Decision ID: 96d75bb7-856e-4e91-af3c-c59465954f79
Year: 2013
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhaltsabklärung, sich mit den Möglichkeiten der versicherten Person
auseinanderzusetzen. Dies habe die Beschwerdegegnerin unterlassen.
Ausserdem handle es sich bei der Beurteilung der Zumutbarkeit nicht um eine
Tat-, sondern um eine Rechtsfrage. Es sei erstaunlich, dass im Bericht vom 25.
Mai 2012 ausgeführt werde, dass unter Berücksichtigung der
Schadenminderungspflicht die Alternative zumutbar sei. Dasselbe gelte für den
Umstand, dass in Ziff. 5 des Berichts vom 17. Juli 2012 als zumutbar erachtet
werde, die Raumtemperatur im Badezimmer zu erhöhen. Die
Beschwerdegegnerin verkenne ebenfalls, dass die engen örtlichen
Gegebenheiten ein Liegenlassen am Boden nicht zulassen würden. Die beiden
Badezimmer in der früheren Liegenschaft und in der jetzigen Situation seien mit
einem sehr geringfügigen Unterschied gleich gross. Von der
Beschwerdegegnerin werde auch übersehen, dass die Beschwerdeführerin bei
der verfügten Variante von der Badewanne in ihrem durchnässten Hebetuch
ungetrocknet direkt auf den Rollstuhl gehoben werden müsste.
11. Mit Duplik vom 29. Oktober 2012 hielt die Beschwerdegegnerin fest, es sei nicht
auszuschliessen, dass die Abklärungsperson des SAHB ihre eigene
Einschätzung zur Frage der Zumutbarkeit abgeben dürfe. Die
Abklärungsperson halte sowohl in der fachtechnischen Beurteilung vom 25. Mai
2012 als auch in der Stellungnahme vom 17. Juli 2012 ausdrücklich fest, dass
die Frage der Zumutbarkeit schlussendlich von der IV-Stelle beantwortet
werden müsse. Schliesslich übersehe die Beschwerdeführerin, dass der
Einsatz eines mobilen Patientenhebers im Jahr 2006 im Unterschied zu heute
nicht möglich gewesen sei, weil das Schlafzimmer der Beschwerdeführerin
(nicht das Badezimmer) zu klein gewesen sei. Ausserdem werde das Hebetuch
des Deckenlifts im Badezimmer in gleichem Masse durchnässt wie das
Hebetuch des beantragten Deckenlifts vom Badezimmer ins Schlafzimmer.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und auf den
angefochtenen Einspracheentscheid wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin gemäss Art. 21 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20)
Anspruch auf Hilfsmittel hat respektive die Voraussetzungen einer
Kostengutsprache erfüllt sind. Streitig und zu prüfen ist indessen, ob die
Beschwerdeführerin Anspruch auf die Kostenübernahme von Fr. 29‘000.-- für
einen Deckenlift vom Schlafzimmer bis ins Badezimmer hat.
2. Gemäss Art. 2 Abs. 4 der Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch
die Invalidenversicherung (HVI) besteht Anspruch auf Hilfsmittel in einfacher,
zweckmässiger und wirtschaftlicher Ausführung. Durch eine andere Ausführung
bedingte zusätzliche Kosten hat die Versicherte selbst zu tragen. Die
Beschwerdegegnerin ist der Ansicht ein mobiler Patientenheber in Kombination
mit einem Deckenlift im Badezimmer sei zumutbar und angemessen (Verfügung
vom 31. Juli 2012). Sie stützt sich dabei auf die fachtechnische Beurteilung
durch das SAHB Hilfsmittel-Zentrum vom 25. Mai 2012, wonach eine
Installation eines Deckenliftes aufgrund der Anordnung der Nasszelle und des
Schlafzimmers sehr kostenaufwändig sei. Zur Installation des Deckenlifts
zwischen Bade- und Schlafzimmer müsste die Türstütze ausgebrochen werden,
was die Statik des Gebäudes betreffen würde. Alternativ könnten mittels
mobilem Patientenheber im Schlafzimmer die Transfers vom Rollstuhl ins Bett
und umgekehrt ausgeführt werden. Innerhalb der Nasszelle würde sich
platzbedingt nur eine Deckenliftanlage eignen, dies in Form einer
Schiebebühne. Gemäss Beurteilung sei diese Variante einiges günstiger, bringe
aber den Nachteil mit sich, dass die Beschwerdeführerin bei jedem Transfer
vom Zimmer in die Nasszelle, in den Rollstuhl gehoben werden müsse.
3. Die Argumentation der Beschwerdeführerin für einen Deckenlift zwischen
Schlaf- und Badezimmer stützt sich demgegenüber auf die Stellungnahme von
Dr. med. ... vom 22. Juni 2012. Dieser hält unter anderem fest, dass aus
ärztlicher Sicht ein Deckenlift für den Transport der Beschwerdeführerin aus
ihrem Schlafzimmer ins Bad, auf die Toilette und in die Badewanne als
notwendig angesehen werde. Ohne Deckenlift müsste sie vom Bett in den
Rollstuhl platziert werden, mit dem Rollstuhl ins Bad gefahren und dort wieder
umgelagert werden. Dies sei auf Grund des Gewichts und des Alters der
Beschwerdeführerin schwierig und stelle sowohl für die Beschwerdeführerin als
auch für deren Mutter eine enorme Belastung dar. Der Transfer aus der
Badewanne wäre mit dem Deckenlift ebenfalls erleichtert. Würden nicht
vorhersehbare epileptische Anfälle auftreten während die Beschwerdeführerin
im Rollstuhl sitze, sei dies unproblematisch, in der Badewanne oder auf der
Toilette würde dies demgegenüber eine Notfallsituation darstellen. Ein
Deckenlift würde das dabei notwendige rasche Handeln erheblich erleichtern.
Dr. med. ... berücksichtigt aber anscheinend nicht, dass gerade im Badezimmer
ein Deckenlift vorgesehen ist, so dass das von ihm geforderte rasche Handeln
durchaus möglich ist. Durch Bereithalten von Decken und Tüchern kann eine
Verletzung wie auch eine befürchtete Unterkühlung vermieden werden.
Ausserdem würde ein durchgängiger Deckenlift bis ins Schlafzimmer an der
Unterkühlungsgefahr nichts ändern, da auch das Hebetuch des Deckenlifts
feucht sein würde. Schliesslich erscheint es nicht plausibel, dass die
Beschwerdeführerin während eines Epilepsieanfalls noch ins Schlafzimmer und
ins Bett transportiert werden würde. Ebenfalls keine Berücksichtigung findet in
der Beurteilung von Dr. med. ... der von der Beschwerdegegnerin
zugesprochene Patientenheber. Dieser erleichtert die Umlagerung der
Beschwerdeführerin, so dass nicht mehr von einer enormen Belastung der
Mutter und der Beschwerdeführerin bei der Umlagerung gesprochen werden
kann. Zweifellos wäre die von der Beschwerdeführerin respektive ihrer Mutter
gewünschte Variante mit einem Deckenlift zwischen Schlaf- und Badezimmer
bequemer, die Argumente gegen die vorgeschlagene günstigere Variante
vermögen jedoch nicht davon zu überzeugen, dass es an deren Zumutbarkeit
fehlt. Die Stellungnahme von Dr. med. ... vom 22. Juni 2012, worauf die
Argumente der Beschwerdeführerin beruhen, erscheint unvollständig und damit
nicht geeignet, die Zumutbarkeit in Frage zu stellen. Aufgrund seiner
Ausführungen fragt sich denn auch, ob er überhaupt über alle Informationen
verfügte. So erachtet er wie erwähnt den Kraftaufwand für die Umlagerungen
vom Bett in den Rollstuhl für die Mutter als grosse Belastung, erwähnt aber den
ebenfalls gesprochenen mobilen Patientenheber dabei nicht. Schliesslich lässt
sich auch aus dem Umstand, dass in der früheren Wohnung ein durchgängiger
Deckenlift zugesprochen worden war, nichts ableiten. Die Beschwerdeführerin
verkennt, dass in der damaligen Wohnsituation der Einsatz eines mobilen
Patientenhebers aufgrund der zu engen Platzverhältnisse im Schlafzimmer der
Beschwerdeführerin im Gegensatz zur heutigen Wohnsituation nicht möglich
gewesen war.
4. Die Beurteilung des SAHB Hilfsmittel-Zentrums vom 25. Mai 2012 ist
nachvollziehbar und schlüssig. Es werden sowohl die Vor- als auch Nachteile
der verschiedenen Varianten dargestellt. Ausserdem handelt es sich beim
SAHB Hilfsmittel-Zentrum um eine gesamtschweizerische unabhängige
Fachstelle für hindernisfreies und selbständiges Leben in den Bereichen
Mobilität und Wohnen, welche über erfahrene Experten verfügt. Die
vorgeschlagene günstigere Variante ist unter Berücksichtigung sämtlicher
Argumente zumutbar und praktikabel. Die vorgeschlagene Variante ist die
einfachere, zweckmässigere sowie wirtschaftlichere. Die Beschwerdegegnerin
hat daher zu Recht die Kostenübernahme für den durchgängigen Deckenlift
abgelehnt und stattdessen die günstigere Variante mit einem Deckenlift im
Badezimmer zusammen mit einem mobilen Patientenheber zugesprochen.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtmässig, weshalb die
Beschwerde abzuweisen ist.
5. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren - in Abweichung von
Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG) – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Diese Kosten werden jeweils nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert der Sache im Umfang von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--
festgelegt. Aufgrund des Ausgangs dieses Verfahrens rechtfertigt es sich
vorliegend, der unterliegenden Beschwerdeführerin Kosten von Fr. 400.-- zu
überbinden. Eine aussergerichtliche Entschädigung steht der obsiegenden
Beschwerdegegnerin nicht zu (Umkehrschluss aus Art. 61 lit. g ATSG).