Decision ID: 553b5320-5e0f-4b11-9f33-e9871ac2d6d3
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, war seit Febr
uar 2000 als angelernter Gärtner
bei der
Y._
AG in
Z._
angestellt und über diese bei der Suva gegen
die Folgen von
Berufs- und Nichtberufsunfälle
n
versichert (
Urk.
12/5/4
Ziff.
1-3).
Am
1
7.
November 2017
wurde er
bei der Arbeit
von einem
Pe
rsonenwagen angefahren und zog sich
mehrere
Verletzungen zu
(
Urk.
12/5/4
Ziff.
4-6 und 9,
Urk.
12/5/5).
Der Versicherte meldete sich am
7.
Juni 2018
unter Hinweis auf die Folgen des Unfalles bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
12/3/2-9
Ziff.
6.1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte erwerbliche
Abklärungen
(
Urk.
12/9,
Urk.
12/
18
) und zog
die
Akten der Suva (
Urk.
12/5,
Urk.
12/12-13,
Urk.
12/
23
-25
,
Urk.
12/29-30
)
zum Verfahren bei.
A
m 1
0.
Dezember 2018
teilte
sie
dem
Versicherten
mit, dass kein
e Eingliederungs
massnahmen möglich seien
(
Urk.
12/20).
1.2
Am 2
0.
Juli 2020 (
Urk.
12/37) erliess die IV-Stelle den Vorbescheid
betreffend Rentenanspruch
. Am
4.
Januar 2021 (
Urk.
12/48)
kam
sie auf den in Aussicht gestellten Entscheid zurück
und erliess einen
neuen Vorbescheid. Der Versicherte brachte dagegen Einwände (
Urk.
12/50) vor.
Mit Verfügung vom
5.
Februar 2021 (
Urk.
12/52) sprach die Suva dem Versicher
ten eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 11
%
zu.
Mit Verfügung vom 1
6.
Februar 2021 (
Urk.
12/55 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch.
2.
2.1
Der Versicherte erhob am 2
2.
März 2021
Beschwerde gegen die Verfügung
der IV-Stelle
vom 1
6.
Februar 2021 (
Urk.
2) und beantragte, die
se sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Insbesondere
seien
ihm rückwirkend ab dem
1.
Januar 2019 mindestens eine Dreiviertelsrente sowie Integrations- und Eingliederungsmassnahmen zuzusprechen. Des Weiteren sei eine vollständige Sachverhaltsabklärung vorzunehmen. Insbesondere sei ein Gerichtsgutachten einzuholen (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7.
Mai 2021 (
Urk.
10) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
9.
Juni 2021 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
13).
2.2
Mit
Gerichtsv
erfügung vom 1
2.
Oktober 2021 wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2 oben) die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Rechtsver
tretung bewilligt (
Urk.
14 Dispositiv
Ziff.
1).
Der Rechtsvertreter reichte dem Gericht am
3.
Februar 2022 (
Urk.
16/1) die Honorarnote in Höhe von
Fr.
5'145.70 (
Urk.
16/2) ein.
2.3
Gegen den Einspracheentscheid der Suva vom 2
6.
April 2021
(
Urk.
11)
erhob der Beschwerdeführer am 2
8.
Mai 2021 ebenfalls Besch
werde (angelegt unter Verfahren-
Nr.
UV.2021.00118).
Das Urteil erging am heutigen Tag.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich
diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstel
len, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer brachte
in formeller Hinsicht
vor, er habe die Beschwerde
gegnerin am 1
8.
Februar 2021 um Zustellung der Fallakten zur Einsicht ersucht.
Diese seien ihm jedoch
erst mit Schreiben vom 1
2.
März 2021
zugestellt
w
orden
.
Die
Tatsache, dass von Seiten der Beschwerdegegnerin mit der Einsicht in die 726 Seiten umfassenden Fallakten bis kurz vor Ablauf der Rechtsmittelfrist zugewar
tet worden sei, stelle eine krasse Verletzung des rechtlichen Gehörs dar
. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin habe ihm eine angemessene Sichtung und Auseinandersetzung mit den Fallakten faktisch verunmöglicht
(
Urk.
1 S. 8
Ziff.
32-33).
2.2
Gemäss Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer einzelnen Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass eines solchen Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beein
flussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 144 I 11 E. 5.3, 143 V 71 E. 4.1, je mit Hinweisen).
2.3
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ersuchte die Beschwerdegegnerin mit E-Mail vom 1
8.
Februar 2021 um
die
Zustellung
der
vorinstanzlichen Akten
(
Urk.
12/56). Die Beschwerdegegnerin kam dem Gesuch erst mit Schreiben vom 1
2.
März 2021 nach (
Urk.
12/58).
Die Beschwerde datiert vom 2
2.
März 2021
(
Urk.
1)
. Der Beschwerdeführer konnte sich im vorliegenden Verfahren trotz der verbleibenden Frist von weniger als 10 Tagen bis zum Ablauf der Rechtsmittelfrist und der umfangreichen
vorinstanzlichen Akten
umfassend zur Sache äussern. Eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs
aufgrund der späten Zustellung der Akten
wäre
somit als geheilt anzusehen.
Der Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör wurde
demzufolge
nicht verletzt.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest,
nach den medizinischen
Abklärungen habe
nach dem Unfall vom
1
7.
November 2017
zunächst
für jede Tätigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden
. Seit dem
6.
Dezember 2018 bestehe in einer optimal angepassten Tätigkeit wieder eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Es solle sich um eine leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit handeln (S. 1).
Da der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit ein höheres Einkommen
als in der angestammten Tätigkeit erzielen könnte
, werde für den
Einkommensvergleich nicht vom tatsächlich erzielten Einkommen
ausgegangen.
Die Beschwerdegegnerin ermittelte
sodann
einen
rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 9
%
und verneinte einen Rentenanspruch
(S. 2 oben).
3.2
Der Beschwerdeführer brachte
vor,
seit November 2018 könne er die angestammte Tätigkeit als Gärtner
wieder
eingeschränkt
ausüben.
Die Arbeitgeberin
habe
ihm
eine seinen Beschwerden angepasste Zuteilung der Tätigkeiten
ermöglicht
, soweit dies überhaupt möglich sei
. Er könne jedoch nicht mehr auf Bäume klettern oder schwere Sachen heben und herumtragen
.
Sämtliche Versuche, das Leistungs
pensum auf über 50
%
zu erhöhen
,
hätten aufgrund der
exazerbierenden
Schmerzen nach kurzer Zeit abgebrochen werden müssen
. Es sei maximal eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
möglich
(
Urk.
1 S. 3
Ziff.
6-7).
Er habe alles ihm Zumutbare unternommen, um die noch vorhandene Teil
erwerbstätigkeit soweit als möglich zu verwerten
und die wirtschaftlichen Folgen der Invalidität möglichst klein zu halten
(S. 5
Ziff.
16).
Selbst auf dem allgemei
nen Arbeitsmarkt sei keine anderweitige, den unfallbedingten Beschwerden angepasste Tätigkeit denkbar, welche eine ein Pensum von 50
%
übersteigende Arbeits- und Leistungsfähigkeit zulassen würde (S. 6
Ziff.
23). Auch längeres
Arbeiten in einer sitzenden oder stehenden Tätigkeit führe zu einer Intensivierung der Schmerzen und als Folge davon zu einer erhöhten Ermüdbarkeit und der Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit und der Aufmerksamkeit (S. 7
Ziff.
25).
Die Möglichkeit einer vollzeitigen Arbeitseinsetzung sei mittel- bis lang
fristig unrealistisch, da die Belastungen für den Körper und die unfallbedingt resultierenden Schmerzen zu hoch seien (S. 7
Ziff.
27).
Als ungelernter G
arten
arbeiter könn
e er unter Berücksichtigung der körperlichen Einschränkung
, basierend auf statistischen Werten gemäss Gesamtarbeitsvertrag,
ein jährliches Einkommen von
Fr.
24'700.-- verdienen (S. 5
Ziff.
17).
Im Vergleich mit dem
Valideneinkommen
von
Fr.
74'100.-- resultiere ein Invaliditätsgrad von rund 67
%
und damit ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Zusätzlich wäre ein Leidensabzug zu prüfen (S. 6
Ziff.
18-19).
Die Vorinstanz verkenne des Weiteren
, dass sie von Amtes wegen verpflichtet sei, eigene Abklärungen zum Sachverhalt vorzunehmen und sie nicht einfach auf die Akten der Suva abstellen könne (S. 9
Ziff.
38).
3.3
Über
den beschwerdeweise gestellten Antrag auf
Gewährung von Eingliederungs
massnahmen (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
1)
hat die
Beschwerdegegnerin
noch nicht verfügt
.
Die angefochtene Verfügung vom 1
6.
Februar 2021 betrifft einzig den Renten
anspruch. B
ezüglich
Eingliederun
gsmassnahmen, insbesondere eines
Anspruch
s
auf Arbeitsvermittlung, fehlt e
s daher am erforderlichen Anfechtungsgegenstand
.
Diesbezüglich ist a
uf d
ie Beschwerde
daher nicht einzutreten.
Es steht dem Beschwerdeführer jedoch frei, sich für die Durchführung von Eingliederungs
massnahmen erneut bei der Beschwerdegegnerin
zu
melden.
Streitig und zu prüfen ist
ein allfälliger Anspruch auf eine Invalidenrente und hierbei insbesondere
, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
seit
6.
Dezember 2018
i
n einer behinde
rungsangepassten Tätigkeit
a
usging.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer wurde beim Unfall vom 1
7.
November 2017 von einem Personenwagen angefahren
und zog sich
diverse V
erletzungen zu
(
Urk.
12/5/4
Ziff.
4-6 und 9,
Urk.
12/5/5
).
4.2
Die Ärzte des
Kantonsspitals
A._
attestierten im Arbeitsunfähig
keitszeugnis vom 2
4.
November 2017 (
Urk.
12/5/50) vom 1
8.
November 2017 bis
5.
Januar 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. In den
nachfolgenden
Arbeitsunfähigkeitszeugnissen vom
5.
Januar und 1
4.
Februar 2018
(
Urk.
12/5/51,
Urk.
12/5/58) wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für die Zeit vom
6.
Januar bis
5.
April 2018 fortgeschrieben.
4.3
Die Ärzte
des Kantonsspitals A._
stellten im Austrittsbericht vom 1
1.
Dezember 2017 (
Urk.
12/5/23-26) nach der Erstbehandlung und der Hospitalisation vom 1
7.
bis 2
5.
November 2017 folgende Diagnosen (S. 1):
-
zweitgradige
offen
e, dislozierte, mehrfragmentäre
M
e
hretagen-
Unter
schenkelfraktur links vom 1
7.
November 2017
-
nach dorsal dislozierte,
intraatrikuläre
distale Radiusfraktur links vom 1
7.
November 2017
-
k
l
eine subkorti
kale B
lutung mit geringem perifokalem Ödem im Gyrus frontal
i
s superior links vom 1
7.
November 2017
Die Ärzte
des Kantonsspitals A._
führten aus, der Patient sei aufgrund der in
d
er
Computer
tomographie
(CT)
erkannten subkortikalen kleinen Einblutung links für 72 S
tunden überwacht worden. Die Überwachung sei
unauffällig
verlaufen
(S. 1 unten).
Der Patient habe bereits früh während der Hospitalisation Zeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung mit Schlafstörungen und Angstattacken gezeigt. Eine psychiatrische Kontaktaufnahme habe er abgelehnt (S. 2 oben
; vgl. auch die Operationsberichte vom 2
0.
und 2
4.
November 2017,
Urk.
12/5/93-94,
Urk.
12/5/20-21
).
4.4
Die Ärzte
des Kantonsspitals A._
stellten im Austrittsbericht vom 1
3.
März 2018 (
Urk.
12/5/71-72)
nach einem weiteren stationären Aufenthalt vom
6.
bis
9.
März 2018
die Diagnose sekundäres
Implantatversagen
bei Verdacht auf Low-Grade-Infekt bei
zweitgradiger
offener, dislozierter, mehrfragmentärer Mehretagen-Unter
schenkelfraktur links mit
Delayed
-Union und Status nach Plattenosteosynthese mit zwei freien Zugschrauben vom 1
7.
November 2017 (S. 1). Die Ärzte attestier
ten
für die Zeit vom
6.
März bis
6.
Juni 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 2).
4.5
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie,
Kantonsspital A._
,
führte im Bericht vom 2
0.
Juni 2018 (
Urk.
12/5/151-152) aus, eine zeitweilige Vollbelastung sei
schmerzarm möglich. Dies geschehe vor allem in der Wohnung. Auswärts benötige der Patient vorwiegend einen Gehstock. Für die Tätigkeit als Gärtner werde die
attestierte
Arbeitsunfähigkeit
von 100
%
bis Ende August 2018 verlängert
. Der Patient habe über intermittierende stärkste Kopfschmerzen berichtet. Er habe den Patienten für eine ambulante Untersuchung (MRI) des Schädels angemeldet
(S. 2).
4.6
Dr.
B._
gab
in einem weiteren
Bericht vom
6.
September 2018 (
Urk.
12/12)
zur Untersuchung des linken Unterschenkels
als Befunde
reizlose Weichteile und eine leichte Klopf- und
Druckdolenz
im Bereich des gut palpierenden Kallus
an
. Die Wunden seien allesamt reizlos und trocken.
Weiter liege eine uneingeschränkte Beweglichkeit des oberen Sprungg
elenks und des Kniegelenks vor.
Zum Verlauf
bestehe
nach der Wiederaufnahme der Arbeit
eine zunehmende Belastungsfähig
keit.
Der Beschwerdeführer beschreibe aber Tage, an denen er
aufgrund der
Belastung im Bereich der ehemaligen Fraktur deutliche Schmerzen verspüre. An anderen Tagen sei er praktisch schmerzfrei. Abendlich bestehe eine zusätzliche Schwellungstendenz, je nachdem wie lange er auf den Beinen gewesen sei. Einen Kompressionsstrumpf trage er nicht. Die Schwellung sei am nächsten Morgen jeweils wieder
regredient
(S. 2 oben).
Der Beschwerdeführer
sei
für einen Arbeits
versuch ab dem 1
7.
September 2018
zu 50
%
arbeitsfähig.
Er könne
aber
keine k
nienden Tätigkeiten verrichten und
in den ersten Wochen
seien
Lasten von über 10 kg zu vermeiden (S. 2 Mitte).
4.7
Dr.
B._
führte im Bericht vom
5.
Dezember 2018 (
Urk.
12/23/56-57) zur Anam
nese aus, der Arbeitsversuch verlaufe mehr oder weniger erfolgreich. Der Patient arbeite seit dem 1
7.
Sept
ember 2018 zu 50
%
als Gärtner und
gehe der Arbeit ohne Einschränkungen nach. Er sei jedoch am Mittag fix und fertig und leide unter Schmerzen und an Schwellungszuständen. Er sei froh, wenn er dann pausieren und ruhen könne. Die Arbeitsfähigkeit von 50
%
werde fortgeführt und gelte bis Mitte März 201
9.
Falls eine Besserung eintrete, werde die Arbeitsfähig
keit gesteigert
(S. 2).
4.8
C._
, Fachpsychologin Neuropsychologie
FSP
, erstattete am 2
3.
Januar 2019 (
Urk.
12/23/35-42) im Auftrag der Suva einen Bericht über
die
neurops
ychologische Untersuchung des Beschwerdeführers
vom 1
8.
Januar 201
9.
Neuropsychologin
C._
führte aus,
mit der Untersuchung sei abzuklä
ren, ob in Bezug auf die kognitiven Fähigkeiten noch unfallbedingte Einschrän
kungen bestünden (S. 1 oben).
D
ie
Untersuchung habe eine mittelgradige neuropsychologische Störung ergeben. Die Hauptschwierigkeiten lägen in den exekutiv-
attentionalen
Funktionen, der geteilten Aufmerksamkeit, der zeitlich verzögerten räumlich-konstruktiven Abrufleistung und dem psychomotorischen Antrieb (S. 6 Mitte).
Der Beschwerde
führer präsentiere sich im Verhalten und in der Auseinandersetzung mit den vorhandenen Schwierigkeiten psychisch belastet und mit emotionalen Ein
brüchen (S. 7 oben). Im MRI vom 1
2.
Juli 2018
seien
ein
R
esiduum
der statt
gehabten Blutung im Gyrus frontalis superior links und
weitere
kleine punktuelle
Läsionen ventral
davon nachgewiesen worden
. Gewisse Störungen seien
überwiegend wahrscheinlich durch die Blutung im Gyrus frontalis links bedingt (S. 7 unten).
Es bestehe eine mittelgradige neuropsychologische Störung (ICD-10 F06.8) mit vorwiegend linksfrontalem Ausfallmuster und Anteil
en
von affektiv bedingten L
eistungsdefiziten. Eine mittelgradige neuropsychologische Störung entspreche einer Arbeitsunfähigkeit von 50-70
%
. Die aktuelle Arbeitsfähigkeit von 50
%
sei somit bereits optimal angepasst. Die Leistungsfähigkeit sei, wenn möglich, auf 80 % anzupassen (S. 8).
4.9
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Neurologie, erstattete am 1
3.
März 2019 (
Urk.
12/23/13-14 =
Urk.
12/23/15-16) zuhanden der Suva einen Bericht über
die
neurologische und neuropsychologische Unte
rsuchung des Beschwerdeführers vom
4.
März 201
9.
Dr.
D._
stellte folgende Diagnosen (S. 1):
-
Status nach Polytrauma mit Schädelhirntrauma
-
kleine subkorti
kale
Blutung mit geringem perifokalem Ödem im Gyrus fr
ontalis superior links
-
Schädel-MRI vom 1
2.
Juli 2018 mit Residuum der stattgehabten Blutung im Gyrus frontal
i
s superior links sowie Nachweis weiterer kleiner punktueller Läsionen ventral davon
-
Status nach
zweitgradig
offener, dislozierter, mehrfragmentärer,
Mehr
etagen-U
nterschenkelfraktur links
-
n
ach dorsal dislozierte, intraartikuläre distale Radiusfraktur links
Dr.
D._
führte in
ihrer
Beurteilung aus,
in der neuropsychologischen Unter
suchung hätten sich vorwiegend f
rontale Defizite mit deutlicher linksseitiger Betonung gezeigt.
Weiter
hätten sich Defizite im Bereich der Aufmerksamkeit und
d
er Konzentration ergeben. Im Bereich der mnestischen Funktionen habe der
Beschwerdeführer ein schlechteres
Resultat bei den verbalen im Vergleich zu den
figuralen
Tests gezeigt. Die Befunde seien gut zu vereinbaren mit dem neuro
radiologischen Befund einer stattgehabten Blutung im Gyrus f
r
ontalis superior links. Sie stimmten auch weitgehend mit den von Neuropsychologin
C._
erhobenen B
efunden überein. Nach einem Schädelhirntrauma könne im Allgemeinen noch innerhalb von zwei Jahren mit einer
Verb
esserung der posttraumatischen Defizite gerechnet werden.
Insofern
bestehe weiterhin die Notwendigkeit
für ergotherapeutische und neurophysiologische rehabilitative
Behandlungsmassnahmen. Eine definitive Prognose bezüglich Residuen sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich. Es werde eine erneute Beurteilung zwei Jahre nach dem Schädelhirntrauma empfohlen (S. 2 unten).
4.10
Suva-
Kreisarz
t
Dr.
med.
E._
, praktischer Arzt, antwortete am
1.
April 2019 (
Urk.
12/23/4-5) auf die Frage
n
der Suva
.
Er
gab an,
die berufliche Integration des Beschwerdeführers verlaufe bisher relativ positiv, wobei
dieser
aus Eigenmotivation
bereits eine
Arbeitsfähigkeit von 100
%
anstrebe.
Aufgrund des langjährigen, vertrauten beruflichen Umfelds könne nicht
unmittelbar abgeleitet werden,
ob
die festgestellten neuropsychologischen Defizite n
icht meh
r vorhanden seien. Stattdessen könne auch, insbesondere bei einer frontalen Hirn
schädigung,
eine Selbstüberschätzung bei einer verminderten Kritikfähigkeit eintreten. Der Umgang mit allfälligen gesundheitsgefährdenden Arbeitsmitteln wie Motorsägen sei somit noch kritisch zu sehen.
Im Rahmen der Berufsausübung sei sodann
eine begleitende
Beaufsichtigung
sinnvoll
(S. 1
Ziff.
1). Zu empfehlen seien
weiterhin
Massnahmen der Ergotherapie beziehungsweise ein neuropsycho
logisches Training, einmal wöchentlich (S. 1
Ziff.
2
).
Es gehe
um die
Förderung der Konzentration, des Gedächtnisses, der Anpassungsfähigkeit und Problem
bewältigung, der Selbstwahrnehmung und der Kritikfähigkeit sowie der Selbstän
digkeit
des Beschwerdeführers
(S. 1
f.
Ziff.
3). Der Endzustand sei noch nicht erreicht
. Eine weitere Stabilisierung bleibe abzuwarten. Nach der Schwere der strukturellen und neuropsychologischen Störungen
solle
zwei Jahre nach dem Unfallereignis eine neuropsychologische Nachuntersuchung erfolgen
(S. 2
Ziff.
4).
4.11
Dr.
B._
berichtete am
6.
J
uni 2019 (
Urk.
12/24/3-4)
, der Beschwerdeführer habe
das Arbeitspensum am
1.
April 2019 auf 100
%
gesteigert, was
seinem Wunsch
entsprochen habe.
Die Steigerung sei initial mehr ode
r weniger erfolg
reich verlaufen.
Der Beschwerdeführer
habe sich nun
aber
wegen zunehmender belastungsabhängiger Schmerzen gemeldet.
Er habe zuvor bei einer Arbeitsun
fähigkeit von 50 % genügend
Zeit gehabt,
um
sich zu erholen. Er gebe jetzt an, dass er bei starker Belastung doch hin und wieder unter Schmerzen im Unter
schenkel und zeitweilig auch im H
andgelenk leide. Bei Überlastung bestünden neu zusätzlich Schmerzen im rechten oberen Sprunggelenk, da er bei der Arbeit als Landschaftsgärtner das linke Bein schone.
Dr.
B._
habe dem Patient
e
n vorg
eschlagen, weniger zu arbeiten
mit einer Arbeitsbelastung von erneut 50
%
(S. 2 oben).
4.12
Kreisarzt
Dr.
E._
schlug
in der Stellungnahme vom 1
0.
Dezember 2019
eine
neurologische und
eine
neuropsychologische
Verlaufsu
ntersuchung vor
(
Urk.
12/43/203). Die Untersuchungen
(THV-A
ssess
ment)
wurden in der
Reha
klinik
F._
durchgeführt
. Die
neuropsychologische Untersuchung erfolgte a
m
4.
März 2020
durch
Dr.
phil.
G._
, Fachpsychologe für Neuropsy
chologie
FSP
(
Urk.
12/29 S. 3 unten).
Die neurologische Untersuchung durch
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Neurologie, erfolgte am
7.
Mai 2020 (
Urk.
12/29 S. 3 oben).
Dr.
G._
gab im neuropsychologischen Bericht vom
4.
März 2020 (
Urk.
12/30) an, der Beschwerdeführer habe am 1
7.
November 2017 ein Poly
trauma erlitten, wobei er sich unter anderem ein Schädelhirntrauma zugezogen habe. Aufgrund der Lokalisation im Marklage
r
handle es sich am ehesten um eine Einblutung bei axonaler Schädigung (S. 5 oben). Der Beschwerdeführer habe anamnestisch keine kognitiven Defizite angegeben. Die aktuellen Hauptprobleme bestünden in einer Kraftminderung und Schmerzen im linken Unterschenkel
,
in der linken Hand und im Arm. Als nächstes werde geprüft, ob das Osteosynthese
material entfernt werden solle. Der Beschwerdeführer arbeite aktuell mit einem Pensum von 50
%
als Gärtner. Er könne die Tätigkeiten jedoch nur bedingt oder gar nicht mehr ausführen. Es sei der langjährigen Tätigkeit und der guten Beziehung zum Arbeitgeber zu verdanken, dass er dennoch weiterbeschäftigt werde. Bisherige Arbeitsversuche mit einem Pensum von 75
%
beziehungsweise 100
%
seien hauptsächlich aufgrund der Schmerzen gescheitert. Die Belastbarkeit sei für die volle Untersuchungsdauer von 140 Minuten vorhanden
gewesen
. Während der Zeitspanne sei es nicht zur Abnahme der allgemeinen Konzentra
tionsfähigkeit gekommen (S. 5 unten).
Im Vergleich mit der neuropsychologischen Untersuchung vom Januar 2019 sei ein deutlich bes
seres kognitives Leistungsvermögen
vorhanden mit mehrheitlich normentsprechenden Leistungen. Die Befunde seien zusammengefasst als minimale kognitive Störung zu bewerten.
Die leichten Minderleistungen seien am ehesten im Rahmen vorbestehender Schwächen zu sehen.
Ein direkter Zusam
menhang zwischen den leichten Minderleistungen mit der hochfrontal gelegenen Läsion erscheine als weniger wahrscheinlich (S. 6 oben).
Dr.
G._
nannte als neuropsychologische Diagnose eine minimale kognitive Störung mit grenz
wertig reduzierter Sorgfaltsleistung in der selektiven Aufmerksamkeit
sowie weitere
Lei
s
tungsschwankungen, ätiologisch nach traumatischer Hirnverletzung (ICD-10 F07.8)
vor
dem Hintergrund vorbestehender kognitiver Schwächen. Die kognitiven Fähigkeiten zur Ausübung des Berufes als Gärtner seien grundsätzlich vorhanden. Die Funktionsfähigkeit im Beruf sei primär durch körperliche Fakto
ren sowie durch die Schmerzen reduziert (S. 6 unten).
4.13
Dr.
H._
führte
im
neurologischen
Bericht
vom
8.
Mai 2020 (
Urk.
12/29) aus,
aktuell
stünden
Schmerzen im Bereich des linken Unterschenkels, in d
en Hüften rechtsbetont,
Kribbelparästhesien linksbetont i
n den
Händen und regelmässig auftretende Kopfschmerzen im Vordergrund.
Als Differentialdiagnose bestünden
Spannungskopfschmerzen. Diesbezüglich werde empfohlen, die orale Schmerz
medikation unter Begleitung eines Spezialiste
n komplett abzusetzen.
Betreffend die Beschwerden im linken Unterschenkel sei eine weitere Operation im
Kantonsspital A._
geplant.
Bezüglich der Schmerzen in der Hüfte,
im Bereich
des Iliosakralgelenks links und der Halswirbelsäule
empfehle
Dr.
H._
eine orthopädische Unter
suchung und die Fortsetzung der Physiotherapie
mindestens zweimal in der Woche
. Bei den Kribbelparästhesien linksbetont in den Händen könne es sich
im Sinne einer
Differentialdiagnose
um ein Karpaltunnelsyndrom beidseits
oder
eine Reizung des
Nervus
ulnaris
handeln.
Der
Beschwerdeführer
solle sich wegen dieser Beschwerden
bei einem Neurologen vorstellen
(S. 5 oben).
In Bezug auf die kognitiven Fähigkeiten seien für die Ausübung des Berufs als Gärtner keine Einschränkungen vorhanden.
Die beruflichen Einschränkungen beruhten vorwiegend auf Schmerzen und orthopädischen Problemen.
Nach einer orthopädischen Abklärung
könne sehr langsam nach Massgabe der Beschwerden und der Belastbarkeit eine Steigerung des Arbeitspensums erfolgen (
S. 5 Mitte).
4.14
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, führte in der Stellungnahme
vom 2
6.
Juni 2020 (
Urk.
12/35 S. 7)
aus, aufgrund des umfassenden somatischen Gesundheits
schadens sei es dem Beschwerdeführer trotz eines mehrmonatigen Versuchs nicht möglich gewesen, in der bisherigen Tätigkeit wieder eine volle Arbeitsfähigkeit zu erreichen.
Seit dem 1
1.
Juni 2019
sei für eine leichte
(angepasste)
Tätigkeit im bisherigen Beruf
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
attestiert worden. Nach der Metallentfernung im
Kantonsspital A._
und damit verbundener vorübergehender 100%iger Arbeitsunfähigkeit vom 19. Mai bis 7. Juni 2020
werde ab
dem
8.
Juni 2020 wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
attestiert (S. 7 oben).
Für die bisherige Tätigkeit als Gärtner bestehe seit dem 1
7.
November 2017 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Für eine angepasste Tätigkeit
gemäss Belastungsprofil habe vom 1
7.
November 2017 bis 1
6.
September 2018 ebenfalls ein
e Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und
vom
1
7.
September 2018
bis 1
0.
März 2019 eine Arbeitsunfähigkeit
von 50
%
bestanden.
Im Rahmen einer versuchsweisen Steigerung habe vom
1
1.
bis 3
1.
März 2019 eine Arbeitsunfähig
keit von 25
%
und
vom
1.
April
bis 1
0.
Juni
2019
eine Arbeitsunfähigkeit
von 0
%
bestanden
.
Seit dem 1
1.
Juni 2019 bestehe bis auf Weiteres wieder eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
mit der Möglichkeit einer achtsamen Steigerung der Arbeitsfähigkeit. Da es sich um reine Unfallfolgen handle, werde die Koordination mit der Suva empfohlen (S. 7 unten).
4.15
Dr.
B._
führte im Bericht vom 2
1.
Juli 2020 (
Urk.
12/39/2-3) aus, eine Osteo
myelitis sei ausgeschlossen worden. Er habe sich mit dem Patienten auf eine langsame Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 75
%
über zwei Wochen geeinigt
. Nach
den Ferien des Beschwerdeführers
solle die Arbeitsfähigkeit auf 100
%
gesteigert werden. Falls dies nicht gehe, solle sich
dieser
wieder
melden (S. 2).
4.16
4.16.1
Dr.
E._
führte im Bericht vom
7.
Dezember 2020 (
Urk.
12/43/9-22) über die kreisärztliche Untersuchung vom
2.
Dezember 2020 aus,
der Beschwerdeführer habe angegeben, dass
unverändert Restbeschwerden in der linken Hand und vor allem am linken Unterschenkel
bestünden
. Die Beschwerdesymptomatik sei belastungsabhängig.
Er habe die Arbeitsleistung nicht mehr weiter steigern können. Ein erneuter Arbeitsversuch sei bei einem Pensum von 75
%
gescheitert.
Es habe dann jeweils am nächsten Tag
eine verstärkte Schmerzsymptomatik bestanden (S. 9 Mitte).
Er
nehme
Voltaren und Dafalgan ein, zurzeit regelmässig zirka dreimal täglich.
Der Beschwerdeführer
verfüge über keine abgeschlossene Berufsausbildung
. In
J._
habe er als Maurer gearbeitet.
In der Schweiz sei
er
seit zirka zwan
zig Jahren ungelernt im Bereich Gartenbau und Gartenunterhalt tätig. Vor dem Unfall habe er im Gartenbau auch körperlich schwere, robuste Arbeiten vollzeitig ausgeführt.
Er arbeite im Freien, regelmässig auf unebenem Gelände und wieder
holt auf Leitern (S. 9 unten). Repetitive körperliche Zwangshaltungen wie Knien
und
Hocken sei
e
n aus seiner Sicht belastend. Diese Arbeiten seien ihm kaum möglich (S. 9 f.).
4.16.2
Dr.
E._
stellte folgende Diagnosen (S. 12 oben):
Fremdunfall vom 1
7.
November 2017
-
mit dorsal dislozierter, intraartikulärer distaler Radiusfraktur links
-
mit
zweitgradig
offener, dislozierter, mehrfragmentärer Mehretagen-Unterschenkelfraktur links
-
mit kleiner subkortikaler Blutung mit geringem perifokalem Ödem im Gyrus frontal
i
s superior links vom 1
7.
November 2017
-
neuropsychologisch minimale
kognitiver Störung bei vorbestehen
den kognitiven Schwächen
(gemäss Bildungsanamnese)
Der Beschwerdeführer sei am 1
7.
November 2017 von einem Auto erfasst worden. Er habe dabei ein schweres Anpralltrauma
erlitten
mit einer dislozierten, intra
artikulären distalen Radiusfraktur link
s
, eine
r
kleine
n
subkortikale
n
Blutung im Bereich des Gyrus frontalis superior sowie eine
r
zweitgradig
offene
n
, dislozierte
n
, mehrfragmentäre
n
und
mehretag
ige
n
Unterschenkelfraktur links
. Es
sei zu einer
Amnesie zum Ereignis
und
ein
em initialen
Glasgow
Coma
S
c
ore (GCS) von 15
gekommen. Nach der Versorgung der F
r
akturen
seien
am
6.
März 2018 bei einer gestörten Konsolidierung der Unterschenkelfraktur und
einem
I
m
plantatversagen
eine
Teilimplantatentfernung
von der Tibia, ein lokale
s
Débridement
und eine bakteriologische Probe entnommen worden
. Am 1
5.
März 2018 sei die Entfer
nung des restlichen Implantats im Bereich der proximalen Tibia und eine Marknagelosteosynthese erfolgt
(S. 12 Mitte).
In den Verlaufskontrollen zum 1
6.
Oktober 2019 und vom 1
1.
März 2020
sei
eine vollständige Konsolidation der Unterschenkelbrüche und der Radiusfraktur links festgestellt
worden
mit regelrechten Artikulationen in den angrenzenden Gelen
ken.
Nach den
unter der beruflichen Arbeitsbelastung
geklagten belastungs
abhängigen Beschwerden seien im Juli 2020 Röntgenbilder und eine MRI-Untersuchung des linken Unterschenkels veranlasst worden. Bei unauffälligen Laboruntersuchungen
und der
erneuten
Entnahme
einer
Probe
sei
eine Osteo
myelitis ausgeschlossen worden (S. 12 unten). In weiteren klinischen Unter
suchungen seien reizlose Lokalbefunde
mit unauffälligen Weichteilen, ohne Entzündungszeichen und eine normale Finger-, Knie- und Sprunggelenksbeweg
lichkeit beschrieben worden. Der Versuch einer weiteren Leistungssteigerung im angestammten Beruf als angelernter Gärtner sei schliesslich
trotz einer ergänzen
den medizinischen Trainingstherapie
bei
unveränderten Beschwerden
gescheitert (S. 12 f.).
Im Vergleich z
u den
neuropsychologischen Untersuchungen vom 1
8.
Januar 2019 sei
in der letzten Untersuchung
vom
4.
März 2020
lediglich eine minimale kognitive Störung mit einer grenzwertig reduzierten Sorgfaltsleistung
in der
selektiven Aufmerksamkeit und der kurzfristigen verbalen Merkspanne beschrieben worden. Für die Berufsausübung als Gärtner bestünden grundsätzlich keine kognitiven Einschränkungen
.
Die
somatischen Beschwerden
seien als vorrangig bewertet worden
. Drei Jahre nach dem Unfallereignis und über sechs Monate nach der Entfernung des Osteosynthesematerials sei bei einem reizlosen Lokal- und guten Funktionsbefund der Gelenke ein stabiler medizinischer End
zustand erreicht. Der Beschwerdeführer sei frei und sicher ohne Hilfsmittel beim Gehen mobil. Er demonstriere einen kräftigen, im Seitenvergleich aber geminderten Händedruck. Relevante kognitive Einschränkungen seien nicht auffällig
(S. 13 oben).
4.16.3
Der Beschwerdeführer beschreibe für den angestammten, angelernten Beruf als Mitarbeiter im Gartenbau und Gartenunterhalt mit robusten, wiederkehrend schweren körperlichen Belastungen und körperlichen Zwangshaltungen ein Leistungslimit bei einem Arbeitspensum von 50
%
. Dies
absehbar
ohne die Möglichkeit einer weiteren Steigerung. Eine vollzeitige Arbeitseinsetzung sei insofern unrealistisch. Die Belastungen seien zu hoch (S. 13 Mitte).
Bezogen auf den
allgemeinen Arbeitsmarkt seien dem Beschwerdeführer
aber
leichte und mittelschwere, wechselbelastende Arbeiten, anteilig zum Stehen, Gehen und Sitzen möglich. Dabei sei ihm ein vollzeitiges Pensum zumutbar.
Das Heben und Tragen schwerer Lasten ohne geeignete Hilfsmittel, eine häufige Arbeitseinsetzung auf unebenem Untergrund sowie anhaltende Zwangshaltungen wie Hocken, Knien und Kauern seien nach den erlittenen Frakturen und den angegebenen Restbeschwerden des linken Unterschenkels und der linken Hand als ungünstig zu bewerten. Im Rahmen einer angepassten handwerklichen Tätig
keit ohne aussergewöhnliche kognitive Anforderungen seien keine Einschrän
kungen zu erwarten (S. 13 unten).
4.17
RAD-Arzt
Dr.
I._
nahm am 1
6.
Dezember 2020 (
Urk.
12/46 S. 3 ff.) Stellung zu den medizinischen Akten. Er führte aus, nach den Angaben des A
rbeitgebers
(Aktennotiz vom 1
8.
September 2020)
sei der Beschwerdeführer mit einer halbtägigen Präsenz im Gartenunterhalt am Limit. Eine leichte bis mittelschwere alternative Tätigkeit
mit der Möglichkeit zum Sitzen
könne ihm
seitens des Arbeitgebers
nicht angeboten werden. Allenfalls sei eine Teilzeittätigkeit mit einem Pensum von 50
%
möglich (S. 4
Mitte).
Der RAD-Arzt schloss sich der Beurteilung durch Kreisarzt
Dr.
E._
an.
Er gab an, in der Tätigkeit
als Gärtner
habe
vom 1
7.
November 2017 bis
5.
Dezember 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden
. Seit dem
6.
Dezember
2018
bestehe für diese Tätigkeit
bis auf Weiteres
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Für eine angepasste Tätigkeit
habe ab
dem 1
7.
November 2017
und bis zum 1
6.
Sep
tember 2018
zunächst ebenfalls
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden.
Vom 1
7.
September bis
5.
Dezember 2018 habe
eine Arbeitsunfähigkeit
von 50
%
b
estanden
.
Ab dem
6.
Dezember 2018 habe d
ie Arbeitsunfähigkeit 0
%
betragen
, unterbrochen durch eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
am
4.
März, am
7.
Mai, vom 1
9.
Mai bis
7.
Juni sowie vom
1.
bis
2.
September 2020
(S. 4
f.
). Se
it dem
3.
September 2020 bestehe
in einer angepassten Tätigkeit e
ine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
. Nach der attestierten Arbeitsunfähigkeit habe seit dem
6.
Dezember 2018 in einer dem Leiden angepassten leichten und mittelschweren, wechsel
belastenden Tätigkeit anteilig mit Stehen, Gehen und Sitzen wieder eine volle Arbeitsfähigkeit vorgelegen. Dazwischen hätten nur kurzzeitige Unterbrechungen
bestanden
(S. 5 oben).
5.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutach
tens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergän
zende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
5.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
5.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E
. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BG
E
142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
6.
6.1
Der Beschwerdeführer
war seit Februar 2000 als angelernter Gärtner tätig (
Urk.
12/5/4
Ziff.
3). Beim Unfall vom 1
7.
Februar 2017 zog er sich
im Wesent
lichen
eine
zweitgradige
offene, dislozierte, mehrfragmentäre Mehretagen-Unterschenkelfraktur links, eine nach dorsal dislozierte, intraartikuläre distale Radiusfraktur links und ein Schädelhirntrauma bez
iehungsweise eine kleine subkortikale
Blutung mit geringem perifokalem Ödem im Gyrus fr
ontalis superior links zu (
E. 4.3
und 4.9
hiervor).
Nach den neurologischen und neuropsycholo
gischen Verlaufsuntersuchungen vom
4.
März und vom
7.
Mai 2020
wurde im Vergleich
mit de
n
vorherigen Untersuchung
en vom Januar und März 2019 (E. 4.8-9)
von neuropsychologischer Seite
noch
ein
e minimale kognitive Störung festgestellt
(E. 4.12).
Dr.
H._
und
Dr.
G._
verneinten, dass sich die Störung auf die Arbeitsfähigkeit als Gärtner
oder eine vergleichbare Tätigkeit
auswirkt (E. 4.12 und 4.13).
Der Beschwerdefüh
rer nahm die angestammte Tätigkeit als Gärtner im September 2018 mit einem Arbeitspensum von 50
%
wieder auf
(vorstehend E. 4.6)
. Versuche, die Arbeitsfähig
keit
in der angestammten Tätigkeit
weiter
zu steigern, scheiterten
jedoch
.
RAD-Arzt
Dr.
I._
attestierte
am
2
6.
Juni 2020
für
die bisherige Tätigkeit als Gärtner seit dem 1
7.
November 2017 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Für eine angepasste Tätigkeit attestierte er
vom 1
7.
November 2017 bis 1
6.
September 2018 ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und v
om 1
7.
S
eptember 2018 bis 1
0.
März 2019
eine solche
von 50
%
.
Nach den
geschei
terten
Arbeitsversuchen
mit einem höheren Arbeitspensum
bestand
gemäss
Dr.
I._
in einer angepassten Tätigkeit
seit dem 1
1.
Juni 2019
wieder eine
Arbeitsunfähigkeit von 50
% (E. 4.14 hiervor).
Am 1
6.
Dezember 2020 nahm
Dr.
I._
erneut Stellung zu den medizinischen Akten.
Er
attestierte für die Tätigkeit als Gärtner vom 1
7.
November 2017 bis
5.
Dezember 2018 eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
und seit dem
6.
Dezember 2018 bis auf Weiteres
eine Arbeitsunfähigkeit
von 50
%
. Für eine angepasste Tätigkeit
attestierte
er
vom 1
7.
November 2017 bis 1
6.
September 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und vom 1
7.
September bis
5.
Dezember 2018
eine solche
von 50
%
. Ab dem
6.
Dezember 2018
bis zum
3.
März 2020
attestierte er
neu eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
, worauf
mehrere kurze Arbeitsunfähigkeiten
von 100
%
ge
folgt
sei
en
.
Ab dem
3.
September 2020
best
ehe
für eine angepasste Tätigkeit
eine
volle Arbeitsfähigkeit
(E. 4.17 hiervor).
6.2
Der Bericht von Kreisarzt
Dr.
E._
vom
7.
Dezember 2020
beruht
auf der erforderlich
en
persönlichen
Untersuchung
des Beschwerdeführers
und erweist
sich für die streitigen Belange als umfassend.
Der Kreisarzt berücksichtigte sodann die geklagten
Beschwerden und
die Einschätzung erfolgte in Auseinan
dersetzung mit den
massgeblichen
Vorakten
.
Dr.
E._
verfügt zwar über keinen orthopädischen Facharzttitel, was seine Feststellungen entgegen dem Beschwerdeführer (Urk. 1 S. 10 Ziff. 45) für sich gesehen jedoch nicht in Frage zu stellen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_316/2019 vom 2
4.
Oktober 2019 E. 5.4). Er
legte nachvollziehbar dar, dass aufgrund der Restbeschwerden in der Tätigkeit als Gärtner nicht
mehr
mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf über 50
%
gerechnet werden kann. In einer leichte
n
bis mittelschweren
näher umschriebenen
Tätigkeit ist dagegen
grundsätzlich
von einer Arbeitsfähigkeit
von 100
%
auszugehen, womit den unbestreitbar vorhandenen
Restbeschwerden Rechnung getragen wird.
RAD-Arzt
Dr.
I._
schloss sich dieser Beurteilung
an.
In der Stellungnahme vom 1
6.
Dezember 2020 präzisierte
Dr.
I._
, dass die Ausübung von leichten Arbeiten in der angestammten Tätigkeit nicht möglich
sei
(E. 4.17). Bei der Arbeit als angelernter Gärtner handelt es sich
somit
nicht um eine angepasste Tätigkeit.
Die Berichte
des Neuropsychologen
Dr.
G._
und
des Neurologen
Dr.
H._
vom
4.
März und
8.
Mai 2020
(E. 4.12-13)
erfüllen ebenfalls die Anforderungen an den Beweiswert medizinischer Berichte, weshalb auch auf sie abgestellt werden kann.
Der Neuropsychologe berichtete am
4.
März 2020
nachvollziehbar
über ein
e
im Vergleich
zur
neuropsychologischen Untersuchung vom Januar 2019 deutliche Verbesserung des kognitiven Leistungsvermögens mit mehrheitlich normentsprechenden Leistungen und beurteilte
– wie nachfolgend auch
Dr.
H._
-
die kognitiven Fähigkeiten zur Ausübung des Berufs als Gärtner als uneingeschränkt.
Mithin kann spätestens ab
4.
März 2020 von einer relevanten Veränderung des Gesundheitszustandes ausgegangen werden.
Demnach erübrigen sich weitere medizinische Abklärungen. Auf das Einholen eines medizinischen Gutachtens ist daher zu verzichten
,
und es ist in Anbetracht der umfassenden Untersuchung durch den Suva-Kreisarzt entgegen dem Beschwerdeführer (vgl. Urk. 1 S. 11 Ziff. 49) auch nicht ersichtlich, wieso die
Beschwerdegegnerin im Anschluss an diese noch aktuelle Berichte der Behandler hätte einholen sollen.
6.3
Was den Verlauf der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
anbelangt, gilt es
Folgendes zu beachten:
Suva-Kreisarzt
Dr.
E._
nahm in seiner, den Anforderungen der Rechtsprechung an einen medizinischen Bericht grundsätzlich genügenden Beurteilung (vgl. E. 5.1) hierzu nicht Stellung.
RAD-Arzt
Dr.
I._
attestierte
hingegen
– in Abweichung von seiner früheren Einschätzung vom 2
6.
Juni 2020 -
am
1
6.
Dezember 2020
für eine behinderungsangepasste Tätigkeit
für die Zeit vom
6.
Dezember 2018 bis zum
3.
März 2020
neu
eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
(E. 4.17
; vgl. E. 6.1
).
Dieser
nicht näher begründeten
veränderten
Einschät
zung
steht entgegen
, dass
die
Neuropsychologin
C._
im Bericht vom 2
3.
Januar 2019 aufgrund einer
damals festgestellten
mittelgradigen neuropsy
chologischen Störung
im gleichen Zeitraum
eine A
rbeitsunfähigkeit von 50-70
%
attestiert hatte (E. 4.8 hiervor).
Die Neurologin
Dr.
D._
bestätigte im Bericht vom 1
3.
März 2019
weitgehend
die von
der Neuropsychologin
C._
erhobe
nen B
efunde
und
beschrieb
, wie auch nachfolgend Suva-Kreisarzt
Dr.
E._
(E. 4.10), eine Verbesserungsmöglichkeit der posttraumatischen Defizite im Rahmen von zwei Jahren
(E. 4.9).
Dr.
I._
setzte sich
nun aber
in seiner B
eurteilung
vom 1
6.
Dezember 2020
nicht
mit de
n genannten Berichten und de
r aus neuropsychologischer Sicht attestierten Arbeitsunfähigkeit auseinander. Zudem
widersprach
er
seiner
eigenen
früheren Beurteilung vom 2
6.
Juni 2020, wonach in einer angepassten Tätigkeit vom 1
7.
September 2018 bis 1
0.
März 2019 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
und nicht
(ab
6.
Dezember 2018)
von 0
%
bestand
en habe
und begründete dies nicht näher
(E. 4.14).
Damit ist dieser ohne nähere Begründung von seiner früheren Einschätzung abweichenden Beurteilung und im Widerspruch zu anderen Fach
personen
stehenden Einschätzung nicht zu folgen.
Gestützt auf
die
durch die Neuropsychologin
C._
und
durch
Dr.
D._
im Januar und März 2019
erhobenen Befunde
sowie in Anbetracht der durch den Neuropsychologen
Dr.
G._
am
4.
März 2020 beschriebenen massgeblichen gesundheitlichen Verbesserung
ist für
eine
behinderungsangepasste Tätigkeit
-
grundsätzlich
übereinstimmend mit der
(früheren)
Stellungnahme von
Dr.
I._
vom 2
6.
Juni 2020
-
vom
1
7.
November 2017 bis
zum
1
6.
September 2018 von einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und vom 1
7.
September 2018 bis
3.
März 2020 von 50
%
auszugehen.
Die versuchsweise Steigerung der Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit
auf ein Pensum von 75
%
und 100
%
in der Zeit vom 1
1.
März bis 1
0.
Juni 2019 war letztlich nicht erfolgreich.
Da
es insofern an einer
länger dauernde
n
Verbesserung
fehlt
,
ist die
zwischenzeitlich höhere Arbeitsfähigkeit
des
Beschwerdeführers
bei der
Prüfung eines Rentenanspruchs
nicht
zu berücksichti
gen.
Mit dieser Präzisierung kann auf die Stellungnahme
von RAD-Arzt
Dr.
I._
vom 2
6.
Juni 2020 abgestellt werden.
6.
4
Der Beschwerdeführer wandte sich gegen die Einschätzung, dass
ihm
in einer leichten, geistig wenig anspruchsvollen Tätigkeit
eine volle Arbeitsfähigkeit möglich sein sollte (
Urk.
1 S. 7
Ziff.
26).
Es liegen indes keine ärztlichen Berichte in den Akten, die
die
subjektive
Einschätzung
des Beschwerdeführers
unter
mauern würden.
Wie erwähnt ist
ihm
in der Tätigkeit als angelernter Gärtner nur noch eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
möglich
. Die attestierte eingeschränkte Arbeitsfähigkeit von 50
%
ist auf die andauernden
seit dem Unfall vom November 2017 bestehenden Restbeschwerden zurückzuführen
.
Gemäss
Dr.
E._
kann dem Beschwerdeführer in einer optimal angepassten leichten bis mittelschweren Tätigkeit gemäss Belastungsprofil
jedoch
eine höhere Arbeitsfähigkeit von 100
%
zugemutet werden.
Der
medizinischen Beurteilung
durch
Dr.
E._
und
Dr.
I._
kann gefolgt werden
.
Für eine behinderungsangepasste Tätigkeit ist daher
ab dem
4.
März 2020 von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
auszugehen.
Die kurzzeitigen Arbeitsunfähigkeiten
am
4.
März,
am
7.
Mai, vom 1
9.
Mai bis
7.
Juni und am
1.
und
2.
September
2020 vermögen keinen Rentenanspruch zu begründen. Dem Beschwerdeführer ist es sodann
zuzumuten, die Tätigkeit als Gärtner zugunsten einer optimal angepassten Tätigkeit aufzugeben.
7.
7
.
1
Der Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art.
29
Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 1
8.
Alters
jahres folgt (
Abs.
1). Nachdem die IV-Anmeldung vom
7.
Juni 2018 am
3.
Juli 2018 bei der Beschwerdegegnerin eingegangen ist
(
Urk.
12/3)
, entstünde ein allfälliger Rentenanspruch frühestens per
1.
J
anuar 2019, weshalb die erwerb
lichen Auswirkungen der festgestellten Einschränkung auf diesen Zeitpunkt hin zu überprüfen sind.
7.2
Nach den Angaben der
Y._
AG im Arbeitgeberbericht vom 2
9.
Oktober 2018 hätte der Beschwerdeführer im Jahr 2018 mit einem Pensum von 100
%
ein Einkommen von
Fr.
74'100.-- verdient (
Urk.
12/18
/5
Ziff.
5.1). Bei einer Nominallohnentwicklung von 0.9
%
im Jahr 2019
(Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohnindex, Entwicklung der Nominallöhne, der
Konsumentenpreise und der Reallöhne, 2010-2020, T 39)
ergibt sich ein Jahres
einkommen von
Fr.
74'767.-- (
Fr.
74'10
0.
x 1.009), das als
Valideneinkommen
zu veranschlagen ist.
7.3
Für die Bestimmung des zumutbaren Invalideneinkommens sind Tabellenlöhne heranzuziehen. Gemäss
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (
LSE
)
2018
TA1_tirage_skill_level hätte der Beschwerdeführer 2018
ausgehend von einer
zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 100
%
in einer einfachen Tätigkeit körperlicher oder handwerklicher Art (Kompetenzniveau eins) monatlich
Fr.
5'417.-- verdienen können.
Zunächst ist zu prüfen, ob
ab
Januar 2019
bei einer
Arbeits
unfähigkeit von 50
%
beziehungsweise einer
Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer behinderungsangepassten Tätigkeit ein R
entenanspruch besteht
. Die Suva gewährte im parallelen unfallversicherungsrechtlichen Verfahren zusätzlich einen Abzug vom Tabellenlohn von 5
%
(vgl. Einspracheentscheid der Suva vom 2
6.
April 2021, S. 5 E. 2 c
cb
, Verfahren UV.2021.00118).
Der verwendete Tabellenlohn umfasst bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten (Urteil des Bundesgerichts 8C_381/2017 vom
7.
August 2017 E. 4.2.2). Für einen Abzug vom Tabellenlohn von mehr als 5
%
besteht mit der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
12/45) in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts kein Raum und ein solcher wird auch gar nicht beantragt (vgl. Urk. 1 S. 5 Ziff. 17).
Bei
einem Abzug
vom
Tabellenlohn von 5
%
, einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden und angepasst an die Nominallohnentwicklung
ergibt sich ein
Einkommen von
Fr.
32'478.87
(
Fr.
5'417.-- x 12 x
0.5 : 40 x 41.7 x 0.95 x 1.009), so dass von einem
zumutbaren
Invalideneinkommen von
Fr.
32'479.--
auszugehen
ist
. Vergleicht man das
Valideneinkommen
von
Fr.
74'767.-- mit dem Invalideneinkommen von
Fr.
32'479.-- resultiert eine Erwerbseinbusse von
Fr.
42'288.--, was einem Inva
liditätsgrad von rund 57
%
entspricht. Ab dem
1.
Januar 2019 bestand daher ein Anspruch auf eine halbe Rente.
Der Neuropsychologe
Dr.
G._
stellte
im Bericht vom
4.
März 2020
eine gesundheitliche Verbesserung
fest
(vorstehend E. 4.12)
. Nach
der Regelung in
Art.
88a
Abs.
1 IVV ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jede
m
Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat. Der Rentenanspruch besteht
somit
vom
1.
Januar 2019 bis 3
0.
Juni 202
0.
Ab dem
1.
Juli 2020 hat eine
Überprüfung des Rentenanspruches
zu erfolgen. Ab diesem Zeitpunkt ergibt sich
bei
einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit, einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden, einem
Abzug vom Tabellenlohn von 5
%
und angepasst an die Nominallohnent
wicklung
ein Einkommen von
Fr.
64'957.74
(
Fr.
5'417.-- x
12 :
40 x 41.7 x 0.95 x 1.009)
. Als
Invalideneinkommen
sind daher
Fr.
64'958.-- zu berücksichtigen.
Vergleicht man das
Valideneinkommen
von
Fr.
74'767.-- mit dem Invalidenein
kommen von
Fr.
64’958
.--, resultiert
ab dem
1.
Juli 2020
eine Erwerbseinbusse von
Fr.
9’809
.--, was einem
deutlich
rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad von
rund
13
%
entspricht.
7
.
4
Nach Gesagtem
bestand vom
1.
Januar 2019 bis 3
0.
Juni 2020 Anspruch auf eine halbe Rente. Ab dem
1.
Juli 2020 ist ein Rentenanspruch zu verneinen.
D
ie Beschwerde ist daher teilweise gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist.
8.
8
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
700.-- festzusetzen.
Sie sind
d
en Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen
. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sind
die dem Beschwerdeführer aufzuerlegenden Kosten
jedoch
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
8
.2
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
8
.3
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte am
3.
Februar 2022 (
Urk.
16/1) die Honorarnote (
Urk.
16/2) ein.
Der
geltend gemachte
Aufwand
von sieben Stunden für das
V
erfassen der Beschwerdeschrift und von über sechs Stunden im Zusammenhang mit der
Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit
sowie die weiteren Aufwendungen
erweisen sich der Bedeutung und der Schwierigkeit des Prozesses
als nicht angemessen.
Angesichts der zu studierenden
vorinstanzlichen Akten
, der zwölfseitigen Beschwerdeschrift, der Aufwendungen im Zusammen
hang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung (
Urk.
7-8) sowie der in
ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträge ist die Entschädigung von Rechtsan
walt L. Georg
Séchy
, Zollikon, bei Anwendung des gerichtsüblichen Stunden
ansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2’
4
00
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem unentgelt
lichen Rechtsanwalt L. Georg
Séchy
eine reduzierte Prozessentschädigung von
Fr.
1'200.
--
zu bezahlen.
Im weitergehenden Umfang wird dieser aus der Gerichtskasse entschädigt. Hierbei ist der
Beschwerdeführer auf
§
16
Abs.
4 GSVGer hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Auslagen verpflichtet werden kann, sofern er dazu in der Lage ist.