Decision ID: 6fe59143-c7f1-58f6-86d4-d3e46f3dece9
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess sein Heimatland Syrien eigenen Angaben
zufolge im Herbst 2013. Nach einem zweijährigen Aufenthalt im B._
entschloss er sich zur Weiterreise in die Schweiz, wo er am 7. Oktober
2015 um Asyl nachsuchte. Am 20. April 2016 erfolgte die direkte Anhörung
zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31).
B.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer gel-
tend, die allgemeine Lage in Syrien sei sehr schlecht gewesen. Da er noch
schulpflichtig gewesen sei, habe er den Militärdienst bis (...) 2014 aufschie-
ben können. Trotzdem habe er Angst gehabt, in den Militärdienst eingezo-
gen zu werden. Im (...) 2013 habe er ein Schreiben des Rekrutierungsbü-
ros unterschrieben, wonach er sich straffällig machen würde, wenn er nicht
innerhalb von zwei Monaten nach Ablauf der Verschiebungsfrist im (...)
2014 den Militärdienst antreten würde. Er sei jedoch nie von den syrischen
Militärbehörden oder Sicherheitsdiensten gesucht worden, um den Militär-
dienst anzutreten. Er habe von 2012 bis einen Monat vor seiner Ausreise
wiederholt an Demonstrationen teilgenommen. Etwa zwei Monate vor sei-
ner Ausreise sei er von einem Verkehrspolizisten angehalten und nach sei-
nem Führerschein und Papieren gefragt worden. Nach der Leistung eines
Bestechungsgeldes sei er freigelassen worden. Er fürchte, erwischt und in
den Militärdienst geschickt zu werden, weshalb er sich zum Verlassen sei-
nes Heimatlandes entschlossen habe.
Er reichte dem SEM einen Reisepass, eine Identitätskarte, ein Militärbüch-
lein, ein Schreiben des Rekrutierungsbüros sowie zwei Fotos seiner Schul-
zertifikate zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 10. April 2019 – eröffnet am 12. April 2019 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht
und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung
aus der Schweiz, ordnete aber wegen Unzulässigkeit des Vollzugs der
Wegweisung die vorläufige Aufnahme in der Schweiz an. Zur Begründung
seines Entscheides in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft und die Asyl-
gewährung führte es aus, die geltend gemachten Fluchtgründe würden
teils den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft und teils denjenigen
an die Glaubhaftigkeit nicht standhalten.
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D.
Mit Eingabe vom 13. Mai 2019 reichte der Beschwerdeführer gegen diese
Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und bean-
tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung in den Dispositivziffern
1-3, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, die Gewährung von Asyl
sowie eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft (ohne Asyl-
gewährung: Anmerkung des Gerichts). In verfahrensrechtlicher Hinsicht
wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Beiordnung
des Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsbeistand sowie um Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Auf die Begründung
der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwä-
gungen eingegangen.
Der Beschwerde legte der Beschwerdeführer Unterlagen zu seiner finanzi-
ellen Situation ([...], Lohnabrechnung Februar 2019, Prämienabrechnung
Krankenversicherung [...]) bei.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 16. Mai 2019 hielt die Instruktionsrichterin fest,
der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz
abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwWG – unter Vorbehalt einer nach-
träglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdefüh-
rers – gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das
Gesuch um Gewährung der amtlichen Rechtsverbeiständung wurde eben-
falls gutgeheissen und der bisherige Rechtsvertreter, lic. iur. LL.M. Tarig
Hassan, als Rechtsbeistand eingesetzt.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 22. April 2020 wurde der Beschwerdeführer
unter Fristansetzung aufgefordert, eine weiterhin bestehende prozessuale
Bedürftigkeit zu belegen. Bei ungenutzter Frist werde vom Wegfall der pro-
zessualen Bedürftigkeit ausgegangen.
G.
Mit Schreiben vom 30. April 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um Fris-
terstreckung bis am 15. Mai 2020.
H.
Das Fristverlängerungsgesuch wurde von der Instruktionsrichterin gutge-
heissen. Der Beschwerdeführer äusserte sich innert dieser Frist.
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Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die an-
gefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Inte-
resse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen
der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Wegweisungs-
vollzugshindernisse sind nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz
den Beschwerdeführer wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs
vorläufig aufgenommen hat.
4.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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Seite 5
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die we-
gen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Aus-
druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat be-
stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des
Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG).
5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Die Flüchtlingseigenschaft ist glaubhaft
gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit für gegeben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Glaubhaftma-
chung bedeutet im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweis-
mass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den
Vorbringen. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das
Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend
für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Demgegenüber reicht
es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen
zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche
und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-
stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob
die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len (BVGE 2015/3 E. 6.5.1). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen,
die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüch-
lich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf ge-
fälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3
AsylG).
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Seite 6
6.
6.1 Zur Begründung seines ablehnenden Entscheids führte das SEM aus,
zwar sei nachvollziehbar, dass der lang andauernde Krieg und die
schlechte Lage im Heimatland des Beschwerdeführers zu dessen Ausreise
geführt habe, jedoch stelle dieses Vorbringen keine asylrelevante Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 AsylG dar. Bezüglich der geltend gemachten
Wehrdienstverweigerung sei unter Verweis auf die Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts festzuhalten, dass eine Wehrdienstverweige-
rung oder Desertion die Flüchtlingseigenschaft nicht per se zu begründen
vermöge, sondern nur dann, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von
Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden sei. Im syrischen Kontext ergebe die Quel-
lenanalyse, dass die syrischen Behörden zum heutigen Zeitpunkt nicht al-
len Wehrdienstverweigerern oder Deserteuren eine regierungsfeindliche
Haltung unterstelle. Beim Vorliegen spezifischer politischer Faktoren sei je-
doch davon auszugehen, dass die syrischen Behörden eine Wehrdienst-
verweigerung oder Desertion als Stellungnahme für die Opposition einstu-
fen und entsprechend bestrafen würden. Daraus folge, dass eine Bestra-
fung wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion nur dann aus Grün-
den im Sinne von Art. 3 AsylG erfolge, wenn zusätzliche einzelfallspezifi-
sche Risikofaktoren vorlägen. Im vorliegenden Fall lägen keine einzelfall-
spezifischen Risikofaktoren vor, die ein politisches Profil begründen könn-
ten. Damit würden allfällige Strafmassnahmen infolge seiner Wehrdienst-
verweigerung keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen. Dem-
zufolge sei die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. Es sei jedoch nicht aus-
zuschliessen, dass ihm in Syrien Strafmassnahmen drohen würden, die
gegen Art. 3 EMRK verstossen. Aus diesem Grund sei der Beschwerde-
führer wegen Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung vorläufig auf-
zunehmen. Sodann sei die geltend gemachte Teilnahme an verschiedenen
Demonstrationen als nicht glaubhaft zu werten. Einerseits mache es wenig
Sinn, dass er sich, insbesondere einen Monat vor seiner Ausreise, dazu
entschieden hätte, an Demonstrationen teilzunehmen, zumal er selbst aus-
gesagt habe, grosse Angst zu haben, trotz erfolgter Verschiebung des Mi-
litärdienstes, bei einer Kontrolle festgenommen und in den Militärdienst ge-
schickt zu werden. Umso weniger mache Sinn, dass er sich spontan am
Haus vorbeiziehenden Demonstranten angeschlossen habe. Abgesehen
davon sei er nicht in der Lage gewesen, die Unterschiede zwischen den
Demonstrationen substantiiert zu schildern.
6.2 Auf Beschwerdeebene wird im Wesentlichen an der Glaubhaftigkeit der
gemachten Aussagen festgehalten und unter Verweis auf seine protokol-
lierten Aussagen ausgeführt, entgegen der vorinstanzlichen Einschätzung
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Seite 7
habe er seine Teilnahme an Demonstrationen sehr wohl glaubhaft machen
können. Sodann sei unklar, weshalb es keinen Sinn machen solle, dass er
spontan an einer Demonstration teilgenommen habe, die an seinem Haus
vorbeigezogen sei, was eine Verletzung der Begründungspflicht darstelle.
Ferner sei zu bemerken, dass Übersetzungsprobleme zu gewissen Unklar-
heiten in den Aussagen geführt hätten. So sei der Beschwerdeführer im
Rahmen der Anhörung (Fragen 148 und 149) jeweils nach einer Demons-
tration (singular) gefragt worden. Seine Antworten seien jedoch so proto-
kolliert worden, als ob er im Plural geantwortet hätte. Es sei unklar, ob der
Beschwerdeführer tatsächlich von mehreren Demonstrationen gesprochen
habe. Ebenfalls unklar sei die Bedeutung des Ausdrucks «aufgerufen»
(A10, Frage 158). Ob damit gemeint sei, dass der Beschwerdeführer Pa-
rolen gerufen habe oder dass die Demonstration generell ein Aufruf zur
Absetzung der Regierung sei, bleibe unklar. Die Vorinstanz wäre diesbe-
züglich zwingend gehalten gewesen nachzufragen. Sodann habe das SEM
diverse asylrelevante Fakten, welche von zentraler Bedeutung seien, aus-
ser Acht gelassen. Auch wenn die Teilnahme des Beschwerdeführers an
Demonstrationen als geringe oppositionelle Aktivität zu bezeichnen sei und
im Zeitpunkt der Ausreise nicht zu einer Verfolgung durch die syrischen
Behörden zu führen vermocht habe, könne nicht ausgeschlossen werden,
dass er von syrischen Behördenmitgliedern in ziviler Kleidung oder von In-
formanten des Regimes fotografiert, erkannt oder beobachtet und regis-
triert worden sei, aus welchem Haus er gekommen sei. Bei einer Rückkehr
sei ein Verfahren wegen Dienstverweigerung zu erwarten, wobei seine De-
monstrationsteilnahmen voraussichtlich entdeckt würden. Sodann könne
nicht von fehlender Substanziiertheit seiner Aussagen ausgegangen wer-
den beziehungsweise könne diese zumindest dem Beschwerdeführer nicht
zum Nachteil gereichen, da er bei pflichtgemässem Nachfragen durch die
Vorinstanz bei der Anhörung detailliertere Ausführungen hätte machen
können. Auch betreffend der erwähnten Unklarheiten aufgrund von Über-
setzungsschwierigkeiten habe es die Vorinstanz versäumt nachzufragen,
was dem Beschwerdeführer ebenfalls nicht zur Last gelegt werden könne.
Sodann lägen subjektive Nachfluchtgründe vor. Aufgrund seiner illegalen
Ausreise, der Verweigerung des obligatorischen Militärdienstes, seiner Zu-
gehörigkeit zur kurdischen Ethnie sowie des Umstands, dass (...) Famili-
enmitglieder in Deutschland Asyl erhalten hätten, hätte er bei einer Rück-
kehr mit einem Verhör und mit Verfolgung zu rechnen. Dabei sei zu be-
fürchten, dass die syrischen Sicherheitsbehörden auch auf Gewaltmetho-
den zurückgreifen würden.
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Seite 8
7.
7.1 Die verfahrensrechtlichen Rügen des Beschwerdeführers sind vorab
zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sind, eine Kassation der angefochte-
nen Verfügung zu bewirken.
7.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), das alle Befugnisse umfasst,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu
äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erheblichen Be-
weisanträgen gehört zu werden sowie Einsicht in die Akten zu nehmen. Mit
dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen
tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung ange-
messen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass
die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfech-
ten kann. Die Behörde muss die wesentlichen Überlegungen nennen, von
denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht
erforderlich ist hingegen, dass sich die Begründung mit allen Parteistand-
punkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus-
drücklich erwähnt oder widerlegt. Somit darf sich die Vorinstanz bei der
Begründung der Verfügung auf die für den Entscheid wesentlichen Ge-
sichtspunkte beschränken und ist nicht gehalten, sich ausdrücklich mit je-
der tatbeständlichen Behauptung auseinanderzusetzen (vgl. BGE 136 I
184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b).
7.3 Die Rüge, das SEM habe die Begründungspflicht verletzt, weil aus dem
Entscheid nicht hervorgehe, weshalb es keinen Sinn mache, dass der Be-
schwerdeführer spontan an einer Demonstration teilgenommen habe, die
an seinem Haus vorbeigezogen sei, erweist sich als unbegründet. So hat
das SEM im angefochtenen Entscheid nachvollziehbar dargelegt, weshalb
es seine Schilderungen bezüglich der behaupteten Teilnahmen an De-
monstrationen als unglaubhaft erachtet. Es führte aus, es mache wenig
Sinn, dass er sich, insbesondere einen Monat vor seiner Ausreise, dazu
entschieden hätte, an Demonstrationen teilzunehmen, zumal er selbst ge-
sagt hätte, grosse Angst zu haben, bei einer Kontrolle festgenommen und
in den Militärdienst geschickt zu werden. Basierend auf diesen Erwägun-
gen führte die Vorinstanz weiter aus, dass es umso weniger Sinn mache,
dass er sich spontan Demonstranten, welche an seinem Haus vorbeige-
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Seite 9
gangen seien, angeschlossen hätte. Dass der Beschwerdeführer die An-
sicht des SEM nicht teilt, stellt keine Verletzung der Begründungspflicht dar.
Sodann konnte der Beschwerdeführer seine Asylgründe im Rahmen der
Befragung und der Anhörung umfassend schildern. Er gab zu Protokoll, er
habe alles sagen können und weitere Gründe, die gegen eine Rückkehr
nach Syrien sprechen könnten, lägen nicht vor (vgl. A10/19 S. 16 f.). Zwar
hat sich das SEM in der angefochtenen Verfügung nicht mit jeder Angabe
des Beschwerdeführers einzeln auseinandergesetzt, dies ist aber auch
nicht notwendig. Die Verfügung beinhaltet eine genügend ausführliche Dar-
stellung des Sachverhalts. Aus dem Entscheid wird ersichtlich, von wel-
chen Kriterien sich das SEM hat leiten lassen und weshalb es zum vorlie-
genden Ergebnis gelangte. Die Verfügung konnte sachgerecht angefoch-
ten werden. Dass das SEM nach einer gesamtheitlichen Würdigung der
Parteivorbringen und Beweismittel zu einem anderen Schluss als der Be-
schwerdeführer gelangt ist, stellt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs
dar.
7.4 Der Einwand des Beschwerdeführers wonach es aufgrund von Über-
setzungsschwierigkeiten zu einer weiteren Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs gekommen sei, findet in den Akten ebenfalls keine Stütze. Zwar führte
der Beschwerdeführer zu Beginn der Anhörung aus, das Kurmanci des Dol-
metschers nicht so gut zu verstehen, da dies in seinem Herkunftsort anders
gesprochen werde, erklärte jedoch im Anschluss, den Dolmetscher sehr
gut zu verstehen, wenn dieser langsam spreche (vgl. A10/19 S. 1). Zudem
bestätigte er unterschriftlich, dass ihm das Protokoll in eine ihm verständli-
che Sprache rückübersetzt worden ist, das Protokoll vollständig sei und
seinen freien Äusserungen entspreche (vgl. A10/19. S. 18). Bezeichnen-
derweise sah sich die anwesende Hilfswerkvertretung denn auch nicht zu
Anmerkungen in Bezug auf Übersetzungsschwierigkeiten veranlasst. Aus
dem Protokoll lässt sich ebenfalls nicht schliessen, dass die auf Beschwer-
deebene geltend gemachten Unklarheiten bezüglich einer oder mehrerer
Demonstrationen auf Übersetzungsschwierigkeiten gründen würden, zu-
mal der Beschwerdeführer vorgängig explizit zu Protokoll gegeben hatte,
an mehr als zehn Demonstrationen teilgenommen zu haben, was eine Ant-
wort im Plural erklären dürfte (vgl. A10/19 F145). Insgesamt sind keine Hin-
weise auf Übersetzungsschwierigkeiten ersichtlich, weshalb sich der Be-
schwerdeführer bei seinen gemachten Aussagen und daraus allenfalls re-
sultierenden Unstimmigkeiten behaften zu lassen hat. Es liegen damit
keine Hinweise auf eine Gehörsverletzung vor.
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7.5 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen.
8.
8.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob das SEM die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG gestützt auf die geltend ge-
machten Fluchtgründe zu Recht verneint hat.
8.2 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht
abgelehnt hat. Vorab kann – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden –
auf die Ausführungen des SEM verwiesen werden.
8.3
8.3.1 Die Berufung auf die allgemeine schlechte Lage in Syrien vermag
keine asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AylG darzustellen. Dies-
bezüglich ist auf die nicht zu beanstandenden vorinstanzlichen Erwägun-
gen zu verweisen, zumal auf Beschwerdeebene nichts Substanzielles ent-
gegengehalten wird. In Bezug auf die geltend gemachte Befürchtung, in
den Militärdienst des syrischen Regimes eingezogen zu werden, ist dem
SEM zuzustimmen, dass diese im vorliegenden Fall ebenfalls als nicht
asylrelevant zu werten ist. Eine Rekrutierung in den Militärdienst ist praxis-
gemäss nicht als asylrechtlich relevante Verfolgung zu qualifizieren, denn
beim Militärdienst handelt es sich um eine legitime Bürgerpflicht, die vom
Staat eingefordert werden kann. Darüber hinaus vermag praxisgemäss
auch eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion für sich alleine die
Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen, sondern nur, wenn damit eine
Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist (vgl. BVGE
2015/3 E. 5.9). Im syrischen Kontext wird dies dann angenommen, wenn
die Dienstverweigerung als Ausdruck der Regimefeindlichkeit aufgefasst
wird, das heisst, dass die drohende Strafe nicht allein der Sicherstellung
der Wehrpflicht dienen würde, sondern damit zu rechnen ist, dass der Be-
schwerdeführer als politischer Gegner qualifiziert und als solcher unver-
hältnismässig schwer bestraft würde (a.a.O. E. 6.7.3).
Aus den in der Folge ergangenen nicht publizierten Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts geht hervor, dass bei Wehrdienstverweigerung und
Desertion im syrischen Kontext nur dann eine asylrelevante Strafe zu be-
fürchten ist, wenn zusätzliche exponierende Faktoren gegeben sind. Hin-
D-2294/2019
Seite 11
gegen ist nicht davon auszugehen, dass herkömmlichen Wehrdienstver-
weigerern oder Deserteuren, das heisst solchen, die nicht zusätzlich poli-
tisch exponiert sind, mit genügender Wahrscheinlichkeit eine die Schwelle
der Asylrelevanz erreichende Strafe droht (vgl. statt vieler die Urteile des
BVGer D-3914/2018 vom 19. August 2019 E. 4.2.4, E-3366/2018 vom
4. Juni 2019 E. 6.3.1 und E-5262/2018 vom 19. Dezember 2018 E. 6.1).
Vorliegend führte der Beschwerdeführer aus, lediglich den Wehrdienst auf-
geschoben zu haben beziehungsweise, dass ihm das Gesuch zur Auf-
schiebung des Militärdiensts bewilligt und ihm eine Aufschiebungsfrist bis
zum (...) 2014 eingeräumt worden sei (vgl. A10/19 S. 8). Im Weiteren ver-
neinte er die Frage, ob er jemals, solange er in Syrien gelebt habe, von
syrischen Militärbehörden oder Sicherheitsdiensten gesucht worden sei,
damit er seinen Militärdienst antrete (vgl. A10/19 F92). Den Ausführungen
des Beschwerdeführers ist sodann nicht zu entnehmen, dass nach der ge-
währten Aufschiebung eine behördliche Suche nach ihm erfolgte. Er äus-
serte lediglich eine Vermutung («Es kann sein, dass sie nach mir gesucht
haben» [vgl. A10/19 F98]). Es bestehen keine Anhaltspunkte, dass er poli-
tisch exponiert beziehungsweise vom syrischen Regime als Regimegegner
oder politischer Oppositioneller eingestuft worden ist. Denn wie er selbst
ausführte, habe er zwar an Demonstrationen teilgenommen, indessen
habe er lediglich daran teilgenommen, weil er sich aufgrund von daran teil-
nehmenden Familienmitgliedern und Kollegen habe anschliessen müssen.
An seiner ersten Demonstration im Jahr 2012 habe er teilgenommen, weil
die Demonstranten an ihrem Haus vorbeimarschiert seien und er jung und
heissblütig gewesen sei (vgl. A10/19 S. 15). Selbst wenn der Beschwerde-
führer an einigen Demonstrationen als Mitläufer teilgenommen hat, profi-
lierte er sich damit noch nicht als politischer Oppositioneller. Im vorliegen-
den Fall besteht keine Konstellation besonderer Exponiertheit. Zwar gehört
der Beschwerdeführer der kurdischen Ethnie an, machte aber geltend, in
Syrien keine Probleme mit den Behörden gehabt oder sich politisch betätigt
zu haben beziehungsweise diesen in irgendeiner Weise aufgefallen zu
sein. Mit Blick auf die oben genannte Praxis kann daher nicht mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, der Beschwerde-
führer werde aufgrund seiner Wehrdienstverweigerung durch die staatli-
chen syrischen Sicherheitskräfte als Regimegegner betrachtet und habe
als solcher eine politisch motivierte Bestrafung im Sinne von Art. 3 AsylG
zu befürchten. Er vermag auch mit seinem Hinweis auf Familienangehö-
rige, welche in Deutschland aufgrund ihrer politischen Anschauungen Asyl
erhalten hätten, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, zumal diesbezüglich
jegliche konkrete Ausführungen oder Belege fehlen. Das SEM hat denn der
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Seite 12
zu erwartenden unverhältnismässig hohen Strafe wegen Refraktion im
Rahmen einer drohenden Verletzung von Art. 3 EMRK Rechnung getragen
und den Beschwerdeführer wegen unzulässigem Wegweisungsvollzug
vorläufig aufgenommen.
8.3.2 Weiter äusserte der Beschwerdeführer die Befürchtung, auch von der
YPG (Yekîneyên Parastina Gel; Volksverteidigungseinheiten) rekrutiert zu
werden. Wenn die YPG jemanden erwische, würde sie diesen in den Mili-
tärdienst einziehen (vgl. A10/19 F102). Selbst wenn es sich vorliegend um
eine tatsächliche (Zwangs-)rekrutierung durch die YPG – und nicht um eine
blosse Befürchtung einer solchen – handeln würde, wäre dieses Vorbrin-
gen als nicht asylrelevant zu qualifizieren. Zur Rekrutierung durch die YPG
ist generell auf das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
23. Juni 2015 zu verweisen, in welchem festgehalten wird, dass einer Ver-
weigerung der Rekrutierung durch die YPG grundsätzlich keine Asylrele-
vanz zukommt (vgl. Urteil des BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015
E. 5.3).
8.3.3 Schliesslich ist festzuhalten, dass weder die blosse Tatsache der
Asylgesuchstellung in der Schweiz noch die Zugehörigkeit zur kurdischen
Ethnie zur Annahme führt, dass der Beschwerdeführer bei einer (hypothe-
tischen) Rückkehr in sein Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
eine menschenrechtswidrige Behandlung zu befürchten hätte. Zwar ist auf-
grund der längeren Landesabwesenheit davon auszugehen, dass bei einer
Wiedereinreise nach Syrien eine Befragung durch die heimatlichen Behör-
den stattfinden würde. Da der Beschwerdeführer jedoch keine Vorverfol-
gung erlitten hat und nicht davon auszugehen ist, dass er vor dem Verlas-
sen Syriens als regimefeindliche Personen ins Blickfeld der syrischen Be-
hörden geraten ist, kann mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ausge-
schlossen werden, dass er als staatsgefährdend eingestuft würde, weshalb
die Furcht vor asylrelevanten Massnahmen im Falle einer Rückkehr nicht
begründet ist. Schliesslich werden vom anwaltlich vertretenen Beschwer-
deführer auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür genannt und belegt,
inwiefern er wegen seiner ebenfalls ausgereisten Verwandtschaft begrün-
dete Furcht vor (Reflex-)verfolgung zu gewärtigen hätte.
8.4 Aus den weiteren, im Zusammenhang mit der Bürgerkriegssituation in
Syrien stehenden Vorbringen kann ebenfalls nicht auf eine gezielte indivi-
duelle Verfolgung des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG ge-
schlossen werden.
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Seite 13
8.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine
Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte und deshalb
nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Das SEM hat sein Asylgesuch
somit zu Recht abgelehnt.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Im Sinne einer Klarstellung ist abschliessend festzuhalten, dass sich
aus den vorstehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, der Be-
schwerdeführer sei zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklungen
in Syrien in seinem Heimatstaat nicht gefährdet. Dies stellt – entgegen der
auf Beschwerdeebene vertretenen Meinung – keinen Widerspruch zur Ver-
neinung einer asylrelevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AylG dar
(vgl. E. 8.3). Eine solche Gefährdungslage ist ausschliesslich unter dem
Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AIG einzuordnen, wonach der Vollzug der Weg-
weisung für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar ist, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Syrien
im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG wurde durch das SEM mit der Anordnung
der vorläufigen Aufnahme Rechnung getragen. Die angeordnete vorläufige
Aufnahme des Beschwerdeführenden infolge Unzulässigkeit des Vollzugs
im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG bleibt vom vorliegendem Entscheid unbe-
rührt und tritt mit dem vorliegenden Entscheid formell in Kraft.
10.2 Damit sind die beiden anderen Bedingungen für einen Verzicht auf
den Vollzug der Wegweisung (Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit) wegen
ihrer alternativen Natur – ist eine Bedingung erfüllt, ist der Vollzug der Weg-
weisung undurchführbar – nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2009/51
E. 5.4).
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10.3 Gegen eine allfällige spätere Aufhebung der vorläufigen Aufnahme
würde dem betroffenen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht offenstehen (vgl. Art. 105 AsylG), wobei in je-
nem Verfahren alle Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe
der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse von neuem zu prüfen
sind (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 27 S. 205 ff.).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-
weisen.
12.
12.1 Mit Zwischenverfügung vom 16. Mai 2019 wurde das mit der Be-
schwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gutgeheissen und es wurde auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses (Art. 64 Abs 3 VwVG) verzichtet. Aus den
Akten ergibt sich, dass sich die finanziellen Verhältnisse des Beschwerde-
führers zwischenzeitlich verändert haben könnten. So endete seine (...)
gemäss dem von ihm eingereichten (...) am 31. Juli 2019 und im Zentralen
Migrationssystem (Zemis) ist vermerkt, dass er nach wie vor beim selben
Arbeitgeber tätig ist. Entsprechend wurde der Beschwerdeführer mit Zwi-
schenverfügung vom 22. April 2020 aufgefordert, innert Frist eine weiterhin
bestehende prozessuale Bedürftigkeit zu belegen. Innert erstreckter Frist
reichte er zwei Dokumente – eine Gehaltsabrechnung für den Monat Feb-
ruar 2020 (Bruttogehalt [...]) sowie eine als «Ausgaben (monatlich)» be-
zeichnete Auflistung mit diversen Ausgabenpositionen – zu den Akten. Al-
lerdings hat er es – trotz entsprechender Aufforderung in der Zwischenver-
fügung vom 22. April 2020 – unterlassen, die geltend gemachten Ausgaben
zu belegen. Unter Berücksichtigung des ausgewiesenen Einkommens ge-
lingt es dem alleinstehenden Beschwerdeführer damit nicht, eine weiterhin
bestehende prozessuale Bedürftigkeit zu belegen. Es besteht keine Veran-
lassung, die anwaltlich vertretene Partei (erneut) zur Einreichung weiterer
Belege (vgl. Eingabe vom 15. Mai 2020) aufzufordern. Nach dem Gesag-
ten ist deshalb androhungsgemäss vom Wegfall der prozessualen Bedürf-
tigkeit auszugehen. Die Ziffer 2 des Dispositivs der Instruktionsverfügung
vom 16. Mai 2019 ist somit teilweise in Wiedererwägung zu ziehen und der
Antrag auf Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65
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Abs. 1 VwVG ist mangels prozessualer Bedürftigkeit des Beschwerdefüh-
rers zu widerrufen. Dem Beschwerdeführer sind die Kosten des Verfahrens
von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]) aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).
12.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde ausserdem das Gesuch um
amtliche Verbeiständung gutgeheissen und dem Beschwerdeführer sein
Rechtsvertreter als Rechtsbeistand bestellt. Nachdem ein Widerruf der un-
entgeltlichen Rechtsvertretung nur Wirkung für die Zukunft entfalten kann
(vgl. MARTIN KAYSER/RAHEL ALTMANN, in: Kommentar zum Bundesgesetz
über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2019, Rz. 51 zu Art. 65) und das
Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen wird, erüb-
rigt sich ein solcher Widerruf. Demnach ist ein amtliches Honorar für die
notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Der
amtliche Rechtsbeistand hat keine Kostennote eingereicht. Der Aufwand
lässt sich allerdings aufgrund der Akten zuverlässig abschätzen (Art. 14
Abs. 2 VGKE). In Anwendung der massgeblichen Bemessungsfaktoren
(vgl. Art. 8–11 VGKE) ist das Honorar auf Fr. 1'200.– (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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