Decision ID: 20e5b445-6fd0-4d01-98a9-4f336cb38b62
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1983, war bei der Spitex Y._ GmbH als Pflegeassis
tentin angestellt und dadurch bei der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG unfallversichert, als sie sich am 19. Mai 2011 durch einen Sturz eine Verlet
zung am linken Handgelenk zuzog (Urk. 8/86-87). Die Allianz kam für die Heil
behandlung auf und richtete (bis zum 31. März 2013) Taggelder aus.
Nach Einholung eines
bidisziplinären
(neurologischen/orthopädischen) Gutach
tens bei der
Polydisziplinäre
n
Medizinische
n
Abklärungsstelle
(PMEDA; Gut
achten vom 3. Dezember 2014, Urk. 8/77-79) stellte die Allianz mit Verfügung vom 12. Oktober 2015 die Heilbehandlungskosten per 30. Juni 2014 ein, ver
neinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente und sprach der Versicherten eine Integritätsentschädigung (
basierend auf einer
In
tegritätseinbusse
von 15 %) zu (Urk. 8/109). Daran hielt sie mit
Einspracheentscheid
vom 22. Dezember 2016 fest (Urk. 2).
2.
Dagegen
liess
die Versicherte am 26. Januar 2017 Beschwerde erheben und be
antragen, es seien ihr weiterhin die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen (Ziff. 1 des Rechtsbegehrens). Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr bis zum 30. Juni 2016, eventualiter bis 30. Juni 2014, Heilbehandlungskosten zu vergüten und Taggelder zu leisten und danach eine Rente basierend auf ei
nem Invaliditätsgrad von 40 % auszurichten (Ziff. 2 des Rechtsbegehrens; Urk. 1 S. 2). In prozessualer Hinsicht
liess
die Beschwerdeführerin um unent
geltliche Rechtsvertretung ersuchen (Urk. 1 S. 3) Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom 6. März 2017 auf Abweisung der Be
schwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
3.
Die
Beschwerdeführer
in
hatte
sich
im September
2012
auch
bei der
Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug
angemeldet. Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte
mit Verfügung vom
15. Juni 2017 ei
nen Anspruch auf Umschulung. Die dagegen erhobene Beschwerde vom 14. August 2017 wies das
Gericht mit Urteil heutigen Datums
ab
(
Prozess IV.2017
.00
827
).
Aus jenem Verfahren nahm das Gericht verschiedene Unterlagen als Urk. 11/1-6 zu den Akten.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
1.2
Im Bereich der Unfallversicherung hat der Gesetzgeber dem Beschwerdeverfah
ren ein
Einspracheverfahren
vorangestellt. Bei Erhebung einer Einsprache tritt der
Einspracheentscheid
an die Stelle der angefochtenen Verfügung. Das Ver
waltungsverfahren wird erst mit ihm abgeschlossen. Deshalb hat die
Ein
spracheinstanz
allfälligen
entscheidrelevanten
Entwicklungen, die im hängigen
Einspracheverfahren
eingetreten sind, Rechnung zu tragen
(
BGE 142 V 337
E. 3.2.2). Massgebend sind grundsätzlich die rechtlichen und tatsächlichen Ver
hältnisse zur Zeit des
Einspracheentscheids
. Festgestellte Rechtswidrigkeiten sind grundsätzlich im
Einspracheverfahren
zu beseitigen (
BGE 143 V 295 E. 4.1.2 mit weiteren Hinweisen).
1.3
Unbestrittenermassen hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin ef
fektiv bis zum 31. März 2013 Taggelder ausgerichtet (vgl. Urk. 1 S. 4, Urk. 7 S. 7). Mit Verfügung vom 12. Oktober 2015 (Urk. 8/109) stellte die Beschwerde
gegnerin laut Dispositiv die Heilbehandlungskosten (S. 6) beziehungsweise laut den Erwägungen die vorübergehenden Leistungen (Taggeld und Heilbehand
lung) rückwirkend per 30. Juni 2014 ein mit der Begründung, eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes könne nicht mehr erwartet werden, und prüfte in Nachachtung von Art. 19 Abs. 1 UVG den Anspruch auf Dauerleistun
gen (S. 2). Zum Leistungsanspruch betreffend den Zeitraum vom 1. April 2013 bis 30. Juni 2014 äusserte sich die Beschwerdegegnerin verfügungsweise nicht und legte auf Einsprache hin im angefochtenen
Einspracheentscheid
dar, der entsprechende Taggeldanspruch bilde nicht Gegenstand der Verfügung vom 12. Oktober 2015, weshalb sie diesbezüglich auf die Einsprache nicht eintrat und auf ein separates Verfahren verwies (Urk. 2 S. 10 Ziff. 39).
Dieses Vorgehen der Beschwerdegegnerin ist nicht korrekt und findet keine ge
setzliche Grundlage. Sie hat rechtsprechungsgemäss vielmehr über den gesam
ten Leistungsanspruch anhand der im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
massge
benden Verhältnisse zu entscheiden. Das sozialversicherungsrechtliche Verfah
ren hat einfach und rasch zu sein (Art. 61
lit
. a ATSG), weshalb die Beschwer
degegnerin nicht befugt ist, einzelne Fragen abzuspalten, da dies das Verfahren ungebührlich verkompliziert und auch dem Gebot der Prozessökonomie wider
spricht.
1.4
Die Beschwerdegegnerin ist daher zu Unrecht auf die entsprechenden
ein
spracheweisen
Vorbringen nicht eingetreten. Insoweit ist der angefochtene Ent
scheid aufzuheben und die Sache wird an die Beschwerdegegnerin
zurückgewie
sen, damit sie sich zur materiellen Rechts- und Sachlage betreffend die Zeit vom 1. April 2013 bis 30. Juni 2014 äussere.
1.5
Ferner ist festzuhalten, dass die zugesprochene Integritätsentschädigung unbe
anstandet geblieben ist. Diesbezüglich ist der angefochtene
Einspracheentscheid
in Rechtskraft erwachsen.
2.
2.1
Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungs
leistun
gen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
2.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts, ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkom
men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf das Gutachten der PMEDA ab. Aus diesem ergebe sich, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Pflegehelferin nicht mehr arbeitsfähig sei, jedoch in einer leidensangepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Weiter gehe daraus hervor, dass der medizinische Endzustand am 30. Juni 2014 er
reicht gewesen sei. Daran ändere nichts, dass in der Folge eine Operation zur Entfernung des
Osteosynthesematerials
notwendig geworden sei (Urk. 2 S. 5-7). Aufgrund des vorzunehmenden Einkommensvergleichs resultiere ein Invalidi
tätsgrad von 1 %. Es bestehe daher kein Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2 S. 7-9).
Im Verfahren ergänzte sie, in den Akten fänden sich keine Belege dafür, dass durch die Entfernung des
Osteosynthesematerials
eine wesentliche Beschwerde
verbesserung hätte erreicht werden können (
Urk.
7 S. 4-5). In Bezug auf das In
valideneinkommen legte sie dar, dass ein Abzug vom Tabellenlohn - aus näher erörterten Gründen - nicht gerechtfertigt sei. Die Beschwerdeführerin sei auch nicht „faktisch einhändig“ und eine Überbeanspruchung der rechten Hand sei weder ausgewiesen noch plausibel (
Urk.
7 S. 6).
3.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend, ihr behandelnder Arzt und Operateur Dr. med. Z._ habe sowohl vor als auch nach der Durchführung des Gut
achtens bei der PMEDA darauf hingewiesen, dass noch eine Metallentfernung durchzuführen sei. Am 7. Juni 2016 sei denn auch eine Carpaltunnelspaltung und
Osteosynthesematerialentfernung
durchgeführt worden, was in Bezug auf die Schmerzen und Kribbelparästhesien zu einer namhaften Besserung geführt
habe. Nach der Operation sei sie bis zum 30. Juni 2016 arbeitsunfähig gewesen. Erst ab diesem Zeitpunkt könne man von einem Endzustand ausgehen (Urk. 1 S. 5 f.). Abgesehen davon habe es die Beschwerdegegnerin unterlassen, sie zu ei
nem Berufswechsel aufzufordern und ihr hierfür eine Übergangsfrist anzusetzen (Urk. 1 S. 6). Auf jeden Fall sei es nicht zulässig, die Heilungskosten rückwir
kend per 30. Juni 2014 einzustellen. Die Beschwerdegegnerin habe die Kosten für die Operation vom 7. Juni 2016 zu übernehmen (Urk. 1 S. 7). Die Beschwer
degegnerin habe den Einkommensvergleich nicht richtig vorgenommen. Bei korrekter Berechnung resultiere ein Invaliditätsgrad von 41 %. Auf dieser Basis habe sie eine Invalidenrente zu Gute (Urk. 1 S. 8-14).
4.
Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass dem PMEDA-Gutachten vom 3. Dezember 2014 volle Beweiskraft zukommt (vgl. dazu E. 2.3 hiervor). Aus dem Gutachten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin als Folge des Unfalls vom 29. Mai 2011 unter einer sekundären Handgelenksarthrose links mit asso
ziierten chronischen Handgelenksschmerzen (nach stabilisierender
Ulnaverkür
zungsosteotomie
links vom 3. September 2013, Resektion der proximalen Handwurzelreihe links vom 14. August 2012, Entfernung HCS linkes Handge
lenk vom 25. Oktober 2011, Rekonstruktion des SL-Bandes mit FCR-Sehne vom 7. Juni 2011 und
scapholunärer
Bandruptur links) leidet (Urk. 8/79 S. 2, Urk. 8/77 S. 21). In ihrem angestammten Beruf als Pflegeassistentin ist sie auf Dauer nicht mehr arbeitsfähig, da diese Tätigkeit einen sicheren und kräftigen beidhändigen Einsatz erfordert. Für Tätigkeiten, die vorrangig den Gebrauch der rechten (dominanten) Hand voraussetzen, besteht jedoch eine volle Arbeitsfä
higkeit (Pensum und Rendement 100 %).
1
Leistbar sind etwa Arbeiten in Tele
fon- und Wachtdiensten, an Pforten und Rezeptionen oder einfache Bürotätig
keiten (Urk. 8/79 S. 2, Urk. 8/77 S. 22 f.).
5.
5.1
Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Endzustand am 30. Juni 2014 oder – wie die Beschwerdeführerin postuliert – erst nach der Genesung von der Operation vom 7. Juni 2016, mithin am 30. Juni 2016, erreicht worden war.
5.2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüberge
henden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und ei
ne Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; Bundesgerichtsurteil 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Bundesgerichtsurteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Be
griffes „namhaft" in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG er
hoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender ge
ringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchfüh
rung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Bundesgerichtsurteil 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1
mit Hinwei
sen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu werden, wenn von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte gesundheitli
che Besserung mehr erwartet werden kann (vgl. Bundesgerichtsurteil 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.3) und keine Anhaltspunkte dafür vor
liegen, dass durch allfällige Eingliederungsmassnahmen das der Invaliditätsbe
messung des Unfallversicherers gestützt auf die medizinischen Abklärungen zu
grunde gelegte Invalideneinkommen verbessert und so der die Invalidenrente der Unfallversicherung bestimmende Invaliditätsgrad beeinflusst werden kann (vgl. Bundesgerichtsurteil 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.5).
Taggeld und Heilbehandlung sind solange zu gewähren, wie die prognostizierte Verbesserung noch namhaft ist, unbedeutende Verbesserungen genügen nicht. Die namhafte Verbesserung bezieht sich dabei in erster Linie auf die Verbesse
rung der Arbeitsfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 4.3). Sodann setzt der Abschluss des Falles durch den Unfallversicherer lediglich voraus, dass von weiteren me
dizinischen Massnahmen keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann, nicht aber, dass eine ärztliche Behandlung nicht länger erforderlich ist
(
Bundesgerichts
urteil
8C_691/2013 vom 19. März 2014 E. 7.2).
5.3
Die PMEDA-Gutachter hielten fest, dass spätestens mit dem radiologischen Nachweis der knöchernen Konsolidation der
Ulnaverkürzugsosteotomie
links am 30. Juni 2014 der Endzustand als erreicht anzusehen sei (Urk. 8/77 S. 28, vgl. auch Urk. 8/77 S. 15). Eine Besserung des Defektsyndroms schlossen sie aus, Behandlungsmöglichkeiten mit Besserungserwartungen ebenfalls. Insbe
sondere sahen sie keine Möglichkeiten,
die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf zu verbessern. Eine volle Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit attestierten sie bereits (Urk. 8/77 S. 28). Davon gingen auch die behandelnden Ärzte der Universitätsklinik A._ aus. Sie erachteten die Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit seit 3. September 2013 als voll arbeitsfä
hig (Bericht vom 10. Juni 2015 zu
Handen
der IV-Stelle, Urk. 11/5 S. 3). Im Be
richt vom 21. Mai 2015 wiesen sie darauf hin, dass leichte Beschwerde über dem
Osteosynthesematerial
beklagt würden. Da diese jedoch nicht im Vorder
grund stünden, werde aktuell noch auf eine
Osteosynthesematerialentfernung
verzichtet (Urk. 8/80). Am 2. Juni 2015 unterzog sich die Beschwerdeführerin einer
Magenbypassoperation
. In der Folge verlor sie über 50 kg an Gewicht (Urk. 1 S. 8, Urk. 8/81). Dies führte dazu, dass die Platte im Bereich der
Ulna
zunehmend störte. Insbesondere beim Aufstützen auf den Unterarm traten Schmerzen auf. Mit Operation vom 7. Juni 2016 wurde die Platte entfernt (Urk. 8/82, vgl. auch Urk. 8/81), was zu einer raschen
Beschwerderegredienz
führte (Urk. 8/83).
5.4
Im Zeitpunkt der Einstellung der vorübergehenden Leistungen per 30. Juni 2014 rechnete somit keiner der befassten Ärzte prognostisch mit einer namhaften Besserung aufgrund von weiteren Behandlungen, namentlich nicht mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit. Zwar bestanden leichte Beschwerden aufgrund des
Osteosynthesematerials
. Dessen operative Entfernung war zu jenem Zeit
punkt jedoch nicht indiziert. Eine Operation drängte sich erst als Folge der er
heblichen Gewichtsabnahme nach Einsetzung eines Magenbypasses auf. Der Endzustand ist daher per 30. Juni 2014 als erreicht anzusehen.
Zu diesem Zeitpunkt waren noch Eingliederungsmassnahmen der Invalidenver
sicherung im Sinne von Arbeitsvermittlung am Laufen (Urk. 11/3-5). Eine Ver
besserung des Invalideneinkommens war dadurch nicht zu
erwarten. Die Be
schwerdegegnerin hat daher zu Recht die vorübergehenden Leistungen per 30. Juni 2014 eingestellt und den Rentenanspruch geprüft.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, sie sei nicht
unter Ansetzung einer angemessenen Übergangsfrist
dazu aufgefordert werden
, sich eine Arbeit in einer
ihrem
Leiden angepassten Tätigkeit zu suchen
(Urk. 1 S. 6), trifft dies nicht zu. Sie erhielt im März 2013 eine entsprechende Aufforderung im Rahmen der Eingliederungsberatung der Invalidenversicherung, bei der auch die Be
schwerdegegnerin involviert war (Urk. 11/2 S. 1; vgl. ferner Urk. 8/33 S. 4 f.). Dem leistete sie denn auch Folge.
Im Übrigen ist die im Zusammenhang mit Krankentaggeldern gewährte Anpassungszeit (BGE 114 V 281 E. 5b) im Bereich der Unfallversicherung rechtsprechungsgemäss nicht analog anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 8C_212/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.3).
6.
6.1
Im Weiteren ist zu prüfen, wie sich die eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in erwerblicher Hinsicht auswirkt. Vorzunehmen ist ein Einkommensvergleich (vgl. dazu E. 2.2 hiervor).
6.2
Bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
, also des Einkommens, das die Be
schwerdeführerin ohne Invalidität erzielen könnte, stellte die Beschwerdegegne
rin auf den bei der Spitex Y._ GmbH im Jahr 2011 erzielten Stundenlohn von Fr. 34.-- ab, rechnete diesen auf ein Vollpensum hoch und kam so – ange
passt an die Nominallohnentwicklung – im Jahr 2014 auf Fr. 65'869.-- (Urk. 2 S. 8). Dieses Vorgehen erscheint nicht sachgerecht.
Die Beschwerdeführerin absolvierte im Jahr 2001 eine einjährige Ausbildung zur Pflegeassistentin (Urk. 8/112 Beilage 4). Im Jahr 2002 erzielte sie im Pflege
heim B._ ein Einkommen von Fr. 47'782.-- und von Januar bis September 2003 ein solches von Fr. 37'847.--. Danach hatte sie kurzzeitig eine Stelle in einem anderen Pflegeheim inne. Ab Februar 2005 war sie bei der Stiftung Altersbetreuung C._ angestellt. Im Jahr 2005 verdiente sie Fr. 43'864.-- und im Jahr 2006 Fr. 35'842.--. Von Mai bis Oktober 2007 arbei
tete sie im Kantonsspital D._. Schliesslich trat sie am 10. März 2011
die Stelle als Pflegeassistentin
bei der Spitex Y._ GmbH an
(
Urk. 11/1-2
).
Da die Beschwerdeführerin am 29. Mai 2011 den Unfall erlitt, übte sie diese Tätig
keit nur relativ kurze Zeit aus. Kommt hinzu, dass sie ein sehr schwankendes Pensum von etwa 40 % verrichtete und der Umfang des Arbeitspensums letzt
lich von den einzelnen Einsatzverträgen abhing (vgl. Urk. 8/87, 8/88, 8/107 S. 2). Es rechtfertigt sich daher, das
Valideneinkommen
anhand der Tabellenlöhne der Z._
ischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) zu bestimmen.
Abzustellen ist auf den Lohn für Tätigkeiten im Gesundheits- und Sozialwesen gemäss LSE 2014. Rechtsprechungsgemäss (Bundesgerichtsurteil 8C_504/2014 vom 29. September 2014 E. 7) ist für die Tätigkeit als Pflegeassistentin das Kompetenzniveau 2 anwendbar (respektive das Anforderungsniveau 3 gemäss LSE 2010, welches in etwa dem Kompetenzniveau 2 gemäss LSE 2014 ent
spricht; anders noch Bundesgerichtsurteil 8C_303/2012 vom
6. Dezember 2012 E. 6.1, in welchem auf das Anforderungsniveau 4
gemäss
LSE 2008 abgestellt wurde). Es ergibt sich somit ein
Valideneinkommen
von Fr. 64‘341.60 (Fr. 5‘168.-- [LSE 2014 TA1 Ziff. 86-88, Frauen] x 12 : 40 x 41,5 [
vgl.
Bundes
amt für Statistik
, Tabelle T 03
.02.03.01.04.01 Betriebsübliche Arbeitszeit
nach
Wirtschaftsabteilungen, „Gesundheits- und Sozialwesen“, Jahr 2014, Abschnitt 86-88]).
6.3
Für die Festsetzung des
Erwerbseinkommen
s, das die Beschwerdeführerin
nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men),
ist wiederum auf die Tabellenlöhne respektive auf die LSE 2014 abzustel
len. Aufgrund ihrer Erfahrung im Gesundheitsbereich ist es der Beschwerdefüh
rerin mit Blick auf ihre Schadenminderungspflicht zuzumuten, ihre Restarbeits
fähigkeit in diesem Berufszweig zu verwerten. Soweit die Beschwerdegegnerin sich auf den Standpunkt stellt, aufgrund der Ausbildung und der mehrjährigen Berufserfahrung der Beschwerdeführerin sei auf das Kompetenzniveau 2 abzu
stellen (Urk. 2 S. 9), kann ihr nicht gefolgt werden. Aufgrund des von den Ärz
ten formulierten Zumutbarkeitsprofils sind der Beschwerdeführerin bloss noch Hilfstätigkeiten möglich. Nachdem sie nicht mehr als Pflegeassistentin tätig sein kann, ist nicht ersichtlich, welche Tätigkeit sie im Gesundheitsbereich auszu
üben vermöchte, die der bisherigen gleichwertig ist. In diesem Zusammenhang ist
vorliegend (noch) nicht relevant, dass sich die Beschwerdeführerin zur Zeit auf eigene Kosten zur Arztsekretärin umschulen lässt (vgl. Urk. 11/6 S. 1). Als massgebend erweist sich daher das Kompetenzniveau 1. Damit ergibt sich ein Invalideneinkommen von
Fr. 56‘585.25 (Fr. 4‘545.--
[LSE 2014 TA1
Ziff.
86-88
, Kompetenzniveau 1, Frauen
]
x 12
: 40 x 41,5
)
.
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) al
lenfalls zu kürzen.
Ein Abzug vom Tabellenlohn ist nicht automatisch ange
zeigt, wenn aus gesundheitlichen Gründen keine schwere körperliche Arbeit mehr verrichtet werden kann. Sind nurmehr leichte körperliche Tätigkeiten zu
mutbar, bildet dies vielmehr - grundsätzlich - keinen Anlass für einen zusätzli
che
n leidensbedingten Abzug (Bundesgerichtsurteil
9C_386/2012 vom 1
8.
Sept
ember 2012 E. 5.2 mit Hinweis).
Ist von einem genügend breiten Spek
trum an zumutbaren Verweistätigkeiten auszugehen, können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
16 ATSG) als
ausseror
dentlich
zu bezeichnen sind
(Bundesgerichtsurteil 9C_264/2016 vom 7. Juli 2016 E. 5.2). Da die Beschwerdeführerin für Tätigkeiten
, die vorrangig den Ge
brauch der rechten (dominanten) Hand voraussetzen,
voll arbeitsfähig (Pensum und Rendement 100 %) ist, besteht kein Grund für die Gewährung eines Abzugs von Tabellenlohns.
Bei einem Invalideneinkommen von
Fr.
56‘585.25
resultiert gemessen am
Vaildeneinkommen
von Fr.
64‘341.60
ein Invaliditätsgrad von 12 %. Die Be
schwerde ist daher teilweise
gutzuheissen
mit der Feststellung, dass ab 1. Juli 2014 ein Anspruch auf eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 12 % besteht.
6.4
Die Frage, ob die Beschwerdegegnerin für Heilbehandlungskosten nach dem 30. Juni 2014 einzustehen habe, verneinte diese verfügungsweise. Die Be
schwerdegegnerin verwies auf Art. 21 UVG und die diesbezügliche Rechtspre
chung des Bundesgerichts, wonach Anspruch auf Heilbehandlung nach Errei
chen des medizinischen Endzustandes nur bestehe, wenn die Versicherte An
spruch auf eine Rente habe. Eine weitere ärztliche Behandlung prüfe sie gege
benenfalls als Rückfall/Spätfolge (Urk. 8/109 S. 5).
Betreffend die Kosten für die während des hängigen
Einspracheverfahrens
am 7. Juni 2016 erfolgte
Osteosynthesematerialentfernung
trat die Beschwerdegeg
nerin im angefochtenen
Einspracheentscheid
nicht auf die Einsprache ein, weil es an einem Anfechtungsobjekt fehle (Urk. 2 S. 10 Ziff. 38), was - wie bereits ausgeführt (vorstehend E. 1.2) - von vornherein nicht rechtens ist. Zudem ist aufgrund der
Rentenzusprache
der Anspruch auf Heilbehandlung nunmehr un
ter dem Blickwinkel von Art. 21 Abs. 1 UVG neu zu beurteilen; es rechtfertigt sich daher, die Sache diesbezüglich an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie über den entsprechenden Leistungsanspruch neu befinde.
6.5
Zusammenfassend ist die Beschwerde in Bezug auf den Zeitpunkt der Einstel
lung von Taggeld und Heilbehandlung (30. Juni 2014) abzuweisen. Betreffend den Rentenanspruch ist die Beschwerde hingegen teilweise gutzuheissen und der angefochtene
Einspracheentscheid
(Urk. 2) aufzuheben mit der Feststellung, dass die
Beschwerdeführerin ab 1. Juli 2014 Anspruch hat auf eine Invaliden
rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 12 %. In Bezug auf den Leis
tungsanspruch betreffend die Zeit vom 1. April 2013 bis 30. Juni 2014 wie auch in Bezug auf die während des Rentenbezugs angefallene(n) Heilbehandlung(en) wird die Beschwerde in dem Sinne gutgeheissen, dass die Sache
zu
neuem Ent
scheid über den Leistungsanspruch
an die Beschwerdegegnerin zurück
gewie
sen
wird.
7.
7.1
D
ie Voraussetzungen
zur Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung
ge
mäss
§ 16
des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
sind er
füllt, weshalb in Bewilligung des Gesuchs vom
2
6.
Juni 2017
(Urk. 1 S. 3) der Beschwerdeführerin Rechtsanwältin Renate
Vitelli-Jucker
, Uster, als unentgeltli
che Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren zu bestellen ist.
7.2
Der von Rechtsanwältin Renate
Vitelli-Jucker
gemachte Aufwand von 10.5 Stunde
n
(Urk. 10)
ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht mehr angemessen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass
sie die Beschwerdeführerin schon im verwaltungsrechtlichen Verfahren vertrat und ihr die Akten
somit bekannt waren. Sodann entspricht
die Beschwerdeschrift in weiten
Teilen der Einsprache vom
20. Oktober 2015 (Urk. 8/112). Angesichts der gut 130 Aktenstücke und der 16-seitigen Beschwerdeschrift erscheint ein Ge
samtaufwand von 8 Stunden als angemessen, so dass
bei Anwendung des ge
richtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
und unter Berücksichtigung der weiteren Aufwendungen und Barauslagen (vgl. Urk. 10) die Entschädigung auf Fr. 1‘970.-- festzusetzen ist.
7.3
Die Beschwerdeführerin obsiegt zum weit überwiegenden Teil. Die Beschwerde
gegnerin ist daher zu verpflichten,
der unentgeltlichen Rechtsvertreterin Renate
Vitelli-Jucker
eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 1‘500.-- (inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
Im weitergehenden Umfang ist
die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Be
schwerdeführerin, Rechtsanwältin Renate
Vitelli-Jucker
, mit
Fr. 47
0
.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse
zu entschädigen
.
Die Beschwer
deführerin
ist
au
f § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen,
wonach sie
zur Nachzah
lung der Auslagen für die Vertretung ver
pflichtet werden kann, sofern sie
dazu in der Lage ist.