Decision ID: 40b85759-fdeb-44c9-95a2-e07dfc49f4f4
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
mehrfaches sich bestechen lassen etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, Einzelgericht, vom 10. Oktober 2011 (GG110012)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 21. Juni 2011
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 20).
Entscheid der Vorinstanz: (Urk. 38 S. 13 f.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte wird vollumfänglich freigesprochen.
2. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die übrigen Kosten, bestehend aus:
Fr. 200.00 Untersuchungskosten
Fr. 1'400.00 Gebühr für die Führung der Strafuntersuchung
Fr. 1'600.00
werden auf die Gerichtskasse genommen.
3. Dem Beschuldigten wird eine Entschädigung für das Verfahren von Fr. 7'000.– für
anwaltliche Verteidigung (auszuzahlen direkt an den Verteidiger) und eine persönli-
che Umtriebsentschädigung (inklusive Genugtuung) von Fr. 500.– aus der Gerichts-
kasse zugesprochen.
4. (Mitteilung)
5. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich und mündlich; Urk. 54)
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1. Das Urteil des Einzelgerichts Dielsdorf vom 10. Oktober 2011 sei auf-
zuheben.
2. Der Beschuldigte A._ sei schuldig zu sprechen des mehrfachen
Sich bestechen Lassens im Sinne von Art. 322quater StGB sowie des
mehrfachen Wuchers im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
3. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 240 Ta-
gessätzen zu CHF 110.– (entsprechend CHF 26'400.–). Die erlittene
Haft von einem Tag ist anzurechnen.
4. Dem Beschuldigten sei der bedingte Vollzug der Geldstrafe zu ge-
währen, die Probezeit sei auf zwei Jahre anzusetzen.
5. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Staat für den unrechtmässig
erlangten Vermögensvorteil CHF 14'650.– als Ersatzforderung abzu-
liefern.
6. Dem Beschuldigten seien die Verfahrenskosten aufzuerlegen.
b) der Verteidigung des Beschuldigten:
(schriftlich und mündlich; Urk. 55)
1. Es sei die in Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichtes Dielsdorf vom
10. Oktober 2011, Geschäfts-Nr. GG110012-D/U1/B-3/wy, getroffene
Entschädigungsregelung zu überprüfen und eine Entschädigung in
Höhe von CHF 19'784.95, auszahlbar direkt an den erbetenen Ver-
teidiger, auszurichten.
2. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf vom
10. Oktober 2011 zu bestätigen.
3. Die Verfahrenskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen und der
Beschuldigte sei für sämtliche ihm im Zusammenhang mit der Strafver-
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teidigung entstandenen Anwaltskosten zu entschädigen, auszahlbar
direkt an den erbetenen Verteidiger.

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte und Prozessuales
1.1. Mit dem eingangs im Dispositiv zitierten Urteil vom 10. Oktober 2011 wurde der Beschuldigte A._ durch das Einzelgericht in Strafsachen des Bezirks Dielsdorf vom Vorwurf der mehrfachen passiven Bestechung gemäss Art. 322quater
StGB sowie des mehrfachen Wuchers im Sinne von Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens wurden auf die Staatskasse genom-
men und dem Beschuldigten wurde für seine anwaltliche Vertretung eine Ent-
schädigung aus der Gerichtskasse in der Höhe von Fr. 7'000.-- sowie
eine persönliche Umtriebsentschädigung inklusive Genugtuung von Fr. 500.--
zugesprochen (Urk. 38 S. 13 f.).
1.2. Gegen das dem Beschuldigten mündlich eröffnete und im Dispositiv  Urteil (Prot. I S. 8) meldeten sowohl die Staatsanwaltschaft I des Kantons
Zürich (I. Berufungsklägerin) sowie der Beschuldigte (II. Berufungskläger) jeweils
am 19. Oktober 2011 Berufung an (Urk. 34 und Urk. 35). Nach Zustellung des
begründeten Urteils am 15. März 2012 (Urk. 37/1-3) reichten sowohl die Verteidi-
gung als auch die Staatsanwaltschaft fristgerecht ihre jeweiligen Berufungs-
erklärungen ein (Urk. 39 und Urk. 42). Nach Eingang der Akten am Obergericht
wurde dem Beschuldigten, sowie der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin
(Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich unter Hinweis auf die Möglichkeit
einer Anschlussberufung oder eines Nichteintretensantrags) je eine Kopie der
Berufungserklärungen - soweit vorhanden mitsamt Beilagen - zugestellt. Zudem
wurde der Beschuldigte aufgefordert, das beigelegte Datenerfassungsblatt auszu-
füllen und zusammen mit den einverlangten Unterlagen innert Frist einzureichen
(Urk. 44). Mit Eingabe vom 26. April 2012 erklärte die Staatsanwaltschaft ihren
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Verzicht auf die Erhebung einer Anschlussberufung (Urk. 46). Der Beschuldigte
liess mit Schreiben vom 2. Mai 2012 mitteilen, er verzichte auf die Erhebung einer
Anschlussberufung und erhebe keine Einwände gegen das Eintreten auf die
Berufung der Staatsanwaltschaft. Gleichzeitig reichte er das ausgefüllte Daten-
erfassungsblatt mitsamt diverser Beilagen ein (Urk. 47 sowie Urk. 49/1-6). Die
Privatklägerin liess sich innert Frist nicht vernehmen.
1.3. Nachdem die Staatsanwaltschaft uneingeschränkt Berufung erklärt (Prot. II S. 6), ist das vorinstanzliche Urteil in keinem Punkt im Sinne von Art. 404 Abs. 1
StPO in Rechtskraft erwachsen.
2. Sachverhalt
2.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vorgeworfen, er habe in seiner Funktion als Anstaltskoch der Justizvollzugsanstalt B._ in C._ von ca.
Anfang August 2000 bis Ende April 2010 wiederholt, durchschnittlich 1 Mal
pro Monat und überwiegend an den Wochenenden, dem Insassen D._ in der
Anstaltsküche alkoholhaltige Getränke (Whisky, Grappa und Wein) verkauft. Er
habe von D._ anlässlich der jeweiligen Übergaben für 1 Liter Whiskey, Grap-
pa und dergleichen jeweils mit Fr. 100.-- und für 1 Liter Wein jeweils Fr. 50.-- ge-
fordert und entgegengenommen. Auf diese Weise habe der Beschuldigte im ge-
nannten Zeitraum anlässlich von insgesamt ca. 117 Übergaben gesamthaft 117
Liter Whiskey, Grappa und dergleichen sowie 59 Liter Wein für total ca. Fr.
14'650.-- verkauft. Durch das Fordern und Entgegennehmen von diesen - weit
über den marktüblichen Konditionen liegenden - Preisen als Gegenleistung für ein
offenkundig pflichtwidriges Tun im Zusammenhang mit seiner amtlichen Tätigkeit
habe sich der Beschuldigte als Beamter wirtschaftlich besser gestellt, obwohl er
darauf keinen Anspruch gehabt habe. Dies alles habe er zumindest in Kauf ge-
nommen (Urk. 20).
2.2. Der Beschuldigte hat sowohl in der Untersuchung (Urk. 6/1-3) als auch im vorinstanzlichen Hauptverfahren vehement bestritten, Alkohol in die Justizvoll-
zugsanstalt B._ geschmuggelt und dort an den Insassen D._ abgege-
ben zu haben. Weshalb ihn D._ und weitere Insassen derart schwer
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belasteten, konnte der Beschuldigte nicht erklären. Er vermutete hinter den Vor-
würfen ein Komplott von Gefängnisinsassen gegen einen Wärter (Urk. 30 S. 9).
An diesem Standpunkt hält er auch im Berufungsverfahren uneingeschränkt fest.
Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung führte er im Rahmen seiner
Befragung aus, die Vorwürfe gegen ihn seien falsch. Er habe seine Arbeit
stets recht gemacht. Die ihn belastenden Aussagen von D._ und
E._ würden nicht der Wahrheit entsprechen. Die beiden würden
lügen, er wisse nicht warum (Urk. 53 S. 3 f.).
2.3. Die Vorinstanz hat unter Ziff. 2 des angefochtenen Entscheides die in der Hauptverhandlung vom 10. Oktober 2011 vorgetragenen Argumente der Verteidi-
gung zutreffend und vollständig zusammengefasst. Darauf kann zwecks Vermei-
dung unnötiger Wiederholungen verwiesen werden. Ebenso hat sie die Grund-
züge der Beweiswürdigung korrekt und ausführlich dargelegt. Auf die betreffen-
den Erwägungen unter Ziffer 4 des angefochtenen Urteils kann ebenfalls ver-
wiesen werden (Urk. 38 S. 4 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.4. Nach Würdigung der Beweismittel ist die Vorinstanz zusammengefasst zum Schluss gekommen, keine der befragten Drittpersonen habe eine Übergabe von
Alkohol wahrgenommen. Beobachtet worden sei lediglich die Übergabe von
Flaschen unbekannten Inhalts vom Beschuldigten an D._. Damit liessen sich
aber Alkoholverkäufe des Beschuldigten nicht nachweisen. Zudem erscheine es
auch aufgrund der eingeklagten Zeitspanne völlig unwahrscheinlich, dass trotz
des gelegentlich offenbar massiven Alkoholkonsums - mit den bekannten körper-
lichen Auswirkungen - und regelmässigem Durchsuchen der Zellen der Konsum
so lange unbemerkt geblieben sein solle. Etwas Derartiges sei schlicht undenk-
bar. Es müsse daher davon ausgegangen werden, dass die den Beschuldigten
belastenden Behauptungen des Zeugen D._ unwahr seien. Damit
bestünden "unüberwindliche" Zweifel daran, dass der Beschuldigte in den einge-
klagten Alkoholhandel verwickelt gewesen sei (Urk. 38 S. 11 f.).
2.5. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage im Wesentlichen auf die Aussagen von D._ [genannt D'._], welcher zunächst als Angeschuldigter (Urk. 7/1)
und dann als Zeuge (Urk. 7/2) durch den untersuchenden Staatsanwalt einver-
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nommen wurde. Weiter wurden die Insassen E._ [genannt E'._] (Urk.
7/4) und F._ (Urk. 7/12) als Zeugen zur Sache einvernommen. Die weiteren
durch die Staatsanwaltschaft einvernommen Zeugen G._, H._, I._,
J._ und K._ (Urk. 7/6-10) wurden hauptsächlich im Hinblick auf den mitt-
lerweile rechtskräftig mit Verfügung vom 21. Juni 2011 eingestellten Vorwurf des
mehrfachen Diebstahls befragt.
2.6. Glaubwürdigkeit der Beteiligten Wie die Vorinstanz korrekt ausführte, kommt bei der Würdigung von Aussagen
der Glaubhaftigkeit eine bedeutend zentralere Rolle als der generellen Glaub-
würdigkeit der beteiligten Personen zu. Da der Beschuldigte jedoch hinter den an
ihn gerichteten Vorwürfen ein Komplott von Gefängnisinsassen vermutet, drängt
es sich vorliegend zunächst auf, die Hintergründe der Einleitung des Verfahrens
unter Berücksichtigung der fallspezifischen Glaubwürdigkeit der einzelnen
Beteiligten zu beleuchten.
2.6.1. Mit Schreiben vom 19. Mai 2010 reichte die Amtsleitung des Justizvollzug Kanton Zürich bei der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich je eine Straf-
anzeige gegen den Beschuldigten (wegen passiver Bestechung und Wucher) und
D._ (wegen aktiver Bestechung) ein. Aus dem betreffenden Schreiben geht
hervor, dass ein Gefangener der Strafanstalt B._ anlässlich einer Therapie-
sitzung gegenüber einem PPD-Psychologen namens L._ die Einfuhr und den
Verkauf von alkoholhaltigen Getränken erwähnt habe. Wie aus dem Schreiben
weiter ersichtlich ist, handelte es sich beim erwähnten
Gefangenen nicht um D._. Vielmehr stellte der Amtsleiter in seinem Schrei-
ben in Aussicht, "über die Identität der ersten Person" werde der Psychologe des
PPD die Strafuntersuchungsbehörde selbst informieren (Urk. 1 S. 1 f.). Eine der-
artige Auskunft eines Psychologen des PPD zuhanden der Staatsanwaltschaft
lässt sich den Akten entgegen dieser Ankündigung jedoch nicht entnehmen. Hin-
gegen befindet sich ein Schreiben vom 8. Juni 2010 bei den Akten, mit welchem
der Amtschef, Dr. M._, dem untersuchenden Staatsanwalt mitteilte, beim
zweiten Insasse, welcher Angaben zu den angeblichen Verfehlungen des Be-
schuldigten machen könne, handle es sich gemäss Auskunft der Strafanstalt um
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E._ (Urk. 2/4). Dass die ganze Angelegenheit nicht durch D._, sondern
durch E._ ins Rollen gebracht wurde, ergibt sich auch aus dessen Aussage
anlässlich seiner Zeugeneinvernahme vom 6. April 2011. Dort führte er nämlich
aus, er habe sich wegen seiner Alkoholprobleme in einer Therapie bei Herrn
L._ befunden. Diesem habe er im Rahmen einer Therapiegruppensitzung
vom Alkohol erzählen wollen, weil es ja eigentlich schlimm sei, was im Gefängnis
vor sich gehe. Viele Leute seien wegen Alkoholproblemen in Therapie und dann
würden sie Alkohol im Gefängnis bekommen (Urk. 7/4 S. 11). Aus einem Memo,
welches der Chef Dienste der Strafanstalt B._ (N._) zuhanden des Di-
rektors (O._) sowie des Chef Sicherheit (P._) am 14. Mai 2010 verfass-
te, geht hervor, dass der PPD-Therapeut L._ die von E._ erlangte In-
formation betreffend den Alkoholverkauf "ca. seit 14 Tagen mit sich herum" getra-
gen habe. Am 11. Mai 2010 habe er sich dann mittels E-Mail an den Chef Dienste
gewandt (Urk. 2/1). E._ muss also die den Beschuldigten belastenden Anga-
ben in der letzten Aprilwoche 2010 gemacht haben. Dieser Umstand ist vorerst im
Sinne eines Zwischenfazits festzuhalten. Darauf wird noch zurück zu kommen
sein.
2.6.2. Der Zeuge D._ war im Zeitpunkt seiner Einvernahme seit rund 15  Insasse der Strafanstalt B._. Er gab als Zeuge befragt auf entsprechende
Frage an, er habe zum Beschuldigten stets ein gutes Verhältnis gehabt. Dieser
habe dann aber versucht, ihn aus der Küche rauszuwerfen. Dies vermutlich des-
halb, weil er zuviel über den Beschuldigten gewusst habe. Der Beschuldigte habe
einmal auf der Wohngruppe angerufen und gesagt, man solle ihn kontrollieren,
weil er Geld auf sich habe. Ein anderes Mal habe ihn der Beschuldigte verdäch-
tigt, etwas aus der Küche gestohlen zu haben. D._ beteuerte, er habe nichts
gegen den Beschuldigten. Er selbst sei ja wegen des Alkohols hier [sprich: vor
dem Staatsanwalt] und weil der Beschuldigte behaupte, er habe Alkohol aus der
Küche gestohlen und dem Besoffenen verkauft. Jetzt müsse er halt auch die
Wahrheit sagen. Er habe es eigentlich immer gut mit dem Beschuldigten gehabt,
bis die Sache mit dem Besoffenen geschehen sei. Da habe der Beschuldigte wohl
Panik bekommen, obwohl er ihm gesagt habe, er würde nichts erzählen (Urk. 7/2
S. 3 ff., insbes. S. 19). Anlässlich der Hafteinvernahme vom 16. März 2011 führte
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der Beschuldigte aus, er habe sich wirklich gut mit D._ verstanden. Er habe
ihnen (gemeint ist D._, E._ und F._) nichts zu leide getan. Er ver-
stehe wirklich nicht, was sie jetzt gegen ihn hätten (Urk. 6/1 S. 10). Damit steht
zunächst einmal fest, dass der Beschuldigte und der Zeuge D._ nach über-
einstimmenden Angaben über ein Jahrzehnt hinweg ein gutes Einvernehmen
pflegten. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Beschuldigte
sogar mit der Ehefrau von D._ persönlich bekannt war und diese anlässlich
eines Besuchs in deren Hotel in C._ zusammen mit einem weiteren Anstalts-
koch, †Q._, aufsuchte. Nach Angaben des Beschuldigten habe "man für sie
einmal ein Hotel in C._ organisiert". Q'._ [recte: Q._] sei auch dabei
gewesen. Sie seien dann mal schauen gegangen und hätten ihr "grüezi" gesagt
(Urk. 6/1 S. 6; Urk. 53 S. 4). Sowohl D._ als auch der Beschuldigte gaben
schliesslich an, dass das gute Verhältnis zwischen ihnen nach dem Vorfall mit
dem betrunkenen Insassen R._ nachhaltig getrübt war. Vor diesem Hinter-
grund ist nicht auszuschliessen, dass der Zeuge D._ versucht sein könnte,
den Beschuldigten in ein schlechtes Licht zu rücken, um sich auf diese Weise für
dessen - aus Sicht von D._ - ungerechtfertige Anwürfe zu revanchieren.
Gleichzeitig ist aber in Erinnerung zu rufen, dass die Vorwürfe an die Adresse des
Beschuldigten nicht durch D._ initiiert wurden und er sich selbst auch mit den
strafrechtlichen Konsequenzen seines Handelns konfrontiert sah. Er wurde
schliesslich auch wegen seiner eigenen Zugeständnisse in der gegen ihn geführ-
ten Untersuchung - und nur deshalb - mit Strafbefehl vom 24. November 2010
wegen mehrfachen aktiven Bestechens und mehrfachen Wuchers zu 90 Tagen
Freiheitsstrafe verurteilt (Urk. 15/1). Dass er seine eigene Verurteilung in Kauf
nahm, nur um sich am Beschuldigten sozusagen zu rächen, erscheint eher un-
wahrscheinlich. Der Beschuldigte mutmasste anlässlich seiner Befragung vor Vo-
rinstanz erstmals, D._ könnte aufgrund der langen Vollzugsdauer einen Rea-
litätsverlust erlitten und ein "psychologisches Leiden" haben (Urk. 30 S. 7). Auf-
grund der unbestrittenermassen persönlichen Verflechtungen zwischen dem Be-
schuldigten und dem Zeugen D._ und des zuletzt entstandenen Konflikts
sind in Bezug auf seine Glaubwürdigkeit gewisse Zweifel angebracht. Dafür je-
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doch, dass seine Glaubwürdigkeit aufgrund psychischer Insuffizienzen einge-
schränkt wäre, bestehen keinerlei objektive Anhaltspunkte.
2.6.3. E._ befindet sich seit dem 17. Januar 2007 im Vollzug. Seit Mitte Mai 2007 arbeitete er in der Küche und hatte in dieser Funktion Kontakt mit dem Be-
schuldigten. Dieser habe mit ihm keine Probleme gehabt (Urk. 7/4 S. 3). Der Be-
schuldigte selbst gab in der Untersuchung an, lediglich sagen zu können, dass
E._ eine Lehre als Koch in der Gefängnisküche gemacht habe (Urk. 6/1 S.
6). Vor Vorinstanz führte er zudem aus, "E'._" sei ein spezieller Insasse. Man
habe auf ihn aufpassen müssen, damit er keine Schläge bekommen habe. Er ha-
be immer gleich alles weitererzählt, was er gesehen habe, und im Gefängnis sei
er von den anderen Insassen als Verräter angeschaut worden. Es sei durchaus
möglich, dass E'._ von D'._ beeinflusst werde. Allerdings wundere ihn
dies schon, weil diese beiden auch nicht sehr gut miteinander ausgekommen sei-
en. Schliesslich führte der Beschuldigte aus, er habe zuhanden der Vollzugspla-
nungskonferenz einen Führungsbericht abgegeben, in welchem er erwähnt habe,
dass E'._ ein schwieriger Insasse sei und dass er Probleme mit den anderen
Insassen habe. Davon habe E'._ Kenntnis gehabt (Urk. 30 S. 8 f.). Abgese-
hen davon, dass es wohl in der Natur der Sache liegt, dass zwischen einem Ge-
fängnisinsassen und einem Beamten ohnehin ein ambivalentes Verhältnis beste-
hen dürfte, sind aus den Akten keinerlei Erkenntnisse zu gewinnen, welche an-
hand konkreter Vorfälle erhebliche Zweifel an der grundsätzlichen Glaubwürdig-
keit des Zeugen E._ wecken würden. Selbstverständlich sind auch seine
Aussagen mit der gebotenen Zurückhaltung kritisch zu würdigen, von einer ei-
gentlichen Unglaubwürdigkeit kann jedoch nicht die Rede sein.
2.6.4. Gleiches gilt für den Zeugen F._. Er gab auf entsprechende Frage an, den Beschuldigten lediglich als Aufseher zu kennen. Als solchen habe er ihn res-
pektiert, mehr nicht (Urk. 7/12 S. 2). Der Beschuldigte sagte auf sein Verhältnis zu
F._ angesprochen aus, er habe einmal gegen ihn als Zeuge aussagen müs-
sen. Es sei damals um einen Vorfall in der Küche gegangen, mehr wisse er nicht
mehr. Es sei daher möglich, dass F._ gegenüber ihm wegen dieses Vorfalls
negative Gefühle hege (Urk. 6/3 S. 3).
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2.7. Aussagen der Beteiligten
2.7.1. D._ wurde am 24. November 2010 zunächst als - nota bene -  einvernommen. Anlässlich dieser Einvernahme führte er
zusammengefasst was folgt aus (Urk. 7/1): Soviel er wisse, sei er 1997 in die
Strafanstalt B._ gekommen. Nach rund 1 1⁄2 Jahren habe er in der Küche zu
arbeiten begonnen und bei dieser Gelegenheit den Beschuldigten kennen
gelernt. Nachdem er rund 2 Jahre mit ihm zusammen gearbeitet habe, habe ihm
dieser angeboten Alkohol in die Strafanstalt zu bringen. Es sei vor allem um
Whisky, Grappa, Cognac und Wein gegangen. Er habe beim Beschuldigten den
Alkohol bestellt und diesen jeweils nach Erhalt direkt weiter gegeben. Für einen
Liter Grappa habe er dem Beschuldigten Fr. 100.-- bezahlt. Für zwei Flaschen
Wein à 0.75 Liter habe er Fr. 50.-- bezahlt. Wegen der starken Kontrollen und weil
die Leute im Gefängnis ja nicht viel Geld gehabt hätten, habe er nicht sehr viel
Alkohol beim Beschuldigen bezogen. Pro Monat seien es einige Liter gewesen.
Im Minimum habe der Beschuldigte jeweils einen Liter und maximal einmal 3 Liter
(Grappa) abgegeben. Manchmal habe es wegen der Kontrollen auch eine Pause
gegeben. Der Beschuldigte habe ihm den Alkohol jeweils in der Küche abge-
geben, dies sei der einzig mögliche Ort gewesen. Den Alkohol habe er vom
Beschuldigten jeweils in Glasflaschen erhalten und hernach in eine Rivellaflasche
abgefüllt. Wenn es sich um mehrere Flaschen gehandelt und schnell habe gehen
müssen, habe ihm der Beschuldigte auch mal beim Abfüllen geholfen. Die Glas-
flasche habe er daraufhin zerbrochen und weggeworfen. Er selber habe dann die
Flasche Schnaps für Fr. 130.-- bis Fr. 150.-- weiterverkauft. Für einen halben Liter
Wein habe er zwischen Fr. 70.-- und Fr. 100.-- verlangt. Den Alkohol habe er an
insgesamt 4 oder 5 Personen verkauft, man habe ihn nicht jedem geben können,
sonst hätte es Probleme gegeben. Letztmals habe ihm der Beschuldigte Koch-
wein gegeben. Er sei damals zusammen mit dem Beschuldigten runter in den Kel-
ler gegangen. Dort habe der Beschuldigte aus einer 10 Liter Flasche einen Liter
umgeleert. Dieser Wein sei für den Mann bestimmt gewesen, welcher sich
schliesslich damit betrunken habe. Wegen dieses Vorfalls sei er, so D._ wei-
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ter, dann aus der Küche geworfen worden. Beim Beschuldigten habe nur er Alko-
hol gekauft. Der Beschuldigte habe ihm vertraut. Er habe zu ihm gesagt: "Ich se-
he, dass du gut arbeitest und nicht viel redest". Schliesslich führte D._ aus,
dass er das ganze nicht mitgemacht hätte, wenn er gewusst hätte, dass es so
rauskommt. Er wolle so bald als möglich zu seiner Familie zurück. Er sei schon 15
Jahre im Gefängnis und habe ein gewisses Alter. Im Gefängnis habe er auch eine
Alkohol-Therapie gemacht. Er sei dort gefragt worden, wie es sich bei ihm wohl
mit dem Alkohol verhalten werde, wenn er wieder auf freiem Fuss sei. Es habe ja
niemand geahnt, dass er mit dem Beschuldigten zusammen arbeite und auf diese
Weise ständig Alkohol zur Verfügung gehabt habe. Getrunken habe er aber nie
etwas.
Nach seiner Verurteilung mit Strafbefehl vom 24. November 2010, wurde der
Beschuldigte am 6. April 2011 formell als Zeuge zur Sache einvernommen.
Anlässlich dieser Einvernahme gab er zusammengefasst was folgt zu Protokoll
(Urk. 7/2): Es sei richtig, dass er beim Beschuldigten wiederholt alkoholische
Getränke bezogen und diese an Gefängnisinsassen verkauft habe. Er sei seit
rund 14 Jahren im Gefängnis und arbeite seit etwa 10 Jahren in der Küche.
Zuerst habe er ca. 1 1⁄2 Jahre in der Montage im Gewerbe gearbeitet. In der
Küche sei er als Hausarbeiter für die Reinigung zuständig gewesen. Teilweise
habe er den ganzen Tag, von 08.00 Uhr bis 16.00 Uhr, dort gearbeitet. In der
Küche seien jeweils 18 oder 19 Gefangene im Einsatz. Am Vormittag seien
zusätzlich 5 oder 6 Beamte im Dienst. Am Nachmittag und an den Wochenenden
sei nur ein Beamter, er und ein zweiter Hausarbeiter in der Küche beschäftigt
gewesen. Wenn der Beschuldigte am Wochenende gearbeitet habe, dann sei es
auch vorgekommen, dass nur sie beide in der Küche gewesen seien. Der
Beschuldigte habe jedes zweite, eventuell auch jedes dritte Wochenende gearbei-
tet, je nach Arbeitsplan halt. Während die anderen Leute an den Wochenenden
am Vormittag die Küche verlassen hätten, sei er noch zusammen mit dem
Beschuldigten bis ca. 15.30 Uhr in der Küche geblieben. Er habe jeweils um diese
Zeit die Suppe verteilt. Die Küche habe er erst verlassen, wenn er mit seiner
Arbeit fertig gewesen sei. Der Beschuldigte habe dann die Gruppe angerufen und
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diese darüber informiert, dass er jetzt fertig sei. Zu den Alkoholkäufen sei es nach
ca. 1 1⁄2 bis 2 Jahren gekommen, nachdem sich er und der Beschuldigte gut
kennengelernt hatten. Der Beschuldigte habe ihm vorgeschlagen, man könne
Geschäfte zusammen machen. Wenn er ihm helfe, dann würde er dafür Alkohol
bekommen. Das erste Mal habe der Beschuldigte eine Flasche Wein und
Muscheln von zu Hause mitgebracht. Die Muscheln habe er dann mit dem Wein
gekocht. Von da an habe es mit dem Alkohol angefangen. Der Beschuldigte habe
ihm dann Cognac und Grappa in Literflaschen gebracht, wobei er für eine Flasche
Fr. 100.-- verlangt habe. Der Beschuldigte habe genau gewusst, wer wann in der
Überwachung respektive in der Kontrolle gearbeitet habe. Er habe ihm dies alles
erzählt. Der Beschuldigte habe Wein, Cognac, Grappa, Whiskey und das alkoho-
lische Getränk aus Pflaumen gebracht, an dessen Name er sich nicht mehr
erinnern könne. Auf Bestellung habe der Beschuldigte gebracht, was er gebraucht
habe. Einmal habe ein Hausarbeiter gesehen, wie ihm der Beschuldigte zwei
leere Cola-Flaschen gegeben habe. Er habe diese Flaschen bei sich deponiert in
der Meinung, sie später einmal mit anderen Getränken füllen zu können. Derjeni-
ge, welcher mit ihm in der Küche gearbeitet habe, sei betrunken gewesen und
habe ihn gefragt, woher er den Alkohol habe. Bei diesem Insassen sei dann eine
Blutprobe entnommen worden und man habe Alkohol bei ihm festgestellt. Er sei
dann gefragt worden, woher er den Alkohol habe, worauf dieser gesagt habe, er
[also D._] habe ihm diesen gegeben. Er, so D._ weiter, habe
damals von Anfang an die Wahrheit gesagt. Diese Geschichte mit dem Betrunke-
nen habe sich vor rund 1 1⁄2 Jahren abgespielt. Der Beschuldigte habe aber schon
früher einmal versucht, ihn aus der Küche zu entfernen und zwar, als er einen
Unfall gehabt habe. Er habe damals auf der Gruppe angerufen und gesagt,
D._ trage Geld auf sich. Der Beschuldigte habe viele Sachen aus der
Küche genommen. Vermutlich habe er Angst gehabt, dass er zu viel über ihn und
seine Machenschaften gewusst habe. Vielleicht habe der Beschuldigte gehört,
dass er über diese Vorfälle geredet habe. Die Übergabe des Alkohols habe
jeweils an den Wochenenden - wenn nur er und der Beschuldigte anwesend
gewesen seien - in D._'s Umkleideraum stattgefunden. Der Wein sei in Co-
ca-Cola Flaschen und der stärkere Alkohol wegen dessen Farbe in Rivella-
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Flaschen abgefüllt worden, wobei er vom Beschuldigten jeweils die geschlosse-
nen Originalflaschen erhalten, den Inhalt umgefüllt und schliesslich die richtige
Flasche zerbrochen und weggeworfen habe. Den Kochwein habe er zusammen
mit dem Beschuldigten im Keller abgefüllt und ihn dort zwischen den Lebens-
mitteln versteckt. Starke Alkoholika habe er an verschiedenen Orten versteckt, so
etwa in den Papierrollen in seinem Umkleideraum, oder oben im Lüftungsfilter.
Dort habe er manchmal 2 bis 3 Flaschen versteckt gehabt. Den Alkohol habe er
manchmal sofort weiterverkauft und mitunter auch schon bis zu einem Monat
gelagert. Für den Verkauf sei es auf verschiedene Faktoren angekommen. Einer-
seits habe er manchmal warten müssen, bis seine Kunden den Lohn erhalten
hätten. Andererseits habe man auf die Kontrollen Rücksicht nehmen müssen. Der
Beschuldigte sei diesbezüglich informiert gewesen. Er habe zum Beispiel
gewusst, wann am Wochenenden keine Kontrollen stattfanden. Dann habe er
jeweils auch die vollen Boxen mit nach Hause genommen. Die Übergabe des
Alkohols an die Abnehmer habe in der Regel während des Spazierens statt
gefunden. Er habe ca. 5 Abnehmer im Gefängnis gehabt. Von diesen sei lediglich
noch F._ im Gefängnis. F._ habe ihn übrigens einmal bei H._ ver-
raten, weil er ihm keinen Alkohol mehr habe verkaufen können. Wein habe er am
meisten vom Beschuldigten erhalten, teilweise 3 bis 4 Liter pro Woche. Stärkeren
Alkohol habe er über die lange Zeit hinweg in verschiedenen Mengen erhalten. Es
habe sich um Mengen von minimal einem bis maximal drei Litern gehandelt.
Hauptsächlich habe er vom Beschuldigten Grappa bezogen. Letztmals habe er
vor ca. 2 1⁄2 Jahren starken Alkohol vom Beschuldigten erhalten. Dann seien all
seine Kunden entlassen worden und er habe keine Abnehmer mehr gehabt. Wein
hingegen habe er vor 14 Monaten noch erhalten. Das sei damals gewesen, als
der Verrückte betrunken gewesen sei [gemeint ist der Vorfall vom 11. März 2010
mit dem Insassen R._]. Das letzte Mal sei er mit dem Beschuldigten in den
Keller gegangen. Dort hätten sie Kochwein geholt. Er habe diesen nachher sofort
dem Hausarbeiter übergeben und dieser wiederum habe den Wein, insgesamt 1.5
Liter, auf der Stelle getrunken.
2.7.2. Am 30. August 2010 wurde der Gefängnisinsasse E._ polizeilich zur Sache befragt. Er führte zusammengefasst aus, er wisse, dass in der B._ Al-
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kohol verkauft werde. Mit eigenen Augen habe er gesehen, wie der Beschuldigte
von draussen Alkohol in die Strafanstalt gebracht und diesen an den Insassen
DA._ [gemeint war unzweifelhaft D._] verkauft habe. Er wisse, dass dies
mindestens schon seit drei Jahren so laufe. Er habe von anderen aber gehört,
dass es schon seit 10 Jahren so zu und her gehe. Er selber habe im Jahre 2007
als Tellerwäscher in der Küche angefangen. Seit 2008 befinde er sich in einer
Koch-Lehre. Erstmals habe er Ende 2007 selber gesehen, wie der Beschuldigte
an einem Morgen dem "D'._" zwei Fläschchen Rivella und Cola à je 1⁄2 Liter
gegeben habe. Das habe sich im Korridor vor der Garderobe von D'._ abge-
spielt. Diesen Vorgang habe er in der Folge ein paar Mal beobachtet. Eines Ta-
ges habe er dann D'._ gefragt, was in den Fläschchen drin sei. Dieser habe
ihm gesagt, es handle sich um Whiskey. Er habe zu D'._ dann gesagt, er sol-
le mal zeigen. Daraufhin habe dieser das Fläschchen aufgemacht und ihn daran
riechen lassen. Es habe sich eindeutig um Whiskey gehandelt. Der Beschuldigte
habe wohl nicht realisiert, dass er diese Übergabe mitbekommen habe. Danach
habe er drei oder vier Mal solche Übergaben gesehen. Er habe sich dann jeweils
nicht mehr nach dem Inhalt der Fläschchen erkundigt. D'._ habe ihm erzählt,
dass er manchmal auch Wein vom Beschuldigten erhalte. Wie der ganze Handel
angefangen habe, könne er nicht sagen. Das sei alles schon am Laufen gewesen,
als er in die Küche gekommen sei. Wie die Fläschchen in die Strafanstalt ge-
kommen seien, wisse er nicht. Er habe lediglich beobachtet wie der Beschuldigte
die Fläschchen vor der Übergabe aus seinem Garderobenraum herausgebracht
habe. Manchmal sei es nur ein Fläschchen gewesen, ein anderes Mal zwei. Es
habe sich aber immer um diese Halbliterfläschchen Coca-Cola oder Rivella, meis-
tens Rivella Blau, gehandelt. Ob D'._ für den Alkohol eine Gegenleistung ha-
be erbringen müssen, wisse er nicht. Er habe ihn auch nicht danach gefragt. Von
den anderen Insassen habe er lediglich erfahren, dass D'._ den Alkohol auf
dem Spazierhof an die Insassen verkauft habe. Diese Insassen seien aber schon
über zwei Jahre nicht mehr im Gefängnis und an deren Namen könne er sich
auch nicht mehr erinnern. Wer den Verkaufspreis bestimmt habe, wisse er nicht.
Ebenso wisse er nicht, welche Mengen D'._ vom Beschuldigten gekauft, o-
der wie lange das ganze schon gedauert habe. Was er wisse, habe er nur von
- 16 -
anderen gehört. Er wisse, dass der Beschuldigte an D'._ Alkohol abgegeben
habe. Ob auch noch andere Mitarbeiter der Strafanstalt Alkohol verkauft hätten
wisse er nicht. Er habe mit Ausnahme seines Therapeuten, Herrn L._, nie-
mandem von den Vorfällen erzählt. In der Therapiegruppe seien neben ihm noch
fünf weitere Insassen gewesen. Sie seien "darauf verpflichtet" gewesen, "dass
dies, was in der Gruppe besprochen werde, nicht nach draussen dringen" dürfe.
Er habe L._ von den Alkoholabgaben berichtet, weil es gefährlich sei, wenn
Leute die ohnehin schon Alkoholprobleme hätten und im Gefängnis eingeschlos-
sen seien, auf diesem Weg an Alkohol gelangen könnten. Er selber habe früher
auch ein Alkoholproblem gehabt. Ende 2007 habe der Beschuldigte zwei Fläsch-
chen Alkohol à 0.5 Liter und die beiden anderen Male im ersten Halbjahr 2008 je
ein Fläschchen à 0.5 Liter an D'._ abgegeben. An den beiden Fläschchen
vom ersten Mal habe er gerochen und auch am letzten Fläschchen. Als er
D'._ davon erzählt habe, dass er in der Therapiegruppe über die Alkoholab-
gabe gesprochen habe, sei dieser geschockt darüber gewesen (Urk. 7/3).
Rund 8 Monate später, nämlich am 6. April 2011, wurde E._ formell als Zeu-
ge einvernommen. Anlässlich dieser Einvernahme machte er zur Sache zusam-
mengefasst die folgenden Aussagen (Urk. 7/4): Seit Mitte Mai 2007 arbeite er in
der Anstaltsküche. Zunächst habe er für ein Jahr und zwei Monate als Hausarbei-
ter gearbeitet. In der Küche seien 18 oder 19 Gefangene im Einsatz gewesen.
Daneben seien vier bis fünf Angestellte in der Küche gewesen. Er habe auch an
den Wochenende Dienst gehabt. Dann habe er von 08.15 Uhr bis 11.00 Uhr ge-
arbeitet. Die Hausarbeiter arbeiteten samstags manchmal auch am Abend, zum
Beispiel zum Verteilen der Suppe. Am Wochenende seien drei oder vier Personen
im Einsatz gewesen. Manchmal seien es auch nur zwei gewesen. Diese Perso-
nen seien nicht den ganzen Tag geblieben, meistens sei nur eine Person bis am
Abend geblieben. D'._ sei Hausarbeiter in der Küche gewesen. Er habe
grundsätzlich die gleichen Arbeitszeiten gehabt und an den Wochenenden habe
er am Nachmittag manchmal länger gearbeitet. Es habe schon Zeiten gegeben, in
denen D'._ alleine mit dem Beschuldigten in der Küche gewesen sei. Als er
noch Hausarbeiter gewesen sei, das heisse vielleicht Anfang 2008, habe er be-
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merkt, dass der Beschuldigte D'._ Fläschchen gegeben habe. D'._ habe
ihm dann das Fläschchen gezeigt und er habe daran gerochen. Er habe solche
Vorgänge viele Male gesehen. Er habe aber nie nachgefragt, worum es gehe. Es
habe ihn nicht interessiert. Am Fläschchen habe er gerochen, weil er gesehen
habe, wie D'._ eine Flasche umgefüllt habe. Da habe er ihn gefragt, was er
da mache. Daraufhin habe ihm D'._ die Flasche gegeben und er habe daran
gerochen. D'._ habe damals zwei Rivella Blau Fläschchen gehabt. Das Gan-
ze habe sich an einem Abend im Putzraum abgespielt. Er habe auch beobachtet
wie der Beschuldigte dem D'._ Rivella und Cola Flaschen übergeben habe.
Das erste Mal habe er im Jahr 2008 an einem Fläschchen gerochen, da sei er
sich sicher. Er habe mehrere Übergaben beobachtet. Er habe auch gesehen,
dass die Fläschchen bei den Handpapierrollen unten in D'._s Kleiderschrank,
oder im Ventilator Filter versteckt gewesen seien. Es sei klar gewesen, dass es
sich um Alkohol gehandelt habe. Normale Cola Flaschen hätte man ja nicht so
verstecken müssen. Er habe, soviel er wisse, nur einmal überprüft, was sich in
den Fläschchen befunden habe. Als er daran gerochen habe, habe er starken Al-
kohol festgestellt. Was genau für Alkohol es gewesen sei, könne er nicht sagen.
Jedenfalls sei es kein Wein gewesen. Wenn er in den Putzraum gegangen sei,
habe er manchmal gerochen, dass dort Alkohol drin gewesen sei. Dort gebe es
einen Ablauf, über welchem D'._ den Alkohol umgeleert habe. In diesen
Raum seien nur er und D'._ gegangen. Es sei auch ihr Umkleideraum gewe-
sen. Er habe ungefähr drei bis vier Übergaben beobachten können, wobei es sich
jeweils um 0.5 Liter Rivella oder Cola-Flaschen gehandelt habe. Die Originalfla-
schen habe er nie gesehen. Der Beschuldigte habe die Fläschchen aus der Per-
sonalgarderobe geholt. Vom Verhalten her habe man bei den beiden schon ge-
merkt, dass sie etwas zu verstecken gehabt hätten. Weil er selber ein Alkoholp-
roblem gehabt habe, habe er nicht weiter wissen wollen, was da vor sich gehe. Er
habe schnell wieder weggeschaut und sei weiter gegangen. Ein weiterer Insasse
namens I._ habe auch einmal eine Übergabe beobachtet und ihm davon er-
zählt. D'._ habe er einmal darauf angesprochen, weshalb er den Alkohol ver-
kaufe. Dieser habe ihm gesagt, er habe zu Hause Probleme mit seiner Familie
und müsse viel Geld schicken. Er habe weiter gesagt, er mache das schon lange,
- 18 -
schon mehr als 10 Jahre. Dies - so E._ - habe er auf dem Hof im Übrigen
auch schon von anderen gehört. Die ersten Beobachtungen habe er gemacht, als
er noch Hausarbeiter gewesen sei. Den ganz genauen Zeitraum könne er nicht
mehr angeben. Die letzte Übergabe habe wohl ungefähr Mitte 2009 stattgefun-
den. Nach dem Vorfall mit dem besoffenen Gefangenen
habe der Beschuldigte in der Küche gesagt, D'._ habe Alkohol geklaut. Das
habe er selber gehört. Er habe dann dem Beschuldigten - im Auftrag von
D'._ - ausgerichtet, er solle nicht sagen, dass D'._ geklaut habe.
D'._ seinerseits würde auch dicht halten. Wieso es der Beschuldigte dann
doch gesagt habe, wisse er nicht. Auf Zusatzfrage des Verteidigers präzisierte
E._, er habe nicht unmittelbar nach der beobachteten Übergabe am Fläsch-
chen gerochen, sondern an einem anderen Abend. Zwischen der Beobachtung
und dem Riechen seien ein bis zwei Monate vergangen. Im Putzraum habe er
den Alkohol jedoch immer wieder gerochen. Dass der Beschuldigte dem D'._
nur gewöhnliche Rivella Flaschen ausgehändigt habe sei nicht möglich. Im Ge-
fängnis werde nur mit Wein gekocht. Zudem habe man sich in der Strafanstalt er-
zählt, dass man bei D'._ in Rivella- und Cola-Flaschen Alkohol beziehen
könne. Es könne sich auch nicht um die Übergabe von Festtagslieferungen ge-
handelt haben, weil solche von einem anderen Insassen übergeben würden. Es
sei zwar schon so, dass der Beschuldigte auch mal Eistee u.ä. aushändigte. Das
sei aber in der Küche zum Trinken gewesen. Diese Getränke seien aus dem Frigo
2 gewesen. Bei den Sachen die er D'._ gegeben habe, habe es sich aber
nicht um solche Getränke gehandelt. Er sei ja kein Kind mehr, sondern erwach-
sen und er kenne den Unterschied zwischen einer legalen und einer illegalen
Übergabe. Das sehe man klar. Wenn es sich um normale Fläschchen gehandelt
haben sollte, wieso hätte D'._ sie dann in seinem Schrank bei den Papierrol-
len und in der Küchenabluft verstecken sollen. Dann hätte er die Fläschchen wohl
eher direkt ausgetrunken und sie nicht verstecken müssen. Es gebe keinen Grund
normale Getränke zu verstecken, solche könnten ja schliesslich auch am
Gefängniskiosk oder am Automaten bezogen werden. Er habe aber gesehen, wie
D'._ die vom Beschuldigten bezogenen Fläschchen versteckt habe.
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2.7.3. F._ wurde am 24. Mai 2011 als Zeuge zur Sache einvernommen.  dieser Einvernahme gab er zu Protokoll, D'._ habe ihm im Jahr 2009
erzählt, dass er für den Beschuldigten Getränke wie Schnaps und Wein verkaufe.
Er habe dann ab ca. Mitte Januar 2009 etwa drei bis vier Mal Schnaps und ein
paar Mal Wein bei D'._ gekauft. Seit 20. Juni 2009 habe er keinen
Kontakt mehr zu D'._. Für eine 0.5 Liter Rivella-Flasche mit Schnaps drin
habe D'._ Fr. 100.-- verlangt. Für die selbe Menge Wein habe er Fr. 50.-- be-
zahlen müssen. Die Übergabe des Alkohols habe beim Arbeitsplatz in der Küche
stattgefunden. Irgendwann habe D'._ dann mal einem Aufseher erzählt, er
hätte Streit mit ihm, was aber nicht wahr gewesen sei. Das habe er - F._ -
dann dem Aufseher auch gesagt. Es habe dann eine Zeit gegeben, in der er nicht
mehr mit D'._ gesprochen und entsprechend auch keinen Alkohol mehr
bezogen habe. Danach hätten sie wieder miteinander geredet und er habe
Alkohol gekauft. D'._ habe dann angefangen den Alkohol mit Wasser zu
mischen. Er habe ihn darauf angesprochen und ihm gesagt, dass er das nicht tun
solle. Weil er sich darüber geärgert habe, dass D'._ die Leute bescheisse,
habe er einmal zu einem Herrn H._ gesagt, man solle auf D'._ aufpas-
sen, dieser würde für den Beschuldigten arbeiten. Er habe H._ gesagt, er
solle auf D'._ schauen, denn dieser verkaufe Alkohol, den er mit Wasser mi-
sche. Dies sei dann auch der Grund gewesen, weshalb D'._ behauptet habe,
sie würden sich streiten. Anstatt gute Qualität zu bringen, habe D'._ Wasser
gebracht und das Doppelte verlangt. Er habe D'._ dann einmal gesagt, er
solle ihm eine Originalflasche mitbringen, welche er dann dem Aufseher hätte
zeigen können. Das habe D'._ aber nie getan, sondern immer nur Rivella-
Flaschen mitgebracht. Von wem D'._ den Alkohol erhalten habe, könne er
nicht beweisen. Er wisse nur, dass D'._ immer mit dem Beschuldigten ge-
sprochen und mit diesem ein gutes Verhältnis gehabt habe. Jedesmal wenn er
etwas von D'._ verlangt habe, habe dieser es ihm gebracht. Er sei sich si-
cher, dass zwischen dem Beschuldigten und D'._ etwas gewesen sei. Mehr
könne er aber nicht sagen. D'._ habe aber einmal gesagt, wenn er loslege,
dann könne der Beschuldigte seinen Job verlieren. F._ gab an, ausschliess-
lich bei D'._ Alkohol bezogen zu haben (Urk. 7/12).
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2.8. Wie die Vorinstanz zunächst unter Ziff. 6 des angefochtenen Entscheides zutreffend festhält, ist allseits unbestritten, dass über einen längeren Zeitraum
hinweg neben Wein auch diverse hochprozentige alkoholische Getränke auf
illegalem Wege in die Strafanstalt B._ geschmuggelt wurden. Die
Vorinstanz kommt in ihren Erwägungen zum Schluss, Geschehnisse wie der in
der Anklageschrift umschriebene Alkoholhandel, seien erfahrungsgemäss auf
Dauer nicht geheim zu halten. Die behauptete Zeitspanne von rund 10 Jahren
mute völlig unwahrscheinlich an und es sei schlicht undenkbar, dass trotz den
bekannten körperlichen Erscheinungen nach - gelegentlich massivem - Alkohol-
konsum und trotz regelmässigem Durchsuchen der Zellen der Konsum so lange
unbemerkt geblieben sein solle (Urk. 38. S. 10 f.). Dieser Auffassung kann nicht
unbenommen gefolgt werden. Nach Aussagen des Zeugen D._ überlegte er
sich sehr wohl, wem er den Alkohol verkaufen konnte und wem nicht. Ver-
schiedentlich gab er zu Protokoll, er habe ja nicht jedem diese Getränke verkau-
fen können. Insgesamt habe er an ca. 5 Leute Alkohol verkauft. Von diesen fünf
Kunden seien mit Ausnahme von F._, der bei ihm in der Küche einen Liter
Grappa gekauft habe, zwischenzeitlich alle aus der Haft entlassen worden (Urk.
7/2 S. 11 f.). Weiter führte der Zeuge D._ aus, der Beschuldigte habe infolge
eines Unfalls ein geschientes Bein gehabt und während eines Jahres nicht mehr
zur Arbeit erscheinen können. In dieser Zeit habe er keinen Alkohol verkaufen
können (Urk. 7/2 S. 3 und S. 21), zudem habe es auch manchmal Pausen gege-
ben, weil die Kontrollen sehr stark gewesen seien (Urk. 7/1). Nach Angaben von
D._ fanden die Übergaben jeweils an den Wochenenden statt, dann nämlich,
als er und der Beschuldigte alleine in der Küche waren (Urk. 7/1 S. 9). Der Be-
schuldigte selbst führte aus, er habe nicht ganz jedes zweite Wochenende ge-
meinsame Einsätze mit dem Zeugen D._ gehabt (Urk. 6/1 S. 4). Die Staats-
anwaltschaft geht in der Anklageschrift von insgesamt ca. 117 Übergaben aus,
was über den eingeklagten Zeitraum von rund 10 Jahren knapp 12 Übergaben
pro Jahr ausmachen würde. Bedenkt man den eingeschränkten Kreis der Ab-
nehmer sowie die im Gefängnis herrschenden gegenseitigen Abhängigkeiten, so
erscheint es entgegen der Auffassung des Erstrichters durchaus denkbar, dass
der eingeklagte Alkoholhandel über gut 10 Jahre hinweg unerkannt bleiben
- 21 -
konnte. Der betreffenden Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach davon auszu-
gehen sei, dass D._s Aussagen per se unwahr seien, kann jedenfalls nicht
gefolgt werden. Dies umso mehr, als es der Erstrichter weitgehend unterlassen
hat, sich mit den eigentlichen Aussagen des Zeugen D._ respektive mit des-
sen Aussageverhalten auseinander zu setzen.
2.9. Beweiswürdigung
2.9.1. Wie unter Ziff. 2.7.1 vorstehend zusammengefasst ausgeführt, wurde D._ zwei Mal sehr ausführlich zur Sache befragt. Bereits anlässlich seiner
ersten Einvernahme, in welcher er dem Staatsanwalt als Beschuldigter gegenüber
sass, gab er detailliert Auskunft zu den Geschehnissen, wobei er sich selber
schwer belastete. Sein Geständnis führte schliesslich dazu, dass er noch am Tag
seiner ersten Einvernahme mit Strafbefehl vom 24. November 2010 wegen mehr-
fachen aktiven Bestechens und mehrfachen Wuchers zu 90 Tagen Freiheitsstrafe
verurteilt wurde, wobei die ausgefällte Strafe unbedingt ausgesprochen wurde
(Urk. 15/1). Anlässlich seiner Zeugeneinvernahme vom 6. April 2011 bestätigte er
seine zuvor gemachten Angaben vollumfänglich (Urk. 7/2). Abgesehen von
marginalen Abweichungen, welche sich ohne weiteres aufgrund der verstrichenen
Zeit und der Vielzahl der Vorgänge erklären lassen, sind seine Aussagen frei von
Widersprüchen. D._ schildert die Ereignisse klar und detailliert. Eigentliche
Strukturbrüche sind ebenso wenig erkennbar wie etwa Übertreibungen oder
stereotype Antworten. Seine Antworten auf die gestellten Fragen fallen in aller
Regel kurz und präzise aus. Der von ihm geschilderte Ablauf, nämlich dass
die Übergaben jeweils an den Wochenenden in der Küche, im Bereich der
Umkleideräume stattgefunden hätten, deckt sich mit den Wahrnehmungen des
Zeugen E._. Ebenso übereinstimmend sind die Schilderungen der verwende-
ten Behältnisse sowie der gewählten Verstecke. Offenkundig bestand zwischen
dem Beschuldigten und dem Zeugen D._ ein relativ enges
Vertrauensverhältnis. Abgesehen davon, dass beide die ursprünglich gute
Zusammenarbeit sowie das intakte Verhältnis explizit erwähnten, fällt in diesem
Zusammenhang auf, dass der Beschuldigte mindestens in einem Fall auch
persönlichen Kontakt zur Ehefrau des Gefängnisinsassen D._ pflegte, was
- 22 -
doch zumindest aufhorchen lässt. Jedenfalls muss davon ausgegangen werden,
dass zwischen dem Beschuldigten und D._ persönliche Bande bestanden,
welche das übliche Mass einer Beziehung zwischen einem Gefängnisinsassen
und einem Mitarbeiter des Vollzugs deutlich übersteigen dürften. Umso
bemerkenswerter erscheint die Aussage des Beschuldigten anlässlich der
Hafteinvernahme, als er auf entsprechende Frage zu Protokoll gab, er habe zu
D._ ein Verhältnis wie zu jedem anderen Insassen auch (Urk. 6/1 S. 2).
2.9.2. Die Vorinstanz kommt im Rahmen ihrer Beweiswürdigung zum Schluss, der Zeuge E._ sei in der Beantwortung der Fragen offenkundig leichtfertiger ge-
wesen als D._ und verweist zurecht auf diverse Widersprüche in dessen
Aussagen. Tatsächlich ist aufgrund des Beweisergebnisses erstellt, dass der
Zeuge E._ bei keiner der von ihm geschilderten Übergaben den Inhalt der
jeweiligen Fläschchen überprüft hatte. Dass sich Alkohol darin befunden hat, will
er einmal Wochen später anhand einer Riechprobe und in anderen Fälle aufgrund
von Alkoholgeruch im Putzraum festgestellt haben. E._ war offenbar bemüht
die ihm gestellten Fragen korrekt zu beantworten, gab er doch immer wieder zu
Protokoll dies und jenes nicht zu wissen, sich nicht mehr genau erinnern zu kön-
nen, etwas nicht gesehen, oder seine Informationen nicht aus eigener Wahrneh-
mung sondern von Dritten bezogen zu haben. Allerdings fällt doch auch auf, dass
er sich in Bezug auf die Vorfälle wohl mit verschiedenen Beteiligten besprochen
[nicht etwa abgesprochen] hat und für sich selber zum Schluss gekommen ist, der
Beschuldigte habe sich nicht korrekt verhalten. Diese Grundhaltung tritt bei seinen
Aussagen immer wieder unterschwellig zu Tage. Seine innere Überzeugung wird
beispielsweise dort manifest, wo er der festen Ansicht ist, er habe die Übergabe
von Alkohol in Pet-Fläschchen beobachtet. Tatsächlich aber konnte er lediglich
Heimlichtuereien zwischen dem Beschuldigten und D._ beobachten, anläss-
lich welcher die besagten Pet-Fläschchen übergeben wurden. Dass sich im Zeit-
punkt der Übergabe der Fläschchen noch kein Alkohol darin befunden hatte,
ergibt sich zweifelsfrei aus den Aussagen von D._. Dieser gibt ver-
schiedentlich zu Protokoll, den Alkohol in Originalglasflaschen vom Beschuldigten
erhalten und hernach abgefüllt zu haben. Hier wird deutlich, dass der Zeuge
E._ zweifelsohne gewisse Beobachtungen machte, diese jedoch aufgrund
- 23 -
der im Gespräch mit anderen Insassen erlangten "Kenntnisse" (fehl-
)interpretierte. Immerhin wird aber gerade in diese Punkt deutlich, dass zwischen
E._ und D._ keine Absprachen im Sinne eines Komplotts stattgefunden
haben. Wäre dies der Fall gewesen, dann hätten sie im Kerngeschehen kongru-
entere Angaben gemacht. Schliesslich ist im Hinblick auf die Zeugenaussagen
E._s auch darauf hinzuweisen, dass seine Einvernahme trotz Anwesenheit
eines Übersetzers in deutscher Sprache erfolgte (Urk. 7/4 S. 1), was angesichts
des Umstandes, dass er lediglich gebrochen Deutsch spricht (Urk. 7/3 S. 1) ge-
wisse Unzulänglichkeiten in seinen Aussagen zu erklären vermag. Entscheidend
aber ist vorliegend, dass E._ beobachten konnte, wie der Beschuldigte im
Bereich der Umkleideräume D._ heimlich Flaschen übergab, welche ersterer
zuvor aus seinem Umkleideraum holte und welche D._ hernach in seinem
Garderobenschrank respektive in der Lüftung versteckte. Diese Aussage deckt
sich mit den Angaben D._'s betreffend die von ihm gewählten Verstecke.
Dem Zeugen E._ ist zuzustimmen, wenn dieser gegenüber dem Staatsan-
walt die Frage aufwirft, was es denn für einen Grund gebe, ein Süssgetränk, wel-
ches am Gefängniskiosk oder am Automaten jederzeit legal bezogen werden
könne, derart zu verstecken?
2.9.3. Der Zeuge F._ konnte an sich wenig sachdienliche Hinweise zu Protokoll geben. Erwähnenswert ist aber, dass er angab, den Beschuldigten
respektive seine Machenschaften mit D._ beim Küchenchef H._ ver-
raten zu haben (Urk. 7/12 S. 5). Gleiches behauptete auch D._ selbst
(Urk. 7/2 S. 12). H._ wurde in dieser Sache ebenfalls als Zeuge einvernom-
men. Auf die Frage, ob ein anderer Gefängnisinsasse bei ihm D._ verpfiffen
habe, antwortete dieser mit einem knappen "nein" (Urk. 7/7 S. 19). Ob F._,
D._ bei H._ verraten hat, oder nicht kann letztlich offen
bleiben. Dass jedoch der ehemalige Küchenchef, der ja nach Aussage von
F._ nach dessen Hinweis nichts unternommen und damit wohl seine
Aufsichtspflichten grob verletzt haben dürfte, bereit gewesen wäre sein Pflichtver-
letzung einzugestehen, ist zumindest fraglich. Jedenfalls lässt sich hieraus nichts
ableiten, was die Aussagen von D._ oder F._ unglaubhaft
erscheinen lassen würde.
- 24 -
2.9.4. Zusammengefasst ist zunächst nochmals darauf hinzuweisen, dass das vorliegende Strafverfahren nicht vom Hauptbelastungszeugen D._, sondern
vom Kochlehrling E._ ins Rollen gebracht wurde (vgl. Ziff. 2.6.1 vorstehend).
Dieser hat sich im Rahmen einer Gruppentherapie seinem Therapeuten L._
anvertraut. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass E._ dabei auf-
grund einer Stillschweigeabmachung mit dem Therapeuten und den weiteren Sit-
zungsteilnehmern darauf vertrauen durfte, dass seine Angaben vertraulich be-
handelt würden. In der Tat hat L._ sein Wissen dann auch rund zwei Wochen
mit sich "herumgetragen" bevor er sich durchringen konnte, sein Versprechen zu
brechen und der Gefängnisleitung Mitteilung zu machen. Diese Mitteilung führte
schliesslich in erster Linie zu einer strafrechtlichen Verfolgung von D._ und
zu dessen Verurteilung. Dafür, dass dem ganzen Geschehen ein von D._ ini-
tiierter sowie von E._ und F._ geförderter Komplott zu Lasten des Be-
schuldigten zugrunde liegen könnte, bestehen keinerlei objektive Anhaltspunkte.
Bezeichnenderweise versuchte D._ bei seiner ersten Befragung durch die
Gefängnisleitung vom 14. Mai 2010 auch noch sämtliche Vorwürfe von sich zu
weisen, erst als er mit den Fakten konfrontiert wurde, entschloss er sich ein Ge-
ständnis abzulegen (Urk. 2/3). Dass D._'s Aussagen durchaus glaubhaft wa-
ren, zeigte sich schliesslich auch darin, dass er zum Beispiel gegenüber dem
Staatsanwalt schilderte, wie der Beschuldigte neben Lebens- und Reinigungsmit-
teln auch gefängniseigene Kühlboxen sowie Hand- und Trocknungstücher in
grossen Mengen mit nach Hause genommen habe (Urk. 7/1 S. 4 ff.). Tatsächlich
konnten die beschriebenen Gegenstände anlässlich der Hausdurchsuchung beim
Beschuldigten auch vorgefunden werden (Urk. 10/5). Zwar wurde das gegen den
Beschuldigten unter dem Titel "mehrfacher Diebstahl" geführte Strafverfahren mit
Verfügung vom 21. Juni 2011 eingestellt, dennoch ist darauf hinzuweisen, dass er
in Bezug auf die vorgefundene sog. ...box eingestehen musste, dass diese bei
ihm "liegen blieb" (Urk. 6/2 S. 1). Weiter wurden beim Beschuldigten sechs Kisten
mit neuen Allzwecktüchlein vorgefunden. Diese hat der Beschuldigte nach eige-
nen Angaben zwar aus dem Gefängnis mitgenommen, aber nicht bezahlt. Ob er,
wie behauptet, jemandem gesagt hat, man solle ihm diese vom Lohn abziehen
(Urk. 6/2 S. 1), kann an dieser Stelle offenbleiben. Entscheidend ist, dass sich die
- 25 -
Schilderungen des Zeugen D._ auch in diesem Punkt als zutreffend
erwiesen haben. Es ist nicht einzusehen, weshalb D._, der seit über
15 Jahren im Vollzug war und sich nach eigenen Angaben nichts sehnlicher
wünschte, als zu seiner Familie heimkehren zu können, den Beschuldigten grund-
los belasten sollte. Dies um so mehr, als er damit seine eigene Verurteilung
- welche immerhin mit 1⁄4 Jahr zusätzlichem Freiheitsentzug sanktioniert wurde -
unumgänglich machte. Aufgrund der glaubhaften Darstellungen des Zeugen
D._s, welche im Kern durch die weiteren Zeugenaussagen bestätigt
wurden, bestehen keine objektiven Zweifel daran, dass sich der Sachverhalt wie
in der Anklageschrift vom 21. Juni 2011 geschildert zugetragen hat.
Einzig bezüglich der Dauer und der Anzahl der Alkoholverkäufe ist aufgrund des
Beweisergebnisses eine Einschränkung vorzunehmen. Nach Angaben des
Hauptbelastungszeugen D._ bezog dieser letztmals ca. 2 1⁄2 Jahre vor
seiner Zeugeneinvernahme hochprozentigen Alkohol vom Beschuldigten. Danach
seien seine Kunden entlassen worden und er habe nur noch Wein verkauft
(Urk. 7/2 S. 13). Damit hätten die inkriminierten Handlungen in Bezug auf die
stark alkoholhaltigen Getränke von ca. Anfang August 2000 bis Ende 2008 /
Anfang 2009 stattgefunden. Zudem ist zu berücksichtigen, dass aufgrund einer
unfallbedingten Abwesenheit des Beschuldigten während rund eines Jahres keine
Übergaben/Verkäufe stattgefunden haben. Damit ist in Bezug auf die Abgabe
hochprozentiger Alkoholika davon auszugehen, dass es sich um mindestens
89 Übergaben handelte.
3. Rechtliche Würdigung
3.1. Die Staatsanwaltschaft subsumiert das Verhalten des Beschuldigten unter die Straftatbestände des mehrfachen Sich bestechen lassens im Sinne von
Art. 322quater StGB sowie des mehrfachen Wuchers im Sinne von Art. 157
Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
3.2. Des Wuchers gemäss Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer die Zwangslage, die Abhängigkeit, die Unerfahrenheit oder die Schwäche im
Urteilsvermögen einer Person dadurch ausbeutet, dass er sich oder einem
- 26 -
anderen für eine Leistung Vermögensvorteile gewähren oder versprechen lässt,
die zur Leistung wirtschaftlich in einem offenbaren Missverhältnis stehen. Der
Geschäftsabschluss des Opfers wegen seiner Notlage und die Ausnützung dieser
Situation durch den Täter stellen als Ausbeutung das entscheidende Tat-
bestandsmerkmal des Wuchers dar (Donatsch in: Donatsch/Flachsmann/Hug/
Weder, Kommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 18. Aufl., Zürich
2010, N 12 zu Art. 157 StGB mit Verweis auf BGE 86 IV 69).
3.2.1. Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten vor, D._ habe sich  des Haftregimes in einer Ausnahmesituation befunden, welche ihn in seiner
Entschlussfreiheit dermassen beeinträchtigt habe, dass er sich nur deshalb zu
Entrichtung des stark überhöhten Preises bereit erklärt habe (Urk. 20 S. 3).
3.2.2. Abhängigkeit im Sinne von Art. 157 StGB bedeutet, dass der Täter  eine Macht und Überlegenheit gegenüber dem Betroffenen hat, welcher sich
dieser innerlich nicht entziehen kann. Erforderlich ist dabei, dass die persönliche
bzw. wirtschaftliche Freiheit des Betroffenen durch das Ungleichgewicht in der
Beziehung zum Täter im Hinblick auf das konkrete Geschäft ausgeschaltet oder
jedenfalls erheblich eingeschränkt ist (Weissenberger in: BSK Strafrecht-II,
2. Aufl., Basel 2007, N14-17 zu Art. 157 StGB). Der Täter muss sodann diese tat-
bestandsmässige Unterlegenheit des Opfers ausbeuten, indem er sich für die
Leistung Vermögensvorteile gewähren oder versprechen lässt, die zur Leistung
wirtschaftlich in einem offenbaren Missverhältnis stehen. Zwischen der Situation
der Unterlegenheit beim Opfer und dem offenbaren Missverhältnis der Leistung
muss ein Kausal- oder Motivationszusammenhang bestehen (Weissenberger in:
BSK Strafrecht-II, a.a.O., N37 zu Art. 157 StGB).
3.2.3. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern zwischen dem Beschuldigten und D._ ein Abhängigkeitsverhältnis bestanden haben soll. Als Anstaltskoch war er ge-
genüber D._ wohl weisungsbefugt, hatte aber keine tatsächliche Macht und
Überlegenheit, welcher sich D._ hinsichtlich des Handels mit Alkohol nicht
hätte entziehen können. Deshalb ist es auch nicht ersichtlich, inwiefern
der Beschuldigte eine Unterlegenheit von D._ ausgenützt haben soll.
D._ ist weder alkoholkrank noch ist bekannt, dass er auf den seinerseits er-
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langten Erlös durch den Verkauf des Alkohols angewiesen gewesen wäre. Eine
derartige Zwangslage resp. Notlage ist sodann auch nicht in der Anklageschrift
umschrieben.
3.2.4. Der objektive Tatbestand des Wucher gemäss Art. 157 Ziff. 1. Abs. 1 StGB ist folglich nicht erfüllt, weshalb der Beschuldigte diesbezüglich freizusprechen ist.
3.3. Die rechtliche Würdigung der Anklagebehörde hinsichtlich der passiven Bestechung im Sinne von Art. 322quater StGB ist indes zutreffend und zu bestäti-
gen. Da keine Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe ersichtlich sind, ist
der Beschuldigte diesbezüglich schuldig zu sprechen.
4. Sanktion
4.1. Anwendbares Recht Am 1. Januar 2007 trat der revidierte Allgemeine Teil des Strafgesetzbuches in
Kraft. Das neue Recht basiert – in Übereinstimmung mit dem bisherigen – auf
dem allgemeinen strafrechtlichen Rückwirkungsverbot (Art. 2 Abs. 1 StGB),
weshalb nach neuem Recht grundsätzlich nur beurteilt wird, wer nach Inkraft-
treten des neuen Rechts ein Delikt begangen hat. Eine Ausnahme gilt jedoch,
wenn ein Täter vor Inkrafttreten des neuen Rechts delinquierte, die Beurteilung
seiner Taten aber erst nachher erfolgt und das neue Recht milder ist als das im
Zeitpunkt der Tatbegehung geltende (Art. 2 Abs. 2 StGB; "lex mitior"). Beim
Vergleich der Schwere der Strafnormen ist nach der konkreten Methode eine
umfassende Beurteilung des Sachverhalts nach altem und nach neuem Recht
vorzunehmen, wobei es darauf ankommt, nach welchem der beiden Rechte der
Täter für die gerade zu beurteilende Tat besser wegkommt (Trechsel/Vest, in:
Trechsel et al., Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich 2008,
N 11 zu Art. 2, m.w.H.). Die vorliegend zu beurteilende Delinquenz ereigneten
sich teils vor, teils nach diesem Datum. Die Art. 322quater aStGB und Art. 157
Ziff. 1 Abs. 1 aStGB blieben im Rahmen der Revision hinsichtlich ihrer Tat-
bestandsmerkmale unverändert. Es wurden lediglich die Strafandrohungen der
Normen an das neue Sanktionssystem angepasst. Während das frühere Recht
Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder Gefängnis androhte lautet die Sanktion heute
- 28 -
auf Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Damit erweist sich das
neue Recht theoretisch als das mildere, weshalb es bei der Strafzumessung zur
Anwendung kommt.
4.2. Strafrahmen Vorliegend wird der Beschuldigte wegen mehrfacher passiver Bestechung im
Sinne von Art. 322quater StGB schuldig gesprochen, was mit Freiheitsstrafe bis zu
fünf Jahren oder Geldstrafe zu sanktionieren ist. Die tat- und täterangemessene
Strafe ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts grundsätzlich innerhalb
des ordentlichen Strafrahmens der anzuwendenden Strafbestimmung festzuset-
zen. Der ordentliche Strafrahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche
Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkre-
ten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8 mit
Hinweisen). Vorliegend sind keine solchen aussergewöhnlichen Umstände
ersichtlich.
4.3. Strafzumessung 4.3.1. Innerhalb des Strafrahmens bestimmt das Gericht die Strafe entsprechend dem Verschulden des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgehend von der objekti-
ven Tatschwere hat der Richter das Verschulden zu bewerten. Er hat im Urteil
darzutun, welche strafmindernden und welche straferhöhenden Gründe im
konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des Tatver-
schuldens zu gelangen. Zu berücksichtigen sind das Ausmass des verschuldeten
Erfolges bzw. die Schwere der Gefährdung (Deliktsbetrag oder Höhe eines Sach-
schadens, Mass der Gefährdung und Höhe des eingegangenen Risikos usw.), die
Art und Weise des Tatvorgehens, die Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt
hat, die Intensität des deliktischen Willens und inwieweit der Täter nach den inne-
ren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung
zu vermeiden (Tatkomponente; Art. 47 Abs. 2 StGB, vgl. Donatsch/Flachsmann/
Hug/Weber: Schweizerisches Strafgesetzbuch, 18. Auflage, Zürich 2010,
Donatsch zu Art. 47 N 11 [nachfolgend: Donatsch/Flachsmann/Hug/Weber],
Urteile des Bundesgerichts 6S.270/2006 vom 5. September 2006 E.6.2.1;
6S.43/2001 vom 19. Juni 2001 E.2.; 6S.333/2004 vom 23. Dezember 2004 E.1.).
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_902%2F2010&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-IV-55%3Ade&number_of_ranks=0#page55
- 29 -
Daneben sind bei der Strafzumessung auch das Vorleben, die persönlichen
Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu berück-
sichtigen (Täterkomponente; Art. 47 Abs. 1 StGB).
Das Verschulden bezüglich der Tat ist zunächst basierend auf der objektiven Tat-
schwere zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im Urteil ausdrücklich zu
benennen. Hierauf ist in einem zweiten Schritt innerhalb des zur Verfügung
stehenden Strafrahmens die (hypothetische) Strafe zu bestimmen, welche diesem
Verschulden unter Berücksichtigung der subjektiven Tatschwere entspricht. Die
so ermittelte (Einsatz-)strafe kann dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt
aufgrund wesentlicher Täterkomponenten verändert werden. Die Täterkomponen-
te umfasst die einschlägigen Vorstrafen (BGE 136 IV 1 E.2.6), die persönlichen
Verhältnisse der Täters, sein Verhalten nach der Tat, ein Geständnis des Täters
(Urteil des Bundesgerichts 6B_866/2009 vom 22. Februar 2010 E.1.3.3.), seine
Reue und Einsicht (Urteil des Bundesgerichts 6B_968/2008 vom 20. März 2009
E.1.1.2.) und seine Strafempfindlichkeit (Urteil des Bundesgerichts 6B_1065/2010
vom 31. März 2011 E.2.3.).
4.3.2. Tatkomponente
4.3.2.1. Der Beschuldigte hat über einen Zeitraum von rund 10 Jahren hinweg seine Stellung sowie das in ihn gesetzte Vertrauen als Mitarbeiter der Strafanstalt
B._ schamlos ausgenützt. Er ist nicht davor zurückgeschreckt in rund 89 Fäl-
len stark alkoholhaltige Getränke und in 59 weiteren Fällen Wein in die Strafan-
stalt zu schmuggeln und damit Gefängnisinsassen - insbesondere auch
solchen die wegen ihrer Alkoholproblematik im Gefängnis und in therapeutischer
Behandlung waren - zugänglich zu machen. Aufgrund seiner Position hatte er
Kenntnis von den Verfahrensabläufen und namentlich auch von geplanten
Kontrollaktionen. Dieses Wissen machte er sich für seine deliktischen Handlun-
gen zu nutzen. Die mehrfache Tatbegehung fällt zudem straferhöhend ins
Gewicht. Das an sich erhebliche objektive Verschulden erfährt aufgrund des
relativ geringen Deliktsbetrages von rund Fr. 8'590.-- (nach Abzug der "Einkaufs-
- 30 -
preise") eine gewisse Relativierung, weshalb insgesamt von einem nicht mehr
leichten objektiven Tatverschulden auszugehen ist.
4.3.2.2. Aufgrund des Umstandes, dass der Beschuldigte die an ihn gerichteten Vorwürfe sowohl in der Untersuchung als auch im gerichtlichen Verfahren stets
von sich wies, bleibt seine Motivation zur Tatbegehung im Dunkeln. Fest steht
jedoch, dass er in vollem Bewusstsein um die Rechtswidrigkeit seines Tuns
handelte. Ob er aus rein monetären Überlegungen delinquierte, oder ob sein
Handeln eine Gegenleistung für wie auch immer geartete Dienste D._s
- wie dieser behauptet - darstellte, muss an dieser Stelle offen bleiben. Zudem
bestehen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte aus einer persönli-
chen Notsituation heraus gehandelt hat. Er erzielte als Koch in der Strafanstalt
B._ ein gutes Einkommen und war immerhin Eigentümer von zwei
Wohnungen. Es bleibt daher auch unter Berücksichtigung der subjektiven
Komponente bei einem nicht mehr leichten Tatverschulden.
4.3.2.3. In Anbetracht der obgenannten Erwägungen ist von einem nicht mehr leichten Tatverschulden auszugehen. Es erscheint deshalb eine Einsatzstrafe im
Bereich von 360 Tagessätzen resp. 12 Monaten Freiheitsstrafe als der Tat-
schwere angemessen.
4.3.3. Strafart Zur Strafzumessung gehört nicht nur die Bestimmung des Masses, sondern auch
der Art der Strafe. Im vorliegend massgeblichen Bereich fallen
nebeneinander Geldstrafe und Freiheitsstrafe in Betracht. Gemäss Bundes-
gerichtsentscheid vom 18. Februar 2010 (6B_721/2009, E. 4.2 und 4.3) soll nach
dem Prinzip der Verhältnismässigkeit bei alternativ zur Verfügung stehenden
Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die
persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft.
Im Vordergrund steht daher auch bei Strafen von sechs Monaten bis zu einem
Jahr die Geldstrafe, als gegenüber der Freiheitsstrafe mildere Sanktion. Der
Beschuldigte ist Ersttäter, weshalb es sich nicht rechtfertigen würde, eine
Freiheitsstrafe anstelle einer Geldstrafe auszusprechen. Es ist somit ein Geld-
strafe anzuordnen.
- 31 -
4.3.4. Täterkomponente
4.3.4.1. Über die für die Strafzumessung relevanten persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten ist Folgendes bekannt: Der heute 56-jährige Beschuldigte ist
verheiratet und Vater zweier Kinder im Alter von 13 und 15 Jahren. Nach seinen
eigenen Angaben lebt er in intakten familiären Verhältnissen. Er stammt ursprüng-
lich aus einer Wirtefamilie und ist zusammen mit zwei Geschwistern aufge-
wachsen. Nach dem Besuch der Primar- und Realschule in S._ hat er eine
Kochlehre absolviert, danach aber nicht auf dem erlernten Beruf gearbeitet. Nach
einem längeren Sprachaufenthalt im Ausland kehrte er in die Schweiz zurück.
Er arbeitete zunächst bei der SBB im Gepäck und Güterumlad, danach als
Rangierarbeiter und absolvierte die Stellwerk- und Traktorprüfung. Schliesslich
bestand er auch noch die Streckenprüfung und fuhr auf den Strecken ... - ... so-
wie ... - ... . Danach wechselte er in den Strafvollzug und arbeitete als Koch in der
Strafanstalt B._. Anfang 2011 kündete er sein Arbeitsverhältnis und trat in
der Folge eine neue Stelle als Gefängnisaufseher in T._ an. Aufgrund des
vorliegenden Strafverfahrens wurde er von seiner Arbeit suspendiert. Gegenwär-
tig arbeitet er im Unterhalt des Kantonsspitals T._. Aktuell erzielt der Be-
schuldigte ein monatliches Bruttoeinkommen von Fr. 8'400.--, wobei er 13 Mo-
natslöhne erhält. Der Beschuldigte ist Eigentümer von zwei Wohnungen und weist
Hypothekarschulden in der Höhe von Fr. 477'000.– aus. Weitere Schulden oder
nennenswertes Vermögen hat er nicht (Urk. 6/3 S. 6 f.; Urk. 30 S. 1 f. sowie Urk.
49/1-6). Aus den persönlichen Verhältnissen und dem Werdegang des Beschul-
digten lässt sich im Hinblick auf die Strafzumessung nichts relevantes ableiten. Es
sind weder straferhöhende noch strafmindernden Faktoren erkennbar.
4.3.4.2. Der Beschuldigte verfügt über einen tadellosen Leumund und ist bislang im Schweizerischen Strafregister nicht verzeichnet (Urk. 43). Allerdings lässt sich
daraus nichts zu Gunsten des Beschuldigten ableiten. Die Vorstrafenlosigkeit
wirkt sich bei der Strafzumessung nach herrschender bundesgerichtlichen Recht-
sprechung grundsätzlich neutral aus und ist deshalb nicht strafmindernd
zu berücksichtigen (BGE 136 IV 1 E. 2.6). Einsicht und Reue kann der nicht
geständige Beschuldigte nicht für sich reklamieren.
- 32 -
4.3.4.3. Die Verteidigung macht eine erhöhte Strafempfindlichkeit des  geltend (Urk. 55 S. 25). Sie führte dazu aus, eine Verurteilung habe neben der
eigentlichen Sanktion auch die Auflösung des Arbeitsverhältnisses im Kantonalen
Gefängnis zur Folge. Dass der Beschuldigte - im Falle seiner Verurteilung - als
vorbestrafter [heute] 56-jähriger höchstens noch eine äusserst düstere Aussicht
auf eine neue Arbeitsstelle habe, bedürfe keiner weiteren Ausführungen.
Der Verlust einer Arbeitsstelle oder wie etwa vorliegend der Umstand, dass der
Beschuldigte aufgrund seiner Verurteilung in einem sensiblen Arbeitsumfeld
schwerlich eine Wiederanstellung wird finden können, stellt eine unabdingbare
Folge der von ihm und jedem anderen Delinquenten verursachten Sanktion dar.
Eine derartige Konsequenz kann nach gefestigter Rechtsprechung des Bundes-
gerichts nur beim Vorliegen von aussergewöhnlichen Umständen strafmindernd
wirken (vgl. Urteil 6B_470 /2009 vom 23. November 2009 E. 2.5 mit Hinweisen).
Solche aussergewöhnliche Umstände sind vorliegend nicht gegeben. Der
Beschuldigte liess sich durch seine Verantwortung als Ernährer gegenüber seiner
Familie von seinem deliktischen Tun nicht abhalten. Die möglichen Konsequen-
zen seines Handelns, insbesondere auch in Bezug auf seine berufliche Stellung
und seinen entsprechenden Werdegang mussten ihm jederzeit bekannt sein.
Trotzdem delinquierte er über einen Zeitraum von rund 10 Jahren hinweg. Ent-
gegen der Ansicht der Verteidigung bleibt unter diesen Umständen klarerweise
kein Raum für eine Strafminderung, auch nicht für eine geringe.
4.3.5. Nach Berücksichtigung der Täterkomponente zeigt sich, dass weder  noch strafmindernde Argumente vorliegen, weshalb es bei
der Einsatzstrafe von einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen sein Bewenden hat.
Daran anzurechnen sind 2 Tage, welche als durch Haft geleistet gelten
(Art. 51 StGB).
4.3.6. Die Anklagebehörde erachtet eine Tagessatzhöhe von Fr. 110.– als  (Urk. 20 S. 4). Dagegen wurden keine Beanstandungen erhoben. Die
Höhe erscheint sodann den finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten ange-
messen (vgl. vorstehend Ziff. 4.3.4.1), weshalb diese zu bestätigen ist.
- 33 -
4.4. Die Staatsanwaltschaft beantragt, der Beschuldigte sei zusätzlich mit einer Busse von Fr. 1'000.-- zu bestrafen. Angesichts der schwerwiegenden beruflichen
Konsequenzen und unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der Beschuldig-
te - wie nachfolgend noch darzulegen sein wird - erhebliche Kosten zu tragen
haben wird, erscheint es nicht notwendig, ihm einen weiteren Denkzettel in Form
einer Busse aufzuerlegen.
5. Vollzug
5.1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte
Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer
Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf
Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von min-
destens sechs Monaten oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tages-
sätzen verurteilt, so ist der Aufschub nur zulässig, wenn besonders günstige
Umstände vorliegen (Art. 42 Abs. 1 und 2 StGB).
5.2. Bei der Prüfung, ob der Beschuldigte für ein dauerndes Wohlverhalten Gewähr bietet, ist eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzu-
nehmen. In die Beurteilung mit einzubeziehen sind neben den Tatumständen
auch das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige
Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zu-
lassen. Für die Einschätzung des Rückfallrisikos ist ein Gesamtbild der Täter-
persönlichkeit unerlässlich. Relevante Faktoren sind etwa strafrechtliche Vorbe-
lastung, Sozialisationsbiographie und Arbeitsverhalten, das Bestehen sozialer
Bindungen, Hinweise auf Suchtgefährdungen usw. Dabei sind die persönlichen
Verhältnisse bis zum Zeitpunkt des Entscheides miteinzubeziehen. Die Gewäh-
rung des Strafaufschubes setzt – im Gegensatz zum alten Recht – nicht mehr die
positive Erwartung voraus, der Täter werde sich bewähren, sondern es genügt die
Abwesenheit einer negativen Legalprognose. Der Strafaufschub ist deshalb die
Regel, von der grundsätzlich nur bei ungünstiger Prognose abgewichen werden
darf. Er hat im breiten Mittelfeld der Ungewissheit den Vorrang (BGE 134 IV 5 f.).
- 34 -
5.3. Vorliegend sind die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvollzuges erfüllt. Es wird eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen
ausgesprochen. Der Beschuldigte ist vorstrafenlos. Es bestehen keinerlei
Anhaltspunkte für eine ungünstige Prognose, weshalb die Freiheitsstrafe bedingt
auszusprechen und der Vollzug aufzuschieben ist.
5.4. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe ganz oder teilweise auf, so bestimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44
Abs. 1 StGB). Der Beschuldigte ist Ersttäter und verfügt bislang über einen unge-
trübten Leumund. Praxisgemäss ist die Probezeit unter diesen Umständen auf
das gesetzliche Minimum von zwei Jahren anzusetzen.
6. Ersatzforderung
6.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt, der Beschuldigte sei durch das Gericht zur Ablieferung von Fr. 14'650.-- als Ersatzforderung für den unrechtmässig erlangten
Vermögensvorteil an den Staat zu verpflichten.
6.2. Sind die der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte nicht mehr , so erkennt das Gericht auf eine Ersatzforderung des Staates in gleicher
Höhe (Art. 71 Abs. 1 StGB). Lässt sich der Umfang der einzuziehenden Ver-
mögenswerte nicht oder nur mit unverhältnismässigem Aufwand ermitteln, so
kann das Gericht ihn schätzen (Art. 70 Abs. 5 StGB).
6.3. Entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft ist es nicht opportun den Beschuldigten zu Ablieferung des erzielten Umsatzes zu verpflichten. Vorliegend
erscheint es vielmehr sachgemäss vom sogenannten Nettoprinzip auszugehen
und zumindest die Gestehungskosten, d.h. den Einkaufspreis, in Abzug zu
bringen. Es ist daher pro Liter hochprozentigem Alkohol von einem durchschnitt-
lich erzielten unrechtmässigen Gewinn von Fr. 70.-- und pro Liter Wein von einem
solchen von Fr. 40.-- auszugehen, womit es sich rechtfertigt, den Beschuldigten
zu verpflichten, Fr. 8'590.-- als Ersatzforderung für den nicht mehr vorhandenen,
unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil zu bezahlen.
7. Kosten- und Entschädigungsfolgen
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7.1. Bei diesem Verfahrensausgang wird der Beschuldigte für die Untersuchung und die erste Gerichtsinstanz kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr für das erst-
instanzliche Verfahren ist auf Fr. 1'500.-- festzusetzen (§ 14 Abs. 1 lit. a GebV
OG).
7.2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.--  (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 lit. a GebV OG).
7.3. Die Kosten der Untersuchung sind dem Beschuldigten aufzuerlegen. Aufgrund des Teilfreispruchs sind die Kosten beider gerichtlicher Verfahren zu je
vier Fünfteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und im je verbleibenden Fünftel auf
die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 und Art. 428 Abs. 1 StPO).
7.4. Ausgangsgemäss ist dem Beschuldigten für die beiden gerichtlichen  eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 1'500.– (inkl. Mehrwertsteuer
und Barlauslagen) aus der Gerichtskasse zuzusprechen.