Decision ID: b46766be-1eeb-5ce3-8123-c739ac543e9e
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die A._ AG reichte am 7. Januar 2019 beim Kommando Ausbil-
dung, Personelles der Armee, ein Gesuch um Dienstbefreiung ihrer Mitar-
beiter im Sinne von Art. 18 des Militärgesetzes vom 3. Februar 1995 (MG,
SR 510.10) ein. Dieses teilte ihr mit Schreiben vom 22. März 2019 mit,
dass eine Arbeitgeberregistratur zwecks Vornahme von Dienstbefreiungen
für unentbehrliche Tätigkeiten nach Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG aus rechtli-
chen Gründen ausser Betracht falle (kein konzessioniertes Transportunter-
nehmen). Daraufhin ersuchte die A._ AG um Erlass einer be-
schwerdefähigen Verfügung.
B.
Am 7. Mai 2019 verfügte das Kommando Ausbildung die Abweisung des
Gesuchs der A._ AG um Arbeitgeberregistratur zwecks Vornahme
von Dienstbefreiungen für unentbehrliche Tätigkeiten nach Art. 18 Abs. 1
Bst. h MG.
In seiner Begründung führt das Kommando Ausbildung aus, Art. 18
Abs. 1 MG sei gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
abschliessend zu verstehen und die darin enthaltene Liste zähle die we-
sentlichsten Funktionen auf, die für die Gesamtverteidigung als unentbehr-
lich gelten könnten. Diese Liste müsse knapp gehalten werden, da die
Dienstbefreiung einen gewissen Einbruch in die allgemeine Militärdienst-
pflicht bedeute und sie sei daher restriktiv zu handhaben. Zudem würden
die aktuellen Rechtsgrundlagen für eine Dienstbefreiung nach Art. 18
Abs. 1 Bst. h MG kumulativ eine Personenbeförderungskonzession und
eine Infrastrukturkonzession voraussetzen. Zwar treffe es zu, dass die
A._ AG regelmässig Güterverkehr für die Grundversorgung der Be-
völkerung und der Wirtschaft mit wichtigen Schlüsselgütern durchführe und
es sei unbestritten, dass sie über eine Infrastrukturkonzession und Sicher-
heitsgenehmigung sowie über eine Netzzugangsbewilligung und Sicher-
heitsbescheinigung verfüge. Dies ändere jedoch nichts am Umstand, dass
sie keine Personenbeförderungskonzession besitze und ohne diese keine
Arbeitgeberregistratur zwecks Vornahme von Dienstbefreiungen für unent-
behrliche Tätigkeiten erfolgen könne.
C.
Gegen diese Verfügung erhebt die A._ AG (nachfolgend: Be-
schwerdeführerin) am 11. Juni 2019 Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht. Sie beantragt die Aufhebung der Verfügung des Kommandos
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Ausbildung (nachfolgend: Vorinstanz) sowie die Bewilligung ihres Gesuchs
vom 7. Januar 2019 um Arbeitgeberregistratur zwecks Vornahme von
Dienstbefreiungen für unentbehrliche Tätigkeiten nach Art. 18 MG. Even-
tualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Zur Begründung bringt sie vor, weder aus dem Militärgesetz noch aus
der dazugehörigen Verordnung über die Militärdienstpflicht vom 22. No-
vember 2017 (VMDP, SR 512.21) gehe hervor, dass unter einem konzes-
sionierten Transportunternehmen lediglich Unternehmen zu verstehen
seien, die sowohl über eine Infrastrukturkonzession wie auch über eine
Personenbeförderungskonzession verfügten. Es sei offensichtlich und
dürfte unbestritten sein, dass sie lebensnotwendige Dienste oder für die
Bewältigung von Katastrophen unentbehrliche Dienstleistungen erbringe.
Diese Wichtigkeit ihrer Dienstleistungen werde auch von der Vorinstanz
anerkannt. Diese halte in ihrer Verfügung sogar fest, dass sie regelmässi-
gen Güterverkehr für die Grundversorgung der Bevölkerung und Wirtschaft
durchführe, indem sie den Flughafen X._ mit Kerosin beliefere sowie
verschiedene Tanklager mit Benzin- und Dieselzügen versorge.
D.
Mit Vernehmlassung vom 24. Juli 2019 beantragt die Vorinstanz die Abwei-
sung der Beschwerde und hält an ihrer Verfügung vom 7. Mai 2019 vollum-
fänglich fest. Bei einer Bundeskonzession nach Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG
handle es sich gemäss Bestätigung des Bundesamtes für Verkehr (BAV)
um eine Personenbeförderungskonzession nach Art. 6 des Personenbe-
förderungsgesetzes vom 20. März 2009 (PBG, SR 745.1) oder um eine
Infrastrukturkonzession mit Sicherheitsgenehmigung nach Art. 5 des Ei-
senbahngesetzes vom 20. Dezember 1957 (EBG, SR 742.101). Die Be-
schwerdeführerin verfüge jedoch über keine Bundeskonzession in diesem
Sinne, sondern lediglich über eine Netzzugangsbewilligung und Sicher-
heitsbescheinigung nach Art. 8c EBG. Im Übrigen habe die Beschwerde-
führerin den Nachweis für die Vorbereitungsmassnahmen für besondere
und ausserordentliche Lagen, die sie nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung
über den Einsatz und die Aufgaben konzessionierter Transportunterneh-
men in besonderen und ausserordentlichen Lagen vom 4. November 2009
(SR 531.40) – die gemäss Art. 2 Bst. b auch für Unternehmen mit einer
Bewilligung nach Art. 8c EBG gelte – treffen müsste, nicht erbracht.
E.
Die Beschwerdeführerin hält in ihren Schlussbemerkungen vom 26. Au-
gust 2019 an ihren Anträgen gemäss Beschwerde vom 11. Juni 2019 fest.
Sie stellt die Voraussetzungen, die die Vorinstanz für eine Dienstbefreiung
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nach Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG darlegt, in Frage, sei doch aus dem E-Mail
des Leiters der Geschäftsstelle der Koordination des Verkehrswesens im
Hinblick auf Ereignisfälle (KVOE) des BAV vom 17. Juli 2019 an die Vor-
instanz – das diese nachträglich eingereicht habe – ersichtlich, dass auch
solche Unternehmen von der Dienstpflicht befreit werden könnten, die über
eine Netzzugangsbewilligung und Sicherheitsbescheinigung nach Art. 8c
EBG verfügen würden. Insbesondere werde sie in dieser E-Mail selbst un-
ter dieselbe Kategorie wie die B._ und die C._ subsumiert, de-
ren Mitarbeiter von der Dienstpflicht befreit seien und ebenfalls über keine
Personenbeförderungskonzession oder eine Infrastrukturkonzession ver-
fügen würden. Eine Ungleichbehandlung sei vorliegend somit nicht ge-
rechtfertigt. Zudem solle die Dienstbefreiung plötzlich zusätzlich aufgrund
des mangelnden Nachweises für die Vorbereitungsmassnahmen für be-
sondere und ausserordentliche Lagen nicht erfolgen können. Dies sei eine
neue Voraussetzung, die die Vorinstanz erstmalig verlange und bis anhin
kein Thema gewesen sei, geschweige denn seien diesbezüglich Unterla-
gen von ihr verlangt worden.
F.
Die Vorinstanz wiederholt in ihrer Stellungnahme vom 24. Oktober 2019
ihre Argumente, die sie bereits in ihrer Verfügung und Vernehmlassung vor-
gebracht hat. Sie weist des Weiteren darauf hin, dass andere Güterver-
kehrsunternehmen wie die B._ und die C._ in Zukunft nicht
mehr dienstbefreit würden, sondern jeweils erst nach Vorliegen der konkre-
ten Situation nach Art. 145 MG eine Dispensation bzw. Beurlaubung ge-
währt werde.
G.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten be-
findlichen Dokumente wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Nach Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
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gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwal-
tungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern
keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist.
Da keine solche Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt, mit dem Kommando
Ausbildung eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG verfügt hat
und die erlassene Verfügung ein zulässiges Anfechtungsobjekt darstellt, ist
das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig.
1.2 Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesver-
waltungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes be-
stimmt.
1.3 Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der
Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teil-
nahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung
hat. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren An-
trägen nicht durchgedrungen, durch die angefochtene Verfügung auch ma-
teriell beschwert und deshalb zur Beschwerde befugt.
1.4 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 und 52
VwVG) ist demnach einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid
auf Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der
Ausübung des Ermessens – sowie auf Angemessenheit hin (vgl. Art. 49
VwVG). Es stellt – wie die Vorinstanz – den Sachverhalt unter Vorbehalt
der Mitwirkungspflicht der Parteien von Amtes wegen fest (Art. 12 und
Art. 13 VwVG).
3.
Vorliegend ist strittig, ob die Beschwerdeführerin in die Arbeitgeberregist-
ratur der Vorinstanz zwecks Vornahme von Dienstbefreiungen nach Art. 18
MG eingetragen werden kann bzw. ob dienstpflichtige Angestellte der Be-
schwerdeführerin von der Militärdienstpflicht nach Art. 2 ff. MG i.V.m.
Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG und Art. 30 Abs. 1 Bst. b VMDP befreit werden
können. Um dies beantworten zu können, werden zunächst die Rechts-
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grundlagen dargelegt (E. 4). Anschliessend wird durch Auslegung zu klä-
ren sein, wie Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG, insbesondere der Begriff "der vom
Bund konzessionierten Transportunternehmen" zu verstehen ist und wel-
che Folgerungen sich daraus ergeben (E. 5).
4.
4.1 Das Militärgesetz stützt sich auf Art. 58 Abs. 2 und Art. 60 Abs. 1 der
Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV, SR 101). Art. 58 Abs. 2 BV hält
fest, dass die Armee der Kriegsverhinderung dient und zur Erhaltung des
Friedens beiträgt; sie verteidigt das Land und seine Bevölkerung und un-
terstützt die zivilen Behörden bei der Abwehr schwerwiegender Bedrohun-
gen der inneren Sicherheit und bei der Bewältigung anderer ausseror-
dentlicher Lagen. Gemäss Art. 60 Abs. 1 BV kommt dem Bund die aus-
schliessliche Gesetzgebungskompetenz für den gesamten Bereich des Mi-
litärwesens zu (vgl. Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom
20. November 1996, BBl 1997 I 1, S. 242). Er hat diese insbesondere mit
dem Erlass des Militärgesetzes wahrgenommen, das die Wehrverfassung
konkretisiert. Neben dieser generellen Rechtsetzungskompetenz zählt
Art. 60 Abs. 1 BV im Speziellen die Organisation, Ausbildung und Ausrüs-
tung als Zuständigkeiten des Bundes auf. Auch diese Bereiche sind im Mi-
litärgesetz geregelt (HANSJÖRG MEYER, in: Ehrenzeller/Schindler/Schwei-
zer/Vallender, Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommen-
tar, 3. Aufl. 2014, Art. 60 Rz. 3 f.).
4.2 Das Militärgesetz umschreibt neben dem sicherheitspolitischen Auftrag
der Armee im ersten Titel (Art. 1) auch die Militärdienstpflicht im zweiten
Titel (Art. 2 – 27), die Rechte und Pflichten der Angehörigen der Armee
(dritter Titel) sowie die Ausbildung, den Einsatz der Armee, deren Organi-
sation sowie das Armeematerial und die Armeeleitung in den Titeln 4 – 8.
Gemäss dem Grundsatz in Art. 2 Abs. 1 MG ist jeder Schweizer militär-
dienstpflichtig. In Art. 12 MG werden die verschiedenen Dienste aufgeführt,
die Militärdienstpflichtige leisten müssen, z.B. Ausbildungsdienste, Frie-
densförderungsdienste oder Assistenzdienste. Neben dem Grundsatz der
allgemeinen Militärdienstpflicht werden in Art. 17 und 18 MG Ausnahmen
davon, nämlich die Dienstbefreiung für Parlamentarier und Parlamentarie-
rinnen (Art. 17) und für unentbehrliche Tätigkeiten (Art. 18), statuiert.
Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG lautet in der Fassung vom 1. Januar 2018 wie
folgt:
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1 "Für die Dauer ihres Amtes oder ihrer Anstellung werden von der Militär-
dienstpflicht befreit:
(...).
h. Angestellte der Postdienste, der vom Bund konzessionierten
Transportunternehmen sowie der Verwaltung, die in ausseror-
dentlichen Lagen für den Sicherheitsverbund Schweiz unentbehr-
lich sind;
(...)."
4.3 Gestützt auf das Militärgesetz führt die Verordnung über die Militär-
dienstpflicht in Art. 30 Abs. 1 zu Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG näher aus, dass
Angestellte aller vom Bund konzessionierten Transportunternehmen sowie
Angestellte von Eisenbahnunternehmen, die auf der Grundlage einer
schweizerischen Netzzugangsbewilligung nach Art. 8c Abs. 1 des Eisen-
bahngesetzes vom 20. Dezember 1957 regelmässig Güterverkehr durch-
führen und für die Erfüllung der Leistungsaufträge der konzessionierten
Transportunternehmen unentbehrlich sind, für den Sicherheitsverbund
Schweiz in ausserordentlichen Lagen unentbehrlich sind (Bst. b).
4.4 Aus dem soeben Dargelegten folgt und ist unter den Parteien unbestrit-
ten, dass sowohl das Militärgesetz als auch die Verordnung über die Mili-
tärdienstpflicht auf die dienstpflichtigen Angestellten der Beschwerdeführe-
rin grundsätzlich anwendbar ist, sei es, dass sie während ihrer Anstellung
bei der Beschwerdeführerin Militärdienst leisten müssen oder aber als Aus-
nahme von dieser befreit werden. Ob Letzteres der Fall ist, ist nachfolgend
mittels Auslegung von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG zu klären.
5.
5.1 Ausgangspunkt jeder Auslegung ist der Wortlaut (grammatikalische
Auslegung). Die grammatikalische Auslegung stellt auf Wortlaut, Wortsinn
und Sprachgebrauch ab, wobei die Formulierungen in den Amtssprachen
Deutsch, Französisch und Italienisch gleichwertig sind (vgl. Art. 14 Abs. 1
Satz 2 des Bundesgesetzes über die Sammlungen des Bundesrechts und
das Bundesblatt [Publikationsgesetz, PublG, SR 170.512]). Vom klaren,
eindeutigen und unmissverständlichen Wortlaut darf nur ausnahmsweise
abgewichen werden, so etwa dann, wenn triftige Gründe dafür vorliegen,
dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Norm wiedergibt. Solche
Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus
ihrem Sinn und Zweck oder aus dem Zusammenhang mit anderen Vor-
schriften ergeben.
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Ist der Text nicht klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, muss
nach seiner wahren Tragweite gesucht werden (ratio legis) unter Berück-
sichtigung aller Auslegungselemente (sog. Methodenpluralismus). Dabei
ist namentlich auf die Entstehungsgeschichte (historisches Element), den
Zweck der Norm (teleologisches Element), die ihr zugrundeliegenden Wer-
tungen und ihre Bedeutung im Kontext mit anderen Bestimmungen (syste-
matisches Element) abzustellen. Bleiben bei nicht klarem Wortlaut letztlich
mehrere Auslegungen möglich, so ist jene zu wählen, die der Verfassung
am besten entspricht (vgl. zum Ganzen BGE 145 II 182 E. 5.1 und 142 I
135 E. 1.1.1 m.w.H.). Die Gesetzesmaterialien sind nicht unmittelbar ent-
scheidend, dienen aber als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu erkennen.
Bei der Auslegung neuerer Bestimmungen kommt den Materialien eine be-
sondere Bedeutung zu, weil veränderte Umstände oder ein gewandeltes
Rechtsverständnis eine andere Lösung weniger rasch nahelegen (vgl.
BGE 141 II 262 E. 4.2 m.w.H).
5.2
5.2.1 Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG spricht von Angestellten der vom Bund kon-
zessionierten Transportunternehmen, die in ausserordentlichen Lagen für
den Sicherheitsverbund Schweiz unentbehrlich sind. Der Begriff "der vom
Bund konzessionierten Transportunternehmen" ist zu hinterfragen, zumal
das Militärgesetz aus dem Jahr 1995 stammt und im Jahr 1999 mit der
Bahnreform 1 das Eisenbahn- und Güterverkehrsrecht verschiedene, zum
Teil grundlegende Veränderungen erfahren hat, insbesondere was das We-
sen der Konzession betrifft (vgl. STÜCKELBERGER/HALDIMANN, in: Müller
[Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Verkehrsrecht, Band
IV, 2008, S. 301, Rz. 112 und UHLMANN/HINDERLING, in: Müller [Hrsg.],
a.a.O, S. 92, Rz. 39).
Aus der italienischen Fassung ("[...], delle imprese di trasporto titolari di
una concessione federale [...]") und dem französischen Text ("[...], des ent-
reprises de transport titulaires d’une concession fédérale [...]") ergeben
sich keine Hinweise für die Klärung des Begriffs. Damit ist der Wortlaut der
Bestimmung nicht klar und es sind die weiteren Auslegungsmethoden her-
anzuziehen, um mit Hilfe des Methodenpluralismus' die wahre Tragweite
dieser Bestimmung zu ermitteln.
5.2.2 Die historische Auslegung stellt auf den Sinn und Zweck ab, den man
einer Norm zur Zeit ihrer Entstehung gab. Eine Norm soll so gelten, wie sie
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Seite 9
vom Gesetzgeber vorgesehen worden war. Insbesondere bei jungen Er-
lassen muss dem Willen des Gesetzgebers ein grosses Gewicht beige-
messen werden (vgl. BGE 136 V 216 E. 5.1, BGE 135 II 78 E. 2.2; HÄFE-
LIN/HALLER/KELLER/THURNHERR, Schweizerisches Bundesstaatsrecht,
9. Aufl. 2016, Rz. 101). Im Rahmen der historischen Auslegung sind vor-
liegend neben dem MG auch die VMDP, das PBG, das EBG und die Ver-
ordnung über den Einsatz und die Aufgaben konzessionierter Transportun-
ternehmen in besonderen und ausserordentlichen Lagen vom 4. Novem-
ber 2009 (AS 2009 5937, nachfolgend: VEAKT), die Bahnreform 1 sowie
die dazugehörigen Materialien hinzuzuziehen.
Bei der systematischen Auslegung ist die Tragweite einer Norm unter Be-
rücksichtigung des umgebenden Normengefüges und der institutionellen
Rahmenbedingungen zu erforschen (BGE 138 I 305 E. 1.4.4).
5.2.2.1 Um die Bedeutung des Begriffs "der vom Bund konzessionierten
Transportunternehmen" im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG zu erfassen,
ist es unumgänglich, zunächst die zeitliche Entwicklung der massgeben-
den Rechtsgrundlagen näher zu erläutern:
Aus der Botschaft des Bundesrates betreffend das Militärgesetz von 1995
(BBl 1993 IV 1) geht zu Art. 18 hervor, dass als vom Bund konzessionierte
Transportunternehmen beispielsweise die privaten Bahnen, private kon-
zessionierte Carunternehmen und städtische Verkehrsbetriebe gelten. Es
sollten jedoch nicht alle Angestellten dieser Transportunternehmen einen
"Freipass" für eine Dienstbefreiung erhalten. Der Bundesrat wurde beauf-
tragt in einer Verordnung die für die Gesamtverteidigung unentbehrlichen
Tätigkeiten und Stellen zu definieren (BBl 1993 IV 1, 42; vgl. auch Art. 18
Abs. 4 MG). Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG wurde seit Inkrafttreten am 1. Januar
1996 nur marginal geändert. Der Teilsatz "der staatlichen und vom Bund
konzessionierten Transportunternehmen" wurde per 1. Januar 2011 nach
der Bahnreform 2 zu "der vom Bund konzessionierten Transportunterneh-
men" verkürzt. Der Grund hierfür lag darin, dass die Schweizerischen Bun-
desbahnen (SBB) nun ebenfalls eine Konzession nach den Art. 6 – 8 PBG
und Art. 5 EBG benötigten und eine Unterscheidung zwischen den SBB
und anderen konzessionierten Transportunternehmen (KTU) daher nicht
mehr notwendig war (vgl. Zusatzbotschaft zur Bahnreform 2 vom 9. März
2007 [BBl 2007 2681 S. 2732]). Das stand im Gegensatz zum vorherigen
Recht, als die SBB von Gesetzes wegen über das Recht zur Personenbe-
förderung verfügt hatten (vgl. Botschaft zur Bahnreform vom 13. November
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1996 [BBl 1997 I 937, S. 957], nachfolgend: Bahnreform 1; Botschaft zur
Bahnreform 2 vom 23. Februar 2005, [BBl 2005 2415, S. 2530]).
Am 1. Januar 1999 wurde die Bahnreform 1 in Kraft gesetzt (vgl. AS 1998
2835, 2845, 2847, 2856, 2859), mit welcher die Effizienz im öffentlichen
Verkehr bzw. Schienenverkehr gesteigert und das Kosten-Nutzen-Verhält-
nis für die öffentliche Hand verbessert werden sollte (vgl. Botschaft Bahn-
reform 1, S. 913, BGE 138 I 274 E. 1.3). Mit Inkrafttreten der Bahnreform 1
wurde der Güterverkehr weitestgehend liberalisiert (KERN/KÖNIG, in: Biag-
gini/Häner/Saxer/Schott [Hrsg.], Fachhandbuch Verwaltungsrecht, 2015,
Rz. 9.63 und 9.71). Anders als bei einer regelmässigen Personenbeförde-
rung entfiel im Zuge dieser Liberalisierung die Konzessionspflicht für die
Gütertransporte auf der Schiene (vgl. Botschaft Bahnreform 1, S. 925; UHL-
MANN/HINDERLING, a.a.O., S. 92, Rz. 39; STÜCKELBERGER/HALDIMANN,
a.a.O., S. 291, Rz. 82 und 112). Stattdessen ist für die Durchführung von
gewerbsmässigen Gütertransporten eine Bewilligung erforderlich. Für
Schienentransporte ist eine sog. Netzzugangsbewilligung mit Sicherheits-
bescheinigung notwendig (vgl. Art. 8c ff. EBG i.V.m. der Eisenbahn-Netz-
zugangsverordnung vom 25. November 1998 [NZV, SR 742.122]; STÜ-
CKELBERGER/HALDIMANN, a.a.O., S. 292, Rz. 86). Die Einführung der
neuen Kategorie des Netzzugangs ermöglicht einen diskriminierungsfreien
Zugang für den Güterverkehr und die Öffnung des Marktes im Schienen-
verkehr allgemein (vgl. Botschaft Bahnreform 1, S. 923; Art. 9a EBG). Mit
dem Netzzugang ist ein Transportunternehmen berechtigt, die Bahninfra-
struktur eines anderen Bahnunternehmens gegen Bezahlung eines Entgel-
tes zu benützen. Mit dem Erwerb einer Trasse für ein bestimmtes Zeitfens-
ter (sog. slot) erhält das Transportunternehmen das Recht, zu einer defi-
nierten Zeit eine bestimmte Strecke gegen Entgelt (sog. Trassenpreis) zu
befahren (Art. 9a Abs. 4 EBG und Art. 9c Abs. 1 EBG; KERN/KÖNIG, a.a.O.,
Rz. 9.88 f.).
Mit der Bahnreform 1 wurde somit die Einheitskonzession abgeschafft und
die drei Kategorien Personenbeförderungskonzession, Infrastrukturkon-
zession (Art. 5 EBG) und Netzzugangsbewilligung (Art. 8c EBG) geschaf-
fen (vgl. Botschaft Bahnreform 1, S. 923).
5.2.2.2 In der Verordnung vom 31. August 1994 über die Ausbildungs-
dienste (VAD, AS 1994 2907), die vom 1. Januar 1995 bis 31. Dezember
1999 galt, sind zu Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG keine Einzelheiten zu entneh-
men. Hingegen fanden sich solche in der Verordnung vom 19. November
2003 über die Militärdienstpflicht (MDV, AS 2003 4609). Der 7. Titel regelte
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die Befreiung von der Militärdienstpflicht (Art. 70 – 82) und nach den allge-
meinen Bestimmungen über das Gesuch, die Änderung der Tätigkeit und
die Zuständigkeit (Art. 70 – 72) wurden in Art. 79 Abs. 1 Definitionen der
verschiedenen Dienste von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG aufgeführt. Unter die
Kategorie der als vom Bund konzessionierten Transportunternehmen fielen
demnach alle konzessionierten Transportunternehmen bestehend aus Ei-
senbahn-, Seilbahn-, Trolleybus-, Autobus- und Schifffahrtsunternehmen
(Bst. c). Zudem galten als Angestellte, die in ausserordentlichen Lagen für
die nationale Sicherheitskooperation unentbehrlich sind: Personen, welche
Aufgaben erfüllen, die auch in ausserordentlichen Lagen für die Besorgung
des Postdienstes, der Grundversorgung der Telekommunikation und für die
Erfüllung der Leistungsaufträge der konzessionierten Transportunterneh-
men erbracht werden müssen (Bst. d).
Mit der Änderung der MDV vom 21. November 2007 (AS 2007 6751, 6757)
per 1. Januar 2008 wurden in Art. 79 Abs. 1 Bst. c MDV neben den kon-
zessionierten Eisenbahn-, Seilbahn-, Trolleybus-, Autobus- und Schiff-
fahrtsunternehmen neu die "Eisenbahnunternehmen, die auf der Grund-
lage einer schweizerischen Netzzugangsbewilligung nach Artikel 9a Ab-
satz 1 des Eisenbahngesetzes vom 20. Dezember 1957 regelmässig Gü-
terverkehr durchführen" aufgeführt. Es sind keine Materialien ersichtlich,
die erklären würden, weshalb diese Änderung vom Bundesrat vorgenom-
men wurde. Es ist jedoch naheliegend und davon auszugehen, dass die
Ergänzung klarstellen sollte, dass die Bahnreform 1 diesbezüglich keine
Änderung nach sich zog. Zu erwähnen ist sodann, dass diese Formulie-
rung auch in Art. 30 Abs. 1 Bst. b VMDP von 2007 wörtlich übernommen
wurde, um die Unternehmen zu definieren, die für den Sicherheitsverbund
Schweiz in ausserordentlichen Lagen unentbehrlich sind.
5.2.2.3 Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG setzt des Weiteren voraus, dass konzes-
sionierte Transportunternehmen in "ausserordentlichen Lagen" unentbehr-
lich sind. Zum Verständnis der Bestimmung sind deshalb insbesondere
auch die Verordnung über den Einsatz und die Aufgaben konzessionierter
Transportunternehmen in besonderen und ausserordentlichen Lagen (VE-
AKT) von 2009 sowie deren Totalrevision und Umbenennung in "Verord-
nung über vorrangige Transporte in Ausnahmesituationen" vom 28. August
2019 (VVTA, SR 531.40) von Bedeutung und heranzuziehen (systemati-
sche Auslegung).
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In ihrem Titel sprach die VEAKT über "den Einsatz und die Aufgaben kon-
zessionierter Transportunternehmen". In Art. 2 wurde der Geltungsbereich
aufgeführt. Die VEAKT galt demnach für Unternehmen, die Inhaberinnen
a. "einer Konzession für die regelmässige und gewerbsmässige Beförderung
von Personen oder Gütern mit Eisenbahnen, Trolleybussen, Seilbahnen,
Schiffen oder Motorfahrzeugen; oder
b. einer Bewilligung nach Artikel 8c des Eisenbahngesetzes vom 20. Dezem-
ber 1957."
waren. In Bst. a war die Konzeption des Geltungsbereichs somit nicht –
mehr – kohärent, da seit der Bahnreform 1 (1999) und der damit einherge-
henden Liberalisierung des Güterverkehrs nicht mehr vorgesehen war,
dass Güterverkehrsunternehmen eine Konzession benötigen, sondern mit-
tels Netzzugangsbewilligung die Infrastruktur benützen dürfen. Wesentlich
ist sodann, dass in Bst. b die Netzzugangsbewilligung nach Art. 8c EBG
ausdrücklich aufgeführt war, obwohl der Titel der Verordnung dies nicht
vermuten lassen würde.
Die aktuell gültige Verordnung, die VVTA vom 28. August 2018, lässt denn
auch den Begriff der "konzessionierten Transportunternehmen" im Titel
weg und sorgt betreffend Geltungsbereich in Art. 3 für eine klare und aktu-
elle Auflistung der Konzessionen und Bewilligungen: So gilt die Verordnung
für Unternehmen mit einer Personenbeförderungskonzession nach Art. 6
PBG (Bst. a), einer Infrastrukturkonzession und Sicherheitsgenehmigung
nach Art. 5 EBG (Bst. b) sowie einer Netzzugangsbewilligung und Sicher-
heitsbescheinigung nach Art. 8c EBG.
Den Erläuterungen zur totalrevidierten VVTA ist ausserdem zu entnehmen,
dass die Totalrevision das Ziel hatte, den Anwendungsbereich den gegen-
wärtigen Bedürfnissen anzupassen, die Verständlichkeit zu verbessern so-
wie die Definitionen und Formulierungen zu schärfen und zu vereinheitli-
chen, dies vor allem aufgrund der Änderungen im EBG, PBG und Güter-
transportgesetz vom 25. September 2015 (GüTG, SR 742.41; vgl. Erläute-
rung des BAV zur Verordnung über vorrangige Transporte in Ausnahmesi-
tuationen vom August 2019 [nachfolgend: Erläuterungen VVTA], S. 1). Zu
Art. 3 Abs.1 Bst. c VVTA wird ferner konkret ausgeführt, dass Schienengü-
tertransportunternehmen eine Netzzugangsbewilligung und eine Sicher-
heitsbescheinigung nach Art. 8c EBG benötigen würden, um auf dem
Schienennetz Transporte durchführen zu können (vgl. Erläuterungen
VVTA, S. 4); Art. 3 Abs. 1 Bst. c VVTA entspricht dem früheren Art. 2 Bst. b
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VEAKT. Die Umformulierung des Titels der Verordnung zeigt sodann klar,
dass nicht nur konzessionierte Transportunternehmen Aufgaben in ausser-
ordentlichen Lagen wahrnehmen müssen, sondern auch solche, die eine
Netzzugangsbewilligung besitzen. Das ist zwar nicht neu, da dies bereits
unter der VEAKT galt, dennoch wurde dem Verordnungsgeber offenbar be-
wusst, dass die Formulierungen zu schärfen sind, um diesbezüglich Klar-
heit zu schaffen.
5.2.3 Als Zwischenfazit ergibt sich aus der historischen und systemati-
schen Auslegung somit folgendes Bild: Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens
des Militärgesetzes am 1. Januar 1996 benötigte auch ein Gütertransport-
unternehmen eine Konzession, um seine Güter auf der Schiene zu beför-
dern und gehörte deshalb zu den "vom Bund konzessionierten Transport-
unternehmen". Der Wortlaut von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG hat sich nach der
Liberalisierung des Güterverkehrs nach der Bahnreform 1 nicht grundle-
gend geändert, obwohl diese für den Güterverkehr grosse Veränderungen
mit sich brachte. So ist es seit der Bahnreform 1 für die Gütertransportun-
ternehmen nicht mehr nötig, eine Konzession des Bundes zu beantragen,
sondern es ist ihnen mit der Netzzugangsbewilligung den diskriminierungs-
freien Zugang zur Infrastruktur, die ihnen durch ein Eisenbahnunterneh-
men mit einer Infrastrukturkonzession (vgl. Art. 5 ff. EBG) zur Verfügung
gestellt wird, gegen ein Entgelt zu gewähren. Eine Anpassung des Militär-
gesetzes hätte somit überlegt werden müssen, was jedoch – soweit er-
sichtlich – nicht gemacht wurde. Die Ergänzung in der MDV vom 21. No-
vember 2007 deutet darauf hin, dass die Verordnung ausformulierte, was
bereits vor der Bahnreform 1 Praxis war und weiterhin gelten sollte. An-
haltspunkte, die einen anderen Schluss zuliessen, liegen keine vor. Die er-
wähnten Erlasse deuten somit darauf hin, dass unter Art. 18 Abs. 1 Bst. h
MG auch Schienengütertransportunternehmen mit einer Netzzugangsbe-
willigung und Sicherheitsbescheinigung nach Art. 8c EBG fallen, um in aus-
serordentlichen Lagen für den Sicherheitsverbund Schweiz die unentbehr-
lichen Dienstleistungen zu erbringen.
5.3 Schliesslich ist Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG aus teleologischer Sicht zu be-
trachten.
Gemäss Botschaft zum Militärgesetz ist Sinn und Zweck der Dienstbefrei-
ung die Aufrechterhaltung unentbehrlicher Dienste in ausserordentlichen
Lagen (vgl. Botschaft MG, S. 42). Die Aufzählung in Art. 18 Abs. 1 MG listet
die Personen in bestimmten Funktionen auf, die für die Belange der Ge-
samtverteidigung als unentbehrlich erachtet werden. Damit die Arbeitgeber
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ihre Dienstleistungen zur Gesamtverteidigung in genügender Art und
Weise anbieten können, sind sie auf die volle Kapazität ihrer Mitarbeiten-
den angewiesen. Eine Einschränkung der berücksichtigten Tätigkeiten
könnte von einem Grossteil der Arbeitgeber in personeller Hinsicht nicht
verkraftet werden (vgl. Botschaft zum MG, S. 41). "Konzessionierte Trans-
portunternehmen" sollen demnach in ausserordentlichen Lagen ihre unent-
behrliche Leistung uneingeschränkt erbringen können und nicht durch den
Einzug ihrer dienstpflichtigen Mitarbeitenden am Leistungsauftrag der Ge-
samtverteidigung gehindert werden. Dieser in der Botschaft festgehaltene
Grundgedanke hat auch heute noch Gültigkeit. Es kann nicht Sinn und
Zweck von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG sein, dass der Schienengüterverkehr
gänzlich von einer Dienstbefreiung ausgeschlossen sein und somit anders
behandelt werden soll als Transportunternehmen, die über eine Personen-
beförderungskonzession oder eine Infrastrukturkonzession verfügen. Auch
Schienengüterverkehrsunternehmen können in einem Katastrophenfall un-
entbehrliche Leistungen, die oft Voraussetzung für das Funktionieren von
Konzessionsinhabern – wie z.B. eines Flughafens (vgl. Art. 36a Luftfahrt-
gesetz vom 21. Dezember 1948 [LFG, SR 748.0]), sind, erbringen.
5.4 Zusammengefasst folgt aus historischer, systematischer und teleologi-
scher Auslegung, dass Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG Unternehmen, die eine
Netzzugangsbewilligung nach Art. 8c EBG besitzen, miteinschliesst. Damit
erweist sich zudem Art. 30 Abs. 1 Bst. b VMDP diesbezüglich als gesetzes-
konform.
5.5 Der Vorinstanz, die der Meinung ist, die Beschwerdeführerin würde we-
der die Voraussetzungen auf Gesetzes- noch auf Verordnungsstufe erfül-
len, da die aktuellen Rechtsgrundlagen zwingend und kumulativ voraus-
setzen würden, dass lediglich Angestellte von Unternehmen mit einer Per-
sonenbeförderungskonzession nach Art. 6 PBG sowie einer Infrastruktur-
konzession und Sicherheitsgenehmigung nach Art. 5 EBG von der Militär-
dienstpflicht befreit werden können, kann somit nicht gefolgt werden. Ku-
mulative Voraussetzungen gehen weder aus den Rechtsgrundlagen noch
aus der von der Vorinstanz zitierten Rechtsprechung (Urteile des BVGer B-
251/2009 vom 26. Mai 2009 E. 3.1, B-1832/2009 vom 27. Mai 2009 E. 2.3
und B-487/2010 vom 9. März 2010 E. 2) hervor. Demzufolge ist der Be-
schwerdeführerin beizupflichten, dass sie – obwohl sie über keine Konzes-
sion verfügt (entgegen den Angaben auf ihrer Website) – mit einer Netzzu-
gangsbewilligung nach Art. 8c Abs. 1 EBG vom Anwendungsbereich von
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Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG erfasst wird und somit ihre dienstpflichtigen Mitar-
beitenden – sofern alle übrigen Voraussetzungen erfüllt sind – von der Mi-
litärdienstpflicht zu befreien sind.
6.
Im Weiteren ist auf die von der Vorinstanz geltend gemachte subsidiäre
Anwendbarkeit von Art. 18 MG zu Art. 145 MG einzugehen.
6.1 Die Vorinstanz bringt vor, im Notfall stehe es jedem Militärdienstpflich-
tigen frei, ein Gesuch um Dienstverschiebung aus persönlichen Gründen
nach Art. 90 VMDP einzureichen. Zudem gelte aus Gründen der Wehrge-
rechtigkeit für eine Dienstbefreiung nach Art. 18 MG das absolute Subsidi-
aritätsprinzip. Die Wehrgerechtigkeit beinhalte die Erfüllung der allgemei-
nen Wehrpflicht durch die persönliche Dienstleistung in der Armee oder im
Zivildienst gemäss Art. 59 Abs. 1 BV. Das Subsidiaritätsprinzip gebiete,
dass bei einem Dienstbefreiungsgesuch nach Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG, der
explizit auf die ausserordentliche Lage verweise, immer zuerst eine Dis-
pensation oder Beurlaubung nach Art. 145 MG zu prüfen sei. Bei der ab-
schliessenden Aufzählung der anspruchsberechtigten Tätigkeiten nach
Art. 18 MG werde ausschliesslich in Bst. h zwischen ordentlicher und aus-
serordentlicher Lage unterschieden. Diese restriktive Präzisierung spreche
umso mehr für die Anwendbarkeit von Art. 145 MG. Es stelle sich nämlich
die Frage, weshalb Personen, die (erst) in ausserordentlichen Lagen un-
entbehrlich seien, bereits in der ordentlichen Lage für die Dauer ihres Am-
tes oder ihrer Anstellung von der Militärdienstpflicht befreit werden sollten.
Denn aufgrund des Wortlautes von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG werde für die
Unverzichtbarkeit eine ausserordentliche Lage vorausgesetzt.
6.2 Die Beschwerdeführerin äussert sich zu diesen erst im Beschwerde-
verfahren vorgebrachten Ausführungen nicht näher.
6.3 Der Argumentation der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden.
6.3.1 Der Dienstbefreiung nach Art. 18 MG und der Dispensation bzw. Be-
urlaubung nach Art. 145 MG liegen verschiedene Konzepte zu Grunde:
Das Gesuch um Dienstbefreiung wird vom Arbeitgeber und der militär-
dienstpflichtigen Person gemeinsam gestellt (Art. 18 Abs. 3 MG). So geht
es dabei nicht allein um eine Dienstbefreiung der dienstpflichtigen Person,
sondern auch um den Arbeitgeber, der dadurch seine Funktionsfähigkeit in
einer ausserordentlichen Lage aufrechterhalten können soll (vgl. Botschaft
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MG, S. 43). Anders Art. 145 MG, wonach Militärdienstpflichtige für die Er-
füllung wichtiger Aufgaben in den zivilen Bereichen des Sicherheitsverbun-
des Schweiz individuell vom Assistenz- und Aktivdienst dispensiert oder
beurlaubt werden können.
6.3.2 Des Weiteren handelt es sich bei Art. 145 MG um eine "Kann-Vor-
schrift", bei der kein Anspruch auf eine Dispensation besteht (vgl. Botschaft
MG, S. 115). Nach Art. 18 MG dagegen besteht ein Anspruch auf Dienst-
befreiung, wenn die Voraussetzungen hierzu erfüllt sind.
6.3.3 Sodann hält die Botschaft zum Militärgesetz u.a. fest, dass wenn die
Voraussetzungen einer Dienstbefreiung nicht erfüllt würden, eine Dispen-
sation vom Aktivdienst gewährt werden könne (vgl. Botschaft MG, S. 42).
Es führt ferner aus, dass die für eine Dienstbefreiung geltende Liste mög-
lichst knapp gehalten werden müsse, da die Dienstbefreiung einen gewis-
sen Einbruch in die allgemeine Wehrpflicht bedeute und daher restriktiv zu
handhaben sei. Soweit es um die Erhaltung der Funktionsfähigkeit von In-
stitutionen in ausserordentlichen Lagen gehe, könne dieser Zweck oftmals
durch die weniger weit gehende Dispensation vom Assistenz- und Aktiv-
dienst erreicht werden (Botschaft MG, S. 43).
6.3.4 Das Vorbringen der Vorinstanz, dass ausschliesslich in Art. 18 Abs. 1
Bst. h MG zwischen "ordentlicher (strategischer Normalfall des relativen
Friedens)" und "ausserordentlicher Lage (Situation, in welcher in zahlrei-
chen Bereichen und Sektoren die ordentlichen Abläufe nicht genügen, um
die anstehenden Aufgaben zu bewältigen, beispielsweise bei Katastrophen
und in Notlagen, die das ganze Land betreffen oder im Falle eines bewaff-
neten Konflikts)" unterschieden werde, ist sodann unzutreffend. Die Be-
stimmung trifft keine explizite Unterscheidung, sondern erwähnt einzig die
ausserordentlichen Lagen: "Angestellte (...) der vom Bund konzessionier-
ten Transportunternehmen (...), die in ausserordentlichen Lagen für den
Sicherheitsverbund Schweiz unentbehrlich sind".
6.3.5 Auch die Positionen von Art. 18 und Art. 145 im Militärgesetz deuten
nicht auf eine subsidiäre Anwendbarkeit von Art. 18 MG zu Art. 145 MG
hin. Art. 18 MG ist dem zweiten Titel "Militärdienstpflicht" angegliedert,
während Art. 145 MG unter dem achten Titel "Armeeleitung und Militärver-
waltung" aufgeführt wird. Weder Art. 18 MG noch Art. 145 MG weist auf
den anderen Artikel hin, der den Vorrang des einen oder anderen statuie-
ren würde. Es ist vielmehr auch in systematischer Hinsicht darauf zu
schliessen, dass die beiden Rechtsgrundlagen nebeneinander existieren.
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6.3.6 Eine Subsidiarität von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG zu Art. 145 MG ist
nach dem Gesagten nicht ersichtlich. Die beiden Rechtsgrundlagen exis-
tieren nebeneinander und sind je nach den Umständen vom Arbeitgeber
und der dienstpflichtigen Person/Arbeitnehmer bzw. von der dienstpflichti-
gen Person allein zu beantragen.
7.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass Gütertransportunterneh-
men mit einer Netzzugangsbewilligung und Sicherheitsbescheinigung
nach Art. 8c EBG ebenso unter Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG fallen wie Unter-
nehmen, die eine Infrastrukturkonzession nach Art. 5 EBG oder eine Per-
sonenbeförderungskonzession nach PBG besitzen. Zudem ist aus dem Mi-
litärgesetz keine Subsidiarität von Art. 18 MG zu Art. 145 MG abzuleiten.
8.
8.1 Art. 61 Abs. 1 VwVG sieht für das Beschwerdeverfahren im Allgemei-
nen vor, dass die Beschwerdeinstanz in der Sache selbst entscheidet oder
diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zu-
rückweist. Bei der Wahl steht dem Gericht grundsätzlich ein weiter Ermes-
sensspielraum zu. Liegen sachliche Gründe vor, ist eine Rückweisung re-
gelmässig mit dem Untersuchungsgrundsatz und dem Prinzip eines einfa-
chen und raschen Verfahrens vereinbar. Die Vorinstanz ist mit den tatsäch-
lichen Verhältnissen besser vertraut und darum im Allgemeinen besser in
der Lage, die erforderlichen Abklärungen durchzuführen. Ebenso ist eine
Rückweisung angezeigt, wenn der Vorinstanz ein Ermessen zukommt, bei
dessen Überprüfung sich das Gericht Zurückhaltung auferlegt. Schliesslich
bleibt der betroffenen Partei dergestalt der gesetzlich vorgesehene Instan-
zenzug erhalten (vgl. statt vieler BGE 131 V 407 E. 2.1.1; BVGE 2012/21
E. 5.1; Urteile des BVGer A-4153/2016 vom 16. Mai 2018 E. 9.1,
A‐6519/2016 vom 3. Mai 2017 E. 6.1 und A‐5766/2016 vom 20. Februar
2017 E. 10.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.194).
8.2 Da sich die Vorinstanz mit den weiteren Voraussetzungen von Art. 18
Abs. 1 Bst. h MG nicht näher auseinandergesetzt hat, ist die Sache an sie
zurückzuweisen. Dem Bundesverwaltungsgericht ist es vorliegend nicht
möglich, selbst zu prüfen, ob die Voraussetzungen gegeben sind und ein
Anspruch auf einen Arbeitgeberregistratureintrag besteht, ohne ein auf-
wändiges Beweisverfahren vorzunehmen. Die Vorinstanz und das allen-
falls von dieser als Fachbehörde beizuziehende BAV sind überdies besser
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mit der Materie vertraut als das Bundesverwaltungsgericht. Ausserdem
geht die Beschwerdeführerin so keiner Instanz verlustig.
9.
Im Ergebnis sind somit der erste Hauptantrag und der Eventualantrag der
Beschwerdeführerin gutzuheissen (Ziff. 1 und 3). Die Verfügung der
Vorinstanz vom 7. Mai 2019 ist aufzuheben und die Angelegenheit zu
neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzu-
weisen.
10.
10.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der
Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG). In der Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes gilt die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zu weiteren Abklärungen und neuem Entscheid (mit noch offe-
nem Ausgang) praxisgemäss als volles Obsiegen der beschwerdeführen-
den Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 ff.; 137 V 271 E. 7.1; Urteile des BVGer
A-6259/2018 vom 8. Juli 2019 E. 6.1, A-358/2018 vom 10. Januar 2019
und A-2601/2012 vom 3. Januar 2013 E. 4).
Demzufolge sind der Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten aufzuer-
legen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– wird ihr zurücker-
stattet. Der Vorinstanz können keine Verfahrenskosten auferlegt werden
(vgl. Art. 63 Abs. 2 VwVG).
10.2 Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat nach Massgabe ih-
res Obsiegens Anspruch auf eine Parteientschädigung für ihr erwachsene
notwendige und verhältnismässig hohe Kosten (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG).
Da dem Bundesverwaltungsgericht keine Kostennote übermittelt wurde, ist
die Parteientschädigung vorliegend aufgrund der Akten auf pauschal
Fr. 4'500.– festzusetzen (vgl. Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE).
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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