Decision ID: 2feedeea-0ec9-48eb-bf26-0ba6093541e3
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1960 geborene
X._
, ohne Ausbildung und
zuletzt
im Gartenbau tätig (Urk. 8/8 S. 1), meldete sich am 23. April 2015 unter Hinweis auf
Rücken
be
schwerden
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
an
(Urk. 8/4). Am 19. April 2016 wies die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, das Leistungsbegehren des Versicherten verfügungsweise ab (Urk. 8/31).
Am 15. Dezember 2016 meldete sich der Versicherte mit Verweis auf einen
am 31. Mai 2016
erf
olgten Treppensturz, bei welchem
er einen
mehrfachen
Bruch der linken Hand erlitt,
erneut bei der Invalidenversicherung an (Urk. 8/43). In der
Folge nahm die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen vor und ve
r
anlasste unter anderem eine polydisziplinäre Begutachtung (Allgemeine/
Innere Medizin, Orthopädie, Neurologie, Psychiatrie) durch die
Y._
(
Expertise vom 28. Januar 2019 [Urk. 8/93/1-55]). Mit Vorbescheid vom 1. April 2019 (Urk. 8/102) stellte die IV-Stelle die Aus
rich
tung einer befristeten halben
R
ente vom 1. Juni
2017 bis 31. März
2018 in
Aussicht, wogegen der Versicherte am 17. April
2019 Einwand (Urk. 8/103, Urk. 8/112
) erhob. Am 15. Oktober 2019 sprach die IV-Stelle dem Versicherten verfügungsweise eine befristete halbe Invalidenrente vom 1. Juni 2017 bis 31. März 2018 zu (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 18. November 2019 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom 15. Oktober 2019 sei aufzuheben und die Be
schwerdegegnerin
sei
zu verpflichten, ihm die gesetz
lichen Leistungen
–
insbe
sondere eine unbefrist
ete ganze Rente ab Mai 2017 - zuzusprechen
. In formeller Hinsicht stellte
er
das Gesuch um unen
t
geltliche Prozessführung und Rechtsver
tretung (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2020 (Urk. 7) beantragte die Beschwerdegegnerin, dass dem Beschwerdeführer eine
reformatio
in
peius
anzudrohen sei
, da
er
nicht als Erwerbstätiger zu qualifizieren sei
. Eventuell sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegner
in zurückzuweisen, s
ubeventuell sei die Beschwerde abzuweisen (S. 1
f
f
.
).
Mit Replik vom 2
3.
April 2020 (
Urk.
11) beziehungsweise Duplik vom 1
2.
Mai 2020 (
Urk.
13) hielten die Parteien an den gestellten Anträgen fest.
Mit Eingabe vom
3. Juni 2020
(Urk. 15)
reichte der Beschwerdeführer
das Schreiben
seiner
Wohngemeinde
vom 2. Juni 2020 (Urk. 16) ein
, welche
s
der Beschwerdegegnerin am 9. Juni 2020 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 17).
Mit Beschluss vom 25. November 2020 (Urk. 18) wurde dem Beschwerdeführer Frist gesetzt, um zu
der vom Gericht nicht auszu
schliessenden Rückweisung der Sache an die Be
schwerdegegnerin zur ergän
zen
den
Abklärung und der damit verbundenen mög
lichen Abänderung der ange
fochtenen Verfügung zu seinem Nachteil (
reformatio
in
peius
) Stellung zu neh
me
n oder die
Beschwerde zurückzuziehen
.
Am 15. Dezember 202
0
teilte der Beschwer
deführer mit, d
ass er an seinen bisherig
en Anträge
n
festhalte (Urk. 21).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Inval
idenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
che
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
träch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkom
men zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hän
gig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen
und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass beim Beschwerdeführer gestützt auf das
Y._
-Gu
t
achten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
ab 30. Mai 2016
bestanden habe. Im Verlauf habe sich alsdann eine schrittweise Besserung ergeben, wobei er nach einem Jahr in einer körperlich leichten Tätigkeit zu 50 % und ab Januar 2018 zu 80 % arbeitsfähig
gewesen
sei. Aufgrund seiner Erwerbsbiographie sei der Invaliditätsgrad anhand eines Pro
zent
vergleichs zu bestimmen, weshalb beim Beschwerdeführer ab Mai 2017 ein Invaliditätsgrad von 50 % und ab April 2018 ein solcher von 20 % bestehe und ihm
deshalb
vom
1. Juni 2017 bis 31. März 2018 eine befristete halbe Inva
li
den
rente zustehe (S. 6). In der Beschwerdeantwort (Urk. 7) präzisierte die Be
schwer
degegnerin
unter anderem
, dass der Beschwerdeführer
aufgrund der Aktenlage
als Nichterwe
rbstätiger zu qualifizieren sei
(S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1), dass an der Schlüssigkeit des
Y._
-Gutachtens erhebliche Zweifel bestünden, wes
halb nicht darauf abgestellt werden könne. Entsprechend sei gestützt auf die Berichte der behandelnden Ärzte ab 30. Mai 2016 von einer
100%igen
Arbeits
unfähigkeit für
sämtliche
Tätigkeiten auszugehen,
da
aufgrund der medizinischen
Aktenlage nicht ersichtlich sei, inwiefern sich der Gesundheitszustand im Juni/
Juli 2017 verbessert haben soll. Dem Beschwerdeführer stehe somit ab Mai 2017 ein Anspruch auf eine unbefristete ganze Rente zu (S. 11 f
f
. Ziff. 13.5, Ziff. 14). In der
Replik
(Urk. 11) ergänzte der Beschwerdeführer
unter anderem
mit Verweis auf das im Jahr
2016 begonnene Arbeitstraining, dass er im Gesundheitsfalle
mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit
einer vollen Erwerbstätigkeit nachgehen würde
(S. 2 ff. Ziff. 2 ff.).
Am
3. Juni 2020
macht
e
er schliesslich geltend
, dass er seitens
der G
emeindeverwaltung
Z._
die Auflage erhalten
hätte
, eine existen
z
sichernde Anstellung zu suchen,
wenn er dazu gesundheitlich in der Lage ge
wesen wäre. Da er seit dem Unfall im Mai 2016 vollständig arbeitsunfähig ge
wesen sei, habe keine diesbezügliche Auflage gestellt werden können
(Urk. 15).
3
.
3.1
Zwischen
den Parteien ist
zunächst
umstritten, ob der Beschwerdeführer
im Zeit
punkt der IV-Anmeldung
als Erwerbstätiger zu qualifi
zieren ist. Die Beschwer
degegnerin ging davon aus, dass
es an einem Nachweis einer E
rwerbstätigkeit für die Zeit ab
2000 bis 2009 fehle
und
der Beschwerdeführer nicht mehr arbeitswillig gewesen sei
und deshalb
aus invaliditätsfremden Gründen
auf die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit verzichtet habe, weshalb er als Nichterwerbstätiger einzu
stufen sei
(Urk. 7 S. 1 f.)
. Der Beschwerdeführer vertrat demgegenüber die Auf
fassung,
dass er
in der Zeit
nach
2000
erfolglos versucht habe, in der Arbeitswelt wieder Fuss zu fassen
,
er
seither
von seinem
e
rsparten
Arbeitslosentaggeld
und der finanziellen Unterstützung seines zwischenzeitlich verstorbenen Bruders gelebt
habe
und sich
alsdann
beim Sozialamt
habe
melden müssen
(Urk. 11 S.
2 Ziff. 2
f.
, Urk. 8/8 S. 2
).
3.2
Rechtsprechungsgemäss hat der Bemessung der Invalidität die Frage voran
zu
gehen, ob
eine versicherte Person als (ganztägig oder zeitweilig) erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist.
Die Klärung dieser Statusfrage ergibt sich
aus der
hypothetischen
Prüfung, was die versicherte Person bei im Übrigen un
veränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung be
stünde.
Dabei zieht die Rechtsprechung insbesondere
die persönliche, familiäre, soziale
und berufliche Situation der betreffenden Person sowie finanzielle Ge
sichtspunkte heran
, wobei namentlich die AHV-rechtliche Einordnung als nicht
erwerbstätige Person nicht zwingend ausschlaggebend ist
(Urteil des Bundesge
richts 9C_36/2013 vom 21. Juni
2013
E. 4.2
, Urteil des Bundesgerichts 9C_
27/
2012
vom 13. Dezember 2012 E. 3.2
)
.
Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozial
ver
sicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfor
derlich (
BGE 141 V 15 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).
3.3
Der
seit 1997 geschiedene und
(im Zeitpunkt der
Y._
-Begutachtung)
allein
lebende
Beschwerdeführer
(Urk.
8
/27 S.
1, Urk. 8/93/1-55
S. 29
)
war gemäss IK-Auszug vom 16. Januar 2017 (Urk.
8
/49) von 1982 bi
s 1989 als Gärtner bei
A._
respektive von 1989 bis 1995 bei
der
B._
tätig. In den Jahren 1993 und
1994
respektive
von
1997 bis 1999 bezog er
Arbeitslosentschädigung
beziehungsweise
arbeitete
für
vier Monate
beim
C._
. Für die Zeit von 2000 bis 2009 fehlen Einträge im IK-Auszug und von 2010 bis 2016 wurde er als «nichterwerbstätig» aufgeführt.
Per
Ende 2014
wurde der Be
schwerdeführer
gemäss den Angaben der Beschwerdegegnerin
ausgesteuert (
Urk. 8/2
S. 1,
Urk. 8
/27 S. 1)
und
er
erhielt
ab
1. August 2015 Sozial
hilfe
leis
tungen
(Urk. 3/5)
.
Ab
November
2015
war er
teilzeitlich im Rahmen eines von
der Wohngemeinde organisierten Gruppeneinsatzprogramms respektive ab 1. März
2016
im Rahmen
eines
Arbeitstraining
s
bei der
D._
(60 %-Pensum)
tätig, wobei er letzteres
wegen des Unfalls
am 31.
Mai 2016 abbrechen musste (
Urk. 8/24 S. 2,
Urk. 8/38 S. 1).
Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung der erläuterten Recht
spre
chung (vgl. E. 3.2) ist entgegen der Auffassung der Beschwerde
gegnerin
nicht
überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall keine
r Erwerbstätigkeit nachgega
ngen wäre. Der
allein lebende
Beschwerdeführer war im Zeitpunkt der IV-Anmeldung
ausgesteuert und hielt sich in den letzten Jahren einzig durch die Unterstützung seines zwischenzeitlich verstorbenen Bruders
respektive Sozialhilfeleistungen finanziell über Wasser. In diesem Zusammen
hang
ist auf das Schreiben
der
Wohngemeinde
vom 2. Juni 2020
(Urk. 16)
zu verwei
sen, wonach dem Beschwerdeführer aufgrund der
nach dem
Unfall im Mai 2016 aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit keine Auflagen betreffen
d Arbeitsaufnahme hätten gemach
t werden können und
er
überdies b
ei der
D._
eine A
n
stellung in Aussicht gehabt hätte
, zu der es in der Folge unfallbedingt aber nicht gekommen
sei
.
Im Übrigen
stimmt der
AHV-rechtliche
Status
nicht
zwingend mit der IV-rechtlichen Qualifizierung überein (vgl. E. 3.2).
4.
4.1
Im Weiteren ist zwischen den Parteien
strittig
, ob dem Beschwerdeführer
– ab
gesehen von der befristet
en halben Invalidenrente vom 1.
Jun
i 2017 bis 31. März 2018 – eine
weitergehende
Rente auszurichten ist
.
Während die
Beschwerde
gegnerin
einen Anspruch auf eine höhere Rente
und
über den genannten Zeit
raum hinaus verneinte (Urk. 7 S. 3),
stellte sich der Beschwerdeführer auf den
Standpunkt, dass ihm gestützt auf die Berichte der behandelnden Ärzte ab
30. M
ai 20
17 eine unbefristete ganze Rente
zustehe
(Urk. 1 S. 13 Ziff. 17
f.
).
4.2
4.2.1
Die
Y._
-Gutachter Prof.
Dr.
med.
E._
, FMH Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
F._
, FMH Neurologie,
Dr.
med.
G._
, FMH Psychiatrie und Psy
chot
herapi
e, und
Dr.
med.
H._
, FMH orthopädische Chirurgie, stellten in ihrer Konsensbeurteilung vom 28. Januar 2019 (Urk. 8/9
3/1-11) folgende Diagnosen (S. 7
f.):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
chronische Hand-Arm-Schulter-Nackenbeschwerden der
adominant
en
lin
ken Seite (ICD-10 M79.60/
M54
.2/T92
.12
/
Z98.8)
-
Status nach distaler intraartikulärer mehrfragmentärer Radiusfraktur vom 30.05.2016
-
Status nach offener Reposition und
palmarer
Plattenosteosynthese
des Radius am 03.06.2016
-
CRPS Hand links in Remission
-
Status nach Entfernung des
Osteosynthesematerials
und
palmarer
Arthrolyse
des distalen
Radioulnargelenks
am 21.07.2017 bei
Malunion
und störendem
Osteosynthesematerial
-
a
ktenanamnestisch im postoperativen Verlauf Auftreten eines CRPS
-
s
onograph
isch
am 19.10.2017 beidseits Tendinitis
calcarea
der
Supra
spinatussehne
und
Tendinopathie
des
Subscapularis
-
Status nach
glenohumeraler
Infiltration am 23.10.2017 mit gutem An
sprechen
-
Status
nach Infiltration des Handgele
nks mit
Triamcort
am 31.01.2018 ohne Ansprechen
-
Sta
t
us nach SCS-Elektroden-Implantation zervikal am 13.06.2018
-
Status nach Entfernung der Elektroden am 26.06.2018 bei fehlendem Ansprechen
-
r
adiologisch in Fehlstellung konsolidierte Radiusfraktur mit beginnender radiokarpaler Degen
e
ration, regelrechter Befund an der Schulter sowie mehrsegmentale zervikale Degeneration und
Diskopathie
ohne klaren
Hinweis für Neurokompression (CT 07.08
.
2017; Röntgen 06.10.2017, 17.01.2018, 14.06.2018; MRI 19.10.2017, 01.06.2018)
-
klinisch keine objektivierbaren Zeichen längerdauernder Schonung der Extremität
-
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.80)
-
radiologisch regelrechter Befund der BWS und
Spondylarthrose
LWK4/5 ohne klaren Hinweis auf Neurokompress
ion (MRI 17.02.2015, 01.06.2018; Röntgen 12.05.2015,
30.05.2016)
-
Angst- und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Adipositas, BMI 31 kg/m3 (ICD-10
E
66.0)
-
k
ontrollbedürftiger arterieller Blutdruck
Die Gutachter führten aus,
dass
i
nsgesamt eine Diskrepanz zwischen dem Aus
mass der subjektiv geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden
bestehe
, welche gemäss psychiatrischer
Expert
ise
auf einer anhaltenden somato
formen
Schmerzstörung beruhe, wobei diese
per se nicht zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führe.
Die
Angst- und depressive Störung gemischt
schränke
die Arb
eitsfähigkeit leicht ein
. Die Belastbarkeit der linken Hand sei deutlich reduziert und letztere könne nur als Hilfshand eingesetzt werden. Aufgrund der degenerativen Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) und weniger der
Lendenwirbelsäule (LWS)
seien körperlich schwere und mittelschwere Tätig
keiten ungeeignet. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine leicht verminderte Durchhaltefähigkeit (S. 8).
Im Weiteren hielten die Gutachter fest, dass für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Landschaftsgärtner und alle anderen körperlich schweren und mittelschwere
n Tätigkeiten seit 30. Mai 2016
bleibend keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe
. In einer angepassten Tätigkeit - körperlich leichte
Verrichtung
ohne wiederholtes Heben/Tragen von Lasten über 5 kg, bei welcher die linke Hand als Hilfshand eingesetzt werden müsse – sei von einer Präsenz von 7 bis 8 Stunden pro Tag auszugehen. Es bestehe aufgrund einer leichten Einschränkung der Arbeitsleis
tung maximal eine 20%ige Einschränkung der
Leistungsfähigkeit,
bedingt durch die affektive Komponente und Schmerzsymptomatik mit erhöhtem Pausenbedarf, wes
halb von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen sei.
Der zeitliche Verlauf
in einer angepassten Tätigkeit
sei wie folgt:
30. Mai bis August 2016
: 100%ige Arbeitsunfähigkeit;
September 2016 bis Juni 2017
:
50%ige Arbeitsfähigkeit; Juli bis September 2017: 100%ige Arbeitsunfähigke
it; Oktober bis Dezember 2017:
50%ige Arbeitsfähigkeit; ab Januar 2018: aktuelle Arbeitsfähigkeit. Die volle Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sei rein durch die objektivier
baren Beschwerden am Bewegungsapparat bedingt. Die leichte Einschränkung in
einer adaptierten
Verrichtung
sei
auf
die leichte psychiatrische Komorbidität und die Schmerzsymptomatik
zurückzuführen
. Die leichten Leistungseinbussen der verschiedenen Fachrichtungen ergänzten sich (und addierten sich nicht), da die gleichen Zeitabschnitte für Pausen/Erholung genutzt werden könnten und die gleiche Symptomatik betroffen sei (S. 9).
4.2.2
Prof. Dr.
E._
führte aus
, dass aus allgemeininternistischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne
. Abgesehen von einer mindestens drei Monate anhaltenden vollen Arbeits
un
fähigkeit jeweils postoperativ vom Zeitpunkt
des Unfalls am 31. Mai 2016 und
des Eingrif
fs
a
m 3. Juni 2016 sowie
der
Metallentfernung am 21. Juli 2017 habe in allgemeininternistischer Hinsicht
nie
eine länger dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden (
Urk. 8/93/1-55
S. 25).
4.2.3
Der psychiatrische Gutachter
Dr.
G._
hielt fest
, dass
sich
seit dem Unfall am 31. Mai 2016 in der Behandlung der Schmerzstörung keine Fortschritte ergeben hätten. Der Beschwerdeführer beklage andauernde Schmerzen in der linken Hand und wirke diesbezüglich kaum ablenkbar, weshalb von einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung auszugehen sei. Im Hintergrund steh
e als emotio
naler Stressfaktor eine misslungene Ehe. Differenzialdiagnostisch liege eine Schmerzverarbeitungsstörung vor. Des Weiteren habe sich die psychische Befind
lichkeit des Beschwerdeführers verändert, und er zeige einen Pessimismus, wirke betreffend die Heilungschancen resigniert und weise ein Gefühl der Einsamkeit sowie ein
en alltäglichen nervös-gereizten
Zustand auf, weshalb
zusätzlich
eine Angst- und depressive Störung gemischt festgestellt werden könne (S. 31).
Dr.
G._
führte weiter aus
, dass eine Tätigkeit als Gärtner seit 31. Mai 2016 wahrscheinlich nicht mehr möglich sei. Eine angepasste respektive einarmige Tätigkeit sei mit einem Pensum von sieben bis acht Stunden pro Tag möglich. Aufgrund der affektiven Komponente bestehe eine leichte Einschränkung der Arbeitsleistung, wobei
die Arbeitsfähigkeit
ab
31. Mai 2016 90 % betrage (S. 32 f.).
4.2.4
Unter neurologischen Gesichtspunkten hielt
Gutachter
Dr.
F._
fest, dass die Kriterien für die Diagnose ein
es CRPS
Typ
I vorlägen, dass aber die Einsch
rän
kung nicht so ausgeprägt sei
,
wie vom Beschwerdeführer dargestellt.
Entspre
chend sei von einem Nac
hlassen der Krankheitssymptome -
bisher ohne Erreiche
n einer Genesung -
auszugehen
. Mit Bezug auf die vom Beschwerdeführer
g
eklagte Verschlechterung der Rückenschmerzen
im Zusammenhang mit
der Implantation der Testelektroden im Juni 2018 hielt der neurologische
Experte
fest,
dass
bei der klinischen Untersuchung die LWS im Lot stehe, die aktive Beweglichkeit stark
eingeschränkt
und
die paravertebrale Muskulatur nicht verspannt sei. Klinische Hinweise für das Vorliegen einer
radikulären
Reiz- oder Ausfallssymptomatik bestünden nicht, wobei die MRI-Bilder der LWS vom 17. Februar 2015 nur dis
krete degenerative Veränderungen schwerpunktmässig bei L4/5 zeigten. Zusam
mengefasst liege
ein chronisches
L
umbovertebral
-Syndrom bei leichten degene
rativen Veränderungen ohne klinische und neuroradiologische Hinweise
auf
eine
Radikulopathie
vor (S. 39).
Der neurologische Experte führte weiter aus, dass die Konsistenz nicht als voll
ständig gegeben beurteilt werden könne. Es bestehe eine zu grosse Diskrepanz zwischen dem beobachteten Einsatz der linken Hand beim Aus-/Anziehen und den gemessenen symmetrischen Umfängen
einerseits
und
den
A
ngaben
des Be
schwerdeführers
betreffend
Einschränkung mit Vorliegen
einer
Einhändigkeit
andererseits
. Auch be
züglich des Rückens könn
t
en die
konstant über Jahre anhal
tenden Schmerzen nicht zwanglos mit den in der Bildgebung nur diskreten dege
nerativen Veränderungen erklärt werden, auch wenn die Korrelation zwischen Klinik und Bildgebung bei Fehlen einer Wurzelirritation
bekannterweise
schlecht sei (S. 40).
In
der bisherigen
Tätigkeit als Arbeiter im Gartenbau
sei von einem möglichen Pensum von 0 % auszugehen
, wobei der zeitliche Verlauf dieser Arbeitsun
fähig
keit bezüglich der Rück
en
problematik schwierig zu beantworten sei. Sicherlich gelte die Arbeitsunfähigkeit
in angestammter Tätigkeit
seit der Fraktur
am
31. Mai 201
6.
Aus neurologischer Sicht sei festzuhalten, dass vorgängig wahr
scheinlich keine relevante Einschränkung bestanden habe, wobei
diesbezüglich
auch auf das orthopädische Gutachten zu verweisen sei
(S. 40)
. In einer ange
passten Tätigkeit (körperlich leichte Verrichtungen ohne Heben/Tragen von Lasten
über 5 kg, ohne Zwangshaltungen, mit der Möglichkeit von Positionswechseln), bei welcher die linke Hand in erster Linie als Hilfshand eingesetzt werden könne und damit Arbeiten mit höheren Anforderungen an die Feinmotorik nicht mög
lich seien, bestehe ein
zumutbares
Pensum von sieben bis acht Stunden pro Tag respektive ein
solches von 80 %
. Nach der Fraktur
a
m 31. Mai 2016 und der Metallentfernung
am
21. Juli 2017 habe vorübergehend eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Aus neurologischer Sicht könne die Frage des Verlaufs der Arbeitsunfähigkeit
in angepasster
Tätigkeit
aufgrund der vorlie
genden Akten nicht detailliert beurteilt werden, sie habe abe
r wahrscheinlich nie mehr als 80 % betragen. Der neurologische Gutachter wies schliesslich darauf hin, dass nicht von einem Endzustand auszugehen sei und eine Neubeurteilung spätestens in zwei Jahren notwendig sei (S. 41).
4.2.5
In orthopädischer Hinsicht führte Gutachter Dr.
H._
aus,
dass der Be
schwerdeführer di
e
li
n
ke Hand bei der körperlichen Untersuchung sowie beim Aus-/Anziehen jeweils nur dann schone, wenn er den Blick des Untersuchers wahrnehme. Die Kriterien für das Vorliegen eines CRPS seien keinesfalls klar erfüllt und die praktisch symmetrische
Trophik
sei
mit einer
längerdauernden und
höhergradigen
Schonung der Hand nicht vereinbar. Auf radiologischer Ebene bestünden an der Wirbelsäule zervikal mehrsegmentale Degenerationen und
Dis
kopathien
, thorakal regelrechte Befunde und lumbal eine
Spondylarthrose
LWK4/5, wobei in allen Abschnitten klare Hinweise auf eine Neurokompression fehlten. An der linken Schulter seien
sonographische
Hinweise für eine Tendinitis
calcarea
gefunden worden, während der konventionell-radiologische Befund unauffällig sei. Die linksseitige distale Radiusfraktur sei
in
Fehlstellung konso
lidiert und es liege eine beginnende radiokarpale Degeneration vor. In Anbetracht des klinisch objektiv ansonsten
blanden
Befunds werde auf die Anfertigung neuer Bilddokumente verzichtet.
Zusammenfassend sei festzuhalten, dass sich die anamnestisch und klinisch diffus präsentierte Symptomatik durch die klinischen, radiologischen und
infiltrativen
Befunde keinesfalls vollständig begründen lasse. Durchaus nachvollziehbar sei ein gewisser Leidensdruck bei in Fehlstellung verheilter distaler Radiusfraktur und beginnender Degenerat
ion des linken Hand
gelenks sowie
bei
Tendinitis
calcarea
der
linken Schulter
, doch setze der Be
schwerdeführer die Extremität in unbeobachteten Momenten ohne
höhergradige
Schonung ein, was gut mit den fehlenden Zeichen
einer
längerdauernden Schonung korreliere (S. 49 f
.
).
Im Weiteren hielt der orthopädische Experte fest, dass für körperlich mittel
schwere und schwere Verrichtungen, einschliesslich jener als Landschaftsgärtner, eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Dabei sei von einer bleibenden
100%igen
Arbeitsunfähigkeit seit der Handgelenksverletzung
am 30. Mai 2016
auszugehen. Für körperlich sehr leichte Verrichtungen bestehe eine Arbeitsfähig
keit von 80 % bei ganztägigem Pensum mit um 20 % reduzierter Leistung. Da
s wiederholte Heben/Tragen von L
asten über 5 kg sei zu vermeiden und die linke Hand nur als Hilfshand
einzusetz
en
. Eine retrospektive Einschätzung anhand der anamnestischen Angaben und
der
vorliegenden Akten sei schwierig
und es könne in angepasster Tätigkeit
spätestens ab dem Zeitpunkt der gutachterlichen Unter
such
ung
von der genannten Arbeitsfähigkeit
ausgegangen werden (S. 51 f
.).
5.
5.1
5.1.1
Der o
rthopädische Gutachter Dr.
H._
stellte bei der Beurteilung der Rücken
beschwerden
im Wesentlichen
auf die MRI-Bildgebung von Februar 2015
/
Mai 2016 (LWS) respektive
vom
1. /14.
Juni 2018 (BWS, HWS) ab (Urk. 8/93/1-55 S. 47). Im Zeitpunkt d
er orthopädischen Untersuchung am 21. November 2018
war
die MRI-Bildgebung
betreffend die LWS
demnach bereits über
2.5 Jahre alt
.
Im Weiteren ist
darauf hinzuweisen
, dass
sich
die Rückenbeschwerden gemäss den Angaben des Beschwerdeführers nach der Entfernung der SCS-Testelektroden
am
26. Juni 2018
(
Urk. 8/93/103
)
und somit nach der MRI-Bildgebung vom 1./14. Juni 2018
wesentlich verschlechtert
haben
(S. 7, S. 44).
Dr
.
H._
attestierte
sodann
in einer angepassten Tätigkeit
ab 21. November 2018
eine Arbeits
fähig
keit von 80 % bei ganztägigem Pensum mit um 20 % reduzierter Leistung
(
S 52). Der exakte U
mfang der Arbeits
fähigkeit ist dabei unklar, da aufgrund der Formu
lierung von Dr.
H._
fraglich ist, ob er von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit respektive einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit oder von einer Arbeitsfähigkeit von 80 %, bei welcher zusätzlich eine um 20 % reduzierte Leistung zu ber
ücksichtigen ist, ausging
.
Im
Übrigen
erachtete
Dr.
H._
eine retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit als schwierig, weshalb er sich
lediglich zum konkreten Umfang der Arbeitsfähigkeit ab dem Zeitpunkt der Begutachtung
äusserte
(S. 52).
Dr.
F._
stützte sich bei der
neurologischen Beurteilung der Rücken
be
schwer
den auf die MRI-Bildgebung von Februar 2015 (LWS) und vom 1. Juni 2018 (LWS/BWS) ab (S. 37, S. 39), so dass auf die entsprechenden Ausführungen be
treffend MRI-Bilder im Rahmen der orthopädischen Begutachtung
zu verweisen ist
. In
einer angepassten Tätigkeit
ging der neurologische Experte
von einer vor
übergehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit nach der
F
raktur am 31. Mai 2016 sowie nach der Metallentfernung am 21. Juli 2017 aus. Zur Dauer dieser jeweils befristeten Arbeitsunfähigkeit macht
e er indessen keine Angaben (
S. 41
).
In der Konsensbeurteilung
der Gutachter
wurde demgegenüber ohne weitere Begrün
dung von einer je dreimonatigen 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab Juni 2016 respektive Juli 2017 ausgegangen (S. 9)
, wohl gestützt auf die allgemein-inter
nistische und ebenfalls nicht begründete
Einschätzung
(S. 25 oben)
. Dr.
F._
hielt
ferner
– analog zu Dr.
H._
-
fest, dass die Frage nach dem Verlauf der Arbeitsunfähigkeit in angepasster
Verrichtung
aufgrund der zur Verfügung stehenden Akten aus neurologischer Sicht nicht beurteilt werden könne,
die Arbeitsunfähigkeit
aber wahrscheinlich nie mehr als 80 % betragen habe (S. 41).
Gemäss
Konsensbeurteilung wurde
retrospektiv dennoch
von einer dreimona
tigen Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(3
0.
Mai bis August 2016 und Juli bis September 2017) sowie
intermittierend von einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
(September 2016 bis Juni 2017 sowie Oktober bis Dezember 2017) und ab Januar 2018 von einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
ausgegangen, ohne dass
die Höhe,
der Verlauf und insbesondere die Verbesserungen begründet worden wären. Hinzu kommt, dass die ab Januar 2018 attestierte Arbeitsfähigkeit im Widerspruch zu den echtzeitlichen Arztberichten steht, wonach im Januar und März 2018 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden hatte (
Urk.
8/72/6-7,
Urk.
8/93/100)
, eine Auseinandersetzung damit aber fehlt
. Ferner stehen d
iese Angaben teilweise im Widerspruch zu den von
Dres
.
F._
und
H._
gemachten Ausführungen, wobei es in der Konsensbeurteilung an einer entsprechenden Begründung für die abweichende Beurteilung mangelt.
Der psychiatrische Gutachter Dr.
G._
diagnostizierte eine Angst- und depressive Störung gemischt sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
, wobei er von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
und,
unter
Verweis
auf die af
fektive Komponente, von einer 90
%
igen
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Verrichtung ausging
(S. 30
, S. 32
f.
)
. Die Diagnose der soma
toformen Schmerzstörung
wurde
nur dürftig begründet, indem sich Dr.
G._
auf die Hinweise beschränkt
e
, dass sich in der Behandlung der Störung keine Fortschritte ergäben, der Beschwerdeführer andauernde Schmerzen in der linken Hand beklage und diesbezüglich kaum ablenkbar sei
und eine misslungene Ehe als emotionaler Stressfaktor vorliege.
Zudem fehlen jegliche Angaben darüber, weshalb die Schmerzstörung keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zeitige
(S. 30)
.
Gleiches gilt mit Bezug auf die Angst- und depressive Störung gemischt, begründete
Dr.
G._
die
entsprechende
Diagnose
doch
lediglich mit einer Ver
änderung der psychischen Befindlichkeit des Beschwerdeführers, dessen Pessi
mis
mus
und
Resignation betreffend Heilungschancen, einem Gefühl der Ein
samkeit und mit einem alltäglichen nervös-gereizten unruhigen Zustand
(S. 31).
Es
mangelt
sodann
an einer
Begründung, weshalb der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit aus psychischen Gründen zu 100 % arbeitsunfähig sein soll
(S.
32). Dem psychiatrischen
Experten
lag schliesslich kein Bericht des im Zeit
punkt der Begutachtung behandelnden Psychiaters vor (
vgl.
S.
13,
28, Urk. 8/81).
5.1.2
Nach dem Gesagten
erweist sich das
Y._
-Gutachten
in mehreren wesentlichen Punkten
als nicht schlüssig, weshalb mangels Beweiswert (E. 1.4
hievor
) nicht darauf abgestellt werden kann.
5
.2
In den Akten finden sich sodann keine anderen fachärztlichen Beur
tei
lun
gen, die ein abschliessendes Bild betreffen
d die
funktionellen Einschränkungen und die
Arbeitsfähigkeit erlauben.
In somatischer Hinsicht finden sich in den aktuellsten Berichten der behandelnden Ärzte
keine
Angaben
respektive keine (nachvoll
ziehbare) Begründung betreffend
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
und damit bezüglich der funktionellen Folgen der Gesund
heits
schädigung in qualitativer wie auch quanti
tativer Hinsicht
(
Urk. 8/72/6-7, Urk. 8/75,
Urk. 8/80/1-3,
Urk. 8/93/101-102,
Urk. 8/93/116-117).
Gleiches gilt mit Bezug auf
den Bericht des aktuellen psy
chiatrischen Behandlers
vom 11. Juni 2019 (Urk. 8/111)
, in welchem von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit ab 2015 ausgegangen wurde (S.
4
). Die
postulierte Arbeitsunfähigkeit
erfolgte lediglich unter Hinweis auf chronische Schmerzen
sowie
eine depressive Störung und es fehlen insbesondere jegliche Angaben darüber,
inwiefern der Beschwerdeführer aufgrund der psychi
schen Beschwerden in seiner Erwerbs- und Leistungsfähigkeit konkret einge
schränkt ist.
5.3
Nach dem Gesagten ist der medizinische Sachverhalt in wesentlichen Teilen un
geklärt, weshalb es weiterer Abklärungen bedarf.
Namentlich
ist offen,
wie sich
eine aktuelle Bildgebung
auf die
neurologische und orthopädische Beurteilung
auswirkt
. Als nicht schlüssig erweist sich ferner die Beurteilung
der Höhe und
des Verlaufs der Arbeitsunfähigkeit
, so in
s
besondere in Bezug auf die Dauer der vollständigen Arbeitsunfähigkeit, die intermittierende Arbeitsunfähigkeit von 50
%
und die Arbeitsfähigkeit von 80
%
ab Januar 201
8.
Bei letzterer fehlt
zudem
eine Auseinandersetzung mit den abweichenden echtzeitlichen Arztberichten
und es
ist unklar, ob eine zusätzliche Leistungsminderung von 20
%
zu berück
sich
tigen ist.
Offen sind ferner die funktionellen Auswirkungen allfälliger psychischer Einschränkungen.
Entsprechend ist die Verfü
gung vom 15. Oktober 2019 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Be
schwer
degegnerin zurückzuweisen, damit diese ergänzende medizinische Ab
klärungen veranlasse und über den Renten
anspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
Im
Rahmen dieser Abklärungen wird
unter anderem
bezügli
ch der psychischen Erkrankungen
für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit ein strukturiertes Beweisverfahren nach
Massgabe
von BGE 141 V 281 durchzuführen sein (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1, BGE 143 V 418 E. 7.2).
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
6
.
6
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Strei
twert festzulegen (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.
--
anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um
Gewährung der
unentgeltliche
n
Prozessführung (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos.
6
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen, weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessent
schädi
gung hat
und sich das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsver
tretung (
Urk.
1 S. 2) als gegenstandslos erweist
.
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gericht
lich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversiche
rungs
gericht (
GebV
SVGer
) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechts
ver
tretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
6
.3
Vorab ist zu bemerken, dass
eine
detaillierte Aufstellung des Aufwands fehlt, obwohl die Rechtsvertreterin auf die Möglichkeit der Einreichung einer solchen hingewiesen worden war (vgl.
Urk.
14
Ziff.
3).
Der mit Eingabe vom
3.
Juni 2020 geltend gemachte
und auf
lediglich fünf
Positionen aufgeschlüsselte
Aufwand von
insgesamt
22 Stunden und
Fr.
198.--
Barauslagen
(
Urk.
15 S.
2) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen
,
insbesondere aufgrund der Tatsache, dass
sie
den Beschwerdeführer schon im
Vorbescheidverfahren
vertrat
(
Urk.
7/103,
Urk.
7/112)
und die Akten somit be
kannt waren. Sodann entspricht die Beschwerdeschrift in weiten Teilen
im Wort
laut
de
m Einwand
vom
2
4.
Juni 2019 (
Urk.
7/112)
.
Namentlich erscheint ein Aufwand von 15.1 Stunden für die Beschwerdeschrift
,
die Replik
und die Stel
lungnahme vom
3.
Juni 2020 (
Urk.
15)
als überhöht
und es ist
nicht ersichtlich, wofür Besprechungen mit dem Klienten im Umfang von 2.7 Stunden erforderlich waren
.
Angesichts der zu studierenden gut
143
Aktenstücke der Beschwerdegegnerin,
von welche
n
nur
rund 30
Aktenstücke
nach
Einwanderhebung
neu hinzuge
kom
men sind,
der etwa
17
-
seitigen, in weiten Teilen mit dem Einwand überein
stim
menden Beschwerdeschrift, der
5
-
seitigen Re
plik
sowie einer weiteren
2
-
seitigen
Stellungnahme
, de
r
Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
sowie der in ähnlichen Fällen zugespro
chenen Beträge ist die Entschädigung von Rechtsanw
ältin Angela Widmer-
Fäh
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.
--
(zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
3'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.