Decision ID: 54c7da5d-ac10-5247-9afa-e3d95fd25a54
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch die Vormundin B._,
diese wiederum vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Studer, Studer Anwälte
AG, Hauptstrasse 11a, 8280 Kreuzlingen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons
St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
betreffend
Ergänzungsleistung zur AHV, Rechtsverweigerungsbeschwerde und
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren
Sachverhalt:
A.
A.a Für A._, welche damals in einem Kinderheim lebte und für die eine gesonderte
Anspruchsberechnung vorgenommen worden war, wurden ihrer Mutter mit Verfügung
vom 22. Juli 2004 ab 1. Mai 2004 (ordentliche und ausserordentliche)
Ergänzungsleistungen zur IV im Maximalbetrag zugesprochen.
A.b Am 21. Februar 2006 kam das Kind zu Pflegeeltern, worauf der EL-Anspruch ab
März 2006 für es als Nichtheimbewohner berechnet und herabgesetzt wurde. Es
folgten Umrechnungen für die anschliessenden Jahre (nicht in den Akten; vgl. zum
Ganzen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
11. Dezember 2012, act. 36).
A.c Nachdem die Mutter verstorben war, sprach die Sozialversicherungsanstalt/
EL-Durchführungsstelle des Kantons St. Gallen der in der Folge eine Waisenrente der
AHV beziehenden Versicherten mit Verfügung vom 6. Mai 2009 ab Februar 2009 eine
ordentliche Ergänzungsleistung zu (act. 129). Dabei berücksichtigte sie erstmals als
Mietausgaben einen Drittel des seit Juli 2008 geschuldeten Pflegegeldes (bzw.
Kostgeldes; gemäss der damaligen Rz 3022 der vom Bundesamt für
Sozialversicherungen herausgegebenen Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur
AHV und IV = WEL; Fr. 5'699.--) und keine "Mehrkosten bei Aufenthalt bei Dritten"
mehr. Ab Januar 2011 betrug der EL-Anspruch monatlich Fr. 456.-- (gemäss
Berechnung vom 29. Dezember 2010, act. 103; IPV Fr. 960.--; Lebensbedarf
Fr. 9'945.--; Mietzins Fr. 5'699.--; AHV-Waisenrente Fr. 11'136.--).
A.d Nach einem Anpassungsgesuch des (seit dem 4. Dezember 2007 eingesetzten,
damaligen) Vormunds vom 6. Mai 2011 (act. 96) erhöhte die EL-Durchführungsstelle
den EL-Anspruch mit Verfügung vom 9. Juni 2011 (act. 94) ab 1. Mai 2011 auf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
monatlich Fr. 572.--. Anstelle des bisherigen Mietzinses von Fr. 5'699.-- wurden neu
Fr. 7'092.-- pro Jahr berücksichtigt. Das entsprach einem Drittel des ab Mai 2011
geschuldeten Pflegegeldes von pro Monat Fr. 1'773.91 (gerundet Fr. 591.--; 12x).
Gegen diese Verfügung liess die EL-Bezügerin am 30. Juni 2011 Einsprache erheben
(act. 89) und hielt daran nach Androhung einer reformatio in peius am 12. Oktober 2011
(act. 80, gemäss welchem als jährlicher Mietzins statt Fr. 7'092.-- nur die Kosten für
das Wohnen - Wohnen/Energie und Einrichtung/laufende Haushaltskosten - nach den
ab 1. Januar 2010 gültigen Pflegegeld-Richtlinien des Kantons St. Gallen für ein Kind in
Dauerpflege im Alter zwischen sieben und vierzehn Jahren von Fr. 338.-- pro Monat
bzw. Fr. 4'056.-- pro Jahr hätten berücksichtigt werden dürfen) fest (act. 79). Daraufhin
wies die Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle die Einsprache mit
Entscheid vom 4. November 2011 (act. 78) ab und legte die Ergänzungsleistung für die
Zeit ab Mai 2011 auf monatlich Fr. 319.-- fest (Berechnung act. 77; Fr. 4'056.--).
Dagegen erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am 7. Dezember 2011
Beschwerde (act. 69-2 ff.; EL 2011/31).
A.e Nach einer Umrechnung für die Zeit ab dem 1. Januar 2012 belief sich der
monatliche EL-Anspruch gemäss einer Verfügung vom 28. Dezember 2011 (act. 66 f.)
auf Fr. 574.-- ("Mietzins" statt Fr. 4'056.-- nun wieder Fr. 7'092.--; wohl aufschiebende
Wirkung des Beschwerdeverfahrens; Fr. 2.-- Differenz ist IPV). - Inzwischen hatte die
Sozialversicherungsanstalt am 1. Juli 2011 (act. 93) eine periodische Revision
eingeleitet. Sie setzte den EL-Anspruch in deren Folge mit Verfügung vom 16. Januar
2012 (act. 61 f.) und Wirkung ab 1. Februar 2012 auf Fr. 497.-- herab. Neu angerechnet
wurden ein Vermögensverzehr und ein Vermögensertrag (vgl. Angaben der
Amtsvormundschaft vom 8. Juli 2011, act. 83). Zu den Pflegekosten wurde angemerkt,
diese könnten nicht angepasst werden, solange kein Beschwerdeentscheid vorliege.
A.f Gegen diese beiden Verfügungen erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am
26. Januar 2012 (act. 50) vorsorglich Einsprache und beantragte, es sei eine jährliche
Ergänzungsleistung unter Berücksichtigung sämtlicher Kosten des Aufenthalts in der
Pflegefamilie zuzusprechen, ausserdem sei die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
und Prozessführung zu bewilligen. Die Verfügungen seien mit der gleichen Begründung
aufzuheben, wie sie im Beschwerdeverfahren (EL 2011/31) geltend gemacht worden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sei. Ausserdem würden ab Januar 2012 für fremdplatzierte Waisenkinder
Aufenthaltskosten von Fr. 270.-- pro Tag angerechnet.
A.g Mit Verfügung vom 10. Februar 2012 (act. 52 f.) kam die
Sozialversicherungsanstalt - die Verfügung vom 16. Januar 2012 ersetzend - auf die
Festsetzung des EL-Anspruchs ab 1. Februar 2012 zurück und rechnete ein etwas
tieferes Vermögen und entsprechenden Vermögensertrag an.
A.h Auch gegen diese Verfügung erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am
16. Februar 2012 (act. 47) vorsorglich im selben Sinn Einsprache.
A.i Beide Einspracheverfahren wurden antragsgemäss sistiert (act. 49 und 46).
A.j Mit Entscheid vom 11. Dezember 2012 (act. 36) hob das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen, soweit es auf die Streitsache eintrat, den Einspracheentscheid vom
4. November 2011 auf und wies die Sache zur Neuberechnung des EL-Anspruchs ab
1. Mai 2011 an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen zurück. In einem
Heim nach Art. 25a Abs. 1 ELV lebe die Versicherte nicht. Indessen sei die Bestimmung
gesetzwidrig und sei eine Pflegefamilie mit behördlicher Bewilligung von Bundesrechts
wegen als heimähnliche Institution zu betrachten, weshalb die Versicherte als
Heimbewohnerin zu betrachten sei. - Auf Beschwerde hin hob das Bundesgericht mit
Urteil vom 26. Juni 2013 (9C_20/13; act. 19) diesen Entscheid auf und bestätigte den
Einspracheentscheid vom 4. November 2011.
A.k Am 20. November 2012 hatte die kommunale Vormundschaftsbehörde eine
andere Person zum Vormund nach Art. 368 ZGB in der damaligen, noch bis
31. Dezember 2012 geltenden Fassung ernannt (act. 39). Es handelte sich um eine
Berufsbeiständin des Kindes- und Erwachsenenschutzes (KES) der Region C._. Am
1. Januar 2013 waren mit der Ziff. I 2. des Bundesgesetzes vom 19. Dezember 2008
die neuen Art. 327a ff. ZGB in Kraft getreten. Der Kanton St. Gallen hatte am 24. April
2012 das Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über das Kindes- und
Erwachsenenschutzrecht (sGS 912.5) erlassen.
A.l Nach Aufhebung der Sistierung verfügte die Sozialversicherungsanstalt am 17. Juli
2013 (act. 11 bis 16) über den EL-Anspruch der Versicherten ab 1. Mai 2011 neu und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
errechnete eine Rückforderung von für die Zeit vom 1. Mai 2011 bis 31. Juli 2013 zu
viel ausgerichteten (ordentlichen) Ergänzungsleistungen von Fr. 6'831.--. Den nun
korrigierten Anspruch ab 1. Januar 2013 hatte sie im Übrigen zuvor am 8. Februar 2013
festgesetzt gehabt (vgl. act. 26, vgl. auch act. 29).
A.m Der Rechtsvertreter der Versicherten wies am 22. Juli 2013 (act. 8) in den
Einspracheverfahren gegen die Verfügungen vom 28. Dezember 2011 sowie vom
10. Februar 2012 (welche die Verfügung vom 16. Januar 2012 ersetzt hatte) darauf hin,
dass die kantonalen Regelungen gemäss dem Bundesgericht zu korrigieren seien,
wenn sie nicht gewährleisteten, dass im Einzelfall der Anspruch auf Existenzdeckung in
einer Pflegefamilie gewahrt bleibe. Der Kanton habe zu handeln und die
Sozialversicherungsanstalt als kantonale Stelle habe in diesem Einzelfall bei der
entsprechenden Stelle eine sofortige Anpassung zu veranlassen, damit die Versicherte
möglichst rasch durch Ergänzungsleistungen existenzsichernd abgesichert sei.
Ausserdem sei die Gleichstellung der Pflegefamilie der Versicherten mit einem Heim
nach Art. 25a ELV durch den Kanton St. Gallen zu prüfen, zu welcher kantonalen Frage
sich das Bundesgericht nicht geäussert habe. Ferner werde die Prüfung bzw.
Gewährleistung einer die Existenz deckenden Krankheits- und
Behinderungskostenvergütung beantragt.
A.n Am 22. Juli 2013 erhob der Rechtsvertreter auch Einsprache gegen die Verfügung
vom 17. Juli 2013 (act. 6) und beantragte deren Aufhebung und Zusprechung
existenzdeckender Ergänzungsleistungen ab 1. Mai 2011, sei es durch eine beim
Kanton zu veranlassende Anpassung der kantonalen Regelungen und/oder durch eine
Gleichstellung der Pflegefamilie mit einem Heim und/oder durch Krankheits- und
Behinderungskostenvergütung.
A.o Mit Entscheid vom 19. August 2013 (act. 5) wies die Sozialversicherungsanstalt die
drei Einsprachen ab, soweit sie darauf eintrat. Auch das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren wies sie ab. Aufgrund der
bundesgerichtlichen Bestätigung des Einspracheentscheids vom 4. November 2011
stehe fest, dass der EL-Anspruch der Versicherten vom 1. Mai bis 31. Dezember 2011
monatlich Fr. 319.-- ausmache. Die Versicherte sei als zu Hause lebende Person zu
betrachten. Für das Bundesgericht habe aufgrund des vorinstanzlichen Entscheids
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
festgestanden, dass die betroffene Pflegefamilie weder vom Kanton als Heim
anerkannt sei noch über eine kantonale Bewilligung als Pflegefamilie verfüge und dass
die Versicherte daher nicht in einem Heim nach Art. 25a Abs. 1 ELV lebe. Auf den
Antrag, bei der entsprechenden kantonalen Stelle eine Anpassung zu veranlassen, sei
nicht einzutreten, da er nicht im direkten Zusammenhang mit dem durch die
angefochtenen Verfügungen definierten Streitgegenstand stehe. Dasselbe gelte für den
Antrag, existenzdeckende Ergänzungsleistungen im Rahmen der Krankheits- und
Behinderungskosten zu prüfen. Deren Vergütung erfolge praxisgemäss ausserhalb der
Berechnung der jährlichen bundesrechtlichen Ergänzungsleistung. Ein Anspruch auf
unentgeltliche Rechtsverbeiständung bestehe nicht, denn es sei trotz des Unterliegens
vor Bundesgericht an den vorsorglich erhobenen Einsprachen festgehalten worden. Die
gestellten Rechtsbegehren seien als aussichtslos zu bezeichnen.
B.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Dieter
Studer für die Betroffene am 19. September 2013 erhobene Beschwerde. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt, der angefochtene
Einspracheentscheid sei aufzuheben und ihre Pflegefamilie sei kraft ihrer behördlichen
Bewilligung mit einem Heim gleichzustellen und die jährliche Ergänzungsleistung in
Anwendung einer Heimberechnung zuzusprechen. Im Fall der Verneinung einer
Heimberechnung sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, die ungedeckten Kosten in
der Pflegefamilie unverzüglich im Rahmen von Krankheits- und Behinderungskosten
abzuklären und eine Verfügung zu erlassen. Es sei durch das Gericht festzustellen,
dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf Vergütung der bei Nichtanwendung einer
Heimberechnung nicht gedeckten Kosten in der Pflegefamilie im Rahmen von
Krankheits- und Behinderungskosten besitze. Der Beschwerdeführerin sei im
vorinstanzlichen Verfahren die unentgeltliche Rechtsverbeiständung und im
Beschwerdeverfahren diese und die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Das
Bundesgericht habe die Lückenfüllung in der Existenzsicherung und implizit die
Gleichstellung einer Pflegefamilie mit einem Heim im Einzelfall in die Kompetenz der
Verwaltung verwiesen. Erwin Carigiet/Uwe Koch würden (in: Ergänzungsleistungen zur
AHV/IV, 2. A. 2009, 189) ausführen, für die Vornahme einer Heimberechnung müsse die
entsprechende Einrichtung entweder im Besitz einer kantonalen Bewilligung als Heim
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
oder im Besitz einer der Heimbewilligung gleichgestellten Bewilligung sein. Alle Alters-
und Pflegeheime, Wohnheime für Behinderte, Sozialhilfeeinrichtungen, Schulheime,
Jugendheime sowie Pflegefamilien mit Bewilligung der Vormundschaftsbehörde
würden danach als Heim gelten. Analog sei das auch in einem Urteil vom
17. November 2010 des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau (TVR 2010, 31)
festgehalten worden. Die Pflegefamilie der Beschwerdeführerin besitze eine
Bewilligung der Vormundschaftsbehörde, vormals der Vormundschaftsbehörde D._
und derzeit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) der Region C._. Die
Beschwerdegegnerin könne somit die Pflegefamilie der Beschwerdeführerin im
Einzelfall mit einem Heim gleichstellen und eine Heimberechnung vornehmen. Sollte sie
dazu nicht befugt sein, hätte sie das Nötige an entsprechender Stelle zu veranlassen
oder die Beschwerdeführerin im Sinn der Aufklärungs- und Beratungspflicht nach
Art. 27 ATSG über die Gleichstellungsmöglichkeit und das Verfahren der
Geltendmachung rechtzeitig und rechtsgenüglich orientieren müssen. Da eine solche
Orientierung bis anhin nicht stattgefunden habe, hätte die Beschwerdegegnerin einen
allfälligen Schaden hieraus, namentlich den Ausgleich der deswegen erlittenen
Unterdeckung, zu tragen. Das Bundesgericht habe dargelegt, es werde nicht in Kauf
genommen, dass kantonale Regelungen toleriert würden, mit denen der Anspruch auf
Existenzdeckung unterschritten werde. Es sei danach auch keineswegs
ausgeschlossen, dass sich eine Pflegefamilie als Heim vom Kanton anerkennen lassen
könne. Zeige sich im Einzelfall, dass dieser Anspruch durch die bestehenden
kantonalen Regelungen nicht gewährleistet würde, seien diese entsprechend zu
korrigieren. Das Bundesgericht habe somit eine Unterdeckung weder generell noch für
anhaltende Zeit im vorliegenden Einzelfall gebilligt. Die Beschwerdegegnerin als
staatliches Verwaltungsorgan habe unverzüglich zu handeln, denn es zeige sich im
vorliegenden Einzelfall, dass der Anspruch auf Existenzdeckung durch die bestehenden
kantonalen Regelungen nicht gewährleistet sei. Da die Pflegefamilie eine
vormundschaftliche Bewilligung besitze, stehe es in der Macht und Verantwortlichkeit
der Beschwerdegegnerin, die Gleichstellung mit einem Heim im Einzelfall vorzunehmen
oder zu veranlassen. In der selben Verantwortlichkeit hätte die Beschwerdegegnerin
vor Erlass der Verfügungen bzw. des angefochtenen Einspracheentscheids die
Vergütung der ungedeckten Kosten im Rahmen der Krankheits- und
Behinderungskosten abzuklären und vor oder spätestens mit dem angefochtenen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entscheid rechtsmittelfähig zu entscheiden gehabt, was bereits mehrfach beantragt
worden sei ("Beschwerde vom 7.12.2011, Beschwerdeantwort vom 11.02.2013,
Stellungnahme vom 11.02.2013"). Das Bundesgericht habe sich dazu nicht geäussert,
so dass die Beschwerdegegnerin darüber hätte entscheiden müssen. Da die
Beschwerdegegnerin diesbezüglich bis anhin untätig geblieben sei, dränge es sich auf,
dass das Gericht im Fall einer Nichtanwendung der Heimberechnung im Rahmen der
Gleichstellung den Anspruch auf Vergütung der nicht gedeckten Kosten der
Pflegefamilie als Krankheits- und Behinderungskosten feststelle und die
Beschwerdegegnerin zur Abklärung und Verfügung verpflichte. Der Anspruch auf
unentgeltliche Verbeiständung sei ausgewiesen. Grundsätzlich sei im
Einspracheverfahren von der Erforderlichkeit einer Vertretung auszugehen. Die Anträge
seien begründet und nicht aussichtslos. Die Beschwerdegegnerin habe nie bestritten,
dass die Beschwerdeführerin anhaltend eine beträchtliche Lücke bei der Deckung des
Existenzbedarfs erleide. Das Bundesgericht habe festgehalten, dass eine solche Lücke
nur vorübergehend durch Sozialhilfe zu überbrücken sei. Diese Grenze sei hier
aktenkundig deutlich überschritten. Dennoch mache die Beschwerdegegnerin keine
Anstalten, sie endlich zu schliessen.
C.
Am 24. September 2013 hat die Verfahrensleitung dem Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Rechtsverbeiständung) im Beschwerdeverfahren
entsprochen.
D.
Die Beschwerdegegnerin hat am 11. Oktober 2013 die Abweisung der Beschwerde
beantragt.

Erwägungen:
1.
1.1 Auf die Streitsache ist (teilweise, unten E. 4.1) einzutreten; der Rechtsvertreter ist
durch die Vormundin der Beschwerdeführerin bevollmächtigt worden und die Kindes-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und Erwachsenenschutzbehörde hat der Vormundin die Zustimmung zur
Prozessführung (vgl. Art. 416 Abs. 1 Ziff. 9 und Art. 327c Abs. 2 ZGB in der Fassung ab
1. Januar 2013) erteilt.
1.2 Mit dem angefochtenen Einspracheentscheid hat die Beschwerdegegnerin die
Einsprachen vom 26. Januar 2012, vom 16. Februar 2012 und vom 22. Juli 2013
abgewiesen, soweit sie darauf eintrat. Die Einsprachen richteten sich gegen ihre
Verfügungen vom 28. Dezember 2011 (im Betreff des Einspracheentscheids nicht
bezeichnet), vom 16. Januar 2012 und (diese ersetzend) vom 10. Februar 2012 sowie
vom 17. Juli 2013. - Die Verfügungen vom 28. Dezember 2011 und vom 10. Februar
2012 nahmen einstweilen Anpassungen an Veränderungen des Sachverhalts vor,
welche nach der Verfügung vom 9. Juni 2011 bzw. dem Einspracheentscheid vom
4. November 2011 eingetreten sind und mit der damals hängigen Streitsache
betreffend Heimberechnung bzw. Mietzins nichts zu tun hatten; sie berücksichtigten
nämlich eine Erhöhung der IPV um Fr. 2.-- pro Monat ab Januar 2012 und einen
Zufluss ins Vermögen ab Februar 2012. Die im damals hängigen Beschwerdeverfahren
EL 2011/31 strittige Anordnung (Anpassung an angestiegenes Pflegegeld ex nunc und
aufgrund einer zusätzlichen Wiedererwägungsbegründung Herabsetzung der als
Mietzins angerechneten Kosten auf allein die Kosten für das Wohnen nach den
kantonalen Pflegegeld-Richtlinien) dagegen ist in diesen Verfügungen unverändert
eingesetzt worden (im Sinn der Verfügung vom 9. Juni 2011, Fr. 7'092.-- Mietzins; die
Kürzung des "Mietzinses" durch reformatio im Einspracheentscheid auf Fr. 4'056.--
wurde in Wahrung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ausser Acht
gelassen). Diese Anordnung bildete somit nicht deren Verfügungsgegenstand. Die
Einsprachen vom 26. Januar 2012 und vom 16. Februar 2012 wurden denn auch
lediglich vorsorglich erhoben, um eine Korrektur der Verfügungen entsprechend dem
Ausgang des Prozesses zu sichern. Verfügungsgegenstände bildeten wie erwähnt
einzig die Änderungen von IPV und Vermögen. - Mit der Verfügung vom 17. Juli 2013
dann kam die Beschwerdegegnerin auf den EL-Anspruch mit Wirkung ab 1. Mai 2011
zurück, indem sie den Mietzins gemäss Einspracheentscheid vom 4. November 2011
von Fr. 4'056.-- berücksichtigte, und setzte den EL-Anspruch für die gesamte Zeit (bis
einschliesslich des Anspruchs ab August 2013) mit der Folge einer Rückforderung neu
fest. - Nicht eingetreten ist die Beschwerdegegnerin mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid vom 19. August 2013 auf die Anträge, bei der zuständigen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
kantonalen Stelle eine Anpassung (der Rechtslage) zu veranlassen und die Übernahme
der Kosten als Krankheits- und Behinderungskosten zu prüfen (letzteres mangels
Anfechtungsgegenstands). - Schliesslich hat die Beschwerdegegnerin mit dem
angefochtenen Entscheid einen Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Einspracheverfahren abgelehnt.
2.
Gemäss Art. 2 Abs. 1 ELG gewähren der Bund und die Kantone Personen, welche die
Voraussetzungen nach den Art. 4 bis 6 erfüllen, Ergänzungsleistungen zur Deckung
ihres Existenzbedarfs. Personen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der
Schweiz haben nach Art. 4 Abs. 1 ELG Anspruch auf Ergänzungsleistungen, wenn sie
eine der Voraussetzungen von lit. a bis d erfüllen, also wie die Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine Rente der AHV haben (lit. a). Die Ergänzungsleistungen bestehen
nach Art. 3 Abs. 1 ELG aus der jährlichen Ergänzungsleistung (lit. a) und der Vergütung
von Krankheits- und Behinderungskosten (lit. b). Die jährliche Ergänzungsleistung
entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren
Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG). Bei Personen, die dauernd oder längere
Zeit in einem Heim oder Spital leben (in Heimen oder Spitälern lebende Personen), wird
nach Art. 10 Abs. 2 ELG als Ausgabe nebst einem vom Kanton zu bestimmenden
Betrag für persönliche Auslagen (lit. b) die Tagestaxe anerkannt; die Kantone können
die Kosten begrenzen, die wegen des Aufenthaltes in einem Heim oder Spital
berücksichtigt werden; sie sorgen dafür, dass durch den Aufenthalt in einem
anerkannten Pflegeheim in der Regel keine Sozialhilfe-Abhängigkeit begründet wird
(lit. a). - Nach Art. 9 Abs. 5 lit. h ELG bestimmt der Bundesrat die Definition des
Heimes. Art. 25a Abs. 1 ELV bestimmt, dass als Heim jede Einrichtung gilt, die von
einem Kanton als Heim anerkannt wird oder über eine kantonale Betriebsbewilligung
verfügt.
3.
3.1 Gegen die Abweisung der Einsprachen gegen die Verfügungen (vom
28. Dezember 2011 und vom 10. Februar 2011) betreffend Änderung von IPV und
Vermögen wurde nichts eingewendet.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2 Die Beschwerdeführerin lässt wie erwähnt beantragen, die Pflegefamilie, bei
welcher sie lebt, sei kraft ihrer behördlichen Bewilligung mit einem Heim gleichzustellen
und es sei ihr eine jährliche Ergänzungsleistung in Anwendung einer Heimberechnung
zuzusprechen.
3.3 Mit dem angefochtenen Entscheid wurde die Anordnung der Verfügung vom
17. Juli 2013 übernommen (d.h. die Einsprache dagegen wurde abgewiesen). Diese
Verfügung vollzog (zunächst für den Sachverhalt bis zum 4. November 2011) das
Ergebnis des bundesgerichtlichen Urteils vom 26. Juni 2013 und bildete die
zwischenzeitlich (für die Zeit ab Januar 2012 und ab Februar 2012) verfügten
Anpassungen wieder ab. Das Bundesgericht hat (in jenem Entscheid 9C_20/13) den in
peius reformierenden Einspracheentscheid vom 4. November 2011 (betreffend den EL-
Anspruch der Beschwerdeführerin ab 1. Mai 2011) bestätigt. Es hat dabei festgehalten,
aufgrund der (vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen als seiner Vorinstanz
festgestellten) im massgebenden Zeitpunkt (vom 4. November 2011) bestehenden
kantonalen Rechtslage sei die Ergänzungsleistung der Beschwerdeführerin nicht nach
dem Modus für Heimbewohner zu berechnen. Die Pflegefamilie, bei der sie wohne, sei
vom Kanton nicht als Heim anerkannt, und sie habe auch nicht über eine kantonale
Betriebsbewilligung als Heim verfügt (wie es Art. 25a ELV voraussetze). Angesichts
dieser bundesgerichtlichen Entscheidung zum Berechnungsmodus, welche bis zu einer
Änderung in der Sach- oder Rechtslage Geltung beansprucht, kann dem
Beschwerdeantrag diesbezüglich nicht gefolgt werden.
3.4 Während bis zum 31. Dezember 2012 gemäss der damals in Kraft gewesenen
Pflegekinderverordnung (erlassen für die Bereiche der Familien- und der Tagespflege
im Sinn der PAVO) die (kommunale) Vormundschaftsbehörde für Bewilligung und
unmittelbare Aufsicht der Familienpflege zuständig war, hat die Regierung des Kantons
St. Gallen auf den 1. Januar 2013 hin aber nun die Verordnung über die Aufnahme von
Pflege- und Tagespflegekindern vom 4. Dezember 2012 (PKV, sGS 912.3) erlassen.
Nach deren Art. 2 bedürfen Pflegeeltern einer Eignungsbescheinigung, wenn sie sich
für eine bewilligungspflichtige Aufnahme von Pflegekindern zur Verfügung stellen. Die
Eignung wird, sofern die Voraussetzungen (Art. 3 PKV) erfüllt sind, durch das Amt für
Soziales bescheinigt (Art. 4 PKV). Das Amt führt ein Verzeichnis der Pflegefamilien mit
Eignungsbescheinigung (Art. 5 PKV). Die Aufnahme eines Kindes in Familienpflege
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erfolgt aufgrund des Platzierungsentscheids der zuweisenden Behörde oder der
Inhaber der elterlichen Sorge und gilt als bewilligt, wenn das Amt für Soziales sie innert
10 Tagen nach erfolgter Mitteilung nicht untersagt (Art. 7 PKV). Schliesslich stehen die
bewilligten Pflegeverhältnisse unter Aufsicht des Amtes für Soziales (Art. 8 PKV). Für
die Entschädigung der Pflegeeltern erlässt das Departement des Innern Richtlinien
(Art. 16 PKV). Gemäss der Übergangsbestimmung von Art. 24 Abs. 1 PKV behalten die
bei Vollzugsbeginn des Erlasses bewilligten Pflegeverhältnisse ihre Gültigkeit. Durch
die Schlussbestimmungen der PKV (Art. 20) wurde die Verordnung über die nach
Ergänzungsleistungsgesetz anrechenbare Tagespauschale vom 4. Dezember 2007
(sGS 351.52) geändert. Nach dem dort neu eingefügten Art. 1b Abs. 1 beträgt die
anrechenbare Tagespauschale bei Aufenthalt von Waisen in bewilligten Pflegefamilien
höchstens Fr. 145.--. Daraus ist zu schliessen, dass nach der Rechtslage im Kanton
St. Gallen seit dem 1. Januar 2013 die Ergänzungsleistungen bei entsprechenden
Aufenthalten in Pflegefamilien mit Eignungsbescheinigung nach der Art für
Heimbewohner (Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG) zu berechnen ist. Die davor bestehende
Regelungslücke wurde geschlossen (vgl. Bericht und Entwurf des Departementes des
Innern des Kantons St. Gallen vom 26. November 2012 zur PKV, S. 21).
3.5 Der EL-Anspruch der Beschwerdeführerin wurde mit einer Verfügung vom 17. Juli
2013 bzw. mit dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 19. August 2013 geregelt
und der Streitgegenstand, der namentlich in der Frage der Berücksichtigung der
Kosten des Aufenthalts bei der Pflegefamilie liegt (Mietkosten oder Tagestaxe),
beschlägt daher den Sachverhalt und die Rechtslage bis zu diesem Zeitpunkt. Da ab
1. Januar 2013 die oben dargelegte Rechtsänderung eingetreten ist, welche diesen
Streitgegenstand der jährlichen Ergänzungsleistung nach Art. 3 Abs. 1 lit. a ELG
betrifft, hätte die Beschwerdegegnerin bei Erlass der Verfügung vom 17. Juli 2013 (und
entsprechend des angefochtenen Einspracheentscheids) dieser Änderung ab 1. Januar
2013 Rechnung tragen müssen. Insofern sie dies unterlassen hat, ist der angefochtene
Einspracheentscheid vom 19. August 2013 unzutreffend, womit sich auch die
Rückforderung (zumindest) in der bis anhin festgesetzten Höhe als rechtswidrig
erweist.
3.6 Die Beschwerdegegnerin wird die Folgen dieser Änderung der Rechtslage zu
berücksichtigen und die hierzu erforderlichen Abklärungen zu treffen haben. Im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Hinblick auf die Festsetzung der konkret anrechenbaren Tagespauschale wird sie
namentlich abzuklären haben, welche Kosten der Beschwerdeführerin beim Aufenthalt
in der Pflegefamilie ab dem 1. Januar 2013 erwachsen. Die Tagestaxe hat - wie auch
sonst üblich (vgl. Bundesgerichtsentscheid i/S B. vom 20. April 2012, 9C_787/11;
Rz 3320.01 der vom Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebenen
Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, WEL, in der seit 1. April
2011 gültigen Fassung) - grundsätzlich alle regelmässig anfallenden Kosten bei
Aufenthalt in der Pflegefamilie zu enthalten. Namentlich handelt es sich um das
Pflegegeld. Dieses richtet sich nach dem Pflegevertrag (hier act. 96) bzw. den auf der
Grundlage von Art. 3 Abs. 2 lit. b PAVO und von Art. 3 PKV (bzw. Art. 16 PKV) vom
Kanton St. Gallen erlassenen Pflegegeld-Richtlinien, liegt also nicht im freien Ermessen
der Pflegeeltern. Der Betrag von Fr. 145.-- (gemäss der oben genannten EL-
Verordnung) stellt lediglich den Maximalwert der anrechenbaren Tagespauschale dar. -
Kosten für Bekleidung, Toilettenartikel, Taschengeld und weitere Ausgaben sind im
Übrigen aus dem Betrag für persönliche Auslagen (gemäss Art. 10 Abs. 2 lit. b ELG) zu
begleichen.
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin lässt für den Fall der Verneinung einer Heimberechnung,
nach dem Dargelegten also für die Zeit bis 31. Dezember 2012, beantragen, die
Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, die ungedeckten Kosten in der Pflegefamilie
unverzüglich im Rahmen von Krankheits- und Behinderungskosten abzuklären und
über sie zu verfügen. Insofern darin eine Rechtsverweigerungs- bzw.
verzögerungsbeschwerde (nach Art. 56 Abs. 2 ATSG kann Beschwerde erhoben
werden, wenn der Versicherungsträger entgegen dem Begehren der betroffenen
Person keine Verfügung oder keinen Einspracheentscheid erlässt) zu sehen ist, muss
diese Beschwerde formell gesehen deshalb abgewiesen werden, weil die
Beschwerdegegnerin den Erlass einer solchen Verfügung nicht abgelehnt hat und
einem Sozialversicherungsträger für eine Anspruchsabklärung eine gewisse Frist
zuzubilligen ist, wobei bis anhin noch diese Beschwerde hängig war, in welcher sich
die Beschwerdeführerin hauptsächlich auf den Standpunkt stellte, es sei eine
Heimberechnung am Platz. Auf den Antrag auf Vergütung von Krankheits- und
Behinderungskosten vom 22. Juli 2013 ist die Beschwerdegegnerin mit dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
angefochtenen Einspracheentscheid mangels Anfechtungsgegenstands und unter
Hinweis auf ihre Praxis, über solche Kosten nach ELKV/SG separat zu verfügen, nicht
eingetreten. Insofern sich der Beschwerdeantrag gegen dieses Nichteintreten im
angefochtenen Einspracheentscheid richtet, ist er formell gesehen abzuweisen, da der
Beschwerdegegnerin eine Trennung der Gegenstände in separate Verfügungen nicht
verwehrt werden kann (so der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen i/S G. vom 22. August 2002, EL 2000/126) und das Nichteintreten daher
nicht zu beanstanden ist. Auf den Antrag auf eine gerichtliche Feststellung eines
Anspruchs auf Krankheits- und Behinderungskosten (bei Eintritt des Eventualfalls) kann
mangels Anfechtungsgegenstands nicht eingetreten werden. Im Übrigen bestünde
auch das für eine Feststellung geforderte schützenswerte Interesse nicht, da das
Interesse in solchen Fällen durch einen rechtsgestaltenden Entscheid gewahrt werden
kann (BGE 130 V 388 E. 2.4), womit auf den Antrag auch unter diesem Aspekt nicht
einzutreten wäre.
4.2 Vorliegend kann allerdings darauf hingewiesen werden, dass das Dringen auf
Erlass einer Verfügung über Krankheits- und Behinderungskosten in diesem
Zusammenhang aussichtslos erscheint. Denn das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen hatte im Entscheid EL 2011/31 über die Beschwerde vom 7. Dezember 2011
betreffend die jährliche EL unter anderem erwogen, dass man regelmässig anfallende
Kosten für einen risikobedingten, dauernden stationären Aufenthalt bei Dritten gerade
nicht bei der Normierung der Krankheits- und Behinderungskosten vor Augen gehabt,
sondern angenommen habe, sie fielen unter den Heimaufenthalt. Könnten sie (weil die
Einrichtungen vom Heimbegriff ausgeschlossen seien, was das Gericht verneinte) nicht
als Heimkosten behandelt werden, so blieben sie ungedeckt. Das Bundesgericht hat
diesen Entscheid aufgehoben und unter anderem festgehalten, eine Lücke wäre
vorübergehend durch Sozialhilfeleistungen zu überbrücken; von einer Deckung durch
Krankheits- und Behinderungskosten ist es demnach nicht ausgegangen (vgl.
Entscheid 9C_20/13).
5.
5.1 Im Weiteren ist der im angefochtenen Entscheid abgelehnte Anspruch der
Beschwerdeführerin auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren
strittig.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.2 Wo die Verhältnisse es erfordern, wird der gesuchstellenden Person nach Art. 37
Abs. 4 ATSG (eingeordnet unter dem Titel "Sozialversicherungsverfahren", geltend also
für das ganze Verwaltungsverfahren, vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A. 2009,
N 20 zu Art. 37) ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. Vorausgesetzt ist, dass
die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, dass ihr Rechtsbegehren nicht
aussichtslos erscheint und dass die Verbeiständung zur Wahrung ihrer Rechte konkret
notwendig ist (vgl. BGE 132 V 200 E. 4.1).
5.3 Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung der Beschwerdeführerin im Einspracheverfahren wegen
Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren abgelehnt. Zwar trifft zu, dass die Anträge der
Beschwerdeführerin, soweit sie sich gegen die vom Bundesgericht letztinstanzlich
beurteilten Anordnungen und auf die Krankheits- und Behinderungskosten, die nicht
Verfügungsgegenstand bildeten, gerichtet hatten, als aussichtslos bezeichnet werden
müssen. Im Übrigen kann indessen, wie sich aus dem oben Dargelegten ergibt, nicht
von Aussichtslosigkeit des Rechtsstreits ausgegangen werden.
5.4 An die sachliche Gebotenheit der Verbeiständung ist im Zusammenhang mit
Art. 37 Abs. 4 ATSG rechtsprechungsgemäss ein strenger Massstab anzulegen (vgl.
Bundesgerichtsentscheid i/S C. vom 28. Juni 2012, 8C_438/12). Die Notwendigkeit
einer anwaltlichen Vertretung ist mit Blick darauf, dass der Untersuchungsgrundsatz
(Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG) gilt, die Versicherungsträger und Durchführungsorgane
der einzelnen Sozialversicherungen also den rechtserheblichen Sachverhalt unter
Mitwirkung der Parteien nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität,
Neutralität und Gesetzesgebundenheit zu ermitteln haben, nur in Ausnahmefällen zu
bejahen. Es müssen sich schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen und
eine Interessenwahrung durch Dritte (Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere
Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen) muss ausser Betracht fallen. Von
Bedeutung ist auch die Fähigkeit der versicherten Person, sich im Verfahren zurecht zu
finden (Bundesgerichtsentscheid i/S K. vom 22. Februar 2013, 9C_908/12; BGE 132 V
200). Vorliegend kann auch die Voraussetzung der Notwendigkeit als erfüllt betrachtet
werden, denn es handelt sich um ein Verfahren von grosser tatsächlicher und
rechtlicher Komplexität.
6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde betreffend den EL-
Anspruch, soweit auf sie einzutreten ist, unter Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 19. August 2013 teilweise gutzuheissen, nämlich betreffend
den EL-Anspruch der Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2013, im Übrigen aber
abzuweisen. Die Sache ist zur Abklärung der ab 1. Januar 2013 aus dem Aufenthalt in
der Pflegefamilie sich ergebenden Kosten bzw. der konkret anrechenbaren
Tagespauschale im Sinn der Erwägungen und zu entsprechender neuer Verfügung
über den EL-Anspruch ab 1. Januar 2013 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Die Rechtsverweigerungsbeschwerde wird abgewiesen. Die Beschwerde betreffend die
Abweisung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Einspracheverfahren ist (bei auch diesbezüglich aufgehobenem Einspracheentscheid)
im Sinn der Erwägungen gutzuheissen. Der Beschwerdeführerin ist das Gesuch zu
bewilligen. Diese Sache ist zur Festsetzung der Entschädigung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
6.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin teilweise
Anspruch auf eine Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG). Nach Art. 98 VRP/SG (sGS 951.1)
wird die ausseramtliche Entschädigung den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen
und Unterliegen auferlegt. Die Beschwerdeführerin hat angesichts der Rückweisung
der Sache betreffend den EL-Anspruch für die Zeit ab 1. Januar 2013 teilweise und mit
dem Antrag auf Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im
Einspracheverfahren ganz obsiegt. Es rechtfertigt sich, ihr eine Parteientschädigung
von ermessensweise zwei Dritteln (von Fr. 3'500.-- für einen durchschnittlichen
Aufwand), also von Fr. 2'333.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer),
zulasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen.
6.4 Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung vom
24. September 2013 hat im Übrigen der Staat den Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin zu entschädigen, wobei das betreffende Honorar von Fr. 1'167.--
um einen Fünftel herabgesetzt wird (vgl. Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Anwaltsgesetzes; sGS 963.70). Der Staat hat somit eine Entschädigung von (gerundet)
Fr. 934.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Wenn ihre
wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann die Beschwerdeführerin allerdings zur
Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden (vgl. Art. 123 ZPO
i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP