Decision ID: 2dbaa7cd-5585-54c6-a40a-d0d17be0b6ac
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Den Akten ist zu entnehmen, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers
am (...) 2015 in der Schweiz um Asyl nachsuchte. Mit Verfügung des SEM
vom (...) 2018 wurde sie als Flüchtling anerkannt und ihr in der Schweiz
Asyl gewährt (SEM-Akte A1/4 und A16/3).
A.b Der Beschwerdeführer reiste am 14. Juli 2019 in die Schweiz ein und
stellte tags darauf im Bundesasylzentrum B._ ein Asylgesuch. An
seiner Anhörung führte der Beschwerdeführer aus, er sei in C._ ge-
boren und habe bis ins Jahr 1999, als ihn seine Familie nach England ge-
schickt habe, in Sri Lanka gelebt. Mit einem Visum, welches ihm sein Bru-
der, der ebenfalls in England gelebt habe, vermittelt habe, habe er in den
Jahren 2007 bis 2010 mehrmals nach Sri Lanka reisen können. 2007 habe
er in Sri Lanka seine Frau kennengelernt und sie im (...) 2008 in D._
geheiratet. Am (...) sei die gemeinsame Tochter geboren worden. Er habe
zuletzt im Jahr 2010 zu seiner Frau und seiner Tochter Kontakt gehabt, da
er sie in Sri Lanka zurückgelassen habe und alleine nach England gegan-
gen sei (Anhörungsprotokoll, SEM-Akte 1046098-37/11 F42 f.). Ungefähr
im März/April 2019 habe er von einem Freund erfahren, dass seine Frau
und seine Tochter sich in der Schweiz aufhielten (F50). In Sri Lanka habe
er keine Probleme gehabt, er sei in die Schweiz gekommen, weil er mit
seiner Familie zusammenleben und in die Flüchtlingseigenschaft seiner
Ehefrau einbezogen werden wolle.
B.
Am 17. Juli 2019 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm zugewie-
sen Rechtsvertretung.
C.
Mit Verfügung vom 7. Januar 2020 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Weg-
weisungsvollzug an.
D.
Dagegen liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin am
16. Januar 2020 Beschwerde erheben und beantragen, die Verfügung der
Vorinstanz sei aufzuheben und der Beschwerdeführer sei gestützt auf
Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl seiner Ehe-
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frau einzubeziehen. In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren und von der Erhebung eines Kostenvorschusses
abzusehen.
Als Beweismittel wurden fünf Bilder der Hochzeit des Beschwerdeführers
und seiner Ehefrau, acht Bilder der Familie in der Schweiz, ein Schreiben
der Kinderärztin der Tochter sowie ein Schreiben der Ehefrau des Be-
schwerdeführers zu den Akten gereicht.
E.
Mit Verfügung vom 23. Januar 2020 hielt die Instruktionsrichterin fest, der
Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-
warten, und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Am
27. Februar 2020 wurde die Vorinstanz um Einreichung einer Vernehmlas-
sung ersucht.
F.
In der Vernehmlassung vom 6. März 2020 hielt die Vorinstanz mit einigen
Ergänzungen vollumfänglich an ihren Erwägungen fest.
G.
Die Vernehmlassung der Vorinstanz wird dem Beschwerdeführer gleichzei-
tig mit dem vorliegenden Urteil zur Kenntnis gebracht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend handelt
es sich um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summa-
risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung fest, da der Be-
schwerdeführer angegeben habe, er habe in Sri Lanka keine Probleme und
wolle auch kein Asyl beantragen, erfülle er die Flüchtlingseigenschaft ge-
mäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG nicht, weshalb sein Asylgesuch abzulehnen
sei.
4.2 Was Art. 51 Abs. 1 AsylG betreffe, lägen besondere Umstände vor, die
gegen den Einbezug des Beschwerdeführers in die Flüchtlingseigenschaft
seiner Ehefrau sprächen.
Solche Umstände seien gemäss der Rechtsprechung anzunehmen, wenn
das Familienleben während einer längeren Zeit nicht gelebt worden und
erkennbar sei, dass die Familienmitglieder nicht den Willen hätten, als Fa-
milie zusammenzuleben. Das Familienasyl bezwecke die Bewahrung von
vorbestandenen Familiengemeinschaften beziehungsweise deren Wieder-
herstellung, sofern die Gemeinschaft alleine aufgrund der Fluchtumstände
und somit unfreiwillig getrennt worden sei. Es diene weder der Aufnahme
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von neuen respektive von zuvor noch gar nicht gelebten familiären Bezie-
hungen noch der Wiederaufnahme von zuvor abgebrochenen Beziehun-
gen (unter Verweis auf BVGE 2012/32). Das Verhalten des Beschwerde-
führers, der gemäss eigenen Angaben nach 2012 keinen Aufwand mehr
betrieben habe, um seine Frau und Tochter ausfindig zu machen, spreche
dafür, dass ihm nicht viel daran gelegen habe, die Beziehung zu Frau und
Tochter weiterzuführen, und diese faktisch beendet habe. Er habe die Be-
ziehung zu seiner Ehefrau bewusst abgebrochen, weshalb er sich nicht auf
Art. 51 Abs. 1 AsylG berufen könne. Er habe sich in der Folge auch nie um
Unterstützung oder Aufbau einer Beziehung zu seiner Tochter bemüht,
weshalb nicht von einer genügend engen Eltern-Kind-Beziehung auszuge-
hen sei, die als schützenswert bezeichnet werden könne.
Ein zusätzlicher besonderer Umstand sei, dass der Beschwerdeführer in
Umgehung der ausländerrechtlichen Bestimmungen zum Familiennachzug
ein Asylgesuch gestellt habe, obwohl er keine Verfolgung geltend mache.
Es sei darauf hinzuweisen, dass er am 15. Juli 2019 in die Schweiz gereist
sei; dies nur wenige Tage, nachdem ihm die britischen Behörden am (...)
2019 eine Aufenthaltsbewilligung verweigert hätten und er aufgefordert
worden sei, das britische Hoheitsgebiet zu verlassen.
4.3 Ferner gelte es, obschon der Beschwerdeführer angegeben habe, in
Sri Lanka keine Probleme zu haben, zu prüfen, ob ihm im Falle einer Rück-
kehr nach Sri Lanka Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG
drohten. Eine allfällige Hintergrundbefragung am Flughafen und Kontroll-
massnahmen am Herkunftsort stellten keine asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen dar. Der Beschwerdeführer habe Sri Lanka 1999 verlassen
und sei zwischen 2007 und 2011 mindestens drei Mal legal und problemlos
nach Sri Lanka zurückgekehrt. Aus den Aussagen und den Akten ergäben
sich keine Hinweise, dass er in irgendeiner Form Verbindungen zu den
LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) gehabt hätte, exilpolitisch aktiv
wäre oder andere Risikofaktoren auf sich vereinen würde. Auch sein lang-
jähriger Aufenthalt in Grossbritannien scheine für die sri-lankischen Behör-
den nicht relevant gewesen zu sein.
4.4 Weiter sei vorfrageweise zu prüfen, ob sich die Asyl suchende Person
im Sinne von Art. 14 Abs. 1 AsylG auf einen potenziellen Anspruch auf Er-
teilung einer Aufenthaltsbewilligung berufen könne. Die Rechtsprechung
verneine bei (wiederholtem) Sozialhilfebezug, hoher Verschuldung und we-
nig stabiler Erwerbssituation explizit eine Verwurzelung in den hiesigen
Verhältnissen und damit einen (grundsätzlichen) Anspruch auf Schutz des
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Privatlebens gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK. Die Ehefrau des Beschwerdefüh-
rers werde vollumfänglich von der Sozialhilfe unterstützt, weshalb sie nicht
über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht im Sinne der Rechtsprechung ver-
füge. Sie könne sich damit nicht auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen, um ihm
einen Anspruch auf Familiennachzug zu vermitteln.
4.5 In der Vernehmlassung hielt die Vorinstanz ergänzend fest, es lägen im
vorliegenden Fall besondere Umstände gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG vor
die einem Einbezug entgegenstünden. Auch BVGE 2017 VI/4 halte fest,
«besondere Umstände» würden vorbehalten. Bei den besonderen Um-
ständen handle es sich um einen von der Praxis konkretisierten unbe-
stimmten Gesetzesbegriff, dessen Zweck darin bestehe, Missbrauchstat-
bestände zu unterbinden und den Behörden die Möglichkeit einzuräumen,
Personen kein Asyl zu gewähren, die in objektiver Hinsicht des spezifi-
schen Schutzes des Asyls nicht bedürfen. Eine über längere Zeit nicht
mehr gelebte Beziehung oder ein gewollter Bruch mit den Familienange-
hörigen könne ein besonderer Umstand sein. Der Beschwerdeführer habe
seine Ehefrau belogen. Diese habe bis zur erneuten Kontaktaufnahme im
Jahr 2019 nichts über seinen Aufenthalt in England gewusst. Aufgrund sei-
nes Verhaltens sei zweifelhaft, ob er überhaupt je ernstlich vorgehabt habe,
sein Leben langfristig mit seiner Ehefrau und seiner Tochter zu verbringen.
Gemäss Auskunft der britischen Migrationsbehörden habe der Beschwer-
deführer bis im Juli 2013 über eine EU Residency Card verfügt, weshalb
seine Aussage, er habe seinen Reisepass bereits im Jahr 2010 zur Verlän-
gerung einreichen müssen und habe deshalb nicht mehr nach Sri Lanka
reisen können, um seine Frau und Tochter zu suchen, unglaubhaft sei. Ent-
gegen seinen Angaben habe er seit Juli 2013 keine Aufenthaltsberechti-
gung in England mehr gehabt und sei zuletzt im (...) 2019 aufgefordert
worden, das Land zu verlassen. Der Verdacht liege nahe, dass er nur des-
wegen wieder in Kontakt mit seiner Ehefrau getreten sei, um durch sie ei-
nen erneuten Aufenthaltstitel in Europa zu erlangen. Dass die Ehefrau da-
mit einverstanden sei, dass der Beschwerdeführer bei ihr wohne, ändere
daran nichts. Es bestehe weiterhin die Möglichkeit, einen Familiennachzug
gemäss den einschlägigen ausländerrechtlichen Bestimmungen zu bean-
tragen.
4.6 In der Beschwerde wird im Wesentlichen der Standpunkt vertreten, der
Anspruch auf Familienasyl gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG knüpfe an den Be-
stand der Familiengemeinschaft. Anspruchsberechtigt seien Ehegatten
von Flüchtlingen und minderjährige Kinder, wobei eine gültige Ehe voraus-
gesetzt werde. Der Beschwerdeführer habe seine Ehefrau am (...) 2008 in
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D._ geheiratet, was durch die Heiratsurkunde im Original bestätigt
werde und von der Vorinstanz auch nicht bestritten worden sei. Die Vater-
schaft zur gemeinsamen Tochter sei ebenfalls nicht angezweifelt worden.
Die Ehefrau habe sich immer – auch noch im Jahr 2015 bei der Einreise in
die Schweiz – als verheiratete Frau bezeichnet. Der Beschwerdeführer sei
in England in einer prekären aufenthaltsrechtlichen Situation gewesen,
weshalb er seine Ehefrau und seine Tochter nicht habe nachziehen kön-
nen.
Es sei zu berücksichtigen, dass die Rechtsprechung über freiwillige und
unfreiwillige Trennungen im Hinblick auf Art. 51 Abs. 4 AsylG entwickelt
worden sei, wo es um die Bewilligung der Einreise von Familienangehöri-
gen gehe. Wenn das nachzuziehende Familienmitglied sich schon in der
Schweiz aufhalte, sei es nicht mehr erforderlich, dass dieses mit dem in
der Schweiz anerkannten Flüchtling in der Zeit von dessen Flucht in einem
gemeinsamen Haushalt gelebt habe. Auch ein asylberechtigter Flüchtling,
der seinen Ehepartner erst in der Schweiz kennengelernt und geheiratet
habe, könne sich auf Art. 51 Abs. 1 AsylG stützen. Die Ehefrau habe als
Asylberechtigte in der Schweiz grundsätzlich einen Anspruch auf Einbezug
ihres Ehegatten in ihr Asyl und die Flüchtlingseigenschaft. Gemäss ständi-
ger Rechtsprechung sei Asyl ein gesichertes Aufenthaltsrecht. Aus den Ak-
ten sei klar ersichtlich, dass die Eheleute in der Schweiz als Ehepaar zu-
sammenleben und sich gemeinsam um ihre Tochter kümmern wollten. Der
Beschwerdeführer habe, seit er in der Schweiz sei, jedes Wochenende bei
seiner Familie verbracht und seit dem Transfer in den Kanton seien sie
noch öfters zusammen. Der Beschwerdeführer verbringe so viel Zeit wie
möglich mit seiner Familie und begleite seine Tochter zum Arzt. Die Betei-
ligten pflegten ihr Familienleben, welches durch Art. 8 EMRK geschützt sei.
Das Vater-Kind-Verhältnis sei schliesslich sehr stark. Die Tochter bedeute
dem Beschwerdeführer alles. Gemäss Art. 3 der UN-Kinderrechtskonven-
tion sei bei allen Massnahmen, die Kinder beträfen, das Wohl des Kindes
vorrangig zu berücksichtigen. Eine erneute Trennung der Familie wäre mit
dem Kindeswohl nicht vereinbar.
5.
5.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl –
Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge
anerkannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegen-
sprechen. Mit dem sogenannten "Familienasyl" erhalten die Angehörigen
der Kernfamilie die gleiche Rechtsstellung und damit auch denselben
flüchtlingsrechtlichen Schutz wie der nachziehende anerkannte Flüchtling
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(vgl. SPESCHA/THÜR/ZÜND/BOLZLI/HRUSCHKA, Migrationsrecht [Kommen-
tar], 4. Aufl. 2015, Rz 1 zu Art. 51 AsylG).
Gemäss Art. 37 AsylV 1 erfolgt ein Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft
eines Ehegatten, einer eingetragenen Partnerin oder eines eingetragenen
Partners oder eines Elternteils nach Art. 51 Abs. 1 AsylG erst, wenn in An-
wendung von Art. 5 festgestellt wurde, dass die einzubeziehende Person
die Flüchtlingseigenschaft nicht selbstständig nach Art. 3 AsylG erfüllt. Die
Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung festgestellt, dass der Be-
schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht
erfüllt. Der Beschwerdeführer hat auch selbst nie angegeben, er sei in sei-
nem Heimatland gefährdet. Die in Art. 37 AsylV 1 erwähnte Voraussetzung
für die Anwendung von Art. 51 Abs. 1 AsylG ist erfüllt.
5.2 Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau haben 2008 in Sri Lanka ge-
heiratet und haben eine gemeinsame Tochter, welche am (...) geboren
wurde. Die Ehefrau des Beschwerdeführers wurde mit Verfügung vom (...)
2018 als Flüchtling anerkannt und es wurde ihr in der Schweiz Asyl ge-
währt. Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau sind beide sri-lankische
Staatsangehörige, weshalb es ihnen verunmöglicht ist, ein gemeinsames
Leben in ihrer Heimat zu führen, da die Ehefrau befürchten muss, dort ver-
folgt zu werden. Die Sicherstellung der Familieneinheit ist demnach nur in
der Schweiz gewährleistet. Die Voraussetzungen für die Gewährung des
Familienasyls nach Art. 51 Abs. 1 AsylG sind somit grundsätzlich erfüllt.
5.3 Das SEM verweist in seiner Verfügung bei der Prüfung von besonderen
Umständen, die gegen einen Einbezug in das Asyl der Ehepartnerin spre-
chen könnten, auf BVGE 2012/32. Demnach sind dem Einbezug in die
Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung entgegenstehende beson-
dere Umstände beispielsweise anzunehmen, wenn eines der Familienmit-
glieder Bürger eines anderen Staates als der Flüchtling und die Familie in
diesem Staat nicht gefährdet ist. Besondere Umstände können auch vor-
liegen, wenn der Flüchtling seinen Status derivativ erworben hat, oder
wenn das Familienleben während einer längeren Zeit nicht gelebt wurde
und erkennbar ist, dass die Familienmitglieder nicht den Willen haben, als
Familie zusammenzuleben (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.1).
5.4 Der Grundgedanke des Familienasyls zielt darauf ab, dass die Ehe-
partner eines Flüchtlings in der Schweiz über einen einheitlichen Status
verfügen sollen. Durch den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und die
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Asylgewährung gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG wird jedoch nicht nur ein ein-
heitlicher Status der Familie bezweckt, sondern vor allem auch sicherge-
stellt, dass Flüchtlinge mit ihren nächsten Angehörigen – unabhängig von
den ausländerrechtlichen Vorschriften über den Familiennachzug – ein Fa-
milienleben in der Schweiz führen können. Aus diesem Grund ist bei der
Annahme von besonderen Umständen, die gegen die Gewährung des Fa-
milienasyls sprechen, Zurückhaltung geboten.
5.5 Für einen Einbezug des Beschwerdeführers, der sich bereits in der
Schweiz aufhält, in die Flüchtlingseigenschaft seiner in der Schweiz asyl-
berechtigten Ehefrau sind aber die Schlussfolgerungen aus BVGE 2012/32
entgegen der offenbar vom SEM vertretenen Ansicht nicht einschlägig.
Nachdem es bei den Anwendungsfällen des Art. 51 Abs. 1 AsylG gemäss
BVGE 2017 VI/4 E. 4.4.1 ausreicht, dass die Familie in der Schweiz be-
steht und gelebt wird, und sie sogar erst hier gegründet worden sein kann,
stellt selbst ein allfälliger früherer Abbruch einer in der Schweiz wiederauf-
genommenen Beziehung keinen besonderen Umstand nach Art. 51 Abs. 1
AsylG dar, sofern das Bestehen einer aktuell gelebten Familiengemein-
schaft in der Schweiz bejaht werden kann (vgl. dazu BVGE 2019 VI/3
E. 4.5.2).
5.5.1 Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Ehegatten über viele
Jahre hinweg keinen Kontakt pflegten. Indes sind sie miteinander verhei-
ratet geblieben und haben nun den Wunsch geäussert, als Familie zusam-
menzuleben. Seitdem der Beschwerdeführer in der Schweiz sei, habe er
jedes Wochenende bei seiner Familie in E._ verbracht. Seit seiner
Zuweisung in den Kanton verbringe er noch mehr Zeit mit seiner Familie,
mache Ausflüge mit ihnen und begleite die Tochter zum Arzt. Die Ehegatten
sind unbestrittenermassen verheiratet und bemühen sich um ein gemein-
sames Familienleben, auch wenn sie aufgrund der Umstände noch nicht in
einem Haushalt zusammenleben können. Der Beschwerdeführer, seine
Ehefrau und die gemeinsame Tochter haben offensichtlich den Wunsch,
als Familie zusammenzuleben. Dies wird auch von der Ehefrau in ihrem
Schreiben vom 5. Januar 2020 bestätigt. Eine zum heutigen Zeitpunkt be-
stehende Familiengemeinschaft zwischen dem Beschwerdeführer, seiner
Ehefrau und der gemeinsamen Tochter ist demzufolge zu bejahen.
5.5.2 Da die Ehefrau auch einen Anspruch darauf hätte, dass ihr Ehemann
in ihren Status einbezogen würde, wenn sie die Ehe erst in der Schweiz
geschlossen hätten (vgl. BVGE 2017 VI/4 E. 4.4.1), darf dem Beschwerde-
führer im vorliegenden Fall der Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und
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das Asyl seiner Ehefrau nicht unter dem Titel «Vorliegen eines besonderen
Umstandes» verwehrt werden. Die vom SEM in seiner Verfügung vorge-
brachten besonderen Umstände, welche dem Einbezug gemäss Art. 51
Abs. 1 AsylG entgegenstehen könnten, können demnach nicht bejaht wer-
den.
6.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom
4. Juli 2018 aufzuheben und das SEM anzuweisen, den Beschwerdeführer
gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehe-
frau einzubeziehen und ihm Asyl zu gewähren.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung erweist sich damit als gegenstandslos.
7.2 Dem Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung auszurichten, da
es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertretung
im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund nach
Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. auch Art. 111ater
AsylG).
(Dispositiv nächste Seite)
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