Decision ID: 4916e31b-8d62-54bf-b018-a16d1dec4ae7
Year: 2016
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Die am XX.XX.1956 geborene A_ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) meldete sich im
September 2013 aufgrund von Rückenbeschwerden bei der Ausgleichskasse und IV-Stelle
Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend: Vorinstanz) zum Leistungsbezug an (IV-act. 2).
B. Die Beschwerdeführerin war zuletzt in einem Vollzeitpensum als Serviceangestellte tätig
gewesen (IV-act. 19). Das Arbeitsverhältnis wurde, nachdem die Beschwerdeführerin
letztmals am 1. Mai 2013 tatsächlich gearbeitet hatte und danach krankgeschrieben wurde,
per Ende Oktober 2013 durch die Arbeitgeberin gekündigt.
C. Die Beschwerdeführerin wurde infolge ihrer anhaltenden Rückenbeschwerden im
September 2013 von Dr. B_ operiert (Spondylodese LW5/SW1 bei Lyse L5 mit PLIF-
Cage-Anlage im Spital Heiden, vgl. IV-act. 14). Beim Assessmentgespräch am
7. November 2013 bekundete die Beschwerdeführerin grosses Interesse an einer
beruflichen Eingliederung, da sie sehr gerne wieder arbeiten gehen würde (IV-act. 21). In
der Folge erteilte die Vorinstanz eine Kostengutsprache für ein Aufbautraining in der
Dreischiibe, Herisau, um die Fähigkeiten und Möglichkeiten der Beschwerdeführerin, die
keine Ausbildung absolviert hat, abzuklären (IV-act. 37). Am 22. Mai 2014 veranlasste Dr.
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C_ vom RAD zur vertieften Abklärung des medizinischen Sachverhalts eine
monodisziplinäre orthopädische Begutachtung der Beschwerdeführerin (IV-act. 68), welche
am 20. Juni 2014 durch Dr. D_ erfolgte (IV-act. 82). Dr. D_ gelangte darin - entgegen
der Auffassung der die Beschwerdeführerin behandelnden Ärzte, insbesondere Dr. B_,
welcher der Beschwerdeführerin eine 50% Arbeitsfähigkeit attestierte - zum Schluss, der
Beschwerdeführerin sei vollzeitig ein 90%-iges Leistungspensum in adaptierter Tätigkeit
zumutbar.
D. Am 1. Dezember 2014 schloss die Vorinstanz die Arbeitsvermittlung erfolglos ab, da die
Beschwerdeführerin in keinem Arbeitsbereich eine Präsenzzeit von mehr als 50% erreichen
konnte (IV-act. 90 und 91). Namentlich gestützt auf die Ergebnisse des Gutachtens und die
Einschätzung von Dr. C_ vom RAD (IV-act. 86) teilte die Vorinstanz der
Beschwerdeführerin mit Vorbescheid vom 5. Januar 2015 (IV-act. 93) mit, dass sie bei
einem Invaliditätsgrad von 13% keinen Rentenanspruch habe. An dieser Einschätzung hielt
die Vorinstanz auch auf den daraufhin erhobenen Einwand der Beschwerdeführerin mit
Verfügung vom 14. April 2015 fest (IV-act. 102).
E. Gegen diese Verfügung richtet sich die von der Beschwerdeführerin am 15. Mai 2015
erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1), mit welcher sie die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und weitere Abklärungen, eventualiter die Zusprache einer
halben Invalidenrente beantragte. Mit Vernehmlassung vom 29. Juni 2015 (act. 6) verlangte
die Vorinstanz Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 22. Juli 2015 (IV-act. 9) hielt die
Beschwerdeführerin an ihren Rechtsbegehren fest und reichte weitere Unterlagen ein. Die
Vorinstanz verzichtete auf die Einreichung einer Duplik. Am 16. Februar 2016 wurde die
Sache in der dritten Abteilung des Obergerichts in Abwesenheit der Parteien abschliessend
beraten und darüber entschieden. Das Urteil wird hiermit mit schriftlicher Begründung
eröffnet.
F. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie die
Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.
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Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
(JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Die
örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20] i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit.
b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
[VRPG, bGS 143.1]).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1.
a. Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die
versicherte Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Als Invalidität gilt
gemäss Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG die durch einen körperlichen oder
geistigen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
b. Der engere Begriff der Arbeitsunfähigkeit ist in Art. 6 ATSG umschrieben. Danach ist
Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf
oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Während der Arzt die Arbeitsunfähigkeit
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einer Person einschätzt, obliegt es dem Versicherungsträger, gestützt auf die ärztlichen
Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit die Erwerbsunfähigkeit festzulegen, welche sich nicht
mehr nur auf eine konkrete Tätigkeit bezieht, sondern auf den offeneren Fächer der in
Frage kommenden Tätigkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt Bezug nimmt (vgl.
dazu KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, N 47 zu Art. 6). In
diesem Sinn kann eine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit in Erwerbsunfähigkeit münden,
welche sich unter Umständen mit der Arbeitsunfähigkeit decken kann, aber nicht zwingend
muss. Ausgangspunkt für die Feststellung der Erwerbsunfähigkeit einer Person bildet aber
in der Regel die ärztlich eingeschätzte Arbeitsunfähigkeit:
c. Bei der Beurteilung der Arbeits- und somit letztlich auch der Erwerbsunfähigkeit stützt
sich die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, welche von
ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch
zugemutet werden können. Die Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens
setzt grundsätzlich eine fachärztliche, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten
Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (Urteil des Bundesgerichts
9C_687/2013 vom 24. Juni 2014, E. 3.1.1 m.w.H.; BGE 130 V 396, E. 6).
d. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (Urteil
des Bundesgerichts 9C_610/2015 vom 29. Oktober 2015, E. 3.1, m.w.H.). Den im Rahmen
des Verwaltungsverfahrens eingeholten Berichten von externen Spezialärzten ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
dagegen sprechen (Urteil des Bundesgerichts 9C_432/2014 vom 10. Dezember 2014, E.
3.2.1, m.w.H.). Es ist notwendig, dass die sachverständige Person nicht auszuräumende
Unsicherheiten und Unklarheiten, welche ihr die Beantwortung der Fragen erschweren oder
verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (vgl. KIESER, a.a.O., N 56 zu Art. 44,
m.w.H.).
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2.2.
Die Beschwerdeführerin rügt vorweg, die Begutachtung (Gutachten von Dr. D_ vom 20.
Juni 2014, IV-act. 82) sei bei einem Orthopäden anstatt bei einem Wirbelsäulenspezialisten
bzw. Neurochirurgen erfolgt, was angesichts der zu beurteilenden Rückenbeschwerden der
Beschwerdeführerin eine falsche Gutachterwahl gewesen sei.
a. Dieser Auffassung kann so nicht zugestimmt werden. So ist ein Facharzt für Orthopädie,
welche sich mit der Entstehung, Erkennung, Verhütung und Behandlung angeborener oder
erworbener Störungen und Anomalien in Form oder Funktion des Stütz- und
Bewegungsapparats befasst (vgl.
https://www.pschyrembel.de/#q=Orthop%C3%A4die&d=kw_4398
668&f=&v=doc), nicht zum Vornherein offensichtlich ungeeignet, Rückenbeschwerden zu
beurteilen. Dass als Gutachter zur Beurteilung von Rückenbeschwerden allenfalls auch
Fachpersonen aus einem anderen medizinischen Gebiet in Frage kommen, spielt daher
keine Rolle, zumindest, solange keine zusätzlichen stichhaltigen Gründe vorgebracht
werden, weshalb der vom Versicherungsträger gewählte Gutachter konkret nicht in Frage
kommen soll. Die Beschwerdeführerin nennt, ausser dass sie die Fachkompetenz eines
Orthopäden zur Beurteilung von Rückenbeschwerden in genereller Weise in Frage stellt,
keine weiteren Gründe, weshalb es Dr. D_ an der im konkreten Fall erforderlichen
Kompetenz zur Begutachtung der Beschwerdeführerin fehlen soll. Jene pauschale
Behauptung genügt nicht, um dem Gutachten zum Vornherein jeglichen Beweiswert
abzusprechen. Ob allenfalls andere Gründe bestehen, die die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitseinschätzung in Frage stellen, ist nachfolgend anhand der von der
Rechtsprechung entwickelten Kriterien (vgl. E. 2.1. vorstehend) näher zu prüfen.
b. Dr. D_ beurteilte auf S. 19 des Gutachtens unter Ziff. 7.3 die Beschwerden und
Befunde wie folgt: „Das Ausmass der lumbalen Schmerzen und der dadurch subjektiv
empfundenen Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit als auch der
demonstrierten abnormen Untersuchungsbefunde der LWS kontrastiert mit dem
unauffälligen CT-Befund der LWS. Die Beschwerden können höchstens teilweise im
Rahmen eines «Failed back surgery-Syndroms» interpretiert werden. Bei radiologisch
fehlender neutraler Kompression kann auch die Ausstrahlung der Schmerzen in beide
Kniegelenke nicht objektiviert werden.“ Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
beträgt gemäss Dr. D_ spätestens ab April 2014 bei voller Stundenpräsenz eines
normalen Pensums 50% (S. 20 Gutachten, Ziff. 8.1). Leidensadaptierte Tätigkeiten, d.h.
„körperlich leichte Tätigkeiten, die abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt
werden können, ohne dass dabei häufig inklinierte und reklinierte sowie rotierte
Körperhaltungen eingenommen werden müssen, bei denen nicht regelmässig Gewichte
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vom Boden über 7,5 kg, über Kopfhöhe über 7,5 kg, horizontal über 12,5 kg gehoben
werden müssen und keine Gewichte vorne über 12,5 kg sowie in der rechten und linken
Hand über 10 kg getragen werden müssen“ (S. 20 Gutachten, Ziff. 8.2), können der
Beschwerdeführerin gemäss seiner Einschätzung seit April 2014 bei voller Stundenpräsenz
zu 90% zugemutet werden. Diese Einschätzung von Dr. D_ weicht von derjenigen der
behandelnden Ärzte ab, was dem Gutachter nicht entgangen ist, weist er doch in Ziff. 7.6
auf S. 19 des Gutachtens drauf hin, „aufgrund der vorliegenden Befunde kann weder die
100%ige Arbeitsunfähigkeit in bisheriger Tätigkeit noch die 50%ige in adaptierter Tätigkeit
übernommen werden, die der Neurochirurg Dr. B_ attestierte.“
c. Wegen der unterschiedlichen Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen
(Fach-)Arztes und Begutachtungsauftrag des medizinischen Experten (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_325/2015 vom 21. Juli 2015, E. 4.4) ist es nicht geboten, eine
gutachterliche Einschätzung ohne weiteres in Frage zu stellen, nur weil die behandelnden
Ärzte zu anders lautenden Einschätzungen gelangen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_344/2012 vom 24. Oktober 2012, E. 4.6, m.w.H.). Vielmehr ist in Bezug auf Berichte
von Hausärzten bzw. behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen,
dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351, E. 3b/cc; BGE
135 V 465, E. 4.5). Allerdings hat sich der Gutachter mit abweichenden Einschätzungen der
behandelnden Fachärzte auseinanderzusetzen und gegebenenfalls überzeugend zu
begründen, weshalb er von deren Einschätzung abweicht.
d. Dr. D_ stützte seine gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (90%
leistungsfähig in adaptierter Tätigkeit im Rahmen eines Vollzeitpensums) im Wesentlichen
auf die aktuellen Befunde (IV-act. 82, S. 19, Ziff. 7.3) sowie namentlich auf die Ergebnisse
der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (nachfolgend: EFL; vgl. IV-act. 82, S. 19,
Ziff. 7.6; EFL: IV-act. 82, S. 21 ff.). Die Abweichung von der Arbeitsfähigkeitseinschätzung
durch Dr. B_ begründete Dr. D_ wie folgt: „Wie die Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit zeigte, ist eben auch eine höhere Gewichtsbelastung als 5 kg, wie Dr.
B_ festhielt, möglich und derartige Einschränkungen ohne EFL sind spekulativ“ (IV-act.
82, S. 19, Ziff. 7.6). Tatsächlich hatte Dr. B_ im ausführlichen Arztbericht vom 18.
Dezember 2013 noch angegeben, die Beschwerdeführerin könne „bei reduzierter
Hubbelastung (max. 5 kg), wechselnder Belastung im Stehen, Gehen, Sitzen, Liegen, aber
keine Arbeiten über Schulterhöhe, keine Arbeiten in Reklination, in starrer Körperhaltung
oder kalter rsp. zügiger Umgebung wahrscheinlich ab 01.02.2014 zu 50% in
behinderungsangepasster Tätigkeit beschäftigt werden“ (IV-act. 40, S. 4). Im späteren
Arztbericht vom 21. März 2014 (IV-act. 58, S. 1 bis 3) nannte Dr. B_ keine
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Gewichtslimiten mehr, sondern erklärte zusammenfassend lediglich, die
Beschwerdeführerin sei nicht mehr 100% arbeitsfähig („Die Patientin [...] hat zwar eine
gewisse Besserung ihrer Beinschmerzen erfahren, hat aber nach wie vor
Rückenschmerzen und kann nicht mehr 100% alle Tätigkeiten durchführen.“; „100%
arbeitsfähig ist sie meiner Meinung nach aber nicht.“). Weiter hinten im Fragebogen zu
diesem Arztbericht (IV-act. 58, S. 4 ff.) hielt Dr. B_ fest, die Beschwerdeführerin könne 4
Stunden pro Tag eine angepasste Tätigkeit verrichten (IV-act. 58, S. 9, Ziff. 11.6), was der
bereits früher eingeschätzten rund 50%-igen Arbeitsfähigkeit (vgl. Arztbericht vom 18.
Dezember 2013, IV-act. 40) entsprechen würde. Als „Einsatzbeschränkungen“ der noch
möglichen leichten Tätigkeiten (IV-act. 58, S. 8, Ziff. 9) kreuzte er an: Keine Kälte; kein
häufiges Bücken, Heben und Tragen von Lasten; kein Klettern oder Steigen; keine
Nachtschicht; keine Absturzgefahr. Erforderlich sei eine Tätigkeit im Sitzen, in
geschlossenen Räumen, nur mit zusätzlichen (betriebsunüblichen) Pausen, mit
wechselnder Körperhaltung, abwechselnd im Gehen/Stehen/Sitzen und ohne besonderen
Zeitdruck (IV-act. 58, S. 8, Ziff. 10). Da sich Dr. B_ in der ausführlicheren
Zusammenfassung auf S. 1 bis 3 des Berichts aber gerade nicht prozentgenau zum Grad
der Arbeitsunfähigkeit äusserte, ist fraglich, ob er mit der im Fragebogen erfolgten Angabe
von zumutbaren 4 Stunden Arbeitszeit pro Tag tatsächlich einen Arbeitsunfähigkeitsgrad
von 50% attestieren wollte oder nicht. Immerhin heisst es unter Ziff. 8 (IV-act. 58, S. 2): „Im
Vergleich zur Voruntersuchung [...] ist der Zustand gebessert“, was dagegen sprechen
würde.
e. Gemäss EFL ist der Beschwerdeführerin das Heben von Gewichten von über 7.5 kg und
das Tragen vorne von Gewichten über 12.5 kg nicht mehr zumutbar (IV-act. 82, S. 27).
Insgesamt wurde eine Diskrepanz zwischen dem Ausmass der angegebenen
Einschränkungen im Fragebogen zur Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit und den
beobachteten funktionellen Fähigkeiten festgestellt (Selbsteinschätzung erheblich zu tief,
IV-act. 82, S. 28). Unter „Schätzung der Belastbarkeit“ wird ein Gewicht von 7.5 kg beim
Heben vom Boden zur Taillen-Höhe und beim Heben von der Taillen- zur Kopfhöhe
allerdings lediglich „selten“ für zumutbar gehalten; das entsprechende Heben eines
Gewichts von 5 kg wird als „manchmal“ zumutbar bezeichnet (IV-act. 82, S. 25).
Ausserdem gab die Beschwerdeführerin beim Heben von 7.5 kg vom Boden zu Taillenhöhe
Schmerzen an; sie hatte sich aber nach den Feststellungen in der EFL eine gute
Hebetechnik angeeignet (IV-act. 21, S. 29). Berücksichtigt man diese in der EFL
festgehaltenen Beobachtungen, wird dadurch die Beschreibung der adaptierten Tätigkeit
durch Dr. B_ nicht grundsätzlich in Frage gestellt und kann somit auch nicht als rein
spekulativ bezeichnet werden, wie Dr. D_ anführt. Die Beschreibung der adaptierten
Tätigkeit durch Dr. B_ erfolgte allerdings tatsächlich weniger detailliert als im Gutachten.
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Angesichts der doch erheblichen Abweichung der der Beschwerdeführerin schliesslich
durch den Gutachter attestierten Arbeitsfähigkeit von der durch Dr. B_ zunächst
geschätzten Arbeitsfähigkeit und der allein gestützt auf ein Aktenstudium nicht
auszuräumenden Unklarheit, ob er an dieser Einschätzung auch im späteren Gutachten
vom März 2015 festhalten wollte oder nicht, wäre es durchaus zu begrüssen gewesen, Dr.
D_ hätte seine abweichende Meinung, beispielweise auch durch klärende Rückfragen
bei Dr. B_ und einer detaillierteren Stellungnahme dazu, ausführlicher begründet.
Ungeachtet dessen genügt aber auch dieser Kritikpunkt nicht, um die Einschätzung von Dr.
D_ deswegen als Ganzes in Frage zu stellen: Eine vom Gutachter abweichende
Beurteilung würde sich lediglich dann aufdrängen, wenn der behandelnde Arzt wichtige -
und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benennt, die im
Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_892/2014 vom 23. April 2015, E. 4.3). Dr. B_ nennt in seinen
Arztberichten keine derartigen Aspekte, die Dr. D_ in seiner eigenen Beurteilung zu
Unrecht nicht miteinbezogen hätte.
f. Medizinische Gutachten - genauso wie auch die Arbeitsfähigkeitseinschätzung durch die
behandelnden Ärzte - beruhen letztlich meist auf ärztlichem Ermessen. Insbesondere bei
der Festsetzung der Arbeitsfähigkeit verfügt der Gutachter bzw. der behandelnde Arzt über
einen beträchtlichen Ermessensspielraum (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_955/2012
vom 13. Februar 2013, E. 3.3.4). Dass im vorliegenden Fall der Gutachter die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin abweichend vom behandelnden Arzt einschätzt,
bildet daher keinen Grund, das Gutachten deshalb in Frage zu stellen, solange dieses in
sich schlüssig erscheint und auch sämtliche übrigen von der Rechtsprechung geforderten
Anforderungen an ein Gutachten erfüllt sind.
2.3.
Die Beschwerdeführerin rügt zudem, sie sei seit November 2014 auch in psychischer
Hinsicht angeschlagen. Zu Unrecht seien die psychischen Beschwerden von der Vorinstanz
nicht abgeklärt worden.
a. Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung am 14. April 2015 waren der
Vorinstanz keine psychischen Probleme der Beschwerdeführerin bekannt. Erst nach
Verfügungserlass, nämlich am 8. Mai 2015, teilte die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin der Vorinstanz mit, dass die Beschwerdeführerin aufgrund einer
schweren depressiven Episode in die psychiatrische Klinik eingewiesen worden sei (IV-act.
106) und legte ein Schreiben des psychiatrischen Zentrums Appenzell Ausserrhoden bei.
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Gemäss diesem Schreiben befand sich die Beschwerdeführerin bereits seit 15. April 2015
in ambulanter Behandlung im Psychiatrischen Zentrum Appenzell Ausserrhoden und trat
schliesslich am 1. Mai 2015 eine stationäre Behandlung einer schweren Depression an. Die
Beschwerdeführerin ersuchte die Vorinstanz, die abweisende Rentenverfügung in
Wiedererwägung zu ziehen und die medizinische Situation auch in psychischer Hinsicht zu
evaluieren. Die Vorinstanz nahm in der Folge jedoch keine Wiedererwägung vor, sondern
teilte der Beschwerdeführerin mit, sie nehme das Schreiben als Wiederanmeldung an (IV-
act. 107).
b. Das Vorgehen der Vorinstanz, nicht auf die bereits erlassene abweisende
Rentenverfügung vom 14. April 2015 zurückzukommen, kann in keiner Weise beanstandet
werden, zumal im damaligen Zeitpunkt noch keine Unterlagen vorlagen, die eine
psychische Erkrankung der Beschwerdeführerin schon vor Verfügungserlass belegt hätten.
Ein Rechtsanspruch auf Vornahme einer Wiedererwägung bestand jedenfalls nicht (vgl.
dazu auch KIESER, a.a.O., N 61 und 77 zu Art. 53). Der Entscheid über die Vornahme einer
Wiedererwägung ist vielmehr in das Ermessen des Versicherungsträgers gestellt (KIESER,
a.a.O., N 61 zu Art. 53). Beim vorliegend gegebenen Sachverhalt kann der Vorinstanz
weder eine Überschreitung noch ein Missbrauch des Ermessens vorgeworfen werden.
c. Ob die im vorliegenden Verfahren eingereichten zusätzlichen Arztberichte etwas an
diesen Überlegungen ändern, kann letztlich offengelassen werden: Eine Wiedererwägung
durch die Vorinstanz ist inzwischen von Gesetzes wegen ausgeschlossen. Sobald gegen
eine Verfügung Beschwerde erhoben wird, ist eine Wiedererwägung durch den
Versicherungsträger (sog. Wiedererwägung pendente lite) nur noch möglich bis zu dem
Zeitpunkt, in dem der Versicherungsträger im Beschwerdeverfahren die Vernehmlassung
einreicht (Art. 53 Abs. 3 ATSG). Die Vorinstanz hat im vorliegenden Verfahren am 29. Juni
2015 mit ihrer Vernehmlassung zur Beschwerde Stellung genommen. Selbst wenn sie es
inzwischen aufgrund der von der Beschwerdeführerin erst mit der Replik eingereichten
zusätzlichen Unterlagen betreffend den psychischen Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin als angezeigt erachten würde (wozu sich die Vorinstanz allerdings
nicht geäussert hat), fehlte ihr seit dem Einreichen der Vernehmlassung die Möglichkeit, die
angefochtene Verfügung in Wiedererwägung zu ziehen. Offensichtlich ausgeschlossen sind
zudem sowohl eine Revision der Verfügung im Sinne von Art. 17 ATSG als auch eine
Revision der Verfügung im Sinne von Art. 53 Abs. 1 und 2 ATSG, da die rentenabweisende
Verfügung vom 14. April 2015 weiterhin nicht in formeller Rechtskraft erwachsen ist (vgl.
KIESER, a.a.O., N 4 zu Art. 17, N 2 ff. zu Art. 53).
Seite 11
Zu prüfen bleibt aber, ob das urteilende Gericht mittels der von der Beschwerdeführerin
verlangten Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen dafür zu sorgen hat,
dass ergänzende Abklärungen mit Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin getroffen werden, bevor über ihren Leistungsanspruch entschieden
wird.
d. Das Obergericht hat im vorliegenden Verfahren unter Mitwirkung der Parteien die für
den Entscheid erheblichen Tatsachen festzustellen; es erhebt die notwendigen Beweise
und ist in der Beweiswürdigung frei (Art. 61 lit. c ATSG). Rechtserheblich sind alle
Tatsachen von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_279/2015 vom 27. August
2015, E. 1.2.1, m.w.H.). Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das
Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügungen in der
Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Verfügungserlasses gegeben war.
Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall
Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (Urteil des Bundesgerichts
9C_540/2015 vom 15. Oktober 2015, E. 3.1, m.w.H.). Diese Regel gilt indes nicht in Bezug
auf Umstände, die mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und
die geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids zu
beeinflussen (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 9C_101/2007 vom 12. Juni 2007, E. 3.1,
m.w.H.). Gerichtliche Abklärungsmassnahmen bzw. je nach Zweckmässigkeit alternativ die
Rückweisung der Sache an die Verwaltung zu weiteren Abklärungen (vgl. KIESER, a.a.O, N
101 zu Art. 61) sind unter anderem dann angezeigt, wenn die Verwaltung zwar ihrer
Abklärungspflicht vollumfänglich nachgekommen ist, im Rahmen des Gerichtsverfahrens
aber neue medizinische Unterlagen zu den Akten gelangen, die eine weitere Abklärung
erforderlich machen (vgl. dazu auch ZÜND/PFIFFNER-RAUBER, Gesetz über das
Sozialversicherungsgericht, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, N 8 zu § 23). Aufgrund des
Untersuchungsgrundsatzes sind neue Vorbringen tatsächlicher Art vom Gericht zu
berücksichtigen, und zwar unabhängig davon, ob die beschwerdeführende Partei bereits
vorher in der Lage gewesen wäre, diese vorzubringen (vgl. ZÜND/PFIFFNER-RAUBER, N 18
zu § 18).
e. Mit Replik vom 22. Juli 2015 reichte die Beschwerdeführerin ein Schreiben des
Hausarztes der Beschwerdeführerin, Dr. E_, vom 19. Mai 2015 ein (act. 10.10), in
welchem dieser berichtete, die Beschwerdeführerin habe sich am 17. März 2015 bei ihm
gemeldet wegen Beschwerden, die er einer Depression zuordnen musste; gleichentags sei
mit einer medikamentösen Therapie gegen Depression begonnen worden. Aus diesem
Schreiben geht erstmals klar hervor, dass die Beschwerdeführerin sich schon vor Erlass
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der angefochtenen Verfügung infolge psychischer Probleme in ärztliche Behandlung
begeben hatte. In dem der Replik ebenfalls beigelegten Schreiben des Psychiatrischen
Zentrums Appenzell Ausserrhoden vom 19. Juni 2015 (act. 10.11) werden bei der
Beschwerdeführerin eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome sowie
Probleme bei schwerer körperlicher Misshandlung in der Kindheit diagnostiziert. Gemäss
Arztbericht vom 20. Juli 2015 wird der Beschwerdeführerin aufgrund dieser Diagnosen eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% in behinderungsangepasster Tätigkeit attestiert (IV-act. 10.12,
Ziff. 1.8), mit grundsätzlich positiver Prognose.
f. Dass es sich bei der zunächst durch den Hausarzt diagnostizierten und behandelten
Depression um eine schwerwiegende psychische Gesundheitsstörung handelte, ist schon
allein daran erkennbar, dass relativ kurz darauf eine zunächst ambulante und dann
stationäre Einweisung in die psychiatrische Klinik erfolgte. Dort erfolgte dann die genauere
Diagnose einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome einerseits
und von psychischen Problemen bei schwerer körperlicher Misshandlung in der Kindheit
andererseits. Angesichts dieses Sachverhaltsablaufs ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin schon vor bzw. im
Verfügungszeitpunkt an gravierenden psychischen Beeinträchtigungen litt, welche die
Vorinstanz nur deshalb nicht in der Verfügung über den Leistungsanspruch
mitberücksichtigt hat, weil es ihr - unverschuldet - an entsprechender Kenntnis darüber
mangelte. Heute ist dieser Sachverhalt jedoch, insbesondere aufgrund der von der
Beschwerdeführerin mit der Replik eingereichten Arztberichte, hinreichend belegt. Daher
kann bei heutiger Kenntnis des Sachverhalts nicht einfach übergangen werden, dass die
Beschwerdeführerin schon im Verfügungszeitpunkt unter psychischen Beeinträchtigungen
litt. Für die Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin und
damit letztlich auch einem allfälligen Leistungsanspruch gegenüber der Vorinstanz ist daher
auch der psychische Gesundheitszustand mitzuberücksichtigen. Die angefochtene
Verfügung ist daher aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, den Sachverhalt auch in
psychischer Hinsicht rechtsgenüglich abzuklären, bevor über den allfälligen
Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfügt wird.
g. Insoweit die Vorinstanz in der Vernehmlassung davon ausgeht, es handle sich lediglich
um eine depressive Episode, die als reaktive Störung auf die Rentenabweisung zu
betrachten sei, weshalb darin keine invalidisierende psychische Beeinträchtigung erblickt
werden könne, kann dem nicht zugestimmt werden. Selbst wenn gewisse psychosoziale
Faktoren einen Einfluss auf den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
haben sollten, so lässt es allein der Schweregrad der inzwischen diagnostizierten
psychischen Beeinträchtigung nicht zu, ohne nähere medizinische Abklärungen davon
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auszugehen, es handle sich bei der psychischen Störung einzig um eine Reaktion auf den
negativen IV-Entscheid, welcher ärztlicher Behandlung zugänglich sei. Da der
rechtserhebliche Sachverhalt jedoch erst im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens bekannt
wurde, mag zwar die Argumentation der Vorinstanz in der Vernehmlassung aus damaliger
Sicht noch nachvollziehbar sein, ist aber inzwischen überholt. Erst nachdem ergänzende
Sachverhaltsabklärungen in psychiatrischer Hinsicht erfolgt sind, wird die Vorinstanz in der
Lage sein, gestützt darauf erneut abschliessend zu beurteilen, inwieweit die psychische
Gesundheitsbeeinträchtigung für die Beurteilung des Leistungsbegehrens der
Beschwerdeführerin mitzuberücksichtigen sein wird.
2.4.
Im vorliegenden Fall kann die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin
überdies nicht ohne Berücksichtigung der Ergebnisse der von der Beschwerdeführerin
absolvierten beruflichen Massnahmen beurteilt werden:
a. Für die Bemessung der Invalidität ist letztlich nicht die Arbeitsfähigkeit, sondern die
Erwerbsfähigkeit einer Person massgebend (vgl. oben, E. 2.1). So nimmt bei der
Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen
zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Aufgabe des Arztes ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu
beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter
Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt
darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe,
wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der Folgenabschätzung
der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der
Arztperson hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die
Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus
ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_850/2013 vom 12. Juni 2014, E. 3.2). Diese ärztliche Einschätzung ist eine wichtige
Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung
der versicherten Person noch zugemutet werden kann (vgl. BGE 141 V 281, E. 5.2.1).
Nach ständiger Rechtsprechung ist für die Evaluation von konkret geeigneten,
leidensangepassten Tätigkeiten die Verwaltung zuständig, die dazu allenfalls
Fachpersonen wie Berufsberater beizuziehen hat, und nicht der Arzt, dem in erster Linie die
Bestimmung der körperlich-funktionellen Belastbarkeitsgrenzen obliegt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_545/2012 vom 25. Januar 2013, E. 3.2.1, mit Verweis auf BGE 107 V
17, E. 2.b).
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b. Die Beschwerdeführerin nahm am 13. Januar 2014 bei der Dreischiibe in Herisau ein
Aufbautraining mit der vorgesehenen 4-stündigen Präsenz pro Arbeitstag auf, wirkte dabei
von Beginn weg „interessiert und motiviert“ (IV-act. 48) und erledigte die zugewiesenen
Arbeiten zuverlässig, pflichtbewusst und mit Ausdauer (IV-act. 50). Sie erreichte eine
Arbeitsleistung von ca. 40% bei einem 50% Pensum (IV-act. 54). Eine Erhöhung der
Arbeitszeit auf 5 Stunden pro Tag sowie ein Arbeitsversuch im 1. Arbeitsmarkt erwiesen
sich offenbar als nicht erfolgsversprechend (IV-act. 60), während die Arbeitseinstellung und
der Einsatz der Beschwerdeführerin weiterhin klar als positiv bewertet wurden. Das
Aufbautraining wurde daher mit der ursprünglichen Arbeitszeit von 4 Stunden pro Tag
weitergeführt (IV-act. 72, 78, 80). Aus dem Schlussbericht vom 12. November 2014 (IV-act.
88) geht hervor, dass die Beschwerdeführerin unter folgenden Rahmenbedingungen eine
konstante, jedoch eingeschränkte Arbeitsleistung erbringen konnte: max. 50% Pensum;
Möglichkeit, Arbeiten abwechslungsweise in stehender und sitzender Position zu erledigen;
den verschiedenen Arbeitspositionen angepasste Infrastruktur; Möglichkeit zu kurzen
Bewegungspausen. Aufgrund der körperlichen Beeinträchtigungen und den damit
verbundenen Rahmenbedingungen wurde die Möglichkeit einer Reintegration in den
allgemeinen Arbeitsmarkt als unwahrscheinlich angesehen.
c. Die Vorinstanz hat sich in keiner Weise mit diesen klaren Einschätzungen durch die
Fachpersonen, die die Beschwerdeführerin während der absolvierten beruflichen
Massnahmen betreut haben, auseinandergesetzt. Arbeits- resp. Erwerbsunfähigkeit ist in
allen Fällen das Resultat der - einem objektivierten Massstab folgenden - Beurteilung, ob
die versicherte Person trotz des ärztlich diagnostizierten Leidens einer angepassten Arbeit
zumutbarerweise ganz oder teilweise nachgehen kann (vgl. dazu auch BGE 141 V 281, E.
3.7.3). Rückschlüsse auf den Schweregrad einer Gesundheitsschädigung ergeben sich
nicht nur aus der medizinischen Behandlung, sondern auch aus der Eingliederung im
Rechtssinne. Im Fall der Beschwerdeführerin hat die Vorinstanz die Arbeitsvermittlung
schliesslich mangels Erfolg abgeschlossen (IV-act. 91), während aus dem IV-
Schlussbericht (IV-act. 88) hervorgeht, dass die Beschwerdeführerin die an sie gestellten
Anforderungen durchwegs erfüllt oder sogar übertroffen hatte und ihr überdies generell
Zuverlässigkeit, Motivation, Sorgfalt, eine rasche Auffassungsgabe und ein engagiertes
Bemühen attestiert wurden. Eine solche, trotz optimaler Kooperation misslungene
Eingliederung kann im Rahmen einer gesamthaften, die jeweiligen Umstände des
Einzelfalles berücksichtigenden Prüfung bedeutsam sein (vgl. dazu auch BGE 141 V 281,
E. 4.3.1.2) und darf daher nicht einfach völlig ausser Acht gelassen werden.
Seite 15
d. Zwischen Medizinern und Berufsberatern der Invalidenversicherung ist eine enge, sich
gegenseitig ergänzende Zusammenarbeit erforderlich. Die Aufgabe des Arztes ist primär
darauf beschränkt, zu sagen, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen bzw.
geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist, wobei es als selbstverständlich
gilt, dass sich der Arzt vor allem zu jenen Funktionen äussert, welche für die nach seiner
Lebenserfahrung im Vordergrund stehenden Arbeitsmöglichkeiten der versicherten Person
wesentlich sind (so etwa, ob der Versicherte sitzend oder stehend, im Freien oder in
geheizten Räumen arbeiten kann oder muss, ob er Lasten heben und tragen kann, ob er
komplexe oder nur einfache Arbeitsabläufe erfassen kann, usw.). Welche konkreten
beruflichen Tätigkeiten auf Grund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung der
übrigen Fähigkeiten des Versicherten in Frage kommen, ist dagegen zur Hauptsache
Aufgabe des Berufsberaters der Invalidenversicherung (BGE 107 V 17, E. 2b) oder kann
durch tatsächlich ausgeübte Tätigkeiten belegt sein (Urteil des Bundesgerichts
8C_119/2008 vom 22. September 2008, E. 6.2, m.w.H.).
e. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Vorinstanz in der angefochtenen
Verfügung zu Unrecht nicht mit den Einschätzungen der Fachpersonen berufliche
Eingliederung, welche die Beschwerdeführerin während dem 10-monatigen Arbeitstraining
betreut haben, auseinandergesetzt hat. Unter den gegebenen Umständen kann bei der
Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit der Beschwerdeführerin die (bisher) gescheiterte
berufliche Eingliederung aber nicht völlig ausser Acht gelassen werden. Allenfalls sind
diesbezüglich auch Rückfragen bei Dr. D_ notwendig, insoweit die Vorinstanz zum
Schluss gelangen sollte, dass nicht erklärbare Widersprüche vorhanden sind zwischen
seiner medizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und den
tatsächlichen Feststellungen der die Beschwerdeführerin während der beruflichen
Massnahmen betreuenden Fachpersonen. Erst unter Mitberücksichtigung auch der
Einschätzungen der Fachpersonen berufliche Eingliederung kann in einer
Gesamtwürdigung der Umstände abschliessend beurteilt werden, ob bzw. inwieweit es der
Beschwerdeführerin unter Annahme des in der Invalidenversicherung massgeblichen
ausgeglichenen Arbeitsmarkts zumutbar wäre, die medizinisch festgestellte Arbeitsfähigkeit
im ersten Arbeitsmarkt umzusetzen.
Überdies ist zu beachten, dass die Beschwerdeführerin nach wie vor ausdrücklich Interesse
an Wiedereingliederungsmassnahmen bekundet. Im Rahmen der neu vorzunehmenden
Beurteilung des Leistungsanspruchs wird die Vorinstanz daher auch erneut zu prüfen
haben, ob der Beschwerdeführerin geeignete Unterstützung angeboten werden kann.
Seite 16
2.5.
a. Insoweit die Beschwerdeführerin geltend macht, der von der Vorinstanz vorgenommene
Einkommensvergleich sei falsch, braucht darauf im vorliegenden Verfahren nicht im
Einzelnen eingegangen zu werden, da die Vorinstanz nach den erfolgten notwendigen
Abklärungen ohnehin einen neuen Einkommensvergleich unter Berücksichtigung der
zusätzlichen Sachverhaltserkenntnisse vorzunehmen haben wird.
b. Immerhin sei aber bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die pauschale
Begründung der Vorinstanz, weshalb bei der Beschwerdeführerin zum Vornherein kein
Leidensabzug zu berücksichtigen sei (vgl. Vernehmlassung: „Angesichts dessen, dass das
Anforderungsniveau 4 der statistischen Löhne eine Vielzahl von körperlich leichten Arbeiten
enthält, ist die Berücksichtigung eines Leidensabzugs nicht notwendig“), nicht überzeugt.
Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts wird bei der Ermittlung des
Invalideneinkommens mittels der LSE-Tabellen vom Medianwert ausgegangen (BGE 124 V
323, E. 3b/aa, m.w.H.). Dieser Medianwert stellt einen statistischen Zentralwert dar. Im
konkreten Einzelfall ist unter Umständen in diesem rein rechnerisch festgelegten
Medianwert tatsächlich nicht genügend berücksichtigt, dass eine Person ihre
Arbeitsfähigkeit aus bestimmten Gründen nur mit unterdurchschnittlichem Erfolg verwerten
kann, so dass sie im Vergleich zu voll leistungsfähigen Arbeitnehmern lohnmässig
benachteiligt ist. Solche Gründe können in persönlichen und beruflichen Merkmalen liegen,
wie etwa dem Umstand, dass eine Person selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten
behindert ist, aber namentlich auch Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad können Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben (Urteil des Bundesgerichts 9C_366/2015 vom 22. September 2015, E. 4.1, m.w.H.).
Solchen Erschwernissen wird durch einen Abzug von maximal 25% des Medianwerts des
herangezogenen Tabellenlohnes Rechnung getragen. Der Abzug soll aber nicht
automatisch erfolgen, sondern ist unter Würdigung der gesamten Umstände im Einzelfall
nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_437/2015 vom 30. November 2015, E. 2.2, m.w.H.).
c. Die Wahl des niedrigsten Anforderungsniveaus im Fall der Beschwerdeführerin schliesst
einen Abzug vom Tabellenlohn, der auf dem rein rechnerisch festgelegten Medianwert für
dieses Anforderungsniveau basiert, daher jedenfalls nicht zum Vornherein aus, wie die
Vorinstanz in der Vernehmlassung schreibt. Auch im Fall der Beschwerdeführerin wird sich
die Vorinstanz daher im Einzelnen mit in Frage kommenden Abzugsgründen
auseinanderzusetzen haben. Im vorliegenden Verfahren kann offengelassen werden, ob
die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Gründe tatsächlich einen Abzug vom
Tabellenlohn rechtfertigen oder nicht. Bei der Beurteilung, ob ein Leidenabzug
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gerechtfertigt ist oder nicht, wird zudem auch zu beachten sein, dass allfällige bereits in der
Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche
Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzuges
einfliessen dürfen, weil dies zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunktes
führen würde (Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015, E. 4.1.1,
m.w.H.). Es wird Sache der Vorinstanz sein, bei der erneuten Prüfung des
Leistungsanspruchs der Beschwerdeführerin im Einzelnen zu prüfen, ob im Fall der
Beschwerdeführerin ein Leidensabzug - und falls ja, in welchem Umfang - angezeigt ist.
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3. Kosten und Entschädigung
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Weil die
Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen
rechtsprechungsgemäss als Obsiegen gilt (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts
9C_874/2014 vom 2. September 2015, E. 5; BGE 137 V 57, E. 2.1), sind dem
Verfahrensausgang entsprechend bei der obsiegenden Beschwerdeführerin keine Kosten
zu erheben (vgl. auch Art. 19 Abs. 3 e contrario i.V.m. Art. 53 Abs. 1 VRPG).
Der Invalidenversicherung werden grundsätzlich keine Verfahrenskosten auferlegt und
keine Parteientschädigungen zugesprochen (Art. 61 lit. g ATSG e contrario, KIESER, a.a.O.,
N 58 und 199 f. zu Art. 61; vgl. Art. 22 Abs. 1 VRPG).
Die IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden hat der Beschwerdeführerin dem Verfahrensausgang
entsprechend eine Parteientschädigung auszurichten (Art. 61 lit. g ATSG), womit sich die
der Beschwerdeführerin gewährte unentgeltliche Verbeiständung erübrigt. Im vorliegenden
Fall erscheint eine Entschädigung von pauschal Fr. 3‘000.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.
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