Decision ID: 5b40899e-2073-5ac8-84da-6801da9e8d51
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Mit Verfügung vom 5. Oktober 2020 wurde die A._(Beschwer-
deführerin/Arbeitgeberin) rückwirkend per 1. Januar 2018 zwangsweise an
die Stiftung Auffangeinrichtung BVG (Vorinstanz) angeschlossen. In der
Verfügung hielt die Vorinstanz fest, dass die Arbeitgeberin innert der ge-
setzten Frist keinen Nachweis erbracht habe, der einen Anschluss an die
Vorinstanz als nicht notwendig erscheinen liesse. Des Weiteren wurde fest-
gehalten, dass die Kosten für die Verfügung in der Höhe von Fr. 450.– und
für die Durchführung des Zwangsanschlusses in der Höhe von Fr. 375.–
nach Rechtskraft mit der Beitragsrechnung der Arbeitgeberin in Rechnung
gestellt werden (Beschwerdeakten [B-act.] 1 Beilage).
A.b Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 5. Novem-
ber 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte
sinngemäss, die Verfügung sei aufzuheben. In ihrer Beschwerde macht sie
geltend, sie sei seit dem 1. Januar 2018 ordentlich bei der Sammelstiftung
B._ angeschlossen (B-act. 1).
A.c Mit Verfügung vom 12. November 2020 wurde die Beschwerdeführerin
aufgefordert, einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– zu leisten.
Dieser Aufforderung kam sie fristgerecht nach (B-act. 2, 4).
A.d Mit Wiedererwägungsverfügung der Vorinstanz vom 22. Januar 2021
wurde der Zwangsanschluss gemäss Ziff. I des Dispositivs der Verfügung
vom 5. Oktober 2020 aufgehoben. Des Weiteren verfügte die Vorinstanz,
dass die Kosten für die Verfügung in der Höhe von Fr. 825.– jedoch ge-
schuldet seien. Die Kosten für die Wiedererwägungsverfügung in der Höhe
von Fr. 450.– seien der Arbeitgeberin in Rechnung zu stellen (B-act. 8 Bei-
lage 3).
A.e Mit Vernehmlassung vom 22. Januar 2021 beantragte die Vorinstanz,
die Beschwerde sei abzuweisen, soweit sie nicht zufolge Wiedererwägung
gegenstandslos geworden sei, unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwer-
deführerin. Als Begründung brachte sie vor, dass die Beschwerdeführerin
im Beschwerdeverfahren den Nachweis eines Anschlusses an eine Vorsor-
geeinrichtung erbracht habe. Die Vorinstanz ziehe deshalb ihre Verfügung
vom 5. Oktober 2020 in Wiedererwägung. Da die Beschwerdeführerin den
Nachweis des Anschlusses an die Sammelstiftung B._ jedoch nicht
rechtzeitig eingereicht habe, auch nicht im Rahmen des ihr gewährten
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rechtlichen Gehörs mit Schreiben vom 22. Juli 2020, seien der Zwangsan-
schluss wie auch die Wiedererwägungsverfügung durch vorwerfbares Ver-
halten verursacht worden, womit sie die Kosten zu tragen habe (B-act. 8).
A.f Mit Verfügung vom 26. Januar 2021 wurde der Beschwerdeführerin die
Vernehmlassung zugestellt und ihr die Gelegenheit eingeräumt, eine Rep-
lik einzureichen. Die Beschwerdeführerin äusserte sich nicht zur Vernehm-
lassung. Der Schriftenwechsel wurde in der Folge mit Verfügung vom
17. März 2021 abgeschlossen (B-act. 9, 10).
A.g Mit Schreiben vom 28. Juli 2021 wurde die Vorinstanz aufgefordert, die
Beilagen zur angefochtenen Verfügung einzureichen. Dieser Aufforderung
kam sie fristgerecht nach (B-act. 11, 12).
B.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften der Parteien
ist – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Zu den anfechtbaren Verfügun-
gen gehören jene der Auffangeinrichtung im Bereiche der beruflichen Vor-
sorge, zumal diese öffentlich-rechtliche Aufgaben des Bundes erfüllt (Art.
33 lit. h VGG in Verbindung mit Art. 60 Abs. 2bis des Bundesgesetzes vom
25. Juni 1982 über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvor-
sorge (BVG, SR 831.40). Eine Ausnahme, was das Sachgebiet angeht, ist
in casu nicht gegeben (Art. 32 VGG).
1.2 Der Verwaltungsakt der Vorinstanz vom 5. Oktober 2020 stellt eine Ver-
fügung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VwVG dar. Dagegen hat die Beschwer-
deführerin am 5. November 2020 fristgerecht (Art. 50 in Verbindung mit Art.
22a Abs. 1 lit. b VwVG) und formgerecht (Art. 52 VwVG) Beschwerde er-
hoben. Als Adressatin ist sie durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Änderung oder Auf-
hebung (Art. 48 Abs. 1 lit. a bis c VwVG). Nachdem auch der geforderte
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Kostenvorschuss fristgerecht geleistet worden ist (B-act. 4), sind sämtliche
Prozessvoraussetzungen erfüllt, weshalb auf die Beschwerde einzutreten
ist.
1.3 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich gemäss
Art. 37 VGG grundsätzlich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts ande-
res bestimmt.
2.
2.1 Gemäss Art. 58 Abs. 1 VwVG kann die Vorinstanz bis zu ihrer Ver-
nehmlassung die angefochtene Verfügung in Wiedererwägung ziehen. Die
Beschwerdeinstanz setzt die Behandlung der Beschwerde fort, soweit
diese durch die neue Verfügung der Vorinstanz nicht gegenstandslos ge-
worden ist (vgl. Art. 58 Abs. 3 VwVG). Sofern diese neue Verfügung die
Begehren der beschwerdeführenden Person nur teilweise erfüllt, ist eine
Abschreibung infolge Gegenstandslosigkeit unzulässig und die neue Ver-
fügung gilt durch die bereits erhobene Beschwerde gegen die ursprüngli-
che Verfügung als mitangefochten (ANDREA PLEIDERER, in: Praxiskommen-
tar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 58 N 44 und 46 m.w.H.; Urteile des BVGer A-
856/2018 vom 25. Oktober 2018 E. 1.2.1, C-6111/2010 vom 11. September
2014 E. 1.1.2).
2.2 Vorliegend ist das Verfahren im Hauptpunkt, namentlich betreffend den
Zwangsanschluss, als durch Wiedererwägung gegenstandslos geworden
abzuschreiben, nachdem dieser mit Wiedererwägungsverfügung vom 22.
Januar 2021 aufgehoben worden ist. Die Verfügung der Vorinstanz vom
22. Januar 2021 entspricht jedoch nicht vollständig den Anträgen der Be-
schwerdeführerin, namentlich hinsichtlich der Kostenauflage. Das Still-
schweigen der Beschwerdeführerin in dieser Sache nach Erlass der Wie-
dererwägungsverfügung und Zustellung der Vernehmlassung der Vor-
instanz kann im Übrigen nicht als Beschwerderückzug betrachtet werden
(vgl. BGE 119 V 38 E. 1b m.w.H. sowie Urteil des BVGer A-5030/2016 vom
16. November 2016). Somit bleibt vorliegend über die Kostenauflage zu
entscheiden.
3.
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3.1 Die Kostenauflage wurde in der ursprünglichen Verfügung vom 5. Ok-
tober 2020 nicht ausdrücklich verfügt. Es ergibt sich jedoch aus den Erwä-
gungen und dem Kostenreglement, auf welches im Dispositiv verwiesen
wird, dass der Beschwerdeführerin insgesamt Fr. 825.– in Rechnung ge-
stellt werden (vgl. dazu: Urteile des BVGer A-856/2018 vom 25. Oktober
2018 E. 1.2.2, A-2347/2018 vom 12. Juli 2018, S. 2 und 4). Vorliegend hat
die Vorinstanz in ihrer Wiedererwägungsverfügung die Kosten in der Höhe
von Fr. 825.– für die erste Verfügung und den Zwangsanschluss explizit
verfügt, so dass diese – zusammen mit den Kosten von Fr. 450.– für den
Wiedererwägungsentscheid – Streitgegenstand bilden.
3.2 Gemäss Art. 11 Abs. 7 BVG stellen die Auffangeinrichtung und die AHV-
Ausgleichskasse dem säumigen Arbeitgeber den von ihm verursachten
Verwaltungsaufwand in Rechnung. Dies wird auch in Art. 3 Abs. 4 der Ver-
ordnung vom 28. August 1985 über die Ansprüche der Auffangeinrichtung
der beruflichen Vorsorge (SR 831.434) erwähnt, wonach der Arbeitgeber
der Auffangeinrichtung alle Aufwendungen zu ersetzen hat, die dieser in
Zusammenhang mit seinem Anschluss entstehen. Detailliert geregelt sind
die entsprechenden Kosten sodann im Kostenreglement der Auffangein-
richtung (gültig ab dem 1. Januar 2018 betreffend die Verfügung vom 5.
Oktober 2020). Dieses Reglement bildet auch im vorliegenden Fall integ-
rierenden Bestandteil der Zwangsanschlussverfügung. Es sieht unter der
Rubrik «Zwangsanschluss» für «Verfügung und Durchführung Zwangsan-
schluss» Kosten von Fr. 825.– vor. Eine Auferlegung der Kosten für die
Zwangsanschlussverfügung ist dann gerechtfertigt, wenn der Zwangsan-
schluss im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung der Vorinstanz vom
5. Oktober 2020 nach der damaligen Sach- und Rechtslage zu Recht an-
geordnet wurde (vgl. Urteil des BVGer C-5002/2020 vom 18. August 2021
und A-6747/2016 vom 9. Mai 2017, E. 4).
3.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, der Zwangsanschluss sei auf-
zuheben. Damit macht sie sinngemäss auch die Aufhebung der Kosten des
Zwangsanschlusses geltend (B-act. 1). Die Vorinstanz hält fest, dass die
Beschwerdeführerin es unterlassen habe, im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs vom 22. Juli 2020 über den seit 1. Januar 2018 bestehenden An-
schluss bei der Sammelstiftung B._ zu informieren. Folglich sei von
der Vorinstanz zum damaligen Zeitpunkt zu Recht ein unbefristeter
Zwangsanschluss verfügt worden und die Beschwerdeführerin habe die
Kosten zu tragen (B-act. 8).
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3.4 Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin ab 1. Januar
2018 vorsorgepflichtiges Personal beschäftigt hat (B-act. 8 Beilage 1). Erst
mit Beschwerde vom 5. November 2020 reichte die Beschwerdeführerin
jedoch einen Nachweis ein, aus welchem ersichtlich ist, dass sie seit 1.
Januar 2018 einer Vorsorgeeinrichtung angeschlossen ist (B-act. 1 Bei-
lage). Es wäre der Beschwerdeführerin unbenommen gewesen, bereits im
Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs mit Schreiben vom 22.
Juli 2020 den Anschluss an eine Vorsorgeeinrichtung nachzuweisen. Im
Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung lagen der Vorinstanz somit keine
Anhaltspunkte dafür vor, dass ein Anschluss bestand. Die Vorinstanz durfte
folglich nach vorgängiger Androhung gestützt auf die Sach- und Rechts-
lage zum damaligen Zeitpunkt zu Recht einen Zwangsanschluss verfügen
(B-act. 8 Beilage 2). Vor diesem Hintergrund erweist es sich auch als ge-
rechtfertigt, dass die Vorinstanz der Beschwerdeführerin die (in der Höhe
zu Recht unbestrittenen) Kosten der Verfügung vom 5. Oktober 2020 auf-
erlegt hat (E. 3.1). Dies gilt in der Folge ebenso für die Kosten der Wieder-
erwägungsverfügung vom 22. Januar 2021 in der Höhe von Fr. 450.–. Die
Beschwerde ist in diesen Punkten abzuweisen.
4.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
4.1 Entsprechend dem Verfahrensausgang wird die Beschwerdeführerin
kostenpflichtig: Soweit das Verfahren infolge Wiedererwägung durch die
Vorinstanz gegenstandslos geworden ist, hat die Beschwerdeführerin
durch ihr Verhalten die Gegenstandslosigkeit bewirkt (E. 3). Damit wird sie
diesbezüglich kostenpflichtig (Art. 5 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE; SR 173.320.2]). Im streitig gebliebenen Kostenpunkt unterliegt die
Beschwerdeführerin, weshalb sie diesbezüglich ebenfalls die Verfahrens-
kosten zu tragen hat (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Damit sind die Verfahrenskos-
ten auf Fr. 800.– festzusetzen. Dieser Betrag ist dem in der Höhe von
Fr. 805.– geleisteten Kostenvorschuss zu entnehmen und die Restanz von
Fr. 5.– der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils
zurückzuerstatten.
4.2 Weder der unterliegenden Beschwerdeführerin noch der Vorinstanz ist
eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 15 i.V.m. Art. 5 VKGE, Art. 64
Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 VGKE).
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