Decision ID: 7871b15f-a954-555b-a660-dcaad3e66cfc
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 24. September 2012 bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 65). Gestützt auf ein polydisziplinäres Gutachten des
Zentrums für Medizinische Begutachtung Basel (ZMB) vom 21. Januar 2014 (Dr.med.
B._, Innere Medizin, Dr.med. C._, Neurologie, Dr.med. D._, Rheumatologie,
Dr.med. E._, Psychiatrie; IV-act. 103) wies die IV-Stelle das Rentengesuch mit
Verfügung vom 1. Mai 2014 ab (IV-act. 117).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 1. Mai 2014 liess die Versicherte am 27. Mai 2014
Beschwerde erheben und beantragte deren Aufhebung und die Zusprache einer
Invalidenrente (Verfahren IV 2014/284, act. G 1).
B.b Mit Entscheid vom 9. Dezember 2016 (IV 2014/284) hiess das
Versicherungsgericht die Beschwerde gut, hob die angefochtene Verfügung auf und
sprach der Versicherten mit Wirkung ab 1. August 2013 eine ganze und ab 1. März
2014 eine halbe Rente zu.
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B.c Mit Urteil vom 28. Mai 2018 hiess das Bundesgericht eine Beschwerde der IV-
Stelle teilweise gut, hob den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 9. Dezember
2016 auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung an dieses zurück (Verfahren
8C_33/2017). Es erwog, aufgrund des Gutachtens vom 21. Januar 2014 blieben
verschiedene Aspekte, welche zur Vornahme einer Indikatorenprüfung geklärt sein
müssten, vage oder offen. Es sei deshalb notwendig, ein neues Gutachten einzuholen,
welches den Anforderungen von BGE 141 V 281 entspreche (E. 5.2.1 f.).
C.
C.a Das Versicherungsgericht gewährt den Parteien am 12. Juni 2018 das rechtliche
Gehör zur vorgesehenen neurologischen, rheumatologischen und psychiatrischen
Begutachtung bei der asim Begutachtung, Universitätsspital Basel, und zu den
beabsichtigten Gutachterfragen (act. G 3). Nachdem sich die Beschwerdeführerin am
25. Juni 2018 einverstanden erklärt (act. G 4) und die Beschwerdegegnerin sich nicht
vernehmen lässt, beauftragt das Versicherungsgericht am 11. Juli 2018 die asim
Begutachtung (act. G 5).
C.b Die Experten (Dr.med. F._, Innere Medizin FMH; Dr.med. G._, Fachärztin für
Neurologie; Dr.med. H._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie [und FMH
Neurologie]; Dr.med. I._, FMH Rheumatologie [und FMH Innere Medizin])
diagnostizieren im Gutachten vom 21. Dezember 2018 (act. G 8) als Erkrankungen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (1.) eine schwere Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren bei einfach strukturierter Persönlichkeit (ICD-10: F45.41), (2.)
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10:
F33.1), (3.) eine Angststörung, am ehesten generalisiert (ICD-10: F41.1) sowie (4.) ein
chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom linksbetont mit/bei radikulärem Reiz-
und sensiblem Ausfallsyndrom S1 links, Status nach Fenestration LWK5/SWK1 links,
Sequestrektomie und Nukleotomie am 13. Februar 2009 bei klinisch aktuell mässiger,
allseitiger, schmerzhafter Einschränkung der LWS-Beweglichkeit, bildgebend aktuell
leichter funktionell stabiler Retrolisthese von L4 zu L5, Osteochondrose L5/S1, residuell
epiduralem Narbengewebe um S1 links, medianem Bandscheibenprolaps L4/5 mit
Wurzelkontakt L5 beidseits, Bandscheibenprotrusionen median L3 - S1, rechts mit
rezessalem Wurzelkontakt L5 und S1 und tieflumbalen Facettengelenksarthrosen (act.
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G 8, Hauptgutachten S. 14). Die ganze Beschwerdesymptomatik sei hochgradig durch
die psychische Fehlverarbeitung (schwere Schmerzstörung) überlagert und geprägt.
Entsprechend sei die psychiatrische Einschätzung führend für die Beurteilung der
zumutbaren Gesamt-Arbeitsfähigkeit (act. G 8, Hauptgutachten S. 15). Aus
psychiatrischer Sicht bestehe derzeit und seit September 2012 keine Arbeitsfähigkeit
auf dem freien Arbeitsmarkt (act. G 8, Hauptgutachten S. 16 f.).
C.c Das Versicherungsgericht eröffnet den Parteien am 3. Januar 2019 Frist zur
Stellungnahme zum Gerichtsgutachten (act. G 9). Die Beschwerdeführerin verzichtet
am 15. Januar 2019 auf eine Stellungnahme (act. G 10). Gestützt auf Stellungnahmen
der RAD-Ärzte Dr.med. J._, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin FMH,
und Dr.med. K._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 8./11.
Januar 2019 (act. G 11.1) lässt sich die Beschwerdegegnerin am 15. Januar 2019
vernehmen, auf das Gerichtsgutachten könne abgestellt werden (act. G 11).

Erwägungen
1.
1.1 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
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8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und
vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch
unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte
Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der
Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE
141 V 281 und BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und
erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
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Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Die Rechtsprechung hat
es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die
Beweiswürdigung aufzustellen. So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nicht
ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab (BGE
125 V 352 f. E. 3 b aa).
2.
2.1 Die von den Gerichtsgutachtern attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % wurde
von der Beschwerdegegnerin ausdrücklich anerkannt (Stellungnahme vom 15. Januar
2019 (act. G 11). RAD-Arzt Dr. J._ führte in seiner Stellungnahme vom 8. Januar 2019
aus, das rheumatologische Gutachten sei von sehr guter Qualität. Organische Anteile
würden von nicht-organisch-strukturellen Anteilen auf hohem Niveau abgegrenzt und
das ausgeprägte Schmerzgebaren und diskrepante Verhaltensweisen würden sehr gut
herausgearbeitet. Auch das neurologische Gutachten sei nachvollziehbar. Zum
vorliegend interdisziplinär wesentlichen psychiatrischen Teilgutachten hielt RAD-Arzt
Dr. K._ am 11. Januar 2019 fest, dieses entspreche formal und inhaltlich den zu
erwartenden Konventionen. Die Schlussfolgerungen im psychiatrischen Teilgutachten
respektive polydisziplinär seien plausibel und nachvollziehbar (act. G 11.1).
2.2 Die Gutachter haben geklagte Beschwerden und die medizinische Aktenlage
vollständig berücksichtigt. In somatischer Hinsicht diagnostizierten bereits die
Gutachter des ZMB ein chronisches lumboradikuläres Schmerzsyndrom S1 links bei
Status nach Discushernienoperation L5/S1 links 2009 mit sensiblem Ausfall im
Dermatom S1 links und schätzten die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit mit
50 % ein (IV-act. 103-34). Die Gerichtsgutachter führten aus, insgesamt ergäben sich
gegenüber früheren muskuloskelettären Beurteilungen grundsätzlich keine neuen
diagnostischen Aspekte. Es bestehe vom Verlauf her eine konstante deutliche
radikuläre Symptomatik. Der Gesamtzustand habe sich aufgrund der klinischen
Untersuchung und der neusten Bildgebung insgesamt muskuloskelettär kaum
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signifikant verändert. Die aus neurologischer Sicht verbleibende Arbeitsfähigkeit
schätzten die Gerichtsgutachter mit 50 % gleich ein wie die Vorgutachter (vgl. act. G 8,
Hauptgutachten S. 15; neurologisches Teilgutachten, S. 13; rheumatologisch bestehe
eine Arbeitsfähigkeit 60 %-70 %; rheumatisches Gutachten, S. 16).
2.3 Die vom psychiatrischen Vorgutachten, welches noch eine 50 % ige
Arbeitsfähigkeit attestierte (IV-act. 103-30), abweichende Beurteilung der
interdisziplinär massgeblichen psychiatrischen Arbeitsfähigkeit gründet auf einer
Würdigung nach den für das strukturierte Beweisverfahren massgeblichen Indikatoren.
So führten die Gutachter aus, der Schweregrad des Leidens sei isoliert
muskuloskelettär als mittelschwer anzunehmen. Es bestünden geringe Ressourcen
zum Schmerz-Coping (geringer Ausbildungsstand, geringe Ressourcen für ein
adäquates Krankheitsverständnis; vgl. dazu act. G 8, rheumatisches Teilgutachten, S.
14). Im psychiatrischen Teilgutachten wurde ausgeführt, zusammenfassend bestehe
ein schweres, komplexes, komorbides psychiatrisches Krankheitsbild, wobei die
Schmerzstörung führend sei. Es bestünden ungünstige Wechselwirkungen der drei
psychischen Erkrankungen untereinander, die Schmerzzustände mündeten in schwere
Angstattacken mit vegetativer Beteiligung. Für die Vermittlung psychosomatischer
Zusammenhänge reichten die kognitiven Voraussetzungen und das Bildungsniveau
nicht aus. Somit stelle sich das mittlerweile chronifizierte Krankheitsbild derzeit als
kaum überwindbar dar. Durch die unvorhersehbar einschiessenden Schmerzen und
Entwicklung der Anspannungszustände mit Angst, psychomotorischer Unruhe und
Agitiertheit seien insbesondere die Fähigkeit, sich an Regeln und Routinen anzupassen,
sich umzustellen, die Durchhaltefähigkeit und die Kommunikationsfähigkeit
einschliesslich Gruppenfähigkeit deutlich gestört. Die Beschwerdeführerin verfüge über
wenig Ressourcen. Hier spielten die einfach strukturierte Persönlichkeit sowie ein tiefes
Bildungsniveau eine ungünstige Rolle. Die Unterstützung durch die Familie stelle eine
Ressource dar (vgl. dazu act. G 8, psychiatrisches Gutachten, S. 12 f.). Die Gutachter
prüften und würdigten sodann die Konsistenz. Eine umschriebene Zuordnung der
geschilderten Beschwerden zu den entsprechenden Schmerzregionen und teilweise
eine Nachvollziehbarkeit der Beschwerdesymptomatik angesichts von Akten und
Bildgebung sei möglich gewesen. Im Untersuchungsverlauf sei ein hoch auffälliges
Verhalten mit Weinen, Hyperventilieren, Schreien, nicht nachvollziehbarer Gestik, mit
selbstlimitierendem Verhalten im Gesamtbild nicht nachvollziehbar. Das Ausmass an
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Leidenspräsentation stehe insgesamt im Einklang mit der geschilderten Einschränkung
im Alltag und mit dem Fehlen strukturierter Aktivitäten, wie dies schon früher
aufgefallen sei. Die angegebene Aktivitäts- und Partizipationseinbusse könne isoliert
muskuloskelettär im geltend gemachten Ausmass nicht nachvollzogen werden (vgl.
dazu act. G 8, rheumatisches Gutachten S. 15). Es fielen eine stark appellativ wirkende
Beschwerdepräsentation und ein ausgeprägtes Schonverhalten auf. Dies sei jedoch
nicht als Hinweis auf eine eingeschränkte Beschwerdevalidität zu deuten, sondern
entspreche einerseits dem Bestreben der Beschwerdeführerin, ihr Leiden in den
Vordergrund des Gesprächs zu stellen, andererseits sei ihr eine differenzierte
Wahrnehmung der Symptome im Rahmen der einfachen Persönlichkeitsstruktur nicht
möglich. Bezüglich der Medikamenteneinnahme könne nicht sicher auf eine
Compliance geschlossen werden (vgl. dazu act. G 8, Hauptgutachten S. 17).
2.4 Zusammenfassend erscheint aufgrund der Schwere der Beeinträchtigungen und
der geringen Ressourcen die psychiatrischerseits attestierte Arbeitsunfähigkeit
nachvollziehbar und schlüssig. Es ist somit auf das Gutachten abzustellen und ab
September 2012 von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
3.
Die Beschwerdegegnerin hatte mit Verfügung vom 15. Februar 2010 ein erstes
Leistungsgesuch abgewiesen, da die Beschwerdeführerin in adaptierter Tätigkeit voll
arbeitsfähig sei (IV-act. 50). Eine dagegen erhobene Beschwerde hatte das
Versicherungsgericht mit Entscheid vom 4. April 2011 abgewiesen (IV 2010/96). Es
hatte insbesondere einen befristeten Rentenanspruch verneint, da das Wartejahr vor
Ablauf eines Jahres wesentlich unterbrochen worden sei (IV-act. 63-9, E. 5.3). Da somit
bei Ablauf des Wartejahres keine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % mehr
bestand, liegt mit der Wiederanmeldung vom 24. September 2012 ein neuer
Versicherungsfall vor, mit der Folge, dass die Wartezeit erneut zu bestehen war, da Art.
29bis der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201; Anrechnung
früher bestandener Wartezeiten bei Wiederaufleben der Invalidität infolge des gleichen
Leidens) in dieser Konstellation nicht zur Anwendung gelangt (Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Februar 2016, 9C_942/2015, E. 3.3.3). Der Rentenanspruch
besteht daher erst ab 1. September 2013. Bei einer Erwerbsunfähigkeit von 100 %
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kann die Beschwerdeführerin kein Invalideneinkommen erzielen, weshalb der
Invaliditätsgrad 100 % beträgt, was den Anspruch auf eine ganze Rente begründet.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 1. Mai 2014 in
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und der Beschwerdeführerin ab 1.
September 2013 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung
der Rentenleistungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.--
erscheint aufgrund der Einholung eines Gerichtsgutachtens und des damit
verbundenen Mehraufwands als angemessen. Ausgangsgemäss hat die
Beschwerdegegnerin die gesamten Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- zu bezahlen. Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
4.3 Die Kosten des polydisziplinären Gerichtsgutachtens von Fr. 16'800.80 (act. G 8.1)
hat die Beschwerdegegnerin zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).
4.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Gemäss
Praxis des hiesigen Gerichts wird sie bei wie hier vorliegend üblich aufwändigen Fällen
mit Gerichtsgutachten mit Fr. 4'500.-bemessen.