Decision ID: faca6ef6-1832-531a-9b4e-6883eb803072
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer – ein iranischer Staatsangehöriger arabischer
Ethnie – am 28. August 2018 in der Schweiz um Asyl nachsuchte,
dass er zur Begründung seines Asylgesuches im Rahmen der Befragung
zur Person (BzP) vom 10. September 2018 und der Anhörung vom 13. No-
vember 2019 angab, der Hauptanteilseigner des Kleidergeschäftes, bei
dem er, der Beschwerdeführer, sich als Geschäftsführer beworben habe,
habe bei seiner Anstellung die Unterzeichnung eines Schuldscheins in der
Höhe von 40 Millionen Tuman, einen sogenannten Safteh, verlangt,
dass zirka im Dezember 2017 das Kleidergeschäft wegen Insolvenz ge-
schlossen worden sei und dem Beschwerdeführer, obwohl die Schlussab-
rechnung keine Unregelmässigkeiten aufgewiesen habe, die Herausgabe
des Schuldscheins verwehrt worden sei,
dass Ende März 2018 der ehemalige Geschäftsinhaber den Beschwerde-
führer unter Gewaltandrohung zur Zahlung der Schuldsumme aufgefordert
habe,
dass er aus Furcht, selbst verhaftet zu werden, seinen früheren Arbeitge-
ber wegen den Drohungen nicht angezeigt und sich stattdessen zur Aus-
reise entschlossen habe,
dass er sich im Übrigen als Araber im Iran benachteiligt gefühlt und auch
an Demonstrationen gegen diese Benachteiligungen teilgenommen habe,
dass am 17. Oktober 2018 ein Haftbefehl gegen ihn ergangen sei,
dass er sich in der Schweiz für das Christentum interessiere, ohne indes-
sen konvertiert zu sein,
dass der Beschwerdeführer zur Stützung seiner Vorbringen und zum Nach-
weis seiner Vorbringen mehrere Dokumente einreichte (u.a. iranische Iden-
titätskarte, iranischer Führerausweis, gerichtliche Vorladung vom 17. Ok-
tober 2018 als Zeuge, Referenzschreiben des Benediktinerklosters Einsie-
deln sowie Informationsbroschüren),
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dass das SEM mit Verfügung vom 19. Februar 2020 (Eröffnung am
21. Februar 2020) das Asylgesuch des Beschwerdeführers ablehnte, des-
sen Wegweisung aus der Schweiz anordnete und den Vollzug als zulässig,
zumutbar und möglich erachtete,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
23. März 2020 gegen diesen Entscheid Beschwerde erhob und dabei die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl,
eventualiter die Gewährung der vorläufigen Aufnahme, subeventualiter die
Rückweisung der Sache beantragte,
dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht unter Verzicht auf das Erheben eines
Kostenvorschusses um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 110a Abs. 1 AsylG
und um Ansetzung einer Nachfrist zur Einreichung einer Übersetzung
neuer Beweismittel (Screenshots eines Whatsapp-Chats) ersucht wurde,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 24. März 2020 den
Eingang der Beschwerde vom 23. März 2020 bestätigte,
dass mit Eingabe vom 31. März 2020 eine Übersetzung der bereits mit der
Beschwerdeschrift eingereichten Screenshots eines Whatsapp-Chats ein-
gereicht wurde,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entschei-
det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG
[SR 142.31] i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
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dass am 1. März 2019 die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101) in Kraft getreten ist und für das vorliegende Verfahren das bis-
herige Recht gilt (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
dass in Anwendung von aArt. 111 Abs. 1 AsylG auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet wurde,
dass sich die Beschwerde als offensichtlich unbegründet erweist und im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln ist
(Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt (Art. 2 Abs. 1
AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG),
dass das SEM die Vorbringen des Beschwerdeführers, von seinem ehe-
maligen Arbeitgeber unter Androhung von Gewalt zur Zahlung eines
Schuldscheines aufgefordert worden zu sein und zu befürchten, wegen
den angeblichen Schulden angezeigt und in Haft genommen zu werden,
zu Recht als nicht asylrelevant erachtet hat,
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dass es sich hierbei um Übergriffe durch Dritte handelt, welche nur bei feh-
lender staatlicher Schutzgewährung asylrelevant sind,
dass vorliegend keine Hinweise dafür vorliegen, dass der iranische Staat
seine Schutzpflicht verletzt haben könnte, wäre es doch dem Beschwerde-
führer zuzumuten gewesen, wegen der Drohungen eine Anzeige zu erstat-
ten und sich gegen die missbräuchliche Verwendung des Schuldscheins
vor Gericht zur Wehr zu setzen,
dass sich auch aus dem im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens ein-
gereichten gerichtlichen Vorladung vom 17. Oktober 2018 als Zeuge keine
Hinweise auf eine asylrelevante Verfolgung ergeben, handelt es sich doch
bei der darin angedrohten Haft bei Nichterscheinen um eine behördliche
Massnahme, die rechtsstaatlich legitimen Zwecken dient,
dass die Rechtsvertretung auf Beschwerdeebene erstmals geltend macht,
der Beschwerdeführer habe im Jahr 2018 während rund drei Monaten eine
aussereheliche Beziehung mit einer bereits verlobten Frau namens
B._ geführt und die Familienangehörigen von B._ hätten ihn
deswegen im Oktober 2018 bei der Polizei angezeigt, was ihm B._
im Oktober 2018 in mehreren Nachrichten über den Nachrichtendienst
WhatsApp mitgeteilt habe,
dass der Beschwerdeführer dieses Vorbringen im Rahmen des vorinstanz-
lichen Verfahrens aus Scham nicht erwähnt habe,
dass es sich hierbei um eine entscheidrelevante Tatsache handle, weshalb
die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Abklärung des vollstän-
digen Sachverhalts zu beantragen sei,
dass dieses Ersuchen bereits aufgrund des Devolutiveffekts der Be-
schwerde (Art. 54 VwVG) abzuweisen ist,
dass das ohne nachvollziehbaren Grund erstmals geltend gemachte Vor-
bringen ohnehin als nachgeschoben und damit als nicht glaubhaft zu er-
achten ist,
dass an dieser Einschätzung die mit der Beschwerde eingereichten
Screenshots eines Whatsapp-Chats mangels hinreichender Beweistaug-
lichkeit nichts zu ändern vermögen, geben diese doch lediglich Aussagen
wieder, deren Authentizität nicht eruiert werden kann,
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dass schliesslich, wie bereits vom SEM zutreffend ausgeführt, weder die
geltend gemachten Benachteiligungen von Arabern im Iran noch das
blosse Interesse des Beschwerdeführers am Christentum asylrechtlich re-
levant sind,
dass zur Vermeidung von Wiederholungen auf die zu bestätigenden Erwä-
gungen des SEM verwiesen werden kann, welche durch die Wiederholung
der bereits im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens geltend gemach-
ten Vorbringen und die allgemeinen Ausführungen in der Beschwerde nicht
entkräftet werden,
dass die Vorinstanz somit mit hinreichender und zutreffender Begründung
das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgewiesen hat,
dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat
(Art. 44 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt
hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl.
BVGE 2013/37 E 4.4, 2009/50 E. 9, je m.w.H.), weshalb die verfügte Weg-
weisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und dem-
nach vom Staatssekretariat zu Recht angeordnet wurde,
dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der Weg-
weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer und über die Integration [AIG, SR 142.20]),
dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des
Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG),
dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),
dass der Vollzug der Wegweisung vorliegend in Beachtung dieser mass-
geblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, da es
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dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb das in
Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoule-
ment im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet,
dass sodann nach den vorstehenden Erwägungen auch keine Anhalts-
punkte für eine im Heimatstaat drohende menschenrechtswidrige Behand-
lung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Pra-
xis zu Art. 3 EMRK ersichtlich sind,
dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar
erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon-
kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG),
dass weder die allgemeine Lage im Heimatstaat des Beschwerdeführers
noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer
Rückkehr schliessen lassen,
dass zur Vermeidung von Wiederholungen auf die zu bestätigenden Erwä-
gungen der Vorinstanz verwiesen werden kann,
dass im Übrigen die vom Beschwerdeführer geltend gemachte berufliche
Integration in der Schweiz in diesem Zusammenhang nicht von Belang ist,
weshalb sich die Rügen in der Beschwerde, wonach das SEM diesen Um-
stand nicht berücksichtigt und damit den Untersuchungsgrundsatz verletzt
und den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt habe, als
offensichtlich unbegründet erweisen,
dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in den Heimat-
staat schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen
(Art. 83 Abs. 2 AIG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, falls überhaupt
erforderlich, bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl.
Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12),
dass nach dem Gesagten die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme in
der Schweiz ausser Betracht fällt, womit die Anordnung des Wegweisungs-
vollzuges zu bestätigen ist,
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dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig oder vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1
AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass sich die Beschwerde aufgrund der obenstehenden Erwägungen als
von vornherein aussichtslos erwiesen hat, weshalb die mit der Beschwer-
deschrift gestellten Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und der amtlichen Rechtsverbeiständung
(Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG) abzuweisen sind,
dass somit die Kosten des Verfahrens des unterliegenden Beschwerdefüh-
rers aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG),
dass die Kosten in casu auf Fr. 750.– festzusetzen sind (Art. 1–3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16
Abs. 1 Bst. a VGG).
(Dispositiv nächste Seite)
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