Decision ID: f43b7b5a-f555-57d9-9fff-4a563316031b
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
B._ war seit September 2004 als Rangierangestellter im 100%-Pensum bei der
SBB AG tätig (IV-act. 1, 8). Am 1. Oktober 2009 trat der Versicherte bei der Diagnose
einer akuten polymorphen psychotischen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie
bei abhängig-infantilen Persönlichkeitszügen (DD paranoide schizophrene Störung) in
die Psychiatrische Klinik C._ ein (vgl. IV-act. 9). Am 20. Oktober 2009 meldete sich
der Versicherte zum Bezug von beruflichen Massnahmen bei der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen an (IV-act. 1). Nach der Entlassung aus der Psychiatrischen Klinik C._
führte er ab Februar 2010 im Rahmen eines Arbeitstrainings bei seiner Arbeitgeberin
adaptierte Arbeiten im 50%-Pensum aus (vgl. IV-act. 18, 21 ff.). Nachdem der
Versicherte Ende Mai 2010 einen Rückfall erlitten hatte, teilte die damalige Psychiaterin
der IV-Stelle mit, dass aufgrund der schwer ausgeprägten paranoiden Schizophrenie
und der fehlenden Krankheitseinsicht bis auf Weiteres im ersten Arbeitsmarkt keine
A.a.
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B.
Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sei (IV-act. 32, vgl. IV-act. 29-3). Daraufhin wurden die
Wiedereingliederungsbemühungen mit Verfügung vom 6. Dezember 2010
abgeschlossen (IV-act. 39; vgl. zum Ganzen die Protokolle und Gesprächsnotizen vom
7. Juni und 22. September sowie vom 15. und 18. Oktober 2010, IV-act. 29, 31 ff.).
Ab Oktober 2010 war der Versicherte im Psychiatrie-Zentrum D._ in ambulanter
Behandlung. Die behandelnden Ärzte stellten die Diagnosen einer seit September 2009
bestehenden, akuten polymorphen psychotischen Störung mit Symptomen einer
Schizophrenie (ICD-10 F23.1) sowie einer seit der Kindheit bestehenden, sonstigen
tiefgreifenden Entwicklungsstörung mit Sozialbehinderung und Mangel an sozialen
Fertigkeiten (ICD-10 F84.8). Die Ärzte attestierten dem Versicherten eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit. Der Versicherte benötige einen geschützten Arbeitsplatz. Ob sich
dadurch eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit ergebe, bleibe noch abzuwarten.
Sicher sei zu berücksichtigen, dass das fluktuierende Krankheitsbild bei der fehlenden
Krankheitseinsicht und beim fehlenden Krankheitsgefühl sowie bei der fraglichen
Medikamenten-Compliance immer wieder zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit führen
könne (IV-act. 40). Mit Verfügung vom 20. April 2011 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100% mit Wirkung ab
dem 1. September 2010 zu (IV-act. 49 ff.).
A.b.
Im Rahmen der im Jahr 2013 durchgeführten Rentenrevision bestätigte die IV-
Stelle die ganze Rente des Versicherten (Mitteilung vom 6. Mai 2013, IV-act. 62; vgl. IV-
act. 52 ff.).
A.c.
Im Januar 2015 reichte der Versicherte der Eidgenössischen Ausgleichskasse
einen Arbeitsvertrag über eine Anstellung ab dem 1. Januar 2015 als Pizzakurier im
Teilzeitpensum ein (IV-act. 64 f.). Im Juli 2015 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit,
dass er zurzeit nicht in einer medizinischen Behandlung stehe. Das Arbeitsverhältnis sei
mündlich gekündigt worden (IV-act. 71, 73). Ab dem 6. August 2015 arbeitete der
Versicherte als Kassierer im Stundenlohn bei der E._ GmbH in F._ (IV-act. 75). Im
Oktober 2015 teilte das Psychiatrie-Zentrum D._ der IV-Stelle mit, dass der
Versicherte zuletzt im März 2014 in Behandlung gewesen sei (IV-act. 78, vgl. auch IV-
act. 93 f.).
B.a.
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Im März 2016 berichtete das Psychiatrie-Zentrum D._ der IV-Stelle, dass der
Versicherte anlässlich der einmaligen Konsultation vom 16. März 2016 angegeben
habe, dass er nirgendwo in Behandlung sei, da er keinen Grund dafür sehe; er sei
psychisch völlig gesund. Der Versicherte habe sämtliche vorbeschriebenen Symptome
negiert und bagatellisiert. Das Psychiatrie-Zentrum D._ empfahl eine Behandlung und
Beobachtung des Versicherten und bei dessen Verweigerung einer solchen eine
Begutachtung (IV-act. 95).
B.b.
Im Juni 2016 wurde der Versicherte neurologisch und psychiatrisch durch Dr.
med. G._, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, begutachtet (Gutachten vom 21. Juni
2016, IV-act. 104). Der Sachverständige stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit des Versicherten: Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8), Remission
nach einer polymorphen psychotischen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie
(F23.1) sowie Persönlichkeitsänderung nach psychischer Erkrankung (F62.1). Er hielt
fest, dass der Versicherte bei einer auffälligen familiären Vorgeschichte für psychische
Erkrankungen und bei möglicherweise eingeschränkten Entwicklungsbedingungen in
der Kindheit ein von zahlreichen Besonderheiten gekennzeichnetes Persönlichkeitsbild
entwickelt habe. Die Diagnosen seien aufgrund der etwa übereinstimmenden Angaben
in der medizinischen Aktenlage sowie der aktuell erhobenen anamnestischen,
klinischen und testdiagnostischen Daten gestellt worden. Sie bedingten einander in
einer komplexen Art und Weise. Beim Versicherten seien die sozial relevanten Bereiche
der Emotionalität und des zwischenmenschlichen Umgangs erheblich bis vollständig
beeinträchtigt. Von ausreichenden Ressourcen, die den Versicherten befähigen
würden, die gesundheitliche Einschränkung zu verringern oder aufzuheben, könne
nicht ausgegangen werden. Relevante Zweifel an der Plausibilität der vorgetragenen
und demonstrierten Beschwerden und Einschränkungen hätten sich an keiner Stelle
der Exploration ergeben. Zweifel hätten sich vielmehr in Bezug auf die Validität der
möglicherweise überhöhten Selbsteinschätzung betreffend die Fähigkeiten und
betreffend die berufliche Leistungsfähigkeit ergeben. Die ohne Selbstzweifel oder
genauere Begründung vorgetragene Selbsteinschätzung einer vollkommen
unbeeinträchtigten Leistungsfähigkeit in der freien Wirtschaft sowie die vergleichsweise
atypischen Ergebnisse in den entsprechenden Testungen erweckten den Eindruck von
Bemühungen um Dissimulation zumindest eines Teiles der Beschwerden und
B.c.
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Einschränkungen. Der emotionale Kontakt sei in einem reduzierten und unvollständigen
Mass herstellbar gewesen. Dr. G._ führte weiter aus, die in der Aktenlage
aufgeführten medizinischen Einschätzungen gingen fast durchgehend von einer nicht
vorhandenen beruflichen Leistungsfähigkeit des Versicherten in jeder Arbeit in der
freien Wirtschaft aus. Allerdings habe der Versicherte durch eine inzwischen
mehrjährige Tätigkeit in verschiedenen einfacheren Hilfstätigkeiten im Bereich der
freien Wirtschaft mit einem niedrigen Lohn gezeigt, dass er zu einer vollzeitigen Arbeit
in einem niedrig bezahlten Bereich der freien Wirtschaft mit reduzierten
Leistungsanforderungen fähig sei. Dr. G._ kam zum Schluss, dass der Versicherte in
der angestammten Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig sei. Schwierigkeiten bei der
Flexibilität, beim sozialen Miteinander sowie bei der Selbstorganisation schränkten die
Arbeitsfähigkeit ein. In einer dem Leiden angepassten, regelmässigen Tätigkeit mit der
Gelegenheit zum Rückzug, ohne intensiveren Einzelkontakt zu Kunden oder Kollegen,
ohne erheblichen Zeit- und Leistungsdruck, ohne Mehrfachbelastungen und ohne
Unterbrechungen und Störungen bestehe eine 75%ige Arbeitsfähigkeit (bei acht
Stunden täglich). Die seit mehreren Monaten ausgeübte Tätigkeit als Hilfskraft in einem
Kinobetrieb stelle eine gut bis optimal an das Fähigkeitsprofil angepasste Tätigkeit dar.
Die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten seien im Wesentlichen ausgeschöpft.
Verglichen mit den medizinischen Einschätzungen aus der Frühphase nach der
Akuterkrankung habe sich eine signifikante Verbesserung des Gesundheitszustands
ergeben. Eine relevante Verbesserung der Gesundheitsstörung mit einer Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit sei im weiteren Spontanverlauf durchaus mit Wahrscheinlichkeit
zu erwarten.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) erachtete das Gutachten am 3. August 2016
bezüglich der Diagnosen und Einschränkungen als ausführlich, in sich schlüssig und
nachvollziehbar. Die Schlussfolgerung, dass mit den beschriebenen Einschränkungen
eine 75%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten möglich sei, sei jedoch nicht
nachvollziehbar. Gemäss dem IK-Auszug habe der Versicherte nie ein
existenzsicherndes Einkommen erwirtschaftet. Abzuklären sei, ob es sich bei der
Tätigkeit im Kinobetrieb um einen Nischenarbeitsplatz am Rande der freien Wirtschaft
handle (IV-act. 106).
B.d.
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Am 30. September 2016 gab der Versicherte an, dass er aktuell bei einem
Pizzakurier arbeite (IV-act. 111). In der Folge holte die IV-Stelle diverse
Arbeitgeberberichte und Lohnabrechnungen zur Abklärung des vom Versicherten
erzielten Lohnes ein (vgl. IV-act. 116, 117, 121).
B.e.
Am 16. November 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Herabsetzung der
ganzen Rente auf eine Dreiviertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 60% in Aussicht.
Sie zog als Valideneinkommen den Lohn des Versicherten als Rangierarbeiter heran
und errechnete das Invalideneinkommen auf der Grundlage des zuletzt als Pizzakurier
erzielten Einkommens (IV-act. 124, vgl. auch IV-act. 122).
B.f.
Dagegen wandte die Pensionskasse A._ am 25. Januar 2017 ein, es stehe zwar
fest, dass sich der Gesundheitszustand seit spätestens Januar 2016 verbessert habe.
Ob und in welchem Umfang dem Versicherten dadurch neu die Erzielung eines
anspruchsrelevanten Erwerbseinkommens möglich sei, erscheine indes als unklar. Ob
die seit Januar 2016 tatsächlich ausgeübten Tätigkeiten tatsächlich der wieder
erlangten Arbeitsfähigkeit entsprächen, lasse sich nicht beurteilen. Der in dieser Zeit
erzielte Lohn könne nicht unbesehen als Invalideneinkommen angerechnet werden (IV-
act. 128).
B.g.
Auf Rückfrage der IV-Stelle berichtete der Sachverständige Dr. G._ am 9. März
2017, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit Dezember 2010
verbessert habe. Die Verbesserung beziehe sich auf die Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Arbeitssituation. Näherungsweise lasse sich die Verbesserung des
Gesundheitszustands auf Januar 2016 festlegen (IV-act. 131).
B.h.
In der Folge tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen bezüglich der
Erwerbssituation des Versicherten (vgl. IV-act. 134 ff.). Am 9. Juni 2017 teilte die A._
AG der IV-Stelle mit, dass der Versicherte im Jahr 2017 einen Jahreslohn von Fr.
69'880.25 erzielen würde, wenn er ohne gesundheitliche Einschränkungen in der
gleichen Position als Rangierangestellter tätig wäre (IV-act. 140).
B.i.
Mit Vorbescheid vom 15. Juni 2017 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die
Aufhebung der Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 28% an. Sie ging dabei
von einer Arbeitsunfähigkeit von 25% aus und legte das Invalideneinkommen gestützt
B.j.
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auf die Lohnstrukturerhebungen des Bundes (LSE) auf Fr. 50'742.00 fest (IV-act. 143).
Dagegen wandte der Versicherte am 16. Juni 2017 ein, dass er aufgrund seines
geringen Einkommens weiterhin auf die Rentenleistungen angewiesen sei (IV-act. 145).
Daraufhin holte die IV-Stelle einen Bericht der aktuellen Arbeitgeberin des Versicherten,
der H._ GmbH, sowie diverse Lohnabrechnungen ein (IV-act. 156 f.).
In einem internen Strategieprotokoll vom 14. September 2017 hielt die IV-Stelle
fest, dass die gutachterlich attestierte 75%ige Arbeitsfähigkeit adaptiert im ersten
Arbeitsmarkt nicht verwertbar sei und dass lediglich ein sehr spezifischer
Nischenarbeitsplatz oder der geschützte Rahmen für eine Erwerbstätigkeit des
Versicherten in Frage komme (IV-act. 149).
B.k.
Mit Vorbescheid vom 18. Oktober 2017 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die
Herabsetzung der ganzen Invalidenrente auf eine halbe Rente bei einem
Invaliditätsgrad von 51% an. Dabei zog sie zur Berechnung des Invalideneinkommens
den Durchschnitt der letzten Monatslöhne bei der H._ GmbH heran, was ein
Invalideneinkommen von Fr. 34'139.00 ergab (IV-act. 160). Dagegen wandte die
Pensionskasse A._ am 21. November 2017 mit Verweis auf die gutachterlichen
Ausführungen ein, dass dem Versicherten eine adaptierte Arbeit zu 75% zumutbar sei.
Aufgrund der effektiv erbrachten Arbeitsleistung sei davon auszugehen, dass der
Versicherte auf dem massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt bei einer vollen
Ausschöpfung seines Leistungsvermögens ein rentenausschliessendes Einkommen
erzielen könnte. Zudem seien keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die
Anstellung auf einem sozialen Entgegenkommen der Arbeitgeberin beruhen würde.
Somit könnte der Versicherte bei einem Grundlohn von Fr. 20.53 einen Jahreslohn von
Fr. 44'837.50 erzielen, womit sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 36%
ergebe (IV-act. 162).
B.l.
Am 14. Dezember 2017 verfügte die IV-Stelle die Herabsetzung der bisherigen
ganzen Rente auf eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 51% (IV-act. 165,
167, sowie zwei Kinderrenten, IV-act. 166, 168 ff.).
B.m.
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C.
Gegen diese Verfügungen vom 14. Dezember 2017 liess die Pensionskasse A._
am 29. Januar 2018 Beschwerde erheben. Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Rente per 1. April 2016. Eventualtier sei die Sache zur weiteren
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung wurde im
Wesentlichen geltend gemacht, dass der Versicherte gemäss dem schlüssigen
Gutachten von Dr. G._ in einer adaptierten Tätigkeit zu 75% arbeitsfähig sei. Dass
der Versicherte auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt in seiner Erwerbsfähigkeit über
die von Dr. G._ attestierte Beschränkung der Leistungsfähigkeit hinaus eingeschränkt
wäre, sei nicht ersichtlich. Die Frage, welches effektive Invalideneinkommen
heranzuziehen sei, könne offenbleiben, da das hypothetische Invalideneinkommen
rechtsprechungsgemäss anhand der Lohnstrukturerhebungen (LSE) des Bundesamtes
für Statistik festzulegen sei. Dabei ergebe sich ein rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von 21% bei einer 40-Stundenwoche bzw. 18% bei einer 41.7
Stunden-Woche. Ein Tabellenlohnabzug sei nicht vorzunehmen (act. G 1).
C.a.
In einer internen Stellungnahme von 23. Februar 2018 hielt die
Beschwerdegegnerin fest, dass die Arbeitsfähigkeit des Versicherten aufgrund der
erheblichen Einschränkungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht verwertbar sei;
auf dem ersten Arbeitsmarkt sei keine Verwertbarkeit ausgewiesen. Mit der aktuellen
Tätigkeit habe der Versicherte einen Nischenarbeitsplatz gefunden, in dem er ein für
eine Rente relevantes Einkommen erzielen könne. Eine andere Tätigkeit sei nicht
zumutbar und könne zu einer Destabilisierung des Gesundheitszustandes führen (IV-
act. 176).
C.b.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 28. März 2018 stellte die Beschwerdegegnerin
den Antrag, dass die Beschwerde insofern gutzuheissen sei, als der Rentenanspruch
des Versicherten aufzuheben sei. Eventualiter sei die Rente auf eine Viertelsrente
herabzusetzen. Zur Begründung führte sie an, dass der Versicherte mit der Tätigkeit als
Pizzakurier, die er bereits seit Juli 2016 mit einem durchschnittlichen Pensum von 66%
ausübe, zeige, dass seine Arbeitsfähigkeit durchaus auf dem ersten Arbeitsmarkt
verwertbar sei. Ob es sich um einen Nischenarbeitsplatz handle, sei nicht massgebend.
Nicht ersichtlich sei, weshalb auf das tatsächlich erzielte Einkommen abgestellt werden
C.c.
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Erwägungen
1.
sollte, da der Versicherte seine Restarbeitsfähigkeit nicht voll ausschöpfe. Vielmehr sei
beim Invalideneinkommen auf den Hilfsarbeiterlohn der LSE des Jahres 2016 im Betrag
von Fr. 67'022.00 abzustellen. Bei einem Pensum von 75% ergebe sich bei einem
10%igen Tabellenlohnabzug ein Invalideneinkommen von Fr. 45'240.00. Ausgehend
von einem Valideneinkommen von Fr. 69'881.00 ergebe sich damit ein Invaliditätsgrad
von 35% und damit kein Rentenanspruch. Selbst wenn das Einkommen der aktuellen
Tätigkeit auf ein 75%-Pensum aufgerechnet würde, würde sich ein Invaliditätsgrad von
44.5% und damit lediglich ein Anspruch auf eine Viertelsrente ergeben (act. G 4).
Am 3. Mai 2018 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Standpunkten fest und
führte ergänzend aus, dass die Rente spätestens auf den 1. Februar 2018 aufzuheben
sei (act. G 6).
C.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act. G
8).
C.e.
Am 25. Mai 2018 wurde der Versicherte zum Prozess beigeladen und ihm wurde
die Gelegenheit zur Stellungnahme und zur Wahrung der Parteirechte eingeräumt
(act. G 9). Er liess sich nicht vernehmen (vgl. act. G 10).
C.f.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die ganze Invalidenrente des
Versicherten zu Recht auf eine halbe Invalidenrente herabgesetzt hat. Bei den
angefochtenen Verfügungen vom 14. Dezember 2017 handelt es sich unstreitig um
Revisionsverfügungen im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG.
1.1.
Eine versicherte Person hat gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid ist.
1.2.
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
gemäss dem Art. 17 Abs. 1 ATSG für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt
1.3.
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2.
oder aufgehoben. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den
tatsächlichen Verhältnissen seit der Zusprache der Rente, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist daher
nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern
etwa auch dann zu revidieren, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich
gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben oder eine andere
Methode der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt. Hingegen ist die
lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen
Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich. Als Vergleichsbasis für die
Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine
anspruchserhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht. Ist eine anspruchserhebliche Änderung des
Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, bleibt es nach dem
Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen Rechtszustand (vgl. BGE 141 V
9 E. 2.3 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011,
9C_418/2010 E. 3.1 mit Hinweisen).
Zeitliche Vergleichsbasis bildet die ursprünglichen Zusprache der ganzen
Invalidenrente vom 20. April 2011 (IV-act. 49 ff.), was zu Recht unbestritten geblieben
ist. Der ursprünglichen Rentenzusprache haben in medizinischer Hinsicht diverse
Berichte der behandelnden Ärzte der psychiatrischen Klinik C._ und des Psychiatrie-
Zentrums D._ zugrunde gelegen. Die behandelnden Ärzte haben dem Versicherten
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer akuten polymorphen psychotischen
Störung mit Symptomen einer Schizophrenie (ICD-10 F23.1) sowie einer tiefgreifenden
Entwicklungsstörung mit Sozialbehinderung und Mangel an sozialen Fertigkeiten
(ICD-10 F84.8) attestiert (vgl. IV-act. 9, 40). Der RAD hat diese vollständige
Arbeitsunfähigkeit aufgrund der ärztlichen Angaben als erstellt erachtet (vgl. IV-act. 41).
2.1.
Im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Revisionsverfügungen vom 14.
Dezember 2017 ist der Versicherte gemäss dem überzeugenden neurologischen und
psychiatrischen Gutachten von Dr. G._ vom 21. Juni 2016 (IV-act. 104) in der
angestammten Tätigkeit weiterhin zu 100% arbeitsunfähig, in einer angepassten
Tätigkeit jedoch zu 75% arbeitsfähig gewesen. Der Sachverständige hat eine
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8), eine Remission nach einer polymorphen
psychotischen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie (F23.1) sowie eine
2.2.
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3.
Persönlichkeitsänderung nach psychischer Erkrankung (F62.1) diagnostiziert. Diese
Diagnosen und die Arbeitsfähigkeitsschätzung beruhen auf einer vertieften
Auseinandersetzung des Gutachters mit den medizinischen Vorakten sowie auf einer
persönlichen Untersuchung des Versicherten. Dr. G._ hat den Gesundheitszustand
des Versicherten umfassend erhoben und gewürdigt. Er hat seine Schlussfolgerungen
hinsichtlich der Diagnosen und der Arbeitsfähigkeitsschätzungen anhand der objektiv-
klinischen Befunde nachvollziehbar und überzeugend hergeleitet.
Widersprüchlichkeiten sind nicht auszumachen. Auch in den übrigen Akten finden sich
keine Hinweise, die Zweifel am Beweiswert des Gutachtens wecken würden.
Zusammenfassend ist mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegt, dass der Versicherte im Zeitpunkt der angefochtenen
Revisionsverfügungen für eine behinderungsadaptierte Erwerbstätigkeit zu 75%
arbeitsfähig gewesen ist. Damit steht fest und ist zwischen den Parteien zu Recht nicht
bestritten, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit der ursprünglichen
Rentenzusprache vom 20. April 2011 wesentlich verändert hat, weshalb die laufende
Rente hat revidiert werden müssen.
Ausgehend von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsadaptierten
Tätigkeit ist der Invaliditätsgrad zu ermitteln. Dabei ist zunächst zu prüfen, ob der
Versicherte seine Restarbeitsfähigkeit von 75% auf dem ersten Arbeitsmarkt verwerten
kann. Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass der Versicherte auf dem
ausgeglichenen (also ersten) Arbeitsmarkt mindestens die von Dr. G._ attestierte
75%ige Arbeitsfähigkeit aufweise. Die Akten hätten gezeigt, dass es dem Versicherten
seit dem Jahr 2014 immer wieder gelungen sei, selbst eine Arbeit zu finden und diese
ohne Einschränkungen auszuüben (act. G 1). Die Beschwerdegegnerin hat sich
ebenfalls auf den Standpunkt gestellt, dass der Versicherte bereits seit Juli 2016 als
Pizzakurier mit einem durchschnittlichen Pensum von 66% tätig sei und damit gezeigt
habe, dass seine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt verwertbar sei. Ob es
sich dabei um einen Nischenarbeitsplatz handle, sei nicht massgebend (act. G 4). Die
Frage, ob der Versicherte seine Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
verwerten kann, oder ob er auf einen geschützten Arbeitsplatz im Sinne des zweiten
Arbeitsmarktes angewiesen ist, lässt sich nicht allein medizinisch beantworten,
sondern bedarf auch einer berufsberaterischen Einschätzung. Während der
medizinische Sachverständige anzugeben hat, wie eine behinderungsadaptierte
Erwerbstätigkeit auszusehen hat und welche Auswirkungen die
Gesundheitsbeeinträchtigung für den Arbeitsalltag in einer solchen Erwerbstätigkeit
3.1.
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hat, muss der Berufsberater anhand dieser Angaben abklären, ob die versicherte
Person fähig ist, den Anforderungen einer behinderungsadaptierten Stelle auf dem
ersten Arbeitsmarkt zu genügen, ob er also eine Arbeitsleistung erbringen kann, die für
einen Arbeitgeber des ersten Arbeitsmarktes ausreicht, um ihm einen Arbeitsplatz zur
Verfügung zu stellen. Dabei kann es sich zwar durchaus um einen Nischenarbeitsplatz
handeln, aber auch an diesem Nischenarbeitsplatz muss – nach ausschliesslich
betriebswirtschaftlichen Kriterien – ein so hoher Mehrwert für den Arbeitgeber
resultieren, dass der Arbeitsplatz nicht mit der Besetzung durch einen gesunden
Arbeitnehmer einen messbar höheren Mehrwert der Arbeitsleistung generieren würde.
Der erste Arbeitsmarkt definiert sich nämlich nach der rein betriebswirtschaftlichen
Mehrwertsituation im konkreten Arbeitsverhältnis. Von einem Nischenarbeitsplatz
spricht man folglich immer dann, wenn ein Arbeitgeber des ersten Arbeitsmarktes über
einen Arbeitsplatz verfügt, an dem eine gesundheitlich angeschlagene Person so
optimal eingegliedert ist, dass sie denselben Mehrwert für den Arbeitgeber generieren
kann wie eine gesunde Person, die am selben Arbeitsplatz dieselbe Leistung liefern
würde.
Gemäss den dem Gericht vorliegenden Akten ist keine derartige
berufsberaterische Abklärung durchgeführt worden. Es gehört zum Fachgebiet der auf
gesundheitlich beeinträchtigte Arbeitnehmer spezialisierten IV-Berufsberatung und
nicht zum Fachgebiet der medizinischen Sachverständigen, die mit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung betraut sind, ob der Versicherte im ersten Arbeitsmarkt an
einem optimal adaptierten (Nischen-)Arbeitsplatz denselben Mehrwert für den
Arbeitgeber generieren kann wie ein gesunder Arbeitnehmer, der in einem dem
Arbeitsfähigkeitsgrad des Versicherten analogen Beschäftigungsgrad angestellt ist.
Dass der Versicherte immer wieder für beschränkte Zeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
eine Anstellung gefunden hat, beweist für sich alleine nicht, dass er auf dem ersten
Arbeitsmarkt auf Dauer einsatzfähig ist, denn er hat die Arbeitsstellen jeweils bald
wieder verloren, was darauf hindeutet, dass er entgegen den beim Arbeitgeber anfangs
erweckten Erwartungen mit seiner Arbeit keinen ausreichenden Mehrwert generiert hat.
Die Berufsberatung der Beschwerdegegnerin wird abzuklären haben, ob der
Versicherte im ersten Arbeitsmarkt an einem adaptierten Arbeitsplatz mit einem
Arbeitsfähigkeitsgrad von 75% denselben Mehrwert liefern kann wie ein gesunder
Arbeitnehmer am selben Arbeitsplatz mit dem gleichen Beschäftigungsgrad von 75%.
Selbstverständlich steht es der Beschwerdegegnerin frei, die entsprechende
berufsberaterische Abklärung durch eine unabhängige sachverständige Stelle
vornehmen zu lassen. Die Sache ist deshalb an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Diese wird die betriebswirtschaftliche Komponente der
3.2.
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4.
Arbeitsfähigkeitsschätzung, also die Frage, ob der Versicherte in der Lage ist, die
gutachterlich bestätigte Arbeitsfähigkeit von 75% auf dem ersten Arbeitsmarkt zu
verwerten, oder ob er auf den zweiten, geschützten Arbeitsmarkt verwiesen ist, durch
die spezialisierte IV-Berufsberatung oder eine unabhängige sachverständige Stelle
abklären bzw. beantworten lassen. Dabei werden wohl auch die bisherigen Arbeitgeber
zu allen direkten und indirekten Aspekten der vom Versicherten erbrachten
Arbeitsleistung zu befragen sein, um so herauszufinden, ob der Versicherte auf Dauer
dieselbe Leistung wie ein zu 75% am selben Arbeitsplatz eingesetzter gesunder
Arbeitnehmer erbracht hat bzw. hätte, wenn er weiter beschäftigt worden wäre. Im
Anschluss an die berufsberaterische Abklärung wird die Beschwerdegegnerin den
Invaliditätsgrad mittels eines Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG) zu bemessen
haben. Im Sinne eines obiter dictum ist Folgendes anzumerken: Sollte der Versicherte
nach der berufsberaterischen Einschätzung auf den zweiten (geschützten) Arbeitsmarkt
verwiesen sein, wird sich das zumutbare lnvalideneinkommen nach dem in einer
geschützten Werkstätte erzielbaren Einkommen und nicht nach den Zentralwerten der
Löhne auf dem ersten Arbeitsmarkt in der LSE zu richten haben. Sollte sich aber
herausstellen, dass der Versicherte in einem adaptierten (Nischen-)Arbeitsplatz jenen
Mehrwert für seinen Arbeitgeber schaffen könnte, den auch ein gesunder Arbeitnehmer
erzielen würde, wäre gemäss der bundesgerichtlichen Auffassung wohl die LSE zur
Anwendung zu bringen. Damit würde die Beschwerdegegnerin dem Versicherten aber
nicht gerecht werden, denn der Versicherte würde aufgrund der medizinischen
Vorgaben an eine adaptierte Erwerbstätigkeit in einem solchen Fall zu jenen 50% aller
männlichen Hilfsarbeiter gehören, die unter dem Zentralwert entlöhnt werden. Sein
Einkommen würde sogar am unteren Ende dieser Gruppe von Hilfsarbeiterlöhnen
liegen, da die von ihm noch zu leistenden, adaptierten Hilfsarbeiten zu jenen gehören
würden, die betriebswirtschaftlich betrachtet einen tiefen Mehrwert schaffen und
deshalb auch tief entlöhnt werden. Dabei würde es sich aber nicht um einen
Konkurrenznachteil, dem durch einen Tabellenlohnabzug Rechnung zu tragen wäre,
sondern um ein bewusstes Abweichen vom Zentralwert nach unten handeln. Wie weit
diese Abweichung gehen müsste, wäre ebenfalls durch die Berufsberatung zu klären.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde sind die angefochtenen Verfügungen
vom 14. Dezember 2017 aufzuheben und die Sache ist zur Durchführung ergänzender
Abklärungen und zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.1.
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