungs
fragen zu stellen. Auch im Beschwerdeverfahren legte sie nicht dar, welche Fragen sie zusätzlich hätte beantwortet haben wollen, woraus zu schliessen ist, dass sich ihr solche gar nicht stellten und sie solche auch nicht gestellt hätte, wäre ihr der Fragekatalog mit der Mitteilung, dass eine Begutachtung notwendig sei, zugestellt worden.
6.2
Was die Beschwerdeführerin gegen das rheumatologische (Teil-)Gutachten ein
wendet, vermag dieses nicht in Zweifel zu ziehen. Zwar hat das Bundesgericht in BGE 143 V 409 erwogen, dass es bei leichten bis mittelschweren depressiven Störungen nicht zuletzt im Sinne der Einzelfallgerechtigkeit sach- und systemge
recht ist, solche Leiden ebenfalls einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (vgl. vorstehende E. 1.2). Das strukturierte Beweis
ver
fahren dient indessen entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht zur Plausibilisierung der Arbeitsfähigkeit aufgrund somatischer Störungen. Da nur der begutachtende Rheumatologe die Fibromyalgie erwähnte (vorstehend E. 5.5.2), ist nicht zu beanstanden, dass er von einer Diskussion der Standard
indi
ka
toren absah. Die diesbezügliche Kritik am rheumatologischen Gutachten zielt daher ins Leere.
6.3
In somatischer Hinsicht ist wohl davon auszugehen, dass es sich bei den Ein
schätzungen durch Dr. Z._ um eine andere Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustandes handelt. Indessen wurde der Beschwerde
führerin die Rente aufgrund der psychischen Einschränkungen zugesprochen und wurde die durch Dr. D._ seit jeher attestierte vollständige Arbeitsunfä
higkeit nie berücksichtigt. Ob in somatischer Hinsicht eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten ist, kann - wie im Folgenden zu zeigen sein wird - jedoch offenbleiben.
6.4
Dr. Y._ (E. 5.5.1) stellte im psychiatrischen Gutachten eine Verbesserung des Gesundheitszustandes fest, und begründete dies - auch - damit, dass vor allem Wechselwirkungen zwischen den Lebensproblemen und den Verstimmungen vor
lägen und sich auch die Schmerzen phasenweise negativ ausgewirkt hätten (S. 14). Die familiären Probleme hätten sich etwas gelegt, seit der Ehemann wieder voll arbeite (S. 16 i.V.m. S. 8). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin schliesst Dr. Y._ nicht allein daraus, dass die Beschwerdeführerin zu Beginn des Gesprächs guter Dinge war, sich für politische Geschehnisse interessiert, soziale Kontakte pflegt und einen geregelten Tagesablauf hat (vgl. Urk. 1 Ziff. 33), auf einen verbesserten Gesundheitszustand, sondern er erhob einen verbesserten Psychostatus. Die Beschwerdeführerin war anlässlich der Begutachtung in der Lage, das Gespräch aufmerksam und mit ausreichender Konzentration zu verfol
gen, ihr Denken war weder gehemmt noch umständlich, sie zeigte keine hypo
chondrischen Befürchtungen, war fröhlich, lachte oft und erschien aufge
schlossen. Nur wenn das Gespräch auf heikle Themen kam, reagierte sie subdepressiv, war aber nicht stark bedrückt (S. 6 f.). Überdies gab die Beschwer
deführerin gegenüber dem Gutachter selber an, dass die Depressionen seit Sommer 2015 gebessert hätten (S. 6).
Dass die Beschwerdeführerin auf familiäre Probleme reagiert, kann auch dem Bericht der behandelnden Psychiaterin (E. 5.2) entnommen werden, berichtete diese doch darüber, dass die Beschwerdeführerin zwei Jahre zuvor, als die Tochter das Elternhaus verliess, mit Verzweiflung reagiert habe. Überdies beschrieb sie sie als psychisch und physisch stark angespannt, stark reizbar und hoch empfindlich mit starkem Stimmungsabfall bei nur geringen Belastungen. Der Bericht datiert vom August 2015, die letzte Kontrolle vor der Berichterstattung hatte Anfang Juni 2015 stattgefunden, so dass die von Dr. Y._ festgestellte Verbesserung des Gesundheitszustandes, die er mit einer Beruhigung der häuslichen Situation seit Sommer 2015 in Zusammenhang brachte, durchaus in den Krankheitsverlauf passt. Jedenfalls aber sagt der Bericht von Dr. C._ nichts über den Zeit
raum ab dem Sommer 2015 aus, weshalb er das Gutachten von Dr. Y._ nicht in Zweifel zu ziehen vermag.
6.5
Nach dem Dargelegten ergibt sich schlüssig, dass sich der psychiatrische Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin im massgeblichen Vergleichs
zeitraum in revisionsrechtlich erheblicher Weise verbessert hat. Damit ist ein Revisions
grund ausgewiesen und der medizinische Sachverhalt und die Arbeits
fähigkeit ist ohne Bindung an frühere - vorliegend insbesondere somatische - Ein
schätzungen zu prüfen. Mit den Gutachtern Y._ und Z._ ist somit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Putzfrau nicht mehr, in jeder körperlich leichten Tätigkeit indessen zu 80 % arbeitsfähig ist. Da die Einschränkung allein im psychischen Gesundheits
zustand begründet ist, ist nunmehr anhand der Standardindikatoren (vorstehend E. 1.2) zu prüfen, ob der diagnostizierten leichten Depression überhaupt eine invali
disierende Bedeutung zukommt.
7.
7.1
In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Komplex Gesund
heitsschädigung als nicht ausgeprägt. So kann dem psychiatrischen Gutachten entnommen werden (E. 5.5.1), dass die Beschwerdeführerin euthym gewesen sei und nur bei heiklen Themen subdepressiv reagiert hätte, ohne dass sie dabei stark bedrückt gewirkt habe. Die Konzentration sei in Ordnung und der affektive Rapport gut herstellbar. Sie leide unter leichten Einschränkungen des Selbstwert
gefühls und mache sich Sorgen in Bezug auf die derzeitigen politischen Verhält
nisse in der Türkei und um die Zukunft der Kinder (S. 6 f.). Aus somatischer Sicht fehlten Hinweise auf ein radikuläres Syndrom und die gefundenen degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule präsentierten sich altersnormal. Eine gesundheit
liche Einschränkung ergibt sich lediglich aus der doppelseitigen Tarsalgie, indem die Beschwerdeführerin in ihrer Gehfähigkeit eingeschränkt ist (E. 5.4.3).
Die Beschwerdeführerin unterzieht sich einer medikamentösen und psychothera
peutischen Therapie mit Konsultationen alle drei Monate. Angesichts des Umstandes, dass sich die psychische Störung verbessert hat, ist von einem Behandlungserfolg auszugehen.
Psychiatrischerseits liegen keine Komorbiditäten vor, das Vorliegen einer Schmerzstörung wurde vom psychiatrischen Gutachter (E. 5.5.1) ausdrücklich verneint, da sie nicht auf die Schmerzen fixiert sei, keine hypochondrischen Befürchtungen äussere und die Schmerzschilderung nicht diffus sei (S. 9). In somatischer Hinsicht besteht lediglich eine Einschränkung der Gehfähigkeit (E. 5.5.2).
Bezüglich Persönlichkeit sind keine Auffälligkeiten dokumentiert. Die Beschwer
de
führerin zeige in der Selbst- und Fremdwahrnehmung keine Einschränkung. Die Realität werde korrekt geprüft, was auch für die Urteils
bildung gelte. Die Affekte seien gesteuert, bei belastenden Themen gerate sie manchmal ins Weinen (E. 5.3.1).
Gemäss Dr. Y._ (E. 5.5.1) kann im sozialen Kontext festgehalten werden, dass die Beschwerdeführerin neben den innerfamiliären Kontakten gute Kontakte zur Nachbarschaft pflegt und ihren Bruder regelmässig trifft. Gerne besuche sie auch ein Café (S. 6). Gemäss Dr. Z._ (E. 5.5.2) war sie sogar kurz vor der Begutachtung in der Lage, zusammen mit ihrem Bruder im Zusammenhang mit einer Wohnungsauflösung für drei Wochen in die Türkei zu reisen (S. 7). Damit zeigt sich eine ungebrochene Fähigkeit, verlässliche soziale Beziehungen zu pflegen, was auf erhaltene Ressourcen schliessen lässt. Andererseits stellte Dr. Y._ (E. 5.5.1) fest, dass die Beschwerdeführerin immer wieder auf ungünstige krankheitsfremde Umstände reagierte und diese zu Krisen führten (S. 10). Auch die behandelnde Psychiaterin (E. 5.2) wies auf Unruhen innerhalb der Familie hin, die dazu geführt hätten, dass die Beschwerdeführerin ihren häus
lichen Pflichten nicht mehr habe nachgehen können.
7.2
Laut psychiatrischem Gutachter (E. 5.5.1) glaubt die Beschwerdeführerin, nicht arbeiten mehr zu können (S. 7), zeige aber in den Funktionen nur wenig Ein
schränkungen (regelmässige Tagesgestaltung, Ferienreisen; S. 17). Sie sucht die Psychiaterin eher selten auf (S. 14) und bezüglich berufliche Eingliederung blieb sie indessen untätig (S. 15).
7.3
Zusammenfassend erscheint die Beschwerdeführerin funktionell nicht schwer eingeschränkt und das Verhalten scheint nicht in allen Teilen konsistent. Dies führt zum Schluss, dass der gutachterlichen Beurteilung, wonach das diagnosti
zierte psychische Leiden eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 20 % bewirkt, nicht gefolgt werden kann und bei der Beschwerdeführerin mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit keine invalidisierende psychische Gesund
heits
stö
rung vorliegt und die Beschwerdeführerin in einer behinderungs
ange
passten, vorwiegend sitzenden Tätigkeit vollständig arbeitsfähig ist.
8.
8.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
einkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Ein
kommens
entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Laut Arbeitgeberbericht vom 18. Dezember 2002 (Urk. 7/4) erzielte die Beschwer
deführerin im Jahr 2001, dem Jahr vor Eintritt des Gesundheitsschadens, ein Jahreseinkommen von F. 27'972.-- bei einem Arbeitspensum von 50 %. Aufge
rechnet auf ein 100%-Pensum und unter Berücksichtigung des Nominal
lohnin
dexes für Frauen von 2'245 Punkten im Jahr 2001 und 2'709 im Jahr 2016 (BSF, a.a.O.
)
ergibt dies ein Valideneinkommen von Fr. 67'507.-- im Jahr 2016, dem letzten Jahr, für welches statistische Werte erhältlich sind.
8.2
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbs
tätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; BGE
135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b/aa).
Der Zentralwert für mit einfachen Tätigkeiten (skill-level 1) beschäftigte
Frauen
betrug im Jahre 201
4
im privaten Sektor Fr.
4’300
.-- (LSE, Tabelle TA 1), was unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 2'
673
Punkten im Jahr 201
4
und 2‘
709
Punkten
im Jahr 201
6 (BFS, a.a.O.)
sowie einer im Jahr 201
6
geltenden betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 41
.
7 Stunden pro Woche (BSF, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen T 03.02.03.01.04.01) ein hypothetisches Einkommen von Fr.
54’517
.-- pro Jahr ergibt.
Verglichen mit dem Valideneinkommen resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 12'990.-- (Fr. 67'507.-- - Fr. 54'517.--), was einem Invaliditätsgrad von 19.2 % (Fr. 12'990.-- x 100 : Fr. 67'507.--) entspricht.
9.
Zusammenfassend hat sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin der
art verbessert, dass kein Anspruch mehr besteht auf eine Rente. Die Beschwerde
gegnerin hat die Rente somit zu Recht eingestellt, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
10.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren kostenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfahrensaufwand fest
zulegen und vorliegend auf Fr
. 900
.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.