Decision ID: 091cc5fc-ce92-4a24-bddf-20ac282f64c7
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1971 geborene
X._
, seit 2015 in Trennung lebend
und Mutter von drei Kindern
(geboren 1988, 1992 und 2011)
,
meldete sich am 7. Dezem
ber 2015 (Urk. 9/6) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leistungsbezug
an. Mit Verfügung vom 7. Juli 2016 (Urk. 9/32) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab. Die dagegen am 2. August 2016 erhobene Beschwerde (Urk. 9/34/3)
hiess
das hiesige Gericht mit Urteil vom 28. März 2017 (Urk. 9/42) gut, wobei
d
i
e genannte
Verfügung
aufgehoben und die Sache zu
r
weiteren Ab
klärung an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde.
In der Folge nahm die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen vor und hielt die Versicherte
am
2. Februar 2018
unter Hinweis auf ihre
Mitwir
kungspflicht an, sich einer
psychotherapeutischen Behandlung
mit wöchent
li
chen Konsultationen
mit
Intensivierung der medikamentösen Therapie
zu unter
ziehen
(Urk. 9/64)
.
Am 14. März 2019 führte die IV-Stelle bei der Versicherten eine Haushaltabklärung durch (Urk. 9/77) und veranlasste bei der MEDAS
Y._
(
M
edas
) eine polydisziplinäre (Allgemeine/Innere Medizin
, Psychiatrie, Rheumatologie) Begutachtung (Expertise vom 24. September 2019, Urk. 9/89/
2-94
).
Mit Vorbescheid vom 15. Januar 2020 (Urk. 9/92) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen die Versi
cherte Einwand (Urk. 9/95,
Urk.
9/98)
erhob
. Am 11. März 2020 verfügte die IV
-Stelle im angekündigten Sinne
(Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 30. April 2020 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 11. März 2020 aufzuheben und es sei ihr ab 1. Juni 2016 eine ganze Rente
respektive
ab Juni 2018 min
destens eine Dreiviertel
s
rente zuzusprechen. In formeller Hinsicht stellte sie das
Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 17. Juni
2020 (Urk. 8) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Be
schwerde, was der Beschwerdeführerin am 22. Juni 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V
09 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell be
weisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE
141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V
51 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete d
ie angefochtene Verfügung vom 11
. März 2020 (Urk. 2) damit, dass die Beschwerdeführerin gemäss
Haushaltabklärung
zu 50 % einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde und keine Ein
schränkung im Haushalt
feststellbar sei
. Aus medizinische
r
Sicht sei eine rezi
divierende depressive Störung beschrieben worden, welche vormals als mittel
gradig bis schwer, aktuell jedoch als unvollständig remittiert oder auf
dysthymen
Niveau eingestuft worden sei. Aus Sicht des Rechtsanwenders könne einer inva
lidenversicherungsrechtlich relevanten gesundheitlichen Einschränkung
nicht
ge
folgt werden. Es liege keine leitliniengerechte Therapie vor, die Therapieopt
io
nen seien nicht ausgeschöpft worden und der kontrollierte Medikamentenspiegel liege unter dem therapeutischen Referenzbereich
.
A
us psychiatrischer Sicht
habe
lediglich eine leichte funktionelle Einschränkung objektiviert werden können und auf der Persönlichkeitsebene lägen keine Gründe vor, weshalb die Beschwerde
führerin keiner beruflichen Tätigkeit nachgehen könnte (S. 2). Ebenso wenig
be
stehe
eine gleichmässige Einschränkung in allen vergleichbaren Lebensbereichen und
die Gründe
, aus welchen die Beschwerdeführerin noch nie im ersten Arbeitsmarkt tätig gewesen sei, seien nicht auf gesundheitliche Faktoren zurück
zuführen. Aus somatischer Sicht bestehe in einer körperlich leichten wechsel
belastenden Tätigkeit
und bezogen auf ein 100 %-Pensum
eine um 10 bis 15 % verminderte Leistungsfähigkeit. Mit einer solchen Einschränkung seien die Vor
aussetzungen
[
der
durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von 40 %
]
während de
s
Wartejahr
s
nicht erfüllt, weshalb das Leistungsbegehren abzuweisen sei (S. 3).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
es
sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
sie
im Gesundheitsfall mindestens seit
Sommer
2016
im
hochprozentigen
Umfang von 75 bis 80 % erwerbstätig wäre.
Im Weiteren
sei bereits
unter Berücksichtigung
der
physischen Beschwerden davon auszugehen, dass die Einschränkung im Haus
haltbereich mindesten
s 50 % betrage (S. 3 ff. Ziff. 3
f.).
Betreffend d
as rheu
matologische
Teilgutachten hielt die Beschwerdeführerin fest, dass
die darin
pos
tulierte
Einschränkung
von 10 bis
15 % in einer
optimal angepassten Tätigkeit
nicht nachvollziehbar sei, da
die von der Lendenwirbelsäule mit
radikulärem
Reizsyndrom ausgehende Schmerzkomponente nicht berücksichtigt
worden sei. Im Weiteren
sei
d
er
Experte
von einer falschen Vorstellung
bezüglich der
zuletzt ausgeübte
n
Tätigkeit
ausgegangen
(S. 7 f. Ziff. 5). Eben
so
wenig überzeuge das
psychiatrische Teilguta
chten, weil der erhobene Befund
in offensichtlichem Wid
er
spruch (unter anderem betreffend Antrieb, Schlafstörungen, Müdigkeit
,
soziales Umfeld
, Überforderung bei der Betreuung des jüngsten Kindes/Haushaltsführung)
zu den Angaben der Beschwerdeführerin und
zur
Aktenlage stehe
. Entsprechen
d erweise sich die gutachterlich attestierte Restarbeitsfähigkeit von 66 % für die Zeit ab 2019 nicht als nachvollziehbar.
Im Weiteren werde im Gutachten nicht dargelegt, i
nwiefern sich der
Gesundheitsz
ustand seit 2018 verbessert habe
n soll
(S. 8 ff. Ziff. 6)
. Schliesslich sei auch die von der Beschwerdegegnerin vorgenom
mene Ressourcenprüfung nicht nachvollziehbar
, da letzte
re auf zahlreichen
aktenwidrigen Annahmen beruhe (S. 10 f. Ziff. 7).
Zusammenfassend sei
ab
März 2018 von einer mindestens 66%igen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten aus
zugehen
. Aufgrund der zahlreichen Einschränkungen für eine angepasste Tätigkeit sei zudem ein Leidensabzug gerechtfertigt. Da
zudem
im Haushalt eine zumindest 50%ige Einschränkung
vorliege
, stehe
ihr
ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente zu (S. 12 Ziff. 8).
2.3
Unbestritten ist, dass im Gesundheitsfall von einer teilweisen erwerblichen Tätig
keit und einer Tätigkeit im Aufgabenbereich auszugehen ist. Strittig ist jedoch, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall einer ausserhäus
lichen Tätigkeit nachgehen würde. Ebenso strittig ist, ob auf die Feststellungen im Haushaltabklärungsbericht und im polydisziplinären
Medas
-Gutachten abge
stellt werden kann, oder ob von weitergehenden Einschränkungen auszugehen ist. Ebenfalls strittig ist die Schlussfolgerung der Beschwerdegegnerin, ein psy
chischer Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei nicht ausgewiesen.
3.
3.1
Anlässlich der Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt vom 14. März 2019 gab die Beschwerdeführerin an, sie erledige den gesamten Haushalt alleine. Die Aufgaben führe sie nicht mehr gleich oft aus wie früher, sie habe aber keine Dritthilfe. Sie benötige für die Aufgaben länger Zeit und sei danach oft erschöpft. Auch die Einkäufe und die Zahlungen auf der Post erledige sie selber. Die Tochter werde zu circa 70
bis 80 % von ihr betreut und den
Rest übernehme der Kindsvater, wobei die Tochter nie beim Vater übernachte (Urk. 9/77 S. 6 ff.).
Von der zuständigen Abklärungsperson wurden gestützt auf die Abklärungen vor Ort keine IV-relevanten Einschränkungen festgestellt (Urk. 9/77 S. 9).
3.2
3.2.1
Die
M
edas
-Gutachter
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin Allgemeine Innere Medizin, Physikalische Medizin und Rehabilitation,
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH
Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, und
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
sowie der ärztliche Leiter Dr. med.
C._
, Facharzt FMH Allgemeine Innere Medizin,
stellten in ihrer interdis
zi
plinären Gesamtbeurteilung vom 24. September 2019 (Urk. 9/89/2-
14) folgende Diagnosen (S. 7 f.):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
rezidivierende depressive Störung
-
vormals als schwer beschrieben, teilweise als mittelgradig
-
jetzt eher als unvollständig remittiert oder auf
dysthymen
Niveau zu beschreiben (ICD-10 F33)
-
Sjö
g
r
en
-Syndrom, ED 05/2017 (ICD-10 M35.0)
-
mit Oligo
-
/Polyarthralgien,
Xerostomie
und
Xerophthalmie
-
Lumboischialgie
links (ICD-10 M54.1)
-
links paramedian gelegene flache Diskushernie L5/S1
-
mögliches
radikuläres
Reizsydnrom
S1 links
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
dysfunktionale Störungsverarbeitung (ICD-10 F54)
-
Morbus Basedow, ED 2011 (ICD-10 E89.0)
-
Status nach Radiojodtherapie,
Thyreostatika
-Therapie
-
aktuell
euthyreot
unter Substitution
-
anamnestisch
Faszi
i
tits
plantaris
(ICD-10 M72.2)
-
in Behandlung mit Stosswellen-Therapie
-
Adipositas Klasse II (BMI 36.6 kg/m2, ICD-10 E66.0)
-
chronischer Husten
-
Differenzialdiagnose bei Reflux, anamnestisch Asthma ausgeschlossen
Die
Medas
-Gutachter hielten
aus
interdisziplinärer
S
icht fest, dass in der bis
herigen Tätigkeit im Haushalt seit 2018 eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Da
ihnen
nur sehr unpräzise Angaben zu
den bisherigen
ausserhäuslichen Tätigkei
ten der Beschwerdeführerin vorlägen (Aushilfe in einer Kinderkrippe, Reinigung) und d
iese nie länger als ein Jahr,
mit einem
maximalen
Pensum von 50 %
und
mindestens teilweise im Rahmen von Sozialhilfeprojekten
ausgeübt worden
seien, seien Angaben zur
retrospektiven und aktuellen
Arbeitsfähigkeit nicht
zuver
lässig möglich. Am ehesten
sei
– analog zur Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit – eine mindestens 66%ige Arbeitsfähigkeit an
zuneh
men
, geltend seit 201
9.
Für das vorgängig ausgeübte 50 %-Pensum würde dadurch keine relevante Einschränkung bestehen.
Für den Zeitraum von 2016 bis Ende 2017 sei von min
destens mittelgradigen respektive mittel- bis
schwergradigen
depressiven Zustän
den auszugehen, so dass
in dieser Zeit
für die Tätigkeit im Haushalt
eine Arbeit
s
fähigkeit von
66 %
und
für
eine ausserhäusliche Täti
gkeit eine Arbeits
fähigkeit
von
33 %
bestehe.
Ab
2018
sei
für die Tätigkeit im Haushalt
von
eine
r
volle
n
Arbeits
fähigkeit,
für eine ausserhäusliche
Tätigkeit
von
eine
r
solche
n
von 50 %
auszu
gehen
(S. 9)
.
In einer angepassten Tätigkeit mit rückenschonenden Anforderungen und S
cho
nung der peripheren Gelenke
und
ohne Bedienung von gefährlichen Maschinen,
erhöhtem
Leistungsdruck
,
besondere Anforderungen an
die Konzentration/
Team
fähigkeit/
Stresstoleranz, besondere
Lärmbelastung/Lichtverhältnisse und ohne ständigen Kundenkontakt/Führungsaufgaben/Schichtarbeit
sowie
mit
der
Mög
lich
keit zu vermehrten Pausen
und mit gut strukturierter Tätigkeit/begrenzter Verantwortung
bestehe seit 2019 eine
A
rbei
tsfähigkeit von mindestens 66 %.
Zwischen 2016 und 2017 sei aus psychischen Gründen lediglich von einer Arbeitsfähigkeit von 33 % auszugehen. Für das Jahr 2018 könne bei einer klaren Besserung mindestens von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden.
Betreffend die
Arbeitsfähigkeit vor 2016 sei
en
aufgrund der Aktenlage
keine Angaben
möglich (S. 10).
3.2
.2
Die
internistische
Medas
-
Expert
in
führte aus, dass in der bisherigen Tätigkeit als Mitarbeiterin
i
n einer Kinderkrippe,
der
Reinigung und
einer
Wäscherei aus internistischer Sicht keine relevante Einschränkung gefunden werden könne. Ebenso wenig liege in der Tätigkeit als Hausfrau eine relevante
Beeinträchtigung
vor. In einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne wesentliche ergonomisch ungünstige
Arbeiten
liege aus internistischer Sicht eine volle Arbeit
sfähigkeit vor (Urk. 9/
89/15-37
S. 21).
3.
2.
3
Der psychiatrische Gutachter
Dr.
B._
hielt fest, dass
aktuell
sicher nicht von einer schweren oder mittelgradigen depressiven Störung auszugehen sei. Aufgrund der Aktenanamnese sei sehr wohl von einer depressiven Störung - möglicherweise vormals
schwergradig
ausgeprägt – auszugehen,
wobei sich der Zustand entsprechend der Bericht
s
lage ab März 2018 wohl verbessert habe und die Störung gegenwärtig als leichtgradig oder im Sinne einer Chronizität als Dysth
ym
ie (ICD-10 F34.1) oder als unvollstän
dig remittiert mit der Restsympt
o
matik einer
Dysthymie
(ICD-10 F33) einzustufen sei
(Urk. 9/40-71 S. 16).
Im Weiteren führte der
Medas
-
Experte aus, dass er die
Typika
für eine Soma
t
i
sierungsstörung/chronische
Schmerzstörung
nicht erkenne, obwohl es durchaus möglich sei, dass mehr Schmerz beklagt werde als somatisch erklärbar sei. Dies sei jedoch im Sinne des Kapitels F5 der ICD-10
(Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren)
zu
interpretieren
, da
k
eine
anhaltende
Multisomatoformität
beschrieben werden könn
e
. Er gehe vom Vorhandensein
somatischer Probleme
aus, es fänden sich jedoch nicht die bunten Beschwer
demuster mit affektgeladene
r Wortwahl und
kein völlig dysfunkt
i
onales typisch
somatoformes Krankheitserleben der Beschwerdeführerin,
sondern eine um die Tochter besorgte Person, welche ihr Kind zur Schule bringe, täglich ein bis zwei Stunden spazieren gehe und nicht ständig «Doktorshopping» betreibe. Für ein Störungsbild nach ICD-10 F45.41
[chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Formen]
bestehe eine zu wenig typische Symptomatik
(S. 17)
.
Bei der Beschwerdeführerin fänden sich ein Vermeidun
gsverhalten, eine Symp
tomausweit
ung, ein ungünstiger psychosozialer Kontext (Migrationshintergrund), eine Absenz vom Arbeitsmarkt
,
psychosoziale Probleme (sprachliche
Schwierig
keiten
,
Nichtzurechtkommen
mit Behörden
) und
teilweise somatisch erklä
rbare Anteile am Schmerzerleben -
aber
eben
auch
n
icht vollständig, teilweise eher ei
n Legitimieren durch Schmerz (zum Beispiel damit die Mutterrolle vol
lständig ausgeübt werden könne,
was absolute Priorität für die Beschwerdeführerin habe, so dass sie gar nicht arbeiten gehen könnte). Da die Beschwerdeführerin in der Schweiz eigentlich nie gearbeitet habe,
seien
ganz erh
ebliche Integrations- und
Dekondit
ionierungseffekte
am Gesamtgeschehen beteiligt, wobei
teilweise
von einem übertriebenen
Schonverhalten auszugehen sei, so dass sie versuche, alles, was für die Tochter erforderlich sei, vorbildlich
abzuleisten
und gleichzeitig den Haushalt
zu
bewältige
n
. Bezüglich des Arbeitsmarktes bestehe dennoch eine subjektive Leistungsinsuffizienz, da sie sich in diesem nie frei habe bewegen können. Ein gewisser Krankheitsgewinn vermöge insofern bestehen, als dass ihr das Vorhandensein von Krankheit
erlaube
, ihre Mutterrolle
so
auszuüben,
wie sie es für erforderlich halte
(
S.
17 f.)
.
Der psychiatrische Experte führte weiter aus, dass die emotionale Belastbarkeit und
die
Frustrationstoler
anz eingeschränkt sein dürften
(S. 19)
.
Im Weiteren
sei die Durchhaltefähigkeit mittelgradig
beeinträchtigt
, dies wohl auch im Rahmen einer
langjährigen Dekonditionierung und
Nonpartizipation
sowie
von Motiva
tionskonflikten (
im Vordergrund stehende
Versorgung der Tochter
)
. Die
Fähig
keiten zur Anpassung an Regeln und Routinen und zur Planung und Struktu
rierung von Aufgaben sowie die
Flexibilität-
,
Umstellungs- und
Gruppen
fähigkeit
seien leichtgradig eingeschränkt, die übrigen Fähigkeiten
(
Anwendung fachlicher
Kompetenzen, Entscheidungs-/Urteilsfähigkeit, Selbstbehauptungs-/Durchset
zungs
fähigkeit, Interaktions-/Kommunikationsfähigkeit, Fähigkeit zu Spontan
aktivitäten/Selbstve
rsorgung und Verkehrsfähigkeit)
seien
demgegenüber
intakt
(S. 23 f.).
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit hielt d
er psych
ia
trische Gutachter
fest,
dass
mit Bezug auf die
Verrichtung
von
Haushaltsarbeiten als
vorherige/
angestammte Tätigkeit
aktuell
keine Einschränkungen
in qualita
tiver und quantitativer Sicht bestünden.
Von
2016 bis Ende 2017 sei
von mittel
gradigen, mittel- bis
schwergradigen
oder gar
schwergradigen
depressiven Zu
ständen auszugehen, so
dass
Einschränkungen
für
diese Periode
auch für
Tätig
keiten im Haushalt
plausibel
anzunehmen seien. Die Einschränkung liege bei
etwa 1/3, was eine Restarbeitsfähigkeit von 66 % ergebe (S. 27 f.).
Im Zusammenhang mit der
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
umschrieb der Gutachter das Belastungsprofil wie folgt: ohne Bedienung gefährlicher Maschinen, ohne besonders hohe Konzentrationsanforderungen, ohne besondere Anforderung
an die Teamfähigkeit
/
Stress
toleranz, ohne besondere Lärmbelas
tung/Lichtverhältniss
e, ohne ständigen Kundenkontakt
/
Führ
ungsaufga
ben/
Schicht
arbeit, mit
der
Möglichkeit zu vermehrten
Pausen
,
mit
gut
er S
truk
turier
ung
,
mit begrenzter Verantwortung.
Ausgehend von einer Arbeitszeit von
8
.4
Stunden pro Tag
respektive einem 100 %-Pensum
liessen sich
keine weiter
gehenden Ei
nschränkungen plausibilisier
en,
weshalb die Beschwerdeführerin zu
mindest
bei einer Präsenz von etwa
2.5
Stunden am Vormittag
und 3
Stunden
am Nachmittag eine entsprechende Leistung
zeigen könnte
. Dies entspreche
einer Arbeitsfähigkeit von 66 %
.
Aufgrund der Aktenlage seien die depressiven Zustände
in den Jahren 2016 und
2017 deutlich stärker ausgeprägt gewesen, so dass
damals
möglicherweise eine Arbeitsfähigkeit von
lediglich
33 %
bestanden habe
.
Im
2018 sei von einer klaren Besserung und somit von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen
, so dass die Beschwerdeführerin in einer ange
passten Tätigkeit vormittags und nachmittags jeweils für zwei Stunden hätte arbeiten können
. Für 2019 gelte s
chliesslich
eine Arbeitsfähigkeit von 66 % (S. 28 f.).
3.
2.
4
Der rheumatologische Gutac
hter
Dr.
A._
(vgl. Urk. 5/89/72-86)
ging da
von aus, dass die Beschwerdeführerin eine
r
den Rücken
und
die
peripheren Gelenke schonende
n
Arbeitstätigkeit von leichter bis mittelschwerer Belastung
und
ohne
erhöhten
Leistungsdruck
in einem Umfang von acht Stunden pro Tag
nachgehen könne,
wobei
im Rahmen der systemischen Grunderkrankung (
Sjögren
-Syndrom)
eine Reduktion der allgemeinen Leistungsfähigkeit um 10 bis 15 % bestehe
. Sinngemäss sei
es
der
Beschwerdeführerin
zumutbar,
d
e
r
zuletzt prak
tizierte
n
Tätigkeit in der Kinderkrippe in vollem Umfang nachzugehen (
damaliger
Beschäftigungsgrad 50 %, S. 12 f.).
4.
4.1
Vorab wird nachfolgend geprüft, ob auf die Feststellungen im
Medas
-Gutachten abgestellt werden kann.
Dabei ist vorwegzuschicken,
dass das
Medas
-Gutachten (Urk. 9/89/2-86) den praxisgemässen An
forderungen an den Beweis
wert einer Expertise entspr
icht
. So ist es für die streitigen Be
lange umfassend,
gibt es
doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitszu
stand de
r
Be
schwerdeführer
in
und der verbleibenden Arbeitsfähigkeit.
Es
beruh
t
sodann auf den notwendigen Untersuchungen in
all
gemein-internistischer, rheumatologischer und
psychiatrischer Fachrichtung. Die Gutachter berücksichtigten detailliert die geklagten Beschwerden und setzten sich damit auseinander (Urk.
9/89/15-
37
S. 15
, S. 20
; Urk. 9/40-71 S. 5
f.
, S. 20
ff.; Urk. 9/89/72-86 S.
7, S. 11 f.)
.
Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben, wobei sich die Gutachter zur Krankheitsent
wick
lung äus
serten und Bezug auf die medizinischen Vorakten nahmen (
Urk. 9/89/15-
37
S. 5 ff.
, S. 20
; Urk. 9/40-71 S. 6, S. 15 f.; Urk. 9/89/72-86 S.
5 f.
). Schliesslich leuchte
t
das
Gutachten in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizini
schen Situation ein.
4.2.
In diesem Sinne stellte die internistische Gutachterin Dr.
Z._
nachvollziehbar fest, dass die Beschwerdeführerin
mangels wesentlicher internistischer Befunde in der angestammten
Tätigkeit
als Wäscherei-/Reinigungsmitarbeiterin voll arbeitsf
ähig sei (Urk. 9/89/15-
37
S. 21).
4.3
4.3.1
In psychiatrischer Hinsicht beschrieb
Gutachter
Dr.
B._
einleuch
tend, dass eine rezidivierende depressive Störung vorliege, welche vormals als
schwergradig
respektive teilweise mittelgradig beschrieben worden sei und aktu
ell als unvollständig remittiert beziehungsweise auf
dysthymen
Niveau einzu
stufen sei. Gestützt darauf attestierte
er
für eine angepasste Tätigkeit
für den Zeitraum von 2016 bis Ende 2017 eine Arbeitsfähigkeit von 33 %, im Jahre 2018 eine solche von 50 % und
ab
2019 eine solche von 66 % (Urk. 9/
89/
40-71 S. 18, S. 28 f
.).
4.3.2
Die Beschwerdeführerin stellte verschiedene Feststellungen und Erkenntnisse des psychiatrischen Teilgutachtens in Frage.
Aus den Beschreibungen des Tagesablaufes - wie sie die Beschwerdeführerin ins
besondere im Rahmen der internistischen und psychiatrischen Untersuchungen (vgl. Urk. 9/89/15-37 S. 17, 9/89/40-71 S. 49) vornahm – sind keine durch
gän
gigen Störungen des Antriebs zu erkennen. Namentlich vermag die Beschwer
deführerin ihren Tag zu strukturieren und die verschiedenen anfallenden Tätig
keiten grundsätzlich rechtzeitig an die Hand zu nehmen. Damit deckt sich auch die psychiatrische Wahrnehmung. Dr.
B._
konnte keine Störungen von Antrieb und Psychomotorik feststellen (S. 12).
Der Einwan
d der Beschwer
deführerin, der vom psychiatrischen Experten erhobene Befund stehe in offen
sichtlichem
Widerspruch zu ihren im Rahmen der Begutachtung gemachten Angaben (vgl. Urk. 1 S. 8 Ziffer 6), trifft nicht zu.
Was die von der Beschwerdeführerin erwähnten Ein-/Durchschlafstörungen und
die
Müdigke
it betrifft (Urk. 1 S. 8 Ziff. 6
), ist zu bemerken, dass
der Gutachter das geklagte nächtliche Erwachen um
jeweils
03.00 Uhr
berücksichtigte
. Eine Müdig
keit in krankheitsrelevanten Ausmass konnte er im Rahmen der Untersuchung nicht feststellen
(Urk. 9/
89/
40-71 S. 12)
.
Die geltend g
emachte Müdigkeit ist nach den g
utachterlichen Feststellungen
zu e
inem grossen Teil auf das
Sjögr
en
-Syndrom zurückzuführen
respektive die Beschwerdeführerin
schrieb
diese
eben
falls
dem
genannte
n
Syndrom
zu
(Urk. 9/89/72-86 S. 11
, Urk. 9/
89/
40-71 S. 5
)
.
Mit Bezug auf
den Einwand
, der psychiatrische Gutachter habe zu Unrecht einen sozialen Rückzug
der Beschwerdeführerin
verneint
(Urk. 1 S. 8 Ziff. 6
)
, ist Folgendes zu bemerken:
Dr.
B._
hielt fest, dass zwar ein sozialer Rückzug bestehe, dieser aber
nicht nur auf die psychische Störung, sondern
auch auf psychosoziale Faktoren
(mangelnde Integration und
mangel
nde
finanzielle Ressourcen)
zurückzuführen sei (Urk. 9/
89/
40-71 S. 25). Im Weiteren hat die Be
schwerdeführerin
gemäss eigenen Angaben
die meisten Kontakte im Nachgang
zur
Ehetrennung abgebrochen, da alle sehr neugierig gewesen seien und sie dies nicht vertragen habe (Urk. 9/89
/15-37
S. 17).
Sie
berichtete zudem
vom Kontakt
zu einigen
B
ekannten und Freunde
n
sowie zu ihren zwei älteren Kindern, dem Ehemann, der Schwiegermutter
und
ihre
n
Geschwister
n
in der Türkei (Urk. 9/
89/
40-71 S. 6
,
S. 8
).
Ins Leere geht sodann der Hinweis der Beschwerdeführerin, wonach entgegen der Auffassung des psychiatrischen Gutachters sehr wohl
Verarmungsgefühle
vorlie
gen würden
(Urk. 1 S. 8 Ziff. 6)
.
Unter einem Verarmungsgefühl wird ein Gefühl oder die (übertriebene, in der Regel unbegründete) Sorge verstanden, von Mittel
losigkeit oder Verelendung bedroht zu sein (Pschyrembel, Psychiatrie, Klinische Psychologie, Psychotherapie, Zürich 2009, S. 869).
Über
die konkrete Ausgestal
tung d
er Verarmungsgefühle schweigt
sich
die Beschwerdeführerin
aus
und
weist lediglich
in pauschaler Weise
auf eine bestehende akute Armut hin, wobei sie sich nicht getraue, diese gross zu thematisieren.
Was schliesslich den Einwand
betrifft
, die
gutachterliche Einschätzung
, wonach die Beschwerdeführerin die Aufgabe als Mutter und die Bewäl
tigung des Haus
halts gut erfüll
en könne, se
i nicht nachvollziehbar (Urk. 1
S. 9), ist Folgendes
zu berücksichtigen
:
Die von der Beschwerdeführerin diesbezüglich aufgeführten Berichte der behandelnden Ärzte datieren vom April und Juni 2016 respektive Februar 2017 (vgl. Urk. 9/25/6-7, Urk. 9/41/3-4
, Urk. 9/35/8-9)
und waren
im
Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchungen im Juni/Juli 2019 (Urk. 9/89/1-14
S. 1) bereits mehr als drei respektive zwei Jahre alt.
Die
im Rahmen der Begut
achtung
erfolgten
in Übereinstimmung mit der in der Haushaltabklärung
erfo
l
g
ten An
gaben der Beschwerdeführerin lassen sodann keine Rückschlüsse
darauf zu, dass sie im
Gutachtungsz
eitpunkt mit der Betreuung der Tochter und der Bewältigung des Haushalts überfordert
war
.
Sie
berichtete vielmehr darüber, dass sie ihre Pflichten als Mutter erfülle und die anfallenden Haushaltarbeiten
zumeist
ohne grosse Probleme erledigen könne, wobei sie
letztere
hin und wieder fraktioniert
durchführen
müsse (Urk. 9/89/72-86 S. 8).
Aus dem Umstand, dass die Beschwer
deführerin im Zusammenhang mit der Betreuung der jüngsten Tochter manchmal auf die Unterstützung von Drittpersonen (beispielsweise Ehemann
, ältere Kinder
) zurückgre
ift oder bei ihrer Psychologin entsprechende Erziehungst
ipps
einholt
, kann entgegen den Vorbringen in der Beschwerdeschrift
(Urk. 1 S. 9)
nicht
ohne Weiteres
auf eine entsprechende psychische Überforderung
respektive
eine
krank
heitsbedingte Selbstunsicherheit
geschlossen werden, da in vielen Haushalten mit Kindern im frühen Primarschulalter eine solche Unterstützung
erfolgt
.
Ebenso wenig überzeugt der Hinweis der Beschwerdeführerin, die von ihr für die Tochter übernommene Verantwortung liege nur in einem kleinen Bereich (
Urk. 1
S. 11), nachdem sie
ausserhalb der Schulzeiten ohne wesentliche Unterstützung von Dritten für die Tochter sorgt
(Urk. 9/89/15-37 S. 16 f., Urk. 9/89/40-71 S. 6)
.
Ebenso
geht der Einwand ins Leere, dass die Selbstbehauptungs- und Durch
setzungsfähigkeit der Beschwerdeführerin allein schon
deshalb krankhaft
einge
schränkt sei, weil sie sich gemäss Hinweisen in den Akten bei ihrer jüngsten Tochter nicht
immer
durch
zu
setzen
vermög
e (
Urk.
1
S. 11).
4.4
4.4.1
Der rheumatologische Gutachter Dr.
A._
diagnostizierte in nachvoll
zieh
barer
Weise ein
Sjögren
-Syndrom sowie eine
Lumboischialgie
links bei links paramedian gelegener flacher
Diskushernie
L5/S1 und möglichem
radikulärem
Reizsyndrom S1 links. Dabei ging
er unter Hinweis auf wenig aktive Arthralgien und
ein
mit hoher Wah
rscheinlichkeit ausschliessbares
radikuläre
s
Ausfallsyn
drom respektive
dem
weitgehend
funktionellen E
rhalt der Kapazität des Achsen
skeletts
von einer Arbeitsfähigkeit von 85 % in
jeglicher
Tätigkeit au
s
(Urk. 9/89/72-86 S. 12
f.
).
4.4.2
Ins Leere geht der Einwand der Beschwerdeführerin, Dr.
A._
habe dem rheumatologischen Beschwerdebild bei seiner Einschätzung nicht genügend Rechnung getragen und das bildgebend nachgewiesene radikuläre Reizsyndrom S1 gänzlich ausser Acht gelassen (Urk.
1 S. 7
Ziff. 5
).
Der rheumatologische Experte
stellte ein
entsprech
endes Reizsyndrom fest
, verwies aber gleichzeitig auf
den weitgehenden Erhalt der funktionellen Kapazität des Achsenskeletts, weshalb
er
auf eine
lediglich
leichtgradige Reduktion der zumutbaren Belastbarkeit
schloss
(
Urk. 9/89/72-86 S. 11).
Was den Hinweis der Beschwerdeführerin angeht, Dr.
A._
sei betreffend die zuletzt ausgeübte Tätigkeit fälschlicherweise von
der Arbeit
als Betreuerin in einer Kinderkrippe ausgegangen (Urk. 1 S. 7 f.
Ziff. 5)
, ist
festzuhalten
, dass seitens des Gutachters berücksichtigt wurde, dass die Beschwerdeführerin in der Reinigung tätig war. So nannte Dr.
A._
als angestammte Tätigkeit die Arbeit als Reinigungsmitarbeiterin und führte als Tätigkeitsprofil die Reinigung der Gruppen- und Küchenräume, die Mithilfe in der Abwaschküche sowie das Waschen der Küchenwäsche auf (Urk. 9/89/72-86 S.
3).
Das
Medas
-Gutachten ist somit insgesamt voll beweistauglich.
5.
5.1
Im Hinblick auf die attestierten psychischen Leiden ist nunmehr zu prüfen
, ob die Ärzte und Ärztinnen
der
Medas
, namentlich Dr.
B._
,
sich im Rahmen ihrer Beurteilungen an die normativen Rahmenbedingungen gehalten haben, und ob und in welchem Umfang die ärztlichen F
eststellungen anhand der rechts
erheblichen Indikatoren
auf eine Arbeits
unfähigkeit schliessen lassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017
vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.4). Es ist somit festzustellen, ob die Arztpersonen ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung
unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nach
vollziehbar begründet haben
(BGE 145 V 361 E. 4.3).
Dabei is
t
ergänzend festzuhalten, dass
psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditätsbegründend
sind
,
nämlich dann und insoweit
sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehen
den Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesund
heitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorgaben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversiche
rungs
rechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszuklammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
5.2
5.2.1
In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Komplex «Gesun
d
heitsschädigung» in psychi
scher Hinsicht als gering ausgeprägt, wobei
als ent
sprechende Auswirkungen
der als unvollständig remittierten respektive auf
dysthy
men
Niveau liegenden depressiven Störung
und der dysfunktionalen Stö
rungsverarbeitung
eine
mittelgradige Beeinträchtigung der Durchhaltefähigkeit und leichtgradige Einschränkungen der Fähigkeiten zur Anpassung an Regeln/
Routinen, zur Planung
/
Strukturierung
von Aufgaben sowie der Flexibilität-/Umstellungs-/Gruppenfähigkeit
geschilde
rt wurde
n
. Der psychiatrische Gutachter führte zudem aus, dass verschiedene psycho
s
oziale Umstände für die Ein
schrän
kung
der Durchhaltefähigkeit mit
verantwortlich seien
(Urk. 9/89/40-71 S. 23
). Die Beschwerdeführerin
wies
im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung
bezüglich der
Frage nach den aktu
ellen Beschwerden gegenüber sämtlichen
Experten
lediglich auf die somatisch bedingten Schmerzen hin und sprach
von sich aus
die psychischen Beschwerden nicht an
. Auch auf die ausdrückliche Frage des psychiatrischen Gutachters nach psychischen Leiden, gab die Beschwerde
führerin keine entsprechenden
Beschwerden an (Urk. 9/89/15-37 S. 15,
Urk. 9/89/40-17 S. 6
,
Urk. 9/89/72-86 S. 7). In somatischer Hinsicht bestehen im
Zusammenha
ng mit dem diagnostizierten
Sjö
g
r
en
-Syndrom wenig aktive Arthral
gien
und
bezüglich der
Lumboischialgie
ist
ungeachtet
de
s
festgestellten radi
ku
lären Reizsyndrom
s
S1 die funktionelle Kapazität des Ac
hsenskelett
s weitgehend erhalten (
Urk. 9/89/72-86
S. 11)
, womit nicht von erheblichen Komorbiditäten auszugehen ist
.
Hinsichtlich des Indikators «Behandlungs- und Eingliederungserfolg» ist zu be
merken, dass sich die Beschwerdeführerin
seit Februar 2012 in psychologischer Behandlung befand, wobei
jedoch
bis
mindestens
April
2
016 lediglich 34
Thera
pies
itzungen durchgeführt wurden
, was einer Therapiefrequenz von durchschnitt
lich acht Sitzungen pro Jahr entspricht
(Urk. 9/25/6-7 S. 2).
Nach Auferlegung einer entsprechenden Schadenminderungspflicht durch die Beschwerdegegnerin (Urk. 9/64)
wurde die psychologische/psychiatrische Behandlung intensiviert. Im Zeitpunkt der
Medas
-Begutachtung fand
en
eine
Psychopharmakobehandlung
sowie eine psychologische (mindestens
2x monatlich
) respektive psychiatrische Therapie (
1x pro Monat
) statt (Urk. 9/89/40-71 S. 7).
Die Beschwerdeführerin gab an,
der behandelnde Psychiater schreibe die Verordnungen für die Medikamente und schaue die
Laborbefunde des Hausarztes an. Im Weiteren erhalte sie dort
auch soziale Unterstützung für bürokratische Angelegenheiten.
Mit der Psy
cho
login spreche sie über Alltagsprobleme sowie die Vergangenheit und erhalte auch Tipps betreffend den Umgang mit der jüngsten Tochter (S. 5, S. 7).
Der psychia
trische
Experte
erachtete die bisherige Therapie der Beschwerdeführerin als nicht lege artis im Sinne der Leitlinien der Fachgesellschaften und die therapeutischen
Optionen
als nicht ausgeschöpft (S. 18, S. 29).
Was der von der Beschwerde
füh
rerin
gemachte Hinweis
betrifft, die RAD-Ärztin
dipl.-med.
D._
, Fachärztin für Innere Medizin/Prävention und Gesundheitswesen
,
sei in ihrer Stellungnahme vom 13. Februar 2019 (
vgl.
Urk. 9/90 S. 5) von einer leitliniengerechten Therapie ausgegangen
(Urk. 1 S. 11)
, ist
darauf hinzuweisen
, dass die RAD-Ärztin
nicht in Psychiatrie spezialisiert ist
und sich zudem ei
nzig zur Einhaltung der Schaden
minderungspflicht äusserte.
5.2.2
Bei den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» ergibt sich Folgendes: Im psychiatrischen Gutachten wurde keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert (Urk. 9/89/40-71 S. 18). Die Beschwerdeführerin
lebt mit ihrer im Jahre 2011 geborenen Tochter zusammen, wobei ab und
zu
auch ihr erwachsener Sohn (geboren 1992) bei ihr übernachte
t
(S. 9). Ihren Tagesablauf schilderte sie wie folgt: Sie stehe 30 Minuten vor ihrer Tochter um 7 Uhr auf und bereite das Frühstück
zu
. Danach bringe sie die Tochter zur Schule. Wenn es ihr gut gehe, erledige
sie
anschliessend
die Einkäufe, gehe aber t
eilweise auch nach Hause
oder nehme Termine wahr. Mittags hole sie die Tochter von der Schule ab
und koche – wenn es ihr gut gehe – ein richtiges Mittagessen, wenn es ihr nicht gut gehe, gebe es Fertigpizza.
An d
rei Nachmittage
n
pro Woche sei die Tochter in der Schule. An den zwei Nachm
ittagen, an denen die Tochter
zu Hause sei, sei die Beschwerdeführerin für sie (die Tochter) da und gehe
mit ihr auch teilweise nach draussen
.
Abends
schaue sie teilweise zusammen mit ihrer Tochter fern, koche ein Abendessen und gehe um zirka 22 Uhr zu Bett, wo sie aber erst um
Mitter
nacht
einschlafen könne.
Die Einkäufe erledi
ge die Beschwerdeführerin selb
st
, wenn möglich zu Fuss, ansonsten per Bus
, wobei sie immer versuche
, sich zu be
wegen
(
Urk. 9/89/15-37
S. 17).
Im Haushalt
erledige
s
ie noch immer die meisten Dinge
,
dies gehe manchmal ohne grosse Probleme, hin und wieder müsse sie die Haushaltsarbeiten aber auch fraktioniert erledigen
.
Sie gehe sodann täglich mehr als
eine Stunde im Wald spazieren (Urk. 9/89/40-71
S. 7,
S. 9 f.; Urk. 9/89/72-86 S. 8
; vgl. auch Urk. 9/77 S. 3 und S. 7
)
.
Die Beschwerdeführerin
gab weiter an
, dass sie keine engen Freunde habe, da sie die meisten Kontakte
nach
der Trennung vom Ehemann abgebrochen
habe
,
weil
die Leute neugierig gewesen seien und sie das nicht vertrage (
Urk. 9/89/15-37 S. 17). Sie habe zwar einige Bekannte und Freunde, aber über die ganz privaten Dinge spreche sie nur mit ihrer Psychologin. Im Weiteren habe sie Kontakt zu ihren älteren Kindern, dem Ehemann, der Schwiegermutter und per Telefon/WhatsApp zu ihren
fünf in der Türkei lebenden
Geschwister
n
(Urk. 9/89/40-71 S. 6, S. 8).
Damit sind weder limitierende Persönlichkeitsmerkmale noch ein ausgeprägter sozialer Rückzug erkennbar und enthält der soziale Lebenskontext bestätigende,
sich potentiell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren.
Die Beschwer
deführerin ist
gemäss dem psychiatrischen Experten
hochmotiviert bezüglich ihrer eigenen Kinder und entwickelt diesb
ezüglich zielgerichtetes Handeln
, Ehr
geiz und
Ausdauer
.
Dr.
B._
wies
zwar
auf einen
sozialen Rü
ckzug der Beschwerdeführerin hin
,
hielt aber gleichzeitig fest, dass dieser nur teilweise psychisch bedingt sei und im Übrigen auf psychosoziale Faktoren (mangelnde finanzielle Mittel und Integr
ation
) zurückzuführen sei. Im Weiteren wies der
psychiatrische
Gutachter auf diverse
im Vordergrund stehende
invaliditätsfremde Faktoren hin, insbesondere
einen fehlenden
Arbeitsplatz,
eine
langjährige Arbeitslosigkeit, schwierige finanzielle Mittel, negative Migrationserfahrung
en
,
eine
mangelnde Integration,
fehlende
Sprachkompetenzen,
ein niedriges Bil
dungsniveau sowie ein
fortgeschrittenes Alter
(Urk. 9/89/40-71
S. 25)
.
5.3
Im Zusammenhang mit der Kategorie «Konsistenz» ist zu bemerken, dass nicht von einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in Be
ruf und
Aufgabenbereich
und
den sonstigen Lebensbereichen auszugehen ist. Die Be
schwerdeführerin
verfügt über eine aktive Tagesgestaltung mit Betreuung der neunjährigen Tochter, Spaziergängen
,
der Besorgung der Einkäufe und des Haus
halts
und dem Wahrnehmen von Terminen
(
vgl. auch
Urk. 9/89/40-71 S.
26).
Diesbezüglich
ist darauf hinzuweisen, dass – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 11) – von einem gleichförmigen Tagesablauf nicht automatisch auf eine fehlende Spontanfähigkeit respektive
eine
krankheitsbe
dingte Einschränkung des Aktivitätenniv
eaus geschlossen werden kann. D
er sich wiederholende Alltag der Beschwerdeführerin
scheint
zu einem wesentlichen Teil auf
die
Tagess
truktur der Tochter
zurückzuführen
zu sein
.
Die Be
schwerdefüh
rerin gab schliesslich an,
in den letzten Jahren
jeweils
nach Griechenland
in die Ferien
gefahren
zu sein und
auch im Jahre der Begutachtung (2019)
dort wieder
um Ferien
machen zu wollen
(
Urk. 9/89/40-71
S. 9
).
Zum Aspekt
des Leidensdruckes
ergibt sich, dass die
Intensivierung der psychia
trisch/psychologischen Behandlung erst nach der Auferlegung der Schadenmin
derungspflicht erfolgt ist und
damit nicht einfach nur Ausdruck eines erheblichen Leidensdrucks war (v
gl. BGE 141 V 281 E. 4.4.2). Die therapeutischen Optionen hinsichtlich des psychischen Leidens sind bislang nicht ausgeschöpft (Urk.
9/89/40-71 S. 18). Im Rahmen der Begutachtung war das Antidepressivum sodann deutlich unterhalb des Referenzbereiches nachweisbar (Urk. 9/89/40-71 S. 52). Eingliederungsmassnahmen wurden nicht durchgeführt. Ein erheblicher Leidensdruck im Hinblick auf die psychischen Leiden ist damit nicht ausgewiesen.
5.4
In Anbetracht der wenig ausgeprägten Befunde, der vorhandenen Ressourcen und des recht hohen Aktivitätenniveaus im privaten Lebensbereich
und des nur gering
ausgeprägten Leidensdruckes lässt sich in psy
chi
scher Hinsicht keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
erkenn
en.
Zudem liegen sich auswirkende psychosoziale
Faktor
en vor.
Dr.
B._
hielt nur fest, es seien keine Gründe zu erkennen, weshalb die Versicherte im Rahmen einer leidensangepassten Tätigkeit nicht 5.5 Stunden anwesend sein und eine entsprechende Leistung zeigen könne. Weshalb über
haupt von einer Einschränkung auszugehen ist, wurde demgegenüber in diesem Zusammenhang nicht näher begründet (Urk. 9/89/40-71 S. 28 f.). Angesichts dessen und bei fehlenden oder (im Wesentlichen) nur leichtgradigen Funktions
einschränkungen und vom Gutachter angegebenen relevanten psychosozialen Umständen erweist sich die gutachterlich attestierte teilweise Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar begründet.
A
us rechtli
cher Sicht
ist
– in Abweichung zur gut
achterlichen Beurteilung durch Dr.
B._
– keine invalidenver
siche
rungs
rechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
auszumachen
.
5.5
Dies gilt auch für die Zeit vor der Begutachtung im Juni/Juli 2019. Zwar ist anzunehmen, dass die diagnoserelevanten Befunde zeitweise erheblicher ausge
prägt gewesen waren. Jedoch war es der
Beschwerdeführerin
auch dannzumal und durchgängig möglich gewesen, die Selbstfürsorge und diejenige der Tochter auf
rechtzuerhalten sowie den Alltag ohne wesentliche Hilfe zu bewältigen (vgl. den Bericht von Dr. med.
E._
, Arzt für Allgemeine Medizin, und der dele
gierten Psychotherapeutin
F._
vom 27. November 2018, Urk. 9/74/7; vgl. auch Urk. 9/34/28, 9/41/4, 9/75/4). Von einer Ausschöpfung der Therapie
optionen war zu keinem Zeitpunkt auszugehen und ein diesbezüglich erheblicher Leidensdruck nie ausgewiesen. Nach der Intensivierung der Therapie ab März 2018 aufgrund der auferlegten Schadenminderungspflicht konnten Dr.
E._
und Psychotherapeutin
F._
am 27. November 2018 denn auch von einer Verbesserung berichten (Urk.
9/74/8). Zudem bestanden neben der Tren
nung vom Ehemann im Jahr 2015 zusätz
liche psychosoziale Belastungen
wie mangelnde Integration, schwierige wirtschaftliche Lage, langjährige Dekonditio
nie
rung (kein Arbeitsplatz) und Motivationskonflikte (Versorgung der Tochter im Vordergrund; vgl. Urk. 9/89/40-71 S. 24 f.). Auch gemäss
Medas
-Gutachten ist von einer nur möglicherweise früher
schwergradig
ausgeprägten depressiven Symptomatik auszugehen (vgl. Urk. 9/89/2-14 S. 8, S. 10, Urk. 9/89/40-71 S. 16). Eine längerdauernde relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Erwerb oder Aufgabenbereich aus psychischer Sicht ist im Lichte der massgeblichen Indikatoren nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt.
6.
6.1
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
ben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent
gelt
lichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 31. Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125 V
146; vgl. Art. 27 und 27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]
in der seit dem 1. Januar 2018 geltenden Fassung und Übergangsbestimmung zur Änderung der IVV, in Kraft seit 1. Januar 2018) wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (vgl. Art. 27
IVV) ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungs
ver
gleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbsbereich praxisgemäss berücksichtigt wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teilerwerbstätigkeit erzielen würde. Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbs
täti
gen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (Art. 27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach Art. 16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3 lit. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3 lit. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden
wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäf
tigungsgrad nach Absatz 3 lit. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (Art. 27
bis
Abs. 4 IVV).
6.2
6.2.1
Im Hinblick auf die Bemessung des Invaliditätsgrades ist vorerst festzulegen, von welchem Anteil der Erwerbsarbeit und der Tätigkeit im Aufgabenbereich auszu
gehen ist.
Dies
beurteilt sich dana
ch, was die versicherte Person
bei im Übrigen unver
änderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde
. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der ver
si
cherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in wel
chem
Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsauf
gaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Aus
bildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwal
tungs
verfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungs
recht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3 S. 30 mit Hinweisen).
6.2.2
Der von der Beschwerdeführerin beschwerdeweise geltend gemachten erheblichen Erwerbstätigkeit (mindestens 80 %, vgl. Urk. 1 S. 4) liegt im Wesentlichen ihre Auskunft anlässlich der "Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt" vom 14. März 2019 zugrunde, wonach sie bei guter Ge
sund
heit einer Erwerbstätigkeit von 80-100 % nachgehen würde (Urk. 9/77 S. 4). Beschwerdeweise wurde zudem geltend gemacht, sie, die sozialhilfeabhängig sei, wäre spätestens mit Eintritt ihrer jüngsten Tochter in den Kindergarten seitens der Sozialhilfebehörden zurück in den Arbeitsprozess und zur Ausübung einer hochprozentigen Erwerbstätigkeit gedrängt worden (Urk. 1 S. 4).
Gemäss den soweit unbestritten gebliebenen Angaben im Abklärungsbericht reiste die Beschwerdeführerin 2007 in die Schweiz ein. Seit Beginn des Auf
enthalts in der Schweiz bestand eine Sozialhilfeabhängigkeit. Nach der Einreise war die Beschwerdeführerin in zwei Integrationsmassnahmen der Stadt
G._
ausserhäuslich mit einem Pensum von 50 % tätig. 2011 wurde ihre jüngste Tochter geboren. Danach wurden keine Arbeitsbemühungen mehr unternommen. Beim bis 2015 (eventuell bis 2016, vgl. Urk. 9/34/28) absolvierten Deutschkurs
waren viele Fehlstunden zu verzeichnen. Die im Zeitpunkt der Abklärung vor Ort bald achtjährige Tochter wird eng betreut (Urk. 9/77 S. 3 ff.).
Eigene Anstrengungen oder ein Interesse eine Arbeitsstelle zu finden oder sich auf eine Integration in den Arbeitsprozess (weiter) vorzubereiten oder auch nur ein Interesse, mittel- oder langfristig finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, ist aus diesen Umständen und den im Rahmen der Abklärung erfolgten Angaben nicht zu erkennen. Auch der Eintritt der Tochter in den Kindergarten und ins
besondere die Schule hatte nicht dazu geführt, dass die Beschwerdeführerin sich auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben auch nur – etwa mittels eines erneuten Deutschkurses – vorzubereiten begann, wobei dafür nicht allein gesundheitliche Gründe verantwortlich gemacht werden können. Zudem ist der Beschwerde
füh
rerin eine enge Begleitung ihrer Tochter äusserst wichtig. Dass es der Sozial
behörde somit gelungen wäre, die Beschwerdeführerin zur Ausübung einer 50 % übersteigenden Erwerbstätigkeit zu bringen, ist unwahrscheinlich. Die vorin
stanz
liche Feststellung einer Erwerbstätigkeit von 50 % im Gesundheitsfall ist unter diesen Umständen nicht zu beanstanden.
6.3
Die allein zu berücksichtigenden somatisch begründeten Einschränkungen führen dazu, dass es selbst bei optimal angepassten Tätigkeiten und bei Annahme eines 100 %-Pensums zu einer Reduktion der Leistungsfähigkeit um 10-15 % kommt (Urk. 9/89/72-86 S. 13; vgl. auch Urk. 9/89/15-37 S. 35).
Im Haushalt ist nach den übereinstimmenden Angaben im Abklärungsbericht und im
Medas
-Gutachten von keinen relevanten somatisch begründeten Einschrän
kungen auszugehen (vgl. Urk. 9/77). Da die Beschwerdeführerin die verschie
de
nen Arbeiten im Haushalt zudem unbestrittenermassen grösstenteils selbst erle
digt und die Wohnung in einem tadellosen Zustand angetroffen wurde (Urk. 9/77 S. 7) ist nicht nachvollziehbar, weshalb die von der Beschwerdeführerin ange
gebene Einschränkung von pauschal 50 % bestehen sollte (vgl. Urk. 1 S. 6).
Die medizinischen Gutachter hielten jedoch ergänzend fest, die Arbeiten im Haushalt und die Erwerbsarbeit sollten ein 100 %-Pensum nicht übersteigen (Urk. 9/89/15-37 S. 22, 9/89/72-86 S. 14). Bei einem Anteil der Erwerbstätigkeit und der Haushaltarbeit von je 50 % ist nicht anzunehmen, dass diese maximale Belastung überschritten würde (vgl. den ähnlich gelagerten Fall: Urteil des Bundesgerichts 8C_793/2017 vom 8. Mai 2018 E. 7.5). Die Gutachter, die aufgrund des Vorliegens des entsprechenden Abklärungsberichts von der Auftei
lung von je 50 % Kenntnis hatten, hielten ein Überschreiten der maximalen Belastungsgrenze auch nicht fest. Würde die Beschwerdegegnerin einer ausser
häuslichen Tätigkeit nachgehen, so würden zudem vermutungsweise verschie
dene Arbeiten im Haushalt zumindest teilweise entfallen. Nach der Rechtspre
chung (zur bis 31. Dezember 2017 massgeblich gewesenen Regelung, vgl. E. 6.1) können gesundheitliche Auswirkungen vom Erwerbs- in den Haushaltbereich zudem nur angenommen werden, wenn die verbleibende Arbeitsfähigkeit im erwerblichen Tätigkeitsgebiet voll ausgenützt wird, das heisst der – für den Ge
sundheitsfall geltende – Erwerbsanteil die Arbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich übersteigt oder mit dieser identisch ist (BGE 134 V 9 E. 7.3.3). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Zusammenfassend ist anzunehmen, dass im Haushaltbereich von keinen Einschränkungen auszugehen ist.
6.4
Im Rahmen des vorzunehmenden Prozentvergleichs kann bei der lediglich im Erwerbsbereich anzunehmenden Einschränkung weder in der bis 31. Dezember 2017 massgeblich gewesenen noch nach der aktuellen gesetzlichen Regelung ein rentenbegründender Invaliditätsgrad entstehen. Es bestehen – selbst bei Vor
nahme eines leidensbedingten Abzugs von 25 %, der gänzlich unbegründet ist, Invaliditätsgrade unter 40 %, nämlich von 12.5 % (bis 31. Dezember 2017; Invalideneinkommen von 37.5 [50 x 0.75], Valideneinkommen von 50 = Invalidi
tätsgrad von 25 %; gewichtet x 0.5) und 18 % (ab 1. Januar 2018; Invaliden
einkommen von 63.75 % [85 x 0.75], Valideneinkommen von 100 = Invaliditätsgrad von 36.25 %; gewichtet x 0.5).
Die Beschwerde ist abzuweisen.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das
Verfahren entgegen Art. 61 lit. a
ATSG kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.--
anzusetzen
. Die Kosten sind
der
Beschwerdeführerin
aufzu
er
legen.
7.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeistän
dung notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Da der vorliegende Prozess nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet werden kann und die Beschwerdeführerin bedürftig ist (Urk. 7/1), ist ihr antrags
gemäss (Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Die der Beschwerdeführerin auferlegten Gerichtskosten
von Fr. 8
00.--
sind demnach einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Weil
zudem die anwaltliche Verbeiständung notwendig ist, ist
Rechtsanwältin lic. iur. Ursula
Sintzel
, Zürich, als unentgeltliche Rechtsvertreter
in
der Bes
chwerde
führerin zu bestellen. Nach Einsicht in die Kostennote vom 9. Juli 2020 (Urk. 12) ist Rechtsanwältin
Sintzel
mi
t Fr. 1'490.15 zu entschädigen
.
Die Beschwerdeführerin wird auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (GSVGer) aufmerksam gemacht.