Decision ID: 38249a0c-fbce-4e06-912b-c4c4abf6f568
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965, arbeitete vom
1.
April 2006 bis am 2
8.
Februar 2010 bei der
Z._
als Produktionsmitarbeiter
(
Urk.
6/13)
sowie
vom
2.
Oktober 2006 bis am
2
8.
Februar 2010 bei der
A._
als Raumpfleger (
Urk.
6/14).
Er
meldete sich am 1
3.
April 2010
hauptsächlich
wegen
Lungenproblemen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/3
=
Urk.
6/11
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, holte medizinische Berichte (
Urk.
6/7,
Urk.
6/15
-
17
), einen Auszug aus dem individuellen Konto des Ver
sicherten (IK-Auszug;
Urk.
6/9) und
Arbeit
geberberichte (
Urk.
6/13,
Urk.
6/14
/8-
14
) ein
, z
og
Akten
der Unfa
llversi
cherung (
Urk.
6/10) bei und holte ein
Gutachten (
Urk.
6/31)
ein
.
Nach durchge
führtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
6/34
,
Urk.
6/3
9
)
verneinte
sie
mit Verfü
gung vom
2.
Mai 2012 einen
Rentenanspruch
(
Urk.
6/49 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom
2.
Mai 2012 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am
4.
Juni 2012 Beschwerde (
Urk.
1) mit den Anträgen,
diese
sei aufzuheben, es seien zusätzliche medizinische Abklärungen durchzuführen und gestützt auf diese seien ihm die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Eventuell sei ihm eine zeit
lich befristete Rente auszurichten.
Mit Beschwerdeantwort vom
3.
Juli 2012 (
Urk.
5) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwer
deantwort wurde dem Beschwerdeführer am
6.
Juli 2012 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
E
ine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerz
störung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im
Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperli
che Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unter
schiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicher
ten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die ent
sprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Vor
aussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging
in der angefochtenen
Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dass der Beschwerdeführer in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit seit November 2009 zu 75
%
bei voller Stundenpräsenz
arbeitsfähig
sei
. Seit März 2011 bestehe eine Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit von 65
%
. Für eine
-
näher beschriebene
-
adaptierte
Tätigkeit
gelte
bei voller Stundenpräsenz eine Arbeitsfähigkeit von 90
%
. Das Wartejahr mit durchschnittlicher Arbeits
unfähigkeit von 40
%
sei somit nicht erfüllt (S. 1).
Die Beschwerdegegnerin nahm weiter zu den einzelnen gesundheitlichen Problemen Stellung
(S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich demgegenüber
beschwerdeweise
(
Urk.
1)
auf den Standpunkt, dass das Wartejahr erfüllt sei (
S. 2
Ziff.
2a) und
erhob
gegen
ü
ber dem Gutachten verschiedene
Einwände
(S. 3 f.
Ziff.
2b)
. Z
udem sei
der Anspruch auf
eine befristete Rente zu
prüfen
, dies insbesondere, da das Warte
jahr erfüllt sei und die rückwirkende Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit durch die Gutachter nicht zulässig und auch nicht schlüssig
sei
(S. 5
Ziff.
2c).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit
die
Erfüllung
des Wartejahres
, wie
es sich mit der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers verhält
,
und
ob
diesbezüglich auf das
eingeholte
Gutachten abzustellen
sei
.
3.
3.1
Dr.
med.
B._
, Oberärztin Nephrologie, und
Dr.
med.
C._
, Leiter Nephrologie und Dialyse, medizinische Klinik
D._
, nannten in ihrem Bericht vom
2.
Oktober 2009 (
Urk.
6/15/30-32)
folgende Diagnosen (S. 1):
Nephrokazinose (Nierenbiopsie vom 1
4.
September 2009)
Sarkoidose
Lebertransaminasenerhöhung
Diabetes mellitus Typ 2, Erstdiagnose 2001
arterielle Hypertonie
Sie
führten aus, sie
hätten den Beschwerdeführer am 2
9.
September 2009 unter
sucht
und
bei ihm
einen guten Allgemeinzustand
festgestellt
. Durch die Thera
pie habe sich die Nierenfunktion deutlich verbessert und das Kalzium im Urin normalisiert. Der Diabetes habe sich unter der Steroidtherapie jedoch erheblich verschlechtert. Sie äusserten sich nicht zur Arbeitsfähigkeit (S. 2).
Vom
7.
September bis am 1
8.
September 2009
weilte
der Beschwerdeführer statio
när im
D._
, worüber
Dr.
B._
und
Dr.
C._
am 1
4.
Mai 2010
berichteten (
Urk.
6/16 =
Urk.
6/17/6-8). Sie nannten
folgende Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
Schulterschmerz und eingeschränkte Beweglichkeit beidseits
chronische Rückenschmerzen
Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie
eine Nephro
calcinose bei Hypercalciämie und Hypercalcurie bei Sarkoidose, eine Lebertransaminasenerhöhung,
einen
Diabetes mellitus Typ 2 und
eine
arterielle Hypertonie (
Ziff.
1.1)
Aus nephrologischer Sicht sei keine Arbeitsunfähigkeit festgestellt worden (
Ziff.
1.6), zudem bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Es sei durchaus möglich, dass aufgrund der Schulterschmerzen und der Rückenbe
schwerden eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Diesbezüglich sei der Beschwerdeführer nicht untersucht worden (
Ziff.
1.7).
3.2
Med. pract.
E._
, FMH Allgemeinmedizin,
führte im Bericht vom 1
9.
April 2010 (
Urk.
6/15/7-8) aus, dass ein depressives Syndrom bestehe und die psychosoziale Situation den Beschwerdeführer seit Jahren belaste. Die ganze
Krankheitsgeschichte habe bei ihm zu einer Haltung geführt, in welcher er sich kaum mehr etwas zutraue und chronisch an Schlaflosigkeit und Schmerzen leide.
Er
bat um eine frühe Begutachtung und Unterstützung des Beschwerdeführers. Die Prognosen seien eher schlecht.
3.3
Dr.
med.
F._
, FMH Endokrinologie, Diabetologie, nannte in seinem am 2
3.
April 2010 eingegangenen Bericht (
Urk.
6/7) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
Sarkoidose (?)
und folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
Diabetes Mellitus Typ 2 insulinpflichtig
Er
führte aus, er
behandle den Beschwerdeführer
seit
2
3.
Juni 2008
(
Ziff.
1.2) und gab an, es sei keine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bekannt (
Ziff.
1.6) und bezüglich des von ihm behandelten Diabetes bestehe keine Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.11).
3.4
Med. pract.
E._
nannte im Bericht vom 1
2.
Mai 2010 (
Urk.
6/15/1-4) und im Bericht vom 1
1.
Juni 2010 (
Urk.
6/17/1-4) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
Lungen- und Lebersarkoidose
Nephrikalzinose mit Niereninssuffizienz
Diabetes mellitus Typ 2 mit Insulintherapie
Depression (F43.2)
und folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
arterielle Hypertonie
i
atrogener M. Cushing unter 8-
monatiger
Steroidtherapie mit Knochen-Mineralisationsabnahme
Status nach
Bursitis rechte Schulter 2006
Med. pract.
E._
gab an, dass der Beschwerdeführer seit 2
4.
März 2006 bei ihm in Behandlung sei (
Ziff.
1.2). Er führte weiter aus, dass der Diabetes melli
tus seit 2001 chronisch verlaufe und seit September 2009 eine Progredienz der Lungen- und Lebersarkoidose bestehe. Dabei verwies er auf die Unterlagen der medizinischen Klinik des
D._
(
Ziff.
1.4). Er attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab
3.
September 2009 (
Ziff.
1.6).
3.5
Med. pract
.
E._
teilte mit Schreiben vom 1
7.
Dezember 2010 (
Urk.
6/26) auf Anfrage der Beschwerdegegnerin mit, dass der Beschwerdeführer bei der Rheu
mapoliklinik des
D._
angemeldet sei, aber noch keinen Termin erhalten habe. Das
D._
teilte der Beschwerdegegnerin auf telefonische Anfrage hin mit,
es würde
kein
medizinischer
Bericht erstell
t
, da der Beschwerdeführer
dort
nie in Behandlung gewesen und auf den vereinbarten Termin nicht erschienen sei (
Urk.
6/27).
3.6
Dr.
med.
G._
, FMH Orthopädie, und
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
I._
,
erstatteten am
8.
Juni 2011 ein Gutachten zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/31
)
und stellten folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
8.1):
Diskusdegeneration L5/S1 mit leichter neuroforaminaler Einengung rechts und Beteiligung der Nervenwurzel L5 minimal auch links
Adipositas
chronische depressive Verstimmung (Dysthymie) bestehend seit Novem
ber 2009 (F34.1)
anhaltende somatoforme Schmerzstörung, bestehend seit etwa November 2009 (F45.4)
Ferner nannten sie als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
22
Ziff.
8.2) ein mögliches Impingement bei hypertropher Acromioclavicu
largelenksarthrose, ein mögliches Impingement der linken Schulter mit intersti
tieller Partialruptur der Rotatorenmanschette, eine beginnende degenerative Labrumveränderung cranioventral und
eine
leichte Chondropathie des rechten Hüftgelenks, eine arterielle Hyptertonie, einen Diabetes mellitus Typ 2, eine Nephrokalzinose, eine Sar
k
oidose, eine Prostatahyperplasie sowie eine kombi
nierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich vermeidenden und histrionischen Anteilen (F61.0).
Sie führten aus, d
er Beschwerdeführer sei am 1
7.
Mai 2011
von
ihnen orthopä
disch und psychiatrisch untersucht worden (S. 2
Ziff.
1.2).
D
ie Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers könne bei voller Stundenpräsenz in der bisherigen Tätigkeit seit November 2009 auf 75
%
festgelegt werden, da aufgrund der Dysthymie mit anhaltender somatoformer Schmerzstörung bei zugrunde liegen
den Persönlichkeitsstörungen die emotionale Belastbarkeit, die geistige Flexibi
lität und die Dauerbelastbarkeit beeinträchtigt seien. Seit März 2011 bestehe gesamthaft bei voller Stundenpräsenz eine Arbeitsfähigkeit von 65
%
(S. 23
Ziff.
9.1).
Bei angepassten Tätigkeiten, welche körperlich leicht und abwechslungsweise sitzend u
nd stehend ausgeübt werden könn
t
e
n
, ohne dass dabei häufig inkli
nierte und reklinierte sowie rotierende Körperhaltungen eingenommen und Gegenstände über 5 kg gehoben oder getragen werden müsste
n
, und bei Arbei
ten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderli
che geistige Flexibilität und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung könne gesamthaft bei voller Stundenpräsenz seit November 2009 eine Arbeitsfähigkeit von 90
%
zugemutet werden (S. 23
Ziff.
9.2).
3.7
Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin führte
Dr.
G._
mit Schreiben vom
8.
November 2011 (
Urk.
6/44) aus, dass die Befunde der Schultern zu wenig ausgeprägt seien, um eine wesentliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zu erklären
, eine solche
bestehe primär aufgrund der degenerativen Veränderungen
der Lendenwirbelsäule (LWS)
. Die Arbeitsfähigkeit sei aus somatischer Sicht ab März 2011 beurteilt worden, nachdem zu diesem Zeitpunkt das MRI der LWS angefertigt worden sei und zur Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit führte.
Dr.
H._
präzisierte in seinem Schreiben vom 1
4.
November 2011 (
Urk.
6/45) zuhanden der Beschwerdegegnerin, das Kumulieren der jeweiligen prozentuellen Arbeitsfähigkeits-Einschätzungen sei nicht möglich, da sich die Schmerzen nicht potenzier
t
en. Es würden die schwereren Schmerzen zur Beurteilung her
angezogen (S. 1 lit. d). Zudem seien die Kriterien einer somatoformen Schmerz
störung entsprechend der Gesetzeslage geprüft worden (S. 1 lit. e)
,
und er habe den Bericht der behandelnden Psychotherapeutin berücksichtigt. Die Auswir
kung
en auf die Arbeitsfähigkeit seien
entsprechend der
Rechtsprechung
gerin
ger einzuschätzen.
B
ei einer Dysthymie
handle es sich
definitionsgemäss um eine lei
chte depressive Störung
, die zu keiner wesentlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit führe (S. 3 lit. f). Weiter sei die Dysthymie bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden. Die Persönlichkeitsstörung habe keine Auswirkungen auf di
e
Arbeitsfähigkeit, da eine zumutbare Willensan
strengung, trotz subjektivem Leiden zu arbeiten,
anzunehmen
sei (S. 3 lit. g).
4.
4.1
Unstreitig
und gemäss vorliegender Aktenlage ausgewiesen ist, dass der Be
schwer
deführer an einem Nieren- und Lungenproblem, einer Depression,
sowie
an
Schulterschmerzen
und
Rückenbeschwerden
leidet
und
seit 2001
an
einem
Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt
ist
. Strittig
und zu prüfen ist die Frage nach der Erfüllung des Wartejahrs sowie
die Beurteilung der Auswirkungen
der
Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers.
Die Beschwerdegegnerin stellte diesbezüglich auf das
I._
-
Gutachten
vom
8.
Juni 2011 ab und ging von einer Arbeitsfähigkeit von 65
%
seit März 2011
aus
. Med. pract.
E._
attestierte dem Beschwerdeführer hingegen eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab
September 200
9.
4.2
D
er Eintritt des Versicherungsfalls setzt in der Regel kumulativ eine Wartezeit und danach einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad voraus. Der Rentenan
spruch entsteht gemäss
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
%
arbeitsunfähig gewesen war. Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person an min
destens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (
Art.
29
ter
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung, IVV).
Als Arbeitsfähigkeit wird die Fähigkeit bezeichnet, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Sie kann durch Beeinträchtigung der körperlichen oder geisti
gen Gesundheit eingeschränkt sein, was sodann sozialversicherungsrechtliche Folgen auslösen kann (vgl.
Art.
6 Satz 1 ATSG).
In den medizinischen Berichten wurde folgende Arbeitsunfähigkeit attestiert:
M
ed. pract.
E._
attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab
September 2009 (vgl.
vorstehend
E. 3.
4
)
. Die übrigen behandeln
den Ärzte äusserten sich entweder nicht zur Arbeitsfähigkeit (vgl. E. 3.1, E. 3.
3
) oder gaben an, das gesundheitliche Leiden habe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers (
vgl.
vorstehend
E. 3.1, E. 3.
3
).
Dr.
G._
und
Dr.
H._
attestierten dem Beschwerdeführer eine Arbeits
un
fähigkeit von
25
%
seit November 2009
und von 35
%
seit März 2011
(vgl.
vor
stehend
E. 3.6).
Diese
retrospektiv attestierte Arbeit
sunfähigkeit vermag an der von m
ed. pract.
E._
attestierten Arbeitsunfähigkeit von 100
%
nichts
zu
ändern, da für die Beurteilung der 40
%
-igen Arbeitsunfähigkeit auf die echtzeitlich attestierte Arbeitsunfähigkeit abgestellt wird. Das Wartejahr ist damit erfüllt.
4.3
Der Beschwerdeführer
brachte
vor, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb eine orthopädische und psychiatrische Untersuchung in Auftrag gegeben worden sei. Dem gutachterlichen Bericht sei
zudem
nicht zu entnehmen, ob die Vorakten
vorgelegen hätten
. Zudem hätten die Gutachter nicht zu den Zusatzfragen Stel
lung genommen.
Der Beschwerdeführer
wurde
in der medizinischen Klinik
des
D._
vom
7.
bis 1
8.
September 2009 stationär behandelt
und von Fachärzten der Nephrologie un
t
ersucht
.
Dr.
B._
und
Dr.
C._
untersuchten den Beschwerde
führer am 2
9.
September 2009 erneut und konnten eine verbesserte Nieren
funktion feststellen (vgl. vorstehend E. 3.1).
Damit wurde der Beschwerdeführer nephrologisch
und
damit
durch Fachärzte der Inneren Medizin
abgeklärt.
Auf
grund dieser
umfassenden
Untersuchungsergebnisse bestand
diesbezüglich keine
Notwendigkeit
,
ein weiteres Gutachten einzuholen.
Dr.
B._
und
Dr.
C._
hielten in ihrem Bericht
vom 1
4.
Mai 2010
zudem
unmissverständlich
fest, dass
aus nephrologischer Sicht keine Arbeits
unfähigkeit festgestellt
werden könne
und auch keine Einschränkung
für die Arbeitsfähigkeit bestehe
(vgl. vorstehend E. 3.1).
Sie attestierten dem Beschwer
deführer
in keinem Bericht
eine
Arbeitsunfähigkeit
. Der Beschwerdeführer
übersieht
hier
,
dass es sich
bei
der unter
Ziff.
1.6
des Berichtsformulars
aufge
führten
Arbeitsunfähigkeit
(vgl.
vorstehend
E. 3.1) um
eine
Frage
handelt
, die wie folgt lautet: „Medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit von mind. 20
%
für zuletz
t ausgeübte Tätigkeit“,
und
die in der Folge verneint wurde.
Damit w
ar also nie von einer
attestierten
Arbeitsunfähigkeit von 20
%
die Rede.
Die U
ntersuchungsergebnisse
von
Dr.
B._
und
Dr.
H._
lagen den
I._
-Gutachtern vor
und
sind mitberücksichtigt worden
(
Urk.
6/31 S. 2).
Ebenfalls haben
Dr.
G._
(
Urk.
6/44) sowie
Dr.
H._
(
Urk.
6/45) zu den Zusatzfragen Stellung genommen. Diese Stellungnahmen wurde
n
dem Beschwer
deführer zur Wahrung seiner Parteirechte
auch
zugestellt und er konnte
sich
innert Frist dazu
äussern
(
Urk.
6/47).
Dieser Einwand des Beschwer
deführers geht damit fehl.
Der Beschwerdeführer
brachte
weiter
vor
, dass die Angaben des
D._
nicht klar s
eien
, auf Anfrage
keine
Auskunft erteilt worden
und behauptet worden sei,
er sei
im
D._
nicht behandelt
worden
.
Diesbezüglich ist – was der Beschwerde
führer unterlies
s
- zu unterscheiden: im
D._
fand eine Behandlung der Nieren
problematik statt und darüber wurde berichtet (
vgl. vorstehend E.
3.1). Eine
vorgesehene
Abklärung in der Rheumapoliklinik
hingegen
konnte wegen Nicht
erscheinens des Beschwerdeführers nicht durchgeführt werden. Aus diesem Grund wurde
darüber
auch kein medizinische
r
Bericht erstellt.
Auch der besc
hwerdeweise
a
ngeführte Untersuchungsgrundsatz
vermag
daran
nichts
ändern
, dass nur über Untersuchungen berichtet werden kann, zu denen der Beschwerdeführer erschienen ist.
4.4
Der Beschwerdeführer
moniert
e
weiter
, dass neben den degenerativen Befunden an der Wirbelsäule und der Adipositas weitere Befunde vorl
äg
en, die aus ortho
pädischer Sicht hätten beurteilt werden müssen.
Dr.
G._
habe
diese Befunde als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
genannt
.
Dr.
G._
hielt im
I._
-Gutachten fest, l
ediglich die degenerative Ver
ände
rung der
Lendenwirbelsäule ha
be
eine limitierende Auswi
rkung auf die Arbeits
fähigkeit (vgl. vorstehend E. 3.6). Die Befunde an den Schultern
seien
zu wenig
ausgeprägt, um eine wesentliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zu erklären
(vgl. vorstehend E. 3.7).
Dem
Einwand
des Beschwerdeführers
kann damit nicht gefolgt werden.
4.5
Der Einwand des Beschwerdeführers
,
die in den Einzelgutachten festgehaltenen Arbeitsunfähigkeiten hätten kumuliert werden müssen oder
es hätte
zumindest eine Gesamtbeurteilung vorgenommen und beide Arbeitsunfähigkeiten berück
sichtigt werden müssen, geht fehl. Der Beschwerdeführer wurde von
Dr.
G._
orthopädisch und von
Dr.
H._
psychiatrisch untersucht. Die Ergebnisse haben die Gutachter jeweils
in ihren
Einzelgutachten
festgehalten
und anschliessend eine Gesamt
beurteilung
vorgenommen (vgl. vorstehend E.
3.6)
.
D
ie Gutachter
haben
in ihrer Gesamtbeurteilung
-
richtigerweise -
zwischen der Arbeitsfähigkeit in bisheriger und leidesangepasster Tätigkeit untersch
i
eden
. Dem
Beschwerdeführer
wurde
durch
Dr.
G._
eine Arbeitsunfähigkeit von
3
5
%
seit März 2011 und von
Dr.
H._
eine Arbeitsunfähigkeit von
2
5
%
seit
November
2009
(
dies ohne Berücksichtigung der körperlichen Beschwerden
)
attestiert. Die Arbeits
un
fähigkeit in leide
n
sangepasster Tätigkeit für körperlich leichte Tätigkeiten
wurde mit
10
%
beziffert
(vgl. vorstehend E. 3.6).
Unter
schiedlich attestierte Arbeitsunfähigkeiten werden nicht kumuliert. Obwohl die Gutachter dem Beschwerdeführer
in ihren Einzelgutachten
eine unterschiedlich hohe Arbeitsunfähig
attestiert haben,
wurde
in der Gesamtbeurteilung richtig
erweise auf die höhere Arbeitsunfähigkeit
abgestellt.
Aus begrifflichen Gründen
ist
die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten
Tätig
keit höher
als in d
er leidensangepasste
n
Tätigkeit
, denn diese zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie den Beeinträchtigungen besser Rechnung trägt
,
womit eine höhere Arbeitsfähigkeit resultiert.
Die
Einschätzung von
Dr.
G._
und
Dr.
H._
ist damit
nachvollziehbar.
4.
6
Der Beschwerdeführer moniert
e schliesslich
,
Dr.
H._
habe
nebst
einer
Dys
thymie und einer Persönlichkeitsstörung noch eine somatoforme Schmerzstö
rung diagnostizie
rt
. Es sei aber unklar
, worauf er sich bei dieser Diagnose stütze. Diese Diagnose sei nicht korrekt und
er
vermöge diese au
ch
nicht schlüssig zu begründen und zudem habe er nur die Rechtsprechung wiederge
geben. Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
im Zusammenhang mit der soma
toformen Schmerzstörung
stütze er sich auf die
Rechtsprechung
.
Hinsichtlich der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ist die eine Frage, ob die entsprechende Diagnose als begründet und gesichert zu erachten ist; die andere Frage ist, ob eine daraus folgende Arbeitsunfähigkeit bei der IV
recht
lichen Leistungsprüfung relevant und deshalb zu berücksichtigen ist. Die erste Frage ist fachmedizinisch zu beantworten, die zweite im Rahmen der Rechts
anwendung (durch die Beschwerdegegnerin und vorliegend durch das Gericht) als Rechtsfrage gemäss den von der Gerichtspraxis entwickelte
n Krite
rien (
vgl.
vorstehend E
.
1.
4
) zu entscheiden.
Im Regelfall gilt die Willensan
strengung, die schmerzbedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zu über
winden, als zumutbar. Eine ausnahmsweise Unzumutbarkeit ist anzunehmen, wenn ent
weder eine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprä
gung und Dauer, oder - alternativ - bestimmte weitere Kriterien darauf schlies
sen lassen.
Dr.
H._
konnte nach einer umfassenden Untersuchung
beim Beschwerde
führer nebst einer chronischen depressiven Verstimmung entsprechend einer Dysthymie und einer Persönlichkeitsstörung und aufgrund der multiplen Schmerzsymptomatik mit Syptomausweitung Hinweise für eine anhaltende somato
forme Schmerzstörung finden.
Da es sich bei der
Dysthymie
um eine leichte psychische Störung handelt, besteht keine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer
.
Z
u den alternativen Kriterien ist aus den vom Gutachter gemachten Angaben im Rahmen der Rechtsanwendung zu schliessen, dass d
er Beschwerdeführer ausreichend über die notwendigen Ressourcen für den Umgang mit den Schmerzen
verfügt
, sodass diese mit einer zumutbaren Willensanstrengung ausreichend überw
indbar sind
(vgl. vorstehend E. 3.7).
Daran lassen auch die Berichte von med. pract.
E._
(vgl.
vorstehend
E. 3.2,
3.4
) keine Zweifel aufkommen
und auf das
schlüssige
I._
-Gutachten ist abzustellen.
4.7
Das
I._
-Gutachten erweist sich für die streitigen Belange als umfassend, beantwortet es doch die Frage nach der verbleibenden Arbeitsfähigkeit präzise, beruht auf den notwendigen Untersuchungen, berücksichtigt die vom Beschwer
deführer geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander. Der Bericht wurde sodann in Kenntnis der Vorakten abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen der Ärzte sind in nachvollziehbarer Weise begründet. Es erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vgl.
vorstehend
E.
1.5) und weist keine Mängel
auf.
Die vom Beschwerdeführer dagegen vorgebrachten Argumente sind nicht stich
hal
tig und vermögen den Beweiswert des Gutachtens nicht zu schmälern. Demnach kann für die Entscheidfindung darauf abgestellt werden und der medizinische Sachverhalt erweist sich als dahingehend erstellt, dass
seit März 2011 eine Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit
von 65
% besteht. In angepasster Tätigkeit besteht seit
November 2009
eine
Arb
eitsfähigkeit von 90
%
.
Die Einbusse in der angestammten Tätigkeit beträgt damit 35
%
,
was einem ren
tenaus
schliessenden
Invaliditätsgrad entspricht.
Somit besteht kein Rentenanspruch und die angefochtene Verfügung erweist sich im Ergebnis als zutreffend.
Dies führ
t zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
m
unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.