Decision ID: 320912d1-242d-5ed8-9a7a-4481885f0908
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer 1 ist einziges Verwaltungsratsmitglied der
Beschwerdeführerin 2, in deren Eigentum die Parzelle Twann-Tüscherz Grundbuchblatt
Nr. D._ steht. Die Parzelle liegt in der Bauzone D, in Sektor G des
Uferschutzplanes. Nachdem die Gemeinde darauf aufmerksam geworden war, dass der
Beschwerdeführer 1 Bauarbeiten ohne Bewilligung ausführte, informierte sie ihn über die
geltenden Vorschriften und forderte ihn zur Stellungnahme auf. Am 23. März 2010 führte
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sie einen ersten Augenschein durch. Mit Schreiben vom 24. März 2010 machte sie den
Beschwerdeführer auf die Bewilligungspflicht von Einfriedungen und Umgebungsarbeiten
im Uferbereich aufmerksam. Am 29. April 2010 erfolgte ein weiterer Augenschein.
Mit Verfügung vom 4. Juni 2010 forderte die Gemeinde Twann-Tüscherz den
Beschwerdeführer 1 auf, sämtliche Bauarbeiten auf seinem Grundstück einzustellen.
Gleichzeitig wurde er auf die Möglichkeit eines nachträglichen Baugesuchs hingewiesen.
Gegen diese Baueinstellungsverfügung reichte der Beschwerdeführer 1 am 5. Juli 2010
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein und
beantragte deren Aufhebung. Gleichentags reichte er bei der Gemeinde Twann-Tüscherz
ein nachträgliches Baugesuch ein. Die Beschwerde wurde mit Entscheid vom 1.
September 2010 abgewiesen (RA Nr. 120/2010/28). Am 15. August 2013 wurde ein
weiterer Augenschein durchgeführt.
Am 3. September 2015 erliess die Gemeinde Twann-Tüscherz eine
Wiederherstellungsverfügung. Darin ordnete sie den Rückbau der Bambushecke und des
Holzzauns auf maximal 1.20 m, den Rückbau der Sonnenstore, des Geräteschranks und
des Cheminées beim Sitzplatz West, Rückbau des Unterstands Ost, der neu verlegten
Steinplatten sowie der Sonnenstore im Bereich des Sitzplatzes Süd an. Gleichzeitig wies
sie auf die Möglichkeit eines nachträglichen Baugesuchs hin und drohte die
Ersatzvornahme und eine Busse bei Nichtbefolgung an. Die Beschwerdeführenden
verzichteten auf die Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs.
2. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 7. Oktober 2015
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragen die Aufhebung der Verfügung vom 3. September 2015.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die
Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Der Anzeigerin wurde Gelegenheit
gegeben, sich am Beschwerdeverfahren zu beteiligen. Die Gemeinde stellte keinen Antrag.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Die Anzeigerin reichte innert Frist keine Stellungnahme ein. Auf die Rechtsschriften wird,
soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die Beschwerdeführenden sind als Adressaten durch die angefochtene Verfügung
beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert. Der Beschwerdeführer 1 hat
zwischenzeitlich den Holzzaun auf 1.20 m gekürzt und das Cheminée entfernt. Die Höhe
des Holzzauns und das Cheminée müssen im Folgenden daher nicht mehr geprüft werden.
Der Holzstapel beim Sitzplatz West wurde zwar in den Erwägungen des angefochtenen
Entscheids erwähnt, im Dispositiv wurde aber keine Massnahme verfügt. Er ist daher im
vorliegenden Verfahren nicht Teil des Streitgegenstands. Im Übrigen ist auf die form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten.
2. Bambushecke und Holzzaun
a) An der Marche zur Nachbarparzelle Nr. F._ bestand seit mindestens 1989
eine durchgehende Thujahecke, die rund 2.00 m bis 2.50 m hoch war.3 Der
Beschwerdeführer 1 entfernte die Thujahecke und ersetzte sie im südlichen Teil der
Parzelle durch einen Zaun und eine Bambushecke. Der Zaun besteht aus vertikal
aufgestellten Holzpaletten. Er war ursprünglich 1.60 m hoch und wurde vom
Beschwerdeführer 1 auf 1.20 m gekürzt. Die Bambushecke ist rund 3.00 m bis 4.00 m hoch
und befindet sich direkt hinter dem Holzzaun. Die Gemeinde macht geltend, die
Holzpaletten seien kein geeignetes Material für einen Zaun im Seeuferperimeter. Es sei
eine besser geeignete Materialart zu wählen. Die Bambushecke gelte als Einfriedung und
sei auf eine Höhe von maximal 1.20 m zurückzuschneiden.
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 3 Vgl. Baubewilligung vom 26. Januar 1989
RA Nr. 120/2015/59 4
Die Beschwerdeführenden rügen, ein Holzzaun stelle ein naturnahes Gestaltungselement
dar. Dass es sich um eine unübliche Einfriedungsart handle, heisse nicht, dass sie auch
rechtswidrig sei. Die Bambushecke ersetze die frühere Thujahecke. Es handle sich nicht
um eine Einfriedung, sondern um einen partiellen Sichtschutz. Der Bambus sei mit einem
Grenzabstand von 0.40 m gepflanzt worden. Im Übrigen würden die reglementarischen
Vorschriften betreffend Höhen von Einfriedungen bei den Erschliessungsstrassen der
Seeliegenschaften kaum je eingehalten.
b) Die Liegenschaft der Beschwerdeführenden befindet sich im Bereich des
Uferschutzplanes der Gemeinde Tüscherz4. Für diesen gelten besondere Bau- und
Gestaltungsvorschriften, die den Bestimmungen des Gemeindebaureglements5 vorgehen
(Art. 2 UeV SFG6). So ist bei der Gestaltung und der Materialwahl für die Gebäude,
Gartenanlagen und Seemauern dem empfindlichen Charakter des Seeufers Rechnung zu
tragen (Art. 10 Abs. 2 UeV SFG).
Beim Holzzaun handelt es sich um vertikal nebeneinander aufgestellte Paletten aus
Rohholz. Der Zaun erscheint nicht fachmännisch erstellt und sieht nicht wie ein
zusammenhängender Zaun aus. Die Paletten bestehen aus unbehandeltem Holz. Dieses
sieht bereits auf den Fotos von 2012 und 2013 stark verwittert aus.7 Das Material ist
offensichtlich für einen Zaun nicht geeignet. Die Gemeinde hat zu Recht angeordnet, dass
für den Zaun eine geeignete Materialart gewählt werden soll. Die Rüge ist unbegründet.
c) Einfriedungen wie Holzwände, Mauern oder Zäune dürfen an die Grenze gestellt
werden, sofern sie nicht höher als 1.20 m sind. Höhere Einfriedungen sind um das Mass
der Mehrhöhe von der Grenze zurückzunehmen, jedoch höchstens auf 3.00 m. Für
Grünhecken gelten um 0.50 m erhöhte Abstände. Diese sind bis zur Mitte der Pflanzstelle
zu messen (Art. 79k EG ZGB8). Die von den Beschwerdeführenden gepflanzte
Bambushecke ist am ehesten mit einer Grünhecke vergleichbar. Aus den Fotos in den
4 Uferschutzplan der Gemeinde Tüscherz-Alfermée vom 26. November 1998, mit Änderungen vom 24. Juni 2009 (Uferschutzplan) 5 Baureglement der Gemeinde Tüscherz-Alfermée vom 7. April 2010 (GBR) 6 Überbauungsvorschriften zum Uferschutzplan der Gemeinden Tüscherz-Alfermée vom 18. April 2000 (UeV SFG) 7 Vgl. Fotos vom 22. Januar 2012 und vom Augenschein am 15. August 2013 8 Gesetz vom 28. Mai 1911 betreffend die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (EG ZGB; BSG 211.1)
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Vorakten ist ersichtlich, dass sie sich direkt hinter dem Holzzaun an der Marche zur
Nachbarparzelle befindet.9 Sie darf damit eine Höhe von maximal 1.20 m aufweisen. Die
Bambushecke ist über 3.00 m hoch und überschreitet die zulässige Höhe bei Weitem.
Die Besitzstandgarantie von Art. 3 Abs. 2 BauG gilt nur für den Unterhalt, Umbau und die
Erweiterung von bestehenden rechtswidrigen Bauten und Anlagen. Sie gilt nicht, wenn
solche Bauten abgebrochen und neu aufgebaut werden. Die Beschwerdeführenden haben
die bestehende Thujahecke vollständig entfernt und durch die Bambushecke ersetzt. Sie
können sich daher nicht auf die Besitzstandsgarantie berufen.
Das Vorbringen, die reglementarischen Vorschriften betreffend Höhen von Einfriedungen
würden bei den Erschliessungsstrassen der Seeliegenschaften kaum je eingehalten, wird
nicht weiter begründet oder mit Beispielen belegt. Im Übrigen handelt es sich vorliegend
um eine Parzellengrenze, nicht um eine Einfriedung an einer Erschliessungsstrasse. Das
Vorbringen ist aus diesen Gründen unbeachtlich.
Damit steht fest, dass die Gemeinde den Rückschnitt der Bambushecke auf 1.20 m zu
Recht angeordnet hat. Die Rüge ist unbegründet.
3. Sitzplatz West
a) An der Westseite des Gebäudes befindet sich ein Sitzplatz. Gegen Norden und
Westen ist er von einer rund 1.80 m bis 2.00 m hohen Wand aus Eisenbahnschwellen
umgeben. Beim Kauf der Liegenschaft durch die Beschwerdeführerin 2 war der Sitzplatz
mit einer Holzpergola überdacht. Der Beschwerdeführer 1 hat die Pergola entfernt und
stattdessen eine abgestützte Sonnenstore installiert. Diese deckt eine Fläche von rund
4.00 m auf 5.50 m und ist rund 2.50 m hoch. Die Stützen der Store befinden sich praktisch
auf der Parzellengrenze. Der Beschwerdeführer 1 hat zudem im Anschluss an die
Eisenbahnschwellenwand einen Geräteschrank aus Plastik aufgestellt. Die Gemeinde
macht geltend, die Baute gelte nicht als Pergola, sondern als gedeckter Sitzplatz oder
Anbau und müsse einen Grenzabstand von 5.00 m einhalten. Der Schrank wirke aufgrund
9 Vgl. Fotos vom 22. Januar 2012
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seiner Höhe zusammen mit den Eisenbahnschwellen wie eine Einfriedung. Die Store und
der Schrank müssten rückgebaut werden.
Die Beschwerdeführenden rügen, bei der Sonnenstore handle es sich nicht um einen
festen Bauteil. Die Pergola sei nur bei gutem Wetter nutzbar. Es handle sich nicht um
einen gedeckten Allwetter-Sitzplatz. Die Pergola könne nicht unter Art. 10 Abs. 3 UeV SFG
subsumiert werden und müsse daher keinen Grenzabstand einhalten. Beim Schrank
handle es sich um eine Fahrnisbaute, die jederzeit verschoben werden könne. Er sei Teil
des Sichtschutzes zur Nachbarparzelle.
b) Gemäss Art. 10 Abs. 3 UeV SFG gilt für jede oberirdische Baute, inklusive An- und
Nebenbauten, Gartenhallen, Gartenhäuschen und Garagen ein Grenzabstand von 5.00 m.
Bei der vom Beschwerdeführer installierten Store handelt es sich nicht um eine
freitragende Sonnenstore, sondern um eine Store mit fest installiertem Stützgerüst. Die
vertikalen Stützen befinden sich praktisch auf der Marche. Durch die Abstützung wird eine
grössere Fläche gedeckt, als dies mit einer freitragenden Store möglich wäre. Durch die
erhöhte Stabilität der Konstruktion kann der Sitzplatz auch bei schlechtem Wetter und Wind
länger genutzt werden. Die vorliegend installierte Store führt jedenfalls dazu, dass der
zugehörige Sitzplatz intensiver genutzt werden kann. Die Stützen sind fest montiert, so
dass das Gerüst auch bei eingezogener Store sichtbar ist. Die Store ist damit als Baute im
Sinne von Art. 10 Abs. 3 UeV SFG zu qualifizieren. Da die genannte Bestimmung nach
ihrem Wortlaut für jede Baute im Baugebiet D des Uferschutzplans gilt, ist es nicht
massgeblich, ob der Sitzplatz mit Store allenfalls als Pergola oder als gedeckter Sitzplatz
zu qualifizieren ist. Es ist unbestritten, dass die Stützen praktisch auf der Parzellengrenze
stehen. Der geforderte Grenzabstand von 5.00 m ist daher nicht eingehalten. Die Rüge ist
unbegründet. Die Gemeinde hat zu Recht den Rückbau angeordnet.
c) Der Geräteschrank ist 1.45 m breit und 1.95 m hoch und steht direkt an der
Parzellengrenze. Von der Nachbarparzelle aus gesehen hat er dieselbe Wirkung wie eine
Einfriedung, dies umso mehr, als er nahtlos an die Eisenbahnschwellen anschliesst. Für
den Schrank gelten daher bezüglich des Grenzabstands dieselben Vorschriften wie für
Einfriedungen. Mit einer Höhe von 1.95 m ist er wesentlich höher als die 1.20 m, bis zu
denen eine Einfriedung direkt an der Parzellengrenze stehen darf. Der Schrank ist daher
mindestens um die Mehrhöhe von 0.75 m von der Grenze zurück zu versetzen. Die
Verfügung vom 3. September 2015 verlangt den vollständigen Rückbau des Schranks.
RA Nr. 120/2015/59 7
Dies ist nach dem Gesagten nicht nötig. Der Entscheid wird entsprechend präzisiert. Da es
sich um eine Fahrnissache handelt, ist dies problemlos möglich. Die Rüge ist unbegründet.
4. Unterstand Ost
a) Im östlichen Teil der Parzelle befindet sich ein gedeckter Unterstand von rund 3.00 m
auf 3.50 m und einer Höhe von rund 2.50 m. Der Unterstand besteht aus hölzernen
Rankgittern und ist von Pflanzen überwuchert. Er wird offenbar für das Abstellen von
Gerätschaften verwendet. Der Grenzabstand zur Nachbarparzelle beträgt rund 2.00 m. Die
Gemeinde hat den Rückbau verfügt, da der Grenzabstand unterschritten sei.
Die Beschwerdeführenden machen geltend, beim Dach des Unterstands handle es sich um
eine mobile Sonnenstore. Der Unterstand könne daher nicht unter Art. 10 Abs. 3 UeV SFG
subsumiert werden und müsse keinen Grenzabstand einhalten. Er sei bereits 1989 erstellt
worden.
b) Der Unterstand wird auf vier Seiten von hölzernen Rankgittern gebildet, die
grösstenteils von Pflanzen überwuchert sind. Seeseitig befindet sich eine türgrosse
Öffnung. Der Unterstand ist wie eine Pergola mit einem offenen Holzgitter überdeckt.
Insgesamt wirkt der Unterstand wie ein Geräteschuppen. Er ist daher als Baute im Sinne
von Art. 10 Abs. 3 UeV SFG zu qualifizieren. Der Unterstand hat einen Grenzabstand von
rund 2.00 m und unterschreitet den reglementarischen Grenzabstand von 5.00 m damit bei
Weitem.
c) Die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands kann grundsätzlich nur innert
fünf Jahren ab Erkennbarkeit der Rechtswidrigkeit verlangt werden (Art. 46 Abs. 3 BauG).
Ist ein zwingendes öffentliches Interesse betroffen, so kann die Wiederherstellung auch
später noch verlangt werden, spätestens aber bis dreissig Jahre nach Beendigung der
rechtswidrigen Arbeiten.10 Die Gemeinde wurde erstmals aufgrund von Umbauarbeiten im
März 2010 auf die Liegenschaft aufmerksam. Der Unterstand wurde mit Schreiben vom
6. Juni 2011 beanstandet. Vorher konnte der rechtswidrige Zustand nicht erkannt werden,
da der Unterstand von der Strasse aus nicht sichtbar ist. Die Fünfjahresfrist gemäss Art. 46
10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 11
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Abs. 3 BauG ist daher eingehalten. Die dreissigjährige Verwirkungsfrist ist noch nicht
abgelaufen. Die Gemeinde hat den Rückbau damit zu Recht angeordnet. Die Rüge ist
unbegründet.
5. Plattenbelag
a) Auf der Liegenschaft befinden sich mehrere Bereiche mit Plattenboden. Die Platten
wurden im Rahmen von Umgebungsarbeiten auf einem bestehenden Betonuntergrund neu
verlegt. Die Fläche wurde insgesamt leicht reduziert. Die Gemeinde hat die Platten als
bewilligungsfähig bezeichnet und den Rückbau verfügt. Auf Rückfrage des Rechtsamts
bestätigte die Gemeinde mit Eingabe vom 18. Dezember 2015, dass der verlegte
Plattenbelag bewilligungsfähig und damit materiell nicht rechtswidrig sei.
b) Die zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands angeordneten Massnahmen
müssen verhältnismässig sein. Die Beschwerdeinstanz ist daher verpflichtet, die materielle
Rechtswidrigkeit der umstrittenen Bauten und Anlagen mindestens summarisch zu prüfen,
da es nicht verhältnismässig wäre, den Rückbau einer an sich bewilligungsfähigen Baute
zu verlangen, nur weil die förmliche Baubewilligung fehlt.11 Vorliegend ist davon
auszugehen, dass die Platten den Anforderungen von Art. 10B Abs. 2 UeV SFG
entsprechen. Die Platten befinden sich auf zwei Grundstücken, die maximal zulässige
Fläche von 30 m2 pro Parzelle wird daher nicht überschritten. Auch das gewählte Material
entspricht den Vorgaben. Die Gemeinde bestätigt, dass die verlegten Platten
bewilligungsfähig sind. Damit steht fest, dass die Platten materiell nicht rechtswidrig sind.
Es wäre unverhältnismässig, den Rückbau zu verlangen. Die Rüge ist begründet. Die
Verfügung der Gemeinde wird entsprechend angepasst.
6. Sonnenstore
a) Auf dem südlichen Teil der Liegenschaft befindet sich ein Sitzplatz mit einer
abgestützten Sonnenstore. Diese war bereits vom früheren Eigentümer der Liegenschaft
11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 15a
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erstellt worden. Die Gemeinde macht geltend, im Uferschutzbereich seien Sonnenstoren
von maximal 2.00 m Tiefe zulässig. Die vorliegend umstrittene Store sei aber 4.00 m tief.
Die Beschwerdeführenden rügen, die Sonnenstore sei vom früheren Eigentümer vor über
zwanzig Jahren erstellt worden. Sie könne vollständig eingezogen werden und falle nicht
unter das Bauverbot in der Uferschutzzone.
b) Die Sonnenstore befindet sich in Sektor G des Uferschutzplans. In diesem Bereich
sind nur Sitzplätze bis zu einer gewissen Grösse erlaubt, ansonsten besteht ein
allgemeines Bauverbot für oberirdische Bauten und Anlagen jeglicher Art (Art. 10B Abs. 2
UeV SFG). Die vorliegend umstrittene Sonnenstore kann einen Bereich von rund 16 m2
abdecken. Sie verfügt über eine permanente Konstruktion mit Metallstützen. Es handelt
sich damit um eine oberirdische Baute, die im Sektor G nicht zulässig ist. Die Sonnenstore
ist nicht bewilligungsfähig. Im Erstellungszeitpunkt galt ein vollständiges Bauverbot im
Uferbereich, d.h. die Store war auch nach den damaligen Bestimmungen rechtswidrig. Die
Beschwerdeführenden können sich daher nicht auf die Besitzstandsgarantie (Art. 3 Abs. 1
BauG) berufen. Die Gemeinde hat den Rückbau zu Recht angeordnet. Die Rüge ist
unbegründet.
7. Wiederherstellung
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Wiederherstellungsmassnahmen seien
unverhältnismässig und unzumutbar. Ausserdem würden der Vertrauensgrundsatz und die
Besitzstandgarantie verletzt. Die Beschwerdeführenden begründen ihre Rüge nicht weiter.
b) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme (Art.
46 Abs. 1 und 2 BauG). Die Wiederherstellungsverfügung muss im öffentlichen Interesse
liegen, verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
RA Nr. 120/2015/59 10
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.12
Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführenden die Bauten und Vorkehren
ohne Baubewilligung erstellt haben. Sie sind damit formell rechtswidrig. Mit Ausnahme des
Plattenbelags verstossen sämtliche von den Beschwerdeführenden realisierten Bauten
gegen baurechtliche Vorschriften der Gemeinde. Sie sind damit auch materiell
rechtswidrig. Die Durchsetzung des Baurechts stellt ein gewichtiges öffentliches Interesse
dar. Die Liegenschaft der Beschwerdeführenden befindet sich zudem in der geschützten
Uferzone. Hier ist das Interesse an der Wiederherstellung besonders gross, da neben
baurechtlichen Belangen auch der Natur- und Ortsbildschutz betroffen ist. Die
angeordneten Wiederherstellungsmassnahmen sind geeignet, den rechtmässigen Zustand
wiederherzustellen. Mildere Massnahmen sind nicht ersichtlich. Den Beschwerdeführenden
hätte bekannt sein müssen, dass für die Uferzone strengere Vorschriften gelten als für die
allgemeine Bauzone. Bei den rückzubauenden Bauten handelt es sich zudem um kleine
Nebenanlagen, so dass für die Beschwerdeführenden durch die Wiederherstellung kein
bedeutender Aufwand entstehen dürfte. Die Wiederherstellung ist damit zumutbar.
Schliesslich hat die Gemeinde die Beschwerdeführenden zur Einhaltung der Vorschriften
aufgefordert, sobald sie Kenntnis von der widerrechtlichen Bautätigkeit erlangt hatte. Der
Vertrauensgrundsatz ist daher nicht verletzt. Damit steht fest, dass die angeordneten
Wiederherstellungsmassnahmen verhältnismässig sind. Die Rüge ist unbegründet.
c) Für die Wiederherstellung ist dem Pflichtigen eine angemessene Frist zu setzen
(Art. 46 Abs. 2 BauG). In der Verfügung vom 3. September 2015 wurden den
Beschwerdeführenden Frist bis zum 6. November 2015 gesetzt, d.h. rund zwei Monate ab
Eröffnung der Verfügung. Dies erscheint angesichts der Tatsache, dass keine grossen
Bauten rückgebaut werden müssen, angemessen. Die Frist für die Wiederherstellung wird
daher neu angesetzt auf den 15. April 2015.
12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1
RA Nr. 120/2015/59 11
8. Kosten
a) Damit steht fest, dass die Beschwerdeführenden nur mit ihrer Rüge betreffend den
Plattenbelag durchgedrungen sind. Betreffend den Schrank beim Sitzplatz West wird der
Entscheid vom 3. September 2015 präzisiert. Es rechtfertigt sich daher, die
Verfahrenskosten um einen Fünftel zu reduzieren. Im Übrigen ist ihre Beschwerde
abzuweisen. Die Beschwerdeführenden haben die reduzierten Verfahrenskosten zu tragen
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.–
(Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV13). Den
Beschwerdeführenden werden davon vier Fünftel, ausmachend Fr. 800.–, auferlegt.
b) Die Beschwerdeführenden sind mit einem Teil ihrer Rügen durchgedrungen. Es
erscheint angemessen, ihnen einen Fünftel der Parteikosten zu ersetzen. Im Übrigen sind
sie unterlegen und haben keinen Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
Die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdeführenden gibt zu keinen Bemerkungen
Anlass. Die Gemeinde hat somit den Beschwerdeführenden einen Fünftel der Parteikosten
von Fr. 3'212.–, ausmachend Fr. 642.40, zu ersetzen.