Decision ID: 94713dab-887d-5ae7-a6ad-034237c2f331
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Gemäss dem Entscheid betreffend Eheschutzmassnahmen der Familienrichterin
des Kreisgerichts C._ vom 13. März 2013 lebte B._ seit 1. März 2012 vom Vater
ihres Sohnes D._ gerichtlich getrennt. Der Sohn D._ war in die Obhut der Mutter
gegeben und sein Wohnsitz bei demjenigen der Mutter festgelegt worden. Da der Vater
im Zeitpunkt des Urteils mangels Leistungsfähigkeit nicht in der Lage gewesen war,
Unterhalt für das Kind zu bezahlen, hatte die Familienrichterin entschieden, er habe ein
allfälliges Fr. 3‘000.-- im Monat übersteigendes Nettoeinkommen bis zu einem
Höchstbetrag von Fr. 800.-- an die Mutter für den Unterhalt des Kindes weiterzuleiten.
Zudem beziehe die Mutter die Kinderzulage (act. G 7.1.5).
A.b Mit Verfügung vom 11. April 2014 sprach das Sozialversicherungszentrum
Thurgau B._ für den Sohn E._ (geb. 1. Februar 1997) ab 1. Januar bis 31. Juli 2014
eine Familienzulage für Nichterwerbstätige zu. Mit Einspracheentscheid vom 12. Mai
2014 wies das Sozialversicherungszentrum Thurgau die Einsprache betreffend
Familienzulage für den Sohn D._ ab, da dessen Vater als Erwerbstätiger vorrangig
Anspruch auf Familienzulage für den gemeinsamen Sohn beanspruchen könne. Falls
Gefahr bestehe, dass der Vater die Familienzulage nicht an die Mutter weiterleite,
könne sie bei der Eidgenössischen Ausgleichskasse (bei der das Erwerbseinkommen
des Vaters abgerechnet werde) die direkte Auszahlung beantragen (act. G 7.1.2 f.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
B.a B._ beantragte am 3. Juni 2014 bei der Eidgenössischen Ausgleichskasse
(EAK), Bern, die Drittauszahlung der Kinderzulagen für ihren Sohn D._. Da sie seit
Januar 2014 wegen Krankheit nicht erwerbstätig sei, müsse gemäss Schreiben des
Sozialversicherungszentrums Thurgau der von ihr getrennt lebende Ehemann A._,
der Vater von D._, die Kinderzulagen beantragen, weil er angeblich als
Zeitungsverträger angestellt sei und dabei ein monatliches Einkommen von Fr. 700.--
verdiene. Ob dies noch so sei, entziehe sich ihrer Kenntnis, da ihr Ehemann seine
Einkommensverhältnisse nicht offenlege. Nachdem sie jedoch das alleinige Sorgerecht
für D._ inne habe und für seinen gesamten Unterhalt alleine aufkommen müsse,
seien die Kinderzulagen direkt an sie auszuzahlen (act. G 7.1.1). Auf Aufforderung der
EAK reichte die Mutter am 26. Juni 2014 das entsprechende Formular ein (act. G 7.1.9,
14). Am 18. August 2014 bestätigte F._, dass B._ das Unternehmen per 31.
Oktober 2014 verlasse und wegen der langen Abwesenheit die Familienzulagen für die
beiden Söhne nur bis 30. November 2013 ausbezahlt worden seien (act. G 7.1.17). Die
G._ AG bestätigte der EAK am 12. September 2014, dass sie bislang keinen Antrag
auf Zulagen ihres Mitarbeiters A._ erhalten und noch nie eine Zulage bezahlt habe
(act. G 7.1.23, 25).
B.b Nach Einräumung des rechtlichen Gehörs gegenüber A._ (act. G 7.1.24) gab
die EAK dem Antrag auf Drittauszahlung der Familienzulagen an B._ per 1. Dezember
2013 mit Verfügung vom 14. Oktober 2014 statt (act. G 7.1.26); eine gleichlautende
Verfügung wurde auch A._ zugestellt (act. G 7.1.27).
B.c Mit Schreiben vom 24. Oktober 2014 informierte A._ die Ausgleichskasse
darüber, dass er keine Kenntnis darüber gehabt habe, dass das Arbeitsverhältnis
seiner Ehefrau per Ende November aufgelöst werde und sie in der Folge die
Kinderzulagen nicht mehr direkt ausbezahlt erhalte. Daher habe er nun bei seinem
Arbeitgeber ein Formular für den Bezug der Kinderzulagen bestellt. Er werde diese
dann mit einem Dauerauftrag der Bank an seine Ehefrau weiterleiten (act. G 7.1.29).
B.d Mit Anmeldeformular vom 26. Oktober 2014 stellte A._ Antrag auf
Familienzulagen für seinen Sohn D._ (act. G 7.1.30/2 ff.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.e Am 6. November 2014 ersetzte die EAK die Verfügung vom 14. Oktober 2014
und wies das Gesuch um Drittauszahlung der Familienzulagen an B._ ab, da A._
zugesichert habe, die Familienzulagen bei seinem Arbeitgeber zu beantragen und ihr
diese mittels Dauerauftrag seiner Bank weiterzuleiten (act. G 7.1.34). Eine
gleichlautende Verfügung erging an A._ (act. G 7.1.33).
B.f Gegen diese Verfügung erhob B._ am 10. November 2014 Einsprache mit
dem Begehren, dass ihrem Antrag auf Drittauszahlung der Kinderzulage für D._
stattgegeben werde. Zur Begründung führte sie aus, dass ihr Ehemann sie jahrelang
angelogen habe, wenn es um finanzielle Angelegenheiten gegangen sei. Er sei
jahrelang arbeitslos gewesen und habe in dieser Zeit Schulden im sechsstelligen
Bereich angehäuft. Ihr Ehemann habe ihr bereits während des Trennungsverfahrens
immer wieder angedroht, er werde ihr die Kinderzulagen für D._ wegnehmen. Da er
völlig überschuldet sei und nur ein Einkommen von Fr. 700.-- pro Monat verdiene,
werde er das Geld ganz sicher nicht für D._ nutzen (act. G 7.1.35). Zum Beweis
reichte sie u.a. einen Auszug aus dem Betreibungsregister ein (act. G 7.1.39/2 ff.).
C.
C.a Mit Einspracheentscheid vom 3. März 2014 (korrekt: 3. März 2015) hiess die
EAK die Einsprache gut und gab dem Gesuch um Drittauszahlung an die Mutter statt.
Da A._ gemäss Betreibungsregisterauszug offene Verlustscheine im sechsstelligen
Bereich habe, wäre es wegen seiner Schulden aufwendig, die Kinderzulagen wieder
einzubringen, sollte er diese nicht an die für den Unterhalt des Sohnes aufkommende
Mutter weiterleiten (act. G 3.1).
C.b Mit E-Mail vom 26. März 2015 wandte sich A._ an die zuständige
Sachbearbeiterin der EAK und ersuchte sie um Kopien aller von seiner Ehefrau
eingereichten Unterlagen. Weiter hielt er fest, es habe ihn überrascht, dass er keine
Gelegenheit erhalten habe, zu den gegen ihn gemachten Anschuldigungen Stellung zu
nehmen (act. G 7.1.42).
C.c Mit Schreiben vom 30. März 2014 teilte ihm die EAK mit, sie habe ihm kein
zweites rechtliches Gehör eingeräumt, um das Verfahren und damit die Auszahlung der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kinderzulagen nicht zu verzögern. Mit dem Einspracheentscheid vom 3. März 2015
habe er gegen den Entscheid jedoch ein Rechtsmittel in der Hand (act. G 7.1.43).
D.
D.a Gegen den Einspracheentscheid vom 3. März 2015 richtet sich die vorliegende
Beschwerde von A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) vom 27. April 2015 mit dem
Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Entscheids und Auszahlung der
Kinderzulagen direkt an ihn. Zur Begründung macht er geltend, es sei ihm wichtig, bei
der Erziehung seines Sohnes zur Hälfte auch beteiligt zu sein. Soweit es ihm möglich
sei, werde er immer seinen finanziellen Beitrag leisten. Sollte die Kinderzulage direkt an
seine Frau ausbezahlt werden, sei dies eine weitere Abgrenzung seinerseits und es
würde auch nicht dem Sinn des gemeinsamen Sorgerechts entsprechen. Jedoch wäre
er damit einverstanden, wenn die Nachzahlung für die letzten zwölf Monate direkt an
seine Frau gehen würde. Sollte die Kinderzulage schliesslich nicht von ihm
weitergeleitet werden, so wäre er damit einverstanden, dass die notwendige Änderung
unverzüglich vorgenommen würde. Das finanzielle Risiko für seine Frau liege folglich in
der Höhe der Kinderzulage von Fr. 200.--. Dagegen sei das gemeinsame Sorgerecht
eindeutig höher zu gewichten (act. G 1).
D.b Mit Beschwerdeantwort vom 5. Juni 2015 beantragte die EAK die Abweisung
der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Die Drittauszahlung sei einzig auf der
Grundlage von Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Familienzulagen (FamZG;
SR 836.2) zu beurteilen, weshalb auf die Beschwerde - soweit es sich um andere
Rechtsgebiete handle - nicht einzutreten sei. Auf Grund der von B._ eingereichten
Beweismittel sei eine Gefahr, dass die Familienzulagen nicht für die Bedürfnisse der
Mutter, die auf das Geld angewiesen sei und damit letztlich auch nicht für die
Bedürfnisse des Kindes D._ verwendet würden, offensichtlich gegeben (act. G 7).
D.c Mit Eingabe vom 20. Juli 2015 (Datum Postaufgabe) weist die zum
Beschwerdeverfahren beigeladene B._ darauf hin, dass es fraglich sei, ob der
Beschwerdeführer die Rechtsmittelfrist gegen den Einspracheentscheid vom 3. März
2015 eingehalten habe. Im Übrigen schloss sie sich der Beschwerdeantwort der
Beschwerdegegnerin an (act. G 10).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
1.1 In formeller Hinsicht ist vorab die Rechtzeitigkeit der Beschwerde zu prüfen.
Gemäss Art. 1 des FamZG sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) auf die
Familienzulagen anwendbar, soweit das FamZG nicht ausdrücklich eine Abweichung
vom ATSG vorsieht. Art. 60 Abs. 1 ATSG bestimmt, dass die Beschwerde innerhalb
von 30 Tagen nach der Eröffnung des Einspracheentscheids einzureichen ist. Nach Art.
39 Abs. 1 i.V.m. Art. 60 Abs. 2 ATSG ist die 30-tägige Frist nur gewahrt, wenn die
Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim erstinstanzlichen
Versicherungsgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post
oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben
wird. Wird der Adressat einer eingeschriebenen Briefpostsendung oder
Gerichtsurkunde nicht angetroffen und eine Abholungseinladung in seinen Briefkasten
gelegt, wird die Sendung in jenem Zeitpunkt als zugestellt betrachtet, in welchem sie
auf der Poststelle abgeholt wird. Geschieht dies nicht innert der sieben-tägigen Frist,
wird angenommen, dass die Sendung am letzten Tag dieser Frist zugestellt wurde
(Zustellfiktion). Dies gilt nur, sofern der Adressat mit der Zustellung rechnen musste
(BGE 134 V 49 E. 4 S. 51; 127 I 31 E. 2a/aa S. 34; 123 III 492 E. 1 S. 493; 115 Ia 12 E.
3a S. 15). Nach der Rechtsprechung tritt die Zustellfiktion immer sieben Tage nach
dem erfolglosen Zustellungsversuch ein und markiert den Beginn der Rechtsmittelfrist
(BGE 127 I 35 E. 2b). Art. 38 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 60 Abs. 2 ATSG bestimmt, dass
gesetzliche oder behördliche Fristen, die nach Tagen oder Monaten bestimmt sind,
vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern still stehen. Ist
der letzte Tag der Frist ein Samstag, ein Sonntag oder ein vom Bundesrecht oder vom
kantonalen Recht anerkannter Feiertag, so endet die Frist am nächstfolgenden Werktag
(Art. 38 Abs. 3 i.V.m. Art. 60 Abs. 2 ATSG).
1.2 Der Beschwerdeführer wohnte bereits im Zeitpunkt der Antragsstellung auf
Familienzulagen durch seine Ehefrau vom 3. Juni 2014 (act. G 7.1.1, vgl. auch act.
G 7.1.7) am H._ in I._ und wohnt auch heute noch an dieser Adresse (vgl. act. G 1).
Der angefochtene Einspracheentscheid datiert vom 3. März 2015 und wurde
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gleichentags als „Einschreiben R Inland“-Brief der Post übergeben. Wie der
Sendungsverfolgung der Post zu entnehmen ist, erfolgte jedoch am 4. März 2015 eine
„nicht erfolgreiche Zustellung“ nach J._, weshalb eine „Fehlleitung“ vermerkt und ein
Nachsendeauftrag nach K._ dokumentiert sind. Am 5. März 2015 wurde die Ankunft
in der Abhol-/Zustellstelle in K._ festgehalten und die eingeschriebene Sendung dem
Adressaten zur Abholung gemeldet mit Frist bis 12. März 2015. Am Donnerstag, 12.
März 2015, konnte der Einspracheentscheid dem Beschwerdeführer schliesslich am
Schalter innerhalb der siebentägigen Abholfrist zugestellt werden (act. G 5). Damit
begann die Rechtsmittelfrist zur Beschwerdeerhebung am Freitag, dem 13. März 2015,
zu laufen. Unter Berücksichtigung des Fristenstillstands vor und nach Ostern, d.h. vom
29. März bis und mit 12. April 2015, endete die dreissigtägige Frist am Sonntag 26.
April 2015 bzw. am darauf folgenden Werktag, dem 27. April 2015. Nachdem die
vorliegende Beschwerde am Montag, den 27. April 2015, der Post übergeben wurde,
hat der Beschwerdeführer die Rechtsmittelfrist gewahrt und auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
2.1 In materieller Hinsicht ist streitig, ob die Familienzulagen für D._ im Sinne einer
Drittauszahlung direkt an seine Mutter B._ auszubezahlen sind. Unbestritten ist
demgegenüber, dass der Anspruch auf Familienzulagen für D._ gemäss Art. 7 Abs. 1
lit. a FamZG dem Beschwerdeführer auf Grund der Ausübung einer Erwerbstätigkeit
zusteht.
2.2 Werden die Familienzulagen nicht für die Bedürfnisse einer Person verwendet,
für die sie bestimmt sind, so kann diese Person oder ihr gesetzlicher Vertreter
verlangen, dass ihr die Familienzulagen in Abweichung von Art. 20 Abs. 1 ATSG auch
ohne Fürsorgeabhängigkeit ausgerichtet werden (Art. 9 Abs. 1 FamZG). Art. 9 Abs. 1
FamZG bezieht sich nicht auf die Unterhaltsdeckung, sondern darauf, ob die
Familienzulagen „für die Bedürfnisse einer Person verwendet (werden), für die sie
bestimmt sind“. Da Familienzulagen darauf abzielen, familienbedingte Mehrkosten
abzudecken, wird regelmässig das „Bedürfnis“ darin bestehen, den Unterhalt des
Kindes teilweise auszugleichen. Indessen ist nicht ausschliesslich auf den Unterhalt
Bezug zu nehmen, denn es kann sich so verhalten, dass die Familienzulage von einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Person beansprucht werden kann, welche nicht den Unterhalt des Kindes
sicherzustellen hat (wie beispielsweise von einem Pflegeelternteil). Mit der gesetzlichen
Formulierung, kann es sich bei der „Person, für welche die Familienzulage bestimmt
ist“, offensichtlich um das Kind oder den anderen Elternteil, aber auch um andere
Personen und Stellen handeln, die für das Kind sorgen (Ueli Kieser/Marco Reichmuth,
Bundesgesetz über die Familienzulagen, Praxiskommentar, Zürich 2010, Rz. 6 ff. zu
Art. 9).
2.3 Vorliegend hat die beigeladene Mutter die Drittauszahlung mit der Begründung
verlangt, dass sie praktisch alleine für den Unterhalt ihres Sohnes D._ aufzukommen
habe. Dass dies zutrifft, geht auch aus dem Urteil der Familienrichterin des
Kreisgerichts C._ vom 13. März 2013 hervor, wonach der Beschwerdeführer zum
damaligen Zeitpunkt aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage war, einen
Unterhaltsbeitrag für den Sohn zu leisten (vgl. act. G 7.1.4). Wie auch den
Ausführungen des Beschwerdeführers und der Beigeladenen zu entnehmen ist, hat
sich an dieser Situation bis heute nichts geändert. Im Eheschutzverfahren hielt daher
die Familienrichterin fest, dass die Beigeladene die Kinderzulagen bezieht (act.
G 7.1.5). Weiter geht aus dem Eheschutz-Urteil hervor, dass die
Einkommensverhältnisse beider Eheleute bereits zum damaligen Zeitpunkt sehr
eingeschränkt waren. So verdiente die Beigeladene als Verkäuferin bei F._ ein
durchschnittliches monatliches Einkommen von rund Fr. 3‘000.--, während der
Beschwerdeführer offenbar seit Jahren bloss ein kleines Nebeneinkommen als
Zeitungsverträger erzielte (vgl. act. G 7.1.4). Nachdem die Beigeladene seit längerem
aus gesundheitlichen Gründen keiner Arbeitstätigkeit mehr nachgehen kann - wie sie
geltend macht -, werden sich ihre Einkommensverhältnisse weiter verringert haben.
Sodann lagen gegen den Beschwerdeführer gemäss Auszug aus dem
Betreibungsregister über die Periode vom 1. Januar 2007 bis 11. Dezember 2012
offene Verlustscheine in Höhe von Fr. 133‘231.15 vor (act. G 7.1.39/2). Auf Grund
seines (angenommenen) monatlichen Einkommens von lediglich ca. Fr. 700.-- (vgl. act.
G 7.1.7) wird sich an dieser Situation ebenfalls kaum etwas verbessert haben. Dazu
kommt, dass der Beschwerdeführer sich bereits anlässlich des Eheschutzverfahrens
weigerte, seine Einkommensverhältnisse offen zu legen (vgl. act. G 7.1.4/2). Der
Verpflichtung im Eheschutzurteil seine Einkommensverhältnisse gegenüber der
Beigeladenen halbjährlich, jeweils Ende Juni und Ende Dezember offenzulegen, ist er
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ebenfalls nicht nachgekommen, wie die Beigeladene im Drittauszahlungsgesuch
festhielt (act. G 7.1.4/2 und 7.1.1). Mithin ist bislang die Beigeladene praktisch alleine
für den Unterhalt von D._ aufgekommen. Dass trotz fehlender Unterhaltsleistungen
des Beschwerdeführers die Kinderzulagen an ihn ausbezahlt würden, bildet einen vom
Gesetzgeber kaum bedachten Spezialfall. Unter Berücksichtigung der bislang
fehlenden Unterhaltsleistungen des Beschwerdeführers, seiner hohen Verschuldung
und seiner Verweigerung der Auskunftserteilung über seine Einkommensverhältnisse
muss ausnahmsweise das hohe Risiko einer nicht zweckgemässen Verwendung der
Familienzulagen für die Drittauszahlung nach Art. 9 Abs. 1 FamZG genügen. Es ist kein
rechtlich schützenswertes Interesse erkennbar, die Kinderzulagen dem Vater
auszubezahlen, damit er sie der Mutter weiterleite. Vielmehr rechtfertigen diese
aussergewöhnlichen, vom Normalfall abweichenden Umstände eine Drittauszahlung an
die Mutter. So ist mit der Beschwerdegegnerin auf Grund der finanziellen
Gegebenheiten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass ohne
Drittauszahlung die Familienzulagen letztlich nicht für die Bedürfnisse von Mutter und
Kind verwendet würden.
2.4 Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, dass sich das finanzielle
Risiko bei einer Auszahlung der Kinderzulagen an ihn lediglich im Rahmen von
Fr. 200.-- halte. Da vorliegend jedoch der gesamte ab 1. Dezember 2013 angefallene
Betrag der noch nicht ausbezahlten Kinderzulagen in Frage steht, kann dieser
Argumentation nicht gefolgt werden. Eine Zweiteilung der Kinderzulagen auf bisher
angefallene an die Beigeladene und solche ab Rechtskraft des Auszahlungsentscheids
an den Beschwerdeführer - wie dieser vorschlägt (vgl. act. G 1) -, ist nicht begründbar.
2.5 Schliesslich sind für den Entscheid über eine Drittauszahlung der Kinderzulagen
die zwischen den getrennt lebenden Ehegatten vorgefallenen Ereignisse nicht relevant.
Insbesondere hat die Behauptung des Beschwerdeführers, er werde trotz
gemeinsamem Sorgerecht bezüglich seines Sohnes über nichts informiert, keine
Auswirkung auf den Entscheid über die Drittauszahlung. Eine Auszahlung an den
Beschwerdeführer würde diesem keinen zusätzlichen Kontakt zu seinem Sohn oder
seiner Ehefrau sichern. Inwiefern eine Auszahlung an ihn für die Wahrnehmung eines
gemeinsamen Sorgerechts überhaupt dienlich wäre, ist nicht nachvollziehbar.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.6 Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin somit den Antrag von B._ auf
Drittauszahlung der Kinderzulagen an sie auf Grund der vorliegenden
ausserordentlichen Umstände zu Recht bewilligt.
3.
Auf Grund des Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).