Decision ID: 687711b8-9350-4bb4-927f-ccad2cdb05ab
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Implenia Vorsorge, Bahnhofstrasse 24, 5001 Aarau,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Eric Stern, LL.M., Beethovenstrasse 24, 8002 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
und
B._,
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Beigeladene,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Lotti Sigg Bonazzi, Theaterstrasse 3,
Postfach 2336, 8401 Winterthur,
betreffend
Rente iS B._
Sachverhalt:
A.
A.a B._, meldete sich am 13. März 2006 aufgrund von „psychischen Störungen
(Borderline, Erschöpfungsdepression, Angststörungen, ADHS/ ADS, emotional
instabil)“ zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto per 23. März 2006 hatte die
Versicherte in den Jahren 1996–2005 für zwölf verschiedene Arbeitgeber sowie ver
schiedentlich als temporär Angestellte gearbeitet und zwischendurch mehrmals
Arbeitslosenentschädigung bezogen (IV-act. 7).
A.c Am 23. März 2006 ging der IV-Stelle der Austrittsbericht der Klinik Y._ vom
23. Januar 2006 betreffend eine stationäre Behandlung der Versicherten vom
25. Oktober 2005 bis 11. Januar 2006 zu. Darin waren eine mittelgradige depressive
Episode bei einer zugrunde liegenden Persönlichkeit mit emotional instabilen und
histrionischen Persönlichkeitszügen, anamnestisch traumatische Begebenheiten und
differenzialdiagnostisch eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
diagnostiziert und die schnellstmögliche Wiedereingliederung ins Arbeitsleben durch
aktives Bewerben empfohlen worden (IV-act. 6).
A.d Am 27. März 2006 retournierte Dr. med. C._, Fachärztin FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, das Formular „Arztbericht“ der IV-Stelle mit dem Vermerk, sie
bitte um Beurteilung durch einen neutralen Arzt (IV-act. 10).
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A.e Am 7. April 2006 ging der IV-Stelle ein Arbeitgeberbericht der Firma D._ vom
4. April 2006 zu, gemäss welchem die Versicherte vom 1. November 2003 bis 31. Juli
2004 als Sachbearbeiterin dort gearbeitet und bei einem Pensum von 90,24 % einen
Monatslohn von Fr. 3’750.-- bzw. einen Jahreslohn von Fr. 48’750.-- (Basislohn für
Vollpensum Fr. 4’155.-- pro Monat) erhalten hatte. Das Arbeitsverhältnis sei von der
Arbeitgeberin wegen mangelnder Präsenzfähigkeit aufgelöst worden; letzter effektiver
Arbeitstag sei der 14. Mai 2004 gewesen (IV-act. 13).
A.f Am 13. April 2006 ging der IV-Stelle von der Firma E._ein Arbeitgeberbericht zu.
Das Arbeitsverhältnis habe vom 4. April bis 24. Juni 2005 bestanden, und die Ver
sicherte habe einen Jahreslohn von 13 × Fr. 4’600.-- erhalten. Dem Arbeitgeberbericht
lag eine Kopie des Kündigungsschreibens der Versicherten vom 8. Juni 2005 bei,
gemäss welchem sie das Arbeitsverhältnis nach Absprache mit ihrem Arzt gekündigt
hatte, weil sie den Belastungen nicht gewachsen war (IV-act. 15).
A.g Am 26. Mai 2006 ging der IV-Stelle ein Arztbericht der Klinik Y._ zu, in welchem
eine mittelgradige depressive Episode bei einer zugrunde liegenden Persönlichkeit mit
emotional instabilen Persönlichkeitszügen mit langjähriger Entwicklung und erstmaliger
Dekompensation im Sommer 2005 diagnostiziert und bezüglich Arbeitsfähigkeit aus
geführt worden war, es bestehe wohl keine bleibende Einschränkung, doch sei mit
einer Konzentrations- und geringeren Belastungseinbusse zu rechnen; eine
Teilzeittätigkeit bis 70 % oder 80 % sei zumutbar, mit in Bezug auf Konzentration und
Belastung verminderter Leistungsfähigkeit (IV-act. 19).
A.h Am 7. Dezember 2006 erstattete das Zentrum für soziale Psychiatrie der
Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich einen Arztbericht, in welchem eine ADHS, eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und histrionischen Anteilen
auf dem Hintergrund von traumatischen Ereignissen in der Kindheit sowie ein Status
nach mittelgradiger depressiver Episode diagnostiziert und seit Sommer 2005 eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 % attestiert wurde. Die Behandlung hat vom
6. März bis zum 20. April 2006 gedauert (IV-act. 25).
A.i Am 16. März 2007 ging der IV-Stelle der Austrittsbericht der Klinik Gais vom
26. Februar 2007 betreffend eine stationäre Behandlung vom 7. Dezember 2006 bis
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10. Januar 2007 zu, in welchem eine Borderline-Persönlichkeitsstörung und
differenzialdiagnostisch eine chronische posttraumatische Belastungsstörung
diagnostiziert worden waren (IV-act. 33).
A.j Am 3. September 2007 erstattete das Psychiatrische Zentrum Z._ einen
Arztbericht. Die behandelnden Ärzte – die Behandlung erfolgte seit dem 25. November
2004, allerdings mit Unterbrüchen – diagnostizierten eine ADHS, eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und histrionischen Zügen auf dem
Hintergrund von traumatischen Ereignissen in der Kindheit – beides bestehend seit
Kindheit/Jugend – und (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) einen Status nach
Schleudertrauma im März 2003. Die angestammte Tätigkeit sei der Versicherten nicht
mehr zumutbar; eine angepasste Tätigkeit wäre allenfalls zumutbar, allerdings erst
nach Durchführung einer intensiven Psychotherapie. Eine ergänzende medizinische
Abklärung sei indiziert (IV-act. 42).
A.k Am 3. Oktober 2007 nahm Dr. med. F._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) Stellung zu
den eingeholten medizinischen Berichten. Weitere Abklärungen seien nicht notwendig;
die unterdessen schwangere Versicherte sei zwischenzeitlich nicht einmal mehr in der
Lage, ihren ganz normalen Tagesablauf zu bewältigen, und deshalb auf die Unter
stützung in einer betreuten Wohngemeinschaft angewiesen. Es sei zusammenfassend
von 100%iger Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ab dem 25. Juni 2005,
von 75%iger Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten für den Zeitraum vom
12. Januar bis 5. März 2006, von 50%iger Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten für
den Zeitraum vom 6. März bis 6. Dezember 2006 und von vollständiger
Arbeitsunfähigkeit ab dem 7. Dezember 2006 auszugehen (IV-act. 43).
A.l Gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto per 29. April 2009 hatte die Ver
sicherte von Juni bis Oktober 2005 und in den Monaten März und April 2006 Arbeits
losenentschädigung bezogen, von Mai bis November 2006 gearbeitet und in den
Jahren 2006 und 2007 bei drei weiteren Arbeitgebern geringfügige Einkommen erzielt
(IV-act. 68).
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A.m Am 30. Juni 2009 erstattete Dr. med. G._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, einen Arztbericht. Sie attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab
Januar 2007 und führte aus, durch die Geburt der Tochter am 15. April 2008 habe sich
der Gesundheitszustand der Versicherten zwar etwas stabilisiert, doch sei sie dauernd
überfordert und vollkommen auf das Kind fixiert; die Beziehung zum Kindsvater sei
zudem sehr schwierig (IV-act. 72).
A.n Am 2. November 2009 fand eine Abklärung im Haushalt der Versicherten statt. Die
Abklärungsbeauftragte hielt dafür, die Versicherte sei bis 16 Wochen nach der Geburt
der Tochter, mithin bis zum 15. August 2008, als vollzeitig Erwerbstätige, vom
16. August 2008 bis zum 14. April 2010 als zu 60 % Erwerbstätige und ab dem
15. April 2010 als zu 80 % Erwerbstätige zu qualifizieren; die Einschränkung im
Haushalt liege bei 11 % (IV-act. 81).
A.o Nach Rückfrage beim RAD (Dr. med. H._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie; IV-act. 85) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom
15. April 2010 mit, dass die Zusprache einer Dreiviertelsrente ab dem 1. Juni 2006,
einer ganzen Rente ab dem 1. März 2007, einer Dreiviertelsrente ab dem 1. Dezember
2008 und einer ganzen Rente ab dem 1. Juli 2010 vorgesehen sei (IV-act. 90).
A.p Am 4. Juni 2010 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (IV-act. 102 f.).
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die betroffene Einrichtung der beruflichen Vorsorge
am 29. Juni 2010 Beschwerde erheben. Die Versicherte habe nach Ende Juni 2005 an
verschiedenen Stellen gearbeitet und sei mithin durchaus in der Lage gewesen, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Zudem sei in der angefochtenen Verfügung das
Valideneinkommen falsch ermittelt worden (act. G 1). Am 14. September 2010 liess die
Beschwerdeführerin dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Verfügungen
der Beschwerdegegnerin vom 29. Juli 2010 betreffend Auszahlung der Invalidenrente
im Zeitraum vom 1. Juni 2006 bis 30. Juni 2010 zugehen (act. G 3 und G 3.1–4).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt die Gutheissung der Beschwerde. Nach
Durchsicht der Akten sei festzustellen, dass eine unabhängige psychiatrische
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Begutachtung zu Unrecht unterblieben sei; die bei den Akten liegenden medizinischen
Berichte seien nicht ohne weiteres plausibel und nachvollziehbar (act. G 11).
B.c Am 8. Dezember 2010 wurde das Gesuch der beigeladenen Versicherten um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren bewilligt
(act. G 19).
B.d Die Beigeladende lässt die Abweisung der Beschwerde beantragen. Zur Be
gründung liess sie in ihrer Eingabe vom 12. April 2011 im Wesentlichen ausführen, sie
habe nach Ende Juni 2005 keine Erwerbstätigkeit mehr ausgeübt, die das Wartejahr
unterbrochen hätte. Insbesondere habe sie die Tätigkeit, die sie von Mai bis November
2006 ausgeübt habe, nur in einem Pensum von 60–80 % ausgeübt, sei dennoch
massiv überfordert gewesen und habe deshalb letztlich die Kündigung durch die
Arbeitgeberin hinnehmen müssen. Hinzu komme, dass sie unmittelbar nach der
Kündigung der Arbeitsstelle per 24. Juni 2005 Opfer einer sexuellen Gewalttat
geworden sei. Sie habe im Sommer 2005 erstmals stationär behandelt werden müssen.
Aufgrund der Akten sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass das
Wartejahr im Juni 2005 begonnen und am 1. Juni 2006 geendet habe. Das
Valideneinkommen sei überdies korrekt ermittelt worden, weshalb die Beigeladene
Anspruch auf eine Rente gemäss Verfügung habe (act. G 26).
B.e Die Beschwerdeführerin liess sich am 31. August 2011 zur Stellungnahme der
Beigeladenen vernehmen und an den mit Beschwerde gestellten Anträgen festhalten
(act. G 38).
B.f Die Beigeladene liess mit Eingabe vom 24. September 2011 ebenfalls an ihren
Anträgen festhalten und eventualiter beantragen, ihr sei eine Rente mit Wirkung nach
Juni 2006 zuzusprechen. In formeller Hinsicht liess sie anmerken, dass sie
Beschwerdegegnerin und nicht bloss Beigeladene sei, da ihr Rentenanspruch
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde (act. G 43).

Erwägungen:
1.
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Der Beigeladenen kommt im vorliegenden Verfahren vollwertige Parteistellung zu, denn
– wie sie zu Recht ausführen liess – Gegenstand des Verfahrens ist ihr Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung. Dementsprechend ist sie etwa ohne weiteres zur
Erhebung der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Ent
scheid gemäss Art. 62 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) und Art. 89 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) berechtigt. Auch ist im Rahmen des recht
lichen Gehörs auf ihre Ausführungen einzugehen, und im Beschwerdeverfahren vor
dem kantonalen Versicherungsgericht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen; überdies ist das Versicherungs
gericht nicht an die Begehren der Parteien gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG). Ob die
beigeladene versicherte Person, die nicht Beschwerde gegen eine Verfügung eines
Sozialversicherungsträgers erhoben hat, als Beigeladene oder als Gegenpartei be
zeichnet wird, ist daher letztlich nicht von wesentlicher Bedeutung, geht ein Wechsel in
der Bezeichnung doch nicht mit entsprechenden Änderungen der Rechte einher. Eine
„vorzeitige“ Beendigung des Beschwerdeverfahrens kann schliesslich einzig die
Beschwerde führende Partei bewirken, indem sie ihre Beschwerde zurückzieht. Selbst
die Beschwerdegegnerin, die die angefochtene Verfügung erlassen hat, kann, nachdem
sie Stellung zur Beschwerde genommen hat, einen Entscheid des
Versicherungsgerichts in der Sache selbst nicht mehr „verhindern“, indem sie ihre
Verfügung widerruft. Weitere Ausführungen dazu, ob die Beigeladene als Beigeladene
oder als Beschwerdegegnerin zu bezeichnen ist, erübrigen sich vor diesem
Hintergrund.
2.
2.1 Materiell bildet insbesondere der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit,
deren Ursache letztlich zur Invalidität geführt hat, Gegenstand der zu beurteilenden
Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin hat sich indessen im Rahmen ihrer Be
schwerdeantwort auf den Standpunkt gestellt, dass grundsätzlich fraglich sei, ob über
haupt eine Invalidität in rentenbegründendem Ausmass vorliege. Es ist vor diesem
Hintergrund zu prüfen, ob die im Recht liegenden medizinischen Unterlagen die Be
messung des Invaliditätsgrades und die Festlegung des Rentenbeginns erlauben. Dies
bezüglich ist zunächst festzustellen, dass verschiedene Fachärzte sich zum Gesund
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heitszustand der Beigeladenen und den Auswirkungen der von ihnen festgestellten Be
einträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit geäussert haben, namentlich die Ärzte der
Klinik Y._ (IV-act. 6 und 19), jene des Zentrums für soziale Psychiatrie der Psychi
atrischen Universitätsklinik Zürich (IV-act. 25), jene der Klinik Gais (IV-act. 33), jene des
Psychiatrischen Zentrums Z._ (IV-act. 42) und Dr. G._ (IV-act. 72). Diese Berichte
wurden zudem von den RAD-Ärzten Dr. F._ und Dr. H._ in einer Aktenbeurteilung
gewürdigt (IV-act. 43, 85). Die Berichte erscheinen grundsätzlich nachvollziehbar; die
von den Ärzten aufgezeigten Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit widerspiegeln
sich auch in der bisherigen Berufskarriere der Beigeladenen, die durch äusserst kurze,
häufig wechselnde und immer wieder von Zeiten der Arbeitslosigkeit abgelöste
Anstellungen gekennzeichnet ist (vgl. IV-act. 7). Auch die beiden letzten Arbeitsver
hältnisse vor Ende Juni 2005 sind offensichtlich im Zusammenhang mit einer gesund
heitsbedingten Unfähigkeit, den Anforderungen der Arbeitsstellen gerecht zu werden,
aufgelöst worden (vgl. IV-act. 13 und 15), ebenso wie wohl das letzte in den Akten
dokumentierte relevante Arbeitsverhältnis (vgl. IV-act. 34–4 f.). Mehrheitlich stimmen
die Schlussfolgerungen der beteiligten Fachärzte überein, und auch die RAD-Ärzte
haben die Berichte als überzeugend und für die Bemessung des Invaliditätsgrades aus
reichend qualifiziert. Eine relevante
Gesundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ist mithin
ausgewiesen.
2.2 Indessen lassen die Berichte keine abschliessende Bemessung des Invaliditäts
grades und insbesondere des Verlaufs zu. Einige der Bericht erstattenden Ärzte haben
gar keine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben (vgl. insb. IV-act. 10 und 33). Andere
haben zwar eine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, allerdings unter dem
Vorbehalt einer relevanten Verbesserung mittels geeigneter Massnahmen bzw. der
Indikation ergänzender medizinischer Abklärungen (vgl. IV-act. 19, 42 und 72).
Schliesslich widersprechen sich die Arbeitsfähigkeitsschätzungen auch zum Teil: Die
Ärzte der Klinik Y._ attestierten eine 70–80%ige Arbeitsfähigkeit (mit allerdings wohl
zusätzlicher Leistungseinbusse; vgl. IV-act. 19), die Ärzte des Zentrums für soziale
Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich eine solche von höchstens
50 % (IV-act. 25), und jene des Psychiatrischen Zentrums Z._ wie auch Dr. G._
hielten dafür, dass der Beigeladenen im Zeitpunkt der Berichterstattung gar keine
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Erwerbstätigkeit mehr zumutbar sei (IV-act. 42 und 72). Die RAD-Ärztin Dr. F._ hat
diese Abweichungen zwischen den Arbeitsfähigkeitsschätzungen als Ausdruck einer
stetigen Verschlechterung des Gesundheitszustandes interpretiert, und zwar wohl
massgebend auch deshalb, weil sich die Beigeladene zwischenzeitlich in eine betreute
Wohngemeinschaft begeben hatte, wobei diesbezüglich allerdings Berichte fehlten (vgl.
IV-act. 43). Dieser Schluss drängt sich aufgrund der Berichte allerdings nicht zwingend
auf. Hinzu kommt, dass die Beigeladene sich nun bereits seit längerem nicht mehr in
einer betreuten Wohngemeinschaft befindet und – mit gewissen Einschränkungen – in
der Lage ist, für sich selbst und ihr Kind zu sorgen, und zwar offenbar ohne
Unterstützung des Kindsvaters (jedoch mit Unterstützung durch ihre Eltern; vgl. IV-
act. 72). Es kann daher jedenfalls nicht davon ausgegangen werden, ihr
Gesundheitszustand sei so schlecht, dass sie nicht einmal für sich selbst sorgen bzw.
den Anforderungen des täglichen Lebens gerecht werden könne, weshalb die
Beurteilung der RAD-Ärztin Dr. F._ zumindest überholt sein dürfte. Schliesslich ist
darauf hinzuweisen, dass die Ärzte des Psychiatrischen Zentrums Z._, auf deren
Bericht sich letztlich die Zusprache der unbefristeten ganzen Rente wohl stützt, nicht
nur ergänzende medizinische Abklärungen für indiziert erachteten, sondern auch darauf
hinwiesen, dass mittels geeigneter Massnahmen eine Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit erreicht werden könnte (vgl. IV-act. 42). Die Beigeladene zeigte sich
denn auch während des gesamten Verwaltungsverfahrens motiviert, den
Wiedereinstieg ins Berufsleben zu schaffen, wobei allerdings anzuerkennen ist, dass
dies ohne vorherige geeignete medizinische Massnahmen praktisch aussichtslos sein
dürfte (vgl. IV-act. 72). Jedenfalls rechtfertigt sich die Zusprache einer unbefristeten
ganzen Rente gestützt auf die im Recht liegenden Akten bereits mangels Stabilität des
Gesundheitszustandes nicht.
2.3 Unklarheiten bestehen auch betreffend den gegebenenfalls bereits renten
relevanten Zeitraum vor Sommer 2005. Diesbezüglich fehlt es an zuverlässigen
medizinischen Berichten. Aus den Akten geht immerhin hervor, dass die Beigeladene
offenbar bereits nach Abschluss ihrer beruflichen Ausbildung Probleme hatte, sich auf
dem Arbeitsmarkt zu behaupten; diverse Arbeitsstellen konnte sie nicht lange halten.
Die RAD-Ärztin Dr. F._ hat diesen Umstand auf die diagnostizierte Persönlichkeits
störung zurückgeführt und als "invaliditätsbedingt" bezeichnet (IV-act. 43–1). Der im
März 2003 erlittene Unfall hatte sodann offenbar ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf
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die Leistungsfähigkeit der Beigeladenen. Im Bericht der Klinik Y._ vom 7. Dezember
2006 wird von einer zweijährigen Behandlung berichtet (IV-act. 25–2), im Bericht der
Klinik Gais vom 26. Februar 2007 ist die Rede von einer depressiven Verstimmung und
vermehrten Ängsten seit dem Unfall (IV-act. 33–1), die Beigeladene selbst wies in ihrem
Schreiben vom 23. Januar 2007 auf die unfallbedingte Verschiebung von zwei Wirbeln,
Tinnitus, "unheimliche" Schmerzen (Kopf- und Nackenbereich) und die Notwendigkeit
zu Physiotherapie und anderen Therapien bis dato hin (IV-act. 26–3 f.). Das
Psychiatrische Zentrum Z._ erwähnte eine Erschöpfungsdepression in Folge des
Unfalls und einen „Nervenzusammenbruch“ im Sommer 2004 (IV-act. 42–2). Die
Beigeladene befand sich denn auch in fachärztlicher Behandlung, nämlich einerseits
bei Dr. C._ und andererseits bei Herrn I._ vom sozialpsychiatrischen Dienst Z._
(vgl. IV-act. 1–6). Weiteres ist bezüglich dieses Zeitraumes nicht bekannt, da es an
echtzeitlichen Berichten fehlt. Insbesondere wurden keine Akten der zuständigen
Unfall- oder allenfalls Krankentaggeldversicherung (offenbar die Swica; IV-act. 1–5)
eingeholt. Sodann hätte Dr. C._ angehalten werden können, sich wenigstens zum
Verlauf der Behandlung bei ihr zu äussern bzw. die Krankengeschichte zu
dokumentieren, womit weitere echtzeitliche Schilderungen des Gesundheitszustandes
vorgelegen hätten. Insgesamt bestehen Hinweise darauf, dass die relevante
Arbeitsunfähigkeit bereits wesentlich früher eingetreten ist als von der
Beschwerdegegnerin angenommen. Entsprechende Akten sind jedenfalls einzuholen
und aus medizinischer Sicht zu würdigen. Weiter interessieren Ausführungen zur
allfälligen Stabilisierung durch die Geburt des Kindes der Beigeladenen. Bei der
aktuellen Aktenlage spricht allerdings nichts dagegen, bezüglich des Verlaufs von Juni
2005 bis August 2008 auf die nachvollziehbare Aufstellung des RAD-Arztes Dr. H._
(IV-act. 85) abzustellen – ausser aufgrund der weiteren Abklärungen würden sich auch
für den Verlauf mit überzeugenden Gründen andere Ergebnisse aufdrängen. Durch die
Rückweisung kann auch dem Hinweis von Dr. H._, es empfehle sich dringend eine
Überprüfung des Rentenanspruchs spätestens im April 2011, Rechnung getragen
werden.
3.
Wichtig erscheint zudem, eine Prüfung geeigneter medizinischer Massnahmen sowie
integrativer und/oder beruflicher Massnahmen vorzunehmen. Insbesondere angesichts
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der hohen Motivation und des jungen Alters der Beigeladenen drängen sich intensive
Massnahmen geradezu auf, auch im Interesse der Beigeladenen.
4.
In diesem Sinne ist die Beschwerde vollumfänglich gutzuheissen und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zu weiteren Abklärungen und allfälligen Massnahmen im Sinne
der obigen Erwägungen zurückzuweisen. Da die Rückweisung zu weiteren
Abklärungen praxisgemäss als volles Obsiegen der Beschwerde führenden Partei zu
qualifizieren ist, hat die Beschwerdegegnerin die gemäss Art. 69 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) zu verlegenden und
angesichts des durchschnittlichen Aufwands auf Fr. 600.-- festzusetzenden
Gerichtskosten zu bezahlen. Einen Teil der Gerichtskosten der ebenfalls unterliegenden
Beigeladenen – sie hat in erster Linie die Bestätigung der angefochtenen Verfügung
beantragt – aufzuerlegen, rechtfertigt sich nicht, da deren Eingabe keinen
nennenswerten Mehraufwand verursacht hat. Die Beschwerdeführerin hat keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung (BGE 126 V 143; vgl. auch den Entscheid
IV 2010/406 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. Oktober 2010);
der Staat hat die Rechtsvertreterin der Beigeladenen zufolge Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu entschädigen. Angesichts des
unterdurchschnittlichen Aufwands ist die Entschädigung auf pauschal Fr. 2’000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und gemäss Art. 31
Abs. 3 des St. Galler Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) um einen Fünftel zu kürzen. Die
Beigeladene kann zur Rückerstattung verpflichtet werden, wenn es ihre finanziellen
Verhältnisse erlauben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht