Decision ID: 132175b2-0a01-4141-b559-123d67a3ed0f
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y., chinesische Staatsbürgerin, war von 2008 bis 2014 mit dem österreichischen
Staatsangehörigen B.W. verheiratet. Das Ehepaar wohnte ab Dezember 2008 in der
Gemeinde X. Mit Gesuch vom 1. Juni 2010 beantragte B.W. für sich und seine Ehefrau
bei der Gemeinde X. Sozialhilfeunterstützung. Er deklarierte unter anderem, weder über
Einkommen noch über namhaftes Vermögen zu verfügen (act. 3.6/99). Das eigentliche
Gesuch trägt die Unterschrift von B.W. (S. 7). Die letzte Seite ("Erklärung und
Verpflichtung des Gesuchstellers") unterzeichneten die Ehegatten gemeinsam (S. 8).
Gestützt auf ein Berechnungsblatt zur Bemessung der Sozialhilfe wurde der monatliche
Anspruch auf finanzielle Sozialhilfe auf CHF 2'895 festgelegt (act. 3.6/91).
Berücksichtigt wurden der Grundbedarf für den Lebensunterhalt für zwei Personen im
gemeinsamen Haushalt (CHF 1'469), die Kosten der gemeinsamen Wohnung von
konkret CHF 1'426 und die Krankenkassenprämien von CHF 389. Gestützt auf eine
Abtretungserklärung überwies die Arbeitslosenkasse des Kantons St. Gallen der
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Gemeinde X. während einiger Monate Arbeitslosenversicherungsleistungen für B.W.
Per 1. März 2011 trat dieser eine Arbeitsstelle an, worauf der Bezug von
Sozialhilfeleistungen endete. In einer Verfügung vom 5. Januar 2012 bezifferte die
Sozialkommission der Gemeinde X. den offenen Saldo aus den
Unterstützungsleistungen auf CHF 12'659.20 und verpflichtete B.W. und A.Y. zu
monatlichen Rückzahlungen von CHF 500 (act. 3.6/25).
B. Das Ehepaar A.Y. und B.W. liess sich im Jahr 2014 scheiden. Als A.Y. dem
Migrationsamt nebst anderen Unterlagen eine Bescheinigung der Sozialen Dienste X.
einreichen sollte, wiesen diese am 7. Oktober 2014 auf den Sozialhilfebezug zwischen
Juli 2010 und März 2011 hin (Schreiben nicht bei den Akten). B.W. intervenierte zu
Gunsten seiner ehemaligen Ehefrau und machte gegenüber den Sozialen Diensten
geltend, dass er ohne ihr Wissen und Zutun Sozialhilfe beantragt und bezogen habe.
Als A.Y. Belege bzw. eine anfechtbare Verfügung verlangte, übermittelten die Sozialen
Dienste eine Kopie des Beschlusses der Sozialkommission vom 5. Januar 2012.
Dagegen erhob A.Y. mit Eingabe vom 3. November 2014 Rekurs beim Gemeinderat
und verlangte dessen Aufhebung, soweit er sie betreffe. Sie machte geltend, weder
habe sie von der Gemeinde X. Sozialhilfeleistungen bezogen, noch sei ihr der
angefochtene Beschluss im Januar 2012 eröffnet worden.
Der Gemeindepräsident trat am 6. November 2014 nicht auf den Rekurs ein (Entscheid
nicht bei den Akten). A.Y. verlangte in der Folge einen Entscheid des Gemeinderates.
Dieser trat mit Beschluss vom 25. März 2015 auf das Rechtsmittel ebenfalls nicht ein.
Der Entscheid der Sozialkommission vom 5. Januar 2012 sei ordentlich zugestellt
worden und damit längst rechtskräftig. Dies zeige sich daran, dass in der Folge
Rückzahlungen getätigt worden seien. Die Sozialhilfegelder seien den Ehegatten
gemeinsam zugeflossen und von diesen wieder zurückzuerstatten, wenn sie
(gemeinsam oder einzeln) wieder leistungsfähig seien und ihnen dies zumutbar sei. Der
offene Saldo zu Gunsten der Gemeinde X. betrage derzeit CHF 11'759.20 (act. 3.6/1).
C. Gegen den Nichteintretensentscheid erhob A.Y. beim Departement des Innern
Rekurs. Das Departement hiess diesen mit Entscheid vom 20. Januar 2016 gut und
wies die unterlegene Gemeinde X. an, gegenüber A.Y. zu bestätigen, dass sie nicht
sozialhilferechtlich unterstützt worden sei. Das Ehepaar sei – so die Rekursinstanz –
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nicht gemeinsam unterstützt worden, das Unterstützungsverhältnis habe lediglich B.W.
betroffen. Die als "Rekurs" gegen den Beschluss vom Januar 2012 gerichtete Eingabe
hätte der Gemeinderat als Rechtsverweigerungsbeschwerde gegen die Sozialen
Dienste, welche die verlangte Negativbestätigung verweigert hätten, behandeln und
gutheissen müssen.
D. Mit Eingabe vom 3. Februar 2016 erhob die Gemeinde X. (Beschwerdeführerin)
gegen den Rekursentscheid Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den folgenden
Anträgen (act. 1):
1. Der angefochtene Rekursentscheid des Departements des Innern des Kantons St.
Gallen vom 20. Januar 2016 sei aufzuheben.
2. Es sei festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin gemeinsam mit ihrem Ehemann
im Zeitraum vom 1. Juli 2010 bis 31. März 2011 von der Politischen Gemeinde X.
sozialhilferechtlich unterstützt wurde und heute noch eine offene
Rückerstattungsforderung der Politischen Gemeinde X. gegenüber den Ehegatten im
Betrag von CHF 11'983.10 besteht.
3. Unter Kostenfolge.
In seiner Vernehmlassung vom 18. Februar 2016 beantragte das Departement des

Innern (Vorinstanz) Abweisung der Beschwerde. Sie verwies auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheids (act. 9). A.Y. (Beschwerdegegnerin) verzichtete
stillschweigend auf eine Vernehmlassung.
Auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin, den angefochtenen Entscheid und die
Akten wird – soweit erforderlich – in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
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1.1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 2 VRP räumt der zuständigen Behörde einer öffentlich-
rechtlichen Körperschaft oder einer selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt das
Recht zur Beschwerde ein, wenn diese im umstrittenen Bereich öffentliche Interessen
zu wahren hat. Praxisgemäss setzt die Legitimation eines Gemeinwesens voraus, dass
dieses den streitigen Entscheid durch Setzen eines Rechtsaktes im eigenen
Aufgabenbereich erlassen und damit bestimmte öffentliche Interessen vertreten hat
(GVP 1992 Nr. 43). Das ist nur der Fall, wenn es im Bereich einer ihm obliegenden
Aufgabe tätig wurde und dabei lokale Interessen wahrgenommen hat. Unerheblich ist,
ob es sich dabei um autonome Belange oder übertragene Befugnisse handelt. Der
Aufgabenkreis der öffentlich-rechtlichen Körperschaften oder Anstalten ergibt sich aus
der Zuständigkeitsordnung des kantonalen Rechts. Massgebend ist letztlich, ob der
betreffenden Körperschaft oder Anstalt eigene Verfügungskompetenz zukommt
(Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz. 453 f.). In diesem Sinn ist die
Beschwerdebefugnis der politischen Gemeinden namentlich in Sozialhilfestreitigkeiten
gegeben, weil es sich dabei um eine den Gemeinden übertragene Aufgabe handelt (vgl.
Art. 3 Abs. 1 des Sozialhilfegesetzes, sGS 381.1, SHG) und die Beschwerdeführerin
von ihrer Verfügungskompetenz Gebrauch gemacht hat. Die Beschwerdeeingabe vom
3. Februar 2016 entspricht unter Berücksichtigung der Ergänzungen vom 9. Februar
2016 den gesetzlichen Anforderungen in zeitlicher, formaler und inhaltlicher Hinsicht
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
1.2. Streitgegenstand ist nach Auffassung der Vorinstanz die Weigerung der
Beschwerdeführerin, eine vorgeschriebene Amtshandlung vorzunehmen. Diese habe
darin bestanden, der Beschwerdegegnerin eine Negativmeldung über bezogene
Sozialhilfe auszustellen. Die Beschwerdeführerin hingegen ging im eigenen
Rekursentscheid davon aus, Streitgegenstand sei der – offensichtlich mit Verspätung
angefochtene – Beschluss der Sozialkommission vom 5. Januar 2012. Die Vorinstanz
hat im angefochtenen Entscheid (insb. E. 3.4.3) zutreffend ausgeführt, dass dessen
schriftliche Zustellung im Januar 2012 nicht belegt und ohnehin unwahrscheinlich ist,
weil die Adressaten nachweislich landesabwesend waren. Dieser Eröffnungsmangel
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konnte durch die elektronische Zustellung mit E-Mail vom 22. Oktober 2014 nicht
geheilt werden, weil dieses Vorgehen ausserhalb der prozessualen Formen liegt. Es
fehlte namentlich an der notwendigen schriftlichen Zustimmung der
Verfügungsadressatin (vgl. Art. 26bis VRP). Weil weder eine Verfügung gültig eröffnet
noch die verlangte Amtshandlung vorgenommen wurde, ist die Vorinstanz zu Recht
von einem Rekurs gegen den Entscheid über eine Rechtsverweigerungsbeschwerde
ausgegangen (vgl. Art. 88 Abs. 1 VRP). Streitgegenstand ist demnach eine von der
Beschwerdeführerin verweigerte Amtshandlung, konkret die Ausstellung einer
Bestätigung, wonach die Beschwerdegegnerin keine finanzielle Sozialhilfe bezogen
habe. Die mit Rechtsbegehren Ziff. 2 unter anderem verlangte Feststellung über
Bestand und Umfang der Rückerstattungsverpflichtung liegt ausserhalb dieses
Streitgegenstandes, weshalb darauf nicht einzutreten ist.
2. Zu entscheiden ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin sozialhilferechtlich
unterstützt worden ist.
2.1. Wer für seinen Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus
eigenen Mitteln aufkommen kann, hat Anspruch auf finanzielle Sozialhilfe (Art. 9 SHG).
Finanzielle Sozialhilfe umfasst Geld- und Naturalleistungen sowie Kostengutsprachen
(Art. 10 Abs. 1 SHG). Sie wird so bemessen, dass die hilfebedürftige Person die
laufenden Bedürfnisse für den Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln decken kann (vgl.
Art. 11 Abs. 1 SHG).
Die Beschwerdeführerin hat keine Ausführungsbestimmungen zum kantonalen
Sozialhilfegesetz erlassen. Ihre Praxis orientiert sich unbestrittenermassen an den
Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe für die Ausgestaltung und
Bemessung der Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien, www.skos.ch) sowie nach den
Richtlinien und der Praxishilfe der st. gallischen Konferenz der Sozialhilfe (KOS-
Praxishilfe, www.kos-sg.ch). Bei den SKOS-Richtlinien, welche per 1. Januar 2016
resp. 1. Januar 2017 revidiert wurden, handelt es sich um Empfehlungen. Eine
Allgemeinverbindlicherklärung im Sinne von Art. 11 Abs. 2 lit. a SHG ist für den Kanton
St. Gallen nicht erfolgt (vgl. VerwGE B 2014/54 vom 30. Juni 2015 E. 3.4.1 mit
Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Damit sind sie für das Gericht nicht verbindlich. Es
berücksichtigt sie jedoch bei seiner Entscheidung, sofern sie eine dem Einzelfall
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angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen
Bestimmungen zulassen (vgl. BGer 8D_1/2015 vom 31. August 2015 E. 5.3.3 mit
Hinweisen). Gleiches gilt für die KOS-Richtlinien (vgl. Botschaft der Regierung vom
6. September 2016 zum IV. Nachtrag zum Sozialhilfegesetz, www.ratsinfo.sg.ch, S. 66),
welche ebenfalls per Januar 2017 überarbeitet wurden (vgl. VerwGE B 2015/292 vom
23. Februar 2017 E. 3.3 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
2.2. Die Sozialhilfe wird vom Subsidiaritätsprinzip beherrscht: Sozialhilfe wird prinzipiell
nur gewährt, soweit der Einzelne keinen Zugang zu einer anderweitigen, zumutbaren
Hilfsquelle hat (BGE 141 I 153 E. 4.1 mit Hinweisen). Weil sie sich von Gesetzes wegen
gegenseitigen Beistand schulden und insbesondere gemeinsam für den gebührenden
Unterhalt der Familie sorgen (vgl. Art. 163 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR
210, ZGB), gelten Ehepaare nur als bedürftig, wenn die gemeinsamen Einnahmen und
das gesamte Vermögen beider Ehegatten für die Deckung des gemeinsamen laufenden
Lebensbedarfs nicht ausreichen. Zusammenlebende Ehepaare bilden im Rahmen der
finanziellen Sozialhilfe deshalb eine Unterstützungseinheit (vgl. BGE 141 I 153 E. 4.1;
vgl. SKOS-Richtlinien Ziff. B.1 und B.2 und KOS-Praxishilfe Ziff. B. 2; G. Wizent, Die
sozialhilferechtliche Bedürftigkeit, Diss. Basel 2014, S. 458 mit Hinweisen; F. Wolffers,
Grundriss des Sozialhilferechts, 2. Aufl. 1999, S. 136; vgl. auch Art. 32 Abs. 3 des
Bundesgesetzes über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger, SR 851.1,
ZUG). Sie bilden in der Sozialhilfe einen Unterstützungsfall und werden gemeinsam
unterstützt. Zu einer Unterstützungseinheit gehören demnach neben der Antrag
stellenden Person alle zusammen mit ihr unterstützten Personen, mithin der im
gleichen Haushalt lebende Ehegatte sowie die mit ihr zusammenlebenden
minderjährigen Kinder und Stiefkinder (VGR ZH, VB.2014.00477 vom 15. Januar 2015,
E. 5.2, mit weiteren Hinweisen und VB.2015.00266 vom 17. August 2015 E. 2.2, beide
in www.vgr.zh.ch). Für eine Unterstützungseinheit wird ein Fallkonto geführt und ein
Unterstützungsbudget erstellt. Die wirtschaftliche Hilfe wird nicht für die einzelnen
Mitglieder der Unterstützungseinheit, sondern dieser gesamthaft ausgerichtet (VGR ZH,
VB.2009.00578 vom 22. Januar 2010 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen, www.vgr.zh.ch).
Wenn das verfügbare Einkommen und Vermögen beider Ehegatten für ihre
sozialhilferechtliche Existenzsicherung nicht ausreicht und finanzielle Sozialhilfe
beansprucht wird, gelten folglich beide zusammenlebenden Ehegatten als
sozialhilfeabhängig (vgl. BGer 2C_1160/2013 vom 11. Juli 2014 E. 5.1), und zwar
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unabhängig davon, welcher Ehegatte das Gesuch gestellt hat und auf wessen Name
die administrative Fallführung erfolgt.
2.3. Von der Frage der Sozialhilfeabhängigkeit abzugrenzen ist die Frage nach der
Rückerstattungspflicht. Wer für sich, für Familienangehörige, für eine Person, die mit
ihm in eingetragener Partnerschaft lebt, oder für ein Kind, das in der Gemeinschaft der
eingetragenen Partnerschaft lebt, finanzielle Sozialhilfe bezogen hat, erstattet diese
zurück, wenn sich seine finanzielle Lage gebessert hat und die Rückerstattung
zumutbar ist (Art. 18 Abs. 1 SHG). Die Rückerstattung erstreckt sich auf finanzielle
Sozialhilfe, welche die unterstützte Person für sich, für die mit ihr verheiratete oder mit
ihr in eingetragener Partnerschaft lebende Person und ihre minderjährigen Kinder
erhalten hat (Abs. 2). Die Pflicht zur Rückerstattung betrifft nach dieser klaren
gesetzlichen Grundlage nicht alle unterstützten Personen, sondern nur den eigentlichen
Empfänger der Leistungen (vgl. GVP 2003 Nr. 14). Nicht alle unterstützten Personen
sind demnach zur Rückerstattung verpflichtet. Dies schliesst aber nicht aus, dass
sämtliche Mitglieder einer Unterstützungseinheit als sozialhilfeabhängig zu gelten
haben.
2.4. Die Vorinstanz hat unter Verweis auf die Akten im Wesentlichen erwogen, B.W.
habe sich bei alleiniger persönlicher Vorsprache bei den Sozialen Diensten mit einer
monatlichen Unterstützung von CHF 3'284.60 und einer künftigen Rückzahlung in
Raten à CHF 500 einverstanden erklärt (vgl. act. 3.6/43). In den Akten der
Beschwerdeführerin sei er als alleiniger Klient geführt worden; er habe die Bezüge in
bar jeweils alleine quittiert (vgl. act. 3.6/53-55, 58, 61, 85-87 und 89). Ein
Unterstützungsverhältnis – sei es durch persönliche Vorsprache oder durch Zustellung
einer Verfügung – zwischen der Beschwerdegegnerin und der Beschwerdeführerin sei
nicht erstellt. Auch sei die Rückerstattungsverfügung dem Ehepaar nicht gültig eröffnet
worden. Die Beschwerdegegnerin mache geltend, sie habe ihren damaligen Ehemann
während seiner Arbeitslosigkeit finanziell unterstützt, bis er wieder eine Arbeitsstelle
gefunden habe. Der Ehemann habe dies im Umfang von rund CHF 800 pro Monat
bestätigt. Nachdem bei den Akten der Beschwerdeführerin lediglich Bank-
Kontoauszüge des Ehepaares bis Ende Juni 2010 zu finden seien und die
Beschwerdegegnerin einräume, für ihre Zahlungen an den Ehemann keine Belege zu
besitzen, könne bzw. müsse offen bleiben, in welchem Mass sie von den ihrem
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Ehemann ausgerichteten Unterstützungsleistungen profitiert habe. Zumindest bei der
Direktzahlung ihrer Krankenkasse sowie einer Arztrechnung vom 31. August 2010 sei
dies jedenfalls der Fall. Unterstützt worden sei jedoch lediglich B.W.; seine Ehefrau
habe vom Sozialhilfebezug keine Kenntnis gehabt.
2.5. Diese Schlussfolgerungen lassen sich mit Blick auf das in vorstehender E. 2.2
Dargelegte und die Akten nicht vertreten. Das Sozialhilfegesuch wurde (zumindest
teilweise) von beiden Ehegatten unterzeichnet. Darin bestätigten sie u.a. die
Arbeitslosigkeit des Ehemannes und die Erwerbslosigkeit der Ehefrau. Beide Ehegatten
würden über kein Vermögen verfügen. Dies wurde mit Bankkontoauszügen belegt. Die
Beschwerdeführerin hat das Ehepaar in der Folge praxisgemäss als
Unterstützungseinheit erfasst und richtete für den laufenden Lebensunterhalt finanzielle
Sozialhilfe im Gesamtbetrag von CHF 26'150.40 aus. Im gemeinsamen Budget wurden
die Lebenskostenpauschale für einen 2-Personenhaushalt, die gemeinsamen
Wohnkosten und die Krankenkassenprämien beider Ehegatten berücksichtigt. Daraus
ergibt sich, dass auch die Beschwerdegegnerin mit finanzieller Sozialhilfe unterstützt
worden ist. Weil verheiratete Personen als Unterstützungseinheit erfasst werden,
müsste die Beschwerdegegnerin selbst dann als unterstützt gelten, wenn sie ihren
Lebensunterhalt selbst hätte bestreiten können. Entscheidend ist im konkreten Fall,
dass das Paar das gemeinsame Existenzminimum nicht aus eigener Kraft decken
konnte.
2.6. Dass die Beschwerdegegnerin von der Unterstützung im damaligen Zeitpunkt
keine Kenntnis hatte, ist entgegen der vorinstanzlichen Auffassung nicht entscheidend
und erscheint im Übrigen unwahrscheinlich. Im Zeitpunkt der Gesuchstellung war der
Ehemann arbeitslos und die Ehefrau nicht erwerbstätig. Der Ehemann hatte seine
Anteile an einer Gesellschaft verkauft, und die Käufer leisteten den vereinbarten
Kaufpreis nicht. Das Ehepaar lebte deswegen in prekären wirtschaftlichen
Verhältnissen. Unter anderem hat sich der Saldo des auf den Namen der
Beschwerdegegnerin laufenden Privatkontos bei der St. Galler Kantonalbank vom 1.
Juni 2010 von vorübergehend CHF 7'000 (November 2009) auf CHF 76 (17. Mai 2010)
reduziert (act. 3.6/113). Das Ehepaar konnte zuletzt den Mietzins nicht mehr bezahlen,
worauf die Vermieterin die Kündigung androhte (act. 3.6/90). Diese Umstände konnten
der Beschwerdegegnerin nicht verborgen bleiben. Dass sie ihren Lebensunterhalt
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selbst bestreiten und zudem ihren Ehemann mit monatlich CHF 800 unterstützen
konnte, lässt sich anhand der Akten nicht nachvollziehen und wurde von ihr auch nicht
weiter substantiiert. In den Jahren 2010 und 2011 versteuerte sie jedenfalls kein
Einkommen (vgl. die Quellensteuerausweise in act. 3.3). Jegliche Anhaltspunkte für die
behaupteten finanziellen Mittel und die laufenden monatlichen Unterstützungen fehlen.
Andernfalls müsste davon ausgegangen werden, dass sowohl das Sozialhilfegesuch
als auch die Steuerveranlagungen inhaltlich unwahr waren.
3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen ist, soweit darauf
einzutreten ist. Der Entscheid der Vorinstanz ist aufzuheben, und es ist festzustellen,
dass die Beschwerdegegnerin von Juli 2010 bis März 2011 sozialhilferechtlich
unterstützt worden ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt die
Beschwerdegegnerin die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 1'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Eine analoge Neuverteilung der amtlichen
Kosten des Rekursverfahrens erübrigt sich, weil die Vorinstanz keine amtlichen Kosten
erhoben hat. Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen; dies wurde auch nicht
beantragt.