Decision ID: 3c136556-50e7-5c08-8b8e-5de97b2b1a57
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Der Beschwerdeführer, welcher angab, ethnischer B._ zu sein und
aus Addis Abeba zu stammen, suchte am 29. November 2010 in der
Schweiz um Asyl nach. Mit Verfügung vom 7. Januar 2011 trat die Vo-
rinstanz auf das Asylgesuch nicht ein und ordnete seine Wegweisung aus
der Schweiz sowie den Vollzug an.
B.
Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundesver-
waltungsgericht mit Urteil E-493/2011 vom 21. Januar 2011 ab.
C.
Mit Urteil E-2084/2011 vom 13. Mai 2011 trat das Bundesverwaltungsge-
richt auf ein gegen das Urteil E-493/2011 gerichtetes Revisionsgesuch we-
gen unterbliebener Leistung des Kostenvorschusses nicht ein.
II.
D.
Mit Eingabe vom 4. Juli 2011 reichte der Beschwerdeführer bei der Vor-
instanz ein Wiedererwägungsgesuch ein. Auf dieses trat die Vorinstanz mit
Verfügung vom 7. November 2011 mangels Leistung des eingeforderten
Kostenvorschusses nicht ein. Diese Verfügung erwuchs mangels Anfech-
tung in Rechtskraft.
III.
E.
Der Beschwerdeführer gelangte mit Eingabe vom 18. Dezember 2014 wie-
derum an die Vorinstanz und machte geltend, in den früheren Asylverfah-
ren nicht die Wahrheit erzählt zu haben und in der Schweiz exilpolitisch
tätig zu sein. Mit Verfügung vom 16. August 2016 nahm die Vorinstanz
diese Eingabe als zweites Asylgesuch respektive Mehrfachgesuch entge-
gen, verneinte das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft, lehnte sein Asyl-
gesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Vollzug an.
E-4757/2019
Seite 3
F.
Die vom Beschwerdeführer gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht behandelte das Gericht in der Folge in ge-
trennten Verfahren (als Beschwerdeverfahren unter der Verfahrensnum-
mer E-5660/2016, als Revisionsverfahren unter der Verfahrensnummer
E-5917/2016).
G.
Mit zeitgleich ergangenen Urteilen vom 28. Oktober 2016 wies das Bun-
desverwaltungsgericht die Beschwerde unter Hinweis auf die mangelnde
Intensität und Exponiertheit seiner exilpolitischen Aktivitäten als offensicht-
lich unbegründet ab und trat auf das Revisionsgesuch infolge nicht einge-
reichter Revisionsverbesserung und –ergänzung nicht ein.
IV.
H.
Mit einer als «Asylgesuch» betitelten Eingabe vom 26. Oktober 2017 ge-
langte der Beschwerdeführer erneut an die Vorinstanz. Darin machte er im
Wesentlichen geltend, nach wie vor exilpolitisch aktiv zu sein. Er habe aktiv
an mehreren Veranstaltungen von exilpolitischen Organisationen – wie
etwa des Fernsehsenders ESAT (Ethiopian Satellite Television) und Gin-
bot 7 – teilgenommen. Am (...) 2016 sei er zudem Mitglied der Ginbot 7
geworden. Auch auf Facebook sei er sehr aktiv, indem er seit (...) 2016
unterschiedliche Beiträge teile. Da sich die politische Situation in Äthiopien
verschlechtert habe, seien seine Aktivitäten in Anbetracht der verschärften
Lage zu betrachten und vermöchten seine Flüchtlingseigenschaft zu be-
gründen.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer sieben Fotos
von exilpolitischen Veranstaltungen, Mitgliedschaftsdokumente für Gin-
bot 7 vom (...) 2016, (...) 2016 und (...) 2017, Auszüge aus seinem Face-
book-Profil sowie einen Bericht von Amnesty International zu den Akten.
Die Vorinstanz nahm die Eingabe als Mehrfachgesuch entgegen.
I.
Mit Verfügung vom 16. August 2019 – eröffnet am 19. (auf dem Rückschein
handschriftlich angebrachtes Eröffnungsdatum) respektive 20. (Datum des
auf dem Rückschein aufgebrachten Poststempels) August 2019 – lehnte
die Vorinstanz das Mehrfachgesuch des Beschwerdeführers ab, verfügte
E-4757/2019
Seite 4
seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Gleich-
zeitig wies es sein Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten ab und erhob
eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.–. Auf die Begründung wird – soweit
wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
J.
Am 23. August 2019 wurde zuhanden der Vorinstanz ein am (...) 2019 aus-
gestellter äthiopischer Reisepass, lautend auf die Identität des Beschwer-
deführers, sichergestellt.
K.
Mit Beschwerde vom 16. September 2019 an das Bundesverwaltungsge-
richt beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft unter Gewäh-
rung der vorläufigen Aufnahme sowie eventualiter die Rückweisung der
Sache an die Vorinstanz zwecks Beurteilung des Sachverhalts im Lichte
der aktuellen politischen Situation in Äthiopien. In prozessualer Hinsicht
beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Auf die
Begründung wird – soweit wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Der Beschwerdeführer reichte einen Brief über politische Gefangene in
Äthiopien in amharischer Sprache ins Recht.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 25. September 2019 wies der Instruktionsrich-
ter das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozessführung
unter Hinweis auf die Aussichtslosigkeit seiner Beschwerde ab und erhob
einen Kostenvorschuss. Dieser wurde in der Folge fristgerecht bezahlt.
M.
Mit zusätzlicher Eingabe vom 14. November 2019 wies der Beschwerde-
führer auf die neusten Entwicklungen in Äthiopien hin und reichte hierzu
einen USB-Stick mit weiteren Beweismitteln (ein Word-Dokument mit drei
Facebook-Auszügen, 13 Fotos und ein Video betreffend die Situation in
Äthiopien) zu den Akten.
E-4757/2019
Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG (SR
142.31) vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das
Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
E-4757/2019
Seite 6
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.4 Massgeblicher Zeitpunkt für die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
ist derjenige des Entscheides über das Asylgesuch, das heisst, es ist zu
prüfen, ob die Furcht vor einer absehbaren Verfolgung dannzumal (noch)
begründet ist; dabei sind Veränderungen der objektiven Situation im Hei-
matstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid zugunsten und zulasten der
asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/12 E. 5.2
S. 154 f.).
5.
5.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung hielt die Vorinstanz zu-
nächst fest, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei, im Rah-
men seines ersten Asylverfahrens eine politisch motivierte Verfolgung
durch die äthiopischen Behörden glaubhaft zu machen. Dies sei in der
Folge vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt worden. Somit bestehe
weiterhin kein Anlass zur Annahme, dass er vor dem Verlassen seines Hei-
matstaates als regimefeindliche Person ins Blickfeld der äthiopischen Be-
E-4757/2019
Seite 7
hörden geraten oder dort in irgendeiner Form als Regimegegner oder poli-
tischer Aktivist registriert worden sei. Demzufolge sei auch nicht davon aus-
zugehen, dass er nach seiner Ankunft in der Schweiz unter spezieller Be-
obachtung seitens der äthiopischen Behörden gestanden sei. Das Bundes-
verwaltungsgericht habe bestätigt, dass er in der Schweiz als einfacher
Teilnehmer von Protestkundgebungen in Erscheinung getreten und nicht
als ausserordentlich engagierter und exponierter Regimegegner aufgefal-
len sei. Wie viele seiner Landsleute habe er sich – gemäss den eingereich-
ten Fotos – nach wie vor exilpolitisch betätigt. Doch weder aus den neu
eingereichten Beweismitteln noch aus den knappen Angaben, an diversen
Veranstaltungen «aktiv teilgenommen» zu haben, ergäben sich ausrei-
chende Hinweise für eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung oder ein
entsprechendes Verfolgungsinteresse seitens der äthiopischen Sicher-
heitsbehörden. Es könne vorliegend nicht angenommen werden, dass er
sich in besonderer Art und Weise betätigt und exponiert habe. Er gehöre
mit Sicherheit nicht zur Zielgruppe des «harten Kerns» von aktiven oppo-
sitionellen Äthiopiern im Ausland, für die sich die äthiopischen Behörden
interessierten. Doch selbst bei Annahme einer höheren Exponierung sei
auf die jüngsten Veränderungen in Äthiopien hinzuweisen. Nach der Wahl
von Abiy Ahmed zum Premierminister im April 2018 sei unter anderem die
Organisation Ginbot 7 von der Terrorliste gestrichen und die im Exil le-
bende Opposition zur Rückkehr und zur Teilnahme am politischen Prozess
in Äthiopien aufgefordert worden. So sei unter anderem auch der Anführer
der Ginbot 7 aus dem Exil nach Äthiopien zurückgekehrt. Im Mai 2019 hät-
ten sich sieben Oppositionsparteien – unter anderem die Ginbot 7 – aufge-
löst und sich zu einer neuen Partei namens Ethiopian Citizens for Social
Justice (ECSJ) zusammengeschlossen. Demzufolge sei nicht davon aus-
zugehen, dass er wegen seiner exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz
bei einer Rückkehr nach Äthiopien aktuell gefährdet wäre. Die Mitglied-
schaft bei Ginbot 7 sei teilweise revisionsrechtlich zu prüfen beziehungs-
weise sei womöglich bereits Gegenstand einer derartigen Prüfung gewe-
sen, auf welche das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 28. Oktober
2016 nicht eingetreten sei. Trotzdem sei zu erwähnen, dass aufgrund der
aktuellen Entwicklungen in Äthiopien auch nicht davon auszugehen sei,
dass er aufgrund einer möglichen Mitgliedschaft bei Ginbot 7 aktuell ge-
fährdet wäre. Die vorgebrachten subjektiven Nachfluchtgründe hielten da-
her den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG
nicht stand.
5.2 Zur Begründung seiner Beschwerde rügte der Beschwerdeführer in for-
meller Hinsicht zunächst, dass die Vorinstanz sein rechtliches Gehör sowie
E-4757/2019
Seite 8
ihre Begründungspflichten verletzt habe, indem sie sich einer Würdigung
der eingereichten Beweismittel und Vorbringen vollständig entzogen habe.
Stattdessen habe sie sich auf eine Lageanalyse gestützt, welche weder
der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts noch den
aktuellen Realitäten in Äthiopien gerecht werde. Dadurch habe das SEM
die Menschenrechtslage in Äthiopien und die Gefährdungssituation des
Beschwerdeführers im Falle einer Rückkehr falsch eingeschätzt.
In der Folge kritisiert der Beschwerdeführer die Einschätzung der Vor-
instanz zur Lage in Äthiopien und deren Verweis auf das Urteil
E-4254/2017 des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. Januar 2019, zumal
das Gericht im Urteil D-6086/2015 vom 30. Januar 2019 zu einer anderen
Einschätzung der Menschenrechtslage in Äthiopien gelangt sei. Es komme
in Äthiopien wieder vermehrt zu Verhaftungen unter dem Anti-Terror-Ge-
setz. Die Nachhaltigkeit der angestossenen Reformen erweise sich als un-
gewiss. Die Sicherheitslage im Land präsentiere sich mit jedem Tag fragiler
und aufgrund der ethnischen Spannungen und gewaltsamen Auseinander-
setzungen drohe das Land ins Chaos abzugleiten. Sodann äusserte sich
der Beschwerdeführer ausführlich zu allgemeinen Entwicklungen sowie zur
politischen Lage und Sicherheitslage in Äthiopien, insbesondere auch mit
Blick auf die Attentate vom 22. Juni 2019. Es sei anzunehmen, dass die
Arbeit und die Methoden der Geheimdienste und der politischen Polizei
sich wohl nicht wesentlich verändert hätten. Er rechne angesichts der cha-
otischen Zustände in Äthiopien damit, sowohl bei der Papierbeschaffung
als auch bei der Rückkehr in seine Heimat in den Fokus der äthiopischen
Behörden zu geraten und genau durchleuchtet zu werden. Spätestens
dann würden die äthiopischen Behörden von seinen exilpolitischen Aktivi-
täten erfahren. Angesichts der herrschenden Sicherheits- und Menschen-
rechtslage in Äthiopien drohten ihm bei einer Rückkehr Festhaltung, Haft,
Verhör und unmenschliche Behandlung respektive Folter. Damit erfülle er
die Flüchtlingseigenschaft.
6.
6.1 Zunächst ist auf die formellen Rügen (Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs sowie der Begründungspflicht) einzugehen. Der Beschwerdeführer
führte in seiner sehr pauschal gehaltenen Rüge nicht aus, welche Beweis-
mittel und Vorbringen von der Vorinstanz seiner Auffassung zufolge nicht
gewürdigt worden seien. Seine pauschale Rüge, das SEM habe sich einer
entsprechenden Würdigung «vollständig» entzogen, ist jedoch klar akten-
widrig. Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung sämtliche von ihm
eingereichten Beweismittel auf (vgl. a.a.O. E. II. Ziff. 2) und bezog sich in
E-4757/2019
Seite 9
der anschliessenden Würdigung seiner Vorbringen auf diese, indem es
festhielt, den eingereichten Fotos zufolge habe er sich exilpolitisch betätigt
(vgl. a.a.O. S. 5, vierter Absatz). Bezüglich der geltend gemachten Mitglied-
schaft bei Ginbot 7 führte es mit Bezug auf die angeführten positiven Ver-
änderungen in Äthiopien aus, dass auch diese nicht zu einer Gefährdung
seiner Person zu führen vermag (vgl. a.a.O. S. 6, dritter Absatz). Das Er-
gebnis der Würdigung dieser Beweismittel und der damit verbundenen Vor-
bringen vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in Äthiopien ist sodann
keine formelle, sondern eine materielle Frage. An dieser Stelle kann bereits
vorweggenommen werden, dass die Lageeinschätzung des SEM – wie
nachfolgend aufgezeigt – nicht zu beanstanden ist.
Demnach besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung wegen
formeller Mängel zu kassieren.
6.2 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass dem Beschwerde-
führer aufgrund seiner exilpolitischen Aktivitäten bei einer Rückkehr nach
Äthiopien keine behördliche Verfolgung flüchtlingsrechtlich relevanten Aus-
masses gemäss Art. 3 AsylG drohen würde.
Es ist diesbezüglich auf die im als Referenzurteil publizierten Entscheid
des Bundesverwaltungsgerichts D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 aktuali-
sierte Analyse der politischen Lage in Äthiopien zu verweisen. Demzufolge
hat sich die dortige Lage mit Amtsantritt von Abiy Ahmed als erstem Präsi-
denten des Landes mit Oromo-Volkszugehörigkeit im April 2018 und den
damit einhergehenden Reformen deutlich verbessert (vgl. a.a.O. E. 7.3.).
Das Ziel von Abiy Ahmed ist die Stärkung der Demokratie unter Einbindung
aller politischen Kräfte. Er unternimmt Anstrengungen, in vielen Bereichen
Reformen anzustossen oder durchzuführen. Dies betrifft auch den Umgang
mit regierungskritischen Personen, gegen die das Regime bisher mit gros-
ser Härte vorging. Die Regierung rief die Oppositionellen im Exil zur Rück-
kehr und Teilnahme am politischen Prozess auf. Politische Dissidenten,
ehemalige Rebellen, Abspaltungsanführer und Journalisten sind seither
nach Äthiopien zurückgekehrt (beispielsweise der Oppositionsführer der
Ginbot 7, Berhanu Nega). Tausende politische Gefangene wurden seit April
2018 begnadigt und freigelassen. Die OLF und weitere Vereinigungen, die
sich für die Anliegen der Oromo einsetzen – wie die Ginbot 7, welcher der
Beschwerdeführer angeblich angehöre –, wurden im Sommer 2018 von
der Liste der terroristischen Gruppierungen gestrichen. Das Gefängnis Ma-
E-4757/2019
Seite 10
kelawi, das für Folter und unmenschliche Behandlung der Häftlinge be-
kannt war, wurde geschlossen. (vgl. a.a.O. E. 7). Dennoch kommt es nach
wie vor zu ethnischen Unruhen in verschiedenen Regionen Äthiopiens, so
auch in Oromia, der Herkunftsregion des Beschwerdeführers (vgl. u.a. Am-
nesty International, Beyond Law Enforcement: Human Rights Violations by
Ethiopian Security Forces in Amhara and Oromia, 29. Mai 2020,
< https://www.amnesty.ch/de/laender/afrika/aethiopien/dok/2020/sicher
heitskraefte-vertreiben-verhaften-und-toeten-menschen >, abgerufen am
9. Oktober 2020).
6.3 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt folglich nicht, dass die Situa-
tion in Äthiopien nach dem Amtsantritt von Abiy Ahmed – in anderem
Masse und Kontext – weiterhin von gewissen ethnischen Spannungen und
entsprechenden Unruhen geprägt ist. Dies ist jedoch Ausfluss des ange-
schobenen Demokratisierungsprozesses. An dieser Einschätzung vermö-
gen auch die vom Beschwerdeführer eingereichten und zitierten Berichte
zur Lage in Äthiopien nichts zu ändern, zumal sich den Berichten keine
systematische Verfolgung gewisser Volksgruppen durch die Regierung
entnehmen lässt und diese vielmehr die inter-ethnischen Spannungen in
der Bevölkerung aufzeigen. Für die Bejahung der Flüchtlingseigenschaft
im Sinne von Art. 3 AsylG bedarf es darüber hinaus einer Verfolgung oder
der Furcht vor einer solchen aufgrund einer konkret auf die Person geziel-
ten Handlung mit asylrelevanter Motivation. Dass der Beschwerdeführer –
als angebliches Parteimitglied der Ginbot 7 – im Falle einer Rückkehr zum
jetzigen Zeitpunkt derartigen gezielten Verfolgungshandlungen ausgesetzt
werden könnte, ist nicht wahrscheinlich, zumal die Ginbot 7 – respektive
deren Nachfolgepartei ECSJ – als politische Partei anerkannt und in den
Demokratisierungsprozess einbezogen ist. Folglich lassen die Vorbringen
des Beschwerdeführers nicht auf eine heute aktuelle Verfolgung schlies-
sen. Schliesslich sind keine Anzeichen ersichtlich, die folgern lassen, dass
zurückgekehrte Kritiker/-innen der (vormaligen) Regierung systematisch
verfolgt und inhaftiert werden. Dasselbe gilt für Sympathisanten respektive
Mitglieder der Ginbot 7.
Die exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers führt vor diesem Hinter-
grund zu keiner anderen Einschätzung. Es erscheint mit Blick auf die aktu-
elle politische Lage nach der Wahl von Abiy Ahmed nicht wahrscheinlich,
dass seitens der äthiopischen Behörden ein besonderes Interesse an der
Person des Beschwerdeführers besteht und ihm bei einer Rückkehr eine
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würde, selbst wenn von einer
exilpolitischen Exponierung auszugehen wäre. Nach dem Ausgeführten
https://www.amnesty.ch/de/laender/afrika/aethiopien/dok/20
E-4757/2019
Seite 11
kann aber offen bleiben, ob sich der Beschwerdeführer in der Schweiz tat-
sächlich in exponiertem Masse exilpolitisch betätigt hat.
Letztlich ist an dieser Stelle ergänzend auf den Umstand hinzuweisen,
dass dem Beschwerdeführer am (...) 2019 durch die heimatlichen Behör-
den ein auf seine Identität lautender äthiopischer Pass ausgestellt wurde.
Die Ausstellung dieses Passes spricht nicht nur gegen das Vorliegen einer
objektiven Verfolgungsgefahr, sondern im Übrigen auch gegen eine sub-
jektive Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers.
6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine konkreten Anhalts-
punkte für eine im heutigen Zeitpunkt objektiv begründete Furcht des Be-
schwerdeführers vor einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG durch die
äthiopischen Behörden vorliegen. Das SEM hat demzufolge seine Flücht-
lingseigenschaft zu Recht verneint und folgerichtig sein Asylgesuch abge-
lehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
E-4757/2019
Seite 12
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3 Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs führte die Vorinstanz aus, dass
infolge der fehlenden Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers auch
der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht
angewandt werden könne. Aus den Akten ergäben sich ferner keine An-
haltspunkte dafür, dass ihm im Falle einer Rückkehr nach Äthiopien mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe
oder Behandlung drohe. Ferner sei der Vollzug der Wegweisung nach Äthi-
opien in alle Regionen grundsätzlich zumutbar. Trotz der gegenwärtig an-
gespannten Lage in Teilen des Landes herrsche in Äthiopien weder Krieg
noch Bürgerkrieg noch eine Situation der allgemeinen Gewalt im Sinne von
Art. 83 Abs. 4 AIG. Des Weiteren sei die individuelle Zumutbarkeit der
Wegweisung bereits in den Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts
E-493/2011 und E-5660/2016 rechtskräftig bestätigt worden. Seine Vor-
bringen im vorliegenden Verfahren seien nicht geeignet, im heutigen Zeit-
punkt die Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu än-
dern. Der Vollzug der Wegweisung sei demnach zulässig, zumutbar und
möglich.
8.4 Den Ausführungen der Vorinstanz hielt der Beschwerdeführer in allge-
meiner Weise entgegen, dass die Einschätzung der Menschenrechtslage
der Vorinstanz in Äthiopien unzutreffend sei. Angesichts der herrschenden
Sicherheits- und Menschenrechtslage in Äthiopien drohten ihm bei einer
Rückkehr Festhaltung, Haft, Verhör und unmenschliche Behandlung res-
pektive Folter durch die Behörden, weshalb der Vollzug der Wegweisung
unzulässig sei.
E-4757/2019
Seite 13
8.5 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Dies gelingt ihm nicht. Auch die allgemeine Men-
schenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum
heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen (vgl. zur Verbesserung
der generellen Situation in Äthiopien seit Amtsantritt von Ministerpräsident
Abiy Ahmed im April 2018 Ausführungen unter E. 6.2 f. m.w.H.).
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.6 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.6.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis von der
grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in alle Regionen
Äthiopiens aus (vgl. Referenzurteil des BVGer D-6630/2018 vom 6. Mai
2019 E. 12.2 und BVGE 2011/25 E. 8.3). Die Situation im Land ist seit dem
Amtsantritt von Premierminister Abiy Ahmed stabiler. Insbesondere in den
E-4757/2019
Seite 14
ländlichen Gebieten gibt es aber nach wie vor ungelöste ethnische Kon-
flikte, welche teilweise zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Ver-
treibungen führen (vgl. Urteil des BVGer D-7203/2017 vom 1. März 2019
E. 7.4.2 m.w.H.). Entgegen der (sinngemäss) vom Beschwerdeführer ge-
äusserten Auffassung kann jedoch nicht von einer Situation allgemeiner
Gewalt gesprochen werden, aufgrund derer auf eine konkrete Gefährdung
im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG geschlossen werden müsste. Die Sicher-
heitslage in seinem Heimatstaat spricht somit nicht gegen die Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs (vgl. dazu ausführlich Urteil D-7203/2017,
a.a.O.). Auch unter Berücksichtigung der neueren Entwicklungen lässt sich
diese Praxis bestätigen (vgl. etwa Urteile des BVGer D-7176/2018 vom
3. Juli 2020 E. 9.3; E-4708/2019 vom 12. Juni 2020 E. 9.4.1; E-6707/2018
vom 8. Juni 2020 E. 12.3). Dem Beschwerdeführer kann ausserdem zuge-
mutet werden, sich in einer von ethnischen Auseinandersetzungen weniger
stark betroffenen Region, insbesondere etwa in der Hauptstadt Addis Ab-
eba, aus der er stammt, niederzulassen. Weiter ist zu prüfen, ob der Be-
schwerdeführer gleichwohl aus persönlichen Gründen konkret gefährdet
sein könnte.
8.6.2 Wie die Vorinstanz korrekterweise feststellte wurde die Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs zuletzt mit Bundesverwaltungsgerichtsurteil
E-5660/2016 vom 28. Oktober 2016 rechtskräftig beurteilt und bejaht. We-
der den vorinstanzlichen Akten noch der Beschwerdeeingabe sind Hin-
weise auf eine seit diesem Urteil veränderte persönliche Situation des Be-
schwerdeführers zu entnehmen, zumal sich die Beschwerde diesbezüglich
ausschweigt. Aufgrund der Aktenlage ist somit nicht davon auszugehen,
der Beschwerdeführer würde in Äthiopien in eine existenzielle Notlage ge-
raten.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
8.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
E-4757/2019
Seite 15
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss
ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
E-4757/2019
Seite 16