Decision ID: 108a4446-14e0-4fdf-acee-6f6ee5bbb5f6
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
B._, sind Eigentümer von Grundstück Nr. 001, Grundbuch X._,
an der F._strasse in U._, einem Ortsteil in der Gemeinde X._.
Das Grundstück liegt gemäss geltendem Zonenplan der Gemeinde
X._ vom 28. April 1999 in der Wohnzone W2b. Es ist mit einem Ein-
familienhaus (Vers.-Nr. 003) und einem Nebengebäude (Vers.-
Nr. 004) überbaut.
B.
a) Mit Baugesuch vom 7. April 2019 beantragten B._, die Ertei-
lung der Baubewilligung für eine Sitzplatzüberdachung auf der Süd-
ostseite des Einfamilienhauses (Vers.-Nr. 003) sowie die Umgebungs-
gestaltung auf Grundstück Nr. 001.
b) Innert der Auflagefrist vom 17. April bis 30. April 2019 erhoben
A._ Einsprache gegen das Bauvorhaben. Sie rügten insbesondere
eine Verletzung des Grenzabstands sowie daraus resultierende über-
mässige Einwirkungen auf ihr Grundstück Nr. 002.
c) Mit Beschluss vom 12. August 2019 erteilte die Baukommission
X._ die Baubewilligung unter Bedingungen und Auflagen, wies die
öffentlich-rechtliche Einsprache von A._ ab und trat auf deren pri-
vatrechtliche Immissionseinsprache nicht ein. Zudem widerrief die
Baukommission X._ die Verfügung Nr. 71/2019 vom 1. Juli 2019
(Baubewilligung Nr. 7132), was zur Abschreibung des von A._ da-
gegen erhobenen Rekurses (Verfahren Nr. 19-5527) wegen Gegen-
standslosigkeit führte. Zur Begründung wurde im Wesentlich ausge-
führt, die privatrechtliche Immissionseinsprache sei nicht begründet,
weshalb darauf nicht eingetreten werden könne. Mittels Eventualbe-
gründung wurde ausgeführt, dass die Einsprache ansonsten abzuwei-
sen wäre, da das Bauvorhaben die Regelbauvorschriften einhalte und
vorliegend keine besonderen Umstände vorliegen würden. Im Übrigen
handle es sich beim überdachten Sitzplatz um eine unbewohnte Ne-
benbaute, welche den Grenzabstand einhalte.
C.
Gegen diesen Beschluss erhoben A._, nunmehr vertreten durch
lic.iur. Urs Pfister, Rechtsanwalt, St.Gallen, mit Schreiben vom 2. Sep-
tember 2019 Rekurs beim Baudepartement (Verfahren Nr. 19-6885;
im Folgenden Rekurs 1). Mit Rekursergänzung vom 4. Oktober 2019
werden folgende Anträge gestellt:
1. Der Einspracheentscheid der Baukommission X._
vom 12. August 2019 (Nr. 90/2019) sei, soweit damit die öffentlich-rechtliche Einsprache abgewiesen wurde (Ziff. 2 erster Satz des Gesamtentscheids), ;
Die Baubewilligung Nr. 7132 vom 12. August 2019 sei,
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 3/17
mit Einschluss aller weiteren Bewilligungen, wegen Verletzung öffentlich-rechtlicher Vorschriften ;
2. Der Einspracheentscheid der Baukommission X._ vom 12. August 2019 (Nr. 90/2019), mit dem auf die privatrechtliche Einsprache nach Art. 684 ZGB nicht eingetreten wurde (Ziff. 3 erster Satz des ), sei aufzuheben; die Angelegenheit sei im Sinn der nachfolgenden Ausführungen an die  zur Weiterbearbeitung zurückzuweisen;
Die Baubewilligung Nr. 7132 vom 12. August 2019 sei, mit Einschluss aller weiteren Bewilligungen, wegen Verfahrensfehlern/Nichtbehandlung von Einwänden nach Art. 684 ZGB aufzuheben;
3. Eventualantrag betreffend Ziff. 2 der Rechtsbegehren:
a) Der Einspracheentscheid der Baukommission X._ vom 12. August 2019 (Nr. 90/2019), mit dem auf die privatrechtliche Einsprache nach Art. 684 ZGB nicht eingetreten wurde (Ziff. 3 erster Satz des Gesamtentscheids), sei aufzuheben;
b) Das Dispositiv des Einspracheentscheids der Baukommission X._ vom 12. August 2019 (Nr. 90/2019) betreffend Art. 684 ZGB sei durch das Baudepartement so zu ändern;
- dass auf die Einsprache nach Art. 684 ZGB eingetreten wird; und
- dass die Einsprache nach Art. 684 ZGB  das Baugesuch bzw. die  Nr. 7132 gutgeheissen wird;
c) Die Baubewilligung Nr. 7132 sei wegen  von Art. 684 ZGB aufzuheben;
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung wird in formeller Hinsicht geltend gemacht, die
Vorinstanz sei zu Unrecht nicht auf die privatrechtliche Immissionsein-
sprache eingetreten. Zudem sei die Verfügung unvollständig eröffnet
worden. Im Weiteren seien die übrigen Baukommissionsmitglieder
trotz Ausstand des Bauherrn und Baukommissionsmitglieds, B._,
befangen. In materieller Hinsicht wird vorgebracht, die Sitzplatzüber-
dachung stelle eine bewohnte Anbaute dar, die den Grenzabstand ver-
letze. Im Übrigen führe das geplante Bauvorhaben zu übermässigen
Immissionen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 4/17
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 24. Oktober 2019 beantragt die
Vorinstanz den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen. Zur Begrün-
dung wird geltend gemacht, es handle sich um eine unbewohnte An-
baute, welche einen Grenzabstand von 3 m einzuhalten habe. Die
Überdachung sei bezüglich Grenzabstand nicht massgebend. Zudem
seien übermässige Immissionen nicht konkret bezeichnet worden. Im
Übrigen sei die Einsprache diesbezüglich mit einer Eventualbegrün-
dung abgewiesen worden. Schliesslich seien auch keine Verfahrens-
fehler erkennbar.
b) Mit Schreiben vom 25. November 2019 teilt die Vorinstanz mit,
dass am 22. November 2019 ein Korrekturgesuch bezüglich Vordach
eingereicht wurde. Das Rekursverfahren (Nr. 19-6885) wurde mit
Schreiben vom 29. November 2019 bis zum Entscheid über das Kor-
rekturgesuch sistiert.
E.
a) Für das Korrekturgesuch wurde das vereinfachte Verfahren
durchgeführt. Mit Eingabe vom 22. Dezember 2019 erhoben A._
auch gegen das Korrekturgesuch öffentlich-rechtliche sowie
privatrechtliche Einsprache nach Art. 684 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuchs (SR 210; abgekürzt ZGB).
b) Die Baukommission X._ wies die Einsprachen mit Beschluss
vom 17. Februar 2020 ab und erteilte die Baubewilligung.
F.
Gegen diesen Beschluss erhoben A._ durch ihren Rechtsvertreter
mit Schreiben vom 5. März 2020 erneut Rekurs beim Baudepartement
(Verfahren Nr. 20-1965; im Folgenden Rekurs 2). Mit Rekursergän-
zung vom 21. März 2020 werden folgende Anträge gestellt:
1. Der Einspracheentscheid der Baukommission X._
vom 17. Februar 2020 (Nr. 11/2020) sei, soweit damit die öffentlich-rechtliche Einsprache abgewiesen wurde (Ziff. 2 des Gesamtentscheids), aufzuheben;
Der 1. Nachtrag zur Baubewilligung Nr. 7132 vom 12. August 2019 sei, mit Einschluss aller weiteren , wegen Verletzung öffentlich-rechtlicher Vorschriften aufzuheben;
2. Der Einspracheentscheid der Baukommission X._ vom 17. Februar 2020 (Nr. 11/2020), mit dem die  Einsprache nach Art. 684 ZGB  wurde (Ziff. 3 des Gesamtentscheids), sei ;
Der 1. Nachtrag zur Baubewilligung Nr. 7132 vom 12. August 2019 sei, mit Einschluss aller weiteren , wegen Verletzung von Art. 684 ZGB ;
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 5/17
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung wird in formeller Hinsicht namentlich geltend ge-
macht, die Baugesuchsunterlagen seien ungenügend und es fehle das
Baugesuchsformular. Im Weiteren sei es weiterhin nicht möglich, dass
die Vorinstanz über eine Einsprache gegen ein Baugesuch eines Bau-
kommissionsmitglieds entscheiden könne. In materieller Hinsicht wird
erneut vorgebracht, die Sitzplatzüberdachung stelle eine bewohnte
Anbaute dar, die den Grenzabstand verletze. Im Übrigen führe das ge-
plante Bauvorhaben nach wie vor zu übermässigen Immissionen.
G.
a) Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 20. April
2020, den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen. Den Rekurrenten
seien die Originalpläne im Verlauf des Verfahrens zugestellt worden,
weshalb eine weitere Eröffnung nicht notwendig sei. Die Unterlagen
seien für ein Korrekturgesuch genügend und zudem werde damit der
ursprünglich bewilligte Plan lediglich bezüglich Vordach ersetzt,
worauf mehrfach hingewiesen wurde. Im Weiteren sei eine
Befangenheit nicht gegeben und beim Bauvorhaben handle es sich
nach wie vor um eine unbewohnte Anbaute, welche den
baureglementarisch vorgeschriebenen Grenzabstand von 3 m
einhalte. Übermässige Einwirkungen auf das Grundstück der
Rekurrenten seien zudem nicht erkennbar.
b) Mit Schreiben vom 11. Mai 2020 nehmen die Rekurrenten zur
Vernehmlassung der Vorinstanz vom 20. April 2020 Stellung. Dabei
ergänzen sie ihre Rekursbegründung und bringen neu vor, aufgrund
der fehlenden Beteiligung der Rekursgegner am Verfahren fehle es
ihnen an einem schutzwürdigen Interesse, weshalb der Rekurs
gutzuheissen sei.
c) Nach Einsicht in die Rekursakten nehmen die Rekurrenten mit
Schreiben vom 21. Mai 2020 erneut zum Rekurs 1 Stellung und
bringen neu vor, es handle sich bei der Dachkonstrukton um ein
unzulässiges Vordach.
H.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die beiden Rekursverfahren stehen im gleichen sachlichen Zu-
sammenhang. Sie werfen dieselben Sachverhalts- und Rechtsfragen
auf. Es ist somit zweckmässig, sie verfahrensrechtlich zu vereinigen
und durch einen einzigen Entscheid zu erledigen (GVP 1972 Nr. 30).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 6/17
1.2 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.3 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf die Rekurse 1 und 2 ist einzutreten.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1;
abgekürzt PBG) in Kraft getreten und das Baugesetz vom 6. Juni 1972
(nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden (Art. 172 Bst. a
PBG). Der erstinstanzliche Einsprache- und Baubewilligungsent-
scheid erging nach dem Inkrafttreten des PBG. Auf das vorliegende
Verfahren gelangt deshalb grundsätzlich das PBG zur Anwendung,
soweit dessen Bestimmungen nicht erst im kommunalen Zonenplan
und Baureglement umgesetzt werden müssen und das bis 30. Sep-
tember 2017 gültige BauG vorerst anwendbar bleibt (vgl. hierzu das
Kreisschreiben "Übergangsrechtliche Bestimmungen im Planungs-
und Baugesetz" vom 8. März 2017, in: Baudepartement SG, Juristi-
sche Mitteilungen 2017/I/1).
3.
Die Rekurrenten beantragen die Durchführung eines Augenscheins.
Sofern kein Augenschein durchgeführt werde, sei eine persönliche An-
hörung nach Art. 6 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte
und Grundfreiheiten (SR 0.101; abgekürzt EMRK) durchzuführen.
3.1 Nach Art. 12 Abs. 1 VRP ermittelt die Behörde oder das von ihr
beauftragte Verwaltungsorgan den Sachverhalt und erhebt die Be-
weise von Amtes wegen durch Befragen von Beteiligten, Auskunfts-
personen und Zeugen, durch Beizug von Urkunden, Amtsberichten
und Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere geeig-
nete Weise. Sind zur Wahrung des öffentlichen Interesses keine be-
sonderen Erhebungen nötig, so sind nur die von den Beteiligten ange-
botenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche Tatsa-
chen aufzunehmen (Art. 12 Abs. 2 VRP). Der Augenschein ist die un-
mittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die entschei-
dende Instanz. Er dient der unmittelbaren Wahrnehmung von (in der
Regel streitigen) Tatsachen und/oder dem besseren Verständnis des
Sachverhalts. Ob ein Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflicht-
gemässen Ermessen der urteilenden Instanz. Ergibt sich eine Tatsa-
che zweifelsfrei aus den Akten, so braucht sie nicht durch einen Au-
genschein überprüft zu werden. Dies gilt auch für unbestrittene Be-
hauptungen, sofern eine Nachprüfung nicht durch öffentliche Interes-
sen geboten erscheint. Tatsachen aber, vor allem umstrittene, deren
umfassende Feststellung und Würdigung eine eigene Wahrnehmung
erheischen, sind in Augenschein zu nehmen (CAVELTI/VÖGELI, Verwal-
tungsgerichtsbarkeit im Kanton St.Gallen – dargestellt an den Verfah-
ren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., St.Gallen 2003, Rz. 966).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 7/17
3.2 Die entscheidenden tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich
vorliegend vollständig aus den Verfahrensakten sowie dem öffentlich
zugänglichen Geoportal (www.geoportal.ch). Die Rekurrenten bringen
zudem keine Tatsachen vor, welche aufgrund eines Augenscheins zu
überprüfen wären. Insbesondere auch die geltend gemachten über-
mässigen Einwirkungen der geplanten Sitzplatzüberdachung müssen
nicht vor Ort begutachtet werden, zumal keine speziellen Verhältnisse
geltend gemacht werden, welche sich nicht aus den Plänen und dem
Orthofoto (www.geoportal.ch) beurteilen lassen. Schliesslich sind dem
zuständigen Sachbearbeiter die tatsächlichen Verhältnisse vor Ort
aufgrund eines früheren Rekurses (Verfahren Nr. 16-4306) unter Be-
teiligung der Rekurrenten bekannt. Vor diesem Hintergrund erübrigt
sich die Durchführung eines Augenscheins und der entsprechende
Antrag ist abzulehnen.
3.3 Ebenfalls abzulehnen ist der Antrag auf persönliche Anhörung
der Rekurrenten nach Art. 6 EMRK. Gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK hat
jede Person ein Recht darauf, dass über Streitigkeiten in Bezug auf
ihre zivilrechtlichen Ansprüche und Verpflichtungen oder über eine ge-
gen sie erhobene strafrechtliche Anklage von einem unabhängigen
und unparteiischen, auf Gesetz beruhendem Gericht in einem fairen
Verfahren, öffentlich und innerhalb angemessener Frist verhandelt
wird. Die Verfahrensgarantie von Art. 6 Ziff. 1 EMRK gilt demnach nur
für Verfahren vor verwaltungsunabhängigen Justizbehörden, d.h. vor
dem Verwaltungsgericht und der Verwaltungsrekurskommission
(A. FEDI, in: Rizvi/Schindler/Cavelti, Praxiskommentar zum Gesetz
über die Verwaltungsrechtspflege, Zürich/St.Gallen 2020, Art. 55 N 3;
siehe auch G. STEINMANN, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallen-
der, Kommentar zur Schweizerischen Bundesverfassung, 3. Aufl., Zü-
rich/St.Gallen 2014, N 46 zu Art. 29 BV). Selbst wenn vorliegend auf-
grund der Einsprache nach Art. 684 ZGB ein zivilrechtlicher Anspruch
im Sinn von Art. 6 EMRK vorliegen würde, ist mangels Anwendbarkeit
der vorgenannten Bestimmung im Rekursverfahren vor dem Baude-
partement der Antrag der Rekurrenten nach einer persönlichen Anhö-
rung abzulehnen. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Rekur-
renten in den vorliegenden Rekursverfahren umfassend Gelegenheit
zur schriftlichen Stellungnahme erhalten und diese auch mehrfach ge-
nutzt haben. Zudem machen die Rekurrenten nicht geltend, inwiefern
eine persönliche Anhörung vorliegend notwendig wäre, zumal auf-
grund der Vorbringen der Rekurrenten kein zusätzlicher Abklärungs-
bedarf besteht.
4.
Die Rekurrenten machen in formeller Hinsicht geltend, die Vorinstanz
sei in Rekurs 1 zu Unrecht nicht auf die Einsprache nach Art. 684 ZGB
eingetreten.
4.1 Im vorinstanzlichen Verfahren haben die Rekurrenten unbestrit-
tenermassen eine Einsprache nach Art. 154 PBG erhoben. Die über-
mässigen Einwirkungen nach Art. 684 ZGB wurden in knapper Form
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 8/17
mit einer Übernutzung des Grundstücks begründet. Gemäss dem An-
gefochtenen Entscheid der Baukommission X._ vom 12. August
2019 erwog die Vorinstanz, aufgrund der knappen bzw. fehlenden
konkreten Begründung könne keine übermässige Einwirkung festge-
stellt werden und trat auf die Einsprache nicht ein. Für den Fall, dass
dennoch auf die Einsprache eingetreten werden müsse, hielt die
Vorinstanz im Sinn einer Eventualbegründung fest, dass sämtliche öf-
fentlich-rechtlichen Vorgaben eingehalten seien und kein Ausnahme-
fall ersichtlich sei, weshalb die Einsprache mangels übermässiger Ein-
wirkungen nach Art. 684 ZGB abzuweisen wäre. Auch im Dispositiv
wurde dies entsprechend abgebildet.
4.2 Die Rekurrenten bringen zu Recht vor, dass Art. 48 Abs. 2 VRP
auch im Einspracheverfahren sachgemäss anzuwenden ist (Art. 152
PBG). Entsprechend hätte die Vorinstanz auf die Einsprache nach
Art. 154 PBG nicht mangels Begründung nicht eintreten können. Viel-
mehr hätte sie den Einsprechern eine Frist zur Ergänzung der Begrün-
dung ansetzen müssen. Allerdings hat die Vorinstanz die Einsprache
zusätzlich materiell behandelt und im Sinn einer Eventualbegründung
abgewiesen. Zudem haben die Rekursgegner ein Korrekturgesuch
eingereicht, womit der Rekurs 1 diesbezüglich zumindest teilweise ge-
genstandslos geworden ist. In Rekurs 2 haben die Rekurrenten so-
dann wiederum eine Einsprache nach Art. 154 PBG erhoben und über-
mässige Einwirkungen nach Art. 684 ZGB aufgrund einer angeblichen
Verletzung des Grenzabstands geltend gemacht. Diese Einsprache
hat die Vorinstanz sodann mit Beschluss vom 17. Februar 2020 abge-
wiesen. Vor diesem Hintergrund konnte die Vorinstanz in Rekurs 1 auf
eine Nachfrist zur Begründung der Einsprache nach Art. 154 PBG ver-
zichten, zumal sie die Einsprache auch materiell behandelt und abge-
wiesen hat und diese aufgrund des Korrekturgesuchs zumindest zum
Teil gegenstandslos geworden ist. Darüber hinaus konnten die Rekur-
renten den Vorwurf in Rekurs 2 wiederholen, worauf die Vorinstanz die
entsprechende Einsprache abgelehnt hat. Soweit die Vorinstanz in
Rekurs 1 auf die Immissionseinsprache nicht eingetreten ist, kann die-
ser Mangel vorliegend als geheilt erachtet werden. Eine Anpassung
des Dispositivs des Entscheids vom 12. August 2019 ist aufgrund der
mittels Eventualbegründung vorgenommenen Abweisung der Einspra-
che nach Art. 154 PBG nicht notwendig. Der Rekurs erweist sich dies-
bezüglich als unbegründet.
5.
Die Rekurrenten beanstanden in formeller Hinsicht in Rekurs 1 zudem
eine unvollständige Eröffnung des Gesamtentscheids. Sie bringen vor,
es sei ihnen eine unvollständige Verfügung eröffnet worden, weil nur
der Entscheid vom 12. August 2019 zugestellt worden sei. Der von der
Vorinstanz genehmigte Plan- und Formularsatz mit allfälligen Beilagen
sei ihnen dagegen nicht eröffnet worden; folglich fehle es am Gesamt-
entscheid.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 9/17
Einsprecher haben zwar – basierend auf den Grundsätzen des recht-
lichen Gehörs – im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens grund-
sätzlich das Recht, während der öffentlichen Auflage in ein Baugesuch
und alle dazugehörenden Formulare, Pläne, Berichte usw. Einsicht zu
nehmen. Es ist ihnen auch unbenommen, von diesen Unterlagen auf
eigene Kosten Kopien zu erstellen. Das hat aber nicht zur Folge, dass
die Bewilligungsbehörde ihnen zusätzlich zum Entscheid über das
Baugesuch und die Einsprache (vgl. Art. 157 Abs. 1 PBG) auch einen
bewilligten (oder nichtbewilligten) Plan- und Formularsatz mit allen zu-
gehörigen Unterlagen zustellen müsste. Entgegen der Ansicht der Re-
kurrenten besteht dazu keine rechtliche Verpflichtung (BDE
Nr. 33/2020 vom 5. Mai 2020 Erw. 2.1; BDE Nr. 6/2020 vom 6. Februar
2020 Erw. 3.5).
6.
Weiter rügen die Rekurrenten in formeller Hinsicht insbesondere das
Vorliegen ungenügender Baugesuchsunterlagen in Bezug auf das
Korrekturgesuch bzw. die Projektänderung in Rekurs 2.
6.1 Nach Art. 137 PBG sind Baugesuche bei der zuständigen Bau-
behörde einzureichen. Ergänzend führt Art. 21 der Verordnung zum
Planungs- und Baugesetz (sGS 731.11; abgekürzt PBV) aus, dass
Gesuchstellende für das Baugesuch das Formular des Baudeparte-
mentes verwenden. Das unterzeichnete Baugesuch muss die für die
Beurteilung notwendigen Unterlagen wie Situationsplan, Grundriss,
Ansichten, Schnitte und Kanalisationspläne enthalten (Abs. 1). Die Be-
willigungsbehörden sind berechtigt, weitere für die Beurteilung erfor-
derliche Unterlagen einzufordern (Abs. 2). In Art. 39 des Bauregle-
ments der Gemeinde X._ vom 29. Juli 2015 (nachfolgend BauR)
sind entsprechend die kommunalen Anforderungen geregelt. Dem-
nach ist das Baugesuch mit dem offiziellen Formular einzureichen und
hat unter anderem eine Grundbuchplankopie mit Unterschrift des
Nachführungsgeometers, mit eingetragenen Massen des Baukörpers,
der Strassen-, Grenz- und Gebäudeabstände, (...) sowie einen Grund-
riss aller Geschosse, Schnitt- und Fassadenpläne und eine Terrain-
und Umgebungsgestaltung zu enthalten (Abs. 1). Zudem sind bauliche
Veränderungen durch Farbe zu kennzeichnen, wobei für bestehende
Bauteile die schwarze, für abzubrechende die gelbe und für neue die
rote Farbe gilt (Abs. 4). Schliesslich kann der Gemeinderat für kleine
und zugleich unbedeutende Bauvorhaben die einzureichenden Unter-
lagen einschränken (Abs. 6). Die Baugesuchsunterlagen müssen im
Allgemeinen so detailliert sein, dass eine Überprüfung der baupolizei-
lichen Regeln möglich ist. Dazu sind keine Detailpläne erforderlich
(vgl. BDE Nr. 26/2020 vom 6. April 2020 Erw. 3; BDE Nr. 22/2013 vom
12. April 2013 Erw. 4.2).
6.2 Mit Baugesuchsformular G1 vom 7. April 2019 haben die Re-
kursgegner das Baugesuch für die vorliegend umstrittene Sitzplatz-
überdachung eingereicht. Als Planunterlagen liegen ein Situationsplan
im Massstab 1:200, Ansichtspläne der Südostfassade, Nordostfas-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 10/17
sade und Südwestfassade im Massstab 1:100 sowie ein Umgebungs-
plan im Massstab 1:200 vor. Für das Korrekturgesuch der Anpassung
des Dachs im nordöstlichen Bereich wurde auf die Einreichung eines
erneuten Baugesuchsformulars G1 verzichtet und ein neuer vermass-
ter Situationsplan im Massstab 1:500 sowie angepasste Umgebungs-
und Ansichtspläne erstellt. Mit diesen Unterlagen war der Vorinstanz
eine Überprüfung der baupolizeilichen Regeln ohne Weiteres möglich.
Da es sich bei der Projektänderung um eine untergeordnete Änderung
zum ursprünglichen auf dem offiziellen Formular eingereichten Bauge-
such handelt, konnte auf das nochmalige Ausfüllen des offiziellen For-
mulars verzichtet werden, zumal dies vorliegend einem formalisti-
schen Leerlauf gleichkommen würde (siehe auch BDE Nr. 26/2020
vom 6. April 2020 Erw. 3). Ebenso ist nicht zu beanstanden, dass der
in Rekurs 2 eingereichte Grundbuch- bzw. Situationsplan aus dem
Jahr 2012 stammt und das Einfamilienhaus der Rekurrenten darauf
nicht eingezeichnet ist, zumal die Grenzen seither nicht verändert wur-
den und mit dem ursprünglichen Baugesuch ein aktueller Situations-
plan eingereicht wurde. Weiter geht aus den vermassten Plänen klar
hervor, dass die geplante Vorrichtung in einem Abstand von 3 Metern
zur Grenze erstellt wird. Schliesslich liegen sowohl für das ursprüngli-
che Baugesuch als auch für das Korrekturgesuch die massgebenden
Fassadenpläne vor. Entscheidend ist aufgrund des vorstehend Ge-
sagten, dass die Pläne für die Beurteilung der baupolizeilichen Vor-
schriften ausreichen. Für die Beurteilung der geplanten Sitzplatzüber-
dachung und erst recht für die geringfügige Anpassung der Überdach-
ung mittels Korrekturgesuch reichen die vorhandenen Pläne aus, zu-
mal die baureglementarischen Vorgaben Ordnungsvorschriften dar-
stellen, welche gerade für kleine und untergeordnete Bauvorhaben
eingeschränkt werden können. Nicht nachvollziehbar ist sodann der
Einwand der Rekurrenten, die Projektänderung gehe nicht aus den
Unterlagen hervor bzw. es sei unklar, worin diese bestehe. Entgegen
den Vorgaben im Baureglement ist die Änderung gemäss Korrektur-
gesuch in den entsprechenden Plänen zwar farblich nicht klar erkenn-
bar. Allerdings erfolgte die Einreichung des Korrekturgesuchs nach
Rücksprache der Rekursinstanz mit dem Vertreter der Rekurrenten
(vgl. Schreiben vom 29. November 2019) und dieser wurde sodann
von der Vorinstanz laufend über den Umfang und Gegenstand der ge-
planten Projektänderung informiert (vgl. Schreiben der Vorinstanz vom
22. Januar 2020). Vor diesem Hintergrund erweist sich auch dieser
Einwand der Rekurrenten als unbegründet.
7.
Sowohl in Rekurs 1 als auch in Rekurs 2 machen die Rekurrenten so-
dann eine Befangenheit der Baukommissionsmitglieder geltend. Sie
sind der Ansicht, die Baukommission X._ dürfe nicht über ein Bau-
gesuch eines ihrer Mitglieder sowie eine dagegen gerichtete Einspra-
che entscheiden.
7.1 Als Ausfluss des in Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung
(SR 101) enthaltenen Anspruchs auf eine unabhängige und unpartei-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 11/17
liche Verfahrensführung in Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungs-
instanzen durch eine ordnungsgemäss zusammengesetzte Behörde
ergibt sich eine allgemeine Ausstandspflicht für Behördenmitglieder
oder öffentlich Angestellte, welche ein persönliches Interesse an dem
zu behandelnden Geschäft haben, mit einem Verfahrensbeteiligten
nahe verwandt sind oder für die sich aus anderen Umständen eine
Befangenheit ergibt; eine tatsächliche Befangenheit muss nicht gege-
ben sein, es genügt bereits, wenn bei objektiver Betrachtung der An-
schein der Befangenheit entstehen kann (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O.,
Rz. 175). Dementsprechend bestimmt Art. 7 Abs. 1 VRP, dass Behör-
denmitglieder, öffentliche Angestellte und amtlich bestellte Sachver-
ständige, die Anordnungen treffen, solche vorbereiten oder daran mit-
wirken, von sich aus in den Ausstand zu treten haben,
a) wenn sie selbst, ihre Verlobten oder Ehegatten,
ihre eingetragenen Partner, ihre Verwandten und
Verschwägerten bis und mit dem dritten Grad, ihre
Adoptiv-, Pflege- oder Stiefeltern oder ihre
Adoptiv-, Pflege- oder Stiefkinder, der einge-
tragene Partner eines Elternteils oder die Kinder
des eingetragenen Partners an der Angelegenheit
persönlich beteiligt sind. Der Ausstandsgrund der
Verschwägerung besteht nach Auflösung der Ehe
oder der eingetragenen Partnerschaft fort;
b) wenn sie Vertreter, Beauftragte, Angestellte oder
Organe einer an der Angelegenheit beteiligten Person sind oder in der Sache Auftrag erteilt haben;
bbis) wenn sie bei einer Anordnung einer Vorinstanz mitgewirkt haben;
c) wenn sie aus anderen Gründen befangen erscheinen.
Der Ausstandsgrund nach Art. 7 Abs. 1 Bst. c VRP verlangt nicht, dass
die betroffene Person tatsächlich befangen ist. Es genügt, wenn sie
befangen sein könnte oder befangen erscheint. Allein das persönliche
Empfinden einer Partei reicht dafür aber nicht aus. Das Misstrauen in
die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit muss durch vernünftige
Gründe objektiv gerechtfertigt sein (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 191).
Misstrauen in die Unparteilichkeit kann namentlich in einem bestimm-
ten subjektiven Verhalten der betroffenen Person oder in funktionellen
und organisatorischen Gegebenheiten begründet sein. Funktionelle
und organisatorische Gründe werden aber nicht grundsätzlich als Aus-
standsgründe anerkannt (I. HÄNER, Die Beteiligten im Verwaltungsver-
fahren und Verwaltungsprozess, Zürich 2000, N 448). Befangenheit ist
in der Regel zu bejahen, wenn eine besonders ausgeprägte Freund-
schaft oder Feindschaft besteht. Als befangen gilt auch, wer ein unmit-
telbares persönliches Interesse am Ausgang des Verfahrens hat
(CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 192).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 12/17
7.2 Vorliegend ist unbestritten, dass B._ Mitglied der Baukommis-
sion X._ ist und sodann bei der Bearbeitung des ihn betreffenden
Geschäfts in den Ausstand getreten ist. Die Rekurrenten sind dennoch
der Auffassung, dass die Baukommission trotz Ausstands des be-
troffenen Mitglieds nicht über das Baugesuch und die Einsprache ent-
scheiden könne, sondern eine Ersatzverwaltung einzusetzen sei. Die-
ser Einschätzung kann vorliegend nicht gefolgt werden. Sofern sich
die Rüge der Rekurrenten allgemein gegen die Mitglieder der vo-
rinstanzlichen Entscheidbehörde richtet, ist sie von vornherein unbe-
gründet (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 180; B. SCHINDLER, Die Befan-
genheit der Verwaltung, Zürich 2002, S. 75 ff.; BDE Nr. 34/2020 vom
30. April 2020 Erw. 2.2; Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen
2016/III/7). Sodann entscheidet in der Politischen Gemeinde X._ ge-
mäss Art. 3 Abs. 3 BauR die Baukommission über Baugesuche. Dabei
nehmen die Mitglieder der Baukommission bzw. der Vorinstanz keine
persönlichen, sondern ausschliesslich öffentliche Interessen wahr.
Aufgrund der systembedingten Möglichkeit der Beurteilung von Bau-
gesuchen anderer Mitglieder der Baukommission oder auch der Poli-
tischen Gemeinde selbst, trifft die Mitglieder der Baukommission des-
halb einzig aufgrund der gemeinsamen Behördentätigkeit keine Aus-
standspflicht. Die Rekurrenten werfen insbesondere dem Sekretär der
Baukommission, C:_, Verfehlungen im Zusammenhang mit der Be-
arbeitung des Baugesuchs der Rekursgegner vor. Auch wenn es zu-
trifft, dass die Baukommission bzw. Bauverwaltung beim ersten Bau-
gesuch die privatrechtliche Einsprache übersehen und danach das in
den Grenzabstand ragende Vordach bewilligt hat, kann daraus nicht
der Anschein der Befangenheit abgeleitet werden, zumal formelle Ver-
sehen erfahrungsgemäss vorkommen und eine materielle Beurteilung
zwangsläufig mit einer gewissen Unsicherheit verbunden ist. Darüber
hinaus haben diese Vorwürfe zu einer zeitlichen Verzögerung sowie
Mehrkosten geführt und die Rekurrenten wurden entsprechend aus-
seramtlich entschädigt. Von einer Bevorzugung der Rekursgegner
kann daher keine Rede sein, zumal nachfolgend gezeigt wird, dass die
geplante Sitzplatzüberdachung mittels Korrekturgesuch bewilligt wer-
den kann. Dabei ist auch nicht ersichtlich, inwiefern von den Rekurs-
gegnern im Vergleich zu den übrigen Gesuchstellern ungenügende
Pläne bewilligt wurden. Im Übrigen sind die Rekursgegner keineswegs
verpflichtet, sich im Rekursverfahren zu äussern, zumal dies mit Auf-
wand verbunden ist und das Baugesuch von der Gemeinde bewilligt
wurde (vgl. Einladungen zur Vernehmlassung der Rekursinstanz vom
14. Oktober 2019 und 25. März 2020). Erst recht kann daraus nicht
abgeleitet werden, die Rekursgegner hätten damit ihr Desinteresse er-
klärt und würden die Anträge der Rekurrenten anerkennen. Dass die
Vorinstanz ihr Vorgehen rechtfertigt und sich in geringem Umfang (je
zwei Seiten) zu den Rekursen äussert, ist ebenfalls üblich und ihr gu-
tes Recht. Insgesamt liegen keine objektiven Gründe für eine Befan-
genheit von C._ oder den Mitgliedern der Baukommission vor, zu-
mal die Rekurrenten nicht begründen, weshalb D._, E._ oder
F._ ein privates Interesse an der Erteilung der Baubewilligung ha-
ben. Die Ausstandsbegehren gegen die Mitglieder der Baukommission
sowie deren Sekretär sind unbegründet und folglich abzuweisen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 13/17
8.
In materieller Hinsicht bringen die Rekurrenten in beiden Rekursen
vor, beim Bauvorhaben handle es sich um eine bewohnte Anbaute,
welche den Grenzabstand verletze.
8.1 In der Wohnzone W2b gilt gemäss Art. 9 BauR grundsätzlich ein
kleiner Grenzabstand von 4 m. Gemäss Art. 23 BauR gelten Bauten
mit höchstens 3 m Gebäude- und 5 m Firsthöhe sowie 50 m2 Gebäu-
degrundfläche als Anbauten (Abs. 1). Für unbewohnte An- und Ne-
benbauten genügt ein verminderter Grenzabstand von 3 m (Abs. 2
Bst. b).
8.2 Vorliegend ist unbestritten, dass es sich beim Bauvorhaben der
Rekursgegner um eine Anbaute handelt. Umstritten ist, ob es sich bei
dem auf zwei Seiten offenen gedeckten Sitzplatz um eine unbewohnte
oder bewohnte Anbaute handelt. Die Rekurrenten bringen vor, mit un-
bewohnten Anbauten sei insbesondere ein Abstellraum für Motorfahr-
zeuge oder ein Lagerraum gemeint. Die fragliche Anbaute könne je-
doch zu Wohnzwecken benutzt werden, weshalb von einer bewohnten
Anbaute auszugehen sei. Die Ansicht der Rekurrenten überzeugt
nicht. Als unbewohnt gelten An- und Nebenbauten, die Nutzungen die-
nen, die jeweils nur einen vorübergehenden Aufenthalt von Menschen
erlauben. Dagegen gelten An- und Nebenbauten, die dazu bestimmt
sind, Menschen einen längeren dauernden Aufenthalt zu ermöglichen,
als bewohnt. Ein unbeheizter, auf zwei Seiten offener und überdachter
Sitzplatz ermöglicht keinen länger dauernden Aufenthalt von Men-
schen. Die Aufenthaltsmöglichkeit ist – abhängig von der Jahreszeit
und den Witterungsverhältnissen – zeitlich nur begrenzt möglich. Auch
wenn aufgrund der Überdachung damit gerechnet werden kann, dass
sich die Rekursgegner inskünftig vermehrt auf dem Sitzplatz aufhalten
werden, kann dieser als mehrheitlich offener und unbeheizter Aussen-
platz nicht als bewohnte Anbaute angesehen werden, zumal ein unge-
deckter Sitzplatz mit vergleichbaren Auswirkungen als Anlage bis an
die Grenze reichen dürfte. Der hier zu beurteilende, überdachte, aber
mehrheitlich offene Sitzplatz ist als unbewohnte Anbaute im Sinn von
Art. 23 Abs. 2 Bst. b BauR anzusehen. Als solche hält sie den vorge-
schriebenen Abstand von 3 m ein, was entgegen der Ansicht der Re-
kurrenten aus den vermassten Situationsplänen auch eindeutig her-
vorgeht. Die Rekurse erweisen sich auch in diesem Punkt als unbe-
gründet.
8.3 Soweit die Rekurrenten eine Verletzung von Art. 24 BauR gel-
tend machen, ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei der fraglichen
Überdachung auch nach ihrer Ansicht um einen Teil einer Anbaute
nach Art. 23 BauR handelt, weshalb das Dach nicht noch zusätzlich
als Vorbaute im Sinn von Art. 24 BauR angesehen werden kann. Die
Frage des Vordachs stellte sich in Rekurs 1, da sich ein Teil der Dach-
konstruktion im privilegierten Grenzabstand nach Art. 24 Abs. 1 BauR
befand. Aufgrund des Korrekturgesuchs ist dieser Teil allerdings nicht
mehr Gegenstand der vorliegenden Rekursverfahren, weshalb nicht
ersichtlich ist, inwiefern vorliegend Art. 24 BauR verletzt sein sollte.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 14/17
9.
Schiesslich rügen die Rekurrenten in Rekurs 1 und 2, die geplante
Sitzplatzüberdachung führe zu übermässigen Immissionen im Sinn
von Art. 684 ZGB. Diese sehen sie in erster Linie darin, dass das ge-
plante Bauvorhaben die Regelbauvorschriften nicht einhalte und sie
dadurch zusätzliche Immissionen (Lärm, Rauch, Geruch) dulden
müssten.
9.1 Wenn das nach Lage, Beschaffenheit und Ortsgebrauch ge-
rechtfertigte und zu duldende Mass von Einschränkungen zu ermitteln
ist (Art. 684 Abs. 2 ZGB), können beim privatrechtlichen Immissions-
schutz öffentlich-rechtliche Vorschriften eine Rolle spielen (Bau- und
Zonenvorschriften, Normen betreffend Lärmschutz, Luftreinhaltung,
Strahlung und Erschütterung). Die allgemeinen Gebote der wider-
spruchsfreien und koordinierten Anwendung der Rechtsordnung ver-
langen den sachgerechten Einbezug von und die möglichst weitge-
hende Rücksichtnahme auf Normen anderer Rechtsgebiete zum glei-
chen Gegenstand. In diesem Sinn haben die rechtsanwendenden Be-
hörden auf eine Harmonisierung des Immissionsschutzes hinzuwirken
(VerwGE B 2014/130 vom 27. November 2015 Erw. 4.2.3. mit Hinwei-
sen). Wird das Vorliegen einer übermässigen Einwirkung im Sinn von
Art. 684 ZGB mit dem Argument verneint, das Bauvorhaben entspre-
che den massgebenden öffentlich-rechtlichen Normen, und handelt es
sich dabei um Vorschriften, die im Rahmen einer detaillierten, den Zie-
len und Planungsgrundsätzen des Raumplanungsrechts entsprechen-
den Bau- und Zonenordnung erlassen worden sind, bedeutet dies in
aller Regel keine Vereitelung von (zivilem) Bundesrecht (BGE 138 III
49 Erw. 4.4.2. mit Hinweis auf BGE 132 III 49 Erw. 2.2 und 129 III 161
[Die Praxis 7/2012 S. 515 f. Erw. 4.4.2]).
9.2 Wie vorne aufgezeigt, stehen dem Bauvorhaben keine öffent-
lich-rechtlichen Bauvorschriften entgegen. Bei der geltend gemachten
Nutzung des gedeckten Sitzplatzes handelt es sich zudem um eine in
einem Wohnquartier übliche Nutzung. Übermässige Einwirkungen im
Sinn von Art. 684 ZGB entstehen durch den Aufenthalt von Personen
und beim Grillieren üblicherweise nicht, zumal diese Nutzungen auch
näher an der Grenze erlaubt sind. Hinzu kommt, dass zwischen dem
fraglichen Sitzplatz und dem Wohnhaus der Rekurrenten der Weg
H._ (Gemeindeweg 3. Klasse) sowie der asphaltierte Zugangs- und
Zufahrtsbereich des rekurrentischen Grundstücks verläuft. Dadurch
liegt der fragliche Sitzplatz rund 20 m von der Südfassade mitsamt
Loggia der Rekurrenten entfernt. Die Rekurrenten bringen darüber hin-
aus nichts vor, weshalb das Bauvorhaben gleichwohl zu übermässi-
gen Immissionen auf ihrem Grundstück führen sollte. Aus dem Gesag-
ten ergibt sich, dass die bewilligte Sitzplatzüberdachung zu keinen
übermässigen Immissionen auf das Grundstück der Rekurrenten im
Sinn von Art. 684 ZGB führt.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 15/17
10.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs 1 teilweise gegen-
standslos geworden ist, weil die Rekursgegner während des Rekurs-
verfahrens ein Korrekturgesuch bei der Vorinstanz eingereicht haben,
mit welchem der Grenzabstand nun eingehalten werden kann. Im Üb-
rigen ist der Rekurs 1 aber unbegründet und deshalb abzuweisen.
Der Rekurs 2 ist gesamthaft unbegründet und folglich abzuweisen.
11.
11.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr in Rekurs 1 beträgt Fr. 1'800.–
(Nr. 20.13.01 des Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindever-
waltung, sGS 821.5; abgekürzt GebT). Zu berücksichtigen ist, dass die
Rekursgegner die teilweise Gegenstandslosigkeit des Rekurses 1 ver-
ursacht haben, weshalb sie einen Teil der Kosten zu tragen haben.
Darüber hinaus ist der Rekurs 1 allerdings vollständig abzuweisen, so-
fern er nicht gegenstandslos geworden ist. Es rechtfertigt sich deshalb,
die Verfahrenskosten den Rekurrenten zu zwei Dritteln (Fr. 1'200.–)
und den Rekursgegnern zu einem Drittel (Fr. 600.–) zu überbinden.
11.2 Der von A._ am 17. September 2019 geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 1'800.– ist zu verrechnen. Der verbleibende Teil von
Fr. 600.– ist zurück zu erstatten.
11.3 Die Gebühr für den Entscheid in Rekurs 2 wird in Anwendung
von Nr. 20.13.01 GebT ebenfalls auf Fr. 1'800.– festgelegt. In diesem
Verfahren unterliegen die Rekurrenten vollständig, weshalb sie die
Kosten zu tragen haben; sie sind mit dem von A._ am 18. März 2020
geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
12.
Die Rekurrenten und die Vorinstanz stellen ein Begehren um Ersatz
der ausseramtlichen Kosten.
12.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
12.2 Der Rekurs 1 wäre ohne Einreichung eines Korrekturgesuchs
gutgeheissen worden, weshalb die Rekursgegner kostenpflichtig wer-
den. Da das Verfahren zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht
Schwierigkeiten bot, die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtferti-
gen, besteht grundsätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschä-
digung (Art. 98bis VRP). Wie von den Rekurrenten beantragt, ist die
ausseramtliche Entschädigung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 52/2020), Seite 16/17
mit Art. 22 der Honorarordnung (sGS 963.75) auf Fr. 2'750.– zuzüglich
4 Prozent Barauslagen (Fr. 110.–), insgesamt Fr. 2'860.– (zuzüglich
Mehrwertsteuer) festzulegen; sie ist von B._ zu bezahlen.
12.3 Da die Rekurrenten in Rekurs 2 vollumfänglich unterliegen, ha-
ben sie von vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Ent-
schädigung.
12.4 Die Vorinstanz hat grundsätzlich keinen Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (R. HIRT, Die Regelung der Kosten nach
st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St.Gallen 2004,
S. 176). Sie bringt keine Gründe vor, die ein Abweichen von dieser
Regel rechtfertigen. Ihr Begehren ist daher in den Rekursen 1 und 2
abzuweisen.