Decision ID: ecd1eeeb-f91e-5f45-956a-fc9126c56b1d
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die Politische Gemeinde X. ist Eigentümerin der Parzellen Nrn. 000 und 0001,
Grundbuch X. Gemäss dem Zonenplan der Politischen Gemeinde X. liegt das
Grundstück Nr. 0001 in der Wohn-Gewerbe-Zone WG3. Das Grundstück Nr. 000 ist
keiner Nutzungszone zugewiesen, sondern als hellgraue Fläche mit dem Hinweis
"Verkehrsfläche VF" ausgeschieden. Nach dem Gemeindestrassenplan ist die Parzelle
Nr. 000 (A.-strasse) bis zur Einmündung in die B.-strasse (Parzellen Nrn. 002 und 003)
als Gemeindestrasse zweiter Klasse klassiert. Nördlich davon ist sie nicht klassiert. Die
Q. AG ist Eigentümerin des westlich an die Parzelle Nr. 000 angrenzenden, der WG3
zugeordneten Grundstücks Nr. 002, auf welchem sich das Wohn- und Gewerbehaus
Assek.-Nr. 004 befindet (act. 15/4/10, www.geoportal.ch).
B. Die Politische Gemeinde X. betreibt zwei örtliche Sammelstellen im Sinne von Art. 6
Abs. 1 des Abfall-Reglements der Stadt X. Die eine befindet sich westlich des
Werkhofs, Gebäude Assek.-Nr. 005, auf Parzelle Nr. 006 angrenzend an das
Grundstück Nr. 002. Die zweite verlegte die Politische Gemeinde X. anfangs 2010 in
rund 100 m Distanz zur ersten Sammelstelle ans nördliche Ende der Parzellen Nrn. 000
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und 0001. Zuvor hatte sie die zweite Sammelstelle auf dem südlich an die Parzelle Nr.
0001 anstossenden Grundstück Nr. 0007 gegenüber dem Mehrzweckgebäude auf
Parzelle Nr. 008 betrieben. Am 17. Mai 2010 forderte die Q. AG durch ihren damaligen
Rechtsvertreter den Stadtpräsidenten von X. auf, für die zweite Sammelstelle
nachträglich ein Baubewilligungsverfahren durchzuführen (act. 15/4/1 und 10,
www. ... .ch).
C. Während der öffentlichen Auflage des entsprechenden Baugesuchs für das Erstellen
und den Betrieb der örtlichen Sammelstelle für drei Kleider-, sechs Glas-, drei
Aluminium- resp. Weissblech- sowie einen Öl- bzw. Batteriecontainer auf den Parzellen
Nrn. 000 und 0001 vom 2. bis 16. Juni 2010 erhob die Q. AG durch ihren damaligen
Rechtsvertreter Einsprache. Mit Entscheid vom 13. Juli 2010 wies der Stadtrat X. die
Einsprache ab und bewilligte das Bauvorhaben unter Auflagen. Insbesondere verfügte
er ein Benützungsverbot für die Zeit zwischen 20 Uhr und 7 Uhr (act. 15/4/2-7 und
act. 15/7). Dagegen rekurrierte die Q. AG durch ihren damaligen Rechtsvertreter am
30. Juli 2010 beim Baudepartement. Am 15. Februar 2011 führte das Baudepartement
einen Augenschein durch. Am 12. Oktober 2011 schrieb es den Rekurs zufolge
Rückzugs ab (act. 15/4/8, 10 und 12 f.).
D. Am 6. Mai 2013 reichte die Q. AG durch ihren Rechtsvertreter beim Stadtrat X. eine
öffentlich-rechtliche Immissionsklage wegen des Lärms der Abfallsammelstelle auf den
Parzellen Nrn. 000 und 0001 ein. Gleichzeitig forderte sie den Stadtrat auf, die mit der
Baubewilligung vom 13. Juli 2010 verfügten Betriebszeiten durchzusetzen
(act. 15/4/14). Mit Verfügung vom 14. August 2013 wies der Stadtrat von X. die
öffentlich-rechtliche Immissionsklage ab. Gleichzeitig verfügte er, die
Abfallsammelstelle neu so zu organisieren, dass die eher lautstärkeren Sammelbehälter
für Glas einen Abstand von mindestens 26 m gegenüber den Wohnräumen auf Parzelle
Nr. 002 einhalten würden (act. 15/4/20).
E. Dagegen rekurrierte die Q. AG durch ihren Rechtsvertreter am 28. August 2013 beim
Baudepartement (act. 15/1). Am 17. Oktober 2013 teilte der Stadtschreiber von X. mit,
dass die Standorte der drei Glascontainer „Grün“ und der drei Aluminium- resp.
Weissblechcontainer getauscht worden seien (act. 15/5). Am 19. November 2013
reichte das Amt für Umwelt und Energie (AFU) einen Amtsbericht ein (act. 15/9). Am 16.
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Dezember 2013 und 27. März 2014 machte die Politische Gemeinde X. auf
Veranlassung des Baudepartements nähere Angaben zum Betrieb der
Abfallsammelstelle (act. 15/10, 12 und 17). Mit Entscheid vom 8. Juni 2015 wies das
Baudepartement den Rekurs ab (act. 2).
F. Gegen den Entscheid des Baudepartements (Vorinstanz) vom 8. Juni 2015 erhob die
Q. AG (Beschwerdeführerin) durch ihren Rechtsvertreter am 23. Juni 2015 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht (act. 1). Am 25. September 2015 ergänzte sie ihre
Beschwerde mit einer Begründung und dem Rechtsbegehren, der angefochtene
Entscheid sei unter Kostenfolge aufzuheben und die Streitsache zur Anordnung von
baulichen Schalldämpfungsmassnahmen und zur Durchsetzung der baubewilligten
Betriebszeiten an die Vorinstanz zurückzuweisen (act. 9). Mit Vernehmlassung vom 13.
November 2015 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde (act. 14). Mit
Eingabe vom 27. November 2015 verzichtete die Politische Gemeinde X.
(Beschwerdegegnerin) auf eine Stellungnahme (act. 19). Am 15. Dezember 2015 liess
sich die Beschwerdeführerin abschliessend vernehmen (act. 21).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Nicht umstritten ist im vorliegenden Fall, dass die streitbetroffene Sammelstelle
formell rechtskräftig bewilligt wurde. Die Frage, ob der auf der Parzelle Nr. 000 liegende
Teil der Sammelstelle einem strassenrechtlichen Verfahren hätte unterzogen werden
müssen, kann daher offen gelassen werden, zumal sich dadurch an der
erstinstanzlichen Zuständigkeit der Beschwerdegegnerin nichts geändert hätte (vgl. Art.
38 ff. des Strassengesetzes, sGS 732.1, StrG). Sodann steht fest, dass die strittige
Abfallsammelstelle eine ortsfeste Anlage im Sinne von Art. 7 Abs. 7 des
Bundesgesetzes über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz; SR 814.01, USG) und
Art. 2 Abs. 1 der Lärmschutz-Verordnung (SR 814.41, LSV) ist, als neue Anlage den
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Planungswerten zu genügen hat (vgl. Art. 25 Abs. 1 USG und Art. 7 Abs. 1 lit. b LSV)
und mangels unmittelbar anwendbarer Planungswerte ein Immissionsniveau einhalten
muss, bei welchem nach richterlicher Beurteilung höchstens geringfügige Störungen
auftreten (vgl. Art. 40 Abs. 3 LSV in Verbindung mit Art. 15 USG unter Berücksichtigung
von Art. 23 USG, BGer 1C_204/2015 vom 18. Januar 2016 E. 3.6 mit Hinweisen, BGE
123 II 325 E. 4d/bb mit Hinweisen sowie B. Heer, St. Gallisches Bau- und
Planungsrecht, St. Gallen 2003, N 788). Verursacht eine rechtskräftig bewilligte
neurechtliche Anlage nachträglich unzulässige Emissionen, obschon die Auflagen der
Baubewilligung eingehalten sind, kommt wegen der Rechtskraft der Bewilligung in der
Regel keine Beseitigung der Anlage mehr in Frage. Der Anordnung zusätzlicher
Massnahmen zur Begrenzung der Emissionen steht die Rechtskraft aber trotzdem nicht
von vornherein entgegen; notwendige Massnahmen sind auch noch nachträglich
anzuordnen, soweit sie unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit zumutbar
sind. Der Grund dafür liegt darin, dass insbesondere bei Anlagen mit wechselnder
Beanspruchung häufig nicht im Voraus bestimmt werden kann, ob die vorgesehenen
baulichen oder betrieblichen Massnahmen zur Lärmbekämpfung ausreichen. Die
Bewilligung steht deshalb unter dem impliziten (oft auch ausdrücklichen) Vorbehalt
einer späteren Ergänzung der Massnahmen zur Emissionsbegrenzung (vgl. VerwGE B
2009/71; B 2009/72 vom 18. März 2010 E. 5.3, www.gerichte.sg.ch).
2.1. Die Beschwerdeführerin macht zunächst geltend, weder die Vorinstanz noch deren
Fachstelle hätten den von der Sammelstelle tatsächlich verursachten Lärm ermittelt,
obschon gemäss dem von der Empa im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt BAFU
am 19. Juni 2012 verfassten Untersuchungsbericht „Lärmermittlung und Massnahmen
bei Recyclingsammelstellen“ (fortan: Empa-Bericht, S. 16, act. 15/4/16,
www.bafu.admin.ch) für Anlagen in Distanzen zu den Anwohnern von unter 50 m eine
detaillierte Beurteilung vorgenommen werden müsse. Gemäss Angaben der
Beschwerdegegnerin seien im Jahr 2012 137‘610 kg und im Jahr 2013 122‘937 kg
Altglas gesammelt worden. Bei einem mittleren Gewicht einer 75 cl Flasche gemäss
dem Empa-Bericht von 0.37 kg resultiere daraus eine Entsorgungsmenge von rund
1000 Flaschen pro Tag. Der Empa-Bericht dürfe nicht auf die Aussage reduziert
werden, bei Einhaltung der empfohlenen Abstände sei von einer zumutbaren
Lärmbelastung auszugehen. Gegen die stark vereinfachende Beurteilung der
Vorinstanz spreche, dass die eingesetzten Altglassammelbehälter über keine
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Kennzeichnung gemäss der Verordnung des UVEK über die Lärmemissionen von
Geräten und Maschinen, die im Freien verwendet werden (Maschinenlärmverordnung;
SR 814.412.2, MaLV) verfügten und dementsprechend die Lärmemissionen dieser
Container nicht abgeschätzt werden könnten.
2.2. Besteht Grund zur Annahme, dass die massgebenden Belastungsgrenzwerte
überschritten sind oder ihre Überschreitung zu erwarten ist, ermittelt die
Vollzugsbehörde die Aussen-lärmimmissionen ortsfester Anlagen oder ordnet deren
Ermittlung an (Art. 36 Abs. 1 LSV). Bei Anlagen, für welche keine Grenzwerte bestehen,
gilt dieser Grundsatz sinngemäss (vgl. R. Wolf, in: Vereinigung für Umweltrecht und H.
Keller [Hrsg.], Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl. 2004, Art. 25 N 95). Die
Beantwortung der Frage, ob eine solche Annahme gerechtfertigt ist, erfordert eine
vorweggenommene Würdigung der Lärmsituation. Dabei dürfen keine hohen
Anforderungen an die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung gestellt werden (vgl.
BGer 2C_311/2007 vom 21. Juli 2008 E. 3.6).
Im Rahmen der vorzunehmenden Einzelfallbeurteilung sind der Charakter des Lärms,
der Zeitpunkt und die Häufigkeit seines Auftretens sowie die Lärmempfindlichkeit bzw.
Lärmvorbelastung zu berücksichtigen. Dabei ist nicht auf das subjektive
Lärmempfinden einzelner Personen abzustellen, sondern eine objektivierte Betrachtung
unter Berücksichtigung von Personen mit erhöhter Empfindlichkeit (Art. 13 Abs. 2 USG)
vorzunehmen. Als Wertungshilfe können die Belastungsgrenzwerte für Industrie- und
Gewerbelärm gemäss Anhang 6 LSV herangezogen werden (vgl. BGer 1C_299/2009
vom 12. Januar 2010 E. 2.3.1 mit Hinweisen). Nach Art. 32 Abs. 1 des
Einführungsgesetzes zur eidgenössischen Umweltschutzgesetzgebung (sGS 672.1,
EG-USG) ist die Wohn-Gewerbe-Zone WG3 der Empfindlichkeitsstufe III zugeordnet
(siehe auch Art. 43 Abs. 1 lit. c LSV und Art. 9 des Baureglements der Politischen
Gemeinde X., www. ... .ch). Nach Art. 40 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang 6 Ziff. 2 und
31 LSV beträgt der Planungswert für Industrie- und Gewerbelärm in der
Empfindlichkeitsstufe III 60 dB (A) am Tag (07 bis 19 Uhr) und 50 dB (A) in der Nacht
(19 bis 07 Uhr). Daneben bietet sich der Empa-Bericht für eine objektivierte
Betrachtung als Entscheidungsgrundlage an (vgl. hierzu BGE 137 II 30 E. 3.4 und BGE
133 II 292 E. 3.3 je mit Hinweisen), welcher gestützt auf die bisherige Gerichtspraxis in
der Schweiz (vgl. hierzu S. 6 f. des Empa-Berichts) neben der Beurteilung nach Anhang
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6 LSV (vgl. insbesondere auch Berechnungsschema in Form eines Excel-Formulars
vom 7. Mai 2012, www.bafu.admin.ch) anhand von deutschen Richtabständen (vgl.
S. 8 f. des Empa-Berichts) auf die Distanz zum nächstgelegenen Wohnraum als
Beurteilungsgrösse abstellt.
2.3. Zu den konkreten Lärmverhältnissen wurden bisher keine Abklärungen
vorgenommen. Stattdessen stützte sich die Vorinstanz bei ihrer Beurteilung auf den
Empa-Bericht, den Amtsbericht des AFU vom 19. November 2013 (act. 15/9) und die
ergänzenden Angaben der Beschwerdegegnerin vom 21. Oktober und 16. Dezember
2013 sowie 27. März 2014 (act. 15/7, 12 und 17).
In Tabelle 3 des Empa-Berichtes (S. 15) wird hinsichtlich der massgebenden Abstände
zwischen Haupt- und Nebensammelstellen unterschieden. Hauptsammelstellen halten
die Planungswerte der Empfindlichkeitsstufe III tagsüber (vgl. Anhang A.1 des Empa-
Berichts) ein, wenn sie einen Abstand von 26 m zum Fenster des lärmempfindlichen
Raumes von der Mitte der Lärmquelle aus gemessen einhalten (vgl. Amtsbericht des
AFU vom 19. November 2013, S. 4 Ziff. 3c). Bei Nebensammelstellen darf ein Abstand
von 16 m nicht unterschritten werden. Ansonsten ist eine detaillierte Abklärung
notwendig. Gemäss dem Amtsbericht des AFU vom 19. November 2013 (act. 15/9,
S. 4 Ziff. 3b) und Anhang A.5 des Empa-Berichtes (S. 24) werden in einer
Hauptsammelstelle je Betriebstag bis zu 500 Flaschen entsorgt, wobei etwa 70
Anlieferungen mit dem Auto erfolgen. In einer Nebensammelstelle werden bis zu 300
Flaschen eingeworfen, wobei etwa 10 Anlieferungen mit dem Auto erfolgen. Container-
Leerungen erfolgen für Hauptsammelstellen etwa 300-mal, für Nebensammelstellen
etwa 200-mal jährlich.
2.4. Die Vorinstanz kam in Erwägung 2.5.1 des angefochtenen Entscheides (act. 2, S.
10 f.) zum Schluss, mit unter 200 Entleerungen pro Jahr handle es sich um eine
Nebensammelstelle im Sinne des EMPA-Berichtes. Dabei stützte sie sich offensichtlich
auf die Angaben der Beschwerdegegnerin vom 16. Dezember 2013 und 27. März 2014
(act. 15/12 und 17). Obschon sich die Beschwerdeführerin nurmehr an dem vom
Flascheneinwurf verursachten Lärm (Klirren) und nicht (mehr) am Lärm der Anlieferung
mit Personenwagen oder demjenigen beim Entleeren der Sammelcontainer stört (act.
21, S. 2 Ziff. II/6), setzte sich die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid indessen nicht
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weiter damit auseinander, dass im Jahr 2012 nach Angaben der Beschwerdegegnerin
137‘610 kg und im Jahr 2013 122‘937 kg Altglas entsorgt wurden (vgl. Sachverhalt lit.
B/e und E. 2.5.1 des angefochtenen Entscheids, act. 2, S. 5 und 10 f.). Bei 302
Betriebstagen pro Jahr und einem mittleren Gewicht einer 75 cl Flasche von 0.370 kg
(vgl. Anhang A.3 und A.5 des Empa-Berichts, S. 22 und 24) resultiert aus der von der
Beschwerdegegnerin anhand von Auszügen der Gewichtserfassung der Kranwaage
vom 20. März 2014 (Beilage zu act. 15/17) ermittelten Glasmenge eine Anzahl
Flascheneinwürfe pro Betriebstag von 1231.5 bzw. von 1100.2 Flaschen. Damit kann
gemäss dem Amtsbericht des AFU vom 19. November 2013 nicht mehr von einer
Nebensammelstelle im Sinne des Empa-Berichts gesprochen werden, zumal nicht
ersichtlich ist, dass für die Bestimmung als Haupt- oder Nebensammelstelle im Sinne
des Empa-Berichts wahlweise auf einzelne der vom AFU aufgeführten Kriterien
abzustellen wäre (vgl. hierzu auch Aktennotiz der Vorinstanz vom 14. Februar 2014,
act. 15/13).
Gemäss der Vorinstanz (vgl. E. 2.5.1 des angefochtenen Entscheids, act. 2, S. 10 f.)
beträgt der Abstand zwischen den Fenstern der lärmempfindlichen Räume auf Parzelle
Nr. 002 und der Mitte der strittigen Sammelstelle lediglich 25 m (vgl. Situationsplan mit
Abstandsangaben vom 18. Oktober 2013, act. 15/7, und Amtsbericht des AFU vom 19.
November 2013, act. 15/9, S. 4 Ziff. 3c). Daran vermochte die von der
Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 14. August 2013 (act. 15/4/20) angeordnete
und in der Folge im Oktober 2013 vollzogene „Neuorganisation“ der Sammelstelle
nichts zu ändern. Entgegen der Auflage in der Verfügung vom 14. August 2013 reichte
die Neuanordnung der Container innerhalb der bestehenden Sammelstelle offenbar
nicht aus, um den empfohlenen Abstand von 26 m einzuhalten. Ein Baugesuch der
Beschwerdegegnerin für die Verschiebung der Sammelstelle liegt nicht vor. Damit
müssen nach der Einschätzung des fachkundigen AFU, welcher sich das
Verwaltungsgericht anschliesst, detaillierte Abklärungen erfolgen, um die Schädlichkeit
oder Lästigkeit der von der Anlage ausgehenden Lärmimmissionen beurteilen zu
können (vgl. Amtsbericht des AFU vom 19. November 2013, act. 15/9, S. 4 Ziff. 3c).
Bereits aus diesem Grund ist die Beschwerde gutzuheissen, der angefochtene
Entscheid aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Einholung eines
Lärmgutachtens und zu neuem Entscheid zurückzuweisen. Dabei hat sie alle
relevanten Lärmquellen der Sammelstelle, aber auch nur diese zu berücksichtigen.
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Bei diesem Ergebnis kann die Frage, ob das eingesetzte Sammelsystem nach wie vor
dem Stand der Technik entspricht (vgl. Empa-Bericht, S. 15) und ob Art. 1 Abs. 2 und
Anhang 1 Ziff. 2 Nr. 22 in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. c MaLV im vorliegenden Fall
auf die von der Beschwerdegegnerin eingesetzten Oberflur-Glascontainer des Typs M.
der Y. AG (vgl. E-Mail des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin vom 16.
September 2015, act. 10/4, sowie Anhang A.3 des Empa-Berichts, S. 23) anwendbar
ist (vgl. Art. 16 MaLV), offen gelassen werden.
Im Weiteren kann bei dieser Ausgangslage nicht abschliessend beurteilt werden, ob die
Vorinstanz zu Recht auf die Anordnung von Massnahmen zur vorsorglichen
Emissionsbegrenzung (Art. 11 Abs. 2 USG und Art. 7 Abs. 1 lit. a LSV) wie den Einsatz
besser gedämmter Container, die klein- bis mittelräumige Verlegung der Container
oder die Erstellung einer Lärmschutzwand durch die Beschwerdegegnerin (vgl. E. 2.5.5
des angefochtenen Entscheids, act. 2, S. 12, sowie act. 9, S. 6 Ziff. IV/B/24)
verzichtete. Zu bemerken bleibt, dass die Beschwerdegegnerin, sofern sie am
vorliegenden Standort festhalten will, zumindest die Kosten für eine bessere
Schalldämmung der sechs Glascontainer der Hauptsammelstelle (vgl. hierzu act. 10/4)
näher abschätzen sollte, selbst wenn sich anhand des auszuarbeitenden
Lärmgutachtens zeigt, dass beim Betrieb der Sammelstelle höchstens geringfügige
Störungen auftreten (vgl. hierzu auch Amtsbericht des AFU vom 19. November 2013,
act. 15/9, S. 5 Ziff. 5b), zumal dem Gemeinwesen im Bereich des Umweltschutzes
Vorbildfunktion zukommt (vgl. Art. 14 Abs. 1 EG-USG).
3. Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, die Sammelstelle werde ausserhalb der
Öffnungszeiten benützt (act. 9, S. 6 f. Ziff. IV/C, act. 21, S. 2 Ziff. I/5).
Art. 12 Satz 1 LSV schreibt vor, dass die Vollzugsbehörde spätestens ein Jahr nach der
Inbetriebnahme der neuen oder geänderten Anlage kontrolliert, ob die angeordneten
Emissionsbegrenzungen und Schallschutzmassnahmen getroffen sind. Zuständig für
die Kontrolle ist die politische Gemeinde (vgl. Art. 28 EG-USG, zur Zuständigkeit für die
Baukontrolle siehe auch Art. 2 Abs. 1 des Gesetzes über die Raumplanung und das
öffentliche Baurecht, Baugesetz, sGS 731.1, BauG). Zusätzliche Kontrollen, um die
Wirksamkeit der Massnahmen zu prüfen, rechtfertigen sich gemäss Art. 12 Satz 2 LSV
und Art. 18 Satz 2 LSV analog nur dann, wenn bei den Vollzugsbehörden Zweifel an
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der Einhaltung der massgeblichen Vorschriften aufkommen (vgl. U. Brunner, in:
Vereinigung für Umweltrecht und H. Keller [Hrsg.], Kommentar zum
Umweltschutzgesetz, 2. Aufl. 2004, Art. 45 N 6b und 10e).
Aus den vorliegenden Akten geht nicht hervor, ob die Beschwerdegegnerin ihrer Pflicht
nachgekommen ist, die im Baubewilligungsentscheid vom 13. Juli 2010 (act. 15/4/7) im
Sinne einer Emissionsbegrenzung verfügten Betriebszeiten im Jahr 2012 zumindest
stichprobeweise zu kontrollieren und nötigenfalls weitere Massnahmen, wie etwa das
Anbringen einer Umzäunung, anzuordnen. Die Beschwerdegegnerin äussert sich denn
auch weder im Einspracheentscheid vom 13. Juli 2010 (act. 15/4/7) noch in ihren
Stellungnahmen vom 27. September 2013 und 24. November 2015 (act. 15/4 und act.
19) zur Kontrollpflicht. Demzufolge ist die Sache auch diesbezüglich zur Ergänzung des
Sachverhalts und allenfalls zur entsprechenden nachträglichen Kontrolle an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Offen bleiben kann bei diesem Ergebnis, ob die
Beschwerdeführerin bezüglich zusätzlicher Kontrollen im Sinne von Art. 12 Satz 2 LSV
und Art. 18 Satz 2 LSV analog die Beweislast trägt und deshalb ihre Hinweise
betreffend die Nichteinhaltung der Öffnungszeiten, welche allenfalls Grund für weitere
Abklärungen geben könnten, soweit möglich hätte belegen und entsprechende
Beweismittel hätte einreichen müssen (vgl. zur Beweislast VerwGE B 2015/162 vom 26.
Oktober 2016 E. 3.6). Festzuhalten bleibt in diesem Zusammenhang einzig, dass der
Vorwurf der Beschwerdeführerin, bei der Wertstoffsammelstelle und im Internet seien
unterschiedliche Öffnungszeiten angegeben worden (vgl. Augenscheinprotokoll vom
21. September 2011, act. 15/4/10, S. 1, und act. 10/5), ins Leere stösst, bezieht sich
doch der (veraltete) Eintrag im Internet ausdrücklich auf den ehemaligen Standort auf
der Parzelle Nr. 0007 gegenüber dem Mehrzweckgebäude.
4. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Rekurs- und Beschwerdeverfahrens zulasten der Beschwerdegegnerin (Art. 95 Abs. 1
VRP). Im Rekursverfahren hat die Vorinstanz die amtlichen Kosten auf CHF 3000
festgesetzt. Für das Beschwerdeverfahren ist eine Entscheidgebühr von CHF 3500
angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die
Erhebung wird verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP). Die von der Beschwerdeführerin
geleisteten Kostenvorschüsse im Betrag von CHF 3500 im Beschwerdeverfahren und
von CHF 1000 im Rekursverfahren werden zurückerstattet.
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Nachdem die Beschwerdeführerin mit ihren Anträgen mehrheitlich durchgedrungen ist,
hat sie sowohl im Beschwerde- als auch im Rekursverfahren Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung (Art. 98 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Art. 98 VRP).
Ihr Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Folglich ist die Entschädigung
nach Ermessen festzusetzen (vgl. Art. 30 lit. b Ziff. 1 und Art. 31 Abs. 1 und 2 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70, AnwG, sowie Art. 6 und 19 der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, HonO). Eine Entschädigung von CHF
2000 für das Beschwerde- und eine solche von CHF 2500 für das Rekursverfahren je
zuzüglich Barauslagen von vier Prozent erscheint als angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. a
und b sowie Art. 28 HonO). Die Mehrwertsteuer wird grundsätzlich dazu gerechnet
(Art. 29 HonO). Da die Beschwerdeführerin aber selber mehrwertsteuerpflichtig ist
(www.uid.admin.ch), kann sie die der Honorarrechnung ihres Anwalts belastete
Mehrwertsteuer als Vorsteuer in Abzug bringen. Daher muss die Mehrwertsteuer bei
der Bemessung der ausseramtlichen Entschädigung nicht zusätzlich berücksichtigt
werden (R. HIRT, Die Regelung der Kosten nach st. gallischen
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 194; vgl. statt vieler VerwGE B
2013/206 vom 3. Dezember 2013, E. 3, www.gerichte.sg.ch).