Decision ID: ab8a7fdc-7157-45d6-8bc3-d3dcfe94b904
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend fahrlässige Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht in Strafsachen, vom 28. Oktober 2021 (GG210038)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 11. Juni 2021 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 30).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 50 S. 26 ff.)
1. Der Beschuldigte, A._, ist schuldig der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne
von Art. 125 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 32 Tagessätzen zu
Fr. 150.– und einer Busse von Fr. 1'200.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-
gesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'500.–.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Entscheidgebühr um einen Drittel.
6. Die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'500.– Gebühr für das Vorverfahren;
Fr. 250.– FOR Kurzbericht elektronische Daten UDS;
Fr. 10.50 Zeugenentschädigung B._;
7. Die Entscheidgebühr und die weiteren Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt.
8. Dem Beschuldigten wird keine Parteientschädigung zugesprochen.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 62 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten des
Staates
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 56, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
_

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte / Prozessuales
1. Mit Urteil des Einzelgerichts in Strafsachen des Bezirksgerichtes Uster vom
28. Oktober 2021 wurde der Beschuldigte der fahrlässigen Körperverletzung
schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 32 Tagessätzen zu Fr. 150.–
sowie mit einer Busse von Fr. 1'200.– bestraft. Der Vollzug der Geldstrafe wurde
aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt (Urk. 50).
2. Mit Eingabe vom 29. Oktober 2021 meldete der Beschuldigte innert Frist die
Berufung an (Urk. 46). Nach Zustellung des begründeten Urteils am 31. Januar
2022 liess er mit Eingabe vom 21. Februar 2022 fristgemäss die Berufungserklä-
rung einreichen (Urk. 51). Die Berufung wurde nicht beschränkt. Mit Präsidialver-
fügung vom 1. März 2022 wurde den Parteien Frist angesetzt, um Anschlussberu-
fung zu erheben oder begründet ein Nichteintreten auf die erhobene Berufung zu
beantragen (Urk. 54). Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf Anschlussberufung
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und beantragt die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 56). Die Privat-
klägerin hat sich nicht geäussert und somit stillschweigend auf eine Anschlussbe-
rufung verzichtet.
3. Am 11. Mai 2022 wurde auf den 30. September 2022 zur Berufungsverhand-
lung vorgeladen, zu welcher der Beschuldigte in Begleitung seines Verteidigers
erschienen sind (Prot. II S. 3).
II. Schuldpunkt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird gemäss Anklage – hier nur verkürzt zusammengefasst
(vgl. im Detail Urk. 30 S. 2 f.) – vorgeworfen, er habe am 4. Februar 2021,
06.29 Uhr, beim Lenken seines Fahrzeuges bei der Einfahrt C._ auf der Ein-
fahrtstrecke der Autobahn in Richtung Zürich mangels ausreichender Aufmerk-
samkeit das am Ende der Einfahrtstrecke stillstehende, zivile Polizeifahrzeug zu
spät wahrgenommen und er sei frontal in das Heck geprallt. Die Lenkerin des Po-
lizeifahrzeuges habe zufolge des Aufpralls ein Schleudertrauma erlitten und sei
bis zumindest am 25. Februar 2021 50% arbeitsunfähig gewesen. Das stillste-
hende Polizeiauto habe das Blaulicht, das CIS-GIS (Horn) sowie vorne und hinten
am Fahrzeug die Polizeimatrix eingeschaltet gehabt. Die Kollision und die damit
einhergehenden Verletzungen der Privatklägerin seien vorhersehbar und bei ge-
nügender Aufmerksamkeit vermeidbar gewesen (Urk. 30).
Zum Verständnis ist anzuführen, dass die beiden Polizeibeamtinnen
D._ (Geschädigte) und B._ den Auftrag hatten, einen toten Dachs von
der Fahrbahn zu entfernen. Sie rückten daher ab dem Verkehrsstützpunkt
E._ mit eingeschaltetem Blaulicht, CIS-GIS (Horn) sowie vorne und hinten
mit der Matrixaufschrift "Polizei" aus. Ungefähr 1 Kilometer vor dem in der Mel-
dung gesetzten Punkt verlangsamten sie das Fahrzeug auf ca. 60-70 km/h, um
einen künstlichen Stau zu verursachen und nach dem Tier Ausschau zu halten.
Sie sahen dann den toten Dachs auf der rechten Seite auf dem Beschleunigungs-
streifen liegen, verlangsamten und fuhren nach rechts auf den Beschleunigungs-
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streifen und hielten dort an (vgl. Urk. 1 S. 3 f.). Dies ist unbestritten und aufgrund
der Aussagen der Polizeibeamtinnen ohne Weiteres erstellt. Weiter kann voraus-
geschickt werden, dass sich das Polizeifahrzeug zum Zeitpunkt der Kollision ge-
mäss Auswertung des Unfalldatenspeichers des Polizei-Einsatzfahrzeuges seit
3.6 Sekunden im Stillstand befand. Blaulicht und Warnblinklichter waren weiterhin
eingeschaltet. Das CIS-GIS (Horn) wurde 1.3 Sekunden vor der Kollision ausge-
schaltet (vgl. Urk. 1 S. 5, Urk. 15/1-4).
2. Standpunkt Beschuldigter
Der Beschuldigte hat den äusseren Ablauf im Wesentlichen stets anerkannt, ist
aber der Ansicht, ausreichend aufmerksam gewesen zu sein. Es sei ihm aufgrund
der konkreten Unfallsituation nicht möglich gewesen, sein Fahrzeug rechtzeitig
zum Stillstand zu bringen. Kurz zusammengefasst macht er geltend, dass er kurz
vor der Kollision einem auf der Fahrbahn liegenden toten Dachs habe ausweichen
müssen und dass das Polizeifahrzeug – für ihn nicht/schlecht sichtbar – am An-
fang des Beschleunigungsstreifen abgestellt gewesen sei (Urk. 4-6, Urk. 42 S. 2
ff.). Er verlangt im Berufungsverfahren wie bereits vor Vorinstanz einen vollum-
fänglichen Freispruch (Urk. 51, Urk. 62). An der Berufungsverhandlung verwies er
auf seine bisherigen Aussagen (Prot. II S. 8).
3. Sachverhalt
3.1. Allgemein
Die Vorinstanz hat sich zunächst mit den Grundlagen der Sachverhaltserstellung
auseinandergesetzt. Dem ist nichts hinzuzufügen, weshalb vorab auf die entspre-
chenden Ausführungen verwiesen werden kann (Urk. 50 S. 5 ff.; Art. 82 Abs. 4
StPO).
3.2. Kollisionsort bzw. Standort Polizeifahrzeug vor Kollision
Gemäss Anklage stand das Polizeifahrzeug am "Ende der Einfahrtstrecke" zur
Fahrbahn bzw. Autobahn A... still (Urk. 30 S. 2), was offensichtlich falsch ist. Die
Vorinstanz hat zutreffend erwogen, es sei mit der Verteidigung davon auszuge-
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hen, dass das Polizeifahrzeug zu Beginn der Einfahrtsstrecke bzw. am Anfang
der Beschleunigungsstrecke stand (Urk. 50 S. 7, Art. 82 Abs. 4 StPO). Dies ergibt
sich schon eindeutig aus dem bei den Akten liegenden – von der Zeugin B._
erstellten – Foto (vgl. Urk. 3 S. 1 Foto 2 in Verbindung mit Urk. 43/1). Dies ist in-
soweit von Bedeutung, macht doch der Beschuldigte geltend, er habe das zivile
Polizeifahrzeug infolge dessen Position erst spät sehen können (vgl. Urk. 42 S. 2
ff. sowie Urk. 43/4 [Video auf USB-Stick]; Urk. 62 S. 2 ff.). Des Weiteren ist mit
der Vorinstanz (Urk. 50 S. 7 f.) davon auszugehen, dass sich das Poli-
zeifahrzeug durch den Aufprall nach vorne geschoben hat, was grundsätzlich un-
bestritten ist (vgl. Urk. 8 S. 4 Antwort 18, Urk. 7 S. 4 Antwort 10). Zugunsten des
Beschuldigten ist von dessen Berechnung – Verschiebung um ca. 3 Meter – aus-
zugehen. Die Positionen lassen sich anhand der Fotos gut nachvollziehen, da das
rechte Vorderrad des Fahrzeugs des Beschuldigten auf Höhe des Abflussdeckels
stand und das Polizeifahrzeug nach dem Verschieben mittig über dem quer über
die Fahrbahn verlaufenden, auf den Fotos erkennbaren Streifen (vgl. Fotos in
Urk. 43/1, Urk. 43/3 und Urk. 3 S. 1 ff.).
3.3. Ausweichmanöver wegen Dachs?
a) Der Beschuldigte hat stets geltend gemacht, vor der Kollision noch dem to-
ten Dachs ausgewichen zu sein (Urk. 1 S. 7, Urk. 4-6). Die Anklage hat ein Aus-
weichmanöver vor der Kollision nicht in den Sachverhalt aufgenommen (Urk. 30).
b) Der Beschuldigte hat bereits vor Ort angegeben, dem toten Dachs ausgewi-
chen zu sein (Urk. 1 S. 7 mit Skizze Polizei). Bei der polizeilichen Befragung vier
Tage später führte er aus, er sei mit etwa 40 km/h die Auffahrt hochgefahren und
habe in der Kurve vielleicht zwei Sekunden nach links geschaut um zu sehen, ob
er einspuren könne. Nach dem links schauen habe er den Dachs auf der linken
Strassenseite liegen sehen. Er habe diesem gerade noch ausweichen können,
indem er das Lenkrad nach rechts gezogen habe. Als er dann nach vorne ge-
schaut habe, habe er das (stillstehende) Fahrzeug auf dem Beschleunigungsstrei-
fen gesehen. Zwischen dem Dachs und dem stehenden Fahrzeug seien etwa 12
Meter gewesen. Er habe eine Vollbremsung eingeleitet, das ABS sei ausgelöst
worden, es habe gerattert. Zwischen der Vollbremsung und der Kollision seien
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kaum zwei Sekunden vergangen. Es sei alles sehr schnell gegangen und schwie-
rig einzuschätzen. Nach dem Ausweichen vor dem Dachs sei er vielleicht 10 bis
15 km/h weniger gefahren. Das Manöver habe ja auch Energie gekostet. Es sei
(auch) das Ausweichmanöver gewesen, welches zum Unfall geführt habe. Dieses
und der Seitenblick nach links hätten seine Aufmerksamkeit und Zeit gefordert
(Urk. 4 S. 1 ff.). In der staatsanwaltlichen Einvernahme wiederholte der Beschul-
digte im Wesentlichen seine früheren Angaben und ergänzte, dass bei der Ein-
fahrt auf die Autobahn eine Höhendifferenz von etwa 8 Meter bestehe. Er sei der
Einzige auf der Einfahrt gewesen. Er habe den Dachs auf der linken Seite seiner
Fahrspur erblickt. Dessen Position sei diesbezüglich nicht so wie (in der Skizze)
im Polizeirapport dargestellt, was auch das Foto beweise (Urk. 5 S. 2). Auf Frage
hin schätzte der Beschuldigte die Entfernung des Dachs vom Polizeifahrzeug auf
etwa 12 Meter, zweimal seine Fahrzeuglänge plus zwei Meter (Urk. 5 S. 4).
c) Die Zeugin B._ (Beifahrerin) gab an, sie sei aus dem Polizeifahrzeug
ausgestiegen und habe die Türe hinten rechts geöffnet, um ihre orange Jacke
herauszunehmen. Sie habe gehört, dass ein Fahrzeug auf der Einfahrtsstrecke
komme und die Jacke dann nicht genommen. Weiter führte sie aus, zu der Auto-
bahneinfahrt hingeschaut und gesehen zu haben, dass ein Fahrzeug komme. Das
Fahrzeug habe nicht den Anschein gemacht, dass es verlangsamen würde. Nach
etwa ein bis zwei Sekunden habe sie "Stopp" geschrien. Zu diesem Zeitpunkt ha-
be es nachher schon "geklöpft". Sie habe dann – nachdem die Privatklägerin
ausgestiegen sei und sich beim Beschuldigten nach seinem Zustand erkundigt
habe –ihre Jacke behändigt und den Dachs auf die Seite getan, damit nicht
nochmals etwas passiere. Sie habe dann auch Triopane gestellt (Urk. 8 S. 3).
Weiter gab die Zeugin B._ auf Nachfrage hin an, der Beschuldigte sei etwa
ca. 60-70 km/h gefahren. Sie habe nicht wahrgenommen, dass er sein Fahrzeug
vor dem Aufprall abgebremst habe (Urk. 8 S. 4). Zur Frage, ob der Beschuldigte
dem Dachs ausgewichen sei, schilderte die Zeugin, keinen "Schlänker" wahrge-
nommen zu haben (Urk. 8 S. 5). Die Privatklägerin, welche noch als Lenkerin im
Fahrzeug gesessen war, hat dazu keine Wahrnehmungen geschildert (Urk. 7).
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d) Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, dass die Angaben des Beschuldig-
ten zum Ausweichmanöver wegen dem toten Dachs glaubhaft seien. Dem ist un-
ter Verweis auf die Erwägungen der Vorinstanz zuzustimmen (Urk. 50 S. 7,
Art. 82 Abs. 4 StPO). Wie ausgeführt ist die Polizei bzw. die Geschädigte eben
wegen diesem toten Dachs auf der Strasse ausgerückt. Das Foto der Polizei be-
legt im Übrigen den toten Dachs auf der Fahrspur des Beschuldigten und auch
die von ihm geschilderte Lageposition (Urk. 3 Foto 2). Seiner konstanten, sachli-
chen Schilderung des Ausweichmanövers ohne Übertreibungen steht denn auch
einzig die Aussage der Zeugin gegenüber, welche diesbezüglich lediglich depo-
nierte, keinen "Schlänker" bemerkt zu haben. Zu beachten ist dabei, dass die Kol-
lision 3.6 Sekunden nach dem Stillstehen erfolgte und die Zeugin gemäss ihrer
eigenen Schilderung auch noch Zeit brauchte, um den Gurt aufzumachen, aus
dem Fahrzeug zu steigen und eigentlich dabei war, die hintere rechte Fahrzeugtü-
re zu öffnen. Es kann daher ohnehin nicht ausgeschlossen werden, dass die Zeu-
gin den Beschuldigten erst nach dessen Ausweichmanöver erblickte. Weiter hat
die Vorinstanz einleuchtend dargetan, dass der tote Dachs nicht plattgefahren
war, was für ein Ausweichmanöver spreche. Gleiches gilt für die festgestellten
Beschädigungen auf den beiden Fahrzeugen. Das Fahrzeug des Beschuldigten
war hauptsächlich vorne rechts und das Polizeifahrzeug hauptsächlich hinten
links beschädigt. Dies legt nahe, dass der Beschuldigte dem auf der linken Stras-
senhälfte liegenden Dachs nach rechts ausgewichen ist und wieder zurück nach
links lenkte und dadurch mit dem vorderen rechten Teil seines Autos mit dem
parkierten Fahrzeug kollidierte. Es ist demnach von der Darstellung des Beschul-
digten auszugehen, dass er vor der Kollision wegen dem Dachs ein Ausweichma-
növer vornehmen musste. Dies bedeutet indessen auch, dass die Anklageschrift
entsprechend um dieses Geschehen zu ergänzen ist.
3.4. Standort Dachs bzw. Abstand Dachs zum Polizeifahrzeug
Der tote Dachs wird in der Anklageschrift nicht erwähnt. Gemäss Polizeirapport
äusserte die Privatklägerin, etwa 20 Meter nach dem Dachs angehalten zu haben.
B._ schätzte die Distanz auf etwa 15 bis 20 Meter (Urk. 1 S. 4). In der Ein-
vernahme durch die Staatsanwaltschaft sprach die Privatklägerin von einem
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"ziemlichen Abstand" zum Dachs (Urk. 7 S. 4 unten). Der Beschuldigte meinte wie
bereits erwähnt, es seien zwischen dem Dachs und dem stehenden Fahrzeug et-
wa 12 Meter gewesen, zweimal seine Fahrzeuglänge plus zwei Meter (Urk. 4 S. 1
ff., Urk. 5 S. 4, Prot. I S. 10). Eine Entfernung von etwa 12 bis 20 Meter zwischen
Dachs und Polizeifahrzeug erscheint auch gestützt auf das bei den Akten liegen-
de Übersichtsfoto bezüglich Endlage und dem Kadaver (Urk. 3 Foto 2) als realis-
tisch.
3.5. Geschwindigkeit des Beschuldigten
Die Anklage äussert sich nicht dazu, mit welcher Geschwindigkeit der Beschuldig-
te vor dem Unfall gefahren sei. Der Verteidiger des Beschuldigten geht von einer
Geschwindigkeit von ca. 50 km/h aus. Dies mit dem Hinweis, dass es dem Be-
schuldigten erst ab Sekunde 29 des von ihm eingereichten Videos (Urk. 43/4)
bzw. erst ab dem von ihm bezeichneten Punkt auf Google Maps (vgl. Urk. 43/7)
möglich gewesen sei, das parkierte Polizeifahrzeug zu erblicken und es bei einem
Bremsweg von 33,5 Metern für ihn nicht mehr möglich gewesen sei, rechtzeitig zu
bremsen (Urk. 42 S. 4 ff., Urk. 43/4-7; Urk. 62 S. 4 ff.). Die Vorinstanz ist zum
Schluss gekommen, dass der Beschuldigte mit einer Geschwindigkeit zwischen
40 und 50 km/h unterwegs gewesen sei, wie er dies selber vorgebracht hat (act. 4
S. 2 Antwort 5, Urk. 42 S. 5). Darauf kann verwiesen werden (Urk. 50 S. 8, Art. 82
Abs. 4 StPO). Weiter kann auf die glaubhafte Aussage des Beschuldigten abge-
stellt werden, dass er noch eine Vollbremsung machte, das ABS eingesetzt und
es gerattert habe. Wie hoch die Geschwindigkeit beim Aufprall war, lässt sich
mangels Gutachten nicht genau sagen. Es kann mit der Vorinstanz festgehalten
werden, dass die Kollisionsgeschwindigkeit immerhin noch so hoch war, dass die
Kollision zu einem Schleudertrauma bei der Privatklägerin und erheblichen Be-
schädigungen an den Unfallfahrzeugen – insbesondere einem ausgelösten Airbag
im Fahrzeug des Beschuldigten – geführt hat. Mit anderen Worten ist von einer
Geschwindigkeit auszugehen, die zu Verletzungen und Sachschaden führen
kann.
3.6. Blaulicht/Horn etc.
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a) Wie eingangs erwähnt waren beim stillstehenden Polizeifahrzeug Blaulicht
und Warnblinklichter sowie die Matrix "Polizei" eingeschaltet. Das CIS-GIS (Horn)
ist 1.3 Sekunden vor der Kollision ausgeschaltet worden. Dies wird vom Beschul-
digten denn auch nicht bestritten. Er erklärte lediglich, sich an den Schriftzug "Po-
lizei" und die Warnblinker nicht erinnern zu können. Er meinte auch, dass Blau-
licht nicht direkt gesehen zu haben (Urk. 4 S. 2 f.). An anderer Stelle meinte er,
das Blaulicht eigentlich nicht gesehen zu haben. Es sei hinter ihm gewesen. Im
Augenblick des Ausweichmanövers habe die Polizei ihn – gemeint wohl oben auf
der Autobahn – überholt. Das Polizeihorn habe er wahrgenommen beim Vorbei-
fahren, als es oben auf der Autobahn gewesen sei. Das Polizeifahrzeug sei oben
auf der Autobahn gewesen. Die Lautstärke sei nicht gleich laut, wie wenn man di-
rekt daneben sei (Urk. 5 S. 3 f.). Vor Vorinstanz gab der Beschuldigte an, das
Blaulicht gesehen zu haben. Er habe das Blaulicht aber "nicht direkt" gesehen,
weil die Einfahrtstrecke ansteigend sei und er von unten angefahren gekommen
sei, das Blaulicht aber an der vorderen linken Ecke des höher stehenden Polizei-
fahrzeugs angebracht gewesen sei (Prot. I S. 8). Er habe halb unterbewusst fest-
gestellt, dass die Polizei auf der Schnellstrasse unterwegs sei. Mehr habe er nicht
wahrgenommen, denn er habe sich nicht auf dieser Strasse befunden. Auf die
Frage, wann genau er das Polizeihorn wahrgenommen habe, ob dies noch gewe-
sen sei, als er sich in der Kurve des Beschleunigungsstreifen befunden habe,
sagte der Beschuldigte aus, er könne das nicht genau sagen. Es habe sich alles
irgendwie zeitgleich abgespielt (Prot. I S. 9/10).
b) Bei den Aussagen des Beschuldigten zu seinen Wahrnehmungen rund um
die Kollision fällt auf, dass er mehrere Beobachtungen schildert, die offensichtlich
nicht zutreffend sind. Insbesondere kann aufgrund des Schadensbildes am Poli-
zeifahrzeug ausgeschlossen werden, dass die Heckklappe bei der Kollision offen
war (und den Blick auf die Matrix und teilweise auf das Blaulicht verdeckte), wie
dies der Beschuldigte schildert (Urk. 4 S. 3, Urk. 7 S. 4). Dies ergibt sich aus den
erstellten Fotos (vgl. Urk. 3 S. 10) und den ohne Weiteres glaubhaften, überein-
stimmenden Aussagen der Zeugin und der Privatklägerin. Ebenso hat der Be-
schuldigte offensichtlich falsch wahr genommen, auf welcher Seite des Fahrzeu-
ges die Zeugin B._ gestanden habe. Er meinte wiederholt, sie links vom
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Fahrzeug gesehen zu haben (Urk. 4 S. 4). Die Aussage der Zeugin, rechts beim
Fahrzeug gestanden zu sein, erscheint indessen ohne Weiteres glaubhaft, ist sie
doch als Beifahrerin rechts ausgestiegen und hat einleuchtend geschildert, dass
sie die Türe hinten rechts öffnen wollte, um ihre orange Jacke herauszunehmen
(Urk. 8 S. 3). Auch sind nach dem Stillstand des Polizeifahrzeugs nur 3.6 Sekun-
den vergangen. Die vom Beschuldigten geschilderten Wahrnehmungen sind da-
her kritisch zu prüfen. Bezüglich des Wahrnehmens des Blaulichts hat der Be-
schuldigte sodann widersprüchliche Angaben gemacht. Nachdem er einmal an-
gab, das Blaulicht "eigentlich" nicht gesehen zu haben, an anderer Stelle aber da-
von sprach, dieses indirekt wahrgenommen zu haben, ist er auf seinen Zugaben
zu behaften. Es ist aber wie von ihm geschildert zu berücksichtigen, dass er nicht
auf der gleichen Strasse war wie das Polizeifahrzeug, sondern von unten herauf
mit einer Höhendifferenz von 8 Metern auf einer Kurve mit einem 270 Gradwinkel
Richtung Beschleunigungsstrecke fuhr. Es ist daher davon auszugehen, dass er
mitbekommen hat, dass ein Fahrzeug mit Blaulicht und Sirene auf der Autobahn
unterwegs ist. Eine andere Frage ist, ab wann er das am Anfang der Beschleuni-
gungsstrecke stehende Fahrzeug wahrgenommen hat bzw. wahrnehmen konnte.
3.7. Ab wann war stillstehendes Fahrzeug für Beschuldigten erkennbar?
a) Die Anklage nennt keinen bestimmten Strassenpunkt, ab welchem der Be-
schuldigte das Polizeifahrzeug aus der Kurve heraus hätte erkennen können. Im
Wesentlichen wird festgehalten, dass der Beschuldigte das Fahrzeug wegen dem
Blaulicht, dem Horn und der Polizeimatrix frühzeitig hätte erkennen können
(Urk. 30 S. 2 unten). Der Vorwurf geht in die Richtung, dass man von weitem das
Horn habe hören und das Blaulicht habe sehen müssen. Im Polizeirapport heisst
es diesbezüglich: "Zu diesem Zweck wurde die anzutreffende Situation eines still-
stehenden zivilen Patrouillenfahrzeuges mit eingeschaltetem Blaulicht simuliert
und ein Video der Auffahrt erstellt. Das Patrouillenfahrzeug kommt nach gut der
Hälfte der Kurve in Sichtweite. Etwa zum selben Zeitpunkt öffnet sich das Sicht-
feld nach links auf die Fahrbahn der A.... Zum Zeitpunkt der Kollision war es dun-
kel. Das Blaulicht konnte lediglich an der Mittelleitplanke oder an vorbeifahrenden
Fahrzeugen reflektieren." (Urk. 1 S 3). Dieses Video ist nicht bei den Akten und es
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ist nicht klar, wo genau das Patrouillenfahrzeug bei dieser Simulationsfahrt abge-
stellt war und welche Stelle genau mit "nach gut der Hälfte" der Kurve gemeint ist.
Es fragt sich nun, was genau dem Beschuldigten vorgeworfen wird bzw. ab wann
genau er gemäss Anklage das fragliche Fahrzeug hätte erkennen können.
b) Der Beschuldigte hat mit seinem Verteidiger ebenfalls die Strecke rekonstru-
iert und eine Stelle ein gutes Stück nach der Hälfte der Kurve bezeichnet – eben
bei Sekunde 29 der Fahrt (vgl. Urk. 42/4 [Video auf USB-Stick] bzw. den auf ei-
nem Ausdruck von Google Maps markierten Punkt [vgl. Urk. 43/7]) –, ab welchem
er das abgestellte Polizeifahrzeug habe erkennen können. Konkret ist diese Stelle
33.09 Meter vom stillstehenden Polizeifahrzeug – bevor es durch die Kollision
nach vorne geschoben wurde – entfernt (vgl. a.a.O. sowie Urk. 42 S. 6). Ausge-
sagt hat der Beschuldigte, das parkierte Fahrzeug erst gesehen zu haben, nach-
dem er dem Dachs ausgewichen sei. Davor sei das Polizeifahrzeug vom Kurven-
radius versteckt gewesen (vgl. etwa Prot. I S. 9). Zuvor hat er allerdings angege-
ben, durch den Seitenblick Zeit versäumt zu haben und dass der Totkörper seine
Aufmerksamkeit gefordert habe. Wenn er nur nach links geschaut und dann wie-
der nach vorne, wäre das nicht passiert (Urk. 4 S. 4). Sinngemäss macht er damit
geltend, dass er das Polizeifahrzeug etwas früher gesehen hätte, wenn er nicht
durch das Ausweichmanöver abgelenkt gewesen wäre. Zu erwähnen ist auch,
dass im Polizeirapport aufgrund der Simulationsfahrt festgehalten wird, dass das
Patrouillenfahrzeug nach gut der Hälfte der Kurve in Sichtweite komme und sich
etwa zum selben Zeitpunkt das Sichtfeld nach links auf die Fahrbahn der A... öff-
ne. Der Beschuldigte hat angegeben, nach links geschaut zu haben, um zu se-
hen, ob er einspuren könne. Nach dem links schauen habe er den Dachs auf der
linken Strassenseite liegen sehen. Er habe diesem gerade noch ausweichen kön-
nen, indem er das Lenkrad nach rechts gezogen habe. Als er dann nach vorne
geschaut habe, habe er das (stillstehende) Fahrzeug auf dem Beschleunigungs-
streifen gesehen.
c) Wie erwähnt ist unklar, ab welcher Stelle der Beschuldigte gemäss Anklage
das Fahrzeug hätte spätestens erkennen müssen. Immerhin spricht auch der Po-
lizeirapport gestützt auf eine Simulationsfahrt diesbezüglich von einer Position
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(erst) gut nach der Hälfte der Kurve. Zu berücksichtigen ist weiter, dass der Be-
schuldigte Blaulicht und Horn vom oben auf der Autobahn fahrenden Polizeifahr-
zeug beim Vorbeifahren von weiter unten auf der Kurve fahrend wahrgenommen
hat. Der Beschuldigte wusste somit lediglich – aber immerhin –, dass oben auf
der Autobahn ein Fahrzeug mit Blaulicht und Sirene unterwegs war. Nicht ersicht-
lich war für ihn bis zu einer bestimmten Stelle, dass und wo es parkiert war. Es
kann ihm daher nicht generell vorgeworfen werden, er hätte aufgrund von Blau-
licht/Horn wissen müssen, wo das Polizeifahrzeug stand. Zum Verständnis ist
nochmals daran zu erinnern, dass das Polizeifahrzeug nicht auf der gleichen
Strecke bzw. Kurve auf die Beschleunigungsstrecke fuhr wie der Beschuldigte,
sondern von der Autobahn aus fahrend nach rechts auf die Beschleunigungsstre-
cke abzweigte. Zudem konnte gemäss Polizeirapport das Blaulicht lediglich an
der Mittelleitplanke oder an vorbeifahrenden Fahrzeugen reflektieren werden. Bei
Visionierung des vom Beschuldigten eingereichten Videos einer Nachfahrt er-
scheint sodann die vom ihm bezeichnete Stelle (33 Meter vor dem abgestellten
Fahrzeug), ab wann er das stillstehende zivile Polizeifahrzeug habe erkennen
können, nachvollziehbar und nicht unrealistisch. Daran ändert auch nichts, dass
im Februar die sich rechts neben der Einfahrtsstrecke im Innern der Kurve befind-
lichen Pflanzen damals blätterlos und somit licht- und blickdurchlässiger waren
(vgl. Urk. 50 S. 14). Es ist zu seinen Gunsten von dieser Stelle auszugehen. Zu
beachten ist, dass sich diese Stelle – geht man davon aus, dass der tote Dachs
rund 15 Meter vor dem Polizeifahrzeug lag – rund 18 Meter vor dem auf der Fahr-
bahn liegenden Dachs befand. Von daher erscheint die Aussage des Beschuldig-
ten, der Totkörper habe seine Aufmerksamkeit gefordert und er habe das Fahr-
zeug der Polizei deswegen erst nach dem Ausweichmanöver gesehen, nicht un-
glaubhaft.
4. Fazit
Der Sachverhalt ist mit diesen Ergänzungen erstellt. Es ist davon auszugehen,
dass der Beschuldigte mit einer Geschwindigkeit von etwa 40 bis 50 km/h auf der
Kurve von unten herauf mit einer Höhendifferenz von 8 Metern mit einem 270
Gradwinkel Richtung Beschleunigungsstrecke fuhr und das stillstehende Polizei-
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fahrzeug von der Kurve herausfahrend grundsätzlich etwa 33 Meter zuvor hätte
sehen können und müssen. Zuvor hatte der Beschuldigte (lediglich) das Vorbei-
fahren eines Polizeifahrzeuges mit Blaulicht und Sirene wahrnehmen können. An
dieser Stelle schaute er kurz nach links, sah den etwa 18 Meter vor ihm liegenden
toten Dachs und wich diesem aus. Danach erblickte er das Polizeifahrzeug und
bremste, wobei es dennoch zur Kollision kam. Geht man von diesem ergänzten
Sachverhalt aus, ist indessen wie von der Verteidigung geltend gemacht, ab der
fraglichen Stelle bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h von einem Bremsweg von
33.5 Metern auszugehen, so dass es dem Beschuldigten (ganz knapp) nicht mehr
möglich gewesen wäre, rechtzeitig zu bremsen. Zu bemerken ist dabei, dass ein
Seitenblick nach links Richtung einzuspurende Autobahn natürlich ist und dass
sich in der Folge beim Beschuldigten die vom auf der Fahrbahn liegenden toten
Dachs ausgehende Gefahr eben verwirklicht hat, indem der Beschuldigte wegen
diesem abgelenkt war und ausgewichen ist, was ebenfalls eine normale Reaktion
ist. Dabei ist zu erinnern, dass die Polizei ja eben wegen der Gefährdung durch
den toten Dachs ausgerückt ist. Hinzu kommt, dass das Polizeifahrzeug an nicht
idealer Stelle parkiert wurde, gerade unter Berücksichtigung des Umstands, dass
der tote Dachs rund 15 bis 20 Meter weiter hinten (vom Polizeifahrzeug aus ge-
sehen) lag. Es wäre sicherlich sinnvoller gewesen, das Polizeifahrzeug auf der
Sperrfläche oder zumindest einige Meter weiter weg vom Anfang der Beschleuni-
gungsstrecke zu parkieren (siehe Fotos). Damit ist kein Vorwurf an die Polizei zu
sehen, wollte diese den Dachs doch so schnell wie möglich entfernen. Die von
der Privatklägerin vertretene Ansicht, es gebe "kein falsch", wo ein Polizeifahr-
zeug in solch einer Situation stehen könne (Urk. 7 Antwort 11), erscheint indessen
zu apodiktisch. Insgesamt ist von einer Verkettung unglücklicher Umstände zu
sprechen.
5. Mangelnde Sorgfaltspflichtverletzung
Bei Fahrlässigkeit muss der Täter mit seinem Verhalten eine Sorgfaltspflicht ver-
letzt haben, wobei Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflicht-
verletzung die Voraussehbarkeit des Erfolges ist. Voraussetzung für die Strafbar-
keit ist sodann die Vermeidbarkeit des Erfolges (Urk. 50 S. 13). Gemäss erstell-
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tem Sachverhalt konnte der Beschuldigte das Polizeifahrzeug trotz Blaulicht erst
aus einer Entfernung von etwa 33 Metern erkennen und wäre es ihm somit trotz
genügender Aufmerksamkeit nicht möglich gewesen, rechtzeitig zu bremsen. Es
fehlt somit an einer Vermeidbarkeit des Erfolgs. Gleichzeitig war er durch den auf
der Strasse liegenden Dachs abgelenkt, was ihm nicht zum Vorwurf gemacht
werden kann, und hat er daher zusätzlich verspätet begonnen zu bremsen. Dies
wirkte sich indessen insoweit nicht aus, als er ohnehin nicht in der Lage gewesen
wäre, rechtzeitig zu bremsen und die Kollision zu vermeiden. Zudem war das Po-
lizeifahrzeug an nicht idealer Position geparkt. Die unglückliche Verkettung dieser
gesamten Umstände führten zur Kollision und nicht die mangelnde Aufmerksam-
keit des Beschuldigten. Der Beschuldigte ist daher mangels Vermeidbarkeit des
Erfolgs und mangels Sorgfaltspflichtverletzung vom Vorwurf der fahrlässigen Kör-
perverletzung freizusprechen.
III. Kosten– und Entschädigungsfolgen
1. Die Vorinstanz auferlegte dem Beschuldigten infolge des Schuldspruchs
sämtliche Verfahrenskosten (Urk. 50 S. 27 Dispositivziffern 5 bis 7). Nachdem der
Beschuldigte heute freizusprechen ist, sind die Kosten der Untersuchung und des
erst- sowie zweitinstanzlichen Gerichtsverfahrens auf die Gerichtskasse zu neh-
men (Art. 426 StPO).
2. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird
das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruch auf Entschädigung ihrer
Aufwendungen für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte (Art. 429
Abs. 1 lit. a StPO). Der erbetene Verteidiger des Beschuldigten macht für die Un-
tersuchung, das erstinstanzliche Verfahren sowie das Berufungsverfahren insge-
samt eine Entschädigung von Fr. 13'610.15 (inkl. MWSt.) geltend (Urk. 64). Ge-
mäss § 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV beträgt die Grundgebühr für die Führung eines
Strafprozesses einschliesslich Vorbereitung des Parteivortrags und Teilnahme an
der Hauptverhandlung vor den Bezirksgerichten in der Regel Fr. 1'000.– bis
Fr. 28'000.–. Gemäss § 18 Abs. 1 AnwGebV wird die Gebühr im Berufungsverfah-
ren grundsätzlich nach den für die Vorinstanz geltenden Regeln bemessen. Nach
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es zulässig, für das Anwaltshonorar
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Pauschalen vorzusehen (BGE 143 IV 453 E. 2.5.1). Der Aktenumfang des vorlie-
genden Falles ist verhältnismässig gering und es stellten sich keine besonders
komplexen tatsächlichen und/oder rechtliche Fragen. Insgesamt handelt es sich
zwar nicht um den einfachsten Standardfall. Er ist aber höchstens als von durch-
schnittlicher Schwierigkeit einzustufen. Vor diesem Hintergrund erscheint eine
pauschale Entschädigung von Fr. 10'000.– als angemessen. Dementsprechend
ist dem Beschuldigten für die anwaltliche Verteidigung im vorliegenden Verfahren
eine Prozessentschädigung von pauschal Fr. 10'000.– aus der Gerichtskasse zu-
zusprechen.