Decision ID: 95597b36-d887-42b3-81b5-1260ff5f0c15
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war bei der Sanitas Grundversicherungen AG (früher Wincare
Versicherungen AG, nachfolgend: Sanitas) im Rahmen der obligatorischen
Krankenpflege versichert. Im Sommer 2015 erhielt die Sanitas eine Rechnung von Dr.
med. B._, Facharzt Anästhesiologie FMH und Interventionelle Schmerztherapie
SSIPM, vom 29. Juni 2015 für Behandlungen des Versicherten zwischen dem 29. April
und 27. Juni 2015 im Gesamtbetrag von Fr. 1'730.50. Darauf waren unter anderem
mehrfach die Rechnungspositionen 05.0270 "EMG: Myografie quantitativ, erster
Muskel" und 29.2000 "Behandlung und problemorientierte Untersuchung durch den
Facharzt mit FA Schmerztherapie" sowie einmal 00.0440 "umfassende
rheumatologische Untersuchung durch den Facharzt für Rheumatologie, physikalische
Medizin und Rehabilitation" aufgeführt (KV-act. 1). Dr. B._ berichtete auf Nachfrage
der Sanitas (vgl. KV-act. 2) am 12. September 2015, der Versicherte leide seit mehr als
sieben Jahren an chronischen Rückenschmerzen. Bei der Sitzung vom 27. Juni 2015
habe es sich um die Abschlusssitzung des Therapiezyklus gehandelt. Der Versicherte
spüre eine deutliche Verbesserung der Beschwerden. Er sei mit dem Verlauf sehr
zufrieden und möchte die Therapie weiterführen (KV-act. 3).
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A.b Am 28. September 2015 fragte die Sanitas den Vertrauensarzt Dr. med. C._ an,
ob es sich, wie von ihr vermutet, bei den verrechneten Positionen 05.0270 um eine
Dynasom-Therapie handle. Dr. C._ hielt tags darauf fest, er denke, die Vermutung sei
korrekt. Diese Untersuchungsposition sei nicht für die wöchentlichen Kontrollen von
Wirbelsäulenbeschwerden gedacht, sondern ein Diagnosemittel für Neurologen und
allenfalls Ophthalmologen. Die Verrechnung sei nicht korrekt (KV-act. 4). Die Sanitas
teilte Dr. B._ mit Schreiben vom 6. Oktober 2016 mit, die Dynasom-Therapie stelle
keine Pflichtleistung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung dar. Sie werde
daher die Rechnung stornieren (KV-act. 5).
A.c Dr. B._ führte in seinem Schreiben vom 21. Oktober 2015 aus, als Halter des
Weiterbildungszertifikats SSIPM sei er zur Abrechnung der Leistungsposition 29.2000
berechtigt. Diese sei eine Pflichtleistung aus der Grundversicherung. Er habe beim
Versicherten eine ausgeprägte Dysbalance der Rückenmuskulatur festgestellt. Seit
Therapiebeginn bei ihm habe sich die Belastbarkeit des Rückens erheblich verbessert
und die Schmerzmitteleinnahme habe drastisch reduziert werden können. Mit dem
Therapie¬konzept zur gezielten Stärkung der tiefen Rückenmuskulatur habe er schon
vielen chronischen Rückenschmerzpatienten helfen können. Die erbrachte Leistung sei
kassenpflichtig (KV-act. 7). Vertrauensarzt Dr. C._ hielt am 3. November 2015 dazu
fest, die Position 29.2000 sei der Arbeit und Dignität von Dr. B._ entsprechend. Die
Verrechnung der Position 05.0270 sei aber nicht möglich, weil sie nicht seiner Dignität
entspreche und ein Kumulationsverbot mit Position 29 bestehe. Für die Position
00.0440 sei die Dignität nicht gegeben (KV-act. 9). Vertrauensarzt Dr. med. D._
befand am 13. November 2015, aus seiner Sicht bestehe keine Leistungspflicht aus der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung für die Dynasom-Therapie (KV-act. 12).
A.d Die Sanitas teilte Dr. B._ am 20. November 2015 mit, bei der durchgeführten
Dynasom-Therapie handle es sich um keine Pflichtleistung. Die Position 29.2000 sei
zwar eine Pflichtleistung, eine nichtkassenpflichtige Behandlung werde aber nicht zur
Pflichtleistung, nur weil sie mit einer kassenpflichtigen Tarifposition abgerechnet werde.
Sie halte daher an der Beanstandung der Rechnung im Betrag von Fr. 1'730.50 fest
(KV-act. 13). Dr. B._ verlangte in Vertretung des Versicherten am 5. Dezember 2015
und 9. Januar 2016 eine beschwerdefähige Verfügung (KV-act. 14, 17, vgl. KV-act. 19).
Der Versicherte hatte mit Schreiben vom 16. Dezember 2015 ausgeführt, dank der
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Behandlung bei Dr. B._ habe er nun nur noch ca. 10 bis 20% der Rückenschmerzen,
die ihn etwa neun Jahre lang geplagt hätten. Er hoffe, dass die Sanitas die erfolgreiche
Behandlung übernehme (KV-act. 16).
A.e Mit Verfügung vom 17. Februar 2016 lehnte die Sanitas die Kostenübernahme der
Dynasom-Therapie ab, da deren Wirksamkeit nicht wissenschaftlich belegt sei und es
sich daher um keine Pflichtleistung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
handle (KV-act. 21).
B.
B.a Am 16. März 2016 reichte der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. K.
Glavas, Muolen, unter anderem ein Schreiben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG)
vom 15. März 2016 ein und ersuchte die Sanitas um Übernahme der Dynasom-
Therapie sowie Erlass einer anfechtbaren Verfügung (KV-act. 22). Die Sanitas teilte
Rechtsanwalt Dr. Glavas mit Schreiben vom 1. April 2016 mit, sie habe bereits eine
Verfügung erlassen und Dr. B._ zugestellt (KV-act. 23).
B.b Rechtsanwalt Dr. Glavas führte am 5. April 2016 aus, die Sanitas hätte aufgrund
seines Schreibens vom 16. März 2016 annehmen müssen, dass der Versicherte
Einsprache erheben wolle und ihm umgehend mitteilen müssen, dass bereits eine
Verfügung ergangen sei. Er halte an der Einsprache fest (KV-act. 24). Die Sanitas teilte
am 30. Mai 2016 mit, sie nehme das Schreiben von Rechtsanwalt Dr. Glavas vom 16.
März 2016 als fristgerecht erhobene Einsprache entgegen (KV-act. 31).
B.c Die Sanitas forderte Dr. B._ mit Schreiben vom 30. Januar, 28. Februar und 23.
März 2017 auf, einen Dignitätsnachweis für die von ihm verrechneten Tarifziffern
00.0440 und 05.0270 zu erbringen (KV-act. 36, 40, 43, vgl. KV-act. 46). Der Versicherte
hatte am 8. Februar 2017 einen Bericht zu seinem Gesundheitszustand eingereicht
(KV-act. 38).
B.d Mit Entscheid vom 25. April 2017 wies die Sanitas die Einsprache ab (KV-act. 50).
C.
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C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 25. April 2017 richtet sich die von
Rechtsanwalt Dr. Glavas eingereichte Beschwerde vom 25. Mai 2017. Der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) beantragte darin, der Entscheid sei aufzuheben und
die Sanitas (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zu verpflichten, die Kosten der
Dynasom-Therapie zu übernehmen. Eventualiter sei die Sache an die
Beschwerdegegnerin zur erneuten Prüfung der Voraussetzungen der
Kostenübernahme und Entscheidung zurückzuweisen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Er brachte vor, Dr. B._ sei zur Verrechnung der beanstandeten
Tarifpositionen berechtigt. Die Dynasom-Therapie sei wirtschaftlich, günstig und
wirksam, weshalb die Beschwerdegegnerin sie zu vergüten habe (act. G1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 22. Juni 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin
die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Sie führte aus, Dr. B._ sei aufgrund
der fehlenden Dignität nicht berechtigt die TARMED Leistungspositionen 00.0440 und
05.0270 zulasten der Sozialversicherungen abzurechnen. Selbst wenn die erforderliche
Dignität erfüllt wäre, sei die Wirksamkeit der Dynasom-Therapie nicht nach
wissenschaftlichen Methoden objektiv nachgewiesen (act. G3).
C.c In seiner Replik vom 8. September 2017 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest. Er brachte vor, Dr. B._ sei als stellvertretender Chefarzt des
Departements für Anästhesie des Spitals E._ geeignet, interventionelle
Schmerztherapien, wie auch die Dynasom-Therapie, durchzuführen und diese aus der
obligatorischen Krankenversicherung zu verrechnen. Zudem bestreite die
Beschwerdegegnerin wider besseres Wissen, dass die von Dr. B._ durchgeführte
Therapie wirksam gewesen sei (act. G8).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G10).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist die Pflicht zur
Kostenübernahme der Beschwerdegegnerin für die vom 29. April bis 27. Juni 2015 bei
Dr. B._ erfolgte Dynasom-Therapie.
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1.1 Nach Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR
832.10) übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten für die
Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen
dienen. Art. 25 Abs. 2 KVG enthält einen Katalog von Leistungen, die unter die
Übernahmepflicht der Krankenversicherer fallen. Als Pflichtleistung aufgeführt sind
unter anderem die von einem Arzt oder einer Ärztin ambulant, stationär oder in einem
Pflegeheim bzw. Spital durchgeführten Untersuchungen, Behandlungen und
Pflegeleistungen (lit. a Ziff. 1). Die Übernahmepflicht des Krankenversicherers wird
durch Art. 32 Abs. 1 KVG begrenzt. Danach sind nur jene Leistungen zu vergüten,
welche wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sind, wobei die Wirksamkeit nach
wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen sein muss.
1.2 Gemäss Art. 35 Abs. 1 KVG sind zur Tätigkeit zu Lasten der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung die Leistungserbringer zugelassen, welche die
Voraussetzungen nach den Artikeln 36-40 KVG erfüllen. Zu den Leistungserbringern
gehören unter anderem Ärzte und Ärztinnen (Art. 35 Abs. 1 lit. a KVG). Die
Leistungserbringer erstellen ihre Rechnungen nach Tarifen und Preisen. Diese werden
in Verträgen zwischen Versicherern und Leistungserbringern (Tarifvertrag) vereinbart
oder in den vom Gesetz bestimmten Fällen von der zuständigen Behörde festgesetzt
(Art. 43 Abs. 1 und Abs. 4 Satz 1 KVG). Der Tarif ist eine Grundlage für die Berechnung
der Vergütung, der unter anderem für die einzelnen Leistungen Taxpunkte festlegen
und den Taxpunktwert bestimmen (Einzelleistungstarif) kann (Art. 43 Abs. 2 lit. b KVG).
Einzelleistungstarife müssen auf einer gesamtschweizerisch vereinbarten einheitlichen
Tarifstruktur beruhen. Können sich die Tarifpartner nicht einigen, so legt der Bundesrat
diese Tarifstruktur fest (Art. 43 Abs. 5 KVG). Die Leistungserbringer müssen sich an die
vertraglich oder behördlich festgelegten Tarife und Preise halten und dürfen für
Leistungen nach dem KVG keine weitergehenden Vergütungen berechnen (Tarifschutz,
Art. 44 Abs. 1 Satz 1 KVG).
1.3 Der auf den 1. Januar 2004 in Kraft getretene TARMED ist ein Einzelleistungstarif
nach Art. 43 Abs. 2 lit. b KVG für sämtliche in der Schweiz erbrachten ambulanten
ärztlichen Leistungen im Spital und in der freien Praxis. Der TARMED bildet die
ärztlichen Diagnosen und Therapien ab und umfasst rund 4'500 Tarifpositionen
(GEBHARD EUGSTER, in: Ulrich Meyer (Hrsg.), Schweizerisches
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Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, 3. Aufl., Basel 2016, N 1004 ff.
[nachfolgend: EUGSTER, Soziale Sicherheit]). Ärztinnen und Ärzte, die ihre ambulanten
Leistungen zu Lasten der Sozialversicherungen mit dem TARMED abrechnen,
benötigen dafür bestimmte qualitative Dignitäten. Diese geben an, welche
Weiterbildungstitel berechtigen, eine Leistung zu Lasten der Sozialversicherungen
abzurechnen. Die qualitativen Dignitäten sind bei jeder einzelnen Leistung vermerkt.
Für Leistungen, die üblicherweise nicht im Rahmen der Weiterbildung zu einem
Weiterbildungstitel erlernt werden bzw. nicht Teil des entsprechenden Curriculums
sind, ist eine spezielle Abrechnungsberechtigung vorzulegen (https://www.fmh.ch/files/
pdf5/tarmed_ konzept_dignitaet.pdf, Ziffern 1.1.2 und 2.2.3, zuletzt abgerufen am 13.
Dezember 2018, vgl. EUGSTER, Soziale Sicherheit, a.a.O., N 1012).
2.
Dr. B._ ist unbestritten Facharzt Anästhesiologie FMH und Interventionelle
Schmerztherapie SSIPM (vgl. KV-act. 54, act. G8.2). Weitere Qualifikationen oder eine
spezielle Abrechnungsberechtigung sind nicht bekannt, zumal Dr. B._ nicht auf die
Schreiben der Beschwerdegegnerin betreffend Dignitätsnachweis reagiert hat (vgl. KV-
act. 36, 40, 43, 46). Die von ihm in Rechnung gestellten Tarifpositionen 05.0270 "EMG:
Myografie quantitativ, erster Muskel" sowie 00.0440 "umfassende rheumatologische
Untersuchung durch den Facharzt für Rheumatologie, physikalische Medizin und
Rehabilitation" (vgl. KV-act. 1) finden sich weder auf der TARMED Liste für
Leistungspositionen, welche von allen Ärzten abrechenbar sind, noch auf denjenigen
für die Anästhesiologie oder die interventionelle Schmerztherapie (KV-act. 51 ff.). Dr.
B._ ist somit grundsätzlich nicht zur Verrechnung der genannten Positionen zu
Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung berechtigt. Die anderen auf der
Rechnung angegebenen Tarifpositionen (vgl. KV-act. 1) finden sich zwar auf den
erwähnten TARMED Listen. Sie dienten jedoch zur Durchführung der Untersuchungen
bzw. Behandlungen nach den Tarifpositionen 05.0270 und 00.0440 (Konsultation,
Vorbesprechung des Eingriffs, ärztliche Leistung in Abwesenheit des Patienten), für die
Dr. B._ keine Dignität besitzt. Dementsprechend ist die Beschwerdegegnerin
grundsätzlich auch für diese Positionen nicht zur Übernahme verpflichtet (vgl. auch die
diesbezüglichen Ausführungen in KV-act. 13). Daran ändern auch die Ausführungen
des Beschwerdeführers, wonach Dr. B._ als stellvertretender Chefarzt der Anästhesie
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am Spital E._ tätig und für die interventionelle Schmerztherapie verantwortlich ist
sowie Vorträge zur modernen Schmerztherapie hält (vgl. act. G8), nichts.
3.
Es ist hingegen nicht klar, ob ein Arzt eine Verrichtung, für welche er die nach TARMED
notwendige Dignitätseinstufung nicht besitzt, unter keinem Titel zu Lasten der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung abrechnen darf, auch wenn im Einzelfall
Art. 32 Abs. 1 KVG gewahrt ist. Das würde eine erhebliche Einschränkung der
verfassungsrechtlich garantierten Berufsausübungsfreiheit des Arztes darstellen, der
grundsätzlich auf dem gesamten Gebiet der Medizin tätig sein darf. Art. 43 Abs. 2 lit. d
KVG bietet dafür keine ausreichende gesetzliche Grundlage, weil der TARMED nicht
bloss ausnahmsweise, sondern für spezifische fachärztliche Tätigkeiten
flächendeckend auf qualitative Dignitäten abstellt (EUGSTER, Soziale Sicherheit,
a.a.O., N 1014 mit Verweis auf BGE 110 V 187, E. 5a). Im Folgenden sind daher die
Voraussetzungen von Art. 32 Abs. 1 KVG für die durchgeführte Dynasom-Therapie zu
prüfen. Das vom Beschwerdeführer eingereichte Schreiben des BAG vom 15. März
2016 ist zur Klärung dieser Frage insofern nicht von Relevanz, als es sich nicht konkret
auf die Dynasom-Therapie bezieht, sondern lediglich allgemein die Voraussetzungen
für eine Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung
beschreibt (vgl. KV-act. 22).
3.1 Die Wirksamkeit einer Leistung ist dann gegeben, wenn die betreffende
Behandlung objektiv geeignet ist, das angestrebte diagnostische oder therapeutische
Ziel zu erreichen (BGE 128 V 159 E. 5c/aa). Gemäss Art. 32 Abs. 1 KVG muss die
Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Methoden erwiesen sein. Es reicht nicht aus, die
Wirksamkeit einer Behandlungsmethode einzelfallbezogen und retrospektiv auf Grund
der jeweiligen konkreten Behandlungsergebnisse zu beurteilen. In der klassischen
universitären Medizin gilt der Wirksamkeitsnachweis als erbracht, wenn die
Behandlungsmethode für das in Frage stehende Behandlungsziel wissenschaftlich
anerkannt ist, d.h. von Forschern und Praktikern der medizinischen Wissenschaft auf
breiter Basis akzeptiert wird. Wichtig ist, dass die Methode auf soliden, ausreichenden
experimentellen Unterlagen beruht. Auch die Erfolgsdauer kann ein wesentlicher Faktor
sein (GEBHARD EUGSTER, Bundesgesetz über die Krankenversicherung,
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Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2018, Art. 32 Rz 4 f. mit weiteren Hinweisen). Zweckmässigkeit setzt
Wirksamkeit voraus und versteht sich als “angemessene Eignung im Einzelfall“.
Zweckmässig ist jene Anwendung, welche gemessen am angestrebten Erfolg und
unter Berücksichtigung der Risiken den besten diagnostischen oder therapeutischen
Nutzen aufweist (EUGSTER, a.a.O., Art. 32 Rz 9 mit weiteren Hinweisen).
Wirtschaftlichkeit setzt Wirksamkeit und Zweckmässigkeit voraus. Sie ist das
massgebende Kriterium für die Auswahl unter den zweckmässigen
Behandlungsalternativen. Wirtschaftlich ist bei vergleichbarem medizinischem Nutzen
die kostengünstigere Alternative. Unnötige therapeutische Massnahmen oder solche,
die durch weniger kostspielige ersetzt werden können, sind daher nicht kassenpflichtig
(EUGSTER, a.a.O., Art. 32 Rz 13 mit weiteren Hinweisen).
3.2 Vorerst ist die Wirksamkeit der Dynasom-Therapie zu prüfen. Dabei ist die
Methode an sich zu beurteilen, die Qualifikation von Dr. B._ ist dabei nicht
entscheidend. Die Dynasom-Therapie ist gemäss einem Anbieter derselben eine aktive
und passive Behandlungsmethode für Rückenbeschwerden. Die aktive Therapie
besteht aus wiederholter Extension der Lendenwirbelsäule, welche je nach
Krankheitsbild mit der Lateralflexion oder Rotation der Wirbelsäule kombiniert wird. Die
passive Therapie kommt bei der Entlastung der verkürzten Muskelfasern zum Einsatz.
Diese dynamische Korrektur der Bewegung soll eine verbesserte dreidimensionale
Funktionsfähigkeit der Wirbelsäule bewirken (vgl. http://www.dynasom.de/concept/
concept/therapie01.html, zuletzt abgerufen am 13. Dezember 2018). Die Therapie hatte
zwar unbestritten positive Auswirkungen auf den Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers (vgl. act. G1, G8, KV-act. 16, 22, 38), dies reicht jedoch zum
Nachweis der Wirksamkeit nicht aus. Bezüglich der objektiven Wirksamkeit der
Dynasom-Therapie sind keine wissenschaftlichen Studien bekannt. Im Internet
existieren zwar Berichte über erfolgreiche Behandlungen, welche jedoch teilweise auf
der Homepage eines Anbieters der Dynasom-Therapie zu finden sind und damit
ohnehin nur beschränkte Aussagekraft haben. Es finden sich aber auch Hinweise
darauf, dass die teilweise als unseriös betitelte Therapie unter Medizinern umstritten
ist. Dabei ist jedoch zu beachten, dass sich zwei der wenigen verfügbaren
Zeitungsartikel auf einen Behandler beziehen, welcher in der Schweiz angeblich gar
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keine Zulassung als Arzt hatte (vgl. http://www.dynasom.de/concept/concept/
therapie01.html, https://www.beobachter.
ch/gesundheit/bandscheibentherapie-o-schmerz-lass-nach, https://www.ktipp.ch/
artikel/d/ ploetzlich-trat-er-als-arzt-auf/, https://www.beobachter.ch/burger-
verwaltung/titelschwindel-ein-arzt-der-keiner-ist, alle zuletzt abgerufen am 13.
Dezember 2018). Insgesamt können die online abrufbaren Informationen bzw. Berichte
zur Dynasom-Therapie die Wirksamkeit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
belegen, dies insbesondere nicht aus der notwendigen objektiven wissenschaftlichen
Sicht. Daran ändern auch die Ausführungen von Dr. B._, gemäss welchen er mit der
Dynasom-Therapie seine eigenen Rückenbeschwerden erfolgreich habe behandeln
und schon vielen chronischen Rückenschmerzpatienten helfen können, nichts (vgl. KV-
act. 7).
3.3 Bei nicht überwiegend wahrscheinlich nachgewiesener Wirksamkeit der Dynasom-
Therapie sind die Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit i.S.v. Art. 32 Abs. 1 KVG
nicht weiter zu prüfen.
4.
Zusammenfassend ist Dr. B._ aufgrund fehlender qualitativer Dignität grundsätzlich
nicht berechtigt, die umstrittenen, mit der Rechnung vom 29. Juni 2015 (vgl. KV-act. 1)
geltend gemachten Tarifpositionen gegenüber der Beschwerdegegnerin zu Lasten der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung abzurechnen. Selbst wenn er dazu
berechtigt wäre oder die Dynasom-Therapie allenfalls unter anderen Tarifpositionen
abrechnen könnte, wäre die Beschwerdegegnerin mangels nachgewiesener
Wirksamkeit der Dynasom-Therapie nicht leistungspflichtig. Bezüglich des vom
Beschwerdeführer erhobenen Vorwurfs der Rechtsmissbräuchlichkeit (vgl. act. G1, G8)
ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin verpflichtet ist, nur
Leistungen zu vergüten, welche die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Mit der
Weigerung, für die Dynasom-Therapie aufzukommen, verhielt sie sich damit nicht
rechtsmissbräuchlich.
5.
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5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3 Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.