Decision ID: 59d9c375-9971-4011-b581-7ff4df5da50e
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
N._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Thomas Bolt, Auerstrasse 2, Postfach 91,
9435 Heerbrugg,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a N._, Jahrgang 1966, meldete sich im Juli 2003 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an und beantragte berufliche Massnahmen (Berufsberatung,
Umschulung und Arbeitsvermittlung) und eine Rente. Dr. med. A._, FMH Innere
Medizin, spez. Pneumologie, diagnostizierte im Arztbericht vom 10. September 2003
(IV-act. 13) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein persistierendes instabiles
Asthma bronchiale trotz antiasthmatischer Therapie, differenzialdiagnostisch eine
chronische asthmatische Bronchitis, eine chronisch eosinophile Pneumonie, eine
leistungslimitierende Dyspnoe, eine Kardiopathie unklarer Ätiologie sowie einen
deutlichen Ferritinmangel ohne Anämie. Als Mitarbeiterin im Reinigungsdienst bestehe
seit mindestens Mai 2003 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Hauptsächlich sitzende
Tätigkeiten ohne Exposition zu entsprechenden Dämpfen in staubfreien, nicht allergen
bzw. physikalisch/chemisch belasteten Räumen seien zumutbar. Die vermutete
zeitliche Dauer, eine Arbeit ohne Beschwerden oder Ermüdung zu leisten, sei abhängig
von der maximalen Sauerstoffaufnahme. Empfohlen werde eine Teilzeitarbeit bei voller
Leistung, ausser bei sitzender Tätigkeit, die während 8 Stunden pro Arbeitstag
zumutbar wäre. Generell sollten keine mittleren bis schweren körperlichen Tätigkeiten
mehr ausgeführt werden.
A.b Mit Verfügung vom 2. Februar 2004 (IV-act. 23) verneinte die IV-Stelle eine
Kostengutsprache für berufliche Massnahmen und Rentenleistungen. Für leichte,
sitzende Tätigkeiten in nicht exponierten Räumen bestehe nach wie vor eine
Arbeitsfähigkeit von 100%. In einer der Behinderung angepassten Tätigkeit könne in
etwa dasselbe Einkommen erzielt werden wie in der letzten Tätigkeit als Näherin. Unter
diesen Umständen sei eine Invalidität im Sinne des IV-Gesetzes nicht ausgewiesen.
A.c Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die IV-Stelle mit
Einspracheentscheid vom 16. Juni 2004 ab.
A.d Gegen diesen Entscheid erhob die Versicherte beim Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen Beschwerde und beantragte, es seien ihr berufliche Massnahmen -
insbesondere Umschulungsmassnahmen - zuzusprechen, eventualiter sei festzustellen,
dass sie in rentenbegründendem Ausmass erwerbsunfähig sei. Mit Entscheid vom
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2. Dezember 2004 (IV-act. 28) hat das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die
Beschwerde insoweit gutgeheissen, als festgestellt wurde, dass ein Anspruch auf
Arbeitsvermittlung bestehe. Bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 15% bestehe
hingegen kein Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen oder auf eine Rente.
B.
B.a Nachdem ein Arbeitsversuch gescheitert war und sich die Versicherte nicht in der
Lage fühlte, die attestierte Arbeitsfähigkeit umzusetzen, wurde die Arbeitsvermittlung
durch die IV-Stelle abgebrochen und im Schlussbericht vom 19. Dezember 2005 (IV-
act. 42) die Rentenprüfung beantragt, wobei neue medizinische Unterlagen beschafft
werden sollten. Dr. A._ hielt im Verlaufsbericht vom 22. April 2006 (IV-act. 44) fest,
dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten ohne Veränderung der Diagnosen
verschlechtert habe. Es bestehe eine medizinisch-theoretische Ateminvalidität von
40%. Vom 9. bis 16. Oktober 2006 erfolgte eine Hospitalisation im Departement Innere
Medizin, Pneumologie, Kantonsspital St. Gallen. Im Austrittsbericht vom 19. Oktober
2006 (IV-act. 49) wurde ein allergisches Asthma bronchiale diagnostiziert,
differenzialdiagnostisch eine Hamsterallergie. Der regionale ärztliche Dienst (RAD) der
Invalidenversicherung erhob im Bericht vom 22. Dezember 2006 (IV-act. 50) aufgrund
einer internistischen Untersuchung der Versicherten am 5. Dezember 2006 die
Diagnosen Asthma bronchiale, Status nach Lungen-Tuberkulose mit
computertomographischem Nachweis von narbigen Veränderungen und leichter bis
mässiggradiger Bronchiektasie rechts sowie Verdacht auf Rhinitis vasomotorica. Die
allgemeine Leistungseinschränkung durch die pulmonale Erkrankung werde auf 20%
eingeschätzt. Dies betreffe sowohl die früheren als auch alle übrigen Tätigkeiten. Für
leidensadaptierte Tätigkeiten - ohne Exposition gegenüber höheren Konzentrationen
von atemwegsreizenden Stäuben, Dämpfen oder Rauchen sowie ohne Exposition
gegenüber Kälte, Nässe und Zugluft in ausreichend temperierten Räumen - bestehe
somit eine Arbeitsfähigkeit von 80%.
B.bMit Vorbescheid vom 24. Januar 2007 (IV-act. 53) stellte die IV-Stelle in Aussicht,
den Anspruch auf eine Invalidenrente zu verneinen. Am 26. Februar 2007 nahm der
Rechtsvertreter der Versicherten dazu Stellung.
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B.c Mit Verfügung vom 7. März 2007 (IV-act. 64) verneinte die IV-Stelle wie
angekündigt einen Anspruch auf eine Invalidenrente. Die Abklärungen hätten ergeben,
dass sich der Gesundheitszustand seit der letzten Rentenbeurteilung vor 3 Jahren nicht
wesentlich verändert habe. Es sei der Versicherten bei einer leidensangepassten
Tätigkeit weiterhin zumutbar ganztags zu arbeiten und dabei ein
rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. Gleichentags schloss die IV-Stelle die
Arbeitsvermittlung verfügungsweise ab (IV-act. 65).
B.d Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin und Pneumologie, erhob im
Bericht vom 13. April 2007 (IV-act. 67) die Diagnosen chronisches Asthma bronchiale,
Rhinokonjunktivitis allergika und Status nach Lungentuberkulose. Aufgrund der
Lungenerkrankung stellte er eine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit fest.
Für Arbeiten mit körperlicher Belastung oder Exposition gegenüber Dämpfen, Stäuben,
etc. bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Für körperlich nicht belastende Arbeiten
in lufthygienisch einwandfreier Umgebung bestehe jedoch eine Restarbeitsfähigkeit
von höchstens 40%.
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 7. März 2007 richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur.
Thomas Bolt, Heerbrugg, im Namen der Versicherten erhobene Beschwerde vom
23. April 2007 mit den Anträgen, die Verfügung vom 7. März 2007 betreffend
Invalidenrente sei aufzuheben, es sei der Beschwerdeführerin eine volle Rente
zuzusprechen und eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich seit dem Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 2. Dezember 2004 nachweislich verschlechtert. Der Bericht
des RAD sei alles andere als objektiv und somit seien die Schlussfolgerungen bei der
Beurteilung der Leistungsfähigkeit auch nicht verwertbar. Hingegen könne auf die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung von Dr. B._ abgestellt werden, wonach für körperlich
nicht belastende Arbeiten in lufthygienisch einwandfreier Umgebung eine
Restarbeitsfähigkeit von höchstens 40% bestehe. Unter Berücksichtigung eines
Leidensabzugs von 25% resultiere ein Invaliditätsgrad von 70% und somit ein
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Die erfolglos durchgeführte Eingliederung
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habe klar gezeigt, dass leichte Hilfsarbeitertätigkeiten praktisch nie in lufthygienisch
einwandfreier Umgebung ausgeübt werden könnten. Sodann würde selbst bei einer
Arbeitsfähigkeit von 80% und einem Leidensabzug von 25% ein Anspruch auf eine
Viertelsrente bestehen.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 1. Juni 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Sämtliche Einwände der Beschwerdeführerin gegen das
RAD-Gutachten seien nicht stichhaltig. Hingegen sei der relativ rudimentäre Bericht
von Dr. B._ mangelhaft. Die Anamnese fehle vollständig und zudem gehe der Bericht
nicht auf das RAD-Gutachten ein und begründe seine davon abweichende
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht. Auf den Bericht könne nicht abgestellt werden. Das
Versicherungsgericht habe im Entscheid vom 2. Dezember 2004 das
Valideneinkommen anhand der Lohnstrukturerhebung auf Fr. 47'599.-- festgelegt,
dieser Wert könne weiterhin verwendet werden. Das Versicherungsgericht habe zudem
festgestellt, dass der hypothetisch ausgeglichene Arbeitsmarkt für die
Beschwerdeführerin geeignete Arbeitsstellen enthalte. Es sei ein sogenannter
Leidensabzug von 15% vorzunehmen, weil die Beschwerdeführerin nur noch leichte
Hilfstätigkeiten ausführen könne, ein Teilzeitabzug sei hingegen nicht möglich. Das
Invalideneinkommen betrage somit Fr. 32'340.--, woraus ein rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von 32% resultiere.
C.c Mit Replik vom 9. Juli 2007 liess die Beschwerdeführerin an ihrem Rechtsbegehren
unverändert festhalten. Zusätzlich legte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
einen Bericht von Dr. B._ vom 20. Juni 2007 ins Recht. Sollte das Gericht nicht auf
die fachärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. B._ abstellen, werde ein
Obergutachten beantragt.
C.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet.

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
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in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
E. 1b; 132 V 215 E. 3.1.1), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden
materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
Streitig und im vorliegenden Verfahren zu überprüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin
den Anspruch auf eine Invalidenrente zu Recht verneint hat.
3.
3.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn der Versicherte mindestens zu 70%,
derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn er wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
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3.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt
der Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in
das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189
Erw. 2a in fine, BGE 122 V 161 Erw. 1c).
4.
Das Sozialversicherungsgericht beurteilt die Rechtmässigkeit der angefochtenen
Verfügung in der Regel nach demjenigen Sachverhalt, der zu jenem Zeitpunkt gegeben
war (BGE 131 V 242 E. 2.1). Massgebend sind somit die rechtserheblichen Tatsachen,
wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung vom 7. März 2007 entwickelt haben. Die
weitere Gesundheitsentwicklung der Beschwerdeführerin ist damit nicht relevant.
Spätere Arztberichte sind insofern in die Beurteilung mit einzubeziehen, als sie
Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens
bestehende Situation erlauben (BGE 121 V 366 E. 1b in fine). Am 30. März 2007
erfolgte die Untersuchung der Beschwerdeführerin bei Dr. B._. Im Bericht vom 13.
April 2007 wurde erstmals die Diagnose Rhinokonjunktivitis allergika erhoben. Die
Diagnosen chronisches Asthma bronchiale und Status nach Lungentuberkulose
wurden bereits im RAD-Bericht 22. Dezember 2006 erhoben. Die genannte
Untersuchung sowie die ärztliche Beurteilung von Dr. B._ erfolgten zwar nach Erlass
der angefochtenen Verfügung. Dennoch ist davon auszugehen, dass sie noch den
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Gesundheitszustand, wie er sich auch bis zum Erlass der Verfügung verwirklicht hat,
aufzeigen. Insofern ist für das vorliegende Verfahren auch die Beurteilung von Dr. B._
zu berücksichtigen.
5.
5.1 In der angefochtenen Verfügung ging die Beschwerdegegnerin gestützt auf den
RAD-Bericht von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit
aus und ermittelte dementsprechend einen Invaliditätsgrad im rentenausschliessenden
Bereich. Somit gilt es vorerst den RAD-Bericht auf seine Zuverlässigkeit bzw. die
Anforderungen der vorstehend zitierten Rechtsprechung an einen solchen zu
überprüfen.
5.2 Der RAD-Arzt kommt gestützt auf die Krankheitsanamnese und seine eigene
Untersuchung vom 5. Dezember 2006 zum Schluss, bei der Beschwerdeführerin
handle es sich am ehesten um einen Defektzustand nach durchgemachter
Lungentuberkulose sowie um ein intermittierend auftretendes bis (?) leichtes Asthma
bronchiale. Die Messwerte der durchgeführten Lungenfunktionsprüfung würden auf
eine allenfalls leichte bronchiale Obstruktion mit guter Reversibilität unter
Bronchospasmolyse hinweisen; die Kooperation der Beschwerdeführerin wird als
insgesamt mässig beurteilt. Bei der Ergospirometrie sei eine deutliche
Hyperventilationsneigung feststellbar geworden. Der Testabbruch "bei weit
submaximaler Last" interpretiert der RAD-Arzt "am ehesten im Rahmen von
Selbstlimitierung und Trainingsmangel". Funktionseinschränkend würden sich eine
unspezifische bronchiale Hyperreagibilität, ein chronischer Husten sowie eine allenfalls
leichtgradige bronichale Obstruktion auswirken. Der chronische Husten könnte
medikamentös behandelt werden; die geklagten Episoden von Herzrasen stünden am
ehesten im Zusammenhang mit dem exzessiven Gebrauch von Inhalativa durch die
Beschwerdeführerin. Die durch die pulmonale Erkrankung bedingte allgemeine
Leistungseinschränkung schätzt der RAD-Arzt auf 20 %. Für leidensadaptierte
Tätigkeiten, d.h. solche ohne Exposition gegenüber höheren Konzentrationen von
atemwegsreizendem Staub, Dampf oder Rauch sowie ohne Exposition gegenüber
Kälte, Nässe und Zugluft, in ausreichend temperierten Räumen wird eine
Arbeitsfähigkeit von 80 % angegeben.
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5.3 Dr. B._ führt auf Grund seiner klinischen und serologischen Untersuchungen
sowie einer Lungenfunktionsprüfung im Bericht vom 13. April 2007 aus, die
Beschwerdeführerin weise eine mittelschwere bis schwere gemischt restriktiv/
obstruktive Ventilationsbehinderung auf. Die Restriktion erkläre sich einerseits durch
den Status nach Lungentuberkulose mit erheblichen narbigen Veränderungen und
Schrumpfung des rechten Hemithorax anderseits durch die angewandete
Messmethode mit der Stickstoffauswaschmethode, bei der als Folge des Trapped Air
Phänomens nicht das gesamte Residualvolumen mitgemessen werde. Die
Bronchialobstruktion sei Ausdruck eines persistierenden schweren, zum Teil
allergischen Bronchialasthmas. Die geklagten Dyspnoebeschwerden könnten
weitgehend durch die Beeinträchtigung der Atemmechanik erklärt werden. Einerseits
liege nachweislich eine mittelschwere Intervallobstruktion vor, anderseits dürften die
Vernarbungen im Lungenparenchym zu einer veränderten Compliance und Zunahme
der Atemarbeit führen. Es müsse eine erhebliche allergische Komponente postuliert
werden. Differentialdiagnostisch müsse in diesem Zusammenhang auch an eine
allergische brochopulmonale Aspergillose gedacht werden. Die detaillierte
Berufsanamnese mit Kontakt zu Nickeldämpfen, Säureanhydriden und Pilzen liessen
vermuten, dass das Bronchialasthma bei der Beschwerdeführerin möglicherweise
durch Inhalationsnoxen an ehemaligen Arbeitsplätzen induziert worden sei. Eine
entsprechende Testung bzw. Abklärung sei nie durchgeführt worden. Hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit bestehe bei der Beschwerdeführerin eine wesentliche Einschränkung,
die durch die Lungenerkrankung bedingt sei. Für Arbeiten mit körperlicher Belastung
oder Exposition gegenüber Dämpfen, Staub etc. bestehe eine 100 %
Arbeitsunfähigkeit. Für körperlich nicht belastende Arbeiten in lufthygienisch
einwandfreier Umgebung bestehe eine Restarbeitsfähigkeit von höchstens 40 %.
Dr. B._ erwähnt schliesslich, dass die Beschwerdeführerin sich während der
Untersuchung offen und kooperativ verhalten habe und keine Tendenzen zur
Aggravation bzw. Simulation gezeigt habe.
Im Schreiben vom 20. Juni 2007 an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
erläutert Dr. B._ seine Bedenken gegenüber der Beurteilung durch den RAD-
Gutachter. Die Lungenfunktion stelle eine Momentaufnahme dar und liefere zu wenig
Informationen über den Verlauf im Alltag. Ambulante Messungen von FEV1 und Peak
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flow während einem Zeitraum von mindestens drei Wochen seien absolut notwendig,
um den Verlauf eines Bronchialasthmas zu beurteilen. Bei seiner eigenen Untersuchung
am 30. März 2007 seien die Lungenfunktionswerte wesentlich schlechter gewesen als
bei der Untersuchung des RAD am 5. Dezember 2006. Die Interpretation der Resultate
der Ergospirometrie sei unvollständig und zeuge von einem ungenügenden Verständnis
der Pathophysiologie. Es werde wohl erkannt, dass die ventilatorischen Reserven
aufgebraucht seien, leider werde aber nicht hinterfragt, was dies für die
Beschwerdeführerin bedeute. Aus pneumologischer Sicht sei eine Hyperventilation
definiert als Absinken des arteriellen pCO2 unter 35 mmHg. Eine arterielle
Blutgasanalyse sei jedoch weder vor, noch während, noch nach der Ergospirometrie
durchgeführt worden. Die Messung des CO2 in der Ausatmungsluft sei nicht
gleichzusetzen mit den Werten der Blutgasanalyse. Durch die Beeinträchtigung der
Atemmechanik mit einer gemischt restriktiv/obstruktiven Ventilationsbehinderung
müsse die Beschwerdeführerin zur Steigerung des Atemminutenvolumens vornehmlich
die Atemfrequenz steigern. Dadurch vergrössere sich die Totraumventilation, so dass in
der Ausatmungsluft der CO2 Wert deutlich tiefer liege, als es von den Blutgasen her zu
erwarten wäre. Die Steigerung der Atemfrequenz führe aber zu einer deutlichen
Zunahme der Atemarbeit, was sich letztlich in Dyspnoe äussere. Eine Erhöhung der
Atemfrequenz sei nicht mit einer Hyperventilation gleichzusetzen. Leider sei unter
körperlicher Belastung auch keine Flussvolumenkurve aufgezeichnet worden. Diese
würde klar zeigen, ob die Beschwerdeführerin unter Belastung tatsächlich pulmonal-
mechanisch limitiert sei. Sodann sei es auch unterlassen worden, nach der
Ergospirometrie nochmals einen Lungenfunktionstest durchzuführen. Dieser hätte
möglicherweise eine erhebliche, anstrengungsinduzierte Komponente des
Bronchialasthmas gezeigt. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im RAD-Gutachten sei
nur nachvollziehbar, wenn sich die Beurteilung einzig auf das FEV1 nach Broncholyse
abstütze. Die Resultate der Ergospirometrie seien hingegen nicht verwendet worden.
Die Kooperation der Beschwerdeführerin bei der Lungenfunktionsprüfung werde nur als
mässig eingestuft. Der Verlauf der Flussvolumenkurve zeige hingegen keine
Einschränkung der Kooperation. Es werde auch nicht erwähnt, wie viele Versuche
durchgeführt worden und wie gross die Abweichungen innerhalb der verschiedenen
Versuche gewesen seien. Es werde nicht unterschieden, ob eine eingeschränkte
Kooperationsfähigkeit oder -möglichkeit vorgelegen habe. Eine Klassifizierung des
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Bronchialasthmas nach den geltenden GINA-Guidelines sei nicht durchgeführt worden
und ein Peak flow Protokoll bzw. FEV1 Messungen im Alltag würden nicht vorliegen.
Die abweichende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 40% beruhe auf der deutlich
schlechteren Lungenfunktion anlässlich der Untersuchung vom 30. März 2007. Die
Festsetzung der Restarbeitsfähigkeit zu diesem Zeitpunkt auf 40% sei realistisch und
als Momentaufnahme sinnvoll gewesen. Jedoch sei die Einschätzung in diesem
Rahmen (gemeint wohl: längerfristig) auch realistisch als Restarbeitsfähigkeit. Das
schwere Bronchialasthma mit nächtlichen Dyspnoeattacken, Störung des Schlaf-/
Wachrhytmus, negativer Beeinflussung der Psyche und Limitierung der körperlichen
Leistungsfähigkeit beeinflusse die Arbeitsfähigkeit weit mehr, als von einem FEV1 Wert
nach Broncholyse angenommen werden könne. Die nicht vollständige Inspiration nach
den forcierten Atemmanövern sei reproduzierbar und unterstreiche lediglich die etwas
eingeschränkte Kooperationsfähigkeit der Patientin im Rahmen des schweren
Bronchialasthmas.
5.4 Zwischen den Berichten des RAD und von Dr. B._ bestehen wesentliche
Unterschiede in der Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit und bezüglich der
Interpretation der durchgeführten Untersuchungen. Dr. B._ begründet den
Unterschied in der Arbeitsfähigkeitsschätzung mit der deutlich schlechteren
Lungenfunktion anlässlich seiner Untersuchung im Vergleich zur Untersuchung beim
RAD. Insbesondere macht er geltend, dass für eine repräsentative Beurteilung
ambulante Messungen von FEV1 und Peak flow während einem Zeitraum von
mindestens drei Wochen notwendig seien. Nachdem Dr. B._ eine schlechtere
Lungenfunktion im Untersuchungszeitpunkt belegen kann, ist diese Auffassung
nachvollziehbar. Bei einem sich stark verändernden Beschwerdebild ist eine
Festlegung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer an einem Stichtag durchgeführten
Untersuchung unzuverlässig. Bereits Dr. A._ teilte im Bericht vom 22. April 2006 mit,
dass die Beschwerdeführerin trotz oder wegen einer konsequent eingehaltenen
hochdosierten antiasthmatischen Basistherapie nach wie vor an einem instabilen
Asthma bronchiale leide. Asthma bronchiale wird definiert als anfallsweises Auftreten
von Atemnot infolge variabler und reversibler Bronchialverengung durch Entzündung
und Hyperreaktivität der Atemwege (Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 259.
Auflage, S. 142). Das klinische Bild ist sehr wechselhaft, deshalb darf man die Patientin
nicht nur nach einem symptomarmen Intervall beurteilen. Die quantitative Beurteilung
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umfasst neben dem klinischen Bild mit Zeichen der Dyspnoe, Zyanose usw. stets eine
eingehende Lungenfunktionsprüfung, mindestens mit Spirometrie, möglichst auch mit
Blutgasanalysen und atemmechanischer Untersuchung, die nach Gabe eines
Bronchospasmolytikums zu wiederholen ist (H.H. Marx/G. Siemon, Medizinische
Begutachtung; Hrsg. H.H. Marx, 6. Aufl. S. 209). Das RAD-Gutachten basiert auf einer
an einem Stichtag durchgeführten Untersuchung. Eine Wiederholung der eingehenden
Lungenfunktionsprüfung wurde nicht durchgeführt. Dies wäre im vorliegenden Fall
allerdings wohl notwendig gewesen. Dies bestätigt die Tatsache, dass bei der
Untersuchung von Dr. B._ eine Verschlechterung der Lungenfunktion festgestellt
wurde. Im Weiteren wurde bei der Untersuchung die empfohlene Blutgasanalyse nicht
durchgeführt.
5.5 Insgesamt lassen die Berichte von Dr. B._ erhebliche Zweifel am RAD-Gutachten
aufkommen, so dass es nicht beweistauglich ist. Insbesondere ist nachvollziehbar,
dass eine zuverlässige Beurteilung der Lungenfunktion nur anhand von mehreren
Messungen über einen bestimmten Zeitraum möglich ist. Indem allerdings Dr. B._ die
Restarbeitsfähigkeit ebenfalls lediglich auf seine einmalige Untersuchung gestützt hat,
kommt auch diesem Bericht keine rechtsgenügliche Beweiskraft zu. Aus den
genannten Gründen ist somit die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch ein
neues pneumologisches Gutachten zu ermitteln, und zwar mit Vorteil von einem
Facharzt, der die Beschwerdeführerin noch nicht beurteilt hat. Dabei gilt es die
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin entsprechend den obigen Erwägungen
rechtsgenüglich abzuklären. Im übrigen gilt es festzuhalten, dass Dr. B._ im Bericht
vom 13. April 2007 eine Rhinokonjunktivitis allergika diagnostiziert hat. Dabei handelt
es sich um eine Diagnose, welche im bisherigen Krankheitsverlauf noch nicht
festgestellt worden ist. Sie wird im Rahmen der neuerlichen Begutachtung zu
verifizieren bzw. mitzuberücksichtigen sein.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 7. März 2007 aufzuheben und die
Sache ist zur Anordnung eines Obergutachtens im Sinn der Erwägungen und zu
entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
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6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 Erw. 5a). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Da sie gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. b des st. gallischen
Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (sGS 350.1) Teil der Sozialversicherungsanstalt und damit Teil
einer selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt ist, kommt Art. 95 Abs. 3 VRP
(Befreiung von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten) nicht zur Anwendung (vgl.
Urs Peter Cavelti/Thomas Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen –
dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., 2003, Rz 792). Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Mit Schreiben vom 29. August 2007 (act. G
15.1) hat der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine Honorarnote in der Höhe
von Fr. 3'916.65 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) eingereicht. Der Betrag
scheint der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
angemessen, der Honorarnote kann entsprochen werden. Bei diesem
Verfahrensausgang wird die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG