Decision ID: db5820df-1ffb-5f6b-b804-e8249c36f955
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 11. September 2015 in der Schweiz
um Asyl nach. In der Folge wurde er in Anwendung von Art. 4 Abs. 3 der
Testphasenverordnung vom 4. September 2013 (TestV, SR 142.318.1)
dem Testbetrieb des Verfahrenszentrums (VZ) Zürich zugewiesen. Am
14. September 2015 wurden im VZ Zürich seine Personalien aufgenom-
men und es wurden ihm dabei auch Fragen zu seiner Herkunft, zu seinen
Familienverhältnissen und Lebensumständen, zu seinem Reiseweg sowie
zum Aufenthalt in anderen Ländern und zu allfälligen Identitäts- bezie-
hungsweise Reisepapieren gestellt (Befragung zur Person [BzP]).
Mit Entscheid des SEM vom 28. Oktober 2015 wurde der Beschwerdefüh-
rer in das Verfahren ausserhalb der Testphasen und – für den Aufenthalt
während der Dauer des Asylverfahrens – dem Kanton B._ zugewie-
sen.
Das SEM teilte dem Beschwerdeführer am 10. Dezember 2015 mit, sein
Asylgesuch werde in der Schweiz geprüft.
Am 2. Mai 2017 wurde der Beschwerdeführer durch einen Mitarbeiter des
SEM in Bern-Wabern vertieft angehört.
A.b Anlässlich der BzP und der Anhörung machte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen geltend, er sei eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer
Ethnie und stamme aus C._ (Subzoba D._, Zoba Debub),
wo er bis zu seiner Ausreise mit seinen Eltern und Geschwistern gelebt
habe. Seine Familie habe eigenes Land und lebe von der Landwirtschaft;
sein Vater sei im Militär Soldat gewesen und nun bewaffneter Reservist. Er
selber habe die Schule bis zur elften Klasse in der Nähe von C._
besucht, sei dann aber im Jahr 2013 für die Absolvierung des zwölften
Schuljahres nach Sawa (Zoba Gash-Barka) gegangen. Dort sei er militä-
risch der (...) Division zugeteilt worden. Nach der militärischen Grundaus-
bildung im Juli 2014 sei er von dort entlassen worden und dann nach
Hause zurückgekehrt. Da er aber die Maturitätsprüfungen im März 2014
nicht bestanden habe, habe er nicht weiter studieren dürfen, sondern hätte
einen Monat nach der Entlassung beziehungsweise im September 2014
erneut in Sawa einrücken müssen. Wegen der ständigen Bestrafungen in
Sawa und weil schon sein Vater Soldat gewesen sei, habe er nicht wieder
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einrücken wollen und stattdessen in der Landwirtschaft seiner Familie ge-
arbeitet. Als dann ein Aufgebot für Sawa gekommen sei, habe er sich bei
seinen Grosseltern mütterlicherseits versteckt und schliesslich im Novem-
ber 2014 Eritrea illegal in Richtung Äthiopien verlassen. Via Sudan und
Libyen sei er nach Italien gelangt, von wo aus er am 8. September 2015
unter Umgehung der Grenzkontrollen in die Schweiz eingereist sei.
Nach seiner Ausreise aus Eritrea habe er erfahren, dass sein Vater wegen
ihm einen Monat lang inhaftiert worden sei. Ausserdem brachte der Be-
schwerdeführer vor, in der Schweiz seit Kurzem eine ebenfalls aus Eritrea
stammende Freundin namens E._ zu haben.
A.c Im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerde-
führer nebst seiner Identitätskarte drei Ausdrucke von Fotos, auf denen er
(allein oder zusammen mit anderen Personen) abgebildet ist, zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 8. Mai 2017 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer
erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ord-
nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 8. Juni 2017 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, die vorinstanzliche Verfü-
gung vom 8. Mai 2017 sei aufzuheben und ihm Asyl zu gewähren, eventu-
aliter sei festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzulässig sowie un-
zumutbar sei und in der Folge sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen,
subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege, um Bestellung eines Rechtsbeistandes sowie
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.
D.
D.a Die Instruktionsrichterin teilte dem Beschwerdeführer mit Zwischenver-
fügung vom 14. Juni 2017 mit, er dürfe den Abschluss des Verfahrens ge-
stützt auf Art. 42 AsylG (SR 142.31) in der Schweiz abwarten. Sodann
wurde er aufgefordert, bis zum 29. Juni 2017 entweder eine Fürsorgeab-
hängigkeitsbestätigung nachzureichen oder einen Kostenvorschuss in der
Höhe von Fr. 750.– einzuzahlen (Art. 63 Abs. 4 VwVG), ansonsten auf die
Beschwerde nicht eingetreten werde. Im Weiteren wurden die Gesuche um
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Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) so-
wie um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes oder einer un-
entgeltlichen Rechtsbeiständin (Art. 110a Abs. 1 und 3 AsylG) unter Vorbe-
halt der rechtzeitigen Nachreichung einer Fürsorgeabhängigkeitsbestäti-
gung gutgeheissen und der Beschwerdeführer aufgefordert, dem Bundes-
verwaltungsgericht bis am 29. Juni 2017 den Namen eines von ihm selber
bestimmten Rechtsbeistands oder einer Rechtsbeiständin mitzuteilen und
eine entsprechende Vollmacht einzureichen.
D.b Am 15. Juni 2017 ging beim Bundesverwaltungsgericht eine am
12. Juni 2017 vom Amt für Soziale Sicherheit des Kantons B._ aus-
gestellte Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung ein. Ausserdem orientierte
MLaw Nina Klaus, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende
B._, das Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 27. Juni
2017 über ihre Mandatierung durch den Beschwerdeführer und reichte
gleichzeitig nicht nur eine am 16. Juni 2017 ausgestellte Vollmacht, son-
dern auch eine weitere, am 26. Juni 2017 ausgestellte Fürsorgeabhängig-
keitsbestätigung ein.
D.c In der Folge bestätigte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer
am 30. Juni 2017 den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und ordnete ihm MLaw Nina Klaus als amtliche Rechtsbeiständin bei.
Am 11. Dezember 2017 gab die Rechtsbeiständin dem Bundesverwal-
tungsgericht eine detaillierte Kostennote zu den Akten.
D.d Auf entsprechendes Ersuchen vom 13. April 2018 hin entband die In-
struktionsrichterin mit Verfügung vom 18. April 2018 die Rechtsbeiständin
per 30. April 2018 von ihrem Amt und ordnete dem Beschwerdeführer
MLaw Ruedy Bollack per 1. Mai 2018 als amtlichen Rechtsbeistand im
Sinne von Art. 110a Abs. 1 und 3 AsylG bei.
E.
E.a Mit Schreiben vom 19. November 2018 teilte der Beschwerdeführer
dem Bundesverwaltungsgericht mit, er sei am (...) Vater eines Sohnes na-
mens F._ geworden. Die Mutter des Kindes (G._) sei in der
Schweiz als Flüchtling anerkannt und es sei ihr Asyl gewährt worden. Die
zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) beabsich-
tige, mit Blick auf die Vaterschaftsanerkennung (für das Kind) eine Bei-
standschaft zu errichten.
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E.b Am 20. August 2019 informierte der Beschwerdeführer das Bundes-
verwaltungsgericht darüber, dass er erneut Vater geworden sei. Sein zwei-
ter Sohn, H._, sei am (...) zur Welt gekommen. Gleichzeitig gab er
– jeweils in Kopie – eine Geburtsurkunde betreffend das erste Kind, eine
Geburtsmeldung betreffend das zweite Kind, ein auf den 29. November
2018 datiertes Schreiben des Zivilstandsamts B._ betreffend die
Anerkennung des ersten Kindes, eine auf den 5. Juli 2019 datierte Klage
der Sozialen Dienste (...) auf Feststellung der Vaterschaft beider Kinder,
eine Verfügung des Richteramtes (...) betreffend Bereinigung des Zivil-
standsregisters vom 8. Juli 2019 sowie eine weitere Kostennote zu den
Akten.
F.
F.a Das Bundesverwaltungsgericht übermittelte die Akten am 3. Septem-
ber 2019 an das SEM und lud dieses zur Einreichung einer Vernehmlas-
sung ein.
F.b Mit Vernehmlassung vom 9. September 2019 beantragte das SEM
sinngemäss die Abweisung der Beschwerde.
F.c Das Bundesverwaltungsgericht liess dem Beschwerdeführer am
16. September 2019 ein Doppel der Vernehmlassung zukommen und gab
ihm gleichzeitig Gelegenheit, eine Replik sowie entsprechende Beweismit-
tel einzureichen.
G.
Mit Replik vom 24. Oktober 2019 äusserte sich der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers zu den in der Vernehmlassung des SEM vom 9. Sep-
tember 2019 enthaltenen Ausführungen und wies darauf hin, die im Juli
2019 eingereichte Klage auf Feststellung der Vaterschaft sei weiterhin hän-
gig. Gleichzeitig ersuchte er darum, er sei aus seinem Mandat als amtlicher
Rechtsbeistand zu entlassen und es sei eine (andere) Mitarbeiterin der
HEKS Rebaso, MLaw Sophia Delgado, als neue amtliche Rechtsbeistän-
din einzusetzen. Überdies reichte er eine ergänzende Kostennote ein.
H.
Am 9. März 2020 ging beim Bundesverwaltungsgericht eine weitere Ein-
gabe der Rechtsvertretung mit Unterlagen zum zivilgerichtlichen Verfahren
sowie einer Kopie eines Fotos der Taufurkunde ein.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VwVG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügungen besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerden legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren das Bun-
desrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht
an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde
auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder
abweisen; massgebend sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse
zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1; 2011/1
E. 2).
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4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-
hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss
entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen
konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5).
Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus
dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen des
Landes (sogenannte Republikflucht) – eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im
Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Solche begründen zwar die Flüchtlingsei-
genschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG
zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder
nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, die
subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können,
als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Gegen-
satz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
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Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwer-
deführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sach-
verhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Bei der Beurteilung
der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente
(Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanzi-
iertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.),
die für oder gegen den Beschwerdeführer sprechen. Glaubhaft ist eine
Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die
Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor-
bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-
sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-
haltsdarstellung sprechen (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/3 E. 6.5.1;
2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
4.3 Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea unverhältnismäs-
sig streng bestraft. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweige-
rung oder Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person in ei-
nem konkreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein solcher Kontakt
ist regelmässig anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven
Dienst stand und desertierte. Darüber hinaus ist jeglicher Kontakt zu den
Behörden relevant, aus dem erkennbar wird, dass die betroffene Person
rekrutiert werden sollte (z.B. Erhalt eines Marschbefehls). In diesen Fällen
droht grundsätzlich nicht allein eine Haftstrafe, sondern eine Inhaftierung
unter unmenschlichen Bedingungen und Folter, wobei Deserteure regel-
mässig der Willkür ihrer Vorgesetzten ausgesetzt sind. Die Desertion wird
von den eritreischen Behörden als Ausdruck der Regimefeindlichkeit auf-
gefasst. Demzufolge sind Personen, die begründete Furcht haben, einer
solchen Bestrafung ausgesetzt zu werden, als Flüchtlinge im Sinn von
Art. 1A Abs. 2 FK und Art. 3 Abs. 1–3 AsylG anzuerkennen (vgl. zum Gan-
zen Entscheidungen und Mitteilungen der ehemaligen Asylrekurskommis-
sion [EMARK] 2006 Nr. 3; bestätigt etwa im Urteil des BVGer
D-1890/2017 vom 5. Februar 2020 E. 5.2.1).
5.
5.1 Die Vorinstanz erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers aus
verschiedenen Gründen als nicht glaubhaft und teilweise auch als nicht
asylrelevant.
5.1.1 Vorab wurde festgehalten, die Schilderungen des Beschwerdefüh-
rers und seine Antworten auf die ihm in der Bundesanhörung gestellten
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Fragen seien häufig äusserst knapp ausgefallen. Zudem habe er bei zahl-
reichen, offensichtlich klaren Sachverhaltsfragen Rückfragen gestellt, wo-
bei er den Frageinhalt oftmals praktisch wiederholt und die eigentliche
Frage erst später, in der Regel eher knapp, beantwortet habe. Auch bei der
eigentlichen Anhörung zu den Asylgründen habe er oft zurückgefragt, wo-
bei er auf entsprechende Nachfrage hin angegeben habe, die Fragen je-
weils akustisch nicht verstanden zu haben. Andere Fragen habe er aus-
weichend beantwortet. Die kurzen und teils ausweichenden Antworten so-
wie die zahlreichen Rückfragen auf eigentlich klare Fragen erweckten den
Eindruck, dass der Beschwerdeführer nur minimale Angaben zu sich und
den geltend gemachten Asylgründen habe machen wollen, was gegen die
Glaubhaftigkeit der entsprechenden Schilderungen spreche. Von einer
asylsuchenden Person dürfe indessen erwartet werden, dass sie sich ins-
besondere zu den Kernelementen der geltend gemachten Geschehnisse
(vorliegend diejenige im Zusammenhang mit der Desertion beziehungs-
weise Refraktion) äussere, was jedoch nicht der Fall gewesen sei.
So habe er die Unterkunft, welche er angeblich in Sawa während eines
Jahres bewohnt habe, kaum beschrieben und einzig festgehalten, es habe
Etagenbetten gehabt. Auf diesbezüglich gezielte Nachfragen habe er oft
nur ausweichend, stereotyp oder scheinbar zusammenhangslos geantwor-
tet (vgl. Akten SEM A29 zu F55–62). Auch die Frage nach den Schulnoten
und Schulzeugnissen habe er äusserst wortkarg beziehungsweise vage
und ausweichend beantwortet (vgl. A29 zu F74–80), was den Eindruck er-
wecke, er habe in Sawa nie ein Schulzeugnis erhalten beziehungsweise
sei dort nie zur Schule gegangen. Sodann seien seine Ausführungen zur
angeblichen Grundausbildung in Sawa spärlich, wenig aussagekräftig und
kaum geprägt von persönlichen Erlebnissen gewesen. Beispielsweise
habe er die Frage, was er in der Grundausbildung gemacht habe, lapidar
mit "Grundausbildung" beantwortet und erst auf wiederholtes Nachfragen
hin angefügt, er habe Salutieren und Waffenhandhabung gelernt und es
habe eine einmonatige "Methodenausbildung" gegeben; er sei Zugführer
und damit für die Ordnung zuständig gewesen (vgl. A29 zu F83–90 und
F139). Die weitgehend bloss einsilbigen Angaben deuteten darauf hin,
dass der Beschwerdeführer jene – doch mehrere Monate dauernde –
Grundausbildung nicht selbst erlebt habe.
Ferner habe der Beschwerdeführer in der Bundesanhörung angegeben,
der "Chef der Kaserne", (...), habe ihm mündlich mitgeteilt, er müsse einen
Monat nach der Entlassung wieder nach Sawa einrücken. Er habe aber
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nicht gewusst, welchen Dienstgrad (...) habe beziehungsweise auf entspre-
chende Nachfrage hin bloss gesagt, (...) sei der "Vorgesetzte der Kaserne"
(wobei offenbar der Kommandant der Ausbildungsstätte Sawa gemeint
sei). Auch habe er – nach Dienstgraden in der eritreischen Armee gefragt
– nur drei Funktionschargen von höheren Offiziersrängen sowie den Zug-
führer gekannt und angegeben, nicht darauf geachtet zu haben, welche
Gradabzeichen (...) auf seiner Uniform getragen habe (vgl. A29 zu F180–
185). Die namentliche Nennung einer militärischen Bezugsperson könne
unter Umständen als Realitätskennzeichen gewertet werden. Vorliegend
könne es jedoch offenbleiben, ob der genannte Name des Kommandanten
in Sawa den Tatsachen entspreche, erscheine es doch reichlich unwahr-
scheinlich, dass eine Person ein ganzes Jahr in Sawa absolviert und eine
Zugführerfunktion gehabt habe, ohne den Dienstgrad seines Kommandan-
ten zu kennen und lediglich vier Führungsfunktionen, jedoch keine Dienst-
grade (insbesondere auch keine der untersten Chargen), nennen zu kön-
nen. Die auf den Vorhalt hin, er habe zum Zwecke des Salutierens doch
erkennen müssen, ob jemand ein Vorgesetzter sei, angebrachte Erklärung,
er habe mit den Vorgesetzten gar nichts zu tun gehabt (vgl. A29 zu F186–
189), widerspreche einerseits der Logik des Handelns und sei andererseits
widersprüchlich, da er gleichzeitig angegeben habe, er habe in Sawa ler-
nen müssen, Vorgesetzte zu salutieren, ausserdem sei er immer wieder
bestraft worden (vgl. A29 zu F84, F51, F63–66, F139, F204 und F232 f.).
5.1.2 Im Weiteren stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer habe im Ver-
lauf des Verfahrens zu wesentlichen Punkten unterschiedliche Angaben
gemacht. So habe er zunächst angegeben, nach seiner Ankunft in Sawa
"vier, fünf, sechs, sieben, acht Monate" zur Schule gegangen zu sein, da-
nach die Maturitätsprüfung abgelegt und die militärische Grundausbildung
begonnen zu haben (vgl. A29 zu F68–82). Bei der Rückübersetzung des
ersten Teils der Anhörung habe er dann präzisiert, in Sawa sechs Monate
zur Schule gegangen zu sein (vgl. A29 S. 26 zu F81), womit er die im Juli
2013 begonnene sechsmonatige Schulzeit im Januar 2014 beendet gehabt
hätte. Auf die Ungereimtheit bezüglich seiner Aussage, die Maturitätsprü-
fung erst im März 2014, mithin erst zwei Monate nach Beendigung der
Schulzeit, abgelegt zu haben, angesprochen, habe er angegeben, nach
seiner Ankunft in Sawa habe zunächst eine vermutlich einmonatige Grund-
ausbildung stattgefunden und erst danach habe der akademische Unter-
richt begonnen (vgl. A29 zu F275). Diese Erklärungsversuche seien indes
nicht aufschlussreich, zumal sich die Erklärung, bereits nach der Ankunft
in Sawa eine Grundausbildung gemacht zu haben, von seinen früheren
Aussagen, nach der Ankunft die Schule besucht und die Grundausbildung
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erst nach der Schulzeit absolviert zu haben (vgl. A29 zu F68 und F82),
unterscheide.
Der Beschwerdeführer habe zudem angegeben, nach seiner Rückkehr aus
Sawa gesucht worden zu sein und von seinem Vater erfahren zu haben,
dass er erneut für Sawa aufgeboten worden sei. Das Aufgebot habe er nie
gesehen, da er sich zu jener Zeit im Haus der Grosseltern mütterlicherseits
versteckt gehalten habe (vgl. A29 zu F195–198 und F205–207). Demge-
genüber habe er später erklärt, bei der Ankunft des Aufgebots, bevor er zu
seinen Grosseltern gegangen sei, "im Dorf zu Hause" beziehungsweise "in
der Einöde" gewesen zu sein, wobei er sich, auf seine unterschiedlichen
Angaben hingewiesen, in weitere Widersprüche verwickelt habe (vgl. A29
zu F277 f.)
5.1.3 Das SEM befand sodann, auch die eingereichten Beweismittel (drei
Kopien von Farbfotos) vermöchten den rechtserheblichen Sachverhalt
nicht zu erhellen. So sei aus den Bildern nicht ersichtlich, wo die entspre-
chenden Räume sich geografisch befänden beziehungsweise die Fotos
liessen keinen zuverlässigen oder überwiegend wahrscheinlichen Schluss
darüber zu, wo die Aufnahmen entstanden seien. Auch aus dem Umstand,
dass die vom Beschwerdeführer auf dem dritten Bild getragene Bekleidung
so aussehe wie die Kleider, die mitunter von Rekruten in Sawa getragen
würden, könne noch nicht geschlossen werde, dass die Foto-Aufnahme
tatsächlich in Sawa entstanden sei.
5.1.4 In Bezug auf die von der Hilfswerksvertretung im Anschluss an die
Bundesanhörung angebrachten Bemerkungen, es bestünden Anzeichen,
dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Zeit in Sawa – und vor allem
wegen der dort erlittenen Strafen – psychisch belastet oder sogar trauma-
tisiert sein könnte (vgl. A29 S. 27), hielt das SEM fest, das Protokoll gebe
die subjektiven Wahrnehmungen des Hilfswerksvertreters nicht wieder; der
Hilfswerksvertreter habe sich während der Anhörung auch nicht entspre-
chend geäussert. Im Übrigen würden die vom Hilfswerksvertreter genann-
ten non- und paraverbalen Ausdrucksweisen auch nicht schlüssig für eine
psychische Belastung aufgrund des angeblichen Ausbildungsaufenthalts
des Beschwerdeführers in Sawa sprechen. Für traumatische Erlebnisse,
welche ihn bei seinen Äusserungen hätten beeinträchtigen können, fehlten
annähernd konkrete Anzeichen (vgl. A29 zu F51, F63 f. und F66), und die
unbestimmten, undifferenzierten und vagen Angaben deuteten darauf hin,
dass der Beschwerdeführer persönlich keine nennenswerten Strafen erlebt
habe (vgl. A29 zu F139, F204 und F232 f.).
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Seite 12
5.1.5 In Bezug auf die Aussage des Beschwerdeführers, er habe nach sei-
ner Ausreise erfahren, dass sein Vater wegen ihm für einen Monat inhaftiert
worden sei (vgl. A29 zu F236 f.), gelangte die Vorinstanz zur Erkenntnis,
aufgrund der Unglaubhaftigkeit seiner Refraktion beziehungsweise Deser-
tion sei diesem Vorbringen der Boden entzogen, weshalb darauf nicht nä-
her einzugehen sei.
5.1.6 Schliesslich stellte das SEM fest, die geltend gemachte illegale Aus-
reise im Jahr 2014 vermöge für sich allein auch keine Furcht vor einer zu-
künftigen asylrelevanten Verfolgung zu begründen. Es verwies dabei auf
das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 vom
31. Januar 2017. Es seien keine Anknüpfungspunkte ersichtlich, welche
den Beschwerdeführer in den Augen des eritreischen Regimes als misslie-
bige Person erscheinen lassen könnten.
5.2 In der Beschwerdeschrift (vgl. S. 4 f.) wiederholt der Beschwerdeführer
teilweise den anlässlich den Anhörung geschilderten Sachverhalt und hält
am Wahrheitsgehalt seiner Vorbringen fest. Der Grund für seine Rückfra-
gen und für die Ungereimtheiten bei den gegebenen Antworten liege einer-
seits in seinen leicht beschränkten kognitiven Fähigkeiten beziehungs-
weise in seinen Schwierigkeiten, Sachverhalte auf Anhieb zu begreifen und
darauf zu reagieren (weshalb er auch bei den Maturitätsprüfungen in Sawa
gescheitert sei), andererseits im Umstand, dass die unzureichende Über-
setzung der Fragen und Antworten Verwirrung und Missverständnisse ge-
schürt habe. Bei der Betrachtung des Anhörungsprotokolls sei offensicht-
lich, dass die Dolmetscherin Schwierigkeiten bei der Übersetzung gehabt
habe (etwa bei A29 zu F37); auch habe sie sehr leise gesprochen, auf wel-
chen Umstand er das SEM aufmerksam gemacht habe (vgl. A29 zu F177–
179). Falls dennoch davon ausgegangen werde, dass er zum Zeitpunkt
seiner Ausreise aus Eritrea keinen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ge-
wesen sei, wäre zu prüfen, ob er zumindest wegen seiner illegalen Aus-
reise aus Eritrea Nachfluchtgründe erfülle beziehungsweise bei einer
Rückkehr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten
habe. Vorliegend stehe nämlich die illegal erfolgte Ausreise nicht für sich
alleine da, sei er doch dem Aufgebot für ein erneutes Einrücken nach Sawa
nicht gefolgt, weshalb er bei der Rückkehr rigoros bestraft würde (vgl. Be-
schwerde S. 5).
5.3 Das SEM hält in seiner Vernehmlassung der Darstellung in der Be-
schwerdeschrift entgegen, der Beschwerdeführer habe auch zahlreiche
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Fragen ohne Rückfragen beantworten können, wobei zwischen den Fra-
gen mit und ohne Rückfragen kein Unterschied bezüglich Komplexität er-
kennbar sei. Es werde daher an der Einschätzung festgehalten, dass die
Rückfragen bei bestimmten Themen – in Verbindung mit den ebenfalls im
Asylentscheid erwähnten oft äusserst knappen Antworten – gegen die
Glaubhaftigkeit der entsprechenden Schilderungen sprechen würden. So-
dann lasse sich aus dem Umstand, dass die Dolmetscherin an der ange-
führten Stelle offenbar den Befrager falsch verstanden und deshalb nicht
die gestellte Frage übersetzt habe, keineswegs schliessen, dass diese ge-
nerell Schwierigkeiten mit der Übersetzung gehabt habe; entgegen der
Auffassung in der Beschwerdeschrift fänden sich im Anhörungsprotokoll
keine weiteren Anhaltspunkte für eine solche Vermutung. Auch aus der
Aussage, dass der Beschwerdeführer die Dolmetscherin manchmal akus-
tisch nicht verstanden habe, lasse nicht auf eine mangelnde Qualität der
Übersetzung schliessen, zumal er unmittelbar zuvor noch angegeben
habe, die Dolmetscherin gut zu verstehen (vgl. A29 zu F176).
5.4 In der Replik vom 24. Oktober 2019 wird erneut darauf hingewiesen,
dass der Beschwerdeführer offensichtlich Schwierigkeiten gehabt habe,
die ihm gestellten Fragen auf Anhieb zu verstehen. In diesem Zusammen-
hang sei ausserdem zu berücksichtigen, dass er von den Erlebnissen in
Sawa traumatisiert sei. Dabei wird erneut auf die Anmerkungen der Hilfs-
werksvertretung auf dem Unterschriftenblatt des Anhörungsprotokolls ver-
wiesen. Da die dem Beschwerdeführer vorgeworfene mangelnde Glaub-
haftigkeit offensichtlich mit seinen leicht beschränkten kognitiven Fähigkei-
ten zusammenhänge, werde das Gericht darum ersucht, von Amtes wegen
ein psychologisches und allenfalls kognitives Gutachten anzuregen oder
die Sache im Sinne des subeventualiter gestellten Antrags an die Vorin-
stanz zurückzuweisen, zwecks Durchführung einer erneuten Anhörung
(vgl. Replik S. 2). Im Übrigen würden die Rückfragen und oft knappen Ant-
worten keinesfalls für die Unglaubhaftigkeit sprechen, habe er doch die
Fragen betreffend sein Leben in Eritrea und seine Zeit in Sawa sowie da-
nach trotz knapper Antworten unter Erwähnung verschiedener auch un-
wichtiger Details beantworten können (vgl. A29 zu F51, F55, F118, F134,
F139, F147 f. und F180). Schliesslich werde daran festgehalten, dass es
anlässlich der Anhörung offensichtlich Schwierigkeiten bei der Überset-
zung gegeben habe, was die Vorinstanz in ihrem Entscheid nicht berück-
sichtigt habe.
D-3248/2017
Seite 14
5.5
5.5.1 Das Gericht schliesst sich im Grundsatz der vorinstanzlichen Ein-
schätzung an, wonach die Schilderungen des Beschwerdeführers im Zu-
sammenhang mit seinem angeblichen Ausbildungsaufenthalt in Sawa nicht
nur zu wenig konkret, detailliert und differenziert beziehungsweise teilweise
nicht der Logik des Handelns entsprechend ausgefallen seien, sondern
sich auch in wesentlichen Punkten widersprächen. Dabei kann zur Vermei-
dung von Wiederholungen auf die sehr einlässlichen Darlegungen in der
angefochtenen Verfügung (vgl. insbesondere Ziff. II 2.3–2.8 sowie vorste-
hend E. 5.1 und 5.3) verwiesen werden.
Mit den in der Beschwerdeschrift und auch in der Replik angebrachten Hin-
weisen auf die leicht beschränkten kognitiven Fähigkeiten des Beschwer-
deführers beziehungsweise auf seine Schwierigkeiten, Sachverhalte auf
Anhieb zu begreifen und darauf zu reagieren lassen sich die Ungereimt-
heiten ebenso wenig erklären wie mit der Rüge der unzureichenden Über-
setzung. Weder aus dem Protokoll der Bundesanhörung vom 2. Mai 2017
noch aus den weiteren Akten ergeben sich Anhaltspunkte auf allgemeine
kognitive Einschränkungen, zumal – wie die Vorinstanz in ihrer Vernehm-
lassung zutreffend bemerkt hatte – nicht erkennbar wäre, dass der Be-
schwerdeführer mehr Mühe gehabt hätte, komplexe als einfache Fragen
zu beantworten. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer – wie von ihm
behauptet – die Maturitätsprüfung nicht bestanden hat (vgl. A29 zu F77 und
F164–166), lässt ebenfalls nicht darauf schliessen, dass er nicht in der
Lage gewesen wäre, die ihm in der Anhörung gestellten Fragen zu verste-
hen und entsprechend zu beantworten. Aus der Tatsache, dass die Dol-
metscherin im Verlauf der (nach Abzug der Pausen) rund vier Stunden dau-
ernden Anhörung eine Frage (vgl. A29 zu F37) zunächst nicht richtig über-
setzt hatte, ergeben sich ebenfalls keine Hinweise auf eine generell unzu-
reichende Übersetzung, zumal der Beschwerdeführer angegeben hatte,
die Dolmetscherin gut zu verstehen (vgl. A29 zu F2 und F176) und am
Schluss der Anhörung bestätigte, das ihm Satz für Satz vorgelesene und
in seine Muttersprache Tigrinya rückübersetzte Protokoll sei vollständig
und entspreche seinen freien Äusserungen (vgl. A29 S. 26). Schliesslich
erscheinen in Anbetracht seiner anlässlich der Anhörung gemachten Aus-
sagen sowie der gesamten Akten auch die Darlegungen der Vorinstanz be-
treffend die Bemerkungen der Hilfswerksvertretung zur möglichen psychi-
schen Belastung oder Traumatisierung des Beschwerdeführers (vgl. ange-
fochtene Verfügung Ziff. II 2.7) nachvollziehbar und überzeugend.
D-3248/2017
Seite 15
Angesichts der vorstehenden Erwägungen besteht keine Veranlassung,
von Amtes wegen ein psychologisches und allenfalls kognitives Gutachten
anzuregen oder die Sache zwecks Durchführung einer erneuten Anhörung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Den in diesem Zusammenhang in der
Replik gestellten Begehren ist daher keine Folge zu leisten.
5.5.2 Auch die Angabe des Beschwerdeführers zum erneuten Einrücken in
Sawa überzeugen nicht. So gab er an, zu Hause ein Aufgebot für Sawa
erhalten, diesem aber nicht Folge geleistet zu haben. Sein Vater habe ihn
über die Ankunft des Aufgebots informiert. Er selber habe das "Papier" nie
gesehen und sich auch nicht um dessen Inhalt gekümmert, da er sowieso
mit seinen Freunden habe ausreisen wollen (vgl. A29 zu F212 f.). Wie das
SEM zutreffend bemerkte, sind die Aussagen des Beschwerdeführers zu
den örtlichen und personellen Umständen, unter welchen er das Aufgebot
erhalten haben will, offensichtlich unterschiedlich beziehungsweise wider-
sprüchlich ausgefallen, wobei er sich beim entsprechenden Vorhalt in wei-
tere Widersprüche verstrickt hat (vgl. angefochtene Verfügung Ziff. II 2.4,
3. Abschnitt sowie oben E. 5.1.2, 2. Abschnitt).
Aufgrund dieser Ungereimtheiten, der nicht nachvollziehbar erscheinenden
Aussage, sich nicht um den Inhalt des "Papiers" gekümmert zu haben, und
auch des Umstandes, dass er sich nach seiner Einreise in die Schweiz
zwar seine Identitätskarte, nicht aber das angeblich erhaltene Aufgebot für
Sawa aus Eritrea in die Schweiz hat liefern lassen, ist an den Angaben des
Beschwerdeführers zu zweifeln. Hinzuweisen ist schliesslich darauf, dass
der Beschwerdeführer erwähnte, in Sawa habe man ihnen gesagt, sie soll-
ten einen Monat später zurückkehren (vgl. A29 zu F101). Inwiefern es bei
dieser Sachlage überhaupt noch eines separaten Aufgebotes bedurft hätte,
ist nicht ersichtlich.
5.5.3 Demgegenüber gibt es aber durchaus Anhaltspunkte, die für die
Glaubhaftigkeit des vom Beschwerdeführer geltend gemachten Aufent-
halts in Sawa sprechen. So unterstand das Militärlager in Sawa tatsächlich
einem Mann namens I._ (vgl. A29 zu F180–182). Im Weiteren er-
scheint es nicht ausgeschlossen, dass die vom Beschwerdeführer einge-
reichten Bilder tatsächlich in Sawa aufgenommen wurden; auch das SEM
räumt in seiner angefochtenen Verfügung (vgl. Ziff. II 2.6) ein, die vom Be-
schwerdeführer auf dem dritten Bild getragene Kleidung sei ähnlich oder
sogar identisch mit derjenigen, die mitunter von Rekruten in Sawa getragen
werde. Sodann erfolgt gemäss den Erkenntnissen des Bundesverwal-
tungsgerichts die Einberufung in den National Service regelmässig über
D-3248/2017
Seite 16
eine Absolvierung des 12. Schuljahres in Sawa. Dies setzt indessen vor-
aus, dass die betroffenen Schüler das 11. Schuljahr an einer Secondary
School absolviert haben, was aber nur bei einer Minderheit der Schüler in
Eritrea der Fall ist (vgl. etwa https://www.ecoi.net/en/file/lo-
cal/1224769/1226_1449749222_afr6429302015english.PDF, mit weiteren
Hinweisen, zuletzt abgerufen am 20. Februar 2020). Hat der Beschwerde-
führer tatsächlich, wie von ihm angegeben (vgl. A29 zu F23–29), bis zur
11. Klasse die Secondary High School in J._ besucht (was wiede-
rum auch eher gegen seine angeblich leicht beschränkten kognitiven Fä-
higkeiten sprechen würde), so erscheint es in der Tat grundsätzlich denk-
bar, dass er anschliessend nach Sawa transferiert worden ist, dort das
12. Schuljahr sowie die militärische Grundbildung absolviert oder zumin-
dest teilweise absolviert hat.
5.5.4 Dessen ungeachtet ist daran zu erinnern, dass es nicht genügt, wenn
sich der von der asylsuchenden Person geschilderte Sachverhalt so zuge-
tragen haben könnte. Angesichts der konkreten Aussagen des Beschwer-
deführers besteht keine überwiegende Wahrscheinlichkeit, dass der dar-
gelegte Sachverhalt sich wie vom Beschwerdeführer behauptet abgespielt
hat. Erreichen die konkreten Angaben der asylsuchenden Person nicht die
für die Annahme der Glaubhaftigkeit erforderliche Wahrscheinlichkeit, ist
es nicht Sache des Gerichts, darüber zu spekulieren, wie sich der Sach-
verhalt zugetragen haben könnte. In Würdigung der gesamten Aspekte
sprechen wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-
brachte Sachverhaltsdarstellung.
5.6
5.6.1 Das Bundesverwaltungsgericht ging bis im Januar 2017 davon aus,
dass eine illegale Ausreise aus Eritrea als subjektiver Nachfluchtgrund an-
zusehen sei, weil illegal Ausgereiste bei einer Rückkehr nach Eritrea mit
erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG rechnen mussten (vgl.
Urteil des BVGer D-3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3.3). Diese Recht-
sprechung ist in der Folge jedoch aufgegeben worden. Das Bundesverwal-
tungsgericht kam in seinem in der angefochtenen Verfügung (vgl. Ziff. II 4.2
sowie oben E. 5.1.6) erwähnten Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Ja-
nuar 2017 nach einer eingehenden quellengestützten Lageanalyse (vgl.
a.a.O. E. 4.6-4.11) zum Schluss, dass die bisherige Praxis, wonach eine
illegale Ausreise per se zur Flüchtlingseigenschaft geführt habe, nicht mehr
aufrechterhalten werden könne (vgl. a.a.O. E. 5.1). Es sei nicht mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass einer Person ein-
https://www.ecoi.net/en/file/local/1224769/1226_1449749222_afr6429302015english.PDF https://www.ecoi.net/en/file/local/1224769/1226_1449749222_afr6429302015english.PDF
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Seite 17
zig aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrelevante Verfol-
gung drohe. Für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft im eritreischen
Kontext bedürfe es neben der illegalen Ausreise zusätzlicher Anknüpfungs-
punkte, welche zu einer Verschärfung des Profils und dadurch zu einer
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten (vgl.
a.a.O. E. 5.2).
5.6.2 Angesichts dieser Rechtsprechung hat das SEM zu Recht darauf ver-
zichtet, sich mit Glaubhaftigkeit der Schilderungen des Beschwerdeführers
zu seiner angeblich illegalen Ausreise auseinanderzusetzen (vgl. ange-
fochtene Verfügung Ziff. II 4.3). Entscheidend ist einzig, dass der Be-
schwerdeführer seine angebliche Desertion oder Refraktion nicht glaubhaft
machen konnte und auch sonst keine Anknüpfungspunkte ersichtlich sind,
die ihn in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person er-
scheinen lassen könnten.
5.7 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine
flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu
machen. Die Vorinstanz hat folglich im Ergebnis zu Recht die Flüchtlings-
eigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abge-
lehnt. Aufgrund des Gesagten besteht ferner keine Veranlassung, die Sa-
che – soweit die Frage der Nichtzuerkennung der Flüchtlingseigenschaft
und der Verweigerung des Asyls betreffend – zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen, weshalb der entsprechende Subeventualan-
trag abzuweisen ist.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.1.1 Die Wegweisung wird unter anderem dann nicht verfügt, wenn die
asylsuchende Person im Besitze einer gültigen Aufenthalts- oder Nieder-
lassungsbewilligung ist (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) oder ein grundsätzlicher Anspruch auf
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung besteht, wobei die kantonale Aus-
länderbehörde zuständig ist, über den Anspruch konkret zu befinden (vgl.
auch BVGE 2013/37 E. 4.4; EMARK 2006 Nr. 23 E. 3.2; EMARK 2001
Nr. 21 E. 9). Ist die asylsuchende Person nicht im Besitz einer gültigen Auf-
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Seite 18
enthalts- oder Niederlassungsbewilligung, ist im Asyl- und Wegweisungs-
verfahren mit Blick auf die mögliche Zuständigkeit der kantonalen Auslän-
derbehörde daher vorfrageweise zu prüfen, ob die asylsuchende Person
sich im Sinne von Art. 14 Abs. 1 AsylG auf einen grundsätzlichen Anspruch
auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung berufen kann (vgl. EMARK 2001
Nr. 21 E. 10). Diese Prüfung erfolgt nur, sofern der zuständigen kantonalen
Ausländerbehörde ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
vorliegt (vgl. BVGE 2013/37).
6.1.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung noch über einen selbständigen Anspruch auf Ertei-
lung einer Aufenthaltsbewilligung (vgl. zu den persönlichen Verhältnissen
nachfolgend E. 7.2. f.). Es ist auch nicht aktenkundig, dass er ein Gesuch
um Erteilung einer Bewilligung eingereicht hätte. Ein solches Gesuch wäre
an die zuständigen Behörden (SEM respektive kantonale Migrationsamt)
zu richten. Dies bleibt ihm unbenommen. Damit besteht kein Anlass, auf
die angeordnete Wegweisung zurückzukommen.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Beschwerdeführer erwähnte in der Anhörung vom 2. Mai 2017, seit
Kurzem eine Freundin namens E._ zu haben; sie lebe ebenfalls im
Kanton B._, doch kenne er weder ihren Nachnamen noch ihr Ge-
burtsdatum (vgl. A29 zu F126–132). Mit Schreiben vom 19. September
2018 teilte er dem SEM mit, am 28. Oktober 2017 Vater eines Kindes ge-
worden zu sein und für dessen Anerkennung beim Zivilstandsamt eine "Ori-
ginal-Statusbestätigung" zu benötigen. Dieses Schreiben wurde vom SEM
dahingehend beantwortet, das Zivilstandsamt könne die erforderlichen Ak-
ten direkt anfordern. Auf entsprechendes Ersuchen des Zivilstandsamts
B._ hin liess das SEM diesem die Identitätskarte des Beschwerde-
D-3248/2017
Seite 19
führers im Original zukommen. Am 19. November 2018 wurde das Bun-
desverwaltungsgericht darüber informiert, dass die Kindsmutter in der
Schweiz Asyl erhalten habe und die KESB mit Blick auf die Vaterschaftsa-
nerkennung eine Beistandschaft errichten wolle. Mit Schreiben vom 20. Au-
gust 2019 teilte der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht mit,
er sei zum zweiten Mal Vater geworden; gleichzeitig wurden verschiedene
Unterlagen betreffend die angestrebte Vaterschaftsanerkennung beider
Kinder zu den Akten gegeben (vgl. zu den Unterlagen im Einzelnen oben
Sachverhalt E.b).
7.3 Angesichts dieser familiären Konstellation stellen sich Fragen sowohl
im Hinblick auf die Zulässigkeit als auch die Zumutbarkeit eines Wegwei-
sungsvollzugs des Beschwerdeführers. Das SEM erwähnte in seiner Ver-
nehmlassung vom 9. September 2019 weder die Beziehung des Be-
schwerdeführers zu G._ (welche mit Verfügung vom 26. August
2013 gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flüchtlingseigenschaft ihres
damaligen, seit 9. September 2016 von ihr geschiedenen Ehemanns ein-
bezogen worden war und Familienasyl erhalten hatte) noch die beiden Kin-
der F._ und Nahom Weldemn-krous Andetsion (deren Vater der Be-
schwerdeführer sein will und welche im Besitz von Aufenthaltsbewilligun-
gen B sind).
7.4 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist (PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, Praxiskommentar Ver-
waltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S.1264). Die
in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar
auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies
im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie
muss dies aber nicht (vgl. EMARK 2004 Nr. 38 E. 7.1).
7.5 Im vorliegenden Fall lässt sich die Entscheidreife nicht mit geringem
Aufwand herstellen, weshalb es angezeigt ist, die Sache zwecks vollstän-
diger und richtiger Abklärung des Sachverhalts bezüglich des Wegwei-
sungsvollzuges des Beschwerdeführers an die Vorinstanz zurückzuweisen
und deren Ergebnis im Rahmen eines neuen begründeten Entscheids fest-
zuhalten. Dabei hat das SEM insbesondere den Fragen nach dem aktuel-
len Stand der beim Richteramt (...) 5. Juli 2019 anhängig gemachten Klage
http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/38
D-3248/2017
Seite 20
auf Feststellung der Vaterschaft, nach der tatsächlich gelebten Beziehung
zwischen dem Beschwerdeführer und den beiden Kindern F._ und
H._ beziehungsweise dem Beschwerdeführer und seiner (angebli-
chen) Lebenspartnerin G._ nachzugehen und zu prüfen, ob der Be-
schwerdeführer daraus im Sinne des Rechts auf Familienleben gemäss
Art. 8 EMRK ein Wegweisungsvollzugshindernis ableiten kann.
8.
Die Beschwerde ist somit insoweit gutzuheissen, als die Ziffern 4 und 5 der
SEM-Verfügung vom 8. Mai 2017 aufzuheben sind und die Sache zur voll-
ständigen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung des Wegwei-
sungsvollzugs im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen ist. Im Übrigen ist sie abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten teilweise dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit
Instruktionsverfügung vom 14. Juni 2017 die unentgeltliche Prozessfüh-
rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und weiterhin von
seiner prozessualen Bedürftigkeit auszugehen ist, ist von der Kostenerhe-
bung abzusehen.
9.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat am 24. Oktober 2019
eine Replik zur vorinstanzlichen Vernehmlassung vom 9. September 2019
eingereicht und gleichzeitig ein (auf den 28. August 2019 datiertes) Gesuch
um Wechsel der Rechtsvertretung zu den Akten gegeben. Nach Verfassen
der Replik ist er im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht mehr tätig ge-
worden, wobei dem Gericht auch keine weiteren Verfahrenshandlungen
notwendig erschienen. Es besteht daher keine Veranlassung MLaw Ruedy
Bollack aus seinem amtlichen Mandat zu entlassen und dem Beschwerde-
führer einen neuen amtlichen Rechtsbeistand oder eine neue amtliche
Rechtsbeiständin (vorliegend die von MLaw Ruedy Bollack vorgeschla-
gene MLaw Sophia Delgado) im Sinne von aArt. 110a Abs. 1 und 3 AsylG
beizuordnen. Die Eingabe vom 6. März 2020 ändert daran nichts. Die ent-
sprechenden Gesuche sind abzuweisen.
9.3 Soweit die Beschwerde gutzuheissen ist (Kassation im Wegweisungs-
vollzugspunkt) ist dem Beschwerdeführer durch das SEM eine angemes-
sene, praxisgemäss um die Hälfte reduzierte Parteientschädigung für ihm
erwachsene notwendige Vertretungskosten zu entrichten (Art. 64 VwVG
D-3248/2017
Seite 21
und Art. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Der in den beiden Kostennoten vom 11. Dezember 2017 und
vom 24. Oktober 2019 ausgewiesene zeitliche Aufwand von insgesamt
2.75 Stunden bei einem Ansatz von 250.– pro Stunde (Fr. 150.– im Falle
der amtlichen Entschädigung) sowie die geltend gemachten Auslagen in
der Höhe von Fr. 34.80 erscheinen angemessen.
Demnach ist die von der Vorinstanz zu entrichtende hälftige Parteientschä-
digung auf insgesamt (gerundet) Fr. 360.– (inklusive hälftige Auslagen)
festzulegen.
9.4 Da der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers als amtlicher Rechts-
beistand gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung von aArt. 110a AsylG
beigeordnet wurde, ist ihm beziehungsweise HEKS Rebaso (für welche die
vormalige amtliche Rechtsbeiständin ebenfalls tätig war) im Umfang seines
Unterliegens zu Lasten des Gerichts ein um die Hälfte reduziertes amtli-
ches Honorar zu entrichten, welches auf (gerundet) Fr. 225.– (inklusive
hälftige Auslagen) festzusetzen ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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