Decision ID: bb3cdbac-8b62-5025-9e1e-37c672abe409
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin reichte am 26. Juli 2011 bei der Gemeinde Sigriswil ein
Baugesuch ein für die "Wiederherstellung des Metallzauns gegen G._strasse nach
2
denkmalpflegerischen Richtlinien, in Absprache mit der kantonalen Denkmalpflege" auf
Parzelle Sigriswil Grundbuchblatt Nr. F._. Die Parzelle liegt teils in der Zone W2
(Wohnzone), teils in der Grünzone.
Die Umschreibung des Bauvorhabens enthielt ursprünglich folgenden, später (undatiert)
auf dem Baugesuch gestrichenen Fortsatz: "Sanierung des Vorplatzes und der Zufahrt
Haus H._ – Schäden durch Bautätigkeit Nachbar (C._ ) –
Vereinheitlichung Kiesbelag ebenfalls in Absprache mit Denkmalpflege". Anlässlich eines
Augenscheins am 20. Oktober 2011 hielt das zuständige Regierungsstatthalteramt Thun
fest, dass die Sanierung des Vorplatzes und der Zufahrt inkl. Vereinheitlichung des
Kiesbelags nicht baubewilligungspflichtig sei.1 Beim Augenschein wurde auch darauf
hingewiesen, dass für den Wiederaufbau des Zauns am selben Ort ein begründetes
Ausnahmegesuch für die Unterschreitung des Strassenabstandes eingereicht werden
müsse. Mit E-Mail vom 17. Januar 2013 reichte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin ein Ausnahmegesuch für die Unterschreitung des gesetzlichen
Strassenabstands ein.2
In der Baupublikation vom 17. und 24. Januar 2013 wurde das Bauprojekt wie folgt
umschrieben: "Wiederherstellung des Metallzauns gegen G._strasse – Sanierung
des Vorplatzes und der Zufahrt Haus H._ – Vereinheitlichung des Kiesbelags –
alles in Absprache mit der Denkmalpflege".3
2. Gegen das Bauvorhaben erhoben die Beschwerdegegner am 15. Februar 2013
Einsprache. Sie machten geltend, sie seien Eigentümer der unmittelbar angrenzenden
Liegenschaft Sigriswil Grundbuchblatt Nr. I._ und zudem wegberechtigt am Weg
vom Eingang ab G._strasse zu ihrem Grundstück. Sie rügten, die Pläne des
Baugesuchs seien unvollständig. Ein Situationsplan fehle; ebenso seien keine vermassten
Projektpläne vorhanden. Nach den Unterlagen sei offenbar ein Eingangstor vorgesehen;
dazu fehlten jedoch Angaben, ebenfalls zur Sanierung des Vorplatzes und der Zufahrt, den
Schäden durch die Bautätigkeit der Nachbarn sowie zur Vereinheitlichung des Kiesbelags.
Für das Tor seien wohl übermannshohe Portamente vorgesehen, welche das Wegrecht
1 Vorakten, pag. 44. 2 Vorakten, pag. 11. 3 Vorakten, pag. 93.
3
der Beschwerdegegner schmälerten. Dies alles sei umso wichtiger, als das Wegrecht
Gegenstand einer zivilprozessualen Auseinandersetzung zwischen den Parteien sei.
3. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 4. März 2013 wies das
Regierungsstatthalteramt Thun auf den Amtsbericht der Baupolizeibehörde der Gemeinde
Sigriswil vom 14. Februar 2013 hin, wonach ein Postament des Eingangstors direkt an der
Grenze zur Parzelle Nr. I._ zu liegen komme. Gestützt auf diesen Amtsbericht
wies das Regierungsstatthalteramt die Bauherrschaft u.a. an, bis 22. März 2013 ein
entsprechendes Näherbaurecht einzureichen oder das Bauprojekt so anzupassen, dass
kein Näherbaurecht erforderlich sei.4
4. Am 22. März 2013 stellte die Beschwerdeführerin den Antrag, es sei für den Zaun
entlang der G._strasse eine Teilbaubewilligung zu erteilen. Zur Begründung führte
sie an, der Zaun solle auf der Strassenrandmauer zu stehen kommen, welche Teil des
bewilligten Gemeindebauprojekts Sanierung/Verbreiterung G._strasse sei. Die
Zaunpfosten müssten zusammen mit der Strassenrandmauer erstellt werden. Gleichzeitig
seien umfangreiche Schutzmassnahmen für das Wurzelwerk der angrenzenden Bäume
nötig. Die Mauer solle unverzüglich erstellt werden können, noch bevor die Vegetationszeit
der Bäume beginne.5 Mit Schreiben vom 23. April 2013 wiederholte sie das Gesuch um
Erteilung einer Teilbaubewilligung "für den Zaun entlang der G._strasse bis zum
Nordrand der Einfahrt zu Parz. F._".6
Das Regierungsstatthalteramt Thun erklärte, dass keine Bewilligung für den vorzeitigen
Baubeginn in Aussicht gestellt werden könne, so lange die Einsprache nicht
zurückgezogen worden sei. Daraufhin teilte die Beschwerdeführerin mit, dass
entsprechende Verhandlungen geführt würden. Das Baubewilligungsverfahren wurde
informell sistiert.
Am 13. März 2014 fällte das Obergericht des Kantons Bern den Entscheid in der
zivilprozessualen Auseinandersetzung der Parteien.7
4 Vorakten, pag. 91. 5 Vorakten, pag. 28. 6 Vorakten, pag. 104 ff. 7 Vorakten, pag. 75 ff.
4
5. In der Folge bat die Beschwerdeführerin um die Wiederaufnahme des
Baubewilligungsverfahrens.8 Mit verfahrensleitender Verfügung vom 2. Juni 2014 stellte
das Regierungsstatthalteramt Thun fest, dass vom geplanten Tor keine vermassten Pläne
vorhanden seien. Es forderte die Bauherrschaft auf, bis 23. Juni 2014 vermasste Pläne des
Tores sowie des Pfostens einzureichen. Im Weiteren seien die Öffnungsradien des Tores
aufzuzeigen.9 Die Beschwerdeführerin reichte daraufhin mit Eingaben vom 25. Juni 2014
und vom 22. Juli 2014 einen Situationsplan sowie Querprofile und Ansichten ein und nahm
mit Schreiben vom 23. Juni 2014 Stellung.10 Das Regierungsstatthalteramt hielt mit
Verfügung vom 29. Juli 2014 fest, der Torpfosten unterschreite den ordentlichen
Grenzabstand der Parzelle Grundbuchblatt Nr. I._. Dies erfordere ein
entsprechendes Näherbaurecht. Nach Ablauf der Frist bis zum 18. August 2014 werde
über das Bauvorhaben entschieden. Sofern das fehlende Näherbaurecht nicht eingeholt
werden könne, werde der Bauherrschaft empfohlen, das Baugesuch für das Tor
zurückzuziehen oder den Torpfosten auf ein Mass von 1,20 Metern abzusenken.
Mit Verfügung vom 27. August 201411 hielt das Regierungsstatthalteramt fest, die
Einsprecher hätten mitgeteilt, dass das Näherbau- bzw. Grenzbaurecht nicht erteilt werde.
Die Einsprecher hätten jedoch keinen Einwand gegen den an die G._strasse
grenzenden Teil des vorgesehenen Zaunes, allerdings ohne das abgewinkelte letzte
Element und ohne das daran anschliessende Tor mit Postamenten. Für den Zaun entlang
der G._strasse könne eine Baubewilligung in Aussicht gestellt werden. Für das
Tor mit Postamenten gelte dies aufgrund des fehlenden Näherbaurechts jedoch nicht. Die
Bauherrschaft habe bis 15. September 2014 mitzuteilen, ob das Baugesuch für das Tor
inkl. Postament zurückgezogen, ein anfechtbarer Entscheid verlangt oder das geplante Tor
so angepasst werde, dass es eine Höhe von 1,20 Metern nicht übersteige. Im letzteren Fall
seien revidierte Pläne einzureichen.
8 Vorakten, pag. 98; vgl. auch Vorakten, pag. 72. 9 Vorakten, pag. 70. 10 Gemäss Erwägungen in der Verfügung des Regierungsstatthalteramtes Thun vom 29. Juli 2014, Vorakten, pag. 69. In den Vorakten fehlen diese Unterlagen teilweise, so insbesondere das Schreiben vom 23. Juni 2014; sie wurden jedoch im Beschwerdeverfahren nachgereicht. 11 Vorakten, pag. 68.
5
Am 12. September 2014 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie mangels Zustimmung
der einsprechenden Nachbarn das Projekt werde abändern müssen. Dies bedinge
allerdings die Zustimmung der kantonalen Denkmalpflege.12 Mit Schreiben vom 29.
Oktober 2014 erklärte die Beschwerdeführerin, dass eine Lösung gefunden werden konnte,
wonach die Torpfosten bei der Zufahrt nicht höher als 1,20 Meter wären. Damit entfalle die
Notwendigkeit einer diesbezüglichen Ausnahmebewilligung.13 Das
Regierungsstatthalteramt bat daraufhin mit E-Mail vom 3. November 2014 um die
Zustellung der entsprechenden Planunterlagen (Situation, Querprofile, Ansichten). Auf
entsprechende Nachfrage des Regierungsstatthalteramtes hin stellte der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin mit E-Mail vom 25. November 2014 in Aussicht, dass diese Pläne
nachgereicht würden.14 Mit Verfügung vom 9. Dezember 2014 stellte das
Regierungsstatthalteramt fest, dass die geforderten Pläne noch nicht eingegangen seien.
Es setzte der Bauherrschaft eine letzte Frist bis zum 31. Dezember 2014, um die
geforderten Planunterlagen sowie ein Konzept einzureichen, welches aufzeige, wie die
Dienstbarkeitsberechtigten das geplante Tor passieren könnten.
Den Akten lässt sich nicht entnehmen, dass die Beschwerdeführerin innert dieser Frist die
entsprechenden Pläne eingereicht hat. Die Beschwerdeführerin behauptet dies
insbesondere in ihrer Eingabe vom 15. Juni 2015 und in ihrer Stellungnahme vom 21.
September 2015. Sinngemäss bezieht sie sich dabei auf einen Plan vom 10. Oktober 2014,
welchen sie mit Eingabe vom 12. August 2015 zu den Akten des Beschwerdeverfahrens
gereicht hat.15 Dieser zeigt eine Ansicht des letzten Zaunelements mit fortlaufend niedriger
werdenden Gitterstäben, endend in einem Pfosten in Höhe von 1,20 Metern. Dagegen
erklärt die Vorinstanz mit Stellungnahme vom 12. August 2015: "Der Verbleib der
vermassten Pläne, die am 31. Dezember 2014 eingereicht werden sollten, lässt sich nicht
rekonstruieren. Nachdem wir diese Unterlagen mehrfach einverlangt hatten, muss vermutet
werden, dass sie bei uns nicht eingetroffen sind.". Der Regierungsstatthalter habe
deswegen am 21. Januar 2015 mit dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
telefoniert. In den Akten findet sich eine entsprechende handschriftliche Telefonnotiz16,
12 Vorakten, pag. 20. 13 Vorakten, pag. 17. 14 Vorakten, pag. 14. 15 Plan im Mst. 1:10, "Variante Abschluss Einfahrt" der Denkmalpflege des Kantons Bern vom 10. Oktober 2014, Beilage 5 zur Eingabe der Beschwerdeführerin vom 12. August 2015. 16 Vorakten, pag. 66.
6
lautend: "Pläne für Tor, Frist 31.12.2014 abgelaufen. Es fehlen (alles im Doppel):
Situationsplan Geometer; Projektplan Tor. Empfehlung MF17: nichts auf Parzelle
C._ (Pfosten); alles vermasst, auch Höhe; alles unterschrieben Bauherr,
Eigentümer und Geometer". Letztlich lässt sich nicht klären, ob die Beschwerdeführerin
innert der Frist bis zum 31. Dezember 2014 vermasste Pläne für das Tor mit Postamenten
eingereicht hat. Immerhin ist zu vermerken, dass die Beschwerdegegner in ihrer
Beschwerdeantwort vom 17. April 2015 auf den Plan vom 10. Oktober 2014 Bezug
genommen haben.18 Folglich hatten sie von diesem Plan Kenntnis. Es ist daher jedenfalls
anzunehmen, dass er im Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens zu den Akten gelangt ist.
6. Mit Gesamtbauentscheid vom 11. Februar 2015 erteilte das Regierungsstatthalteramt
Thun eine Teilbaubewilligung für die Stützmauer inkl. Zaun entlang der G._strasse
gemäss Situationsplan, unvermasst, vom 22. Juli 2011 sowie Ansicht Stützmauer, Mst.
1:100, vom 4. Juli 2012 (abgestempelt am 11. Februar 2015).19 Das Baugesuch bezüglich
des Tors schrieb es ab.
7. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 16. März 2015 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt, das
letzte abgewinkelte in südwestlicher Richtung verlaufende Zaunelement in der Breite von
1,88 Metern sei zu bewilligen; der angefochtene Entscheid sei insoweit aufzuheben, als
das Baugesuch bezüglich des Tors abgeschrieben wurde; es sei festzustellen, dass das an
das Zaunelement anschliessende Tor nicht bewilligungspflichtig sei; eventuell sei das an
das Zaunelement anschliessende Tor zu bewilligen.
Zur Begründung macht sie geltend, sie habe einen Anspruch darauf, dass über das letzte
abgewinkelte in südwestliche Richtung verlaufende Zaunelement entschieden werde. Die
Voraussetzungen für eine Abschreibung des Baugesuchs bezüglich des Tors seien nicht
erfüllt, da weder das rechtserhebliche Interesse am Entscheid in der Sache weggefallen
sei, noch die Beschwerdeführerin das Baugesuch zurückgezogen oder sich mit den
einsprechenden Parteien geeinigt habe. Das Tor und die Torpfosten seien nicht
17 Initialen Regierungsstatthalter von Thun. 18 Beschwerdeantwort vom 17. April 2015, S. 4, S. 6. 19 Pläne bei den Vorakten der Gemeinde Sigriswil.
7
bewilligungspflichtig, solange sie die Höhe von 1,20 Metern nicht überschritten. Da im
angefochtenen Entscheid von angeblich mangelhaften Plänen die Rede sei, gehe die
Vorinstanz offenbar von einer Bewilligungspflicht aus; die Bewilligungsvoraussetzungen
seien erfüllt. Was an den Unterlagen mangelhaft sein solle, gehe aus den Akten nicht
hervor.
8. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet20, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Vorinstanz und die Gemeinde
Sigriswil nahmen mit Eingaben vom 27. März 2015 respektive vom 2. April 2015 Stellung.
Sie beantragen die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Die
Beschwerdegegner beteiligten sich mit Beschwerdeantwort vom 17. April 2015 am
Verfahren. Sie beantragen ebenfalls die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
eingetreten werden kann.
9. Mit Verfügung vom 11. Mai 2015 hielt das Rechtsamt fest, das letzte abgewinkelte in
südwestlicher Richtung verlaufende Zaunelement in der Breite von 1,88 Metern werde im
Dispositiv des angefochtenen Entscheids nicht erwähnt. Aus den Vorakten, dem
angefochtenen Entscheid und dem Schriftenverkehr im Beschwerdeverfahren vor der BVE
lasse sich nicht klar ableiten, ob das Baugesuchsverfahren hinsichtlich dieses
Zaunelements allenfalls noch hängig sei. Es werde angestrebt, diese Unklarheit mit dem
Beschwerdeentscheid zu beseitigen. In den Akten fänden sich keine Pläne, die über das
fragliche Zaunelement rechtsgenüglich Aufschluss gäben. Den Vorakten lasse sich
vielmehr entnehmen, dass die Vorinstanz die Beschwerdeführerin vergeblich zur
Einreichung der entsprechenden Pläne aufgefordert habe. Nach Art. 18 Abs. 1 BewD21
gelte das Gesuch damit als zurückgezogen und sei gemäss Art. 39 Abs. 1 VRPG22
abzuschreiben.
Die Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit, sich zur allfälligen Abschreibung des
Verfahrens hinsichtlich dieses Zaunelements zu äussern. Die Beschwerdegegner
20 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 21 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 22 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
8
erachteten dies in ihrer Stellungnahme vom 9. Juni 2015 als einzig richtige Lösung. Die
Beschwerdeführerin erklärte wie erwähnt mit Eingabe vom 15. Juni 2015, sie habe im
Baubewilligungsverfahren vermasste Pläne eingereicht; zuletzt habe sie am 31. Dezember
2014 die angepassten Detailpläne des letzten (abgewinkelten) Zaunelements eingereicht.
In den Vorakten fehlten verschiedene Unterlagen, welche die Beschwerdeführerin
eingereicht habe.
10. Das Rechtsamt bat die Vorinstanz und die Gemeinde Sigriswil, sich zu den angeblich
fehlenden Aktenstücken zu äussern und diese, soweit vorhanden, einzureichen. Mit
Stellungnahme vom 24. Juli 2015 reichte die Gemeinde Sigriswil folgende
verfahrenszugehörige Aktenstücke ein: Situationsplan mit Querprofilen und Ansichten vom
19. Juni 2014; Situationsplan vom 23. Juni 2014; drei undatierte Fotografien; Ansicht vom
26. Juni 2012. Diese Pläne und Ansichten zeigen das letzte Zaunelement und die
Torpfosten in der ursprünglichen Höhe (rund 2 Meter), soweit sie Massangaben enthalten.
Die Vorinstanz nahm mit Schreiben vom 12. August 2015 Stellung. Wie erwähnt, konnte
sie den Verbleib der vermassten Pläne, die am 31. Dezember 2014 eingereicht werden
sollten, nicht rekonstruieren. Nach ihren Angaben hat ihr für die Projektänderung (Tor und
Torpfosten nicht höher als 1,20 Meter) keine Ansicht vorgelegen. Die Vorinstanz führt
zudem aus, auch wenn der Pfosten für sich allein betrachtet baubewilligungsfrei wäre, so
sei er doch Teil einer als Ganzes baubewilligungspflichtigen Anlage. Die Vorinstanz reichte
folgende verfahrenszugehörigen Aktenstücke ein: Interner E-Mail-Verkehr der Vorinstanz
vom 10./12. August 2015; verfahrensleitende Verfügung der Vorinstanz vom 29. Juli 2014;
Eingabe der Beschwerdeführerin vom 23. Juni 2014; Situationsplan mit Querprofilen und
Ansichten vom 19. Juni 2014; Situationsplan vom 23. Juni 2014; drei undatierte
Fotografien; Stellungnahme (Schlussbemerkungen) der Gemeinde Sigriswil vom 23. Mai
2014; E-Mail-Verkehr zwischen der Vorinstanz und der Beschwerdeführerin bzw. deren
Rechtsvertreter zwischen 30. April 2013 und 9. Juli 2014; E-Mail des Bauverwalters der
Gemeinde Sigriswil vom 13. November 2013; verfahrensleitende Verfügung der Vorinstanz
vom 9. Dezember 2014; Situationsplan mit Querprofilen und Ansichten vom 19. Mai 2014.
Auch in diesen Unterlagen werden das letzte Zaunelement und die Torpfosten in der
ursprünglichen Höhe (rund 2 Meter) dargestellt, soweit sie Massangaben enthalten.
9
11. Mit Eingabe vom 12. August 2015 reichte die Beschwerdeführerin folgende
Unterlagen ein:
- Eingabe der Beschwerdeführerin vom 23. Juni 2014;
- Situationsplan mit Querprofilen und Ansichten vom 19. Juni 2014;
- Situationsplan vom 23. Juni 2014;
- Plan der Denkmalpflege des Kantons Bern (Ansicht und Profil) vom 26. Juni
2012;
- Plan der Denkmalpflege des Kantons Bern (Ansicht und Grundriss, "Variante
Abschluss Einfahrt") vom 10. Oktober 2014; es handelt sich um die Darstellung
im Massstab 1:10 eines Zaunelements von 1,82 Metern Breite, bei welchem die
Gitterstäbe des Zauns fortlaufend weniger hoch werden und an einem Pfosten in
Höhe von 1,20 Metern enden. Daneben soll gemäss Planlegende die Einfahrt
verlaufen. Es lässt sich daher schliessen, dass es sich um das streitige letzte
Zaunelement handelt, obwohl das Tor nicht eingezeichnet ist.
- Schreiben der Beschwerdeführerin vom 29. Oktober 2014.
Die Beschwerdeführerin weist darauf hin, dass diese Unterlagen teilweise in den Vorakten
fehlen. Damit sei erwiesen, dass die Akten unvollständig seien; der Sachverhalt sei
unvollständig bzw. unrichtig festgestellt und über wesentliche Teile des Baugesuchs sei
nicht entschieden worden. Die Angelegenheit sei zur Vervollständigung der Akten und zur
neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
12. Die Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit, sich zu den jeweils eingereichten
Unterlagen wechselseitig zu äussern.
Die Gemeinde Sigriswil hielt mit Eingabe vom 1. September 2015 an ihren früheren
Stellungnahmen fest; den nachgereichten Unterlagen könnten keine neuen Erkenntnisse
entnommen werden. Die Gemeinde erklärt zudem, dass bei Vorliegen von den
Anforderungen des Bewilligungsdekrets genügenden Planunterlagen (insbesondere zur
Klärung der Höhe der Postamentpfosten und damit der formellen Voraussetzungen, z.B.
Näherbaurecht des betroffenen Nachbarn) das fragliche Zaun-Teilstück durchaus
bewilligungsfähig sein könnte.
10
Die Beschwerdegegner hielten mit Stellungnahme vom 11. September 2015 an ihren
Rechtsbegehren fest. Gewisse nachgereichte Eingaben, insbesondere der Plan vom
10. Oktober 2014, seien widersprüchlich. Auch aus Letzterem sei nicht ersichtlich, ob
überhaupt und ggf. wie ein Tor errichtet werden solle. Im Übrigen fehle es an der Prüfung
des einzuhaltenden Strassenabstandes.
Die Beschwerdeführerin äusserte sich mit Eingabe vom 21. September 2015. Sie macht
geltend, sie habe sich darauf verlassen dürfen, dass die formellen Voraussetzungen für die
Baubewilligung erfüllt seien und dass der Geometerplan erst nach der Fertigstellung des
Bauvorhabens erstellt werden müsse. Die Vorinstanz habe telefonisch die Auskunft erteilt,
dass die blosse Mitteilung, das Projekt sei so abgeändert worden, dass es ohne
Näherbaurecht bewilligt werden könne, genüge. Die Sache sei antragsgemäss zu neuer
Instruktion und neuem Entscheid zurückzuweisen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG23. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG
kann er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG24 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerin ist Adressatin des angefochtenen
Entscheids, mit dem eine Teilbaubewilligung für die Stützmauer inkl. Zaun entlang der
G._strasse erteilt und eine Ausnahmebewilligung für das entsprechende
23 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 24 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
11
Unterschreiten des Strassenabstandes gewährt, das Baugesuch jedoch hinsichtlich des
Tors abgeschrieben wird. Das abgewinkelte letzte Zaunelement wird im Dispositiv des
angefochtenen Entscheids nicht erwähnt. Es fragt sich daher, ob die Beschwerdeführerin
hinsichtlich des letzten abgewinkelten Zaunelements (für das sie in ihrer Beschwerde die
Erteilung der Baubewilligung verlangt) sowie des Tors (für das sie in ihrer Beschwerde die
Feststellung der Baubewilligungsfreiheit, eventuell die Erteilung der Baubewilligung
beantragt) beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert ist.
Die Beschwerdebefugnis setzt das Vorhandensein eines schutzwürdigen Interesses an der
Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids voraus.25 Ein solches Interesse
kann nur angenommen werden, wenn der oder die Beschwerdeführende mit seinen bzw.
ihren Anträgen im vorinstanzlichen Verfahren nicht durchgedrungen ist (formelle
Beschwer).26 Ob dies hier zutrifft, erscheint fraglich. Das abgewinkelte letzte Zaunstück und
das Tor mit Postamenten werden von den Umschreibungen im Baugesuch und in der
Baupublikation nicht erfasst. Inwiefern diesbezüglich im Baugesuchsverfahren Pläne
eingereicht wurden, konnte nicht restlos geklärt werden. Damit ist zweifelhaft, ob diese
Elemente überhaupt Gegenstand des Baugesuchsverfahrens waren.
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin mit zwei Eingaben (vom 22. März 2013 sowie
vom 23. April 2013) beantragt hat, es sei für den Zaun entlang der G._strasse eine
Teilbaubewilligung zu erteilen. In der Eingabe vom 23. April 2013 präzisierte sie, das
Gesuch um eine Teilbaubewilligung beziehe sich auf den "Zaun entlang der
G._strasse bis zum Nordrand der Einfahrt zu Parz. F._". Damit ist das
letzte, in südwestlicher Richtung verlaufende Zaunelement ausdrücklich nicht erfasst. Mit
dem angefochtenen Entscheid hat die Vorinstanz diesem Begehren entsprochen. Eine
Beschwer könnte allenfalls daraus resultieren, dass die Vorinstanz in ihrem Entscheid nicht
lediglich eine Teilbaubewilligung erteilt, sondern das Verfahren hinsichtlich des Tors
abgeschrieben hat. Der Beschwerdeführerin ist zudem ein schutzwürdiges Interesse
zuzuerkennen, soweit sie die Feststellung verlangt, dass das Tor nicht bewilligungspflichtig
sei. Die Vorinstanz hat im Baubewilligungsverfahren klar zu erkennen gegeben, dass sie
das Tor auch dann als bewilligungspflichtig betrachtet, wenn es eine Höhe von 1,20 Metern
25 Art. 65 Abs. 1 Bst. c VRPG. 26 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 65 N. 5.
12
nicht übersteigt.27 Der angefochtene Entscheid geht von der Bewilligungspflicht des Tors
aus, auch wenn darüber im Dispositiv keine Feststellung getroffen wird. Nach Art. 48 Abs.
2 Bst. a BewD ist das Regierungsstatthalteramt zuständig für den Entscheid, ob ein
Bauvorhaben bewilligungspflichtig ist; entsprechende Verfügungen sind nach Art. 49 Abs. 1
BauG mit Beschwerde an die BVE anfechtbar. Insoweit ist daher auf die Beschwerde
einzutreten. Wie zu zeigen sein wird, sind die übrigen Begehren der Beschwerdeführerin
abzuweisen. Es braucht daher nicht abschliessend geklärt zu werden, inwieweit darauf
einzutreten ist.
c) Die Beschwerdeführerin beantragte in ihrer Beschwerde zunächst die Bewilligung
des letzten abgewinkelten in südwestlicher Richtung verlaufenden Zaunelements, die
Aufhebung des Abschreibungsentscheids bezüglich des Tors und die Feststellung der
Bewilligungsfreiheit des Tors, eventuell die Erteilung der Baubewilligung für das Tor. In
ihren Eingaben vom 12. August 2015 und vom 21. September 2015 beantragt sie nunmehr
die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Vervollständigung der Akten und neuer
Entscheidung. Es ist nicht klar, ob die Beschwerdeführerin damit von ihren ursprünglichen
Begehren Abstand nehmen will. Es ist nicht ersichtlich, welche zusätzlichen
Beweiserhebungen die Vorinstanz sinnvollerweise noch durchführen könnte. Die
Beschwerdeführerin und die übrigen Verfahrensbeteiligten hatten Gelegenheit, im
Beschwerdeverfahren Behauptungen und Beweise zum Ablauf des Baugesuchsverfahrens
einzubringen; diese liegen der BVE als Beschwerdeinstanz vor. Der Sachverhalt ist damit
liquid und aus einer Rückweisung an die Vorinstanz könnte nichts dazu gewonnen werden.
Letztlich kann die Frage offen bleiben. Wie zu zeigen sein wird, sind sowohl die
ursprünglichen Gestaltungs- und Feststellungsanträge als auch das
Rückweisungsbegehren abzuweisen.
2. Teilentscheid
Die Vorinstanz hat die Baubewilligung für die Stützmauer inkl. Zaun entlang der
G._strasse erteilt, das Baugesuch bezüglich des Tors jedoch abgeschrieben. Das
27 Vgl. insbesondere die Verfügung vom 27. August 2014, Vorakten, pag. 68, womit die Vorinstanz die Beschwerdeführerin zur Einreichung von Plänen für das auf 1,20 Meter reduzierte Tor auffordert.
13
Aufsplitten eines Bauvorhabens in mehrere Teile und deren separate Beurteilung ist
zulässig, soweit zwischen den fraglichen Teilen kein Koordinationsbedarf besteht.28
Mit ihrem Gesuch um Erteilung einer Teilbaubewilligung hat die Beschwerdeführerin selbst
um eine getrennte Beurteilung des Zauns entlang der G._strasse und der übrigen
Elemente des Bauvorhabens gebeten. Es sind auch keine Gründe für einen
Koordinationsbedarf ersichtlich. Die Voraussetzungen für eine Teilbaubewilligung (Art. 32c
Abs. 1 BauG) sind demnach gegeben.
Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Baubewilligung für den Zaun
entlang der G._strasse erteilt hat, ohne gleichzeitig über die Bewilligung des Tors
zu befinden. Die entsprechende Aufsplittung des Bauvorhabens war zulässig.
3. Letztes Zaunelement
a) Die Beschwerdeführerin beantragt, das letzte, abgewinkelte, in südwestlicher
Richtung verlaufende Zaunelement in der Breite von 1,88 Metern sei zu bewilligen. Zur
Begründung führt sie an, im angefochtenen Entscheid sei über dieses Zaunelement nicht
entschieden worden. Die Beschwerdeführerin habe Anspruch darauf, dass darüber
entschieden werde. Die Bewilligungsvoraussetzungen seien erfüllt.
b) Das letzte abgewinkelte in südwestlicher Richtung verlaufende Zaunelement in der
Breite von 1,88 Metern wird im Dispositiv des angefochtenen Entscheids nicht erwähnt. Ob
es Gegenstand des Baugesuchsverfahrens war, ist streitig. Damit ist unklar, ob das
Baugesuchsverfahren hinsichtlich dieses Zaunelements allenfalls noch hängig ist.
c) Im Baugesuch und in der Baupublikation ist von der "Wiederherstellung des
Metallzauns gegen G._strasse" die Rede. Aus dieser Umschreibung geht nicht
hervor, ob das fragliche Zaunelement miterfasst wird. Die Vorinstanz legte dem
angefochtenen Entscheid den Situationsplan vom 22. Juli 2011, abgestempelt am 11.
Februar 2015, zugrunde. Auf diesem ist ersichtlich, dass der Zaun im letzten Teilstück von
der G._strasse abkehren und bei der Einfahrt auf den Privatweg in das
28 Art. 32c BauG; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 32-32d N. 5a.
14
Grundstück abgeschlossen werden soll. Zu diesem Zaunstück, dem Tor und der Einfahrt
finden sich in den nachgereichten Akten Ansichten und Schnitte, welche die Torpfosten in
einer Höhe von rund 2 Metern darstellen. Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin im
Baubewilligungsverfahren darauf aufmerksam gemacht, dass dies nicht bewilligungsfähig
sei, woraufhin die Beschwerdeführerin mitteilte, das Projekt werde insofern abgeändert, als
die Torpfosten nicht mehr als 1,20 Meter hoch sein sollten. Der Beschwerdebegründung
lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin das letzte Zaunstück mit dieser
reduzierten Pfostenhöhe bewilligt haben möchte.
Gemäss den Ergebnissen des Schriftenverkehrs im Beschwerdeverfahren wurde im
Verlauf des Baugesuchsverfahrens ein Plan der Denkmalpflege des Kantons Bern vom
10. Oktober 201429 eingereicht. Dieser zeigt ein Zaunelement von 1,52 Metern Breite (ohne
Pfosten) bzw. 1,82 Metern Breite (mit Pfosten), bei welchem die Gitterstäbe des Zauns
fortlaufend weniger hoch werden und an einem Pfosten in Höhe von 1,20 Metern enden.
Mutmasslich handelt es sich um das fragliche Zaunelement. Der Plan lässt sich jedoch mit
dem Antrag der Beschwerdeführerin auf Erteilung der entsprechenden Baubewilligung
insofern nicht vereinbaren, als die Beschwerdeführerin die Bewilligung eines Zaunelements
in 1,88 Metern Breite verlangt. Weder in den Vorakten noch in den nachgereichten
Aktenstücken findet sich ein vermasster Plan, auf welchem das letzte Zaunelement in 1,88
Metern Breite und endend an einem Torpfosten von nicht mehr als 1,20 Metern Höhe
dargestellt wird. Es liegt mithin kein Plan vor, auf den sich die beantragte Bewilligung
stützen könnte. Auch den Ausführungen der Beschwerdeführerin lässt sich nicht
entnehmen, dass ein solcher Plan im vorinstanzlichen Verfahren zu den Akten gereicht
worden wäre; für das letzte Zaunelement mit reduzierter Pfostenhöhe verweist auch sie
einzig auf den Plan vom 10. Oktober 2014.
d) Gemäss Art. 14 BewD sind dem Baugesuch u.a. vermasste Projektpläne beizulegen,
die dem Verständnis des Bauvorhabens dienen. Eine Bewilligung kann nur erteilt werden,
wenn der Bewilligungsbehörde klar ist, wie das Bauvorhaben ausgestaltet werden soll. Es
ist Sache der Bauherrschaft, vollständige und widerspruchsfreie Pläne einzureichen.30
Stellt die Baubewilligungsbehörde entsprechende Mängel fest und werden diese innert der
29 Beilage 5 zur Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 12. August 2015. 30 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 34 N. 19a.
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festgesetzten angemessenen Nachfrist nicht behoben, so gilt das entsprechende Gesuch
als zurückgezogen.31
Den Vorakten lässt sich entnehmen, dass die Vorinstanz die Beschwerdeführerin
mehrmals und vergeblich zur Einreichung vermasster Pläne für das Tor und das daran
anschliessende Zaunelement aufgefordert hat. Aus dem Plan der Denkmalpflege vom 10.
Oktober 2014 wird nicht genügend ersichtlich, wo sich das fragliche Zaunstück befindet
und wie es (gegebenenfalls) an den Zaun zur G._strasse und an das Tor
anschliesst. Die Massangaben, soweit überhaupt vorhanden, widersprechen teilweise den
übrigen Plänen, so insbesondere hinsichtlich der Breite des Zaunstücks und der Breite der
Einfahrt. Gesamthaft betrachtet genügte damit der Plan vom 10. Oktober 2014 nicht für die
Erteilung einer Bewilligung für das letzte Zaunstück, was die Vorinstanz entsprechend
bemängelt hat. Nachdem eine Verbesserung innert der angesetzten Nachfrist unterblieben
war, musste das entsprechende Gesuch – sofern es überhaupt vom Bauvorhaben gemäss
Baugesuch umfasst wurde – gemäss Art. 18 Abs. 1 BewD als zurückgezogen gelten. Dem
angefochtenen Entscheid lässt sich nicht mit letzter Klarheit entnehmen, ob die
Abschreibung des Verfahrens bezüglich des Tors auch das streitige letzte Zaunstück
umfasste. Im Sinne einer Klärung der Rechtslage ist daher mit dem vorliegenden
Beschwerdeentscheid das Verfahren bezüglich des letzten Zaunstücks abzuschreiben.
Der Beschwerdeführerin bleibt es dabei unbenommen, für das Zaunstück ein neues
Baugesuch einzureichen mit Planunterlagen, die den Anforderungen gemäss
Bewilligungsdekret entsprechen. Die Gemeinde hat in ihrer Eingabe vom 1. September
2015 in Aussicht gestellt, dass das Teilstück unter gegebenen Voraussetzungen
bewilligungsfähig sein könnte.
4. Bewilligungspflicht bezüglich des Tors
a) Die Beschwerdeführerin beantragt, es sei festzustellen, dass das an das letzte
Zaunelement anschliessende Tor nicht bewilligungspflichtig sei.
31 Art. 18 Abs. 1 BewD.
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b) Die Vorinstanz stellt sich in ihrer Stellungnahme vom 12. August 2015 auf den
Standpunkt, die Torpfosten seien Teile einer baubewilligungspflichtigen Anlage. Ob sie für
sich allein betrachtet bewilligungsfrei wären, sei nicht entscheidend. Die Gemeinde
Sigriswil weist in ihrer Stellungnahme vom 2. April 2015 darauf hin, dass gemäss Art. 7
Abs. 2 BewD Bauvorhaben, die ein Baudenkmal oder dessen Umgebung betreffen, jeweils
bewilligungspflichtig sind. Die Beschwerdegegner machen in ihrer Stellungnahme vom
11. September 2015 darauf aufmerksam, dass die Einhaltung des Strassenabstands
geprüft werden müsse.
c) Gemäss Art. 1b Abs. 1 BauG sind geringfügige Bauvorhaben bewilligungsfrei.
Welche Bauvorhaben unter diese Bestimmung fallen, wird im Bewilligungsdekret näher
geregelt. Insbesondere sind nach Art. 6 Abs. 1 Bst. i BewD bis zu 1,20 Meter hohe
Einfriedungen grundsätzlich bewilligungsfrei. Betrifft allerdings ein Bauvorhaben gemäss
Art. 6 BewD ein Baudenkmal oder dessen Umgebung und ist das entsprechende
Schutzinteresse betroffen, so ist es bewilligungspflichtig (Art. 7 Abs. 2 BewD).
Auf dem Grundstück, auf dem das Tor erstellt werden soll, befindet sich ein Gebäude, das
im Bauinventar des Kantons Bern als schützenswertes K-Objekt verzeichnet ist. Im
Bewilligungsverfahren bezüglich des Zauns entlang der G._strasse hat die
Denkmalpflege des Kantons Bern mitgewirkt. Auch für das Tor hat die Denkmalpflege
Pläne erstellt. Das Tor schliesst an den nach denkmalpflegerischen Richtlinien
projektierten und bewilligten Zaun an. Es betrifft demnach die Umgebung eines
Baudenkmals und die denkmalpflegerischen Schutzinteressen werden tangiert. Daraus
resultiert gemäss Art. 7 Abs. 2 BewD die Baubewilligungspflicht für das Tor. Dies gilt
insbesondere auch für den Fall, dass das Tor nicht mehr als 1,20 Meter hoch erstellt
werden soll. Auch nachdem die Beschwerdeführerin angekündigt hatte, dass die Höhe des
Tors auf 1,20 Meter reduziert werden solle, ist demnach die Vorinstanz zu recht von der
Bewilligungspflicht des Tors ausgegangen.
5. Tor mit Torpfosten
a) Die Beschwerdeführerin verlangt die Aufhebung des angefochtenen Entscheids,
soweit das Baugesuch bezüglich des Tors abgeschrieben wird. Für das Tor sei die
Baubewilligung zu erteilen.
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b) Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid bezüglich des Tors aus, die
erforderlichen Planunterlagen fehlten weitgehend. Trotz entsprechender Aufforderung habe
die Beschwerdeführerin innert der angesetzten Frist die angeforderten Pläne nicht
eingereicht. Aufgrund der mangelhaften Unterlagen könne das Verfahren insoweit
abgeschrieben werden.
c) Im Baugesuch wie auch in der Baupublikation werden weder ein Tor noch Torpfosten
erwähnt. Unter den nachgereichten Akten findet sich ein Plan der Denkmalpflege des
Kantons Bern (Ansicht und Profil) vom 26. Juni 201232, auf dem u.a. das Tor mit Torpfosten
in Höhe von rund 2 Metern dargestellt wird. Ob und wann dieser Plan im vorinstanzlichen
Verfahren zu den Akten gereicht wurde, kann offen bleiben. Die Vorinstanz hat die
Beschwerdeführerin im Baubewilligungsverfahren darauf aufmerksam gemacht, dass die
Bewilligung des Tors mit rund 2 Meter hohen Pfosten nicht in Aussicht gestellt werden
könne, woraufhin die Beschwerdeführerin mitteilte, das Projekt werde insofern abgeändert,
als die Torpfosten nicht mehr als 1,20 Meter hoch sein sollten. Der
Beschwerdebegründung lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin das Tor mit
dieser reduzierten Pfostenhöhe bewilligt haben möchte.
Es ist aus den Akten nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht
dargetan, dass sie jemals vermasste Pläne eingereicht hat, aus denen die Ausgestaltung
des Tors mit Torpfosten in höchstens 1,20 Metern Höhe hervorgeht. Es fehlte demnach an
den gemäss Art. 14 BewD erforderlichen Projektplänen, aus denen die Bemessungen,
Grenzabstände etc. des fraglichen Teil-Bauvorhabens in nachvollziehbarer Weise
hervorgingen. Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin wiederholt zur entsprechenden
Verbesserung des Baugesuchs aufgefordert; die entsprechenden Fristen verstrichen
jedoch ungenutzt. Dies führte gemäss Art. 18 Abs. 1 und 4 BewD zur Abschreibung des
entsprechenden Teil-Baugesuchs.33 Dies ist nicht zu beanstanden. Auch im
Beschwerdeverfahren kann aus entsprechenden Gründen nicht über die Bewilligung
befunden werden.
6. Vertrauensschutz
32 Beilage 4 zur Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 12. August 2015. 33 Art. 39 Abs. 1 VRPG.
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a) Die Beschwerdeführerin führt an, die Vorinstanz habe im Baubewilligungsverfahren
auf telefonische Nachfrage hin erklärt, es genüge die Mitteilung, wonach das Projekt so
abgeändert worden sei, dass es ohne Näherbaurecht bewilligt werden könne. Zudem habe
sich die Beschwerdeführerin auf Aussagen der Vorinstanz im Verlauf des
Baubewilligungsverfahrens verlassen, wonach der Geometerplan erst nach Fertigstellung
des Projekts erstellt werden müsse.
b) Der Grundsatz von Treu und Glauben gebietet ein loyales und vertrauenswürdiges
Verhalten im Rechtsverkehr. Er verleiht Privaten einen Anspruch auf Schutz ihres
berechtigten Vertrauens in das bestimmte Erwartungen begründende Verhalten der
Behörden. Dieser Anspruch setzt zunächst voraus, dass eine Vertrauensgrundlage
besteht, also ein Verhalten eines staatlichen Organs, das bei den betroffenen Privaten
bestimmte Erwartungen auslöst. Als Vertrauensgrundlage kommen beispielsweise
Verfügungen und Entscheide oder behördliche Auskünfte in Frage. Liegt eine
Vertrauensgrundlage vor, so setzt der Anspruch auf Vertrauensschutz weiter voraus, dass
der Private von dieser Kenntnis hatte, deren Fehlerhaftigkeit aber nicht erkannte. Weiter
muss er gestützt auf sein Vertrauen eine Disposition getätigt haben, die ohne Nachteil nicht
wieder rückgängig gemacht werden kann. Schliesslich kann das Vertrauen nur geschützt
werden, falls kein überwiegendes öffentliches Interesse entgegensteht.34
c) Die Beschwerdeführerin war bereits im vorinstanzlichen Verfahren rechtlich vertreten.
Eine allfällige Auskunft, wonach ein Bauvorhaben bewilligt werden könne, ohne dass
dessen Ausgestaltung und Massangaben mit Plänen aufgezeigt werden müssen, hätte sie
ohne weiteres als unzutreffend erkennen können und müssen. Dies insbesondere zumal
die Vorinstanz die Beschwerdeführerin zur Einreichung der fraglichen Pläne aufgefordert
hat, was unbestritten ist. Entsprechend braucht nicht geprüft und erörtert zu werden, ob die
angeführte Auskunft tatsächlich in dieser Form erfolgt ist. Selbst wenn dem so wäre, läge
aufgrund der offenkundigen Fehlerhaftigkeit der Aussage und der gegenteiligen
Äusserungen der Vorinstanz im Verfahren keine Vertrauensgrundlage vor.
7. Zusammenfassung und Kosten
34 Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich/St. Gallen 2010, S. 140 ff.
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a) Nach dem oben Ausgeführten ist das an das letzte Zaunelement anschliessende Tor
baubewilligungspflichtig. Die Begehren der Beschwerdeführerin erweisen sich als
unbegründet, soweit darauf einzutreten ist. Zur Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
besteht kein Anlass; vielmehr ist der angefochtene Gesamtbauentscheid zu bestätigen.
Allerdings ist das Dispositiv insoweit zu ergänzen, als das Verfahren bezüglich des letzten,
in südwestlicher Richtung verlaufenden Zaunelements abgeschrieben wird.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Dabei ist zu beachten, dass die
Komplexität, die das Beschwerdeverfahren im Zusammenhang mit der Erhebung von in
den Vorakten fehlenden Aktenstücken erhalten hat, nicht der Beschwerdeführerin
anzulasten ist. Die Verfahrenskosten werden daher bestimmt auf eine Pauschalgebühr von
Fr. 800.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV35).
c) Gemäss Art. 108 Abs. 3 VRPG hat die unterliegende Partei der Gegenpartei die
Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen
Umstände eine andere Teilung oder die Wettschlagung gebieten oder die Auflage der
Parteikosten an das Gemeinwesen als gerechtfertigt erscheint. Grundsätzlich hat demnach
die Beschwerdeführerin den Beschwerdegegnern die Parteikosten zu ersetzen. Auch hier
ist jedoch zu beachten, dass wegen teilweise in den Vorakten fehlender Unterlagen ein
Mehraufwand entstanden ist, der nicht der Beschwerdeführerin anzulasten ist. Im
entsprechenden Umfang ist der Ersatz der Parteikosten der Vorinstanz aufzuerlegen.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV36 beträgt das Honorar in
verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro Instanz.
Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache
gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG37). Der Rechtsvertreter der Beschwerdegegner macht
Parteikosten in Höhe von gesamthaft Fr. 7'610.75 (Honorar Fr. 6'925.–, Auslagen Fr. 122.–
35 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 36 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811). 37 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11).
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, Mehrwertsteuer Fr. 563.75) geltend. Im Lichte des Gesagten ist es nicht zu beanstanden,
dass er den gebotenen Zeitaufwand als überdurchschnittlich erachtet. Hingegen sind die
Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses als unterdurchschnittlich
zu werten. Daher erscheint ein Honorar von Fr. 5'000.– als angemessen. Mit den Auslagen
von Fr. 122.– und der Mehrwertsteuer von Fr. 409.75 ergeben sich Parteikosten von
gesamthaft Fr. 5'531.75. Diese sind zu zwei Dritteln, ausmachend Fr. 3'687.85, von der
Beschwerdeführerin zu ersetzen und zu einem Drittel, ausmachend Fr. 1'843.90, von der
Vor–instanz.