Decision ID: 95012eb3-c795-441c-b534-e985e747a656
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung (vorsorgliche Massnahmen) / unentgeltliche Rechtspflege
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichtes des Bezirksgerichtes Bülach vom 6. Februar 2019; Proz. FE170343
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I. Begehren um Erlass vorsorglicher Massnahmen:
A. Der Berufungsklägerin: (act. 5/24 S. 6, act. 5/42 S. 2, act. 5/65 + Prot.-Vi S. 21, act. 82):
" 17. Der Beklagte sei mittels einer vorsorglichen Massnahme ab
dem 1. April 2017 und für die weitere Dauer des vorliegenden Verfahrens zu verpflichten, an die Kosten des Unterhalts und die Erziehung der Tochter C._, geb. tt.mm.2015,  im Voraus den Betrag von Fr. 800.00 jeweils auf den  eines jeden Monats zahlbar, zuzüglich allfälliger  oder vertraglicher Kinderzulagen, sofern letztere nicht von der Klägerin direkt eingefordert werden, zu bezahlen, zahlbar an die Klägerin.
18. Es sei festzustellen, dass der Beklagte für den Unterhalt sei-
ner Tochter C._ seit dem 1. April 2017 bis und mit 26. März 2018 den Betrag von Fr. 2'400.00 bezahlt hat, was an die rückwirkend geschuldeten Unterhaltsbeiträge des  anzurechnen sei.
19. Der Klägerin sei die alleinige Obhut über die gemeinsame
Tochter C._, geb. tt.mm.2015, zuzuteilen.
20. Das Besuchsrecht sei wie folgt zu regeln:
Der Beklagte sei für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die
Tochter C._ jedes zweite Wochenende der geraden  von Freitagabend 18.00 Uhr bis Sonntagabend 19.00 Uhr auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
[...] Die Tochter ... sei unter die Obhut der Mutter zu stellen und
habe ihren Wohnsitz mit sofortiger Wirkung bei der Mutter (an der D._-Strasse ... in E._)."
B. Des Berufungsbeklagten: (act. 5/36 S. 2 f. = act. 5/67 + Prot.-Vi S. 22)
" [1.] Es sei die Obhut für Tochter C._ für die weitere Dauer des rubrizierten Verfahrens den Gesuchstellern mit  Betreuung gemeinsam zu belassen, wobei C._ ihren Wohnsitz weiter bei der Gesuchstellerin haben soll;
[2.] es sei je für die weitere Dauer des rubrizierten Verfahrens der
Gesuchsteller berechtigt und verpflichtet zu erklären, Tochter
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C._ jedes zweite Wochenende von Freitag, 17.00 Uhr bis Sonntagabend, 20.00 Uhr, zuzüglich an den diesen  unmittelbar vor- oder nachgehenden Feiertagen, soweit jeden Mittwoch ab 17.00 Uhr bis Freitag, 17.00 Uhr –  an 2 Tagen unter der Woche – und während vier Wochen Ferien im Jahr zu betreuen oder auf eigene Kosten betreuen zu lassen und sei die Gesuchstellerin für berechtigt und  zu erklären, Tochter C._ in der übrigen Zeit zu betreuen oder auf eigene Kosten betreuen zu lassen;
[3.] es seien die Gesuchsteller für die weitere Dauer des rubrizier-
ten Verfahren je zu verpflichten, diejenigen Kosten von  C._ zu übernehmen, die während der Zeit anfallen, in welcher die Tochter beim betreuenden Elternteil verbringt (insb. Verpflegung, Anteil Miete, Alltagsbekleidung, Kosten Fremdbetreuung, Freizeitaktivitäten);
[4.] es sei die Gesuchstellerin für die weitere Dauer des rubrizier-
ten Verfahrens zu verpflichten, die unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsort der Tochter regelmässig anfallenden  wie Krankenkasse, Gesundheitskosten, Kosten für Sport-, Musik- und weitere Freizeitkurse, Sportbekleidung und -ausrüstung, Kosten für den öffentlichen Verkehr etc. zu bezahlen."
Verfügung des Einzelgerichtes des Bezirksgerichtes Bülach vom 6. Februar 2019:
(act. 4 = act. 5/98)
" 2. Die Tochter C._, geb. tt.mm.2015, wird für die Dauer des Scheidungsverfahrens unter die alleinige Obhut der  gestellt.
3. a) Der Gesuchsteller wird berechtigt und verpflichtet, die
Tochter C._ in den geraden Wochen von , 18 Uhr, bis Sonntagabend, 19 Uhr, auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
b) Weiter wird der Gesuchsteller für berechtigt erklärt, jeweils
nach schriftlicher Ankündigung per SMS oder Whatsapp, welche mindestens eine Woche im Voraus zu erfolgen hat, die Tochter C._ am Mittwochnachmittag, von 13 Uhr bzw. – sobald C._ schulpflichtig ist – ab -/ Schulschluss bis 18 Uhr auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
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c) Der Gesuchsteller wird zudem berechtigt und verpflichtet, die Tochter C._ in den Jahren mit ungerader  von Ostersamstag, 9 Uhr, bis Ostermontag, 18 Uhr, sowie am 25. Dezember und am 1. Januar und in der  mit gerader Jahreszahl von Pfingstsamstag, 9 Uhr, bis Pfingstmontag, 18 Uhr, sowie am 26. Dezember und am 2. Januar auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf  zu nehmen.
4. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an die
Kosten des Unterhalts und der Erziehung der Tochter C._ folgende monatliche, im Voraus auf den Ersten des Monats zahlbare Unterhaltsbeiträge (zuzüglich allfälliger gesetzlicher und/oder vertraglicher Familienzulagen) zu bezahlen:
– Fr. 340.– rückwirkend ab 1. Januar 2018 bis 30. Sep-
tember 2018 – Fr. 280.– rückwirkend ab 1. Oktober 2018 für die weite-
re Dauer des Scheidungsverfahrens.
5. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Gesuchsteller in
der Zeit vom 1. Januar 2018 bis zum 30. September 2018  Kinderunterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 1'200.–  hat und sich seine Unterhaltsschuld für diesen Zeitraum demnach noch auf Fr. 1'860.– beläuft."
Berufungsanträge der Berufungsklägerin:
" 1. In Gutheissung der Berufung seien die Ziffern 3 Buchstabe b sowie die Ziffern 4 und 5 der [angefochtenen Verfügung]  und wie folgt zu ersetzen:
1.1 Ziffer 3 Buchstabe b sei wie folgt zu ersetzen:
Der Berufungsbeklagte sei berechtigt zu erklären, nach vor-
gängiger Absprache mit der Berufungsklägerin die Tochter an zwei zusätzlichen Tagen pro Monat mit Übernachtung mit sich oder zu sich auf Besuch zu nehmen.
Ein weitergehendes Besuchsrecht des Berufungsbeklagten
bleibe nach gegenseitiger Absprache vorbehalten.
1.2 Ziffer 4 sei wie folgt zu ersetzen:
Der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Berufungsklä-
ger an die Kosten des Unterhaltens und der Erziehung der Tochter C._ folgende monatliche, im Voraus auf den Ers-
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ten des Monats zahlbare Unterhaltsbeiträge (zuzüglich  gesetzlicher und/oder vertraglicher Familienzulagen,  die Berufungsklägerin diese nicht direkt erhältlich machen kann) zu bezahlen:
– Fr. 435.00 rückwirkend ab 1. Januar 2018 bis 30. Sep-
tember 2018,
– Fr. 590.00 rückwirkend ab 1. Oktober 2018 und für die
weitere Dauer des Scheidungsverfahrens.
1.3 Ziffer 4 [wohl: 5] sei wie folgt zu ersetzen:
Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Berufungsbeklag-
te in der Zeit vom 1. Januar 2018 bis und mit 30. September 2018 bereits Kindesunterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 1'200.00 bezahlt habe und sich seine Unterhaltsschuld für diesen Zeitraum demnach auf noch Fr. 2'715.00 belaufe.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich gesetzliche
MWSt à 7,7 %) zu Lasten des Berufungsbeklagten."

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Vergleich
1. Die Parteien heirateten am tt. Februar 2015 in Zürich (vgl. act. 5/24 S. 8).
Mit Eingabe vom 6. November 2017 (act. 5/1/1) reichte die Gesuchstellerin und
Berufungsklägerin (nachfolgend Berufungsklägerin) ein von beiden Parteien
unterzeichnetes Scheidungsbegehren vom 19. Oktober / 3. November 2017 ein
(act. 5/1/2), mit dem die Parteien gemeinsam die Scheidung ihrer Ehe verlang-
ten und beantragten, dass das Gericht die Nebenfolgen regle, über die sie sich
nicht einig waren (Teileinigung gemäss Art. 112 ZGB).
2. Mit Eingabe vom 26. März 2018 (act. 5/24) führte die Berufungsklägerin
entsprechend der Verteilung der Parteirollen (vgl. die Verfügung der Vorinstanz
vom 27. Februar 2018 [act. 5/21]) Scheidungsklage und stellte die obgenann-
ten Begehren um Erlass vorsorglicher Massnahmen. Mit Eingabe vom 17. Mai
2018 (act. 5/36) stellte der Gesuchsteller und Berufungsbeklagte (nachfolgend
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Berufungsbeklagter) seinerseits ein Begehren um Erlass vorsorglicher Mass-
nahmen.
3. Mit Verfügung vom 6. Februar 2019 (act. 5/98 = act. 4) entschied die Vor-
instanz über die Begehren um Erlass vorsorglicher Massnahmen.
4. Mit Eingabe vom 21. Februar 2019 (act. 2) führt die Berufungsklägerin frist-
gerecht Berufung gegen diese Verfügung mit den obgenannten Berufungsan-
trägen. Nach Eingang des mit Verfügung vom 6. März 2019 (act. 6) einverlang-
ten Kostenvorschusses von Fr. 1'200.– (vgl. act. 8) wurde die Berufung dem
Berufungsbeklagten mit Verfügung vom 26. März 2019 (act. 9) zur Beantwor-
tung zugestellt, worauf dieser mit Eingabe vom 8. April 2019 (act. 11) die Beru-
fung beantwortete.
5. Gleichzeitig stellte der Berufungsbeklagte einen Antrag bzw. ein Gesuch, die
Berufungsklägerin zur Leistung eines Prozesskostenvorschusses oder eines
Prozesskostenbeitrages zu verpflichten, und ein Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege. Mit Verfügung vom 13. Mai 2019 (act. 16) wurde
der Antrag bzw. das Gesuch, die Berufungsklägerin zur Leistung eines Pro-
zesskostenvorschusses oder eines Prozesskostenbeitrages zu verpflichten,
abgewiesen, und dem Berufungskläger wurde die unentgeltliche Rechtspflege
für das Berufungsverfahren gewährt und es wurde ihm für das Berufungsver-
fahren RA lic. iur. Y._ als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.
6. Mit Vorladung vom 7. Mai 2019 (act. 13/1–2) wurden die Parteien zu einer
Instruktions- und Vergleichsverhandlung auf den 29. Mai 2019 vorgeladen. An-
lässlich dieser schlossen die Parteien die im Dispositiv wiedergegebene Ver-
einbarung über vorsorgliche Massnahmen (act. 20).
II. Elterliche Sorge, Obhut, persönlicher Verkehr
Die Kinder stehen, solange sie minderjährig sind, unter der gemeinsamen elter-
lichen Sorge von Vater und Mutter (Art. 296 Abs. 2 ZGB). Die Parteien kamen
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überein, die elterliche Sorge über die gemeinsame Tochter C._, geboren
tt.mm.2015, weiterhin gemeinsam auszuüben. Es ist kein Grund ersichtlich, ei-
ne abweichende Anordnung zu treffen (vgl. Art. 298 Abs. 1 ZGB). Entspre-
chend verbleibt die elterliche Sorge bei den Parteien gemeinsam.
Die Parteien kamen weiter überein, die Obhut über die gemeinsame Tochter
der Berufungsklägerin zu übertragen und den persönlichen Verkehr mit dem
Berufungsbeklagten zu regeln. Diese Vereinbarung ist den persönlichen Ver-
hältnissen der Parteien angemessen und berücksichtigt die Bedürfnisse von
C._ ausreichend. Sie ist daher zu genehmigen (vgl. Art. 298 Abs. 2 ZGB).
III. Kinderunterhalt
Die Parteien schlossen die im Dispositiv wiedergegebene Vereinbarung über
Kinderunterhaltsbeiträge für die Tochter. Diese ist den finanziellen Verhältnis-
sen der Parteien angepasst und demgemäss zu genehmigen (vgl. Art. 287
Abs. 3 ZGB).
IV. Ehegattenunterhalt
Die Parteien verzichteten für die Dauer des Verfahrens gegenseitig auf Ehegat-
tenunterhaltsbeiträge. Entsprechende Begehren bzw. Anträge wurden aber
weder vor Vorinstanz noch in der Berufung gestellt.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Parteien kamen überein, die Kosten je hälftig zu tragen, was entsprechend
zu berücksichtigen ist (Art. 109 Abs. 1 ZPO). Dem Berufungsbeklagten wurde
mit Verfügung vom 13. Mai 2019 (act. 16) die unentgeltliche Rechtspflege ge-
währt und es wurde ihm RA lic. iur. Y._ als unentgeltlicher Rechtsbeistand
bestellt. Die dem Berufungsbeklagten aufzuerlegenden Entscheidgebühren
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sind deshalb einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Nachzahlungs-
pflicht nach Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten.
RA lic. iur. Y._ wird nach Vorlegung einer Aufstellung über den Zeitauf-
wand und die Auslagen (§ 23 Abs. 2 AnwGebV) mit separatem Entscheid aus
der Staatskasse angemessen entschädigt (Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO). Die
Nachzahlungspflicht des Berufungsbeklagten nach Art. 123 ZPO bleibt vorbe-
halten.
Vereinbarungsgemäss sind keine Parteientschädigungen zuzusprechen.