Decision ID: ca724a71-16dc-4904-9f7f-943a66d635d9
Year: 2016
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Splittingtarif, alternierende Obhut, Interkantonaler Sachverhalt
Besetzung Vizepräsident Dr. L. Schneider, Steuerrichter Peter Salathe,  Markus Zeller, Jörg Felix, Dr. Philippe Spitz, Gerichtsschreiberin I. Wissler
Parteien A._, vertreten durch TLT Thomas Lincke Treuhand AG,  32, 5070 Frick
Rekurrent
gegen
Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft, Rheinstrasse 33, 4410 Liestal,
Rekursgegnerin
betreffend Staats- und Gemeindesteuer 2012
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Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung wurde der Pflichtige als Einzelperson und ohne die Gewäh-
rung des Vollsplittingtarifs sowie Kinderabzugs für die im Kanton Basel-Landschaft vereinnahm-
ten Mietzinsen veranlagt.
2. Gegen diese Verfügung erhob der Vertreter des Pflichtigen Einsprache mit dem Begeh-
ren, es seien der Vollsplittingtarif sowie ein Kinderabzug zu gewähren. Zur Begründung führte
der Vertreter aus, bei der Trennung sei das gemeinsame Sorgerecht vereinbart worden und
dass die Kinder je zur Hälfte bei der Mutter resp. beim Vater wohnen würden. Der Rekurrent
leiste zwar abzugsfähige Unterhaltszahlungen für die Verpflegung bei der Mutter, wobei er dar-
über hinaus alle weiteren Kosten der Kinder wie Verpflegung und Unterkunft bei sich, Versiche-
rungen, Krankenkasse, Kleidung sowie Auslagen im Zusammenhang mit der Ausbildung über-
nehme. Der Pflichtige habe somit das Sorgerecht für die Kinder, lebe im Durchschnitt mit einem
Kind in Hausgemeinschaft und bestreite den Unterhalt der Kinder zur Hauptsache. Damit wür-
den ihm sowohl das Vollsplitting als auch ein Kinderabzug zustehen.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 15. Juni 2015 wies die Steuerverwaltung die Einsprache
diesbezüglich ab. Zur Begründung führte sie aus, der Pflichtige habe für das Hauptsteuerdo-
mizil im Kanton B._ Kinderunterhaltsbeiträge in Höhe von Fr. 12‘000.-- deklariert. In der ent-
sprechenden Veranlagung 2012 seien die hier strittigen Steuervorteile aberkannt worden, da
die Kinderabzüge gemäss Rücksprache mit dem Steueramt C._ der Mutter gewährt worden
seien, wobei diese Veranlagung rechtskräftig sei. Die Höhe der Alimente sei nicht als unwesent-
lich anzusehen. Der Familiensteuertarif und die Kinderabzüge würden der Mutter zustehen.
Darüber hinaus hätte die Wohnsitzbehörde die Familienverhältnisse geprüft. Insofern bestehe
keine Veranlassung von der Beurteilung abzuweichen. Folgerichtig sei dem Rekurrenten so-
wohl der Tarifvorteil als auch der Kinderabzug unabhängig von der Regelung über die elterliche
Sorge und der tatsächlichen Betreuungssituation zu Recht verweigert worden.
4. Mit Schreiben vom 16. Juli 2015 erhob der Vertreter des Pflichtigen Rekurs und begehr-
te, 1. Dem Rekurrenten sei das Vollsplitting, ein Kinderabzug sowie der Versicherungsabzug für
ein Kind zu gewähren. 2. Unter o/e Kostenfolge.
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Zur Begründung führte er u.a. aus, für das halbe Jahr, welches die Kinder bei der Mutter
verbringen würden, leiste der Pflichtige Unterhaltszahlungen von je Fr 6'000.-- pro Kind für Ver-
pflegung und Unterkunft. Während der anderen Hälfte des Jahres würden die Kinder beim
Pflichtigen leben und er übernehme neben der Unterkunft und der Verpflegung in dieser Zeit
zudem alle weiteren Kosten. Die Teilzahlungen würden bei Weitem nicht den Unterhalt der Kin-
der abdecken. Der Rekurrent trage nachweislich ebenfalls während der Hälfte des Jahres die
Wohn- und Verpflegungskosten, sowie darüber hinaus die restlichen Lebenshaltungskosten der
Kinder und leiste damit neben den von seiner Ex-Frau zu versteuernden Unterhaltszahlungen
zusätzlich einen weitaus höheren Beitrag zu den gesamten Lebenshaltungskosten seiner bei-
den Kinder. Die spezielle Konstellation, welche sowohl beim Vater als auch bei der Mutter ein
voll eingerichtetes Domizil für die Kinder voraussetze sowie die anfallenden zusätzlichen Kos-
ten für den öffentlichen Verkehr führe zu entsprechend höheren Lebenshaltungskosten der Kin-
der. Der Betrag von Fr. 12'000.-- würde daher nicht einmal für den Unterhalt eines Kindes aus-
reichen. Das Kreisschreiben Nr. 30 regle die vom Rekurrenten tatsächlich gelebte Situation
nicht. Im Durchschnitt lebe je ein Kind permanent beim Rekurrenten und ein Kind bei der Mut-
ter. Die Eltern der beiden Kinder seien getrennt, hätten gemeinsame elterliche Sorge und alter-
nierende Obhut. Konkret würden zusammen faktisch Unterhaltszahlungen für ein Kind geleistet,
somit würden der Mutter ebenfalls ein Kinderabzug sowie ein Versicherungsabzug zustehen.
Da der Rekurrent nicht nur Unterhaltszahlungen leiste, sondern auch die Obhut im eigenen
Haushalt inne habe, sei der Elternteil, der zur Hauptsache für den Unterhalt aufkomme, nach
dem Elterntarif bzw. mit Vollsplitting zu besteuern.
5. Mit Vernehmlassung vom 14. August 2015 beantragte die Steuerverwaltung die Abwei-
sung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, die Aufteilung auf je ein Kind entspreche
nicht der Realität. Einerseits würden beide Kinder immer als Einheit behandelt und es würden
daher Kinderalimente für beide Kinder vorgesehen und nicht nur für eines. Wer Unterhaltsbei-
träge für Kinder leiste und diese als Alimente zum Abzug bringen dürfe, trage steuerlich be-
trachtet keine Kosten des Kinderunterhalts, da die Empfängerin der Unterhaltszahlungen diese
zu versteuern habe und die Auslagen trage. Die alimentenverpflichtete Person könne somit für
die Kinder nicht gleichzeitig einen Kinderabzug tätigen, wenn sei Unterhaltsbeiträge zahle und
abziehen könne.
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6. An der Verhandlung und mit Verfügung vom 20. November 2015 hat das Steuergericht
aufgrund von anhängigen Einsprachen des Pflichtigen in gleicher Sache am Hauptsteuerdomizil
im Kanton B._ entschieden, den Fall auszustellen und deren Beurteilung abzuwarten. Mit
Veranlagung vom 14. Dezember 2015 wurde dem Pflichtigen im Kanton B._ der Tarif für
Verheiratete und der Kinderabzug für beide Kinder gewährt. Die Veranlagungen sind rechtskräf-
tig. Die Steuerverwaltung hat sich nicht weiter vernehmen lassen.
7. An der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
ständig.
Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vor-
liegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und
Richtern des Steuergerichts beurteilt.
Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist
ohne weiteres darauf einzutreten.
2. Strittig ist vorliegend, ob dem Pflichtigen, welcher seine beiden Kinder in alternierender
Obhut in Ausübung des gemeinsamem Sorgerechts zusammen mit seiner Exfrau betreut, der
Elterntarif und der Kinderabzug gewährt werden kann.
a) Gemäss § 34 Abs. 2 StG wird für in ungetrennter Ehe lebende Steuerpflichtige
sowie für verwitwete, getrennt lebende, geschiedene oder ledige Steuerpflichtige, die mit unter-
stützungsbedürftigen Personen oder Kindern, für die ein Kinderabzug gemäss Abs. 4 gewährt
wird, in häuslicher Gemeinschaft leben, der Steuersatz des halben steuerbaren Gesamtein-
kommens angewendet, mindestens aber der Minimalsteuersatz. Für den anwendbaren Steuer-
satz gemäss den Absätzen 1 und 2 sind die Verhältnisse am Ende der Steuerperiode bezie-
hungsweise der Steuerpflicht massgebend (§ 34 Abs. 3 StG).
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Der gemäss den Absätzen 1 und 2 ermittelte Einkommenssteuerbetrag ermäs-
sigt sich um 750 Franken pro Steuerjahr für jedes minderjährige, erwerbsunfähige oder in beruf-
licher Ausbildung stehende Kind, das mit dem Steuerpflichtigen in häuslicher Gemeinschaft lebt
und für das er die elterliche Sorge hat beziehungsweise hatte. Bei Zuteilung des gemeinsamen
Sorgerechts (gemäss Artikel 133 Abs. 3 oder Artikel 298a Absatz 1 ZGB) steht der Abzug dem-
jenigen Elternteil zu, der den Unterhalt des Kindes zur Hauptsache bestreitet. Der Abzug kann
pro Kind nur einmal geltend gemacht werden. Sofern das Einkommen des Kindes die Steuer-
freigrenze übersteigt, entfällt der Abzug. Für die Gewährung des Abzugs sind die Verhältnisse
am Ende der Steuerperiode beziehungsweise der Steuerpflicht massgebend (§ 34 Abs. 4 StG).
b) Gemäss Kreisschreiben Nr. 30 der ESTV betr. Ehepaar- und Familienbesteue-
rung nach dem Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 21. Dezember 2010 -
2. Auflage, 2014, (nachfolgend: KS Nr. 30) kann, falls kein Abzug für die Unterhaltsbeiträge für
das Kind nach Artikel 33 Absatz 1 Buchstabe c DBG von einem Elternteil geltend gemacht wird,
jeder Elternteil je den halben Kinderabzug sowie den halben Versicherungs- und Sparzinsenab-
zug für das Kind geltend machen (Ziff. 14.4.1).
Bei alternierender Obhut erhält derjenige Elternteil, der zur Hauptsache für den
Unterhalt des Kindes aufkommt, den Elterntarif. Dabei ist davon auszugehen, dass dies derje-
nige mit dem höheren Einkommen ist. Der andere Elternteil wird zum Grundtarif besteuert (Ziff.
14.4.2).
Wird nach Ziff. 14.5.1 ein Abzug für die Unterhaltsbeiträge für das Kind nach Ar-
tikel 33 Absatz 1 Buchstabe c DBG von einem Elternteil geltend gemacht, sind die Unterhalts-
beiträge für das Kind vom Empfänger zu versteuern. Der leistende Elternteil kann diese Alimen-
tenleistungen in Abzug bringen. Der Elternteil, der die Unterhaltsleistungen erhält, kann den
Kinderabzug sowie den Versicherungs- und Sparzinsenabzug für das Kind geltend machen
(Ziff. 14.5.2). Der Elternteil, der die Unterhaltszahlungen erhält, wird zum Elterntarif besteuert.
Derjenige der die Unterhaltszahlungen leistet, erhält den Grundtarif (Ziff. 14.5.3).
c) Das KS Nr. 30 regelt die vorliegende Lebenssituation nicht. Es geht bei alternie-
render Obhut davon aus, dass falls keine Unterhaltsleistungen gezahlt werden, ein halber Kin-
derabzug und falls der Elternteil hauptsächlich für den Unterhalt des Kindes aufkommt, der El-
terntarif in Anspruch genommen werden kann. Werden Unterhaltsleistungen ausgerichtet, darf
beim zahlenden Elternteil ein Abzug in entsprechender Höhe vorgenommen werden, wobei der
empfangende Elternteil den Kinderabzug und damit auch den Elterntarif geltend machen darf.
Während dem in Ziff. 14.4 des Kreisscheibens noch die Rede vom Elternteil ist, der zur Haupt-
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sache für den Unterhalt des Kindes aufkommt, ist diese Voraussetzung in Ziff. 14.5 nicht ge-
nannt.
Gemäss dem Entscheid vom 5. November 2013 des Bezirksgerichts D._
betreut der Rekurrent seine beiden Kinder gemeinsam mit seiner geschiedenen Ehefrau alter-
nierend im zweiwochen Rhythmus. Der Unterhalt wird, wenn die Kinder beim Rekurrenten woh-
nen, ausschliesslich durch diesen bestritten. Für die Zeit in der die Kinder bei der Mutter woh-
nen, bezahlt der Rekurrent lediglich anteilsmässig einen Unterhalt in Höhe von Fr. 500.--. Auf-
grund der Betreuungssituation und der Höhe der Unterhaltszahlungen ist davon auszugehen,
dass diese Unterhaltszahlungen lediglich als Zahlungen anteilig (50 %) an die Betreuungsleis-
tung durch die Mutter (50%) und nicht als volle Unterhaltszahlungen zu verstehen sind. Der
Rekurrent übernimmt damit aber hauptsächlich die Kosten für den Unterhalt der Kinder. Somit
liegt eine Vermischung der dargestellten Lebenssachverhalte von Ziffer 14.4. (Hauptsache für
Unterhalt aufkommend, keine Unterhaltsbeiträge zahlend mit Elterntarif) sowie 14.5. (Unter-
haltsbeiträge zahlend, Grundtarif) vor.
d) Wie die Steuerverwaltung bereits in ihrer Vernehmlassung ausgeführt hat, ist
eine Kombination von Elterntarif, Unterhaltsabzug und Kinderabzug gesetzlich nicht vorgesehen
und würde auch im Falle ein Elternteil hauptsächlich für den Unterhalt der Kinder aufkommt zu
einer unzulässigen Kumulation von Steuervergünstigungen zu Gunsten nur eines Elternteils
führen.
Aufgrund des hängigen Verfahrens am Hauptsteuerdomizil hat das Steuergericht
den Entscheid im Kanton B._ abgewartet und den Fall ausgestellt. Der Kanton B._ hat
die Veranlagung des Pflichtigen innerhalb des Einspracheverfahrens dahingehend angepasst,
als dass er ihm den Tarif für Verheiratete und den Kinderabzug für beide Kinder gewährt hat.
Diese Sichtweise entspricht praktisch der dargestellten Familiensituation in Ziff. 14.4 des Kreis-
schreibens. Die tatsächlich geleisteten jährlichen Unterhaltszahlungen in Höhe von Fr. 12‘000.--
(=2 x Fr. 500.-- x 12) wurden jedoch im Gegensatz zur Lebenssituation in KS Nr. 30 unter Ziff.
14.5. dargestellt nicht berücksichtigt. Die geschiedene Ehefrau hat überdies an ihrem Wohnort
beantragt zu Gunsten ihres geschiedenen Ehegatten auf die Geltendmachung von Kinderabzü-
gen zu verzichten.
3. Fraglich ist nun, ob der Kanton Basel-Landschaft die vom Kanton B._ korrigierte
Veranlagung übernehmen muss.
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a) Gemäss der Verordnung über die Anwendung des Steuerharmonisierungsgeset-
zes im interkantonalen Verhältnis vom 9. März 2001 (VO StHG) Art. 2 Abs. 3 teilt die Steuer-
behörde des Wohnsitz- oder des Sitzkantons den Steuerbehörden der anderen Kantone ihre
Steuerveranlagung einschliesslich der interkantonalen Steuerausscheidung und allfälliger Ab-
weichungen gegenüber der Steuererklärung kostenlos mit.
Grundsätzlich spielt der Sitz- oder Wohnsitzkanton die „Leader-Rolle“ im Veran-
lagungs- und Ausscheidungsverfahren. Dies zeigt sich bereits bei der Gewährung einer Frister-
streckung für die Einreichung der Steuererklärung. Wenn der Steuerpflichtige beim Wohnsitz-
oder Sitzkanton eine solche Fristerstreckung verlangt, muss er selber die anderen Kantone
über den entsprechenden Entscheid informieren (Kreisschreiben der Schweizerischen Steuer-
konferenz, (SSK) Nr. 16 vom 31. August 2001, Die Verordnung des Bundesrates vom 9. März
2001 über die Anwendung des Steuerharmonisierungsgesetzes im interkantonalen Verhältnis
(nachfolgend: KS SSK Nr. 16), Ziff. 22, S. 4).
Für die natürlichen Personen überprüft der Wohnsitzkanton des Steuerpflichtigen die
Steuererklärung. Er führt die notwendigen Untersuchungen durch und fordert vom Steuerpflich-
tigen die nötigen Auskünfte für die Veranlagung und die Ausscheidung der steuerbaren Fakto-
ren ein. Er übermittelt dem Kanton mit Spezial- oder Nebensteuerdomizil eine Kopie der Veran-
lagung sowie der interkantonalen Steuerausscheidung. Jeder Kanton wendet seine Gesetzge-
bung für die Festlegung des steuerbaren Einkommens und des steuerbaren Vermögens an. Der
Kanton des Spezial- oder Nebensteuerdomizils kann vom Steuerpflichtigen die für die Veranla-
gung nötigen Auskünfte einverlangen. Er wird sich dabei zurückhalten, wenn der Wohnsitzkan-
ton bereits eine Kontrolle durchgeführt hat. Als Allgemeinregel muss der Kanton mit dem Spezi-
alsteuerdomizil des Grundeigentums seine Auskunftsanfragen auf die Faktoren begrenzen, die
er direkt besteuert (KS SSK Nr. 16, Ziff. 22, S. 5).
b) Aufgrund einer summarischen Überprüfung ergibt sich damit folgendes: Aufgrund
der Veränderungen der familiären Strukturen und Verhältnisse in den letzten Jahren nach einer
Scheidung und damit auch der nach einer Scheidung bisher klassischen Aufteilung von Betreu-
ung durch den einen Elternteil, sowie Alimentenleistungen durch den anderen Elternteil, kann
keine eindeutige Zuteilung von aus der Betreuungssituation entstehenden Abzügen resp. steu-
erlichen Begünstigungen erfolgen. Die Tendenz die Kinder vermehrt in alternierender Obhut zu
gleichen oder auch unterschiedlichen Teilen zu betreuen und der damit einhergehenden Auftei-
lung der Kosten nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der jeweiligen Elternteile verlangen
nach adäquateren Lösungen, als dass es die Gesetzeslage derzeit hergibt.
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Der Kanton B._ bleibt dennoch konsequent. Eine Vermischung von Eltern-
oder Verheiratetentarif sowie dem Abzug von Alimentenzahlungen erfolgt nicht. Damit kommt
auch das Steuergericht aufgrund dieser im Zeitpunkt der heutigen Verhandlung bereits rechts-
kräftigen Veranlagung und damit definitiven Anpassung durch den Kanton B._ zum Schluss,
dass der Sichtweise des Hauptsteuerdomizils gefolgt werden kann und es für den Kanton Ba-
sel-Landschaft als Nebensteuerdomizil keinen Grund gibt von dieser Zuteilung abzuweichen.
Ausserdem ist festzustellen, dass die gewährte Lösung der tatsächlich gelebten Lebenssituati-
on am ehesten entspricht und für eine entsprechende steuerliche Entlastung des hauptsächlich
für den Unterhalt aufkommenden Elternteils sorgt.
Aufgrund all dieser Erwägungen ist der Rekurs gutzuheissen und dem Rekurrenten der Eltern-
tarif und die beiden Kinderabzüge zu gewähren.
4. a) Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Rekurrenten nach § 130
StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und
Verwaltungsprozessordnung (VPO) keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
b) Nach § 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO kann bei Beschwerden in Steuersachen
der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eines Vertreters eine angemessene
Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Für das Rekursverfahren
machte der Vertreter gemäss Honorarnote vom 16. Februar 2016 einen Zeitaufwand von 20,5
Stunden zu einem Stundensatz von Fr. 250.-- geltend, was Fr. 5‘125.-- ergibt. Zusätzlich mach-
te er diverse Auslagen, von Fr. 148.50 sowie Mehrwertsteuer (MWST) von Fr. 421.90 und somit
eine Parteientschädigung inkl. Auslagen und MWST von Fr. 5‘695.40 geltend. Der gerichtlich
anerkannte Stundensatz für Steuerberater beträgt Fr. 150.-- (vgl. Entscheid des Kantonsgericht
des Kantons Basel-Landschaft vom 17. Juni 2009, publ. in: Basellandschaftliche und Baselstäd-
tische Steuerpraxis [BStPra], Bd. XIX, S. 559 ff.). Daraus folgend ist der Stundensatz zu kürzen.
Zu kürzen ist auch der Stundenaufwand. Der dem Steuergericht eingereichte Rekurs umfasste
6 Seiten. Pro Seite ist eine Arbeitsstunde zu Fr. 150.-- zuzusprechen. Inkl. der beiden Verhand-
lungen wird somit ein Stundenaufwand von 12 Stunden als angemessen betrachtet. Demnach
gestaltet sich die Berechnung wie folgt: 12 x Fr. 150.-- = Fr. 1‘800.-- + Auslagen von Fr. 100.-- +
Mehrwertsteuer von Fr. 152.-- ergibt ein Honorar von Fr. 2‘052.--.
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