Decision ID: bfd54ee1-28ff-4aec-9354-be30eec5f618
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Mit definitiven Veranlagungsverfügungen vom B._ hat die
Steuerverwaltung des Kantons Graubünden (nachfolgend
Steuerverwaltung) den steuerbaren Reingewinn der A._ AG für das
Jahr 2020 sowohl für die direkte Bundessteuer als auch die Kantonssteuer
mit CHF 0.-- festgesetzt. Dabei hat die Steuerverwaltung den von der
A._ AG in der Steuererklärung 2020 deklarierte Reingewinn von CHF
67'621.-- um eine Aufrechnung für zu viel entschädigte Fahrkosten von
CHF 9'400.-- auf CHF 77'021.-- erhöht. Diese Aufrechnung hatte unter
Berücksichtigung der in der Steuererklärung 2020 deklarierten
Verlustverrechnungen von insgesamt CHF 193'325.-- indessen keinen
Einfluss darauf, dass der steuerbare Reingewinn mit CHF 0.-- veranlagt
worden ist.
2. Dagegen erhob die A._ AG am 14. August 2022 Einsprache, in
welcher sie sinngemäss die Auffassung vertrat, dass die von C._,
Mitglied des Verwaltungsrates der A._ AG, zurückgelegten Fahrten
zwischen D._ und E._ als Arbeitsweg zu qualifizieren seien und
die geltend gemachten Fahrkosten von CHF 20'160.-- vollumfänglich in
Abzug gebracht werden könnten. Die von der Steuerverwaltung
vorgenommene Aufrechnung von CHF 9'400.-- sei somit zu Unrecht
erfolgt.
3. Mit Einspracheentscheiden vom F._ trat die Steuerverwaltung auf die
Einsprache der A._ AG nicht ein. Begründend wurde im Wesentlichen
geltend gemacht, dass sich am steuerbaren Reingewinn von CHF 0.--
selbst dann nichts ändern würde, wenn auf die zugunsten der
Beschwerdeführerin neu vorgenommene bzw. reduzierte Aufrechnung
von CHF 7'000.-- ganz oder teilweise verzichtet werden würde. Diese
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Aufrechnung wirke sich ausschliesslich auf die Höhe der zukünftigen
verrechenbaren Vorjahresverluste aus.
4. Dagegen erhob die A._ AG (nachfolgend Beschwerdeführerin) am
23. Oktober 2022 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden mit dem Antrag um Aufhebung der Einspracheentscheide
vom F._ und Neuveranlagung durch die Steuerverwaltung.
Begründend wurde im Wesentlichen – wie bereits in der Einsprache –
geltend gemacht, dass die von C._ zurückgelegten Fahrten zwischen
D._ und E._ als Arbeitsweg zu qualifizieren seien und die
geltend gemachten Fahrkosten von CHF 20'160.-- vollumfänglich in Abzug
gebracht werden könnten. Damit erweise sich die reduzierte Aufrechnung
von CHF 7'000.-- als unrechtmässig.
5. Die Steuerverwaltung (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte in
ihrer Vernehmlassung vom 31. Oktober 2022 die Abweisung der
Beschwerde. Bei der Beschwerdeführerin resultiere in jedem Fall eine
Nullveranlagung, weshalb es ihr an einem Feststellungs- oder einem
andersartigen Rechtschutzinteresse fehle, das sie zur Anfechtung der
Einspracheentscheide berechtigten würde. Daher sei zu Recht nicht auf
die Einsprache eingetreten worden. Der reduzierten Aufrechnung von
CHF 7'000.-- komme ausschliesslich die Bedeutung einer provisorischen
Erhöhung der künftig verrechenbaren Vorjahresverluste zu.
6. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften, wird
soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen, eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die
Einspracheentscheide der Beschwerdegegnerin vom F._ betreffend
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direkte Bundessteuer und Kantonssteuer, mit welchen auf die Einsprache
der Beschwerdeführerin nicht eingetreten wurde. Solche
Einspracheentscheide können gemäss Art. 140 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11)
bzw. Art. 50 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der
direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG; SR 642.14) i.V.m.
Art. 139 Abs. 1 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG; BR
720.000) mit Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden angefochten werden. Die sachliche Zuständigkeit des
streitberufenen Gerichts ergibt sich aus Art. 49 Abs. 1 lit. b des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100), wonach das
Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Dienststellen der
kantonalen Verwaltung und von unselbständigen Anstalten des
kantonalen Rechts beurteilt, soweit das kantonale Recht den direkten
Weiterzug vorsieht, was vorliegend – wie gesehen (vgl. Art. 139 Abs. 1
StG) – der Fall ist. Demzufolge fällt die Beurteilung der vorliegenden
Streitsache in die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts. Die
Beschwerdeführerin ist als formelle und materielle Adressatin der
angefochtenen Einsprache- bzw. Nichteintretensentscheide ohne
Weiteres beschwert und damit zur Beschwerdeerhebung befugt (vgl. Art.
50 Abs. 1 VRG). Auf die zudem frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist demnach einzutreten.
2. Im vorliegenden Verfahren ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin zu
Recht nicht auf die Einsprache der Beschwerdegegnerin vom 14. August
2022 eingetreten ist.
2.1. Es ist unbestrittene Tatsache, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2020
einen Verlust ausgewiesen hat. Entsprechend hat die
Beschwerdegegnerin den steuerbaren Reingewinn der A._ AG für
das Jahr 2020 sowohl für die direkte Bundessteuer als auch die
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Kantonssteuer zur Recht mit CHF 0.-- veranlagt. Daran würde sich auch
nichts ändern, wenn auf die von der Beschwerdegegnerin zugunsten der
Beschwerdeführerin im Einspracheverfahren neu vorgenommene bzw.
reduzierte Aufrechnung von CHF 7'000.00 vollumfänglich verzichtet
werden würde; schliesslich würde sich der steuerbare Reinverlust unter
Berücksichtigung der in der Steuererklärung 2020 deklarierten
Verlustverrechnung von insgesamt CHF 193'325.-- noch immer auf CHF
125'704.-- belaufen. Damit steht fest, dass für das Jahr 2020 in jedem Fall
eine Nullveranlagung resultiert.
2.2. Eine Nullveranlagung hat in Bezug auf deren Anfechtbarkeit folgende
Konsequenzen: "Ergibt sich aufgrund der Verlustverrechnung nach Art. 67
DBG oder Art. 25 Abs. 2 StHG eine Nullveranlagung, fehlt es der
steuerpflichtigen Person nach ständiger bundesgerichtlicher
Rechtsprechung in der Folge an einem Feststellungs- oder einem
andersartigen Rechtsschutzinteresse, das sie zur Anfechtung des
Entscheids berechtigen könnte. Die Höhe des für die Nachfolgeperiode
massgebenden, verbleibenden Verlustvortrags ist in den
Nachfolgeperioden zu prüfen, in denen ein steuerbarer Gewinn veranlagt
wird" (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_526/2020 vom 20. Oktober 2020
E.3.3.; BGE 140 I 114 E. 2.4.1). Aufgrund dieser klaren und ständigen
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Beschwerdegegnerin zu
Recht nicht auf die Einsprache der Beschwerdeführerin eingetreten, womit
sich die Beschwerde als (offensichtlich) unbegründet erweist und
abzuweisen ist.
3. Gemäss Art. 43 Abs. 3 VRG entscheidet das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden in einzelrichterlicher Kompetenz, wenn der
Streitwert CHF 5'000.-- nicht übersteigt oder ein Rechtmittel offensichtlich
unzulässig oder offensichtlich begründet oder unbegründet ist. Die
steuerpflichtige Person – hier die Beschwerdeführerin – hat mangels
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Feststellungs- oder andersartigen Rechtschutzinteresses keine
Berechtigung, eine Nullveranlagung anzufechten; dies ist klare und
ständige bundesgerichtliche Rechtsprechung. Vor diesem Hintergrund
erweist sich die Beschwerde vom 23. Oktober 2022 als offensichtlich
unbegründet, weshalb die Zuständigkeit des Einzelrichters gegeben ist.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Verfahrenskosten zulasten
der unterliegenden Beschwerdeführerin. Die Staatsgebühr wird auf CHF
800.-- festgesetzt. Eine Parteientschädigung steht der obsiegenden
Beschwerdegegnerin nicht zu, zumal sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis
obsiegt hat (Art. 78 Abs. 2 VRG).