Decision ID: a991e161-1492-4caf-8161-bcb2b73bee75
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1972,
war seit
1.
Januar 1999 als Betriebsmitarbeiterin bei der
Y._
,
Z._
, an
gestellt (
Urk.
7/3;
Urk.
7/6).
Am 2
1.
Januar 2003 mel
dete sie sich wegen Rückenbeschwerden bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und
veranlasste eine
bidisziplinäre Begutachtung am
A._ (
Gutachten vom 2
2.
Dezember 2003;
Urk.
7/16
;
Urk.
7/34
).
Mit Verfügung vom 1
7.
März 2004 (
Urk.
7/24;
Urk.
7/20) sprach die IV-Stelle der Versicherten bei einem Invalidi
tätsgrad von 52
%
eine halbe Rente ab Februar 2003 zu.
Die dagegen am
4.
April 2004 erhobene Einsprache (
Urk.
7/27) wies die IV-Stelle mit Entscheid vom
2.
Juni 2004 ab (
Urk.
7/32).
Eine im Jahr 2006 veranlasste Rentenrevision (
Urk.
7/36) ergab einen unverän
derten Invaliditätsgrad (Mitteilung vom 2
8.
März 2006;
Urk.
7/39 =
Urk.
7/40), ebenso die im Jahr 2009 veranlasste zweite Rentenrevision (
Urk.
7/41; Mitteilung
vom 1
7.
Juli 2009;
Urk.
7/44). Sodann veranlasste die IV-Stelle eine
Abklärung hinsichtlich Hilflosigkeit
(Bericht vom 2
8.
August 2009;
Urk.
7/46).
Mit Vorbe
scheid vom
1.
September 2009 stellte die IV-Stelle in Aussicht, die Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung abzulehnen (
Urk.
7/47). Dagegen erhob die Versi
cherte Einwände
(
Urk.
7/55) und beantragte eine Erhöhung der Invalidenrente (
Urk.
7/56). Mit Verfügung vom 2
2.
März 2010 verneinte die IV-Stelle einen hö
heren Rentenanspruch (
Urk.
7/62). Ein Anspruch auf Hilflosenentschädigung wurde mit Verfügung vom 2
3.
November 2010 verneint (
Urk.
7/63).
Eine weitere Revision im Jahr 2012
(
Urk.
7/65)
ergab einen unveränderten An
spruch (Mitteilung vom
9.
November 2012;
Urk.
7/68).
1.2
Am
9.
Februar 2017 (
Urk.
7/76) reichte die Versicherte den Fragebogen betreffend Rentenrevision ein
. Die IV-Stelle veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten am
B._
, dessen Gutachten
am
2
7.
Juli 2017 erstattet wurde (
Urk.
7/90).
Mit Schreiben vom 2
7.
September 2017 (
Urk.
7/94) forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, ihrer Mitwirkungspflicht nachzukommen und sich Eingliederungsmassnahmen zu un
terziehen, ansonsten die Rente aufgehoben werde.
Am 2
5.
Oktober 2017 teilte sie der Versicherten den Abschluss der Eingliederungsmassnahmen mit (
Urk.
7/98), ersetzte diese Mitteilung jedoch am 1
3.
November 2017 und gewährte der Versi
cherten Kostengutsprache für ein
Belastbarkeitstraining
(
Urk.
7/102)
, welches die Versicherte in der Folge nicht antrat
. Mit Schreiben vom 1
5.
Dezember 2017 (
Urk.
7/111) wurde die Versicherte erneut auf ihre Mitwirkungspflicht aufmerk
s
am gemacht, ebenso mit Schreiben vom
9.
Februar 2018 (
Urk.
7/117).
Mit Vorbescheiden vom 2
2.
Februar 2018 stellte die IV-Stelle die Einstellung der Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
7/126) und die Aufhebung der Rente (
Urk.
7/127) in Aussicht.
Gegen letzteren erhob die Versicherte am
9.
April 2018 Einwände (
Urk.
7/130)
. Mit Verfügungen vom 1
7.
August 2018 stellte die IV-Stelle die Eingliederungsmassnahmen ein (
Urk.
7/135
=
Urk.
2/2
) und hob die Rente auf (
Urk.
7/134
=
Urk.
2/1
).
2.
Am 1
3.
September 2018 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügun
gen vom 1
7.
August 2018 (
Urk.
2/1-2) mit dem Antrag
auf deren Aufhebung, Wiedera
usrichtung der
bisherigen halben Rente und eventualiter Rückweisung der Sache zur erneuten polydisziplinä
ren Begutachtung (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Oktober 2018 (
Urk.
6) beantragte die Beschwer
degegnerin die Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 1
9.
November 2018 an ihren Anträgen fest (
Urk.
9). Die Beschwerde
gegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (
Urk.
11), was der Be
schwerdeführerin am 2
9.
November 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Der von der Beschwerdegegnerin beigezogene Bericht des
C._
vom 1
9.
Januar 2018 (
Urk.
15, vgl.
Urk.
13-14) wurde der Beschwerdeführerin am
6.
Mai 2019 zur Kenntnisnahme zugestellt. (
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des ak
tuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invalidi
tätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkun
gen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_297/2016 vom
7.
April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152). Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (
Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Renten
revision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit. f IVV auf dem Weg der blossen Mitteilung (
Art.
51 ATSG), ist im darauf folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 2
9.
März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Rentenentscheid wie folgt (
Urk.
2/1): Gestützt auf die medizinischen Unterlagen sei davon auszugehe
n
, dass die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit weiterhin arbeitsun
fähig sei. In einer dem Leiden optimal angepassten Tätigkeit sei sie jedoch seit September 2014 wieder vollständig arbeitsfähig
, womit sich ein rentenausschlies
sender Invaliditätsgrad von 5
%
ergebe (S. 1-2). Da das Invalideneinkommen ur
sprünglich falsch berechnet worden sei, wäre ein Wiedererwägungsgrund ausge
wiesen. Es hätte lediglich Anspruch auf eine Viertelsrente bestanden. Weiter könne die Medizinische Abklärungsstelle als solche nicht befangen sein (
Urk.
6).
Zur Einstellung der Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
2/2) hielt die Beschwerde
gegnerin fest,
das gewährte Belastbarkeitstraining sei mehrfach verschoben wor
den. Auch die Termine des Zentrums in Nähe des Wohnorts habe die Beschwer
deführerin nicht wahrgenommen. Die Massnahmen seien aus medizinischer Sicht zumutbar. Da die Beschwerdeführerin daran nicht teilgenommen habe, habe sie ihre Mitwirkungspflicht schuldhaft verletzt. Die Eingliederungsmassnahmen wür
den deshalb abgebrochen (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend (
Urk.
1), ihr Gesundheitszustand habe sich
nicht
wesentlich verbessert
. Sie habe deshalb auch nicht an den Eingliede
rungsmassnahmen teilnehmen können. Sie habe ihre Schadenminderungspflicht nicht verletzt. Ein Revisionsgrund liege nicht vor (S. 15). Die Gutachter des
B._
hätten lediglich eine unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unver
änderten Sachverhalts vorgenommen (S. 9). Es sei nicht ersichtlich, dass eine Konsensbesprechung stattgefunden hätte (S. 11). Im Medas-Gutachten seien die Indikatoren nicht geprüft worden und es seien keine aktuellen Berichte der be
handelnden Ärzte eingeholt worden. Zudem sei das
B._
aus näher dargelegten Gründen befangen und nicht neutral (S. 17).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob sich die Verhältnisse seit Erlass der rentenzuspre
chenden Verfügung vom 1
7.
März 2004
, welche aufgrund einer
materiellen Prü
fung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung und Be
weiswürdigung erging,
im Vergleich zur hier angefochtenen Verfügung vom 1
7.
August 2018 in anspruchsrelevanter Weise verände
rt haben (vgl. vorstehend E. 1.4
). Weiter ist zu prüfen, wie es sich mit Eingliederungsmassnahmen verhält.
3.
3.1
Bei Erlass der Verfügung vom 1
7.
März 2004 stützte sich die Beschwerdegegnerin auf das Gutachten des
A._
vom 2
2.
Dezember 2003 (
Urk.
7/34), worin folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt wurden
(S. 14):
-
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom
-
lumbospondylogen bei Segmentdegeneration mit Diskushernie L5/S1
-
zervikovertebral mit myofaszialer Komponente
-
verminderte Belastbarkeit bei Problemen mit der sozialen Umgebung (ICD-10 Z60) und Problemen verbunden mit Schwierigkeiten bei der Le
bensbewältigung (ICD-10 Z73)
Die Diagnosen einer anamnestischen Eisenmangelanämie und anamnestischen Anpassungsstörung (Differentialdiagnose: längere depressive Reaktion) hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde bestehe wegen der rheumatologischen Problematik für körperlich belastende Tätigkeiten, wie bei der letzten Arbeit beim Verpacken zeitweise ausgeführt, keine Arbeitsfähigkeit mehr.
Für Kontrolltätigkeiten, ebenfalls Teil der früheren Arbeit, sowie andere körper
lich leichtere Arbeiten ohne Notwendigkeit von repetitiven Rumpfdrehungen oder Heben von Gewichten über 15 kg sei die Arbeitsfähigkeit voll erhalten. Diese Arbeitsfähigkeit könne jedoch
wegen der verminderten psychischen Belastbarkeit nicht voll umgesetzt werden
. Gesamthaft gesehen resultiere eine Arbeitsfähigkeit für körperlich leichtere Tätigkeiten von 70
%
(S. 16).
Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sei, weil sie auch Verpa
ckungsarbeiten umfasse, um geschätzt 50
%
reduziert.
Leichtere körperliche Ar
beiten in Wechselpositionen, ohne
repetitive Rumpfdrehungen oder ohne Einhal
ten einer stereotyp vorgebeugten Haltung, zum Beispiel eine Kontrolltätigkeit, sei im jetzigen Zeitpunkt zu 70
%
möglich
(S. 16
Ziff.
7.1). Vorstellbar sei
en
eine Kontrolltätigkeit, Überwachungsarbeiten, leichtere Sortierarbeiten oder ähnliches (S. 17
Ziff.
7.3).
3.2
Gestützt auf diese Beurteilung ermittelte die Beschwerdegegnerin unter Gewäh
rung eines Abzugs vo
m
Tabellenlohn in Höhe von 25
%
(vgl.
Urk.
7/18/5) einen Invaliditätsgrad von 52
%
und sprach der Beschwer
deführerin
mit Verfügung vom
1
7.
März 2004
eine halbe Rente zu.
In der Folge ergingen
im Wesentlichen lediglich
mehrheitlich gleichlautende
Be
richte der Hausärztin
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin
(
Urk.
7/37/1-2;
Urk.
7/43/3;
Urk.
7/49;
Urk.
7/51;
Urk.
7/55;
Urk.
7/65/3-5
)
, welche den Anforderungen an
einen Ar
z
tbericht (vgl. vorstehend E. 1.5
) mangels genügender Begründung nich
t zu entsprechen vermögen.
4.
4.1
Die Gutachterin und die Gutachter des
B._
erstatteten ihr Gutachten vom 2
7.
Juli 2017 (
Urk.
7/90) nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anam
nese und Durchführung einer internistischen, orthopädischen, neurologischen und
psychiatrischen Untersuchung. Sie stellten folgende Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 11):
-
pseudoradikuläres Lumbalsyndrom beidseits bei beginnender Facettenge
lenksarthrose LWK 3 bis SWK 1
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit (S. 11
):
-
Zervikobrachialgie links ohne radikuläre Reizung
-
Senk-Spreizfuss beidseits
-
labile Hypertonie
-
Nikotinabusus
Die von der Versicherten angegebenen Beschwerden im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparates hätten anhand der aktuellen klinischen und radiologischen Untersuchungsbefunde nur teilweise nachvollzogen werden können. Es habe sich ein regelrechter orthopädisch-traumatologischer Befund mit vermehrter Lordose und normal entwickelter Muskulatur
gezeigt. Hinweise auf eine Reizung lumbaler Nervenwurzeln seien nicht vorhanden. Die Angabe, dass das Heben beider Füsse aufgrund von Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule nicht möglich sei, während gleichzeitig problemlos der Fersengang beidseits vorgeführt werde, sei medizinisch nicht nachvollziehbar, auch nicht die Angabe von Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule während der Untersuchung der Sprung- und der Schultergelenke. Die Angabe einer kompletten
Hypästhesie aller Zehen des linken Fusses und der rechten Grosszehe seien keinem Dermatom zuzuordnen, ebenso nicht die Angabe von Schmerzen in der gesamten linken Körperhälfte bei Druck und Klopfen
über der gesamten Brustwirbelsäule. Die seitengleich kräftig entwi
ckelte Muskulatur beider Beine schliesse eine vermehrte schmerzbedinge Scho
nung des linken Beines aus. Es zeige sich eine frei bewegliche Halswirbelsäule ohne Anhalt auf das Vorliegen
einer zervikalen Nervenwurzelreizung. Die Taub
heit der linken Hand habe sich bei regelrechtem Untersuchungsbefund und nor
malem Gebrauch beim Ent- und Bekleiden nicht nachvollziehen lassen. Es hätten sich Hinweise auf eine nichtorganische Pathologie gezeigt; sämtliche Waddell-Zeichen seien positiv gewesen. Auch die subjektive Invalidität stehe im Gegensatz zu den Alltagsaktivitäten, insbesondere zu Flugreisen in
s Heimatland
. Diskrepant sei bei dem geltend gemachten Ausmass der Beschwerden auch die fehlende In
anspruchnahme fachärztlicher Behandlungen seit 2004 (S. 12).
In der neurologischen Untersuchung habe sich eine linksseitige Beeinträchtigung der Oberflächen- und Tiefensensibilität gezeigt. Allerdings sei diese weder vom Verteilungsmuster noch in der qualitativen Zusammensetzung und Ausprägung nachvollziehbar. Eine Hemi-Sensibilitätsstörung sei in dieser Form neuroanato
misch nicht möglich. Es erscheine auch nicht nachvollziehbar, dass zum Beispiel der Lagesinn am linken Fuss vollständig aufgehoben sein solle (S. 13 Mitte).
In der psychiatrischen Exploration habe die Versicherte von invalidisierend wahr
genommenen Schmerzen im Rücken und in den linken Extremitäten berichtet und begründe damit eine erhebliche Beeinträchtigung ihrer Funktionsfähigkeit im Alltag, der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und eine Abhängigkeit von Dritten. Ihr subjektiver Hilfs- und Unterstützungsbedarf erscheine aber vor dem Hintergrund der beschriebenen Beschwerden nicht nachvollziehbar. Passend hierzu befinde sich die Versicherte auch nicht
in psy
chiatrischer Behandlung und hätten
auch die hausärztlicherseits verschriebenen
Antidepressiva
(mit fraglicher Indikation) zu keiner Änderung ihrer Beschwerdesymptomatik geführt. Auch wenn sich der Eindruck einer somatoformen Genese aufdränge, so
seien
die Kri
terien hierfür nicht erfüllt. Insbesondere könnten keine relevanten psychischen Belastungsfaktoren benannt werden
,
die für eine solche Krankheitsentwicklung in Frage kämen. Vielmehr entstehe
aus psychiatrischer Optik auch unter Berück
sichtigung der Aggravationsneigung, Verdeutlichungstendenz und gar Simula
tion der Versicherten der Eindruck, dass die Vorteile des sekundären Krankheits
gewinns die Aufrechterhaltung des Status quo begünstigt hätten beziehungsweise begünstigten. Eine konkrete psychiatrische Diagnose lasse sich daraus aber nicht ableiten (S. 13).
Die
polydisziplinäre Beurteilung ergebe eine volle Arbeitsunfähigkeit in der an
gestammten Tätigkeit. In einer körperlich leichten, gelegentlich leicht bis mittel
schweren wechselbelastenden Tätigkeit ohne Zwangshaltung der Wirbelsäu
l
e und ohne häufiges Bücken bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
, dies seit
2014 (S. 14).
Im letzten polydisziplinären Gutachten aus dem Jahr 2003 sei als einzige konkrete psychiatrische Diagnose eine Anpassungsstörung genannt worden, seinerzeit al
lerdings ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die anderen, im weitesten Sinne psychiatrischen "Diagnosen" seien unspezifisch gewesen: Verminderte Belastbar
keit bei Problemen mit der sozialen Umgebung und Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung. Nach heutigen Massstäben würde man diese Beschreibung nicht mehr als für die Arbeitsfähigkeit relevant einstu
fen. In den Folgejahren
seien nicht mehr konkrete psychische Probleme genannt worden. Insofern
sei der aktuell erhobene psychische Querschnitt mit den Akten
unterlagen kongruent, er stelle eine dazu passende Entwicklung dar (S. 23 unten).
4.2
Vom
8.
bis 2
0.
Januar 2018 war die Beschwerdeführerin im
C._
hospitalisiert. Mit Bericht vom 1
9.
Januar 2018 (
Urk.
15) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
chronisches fibromyalgiformes Schmerzsyndrom
-
Fibromyalgiescore: WPI 10/22 SSC 11/12
-
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
DD LRS 5 links mit und bei:
-
klinisch: diffuse Hyposensibilität gesamtes linkes Bein (nicht Derma
tom-bezogen), Achillessehnenrefl
e
x
(ASR)
beidseits geschwächt, leichte Fussheberschwäche links
-
MRT LWS vom 2
8.
November 2017: Diskusprotrusion L5/S1 mit Be
rührung der S1-Wurzel und leichtgradiger Kompression zwischen Dis
kushernie und Fazette L5/S
1.
Foraminale Enge L5
-
chronisches zervikospondylogenes Schmerzsyndrom
-
diffuse Ausstrahlung im gesamten rechten Arm und Schmerzen und rezidivierende Verkrampfungen der Finger unklarer Ätiologie, DD ra
dikulär bei Kompression C6-Wurzel
-
MRT HWS
vom
2
8.
November 2017: Diskushernie auf Höhe HWK 5/6 mit Tangierung der Wurzel C6 links
-
Depression unter Therapie
Die Einweisung sei bei deutlicher Verschlechterung der Schmer
z
symptomatik, mutmasslich im Zuge von Reint
egrationsmassnahmen durch die Invalidenversi
cherung
, erfolgt (S. 1 unten). Die Patientin habe sehr von Physiotherapie, Ergo
therapie, Entspannungsübungen und medizinischer Trainingstherapie profitiert.
Sie sei mit gebessertem Beschwerdebild und in gutem Allgemeinzustand in die Rehabilitation nach
E._
entlassen worden (S. 2).
4.3
Vom 2
0.
Januar bis
9.
Februar 2018 hielt sich die Beschwerdeführerin stationär im
F._
auf. Mit Austrittsbericht vom
2.
März 2018 (
Urk.
7/129) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
chronis
ches fibromyalgiformes Schmerzs
y
n
drom
-
chronisches lumbospondylogenes Schmer
z
syndrom
-
klinisch: diffuse Hyposensibilität gesamtes linkes Bein (nicht Derma
tom-bezogen), Achillessehnenrefl
e
x beidseits geschwächt, leichte Fuss
heberschwäche links
-
MRT LWS vom 2
8.
November 2017: Diskusprotrusion L5/S1 mit Be
rührung der S1-Wurzel und leichtgradiger Kompression zwischen Dis
kushernie und Fazette L5/S
1.
Foraminale Enge L5
-
chronisches zervikospondylogenes Schmerzsyndrom
-
diffuse Ausstrahlung im gesamten rechten Arm und Schmerzen und rezidivierende Verkrampfungen der Finger unklarer Ätiologie, DD ra
dikulär bei Kompression C6-Wurzel
-
MRT HWS
vom
2
8.
November 2017: Diskushernie auf Höhe HWK 5/6 mit Tangierung der Wurzel C6 links
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
Zur Arbeitsfähigkeit wurde keine Stellung genommen.
4.4
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, RAD, hielt am 3
1.
Januar 2018 (
Urk.
7/125/6) fest, es werde im Bericht vom 1
9.
Januar 2018 angegeben, dass es unter den Integrationsmass
nahmen zu einer deutlichen Verschlechterung der Schmerzsymptomatik gekom
men sei. Das erstaune insofern, als dass die Massnahmen bis zu diesem Zeitpunkt aus zwei Schnupperterminen
à 1.5 Stunden bestanden hätten. Andererseits sei es der Beschwerdeführerin möglich gewesen, vom 1
7.
Dezember 2017 bis
1.
Januar 2018 eine Urlaubsreise anzutreten. Die Eingliederungsmassnahmen wären aus versicherungsmedizinischer Sicht zumutbar gewesen.
5
.
5.1
Im Vergleich zur medizinischen Situation bei Erlass der Verfügung vom 1
7.
März 2004, wo ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom und eine verminderte Belastbarkeit bei Problemen mit der sozialen Umgebung und verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat
ten (vgl. vorstehend E. 3.1), ist gestützt auf das
B._
-Gutachten, welches den beweismässigen Anforderungen
(vorstehend E. 1.5
) vollumfänglich entspricht, von einer wesentlichen Verbesserung auszugehen. So wurde 2004
die ange
stammte Arbeit als nicht mehr zumutbar betrachtet. Die Arbeitsfähigkeit in einer
leichtere
n
körperliche
n
Arbeit
wurde
als nicht eingeschränkt beurteilt, sei jedoch infolge der psychischen Problematik lediglich zu 70
%
zumutbar gewesen. Die aktuelle Beurteilung ergab weiterhin eine somatische Einschränkung in dem Sinne, als die angestammte Arbeit nicht mehr, eine angepasste Arbeit jedoch ebenfalls wie bisher
aus somatischer Sicht
zu 100
%
zumutbar ist. Die bisher an
genommene psychische Einschränkung war jedoch nicht mehr feststellbar. So
wurde nachvollziehbar beschrieben, dass der subjektive Hilfs- und Unterstüt
zungsbedarf vor dem Hintergrund der beschriebenen Beschwerden
- wo erhebli
che Diskrepanzen festgestellt
wurden -
als nicht nachvollziehbar erscheine und die Beschwerdeführerin keine psychiatrische Behandlung wahrnehme
. Eine kon
krete psychiatrische Diagnose liess sich nicht stellen. Dass die Gutachter festhiel
ten, nach heutigen Massstäben würde man die 2004 als massgeblich betrachtete
verminderte Belastbarkeit
bei Problemen mit der sozialen Umgebung und ver
bunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
nicht mehr als arbeitsun
fähigkeitsverursachend betrachten, ist nicht mit einer anderen Beurteilung des unveränderten Sachverhalts gleichzusetzen, denn der Sachverhalt hat sich ver
ändert: Im
B._
-Gutachten wurde
klar beschrieben, dass in den Folgejahren keine psychischen Probleme mehr erwähnt worden seien, der aktuell erhobene psychische Querschnitt mit der Aktenlage kongruent sei und eine dazu passende Entwicklung darstelle (vgl. vorstehend E. 4.1).
Die Beschwerdeführerin
lässt bei ihrer Argumentation ausser Acht
, dass die Annahme
im
A._
-Gutachten
,
die
Z-Diagnose wirke sich
- für sich allein -
auf die Arbeitsfähigkeit aus,
aus rechtlicher Sicht
fragwürdig
war, denn
Z-Diagnosen
gehören
zu den Faktoren, die den Ge
sundheitszustand
beeinflussen und zur Inanspruch
nahme von Gesundheitsdiens
ten führen (ICD-10 Z.00-/99), denen jedoch
grundsätzlich
kein versicherungsme
dizinischer Krankheitswert zukommt (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2010 vom 1
5.
November 2010, E. 5.2.4).
5.2
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 und an
schliessende Urteile) angepasst und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichtigen habe, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen müsse. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit habe die durch BGE 130 V 352 be
gründete Rechtsprechung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungs
vollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung bezweckt. Dieses Regel/Ausnahme-Modell werde durch ein strukturiertes Beweisverfahren ersetzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berück
sichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweislast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändere sich dadurch nichts. An die Stelle des bisheri
gen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und ver
gleichbaren psychosomatischen Leiden) träten jedoch – vom Bundesgericht näher umschriebene – Standardindikatoren, die sich in
die Kategorien Schweregrad und Konsistenz der funktionellen Auswirkungen einteilen liessen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die Präponderanz der psychiatrischen Komor
bidität werde mit der Änderung der Rechtsprechung verzichtet. Der neu formu
lierte Prüfungsraster sei rechtlicher Natur. Recht und Medizin wirkten sowohl bei der Formulierung der Standardindikatoren wie auch bei deren – rechtlich gebo
tener – Anwendung im Einzelfall zusammen. Im Grunde konkretisierten die in BGE 141 V 281 E. 4 und E. 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgeberi
schen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Das Bundesgericht hielt ferner fest, dass die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades nur zulässig sei, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen seien. Fehle es daran, habe die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Ar
beitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfäl
ligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1).
5.3
Vorliegend
ist eine Indikatorenprüfung entbehrlich, denn
eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit
wurde
in
nachvollziehbarer Weise verneint
. Daran - wie auch an der Einschätzung einer vollen somatischen Arbeitsfähigkeit in behinderungs
angepassten Tätigkeiten - vermögen die Berichte
der Ärzte
des
C._
und
der
F._
(vorstehend E. 4.2 und 4.3) nichts zu än
dern: Dem Behandlungsauftrag entsprechend wurde die Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin nicht beurteilt, und bei der Erstellung dieser Berichte war den beteiligten Ärztinnen und Ärzten das Gutachten des
B._
wie auch die weitere medizinische Aktenlage
nicht bekannt
.
Auf diese Berichte kann deshalb nicht entscheidwesentlich abgestellt werden. Es geht daraus aber hervor, dass die Be
schwerdeführerin von einer adäquaten Behandlung
profitieren könnte
.
5.4
Bei nun fehlenden psychiatrischen Diagnosen ist eine
anspruchsrelevante
Ver
besserung eingetreten
; es besteht volle Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsan
gepassten, die somatischen Einschränkungen berücksichtigenden Tätigkeit.
Auf die weitgehend appellative Kritik der Beschwerdeführerin ist nicht weiter einzu
gehen.
Ein Revisionsgrund ist somit ausgewiesen und der Anspruch ist allseitig neu zu
prüfen.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Die Beschwerdegegnerin ermittelte
gestützt auf die statistischen Werte der
gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhe
bungen (LSE)
einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 5
%
(vgl.
Urk.
7/124;
Urk.
2/1 S. 2), was
– hinsichtlich der verwendeten Parameter -
unbe
stritten
blieb
und nicht zu beanstanden ist. Insbesondere ist kein Grund für den ursprünglich gewährten leidensbedingten Abzug von 25
%
ersichtlich.
7.
7.1
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Einglie
derungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder)
ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der diesfalls grund
sätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbstein
gliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Ar
beitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versi
cherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist oder wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (zur Publikation vor
gesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_494/2018 vom 6. Juni 2019 E. 5.1).
7.2
Die Beschwerdeführerin bezog seit Februar 2003 und damit seit über 15 Jahren eine Rente, weshalb sie unter den vom Bundesgericht besonders geschützten Be
zügerkreis fällt. Dementsprechend tätigte die Beschwerdegegnerin vor der Ein
stellung der Rente verschi
edene
- erfolglose -
Eingliederungsbemühungen. So
wurde ein Eingliederungsgespräch geführt
und ein Belastbarkeitstraining ange
boten
(vgl.
Urk.
7/99/2 f.),
wobei die Beschwerdeführerin es ablehnte, dieses in
H._
,
I._
oder Zürich zu absolvieren (vgl.
Urk. 7/
99/4 unten). Daraufhin wurde ihr
ein Belastbarkeitstraining
an ihrem Wohnort
gewährt (
vgl.
Urk.
7/102)
,
we
lches sie jedoch aufgrund des Aufenthalts im
C._
(vgl. vorstehend E. 4.2)
und in
E._
(vgl. vorstehend E. 4.3) nicht antrat (vgl. 7/128/7 Mitte).
Es ist nicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin die Eingliederungsmassnahmen aus gesundheitlichen Gründen nicht wahrnehmen konnte, war sie doch seit jeher in einer angepassten Tätigkeit zu 70
%
arbeitsfähig
und wurde aktuell eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert
. Arztberichte, aus denen etwas
Anderes
hervorginge, sind nicht vorhanden. Zudem war die Beschwerdeführerin trotz Schmerzen fähig, kurz vor dem Eintritt ins
C._
ins Ausland zu verreisen (vgl.
Urk.
7/128/7
Mitte).
Es ist deshalb nicht nachvollziehbar, weshalb sie
ein tägli
ches Training von zwei Stunden (vgl.
Urk.
7/104/1
;
Urk.
7/128/6 unten f.
) nicht hätte wahrnehmen können.
Der Verhinderung durch den Aufenthalt in
E._
wurde dennoch entgegengekommen, indem der Beginn der Eingliederung auf den 1
9.
Februar 2018 verschoben wurde; die Beschwerdeführerin nahm jedoch
auch
diesen Termin
ohne Begründung nicht
wahr
(vgl.
Urk.
7/128/8).
Unter Berück
sichtigung des Umstands, dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin mehrfach auf die Folgen der Nichtmitwirkung aufmerksam gemacht hatte (vgl.
Urk.
7/94;
Urk.
7/104/2;
Urk.
7/111
;
Urk.
7/117), ist der Abbruch der Eingliede
rungsmassnahmen nicht zu beanstanden.
Somit ist die Einstellung der Rente auch aus diesem Blickwinkel
rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdefüh
rerin aufzuerlegen
.