Decision ID: 5c0169f3-29b1-59a1-b978-40322a26b3a1
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde von ihrem Vater im Dezember 2003 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung angemeldet. Er beantragte Beiträge an die Sonderschulung,
welche die IV-Stelle des Kantons Thurgau im Rahmen einer Kostenübernahme für die
heilpädagogische Früherziehung von November 2003 bis Juni 2004 gewährte (vgl. IV-
act. 1, 25). Die IV-Stelle erteilte zudem eine Kostengutsprache für
Sonderschulmassnahmen von August 2004 bis Juli 2007 (Verfügungen vom 27. Juli
2004 und 28. Juni 2005; IV-act. 21, 30). Im April 2007 verlängerte die infolge
Wohnsitzwechsels (vgl. IV-act. 35, 39) neu zuständige IV-Stelle des Kantons St. Gallen
die Kostenübernahme für die Sonderschulmassnahmen (IV-act. 38). Im September
2009 wurde die Versicherte zudem zum Bezug einer Hilflosenentschädigung für
Minderjährige angemeldet (IV-act. 42). Der Kinderarzt der Versicherten, Dr. med. B._,
berichtete der IV-Stelle am 11. Oktober 2009, dass bei der Versicherten ein geistiger
und motorischer Entwicklungsrückstand, ein primordialer nicht familiärer Kleinwuchs
sowie eine massive Adipositas bestünden (IV-act. 45).
A.b Am 23. Oktober 2009 ersuchte Psychotherapeutin Dr. phil. C._ für die
Versicherte um Übernahme der Kosten für die seit Oktober 2008 wöchentlich
durchgeführte Psychotherapie. Dr. C._ berichtete, dass die Versicherte an einer
posttraumatischen Belastungsstörung infolge sexuellen Missbrauchs/Übergriffs durch
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den Bruder sowie an Adipositas leide. Die Versicherte sei affektiv und emotional extrem
verunsichert und depressiv mit reaktiven adipösen Beschwerden. Damit die Versicherte
das Erlebte verarbeiten und sich in ihrer Persönlichkeit weiterentwickeln könne, bedürfe
sie dringend psychotherapeutischer Hilfe. Die Prognose sei positiv (IV-act. 48). Dr.
B._ erachtete den Gesundheitszustand der Versicherten im Arztbericht vom 30.
Oktober 2009 als besserungsfähig. Durch die Psychotherapie könne die Versicherte in
ihrer psychischen Entwicklung gestützt werden. Damit könnten bessere
Voraussetzungen für die spätere Eingliederung ins Erwerbsleben geschaffen werden.
Die Versicherte sei ein äusserst sensibles Kind, das traumatisiert sei und psychische
und psychosomatische Reaktionen entwickelt habe (IV-act. 49). Am 30. April 2010
gewährte die IV-Stelle Kostengutsprache für eine ambulante Psychotherapie vom 13.
Oktober 2009 bis 31. Juli 2011 (IV-act. 67). Zwischenzeitlich hatte die IV-Stelle der
Versicherten ausserdem eine Hilflosenentschädigung aufgrund einer Hilflosigkeit
leichten Grades ab 1. September 2008 zugesprochen (Verfügung vom 8. März 2010,
IV-act. 61).
A.c Im Juni 2011 beantragten Dr. B._ und Dr. C._ eine Verlängerung der
Psychotherapie um zwei Jahre. Die Versicherte habe sich unter der Therapie
stabilisiert. Sie sei mutiger und offener geworden und könne sich etwas besser
schwierigen Aufgaben und Anforderungen stellen. Der schulische Erfolg und die
beruflichen Möglichkeiten seien noch nicht voraussehbar (IV-act. 71). Am 18. August
2011 berichtete Dr. C._ der IV-Stelle, dass sich die Versicherte schulisch massiv
verbessert habe. In Zusammenhang mit den weiteren schulischen bzw. beruflichen
Aussichten werde vorwiegend auf mehr Selbständigkeit und Offenheit für Neues
hingearbeitet. Die Versicherte verarbeite häufig auch die schulischen Anforderungen in
den Therapiestunden (IV-act. 76-3). Am 19. August 2011 notierte der Regionale
Ärztliche Dienst (RAD), dass die Erfolge der Psychotherapie evident seien und sich die
schulische und berufliche Situation deutlich verbessert habe (IV-act. 77). Am 24.
August 2011 verlängerte die IV-Stelle die Kostenübernahme für die ambulante
Psychotherapie ab 1. August 2011 bis 31. Juli 2013 (IV-act. 79).
A.d Im Juni 2013 ersuchten die Behandler erneut um Verlängerung der Psychotherapie
(IV-act. 80, 84). Sie berichteten, dass die Versicherte schöne Fortschritte mache.
Wahrscheinlich sei aber für die erste berufliche Ausbildung ein geschützter Rahmen
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erforderlich. Die Versicherte könne jetzt mit dem öffentlichen Bus zur Schule und
selbständig zur Therapie fahren (vgl. IV-act. 84). Am 5. August 2013 notierte der RAD,
dass der Behandlungsverlauf bisher positiv sei und die Prognose von den Therapeuten
als gut beurteilt werde. Die Voraussetzungen für eine nochmalige Verlängerung der
Psychotherapie seien erfüllt (IV-act. 91). Am 7. August 2013 wurde die Psychotherapie
für ein weiteres Jahr bewilligt (IV-act. 92).
A.e Im Juni 2014 stellten die behandelnden Therapeuten einen weiteren Antrag auf
Verlängerung (IV-act. 93 ff.). Die Versicherte könne inzwischen zu gewissen
belastenden Themen Stellung nehmen und diese verbalisieren. Sie besuche nun die
Berufsfindungsklasse und befinde sich ab August 2014 im letzten Schuljahr. Im Verlauf
dieses Jahres sollte sie auch bezüglich der Berufswahl Unterstützung erhalten. Welche
berufliche Ausbildung möglich sein werde, könne noch nicht vorausgesagt werden. Die
erste berufliche Ausbildung werde aber wahrscheinlich im geschützten Rahmen
erfolgen (vgl. IV-act. 93-2, 95-5 ff.). Am 15. September 2014 notierte der RAD, dass die
Psychotherapie weiterhin medizinisch indiziert sei (IV-act. 99). Gleichentags erteilte die
IV-Stelle Kostengutsprache für die Verlängerung der Psychotherapie bis zum 31.
August 2015 (IV-act. 100). Zudem wurde am 28. Oktober 2014 ein unveränderter
Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades bestätigt (IV-act. 105).
B.
B.a Im Juni 2015 wurde ein weiteres Gesuch um Verlängerung der Psychotherapie um
zwei Jahre gestellt (IV-act. 106 ff.). Die Diagnose habe sich nicht verändert; es bestehe
ein schweres psychisches Trauma nach sexuellem Übergriff, eine
Persönlichkeitsintegritätsverletzung, eine posttraumatische Belastungsstörung sowie
eine Adipositas. Die Versicherte habe in der Schule Fortschritte gemacht, zeige jedoch
bei emotional sensiblen Themen ein eher regressives Verhalten. Sie zeige aber deutlich
weniger Tendenzen zum Verdrängen und Verleugnen der Wahrheit. Sie habe eine gute
Merkfähigkeit und könne sich unter normalen Umständen sehr gut konzentrieren. Ab
August 2015 absolviere sie das 10. Berufswahljahr und benötige weiterhin dringend
psychotherapeutische Unterstützung. Die erste berufliche Ausbildung habe
wahrscheinlich im geschützten Rahmen zu erfolgen (vgl. IV-act. 106-2, 108-4).
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B.b Am 7. September 2015 notierte der RAD, dass die vorliegenden Diagnosen, die
fortbestehenden Befunde sowie die immer gleichen Therapieziele keinen
Therapiefortschritt erkennen liessen. Auch könne beim dokumentierten
Entwicklungsstand nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen
werden, dass die Versicherte rententangierend in den 1. Arbeitsmarkt eingegliedert
werden könne. Der bisherige Behandlungsverlauf lasse nicht auf eine positive
Prognose bezüglich des Eintritts ins Erwerbsleben schliessen. Dabei müsse von einer
schweren psychischen Störung mit unbestimmt langer Behandlungsbedürftigkeit
ausgegangen werden. Die medizinischen Zusprachekriterien für eine weitere
Kostengutsprache seien nicht mehr ausgewiesen (IV-act. 112-3 f.).
B.c Mit Vorbescheid vom 17. September 2015 informierte die IV-Stelle die Versicherte
über ihre Absicht, die Kostengutsprache für die Psychotherapie nicht zu verlängern (IV-
act. 114). Dagegen wandte die Mutter der Versicherte am 10. Oktober 2015 ein, dass
zum jetzigen Zeitpunkt immerhin noch die Möglichkeit bestehe, dass die Versicherte
eine niederschwellige Ausbildung werde absolvieren oder im geschützten Bereich
werde tätig sein können. Dies setze jedoch unbedingt voraus, dass die Psychotherapie
fortgeführt werde. Die Psychotherapie ziele vor allem darauf ab, die
Ausbildungsfähigkeit im Hinblick auf eine Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich zu
verbessern (IV-act. 118). Am 15. Oktober 2015 berichtete Dr. C._ der IV-Stelle, dass
sich die anfänglichen Symptome durch die Therapie weitgehend stabilisiert hätten,
weshalb es auch möglich sei, an der beruflichen Eingliederung zu arbeiten. Die
Versicherte habe sich wesentlich verbessert und der Therapiefokus sei explizit auf die
Berufswahl gelegt worden. Deshalb sei unerklärlich, weshalb die Kostengutsprache
gerade für dieses wichtige letzte Schuljahr verweigert werde (IV-act. 119). Am 27.
November 2015 erhob der Krankenversicherer der Versicherten, die KPT Krankenkasse
AG, ebenfalls Einwand gegen den Vorbescheid vom 17. September 2015 (IV-act. 124).
B.d In einer abschliessenden Stellungnahme vom 29. Januar 2016 hielt der RAD fest,
dass ein Therapiefortschritt nach ca. acht Jahren Psychotherapie aus den aktuellen
Berichten nicht mehr erkennbar sei (IV-act. 125). Am 25. Februar 2016 verfügte die IV-
Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens; eine Verlängerung der
Kostengutsprache für medizinische Massnahmen (Psychotherapie nach Art. 12 IVG) ab
1. September 2015 könne nicht erteilt werden (IV-act. 129).
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C.
C.a Dagegen liess die nun vertretene Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin 1)
am 4. April 2016 Beschwerde erheben. Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung
der Verfügung vom 25. Februar 2016 und die Zusprache von weiteren
Psychotherapieleistungen gemäss Art. 12 IVG. Zur Begründung führte er an, dass für
das Jahr 2016 geplant sei, Eingliederungsmassnahmen zu prüfen. Weshalb der RAD
ausgerechnet ein Jahr vor der entsprechenden Entscheidfindung die Leistungspflicht
ablehne, nachdem die Voraussetzungen der Leistungszusprache in den letzten sechs
Jahren diskussionslos bejaht worden seien, sei unverständlich. Der Therapiefokus sei
für das letzte Schuljahr explizit auf die Berufswahl bzw. die mögliche Eingliederung zur
Erwerbstätigkeit gelegt worden. Die Beschwerdeführerin habe sich diesbezüglich
wesentlich verbessert und könne durch die Therapie vor allem auch vor einer weiteren
Beeinträchtigung bewahrt werden (act. G 1, IV 2016/109).
C.b Am 5. April 2016 wurden für die Beschwerdeführerin 1 berufliche Massnahmen
beantragt (IV-act. 131). In der Folge gewährte die Beschwerdegegnerin Berufsberatung
sowie Abklärung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten durch die
Berufsberatung (IV-act. 136).
C.c Am 11. April 2016 erhob die KTP Krankenkasse AG (nachfolgend:
Beschwerdeführerin 2) ebenfalls Beschwerde gegen die Verfügung vom 25. Februar
2016. Sie beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei
zur Übernahme der Kosten der Psychotherapie ab dem 1. September 2015 zu
verpflichten. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung hielt sie im Wesentlichen
fest, dass die durchgeführten Therapiemassnahmen im Zusammenhang mit der
beruflichen Eingliederung stünden und aus den aktuellen Berichten Therapiefortschritte
erkennbar seien. Damit sei von einer positiven Prognose auszugehen (act. G 1, IV
2016/116).
C.d Am 21. April 2016 teilte das Gericht den Parteien mit, dass es beabsichtige, die
Verfahren IV 2016/109 und IV 2016/116 zu vereinigen (act. G 3, IV 2016/109; act. G 2,
IV 2016/116).
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C.e Im Schlussbericht vom 26. Mai 2016 hielt der zuständige Berufsberater fest, dass
die Berufsberatung nur rudimentär habe durchgeführt werden können, da das Potential
der Beschwerdeführerin 1 zu tief sei. Die Behinderung sei so stark, dass die
Beschwerdeführerin 1 den vorgegebenen Lohn von Fr. 2.55 pro Stunde nach einer
praktischen Ausbildung nicht erwirtschaften könnte. Aus diesem Grund könne die IV
keine erstmalige berufliche Ausbildung finanzieren. Die Beschwerdeführerin 1 werde
nun von der Sonderschule beim Mittagstisch beschäftigt und dort betreut. Sie werde
lediglich einen Soziallohn von ca. Fr. 100.-- im Monat erhalten (act. G 3.3).
C.f Mit Beschwerdeantwort vom 31. Mai 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sie hielt im Wesentlichen fest, dass sich die
Beschwerdeführerin 1 schon seit sieben Jahren in intensiver wöchentlicher
Psychotherapie befinde. Damit liege eine den Rahmen von Art. 12 IVG übersteigende
Behandlung vor. Ausserdem könne nicht mit hinreichender Zuverlässigkeit eine positive
Prognose im Hinblick auf die schulische und spätere berufliche Eingliederung in den 1.
Arbeitsmarkt gestellt werden. Zwischenzeitlich habe sich die vom RAD gestellte
Prognose, dass nur eine Tätigkeit im geschützten Rahmen möglich sei, bestätigt, da
die Beschwerdeführerin 1 einen geschützten Arbeitsplatz besetzen werde. Damit fehle
es auch an einem überwiegenden Eingliederungscharakter der Therapie (act. G 3, IV
2016/116, vgl. auch act. G 4, IV 2016/109).
C.g Die Beschwerdeführerinnen hielten am 29. Juni bzw. 1. Juli 2016 unter Verzicht auf
die Einreichung einer Replik an ihren Rechtsbegehren fest (act. G 6, IV 2016/109; act.
G 5, IV 2016/116).
C.h Mit Schreiben vom 12. Juli 2016 reichte die Beschwerdegegnerin einen
Vorbescheid vom 4. Juli 2016 betreffend die Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab
1. August 2016 bei einem Invaliditätsgrad von 98% zu den Akten (act. G 8, IV
2016/109; act. G 7, IV 2016/116). Dazu nahm die Beschwerdeführerin 1 am 3. August
2016 dahingehend Stellung, dass nicht anhand der späteren IV-Entscheidung beurteilt
werden könne, ob eine berufliche Integration möglich gewesen wäre (act. G 10, IV
2016/109). Am 5. August 2016 nahm die Beschwerdeführerin 2 ihrerseits Stellung und
führte an, dass die Beurteilung, ob die Voraussetzungen für die Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin erfüllt seien, im Zeitpunkt der Verfügung vorzunehmen sei.
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Damals sei noch nicht klar gewesen, dass eine berufliche Integration nicht möglich sein
werde. Die nun neue Entwicklung dürfe bei der Entscheidfindung betreffend den
Zeitraum vom September 2015 bis Juli 2016 nicht berücksichtigt werden (act G 9, IV
2016/116).
C.i Die Beschwerdeführerinnen verzichteten auf Stellungnahmen zu der jeweils anderen
Beschwerdeschrift (vgl. act. G 10 S. 2, IV 2016/116; vgl. act. G 9, IV 2016/109).
C.j Im März 2018 zog das Versicherungsgericht die vollständigen Akten der
Invalidenversicherung betreffend berufliche Massnahmen (Berufsberatung) ab der
Anmeldung der Beschwerdeführerin 1 im April 2016 bei und gab den Parteien
Gelegenheit zur Einsicht- und allfälligen Stellungnahme (act. G 12 ff.). Am 19. Juni 2018
nahm der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin 1 nach mehrmals erstreckter Frist
(vgl. act. G 15 ff.) dahingehend Stellung, als er erneut darlegte, dass im Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung noch nicht bekannt gewesen sei, dass die
Beschwerdeführerin 1 keine Ausbildung absolvieren würde (act. G 19). Die
Beschwerdegegnerin verzichtete ihrerseits auf eine Stellungnahme (vgl. act. G 20).

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerden der Verfahren IV 2016/109 und IV 2016/116 richten sich gegen
dieselbe Verfügung der Beschwerdegegnerin. Würden die beiden Beschwerden
getrennt behandelt, bestünde die Gefahr, dass widersprüchliche Entscheide in der
gleichen Sache resultierten. Um dies zu verhindern, ist die Vereinigung der beiden
Verfahren und damit deren Erledigung in einem Urteil zwingend notwendig.
1.2 Gemäss Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch die angefochtene
Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse
an deren Aufhebung oder Änderung hat. Als Spezialbestimmung regelt Art. 49 Abs. 4
ATSG, dass ein Versicherungsträger eine Verfügung, die die Leistungspflicht eines
anderen Trägers berührt, auch diesem zu eröffnen hat und dieser dieselben
Rechtsmittel ergreifen kann wie die versicherte Person. Verneint die
Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für die Psychotherapie, so wird die
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Beschwerdeführerin 2 als Krankenversicherer der Beschwerdeführerin 1 die
Therapiekosten übernehmen müssen. Damit ist die Beschwerdeführerin 2 durch die
angefochtene Verfügung berührt und demnach zur Beschwerdeführung legitimiert.
2.
2.1 Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin 1 gestützt auf Art.
12 IVG Anspruch auf Verlängerung der ambulanten Psychotherapie als medizinische
Massnahme der Invalidenversicherung hat. Unbestritten und aufgrund der erhobenen
Befunde und Diagnosen einleuchtend ist, dass die Psychotherapie indiziert ist.
2.2 Eine versicherte Person hat bis zum vollendeten 20. Altersjahr einen Anspruch auf
medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern
unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben gerichtet und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor einer wesentlichen
Beeinträchtigung zu bewahren (Art. 12 Abs. 1 IVG).
2.3 Die Beschwerdegegnerin hat das Leistungsbegehren auf Verlängerung der
Psychotherapie u.a. mit der Begründung verneint, dass die Beschwerdeführerin 1
bereits seit Oktober 2008 und damit seit sieben Jahren regelmässig Psychotherapie
erhalte und davon auszugehen sei, dass die Psychotherapie noch längerfristig
notwendig sein werde. Damit könne nicht mehr von einer zeitlich beschränkten
Therapie gemäss Rz 32 des Kreisschreibens des Bundesamtes für
Sozialversicherungen über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung (KSME) ausgegangen werden. Gemäss der von der
Beschwerdegegnerin zitierten Rz 32 KSME darf eine medizinische Massnahme nicht
von langer Dauer sein. Diese Bestimmung bezieht sich auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung, laut welcher Dauerbehandlungen nicht von der Invalidenversicherung
zu finanzieren sind. Mit anderen Worten können medizinische Massnahmen wohl eine
gewisse Zeit andauern; sie dürfen jedoch keinen Dauercharakter tragen, d.h. nicht
zeitlich unbegrenzt erforderlich sein (vgl. auch Rz 63 KSME, Urteil des
Bundesgerichtes, 9C_430/2010, vom 23. November 2010 E. 3.4). Diese
bundesgerichtliche Rechtsprechung stammt allerdings noch aus der Zeit vor der 5.
IVG-Revision, mit welcher der Anspruch auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 12
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IVG auf Versicherte beschränkt worden ist, die das 20. Altersjahr noch nicht vollendet
haben. Das Bundesgericht hat in der Beschränkung des Anspruchs auf Kinder und
Jugendliche allerdings keinen Grund für eine Änderung seiner Rechtsprechung erblickt.
Dies ist nicht nachvollziehbar, da mit der generellen Beschränkung des
Leistungsanspruchs auf Kinder und Jugendliche die Gefahr einer jahrzehntelangen
Leistungspflicht der Invalidenversicherung dahingefallen ist (vgl. auch ULRICH MEYER/
MARCO REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichtes zum IVG, 3. Aufl., Zürich/
Basel/Genf 2014, Art. 12, Rz 33; vgl. zum Ganzen ausführlich den Entscheid IV 2016/61
des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 7. September 2017, E. 1.3).
2.4 Im vorliegenden Fall ist die Frage nach dem Dauercharakter der Therapie bzw. die
Auseinandersetzung mit der überholten bundesgerichtlichen Rechtsprechung jedoch
nur von untergeordneter Bedeutung. Nach Lage der Akten stellt sich vorliegend
vielmehr die Frage, ob die Beschwerdeführerin 1 aus der Sicht des Zeitpunktes der
erlassenen Verfügung je einer Erwerbstätigkeit nachgehen wird können. Diesbezüglich
ist zunächst darauf hinzuweisen, dass entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
nicht nur die Fähigkeit, im ersten Arbeitsmarkt erwerbstätig sein zu können, vom
Eingliederungszweck des Art. 12 IVG erfasst ist. Auch eine Vorbereitung auf eine
Tätigkeit in einem geschützten Rahmen gilt als anspruchsbegründende
Eingliederungsmassnahme (vgl. Art. 16 Abs. 2 lit. a IVG), sofern die versicherte Person
mit dieser Tätigkeit einen ökonomischen Mehrwert generieren kann. Laut der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss die versicherte Person ein
Erwerbseinkommen erzielen können, das mindestens einen beachtlichen Teil der
Unterhaltskosten deckt (AHI 2000 S. 187 ff.). Praxisgemäss wird dabei ein
Leistungslohn von mindestens 2.55 Franken pro Stunde vorausgesetzt (Rz 3010 des
Kreisschreibens über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art; vgl. zum Ganzen
auch den Entscheid IV 2016/287 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 24. Januar
2018, E. 3.2).
2.5 Vorliegend ist dem bei den Akten liegenden Schlussbericht der Berufsberatung
vom 26. Mai 2016 zu entnehmen, dass für die Beschwerdeführerin 1 eine
Beschäftigung beim Mittagstisch der Sonderschule gefunden worden sei. Dort werde
sie beschäftigt und betreut. Dabei werde sie einen Soziallohn von ca. Fr. 100.-- im
Monat erhalten. Die Behinderung der Beschwerdeführerin 1 sei so stark, dass es
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ausgeschlossen sei, dass sie nach einer Ausbildung den Lohn von Fr. 2.55 pro Stunde
erwirtschaften könnte (act. G 3.3). Die Beschwerdeführerinnen haben zu Recht darauf
hingewiesen, dass der Sachverhalt im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 25.
Februar 2016 massgebend und dass ein späterer Rentenentscheid hinsichtlich des
vorliegend zu prüfenden Anspruchs auf Verlängerung der Psychotherapie grundsätzlich
unbeachtlich ist. Allerdings bezieht sich der Schlussbericht der Berufsberatung
hauptsächlich auf den Sachverhalt vor dem Erlass der leistungsabweisenden
Verfügung, weshalb er nicht ausser Acht gelassen werden kann.
2.6 Der Kinderarzt und die Psychotherapeutin der Beschwerdeführerin 1 haben die
Prognose im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung weiterhin als positiv bezeichnet
(vgl. IV-act. 106 ff., 119). Sie sind mit Blick auf den Behandlungsverlauf in
nachvollziehbarer Weise davon ausgegangen, dass die Psychotherapie
erfolgsversprechend sei. Dass die Beschwerdeführerin 1 dank der Psychotherapie
wesentliche Fortschritte erzielt hat, steht ausser Frage. Allerdings ist aufgrund der
Ergebnisse der Berufsberatung anzunehmen, dass sich die positive prognostische
Einschätzung der Behandler offensichtlich mehr auf den Erfolg der Therapie und
weniger auf den mit der beruflichen Massnahme angestrebten Eingliederungserfolg
bezogen hat. So muss mit Blick auf die Abklärungen der Berufsberatung mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die im Zeitpunkt
der angefochtenen Verfügung bereits _-jährige Beschwerdeführerin 1 selbst bei einer
Weiterführung der Psychotherapie kein ökonomisch relevantes Erwerbseinkommen
würde erzielen können. Damit sind die Voraussetzungen für die Verlängerung der
Kostenübernahme für der Psychotherapie durch die Invalidenversicherung nicht erfüllt
gewesen.
3.
3.1 Die von den Beschwerdeführerinnen erhobenen Beschwerden sind abzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Diese ist von den
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beiden vollumfänglich unterliegenden Beschwerdeführerinnen zu tragen, wobei es sich
rechtfertigt, die Gebühr hälftig aufzuteilen. Die von der Beschwerdeführerin 1 zu
zahlende Gerichtsgebühr von Fr. 300.-- ist durch den von ihr geleisteten
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- gedeckt; ihr sind Fr. 300.-- zurückzuerstatten. Die
Beschwerdeführerin 2 hat ebenfalls eine Gerichtsgebühr von Fr. 300.-- zu bezahlen.