Decision ID: ac736908-4dae-45f0-9975-920695fba293
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966,
stammt aus
B._
und lebte einige Jahre im
Y._
.
Nach eigenen Angaben arbeitete er als
Schmied
und
Maurer
(
bzw. Bodenleger
,
Urk.
8/24/2 unten)
. Im November 2012 reiste er in die Schweiz ein (
Urk.
8/16)
, wo er als Fl
üchtling anerkannt wurde (
Urk.
3
/
1
)
.
In den Jahren 2013 bis 2019
nahm er
verschiedene Arbeitseinsätze bei der
Z._
wahr;
er arbeitete in der Velowerkstatt und im Bereich Metallbau/Mechanik (
Urk.
8/9-12).
I
m
Juni 2019
meldete sich der Versicherte
wegen
Augen- und Rücken
beschwerden
sowie
einer Depression
zur Früherfassung bei der
Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
an (
Urk.
8/5).
Seine Anmeldung zum Leistungsbezug
ging
im August 2019
bei der IV-Stelle
ein
(
Urk.
8/16).
Diese holte
einen Auszug aus dem indi
viduellen Konto (IK
) ein (
Urk.
8/20)
, nahm Berichte der behandelnden
Ärzte
zu den Akten
(
Urk.
8/15,
8/24
und
8/27)
und legte diese dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Prüfung vor (
Urk.
8/31/3 f.). Mit Vorbescheid vom
2.
März 2020
stellte
sie dem Versicherten alsdann die Vernei
nung eines Rentenanspruchs
in Aussicht
(
Urk.
8/32)
. Nach Erhalt eines weiteren Arztberichts (
Urk.
8/39) verfügte die IV-Stelle
am 1
1.
Mai 2020
wie angekündigt (
Urk.
2). Einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen hatte sie bereits mit formloser Mitteilung vom 1
3.
September 2019 verneint (
Urk.
8/21).
2.
Gegen die Verfügung vom
1
1.
Mai 2020
erhob der Versicherte mit Eingabe vom
9.
Juni 2020, vertreten durch Rechtsanwalt
Ausfeld
,
Beschwerde (
Urk.
1; Beilagen
Urk.
3/0-3). Darin beantragte er,
der Entscheid
sei aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung des Sachverhalts an die IV-Stelle zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
selben
. In prozessualer Hinsicht ersuchte
er
um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege
(
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
Juli 2020 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7)
. Mit Verfügung vom
7.
August 2020 wurde dem Versicherten die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und ihm in der Person von Rechts
anwalt
Ausfeld
ein unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt. Gleichzeitig wurde ihm die Beschwerdeantwort zur Kenntnis gebracht (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachver
halts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverh
altsdarstellung zu folgen, die
e
s
von allen möglichen Geschehensab
läufen als die wahrscheinlichste würdig
t
(BGE 138 V 238 E. 6).
Dabei sind s
owohl
das
Verwaltungsverfahren wie auch der kantonale Sozial
versicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (
Art.
43
Abs.
1 und
Art.
61
lit
. c ATSG). Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungs
gericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen.
Diese
Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des strei
tigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Der Untersuchungsgrundsatz weist enge Bezüge zum
(
auf Verwaltungs- und Gerichts
stufe
)
geltenden Grundsatz der freien Beweiswürdigung auf. Führen die im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender, sorgfäl
tiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 393 E. 4.1) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei
als überwiegend wahrscheinlich
zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehen
den Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör bzw. Beweisab
nahme oder des Untersuchungsgrundsatzes (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesent
liche Erkenntnisse zu erwarten sind (
zum Ganzen:
Urteil des Bundesgerichts
8C_701/2018 vom 28. Februar 2019 E. 4 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog
, der behandelnde Arzt bestätige die vom RAD aus somatischer Sicht attestierte volle Arbeitsfähigkeit
in angepassten körperlich leichten Tätigkeiten
.
Dafür sprächen auch die in den letzten Jahren ausgeübten Hilfstätigkeiten. Die Augenärztin habe keine invalidisierenden Befunde berichtet und die letzte psychiatrische Behandlung habe im März 2016 stattgefunden. Die Konsultation im Juli 2019
sei einmalig gewesen. Die dabei festgestellten psychi
schen Leiden seien weder erheblich, noch könne von einem starken L
eidensdruck gesprochen werden
(
Urk.
7).
Der Invaliditätsgrad für beide Vergleichseinkommen bestimme
sich
anhand des Tabellenlohns für Hilfstätigkeiten und betrag
e
0
%
(
Urk.
2).
2.2
Dem hielt der Be
schwerdeführer entgegen, es sei von einer
Chronifizierung
des Augenleidens mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auszugehen (trockene
Augen, verschwommene
s
Sehen, Verklebungen, Brennen und Schmerzen). In der Schweiz sei er zunehmend depressiv geworden, wobei der Hausarzt eine andau
ernde und zuerst zu behandelnde Depression bestätige. Nur der Psychiater bejahe eine Arbeitsfähigkeit – allerdings auch nur im Umfang von 50
%
im geschützten Rahmen.
Letztlich seien nur
die Rückenbeschwerden berücksichtigt und ober
flächlich beurteilt worden.
Diesbezüglich fehle insbesondere
eine neurologische B
eurteilung. Damit habe die Beschwerdegegnerin ihre Abklärungspflic
ht verletzt (
Urk.
1
Ziff.
4c-6).
3.
3.1
Einem ärztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und wenn die Schlussfolgerungen des Arztes begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1
).
3.2
Nach der Rechtsprechung ist es zulässig, im Wesentlichen oder einzig auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen abzustellen. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 142 V 58 E. 5.1; 122 V 157 E. 1d). Selbst nicht auf eigenen Untersuchungen beruhende Berichte und Stellungnahmen regionaler ärztlicher Dienste können beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte fachärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hinter
grund rückt (
Urteil des Bundesgerichts 9C_730/2018 vom 2
7.
März 2019 E. 5.1.2 und 5.1.3 mit weiteren Hinweisen).
3.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens
im Besonderen
setzt
sodann
eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres
gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Gemäss BGE 143 V 418 sind
grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen.
Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 im Sinne einer Praxisänderung fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argu
ment der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen syste
matisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungs
hindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensations
potentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer machte mitunter seit längerer Zeit bestehende psychische Beschwerden geltend. Diesbezüglich holte die Beschwerdegegnerin einen Bericht bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein. Dieser gab am 31. Oktober 2019 an, er habe den Beschwerdeführer vom 25. November 2015 bis 1
5.
März 2016 behandelt. Die Behandlung sei früher ungefähr wöchentlich durchgeführt worden. Im Zusammenhang mit dem invali
denversicherungsrechtlichen Verfahren sei der Beschwerdeführer im Juli 2019
wieder zu einer Konsultation erschienen. Weitere Termine seien nicht vereinbart worden; die Behandlung sei abgeschlossen (
Urk.
8/24/2).
Der Psychiater erläuterte, er habe dem Beschwerdeführer keine Arbeitsunfähigkeit attestiert (Urk. 8/24/2) und keine Medikation verschrieben. Bei der letzten Kon
sultation habe er keine grosse Änderung festgestellt. Der Beschwerdeführer sei
dysthem
-depressiv. Psychopathologisch bestehe kein Unterschied zu früheren Phasen, jedoch sei keine Therapiemotivation vorhanden bzw. es seien keine weiteren Konsultationen erwünscht (
Urk.
8/24/3). Er schlussfolgerte, der Beschwerdeführer leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegen
wärtig leichte depressive Episode, und
Dysthymia
(ICD-10: F34.1). Dieser sei nur im zweiten Arbeitsmarkt und nur zu ca. 50
%
bzw. während vier bis fünf Stunden pro Tag arbeitsfähig. Auch prognostisch komme nur eine Beschäftigung im zweiten Arbeitsmarkt in Frage (Urk. 8/24/3 und 8/24/5). In einer nicht abschlies
senden Aufzählung benannte er folgende Funktionseinschränkungen: depressive Symptomatik, Antriebslosigkeit, Motivation und Tempo (
Urk.
8/24/4).
Zur Krankheitsentwicklung gab
Dr.
A._
an, der in
B._
geborene Beschwerdeführer sei
kurdischer Abstammung. Seine Ju
gend und Kindheit bezeichne er als unglücklich und diskriminiert, weil er in
B._
keine Rechte gehabt habe. Er verfüge über keine ID und seine Familie sei enteignet worden. Im Jahr 1998 sei er mit seiner Frau und den Kindern in den
Y._
geflüchtet in der Hoffnung, dort bessere Menschenrechte zu erfahren. Er habe arbeiten können und sich besser gefühlt. Die Kinder hätten die Schule besucht. Er habe aber keine neue «Identität» aufbauen könne. Er habe viel Geld investiert, um in die Schweiz zu kommen. Nach einem Jahr habe er sich hier erneut wie «im Gefängnis» gefühlt und sei zunehmend depressiv geworden. Ohne seine Familie würde er komplett isoliert leben; er pflege keine Kontakte ausserhalb derselben und denke immer wieder an Selbstmord. Er arbeite zwar über das Sozialamt als Velomechaniker, finde sich selber aber nicht darin und fühle sich wie «verloren» (
Urk.
8/24/2 f.).
4.2
Hinsichtlich des Rück
en
leidens berichtete der
Rheumatologe
Dr.
med.
C._
am
23. November 2016
,
der Beschwerdeführer leide seit ca. dem Jahr 2008 unter chronischen, tieflumbalen und sakralen Rückenschmerzen mit intermittierender kurzfristig elektrisierender Schmerzausstrahlung in die ventralen Beine beidseits rechtsbetont
.
Die bisherigen Physiotherapien sowie verschiedenste Schmerz
medikationen (inkl. CT-gesteuerte
Epidural
- und
Iliosakralgelenk
-Injektionen) hätten die Beschwerden nie
lindern können.
Klinisch habe der Beschwerdeführer bei der Erstkonsultation eine Wirbelsäulen-
Fehlform
mit
Kopfprotraktion
und leichtem Hohl-/Rundrücken gezeigt. Die
Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule sei in alle Richtungen schmerzbedingt um rund 1/3 eingeschränkt gewesen. Zudem habe er eine
Druckdolenz
der
Para
vertebralmuskulatur
lumbal beidseits sowie
druckdolente
Ansatztendinosen
im Bereich beider Beckenkämme und des h
intere
n
obere
n
Darmbeinstachel
s (
Sips
) beidseits geschildert. Weder anamnetisch noch aktuell klinisch bestünden Anhaltspunkte für eine
radikuläre
Reiz- oder Ausfallssymptomatik. Im Labor hätten sich Normalwerte gefunden (
Urk.
8/15/3). Aus dem MRI vom 1
1.
Juni 2015 (
Urk.
8/15/1) schloss
Dr.
C._
zudem auf eine
Bandscheibenprotrusion
L4/5 mit
rezessalem
Kontakt L5 beidseits und Verdacht auf eine
foraminale
Kompres
sion L4 links, eine
Bandscheibenprotrusion
L5/S1 mit Verdacht auf eine
foraminale
Kompression L5 links sowie leichtgradige mechanisch-degenerative Veränderungen im
Iliosakralgelenk
beidseits (Urk. 8/15/2).
Dr.
C._
schlussfolgerte, der Beschwerdeführer leide unter einem chronischen
musukulären
Lumbovertrebralsyndrom
bei leichter Wirbelsäulen-
Fehlform
, muskulärer
Dekonditionierung
sowie degenerativen Veränderungen gemäss MRI-Befund vom 1
1.
Juni 2015 (
Urk.
8/15/3). Der bei der Erstkonsultation rezeptierte perorale Steroidstoss habe die Beschwerden ebenso wenig beeinflussen können wie diverse
nichtsteroidale
Antiphlogistik
a früher. Bei der Nachkontrolle habe er mit dem Beschwerdeführer neben der muskulären Schmerzgenese ausführlich psychosomatische Aspekte derselben besprochen. Der
chronifizierte
Schmerz
verlauf werde zusätzlich durch die Anamnese mit einem Status nach Folterung und aktueller Langzeitarbeitslosigkeit mitveru
rsa
cht. Er habe ihm deswegen neben der Fortsetzung des aktuellen regelmässigen Schwimmens zur Kräftigung der Rückenmuskulatur und der Durchführung einer die Rückenmuskulatur kräf
tigenden Heimgymnastik die Wiederaufnahme der Behandlung beim Psychiater empfohlen. Ebenso habe er ihm empfohlen, die vom Psychiater eingeleitete Medikation (
Seroquel
25mg abends) wieder fix einzunehmen. Er habe auch besprochen, dass es ideal wäre im Rahmen eines allfälligen Sozialprogramms eine körperlich leichte Tätigkeit aufzunehmen, um eine geregelte Tagesstruktur zu erhalten (
Urk.
8/15/3).
4.3
4.3.1
Z
u den psychischen
und den Rückenbeschwerden finden sich in den Akten
schliesslich
auch
Angaben des
Hausarztes
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin.
Zunächst erläuterte er in einem an die Gemeinde
E._
gerichteten Gesuch, datiert vom
13. März 2019
, dass
durch die regelmässige medizinische und psychiatrische Betreuung die bekannte somatische und psychische Erkrankung einigermassen
habe
kompensiert werden können. Er diagnostizierte ein chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom sowie eine mittelschwere depressive Episode bei
Anpassungsschwierigkeiten. Alsdann führte er aus
, das Fitness-Training und Schwimmen seien zur Verbesserung der Rücken
muskulatur sowie Schmerzlinderung indiziert. Dadurch könnte der Beschwerde
führer wieder körperlich und psychisch stabilisiert werden. Die Wiederaufnahme des Schwimmens sei sinnvoll, um weitere Krankheitssymptome mit konsekutiver Inanspruchnahme von Ärzten und Spitälern zu vermeiden (Urk. 8/15/4).
4.3.2
Im Bericht vom 2
3.
Januar 2020 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 8/27/1 ff.) verwies
Dr.
D._
mehrfach auf die Beilagen, darunter ein von ihm verfasstes Schreiben vom Folgetag (
Urk.
8/27/7 f.).
Er
attestierte dem Beschwerdeführer eine «körperliche» Arbeitsfähigkeit von 100
%
; fü
r die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht verwies er die Beschwerdegegnerin an den Psychiater
(Urk. 8/27/5). Er
e
rörterte
, es bestünden generalisierte Weichteilbeschwerden ohne Funktionseinschränkung und eine Depression (
Urk.
8/27/2). Es bestünden keine sensomotorischen Ausfälle. Muskuläre Schmerzen
– ebenfalls
ohne Funk
tionseinschränkung
–
bestünden vor allem im Bereiche der Halswirbelsäule. Psychisch bestehe eine Stresssituation. Zudem seien die generalisierten Weich
teilbeschwerden eher somatoforme Beschwerden (
Urk.
8/27/7 f.).
Die
Depression sollte im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit zuerst behandelt werden (Urk. 8/27/2). Ansonsten stünden bei der Behandlung die Augenbeschwerden im Vordergrund (
Urk.
8/27/3). Als der Eingliederung hinderlich nannte er die fehlende Integration (
Urk.
8/27/5).
4.3.3
Ohne dass eine weitere Konsultation stattgefunden hätte (vgl.
Urk.
8/39/2),
betonte
Dr.
D._
in einem weiteren Bericht vom 2
6.
März 2020,
dass die Beschwerden eher im Rahmen einer Somatisierung bzw. somatoformen Störung einzuordnen seien (
Urk.
8/3
9
/3). Der Beschwerdeführer klage immer über Rückenschmerzen, Augenbeschwerden und eine depressive Stimmung. Funkti
onseinschränkungen bestünden keine (
Urk.
8/39/4). Die bisherige oder eine angepasste Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer im Umfang von 4 bis 6 Stunden pro Tag zumutbar. Die Prognose sei gut. Der Eingliederung stünden neben der fehlenden Integration auch die Sprachkenntnisse entgegen (
Urk.
8/39/5). Gemäss dem beigelegten Arztzeugnis attestierte
Dr.
D._
dem Beschwerdeführer insbe
sondere vom
1.
Januar bis 1
1.
August 2019 eine A
rbeitsunfähigkeit von teils
100
%
, teils 50
%
(Urk. 8/39/15).
4.4
4.4.1
Im Übrigen befindet sich der Beschwerdeführer seit einigen Jahren
auch
in ophthalmologischer Behandlung – zuletzt
in der
F._
. In deren Bericht vom 1
3.
Mai 2020 wurden eine
refraktive
Amblyopie
des rechten Auges sowie Schmerzen und rezidivierende Rötungen mit Trockenheitsgefühl beider Augen bei einem Status nach
Phako
e
mulsifikation
im Jahr 2017 (
dazu Urk.
8/27/20 f.) diagnostiziert. Im Befund wurde unter anderem notiert, es bestehe eine starke Blepharitis mit verstopften Drüsen und Teleangiektasien. Die Binde
haut sei leicht entzündet und die
Makula
trocken. Es wurde eine Behandlung mit eine
m
Kortikosteroid
, eine intensive Befeuchtung mit künstlicher Tränenflüssig
keit sowie eine Nachkontrolle in zwei Wochen empfohlen (
Urk.
3/3).
4.4.2
Bereits die
Augenärztin
Dr.
med.
G._
hatte
nach der
Untersuchung vom
2
1.
August 2019 die Diagnose B
le
pharitis
anterior
et
posterior
gestellt.
B
ezogen auf das rechte Auge
hatte sie zudem
den Verdacht auf ein
hyper
evaporatives
trockenes Auge mit postoperativ entzündlicher Komponente nach
Pseudophakie
2017, eine
Refraktionsamlyopie
und eine
Uveitis
anterior
im Jahr 2016 mit Intraokularerdruck-E
ntgleisung
diagnostiziert.
S
ie
erläuterte damals
, der Beschwerdeführer habe sich zur Verlaufskonsultation bei Verdacht auf eine chronische
Belpharokonjunktivitis
vorgestellt.
Bezüglich der regelmässigen
Lidrandhygiene und Einnahme von Ome
g
a-3-Fettsäure
-
halti
gen Präparaten
sei er bereits
instruiert. Die aktuell empfohlene Lokaltherapie
bestehe
aus
Vigamox
Augentropfen für insgesamt ein bis zwei Wochen
. Der Beschwerdeführer sei
in der Vergangenheit mehrfach bei obgenannter Diagnose vorstellig geworden. Er sei bereits mit
Tobradex
,
Floxal
und
Dexa
Free Augen
tropfen/-salben während jeweils ein bis zwei Wochen behandelt worden. Eine Tränenwegspülung habe gut durchgängige Tränenkanäle ohne Hinweise auf eine Stenose am
Punctum
lacrimale
oder im sonstigen Verlauf gezeigt. Weiterhin habe unter steroidhaltigen Medikamenten ein erhöhter Augeninnendruck nachge
wiesen werden können. Anzeichen eines
Chalazions
oder Hordeolums hätten nicht bestätigt werden können. Bei gleichbleibenden Befunden werde eine dermatologische Konsultation zum Ausschluss allfälliger eventueller weiterer Krankheiten (z.B.
Rosacea
) empfohlen (vgl.
Urk.
8/39/9).
Dr.
G._
stellte dem Beschwerdeführer
a
ktenkundig seit dem Jahr 2017 vereinzelt ärztliche Zeugnisse für eine volle Arbeitsunfähigkeit während weniger Tage aus (2
6.
September 2017, 3. bis 1
7.
Oktober 2017, 1
2.
März 2018, 2
4.
bis 2
6.
April 2019;
Urk.
8/3/1, 8/3/3 f., 8/15/5 f. und 8/15/8)
.
4.4.3
Ergänzend ist dem
Bericht der Augenklinik d
es
Spital H._
vom 20.
Januar 2020
zur Konsultation vom 1
8.
März 2019 zu entnehmen,
dass eine Diskrepanz zwischen dem Beschwerdebild sowie den objektiven Befunden bestehe. Da die Medikation (insbesondere
Nevanac
und
Ikervis
) die Symptomatik nicht gebessert habe, werde diese gestoppt und ein Versuch rein über Tränen
mittelersatz durchgeführt (
vgl.
Urk. 8/39/6 f.;
ferner
zur Untersuchung vom August 2018:
Urk.
8/27/15).
4.4.4
Der Hausarzt
gab an, die
Augenbeschwerden
seien
ohne Funktionseinschränkung
(
Urk.
8/27/2 und 8/7/4)
und attestierte dem Beschwerdeführer wie erwähnt eine volle körperliche Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/27/5).
5.
5.1
5.1.1
In Anbetracht der vorstehenden Berichte ist vorab e
ine psychiatrische Begutach
tung
erforderlich
.
So
befürworteten
alle berichtenden Ärzte
(
vgl. E. 4.1-3)
und
ebenso
der RAD-Arzt
,
der sich ansonsten nicht zu den psychischen Beschwerden äussert
e
(
v
gl.
Urk.
8/31/4)
,
eine Wiederaufnahme
d
er
psychiatrischen Behandlung
unter diversen
Aspekten (Depression,
gestörte
Schmerzvera
rbeitung
bzw.
Soma
tisierung oder
Posttr
a
umatische Belastungsstörung)
.
Der
einst
behandelnde
Psychiater
wies ausdrücklich darauf hin
, dass
nach der Konsultation
im Juli 2019
keine weiteren Termine vereinbart
worden seien
, weil der Beschwerdeführer hier
für nicht motiviert
gewesen sei
.
5.1.2
Der Beschwerdegegnerin ist zwar beizupflichten, dass
Zweifel an einem
rele
vanten
Leidensdruck aufkommen, wenn der Beschwerdeführer mit
der Einnahme von 25 mg
Seroquel
abends
(etwa
Urk.
8/27/8)
die psychiatrischen und psycho
pharmakologischen Optionen kaum
ausschöpf
t
– zumindest soweit
sich
diese
Tatsache
nicht als krankheitsbedingt erweist
.
Die
fehlende Behandlung
steht jedoch
der N
otwendigkeit
einer
zuverlässigen
Abklärung
von konkreten Hinweisen auf psychische Beschwerden
nicht entgegen
(vgl.
dazu
Urteil des Bundesgerichts 8C_439/20
20 vom 2
0.
Oktober 2020 E. 4.4)
. Sie stellt
denn
auch im Rahmen der
Indikatorenprüfung
nur
ein Indiz dar (vgl. E. 3.3).
5.
1.3
Gleichzeitig
vermag
der einzige
psychiatrische
Bericht
in den Akten
die beweis
rechtlichen Anforderungen
an Arztberichte
im Allgemeinen
(vgl. E.
3.1) sowie an eine
psychiatrische Beurteilung im Besonderen nicht zu erfüllen
(vgl. E. 3.3)
. Es fehlt
dem Bericht von
Dr.
A._
nicht nur an einem
psychopathologischen B
efund
im Hinblick auf eine lege
artis
gestellte Di
agnose
, sondern auch
an den fü
r die Durchführung eines strukturieren Beweisverfahrens notwendigen Angaben
(vgl. E. 4.1)
.
Es kann indessen nur dort a
us Gründen der Verhältnis
mässigkeit von einem
solche
n
abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeitsunfähigkeit in nach
vollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Ein
schätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemesse
n werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E.
7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressiven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbidi
täten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines strukturierten Bew
eisverfahrens (BGE 143 V 409 E.
4.5.3; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_580/20
17 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
Diese Voraussetzungen sind vorliegend m
it dem Bericht von
Dr.
A._
,
der
gemäss Aktenlage
langjährigen
psychiatrischen
Problematik
und
diversen
zusätzlichen Faktoren (wie Rückenbeschwerden
, Augenleiden
und Langzeitarbeitslosigkeit)
nicht erfüllt.
5.1.4
Zudem
steht
die
attestierte volle Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt
auf den ersten Blick
i
n
diametrale
m
Gegensatz
zum
diagnoseinhärenten Schweregrad
der angegebenen psychischen L
eiden
(vgl. E. 4.1). Eine
Dysthymie
ist
nach der im gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10 enthaltenen Umschreibung eine chronische depressive Verstimmung, die weder schwer noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Kriterien einer schweren, mittel
gradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung zu erfüllen. Findet sich im Psychostatus nur eine
Dysthymie
, so kann dies rechtsprechungsgemäss wohl eine Einbusse an Leistungsfähigkeit mit sich bringen, kommt aber für sich allein betrachtet nicht einem Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes gleich. Diese Schlussfolgerung, die sich auf medizinische Empirie abstützt und damit eine Rechtsfrage darstellt, ist
jedoch
nicht absolut zu setzen; eine
dysthyme
Störung kann die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall erheblich beeinträchtigen, wenn sie zusammen mit anderen Befunden
–
wie etwa einer ernsthaften Pe
rsönlichkeits
störung – auftritt
(Urteil des Bundesgerichts 9C_146/2015 vom 19.
Januar 2016 E 3.2
mit Hinweisen;
ferner
Urteil
des Bun
desgerichts 8C_130/2017 vom 3
0.
November 2017 E. 8.1).
5.1.
5
Der Vollständigkeit halber sei angefügt, dass nicht ersichtlich ist,
inwieweit der Psychiater bei der Berichterstattung
darüber informiert war
, dass die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden nach Auffassung der übrigen Behand
lungspersonen nicht auf ein somatisches Korrelat zurückzuführen sind.
5.2
5.2.1
Ebenfalls ergänzungsbedürftig sind die
rheumatologischen Abklärungen
. Der RAD-Arzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Chirurgie, kam gestützt auf den Bericht von
Dr.
D._
vom 2
3.
Januar 2020 zum Schluss, dass sich das chronische
Lumbovertebralsyndrom
dauerhaft auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. In der bisherigen Tätigkeit als Hilfsarbeiter bestehe seit
1.
Januar 2019 bis auf weiteres überwiegend wahrscheinlich eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
, ausgenommen eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vom
1.
April bis 2
1.
Juli 201
9.
In angepassten, körperlich leichten Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten von über 5 kg und ohne Verharren in Zwangs
haltungen bestehe aus versicherungsmedizinsicher Sicht seit jeher eine volle Arbeitsfähigkeit (vgl. Urk. 8/31/4). Diese Einschätzung deckt sich
im Wesent
lichen
mit der Empfehlung
des Rheumatologen
Dr.
C._
, eine «körperlich leichte Tätigkeit» aufzunehmen,
wobei sich letzterer nicht
z
um Arbeitspensum äusserte
(vgl. E. 4.2).
Die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung von
Dr.
D._
überzeugt daher nicht, soweit er jegliche Funktionseinschränkungen verneinte bzw. kein Belas
tungsprofil
erstellte.
5.2.2
Demnach
lässt die aktuelle medizinische Aktenlage auf
eine über
eine
blosse
Dekonditionierung
–
welche
keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG darstellt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2017 vom 19. September 2017 E. 4.2 mit Hinweis auf 9C_848/2016 vom 12. Mai 2017 E. 4.2)
–
hinausgehende
dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
zumin
dest
in qualitativer Hinsicht
schliessen
.
Die letzte f
achärztliche Beurteilung der Rüc
k
en
beschwerden
mit Untersuchungsbefunden
stammt
dabei
aus dem Jahr 2016 und erfolgte gestützt auf ein MRI aus dem Jahr 2015 (vgl. E. 4.1). Vorauf
nahmen zum Vergleich
gab es damals keine (vgl. Urk. 8/15/1). Ein jahrelanger, stationäre
r
Z
usta
nd lässt sich
indessen
nicht allein damit begründen, dass
der Hausarzt aktuell keine
sensomotrischen
Ausfälle feststellen konnte und hinter der (
im Bericht auch
nicht detailliert geschilderten) Beschwerdeklage vorderhand ein psychosomatisches Leiden vermutete (vgl. E. 4.3)
.
Die Aktenbeurteilung des RAD beruht somit auf einem veralteten Befund, weshalb ihr kein voller Beweiswert zuzumessen
ist
.
Ob es
– wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht –
zusätzlich einer neurologischen Begutachtung bedarf, wird der begutachtend
e
Rheuma
tologe zu entscheiden habe.
5.3
Schliesslich fehlt in den Akten auch eine fachärztliche Einschätzung der Arbeits
fähigkeit aus ophthalmologischer Sicht. Selbst wenn der Befund und die Diagnose in den vorgelegten fachärztlichen Berichten einhellig sind, hat der RAD bei (auch fehlenden Fachkenntnissen) diesbezüglich keine begründeten Feststellungen getroffen. Die Einteilung bei den Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestützt auf den Hinweis des Hausarztes, es bestünden diesbezüglich (wie beim Rückenleiden) keine Funktionseinschränkungen, erweist sich bei konkret geklagten Einschränkungen als zu wenig differenziert.
Die Tatsache, dass
Dr.
G._
dem Beschwerdeführer nur für einzelne Tage ein Arztzeugnis ausstellte, spricht zwar für die Zumutbarkeit eines Vollzeitpensums. Allerdings benötigte er mangels Erwerbstätigkeit wohl
auch
nicht immer ein Attest. Insbesondere aber ist abzuklären, ob aufgrund der durchgängig diagnos
tizierten Sehschwäche und der teils schweren Blepharitis allenfalls zusätzliche Einschränkungen beim Belastungsprofil bestehen – etwa in Bezug auf Tätigkeiten mit Staub, Schweissen (vgl.
Urk.
8/11/3) oder Kleinteilen (vgl.
Urk.
8/8/2).
5.4
Die wenigen vorhandenen Berichte geben keinen hinreichenden Aufschluss über den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bei Erlass der angefochtenen Verfügung am 1
1.
Mai 2020, zumal es sich vorliegend um eine erstmalige Rentenprüfung handelt und der Untersuchungsgrundsatz seine volle Tragweite entfaltet. Es mangelt insbesondere an einer schlüssigen psychiatrischen Beurtei
lung, an aktuellen rheumatologischen Befunden (gegebenenfalls auch einer neurologischen Beurteilung) sowie
an
einer ophthalmologischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Relevante neue Erkenntnisse im Rahmen entsprechender Abklärungen sind nicht ausgeschlossen.
6.
Der angefochtene Entscheid ist folglich aufzuheben und die Sache
antragsgemäss
gestützt auf § 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
diese
ergänzende medizinische Abklärun
gen
(psychiatrisch/rheumatologisch
/ophthalmologisch)
im Sinne der Erwägungen veranlasse und
anschliessend
erneut über den Rentenanspruch verfüge.
Es bleibt zur Argumentation des Beschwerdeführers in
Urk.
1
Ziff.
4b anzu
merken, dass die
versicherungsmässigen
Voraussetzungen erst zu prüfen sind, wenn der Eintritt der Invalidität feststeht. Diese gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Im Falle einer Rente entsteht der Anspruch nach Art. 28 IVG, wenn die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch mindestens 40 % arbeitsunfähig war und nach Ablauf dieses Jahres weiterhin mindestens 40 % invalid ist. Der angefochtene Entscheid beruht auf einem Invaliditätsgrad von 0
%
(vgl.
Urk.
2), womit eine
abschliessende
Prüfung der
versicherungsmässigen
Voraussetzungen weder notwendig noch möglich war.
7.
7.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2). Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versi
cherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
besteht zudem Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
2
GSVGer
). In Anbetracht der medizinischen Unterlagen erweist sich die Streitsache nicht als besonders komplex. Die Beschwerdegegnerin ist daher zu verpflichten, dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
eine Prozessentschädigung von
Fr.
1‘
2
00.-- (inkl. MWST und Barauslagen) zu bezahlen.