Decision ID: 51f55850-1362-493e-852a-b04954e5d071
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 10.07.2017 Art. 28 IVG. Rentenanspruch. Beweiswürdigung Gutachten. Unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren. Das polydisziplinäre Gutachten erweist sich als beweistauglich. Kein rentenbegründender Invaliditätsgrad bei einer Arbeitsfähigkeit von 75% und unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von maximal 15%. Auf Grund der Komplexität des Sachverhalts ist die Erforderlichkeit einer anwaltlichen Verbeiständung im Vorbescheidverfahren zu bejahen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. Juli 2017, IV 2016/303 und IV 2016/139). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_629/2017.
Entscheid Vericherungsgericht, 10.07.2017
Entscheid vom 10. Juli 2017
Besetzung
Präsidentin Marie Löhrer, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Michaela
Machleidt Lehmann; Gerichtsschreiberin Jeannine Bodmer
Geschäftsnr.
IV 2016/303, IV 2016/139
Parteien
A._,
Beschwerdeführerin,
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vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller,
Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
Rente und unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Verwaltungsverfahren
Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 4. Dezember 2012 wegen Schulter- und Fussschmerzen
sowie psychischen Beschwerden bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (IV-act. 1).
Ihre letzte Arbeitgeberin hatte ihr das Arbeitsverhältnis als Zwirnerin wegen eines
massiven Auftragsrückgangs per 30. April 2010 gekündigt (IV-act. 12-8). Beim
Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) war sie per 31. Januar 2012 abgemeldet
worden (IV-act. 15), weil sie seit 18. Oktober 2011 bis auf Weiteres zu 100%
arbeitsunfähig war (IV-act. 16-2f., 22-1). Ihre Hausärztin Dr. med. B._ diagnostizierte
im Bericht vom 21. Februar 2013 zu Handen der IV-Stelle eine
Supraspinatussehnenruptur mit Impingement bei Acromioclaviculargelenksarthrose
rechts, einen Status nach Teilruptur des Ligamentum fibulotalare anterius links, eine
Struma diffusa mit Verdacht auf Thyreoiditis sowie eine Depression und Angststörung
(IV-act. 19).
A.b Im Bericht vom 19. Juli 2013 diagnostizierte Dr. med. C._, FMH, Praxis für
Psychiatrie und Psychotherapie, bei der die Versicherte seit Mai 2012 in Behandlung
war, eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), bestehend seit Frühling
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2012, und eine Schilddrüsendysfunktion. Die Funktion der Schilddrüse habe bisher
unter medikamentöser Behandlung nicht eingestellt werden können. Der psychische
Zustand decke sich teilweise eindeutig mit dem Hormonstatus der Schilddrüse,
weshalb die Symptomatik am ehesten im Rahmen dieser Erkrankung zu sehen sei. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe zurzeit eine 50-60%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 25).
A.c Dr. med. D._, Spezialarzt Orthopädie FMH, Sportmedizin, berichtete am 26.
August 2013 gestützt auf eine einmalige Konsultation der Versicherten bei ihm, dass
die Spontanprognose bezüglich der Supraspinatussehnenruptur bei
Acromioclaviculargelenksarthrose rechts ohne Operation nicht gut sei. Durch eine
Operation sollte die Leistungsfähigkeit seines Erachtens wieder hergestellt werden
können (IV-act. 28-6).
A.d Gemäss dem Bericht von Dr. med. E._, Innere Medizin FMH, vom 9. September
2013 war die Hypothyreose bei Hashimoto-Thyreoiditis gut substituiert (IV-act. 29-2).
A.e Am 8. April 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, sie gewähre ihr Beratung
und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 48).
A.f Im Verlaufsbericht vom 3. Juni 2014 beurteilte Dr. C._ den Gesundheitszustand
in psychischer Hinsicht als stationär. Sie attestierte der Versicherten weiterhin eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% (IV-act. 56).
A.g Vom 12. März bis 11. Juni 2014 absolvierte die Versicherte in der F._ eine
berufliche Abklärung (sozialberufliche Rehabilitation). Im Schlussbericht vom 11. Juni
2014 hielt die Beraterin fest, es sei der Versicherten gelungen, ein Arbeitspensum von
50% stabil einzuhalten. Jedoch sei eine Eingliederungsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt bei einem Arbeitspensum von 50% derzeit auf Grund der mangelnden
Leistungsfähigkeit noch nicht gegeben (IV-act. 58-5f.).
A.h Gemäss dem Abschlussbericht der Eingliederungsverantwortlichen bewarb sich
die Versicherte nach der Abklärung in der F._ regelmässig auf Stellen im 50%-
Pensum, jedoch ohne Erfolg. Sie habe mit ihr vereinbart, dass die beruflichen
Massnahmen abgeschlossen würden und die Rentenprüfung erfolge (IV-act. 69-5f.).
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Mit Mitteilung vom 2. Dezember 2014 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen ab (IV-act. 71).
A.i Im Verlaufsbericht vom 31. März 2015 befand Dr. B._ die Versicherte in einer
leidensadaptierten Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig (IV-act. 83). Auch Dr. C._ attestierte
im Verlaufsbericht vom 10. April 2015 bei stationärem Gesundheitszustand weiterhin
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 84). Gestützt auf diese Berichte befanden die
RAD-Ärzte Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierter
medizinischer Gutachter (SIM), und Dr. med. H._, Facharzt für Chirurgie FMH, in der
Stellungnahme vom 10. Juni 2015, dass die Versicherte in körperlich leichten
Tätigkeiten mit allgemein reduzierter psychischer Belastbarkeit zu 70% arbeitsfähig sei
(IV-act. 85-3).
A.j Mit Vorbescheid vom 18. Juni 2015 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentengesuchs gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 27% in Aussicht
(IV-act. 88).
A.k Mit Schreiben vom 30. Juni 2015 teilte Rechtsanwalt lic. iur. D. Ehrenzeller der IV-
Stelle die Interessenvertretung der Versicherten mit und stellte ein Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren (IV-act. 89). Zudem
erhob der Rechtsvertreter am 18. August 2015 im Namen der Versicherten Einwand
gegen den Vorbescheid (IV-act. 97).
A.l Am 15. Oktober 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten gestützt auf die
Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. G._ vom 14. Oktober 2015 (IV-act. 102) mit, sie
übernehme die Kosten für eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung (IV-act. 99).
A.m Am 2. und 23. Dezember 2015 wurde die Versicherte in der Ärztlichen
Begutachtungsinstitut GmbH (ABI), Basel, allgemeininternistisch, psychiatrisch,
rheumatologisch und neuropsychologisch begutachtet. Die Gutachter befanden die
Versicherte im Gutachten vom 25. Januar 2016 für leidensadaptierte Tätigkeiten zu
75% arbeitsfähig. Das Pensum könne vollschichtig umgesetzt werden mit erhöhtem
Pausenbedarf von 15min pro Stunde (IV-act. 112-24). RAD-Arzt Dr. G._ hielt das
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Gutachten mit Stellungnahme vom 15. Februar 2016 für nachvollziehbar und schlüssig
(IV-act. 114).
A.n Mit Verfügung vom 14. März 2016 wies die IV-Stelle das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren mangels sachlicher Gebotenheit und
auf Grund fehlender Notwendigkeit ab (IV-act. 117).
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter am 28.
April 2016 Beschwerde erheben und die Aufhebung der Verfügung sowie die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung beantragen (IV 2016/139, act. G
1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 24. Mai 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Beschwerdeabweisung im Verfahren betreffend unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren (IV 2016/139: act. G 4).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 28. Juni 2016 bewilligte die Abteilungspräsidentin das
Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verfahren
vor dem Versicherungsgericht (IV 2016/139: act. G 8).
B.d Mit Eingabe vom 6. September 2016 hielt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin daran fest, dass die anwaltliche Vertretung im
Vorbescheidverfahren auf jeden Fall sachlich geboten und notwendig gewesen sei (IV
2016/139: act. G 12).
C.
C.a Mit Eingabe vom 18. März 2016 machte der Rechtsvertreter der Versicherten
gegenüber der IV-Stelle Widersprüche im ABI-Gutachten vom 25. Januar 2016 geltend,
weshalb nicht darauf abgestellt werden könne (IV-act. 118).
C.b Am 10. Mai 2016 nahm RAD-Arzt Dr. G._ zu den Argumenten des
Rechtsvertreters Stellung und ersuchte darum, die Einwände auch den ABI-Gutachtern
zur Stellungnahme zu unterbreiten (IV-act. 119).
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C.c Im Schreiben vom 23. Mai 2016 stützten die ABI-Gutachter die Ausführungen von
Dr. G._ vollumfänglich. Des Weiteren führten sie aus, objektivierbare Befunde würden
nicht automatisch eine aufgehobene Arbeitsfähigkeit bedeuten. Vielmehr seien sie
eindeutig bei der Bemessung der Arbeitsfähigkeit gewichtet worden (IV-act. 124).
Gestützt darauf kam RAD-Arzt Dr. G._ am 22. Juni 2016 zum Schluss, dass an der
gutachterlichen Einschätzung einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten
festgehalten werden könne (IV-act. 125).
C.d Am 11. August 2016 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Gesuchs um
Rentenleistungen gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 27% (IV-act. 127).
D.
D.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde der Versicherten vom 13.
September 2016 mit dem Antrag auf deren Aufhebung und auf Zusprache einer
mindestens halben IV-Rente ab Juni 2013. Eventualiter sei eine neue polydisziplinäre
Begutachtung durchzuführen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur
Begründung macht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin Widersprüche im
Gutachten geltend, weshalb nicht auf die 25%ige Arbeitsunfähigkeitsschätzung
abgestellt werden könne (IV 2016/303: act. G 1).
D.b Mit Beschwerdeantwort vom 26. Oktober 2016 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Beschwerdeabweisung (IV 2016/303: act. G 3).
D.c Am 27. Oktober 2016 bewilligt die Abteilungspräsidentin das Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren bezüglich Rente (IV
2016/303: act. G 4).
D.d Mit Replik vom 28. November 2016 hält der Rechtsvertreter an seinen Anträgen
fest (IV 2016/303: act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung
einer Duplik (IV 2016/303: act. G 8).

Erwägungen
1.
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Streitgegenstand im Verfahren IV 2016/303 bildet die Frage der Rechtmässigkeit der
Abweisung des Begehrens um eine IV-Rente (Verfügung vom 11. August 2016). Im
Verfahren IV 2016/139 bildet die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Vorbescheidverfahren den Streitgegenstand (Verfügung vom 14. März 2016). Da die
Streitgegenstände eng zusammenhängen und sich dieselben Parteien
gegenüberstehen, rechtfertigt es sich, die Verfahren IV 2016/303 und IV 2016/139 zu
vereinigen.
2.
2.1 Zunächst ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der
Invalidenversicherung zu prüfen.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit die
Erwerbsunfähigkeit bzw. den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung
bzw. das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch
andere Fachleute zur Verfügung stellen. Aufgabe des Arztes bzw. der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
256 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das Gericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
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Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend ist
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a).
3.
Zu prüfen ist vorab, ob die vorliegende medizinische Aktenlage für eine Beurteilung der
Restarbeitsfähigkeit ausreichend ist und die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das
ABI-Gutachten abgestellt hat.
3.1 Gemäss dem psychiatrischen Gutachter Dr. med. I._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, war der affektive Kontakt zur Beschwerdeführerin herstellbar und
deren Stimmung depressiv. Die Beschwerdeführerin habe erhöhte Ermüdbarkeit,
Schlafstörungen und Zukunftsängste angegeben, aber vor allem auch anfallsartige
Angst, die relativ häufig und unabhängig von der Situation mit vegetativen Symptomen
auftrete. Es bestünden keine Hinweise auf Zwänge, die Vigilanz sei nicht gestört und
die Beschwerdeführerin sei bewusstseinsklar und allseits orientiert. Die Konzentration
sei leicht beeinträchtigt. Die Aufmerksamkeit, die Auffassung und das Gedächtnis seien
aber grundsätzlich intakt. Das Denken sei formal geordnet und inhaltlich bestünden
keine Wahnideen, Halluzinationen und Ich-Störungen. Eine Zirkadianität sei nicht
ausgeprägt, Hinweise auf Suizidalität bestünden keine. An objektivierbaren Befunden
hätten sich im klinischen psychiatrischen Untersuchungsgespräch eine verminderte
Freudeempfindungsfähigkeit und leichte Konzentrationsstörungen mit einer gewissen
Unkonzentriertheit und Weitschweifigkeit bei den Antworten auf die gestellten Fragen
gezeigt. Als invaliditätsfremde Faktoren stellte der Gutachter eine finanzielle
Abhängigkeit von der IV-Rente des Ehemannes fest. Ein deutliches
aufmerksamkeitssuchendes Verhalten sei im Gespräch nicht ersichtlich (IV-act.
112-11f.). Hinsichtlich sozialer Belastungen bejahte der Psychiater sowohl
psychosoziale als auch emotionale Belastungen. Es bestehe ein Migrationshintergrund,
die Beschwerdeführerin habe in der Schweiz angelernt als Hilfsarbeiterin neben ihren
häuslichen Aufgaben gearbeitet und die Arbeit auch als anstrengend empfunden. Der
Ehemann sei ebenfalls krank und beziehe eine IV-Rente. Sonst würden keine
lebensgeschichtlich schweren Belastungen bestehen, welche eine deutliche Relevanz
hätten, um sich negativ auf die Gesundheitsentwicklung auszuwirken, wie zerrüttete
Familienverhältnisse in der Kindheit oder Gewalterfahrung. Innerhalb der Familie
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würden gute Kontakte bestehen, ausserhalb der Familie habe die Beschwerdeführerin
nur selten telefonische Kontakte zu Kolleginnen. Dies hänge auch damit zusammen,
dass sie in der Schweiz schlecht integriert sei, die deutsche Sprache kaum spreche
und sie keiner ausserhäuslichen Tätigkeit mehr nachgehe. Sie falle sonst aus ihrem
sozialen Rahmen innerhalb der Familie nicht hinaus, sie erhalte auch Hilfe bei den
körperlich anspruchsvollen häuslichen Arbeiten von der in der Nähe wohnenden
Tochter. Zudem habe sie der Schwiegersohn mit dem Auto zur Untersuchung nach
J._ und wieder zurück gefahren. Durch die Hilfe, die sie von der Familie erhalte,
könne ein sekundärer Krankheitsgewinn entstehen (IV-act. 112-13). Der
Medikamentenspiegel sei beim Mirtazapin unter und beim Venlafaxin über dem
Referenzbereich gewesen. Ansonsten sei eine schlechte Kooperation nicht erwiesen.
Die antidepressive Medikation könne durchaus intensiviert werden, sofern dies
notwendig sein sollte. Die Benzodiazepineinnahme sollte kontrolliert werden. Der
Gutachter kam zum Schluss, dass die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin bei der
erfolgten beruflichen Massnahme ihre Leistungsfähigkeit nicht habe steigern können,
auch mit einer ausgeprägten Krankheits- und Behinderungsüberzeugung zusammen
hänge (IV-act. 112-13). Zur Konsistenz hielt Dr. I._ fest, dass es der
Beschwerdeführerin trotz subjektiv starker Beschwerden möglich sei, stundenlange
Autoreisen in K._ zu unternehmen. Zusammenfassend bestehe diagnostisch eine
leichte depressive Episode, gekennzeichnet durch eine verminderte
Freudeempfindungsfähigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit, Schlafstörungen und
Konzentrationsstörungen sowie eine Panikstörung, gekennzeichnet durch doch relativ
häufiges Auftreten anfallsartiger Angst mit vegetativen Symptomen als Ausdruck der
Angst, auch unabhängig von der Situation. Es bestehe auch eine Schmerzsymptomatik
im Bewegungsapparat, wobei die Beschwerdeführerin bei der Untersuchung die
Schmerzen relativ genau lokalisiert angegeben habe. Eine Symptomausweitung mit
diffusen, ausgeweiteten Schmerzen sei nicht ausgeprägt. Im Rahmen der affektiven
Symptomatik sei aber eine subjektive Schmerzverstärkung im Sinne einer
Somatisierung möglich. Die Diagnose einer Schmerzstörung könne sonst nicht gestellt
werden. Es bestünden psychosoziale und emotionale Belastungsfaktoren, die eine
Rolle spielten, aber nicht deutlich schwer ausgeprägt seien. Es bestehe ein bereits
chronischer Verlauf, es bestehe aber auch eine deutlich ausgeprägte Krankheits- und
Behinderungsüberzeugung. Die Prognose sei deshalb ungünstig (IV-act. 112-14). Aus
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psychiatrischer Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 75%, realisierbar auch in einem
ganztägigen Pensum mit der Möglichkeit zu vermehrten Pausen. Von dieser
Arbeitsfähigkeit könne gemittelt über den Verlauf seit 2012 ausgegangen werden,
nachdem fachärztlich eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei (IV-act. 112-14f.).
3.2 Der rheumatologische Gutachter Dr. med. L._, FMH Rheumatologie,
diagnostizierte ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5) bei
fortgeschrittener erosiver Osteochondrose L5/S1, Chondrose L4/5, kleinen
Diskushernien L4/5 und L5/S1 sowie mässigen Intervertebralarthrosen L4 bis S1 (MRI
11/2014), ein Impingement-Syndrom mit/bei Supraspinatusruptur und hypertropher
AC-Arthrose Schulter rechts (Arthro-MRI 10/2011; ICD-10 M75.4) sowie residuelle
Fersenschmerzen links bei alter Partialruptur des Ligamentum fibulotalare anterius (MRI
10/2011; ICD-10 M25.5). Zusammenfassend hielt er fest, es würden sowohl an der
unteren LWS wie auch im Bereich der rechten Schulter relevante organische
Veränderungen als klares radiomorphologisches Korrelat der subjektiven Beschwerden
vorliegen. Die Symptomatik im LWS-Bereich entspreche einem chronischen
Lumbovertebralsyndrom und stehe mit Sicherheit in Zusammenhang mit der
fortgeschrittenen Degeneration der lumbosakralen Bandscheibe sowie geringer der
zweituntersten Bandscheibe. Im Bereich der rechten Schulter finde sich eine
Supraspinatus-Läsion bei/mit Impingement-Syndrom und AC-Arthrose sowie geringer
Komponente einer frozen shoulder mit leicht eingeschränkter glenohumeraler
Aussenrotation. Funktionell bestehe eine deutlich eingeschränkte Belastbarkeit des
rechten Armes und der Wirbelsäule. Auf Grund dieser Befunde befand der
Rheumatologe körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten mit starker und
mittelstarker Belastung des Rückens und des rechten Armes als nicht mehr zumutbar.
Für eine körperlich leichte Tätigkeit bestünden deutliche qualitative Einschränkungen.
So seien nur eine leichte Rückenbelastung und nur eine leichte Belastung des rechten
Armes möglich. So benötige die Beschwerdeführerin die Möglichkeit zu regelmässigem
Wechsel der Körperposition, es seien ihr keine monoton-repetitiven Haltungen oder
Bewegungen zumutbar. Für eine geeignete Tätigkeit gemäss dieser Beschreibung liege
auf Grund der belastungsabhängigen zunehmenden und insgesamt nachvollziehbaren
Schmerzsymptomatik eine Einschränkung um 25% vor (IV-act. 112-18f.).
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3.3 Der neuropsychologische Gutachter lic. phil. M._, Psychologe/Neuropsychologe,
befand auf Grund einer Reihe von durchgeführten Tests, dass die Beschwerdeführerin
aus neuropsychologischer Sicht für leichte einfache Arbeiten, die kognitiv nicht
anspruchsvoll seien, in der Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt sei. Er diagnostizierte
eine leichte kognitive Beeinträchtigung (IV-act. 112-22).
3.4 Im Rahmen des interdisziplinären Konsensgesprächs kamen die Gutachter zum
Schluss, dass der Beschwerdeführerin sämtliche körperlich schweren und
mittelschweren Tätigkeiten nicht mehr zumutbar seien. In einer körperlich leichten
Tätigkeit mit nur leichter Rückenbelastung, nur leichter Belastung des rechten Armes,
mit der Möglichkeit zu regelmässigem Wechsel der Körperposition ohne monoton-
repetitive Haltungen oder Bewegungen bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit
von 75%. Das Pensum könne vollschichtig umgesetzt werden mit erhöhtem
Pausenbedarf von 15 Minuten pro Stunde. Die Einschränkungen aus somatischer und
psychiatrischer Sicht würden sich ergänzen, sich nicht addieren, da die gleichen
Zeitabschnitte für Pausen und Erholung genutzt werden könnten (IV-act. 112-24).
Hinsichtlich der früheren, von der behandelnden Psychiaterin Dr. C._ diagnostizierten
mittelgradigen depressiven Episode sowie der Angststörung mit Panikattacken
argumentierte Dr. I._, dass bei einer generalisierten Angststörung gemäss ICD-10
nicht gleichzeitig eine depressive Episode diagnostiziert werden könne. Die Depression
sei leichtgradig ausgeprägt; auch der RAD habe 2015 eine leichte bis mittelgradige
depressive Episode angegeben. Die Arbeitsfähigkeit sei leichtgradig eingeschränkt,
auch auf Grund der täglichen Aktivitäten, die der Beschwerdeführerin noch möglich
seien (IV-act. 112-15). In der Gesamtbeurteilung befanden die Gutachter, die vom
Hausarzt Dr. med. E._ attestierte volle Arbeitsunfähigkeit von 2012 bis 2013 habe
dieser mit einer Depression, einer Schultererkrankung rechts, einem Rückenleiden und
Fussproblemen links sowie einer Hashimoto-Thyreoiditis begründet. Jedoch könne
weder aus psychiatrischer Sicht noch aus Sicht des Bewegungsapparates eine volle
Arbeitsunfähigkeit in einer leidensadaptierten Arbeitstätigkeit attestiert werden. Bei
normaler Schilddrüsenfunktion führe zudem die Hashimoto-Thyreoiditis nicht zu einer
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 112-24f.).
4.
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4.1 Der Rechtsvertreter bringt gegen das ABI-Gutachten vor, es berücksichtige die
Resultate der neuropsychologischen Testung nicht. So habe die Beschwerdeführerin
im Untertest zur Prüfung des Arbeitstempos und der visuell-motorischen Koordination
sehr langsam gearbeitet, wofür nach Ansicht des Gutachters die Schmerzen in der
rechten Schulter verantwortlich gewesen seien. Es sei daher sehr fraglich, wie jemand
normal und zweihändig mit einem Supraspinatussehnenriss und anderen Befunden im
ersten Arbeitsmarkt eine volle Leistung bzw. eine solche von 75% erbringen solle,
wenn nur schon für das Schreiben eine Schmerztablette benötigt werde und die
Beweglichkeit (und in der Folge auch die Konzentration) eingeschränkt seien (IV
2016/303: act. G 1 S. 6f.). Zudem sei bereits im Rahmen der beruflichen Abklärungen
bei F._ festgehalten worden, dass der Leistungsgrad der Beschwerdeführerin bei
einem Arbeitspensum von 50% dannzumal lediglich zwischen 60% und 70% betragen
habe (vgl. dazu IV-act. 58-5), was einer Arbeitsfähigkeit von 32% (65% von 50%)
entspreche (IV 2016/303: act. G 1 S. 6). In ihrer Stellungnahme vom 23. Mai 2016
hielten die ABI-Gutachter hierzu nachvollziehbar fest, dass, auch wenn objektivierbare
Befunde bei der Beschwerdeführerin vorhanden seien, wie dies ja im
rheumatologischen Teilgutachten dargelegt worden sei, dies nicht automatisch eine
aufgehobene Arbeitsfähigkeit bedeute. Diese klaren Befunde seien ja eindeutig bei der
Bemessung der Arbeitsfähigkeit gewichtet worden, so dass lediglich leichte, adaptierte
Tätigkeiten und diese mit einer Einbusse von 25% umzusetzen seien.
Dementsprechend seien die objektiven Befunde ausreichend gewürdigt worden (IV-act.
124). Auch die Argumentation des Rechtsvertreters, wonach die von den ABI-
Gutachtern geschätzte Einschränkung von insgesamt 25% mindestens 50% betragen
müsse, weil die Beschwerdeführerin sowohl in psychischer als auch in somatischer
Hinsicht je zu 25% eingeschränkt sei und diese Einschränkungen zu kumulieren seien,
überzeugt nicht. Vielmehr kann vorliegend nicht von einem additiven Effekt der
Arbeitsunfähigkeiten ausgegangen werden, wie die ABI-Gutachter erläuternd
festhielten. Ein solcher wäre beispielsweise dann gegeben, wenn einerseits eine
tageszeitliche Erholung mit erhöhtem Pausenbedarf vorhanden wäre und andererseits
vereinzelte Ausfälle auftreten würden (wie bei einer schweren Darmerkrankung mit
wochenweisen Ausfällen usw.) oder bei einer Polymorbidität aus verschiedenen
Fachrichtungen (IV-act. 124). Beides liegt mit den Gutachtern vorliegend nicht vor,
sondern es können effektiv dieselben Zeitabschnitte für Pausen und Erholung genutzt
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werden. Weiter kann auch kein Widerspruch darin gesehen werden, dass die Gutachter
von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit ausgingen und festhielten, diese könnte
vollschichtig umgesetzt werden, mit erhöhtem Pausenbedarf von 15min pro Stunde
(vgl. IV-act. 112-24). Entgegen dem Rechtsvertreter erscheint eine solche
Arbeitsfähigkeit auch als verwertbar, denn ein erhöhter Pausenbedarf bedeutet
keineswegs, dass die Beschwerdeführerin nach einer 3⁄4-Stunde eine Viertelstündige
Pause einlegen müsste, sondern einzig, dass ihr ein zusätzlicher Pausenbezug möglich
sein sollte. Dass für die Beschwerdeführerin kurze Auszeiten während der Arbeitszeit
entlastend sind, zeigte sich insbesondere auch bei der beruflichen Abklärung (vgl. IV-
act. 58). Die konkrete Umsetzung von Pensum und Pausenbezug wurde im Gutachten
grundsätzlich offen gelassen und lediglich die Höhe des durchschnittlich stündlichen
Pausenbedarfs bzw. die prozentuale Einschränkung festgehalten. Im Weiteren äussert
sich das Gutachten auch zur abweichenden Einschätzung der behandelnden
Psychiaterin Dr. C._ nachvollziehbar (vgl. Erwägung 3.4).
4.2 Insgesamt vermögen somit die Argumente der Beschwerdeführerin die Beweiskraft
des polydisziplinären ABI-Gutachtens nicht in Frage zu stellen. Es ist vollständig,
würdigt die vorhandenen medizinischen Berichte und ist in sich schlüssig und
nachvollziehbar, weshalb darauf abzustellen und bei der Beschwerdeführerin von einer
75%igen Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten auszugehen ist.
5.
5.1 Zu prüfen bleiben damit die erwerblichen Auswirkungen der 75%igen
Restarbeitsfähigkeit.
5.2 Hinsichtlich des Valideneinkommens ist festzuhalten, dass die ehemalige
Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin auf dem Arbeitgeberfragebogen keine Angaben
zum aktuell durch die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall möglichen erzielbaren
Lohn machte, sondern bezüglich der letzten Löhne bis 2010 auf die Lohnkonti verwies
(IV-act. 12-2f.). Gemäss dem IK-Auszug erzielte die Beschwerdeführerin im Jahr 2006
einen Lohn von Fr. 42'874.--, im Jahr 2007 einen solchen von Fr. 52'081.--, im 2008 Fr.
46'765.-- und im 2009 Fr. 42'582.--. Angesichts dessen, dass der Betrieb offenbar
Kurzarbeit einführte, die Löhne in den letzten Jahren stark variierten, wobei die
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Beschwerdeführerin einen eher unterdurchschnittlichen Lohn erzielte, und sie aktuell
ihre medizinisch-theoretisch zumutbare 75%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten unbestrittenermassen nicht verwertet, können die Vergleichseinkommen zu
ihren Gunsten gestützt auf die gleiche betragliche Grundlage ermittelt werden. Dies
führt faktisch zu einem Prozentvergleich.
5.3 Hinsichtlich der Festsetzung des Invalideneinkommens verbleibt damit noch die
Prüfung eines allfälligen Tabellenlohnabzugs. Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu
berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten
Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und
entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind
und deshalb mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird
dem Umstand Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale
einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2).
5.4 Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin auf
Grund ihres Alters (Jahrgang 1966, IV-act. 1) bei einer Einstellung bereits einen
Lohnnachteil zu befürchten hätte. Demgegenüber ist das Spektrum zumutbarer
Tätigkeiten durch die leidensbedingten Anforderungen (siehe hierzu vorstehende E. 3.4)
erheblich eingeschränkt. Weitere Gründe, die bezüglich Hilfsarbeiten einen
Lohnnachteil befürchten liessen, sind weder ersichtlich noch substantiiert dargetan.
Namentlich ist kein lohnrelevantes erhöhtes Absenzenrisiko ausgewiesen. Ein
lohnwirksamer Nachteil auf Grund der geltend gemachten fehlenden Ausbildung ist
angesichts der in Frage stehenden Hilfsarbeitertätigkeit ebenfalls nicht anzunehmen.
Insgesamt erscheint damit maximal ein 15%iger Tabellenlohnabzug angemessen.
5.5 Ausgehend von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
und unter Berücksichtigung eines maximal 15%igen Tabellenlohnabzugs resultiert im
Rahmen eines Prozentvergleichs ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von
36% (25% + [75% x 15%]).
6.
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6.1 Schliesslich ist die Frage des Anspruchs auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung
im Verwaltungsverfahren ab dem Vorbescheid vom 18. Juni 2015 zu prüfen.
6.2 Ob eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung sachlich notwendig ist, beurteilt sich
nach den konkreten Umständen des Einzelfalls. Die Rechtsnatur des Verfahrens ist
ohne Belang. Grundsätzlich fällt die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für jedes
staatliche Verfahren in Betracht, in das die gesuchstellende Person einbezogen wird
oder das zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist (BGE 128 I 227 E. 2.3 mit Hinweisen).
6.3 Die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im Vorbescheidverfahren wird in
der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung namentlich mit Blick darauf, dass
die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen Sozialversicherungen
den rechtserheblichen Sachverhalt unter Mitwirkung der Parteien nach den
rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität, Neutralität und Gesetzesgebundenheit
(BGE 136 V 376) zu ermitteln haben (Art. 43 ATSG), nur zurückhaltend bejaht. Es
müssen sich danach schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen, und eine
Interessenwahrung durch Dritte (Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach-
und Vertrauensleute sozialer Institutionen) muss ausser Betracht fallen (BGE 132 V 201
E. 4.1 in fine; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 26. November 2012,
9C_878/2012, E. 3.6 und vom 22. Februar 2013, 9C_908/2012, E. 2.2, je mit Hinweis
darauf, dass die IV-Stellen unter Umständen auf soziale Einrichtungen hinzuweisen
haben, die fachkundige Unterstützung im Verwaltungsverfahren bieten [würden], und
darauf aufmerksam zu machen haben, bei diesen ein entsprechendes Gesuch zu
stellen). Von Bedeutung ist schliesslich auch die Fähigkeit der versicherten Person, sich
im Verfahren zurechtzufinden (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2013,
9C_908/2012, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
7.
7.1 Vorliegend verneinte die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung
vom 14. März 2016 die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung, da es sich um
einen „normalen Durchschnittsfall“ im Sachgebiet der Invalidenversicherung handle.
Somit ist zu prüfen, ob eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung im zu beurteilenden
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Verwaltungsverfahren auf Grund der Verhältnisse erforderlich war. Unbestritten blieb,
dass die Beschwerdeführerin über keine Rechtskenntnisse verfügt.
7.2 Die Beschwerdeführerin meldete sich bereits im November 2012 bei der IV-Stelle
zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). Nachdem diese verschiedene Arztberichte eingeholt
hatte und für die Kosten einer beruflichen Abklärung bei F._ aufgekommen war,
beurteilten die RAD-Ärzte Dr. G._ und Dr. H._ den Gesundheitszustand und die
Höhe der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gestützt auf die Aktenlage. Dabei
interpretierten sie jedoch den Schlussbericht der F._ insofern falsch, als sie die im
ausgeführten Pensum von 50% gezeigte Leistungsfähigkeit von 60-70% als
bemerkenswert und als über das zeitliche Pensum von 50% hinausgehend
bezeichneten. Sie schätzten die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in psychiatrischer
Hinsicht „auf Grund der mitgeteilten Funktionseinschränkungen“ auf „allenfalls“ 30%
und stellten somit - ohne eine eigene Untersuchung der Beschwerdeführerin
vorgenommen zu haben - weder auf die Beurteilung der behandelnden Psychiaterin
noch auf den Bericht der F._ ab. Unter Berücksichtigung einer Leistungsminderung
in körperlicher Hinsicht auf Grund eines erhöhten Pausenbedarfs von „allenfalls“ 10%
und der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in psychiatrischer Hinsicht um 30%,
ermittelten sie eine Teilarbeitsfähigkeit von 70% (vgl. IV-act. 85). Nachdem dieser
Interpretationsfehler als Grundlage für den Vorbescheid diente, ist nicht davon
auszugehen, dass die mit medizinischen Berichten und Arbeitsfähigkeitsschätzungen
nicht vertraute Beschwerdeführerin die medizinischen Ausführungen der beiden RAD-
Ärzte hätte nachvollziehen und sich hätte wehren können. Dass demgegenüber infolge
des anwaltlichen Einwands eine Begutachtung in die Wege geleitet wurde, zeigt
ebenfalls, dass die Beschwerdegegnerin vorschnell und auf Grund einer ungenügenden
medizinischen Aktenlage entscheiden wollte. Somit ist nicht von einem einfachen Fall
im Rahmen der Invalidenversicherung auszugehen. Vielmehr muss insgesamt die
Erforderlichkeit einer Rechtsverbeiständung bejaht werden.
7.3 Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesgericht gerade in Bezug auf
den Stellenwert der Sachverhaltsabklärung im Verwaltungsverfahren im Urteil vom 29.
September 2011, 8C_426/2011, E. 6.2, festhielt, dass gemäss der Rechtsauffassung,
wie sie in der gesetzlichen Ordnung über die Amtsermittlungspflicht des
Sozialversicherungsträgers zum Ausdruck komme, Beweis über
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sozialversicherungsrechtliche Ansprüche schwergewichtig auf der Stufe des
Administrativverfahrens geführt werde und nicht im gerichtlichen Prozess. Damit hat
die Sachverhaltsermittlung schwergewichtig im Administrativverfahren durch die IV-
Stelle zu geschehen. Dort werden hauptsächlich die Beweise erhoben und wird
schliesslich auch entschieden (vgl. dazu: RÉMY WYSSMANN, Das Armenrecht im IV-
Abklärungs- und Vorbescheidverfahren; das vergessene Verfahrenskorrektiv, HAVE
1/2014 S. 30).
7.4 Schliesslich verweist die Beschwerdegegnerin auf den Grundsatz der anwaltlichen
Subsidiarität und behauptet, die Beschwerdeführerin habe nicht dargetan, dass eine
Verbeiständung durch Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach- und
Vertrauensleute sozialer Institutionen nicht in Betracht gekommen wäre (IV-act. 117-1).
Dem ist jedoch nicht zu folgen. Weder besteht allgemein eine Pflicht, die es jeder
gesuchstellenden Person aufträgt, vor Inanspruchnahme der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung zunächst sämtliche möglichen unentgeltlichen
Rechtsberatungen auszuschöpfen, zumal fraglich ist, ob entsprechende rechtskundige
Beratungen, geschweige denn rechtskundige Vertretungen, die den Beizug einer
anwaltlichen Vertretung entbehrlich machen würden, überhaupt voraussetzungslos und
jeder Person kostenlos zur Verfügung stehen. Zudem geht es nicht an, der
gesuchstellenden Person bezüglich einer hypothetischen Beratungsmöglichkeit die
Beweislast aufzuerlegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. November 2012,
9C_878/2012, E. 3.6.2; anders offenbar noch Urteile des Bundesgerichts vom 18.
September 2009, 9C_315/2009, E. 2.2, sowie vom 28. Juni 2012, 8C_438/2012, E.
2.2.1, worin indessen entsprechende Beratungsgelegenheiten nicht konkret benannt
werden und nicht mehr von einer Verbeiständungsmöglichkeit, sondern bloss noch von
Beizugsmöglichkeit die Rede ist).
7.5 Hinzu kommt, dass es sich beim Vorbringen "die gesuchstellende Person müsse
sich vorweg mit dem Beizug von Fach- und Vertrauensleuten sozialer Institutionen/
unentgeltlicher Rechtsberatungen behelfen" um eine Singularität der Rechtsprechung
des früheren EVG (vgl. etwa BGE 114 V 228) bzw. der heutigen Sozialrechtlichen
Abteilungen des Bundesgerichts (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juni 2012,
8C_438/2012, E. 2.2.1) zum verfassungsmässigen Recht der unentgeltlichen
Verbeiständung handelt. Weder in den Grundsatzentscheiden BGE 111 Ia 276, 112 Ia
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14 oder 122 I 8 noch der seither ergangenen Rechtsprechung des Bundesgerichts in
Lausanne findet sich - soweit ersichtlich - eine derartige Anspruchseinschränkung.
Gleiches gilt für die Lehre zu Art. 29 Abs. 3 BV (vgl. etwa STEFAN MEICHSSNER, Das
Grundrecht auf unentgeltliche Rechtspflege [Art. 29 Abs. 3 BV], Basel 2008, S. 118 ff.;
MÜLLER/SCHEFER, a.a.O., S. 904 f.; STEINMANN, St. Galler Kommentar zu Art. 29
BV, Rz 40). Dabei ist darauf hinzuweisen, dass im Leitentscheid BGE 125 V 32 das
entsprechende Kriterium lediglich in der allgemeinen Erwägung zur bisherigen
Rechtsprechung des EVG erwähnt (E. 2), jedoch in den Kernerwägungen (E. 4a ff.)
nicht mehr aufgeführt wird. Auch in den Materialien zum ATSG fand dieses zusätzliche
Erfordernis ("in Betracht fallen einer unentgeltlichen Verbeiständung durch
Verbandsvertreter" usw.) keine Berücksichtigung (Bericht der Kommission des
Nationalrates für soziale Sicherheit zur parlamentarischen Initiative
Sozialversicherungsrecht vom 26. März 1999, S. 73, sowie Amtliches Bulletin 2000 S.
181). Schliesslich erweist sich die fragliche, von der Beschwerdegegnerin ins Feld
geführte Anspruchsbeschränkung als nicht sachgerecht, da sie jedem Gesuch auf
unentgeltliche Rechtsverbeiständung etwa unter Hinweis auf die Aufklärungs- und
Beratungspflicht der Sozialversicherungsträger gemäss Art. 27 Abs. 1 und 2 ATSG
entgegengehalten werden könnte und damit das Grundrecht auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung seines Sinns entleert würde. Einzig bei tatsächlich vorhandener
Vertretungsmöglichkeit der gesuchstellenden Person - etwa im Rahmen einer
Vormundschaft bzw. Beistandschaft - rechtfertigt sich der Einbezug allfällig
vorhandener juristischer Kenntnisse des Vertreters bei der Anspruchsprüfung (vgl.
MEICHSSNER, a.a.O., S. 133 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
8.
8.1 Damit ist festzuhalten, dass auf Grund der medizinischen und rechtlichen
Würdigung der im Vorbescheidverfahren vorhandenen Berichte und Beurteilungen bzw.
auch auf Grund der langwierigen Verfahrensdauer und der damit verbundenen
zahlreichen Abklärungen und Entscheide der Verwaltung besondere tatsächliche und
rechtliche Schwierigkeiten bestehen, welche das vorliegend strittige
Vorbescheidverfahren vom "normalen Durchschnittsfall" unterscheidet und eine
anwaltliche Rechtsverbeiständung erforderlich machten.
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8.2 Im Übrigen steht es der Beschwerdegegnerin auch nach Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung frei, die in einer Kostennote geltend gemachten
Aufwände je einzeln auf ihre Notwendigkeit hin zu überprüfen.
9.
Im Weiteren ergibt sich die finanzielle Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin aus den
Akten (vgl. IV 2016/139: act. G 7). Sie blieb von der Beschwerdegegnerin unbestritten.
Auch die Voraussetzung der Nichtaussichtslosigkeit ist auf Grund der Aktenlage erfüllt.
10.
10.1 Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde gegen die
Verfügung betreffend IV-Leistungen vom 11. August 2016 (IV 2016/303) abzuweisen.
10.2 Die Beschwerde betreffend die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Verwaltungsverfahren (IV 2016/139) ist demgegenüber gutzuheissen. Die Verfügung
vom 14. März 2016 ist aufzuheben und der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtsvertretung für das Vorbescheidverfahren zu bewilligen und Rechtsanwalt D.
Ehrenzeller zum unentgeltlichen Vertreter zu ernennen. Zur Festsetzung des Honorars
des unentgeltlichen Rechtsbeistands ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
10.3 Das Beschwerdeverfahren betreffend IV-Leistungen ist kostenpflichtig. Die
Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist die
Gerichtsgebühr für das Verfahren IV 2016/303 in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.
10.4 Demgegenüber sind im Beschwerdeverfahren IV 2016/139 betreffend
unentgeltliche Verbeiständung im Verwaltungsverfahren keine Gerichtskosten zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Da es sich vorliegend nicht um eine Streitigkeit betreffend
"IV-Leistungen" handelt, findet die Kostenregelung von Art. 69 Abs. 1bis IVG keine
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Anwendung (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts vom 12. Januar 2012, IV
2010/270, E. 6.4).
10.5 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung im Verfahren
IV 2016/303 die Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
hat keine Honorarnote eingereicht. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar
vor Verwaltungsgericht, Verwaltungsrekurskommission und Versicherungsgericht
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten [HonO; sGS 963.75]). In der vorliegend zu
beurteilenden Angelegenheit erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr.
3'000.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes [AnwG; sGS 963.70]). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin pauschal (BGE 125 V 201) mit Fr. 2'400.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
10.6 Auf Grund des Ausgangs im Verfahren IV 2016/139 hat die
Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht
ermessensweise festzusetzen, wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und
dem Aufwand Rechnung zu tragen ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG,
sGS 951.1). Der Rechtsvertreter hat wiederum auf die Einreichung einer Honorarnote
verzichtet. Der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand angemessen erscheint für
das Verfahren eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 1'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer). Bei diesem Ausgang erübrigt sich die Festlegung
einer Entschädigung aus der gewährten unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.
10.7 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).