Decision ID: a80b84f6-e880-5cc8-8d0e-aea45a248e2d
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank,
9313 Muolen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenaufhebung
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 19_, meldete sich am 21. Juni 1993 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (Berufsberatung, Umschulung) an (IV-act. 4). Er gab an, an
Schmerzen im Bereich einer postoperativen Narbe nach einer linksseitigen
Nephrektomie, an diffusen Rückenschmerzen und an Bauchschmerzen zu leiden. Ge
mäss einem Bericht der Klinik für Innere Medizin des Kantonsspitals St. Gallen vom
23. Februar 1993 (IV-act. 6–13 ff.) waren im Rahmen einer stationären Behandlung
(8.-19. Februar 1993) ein Verdacht auf eine larvierte Depression, ein vertebrales
Syndrom der unteren Brustwirbelsäule bei Wirbelsäulenfehlstatik und muskulärer
Dysbalance und ein Verdacht auf ein Colon irritabile diagnostiziert worden. Die Ärzte
hatten dem Versicherten empfohlen, eine psychiatrische Behandlung aufzunehmen.
Am 29. November 1993 und am 13. Dezember 1993 untersuchte Dr. med. B._,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, den Versicherten im Auftrag der
Invalidenversicherung (IV-act. 19). Er teilte am 14. Dezember 1993 mit, er habe keine
sichere Diagnose stellen können. Die Annahme einer larvierten Depression sei eine
naheliegende Hypothese, die er aber nicht habe verifizieren können. Er müsse deshalb
offen lassen, welcher übergeordneten psychischen Störung oder Krankheit das
hypochondrische Syndrom des Versicherten zuzuordnen sei. Der Zeitpunkt der
Arbeitsaufnahme sei noch offen. Es sei zu befürchten, dass ein längeres Stadium von
Arbeitsunfähigkeit entstehe. Vorerst seien noch keine Massnahmen von Seiten der
Invalidenversicherung angezeigt. Der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. C._, teilte
am 19. Februar 1994 mit (IV-act. 22), vordergründig lägen funktionelle Beschwerden
vor, die am ehesten einem Colon irritabile entsprächen. Er habe dem Versicherte nahe
gelegt, die Beschwerden als harmlos hinzunehmen, und mitgeteilt, dass er nicht mehr
länger krankgeschrieben werde. Am 15. Juli 1994 (IV-act. 6–6 f.) berichteten die Ärzte
der Klinik für Innere Medizin des Kantonsspitals St. Gallen, sie hätten multilokale
stechende abdominelle Schmerzen ohne ein objektives Korrelat, eine akute Prostatitis
und eine akute Gastritis diagnostiziert. Der Versicherte leide nach wie vor an den
bereits im Jahr 1993 bekannten diffusen Abdominalbeschwerden, für die kein
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objektives Korrelat habe gefunden werden können. Die akute Prostatitis und die akute
Gastritis würden die Beschwerden des Versicherten nicht vollständig erklären.
Möglicherweise seien diese auch durch Spannungen in der Ehe gefördert worden.
Nach einer länger dauernden Arbeitslosigkeit arbeite der Versicherte nun als Dreher.
Am 3. Mai 1994 wies die Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch
des Versicherten ab (IV-act. 24).
A.b Am 4. Januar 1995 (IV-act. 29) meldete sich der Versicherte zum zweiten Mal zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (Berufsberatung, Umschulung, Rente)
an. Er machte geltend, er habe nach der Abweisung seines ersten Leistungsgesuches
weitere gesundheitliche Rückschläge erlitten und unter anderem nochmals stationär im
Kantonsspital St. Gallen behandelt werden müssen. Auch habe er seine Arbeitsstelle
aufgrund seiner krankheitsbedingten Absenzen verloren. Im Auftrag der IV-Stelle wurde
der Versicherte durch das Zentrum für Medizinische Begutachtung (ZMB) untersucht.
In ihrem Gutachten vom 6. Dezember 1995 (IV-act. 44) hielten die Sachverständigen
fest, sie hätten Bauchschmerzen unklarer Ätiologie, ein lumbospondylogenes Syndrom
bei leichten degenerativen Veränderungen der unteren Lendenwirbelsäule und diskreter
Fehlhaltung sowie eine somatoforme autonome Funktionsstörung des Gastro-
Intestinal-Traktes diagnostiziert. Gesamthaft schätzten sie die Arbeitsfähigkeit in den
zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Gipser und Bauarbeiter auf 70 Prozent. Am
31. August 1998 verfassten die Sachverständigen des ZMB ein Verlaufsgutachten (IV-
act. 78). Sie hatten eine somatoforme autonome Funktionsstörung, eine leichte bis
mittelschwere depressive Episode und ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom
diagnostiziert und schätzten die Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten
aufgrund einer vom psychiatrischen Consiliargutachter festgestellten Verschlechterung
des psychischen Gesundheitszustandes auf lediglich noch 50 Prozent. Mit einer
Verfügung vom 21. Dezember 1998 (IV-act. 88) sprach die IV-Stelle dem Versicherten
mit Wirkung ab dem 1. April 1997 eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 63
Prozent zu.
A.c Am 6. März 2000 ersuchte der neue Hausarzt des Versicherten, Dr. med. D._,
um eine „Neubeurteilung“ (IV-act. 105). Er führte aus, der Versicherte habe ihm
angegeben, sein psychischer Zustand habe sich seit der Rentenzusprache weiter ver
schlechtert. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das ZMB am 19. März 2002 ein weiteres
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Verlaufsgutachten (IV-act. 128). Die Sachverständigen führten aus, sie hätten eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit einer depressiven Fehlentwicklung und
einer hypochondrischen Fehlverarbeitung (funktionelle Magen-Darm-Beschwerden)
und ein lumbospondylogenes Syndrom diagnostiziert. Aus psychiatrischer Sicht
bestehe lediglich eine leichte depressive Fehlentwicklung, die nicht mittelgradig oder
gar stark ausgeprägt sei. Im Vordergrund stünden vielmehr die psychosomatische
Schmerzfehlverarbeitung und die Fixierung auf die Beschwerden sowie die Tendenz zu
funktionellen Symptomen in diversen Körperkompartimenten. Unter Würdigung der
somatischen und vor allem auch der psychiatrischen Aspekte müsse in der
Gesamtsituation eine Arbeitsunfähigkeit von über zwei Dritteln angenommen werden.
Die Verschlechterung der Situation sei einerseits durch die zunehmende
Fehlverarbeitung und psychosomatische Dekompensation nach einer Rückenoperation
zurückzuführen. Andererseits schränke auch der Status nach einer lumbalen
Discushernienoperation selbst die Belastbarkeit des Rückens und damit die
Arbeitsfähigkeit weiter ein. Mit einer Verfügung vom 19. September 2002 (IV-act. 137)
erhöhte die IV-Stelle die laufende halbe Rente mit Wirkung ab dem 1. März 2000 auf
eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 88 Prozent.
A.d Überprüfungen des Rentenanspruchs in den Jahren 2005 und 2008 führten zu
keiner Anpassung des Rentenanspruchs (vgl. IV-act. 145 und 166).
B.
B.a Am 7. Februar 2012 eröffnete die IV-Stelle ein weiteres Verfahren zur Überprüfung
des Rentenanspruchs, indem sie dem Versicherten einen Fragebogen zur Beant
wortung zustellte (IV-act. 169). Auf eine Anfrage der IV-Stelle hin teilte Dr. D._ am
13. März 2012 mit (IV-act. 175), der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich im
Gesamten nicht wesentlich verändert, wobei allerdings in psychischer Hinsicht eine
Verschlechterung eingetreten sei. Der behandelnde Psychiater, Dr. med. E._, teilte
am 24. Mai 2012 ebenfalls mit (IV-act. 184), der Zustand des Versicherten habe sich
nicht wesentlich verändert. Der Versicherte leide nach wie vor unter intensiven
psychischen und somatischen Beschwerden, die seinen Alltag stark beeinflussten.
Neben den rezidivierenden, zum Teil stark ausgeprägten depressiven Phasen leide er
unter intensiven lumbalen Schmerzen, deren Ursache in den
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Wirbelsäulenveränderungen liege. Dazu bestünden starke Verdauungsprobleme mit
Magenbeschwerden und einer Lebersteatosis, was den Versicherten auch psychisch
belaste. Am 27. August 2012 (IV-act. 188) führte Dr. med. F._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD) aus, die rentenbegründende Invalidität werde
überwiegend mit einem Leiden gemäss der Schlussbestimmung zur IV-Revision 6a
begründet. Die Kriterien für die Widerlegung der Vermutung, der Versicherte sei mit
zumutbarer Willensanstrengung in der Lage, trotz seiner Beschwerden einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen (so genannte Foerster’sche Kriterien), seien nicht erfüllt.
Es lägen auch keine weiteren Gesundheitsbeeinträchtigungen vor, welche die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten wesentlich einschränken würden.
B.b Mit einem Vorbescheid vom 13. September 2012 (IV-act. 191) teilte die IV-Stelle
dem Versicherten unter Hinweis auf diese medizinische Beurteilung mit, es sei vorge
sehen, die laufende Rente per Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden
Monats aufzuheben. Dagegen liess der Versicherte am 12. Oktober 2012 einwenden
(IV-act. 199), er leide nicht an pathogenetisch-ätiologisch unklaren Beschwerden,
weshalb eine Rentenrevision gestützt auf die Schlussbestimmung zur IV-Revision 6a
nicht zulässig sei. Ausserdem bestünden die Leiden bereits seit mehr als 15 Jahren,
was ebenfalls dazu führe, dass die Rente nicht aufgehoben werden dürfe. Er beantrage
deshalb die Weiterausrichtung der bisherigen Rente. Dazu nahm der RAD-Arzt
Dr. F._ am 23. November 2012 Stellung (IV-act. 200). Er führte aus, gemäss den
Gutachten des ZMB sei die Arbeitsunfähigkeit im Wesentlichen durch das
somatoforme Schmerzleiden begründet. Den somatischen Beeinträchtigungen käme
kein wesentliches Gewicht zu. Am 26. November 2012 verfügte die IV-Stelle die
Aufhebung der Invalidenrente (IV-act. 201).
C.
C.a Dagegen liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 3. Januar
2013 (Postaufgabe) eine Beschwerde erheben (act. G 1). Er liess die Aufhebung der
Verfügung vom 26. November 2012 und die Weiterausrichtung der bisherigen
Invalidenrente beantragen und zur Begründung im Wesentlichen ausführen, er leide
auch an nachgewiesenen somatischen Beschwerden und beziehe bereits seit mehr als
15 Jahren eine Rente, weshalb die Aufhebung der Rente unrechtmässig erfolgt sei.
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C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 5. März 2013 die Abweisung der Be
schwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, der Beschwerdeführer habe im
massgebenden Zeitpunkt der Einleitung der Rentenüberprüfung noch nicht während
15 Jahren eine Rente bezogen, weshalb die angefochtene Verfügung insofern nicht zu
beanstanden sei. Die Rentenzusprache sei zudem vornehmlich aufgrund der von den
Sachverständigen des ZMB diagnostizierten somatoformen Schmerzstörung erfolgt,
weshalb die Rente zu Recht in Anwendung der Schlussbestimmung zur IV-Revision 6a
aufgehoben worden sei.
C.c Am 20. März 2013 (act. G 7) liess der Beschwerdeführer replicando einwenden,
die somatischen Beschwerden seien entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
ausgewiesen. Tatsächlich sei bereits eine weitere Rückenoperation geplant. Die
Beschwerdegegnerin habe den Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Am 30. Mai 2013
(act. G 9) liess der Beschwerdeführer einen Operationsbericht vom 16. Mai 2013
(act. G 9.1) nachreichen. Am 6. Juni 2013 (act. G 11) liess der Beschwerdeführer einen
Austrittsbericht vom 22. Mai 2013 (act. G 11.1) nachreichen.

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen der Änderung des IVG vom
18. März 2011 (6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket) werden Renten, die bei
pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweis
bare organische Genese gesprochen worden sind, innerhalb von drei Jahren seit
Inkrafttreten dieser Gesetzesänderungen überprüft, wobei die Rente herabzusetzen
oder aufzuheben ist, wenn die Voraussetzungen von Art. 7 ATSG nicht erfüllt sind.
Keine Anwendung findet diese Bestimmung auf Personen, die im Zeitpunkt des
Inkrafttretens dieser Gesetzesänderungen das 55. Altersjahr zurückgelegt haben oder
im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine
Rente der Invalidenversicherung beziehen (Abs. 4). Diese Bestimmung ist am 1. Januar
2012 in Kraft getreten (AS 2011 5672). Der Gesetzgeber hat damit bezweckt, eine
rechtliche Grundlage zur Anpassung laufender Renten zu schaffen, die vor dem
1. Januar 2008 wegen „somatoformer Schmerzstörungen, Fibromyalgie und ähnlicher
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Sachverhalte“ zugesprochen worden waren. In der Botschaft hat der Bundesrat
ausgeführt, dass eine Rente in Abweichung von Art. 17 ATSG auch dann anzupassen
sei, wenn weder eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes noch der
erwerblichen Verhältnisse vorliege, sofern die Überprüfung durch die IV-Stelle ergebe,
dass eine somatoforme Schmerzstörung, eine Fibromyalgie oder ein ähnlicher
Sachverhalt vorliege und gemäss Art. 7 ATSG als überwindbar zu qualifizieren sei. Eine
Herabsetzung oder Aufhebung dürfe allerdings nur nach eingehender Prüfung des
Sachverhaltes erfolgen. In jedem Fall seien die in BGE 130 V 352 formulierten Kriterien
zu prüfen. Zudem sei dem bisher berechtigterweise erfolgten Rentenbezug sowie der
dadurch entstandenen Situation angemessen Rechnung zu tragen. So sei in jedem
einzelnen Fall eine Güterabwägung vorzunehmen und auf dieser Basis zu entscheiden,
ob eine Anpassung im konkreten Fall als verhältnismässig erscheine (BBl 2010 1911;
vgl. auch Amtl. Bull. SR 2010 661 ff. und Amtl. Bull NR 2010 2116 ff.). Es handelt sich
bei dieser Schlussbestimmung um ein neues, zusätzliches Korrekturinstrument für
bestimmte formell rechtskräftige Rentenverfügungen. Der Gesetzgeber hat einen
Bedarf gesehen, laufende Renten, auf die heute die in BGE 130 V 352 eingeführte
Bundesgerichtspraxis anzuwenden wäre, nachträglich einer Überprüfung im Sinne
dieser Praxis zu unterziehen. Die Renten sollen aufgehoben oder herabgesetzt werden
können, wenn sie dieser nachträglichen Überprüfung nicht standhalten, und zwar auch
dann, wenn weder die Voraussetzungen für eine Rentenanpassung (Art. 17 ATSG) noch
jene für eine Revision (Art. 53 Abs. 1 ATSG) oder eine Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2
ATSG) erfüllt sind. Es handelt sich also um eine Anpassung von Renten an eine
geänderte Bundesgerichtspraxis.
1.2 In einem Verfahren nach lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen zur IV-Revision 6a
ist zuerst – gewissermassen im Sinne einer Eintretensprüfung – zu klären, ob die
Voraussetzungen für eine Überprüfung und allfällige Anpassung des Rentenanspruchs
gegeben sind. Dabei stellt sich insbesondere die Frage, ob die Rente aufgrund eines
Leidens im Sinne dieser Bestimmung zugesprochen worden ist. Hierfür sind die „alten“
Akten relevant, also die Akten, die im Zeitpunkt der Rentenzusprache im Recht gelegen
haben. Ist diese Frage zu bejahen und sind auch die übrigen Voraussetzungen (Alter
der versicherten Person, Dauer des Rentenbezuges, dreijährige Überprüfungsfrist ab
Inkrafttreten der Änderung) erfüllt, ist das eigentliche Verfahren zur (umfassenden und
sorgfältigen) Überprüfung und allfälligen Anpassung des Rentenanspruchs von Amtes
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wegen zu eröffnen. Diese Überprüfung hat natürlich einerseits der geänderten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung Rechnung zu tragen, denn dem Entscheid, mit
dem das Verfahren abgeschlossen wird, muss das aktuell geltende Recht zugrunde
liegen. Das bedeutet, dass der Invaliditätsgrad unter Berücksichtigung der Vorgaben
der aktuellen Rechtslage neu zu ermitteln ist. Selbstverständlich muss der
Rechtsanwendung aber auch der aktuelle Sachverhalt zugrunde gelegt werden. Das
fordert bereits der Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Gesetzgeber
hat zudem keine Korrektur ex tunc, sondern vielmehr eine Anpassung ex nunc
vorgesehen. Die Frage, die es zu beantworten gilt, lautet also nicht: „Wie hoch ist der
Invaliditätsgrad im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache beim damaligen
Stand der Akten, aber unter Berücksichtigung der aktuellen Rechtsprechung
gewesen?“ Vielmehr ist die aktuelle Praxis auf den aktuellen Sachverhalt anzuwenden,
denn die rentenanpassungstypische Frage ist, wie hoch der Invaliditätsgrad im jetzigen
Zeitpunkt unter Berücksichtigung des aktuellen Sachverhaltes und des jetzt geltenden
Rechts ist. Der Gesetzgeber wollte die Vergangenheit auf sich beruhen lassen, die
laufenden Renten aber ab jetzt korrigieren. Diese Korrektur lässt sich nur so
durchführen, wenn das aktuelle Recht bzw. die aktuelle Praxis auf den aktuellen
Sachverhalt angewendet wird. Im Übrigen lässt sich bereits dem Wortlaut der
fraglichen Bestimmung entnehmen, dass die allfällige Rentenherabsetzung oder
Rentenaufhebung eine sorgfältige und umfassende Überprüfung des massgebenden
Sachverhaltes voraussetzt. Würde nämlich aus der Bejahung der Voraussetzungen für
die Überprüfung direkt die Aufhebung der Rente folgen, hätte der Gesetzgeber gewiss
nicht die Möglichkeit einer Herabsetzung der Rente erwähnt.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer hat am 7. Februar 2012 sein 55. Altersjahr noch nicht voll
endet gehabt. Seine Rente hat er im Zeitpunkt der Eröffnung des Verfahrens, das mit
der angefochtenen Verfügung abgeschlossen worden ist, noch nicht 15 Jahre lang
bezogen. Eine Rente der Invalidenversicherung ist ihm nämlich erst ab April 1997
zugesprochen worden, also etwas weniger als 15 Jahre vor der Einleitung des
Rentenaufhebungsverfahrens. Entgegen der Auffassung seines Rechtsvertreters liegt
auch auf der Hand, dass der Beschwerdeführer an einem Beschwerdebild im Sinne der
Schlussbestimmung leidet und dass dieses Leiden letztlich zur Rentenzusprache
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geführt hat. Dem Gutachten des ZMB vom 31. August 1998 lässt sich nämlich
entnehmen, dass aus somatischer Sicht bloss qualitative und geringfügige quantitative
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aufgrund der Rückenbeschwerden attestiert
worden sind. Die Verdauungsprobleme sind als funktionell, die entsprechenden
Beschwerden also als durch die objektiv belegten Beeinträchtigungen (insbesondere
Entfernung einer Schrumpfniere) nicht erklärbar qualifiziert worden. In der Diagnoseliste
sind als Hauptdiagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nebst dem
lumbospondylogenen Syndrom einzig eine somatoforme, autonome Funktionsstörung
und eine leichte bis mittelschwere depressive Episode angeführt worden. Das Attest
einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent haben die Gutachter expressis verbis mit den
von ihnen festgestellten psychiatrischen Beeinträchtigungen begründet. Sie haben
ergänzend darauf hingewiesen, dem Beschwerdeführer sei eine Willensanstrengung zur
zumindest teilweisen Überwindung seines psychischen Leidens zumutbar, allerdings,
ohne dies näher auszuführen. In ihrem Gutachten vom 19. März 2002, das zu einer
Erhöhung der Rente geführt hat, haben die Sachverständigen festgehalten, sie hätten
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit einer depressiven Fehlentwicklung
und einer hypochondrischen Fehlverarbeitung (funktionelle Magen-Darm-
Beschwerden) und ein lumbospondylogenes Syndrom diagnostiziert. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe lediglich eine leichte depressive Fehlentwicklung, die
nicht mittelgradig oder gar stark ausgeprägt sei. Im Vordergrund stünden vielmehr die
psychosomatische Schmerzfehlverarbeitung und die Fixierung auf die Beschwerden
sowie die Tendenz zu funktionellen Symptomen in diversen Körperkompartimenten.
Unter Würdigung der somatischen und vor allem auch der psychiatrischen Aspekte
müsse in der Gesamtsituation eine Arbeitsunfähigkeit von über zwei Dritteln
angenommen werden. Die Verschlechterung der Situation sei einerseits auf die
zunehmende Fehlverarbeitung und psychosomatische Dekompensation nach einer
Rückenoperation zurückzuführen. Andererseits schränke auch der Status nach einer
lumbalen Discushernienoperation selbst die Belastbarkeit des Rückens und damit die
Arbeitsfähigkeit weiter ein. Damals hat also die somatoforme Schmerzstörung noch
deutlicher im Vordergrund gestanden und praktisch ausschliesslich die quantitative
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten begründet. Was
der Beschwerdeführer in seinen Eingaben dagegen vorbringen lässt, vermag nicht zu
überzeugen. Die Voraussetzungen für eine nachträgliche Überprüfung der
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Rentenzusprache und eine allfällige Anpassung an die geänderte Bundesgerichtspraxis
sind also zusammenfassend erfüllt gewesen.
2.2 Die Überprüfung hat sich auf eine Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. F._ be
schränkt, der im Wesentlichen bloss ausgeführt hat, die Sachverständigen des ZMB
hätten sich zur Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit trotz Schmerzen im Sinne der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht geäussert. Diese Behauptung entbehrt
erstens einer nachvollziehbaren und überzeugenden Begründung und setzt zweitens
unzulässigerweise voraus, für die Beurteilung des aktuellen Rentenanspruches könne
auf die über zehn Jahre alten Gutachten abgestellt werden. Zwar haben die
behandelnden Ärzte auf eine entsprechende Nachfrage hin ausgeführt, der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich nicht wesentlich verändert.
Allein aufgrund dieser eher vagen Angaben kann aber nicht gestützt auf das mehr als
zehn Jahre alte Gutachten des ZMB über den aktuellen Rentenanspruch des
Beschwerdeführers befunden werden. Die vom Gesetzgeber geforderte sorgfältige
Überprüfung des Rentenanspruchs setzt allseitige Untersuchungen bezüglich des
aktuellen Gesundheitszustandes der betroffenen Person voraus. Solche
Untersuchungen können durchaus auch vom RAD vorgenommen werden. Die Sache
ist also an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung der unterlassenen
Untersuchungen zurückzuweisen, wobei es ihr offen steht, den Beschwerdeführer
zunächst von Fachärzten des RAD persönlich untersuchen zu lassen.
Selbstverständlich ist dabei auch den im Beschwerdeverfahren eingereichten neuen
medizinischen Berichten Rechnung zu tragen. Nach Durchführung der notwendigen
Untersuchungen hat die Beschwerdegegnerin über den aktuellen Rentenanspruch
umfassend neu zu befinden.
3. Gesamthaft ist die Beschwerde also dahingehend gutzuheissen, dass die ange
fochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und zur an
schliessenden Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Die ge
mäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu erhebenden und angesichts des durchschnittlichen Auf
wandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten hat die Beschwerdegegnerin
zu tragen, weil die Rückweisung zu weiteren Abklärungen praxisgemäss hinsichtlich
der Kosten- und Entschädigungsfolgen als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei
zu qualifizieren ist. Dem Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete
bis
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Kostenvorschuss von 600 Franken zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat dem
Beschwerdeführer sodann eine Parteientschädigung von 3’500 Franken (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP