Decision ID: c309cff6-eeb0-4e33-a3e9-7332d87d675f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1989, wa
r seit Februar 2013 bei der
Y._
als Ang
e
stellte für das Back Office
mit einem Pensum von 60
%
(25,5 Wochenstunden)
tätig
(vgl.
Urk.
10/2/2)
. Die Arbeitgeberin hatte mit der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend: Allianz) für ihre Angestellten eine Kollektiv-Krankenversicherung gegen die Folgen von krankheitsbedingtem Erwerbsausfall abgeschlossen
(Police Nr.
«...»
vom
8.
Mai 2013)
.
Versichert war für eine Leistungsdauer von 730 Tagen (bei einer Wartefrist von 30 Tagen) ein Taggeld von 80
%
des versicherten Verdienstes (
Urk.
10/1/2).
Am
1.
Juli 2014 meldete die Arbeitgeberin der Allianz, die Versicherte
habe am
1.
Juni
2014
die Arbeit krankheitshalber
vollständig
nieder
gelegt
. Nach mehreren Erkrankungen leide sie unter starker körperlicher Erschöpfung
(
Urk.
10/2/2
,
Urk.
10/5/2-3).
Dr.
med. Z._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin, bestätigte die Arbeitsunfähigkeit ab dem
1.
Juni 2014 (vgl.
Urk.
10/8 f.).
Im Arztzeugnis vom 1
1.
August 2014 führte sie sodann aus, die Bauchschmerzen seien in Abklärung und ebenso der Haarausfall (
Urk.
10/9).
Die Arbeitsunfähigkeit dauerte bis zum 3
1.
Juli 201
4.
Im
August 2014 nahm die Versicherte ihre Tätigkeit wieder auf (
Urk.
10/11). Unter Berücksichtigung der Wartefrist richtete die Allianz ab dem
1.
bis
z
um 3
1.
Juli 2014 Taggelder aus (
Urk.
10/12
,
Urk.
10/14
).
1.2
Für die Zeit a
b dem 1
3.
Februar 2015 attestierten
Dr.
med. A._
, Akupunktur, Ganzheitsmedizin und TCM,
und
Dr.
med. B._
, Praktische Ärztin,
für verschiedene Zeiträume
erneut
eine Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
10/16-
18,
Urk.
10/19/2
,
Urk.
10/25 f.,
Urk.
10/29-30,
Urk.
10/34
,
Urk.
10/56/2-5
,
Urk.
60/2
,
Urk.
10/63/
1-
2
).
Eine
Krankheitsmeldung durch die Arbeitgeberin erfolgte am 1
2.
Mai 2015 (
Urk.
10/19/1). Im
Arztzeugnis vom 1
7.
Juni 2015 erwähnte
Dr.
B._
als
Ursache
für die Arbeitsunfähigkeit Müdigkeit und
Schwindel unklarer Genese.
Letzterer
sei in Abklärung und die Prognose noch unklar (
Urk.
10/28).
Die Allianz leistete
im Rahmen eines Rückfalls
für die Zeit
ab dem 1
3.
bis zum 1
8.
Februar
2015
, für die Zeit ab dem 3
1.
März
bis 1
8.
Mai 2015 und ab dem 2
6.
Mai
bis zum
2
2.
November
2015 Taggelder auf der Basis einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
10/43,
Urk.
10/57
,
Urk.
10/62,
Urk.
10/66
)
.
Nach Einsicht in verschiedene von der Versicherten eingereichte Unterlagen ihrer behandelnden Ärzte (
Urk.
10/58
/1-27
) hatte
Dr.
med. C._
, Facharzt FMH für Inn
ere Medizin, am
9.
November 2015
hierzu Stellung genommen (
Urk.
10/59) und die Allianz hatte der Versicherten am
1
2.
November
2015 mitgeteilt, für die Zeit nach dem 2
2.
November 2015 sei gemäss der Beurteilung ihres beratenden Arztes wieder von einer vollständigen Arbeits
fähigkeit auszugehen, weswegen die Taggeldzahlung
en
auf diesen Zeitpunkt hin
eingestellt würden (
Urk.
10/67/3).
1.3
Mit diesem Vorgehen
erklärte sich die Arbeitgeberin
unter Beilage eines über den 2
2.
November 201
5
hinausreichenden Arbeitsunfähigkeitsattestes
der Hausärztin
Dr.
B._
nicht einverstanden
(
Urk.
10/67/1-2
; vgl. auch
Urk.
10/71/3-5,
Urk.
10/73/3
,
Urk.
10/83/2-4
). Die Allianz
vertrat
die Auffassung, die Arzt
zeugnisse der Hausärztin könne sie nicht mehr länger als Nachweis einer Arbeits
unfähigkeit anerkennen. Objektivierte medizinische Diagnose
n
fänden sich in den Akten keine (Urk.
10/68; vgl. auch
Urk.
10/69
).
Dr.
med.
D._
,
Facharzt FMH für Innere Medizin,
beratende
r
Arzt der Allianz
,
hielt in seine
r
Stellung
nahme vom 1
6.
März 2016 fest, der von der Versicherten eingereichte Befund eines
Lymphozytentra
n
sformationstests
hinsichtlich
Borrelien
vom Januar 2016 (vgl. 10/71/6
)
sei nicht geeignet, eine
Erkrankung zu beweisen oder auszuschliessen. Falls eine
Borrelienerkrankung
diskutiert werde, sei
zudem
eine Leistungspflicht der Unfallversicherung zu prüfen (
Urk.
10/74).
In einer weiteren Stellungnahme vom 1
1.
April 2016 hielt
Dr.
D._
an diesem Standpunkt fest
und ergänzte, die medizinischen Akten enthielten Aufzählungen unspezifischer Allgemeinsymptome, jedoch keine Diagnosen mit Krankheitswert und keine relevanten Befunde mit Hinweisen auf ein objektivierbares Leiden (
Urk.
10/88).
In der Folge teilte die Allianz der Versicherten
im Schreiben vom 2
2.
April 2016
mit, sie halte an der Leistungseinstellung per 2
2.
November 2015 fest (
Urk.
10/89).
Denselben Standpunkt teilte die Allianz der Versicherten mit Schreiben vom 1
8.
September 2017 mit
(
Urk.
10/107)
, nach
dem
zuvor a
m 1
5.
September 2017
Dr.
C._
zu weiteren Unterlagen der behandelnden Ärzte
(
Urk.
10/102
/1-13
)
Stellung
genommen hatte
(
Urk.
10/106).
Mit Eingabe vom 2
2.
September 2018
ans Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
stellte die Versicherte
sodann
ein Gesuch um vorsorgliche Beweisführung mit dem Rechts
begehren, es sei ein gerichtliches Gutachten zur Arbeitsfähigkeit einzuholen (
Urk.
10/119). Dieses wies das Sozialversicherungsgericht mit Urteil KK.2018.00044 vom 2
1.
Februar 2019 ab (
Urk.
10/124).
2.
Am
4.
April 2019 erhob die Versicherte gegen die Allianz Klage mit dem Rechts
begehren, es sei diese zu
verpflichten
, ihr
Fr.
25'397.91 zuzüglich Zins von 5
%
seit dem
1.
Februar 2015 zu bezahlen (
Urk.
1).
Die Allianz beantragte in der Klageantwort vom 3
0.
Juli 2019 die Abweisung der Klage
,
soweit auf diese einzutreten sei (
Urk.
9). In der Replik vom 1
5.
November 2019 und in der
Duplik vom
6.
Dezember 2019 hielten die Parteien an den gestellten
Anträgen
fest (
Urk.
15,
Urk.
19).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Zu beurteilen ist der Anspruch auf Taggeldleistungen aus einer Zusatz
versicherung zur sozialen Krankenversicherung nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG). Ansprüche aus der Zusatzversicherung unterstehen nach
Art.
2
Abs.
2 Satz 2 des Bundesgesetzes über die Aufsicht über die Kranken
kassen (KVAG) dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG).
Art.
87 VVG gewährt demjenigen, zu dessen Gunsten die kollektive Unfall- oder Krankenversicherung abgeschlossen worden ist, mit dem Eintritt des Unfalls oder der Krankheit ein selbständiges Forderungsrecht gegen den Versicherer (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5C.41/2001 vom
3.
Juli 2001 E. 2c; Peter Stein, Basler Kommentar VVG, Basel 2001,
Art.
87 VVG N 15; Willy
Koenig
, Der
Versicherungsvertrag, in: Schweizerisches Privatrecht, VII/2, Basel 1979, S.
729). Die Kantone können gestützt auf
Art.
7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für Streitig
keiten über den Anspruch aus einer Zusatzversicherung sachlich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim Sozialversicherungsgericht (
§
2
Abs.
2
lit
. b des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).
1
.2
Die für das Sozialversicherungsgericht verbind
liche Regelung der örtlichen Zu
ständigkeit im Bereich der Zusatzversicherungen zur sozialen Kranken
versi
che
rung findet sich in
Art.
32 ZPO. Demnach ist
bei Streitigkeiten aus Konsumen
tenverträgen das Gericht am Wohnsitz oder Sitz einer der Parteien zuständig (
Art.
32
Abs.
1
lit
. a ZPO; vgl. Urs Feller/Jü
rg Bloch, in: Sutter-
Somm
/
Hasen
böhler
/Leuenberger, ZPO-Kommentar,
Art.
32 N 45 ff.). Die Klägerin hat ihren Wohnsitz im Kanton Zürich; damit ist die örtliche Zu
ständigkeit des Sozial
versicherungsgerichts des Kantons Zürich gegeben.
1
.3
Das Verfahren richtet sich nach der ZPO, wobei das vereinfachte Verfahren zur Anwendung gelangt (
Art.
243
Abs.
2
lit
. f ZPO) und die Klage direkt beim Gericht anhängig zu machen ist (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6). Das Gericht darf einer Partei nicht mehr und nichts Anderes zusprechen, als sie verlangt, und nicht weniger, als die Gegenpartei anerkannt hat (
Art.
5
8 ZPO). Es bildet seine Überzeu
gung nach freier Würdigung der Beweise (
Art.
157 ZPO).
1
.4
Gemäss
Art.
8 des Zivilgesetzbuches (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, während die Beweislast für die rechtsaufhebenden beziehungsweise
rechtsvernichtenden oder rechts
hindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den
Untergang des Anspruchs behaup
tet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit
bestreitet. Nach der höchstrich
terlichen Rechtsprechung müssen im
Privatversicherungsrecht die anspruchsbe
gründenden Tatsachen lediglich
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit erwiesen sein (BGE 130 III 321 E. 3.1 und 3.5). Das gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Tatsachen (Praxis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Bundesgerichts vom 2
2.
November 1990]).
1
.5
Nach
Art.
247
Abs.
2
lit
. a in Verbindung mit
Art.
243
Abs.
2
lit
. f ZPO untersteht die Strei
tigkeit der sogenannten sozialen Unte
rsuchungsmaxime. Bei der sozial
politisch begründeten Untersuchungsmaxime geht es darum, die wirtschaftlich schwächere Partei zu schützen, die Gleichheit zwischen den Parteien herzustellen sowie das Verfahren zu beschleunigen. Die Part
eien sind jedoch nicht davon be
freit, bei der Feststellung des
entscheidwesentlic
hen
Sachverhalts aktiv mitzuwir
ken und die allenfalls zu erhebenden Beweise zu bezeichnen. Sie tragen auch im Bereich der sozialen Untersuchungsmaxime di
e Verantwortung für die Sachverhaltsermitt
lung. Das Gericht hat lediglich seine
Fragepflicht auszuüben, die Par
teien auf ihre Mitwirkungspflicht sowie das B
eibringen von Beweisen hinzuwei
sen. Zudem hat es sich über die Vollständigkeit der Behauptungen und Beweise zu versichern, wenn diesbezüglich ernsthafte Zweifel bestehen. Aber es führt nicht von sich aus eigene Untersuchungen durch.
Ist eine Partei durch einen An
walt vertreten, kann und muss sich das Gericht ihr gegenüber wie
bei Geltung der Verhandlungsma
xime zurückhalten (Urteile des Bundesgerichts 4A_702/2016 vom 2
3.
März 2017 E. 3.1 und 4A_592/2015 vom 1
8.
März 2016 E. 3 mit Hinweis auf BGE 141 III 569).
1
.6
Nach
Art.
168
Abs.
1 ZPO sind als Beweismittel zulässig: Zeugnis (
lit
. a), Urkunde (
lit
. b), Augenschein (
lit
. c), Gutachten (
lit
. d), schriftliche Auskunft (
lit
. e) sowie Parteibefragung und Beweisaussage (
lit
. f). Diese Aufzählung ist abschliessend; im Zivilprozessrecht besteht insofern ein
numerus
clausus der Beweismittel, vorbehalten bleiben nach
Art.
168
Abs.
2 ZPO lediglich die Bestimmungen über Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten (BGE 141 III 433 E. 2.5.1).
Art.
168
Abs.
1
lit
. d ZPO lässt einzig vom Gericht eingeholte Gutachten als Beweismittel zu. Privatgutachten sind zwar zulässig, aber nicht als Beweismittel, sondern nur als Parteibehauptun
gen (BGE 141 III 433 E. 2.5.2).
Parteibehauptungen, denen ein Privatgutachten zugrunde liegt, werden indes meist besonders substantiiert sein. Entsprechend genügt eine pauschale Bestreitung nicht; die Gegenpartei ist vielmehr gehalten zu substantiieren, welche einzelnen Tatsachen sie konkret bestreitet. Wird jedoch eine Tatsachenbehauptung von der Gegenpartei substantiiert bestritten, so vermögen Parteigutachten als reine Parteibehauptungen diese allein nicht zu beweisen. Als
Parteibehauptungen mögen sie allenfalls zusammen mit - durch Beweismittel nachgewiesenen - Indizien den Beweis zu erbringen. Werden sie aber nicht durch Indizien gestützt, so dürfen sie als bestrittene Behauptungen nicht als erwiesen erachtet w
erden (BGE 141 III 433 E. 2.6).
Auch Berichte von Fachärzten, welche die Taggeldversicherer beraten, sind als blosse Parteibehauptungen zu qualifizieren (Urteil des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 2
3.
März 2017 E. 3.2 am Ende).
Das Arztzeugnis wird beweisrechtlich den Zeugnisurkunden, denen im Beweis
verfahren mit einer gewissen Zurückhaltung zu begegnen ist, zugeordnet und gilt im Bereich des Zivilprozessrechts gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts als Privatgutachten (BGE 140 III 24 E. 3.3.3; 140 III 16 E. 2.5). Nach der Lehre beweisen Arztzeugnisse grundsätzlich nur, dass die Erklärung von der ausstellenden Person abgegeben wurde. Aufgrund des Fachwissens der
ausstellenden Person sowie der strafrechtlichen Sanktion (
Art.
318 StGB) kann zunächst von der Richtigkeit eines Arztzeugnisses ausgegangen werden. Der
Beweiswert kann jedoch durch irgendwelche Beweismittel und Umstände erschüttert werden, wenn beispielsweise der Arzt den Patienten nicht untersucht und ausschliesslich auf dessen Aussagen abgestellt hat ober bei widersprüchlichem Verhalten des Patienten während bescheinigter Arbeits
unfähigkeit.
Solchenfalls
hat der Beweisführer bei unveränderter Beweislast den vollen Beweis für die mit dem Arztzeugnis bescheinigten Tatsachen zu erbringen (Heinrich Andreas Müller in: Schweizerische Zivilprozessordnung, ZPO, Kommentar, Brunner/Gasser/Schwander, Hrsg.,
2.
Aufl., Zürich 2016,
Art.
177
Rz
9; Annette
Dolge
in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung,
3.
Aufl., Basel 2017,
Art.
177
Rz
13).
2
.
2
.1
Unstrittig ist, dass die Beklagte die Taggeldzahlungen per 2
2.
November 2015 eingestellt und hernach nicht wiederaufgenommen hat (
Urk.
15 S. 2
Rz
1; vgl.
auch
Urk.
10/62). Mit ihrer Klage verlangt die Klägerin Taggeldleistungen über diesen Zeitpunkt hinaus bis zum von ihr geltend gemachten Genussabl
auf per 11.
Januar 2017 (
Urk.
15 S. 2
Rz
1-5).
Für die erste Erkrankungsphase ab dem
1.
Juni 2014 liegen Arbeitsunfähig
keitsatteste der Hausärztin
Dr.
Z._
vor (
Urk.
10/7-9
). Für die Zeit nach dem Rückfall
ab dem 1
3.
Februar 2015
liegen Arbeitsunfähigkeitsatteste der neuen Hausärztin
Dr.
B._
vor und solche des Allgemeinmediziners
Dr.
A._
(
Urk.
10/16-18,
Urk.
10/19/2,
Urk.
10/25 f.,
Urk.
10/29-30,
Urk.
10/34,
Urk.
10/55/2,
Urk.
10/56/2-5,
Urk.
60/2,
Urk.
10/63/
1-
2
,
Urk.
10/67/2,
Urk.
10/71/3-5,
Urk.
10/73/3,
Urk.
10/83/2
-4
).
Die Beklagte
macht
geltend,
nach
einer längeren Bezugsdauer bildeten Arbeitsunfähigkeitsatteste
oder die Auflistung von Beschwerden in einem Arztbericht
für sich allein bei gleichzeitig unklaren Symptomen keine hinreichende Beweisgrundlage
mehr
, um einen fortgesetzten Taggeldbezug zu rechtfertigen. Vielmehr bedürfe es in einer solchen Situation
weitergehender
ärztlicher
Darlegungen
,
aus welchen Gründen während
eine
r
längere
n
oder
für eine
noch nicht voraussehbare Dauer eine Arbeits
unfähigkeit
bestehe
,
namentlich dann,
wenn
es sich um
eine Arbeitsunfähigkeit
von
höherem
Ausmass
handle
(
Urk.
9 S. 5 f. ad 27 f.
,
Urk.
19 S. 3 ad 18 f.
).
2
.2
Gemäss
Art.
5
Ziff.
1 ZB der mit der Police Nr.
«...»
zur Kollektiv-Krankenversicherung abgegebenen Zusatzbedingungen (ZB) richtet sich der Taggeldanspruch nach dem attestierten Grad der Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
10/1/4 S. 8).
Arbeitsunfähigkeit definiert
Art.
4
Abs.
1
der Allgemeinen Bedingungen (AB) für die Kollektiv-Krankenversicherung als
die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte volle oder teilweise Unfähigkeit, sowohl im bisherigen als auch in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten
(
Urk.
10/1/4 S. 11) ist
. Für die Beurteilung des Vorliegens einer Arbeitsunfähigkeit sind
sodann
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu berück
sichtigen, wobei eine Arbeitsunfähigkeit nur vorliegt, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
AB
Art.
4
Abs.
2).
Der Nachweis einer leistungs
begründenden Arbeitsunfähigkeit
bedarf somit nebst
deren
ärztliche
r
Bescheinigung auch
der Angaben
zur ihr zu
Grunde liegenden gesundheitlichen Störung und de
s
Nachweis
es
, dass
die Arbeitsunfähigkeit
aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist.
Der St
andpunkt der Beklagten
ist mithin gerechtfertigt
.
Erforderlich
für
den
Taggeldanspruch über den 2
2.
November 2015 h
inaus
sind demnach nebst den ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsattesten weitergehende Darlegungen der behandelnden Ärzte.
Auch die Klägerin
geht im Übrigen davon aus
,
dass
die ärztlichen Zeugnisse
für sich nicht ausreichen
d sind
, um von einer ärztlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit ausgeh
en zu können (Urk.
15 S. 3
Rz
9
).
3
.
3
.1
Bei der ersten Krankmeldung
am
1.
Juli 2014 wurde angegeben, die Klägerin leide nach mehreren Krankheiten unter starker körperlicher Erschöpfung (
Urk.
10/5/2 u. 3).
Dr.
Z._
hielt im Arztzeugnis vom 1
1.
August 2014 fest, die Klägerin leide unter Bauchschmerzen und Haarausfall. Beides sei in Abklärung (
Urk.
10/9).
3
.2
Nach der weiteren Arbeitsniederlegung im Februar 2015 berichtete
Dr.
B._
am 1
7.
Juni 2015, die Klägerin leide unter M
üdigkeit und
Erschöpfung
; ebenso unter
Schwindel mit unklarer Genese. Es fänden Abklärungen statt
, namentlich diverse Laboruntersuchungen
. Die Prognose sei
unbestimmt
(
Urk.
10/28).
Dr.
A._
erwähnte in seinem Arztzeugnis vom 1
8.
Juli 2015 ebenfalls
Symptome wie Kraftlosigkeit, Zittern, Ohr
en
druck und Kopfweh (
Urk.
10/34).
3
.3
3
.3.1
Die Klägerin
stellte
der Beklagten in der Folge ein
Konvolut mit verschiedenen ärztlichen Unterlagen zur Verfügung (
Urk.
10/58/
1-27
). Es enthält etliche
Berichte
über
Untersuchungen und
Abklärungsmassnahmen
, die die Hausärztinnen
Dr.
Z._
und
Dr.
B._
veranlasst hatten
(v
gl.
Urk.
10/58/2-5,
Urk.
10/58/9-12
,
Urk.
10/58/
20
,
Urk.
10/58/23-24)
. Ferner enthält es einen Auszug aus der
Krankengeschichte von
Dr.
B._
(
Urk.
10/58/25) und eine Darstellung des Leidensverlaufs durch die Klägerin selber (
Urk.
10/58/18).
Sodann finden sich
darin
auch verschiedene
Laborbefunde
im Zusammenhang mit den erfolgten Untersuchungen
(vgl.
Urk.
10/58/1,
Urk.
10/58/13-17,
Urk.
10/19,
Urk.
10/58/26 f.)
.
3
.3.2
Die
Ärzte des
E._
, Medizinische Klinik,
führten
im Bericht vom
2
8.
Juli 2014 aus, die Klägerin sei von
Dr.
B._
wegen zunehmender Schwäche, Gangunsicherheit, Schwindel, Tinnitus und Haarausfall, worüber sie seit Januar 2014 klage, überwiesen worden.
Es habe sich um einen elektiven Eintritt gehandelt. Bei Eintritt habe sich eine
wache und orientierte
Patientin in gutem Allgemein- und leicht untergewichtigem Ernährungszustand (
BMI 17,6 kg/m
2
)
vorgestellt
.
Medikamente nehme die Klägerin keine. Sie habe dazu ausgeführt, sie reagiere a
uf praktisch alle Medikamente mit vermehrtem Schwindel und Schwächegefühle
n
in den Beinen
sowie
mit einem Druckgefühl hinter den Augen. Sie habe daher alle M
edikamente abgesetzt, inklusive
der Pille.
Die ausführliche klinische Untersuchung habe keine Hinweise auf eine akute Pathologie ergeben. Eine neurologische Abklärung
habe infolge Abwesenheit des Neurologen nicht durchgeführt werden können. Diese werde separat sattfinden. Laboranalytisch habe sich eine
leichte Anämie und eine leichte
Thrombozytopenie
bei normwertigem
Ferritin
gezeigt. Das Schilddrüsenhormon T4 (Thyroxin) sei erniedrigt gewesen. Bei normwertigem TSH (
Thyreoidea
-stimulierendes Hormon
) und freiem T3 (
Trij
odthyronin
)
sei in Rücksprache mit der
Endokrinologin
ein
leicht erniedrigter T4-Wert ohne klinische Relevanz.
Bei normalisierter alkalischer Phosphatase und einigermassen rege
l
mässiger Menstruation sei aktuell von einem
normalen
Knochenturnover
auszugehen. Differentialdiagnostisch sei die passagere Erhöhung der Knochen-AP
(
Knochen
phosphatase
) am ehesten im Rahmen der sekundären
Amenorrhoe
bei Östrogenmangel zu sehen. Eine Überprüfung der Kalziumeinnahme und gegebenenfalls eine Knochendichtemessung sei zur Standortbestimmung sinnvoll.
Hinsichtlich der leichten
Hypocuprämie
, die sich im Verlauf normalisiert habe, sei das
Coreuleoplasmin
normwertig. Es bestehe kein Hinweis
auf eine klinische Relevanz. Di
e zu stellende Diagnose laute: (1) intermittierende Beinschwäche bei Schwindel unklarer Genese (DD unklares neurologisches Zustandsbild, DD funktionell), (2) leichte
normochrome
,
normozytäre
Anämie und
Thrombozytopenie
(DD
Substrat
emang
el
, DD rheumatologisch), (3) leicht erniedrigtes freies T4 im Rahmen einer Konversionsstörung, (4) Status nach sekundärer
Amenorrhoe
(passager erhöhte Knochen-AP),
(5) passagere leichte
Hypocuprem
ie
, (6) Status nach
Keratokonjunktivits
sicca
(DD
okuläre
Rosacea
im März 2014). Abschliessend hielten die Ärzte fest, die Klägerin habe nach der Untersuch
ung in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden können (
Urk.
10/58/23 S. 1 f.,
Urk.
10/58/24
S. 1 f.
).
Zur
im Nachgang
durchgeführt
en neurologischen Untersuchung i
m
E._
ist
dem Bericht vom 3
0.
Juli 2015 zu entnehmen,
die Klägerin habe
zunächst zu
60
%
im Büro gearbeitet und dann ab 2014 im Zuge einer Weiter
bildung im Marketing das Pensum auf 40
%
reduziert. In der Folge habe sie aber die Ausbildung wegen diverser Krankheitssymptome
abgebrochen. In der Familie seien keine neurologischen Erkrankungen bekannt. Die klinische Untersuchung (Hirnnervens
tatus und übriger neurologischer
Status bezüglich Motorik, Sensorik, Tonus und
Trophik
) habe ein unauffälliges Resultat ergeben. Auch das MRI des
Schädels zeige einen unauffälligen Zustand. Insbesondere hätten sich keine Hinweise
auf
eine entzündliche Hi
r
nerkrankung ergeben, auch keine für einen Morbus Wilson. Im Ergebnis sei von einem neurologisch komplett unauffälligen Zustand auszugehen. Weitere Abklärungen seien aus neurologischer Sicht nicht angezeigt
(
Urk.
10/58/20 S.
1-3
).
3
.3.3
Es liegen sodann Berichte des Institutes für klinische Notfallmedizin des
E._
vom 2
5.
Januar 2013 (
Urk.
10/58/8),
vom
3.
März 2014 (
Urk.
10/58/9), vom
8.
Mai 2014 (
Urk.
10/58/10), vom
2.
Januar 2015 (
Urk.
10/58/11) und vom 2
8.
April 2015 (
Urk.
10/58/12) vor.
Im Januar 2014 suchte die Klägerin die Notfallstation wegen rezidivierender
epigastrischer
Beschwerden auf.
Nach erfolgten Untersuchungen hielten die Ärzte fest, die geklagten Beschwerden seien objektiv nicht erklärbar. Möglicherweise liege eine gewisse Hypersensibilität nach erfolgter Behandlung eines Infektes mit
Heliobacter
pylori
vor (
Urk.
10/58
/8
).
Im März 2014 stellte sich die Klägerin wegen seit drei Tagen
an
dauernden ziehenden Schmerzen hinter dem linken Auge vor. Die Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf einen erhöhten Hirndruck, sondern die Beschwerden wurden mit dem bekannten Bruxismus in Verbindung gebracht (
Urk.
10/58/9 S. 1-2).
Im Mai 2014 erfolgte eine Zuweisung aufgrund einer Präsynkope.
Eine objektive Ursache für die geklagten Beschwerden (Schwächeanfall im Sitzen mit
ungerichtetem
Schwindel und Zuckungen in den Beinen) fanden die Ärzte nicht (
Urk.
10/58/
10 S.
1-2).
Anlässlich der Notfallkonsultation vom
2.
Januar 2015 berichtete die Klägerin übe
r während vier Tagen anhaltende
Mühe mit den Armen, über Herzrasen, hohen Puls, Schwindel, Kribbeln im Gesicht und über Beinschmerzen. Die
Untersuchungen ergaben keine nachvollziehbaren Ursachen. Insbesondere ergaben sich keine Hinweise für eine Beinvenenthrombose (
Urk.
10/58/11).
Im April 2015
suchte
die Klägerin
wiederum notfallmässig die Ärzte des
E._
auf. Sie klagte über im Liegen aufgetretene linksseitige stechende
Thoraxschmerzen
mit Ausstrahlungen in die linke Achsel. Die Ärzte hielten
im
Austrittsbericht vom 1
8.
April 2015
fest, mittels
Elektrokardiogramm
(
EKG
)
und labortechnisch habe ein kardiales Geschehen ausgeschlossen werden können. Es
sei von
muskuloskelettalen
Beschwerden auszugehen, die bei Bedarf analgetisch zu behandeln seien (
Urk.
10/58/12 S. 1-2
; vgl. auch
Urk.
10/58/4
).
3
.3.4
Im Juli 2014
hatte sich
die Kl
ägerin im
F._
wegen des Verdachts auf eine
telogene
Alopezie bei Untergewicht (BMI 16,45 kg/m
2
)
untersuchen lassen
.
Dem Bericht vom
4.
Juli 2014 ist zu entnehmen, i
m
Synacten
-T
est
(vgl.
Urk.
10/58/6)
sei ein Anstieg von Progesteron minim über dem Grenzwert festzustellen gewesen. Da jedoch bis auf den diffusen Haarausfall keine Hinweise auf eine
Androgenisierung
bestünden und
anamnestisch ab dem 1
6.
Lebensjahr eine regelmässige Menstruation bestanden habe, sei ein allfäl
liges
A
drenogenitales
Syndrom (AGS) sehr in Frage gestellt.
Bei der Besprechung mit der Klägerin sei erläutert worden, dass hier die Pille die Therapie der Wahl wäre. Es sei sinnvoll, die Laboruntersuchung zu wiederholen, wenn die Klägerin die Pille längerfristig absetze. Dann würde sich zeigen, ob
spontan regelmässige Menstruationszyklen aufträten, was stark gegen ein AGS sprechen würde. Sollte es zu Unregelmässigkeiten beim Zyklus kommen, so müsste sicherlich die Labor
diagnostik wiederholt werden (
Urk.
10/58/7 S. 1).
Auch eine zuvor
im Juni 2014 erfolgte Untersuchung im Zusammenhang mit dem Haarausfall hatte keine auffälligen Befunde ergeben (vgl.
Urk.
10/58/5).
3
.3.5
Dem Bericht von
Dr.
med. G._
, Fachärztin FMH für Radiologie und Allgemeine Medizin, vom
6.
Juni 2015 ist zu entnehmen, die Klägerin habe über intermittierenden
Schwankschwindel
, Übelkeit und Tinnitus geklagt. Es habe der Verdacht auf eine
Endolymphstörung
bestanden. Die
MRI-Untersuchung des Schädels sei bei anamnestisch bekannten Reaktionen auf praktisch alle Medikamente nativ durchgeführt worden. Signalanhebungen im Marklager seien nicht festzustellen gewesen. Die inneren und äusseren
Liquorräume
seien schlank. Die Flow
voids
(bildmorphologischer Anhaltspunkt für ein durchgängiges Gefäss) in den grossen Gefässen seien regelrecht gewesen. D
ie Anatomie sei unauffällig
und es seien keine ausgeprägten Wandirregularitäten, keine
höhergradigen
Stenosen oder
eine
Gefäss
rarifizierung
erkennbar. Die Feinanatomie des Kleinhirnbrückenwinkels sei regelrecht und die Bogengänge unauffällig.
Nasen
nebenhöhlen und
Mast
o
i
d
beidseits seien regelrecht belüftet. Zusammenfassend hielt
Dr.
G._
fest, das
Neurokranium
sei unauffällig und ebenso unauffällig sei die native Untersuchung des Kleinhirnbrückenwinkels
ausgefallen
(
Urk.
10/58/3).
3
.3.6
Dr.
med.
H._
, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen- und Hals
krankheiten/ORL, führte im Bericht vom 2
2.
Juni 2015 aus, er habe die Klägerin bei Verdacht auf eine
Endolymphstörung
rechts untersucht und behandelt. Hierfür eindeutige Befunde habe er nicht erheben können und eine klare Zuordnung der geklagten Beschwerden sei nicht möglich. Bei Persistenz der Beschwerden sei eine Untersuchung im Schwindelzentrum des
I._
in Betracht zu ziehen. In diesem
Rahmen könnten auch allfällige neurologische oder psychiatrische Fragestellungen aufgearbeitet werden (
Urk.
10/58/2 S. 1).
3
.3.7
Als Zwischenfazit lässt sich festhalten, dass
bereits für die Zeit bis zum 2
2.
November 2015
keiner der erwähnten Berichte eine längerdauernde Arbeits
unfähigkeit, insbesondere keine vollständige
oder
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit
als nachvollziehbar erscheinen lässt.
Der Auszug von
Dr.
B._
aus
der
Krankengeschichte der K
lägerin, der die Zeit ab dem
9.
Juni bis zum 1
4.
Oktober 2015 umfasst,
gibt
sodann
im Wesentlichen den
Verlauf der durchgeführten Untersuchungen und der veranlassten Abklärungen wieder
,
doch ergeben sich daraus
keine
darüber
hinausgehende
n
eindeutige
n
Erkenntnisse
- weder bezüglich aufgeführter Befunde noch genannter Diagnosen - und auch keine begründeten Darle
gungen zur Arbeitsfähigkeit respektive
Arbeits
unfähigkeit
(
Urk.
10/58/25
S. 1 ff.
).
Soweit
auf
die
Einschätzung
der Klägerin
bezüglich
deren
Arbeitsfähigkeit hingewiesen
wird
(
Urk.
10/58/25 S.
7
u. S. 20
)
, ist festzuhalten, dass die Eigeneinschätzung
eine Arbeitsunfähigkeit nicht zu belegen
vermag
.
Dies gilt auch für die
Darstellung des Leidensverlaufs durch die Klägerin selber (
Urk.
10/58/18
; vgl. auch
Urk.
10/102/12
u.
Urk.
10/35 S. 2 ff
)
.
Hinzu kommen Hinweise
auf Inkonsistenzen. Beispielsweise wur
de trotz attestierte
r
Arbeitsunfähigkeit eine mehrtägige Flugreise
im Mai 2015
nach Holland vermerkt (
Urk.
10/58/25 S. 6). Ebenso ergeben sich aus dem Patienten
doss
ier Hinweise auf eine mangelnde
B
ehandlungscompliance
. Gemäss den
Aufzeichnungen lehnte die Klägerin im Juni 2015 die von der Hausärztin vorgeschlagene
n
Abklärungen im Schwindelzentrum des
I._
mit der Begründung ab, dass dort auch Abklärungen psychiatrischer Natur durchgeführt würden (
Urk.
10/58/
25 S. 9).
3
.4
.
3
.4.1
In den Akten findet sich
ferner
das Ergebnis eines im Januar 2016 durch das Labor des
J._
durchgeführten
Lymphozytentransformationstests
auf
Borrelien
. Das Labo
r hielt fest, es zeigten sich positive Reaktionen auf
Borrelienantigene
.
Dieser
Befund spreche für eine aktive Auseinandersetzung des zellulären Immunsystems mit
Borrelien
und
deute
somit auf eine derzeit aktive
Borrelieninfektion
hin. Der positive Befund allein stelle keine Therapieindikation dar. Diese
s
oll
e stets unter Berücksichtigung der Laborbefunde und vor allem des klinischen Bildes gestellt werden (
Urk.
10/71/6).
3
.4.2
Die Ärzte des
K._
untersuchten die Klägerin im Januar 2016 neuroradiologisch mittels eines MRI des Schädels und der Halswirbelsäule. Sie hielten in ihrem Bericht vom 1
5.
Januar 2016 fest, die bildgebenden Befunde sowohl des Schädels als auch der Halswirbelsäule seien normal. Eine intrakraniale Raumforderung, ein atrophischer Prozess oder eine Pathologie des
Myelons
habe nicht nachgewiesen werden können (
Urk.
10/102/3 =
Urk.
10/102/7).
3
.4.3
Dr.
med.
L._
, Leitende Ärztin des
K._
, berichtete am 1
5.
Juni 2016, sie habe gleichentags eine Knochendensitometrie im Bereich der Lendenwirbelsäule und der linken Hüfte durchgeführt. Es habe sich um eine rein technische Untersuchung gehandelt. Die ermittelten Werte sprächen für eine Osteoporose im Bereich der Lendenwirbelsäule mit hohem Fraktur
-
risiko
und für eine
Osteopenie
im Bereich der Hüfte links mit erhöhtem Frakturrisiko (
Urk.
10/102/11 =
Urk.
10/102/13 je S. 1).
3
.4.4
Dr.
med.
M._
, Facharzt FMH für Gastroenterologie und Allgemeine Innere Medizin, untersuchte die Klägerin am 2
0.
Oktober
2016 mittels Gastroskopie. Er nannte im Bericht vom gleichen Tag als Diagnose eine diskrete Schleimhautalteratio
n im Duodenum
bei ansonsten
unauffälliger
Oesophagogastroduo
denoskopie
. Zur Diagnose hielt er im Bericht fest, die Gastroskopie sei von makroskopischer Seite praktisch normal ausgefallen. Aufgefallen sei allein eine etwas
alterierte
Duodenalschleimhaut
mit diskretem kleinfleckigem Erythem. Dabei handle es sich aber um einen unspezifischen Befund. Zur Evaluation einer Zöliakie in der Frühform (Morbus Crohn)
oder einer toxischen Genese
seien entsprechende Biopsien entnommen worden. Anhand der vorliegenden Befunde rücke jedoch ein funktionelles Geschehen sicherlic
h in den Vordergrund.
Aufgrund der völlig unklaren Situation stelle sich die Frage, ob nicht allenfalls noch eine
Ileokoloskopie
nötig sei. Die Klägerin wolle dies noch einmal mit ihrer Hausärztin besprechen (
Urk.
10/102/9 S. 1-2). Am 2
1.
Oktober 2016 berichtete
Dr.
med.
N._
,
Fachärz
t
in für Pathologie, die Biopsien der Dünndarmschleimhaut seien ohne
histopathologischen
Befund gewesen (
Urk.
10/102/10).
3
.4.5
Im Bericht vom 2
8.
Oktober 2016 hielt
Dr.
med.
O._
, Facharzt FMH für Radiologie, fest, er habe gleichentags eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens der Klägerin durchgeführt. Diese habe über rezidivierende abdominale Beschwerden geklagt. Untersucht worden seien Leber, Nieren, Milz, Pankreas, Retroperitoneum, Lymphknotenstationen, Darmstrukturen und das kleine Becken. Die Untersuchung sei unauffällig gewesen, ohne Hinweise auf eine abgrenzbare Pathologie, einschliesslich der Darmstrukturen bei
mässiggradigem
Kolonmeteorismus (
Urk.
10/102/2 =
Urk.
10/102/6).
3
.4.6
Im Bericht vom 1
9.
Januar 2017 führten die Ärzte von
P._
aus, die Klägerin habe über seit einem Jahr progrediente Sehstörungen nachts berichtet. Die Systemanamnese sei bis auf eine Borreliose-Erkrankung vor einem Jahr unauffällig.
Auch d
ie Familien
anamnese sei bezüglich Augenerkrankungen unauffällig.
D
ie Untersuchung habe
insgesamt
unauffällige Befunde ergeben. Differentialdiagnostisch sei an einen Vitamin A-Mangel zu denken (
Urk.
10/102/4 =
Urk.
10/102/8).
3
.4.7
Die
weiteren
,
die Zeit nach dem 2
2.
November 2015 betreffenden ärztlichen
Unterlagen bilden
ebenfalls
keine hinreichende Grundlage, um gestützt darauf von einer Arbeitsunfähigkeit ausgehen zu können, insbesondere nicht von einer
höhergradigen
und
längerdauernden. Weder die bildgebenden Abklärungen des Schädels und der Halswirbelsäule
und
die augenärztlichen Untersuchungen im Januar 2016
respektive im Januar 2017
noch die internistischen und die
gastroenterologischen
Abklärungen im Oktober 2016 ergaben Hinweise auf das Vorliegen einer konkreten Erkrankung und einer
damit im Zusammenhang stehenden Arbeitsunfähigkeit
.
Allein die
Messung
der Knochendichte im Juni 2016
ergab konkrete,
von
den
Normwerten ungünstig abweichende Befunde
in Bezug auf die Gefahr von Knochenfrakturen
. Eine damit im Zusammenhang stehende Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
in der bisherigen, körperlich nicht belastenden Tätigkeit
wurde ärztlicherseits
aber
weder erwähnt noch liegt eine solche nahe.
4
.
4
.1
Die fortlaufend mittels Atteste
n
und Zeugnisse
n
der Beklagten gemeldete Arbeits
unfähigkeit lässt sich anhand der zahlreichen wiedergegebenen Berichte und Beurteilungen der behandelnden Ärzte weder nach ihrem Bestand noch nach dem geltend gemachten Ausmass nachvollziehen
, insbesondere nicht für die hier massgebende Zeit nach dem 2
2.
November 201
5.
Trotz der zahlreichen von der Klägerin geklagten Beschwerden gelang es den Ärzten nicht, Befunde zu erheben, die
den Nachweis
darüber
erbringen, dass konkret ein somatisches oder psychisches Leiden besteht, das nachvo
llziehbar und objektiv begründbar
eine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit
in
leistungsbegründendem
Ausmass
(
Art.
5
Ziff.
1 ZB;
Urk.
10/1/4 S. 8)
zur Folge hat.
Im Klageverfahren von der Klägerin eingereichte hausärztliche
Darlegungen
legen den Schluss nahe
, dass für die attestierte Arbeitsunfähigkeit in erster Linie die Beschwerdeschilderung der Klägerin ausschlaggebend war und
nicht die objektive Befundlage (
Urk.
2/3 S. 1,
Urk.
2/4 S. 1)
.
Dieser Umstand findet seine Entsprechung im Ergebnis der
zahlreichen
spezialärztlichen Abklärungen
, deren Berichte vorliegen und auf die eingegangen wurde
.
4
.2
Die
beratende
n
Ärzte
der Beklagten,
Dr.
C._
und
Dr.
D._
,
kam
en
angesichts dessen nachvollziehbar
zu vergleichbaren Schlussfolgerungen.
Die Ärzte hielten in ihren Stellungnahmen fest, i
n den Unterlagen
fänden sich verschiedene Symptome
, Beschwerden
und Befindlichkeitsstörungen, e
s fehlten jedoch objektivierte medizinisch-somatische Diagnosen
von
versicherungsmedizinischer Relevanz zur Begründung einer teilweisen oder gänzlichen Arbeitsunfähigkeit. Die vereinzelten Laborbefunde, die
teilweise
etwas ausserhalb der Normgrenzen lägen, ergäben ebenfalls keine Hinweise auf allfällig relevante med
izinische Diagnosen
.
Somit
sei
eine
andauernde Arbeitsunfähigkeit nicht zu begründen und nicht ausgewiesen (
Urk.
10/59,
Urk.
10/88,
Urk.
10/106).
Insbesondere
Dr.
C._
nahm ausdrücklich nur Bezug auf ein somatisches Leiden.
Konkrete Anhaltpunkte für
ein psychisches Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ergeben sich
aber
weder aus den
Akten noch
macht
die Klägerin
ein solches geltend. Vielmehr scheint sie ein solches sogar auszuschliessen
, lehnte sie doch die von der Hausärztin vorgeschlagene
n
Abklärungen im Schwindelzentrum des
I._
mit der Begründung ab, dass dort auch Abklärungen psychiatrischer Natur durchgeführt würden (
Urk.
10/58/25 S. 9).
4
.3
Da aufgrund der ärztlichen Unterlagen für den vorliegend massgebenden Zeit
raum nach dem 2
2.
November 2015 weder eine Erkrankung noch eine damit nachvollziehbar im Zusammenhang stehende Arbeitsunfähigkeit
mit dem erforderlichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erstellt
ist
, ist es nicht zu beanstanden, dass
d
ie Beklagte ihre Leistungen eingestellt hat
. Weitere
Beweismassnahmen
sind nicht erforderlich, zumal diese keinen
relevanten Erkenntnisgewinn
brächten
.
Die Invalidenversicherung
stützte sich in ihrem Abklärungsverfahren
bezüglich das von der Klägerin im Juli 2017 gestellte Leistungsgesuch
(vgl.
Urk.
10/117/1 S. 1 ff.)
in erster Linie
auf die
vorliegend
geprüften ärztlichen Unterlagen
(
Beizug
der Akten der Allianz)
. Weitere
von der IV-Stelle
eingeholte Arztberichte betreffen sodan
n die Verhältnisse nach dem 11.
Januar 2017, das heisst nach dem Zeitraum, für den die Klägerin Taggelder verlangt
(
Urk.
15 S. 2
Rz
5)
.
Im Übrigen kam auch die Invalidenversicherung zum Schluss, es sei keine längerfristige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen (
Urk.
10/118/2).
Da aufgrund der Berichte der behandelnden Ärzte eine Arbeits
unfähigkeit im hier massgebenden Zeitraum nicht
ausgewiesen ist
, drängt sich auch die Einholung eines Gutachtens durch das Gericht nicht auf. Es ist nicht zu erwarten, dass sich damit wesentliche neue Erkenntnisse gewinnen
liessen
.
Im Urteil KK.2018.00044 vom 2
1.
Februar 2019 war das Sozialversicherungsgericht
zum Schluss gelangt,
mit einem Gutachten lasse sich der aktuelle Gesundheits
zustand und die aktuelle Arbeitsfähigkeit
beurteilen.
Dies aber wäre als Beweis
mittel betreffend die weit zurückliegende strittige Periode
nicht geeignet
, was im Übrigen im Grundsatz auch im Gesuch um vorsorgliche Beweisabnahme zutreffend erkannt worden sei (E. 3.1;
Urk.
10/124 S. 5)
.
Die Folgen
der für die Zeit nach dem 2
2.
November 2015 nicht bewiesene
n
Arbeitsunfähigkeit
als rechtsbegründende Tatsache
hat die Klägerin zu
tragen
.
Bei dieser Sachlage
ist die Klage abzuweisen. Auf die weiteren strittigen Aspekte, insbesondere auf die
Frage der
teilweisen
Verjährung, auf
die
Frage des Zeitpunktes des Genussablaufs
(
Urk.
9 S. 3 ad 17.2,
Urk.
15 S. 1
Rz
1 ff.,
Urk.
19 S. 1 f
.
ad
17.2
) oder auf den Vorwurf
d
es widersprüchlichen Verhaltens im Zusammenhang mit
der
Borrelieninfektion
(
Urk.
15 S. 3
Rz
16)
, ist nicht einzugehen.
5
.
5
.1
Gemäss
Art.
114
lit
. e ZPO ist das Verfahren kostenlos.
5
.2
Die Beklagte ist nicht durch einen externen Anwalt vertreten. Sie hat somit praxisgemäss - mangels eines besonderen Aufwandes (vgl. BGE 110 V 72 E. 7) - keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_355/2013 vom 2
2.
Oktober 2013 E. 4.2).
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Klage
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Der Beklagten wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Jean Louis
Scenini
-
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
-
Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA
5.