Decision ID: e4d7b6d1-a649-42b8-b5fe-ad2b27946f37
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 20.03.2015 Art. 16 UVG, Art. 6 ATSG, Anspruch auf Taggelder gemäss UVGBeweiswürdigung, Nachteil der Beweislosigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. März 2015, UV 2014/94).Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichter Joachim Huber, Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiberin Andrea WepferEntscheid vom 20. März 2015in SachenA._,Beschwerdeführer,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Hans Frei, Kriessernstrasse 40, 9450 Altstätten,gegenSchweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358, 6002 Luzern,Beschwerdegegnerin,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Reto Bachmann, Lischer, Zemp & Partner,Schwanenplatz 4, 6004 Luzern,betreffendTaggeldleistungenSachverhalt:
A.
A.a A._ war als Maurer bei der B._ AG angestellt und dadurch bei der Suva
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 15. Juli 2011 war er als
Beifahrer in einem Kleinbus unterwegs, als dieser mit einem anderen Personenwagen
zusammenprallte (Suva-act. 28). Im Rahmen dieser Kollision zog sich der Versicherte
eine vertikale Spaltfraktur HWK 5, eine Wirbelbogenfraktur rechts HWK 4,
Deckplattenkompressionsfrakturen BWK 4 und 5 sowie eine leichte traumatische
Hirnverletzung ohne Parenchymveränderungen zu (Suva-act. 23).
A.b Nach einer notfallmässigen Erstversorgung im Spital C._ wurde der Versicherte
ins Kantonsspital Graubünden verlegt. Die Hospitalisation dauerte vom 15. bis 18. Juli
2011. Nach der erfolgten neurologischen Überwachung wurde der Versicherte
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entlassen, ausgestattet mit einem Philadelphia-Kragen zur konservativen Behandlung
der Halswirbelfrakturen (Suva-act. 23).
A.c Am 6. September 2011 erfolgte die Vorstellung im Spital D._. Im Bericht vom
gleichen Tag wurde festgehalten, dass die Orthesen ab sofort weggelassen werden
könnten bzw. je nach Befinden nur noch der weiche Halskragen getragen werden solle
(Suva-act. 29).
A.d Die Suva sprach dem Versicherten in ihrer Verfügung vom 28. September 2011 ein
wegen groben Selbstverschuldens um 20 % gekürztes Taggeld ab 17. Juli 2011 zu
(Suva-act. 34).
A.e Am 25. Oktober 2011 fand erneut eine Konsultation im Spital D._ statt. Dem
Bericht von Dr. med. E._ vom selben Tag ist zu entnehmen, dass die Behandlung
von Seiten des Spitals abgeschlossen werden konnte und dass weitere Physiotherapie
nicht als notwendig erachtet wurde. Weiter wurde ausgeführt, dass der Versicherte in
seinem ursprünglichen Beruf als Maurer 50 % arbeitsfähig sei. Die zu diesem Zeitpunkt
noch bestehenden Restbeschwerden sollten sich im Laufe der kommenden Wochen
vollends zurückbilden (Suva-act. 57).
A.f Am 25. November 2011 schrieb der Hausarzt Dr. med. F._ den Versicherten ab
dem 28. November 2011 zu 100 % arbeitsfähig (Suva-act. 58).
A.g Am 9. Dezember 2011 widerfuhr dem Versicherten ein weiteres Unfallereignis, bei
dem ihm ein Schalungsschloss auf den linken kleinen Finger fiel und er sich einen
Bruch zuzog (Suva-act. 61, 62).
A.h Der Versicherte reichte am 18. Januar 2012 eine Anmeldung bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen ein (IV-act. 1). Diese gewährte Berufsberatung (Suva-act. 67),
welche erstmals am 21. März 2012 stattfand (Suva-act. 69). Der Versicherte
interessierte sich für eine Umschulung zum Hochbauzeichner (Suva-act. 73). Die Suche
nach einer Lehr- oder Praktikumsstelle gestaltete sich aber schwierig. Deshalb wurde
ab Frühjahr 2013 eine Ausbildung zum technischen Kaufmann anvisiert (Suva-act. 78).
Am 15. Oktober 2013 wurde dem Versicherten Kostengutsprache für die Umschulung
zum technischen Kaufmann für die Zeit vom 23. August 2013 bis 31. Juli 2015 erteilt
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(Suva-act. 80). Nachdem der Versicherte diese Umschulung per 30. April 2014
abgebrochen hatte, wurde mit Mitteilung vom 16. Mai 2014 die Kostengutsprache für
berufliche Massnahmen aufgehoben (Suva-act. 91).
A.i Am 26. Februar 2014 hatte der Versicherte bei der Suva die Weiterausrichtung von
Taggeld beantragen lassen (Suva-act. 82, vgl. auch 84). Die Suva hatte daraufhin mit
Verfügung vom 18. März 2014 festgehalten, dass ab dem 28. November 2011 eine
volle Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe und deshalb kein Anspruch auf Ausrichtung von
Taggeldleistungen mehr bestehe (Suva-act. 87).
B.
B.a Gegen die Verfügung der Suva vom 18. März 2014 hatte der Versicherte am
27. März 2014 Einsprache erhoben. Die Suva habe ihm rückwirkend ein UV-Taggeld
auszurichten. Der behandelnde Hausarzt Dr. F._ habe ihn lediglich für eine
angepasste Tätigkeit ab dem 28. November 2011 zu 100 % arbeitsfähig geschrieben,
und seine Arbeitsbemühungen in seinem angestammten Beruf seien wegen starker
Schmerzen gescheitert (Suva-act. 88).
B.b Die Suva bot den Versicherten zur kreisärztlichen Untersuchung bei Dr. med.
G._ auf, die am 7. August 2014 stattfand. Der Kreisarzt hielt in seinem gleichentags
erstellten Bericht fest, dass keine Funktionsbeeinträchtigungen beständen. Zudem sei
unter Hinweis auf den Untersuchungsbefund des Spitals D._ vom 25. Oktober 2011
von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit als Maurer von Februar 2012 bis August
2013 auszugehen (Suva-act. 110).
B.c Am 10. November 2014 erliess die Suva einen abweisenden Einspracheentscheid.
Der Versicherte sei ab dem 25. Oktober 2011 zu 50 % arbeitsfähig gewesen und ab
dem 28. November 2011 zu 100 %. Die Behandlung habe zudem abgeschlossen
werden können und es sei weiter nicht einmal mehr Physiotherapie notwendig
gewesen. Auch der Kreisarzt habe anlässlich seiner Untersuchung vom 7. August 2014
festgestellt, dass objektiv keine Funktionsbeeinträchtigung mehr vorliege. Da eine
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten in seiner angestammten beruflichen Tätigkeit nach
dem 27. November 2011 – mit Ausnahme der Zeit zwischen dem 9. Dezember 2011
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und dem 31. Januar 2012 – weder medizinisch ausreichend dokumentiert noch
aufgrund der Faktenlage nachvollziehbar und glaubhaft ausgewiesen sei, seien die
weiteren Taggeldleistungen zu Recht verweigert worden (Suva-act. 120).
C.
C.a Am 10. Dezember 2014 erhob der Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführer)
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid. Er beantragte, es seien ihm rückwirkend
Taggelder vom 29. November 2011 bis 8. Dezember 2011 sowie vom 1. Februar 2012
bis 22. August 2013 auszurichten. Eventualiter beantragte er die Anordnung eines
medizinischen Gutachtens. Sein Hausarzt Dr. F._ habe ihn ab dem 28. November
2011 lediglich in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig erklärt. Ein
Tätigkeitswechsel sei ausserdem nicht zumutbar gewesen, da gegenüber der
Invalidenversicherung ein Recht auf berufliche Massnahmen bestanden habe (Suva-
act. 123).
C.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 21. Januar 2015 beantragt die Suva (nachfolgend
Beschwerdegegnerin), die Beschwerde sei abzuweisen, da der Beschwerdeführer ab
dem 25. Oktober 2011 zu 50 % und seit dem 28. November 2011 zu 100 %
arbeitsfähig sei. In dieser Zeit habe er auch verschiedentlich temporär als Maurer
gearbeitet. Die Dauer der jeweiligen Arbeitseinsätze hänge mit der Natur des
Temporärwesens an und für sich zusammen und es sei nicht zu beschwerdebedingten
Arbeitsunterbrüchen gekommen. Bei längerer Dauer der Arbeitsunfähigkeit sei
ausserdem auch eine zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf zu berücksichtigen
(act. G 5).
C.c Ein weiterer Schriftenwechsel wurde nicht durchgeführt.

Erwägungen:
1.
1.1 Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin für die Folgen des Unfalls vom
15. Juli 2011 ihre Leistungspflicht und erbrachte die entsprechenden
Taggeldleistungen bis zum 27. November 2011. Streitig und zu prüfen ist, ob die
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Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer ab dem 28. November 2011 – mit
Ausnahme der Zeit vom 9. Dezember 2011 bis 31. Januar 2012 – die Ausrichtung von
Taggeldleistungen zu Recht verweigerte.
1.2 Voraussetzung für die Ausrichtung von Taggeldleistungen ist das Vorliegen einer
vollen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit infolge des Unfalles (Art. 16 UVG). Arbeits
unfähigkeit ist gemäss Art. 6 ATSG die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im
bisherigen Beruf zumutbare Arbeit zu leisten. Es handelt sich um eine Einbusse an
funktionellem Leistungsvermögen (BGE 114 V 286). Das heisst, dass darauf abzustellen
ist, in welchem Mass die versicherte Person aus gesundheitlichen Gründen im
bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich nicht mehr nutzbringend tätig sein kann (BGE
115 V 404).
2.
2.1 Betreffend den Heilungsprozess des Beschwerdeführers ist festzuhalten, dass die
gesundheitlichen Unfallfolgen grundsätzlich gut ausgeheilt sind. Am 6. September 2011
anlässlich einer Kontrolle im Spital D._ wurde ihm eröffnet, dass er die Orthesen ab
diesem Datum weglassen könne, bzw. je nach Befinden nur noch der weiche
Halskragen getragen werden müsse, und es wurde Physiotherapie verordnet (Suva-act.
29). Nochmals knapp zwei Monate später anlässlich einer weiteren Konsultation konnte
die Behandlung von Seiten des Spitals abgeschlossen werden. Es wurde auch keine
weitere Physiotherapie als notwendig erachtet. Der Beschwerdeführer wurde in seinem
ursprünglichen Beruf 50 % arbeitsfähig geschrieben, und die Restbeschwerden sollten
im Laufe der kommenden Wochen komplett vergehen (Suva-act. 57). Am
25. November 2011 schrieb ihn sein Hausarzt per 28. November 2011 100 %
arbeitsfähig (Suva-act. 58). Danach war der Beschwerdeführer wieder als Maurer tätig,
bis er diese Tätigkeit durch einen am 9. Dezember 2011 erlittenen weiteren Unfall mit
einer Verletzung am Finger wiederum beendete bzw. unterbrach. Strittig ist, ob sich die
attestierte 100 %-ige Arbeitsfähigkeit nachträglich als zu optimistisch herausstellte.
2.2 Bezüglich der für den massgeblichen Zeitraum vorhandenen medizinischen
Unterlagen ist am ehesten davon auszugehen, dass angesichts der ohne
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Komplikationen voranschreitenden Heilung und basierend auf der Prognose des
behandelnden Arztes des Spitals D._ vom 25. Oktober 2011, wonach die
Restbeschwerden in den kommenden Wochen komplett verschwinden sollten und
damit auch wieder eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit vorliegen
würde, per 28. November 2011 eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit vorlag. Dass der Hausarzt Dr. F._ auf einem ihm durch die
Beschwerdegegnerin vorgelegten Formular auf die Frage, ob sie sich beim Betrieb um
Zuweisung geeigneter Arbeit verwenden solle, mit "Ja" antwortete, heisst nicht, dass er
damit implizierte, die Wiederaufnahme der Arbeit könne nur in Bezug auf eine
angepasste Tätigkeit geschehen. Abgesehen von der Bejahung dieser Hilfestellung ist
dem entsprechenden Formular nichts zu entnehmen, was darauf hinweisen würde,
dass der Beschwerdeführer noch durch die Folgen des Unfalles vom 15. Juli 2011
beeinträchtigt gewesen wäre. Die übrigen Antworten legen nahe, dass sowohl der
bisherige objektive wie auch der bisherige subjektive Verlauf gut gewesen seien.
Bezüglich weiterer Therapiemassnahmen bestand kein Handlungsbedarf und die Frage
nach einem bleibenden Nachteil beantwortete Dr. F._ damals abschlägig (Suva-act.
58). Auch wenn Dr. F._ daraufhin anlässlich eines Gesprächs mit dem Regionalen
Ärztlichen Dienst der Invalidenversicherung (nachfolgend RAD) vom 7. Februar 2012
(IV-act. 10) ausführte, in der angestammten Tätigkeit liege beim Beschwerdeführer seit
dem Unfall eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vor mit einer Unterbrechung von einer
Woche für einen frustranen Arbeitsaufnahmeversuch, so ändert das nichts daran, dass
zuvor von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen
war.
2.3 Weiter stellt sich die Frage, ob, nachdem der Beschwerdeführer per 28. November
2011 wieder 100 % arbeitsfähig geschrieben wurde und die Wiederaufnahme der
Arbeit erfolgte, sich danach bis zum 22. August 2013 erneut eine Arbeitsunfähigkeit
einstellte. Der Beschwerdeführer macht einerseits geltend, aus der Gesprächsnotiz des
RAD mit Dr. F._ vom 7. Februar 2012 (IV-act. 10) werde klar, dass – entgegen der
Annahme von Dr. F._ vom 25. November 2011 (Suva-act. 58) – in der angestammten
Tätigkeit als Maurer seit dem Unfall abgesehen von einer Woche für einen frustranen
Arbeitsversuch immer eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden habe (IV-act. 10).
Andererseits behauptet er, während der Arbeit in der angestammten Tätigkeit unter
Schmerzen gelitten zu haben. Es stellt sich deshalb die Frage, wie die Einschätzung
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der Arbeitsfähigkeit zu würdigen ist bzw. welches Bild sich aus einer Gesamtwürdigung
der Akten ergibt.
2.4 Die Gesprächsnotiz des RAD mit Dr. F._ vom 7. Februar 2012 ist knapp und
medizinisch eher dürftig begründet (IV-act. 10). Der Beschwerdeführer hatte gegenüber
der Beschwerdegegnerin anlässlich eines Telefongesprächs vom 26. Januar 2012 zu
Protokoll gegeben, dass er nach wie vor zeitweise Nackenbeschwerden habe,
insbesondere während der Zeit, als er wieder als Maurer tätig gewesen sei, seien ab
Mittag jeweils stechende Schmerzen im Nacken aufgetreten, welche in den Rücken
ausgestrahlt hätten. Eine Behandlung diesbezüglich sei aber nicht mehr erfolgt (Suva-
act. 62). Während eines weiteren Telefongesprächs vom 13. November 2012 gab er an,
nach längerem Laufen trete ein unangenehmes Gefühl von der Mitte des Rückens bis
in den Nacken auf. Bis zur Woche vor dem Telefongespräch habe er auf dem Bau
gearbeitet. Behandlungen erfolgten nach wie vor keine, ab dem folgenden Jahr werde
er wohl ein Fitnessabonnement lösen (Suva-act. 74). Am 19. November 2013 machte er
die Angabe, nach langem Sitzen trete zeitweise beim Aufstehen ein heftiger Zwick im
Brustwirbelsäulenbereich auf, welcher ca. eine Minute anhalte, aber er habe sich
deswegen nicht in ärztliche Behandlung begeben (Suva-act. 81). Anlässlich eines
persönlichen Treffens des Beschwerdeführers und einer Aussendienstmitarbeiterin der
Beschwerdegegnerin in der Kanzlei des Rechtsvertreters des Ersteren führte der
Beschwerdeführer aus, dass es bei verschiedenen körperlich anstrengenden
Tätigkeiten gelegentlich zu Beschwerden gekommen sei. Auch bei seinen
Arbeitseinsätzen habe er jeweils Schmerzen gehabt. Dies sei meistens abends der Fall
gewesen, während der Arbeit habe er dies weniger gemerkt. Er habe auch schon
länger keine Schmerzmittel mehr eingenommen, abgesehen von Dafalgan während der
Arbeitseinsätze. Zur Vervollständigung seiner beruflichen Einsätze konkretisierte er,
über die B._ AG beim Betrieb H._ und der I._ AG als Maurer tätig gewesen zu
sein. Bei der Firma J._ sei er im Strassenbau tätig gewesen, dort habe er ganztägig
geschaufelt und gepickelt. Dies habe dazumal jedoch zu grossen Schmerzen geführt.
Bei der K._ AG sei er einmal für Dächer- und Fassadenarbeiten eingesetzt worden,
ansonsten immer als Maurer tätig gewesen. Er könne ausserdem sagen, dass er jeweils
während der Arbeit kaum etwas bemerkt habe. Abends zu Hause habe er dann jedoch
Ausstrahlungen vom Nacken her über die Schulter bis in den Halsbereich bekommen.
Kopfschmerzen könne er für diese Zeit nicht konkret nennen. Er habe jeweils für
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wenige Wochen in den Betrieben gearbeitet, danach wieder längere Pausen eingelegt.
Das sei jeweils auch vom vorhandenen Geld abhängig gewesen. Seinen Arbeitgebern
habe er jeweils nichts über seine Beschwerden gesagt, er sei kein "Jammeri". Trotz der
Schmerzen habe er die Arbeiten verrichten können, jeweils für wenige Wochen (Suva-
act. 104).
2.5 Diese Schilderungen erwecken zwar den Eindruck gelegentlicher Störungen des
körperlichen Wohlbefindens, mitunter auch Ansätze echter Schwierigkeiten, den
angestammten Beruf auszuüben, aber in Bezug auf den Beweis einer relevanten
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bewegen sie sich lediglich im Bereich
des Möglichen, aber nicht des überwiegend Wahrscheinlichen. Auch wenn körperliches
Unwohlsein durch die angestammte Tätigkeit ausgelöst wurde, war es dem
Beschwerdeführer aber offenbar trotzdem möglich, sie auszuüben. Der
Beschwerdeführer äusserte zwar rückblickend jeweils am Abend nach der Arbeit
Schmerzen, aber diese verunmöglichten es ihm nicht, seiner angestammten Tätigkeit
nachzugehen. Weiter ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer einerseits
aussagte, er habe seine Arbeitseinsätze jeweils wegen der Schmerzen abbrechen
müssen. Andererseits führte er in der ergänzenden Begründung seiner Einsprache vom
28. Oktober 2014 aus, er habe seine Temporäreinsätze "aus was für Gründen auch
immer" jeweils wieder beenden wollen. Bei Temporärbeschäftigten sei es vielmals der
Fall, dass sie gar nicht über längere Zeit arbeiten wollten, sondern ihre Freizeit für
andere Hobbies oder Interessen nutzen wollten (Suva-act. 119). Folglich ist nicht
erwiesen, dass er seine Einsätze aus gesundheitlichen Gründen beendete bzw. dass
ihm die körperliche Arbeit aus medizinischer Sicht nicht zumutbar gewesen wäre.
Jedenfalls war er verschiedentlich wieder temporär tätig. Nach dem ersten
Arbeitseinsatz Ende November 2011 über die B._ AG arbeitete er 2012 August/
September bei der K._ AG und Oktober/November wieder bei der B._ AG (Suva-
act. 102). Unter anderem war er dabei gemäss eigenen Aussagen sogar im
Strassenbau tätig, wo er ganztägig schaufelte und pickelte (Suva-act. 104). Hinzu
kommt, dass er wegen der Schmerzen, die er bei der Ausübung seiner angestammten
Tätigkeit erwähnt, in der Zeit zwischen Ende November 2011 und Sommer 2013 –
abgesehen von einer letzten Kontrolle am 7. Dezember 2011 – nach Lage der Akten nie
beim Arzt war. Seine Beeinträchtigungen wurden weder durch einen Mediziner
festgestellt, noch adäquat behandelt, noch wurde er eingehend untersucht und eine
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Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die eine, summarische Einschätzung durch Dr. F._ vom
7. Februar 2012 (IV-act. 10) reicht nicht aus, um für die gesamte Periode schlüssig zu
belegen, dass der Beschwerdeführer in seinem angestammten Beruf nicht arbeitsfähig
gewesen wäre. Damit bleibt ein Einsatz des Beschwerdeführers über das ihm
medizinisch Zumutbare hinaus bzw. eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in seiner angestammten Tätigkeit unbewiesen. Am Rande bemerkt erwähnte der
Beschwerdeführer auf der Anmeldung bei der IV-Stelle vom 18. Januar 2012 auch
unter Bemerkungen, dass er sich beruflich weiterentwickeln und vielleicht eine Lehre
als Hochbauzeichner machen möchte und dass er dann vielleicht finanzielle
Unterstützung brauche (IV-act. 1).
2.6 Am 7. August 2014 untersuchte Dr. G._ den Beschwerdeführer. Zu diesem
Zeitpunkt liessen sich keine Funktionsbeeinträchtigungen feststellen. Dr. G._ hielt
ausserdem fest, dass der bestehende Zustand durch keine weiteren
Behandlungsmassnahmen verbessert werden könne und der Beschwerdeführer auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt vollschichtig vermittelbar sei. Er stimmte auch dem
Untersuchungsbefund des Spitals D._ vom 25. Oktober 2011 zu und kam zum
Schluss, dass von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit als Maurer vom Februar
2012 bis August 2013 auszugehen sei (Suva-act. 110). Auch aus dem Bericht von Dr.
G._ ergibt sich nichts, das die Argumentation des Beschwerdeführers stützen würde.
3.
Selbst wenn man zugunsten des Beschwerdeführers annehmen würde, dass er seine
Arbeitskraft zumutbarerweise nur noch in einer körperlich leichten Tätigkeit verwerten
könnte, ist die Taggeld-Leistungseinstellung nicht zu beanstanden. Der medizinische
Endzustand war Ende November 2011 erreicht (Suva-act. 57 und 58). Art. 16 Abs. 1
UVG verweist betreffend Arbeitsunfähigkeit auf Art. 6 ATSG und zwar ohne
Einschränkungen. Art. 6 ATSG sieht in seinem zweiten Satz vor, dass bei langer Dauer
auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich
berücksichtigt wird. Nach einer Lehrmeinung soll die Anwendung von Art. 6 Satz 2
ATSG grundsätzlich ausser Betracht fallen, wenn es um Taggelder der IV, der UV oder
MV geht, dies aufgrund deren Übergangscharakters und da diese an die Durchführung
einer medizinischen bzw. beruflichen Massnahme geknüpft sind (Ueli Kieser, ATSG-
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Kommentar, 2. Aufl. Zürich 2009, N 19 zu Art. 6). Aus der Rechtsprechung ergeben
sich jedoch keine Gründe, die bei den UV-Taggeldern gegen eine einzelfallspezifische
Prüfung der Zumutbarkeit des Wechsels in einen anderen Tätigkeitsbereich sprechen.
Damit stellt sich die Frage, ob dem Beschwerdeführer als gelerntem Maurer eine
Hilfsarbeit zumutbar ist. In einem ersten Schritt muss der Wechsel objektiv möglich
sein; wobei die Frage darauf abzielt, ob eine angepasste Tätigkeit auf dem
Arbeitsmarkt ausreichend häufig angeboten wird (Kieser, a. a. O., N 23 zu Art. 6). Im
Falle des Beschwerdeführers ist eine Hilfsarbeitertätigkeit eine denkbare Alternative,
wofür es auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt auch Nachfrage gibt und die Tatsache,
dass der Beschwerdeführer auch bereits schon eine derartige Stelle innehatte, ist als
Hinweis darauf zu werten, dass er erneut zu einer solchen Beschäftigung gelangen
könnte. In einem zweiten Schritt muss der Wechsel dem Betroffenen subjektiv
zuzumuten sein. Dabei sind sein Alter, seine persönlichen und familiären Verhältnisse
einzubeziehen wie auch ein allfälliger sozialer Abstieg (Kieser, a. a. O., N 24 zu Art. 6).
Der Beschwerdeführer war vor dem Unfall vom 15. Juli 2011 zwar lückenloser
beschäftigt als danach, aber auch bereits vor dem Unfall war er temporär und bei
immer wieder wechselnden Arbeitgebern beschäftigt (Suva-act. 102). Gemäss seinen
eigenen Aussagen übte er dabei verschiedene Tätigkeiten aus (Suva-act. 104). Er war
zum Zeitpunkt des Unfalles 23 Jahre alt und seine berufliche Situation kann aufgrund
des vorangehend Geschilderten nicht als stabil bezeichnet werden. Angesichts dieser
Umstände wäre es ihm durchaus zuzumuten gewesen, eine angepasste Tätigkeit
aufzunehmen. Eine Abmahnung durch die Beschwerdegegnerin war nicht nötig, da er
faktisch offenbar nicht nur der Maurertätigkeit nachging, sondern bereits schon
Hilfsarbeiten machte. Im Übrigen wäre der Beschwerdegegnerin weder eine
Abmahnung noch eine eingehende medizinische Abklärung zeitnah möglich gewesen,
da das Begehren um weitere Taggelder erst im Februar 2014 gestellt wurde.
4.
Der Beschwerdeführer hat die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege beantragt.
Diese wird gemäss Art. 61 lit. f ATSG bewilligt, wenn die Verhältnisse es rechtfertigen.
Abzustellen ist auf die finanzielle Bedürftigkeit, die Abwägung betreffend die
Aussichten des Verfahrens und darauf, ob die Vertretung notwendig ist oder nicht
(Urteil 9C_606/2013 vom 7. März 2014). Der Beschwerdeführer erzielt lediglich ein sehr
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bescheidenes Erwerbseinkommen (act. G 1.3); die finanzielle Bedürftigkeit ist erstellt.
Auch wenn der Beschwerdeführer vorliegend mit seinem Anliegen unterliegt, heisst das
nicht automatisch, dass es sich dabei um eine aussichtslose Angelegenheit handeln
muss. Die Aussichtslosigkeit wird angenommen, wenn die Gewinnaussichten
beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren, so dass sie kaum als ernsthaft
bezeichnet werden können (Urteil 9C_606/2013 vom 7. März 2014 2.2.1). Die hier
aufgeworfene Frage, ob die Einstellung der Taggeldleistungen durch die
Beschwerdegegnerin rechtens war, kann nicht ohne Beweiswürdigung behandelt
werden; die Abweisung der Beschwerde war nicht von Vornherein klar. Auch die
Notwendigkeit anwaltlicher Vertretung kann bejaht werden, da der Beschwerdeführer
offenkundig juristischer Laie ist, wohingegen die Beschwerdegegnerin über einen
eigenen Rechtsdienst verfügt und darüber hinaus im vorliegenden Verfahren von einem
externen Rechtsanwalt vertreten wird. Dem Beschwerdeführer ist demzufolge die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die
obsiegende beschwerdeführende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Im zu beurteilenden Verfahren erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'200.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit hat der
Staat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal (BGE 125 V 201) mit
Fr. 2'560.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Die
Beschwerdegegnerin hat praxisgemäss keinen diesbezüglichen Anspruch (BGE 126 V
150).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP