Decision ID: aa090d43-b2e8-444f-af34-9349b890303c
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Kläger,
vertreten durch Rechtsanwältin Karin Herzog, M.A. HSG in Law, GN Rechtsanwälte,
St. Leonhard-Strasse 20, Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
AXA Versicherungen AG, General Guisan-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur,
Beklagte,
betreffend
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Taggeldleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als selbständiger Zahnarzt tätig und bei der AXA Versicherungen AG
(nachfolgend: AXA) im Rahmen einer Kollektiv-Krankentaggeldversicherung nach
Versicherungsvertragsgesetz (VVG; SR 221.229.1) versichert. Am 27. September 2010
liess der Versicherte der AXA im Rahmen einer Krankenmeldung ein ärztliches Zeugnis
seines Hausarztes, Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin vom
24. September 2010 einreichen. Darin attestierte dieser ihm eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit als Zahnarzt ab dem 27. September 2010 (act. G 7.1/A1, M1). Die
AXA erbrachte die vertraglichen Taggeldleistungen (vgl. act. G 7.1/A5).
A.b Im Verlaufsbericht vom 25. Oktober 2010 führte Dr. B._ aus, es bestehe ein
essentieller Tremor, der altersbedingt deutlich zugenommen habe. Als Zahnarzt sei der
Versicherte dauerhaft zu 100% arbeitsunfähig. In einer anderen Tätigkeit ohne
feinmotorische Arbeiten sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit möglich. Mit einer
Besserung sei nicht zu rechnen (act. G 7.1/M3, vgl. auch den Untersuchungsbericht
von Dr. med. C._, Fachärztin FMH für Neurologie act. G 7.1/M2).
A.c Im Rahmen der Abklärungen der IV-Stelle des Kantons St. Gallen wurde der Ver
sicherte am 20. Januar 2011 vom IV-internen Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
untersucht. Im Bericht vom 25. Januar 2011 führte der zuständige RAD-Arzt aus,
aufgrund des essentiellen Tremors bestehe seit dem 27. September 2010 eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als Zahnarzt. Für eine medizinisch
beratende, gutachterliche Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Ob diese auf
dem freien Arbeitsmarkt auch unter Berücksichtigung des Alters des Versicherten und
der angebotenen Stellen verwertbar sei, sei fraglich (act. G 7.1/A27).
A.d Am 17. Juni 2011 erfolgte eine Besprechung der AXA mit dem Eingliederungsbüro
D._ GmbH, das den Versicherten im Auftrag der IV-Stelle bei der beruflichen
Wiedereingliederung unterstützte (vgl. den Assessmentbericht vom 13. April 2011, act.
G 7.1/A26). Mit Schreiben vom 20. Juni 2011 teilte die AXA dem Versicherten mit, wie
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anlässlich des Gespräches vom 17. Juni 2011 vereinbart, werde sie für die Dauer von
sechs Monaten ab 1. Juli bis 31. Dezember 2011 die Taggeldleistungen im bisherigen
Rahmen von 100% erbringen (act. G 7.1/A14; vgl. betreffend die berufliche
Eingliederung die Telefonnotizen vom 15. und 18. April 2011, act. G 7.1/A10 f.).
A.e Im Verlaufsbericht vom 22. Juni 2011 führte Dr. B._ aus, es hätten sich keine
entscheidenden Änderungen ergeben. Der Versicherte sei als Zahnarzt nach wie vor zu
100% arbeitsunfähig (act. G 7.1/M4).
A.f Am 5. Dezember 2011 fand eine persönliche Besprechung zwischen der AXA und
dem Versicherten statt. Im entsprechenden Gesprächsprotokoll vom 14. Dezember
2011 wurde festgehalten, die Wiedereingliederung werde durch das Alter des
Versicherten und die spezialisierte Tätigkeit als Zahnarzt erschwert. Auch bestünden in
einer angepassten Tätigkeit (z.B. Beratungs- und Lehrtätigkeit) keine eigentlichen
Vollzeitstellen auf dem allgemeinen Schweizer Arbeitsmarkt und Teilzeitstellen oft nur in
einem sehr kleinen Pensum. Unter Berücksichtigung und Würdigung sämtlicher
Umstände würden weiterhin Taggelder erbracht. Es sei davon auszugehen, dass das
Einkommen des Versicherten als Selbständigerwerbender im Gesundheitsfall gemäss
den IK-Auszügen ca. Fr. 120'000.-- betragen hätte und in einer optimal angepassten
Tätigkeit ein Einkommen von Fr. 60'000.-- erwirtschaftet werden könnte. Es bestehe
somit mindestens eine weitergehende Arbeitsunfähigkeit von 50%. Unter zusätzlicher
Berücksichtigung der erschwerenden Faktoren sowie der Schadenminderungspflicht
des Versicherten werde ab 1. Januar 2012 von einer 75%igen Arbeitsunfähigkeit bis
längstens 25. September 2012 (700 Tage) ausgegangen (act. G 7.1/A16, vgl. auch das
Schreiben der AXA vom
16. Dezember 2011, act. G 1/7).
A.g Im März 2012 schloss die D._ GmbH die Eingliederungsbemühungen ab (vgl.
den Schlussbericht vom 7. März 2012, IV-act. 55-3).
B.
B.a Mit Verfügung vom 9. Juli 2012 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des
Versicherten bei einem nicht rentenbegründenden IV-Grad von 34% ab (act. G 7.1/
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A28). Die dagegen am 5. September 2012 erhobene Beschwerde hiess das
Versicherungsgericht mit Entscheid vom 3. Dezember 2013 (IV 2012/324) unter
Aufhebung der angefochtenen Verfügung gut und sprach dem Beschwerdeführer eine
ganze Rente ab 1. September 2011 zu. Der Entscheid erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
B.b Mit Schreiben vom 28. September 2012 machte der damalige Rechtsvertreter des
Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Gallen, geltend, die AXA
habe in der Besprechung vom 5. Dezember 2011 eigenmächtig beschlossen, die
Taggeldleistungen ab 1. Januar 2012 auf der Grundlage eines
Arbeitsunfähigkeitsgrades von 75% zu erbringen. Eine nachvollziehbare Begründung
für die Leistungskürzung liege bis anhin nicht vor und sei nicht ersichtlich. Auch habe
sich der Versicherte mit einer solchen nicht einverstanden erklärt. Zwar treffe es zu,
dass den Versicherten nach Ablauf einer längeren Dauer der Arbeitsunfähigkeit
insoweit eine Schadenminderungspflicht treffe, als er nach einer Übergangsfrist eine
angepasste Tätigkeit annehmen müsse. Aufgrund der professionellen Unterstützung
durch die Eingliederungsberatung der IV-Stelle stehe allerdings fest, dass der
Versicherte alles ihm nur erdenklich Mögliche und Zumutbare unternommen habe, um
so rasch als möglich eine angepasste Erwerbstätigkeit zu finden, was ihm trotz
intensiven Bewerbungsbemühungen bis heute nicht gelungen sei. Unter diesen
Umständen habe die AXA auf die Verhältnisse des konkreten Arbeitsmarktes
abzustellen. Der Rechtsvertreter ersuchte die AXA, die noch offenen Taggeldleistungen
(269 Tage x Fr. 102.75/Tag) zu erbringen (act. G 7.1/A20).
B.c Am 26. Oktober 2012 nahm die AXA zum Schreiben des Rechtsvertreters vom 28.
September 2012 dahingehend Stellung, dass sie auf Ziff. C2 Abs. 3 ihrer Allgemeinen
Vertragsbedingungen (AVB, Kollektive Krankentaggeldversicherung für das Personal,
Ausgabe Juli 2006; act. G 7.1/A25) verwies, gemäss welcher das Taggeld "ab Beginn
der Auszahlung einer IV-Rente maximal dem Erwerbsunfähigkeitsgrad des IV-
Entscheides" entspreche. Sie führte aus, mit Blick auf den zwischenzeitlich ergangenen
IV-Entscheid wäre ab dem 1. September 2011 nur ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 34%
massgebend gewesen und eine entsprechende Reduktion der Taggelder hätte bereits
zu diesem Zeitpunkt erfolgen können (act. G 7.1/A23).
C.
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C.a Am 22. November 2012 erhob der Rechtsvertreter beim Versicherungsgericht
Klage gegen die AXA und beantragte, die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger den
Betrag von Fr. 27'639.75 nebst Zins zu 5% seit 22. November 2012 zu bezahlen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten (act. G 1).
C.b In der Klageantwort vom 7. März 2013 beantragte die Beklagte die Abweisung der
Klage, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Klägers (act. G 7).
C.c Mit Replik vom 22. April 2013 (act. G 10) und Duplik vom 16. August 2013 (act.
G 17) bestätigten die Parteien ihre Standpunkte.
C.d Das Versicherungsgericht zog die Akten der Invalidenversicherung betreffend
Verfahren IV 2012/324 bei (act. G 19). Die Parteien nahmen dazu mit Eingaben vom
5. Februar (act. G 22) und 10. März 2014 (act. G 26) Stellung.
C.e Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften wird - soweit

erforderlich - in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
1.1 Das vorliegende Verfahren beschlägt Leistungen aus einer Zusatzversicherung zur
sozialen Krankenversicherung. Gemäss Ziff. F7 der Allgemeinen AVB der Beklagten
kann die versicherte Person an ihrem schweizerischen Wohnort Klage erheben. Der
Kläger hat seinen Wohnsitz in E._, womit die örtliche Zuständigkeit des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen gegeben ist. Das Versicherungsgericht
entscheidet gemäss Art. 9 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen
Zivilprozessordnung (EG-ZPO; sGS 961.2) in Verbindung mit Art. 7 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) als einzige kantonale Instanz über
Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem
Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10). Somit ist auch die
sachliche Zuständigkeit gegeben. Entsprechend ist auf die Klage einzutreten.
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1.2 Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss Art.
12 Abs. 2 und 3 KVG dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG; SR 221.229.1).
Streitigkeiten aus solchen Versicherungen sind privatrechtlicher Natur (BGE 133 III 439
E. 2.1). Nach Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO gilt für vermögensrechtliche Streitigkeiten aus
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach KVG ohne Rücksicht auf
den Streitwert das vereinfachte Verfahren, wobei gemäss Art. 219 ZPO die
Bestimmungen über das ordentliche Verfahren sinngemäss gelten (vgl. Christoph
Leuenberger/Beatrice Uffer-Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern 2010,
N 11.154, N 11.157). Da der Kläger anwaltlich und die Beklagte durch Mitarbeitende im
eigenen Rechtsdienst vertreten ist und der Kläger in der begründeten Klageschrift die
Tatsachenbehauptungen hinreichend substantiiert vorgebracht hat, hat die
Verfahrensleitung anstelle einer mündlichen Verhandlung einen doppelten
Schriftenwechsel angeordnet (vgl. Art. 246 Abs. 2 ZPO).
1.3 Das Gericht stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 247 Abs. 2 lit. a
ZPO; Untersuchungsgrundsatz). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast
im Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen mithin eine
Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten
jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten
wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst dann Platz, wenn es sich als unmöglich
erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung
einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (vgl. BGE 115 V 133 E. 8a).
2.
2.1 Die Beklagte hat unstreitig bis am 31. Dezember 2011 auf Basis einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit Taggeldleistungen in Höhe von Fr. 410.95 (Jahreslohn Fr. 150'000.--,
vgl. act. G 7.1/A1) erbracht. Für die Zeit vom 1. Januar bis zum Ablauf der
Berechtigung zum Bezug von Krankentaggeldern am 25. September 2012 erbrachte
sie die Taggeldleistungen nur noch auf Basis eines Arbeitsunfähigkeitsgrades von 75%
(vgl. act. G 7.1/A14). Streitig und zu prüfen ist somit, ob die Beklagte die
Taggeldleistungen per 1. Januar 2012 auf 75% herabsetzen durfte oder ob sie dem
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Kläger das volle Taggeld und damit den eingeklagten Betrag von Fr. 27'639.75 (269
Tage x Fr. 102.75; act. G 1, Ziff. 28) schuldet.
2.2 Nach Ziff. C1 Abs. 1 der AVB hat der Versicherte Anspruch auf Leistungen, wenn
er nach ärztlicher Feststellung zu mindestens 25% arbeitsunfähig ist. Arbeitsunfähigkeit
wird gemäss Ziff. B4 Abs. 1 AVB definiert als eine ärztlich attestierte durch eine
Krankheit bedingte Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabengebiet zumutbare
Arbeit zu leisten. Berücksichtigt wird dabei auch die zumutbare Tätigkeit in einem
anderen Beruf oder Aufgabengebiet (act. G 7.1/A25). Steht fest, dass die versicherte
Person unter dem Blickwinkel der Schadenminderungspflicht gemäss Art. 61 VVG
einen Berufswechsel vorzunehmen hat, so hat der Versicherungsträger sie dazu
aufzufordern und ihr zur Anpassung an die veränderten Verhältnisse sowie zur
Stellensuche eine angemessene Übergangsfrist einzuräumen, während welcher das
bisherige Taggeld geschuldet bleibt (Urteil des Bundesgerichts 8C_173/2008, E. 2.3
mit weiteren Hinweisen; vgl. zur Frage nach der Anwendbarkeit von Art. 61 VVG für die
Taggeldversicherung BGE 133 III 531, E. 3.2.1, sowie die Urteile des Bundesgerichts
vom 14. November 2012, 4A_304/2012, E. 2.2 [publiziert: BGE 138 III 799; ohne die
entsprechende E.], und vom 31. Januar 2013, 4A_529/2012, E. 2.3, je mit Hinweisen).
2.3 Hinsichtlich der Frage nach der Arbeitsunfähigkeit des Klägers ist vorab darauf
hinzuweisen, dass das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen dem Kläger mit
Entscheid IV 2012/324 vom 3. Dezember 2013, welcher unangefochten in Rechtskraft
erwachsen ist, mit Wirkung ab 1. September 2011 eine ganze Invalidenrente
zugesprochen hat.
2.3.1 Im entsprechenden Entscheid wurde festgehalten, dass der Kläger in der
angestammten Tätigkeit als Zahnarzt zu 100% arbeitsunfähig sei (E. 2.1). Dies wird
vorliegend von den Parteien denn auch nicht bestritten. Zur Frage der Verwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit in einer adaptierten Gutachter- oder Beratungstätigkeit im
medizinischen Bereich führte das Gericht aus, es gelte zu beachten, dass der Kläger
lediglich im Bereich der Zahnmedizin als Gutachter/Berater arbeiten könnte und in
diesem Bereich keine Nachfrage nach vollzeitlich oder in grossem Teilpensum tätigen
Gutachtern bzw. Beratern bestehen dürfte. Das Gericht erachtete es als nicht
realistisch, dass der Kläger als nicht mehr praktizierender Zahnarzt eine entsprechende
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Stelle finde, zumal entsprechende Vermittlungsbemühungen denn auch erfolglos
geblieben seien. Hinzu komme, dass eine Gutachter- bzw. Beratertätigkeit gelegentlich
auch eigene Untersuchungen erfordere und dem Kläger solche durch den Tremor
kaum mehr möglich seien. Vor diesem Hintergrund sei es dem Kläger nicht möglich,
seine Restarbeitsfähigkeit als Gutachter oder Berater zu verwerten (E. 2.2.2). Im
Zusammenhang mit einer möglichen Tätigkeit als (Berufsschul-)Lehrer hielt das Gericht
fest, der Kläger verfüge nicht über die vorausgesetzten Diplome, wie beispielsweise
das höhere Lehramt oder eine Ausbildung als Berufsfachschullehrperson. Eine solche
Ausbildung werde aber offensichtlich regelmässig verlangt, wie die aktenkundigen
Bewerbungsabsagen verdeutlichen würden. Da eine Umschulung aufgrund des Alters
des Klägers unbestrittenermassen nicht verhältnismässig wäre, sei auch eine
Verwertung der Restarbeitsfähigkeit als Lehrer zu verneinen (E. 2.2.3). Schliesslich
führte das Gericht zur Frage einer möglichen Tätigkeit als Verkäufer oder
Aussendienstmitarbeiter aus, wie aus den Bewerbungsunterlagen hervorgehe, fehle es
dem Kläger an der für eine Tätigkeit im Aussendienst erforderlichen Erfahrung. Dass
der Kläger entsprechend gegenüber dem Coaching-Büro bezüglich seiner Eignung für
eine solche Tätigkeit Bedenken geäussert hatte und daraufhin die Möglichkeit eines
Einsatzes bei der F._ AG nicht weiter verfolgt worden war (vgl. dazu E. 2.2.4), kann
dem Kläger vorliegend nicht zum Vorwurf gemacht werden. Eine andere, konkrete
Stelle im Verkaufsbereich oder Aussendienst hatte der Kläger darüber hinaus gar nie in
Aussicht.
2.3.2 Das Gericht ging im entsprechenden Entscheid IV 2012/324 schliesslich
davon aus, dass dem Kläger lediglich adaptierte Hilfsarbeiten im Dienstleistungssektor
zumutbar seien; dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Kläger als Zahnarzt
in diesem Sektor tätig gewesen sei, sowie auch in Anbetracht der Tatsache, dass er
eine solche Tätigkeit (Schulbuschauffeur im ca. 40%-Pensum) im Frühjahr 2012
tatsächlich aufgenommen habe (E. 2.3). Die im vorliegenden Verfahren vorgebrachte
Argumentation der Beklagten, dem Kläger sei eine qualifizierte Verweistätigkeit (als
Gutachter/Berater, Lehrer oder Verkäufer im zahnmedizinischen Bereich) zumutbar und
auch möglich (vgl. act. G 7, S. 6), vermag daher mit Blick auf die Erwägungen im
Entscheid IV 2012/324 vom 3. Dezember 2013 nicht zur überzeugen.
3.
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3.1 Unstreitig ist, dass sich der Kläger, mit professioneller Unterstützung der
D._ GmbH, während rund eines Jahres (erfolglos) darum bemühte, eine qualifizierte
Arbeit zu finden. Wie in vorstehender Erwägung 2.2 dargelegt, durfte die Beklagte vom
Kläger grundsätzlich verlangen, dass sich dieser eine angepasste Tätigkeit suche.
Vorliegend geht aus den Akten jedoch nicht hervor, dass die Beklagte – im Gegensatz
zur erläuterten gerichtlichen Würdigung – eine andere angepasste Arbeit als die
vorgeschlagenen qualifizierten Tätigkeiten im medizinischen Bereich als zumutbar und
möglich erachtete; sie machte dies sodann auch im vorliegenden Klageverfahren an
keiner Stelle geltend. Bereits vor diesem Hintergrund ist die Kürzung der
Taggeldleistungen nicht überzeugend begründet.
3.2 Würde man der Beklagten entgegen dieser Aktenlage unterstellen, sie hätte dem
Kläger im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht auch die Aufnahme einer
Hilfsarbeit zugemutet, würde sich die Frage stellen, ab wann sich dieser um solche
Hilfsarbeitertätigkeiten hätte bemühen müssen.
3.2.1 Die Beklagte machte den Kläger erstmals im Schreiben vom 20. Juni 2011
darauf aufmerksam, dass er im Sinne des Gebots der Schadenminderung alles ihm
Zumutbare unternehmen müsse, um die erwerblichen Folgen seines
Gesundheitsschadens bestmöglich zu mildern. In diesem Rahmen wies sie den Kläger
darauf hin, dass für die Dauer von sechs Monaten, ab 1. Juli bis 31. Dezember 2011,
weiterhin die Taggeldleistungen im bisherigen Rahmen erbracht und per 1. Januar
2012 dem Erwerbsunfähigkeitsgrad gemäss IV-Entscheid angepasst würden.
Betreffend Schadenminderungspflicht führte sie lediglich aus, dass dem Kläger die
"Wiedereingliederung ins Berufsleben" zumutbar sei, konkretisierte dies jedoch nicht
weiter und zeigte auch nicht auf, um welche Tätigkeiten sich der Kläger zu bemühen
habe. Sie hielt diesbezüglich einzig fest, dass er bei seinen Bemühungen von der D._
GmbH intensiv unterstützt werde (act. G 7.1/A14). Auch geht weder aus dem
Besprechungsprotokoll vom 14. Dezember 2011 (act. G 7.1/A16) noch aus anderen
Aktennotizen (act. G 7.1/A10 f.) hervor, dass die Beklagte vom Kläger erwartet
geschweige denn ihn aufgefordert hätte, seine Wiedereingliederungsbemühungen auf
Hilfsarbeitertätigkeiten auszudehnen.
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3.2.2 Vor diesem Hintergrund erscheint es als nicht zumutbar, dass sich der
Kläger nebst den professionellen Eingliederungsbemühungen selbstständig um eine
Hilfstätigkeit bemühen musste; er durfte darauf vertrauen, dass er seiner
Schadenminderungspflicht mit den entsprechenden Bemühungen um qualifizierte
Arbeit genügend nachkam. Aufgrund der Tatsache, dass die Aufnahme einer Hilfsarbeit
während der ganzen Dauer des Wiedereingliederungsversuchs mit Hilfe des
professionellen Coaching-Büros sowie auch anschliessend seitens der Beklagten nie
thematisiert worden war, kann im Nachhinein nicht konstatiert werden, der Kläger hätte
nach Abschluss der professionellen Eingliederungsbemühungen (vgl. IV-act. 55-3) ab
April 2012 von sich aus eine Hilfsarbeit suchen müssen. Wie in Erwägung 2.2
dargelegt, hätte die Beklagte den Kläger dazu auffordern müssen, sich nun um eine
solche Tätigkeit zu bemühen. Dafür hätte sie ihm eine angemessene Übergangsfrist
setzen müssen, während welcher weiterhin ungekürzte Taggeldleistungen geschuldet
gewesen wären. Da es notorisch ist, dass Stellensuchende mit zunehmendem Alter
erschwert vermittelbar sind, ist ihnen mehr Zeit zur Stellensuche zuzubilligen.
Vorliegend wäre beim im April 2012 über 60-jährig gewesenen Kläger eine
Übergangsfrist von sechs Monaten angemessen gewesen.
3.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Kläger davon ausgehen durfte, dass
er seiner Schadenminderungspflicht durch die professionellen, von der
Invalidenversicherung unterstützten Eingliederungsbemühungen genüge getan hat.
Nach Abschluss dieser Bemühungen hätte die Beklagte den Kläger im April 2012 unter
Ansetzung einer angemessenen Übergangsfrist von sechs Monaten dazu auffordern
müssen, sich eine Hilfsarbeitertätigkeit zu suchen, was nicht geschehen ist. Der Kläger
hatte damit bis zum Ablauf der Berechtigung zum Taggeld-Bezug im September 2012
Anspruch auf ungekürzte Taggeldleistungen.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Klage gutzuheissen und die
Beklagte zu verpflichten, dem Kläger vom 1. Januar 2012 bis zum Ablauf der
Berechtigung zum Bezug von Krankentaggeldern am 25. September 2012 (269 Tage)
die im Ausmass von 25% bisher noch nicht ausgerichteten Taggelder (entsprechend
Fr. 102.75), also insgesamt Fr. 27'639.75 zu bezahlen. Gemäss Art. 100 VVG in
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Verbindung mit Art. 104 Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR; SR 220]) hat
die Beklagte bei Verzug Verzugszinsen zu 5% pro Jahr zu bezahlen. Geldforderungen
sind in der Mahnung in der Regel zu beziffern (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai
2003, 4C.22/2003, E. 3.2.2). Vorliegend ist keine Mahnung mit Bezifferung eines
Betrages aktenkundig. Unter diesen Umständen sind – wie beantragt – ab Datum der
Klageeinreichung (22. November 2012) 5% Verzugszinsen zu entrichten.
4.2 Gerichtskosten sind keine aufzuerlegen (Art. 114 lit. e ZPO).
4.3 Die Parteientschädigung spricht das Gericht nach den kantonalen Tarifen zu (Art.
105 Abs. 2 i.V.m. Art. 96 ZPO). Das mittlere Honorar im Zivilprozess beträgt nach Art.
14 Abs. 1 lit. c der st. gallischen Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) Fr. 1'850.-- bei einem Streitwert von Fr. 20'000.--
bis Fr. 50'000.-- zuzüglich 12.3% des Streitwerts. Bei einem Streitwert von
Fr. 27'639.75 resultiert damit eine Parteientschädigung von Fr. 5'249.70 (Fr. 1'850.-- +
12.3% von Fr. 27'639.75). Da das Versicherungsgericht in Streitigkeiten betreffend die
Krankenzusatzversicherung anstelle des Kantonsgerichts als erste Instanz im Sinne
von Art. 15 HonO entscheidet, ist die Parteientschädigung um einen Fünftel zu
erhöhen, womit sich der Betrag von Fr. 6'299.65 ergibt. Zuzüglich Barauslagen von Fr.
252.00 (4% gemäss Art. 28 Abs. 1 HonO) sowie der Mehrwertsteuer von Fr. 524.15
(8% von Fr. 6'551.65) hat die Beklagte den Kläger mit insgesamt Fr. 7'075.80 zu
entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht