Decision ID: ed94d8c5-5e64-5bc8-b1f7-4778fcf11f86
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1985 geborene
X._
war seit 2012 als
Credit
Spezialist bei der Bank
Y._
angestellt und
dadurch bei der
Schweizerischen National-Versicheru
ngs-Gesellschaft AG
obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert
. Infolge Fusion mit
der
Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: Helvetia) gingen sämtliche Rechte und Pflichten
aus dem Versicherungsvertrag auf
diese über (vgl.
Urk.
2).
Anläss
lich eines Tennisspiels am
9.
August 2018 verspürte der Versicherte starke Schmerzen in der Leistengegend
(
Urk.
8/UM
).
Die am 1
4.
August 2
018 erstbe
handelnde Ärztin der
Z._
hielt Leistenschmerzen links und differenzialdiagnostisch
(DD)
eine
Ad
duktorenz
errung resp.
einen
Leis
tenbruch fest.
Sie
verordn
ete eine Analgesie und Sportkar
enz für eine Woche (
Urk.
8/M1.1). Am
9.
Oktober 2018 nahm der Vertrauensarzt der Helvetia
Dr.
A._
, Facharzt FMH für Chirurgie, zur Sache Stellung (
Urk.
8/M3). Bei persis
tierenden
Beschwerden
wurde am 1
7.
Oktober 2018 eine Ultrasonographie
der linken Leiste
durchgeführt. Diese erbrachte den Ausschluss einer Leistenhernie; die Adduktorenansätze liessen sich nicht konklusiv darstellen (
Urk.
8/M5).
Am
6.
November 2018 gab
Dr.
A._
eine weitere Stellungnahme ab (
Urk.
8/M7). Gestützt darauf lehnte die Helvetia
eine Leistungspflicht
mit Verfügung vom
9.
November 2018
ab
und begründete dies damit, es liege weder ein
Unfall im Rechtssinne noch eine unfallähnliche Körperschädigung vor (
Urk.
8/K15)
. Die am
3.
Dezember 2018 (
Urk.
8/K27)
dagegen erhobene Einsprache wies die Helvetia mit
Einspracheentscheid
vom 1
8.
Dezember 2018 ab (
Urk.
2
/1
).
2.
Dagegen erhob X._
am 1
0.
Januar 2019 (Datum Poststempel) Beschwerde und beantragte
, es sei zu anerkennen, dass er am
9. August 20
18 eine unfallähnliche Körperschädigung erlitten habe
,
und
es seien
ihm gestützt darauf
die gesetzlichen Versicherungsleistungen auszurichten
. Zudem sei «der Gutachter» [
Dr.
A._
] des falschen Zeugnisses gemäss
Art.
318 des Schweizeri
schen Strafgesetzbuches (
StBG
) zu verurteilen (
Urk.
1
).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
Februar 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer am 1
8.
Februar 2019 zur Kennt
nis gebracht wurde (
Urk.
9).
Am 2
5.
April 2019 wurde
im Beisein beider Parteien
eine Instruktionsverhandlung durchgeführt (vgl.
Urk.
10, Protokoll S. 3).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Ver
ordnung über die Unfallversi
che
rung (UVV) in Kraft getreten.
Der hier zu beurteilende Sachverhalt hat sich am
9.
August 2018
ereignet, wes
halb die ab dem 1. Januar 2017 gültigen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Abs. 2): Knochenbrüche (
lit
. a), Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Bandläsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anam
nese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen
hänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerun
gen des Experten begründet und nachvollziehbar sind. Ausschlaggebend für den Beweis
wert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a). Den Berichten versiche
rungs
in
terner Ärztinnen und Ärzten kommt
rechtsprechungsgemäss
zwar nicht der
selbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts (ATSG) eingeholten Gut
achten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Rich
tig
keit ihrer Schlussfolgerungen beste
hen (Urteil des Bundesgerichts 8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009 E. 4.7).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, das Ereignis vom am
9.
August 2018 qualifiziere nicht als Unfall im Rechtssinn
e
. Zudem habe der Beschwerdeführer dabei keine Listenverletzung, sondern eine
Insertionstendinitis
der Adduktoren erlitten. Folglich sei
sie (die Unfallversicherung) ni
cht leitungs
pflichtig (
Urk.
2/1
, vgl. auch
Urk.
7
).
2.2
Dagegen wandte
der Beschwerdeführer zusammengefasst ein, die
Stellungnah
men von
Dr.
A._
seien nicht objektiv,
widersprüchlich,
falsch und unbegrün
det
. Vielmehr sei gestützt auf
die Einschätzung der
Z._
-Ärztin
davon aus
zugehen, dass er anlässlich des Tennisspiels vom
9.
August 2018 eine Adduk
torenz
errung erlitten habe. Folglich sei die Beschwerdegegnerin leistungs
pflichtig (
Urk.
1).
3.
3.1
Dr.
B._
, Fachärztin FMH
für
Allgemeine Innere Medizin der Z._,
untersuc
hte den Beschwerdeführer am 14.
August 201
8.
Dieser habe berichtet, am
9.
August 2018 anlässlich eines Tennisspiels plötzlich Schmerzen in der linken Leiste verspürt zu
haben
;
er
habe
das Spiel unmittelbar abbrechen müssen. Die Schmerzen
hätten sich anfangs gebessert,
stagnierten indes
s
eit zwei Tagen
. Schmerzhaft seien vor allem gewisse, unkon
trollierte Bewegungen,
so
etwa Ausfallschritte. Zudem würden die Schmerzen verstärkt durch Husten oder Niessen. Weiter notierte
Dr.
B._
ein
hinkfreies
Gangbild, Schmerzen in der linken Leiste vor allem beim Ablegen des gestreckten Beins oder beim Aufsitzen
aus de
m Liegen sowie ein
leichtes Druckgefühl bei der Hüftbeugung und Aussenrotation,
ohne tastbare Leistenpforte.
Dr.
B._
diagnostizierte Leistenschmerzen links sowie differenzi
aldiagnostisch eine Adduktorenz
errung resp.
einen
Leistenbruch (
Bericht vom 2
0.
August 2018,
Urk.
8/M1.1).
3.2
Im Fragebogen vom 1
7.
September 2018 gab der Beschwerdeführer an, er ha
be anlässlich des Tennisspiels vo
m
9.
August 2018 plötzlich ein starkes Stechen in der linken Leistengegend verspürt. Tennisspielen sei für
ihn
eine gewohnte Tätigkeit und es habe sich dabei
weder etwas
Besonderes
zugetragen noch sei er aufgrund der Leistensymptomatik in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewe
sen. Die Schmerzen seien indes persistierend. Zudem sei die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Er (der Beschwerdeführer) wolle nun eine Physiotherapie begin
nen (
Urk.
8/M2).
3.3
Versicherungsarzt
Dr.
A._
hielt am
9.
Oktober 2018
stichwortartig
fest,
bei den diagnostizierten Leistenschmerzen links
, DD Adduktorenz
errung
sowie DD
Leistenbruch
bestehe keine
Listenverletzung im Sinne
von
Art.
6
Abs.
2 UVG.
Vielmehr handle es sich um
eine
Insertionst
endinitis
der Adduktoren
(
Urk.
8/M3).
3.4
Am 1
7.
Oktober 2018 wurde die
linke Leiste des Beschwerdeführers
sonogr
a
phisch
untersucht.
Es
zeigte
sich
eine normale Darstellung der
Inguinalregion
und Bauchregion.
Eine
Leistenhernie
wurde
ausgeschlossen. Die Adduktorenan
sätze konnten nicht konklusiv dargestellt werden.
Der
beurteilende Radiologe
hielt
fest, zum Nachweis einer
Insertionstendinitis
bedürfe es einer MR-Untersuchung (
Urk.
8/M5).
3.5
Dr.
B._
hielt mit Bericht vom
1
9.
Oktober 2018
fest, beim
sonographischen
Ausschluss einer
Leistenhern
ie
seien
d
ie beklagten Schmerzen auf eine
Adduktorenzerrung
und damit auf den Unfall vom
9.
August 2018 zurückzufüh
ren
(
Urk.
8/M6).
3.6
Mit Stellungnahme vom
6.
November 2018
hielt
Dr.
A._
daran fest, dass vor
liegend nicht von einer Listenverletzung, sondern von einer
Insertionstendinitis
auszugehen sei
(
Urk.
8/M7).
3.7
Am 1
1.
Dezember 2018 bestätigte
Dr.
A._
seine Einschätzung, wonach keine eine Listenverletzung vorliege
, erneut
. Eine Adduktorenzerrung sei lediglich dif
ferenzialdiagnostisch erwogen worden
und das Vorliegen einer Muske
lzerrung habe bildgebend nicht mit überwiegender Wahrscheinlich nachgewiesen werden können. Bei dieser Sachlage erübrigten sich Weiterungen zur Frage, ob die Beschwerden vorwiegend degenerativ
bedingt
oder auf eine Erkrankung zurück
zuführen seien (
Urk.
8/M8).
4.
4.1
Die Parteien sind sich darüber einig, dass das Ereignis vom
9.
August 2018 nicht als Unfall im Recht
ssinne qualifiziert. Unstreitig
ist
auch, dass
der B
eschwerde
führer am
9.
August 2018
keinen Leistenbruch erlitten hat.
Strittig und zu prüfen ist indes, ob der Beschwerdeführer
am
9.
August 2018
eine leistungsbegründende Listenverletzung im Sinne von
Art.
6
Abs.
2 UVG erlitten hat.
4.2
Es versteht sich von selbst, dass die
im medizinischen Erstbericht vom 2
0.
August 2018 differenzialdiagnostisch festgehaltene Adduktorenzer
rung
dem im Sozial
versicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nicht zu genügen
vermag
. Dass eine Adduktorenzerrung oder andere Lis
tenverletzung vorliegen würde, ergibt sich auch nicht aufgrund der bildgebenden Untersuchung vom 1
7.
Oktober 201
8.
Soweit
Dr.
B._
im Bericht vom 1
9.
Oktober 2018
eine
Adduktore
nzerrung
postuliert
e
, liess sie
eine stichhaltige, medizinische
Begründung
vermissen.
Vielmehr begnügte sie sich damit, beim
sonographischen
Ausschluss einer
Leisten
hernie
von einer Adduktorenzerrung auszugehen.
Mit anderen Worten
ist eine Adduktorenzerrung bei der vorliegen
den medizinischen Aktenlage jedenfalls nicht mit überwiegender Wahrschein
lichkeit ausgewiesen und
tragen die Parteien insofern eine Beweislast, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a).
Da
eine
andere
Listenverletzung weder ersichtlich ist noch geltend gemacht wurde,
ist nicht zu beanstanden, dass
die Beschwerdegegnerin ei
ne Leistungs
pflicht
abgelehnt
hat
.
Mit
seinen
übrigen
Vorbringen
ist der Beschwerdeführer mangels Relevanz für das Beurteilungsergebnis nicht zu hören
.
Insbesondere kann offenbleiben, ob vorliegend
eine
Insertionstendinitis
der Adduktoren
vorliegt
oder n
icht, da Seh
nenentzündungen keine Listendiagnosen darstellen.
Der Vollständigkeit halber
bleibt
endlich
darauf hinzuweisen,
dass das Sozialver
sicherungsgericht des Kantons Zürich
für die Beurteilung
von Straftatbeständen materiell unzuständig ist, weshalb auf den entsprechenden Antrag des Beschwer
deführers (vgl.
Urk.
1) nicht einzutreten ist.
4.3
Zusammenfassend
erweist sich der
Einspracheentscheid
vom 1
8.
Dezember 2018 als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt
, soweit darauf einzutreten ist
.