Decision ID: a728cdfe-ad96-433a-8648-18566879559e
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil der 2. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 14. April 2016; Proz. CG010142
- 2 -
Rechtsbegehren: (act. 2 S. 2)
"Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger einen Betrag nach richterlichem Ermessen zu bezahlen, unter Kosten- und  zulasten der Beklagten.
Streitwert: über Fr. 1'000'000.–."
Abschliessendes Rechtsbegehren: (act. 745 S. 2)
"Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger einen Betrag nach richterlichem Ermessen von mindestens 7.5 Mio. (recte: Fr. 7.5 Mio.) zu bezahlen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich 8 % MWST  der Beklagten."
Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 14. April 2016:
1. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger einen Schadenersatzbetrag von Fr. 170'445.– nebst Zins von 5 % auf Fr. 142'838.– ab dem 18. April 1994, auf Fr. 4'047.– ab dem 18. Oktober 1993, auf Fr. 19'350.– ab dem 8. Januar 1996 und auf Fr. 4'210.– ab dem 1. September 2000 sowie eine Genugtuungssumme von Fr. 10'000.– nebst Zins von 5 % ab dem 18. Oktober 1993 zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr für die Verfahren Nr. CG990261 und Nr. CG010142 wird  auf: Fr. 160'000.00; die übrigen Kosten betragen: Fr. 7'984.85 (Zeugen u. Sachverständige) Fr. 800.00 (unfalltechn. Gutachten WD StaPo) Fr. 10'006.80 (verkehrstechn. Gutachten C._) Fr. 11'803.20 (biomech. Gutachten D._) Fr. 16'000.00 (med. Gutachten E._) Fr. 5'525.25 (med. Gutachten F._) Fr. 52'800.00 (betr.wirtschaftl. Gutachten G._) Fr. 21'600.00 (Akontozahlung unentg. Rechtsvertreter)
Allfällige weitere Auslagen in diesen Verfahren bleiben vorbehalten.
- 3 -
3. a) Die Kosten der Verfahren Nr. CG990261 und Nr. CG010142 werden – mit Ausnahme der vom Kläger zu tragenden Akontozahlung an seinen Rechtsvertreter – zu drei Vierteln dem Kläger und zu einem Viertel der  auferlegt.
b) Die der Beklagten auferlegten Gerichtskosten werden mit den von ihr  Barvorschüssen in der Höhe von Fr. 62'000.– verrechnet. Den  Restbetrag wird die Gerichtskasse der Beklagten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils in Rechnung stellen.
c) Die dem Kläger auferlegten Gerichtskosten (inkl. die Akontozahlung an  Rechtsvertreter) werden mit den von ihm geleisteten Barvorschüssen in der Höhe von Fr. 27'500.– verrechnet und im Mehrbetrag zufolge der  der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse .
d) Die Beklagte wird angewiesen, von der verzinsten Schadenersatzzahlung an den Kläger den Betrag von Fr. 192'790.– nach Eintritt der Rechtskraft des  direkt an die Gerichtskasse zu leisten, unter doppelter Zahlungspflicht im Unterlassungsfall.
4. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten für die Verfahren Nr. CG990261 und Nr. CG010142 eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 115'000.– (zuzüglich Fr. 8'892.– Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Berufungsanträge:
des Klägers und Berufungsklägers (act. 789 S. 2):
1. Es sei das Urteil der 2. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 14. April
2016 aufzuheben und die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger einen  nach richterlichem Ermessen von mindestens 7.5 Mio. zu bezahlen.
2. Eventuell sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz .
3. Subeventuell seien Ziffern 2 bis 4 aufzuheben und die Kosten- und  im vorinstanzlichen Verfahren neu festzusetzen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich 8% MWST zulasten des/der Beklagten.
der Beklagten und Berufungsbeklagten (act. 810 S. 2):
Die Berufung sei abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge,  8% Mehrwertsteuer, zulasten des Klägers.
- 4 -
Anträge zur Anschlussberufung:
der Beklagten, Berufungsbeklagten und Anschlussberufungsklägerin (act. 810 S. 2):
1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 14.04.2016 sei aufzuheben
und die Klage sei abzuweisen.
2. Eventualiter seien der zugesprochene Schadenersatz angemessen  und die Genugtuung abzuweisen bzw. subeventualiter  angemessen herabzusetzen.
Alles unter Kosten und Entschädigungsfolge, zuzüglich 8% , zulasten des Klägers.
des Klägers, Berufungsklägers und Anschlussberufungsbeklagten (act. 816 S. 2):
Die Anschlussberufung der Anschlussberufungsklägerin sei vollumfänglich abzuweisen, insoweit darauf eingetreten werden kann.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des/der .

Erwägungen:
I. (Übersicht zum Sachverhalt/Prozessgeschichte)
1. - 1.1 A._ (fortan: der Kläger) erlitt am 18. Oktober 1993 als Lenker und
Halter eines Personenwagens des Typs "Opel Frontera" einen Verkehrsunfall. Er
arbeitete zu diesem Zeitpunkt als Analytiker/Informatiker für die A'._ Informa-
tik AG, die er 1991 gegründet hatte (vgl. act. 2 S. 17) und deren einziger Mitarbei-
ter er bis dahin war; das "A'._" in der Firma der Gesellschaft steht denn auch
für A._. Die A'._ Informatik AG stellte ihre Geschäftstätigkeit in der zwei-
ten Jahreshälfte 1995 praktisch ein und wurde später liquidiert (vgl. act. 2 S. 19
und act. 789 S. 7 [Rz. 11]).
Im Zeitpunkt des Unfalls war der Kläger gesund und unverheiratet bzw. ge-
schieden. Seine damalige Freundin, I._, geboren im September 1968, heira-
tete er am tt. Juli 1995 (vgl. act. 799/14: Ehe- und Erbvertrag; Vereinbarung des
Güterstandes der Gütertrennung). Der Ehe entstammen vier Kinder, die zwischen
- 5 -
1996 und 2003 geboren wurden (vgl. act. 799/1). Nach Darstellung des Klägers
leben er und seine Ehefrau seit mehreren Jahren getrennt in Wohnungen einer
Liegenschaft, die der Ehefrau gehört (vgl. act. 789 S. 128 mit Verweis auf act. 451
und 452/3-5). Er bezahlt dafür Hypothekarzinsen (vgl. act. 789 S. 128, Rz. 345).
Nach eigenen Angaben verfügt er über kein Vermögen mehr und lebt im Wesent-
lichen von Renten der AHV/IV sowie Leistungen aus einer Lebensversicherung
(vgl. act. 789 S. 129; vgl. auch act. 799/3 [Steuererklärung 2014 der Eheleute
AI._]).
Nach dem Unfall vom 18. Oktober 1993 wechselte der Kläger die Unfallver-
sicherung. Am 14. Dezember 1994 sowie am 26. Februar 2001 erlitt er zwei wei-
tere Verkehrsunfälle (vgl. act. 2 S. 8 und Vi-Prot. S. 16). Im Gefolge des Unfalls
vom 14. Dezember 1994 kam es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen zwi-
schen dem Kläger und den Versicherern sowie der IV, weil der Kläger mit unter-
schiedlichen Angaben bei zwei Versicherungen gleichzeitig Taggelder bezogen
hatte; es kam indes zur Rückerstattung der Taggelder im Zusammenhang mit
dem Unfall vom 14. Dezember 1994 (vgl. act. 42/2 S. 2 f.; vgl. weiter etwa
act. 42/1 [dort S. 16 ff.], und act. 88 [dort S. 14 ff.], ferner act. 100/71, act. 42/2
sowie act. 344).
1.2 Die beklagte Partei, B'._ – B._ Schweiz (fortan: die Beklagte), deckt
seit dem 1. Januar 1996 gemäss Art. 74 SVG Schäden, die durch ausländischen
Motorfahrzeuge in der Schweiz verursacht werden. Die Beklagte wurde vom Klä-
ger ins Recht gefasst, weil das den Unfall vom 18. Oktober 1993 verursachende
Fahrzeug ein der deutschen J._ GmbH gehörender Anhängerzug der Marke
... war, der vom deutschen Lastwagenfahrer K._ gelenkt wurde.
1.3 Der Unfall vom 18. Oktober 1993 ereignete sich am frühen Abend auf der Au-
tobahn N2 nahe L._ in Fahrtrichtung Stans. K._ überholte mit dem An-
hängerzug den auf der rechten Fahrspur fahrenden "Opel Frontera" des Klägers.
Den anschliessenden Spurwechsel nach rechts nahm K._ zu früh und unvor-
sichtig vor, und es kollidierte der Anhängerzug mit dem Fahrzeug des Klägers.
Nach dieser Kollision geriet der "Opel Frontera" ins Schleudern; es kam zu weite-
ren Kollisionen dieses Fahrzeuges, und zwar im Wesentlichen mit den Leitplan-
- 6 -
ken, dem Anhängerzug sowie einem weiteren Personenwagen des Typs "Peuge-
ot 505" (siehe act. 3/7 S. 4 [Sachverhaltsaufnahme der Polizei] sowie act. 339,
dort Unfallplan).
1.3.1 Nach dem Unfall wartete der Kläger vor Ort auf das Eintreffen der Polizei
und sass dabei während längerer Zeit auf einer Leitplanke. Mit der Ambulanz
wurde er hernach ins Kantonsspital Obwalden in Sarnen transportiert, wo er un-
tersucht und noch gleichentags nach Hause entlassen wurde.
Die Untersuchung im Kantonsspital ergab folgende Befunde (vgl. act. 3/14):
Druckschmerz über Trapezius beidseits, ferner über der unteren Wirbelsäule beim
Übergang von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein sowie im Bereich des linken
Ellbogens und am rechten Sprunggelenk; Steilstellung der Halswirbelsäule. Es
wurden keine Bewegungseinschränkungen, Kraftminderungen und Sensibilitäts-
störungen festgestellt. Zu den Reflexen ist vermerkt, "obere Extremität o.B.", Bei-
ne beidseits neg. "ASR" (Achillessehnenreflex) "u. PSR" (Patellarsehnenreflex).
Es wurden Röntgenbilder der Hals- und Brustwirbelsäule, des Beckens, des lin-
ken Ellbogens und des rechten Sprunggelenkes angefertigt, die keine Hinweise
auf ossäre Läsionen ergaben. Gestützt auf diese Befunde wurden die Diagnosen
eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule sowie von Kontusionen (Prellungen
bzw. Quetschungen) im Lendenwirbelsäulen-Bereich, im linken Ellbogen und im
rechten unteren Sprunggelenk gestellt.
1.3.2 Das Kantonsspital Obwalden therapierte den Kläger am 18. Oktober 1993
mit einer Schanz-Krawatte und einem Voltaren-Verband rechts; es verschrieb des
weitern Sir[d]alud, ein Muskelrelaxans, für 5 Tage (Dosierung: 2 mg drei Mal pro
Tag). Dem Kläger wurde zudem eine Kontrolle der Schmerzsymptomatik und der
Neurologie vorgeschlagen sowie eine Wiedervorstellung im Spital bei Verschlech-
terung oder beim Auftreten neurologischer Ausfälle (vgl. act. 3/14). Der Kläger
suchte einige Tage nach dem Unfall nicht das Spital auf, sondern einen Allge-
meinmediziner in Sarnen, Dr. med. M._ (vgl. act. 2 S.10). Am 26. Oktober
1993 begab er sich erstmals bei Dr. med. N._, Oberarzt am Schweizer Pa-
raplegiker-Zentrum Nottwil, in Behandlung. Dort beklagte er sich über ausgepräg-
te Nacken- und Kopfschmerzen sowie diffuse Schmerzen am ganzen Körper (vgl.
- 7 -
act. 3/16 [Arztbericht vom 4. März 1994], dort Ziff. 2.2). Offenbar später beklagte
sich der Kläger beim Hausarzt und/oder bei Dr. med. N._ auch noch über
Konzentrationsschwierigkeiten, weshalb der Hausarzt eine neuropsychologische
Abklärung in die Wege leitete (vgl. act. 3/15 [unten] und act. 3/16, dort Ziff. 6).
Es folgten zahlreiche Konsultationen, Behandlungen, Therapie und Begut-
achtungen bei verschiedenen Ärzten und medizinischen Einrichtungen (vgl. etwa
act. 3/18 [ärztlicher Zwischenbericht vom 11. Juni 1996 von Dr. med. O._,
Rheumatologe: "Die Beurteilung ... ist erschwert durch verschiedenst involvierte
Aerzte die der Patient von sich auf aufsuchte"]; siehe ferner z.B. act. 3/17 [Bericht
der neuropsychologischen Abteilung der Neurologischen Klinik USZ vom 3. März
1994], act. 3/19 [Berichte der neurologische Klinik – Poliklinik USZ und deren neu-
ropsychologischen Abteilung vom 13. September 1994 und vom 3. Juli 1994],
act. 3/20 [Bericht der Rehaklinik Rheinfelden vom 17. Januar 1997], act. 3/21 [Be-
richt der Rheuma- und Rehabilitationsklinik Zurzach vom 14. Oktober 1997],
act. 3/22 [Bericht vom 6. April 1998 des Psychiaters Dr. med. P._, Zürich, an
Frau Dr. med. Q._, Stans]). Eine wesentliche Verbesserung der geklagten
Beschwerden trat nach klägerischer Darstellung bis zum Herbst 1999 nicht ein.
1.3.3 Im Herbst 1999 (vgl. act. 2) machte der Kläger im Wesentlichen geltend, er
habe "beim schwersten Unfall vom 18. Oktober 1993 Verletzungen vor allem im
Nacken- und Schädel-Hirn-Bereich erlitten, die in der Folge v.a. zu chronischen
Kopf-, Nacken- und Schulter[-], Arm- und Rückenbeschwerden führten mit dem-
entsprechend schmerzbedingten Leistungseinschränkungen. Diese Beschwerden
... [seien] so stark und störend [gewesen], dass [er] ... in seinem Beruf als Analy-
tiker und Informatiker mit den entsprechend anspruchsvollen Arbeiten und der
Voraussetzung einer unbeeinträchtigten Konzentrationsfähigkeit ... bis September
1995 diesbezüglich zu 100 % arbeitsunfähig war und nachher in einer leichteren
Tätigkeit mit dementsprechend tieferem beruflichen Anfo[r]derungsprofil zu 75 %
arbeitsunfähig" (act. 2 S. 12).
Seine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 75% erachtete der Kläger im Herbst
1999 als lebenslang anhaltend, und es ist das auch heute im Wesentlichen sein
Standpunkt (vgl. act. 789 S. 6 [dort Rz. 8]). Bereits im Herbst 1999 machte er gel-
tend, es liege insbesondere eine totale Berufsunfähigkeit im vor dem Unfall aus-
- 8 -
geübten Beruf als faktisch selbständiger Analytiker und Informatiker vor (vgl.
a.a.O., S. 12/13). Der Kläger verlangte daher von der Beklagten klageweise die
Deckung des Schadens, den er im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom
18. Oktober 1993 erlitten habe. Im Wesentlichen verlangte er erstens den Ersatz
von Erwerbsschaden (vgl. dazu act. 2, dort insbes. S. 18-23, S. 26-28) im Umfang
von rund Fr. 4'835'000.-, wobei er sachverhaltsmässig davon ausging, er hätte
ohne den Unfall vom Oktober 1993 mit der A'._ Informatik AG erfolgreich ge-
schäftet, zweitens den Ersatz von Sachschaden im Umfang von rund Fr. 23'850.-
und drittens den Ersatz vorprozessualen Anwalts- und Expertisenaufwandes im
Umfang von rund Fr. 175'440.- und rund Fr. 19'350.- (vgl. a.a.O., S. 31 ff.). Weiter
verlangte er die Leistung einer Genugtuung u.a. wegen der "offensichtlich beste-
henden mindestens 75 %-iger Invalidität" (vgl. a.a.O., S. 30) im Umfang von
Fr. 250'000.-.
1.3.4 Die eben erwähnten Schadensposten liess der Kläger im Oktober 2001
(act. 53) sowie im November 2015 (act. 745) modifizieren bzw. ziffernmässig er-
weitern. Für die Berechnung des Erwerbsschadens stellte er dabei sachverhalts-
mässig nicht mehr nur auf die Weiterführung der A'._ Informatik AG ab, son-
dern machte neu (als sog. "Alternativsachverhalt") geltend, er hätte die A'._
Informatik AG an die R._ AG verkaufen können und wäre dann in dieser so-
wie deren Rechtsnachfolgerin S._ AG in einer Führungsposition tätig gewor-
den (vgl. act. 53 S. 33 ff.). Den Erwerbsschaden bezifferte er daher zunächst
2001 neu auf rund Fr. 6'493'000.- (vgl. act. 53 S. 46) und später im November
2015 neu auf rund Fr. 6'507'000.- oder eventuell wenigstens rund Fr. 4'937'000.-
(act. 745 S. 126 und 131). Neu wurde zudem ein Vermögensschaden aus ent-
gangenem Geschäft mit Aktien der S._ AG von rund Fr. 1'762'700.- plus
Fr. 300'000.- geltend gemacht (vgl. act. 745 S. 121, 123, 126), an Sachschaden
neu im Oktober 2001 ein Betrag von rund Fr. 29'258.- (vgl. act. 52 S. 51 f.) und im
November 2015 von rund Fr. 30'200.- (vgl. act. 745 S. 125). Den vorprozessualen
Aufwand für Expertisen bezifferte er 2001 neu auf rund Fr. 23'550.- (vgl. act. 52
S. 53 und act. 745 S. 125); der Schadensposten vorprozessualen Anwaltsauf-
wandes blieb dagegen unverändert.
- 9 -
Den Anspruch auf Leistung einer Genugtuung reduzierte der Kläger im No-
vember 2015 demgegenüber von Fr. 250'000.- auf wenigstens Fr. 100'000.- (vgl.
act. 745 S. 125).
2. - 2.1 Die Klage wurde am 29. September 1999 beim Bezirksgericht Zürich
durch Einreichen der Weisung des Friedensrichteramtes Zürich 2 vom 29. Juni
1999 (vgl. act. 1) und der Klageschrift (vgl. act. 2) anhängig gemacht. Die schriftli-
che Klageantwort wurde am 19. November 1999 erstattet (vgl. act. 12). Die Be-
klagte stellte dabei u.a. die Anträge, es sei auf die Klage mangels örtlicher Zu-
ständigkeit nicht einzutreten, eventualiter sei das Verfahren zu sistieren, sub-
eventualiter sei das Verfahren auf die Frage der Haftung zu beschränken (a.a.O.,
S. 2/3); überdies sei der Kläger zur Leistung einer Kaution i.S.v. § 73 Ziff. 3
ZPO/ZH zu verpflichten (vgl. a.a.O., S. 3). Es wurde ein Schriftenwechsel zur Zu-
ständigkeitsfrage usf. durchgeführt. Mit Beschluss vom 9. Mai 2000 wurde der An-
trag auf Kautionsleistung abgewiesen.
Am 30. August 2000 verneinte das Bezirksgericht seine örtliche Zuständig-
keit zur Behandlung der Klage und trat auf diese nicht ein (vgl. act. 34). Einen da-
gegen gerichteten Rekurs des Klägers hiess das Obergericht des Kantons Zürich
mit Beschluss vom 17. April 2001 gut, und es wies das Bezirksgericht an, die Kla-
ge an die Hand zu nehmen (vgl. act. 39). Das Bezirksgericht setzte das Hauptver-
fahren schriftlich fort, die Replik (act. 53) wurde im Oktober 2001 erstattet, die
Duplik (act. 62) anfangs Februar 2002. Verfahrensanträge der Beklagten, die die-
se in der Duplik stellen liess (Sistierung, Eventualantrag auf Beschränkung des
Verfahrensthemas), wurden im Sommer 2002 abgewiesen.
Im Verlauf des weiteren Verfahrens kam es zudem zu Noveneingaben (vgl.
etwa act. 438, act. 535).
2.2 Im Februar 2003 eröffnete das Bezirksgericht ein umfangreiches Beweisver-
fahren mit einem (direkten) Beweisabnahmebeschluss. Beweisthemen waren im
Wesentlichen der Unfallhergang, die Unfallfolgen (Körperverletzung, Beschwer-
den; Arbeitsunfähigkeit) und natürliche Kausalzusammenhänge (act. 101). Im Ok-
tober 2003 erging ein weiterer, ergänzender Beweisabnahmebeschluss zu diesen
- 10 -
Themen (act. 163). Im Juli 2012 erging schliesslich ein Beweisbeschluss zum
Thema Schaden (vgl. act. 604 und act. 624).
Im Rahmen der Beweiserhebungen wurden diverse Editionen veranlasst,
der Kläger (erneut; vgl. Vi-Prot. S. 16 f.) auch persönlich befragt (vgl. Vi-Prot.
S. 75 ff., S. 122-124, S. 171 und dazu act. 654/1) sowie diverse Zeugen, darunter
solche mit Sachkunde, einvernommen (vgl. Vi-Prot. S. 79 f., S. 81 f., S. 89 und
S. 170 ff. und dazu etwa act. 238/1-6, act. 234/1-4, act. 296, act. 654/2-14), teil-
weise auf dem Weg der Rechtshilfe (vgl. etwa act. 303-305). Weiter wurden sie-
ben Gutachten zu fahrzeugtechnischen, biomechanischen, medizinischen und
betriebswirtschaftlichen Fragen eingeholt und erstattet (vgl. act. 266, act. 339,
act. 400, act. 547, act. 548, act. 551, act. 699 [und dazu auch act. 731]). Die
Bestellung der Gutachter gestaltete sich dabei nicht stets einfach, weil die Partei-
en gegen vom Gericht vorgesehene Gutachter opponierten (vgl. etwa act. 410,
act. 419). Mit Beschluss vom 26. November 2007 wurde ein Ablehnungsgesuch
der Beklagten gegen Prof. Dr. med. E._ als Gutachter abgewiesen und letz-
terer als medizinischer Gutachter bestellt (vgl. act. 448). Der Auftrag an Prof. Dr.
med. E._, ein multidisziplinäres medizinisches Gutachten zu erstellen, unter
Beizug von Fachärzten seiner Wahl, erging im August 2009 (vgl. act. 462). Im
Februar 2010 teilte der Gutachter E._ dem Gericht mit, welche Fachärzte er
beiziehe (vgl. act. 510), nämlich Prof. Dr. med. F._ und Dr. med. T._.
Das wurde den Parteien bekannt gegeben (vgl. act. 511), die in der Folge keine
Einwände dagegen erhoben (vgl. act. 512 bis act. 546).
2.3 Im Februar 2010 wurde dem Kläger die sog. umfassende unentgeltliche Pro-
zessführung bewilligt, und zwar unter dem Vorbehalt der Zession eines allfälligen
Prozessgewinns (vgl. act. 511 bis act. 518). Im April 2011 kam es zu einem
Wechsel in der (unentgeltlichen) Rechtsvertretung des Klägers, die anfangs Mai
2011 bewilligt wurde.
2.4 Die Parteien konnten wiederholt zu den Ergebnissen der Beweiserhebungen
Stellung nehmen (vgl. etwa act. 340 und dazu act. 346 f. sowie act. 353, ferner
act. 591-A, act. 593), abschliessend aufgrund der Verfügung vom 28. Juli 2015
(vgl. act. 732). Die entsprechenden Eingaben (act. 744 und act. 745) gingen ge-
- 11 -
gen Ende Oktober bzw. anfangs November 2015 beim Bezirksgericht ein. Es folg-
ten weitere Eingaben zum Thema aktualisierte Schadensberechnung sowie in
Wahrung des sog. allgemeinen Äusserungs- bzw. "Replikrechts" (vgl. etwa
act. 753 f., 767, 770, 773, 776), bis im Februar 2016 auf weitere Äusserung
bzw. "Replik" verzichtet wurde (vgl. act. 779).
Am 14. April 2016 fällte das Bezirksgericht sein Urteil (act. 791 [= act. 780 =
act. 790/1]). Diesem können weitere Einzelheiten zum bezirksgerichtlichen Ver-
fahren entnommen werden (vgl. a.a.O., insbes. S. 3 ff.).
3. Mit Schriftsatz vom 25. Mai 2016 (act. 789 f.) liess der Kläger gegen das Urteil
des Bezirksgerichtes Zürich vom 14. April 2016 Berufung erheben. Die vorin-
stanzlichen Akten wurden beigezogen; die Berufung erwies sich als rechtzeitig.
Der Kläger hatte mit der Berufung ebenfalls um Bewilligung der umfassen-
den unentgeltlichen Rechtspflege ersucht. Mit Verfügung vom 1. Juni 2016 wurde
ihm Frist angesetzt, um sein Gesuch zu belegen; am 27. Juni 2016 wurde ihm die
Frist dazu noch erstreckt. Mit Beschluss vom 24. August 2016 wurde dem Kläger
dann die unentgeltliche Rechtspflege – unter der Bedingung der Abtretung von
Prozessgewinn – bewilligt (vgl. act. 804). Nach Eingang der Abtretungserklärung
wurde der klägerische Rechtsvertreter am 13. September 2016 zum unentgeltli-
chen Rechtsbeistand des Klägers ernannt und der Beklagten Frist zur Berufungs-
antwort angesetzt (vgl. act. 808).
Die Berufungsantwort datiert vom 13. Oktober 2016; mit ihr wurde An-
schlussberufung erhoben, weshalb dem Kläger Frist angesetzt wurde, die
Anschlussberufung zu beantworten. Die Antwort auf die Anschlussberufung
(act. 816) ging gegen Ende November 2016 bei der Kammer ein. Der gesetzlich
vorgesehene Schriftenwechsel war damit abgeschlossen. Das wurde den Partei-
en mit Schreiben vom 12. Dezember 2016 angezeigt, der Beklagten unter Zustel-
lung eines Doppels von act. 816 (vgl. act. 817-818). Die Sache ist spruchreif.
II. (Zur Berufung und Anschlussberufung im Einzelnen)
- 12 -
1. - 1.1 Mit dem 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO)
in Kraft getreten. Für Verfahren, die bei Inkrafttreten der ZPO rechtshängig waren,
galten gemäss Art. 404 Abs. 1 ZPO noch die Regeln des bisherigen kantonalen
Verfahrensrechts bis zum Abschluss des Verfahrens vor der betroffenen Instanz.
Das bezirksgerichtliche Verfahren, das seinen Abschluss mit dem Urteil vom
14. April 2016 gefunden hat, war am 1. Januar 2011 schon hängig, weshalb das
Bezirksgericht sein Verfahren und sein Urteil gemäss den Regeln des kantonalen
Rechts (ZPO/ZH, GVG und dazugehörige Nebenerlasse) durchzuführen bzw. zu
fällen hatte. Das gilt es bei der Überprüfung des bezirksgerichtlichen Verfahrens
und Urteils in prozessualer Hinsicht auch hier zu beachten.
Das vorliegende Berufungsverfahren folgt demgegenüber gemäss Art. 405
Abs. 1 ZPO den Regeln der ZPO.
1.2 - 1.2.1 Das Berufungsverfahren gemäss den Art. 308 ff. ZPO stellt im Grund-
satz die Fortsetzung des Prozesses aufgrund des vor der ersten Instanz vorge-
tragenen Sachverhaltes dar (zu den Ausnahmen vgl. Art. 317 ZPO). Mit der Beru-
fung ist daher die unrichtige Feststellung des Sachverhaltes durch die Vorinstanz
sowie eine unrichtige Rechtsanwendung der Vorinstanz geltend zu machen
(Art. 310 ZPO), zu der auch die unrichtige Anwendung des pflichtgemässen Er-
messens gehört, weshalb das Gesetz dies nicht eigens erwähnt. Gemäss Art. 311
Abs. 1 ZPO sind die entsprechenden Beanstandungen von der Berufung führen-
den Partei in der Berufungsschrift einzeln vorzutragen und zu begründen; darzu-
tun ist m.a.W., in welchen Punkten der angefochtene Entscheid nach Auffassung
der Berufung führenden Partei unrichtig ist sowie inwiefern (sog. Begründungs-
last; vgl. dazu BGE 138 III 375 oder OGer ZH, Urteil LB110049 vom 5. März
2012, E. 1.1 und E. 1.2, je mit Verweisen). Analoges gilt für die Begründung einer
Anschlussberufung. Wiederholungen des bereits vor der ersten Instanz Vorgetra-
genen genügen diesen gesetzlichen Anforderungen an eine Begründung daher
ebenso wenig wie allgemeine Kritik am angefochtenen Entscheid bzw. an den
erstinstanzlichen Erwägungen (vgl. auch BGE 138 III 375). Soweit eine genügen-
de Beanstandung vorgebracht wird, wendet die Berufungsinstanz das Recht von
Amtes wegen an (Art. 57 ZPO). Die Berufungsinstanz ist dabei weder an die Ar-
gumente der Parteien noch an die Begründung des vorinstanzlichen Entscheides
- 13 -
gebunden (vgl. BGE 133 II 249 E. 1.4.1 m.w.H.). Sie darf sich in ihrem Entscheid
sodann auf die wesentlichen Überlegungen konzentrieren, von welchen sie sich
hat leiten lassen.
1.2.2 Neue Tatsachen und Beweismittel sind im Berufungsverfahren ausnahms-
weise gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO dann noch zu berücksichtigen, wenn sie ohne
Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor der ers-
ten Instanz hatten vorgebracht werden können (vgl. dazu BGE 138 III 625). Das
heisst mit Blick auf die Begründungsobliegenheit auch, dass eine Partei, die neue
Tatsachen und/oder Beweismittel im Berufungsverfahren einführen will, der
Rechtsmittelinstanz und der Gegenpartei jeweils darzulegen hat, dass dies ohne
Verzug erfolgt ist und weshalb es ihr trotz zumutbarer Sorgfalt nicht möglich ge-
wesen war, die Tatsache und/oder das Beweismittel bereits vor erster Instanz
vorzubringen (vgl. etwa OGer ZH, Urteil LB110049 vom 5. März 2012, E. 1.1 und
E. 1.2).
1.3 - 1.3.1 Der Kläger wiederholt in seiner Berufungsschrift (act. 789) über weite
Strecken wörtlich oder fast wörtlich, was er bereits dem Bezirksgericht vorgetra-
gen hat, ohne das aber zu erwähnen, und zwar auf den S. 87 bis 113 das, was er
in act. 745 in den Rz. 261-323 vorgebracht hat. Wiederholt werden wörtlich oder
fast wörtlich – wiederum ohne Erwähnung – ferner die Rz. 32-37 von act. 745
auf den S. 21 f. von act. 789, die Rz. 56-72 von act. 745 auf den S. 28-31 von
act. 789, die Rz. 143 f. und 152-160 von act. 745 auf den S. 40-44 von act. 789,
Rz. 135 von act. 745 auf S. 46 f. von act. 789, die Rz. 127-134 von act. 745 auf
den S. 51-57 von act. 789, die Rz. 161-162 von act. 745 auf den S. 58-60 von
act. 789. Die Beklagte wiederholt früher Dargelegtes in der Begründung ihrer An-
schlussberufung (vgl. act. 810, ab S. S. 11 ff.) ebenfalls wörtlich, und zwar in den
S. 13-18, in den S. 23-31 und den S. 37-42, worauf sie immerhin – und anders als
der Kläger – jeweils selbst verweist. Beide Parteien zeigen mit diesen Wiederho-
lungen an, dass sie auf den entsprechenden Standpunkten, die sie schon im erst-
instanzlichen Verfahren eingenommenen haben, auch im Berufungsverfahren un-
verändert beharren. Ihrer Begründungsobliegenheit (vgl. vorn Erw. II/1.2) kommen
sie damit hingegen nicht nach, was vorab anzumerken und im Folgenden nicht
- 14 -
mehr zu erwähnen ist, ausser zur Verdeutlichung, wenn das erforderlich er-
scheint.
Der Kläger erklärt sodann mehrmals schon dem Bezirksgericht  zum "integrierenden" (recte wohl: integrierten) Bestandteil seiner Berufung,
so z.B. die Ausführungen in den Rz. 72-81, 88-105, 129-130 und 132-163 von
act. 745 gemäss klägerischer Erklärung auf S. 18 der Berufungsschrift, oder die
Ausführungen in den Rz. 191-227 von act. 745 gemäss klägerischer Erklärung auf
S. 80 der Berufungsschrift. Auch mit diesen Erklärungen kommt der Kläger seiner
Begründungsobliegenheit nicht nach, sondern wiederholt letztlich bloss schon
Gesagtes und beharrt entsprechend auf seinem bereits dem Bezirksgericht kund-
gegebenen Standpunkt. Analoges gilt für den klägerischen Hinweis in der Beru-
fungsschrift, es würden "sämtliche weiteren klägerischen Einwände, formeller
oder inhaltlicher Art ... erneut vorgebracht" (vgl. act. 789 S. 27, unten); dass der
Kläger dabei offen lässt, um welche formellen und inhaltlichen Einwände es sich
im Einzelnen handeln soll, und er ebenfalls insoweit der Begründungsobliegenheit
nicht genügt, kommt noch hinzu. Auch das ist hier anzumerken und im Weiteren
nicht mehr zu erwähnen.
1.3.2 Der Kläger bringt mit den Beilagen 3 und 4 zur Berufungsschrift Neues bzw.
neue Beweismittel vor; bei der Beilage 3 bezieht er sich sogar ausdrücklich auf
Art. 317 ZPO und hält fest, bei dieser Beilage handle es sich um ein Beweismittel,
das beachtlich sei (vgl. act. 789 S. 24 [a.E. von Rz. 74] und S. 74).
Bei der Beilage 4 handelt es sich um einen Zeitungsartikel vom 20. Mai 2016
(vgl. act. 790/4), mithin um ein "Papier", das nach dem bezirksgerichtlichen Urteil
publiziert wurde, folglich ein sog. echtes Novum darstellt und daher dann bzw. in-
soweit zu berücksichtigen sein wird, wenn bzw. wie sich das darin Ausgeführte
und die damit zusammenhängenden Behauptungen des Klägers als für den Ent-
scheid wesentlich erweisen sollten.
Anders verhält es sich bei der Beilage 3 (vgl. act. 790/3), einem Artikel aus
dem Jahr 2011. Auf diesen Artikel hat bereits des Bezirksgericht in seinem Urteil
(vgl. act. 791 S. 109) hingewiesen, was der Kläger selbst anmerkt (allerdings oh-
ne nähere Angabe dazu, wo im Urteil darauf verwiesen wird; vgl. act. 789 S. 24
oben). Inwiefern die Beilage 3 gleichwohl ein neues Beweismittel ist, lässt der
- 15 -
Kläger offen. Ebenso lässt er offen, zum Beweis welcher seiner im bezirksgericht-
lichen Verfahren rechtzeitig vorgetragenen Tatsachenbehauptung(en) er die Bei-
lage 3 als "nachgehend eingereichte[s] Beweismittel" (vgl. a.a.O., S. 24) nun im
Berufungsverfahren anruft (vgl. a.a.O.); und es ist dem beizufügen, dass der Klä-
ger im Zusammenhang mit der Beilage 3 selbst nicht behauptet, diese diene nun
dem Beleg von Tatsachenbehauptungen seinerseits, die er trotz Beachtung der
zumutbaren Sorgfalt im bezirksgerichtlichen Verfahren noch nicht habe vortragen
können und daher jetzt erst mit der Berufung vortrage (vgl. a.a.O.). Es bleibt da-
her insgesamt unergründlich, was der Kläger unter Hinweis auf Art. 317 und die
Beachtlichkeit von act. 790/3 überhaupt dartun will.
2. - 2.1 Das Bezirksgericht hat im angefochtenen Urteil gestützt auf Art. 58 SVG
sowie auf die Vorschriften zur unerlaubten Handlung im OR (vgl. act. 791
S. 23 ff.) dem Kläger Schadenersatz von insgesamt Fr. 170'445.- nebst Zins
zugesprochen (vgl. act. 791 S. 175). Dieser Betrag verteilt sich folgendermassen
auf die vom Kläger zuletzt geltend gemachten Schadensposten (vgl. dazu vorn
Erw. I/1.3.4): Erwerbsschaden im Umfang von Fr. 142'838.- (vgl. act. 791 S. 157
i.V.m. S. 163), Sachschaden im Umfang von Fr. 4'047.- (vgl. a.a.O., S. 158 i.V.m.
S. 163) und vorprozessuale Anwalts- bzw. Expertisenkosten im Umfang von
Fr. 23'560.- (vgl. a.a.O., S. 163). Weiter sprach es ihm eine Genugtuung von
Fr. 10'000.- zu.
Das Bezirksgericht gelangte zu diesen Ergebnissen, nachdem es sich auf
mehr als 140 Seiten seines Urteil (vgl. act. 791 S. 2 f., S. 21-162) teilweise sehr
einlässlich mit der Streitsache befasst hatte, teilweise mit der ihm geboten er-
scheinenden Kürze. Das ist hier – mit Blick auf die gebotene Kürze (vgl. vorn
Erw. II/1.2.1 a.E.) – nicht im einzelnen zu rekapitulieren, sondern es kann genü-
gen, eine knappe Übersicht zu Wesentlichen Punkten zu geben. Das Bezirksge-
richt ging bei der Prüfung der vom Kläger geltend gemachten Schadensposten
jeweils von den Parteivorbringen zum Tatsächlichen aus und prüfte die sich stel-
lenden Fragen in Beachtung und Würdigung der von ihm erhobenen Beweismittel
(namentlich der Zeugenaussagen und Gutachten). Einlässlich befasste sich das
Bezirksgericht vorab zum einen mit den Beschwerden und körperlichen Schädi-
gungen, die der Kläger beim Unfall erlitten haben will und von denen er geltend
- 16 -
macht, sie bestünden seither ununterbrochen (vgl. dazu act. 791 S. 30 ff.), sowie
zum anderen mit den behaupteten Sachschäden (vgl. a.a.O., S. 73 ff.). Es kam
dabei zum Schluss, der Kläger habe beim Verkehrsunfall vom 18. Oktober 1993
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein eher leichtes HWS-Schleudertrauma
sowie eine leichte Gehirnerschütterung erlitten und im Anschluss an den Unfall
tatsächlich an Kopf-, Nacken und Schulterschmerzen sowie Arm- und Rückenbe-
schwerden gelitten, womit insbesondere zeitweilig auch Aufmerksamkeits- und
Konzentrationsschwierigkeiten einhergegangen seien (vgl. a.a.O., S. 71).
Danach ging das Bezirksgericht der Frage des natürlichen Kausalzusam-
menhanges nach, einerseits desjenigen zwischen dem Unfallereignis und den
geltend gemachten Beschwerden, ausgehend von den initialen Befunden und in
Beachtung des Beschwerdeverlaufes (a.a.O., S. 77 ff.), sowie anderseits desjeni-
gen zwischen dem Unfallereignis und den Sachschäden (vgl. a.a.O., S. 111). An-
schliessend prüfte es die sog. Adäquanz, wiederum einerseits hinsichtlich der Be-
schwerden mit Blick auf die vom Kläger geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit (vgl.
a.a.O., S. 111 ff.) sowie anderseits in Bezug auf den behaupteten Sachschaden
(a.a.O., S. 117). Hinsichtlich des ersteren kam das Bezirksgericht zum Schluss,
zwischen dem Unfall und den vom Kläger im Anschluss daran geklagten Be-
schwerden bestehe ein Konnex, wobei die Beschwerden im Verlauf von zwei Jah-
ren (linear) abgeklungen seien. Kein ursächlicher Zusammenhang bestehe hinge-
gen für weitere und später geklagte Beschwerden physischer und psychischer
Art. Diese stünden, namentlich auch soweit es um die geltend gemachten psychi-
schen Spätfolgen gehe, höchstens allenfalls lose bzw. entfernt mit dem Ereignis
vom 18. Oktober 1993 zusammen und hätte ihre wesentlichen Ursachen in ande-
ren, 1994 und 1995 entstandenen Problemen und Belastungen, so in Familie und
Beruf (Tod des Geschäftspartners U._ bzw. U'._, Eheprobleme, ferner
[Mit-]Betreuung von Kindern) sowie in den Auseinandersetzungen mit Versiche-
rungen und Justizbehörden (mit Untersuchungshaft) im Nachgang zum Unfall,
den der Kläger im Dezember 1994 erlitten habe (vgl. a.a.O. S. 107 ff., S. 116).
In einem weiteren Schritt ermittelte das Bezirksgericht den Schaden (vgl.
act. 791 S. 118 ff.) und da vorab den Personenschaden bzw. den Erwerbsscha-
den aufgrund konkreter Erwerbsunfähigkeit von längstens zwei Jahren, nach
- 17 -
einem Jahr reduziert auf 50 % (vgl. a.a.O., S. 126 ff.). Den vom Kläger erstmals
2001 geltend gemachten "Alternativsacherhalt" verwarf es dabei vorab als wenig
wahrscheinlich (vgl. a.a.O., S. 129 ff.) und ermittelte dann den Schaden, der im
Zeitpunkt des Urteils bereits abschliessend eingetreten war (vgl. a.a.O., S. 135 f.),
aufgrund des bei Klageerhebung 1999 vorgetragenen Sachverhaltes als Erwerbs-
schaden eines Selbständigerwerbenden in der IT-Branche (vgl. a.a.O., S. 137 ff.)
als Differenz zwischen einem mutmasslich möglichen Valideneinkommen und
dem im selben Zeitraum erzielbaren bzw. erzielten Invalideneinkommen zuzüglich
eines durch den Unfall eingetretenen Mehraufwandes (vgl. a.a.O., S. 152-157).
Weiter wurde der Sachschaden bestimmt, beschränkt auf Reparatur- bzw. Er-
satzanschaffungskosten bezüglich einer IWC-Uhr, einer Nikon-Kamera und eines
Autotelefons der Marke Panasonic (vgl. a.a.O. 157 f.). Den vom Kläger ebenfalls
als Schadensposten geltend gemachten vorprozessualen Anwaltsaufwand ver-
warf das Bezirksgericht (vgl. a.a.O., S. 158 ff.). Verlangt würden unter diesem Ti-
tel pauschal einfach 4% eines Interessenwertes von rund 4 Millionen Franken
als Anwaltshonorar für "Bemühungen i.S. Eidg. Invalidenversicherung, V._
Versicherungen, W._ AG, AA._ Versicherungen, AB._" (a.a.O.,
S. 161). Es sei vom Kläger indessen nicht dargetan worden, welche dieser an-
waltlichen Bemühungen zur Durchsetzung des Schadenersatzanspruches not-
wendig gewesen seien; und die Aufwendungen seien auch sonst in keiner Weise
substanziert worden. Hingegen erachtete das Bezirksgericht die dem Kläger an-
gefallenen Kosten für eine Expertise des Treuhänders AC._ und für eine Un-
fallanalyse der Dr. AD._ AG als ausgewiesen, u.a. weil beide Berichte wich-
tige Anhaltspunkte für die Sachverhaltsbeurteilung geliefert und insoweit zur Klä-
rung der Ersatzansprüche des Kläger Massgebliches beigetragen hätten (vgl.
a.a.O., S. 162 f.). Gründe, welche unter dem Titel der Schadenersatzbemessung
eine Herabsetzung des Schadenersatzes hätten rechtfertigen können, erkannte
das Bezirksgericht schliesslich keine, und es verpflichtete daher die Beklagte, den
ermittelten Schaden voll zu ersetzen (vgl. a.a.O., S. 163).
Die vom Kläger geforderte Genugtuung bemass das Bezirksgericht schliess-
lich (vgl. act. 791 S. 165 ff.) in Wertung aller ihm massgeblich erscheinenden Um-
stände (namentlich relativ beschränkte Arbeitsunfähigkeit, die sich nach einem
- 18 -
Jahr auf 50 % reduzierte und nach zwei Jahren vollständig wegfiel, ferner ein vor
allem auch subjektiv eindrückliches Unfallereignis, kein besonderes Verschulden
des Unfallverursachers, da dieser lediglich mit einer Busse von Fr. 300.- bestraft
worden war).
2.2 Die Parteien sind mit diesem Urteil nicht einverstanden. Im Wesentlichen hal-
ten sie an ihren bereits vor dem Bezirksgericht eingenommenen Standpunkten
fest.
2.2.1 Der Kläger wirft dem Bezirksgericht in seiner Berufungsschrift vorab unzu-
lässige Voreingenommenheit vor (vgl. act. 789 S. 13 f.). Weiter erachtet er – kurz
zusammengefasst – in seiner Berufungsschrift im Wesentlichen den Kausalzu-
sammenhang zwischen den Beschwerden, an denen er heute leidet, sowie
dem Unfall vom Oktober 1993 für gegeben bzw. bewiesen (vgl. act. 789 S. 26 f.,
S. 57 f., S. 63 f.) und ebenso den erst 2001 behaupteten sog. Alternativsachver-
halt zu seinem wirtschaftlichen Fortkommen ohne Unfall, den er als seinen Haupt-
standpunkt bezeichnet, zumal die Beklagte diesen Sachverhalt nicht hinreichend
bestritten habe (vgl. a.a.O., S. 65 ff.). Er wirft dem Bezirksgericht vor, das sowie
weiteres Unbestrittenes oder Erwiesenes missachtet zu haben (vgl. a.a.O.,
S. 77 ff.). Weiter wirft er dem Bezirksgericht vor, dem gerichtlich eingeholten me-
dizinischen Gutachten einen zu hohen Beweiswert beigemessen zu haben und
erachtet dieses Gutachten zudem unter mehreren Gesichtspunkten als fehlerhaft
und unvollständig (vgl. a.a.O., S. 28 ff.). Er hält an dem von ihm errechneten Er-
werbs- und Sachschaden ebenso fest wie an der geltend gemachten Genugtuung
(vgl. a.a.O., S. 91 ff.), rügt eine unzulässige Anrechnung von Einkommen beim
Erwerbsschaden (vgl. a.a.O., S. 114 ff.) und beharrt am zusätzlich geltend ge-
machten Schaden aus entgangenem Aktienkauf (vgl. dazu a.a.O., S. 101 f.). Er
rügt zudem, dass das Bezirksgericht keine vor- bzw. ausserprozessualen An-
waltskosten als Schaden erkannte (vgl. a.a.O., S. 113).
2.2.2 Die Beklagte erachtet – kurz zusammengefasst – die Berufung des Klägers
insgesamt entweder als nicht hinreichend begründet oder als sachlich unbegrün-
det (vgl. act. 810 S. 5-10).
- 19 -
Sie kritisiert sodann in der Begründung ihrer Anschlussberufung vorab, dass
das Bezirksgericht die Haftungsgrundlage in Art. 58 SVG gesehen habe (vgl.
a.a.O., S. 12). Über alles gesehen stellt sie sich zudem auf den Standpunkt, der
Unfall vom 18. Oktober 1993 sei ein Bagatellunfall gewesen (vgl. act. 810 S. 50).
Sie wirft dem Bezirksgericht daher unrichtige Feststellung des Sachverhaltes und
diversen Gesichtspunkten vor, insbesondere in Bezug auf die vom Kläger geltend
gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Erwerbsunfähigkeit sowie in
Bezug auf den Kausalzusammenhang (vgl. a.a.O., S. 13 ff.). Bemängelt wird von
ihr dabei u.a., das Bezirksgericht habe auf Angaben des Klägers zum initialen Be-
schwerdebild abgestellt, ohne die angebliche Glaubwürdigkeit des Klägers (vgl.
a.a.O., S. 13 ff.; Verurteilung mit Strafbefehl vom 8. Juli 2003 wegen [Versiche-
rungs-]Betruges) sowie das Fehlen eines initialen Beschwerdebildes bzw. einzeln
dargelegter Symptome richtig zu gewichten (vgl. a.a.O., S. 23); kritisiert werden
weiter etwa die Schlüsse, die das Bezirksgericht aus dem medizinischen Gutach-
ten von Prof. Dr. med. E._ trotz der Einwände der Beklagten gezogen hat
(vgl. etwa a.a.O., S. 30 ff.), sowie die nach Auffassung der Beklagten falsche bzw.
fehlende Berücksichtigung der unfallanalytischen und biomechanischen Gutach-
ten (vgl. a.a.O., S. 42 ff.). Unrichtige Feststellung des Sachverhaltes wird ebenso
hinsichtlich des Personen- (vgl. a.a.O., S. 45 ff.) und des Sachschadens geltend
gemacht (vgl. a.a.O., S. 49 f.); das zur Feststellung des Erwerbsschadens einge-
holte Gutachten erachtet sie dabei letztlich als unbrauchbar. Unter dem Titel fal-
scher Rechtsanwendung werden Rügen zum Beweismass erhoben sowie vor al-
lem die Schadensberechnungen kritisiert (vgl. a.a.O., S. 50 ff.).
2.2.3 In seiner Antwort auf die Anschlussberufung (vgl. act. 816) schliesst sich der
Kläger vorab der Kritik der Beklagten zur Haftungsgrundlage an: Art. 61 SVG sei
anwendbar, wobei die Beklagte richtigerweise von seiner Schuldlosigkeit ausgehe
(vgl. a.a.O., S. 6). Er lässt sich zudem zur Kritik der Beklagten am Beweismass
bzw. -grad (vgl. a.a.O., S. 4 f.) vernehmen und ausführlich zu den Zweifeln, die
die Beklagte an seiner Glaubwürdigkeit äusserte (vgl. a.a.O., S. 7 ff.). Dabei hält
er insbesondere fest, er habe den Strafbefehl vom 8. Juli 2003 wegen Betruges
einzig anerkannt, um das ihn belastende achtjährige Verfahren abzuschliessen,
nachdem er zum vierten Mal Vater geworden und mit vielen Alltagslasten be-
- 20 -
schäftigt gewesen sei (vgl. a.a.O., S. 8). Die im Strafbefehl umschriebenen Um-
stände hätten zudem die objektiven Tatbestandsmerkmale des Versicherungsbe-
truges gar nicht erfüllt (vgl. a.a.O., S. 9). Die Haltung der Beklagten, er habe sich
mittels betrügerischer Machenschaften ein Auskommen sichern wollen, seien un-
zutreffend, aber auch wirklichkeitsfremd und beleidigend (a.a.O., S. 11). Alsdann
schliesst er sich der Kritik der Beklagten am medizinischen Gutachten an, soweit
mit dieser dessen Beweiswert in Frage gestellt werde (vgl. a.a.O., S. 12 (dort
Rz. 26), nicht in den übrigen Punkten. Er wiederholt vielmehr seine Auffassung,
der Kausalzusammenhang zwischen den bis heute andauernden Beschwerden
und dem Unfall vom 18. Oktober 1993 sei gegeben (vgl. a.a.O., S. 12 f.). Und
er nimmt Stellung zur übrigen Kritik der Beklagten am Gutachten (vgl. a.a.O.,
S. 13 ff.) sowie zur Schadensberechnung und Genugtuung (vgl. a.a.O., S. 17 f).
2.2.4 Die Standpunkte und Ausführungen der Parteien im Berufungsverfahren
sind hier nur sehr knapp skizziert worden. Im Folgenden werden sie indessen be-
rücksichtigt (sofern sie nicht unbeachtlich sind; dazu vgl. Erw. II/1.3), und zwar
auch dann und dort, wenn und wo das nicht ausdrücklich vermerkt ist (vgl. im Üb-
rigen auch Erw. II/1.2.1, a.E.).
3. - 3.1 Unter der Überschrift "Unzulässige Voreingenommenheit / rechtliches Ge-
hör" (vgl. act. 789 S. 13) wirft der Kläger dem Bezirksgericht im Wesentlichen vor,
es habe mehrmals kundgegeben, den Prozess in absehbarer Zeit bzw. mutmass-
lich im Frühling 2016 abzuschliessen, ohne Ergänzung des Beweisverfahrens
zum sog. Alternativsachverhalt hinsichtlich des Schadens und ohne Kenntnis der
Stellungnahmen zum Beweisergebnis (vgl. a.a.O., Rz. 39). Es bestehe daher
mindestens der Anschein, die Vorinstanz habe die Beweise in einer Art und Wei-
se gewürdigt, welche den Verfahrensschluss zugelassen habe und es tunlichst
vermieden, etwa den Alternativsachverhalt als erwiesen zu erachten (vgl. a.a.O.,
Rz. 41). Dies erwecke den Anschein, die Vorinstanz habe von Vornherein nicht
sämtliche Beweismittel ergebnisoffen gewürdigt, sich ein abschliessendes Urteil
zum sog. Alternativsachverhalt usw. bereits vor Ende des Beweisverfahrens und
den Stellungnahmen der Parteien dazu gemacht (vgl. a.a.O., S. 14, Rz. 42). Das
verletze den Grundsatz der freien Beweiswürdigung sowie den Anspruch auf
- 21 -
rechtliches Gehör und dabei insbesondere das klägerische Recht auf Erhebung
der offerierten und gebotenen Beweise (vgl. a.a.O.).
Der Kläger legt allerdings nicht dar, wann und wo sich das Bezirksgericht
mehrmals so geäussert haben soll, wie er es nun behauptet. Soweit der Kläger
auf act. 750 verweist (vgl. act. 789 Rz. 39), einen Beschluss vom 9. November
2015, mit dem das Bezirksgericht ein Gesuch des klägerischen Rechtsvertreters
um weitere Akontozahlungen abwies, stellt er immerhin einen sozusagen eigenen
Sachzusammenhang her, der allerdings in keinem näheren sachlichen Bezug zu
seinen Vorwürfen des Anscheins der Voreingenommenheit steht und insoweit un-
interessant bleibt. Zudem übergeht der Kläger mit seinen Vorwürfen an die Ad-
resse des Bezirksgerichtes geflissentlich, dass die Parteien im Verlauf des be-
zirksgerichtlichen Verfahrens wiederholt Stellung zu den Ergebnissen der Be-
weiserhebungen nehmen konnten. Entsprechend Stellung genommen hat der
Kläger sodann (vgl. etwa act. 347, Vi-Prot. S. 121 ff., act. 591A, act. 745), und
zwar auch zum gesamten Beweisergebnis (vgl. dazu act. 732: Fristansetzung)
innert Notfrist (vgl. act. 737 und act. 741) mit dem 133 Seiten umfassenden
Schriftsatz vom 2. November 2015 (act. 745). Wie die Beklagte richtig vermerkt
(vgl. act. 810 S. 5), legt der Kläger mit seinen Vorwürfen an die Adresse des Be-
zirksgerichtes schliesslich ebenfalls nicht dar, welche Beweismittel, deren Ab-
nahme sachlich geboten war und die der Kläger zuvor gehörig offeriert hatte,
vom Bezirksgericht nicht abgenommen wurden. Dass der Kläger in seiner Beru-
fungsschrift andernorts im Zusammenhang mit dem sog. Alternativsachverhalt
selbst festhält, es "erübrigen sich weitere Beweisabnahmen" (vgl. act. 789 S. 78
[Rz. 206]), kommt noch hinzu; stichhaltig wird seine Kritik am bezirksgerichtlichen
Vorgehen damit allerdings ebenfalls nicht. Und es bleibt insgesamt das Fazit,
dass vom Kläger mit seinen Ausführungen auf den S. 13 f. von act. 789 letztlich
bloss allgemeine Kritik am Bezirksgericht geübt wird, die den Anforderungen an
eine Begründung (vgl. vorn Erw. II/1.2) nicht genügt; die Vorwürfe des Klägers
bleiben dementsprechend unbegründet. Weiteres dazu erübrigt sich.
3.2 Allgemeine Kritik, die den Anforderungen an eine Begründung nicht genügt
(vgl. vorn Erw. II/1.2), weil mit ihr lediglich an der eigenen Sicht der Dinge festge-
halten wird, üben die Parteien, das ist vorweg ebenfalls noch anzumerken, in un-
- 22 -
terschiedlichem Mass auch sonst, namentlich im Zusammenhang mit Beweiswür-
digungen, der Kläger über Seiten, die Beklagte punktuell. So kritisiert die Beklagte
bezirksgerichtliche Beweiswürdigungen beispielsweise als willkürlich, weil unbe-
achtet gelassen worden sei, was sie – die Beklagte – in der Klageantwort vorge-
tragen habe und das daher "aktenkundig" sei (vgl. act. 810 S. 21; siehe ferner et-
wa a.a.O., S. 49/50). Oder es trägt der Kläger über Seiten (vgl. etwa act. 789
S. 79 ff.) und mit dem Hinweis auf die "Aktenlage" (a.a.O., S. 80) vor, was er im
Wesentlichen gestützt auf seine Vorbringen im bezirksgerichtlichen Verfahren in
den act. 2, act. 53, act. 712, act. 745 usf. als unbestritten und erwiesen erachtet.
Zuweilen vermischt der Kläger überdies allgemeine Kritik mit Verweisen auf schon
Vorgetragenes (vgl. etwa act. 789 S. 17, dort Rz. 52, oder S. 32, vor Rz. 103 und
Rz. 103) und übt damit letztlich auch noch Wiederholung (vgl. dazu vorn Erw.
II/1.3.1). Mit Hinweisen auf die "Aktenlage", reduziert auf die eigene Sichtweise
bzw. frühere Vorbringen, argumentiert und wiederholt zuweilen ebenso die Be-
klagte (vgl. etwa act. 810 S. 13: "Aktenlage - Die Eingabe des Beklagten vom
28.06.2005 ... hat zur Glaubwürdigkeit des Klägers ... ausgeführt ...."; vgl. eben-
falls a.a.O., S. 23).
Auf dergleichen allgemeine Kritik wird im Folgenden nur noch soweit zu-
rückzukommen sein, wie sie hier nicht bereits angesprochen wurde und es zudem
sachlich geboten erscheint (vgl. dazu auch vorn Erw. II/1.2.1, a.E.).
4. - 4.1 Das Bezirksgericht hat im angefochtenen Urteil den Art. 58 SVG und dort
insbesondere dessen Abs. 1 als Haftungsgrundlage bezeichnet. Weiter hat es da-
rauf hingewiesen, dass eine Haftung eines Fahrzeughalters nebst dem Betrieb
des Motorfahrzeuges weiter eine Körperverletzung des Geschädigten, einen
Schaden sowie einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwi-
schen dem Betrieb des Motorfahrzeuges und der Köperverletzung bzw. dem
Schaden verlangt und sich die Fragen nach der Art und dem Umfang von Scha-
denersatz und Genugtuung gemäss Art. 62 Abs. 1 SVG nach den Grundsätzen
der Art. 41 ff. OR beantworten, also namentlich nach Art. 42 Abs. 1 OR sowie den
Art. 46 f. OR (vgl. act. 791 S. 23 f.). Das ist grundsätzlich zutreffend.
- 23 -
4.2 Die Parteien weisen richtig darauf hin (vgl. vor. Erw. II/2.2.2 und 2.2.3), dass
ebenfalls der Art. 61 SVG zu beachten ist, weil der Kläger als durch den Unfall
geschädigte Person nicht nur Lenker eines beteiligten Motorfahrzeuges war, son-
dern zugleich dessen Halter. Der Art. 61 SVG setzt allerdings eine Haftung i.S.
des Art. 58 Abs. 1 SVG voraus und regelt – insofern "lediglich" – die Aufteilung
der Schadenstragung (sog. Haftungskollision) zwischen mehreren Haltern (vgl.
etwa PROBST, in: BSK SVG, Basel 2014, Art. 61 N 6, N8, N 13, N 32, 34), und
zwar primär nach dem Kriterium des Verschuldens (vgl. z.B. Urteil des Bundesge-
richtes 6B_1009/2008 vom 25. Februar 2009, E. 7.4). An der Kollision traf den
Kläger, wie die Beklagte selbst einräumt, kein Verschulden, weshalb sich die Fra-
ge einer Haftungsaufteilung zwischen ihm und dem Halter des Lastzuges, für den
die Beklagte als Versicherer einzustehen hat, insoweit nicht stellt und von der Be-
klagten im Rahmen ihrer Kritik am angefochtenen Urteil auch ausdrücklich nicht
gestellt wird (vgl. act. 810 S. 12: "ändert allerdings nichts an der vollen Haftung
der Beklagten"). Weiterungen zum Thema der Haftungsaufteilung erübrigen sich
deshalb an sich.
Der Vollständigkeit halber ist immerhin noch anzumerken, dass andere Um-
stände i.S.v. Art. 61 Abs. 1 SVG (bezogen auf Personenschaden) und i.S.v.
Art. 61 Abs. 2 SVG (bezogen auf Sachschaden; vgl. dazu auch PROBST, a.a.O.,
N 38 ff.), welche hinsichtlich der Schadenstragung eine andere Verteilung als
nach Massgabe des Verschuldens rechtfertigen könnten, nicht gegeben sind.
Ganz abgesehen davon ist – wie der Kläger zu Recht vermerken lässt – die Be-
triebsgefahr eines Lastzuges, wie ihn der Unfallverursacher K._ lenkte, oh-
nehin ungleich höher als die des Personenwagens, den der Kläger lenkte. Eine
Beteiligung des am Unfall schuldlosen Klägers unter dem Titel der Betriebsgefahr
des von ihm gelenkten Fahrzeuges an der Schadenstragung erschiene daher und
erst recht insgesamt stossend.
5. Der Kläger hält den natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwi-
schen den Beschwerden, an denen er heute leide, und dem Unfallereignis vom
18. Oktober 1993 als gegeben. Denn das nach dem Unfall aufgetretene Be-
schwerdebild sei – so macht er über alles gesehen geltend – bis heute persistie-
rend. Laut Kläger "ergeht [das] der gesamten Krankengeschichte" (vgl. act. 789
- 24 -
S. 31 f.). Entscheidend sei zudem, dass der zu beurteilende Unfall überhaupt zu
den jeweiligen Beschwerden führen könne (vgl. a.a.O., S. 19). Es sei daher we-
gen des weiterhin bestehenden Beschwerdebildes letztlich unwesentlich (vgl.
act. 789 S. 32: "darf offen bleiben"), ob es sich bei diesem Beschwerdebild ers-
tens um reine Folgen einer HWS-Distorsionsverletzung handle, ob er zweitens
am 18. Oktober 1993 zusätzlich ein Schädel-Hirntrauma erlitten habe (wie er es
behauptet hatte, ist zu ergänzen), ob sich drittens eine posttraumatische Belas-
tungsstörung entwickelt habe (wie er es ebenfalls behauptet hatte), ob die Be-
schwerden viertens eine organische oder strukturelle Grundlage oder Ursache
hätten, ob er fünftens zusätzlich ein eigenständiges, vom Beschwerdebild einer
HWS-Verletzung unabhängiges Beschwerdebild klage und ob sechstens zusätz-
lich medikamenteninduzierte körperliche und psychische Beeinträchtigungen vor-
lägen (vgl. a.a.O.).
Der Kläger nimmt damit immerhin den – mit Blick auf seine Rechtsbegehren
und die gesetzlichen Grundlagen – sachlich zutreffenden Standpunkt ein, dass
der Unfall vom 18. Oktober 1993 bei ihm eine Körperverletzung und damit einher-
gehende Beschwerden bewirkt haben muss, die zuvor nicht bestanden hatten,
dass also nach dem Unfall ein gewissermassen verletzungsbedingtes initiales
Beschwerdebild und Verletzungen vorgelegen haben müssen. Dass ein solches
Beschwerdebild vorgelegen hat, bezweifelt hingegen die Beklagte in ihrer An-
schlussberufung; sie argumentiert dabei vor allem mit der in ihren Augen fehlen-
den Glaubwürdigkeit des Klägers (vgl. act. 810 S. 13, S. 18 ff.). Das im Anschluss
an den Unfall aufgetretene Beschwerdebild bzw. die entsprechenden Beschwer-
den und die ihm bzw. ihnen zugrunde liegende Körperverletzung sind daher vorab
zu prüfen.
5.1 Mit der Feststellung des sog. initialen Beschwerdebildes und den zugrunde
liegenden Körperverletzungen hat sich das Bezirksgericht im angefochtenen Urteil
einlässlich befasst (vgl. act. 791 S. 26 ff.). Es äusserte sich dabei vorab zu den
Beweismitteln (wie medizinische Berichte und Gutachten, Zeugenaussagen) so-
wie zu beweisrechtlichen Fragen (vgl. a.a.O., S. 34 ff.), bevor es – den klägeri-
schen Sachdarstellungen folgend – unter dem Titel des Nachweises eines HWS-
Distorsionstraumas (vgl. act. 791 S. 53 ff.), unter dem Titel des Nachweises eines
- 25 -
"Schädel-Hirntraumas" (vgl. a.a.O., S. 64 ff.) sowie schliesslich unter dem Titel
des Nachweises psychischer Gesundheitsstörungen (vgl. a.a.O., S. 68 ff.) die
Beweismittel würdigte und dabei jeweils sorgfältig und sachlich zutreffend ein Fa-
zit zog (vgl. a.a.O., S. 62-64, S. 67 f. und S. 70 f.) sowie seine abschliessenden
Feststellungen traf (vgl. a.a.O., S. 71 f.). Zur Vermeidung unnötiger Wiederholun-
gen kann auf die entsprechenden Erwägungen ab S. 53 des angefochtenen Ur-
teils verwiesen werden. Gemäss den bezirksgerichtlichen Feststellungen litt der
Kläger im Anschluss an den Unfall (wie schon erwähnt; vgl. Erw. II/2.1) tatsächlich
an Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen, ferner an Arm- und Rückenbeschwer-
den, alles im Sinne eines sog. Zervobrachialsyndroms, sowie zeitweilig auch an
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen (vgl. a.a.O., S. 64, S. 67 f.,
S. 71).
Zugleich stellte das Bezirksgericht fest, den von ihm festgestellten Be-
schwerden lägen als Unfallfolge eine eher leichte Schleuderverletzung der Hals-
wirbelsäule im Sinne eines reinen Beschleunigungstraumas zugrunde, also kein
sog. Abknick- oder Stauchungstrauma, ferner eine leichte Gehirnerschütterung,
hingegen kein wie vom Kläger behauptetes Schädel-Hirn-Trauma. Dass sich in-
folge eines Traumas eigenständige psychischen Probleme im Sinne sekundärer
Folgen des Unfallereignisses herausgebildet hätten, wie namentlich die vom Klä-
ger in der Replik behauptete sog. posttraumatische Belastungsstörung, erachtete
es schliesslich als unbewiesen (vgl. act. 791 S. 62, S. 67, 70 f.).
5.2 - 5.2.1 Laut Kläger umfasst das im Anschluss an den Unfall von ihm geklagte
Beschwerdebild, von dem er – wie erwähnt – zudem geltend macht, es bestehe
seit damals ohne Unterbruch praktisch unvermindert bis heute fort (vgl. act. 789
S. 31 f.), die folgenden Leiden (a.a.O., S. 31): ständige Kopf-, Nacken- und Schul-
ter-, Arm- und Rückenbeschwerden, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstö-
rungen sowie Gedächtnisstörungen und konstante Müdigkeit, sehr rasche Er-
schöpfbarkeit und Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Gereiztheit bei physischer
und psychischer Belastung, ferner zwei- bis dreimal pro Monat vom Gesäss in
den Brustraum ausstrahlende Schmerzen mit Parästhesien, welche teilweise
auch mit einer Gefühllosigkeit in den Beinen während einer halben eventuell gan-
zen Stunde einhergehen, dazu kommen auch Schwindelgefühl und Herzrasen,
- 26 -
starkes Schwitzen und innere Unruhe. Dieses Bild entspricht offenkundig nicht
dem vom Bezirksgericht festgestellten Bild. Behauptet der Kläger in der Beru-
fungsschrift andernorts gleichwohl, die Vorinstanz habe das Erleiden einer HWS-
Distorsionsverletzung mit diversen typischen Folgen dieses Beschwerdebildes
anerkannt (vgl. act. 789 S. 17), so erweisen sich seine Behauptung, die sich auf
das von ihm behauptete Beschwerdebild bezieht, und seine Darstellung, das
Fortdauern dieses Beschwerdebildes bis heute sei unbestritten, als ebenso offen-
kundig unzutreffend. Weitere Ausführungen zu diesem Standpunkt des Klägers
erübrigen sich daher.
Mit den Feststellungen des Bezirksgerichtes zum Beschwerdebild und zu
den diesem zugrunde liegenden Verletzungen, sowie mit den Erwägungen, die
das Bezirksgericht zu seinen entsprechenden Feststellungen führte (vgl. act. 791
S. 26-70, dort insbesondere S. 53 ff.), setzt sich der Kläger in seiner Berufungs-
schrift (vgl. act. 789 S. 14-63) im Übrigen nicht näher auseinander. Namentlich
legt er nicht näher dar, inwiefern die bezirksgerichtlichen Feststellungen zu den
Beschwerden und den Verletzungen, die nicht seinen Behauptungen entspre-
chen, unrichtig sind bzw. sein sollen. Im Wesentlichen wiederholt er hingegen
entweder schon früher Vorgebrachtes (vgl. dazu vorn Erw. II/1.3). Oder er nimmt
zwar erkennbar Bezug auf die bezirksgerichtlichen Erwägungen und stimmt die-
sen allenfalls zu (vgl. z.B. act. 789 S. 14 [Bezug auf act. 791 S. 35], S. 23 [Bezug
auf act. 791 S. 58]) oder kritisiert sie allgemein (vgl. etwa act. 789 S. 16 [Bezug
auf act. 791 S. 50], S. 27 [Bezug auf S. 35, 36 ff. und 42 von act. 791], S. 32 [Be-
zug auf S. 53-70 von act. 791]), wobei sich die Kritik nicht auf die bezirksgerichtli-
chen Feststellungen zu den Beschwerden bezieht, die im Anschluss an den Unfall
auftraten, sondern sich z.B. gegen Beschwerdeursachen richtet, die er – der Klä-
ger – indessen ohnehin als unwesentlich erachtet (vgl. act. 789, S. 32), sieht man
von den schon erwähnten "HWS-Distorsionsverletzungen" ab (vgl. a.a.O., S. 17).
Unrichtige Sachverhaltsfeststellungen werden vom Kläger in seiner Beru-
fung somit nicht dargetan, weshalb es insoweit bei den bezirksgerichtlichen Fest-
stellungen sein Bewenden haben kann.
5.2.2 Die Beklagte wirft dem Bezirksgericht unter dem Titel unrichtiger Sachver-
haltsfeststellung vor, es habe hinsichtlich des sog. initialen Beschwerdebildes
- 27 -
sozusagen unbesehen auf die Angaben des Klägers abgestellt (vgl. act. 810
S. 13: "dabei stützt sie sich im Wesentlichen auf die Angaben des Klägers zu
seinen initialen Beschwerden"), wiewohl der Kläger nicht glaubwürdig sei (vgl.
a.a.O., S. 13-23) und dessen Angaben, wenn überhaupt, höchstens marginale
Beweiskraft besässen (vgl. a.a.O., S. 23). Ihre Kritik ist, soweit sie sich nicht
ohnehin in blossen Wiederholungen erschöpft (vgl. dazu vor Erw. II/1.3.1, siehe
ferner act. 810 S. 22 [Verweis auf das in den S. 36-41 in der Klageantwort Ausge-
führte, ferner S. 23 [Verweis auf S. 41-43 der Klageantwort]), allerdings unzutref-
fend. Zwar mag es um die (generelle) Glaubwürdigkeit des Klägers aus den von
der Beklagten dargelegten Gründen – ohne dass damit deren Wertung durch die
Beklagte übernommen würde – nicht zum Besten stehen. Auf die (generelle)
Glaubwürdigkeit einer Person kommt es indessen bei der Würdigung deren Aus-
sagen gerade gemäss den Erkenntnissen der von der Beklagten angerufenen
Aussagenpsychologie (vgl. act. 810 S. 22) nicht ausschlaggebend an. Massge-
blich ist vielmehr die Glaubhaftigkeit der Aussagen selbst, und dabei insbesonde-
re, wie weit die Aussagen durch andere Beweismittel bzw. erstellte Sachverhalte
gestützt werden. Das Bezirksgericht hat zutreffend darauf verwiesen (vgl. act. 791
S. 56 f.), was die Beklagte in ihrer pauschalen Kritik, das Bezirksgericht habe tel
quel auf die Aussagen des Klägers abgestellt (vgl. 810 S. 21), hinsichtlich der im
Anschluss an den Unfall aufgetretenen Beschwerden und der diesen zugrunde
liegenden Verletzung, schlicht übergeht.
Im Weiteren hat sich das Bezirksgericht mit den Einwänden, die die Beklag-
te ihm schon vorgetragen hat und heute im Rahmen ihrer Beweiswürdigung im
Wesentlichen derjenigen des Bezirksgerichtes entgegenstellt, einlässlich (vgl.
etwa act. 791 S. 54-56, S. 61 f., S. 64) – und wie schon erwähnt – zutreffend be-
fasst (vgl. vorn Erw. II/5.1). Die Beklagte übergeht das in der Begründung ihrer
Anschlussberufung ebenfalls, soweit sie sich mit den Feststellungen zu den im
Anschluss an den Unfall aufgetretenen Beschwerden sowie den diesen zugrunde
liegenden Verletzungen überhaupt befasst. Und sie zeigt daher auch nicht auf,
was an den bezirksgerichtlichen Erwägungen falsch ist bzw. sein soll, so etwa an
der sachlich zutreffenden, weil sachlich naheliegenden Auffassung des Bezirksge-
richtes, Angaben in ärztlichen Berichten, die sich allesamt auf Konsultationen und
- 28 -
Beurteilungen abstützen, die nach mehr als drei Monate nach dem Unfall stattge-
funden hätten, liessen keine unmittelbaren Rückschlüsse auf das initiale Be-
schwerdebild zu (vgl. a.a.O., S. 59). Und sie zeigt ebenfalls nicht auf, inwieweit
die weitere Auffassung des Bezirksgerichtes, aus den späteren Berichten usw.
ergebe sich eine medizinisch nicht konkret einzuordnende Ausweitung der vom
Kläger geklagten Beschwerden, was indessen in anderem Zusammenhang auf-
zugreifen sei (vgl. a.a.O.), unrichtig sein könnte. Im Gegenteil, die Beklagte hebt
das wiederholt selbst hervor (vgl. etwa act. 810 S. 20) und entzieht damit ihrer Kri-
tik an den Feststellungen des Bezirksgerichtes zu den im Anschluss an den Unfall
festgestellten Verletzungen und Beschwerden zugleich den Boden.
Ergänzend anzumerken bleibt immerhin noch, dass die Befunde, die das
Kantonsspital Sarnen nur wenige Stunden nach dem Unfall erhoben hat, sowie
die darauf basierenden Diagnosen (vgl. vorn Erw. I/1.3.1) und Medikation u.a. mit
dem Muskelrelaxans Sirdalud (vgl. act. 3/14), mit den vom Bezirksgericht festge-
stellten Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen und Arm- und Rückenbeschwer-
den aus laienhafter Sicht unschwer vereinbar sind. Kontusionen z.B. sind
schmerzhaft, was jedermann weiss, der eine Kontusion erlitten hat (und wer hat
eine solche im Verlauf seines Lebens nicht schon erlitten). Ebenso schmerzhaft
sein können bekanntlich muskuläre Verspannungen, wie sie bei einem Zervobra-
chialsyndrom auftreten. Schliesslich ist ebenfalls allgemein bekannt, dass leichte
Gehirnerschütterungen sowie Schmerzen zu Aufmerksamkeits- und Konzentrati-
onsstörungen führen können. Dass beim Kläger nach dem Unfall im Spital als
"objektivierbarer Befund" (vgl. act. 810 S. 22) ein Zervobrachialsyndrom festge-
stellt wurde, räumt die Beklagte endlich selbst ein bzw. hat sie schon in der Kla-
geantwort eingeräumt (vgl. a.a.O. mit Verweis auf die Klageantwort [act. 12], vgl.
sodann act. 12 S. 37). Gewiss ist damit noch nichts über die nähere Art und In-
tensität der Beschwerden bzw. Schmerzen gesagt, die naturgemäss insoweit
stets "subjektiv" sind, und ebenso wenig etwas über deren Fortdauer. Darum geht
es hier indessen nicht, was die Beklagte dort zu verkennen scheint, wo sie die ini-
tial festgestellten Befunde auf Druckschmerzen reduziert, trotz des laut ihr objek-
tivierbaren Befundes eines Zervobrachialsyndroms als unspezifisch beschreibt
und sich dann pauschal bzw. ihrerseits unspezifisch über geklagte Beschwerden
- 29 -
äussert, welche subjektive Angaben darstellten, die nicht objektivierbar seien (vgl.
a.a.O., S. 33), ohne aber näher darzutun, welche wann geklagten Beschwerden
des von ihr als unglaubwürdig eingestuften Klägers sie damit letztlich genau
meint.
Unrichtige Sachverhaltsfeststellungen zu den initialen Beschwerden und den
diesen zugrunde liegenden Verletzungen vermag die Beklagte mit ihrer Kritik, die
vor allem auf die Darstellung der Unglaubwürdigkeit des Klägers hinzielt und die
für die Feststellungen des Bezirksgerichtes wesentlichen Erwägungen übergeht,
nicht darzutun. Ebenfalls insoweit hat es ein Bewenden beim vom Bezirksgericht
Festgestellten.
5.3 - 5.3.1 Die Parteien beanstanden im Berufungsverfahren teilweise die be-
zirksgerichtliche Beweislastverteilung sowie das vom Bezirksgericht angewandte
Beweismass. Das Bezirksgericht hat dem Kläger für seine Behauptungen zu den
gesundheitlichen Folgen des Unfalls, und damit auch zu den behaupteten Verlet-
zungen und den anfänglich aufgetretenen Beschwerden, um die es hier geht, den
Beweis auferlegt. Auf den S. 23 ff. seines Urteils hat es sich zudem grundlegend
zur Beweislastverteilung und zum Beweismass geäussert. Zur Beweislastvertei-
lung hat es festgehalten, wer Schadenersatz und Genugtuung verlange, habe
gemäss Art. 42 Abs. 1 OR die entsprechenden Voraussetzungen zu beweisen.
Das ist richtig und lediglich noch dahingehend zu präzisieren, dass es zum einen
nur um die den Voraussetzungen entsprechenden Sachverhalte geht, sowie dass
diese Sachverhalte nur soweit Beweisgegenstand sein können, wie sie bestritten
sind.
Ebenso zutreffend hat das Bezirksgericht unter Verweis auf BGE 128 III 275
der Sache nach festgehalten, dass für das Gelingen eines Beweises grundsätz-
lich das Regelbeweismass des strikten Beweises gilt. Der Beweis gilt nach die-
sem Beweismass dann als erbracht, wenn das Sachgericht nach objektiven Ge-
sichtspunkten vom Vorliegen einer Tatsache überzeugt ist und ihm allfällige Zwei-
fel als unerheblich erscheinen (vgl. z.B. auch BGE 133 III 162 [Persönlichkeitsver-
letzung]). Weiter hat das Bezirksgericht zutreffend darauf hingewiesen, dass die
bundesgerichtliche Praxis in bestimmten Konstellationen mit der Herabsetzung
des Beweismasses auf das Niveau überwiegender Wahrscheinlichkeit Beweiser-
- 30 -
leichterungen vorsieht. Eine solche besteht, wie das Bezirksgericht ebenfalls rich-
tig erkannte, gemäss ständiger Rechtsprechung namentlich "in Bezug auf den na-
türlichen bzw. hypothetischen Kausalzusammenhang. Hier wird das Beweismass
wegen der oft bestehenden Beweisschwierigkeiten auf die überwiegende Wahr-
scheinlichkeit herabgesetzt" (BGE 128 III 276; vgl. zum Ganzen auch BGE 132 III
721). Eine Umkehr der Beweislast ist damit indessen nicht verbunden, sondern
stellte eine Verletzung von Art. 8 ZGB dar (vgl. etwa BGE 130 III 324 [Versiche-
rungsvertrag]). Auch das hat das Bezirksgericht erwähnt, weshalb in Ergänzung
zum eben Dargelegten vollumfänglich auf die Erwägungen 2 auf den S. 23-25 des
angefochtenen Urteils verwiesen werden kann.
5.3.2 In Bezug auf das hier interessierende Thema wurde letztlich unbestrittener-
massen (vgl. act. 12 S. 37) beim Kläger im Kantonsspital Sarnen im Anschluss an
den Unfall wenigstens ein sog. Zervikobrachialsyndrom festgestellt, und zwar laut
der Beklagten ein "ausgeprägtes" (vgl. a.a.O.). Ärztlich ermittelt wurde es beim
Kläger im Wesentlichen anhand des Druckschmerzs über Trapezius beidseits.
Ärztlich festgehalten wurden im Kantonsspital indessen noch weitere Druck-
schmerzen, nämlich im Lendenwirbelsäulenbereich, beim linken Ellbogen und
beim rechten Sprunggelenk (vgl. act. 3/14). Die Beklagte lässt das in ihrer Kritik
am bezirksgerichtlichen Urteil unerwähnt, lässt dafür zum Begriff des Zervobra-
chialsyndroms vortragen, dieser bezeichne ein hinsichtlich seiner Ursachen un-
spezifisches, nämlich vielfältiges Krankheitsbild im Bereich der Sehnen und Mus-
keln an Oberarm und Hals. Dass ein Unfallereignis, wie das am 18. Oktober 1993,
als Ursache für das nur wenig nach dem Unfall festgestellte Zervobrachialsyn-
drom und für weitere festgestellte Druckschmerzen etwa im Bereich eines Ellbo-
gens oder der Lendenwirbelsäule ausscheide, macht sie immerhin nicht geltend.
Andere Ursachen für die nur kurze Zeit nach dem Unfall im Spital erhobenen Be-
funde sowie das – in Bezug auf seine Ursachen – "unspezifische" Syndrom finden
sich sodann keine und werden daher von der Beklagten im Berufungsverfahren –
insoweit nur folgerichtig – nicht vorgebracht. Das Bezirksgericht ist somit auch in-
soweit korrekt zu seinen Feststellungen über die Verletzungen und Beschwerden
gelangt, bei denen es sich u.a. auf das biomechanische Gutachten von D._
- 31 -
sowie das medizinische Gutachten E._ abstütze (vgl. act. 791, dort etwa
S. 62, S. 67).
Dem Gutachter E._ billigt die Beklagte übrigens überragende Kompe-
tenz zu, an der nicht zu zweifeln sei, und rühmt dessen Verdienst, den medizini-
schen Sachverhalt endlich geklärt zu haben (vgl. act. 810 S. 6). Welche Verlet-
zungsfolgen und Beschwerden die unmittelbaren (Aus-)Wirkungen des Unfaller-
eignisses waren, ist nun allerdings durchaus (auch) ein medizinischer Sachver-
halt. Und anders als die Beklagte dartun will (vgl. act. 810 S. 34), schliesst selbst
das biomechanische Gutachten, um auch das noch zu erwähnen, einen Kopfan-
prall beim Unfall nicht aus, sondern lediglich einen "relevanten" Kopfanprall (vgl.
act. 400 S. 12, Bstb. b). Wie aus dem biomechanischen Gutachten weiter folgt,
bezieht sich die im Gutachten kursiv hervorgehobene Relevanz eines Kopfan-
pralls sodann auf den sog. Abknickmechanismus, der im Gutachten verneint wird.
Eine Verletzung des Kläger aufgrund des sog. Abknickmechanismus wiederum
hat das Bezirksgericht gerade nicht als erwiesen erachtet, was die Beklagte rich-
tigerweise nicht bezweifelt.
5.3.3 Auch sonst ist nichts ersichtlich, was die bezirksgerichtlichen Feststellungen
zu den im Anschluss an den Unfall aufgetretenen Beschwerden bzw. zu den
durch den Unfall bewirkten Verletzungen irgendwie als unzutreffend erscheinen
lassen könnte.
Anzumerken bleibt, dass die Beklagte in der Berufungsantwort unter Bezug-
nahme auf klägerische Vorbringen in der Berufungsschrift – nach dem in Erw.
II/5.3.1 Dargelegten – zutreffend darauf hinweist, nicht sie trage die Beweislast
dafür, dass eine einmal eingetretene Gesundheitsstörung ausgeheilt sei, sondern
es treffe den Kläger die Beweislast für seine Sachverhaltsbehauptung, die einmal
eingetretenen Beschwerden bestünden praktisch unverändert weiter, seien also
chronifiziert (vgl. act. 810 S. 5 f.). Das ist allerdings hier nicht das Thema (vgl.
vorn Erw. II/5, vor. 5.1).
Hinzu kommt, dass der Kläger die zutreffende Auffassung der Beklagten ge-
nau genommen nicht ernsthaft in Abrede stellt, namentlich dort nicht, wo er vor-
tragen lässt, es wäre der Beklagten vom Bezirksgericht der Beweis dafür aufzuer-
legen gewesen, dass die von ihm behaupteten Beschwerden ab einem gewissen
- 32 -
Zeitpunkt nicht mehr ursächlich auf das Unfallereignis zurückzuführen seien, auch
nicht wenigstens teilursächlich (vgl. act. 789 S. 17). Denn er schickt diesen Aus-
führungen die Behauptung voraus, es sei unbestritten, "dass dasselbe Beschwer-
debild praktisch unverändert bis zur Gutachtenserstellung bzw. bis dato fortdauer-
te" (vgl. a.a.O.). Dass das unbestritten geblieben wäre, trifft allerdings nicht zu:
Die Beklagte hat den Fortbestand der Beschwerden im bezirksgerichtlichen Ver-
fahren sehr wohl bestritten, sei es direkt oder sei es indirekt, indem sie diverse
ärztliche Befunde, die längere Zeit nach dem Unfall erhoben worden waren, als
unrichtig erachtete (vgl. etwa act. 12 S. 36: nicht geeignet, einen Dauerschaden
zu verursachen; S. 39: Irreführung der Ärzte durch den Kläger; S. 41: Ausweitung
angeblicher Verletzungsfolgen, insbesondere von behaupteten sekundären Be-
schwerde vor allem psychischer oder psychosomatischer Natur; S. 52 ff.). Sie
wies zudem in der Klageantwort darauf hin, der Kläger mache der Sache nach
eine Symptomausweitung geltend, die einem anderen Ursachenbereich zuzu-
schreiben sei (Psychosomatik, Psychogenie oder Simulation; vgl. act. 12 S. 43).
Eine Tendenz des Beklagten zur Ausweitung des Beschwerdebildes hat (wie ge-
sehen) übrigens auch das Bezirksgericht festgestellt; ein Grossteil der Beschwer-
den, die der Kläger heute geltend macht, entsprechen denn auch – wie schon
vermerkt – nicht denen, die das Bezirksgericht im Nachgang zum Unfall festge-
stellt hat (vgl. Erw. II/5.2.1). Darauf wird noch zurückzukommen sein.
5.4 Der Kläger äussert sich zum Beweiswert medizinischer Gutachten (vgl.
act. 789 S. 19 ff.), kritisiert dabei, das Bezirksgericht habe dem von ihm eingehol-
ten medizinischen Gutachten von Prof. Dr. E._ einen zu hohen Stellenwert
beigemessen, und erhebt zudem "formelle Einwände" gegen das gerichtlich ein-
geholte medizinische Gutachten, den Gutachter selbst sowie die von diesem bei-
gezogenen Gutachter (vgl. act. 789 S. 28 ff.).
5.4.1 Prof. Dr. E._ hat sein Gutachten gestützt auf die ihm vom Gericht zur
Verfügung gestellten Akten, eigene Untersuchungen sowie die Gutachten der von
ihm beigezogenen (Teil-)Gutachter F._ und T._ erstellt. Bei den "formel-
len Einwänden" des Klägers dazu handelt es sich um die Wiederholung von Kri-
tikpunkten, die der Kläger bereits in act. 745 in den Ziffern 56 bis 68 dem Bezirks-
- 33 -
gericht vorgetragen hat. Von diesen macht er in der Berufung geltend, das Be-
zirksgericht habe sie in keiner Weise gewürdigt (vgl. act. 789 S. 27, dort Rz. 87).
Das ist so offenkundig falsch. Das Bezirksgericht hat sich in Erw. III/D.1-2
(act. 791 S. 8 ff.) mit diversen "formellen" Einwänden des Klägers befasst, die er
im Zusammenhang mit dem medizinischen Gutachten vorgebracht hat. Der Klä-
ger leitet aus den heute erneut vorgebrachten "formellen Mängeln" sodann keine
Unverwertbarkeit des Gutachtens von Prof. Dr. E._ und/oder der dazugehö-
rigen Teilgutachten ab, sondern – wie schon vor dem Bezirksgericht – "lediglich"
einen geringen Beweiswert des Gutachtens (vgl. act. 789, S. 29, dort Rz. 92). Er
wiederholt sich insofern also bloss. Mit blossen Wiederholungen hinwieder ist eine
Berufung noch nicht hinreichend begründet, worauf schon verwiesen wurde (vgl.
von Erw. II/1.2.1 und 1.3.1). Weiterungen zu den "formellen Einwänden" des Klä-
gers in der Berufung (act. 789 S. 28 ff.) erübrigen sich daher und es kann z.B. of-
fen gelassen werden, was der Kläger mit seinen sog. formellen Einwänden genau
darlegen will und worin das "formelle" dieser Einwände liegt.
5.4.2 Lediglich zum Veranschaulichen sei noch Folgendes erwähnt: Vermisst der
Kläger etwa (vgl. a.a.O., S. 28) im medizinischen Gutachten eine chronologische
Auflistung aller medizinischen Berichte und Gutachten, ist damit noch kein formel-
ler Mangel dargetan, geschweige denn das Fehlen einer "zentrale[n] Vorausset-
zung", zumal der Kläger nicht behauptet, das Bezirksgericht habe vom Gutachter
eine solche Auflistung im Gutachten gerade gewollt. Hinzu kommt, dass der Klä-
ger der Sache nach selbst einräumt, die formale und fachliche Gestaltung eines
Gutachtens sei Aufgabe des Gutachters (vgl. act. 789 S. 28, dort Rz. 88: "recht-
fertigt sich, aus der Vielzahl von Akten eine treffend Auswahl zu tätigen").
Die sog. formellen Einwände des Klägers (vgl. a.a.O., a.E.), der Gutachter
sei wenig interessiert gewesen und kaum mehr befähigt, bei fortschreitendem Al-
ter das Gutachten zu erstatten, und der Gutachter habe "das Aktenmaterial rasch
und willkürlich zusammengestellt (vgl. S. 1)", enthalten durch nichts begründete
Unterstellungen, die im Ton ungehörig sind. Sie übergehen nebenbei auch noch,
dass der Kläger keine Einwände gegen Prof. E._ als Gutachter hatte (hinge-
gen erhob die Beklagte Einwände, die das Bezirksgericht aber mit zutreffender
Begründung verwarf; vgl. vorn Erw. I/2.2 sowie act. 448). Im Weiteren geht der
- 34 -
Vorwurf rascher und willkürlicher Zusammenstellung des Aktenmaterials nur
schon deshalb an der Sache vorbei, weil er im vom Kläger dazu angebrachten
Hinweis auf S. 1 des Gutachtens, wie ein Blick auf eben diese Seite zeigt (vgl.
act. 551 S. 1), offenkundig das Gegenteil einer Stütze hat.
Analoges gilt ebenfalls für die formellen Einwände etwa zu den vom Haupt-
gutachter Prof. E._ beigezogenen Gutachtern, die der Kläger entweder für
wenig geeignet hält (vgl. act. 789 S. 30, dort Rz. 99), womit er für sich bean-
sprucht, das nicht nur besser beurteilen zu können als der fachkundige Hauptgut-
achter E._, sondern es als Laie überhaupt beurteilen zu können; das er-
staunt doch, unabhängig davon, dass der Kläger seinen Anspruch auf fachliche
Beurteilung fachlicher Befähigung nicht zu begründen vermag. Oder der Kläger
bezeichnet in Anlehnung an polit- oder boulevardjournalistischen Jargon den bei-
gezogenen Gutachter F._ als "Hardliner" (vgl. a.a.O., S. 28 Rz. 93). Mit der
fehlenden sachlichen Stichhaltigkeit dieses Vorwurfes hat sich – es ist fast über-
flüssig, darauf hinzuweisen – bereits das Bezirksgericht befasst (vgl. act. 791
S. 10), was der Kläger wiederum übergeht. An den zutreffenden Erwägungen des
Bezirksgerichts, auf die verwiesen werden kann, ändert das nichts.
Der Kläger übergeht zudem, wenn er in einem seiner formellen Einwände
auf act. 422 verweist (vgl. act. 789, S. 28 Rz. 93), dass ihm vom Bezirksgericht
der Wunsch von Prof. E._, die Herren Prof. Dr. F._ und Dr. T._ als
Gutachter beizuziehen, angezeigt worden war (vgl. act. 511; siehe auch Erw.
I/2.2) und er in der Folge gegen den Beizug eben dieser Personen durch Prof.
E._ keine Einwände erhoben hat (vgl. act. 512 bis 546). Und er übergeht
weiter, dass ihn das Bezirksgericht im angefochtenen Urteil ebenfalls schon da-
rauf hingewiesen hat (vgl. act. 791, dort Erw. III/D.1). Immerhin mit Fug, aber
ebenso mit Blick auf § 50 Abs. 1 ZPO/ZH bzw. Art. 52 ZPO, leitet der Kläger da-
her heute aus dem von Prof. E._ veranlassten Beizug von Prof. F._ hin-
sichtlich der Verwertbarkeit des medizinischen Gutachtens und der dazugehöri-
gen Teilgutachten nichts ab.
5.4.3 Wie in Erw. II/1.2.1, a.E., vermerkt, darf sich ein Gericht in der Begründung
seines Entscheides auf die wesentlichen Überlegungen konzentrieren, von wel-
chen es sich hat leiten lassen. Eine Auseinandersetzung mit allen Argumenten
- 35 -
einer Partei zu bestimmten Fragen und/oder mit diversen sog. formellen Einwän-
den auch der eben gezeigten Art ist deshalb nicht erforderlich.
Mit dem von ihm eingeholten medizinischen Gutachten und dem generellen
Beweiswert von Gutachten hat sich das Bezirksgericht im angefochtenen Urteil
im Übrigen wiederholt auseinandergesetzt; dabei hat es insbesondere seine
Überlegungen dargelegt, welchen Stellenwert es dem medizinischen Gutachten
von Prof. E._ beimisst und warum (vgl. act. 791, dort insbes. S. 8 ff.,
S. 36-42, S. 97-105). Argumente und Sichtweisen der Parteien, namentlich des
Klägers, finden darin Erwähnung. Das stellt letztlich auch der Kläger nicht in Ab-
rede, verweist er doch selbst z.T. ausdrücklich auf die Ausführungen des Bezirks-
gerichts auf den S. 36 ff. des angefochtenen Urteils (vgl. act. 789 S. 27: "Darauf
kann verwiesen werden"), die sich einlässlich und zutreffend mit generellen Fra-
gen zum Beweiswert der medizinischen Berichte und Gutachten usf. befassen,
was daher hier nicht mehr zu wiederholen ist. Es erübrigen sich daher ebenfalls
Weiterungen zu diesem Thema.
6. Der Kläger macht geltend, wegen der Verletzungen, die er beim Unfall erlitten
hat bzw. wegen der Beschwerden, die im Nachgang zum Unfall auftraten, sei er
nicht mehr in der Lage gewesen, seiner bisherigen beruflichen Tätigkeit nachzu-
gehen. Er sei aufgrund der unfallbedingten Beschwerden im Umfang von 75 %
arbeitsunfähig (vgl. Erw. I/1.3.3). Behauptet werden von ihm damit im Wesentli-
chen ein natürlicher und zudem ein sog. adäquater Kausalzusammen zwischen
dem Unfall und den dabei erlittenen Verletzungen bzw. Beschwerden als Verlet-
zungsfolgen sowie zwischen den Beschwerden und der geltend gemachten Ar-
beitsunfähigkeit.
6.1 - 6.1.1 Der natürliche Kausalzusammenhang (sog. natürliches Ursache-
Wirkungs-Verhältnis) bezeichnet eine Tatsache (Lebenssachverhalt) und ist dem-
nach eine sog. Tatfrage. Für diese trägt diejenige Partei die Beweislast, die den
entsprechenden Lebenssachverhalt (Ursache-Wirkung) behauptet, hier also der
Kläger. Es gelten im Übrigen das Beweismass der überwiegenden Wahrschein-
lichkeit sowie im Grundsatz die sog. freie richterliche Beweiswürdigung. Weil die
Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhanges im Haftpflichtrecht und im
- 36 -
Sozialversicherungsrecht grundsätzlich dieselbe ist, sollen bzw. dürfen im Rah-
men der Beurteilung der natürlichen Kausalität im Haftpflichtrecht auch im Sozial-
versicherungsrecht dazu entwickelte Grundsätze beachtet werden (vgl. etwa Ur-
teil des Bundesgerichts 4A_494/2009 vom 17. November 2009, dort E. 2.2; bestä-
tigt mit Urteil 4A_607/2014 vom 9. Februar 2015 [dort E. 3.2]).
Mit dem sog. adäquaten Kausalzusammenhang wird demgegenüber das
Ergebnis einer rechtlicher Wertung des natürlichen Kausalzusammenhangs durch
den Richter unter dem Gesichtspunkt der Zurechenbarkeit einer Haftung bezeich-
net (Adäquanzprüfung als Ausfluss der sog. wertenden Zurechnungstheorien; vgl.
dazu auch BGE 123 III 113, mit Verweisen auf die Lehre): Es muss entschieden
werden, ob eine unfallbedingte Störung billigerweise noch dem Schädiger oder
Haftpflichtigen zugerechnet werden darf (vgl. BGE 123 III 110, dort 112 f. [E.3a];
vgl. ferner etwa BGE 142 III 438 f. [E. 4.5], Bestätigung der in BGE 123 III 110
festgehaltenen Rechtsprechung). Die Wertung des natürlichen Kausalzusam-
menhanges unter dem Gesichtspunkt der sog. Adäquanz bzw. Zurechenbarkeit
hat in Würdigung aller massgeblichen Umstände im Lichte von Art. 4 ZGB zu er-
folgen. Dass diese wertende Prüfung unter haftpflichtrechtlichen Gesichtspunkten
– die von den im Sozialversicherungsrecht geltenden Gesichtspunkten verschie-
den sind (vgl. BGE 123 III 114 f.) –, nur dann erfolgen kann, wenn ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, versteht sich von selbst.
Das Bezirksgericht hat sich in seinem Urteil mit den hier nur knapp ange-
sprochenen Gesichtspunkten befasst (vgl. act. 791 S. 78-82, S. 112-115) und sie
sowie die sich daraus ergebenden Weiterungen grundsätzlich zutreffend darge-
legt. Das ist nicht zu wiederholen, sondern es kann zur Ergänzung des hier Dar-
gelegten auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen werden. Zur Verdeutli-
chung sind zudem noch zwei Gesichtspunkte besonders hervorzuheben.
6.1.2 Erstens: Im eben erwähnten Urteil 4A_494/2009 vom 17. November 2009
hat das Bundesgericht in der Erwägung 2.2 in Bezug auf die Beurteilung der na-
türlichen Kausalität unter Hinweis auf die frühere Rechtsprechung im Sozialversi-
cherungsrecht wörtlich Folgendes festgehalten (Hervorhebung durch die Kam-
mer): "Nunmehr wird für die Kausalitätsbeurteilung bei länger andauernden Beschwer-
den ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle neben der möglichst genauen und
- 37 -
verifizierbaren Dokumentation des Unfallvorgangs eine erste genügende ärztliche Abklä-
rung und darüber hinaus eine eingehende medizinische inter- bzw. polydisziplinäre Ab-
klärung durch Gutachter verlangt, welche über zuverlässige Vorakten verfügen (BGE 134
V 109 E. 9.4 und 9.5 S. 124 f.). Dies wird damit begründet, dass Verletzungen der Hals-
wirbelsäule klinisch untersucht, aber abgesehen von ossären Läsionen und dergleichen
nicht bildgebend objektiviert werden können, weshalb den Angaben der versicherten
Person über bestehende Beschwerden besondere Bedeutung zukommt, was aber auch
ein Missbrauchspotenzial bietet. Zudem können bei identischer Symptomatik die erhobe-
nen Befunde aus dem Katalog des für derartige Verletzungen als typisch erachteten Be-
schwerdebildes gegebenenfalls auch nicht traumatischer Genese sein. Entsprechend
sind an die Grundlagen für den Schluss auf das Vorliegen solcher Verletzungen hohe An-
forderungen zu stellen (BGE 134 V 109 E. 9 S. 122). Diese Grundsätze bezüglich der
Tatfrage der natürlichen Kausalität können auch für haftpflichtrechtliche Fälle zur Anwen-
dung gelangen, zumal insoweit – anders als bei der Rechtsfrage der Adäquanz (vgl. BGE
123 III 110 E. 3a und b S. 113 f.; 134 V 109 E. 8.1 S. 119) – Gründe für eine unterschied-
liche Handhabung im Sozialversicherungs- und Haftpflichtrecht nicht ersichtlich sind". Zweitens: Beweisrechtlich galten im züricherischen Zivilprozess, wie er im
bezirksgerichtlichen Verfahren noch zur Anwendung kam (vorn Erw. II/1.1), neben
den bundes(zivil)rechtlichen Vorgaben etwa zum Beweismass (vgl. z.B. BGE 132
III 720 f. [E. 3.2]) oder zur Beweislastverteilung (Art. 8 ZGB), der Grundsatz der
freien richterlichen Beweiswürdigung (vgl. § 148 ZPO/ZH), der sich auf alle gültig
abgenommenen Beweismittel erstreckt; welche Partei ein Beweismittel angerufen
oder eingereicht hat, ist dabei unerheblich (vgl. auch Frank/Sträuli/ Messmer,
Kommentar zur zürcherischen Zivilproessordnung, 3. A., Zürich 1997, § 148 N 2).
Das Bezirksgericht hat sowohl bei der Feststellung der im Nachgang zum Unfall
aufgetretenen Beschwerden und Verletzungen (vgl. act. 791 S. 67) als auch
im Rahmen der Beurteilung der natürlichen Kausalität verkehrstechnische und
biomechanische Beurteilungen bzw. Gutachten (vgl. act. 266 und 337 sowie
act. 400; ferner etwa act. 55/45 [Expertise AD._] und act. 243/4 [Zeugenbe-
fragung von AD._]) zum Unfallhergang berücksichtigt (vgl. act. 791, dort etwa
S. 89 ff.), die u.a. auch der Kläger angerufen hatte (vgl. etwa Beweisabnahmebe-
schluss in: Vi-Prot. S. 51 f.) und die ordnungsgemäss abgenommen worden wa-
ren. Das ist nach dem eben Gesagten nicht zu beanstanden und widerspricht ins-
besondere nicht dem Bundesrecht.
- 38 -
Soweit der Kläger heute anderes geltend machen will (vgl. act. 789 S. 18
[mit Hinweis auf bundesgerichtliches Urteil 4A_540/2010] und S. 43 [nicht ver-
wertbares "Gutachten D._"]), geht das fehl und ist zudem widersprüchlich,
weil der Kläger sich hinsichtlich der – nach seiner Meinung – bewiesenen Ge-
samtumständen gerade auch auf das "Gutachten D._" abstützt. Im Urteil
4A_540/2010 vom 8. Februar 2011 führte das Bundesgericht in der Erwägung
1.3.2 nämlich – wiederum unter Bezugnahme auf im Sozialversicherungsrecht
geltende Grundsätze der Kausalitätsbeurteilung (gleiche Grundsätze auch im
Haftpflichtrecht hinsichtlich der natürlichen Kausalität, andere Grundsätze hin-
sichtlich der Adäquanz) – zu Beweismitteln wie unfallanalytischen oder biome-
chanischen Gutachten Folgendes aus (Hervorhebung wiederum durch die Kam-
mer): "Dass derartige Expertisen aus Sicht des Sozialversicherungsrechts im Rahmen
der rechtlichen Beurteilung der Adäquanz bei erstellter natürlicher Kausalität relevant
werden, bedeutet nicht, dass entsprechenden Gutachten ausschliesslich zur Bereitstel-
lung der tatsächlichen Grundlagen im Hinblick auf die Rechtsfrage der Adäquanz Be-
weiswert zuerkannt werden darf. Dies liefe auf die Einführung einer bundesrechtlich nicht
statuierten Beweismittelbeschränkung hinaus und liesse sich beweisrechtlich nicht be-
gründen [...]. Das Bundesgericht selbst erachtete in einem Haftpflicht-Fall, dem wie hier
ein Streit über die Ursache des auf ein HWS-Trauma hindeutenden Beschwerdebildes
nach einer Auffahrkollision zugrunde lag und in dem die Diagnose eines Schleudertrau-
mas und seiner Folgen nicht durch zuverlässige ärztliche Angaben gesichert war, die
Mitberücksichtigung der Ergebnisse eines biomechanischen Gutachtens zur Ermittlung
der natürlichen Kausalität implizit für zulässig (Urteil des Bundesgerichts 4A_494/2009
vom 17. November 2009 E. 2.2 f. und E. 2.9). Die Mitberücksichtigung des biomechani-
schen Gutachtens verstösst mithin nicht gegen Bundesrecht". Leitet der Kläger daraus
ab (vgl. act. 789 S. 18), die Ergebnisse biomechanischer Gutachten seien nur
dann zu berücksichtigen, wenn die initialen Folgen eines Unfalls nicht durch zu-
verlässige ärztliche Angaben gesichert seien, so spricht er sich genau dafür aus,
was nach dem Bundesgericht nicht eintreffen darf, nämlich eine bundesrechtswid-
rige Beweismittelbeschränkung in einer Vielzahl von Fällen der Beurteilung des
natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen Unfall und Unfallfolgen (Verletzun-
gen und Beschwerden). Dass sich diese Beschränkung sachlich stets dann nicht
rechtfertigen lässt, wenn für die Beurteilung der Unfallfolgen der Unfall als tat-
- 39 -
sächliches Geschehen auch mit Hilfe verkehrstechnischer sowie biomechanischer
Gutachten abgeklärt werden muss, wie das hier der Fall ist, weil diese Folgen –
wie gesehen – strittig und im Beweisverfahren zu klären waren, versteht sich ei-
gentlich von selbst.
6.2 - 6.2.1 Der Kläger hat im bezirksgerichtlichen Verfahren den Standpunkt ver-
treten, beim Unfall vom 18. Oktober 1993 handle es sich um einen gravierenden
Vorfall. Er will dabei – wie schon erwähnt – ein sog. Schleudertrauma der HWS
mit Stauchung der HWS, hervorgerufen durch den sog. Abknickmechanismus, er-
litten haben. Die auf ihn einwirkenden Beschleunigungskräfte seien – so der Klä-
ger – enorm gewesen, und er äusserte sich auch über technische Beschleuni-
gungswerte von Delta-V 45 - 70 und 36 - 56, fatale Auswirkungen bei einer Ver-
zögerung von 12 g auf Hirn und HWS, Bewusstlosigkeit von Militärpiloten bei Be-
schleunigungen von 6 g. Weiter erwähnte er eine komplizierende Drehbeschleu-
nigung (vgl. act. 53 S. 12) und er macht – obwohl angegurtet – direkte Kontakte
seines Kopfes gegen Türscheibe bzw. den Innenpfosten sowie vermutlich die
Windschutzscheibe geltend (vgl. a.a.O., S. 11), woraus – wie ebenfalls schon er-
wähnt – eine Verletzung in der Gestalt eines Schädel-Hirn-Trauma resultiert habe
(vgl. vorn Erw. II/5.1).
Die Beklagte stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, die beim Unfall
auf den Kläger einwirkenden Kräfte seien im Bereich des Harmlosen geblieben.
6.2.2 Wie schon bei der Feststellung der vom Kläger behaupteten Unfallfolgen
(vgl. dazu vorn Erw. II/5.1 - 5.3) hat das Bezirksgericht in seine Beurteilung des
Unfallgeschehens als Ausgangspunkt der natürlichen Kausalkette, neben den
weiteren Beweismitteln wie z.B. Zeugen, ebenfalls die verkehrstechnischen und
biomechanischen Gutachten bzw. Beurteilungen in seine Überlegungen einbezo-
gen (vgl. act. 791 S. 82 ff., insbes. S. 84-95), die dazu als Beweismittel offeriert
worden waren. Dabei wies es zutreffend ebenfalls auf die eben angesprochene
(vgl. Erw. II/6.1.2, a.E.) bundesgerichtliche Rechtsprechung hin (vgl. a.a.O.,
S. 90).
Das Bezirksgericht zeichnete zunächst in Würdigung insbesondere des ver-
kehrstechnischen Gutachtens (vgl. act. 339) den Unfallverlauf nach (vgl. act. 791
- 40 -
S. 87; siehe ergänzend dazu auch act. 339, dort S. 6-8 sowie Unfallplan). Es kam
danach in weiterer Würdigung der Beweismittel zum Unfallgeschehen, namentlich
des verkehrstechnischen Gutachtens, zum Ergebnis, bei den Kollisionen sei es zu
Geschwindigkeitsveränderungen (Delta-V) im Bereich von 6.5 und 13 km/h ge-
kommen (vgl. act. 791 S. 87). Ebenso kam es zum Ergebnis, das biomechanische
Gutachten zeige hinreichend klar auf, dass im Wageninnern eher moderate Kräfte
auf den Kläger eingewirkt hätten, trotz des äusserlich gravierend anmutenden Un-
falls (siehe dazu ergänzend auch act. 400 S. 5/6). Ersichtlich werde ebenso, dass
allenfalls erfolgte Kopfanpralle zu keinem Abknickmechanismus geführt hatten
(vgl. act. 791 S. 92; siehe dazu auch act. 400 S. 7 [Mitte] und S. 12 f. [lit. d]). Es
berücksichtigte gestützt auf die Gutachten weiter, dass die Kollisionen teilweise
seitlich erfolgten (siehe dazu ergänzend auch act. 339 S. 13-15), was wahrschein-
lich eine Veränderung der Sitzposition des Klägers zur Folge hatte und die Insas-
senbelastung habe erhöhen können (vgl. act. 791 S. 93 und dazu ergänzend
act. 400 S. 9 [oben]); zu beachten sei auch komplizierend eine gewisse Drehbe-
schleunigung (vgl. a.a.O., S. 95). Die Kräfte, die auf den Kläger eingewirkt hätten,
liessen sich daher insgesamt nicht mehr als gänzlich harmlos bezeichnen (vgl.
a.a.O., S. 93). Sie seien jedoch eher im unteren Bereich der relevanten Einwir-
kungen anzusiedeln, wovon im Übrigen selbst die leicht nach oben abweichenden
Berechnungen von Dr. AD._ – Parteigutachter des Klägers, der als Zeuge
einvernommen worden war – ausgingen (vgl. a.a.O., S. 94).
Die Überlegungen des Bezirksgerichtes auf den S. 84-94 seines Urteils er-
weisen sich mit Blick auf die Beweismittel, die zu berücksichtigen waren, insge-
samt als zutreffend, weshalb vorab darauf verwiesen werden kann. Ergänzend ist
anzumerken, dass sowohl das verkehrstechnische Gutachten als auch das bio-
mechanische Gutachten die Materie auf wissenschaftlicher Basis behandeln, mit
entsprechender Vorsicht in der Aussage (vgl. etwa act. 400 S. 11 f. [erklärbar und
nicht erklärbar bzw. vereinbar oder nicht vereinbar statt Wahrscheinlichkeitsaus-
sage]) sowie gegenüber Wertungen bzw. Schilderungen, die sich mit wissen-
schaftlich erhärteten Erkenntnissen und anderen objektiv feststellbaren Befunden
nicht vereinbaren lassen. Beide Gutachten sind in sich zudem schlüssig, mit ei-
nem Vorbehalt, den auch das Bezirksgericht anbrachte (vgl. act. 791 S. 92 f.). Auf
- 41 -
diese Gutachten ist daher abzustellen, beim biomechanischen Gutachten mit dem
Vorbehalt, dass es die in ihm auch vermerkten besonderen Umstände, die zu ei-
ner Verstärkung der Beschleunigungskräfte führen können, in der abschliessen-
den Beurteilung nicht näher berücksichtigte und das auch nicht näher begründete.
6.2.3 Gestützt auf das verkehrstechnische und das biomechanische Gutachten
und im Ergebnis der Gesamtbetrachtung der weiteren vom Bezirksgericht abge-
nommenen und gewürdigten Beweismittel (namentlich der Aussagen des fach-
kundigen Zeugen AD._; vgl. act. 243/4) ist ein Unfallgeschehen zu vernei-
nen, bei dem auf den Kläger starke bzw. massive Beschleunigungskräfte einwirk-
ten. Eingewirkt haben eher geringe Kräfte, die die Annahme einer dauerhaften
Schädigung der Halswirbelsäule (namentlich im Sinne eines Distorsionstraumas
als HWS-Gefügestörung [vgl. auch act. 400 S. 14]) sowie des Gehirns (etwa im
Sinne eines Schädel-Hirntraumas) nicht als wahrscheinlich zulassen, geschweige
denn als überwiegend wahrscheinlich, wie auch das Bezirksgericht zutreffend er-
kannt hat (vgl. act. 791 S. 93). Mit dem Unfallgeschehen und den Kräften, die da-
bei auf den Kläger einwirkten, sind hingegen in Würdigung aller Beweismittel die
Verletzungen und die Beschwerden, die das Bezirksgericht zutreffend festgestellt
hat (vgl. dazu Erw. II/5.1 und 5.2), im vorhin angesprochenen wissenschaftlichen
Sprachgebrauch "vereinbar" und damit als Unfallfolge wahrscheinlich. Da andere
Gründe für diese Verletzungen und Beschwerden nicht ersichtlich sind, lässt das
den Unfall bzw. das Unfallgeschehen vom 18. Oktober 1993 als überwiegend
wahrscheinliche Ursache dieser Verletzungen erscheinen. Auch von daher lässt
sich das angefochtene Urteil im Ergebnis nicht beanstanden.
Die Parteien bringen im Berufungsverfahren nichts vor, was das hier gefun-
dene Ergebnis als unrichtig erscheinen lassen könnte. Unbehelflich wäre es z.B.,
wenn der Kläger (vgl. act. 789 S. 57) aus dem Verweis auf aussergewöhnliche
Erschütterungen beim Lastwagen, der eine Vollbremsung vornahm (vgl. act. 266
S. 4), auf eine – allenfalls gar besondere – Erheblichkeit der Kräfte hinweisen
wollte, die auf ihn einwirkten, zumal er in diesem Zusammenhang selbst auf die
gerichtlich eingeholten Gutachten und die in diesen getroffenen Feststellungen zu
den auf ihn einwirkenden Kollisionskräften von 6.5 km/h bis 13 km/h als sog. be-
wiesenen Gesamtumstände abzustellen scheint (vgl. a.a.O.).
- 42 -
Die Beklagte nimmt – soweit sie sich nicht bloss wiederholt (vgl. dazu vorn
Erw. II/1.3) – im Wesentlichen kritischen Bezug zum bezirksgerichtlichen Urteil
und hält dessen Beweiswürdigung und Folgerungen, die hier so nicht übernom-
men wurden, vor allem eine eigene Beweiswürdigung entgegen (vgl. act. 810
S. 42 f.). Zum Beleg ihres Standpunktes verweist sie u.a. auf AD._. Sie hält
dabei fest, die Beurteilung von AD._ weiche von der des gerichtlichen Gut-
achtens "nicht grundsätzlich" ab (vgl. a.a.O., S. 42), was – wie erwähnt – so zu-
trifft. Ebenfalls zutreffend lässt die Beklagte zudem vermerken, "selbst AD._
sagt keineswegs, es sei wegen einer OOP [anormale Sitzposition] überwiegend
wahrscheinlich, dass ..." (a.a.O..). Sie übergeht dabei allerdings, dass sich
AD._ als Zeuge (vgl. act. 243/4), also damals, als er etwas sagte, nicht zu
Wahrscheinlichkeiten äusserte (insbesondere auch nicht auf S. 19); und sie un-
terstellt AD._ insoweit eine Aussage, die er so nicht gemacht hat. Die Be-
klagte setzt die AD._ unterstellte Aussage zudem auch in einen sachlich ver-
kürzten und damit falschen Kontext, weil AD._ als besondere Umstände, die
beim Unfallgeschehen zu einer Verstärkung der Beschleunigungskräfte bzw. Ver-
letzungsgefahr führen konnten, in seiner schriftlichen Beurteilung, zu der er als
Zeuge befragt wurde, nicht bloss auf die OOP hinwies (vgl. act. 55/45 S. 6 f.), was
die Fragestellung der Beklagten an AD._ in der Zeugeneinvernahme zeigt
(vgl. act. 243/4 S. 19). Stichhaltig ist die Argumentation der Beklagten somit nicht.
Es erübrigt sich daher an sich (nochmals) zu erwähnen, dass die OOP im ver-
kehrstechnischen Gutachten vermerkt ist und gemäss biomechanischem Gutach-
ten die Insassenbelastung merklich erhöhen kann, sowie dass das biomechani-
sche Gutachten die weiteren Umstände (darunter die OOP), welche bei der Mehr-
fachkollision vom 18. Oktober 1993 zur Verstärkung der auf den Kläger ein-
wirkenden Kräfte führen konnten, in der abschliessenden Betrachtung nicht näher
berücksichtigt.
6.3 Der Kläger macht die unveränderte Fortdauer der Beschwerden seit dem Un-
fall geltend und behauptet damit, sie seien – zumindest teilweise – die naturge-
mässe Folge des Unfalls vom 18. Oktober 1993. Diese Beschwerden seien so-
dann dafür verantwortlich, dass er in seinem angestammten beruflichen Tätig-
keitsfeld praktisch arbeits- bzw. erwerbsunfähig geworden sei (arbeitsunfähig zu
- 43 -
75 %) und daher – über alles gesehen – keiner wesentlichen beruflichen Tätigkeit
mehr nachgehen könne.
6.3.1 Im Rahmen des Beweisverfahrens zu den vom Kläger geltend gemachten
Beschwerden und deren unveränderter Fortdauer bis heute – wofür den Kläger
(wie schon gesehen) die Beweislast traf – hat das Bezirksgericht neben anderen
Beweismitteln auch das schon mehrmals angesprochene medizinische Gutachten
eingeholt. Dieses Gutachten hat das Bezirksgericht im angefochtenen Urteil ein-
lässlich in verschiedenen Zusammenhängen vorgestellt, u.a. im Zusammenhang
mit den übrigen, früher erhobenen ärztlichen Befunden und im Zusammenhang
mit den weiteren medizinischen (Teil-)Gutachten. Das Bezirksgericht hat das Gut-
achten zudem einlässlich gewürdigt und dabei der Sache nach u.a. festgehalten,
das Gutachten äussere sich mit der gewünschten Sorgfalt, Ausführlichkeit und
Nachvollziehbarkeit zum Thema (vgl. act. 791 S. 41 ff., 59 f., 61 f., 69 f., 83,
97 ff.); es stellte daher im Wesentlichen auf das Gutachten ab (vgl. act. 791
S. 107-110). Das kritisieren beide Parteien im Berufungsverfahren, wenn auch
aus sehr unterschiedlicher Perspektive.
6.3.2 Der Kläger hält – soweit er sich nicht bloss wiederholt (vgl. dazu vorn Erw.
II/1.3) – im Wesentlichen dafür, das Bezirksgericht habe dem gerichtlich eingehol-
ten medizinischen Gutachten ein zu starkes Gewicht beigemessen (vgl. etwa
act. 789 S. 19, 22, 26); abzustellen gewesen wäre auf zeitnähere Befunde bzw.
Gutachten. Der Kläger legt sodann Wert auf das, was nach seiner Sicht aus der
Aktenlage ergeht (vgl. act. 789 S. 33: "Es ergeht der Aktenlage"), sowie auf die
Anamnese, die er aus seiner Sicht rekapituliert (vgl. a.a.O., S. 36). Er ortet zudem
diverse materielle Mängel der Gutachten (vgl. a.a.O., S. 37 ff.) und bezweifelt
überdies, dass es sich dabei um ein multi- bzw. polydisziplinäres Gutachten han-
delt (vgl. etwa act. 789 S. 22, S. 43 ff.).
Die Beklagte hält – soweit auch sie sich nicht bloss wiederholt (vgl. Erw.
II/1.3) – im Wesentlichen dafür, das Bezirksgericht habe die Erkenntnisse des
biomechanischen Gutachtens zu wenig berücksichtigt und letztlich deshalb auch
aus dem medizinischen Gutachten die falschen Schlüsse gezogen (vgl. act. 810
S. 30 ff.).
- 44 -
6.3.3 Das medizinische Gutachten (act. 551) hat Prof. Dr. med. E._ (Neuro-
loge) verfasst, nachdem er dazu Teilgutachter aus den Fachbereichen Neurochi-
rurgie (T._) sowie Psychiatrie/Neuropsychologie (F._) beigezogen hatte
(vgl. Erw. I/2.2; vgl. zudem die Teilgutachten in den act. 547 und 548). Untersucht
wurde von allen drei Gutachtern die gesundheitlichen Auswirkungen der drei Au-
tounfälle auf den Kläger, in die der Kläger 1993, 1994 und 2001 verwickelt war.
Alle drei Gutachter haben den Kläger je einzeln und unabhängig voneinander un-
tersucht (vgl. act. 547 S. 2, act. 551 S. 3), der Gutachter F._ zweimal (vgl.
act. 548 S. 2). Zu beantworten hatten die Teilgutachter Fragen aus ihrem Fach-
gebiet, die ihnen der Hauptgutachter gestellt bzw. übermittelt hatte. Die Teilgut-
achten und deren Ergebnisse wurden vom Hauptgutachter fachkundig ausgewer-
tet und in das von ihm verfasste Gutachten übernommen (vgl. beispielhaft
act. 551 S. 29 und S. 30, 31, 32 f., 58). Weshalb es sich bei diesem Gutachten
nicht um ein sog. polydisziplinäres Gutachten handeln soll, wie der Kläger vortra-
gen lässt, bleibt unerfindlich, zumal der Gutachter T._ das Fachgebiet der
spinalen Neurochirurgie pflegt (vgl. etwa act. 547 S. 7) und damit in der sog. Wir-
belsäulenchirurgie tätig ist. Das impliziert ohne Weiteres entsprechendes Fach-
wissen, wie es gefragt war, denn um die Feststellung von Verletzungen im Be-
reich der Halswirbelsäule (HWS-Schleudertrauma), ferner um die Feststellung ei-
nes Schädel-Hirn-Traumas sowie um die Abklärung der mit diesen Verletzungen
zusammenhängenden, später chronifizierten Beschwerden des Klägers ging es
aufgrund der klägerischen Behauptungen im bezirksgerichtlichen Verfahren im
Gutachten bekanntlich gerade (vgl. vorn Erw. II/5.1 und 5.2.1).
Dem Gutachten liegen im Übrigen u.a. die vom Gericht veranlasste unfall-
technische Beurteilung (sog. biomechanisches Gutachten) zugrunde sowie alle
übrigen wesentlichen medizinischen Unterlagen, die als Beweismittel abgenom-
men worden waren, so namentlich etwa die Ergebnisse der Untersuchung des
Klägers im Kantonsspital in Sarnen am 18. Oktober 1993, ferner etwa die diver-
sen Berichte und Zeugnisse des Paraplegiker-Zentrums Nottwil ab 1994, sodann
etwa die Zuweisung des Klägers an die Neuropsychologische Abteilung der Neu-
rologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich im Februar 1994 und Berichte
dieser Abteilung bzw. Klinik aus den Jahren 1994 und 1995 (der Bericht aus dem
- 45 -
Jahr 1995 führt übrigens den Unfall vom Dezember 1994 nirgends auf, namentlich
nicht in der Anamnese; vgl. act. 3/19), ferner etwa ein Bericht der Rehaklinik
Rheinfelden und ein Gutachten der Rehaklinik Zurzach aus dem Jahre 1997, etwa
ein Bericht des Psychiaters P._ an die Hausärztin aus dem Jahre 1998 und
ein Bericht des Rehabilitationszentrums Leukerbad vom Februar 2002. Die in den
medizinischen Unterlagen enthaltenen Anamnesen, ärztlichen Feststellungen
bzw. Befunde wurden im Gutachten und in den Teilgutachten ebenfalls fachkun-
dig ausgewertet und berücksichtigt (vgl. beispielhaft act. 551 S. 19, 23, 31, 52,
57 f., 59, ferner etwa act. 548 S. 38 ff. und act. 547 S. 4 und S. 6 [unten]). Abge-
stellt wird im Gutachten folglich nicht nur auf die Untersuchungsergebnisse der
Gutachter viele Jahre nach dem Unfall, sondern sehr wohl auf das, was der Klä-
ger als zeitnähere medizinische Befunde und Gutachten bezeichnet, allerdings in
fachkundiger Sicht und entsprechender Gewichtung, die nachvollziehbar sind.
Das Gutachten und die Teilgutachten sind auch im Übrigen sorgfältig, nachvoll-
ziehbar und schlüssig. Darauf hat das Bezirksgericht bereits zutreffend verwiesen,
unter Bezugnahme auf diverse Einwände der Parteien (vgl. act. 791 S. 98 ff.).
Das ist hier nicht zu wiederholen, sondern es kann zur Ergänzung des hier Darge-
legten auf die entsprechenden Erwägungen im angefochtenen Urteil verwiesen
werden.
Mit der sachlich gebotenen Zurückhaltung – und deswegen auch mit der ge-
botenen Skepsis (vgl. dazu vorn in Erw. II/6.1.2 die teilweise wörtlich zit. E. 2.2
des Urteils des Bundesgerichts 4A_494/2009 vom 17. November 2009) – werden
im Gutachten sowie in den Teilgutachten endlich die anamnestischen Angaben
des Klägers sowie dessen Aussagen gegenüber den Gutachtern, aber ebenso
z.T. gegenüber dem Gericht und den diversen Ärzten berücksichtigt, die in die
diversen medizinischen Unterlagen eingeflossen waren (vgl. wiederum nur bei-
spielhaft etwa act. 551 S. 10 f., 23/24, 32 [Richtigstellung von eigenen Angaben
am Tag nach der Untersuchung per E-Mail], 48 f., 55, ferner act. 547 S. 5/6 und
act. 548 S. 18, 25, 38 f.). Diskrepanzen in diesen Angaben sind ersichtlich. Sie
werden von den Gutachtern daher zuweilen ausdrücklich ebenso vermerkt wie
Auffälligkeiten bei der Untersuchung (vgl. etwa act. 547 S. 3 [zum Hinlegen und
Aufstehen: nicht erklärbare Mühsamkeit], act. 551 S. 29 [zu Kopfhaltung und Be-
- 46 -
weglichkeit; Schmerzäusserungen]; siehe ferner act. 548 S. 35 und S. 36/37
[kaum nachvollziehbare Inkonsistenz bzw. Inkonsistenz, die nicht erklärt werden
kann; viele Diskrepanzen]). Die Gutachter enthalten sich indessen weiterer Wer-
tung, entsprechend dem, was der Hauptgutachter E._ in Beantwortung der
gerichtlichen Frage, ob Beschwerden vom Kläger nur vorgetäuscht seien, ausge-
führt hat (vgl. act. 551 S. 72): "Das Verhalten während der Untersuchung sowohl
des Unterzeichnenden wie auch des Wirbelsäulenfachmannes Dr. T._ war
allerdings verdächtig auf vorgetäuschte Schmerzen. Es sei aber betont, dass die
Untersucher bewusst darauf verzichtet haben, das frühere und gegenwärtige Ver-
halten des Exploranden im Lichte von dessen Ehrlichkeit oder von Täuschungs-
manövern zu analysieren. Sie sahen ihre Aufgabe darin, lediglich die Kausalität
des Beschwerdebildes mit den Unfällen zu analysieren und nicht eine weitere Ur-
sachendiagnose zu betreiben. Bewusst haben sie auf Beurteilungskategorien ver-
zichtet, die eine moralische Wertung enthalten könnten".
Auch auf diese Gesichtspunkte ist das Bezirksgericht bereits zutreffend ein-
gegangen (vgl. act. 791 S. 99), was hier wiederum nicht zu wiederholen ist. Her-
vorzuheben ist einzig noch, dass die Gutachter ihre Aufgabe korrekt auf den
ihnen gestellten Auftrag beschränkt haben, nämlich auf die Feststellung der vom
Kläger beim Unfall vom 18. Oktober 1993 erlittenen Verletzungen sowie des na-
türlichen Ursache-Wirkungsverhältnisses zwischen diesen Verletzungen und den
danach bis heute geklagten Beschwerden aus medizinischer Sicht. Hinsichtlich
des Begriffs der Beschwerden hält das Gutachten zudem auch für Laien nachvoll-
ziehbar fest, es handle sich bei diesen definitionsgemäss um Angaben durch den
Betroffenen (vgl. act. 551 S. 72). Das erschwert deren Objektivierung dann, wenn
sie nicht organisch erklärbar sind. Wie in Erw. II/5.1 und 5.2.1 vermerkt, entspre-
chen die vom Kläger prozessual geltend gemachten Beschwerden, die seit dem
Unfall fortbestehen sollen, zudem nicht den Beschwerden, die einst von ihm im
Nachgang zum Unfall geklagt wurden und hier als erstellt zu gelten haben. Wird
im Gutachten in Beantwortung von Fragen eine Ausweitung der Beschwerden er-
wähnt (vgl. act. 551 S. 79 f.), gibt das Gutachten folglich keinen objektiven Befund
wieder, sondern verweist es nur auf das, was der Kläger mit der Zeit den diversen
Ärzten zusätzlich als auf den Unfall bezogene Beschwerden vorgetragen hat, die
- 47 -
nicht organisch erklärbar sind. Ein sozusagen "evidenzbasiertes" (vgl. act. 789
S. 32), also ein unmittelbar durch die Schilderungen des Klägers gegenüber den
diversen Ärzten zu einer feststehenden Tatsache gewordenes Beschwerdebild,
das seit dem Unfall im Oktober 1993 fortgedauert hat, liegt damit – anders als der
Kläger in seiner Kritik zeigen will – jedenfalls nicht vor. Und es ist müssig darauf
hinzuweisen, dass mit dem Verweis auf eine Evidenzbasierung noch nichts über
den Unfall vom 18. Oktober 1993 als Ursache der ausgeweiteten Beschwerden
gesagt ist, geschweige denn, dass dieser Unfall als evidente Ursache der ausge-
weiteten Beschwerden betrachtet werden müsste. Auch das hat das Bezirksge-
richt in seinem Urteil, auf dessen Erwägungen verwiesen wurde, der Sache nach
richtig erkannt (vgl. etwa act. 791 S. 103).
6.3.4 Hinzuweisen bleibt hingegen nochmals darauf, dass die Verlässlichkeit einer
ärztlichen Beurteilung dort, wo keine organischen Folgen eines Unfallgeschehens
nachweisbar sind, von der Zuverlässigkeit der Angaben des Patienten ebenso
abhängt wie von der genauen, verifizierbaren Dokumentation etwa des Unfalls
(vgl. dazu vorn Erw. II/6.1.2). Die diversen ärztlichen Berichte und Beurteilungen,
auf die sich der Kläger in der Berufung im Zusammenhang mit dem beruft, was
evidenzbasiert sei bzw. aus den Akten ergehe (vgl. act. 789, dort z.B. S. 32 f.,
dort insbes. Rz. 106, ferner etwa S. 50), stützen sich nicht auf solche Dokumenta-
tionen zum Unfall, sondern im Wesentlichen auf die Schilderungen des Klägers
gegenüber den jeweiligen Ärzten zum Unfallgeschehen. Es handelt sich bei die-
sen Berichten vor allem um die act. 3/14-3/22, erstellt im Zeitraum vom 18. Okto-
ber 1993 bis April 1998, und dabei insbesondere um act. 3/14 (Kantonsspital Ob-
walden), um act. 3/19 (Universitätsspital Zürich, Neurologische Klinik und Polikli-
nik), um act. 3/20 (Rehaklinik Rheinfelden), um act. 3/21 (Rehaklinik Zurzach) und
um act. 3/22 (Bericht Dr. P._).
Die Schilderungen des Klägers gegenüber den Ärzten in diesen Berichten
usw. sind mit verkehrstechnischen Erkenntnissen zum tatsächlichen Geschehen
nicht leicht vereinbar, für den mit den genauen Umständen Unvertrauten objektiv
hingegen geeignet, den Eindruck eines gravierenden Ereignisses zu erwecken mit
entsprechenden Kräften, die auf den Kläger einwirkten, und es sind diese Schilde-
rungen des Klägers auch sonst nicht verlässlich. Zur Verdeutlichung:
- 48 -
- Auf den Angaben des Klägers zum Unfallgeschehen basiert der Bericht des
Kantonsspitals Obwalden in act. 3/14 (entgegenkommende Autos fuhren den
PW des Klägers mehrmals an; der Motor des klägerischen PW in den Fahr-
raum gedrückt), auf den sich die später vom Kläger aufgesuchten Ärzte ab-
stützten (vgl. dazu auch act. 243/2 [Zeugenbefragung von Dr. N._, einst
Arzt im Paraplegikerzentrum Nottwi], dort S. 4, S. 14), sofern sie die einst ge-
stellte Diagnose nicht einfach teilweise als Status übernahmen (Schleuder-
trauma HWS) und diesen mit später, nicht vom Kantonsspital gestellten Diag-
nosen ergänzten (vgl. etwa act. 3/20 S. 1 und act. 3/22 S. 2: St. n. Verkehrsun-
fall ... mit HWS-Distorsion und leichter traumatischer Hirnschädigung; siehe
ferner etwa act. 3/15 [Schweres Unfalltrauma mit Schleuderverletzungen der
HWS in alle Richtungen] und dazu act. 296 S. 4 f. und S. 7 f. [Zeugenaussage
Dr. M._]).
- Lediglich auf die Angaben des Klägers stützte sich ferner act. 3/19, dort S. 1 f.
(PKW, der auf der Leitplanke aufprallte; der Wagen in der Folge von mehreren
Autos angefahren; war leicht "benebelt", konnte sich selbst aus dem Auto be-
freien, nämlich die Tür aufmachen und aussteigen); die Kollision vom Dezem-
ber 1994 blieb den Ärzten gegenüber, die act. 3/19 im September 1995 ver-
fassten, unerwähnt.
- Im Juni 1997 berichtete der Kläger den ärztlichen Gutachtern der Rehaklinik
Zurzach, er sei am 18. Oktober 1993 mit den Beinen in seinem defekten Fahr-
zeug eingeklemmt gewesen und habe nicht selber aussteigen können, sondern
es hätte ihm dabei geholfen werden müssen; er habe nach dem Unfall wegen
Lähmungen und Gefühllosigkeit in den Beinen ca. 30 Minuten nicht stehen
können (vgl. act. 3/21, dort S. 5). Das Gegenteil davon ist – wie eben gesehen
– aufgrund der klägerischen Angaben in act. 3/19 vermerkt worden. Es ist da-
her fast müssig darauf hinzuweisen, dass die Angaben des Klägers im Juni
1997 gegenüber den Ärzten der Rehaklinik Zurzach ebenso weder im Polizei-
rapport und den dort festgehaltenen Angaben des Klägers (vgl. act. 3/7, dort
insbes. S. 6) eine Stütze finden, noch in der Aussage des Zeugen K._
(vgl. 305 S. 3: "Er hatte sich auch bereits aus dem Pkw selbst herausgewurstelt
und mit dem Handy bereits telefoniert, als wir das Fahrzeug erreichten"), noch
- 49 -
in den von den Ärzten im Kantonsspital notierten Schilderungen des Klägers
nach dem Unfall (vgl. act. 3/14).
- Ende 1997 bzw. anfangs 1998 gab der Kläger schliesslich dem Psychiater
P._ an, er sei von einem Lastwagen angefahren worden und sein Auto
habe sich um 180° gedreht; er wisse nicht, ob er bewusstlos gewesen sei oder
nicht; er habe eine Erinnerungslücke vom Zeitpunkt des Stillstandes des Autos
bis jemand an seine Scheibe geklopft habe (vgl. act. 3/22 S. 3).
6.3.5 Das gerichtlich eingeholte Gutachten (act. 551 und dazu act. 547-548)
kommt kurz zusammengefasst zum Ergebnis, das Ausmass der vom Kläger beim
Unfall erlittenen traumatischen Einwirkung sei bescheiden gewesen und nicht ge-
eignet, länger dauernde Beschwerden zu verursachen. Die gesundheitlichen Fol-
gen (Beschwerden) seien bei der leichten Gehirnerschütterung (vgl. dazu Erw.
II/5.1) bald abgeklungen. Ohne später feststellbare organische Folgen geblieben
sei das HWS-Schleudertrauma (vgl. dazu auch Erw. II/5.1), dessen übrige Folgen
(Beschwerden) auf jeden Fall spätesten nach zwei Jahren abgeklungen seien,
und auch das nur bei sehr grosszügiger Beurteilung der subjektiven Angaben des
Klägers zu den Beschwerden (vgl. act. 551 S. 62, S. 83). Eine posttraumatische
Belastungsstörung für einige Zeit nach dem Unfall wurde als Möglichkeit (Eventu-
alität) nicht ausgeschlossen, für Jahre danach aber verneint (vgl. a.a.O., S. 53,
S. 72 und act. 548 S. 43 f.). Die Ursache der subjektiven Beschwerden, die der
Kläger angebe, sei mit Sicherheit nicht der Unfall vom 18. Oktober 1993. Die Ur-
sachen dieser Beschwerden lägen im Bereich des Psychologischen (vgl. act. 551
S. 77/78) bzw. im Psychosozialen. Vom Gutachter aus dem Bereich Psychiatrie/
Neuropsychologie wurde aktuell denn auch eine unspezifische psychische Stö-
rung mittlerer Ausprägung diagnostiziert, die am zutreffendsten als Neurasthenie
gemäss ICD-GM-2010 F48.0 zu beschreiben ist (vgl. act. 548 S. 43 und S. 44;
vgl. auch act. 551 S. 32). Ein ursächlicher Zusammenhang der Neurasthenie mit
dem Unfall vom 18. Oktober 1993 wird verneint (sie hat nach dem Ablauf von
höchstens zwei Jahren eine allfällige posttraumatische Belastungsstörung voll-
ständig ersetzt; vgl. act. 551 S. 80).
Vom Unfall an habe, so dass Gutachten schliesslich, wegen der (organisch
nicht belegbaren) Verletzungen und Beschwerden zunächst eine vollständige Ar-
- 50 -
beitsunfähigkeit des Klägers bestanden, die mit dem Zeitverlauf jedoch abge-
nommen habe bis auf 0 % zwei Jahre nach dem Unfall (vgl. a.a.O., S. 71), und
zwar – im Sinne einer pragmatischen Lösung bzw. eines vertretbaren Modus (vgl.
a.a.O. S. 71 und S. 75 [eine Präzisierung ist dem Gutachter vernünftigerweise
nicht möglich]) – linear. Eine Arbeitsunfähigkeit des Klägers wegen Beschwerden,
deren Ursache im Verkehrsunfall vom 18. Oktober 1993 liegt, und zwar von
100 % bis zum September 1995 und seit da von 75 %, wie es der Kläger behaup-
tet, erachteten die Gutachter hingegen als völlig unwahrscheinlich (vgl. a.a.O.,
S. 77).
Der Kläger kritisiert diese Folgerungen im Gutachten (vgl. etwa act. 789
S. 44 f.), namentlich den postulierten degressiven Verlauf, ebenso wie die Beklag-
te, welche die gutachterliche Lösung gewissermassen als Mediationsvorschlag
des Gutachters betrachtet (vgl. act. 810 S. 31 f. bzw. S. 32 oben). Wie der Kläger
selbst bemerkt, handelt es sich bei der "Medizin um keine exakte Wissenschaft"
(vgl. act. 789 S. 45). Dass der Gutachter rund 17 Jahre später genauere Angaben
zum abnehmenden Verlauf der Beschwerden liefern konnte, worauf im Gutachten
wiederholt verwiesen wird, ändert aber nichts an den anderweitig getroffenen gut-
achterlichen Feststellungen, die Beschwerden seien abnehmend gewesen und
hätten sich dabei allerhöchstens auf die Zeitdauer von zwei Jahren erstreckt (vgl.
auch act. 551 S. 71 [zu Frage 2.10]). Der Gutachter trägt den Ungewissheiten, mit
denen Antworten des Mediziners auf nicht medizinische Fragestellungen stets
behaftet sind, lediglich fachkundig Rechnung. Es erübrigt sich daher an sich, auch
noch darauf hinzuweisen, dass Diagnosen letztlich stets (Arbeits-)Hypothesen
sind; je nach den weiteren Umständen, also namentlich aufgrund der objektiv
feststellbaren Befunde, sind sie hingegen mehr oder weniger fundiert bzw. abge-
stützt, was sich auch im Sprachgebrauch niederschlägt, z.B. im Begriff der "siche-
ren Diagnose" oder im Begriff der "Verdachts- oder Arbeitsdiagnose".
Im Übrigen hat sich das Bezirksgericht auch mit diesem von den Parteien
gerügten Gesichtspunkt des Gutachtens in seinem Urteil zutreffend auseinander-
gesetzt (vgl. act. 791 S. 103-105); und es genügt der Hinweis, dass auf die ent-
sprechenden Erwägungen im angefochtenen Urteil anderweitig bereits ergänzend
verwiesen wurde.
- 51 -
6.3.6 Zieht man im Sinne einer Gesamtschau des bisher Geprüften ein Fazit, so
ist zunächst anzumerken, dass sich das medizinische Gutachten hinsichtlich des
Unfallgeschehens als Ausgangspunkt im Rahmen der verkehrstechnischen Er-
gebnisse hält, die in Erw. II/6.2.3 dargestellt wurden. Das hat das Bezirksgericht
richtig erkannt, und es hat auch sonst auf den S. 106 ff. seines Urteils ein grund-
sätzlich zutreffendes Fazit gezogen, bei dem es sich neben anderem (wie den
Hinweisen auf die private, familiäre bzw. psychosoziale Situation des Klägers; vgl.
dazu auch vorn Erw. II/2.2.3) auf die Folgerungen des medizinischen Gutachtens
abstützte. Das ist hier nicht zu wiederholen, sondern es kann darauf verwiesen
werden. Eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für die vom Kläger behauptete
Fortdauer bzw. Chronifizierung der nach dem Unfall eingetretenen Beschwerden
und damit für einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall, den
dabei erlittenen Verletzungen und damit einhergehenden Beschwerden ist sodann
nicht auszumachen. Die auf den Unfall als Ursache zurückzuführenden Be-
schwerden sind mit dem Zeitverlauf immer mehr abgeklungen und spätestens
nach zwei Jahren verschwunden. Fehlt es am entsprechenden natürlichen Kau-
salzusammenhang zwischen Unfall und Beschwerden, so lässt sich die vom Klä-
ger geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit für die Zeit danach nicht mehr mit unfall-
bedingten Beschwerden erklären und fehlt es auch insoweit an einem natürlichen
Kausalzusammenhang. Für die zwei Jahre nach dem Unfall hat hingegen eine
Arbeitsunfähigkeit des Klägers bestanden, die in abnehmendem Masse – modell-
haft linear – durch unfallbedingte Beschwerden mitverursacht wurde. Ein natürli-
cher Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und der Arbeitsunfähig-
keit des Klägers besteht insoweit, und es stellt sich daher die Frage nach dessen
Adäquanz. Das hat das Bezirksgericht richtig erkannt (vgl. act. 791 S. 111-113).
6.4 - 6.4.1 Massgeblich ist allein der haftpflichtrechtliche Adäquanzbegriff. Zutref-
fend ist auch das Bezirksgericht davon ausgegangen und hat diesen Begriff im
Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zutreffend dargelegt (vgl. a.a.O.,
S. 112 f., 114 ff.). Das ist nicht zu wiederholen, sondern es kann darauf verwiesen
werden. Verdeutlichend festzuhalten ist nochmals, dass von den tatsächlichen
Auswirkungen auszugehen und rückblickend zu entscheiden ist, ob und inwieweit
das schädigende Ereignis noch als deren wesentliche Ursache erscheint und ob
- 52 -
die Folgen dem Schädiger billigerweise noch zugerechnet werden dürfen (vgl.
BGE 123 III 112).
Zutreffend erwogen hat das Bezirksgericht im weiteren, dass ein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den medizinisch festgestellten
Verletzungsfolgen bzw. Beschwerden für höchstens zwei Jahre seit dem Unfalltag
gegeben ist, also längstens bis zum Oktober 1995. Und es hielt weiter fest, dass
selbst dann, wenn man das nicht beachten und – wie vom Kläger behauptet –
psychische Sekundärfolgen des Unfalls auch für die Zeit nach dem Oktober 1995
annehmen wollte, sich im Verlauf der Jahre 1994 und 1995 in Familie und Beruf
(Tod des Geschäftspartners im Februar 1995; vgl. dazu auch act. 654/1, S. 3 ff.)
sowie aufgrund des Unfalls im Dezember 1994 mit den versicherungs- und straf-
rechtlichen Folgen erhebliche Belastungen des Klägers eingestellt hatten (vgl.
auch vorn Erw. II/2.2.3), die höchstens allenfalls lose bzw. entfernt mit dem Unfall
zusammenhängen und durchaus allein das Potential in sich bargen, um den Klä-
ger aus der Bahn zu werfen. Die sich aus dem zweiten Unfall im Jahre 1994 er-
gebenden Belastungen hätte der Kläger zudem weitestgehend selbst vermeiden
können. Richtig ist schliesslich, was das Bezirksgericht daraus generell zur Scha-
densberechnung und -ersatzbemessung i.S. der Art. 42 und 44 OR ableitete. Das
alles ist hier nicht im Einzelnen zu wiederholen, sondern es kann insgesamt auf
die S. 115-118 des angefochtenen Urteils verwiesen werden.
Die Auswirkungen der medizinischen Arbeitsunfähigkeit des Kläger auf sei-
ne Erwerbsfähigkeit in der Zeit vom 18. Oktober 1993 bis längstens zum 18. Ok-
tober 1995 legte das Bezirksgericht mit einlässlicher Begründung und in Würdi-
gung der beruflichen Tätigkeit des Klägers als Geschäftsmann und Programmie-
rer sowie des ihm Zumutbaren bei der Steigerung seiner Erwerbstätigkeit fest. Es
erwog dabei, der Kläger habe ab dem 18. Oktober 1995 aufgrund des Wegfalls
sämtlicher unfallbedingter Beschwerden wieder voll erwerbsfähig sein können;
hingegen habe nach dem Unfall eine volle Erwerbsunfähigkeit bestanden, die sich
reduziert habe. Und es erachtete eine Reduktion in letztlich etwa gleichmässigen
Schritten um jeweils 25 % je Halbjahr als angemessene Lösung. Es bejahte daher
eine volle Ersatzpflicht der Beklagten für das erste Halbjahr nach dem Unfall, da-
nach eine auf drei Viertel reduzierte Ersatzpflicht bis zum 18. Oktober 1994, für
- 53 -
das nächste halbe Jahr eine hälftige und endlich für das letzte halbe Jahr bis eine
solche von noch 25 % (vgl. act. 791 S. 126-129). Das ist mit Blick auf die gut-
achterlichen Feststellungen zu den Beschwerden als Unfallfolgen und der gut-
achterlich postulierten linearen Abnahme der Beschwerden vernünftig sowie prak-
tikabel und damit wertungsmässig insgesamt schlüssig, zumal es den Unwägbar-
keiten einer steten Beschwerdeminderung gerade auch im Lichte der Alltagser-
fahrung Rechnung trägt. Es kann daher auf die entsprechenden Erwägungen im
angefochtenen Urteil verwiesen werden.
6.4.2 Die Parteien bringen im Berufungsverfahren nichts vor, was eine andere
Sicht der Wertung gebieten könnte oder gar müsste. Der Kläger erachtet z.B. ein
Abstellen auf die Ergebnisse des gerichtlichen Gutachtens insgesamt als willkür-
lich (vgl. act. 789 S. 63 [Rz. 169, a.E.]), verharrt in seiner Kritik (vgl. act. 789
S. 63 ff.) aber letztlich nur auf seinem Prozessstandpunkt und übergeht dabei
u.a. die gutachterlichen Feststellungen, dass spätestens nach zwei Jahren keine
unfallbedingten Beschwerden mehr vorlagen, die Krankheitswert aufwiesen. Der
Kläger übergeht ebenfalls, dass er nach eigenem Bekunden einige Wochen nach
dem Unfall einen Bekannten (U._ bzw. U'._) für die A'._ Informatik
AG beiziehen und hinsichtlich der für die A'._ Informatik AG erforderlichen
Arbeiten (Programmieren) instruieren konnte (vgl. act. 654/1 [Protokoll der per-
sönlichen Befragung des Klägers], S. 3 f.). Einen Fahrzeugersatz für seinen Be-
darf mietete er zudem rasch nach dem Unfall (vgl. act. 53 S. 52 mit Verweis auf
die Mietwagenrechnung gemäss act. 54/68). Und nach einiger Zeit konnte er für
die A'._ Informatik AG nach eigener Darstellung immerhin gewisse Kunden-
kontakte (kurze Meetings; Geschäftsessen; vgl. a.a.O., S. 5) wieder pflegen. Im
medizinischen Gutachten wird ferner zutreffend darauf hingewiesen, dass der
Kläger im Mai 1995 der AE._-Versicherung telefonisch mitgeteilt hatte, er
habe im Herbst 1994 für seine Tätigkeit neue Geräte gekauft, weshalb er auf die
(Tag-) Gelder angewiesen sei (vgl. act. 551 S. 12 und 50). Das zeigt, dass der
Kläger im Herbst wieder in der Lage war, sich vermehrt um sein Geschäft zu
kümmern. Und es widerlegen alle diese vom Kläger selbst gesetzten Sachver-
haltselemente, die daher als erstellt gelten dürfen, nicht bloss seinen prozessua-
len Standpunkt, sondern sie verdeutlichen in weiteren Facetten die Angemessen-
- 54 -
heit der vorinstanzlichen Wertungen sowie die schon anderweitig erwähnte
Schlüssigkeit des medizinischen Gutachtens. Bei diesen Ergebnissen ist auf die
vom Kläger in Wiederholung (vgl. dazu vorn Erw. II/1.3.1) vorgebrachten Anre-
gungen auf Ergänzung des Beweisverfahrens nicht einzugehen (vgl. etwa
act. 789 S. 58 f.), zumal der Kläger selbst – in anderer Wertung der Ergebnisse –
vermerkt, weitere Abklärungen erübrigten sich (vgl. a.a.O., S. 59), was in der Tat
insgesamt zutrifft.
Die Beklagte demgegenüber hält etwa dafür, es bestehe auch die Wahr-
scheinlichkeit, dass die unfallbedingten Beschwerden des Klägers schon nach ei-
nem Jahr vollständig abgeklungen seien, was eine wertungsmässige Korrektur
der gutachterlichen Feststellungen zur medizinischen Arbeitsunfähigkeit erfordere
(vgl. act. 810 S. 51 f.). Und sie beanstandet etwa die stufenweise Reduktion der
Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit im bezirksgerichtlichen Urteil im Wesentlichen
mit der Auffassung, dem Kläger sei die Ausnutzung der linear ansteigenden Rest-
arbeitsfähigkeit ab dem Zeitpunkt möglich gewesen, ab dem er wenigstens wieder
zu 25 % arbeitsfähig gewesen sei (vgl. a.a.O., S. 52 f.). Sie hält m.a.W. dafür, der
Kläger sei gewissermassen um 0.137 % pro Tag arbeits- und erwerbsfähiger ge-
worden, wie es dem Ergebnis der vereinfachten Rechnung "75 % dividiert durch
547 Tage" entspräche, was sich entsprechend niederschlagen müsse. Die Be-
klagte setzt damit den gerichtlichen Wertungen, die sich auf das medizinische
Gutachten abstützen, letztlich bloss eine eigene Wertung entgegen, die auf eine
irreal anmutende Scheingenauigkeit abstellt und alles andere als lebensnah ist.
Denn wer vermag schon festzustellen, dass er nach einer Woche um fast 1 % ar-
beitsfähiger ist, um das dann auch noch ausnützen, wie es die Beklagte letztlich
als massgeblich postuliert. Weiteres dazu erübrigt sich.
7. Der Kläger macht, wie in Erw. II/2.1 bereits angesprochen, den Ersatz des
Schadens geltend, der ihm aufgrund seiner Erwerbsunfähigkeit entstanden sei
(sog. Erwerbsschaden oder Erwerbsausfallschaden). Das Bezirksgericht hat die-
sen Schaden unter dem Titel des sog. Personenschadens behandelt (vgl. act. 791
S. 126). Zuvor hat es sich mit den grundlegenden Aspekten des Ersatzes von
Schaden, namentlich mit dem Schadensbegriff, der Schadensberechnung sowie
deren Sachverhaltsgrundlagen und den dazugehörigen Fragen des Beweismas-
- 55 -
ses und der Beweislast auf den S. 121 ff. seines Urteils näher und grundsätzlich
zutreffend befasst. Die Parteien beanstanden das nirgends näher (vgl. act. 810
S. 45 ff., act. 789 S. 65 ff.), sofern sie sich nicht – wie z.B. der Kläger über weite
Strecken (vgl. act. 789 S. 91 ff.) – bloss wiederholen (dazu siehe Erw. II/1.3.1). Es
kann daher mit dem Verweis auf die bezirksgerichtlichen Erwägungen sein Be-
wenden haben. Zu prüfen sind im Folgenden zum sog. Personenschaden die
Sachverhaltsgrundlagen der Schadensberechnung, die Schadensberechnung
selbst sowie die Frage der Schadenersatzbemessung.
7.1 - 7.1.1 Der Kläger legte im Herbst 1999 in der Klagebegründung seinen Scha-
densberechnungen sachverhaltsmässig die Fortführung der A'._ Informatik
AG zugrunde, wie sie ohne seinen Unfall und seine Arbeitsunfähigkeit erfolgreich
verlaufen wäre (vgl. act. 2 S. 21 ff.; vgl. auch Erw. I/1.3.3 mit Verweisen). Dabei
hätte er nach seiner Darstellung ein Salär von mindestens Fr. 288'000.- pro Jahr
erzielt bzw. sich auszahlen können (vgl. act. 2 S. 21 f. bzw. act. 53 S. 33). Tat-
sächlich habe er aber wegen seiner Arbeitsunfähigkeit die A'._ Informatik AG
gegen Ende 1995 stilllegen müssen (vgl. auch vorn Erw. I/1.1).
In der Replik im Herbst 2001 stützte der Kläger seine Schadensberechnun-
gen auch noch auf einen anderen Sachverhalt (vgl. dazu auch Erw. I/1.3.4, mit
Verweisen): Es sei aufgrund von Gesprächen im Januar und Februar 1993 mit
seinem Geschäftsbekannten AF._ (vgl. act. 53 S.34), mit dem seit 1991 Kon-
takte bestanden (vgl. a.a.O., S. 33), eine konkrete Zusammenarbeit letztlich ge-
plant gewesen. Bei dieser Zusammenarbeit hätte er die A'._ Informatik AG in
eine noch zu gründende Gesellschaft eingebracht (vgl. a.a.O., S. 34). Nach dem
Unfall im Oktober 1993 sei es dazu nicht mehr gekommen, weil AF._ mit der
Gründung der Gesellschaft nicht habe zuwarten wollen; ihm – dem Kläger – sei
indessen "gewissermassen die Türe insofern offen gelassen" worden, "als er am
07.03.1994 von der ... 5 % des Aktienkapitals der am 14. Januar 1994 ... gegrün-
deten R._ AG ... zum Nominalwert von Fr. 100'000.-" (a.a.O., S. 35) habe
kaufen können. Zu einem Kauf von weiteren 10 % des Aktienkapitals der R._
AG zum Nominalwert von Fr. 200'000.- durch ihn sei es 1995 gekommen, u.a.
deshalb, weil er ab Oktober 1995 zu 25 % bei der R._ AG angestellt gewe-
sen sei (vgl. a.a.O., S. 41). Zu deren Verwaltungsrat wurde er 1996 gewählt (vgl.
- 56 -
a.a.O., S. 42). Wäre er gesund gewesen, so der Kläger, hätte er die A'._ In-
formatik AG in die R._ einbringen können und mindestens 25 % des Aktien-
kapitals der R._ AG erhalten (vgl. a.a.O.), die sich gut entwickelte (a.a.O.,
S. 36) und in der insbesondere ab 1997 die sog. S._ Solution entwickelt wor-
den sei (vgl. a.a.O., S. 37). In der R._ AG bzw. deren Nachfolgerin S._
Holding AG hätte er Geschäftsleitungsmitglied werden können und mindestens
soviel wie in der A'._ Informatik AG verdient; zudem habe er auch einen Ver-
lust an Vermögenszuwachs erlitten (vgl. a.a.O., S. 44 f.).
An diesem weiteren Sachverhalt, den er im vorinstanzlichen Verfahren spä-
ter noch ergänzte und vertiefte und den das Bezirksgericht als Alternativsachver-
halt erachtete, hält der Kläger auch heute fest. Und er macht zudem geltend, es
handle sich nicht um einen Alternativstandpunkt, sondern um seinen Hauptstand-
punkt (vgl. act. 789 S. 65 ff.).
7.1.2 Das Bezirksgericht hat zu den für die Schadensberechnung massgeblichen
Sachverhalten ein Beweisverfahren durchgeführt. Gestützt darauf gelangte es
zum Ergebnis, hinsichtlich der Berufskarriere des Klägers stelle die Fortführung
der A'._ Informatik AG die überwiegend wahrscheinliche Variante dar, und es
verwarf den sog. Alternativsachverhalt damit als weniger wahrscheinliche Varian-
te (vgl. act. 791 S. 129 ff.). Der Kläger rügt das, insbesondere rügt er, der Alterna-
tivsachverhalt sei nicht hinreichend bestritten worden, weshalb es dazu keines
Beweisverfahrens bedurfte hätte (vgl. act. 789 S. 65 ff.). Dabei übergeht er vorab
einmal, dass er es war, der dem Gericht zwei unterschiedliche Sachverhalte und
darauf fussende Schadensberechnungen vorgetragen hat, von denen höchstens
einer überwiegend wahrscheinlich sein kann, es nicht hingegen beide sein kön-
nen. Weiter legt der Kläger selbst dar, dass die Beklagte den von ihm als Haupt-
standpunkt betrachteten Alternativsachverhalt in der Duplik als klägerisches
"Wunschdenken" bezeichnete (vgl. act. 789 S. 68 [dort Rz. 186, mit Verweis]),
worin denn doch unübersehbar eine Bestreitung liegt, und zwar eine des Inhalts,
der Kläger behaupte nichts mit real fassbarem Bezug. Auch sonst hat die Beklag-
te den in der Replik neu vorgetragenen Alternativsachverhalt als eine in jeder
Hinsicht unglaubhafte neue Sachdarstellung für eine neue Schadensberech-
nung bezeichnet und damit der Sache nach hinreichend bestritten (vgl. act. 62
- 57 -
S. 37 ff.). Bestritten war damals zudem bereits der in der Klagebegründung vorge-
tragene Sachverhalt zum Erwerbsschaden.
Im Übrigen hat das Bezirksgericht den ihm in der Klagebegründung einläss-
lich vorgetragenen Sachverhalt zur Fortführung der A'._ Informatik AG zutref-
fend für wesentlich wahrscheinlicher erachtet als den erst in der Replik vorgetra-
genen Alternativsachverhalt. Es kann auf die entsprechenden Erwägungen ver-
wiesen werden. Anzumerken bleibt, dass die zur Bestreitung aufgestellte Behaup-
tung der Beklagten in der Duplik, der heutige klägerischen Hauptstandpunkt sei
sehr unglaubhaft, nicht haltlos erscheint. Es wirkt jedenfalls – um auch das zu er-
wähnen – doch recht erstaunlich, dass sich der Kläger zwei Jahre nach der Ein-
reichung seiner doch wohl gut überlegten Klage, mit der er geltend macht, er ha-
be einen Schaden erlitten, weil er durch den Unfall im Oktober 1993 und dessen
Folgen gehindert worden sei, die A'._ Informatik AG weiter zu führen, neu
auf den Standpunkt stellt, er habe die A'._ Informatik AG im Oktober 1993
eigentlich gar nicht mehr lange weiterführen, sondern einige Monate später in die
R._ AG einbringen wollen (vgl. dazu act. 53 S. 35: AF._ wollte im Janu-
ar/Februar 1994 mit der Gründung der gemeinsamen Gesellschaft nicht länger
warten). Denn eigentlich vergisst man so etwas Wichtiges wie die Aufgabe des
eigenen Geschäfts durch Überführung in eine neue Gesellschaft, an der auch an-
dere Personen beteiligt sind, innert sechs Jahren kaum. Es ist deshalb alles ande-
re als überzeugend und lebensnah, wenn man es nach acht Jahren dann doch
weiss. Das allein schon macht den heutigen Hauptstandpunkt des Klägers nicht
wahrscheinlich oder gar besonders wahrscheinlich, sondern vielmehr unwahr-
scheinlich.
Bei diesem Ergebnis erübrigen sich Weiterungen, wie sie der Kläger ver-
langt (vgl. act. 789 S. 77 ff.). Namentlich ist nicht näher zu erörtern, wie es sich
mit den von ihm behaupteten weiteren "unbestrittenen oder bewiesenen Tatsa-
chen" verhält (vgl. a.a.O., S. 79 ff.), und auch nicht auf die von ihm geltend ge-
machten Noven usw. einzugehen sowie die sich auf alle diese Vorbringen abstüt-
zenden Schadensberechnungen (vgl. a.a.O., S. 82 ff.).
7.2 Zu ersetzen ist wie gesehen der Schaden, der dem Kläger zwischen dem
19. Oktober 1993 und dem 18. Oktober 1995 wegen anfänglich fehlender und
- 58 -
danach eingeschränkter, sich aber erhöhender Erwerbsfähigkeit entstanden ist.
Für die Ermittlung bzw. Berechnung dieses Schadens auf der Grundlage der
Weiterführung der A'._ Informatik AG hat das Bezirksgericht zu dem vom
Kläger behaupteten Sachverhalt ebenfalls Beweise erhoben (vgl. dazu etwa Vi-
Prot. S. 132 ff., S. 166-168, S. 170 ff.). Namentlich hat es AG._ und
AH._, die für die Parteien einst schriftliche Gutachten bzw. Stellungnahmen
erstellt hatten (vgl. act. 3/25 und act. 12/33), und AJ._, der vom Kläger nach
dem Unfall als Arbeitskraft beigezogen worden war, als Zeugen einvernommen
(vgl. act. 654/2, act. 654/3 und act. 654/4) sowie ein betriebswirtschaftliches Gut-
achten eingeholt (vgl. act. 699 und act. 731).
7.2.1 Das Bezirksgericht hat sich in seinem Urteil einlässlich mit der Frage der
Schadensermittlung befasst (vgl. act. 791 S. 135 ff.). Es stellte den Kläger als In-
haber einer sog. Einmann-AG dabei einem Selbständigerwerbenden gleich. Dar-
über streiten die Parteien richtigerweise nicht. Zutreffend legte das Bezirksgericht
sodann dar, dass der Kläger nicht in der Lage war, einen Grossteil der von ihm
zum Beweis offerierten Buchhaltungsunterlagen der A'._ Informatik AG bei-
zubringen, die vorhandenen Unterlagen es indessen gestatteten, die von beiden
Parteien beantragte betriebswirtschaftliche Expertise zu erstellen und den Scha-
den unter Rückgriff auf objektive Kriterien ziffernmässig konkret einzugrenzen
(vgl. a.a.O., S. 135 f., S. 137). Richtig stellte es zudem die Ausgangslage für die
Schadensermittlung dar, nämlich die Ergebnisse der ersten drei Geschäftsjahre
der A'._ Informatik AG, als da sind (vgl. a.a.O., S. 136 f.): - 1. Geschäftsjahr (20. August 1990 - Juni 1991) mit einem Bruttoumsatz von
Fr. 303'771.- und einem Nettogewinn (nach Zinsen und Steuern) von Fr. 794.-
- 2. Geschäftsjahr (Juli 1991 - Juni 1992) mit einem Bruttoumsatz von Fr. 353'933.-
und einem Nettoverlust (nach Zinsen und Steuern) von Fr. 8'545.65
- 3. Geschäftsjahr (Juli 1992 - Juni 1993) mit einem Umsatz von Fr. 395'679.- und
einem Nettoverlust (nach Zinsen und Steuern) von Fr. 1'500.-
Das Bezirksgericht setzte sich danach mit den Parteistandpunkten ausei-
nander, die sich auf Gutachten bzw. Stellungnahmen der Zeugen AG._ und
AH._ abstützen, sowie auf die Aussagen dieser Zeugen und die übrigen Be-
weismittel (vgl. act. 791 S. 138 ff.). Zu Recht stellte es dabei u.a. fest, dass die
- 59 -
Aussagen der Zeugen AG._ und AH._ nicht geeignet sind, Klarheit über
den Bestand oder die Höhe des Schadens zu schaffen, zumal sie wenig zur Er-
läuterung ihrer Berichte beitragen konnten (vgl. a.a.O., S. 140 f.). AH._ etwa
konnte sich z.B. weder an U._ (bzw. U'._) noch an Honorare von über
Fr. 760'000.- erinnern, die diesem ausgerichtet wurden (vgl. act. 654/3 S. 4: Nein,
gar nicht ... noch nie gehört) und ebenso wenig an AJ._, der nach dem Un-
fall für den Kläger tätig wurde (vgl. a.a.O., S. 5). Der Hintergrund des Klägers war
ihm nicht bekannt, als er seine Stellungnahme verfasste (vgl. a.a.O., S. 5 und S. 8
[keinerlei Hintergrundwissen zu diesem Fall]) und es fehlten ihm damals auch Be-
lege (vgl. a.a.O., S. 6, S. 9) insbesondere zu aufgeführten Aufträgen (vgl. a.a.O.,
S. 8). An einen U._ (bzw. U'._) konnte sich ebenfalls AG._ nicht er-
innern (vgl. act. 654/2 S. 5). Wie er gewisse Zahlen ermittelt hatte, die er in sei-
nem Gutachten einstellte, wusste er nicht mehr und konnte es auch nicht erklären
(vgl. a.a.O., S. 6), ausser dass sie wahrscheinlich in Diskussion entstanden sein
können mit dem Kläger bzw. dem damaligen Rechtsvertreter des Klägers (vgl.
a.a.O., S. 6, S. 10, S. 11, S. 12, S. 13, S. 14) sowie auf Annahmen basierten (vgl.
etwa a.a.O., S. 12 [Ich bin davon ausgegangen; Ich gehe davon aus, dass ] sowie
S. 14 [Ich habe wahrscheinlich von mir aus angenommen]).
Was die Zuverlässigkeit dieser Annahmen sowie der Zahlen betrifft, die
AG._ angegeben wurden, kann z.B. auf die Aussage von AJ._ als Zeu-
ge verwiesen werden, der einige Zeit für die A'._ Informatik AG tätig war
(vgl. act. 654/4 S. 5 [sechs bis acht Monate]; siehe ferner act. 699 S. 7, dort
Rz. 26-28), und zwar vor allem beim Kläger zu Hause, wo dieser sein Büro hatte
(vgl. act. 654/4 S. 6). Der Zeuge legte dar, er wisse nicht, ob er von der A'._
Informatik AG neben einem Lohn von Fr. 7'000.- oder Fr. 8'000.- pro Monat noch
weitere Vergütungen (wie Spesen) erhalten habe; ein Fahrzeug sei ihm nicht zur
Verfügung gestellt worden und er habe auch nie eine Weiterbildung absolviert
(vgl. a.a.O., S. 7). Posten wie Fahrzeugkosten und Weiterbildung führt AG._,
der von monatlichen Mehrkosten wegen der Einstellung AJ._s von Fr. 7'000.-
ausging, in seinem Gutachten allerdings auf (vgl. act. 3/25 S. 7). AG._
setzte dabei den als Zusatzkosten zu verbuchenden Lohn AJ._s monatlich
auf Fr. 3'050.- fest, zuzüglich 13 % Sozialleistungen (vgl. a.a.O., S. 7), und kam
- 60 -
im Übrigen auf monatliche Mehrkosten von Fr. 7'000.- für die Dauer von 14 Mona-
ten, weil er eben solche Posten wie Fahrzeugkosten (Fr. 300.- pro Monat) und
Weiterbildung (Fr. 400.- pro Monat) zusätzlich ebenso einrechnete wie monatliche
Zusatzkosten für Büroeinrichtungen, Büromaterial und Drucksachen (vgl. a.a.O.).
Belegt ist eine Tätigkeit von AJ._ für die A'._ Informatik AG allerdings
aufgrund des individuellen Lohnkontos von AJ._ bei der kantonalen Aus-
gleichskasse, wie das gerichtlich in Auftrag gegebene Gutachten festhält, nur für
die Zeit von August bis Dezember 1994, bei einem Einkommen von insgesamt
Fr. 42'720.- (vgl. act. 699 S. 7 Rz. 26-28). In diesem Umfang erachtete das Gut-
achten einen Mehraufwand als plausibel; Analoges gilt für Zusatzkosten von mo-
natlich Fr. 300.- für Bürokosten (vgl. act. 699 S. 9 f. [Rz. 35 und 36] und act. 731
S. 8). Auch darauf hat das Bezirksgericht in seinen Erwägungen der Sache nach
zutreffend verwiesen (act. 791 S. 141 und S. 156 f.).
Nicht zu beanstanden ist überdies die Wertung des Bezirksgerichtes, die Be-
fragung der weiteren als der eben erwähnten Zeugen habe nichts wesentlich
Sachdienliches erbracht (vgl. a.a.O.). I'._, die Ehegattin, sowie deren
Schwester legten z.B. dar, der Kläger habe vor dem Unfall sehr viel gearbeitet,
was letztlich unbestritten ist. Davon gingen im Übrigen auch AG._ und
AH._ aus und ebenso das Gutachten. Über das auf die Dauer mögliche
Mass überdurchschnittlichen Einsatzes (ca. 1800 verrechenbare Stunden) und
die Angaben des Klägers gegenüber AG._ zu seinem Pensum (50 Wochen
zu 6 Tagen à 12 Stunden) waren sich AG._ und AH._ sodann nicht
grundsätzlich uneinig, sie setzten in Bezug auf die Verlässlichkeit der Angaben
des Klägers nur andere Akzente (vgl. act. 654/3 S. 6 und act. 654/2 S. 7 und
S. 8 f.).
Ergänzend zum hier Dargelegten kann daher auf die Erwägungen ab S. 135
des angefochtenen Urteils verwiesen werden.
7.2.2 Einlässlich hat sich das Bezirksgericht mit dem von ihm in Auftrag gegebe-
nen Gutachten (vgl. act. 699) und dessen Ergänzung, mit der von den Parteien
aufgeworfene Fragen beantwortet wurden (vgl. act. 731), befasst und dabei des-
sen Inhalt dargelegt, sachgemäss und zutreffend gewürdigt sowie darauf abge-
stellt (vgl. act. 791 S. 143-151). Namentlich hat es etwa richtig festgehalten, dass
- 61 -
sich das Gutachten mit den tatsächlichen Verhältnissen des Klägers im Zeitpunkt
des Unfalls ebenso differenziert auseinandersetzt wie mit den Angaben von
AG._ und AH._ für die Zeit danach und dabei insbesondere gewisse
Annahmen von AG._ etwa zur Berechnung der Zusatzaufwendungen für
AJ._ sachlich nachvollziehbar und plausibel als nicht gerechtfertigt kritisiert
hat (vgl. act. 699 S. 8-10; siehe zudem die Verdeutlichung in act. 731 S. 8), was
überzeugt (vgl. auch vorn Erw. II/7.2.1). Die einlässlichen bezirksgerichtlichen Er-
wägungen sind hier im Einzelnen der Kürze halber nicht zu wiederholen, sondern
es kann auf sie verwiesen werden.
Zur Verdeutlichung ist hier immerhin noch hervorzuheben, dass das Be-
zirksgericht in seinem Urteil zum Ergebnis gelangte, dem Kläger sei der Nachweis
für seine Darstellung misslungen, die A'._ Informatik AG wäre ab Oktober
1993 aufgrund der Lancierung eines Lagerverwaltungsprogramms oder wegen
anderer Umstände sprunghaft gewachsen, womit eine namhafte Umsatzsteige-
rung verbunden gewesen wäre (vgl. act. 791 S. 150). Im Berufungsverfahren hat
das keine Partei vertiefter aufgegriffen und in genügender Weise (vgl. dazu Erw.
II/1.2.1 und II/1.3.1) beanstandet, namentlich nicht der Kläger (vgl. dazu act. 789
S. 107 ff.).
Ergänzend bzw. verdeutlichend ist weiter anzumerken, dass sich das Gut-
achten auf die ihm zur Verfügung gestellten Unterlagen abstützt wie etwa Ge-
schäftsbücher und individuelle Lohnkonten der bei der A'._ Informatik AG
angestellten Personen (es waren das bis zum Unfall nur der Kläger und danach
noch AJ._) bei der kantonalen Ausgleichkasse, und daraus – weil die Unter-
lagen streckenweise unvollständig waren – plausible Werte zum Aufwand der
A'._ Informatik AG ableiten konnte (vgl. etwa act. 699 S. 5 f. [zu "Fremdarbei-
ten"], S. 6-8 [zum Personalaufwand]). Nachvollziehbar sind ebenso die Werte zum
Umsatz und die Prämissen, mit denen die mutmasslichen Ergebnisse der
A'._ Informatik AG ohne Unfall des Klägers ermittelt wurden (vgl. dazu etwa
a.a.O., S. 15 ff.; siehe ebenfalls die Verdeutlichung in act. 731, dort etwa S. 9/10).
Richtig wurde davon ausgegangen, der Kläger wäre im Wesentlichen weiterhin al-
leine für die A'._ Informatik AG tätig gewesen wäre (vgl. auch a.a.O., S. 12
Rz. 41 und act. 699 S. 16 f.), und es wurde der Berechnung die Perspektive eines
- 62 -
langfristig erzielbaren Ertrages zugrunde gelegt (vgl. act. 731 S. 12), weil die in
der Periode 1993/94 erzielten Umsätze nach dem Unfall nur dank dem Beizug ex-
terner Kräfte, die sog "Fremdarbeiten" leisteten, möglich waren (vgl. a.a.O.). Bei
der im Gutachten gewählten Methode der Umsatzberechnung (vgl. act. 699 S. 15
[Rz. 58] und act. 731 S. 11 [Rz. 39]) wären die Kosten für Fremdarbeiten, die aus
dem Beizug des externen Mitarbeiters (U._ bzw. U'._) nach dem Unfall
angefallen waren, aber gerade dann eben nicht angefallen, wenn der Kläger wei-
terhin allein für die A'._ Informatik AG tätig gewesen wäre, sie sind für die
Umsatzberechnung folgerichtig unmassgeblich; und der nach dem Unfall tatsäch-
lich erzielte Umsatz ist nicht vergleichbar mit dem, der ohne Beizug des Externen
(U._ bzw. U'._) hätte erzielt werden können. Mit allen diesen Gesichts-
punkten setzt sich der Kläger in der Berufung, soweit er auf das Gutachten über-
haupt eingeht, nicht näher auseinander (vgl. act. 789, dort insbes. S. 117 ff.). Und
auch die Beklagte übergeht das in ihrer Kritik am Gutachten sowie dem Bezirks-
gericht, womit sie ihrer Kritik insoweit selbst den Boden entzieht (vgl. act. 810
S. 45 ff. [insbes. S. 47] und S. 53 f.). Sofern die Beklagte im Übrigen rügt, das
Gutachten sei unvollständig, weil es sich in vielen Punkten nicht auf Unterlagen
abzustützen vermöge (vgl. etwa a.a.O., S. 45 und S. 47), geht ihre Kritik an der
Sache vorbei. Denn gesagt ist damit zum einen nur, dass die Unterlagen, die den
Gutachtern zur Verfügung standen, unvollständig waren bzw. sind, nicht hinge-
gen, dass das Gutachten, das in Kenntnis dessen erstellt wurde, Lücken aufweist
oder wesentliche Gesichtspunkte auslässt. Und zum andern wird mit dem Hinweis
auf die fehlenden (verlässlichen) Unterlagen letztlich nur die Aussagekraft des
Gutachtens bezweifelt. Entsprechende Kritik hat die Beklagte bereits dem Be-
zirksgericht vorgetragen und wiederholt sie im Berufungsverfahren bloss. Mit der
Kritik hat sich sodann das Bezirksgericht schon zutreffend befasst (vgl. act. 791
S. 147 f.) und dabei vermerkt, dass die Beweismittel insgesamt eine ausreichend
konkrete Schadensermittlung erlauben; damit setzt sich die Beklagte nicht näher
auseinander. Sie übersieht zudem (vgl. act. 810 S. 47), dass beim hier gegebe-
nen Thema – Fortführung der A'._ Informatik AG ohne Unfall im Wesentli-
chen allein durch den Kläger – sachgemäss stets mit Annahmen und Schätzun-
- 63 -
gen operiert werden muss, weil sich ohne das gar keine Aussagen machen lies-
sen.
Auch sonst wird im Berufungsverfahren nichts Stichhaltiges vorgebracht,
das an der Aussagekraft des Gutachtens zur Schadensermittlung nach dem Un-
fall Zweifel zu begründen vermöchte. Der Kläger z.B. bestreitet "im Übrigen" die
Schlussfolgerungen des Gutachtens, auf das er trotzdem zugleich abstellt (vgl.
etwa act. 789, S. 117 Rz. 303, S. 119 Rz. 311), und verbindet diese Bestreitung
mit dem Verweis "vgl. unten" (act. 789 S. 117 Rz. 303). Substanzielle Äusserun-
gen zu den Schlussfolgerungen des Gutachtens bzw. den gutachterlichen Ergeb-
nissen zur Schadensermittlung finden sich in den Rz. 303 folgenden Ausführun-
gen zur Schadensberechnung, also "unten", jedoch nicht (und: nach der Scha-
densberechnung widmet sich der Kläger dem Thema der Prozesskostenverteilung
bzw. Parteientschädigung). Widersprüchlich erscheint, um auch das noch zu er-
wähnen, die Argumentation der Beklagten, die einerseits darauf verweist, die
A'._ Informatik AG habe vor dem Unfall des Klägers Verluste geschrieben
(die immerhin gering waren), und der Kläger habe bei der Ausgleichskasse ledig-
lich ein geringes Einkommen deklariert (vgl. act. 810 S. 48 f.) – ein Einwand, mit
dem sich übrigens schon das Bezirksgericht zutreffend befasst hat (vgl. act. 791
S. 151). Denn anderseits vermerkt die Beklagte im Berufungsverfahren z.B.
ebenso, der Kläger habe Provisionen in erheblichem Umfang bezogen, die nicht
belegt seien, und es seien Kundenreisen nicht verbucht (vgl. act. 810 S. 46), wo-
mit sie sich letztlich auf den Standpunkt stellt, der Kläger habe vor dem Unfall in
den Büchern der A'._ Informatik AG (auch) deren Gewinn verschleiert und
überdies tatsächlich ein höheres als nach aussen deklariertes Einkommen erzielt.
Nichts anderes zeigt die Argumentation der Beklagten auf, der Kläger sei nach
dem Unfall trotz ärztlich attestierter Arbeitsunfähigkeit einer erheblichen Erwerbs-
tätigkeit in der A'._ Informatik AG nachgegangen und es seien die daraus er-
zielten Einnahmen in der Buchhaltung kaum verzeichnet (vgl. a.a.O., S. 47).
Kommt das Gutachten für die Zeit nach dem Unfall ebenfalls zu einem Ergebnis
höherer als der zuvor deklarierter Einkünfte, kann das auch in dieser Sichtweise
der Beklagten eigentlich nur naheliegend, plausibel und damit schlüssig sein.
- 64 -
7.3 - 7.3.1 Das Bezirksgericht nahm folgende Schadensberechnung vor (vgl.
act. 791 S. 150 ff.). Für den relevanten Zeitraum hat das Gutachten einen Jahres-
umsatz der A'._ Informatik AG von Fr. 329'472.- ermittelt, entsprechend ei-
nem monatlichen Umsatz von Fr. 27'456.-. Weiter ermittelte das Gutachten einen
jährlichen Personalaufwand von Fr. 207'000.-, der dem Kläger als einzigem Mit-
arbeiter der A'._ Informatik AG zusteht (vgl. a.a.O., S. 152). Das Gutachten
legte den Unternehmensgewinn nach Steuern auf rund Fr. 3'000.- fest (a.a.O.)
und das Bezirksgericht gestützt darauf das mögliche jährlichen Einkommen des
Klägers aus selbständiger Erwerbstätigkeit auf Fr. 210'000.-; daraus resultiert ein
monatlich mögliches Einkommen von Fr. 17'500.- und für die gesamten zwei Jah-
re, in denen eine unfallbedingte, jedoch abnehmende Arbeitsunfähigkeit des Klä-
gers bestand, ein mögliches Einkommen des Klägers aus selbständiger Erwerbs-
tätigkeit von insgesamt Fr. 420'000.- (vgl. a.a.O.; mutmassliches Valideneinkom-
men).
In einem zweiten Schritt (act. 791 S. 152 ff.) berücksichtigte das Bezirksge-
richt die abnehmende Arbeitsunfähigkeit des Klägers bzw. dessen sukzessiv wie-
dererlangte Erwerbsfähigkeit, welche gemäss bundesgerichtlicher Praxis (Urteil
4C.3/2004, E. 1.4, vom 22. Juni 2004, ferner 4A_127/2011 vom 12. Juli 2011,
E. 8.5 und 4A_37/2011 vom 27. April 2011) unter dem Gesichtspunkt der Oblie-
genheit zur Schadenminderung zu berücksichtigen und hier im Sinne eines hypo-
thetischen Invalideneinkommens bei der Schadensberechnung zu veranschlagen
sei, wovon auch der Kläger im Sinne eines Eventualstandpunktes ausgehe. Es er-
rechnete dieses auf insgesamt Fr. 157'500.- (vgl. act. 791 S. 153). Das tatsächli-
che Invalideneinkommen des Klägers bis zum 17. Oktober 1995 errechnete das
Bezirksgericht auf total Fr. 163'822.- (vgl. a.a.O., S. 154 f.) und stellte dieses ge-
stützt auf BGE 131 III 16 ff. voll in Anrechnung, unter Hinweis darauf, dass der
dem Kläger zustehende "Haftpflichtersatz" im Rahmen der Schadenersatzbemes-
sung (Art. 44 OR) nicht zu kürzen sei und sich gemäss BGE 131 III 14 kein Quo-
tenvorrecht des Klägers ergebe (vgl. a.a.O., S. 154 und S. 163). Den Schaden
bildenden Minderertrag des Klägers berechnete das Bezirksgericht in der Diffe-
renz dieser Posten auf Fr. 98'618.- (vgl. a.a.O. S. 155). Zu diesem Wert schlug
es noch den gutachterlich ermittelten Mehraufwand für die vorübergehende Be-
- 65 -
schäftigung von AJ._ im Umfang von Fr. 44'220.- hinzu (vgl. act. 791 S. 155
ff.) und errechnete den gesamten Erwerbs(ausfall)schaden auf insgesamt
Fr. 142'838.- (vgl. a.a.O., S. 157); diesen Betrag sprach es ungekürzt zu (vgl. da-
zu a.a.O., S. 163 f.).
Weitere Einzelheiten der bezirksgerichtlichen Erwägungen sind hier der Kür-
ze halber nicht zu wiederholen, sondern es ist auf die Erwägungen ab S. 150 des
angefochtenen Urteils zu verweisen.
7.3.2 Der Kläger setzt der Schadensberechnung des Bezirksgerichtes vorab eine
eigene entgegen (vgl. act. 789 S. 107 ff.), die er schon im bezirksgerichtlichen
Verfahren vorgetragen hat (vgl. act. 745, dort Rz. 311 ff.), worin eine blosse Wie-
derholung liegt, mit der die Berufung nicht hinreichend begründet wird (vgl. vorn
Erw. II/1.3.1). Die Berechnung des Klägers geht zudem von einem anderen Sach-
verhalt aus als dem, den das Bezirksgericht – wie gesehen zu Recht – für mass-
geblich erachtete; damit setzt sich der Kläger nicht auseinander und es bleibt sei-
ne Berufung insoweit unbegründet. Letzteres gilt analog für den Einwand der Be-
klagten, der Kläger sei überentschädigt (vgl. act. 810 S. 40), weil lediglich von ei-
nem "nachgewiesenen" Valideneinkommen von Fr. 60'000.- pro Jahr auszugehen
sei bei Anrechenbarkeit von rund Fr. 160'000.- an Sozialversicherungsleistungen
(UVG und IV) im Zeitraum vom 18. Oktober 1993 bis zum 17. Oktober 1995.
Wie vorhin gezeigt, kommt es auf das von der Beklagten als "nachgewiesen" be-
zeichnete Einkommen nicht an, sondern auf das tatsächliche höhere (vgl. vorn
Erw. II/7.2.2).
Soweit sich der Kläger mit der bezirksgerichtlichen Schadensberechnung
näher auseinandersetzt, beanstandet er im Wesentlichen, dass ihm Invalidenein-
kommen angerechnet wurde, was unzulässig sei (vgl. act. 114 ff.). Zum einen
werde nämlich eine Schadenminderungspflicht angenommen, obwohl die Beklag-
te eine Verletzung dieser Pflicht durch ihn nicht substanziert geltend gemacht ha-
be; auch mache das Bezirksgericht lediglich pauschal geltend, es wäre ihm die
Fortführung zumutbar und möglich gewesen (vgl. act. 789 S. 115). Eine Arbeits-
fähigkeit von 30 % sei auf dem Arbeitsmarkt nicht zu verwerten (vgl. a.a.O.,
S. 117). Er habe die Anrechnung im Rahmen der Schadensberechnung zudem
- 66 -
für den Eventualfall entgegen der Auffassung des Bezirksgerichtes nicht gebilligt
(vgl. a.a.O., S. 116). Zum anderen hätten ihm nicht alle sozialversicherungsrecht-
lichen Leistungen angerechnet werden dürfen; damit sei sein Quotenvorrecht ver-
letzt worden (vgl. a.a.O., S. 118). Die Beklagte beanstandet an der Schadensbe-
rechnung des Bezirksgerichtes die Anrechnung der Mehrkosten, die die Anstel-
lung von AJ._ verursacht habe (vgl. act. 810 S. 53 ff.). Das führe zu einer
Doppelentschädigung.
Eine allfällige Verletzung der sog. Schadensminderungspflicht ist bei richti-
ger Betrachtung gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei der Schadens-
berechnung zu berücksichtigen (vgl. Urteil 4A_127/2011 vom 12 Juli 2011, dort
E. 8.5, wo zu lesen steht: "... beanstandet ..., dass das Obergericht eine allfällige Ver-
letzung der Schadensminderungspflicht schon bei der Schadensberechnung berücksich-
tigte. Zu Unrecht, denn das Bundesgericht hat ein solches Vorgehen erst kürzlich als
rechtens bestätigt ... Urteil 4A_37/2011 vom 27. April 2011, E. 4.1"; in der Erwägung
4.1 des bundesgerichtlichen Urteils 4A_37/2011 heisst es wörtlich: "Richtig bese-
hen handelt es sich bei der Schadenminderungspflicht um eine Obliegenheit, deren Be-
rücksichtigung im Grunde genommen ein Problem der Schadensberechnung ist, weil
nicht als vom Haftpflichtigen verursachter Schaden gelten kann, was durch zumutbare
Massnahmen behoben werden könnte"). Das Bezirksgericht hat wie eben gesehen
im angefochtenen Urteil genau darauf verwiesen. Ob der Kläger sodann in
act. 745 (dort S. 109 f.) für den Eventualstandpunkt bereits vor dem Bezirksge-
richt eine Anrechnung bei der Schadensberechnung anerkannt hat oder nicht,
bleibt gemäss dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen unerheb-
lich.
Unzutreffend ist sodann die Auffassung des Klägers, die Beklagte habe eine
Verletzung der Obliegenheit zur Schadenminderung im bezirksgerichtlichen Ver-
fahren nicht substanziert vorgebracht. Die Beklagte hat sich seit der Klageantwort
im Wesentlichen auf den Standpunkt gestellt, der Kläger habe die von ihm geltend
gemachten gesundheitlichen Störungen vorgetäuscht (vgl. act. 12 S. 69; siehe
ferner a.a.O., S. 9, S. 10 [die Forderungen ... beruhen auf sekundären Motiven]),
sei m.a.W. stets arbeitsfähig gewesen und habe auch ein Einkommen daraus er-
zielt (vgl. a.a.O., S. 12: "dabei erzielte er mutmasslich ein erhebliches Einkom-
men"). Nur konsequent hat die Beklagte daher auch von Anfang an überhaupt ei-
- 67 -
nen Schaden des Klägers bestritten (vgl. a.a.O., S. 79). Mit dieser Sachdarstel-
lung nahm die Beklagte zugleich implizit den Standpunkt ein, dem Kläger könne
ein Schaden aus Erwerbsausfall überhaupt nur entstanden sein, wenn und weil er
mit der Vortäuschung von gesundheitlichen Störungen auf die Erzielung von ent-
sprechendem Erwerbseinkommen verzichtet habe, also willentlich und wissentlich
und insoweit absichtlich. Zusätzlicher expliziter und insoweit "substanzierter" Ein-
wendungen zur Verletzung der Obliegenheit, den Schaden zu mindern, bedurfte
es bei diesem klaren und unübersehbaren Standpunkt nicht, weshalb das Be-
zirksgericht zu Recht auch diesen Aspekt in die Schadensberechnung miteinbe-
zogen hat. Wie vorhin gesehen, war der Kläger im Übrigen schon bald in der La-
ge, für die A'._ Informatik AG tätig zu werden und wurde er auch tätig. Zu
Recht hat das Bezirksgericht daher im Rahmen der Schadensberechnung darauf
verwiesen, der Kläger habe auf Prot. S. 123 selbst eingeräumt, sich in den Ge-
schäftsjahren 1993/94 und 1995 Löhne zwischen rund Fr. 60'000.- und ca.
Fr. 120'000.- ausbezahlt zu haben; das sei zudem aus der eingereichten Buchhal-
tung teilweise ersichtlich (vgl. act. 791 S. 153). Soweit dem Kläger höhere oder
wenigstens gleich hohe Einkünfte aufgerechnet würden, sei den in dieser Zeit-
spanne konkret aus dem Betrieb bezogenen Geldern nicht mehr im Einzelnen
nachzugehen (vgl. a.a.O., S. 154). Mit diesen bezirksgerichtlichen Erwägungen
setzt sich der Kläger nicht näher auseinander; er zeigt insbesondere nicht auf,
was an ihnen falsch sein sollte (vgl. act. 789 S. 116 ff.), und es ist das auch nicht
ersichtlich. Die Aussagen des Zeugen AJ._, der für die A'._ Informatik
AG vorübergehend vor allem Büroarbeiten verrichtete, zeigen zudem anschaulich,
dass der Kläger für die A'._ Informatik AG arbeitete (vgl. act. 654/4 S. 6: der
Kläger war zeitweise da, aber nicht immer; er hat manchmal kurz reingeschaut
und war dann wieder weg; ich habe auch mehrheitlich bei ihm zu Hause gearbei-
tet, wo er sein Büro hatte). Eine verbleibende Restarbeitsfähigkeit hatte er daher
gar nicht auf dem Arbeitsmarkt nicht zu verwerten, sondern in der A'._ Infor-
matik AG verwertet.
Anders als die Beklagte teilweise geltend macht (vgl. act. 810 S. 54), hat
AJ._ gemäss seiner Zeugenaussage, auf die abzustellen ist, keine wesentli-
chen umsatzfördernden Tätigkeiten für die A'._ Informatik AG ausgeübt,
- 68 -
sondern für den damals noch beschränkt arbeitsfähigen Kläger vor allem bei die-
sem zu Hause (wie eben erwähnt) Büroangelegenheiten besorgt (vgl. auch
act. 654/4, S. 5: arbeitete hauptsächlich im Büro; leistete einfache Unterstützung
in Büroangelegenheiten und anderen die Firma betreffenden Angelegenheiten;
Aufgaben in der Buchhaltung erledigt und Rechnungen geschrieben). Anders als
U._ bzw. U'._, der auf selbständiger Erwerbsbasis für die A'._ In-
formatik AG sog. Fremdarbeiten leistete, war AJ._ angestellt und erhielt ei-
nen Lohn, der in den Büchern der A'._ Informatik AG allerdings nicht ver-
zeichnet ist (vgl. act. 699 S. 7 Rz. 26), aber über den Kläger tatsächlich geleistet
wurde (das individuelle Konto von AJ._ bei der kantonalen Ausgleichskasse
zeigt die tatsächliche Leistung). Den entsprechenden tatsächlichen Mehraufwand,
der durch den vorübergehenden Beizug von AJ._ entstand, erachtete das
gerichtlich eingeholte Gutachten in dem vom Bezirksgericht veranschlagten Um-
fang als gerechtfertigt (vgl. act. 699 S. 10 Rz. 36 und act. 731 S. 8 Rz. 27). Durch
den Ersatz dieser Position ist der Kläger weder überentschädigt (vgl. auch
act. 810 S. 49) noch unterentschädigt. Es werden die von ihm erlittene Einbusse
insgesamt und ungeschmälert (volle Haftung der Beklagten, ohne Reduktion ge-
mäss Art. 44 OR) gedeckt, weshalb sich – worauf das Bezirksgericht schon ver-
wiesen hat und ebenso die Beklagte verweist (vgl. act. 810 S. 10) – die Frage des
Quotenvorrangs nicht stellt.
7.3.3 Auch sonst ist nichts ersichtlich, was im Ergebnis etwas an der Schadens-
berechnung des Bezirksgerichts zum sog. Personenschaden zu ändern vermöch-
te.
Die bezirksgerichtlichen Erwägungen zur Schadenersatzbemessung (vgl.
act. 791 S. 163) erweisen sich als zutreffend, weshalb darauf verwiesen werden
kann. Und es bleibt hinsichtlich des sog. Personenschadens beim angefochtenen
Entscheid.
Das Bezirksgericht hat auf dem Ersatz des sog. Personenschadens den
Zins zu 5 % ab dem 18. April 1994 zugesprochen und dabei im Wesentlichen er-
wogen, der Kläger habe Verzinsung ab dem mittleren Verfall beantragt; rund zwei
Drittel des Erwerbsausfalls sei indes vor dem Eintritt des mittleren Verfalls einge-
treten, was es mit Blick auf die kontinuierliche Zunahme der Erwerbsfähigkeit des
- 69 -
Klägers rechtfertige, den Zinsenlauf auf dem Personenschaden von insgesamt
Fr. 142'838.- mit dem 18. April 1994 beginnen zu lassen (vgl. act. 791 S. 164).
Der Kläger hat sich in der Berufungsschrift mit diesem Gesichtspunkt nicht
näher befasst. Die Beklagte beanstandet in der Anschlussberufung die bezirksge-
richtliche Auffassung unter zwei Punkten. Sie macht im Wesentlichen geltend (vgl.
act. 810 S. 55), der vom Bezirksgericht unter dem Titel Personenschaden zuge-
sprochene Ersatz umfasse zwei Posten, nämlich den eigentlichen Erwerbsausfall
(der sich auf insgesamt Fr. 98'618.- beläuft) sowie die Abgeltung des Mehrauf-
wands für AJ._ (Fr. 44'220.-); der Einsatz von AJ._ habe sodann vom
August bis Dezember 1994 gedauert. Dieser Einwand trifft zu. Das Bezirksgericht
hat das offensichtlich übersehen, wenn es festhält, rund zwei Drittel des Scha-
dens seien dem Kläger vor dem mittleren Verfall entstanden (und es kann offen
gelassen werden, was es damit genau meine). Der Kläger hat diese Beanstan-
dungen der Beklagten in seiner Antwort auf die Anschlussberufung denn auch
nicht in Abrede gestellt (vgl. act. 816, dort insbes. S. 16 f.); ebenfalls unbean-
standet gelassen hat er die Darstellung der Beklagten in der Anschlussberufung,
der mittlere Verfalltag beim Schadensposten des Aufwands für AJ._ sei der
15. Oktober 1994 und liege hinsichtlich des zweiten Postens auf dem 5. Juni 1994
(vgl. act. 810 S. 55).
8. Der Kläger verlangte neben dem Ersatz des sog. Personenschadens im be-
zirksgerichtlichen Verfahren auch den Ersatz von Sachschaden und weiteren
Schadens, namentlich der Kosten vorprozessualen Aufwands (Anwalts- und Ex-
pertenkosten). Darauf wurde einleitend bereits hingewiesen (vgl. Erw. I/1.3.3 und
Erw. II/2.1).
8.1 Den Sachschaden, den er beim Unfall bzw. durch den Unfall erlitten haben
will, sowie den weiteren aufgrund des Unfalls erlitten Schaden (ohne vorpro-
zessualen Aufwand) hat der Kläger zunächst in der Klagebegründung dargelegt
(vgl. act. 2 S. 31 f.), danach in der Replikschrift und schliesslich in der Stellung-
nahme zum Beweisergebnis ergänzt bzw. erweitert (vgl. act. 53 S. 51 f. sowie
act. 745 S. 125).
- 70 -
8.1.1 Es geht um folgende Posten, die auch Gegenstand des Beweisverfahrens
waren, das das Bezirksgericht durchgeführt hat (vgl. dazu die Beweisbeschlüsse
vom 9. Juli 2012 [act. 604] und vom 19. Dezember 2012 [act. 624] in Vi-Prot.
S. 128 f. und S. 155 ff.):
- Kosten von Fr. 1'800.- bzw. Fr. 1'850.- für die Reparatur einer IWC-Uhr "Da Vinci", die beim Unfall beschädigt worden sei (vgl. act. 2 S. 31);
- Ersatz für drei beim Unfall durch verschiedene physikalische Stosseinwirkungen  gewordene elektronische Geräte, die sich im Fahrzeug befunden hatten, als da sind (vgl. act. 2 S. 31/32)
- ein Panasonic Notebook C408 im Wert von ca. Fr. 5'500.- (Bildschirm wurde ),
- ein IBM Infowindow 2 im Wert von ca. Fr. 2'500.- sowie
- eine PC-Steuereinheit mit Pentium-Prozessor ohne Tastatur und Bildschirm im Wert von ca. Fr. 10'000.-;
- Koffer, dessen oberes Fach durch den nach vorne fliegenden Bildschirm des  ausgerissen wurde, im Wert von Fr. 1'139.- (vgl. act. 2 S. 32 und act. 53 S. 51);
- Füllfeder, die "durch den erwähnten Bildschirm in der Mitte gebrochen" wurde, wobei Tinte auslief, im Wert von Fr. 2'800.- (vgl. act. 2 S. 32 und act. 53 S. 51),
- verschiedene weitere Gegenstände wie Disketten, Timesystem, Ledereinband,  Notebook im Neuwert von ca. Fr. 1'000.- (vgl. act. 2 S. 32);
- Reparaturkosten von Fr. 666.50 bzw. von Fr. 669.- für die beim Unfall beschädigte Nikon F4 Kamera (vgl. act. 53 S. 51 und act. 745 S. 125);
- Kosten des Ersatzes eines beim Unfall unbrauchbar gewordenen  von Fr. 1'530.- (act. 53 S. 52),
- Selbstbehalt aus Kaskoversicherung (AB._ von Fr. 1'000.- gemäss Erinnerung des Klägers (a.a.O.);
- Kosten eines Mietwagens für 14 Tage von Fr. 2'212.- als temporärer Ersatz des beim Unfall beschädigten Opel Frontera, der nicht mehr repariert werden konnte (vgl. a.a.O.).
8.1.2 Das Bezirksgericht hat im angefochtenen Urteil eine "Sachbeschädigung in-
folge des Unfalles nur bezüglich" der IWC-Uhr, der Nikon F4 Kamera und des
Autotelefons Panasonic als erwiesen betrachtet (vgl. act. 791 S. 158). Die Erwä-
gungen, die es zu diesem Ergebnis führte, finden sich im Wesentlichen auf den
S. 73 ff. (zum Unfall bzw. zur Beschädigung), S. 111 (zum natürlichen Kausalzu-
sammenhang), S. 112 f. (zur Adäquanz), S. 117 (Würdigung) und S. 157 f. des
angefochtenen Urteils. Als ausgewiesen betrachtet hat das Bezirksgericht auf-
- 71 -
grund der zum Beweis eingereichten Rechnungen (act. 3/38, act. 5/66-67) die
Reparaturkosten für die Uhr von Fr. 1'850.-, die Reparaturkosten für die Nikon-
Kamera von Fr. 666.50 sowie den Rechnungsbetrag für die Wiederanschaffung
des Autotelefons über Fr. 1'530.-. Gründe, diesen erstellten Schaden im Rahmen
der Schadenersatzbemessung zu reduzieren, erkannte das Bezirksgericht keine
(vgl. act. 791 S. 163), weshalb es die Beklagte verpflichtete, dem Kläger den
Schaden von (gerundet) Fr. 4'067.- zu ersetzen zuzüglich 5 % Schadenszins seit
dem 18. Oktober 1993 (vgl. a.a.O., S. 158 und S. 164 f.).
Der Kläger nimmt sich dem Thema Sachschaden in seiner Berufungsschrift
(act. 789) nicht näher an. Im Wesentlichen wiederholt er zum einen (vgl. act. 789
S. 105-107 und S. 113) wörtlich, was er bereits in act. 745 vorgetragen hat (dort
Rz. 308-310 und Rz. 323), und bringt zum anderen noch eine Anmerkung an (vgl.
act. 789 S. 113, dort Rz. 113), die sich mit dem angefochtenen Urteil, soweit es
darin um den vom Kläger geltend gemachten Sachschaden geht, nicht befasst.
Mit den diversen Erwägungen des Bezirksgerichts zum Sachschaden, die das
Bezirksgericht zum eben vorgestellten Ergebnis führten, geht er hingegen nir-
gends näher ein, zeigt also namentlich nicht auf, inwieweit diese Erwägungen im
Einzelnen und insgesamt nach seiner Auffassung unzutreffend sind. Die Berufung
erweist sich daher insoweit als unbegründet (vgl. vorn Erw. II/1.21. und II/1.3.1).
In der Antwort auf die Anschlussberufung (act. 816) befasst sich der Kläger, um
das ebenfalls schon an dieser Stelle zu erwähnen, weder mit dem Thema des
Sachschadens und dem deswegen verlangten Ersatz noch mit dem Thema weite-
ren Schadens und dessen Ersatzes.
Die Beklagte bestreitet in der Anschlussberufung die geltend gemachten
Sachschäden weiterhin (vgl. act. 810 S. 49 f.). Sie beanstandet unter Hinweis auf
ihre Ausführungen in der Klageantwort (act. 12, dort. S. 85 f.) und in der Duplik
(act. 62 S. 41 f.), die klägerische Verluste eines Panasonic-Handys und von Uh-
ren durch Diebstahl thematisieren, darunter eine IWC-Uhr "Da Vinci" (vgl. act. 12,
S. 85 f., mit Verweis auf 13/6-7), die Würdigung des Bezirksgerichtes, die Sach-
schäden seien erwiesen und deren Ersatzkosten durch Rechnungen belegt. Das
Bezirksgericht habe – so die Beklagte heute – die zum Beweis der Kosten der
Reparaturen usw. "eingereichten Belege im Hinblick auf die angeschlagene
- 72 -
Glaubwürdigkeit des Klägers ... nur unzureichend" hinterfragt (vgl. act. 810 S. 49).
Die Daten der jeweiligen Belege liessen nicht schlüssig beurteilen, ob die Schä-
den bzw. Reparaturen auf das Unfallereignis zurückzuführen seien. Hinzu kom-
me, dass im Polizeirapport vom 18. Oktober 1993 nichts dergleichen aufgeführt
sei (vgl. a.a.O., S. 49/50).
8.1.3 Die Beklagte hat schon im bezirksgerichtlichen Verfahren (vgl. act. 12
S. 85 f., act. 62 S. 41 f.) auf die von ihr in Frage gestellte Glaubwürdigkeit des
Klägers verwiesen, u.a. mit Hinweisen auf Strafanzeigen, einen strikten Beweis
gefordert, sich aber im Übrigen mit einer pauschalen Bestreitung begnügt (vgl.
act. 12 S. 85: "Die Beklagte bestreitet sämtliche Sachschäden"). Im bezirksge-
richtlichen Beweisverfahren hat sie als Beweismittel zu den hier interessierenden
Themen Strafanzeigen Dritter angerufen sowie ein Urteil des Obergerichts Ob-
walden, einen Strafbefehl des Verhöramtes Obwalden und einen Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts. Die letzten drei Beweismittel befassen
sich überhaupt nicht mit Sachschäden, geschweige denn am 18. Oktober 1993
entstandenen (vgl. act. 614/1-2 sowie act. 88). Die ersten zwei Beweismittel be-
fassen sich zwar mit Sachen, aber nicht im Zusammenhang mit dem Unfall vom
18. Oktober 1993, sondern im Zusammenhang mit Schadenmeldungen des Klä-
gers an Versicherungen wegen Diebstählen, von denen der Kläger – z.T. auch
wegen Uhren – zwischen dem 12. Oktober 1992 und dem 27. Juli 1993 doch
recht gehäuft betroffen war (vgl. act. 13/6; im Beweisabnahmebeschluss als
act. 12/6 bezeichnet), sowie im Zusammenhang mit einem Diebstahl vom 9. März
1995, von dem der Kläger bzw. dessen Uhr im Paraplegikerzentrum Nottwil be-
troffen worden sein soll (vgl. act. 13/7, im Beweisabnahmebeschluss als act. 12/6
bezeichnet). Den Polizeirapport hat die Beklagte hingegen nicht als Beweismittel
angerufen (vgl. act. 612 S. 7), wiewohl sie das offensichtlich ohne Weiteres ge-
konnt hätte, und der Polizeirapport wurde daher vom Bezirksgericht richtigerweise
nicht als Beweismittel abgenommen (vgl. Vi-Prot. S. 155 f. [IWC-Uhr], S. 160 f.
[Kamera] und S. 161 [Autotelefon]). Will sich die Beklagte heute auf den Polizei-
rapport abstützen, bleibt ihr das gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO verwehrt (und es ist
müssig darauf hinzuweisen, dass der Kläger zu den hier interessierenden Be-
weissätzen den Polizeirapport im bezirksgerichtlichen Verfahren auch nicht als
- 73 -
Beweismittel angerufen hat, weshalb dessen entsprechende Abnahme als Be-
weismittel zu den hier interessierenden drei Sachschäden korrekterweise unter-
blieb).
Die Beklagte behauptet heute (also im Berufungsverfahren) sodann nicht,
sie habe im bezirksgerichtlichen Verfahren bei ihrer Bestreitung geltend gemacht,
der Kläger sei am 18. Oktober 1993 weder im Besitz einer IWC-Uhr noch der
Kamera noch des Autotelefons gewesen und habe diese Gegenstände am
18. Oktober 1993 nicht mit sich in seinem Fahrzeug mitgeführt; und sie behauptet
das mit Fug nicht (vgl. act. 12 S. 85 f., act. 62 S. 41 f. und dazu auch act. 791
S. 73 ff.). Sie macht heute richtigerweise ebenso wenig geltend, es sei die be-
zirksgerichtliche Feststellung falsch, sie habe den natürlichen Kausalzusammen-
hang zwischen dem Unfall als schädigendem Ereignis und den vom Kläger gel-
tend gemachten Beschädigungen des Autotelefons, der Uhr und der Kamera kon-
kret nicht bestritten (vgl. act. 791 S. 111). Und sie macht heute schliesslich – wie-
derum doch zu Recht – nicht geltend, sie habe im bezirksgerichtlichen Verfahren
eine entsprechende konkrete Bestreitung zum natürlichen Kausalzusammenhang
nicht vorbringen können. Hat sie aber im bezirksgerichtlichen Verfahren nicht
konkret bestritten, obwohl sie das offensichtlich unschwer gekonnt hätte, ist dieser
Sachverhaltskomplex letztlich unbestritten geblieben, bestehen jedenfalls keine
begründeten Zweifel, die in einer entsprechenden Sachverhaltsdarstellung der
Beklagten eine Stütze fänden. Es bleibt daher heute (vgl. Art. 317 Abs. 1 ZPO)
auch insoweit beim bezirksgerichtlichen Ergebnis (vgl. auch act. 791 S. 117). Er-
gänzend bleibt diesem beizufügen, dass die Kollisionen, die sich während des
Unfalls am 18. Oktober 1993 ereigneten, unbestrittenermassen u.a. zu Kontusio-
nen beim Kläger führten, darunter eine Kontusion am linken Arm.
Die Beklagte behauptet heute endlich nicht, die vom Kläger zum Beleg des
Schadensumfangs eingereichten Rechnungen seien fingiert (oder letztlich gar ge-
fälscht), und sie behauptet richtigerweise ebenso wenig, sie habe schon im be-
zirksgerichtlichen Verfahren Anhaltspunkte dafür vorgetragen, dass die Rechnun-
gen fingiert seien usf. Dergleichen zeigt sich zudem nicht. Es hat daher selbst un-
ter diesem Gesichtspunkt beim bezirksgerichtlichen Ergebnis zu bleiben und so-
mit insgesamt.
- 74 -
8.2 Der Kläger hat als weiteren Schaden vorprozessuale Anwaltskosten in der
Höhe von Fr. 175'440.- geltend gemacht (vgl. act. 2 S. 33 f. und dazu act. 3/40,
ferner act. 53 S. 51 f.), die entstanden seien in den fünfeinhalb Jahren vor der
"Friedensrichtereinleitung" (vgl. act. 2 S. 33). Die Beklagte hat auch diesen Scha-
densposten bestritten. Das Bezirksgericht hat sich einlässlich und grundsätzlich
zutreffend mit dem Schadensposten auseinandergesetzt (vgl. act. 791 S. 158 ff.)
und einen Ersatz des damit geltend gemachten Schadens verworfen. Zutreffend
hat das Bezirksgericht dabei vermerkt, dass der als Schaden geltend gemachte
anwaltliche Aufwand pauschaliert ist und der Kläger die behaupteten anwaltlichen
Aufwendungen, die sich gemäss einer Rechnung seines damaligen Rechtsvertre-
ters auf "Bemühungen i.S. Eidg. Invalidenversicherung, V._ Versicherungen,
W._ AG, AA._ Versicherungen, AB._" (act. 3/40) beziehen, in kei-
ner Weise substanziert hat (vgl. a.a.O., S. 161 f.). Zur Vermeidung von Wiederho-
lungen kann auf die Ausführungen ab S. 158 des angefochtenen Urteils verwie-
sen werden.
Der Kläger hält in der Berufung selbst fest, sein damaliger Rechtsvertreter
habe den Aufwand nicht detailliert dargetan und heute (also im Berufungsverfah-
ren) könne der detaillierte Nachweis nicht mehr erbracht werden (vgl. act. 789
S. 113). Letzteres trifft ebenso zu (vgl. Art. 317 Abs. 1 ZPO) wie ersteres, das ein
prozessuales Versäumnis des Klägers bezeichnet. Macht der Kläger heute gleich-
wohl geltend, es sei "weder rechtens noch sachgerecht, dass die Vorinstanz kei-
ne vor- oder ausserprozessualen Anwaltskosten" zulasse (act. 789 S. 113), so
geht das an der Sache ebenso vorbei (vgl. auch Urteil 4A_127/2011 vom 12. Juli
2011, dort E.12.2: "steht dem ... entgegen, dass sie ... die von ihrem Rechtsvertreter
getätigten Aufwendungen ohnehin nicht hinreichend substanziiert hat ...") wie die weite-
re Auffassung des Klägers, seine prozessuale Nachlässigkeit sei durch eine ge-
richtliche Schadensschätzung zu ersetzen, die sich sodann auf wenigstens
Fr. 50'000.- belaufen müsse (vgl. a.a.O., S. 113 f.). Es bleibt daher auch in die-
sem Punkt beim angefochtenen Urteil.
Ergänzend anzumerken ist immerhin noch, dass der heutige Rechtsvertreter
des Klägers mit seiner Auffassung, es sei Schaden und damit anwaltliches Hono-
rar zu schätzen, damit gewissermassen in die Fussstapfen seines Vorgängers
- 75 -
tritt, der anstelle einer Substanzierung des Schadens, der in seiner Honorarforde-
rung gemäss act. 3/40 bestanden haben soll, für dessen Nachweis eine "Exper-
tise über die Berechtigung der Honorarrechnung" (vgl. act. 2 S. 35) offeriert hatte.
Letzteres ist nicht nur erstaunlich, sondern befremdet, weil ein Anwalt sowohl auf-
grund der ihn treffenden Sorgfaltspflichten als auch aufgrund der Rechenschafts-
pflicht gegenüber seinem Klienten (vgl. Art. 400 Abs. 1 OR) wissen muss, wofür
er welche Bemühungen wann erbracht hat. Eine sachgerechte Substanzierung
muss für ihn daher jederzeit möglich sein und ist selbstredend zumutbar. Der Klä-
ger hat durch seinen damaligen Rechtsvertreter anerkanntermassen (vgl. act. 789
S. 113) die vorprozessualen Anwaltskosten nicht detailliert, namentlich weder
dargetan, welche anwaltlichen Aufwendungen wofür erbracht wurden, noch hat er
dargetan, inwieweit welche anwaltlichen Bemühungen zur Durchsetzung des im
vorliegenden Prozess zu beurteilenden Anspruchs notwendig waren bzw. gewe-
sen sein können, noch hat er dargetan, inwieweit die anwaltlichen Bemühungen
keinem durch eine Parteientschädigung gemäss der einschlägigen Anwaltsgebüh-
renverordnung vom 21. Juni 2006 gedeckten Aufwand galten, wie bereits das Be-
zirksgericht richtig vermerkte (vgl. act. 791 S. 161 f.). Und es bleibt demnach wei-
terhin letztlich ein Rätsel, gestützt worauf denn eine Schätzung des Schadens
überhaupt erfolgen könnte.
8.3 Der Kläger hat unter dem Titel weiteren Schadens den Ersatz der Kosten für
zwei vorprozessual von ihm eingeholte Expertisen im Betrag von rund Fr. 23'560.-
gefordert, nämlich für die Expertise von AG._ zum Erwerbsschaden und für
die Unfallanalyse der Dr. AD._ AG.
8.3.1 Das Bezirksgericht hat unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtspre-
chung zutreffend die Voraussetzungen dargelegt, unter denen Kosten für vorpro-
zessuale Expertisen als weiterer Schaden zu ersetzen sind. Es kann vorab darauf
verwiesen werden (vgl. act. 791 S. 159 f.). Die Ersatzfähigkeit von vorprozessua-
len Expertisekosten ist – analog zu anderen vorprozessualen Kosten (vgl. auch
BGE 117 II 106: "Fra queste vi sono anche – in quanto sono giustificate e nessearie – le
spese di perizia") – richtigerweise dann zu bejahen, wenn sie direkt der Durchset-
zung der Schadenersatzforderung dienten, wozu insbesondere auch die Ermitt-
- 76 -
lung des Schadens zählt, sie also notwendig und zudem angemessen waren und
nicht bereits durch eine nach kantonalem Prozessrecht zuzusprechende Partei-
entschädigung gedeckt sind.
Das Bezirksgericht hat bei beiden Gutachten diese Voraussetzungen für er-
füllt betrachtet. In seinem Urteil hielt es u.a. fest (vgl. a.a.O., S. 162 f.), Kosten
privater Expertisen würden unter dem Regime der zürcherischen Zivilprozessord-
nung nicht unter dem Titel der Prozessentschädigung vergütet. Der Expertenbe-
richt von AG._ habe dem Kläger zur Substanzierung der Schadensbehaup-
tungen gedient, sei aus seiner Sicht insoweit notwendig gewesen; der Bericht ha-
be zudem wichtige Anhaltspunkte zur Schadensberechnung geliefert, auch wenn
AG._ letztlich nicht habe gefolgt werden können; die Beklagte habe im Rah-
men der vorprozessualen Schadensregulierung im Übrigen auch an einem ent-
sprechenden Gutachten bzw. Bericht Interesse gehabt. Die Unfallanalyse habe zu
substanziellen Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Unfalldynamik geführt, die
es gestattet hätten, die gerichtliche Expertise in wichtigen Punkt zu ergänzen, und
sei geeignet gewesen, massgeblich zur Klärung der Ersatzansprüche des Klägers
beizutragen. Für weitere Einzelheiten kann auf die entsprechenden Erwägungen
im angefochtenen Urteil verwiesen werden.
Die Beklagte rügt das in ihrer Anschlussberufung unter der Ziffer 4.2 (vgl.
act. 810 S. 54 f.). Sie verweist dabei vorab (vgl. a.a.O., S. 55) auf ihre schon dem
Bezirksgericht vorgetragene Kritik an den Gutachten, hält weiter fest, das Partei-
gutachten AG._ beruhe weitgehend auf den Angaben des Klägers und habe
nichts zur Urteilsfindung beigetragen. Auch das Gutachten AD._ sei in keiner
Weise beweisgeeignet und daher nicht von ihr zu entschädigen. Der Kläger
äussert sich in der Beantwortung der Anschlussberufung nicht näher dazu (vgl.
act. 816 S. 17, dort "Zur Schadensberechnung / Genugtuung (ad 4.2 u. 4.3)"),
hält anderweitig indessen an der Nützlichkeit der Gutachten fest (vgl. etwa a.a.O.,
S. 13 Rz. 31).
8.3.2 Die Kritik der Beklagten wirft die Frage der Nützlichkeit der Gutachten im
Prozess auf und damit die Frage, inwieweit die Gutachten im Prozess, von des-
sen Ergebnis her betrachtet, notwendig und sachlich angemessen waren. Nicht
kritisiert werden die übrigen Voraussetzungen, insbesondere dass die Parteient-
- 77 -
schädigungen nach dem Regime der ZPO/ZH keine Abgeltung von vorprozessua-
len Gutachten umfassen, sowie die Angemessenheit der Gutachtenskosten.
Die Sicht, vom Prozessergebnis her die Nützlichkeit und sachliche Ange-
messenheit eines vorprozessual eingeholten Gutachtens zu betrachten, ginge
dann an, wenn Gutachtenskosten analog einer Prozessentschädigung abzugelten
wären. Indes handelt es sich bei diesen Kosten um einen Schadensposten, der
wie jeder andere Schaden zu berechnen und danach allenfalls nach den Grund-
sätzen der Schadensbemessung herabzusetzen ist (vgl. BGE 113 II 323 E. 7 [un-
terliegt als Schadensposten der allgemeinen Herabsetzung]; vgl. etwa die Urteile
4C.51/2000 vom 7. August 2000 und 4C.303/2004 vom 19. August 2008, E. 6.1).
Die vom Kläger verauslagten Kosten für die Gutachten sind also Schaden, sofern
die Gutachten im Zeitpunkt, in dem sie veranlasst bzw. eingeholt wurden, im Hin-
blick auf die Schadenersatzklage an das Bezirksgericht und da insbesondere für
die Schadensbestimmung notwendig und sachlich angemessen waren. Das trifft
bei beiden Gutachten zu.
Das Gutachten AD._ verhalf dem Kläger vor dem Prozess, das Unfall-
ereignis besser zu verstehen, auch wenn der Gutachter nicht über alle Informatio-
nen verfügte wie später die gerichtlich bestellten Gutachter. Es wurde zudem
nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten erstellt, was sich dann im bezirksge-
richtlichen Verfahren, in dem der Gutachter zudem als Zeuge einvernommen
wurde, ebenso zeigte wie im Berufungsverfahren (vgl. vorn Erw. II/6.2.3). Das Be-
zirksgericht hat das der Sache nach zutreffend vermerkt, und es kann ergänzend
auf seine zutreffenden Erwägungen zum Gutachten AD._ im angefochtenen
Urteil verwiesen werden. Das Gutachten AD._ kann somit unter dem Ge-
sichtspunkt der Prozessvorbereitung alles andere als unnötig bezeichnet werden
und ebenso wenig als sachlich unangemessen.
Das Gutachten AG._ bezweckte, dem Kläger vor dem Prozess bei der
Bestimmung des (Erwerbs-)Schadens zu helfen. Es wurde von einem als Zeugen
einvernommenen Fachmann erstellt, der sich einer gängigen Methode bediente.
Dass es in den Ergebnissen wegen der ausschliesslichen Instruktion durch den
Kläger bzw. dessen Rechtsvertreter (vgl. dazu vorn Erw. II/7.2.1 zur Aussage von
AG._ als Zeuge) fehlerhaft ausfiel, ändert daran nichts, sondern liegt, wie bei
- 78 -
Parteigutachten üblich, sozusagen in der Natur der Sache. Jedenfalls kann von
daher nicht gesagt werden, das Gutachten sei nutzlos gewesen (vgl. auch vorn
Erw. II/7.2.2), gölte das sonst grundsätzlich für jedes vorprozessual veranlasste
Gutachten; letzteres wiederum behauptet auch die Beklagte nicht, zog sie doch
selbst einen Dritten bei (AH._). Das Bezirksgericht hat das der Sache nach
ebenfalls zutreffend vermerkt, weshalb ergänzend auf seine Erwägungen zum
Gutachten AG._ verwiesen werden kann. War das Gutachten AG._
aber – wenn im Ergebnis des Prozesses auch nur in Grenzen – nutzbringend, so
verbietet sich richtigerweise die Wertung, es sei von vornherein nutzlos gewesen,
also unnötig und ebenso sachlich unangemessen. Die mit ihm verbundenen Kos-
ten wären im Übrigen selbst dann angefallen, wenn die Instruktion des Gutachters
AG._ breiter abgestützt gewesen wäre. Von daher ist kein Grund ersichtlich,
der eine Herabsetzung der Kosten im Rahmen der Schadensbemessung verlan-
gen würde, insbesondere kein Verschulden des Klägers an den Schaden bilden-
den Kosten des Gutachtens; weitere Herabsetzungsgründe sind ebenfalls nicht
auszumachen. Die Beklagte bringt zum Gesichtspunkt der Bemessung im Beru-
fungsverfahren denn auch weder zum Gutachten AG._ noch zum Gutachten
AD._ etwas von Belang vor.
Es bleibt somit ebenfalls im hier erörterten Punkt insgesamt beim angefoch-
tenen Urteil.
9. - 9.1 Das Bezirksgericht hat dem Kläger eine Genugtuung von Fr. 10'000.- zu-
erkannt und das einlässlich begründet (vgl. act. 791 S. 165-169). Der Kläger setzt
sich damit in seiner Berufung nicht näher auseinander, sondern wiederholt ledig-
lich bereits im bezirksgerichtlichen Verfahren Vorgetragenes, in dem er sich vor
allem darauf abstützt, es habe sich der sog. Alternativsachverhalt verwirklicht (vgl.
act. 789 S. 103-105 und S. 107). Wie gesehen, ist das Bezirksgericht zu Recht
vom Gegenteil ausgegangen: Dass sich der sog. Alternativsachverhalt verwirklicht
hätte, ist unwahrscheinlich (vgl. Erw. II/7.1, a.E.). Die Berufung erweist sich damit
in diesem Punkt als unbegründet, was schon vermerkt wurde (vgl. vorn Erw.
II/1.3.1).
Die Beklagte hält in ihrer Anschlussberufung die Voraussetzungen für die
Zusprechung einer Genugtuung – im Einklang mit ihrem Prozessstandpunkt, der
- 79 -
Kläger habe durch den Unfall vom 18. Oktober 1993 eine Bagatellverletzung erlit-
ten – als nicht erfüllt (vgl. act. 810 S. 56). Eventualiter hält sie die zugesprochene
Genugtuung für übersetzt (vgl. a.a.O., S. 56 und 58). Im Wesentlichen verweist
sie zur Begründung dieses Standpunktes "vorweg auf die weiterführenden Vor-
träge von Hardy Landolt" (a.a.O., S. 57) und danach auf weitere Literatur. Zudem
führt sie aus, die Bemessung der Genugtuung hänge von etlichen Faktoren ab.
Das Unfallereignis sei dabei nicht als ausschlaggebendes Kriterium anzuführen
(vgl. a.a.O.). Endlich listet sie auf, was der Kläger im Zusammenhang mit dem
Unfall nicht erlitten hat bzw. welche Unfallfolgen den Kläger nicht trafen, legt Wert
auf die Feststellung, weder sie noch der Haftpflichtige hätten durch ihr Verhalten
mit unangemessener Härte das Schicksal des Klägers erschwert, und hält dafür,
das alles habe sich genugtuungsmindernd auszuwirken (vgl. a.a.O., S. 57 f.).
9.2 Die Zusprechung einer Genugtuung richtet sich gemäss Art. 62 Abs. 1 SVG
nach den Grundsätzen des Obligationenrechts. Es gelten daher die Vorausset-
zungen, an die der Art. 47 OR die Zusprechung einer Genugtuung anknüpft, so-
wie die dazu entwickelten Grundsätze. Es geht um die Wiedergutmachung der
immateriellen Unbill, die ein am Körper Verletzter erlitten hat, wobei diese eine
gewisse Schwere aufweist und anders noch nicht abgegolten ist. Die weiteren all-
gemeinen Voraussetzungen der Zusprechung einer Genugtuung entsprechen de-
nen des Art. 61 Abs. 1 SVG bzw. des Art. 41 OR. Es sind das: Widerrechtlichkeit
der Verletzung, Kausalzusammenhang und (gemäss Art. 61 Abs. 1 SVG) Ver-
schulden. Die allgemeinen Voraussetzungen sind vorliegendenfalls erfüllt: Der
Kläger erlitt beim Unfall am 18. Oktober 1993 eine Körperverletzung und dadurch
hervorgerufene gesundheitliche Beeinträchtigungen; am Unfall war der Kläger
schuldlos; Schuld trifft hingegen K._, für dessen Verhalten die Beklagte als
Versicherer einzustehen hat.
Zu prüfen bleibt daher im Wesentlichen noch, ob der Kläger durch den Unfall
bzw. die durch diesen bewirkte Körperverletzung und die damit einhergehenden
gesundheitlichen Beeinträchtigungen eine erhebliche immaterielle Unbill erlitten
hat. Das Bezirksgericht hat sich mit den hierfür massgeblichen Gesichtspunkten
auf den S. 166-169 seines Urteils (act. 791) einlässlich und grundsätzlich zutref-
fend auseinander gesetzt. Richtig hat es auf die bundesgerichtliche Praxis zu Fäl-
- 80 -
len hingewiesen, in denen die Körperverletzung in einem eher leichten HWS-
Schleudertraumata bestand, das aufgrund der damit einhergehenden gesundheit-
lichen Beeinträchtigungen insgesamt nicht mehr als leicht gewichtet wurde und
zur Zusprechung einer Genugtuung führte (vgl. a.a.O., S. 167). Darauf kann vorab
verwiesen werden, verbunden mit dem Bemerken, dass die Beklagte das in ihrer
Kritik am vorinstanzlichen Urteil schlicht übergeht. Der Kläger hat sodann – wie
gesehen – ein solches Trauma erlitten. Die dadurch verursachten gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen schränkten seine Arbeitsfähigkeit während zweier Jahre
ein, vor allem während des ersten Jahres sehr erheblich. Anfänglich bestand wäh-
rend Monaten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, nach sechs Monaten noch eine
von 75 %. Auch zu Beginn des zweiten Jahres nach dem Unfall lag die unfallbe-
dingte Arbeitsunfähigkeit zunächst noch bei 50 %. Die unfallbedingten Beschwer-
den und die damit einhergehenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit klangen
vollständig erst gegen das Ende des zweiten Jahres nach dem Unfall ab. Das ist
alles andere als eine Bagatelle, wie es die Beklagte darzutun versucht, indem sie
diesen Sachverhalt einfach übergeht. Ihre Kritik am bezirksgerichtlichen Urteil er-
weist sich deshalb insoweit schlicht als unbegründet.
Richtig hat das Bezirksgericht neben anderem auf die subjektive Eindrück-
lichkeit des Unfallgeschehens hingewiesen. Weshalb dieser Gesichtspunkt be-
langlos sein sollte, vermag die Beklagte nicht stichhaltig darzutun. Auch sonst hat
das Bezirksgericht die massgeblichen Gesichtspunkte berücksichtigt, namentlich
etwa, dass der Beklagten kein Vorwurf daraus gemacht werden kann, weil sie le-
diglich ihre prozessualen Rechte gewahrt hat. Hebt die Beklagte in ihrer An-
schlussberufung das gleichwohl hervor, übergeht sie erneut einfach die bezirks-
gerichtliche Begründung zur Bemessung der Genugtuung. Dieser Begründung
vermag die Beklagte in ihrer Anschlussberufung auch sonst nichts entgegenzu-
setzen, was eine andere Sicht bzw. eine Reduktion der Genugtuung zu rechtferti-
gen vermöchte. Ergänzend zum hier Ausgeführten kann daher insgesamt auf die
Erwägungen auf den S. 166 ff. des angefochtenen Urteil verwiesen werden.
9.3 Im Ergebnis erweisen sich somit in diesem Punkt sowohl die Berufung als
auch die Anschlussberufung insgesamt als unbegründet. Gesamthaft führt das
zur Abweisung der Berufung. Die Anschlussberufung ist hinsichtlich des Zinsen-
- 81 -
laufes beim Personenschaden gutzuheissen (vgl. vorn Erw. II/7.3.3), im Übrigen
aber ebenfalls abzuweisen.
III. (Kosten- und Entschädigungsfolgen)
1. Der Kläger hat mit der Berufung die Gutheissung seiner Klage beantragt, die
Beklagte mit der Anschlussberufung die Abweisung der vom Bezirksgericht im
Umfang von rund Fr. 180'000.- zuzüglich Zins teilweise gutgeheissenen Klage.
Die Berufung ist abzuweisen und die Anschlussberufung in Bezug auf das für den
Streitwert massgebliche Rechtsbegehren (vgl. Art. 91 Abs. 1 ZPO) ebenso, was
zu einer entsprechenden Bestätigung des angefochtenen Urteils führt. Zu korrigie-
ren ist das angefochtene Urteil einzig hinsichtlich des Zinsenlaufs beim Perso-
nenschaden, was unter dem Gesichtspunkt von Obsiegen und Unterliegen nicht
ins Gewicht fällt (vgl. wiederum Art. 91 Abs. 1 ZPO). Dieser Verfahrensausgang
ist Ausgangspunkt für die Verlegung der Prozesskosten des erst- und des zweit-
instanzlichen Verfahrens.
2. Der Ausgang des Berufungsverfahrens führt grundsätzlich zur Bestätigung des
erstinstanzlichen Kostendispositivs, das diesen Erwägungen vorangestellt ist und
die Prozesskosten zu 3⁄4 dem Kläger und zu 1⁄4 der Beklagten auferlegt.
2.1 - 2.1.1 Der Kläger macht in seiner Berufungsschrift allerdings eine unzulässi-
ge Verteilung der Prozesskosten durch das Bezirksgericht geltend (vgl. act. 789
S. 120 ff.). Er erwähnt zur Begründung – ganz kurz zusammengefasst – das Ver-
anlassungsprinzip, welches es gestatte, die Kosten gänzlich dem Versicherer auf-
zuerlegen. Er rügt das Verhalten der Beklagten im bezirksgerichtlichen Verfahren
als beispiellosen Prozessaufwand und wirft der Beklagten vor, den Prozess unge-
bührlich verzögert und unzählige Gutachten provoziert zu haben, die nutzlos ge-
wesen seien usf. Weiter hält er dafür, die klageweise geforderte Summe sei nicht
exorbitant gewesen, sondern gerechtfertigt (vgl. a.a.O., S. 125); die Zusprechung
nur eines Bruchteils des Schadens habe ihre Gründe nicht in Fehlern seinerseits,
sondern sei die Folge des – seiner Meinung nach – fehlerhaften medizinischen
Gutachtens und des fehlerhaften bezirksgerichtlichen Urteils (vgl. a.a.O.). Die
- 82 -
Beklagte sei im Übrigen praktisch in allen Standpunkten unterlegen (vgl. a.a.O.,
S. 127). Es gehe auch nicht an, ihm einen Grossteil der Kosten des erstinstanzli-
chen Beweisverfahrens aufzuerlegen, sondern lediglich 1⁄4 der Zeugenkosten so-
wie des medizinischen Gutachtens und höchstens 1⁄4 der Gerichtsgebühren; die
übrigen Kosten seien der Beklagten oder der Gerichtskasse zu belasten. Zudem
habe die Beklagte ihm für das erstinstanzliche Verfahren eine reduzierte Pro-
zessentschädigung im Umfang von Fr. 115'000.- zu bezahlen (vgl. a.a.O.,
S. 127).
Die Beklagte erachtet demgegenüber im Wesentlichen den vom Bezirksge-
richt festgelegten Verteilschlüssel als weitgehendes Entgegenkommen gegenüber
dem Kläger. Der Kläger habe im Quantitativ lediglich zu knapp 2,6 % obsiegt; sei-
ne Hauptargumentation, er leide an einer chronifizierten HWS-Schleuderver-
letzung, sei vom Bezirksgericht zurückgewiesen worden; wenn er da behaupte,
sie – die Beklagte – sei praktisch in allen Standpunkten unterlegen, so sei das ei-
ne krasse Verkennung der Realität. Die Beklagte verwahrt sich sodann dagegen,
im erstinstanzlichen Verfahren anderes getan als ihre Recht gewahrt zu haben;
schliesslich sei sie von Anfang an mit hohen Klageforderungen konfrontiert wor-
den (vgl. act. 810 S. 11).
2.1.2 Das Bezirksgericht hat die Prozesskosten seines Verfahrens gemäss den
massgeblichen kantonalen Bestimmungen (vgl. vorn Erw. II/1.1) festgesetzt und
verlegt (vgl. act. 791 S. 171-174). Es hat dabei abweichend von der Grundregel
des § 64 Abs. 2 ZPO/ZH, welche eine verhältnismässige Verteilung der Gerichts-
und der Parteikosten (vgl. § 68 Abs. 1 ZPO/ZH) nach Obsiegen und Unterliegen
vorsieht, und zwar ausgehend vom Streitwert gemäss klägerischem Rechtsbe-
gehren, mit zutreffender Begründung gestützt auf § 64 Abs. 3 ZPO/ZH eine ab-
weichende Kostenaufteilung vorgenommen. Es berücksichtigte insbesondere,
dass es um einen Haftpflichtprozess ging, in dem auf der einen Seite mit dem
Versicherer ein wirtschaftlich ungleich stärkere Partei vertreten ist als der Kläger,
erachtete den Nachweis der Schadenhöhe nicht als einfach und gewichtete eben-
so, dass der Kläger im Grundsatz der Haftpflichtfrage obsiegt hat, allerdings nicht
in Bezug auf den geltend gemachten Dauerschaden. Weitere Einzelheiten können
dem angefochtenen Entscheid entnommen werden.
- 83 -
Das Bezirksgericht hat in seiner Begründung grundsätzlich alle massgebli-
chen Gesichtspunkte berücksichtigt, darunter auch solche, die der Kläger an-
spricht. Es kann daher vorab auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen
werden. Ergänzend und präzisierend ist anzumerken, dass es die massgeblichen
Gesichtspunkte richtigerweise anders gewichtet als der Kläger. Richtig hat es er-
kannt, dass das Veranlassungsprinzip nicht dazu führen darf, die Grundregel von
Obsiegen und Unterliegen zu unterlaufen. Dass der Kläger in seinem Haupt-
standpunkt des Dauerschadens aufgrund chronifizierter Beschwerden gerade
nicht durchgedrungen ist, hat das Bezirksgericht ebenfalls richtig erkannt. Der
Kläger ist allerdings nicht nur in diesem Punkt nicht durchgedrungen. Gleiches gilt
für mehrere Verletzungen, die er als beim Unfall erlitten behauptet: Er hat kein
Schädel-Hirntrauma erlitten und auch kein HWS-Distorsionstrauma; die Unfall-
analyse hat gezeigt, dass es zu keinem sog. Abknickmechanismus gekommen
war. Ebenso nicht durchgedrungen ist der Kläger – unabhängig von der Frage der
Chronifizierung – bei mehreren von ihm als unfallursächlich behaupteten Be-
schwerden. Und er ist ebenso mit einem Grossteil der behaupteten Sachschäden
sowie den von ihm geltend gemachten weiteren Schadensposten wie z.B. dem
vorprozessualen Aufwand etwa seines Anwalts von über Fr. 175'000.- nicht
durchgedrungen; dieser Aufwand wurde – wie gesehen – nicht einmal substan-
ziert. Insoweit hat er offensichtlich überklagt. Schliesslich ist er auch mit seinem
Genugtuungsanspruch nur beschränkt durchgedrungen. Wenn der Kläger be-
hauptet, die Beklagte sei praktisch in allen Standpunkten unterlegen, geht das
offensichtlich an der Sache vorbei.
Der eben erwähnte anwaltliche Aufwand, den der Kläger behauptete, zeigt
im Übrigen einen zumindest pekuniär grossen vorprozessualen Aufwand; im Ver-
fahren schlug sich das nicht nieder, betrieb der Kläger doch seinerseits ebenfalls
einen erheblichen Aufwand, wie z.B. ein Blick in das Aktenverzeichnis des erstin-
stanzlichen Verfahrens zeigt. In der Replik hat er sodann seiner Personenscha-
denberechnung einen neuen Sachverhalt zugrunde gelegt, alternativ zum Sach-
verhalt und der entsprechenden Personenschadenberechnung in der Klagebe-
gründung. Dass lediglich die Beklagte einen erheblichen Prozessaufwand betrie-
ben hätte, trifft also nicht zu, und es lässt sich ebenso wenig sagen, der von der
- 84 -
Beklagten betriebene Prozessaufwand sei prozessual sachfremd gewesen
und/oder habe das in einem hochstrittigen Prozess übliche Mass überstiegen.
Gewiss hat sie u.a. immer wieder um Fristerstreckungen ersucht, indessen auch
der Kläger (vgl. etwa Vi-Prot. S. 130, S. 131, 165, S. 171, S. 184). Über Gutachter
stritten sich beide (vgl. vorn Erw. I/2.2 mit Verweis auf act. 410 und 419). Unrichtig
ist es zudem, der Beklagten vorzuwerfen, sie habe unzählige Gutachten provo-
ziert. Es lag am Kläger, die Behauptungen seiner durch den Unfall erlittenen Ver-
letzungen und sowie deren Auswirkungen auf seine Gesundheit zu beweisen und
ebenso die von ihm geltend gemachten Personen- und Sachschäden; dass die
Beklagte entsprechende Bestreitungen erhob, kann angesichts des Prozesser-
gebnisses schlechterdings nicht als Schikane bezeichnet werden, wie es der Klä-
ger aber dem Sinn nach dartut. Neben anderem hat der Kläger überdies im Be-
weisverfahren selbst gerichtliche Gutachten als Beweismittel offeriert, u.a. auch
ein biomechanisches, und ebenfalls diverse Aktenbeizüge bzw. Editionen bean-
tragt (vgl. dazu etwa den Beweisabnahmebeschluss in Vi-Prot. S. 49-59). Wes-
halb er von der teilweisen Übernahme diverser Kosten der Beweiserhebungen
entbunden werden sollte, ist daher nicht ersichtlich.
Auch sonst trägt der Kläger keine Gesichtspunkte vor, welche die von ihm
gerügte "Unzulässigkeit" der Kostenverlegung von 3⁄4 zu 1⁄4 zu belegen vermöchte.
Und ebenso bringt der Kläger nichts vor, soweit seine Argumente sachlich über-
haupt zutreffen und nicht z.B. schon im Rahmen der vorstehenden Erwägungen I
und II widerlegt sind oder von falschen Rechtsgrundlagen auszugehen scheinen
(vgl. act. 789 S. 121: Gleiches gilt auch unter neuem Recht), was den vom Be-
zirksgericht festgelegten Verteilschlüssel als unangemessen oder gar "willkürlich"
(vgl. act. 789 S. 125, unten) erscheinen liesse, auch nicht mit Blick auf BGE 131 II
323, auf den der Kläger mit einem unzutreffenden Zitat verweist (vgl. act. 789
S. 121).
2.2 Beide Parteien beanstanden weder die Festlegung der Gerichtsgebühr noch
die Bemessung der Parteientschädigung durch das Bezirksgericht. Der Kläger
hält indessen die Kosten für das betriebswirtschaftliche Gutachten, das 20 Seiten
umfasse und sich zu den zentralen Fragen auf bloss 2 1⁄2 Seiten äussere, als
überrissen (vgl. act. 789 S. 126).
- 85 -
Die Kosten sind in der Tat sehr hoch ausgefallen. Und richtig ist auch, dass
das Gutachten auf Veranlassung der Beklagten eingeholt wurde, wie der Kläger
ebenfalls vermerkt. Letzteres kann der Beklagten allerdings ebenso wenig zum
Vorwurf gereichen wie, dass sie – was ihr der Kläger sinngemäss vorwirft (vgl.
act. 789 S. 127) – den prozessualen Standpunkt einnahm, der Erwerbsausfall des
Klägers für seine Tätigkeit bei der A'._ Informatik AG habe Fr. 66'000.- be-
tragen. Immerhin benannte sie plausible Gründe dafür (vgl. act. 12 S. 79) und er-
hob folglich eine substanzierte Bestreitung. Der Wert entsprach im Übrigen dem,
was als Einkommen des Klägers in den Jahren 1992 und 1993 der kantonalen
Ausgleichskasse gegenüber deklariert worden war (vgl. auch act. 684). Auf diese
Deklaration wurde schon in anderem Zusammenhang hingewiesen.
Betriebswirtschaftliche Gutachten sind bekanntermassen teuer. Das vom
Kläger veranlasste Gutachten AG._ belegt das. Es umfasst 11 Seiten sowie
einen Anhang (vgl. act. 3/25) und kostete wie gesehen Fr. 19'350.-. Die Gutachte-
rin G._ schätzte die Kosten für ihr Gutachten auf Fr. 35'000.- (vgl. act. 658
und 662), was in der Experteninstruktion, die ebenfalls den Parteien zugestellt
wurde, vermerkt war (vgl. act. 665 S. 9). Nachdem die Parteien, namentlich auch
die Klägerin zahlreiche Ergänzungsfragen gestellt hatten, wurde die Gutachterin
einstweilen mit einer Akontoleistung von Fr. 32'400.- entschädigt, was den Partei-
en ebenso zur Kenntnis gebracht wurde wie die Schätzung der Gutachterin, die
Kosten würden sich nach den durch die Parteien veranlassten Ergänzungen
schliesslich wohl auf Fr. 48'000.- belaufen, weshalb von der Beklagten ein weite-
rer Kostenvorschuss verlangt wurde (vgl. act. 722 und act. 723). Die letztlich an-
gefallenen Gutachtenskosten beziehen sich entgegen dem Kläger endlich nicht
auf ein Gutachten von 20 Seiten, sondern auf das Gutachten (act. 699, umfas-
send 21 Seiten mit Anhängen) und dessen Ergänzung (act. 731, umfassend 15
Seiten), in der die Gutachterin auf diverse Fragen der Parteien, namentlich des
Klägers (vgl. act. 716), auch noch zu antworten hatte (vgl. act. 728: Beschluss mit
dem weiteren Fragenkatalog zuhanden der Gutachterin). Insgesamt war es damit
vom Umfang her gesehen nicht teurer, sondern günstiger als das Gutachten
AG._, das der Kläger veranlasst hat; und insoweit verbietet sich die klägeri-
sche Wertung der Kosten als "betraglich völlig überrissen" (vgl. act. 789 S. 126).
- 86 -
Dass das Gutachten aus der Sicht des Klägers kaum wesentliche Ergebnisse
brachte, ändert daran nichts, zumal diese Wertung wie gesehen so nicht zutrifft.
Es kann daher offen gelassen werden, ob und inwieweit das allenfalls auch an
den die Kosten erhöhenden Ergänzungsfragen gelegen haben könnte.
2.3 Weitere Gesichtspunkte, welche eine Änderung der erstinstanzlichen Kosten-
und Entschädigungsregelung gebieten würden, bringt weder der Kläger vor noch
die Beklagte. Im Ergebnis ist daher diese Regelung, welche die Dispositivziffern 2
bis 4 umfasst, zu bestätigen. Anzumerken bleibt einzig noch, dass der Nachtrags-
beschluss des Bezirksgerichtes vom 20. Mai 2016, den der Kläger am Rande
auch erwähnt (vgl. act. 789 S. 127), nicht Gegenstand des vorliegenden Beru-
fungsverfahrens ist.
3. - 3.1 Im Ergebnis des Berufungsverfahrens ist das bezirksgerichtliche Urteil
vollumfänglich zu bestätigen, ausgenommen eine Zinsposition, die es aufgrund
der zutreffenden Einwände in der Anschlussberufung anzupassen galt. Diesem
Verfahrensausgang entsprechend (vgl. vorn Erw. III/1) obsiegt der Kläger in rein
quantitativer Hinsicht lediglich zu rund 2.6 %. Eine Verlegung der Prozesskosten
ausschliesslich nach diesem Gesichtspunkt erschiene indessen unbillig, weil es
beim Ergebnis der Bestätigung des bezirksgerichtlichen Urteils in allen streitwert-
wesentlichen Punkten auch dann geblieben wäre, wenn die Beklagte keine An-
schlussberufung erhoben hätte. Die Anschlussberufung umfasste rund 47 Seiten
und führte zu einem Zusatzaufwand, der nicht als unerheblich bezeichnet werden
kann. Dass die recht voluminöse Berufung (Rechtsschrift von gut 130 Seiten)
selbst schon zu einem erheblichen Aufwand führte, ändert daran nichts, zumal
nicht unberücksichtigt bleiben darf, dass die Berufungsschrift in grossen Teilen
blosse Wiederholungen enthält, was den Aufwand minderte (vgl. vorn Erw.
II/1.3.1). Es rechtfertigt sich daher, gestützt auf Art. 107 Abs. 1 lit. f. ZPO eine von
der Regel des Art. 106 Abs. 2 ZPO abweichende Gewichtung vorzunehmen, die
auch dem Aufwand Rechnung trägt. Angemessen erscheint eine Verlegung der
Prozesskosten des Berufungsverfahrens im Verhältnis von 4/5 zu Lasten des
Klägers und zu einem 1/5 zu Lasten der Beklagten. Gründe für eine stärkere Ge-
wichtung zu Ungunsten der Beklagten – namentlich unter Berufung auf das Ver-
- 87 -
anlassungsprinzip – oder zu Ungunsten des Klägers sind nicht ersichtlich. Dem-
nach sind die Gerichtskosten den Parteien nach diesem Verteilschlüssel aufzuer-
legen und es ist der Kläger zu verpflichten, der Beklagten eine auf 3/5 reduzierte
Parteientschädigung zu bezahlen.
3.2 Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr ist gemäss § 12 Abs. 1 und 2 GebV
OG i.V.m. § 4 GebV OG zu bemessen, ausgehend von einem Fr. 7.5 Mio. errei-
chenden Streitwert. Dies führt zu einer Grundgebühr von Fr. 95'750.-. Dieser An-
satz erscheint, selbst mit Blick auf den Aufwand des Gerichtes (allein die Rechts-
schriften im Berufungsverfahren umfassen rund 200 Seiten), zu hoch. Er ist daher
gemäss § 4 Abs. 2 GebV OG um nicht ganz ein Drittel auf Fr. 67'500.- zu reduzie-
ren.
Die Parteientschädigung ist gestützt auf § 13 Abs. 1 - 2 AnwGebV gemäss
§ 4 Abs. 1 AnwGebV zu bemessen, was mit Blick auf den angemessenen Auf-
wand im Berufungsverfahren zu einem auf rund die Hälfte reduzierten Grundan-
satz führt. Die zuzusprechende reduzierte Parteientschädigung beträgt 3/5 dieses
Ansatzes; Mehrwertsteuerersatz wurde verlangt (vgl. act. 810 S. 2) und ist eben-
falls zuzusprechen.
3.3 Dem Kläger wurde für das Berufungsverfahren die sog. umfassende unent-
geltliche Rechtspflege bewilligt, die eine Befreiung von Gerichtskosten sowie Ver-
tretungskosten umfasst, nicht hingegen vor der Leistung einer Parteientschädi-
gung entbindet (vgl. Art. 118 Abs. 3 ZPO). Bei den Anordnungen zur Liquidation
der Prozesskosten ist das zu berücksichtigen. Es ist jedoch auf Art. 123 ZPO hin-
zuweisen. Die Festsetzung der Entschädigung des Rechtsvertreters des Klägers
ist einem späteren Beschluss vorzubehalten, da die dafür notwendigen Voraus-
setzungen gemäss § 23 Abs. 2 AnwGebV derzeit (vgl. act. 819) noch nicht erfüllt
sind. In diesem späteren Beschluss wird auch zu entscheiden sein, ob die Abtre-
tung des Prozessgewinns durch den Kläger (vgl. act. 806 f.) zur Deckung wenigs-
tens der Vertretungskosten in Anspruch zu nehmen ist.
- 88 -