Decision ID: 927a1087-5f1f-4562-945d-dd5df05e6e3d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht, vom 5. Dezember 2017 (GG170015)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 7. Juni 2017 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 11).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 36 S. 47 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte, A._, ist schuldig
− der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit im
Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG;
− der fahrlässigen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1
SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 100 Ziff. 1 Satz 1 SVG;
− des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 und 3 SVG und Art. 100 Ziff. 1 Satz 1 SVG
sowie
− des Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges im Sinne von Art. 93
Abs. 2 lit. a SVG in Verbindung mit Art. 29 SVG und Art. 57 Abs. 1 VRV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 60.–
(entsprechend Fr. 5'400.–) und einer Busse von Fr. 800.– .
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird nicht aufgeschoben. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'800.–.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
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6. Die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'600.– Gebühr für das Vorverfahren;
Fr. 4'020.– Auslagen (Gutachten);
Fr. 999.– Auslagen;
Fr. 70.– Auslagen (Gutachten).
7. Die Entscheidgebühr und die weiteren Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 37 S. 2 f.; Urk. 57 S. 22 f.)
1. In Gutheissung der Berufung sei der Beschuldigte vom Vorwurf der Vereite-
lung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit im Sinne von
Art. 91 Abs. 1 SVG, des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von
Art. 92 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 51 Abs. 1 und 3 SVG und Art. 100 Ziff. 1
Satz 1 SVG sowie des Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges im
Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG i.V.m. Art. 29 SVG und Art. 57 Abs. 1
VRV freizusprechen (Abänderung Dispositiv Ziff. 1).
2. Der Beschuldigte sei wegen fahrlässiger Verletzung der Verkehrsregeln im
Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 100 Ziff. 1
Satz 1 SVG mit einer Busse von CHF 300.– zu bestrafen (Abänderung
Dispositiv Ziff. 2).
3. Die Untersuchungs-, Verfahrens- und Gerichtskosten seien auf die Staats-
kasse zu nehmen, soweit sie nicht im Zusammenhang mit dem Schuld-
spruch wegen fahrlässiger Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 100 Ziff. 1 Satz 1
SVG stehen (Abänderung Dispositiv Ziff. 5+6).
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4. Dem Beschuldigten sei eine Anwaltskostenentschädigung für das erst-
instanzliche Verfahren gemäss Kostennote vom 5. Dezember 2017 und eine
Anwaltskostenentschädigung für das Berufungsverfahren (zzgl. 7,7 %
Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
5. Eventualiter sei der Beschuldigte wegen Nichtbeherrschen des Fahrzeuges /
mangelnder Aufmerksamkeit, wegen pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall
und wegen Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs schuldig zu
sprechen und mit einer Busse von CHF 500.– zu bestrafen, unter entspre-
chenden Kosten- und Entschädigungsfolgen (reduzierte Parteientschädi-
gung) zulasten der Staatskasse.
6. Subeventualiter sei dem Beschuldigten im Fall des Schuldspruchs wegen
Vereitelung einer Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit der Voll-
zug der Geldstrafe aufzuschieben (Abänderung Dispositiv Ziff. 3).
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 43; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 36 S. 3; Art. 82
Abs. 4 StPO).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Uster, Einzelrichter in Strafsachen, vom
5. Dezember 2017 wurde der Beschuldigte A._ im Sinne des eingangs wie-
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dergegebenen Urteilsdispositivs schuldig gesprochen und bestraft. Gegen dieses
Urteil liess er innert Frist mit Schreiben vom 8. Dezember 2017 Berufung anmel-
den (Urk. 30). Das begründete Urteil wurde dem Beschuldigten in der Folge am
3. Oktober 2018 zugestellt (Urk. 35), woraufhin die Verteidigung mit Eingabe vom
23. Oktober 2018 fristgerecht die Berufungserklärung beim hiesigen Gericht ein-
reichte (Urk. 37).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 6. November 2018 wurde der Anklagebehörde
Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben, oder begründet ein Nichtein-
treten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 41). Daraufhin teilte die Anklage-
behörde mit Eingabe vom 19. November 2018 mit, sie verzichte auf die Erhebung
einer Anschlussberufung und beantrage die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils (Urk. 43).
1.4. Am 18. Februar 2019 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher der
Beschuldigte in Begleitung seines erbetenen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur.
X._, erschienen ist (Prot. II S. 4).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich – abgesehen von zwei Aus-
nahmen – gegen das ganze vorinstanzliche Urteil (Urk. 37 S. 2 ff.). Nicht ange-
fochten wird der Schuldspruch wegen fahrlässiger Verletzung der Verkehrsregeln
im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und
Art. 100 Ziff. 1 Satz 1 SVG gemäss Dispositiv Ziffer 1 al. 2 sowie die vorinstanz-
liche Kostenfestsetzung gemäss Dispositiv Ziffern 5 und 6 (vgl. Urk. 54).
2.2. Vom Eintritt der Rechtskraft betreffend diese vorinstanzlichen Regelungen
ist vorab mittels Beschluss Vormerk zu nehmen. Im Übrigen steht das vorinstanz-
liche Urteil zwecks Überprüfung zur Disposition.
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II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Sachverhalt
1.1. Dem Beschuldigten wird in tatsächlicher, objektiver Hinsicht stark zusam-
mengefasst vorgeworfen, er habe am frühen Nachmittag des 6. November 2015
seinen Personenwagen der Marke B._ mit dem Kontrollschild ZH ... auf der
C._-Strasse in D._- gelenkt. Beim Einbiegen von der C._-Strasse
in die E._-Strasse sei er mit dem Sockel der Bahnschranke der E._-
Bahn kollidiert, wobei sowohl an der Bahnschranke zum Nachteil der E._-
Bahn AG als auch am Personenwagen des Beschuldigten selbst je Sachschaden
entstanden sei. Nach der Kollision habe der Beschuldigte seine Fahrt in Richtung
F._ bis zu seinem rund 400 Meter entfernten Wohnort an der G._-
Strasse ... mit seinem an der linken Fahrzeugfront stark beschädigten Personen-
wagen fortgesetzt, ohne sich um den verursachten Schaden zu kümmern und die
Geschädigte respektive die Polizei zu verständigen. Zuhause angekommen habe
der Beschuldigte das hintere Kontrollschild von seinem Auto entfernt und sich
unmittelbar danach zunächst zu einem namentlich nicht bekannten Kollegen und
hernach direkt in die Ferien begeben. Unmittelbar nach dem inkriminierten Vorfall
habe der Beschuldigte auf die diversen Kontaktaufnahmeversuche durch die Poli-
zei nicht reagiert und sich erst 12 Tage später, nämlich am 18. November 2015,
bei dieser gemeldet (Urk. 11 S. 2 ff.).
1.2. Mit Bezug auf den äusseren Anklagesachverhalt hat sich der Beschuldigte
sowohl in der Untersuchung, als auch vor Vorinstanz und im Berufungsverfahren
geständig gezeigt (Urk.1 S. 3 f.; Urk.2/1 S. 2 ff.; Urk.2/2 S. 2 ff.; Urk. 2/4 Frage 13;
Prot. I. S. 10 f.; Urk. 26 S. 3 f.; Urk. 37 S. 4; Urk. 57 S. 4). Wie bereits die Vor-
instanz zutreffend erwog, deckt sich das (Teil-)Geständnis des Beschuldigten mit
dem Untersuchungsergebnis, weshalb keinerlei Zweifel daran bestehen, dass
sich der äussere Anklagesachverhalt so zugetragen hat, wie er dem Beschuldig-
ten seitens der Staatsanwaltschaft See/Oberland in der Anklageschrift vom
7. Juni 2017 zur Last gelegt wird.
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1.3. Der innere, subjektive Anklagesachverhalt wird vom Beschuldigten indes
seit Beginn der Untersuchung konsequent in Abrede gestellt (Urk. 2/1 S. 3 ff.;
Urk. 2/2 S. 5 ff.; Urk. 2/4 S. 3, Urk. 26 S. 4 und S. 9 ff.; Urk. 57 S. 8 ff.).
1.4. Was der Beschuldigte bei den ihm zur Last gelegten Vorgehensweisen
wusste, wollte oder in Kauf nahm, ist im Rahmen der nachfolgenden rechtlichen
Würdigung zu erläutern. Zwar betrifft das Wissen, Wollen bzw. die Inkaufnahme
eines Täters innere Tatsachen, auf welche anhand der Würdigung des äusseren
Verhaltens des Täters sowie allenfalls weiterer Umstände geschlossen werden
kann, und ist damit eine Tatfrage. Rechtsfrage ist indessen, ob im Lichte der fest-
gestellten Tatsachen der Schluss auf einen Eventualvorsatz als berechtigt er-
scheint (vgl. BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; BGE 135 IV 152 E. 2.3.2 mit Hinweisen; Urteil
des Bundesgerichts 6B_388/2012 vom 12. November 2012 E. 2.2.4). Es ist damit
nicht zu übersehen, dass sich Tat- und Rechtsfragen teilweise überschneiden
(BGE 130 IV 62 f.; BGE 133 IV 17). Um betreffend den inneren Sachverhalt
Rückschlüsse ziehen zu können, müssen also die äusseren Umstände des Tat-
hergangs hinzugezogen und analysiert werden. Aufgrund der fast untrennbaren
Verknüpfung des inneren Sachverhalts und dessen rechtlicher Würdigung wird
der innere Sachverhalt daher nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung
erläutert.
2. Rechtliche Würdigung
2.1. Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit
2.1.1. Die Vorinstanz hat den Tatbestand von Art. 91a Abs. 1 SVG sowie die da-
zugehörige Lehre und höchstrichterliche Rechtsprechung sehr ausführlich und
gründlich dargestellt. Auf die betreffenden Erwägungen kann zwecks Vermeidung
von unnötigen Wiederholungen uneingeschränkt verwiesen werden (Urk. 36
S. 19 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.1.2. Objektiver Straftatbestand
2.1.2.1. Der Beschuldigte ist, gestützt auf den erstellten Anklagesachverhalt, am
6. November 2015 mit seinem Personenwagen mit dem Kontrollschild ZH ... bei
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der Kreuzung C._-Strasse / E._-strasse in D._- beim Einbiegen auf
die E._-strasse linksseitig mit der Bahnschranke der E._-Bahn kollidiert
und hat dabei sowohl an der Bahnschranke als auch an seinem eigenen Fahr-
zeug je einen erheblichen Sachschaden verursacht. Dass es sich beim Schaden,
welcher als direkte Folge der Kollision an der Bahnschranke entstand, entgegen
der Darstellung des Beschuldigten und seiner Verteidigung nicht um einen Baga-
tellschaden handelte, zeigt sich allein schon am Umstand, dass die Bahnschranke
nicht mehr geschlossen werden konnte und der Bahnverkehr während der Repa-
raturdauer nur auf Sicht fahrend den Bahnübergang passieren konnte (Urk. 1
S. 4). Ob der Schaden letztlich, wie zunächst durch den rapportierenden Polizei-
beamten geschätzt, Fr. 13'000.– betragen hat, ist für die Frage der Tatbestands-
mässigkeit unerheblich. Entscheiden ist einzig, dass der Beschuldigte, als Unfall-
verursacher, einen Sachschaden verursacht hat, welchen er sofort der Geschä-
digten respektive unverzüglich der Polizei hätte melden müssen (Art. 51 Abs. 3
SVG). Wie bereits die Vorinstanz zutreffend erwog, wäre diese Pflicht nur dann
entfallen, wenn der Beschuldigte zweifelsfrei hätte ausschliessen können, dass er
durch die Kollision mit der Bahnschranke einen Sachschaden verursacht hatte.
Dazu hätte aber zwingend und unverzüglich eine Überprüfung der Situation an
der Unfallstelle durch alle Beteiligten erfolgen müssen, was vorliegend aber gera-
de nicht der Fall war. Der Beschuldigte stellte sich in diesem Zusammenhang
sinngemäss auf den Standpunkt, er habe beim Blick aus dem Fahrzeug auf die
Unfallstelle keinen Sachschaden bemerkt, weshalb er der Auffassung gewesen
sei, es treffe ihn auch keine Meldepflicht. Die Meldepflicht gemäss Art. 51 Abs. 3
SVG stellt eine gesetzliche Pflicht jedes Automobilisten dar, welche letztlich der
Abklärung des Unfalls und damit allenfalls auch der Ermittlung des Zustands des
Fahrzeuglenkers dient. Dieser Pflicht ist der Beschuldigte unbestrittenermassen
nicht nachgekommen, dies obwohl ihm angesichts der massiven Beschädigung
seines eigenen Fahrzeuges und der sichtbaren Schäden an der Bahnschranke
(Urk. 3/2 S. 3 ff.) sofort bewusst sein musste, dass er als fehlbarer Autolenker von
Gesetzes wegen verpflichtet gewesen wäre, sofort anzuhalten, den Schaden ab-
zuklären und unverzüglich seiner Meldepflicht nachzukommen. Dass es ihm in
objektiver Hinsicht nicht möglich gewesen wäre, seiner Meldepflicht nachzukom-
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men, hat selbst der Beschuldigte nie behauptet. Damit stellt sich einzig noch die
Frage, ob der Beschuldigte angesichts der Umstände des konkreten Falles mit
der Anordnung von Massnahmen zur Feststellung seiner Fahr(un)fähigkeit hätte
rechnen müssen, oder nicht. Hierzu ist zunächst darauf hinzuweisen, dass ge-
stützt auf die einschlägige bundesgerichtliche Rechtsprechung jeder an einem
Verkehrsunfall beteiligte Automobilist grundsätzlich damit rechnen muss, dass er
sich einer Alkoholkontrolle (respektive bei entsprechenden Verdachtsmomenten
einem Drogentest) unterziehen muss. Ausgenommen von diesem Grundsatz ist
gemäss Bundesgericht einzig jener Fall, bei welchem a priori ausgeschlossen
werden kann, dass die Unfallursache einen Zusammenhang mit der individuellen
Verfassung des Automobilisten hat (En considération de l'évolution législative qui
précède, il y a de manière générale lieu de s'attendre à un contrôle de l'alcoolé-
mie à l'alcootest en cas d'accident, sous réserve que celui-ci soit indubitablement
imputable à une cause totalement indépendante du conducteur. BGE 142 IV 324
E. 1.1.3). Dies wird denn auch in dem durch die Verteidigung eingereichten Auf-
satz (Cohen, in: AJP 1/2019 "Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der
Fahrunfähigkeit nach einem Verkehrsunfall", S. 4 ff.; Urk. 58/2) festgehalten. An-
gesichts der Art des hier zu beurteilenden Vorfalles, der Schwere der Beschädi-
gungen am Fahrzeug sowie an der Bahnschranke sowie des gesamten Unfallher-
ganges und namentlich auch des anschliessenden Verhaltens des Beschuldigten,
kann kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, dass die Polizei Massnahmen zur
Überprüfung der Fahrfähigkeit des Beschuldigten angeordnet hätte. Dies umso
mehr, als der Beschuldigte bereits im Jahre 2011 einschlägig delinquierte, was
den ausgerückten Polizeibeamten aufgrund der Vorakten bekannt war (Urk. 1
S. 4).
2.1.2.2. Nach dem Gesagten und unter Verweis auf die in allen Teilen überzeu-
genden und sorgfältigen Erwägungen der Vorinstanz kann mit Blick auf den ob-
jektiven Straftatbestand von Art. 91a Abs. 1 SVG zusammengefasst festgehalten
werden, dass der Beschuldigte als Motorfahrzeugführer dazu verpflichtet gewe-
sen wäre, den durch ihn verursachten Unfall unverzüglich zu melden. Dass es
ihm jederzeit möglich gewesen wäre, eine entsprechende Meldung zu machen, ist
unbestritten und liegt auf der Hand. Wäre der Beschuldigte seiner Meldepflicht
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nachgekommen, so hätte die Polizei angesichts der Gesamtumstände zweifelsfrei
entsprechende Massnahmen zur Feststellung der Fahr(un)fähigkeit angeordnet
respektive jedenfalls anordnen können. Indem der Beschuldigte ohne eine ent-
sprechende Meldung zu machen die Unfallstelle verliess und hernach gar noch in
die Ferien verreiste, gelang es ihm definitiv zu verunmöglichen, dass die Strafun-
tersuchungsbehörden seine Fahr(un)fähigkeit zuverlässig abklären konnten, wo-
mit der tatbestandsmässige Erfolg eingetreten ist. Damit liegt der hypothetische
Kausalzusammenhang zwischen der unterlassenen Unfallmeldung und der Ver-
eitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahr(un)fähigkeit auf der Hand
und der objektive Straftatbestand von Art. 91a Abs. 1 SVG ist erfüllt.
2.1.3. Subjektiver Straftatbestand
2.1.3.1. Zum subjektiven Tatbestand führte die Vorinstanz zusammengefasst aus,
gestützt auf das psychiatrische Gutachten sei erstellt, dass der Beschuldigte trotz
vorhandener Flashback-Reaktion zu einem vorsatz- und motivgemässen Handeln
und Sicherstellen des gewünschten Erfolgs in der Lage gewesen sei. Nach Auf-
fassung des Gutachters seien beim Beschuldigten Planungs- und Entscheidungs-
elemente sowie eine ungestörte Situationswahrnehmung und Kontrolle der eige-
nen Handlungen erkennbar. Aufgrund seiner einschlägigen Vorstrafe aus dem
Jahr 2011 habe der Beschuldigte zweifelsohne um die Meldepflicht sowie um die
Anordnung einer Atemalkohol- resp. Blutprobe begründenden Tatsachen ge-
wusst. Da er in einen Unfall verwickelt gewesen sei, habe er auch mit einer Atem-
alkoholkontrolle rechnen müssen. Auch sei sein Verhalten nach dem Unfall nicht
schlüssig. Insbesondere stelle sich die Frage, warum er das hintere Nummern-
schild seines Autos abmontierte, sich aber nicht um das vordere gekümmert ha-
be. Die diesbezüglichen Behauptungen des Beschuldigten, er habe nicht an das
vordere Schild gedacht, überzeugten nicht und seien vielmehr als Schutzbehaup-
tung zu werten. Es erscheine vielmehr, als habe er etwas verheimlichen wollen.
Auffallend sei darüber hinaus auch, dass der Beschuldigte direkt nach dem Unfall
unbeirrt seine Pläne umsetzte und zu seinen Freunden gefahren sei. Selbst als er
von dort wieder nach Hause zurückgekommen sei und die Visitenkarte der Polizei
gesehen und somit gewusst habe, dass diese versucht habe, mit ihm in Kontakt
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zu treten, sei er trotzdem unbeirrt in die Ferien gefahren. Auf die entsprechende
Frage habe der Beschuldigte ausgesagt, er habe sich gesagt, dass er nach die-
sem Crash erst einmal in die Ferien gehe respektive er habe einfach in die Ferien
gewollt. Auf die Frage, warum er sich nicht sofort bei der Polizei gemeldet habe,
nachdem er zuhause angekommen sei, habe der Beschuldigte weiter ausgeführt,
er habe sein Auto angeschaut und einfach nur weg gewollt. Mit diesem Verhalten
habe er gezeigt, dass es ihm egal gewesen sei, ob die Polizei eine Massnahme
zur Feststellung der Fahrunfähigkeit hätte durchführen können oder nicht. Gerade
diese Gleichgültigkeit gegenüber dem strafrechtlichen Erfolg zeichne den Even-
tualvorsatz aus. Die Unterlassung der gesetzlich vorgeschriebenen und ohne
Weiteres möglichen Meldung könne somit vernünftigerweise beim Beschuldigten
nur als Inkaufnahme der Vereitelung dieser Massnahmen gewertet werden. Somit
habe der Beschuldigte eventualvorsätzlich gehandelt, indem er die Verwirklichung
des Tatbestands für möglich gehalten habe, dessen ungeachtet aber dennoch
gehandelt habe und den Erfolg, die Vereitelung der Massnahmen zur Feststellung
der Fahrunfähigkeit, durch sein Verhalten in Kauf genommen habe. Sein Ein-
wand, er habe – wenn überhaupt – höchstens grobfahrlässig gehandelt treffe da-
mit gerade nicht zu. Das für die Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und be-
wusster Fahrlässigkeit entscheidende Willenselement stehe ausser Frage, wenn
der Täter die Tatbestandsverwirklichung für so naheliegend halte, dass die Be-
reitschaft, sie als Folge seines Verhaltens hinzunehmen, vernünftigerweise nicht
mehr bezweifelt werden könne oder wenn sie ihm erwünscht, "recht" oder einfach
gleichgültig gewesen sei. Durch sein gleichgültiges Verhalten habe der Beschul-
digte gerade gezeigt, dass er die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen
habe. Der innere Anklagesachverhalt sei demnach erstellt und der subjektive Tat-
bestand somit erfüllt (Urk. 36 S. 25 ff.).
2.1.3.2. Der Beschuldigte respektive seine Verteidigung stellten sich im Rahmen
des Berufungsverfahrens demgegenüber auf den Standpunkt, in Würdigung der
gutachterlichen Schlussfolgerungen im Zusammenhang mit dem auch von der
Vorinstanz bestätigten Flashback als Folge des Unfalls, stehe zweifellos fest,
dass eine vorsätzliche Tatbegehung ausgeschlossen sei. Demnach sei auch in
Würdigung der gutachterlichen Feststellungen eine Abgrenzung zwischen even-
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tualvorsätzlicher und grobfahrlässiger Tatbegehung vorzunehmen. Vorliegend
könne – wenn überhaupt – allerhöchstens grobe Fahrlässigkeit vorliegen (Urk. 57
S. 8 ff.).
2.1.3.3. In subjektiver Hinsicht verhält sich im Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG tat-
bestandsmässig, wer als Fahrzeuglenker die Meldepflicht sowie die die hohe
Wahrscheinlichkeit der Anordnung einer Massnahme begründenden Tatsachen
kennt und die Unfallmeldung dennoch unterlässt, sodass die Unterlassung der
gesetzlich vorgeschriebenen und ohne Weiteres möglichen Meldung vernünf-
tigerweise nur als Inkaufnahme der Vereitelung der Massnahme gewertet werden
kann. Es genügt, wenn der Täter eventualvorsätzlich handelt (BGE 142 IV 324
E. 1.1.1; 131 IV 36 E. 2.2.1; je mit Hinweisen). Mit Blick auf die Wissenskom-
ponente drängt sich vorliegend zunächst ein Blick in die, den Beschuldigten be-
treffenden Beizugsakten auf, welche im Jahre 2011 durch die Staatsanwaltschaft
See/Oberland unter dem Aktenzeichen C-2/2011/5000 und unter dem Betreff
"Fahren in fahrunfähigem Zustand" erhoben wurden. Der Beschuldigte lenkte am
26. Oktober 2011 ein Fahrzeug, obwohl er unter dem Einfluss von Cannabis,
Kokain und Alkohol stand und deswegen nicht mehr fahrfähig war. In einer
Rechtskurve verlor er infolge seiner nichtangepassten Geschwindigkeit und seiner
zuvor erwähnten Fahrunfähigkeit die Herrschaft über sein Fahrzeug, geriet auf die
Gegenfahrbahn und touchierte den linken Randstein, woraufhin sich sein Fahr-
zeug überschlug. In der Folge kollidierte er mit einem Blumentopf und zwei par-
kierten Lieferwagen und kam auf dem Dach liegend zum Stillstand. Ohne sich um
seinen verletzten Mitfahrer und den angerichteten Sachschaden zu kümmern,
verliess der Beschuldigte die Unfallstelle und begab sich nach eigenen Angaben
nicht an seinen Wohnort, sondern zu seinem Bruder nach E._, wo er die
Nacht verbrachte und für die Polizei nicht erreichbar war. Erst gegen Mittag des
Folgetages meldete sich der Beschuldigte bei der Verkehrsleitzentrale der Kan-
tonspolizei Zürich, um den Unfall zu melden (Beizugsakten C-2/2011/500 Urk. 1
und Urk. 3). Mit Strafbefehl vom 19. Dezember 2011 wurde der Beschuldigte un-
ter anderem wegen der Vereitelung einer Massnahme zur Feststellung der Fahr-
unfähigkeit im Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG schuldig gesprochen und bestraft
(Beizugsakten C-2/2011/500 Urk. 13). Angesichts dieser Vorgeschichte und der
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daraus resultierenden, rechtskräftigen Verurteilung, kann keinerlei Zweifel daran
bestehen, dass der Beschuldigte um seine Meldepflicht wusste und es ihm auch
klar sein musste, dass angesichts der gesamten Umstände eine hohe Wahr-
scheinlichkeit bestand, dass die Polizei Anordnungen treffen würde, um seine
Fahrfähigkeit abzuklären. Dessen ungeachtet unterliess er es, seiner gesetzlich
vorgeschriebenen und ohne Weiteres erfüllbaren Meldepflicht nachzukommen.
Die Vorinstanz erblickte in dieser Unterlassung eine Inkaufnahme der Vereitelung
der Massnahme. Dass diese Einschätzung als sehr wohlwollend bezeichnet
werden muss, zeigt sich insbesondere bei einer Betrachtung des unmittelbar an
den Unfall anschliessenden Verhaltens des Beschuldigten. Dieser entfernte sich
nämlich nicht bloss vom Unfallort, ohne sich um den verursachten Schaden zu
kümmern. An seinem Wohnort angekommen stellte er zudem seinen stark be-
schädigten B._ ... nicht auf seinen üblichen Parkplatz, sondern parkierte ihn
nach eigenen Angaben vor die Scheune, wo er auch das noch am Fahrzeug ver-
bleibende hintere Nummernschild demontierte. Er habe das hintere Nummern-
schild abgenommen, weil er ja in die Ferien gegangen sei und "sie darum habe
wegnehmen" wollen. Die vordere Nummer habe er gar nicht "wahr genommen".
Danach habe er sich noch rund 30 Minuten zu Hause aufgehalten, um dann zu
seinen Freunden zu gehen und dort zwei Nächte zu schlafen. Am Sonntag gegen
Mittag sei er wieder nach Hause gekommen, wo er die Visitenkarte der Polizei
gefunden und festgestellt habe, dass sein Auto weg sei. Am darauffolgenden
Montag, den 9. November 2015 sei er dann mit dem Zug nach H._ am
I._-See in den Urlaub gefahren (Urk. 2/1 S. 4 f.). Angesichts der Vorge-
schichte des Beschuldigten, welche diesen doch nach eigenen Angaben so sehr
traumatisiert habe soll, dass er im vorliegenden Verfahren geltend machte, er ha-
be aufgrund eines "Flashback's" nicht vernunftgemäss handeln können, was vom
Gutachter überzeugend widerlegt wurde (vgl. Urk. 6/3 S. 22 ff.), steht ausser Fra-
ge, dass sich der Beschuldigte ganz gezielt und letztlich auch sehr erfolgreich der
polizeilichen Kontrolle entzog. Mit anderen Worten kann kein vernünftiger Zweifel
daran bestehen, dass der Beschuldigte – entgegen der Auffassung der Vor-
instanz – nicht bloss eventual-, sondern direkt vorsätzlich, mithin mit Wissen und
Willen im Sinne von Art. 12 Abs. 2 erster Satz StGB handelte. Aufgrund des
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Verschlechterungsverbotes hat es jedoch bei der rechtlichen Würdigung der Vor-
instanz sein Bewenden. Mit dieser geringen Einschränkung können die im übrigen
vollkommen überzeugenden und zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zur
Erstellung des inneren Anklagesachverhaltes sowie zu rechtlichen Würdigung
ohne weiteres übernommen werden (Urk. 36 S. 19 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ins-
besondere ist darauf hinzuweisen, dass die Frage, ob der Beschuldigte traumati-
siert war oder an einem "Flashback" litt, nicht im Rahmen des subjektiven Tatbe-
standes, mithin im Zusammenhang mit dem Vorsatz, sondern bei der Beurteilung
der Schuld zu berücksichtigen ist.
2.1.4. Rechtfertigungsgründe wurden seitens der Beschuldigten respektive seines
Verteidigers keine geltend gemacht und es sind auch keine ersichtlich. Weiterun-
gen hierzu erübrigen sich.
2.1.5. Nachdem der Beschuldigte in seiner ersten – tatzeitnahen – Einvernahme
vom 20. November 2015 noch mit keinem Wort erwähnte, dass er nach der
Kollision eine Art Flashback gehabt habe (Urk 2/1), brachte er rund ein halbes
Jahr später, anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 26. April
2016 erstmals einen entsprechenden Einwand vor (Urk. 2/2 S. 5 ff.).
2.1.5.1. Gestützt darauf holte die Anklagebehörde einen Bericht der behandeln-
den Psychologin lic. phil. J._ ein, welche zusammengefasst zum Schluss
kam, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt aufgrund einer posttraumatischen Be-
lastungsstörung nicht in der Lage gewesen sei, "bewusst vernünftig" zu handeln
und zu reagieren (Urk. 5/3 S. 2 f.).
2.1.5.2. Diese Einschätzung veranlasste die Anklagebehörde in der Folge, bei Dr.
med. K._ ein forensisch psychiatrisches Gutachten zum behaupteten "Flash-
back" und den daraus allenfalls resultierenden Folgen einzuholen. Der Gutachter
hat sich in der Folge sehr ausführlich mit den vorhandenen Akten sowie den me-
dizinischen Unterlagen auseinandergesetzt und mit dem Beschuldigten ein rund
zweistündiges Explorationsgespräch geführt. Stark zusammengefasst kam er zum
Schluss, dass die sehr knappen Ausführungen von lic. phil. J._ zur Schuldfä-
higkeit unter forensisch-psychiatrischen Gesichtspunkten nicht überzeugend sei-
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en. Namentlich falle auf, dass seitens von lic. phil. J._ keine Analyse der tat-
zeitaktuellen psychopathologischen Auswirkungen der posttraumatischen Belas-
tungsstörung bzw. der Flashback-Reaktion vorgenommen worden sei. Vielmehr
erfolge eine sehr allgemeine und weit umfassende Einschätzung, dass dem Be-
schuldigten "eine bewusste, vernünftige Reaktion nicht möglich" gewesen sei.
Weder aus den Schilderungen des Beschuldigten bei der ersten polizeilichen Ein-
vernahme noch aus denjenigen im Rahmen der Begutachtung noch aus den An-
gaben der Auskunftspersonen sowie den Rückschlüssen aus der Unfallaufnahme
lasse sich eine derart allgemeine und weitgehende Einschränkung der psychopa-
thologischen Funktionen herleiten. Hätte sich der Beschuldigte tatsächlich in einer
solchen Verfassung befunden, wie er dies geschildert und wie sie ihm von seiner
Psychologin zugebilligt worden sei, so wäre er nach Auffassung des Gutachters
keineswegs in der Lage gewesen, sowohl die Unfallsituation als auch die Weiter-
fahrt und anschliessende Nachtathandlungen in der von ihm geschilderten, situa-
tionsangemessenen, zielgerichteten, strukturierten und vorsatzgemässen Art und
Weise durchzuführen. Vielmehr würden die Angaben des Beschuldigten selbst ei-
ne ungestörte Situationswahrnehmung in der direkten Unfallfolge, auch während
der Flashback-Reaktion, erkennen lassen. Der Gutachter attestierte dem Be-
schuldigten für den Tatzeitraum das Vorliegen einer posttraumatischen Belas-
tungsstörung gemäss ICD-10: F43.1. Die Schuldfähigkeit des Beschuldigten sei
deswegen aber nicht aufgehoben gewesen. Unter Berücksichtigung der tatzeitak-
tuellen psychopathologischen Auswirkung der posttraumatischen Belastungsstö-
rung zeige sich für die Kollision als solche, welche (nach Darstellung des Be-
schuldigten) aus Unachtsamkeit erfolgt sei, keine Einschränkung der Schuldfähig-
keit. Für den weiteren Verlauf, mit Verlassen der Unfallörtlichkeit ohne sich um
den Schaden zu kümmern, könne aufgrund der geltend gemachten Flashback-
Reaktion eine Verminderung der Steuerungsfähigkeit und damit einhergehender
Schuldfähigkeit in höchstens leichtem Grad festgestellt werden. Trotz der ange-
gebenen Flashback-Reaktion liessen sich im Tatverhalten des Beschuldigten ver-
schiedene Elemente ausmachen, welche klar gegen eine höhergradige Ein-
schränkung der Steuerungsfähigkeit sprechen würden. Es liessen sich Planungs-
und Entscheidungselemente erkennen. Des weiteren stehe die grundsätzliche,
- 16 -
vorhandene Einsichtsfähigkeit nicht in Frage, denn der Beschuldigte berichte
selbst davon, dass er zunächst einen möglichen Fremdschaden ausgeschlossen
habe. Der Beschuldigte sei trotz vorhandener Flashback-Reaktion zu einem vor-
satz- und motivgemässen Handeln und zur Sicherstellung des gewünschten Er-
folges in der Lage gewesen. Aus seinen eigenen Angaben ergebe sich zusätzlich
eine ungestörte Situationswahrnehmung und Kontrolle der eigenen Handlungen
(Urk. 6/3 S. 27 f.).
2.1.5.3. Das Gutachten von Dr. med. K._ wurde de lege artis erstellt und
präsentiert sich insgesamt als überzeugend und in allen Teilen nachvollziehbar
begründet. Es besteht keinerlei Veranlassung, an den stringent dargelegten und
auf sämtlichen Erkenntnissen des Untersuchungsverfahrens basierenden gut-
achterlichen Schlüssen zu zweifeln. Damit steht ausser Frage, dass der Beschul-
digte im Tatzeitpunkt grundsätzlich sehr wohl schuldfähig war. Der gutachterlich
festgestellten Verminderung der Schuldfähigkeit "in maximal leichtem Grad" ist
hernach bei der Strafzumessung Rechnung zu tragen.
2.1.6. Nachdem weder Schuldausschluss- noch Rechtfertigungsgründe vorliegen,
ist der vorinstanzliche Schuldspruch wegen der Vereitelung zur Feststellung der
Fahrunfähigkeit im Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG nicht zu beanstanden und
daher im Berufungsverfahren vorbehaltlos zu bestätigen.
2.2. Pflichtwidriges Verhalten bei Unfall
2.2.1. Die Vorinstanz kam im Rahmen ihrer rechtlichen Würdigung zusammenge-
fasst zum Schluss, es sei erstellt, dass der Beschuldigte die Kollision wahrge-
nommen, dessen ungeachtet die Bahnschranke aber nur flüchtig aus seinem
Fahrzeug hinaus betrachtet habe. Er sei nicht ausgestiegen, sondern habe seine
Fahrt an seinen Wohnort fortgesetzt. Der Beschuldigte selber habe bestätigt, er
habe einen Knall gehört und diese akustische Wahrnehmung habe bei ihm "den
Flashback" ausgelöst. Da der Beschuldigte den Verkehrsunfall nach eigener
Darstellung akustisch wahrgenommen und auch um die heftige Kollision gewusst
habe, sei er dazu verpflichtet gewesen, sofort anzuhalten und sorgfältig zu prüfen,
ob ein Sachschaden entstanden sei. Seine bloss oberflächliche Kontrolle genüge
- 17 -
nicht. Auch hätte er aufgrund des offensichtlich sichtbaren Sachschadens an der
Bahnschranke die Geschädigte oder zumindest die Polizei benachrichtigen
müssen, was er aber nicht getan habe. In beiden Fällen sei der Beschuldigte ei-
nem rechtlich unerheblichen Sachverhaltsirrtum erlegen, indem er geglaubt habe,
dass kein Sachschaden entstanden sei und er deshalb weder anhalten, noch die
Geschädigte oder die Polizei kontaktieren müsse. Als sorgfältig handelnder Fahr-
zeuglenker hätte der Beschuldigte den Pflichten gemäss Art. 51 Abs. 1 und Abs. 3
SVG nachkommen müssen. Der Beschuldigte habe durch sein Tatverhalten fahr-
lässig gehandelt (Urk. 36 S. 33 ff.).
2.2.2. Vor Vorinstanz und im Berufungsverfahren stellte sich die Verteidigung auf
den Standpunkt, der objektive Straftatbestand von Art. 92 Abs. 1 SVG in Ver-
bindung mit Art. 51 Abs. 1 SVG sei erfüllt. In subjektiver Hinsicht sei jedoch zu
berücksichtigen, dass der Beschuldigte angesichts der verminderten Steuerungs-
fähigkeit nicht in der Lage gewesen sei, im erforderlichen Masse den Unfall und
die Unfallfolgen einzuordnen und den sich daraus ergebenden Pflichten nachzu-
kommen (Urk. 26 S. 16; Urk. 57 S. 11 f.).
2.2.3. Mit Busse wird bestraft, wer bei einem Unfall die Pflichten verletzt, die ihm
das Strassenverkehrsgesetz auferlegt (Art. 92 Abs. 1 SVG). Ereignet sich ein Un-
fall, an dem ein Motorfahrzeug oder Fahrrad beteiligt ist, so müssen alle Beteilig-
ten sofort anhalten. Sie haben nach Möglichkeit für die Sicherung des Verkehrs
zu sorgen (Art. 51 Abs. 1 SVG). Ist nur Sachschaden entstanden, so hat der
Schädiger sofort den Geschädigten zu benachrichtigen und Namen und Adresse
anzugeben. Wenn dies nicht möglich ist, hat er unverzüglich die Polizei zu ver-
ständigen (Art. 51 Abs. 3 SVG). Bestimmt es das Strassenverkehrsgesetz nicht
ausdrücklich anders, so ist auch die fahrlässige Handlung strafbar (Art. 100 Ziff. 1
Abs. 1 SVG).
2.2.4. Gestützt auf den erstellten Sachverhalt hat der Beschuldigte die Kollision
mit der Bahnschranke wahrgenommen. Angesichts des massiven Schadens am
Fahrzeug des Beschuldigten steht weiter fest, dass dem Beschuldigten augen-
blicklich klar sein musste, dass es sich bei der Kollision mit der Bahnschranke auf
keinen Fall um eine Bagatelle handeln konnte. Dabei musste er die weitreichen-
- 18 -
den Folgen der Kollision nicht nur akustisch, sondern zumindest auch physisch
und visuell wahrgenommen haben. Physisch deshalb, weil eine dermassen gra-
vierende Verformung der Karosserie nur bei erheblichen Krafteinwirkungen denk-
bar ist und visuell, weil der am Steuer sitzende Beschuldigte zumindest sehen
musste, dass die in seinem unmittelbaren Sichtfeld liegende Motorhaube als di-
rekte Folge der Kollision erheblich gestaucht und aufgeschoben wurde. Dass bei
solchen Auswirkungen auf das eigene Fahrzeug auch erhebliche Beschädigun-
gen an der Bahnschranke zu erwarten waren, liegt auf der Hand. Unter diesen
Umständen musste der Beschuldigte zwingend davon ausgehen, dass er durch
seine Kollision nicht nur am eigenen Fahrzeug, sondern auch an der Bahnschran-
ke Sachschaden verursacht hatte. Dessen ungeachtet blieb der Beschuldigte im
Auto sitzen und begnügte sich damit, einen flüchtigen Blick aus dem Auto auf den
"Schadenplatz" zu werfen, um danach seine Fahrt an seinen Wohnort fortzuset-
zen. Der Beschuldigte wusste um seine Pflichten als Automobilist und er wusste
zweifelsohne um die Heftigkeit der Kollision. Trotzdem entschied er sich dazu,
sich nicht um den Schaden zu kümmern und statt dessen seine Fahrt fortzuset-
zen. Angesichts der gesamten Umstände wäre im Verhalten des Beschuldigten
entgegen der Auffassung der Untersuchungsbehörde und der Vorinstanz nicht
etwa Fahrlässigkeit, sondern vielmehr direkter Vorsatz zu erblicken. Aufgrund des
Anklageprinzips und des hier zudem zu beachtenden Verschlechterungsverbotes
hat es jedoch bei der rechtlichen Würdigung der Vorinstanz sein Bewenden und
es ist von einer fahrlässigen Tatbegehung auszugehen. Lediglich der Vollständig-
keit halber ist darauf hinzuweisen, dass das, was die Verteidigung zum subjekti-
ven Straftatbestand vorbringt, nicht diesen, sondern die Frage der Schuldfähig-
keit, allenfalls jene des subjektiven Tatverschuldens beschlägt. Ihre Beanstan-
dungen zielen an dieser Stelle deshalb vollends ins Leere.
2.2.5. Rechtfertigungsgründe wurden seitens der Beschuldigten respektive seines
Verteidigers keine geltend gemacht und es sind auch keine ersichtlich.
2.2.6. Eben so wenig liegen Schuldausschlussgründe vor. Diesbezüglich kann
vollumfänglich auf die vorstehenden Erwägungen unter Ziffer II 2.1.5. f. verwiesen
werden.
- 19 -
2.2.7. Der Beschuldigte ist nach dem Gesagten des fahrlässig begangenen
pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG in Verbin-
dung mit Art. 51 Abs. 1 und 3 SVG und Art. 100 Ziff. 1 Satz 1 SVG schuldig zu
sprechen.
2.3. Führen eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs
2.3.1. Die rechtliche Würdigung des eingestandenen Anklagesachverhalts 4 durch
die Staatsanwaltschaft ist zutreffend und wurde vom Beschuldigten im vorinstanz-
lichen Verfahren objektiv anerkannt (Urk. 26 S. 16).
2.3.2. Der subjektive Straftatbestand wurde vom Beschuldigten mit Verweis auf
die von ihm geltend gemachte verminderte Steuerungsfähigkeit bestritten (Urk. 26
S. 16; Urk. 57 S. 12).
2.3.3. In subjektiver Hinsicht kann der Straftatbestand des Führens eines nicht
betriebssicheren Fahrzeugs sowohl vorsätzlich wie auch fahrlässig begangen
werden (Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG i.V.m. Art. 100 Ziff. 1 Abs. 1 SVG). Wie bereits
zuvor unter Ziffer II 2.2.4. ausgeführt, konnte dem Beschuldigten die Heftigkeit der
Kollision und die massive Beschädigung seines eigenen Fahrzeugs schlicht nicht
entgangen sein. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, bemerkte der Beschuldigte
selbst, dass sein Fahrzeug bei der Weiterfahrt "kroste". Die Vorinstanz gestand
dem Beschuldigten eine eventualvorsätzliche Tatbegehung zu. Sie erwog, dass
sich ihm, mit seiner Weiterfahrt der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs als
so wahrscheinlich habe aufdrängen müssen, dass sein Verhalten vernünftiger-
weise nur als Inkaufnahme dieses Erfolgs gewertet werden könne, weshalb er
eventualvorsätzlich gehandelt habe. Diese rechtliche Würdigung der Vorinstanz
ist aufgrund des Verschlechterungsverbotes zu übernehmen, wenngleich vorlie-
gend kein Zweifel daran bestehen kann, dass der Beschuldigte um die erhebliche
Beschädigung seines Fahrzeuges wusste und er sich trotzdem entschloss, mit
dem nicht mehr betriebssicheren Auto nach Hause zu fahren, was an sich einen
direkten Vorsatz indizieren würde.
- 20 -
2.3.4. Wie zuvor bereits mehrfach erörtert, liegen weder Rechtfertigungs- noch
Schuldausschlussgründe vor. Auf das vorstehend Erwogene kann verwiesen
werden (Ziff. II 2.1.4 ff.).
2.3.5. Zusammenfassend ist der vorinstanzliche Schuldspruch wegen Führens
eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs im Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG in
Verbindung mit Art. 29 SVG und Art. 57 Abs. 1 VRV zu bestätigen.
III. Sanktion
1. Neues Sanktionenrecht
1.1. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass vorliegend Taten zu beurteilen sind,
welche der Beschuldigte vor dem Inkrafttreten des revidierten Strafgesetzbuches
(Änderung des Sanktionenrechts) am 1. Januar 2018 beging, weshalb sich die
Frage des anwendbaren Rechts stellt. Grundsätzlich wird nur nach dem neuen
Recht beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Delikt begeht (Art. 2
Abs. 1 StGB). Ist das neue Recht allerdings milder (sog. "lex mitior"), als das im
Zeitpunkt der Tatzeit geltende, kommt das neue dennoch gestützt auf Art. 2
Abs. 2 StGB zur Anwendung. Ob das geänderte Recht das mildere Recht ist,
hat das Gericht nach der konkreten Methode zu ermitteln (Donatsch, in:
Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder [Hrsg.], OFK/StGB Kommentar, 20. Aufl.,
Zürich 2018, Art. 2 N 10).
1.2. Die Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit
stellt ein Vergehen im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StGB dar, welches mit Freiheits-
strafe bis drei Jahren oder Geldstrafe geahndet wird.
1.3. Insbesondere weil eine Geldstrafe gegenüber einer (kurzen) Freiheitsstrafe
die mildere Sanktion ist (BGE 134 IV 82 E. 7.2.2) und gemäss dem alten Recht
der Geldstrafenbereich bis 360 Tagessätze reicht, während nach dem neuen
Recht Geldstrafen nur bis 180 Tagessätze ausgesprochen werden können, er-
weist sich im konkreten Fall das neue Recht nicht als milder (Heimgartner, in:
- 21 -
OFK/StGB Kommentar, a.a.O., Art. 34 N 7), weshalb vorliegend für die Strafzu-
messung das alte Recht anwendbar bleibt.
2. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln
Eingangs ist festzuhalten, dass die Strafzumessung der Vorinstanz nicht in allen
Punkten den einschlägigen Vorgaben des Bundesgerichts und der Praxis des
Obergerichts entspricht. So hat die Vorinstanz beispielsweise bei der Beurteilung
der objektiven Tatschwere fälschlicherweise ausschliesslich subjektive Faktoren
erwähnt. Bei der Beurteilung der subjektiven Tatschwere dagegen erwähnt sie mit
Ausnahme des Eventualvorsatzes keine einzige subjektive Tatkomponente. Da-
gegen hat sie unter diesem Titel erneut fälschlicherweise die Täterkomponente
betreffende Faktoren thematisiert, wie etwa die Strafempfindlichkeit und die Fol-
genberücksichtigung. Ebenso hat es die Vorinstanz unterlassen die hypothetische
Einsatzstrafe des Hauptdeliktes zu beziffern, sodass letztlich nicht nachvollzieh-
bar ist, wie sie unter Berücksichtigung der Täterkomponente auf die ausgefällte
Strafhöhe von 90 Tagessätzen Geldstrafe kam. Schliesslich fällt auf, dass die Vo-
rinstanz sowohl bei der Beurteilung der Vereitelung von Massnahmen zur Fest-
stellung der Fahrunfähigkeit also auch bei der fahrlässigen Verletzung von Ver-
kehrsregeln unter dem Titel Täterkomponente die gutachterlich festgestellten
Verminderung der Schuldfähigkeit "in maximal leichtem Grad" überhaupt nicht be-
rücksichtigt hat. Dies erstaunt umso mehr, als sie zuvor im Rahmen der recht-
lichen Würdigung explizit darauf hingewiesen hat, dass "die Verminderung der
Schuldfähigkeit bei der Strafzumessung zu berücksichtigen ist" (vgl. Urk. 36
Ziff. III 1.3.2.10 und IV 1.3 und 2.3.3). All diese Unzulänglichkeiten respektive
Versäumnisse sind daher nachfolgend zu korrigieren.
3. Konkrete Strafzumessung
3.1. Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit
3.1.1. Tatverschulden
3.1.1.1. Zur objektiven Tatschwere ist auf die Art und Weise des Vorgehens des
Beschuldigten hinzuweisen. Ohne zu zögern setzte er seine Fahrt an seinen
- 22 -
Wohnort fort, parkierte das schwer beschädigte Auto vor die Scheune, demontier-
te das noch am Fahrzeug verbleibende Nummernschild und verschwand sozusa-
gen augenblicklich und für mehrere Tage von der Bildfläche. In diesem Verhalten
ist bei objektiver Betrachtung zwar noch keine besonders grosse kriminelle Ener-
gie, aber immerhin eine äusserst bedenkliche Haltung des Beschuldigten zu be-
trachten. Unter Berücksichtigung aller denkbaren unter den Tatbestand der Verei-
telung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit fallenden Delikte ist
das Verhalten des Beschuldigten verschuldensmässig noch im unteren Bereich
anzusiedeln. Aufgrund der gesamten Umstände ist noch von einem leichten ob-
jektiven Tatverschulden auszugehen.
3.1.1.2. In subjektiver Hinsicht ist zunächst auf die eventualvorsätzliche Tatbe-
gehung hinzuweisen. Dem Beschuldigten musste namentlich auch wegen seiner
einschlägigen Vorstrafe und auch wegen seiner aktenkundigen Betäubungs-
mitteldelinquenz klar sein, dass die Polizei aufgrund der Art des Unfalles und der
massiven Beschädigung an seinem Fahrzeug und der Bahnschranke, zumindest
vor Ort eine Atemalkoholkontrolle respektive einen Drogenschnelltest durch-
geführt hätte. Einer solchen Kontrolle wollte sich der Beschuldigte offenkundig
nicht unterziehen, worin auch das Motiv seiner diesbezüglichen Delinquenz zu er-
blicken ist. Dass der Beschuldigte etwa aus einer Notlage heraus gehandelt hätte
wurde nicht einmal vom Beschuldigten behauptet, stellte sich dieser doch eher
lapidar auf den Standpunkt, für ihn sei, als er zuhause angekommen sei, die Sa-
che "gegessen" gewesen. Er habe sich nur noch auf seine Ferien konzentriert
(Urk. 2/1 S. 4 f.). Der Beschuldigte hat sich mit anderen Worten bewusst für die
Delinquenz entschieden, obwohl es ihm jederzeit ohne weiteres möglich gewesen
wäre, sich rechtskonform zu verhalten. Schliesslich ist unter diesem Titel auch die
gutachterlich festgestellte Verminderung der Schuldfähigkeit "in maximal leichtem
Grad" zu berücksichtigen. Zusammenfassend ist zu konstatieren, dass das sub-
jektive gegenüber dem objektiven Verschulden aufgrund der gesamten Umstände
etwas schwerer wiegt.
3.1.1.3. Das Tatverschulden hinsichtlich der Vereitelung von Massnahmen zur
Feststellung der Fahrunfähigkeit wiegt insgesamt noch nicht erheblich, was die
- 23 -
Festsetzung der Einsatzstrafe im unteren Bereich des weiten Strafrahmens,
konkret bei 100 Tagessätzen Geldstrafe, rechtfertigen würde.
3.1.2. Täterkomponente
3.1.2.1. Die Vorinstanz hat den Werdegang und die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten ausführlich dargestellt und korrekt wiedergegeben. Auf diese Er-
wägungen kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 36 S. 41). Ergänzend
hierzu brachte der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung neu vor, er
fahre nun täglich Lastwagen und transportiere hauptsächlich Frischprodukte in
der Nacht. Zudem gehe er nach wie vor einmal im Monat zur L._ in die The-
rapie, weil es ihm gut tue (Urk. 56 S. 4 f.). Wie bereits die Vorinstanz zutreffend
erwog, ergeben sich aus dem Werdegang und den persönlichen Verhältnissen
des Beschuldigten keine für die Strafzumessung relevanten Erkenntnisse.
3.1.2.2. Im Zeitpunkt der vorinstanzlichen Urteilsfällung war der Beschuldigte im
Schweizerischen Strafregister noch zweifach verzeichnet. Die Vorstrafe des Be-
schuldigten vom 25. November 2008 wurde mittlerweile im Strafregister gelöscht,
weshalb aktuell nur noch der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland
vom 19. Dezember 2011 im Register eingetragen ist (Urk. 55). Damals wurde der
Beschuldigte wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand und wegen Vereitelung
von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, wegen pflichtwidrigen
Verhaltens bei Unfall, wegen fahrlässiger Verletzung der Verkehrsregeln sowie
wegen Übertretung nach Art. 19a des Betäubungsmittelgesetzes rechtskräftig
verurteilt. Diese einschlägige Vorstrafe lag im Zeitpunkt der Tatbegehung bereits
4 Jahre bzw. sie liegt in der Zwischenzeit über sieben Jahre zurück, weshalb sie
zwar klarerweise straferhöhend zu berücksichtigen ist, aber nicht mehr schwer ins
Gewicht fallen kann. Mit der Vorinstanz ist weiter darauf hinzuweisen, dass der
Beschuldigte im ADMAS-Auszug vom 11. Januar 2016 (Urk. 9/2) mit insgesamt
fünf Vorgängen verzeichnet ist, was ein schlechtes Licht auf seinen automobilis-
tischen Leumund wirft und leicht straferhöhend zu berücksichtigen ist. Immerhin
ist aber darauf hinzuweisen, dass sich der Beschuldigte in administrativer Hinsicht
– mit Ausnahme des vorliegend zu beurteilenden Vorfalles – seit dem
27. November 2016 nichts mehr zu Schulden hat kommen lassen (Urk. 54-A). Da
- 24 -
Wohlverhalten gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung dem Re-
gelfall entspricht, wirkt sich dieser Umstand jedoch strafzumessungsneutral aus.
3.1.2.3. Angesichts der sich vorliegend präsentierenden Beweislage kann der
Beschuldigte aus dem Umstand, dass er den äusseren Anklagesachverhalt an-
erkannt hat, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Eben so wenig rechtfertigt sich
eine Strafreduktion aufgrund des weiteren Nachtatverhaltens des Beschuldigten,
zeigte er doch – entgegen der Ausführungen der Verteidigung (Urk. 57 S. 14) –
weder Einsicht noch Reue, sondern bestritt bis zuletzt, sich in subjektiver Hinsicht
tatbestandsmässig verhalten zu haben. Das ist zwar sein prozessuales Recht,
doch kann er – wie gesagt – aufgrund dieses Verhaltens unter dem Titel Nachtat-
verhalten keine Strafminderung für sich reklamieren.
3.1.2.4. Der Beschuldigte hat die Konsequenzen aus seinem deliktischen Ver-
halten zu tragen. Dass ihn diese härter als andere Delinquenten in gleicher oder
ähnlicher Situation treffen würden, ist weder ersichtlich noch wurde dies be-
hauptet. Insofern liegt weder eine erhöhte Strafempfindlichkeit vor noch führt die
Folgenberücksichtigung zu einer Strafreduktion.
3.1.3. Zusammengefasst präsentiert sich die Situation wie folgt: Ausgehend von
einer Einsatzstrafe von 100 Tagessätzen sowie unter Berücksichtigung der straf-
erhöhenden Faktoren aus der Täterkomponente (Vorstrafe, automobilistischer
Leumund) wäre die Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfä-
higkeit mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu sanktionieren gewesen. Die
durch die Vorinstanz ausgefällten 90 Tagessätze Geldstrafe erweisen sich nach
dem Gesagten als sehr wohlwollend. Dennoch sind die 90 Tagessätze vorliegend
zu übernehmen, weil einer Erhöhung der Anzahl Tagessätze das in Art. 391
Abs. 2 StPO verankerte Verschlechterungsverbot entgegen steht.
3.1.4. Wird eine Geldstrafe ausgefällt, bemisst sich die Zahl der Tagessätze ent-
sprechend nach dem Verschulden des Täters (Art. 34 Abs. 1 aStGB). Die Höhe
des Tagessatzes ist hingegen nach den persönlichen und finanziellen Verhältnis-
sen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkommen und – so-
weit er davon lebt – nach seinem Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien-
- 25 -
und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum zu bestimmen.
Ein Tagessatz beträgt dabei höchstens Fr. 3'000.– (Art. 34 Abs. 2 aStGB). Aus-
gangspunkt für die Bemessung des Tagessatzes bildet das strafrechtlich relevan-
te Nettoeinkommen, das dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst, ganz
gleich, aus welcher Quelle die Einkünfte stammen. Abzuziehen ist, was gesetzlich
geschuldet ist oder dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, so etwa die laufenden
Steuern und die obligatorischen Versicherungsbeiträge. Nicht zu berücksichtigen
sind Schulden und nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in der Regel
auch die Wohnkosten (BGE 134 IV 60 E. 6.1.).
3.1.5. Gestützt auf die Selbstdeklaration des Beschuldigten erzielt er ein durch-
schnittliches monatliches Nettoeinkommen von Fr. 3'500.–. Einen 13. Monatslohn
erhält er als selbständig Erwerbender nicht. Der Beschuldigte bezahlt nach eige-
nen Angaben keine Unterhaltsbeiträge und kommt mit seinem Einkommen einzig
für seinen eigenen Lebensunterhalt auf. Seine monatliche Steuerbelastung be-
ziffert er auf ca. Fr. 200.– und seine Krankenkassenprämie beträgt Fr. 517.65
(Urk. 50/1-6). Unter Berücksichtigung der doch eher bescheidenen Einkommens-
verhältnisse des Beschuldigten rechtfertigt es sich vorliegend, die Höhe des Ta-
gessatzes auf Fr. 60.– festzusetzen.
3.1.6. Der Beschuldigte ist folglich mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 60.– (entsprechend Fr. 5'400.–) zu bestrafen.
3.2. Übertretungen
Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten für die Übertretungen der fahrlässigen Ver-
letzung von Verkehrsregeln, des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall und des
Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs eine Busse in der Höhe von
Fr. 800.– auferlegt. Das Verschulden bei den drei Übertretungen ist mit der Vor-
instanz als eher leicht zu bezeichnen. Die betreffenden Erwägungen im angefoch-
tenen Entscheid können mit den nachfolgenden Ergänzungen übernommen wer-
den. Hinzuweisen ist einzig darauf, dass dem Beschuldigten auch mit Blick auf die
fahrlässige Verletzung von Verkehrsregeln beim subjektiven Tatverschulden die
gutachterlich festgestellte Verminderung der Schuldfähigkeit "in maximal leichtem
- 26 -
Grad" zuzugestehen ist. Unter Berücksichtigung des Verschuldens sowie der fi-
nanziellen Verhältnisse des Beschuldigten sind keine Gründe ersichtlich, die eine
Herabsetzung der Busse indizieren würden. Aufgrund des Verschlechterungs-
verbots kann dem Beschuldigten im Berufungsverfahren aber auch keine höhere
Busse auferlegt werden. Damit bleibt es bei der Bestrafung des Beschuldigten mit
einer Busse von Fr. 800.–.
4. Vollzug
4.1. Die Vorinstanz hat die massgebenden Gesetzesbestimmungen und Vo-
raussetzungen für die Gewährung des bedingten Vollzuges an sich korrekt wie-
dergegeben. Diese Voraussetzungen können unter dem noch anwendbaren alten
Recht auf die auszufällende Geldstrafe übertragen werden. Wenn die Vorinstanz
zusammenfassend zum Schluss kommt, dem Beschuldigten könne "keine günsti-
ge Prognose" mehr gestellt werden, dann übersieht sie aber, dass vorliegend
nicht Art. 42 Abs. 2 StGB sondern Art. 42 Abs. 1 StGB zur Anwendung kommt.
Eine günstige Prognose wäre nur dann von Belang, wenn der Täter innerhalb der
letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe
von mehr als sechs Monaten verurteilt worden wäre. Dies ist in casu aber gerade
nicht der Fall, weshalb der Strafaufschub lediglich bei einer klar ungünstigen
Prognose verweigert werden kann. Denn Art. 42 Abs. 1 StGB stellt zugunsten des
Beschuldigten die Vermutung auf, dass es nicht notwendig sei, die Strafe zu voll-
ziehen, damit der Verurteilte sich künftig bewährt. Ob dem Beschuldigten eine
eigentliche Schlechtprognose gestellt werden muss, ist nachfolgend zu prüfen.
4.2. Entgegen der damals noch zu recht durch die Vorinstanz vertretenen Auf-
fassung, weist der Beschuldigte aktuell nicht mehr zwei, sondern bloss noch ei-
nen Strafregistereintrag auf (Urk. 55). Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
See/Oberland vom 19. Dezember 2011 wurde der Beschuldigte – wie bereits
dargetan – betreffend Fahren in fahrunfähigem Zustand, Vereitelung von Mass-
nahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, pflichtwidrigem Verhalten bei Unfall,
fahrlässiger Verletzung der Verkehrsregeln und Übertretung nach Art. 19a des
Betäubungsmittelgesetzes zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 50.–
und einer Busse von Fr. 500.– verurteilt. Die Geldstrafe in Höhe von Fr. 2'500.–
- 27 -
wurde ebenso wie die Busse vollzogen. Offensichtlich vermochte der Vollzug der
Geldstrafe den Beschuldigten nicht ausreichend zu beeindrucken, ansonsten er
rund vier Jahre später nicht wieder einschlägig straffällig geworden wäre. Hinzu
kommt, dass sich der Beschuldigte im vorliegenden Verfahren bis zuletzt weitge-
hend uneinsichtig gezeigt hat. Seine offenkundige Tendenz zur Bagatellisierung
der hier zu beurteilenden Ereignisse wirft zumindest in automobilistischer Hinsicht
ein schlechtes Licht auf die charakterlichen Eigenschaften des Beschuldigten.
Dies ist umso bedenklicher, als der Beschuldigte als Transporteur/Chauffeur ar-
beitet und damit von Berufes wegen am Strassenverkehr teilnimmt. In diesem
Zusammenhang ist ebenfalls darauf hinzuweisen, dass sich aus seinem ADMAS-
Registerauszug ergibt, dass der Beschuldigte wegen Geschwindigkeitsüber-
schreitung zweifach verwarnt werden musste und ihm im Jahr 2008 der Führer-
ausweis wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung für fünf Monate und im
Jahr 2011 aufgrund des Vorfalls vom 26. Oktober 2011 für rund 15 Monate entzo-
gen wurde (Urk. 9/2 und Urk. 54-A). Seit dem Vorfall im 2015 hat der Beschuldig-
te sich hingegen nichts mehr zu Schulden kommen lassen (Urk. 40). Auch hat er
seit November 2011 keinen ADMAS Eintrag mehr erwirkt (Urk. 54-A). Zudem
machte der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung einen guten Ein-
druck. Angesichts dieser Umstände kann dem Beschuldigten keine ungünstige
Prognose gestellt werden. Dementsprechend ist dem Beschuldigten der bedingte
Vollzug der Geldstrafe zu gewähren.
4.3. Den verbleibenden Bedenken betreffend die Legalprognose des Beschul-
digten ist mit einer über dem gesetzlichen Minimum liegenden Probezeit von
4 Jahren Rechnung zu tragen.
4.4. Die Busse ist zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB). Für den Fall des schuld-
haften Nichtbezahlens dieser Busse ist praxisgemäss eine Ersatzfreiheitsstrafe
von acht Tagen festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
- 28 -
IV. Kosten
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenauflage
gemäss Dispositiv Ziffer 7 vollumfänglich zu bestätigen.
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf
Fr. 3'000.– festzusetzen.
3. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem der Be-
schuldigte mit seiner Berufung – bis auf die Frage des Vollzugs der Geldstrafe,
was als Ermessensentscheid zu qualifizieren ist – (vollumfänglich) unterliegt, sind
ihm die Kosten dieses Verfahrens vollumfänglich aufzuerlegen.