Decision ID: 080610f3-b734-58c1-a23c-7b06a8a94a4a
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin reichte am 6. Juli 2015 bei der Gemeinde Herzogenbuchsee
ein Baugesuch ein für das Anbringen einer Leuchtreklame an dem auf der Parzelle
Herzogenbuchsee Grundbuchblatt Nr. B._ stehenden Gebäude. Die Parzelle liegt
in der "Kernzone K" und befindet sich im Ortsbildschutzgebiet. Das betroffene Gebäude ist
im Bauinventar der Gemeinde Herzogenbuchsee als erhaltenswertes K-Objekt verzeichnet.
Bei der vorläufigen Prüfung stellte die Gemeinde fest, dass das Baugesuch mangelhaft
war. Deshalb wies sie es mit Schreiben vom 20. Juli 2015 zur Verbesserung zurück und
bat um Beseitigung der Mängel bis zum 10. August 2015. Nachdem die
Beschwerdeführerin innert dieser Frist nichts einreichte, gab ihr die Gemeinde am
28. September 2015 erneut Gelegenheit zur Verbesserung bis zum 30. Oktober 2015 mit
dem Hinweis, bei Nichteinreichung gelte das Baugesuch als zurückgezogen. Am
RA Nr. 110/2017/77 2
1. Oktober 2015 ging das verbesserte Baugesuch bei der Gemeinde ein, worauf diese das
Verfahrensprogramm eröffnete und die notwendigen Amts- und Fachberichte einholte.
Die kantonale Denkmalpflege beantragte in ihrem Fachbericht vom 3. November 2015, das
Vorhaben sei nicht zu bewilligen. Dies weil die vorgesehene Leuchtreklame dem Ziel der
Erhaltung der äusseren Erscheinung nicht gerecht werde und für das Ortsbild nicht
zuträglich sei. Ausserdem sei bei zusätzlicher Montierung von Reklamen ein sensibles
Werbekonzept für das ganze Haus vorzulegen, welches Rücksicht auf die
Fassadengestaltung nehme.1
In der Folge stellte die Gemeinde den Bauabschlag in Aussicht und gab der
Beschwerdeführerin Gelegenheit zur Stellungnahme bis 18. Januar 2016. Nachdem sich
die Beschwerdeführerin nicht vernehmen liess, hielt die Gemeinde mit Schreiben vom
20. Februar 2017 fest, sie gehe davon aus, die Beschwerdeführerin habe kein Interesse
mehr am Baugesuch. Die Gemeinde beabsichtige daher, das Verfahren abzuschreiben.
Die Beschwerdeführerin erhielt Gelegenheit zur Stellungnahme bis zum 24. März 2017.
Telefonisch beantragte sie die Erstreckung dieser Frist bis zum 3. April 2017, reichte dann
aber keine Stellungnahme ein. In der Folge schrieb die Gemeinde das Baugesuch am
13. Juni 2017 ab.
2. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin ein als Einsprache bezeichnetes Schreiben
bei der Gemeinde ein. Darin bekundet sie die Absicht, das Baugesuch weiterzuführen und
beantragt damit sinngemäss die Aufhebung der Abschreibungsverfügung vom 13. Juni
2017. Das undatierte Schreiben der Beschwerdeführerin ging am 14. Juli 2017 bei der
Gemeinde ein, wurde am 26. Juli 2017 zuständigkeitshalber an die Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) weitergeleitet und ging dort am 27. Juli 2017 ein.
Das Schreiben wurde von der BVE als Beschwerde entgegengenommen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, edierte die
Vorakten der Gemeinde. Mit Verfügung vom 28. Juli 2017 teilte es mit, dass die
1 Vgl. Fachbericht Denkmalpflege vom 3. November 2015, Vorakten Herzogenbuchsee pag. 24 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2017/77 3
Beschwerde weder einen Antrag noch eine Begründung enthalte, weshalb sie aufgrund
einer summarischen Prüfung den Formvorschriften nicht entspreche und wohl nicht darauf
eingetreten werden könne. Ausserdem dürfte die Beschwerdefrist abgelaufen sein, so dass
die Beschwerdeschrift nicht mehr verbessert werden könne. Die Beschwerdeführerin
erhielt bis zum 11. August 2017 die Gelegenheit, schriftlich mitzuteilen ob sie an der
Beschwerde festhalte oder sie zurückziehe.
Mit Eingabe vom 7. August 2017 teilte die Gemeinde mit, sie halte an der
Abschreibungsverfügung vom 13. Juni 2017 fest.
Die Beschwerdeführerin verzichtete mit Schreiben vom 11. August 2017 auf den Rückzug
der Beschwerde und äusserte den Wunsch, sich mit der Bauabteilung und der kantonalen
Denkmalpflege zusammenzusetzten, damit eine Lösung gefunden werden könne. Zudem
teilte sie mit, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft ebenfalls Betriebe mit
Leuchtreklame befänden und dass ihre Existenz ohne Leuchtreklame bedroht sei.
Ausserdem habe es gegen das Baugesuch keine Einsprachen gegeben.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist eine Abschreibungsverfügung, die in einem
Baubewilligungsverfahren ergangen ist. Dagegen steht das gleiche Rechtsmittel wie gegen
den Sachentscheid offen (Art. 39 Abs. 2 VRPG3). Bauentscheide können nach Art. 40
Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten
werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig.
3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
RA Nr. 110/2017/77 4
b) Die Beschwerdeführerin ist als Baugesuchstellerin durch die Abschreibung ihres
Baugesuchs beschwert und daher grundsätzlich zur Beschwerdeführung legitimiert. Da sie
das Baubewilligungsgesuch weiterführen möchte, besitzt sie ein schutzwürdiges Interesse
an der Aufhebung der Verfügung. Sie ist daher befugt, Beschwerde zu führen (Art. 65
Abs. 1 VRPG).
c) Eine Frist gilt auch als gewahrt, wenn die Eingabe rechtzeitig bei einer unzuständigen
bernischen oder eidgenössischen Verwaltungs- oder Gerichtsbehörde eingereicht worden
ist (Art. 42 Abs. 3 VRPG). Die angefochtene Verfügung wurde der Beschwerdeführerin am
14. Juni 2017 zugestellt.5 Die Beschwerdefrist lief daher bis am 14. Juli 2017. Die
Beschwerde wurde in den Briefkasten der Gemeinde Herzogenbuchsee eingeworfen und
ging bei der Gemeinde gemäss Eingangsstempel am 14. Juli 2017 ein. Damit ist die
Beschwerdefrist von 30 Tagen (Art. 67 VRPG) gemäss Art. 42 Abs. 3 VRPG eingehalten.
d) Parteieingaben müssen bestimmten Mindestanforderungen an die Form genügen
(vgl. Art. 32 Abs. 2 VRPG). Antrag, Begründung und Unterschrift gehören zu den
eigentlichen Gültigkeits- und Prozessvoraussetzungen. Es ist ausreichend, wenn sich aus
dem Zusammenhang sinngemäss ergibt, was beantragt wird.6 Die Beschwerde hat sich
wenigstens in minimaler Form mit dem angefochtenen Entscheid auseinanderzusetzen und
muss sinngemäss darauf schliessen lassen, inwiefern dieser unrichtig sein soll. Auf
Begehren ohne Begründung ist nicht einzutreten.7
Im bei der Gemeinde am 14. Juli 2017 eingegangenen Schreiben teilt die
Beschwerdeführerin einzig mit, dass sie das Baubewilligungsgesuch weiterführen möchte
und eine Zusammenkunft mit allen Fachstellen vorschlage, um eine Lösung zu finden. Das
Schreiben enthält weder einen klar formulierten Antrag noch eine rechtsgenügliche
Begründung. Die Beschwerdeführerin hat sich in keiner Art und Weise mit der
angefochtenen Verfügung auseinandergesetzt. Es ist nicht zu erkennen, was an der
angefochtenen Verfügung inhaltlich beanstandet wird. Das Schreiben erfüllt die
Mindestanforderungen an die Form deshalb nicht.
5 Vgl. Kopie der Sendeverfolgung 98.34.1413360.05000968 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 13 7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15; BVR 2006 S. 470 E. 2.4; BGE 131 II 470 E. 1.3
RA Nr. 110/2017/77 5
Bei fristgebundenen Eingaben müssen Antrag und Begründung innert der Frist eingereicht
sein (Art. 33 Abs. 3 VRPG). Da die Beschwerde erst am letzten Tag der Beschwerdefrist
bei der Gemeinde eingereicht wurde (14. Juli 2017) und erst nach Ablauf der
Beschwerdefrist bei der BVE eingegangen ist (27. Juli 2017), konnte die Beschwerde nicht
rechtzeitig zur Verbesserung an die Beschwerdeführerin zurückgewiesen werden. Die
Eingabe der Beschwerdeführerin vom 11. August 2017 wurde erst nach Ablauf der
Beschwerdefrist eingereicht und ist deshalb nicht geeignet, die Beschwerdeschrift zu
verbessern und Formfehler zu beheben.
Da die Mindestanforderungen an die Form nicht eingehalten sind, kann nicht auf die
Beschwerde eingetreten werden.
2. Abschreibung
a) Selbst wenn auf die Beschwerde eingetreten werden könnte, müsste sie abgewiesen
werden: Ein Verfahren kann nach Art. 39 VRPG als erledigt abgeschrieben werden, wenn
das rechtserhebliche Interesse am Erlass einer Verfügung oder an einem Entscheid in der
Sache wegfällt. Vorliegend hat die Gemeinde der Beschwerdeführerin erstmals am
10. Dezember 2015 einen negativen Bauentscheid in Aussicht gestellt und um schriftliche
Stellungnahme bis zum 18. Januar 2016 gebeten. Die Beschwerdeführerin hat nicht
reagiert. Fast ein Jahr später, am 16. Dezember 2016, hat die Gemeinde die
Beschwerdeführerin erneut darauf aufmerksam gemacht, dass die kantonale
Denkmalpflege beantragt habe, das Bauvorhaben nicht zu bewilligen. Schliesslich stellte
die Gemeinde am 20. Februar 2017 die Abschreibung des Verfahrens in Aussicht und gab
die Gelegenheit zur Stellungnahme bis zum 24. März 2017. Die Beschwerdegegnerin
verlangte daraufhin eine Fristverlängerung bis zum 3. April 2017. Nachdem die verlängerte
Frist erneut ohne Eingabe der Beschwerdeführerin verstrich, schrieb die Gemeinde das
Bewilligungsverfahren am 13. Juni 2017 ab. Die Beschwerdeführerin liess sich insgesamt
über ein Jahr nicht vernehmen und hat sich insbesondere nicht zur angekündigten
Abschreibung des Baugesuchverfahrens geäussert. Die Annahme der Gemeinde, die
Beschwerdeführerin habe kein Interesse mehr an einem Entscheid, ist deshalb nicht zu
beanstanden.
RA Nr. 110/2017/77 6
b) Die Beschwerdeführerin liess im Schreiben vom 11. August 2017 erkennen, dass sie
auch eine andere als die projektierte Lösung in Betracht ziehe, beispielsweise eine
Leuchtreklame an einem anderen Standort, etwa im Blumenbeet oder auf einer
Parkplatztafel. Die Abschreibung des Verfahrens hat nicht zur Folge, dass es der
Beschwerdeführerin abschliessend verwehrt ist, eine Leuchtreklame zu erstellen. Es steht
ihr nach wie vor offen, ein neues Baugesuch einzureichen, welches den Anforderungen der
Denkmalpflege entspricht. Hierfür ist die Beschwerdeführerin allenfalls angehalten, die
kantonale Denkmalpflege und die Gemeindebehörden rechtzeitig einzubeziehen. So kann
auch dem Wunsch nach einer gemeinsamen Lösungsfindung entsprochen werden.
3. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 400.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV8).
Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).