Decision ID: 14b8a03a-b866-5a58-93da-556cc49f6299
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 24. Februar 2021 in der Schweiz um
Asyl. Anlässlich der Personalienaufnahme vom 4. März 2021 und der An-
hörung nach Art. 29 AsylG vom 25. Mai 2021 machte er im Wesentlichen
Folgendes geltend:
Er sei afghanischer Staatsangehöriger, ethnischer Paschtune und stamme
aus B._, wo er mit seiner Familie bis zu seinem (...) Lebensjahr
gelebt habe. Sein Vater sei während der Najib-Herrschaft Kommandant ei-
ner Regierungstruppe gewesen, bis er bei einem Bombenanschlag ums
Leben gekommen sei. In der Folge sei seine Familie nach C._, Pa-
kistan, geflüchtet, wo sein Bruder und er – unter anderem auch mit Mitglie-
dern der Taliban und anderer extremistischer Gruppierungen – eine Mad-
rasa besucht hätten. Als der Beschwerdeführer (...) oder (...) Jahre alt ge-
wesen sei, sei seine Familie nach Afghanistan zurückgekehrt, wo sie fortan
im Dorf D._, Distrikt E._, Provinz F._ gelebt hätten.
Sein Bruder habe den (...)club «(...)» in G._ eröffnet, in welchem
der Beschwerdeführer als stellvertretender Chef fungiert habe. Nach (...),
(...) Jahren habe er die Leitung des Clubs übernommen, nachdem sein
Bruder den Taliban an einen anderen Ort gefolgt sei, um dort Sport zu un-
terrichten. Er (der Beschwerdeführer) habe sodann für das afghanische
(...) Team während mehrerer Jahre an Turnieren teilgenommen.
Im Jahr 2019 sei sein Bruder zusammen mit zwei weiteren Personen aus
dem Dorf getötet worden. Ungefähr eine Woche nach der Beerdigung hät-
ten die Taliban den Beschwerdeführer aufgefordert, dessen Platz bei ihnen
einzunehmen und diesen zu rächen. Auch hätten sie ihm gesagt, sie seien
in Pakistan für den Lebensunterhalt seiner Familie aufgekommen, was ihm
seine Mutter bestätigt habe. Er hätte den Schülern einer Madrasa Sportun-
terricht geben sollen, was jedoch nur ein Vorwand gewesen sei, weshalb
er das Angebot abgelehnt habe. Insgesamt seien die Taliban drei Mal zu
ihm gekommen – wobei er sich beim dritten Mal versteckt gehalten habe
und sie nur mit seiner Mutter gesprochen hätten – und hätten ihm schliess-
lich einen Brief zukommen lassen, in welchem ihm vorgeworfen worden
sei, er habe sich an die Behörden gewandt und sei somit für den Tod seines
Bruders und der anderen zwei Personen verantwortlich. Im Brief sei fest-
gehalten gewesen, dass er getötet würde, sollte er sich nicht beim Stütz-
punkt der Taliban melden. Dieses Schreiben habe er dem Dorfvorsteher
übergeben, worauf dieser ihm zur Ausreise geraten habe, zumal er auch
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seitens der Brüder der mit seinem Bruder getöteten Dorfbewohner, die
ebenfalls Taliban seien, bedroht werden könne. Daraufhin habe er Afgha-
nistan – dank eines in Kabul ausgestellten Reisepasses mit iranischem Vi-
sum – auf legalem Weg in Richtung Iran verlassen. Seine Ehefrau lebe mit
den gemeinsamen Kindern aktuell bei seinem Schwiegervater in
H._, Kabul.
Der Beschwerdeführer reichte seine Tazkara, die Tazkara seiner Ehefrau
und seiner Mutter, die Karte einer Madrasa, die Geburtsurkunde seines
Sohnes und einer seiner Töchter (alles im Original), sowie Kopien von Fo-
tos betreffend seine sportlichen Aktivitäten zu den Akten.
B.
Das SEM unterbreitete der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers am
1. Juni 2021 einen Entwurf des vorgesehenen Asylentscheides. Diese liess
sich am 2. Juni 2021 dazu vernehmen.
C.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 3. Juni 2021 stellte das SEM
fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt,
lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung an, schob den
Wegweisungsvollzug indes infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vor-
läufigen Aufnahme auf. Gleichzeitig wurden ihm die editionspflichtigen Ak-
ten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt.
D.
Mit Eingabe vom 5. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer gegen diese
Verfügung durch seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde ein und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung, die Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung
von Asyl; eventualiter sei er durch das angerufene Gericht anzuhören und
die Vorinstanz anzuweisen, ihn als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl
zu gewähren; subeventualiter sei die Sache zur vollständigen Feststellung
des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtli-
cher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege in-
klusiv Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.
E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 6. Juli
2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG).
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F.
Am 8. Juli 2021 wurde der Eingang der Beschwerde vom Gericht bestätigt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG sowie Art. 10 der Verordnung vom 1. April 2020 über Mass-
nahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Covidvirus [Covid-19-
Verordnung Asyl, SR 142.318], Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fra-
gen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Weg-
weisungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläu-
fig aufgenommen hat. Damit sind die beiden anderen Bedingungen für ei-
nen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit und Unmög-
lichkeit) wegen ihrer alternativen Natur – ist eine Bedingung erfüllt, ist der
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Vollzug der Wegweisung undurchführbar – ebenfalls nicht mehr zu prüfen
(vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
2.2 Gegen eine allfällige spätere Aufhebung der vorläufigen Aufnahme
würde dem betroffenen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht offenstehen (vgl. Art. 105 AsylG), wobei in je-
nem Verfahren alle Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe
der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse von neuem zu prüfen
wären (vgl. EMARK 1997 Nr. 27 S. 205 ff.).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihre Verfügung dahingehend, dass die Vor-
bringen des Beschwerdeführers die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit
im Sinne von Art. 7 AsylG nicht zu erfüllen vermöchten. Seine Angaben
seien in wesentlichen Aspekten vage, wenig substantiiert und teilweise wi-
dersprüchlich ausgefallen. Sowohl seine Angaben zum ersten Besuch der
Taliban als auch zu seiner Absage würden – trotz vereinzelter Wiedergabe
von Auszügen direkter Rede – an Substanz vermissen lassen. Auf Nach-
fragen hin habe er ausweichend geantwortet und erklärt, bereits von den
Geschehnissen berichtet zu haben. Auch die Angaben bezüglich des zwei-
ten Besuchs der Taliban seien vage und unsubstantiiert geblieben. Zudem
habe er sich uneinheitlich geäussert, indem er einerseits erklärt habe, ruhig
geworden zu sein, als der dritte Talib interveniert habe, und andererseits
auf die Frage, wie dies zu verstehen sei, erklärt habe, er habe gezittert und
Angst gehabt. Zwar habe er bezüglich des zweiten Besuchs einzelne De-
tails erwähnt und sei auf seine Emotionen eingegangen, seine Angaben
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würden indes auch in diesem Zusammenhang nicht die Dichte an Real-
kennzeichen aufweisen, welche auf eigenes Erleben schliessen liesse.
Dasselbe gelte auch für seine Ausführung zum Gespräch mit seiner Mutter,
welches er im Anschluss an den zweiten Besuch der Taliban geführt habe.
Seine Angaben zu den Personen, die zu ihm gekommen seien beziehungs-
weise denen sich sein Bruder angeschlossen habe, seien wenig konkret
geblieben. Seine Ausführungen dazu, woran er erkannt habe, dass sie Mit-
glieder der Taliban seien, seien weitgehend stereotyp und ohne Substanz
ausgefallen. Somit sei nicht nur unklar geblieben, von wem er sich bedroht
gesehen habe, sondern auch inwiefern es sich dabei um ihm bekannte
Personen beziehungsweise Dorfbewohner gehandelt haben soll. Seine An-
gabe, wenn man einen Talib bei den Behörden rapportiere, könne man in
eine andere Gegend ziehen, nicht jedoch, wenn man mit den Dorfbewoh-
nern Probleme habe, sei vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar. Es
wären von ihm differenziertere und substantiiertere Angaben zu erwarten
gewesen, zumal sein Bruder über (...) Jahre mit diesen Personen verkehrt
haben soll.
Hinsichtlich des Inhalts des Drohbriefs habe er zwar erwähnt, dass die Ta-
liban ihm unterstellt hätten, sich an die Behörden gewandt zu haben. Das
Interesse der Taliban an seiner Person habe er indes ausschliesslich damit
begründet, dass diese ihn in Pakistan finanziert gehabt hätten und an ihm
als Sportler interessiert gewesen seien. Näher zu den Problemen mit den
Dorfbewohnern – beziehungsweise der Verwandten der zusammen mit
seinem Bruder getöteten Dorfbewohnern – befragt, habe er ausgeführt, al-
les, was er im Dorf zurückgelassen habe, sei von den Dorfbewohnern mit-
genommen worden. Konkrete Vorfälle vor seinem Weggang aus dem Dorf
habe er verneint. Seine Furcht vor allfälligen Übergriffen seitens der Dorf-
bewohner habe er einzig mit dem Brief begründet, demzufolge er für den
Tod dieser Personen verantwortlich sei, da er sich an die Behörden ge-
wandt haben soll. Schliesslich habe er auch keine Angaben dazu machen
können, ob sein Bruder und die zwei anderen Getöteten, von den Taliban
oder den Behörden getötet worden seien. Er habe somit nicht nachvoll-
ziehbar und substantiiert darlegen können, inwiefern er sich von den Dorf-
bewohnern bedroht gesehen haben wolle.
5.2 Auf Beschwerdeebene wiederholt der Beschwerdeführer seine Vorbrin-
gen und hält daran fest, dass seine Aussagen insgesamt ausführlich,
durchaus substantiiert und detailliert, widerspruchsfrei, sowie mit hoher lo-
gischer Konsistenz (trotz achronologischer Erzählweise) ausgefallen
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seien. Dass er auf die Aufforderung hin, etwas nochmals zu schildern,
mehrfach darauf verwiesen habe, bereits davon erzählt zu haben, lasse ein
grundlegendes Verständnisproblem, was die Absicht der Fragen betroffen
habe, ersichtlich werden, und es sei nicht gerechtfertigt, ihm dies entge-
genzuhalten. Die von der Vorinstanz als uneinheitlich interpretierten Ant-
worten des Beschwerdeführers hinsichtlich seines Gemütszustands an-
lässlich des zweiten Besuchs der Taliban könnten durchaus erklärt werden.
So sei er ruhig geworden, nachdem (...) die anderen zwei Personen beru-
higt habe, welche ihn am Kragen gepackt hätten, und sie davon abgehalten
habe, ihn mitzunehmen. Dass er dabei ruhiger geworden sei, jedoch trotz-
dem gezittert und weiterhin Angst gehabt habe, sei nicht widersprüchlich,
sondern vielmehr verständlich angesichts der angespannten Situation. Er
habe sich ausserdem bemüht, Informationen zu den Verfolgern zu liefern
und Details anzugeben, insofern ihm dies möglich gewesen sei. Die Tatsa-
che, dass er nur (...), nicht aber die anderen beiden persönlich gekannt
habe, und auch, dass er die Taliban, mit denen sein Bruder verkehrt habe,
zu wenig gekannt habe, könne ihm nicht vorgehalten werden. Ferner habe
er nicht wissen oder erklären können und müssen, was in den Köpfen sei-
ner Verfolger vorgegangen sei. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts könne angeblich unlogisches oder inkohärentes Verhalten der Ver-
folger nicht dem Beschwerdeführer angelastet werden. Dass er ausgeführt
habe, nicht sicher zu sein, wer die Täter gewesen seien, zeuge zudem für
die Glaubhaftigkeit, da er Unsicherheiten ausführe und begründe. Relevant
sei sodann insbesondere, dass die Taliban und die Dorfbewohner davon
ausgegangen seien, dass es die Behörden gewesen seien, welche seinen
Bruder und die anderen Dorfbewohner getötet hätten. Dies sei schlüssig
mit dem Vorwurf gegenüber dem Beschwerdeführer, dass er die Behörden
informiert haben solle und es deshalb zum Tode des Bruders und der an-
deren Dorfbewohner gekommen sei, worauf seine Verfolgung basiere. Er
werde als Verräter gesehen, welcher sich nicht den Taliban und dem Got-
tesstaat unterstelle.
Die Verfolgung durch die Taliban beziehungsweise die den Taliban nahe-
stehenden beziehungsweise angehörigen Dorfbewohner – namentlich die
Besuche sowie den Drohbrief – sei gezielt auf den Beschwerdeführer ge-
richtet. Die Taliban hätten ihm mit dem Tod gedroht, womit die Verfolgung
auch intensiv sei. Im Zeitpunkt der Ausreise sei die Verfolgung imminent
gewesen und drohe ihm auch zum jetzigen Zeitpunkt noch immer. Das Mo-
tiv bestehe darin, dass er von den Taliban als Person, welche gegen ihre
Normen verstosse beziehungsweise deren Befolgung verweigere, einge-
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stuft werde. Er gehöre zu einer Risikogruppe im Sinne der UNHCR-Richt-
linie zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs afghanischer Asyl-
suchender vom 30. August 2018, wonach sich Gruppen von Personen de-
finieren lassen würden, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten
Verfolgungsrisiko ausgesetzt seien, da er sich konsequent den Aufforde-
rungen zu Unterrichtstätigkeiten für die Taliban widersetzt habe, ein ange-
sehener (...)lehrer und (...)clubführer seiner Region gewesen sei und
mehrfach an nationalen und internationalen Wettbewerben für das afgha-
nische Team teilgenommen habe, womit er sich klar als regierungsfreund-
lich positioniert habe beziehungsweise so wahrgenommen worden sei. Zu-
dem sei sein Onkel mütterlicherseits von den Taliban als den Amerikanern
nahestehende Person eingestuft worden. Insgesamt liege eine gezielte
asylrelevante Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG vor.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
7.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Verfügung des SEM betreffend die Fluchtgründe im Er-
gebnis zu bestätigen ist. Vorab kann festgestellt werden, dass das Bundes-
verwaltungsgericht die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verfol-
gungssituation vor seiner Ausreise aus Afghanistan, namentlich durch die
Taliban respektive die Dorfbewohner, grundsätzlich nicht in Frage stellt.
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Eine asylrelevante Verfolgung des Beschwerdeführers kann zum heutigen
Zeitpunkt indes nicht angenommen werden.
Als Wesentlich wird Folgendes erachtet:
7.2
7.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat mehrfach festgestellt, dass in Af-
ghanistan gewisse Gruppen von Personen aufgrund ihrer Exponiertheit ei-
nem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt seien. Dazu gehören Perso-
nen, welche der afghanischen Regierung oder der internationalen Gemein-
schaft inklusive den internationalen Militärkräften nahestehen oder als Un-
terstützer derselben wahrgenommen werden sowie westlich orientierte
oder der afghanischen Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen nicht
entsprechende Personen. Einem besonders hohen Risiko sind gemäss
verschiedenen Quellen Personen ausgesetzt, die regelmässig bei den Mi-
litärbasen gesehen werden und eng mit den Militärangehörigen zusam-
menarbeiten. Diese sind besonders gefährdet, weil extremistisch oder fa-
natisch eingestellte Gruppierungen – insbesondere die Taliban – Muslime,
welche für die ihrer Meinung nach ungläubigen Besetzer im Land arbeiten,
als Verräter betrachten, die es hart zu bestrafen gelte (vgl. beispielsweise
das Urteil des BVGer E-4907/2019 vom 26. März 2020 E. 5.3.2).
7.2.2 Der Beschwerdeführer gab zwar an, er habe für das afghanische
Team mehrfach an internationalen (...)wettkämpfen teilgenommen. Aus
seinen Schilderungen geht jedoch hervor und davon geht er auch selber
aus, dass das Interesse der Taliban an seiner Person darin gründe, dass
diese ihn in Pakistan finanziert hätten und an ihm als Sportler interessiert
gewesen seien (vgl. SEM-Akten [act.] A31 F130 ff.). Seinen Aussagen sind
keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass die Taliban ihn wegen einer
regierungsfreundlichen Haltung hätten unter Druck setzen wollen. Die
Massnahmen der Taliban waren in diesem Lichte betrachtet – entgegen
der in der Beschwerde vertretenen Auffassung – nicht politisch motiviert.
Eine besondere Exponiertheit im Sinne der obgenannten Rechtsprechung,
welche mit einem erhöhten Verfolgungsrisiko einhergeht, sowie andere
Verfolgungsmotive im Sinn von Art. 3 Abs. 1 AsylG sind vorliegend eben-
falls nicht ersichtlich.
7.3 Schliesslich kann indes offengelassen werden, ob die Verfolgungs-
massnahmen der Taliban politisch motiviert gewesen sind, weil es keinen
Grund zur Annahme gibt, der Beschwerdeführer hätte nicht an einem an-
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deren Ort – insbesondere in Kabul – Zuflucht finden können. Er führte an-
lässlich der Anhörung selber aus, dass Problemen mit den Taliban durch
einen Wegzug aus dem Dorf ausgewichen werden könne (vgl. act. A31
F137). Was seine Befürchtungen betrifft, dass seine Familienangehörigen
von den Dorfbewohnern überall erkannt werden könnten (vgl. act. A31
F137 ff.), ist festzuhalten, dass seine Frau und Kinder seit seiner Ausreise
bei seinem Schwiegervater in Kabul leben (vgl. act. A31 F20 f.) und seinen
Aussagen keine Hinweise darauf zu entnehmen sind, dass sie seither –
abgesehen von der Hausplünderung im Heimatdorf – Probleme seitens der
Dorfbewohner erhalten hätten (vgl. act. A31 F52). Insgesamt ist somit nicht
davon auszugehen, der Beschwerdeführer habe bei einer (angesichts der
vorläufigen Aufnahme gänzlich hypothetischen) Rückkehr nach Afghanis-
tan im heutigen Zeitpunkt begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im
Sinn von Art. 3 AsylG.
7.4 Soweit im Anschluss an die materiell-rechtlichen Vorbringen in der Be-
schwerde gerügt wird, das SEM habe den Sachverhalt ungenügend erho-
ben, weshalb als Subeventualbegehren eine Rückweisung beantragt
werde, ist festzuhalten, dass das SEM die massgeblichen Vorbringen des
Beschwerdeführers erfasst und gewürdigt hat. Dass nach den Befragun-
gen gewisse Punkte Fragen oder Unklarheiten aufwerfen, liegt nicht am
ungenügend erhobenen Sachverhalt, sondern ergibt sich aus der materiell-
rechtlichen Würdigung der Aussagen durch die Vorinstanz. Diese Würdi-
gung wurde von der Vorinstanz – wie oben ausgeführt – rechtskonform
vorgenommen. Eine Rückweisung an die Vorinstanz zur Abklärung des
Sachverhalts fällt somit ausser Betracht. Die formelle Rüge ist unbegründet
und der entsprechende Subeventualantrag abzuweisen. Es besteht in die-
sem Zusammenhang auch kein Grund für das Gericht, den Beschwerde-
führer nochmals anzuhören, weshalb dieser Eventualantrag ebenfalls ab-
zuweisen ist.
7.5 Der geschilderten Gefährdungssituation hat das SEM mit der Anord-
nung der vorläufigen Aufnahme Rechnung getragen, gleichzeitig aber die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und das
Asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
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8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
10.
10.1 Nach diesen Ausführungen erweisen sich die Rechtsbegehren des
Beschwerdeführers als aussichtslos. Das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist daher
– ungeachtet der Frage der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers – abzu-
weisen. Der Antrag auf Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wird mit
dem Entscheid in der Sache gegenstandslos.
10.2 Die Kosten des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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