Decision ID: 579c9c4e-03a4-444d-af58-ee983e84cb73
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 7. Januar 2009 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.
6). Der Personaldienst des B._ teilte der IV-Stelle am 27. Januar 2009 mit (IV-act.
12-3), die Versicherte sei mit einem Beschäftigungsgrad von 80% im Hausdienst
beschäftigt gewesen. Das Arbeitsverhältnis sei krankheitsbedingt per 28. Februar 2009
aufgelöst worden (IV-act. 12-11). Der Jahreslohn 2009 hätte sich auf Fr. 40'994.70
belaufen. Dr. med. C._, Assistenzärztin am Ambulatorium für Sozialpsychiatrie des
Psychiatrischen Zentrums D._, berichtete am 15. Juni 2008 (IV-act. 25), die
Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode, an einer Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst) und an
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Die Versicherte habe sich vom 27.
März bis 30. Mai 2008 stationär in der psychiatrischen Klinik Z._, vom 1. Juli bis 20.
August 2008 in der psychiatrischen Tagesklinik E._ und vom 21. August bis 25.
November 2008 wieder in der psychiatrischen Klinik F._ aufgehalten. Sie sei nervös,
angespannt bis hin zu massiven Ängsten und Paniksituationen mit Atemnot, Zittern und
Schweissausbruch. Aufgrund der ausgeprägten Angstsymptomatik sei es ihr nicht
immer möglich, die Wohnung zu verlassen und Terminen nachzukommen. Auch die
Stimmungsschwankungen mit häufigen depressiven Episoden und Versagensgefühlen
führten zu einer Leistungseinschränkung. Die Arbeitsfähigkeit betrage ca. drei Stunden
pro Tag. Dr. med. G._, Spezialarzt für Neurologie, berichtete am 26. Oktober 2009
(IV-act. 37), er behandle die Versicherte seit dem 14. September 2009. Bisher habe er
sie zweimal gesehen. Sie leide an einer ausgeprägten Depression mit Angst gemischt
und an einer somatoformen Schmerzstörung. Die Arbeitsfähigkeit sollte in sechs
Monaten neu beurteilt werden. H._ vom RAD empfahl am 17. Dezember 2009 eine
psychiatrische und rheumatologische Begutachtung (IV-act. 43).
A.b Dr. med. I._, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in
seinem psychiatrischen Gutachten vom 16. Februar 2010 (IV-act. 54) aus, ein halbes
Jahr nach dem Tod des Vaters, der dramatisch in Anwesenheit der Familie
stattgefunden habe (1998), seien erstmals Angstanfälle aufgetreten. Eine halbjährige
psychiatrische Behandlung habe eine Besserung bewirkt. Die nächste Krise sei 2006
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im Zusammenhang mit Schwierigkeiten am Arbeitsplatz aufgetreten. Es sei zu einer
Phase mit Panikattacken gekommen. Die Versicherte habe im Frühjahr 2008, vorerst
hauptsächlich depressiv, dekompensiert. Während den anschliessenden
Hospitalisationen seien die Schmerzen ganz im Hintergrund gewesen und es seien
keine Panikattacken aufgetreten. Im aktuellen Befund habe sich eine recht kraftvoll ihre
Beschwerden vorbringende, zu einer dramatischen Ausdruckweise neigende Frau
gezeigt, die sich frei bewegt habe, aufgebracht vorwurfsvoller Stimmung gewesen sei,
sich unverstanden und ungerecht behandelt gefühlt habe und über schlimmste
Schmerzen im Nacken-, Arm- und Schulterbereich, in den Beinen, in den Knien und in
der Magengegend geklagt habe. Diese Schmerzen hätten nach den Angaben der
Versicherten eine Einschränkung der Konzentrationsfähigkeit zur Folge und der Schlaf
leide darunter. Die Stimmung sei schwankend. Die Versicherte sei rasch überfordert
und von Ängsten geplagt. Die Panikattacken seien recht selten geworden und der
Radius der Versicherten habe sich erweitert. Sie könne allein zu Dr. G._ reisen und
sie gehe allein einkaufen. Auch zur aktuellen Untersuchung sei sie allein angereist. Dr.
I._ stellte folgende Diagnosen: Rezidivierende depressive Störung, aktuell etwa
mittelgradig, anhaltende somatoforme Schmerzstörung und - ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit - Panikstörung, weitgehend remittiert. Im Zusammenhang mit der
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt Dr. I._ fest, die rezidivierende, angstbetonte,
agitierte depressive Störung entspreche einem geistigen Gesundheitsschaden, der die
Arbeitsfähigkeit anhaltend einschränken könne. Die depressiven Symptome seien
kaum klar zu trennen von der Schmerzstörung. Diese sei nur geeignet, eine
Arbeitsunfähigkeit zu bewirken, wenn eine psychische Komorbidität bestehe, die nicht
rein durch die Schmerzen zu erklären sei. Bei der Versicherten sei die depressive,
angstbetonte Störung nicht rein schmerzreaktiv, sondern andere Momente spielten
eine wesentliche Rolle. Es bestünden gewissen Diskrepanzen zwischen den
geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten. Die Schmerzcharakterisierung
sei vage und der Schmerzmittelkonsum gering, weshalb davon auszugehen sei, dass
es der Versicherten nur teilweise zumutbar sei, die Schmerzen willentlich zu
überwinden. Die Depression und die Schmerzen im Verband schränkten die
Arbeitsfähigkeit seit etwa Mitte 2009 anhaltend zu 50% (von Februar 2008 bis dahin zu
mehr als 70%) ein. Es sei der Versicherten zumutbar, die kämpferische Energie, die
nun nicht mehr völlig durch die Depression blockiert sei, im Rahmen einer
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rheumatologisch adaptierten Tätigkeit an vier Stunden täglich zu nutzen. Im Umgang
mit der Versicherten seien die Grundsätze der psychoagogischen Führung zu
beachten. Ihr müsse klargemacht werden, dass sie weitgehend selbst die
Verantwortung für ihren Heilungsprozess trage und dass einer Tätigkeit ausser Haus
per se therapeutische Bedeutung zukomme. Eine intensive psychiatrisch-psycho
therapeutische Behandlung wäre sinnvoll, wobei die Versicherte nicht auf einen
Türkisch sprechenden Therapeuten angewiesen sei. Auch auf
psychopharmakologischer Ebene sei eine Verbesserung möglich. Zudem sollte eine
tagesstrukturierende Massnahme eingeleitet werden.
A.c Dr. med. J._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, speziell
Rheumaerkrankungen, berichtete in seinem internistisch-rheumatologischen Gutachten
vom 3. März 2010 (IV-act. 55), er habe folgende Diagnosen erhoben:
Fibromyalgiesyndrom des Stammskeletts und des Schultergürtels, die Kriterien einer
generalisierten Fibromyalgie aber nicht erfüllend, generalisierte Schmerzstörung
(panvertebrales Schmerzsyndrom bei Hohlrundrücken mit muskulärer Dysbalance,
Trainingsmangel, ohne klinisch relevante Veränderungen/Einschränkungen,
Schultergürtel-/Armschmerz bds. im Rahmen myofaszialer Schmerzen des
Schultergürtels, zervikozephales Schmerzsyndrom ohne objektivierbare degenerative
Veränderungen bei Protraktionsfehlhaltung der HWS), leichtgradige retropatelläre
Chondrose mit medialer Pannikulose (klinisch irrelevant für die Arbeitsfähigkeit) und
Adipositas magna (die Arbeitsfähigkeit wegen der entsprechenden Immobilität
höchstens um 10% einschränkend). Dr. J._ führte dazu aus, die Versicherte habe
eine auffällig gute Beweglichkeit der ganzen Wirbelsäule gezeigt. Die oberen
Extremitäten seien klinisch beidseits unauffällig gewesen bei erhaltener Beweglichkeit
und Kraft. Die Hüft-, Sprung- und Fuss-/Zehengelenke seien indolent und frei gewesen.
Nur ein leichtes retropatelläres Kniereiben bei leicht eingeschränkter Flexion auf 125
Grad bds. bei voller Extension sei festzustellen gewesen. Harte Fakten, die eine
anhaltende somatische Arbeitsunfähigkeit begründen könnten, seien nicht erhoben
worden. Aufgrund der Adipositas mit entsprechender Belastung des Stammskeletts
und der leichten retropatellären Kniechondrose könne für eine leichte, teils sitzend, teils
stehend auszuübende Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von höchstens 10%
angenommen werden. Die interdisziplinäre Beurteilung ergab eine Arbeitsfähigkeit in
einer leidensadaptierten Tätigkeit von 50%. Dr. med. K._ vom RAD betrachtete die
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angegebene Arbeitsunfähigkeit von 70% ab Februar 2008 und 50% ab Juli 2009 am
12. April 2010 als überzeugend (IV-act. 56).
A.d Am 4. August 2010 erfolgte eine Haushaltabklärung. Im entsprechenden Bericht
vom 23. August 2010 (IV-act. 63) wurde u.a. festgehalten, die Versicherte habe
angegeben, sie wäre zu 100% erwerbstätig, wenn sie gesund wäre. Ihre finanzielle
Lage erfordere das. Die IV-Stelle nahm daraufhin einen reinen Einkommensvergleich
vor. Sie verglich ein Valideneinkommen von Fr. 51'244.-- mit einem ausgehend von
einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 90% ermittelten zumutbaren Invalideneinkommen von
Fr. 46'120.-- und ermittelte so einen Invaliditätsgrad von 10% (IV-act. 65). Mit einer
Verfügung vom 21. Oktober 2010 wies sie das Rentenbegehren ab (IV-act. 72). Sie
begründete ihr Abstellen auf eine Arbeitsfähigkeit von 90% damit, dass die
diagnostizierte mittelgradige depressive Störung nur eine reaktive Begleiterscheinung
der Schmerzstörung und damit keine relevante Komorbidität sei.
B.
B.a Die Versicherte liess am 12. November 2010 Beschwerde erheben (act. G 1) und
sinngemäss die Ausrichtung einer Rente sowie die Durchführung beruflicher
Massnahmen beantragen. Dabei sei der Invaliditätsgrad nur auf den Erwerbsfaktor
abzustützen und es sollte ein "Leidensabzug" von 25% berücksichtigt werden. Aus
dem Gutachten sei ersichtlich, dass die Schmerzstörung durch die psychische Störung
beeinflusst werde und nicht umgekehrt. Fälschlicherweise sei eine Haushaltabklärung
gemacht und in die Berechnung einbezogen worden. Der Beschwerde lag ein
Austrittsbericht der Klinik L._ vom 12. November 2010 bei (act. G 1.1). Die
Beschwerdeführerin hatte sich zur psychosomatischen Rehabilitation vom 11. Oktober
bis 6. November 2010 stationär dort aufgehalten. Folgende Diagnosen waren erhoben
worden: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode,
Panikstörung, V. a. PTSD (posttraumatische Belastungsstörung) und
Retraumatisierungen, chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren (DD: Fibromyalgie) und Adipositas. Die Ärzte hatten dazu ausgeführt, die
Versicherte habe angegeben, sie habe mit 18 Jahren geheiratet und sei dann
zusammen mit dem Ehemann in die Schweiz gezogen. 1989 sei die gemeinsame
Tochter zur Welt gekommen. Drei Jahre später habe sie sich scheiden lassen. Seither
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werde sie vom Ehemann immer wieder telephonisch und schriftlich bedroht. Sie habe
ihn nie mehr persönlich gesehen, lebe aber in ständiger Angst, dass er plötzlich
auftauche. Nachdem der Vater gestorben sei, habe sie an Panikattacken mit Brust- und
Rückenschmerzen, einem Engegefühl und Atemnot gelitten. Diese Attacken hätten sich
im Lauf der Zeit gebessert, seien aber nicht gänzlich verschwunden. Im Verlauf der
Behandlung habe sich herausgestellt, dass die Beschwerdeführerin unter schweren
Traumatisierungen mit über Jahre hinweg dauernden Retraumatisierungen (wie das
traumatisch erlebte Sterben des Vaters, die multiplen Gewaltanwendungen durch den
Ehemann und die über Jahre hinweg dauernden schriftlichen Bedrohungen) leide. Die
vor allem damit verbundenen depressiven Episoden machten ihr immer wieder zu
schaffen. Sie reduzierten die Lebensqualität so drastisch, dass nicht nur die
Lebensfreude, sondern zeitweilig auch der Lebenswille gefährdet sei. Es sei sehr
schwierig, die Traumata nach so langer Zeit noch erfolgreich zu behandeln. Deshalb
bestehe wenig Aussicht, eine nachhaltige physische und psychische Stabilität
erreichen zu können. Die Beschwerdeführerin brauche ihre gesamte Energie, um mit
ihren Beeinträchtigungen fertig zu werden und gleichzeitig Alltägliches zu erledigen. Es
sei ihr nicht möglich, nebst der Alltagsbewältigung noch einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen. Vorläufig bestehe keine Arbeitsfähigkeit.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 12. Januar 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte sie aus, dass mit der mittelgradigen
depressiven Episode keine von depressiven Verstimmungszuständen klar
unterscheidbare andauernde Depression im Sinn eines verselbständigten
Gesundheitsschadens vorliege, die unabhängig von der somatoformen
Schmerzstörung als erhebliche psychische Komorbidität ausnahmsweise auf die
Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung schliessen liesse.
Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren liessen sich oft nicht klar von medizinisch
objektivierbaren Leiden trennen. Solche äusseren Umstände könnten nicht als
gesundheitliche Beeinträchtigungen im IV-rechtlichen Sinn verstanden werden.
Infolgedessen könnten psychische Störungen, die durch soziale Umstände verursacht
seien und bei Wegfall der Belastungsfaktoren wieder verschwänden, nicht zu einer
Invalidenrente berechtigen. Dr. I._ habe angegeben, dass zusätzliche schwere
Erkrankungen fehlten; ausserdem sei der Schmerzmittelkonsum gering. Entgegen der
Auffassung von Dr. I._ sei das kein Indiz für die teilweise Unfähigkeit, die Schmerzen
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willentlich zu überwinden, sondern möglicherweise ein Indiz dafür, dass die
Anstrengungen zur Schmerzüberwindung noch vermehrt werden könnten. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik L._ beziehe sich nicht auf eine adaptierte
Tätigkeit, berücksichtige die bundesgerichtliche Schmerzrechtsprechung nicht und sei
zudem nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung abgegeben worden.
B.c Die Beschwerdeführerin wandte am 1. Februar 2011 ein (act. G 12), die
psychiatrische Beurteilung nehme nicht Stellung dazu, dass die psychischen
Beschwerden durch ein schweres psychisches Trauma (Misshandlungen durch den
ehemaligen Ehemann) ausgelöst worden seien. Sie habe sich mehrfach im Frauenhaus
aufhalten müssen und sie habe Suizidversuche unternommen. Die Panikstörung sei die
den Tagesablauf bestimmende Störung. Die primäre psychische Störung sei eine seit
1985 andauernde chronische, schwere, traumatische Belastungsstörung mit
sekundären ängstlich-depressiven Zügen und nicht eine episodisch auftretende
Störung. Sie sei nicht schmerzreaktiv bedingt, denn die körperlichen Schmerzen seien
später aufgetreten.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 14. Februar 2011 auf eine
Stellungnahme zur Replik (act. G 14).

Erwägungen:
1.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin nur einen
Rentenanspruch verneint. Sie hat sich nicht zu einem allfälligen Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen geäussert. Da der Streitgegenstand des
Beschwerdeverfahrens nicht weiter sein kann als der Gegenstand der angefochtenen
Verfügung, besteht keine Möglichkeit, das mit der Beschwerde gestellte Begehren um
berufliche Eingliederungsmassnahmen zu prüfen. In diesem Punkt kann nicht auf die
Beschwerde eingetreten werden.
2.
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2.1 Die Beschwerdegegnerin hat eine Haushaltabklärung vorgenommen, um den
Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin im eigenen Haushalt zu ermitteln. Das war
unnötig, denn die Beschwerdeführerin hatte angegeben, im hypothetischen
"Gesundheitsfall" wäre sie zu 100% erwerbstätig. Angesichts ihrer persönlichen
Verhältnisse (geschieden, alleinstehend, ohne berufliche Ausbildung, tiefes Lohnniveau)
war diese Aussage überzeugend. Bei einer hypothetischen Vollerwerbstätigkeit ist die
Invalidität anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu ermitteln, d.h. die Invalidität
im eigenen Haushalt ist irrelevant. Die Beschwerdegegnerin hat denn auch einen
solchen Einkommensvergleich angestellt und damit das Ergebnis der
Invaliditätsbemessung im eigenen Haushalt zu Recht ignoriert.
2.2 Bei einem Einkommensvergleich nach Art. 16 ATSG wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und
nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.2.1 Gemäss den Angaben im Lebenslauf (vgl. IV-act. 7-4 f.) hat die
Beschwerdeführerin in ihrem Herkunftsland zwar das Gymnasium besucht, aber nie
einen Beruf erlernt. In der Schweiz ist sie immer nur als Hilfsarbeiterin tätig gewesen.
Von 2001 bis zur krankheitsbedingten Auflösung des Arbeitsverhältnisses im Februar
2009 hat sie im Hausdienst des B._ gearbeitet. Es kann davon ausgegangen werden,
dass sie diese Tätigkeit längerfristig weiter ausgeübt hätte, wenn sie gesund geblieben
wäre. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb das Valideneinkommen zu Recht anhand
des Einkommens bemessen, das die Beschwerdeführerin an ihrem letzten Arbeitsplatz
erzielt hätte. Als Invalidenkarriere kommt dieser Arbeitsplatz nicht in Frage, weil er nicht
behinderungsadaptiert ist. Gemäss den Angaben von Dr. J._ (vgl. IV-act. 55-9 f.)
beinhaltet eine behinderungsadaptierte Erwerbstätigkeit einen sitzenden Anteil von
50%, sie ist wechselbelastend, sie darf keine vornehmlich vorgebeugte oder gebückte
Haltung erfordern und die Lastgrenze ist tief. Da die Beschwerdeführerin keiner
Erwerbstätigkeit mehr nachgeht, kann die Invalidenkarriere nur abstrakt anhand der
medizinischen Vorgaben definiert werden. Es ist davon auszugehen, dass der
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allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt für Hilfsarbeiten geeignete Arbeitsplätze
aufweist. Das zumutbare Invalideneinkommen ist deshalb praxisgemäss anhand
statistischer Lohnangaben zu ermitteln.
2.2.2 Die Beschwerdegegnerin ist bei der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens von einem Arbeitsfähigkeitsgrad in einer
behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit von 90% ausgegangen. Sie hat sich dabei
auf das Ergebnis der internistisch-rheumatologischen Abklärung durch Dr. J._
gestützt. Die von Dr. I._ aus psychiatrischer Sicht abgegebene
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist als nicht überzeugend gewertet worden. Die
Beschwerdegegnerin hat aber nicht nochmals eine psychiatrische Begutachtung
angeordnet, sondern sie hat im Ergebnis selbst eine Art psychiatrischer
Arbeitsfähigkeitsschätzung vorgenommen. Sie ist nämlich davon ausgegangen, dass
die Beschwerdeführerin durch ihre psychische Beeinträchtigung nicht in ihrer Arbeits
fähigkeit eingeschränkt sei. Begründet hat die Beschwerdegegnerin diese
Vorgehensweise mit einer (von ihr so genannten) "Schmerzpraxis" des Bundesgerichts.
Gemäss den entsprechenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort können depressive Verstimmungen nicht von einer andauernden
Depression unterschieden werden, wenn sie im Gefolge einer somatoformen
Schmerzstörung auftreten. Nur eine erhebliche psychische Komorbidität kann
ausnahmsweise eine willentliche Schmerzüberwindung als unzumutbar erscheinen
lassen. Mit der Anwendung dieser "Schmerzpraxis" unterstellt die
Beschwerdegegnerin, dass die durch eine somatoformen Schmerzstörung ausgelösten
Schmerzempfindungen nicht geeignet seien, eine objektive Arbeitsunfähigkeit zu
bewirken. Diese Schmerzen hätten nur eine subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung
zur Folge. Diese könne mit einer Willensanstrengung vollumfänglich überwunden
werden, d.h. die an einer somatoformen Schmerzstörung erkrankte Person könne trotz
der subjektiv empfundenen Schmerzen zu 100% einer Erwerbstätigkeit nachgehen.
Ausnahmsweise sei die Überwindung der subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung
(d.h. eine vollzeitliche Erwerbstätigkeit trotz der empfundenen Schmerzen) nur
eingeschränkt möglich, nämlich u.a. wenn eine zusätzliche psychische Krankheit
(Komorbidität) die volle Entfaltung der Willenskraft zur Überwindung der subjektiven
Arbeitsunfähigkeit beeinträchtige. Bei dieser Argumentation wird als selbstverständlich
angenommen, dass nur die somatoforme Schmerzstörung als Ursache einer allfälligen
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objektiven Arbeitsunfähigkeit in Frage komme. Der gleichzeitig gestellten weiteren
psychiatrischen Diagnose (also meist der Depression) wird damit stillschweigend die
Fähigkeit abgesprochen, selbst direkt eine objektive Arbeitsunfähigkeit zu bewirken.
Sie wird nur als Komorbidität wahrgenommen, d.h. ihre Relevanz für die Ermittlung der
objektiven Arbeitsunfähigkeit kann nur darin bestehen, dass sie die Willensanstrengung
erschwert oder verunmöglicht, die zur Überwindung der durch die somatoforme
Schmerzstörung ausgelösten subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung notwendig
wäre. Die Komorbidität, vorliegend in der Form einer Depression (mittelgradige
Episode), ist nach der Konzeption der Beschwerdegegnerin selbst dann nicht geeignet,
direkt eine objektive Arbeitsunfähigkeit zu bewirken, wenn sie beispielsweise
erhebliche Konzentrationsstörungen oder eine generelle Verlangsamung zur Folge hat.
Sie wird ausschliesslich auf eine allfällige Auswirkung auf die zur Verfügung stehende
Willensenergie zur Überwindung der durch die somatoforme Schmerzstörung
bewirkten subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung untersucht. Zumindest in der
Interpretation der Beschwerdegegnerin weist die "Schmerzpraxis" also zwei Eckpfeiler
auf, nämlich einerseits die generelle Unfähigkeit einer somatoformen Schmerzstörung,
direkt eine objektive Arbeitsunfähigkeit zu bewirken, so dass nur eine Reduktion der zur
Verfügung stehenden Willensenergie zur Überwindung der subjektiven
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung eine objektive Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben
kann, und andererseits die zentrale Rolle der somatoformen Schmerzstörung, um die
herum sich alle anderen im Einzelfall ebenfalls gestellten psychiatrischen Diagnosen als
Komorbiditäten (d.h. als mögliche Ursachen einer Beeinträchtigung der Willensenergie
zur Überwindung der subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung) gruppieren, ohne
selbst in der Lage zu sein, direkt eine objektive Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Selbst
eine schwere somatoforme Schmerzstörung hat also immer nur eine willensmässig
überwindbare subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung und nie direkt eine objektive
Arbeitsunfähigkeit zur Folge, und die Depression als Komorbidität ist nur als mögliche
Ursache einer Reduktion der zur Verfügung stehenden Willensenergie und nicht als
mögliche direkte Ursache einer objektiven Arbeitsunfähigkeit zu würdigen.
Dr. I._ hat als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung (mittelgradige
Episode), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine remittierte
Panikstörung erhoben. Daraus hat die Beschwerdegegnerin in Anwendung ihrer oben
dargelegten Interpretation der "Schmerzpraxis" den Schluss gezogen, aus
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psychiatrischer Sicht sei keine objektive Arbeitsunfähigkeit gegeben, weil eine
rezidivierende Depression, mittelgradige Episode, nicht geeignet sei, die zur Verfügung
stehende Willensenergie zur Überwindung der subjektiven
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung herabzusetzen. In der Liste der von der Klinik L._ im
Austrittsbericht vom 12. Dezember 2010 angegebenen Diagnosen taucht die
Panikstörung ebenfalls auf, allerdings ohne Hinweis auf eine Remission. Als weitere,
neue Diagnose wird eine posttraumatische Belastungsstörung angegeben. Im
Gutachten von Dr. I._ ist die Gewalttätigkeit der Ehemanns der Beschwerdeführerin,
die von den Ärzten der Klinik L._ als (Haupt-) Ursache dieser beiden Diagnosen
betrachtet worden ist, zwar ebenfalls erwähnt worden, aber es fehlt das Element der
bis zur Gegenwart andauernden Bedrohung und die anhaltende Angst der
Beschwerdeführerin, dass der frühere Ehemann bei ihr auftauchen und die Drohungen
wahr machen könnte. Dies lässt vermuten, dass Dr. I._ keine umfassende Anamnese
hat erheben können, weil es der Beschwerdeführerin erst während der mehrwöchigen
stationären psychosomatischen Rehabilitation gelungen ist, sich den Ärzten zu öffnen.
Seine Diagnosestellung dürfte demnach unvollständig sein, so dass sie entgegen der
Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht die Grundlage der Anwendung der
"Schmerzpraxis" in der von der Beschwerdegegnerin vertretenen Form bilden kann.
Der Austrittsbericht der Klinik L._ weist keine auf Dauer ausgerichtete
Arbeitsfähigkeitsschätzung auf. Und selbst wenn dieser Bericht eine solche Schätzung
enthalten würde, wäre deren Überzeugungskraft nicht ausreichend, da sie von
behandelnden Ärzten stammen würde. Behandelnde Ärzte neigen nämlich
erfahrungsgemäss dazu, die pessimistische Selbsteinschätzung ihrer Patienten für bare
Münze zu nehmen und deshalb die objektive Arbeitsfähigkeitsschätzung zu hoch
anzusetzen. Ob die gestellten Diagnosen richtig sind, ist angesichts der erheblichen
Abweichung vom Gutachten von Dr. I._ nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt. Damit bildet auch der Austrittsbericht der Klinik L._ keine ausreichende
Grundlage für die Anwendung der "Schmerzpraxis", wie sie von der
Beschwerdegegnerin interpretiert wird. Wenn diese "Schmerzpraxis" angewendet
werden könnte, müsste wohl davon ausgegangen werden, dass die
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung nicht willensmässig überwindbar sei, denn als
Komorbiditäten kämen die Panikstörung und die posttraumatische Belastungsstörung
hinzu. Es könnte nicht mehr geltend gemacht werden, bei einer anhaltenden
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somatoformen Schmerzstörung und einer rezidivierenden Depression (gegenwärtig
mittelgradige Episode) könne die subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung
praxisgemäss durch eine zumutbare Willensanstrengung vollumfänglich überwunden
werden.
In dem absoluten Sinn, in dem die "Schmerzpraxis" von der Beschwerdegegnerin zur
Anwendung gebracht wird, kann sie nicht richtig sein, weil die anhaltende somatoforme
Schmerzstörung nicht immer die "Hauptkrankheit" ist, um die herum sich die übrigen
diagnostizierten psychischen Krankheiten als reine Komorbiditäten versammeln. Diese
Interpretation läuft nämlich auf die Fiktion hinaus, dass sämtliche anderen psychischen
Erkrankungen nur Folgekrankheiten der somatoformen Schmerzstörung seien. Wenn
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung dazu führt, dass sich zusätzlich eine
Depression entwickelt, dann mag es plausibel sein, dass es sich bei dieser Depression
um eine Komorbidität handle. Allerdings bleibt auch hier problematisch, dass gewisse
typische Symptome einer Depression durchaus geeignet sind, direkt eine objektive
Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Denkbar ist auch der umgekehrte Fall, nämlich dass
eine bestehende Depression eine somatoforme Schmerzstörung auslöst. In dieser
Situation macht es keinen Sinn, die Depression als Komorbidität der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung zu bezeichnen und zu behaupten, sie könne nur die
willensmässige Überwindung der subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung
erschweren und dazu müsse sie eine erhebliche Schwere aufweisen. In dieser Situation
ist es naheliegender, die Symptome der Depression darauf zu prüfen, ob sie geeignet
sind, die objektive Arbeitsfähigkeit zu beeinträchtigen, und sich dann zu fragen, ob die
somatoforme Schmerzstörung diese Beeinträchtigung verstärke. Noch viel eher muss
der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung die zentrale Rolle unter den
psychiatrischen Diagnosen abgesprochen werden, wenn sowohl sie selbst als auch die
Depression nur das Resultat einer vorbestehenden anderen psychiatrischen Diagnose
sind. Im vorliegenden Fall dürfte das der Fall gewesen sein, d.h. die Panikstörung und/
oder die posttraumatische Belastungsstörung stehen bei der Frage nach einer
allfälligen objektiven Arbeitsunfähigkeit wohl im Zentrum. In dieser Situation kann nicht
davon ausgegangen werden, dass nur eine subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung
vorliege und dass es nur darum gehe festzustellen, ob die zur Überwindung dieser
Überzeugung notwendige Willensenergie vorhanden sei. Hier bleibt von der
"Schmerzpraxis" in der Interpretation der Beschwerdegegnerin nichts übrig. Es ist
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vielmehr zu prüfen, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass die Kombination aller
effektiv bestehenden psychiatrischen Krankheiten geeignet ist, direkt eine objektive
Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer
Beschwerdeantwort zusätzlich geltend gemacht, psychische Störungen, die durch die
sozialen Umstände verursacht seien und beim Wegfall der Belastungsfaktoren wieder
verschwinden würden, könnten in ihren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht
berücksichtigt werden bzw. nicht zu einer Invalidenrente berechtigen. Offenbar ist die
Beschwerdegegnerin davon ausgegangen, dass dies auch auf die bei der
Beschwerdeführerin diagnostizierten psychischen Erkrankungen zutreffe. Tatsächlich
handelt es sich bei dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin mit einem
gewalttätigen Mann verheiratet gewesen ist und dass sie von diesem Mann auch nach
der Scheidung bis heute bedroht wird, um einen sozialen Umstand bzw. um einen
Belastungsfaktor. Weder dem Gutachten von Dr. I._ noch dem Austrittsbericht der
Klinik L._ lässt sich aber entnehmen, dass die Beschwerdeführerin sofort gesunden
würde, wenn die Belastung durch die anhaltende Bedrohung aufhören würde. Die
Beschwerdegegnerin hat dies wohl einfach unterstellt. Tatsächlich hätte sie aber
nachweisen müssen, dass bei einem Wegfall der Bedrohungssituation mit einer Heilung
innert kurzer Zeit zu rechnen wäre. Diese Frage ist rein medizinischer Natur und hätte
deshalb durch einen medizinischen Sachverständigen beantwortet werden müssen.
Die Behauptung der Beschwerdegegnerin, es fehle an einer Invalidität, weil mit der
Veränderung der sozialen Umstände die Krankheit und damit eine allfällige objektive
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin verschwinden würden, ist deshalb mangels
einer ausreichenden Sachverhaltserhebung nicht stichhaltig. Im Übrigen ist nicht
nachvollziehbar, weshalb eine langdauernde Arbeitsunfähigkeit im Sinn von Art. 6 Satz
1 ATSG, die auf eine Gesundheitsbeeinträchtigung zurückzuführen ist, die ihre Ursache
in bestimmten soziokulturellen und psychosozialen Umständen hat, nicht geeignet sein
soll, eine Erwerbsunfähigkeit im Sinn von Art. 7 ATSG und damit eine Invalidität im Sinn
von Art. 8 ATSG zu begründen. Mit der Schadenminderungspflicht lässt sich das nicht
erklären, denn den Betroffenen ist es kaum je möglich und zumutbar, ihre
soziokulturellen oder psychosozialen Umstände so zu verändern, dass die Ursache der
Gesundheitsbeeinträchtigung wegfällt und die Genesung beginnt. Auch mit
Beweisproblemen kann die von der Beschwerdegegnerin angeführte Praxis nicht
begründet werden, denn eine Verwechslung einer eine objektive Arbeitsunfähigkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
begründenden Gesundheitsbeeinträchtigung mit einer nur eine subjektive, willentlich
überwindbare Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung bewirkenden ungünstigen
soziokulturellen oder psychosozialen Situation ist nur möglich, wenn die medizinische
Abklärung unsorgfältig ist. Es fehlt auch jeder Hinweis darauf, dass der Gesetzgeber -
systemwidrig - hätte anordnen wollen, dass nur Gesundheitsbeeinträchtigungen
geeignet sein sollten, eine rentenspezifische Invalidität auszulösen, die ihre Ursache
nicht in soziokulturellen oder psychosozialen Umständen hätten. Daraus folgt, dass die
Ursache der die objektive Arbeitsunfähigkeit auslösenden
Gesundheitsbeeinträchtigung irrelevant sein muss.
3.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der massgebende Sachverhalt nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, solange
nicht bekannt ist, an welchen psychischen Krankheiten die Beschwerdeführerin effektiv
leidet, d.h. welche Diagnosen zu stellen sind. Die Beschwerdegegnerin wird deshalb
weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen und anschliessend neu über das
Rentenbegehren der Beschwerdeführerin zu befinden haben. Dieser
Verfahrensausgang ist in Bezug auf die Verfahrenskosten als vollumfängliches
Unterliegen der Beschwerdegegnerin zu werten. Die angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwands praxisgemäss auf Fr. 600.-- festzusetzende Gerichtsgebühr ist
deshalb von der Beschwerdegegnerin zu entrichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP