Decision ID: ea2136f5-6d44-4c6f-b785-e0916e39c5e0
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter bzw. Kläger), gelernter Kaufmann mit FA, hatte
seit Mai 2007 stärkere Schmerzen im Bereich der unteren BWS und LWS mit
Ausstrahlung ins linke Bein (vgl. Fremdakten IV, act. G 7 [nachfolgend: IV-act.], 5-6/10,
19-21 f./27 ff.). Ab dem 5. November 2007 arbeitete er als Speditionsangestellter/
Verkäufer im Aussendienst bei der C._ AG (nachfolgend: Arbeitgeberin) in der
Zweigniederlassung in D._ und war infolgedessen ab dem 1. Januar 2008 bei der
beruflichen Vorsorgeeinrichtung der Pensionskasse B._ (nachfolgend:
Vorsorgeeinrichtung bzw. Beklagte), versichert (vgl. act. G 1.1, G 1.3, G 1.4-2, G 1.5).
A.a.
Ab dem 21. Januar 2008 war der Versicherte zu 50% und ab dem 1. April 2008 zu
100% arbeitsunfähig (vgl. IV-act. 18-13). Am 27. März 2008 kündigte die Arbeitgeberin
das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten per 30. April 2008 (act. G 1.4; das
Arbeitsverhältnis endete effektiv am 31. Mai 2008, act. G 1.3).
A.b.
Am 16. April 2008 wurde der Versicherte wegen einer Spondylolisthesis vera L5/
S1 mit Claudicatio radicularis L5 linksbetont am Rücken operiert
(Foramendekompression L5/S1 beidseits, Resektion Bogen LWK 5 und Spondylodese
L5/S1; vgl. IV-act. 19-17 ff.). Am 19. Mai 2008 meldete die Vorsorgeeinrichtung die
A.c.
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Arbeitsunfähigkeit des Versicherten an die Rückversicherung Z._ (nachfolgend:
Rückversicherung; act. G 1.5). Mit Schreiben vom 4. August 2008 informierte die
Rückversicherung den Versicherten, dass sie gestützt auf die Allgemeinen
Versicherungsbedingungen ihre Leistungen auf das BVG-Minimum reduziere, denn er
habe beim Eintritt in die Vorsorgeeinrichtung die Gesundheitserklärung nicht korrekt
ausgefüllt (Fragebogen vom 22. November 2007). So habe er die Frage: "Waren Sie in
den letzten zwei Jahren in ärztlicher Behandlung oder stehen Sie zurzeit unter ärztlicher
Kontrolle?" mit "Nein" beantwortet, obwohl erste Symptome des Rückenleidens im Mai
2007 aufgetreten seien (act. G 1.37).
Am 15. September 2008 meldete sich der Versicherte bei der
Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (IV-act. 5).
A.d.
Am 1. Oktober 2008 wurde der Versicherte wegen der Dislokation des
linksseitigen Cages und gelockerter Schrauben operiert (vgl. IV-act. 15-6 ff.; vgl. auch
IV-act. 19-11 ff.). Im Arztbericht vom 15. Dezember 2008 berichteten Dr. med. E._,
Arzt, und PD Dr. med. F._, Chefarzt, Neurochirurgie des Zentrums G._, über ein
chronisches Schmerzsyndrom und Symptomausweitung (IV-act. 20; vgl. auch IV-act.
21).
A.e.
Am 19. Januar 2009 gewährte die IV-Stelle des Kantons Thurgau (nachfolgend: IV-
Stelle TG) dem Rückversicherer Einsicht in die IV-Akten des Versicherten (IV-act. 22 f.).
A.f.
Im Arztbericht vom 4. März 2009 erklärte Prof. Dr. med. H._, Chefarzt
Neurochirurgische Abteilung, Klinik I._, nach einer Untersuchung des Versicherten
am 3. März 2009, dass dieser nach Spondylolisthesis und zweifacher Operation eine
wie auch immer prozedurenbedingte Aufweitung des lumbalen Subarachnoidalraums
habe. Die diffusen Sensibilitätsstörungen an den Beinen würden sehr für das Vorliegen
eines solchen pathophysiologischen Zustandes sprechen (IV-act. 29-16). Im Arztbericht
vom 15. April 2009 diagnostizierte Dr. med. J._, Leitender Arzt Neurologie,
Medizinische Klinik, Kantonsspital Münsterlinken, neuropathische Schmerzen bei
Arachnoiditis nach Spondylodese LWK 5/SWK 1 bei Spondylolisthesis vera April 2008
und Status nach Revisionsspondylodese am 1. Oktober 2008 wegen Dislokation der
A.g.
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Intervertrebral-Cages und Lockerung der Schrauben (IV-act. 29-7 f.; siehe auch
Arztbericht von Dr. K._ vom 15. Mai 2009, IV-act. 29-2 ff.).
Im Gutachten vom 4. August 2009 diagnostizierte Dr. med. L._, Facharzt für
Rheumatologie FMH, Zürich, aufgrund der Akten und Röntgenbilder sowie einer
Untersuchung des Versicherten am 1. Juli 2009, ein chronisches thorakovertebrales
und linksbetontes lumbospondylogenes Syndrom, eine Wirbelsäulenfehlform nach
Morbus Scheuermann, bei Status nach Spondylodese L5/S1 im April 2008 und
Revisionsoperation infolge Cage-Dislokation im Oktober 2008 sowie sekundäre
Schmerzchronifizierung mit Symptomausweitung. Dr. L._ führte aus, dass der
Versicherte seit mehreren Jahren unter lumbalen Rückenschmerzen leide, welche
allerdings die Alltagsfunktionen und die beruflichen Tätigkeiten damals nicht
beeinträchtigt hätten. Klinisch stellte er ein ausgeprägtes vertebrales Syndrom mit
massivster Dolenz der unteren Brust- und gesamten Lendenwirbelsäule bis nach sakral
fest. Bereits leichte Berührungen würden als unangenehm empfunden und ein leichter
Druck löse massive Schmerzen aus. Die empfundenen Schmerzen könnten im Sinne
neuropathischer Schmerzen interpretiert werden, welche allerdings nicht auf
strukturelle Veränderungen zurückgeführt werden könnten, sondern viel eher im Sinne
einer nicht organisch verursachten sekundären Schmerzchronifizierung und nun
zunehmend auch Schmerz-Generalisierung gesehen werden müssten. Dr. L._ riet
von einem erneuten operativen Eingriff eher ab, da ein solcher die bereits eingesetzte
Schmerzchronifizierung nicht positiv zu beeinflussen vermöge. Würde von einer
(radiologisch allerdings nicht zu verifizierenden) Arachnoiditis ausgegangen, so könnte
diese allenfalls auf systemische oder epidurale Steroide positiv ansprechen.
Hinsichtlich der angestammten Tätigkeit (in der der Versicherte einen grossen Teil
sitzend im Auto verbracht habe) und auch für andere vorwiegend sitzende Tätigkeiten
ging er zumindest vorläufig von keiner verwertbaren Arbeitsfähigkeit aus. Für eine ideal
angepasste Tätigkeit, welche stehend-gehend-sitzend durchgeführt werden könne, mit
häufig möglichem Wechsel der Körperposition, ohne Heben und Tragen von repetitiven
Lasten über 5 kg bzw. Einzellasten über 15 kg und ohne Schieben, Stossen oder
Ziehen schwerer Lasten, gebe es keine somatisch begründbare Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Bis sicher Ende 2008 habe eine 100%ige und danach für maximal 2
A.h.
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Monate eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Spätestens ab Anfang März 2009
könne eine volle Arbeitsfähigkeit angenommen werden (vgl. IV-act. 34).
Mit Verfügung vom 10. November 2009 wies die IV-Stelle TG gestützt auf das
Gutachten von Dr. L._ vom 4. August 2009 und einem ermittelten Invaliditätsgrad von
24% (Valideneinkommen: Fr. 93'600.-; Invalideneinkommen: Fr. 72'022.35 [LSE, TA1,
Sektor 3, Anforderungsniveau 3]) einen Rentenanspruch ab (IV-act. 47-9, 48). Die vom
Versicherten am 10. Dezember 2009 gegen die Verfügung erhobene Beschwerde (IV-
act. 50-3 ff.) wies das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau als
Versicherungsgericht (nachfolgend: Verwaltungsgericht TG) mit Urteil vom 14. Juli 2010
ab (vgl. IV-act. 64).
A.i.
Im Arztbericht vom 8. September 2010 erklärten Prof. Dr. med. M._,
Klinikdirektor und Chefarzt, und Dr. med. N._, Spitalfacharzt, Universitätsklinik für
Neurochirurgie, Inselspital Bern, nach einer Untersuchung des Versicherten am 7.
September 2010, dass als Ursache der Rückenschmerzen und der begleitenden
intermittierenden, linksseitigen Ischialgien neuroradiologisch eine Spondylolisthesis
LWK5/SWK1 bei Spondylolyse von LWK5 habe nachgewiesen werden können. Diese
Instabilität sei aufgrund einer fehlenden knöchernen Brückenbildung zwischen den
oberen und unteren Gelenkfortsätzen des fünften Lendenwirbels entstanden. Die Folge
seien chronisch-rezidivierende Rückenschmerzen. Infolge Höhenminderung des
Zwischenwirbelraumes könnten zusätzliche foraminale Einengungen der
Nervenwurzeln auftreten, die vom Patienten als Beinschmerzen registriert würden.
Nach der Mitte April 2008 durchgeführten Operation habe es bezüglich der Schmerzen
während dreier Wochen einen guten Verlauf gegeben. Danach hätten sich wegen der
Cage-Dislokation und Lockerung des Spondylodesematerials linksseitige
Lumboischialgien entwickelt. Die Ursache des linksseitigen ischialgiformen Reiz- und
deutlichen, sensomotorischen Ausfallsyndroms dürfte entsprechend dem Dermatom L5
eine mechanische Beeinträchtigung der Wurzel sein. Ob diese bereits bei der
Erstoperation oder als Folge der Revision aufgetreten sei, könne nicht beurteilt werden.
Die Klinikärzte erachteten das Gutachten von Dr. L._ vom 4. August 2009 als
unvollständig und mit Fehlern behaftet. Sie gingen von einer vollen Arbeitsunfähigkeit
aus und erachteten eine berufliche Reintegration als unwahrscheinlich (IV-act. 70-4 ff.).
Im Arztbericht vom 1. Oktober 2010 erklärte Dr. K._ mit Verweis auf die Aussagen
A.j.
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St.Galler Gerichte
des leitenden Arztes der Radiologie der Klinik O._, Dr. P._, und PD Dr. F._, dass
das Gutachten von Dr. L._ vom 4. August 2009 aus mehreren Gründen der Sachlage
nicht gerecht werde bzw. als unrichtig bezeichnet werden müsse. Bemängelt wurde
u.a., dass eine Begründung für die Steigerung der Arbeitsfähigkeit ab 2009 und die
Herstellung der vollen Arbeitsfähigkeit fehle und die angeführte "ideal angepasste
Tätigkeit" selbst bei Annahme eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes nicht verfügbar
sei. Dr. K._ ging weiterhin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus (IV-act. 45-3 f.;
vgl. auch IV-act. 74-45).
Am 20. Oktober 2010 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von
Leistungen bei der Invalidenversicherung an und machte dabei eine Verschlimmerung
des Gesundheitszustandes geltend (IV-act. 70-1 ff., 102; vgl. auch IV-act. 94).
Gleichentags stellte der Versicherte beim Verwaltungsgericht TG ein Revisionsgesuch
mit der Begründung, es lägen neue medizinische Beweismittel vor (IV-act. 70-38 ff.).
Mit Urteil vom 13. April 2011 wies das Verwaltungsgericht TG das Revisionsgesuch ab,
soweit es darauf eintrat, und führte erläuternd aus, dass auf das Revisionsgesuch nicht
eingetreten werden könne, da der zugrundeliegende Entscheid noch nicht in
Rechtskraft erwachsen sei. Selbst wenn auf das Gesuch eingetreten würde, wäre es
abzuweisen (IV-act. 87).
A.k.
Mit Urteil vom 16. August 2011 (Verfahren 9C_774/2010 und 9C_411/2011) wies
das Bundesgericht die vom Versicherten gegen die Urteile des Verwaltungsgerichts TG
vom 14. Juli 2010 und 13. April 2011 erhobenen Beschwerden ab (IV-act. 67-2 ff., 92-2
ff.). Ausgeführt wurde, dass das Nichteintreten auf das Revisionsgesuch rechtmässig
sei, da der zugrundeliegende Entscheid noch nicht in Rechtskraft erwachsen sei. Auf
das Gutachten von Dr. L._ könne abgestellt werden, da keine qualifiziert
rechtsfehlerhafte Tatsachenfeststellung nachgewiesen und der Invaliditätsgrad von
24% rechtskonform ermittelt worden sei. Hinsichtlich der letztinstanzlich eingereichten
Arztberichte wurde ausgeführt, dass auf diese nicht eingegangen werden könne, denn
soweit die neuen Unterlagen Befunde beinhalteten, die sich nach dem Erlass der
Verfügung vom 10. November 2009 verwirklicht hätten, würden sie einen für die
gerichtliche Überprüfung nicht massgebenden Zeitraum beschlagen. Das Vorbringen
von Tatsachen und Beweismitteln, die sich erst nach dem angefochtenen Entscheid
vom 10. Juli 2010 ereignet hätten oder entstanden seien (echte Noven) sei vor
A.l.
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Bundesgericht unzulässig. Insofern die Unterlagen Tatsachen beträfen, die sich schon
vor dem Urteil des kantonalen Gerichts verwirklicht hätten, handle es sich um unechte
Noven, die nur zulässig seien, falls erst der Entscheid der Vorinstanz Anlass gegeben
habe, sie vorzubringen. Der Beschwerdeführer habe jedoch für die Einreichung der
neuen Unterlagen keine rechtlich relevanten Gründe geltend gemacht. Hinsichtlich der
Geltendmachung einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes wurde der
Beschwerdeführer auf eine Neuanmeldung bei der IV-Stelle verwiesen (vgl. act.
G 1.10).
Im Verlaufsgutachten vom 26. Februar 2013 diagnostizierte Dr. L._ gestützt auf
die neuen Aktenstücke und radiologischen Abklärungen, die klinische Untersuchung
des Versicherten am 22. August 2012 und die neurologische Untersuchung vom 25.
Oktober 2012 durch die Neurologin Dr. Q._ (Bericht vom 17. Februar 2013), ein
chronisches lumbospondylogenes Syndrom links, einen Status nach foraminaler
Dekompression L5/S1, PLIF-Spondylodese und Einsatz von PEEK-Cages am 16. April
2008 bei Spondylolisthesis L5/S1 mit Foraminalstenose L5/S1 links, einen Status nach
Re-Operation mit Teilentfernung des linksseitigen Cages bei Dislokation und Ersatz der
gelockerten LWK 5-Schrauben am 1. Oktober 2008, postoperativ mögliche fokale
Arachnoiditis mit pluriradikulärem vorwiegend sensiblem Ausfall links und
neuropathischem Beinschmerz links. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostizierte er eine Wirbelsäulenfehlform bei Zustand nach thorakolumbalem
Morbus Scheuermann. Dr. L._ erklärte, dass vor allem aufgrund der neurologischen
elektrophysiologischen Untersuchungen zusätzlich zu den im Gutachten vom 4. August
2009 gestellten Diagnosen eine zwischenzeitlich abgelaufene postoperative
Arachnoiditis in Betracht gezogen werden müsse. Die neuropathischen Schmerzen im
linken Bein seien nachvollziehbar, würden jedoch stark überlagert von spondylogenen
Beschwerden, welche mit klinischen, radiologischen und neurologischen Befunden nur
teilweise erklärt werden könnten. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Versicherten
führte er aus, dass für körperlich mittelschwere und schwere Tätigkeiten keine
Arbeitsfähigkeit gegeben sei. Wegen der eingeschränkten Fähigkeit länger zu sitzen,
bestehe auch weiterhin keine Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Aussendienstmitarbeiter oder für andere Arbeiten mit längerem ununterbrochenem
Sitzen oder auch Stehen. In einer angepassten, körperlich leichten und
A.m.
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wechselbelastenden Tätigkeit mit Vermeidung von repetitiven Lasten über 5 kg bzw.
Einzellasten über 15 kg könne höchstens eine geringe Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit angenommen werden. In einer derart adaptierten Tätigkeit sei dem
Versicherten ein Arbeitspensum von mindestens 75% zumutbar (2 x 3 Stunden täglich
mit einer längeren Pause). Im Weiteren erklärte Dr. L._, dass in Anbetracht der
postulierten Arachnoiditis die 25%ige Arbeitsunfähigkeit als Folge der neuropathischen
Schmerzkomponente in Korrektur der Beurteilung vom 4. August 2009 retrospektiv ab
März 2009 angenommen werden könne (act. G 1.11). Das Gutachten wurde der
Rückversicherung auf deren Verlangen am 21. März 2013 zugestellt (act. G 1.13).
Im Vorbescheid vom 19. September 2013 hielt die IV-Stelle TG fest, gestützt auf
das neue Gutachten von Dr. L._, den Bericht über die neurologische Untersuchung
durch Dr. Q._ sowie die Stellungnahme des RAD seien dem Versicherten auch in
Annahme einer durchgemachten Arachnoiditis und deren Residuen adaptierte,
körperlich leichte und wechselbelastende Tätigkeiten mit Vermeidung von repetitiven
Lasten über 5 kg, respektive Einzellasten über 15 kg in einem Pensum von mindestens
75% ohne Leistungsminderung ab März 2009 zumutbar (2 x 3 Stunden pro Tag an 5
Tagen pro Woche). Die IV-Stelle TG ermittelte mittels Einkommensvergleich bei
Gewährung eines 5%igen Tabellenlohnabzugs einen Invaliditätsgrad von 46% und
informierte über die vorgesehene Zusprache einer Viertelsrente ab dem 1. April 2011
(act. G 1.14). Mit Schreiben vom 2. Oktober 2013 bat die Rückversicherung die IV-
Stelle TG um Zustellung der vollständigen IV-Akten und Gewährung einer Nachfrist für
die Einwandeinreichung (act. G 1.16). Im Einwand vom 7. November 2013 brachte die
Rückversicherung insbesondere Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit des Versicherten ab
April 2008 an (act. G 1.17).
A.n.
Mit Verfügungen vom 6. und 20. Mai 2014 sprach die IV-Stelle TG dem
Versicherten basierend auf dem ermittelten IV-Grad von 46% ab 1. April 2011 eine
ViertelsInvalidenrente sowie für die beiden Kinder je eine Kinderrente zu. Die
Verfügungen wurden auch der Vorsorgeeinrichtung und der Rückversicherung
zugestellt (act. G 1.19, G 1.20, IV-act. 183-21 f.). Gegen die Verfügungen liess der
Versicherte mit Eingaben vom 6. und 20. Juni 2014 Beschwerde erheben mit dem
Antrag auf Zusprache einer zumindest halben Invalidenrente ab dem 1. April 2011 (IV-
act. 185-3 ff., 190-3 ff.).
A.o.
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Mit Schreiben vom 13. Juni 2014 informierte die Rückversicherung den
Versicherten über die Beitragsbefreiung vom 25. Januar 2010 bis 31. März 2011 (act.
G 1.33).
A.p.
Mit Schreiben vom 11. Juli 2014 gewährte die Rückversicherung dem Versicherten
in Vertretung der Vorsorgeeinrichtung aus der beruflichen Vorsorge ab dem 1. April
2011 eine Viertels-Invalidenrente sowie für die beiden Kinder zwei Viertels-
Invalidenkinderrenten (vgl. act. G 1.35; vgl. auch G 1.34).
A.q.
Mit Schreiben vom 14. August 2014 gewährte das Verwaltungsgericht TG der
Vorsorgeeinrichtung die Möglichkeit, sich zu den Eingaben des Versicherten und der
IV-Stelle TG zu äussern (act. G 1.21). In der Stellungnahme vom 3. September 2014
beantragte die Vorsorgeeinrichtung die Aufhebung der angefochtenen Verfügungen
vom 6. und 20. Mai 2014 und die Feststellung, dass zu keinem Zeitpunkt ein
Rentenanspruch bestanden habe. Eventualiter wurde die Aufhebung der
angefochtenen Verfügungen und die Rückweisung der Sache zu weiteren Abklärungen
an die IV-Stelle TG oder die Einholung eines gerichtlichen Obergutachtens verlangt
(act. G 1.22).
A.r.
Mit Schreiben vom 6. Januar 2015 teilte das Verwaltungsgericht TG dem
Versicherten mit, dass das Verlaufsgutachten von Dr. L._ vom 26. Februar 2013 voll
beweiswertig sei. Dr. L._ habe rückwirkend seit März 2009 eine Arbeitsunfähigkeit
von höchstens 25% festgestellt. Daraus leite das Gericht ab, dass sich am
Gesundheitszustand und damit auch an der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
seit der ursprünglichen Verfügung vom 10. November 2009 nichts geändert habe, da
die vom Gutachter seit März 2009 festgestellte Arbeitsunfähigkeit schon vor dem
Verfügungserlass gegeben gewesen sei, womit kein Revisionstatbestand gegeben sei.
Deshalb bestehe im Rahmen der Neuanmeldung auch keine Grundlage für die
Zusprechung einer Invalidenrente. Das Gericht gab dem Versicherten die Möglichkeit
sich zur vorgesehenen Aufhebung der Viertelsrente zu äussern oder innert derselben
Frist die Beschwerden zurückzuziehen (act. G 1.24-1 f.). Am 15. Januar 2015 liess der
Versicherte die Beschwerden zurückziehen (act. G 1.24-3). Das Verwaltungsgericht TG
schrieb daraufhin am 16. Januar 2015 die Beschwerden wegen Gegenstandslosigkeit
A.s.
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ab. Der Entscheid wurde auch der Vorsorgeeinrichtung mitgeteilt (act. G 1.25). Er
wuchs unangefochten in Rechtskraft.
Mit Vorbescheid vom 7. Dezember 2015 informierte die IV-Stelle TG den
Versicherten wie auch die Vorsorgeeinrichtung und die Rückversicherung über die
vorgesehene wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügungen vom 6. und 20. Mai
2014 (act. G 1.26-3 ff.). Am 5. Januar 2016 bat die Rückversicherung die IV-Stelle TG
um Zustellung der IV-Akten (IV-act. 218 f.).
A.t.
Mit Schreiben vom 5. Januar 2016 teilte die Vorsorgeeinrichtung dem Versicherten
mit, dass sie aufgrund des Vorbescheides der IV-Stelle TG vom 7. Dezember 2015
entschieden habe, die Rente per 31. Dezember 2015 einzustellen (act. G 5.8).
A.u.
Der Versicherte erhob am 25. Januar 2016 Einwände gegen den Vorbescheid der
IV-Stelle TG vom 7. Dezember 2015 (IV-act. 222). Mit Verfügung vom 29. Februar 2016
hob die IV-Stelle TG die Verfügungen vom 6. und 20. Mai 2014 wiedererwägungsweise
auf und erklärte die Einstellung der Rente nach Zustellung der Verfügung auf Ende des
folgenden Monats (vgl. act. G 1.26). Mit Beschwerde vom 14. April 2016 beantragte der
Versicherte die Aufhebung der Verfügung der IV-Stelle TG vom 29. Februar 2016 (IV-
act. 227-4 ff.). Am 15. April 2016 räumte das Verwaltungsgericht TG der
Vorsorgeeinrichtung die Möglichkeit ein, eine Vernehmlassung einzureichen und sich
am Verfahren zu beteiligen. Innert der angesetzten Frist liess sich die
Vorsorgeeinrichtung jedoch nicht vernehmen (act. G 1.27-8 f.).
A.v.
Mit Schreiben vom 29. April 2016 teilte die Rückversicherung dem Versicherten
mit, dass durch die volle Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ab 1. März 2009
der leistungsvoraussetzende zeitliche Konnex unterbrochen worden sei, weshalb
unabhängig davon, ob beim Kläger - wie am 20. Oktober 2010 gegenüber der IV-Stelle
TG geltend gemacht - eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten
sei oder nicht, nie ein Anspruch auf eine Invalidenrente der Vorsorgeeinrichtung
bestanden habe, weshalb die Rentenzahlungen eingestellt und die bisher geleisteten
Renten im Umfang von Fr. 32'664.- zurückgefordert würden (act. G 1.30). Mit
Schreiben vom 20. Juni 2016 bestritt der Versicherte die Rechtmässigkeit der
A.w.
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B.
Rückforderung und forderte die Vorsorgeeinrichtung zur rückwirkenden
Wiederaufnahme der Rentenzahlungen auf (act. G 1.31).
Mit Entscheid vom 6. Juli 2016 hiess das Verwaltungsgericht TG die Beschwerde
des Versicherten gut und hob die angefochtene Verfügung der IV-Stelle TG vom 29.
Februar 2016 auf. Die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der Verfügungen vom
6. und 20. Mai 2014 seien nicht gegeben, da die Verfügungen nicht zweifellos als
unrichtig, sondern aufgrund der interpretationsbedürftigen Ausführungen des
Gutachters noch als vertretbar im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu
qualifizieren seien (act. G 1.27). Mit Verfügungen vom 4. Oktober und 15. Dezember
2016 teilte die IV-Stelle TG dem Versicherten die Wiederaufnahme der Auszahlung der
Viertels-Invalidenrente und der beiden Viertels-Kinderrenten ab dem 1. Mai 2016 mit
(act. G 1.28, G 1.29).
A.x.
Mit Schreiben vom 31. Oktober 2016 teilte die Rückversicherung dem Versicherten
mit, dass sie weiterhin davon ausgehe, dass der zeitliche Konnex - wegen der
vollständigen Arbeitsfähigkeit des Versicherten in einer adaptierten Tätigkeit über einen
längeren Zeitraum - aufgehoben worden sei, weshalb keine Leistungspflicht ihrerseits
bestehe. Die am 11. Juli 2014 erfolgte Rentenzusprechung ab dem 1. April 2011 sei
irrtümlich erfolgt. Sämtliche Renten seien daher zu Unrecht ausbezahlt worden. Da sie
erst am 8. Januar 2016 die IV-Akten erhalten und so Kenntnis vom Fehler gehabt habe,
sei die Verjährung noch nicht eingetreten. An der Rückforderung von Fr. 32'664.-
wurde festgehalten (act. G 1.32).
A.y.
Am 29. März 2017 liess der Versicherte durch Rechtsanwalt lic. iur. Jürg
Schlatter, Kreuzlingen, Klage erheben mit den Anträgen: 1. Die Beklagte sei zu
verpflichten, dem Kläger die per 31. März 2016 eingestellte 25%ige Invalidenrente samt
Kinderrenten für die Kinder R._ und S._ künftig wieder auszurichten und die
Renten rückwirkend ab 1. April 2016 nachzubezahlen samt Verzugszins zu 5% ab
Verfall der einzelnen Leistungen, spätestens seit 29. März 2017. 2. Die Beklagte sei
zudem zur Gewährung der Beitragsbefreiung auch nach dem 31. März 2016 zu
verpflichten. 3. Es sei festzustellen, dass keine Rückforderungsverpflichtung des
Klägers bestehe. 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten.
B.a.
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Zur Begründung liess der Kläger ausführen, dass er bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
am 21. Januar 2008 bei der C._ AG angestellt und infolgedessen bei der Beklagten
beruflich vorsorgeversichert gewesen sei. Der von der IV-Stelle TG erneut mit der
Begutachtung des Klägers beauftragte Dr. L._ habe im Verlaufsgutachten vom 26.
Februar 2013 für die angestammte Tätigkeit eine 100%ige und für eine adaptierte
Tätigkeit eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit ab März 2009 attestiert. Mit Verfügung vom 6.
und 20. Mai 2014 habe die IV-Stelle TG dem Versicherten basierend auf einem
Invaliditätsgrad von 46% eine Viertelsrente sowie davon abgeleitet Kinderrenten ab
dem 1. April 2011 zugesprochen. Die Beschwerde des Klägers gegen die
rentenaufhebende Verfügung vom 29. Februar 2016 habe das Verwaltungsgericht TG
mit Entscheid vom 6. Juli 2016 gutgeheissen, woraufhin die IV-Stelle TG mit
Verfügungen vom 4. Oktober und 15. Dezember 2016 die Wiederauszahlung der
Renten rückwirkend ab 1. Mai 2016 zugesprochen habe. Der Beklagten seien die
leistungszusprechenden Entscheide der Invalidenversicherung mitgeteilt worden, ihr
sei Einsicht in die Akten samt Gutachten gewährt worden und sie habe sich am
Verfahren der Invalidenversicherung und auch am darauffolgenden
Beschwerdeverfahren beteiligt, weshalb die Beklagte an die leistungszusprechenden
Entscheide der Invalidenversicherung gebunden sei. Zudem habe die Beklagte mit
Schreiben vom 11. Juli 2014 dem Kläger ab dem 1. April 2011 eine Viertels-
Invalidenrente samt Viertels-Kinderrenten zugesprochen. Ein Irrtum bei der
Leistungszusprechung sei nicht ersichtlich. Die Rentenzahlungen seien auch aus
diesem Grund zu Unrecht eingestellt worden. Zur Rückforderung der ausgerichteten
Renten wurde angeführt, dass diese einerseits bestritten und andererseits zum
Zeitpunkt der Mitteilung vom 29. April 2016 bereits verjährt gewesen sei, denn die
Beklagte habe spätestens seit 21. März 2013 Kenntnis von den aktenmässigen
Grundlagen gehabt.
In der Klageantwort vom 14. Juni 2017 beantragte die Beklagte die Klage vom 29.
März 2017 in Ziff. 1, 2 und 4 abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei (act. G 5). Zur
Begründung wurde insbesondere ausgeführt, dass der von der IV-Stelle TG ermittelte
IV-Grad von 24% zumindest bis 20. Oktober 2010, dem Zeitpunkt der
Wiederanmeldung zum Bezug von IV-Leistungen, wegen Verschlechterung des
Gesundheitszustandes, nicht zu beanstanden sei, weshalb auch keine
B.b.
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rentenbegründende Invalidität ausgewiesen sei. Zudem würde die ärztlich attestierte
100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ab März 2009, der unbestritten
gebliebene Arbeitseinsatz bei der T._ GmbH und die getätigten Arbeitsbemühungen
nahelegen, dass der Versicherte während gut 18 Monaten ein rentenausschliessendes
Arbeitseinkommen hätte erzielen können. Der leistungsvoraussetzende enge zeitliche
Zusammenhang zwischen der initialen Arbeitsunfähigkeit während der Dauer des
Arbeitsverhältnisses und der (allenfalls) rentenbegründenden späteren Invalidität sei
denn auch nicht gegeben. Im Weiteren wird der Beweiswert des Verlaufsgutachtens
von Dr. L._ vom 23. Februar 2013 hinsichtlich der korrigierten medizinischen
Einschätzung für die Beurteilung des Ausmasses der Arbeitsunfähigkeit des
Versicherten ab März 2009 in Frage gestellt, da eine ausreichende Begründung fehle,
weshalb rückwirkend ab März 2009 von einer Arbeitsunfähigkeit von 25% auszugehen
sei. Dass bereits Invalidenrenten aus der beruflichen Vorsorge an den Versicherten
ausgerichtet worden seien, wird insbesondere mit der Verwirrung, welche durch die
Entscheide des Verwaltungsgerichts TG vom 16. Januar 2015 und 6. Juli 2016
entstanden sei, begründet. Im Weiteren wird die Bindungswirkung an die Verfügungen
der IV-Stelle TG vom 6. und 20. Mai 2014 bestritten, da bei der Rentenzusprache die
spezifisch vorsorgerechtliche Problematik des erforderlichen engen zeitlichen
Zusammenhangs als Leistungsvoraussetzung im Berufsvorsorgerecht nicht beachtlich
sei. Im Weiteren wird geltend gemacht, der Kläger habe den Gesundheitsfragebogen
beim Pensionskasseneintritt nicht korrekt ausgefüllt, weshalb höchstens BVG-
Minimalleistungen geschuldet seien; sodann sei die Erwerbssituation nach Beendigung
des Arbeitsverhältnisses per 30. April 2008 bzw. 31. Mai 2008 unklar. Hinsichtlich der
geltend gemachten Forderung auf Rückerstattung der vom 1. April 2011 bis 31. März
2016 ausgerichteten Invalidenleistungen aus der beruflichen Vorsorge im Umfang von
Fr. 32'664.- wird erklärt, dass darauf verzichtet werde.
Mit Schreiben vom 11. Juli 2017 informierte das Versicherungsgericht die Parteien
über den Beizug der Akten der IV-Stelle des Kantons Thurgau und gab ihnen die
Möglichkeit zur Einsicht- und Stellungnahme (act. G 8).
B.c.
In der Replik vom 29. September 2017 hielt der Rechtsvertreter des Klägers
unverändert an den Anträgen gemäss Klageschrift vom 29. März 2017 fest (act. G 14).
Die Beklagte habe bereits am 2. Oktober und 7. November 2013 im Rahmen des
B.d.
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Erwägungen
1.
Die sachliche Zuständigkeit des angerufenen Versicherungsgerichts geht aus Art. 73
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Einspracheverfahrens gegen den Vorbescheid vorgebracht, dass nie eine länger
dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe. Trotzdem habe sie sich
nicht gegen die beiden leistungszusprechenden Verfügungen der IV-Stelle TG gewehrt,
sondern im Gegenteil dem Kläger gleichfalls am 11. Juli 2014 Leistungen
zugesprochen, weshalb nicht wie geltend gemacht von einem Irrtum ausgegangen
werden könne. Hinsichtlich der von der Beklagten angezweifelten eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit in der Zeit bis zum 20. Oktober 2010 wird
verwiesen auf die Verlaufsbegutachtung durch Dr. L._, welcher von einer
durchgehenden Einschränkung von 25% ausgehe. Die nun von der Beklagten
vorgebrachte Kritik am Verlaufsgutachten von Dr. L._ sei verspätet, denn sie hätte
früher vorgebracht werden müssen. Zur von der Beklagten bestrittenen
Bindungswirkung an die IV-Verfügungen wird erklärt, dass auch Renten der beruflichen
Vorsorge nur aufgehoben werden könnten, wenn sich die Verhältnisse in
anspruchsrelevanter Weise verändert hätten oder wenn eine offensichtliche
Unrichtigkeit vorliege. Beides sei jedoch nicht gegeben und von der Beklagten auch
nicht konkret dargelegt worden.
In der Duplik vom 16. November 2017 hielt die Beklagte unverändert an den
Anträgen gemäss Klageantwort vom 14. Juni 2017 fest (act. G 18). Erneut wurde
geltend gemacht, dass der ermittelte IV-Grad von 24% für die Zeitspanne vom 1. März
2009 bis zumindest 8. September 2010, mithin für eine Dauer von über 18 Monaten,
bestand gehabt, womit der Kläger während mindestens eineinhalb Jahren bei voller
Arbeitstätigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit einen Verdienst hätte erzielen können,
welcher gegenüber demjenigen in seiner Ausgangstätigkeit als Speditionsangestellter
keine massgebliche Erwerbseinbusse mit sich gebracht hätte. Folglich seien die
Voraussetzungen für die Unterbrechung des zeitlichen Zusammenhangs erfüllt,
weshalb keine Invalidenleistungen ab erfolgter Leistungseinstellung per April 2016
mehr ausgerichtet werden müssten.
B.e.
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Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) in Verbindung mit Art. 65 Abs. 1 lit. e des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) hervor. Die örtliche
Zuständigkeit folgt aus Art. 73 Abs. 3 BVG i.V.m. Ziff. 13.6 des Vorsorgereglements der
Beklagten, Fassung gültig ab 1. Januar 2008 (nachfolgend: Vorsorgereglement; act.
G 1.7). So kann Klage erhoben werden am Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder am
der Ort des Betriebes, bei dem die versicherte Person angestellt wurde. Vorliegend ist
die örtliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts zu bejahen, weil der Kläger seinen
Arbeitsort in der Zweigniederlassung der C._ AG in D._ hatte, als die
Arbeitsunfähigkeit auftrat. Da auch sämtliche übrigen prozessualen Voraussetzungen
erfüllt sind, ist auf die Klage einzutreten (vgl. act. G 1.1).
2.
Umstritten ist die Pflicht der Beklagten zur Leistung von Invalidenrenten aus der
beruflichen Vorsorge. Diesbezüglich wird von der Beklagten insbesondere geltend
gemacht, dass die während der Versicherungsdeckung bei ihr aufgetretene
Arbeitsunfähigkeit des Klägers nicht in einem (zeitlichen) Zusammenhang mit der
später eingetretenen Invalidität stehe, weshalb sie ihm keine Rentenleistungen schulde.
3.
bis
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 lit. a BVG Personen, die im
Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40% invalid sind und bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruch auf eine Viertelsrente,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine Dreiviertelsrente und ab einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine volle Invalidenrente (Art. 24 Abs. 1 BVG).
3.1.
Gemäss Ziff. 6.1 Abs. 1 des Vorsorgereglements liegt eine Invalidität vor, wenn ein
Versicherter im Sinne der Eidgenössischen Invalidenversicherung invalid ist. Deckung
besteht, wenn beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt
hat, die Versicherteneigenschaft gegeben war. Nach Ziff. 6.1 Abs. 2 des
Vorsorgereglements richtet sich der Invaliditätsgrad nach der durch die Invalidität
verursachten Einkommenseinbusse. Er wird grundsätzlich nach Massgabe der
Entscheide der Eidgenössischen Invalidenversicherung und allenfalls des
Unfallversicherers festgelegt.
3.2.
Gemäss Ziff. 6.2 Abs. 1 des Vorsorgereglements haben Versicherte, wenn sie vor
Erreichen des vorzeitigen oder ordentlichen Rücktrittsalters voll- oder teilinvalid
3.3.
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4.
werden, nach Beendigung des Anspruchs auf Lohn oder Lohnersatz und nach Ablauf
der im Vorsorgeplan vereinbarten Wartefrist Anspruch auf eine Invalidenrente. Der
Anspruch besteht während der Invalidität, längstens jedoch bis zum ordentlichen
Rücktrittsalter. Die in Ziff. 6.2 Abs. 2 des Vorsorgereglements genannten
Leistungsansprüche entsprechen denjenigen von Art. 24 Abs. 1 BVG. Nach Ziff. 6.3
des Vorsorgereglements haben Bezüger von Invalidenrenten Anspruch auf eine
Kinderrente, wobei sich Berechtigung, Laufzeit und Höhe sinngemäss nach den
Bestimmungen der Invaliden- und Waisenrente richten.
Invalidenleistungen der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge werden von
derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, bei welcher die ansprechende Person bei
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert war
(Art. 23 lit. a BVG; vgl. BGE 138 V 409 E. 6.2). Der Anspruch setzt einen engen
zeitlichen und sachlichen Zusammenhang zwischen der während des
Vorsorgeverhältnisses (einschliesslich Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG)
bestehend Arbeitsunfähigkeit und der allenfalls erst später eingetretenen Invalidität
voraus (Art. 28 und 29 IVG i.V.m. Art. 26 Abs. 1 BVG; vgl. BGE 134 V 20 E. 3.2).
3.4.
Der Kläger war bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit bei der Beklagten
vorsorgeversichert. Die Risikoversicherung der beruflichen Vorsorge endete am
30. Juni 2008, da der Kläger nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses per 31. Mai
2008 (vgl. act. G 1.3) bis zum Ende der einmonatigen Nachdeckungsfrist kein neues
Arbeitsverhältnis einging (vgl. Ziff. 3.5 Abs. 3 des Vorsorgereglements). Der Kläger war
wegen eines Rückenleidens ab dem 21. Januar 2008 zu 50% und ab dem 1. April 2008
zu 100% arbeitsunfähig (vgl. IV-act. 18-13). Beim Eintritt der teilweisen bzw. gänzlichen
Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 23 lit. a BVG (Einbusse an funktionellem
Leistungsvermögen im bisherigen Beruf) am 21. Januar bzw. 1. April 2008 gehörte der
Kläger unbestrittenermassen der Vorsorgeeinrichtung der Beklagten an.
4.1.
Gemäss den vorliegenden Akten litt der Kläger bereits vor dem Eintritt in die
Vorsorgeeinrichtung der Beklagten an Rückenproblemen und war deswegen in
ärztlicher Behandlung. Die Rückenproblematik hatte damals jedoch weder die
Alltagsfunktionen noch die beruflichen Tätigkeiten beeinträchtigt, zumindest ergibt sich
nichts Gegenteiliges aus den Akten, noch wird dies von der Beklagten geltend
gemacht. Folglich ist davon auszugehen, dass im Januar 2008 und damit während des
Versicherungsschutzes durch die Beklagte erstmals eine Arbeitsunfähigkeit wegen des
Rückenleidens auftrat und infolgedessen grundsätzlich Versicherungsdeckung durch
4.2.
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die Beklagte besteht, wenn das Rückenleiden zur Invalidität geführt hat. Auf die
Anzeigepflichtverletzung beim Ausfüllen des Gesundheitsfragebogens und deren
Folgen ist an späterer Stelle einzugehen (vgl. nachfolgende Erwägung 6).
Zu prüfen ist nachfolgend das Vorliegen des sachlichen Konnexes zwischen der
Ursache, welche zur Arbeitsunfähigkeit des Klägers während der
Versicherungsdeckungszeit geführt hat, und derjenigen, welcher der Invalidität
zugrunde liegt.
4.3.
Die Arbeitsunfähigkeit im Januar 2008 ist auf ein Rückenleiden (chronisches
thorakovertebrales und linksbetontes lumbospondylogenes Syndrom) zurückzuführen.
Das Rückenleiden sollte durch die am 16. April 2008 durchgeführte Operation
(Foramendekompression L5/S1 beidseits, Resektion Bogen LWK 5 und Spondylodese
L5/S1, vgl. IV-act. 19-17 ff.) behoben bzw. zumindest verbessert werden. Der
Operation war nicht der erhoffte Erfolg beschieden, verbesserten sich doch die
Schmerzen des Klägers nur während etwa drei Wochen. Wegen der Dislokation des
linksseitigen Cages und der gelockerten Schrauben musste am 1. Oktober 2008 eine
Revisionsoperation durchgeführt werden (vgl. IV-act. 15-6 ff.). Diese brachte jedoch
auch nicht den erhofften Erfolg, berichteten doch die Ärzte über das Vorliegen eines
chronischen Schmerzsyndroms und über Symptomausweitung (vgl. IV-act. 20 f.). Im
Frühjahr 2009 wurden diagnostiziert neuropathische Schmerzen bei Arachnoiditis nach
Spondylodese LWK 5/SWK 1 bei Spondylolisthesis vera April 2008 und ein Status nach
Revisionsspondylodese am 1. Oktober 2008 wegen Dislokation der Intervertrebral-
Cages und Lockerung der Schrauben (vgl. IV-act. 29-7 f.). Im Gutachten vom 4. August
2009 diagnostizierte Dr. L._ ebenfalls ein Rückenleiden sowie eine sekundäre
Schmerzchronifizierung mit Symptomausweitung (vgl. IV-act. 34). Im September 2010
erklärten Ärzte der Abteilung Neurochirurgie des Inselspitals Bern, als Ursache der
Rückenschmerzen und der begleitenden intermittierenden, linksseitigen Ischialgien
habe neuroradiologisch eine Spondylolisthesis LWK5/SWK1 bei Spondylolyse von
LWK5 nachgewiesen werden können. Die Beinschmerzen liessen sich als Folge der
Höhenminderung des Zwischenwirbelraumes und foraminalen Einengungen der
Nervenwurzeln erklären. Die linksseitigen Lumboischialgien hätten sich wegen der
Cage-Dislokation und Lockerung des Spondylodesematerials entwickelt. Die
linksseitigen ischialgiformen Reiz- und deutlichen sensomotorischen Ausfallsyndrome
entsprechend dem Dermatom L5 führten die Klinikärzte auf eine mechanische
Beeinträchtigung der Wurzel in Folge einer der beiden Operationen im Jahr 2008
zurück (IV-act. 70-4 ff.). Im Verlaufsgutachten vom 26. Februar 2013 diagnostizierte Dr.
L._ wie zuvor im Gutachten vom 4. August 2009 ein chronisches
4.3.1.
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lumbospondylogenes Syndrom links und neu eine postoperativ mögliche fokale
Arachnoiditis mit pluriradikulärem vorwiegend sensiblem Ausfall links und
neuropathischem Beinschmerz links. Die zusätzlich gestellte Diagnose einer
zwischenzeitlich abgelaufenen postoperativen Arachnoiditis begründete der Arzt vor
allem mit den Erkenntnissen, welche von der im Rahmen des Gutachtens
durchgeführten neurologischen elektro-physiologischen Untersuchungen durch Dr.
U._ hätten gewonnen werden können.
Aus den Arztberichten ist ersichtlich, dass der trotz mehrerer Diagnosen im
vorliegenden Verfahren als Gesamtheit zu betrachtende Schaden im unteren Rücken
des Klägers stets die zentrale Ursache der Arbeitsfähigkeitseinschränkungen war. Die
erhoffte Verbesserung durch die Operationen trat nicht - zumindest nicht nachhaltig -
ein. Selbst in Berücksichtigung der Nuancen in den Diagnosestellungen (bspw.
bezüglich des Vorliegens einer Arachnoiditis) ist im Grad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erwiesen, dass der die Arbeitsunfähigkeit begründende
Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, welcher der Erwerbsunfähigkeit
bzw. der Invalidität (Zusprache einer Invalidenrente ab 1. April 2011) zu Grunde liegt.
Der sachliche Konnex ist somit erfüllt.
4.3.2.
Im Weiteren ist das Vorliegen des zeitlichen Konnexes zwischen der Ursache,
welche zur Arbeitsunfähigkeit während der Versicherungsdeckungszeit geführt hat, und
derjenigen, welcher der Invalidität zugrunde liegt, zu prüfen.
4.4.
Der zeitliche Konnex ist rechtsprechungsgemäss gegeben, wenn bis zum Eintritt
der Invalidität ohne wesentliche Unterbrechung (auch) in einer der gesundheitlichen
Beeinträchtigung angepassten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von wenigstens 20%
bestand (vgl. BGE 134 V 20 E. 3.2.1; Urteile des Bundesgerichts vom 12. September
2016, 9C_370/2016, E. 3, vom 4. Juli 2013, 9C_98/2013, E. 4.1, und vom 28.
Dezember 2012, 9C_536/2012, E. 3.2.2).
4.4.1.
Die Beklagte erachtet den zeitlichen Konnex als unterbrochen, da der Kläger in
einer adaptierten Tätigkeit ab dem 1. März 2009 voll arbeitsfähig gewesen sei. Die
Beklagte beruft sich offensichtlich auf das IV-Gutachten von Dr. L._ vom 4. August
2009 (IV-act. 34) und ignoriert dabei das von ihm am 26. Februar 2013 erstellte
Verlaufsgutachten, das auch eine Berichtigung des ersten Gutachtens enthält (G 1.11).
So erklärte Dr. L._ gestützt auf die neuen Aktenstücke und radiologischen
Abklärungen, die klinische Untersuchung des Klägers am 22. August 2012 und die
neurologische Untersuchung vom 25. Oktober 2012 durch Dr. Q._, dass zusätzlich
zu den im Gutachten vom 4. August 2009 gestellten Diagnosen eine zwischenzeitlich
4.4.2.
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5.
abgelaufene postoperative Arachnoiditis in Betracht gezogen werden müsse. In einer
adaptierten Tätigkeit sei dem Kläger ein Arbeitspensum von mindestens 75% zumutbar
(2 x 3 Stunden täglich mit einer längeren Pause). In Anbetracht der postulierten
Arachnoiditis könne die 25%ige Arbeitsunfähigkeit als Folge der neuropathischen
Schmerzkomponente in Korrektur der Beurteilung vom 4. August 2009 retrospektiv ab
März 2009 angenommen werden.
Das Gutachten vom 26. Februar 2013, worauf die spätere Rentenzusprache der
IV-Stelle gründet, wurde der Rückversicherung auf deren Verlangen am 21. März 2013
zugestellt (vgl. Sachverhalt A.m.). Da auch die weiteren Arztberichte von einer
zumindest teilweisen Arbeitsunfähigkeit selbst in einer leidensangepassten Tätigkeit
ausgehen und die Beklagte auch keine gegenteiligen Arztberichte vorlegte - obwohl sie
die Möglichkeit gehabt hätte, den Kläger vertrauensärztlich untersuchen zu lassen (vgl.
Ziff. 3.6 lit. a Abs. 1 des Vorsorgereglements) -, hat sie den (Gegen-)Beweis für die
Annahme einer zumindest 80% Arbeitsfähigkeit und somit den Nachweis des
Unterbruchs des zeitlichen Konnexes nicht erbracht. Folglich ist auch vom Vorliegen
des zeitlichen Konnexes zwischen dem Rückenleiden, welches zur Arbeitsunfähigkeit
während der Versicherungsdeckungszeit geführt hat, und demjenigen, welches der
Invalidität zugrunde liegt, auszugehen.
4.4.3.
Wie in Erwägung 3.2 dargelegt, stellt die Beklagte die Invalidität auf der Grundlage
der Verfügung der eidgenössischen Invalidenversicherung fest. Der Invaliditätsgrad
richtet sich nach dem von der eidgenössischen Invalidenversicherung festgestellten
Invaliditätsgrad.
5.1.
Nach der Rechtsprechung ist ein Entscheid der IV-Stelle oder - im Beschwerdefall
- des kantonalen Sozialversicherungsgerichts (Art. 57 ATSG) für eine Einrichtung der
beruflichen Vorsorge verbindlich, sofern sie in das invalidenversicherungsrechtliche
Verfahren einbezogen wurde, die konkrete Fragestellung für die Beurteilung des
Rentenanspruchs gegenüber der Invalidenversicherung entscheidend war und die
invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise aufgrund einer gesamthaften
Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 133 V 67 E. 4.3.2;
130 V 270 E. 3.1). Diese Bindungswirkung findet ihre positivrechtliche Grundlage in den
Art. 23, 24 Abs. 1 und 26 Abs. 1 BVG, welche an die Regelung des IVG anknüpfen oder
diese übernehmen. Die Orientierung an der Invalidenversicherung bezieht sich
insbesondere auf die sachbezüglichen Voraussetzungen des Rentenanspruchs, die
Rentenhöhe und den Rentenbeginn (BGE 133 V 67 E. 4.3.2).
5.2.
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Die Vorsorgeeinrichtung bzw. die sie vertretende Rückversicherung war nicht nur
ins Verwaltungsverfahren der Invalidenversicherung einbezogen, sondern auch zum
entsprechenden Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht TG beigeladen. So
wurde der Beklagten auf deren Verlangen erstmals am 19. Januar 2009 Einsicht in die
IV-Akten des Klägers gewährt (vgl. IV-act. 22 f.). Aufgrund des Vorbescheids vom 19.
September 2013 (Zusprache einer Viertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 46%)
verlangte die Rückversicherung erneut Akteneinsicht (act. G 1.16) und machte
daraufhin am 7. November 2013 einen Einwand geltend (act. G 1.17). Die Verfügungen
vom 6. und 20. Mai 2014 (Zusprache einer Viertelsrente ab 1. April 2011) wurden der
Beklagten wie auch der Rückversicherung zugestellt (act. G 1.19, G 1.20, IV-act.
183-21 f.). Im darauffolgenden Beschwerdeverfahren gewährte das Verwaltungsgericht
TG der Vorsorgeeinrichtung die Möglichkeit, sich zu den Eingaben des Klägers und der
IV-Stelle TG zu äussern (act. G 1.21). In der Stellungnahme vom 3. September 2014
forderte die Beklagte die Aufhebung der Verfügungen vom 6. und 20. Mai 2014 und die
Feststellung, dass zu keinem Zeitpunkt ein Rentenanspruch bestanden habe (act. G
1.22). Die vom Verwaltungsgericht TG angebotene Möglichkeit zum Klagerückzug
nutzte der Kläger, woraufhin das Verfahren abgeschrieben wurde, was auch der
Beklagten mitgeteilt wurde (act. G 1.25). Der Entscheid erwuchs unangefochten in
Rechtskraft. Mit Vorbescheid vom 7. Dezember 2015 informierte die IV-Stelle TG den
Kläger über die geplante wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügungen vom 6.
und 20. Mai 2014 (vgl. act. G 1.26-3 ff.). Daraufhin verlangte die Rückversicherung am
5. Januar 2016 erneut Einsicht in die IV-Akten (vgl. IV-act. 218 f.). Gegen die
Wiedererwägung der Verfügungen vom 29. Februar 2016 erhob der Kläger
Beschwerde. Das Verwaltungsgericht TG räumte der Beklagten die Möglichkeit ein,
eine Vernehmlassung einzureichen und sich am Verfahren zu beteiligen. Innert der
angesetzten Frist liess sich die Beklagte jedoch nicht vernehmen (act. G 1.27-8 f.). Mit
Entscheid vom 6. Juli 2016 hiess das Verwaltungsgericht TG die Beschwerde des
Klägers gut und hob die angefochtene Verfügung der IV-Stelle TG vom 29. Februar
2016 auf. Der Entscheid wurde der Beklagten wiederum zur Kenntnis gebracht (act. G
1.27). Mit Verfügungen vom 4. Oktober und 15. Dezember 2016 teilte die IV-Stelle TG
dem Kläger die Wiederaufnahme der Auszahlung der Viertels-Invalidenrente und der
beiden Viertels-Kinderrenten ab dem 1. Mai 2016 mit. Die Verfügungen, welche auch
der Beklagten und der Rückversicherung zugestellt wurden, erwuchsen unangefochten
in Rechtskraft (act. G 1.28, G 1.29).
5.3.
Da die Beklagte stets in die invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren sowie in
die Beschwerdeverfahren einbezogen war, besteht für sie eine grundsätzliche
Bindungswirkung an die sachbezüglichen Voraussetzungen des Rentenanspruchs, die
5.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/25
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6.
Rentenhöhe (basierend auf einem IV-Grad von 46% Zusprache einer Viertelsrente) und
den Rentenbeginn (ab 1. April 2011) der Verfügungen vom 6. und 20. Mai 2014 sowie
vom 4. Oktober und 15. Dezember 2016.
Vorliegend anerkannte die Beklagte am 11. Juli 2014 bei umfassender
Aktenkenntnis vorbehaltlos den Anspruch des Klägers auf eine Invalidenrente aus der
beruflichen Vorsorge und richtete Rentenleistungen ab dem 1. April 2011 (bis 31. März
2016) aus (act. G 1.35, vgl. auch act. G 1.30, G 1.32). Dass diesem Entscheid ein
wesentlicher Irrtum - bspw. hinsichtlich der grundsätzlichen Leistungspflicht oder des
von der IV-Stelle TG ermittelten Invaliditätsgrades - zugrunde lag, wurde durch die
Beklagte nicht belegt. Vielmehr erscheint der von der IV berechnete Invaliditätsgrad
von 46% beim unbestrittenen Valideneinkommen von Fr. 97'293.46.- (per 2011) als
korrekt. Plausibel ist dabei auch, dass das Invalideneinkommen basierend auf der
Lohnstrukturerhebung, TA1, Sektor 3 Dienstleistungen, Ziff. 50-93, Männer,
Anforderungsniveau 3 zu bemessen ist, was im Übrigen auch das Verwaltungsgericht
des Kantons Thurgau im Urteil vom 14. Juli 2010 bestätigt hat. Auch die restlichen
Faktoren, insbesondere die Gewährung eines Tabellenlohnabzugs von lediglich 5%,
die Aufrechnung auf die betriebsübliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit und die
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung, sind zutreffend ermittelt worden,
sodass ein Invalideneinkommen von Fr. 52'250.56 resultiert (vgl. die detaillierte
Berechnung in act. G 1.20-13). Auch ohne förmliche Bindung an die IV-Verfügung wäre
somit ein Invaliditätsgrad von 46% ausgewiesen. Daraus ergibt sich gemäss Ziff. 6.2
Abs. 2 lit. d des Reglements ein Anspruch auf eine Viertelsrente (25%) sowie
entsprechende Kinderrenten.
5.5.
Die Beklagte macht geltend, dass der Kläger den auszufüllenden
Gesundheitsfragebogen beim Eintritt in die berufliche Vorsorgeeinrichtung nicht
wahrheitsgemäss ausgefüllt habe. Da eine Anzeigepflichtverletzung vorliege, müsse sie
im Vorsorgefall nur die BVG-Minimalleistungen ausrichten.
6.1.
Gemäss Ziff. 3.6 lit. a des Vorsorgereglements müssen Versicherte beim Eintritt
oder bei Leistungsverbesserungen auf Anfrage Auskunft über ihren
Gesundheitszustand geben. Im Falle einer Verletzung der Anzeigepflicht werden die
Leistungen auf die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestansprüche herabgesetzt. Die
Anzeigepflichtverletzung ist der versicherten Person innert dreier Monate seit
Kenntnisnahme durch die B._ anzuzeigen. Nach Ziff. 10.7 lit. c des
Vorsorgereglements können Invaliditätsleistungen aufgrund eines Vorbehaltes oder
6.2.
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7.
einer Anzeigepflichtverletzung ausgeschlossen bzw. bis auf die gesetzlichen
Mindestleistungen gekürzt werden. Tritt während der Vorbehaltsdauer der
entsprechende Risikofall oder nach einer Anzeigepflichtverletzung ein Risikofall ein,
werden bis zum Ablauf der Leistungsansprüche nur die BVG-Minimalleistungen
erbracht. Nach Art. 10.7 lit. d des Vorsorgereglements besteht lediglich ein gesetzlicher
Mindestanspruch auf Leistungen, falls beim Eintritt die Ursache einer Krankheit, die zur
Invalidität oder zum Tod führte, bereits vorgelegen hat oder verschwiegen wurde.
Unbestrittenermassen litt der Kläger spätestens seit Mai 2007 an einem
Rückenleiden und liess sich deswegen ärztlich behandeln (vgl. Sachverhalt A.h.:
Gutachten von Dr. L._ vom 4. August 2009). Obwohl durch das Rückenleiden damals
weder das Alltagsleben noch die berufliche Tätigkeit beeinträchtigt waren, hätte der
Kläger die Frage der Beklagten zum Gesundheitszustand "Waren Sie in den letzten
zwei Jahren in ärztlicher Behandlung oder stehen Sie zurzeit unter ärztlicher Kontrolle?"
mit "Ja" beantworten müssen. Dies hätte der Beklagten die Möglichkeit gegeben,
weitere Abklärungen zu veranlassen und gegebenenfalls einen diesbezüglichen zeitlich
begrenzten Leistungsvorbehalt anzubringen (vgl. Ziff. 3.6 lit. a Abs. 1 des
Vorsorgereglements). Da eine Anzeigepflichtverletzung vorliegt und die Beklagte dem
Kläger bereits mit Schreiben vom 4. August 2008 mitteilte, dass sie gestützt auf die
Allgemeinen Versicherungsbedingungen ihre Leistungen auf die BVG-
Mindestleistungen reduziere (vgl. act. G 1.37), ist diese Leistungsbeschränkung
vorliegend zulässig (vgl. Ziff. 3.6 lit. a Abs. 2 des Vorsorgereglements).
6.3.
Der Kläger verlangt die Verzinsung der nachzuzahlenden Renten zu 5% seit
Klageeinreichung am 29. März 2017 (act. G 1).
7.1.
Im Bereich der beruflichen Vorsorge anerkennt die Rechtsprechung die Pflicht zur
Entrichtung von Verzugszinsen bei verspäteter Auszahlung von Leistungen. Enthalten
die Vorsorgereglemente keine Bestimmung über die Höhe des Verzugszinses, beträgt
dieser 5% (Art. 104 Abs. 1 OR). Da das Vorsorgereglement keine Bestimmung zu den
Verzugszinsen enthält, ist wie vom Kläger beantragt von einem Verzugszins von 5%
auszugehen. Der Beginn der Zinspflicht richtet sich nach Art. 105 Abs. 1 OR (vgl. BGE
119 V 133 E. 4), wonach ein Schuldner, der mit der Entrichtung von Renten im Verzug
ist, erst vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an
Verzugszinsen zu bezahlen hat.
7.2.
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8.
Im Weiteren verlangt der Kläger die beitragsfreie Weiterführung der Risiko- und
Altersvorsorge (act. G 1). Nach Ziff. 6.4 des Vorsorgereglements haben
erwerbsunfähige Versicherte sowie Bezüger von Invalidenrenten nach Ablauf der im
Vorsorgeplan vereinbarten Wartefrist Anspruch auf eine beitragsfreie Weiterführung der
Risiko- und Altersvorsorge. Folglich hat der Kläger gegenüber der Beklagten (weiterhin)
Anspruch auf eine beitragsfreie Weiterführung der Risiko- und Altersvorsorge
entsprechend der beim IV-Grad von 46% zuzusprechenden Viertels-Invalidenrente.
9.
10.
Im vorliegenden Fall hat der Kläger am 29. März 2017 Klage erhoben. Somit
schuldet ihm die Beklagte auf den ausstehenden Rentenleistungen seit 29. März 2017
auch einen Verzugszins von 5%.
7.3.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass im Grad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit der sachliche und zeitliche Konnex zwischen dem Rückenleiden,
welches zur Arbeitsunfähigkeit während der Versicherungsdeckungszeit geführt hat,
und demjenigen, welches der Invalidität zugrunde liegt, gegeben ist. Das Reglement
der Beklagten verweist zur Invaliditätsgradbemessung auf die IV-Gesetzgebung (Ziff.
6.1 des Vorsorgereglements). Die Berechnung des Invaliditätsgrads durch die IV-Stelle
(46% ab 1. April 2011) wurde von den Parteien im vorliegenden Gerichtsverfahren nicht
in Frage gestellt und ist nach Lage der Akten nicht zu beanstanden. Da die Beklagte bis
31. März 2016 Rentenleistungen bezahlte, bezieht sich der zuzusprechende
Rentenanspruch (Invalidenrente für den Kläger, Kinderrenten für die beiden Kinder des
Klägers) auf die Zeit ab 1. April 2016. Die nachzuzahlenden Rentenleistungen sind seit
Klageinreichung am 29. März 2017 zu 5% zu verzinsen. Hinsichtlich der von der
Beklagten geltend gemachten Rückforderung bereits ausbezahlter Rentenleistungen
(vgl. Schreiben des Beklagten vom 31. Oktober 2016, act. G 1.32) ist festzustellen,
dass die Beklagte in der Klageantwort vom 14. Juni 2017 (vgl. act. G 5) auf die
Rückforderung verzichtete. Infolgedessen erübrigen sich dazu weitere Ausführungen.
9.1.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage gegen die Beklagte
gutzuheissen und dem Kläger ab 1. April 2016 eine Viertels-Invalidenrente basierend
auf einer BVG-Mindestrente und einem Invaliditätsgrad von 46% sowie Kinderrenten
für die beiden Kinder R._ und S._ zuzusprechen. Die nachzuzahlenden
10.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/25
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