Decision ID: dded93cf-5f87-5105-a2f0-60809dae28bb
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 10. September 2008 in der Schweiz
um Asyl. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-1186/2011
vom 30. März 2012 die gegen den negativen Asylentscheid des damaligen
BFM (Bundesamt für Migration) erhobene Beschwerde gutgeheissen
hatte, anerkannte die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit Entscheid vom
11. April 2012 als Flüchtling gemäss Art. 3 AsylG (SR 142.31) und gewährte
ihm in der Schweiz Asyl.
B.
Am 24. August 2012 reichte der Beschwerdeführer beim BFM für die bei-
den Kinder B._ (geboren am [...]) und C._ (geboren am [...])
sowie weitere Familienangehörige ein "Asylgesuch gemäss Art. 20 AsylG
i.V.m. Art. 51 AsylG" ein.
C.
Am 14. April 2014 erteilte das BFM eine Einreisebewilligung für die Kinder
B._ und C._.
D.
Mit Schreiben vom 8. September 2015 an den Beschwerdeführer stellte
das SEM fest, dass von der Einreisebewilligung kein Gebrauch gemacht
worden sei, weshalb sich die Frage stelle, ob sie zu widerrufen beziehungs-
weise abzuschreiben sei. Es werde ihm eine Frist eingeräumt, sich dazu
zu äussern. In seiner Stellungnahme vom 18. September 2015 liess der
Beschwerdeführer dazu ausführen, seine Wohnung sei im Mai 2015 abge-
brannt und die Suche nach einer neuen Unterkunft habe sich sehr schwie-
rig gestaltet. Zudem habe er mit erheblichen psychischen Problemen zu
kämpfen und sei in psychotherapeutischer Behandlung. Zunächst müsse
er die Situation in Ordnung bringen, ehe er in der Lage sei, seine Kinder in
die Schweiz zu holen.
E.
In der Folge schrieb das SEM die Einreisebewilligung für die vorgenannten
Kinder mit Verfügung vom 25. September 2015 als gegenstandslos ab.
F.
Am 16. Oktober 2017 reichte der Beschwerdeführer beim SEM ein erneu-
tes Gesuch um Familienzusammenführung zugunsten der Kinder
B._ und C._ ein. Zur Begründung führte er im Wesentlichen
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aus, seine Situation habe sich verbessert, er lebe nun wieder in einer eige-
nen Wohnung und sei auf keine ärztliche Hilfe mehr angewiesen. Nach
seiner Ausreise im Jahr 2008 hätten sich seine Kinder zunächst bei der
Grossmutter väterlicherseits (also seiner Mutter) aufgehalten. Ungefähr im
Jahr 2010 seien die beiden Kinder C._ und B._ gemeinsam
mit der Grossmutter und ihrer Tante (seiner Schwester) D._ nach
E._ gelangt, indessen aufgrund der unhaltbaren Situation im Jahr
2014 nach F._ weitergereist. Zwischenzeitlich sei die Grossmutter
verstorben. Der neue Partner von D._ wolle die Kinder loswerden.
Zudem sei die wirtschaftliche Situation für Flüchtlinge in F._ schwie-
rig.
G.
Mit Entscheid vom 27. Juli 2018 – eröffnet am 30. Juli 2018 – verweigerte
das SEM die Erteilung einer Einreisebewilligung und lehnte das Gesuch
um Familiennachzug ab.
H.
Mit Eingabe vom 27. August 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, der angefochtene
Entscheid sei aufzuheben, den Kindern B._ und C._ sei die
Einreise in die Schweiz zu bewilligen, sie seien in die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers einzubeziehen und es sei ihnen Familien-
asyl zu erteilen. Eventualiter sei das Verfahren zur weiteren Bearbeitung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses.
I.
Am 3. September 2018 gingen beim Gericht ein persönliches Schreiben
des Beschwerdeführers sowie ein von einer Privatperson verfasstes
Schreiben ein.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 7. September 2018 hiess die Instruktionsrich-
terin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Einreichung ei-
ner Vernehmlassung eingeladen.
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K.
In seiner Vernehmlassung vom 21. September 2018 beantragte das SEM
sinngemäss die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde
dem Beschwerdeführer am 26. September 2018 zur Kenntnis gebracht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
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3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten und minderjährige Kin-
der eines Flüchtlings in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehepartners res-
pektive Elternteils einbezogen und erhalten Asyl, wenn keine besonderen
Umstände dagegen sprechen. Dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft
und der Asylgewährung entgegenstehende besondere Umstände sind ge-
mäss Rechtsprechung beispielsweise anzunehmen, wenn das Familien-
mitglied Bürger eines anderen Staates als der Flüchtling ist und die Familie
in diesem Staat nicht gefährdet ist, wenn der Flüchtling seinen Status deri-
vativ erworben hat oder wenn das Familienleben während einer längeren
Zeit nicht gelebt wurde und erkennbar ist, dass die Familienmitglieder nicht
den Willen haben, als Familie zusammenzuleben. In jedem Fall bedingt die
Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, dass die anspruchsberechtigte
Person ihren Heimat- oder Herkunftsstaat verlassen hat. Im Hinblick hie-
rauf haben Personen, welche nach Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtlinge an-
zuerkennen sind, aus Art. 51 Abs. 4 AsylG einen Anspruch auf Erteilung
einer Einreisebewilligung, sofern sie sich im Ausland aufhalten und durch
die Flucht des anerkannten Flüchtlings von diesem getrennt wurden.
3.2 Wer um Erteilung einer Einreisebewilligung zum Zweck des Familien-
asyls ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen
zur Familiengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Fa-
miliengemeinschaft, die Familientrennung durch Flucht sowie die fest be-
absichtigte Familienvereinigung beider Anspruchsberechtigten nachzuwei-
sen oder zumindest glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-
chen damit, dass der Sohn B._ seinen Vater seit rund zehn Jahren
nicht mehr und seine Tochter C._ ihren Vater noch gar nie gesehen
habe. Im letzteren Fall könne deshalb nicht von einer vorbestandenen Fa-
miliengemeinschaft mit dem Beschwerdeführer gesprochen werden. Eine
Einreisebewilligung der Tochter würde somit lediglich einem Aufbau neuer
Familienbande dienen. Diesem Ersuchen fehle jedoch ein gesetzlicher An-
spruch. Der Sohn B._ wiederum habe die Mehrheit seines Lebens
ohne den Vater in der Obhut seiner Grossmutter und der Schwester
D._ verbracht. Zwar habe der Beschwerdeführer in der Schweiz im
Jahr 2015 ein Asylgesuch aus dem Ausland für die Kinder und Familien-
mitglieder, und schliesslich im Jahr 2018 ein Gesuch um Familienzusam-
menführung gestellt, jedoch seien den Akten keine Anstrengungen dafür
zu entnehmen, dass er versucht hätte, nach seiner Flucht aus Somalia im
September 2008 die Familie in einem Drittstaat wieder zu vereinen. Im
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Weiteren seien den Akten keine konkreten Anzeichen dafür zu entnehmen,
dass es dem ausdrücklichen Willen der genannten Kinder entspreche, die
gewohnte Umgebung und die enge Bezugsperson – die Schwester
D._ – zu verlassen, um mit einem notabene aufgrund der langen
Abwesenheit entfremdeten Vater zu leben. So seien die Kinder auch nie
diesbezüglich persönlich in Erscheinung getreten oder hätten sich deswe-
gen eigenständig an die Schweizerischen Behörden gewandt, etwa im Fall
der ungenutzten Einreisebewilligung im Rahmen des Asylgesuchs aus
dem Ausland. Somit würden besondere Umstände bestehen, die einer Be-
willigung der Einreise der Kinder gemäss Art. 51 Abs. 1 und 3 AsylG ent-
gegenstünden. Im Weiteren seien bezüglich der Lebensumstände des Be-
schwerdeführers Vorbehalte anzubringen. Er habe vorgebracht, zu hundert
Prozent (...) zu sein und im Rahmen von Ergänzungsleistungen durch den
Wohnkanton unterstützt zu werden. Er absolviere weitere Deutschkurse,
sei sozial vernetzt und strebe eine Ausbildung zum (...) an. Zwar werde
dem Beschwerdeführer die (...) aufgrund der psychischen Erkrankung
nicht zur Last gelegt, trotzdem sei diesbezüglich festzustellen, dass die Si-
tuation des Beschwerdeführers als nicht ausreichend stabil bezeichnet
werden könne. Nicht zuletzt bleibe aufgrund der geltend gemachten psy-
chischen Erkrankung fraglich, ob und wie er einer plötzlichen Erziehungs-
verantwortung für zwei Kinder gewachsen sei. Schliesslich vermöchten
auch die geltend gemachten schwierigen Verhältnisse der Kinder in
F._ nicht zu überzeugen. Auf konkrete Nachfrage des SEM habe
der Beschwerdeführer verneint, dass sich seine Kinder angesichts der gel-
tend gemachten schwierigen Lebensumstände in ein Flüchtlingslager des
UNHCR begeben hätten, um dort Unterstützung zu finden, zumal sich ein
solches Lager in G._ selber befinde. Die Kinder würden sich mitt-
lerweile seit 2008 mit der älteren Schwester D._ in F._ be-
finden. Es dürfe davon ausgegangen werden, dass sich in dieser Zeit eine
enge Beziehung zwischen den Genannten entwickelt habe und D._
für die beiden Kinder die primäre Bezugsperson darstelle. Zwar mache der
Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom Mai 2018 geltend, die Kinder hät-
ten ausser D._ in F._ keine weiteren Verwandten. Dies lasse
jedoch die Tatsache ausser Acht, dass im Asylverfahren aus dem Ausland
vorgebracht worden sei, die ganze Familie respektive die Grossmutter, de-
ren Adoptivkinder sowie der Bruder des Beschwerdeführers würden sich in
G._ aufhalten. Es sei somit wahrscheinlich, dass sich die Kinder in
F._ auf ein breiteres soziales Beziehungsgeflecht abstützten.
4.2 Auf Beschwerdeebene wird entgegnet, der Beschwerdeführer habe
sich stets um eine Wiedervereinigung mit den Kindern bemüht. Soweit er
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nicht mit diesen habe zusammenleben können, habe dies in den fluchtbe-
gründenden Umständen und nicht in der Verantwortung des Beschwerde-
führers gelegen. Des Weiteren habe die Vorinstanz diese Voraussetzungen
bereits in ihrer Verfügung vom 14. April 2014 geprüft und offensichtlich als
erfüllt erachtet. Die nun negative Prüfung dieser bereits bekannten Um-
stände widerspreche dem Prinzip von Treu und Glauben. Sodann sei klar
aktenwidrig, dass er nicht versucht habe, sich mit seiner Familie zu verei-
nen. Erstmals im August 2012, und nicht wie im Entscheid dargestellt im
Jahr 2015, habe er um Nachzug seiner Familie ersucht. Ebenfalls akten-
widrig sei, dass die Kinder nicht persönlich in Erscheinung getreten seien,
so habe sich die ganze Familie aktiv beteiligt und habe verschiedene
Schreiben und den DNA-Test eingereicht. Sodann sei die persönliche
Äusserung keine Voraussetzung des Familienasyls, da den Kindern ledig-
lich ein Anspruch eingeräumt werde, sie aber nicht zur Einreise gezwungen
würden. Wenn die Vorinstanz Zweifel am Willen der Kinder gehabt hätte,
so hätte sie dies im Rahmen des Vorverfahrens ausdrücken und dem Be-
schwerdeführer Gelegenheit zur Stellungnahme einräumen können. Wei-
ter rügt der Beschwerdeführer, dass die Vorinstanz einerseits erklärt habe,
die psychische Erkrankung werde ihm nicht zur Last gelegt, und anderer-
seits ausgeführt habe, dass ihm mit dieser Erkrankung die Verantwortung
für seine Kinder nicht zugetraut werde. Aufgrund des Hinschieds der Kinds-
mutter sei er für seine Kinder verantwortlich. Im Sinne des Kindswohls
habe er seine Kinder im Jahr 2014 noch nicht nachgezogen, da er der Mei-
nung gewesen sei, diesem zum damaligen Zeitpunkt nicht gerecht werden
zu können. Nachdem sich seine Situation stabilisiert habe, sehe er sich
dem nun gewachsen. Diese Entscheidung sei von der Vorinstanz zu res-
pektieren, zumal diese keine Abklärungen zum Kindeswohl – wie beispiels-
weise die Anhörung der Kinder – vorgenommen habe. Weiter wird auf Be-
schwerdeebene wiederholt darauf verwiesen, dass die Schwester
D._ nicht mehr länger für die Kinder sorgen könne beziehungs-
weise möchte, weil der neue Partner nicht akzeptiere, für die für ihn frem-
den Kinder aufzukommen. Entgegen der vorinstanzlichen Vermutung ver-
fügten sie über kein breites soziales Netzwerk.
4.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung fest, die Beschwerde-
schrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, wel-
che eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Im Übrigen
sei auf ihre Erwägungen zu verweisen, an denen vollumfänglich festgehal-
ten werde.
5.
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Im Sinne einer Vorbemerkung ist zur Klärung festzuhalten, dass es sich bei
der vorstehend mehrfach erwähnten D._, bei der sich die Kinder
B._ und C._ derzeit aufhalten sollen, um die (jüngere)
Schwester des Beschwerdeführers und damit die Tante der Kinder handelt
(vgl. dazu etwa A1/9 S. 3 [dort als H._ aufgeführt], B1/15 S.2 Ziff.
1.1). Ihre Bezeichnung als "ältere Schwester" in der angefochtenen Verfü-
gung ist missverständlich.
6.
6.1 Auf Beschwerdeebene wird zum einen darauf hingewiesen, dass die
Vorinstanz die Voraussetzung der vorbestandenen Familiengemeinschaft,
welche durch Flucht getrennt worden sei, bereits im ersten Familienzusam-
menführungsverfahren geprüft und offensichtlich als erfüllt angesehen
habe. Die nun negative Prüfung der bereits bekannten Umstände wider-
spreche dem Prinzip von Treu und Glauben. Zum anderen wird eingewen-
det, wenn die Vorinstanz mangels persönlichem Erscheinen der Kinder
Zweifel daran gehabt hätte, ob das Verfahren ihrem Willen entspreche,
hätte sie diesbezügliche Instruktionsmassnahmen treffen müssen. Ange-
sichts dieser Vorbringen stellen sich für das Bundesverwaltungsgericht
vorab zu klärende formelle Fragen.
6.2
6.2.1 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2
BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), das alle Befugnisse umfasst, die ei-
ner Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur Gel-
tung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu
äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erheblichen Be-
weisanträgen gehört zu werden sowie Einsicht in die Akten zu nehmen. Mit
dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen
tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung ange-
messen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass
es dem Betroffenen möglich ist, den Entscheid sachgerecht anzufechten,
was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechts-
mittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können
(vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2).
6.2.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungs-
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pflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
6.3 Im vorliegenden Fall gelangt das Bundesverwaltungsgericht nach Prü-
fung der Akten zum Schluss, dass die Vorinstanz den Sachverhalt ungenü-
gend abgeklärt hat und der ihr obliegenden Begründungspflicht nicht ge-
bührend nachgekommen ist. Aufgrund der in den Akten vorhandenen In-
formationen ist es dem Bundesverwaltungsgericht insgesamt nicht mög-
lich, einen begründeten Entscheid in der Sache zu fällen.
6.3.1 Zunächst ist festzustellen, dass die Kindesverhältnisse der beiden
Kinder B._ und C._ zum Beschwerdeführer, dessen Flücht-
lingseigenschaft rechtskräftig anerkannt ist, unbestritten sind. Die somali-
sche Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers ist ebenfalls unbestrit-
ten. Auf Beschwerdeebene wird sodann zutreffend darauf hingewiesen,
dass das SEM beziehungsweise dannzumal das BFM den Kindern am 14.
April 2014 eine Einreisebewilligung erteilt hatte, weshalb der Beschwerde-
führer davon habe ausgehen dürfen, dass die Grundvoraussetzungen für
eine Familienzusammenführung – mithin vorbestandene Familiengemein-
schaft, Trennung durch Flucht – als erfüllt betrachtet worden seien. Dass
die Vorinstanz nun zu einem anderen Schluss gelange, so der Beschwer-
deführer, verletze den Grundsatz von Treu und Glauben.
Ob dem tatsächlich so ist, lässt sich für das Bundesverwaltungsgericht
nicht prüfen. Zwar begründete die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid,
weshalb im Falle von C._ nicht von einer vorbestandenen Famili-
engemeinschaft mit dem Beschwerdeführer ausgegangen werden könne,
indessen ist der angefochtenen Verfügung nicht zu entnehmen, inwiefern
sich diesbezüglich eine Änderung gegenüber dem Sachverhalt im Zeit-
punkt der erteilten Einreisebewilligung im April 2014 ergeben hätte. Auch
hinsichtlich des ausdrücklichen Willens der Kinder wird weder in der ange-
fochtenen Verfügung noch in der Vernehmlassung dargelegt, weshalb die-
ser im Jahr 2014 offensichtlich als gegeben erachtet, im Jahr 2018 aber in
Frage gestellt wurde. Da es an vorinstanzlichen Ausführungen fehlt, wird
dem Bundesverwaltungsgericht deren Überprüfung verunmöglicht. Dies-
bezüglich ist eine Verletzung der Begründungspflicht festzustellen.
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6.3.2 Die Vorinstanz begründete sodann ihren negativen Entscheid unter
anderem damit, es seien den Akten keine konkreten Anzeichen dafür zu
entnehmen, dass es dem ausdrücklichen Willen der genannten Kinder ent-
spreche, die gewohnte Umgebung und die enge Bezugsperson zu verlas-
sen, um mit einem zwischenzeitlich, aufgrund der langen Abwesenheit,
entfremdeten Vater zu leben. So seien die Kinder auch nie diesbezüglich
persönlich in Erscheinung getreten oder hätten sich deswegen eigenstän-
dig an die Schweizerischen Behörden gewandt, etwa im Fall der ungenutz-
ten Einreisebewilligung im Rahmen des Asylgesuchs aus dem Ausland.
Es ist nicht zu bestreiten, dass gerade im Zusammenhang mit dem Nach-
zug von Kindern deren Willen und Wohl nicht ausser Acht gelassen werden
darf. Im vorliegenden Fall lebt der Sohn B._ seit nunmehr fast zwölf
Jahren getrennt von seinem Vater, C._ hat den Beschwerdeführer
überhaupt noch nie gesehen. Die Kinder lebten gemäss Angaben des Be-
schwerdeführers mit ihrer Grossmutter und/oder mit ihrer Tante D._
zusammen. Entsprechend ist die Vorinstanz im Grundsatz zu Recht davon
ausgegangen, dem Willen der Kinder müsse eine Bedeutung zugemessen
werden. Allerdings macht der Beschwerdeführer zutreffend geltend, er sei
diesbezüglich nicht zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Ebenso
wenig ergibt sich aus den Akten, dass die Vorinstanz andere Massnahmen
in die Wege geleitet hätte, um den Willen der betroffenen Kinder in Erfah-
rung zu bringen. Soweit vom SEM bemängelt wird, dass die Kinder nie
persönlich in Erscheinung getreten seien und sich im Fall der ungenutzten
Einreisebewilligung nicht eigenständig an die Schweizerischen Behörden
gewandt hätten, vermag dies die Vorinstanz nicht von ihrer Untersuchungs-
pflicht zu entbinden. Entgegen der vorinstanzlichen Einschätzung erachtet
es das Bundesverwaltungsgericht nicht als ein im Rahmen der Mitwir-
kungspflicht zu erwartendes Verhalten von zwei minderjährigen Kinder.
Dazu ist zu berücksichtigen, dass die Kinder im Zeitpunkt der ungenutzten
Einreisebewilligung erst (...) beziehungsweise (...) jährig gewesen sind. Es
erscheint realitätsfremd, von Kindern in diesem Alter zu erwarten, sie hät-
ten sich eigenständig an eine (für sie fremde) staatliche Institution zu wen-
den, um ihren Willen im Rahmen eines hängigen Verfahrens kundzutun.
Der von der Vorinstanz gemachte Hinweis auf fehlende Angaben der Kin-
der greift im vorliegenden Fall zu kurz und vermag sie nicht von ihrer Un-
tersuchungspflicht zu entbinden. Die Vorinstanz wäre – bei Zweifeln, ob die
Zusammenführung dem tatsächlichen Willen der Kinder entspricht – gehal-
ten gewesen, weitergehende Untersuchungsmassnahmen vorzunehmen.
Dies ist als Aufforderung zur schriftlichen Äusserung denkbar, sofern dies
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den Betroffenen möglich ist, oder durch Befragung auf einer schweizeri-
schen Vertretung. Indem die Vorinstanz solches unterlassen hat, hat sie
den Sachverhalt nicht genügend festgestellt.
6.3.3 Ergänzend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer gemäss den
dem Gericht vorliegenden Akten Anfang 2019 mit seiner ebenfalls aus So-
malia stammenden Partnerin (I._; N [...]) in der Schweiz eine neue
Familie gegründet hat. Diese Sachverhaltsveränderung wird die Vorinstanz
bei einem neuen Entscheid zu berücksichtigen haben.
6.4 Nach dem Gesagten liegt sowohl eine Verletzung der Begründungs-
pflicht als auch eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung vor.
6.5 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz-
lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden,
wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht er-
scheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5).
Vorliegend liegt der Mangel in einer Verletzung der Abklärungs- und Be-
gründungspflicht, was einen schwerwiegenden Mangel darstellt, der eine
vernünftige Prozesserledigung der Rechtsmittelinstanz verunmöglicht. Es
liegt nicht am Bundesverwaltungsgericht, anstelle der Vorinstanz die not-
wendigen Abklärungen vorzunehmen und die entsprechenden Schlüsse
aus dem Sachverhalt zu ziehen, und es ist auch nicht seine Aufgabe, Ver-
säumnisse des SEM auf Beschwerdeebene systematisch zu beheben und
damit die Vorinstanz gleichsam von einer sorgfältigen Verfahrensführung
zu entbinden, zumal dem Beschwerdeführer durch ein solches Vorgehen
eine Instanz verloren ginge. Somit fällt eine Heilung der festgestellten Män-
gel in der angefochtenen Verfügung nicht in Betracht (vgl. zum Ganzen
BVGE 2009/53 E. 7.3). Angesichts der Rückweisung der Sache erübrigt
sich eine Auseinandersetzung mit den in reformatorischer Hinsicht gestell-
ten Rechtsbegehren.
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Aufhe-
bung der angefochtenen Verfügung beantragt wird. Die vorinstanzliche
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Verfügung ist aufzuheben und die Sache zur vollständigen und richtigen
Sachverhaltsermittlung und zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der vom
Rechtsvertreter geltend gemachte Aufwand von 3 Stunden erscheint als
angemessen, und der ausgewiesene Stundenansatz von Fr. 193.– bewegt
sich im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Spesen sind gemäss Art. 11 Abs.
1 VGKE aufgrund der tatsächlichen Kosten und nicht als unbelegte Pau-
schale auszuzahlen. Unter Berücksichtigung des geltend gemachten Auf-
wandes, der ausgewiesenen Spesen sowie der Eingabe vom 31. August
2018 ist dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von insgesamt
Fr. 660.– zu Lasten der Vorinstanz als Parteientschädigung zuzusprechen.
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