Decision ID: 3e968a6a-7b7a-52e9-a6f7-3079e748db7d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1970,
ist gelernte medizinische Praxisassistentin (MPA
; Urk. 8/34/3
) und war
von Oktober 2001
bis
zur Krankschreibung
ab dem 11. Juli 2016
(
Urk. 8/5/4,
Urk. 8/8/5,
Urk.
8/
15/3
)
als
Leiterin Administration
für
die
Y._
AG
tätig
(
Urk. 8/8/2,
Urk.
8/13
/2
, Urk. 8/20/15
).
Sie leidet insbesondere an einem Erschöpfungssyndrom und psychischen Beschwerden (Urk. 8/8/11,
Urk.
8/20/7).
Am
12. Dezember 2016
meldete sie sich bei der Eidgenössischen Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
8/5
). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
traf Abklärungen
zu den gesundheitlichen und erwerb
lichen Verhältnissen
. Mit Vorbescheid vom
1
8.
August
2017
kündigte
sie
die Abweisung des Leistungsbegehrens an (Urk.
8/25
).
Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 7.
und 18.
September 2017 Einwände (Urk. 8/28,
Urk.
8/30).
M
it Verfügung vom
4. Dezember
2017
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
wie angekündigt ab (Urk.
2
).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte
mit Schreiben an die IV-Stelle vom 1
9.
Dezember 2017, ergänzt
mit Schreiben vom
1
5.
Januar 2018, Beschwerde
und beantragte sinngemäss, die Verfügung vom
4. Dezember 2017
sei aufzuheben und
ihre
Leistungs
ansprüche seien nach
weiterer, vollständiger Abklärung ihres Gesund
heitszustandes
durch die
Beschwerdegegnerin
erneut
zu prüfen (Urk. 1
/1-2
).
Mit der Beschwerde wurden die Berichte der Klinik für Neurologie des
Z._
vom 25. September 2017 (Urk. 3/2) und
von
dipl.
med.
A._
, Fachärztin für Neurologie, vom 8. Januar 2018 (Urk. 3/4) sowie das Arztzeugnis der
B._
vom 3. Januar 2018 (
Urk.
3/3) zu den Akten gegeben.
Die
Beschwerdegegnerin
über
wies die Beschwerde mit Schreiben vom 29.
Januar 2018 an das hiesige Gericht (Urk. 4). In
der Beschwerdeantwort vom
5.
März
2018
schloss sie
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
7
)
, wovon der Beschwerdeführerin am
6.
März 2018 Kennt
nis gegeben wurde (
Urk.
9)
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die
aufliegenden
Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es über die Invalidenversicherung,
IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische K
rankheit ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2.2
Mit
BGE 143 V 4
18
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpas
sungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärun
gen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtser
heblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
70 % auf eine ganze Rente (Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Absatz 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Art. 29 Abs. 1 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
die
Beschwerdeführerin
habe keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung, da aus rein invalidenversicherungsrechtlicher Sicht keine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei, auch wenn in medizi
nischer Hinsicht die bestehende Arbeitsunfähigkeit gerechtfertigt sei. Es sei davon auszugehen, dass ihre letzte Arbeitsstelle zur psychischen Dekompensation geführt habe
und die gesundheitliche Einschränkung in Zusammenhang mit einem Konflikt am Arbeitsplatz und einer hohen Stressbelastung stehe
;
diese belastenden Faktoren könnten keine wesentliche und lange Zeit andauernde Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit begründen. A
usserdem hätten sich ihre psychi
schen Beschwerden zum Teil wieder zurückgebildet
und durch den neurolo
gischen Befund sei keine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen (
Urk.
2)
.
2.2
Die
Beschwerdeführerin
wendet dagegen
sinngemäss
ein
,
ihre Leistungsfähigkeit sei trotz intensiver ärztlicher Behandlungen weiterhin erheblich beeinträchtigt
und es bestehe noch immer eine 100%ige Erwerbsunfähigkeit
. Es seien noch weitere Ärzte beigezogen worden und weitere Abklärungen
geplant
, namentlich eine zweite Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels
zur Darstellung möglicher Veränderungen im Vergleich zum ersten MRT und Konsultationen in der Klinik für Neurochirurgie
.
Danach werde entschieden, ob eine Operation
vorgenommen werden müsse.
Sie habe trotz Bitte um Akteneinsicht, diese noch nicht erhalten.
Es sei
jedoch
anzunehmen, dass die
Beschwerdegegnerin
nicht alle Berichte der Fachärzte eingeholt
habe, weshalb der medizinische Sachverhalt auch nicht in ausreichendem Ausmass habe geprüft werden können
(Urk. 1
/1-2
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin
zu Recht einen Anspruch der
Beschwerdeführerin
auf Leistungen der Invalidenversicherung verneint hat.
3.
3.1
3.1.1
In medizinischer Hinsicht
ist dem Bericht
vom 23. Januar 2017
von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bei welchem die
Beschwerdeführerin
vom 2.
September bis 2
5.
Oktober 2016 in Behandlung war,
zu entnehmen
,
laut den Angaben der
Beschwerdeführerin
habe sich in den letzten Jahren ihrer beruflichen Tätigkeit als administrative Leiterin einer Klinik
parallel zu einer wachsenden Enttäuschung über fehlende Wertschätzung
ein chronischer Ers
chöpfungszustand eingeschlichen; dies
nachdem die Arbeitslast kontinuierlich angehoben und entsprechende Einwände ignoriert worden seien. Schliesslich seien Symptome wie innere Unru
he, Schwindel, Schweissausbrüche und Konzent
rationsstörungen hinzugekommen. Daher habe sie sich zur Kündigung entschie
den. Nach dem Austritt aus dem Betrieb sei sie zuhause geblieben und habe die Haushalts- und Betreuungsaufgaben der bisher eingestellten Haushälterin und
Betreu
erin ihrer beiden Kinder, geboren 2006 und 2009, übernommen. Die von der Hausärztin angesetzte antidepressive Behandlung mit Psychopharmaka (
Zoloft
und
Trittico
) habe zu einer leichten Beruhigung sowie Besserung der Schlafqualität geführt.
Weiter führte
Dr.
C._
au
s
, f
ür den Krankheitsver
lauf würden sich die persönlichen und familiären Ressourcen als sehr positiv erweisen. Die
Beschwerdeführerin
achte trotz der anhaltenden Freudlosigkeit auf eine gesunde Tagesstruktur. In diagnostischer Hinsicht sei die Diagnose einer leichten depressiven Episode (ICD-10 F32.0) in psychosozialer Belastungs
situation zu stellen. Sein Behandlungskonzept sehe vor, dass die
Beschwerdefüh
rerin
sich trotz der schlechten Befindlichkeit so rasch als möglich beim Regiona
len Arbeitsvermittlung
szentrum
(RAV) anmelde
(Urk. 8/20/26-27).
3.1.2
Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
sowie Vertrau
ensarzt des Krankentaggeldversicherers ÖKK Versicherungen AG (Urk. 8/8/1), hatte die
Beschwerdeführerin
gemäss seinem Bericht vom
8.
Februar
2017
am 12. Januar 2017 untersucht. Er schloss auf die Diagnosen einer
manischen Episode (ICD-10 F30), einer sonstigen Reaktion auf schwere Belastung (ICD-10 F43.8) und einer anderen neurotischen Störung (ICD-10 F48)
, gemeint wohl einer Neurasthenie (ICD-10 F48.0)
. Es habe sich ein Bild einer baren Katastrophe gezeigt. Die
Beschwerdeführerin
sei in einem
maniformen
Zustand, vollkommen erschöpft und schwer traumatisiert. Die bisherige Therapie der Hausärztin sei exotisch gewesen und habe nichts genützt. Die Zuweisung zu einer Psychiaterin sei an und für sich
zwar
richtig gewesen, auch habe diese die Situation in ihrem Bericht recht gut beschrieben
;
jedoch habe diese nicht die richtige Diagnose gestellt und auch die Therapie sei nicht die richtige gewesen und habe nichts genützt. Die
Beschwerdeführerin
sei im jetzigen Zustand in keiner beruflichen Erwerbstätigkeit arbeitsfähig. Wenn sie nun richtig behandelt werde, und zwar
mit
einer
anderen, darauf spezialisierten ärztlichen/psychiatrischen Behandlung von
Traumafolgestörungen
und solchen agitierten
Erschöpfungen
, werde sie bis Ende Juli 2017 wieder voll arbeitsfähig sein (
Urk.
8/20/22-25).
3.1.3
Die Hausärztin
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Allgemeinmedizin, hielt im Bericht vom 1
3.
Februar 2017 (Eingangsdatum) fest, dass sie aufgrund der Diag
nosen einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.1/2), eines chronischen Müdigkeitssyndroms (
Chronic
fatigue
syndrome
; ICD-10 G93.3), einer
hypertensiven
Herzkrankheit (ICD-10 I11.0), einer Duodenitis (ICD-10 K29.8) sowie einer Infektion der oberen Atem
wege (ICD-10 J06.9) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit ab dem 1
7.
Juni 2016 attestiert ha
be
. In Bezug auf einen stressfreien Arbeitsplatz sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit anzunehmen (Urk. 8/15/1-4).
3.1.4
Gemäss den
Bericht
en
des Zentrums für Soziale Psychiatrie, Ambulatorium
F._
, der
B._
vom 1
8.
Mai
und vom
6.
November
2017
habe die
Beschwer
deführerin
aktuell in erster Linie über eine massive Traurigkeit, innere Spannung, Konzentrationsschwierigkeiten und Gefühllosigkeit berichtet. Es sei die Diagnose einer mittelgradigen depressiven
Epis
ode (ICD-10 F32.1) gestellt worden. Des
W
eiteren sei von einer
Akzentuierung
anankastischer
Persönlichkeitszüge auszu
gehen. Durch die Beschwerden seien die berufliche Leistungsfähigkeit und die Freizeitgestaltung erheblich beeinträchtigt. Die
Beschwerdeführerin
habe aktuell erhebliche Schwierigkeiten, die berufliche Aktivität fortzusetzen
. Es
bestünden
eine massiv verminderte Effektivität
und erhebliche Entscheidungsschwierig
keiten. Zudem sei von einer gesteigerten Ermüdbarkeit und einer Verminderung der Konzentration sowie vom Verlust des Selbstvertrauens auszugehen. Mit der
Symptomatik sei derzeit ein hoher subjektiver Leidensdruck verbunden.
Es könne aktuell von einer leichten Verbesserung der Symptomatik ausgegangen werden.
Im Beruf als Spital- und Arztsekretärin bestehe ab Behandlungsbeginn vom
5.
Mai 2017 bis auf Weiteres
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Die Entwicklung im letzten halben Jahr (
von
Mai
bis November
2017) lasse erahnen, dass es zukünftig schwierig sein werde, eine 100%ige Arbeitsfähigkeit als Sekretärin zu
erreichen
.
Entscheidend sei eine engmaschige und konstante ambulante ärztliche Führung, um die
Beschwerdeführerin
wieder zu stabilisieren.
Während
ungefähr einem halb
en Jahr sei sie bei Dr.
med.
G._
, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychologie,
angebunden
gewesen
, wo wöchentliche ambulante Psychotherapien mit
pharmakother
a
peutischer
Medikation durchgeführ
t worden seien
(
Urk.
8/20/29-30
,
Urk.
8/34/1-7
).
3.1.5
Dr.
G._
, bei welcher die
Beschwerdeführerin
ab dem 1.
Dezember 2016
bis mindestens im Juni 2017
in Behandlung
gewesen
war,
hatte
im Bericht vom
4.
August 2017
erklärt
, die
Beschwerdeführerin
sei seit mehr als einem Jahr wegen einer schweren Depression behandelt worden. Trotz Ressourcen, Motiva
tion und multimodaler Therapie (Alternativmedizin mit Akupunktur, Physiothe
rapie, Psychotherapie, Psychopharmakotherapie) zeige sich der Verlauf
verzögert
und sei
die
Beschwerdeführerin
bis heute zu 100
%
arbeitsunfähig.
Als Ursache für die Arbeitsunfähigkeit seien die Diagnosen einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode, gegenwärtig teilweise remittiert (ICD-10
F
3
2
.1/32.2)
,
bei einer Persönlichkeit mit akzentuierten Persönlichkeitszügen (leistungsorientiert, perfektionis
tis
ch
; ICD-10 Z73.1
), einer kortikalen Überaktivierung bei gleichzeitig verminderter pro- und reaktiver Kontrolle (
q
uantitative
Electroencephalography
[
qEEG
]
/
Event-
Related
-P
otential
s
[
ERP
]
Juni 2017) und eines
Hypophysenmikro
adenoms
ohne Pathologie im Hirnparenchym (Nervenzellengewebe; MRT Schädel Juni 2017) zu nennen.
Die
Beschwerdeführerin
werde mit Psychotherapie mit kognitiv-verhaltenstherapeutischem Ansatz in wöchentlichen und zuletzt zwei
wöchentlichen Abständen sowie psychopharmakologisch mit
Zoloft
und
Trittico
behandelt. Eine gewisse Besserung ihres psychischen Zustandes habe erzielt wer
den können.
Für die Zukunft seien dringend Eingliederungsmassnahmen nötig, so dass sie zuerst
mit einem
Arbeitsversuch
in
einem 50%
igen Pensum, am b
esten
zuerst in einer angepassten Tätigkeit ohne Stress, starten könne
(
Urk.
8/20/7-
11)
.
3.1.6
Zu den Ergebnissen der neuropsychiatrischen A
bklärungen mittels
qEEG
und ERP
vom 2
7.
Juni 2017 (Urk. 8/20/21)
hielt
der Psychiater und Neurologe Dr.
H._
im Bericht vom
5.
Juli 2017
fest, es lasse sich eine quantitative kortikale Über
aktivität nachweisen, ein
Neuromaker
, den man bei Patienten mit Angst/Anspan
nung finden könne und zur von der
Beschwerdeführerin
berichteten Unruhe bei
gleichzeitiger Erschöpfung
passe. Daneben zeige sich eine deutliche Aufmerk
samkeitsstörung mit signifikant verminderter kognitiver Kontrolle, passend zu der angegebenen Konzentrationsstörung. Die ERP-Befunde würden zu einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (AD
[
H
]
S) passen, bei aber diesbezüglich unauf
fälliger
Anamnese würden die Defizit
e
als Folge der kortikalen Überaktivität interpretiert.
Nebenb
ef
undlich
habe sich ein
Hypophysenmikroadenom
gefunden. Der Hormonstatu
s sei noch ausstehend
. Klinisch sei von einem Erschöpfungssyn
drom (ICD-10 F48.0) auszugehen, differentialdiagnostisch
(DD)
von einer depres
siven Episode
(
Urk.
8/20/19-20).
3.1.7
Die Ärzte der
Klinik für Neurochirurgie des
Z._
führ
ten im
Bericht vom 2
5.
September 2017
aus,
die
Beschwerdeführerin
sei von
Dr.
E._
im Rahmen einer Abklärung bei Kopfschmerzen, Schwindel und Depression
zur Beurteilung des Befundes einer
intracellären
Raumforderung
mit Verdacht auf ein Mikroadenom der Hypophyse
zugewiesen worden.
Die
Beschwerde
führerin
habe ein relativ reiches
syndromisches
Bild beschrieben mit nicht nur depressions-ähnlichen Beschwerden, sondern auch Gewichtszunahme, vermehrtem Schwitzen, Erschöpfung und Herzklopfen. Das
MRT
des Schädels vom 3.
Juli 2017
zeige
einen altersentsprechenden normalen Befund des Zerebrums, insbesondere
finde
sich
kein radiologischer
Hinweis auf das Vorliegen eine
r
Encephalomyelitis
disseminata
. Als Nebenbefund
sei der Verdacht auf ein
Hypophysenmikroade
n
om
(9x6mm) zu nennen
.
Diesbezüglich werde eine
endo
krinologische
Abklärung
zum sicheren Ausschluss ein
es möglichen
Hyperkor
tisol
ismus
empfohlen.
Ausserdem sei eine Obstruktion des Sinus
maxillaris
rechts durch eine grosse Retentionszyste, differentialdiagnostisch eine
Mukozele
, zu erkennen (
Urk.
3/2).
3.1.8
Die Neurologin
Dr.
A._
stellte
gemäss dem Bericht vom
8.
Januar 2018
fest, die Laboruntersuchungen
mit schwankenden erhöhten
Kortisonspiegel
n
und erhöhtem
a
drenocorticotrope
m
Hormon
(ACTH)
würden bei MR-tomo
graphischem Verdacht auf ein
Hypophysenadenom
Hinweise
auf eine Funk
tionsstörung der Nebennierenachse zeigen. Hierdurch seien Schwankungen im Allgemeinbefinden durchaus erklärt. Zu weiteren Abklärungen werde sie die
Beschwerdeführerin
zu einem erneuten MRT anmelden. Auch bezüglich der Vor
stellung in der Neurochirurgie im
Z._
bestehe die Frage der Notwendigkeit weiterer
n
eurochirurgischer Beurteilungen (Urk. 3/4).
3.2
3.2.1
Bei dieser medizinischen Aktenlage kann entgegen der Ansicht der
Beschwerde
gegnerin
nicht bereits abschliessend auf einen nicht anspruchsbegründenden Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
geschlossen werden.
Denn es wurden im hier massgeblichen Überprüfungszeitraum bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
4.
Dezember 2017 (
Urk.
2) allein schon bezüglich der psychischen Beschwerden von psychiatrischen Fachärzten ab Anfang September 2016 bis mindestens Anfang November 2017 und anhaltend je eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer jeweils fachärztlich festgestellten Erkrankung attestiert. Und zwar wurden zusammengefasst die folgenden Diag
nosen und Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit festgehalten: leichte depres
sive Episode (ICD-10 F32.0; Dr.
C._
, Behandlung vom 2. September bis 25. Oktober 2016; Urk. 8/20/26-27); manische
Episode (ICD-10 F30),
sonstige
Reaktion auf schwere Belastung (ICD-10 F43.8)
, a
ndere
neurotische
Störung (ICD-10 F48
), 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit prognostisch bis min
destens Ende Juli 2017 (Dr.
D._
, Untersuchung vom 12. Januar 2017; Urk. 8/20/22-25); mittelgradige bis schwere depressive Episode, gegenwärtig teil
weise remittiert (ICD-10 F32.1/32.2), bei einer Persönlichkeit mit akzentuierten Persönlichkeitszügen (leistungsorientiert, perfektionistisch; ICD-10 Z73.1), 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit vom 1. Dezember 2016 bis mindestens am 24. Juni 2017, versuchsweise 50%ige Arbeitsfähigkeit in Tätigkeit ohne Stressbelastung (Dr.
G._
, Behandlung vom 1. Dezember 2016 bis mindestens 24. Juni 2017, Urk. 8/20/7, Urk. 8/20/12); mittelgradige depres
sive Episode (ICD-10 F32.1), 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ab Behandlungsbeginn (5. Mai 2017) bis auf Weiteres (
B._
-Ambu
latorium
, Behandlung vom 5. Mai bis mindestens 6. November 2017; Urk. 8/34/1-6); Erschöpfungssyndrom (ICD-10 F48.0), DD depressive Episode (Dr.
H._
, Abklärung vom Juni/Juli 2017, Urk. 8/20/19-20).
Damit sind den vorliegenden ärztlichen Berichten fachärztlich festgestellte Diag
nosen zu entnehmen, welche mit Blick auf die neueste bundesgerichtliche Recht
sprechung (BGE 141 V 281, 143 V 409 und 419) nicht ohne Weiteres als invali
denversicherungsrechtlich nicht relevant und nicht anspruchserheblich abgetan werden können, zumal keine(r) der Ärzte und Ärztinnen eine vollständige Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als leitende MPA attestiert hat.
3.2.2
D
as vorliegende psychische Beschwerdebild mit affektiver Störung von (je nach Zeitpunkt und Arztbericht) leichter bis schwerer Ausprägung ist gemäss der jüngsten bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 143 V 409 E. 4.5 und 418
E.
7, Urteile vom 30. November 2017) nunmehr unter Berücksichtigung des mit
dem Leitentscheid BGE 141 V 281 (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2015) präzisierten strukturierten, normativen Prüfungsrasters zu beurteilen. Dabei basiert das strukturierte Beweisverfahren auf einer ergebnisoffenen Gesamt
betrachtung in Berücksichtigung der Wechselwirkung sämtlicher Leiden (BGE 143 V 418 E. 8.1, 141 V 281 E. 4.3.1.3). Die Beschwerdegegnerin ist im angefoch
tenen Entscheid vom 4. Dezember 2017 (Urk. 2) dagegen von den ärztlichen Einschätzungen abgewichen, ohne ein
indikatorengeleitetes
Beweisverfahren durchzuführen; auch zu den einzelnen Standardindikatoren (BGE 141 V 281
E. 4) hat sie nichts ausgeführt.
Von einem solchen Beweisverfahren darf indes nur ausnahmsweise abgesehen werden, wovon bei der vorliegenden Aktenlage nicht auszugehen ist. Denn es ergeben sich aus den Akten keine Hinweise auf Ausschlussgründe wie Simulation oder erhebliche Aggravation bei fehlender verselbständigter Gesundheitsschädi
gung. Auch ist ein konkreter Beweisbedarf gegeben, da keine beweiswertigen fachärztlichen Berichte vorliegen, in denen eine Arbeitsunfähigkeit in nachvoll
ziehbar begründeter Weise verneint wurde oder mit denen prägnante Befunde und übereinstimmende fachärztliche Einschätzungen hinsichtlich Diagnose und funktioneller Auswirkung bereits abschliessend ausgewiesen wären (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2, 143 V 409 E. 4.5.3, 143 V 418 E. 7.1). Vielmehr sind die diagnos
tischen Einschätzungen und Beurteilungen der funktionellen Auswirkungen durch die psychiatrischen Fachärzte von September 2016 (
Urk.
8/20/26) bis Dezember 2017 (
Urk.
2) unterschiedlich ausgefallen. So ist etwa dem Bericht von Dr. Weidmann bezüglich den fünf Sitzungen von September bis Oktober 2016 eine lediglich leichte depressive Störung bei relativ hoher verbleibender Funk
tionalität in der Haushaltsführung, Kinderbetreuung und bei Freizeitaktivitäten zu entnehmen, allerdings ohne Angaben zur Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/20/26-27). Dagegen wurde von Dr.
G._
nur wenige Wochen später bezüglich der Zeit ab Dezember 2016 bereits eine mittelgradige bis schwere depressive Störung mit 100%iger Arbeitsunfähigkeit beschrieben (Urk. 8/20/7-12)
. U
nd Dr.
D._
hielt
Mitte Januar 2017 einen
maniformen
Zustand mit totaler Erschöpfung, schwer traumatisiert, und ebenfalls eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit fest (Urk. 8/20/24-25). Dabei ist fraglich und zu klären, ob diese Unterschiede je durch unterschied
liche Einschätzungen oder durch den Verlauf der Krankheit begründet sind. Ausserdem fehlen weitgehend Angaben zur Arbeitsfähigkeit in einer leidensan
gepassten Tätigkeit, was ebenfalls abzuklären sein wird.
3.2.3
Die
Beschwerdegegnerin
kann sich bei ihrem Entscheid
(
Urk.
2) sodann
auf keine ärztliche Stellungnahme stützen, welche ohne Weiterungen und ohne Einkom
mensvergleich auf eine nicht anspruchsrelevante Gesundheitsbeeinträchtigung
schliessen liesse. Insbesondere hat die
Beschwerdegegnerin
auch kein
e
Stellung
nahme
des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), welche aus medizinischer Sicht eine von der Aktenlage abweichende Beweisgrundlage darzustellen vermöchte, eingeholt (vgl. Urk. 8/23, Urk. 8/35). Dem Feststellungsblatt vom 4. Dezember 2017 ist dazu zu entnehmen, dass erst im
Einwandverfahren
eine Sitzung mit Beteiligung wohl eines Mitgliedes des RAD stattfand, deren Ergebnis zusammen
gefasst festgehalten wurde. Es ist jedoch nicht ersichtlich ist, ob ein und welcher (Fach-)Arzt daran teilnahm und was
dessen
Beurteilung mit welcher Begründung war (vgl. Urk. 8/35/3; zur Funktion und Aufgabe des RAD vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_858/2014 vom 3. September 2015 E. 3.3).
In jedem Fall ist auch für die bei psychischen Leiden vorzunehmende Durchfüh
rung des strukturierten Beweisverfahrens mit Prüfung der Standardindikatoren nach BGE 141 V 281 zunächst eine ärztlich hinreichend begründete Grundlage mit Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu beschaffen. Diesbezüglich hat das Bundesgericht über das
Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsanwendung
ausgeführt, dass es
sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben
ist
, die Arbeits
fähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorgegebenen Kriterien zu beurteilen
(BGE 141 V 281 E. 5.2.1)
. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (BGE 137 V 64 E. 5.1). Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arz
t Stellung zur Arbeits
fähigkeit.
Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemute
t werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2,
130 V 352
E. 2.2.5
)
.
Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es erstens, den Gesundheitszustand zu beur
teilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben,
das heisst
mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichti
gung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind (Urteil
des Bundesgerichts 9C_437/2012 vom 6.
November 2012 E. 3.2
; BGE
140 V 193 E. 3.2
).
Dies hat die
Beschwerdegegnerin
bei ihrem Entscheid nicht hinreichend berücksichtigt.
3.2.4
Auch soweit die
Beschwerdegegnerin
mit ihren Ausführungen im angefochtenen Entscheid (Urk. 2 S. 1 f.) von einer nur vorübergehenden psychischen Dekompen
sation bedingt durch eine
psychosoziale
, nämlich berufliche Belastung ausgeht
, findet sich in den Akten keine beweiskräftige Entscheidungsgrundlage
.
Dabei gilt es
zu differenzieren, ob sich die psychischen Beschwerden in psycho
sozialen und soziokulturellen Belastungsfaktoren erschöpfen oder ob davon unterscheidbare eigenständige psychische Krankheitsbilder im Sinne eines medi
zinischen Substrates (vgl.
BGE 127 V 294
E. 5a) vorliegen; dies darf nicht ohne ärztliche Grundlage allein aus Sicht des Rechtsanwenders beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_146/2015 vom 19. Januar 2016 E. 3.1). Im Leitentscheid BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht zudem erneut bestätigt, dass soziale Faktoren nur soweit auszuklammern seien, als es darum gehe, die für die
Ein
schätzung der Arbeitsunfähigkeit kausalen versicherten Faktoren zu um
schrei
ben. Die funktionellen Folgen von Gesundheitsschädigungen würden durchaus auch mit Blick auf psychosoziale und soziokulturelle Belastungs
-
faktoren abge
schätzt, welche den Wirkungsgrad der Folgen einer Gesundheits
schädigung beeinflussen würden (E. 3.4.2.1).
Hier liegen bereits bezüglich der Zeit ab September 2016 fachärztlich psychiat
rische Berichte vor, welche
von
eigenständige
n
psychische
n
Krankheitsbilder
n
sprechen
,
und zwar
nachdem
mit der Kündigung per
1.
August 2016
(Urk.
8/20/9) der unmittelbare psychosoziale Belastungsfaktor der belastenden beruflichen Tätigkeit weggefallen
war
.
Es ist daher nicht auszuschliessen, dass sich anspruchsrelevante Gesundheitsbeeinträchtigungen bildeten und
sich
d
ie psychi
schen Beschwerden
nicht
in psychosozialen und soziokulturellen Belastungsfak
toren erschöpf
t
en
.
Denn gemäss den vorliegenden Arztberichten hat sich zusätz
lich zur
und/
oder aufgrund der Erschöpfung eine affektive (manische oder depressive) Störung entwickelt (
Urk.
8/20/9-10, Urk. 8/34/2-3).
Die ärztlichen Berichte weisen
auch
darauf hin, dass sich die chronische Erschöpfung, welche sich anfänglich während der belastenden beruflichen Tätigkeit als administrative Klinikleiterin entwickelt hat (Urk. 8/20/26), nachhaltig und längerdauernd
(mit
hin länger als ein Jahr, vgl. Art. 28 Abs. 1 IVG) auf den körperlichen und psychischen Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
und ihre A
rbeitsfähig
keit
-
soweit aktenkundig mindestens bis November 2017 und bis auf Weiteres (
vgl. Bericht des
B._
-Ambulatoriums vom
6.
November 2017,
Urk.
8/34/1-7
)
-
ausgewirkt hat.
Ob und inwiefern
dies
im Einzelnen der Fall ist, wird fachärztlich umfassend abzuklären sein.
Des Weiteren ist zu beachten, dass die bisherige Rechtsprechung, wonach leichte bis mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis nur dann als invalidisierend zu werten waren, wenn sie im Sinne einer Behandlungsresistenz als schwer und therapeutisch nicht (mehr)
angehbar
galten (BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_14/2017 vom 15. März 2017 E. 4.2), vom Bundes
gericht mit dem Entscheid BGE 143 V 409 aufgegeben
wurde
.
3.2.5
Hinzu kommt, dass auch in somatischer Hinsicht Beschwerdebilder vorliegen
oder in Abklärung sind
, von denen nicht ohne Weiteres abschliessend eine Beteili
gung
/Wechselwirkung
an der Leistungsbeeinträchtigung
, etwa durch Einfluss auf den Allgemeinzustand oder/und Unterhalt der Erschöpfung,
ausgeschlossen werden kann. Namentlich führte die
Hausärztin
Dr.
E._
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
in somatischer Hinsicht eine
hypertensive
Herzkrankheit mit Herzinsuffizienz (ICD-10 I11.0) auf (Urk. 8/15/1), wozu indes keine näheren Angaben und Abklärungsberichte aktenkundig sind. Auch wurde aus neurologischer Sicht
von
Dr.
A._
festgehalten, dass die Ergebnisse der Laboruntersuchungen bei Verdacht auf ein
Hypophysenadenom
Hinweise auf eine Funktionsstörung der Nebennierenachse zeigen würden, was Schwankungen im Allgemeinbefinden durchaus erklären dürfte (
Urk.
3/4). Ob und inwiefern dies
bezüglich in der Zwischenzeit weitere Ergebnisse vorliegen und ob es sich dabei um Beschwerdebilder mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit handelt, wird ebenfalls abzuklären sein.
Ferner werden die vom Neurochirurgen veranlassten beziehungsweise in Aussicht genommenen
endokrinologischen
und bildgebenden Abklärungen (
Urk.
3/2) zu berücksichtigen sein.
3.3
3.3.1
Nach dem Gesagten
kann bei gegebener Akten- und Rechtslage nicht abschlies
send über die Frage
des Leistungsanspruchs der
Beschwerdeführerin
entschieden werden.
D
er
hier zu prüfende Sachverhalt
ist
nicht umfassend bezüglich
sämt
licher
Beschwer
debilder der Beschwerdeführerin
und
deren funktionellen Auswir
kungen auf ihre Leistungsfähigkeit abgeklärt.
Daran ändern auch die vorlie
gen
den Berichte der behandelnden Ärzte nichts.
Die medizinische Aktenlage erweist sich damit als ergänzungsbedürftig.
Die Beschwerdegegnerin hat zur Arbeitsfähigkeit
der
Beschwerdeführerin
unter Berücksichtigung des chronologischen Verlaufs mindestens ab Juli 2016 (Beginn der hausärztlichen Krankschreibung, Urk. 8/15/3)
ergänzende medizinische, insbesondere
auch fachärztlich-
psychiatrische Abklärungen vorzunehmen, welche einer Gesamtbetrachtung der funktionellen Auswirkungen
sämtlicher somatischen und psychischen
Gesundheitsbeeinträchtigungen
unter Berücksich
tigung der
aktuellen Rechtsprechung
(BGE 141 V 281, 143 V 409, 418)
Rechnung
tragen
.
Hierzu empfiehlt sich eine interdisziplinäre Begutachtung, wobei vorab
die aktuellen Berichte der behandelnden somatischen und psychiatrischen Ärzte einzuholen sind
.
Hernach hat
die IV-Stelle neu über die Leistungsansprüche der
Beschwerdeführerin
, mithin auch über den Anspruch auf berufliche Eingliede
rungsmassnahmen (
Art.
14a ff. IVG),
zu entscheiden.
3.3.2
Die angefochtene Verfügung vom
4.
Dezember
2017
(Urk. 2) ist somit aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden medizinischen Abklärung im Sinne der Erwägungen und zu
neuem
Entscheid über
die Leistungs
ansprüche
der
Beschwerdeführerin
zurückzuweisen.
4.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zu weiterer Abklärung und neuem Entscheid als vollständiges Obsiegen (vgl. ZAK 1987 S. 268 f. E. 5 mit Hinweisen). Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen betrifft, ist das Verfahren
kos
tenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und
unab
hängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), ermessensweise auf F
r. 7
00.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.