Decision ID: cdfe1872-ef1c-46dd-9654-0997eafce0ea
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962, war z
uletzt von August 2010 bis Oktober 2015 als Monteur im Aussendienst
im Bereich Schädlingsbekämpfung be
i der
Y._
tätig (
Urk.
7/
7, vgl. auch 7/89
).
Unter Hinweis auf
ein Darmleiden sowie im Zuge einer im Jahr 2015 erfolgten
Stomaoperation
aufgetretene
r
psychische
r
Probleme meldete sich der Versicherte am 2
8.
Januar 2016 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
7/19,
Urk.
7/34) bei und liess den Versi
cherten durch eine
n
Arzt ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) untersuchen (
Urk.
7/77). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/80,
Urk.
7/86
,
Urk.
7/88) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit
Verfügung
vom
6.
Juni
2019
ab
September 2016
eine
bis
Ende
Februar 2019
befristete ganze Rente zu
(
Urk.
7/97 und
Urk.
7/105 =
Urk.
2)
.
2.
De
r Versicherte erhob am
8.
Juli 2019
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
6.
Juni 2019
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei
teilweise
aufzuheben
,
und es sei
ihm
auch ab März 2019 eine ganze Rente auszurichten
. Eventuell sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(
Urk.
1 S. 2
oben
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
0.
September 2019
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
2.
Oktober 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine
befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August
2008 E. 2.3; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflag
e 2014,
Rn
11 zu Art. 30–31
). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person
eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten
gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prü
fung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise gere
gelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als
auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V
413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
4
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung
einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden
Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
der
Verordnung ü
ber die Invali
denversicherung, I
VV)
analog
anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinwei
sen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revi
sionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts
im Zeit
punkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog an
wendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsände
rung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bun
desgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.6
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Ok
tober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dass der Beschwerdeführer ab September 2015 erheblich in seiner Erwerbs
fähigkeit
eingeschränkt
und ihm keine Tätigkeit mehr zumutbar gewesen sei, weshalb er nach Ablauf der einjährigen Frist im September 2016 Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente
gehabt
habe
. In der Folge habe sich seine gesundheit
liche Situation
verbessert
und
seit
1
2.
November 2018
sei ihm eine seinen Ein
schränkungen angepasste Tätigkeit wieder in einem vollen Pensum zumutbar. Der Beschwerdeführer habe bis anhin als Hilfsarbeiter gearbeitet. In diesem Bereich stünden ihm genügend Möglichkeiten offen, eine geeignete Tätigkeit zu finden. Da ihm wied
er ein volles Pensum zumutbar s
e
i
, entstehe
ihm keine Erwerbsein
busse mehr und sei die
Rente
somit per
Ende Februar 2019 (Verbesserung plus drei Monate)
aufzuheben
(S. 1 der Begründung der Verfügung).
2.2
Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde (
Urk.
1) demgegenüber gel
ten
d
,
er sei aus somatischer und psychischer Sicht weiterhin
arbeitsunfähig
. D
ie Beschwerdegegnerin
sei ihrer Abklär
ungspflicht nicht nachgekommen,
indem sie den das Beschwerdebild offensichtlich auch mitbestimmenden psychischen G
e
sundheitszustand
nicht im Rahmen einer zumindest
bidisziplinären
Begutachtung abgeklärt habe.
Die behandelnden Ärzte hätten mehrfach bescheinigt, dass die somatischen Beschwerden nicht vollends objektivierbar seien. Der als
Somatiker
tätige RAD-Arzt habe fälschlicherweise behauptet, dass die psychischen Be
schwerden remittiert seien.
Gemäss dem nun von ihm selbst eingeholten Bericht seines behandelnden
Psychiaters
bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
.
Sollte nicht darauf abgestellt werden, s
ei ein
bidisziplinäre
s
Gut
achten unerlässlich
,
um die Auswirkungen der Beschwerden auf die Arbeitsfähig
keit und auch deren
Wechselwirkungen zu prüf
en (S. 2 f.
Ziff.
3,
S. 5 f.
Ziff.
6 f.
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin
die dem Beschwerdeführer zugesprochene ganze Rente
zu Recht per Ende Februa
r 2019 befristet hat
und in diesem Zusammenhang insbesondere die Frage, ob die medizinischen Akten eine hinreichende
Entscheidgrundlage
bilden. Die gerichtliche
Überprüfung hat dabei den
gesamten
verfügungsweise
geregelten
Zeitraum
zu erfassen (
vgl. vorstehend E. 1.3
).
3.
3
.
1
Am
2
9.
April 2016
(
Urk.
7/19/8-9)
berichteten
Dr.
med.
Z._
, Oberärztin, und die Psychologin
A._
,
B._
Zürich,
C._
,
der Beschwerdeführer leide unter einer Anp
assungsstörung
(ICD-10 F43.2), differentialdiagnostisch (DD) unter einer posttraumatischen Belastungsstörung,
PTBS
(
Ziff.
1)
.
Zum jetzigen Zeitpunkt be
stehe aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
5).
3.
2
Die
Ärzte des
D._
, Chirurgische Klinik,
berichteten am 1
0.
Juni 2016 (
Urk.
7/19/4-5) und nannten
folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
Hartmannsituation mit Anlage eines end
ständigen
Descendostomas
am
8.
November
2015 und
im Verlauf Entwicklung einer
pa
rastomalen
Hernie mit re
poniblem Dünndarminhalt mit/bei
-
Nekrose der
Anastomosenhinterwand
mit konsekutiver Nahtinsuffizi
enz bei Status nach
laparoskopischer
hoher
anteriorer
Rektum- und
Sigmaresektion
am
4.
November 2015
-
PTBS mit aktuell tagesstationärer psychosomatischer Behandlung
.
Die Ärzte
führten aus, trotz des initial komplizierten Verlaufs und der psychischen Belastungssituation befinde sich der Beschwerdeführer erfreulicherweise in einem ordentlichen Allgemeinzustand. Aufgrund der aktuellen psychologischen Be
handlung wünsche er ein Aufschieben der
Stomarückverlegung
auf Anfang Sep
tember 201
6.
Eine erneute Operation bereite ihm weiterhin grosse Sorgen, sodass
die
Fortführung
der intensiven psychologischen Betreuung sicher sinnvoll er
scheine (S. 2 Mitte).
In den ärztlichen Zeugnissen bescheinigten die Ärzte des
D._
dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsunfähigkeit ab
dem
2
4.
September 2015 (vgl.
Urk.
7/39).
3.
3
Am
1
6.
Dezember 2016
(
Urk.
7/34/11-12)
berichteten
die
Ärzte des
D._
, Chirurgische Klinik,
von einer
abgeschlossene
n
Wundheilung der ehe
maligen
Stomastelle
linker Mittelbauch bei Status
n
ach
laparoskopischer
Sto
marückverlegung
am 1
5.
September
2016
bei
Status nach
(unter anderem)
sub
kutanem Hämatom im Verlauf mit Vakuumtherapie
und Heilung ad
secundam
sowie Status nach
Sekundärnaht im September 2016
(S. 1 Mitte).
3
.4
Am
1
5.
Februar
2017 (
Urk.
7/28)
berichteten
die Ärzte des
D._
, Or
thopädische Klinik, und nannten
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Status nach Hüft-Totalprothese
(TP)
rechts am 2
6.
Januar 2017
-
Status nach komplexer Knieverletzung im Mai 2011 mit
vorderem Kreuz
bandersatz (
VKB-Ersatzplastik
)
-
Status nach Säureverletzung, Oberschenkel und Knie rechts ventral 1989
-
Status nach multiplen abdominellen Eingriffen
-
PTBS
.
Die Ärzte
führten aus, dem Beschwerdeführer für die Tätig
keit als Dachdecker
vom
2
5.
Januar bis 1
7.
März 2017 eine volle Arbeitsunfähigkeit
attestiert zu ha
ben (
Ziff.
1.6)
.
Im
Bericht vom
7.
April 2
017 (
Urk.
7/36)
attestierten sie
ihm
ferner eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 1
8.
bis 2
8.
März 2017 sowie eine 80%ige Ar
beitsunfähigkeit vom 2
9.
März bis 2
8.
April 2017
(
Ziff.
1.6).
3.5
Am 1
0.
Oktober 2017
(
Urk.
7/46/1-4,
Eingangsdatum) berichtete
Dr.
med.
E._
, Assistenzarzt Orthopädie,
F._
, der Beschwerdeführer stehe seit
5.
Mai
2017
in seiner Behandlung (
Ziff.
1.2). Als Diagnose nannte er einen Verdacht auf Schaftlockerung der Hüfte rechts, DD
Fi
ssur im
Kal
karbereich
bei Status nach Hüft-TP
am 2
6.
Januar 2017 (
Ziff.
1.1).
Für die Tätigkeit als
Dach
decker
attestierte er dem
Beschwer
deführer bis 1
0.
November 2017 eine volle Ar
beitsunfähigkeit
(
Ziff.
1.6).
3.6
PD
Dr.
med.
G._
, Leitender Arzt Orthopädie,
F._
, berichtete am 3
0.
Januar 2018 (
Urk.
7/
58)
. Er nannte folgende (Ober-) Diagnosen:
-
belastungsabh
ängige Hüftschmerzen mit Schmer
zausstrahlung
inguinal
-
Status nach mehrfachen
Abdominaleingriffen
.
Dr.
G._
führte aus, von der Bildgebung her habe in keiner Modalität eine klare Lockerung gesehen werden können. Klinisch imponiere jedoch ein mecha
nisches Problem mit deutlicher Belastungsabhängigkeit. Er habe dem Beschwer
deführer noch einmal dieses diagnostische Dilemma e
rklärt. Aufgrund des Lei
densdruckes
habe man sich nu
n für die Operation entschieden
, welche auf den 1
4.
März 2018 angesetzt sei
(S. 1 unten).
3.7
Am 2
4.
Juli 2018
(
Urk.
7/64)
berichtete Prof.
Dr.
med. H._
, Leitender Arzt Orthopädie,
F._
, nach einem Hüft-TP-Wechsel rechts am 1
4.
März 2018 habe der Beschwerdeführer einen chronischen
Frühinfekt
erlitten (
Ziff.
2.1). Als Diagnose mit
Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit nannte er einen Status nach
zweizeitiger Hüft-TP Infekt-Sanieru
ng rechts mit Ausbau am
3.
Mai 2018 und Wiedereinbau am 2
6.
Juni
2018
(
Ziff.
2.5)
.
Seit Behandlungsbeginn bei ihm am 3
0.
April 2018 habe er dem Beschwerdeführer für alle Tätigkeiten eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Ziff.
1.3
i.V.m
.
Ziff.
1.1).
3.8
Vom
2.
bis 1
4.
Juli 2018 weilte der Beschwerdeführer in der
I._
(vgl. vorläufigen
Austrittsbericht vom 1
2.
Juli 2018,
Urk.
7/68). Für die
Zeit
des Aufenthalts
attestierten ihm die dortigen Ärzte
gemäss Bericht vom 2
5.
Juli 2018 (
Urk.
7/65)
eine volle Arbeitsunfähigkeit
(
Ziff.
1.3).
3.9
Am 2
2.
August
2018
(
Urk.
7/70/1-5)
berichtete Prof.
H._
,
F._
, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführer
s
habe sich verbessert (
Ziff.
1). Es be
stehe jedoch nach wie vor ein erhebliches Rehabilitati
onsdefizit
(
Ziff.
1.3)
.
Der Beschwerdeführer sei weder in der bisherigen noch in einer ang
epassten Tätigkeit arbeitsfähig
.
Die
Prognose
sei
eigentlich gut
,
bis auf
das
ursprünglich
e
Problem,
dass der Beschwerdeführer
aus ungeklärten Gründen
das Bein nicht anheben könne (
Ziff.
2.1).
3.10
Im Bericht vom 1
2.
November
2018 (
Urk.
6/73) nannte Prof.
H._
,
F._
, als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
Restbeschwerden nach Hüft-TP rechts unklarer Ätiologie
(
Ziff.
2.5)
.
Er führte aus, die vom Be
schwerdeführer beklagten Beschwerden blieben unklar. Sie hätten zu einer er
folglosen Hüft-TP Wechseloperation geführt, welche durch einen Infekt kompli
ziert gewesen sei. Er sei der Meinung, dass der Beschwerdeführer als Dachdecker wohl kaum mehr arbeitsfähig sein werde (
Ziff.
2.5). Er empfehle eine unabhän
gige Begutachtung bezüglich Erwerbsfähigkeit (
Ziff.
2.8). In welchem Umfang dem Beschwerdeführer die bisherige sowie eine dem Leiden angepasste Tätigkeit zumutbar sei, könne er nicht beantworten (
Ziff.
4.1-2).
3.
11
Am 3
1.
Januar 2019 wurde der Beschwerdeführer durch
RAD
-Arzt
Dr.
med. J._
, Facharzt für Chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
,
untersucht. In seinem Bericht vom
1.
Februar 2
019 (
Urk.
7/77) nannte
Dr.
J._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (S. 11 oben
):
-
m
ittelgradige Funktionseinschränkung rechtes Hüftgelenk bei
-
Status nach Implantation Hüft-TP rechts und drei Wechseloperationen mit
-
Bewegungseinschränkung in allen Ebenen
-
Kraftminderung für Hüftflexion M3
-
Leistenschmerzen bei Hüftbeugung
-
Bauchdeckenschwäche bei
-
Status nach Rektum/Sigma-Resektion mit kompliziertem Verlauf und vier Revisionseingriffen im November 2015
-
Status nach Stabi
lisierung einer Narbenhernie im rechten Mittelbauch im Oktober 2017
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
J._
eine Beinlängendiff
erenz
, einen Status nach Anpassungsstörung 2016, einen Status nach vorderer Kreuzbandplastik 2011 sowie einen Status nach Säure-Verätzung Oberschenkel und
Wade rechts 1998 (S. 11 oben
).
Dr.
J._
führte aus, nach der Prothesen-Implantation und den Wechsel- und Revisionsoperationen der rechten Hüfte bestünden eine anhaltende Kraftminde
rung der Hüftbeugung und bewegungsabhängige Leistenschmerzen rechts. Fol
gen der Darmoperation und der Revisionseingriffe seien grosse Narben und eine verminderte Belastbarkeit der Bauchdecke. Nach dem komplexen Knietrauma 2011 und der Kreuzbandplastik sei der Beschwerdeführer weitgehend beschwer
defrei. Er habe seine Tätigkeit als Dachdecker postoperativ wieder uneinge
schränkt ausüben können. Die Verletzungsfolgen könnten als Präarthrose gewer
tet werden. Zukünftige Beschwerden seien möglich. Nach der Verätzung 1998 sei die betroffene Haut erhöht vulnerabel. Derzeit bestünden keine Beschwerden. Die Anpassungsstörung 2016 sei mit der subjektiv wahrgenommenen Stigmatisierung durch den künstlichen Darmausgang assoziiert gewesen. Nach der Rückverlage
rung sei die Störung rasch remittiert (S. 11 Mitte).
B
eim Beschwerdeführer liege ein Gesundheitsschaden mit dauerhafter Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Der Gesundheitszustand sei stabil. Unter Phy
siotherapie, medizinischer Trainingstherapie und Gewöhnung habe das Aktivi
tätsniveau in den vergangenen Monaten deutlich gesteigert werden können. Trotzdem seien einige Aktivitäten des täglichen Lebens
deutlich eingeschränkt.
Als Funktionsstörungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden e
ine verminderte Belastbarkeit und eine eingeschränkte Funktio
n der rechten Hüfte, welche die
Geh- und Stehbelastbarkeit ein
schränkten
. Auch längeres Sitzen ohne Positionsveränderung sei problematisch. Als Folge der Bauchoperationen bestehe eine Belastungsminderung der Bauchmuskulatur
(S. 16 oben).
Dr.
J._
formulierte folgendes Belastungsprofil:
Vermieden werden sollten Tä
tigkeiten mit Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 15 kg, mit Er
steigen von Treppen, Leitern und Gerüsten oder Gehen auf unebenem Gelände, Tätigkeiten in kniender oder kniebeugender Körperhaltung sowie
mit
überwie
gende
r
Geh- und Stehbelastung. Ungeeignet seien auch Tätigkeiten mit Zwangs
haltung d
es linken Beins und motorisch koordinativen Anford
erungen, zum Bei
spiel das Bedienen von Pedalen. Tätigkeiten, welche wechselbelastend, überwie
gend sitzend, gelegentlich ebenerdig gehend oder stehend ausgeführt werden könnten, seien medizinisch-the
oretisch zumutbar (S. 16 oben).
Die Tätigkeit als Dachdecker sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar, dies seit 2
1.
September 2015 (S. 16 Mitte). Die Selbsteinschätzung des Beschwerde
führers, die anamnestisch erhobene Alltagsaktivität und der klinische Untersu
chungsbefund
zeigten erhebliche Ressourcen.
Der
Beschwerdeführer verfüge über eine gute Tagesstruktur, sei in der Lage, den Haushalt weitgehend selbständig zu führen, sich um die Enkelkinder zu kümmern und der Partnerin bei Handwerks
arbeiten zu helfen. Er selbst erachte eine überwiegend sitzende handwerkliche Tätigkeit als möglich. Er habe sich als Verkäufer im Baumarkt beworben und sei enttäuscht, abgelehnt worden zu sein. Selbst vor Bewerbungen als Lagerist und Stapelfahrer sei er nicht zurückgeschreckt, obwohl er selbst die Einschränkungen für diese Tätigkeiten sehe.
Das Achsenskelett, die oberen Extremitäten und das linke Bein seien gut funktionsfähig und beschwerdefrei. Psychisch und kognitiv lägen keine Einschränkungen vor. Eine angepasste Tätigkeit gemäss beschriebe
nem Belastungsprofil sei in vollem Pensum zumutbar. Die erlernte Tätigkeit als Mechaniker sei unter Arbeitsplatzanpassung im Sinne des Belastungsprofils mög
lich. Der aktuelle Zustand
mit voller Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tä
tigkeit
könne spätestens seit dem letzten Bericht der
F._
vom 1
2.
November 2018
angenommen werden
, während
vom 2
1.
September 2015 bis 1
1.
November 2018 auch für leidensgepasste
Tätigkeiten
eine volle Arbeitsunfä
higkeit bestanden habe (S. S. 16 unten, S. 17 oben).
3.12
Aufgrund vermehrter Schmerzen wurde der Beschwerdeführer am 2
4.
April 2019 vorzeitig
bei Prof.
H._
,
F._
,
vorstellig. In seinem Bericht vom glei
chen Tag (
Urk.
7/95) führte dieser aus,
e
s bestünden ein Rehabilitationsdefizit und Restbeschwerden.
Ein Teil der Restbeschwerden sei sicher durch einen Pfannen
überstand ventral erklärt. Diesen würde er aber aktuell akzeptieren, insbesondere angesichts der Vorgeschichte mit Infekt. Betreffend Arbeitsfähigkeit könne er keine Aussagen machen. Eine Arbeitsunfähigkeit könne er
dem Beschwerdeführer
heute nicht attestierten (
S. 2).
3.13
Am
8.
Juli
2019 erstattete Oberarzt K._
,
B._
Zürich,
C._
, einen von der Psychologin
A._
(vorstehend E
. 3.1
) i.A. unter
zeichnet
en Bericht
(
Urk.
3).
Er fü
hrte aus, der Beschwerdeführer
stehe – nach ei
ner erstmaligen Behandlung vom
9.
Februar 2016 bis 2
3.
März 2017 - seit dem 1
1.
Juni 2019 bis dato in seiner Behandlung (
Ziff.
1.1). Aktuell fänden
alle fünf bis zehn Tagen
ambulante Termine zu 50 Minuten
statt
mit stützendem, beraten
dem und
psychoedukativem
Inhalt sowie angepassten verhaltenstherapeutischen Interventionen mit dem Ziel, die affektive
Stabilität aufrecht zu erhalten (
Ziff.
1.2). Oberarzt
K._
nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.2):
-
PTBS (ICD-10 F43.1), bestehend seit etwa 30 Jahren
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, be
stehend seit etwa 30 Jahren
-
Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen (ICD-10 F52.0), bestehend seit 2017
.
Er führte aus, die diagnostische Einordnung sei schwierig. F
rüh entstandene
chro
nifizierte
Traumata
durch
die wiederholten körperlichen Behandlungen beein
flussten den Heilungsverlauf bis heute sehr stark.
Es sei damit zu rechnen, dass l
angfristig
eine deutlich
verminderte Belastbarkeit
bestehe (S. 4 oben). Auf
grund der schweren Erkrankung
sei der Beschwerdeführer im ersten Arbeitsmarkt zu 100
%
arbeitsunfähig
. Im günstigsten Fall
könne eine
Integration an einem ge
schützten Arbeitsplatz
gelingen (
Ziff.
3)
.
4.
4.1
Zur Abklärung des somatischen Gesundheitszustands und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit liess die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer im Januar 2019 durch RAD-Arzt
Dr.
J._
untersuchen (vorstehend E. 3.11). Bei der Beurteilung im Vordergrund standen dabei die erheblichen Restbeschwerden und Funktionseinschränkungen nach der Hüftprothesenimplantation im Januar 2017 und komplikationsbedingt zweifachem Prothesenwechsel im März 2018 und Mai/Juni 2018 (vgl.
Urk.
7/77 S. 1 oben)
. Als Facharzt für Chirurgie, Orthopädi
sche Chiru
rgie und Traumatologie
,
verfügte
Dr.
J._
über die notwendigen fach
lichen Qualifik
a
tionen zur Beurteilung
des in Frage stehenden Leidens.
Der Be
richt des RAD-Arztes
(
Urk.
7/77)
erweist sich hinsichtlich der Beurteilung des so
matischen Gesundheitszustands als
umfas
send.
D
ie Krankengeschichte des Be
schwerdeführer
s
wurde anhand der medizinischen
Vorakten
sauber
aufgearbeitet und
dargel
egt
(S. 1 f.)
. Berücksichtigung fanden auch die Angaben des Beschwer
deführers
(S. 2 f.). Der Bericht enthält
weiter
einen ausführlichen Befund
ein
schliesslich Angaben zu de
m
in der Unte
rsuchungssituation beobachteten
Bewe
gungsverhalten
(S. 6 ff.)
.
In der versicherungsmedizinischen Beurteilung legte der
RAD-Arzt die aus dem Leiden resultierenden Funktionsstörungen
nachvollzieh
bar
dar und
gelangte – in Übereinstimmung mit
der Einschätzung
d
u
r
ch die
be
handelnden
Somatiker
(vgl. S. 15 Mitte)
– zum
überzeugenden
Schluss, dass diese es dem Beschwerdeführer verunmöglichen, die
angestammte Tätigkeit als Dach
decker
beziehungsweise Monteur in einer Schädlingsbekämpfungsfirma, im Rah
men welcher Tätigkeit
d
er
Beschwerdeführer
eigenen Angaben zufolge
Dächer mardersicher machte
(
S. 6 unten),
tätig zu sein.
Für eine leidensangepasste Tätig
keit
attestierte
Dr.
J._
dem Beschwerdeführer
dagegen eine volle Arbeit
sfähig
keit, dies spätestens seit dem letzten Bericht von Prof.
H._
vom 1
2.
November
2018 (vgl. vorstehend E. 3.10), was er
in überzeugender Weise
unter Hinweis auf die
im Rahmen der Anamnese und der klinischen Untersuchung
erhobenen
Res
sour
cen
begründete.
Das
von
Dr.
J._
formulierte
Belastungsprofil
trägt dabei den erhobenen Funktionseinschränkungen in nachvo
llziehbarer Weise Rechnung.
4.2
Die weiteren sich mit dem somatischen Gesundheitszustands des Beschwerdefüh
rers befassenden medizinischen Berichte
, insbesondere jene der Ärzte der
F._
,
vermögen keine Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der RAD-Beurteilung zu wecken.
Während Prof.
H._
dem Beschwerdeführer im
Bericht vom
August 2018
(vorstehend E. 3.9)
noch eine
– für diese Zeit auch vom RAD-Arzt bestätigte -
volle Arbeitsunfähigkeit sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit attestiert hatte
,
erklärte er sich im
Bericht
vom
November 2018
(vorstehend E. 3.10)
ausser Stande, eine Aussage zur Ar
beitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu machen, was wohl nicht
zuletzt
Aus
druck
des ihm vordergründig zukommenden Be
handlungsauft
rags sein dürfte. Desgleichen im Bericht vom April 2019 (vorstehend E. 3.12), wobei er dort im
merhin ausführte, dass er dem Beschwerdeführer heute keine Arbeitsunfähigkeit attestieren könne.
Damit ergibt sich, dass d
er Bericht von RAD-Arzt
Dr.
J._
als beweiswertig (vgl.
dazu
vorstehend E. 1.5-6)
zu erachten ist
. Gestützt darauf ist
mit der Beschwer
degegnerin
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
aufgrund seines Darm- und
später
insbesondere seines
Hüftleidens
ab
September 2015
in jeglicher Tätig
keit zu 100
%
arbeitsunfähig war. Während
ihm die angestammte
Tätigkeit
nicht mehr zumutbar ist,
hat sich sein Gesundheitszustand spätestens per 1
2.
November 2018 soweit verbessert, dass er eine leidensangepasste Tätigkeit gemäss dem von
Dr.
J._
formulierten Belastungsprofil wieder vollzeitlich ausüben kann.
4.3
Der Beschwerd
eführer machte geltend, der RAD-
Arzt habe fälschlicherweise das Vorhandensein ps
ychischer Beschwerden verneint.
Richtig ist, dass
Dr.
J._
als
Somatiker
nicht
über
die Fachkompetenz verfügt,
den
psychische
n Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
abschliessend zu be
urtei
len. Seine
Aussagen
zur psychischen Verfassung des Beschwerdeführers kön
nen aber gleichwohl im Sinne von für oder gegen das Vorliegen einer relevanten psychischen Erkrankung
sprechende Indizien berücksichtigt werden. Die Feststel
lung von
Dr.
J._
, wonach
die beim Beschwerdeführer im Jahr 2016 diagnosti
zierte Anpassungsstörung (vgl. vorstehend E. 3.1) remittiert sei, basiert nicht zu
letzt auf den Angaben des Beschwerdeführers, wonach die psychischen Beschwer
den nach der Rückverlegung des Stomas (im September 2016, vgl. vorstehend E. 3.3) verschwunden seien
(
Urk.
7/77 S. 2 unten)
. Dementsprechend ist denn auch nicht aktenkundig, dass der Beschwerdeführer in der Zeit danach psy
c
hiatrische oder psychologische Hilfe in Anspruch genommen hätte. Eine Behandlungsdauer von Februar 2016 bis März 2017, wie sie Oberarzt
K._
in seinem Bericht vom Juli 2019 (vorstehend E. 3.13) nannte, ist nicht dokumentiert und wurde vom Beschwerdeführer auch anlässlich der Untersuchung durch den RAD-Arzt
im Ja
nuar 2019
nicht erwähnt (vgl.
Urk.
7/77 S.
3 Mitte).
Am 3
0.
Oktober 2017 gab
er
auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin
hin
vielmehr an, (leidglich) im März/April 2016 und Mai/Juni 2016 in psychologischer Behandlung gestanden zu haben (
Urk.
7/49).
Wie die Beschwerdegegnerin sodann zutreffend festhielt (
Urk.
6 S. 2), hat der Beschwerdeführer auch im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
keine psy
chischen Beschwerden oder eine Verschlechterung
seines
psychischen Gesund
heitszustands
erwähnt
(vgl.
Urk.
7/88,
Urk.
7/94). Erst
am 1
1.
Juni 2019, mithin
einige Tage nach Erlass der angefochtenen Verfügung,
begab sich der Beschwer
deführer
nach 2016 erneut in psychologische Behandlung, w
obei die Beschwer
degegnerin zu Recht darauf hinwies
(vgl.
Urk.
6 S. 2)
, dass
sich der Bericht des behandelnden Arztes (vorstehend E. 3.13) weder hinsichtlich der gestellten Diag
nosen noch der attestierten Arbeitsunfähigkeit als nachvollziehbar begründet er
weist.
Vor dem Hintergrund dieser Akt
e
nlage
bestehen
keine Anhaltspunkte für d
as Vorliegen eines relevanten
psychischen Gesundheitsschadens
im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
und hat die Beschwerdegegnerin
den Un
tersuchungsgrundsatz
nicht verletzt, indem sie keine weiteren Abklärungen tä
tigte. Allein aufgrund des Umstand
s
, dass die
Somatiker
die
nach den Hüftopera
tionen bestehenden
Restbeschwerden nicht
vollumfänglich erklären können (vgl. vorstehend E. 3.9-10, E. 3.12),
kann entgegen der Auffassung des Beschwerde
führer
s
nicht auf ein
psychisch überlagert
es Beschwerdebild geschlossen werden
.
4.4
Aus dem Arbeitgeberfragebogen (
Urk.
7/7
Ziff.
2.2, vgl. auch
Ziff.
3) und dem Kündigungsschreiben der
Y._
vom 2
6.
August 2015 (
Urk.
7/7/8) geht her
vor, dass der Beschwerdeführer die letzte Arbeitsstelle aus invaliditätsfremden Gründen verloren hat, womit zur Ermittlung des
Valideneinkommens
auf statis
tische Werte zurückzugreifen ist. Vor dem Hintergrund der beruflichen Laufbahn des
Beschwerdeführers, welcher
in Deutschland
eine Ausbildung als Werkzeug
macher absolvierte
und nach Tätigkeiten als Anlagemonteur und Maschinenfüh
rer sowie im Strassen-Tiefbau die letzten 17 Jahre als (ungelernter) Dachdecker
, zuletzt im Bereich der Schädlingsbekämpfung,
tätig war, ist nicht zu beanstan
den, dass die Beschwerdegegnerin bei der
ab 1
2.
November 2018
attestierten vol
len Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit davon ausging, dass der Beschwerdeführer ein rentenausschliessendes Einkommen
erzielen kann
. Denn
bei der Ermittlung des Validen- und des Invalideneinkommens
(vgl.
Art.
28a
Abs.
1 ATSG
i.V.m
.
Art.
16 ATSG)
wäre
von vergleichbaren Tabellen
löhnen auszugehen
und ein allfällig zu gewährender leidensbedingter Abzug
wirkte sich
nicht rentenrelevant aus.
Damit e
rweist sich die
Zusprache
einer befristeten ganzen Rente von
September 2016
(
nach Ablauf der einjährigen Wartezeit,
Art.
28
Abs.
1 lit. c IVG) bis
Ende Februar 2019
(Zeitpunkt
der
V
erbesserung plus 3 Monate,
Art.
88a
Abs.
1 IVV)
als rechtens.
5.
5.1
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Einglie
derungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grund
sätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbstein
gliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Ar
beitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versi
cherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1).
Die Rechtsprechung, wonach es bei der wiedererwägungs- oder revisionsweisen Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei zurückgelegtem 55. Alters
jahr oder mehr als fünfzehn Jahre dauerndem Rentenbezug grundsätzlich Ein
gliederungsmassnahmen durchzuführen gilt, findet auch dann Anwendung, wenn zeitgleich mit der
Rentenzusprache
über deren Befristung und/oder Abstufung befunden wird (
BGE 145 V 209
E. 5.4). Denn die rückwirkende
Zusprache
einer in der Höhe abgestuften und/oder zeitlich befristeten Invalidenrente richtet sich grundsätzlich nach denselben Regeln wie die Revision eines bestehenden Renten
anspruchs nach Art. 17 Abs. 1 ATSG. Auch in dieser Konstellation sind Versi
cherte betroffen, die zufolge invalidisierender Beeinträchtigung ihrer Gesundheit (d.h. invaliditätsbedingt) über einen mehr oder weniger langen Zeitraum über
haupt nicht mehr oder nur noch beschränkt eingegliedert waren (E. 5.3).
5.2
Der 1962 geborene Beschwerdeführer
war sowohl im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung (Juni 2019) als auch im Zeitpunkt der Aufhebung der Rente (Februar 2019) sowie im Zeitpunkt, für welchen davon
auszugehen ist
, dass ihm die Ausübung einer leidensangepassten Tätigkeit wieder vollzeitli
ch zumut
bar ist (November 2018),
über 55 Jahre alt. Deshalb kann
er nicht ohne weiteres auf den Weg der Selbsteingliederung verwiesen werden
und ist v
or einer Renten
aufhebung die Eingliederungsfrage zu prüfen.
D
en Akten
ist
nicht zu entnehmen
, d
ass Eingliederungsmassnahmen
nicht
mög
lich oder zumutbar wären.
Aus dem RAD-Bericht
vom Februar 2019
(vorstehend E. 3.11)
geht
vielmehr
hervor, dass der Beschwerdeführer
bereits Bewerbungsbe
mühungen unternommen hat,
woraus
geschlossen werden darf,
dass er
a
uch ge
willt wäre, an
Eingliederungsmassnahmen
teilzunehmen.
Abgesehen davon
wies er i
n seiner Beschwerde
auf die Notwendigkeit
einer
Unterstützung
bei der Wie
dereingliederung
durch die
Beschwerdegegne
r
i
n hin (
Urk.
1 S. 6
Ziff.
8).
Konkrete
Anhaltspunkte dafür, dass sich der Beschwerdeführer trotz seines fortgeschritte
nen Alters ohne Hilfestellungen wieder in d
as Erwerbsleben integrieren könnte
und deshalb ausnahmsweise von der Zumutbarkeit einer Selbsteingliederung aus
zugehen
ist, ergeben sich keine. Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere nicht
über besonders breite Ausbildung
en und Berufserfahrungen.
Die Beschwerdegegnerin hat
bislang
keine Eingliederungsbemühungen unter
nommen und
ist damit
ihrem Eingliederungsauftrag
(noch)
nicht nachgekommen.
Daraus ergibt sich, dass die Renteneinstellung so lange nicht gerechtfertigt ist, als die Wiedereingliederung nicht aktiv gefördert wurde oder
der
Beschwerdefüh
rer
sich nach
durchgeführtem Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
geweigert hat, an den angedachten
Eingliederungsmassnahmen
teilzunehmen. Angesichts der mangelnden Fähigkeit zur Selbsteingliederung ist dabei weiterhin von der bishe
rigen Erwerbsunfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auszugehen.
Dies führt im Ergebnis zur
Gutheissung
der Beschwerde mit der Feststellung, dass
der Beschwerdeführer
auch nach dem
2
8.
Februar 2019
einstweilen weiterhin An
spruch auf die bisherige ganze Rente hat.
6.
6.1
Die
Verfahrens
kosten
gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind
auf
Fr.
800
.-- festzuset
zen und
ausgangsgemäss
der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Nach
§
34
Abs.
1
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung der massgeblichen Kriterien ist die von der Beschwerdegegnerin zu bezahlende Prozessentschädigung auf
Fr.
2'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.