Decision ID: 479b3bc0-937b-4e2d-bd70-0bcdb82cc5eb
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Bei
X._
, geboren 1987,
besteht seit Geburt eine
septooptische
Dysplasie mit hochgradiger Sehverminderung und einem
Panhypopituitaris
mus
(
Urk. 14/288/18); er ist praktisch blind und leidet an einer Unterfunktion der Hypophyse, was zu einem Mangel verschiedener Hormone führt, welche lebenslang substituiert werden müssen (Urk. 14/192/11).
Der Versicherte besuchte
ab 1994
eine
Sonderschule
für Sehbehinderte
(Urk. 14/21
)
sowie
ab 1998
die
Schule
Y._
im Wocheninternat
(Urk.
14/44 f.
, 14/71
)
.
Nachdem der Versicherte von August 2004 bis Juli 2005
im Rahmen der erstmaligen beruflichen Ausbildung im kaufmännischen Bereich
in der Eingliederungsstelle für Sehbehinderte in
Z._
die sehbehindertentechnische Grundausbildung
absolviert ha
tte (Urk. 14/101, 14/97/4
),
begann
er
im August 2005 eine
kaufmännische
Ausbildung
bei der
A._
Profession,
Z._
(
Kostengutsprach
e der IV-Stelle vom 15. Juli 200
5, Urk.
14/126
).
D
iese Aus
bildung
wurde
im November 2006 abgebrochen (Urk. 14/216
,
siehe
auch
Urk. 14/213
)
. Im
Januar 2008
nahm
der Versicherte
die
Ausbildung
bei der
A._
Professional,
Z._
,
wieder auf
(Kostengutsprache der IV-Stelle vom 15. Februar 2008, Urk. 14/215). Nachdem
der Versicherte
die Prüfungen im Sommer 2008 nicht
bestand
en hatte
(vgl. Urk. 14/237)
,
wurde
n
die berufli
che
n
Massnahme
n
erneut
abgebrochen (Urk. 14/251
, siehe auch Urk. 14/240
).
Zur Klärung
des Gesundheitszustandes
veranlasste d
ie IV-Stelle
daraufhin
eine polydisziplinäre medizinische Begutachtung beim
B._
, (
Urk. 14/276).
Das Gutachten wurde am
18. August 2009
erstattet
(Urk. 14/288
).
Gestützt
auf die gutachterliche Beurteilung
, wonach eine
60%ige
Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten
bestehe,
ermittelte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 53 % und sprach de
m Versicherten m
it Verfügung vom 7. Januar 2010 mit Wirkung ab dem 1. Juni 2008 eine ausserordentliche halbe Invalidenrente zu (Urk. 14/315, 14/302).
1.2
Der Versicherte, welcher a
b Juli 2009
im geschützten Rahmen
bei der
Stif
tung
C._
als Mitarbeiter der Abteilung T
elefonservice mit einem P
ensum von 65 %
erwerbstätig
gewesen
war (
Zwischenzeugnis vom 12. Oktober 2011,
Urk. 14/346/3), stellte i
m März
2012 ein Gesuch um Kostenübernahme
für eine
Ausbildung zum Fachinformatiker
bei der
D._
(Urk. 14/348).
Mit Mitteilung vom 28. August 2012 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für die Mehrkosten
dieser beruflichen Ausbildung
für das
erste
Ausbildungsjahr ab
September
2012 (Urk. 14/357).
M
it Mittei
lung vom 5. Juli 2013
wurde die Kostengutsprache für
das
zweite
Ausbil
dungsjahr
2013/2014
verlängert
(Urk. 14/374)
. M
it Mitteilung
vom 28. Juli 2014
erfolgte die Kostengutsprache
für das dritte und vierte Ausbildungsjahr
(2014 bis 2016;
Urk. 14/392)
.
Nachdem es insbesondere ab Mai 2015 zu vermehrten unentschuldigten Fehl
zeiten bei der Ausbildung und weiteren Pflichtversäumnissen
von Seiten des Versicherten
gekommen war (vgl. Urk. 14/405/6 ff.),
wurde er
durch die IV-Stelle
mit Schreiben vom 1
. Juni 2015 aufgeford
ert, seine
Mitwirkungs
pflichten
wahrzunehmen (Urk. 14/402).
Nach weiteren
unentschuldigten
Absenzen und zweimaligen Abmahnungen durch die Ausbildungsstätte
D._
vom 1
7.
und 29. Juni 2015 (
Urk. 14/403, 404)
,
teilte die Ausbildungsstätte mit, das Ausbildungsverhältnis werde aufgelöst (Urk. 14/405/12). Die
IV-Stelle
stellte
die Eingliederungsmassnahmen mit
Mitteilung vom 16. Juli 2015 per sofort
ein
und teilte mit, betreffend Rente eine separate Verfügung zu erlassen
(Urk. 14/406).
1.3
M
it Vorbescheid vom 3. Dezember 2015
stellte die IV-Stelle dem Versicher
ten
in Aussicht,
die
bisher ausgerichtete
Invalidenrente
mangels rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades
einzustellen (Urk. 14/422). Dagegen liess der Versicherte am 15. Januar 2016 Einwand
erheben (Urk. 14/431). Nachdem mit Beschluss der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde
des Bezirkes
E._
am
14. Januar 2016
für den Versicherten
ei
ne
Vertretungsbei
standsch
aft
angeordnet worden war (Urk.
14/435),
liess
der Beistand mit Ein
gabe
vom 25. Februar 2016
ebenfalls Einwand
erheben
(Urk. 14/437).
Nach weiteren medizinischen Abklärungen (
Urk. 14/440)
stellte die IV-Stelle
die Invalidenrente
mit Verfügung vom 27. April 2016
wie angekündigt
per Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein; einer allfälligen dagegen gerichteten Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Urk. 2 [= 14/449]).
2.
Dagegen erhob der Rechtsdienst
Inclusion
Handicap
mit Eingabe vom 27. Mai 2016
namens und
auftrags
des
Versicherten
Beschwerde
und bean
tragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem Beschwerde
führer sei weiterhin eine halbe Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei
die Sache
unter Weiterausrichtung der bisherigen Rente an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen, damit diese nach medizinischen und/oder berufli
chen Abklärungen neu über den Rentenanspruch entscheide. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ersucht (
Urk.
1 S. 2).
Nach Aufforderung durch das Gericht (Urk. 4) wurde eine schriftliche Zustimmungserklärung der Kindes- und
Erwachsenenschutzbe
hörde
zur Prozessführung sowie eine zusätzlich vom Beistand unterzeichnete Vollmacht nachgereicht (Urk. 6, 7/1-2). Mit Beschwerdeantwort vom 24. August 2016
schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 13), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 6. September 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 16).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho
ben (
Art. 17 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozi
alversicherungsrechts
,
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentli
che Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Inva
liditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustan
des, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkun
gen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
bemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog in der angefochtenen Verfügung, die Ausbildung zum Fachinformatiker habe aus gesundheitsfremden Gründen abgebrochen wer
den müssen. Die Arbeitsfähigkeit werde deshalb so beurteilt, wie wenn der Beschwerdeführer diese Ausbildung abgeschlossen hätte.
Bei
einer zumutba
ren Arbeitsfähigkeit von 60 %
gemäss
B._
-Gutachten
ermittelte
die IV-Stelle
gestützt auf den Tabellenwert Informationstechnologie und
Informations
dienstleistungen
, Kompetenzniveau 2
,
gemäss den vom Bundesamt für Sta
tistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE 2012)
ein Invalideneinkommen von Fr. 54‘665.--.
U
nter Berücksichtigung eines
in Anwendung von Art. 26 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversiche
rung (IVV)
ermittelten
V
alideneinkommen
s
von Fr. 74‘250.--
resultierte somit noch ein Invaliditätsgrad von 26 %, weshalb ein weiterer Rentenan
spruch verneint wurde (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber wurde beschwerdeweise im Wesentlichen geltend gemacht, die gesundheitlichen Einschränkungen hätten zum Abbruch der Ausbildung geführt, weshalb in Bezug auf das Invalideneinkommen nicht vom Einkom
men eines Fachinformatikers ausgegangen werden dürfe.
Der Gesundheits
zustand sei unverändert und es bestehe weiterhin die vom
B._
attestierte 60%ige Restarbeitsfähigkeit. Die Gründe für das dreimalige Scheitern eines Ausbildungsversuches würden zweifelsohne mit den gesundheitlichen Beein
trächtigungen des Beschwerdeführers und insbesondere mit seinen organisch bedingten Schlafstörungen und der damit einhergehenden chronischen Müdigkeit im Zusammenhang stehen. Der Beschwerdeführer habe bisher lediglich im geschützten Rahmen und in einem Teilzeitpensum eine kon
stante Leistung erbringen können. Unter Berücksichtigung der
Ausbildungs
biographie
und der gesundheitlichen Beeinträchtigungen sei davon
auszuge
hen, dass der Beschwerdeführer
selbst mit engmaschiger Unterstützung und in betreuter Wohnform
nicht ausbildungsfähig sei und jegliche berufliche Ausbildung bei steigender Bela
stung abgebroche
n werden müsse
.
Es sei somit ausgewiesen, dass
der Beschwerdeführer
weiterhin Anspruch auf die Ausrichtung einer halben Rente habe (Urk. 1).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer wurde am 27. April 2009 in der Begutachtungsstelle
B._
allgem
eininternistisch, psychiatrisch
und oph
thalm
ologisch untersucht
(Gutachten
vom
5. August 2009
,
Urk.
14/288
). Die Gutachter stellten
fol
gende
Diagnosen mit
Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 14/288/18)
:
Septooptische
Dysplasie
h
ochgradige Sehverminderung im Rahmen beidseitiger
Optikusatro
phie
(ICD10 H47.2)
Pendelnystagmus beidseits (ICD-10 H55)
dissoziiertes Höhenschielen (ICD-10 H50.2)
anlagebedingte Fehlsichtigkeit (Myopie, Astigmatismus;
ICD-10 H52.1, H52.2)
Panhypopituitarismus
(ICD-10 E23.0)
h
ypophysärer
Diabetes
insipidus
(Substitution mit
Minirin
)
sekundäre Hypothyre
ose (Substitution mit
Eltroxin
)
sekundärer
Hypogon
adismus
(Substitution mit
Nebido
)
Wachstumshormonmangel (Substitution mit
Norditropin
)
sekundäre Nebennierenrinden-Insuffizienz (Substitution mit
Hydrocorton
)
Status nach Hospitalis
at
ion wegen Bewusstlosigkeit im Rahmen ungenügender Medikamenten-Compliance
(
Juni 2008
)
Status nach Hospitalisation wegen Addison-Krise
(
Dezember 1998
)
.
Im Gutachten wurde ausgeführt, der stark sehbehinderte Beschwerdeführer habe in der Schweiz zuerst wäh
rend vier Jahren die Ta
gesschule für Sehbehinderte und anschliessend das heilpädagogische Schul- und
Bera
tungszentrum
(Internat) mit Abschluss Sekundarschule B besucht. Anschliessend sei er nach
Z._
gezogen, wo er ein Vorbereitungsjahr
bei
der Sehbehindertenhilfe
Z._
für die Handelsschule besucht habe. Anschliessend habe er eine erste kaufmännische Ausbildung an der Privatschule
A._
in
Z._
begonnen, welche im November 2006 habe abgebrochen werden müs
sen. Eine erneute Ausbildung an der
A._
in
Z._
ab Januar 2008, diesmal mit de
m Ausbildungsziel Handelsdiplom
, habe im Juli 2008 wegen nicht bestandener Prüfung im Rahmen disziplinarischer Probleme erneut abgebro
chen werden müssen. Im August 2008 sei der Beschwerdeführer in die Insti
tution F._
eingetreten. Nach einem Schnuppereinsatz bei den Telefondiensten in der Stiftung
C._
im April 2009 sei der Beschwerdeführer motiviert, nach einer Einarbeitungszeit von zirka 20 Stunden als Telefonist ins Berufsleben einzusteigen. Gemäss Angaben des Beschwerdeführers ver
bringe er den Tag in der Institution
F._
strukturiert und aktiv. Nach ent
sprechender Anleitung erledige er die Hausarbeiten und die Einkäufe selb
ständig (Urk. 14/288/19).
Der psychiatrische Gutachter stellte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 14/288/15). Er
führte aus
,
eine
kaufmännische Ausbil
dung sei gescheitert, da der Beschwerdeführer einerseits schulisch überfordert gewesen sei, andererseits auch oft geschwänzt habe, zum Teil auch im Über
mass Alkohol konsumiert habe (Urk. 14/288/15). Einer Tätigkeit als Telefo
nist sollte der Explorand gewachsen sein, umso mehr, als der Beschwerde
führer jetzt in einer betreuten Wohngemeinschaft lebe und in der
Alltagsbe
wältigung
entsprechend u
nterstützt werde (Urk. 14/288/15
). Der Explorand habe
nur einen Realabschluss gemacht
. Vor diesem Hintergrund und mit der zusätzlichen Beeinträchtigung durch die schwere Sehbehinderung sei das Scheitern der erstmaligen beruflichen Ausbildung zu erklären. Bei einer ein
facheren beruflichen Tätigkeit als Telefonist sei der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht voll arbeits- und leistungsfähig (Urk. 14/288/15 f.).
Eine Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung als Telefonist sei zu emp
fehlen. Der Explorand sollte in einer einfachen beruflichen Tätigkeit in der Lage sein, ganztags und ohne Leistungseinschränkung zu arbeiten (Urk. 14/288/16).
Die
ophthalmologische Gutachter
in
hielt
dafür
, beim Beschwerdeführer bestehe eine beidseitige angeborene
Optikusatrophie
, die zu einer hochgradi
gen Sehverminderung geführt habe. Aufgrund eines noch bestehenden Gesichtsfeldrestes sei dem Exploranden eine gewisse Orientierung im Raum mithilfe eines Langstockes möglich. Der Beschwerdeführer besitze keine räumliche Wahrnehmung und habe ein gestörtes Farbensehen. Aus ophthal
mologischer Sicht bestehe eine 100%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten, welche ein Sehvermögen erforderlich machen würden. Der Bes
chwerdeführer habe die Brailles
chrift erlernt und könne gut mit verschie
denen Hilfsmitteln umgehen, so dass Tätigkeiten an einem Arbeitsplatz, der sehbehindertengerecht eingerichtet sei, für den Exploranden prinzipiell mög
lich seien. Der Explorand möchte als Telefonist arbeiten, wofür aus ophthal
mologischer Sicht keine Einschränkung bestehe (Urk. 14/288/18).
Im Rahmen der Gesamtbeurteilung wurde festgehalten
, aus
endokrinologi
scher
Sicht würden sich
vor allem
der Diabetes
insipidus
und die sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz im Rahmen des
Panhypopituitarismus
auf die Arbeitsfähigkeit des Exploranden auswirken, da bei diesen beiden Störungen
auch
mit einer optimalen Substitutionsbehandlung kein 100%iger physiolo
gischer Verlauf erreichbar sei. Bezogen auf den Diabetes
insipidus
bedeute dies, dass sowohl der
Hämatokrit
als auch die Elektrolyte höheren Schwan
kungen unterworfen seien als bei Gesunden. Dies könne sich beispielsweise in schwankenden Blutdruckwerten (z.B. einer intermittierenden Hypotonie mit
Orthostase
und eingeschränkter Leistungsfähigkeit) äussern. Bezüglich der
Nebennierenrinden-Insuffizienz bedeute dies, dass auch durch eine opti
male Substitutionsbehandlung mit
Hydrocortisol
die bei einem Gesunden vorhandenen physiologischen tageszeitlichen
Cortisolschwankungen
im Blut nur teilweise erreicht werden könnten.
Dies führe dazu, dass es bei zu tiefem
Cortisolblutspiegel
zu einer Müdigkeit kommen könne, ein zu hoher
Cor
tisolspiegel
hingegen wirke anregend, was vor allem
abends
zu Schlafstörun
gen führen könne. Zudem sei die
Hydroc
o
rtisol
-Dosis in Stresssituationen (z.B. Krankheit, Unfall oder Operation) dem erhöhten Bedarf anzupassen, da sonst eine Addison-Krise auftreten könne. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache resultiere beim Exploranden in einer aus ophthalmologischer Sicht adaptierten Tätigkeit bei ganztägigem Einsatz eine Leistungseinbusse von 40 %, entsprechend einer Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 60
% (Urk. 14/288/20).
Bezüglich beruflicher
Massnahmen hielten die Gutachter
dafür
,
dass
solche aufgrund der guten Motivation des Beschwerdeführers und der verbesserten Leistungsfähigkeit seit Optimierung der Hormonsubstitution
im
Januar 2009 zu empfehlen
seien
. Die vom Exploranden gewünschte
Anlehre
zum Telefo
nisten sollte unterstützt werden (Urk. 14/288/21).
3.2
E
ntgegen den Erwägungen der Beschwerdegegnerin ist gestützt auf die medizi
nische Aktenlage davon auszugehen, dass die Ausbildung zum Fachinformatiker die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
überstiegen hat
.
So wurde im
B._
-Gutachten
bei einer attestierten
Leistungseinschrän
kung
von 40 %
dafürgehalten
, dass der Beschwerdeführer bei den bisherigen Ausbildungen überfordert gewesen sei (E. 3.1). In diesem Sinne hatte sich denn auch PD Dr. med.
G._
, Facharzt FMH für Kinder- und
Jugend
medizin
,
H._
, im Januar 2009 geäussert und
unter Hinweis auf die
schwergradige
Sehbehinderung und
eine
verminderte Konzentrations- und Merkfähigkeit dafürgehalten, es sei wahr
scheinlich, dass die Lehre in
Z._
schlussendlich
deswegen
gescheitert sei (Urk. 14/270/7).
Auch der
Hausarzt des Beschwerdeführer
s
, Dr. med.
I._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, hielt im Juni 2012 fest,
dass
sowohl das Konzentrationsvermögen als auch die Belas
tbarkeit des Beschwerdefüh
rers
eingeschränkt
seien
und erachtete
eine angepasste Tät
igkeit zu 60-70 % für zumutbar
(Urk.
14/354/
5).
Im
B._
-Gutachten wurde
denn auch
empfohlen, die
Anlehre
zum Telefonis
ten zu unterstützen (E. 3.1). Angesichts
dieser medizinischen Beurteilungen
erscheint es nachvoll
ziehbar, dass die im Jahr 2012 begonnene Ausbildung zum Fachinformatiker erneut zu einer Überforderungssituation führte. Dies
bezüglich ist auch darauf hinzuweisen, dass der Regionale Ärztliche Dienst
im Rahmen der Abklärung der Zumutbarkeit dieser erneuten Ausbildung
im Juni 2012
festgehalten hatte
, es solle geprüft werden, ob der
Beschwerde
führer
aufgrund der körperlichen Beschwerden
(Probleme mit dem Tag-Nacht-Rhythmus, Wachheit)
das Tagespensum schaffen werde (Urk. 14/360/6
)
. In der Folge wurden jedoch
keine
rlei
medizinische
Abklä
rungen getätigt
und
es wurde,
soweit ersichtlich
,
einzig auf die subjektive Einschätzung des
Beschwerdefüh
rers -
welcher angab, sich das Tag
espensum zuzutrauen -
abgestellt (Urk. 14/360/7).
Dass es zu
Problemen mit der Leistungsfähigkeit
im Rahmen der erneuten Ausbildung
kam, zeigte sich
jedoch
bereits
relativ früh
. So berichtete der Beschwerdeführer bereits im März 2013 über Schlafprobleme und teilte sei
ner Betreuerin bei der Berufsberatung der IV-Stelle mit,
er
habe immer mehr Mühe, die Fehlstunden gering zu halten. In den Wintermonaten sei es ziem
lich kritisch geworden; er denke, dass er nur aufgrund der Geduld des
Aus
bildungsleiters
weiterhin
an der Ausbildung teilnehmen könne
(Urk. 14/373/7). Von Seiten der Ausbildungsinstitution wurde im Frühjahr 2014 berichtet, der Beschwerdeführer sei sehr bemüht, seine Ausbildung erfolgreich zu absolvieren, es gebe einige Teilerfolge, er brauche allerdings nach wie vor intensive Unterstützung und regelmässige Betreuung im Wohnbereich und auch in der Ausbildung (Urk. 14/391/8; vgl. auch
die
Leistungs- und Verhaltensbeurteilung für das Schuljahr 2013/2014, Urk. 14/388/2). Ab Dezember 2014 wurde schliesslich über weiter zuneh
mende
Schlafstörungen mit e
inhergehender Unkonzentriertheit und Ver
spätung/Fehlzeiten
trotz Einsatz eines Pflegedienstes
berichtet
(Urk. 14/405/4), bis es schliesslich im Sommer 2014 zum Abbruch der Aus
bildung kam (siehe Sachverhalt E. 1.2).
3.3
Ist somit davon auszugehen
, dass die Ausbildung zum Fachinformatiker
der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht angepasst war
, hat die
Beschwerdegegnerin
das Invalideneinkommen zu Unrecht unter Berücksich
tigung einer abgeschlossenen Ausbildung als Informatiker neu ermittelt
(E. 2.1).
Da
es in den Akten
keine Hinweise darauf gibt, dass es seit der
R
entenzuspra
che
im Jahr 2010 zu
einer wesentlichen Änderung des Gesund
heitszustandes
gekommen
war
,
ergab sich vorliegend kein Anlass zur
Ren
tenrevision
. Es besteht somit weiterhin Anspruch auf die bisherige Rente, weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist.
4
.
4
.1
Die Kosten des Verfa
hrens sind auf Fr. 6
00.-- festzulegen und ausgangsge
mäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Das Gesuch des Beschwerdeführers vom 27. Mai 2016 (Urk. 1) um Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung erweist sich damit als gegen
standslos.
4
.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Vorliegend ist eine Entschädi
gung von Fr.
2
‘000.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) ange
messen.