Decision ID: dbf14586-afea-5fb7-a9a5-2e5be18dce3c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1989 geborene
X._
war zuletzt
ab 1. April 2015 als technische Sachbearbeiterin/Projektleiterin bei der
Y._
ange
stellt. Am
2.
November 2016
meldete sie sich unter Hinweis auf
seit August 2015 bestehende
ständige Kopfschmerzen und Kopfschmerzattacken, Schwindelan
fälle, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen sowie ein Ereignis/Unfall vom
1
2.
Oktober 2008
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
9/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizi
nische und erwerbliche Abklärungen
und
erteilte der Versicherten a
b
1
6.
Oktober 2017 Kostengutsprache für Integrationsmassnahmen im Sinne eines Supports am Arbeitsplatz (
Mitteilung vom 1
6.
Oktober 2017, Urk.
9/29
). Die IV-Stelle brach die Integrationsmassnahmen per 2
4.
Mai 2018 ab mit der Begründung, deren Weiterführung sei aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar, es habe keine Steigerung der Präsenz/Leistung festgestellt werden können und die Zwischen
ziele seien deutlich nicht erreicht worden (Mitteilung vom 2
9.
Mai 2018,
Urk.
9/47
).
Die IV-Stelle liess die Versicherte daraufhin
durch
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
begutachten (Expertise vom
1.
Oktober 2018
;
Urk.
9/70
).
1.2
Mit Urteil vom 2
7.
Dezember 2018 (Prozess-Nr. UV.2017.00164,
Urk.
3/5) bejahte das hiesige Gericht einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 1
2.
Oktober 2008 (sexuelle Nötigung) und den am 1
0.
Mai 2016 bei der zuständigen Unfallversicherung
(erneut)
gemeldeten
psychi
schen
Beschwerden (insbesondere
Posttraumatische Belastungsstörung
[PTBS]
) und stellte deren Leistungspflicht dafür fest.
1.3
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
9/82,
Urk.
9/83
und
Urk.
9/87
) wies
die IV-Stelle
das Leistungsbegehren
mit
Verfügung vom 2
7.
Februar 2019
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
1.
April 2019
Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzu
heben und es sei ihr spätestens ab Mai 2017
mindestens eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung auszu
richten.
Am
9.
Mai 2019
(Urk.
8
) beantragte die IV-Stelle,
die Beschwerde sei abzuweisen,
was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
1
3.
Mai 2019
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
10
).
Die mit Verfügung vom
3.
Juni 2020 (Urk. 11)
zum Ver
fahren beigeladene
Swisscanto
Sammelstiftung der Kantonalbanken
reichte
innert der ihr angesetzten Frist keine Stellungnahme ein.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Be
einträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
2
7.
Februar 2019
(Urk. 2) damit, dass
ein Rentenanspruch nur ent
stehe, wenn die ausgewiesenen Diagnosen einen gewissen Schweregrad erreichen würden. Die Beschwerdeführerin habe zahlreiche persönliche Ressourcen, auf
grund welcher dieser Schweregrad nicht erfüllt sei. Das Aktivitätsniveau scheine mit den beschriebenen Einschränkungen nicht schlüssig.
Sie
habe per Dezember 2018 eine Stelle im 20-40
%
-Pensum angetreten. Es sei davon auszugehen, dass ihr diese Tätigkeit in einem höheren Pensum zumutbar wäre. Es bestehe deshalb kein Rentenanspruch (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
sie sei gemäss den klaren und nachvollziehbaren Ausführungen der Gutachterin vom
1.
Dezember
2015 bis 1
0.
April
2016 zu 50
%
und anschliessend bis 31. August 2017 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Seither sei sie für alle Tätigkeiten zu 40
%
arbeitsfähig. Ihre frühere Tätigkeit als Projektleiterin könne sie nicht mehr ausüben, als Sachbearbeiterin erziele sie einen tieferen Lohn. Sie habe damit ab
1.
Mai 2017
(6 Monate nach Anmeldung zum Leistungsbezug)
Anspruch auf eine
ganze
IV-Rente.
Die am 1.
Dezember 2018 angetretene Arbeitsstelle in einem 40
%
-Pensum sei
ihr per
30.
April 2019 wieder gekündigt worden (S. 11
-12
).
Von einem hohen Aktivitätsniveau könne - aus näher dar
gelegten Gr
ünden - nicht die Rede sein (S.
12-13).
Auch der
Konsiliarpsychiater
der Unfallversicherung und der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
seien von einer erheblich eingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen (S. 13-19). Vor diesem Hintergrund müsse die Behauptung der Beschwerdegegnerin, dass die Diagnosen nicht den nötigen Schweregrad aufweisen würden, um Rentenleistungen zu be
gründen, als aktenwidrig und falsch bezeichnet werden. Es gebe keine Veran
lassung und sei nicht zulässig, von den übereinstimmenden Ausführungen der Ärzte und Gutach
ter abzuweichen (S. 20).
3.
Dr.
Z._
stellte in ihre
m Gutachten
vom 1. Oktober 2018 (
Urk.
9/70/1-56
) keine Diagnosen ohne und folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit (S.
47 f.):
-
anhaltende
PTBS
(ICD-10 F43.1)
seit sexueller Nötigung 2008 mit
-
seitdem bekannter, gegenwärtig wieder intensivierter dissoziativer Komor
bidität/dissoziativer Störung
(ICD-10 F44.8)
und
-
Agoraphobie, anamnestisch mit Panikstörung, gegenwärtig
chronifiziertes
Vermeidungsverhalten (vor allem öffentliche Verkehrsmittel
, ICD-10 F40.0
1
)
-
psychologische Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifi
zierten Krankheiten:
-
Migräne ohne Aura
-
Spannungskopfschmerz
Dazu führte sie aus,
nachdem die Beschwerdeführerin
im Oktober 2008 Opfer eines sexuellen
Übergriffes beziehungsweise einer
sexuelle
n
Nötigung zum Oralsex unter Messerdrohung durch einen unbekannt gebli
eb
enen Täter
ge
worden sei, habe sich
aufgrund dieser lebensbedrohlichen Situation ein durch die damaligen Trauma-Experten gut dokumentiertes akutes Vollbild einer
PTBS
mit insbesondere dissoziative
r
Komorb
idität
und mit mehrmonatiger Arbeitsun
fähig
keit
entwickelt
. Dabei
habe sie sich
als hinter ihrer abwehrenden,
zum Teil
mutistischen
Fassade zeitweise therapeutisch schwer erreichbar
erwiesen
. Sie
habe
sich aber doch (2009) auf eine dreimonatige
traumafokussierte
stationäre psychiatrische Behandlung ein
gelassen
, wonach die Akutsymptomatik soweit
regredient
gewesen sei, dass sie
in einen stabilen Alltag
habe
zurückkehren und auch ihre Berufsbildung abschliessen
und
ihre sonstige
n
weitere
n
Lebensentwürfe
habe
umsetzen
können
. Hingegen
bringe
die Exploration heute ans Licht, dass hintergründig stets eine dissoziative Reaktionsbereitschaft
persistiert habe
, oft typischerweise
traumakorreliert
getriggert,
mit dann störenden Intrusionen und Konstriktionen, die aber nicht mit der Arbeitsfähigkeit interferiert
hätt
en
(S.
42
).
An ihrer letzten Anstellung ab
April
2015 als Projektleiterin/
Konstrukteurin
sei sie dann
ab Mitte 2015 durch
exacerbierende
Spannungskopfschmerzen und erst
mals auch
eine
sich manifestierende zusätzliche Migränekomponente ausge
bremst
worden
, wobei
sich
offenbar damit parallel auch die bekannten Disso
zia
tionen nun intensiviert
hätten. Es scheine
ein komplexes gemischt neurologisch-psychiatrisches Beschwerdebild vorzuliegen, das ab
September
2015 primär zur Krankschre
ibung aus neurologischer Sicht (
Kopfschmerzen)
geführt habe
, im weiteren Verlauf
sei
bei der Annahme einer Korrelation mit dem früheren Trauma, als nun auch psychosomatischer und dissoziativer Komorbidität der bekannten
chronifizierten
PTBS
, ab
Januar
2017 aus psychiatrischer Sicht
eine
Arbeitsun
fähigkeit attestiert
worden
. Immerhin
habe
die intensive neurologisc
he Behand
lung
mit Einsatz von Migräne-Prophylaktika, schmerzdistanzierenden Antide
pressiva und schliesslich auch
Topiramat
zumindest eine Teilkomponente der be
hindernden Schmerzen, Konzentrationss
törungen und Schwindel lindern können,
so dass ab Oktober 2017 eine
durch die Beschwerdegegnerin
unterstützte Inte
grationsmassnahme am angestammten Arbeitsplatz
habe
gestartet werden
könne
n
. Hier
habe
die
Beschwerdeführerin
eine
etwa 40%ige Arbeitsfähigkeit (mit ange
passter Arbeit und eingeschränktem Kundenkontakt)
erreicht. D
ie Annahme von Fahruntauglichkeit angesichts der dissoziativen Störung durch den Berichter
statter der
A._
im April 2018 habe
zu einer Meldung beim Strassen
verkehrsamt
geführt
. Praktisch
habe ihr
dies die Fortsetzung der Integrations
massnahme bei andauernder Reiseunfähigkeit mit dem Zug
verunmöglicht
, auch alternative Lösungen
hätten
nicht umgesetzt werden
können
und die Massnahme
sei
per Mai 2018 abrupt abgebrochen
worden und sie habe
in diesem Zu
sam
menhang dann leider ihre Stelle
v
erloren (S. 43).
A
nlässlich der Begutachtung
habe sich
eine sorgenvolle, aber authentisch und verbindlich interagierende
Beschwerdeführerin
präsentiert
, die sehr
[a
n
]
gespannt
erschienen sei
und auch mehrere Male, insbesondere bei der Trauma-Anamnese, zu
dissoziieren
gedroht habe
. Sie beschreibe
die seit 10 Jahren bestehende unveränderte Agoraphobie mit selektiver Unfähigkeit al
l
eine mit dem Zug (oder Flugzeug) zu reisen. Auch die Kardinalsymptome einer schon längst
chronifi
zierten
aber lange im Alltag integrierten
PTBS
seien von ihr
schmucklos und undramatisch beschrieben
worden
. Im Vordergrund des subjektiven Leidens
druckes
ständen (h
e
ute) vielmehr die somatoformen/
psychosomatischen Mani
festationen
(Kopfschmerzen, Schwindel)
sowie nicht nur
dissoziativen aber auch Migräne
korrelierten Konzentrationsstörungen. Therapeutisch erschein
e
sie mit der intensiven Betreuung d
urch die ambulante Psychiaterin und
den intensiven Behandlungsbemühungen durch das
B._
maximal therapiert, es
sei
hier auch eine durchgehende gute the
rapeutische Compliance belegt,
die auch anlässlich der Begutachtung mit dem therapeutischen Serumspiegel der ver
schriebenen Substanzen untermauert
werde
.
Die
Beschwerdeführerin
imponier
e
mit hochgradiger Arbeitsmotivation und Leistungsbereitschaft, die sie auch anlässlich der Begutachtung glaubhaft ventilier
e
. Wie schon von den Neurologen formuliert,
sei
aber angesichts des nicht genügenden therapeutischen Anspre
chens
beziehungsweise
der noch stets virulente
n
Migräne- und Belastungs
kopf
schmerzproblematik mit anhaltenden Attacken und Konzentrationsstörungen und der
zum Teil
in Wechselwirkung hiermit ebenso stagnierenden psychischen Befindlichkeit eine reservierte Prognose zu stellen, mit wohl seit Abbruch der Integrationsmassnahme stagnierter Arbeitsunfähigkeit und aus
bleibender weite
rer Entwicklung (S.
43-
44
).
Dass es
sich
aber nicht um eine schwer im Alltag invalidisierte
Be
schwer
de
führerin
handle
,
beweise
die gegenwärtig doch noch von ihr, in Eigenregie, und sicherlich auch mit zu honorierender aktiver Selbstdisziplin gestaltete Tages
struktur mit insbesondere erhaltener Fähigkeit zur Haushalts- und Selbstpflege, sowie Partizipation an sozialen und Freizeitaktivitäten inkl
usive
Ausbau von neuen Hobbys und Tauchsafari-Reise in ihrem sicheren, schutzbietenden habi
tuellen soziale
n
Umfeld. Auch
sei sie
erfreulicherweise doch weiterhin zukunfts
orientiert, plan
e
sie ja nicht nur ihre Anmeldung beim RAV
z
wecks Arbeitssuche aber auch ihre Heirat (im 2019).
Dies
dürfe
aber nicht über ihre anhaltende
relevante Einschränkung insbesondere der Konzentrationsspanne, Ausdauer, Flexi
bilität und Belastbarkeit hinwegtäuschen, die insgesamt eine andauernde Arbeits
unfähigkeit von 60
%
begründe
.
Sie werde
weiterhin auf
eine
Unterstützung
durch die Beschwerdegegnerin
bei der Reintegration in den beruflichen Alltag
und
auf einen rücksichtsvollen Arbeitgeber angewiesen
sein
(S. 44-45).
Für die fachärztlich einwandfrei zu diagnostizierende Leidenskomponente aus dem somatoformen Erkrankungskreis (dissoziative Störungen, Schmerzstörung, Migräne, Schwindel)
seien
die Standardindikatoren zu prüfen. Einleitend
sei
fest
zuhalten, dass insbesondere mit den dissoziativen
absenceartigen
Konzentra
tionseinbrüchen und den quasi dauerhaften Kopfschmerzen und wiederkehrende
n
Migräne-Peaks und Schw
in
delattacken eine im Alltag bedeutsam ausgeprägte
Gesundheitsbeeinträchtigung aufgrund des diagnose-inhärenten Schweregrades vorlieg
e
. Es
sei
explizit schon hier darauf hinzuweisen, dass die
Beschwerde
führerin
bei allen Beobachtern authentisch
gewirkt
und auch anlässlich der heutigen Begutachtung besonders glaubhaft, ernst und verbindlich und ohne jegliche Neigung zu etwaige
r
Aggravation von ihrem Leiden
gesprochen habe
. Selbstlim
it
ierungstendenzen
seien
nicht ersich
t
lich. Es
werde
in keinerlei Art etwa demonstrativ H
ilflosigkeit zur Schau gestellt
und
sie sei
in ihren Schilderungen
, ihrem
Verhalten
und
auch in ihrer bewiesenen
Therapiecompliance
absolut konsi
stent
(S.
45
).
Es
seien
in der auf erster Ebene zu prüfenden Kategorie des
funktionellen
Schwere
grade
s
keinerlei Ausschlusskriterien zu beleuchten
.
Was den Indikator
«
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -Resisten
z»
betreffe
,
sei
festzu
halten, dass sie sich seit Mitte 2015 um adäquate Therapie bemüh
e
und sich nicht nur beim Neurologen (
B._
seit 12/2015) diversen thera
peutischen Ein- und Umstellungen, auch einem schwierigen Medikamenten
ent
zug,
unterziehe und auch seit Januar
2017 in genügender Frequenz der bei ihrem (
traumaverbundenen
dissoziativen) Leiden erforderlichen intensiven (auch in Frequenz: im ersten Jahr zweimal pro Woche, inzwischen einmal pro Woche) problemfokussierten psychotherapeutischen Behandlung bei einer Psychiaterin unterzieh
e
. Sie beweis
e
hier auch durchgehend
eine
gute
Therapiecompliance
, die anlässlich der Begutachtung mit de
m
dokumentierten therapeutischen Serum
spiegel der verschriebenen Substanzen bewiesen
werde.
Was die berufliche Ein
gliederung
betreffe
,
habe sie sich
mit voller Kooperation an der Integra
tions
mass
nahme beteiligt. Es
sei
aus ihren Ausführungen
eine
hochgradige Be
reit
schaft zur beruflichen Wiedereingliederung ersichtlich. Dass die Integra
tions
massnahme
habe
abgebrochen werden
müssen und sie auch
noch ihre Stelle verlor
en habe, sei nicht
etwa fehlendem Integrationswillen oder Kooperation
,
sondern dem aus psychiatrischer Sicht zu bedauernde
n
integrationsblockierenden Intermezzo mit plötzlicher Annahme von Fahruntauglichkeit aufgrund einer seit ze
hn Jahren bestehenden Diagnose (
dissoziative Komorbidität) und trotz schon seit sieben Jahren bewiesene
r
Fahrtaugl
ichkeit mit unfallfreiem Fahren
zuzu
ordnen (S.
46).
Hinsi
chtlich des Indikatorkomplexes «Persönlichkeit»
sei
auf die gut ausgereifte, intakte und gut differenzierte Persönlichkeitsstruktur der
Beschwerdeführerin
hinzuweisen. Zum Indikatorkomplex
«
soziale
r
Kontext
»
sei
festzustellen, dass hier geradezu ausgeprägte Ressourcen zu situieren
seien
.
Die Beschwerdeführerin
habe
ein tragfähiges soziales
Netzwerk aufgebaut, pflege
langjährige Freundschaften, beweis
e
insbesondere auch in ihrer mittlerweile knapp zehnjährigen Partnerschaft ihre Konflikt- und Kompromissfähigkeit, pfleg
e
den Kontakt zu Familienan
ge
hörigen und beweg
e
sich sehr gerne in der Heavy
M
etal
Szene, wo sie sich mit
«
Gleichgesinnten
»
vereint und zugehörig erleb
e
. Gegenwärtig sei sie auch mit den Vorbereitungen ihrer Heirat im Mai 2019 beschäftigt. So
halte
der soziale
Lebenskontext in hochgradigem Ausmass mobilis
ierbare Ressourcen bereit (S. 4
6).
In der Kategorie
«
Konsistenz
»
sei
ausdrücklich auf die Authentizität und konsi
stente Symptompräsentation hinzuweisen. Es
sei
nachvollziehbar, dass diese
Symptomatik ihre Arbeitsfähigkeit in höherem Grade andauernd einschränk
e
, gleichwohl im vertraute
n
Alltag mit Haushalt und Hobbys sowie im sozialen Netz eingebettet doch eine (mit Selbstdisziplin) etablierte sinnvolle Tagesstruktur
zu
lasse
. Insbesondere bemüh
e
sich die
Beschwerdeführerin
auch um die Übung ihrer kognitiven Fähigkeiten (Konzentration, Sudokus, Rätsellösen, Kalkula
tio
nen) als Vorbereitung für die Rückkehr in den Berufsalltag als Konstrukteurin. Sie be
kunde streithaft,
«
zu Hause nicht verblöden zu wollen
»
und wirk
e
auch konsistent, indem sie sich schon auf eigene Initiative nach adäquaten Tätigkeiten i
m
Teilzeitpensum umschau
e
(S. 46-47).
Schliesslich
sei
im Indikatorkomplex des
«
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks
»
erneut darauf hinzuweisen, dass die
Beschwerdeführerin
sich den maximalen Therapieanstrengungen unterzogen ha
be
und dass sie sich auch maximal angestrengt ha
be
, mit der beruflichen Einglie
derungsmassnahme
C._
zu einer Wiedereingliederung am angestammten Arbeitsplatz zu gelangen. Diese Bemühungen
seien
durch eine Drittinstanz
be
ziehungsweise
nicht selbstverschuldet
,
sondern durch das pragmatische Verun
mög
li
chen des Arbeitsweges nach Vermutung von Fahruntauglichkeit torpediert
worden
. Die
Beschwerdeführerin
sei
- wie sie anlässlich der Begutachtung w
ieder
holt und glaubhaft bekunde
- ausschliesslich an einer Wiedereingliederung
be
ziehungsweise an Arbeit und
nicht etwa an einer Rentenleistung interessiert
(S.
47
).
Die psychiatrische Aktenlage (
Akten der Beschwerdegegnerin, der zuständigen Unfallversicherung und
des Taggeldversicherers)
sei
hinreichend dokumentiert. Es
seien
hierin keine Widersprüche zwischen der Selbstschilderung der
Be
schwerdeführerin
und den fremdanamnestischen Informationen ersichtlich.
Zu
sammenfassend
sei
aus psychiatrischer Sicht aufgrund der Konsistenzprüfung von einem arbeitsmedizinisch objektiv relevanten Leiden auszuge
hen (
S. 50
).
Vom
1.
Dezember 2015 bis 1
0.
April 2016 habe eine 50%ige und anschliessend bis am 3
1.
August 2017
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit bes
tanden. S
eit dem 1.
September 2017 persistiere bis heute eine 40%ige Arbeitsfähigkeit in jeglicher ihrer Ausbildung und
ihren
Interessen entsprechenden Tätigkeit, so auch in der angestammten Tätigkeit als Konstrukteurin (S. 53-54).
4.
4.1
Das Gutachten
von
Dr.
Z._
vom
1.
Oktober 2018
(
Urk. 9/70/1-56
)
beruht auf den erforderlichen psychiatrischen Untersuchungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorakten erstellt.
Dr.
Z._
legte die medizinischen Zu
sammenhänge einleuchtend dar, beurteilt
e
die medizinische S
ituation überzeu
gend und setzte
sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander.
Sie zeigte auf, dass
die Beschwerdeführerin an einem komplexen
gemischt neurologisch-psychiatrische
n
Beschwerdebild
leidet,
auf welche die umfassenden Behandlungen therapeutisch nicht genügend an
sprechen.
Dr.
Z._
legte
ausführlich dar, dass
die Tagesstruktur der Be
schwerdeführerin und deren Partizipation an Aktivitäten
in ihrem sicheren, schutzbietenden habituellen soziale
n
Umfeld
nicht
hinwegtäuschen
dürfen über
das Vorliegen
eine
r
anhaltende
n
relevante
n
Einschränkung insbesondere der Konzentrationsspanne, Ausdauer, Flexibilität und Belastbarkeit,
welche
insge
samt eine andauernde
erhebliche
Arbeitsunfähigkeit
begründen.
Dr.
Z._
gelangte
so
dann
unter ausführlicher und nachvollziehbarer Auseinandersetzung mit den massgeblichen Standardindikatoren
(
Urk.
9/70/45-47)
zum begründeten Schluss, dass
die Beschwerdeführer
in
in jeglicher Tätigkeit bis am 31. August 2017 zu 100
%
arbeitsunfähig war und seither zu 40
%
arbeitsfähig ist.
Das
Gut
achten entspricht damit den rechtsprechungsgemässen Anfor
derungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.4
hievor
).
Dies ist auch zwischen den Parteien unbestritten.
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung denn auch in medizinischer Hinsicht auf das Gutachten von
Dr.
Z._
. Sie ging indes bei der Beurteilung gestützt auf eine von der zuständigen Kundenberaterin durch
geführten Ressourcenprüfung (
Urk.
9/81/9-11) von einer vollständigen Arbeits
fähigkeit aus, dies in Abweichung der gutachterlichen Einschätzung, der Ein
schätzung des
Konsiliarpsychiaters
der zuständigen Unfallversicherung (Expertise des Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 4. April 2017, Urk. 9/44/52-67) und der Stellungnahme des
RAD
(versicherungsmedizi
nische Beurteilung des Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie, vom 2
1.
November 2018, Urk. 9/81/8-9).
4.3
4.3.1
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechts
anwendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vor
gegebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beein
trächtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Ein
schätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweis
würdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Be
weisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamt
bild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln
über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
Von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit kann damit aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne dass ein wie vorliegend grundsätzlich beweiskräftiges Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3).
4.3.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
4.3.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das
Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest,
dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schä
digung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz aus
zuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittel
gradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E.
2, E.
3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende
allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E.
4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell be
weis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
4.4
Die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung
von
Dr.
Z._
umfasste das ganze Leis
tungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesent
lichen
Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde.
Dr.
Z._
ist bei der Beantwortung der Frage, wie
sie
das Leistungsvermögen einschätze, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, hat ausschliesslich funktio
nelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträch
tigung sind, und
ihre
versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob
sie
sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen ge
halten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indi
katoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist zu bejahen. Die funk
tionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen An
spruchs
grundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen
. Es bleibt deshalb
kein Raum für die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
,
in dieser Form nicht mehr zulässige
losgelöste juristische Parallelüberprüfung,
zumal diese am
zentralen Punkt des strukturierten Beweisverfahrens, wonach
nicht nur Ressourcen, sondern auch
Defizite
umfassend
zu berücksichtigen
sind, vorbei
zielt
.
So trifft es in
sbesondere nicht zu, dass die Beschwerdeführerin nach der sexuellen Nötigung eine unauffällige Entwicklungsbiographie an den Tag gelegt hat
.
A
uch
kann
aus
dem Umstand, dass sie heiratet,
den Haushalt praktisch selber führen kann
und enge Freunde hat
, nicht
ohne Weiteres
auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit geschlossen werden.
Dass sie mit ihrem künftigen Ehemann Ferien in Ägypten verbringen und mit diesem Heavy
Metal
Festivals besuchen konnte, steht nicht im Widerspruch zu der von ihr angegebenen Unmöglichkeit,
alleine
Zug zu fahren.
Denn während ihren Freizeitaktivitäten ist sie stets
um
geben von
ihrem sicheren, schutzbietenden habituellen soziale
n
Umfeld
, was bei einer Zugfahrt alleine eben gerade nicht der Fall ist. Dass die Diagnosen beziehungsweise Einschränkungen den nö
tigen Schweregrad aufweisen, wurde von
Dr.
Z._
ausführlich begründet. Insbesondere wurde von der Beschwer
degegnerin aber unberücksichtigt gelassen, dass die Beschwerdeführerin eine
durchgehend gute therapeutische Compliance
beweist
.
So
unterzog
sie
sich beim behandelnden Neurologen diversen
therap
eutischen Ein- und Umstellungen und
einem schwierigen Medikamentenentzug
, ist
seit Januar 2017 mit einer hohen Frequenz in
psychotherapeutischer Behandlung
(
im ersten Jahr zwei Sitzungen
pro Woche
und seither einer
wöchentlichen
Sitzung
)
und lässt sich psycho
phar
makologisch behandeln, was sich anlä
sslich der Begutachtung
mit einem
thera
peutischen Serumspiege
l der verschriebenen Substanzen bestätigte. Ihre Be
schwerden erwiesen sich jedoch als weitgehend therapieresistent. Auch hat sie sich mit voller Kooperation
um eine Wiedereingliederung bemüht,
welche nicht
etwa
wegen
fehlendem Integrationswillen
, sondern aufgrund einer
plötzliche
n
Annahme von Fahruntauglichkeit seitens eines behandelnden Arztes abge
bro
chen werden musste.
Dr.
Z._
wies denn auch ausführlich begründet darauf hin, dass sich die Beschwerdeführerin in ihren Schilderungen und in ihrem Verhalten als absolut konsistent erweist.
All dies wurde bei der Prüfung der Nach
voll
zieh
barkeit einer Teilarbeitsunfähigkeit von der Beschwerdegegnerin nicht gewürdigt.
4.5
Gestützt auf das beweiskräftige und nachv
ollziehbare Gutachten von Dr.
Z._
ist
nach dem Gesagten
eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur Anerkennung einer bis 3
1.
August 2017 bestehenden 100%igen und seither 60%igen Arbeitsunfähigkeit
in jeglicher Tätigkeit
aus psychischer Sicht führt, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin war ab
1.
April 2015 als technische Sachbearbeiterin
Pumpen tätig.
Nach Angaben ihrer ehemaligen Arbeitgeberin führte
sie
alle Arbei
ten, welche im Innendienst im Bereich von Pumpen (Investitionsgüter) an
fallen, aus. Dabei handelte es sich um ein stark technikbezogenes und forderndes Umfeld (
Urk.
9/13/3). Dass sie massgebend als Projektleiterin
gearbeitet
und ein ent
sprechendes Einkommen erzielt hätte
(vgl.
Urk.
1 S. 11-12)
,
was ihr heute nicht mehr möglich wäre,
wird aus dem Arbeitgeberbericht hingegen nicht er
sichtlich.
So
verdiente
sie denn auch
in ihrer angestammten Tätigkeit im Jahr
2016
Fr.
71'500.
--
, was pro Stunde in etwa rund Fr.
36.5
0
entspricht (Fr. 71'500.--/
wohl 233 Arbeitstage pro Jahr [261 Wochentage minus 20 Ferientage minus 8
Feier
tage]/
8.4 Stunden pro Tag, vgl. dazu
Urk.
9/13 und Urk. 3/3). Bei der nach Eintritt der Gesundheitsschädigung bei der ehemaligen Arbeitgeberin
am 1.
Dezember 2017 angetretenen befristeten Tätigkeit im 40
%
-Pensum
erzielte
sie gar einen leicht höheren Lohn
von Fr.
37.4
7
pro Stunde.
Eine aufgrund einer gesund
heitsbedingt angeblich weniger qualifizierten Arbeit erlittene Einkommensein
busse ist damit nicht auszumachen.
Die angestammte Arbeit wird von Gutach
terin
Dr.
Z._
denn auch ausdrücklich a
ls leidensangepasst bezeichnet.
5.2
Es ist zusammenfassend davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung nach wie vor als technische Sachbearbeiterin
Pumpen tätig wäre, einer Arbeit, welcher sie trotz ihrer Beschwerden - in reduziertem Umfang - weiterhin nachgehen kann.
Der
Invaliditätsgrad
ist
somit
rein prozentual
festzulegen
und
entspricht dem Arbeitsunfähigkeitsgrad
von 100
%
von Mai bis August 2017 und
von 60
%
ab September 2017
.
Die Beschwerdeführerin hat
nach dem Gesagten
vom
1.
Mai
2017 bis 3
0.
November 2017 (Zeitpunkt Verbesserung plus drei Monate,
Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Inva
lidenversicherung [IVV]
)
Ansp
ruch auf eine ganze und seit 1.
Dezember 2017 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente
der Invaliden
ver
siche
rung
.
Die Beschwerde ist damit gutzuheissen.
5.
3
Vom 1
6.
Oktober 2017 bis 2
4.
Mai 2018 wurden Integrationsmassnahmen (Support am Arbeitsplatz) durchgeführt und die Beschwerdeführerin bezog dafür ein Taggeld (Urk. 9/29 und
Urk.
9/47). Die Beschwerdegegnerin wird dies bei der Festle
gung des Rentenanspruchs zu berücksichtigen haben (vgl. Art. 47 IVG).
6
.
6
.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
9
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der un
terliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Der Beschwerdeführerin steht
ausgangsgemäss
eine Prozessentschädigung zu, welche
vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3
Gesetz über das Sozialversiche
rungsgericht, GSVGer
). Entsprechend ist ihr
eine solche von Fr.
2‘400.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zuzusprech
en.