Decision ID: 4c6e572e-e861-4e65-a68b-8a2ee78114c7
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
mehrfache Vergewaltigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 15. Oktober 2012 (DG120021)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 29. Mai
2012 (Urk. 41) ist diesem Urteil beigeheftet.
Entscheid der Vorinstanz: (Urk. 83 S. 40 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist einer strafbaren Handlung nicht schuldig und wird frei-
gesprochen.
2. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf
die Gerichtskasse genommen. Über die Höhe der Kosten der amtlichen
Verteidigung wird mit separatem Beschluss entschieden.
3. Dem Beschuldigten werden Fr. 6'375.– als Schadenersatz aus der Gerichts-
kasse zugesprochen.
4. Dem Beschuldigten wird für die zu Unrecht erlittene Haft eine Genugtuung
von Fr. 38'200.– aus der Gerichtskasse zugesprochen.
5. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids werden die folgenden
anlässlich der Hausdurchsuchung vom 29. September 2011 sichergestellten
und bei der Bezirksgerichtskasse Dietikon lagernden Gegenstände an den
Beschuldigten herausgegeben:
− 1 Mobiltelefon, iPhone, weiss, mit Ladekabel; − 1 Mobiltelefon, Nokia, 6110 Navigator.
6. (Mitteilung)
7. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 5 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (sinngemäss, Urk. 109):
Der Beschuldigte sei in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils vollumfäng-
lich freizusprechen und zu entschädigen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 108 S. 1):
1. Das freisprechende Urteil der Vorinstanz vom 15.10.2012 sei betreffend der
Dispositiv Ziffern 1. bis 4. aufzuheben. Hinsichtlich Dispositiv Ziff. 5 wird auf
eine Berufung verzichtet.
2. Der Beschuldigte A._ sei im Sinne der Anklageschrift der Staatsanwalt-
schaft IV des Kantons Zürich vom 29. Mai 2012 schuldig zu sprechen.
3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 4 1⁄2 Jahren sowie einer
Busse von Fr. 1'000.-- zu bestrafen.
4. Die erstandene Haft sei im Umfang von 383 Tagen auf die ausgefällte Frei-
heitsstrafe anzurechnen.
5. Bei schuldhaftem Nichtbezahlen der Busse sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von
10 Tagen festzusetzen.
6. Die Gewährung des teilbedingten Strafvollzuges betreffend der mit Straf-
befehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 07.07.2008 ausgefällten
Geldstrafe sei zu widerrufen und die Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je
Fr. 100.-- sei zu vollziehen.
7. Dem Beschuldigten seien die Kosten (Kosten, inkl. Gebühr für das Vorver-
fahren von Fr. 17'331.60, die Kosten des erstinstanzlichen sowie des zweit-
instanzlichen Verfahrens) aufzuerlegen.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Hinsichtlich des Verfahrensganges bis zum Abschluss des erstinstanzli-
chen Verfahrens kann vollumfänglich auf die vollständigen und zutreffenden
Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 83 S. 3 ff.;
Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.2. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 15. Oktober 2012 wurde der
Beschuldigte vollumfänglich freigesprochen. Die Kosten der Untersuchung und
des gerichtlichen Verfahrens wurden auf die Gerichtskasse genommen und dem
Beschuldigten wurde Schadenersatz in der Höhe von Fr. 6'375.-- zugesprochen.
Zudem sprach die Vorinstanz dem Beschuldigten aus der Gerichtskasse für die
zu Unrecht erlittene Haft eine Genugtuung von Fr. 38'200.-- zu (Urk. 83 S. 49).
1.3. Gegen dieses Urteil meldete die Anklagebehörde mit Schreiben vom
23. Oktober 2012 fristgerecht Berufung an (Urk. 76). Nach Zustellung des
begründeten Urteils (am 22. März 2013; Urk. 82/1) ging die Berufungserklärung
der Anklagebehörde vom 25. März 2013 ebenfalls innert Frist am 27. März 2013
bei Gericht ein (Urk. 91). Mit Verfügung vom 11. April 2013 übermittelte der Vize-
präsident die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO
dem Beschuldigten, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein
Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 94). Weder der Beschuldigte,
noch sein amtlicher Verteidiger liessen sich innert Frist vernehmen.
1.4. In der Folge wurde auf den 26. August 2013 zur Berufungsverhandlung
vorgeladen (Urk. 96). Die Berufungsverhandlung fand zusammen mit der
Berufungsverhandlung im Prozess Nr. SB130221 statt.
1.5. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldig-
te und sein Verteidiger, Staatsanwalt lic. iur. P. Gossner als Vertreter der Anklage
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sowie die Vertreterin der Privatklägerin im Verfahren SB130221 erschienen sind,
waren keine Vorfragen zu entscheiden (Prot. II S. 6). Das vorliegende Urteil
erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 11 ff.).
1.6. Zum Beweisantrag des Beschuldigten auf Einvernahme von B._,
C._ und D._ als Zeugen ist festzuhalten, dass der Beschuldigte nicht
geltend machte, die Zeugen C._ und D._ könnten etwas zur Erstellung
des Sachverhaltes beitragen (vgl. Urk. 99). Da hinreichend Beweise zur Erstel-
lung des angeklagten Sachverhalts vorliegen und vor allem die Aussagen der Be-
teiligten dazu zu würdigen sein werden, kann auf die Einvernahme von C._
und D._ als Zeugen verzichtet werden. Auch die Einvernahme von B._
als Zeuge erübrigt sich, da dieser seine Wahrnehmungen in einem Schreiben,
welches als Urk. 107 zu den Akten genommen wurde, dargelegt hat. Die Beweis-
anträge sind demnach abzuweisen.
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Anklagebehörde beantragt, das angefochtene Urteil sei aufzuheben
und der Beschuldigte sei anklagegemäss der mehrfachen Vergewaltigung, der
mehrfachen Drohung, der mehrfachen einfachen Körperverletzung sowie der
wiederholten Tätlichkeit schuldig zu sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von
4 1⁄2 Jahren sowie einer Busse von Fr. 1'000.-- zu bestrafen (Urk. 91 und 108).
2.2. Nicht angefochten wurde die Herausgabe von Gegenständen an den
Beschuldigten (Dispositiv Ziffer 5), weshalb vorab festzustellen ist, dass das
vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang bereits in Rechtskraft erwachsen ist.
3. Formales
3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des angeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
jeweils in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne, dass dies jeweils
explizit Erwähnung findet.
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3.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. Entscheid des
Bundesgerichts vom 10. November 2011 6B_170/2011 E. 1.2.). Die Berufungs-
instanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte
beschränken.
4. Prozessuales
4.1. Unter Ziff. I. 1. macht die Vorinstanz zutreffende Ausführungen zur
prozessualen Stellung der Geschädigten. Mit Verweis darauf, dass diese am
8. Februar 2012 sämtliche durch sie gegen den Beschuldigten gestellten Strafan-
träge vorbehaltlos zurückgezogen hat, hat die Vorinstanz richtigerweise festge-
halten, dass die Geschädigte ausdrücklich und unwiderruflich auf ihre Rechte als
Privatklägerin verzichtet habe, weshalb ihr im vorliegenden Verfahren lediglich die
Stellung einer geschädigten Person im Sinne von Art. 115 StPO zukomme
(Urk. 83 S. 3 f.). Diese korrekten Erwägungen blieben allseits unbestritten und
sind ohne Weiteres zu übernehmen.
4.2. Unter Ziff. I. 2. setzte sich die Vorinstanz mit dem Einwand der Verteidi-
gung auseinander, wonach es dem Beschuldigten mit Bezug auf den Vorwurf der
mehrfachen Vergewaltigung aufgrund der vagen zeitlichen Angaben in der Ankla-
geschrift nicht möglich sei, sich wirkungsvoll gegen die erhobenen Anschuldigun-
gen zur Wehr zu setzen. In diesem Umstand sei eine Verletzung des Anklage-
prinzips zu erblicken. Die Vorderrichter stellten sich auf den Standpunkt, dass die
Anklage dem Anklageprinzip noch standhalte. Der Verteidigung sei aber insofern
zuzustimmen, als aufgrund der zeitlichen Angaben das Anklageprinzip durch die
Anklagebehörde arg strapaziert werde (Urk. 83 S. 4 f.).
4.2.1. Lediglich der Vollständigkeit halber ist zunächst darauf hinzuweisen, dass
die Verteidigung im erstinstanzlichen Verfahren - entgegen der Ansicht der
Vorinstanz - den Einwand bezüglich der Verletzung des Anklageprinzips nicht nur
im Zusammenhang mit dem Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung, sondern
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auch im Zusammenhang mit den Anklageziffern 2.7 (Urk. 69 S. 28) und 3.1
(Urk. 69 S. 28 f.) erhoben hat.
4.2.2. Gemäss Art. 325 lit. f StPO bezeichnet die Anklageschrift "möglichst kurz,
aber genau" die dem Beschuldigten vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von
Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Ungenauigkeit [der Anklage-
schrift] schadet zumindest dann nicht, wenn eine ansonsten nicht zu beanstan-
dende Anklageschrift deshalb ungenau ist, weil gewisse Tatumstände (z. B. der
[genaue] Zeitpunkt, der Tatort, Personalangaben, Deliktsbetrag etc.) im Rahmen
des Vorverfahrens nicht ermittelt werden konnten. Aus solchen Gründen noch
vorhandene Unklarheiten beeinträchtigen das Erfordernis, dass die beschuldigte
Person weiss, bzw. für sie "keine Zweifel mehr darüber bestehen können", was ihr
genau vorgeworfen wird, grundsätzlich nicht und führen nicht zur Unbeachtlichkeit
der Anklage. Sind also die gegen den Beschuldigten erhobenen Vorwürfe in sach-
licher und örtlicher Hinsicht detailliert umschrieben, sodass die Umschreibung
eine hinreichende Individualisierung der zu beurteilenden Tat erlaubt, vermag dies
die relative zeitliche Unbestimmtheit der Anklage aufzuwiegen (Landshut in:
Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-
ordnung, Zürich 2010, N 28 zu Art. 325). Das Bundesgericht musste sich schon
verschiedentlich mit der Frage der zeitlichen Bestimmtheit der Anklage befassen.
So hielt es beispielsweise eine Eingrenzung des Vorwurfs sexueller Nötigung auf
drei Monate für hinreichend, weil der genaue Zeitraum wegen der mehrere Jahre
zurückliegenden Tat nicht mehr eruierbar war (vgl. Entscheid des Bundesgerich-
tes 6B_333/2007 vom 7. Februar 2008 E. 2.1.5 mit Hinweis). Ebenso liess es die
Angabe einer bestimmten Jahreszeit wie "Herbst 1998", "Winter 1999", die
Beschränkung auf wenige Monate wie "November oder Dezember 1999" oder auf
einen nicht näher bestimmten Zeitpunkt innerhalb eines Monats genügen (Ent-
scheide des Bundesgerichtes 6B_233/2010 vom 6. Mai 2010 E. 2 und 2.3;
6B_684/2007 vom 26. Februar 2008 E. 1.4; 6B_255/2008 vom 10. Oktober 2008
E. 2.6; 1P.547/1999 vom 3. Dezember 1999 E. 4b; je mit Hinweisen). In einem
anderen Fall sah das Bundesgericht die Umschreibung eines längeren Zeitraums
als mit dem Anklageprinzip vereinbar: So erachtete es bei einer Mehrzahl von
Vorwürfen die Angabe "in den Skiferien von Februar 1993 bis Februar 1996" bzw.
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"bis längstens zum Abschluss des dritten Sekundarschuljahres durch das Opfer
im Sommer 1999" in Verbindung mit der genauen Bezeichnung der Tatorte für
hinreichend detailliert umschrieben (vgl. Entscheid des Bundesgerichtes
6B_830/2008 vom 27. Februar 2009 E. 1 und E. 2.4. mit Hinweisen). Diese
Beispiele zeigen, dass der Begriff der möglichst genauen Beschreibung der Tat-
ausführungszeit (vgl. heutige Regelung in Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO, bzw. prak-
tisch identische Regelung in § 162 Abs. 1 Ziff. 2 StPO/ZH, welche bis Ende 2010
massgebend war) nicht generell bzw. abstrakt erfasst werden kann, sondern,
dass diese Umschreibung auch von den Umständen des konkreten Falles
abhängt. Zu beachten sind dabei unter Anderem das Alter und die kognitiven
Fähigkeiten der betroffenen Person, sowie die Dauer, welche seit dem mutmass-
lichen Ereignis verstrichen ist. Für die Frage, ob im Zusammenhang mit der zeitli-
chen Bestimmtheit der Anklage eine Verletzung des Anklageprinzips vorliegt, ist
zusammenfassend daher letztlich die in jedem Einzelfall vorzunehmende
Abwägung zwischen den berechtigten Anliegen des Opfers und dem Recht des
Beschuldigten auf effektive Verteidigung massgebend (vgl. Entscheid des
Bundesgerichtes 6B_333/2007 vom 7. Februar 2008 E. 2.1.5). Sind die Anklage-
vorwürfe in sachlicher und örtlicher Hinsicht detailliert umschrieben, so erlaubt
dies eine hinreichende Individualisierung der zu beurteilenden Taten, welche die
relative zeitliche Bestimmtheit der Anklage aufzuwiegen vermag, was zur Ver-
neinung einer relevanten Einschränkung in den Verteidigungsrechten des
Beschuldigten bzw. einer Verletzung des Fairnessprinzips führen kann (vgl. dazu
Entscheid des Bundesgerichtes 6B_830/2008 vom 27. Februar 2009 E. 2.4., vgl.
auch Landshut in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, Zürich 2010, N 28 zu Art. 325 StPO).
4.2.3. Im Lichte der oben zitierten bundesgerichtlichen Praxis sind die dem
Beschuldigten in der Anklageschrift zur Last gelegten Vorgehensweisen in
zeitlicher Hinsicht ohne Weiteres mit dem Anklageprinzip vereinbar. Namentlich
die unter den Anklageziffern 1.1, 2.1, 2.2, 2.3, 2.4, 2.5 sowie 2.6 und 3.2 um-
schriebenen Tatausführungen beschreiben den jeweils mutmasslichen Tatzeit-
punkt bis auf wenige Tage respektive Wochen genau. Das bezüglich dieser
Anklageziffern den Anforderungen an das Anklageprinzip hinreichend Genüge
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getan wurde, liegt auf der Hand und wurde im Übrigen auch von der Verteidigung
nicht in Abrede gestellt.
4.2.4. Hinsichtlich der übrigen Anklageziffern (1.2, 2.7 und 3.1) beschreibt die
Anklagebehörde den fraglichen Tatzeitpunkt weniger präzise. Die Rede ist etwa
davon, dass sich der Beschuldigte "nach dem unter Ziff. 1.1. geschilderten Vorfall
bis am 8. Juni 2011 an im einzelnen nicht bestimmbaren Tagen [...] jeweils in der
Nacht oder am Morgen um ca. 05.00 Uhr [...] noch mindestens zwei Mal" an der
Geschädigten vergangen haben soll (Urk. 41 S. 3; Anklageziffer 1.2.). Unter
Anklageziffer 2.7 wird in zeitlicher Hinsicht festgehalten, dass der Beschuldigte
die Geschädigte "an einem nicht näher bekannten Tag zwischen dem 28. Sep-
tember 2010 und dem 8. Juni 2011" geschlagen haben soll (Urk. 41 S. 6).
Schliesslich wird in Anklageziffer 3.1 ausgeführt, der Beschuldigte habe die
Geschädigte "an im einzelnen nicht genau bestimmbaren Tagen, im Zeitraum
vom 28. September 2010 bis 8. Juni 2011" mehrfach in der beschriebenen Art
und Weise bedroht (Urk. 41 S. 7; Anklageziffer 3.1). Bezüglich dieser drei Vor-
halte erstreckt sich die umschriebene Zeitspanne jeweils auf 6 bis 9 Monate.
Nachdem die betreffenden Vorwürfe sowohl in tatsächlicher, wie in räumlicher
Hinsicht präzise und detailliert umschrieben sind und das Bundesgericht bereits
weit unbestimmtere Zeitspannen als mit dem Anklageprinzip vereinbar erachtete,
ist nicht einzusehen, inwiefern vorliegend die Verteidigungsrechte des Beschul-
digten in unzulässiger Art und Weise eingeschränkt sein sollen. Der Beschuldigte
weiss konkret, welche Vorwürfe gegen ihn erhoben werden, die mutmasslichen
Handlungsabläufe sind detailliert geschildert und es wird präzise umschrieben, wo
sich die jeweiligen, vermeintlich deliktischen Handlungen zugetragen haben
sollen. Zusammen mit der zeitlichen Eingrenzung ergibt dies einen hinreichend
genau formulierten Anklagevorwurf, gegen den sich der Beschuldigte - entgegen
der Ansicht der Verteidigung - sehr wohl zur Wehr setzen kann. Eine Verletzung
des Anklageprinzips ist jedenfalls nicht ersichtlich, entsprechend ist auf die
Anklage auch in den monierten Punkten vorbehaltlos einzutreten.
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II. Schuldpunkt
5. Sachverhalt
5.1. Allgemeines
5.1.1. Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten mehrfache Vergewaltigung
(Art. 190 Abs. 1 StGB), mehrfache Drohung (Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung
mit Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB), mehrfache einfache Körperverletzung (Art. 123
Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 123 Ziff. 2 Abs. 4 StGB und teilweise in Ver-
bindung Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB) sowie wiederholte Tätlichkeiten (Art. 126
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB) vor (Urk. 41).
5.1.2. Der Beschuldigte bestreitet sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe
(Urk. 67 und Urk. 106). Damit ist der eingeklagte Sachverhalt aufgrund der Unter-
suchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allge-
meinen Beweisregeln zu erstellen.
5.1.3. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid allgemeine Ausführungen
zu den Voraussetzungen einer strafrechtlichen Verurteilung - namentlich auch zu
dem den Beschuldigten begünstigenden Grundsatz "in dubio pro reo" - gemacht.
Weiter hat sie das Notwendige zu den Grundsätzen der Beweiswürdigung darge-
tan und insbesondere darauf hingewiesen, dass bei der Würdigung von Aussagen
nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdigkeit der Aus-
sagenden abgestellt werden dürfe, sondern dass die Glaubhaftigkeit der konkre-
ten, im Prozess relevanten Äusserungen massgeblich seien. Diese seien einer
kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein von
sogenannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen sei (Urk. 83 S. 7). Auf
diese Erwägungen der Vorderrichter kann vorab verwiesen werden.
5.2. Einvernommene Personen und deren Aussagen
5.2.1. Die erstinstanzlichen Erwägungen zur Frage der allgemeinen Glaubwürdig-
keit der Geschädigten, des Beschuldigten und der Zeugen können übernommen
werden. Sie sind vollständig und überzeugend (Urk. 83 S. 8 ff.). Hinzu kommt
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folgendes: Während die Glaubwürdigkeit die Grundlage dafür liefert, ob einer
Person getraut werden kann, was sich aus der prozessualen Stellung einer
Person sowie aus ihren persönlichen Beziehungen und Bindungen zu den übrigen
Prozessbeteiligten ergibt, betrifft die Glaubhaftigkeit nur die spezifische Aussage
und damit deren Wahrheitsgehalt. Bei der Beweiswürdigung ist in erster Linie -
wie oben gezeigt - der innere Gehalt der Aussagen massgeblich (Glaubhaftigkeit).
Das Bundesgericht geht in konstanter Rechtsprechung davon aus, dass der
Glaubwürdigkeit einer Person lediglich untergeordnete Bedeutung zukomme, da
sich daraus keine Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen
ableiten liessen (BGer 6B_655/2012 vom 15.02.2013 mit weiteren Verweisen.).
Im Lichte dieser bundesgerichtlichen Rechtsprechung erübrigen sich Weiterungen
zur Frage der allgemeinen Glaubwürdigkeit der aussagenden Personen.
5.2.2. Aussagen der Geschädigten
5.2.2.1. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt (Urk. 83) wurde die Geschädigte
insgesamt viermal befragt (Urk. 19/1-3, Urk. 19/5 sowie Urk. 19/10+11), wobei
sich die staatsanwaltschaftliche Einvernahme in insgesamt drei Teile gliedert
(Urk. 19/2-3 und Urk. 19/5). Weiter wurde die Geschädigte am 17. Februar 2012
und am 26. März 2012 zu der von ihr abgegebenen Desinteresseerklärung be-
fragt (Urk. 19/10+11). Letztere Befragungen tragen indes nichts zur eigentlichen
Sachverhaltserstellung bei und finden daher keinen Eingang in die nachfolgende
Beweiswürdigung.
5.2.2.2. Die Vorinstanz führte zur Frage der Verwertbarkeit der polizeilichen
Einvernahme vom 9. September 2011 zusammengefasst aus, die Geschädigte
habe ihre Aussagen unter Verwendung von Notizen gemacht, welche sich jedoch
nicht bei den Akten befänden. Dieser Umstand sei von der Verteidigung denn
auch beanstandet worden. Da es sich bei der Pflicht, Notizen zu den Akten zu
nehmen, gemäss Wortlaut von Art. 143 Abs. 6 StPO um eine Kann-Vorschrift
handle, sei diese Einvernahme dennoch verwertbar. Die Einvernahme sei jedoch
mit entsprechender Zurückhaltung zu würdigen, da sich mangels Vorliegen der
Notizen kein umfassendes Bild über das Zustandekommen der Aussagen
machen lasse (Urk. 83 S. 17). Wie sich aus einer Protokollnotiz in der staatsan-
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waltschaftlichen Einvernahme vom 14. November 2011 ergibt, verwendete die
Beschuldigte anlässlich ihrer polizeilichen Einvernahme andere Notizen, als im
Rahmen der Einvernahmen durch den Staatsanwalt (Urk. 19/2 S. 16). Damit
bleibt unklar, welche Notizen die Geschädigte anlässlich der polizeilichen Einver-
nahme verwendete und es lässt sich anhand des Protokolls auch nicht eruieren,
ob und inwiefern sie ihre Aussagen aus ihrer Erinnerung machte, oder ob sie
lediglich die vorbereiteten Notizen rezitierte. Sinn und Zwecke von Art. 143 Abs. 6
StPO ist es aber gerade sicherzustellen, dass eine einvernommene Person ihre
Aussagen im Zwiegespräch mit der einvernehmenden Person macht und nicht
etwa eine vorbereitete, schriftliche Erklärung verliest. Benutzt die einvernommene
Person mit Zustimmung der Verfahrensleitung schriftliche Unterlagen, so sind
diese in Anwendung von Art. 143 Abs. 6 Satz 2 StPO zu den Akten zu nehmen
(Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen StPO, Art. 143
N 3; Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 143 N 15 f.; BSK-StPO-Häring, Art. 143
N 42). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz handelt es sich dabei nicht um
eine Kann-Vorschrift. Es steht zwar der Verfahrensleitung im Sinne einer Kann-
Bestimmung (Art. 143 Abs. 6 Satz 1 StPO) frei, ihre Zustimmung zur Verwendung
von Notizen zu erteilen respektive zu verweigern. Ist sie aber mit der Verwendung
einverstanden, so trifft sie auch die prozessuale Pflicht, die betreffenden Unter-
lagen aktenkundig zu machen. Tut sie dies nicht, so verunmöglicht sie dem
Beschuldigten, sich ein Bild von der Qualität der Aussagen zu machen, was einer
eigentlichen Gehörsverletzung gleichkommt und den Beschuldigten in seinen
prozessualen Verteidigungsrechten einschränkt. Zudem ist es auch dem Gericht
aufgrund der fehlenden Dokumentation nicht möglich, eine zuverlässige Würdi-
gung der betreffenden Aussagen vorzunehmen. Dies um so mehr, als - wie
vorliegend geschehen- aus dem fraglichen Protokoll mit keinem Wort hervorgeht,
wie die Geschädigte ihre Notizen verwendet hat und welche Passagen abgelesen
respektive aus freien Stücken vorgetragen wurden. Ob dieses Versäumnis
der Anklagebehörde letztlich jedoch dazu führt, dass die gesamte Aussage zum
Nachteil des Beschuldigten unverwertbar wird, kann vorliegend offen bleiben,
machte doch die Beschuldigte im weiteren Verlauf der Untersuchung hin-
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reichende und in jeder Hinsicht verwertbare Aussagen zum Tathergang, welche
nachfolgend der Sachverhaltserstellung zugrunde zu legen sind.
Die weiteren Einvernahmen der Geschädigten sind korrekt und unter Beachtung
der Teilnahme- und Fragerechte des Beschuldigten erfolgt. Mit der Vorinstanz ist
daher festzuhalten, dass sämtliche Aussagen, welche die Geschädigte gegenüber
der Staatsanwaltschaft zu Protokoll gab, vollumfänglich verwertbar sind (Urk. 83
S. 5).
5.2.2.3. Die Geschädigte wurde am 14. November 2011 erstmals - damals noch
als Privatklägerin - durch die Staatsanwaltschaft zur Sache einvernommen.
Anlässlich dieser Einvernahme machte sie im Wesentlichen zusammengefasst
folgende Aussagen (Urk. 19/2):
5.2.2.3.1. Sie habe bei der Polizei wahrheitsgemässe Aussagen gemacht. Die
ganze Situation habe sie jedoch psychisch so stark belastet, dass sie
Medikamente habe nehmen müssen. Den Beschuldigten habe sie über dessen
Mutter in der E._ [Staat in Südosteuropa] kennen gelernt. Damals habe sie
noch bei ihren Eltern in der E._ und der Beschuldigte in der Schweiz gelebt.
Sie sei mit dem Beschuldigten verwandt gewesen und habe ihm deshalb vertraut.
Die Eltern hätten dann gesagt, sie müsse ihn zum Mann nehmen. Sie hätten sie
entsprechend etwas unter Druck gesetzt. Bis sie in die Schweiz gekommen seien,
sei die Beziehung zwischen ihr und dem Beschuldigten gut gewesen. Hier hätte
sich dann alles geändert. Er habe ihr von Anfang an gesagt, es würden nun ande-
re Regeln gelten. Sie habe ihm zu folgen und müsse von ihm weder Liebe noch
Vertrauen verlangen. Wenn er ihr sage, dass sie sterben müsse, dann sterbe sie
und wenn er ihr sage, dass sie aufstehen müsse, dann müsse sie aufstehen.
Nach der Ziviltrauung sei sie vom 5. September an für zwei Wochen in die
Schweiz zum Beschuldigten gereist. Danach sei sie zusammen mit ihm zurück in
die E._ gereist, um dort Hochzeit zu feiern. Am 27. September schliesslich
seien sie wieder in die Schweiz gekommen. Unmittelbar danach hätten sie zu ar-
beiten begonnen. Im ersten respektive in den ersten beiden Monaten habe sie
zusammen mit dem Beschuldigten Tag und Nacht in dem vom Beschuldigten ge-
pachteten Restaurant "F._" an der ...-Strasse ... in G._ gearbeitet. 6
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Monate lang habe sie dann nur in der Nacht gearbeitet, an die Daten könne sie
sich nicht mehr erinnern. Die folgenden beiden Monate habe sie dann nur noch
am Donnerstag und am Samstag, jeweils in der Nacht gearbeitet. Sie sei am An-
fang mit dieser Arbeit einverstanden gewesen. Als sie dann auch im Restaurant
Gewalt "gespürt" habe und ihr der Beschuldigte nie einen Franken für ihre Arbeit
bezahlt habe, habe sie von ihm eine Art Vertrag verlangt. Der Beschuldigte habe
weder ihre Wünsche erfüllt, noch habe er für den gemeinsamen Haushalt jemals
eingekauft. Der Beschuldigte habe sie nie wie seine Ehefrau behandelt. Er habe
ihr keine Liebe entgegen gebracht, sie beleidigt und schliesslich angefangen, sie
zu schlagen. Die Differenzen zwischen ihnen seien auch deshalb entstanden, weil
er von ihr verlangt habe, dass sie ein Kopftuch trage und er habe ihr weitere Klei-
dervorschriften gemacht. So habe sie zum Beispiel keine kurzärmligen T-Shirts
mehr tragen dürfen. Der Beschuldigte habe ihr den Kontakt mit ihrer eigenen Fa-
milie untersagt und sie geschlagen, wenn sie geweint habe. Er habe ihr gesagt,
sie dürfe nur mit seiner Erlaubnis weinen. Acht Monate lang habe sie mit nieman-
dem gesprochen und in dieser Zeit niemanden kennengelernt. Auch habe sie der
Beschuldigte mittels des Computers überwacht. Er habe sie vor anderen Leuten
angeschrien und beleidigt.
5.2.2.3.2. Im ersten Monat nach der Einreise in die Schweiz habe der Beschuldig-
te damit begonnen, sie zu bleidigen. Er habe ihren Kopf gegen die Wand
geschlagen und ihr mehrere Ohrfeigen verabreicht. Am 27. November 2010 sei er
um ca. 01.30 Uhr nach Hause gekommen. Nachdem er ca. eine halbe Stunde zu
Hause gewesen sei, habe er begonnen sie zu schlagen. Er habe sie so behan-
delt, weil sie geschlafen und seinen Anruf nicht gehört habe. Er habe ihren Kopf
mit beiden Händen gehalten und ihn im Korridor mehrmals gegen die Wand
geschlagen. Dann habe er sie ins Schlafzimmer gebracht. Dort habe er sie aufs
Bett geworfen, wobei sie sich ihre Beine am Holzbettrand angeschlagen habe.
Vom Bett sei sie dann auf den Boden gefallen. Sie sei kurz vor einer Ohnmacht
gestanden und der Beschuldigte habe daraufhin kaltes Wasser über sie geschüt-
tet. In diesem Zustand habe er sie ins Auto verfrachtet und sei mit ihr zum
Arbeitsort [an die ...-Strasse] gefahren. Auf der rund halbstündigen Fahrt habe er
alle Fenster im Auto geöffnet. Es sei ca. -10° Celsius kalt gewesen. Sie sei bis auf
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die Unterwäsche nass gewesen und habe noch acht Stunden lang sehr stark ge-
froren. Von diesem Vorfall habe sie eine Beule am Kopf davon getragen.
Zudem hätten ihre Beine geschmerzt und sie habe am ganzen Körper "Ent-
zündungen" gehabt. Sie denke, er habe sie deshalb mitten in der Nacht mit zur
Arbeit geschleppt, weil er Angst gehabt habe, sie könnte sich in seiner Abwesen-
heit an die Polizei wenden (Urk. 19/2 S. 10 ff.).
5.2.2.3.3. Der erste Vorfall habe sich ca. Anfang Oktober 2010, mutmasslich in
der Nacht, hinten im Restaurant ereignet. Sie habe den Beschuldigten angehalten
besser auf die Sauberkeit zu achten. Da habe er sie am Hals gepackt, sie durch
den kleinen Gang "gebracht" und gegen die Wand gestossen. Mit welcher Hand
er sie gepackt habe, könne sie nicht sagen. Sie wolle nichts Falsches sagen.
Generell habe er sie mit der rechten Hand gepackt. Er habe sie nicht so lange an
die Wand gedrückt, nicht einmal eine Minute. Dennoch habe sie Atemnot gehabt.
Er habe ihr noch ein paar Ohrfeigen gegeben und gesagt, er werde ihren Kopf
abschneiden, wenn sie nicht mache, was er sage. Gesehen habe diesen Vorfall
niemand (Urk. 19/2 S. 12 ff.).
5.2.2.3.4. Ca. 15 Tage bevor sie am 8. Juni 2010 in die E._ gereist sei, sei es
zu einem weiteren Vorfall gekommen. Damals habe sie der Beschuldigte unter-
halb des Gesässes ins linke Bein gebissen. Sie habe kurze Shorts getragen und
habe sich zu Hause hingelegt gehabt. Sie könne sich nicht mehr an die genau
Uhrzeit erinnern, aber es könne zwischen 20.00 Uhr und 21.00 Uhr gewesen sein.
Sie habe am ganzen Körper Schmerzen verspürt und sei ohnmächtig geworden.
Der Beschuldigte habe sie zur Bestrafung gebissen. Dies deshalb, weil er nicht
gewollt habe, dass sie so kurze Sachen trage. Er habe es jeweils gern gesehen,
wenn sie Schmerzen gehabt habe. Wenn der Beschuldigte behaupte, der Biss sei
aus einem Scherz heraus erfolgt, dann sei dies eine absurde Behauptung. Die
Bisswunde habe nicht geblutet, aber sie habe fürchterlich ausgesehen. Sie sei rot
gewesen und dann dunkel geworden. Es habe sich ein Bluterguss gebildet und
sie habe vor Schmerzen zwei Wochen lang nicht mehr auf dem linken Fuss
stehen können. Die Spuren des Bisses habe man noch rund 1 1⁄2 Monate ge-
sehen. Zum Arzt sei sie deshalb nicht gegangen, weil sie sich nicht ausgekannt
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habe. Sie habe nicht gewusst, wohin sie hätte gehen können und einen Hausarzt
habe sie nicht gehabt. Dieser Vorfall habe sich auf dem Sofa im Wohnzimmer
ereignet. Geschlagen oder sonst angegriffen habe er sie damals nicht (Urk. 19/2
S. 14 ff.).
5.2.2.3.5. Sie habe in den 8 Monaten in der Schweiz soviel erlebt, dass sie nicht
mehr genau sagen könne, wie und wo was genau passiert sei. Einmal, ungefähr
in der Mitte dieser 8 Monate, habe sie der Beschuldigte mit der einen Hand am
Hals festgehalten und mit der anderen, zur Faust geballten Hand derart auf den
linken Mundwinkel geschlagen, dass ein Zahn abgebrochen sei. Allerdings sei der
Zahn zuvor schon nicht mehr gut gewesen. Mit welcher Hand er geschlagen
habe, wisse sie nicht mehr mit Sicherheit (Urk. 19/2 S. 17 ff.).
5.2.2.3.6. Ca. 2 bis 3 Monate nachdem sie in die Schweiz gekommen sei, sei es
im Restaurant zu einem Vorfall gekommen. Sie wisse nicht mehr, warum es
damals zwischen ihr und dem Beschuldigten zum Streit gekommen sei. Sie seien
jedenfalls beide im Restaurant gestanden und der Beschuldigte habe in dem
Moment etwas geschnitten. Sie habe irgendetwas zu ihm gesagt, da habe er ihr
ein grosses Fleischmesser ganz nahe an den Hals gehalten und ihr gesagt, er
werde ihr den Kopf abschneiden und sie umbringen. Sie habe das Messer mit
einer Hand gehalten, woraufhin er es losgelassen habe. Der Beschuldigte habe
sie mit dem Messer nicht verletzt, aber es seien Beleidigungen ausgesprochen
worden. Beim Versuch, das Messer abzuwehren, habe sie sich leicht daran
geschnitten. Das Messer habe keine Spuren hinterlassen, aber sie habe
die scharfe Klinge des Messers am Hals gespürt. Es sei aber nicht so schlimm
gewesen. Dennoch habe sie Angst gehabt, dass er seine Drohung wahr machen
könnte, wenn sie nicht den Mund halte und alles mache, was er ihr sage. Sie
könne es nicht mehr genau sagen, aber möglicherweise sei der Beschuldigte auf
sie los gegangen, weil sie an jenem Tag geweint habe (Urk 19/2 S. 18 ff.).
5.2.2.3.7. Weiter führte die Geschädigte aus, der Beschuldigte habe sie einmal so
geschlagen, dass sie aus der Nase und dem Mund geblutet habe. Sie könne nicht
mehr sagen, wann dies geschehen sei. Sie glaube, er habe ihren Kopf wieder
einmal an die Wand geschlagen. Danach habe er sie ein paar Mal geschlagen,
- 17 -
sie gepackt und geschüttelt. Sie habe sich dann übergeben müssen. Das habe
sich im Korridor zugetragen und sie glaube, dass sie zu Boden gefallen sei. Sie
erinnere sich nicht mehr an alles. Sie wisse aber noch, dass sie sich übergeben
habe, es sei ihr schlecht gegangen. Der Beschuldigte habe sie zuerst an die
Wand geschlagen und ihr danach ca. zwei - jedenfalls nicht viele - Ohrfeigen mit
der flachen Hand auf die linke Gesichtshälfte verpasst. Dann habe er die
Wohnung verlassen. Solche Dinge habe sie oft erlebt und die Vorfälle seien oft
sehr ähnlich gewesen. Daher wisse sie nicht immer genau, was bei welchem
Vorfall passiert sei.
5.2.2.3.8. Ca. 3 Monate bevor sie in die E._ gereist sei, habe sie eine Kolle-
gin kennen gelernt. Da der Beschuldigte ein paar Tage nicht nach Hause gekom-
men sei, habe diese Kollegin bei ihr übernachtet. Sie habe manchmal blaue Fle-
cken an ihren Armen gesehen und sie auch gefragt, was passiert sei. Aus Angst
vor dem Beschuldigten habe sie der Kollegin aber nicht die Wahrheit gesagt, son-
dern behauptet, sie habe sich irgendwo an einer Türe gestossen (Urk. 19/2
S. 21).
5.2.2.3.9. Ein weiterer Übergriff habe sich im ersten Monat nach ihrem Eintreffen
in der Schweiz in der F._ Bar ereignet. Sie erinnere sich nicht mehr daran,
warum der Streit zwischen ihr und dem Beschuldigten entbrannt sei. Jedenfalls
habe der Beschuldigte versucht, ihren Kopf in den offenen, heissen Pizzaofen zu
stecken. Sie habe versucht die Ofentüre mit der einen Hand zuzumachen. Dabei
habe sie sich die Hand verbrannt. Der Ofen befinde sich vis-à-vis des Lavabos
und verfüge über zwei Ofentüren, von denen sich die untere etwa auf Brusthöhe
und die obere etwa auf Kopfhöhe befände. Die Türen würden nach unten
geöffnet. Bei hohen Temperaturen seien die Türen oft heisser als der Ofen selbst.
Der Beschuldigte habe versucht ihren Kopf in den unteren Ofen zu stecken. Er
habe sie dabei hinten am Hals gepackt und zum Ofen "gebracht". Sie wisse nicht,
ob er sie bloss habe erschrecken wollen, oder ob er wirklich vorgehabt habe,
ihren Kopf in den Ofen zu stecken. Er habe ihr immer wieder gesagt, dass das,
was er ihr bisher angetan habe, nicht viel gewesen sei. In jenem Moment habe sie
sterben wollen. Sie habe ständig Angst um ihr Leben gehabt. Im Moment sei sie
- 18 -
glücklich, dass sie wenigstens ohne seine Erlaubnis weinen dürfe. Ob er sie beim
Vorfall mit dem Ofen auch gewürgt habe - wie sie dies bei der Polizei ausgesagt
habe - könne sie nicht mehr bestätigen. Sie erinnere sich nicht mehr daran. Auch
an die Uhrzeit des Vorfalls könne sie sich nicht mehr erinnern. Sie denke aber,
es sei Abend gewesen. Auf entsprechenden Vorhalt aus dem Polizeiprotokoll
bestätigte die Geschädigte schliesslich, dass der Streit deshalb entstanden sei,
weil sie trotz eines entsprechenden Verbotes des Beschuldigten vom Vorhang in
die Bar geschaut habe. Der Beschuldigte sei deswegen wütend geworden.
Diesen Vorfall habe niemand beobachten können. Allerdings habe H._
manchmal gesehen, wie der Beschuldigte sie schlecht behandelt habe. Er habe
dann auch zu ihm gesagt, er solle das nicht machen. Die Verbrennung hätten am
nächsten Tag die Frau von I._ und J._ gesehen. Sie habe allerdings ge-
sagt, dass sie sich selber verbrannt habe (Urk. 19/2 S. 24).
5.2.2.3.10. An einem Abend in der Zeit, als er das kalte Wasser über sie geschüt-
tet habe, sei sie mit dem Beschuldigten zu Hause gewesen. Der Beschuldigte
habe ihr gesagt, er werde sie umbringen, ihr die Ohren abschneiden und ihr diese
in den Mund stecken. Er werde sie für alle Moslems opfern. Er habe dies im
Zusammenhang mit der Aufforderung gesagt, wonach sie ein Kopftuch tragen
müsse. Bei einer anderen Gelegenheit, als sie ihm vorgeschlagen habe, es sei
doch besser wenn sie sich trennen würden, habe der Beschuldigte zu ihr gesagt,
sie habe die Wohnung im Brautkleid betreten und sie werde diese Wohnung nur
im Leichensack wieder verlassen. Sie sei nicht mal soviel wert wie eine kaputte
Pantoffel seiner Mutter. Sie sei so viel Wert wie zwei Paar Strumpfhosen
(Urk. 19/2 S. 26).
5.2.2.4. Die Einvernahme der Geschädigten durch die Staatsanwaltschaft wurde
am 21. November 2011 fortgesetzt. Damals gab sie in Ergänzung der zuvor
gemachten Aussagen und zumeist auf Befragung der Verfahrensleitung was folgt
zu Protokoll (Urk. 19/3):
5.2.2.4.1. Bei dem Vorfall, als der Beschuldigte sie mit Wasser übergossen habe,
habe sie sich vor lauter Kälte eine Blasenentzündung und eine sehr starke Grippe
geholt. Das habe sie gemeint, als sie in der vorangehenden Einvernahme von
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"Entzündungen am ganzen Körper" gesprochen habe. Was die Behauptung des
Beschuldigten angehe, er habe sie kalt abgeduscht, weil sie total betrunken
gewesen sei, müsse man sich ja nur das abgehörte Telefongespräch anhören.
Daraus gehe klar hervor, dass er dies getan habe, weil sie entgegen seinen
Anweisungen das Telefon ausgeschaltet habe und nicht, weil sie betrunken
gewesen sei. Der Beschuldigte habe sie nie abgeduscht weil sie betrunken
gewesen sei. Einen solchen Vorfall habe es nie gegeben (Urk. 19/3 S. 4 f.).
5.2.2.4.2. Soweit der Beschuldigte behaupte, die Bissspuren seien während des
Geschlechtsverkehrs entstanden und sie hätten sich dabei öfters gegenseitig aus
Spass oder Lust gebissen, so sei dies schlicht gelogen. So etwas sei noch nie
passiert. Die fraglichen Bissspuren seien 1 1⁄2 Monate nicht verheilt (Urk. 19/3
S. 5).
5.2.2.4.3. Das Messer welches ihr der Beschuldigte an den Hals gehalten habe,
sei ca. 30 cm lang gewesen. Es habe sich dabei um ein Fleischmesser gehandelt,
welches der Beschuldigte immer separat aufbewahrt habe. Er sei damals gerade
dabei gewesen, das Messer zu gebrauchen und sie könne nicht sagen, wo er es
hergenommen habe (Urk. 19/3 S. 5).
5.2.2.4.4. Den Vorfall mit dem Pizzaofen habe niemand beobachtet. Es sei alles
sehr schnell gegangen. Der Beschuldigte sei sehr aufbrausend gewesen und
habe ihr Angst machen wollen. In jenem Moment sei niemand gekommen. Wenn
jemand gekommen wäre, dann hätte diese Person den Vorfall sehen können
(Urk. 19/3 S. 6).
5.2.2.4.5. Weiter führte die Geschädigte aus, dass der Beschuldigte mehrere
Male gegen ihren Willen den Geschlechtsverkehr an ihr vollzogen habe. Wann
dies jeweils genau passiert sei, könne sie nicht mehr sagen. Nach dem ersten Mal
sei sie schwanger geworden. Das Kind habe sie "wegmachen lassen". Wann die
Abtreibung stattgefunden habe, könne sie nicht mehr sagen. Die Daten dazu
könnten jedoch im Spital in K._ in Erfahrung gebracht werden. Das erste Mal
habe sich so zugetragen, dass der Beschuldigte am Abend zu ihr gesagt
habe, sie müsse bis Ende 2011 ein Kind bekommen. Weil sie nie gedacht habe,
- 20 -
dass er so etwas machen würde, habe sie gedacht, er sei möglicherweise alkoho-
lisiert gewesen. Sie glaube, er habe im Korridor ihren Hinterkopf mehr als einmal
an die Wand geschlagen und sie dann aufs Bett gestossen. Sie habe damals
kurze, bequeme Kleider getragen, die man schnell habe ausziehen können. Der
Beschuldigte habe die üblichen Kleider getragen. Seine Berufs- und Freizeit-
kleider seien immer die gleichen gewesen. Manchmal habe er 20 oder 21 Tage
lang die gleiche Hose getragen. Jedenfalls habe er an jenem Tag Hosen ange-
habt. Was er obenrum angehabt habe, wisse sie nicht mehr. Auf dem Bett habe
er ihr ein paar Ohrfeigen gegeben und sie dann ausgezogen. Sie habe sich
dagegen gewehrt, aber er habe weiter gemacht. Er habe sie sehr stark am Hals
gehalten und sie habe nicht die Kraft gehabt, gegen ihn anzukommen. Ab und zu
habe sie zu ihm gesagt, er solle das nicht machen und er solle sie lassen. Der
Beschuldigte habe aber nicht aufgehört. Zwischendurch habe er immer geflucht.
Sie habe sich auf dem Rücken liegend auf dem Bett befunden und er sei auf ihr
gewesen. Dann sei der Beschuldigte ohne Schutz vaginal in sie eingedrungen.
Sie habe geweint. Er habe ihr verboten zu weinen und zu ihr gesagt, sie solle nur
weinen bis sie verrecke. Während des Geschlechtsverkehrs habe er sie immer
noch am Hals gepackt und zwischendurch geohrfeigt. Wie es genau gewesen sei,
könne sie nicht mehr sagen. Ob er sie während des Geschlechtsverkehrs auch
bedroht habe, könne sie nicht mehr sagen. Wie lange der Akt gedauert habe,
könne sie nicht mehr sagen. Sie glaube, sie sei irgendwann in Ohnmacht gefallen,
sie habe sich "verloren". Es sei nicht eine richtige Ohnmacht gewesen, viel mehr
eine Art Schockzustand. Sie sei wie erstarrt gewesen (Urk. 19/3 S. 8 ff.). Gegen
Ende der Einvernahme gab die Beschuldigte schliesslich zu Protokoll, sie glaube
sich zu erinnern, dass sie gerade aus der Dusche gekommen sei, als der
Beschuldigte nach Hause gekommen sei. Ganz sicher sei sie sich aber nicht
(Urk. 19/3 S. 25).
5.2.2.4.6. Danach sei es noch zu zwei oder drei Vorfällen gekommen, bei denen
der Beschuldigte mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt habe. Sie habe das nicht
gewollt und als Vorwand immer gesagt, dass sie müde sei. Der Beschuldigte
habe dann trotzdem mit ihr geschlafen. Sie habe sich dann nicht gewehrt. Wann
dies jeweils gewesen sei, könne sie nicht mehr sagen. Der Beschuldigte habe
- 21 -
sich dabei aber jeweils geschützt. Er habe sich nicht darum gekümmert, wie sie
sich gefühlt habe. Er habe es einfach immer so gemacht, wie es ihm gepasst
habe. Danach sei er jeweils eingeschlafen. Sie habe sich bei diesen Vorfällen
nicht gewehrt und der Beschuldigte habe sie auch nicht festgehalten, oder
geschlagen. Sie habe dabei innerlich geweint. Der Beschuldigte habe erkennen
können, dass sie den Geschlechtsverkehr nicht wolle, weil sie ihm am Anfang
immer gesagt habe, sie sei müde. Sie habe zu ihm gesagt, sie hoffe, dass er das
verstehe. Er habe es aber nicht verstanden. Sie habe ihm nie direkt gesagt, dass
sie keinen Geschlechtsverkehr mit ihm wolle. Sie habe beim Geschlechtsverkehr
weder Schmerzen gehabt, noch habe sie Verletzungen davon erlitten (Urk. 19/3
S. 13 ff.).
5.2.2.4.7. Von der Verfahrensleitung auf den Mitbewohner L._ angesprochen
führte die Geschädigte aus, der Beschuldigte habe sie einmal in
Gegenwart eben dieses L._ dumm und zurückgeblieben genannt. Sie seien
damals zusammen im Restaurant - gemeint ist die F._-Bar - gewesen. Als
L._ vor dem Restaurant gewesen sei, habe sie den Beschuldigten gefragt,
weshalb er das gesagt habe. Sie sei auf einem Stuhl im Restaurant gesessen.
Der Beschuldigte habe sie dann am Hals gepackt und sie zum Pizzaofen ge-
bracht wo es zum bereits geschilderten Vorfall gekommen sei (Urk. 19/3 S. 17).
5.2.2.4.8. Schliesslich wurde die Geschädigte durch die Verfahrensleitung zu
den aufgezeichneten Telefongesprächen befragt. Sie führte aus, sie habe die
Telefongespräche in der Zeit vom 8. Juni 2011 bis zum 23. August 2011 in der
E._ aufgezeichnet. Der Beschuldigte habe sie jeweils in der E._, auf die
Nummer der Schwägerin angerufen. Die Aufnahmen habe sie im Haus ihrer
Eltern in M._ [Stadt in E._] gemacht. Ihre Schwägerin wohne auch im
selben Haus. Sie habe die Telefongespräche im Zimmer der Schwägerin auf Vi-
deo aufgenommen. Sie habe den Beschuldigten nicht darüber informiert, dass sie
die Gespräche aufnehme. Sie habe dies getan, weil sie keine andere Möglichkeit
mehr gesehen habe um ihrer Familie aufzuzeigen, was ihr der Beschuldigte ange-
tan habe. Sie habe die Gespräche mit dem Video ihres iPhone 4 gemacht und
nicht gewusst, dass dies verboten sei (Urk. 19/3 S. 23 ff.).
- 22 -
5.2.2.5. Am 8. Dezember 2011 wurde die Geschädigte durch die Anklagebehörde
ein drittes Mal zur Sache einvernommen. Dabei wurde namentlich der Verteidi-
gung sowie der Vertretung der Geschädigten Gelegenheit eingeräumt,
Ergänzungsfragen zu den bisher gemachten Aussagen zu stellen. Anlässlich
dieser Einvernahme machte sie zur Sache die folgenden Aussagen (Urk. 19/5):
5.2.2.5.1. Sie habe sich in einer schwierigen und schlimmen Situation befunden,
als sie sich entschlossen habe, die Telefongespräche mit dem Beschuldigten auf-
zunehmen. Sie sei auch bereit bestraft zu werden, falls sie sich dadurch strafbar
gemacht habe. Es gehe ihr einfach darum, dass man ihr glaube, was auf den
Aufzeichnungen zu hören und auf den ...-Auszügen zu lesen sei.
5.2.2.5.2. Sie habe deshalb nicht früher eine Strafanzeige erstattet, weil sie in den
8 Monaten in der Schweiz keine Deutschkenntnisse gehabt und auch keine
Bekanntschaften gemacht habe. Der Beschuldigte habe auch ihren Computer
überwacht und sie habe nicht einmal mit ihrer Freundin sprechen dürfen.
5.2.2.5.3. Bei dem Vorfall, wo der Beschuldigte ihr das Messer an den Hals
gehalten habe, habe sie sich einen kleinen Schnitt an der Hand zugezogen. Sie
habe mit der Hand an die Klinge gegriffen und sich dabei geschnitten. Es habe
sich um ein grosses, dickes Messer gehandelt.
5.2.2.5.4. Was die Abtreibung angehe, so habe man ihr gesagt, dass sie sich in
der zweiten oder dritten Schwangerschaftswoche befunden habe. Es habe sich
auch nicht um eine eigentliche Abtreibung gehandelt, sondern sie habe einfach
Medikamente zum Schlucken erhalten.
5.2.2.5.5. Was ihre Aussagen zum TV-Gerät in der ehelichen Wohnung betreffe,
so habe es sich so verhalten, dass sie am Anfang nur einen kleinen Fernseher
gehabt hätten, welcher nicht richtig funktioniert habe und mit dem man keine
... Sender [des Staates E._] habe empfangen können. Ca. 2 Monate, bevor
sie in die E._ gereist sei, habe der Beschuldigte im Anschluss an einen Streit
einen Fernseher gekauft.
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5.2.2.5.6. Dass N._, der Besitzer des Restaurants/Bar F._ nicht gegen
den Beschuldigten ausgesagt habe, verwundere sie nicht. Einerseits habe der
Beschuldigte Kenntnis von Schwarzarbeit und Drogenhandel im Lokal gehabt und
andererseits seien die Leute dort alle Freunde des Beschuldigten. Diese Leute
würden bestimmt nichts Schlechtes über den Beschuldigten sagen.
5.2.3. Aussagen des Beschuldigten
5.2.3.1. Der Beschuldigte wurde erstmals am 29. September 2011 durch die
Polizei zur Sache einvernommen (Urk. 18/1). Am 30. September 2011 fand die
staatsanwaltschaftliche Hafteinvernahme statt (Urk. 18/2) und am 16. Januar
2012 (Urk. 18/3), am 22. Februar 2012 (Urk. 18/5), am 26. März 2012 (Urk. 18/8)
und am 4. Mai 2012 (Urk. 18/10) erfolgten jeweils weitere Einvernahmen durch
die Anklagebehörde.
5.2.3.2. Bezüglich der polizeilichen Einvernahme vom 29. September 2011
(Urk. 18/1) stellte sich die Verteidigung vor Vorinstanz und auch anlässlich der
Berufungsverhandlung auf den Standpunkt, diese sei als Beweismittel nicht
verwertbar. Zur Begründung führte sie an, nachdem die Befragung zwecks
Mittagsverpflegung unterbrochen worden sei, habe ab 12.40 Uhr nicht mehr Frau
O._, sondern neu Frau P._ als Übersetzerin mitgewirkt. Diese sei
jedoch durch den befragenden Polizeibeamten Q._ nicht auf ihre Pflichten
aufmerksam gemacht worden. Diese Missachtung der Verfahrensregeln führe zur
Unverwertbarkeit der Einvernahme. Hinzu komme, dass es die Aufgabe eines
Übersetzers sei, die Richtigkeit und Vollständigkeit des Protokolls zu überprüfen
und unterschriftlich zu bestätigen, was nur bei eigenen Übersetzungen möglich
sei. Vorliegend sei der erste Teil der Einvernahme durch Frau O._ übersetzt
worden. Rückübersetzt habe diesen Teil dann aber die Übersetzerin Frau
P._. In diesem Vorgehen sei ebenfalls die Missachtung einer Gültigkeitsvor-
schrift zu erblicken, was wiederum die Unverwertbarkeit der Einvernahme zur
Folge habe (Urk. 69 S. 5 ff.; Urk. 109 S. 3 ff.). Zu prüfen ist folglich, ob die fehlen-
de unterschriftliche Bestätigung durch die erste Übersetzerin sowie die fehlende
Belehrung der zweiten Übersetzerin zur Unverwertbarkeit der Aussagen des
Beschuldigten führen. Gemäss Art. 76 Abs. 2 StPO haben die protokollführende
- 24 -
Person, die Verfahrensleitung und die allenfalls zur Übersetzung beigezogene
Person die Richtigkeit des Protokolls zu bestätigen. Die Protokollierungsvor-
schriften sind aufgrund der auf dem Spiele stehenden gewichtigen Interessen der
Verfahrensbeteiligten streng zu handhaben. Die gesetzeskonforme Protokollie-
rung ermöglich der beschuldigten Person wie auch anderen Verfahrensbeteiligten
die Wahrnehmung ihrer Rechte und bildet Grundlage für die Wahrheitssuche, das
auszusprechende Urteil und die Überprüfung durch die Rechtsmittelinstanzen.
Die Beachtung der Protokollierungsvorschriften ist deshalb Voraussetzung für die
Gültigkeit des Protokolls. Diese Vorschriften haben somit im Regelfall zwingenden
Charakter (BSK-StPO-Näpfli, N 12 zu Art. 76). Vorliegend fehlt im Protokoll vom
29. September 2011 die Bestätigung der Richtigkeit des Protokolls durch die
beigezogene Übersetzerin, was eine Verletzung der Protokollierungsvorschriften
darstellt. Diese Verletzung kann nicht dadurch geheilt werden, dass eine zweite
Übersetzerin den ersten Teil rückübersetzt und hernach die Richtigkeit dieser
Rückübersetzung bestätigt. Sinn und Zweck der Bestimmung ist, dass die
Richtigkeit der zu Protokoll gegebenen Aussagen bestätigt wird und dies kann nur
diejenige Übersetzerin tun, welche die Aussagen des Beschuldigten auch gehört
und übersetzt zu Protokoll gegeben hat. Diese fehlende Bestätigung durch die
erste Übersetzerin führt zur Unbeachtlichkeit des ersten Teils der Einvernahme.
Weiter stellt auch die fehlende Belehrung der zweiten Übersetzerin eine Ver-
letzung einer Gültigkeitsvorschrift dar (Art. 184 Abs. 2 lit. f. i.V.m. Art. 68 Abs. 5
und Art. 73 Abs. 1 StPO; BSK-StPO-Heer, N 19 zu Art. 184). Zugunsten des
Beschuldigten ist hier nicht ohne weiteres davon auszugehen, dass die Über-
setzerin den Inhalt der erforderlichen Belehrungen ohnehin kannte. Damit ist
gestützt auf Art. 141 Abs. 2 StPO die Einvernahme des Beschuldigten vom
29. September 2011 (Urk. 18/1) nicht verwertbar.
5.2.3.3. Anlässlich der Hafteinvernahme vom 30. September 2011 bestritt der
Beschuldigte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vollumfänglich. Im Übrigen
machte er auf Empfehlung seines Verteidigers von seinem Aussage-
verweigerungsrecht Gebrauch (Urk. 18/2).
- 25 -
5.2.3.4. Auch anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 16. Ja-
nuar 2012 machte der Beschuldigte grundsätzlich von seinem Aussageverweige-
rungsrecht Gebrauch. Hinsichtlich der aufgezeichneten Telefongespräche
bestätigte er aber immerhin, dass es sich um seine Stimme handle, die ohne
seine Kenntnis aufgezeichnet worden sei. Mutmasslich stamme die Aufnahme
vom 15. oder 16. Juli 2011. Hinter dieser Aufnahme stehe, so der Beschuldigte,
eine böse Absicht der Geschädigten (Urk. 18/3).
5.2.3.5. Dem Beschuldigten wurde seitens der Anklagebehörde am 22. Februar
2012 Gelegenheit gegeben, den Zeugeneinvernahmen H._, C._,
L._ und R._ beizuwohnen und sich im Anschluss daran zu den einzel-
nen Aussagen zu äussern. Auf Befragen führte er zur Sache zusammengefasst
was folgt aus (Urk. 18/5):
5.2.3.5.1. L._ habe wohl etwas falsch verstanden, wenn er als
Zeuge ausgesagt habe, er - also der Beschuldigte - habe ihm gegenüber zuge-
geben, dass er der Geschädigten einmal eine Ohrfeige gegeben habe. Es sei
dabei wohl um den Vorfall gegangen, als ihn die Geschädigte an einem Samstag-
morgen betrunken angerufen habe. Sie habe an jenem Tag eine Flasche Whisky
getrunken und in der Wohnung Dinge zerschlagen und ein Durcheinander ange-
richtet. Zwecks Ausnüchterung habe er sie dann ins Bad gebracht und dort ihren
Kopf unter die Brause gehalten. Danach habe er ihr Gesicht gewaschen und sie
ins Bett gebracht. Weil er nicht gewusst habe, wie er mit betrunkenen Menschen
umgehen müsse, habe er seine Mutter angerufen. Diese habe ihm geraten, er
solle der Geschädigten das Gesicht waschen. Dies könne seine Mutter bestimmt
auch bezeugen. L._ habe hier wohl etwas missverstanden. Er habe die Ge-
schädigte aber nicht geschlagen. Der Vorfall habe sich vielleicht im März oder Ap-
ril 2011 ereignet, er könne sich nicht mehr daran erinnern. Die Geschädigte habe
ein ernsthaftes Alkoholproblem. Sie habe zu Hause immer alkoholische Getränke
gehabt. Er selber trinke nicht so gerne Alkohol. Manchmal sei er selber zum Ein-
kaufen gegangen und manchmal sei die Geschädigte zum ... gegangen, um dort
einzukaufen. Er habe ihr jeden Morgen Fr. 50.-- auf dem Tisch hinterlassen. Zu-
dem habe er die Einnahmen aus dem Geschäft mit nach Hause gebracht und auf
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den Tisch gelegt. Es sei also immer Geld im Haus gewesen. Weil es der Geschä-
digten nicht gefallen habe, dass er das Geld auf den Tisch gelegt habe, habe er
es jeweils in ihr Portemonnaie getan (Urk. 18/5 S. 3 ff.).
5.2.3.5.2. Seitens der Staatsanwaltschaft wurden dem Beschuldigten in der Folge
diverse Passagen aus dem durch die Geschädigte auf Video aufgezeichneten -
ca. 40-minütigen - Telefongespräch vorgehalten. Diesbezüglich verweigerte der
Beschuldigte jeweils die Aussage. Die Geschädigte sei im Übrigen wie ein Mann.
Er glaube nicht, dass sie wegen seiner Äusserungen Angst gehabt habe. Er sei
einfach wütend geworden, das gehe doch allen Menschen einmal so (Urk. 18/5
S. 5 ff.).
5.2.3.5.3. Dem Beschuldigten wurde weiter ein Ausdruck eines ...-Auszuges vom
21. November 2011 (Urk. 18/6) vorgehalten und die Frage gestellt, ob er der Ur-
heber der betreffenden Nachrichten sei. Der Beschuldigte stellte in Abrede, die
entsprechenden Nachrichten verfasst zu haben. Er machte geltend, seine Frau,
deren Familie sowie die Familie des Beschuldigten selbst hätten über das Pass-
wort zu seinem ... Account verfügt, dies deshalb, weil sie sich dort die Hochzeits-
fotos hätten anschauen wollen. Er kenne sich mit Computern nicht aus und könne
nur sagen, dass diese Nachrichten nicht von ihm geschrieben worden seien. Er
schwöre, nicht zu wissen, wer der Autor dieser Nachrichten sei. Es sei aber auf-
fällig, dass mit diesen Nachrichten der Standpunkt der Geschädigten gestärkt
werde (Urk. 18/5 S. 9 ff.).
5.2.3.5.4. Am 26. März 2012 wurde der Beschuldigte durch die Anklagebehörde
einvernommen. Ihm wurde dabei Gelegenheit eingeräumt, um sich zur Zeugen-
einvernahme von S._ zu äussern. Anlässlich dieser Einvernahme machte der
Beschuldigte keinerlei sachverhaltsrelevanten Aussagen (Urk. 18/8).
5.2.3.6. Am 4. Mai 2012 erfolgte schliesslich die Schlusseinvernahme durch die
Anklagebehörde, wobei der Beschuldigte die folgenden Aussagen zu Protokoll
gab (Urk. 18/10):
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5.2.3.6.1. Zunächst bestätigte der Beschuldigte, dass auf den drei Videodateien
der aufgenommenen Telefongespräche die Geschädigte zu sehen sei. Der Mann,
der am anderen Ende der Telefonleitung zu hören sei, sei er selbst. Weiter wollte
sich der Beschuldigte jedoch nicht zu den Aufzeichnungen äussern (Urk. 18/10
S. 2).
5.2.3.6.2. Den Schlussvorhalt bestritt der Beschuldigte vollumfänglich. Er führte
aus, die ihm zur Last gelegten Taten habe er nicht begangen. Er habe der
Geschädigten absolut keinen Schaden zugefügt. Die Untersuchung habe gezeigt,
dass die Geschädigte gelogen habe (Urk. 18/10 S. 14).
5.2.4. Auskunftsperson/Zeugen
5.2.4.1. Am 22. November 2011 wurde N._ durch die Kantonspolizei
Zürich als Auskunftsperson zur Sache einvernommen (Urk. 20/1). Aus dem
Befragungsprotokoll gehen keinerlei Hinweise darauf hervor, dass N._ durch
den befragenden Polizeibeamten Q._ auf seine Rechte und Pflichten
gemäss Art. 181 StPO respektive auf die möglichen Straffolgen einer bewussten
Falschaussage aufmerksam gemacht wurde. Ob in der Unterlassung der vom
Gesetzgeber vorgesehenen Belehrung nun die Missachtung eines Gültigkeits-
erfordernisses zu erblicken ist, was letztlich zur Unverwertbarkeit der Aussagen
führen würde (Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 181 N. 3 ff.), oder ob es sich
dabei nicht um ein Gültigkeitserfordernis handelt (BSK-StPO-Kerner, Art. 181 N. 4
f.), kann vorliegend aus folgendem Grund offen bleiben: Der Beschuldigte wurde
mit N._ nie konfrontiert. Entsprechend konnte der Beschuldigte seine pro-
zessualen Teilnahme- und Fragerechte nicht wahrnehmen, was zur Folge hat,
dass N._'s Aussagen zum Nachteil des Beschuldigten ohnehin nicht verwer-
tet werden dürfen. Inhaltlich führte N._ aus, dass der Beschuldigte Untermie-
ter des Take Away Teil's gewesen sei. Er kenne den Beschuldigten nicht gut.
Dieser sei ziemlich verschlossen, was sein Privatleben betreffe. Die Geschädigte
kenne er vom Sehen her. Sie sei ein paar Monate im Geschäft gewesen. Sie ha-
be aber nicht wirklich dort gearbeitet, sondern sei meistens auf einem Stuhl
gesessen und habe auf den Beschuldigten gewartet. Es könne schon sein, dass
die Geschädigte dem Beschuldigten manchmal ein wenig geholfen habe, das
- 28 -
habe er auch gesehen. Von einer vollen Beschäftigung könne aber nicht ge-
sprochen werden. Dass sich der Beschuldigte mit der Geschädigten gestritten
habe, habe er nie gesehen. Er habe auch nie gehört, dass der Beschuldigte
versucht habe, ihren Kopf in den Pizza Ofen zu stecken. Was die Lokalität ange-
he, so gäbe es im Take Away zwischen der Küche und dem Gastraum keine
Trennung. Jeder sehe, was gemacht werde (Urk. 20/1).
5.2.4.2. Am 16. Januar 2012 wurde L._ als Zeuge zur Sache einvernommen.
Beim Zeugen L._ handelt es sich um einen Verwandten sowohl des Be-
schuldigten, als auch der Geschädigten. Wie sich der Verwandtschaftsgrad tat-
sächlich gestaltet, konnte trotz entsprechender Befragung nicht restlos geklärt
werden. Der Zeuge führte aus, am einfachsten sei es wohl, wenn man festhalte,
dass sie alle zum selben Clan gehörten. Dass er den selben Namen wie der
Beschuldigte habe, komme daher, dass ihre Väter und Grossväter nahe verwandt
gewesen seien. Der Zeuge wohnte nach eigenen Angaben eine Zeit lang in der
ehelichen Wohnung des Beschuldigten und der Geschädigten. Der Zeuge gab an,
er habe vor der Verhaftung des Beschuldigten ca. drei Monate im Gästezimmer
der Eheleute A._ gewohnt. In der Regel sei er mit dem Beschuldigten zu
dessen Arbeitsort gegangen und habe von dort aus Spaziergänge gemacht, oder
Bekannte besucht. Der Beschuldigte habe jeweils von 20.00 Uhr bis 05.00 Uhr
morgens gearbeitet. Die Geschädigte sei manchmal mit ins Geschäft gekommen.
Sie sei dann zum Teil alleine und zum Teil mit ihm zurück nach Hause gegangen.
Im Geschäft sei die Geschädigte einfach rumgesessen. Hin und wieder habe sie
ihrem Mann geholfen. Die Geschädigte habe ihm von den Vorwürfen gegenüber
dem Beschuldigten erzählt. Sie habe ihm gesagt, dass der Beschuldigte sie
geschlagen habe und von einer Vergewaltigung sei auch die Rede gewesen. Er
könne sich aber nicht vorstellen, dass sich solche Dinge zugetragen hätten. Die
Geschädigte habe ihm die Videoaufzeichnungen gezeigt. Er habe den Beschul-
digten dann drauf angesprochen, worauf dieser zu ihm gesagt habe, dass er ihr
einmal eine Ohrfeige gegeben habe. Diese Ohrfeige habe er ihr ca. 4 bis 5 Mona-
te nach der Eheschliessung gegeben und sie sei begründet gewesen. Allerdings
habe er es später bereut und sich bei der Geschädigten entschuldigt. Als er ihn
gefragt habe, warum er der Geschädigten Wasser über den Kopf geschüttet und
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sie herausgeschmissen habe, habe der Beschuldigte gesagt, er habe dies getan,
weil er betrunken gewesen sei. Der Beschuldigte habe ihm gesagt, dass es in
seiner Ehe kleinere Probleme gebe. Diese kämen vor allem daher, dass er zu viel
arbeite und zu wenig Zeit für seine Familie habe. Er sei aber bemüht, die Situation
zu verbessern. Der Zeuge führte weiter aus, er habe nie Gewalt miterlebt und
könne daher auch nicht bestätigen ob das, was ihm erzählt worden sei, richtig
gewesen sei. Einmal habe er miterlebt, wie der Beschuldigte die Geschädigte als
"Dummkopf" bezeichnet habe. Dies deshalb, weil sie etwas falsch geschrieben
habe. Er habe weder Drohungen mitbekommen, noch habe er Verletzungen an
der Geschädigten erkennen können. Auf Zusatzfrage der Verteidigung führte der
Zeuge aus, in der Wohnung habe es ein Fernsehgerät gehabt. Dieses Gerät sei
im Wohnzimmer auf einer Ablage gestanden. Die Geschädigte habe am Arm eine
rötliche Verletzung gehabt. Sie habe ihm erzählt, diese Verletzung stamme daher,
dass sie sich die Hand bei der Arbeit am Ofen angeschlagen habe. Dass der
Beschuldigte eine Religion praktiziert hätte, habe er nie gesehen. Er habe in
seiner Bibliothek sowohl einen Koran, als auch eine Bibel gehabt und auch sonst
Bücher über andere Kulturen gelesen (Urk. 20/3).
5.2.4.3. Weiter wurde am 16. Januar 2012 R._ als Zeugin zur Sache einver-
nommen. Die Zeugin R._ ist eine Freundin der Geschädigten. Sie führte aus,
sie habe die Geschädigte im Restaurant ... in T._ über ihre Cousine kennen
gelernt. Dies sei ca. 1 bis 2 Monate vor der Abreise der Geschädigten in die
E._ gewesen. An jenem Abend sei die Geschädigte nicht in Begleitung des
Beschuldigten gewesen. Etwa eine Woche später sei sie zur Geschädigten nach
Hause gegangen, wo sie auch den Beschuldigten kennengelernt habe. Ungefähr
zwei Wochen, nachdem sie die Geschädigte kennengelernt habe, habe sie diese
einmal spontan und unangekündigt besucht. Die Geschädigte sei zu Hause
gewesen und habe geweint. Sie habe sie nach dem Grund gefragt, die Geschä-
digte habe aber nicht sagen wollen, worum es gegangen sei. Nachdem die
Geschädigte aus der E._ zurück in die Schweiz gekommen sei, habe sie mit
ihr telefoniert. Die Geschädigte sei damals im Spital gewesen und habe nicht viel
reden können, weil sie kein eigenes Telefon gehabt habe. Sie habe erzählt, dass
sie Probleme mit dem Beschuldigten habe. Dieser sei handgreiflich geworden.
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Die Geschädigte habe am linken Oberarm kleine blaue Flecken gehabt. Als sie
sie gefragt habe, was das sei, habe die Geschädigte gesagt, sie sei gegen eine
Türe gestossen. Das habe sie ihr aber nicht geglaubt. Sonst habe sie nie Ver-
letzungen bei der Geschädigten feststellen können. Wenn sie die Geschädigte
besucht habe, dann sei sie meistens etwa zwei Stunden bei ihr geblieben. Über-
nachtet habe sie nie bei ihr. Sie habe nie beobachtet, dass der Beschuldigte
gegenüber der Geschädigten tätlich geworden sei, oder dass er diese bedroht
habe. Von sexuellen Übergriffen habe die Geschädigte nie etwas erzählt,
sie wisse aber, dass sie einmal schwanger gewesen sei und das Kind habe
abtreiben lassen. Details hierzu kenne sie aber nicht. Die Geschädigte habe ihr
erzählt, dass sie in einem Restaurant arbeite. Sie selbst habe die Geschädigte
mindestens einmal die Woche, an unterschiedlichen Tagen besucht. Die Arbeits-
zeiten der Geschädigten habe sie nicht gekannt. Auf die Frage der Verteidigung,
wie die Zeugin die Geschädigte vor deren E._-Reise erlebt habe, führte sie
aus, sie habe die Geschädigte nie fröhlich erlebt. Sie sei immer beunruhigt gewe-
sen und habe gewollt, dass sie sie besuche, weil es ihr nicht gut gegangen sei.
Die Geschädigte habe oft geweint, wenn sie bei ihr gewesen sei. Den Grund dafür
kenne sie nicht genau, aber sie glaube, dass sie unglücklich gewesen sei.
Namentlich dann, wenn die Zeugin von ihrer eigenen Familie erzählt habe, habe
die Geschädigte angefangen zu weinen (Urk. 20/4).
5.2.4.4. Am 22. Februar 2012 wurde H._, der stellvertretende Geschäfts-
führer der F._ Bar, als Zeuge zur Sache einvernommen. Er gab zu Protokoll,
die Geschädigte habe im Take Away manchmal ausgeholfen, wenn es viel Arbeit
gegeben habe. Meistens sei sie aber nur dort gesessen. Sie sei nicht fest ange-
stellt gewesen, oder so. Sie sei mit dem Beschuldigten zu Schichtbeginn gekom-
men und geblieben, bis dieser nach Hause gegangen sei. Manchmal habe er ihr
auch die Autoschlüssel gegeben, damit sie früher habe nach Hause fahren kön-
nen. Bei der Geschädigten habe er nie irgendwelche Verletzungen feststellen
können. Der Beschuldigte sei am Anfang sehr fleissig gewesen, dies habe aber
nachgelassen, als er geheiratet habe. Zu Beginn der Ehe seien die beiden sehr
nett zu einander gewesen, dann, mit der Zeit, habe er bemerkt, dass es angefan-
gen habe zu "kriseln". Das habe er deshalb bemerkt, weil der anfänglich sehr
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fröhliche Beschuldigte mit der Zeit nicht mehr so fröhlich gewesen sei. Er glaube,
dass der Beschuldigte die Geschädigte sehr geliebt habe. Aber er kenne das
Problem mit den Frauen aus der E._. Die Frauen kämen nach der Hochzeit
hier in die Schweiz und hätten das Gefühl, dass die Männer reich seien. Eigentli-
che Auseinandersetzungen zwischen den beiden habe er nie beobachten können.
Auch habe der Beschuldigte die Geschädigte nie angeschrien oder beleidigt.
Zumindest glaube er, dass er das nie getan habe. Von Drohungen wisse er
nichts. Er glaube nicht, dass der Beschuldigte tätlich geworden sei. Der Beschul-
digte sei auch zu den Gästen immer höflich gewesen. Er jedenfalls glaube das
nicht, was auf der Vorladung stehe. Den Beschuldigten habe er nie auf dessen
schlechten Umgang mit der Geschädigten angesprochen. Auch wenn die
Geschädigte so etwas behaupte, ihm sei dies nie aufgefallen. Es sei aber so
gewesen, dass er hin und wieder gesagt habe, die beiden sollten lieb zu einander
sein. Dies deshalb, weil er bemerkt habe, dass der Beschuldigte nicht mehr so gut
gelaunt und nicht mehr so freundlich zu den Gästen gewesen sei. Auf Frage des
Verteidigers führte der Zeuge aus, er habe beobachtet, wie die Geschädigte
Putzarbeiten im Take Away verrichtet habe. Dies habe sie aber nicht täglich
getan. Die Geschädigte habe während der Öffnungszeiten geputzt, während nach
dem Feierabend eine Putzfrau gekommen sei. Weder der Beschuldigte noch die
Geschädigte hätten grundsätzlich Alkohol getrunken. Manchmal habe er der
Geschädigten sein Glas gegeben. Er habe sie aber nie betrunken gesehen
(Urk. 20/5).
5.2.4.5. I._ wurde am 22. Februar 2012 durch die Anklagebehörde als Zeuge
zur Sache einvernommen. Auf Befragen führte er was folgt aus (Urk. 20/6): Die
Geschädigte habe sich ab und zu im Take Away aufgehalten, aber nicht so oft. Er
wisse vom Beschuldigten, dass dieser seine Frau mit ins
Geschäft genommen habe, weil er habe verhindern wollen, dass es ihr zu Hause
langweilig werde. Die Geschädigte habe im Take Away manchmal ein bisschen
geholfen, um ihren Ehegatten zu unterstützen. Von Arbeit könne man da
aber nicht sprechen. Der Beschuldigte und die Geschädigte hätten einen ganz
normalen Umgang miteinander gepflegt. Von Auseinandersetzungen habe er
nichts mitbekommen. Es sei aber normal, dass Ehepaare manchmal streiten
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würden. Weder habe er mitbekommen, dass sie sich angeschrien oder beleidigt
hätten, noch habe er Kenntnis von irgendwelchen Drohungen. Dass der Beschul-
digte einmal gegenüber der Geschädigten tätlich geworden sei, habe er ganz
sicher nie gesehen. Er finde die Vorwürfe gegen den Beschuldigten völlig
daneben. Die Geschädigte habe sich einmal am Pizzaofen verbrannt. Er habe
dann von jemand anderem erzählen hören, dass die Geschädigte erzählt habe,
der Beschuldigte habe ihre Hand festgehalten und sie absichtlich am Ofen
verbrannt. L._ gegenüber habe sie erzählt, sie habe sich die Hand selber
verbrannt. Gegenüber ihrer Familie habe sie dann wieder gesagt, der
Beschuldigte habe die Hand verbrannt. Er habe selber aber nicht gesehen, wie
sich die Geschädigte verbrannt habe. Weiter falle ihm ein, dass die Geschädigte
zum Friedhof zum Schlafen gegangen sei. Sie habe ihm auch entsprechende
Fotoaufnahmen von Grabsteinen gezeigt. Sie habe erzählt, dass sie auf dem
Friedhof zur Ruhe gekommen sei. Die Geschädigte habe ihm einiges erzählt,
auch merkwürdige Sachen.
5.2.4.6. Der Zeuge S._ wurde am 26. März 2012 zur Sache einvernommen.
Er wisse nicht, was dem Beschuldigten vorgeworfen würde. Er führte aus, er sei
zusammen mit seiner Frau 2 bis 3 Mal bei den Eheleuten A._ zu Besuch ge-
wesen. Diese Besuche hätten im ersten Monat nach der Einreise der Geschädig-
ten stattgefunden. Danach habe er sie nur noch ohne seine Frau im Geschäft des
Beschuldigten besucht. Bei den Besuchen in der Wohnung sei ihm nie aufgefal-
len, dass die Geschädigte vom Beschuldigten unter Druck gesetzt worden sei. Sie
habe sich nicht der ... Kultur [des Staates E._] entsprechend verhalten. So
habe sie zum Beispiel die Gäste nicht bedient. Dieses Verhalten habe ihn ent-
täuscht. Überhaupt habe sich die Geschädigte in der E._ gegenüber der
Ehefrau des Zeugen unangemessen geäussert, was ihn verärgert und das
freundschaftliche Verhältnis zwischen ihm und dem Beschuldigten belastet habe.
Der Beschuldigte habe ihm von Eheproblemen erzählt, es sei darum gegangen,
dass die Geschädigte für 3 Monate in die E._ habe gehen wollen. Auseinan-
dersetzungen zwischen den beiden habe er nie mitbekommen, aber die Einstel-
lung der Geschädigten sei sehr anders gewesen. Wenn ihr etwas nicht gepasst
habe, dann habe sie sich verletzend geäussert. Er kenne den Beschuldigten nun
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schon seit 20 Jahren. Er habe nie erlebt, dass er sich jemandem gegenüber ver-
bal verletzend geäussert hätte oder unfreundlich gewesen sei. Er sei ein beschei-
dener Mensch. Er vertraue ihm voll, mehr als sich selber. Der Beschuldigte sei
seit 15 Jahren in der Schweiz und er habe nie etwas schlechtes über ihn gehört.
Er sei gegenüber der Geschädigten nie gewalttätig geworden. Er sei so verliebt in
die gewesen, dass er ihr niemals etwas Schlechtes oder Schlimmes antun würde.
Der Beschuldigte habe sich ein paar Tage vor der Rückkehr der Geschädigten bei
ihm Fr. 1'000.-- ausgeliehen, um es ihr zu schicken. Auf die Ergänzungsfrage des
Verteidigers, wie sich denn das verletzende Verhalten der Geschädigten konkret
geäussert habe, führte der Zeuge aus, die Geschädigte habe sich in Anwesenheit
von Familienangehörigen gegen eine Familiengründung ausgesprochen. Er habe
daher den Beschuldigten darauf aufmerksam gemacht, dass diese Frau nicht zur
Gründung einer Familie geeignet sei. Er denke die Geschädigte habe psychische
Probleme. Seine Ehefrau habe nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen, weil die
Geschädigte versucht habe, seine Ehe kaputt zu machen. So könne sich nur
jemand verhalten, der psychische Probleme habe. Er glaube die Geschädigte
habe den Beschuldigten belastet, damit sie in der Schweiz bleiben könne. Sie
seien .... In ihrer Kultur gäbe es keine Gewalttätigkeiten, eine Scheidung sei nor-
mal. Möglicherweise habe die Geschädigte ausgesagt, dass sie Angst habe, um-
gebracht zu werden, falls sie in die E._ zurückkehren würde. Das stimme
nicht. So etwas gebe es bei ihnen nicht. Auf die Zusatzfrage der Verfahrens-
leitung, wie es denn komme, dass der Zeuge so erstaunlich viel über das
Verfahren wisse und sogar die Aussagen der Geschädigten widergeben könne,
führte der Zeuge aus, deren Aussagen kenne er nicht. Er sei seit 20 Jahren mit
dem Beschuldigten befreundet. Sie seien eine Sippe. In ihrer Sippe könne man
verbale Auseinandersetzungen haben. Mehr nicht.
5.3. Aufgezeichnete Telefonate
5.3.1. Die Anklage stützt sich weiter auf drei Videoaufzeichnungen von Telefon-
gesprächen respektive auf deren Transkription in die deutsche Sprache
(Urk. 21/1-5). Die Verteidigung stellte sich vor Vorinstanz zusammengefasst auf
den Standpunkt, die Geschädigte habe die Mitschnitte der fraglichen Telefonate
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auf strafbare Art und Weise erlangt, indem sie sich im Sinne von Art. 179ter StGB
deliktisch verhalten habe. Da diese Mitschnitte von den Strafverfolgungsbehörden
nicht hätten erlangt werden können, erübrige es sich auch, eine Interessenabwä-
gung im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO vorzunehmen. Aus diesem Grund seien
weder die Aufzeichnungen, noch die entsprechenden Abschriften beweismässig
verwertbar (Urk. 69 S. 1 ff.). Die Vorinstanz dagegen erwog, zunächst verhalte es
sich unbestrittenermassen so, dass das Vorgehen der Geschädigten gegen
Art. 179ter StGB verstosse. Bei dem auf diese Weise erlangten Beweismittel
handle es sich aber dennoch nicht um ein solches absolut verbotener Natur. Zur
Klärung der Frage, ob das Beweismittel verwertet werden könne, müsse daher
eine Interessenabwägung vorgenommen werden. Da die aufgezeichneten
Telefongespräche der Anklagebehörde als Beweismittel für die unter Anklage-
ziffer 3.2 eingeklagte mehrfache Drohung diene, und eine Drohung gemäss
Art. 180 StGB eine der in Art. 269 Abs. 2 lit. a StPO genannten Katalogtaten dar-
stelle, könne nicht ausgeschlossen werden, dass im vorliegenden Fall die
Aufnahme der Telefonate auch auf gesetzmässige Weise hätte erlangt werden
können. Dennoch seien die Aufnahmen als Beweismittel nicht verwertbar, weil
im Rahmen einer Interessenabwägung festgestellt werden müsse, dass das
Interesse des Beschuldigten an der Unverwertbarkeit der rechtswidrig erlangten
Beweismittel, dasjenige der Öffentlichkeit an der Wahrheitsfindung und Straf-
verfolgung des Beschuldigten überwiege (Urk. 83 S. 35 ff.).
5.3.2. Die Auffassung der Vorinstanz kann aus folgenden Gründen nicht über-
nommen werden. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Geschädigte die
fraglichen Telefongespräche unbestrittenermassen nicht in der Schweiz, sondern
in ihrer Heimat, der E._, aufgezeichnet hat. Ob das Verhalten der Geschä-
digten nach ... Strafrecht [des Staates E._] widerrechtlich war, wurde durch
die Vorinstanz nicht untersucht. Dessen ungeachtet geht sie aber davon aus,
dass das Aufzeichnen der Telefongespräche ohne Einwilligung des Beschuldigten
nach Art. 179ter StGB strafbar sei. Dieser Argumentation ist entgegen zu halten,
dass der Geltungsbereich des Schweizerischen Strafgesetzbuches gemäss Art. 3
Abs. 1 StGB grundsätzlich auf Verbrechen oder Vergehen beschränkt ist, welche
in der Schweiz begangen wurden. Insofern ist bereits die Frage, ob die
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Telefonaufzeichnungen rechtswidrig erlangt wurden, ungeklärt. Sodann kann sich
die Frage stellen, ob durch das Zugänglichmachen der Aufnahmen der Tat-
bestand von Art. 179ter Abs. 2 StGB erfüllt ist. Zum Ganzen kann aber festge-
halten werden, dass sich die Geschädigte wohl auf den Rechtfertigungsgrund des
Notstandes im Sinne von Art. 17 StGB berufen könnte. Vorliegend kann die Not-
standslage darin erblickt werden, dass die Geschädigte ohne Verwendung der
Aufnahmen im Strafprozess ihre Rechte nicht gebührend wahren könnte. Auch
eine Abwägung der Interessen der Geschädigten sowie des Beschuldigten
führten zur Annahme des Rechtfertigungsgrundes des Notstandes bei der
Geschädigten. Eine vertiefte - auch international rechtsvergleichende - Auseinan-
dersetzung mit dieser Frage erübrigt sich aber ohnehin, da, wie nachfolgend
aufzuzeigen sein wird, eine Abwägung der Interessen letztlich dazu führt, dass die
Aufzeichnungen als Beweismittel zuzulassen und entsprechend verwertbar sind.
5.3.3. Die Strafprozessordnung enthält Bestimmungen zu den verbotenen
Beweiserhebungen (Art. 140 StPO) und zur Verwertbarkeit rechtswidrig erlangter
Beweise (Art. 141 StPO). Wie weit die Beweisverbote auch greifen, wenn nicht
staatliche Behörden, sondern Privatpersonen Beweismittel sammeln, wird in der
Strafprozessordnung nicht explizit geregelt. Die Rechtsprechung geht unter
Hinweise auf die Doktrin (vgl. Sabine Gless, in: Basler Kommentar StPO, 2011,
Art. 141 N. 42 f.; Gunhild Godenzi, Private Beweisbeschaffung im Strafprozess,
2008, S. 264 ff.) davon aus, dass von Privaten rechtswidrig erlangte Beweismittel
nur verwertbar sind, wenn sie auch von den Strafbehörden hätten erlangt werden
können und kumulativ dazu eine Interessenabwägung für deren Verwertung
spricht (Entscheid des Bundesgerichtes 1B_22/2012 vom 11. Mai 2012 E. 2.4.4).
Dass die Telefonaufzeichnungen auch durch die Strafbehörden hätten erlangt
werden können, hat die Vorinstanz mit zutreffender Begründung dargelegt. Darauf
kann vollumfänglich verwiesen werden. Angesichts der zur Debatte stehenden
Todesdrohungen liegt eine Katalogtat im Sinne von Art. 269 Abs. 1 StPO vor,
welche grundsätzlich geeignet ist, eine strafprozessuale Überwachung des
Telefonverkehrs zu rechtfertigen. Damit stellt sich noch die Frage nach der
Interessenabwägung.
- 36 -
5.3.4. Nach Art. 141 Abs. 2 StPO dürfen Beweise, die in strafbarer Weise oder
unter Verletzung von Gültigkeitsvorschriften erhoben worden sind, nicht verwertet
werden, es sei denn, ihre Verwertung sei zur Aufklärung schwerer Straftaten
unerlässlich. Je schwerer die zu beurteilende Straftat ist, umso eher überwiegt
das öffentliche Interesse an der Wahrheitsfindung das private Interesse des
Beschuldigten daran, dass der fragliche Beweis unverwertet bleibt (vgl. Urteil des
Bundesgerichtes 6B_323/2013 vom 3. Juni 2013 E. 3.5. mit Hinweisen). Gegen-
stand des vorliegend zu beurteilenden Strafverfahrens bilden die angeblichen
physischen und verbalen Übergriffe des Beschuldigten auf die Geschädigte.
Konkret wird der Beschuldigte der mehrfachen Vergewaltigung, der mehrfachen
Drohung, der mehrfachen einfachen Körperverletzung sowie der wiederholten
Tätlichkeiten bezichtigt. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sind die Video-
aufzeichnungen und die Frage nach deren Beweiswert nicht nur im Hinblick auf
die unter Anklageziffer 3.2 zur Debatte stehenden Drohungen, sondern auch im
Zusammenhang mit den übrigen Anklagevorwürfen von grösstem Interesse.
Damit richten sich die betreffenden Ermittlungshandlungen nicht "bloss" gegen
das relativ schwerwiegende Delikt der Drohung, sondern auch gegen den
zweifelsohne uneingeschränkt schwerwiegenden Deliktsvorwurf der mehrfachen
Vergewaltigung. Im Gegensatz zur Drohung, welche vom Gesetzgeber als Ver-
gehen konzipiert wurde (Art. 10 Abs. 3 StGB i.V.m. Art. 180 StGB), handelt es
sich beim Straftatbestand der Vergewaltigung um ein Verbrechen (Art. 10 Abs. 2
StGB i.V.m. Art. 190 Abs. 1 StGB). Nachdem also mit dem Vorwurf der mehrfa-
chen Vergewaltigung ein schwerer Deliktsvorwurf im Raum steht, überwiegt das
öffentliche Interesse an der Wahrheitsfindung klarerweise. Dies umso mehr, als
die fraglichen Videoaufzeichnungen neben dem primären Beweismittel - nämlich
den Aussagen der Geschädigten - lediglich als sekundäres Beweismittel, nämlich
zur Überprüfung der Glaubhaftigkeit der divergierenden Aussagen der Geschädig-
ten und des Beschuldigten dienen. Unzutreffend ist in diesem Sinne auch die
Auffassung der Vorinstanz, wonach der Umstand, dass die Geschädigte ihr
Desinteresse am Verfahren und der Bestrafung des Beschuldigten erklärt habe,
Einfluss auf die Interessenabwägung habe. Einerseits gilt es hierzu nämlich
anzumerken, dass die Geschädigte ihre Desinteresseerklärung nach eigenen
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Angaben ausschliesslich deshalb abgab, weil sie und ihre Familie bedroht und
unter Druck gesetzt worden seien (Urk. 19/10 S. 3 f. und 19/11 S. 3 f.). Es mutet
daher schon beinahe etwas zynisch an, wenn nun just diese behauptetermassen
unfreiwillige Desinteressenerklärung noch als Argument für die Unverwertbarkeit
der Telefonaufzeichnungen angeführt wird. Andererseits kommt hinzu, dass es
sich vorliegend ohnehin um Offizialdelikte handelt, bei welchen das Interesse des
Staates - und nicht etwa jenes der Geschädigten - an der Strafverfolgung im
Zentrum steht. Es ergibt sich daher zusammengefasst, dass die von der Geschä-
digten aufgezeichneten Telefongespräche als Beweismittel verwendet werden
dürfen, dies ungeachtet der nach wie vor ungeklärten Frage, ob deren Auf-
zeichnung in der E._ überhaupt unrechtmässig erfolgte, oder nicht.
5.3.5. Der in strafrechtlicher Hinsicht interessierende Kerngehalt der aufgezeich-
neten Telefongespräche hat direkt Eingang in Ziffer 3.2. der Anklageschrift
vom 29. Mai 2012 gefunden (Urk. 41 S. 7 f.). Den aufgezeichneten Gesprächen,
respektive den in die deutsche Sprache übersetzten Telefonprotokollen
(Urk. 21/1-4), lassen sich folgende Äusserungen des Beschuldigten entnehmen:
− "ich würde dir den Hals brechen, ich würde dich würgen", − "wenn du jetzt bei mir wärst, würde ich dir deinen Kopf abreissen!", − "Du sollst froh sein, dass ich dich nicht umgebracht habe", − "Wenn du das [ein ordentlicher Mensch zu sein] nicht schaffst, dann
werde ich dich mit meinen eigenen Händen töten, dabei würde ich mit dir kein Erbarmen haben.",
− "ich würde dir sogar deinen Kopf kaputtschlagen", − "Wenn du ... deiner Familie über mich oder mein Leben irgendetwas,
irgendwann und irgendwo erzählst und wenn ich davon erfahre, dann wird dieser Tag, an dem ich davon Kenntnis erhalte, dein Todestag sein!",
− "Du hast noch kein richtiges Leiden erlebt, wenn du so weitermachst, werde ich dich das schlimmste aller Leiden erleben lassen.",
− "Du hast bis jetzt nicht erlebt, was eigentliches Erniedrigen bedeutet, was Eigensinnigkeit bedeutet. .. Du hast noch nicht gesehen U._, was das bedeutet, wenn ich schwarz sehe."
− "Du bist mit einem blauen Auge davon gekommen, ich hätte dich töten können!",
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− "wehe aber merke ich, dass du dich wie früher verhältst, wie früher in deiner bestimmten Art sprichst, dann wirst du an dem Tag feststellen, wie ich durchdrehen werde und du wirst sehen, wozu ich fähig bin."
5.4. ...-Auszug
In den Akten befindet sich ein Ausdruck aus dem Nachrichtenordner des ... Ac-
counts der Geschädigten (Urk. 22/1), welcher in die deutsche Sprache übersetzt
wurde (Urk. 22/3). Dabei handelt es sich um 30 Nachrichten, welche in der Zeit
vom 25. August 2011 bis zum 3. September 2011 an die Geschädigte gesandt
wurden. Die betreffenden Nachrichten stammen unbestrittenermassen vom ...
Account des Beschuldigten, wobei der Beschuldigte in Abrede stellte, Urheber
dieser Nachrichten zu sein. Inhaltlich zeigt sich der Urheber der Nachrichten da-
bei einerseits besorgt über den ungewissen Verbleib der Geschädigten. Anderer-
seits geht es um eine Vielzahl Liebesbeteuerungen und um Entschuldigungen.
Zusammengefasst ersucht der Schreibende die Geschädigte, sie solle ihm ver-
zeihen. Er sei sich bewusst viele Fehler gemacht zu haben und er versichere,
dass er bei ihrer Rückkehr in die Ehe wieder der alte A._ sein
werde. Es sei wie ein Fluch auf ihm gelegen. Seit er nicht mehr in der "F._"
arbeite, fühle er sich wie von einer grossen Last befreit. Die Gesuchstellerin solle
ihm nochmals eine Chance geben. "Er liebe sie sehr" und sie sei sein "ein und
alles auf dieser Tod bringenden Welt". Er werde alles in seiner Macht stehende
tun, damit es in Zukunft viel besser werde und er habe sich auch beim Vater und
der Familie der Geschädigten einzeln entschuldigt. Am 30. August 2011 teilte der
Schreibende der Geschädigten in resigniertem Ton mit, sie sei nicht fair zu ihm.
Sie müsse ja nicht glauben, dass er nicht wisse, wo sie sich aufhalte. Er habe
verschiedene Dokumente, die sie ihm unterschrieben habe an die nötigen Stellen
weitergeleitet und eine Kopie davon befinde sich bei seinem Anwalt. Er hoffe,
dass sie nun vernünftig handle, denn er wisse über alles, auch über ihre ehe-
maligen Beziehungen, Bescheid. Er wisse sehr gut wie ihr Ende sein werde.
Wenn sie es wolle, dann könne er alle die Dokumente auch bekannt machen und
sie seinem Schwiegervater schicken. Er habe 8 Monate lang alles, was die
Geschädigte gesagt habe, aufgenommen. Wenn er wolle, dann könne er eine
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Kopie davon überall hin schicken. Er rate ihr, sich gut zu überlegen, was sie
machen wolle (Urk. 22/3 S. 4).
Die Behauptung des Beschuldigten, wonach nicht er, sondern jemand anderes
diese Nachrichten von seinem Account an die Geschädigte gesandt habe, ist voll-
kommen unglaubhaft. Der Beschuldigte gibt an, die Familie der Geschädigten
hätte sein Passwort benützt, damit sie sich die Hochzeitsfotos hätten anschauen
können. Diese Behauptung ist alleine schon deshalb vollkommen unglaubhaft,
weil es keines Passwortes bedarf, um sich Fotos eines befreundeten ...-Nutzers
anschauen zu können. Es genügt, die entsprechenden Fotoalben für den betref-
fenden Adressatenkreis zugänglich zu machen. Entscheidend für die Unglaubhaf-
tigkeit der Aussagen des Beschuldigten spricht aber, dass der Autor der fragli-
chen Nachrichten offenkundig sehr viele Detailkenntnisse über den
zwischen dem Beschuldigten und seiner Frau schwellenden Ehekonflikt hatte. So
schreibt der Urheber, dass sich der Beschuldigte in der Schweiz anders als in der
E._ verhalten habe, dass er der Geschädigten Kleidervorschriften gemacht
habe, dass die "F._" Schuld am ganzen Zerwürfnis sei und schliesslich ist
die Rede von Dokumenten, welche sich in der Hand des Autors befinden würden
und mit welchen die Geschädigte in Misskredit gebracht werden könnte. Alle die-
se Informationen, gepaart mit der Drohung, dass der Autor "sehr gut wisse wie ihr
Ende sein werde", lässt nur einen vernünftigen Schluss zu, nämlich jenen, dass
der Beschuldigte und niemand anders die betreffenden Nachrichten verfasst und
an die Geschädigte geschickt hat. Zwar tragen diese Nachrichten nicht direkt zur
Sachverhaltsermittlung bei, aber sie komplettieren das nachfolgend noch aufzu-
zeigende, vollends unglaubhafte Aussageverhalten des Beschuldigten.
5.5. Weitere Beweismittel
Als weitere Beweismittel liegen eine Kopie des Tagebuches der Geschädigten
sowie dessen Übersetzung (Urk. 23/2+3), ein Arztbericht des Spitals V._
(Urk. 24/18) sowie diverse Fotos der Geschädigten und des Tatorts F._
Take-Away und Restaurant (Urk. 26/5+7) bei den Akten. Soweit diese Urkunden
nachfolgend für die Sachverhaltserstellung von Relevanz sind, wird im Einzelnen
darauf eingegangen.
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5.6. Beweiswürdigung
5.6.1. Allgemeines
Wie bereits die Vorinstanz zutreffend ausführte, handelt es sich bei den vor-
liegend zur Anklage gebrachten Delikte um sogenannte Vier-Augen-Delikte.
Entsprechend stützt sich der Anklagesachverhalt primär und hauptsächlich auf die
Aussagen der Geschädigten, welche über weite Strecken in diametralem Wider-
spruch zu den Aussagen des Beschuldigten stehen. Krux der vorstehenden
Beweiswürdigung ist es daher, die Aussagen der Geschädigten und des Beschul-
digten auf deren Glaubhaftigkeit zu überprüfen und eine entsprechende Gegen-
überstellung vorzunehmen. Da, wie sich noch zeigen wird, der unter Ziff. 3.2.
erhobene Anklagevorwurf der mehrfachen Drohung von grundlegender Bedeu-
tung für die gesamte Beweiswürdigung ist, rechtfertigt es sich, diesen Anklage-
sachverhalt vorab einer kritischen Würdigung zu unterziehen:
5.6.2. Anklageziffer 3.2. (mehrfache Drohung)
5.6.2.1. Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten vor, die Geschädigte
anlässlich eines Telefongespräches mehrfach massiv bedroht zu haben (Urk. 41
S. 7). Der entsprechende Anklagevorwurf stützt sich auf Aussagen der Geschä-
digten sowie auf eine Videoaufzeichnung des fraglichen Telefonates, welche, wie
zuvor ausgeführt wurde, als Beweismittel verwertbar ist. Es besteht zunächst kein
Grund, an den glaubhaften Aussagen der Geschädigten zum Zustandekommen
der Aufnahmen zu zweifeln (Urk. 19/3 S. 21 ff.). Im Rahmen der Untersuchung
hat der Beschuldigte sodann nie in Abrede gestellt, die fraglichen Telefonate mit
der Geschädigten geführt zu haben. Entsprechend anerkannte er auch, dass
seine Stimme auf den Aufzeichnungen zu hören sei. Ebenfalls bestritt er nicht,
sich in der entsprechenden Art und Weise geäussert zu haben (Urk. 18/3 S. 6).
Der Beschuldigte nimmt bereits zu Beginn des Telefonates unverzüglich eine
herrische und dominante Haltung ein, behandelt die Beschuldigte ausgesprochen
herablassend, bezeichnet sie als Tier respektive als Tochter eines Tieres, als Esel
und Idiotin und spricht schliesslich eine Vielzahl von in jeder Hinsicht er-
schreckend verwerflichen und inakzeptablen Drohungen aus. Die hier an den Tag
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gelegte Verhaltensweise zeigt in optima forma mit welcher Geringschätzung und
Verachtung der Beschuldigte der Geschädigten begegnete. Darauf wird auch im
Zusammenhang mit der Frage der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldig-
ten hinsichtlich der weiteren Deliktsvorwürfe noch einzugehen sein.
5.6.2.2. Der Anklagesachverhalt gemäss Anklageziffer 3.2. ist jedenfalls erstellt
und kann der rechtlichen Würdigung uneingeschränkt zu Grunde gelegt werden.
5.6.3. Anklageziffer 1.1. (Vergewaltigung)
5.6.3.1. Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, die Aussagen der
Geschädigten würden im Resultat keinen besonders hohen Grad an Detailliertheit
und somit nur eine geringe Glaubhaftigkeit aufweisen. Sie seien nicht geeignet,
die ebenfalls, wenn auch nicht sehr, glaubhaften Aussagen des Beschuldigten zu
widerlegen. Weitere Beweismittel für die Sachverhaltserstellung seien nicht vor-
handen. Der eingeklagte Sachverhalt der Vergewaltigung der Geschädigten durch
den Beschuldigten lasse sich vorliegend nicht erstellen. Der Beschuldigte sei da-
her bezüglich Anklageziffer 1.1. in dubio pro reo freizusprechen (Urk. 41 S. 20 ff.).
5.6.3.2. Die Auffassung der Vorinstanz kann nicht geteilt werden. Wie unter
Ziff. 5.2.2.4.5. vorstehend dargetan, hat die Geschädigte - entgegen der Ansicht
der Vorinstanz - eine ganze Reihe von Details zum Tathergang geschildert. So
führte sie aus, wie der Beschuldigte nach Hause gekommen sei. Sie sei sich nicht
mehr ganz sicher, glaube aber, dass sie gerade aus der Dusche gekommen sei.
Weiter schilderte sie, wie sie im Korridor durch den Beschuldigten malträtiert und
dann ins Zimmer bugsiert und dort aufs Bett gestossen worden sei. Ebenso
beschrieb die Geschädigte ihre Kleidung als kurz und bequem und konnte auch
Angaben zu den Kleidern des Beschuldigten machen. Dort wo sie unsicher war,
wie zum Beispiel beim Oberteil des Beschuldigten, deklarierte sie offen, sich nicht
mehr erinnern zu können. Weiter schilderte sie, wie sie vom Beschuldigten am
Hals festgehalten worden sei, wie er ihr Ohrfeigen verpasst habe und wie er
schliesslich ohne Kondom in sie eingedrungen sei. Auch hier gab die Geschädigte
freimütig zu, nicht mehr genau zu wissen, wie es mit den Ohrfeigen genau
gewesen sei. Obwohl sie ihn darum gebeten habe, habe er nicht von ihr abge-
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lassen und während des Aktes geflucht. Weil sie geweint habe, habe ihr der
Beschuldigte verboten zu weinen. Er habe zu ihr gesagt, sie solle nur verrecken
beim Weinen. Irgendwann sei sie in Ohnmacht gefallen, wobei es sich nicht um
eine richtige Ohnmacht gehandelt habe. Sie habe "sich verloren" und sei wie in
einem Schockzustand erstarrt. Angesichts dieser Aussagen von einem mangeln-
den Detailreichtum zu sprechen, ist nicht angängig.
Die Vorinstanz erwägt weiter, die Geschädigte habe den Zeitpunkt der behaupte-
ten Vergewaltigung nicht hinreichend eingrenzen können und ihre Zeitangaben
stünden im Widerspruch zu dem im Bericht des Spitals V._ errechneten
Zeugungszeitraum, welcher mit ungefähr 31. Dezember 2010 bis 14. Januar 2011
angegeben worden sei. Dabei führt sie - mit Verweis auf Urk. 19/1 S. 5 f. - aus,
die Geschädigte habe anlässlich der polizeilichen Einvernahme zu Protokoll
gegeben, die Vergewaltigung, anlässlich welcher der Beschuldigte nicht verhütet
habe, habe zwischen Februar und anfangs Mai 2011 statt gefunden (Urk. 41
S. 21). Diese Feststellung ist in dieser Form aktenwidrig. In der fraglichen Einver-
nahme wurde die Geschädigte wörtlich gefragt: "Wie viele Male sind sie von ihrem
Mann vergewaltigt worden?". Die Geschädigten antwortete darauf: "Drei bis
vier Mal. Dies passierte zwischen Februar und Anfang Mai 2011. Mein Mann hatte
jeweils verhütet mit Präservativ und ist jedes Mal zum Orgasmus gekommen"
(Urk. 19/1 S. 6 Frage Nr. 20). Sowohl aus der Fragestellung und der Antwort der
Geschädigten, als auch aus dem Gesamtkontext der Einvernahme geht ohne
jeden Zweifel hervor, dass die von ihr erwähnte Zeitspanne (Februar bis Anfang
Mai 2011) eben gerade nicht jene - ungeschützt erfolgte -Vergewaltigung betrifft,
die schliesslich zur Schwangerschaft respektive zum Schwangerschaftsabbruch
führte. Die Beschuldigte selbst führte aus, sie könne nicht sagen, wann die erste
Vergewaltigung stattgefunden habe. Sie sei nachher schwanger geworden und
habe das Kind wegmachen lassen. Die entsprechenden Daten könnten im Spital
erhältlich gemacht werden. Auch an das Datum der Abtreibung konnte sich die
Geschädigte nicht mehr erinnern, ja nicht einmal in welchem Monat diese statt-
fand (Urk. 19/3 S. 6 f.). Dass aber eine Abtreibung tatsächlich stattfand, wurde
vom Beschuldigten nie in Abrede gestellt und ist durch den Bericht des Spitals
V._ belegt (Urk. 24/18). Die Feststellung, wonach die Geschädigte wider-
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sprüchliche Zeitangaben zur Vergewaltigung gemacht habe, ist daher unzu-
treffend. Dass die Geschädigte während ihres Aufenthaltes in der Schweiz ganz
generell Schwierigkeiten hatte, die Geschehnisse räumlich und zeitlich einzu-
grenzen, mag wohl zutreffen. Allerdings muss in diesem Zusammenhang auch
auf die gesamten Lebensumstände hingewiesen werden. Die Geschädigte hielt
sich rund 8 Monate hierzulande auf, wobei sie weder mit dem Land, der Sprache,
den Menschen, noch der Kultur der Schweiz vertraut war. Ihr Alltag war unbestrit-
tenermassen weitestgehend durch Monotonie geprägt, wobei sie sich entweder
alleine zu Hause oder in Begleitung des Beschuldigten im Take Away aufhielt.
Dabei arbeitete zumindest der Beschuldigte nach eigenen Angaben praktisch im
Schichtbetrieb und vornehmlich während der Nachtstunden. Wie noch zu zeigen
sein wird, war die Geschädigte während der Zeit des ehelichen Zusammenlebens
einer Vielzahl von ähnlich ablaufenden Übergriffen (Körperverletzungen, Drohun-
gen, Tätlichkeiten) ausgesetzt, sodass die zeitlich präzise Zuordnung jedes
einzelnen Vorfalles ohnehin schwierig ist. Dies erst recht, wenn man die traumati-
sierenden Faktoren eines solchen Martyriums berücksichtigt. Dass unter diesen
ganz besonderen Umständen das Zeitgefühl der Geschädigten zu wünschen
übrig lässt, kann ihr nicht zum Nachteil gereichen. Dies umso weniger, als sie
selbst das für sie mindestens so einschneidende Ereignis der Abtreibung zeitlich
nicht mehr präzise einordnen konnte. Im Übrigen spricht es eher für die Glaub-
haftigkeit der Aussagen der Geschädigten, wenn diese nicht regiebuchmässig
vortragen kann, wann sich was wo und wie genau ereignet hat. Hätten ihre
Anschuldigungen keinen realen Hintergrund und würde es ihr - so wie es der
Beschuldigte glauben machen will - lediglich darum gehen, den Beschuldigten zu
belasten, um auf diese Weise ihren Aufenthaltsstatus in der Schweiz sichern zu
können, so wäre wohl anzunehmen, dass sich die Geschädigte einen konziseren
Tathergang zurecht gelegt hätte. Für eine derartige Annahme bestehen aber nicht
die geringsten Anhaltspunkte. Vielmehr zeigt sich, dass die Aussagen der
Geschädigten - im Gegensatz zu jenen des Beschuldigten - als durchwegs glaub-
haft anzusehen sind.
Auch der von der Vorinstanz ins Feld geführte, vermeintliche Widerspruch in
Bezug auf das Fernsehgerät in der ehelichen Wohnung vermag die Glaub-
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haftigkeit der Aussagen der Geschädigten nicht ernsthaft in Frage zu stellen. An-
lässlich der polizeilichen Befragung führte die Geschädigte aus, der Beschuldigte
sei, nach der Vergewaltigung ins Wohnzimmer gegangen und habe dort fernge-
sehen (Urk. 19/1 S. 5). Danach führte sie - wie die Vorinstanz zutreffend festhielt -
gegenüber der Anklagebehörde zwei Mal aus, in der ehelichen Wohnung habe es
keinen Fernseher gegeben (Urk. 19/2 S. 27 und Urk. 19/3 S. 14). Auf Zusatzfrage
der Verteidigung gab die Geschädigte schliesslich zu Protokoll, ca. 2 Monate vor
ihrer Abreise in die E._ habe der Beschuldigte einen Fernseher gekauft. Zu-
vor hätten sie einen kleinen Fernseher gehabt, der aber nicht richtig funktioniert
habe und keine ... Sender [des Staates E._] habe empfangen können (Urk.
19/5 S. 8). Aus dem Zusammenhang dieser Aussagen wird deutlich, dass für die
Geschädigte eben nur jenes Fernsehgerät ein Fernsehgerät war, mit welchem
man auch ... Sender [des Staates E._] empfangen konnte. Dies war offenbar
mit dem alten Gerät aufgrund eines Defektes nicht möglich, weshalb jenes TV-
Gerät für sie, die nur der ... Sprache [Sprache des Staates E._] mächtig war,
nutzlos und damit inexistent war. Abgesehen davon also, dass das besagte Fern-
sehgerät für die Wahrheitsfindung von absolut untegeordnetem Interesse ist, lässt
sich der scheinbare Widerspruch in den Aussagen der Geschädigten damit ohne
Weiteres erklären.
Gesamthaft betrachtet muss aber festgehalten werden, dass die Aussagen der
Geschädigten durchaus eine logische Konsistenz aufweisen und im Kerngesche-
hen detailliert geschildert werden. Die Geschädigte berichtet von Interaktionen
zwischen ihr und dem Beschuldigten sowie von ihrer eigenen Gemütsverfassung
und deklariert auch offen, wo sie sich nicht mehr genau an die Geschehnisse
erinnern kann respektive wo sie meint, sich an etwas erinnern zu können. Zudem
hinterfragt sie an verschiedenen Stellen ihre eigenen Aussagen und korrigiert
diese. Beispielsweise dort, wo sie zunächst davon spricht, sie sei während der
Vergewaltigung ohnmächtig geworden und danach präzisiert, es sei nicht eine
Bewusstlosigkeit damit gemeint, sondern vielmehr eine Art Erstarrung im Schock-
zustand. All diese Realkennzeichen sprechen für die Glaubhaftigkeit der Aus-
sagen der Geschädigten. Des Weiteren sind keine offenen Strukturbrüche
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erkennbar und die Geschädigte verstrickt sich auch inhaltlich nicht in unauflös-
bare Widersprüche.
Im Verlauf der verschiedenen Einvernahmen liess der Beschuldigte keine
Gelegenheit aus, sich selbst als liebe- und verständnisvollen Ehemann darzu-
stellen, der seine Frau nie geschlagen, vergewaltigt oder ihr sonst ein Leid ange-
tan habe. Er habe sie nie schlecht behandelt. Er habe seine Frau geliebt und
wünsche ihr nur Gutes (Urk. 18/5 S. 12, Urk. 18/10 S. 4). Der Beschuldigte
erscheint jedoch in einem anderen Licht, wenn man sich einige Dialoge aus dem
aufgezeichneten Telefongespräch vor Augen führt. So bestätigt er beispielsweise
gegenüber der Geschädigten, dass er diese massiv geschlagen und gewürgt
habe und dass er dies alles wieder tun würde. Er würde ihr sogar noch mehr
Schaden zufügen (Urk. 21/2 S. 2 f.). Des Weiteren stellt er der Geschädigten
unverhohlen in Aussicht, er werde sie mit seinen eigenen Händen töten und kein
Erbarmen mit ihr haben, wenn sie nicht als ordentlicher Mensch zu ihm zurück-
kehre (Urk. 21/2 S. 7). Das was sie bislang erlebt habe, sei noch kein richtiges
Leiden gewesen. Wenn sie so weiter mache, dann werde er sie das schlimmste
aller Leiden erleben lassen. Was er ihr zuvor (an-)getan habe, das habe er ihr
zurecht angetan. Er habe ihr eher zu wenig angetan. Wenn es so weitergehe,
dann werde er ihr noch mehr Sachen antun. Sie solle zur Vernunft kommen [...].
Sie sei mit einem blauen Auge davon gekommen, er hätte sie töten können
(Urk. 21/2 S. 15). Weiter geht aus dem besagten Gespräch hervor, dass der
Beschuldigte sich als Herr über Leben und Tod der Geschädigten aufspielte und
keine Gelegenheit ausliess, deutlich zu machen, dass sie sich ihm zu unterwerfen
haben. So liess er sie beispielsweise wissen, dass sie dann zu ihm zurück-
kommen könne, "wenn sie ihm zuhöre, ihm folge, vor ihm Respekt zeige und nicht
eigensinnig sei". Weiter sagte der Beschuldigte, wenn die Geschädigte zurück-
komme, dann müsse sie als "vernünftige Person" zurückkommen. Andernfalls er
auf sie, ihre Familie, die Menschenrecht, die Anderen [...] und alle ihre Handlun-
gen scheisse (Urk. 21/2 S. 4). Namentlich aufgrund dieser weitreichenden Zuge-
ständnisse des Beschuldigten kann kein Zweifel daran bestehen, dass es zu ver-
schiedenen Übergriffen auf die Geschädigte gekommen war. Davon also, dass
der Beschuldigte der Geschädigten mit Liebe und Respekt begegnete und ihr
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niemals ein psychisches oder physisches Leid angetan hat, kann im Lichte dieser
Äusserungen nicht mehr ernsthaft die Rede sein. Damit ist aber auch erstellt,
dass sein Aussageverhalten vollkommen unglaubhaft ist. Demgegenüber be-
stätigt der Beschuldigte im Gespräch mit der Geschädigten verschiedene von
dieser gegen ihn erhobene Vorwürfe, was die Glaubhaftigkeit ihrer Darstellungen
noch zusätzlich erhöht.
Die Vorinstanz führt hinsichtlich der Beziehung des Beschuldigten zur Geschädig-
ten aus, es falle auf, dass es der Beschuldigte weitgehend unterlasse, die
Geschädigte unnötig, übermässig herabzusetzen oder sie in einem besonders
schlechten Licht darzustellen, was grundsätzlich ebenfalls für die Glaubhaftigkeit
seiner Aussagen spreche (Urk. 83 S. 16). Dieser Auffassung der Vorinstanz kann
nicht gefolgt werden. Im Verlauf des Verfahrens hat sich der Beschuldigte sehr
wohl herablassend über die Geschädigte geäussert und versucht, sie in ein
schlechtes Licht zu rücken. Die Geschädigte habe ein ernsthaftes Alkohol-
problem. Sie habe zu Hause immer alkoholische Getränke gehabt. Er selber
trinke nicht so gerne Alkohol (Urk. 18/5 S. 3 ff.). Sie habe auf einem Friedhof
übernachtet, wenn sie in den Spiegel schaue, sehe sie eine weinende und eine
lachende U._. Sie habe auch gesagt, eine fremde Person habe mit ihren
Haaren gespielt. Sie habe ganz viele komische Sachen gesagt (Urk. 106 S. 13).
Den medizinischen Akten können keinerlei Hinweise auf eine vorbestehende
psychische Erkrankung der Geschädigten entnommen werden. Hingegen wurde
bei ihr eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine mittelgradig depressi-
ve Episode diagnostiziert. Beide Diagnosen dürften im Zusammenhang mit den
hier zu beurteilenden Vorfällen stehen. Persönlichkeitsassoziierte Störungen oder
andere vorbestehende genoide psychiatrische Erkrankungen sind jedenfalls nicht
bekannt (Urk. 24/21 S. 2). Ebenso wenig gibt es irgendwelche Anhaltspunkte für
einen Alkoholmissbrauch seitens der Geschädigten. Demgegenüber führte der
Zeuge L._ aus, der Beschuldigte habe ihm gesagt, er habe die
Geschädigte geschlagen, weil er betrunken gewesen sei (Urk. 20/3). Auch unter
diesem Titel kann also - entgegen der Ansicht der Vorinstanz - nichts zu Gunsten
der Glaubhaftigkeit der Schilderungen des Beschuldigten abgeleitet werden. Das
Gegenteil ist der Fall.
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5.6.3.3. Insgesamt kann zusammenfassend festgehalten werden, dass der
Beschuldigte den durchwegs glaubhaften Darstellungen der Geschädigten nichts
entgegen zuhalten vermochte. Der eingeklagte Sachverhalt gemäss Anklage-
ziffer 1.1. ist damit erstellt, davon kann im Rahmen der rechtlichen Würdigung
ausgegangen werden.
5.6.4. Anklageziffer 1.2. (mehrfache Vergewaltigung)
5.6.4.1. Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, der eingeklagte
Sachverhalt könne anhand der vorliegenden Beweismittel nicht rechtsgenügend
erstellt werden. Die Aussagen der Geschädigten seien zu wenig detailliert und
insbesondere die Frage, ob sie sich für den Beschuldigten in erkennbarer Weise
gegen den Vollzug des Geschlechtsverkehrs gewehrt habe, werde von der
Geschädigten widersprüchlich beantwortet. Bei diesem Beweisergebnis müsse
konstatiert werden, dass sich der eingeklagte Sachverhalt nicht erstellen lasse.
Der Beschuldigte sei daher nach dem Grundsatz in dubio pro reo freizusprechen
(Urk. 83 S. 23 f.).
5.6.4.2. Der eingeklagte Sachverhalt stützt sich einzig auf die Aussagen der
Geschädigten. Diese wurden durch die Vorinstanz in den wesentlichen Punkten
korrekt zusammengefasst und widergegeben. Darauf kann verwiesen werden
(Urk. 83 S. 22 f.). Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten vor, dieser habe
"gegen den offenkundigen und von ihm auch erkannten Willen der Geschädigten"
an dieser den Geschlechtsverkehr vollzogen, obwohl sie ihm "jeweils klar gesagt
habe, dass sie nicht mit ihm schlafen möchte, was der Beschuldigte jedoch nicht
beachtet habe" (Urk. 41 S. 3). Just aber in diesem Punkt hat sich die Geschädigte
nie so dezidiert geäussert, wie dies schliesslich in der Anklageschrift umschrieben
wurde. Dass die Geschädigte dem Beschuldigten beispielsweise klar gesagt
habe, dass sie nicht mit ihm schlafen wolle, wird nicht einmal von der Geschädig-
ten selbst dargetan. Vielmehr hat diese unmissverständlich zu Protokoll gegeben,
sie habe ihm "nicht direkt gesagt, dass sie nicht mit ihm schlafen wolle". Sie habe
sich auch nicht dagegen gewehrt, sondern jeweils einen Vorwand gesucht, um
nicht mit ihm schlafen zu müssen. Manchmal habe sie gesagt, sie habe Kopfweh.
Ein anderes Mal habe sie gesagt, sie sei müde und habe gehofft, dass er das
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verstehe. Er aber habe es nicht verstanden (Urk. 19/3 S. 11 ff.). Die Geschädigte
legt glaubhaft dar, dass sie insbesondere nach der Abtreibung nicht mehr mit dem
Beschuldigten habe schlafen wollen und dass es dennoch bis zu ihrer Abreise in
die E._ mindestens zwei Mal zum Geschlechtsverkehr zwischen ihr und dem
Beschuldigten gekommen sei. Unklar bleibt aber, ob und wie der Beschuldigte
von der Abneigung der Geschädigten Kenntnis erlangt hat respektive hätte
erlangen müssen. Unter diesen Umständen ist insgesamt nicht zu beanstanden,
wenn die Vorinstanz zum Schluss kommt, aufgrund der Aussagen der Geschädig-
ten lasse sich nicht zweifelsfrei erstellen, dass der Beschuldigte – wie in der
Anklage ausgeführt – "gegen den offenkundigen und von ihm auch erkannten
Willen der Geschädigten" den Geschlechtsverkehr mit ihr vollzogen habe.
5.6.4.3. Bei diesem Beweisergebnis ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass sich
der eingeklagte Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.2. nicht zweifelsfrei erstellen
lässt.
5.6.5. Anklageziffer 2.1. (Drohung und Tätlichkeiten)
5.6.5.1. Die Vorinstanz zweifelte die Glaubhaftigkeit der Schilderungen der
Geschädigten an, indem sie scheinbare Widersprüche hinsichtlich der genauen
Örtlichkeit festzustellen glaubte. Weiter erwogen die Vorderrichter, es sei auffällig,
dass die Geschädigte erst auf Nachfragen detaillierte Aussagen zum Vorfall
gemacht habe. Dabei habe sie sich teilweise widersprochen (Urk. 83 S. 24).
5.6.5.2. Der zur Anklage gebrachte Sachverhalt wurde von der Geschädigten wie
unter Ziffer 5.2.2.3.3. vorstehend wiedergegeben, beschrieben. Entgegen der
Ansicht der Vorinstanz schilderte die Geschädigte den Vorfall detailliert und
realitätsnah. Dass sie ihre Aussagen auf Nachfragen durch die Verfahrensleitung
präzisierte und auf diese Weise auch detailliertere Angaben machen konnte, liegt
in der Natur der Sache, muss es doch Ziel jeder Befragung sein, mittels geschick-
ter Fragetechnik, mehr und sachdienlichere Informationen über einen bestimmten
Vorgang zu erhalten. Dass sich die Geschädigte in Bezug auf den Ort des
Geschehens widersprüchlich geäussert hätte, trifft zudem nicht zu. Der von der
Geschädigten geschilderte Vorgang war offenkundig dynamischer Natur. So
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beschrieb sie, sie sei zunächst im Restaurant - also im Take Away-Bereich, wo
man Pizza vorbereitete - gesessen. Der Beschuldigte habe sie am Hals gepackt
und sie aufgefordert aufzustehen. Dann habe er sie zum kleinen Gang gebracht
und sie dort an die Wand gestossen (Urk. 19/2 S. 13). Diese Schilderung
korrespondiert mit der Fotodokumentation in Urk. 26/7. Beim von der Geschädig-
ten geschilderten "kleine Gang" wo sich auch "ein Kühlschrank und ein weiterer
Schrank befinde", muss es sich um den auf Seite 30 der Fotodokumentation
dargestellten "hinteren Korridor" handeln. Aufgrund der Aussagen der Geschädig-
ten ist daher klar, dass sie vom Beschuldigten vom Sitzplatz im Restaurant in den
hinteren Bereich verbracht und dort gegen die Wand gestossen wurde. Auch hier
zeigt sich, dass die Geschädigte sichtlich bemüht war, den Beschuldigten nicht
auf ungerechtfertigte Art und Weise zu belasten. So gab sie beispielsweise zu
Protokoll, "ihr Hals sei nur etwas rötlich gewesen" und es seien darüber hinaus
keine grossen Spuren zurückgeblieben. Der ganze Vorfall habe nicht so lange
gedauert, nicht einmal eine Minute. Die Schilderungen der Geschädigten sind
nach dem Gesagten als durchwegs glaubhaft zu bezeichnen. Der Beschuldigte
beschränkte sich auf pauschale Bestreitungen und vermochte in Bezug auf die
konkreten Vorwürfe nichts vorzubringen, was geeignet wäre, die Glaubhaftigkeit
der Aussagen der Geschädigten ernsthaft in Zweifel zu ziehen. Soweit die
Vorinstanz die Ansicht vertritt, die Geschädigte hätte sich detaillierter an diesen
ersten schwerwiegenden Übergriff erinnern müssen, ist dieser Argumentation
folgendes entgegen zu halten: Zunächst kann durchaus festgehalten werden,
dass sich die Geschädigte über ein Jahr nach dem Übergriff sehr wohl noch
detailliert an den Vorfall erinnerte. Zudem führte sie überzeugend und ohne
Weiteres nachvollziehbar aus, sie habe in den 8 Monaten mit dem Beschuldigten
"so viele solche Sachen erlebt", dass sie Schwierigkeiten habe zu sagen, was
sich wann wo und wie zugetragen habe (Urk. 19/2 S. 17). Was auf der anderen
Seite von den pauschalen Unschuldsbeteuerungen des Beschuldigten in puncto
Glaubhaftigkeit zu halten ist, wurde zuvor bereits unter Ziffer 5.6.3.2. dargetan.
Darauf kann verwiesen werden. Zum hier interessierenden Sachverhalt sind keine
weiteren Beweismittel aktenkundig.
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5.6.5.3. Der Anklagesachverhalt gemäss Anklageziffer 2.1. (Drohung und Tätlich-
keiten) ist damit gestützt auf die glaubhaften Ausführungen der Geschädigten als
erstellt zu betrachten.
5.6.6. Anklageziffer 2.2. (Drohung und einfache Körperverletzung)
5.6.6.1. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, dass die Geschädigte sehr
detaillierte Aussagen zum vorliegend interessierenden Vorfall gemacht habe.
Dennoch falle auf, dass sie widersprüchliche Angaben über den Auslöser der
Auseinandersetzung zwischen ihr und dem Beschuldigten zu Protokoll gegeben
habe. Hinzu komme, dass die Geschädigte angegeben habe, der Zeuge L._
sei beim fraglichen Vorfall anfänglich auch anwesend gewesen, was aber nicht
sein könne, da dieser nach seinen Angaben im Oktober 2010 noch gar nicht in
der Schweiz gewesen sei. Schliesslich habe auch der Zeuge C._ ausgesagt,
die Geschädigte habe ihm erzählt, sie habe ihre Hand selber am
Pizzaofen verbrannt. Anderen habe sie allerdings gesagt, der Beschuldigte sei es
gewesen, der sie verbrannt habe. Insgesamt lasse sich der eingeklagte Sach-
verhalt bei dieser Beweislage nicht erstellen (Urk. 83 S. 24 ff.).
5.6.6.1.1. Der Vorinstanz ist zunächst beizupflichten, wenn diese erwägt, die
Geschädigte mache sehr detaillierte Ausführungen zum Vorfall rund um den
Pizzaofen. Ihre Schilderungen sind in Bezug auf den Kerngehalt des Vorfalles
durchwegs konstant und widerspruchsfrei. Dass die Geschädigte an der
beschriebenen Stelle der rechten Hand eine mehrere Zentimeter lange Narbe
aufweist, ist allseits unbestritten und fotografisch dokumentiert (Urk. 26/5 S. 3).
Ebenso unumstritten ist, dass diese Verletzung verschiedentlich wahrgenommen
wurde. Selbst der Beschuldigte räumte ein, dass die Geschädigte an der
beschriebenen Stelle eine Verbrennungswunde aufweise. Diese stamme daher,
dass sie sich am Pizzaofen verbrannt habe, als sie Kebab-Brot in diesen habe
schieben wollen (Urk. 106 S. 14). Auch der Zeuge I._ schilderte die besagte
Wunde und wusste davon zu berichten, dass diese angeblich von einer Verbren-
nung her stamme. Die Geschädigte habe sich einmal am Pizzaofen verbrannt. Er
habe dann von jemand anderem sagen hören, dass die Geschädigte erzählt ha-
be, der Beschuldigte habe ihre Hand festgehalten und sie absichtlich am Ofen
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verbrannt. L._ gegenüber habe sie erzählt, sie habe sich die Hand selber
verbrannt. Gegenüber ihrer Familie habe sie dann wieder gesagt, der Beschuldig-
te habe die Hand verbrannt. Er habe selber aber nicht gesehen, wie sich die Ge-
schädigte verbrannt habe (Urk. 20/6). Damit ist zunächst erstellt, dass die Schil-
derungen der Geschädigten einen direkten Realitätsbezug aufweisen. Weiter fällt
auf, dass die Geschädigte eine eigentliche Handlungskette aus Aktionen und Re-
aktionen schildert, die sich zwischen ihr und dem Beschuldigten abspielten und
die nahtlos ineinander übergehen respektive die sich gegenseitig bedingen. Die
Geschädigte schildert ihre Gedanken zur Motivation des Beschuldigten und führt
durchaus beschwichtigend aus, sie wisse nicht, ob er sie bloss habe erschrecken
wollen, oder ob er wirklich vorgehabt habe, ihren Kopf in den Ofen zu stecken. Er
habe ihr immer wieder gesagt, dass das, was er ihr bisher angetan habe, nicht
viel gewesen sei. In jenem Moment habe sie sterben wollen. Sie habe Angst um
ihr Leben gehabt (Urk. 19/2 S. 24). Die Schilderungen der Geschädigten wirken
im Kern echt und lebensnah. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, hat die Ge-
schädigte in Bezug auf den Auslöser des fraglichen Konflikts zwei verschiedene
Abläufe geschildert. Gegenüber der Polizei führte die Geschädigte aus, sie habe
einmal durch den Vorhang in den anderen Teil des Restaurants geschaut, dies
obwohl der Beschuldigte ihr das verboten habe. Er sei darob dermassen erbost,
dass er versucht habe, ihren Kopf in den Pizzaofen zu stecken (Urk. 19/1 S. 2). In
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vermochte sich die Geschädigte zu-
nächst nicht mehr an den Grund der Auseinandersetzung zu erinnern. Auf ent-
sprechenden Vorhalt aus dem Polizeiprotokoll bestätigte sie, dass der Streit des-
halb entstanden sei, weil sie trotz eines entsprechenden Verbotes des Beschul-
digten vom Vorhang in die Bar geschaut habe (Urk. 19/2 S. 24). In der Einver-
nahme vom 21. November 2011 gab sie schliesslich an, der Vorfall mit dem Piz-
zaofen sei passiert, nachdem der Beschuldigte sie vor dem Zeugen L._ als
dumm und zurückgeblieben bezeichnet habe. Sie sei auf einem Barhocker ge-
sessen und nachdem der Zeuge L._ das Lokal verlassen
habe, sei es zu eben diesem Vorfall beim Pizzaofen gekommen (act. 19/3 S. 17).
Wie die Vorinstanz zutreffend erkannte, hat der Zeuge L._ angegeben, er sei
am 12. Mai 2011 in die Schweiz eingereist (Urk. 20/3 S. 6). Der von der Geschä-
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digten geschilderte Vorfall soll sich aber im ersten Monat nach ihrer Einreise in die
Schweiz, mithin also im Oktober 2010 ereignet haben (Urk. 19/1
S. 22). Der Zeuge L._ beschrieb eine Auseinandersetzung in der Bar, bei
welcher der Beschuldigte die Geschädigte in seiner Gegenwart als Dummkopf
bezeichnet habe (Urk. 20/3 S. 8). Diese Schilderungen korrespondieren mit den-
jenigen der Geschädigten, stehen allerdings offenkundig nicht im Zusammenhang
mit dem eingeklagten Vorfall rund um den Pizzaofen. Dennoch entsprechen sie
einer real erlebten Situation. Wie bereits an anderer Stelle aus-geführt, ist es
durchaus nachvollziehbar, dass die Geschädigte angesichts der Vielzahl von
Übergriffen, Schwierigkeiten bekundet, die einzelnen Ereignisse chronologisch
richtig einzuordnen. Alleine daraus kann jedenfalls nicht geschlossen werden, ihre
Schilderungen seien unglaubhaft. Ebenso wenig vermag die Zeugenaussage von
I._ etwas an der Glaubhaftigkeit der Darstellung der Geschädigten zu än-
dern. Einerseits hat die Geschädigte selbst nämlich immer wieder zu Protokoll
gegeben, sie habe ihr Umfeld aus Angst vor dem Beschuldigten nicht über den
wahren Grund der Verbrennung in Kenntnis gesetzt. Und andererseits konnte
I._ zum hier interessierenden Vorfall kein Angaben aus eigener Wahrneh-
mung machen. Er berichtete lediglich vom Hörensagen und gab zu Protokoll sel-
ber, nichts gesehen zu haben (Urk. 20/6 S. 6). Auch der neu zum Beweis als
Zeuge aufgerufene B._ könnte zur Klärung des Sachverhaltes nichts beitra-
gen. Der eingeklagte Sachverhalt ereignete sich im Oktober 2010, währenddem
B._ seine Beobachtungen erst im Februar oder März 2011 gemacht haben
will. Zudem war dieser erst ab November 2010 jeweils in der Bar (vgl. Prot. II
S. 7/8).
5.6.6.1.2. Gestützt auf die detaillierten und glaubhaften Aussagen der Geschädig-
ten ist der Anklagesachverhalt gemäss Ziff. 2.2. vollumfänglich erstellt.
5.6.7. Anklageziffer 2.3. (einfache Köperverletzung)
5.6.7.1. Die Vorinstanz resümierte die Aussagen der Geschädigten seien teil-
weise widersprüchlich. Zudem entstehe bei ihrer zweiten Einvernahme der Ein-
druck eines eskalierenden Aussageverhaltens, was nicht für ihre Glaubhaftigkeit
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spreche. Demgegenüber stünden die grundsätzlich glaubhaften Schilderungen
des Beschuldigten (Urk. 83 S. 27).
5.6.7.2. Die Beweiswürdigung der Vorinstanz erstaunt aus verschiedenen
Gründen. Zunächst fasst die Vorinstanz die Aussagen der Geschädigten richtig
zusammen und verweist zu Recht auch auf die einschlägigen Tagebucheinträge
und die Zeugenaussage von L._ (Urk. 83 S. 26 f.). Ohne sich in der Folge mit
den Aussagen der Geschädigten auseinander zu setzen, kommen die Vorderrich-
ter zum Schluss, die Geschädigte habe sich widersprüchlich geäussert. Worin die
Vorinstanz einen Widerspruch erblickt, wird durch diese mit keinem Wort begrün-
det und ist daher schlicht nicht nachvollziehbar. Ebenso nicht nachvollziehbar ist,
wie die Vorinstanz zum Schluss kommt, die Geschädigte lege ein eskalierendes
Aussageverhalten an den Tag. Auch diese Schlussfolgerung wird mit keinem ein-
zigen Wort begründet. Ebenso unbegründet bleibt schliesslich die Feststellung
der Vorinstanz, wonach die Schilderungen des Beschuldigten glaubhafter als jene
der Geschädigten sein sollen. Die Aussagen der Geschädigten sind, entgegen
der Auffassung der Vorinstanz, im Kerngehalt sehr wohl einheitlich und wider-
spruchslos und sie decken sich mit ihrem Tagebucheintrag vom
26. November 2010 (Urk. 23/3 S. 12 f.). Zudem gab der Zeuge L._ zu Proto-
koll, als er den Beschuldigten gefragt habe, warum er der Geschädigten Wasser
über den Kopf geschüttet und sie herausgeschmissen habe, habe dieser geant-
wortet, er habe dies getan weil er betrunken gewesen sei (Urk. 20/3 S. 6 f.). Der
Beschuldigte selbst gab, mit den Aussagen des Zeugen L._ konfrontiert, zu
Protokoll, er habe der Geschädigten einmal, als sie betrunken gewesen sei, den
Kopf unter den kalten Wasserhahn gehalten. Dies habe er auf anraten seiner Mut-
ter gemacht, um die Geschädigte auszunüchtern (act. 18/5 S. 3 und S. 8,
act. 18/10 S. 4). Die Geschädigte gab an, zum fraglichen Übergriff sei es
gekommen, weil sie das Telefon nicht gehört habe und deshalb den Anruf des
Beschuldigten nicht habe entgegen nehmen können. Dieser Umstand habe ihn
dermassen erzürnt, dass er auf die beschriebene Art und Weise gegen sie vorge-
gangen sei (Urk. 19/2 S. 10). Genau diesen Sachverhalt bestätigte der Beschul-
digte anlässlich des aufgezeichneten Telefongesprächs. Dem Übersetzungs-
protokoll lässt sich nämlich folgender Dialog entnehmen:
- 54 -
"Geschädigte: A._, alles ist eigentlich schon im ersten Monat aus gewesen. Du hast es bereits im ersten Monat fertig gebracht. Ich habe geschlafen, mein Telefon nicht gehört und demnach konnte ich deinen Anruf nicht entgegen nehmen. Deshalb hast du mich mehrmals geschlagen, du hast fast gefrorenes Wasser über mich geschüttet und mich in die Kälte gestellt; dies schon im ersten Monat.
Beschuldigter: Ich habe es gut gemacht, sehr gut gemacht! Ich habe dir gesagt, du sollst das Telefon abnehmen. Wenn du es abgenommen hättest, wäre es nicht passiert, aber ....."
Damit bestätigt der Beschuldigte selbst in optima forma die gegen ihn erhobenen
Vorwürfe. Davon, dass seine Schilderungen "grundsätzlich glaubhaft" seien, kann
unter diesen Umständen nicht ausgegangen werden. Das Gegenteil ist der Fall.
Einmal mehr zeigt sich im Verhalten des Beschuldigten was für eine Geringschät-
zung er seiner Ehefrau entgegen brachte. Offenbar gehört es zu seinem Rollen-
respektive Eheverständnis, dass er jederzeit berechtigt ist, seine Frau mit gravie-
renden physischen Sanktionen zu bestrafen, wenn sie seinen Anweisungen - aus
welchen Gründen auch immer - keine Folge leistete.
5.6.7.3. Der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 2.3. ist nach dem Gesagten voll-
umfänglich erstellt.
5.6.8. Anklageziffer 2.4. (Drohung und einfache Körperverletzung mit gefährli-
chem Gegenstand)
5.6.8.1. Die Vorinstanz fasste die Aussagen der Geschädigten zusammen und
kam zum Schluss, diese seien weder widerspruchslos noch detailreich. Gegen die
Glaubhaftigkeit der Aussagen der Geschädigten spreche auch deren eskalieren-
des Aussageverhalten. Während sie nämlich anlässlich der ersten Einvernahme
noch ausgesagt habe, es sei nicht so schlimm gewesen, habe sie später ausge-
führt, dass sie erhebliche Angst um ihr Leben gehabt habe (Urk. 83 S. 28).
5.6.8.2. Die Geschädigte schildert den fraglichen Vorfall zweimal praktisch
identisch, was sich im Übrigen auch der Zusammenfassung der Vorinstanz ohne
weiteres entnehmen lässt. Umso mehr erstaunt es, dass die Vorderrichter den-
noch zum Schluss kommen, die Geschädigte mache widersprüchliche Aussagen.
Ebenso kann die Auffassung der Vorinstanz nicht übernommen werden, wonach
die Geschädigte "nicht detailreich" ausgesagt habe. Insbesondere aktenwidrig ist
- 55 -
die Feststellung der Vorinstanz, wonach die Geschädigte "anlässlich der Einver-
nahme vom 8. Dezember 2011 entgegen ihren vorherigen Aussagen" ausgesagt
habe, sie habe sich beim Vorfall einen kleinen Schnitt an der Hand zugezogen,
weil sie in die Klinge gegriffen habe (Urk. 83 S. 27). Bereits anlässlich der Einver-
nahme vom 14. November 2011 gab die Geschädigte nämlich wörtlich folgendes
zu Protokoll: "Den Grund warum wir an diesem Tag gestritten haben, weiss ich
nicht mehr. Er hielt das Messer an meinen Hals. Ich hielt dann das Messer mit
meiner Hand ab. Dabei schnitt ich mich leicht. Er sagte mir, er würde meinen Kopf
abschneiden. Ich glaube ich habe an diesem Tag geweint. Vielleicht war das der
Grund" (Urk. 19/2 S. 18). Ebenfalls unzutreffend ist die Feststellung der
Vorinstanz, wonach die Geschädigte ein eskalierendes Aussageverhalten an den
Tag gelegt habe. Es ist nämlich schlicht unzutreffend und aus dem Zusammen-
hang gerissen, wenn die Vorderrichter ausführen, die Geschädigte habe zunächst
ausgesagt "es sei nicht so schlimm" gewesen, um hernach zu Protokoll zu geben,
sie habe erheblich Angst um ihr Leben gehabt (Urk. 83 S. 28). Anlässlich der Ein-
vernahme vom 14. November 2011 gab die Geschädigte auf die Frage, in welche
Richtung denn die Klinge geschaut habe, folgende Antwort: "Ich habe das Messer
am Hals gespürt, aber es war nicht so schlimm" (Urk. 19/2 S. 19). Weder die
Frage, noch die Antwort der Geschädigten zielte dabei auf ihre emotionale
Verfassung ab. Vielmehr ging es lediglich um eine rein sachliche Feststellung,
nämlich darum, wie sie die Klinge am Hals gespürt hatte. Auf die Frage, wie sie
sich in diesem Moment gefühlt habe, antwortete die Geschädigte, sie habe ja
jeden Tag Angst gehabt. Sie habe gedacht, er werde sie schneiden. Diese Angst
habe sie immer noch (Urk. 19/2 S. 19). Von einem eskalierenden Aussage
verhalten der Geschädigten kann unter diesen Umständen keine Rede sein.
Vielmehr äussert sich die Geschädigte durchwegs glaubhaft und detailliert.
5.6.8.3. Der unter Ziffer 2.4. eingeklagte Sachverhalt ist gestützt auf die glaub-
haften Aussagen der Geschädigten erstellt.
5.6.9. Anklageziffer 2.5. (einfache Körperverletzung)
5.6.9.1. Die Vorinstanz erwog, dass auch die hier interessierenden Aussagen der
Geschädigten wenig lebhaft und detailliert seien. Zudem sei ein eskalierendes
- 56 -
Aussageverhalten ersichtlich. Es falle auf, dass die Geschädigte auf Nachfrage
ihre Schilderungen stetig verschlimmert habe, jedoch keinerlei konkrete Angaben
zur zeitlichen Einordnung oder dem exakten Handlungsablauf habe machen
können. Die Geschädigte habe zudem selber ausgesagt, sie könne sich an den
Vorfall nicht mehr recht erinnern. All dies spreche grundsätzlich eher gegen die
Glaubhaftigkeit ihrer Aussage. Der Sachverhalt lasse sich daher nicht erstellen.
5.6.9.2. Der eingeklagte Sachverhalt basiert einzig auf der Aussage der
Geschädigten. Diese führte aus, der Beschuldigte habe sie etwa in der Mitte der
8 Monate mit der einen Hand am Hals festgehalten und mit der anderen, zur
Faust geballten Hand derart auf den linken Mundwinkel geschlagen, dass ein
Zahn abgebrochen sei. Allerdings sei der Zahn zuvor schon nicht mehr gut ge-
wesen. Mit welcher Hand er geschlagen habe, wisse sie nicht mehr mit Sicherheit
(Urk. 19/2 S. 17 ff.). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kann nicht gesagt
werden, die Geschädigte neige in ihrem Aussageverhalten dazu, die Schilderun-
gen stetig zu verschlimmern. Vielmehr erwähnte sie zunächst generell einen Vor-
fall, anlässlich welchem sie vom Beschuldigten ins Gesicht geschlagen worden
sei. Auf gezieltes Befragen durch die Verfahrensleitung hin konkretisierte sie dann
den Vorfall. Eine Tendenz, die Schilderungen zu verschlimmern, ist gerade nicht
erkennbar. So legte die Geschädigte beispielsweise Wert auf die Feststellung,
dass der abgebrochene Zahn bereits zuvor nicht mehr "gut gewesen" sei. Zudem
deklarierte sie offen, sich nicht mehr an alle Details erinnern zu können. Nament-
lich wisse sie nicht mehr mit Sicherheit mit welcher Hand der Beschuldigte
geschlagen habe. Die Schilderungen der Geschädigten passen nahtlos in das
vom Beschuldigten an den Tag gelegte Verhalten. Es bestehen keinerlei Anhalts-
punkte, angesichts der glaubhaften Aussagen der Geschädigten, am Wahrheits-
gehalt ihrer Schilderungen zu zweifeln.
5.6.9.3. Der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 2.5. ist nach dem zuvor Erwoge-
nen erstellt. Im Rahmen der rechtlichen Würdigung kann vollumfänglich darauf
abgestellt werden.
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5.6.10. Anklageziffer 2.6. (einfache Körperverletzung)
5.6.10.1. Die Vorinstanz sah den eingeklagten Sachverhalt nicht als erstellt an.
Zusammengefasst kam sie zum Schluss, der geschilderte Ablauf sei nicht leicht
nachvollziehbar. Weiter sei nicht ersichtlich, weshalb sie die Verletzung nicht
habe behandeln lassen. Der Vorfall sei ja kurz vor ihrer Abreise in die E._
passiert und zu jenem Zeitpunkt habe die Geschädigte nachweislich bereits
gewusst, wo sich in T._ eine Arztpraxis befinde. Den Aussagen der Geschä-
digten stünden zudem nicht unglaubhafte Aussagen des Beschuldigten gegen-
über (Urk. 83 S. 28 f.).
5.6.10.2. Die Geschädigte hat sowohl in der polizeilichen Einvernahme (Urk. 19/1
S. 8) also auch gegenüber der Anklagebehörde (Urk. 19/2 S. 14) übereinstim-
mend geschildert, sie sei vom Beschuldigten massiv in den linken Oberschenkel
gebissen worden. Die Geschädigte führte weiter drauf, soweit der Beschuldigte
behaupte, die Bissspuren seien während des Geschlechtsverkehrs entstanden
und sie hätten sich dabei öfters gegenseitig aus Spass oder Lust gebissen, so sei
dies schlicht gelogen. So etwas sei noch nie vorgekommen. Die fraglichen Biss-
spuren seien 1 1⁄2 Monate lang nicht verheilt (Urk. 19/3 S. 5). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, das mit dem Biss werde sicher im
Bett passiert sein beim Liebe machen. Das hätten beide einander getan, das sei
keine böse Absicht gewesen. Er könne nicht einmal sagen, ob später etwas sicht-
bar gewesen sei. So etwas ähnliches passiere doch manchmal, wenn man
jemanden am Hals fest küsse. Das gäbe dort dann einen blauen Fleck (Urk. 106
S. 15). Auf entsprechendes Ersuchen der Anklagebehörde, hat das Forensische
Institut Zürich am 14. Oktober 2011 bei der Geschädigten Verletzungsaufnahmen
angefertigt. Auf den Bildern 4.jpg und 5.jpg (Urk. 26/5 S. 4) ist eine leichte Ver-
färbung der Haut im linken Oberschenkelbereich unterhalb des Gesässes
erkennbar. Die Beweiserhebung fand rund 5 Monate nach dem behaupteten Vor-
fall statt. Entsprechend lässt sich eine eindeutige Zuordnung dieser Hautver-
färbung nicht mehr vornehmen. Immerhin aber lässt sich diese Verfärbung der
Haut an der genannten Stelle mit den Schilderungen der Geschädigten in Über-
einstimmung bringen. Entscheidend aber ist, dass der Beschuldigte selbst anläss-
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lich des aufgezeichneten Telefonats, mithin also am 16. respektive 18. Juli 2011,
gegenüber der Geschädigten eingestand, diese gebissen zu haben. Die Geschä-
digte hatte dem Beschuldigte damals vorgehalten, sie habe an ihrem Fuss bzw.
an ihrem Bein noch immer seine Bissspuren. Dies nota bene über einen Monat
nach dem Vorfall. Der Beschuldigte führte dazu wörtlich aus: " Ich habe da, was
diese Bissspuren anbelangt, Spass gemacht". Daraufhin fragte ihn die Geschä-
digte ob man so etwas denn Spass nennen könne? Der Beschuldigte antwortete
hierauf: "Was aber zuvor passiert ist, so denke ich, dass ich, was ich getan habe,
dir zurecht angetan. Ich habe dir eher zu wenig angetan; wenn es so weitergeht,
sage ich dir, dass ich dir noch mehr Sachen antun werde. Komm zur Vernunft.
Wenn nicht, dann ist das deine Sache, kein Problem. Mach mich mit dem nicht
an: ich habe hier oder dort solche Spuren etc. .. Du bist mit einem blauen Auge
davonkommen, ich hätte dich töten können!" (Urk. 21/2 S. 14 f.). Anhand dieser
Aussagen des Beschuldigten selbst ist zweifelsfrei erstellt, dass er die Geschädig-
te einerseits tatsächlich massiv gebissen hat und dass dieser Biss alles andere
als Teil des Liebesspiels war. Vielmehr handelte es sich klarweise um eine
Bestrafungsaktion für das, "was zuvor passiert ist". Die Behauptung des Beschul-
digten, die Geschädigte habe von ihm im Rahmen des Liebesspieles verlangt,
dass er sie beissen solle, erweist sich einmal mehr als Lüge und macht deutlich,
wie unglaubhaft die Aussagen des Beschuldigten sind. Soweit die Vorinstanz im
Übrigen erwägt, die Geschädigte habe es unterlassen, einen Arzt aufzusuchen,
ist hierzu folgendes zu bemerken: Einerseits geht aus den gesamten Akten
zweifelsfrei hervor, dass die Geschädigte permanent in einem Klima der Angst
lebte. Sie hatte nicht einmal den Mut, sich ihrer einzigen Freundin R._ anzu-
vertrauen. Andererseits stand die Geschädigte unmittelbar vor der Abreise in die
E._. Dass sie, die im Übrigen auch der deutschen Sprache nicht mächtig
war, unter diesen Umständen keinen Arzt aufsuchte, ist durchaus nachvollziehbar
und spricht nicht gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.
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5.6.10.3. Der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 2.6. ist damit erstellt.
5.6.11. Anklageziffer 2.7. (einfache Körperverletzung)
5.6.11.1. Die Vorinstanz erwog, die Aussagen der Geschädigten seien grund-
sätzlich glaubhaft. Da sie sich jedoch selber nicht mehr richtig zu erinnern
vermöge, mangle es an einer widerspruchslosen sowie detailreichen und leb-
haften Schilderung der Vorkommnisse (Urk. 83 S. 29).
5.6.11.2. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, hat die Geschädigte im Verlauf
der Strafuntersuchung von verschiedenen Übergriffen seitens des Beschuldigten
berichtet. So habe sie der Beschuldigte immer wieder geschlagen, an den Haaren
gezerrt und ihren Kopf gegen die Wand geschlagen. Sie habe blaue Flecken und
Blutergüsse davon getragen und sei zwei- bis dreimal wegen den Schlägen sogar
in Ohnmacht gefallen (Urk. 19/1 S. 4 und S. 8, Urk. 19/2 S. 16). Auch dem Tage-
buch der Geschädigte lassen sich verschiedene solche Vorkommnisse entneh-
men. So schreibt die Geschädigte von Beschimpfungen gegenüber ihr und ihrer
Familie, Erniedrigungen, massiven Drohungen und Schlägen durch den Beschul-
digten (Urk. 23/3). Die Freundin der Geschädigten, R._, sagte als
Zeugin aus, sie habe bei der Geschädigten blaue Flecken am Oberarm festge-
stellt. Auf ihre Frage, woher diese Flecken denn stammten, habe sie gesagt, sie
habe sich irgendwo angestossen. Generell habe sie die Geschädigte oft weinend
oder niedergeschlagen erlebt (Urk. 20/4 S. 2 ff.). Diese Aussagen decken sich mit
den Schilderungen der Geschädigten, wonach sie sich aus Angst vor dem
Beschuldigten niemandem anvertraut habe. Auch der Zeuge L._ gab an, der
Beschuldigte habe ihm gegenüber eingeräumt, dass er der Geschädigten einmal
eine Ohrfeige verabreicht habe (Urk. 20/3 S. 6 f.). Schliesslich hielt die Geschä-
digte dem Beschuldigten anlässlich des aufgezeichneten Telefonates vor, er habe
sie mehrmals und massiv geschlagen, was dieser nicht dementierte. Im Gegen-
teil, er antwortete darauf, dass er ihr das alles wieder antun würde
(Urk. 21/2 S. 2). Aus alledem wird unzweifelhaft ersichtlich, dass die Geschädigte
praktisch während der gesamten Zeit des ehelichen Zusammenlebens, also
während rund 8 Monaten, Gewaltexzessen des Beschuldigten ausgesetzt war, die
allesamt nach einem ähnlichen Verhaltensmuster abliefen. Es ist allgemein
- 60 -
bekannt, dass es äusserst schwierig ist, mehrere zum Teil ähnliche Erlebnisse,
wie sie hier zur Debatte stehen, Monate später kalendarisch genau einzuordnen.
Dies umso mehr, als die Geschädigte in der Schweiz ein einsames Leben führte
und weder sprachlich noch sozial oder kulturell in irgendeiner Art und Weise inte-
griert war. In ihrem Tagebuch schilderte die Geschädigte verschiedentlich und auf
eindrückliche Art und Weise ihre Lebensumstände und die Einsamkeit in der sie
sich befand. So schrieb sie beispielsweise am 26. November 2011 folgendes: "Es
sind nicht einmal 3 Monate vergangen seitdem wir verheiratet sind, ich wurde von
meinem Mann geschlagen, sehr viele Beleidigungen, ich bin so etwas von ver-
zweifelt, ich habe niemanden, zu dem ich flüchten kann, so einsam bin ich, seit
3 Tagen habe ich nichts gegessen, ich liege da wie eine Tote, im Bett ringe ich
manchmal um mein Leben, meinem Ehemann ist das völlig egal, er wartet darauf,
dass ich bald sterbe [...]" (Urk. 23/3 S. 13). Dass die Geschädigte unter diesen
Umständen das Zeitgefühl verlor und den unter Anklageziffer 2.7. geschilderten
Sachverhalt chronologisch nicht mehr einordnen konnte, verwundert nicht weiter
und tut im Übrigen auch der Glaubhaftigkeit ihrer Aussage keinen Abbruch.
5.6.11.3. Der unter Ziffer 2.7. zur Anklage gebrachte Sachverhalt ist damit durch
das Beweisergebnis erstellt.
5.6.12. Anklageziffer 3.1. (mehrfache Drohung)
5.6.12.1. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, bei näherer Betrachtung des
Anklagevorwurfes könne festgehalten werden, dass es durchaus sein könne,
dass der Beschuldigte der Geschädigten gedroht habe, jedoch lasse sich dies mit
dem Anklagesachverhalt nicht unbedingt in Einklang bringen. Der eingeklagte
Sachverhalt lasse sich vorliegend aufgrund der sehr vagen und allgemeinen Aus-
sagen der Geschädigten schlichtweg nicht rechtsgenüglich erstellen. Daher sei
der Beschuldigte auch betreffend der Anklageziffer 3.1. in dubio pro reo frei-
zusprechen.
5.6.12.2. Die Geschädigte gab im Verlauf der Strafuntersuchung verschiedentlich
und konstant zu Protokoll, der Beschuldigte habe sie in der zur Anklage erhobe-
nen Art und Weise bedroht und ihr damit massiv Angst gemacht (Urk. 19/1 S. 3,
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Urk. 19/2 S. 12 ff.). Ihre Schilderungen decken sich teilweise mit den aktenkundi-
gen Tagebucheinträgen. So schreibt die Geschädigte bereits am 3. Oktober 2010,
dass sie der Beschuldigte mit körperlichen Nachteilen und dem Tod bedroht habe
(Urk. 23/3 S. 1). Am 1. November 2010 schreibt sie, der Beschuldigte habe zu ihr
gesagt, sie sei ein verzogenes Kind und ihr Kopf sei zu schwer für ihren Körper.
Sie solle in der Erde versinken und er schmeisse sie "hier" runter (Urk. 23/3 S. 4).
Am 26. November 2011 schreibt die Geschädigte, der Beschuldigte habe sie und
ihre Familie beschimpft und gesagt, ihre Leute hätten niemals gesehen, was
Menschlichkeit sei, sie würden nur Schminke kennen um sich zu schmücken.
Alles sei Angeberei. Er bringe sie um, sie sei nichts als ein Tier [...] er zertrümme-
re ihr Gehirn, er breche ihre Beine, er schneide ihr ein Ohr ab und stecke es ihr in
den Mund, sie solle nie wieder hören können. Wenn sie ihn noch einmal kritisiere,
dann schwöre er, dass er sie umbringe. Danach gehe er beruhigt schlafen. Sie
habe überhaupt keine elterlichen Manieren, sie solle warten, er schneide ihr die
Zunge ab (Urk. 23/3 S. 12). Am 6. April 2013 schrieb die Geschädigte folgendes
in ihr Tagebuch: "...gestern sagte er einfach ganz so plötzlich, sollte ich etwas
über deine Vergangenheit erfahren, dann zerschneide ich dich" (Urk. 23/3 S. 17).
An anderer Stelle beschrieb die Geschädigte einen Vorfall in der Küche, bei
welchem der Beschuldigte mit der Pumpe der Toilette das verstopfte Spülbecken
frei machte. Weil sie dem Beschuldigte damals gesagt habe, es gehe doch nicht,
dass er mit dieser Pumpe den Abfluss in der Küche reinige, habe der Beschuldig-
te gesagt, sie solle ruhig sein, ansonsten er sie erwürgen würde (Urk. 23/2 S. 19).
Diese Aufzeichnungen der Geschädigten machen deutlich, dass sie über einen
längeren Zeitraum hinweg immer wieder vom Beschuldigten bedroht und diskredi-
tiert wurde. Was bereits zuvor unter Ziff. 5.6.11.2 ausgeführt wurde, gilt auch hier.
Bei einer derartigen Vielzahl von ähnlichen Vorfällen kann nicht erwartet werden,
dass die einzelnen Ereignisse chronologisch präzise geschildert und in den
richtigen Sachzusammenhang gestellt werden. Die von der Geschädigten zu
Protokoll gegebenen Drohungen des Beschuldigten decken sich mit seinen
anlässlich des aufgezeichneten Telefonates an den Tag gelegten Äusserungen.
Die Schilderungen der Geschädigten reihen sich nahtlos in das durch das bisheri-
ge Beweisergebnis erstellte Verhalten des Beschuldigten ein. Es kann aufgrund
- 62 -
der gesamten Umstände kein vernünftiger Zweifel daran bestehen, dass sich der
Beschuldigte der in der Anklageschrift umschriebenen Drohungen bedient hat, um
die Geschädigte nach seinem Gutdünken gefügig zu machen.
5.6.12.3. Der Sachverhalt gemäss Anklageziffer. 3.1. ist damit ebenfalls erstellt.
5.6.13. Fazit
Zusammenfassend kann nach dem Gesagten festgehalten werden, dass der
Anklagesachverhalt mit Ausnahme von Ziffer 1.2. (mehrfache Vergewaltigung)
erstellt ist. In Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung gemäss
Anklageziffer 1.2. hat hingegen nach dem Grundsatz in dubio pro reo ein
Freispruch zu ergehen.
6. Rechtliche Würdigung
6.1. Vergewaltigung (Anklageziffer 1.1.)
6.1.1. Gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer eine Person
weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, indem er sie bedroht,
Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand
unfähig macht.
6.1.2. Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte der Geschädigten
mittels Anwendung von körperlicher Gewalt und gegen deren klar erkennbaren
Willen den Geschlechtsverkehr abgenötigt, indem er mit seinem Penis in die
Scheide der wehr- und hilflosen Geschädigten eindrang. Damit hat der Beschul-
digte in objektiver Hinsicht tatbestandsmässig im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB
gehandelt.
6.1.3. In subjektiver Hinsicht handelt derjenige Täter im Sinne von Art. 190 Abs. 1
StGB tatbestandsmässig, der vorsätzlich agiert. Er muss zumindest mit der
Möglichkeit rechnen, dass das Opfer den Geschlechtsverkehr nicht will und ihn
dessen ungeachtet trotzdem an ihm vollziehen. Tatbestandsmässig handelt eben-
falls der eventualvorsätzlich handelnde Täter. Der Beschuldigte wusste gemäss
erstelltem Sachverhalt, dass die Geschädigte am fraglichen Abend nicht mit ihm
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intim verkehren wollte. Sie versuchte sich offenkundig gegen sein Vorhaben zur
Wehr zu setzten und sagte ihm mehrfach, sie wolle es nicht. Der Beschuldigte
liess sich dadurch aber nicht von seinem Vorhaben abbringen und drang mit
seinem Penis in die Geschädigte ein. Damit handelte der Beschuldigte direkt vor-
sätzlich. Der subjektive Tatbestand von Art. 190 Abs. 1 StGB ist damit erfüllt.
6.1.4. Nachdem der Beschuldigte in objektiver und subjektiver Hinsicht tat-
bestandsmässig handelte und weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschluss-
gründe vorliegen, ist er der (einfachen) Vergewaltigung im Sinne von Art. 190
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
6.2. Drohung und Tätlichkeit (Anklageziffer 2.1.)
6.2.1. Wer jemanden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt,
wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft
(Art. 180 Abs. 1 StGB). Der Täter wird von Amtes wegen verfolgt, wenn er der
Ehegatte des Opfers ist und die Drohung während der Ehe begangen wurde
(Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB).
6.2.2. Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte der Geschädigten in
Aussicht gestellt, er werde ihren Kopf abschneiden, wenn sie nicht mache, was er
sage. Zweifelsohne ist eine solche archaische Todesdrohung, gepaart mit dem
gewalttätigen und unkontrollierten Auftreten des Beschuldigten, geeignet, das
Opfer in Angst und Schrecken zu versetzen. Entsprechend führte die Geschädigte
auch glaubhaft und ohne Weiteres nachvollziehbar aus, dass sie grosse Angst
gehabt habe und immer noch habe. Damit ist der objektive Straftatbestand von
Art. 180 Abs. 1 StGB erfüllt.
6.2.3. In subjektiver Hinsicht erfordert Art. 180 Abs. 1 StGB Vorsatz. Der Beschul-
digte wusste, dass er mit seiner Drohung, er werde der Geschädigten den Kopf
abschneiden, diese in Angst und Schrecken versetzen konnte und er wollte dies
auch. Durch sein Verhalten wollte der Beschuldigte die Geschädigte gefügig
machen und sicherstellen, dass sie sich ihm in Zukunft unterordne und so ver-
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halte, wie er es von ihr verlangte. Der subjektive Straftatbestand der Drohung ist
ebenfalls erfüllt.
6.2.4. Wer gegen jemanden Tätlichkeiten verübt, die keine Schädigung des
Körpers oder der Gesundheit zur Folge haben, wird mit Busse bestraft (Art. 126
Abs. 1 StGB). Der Täter wird von Amtes wegen verfolgt, wenn er die Tat wieder-
holt an seinem Ehegatten begeht (Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB).
6.2.5. Erstelltermassen hat der Beschuldigte die Geschädigte am Hals festge-
halten und sie an die Wand gedrückt respektive gestossen. Nachdem er sie
bedrohte, verabreichte er ihr mindestens zwei Ohrfeigen. Die Geschädigte trug
von diesem Übergriff rote Spuren am Hals sowie starke Kopfschmerzen davon.
Nach der Praxis des Bundesgerichts ist eine Tätlichkeit dann in objektiver Hinsicht
als erfüllt zu betrachten, wenn ein physischer Übergriff das übliche und allgemein
gesellschaftlich geduldete Mass überschreitet. Erforderlich ist die Einwirkung auf
einen Menschen, die keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur
Folge hat. Die Verursachung von Schmerzen ist dabei nicht erforderlich (BGE 117
IV 16 f.; BGE 119 IV 27 = Pr 83 [1994] Nr. 17 S. 62). Beispiele sind etwa Ohr-
feigen, Faustschläge, Fusstritte, heftige Stösse, Bewerfen mit Gegenständen von
einigem Gewicht etc. Genau dergestalt hat sich der Beschuldigte der Geschädig-
ten gegenüber in objektiver Hinsicht verhalten.
6.2.6. Der Beschuldigte wusste, respektive musste wissen, dass er mit seinem
Handeln in unzulässiger Art und Weise auf die Geschädigte einwirkte. Dessen
ungeachtet verhielt er sich ganz bewusst wie beschrieben, um damit seiner
Drohung Nachdruck zu verleihen und sicherzustellen, dass die Geschädigte ins-
künftig seinen Anweisungen Folge leiste. Damit handelte der Beschuldigte in
subjektiver Hinsicht tatbestandsmässig.
6.2.7. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Beschuldigte durch
sein Handeln hinsichtlich der Anklageziffer 2.1. die Straftatbestände der Drohung
(Art. 180 Abs. 1 StGB) sowie der wiederholten Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1
i.V.m. Abs. 2 lit. b StGB) erfüllt hat. In Ermangelung von Schuldausschluss-
- 65 -
und/oder Rechtfertigungsgründen ist er daher antragsgemäss schuldig zu
sprechen.
6.3. Drohung und einfache Körperverletzung (Anklageziffer 2.2.)
6.3.1. Hinsichtlich des Straftatbestandes der Drohung kann vorab auf das unter
Ziff. 6.2.1. Ausgeführte verwiesen werden. Indem der Beschuldigte der Geschä-
digten in Aussicht stellte er werde ihren Kopf in den heissen Pizzaofen stecken
und diese Aussage auch noch durch sein betreffendes Handeln untermauerte,
erfüllte er den objektiven Straftatbestand der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1
StGB. Dass er bei diesem Vorgehen wusste, dass er die Geschädigte in Angst
und Schrecken versetzte und dies auch ganz bewusst anstrebte bedarf keiner
weiteren Erläuterungen mehr. Die Geschädigte schilderte glaubhaft, wie sehr sie
der Beschuldigte in grosse Angst versetzt habe.
6.3.2. Wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesund-
heit schädigt, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geld-
strafe bestraft (Art. 123 Ziff. 1 StGB). Ist der Täter der Ehegatte des Opfers, so
wird die Tat von Amtes wegen verfolgt (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 3 StGB).
6.3.3. Gemäss erstelltem Sachverhalt packte der Beschuldigte die Geschädigte
hinten am Hals und bugsierte sie auf diese Weise zu dem sich im Küchenbereich
befindlichen, heissen und geöffneten Pizzaofen. Dort angekommen sagte er zur
Geschädigten, er werde nun ihren Kopf in den Ofen stecken. Aus Angst davor,
dass der Beschuldigte seine Drohung wahr machen könnte, fasste die Geschä-
digte an die heisse Ofentüre und es gelang ihr diese zu schliessen. Dabei zog sie
sich eine ca. 3 cm lange und 1 bis 2 cm breite Verbrennung am rechten Hand-
rücken zu. Eine einfache Körperverletzung begeht, wer eine über blosse Tätlich-
keiten (Art. 126 StGB) hinausgehende Schädigung an Körper oder Gesundheit
eines Menschen bewirkt, welche jedoch noch nicht den Schweregrad einer
schweren Körperverletzung i.S. von Art. 122 StGB erreicht. Die Verbrennung auf
dem rechten Handrücken der Geschädigten stellt keines der in Art. 122 StGB
definierten Verletzungsmuster dar, geht aber bereits deutlich über das hinaus,
- 66 -
was noch als Tätlichkeit bezeichnet werden kann. Damit liegt in objektiver
Hinsicht eine einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB vor.
6.3.4. Der Beschuldigte hat die Geschädigte unmittelbar vor den heissen und
geöffneten Pizzaofen gestossen und ihr angedroht, er werde ihren Kopf darin
verbrennen. Damit hat er in Kauf genommen, dass sich die Geschädigte zur Wehr
setzt und sich dabei an den heissen Bestandteilen des Ofens verbrennen könnte.
Ungeachtet dieser Konsequenzen hat er nicht von seinem Vorhaben abgelassen,
weil er sie dominieren und ihr Angst machen wollte. Damit hat der Beschuldigte
zumindest eventualvorsätzlich (Art. 12 Abs. 2 StGB, zweiter Satzteil) und damit
tatbestandsmässig gehandelt.
6.3.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte gestützt auf
den in Anklageziffer 2.2. geschilderten Sachverhalt der Drohung (Art. 180 Abs. 1
StGB) sowie der einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB) schuldig
gemacht hat. Da weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vorliegen
hat ein entsprechender Schuldspruch zu ergehen.
6.4. Einfache Körperverletzung (Anklageziffer 2.3.)
6.4.1. Zum Theoretischen kann auf die zuvor unter Ziff. 6.3.2. gemachten Ausfüh-
rungen verwiesen werden. Der Beschuldigte malträtierte die Geschädigte gemäss
erstelltem Sachverhalt dermassen, dass diese von seinen Übergriffen eine Beule
am Kopf, Prellungen an den Beinen und als Folge der Unterkühlung einen Harn-
weginfekt davon trug. Die körperliche Integrität ist dann im Sinne einer Körperver-
letzung beeinträchtigt, wenn innere oder äussere Verletzungen oder Schädigun-
gen zugefügt werden, die mindestens eine gewisse Behandlung und Heilungszeit
erfordern, also auch bereits Schürfungen, sofern sie um einiges über blosse
Kratzer hinausgehen. Dass die körperliche Beeinträchtigungen den Beizug eines
Arztes nötig machen, ist jedoch nicht gefordert. Gegenüber der einfachen Körper-
verletzung ist die Tätlichkeit dadurch abgegrenzt, dass sie noch keine Schädigung
des Körpers oder der Gesundheit zur Folge haben darf (Roth/Berkemeier in:
Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basel Kommentar, Strafrecht II, 3. Auflage, Basel
2013, Art. 123 N 4 und Art. 126 N 4). Die im Anklagesachverhalt umschriebenen
- 67 -
gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Geschädigten erreichen klarerweise die
von Art. 123 StGB geforderte Intensität weshalb der objektive Tatbestand erfüllt
ist.
6.4.2. In subjektiver Hinsicht liegt auf der Hand, dass der Beschuldigte wusste
was für Auswirkungen sein Handeln auf die Gesundheit der Geschädigten haben
würde. Er wollte die Geschädigte massregeln und nahm die schliesslich einge-
tretenen Verletzungen respektive Beschwerden zumindest in Kauf. Der subjektive
Tatbestand von Art. 123 Ziff. 1 StGB ist damit erfüllt.
6.4.3. Der Beschuldigte handelte in objektiver und subjektiver Hinsicht tat-
bestandsmässig. Entsprechend ist er hinsichtlich Anklageziffer 2.3. wie beantragt
der einfachen Körperverletzung schuldig zu sprechen.
6.5. Drohung und einfache Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand
(Anklageziffer 2.4.)
6.5.1. Zum Theoretischen betreffend den Tatbestand der Drohung wird auf das
bereits Gesagte (Ziff. 6.3.1) verwiesen. Die Äusserungen des Beschuldigten, er
werde der Geschädigten den Kopf abschneiden und sie umbringen, erfüllt den
objektiven Tatbestand der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in optima
forma. Weiterungen hierzu erübrigen sich. Ebenso steht ausser Frage, dass der
Beschuldigte direkt vorsätzlich handelte und die Geschädigte grosse Angst um ihr
Leben hatte und immer noch hat. Der Straftatbestand der Drohung ist damit
erfüllt.
6.5.2. Wer eine einfache Körperverletzung (vgl. dazu Ziff. 6.3.2) unter Zuhilfen-
ahme einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Gegenstandes begeht, unter-
steht dem qualifizierten Straftatbestand von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 StGB. Der
Beschuldigte hielt der Geschädigten das ca. 30 cm lange Fleischmesser auf der
Höhe des Kehlkopfs an den Hals und drohte gleichzeitig, er werde ihr den Kopf
abschneiden und sie umbringen. Die Geschädigte versuchte diesen Übergriff des
Beschuldigten mit der Hand abzuwehren und zog sich dabei an derselben eine
- 68 -
Schnittverletzung zu. Diese Schnittverletzung stellt in objektiver Hinsicht eine
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB dar.
6.5.3. Der Beschuldigte wollte die Geschädigte dafür disziplinieren, dass sie ent-
gegen seinen Anweisungen neben dem Vorhang hindurch in den angrenzenden
Barbereich der F._-Bar schaute. Zu diesem Zweck hielt er ihr das Messer,
mit welchem er gerade Küchenarbeiten verrichtete, an die Kehle. Er wusste um
die scharfe Klinge des Messers und er musste auch wissen, dass die Geschädig-
te die massive Bedrohung nicht einfach unverrichteter Dinge hinnehmen würde.
Angesichts dieser Umstände musste der Beschuldigte in Kauf nehmen, dass sich
die Beschuldigte bei einer vorhersehbaren Abwehrhandlung eine Schnittver-
letzung zuziehen konnte. Damit handelte er zumindest eventualvorsätzlich und
damit tatbestandsmässig.
6.5.4. Der Beschuldigte hat mit seinem in Anklageziffer 2.4. umschriebenen Ver-
halten die Straftatbestände der Drohung (Art. 180 Abs. 1 StGB) sowie der
einfachen Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand (Art. 123 Ziff. 1 StGB
i.V.m. Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 StGB) erfüllt. Auch hier liegen weder Rechtfertigungs-
noch Schuldausschlussgründe vor, weshalb ein entsprechender Schuldspruch zu
erfolgen hat.
6.6. Einfache Körperverletzung (Anklageziffer 2.5.)
6.6.1. In objektiver Hinsicht packte der Beschuldigte die Geschädigte mit der
Hand am Hals und schlug ihr mit der anderen Hand mindestens zwei Mal die
Faust ins Gesicht, wobei der linke Eckzahn der Geschädigten abbrach. Es steht
ausser Frage, dass ein derartiges Verhalten in objektiver Hinsicht eine einfache
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB darstellt. Daran ändert auch
der Umstand nichts, dass die Geschädigte eingestand, dass der betreffende Zahn
bereits vor diesem Vorfall "nicht mehr gut gewesen" sei (Urk. 19/2 S. 17 ff.).
6.6.2. Wer jemandem mit einer Hand am Hals festhält und mit der Faust der
anderen Hand zwei Mal bewusst ins Gesicht schlägt, der weiss, dass dies mit
grosser Wahrscheinlichkeit zumindest zu einer einfachen Körperverletzung führen
- 69 -
kann. Schlägt er - wie es der Beschuldigte getan hat - dessen ungeachtet zu,
dann nimmt er zumindest eine solche Verletzung in Kauf und handelt damit jeden-
falls eventualvorsätzlich. Der subjektive Straftatbestand ist damit erfüllt.
6.6.3. Der Beschuldigte handelte bezüglich Anklageziffer 2.5. tatbestandsmässig,
rechtswidrig und schuldhaft. Entsprechend ist er der einfachen Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
6.7. Einfache Körperverletzung (Anklageziffer 2.6.)
6.7.1. Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte die Geschädigte
unvermittelt in den linken Oberschenkel unterhalb des Gesässes gebissen,
sodass sie wegen der starken Schmerzen kurzzeitig das Bewusstsein verlor. Als
Folge dieses Bisses erlitt sie einen Bluterguss, der sie während zwei Wochen
daran hinderte, ihren linken Fuss vollständig zu belasten. Die gesundheitliche
Beeinträchtigung, welche die Geschädigte als direkte Folge des Bisses erleiden
musste, erreicht zweifelsfrei die Intensität einer einfachen Körperverletzung. Der
objektive Straftatbestand von Art. 123 Ziff. 1 StGB ist daher erfüllt.
6.7.2. Dass der Beschuldigte bei seinem Vorgehen direkt vorsätzlich gehandelt
hat liegt auf der Hand und bedarf keiner weiteren Erläuterungen mehr.
6.7.3. Der Beschuldigte ist hinsichtlich Anklageziffer 2.6. der einfachen Körper-
verletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen. Schuld-
ausschluss- und/oder Rechtfertigungsgründe liegen keine vor.
6.8. Einfache Körperverletzung (Anklageziffer 2.7.)
6.8.1. Gemäss erstelltem Sachverhalt schlug der Beschuldigte den Kopf der
Geschädigten einmal gegen die Wand und verabreichte ihr danach mindestens
eine Ohrfeige auf die linke Gesichtshälfte. Als Folge dieses Übergriffs blutete die
Geschädigte aus Nase und Mund und musste sich übergeben. Nach der bundes-
gerichtlichen Rechtsprechung können bereits Schürfungen und leichte Prellungen
einfache Körperverletzungen darstellen. Umso mehr muss dies gelten, wenn das
- 70 -
Opfer wie vorliegend aus Mund und Nase blutet. Der objektive Straftatbestand der
einfachen Körperverletzung ist erfüllt.
6.8.2. Was zuvor ausgeführt wurde, hat auch an dieser Stelle Geltung. Wer
wissen- und willentlich den Kopf eines Menschen gegen eine Wand schlägt und
ihm hernach noch zwei Ohrfeigen verpasst, der weiss, dass dieses Verhalten zu
den tatsächlich eingetretenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann
und er nimmt sie auch in Kauf. Der Beschuldigte handelte damit zumindest
eventualvorsätzlich.
6.8.3. Antragsgemäss ist der Beschuldigte mit Bezug auf Anklageziffer 2.7. der
einfachen Körperverletzung schuldigt zu sprechen.
6.9. Mehrfache Drohung (Anklageziffer 3.1.)
6.9.1. Die dem Beschuldigten unter Anklageziffer 3.1. zur Last gelegten und
bewiesenen Äusserungen, welche dieser gegenüber der Geschädigten machte,
sind in objektiver Hinsicht ohne jeden Zweifel tatbestandsmässig. Er stellte ihr
jeweilen den gravierendsten aller Nachteile in Aussicht, nämlich den Tod. Dabei
schreckte er nicht davor zurück, der Geschädigten deren Enthauptung und
andere archaisch anmutenden Tötungsvorhaben detailliert zu schildern. Eine
schwerwiegendere Drohung ist kaum vorstellbar. Dass die Geschädigte durch
diese Äusserungen in Angst und Schrecken versetzt wurde, hat sie glaubhaft und
nachvollziehbar dargetan.
6.9.2. Der Beschuldigte wusste, was für eine Auswirkung seine brutalen und in
jeder Hinsicht menschenverachtenden Drohungen auf die Geschädigte haben
würden und er wollte sie bewusst damit in grosse Angst versetzten. In subjektiver
Hinsicht handelte er direkt vorsätzlich und daher tatbestandsmässig.
6.9.3. Antragsgemäss ist der Beschuldigte mit Bezug auf Anklageziffer 3.1. der
mehrfachen Drohung schuldig zu sprechen.
- 71 -
6.10. Mehrfache Drohung (Anklageziffer 3.2.)
6.10.1. Was zuvor unter Ziff. 6.9 ausgeführt wurde, gilt ebenso für die unter
Anklageziffer 3.2. zusammengefassten Drohungen des Beschuldigten. Sein
Verhalten ist in objektiver und subjektiver Hinsicht tatbestandsmässig.
6.10.2. Der Beschuldigte ist hinsichtlich Anklageziffer 3.2. im Sinne der Anklage
der mehrfachen Drohung schuldig zu sprechen. Schuldausschluss- und/oder
Rechtfertigungsgründe liegen keine vor.
III. Widerruf / Gesamtstrafe
7. Widerruf
7.1. Die Begehung eines Vergehens oder Verbrechens (Art. 10 StGB) während
der Probezeit wie hier bildet einen möglichen Widerrufsgrund. Allerdings führt ein
während der Probezeit begangenes Vergehen oder Verbrechen nicht zwingend
zum Widerruf des bedingten Strafaufschubs. Dieser soll nach Art. 46 Abs. 1 StGB
nur erfolgen, wenn "deshalb", also wegen der Begehung des neuen Delikts, zu
erwarten ist, dass der Täter weitere Straftaten verüben wird. Das heisst, dass die
Prognose seines künftigen Legalverhaltens in einem solchen Fall erneut gestellt
werden muss (BGE 134 IV 140 E. 4.2 mit zahlreichen Hinweisen). Dabei steht
dem Richter ein Ermessensspielraum zu (BGE 133 IV 201 E. 2.3 zur bedingten
Entlassung). Vom Widerruf soll abgesehen werden können, wenn nicht zu
erwarten ist, dass der Täter weitere Straftaten begehen wird. Mit anderen Worten
ist eine bedingte Strafe oder der bedingte Teil einer Strafe nur zu widerrufen,
wenn von einer negativen Einschätzung der Bewährungsaussichten auszugehen
ist, d.h. aufgrund der erneuten Straffälligkeit eine eigentliche Schlechtprognose
besteht (BGE 134 IV 140 E. 4.3 mit Hinweisen).
7.2. Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters ist anhand einer
Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen. In die Beurteilung
mit einzubeziehen sind neben den Tatumständen auch das Vorleben und der
Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter
- 72 -
des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen. Für die Einschätzung
des Rückfallrisikos ist ein Gesamtbild der Täterpersönlichkeit unerlässlich.
Relevante Faktoren sind etwa strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisations-
biographie und Arbeitsverhalten, das Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise
auf Suchtgefährdungen usw. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse bis zum
Zeitpunkt des Entscheides zu berücksichtigen (BGE 134 IV 140 E. 4.4 mit
Hinweisen).
7.3. Dem Beschuldigten kann grundsätzlich keine gute Prognose gestellt
werden. Er hat wiederholt delinquiert. Zudem lässt der Beschuldigte jegliche Ein-
sicht in sein Fehlverhalten vermissen. Es ist daher unerlässlich, die mit Straf-
befehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 7. Juli 2008 bedingt ausge-
fällte Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu Fr. 100.-- zu widerrufen, um der schlech-
ten Prognose des Beschuldigten Rechnung zu tragen.
8. Gesamtstrafe
Für die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 46 Abs. 1 StGB (bei Nicht-
bewährung während einer Probezeit) hat das Bundesgericht festgehalten, dass
Voraussetzung für die Bildung einer solchen Gesamtstrafe das Vorliegen un-
gleichartiger Strafen sei (BGE 134 IV 241 E. 4.4). Das wäre zwar vorliegend
grundsätzlich der Fall, da der Beschuldigte heute wie noch zu zeigen sein wird mit
einer Freiheitsstrafe zu bestrafen ist. In BGE 137 IV 249 E. 3.4.3 hat das Bundes-
gericht dann aber weiter entschieden, dass dieses Gesamtstrafenverfahren keine
Anwendung finden könne, wenn so eine Vorstrafe zulasten des Beschuldigten in
eine schwerere Sanktion umgewandelt würde. Das wäre namentlich etwa dann
der Fall, wenn eine frühere Geldstrafe in eine Freiheitsstrafe geändert würde, um
eine Gesamtfreiheitsstrafe zu bilden. Unabhängig davon, ob der Beschuldigte nun
mit einer Freiheits- oder einer Geldstrafe zu bestrafen sein wird, wird demnach die
Bildung einer Gesamtstrafe unter Einbeziehung der widerrufenen früheren Geld-
strafe nicht möglich: Für den Fall einer Freiheitsstrafe darum nicht, weil so die
frühere Geldstrafe entgegen BGE 137 IV 249 in eine schwerere Sanktion
(Freiheitsstrafe) umgewandelt werden müsste, und für den Fall einer Geldstrafe
- 73 -
deshalb nicht, weil dann zwei gleichartige Strafen vorlägen, was der Anwendung
von Art. 46 Abs. 1 StGB entgegensteht (BGE 134 IV 241).
IV. Sanktion und Vollzug
9. Sanktion
9.1. Strafrahmen und Strafzumessungsfaktoren
9.1.1. Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es
berücksichtigt dabei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die
Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das
Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des
betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggrün-
den und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den
inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Ver-
letzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Für die Zumessung der Strafe ist
zwischen der Tat- und der Täterkomponente zu unterscheiden. Bei der Tat-
komponente ist als Ausgangspunkt die objektive Schwere des Delikts festzulegen
und zu bewerten. Dabei ist anhand des Ausmasses des Erfolgs sowie auf Grund
der Art und Weise des Vorgehens zu beurteilen, wie stark das strafrechtlich
geschützte Rechtsgut beeinträchtigt worden ist. Ebenfalls von Bedeutung sind die
kriminelle Energie, der Tatbeitrag bei Tatausführung durch mehrere Täter sowie
ein allfälliger Versuch. Hinsichtlich des subjektiven Verschuldens sind insbeson-
dere das Motiv, die Beweggründe, die Willensrichtung sowie das Mass an
Entscheidungsfreiheit des Täters zu beurteilen. Die Täterkomponente umfasst die
persönlichen Verhältnisse, das Vorleben, insbesondere frühere Strafen oder
Wohlverhalten, und das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren, insbeson-
dere gezeigte Reue und Einsicht, oder ein abgelegtes Geständnis (Donatsch/
Flachsmann/Hug/Weder, Kommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch,
Zürich 2010, S. 117 m.w.H.).
9.1.2. Bei der Bemessung der Strafe ist der gesetzliche Strafrahmen zu beachten.
Vorliegend hat sich der Beschuldigte als schwerstes Delikt der Vergewaltigung im
- 74 -
Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Gemäss dieser Bestimmung
ist von einem ordentlichen Strafrahmen von einem bis zu zehn Jahren Freiheits-
strafe auszugehen. Anzumerken ist zudem, dass das Bundesgericht in seiner
Rechtsprechung in Abweichung vom Gesetzeswortlaut von Art. 49 Abs. 1 StGB
seit mehreren Jahren auch bei mehrfacher Tatbegehung und/oder Deliktsmehr-
heit stets vom ordentlichen Strafrahmen ausgeht, falls nicht aussergewöhnliche
Umstände ein Unter- oder Überschreiten dieses Rahmens rechtfertigen (vgl. BGE
136 IV 55 und Entscheid des Bundesgerichtes 6S.73/2006 vom 5. Februar 2007),
was hier nicht der Fall ist.
9.1.3. Der Beschuldigte wird zudem wegen der wiederholten Tätlichkeiten im
Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB ver-
urteilt. Hierfür sieht der Gesetzgeber als Sanktion zwingend die zusätzliche Aus-
fällung einer Busse vor.
9.2. Da keine weiteren Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe ersichtlich
sind, ist die Strafe innerhalb des obgenannten Strafrahmens festzusetzen.
9.3. Zur Tatkomponente
9.3.1. Der Beschuldigte vergewaltigte, malträtierte und schikanierte die Geschä-
digte über den gesamten Zeitraum des ehelichen Zusammenlebens - mithin über
8 Monate - hinweg. Sämtliche Übergriffe stehen in direktem Zusammenhang mit
der belasteten Paarbeziehung und sind auf das hierzulande vollkommen unange-
passte, ausgeprägt patriarchalen und überaus dominanten Rollenverständnis des
Beschuldigten zurückzuführen. Insofern rechtfertigt es sich vorliegend, trotz der
Vielzahl von einzelnen Delikten zum Nachteil der Geschädigten, die begangenen
Taten als Einheit zu betrachten, haben doch die grundlegenden Überlegungen für
sämtliche Vorwürfe Gültigkeit.
9.3.2. Zunächst ist in objektiver Hinsicht darauf hinzuweisen, dass der Unrechts-
gehalt einer Vergewaltigung, welche zu den gravierensten Delikten im Schweize-
rischen Strafgesetzbuch gehört, per se nicht mehr als leicht bezeichnet werden
kann. Allerdings sind dabei gleichwohl sämtliche Elemente zu berücksichtigen, die
- 75 -
– innerhalb des Grundtatbestandes – als besonders gravierend oder aber auch
als verschuldensrelativierend erscheinen. Im vorliegenden Fall wiegt schwer, dass
der Beschuldigte seine eigene Ehefrau in der ehelichen Wohnung vergewaltigte,
er sie damit nicht nur in ihrer sexuellen Integrität, sondern auch in ihrem Sicher-
heitsgefühl massiv verletzte. Der Angeklagte setzte sich über ihr sexuelles
Selbstbestimmungsrecht ohne jede Rücksicht auf ihre Befindlichkeit in egoisti-
scher und erniedrigender Weise hinweg. Ihre erkennbare Bitten, von ihr abzu-
lassen und ihre physische Gegenwehr ignorierte der Beschuldigte vollends.
Kommt hinzu, dass er die Geschädigte mit körperlicher Gewalt gefügig machte,
indem er sie schlug, und mit der Hand am Hals auf dem Bett fixierte. Obwohl sich
das Ehepaar im Sinne einer Familienplanung darauf geeinigt hatte, dass man
zunächst noch keine Kinder wolle und der Geschlechtsverkehr daher bis anhin
immer nur geschützt praktiziert wurde, setzte sich der Beschuldigte egoistisch
über diese Abmachung hinweg und drang ohne Kondom in sie ein. Bekanntlich
führte dies schliesslich auch zu einer ungewollten Schwangerschaft und letztlich
zur Abtreibung des anlässlich der Vergewaltigung gezeugten Kindes. Der
Beschuldigte handelte sowohl bei der Vergewaltigung der Geschädigten, als auch
bei sämtlichen weiteren Übergriffen, brutal, rücksichtslos und menschenver-
achtend. Anstatt seiner Ehefrau, die er aus ihrem vertrauten familiären und
sozialen Umfeld herausholte und in die Schweiz verbrachte, als Freund und Ehe-
gatte zur Seite zu stehen, um ihr so den Start in einem fremden Land, mit fremder
Sprache und Kultur zu vereinfachen, dominierte er sie vom ersten Tag an. Er
spielte sich als Herr über Leben und Tod auf, sprach die übelsten Drohungen
gegen sie aus, schlug, erniedrigte und misshandelte sie physisch und psychisch.
Nach dem Gesagten kann das objektive Tatverschulden des Beschuldigten ins-
gesamt als nicht mehr leicht bezeichnet werden. Zieht man den zuvor erörterten
Strafrahmen von einem bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe in Betracht, so
erscheint allein für die (einmalige) Vergewaltigung gemäss Anklageziffer 1.1. eine
theoretische Einsatzstrafe von 36 Monaten Freiheitsstrafe angemessen. Diese ist
unter Einbezug der mehrfachen Tatbegehung respektive der Deliktsmehrheit um
16 Monate zu erhöhen, womit gesamthaft eine theoretische Einsatzstrafe von
52 Monaten resultiert.
- 76 -
9.3.3. Zur subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte zu
seiner Motivation nicht äusserte. Aufgrund des gesamten Beweisergebnisses ist
jedoch ersichtlich, dass er aus rein egoistischen Motiven handelte. Hinsichtlich
der Vergewaltigung ging es ihm wohl lediglich um die Befriedigung seiner sexuel-
len Bedürfnisse. Was sein übriges Verhalten angeht, so zeugt dies von einer
beispiellosen Respekt- und Rücksichtslosigkeit gegenüber seiner Ehefrau. Er
wollte sie dominieren und kontrollieren und es ging ihm darum, sie mit seinem
gewalttätigen und vollkommen inakzeptablen Verhalten in jeder Hinsicht gefügig
zu machen. Leicht zu Gunsten des Beschuldigten kann festgehalten werden, dass
er teilweise lediglich eventualvorsätzlich handelte. Die objektive Tatschwere
erfährt insgesamt durch die subjektive Komponente eine leichte Reduktion.
9.4. Zur Täterkomponente
9.4.1. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben – wozu auch allfällige Vorstra-
fen zählen –, die persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und
im Strafverfahren. Unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Verhältnisse zu
berücksichtigen ist etwa, ob sich der Täter im Strafverfahren kooperativ verhielt
sowie ob er Einsicht und Reue zeigte und ob er strafempfindlich ist.
9.4.2. Hinsichtlich des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse des Beschul-
digten kann auf seine entsprechenden Ausführungen in der Untersuchung und auf
seinen Angaben vor Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 36/6, Urk. 67 S. 5 ff.,
Urk. 18/10 S. 13 ff.). Zusammengefasst ergibt sich daraus was folgt: Der
Beschuldigte wurde am tt. Juni 1978 in M._/E._ geboren. Er ist das
älteste von vier Kindern und wuchs bis zu seinem 15. Altersjahr bei seinen Eltern
im Kreise der Familie auf. Danach zog er zu seiner Tante nach W_ [Stadt in
E._], dies nach seinen Angaben deshalb, weil er in seiner Heimat als ... [reli-
giöse Minderheit] nicht sicher gewesen sei. 1995 sei er aus unerklärlichen Grün-
den ins Gefängnis gekommen und dort gefoltert worden. Man habe ihm vorgewor-
fen er habe mit den ... sympathisiert. 1998 sei er dann in die Schweiz gekommen.
Im September 2010 habe er, nach eigenen Angaben aus Liebe, die Geschädigte
geheiratet. Daraufhin seien sie gemeinsam in die Schweiz gezogen. Der Beschul-
digte gab weiter an, insgesamt 8 Jahre lang die Primar- und Sekundarschule und
- 77 -
danach ein Jahr das Gymnasium besucht zu haben. Danach habe er das Land
verlassen müssen. Bei seinem Onkel habe er den Beruf des Bäckers erlernt, al-
lerdings ohne Abschluss. Weiter gab der Beschuldigte am 12. April 2012 zu Pro-
tokoll, er sei mit Ausnahme von einigen Parkbussen nicht vorbestraft. In seiner
Freizeit lese und schwimme er gerne. Zudem arbeite er als freiwilliger Arbeiter im
... Kulturzentrum in AA._.
9.4.3. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte er aktualisierend zu seinen
persönlichen Verhältnissen was folgt aus: Er habe sich mittlerweile als Taxihalter
selbständig gemacht. Weiter sei die Scheidung von seiner Ehefrau praktisch
abgeschlossen. Die Zeit, als er in Haft gewesen sei, sei für ihn schwierig gewesen
(Urk. 106 S. 2 ff.).
9.4.4. Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten sind unauffällig. Daraus
lässt sich für Strafzumessung nichts ableiten, was von Relevanz wäre.
9.4.5. Entgegen seinen eigenen Angaben anlässlich der polizeilichen Befragung
vom 12. April 2012 (Urk. 36/6) ist der Beschuldigte in der Schweiz sehr wohl vor-
bestraft. So wurde er am 23. August 2005 durch die Staatsanwaltschaft Win-
terthur mittels Strafbefehl wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer
bedingt vollziehbaren Busse von Fr. 1'000.-- verurteilt. Mit Strafbefehl vom 7. Juli
2008 wurde der Beschuldigte zudem erneut wegen grober Verletzung der Ver-
kehrsregeln sowie einer weiteren Verletzung der Verkehrsregeln zu einer teilbe-
dingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 100.-- verurteilt und zudem wurde
ihm eine Weisung erteilt. Aus Urk. 36/3 geht hervor, dass der Beschuldigte im ...
Strafregister [des Staates E._] nicht verzeichnet ist. Die beiden obgenannten
Vorstrafen wirken sich spürbar straferhöhend aus, weil sie einerseits schon relativ
weit zurück liegen und andererseits nicht einschlägig sind. Weiter muss straferhö-
hend wirken, dass der Beschuldigte während laufender Probezeit delinquierte.
9.4.6. Der Beschuldigte ist nach wie vor nicht geständig, zeigte sich weder
einsichtig noch bereute er sein Verhalten oder bekundete Mitleid mit der Geschä-
digten. Unter dem Titel Nachttatverhalten kann er daher nichts zu seinen Gunsten
reklamieren.
- 78 -
9.4.7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es sich rechtfertigt, die Einsatz-
strafe unter Berücksichtigung der Täterkomponenten leicht zu erhöhen.
9.4.8. Die Anklagebehörde beantragt, den Beschuldigten für die von ihm began-
genen wiederholten Tätlichkeiten mit einer Busse von Fr. 1'000.-- zu bestrafen.
Der Beschuldigte hat die Geschädigte in objektiver Hinsicht gegen deren Willen
am Hals gepackt und sie auf diese Weise zum Aufstehen gezwungen. Dann hat
er sie zurück gestossen und gegen eine Wand gedrückt, sodass sie sich ihren
Kopf an der Wand anstiess. Weiter verabreichte er ihr zwei Ohrfeigen. Diese
Handlungen gingen mit massiven Drohungen einher und dies alles bloss deshalb,
weil der Beschuldigte an der Geschädigten eine Machtdemonstration statuieren
wollte, um diese nach seinem Gutdünken gefügig zu machen. Angesichts des
Verschuldens des Beschuldigten und auch unter Berücksichtigung seiner finanzi-
ellen Situation erscheint die Busse in der Höhe von Fr. 1'000.-- angemessen.
9.5. Unter Berücksichtigung sämtlicher massgebender Strafzumessungsgründe
erscheint es dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschul-
digten angemessen, ihn mit einer Freiheitsstrafe von 4 1⁄2 Jahren sowie einer
Busse von Fr. 1'000.-- zu bestrafen.
10. Anrechnung der Untersuchungshaft
Gemäss Art. 51 StGB rechnet das Gericht die vom Täter während diesem oder
einem anderen Verfahren ausgestandene Untersuchungshaft auf die Strafe an.
Der Beschuldigte befand sich insgesamt während 383 Tagen in Untersuchungs-
respektive Sicherheitshaft (Urk. 33/2 und Urk. 75). In diesem Umfang ist die Haft
auf die zu vollziehende Strafe anzurechnen.
11. Vollzug der Strafe
Die Voraussetzungen für den bedingten (Art. 42 Abs. 1 StGB) respektive teilbe-
dingten (Art. 43 Abs. 1 StGB) Aufschub der Strafe sind vorliegend aufgrund des
ausgefällten Strafmasses nicht gegeben. Sowohl die Freiheitsstrafe, als auch die
Busse werden vollzogen. Für den Fall, dass der Beschuldigte die Busse schuld-
- 79 -
haft nicht bezahlt, ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen festzusetzen
(Art. 106 Abs. 2 StGB).
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
12.
12.1. Ausgangsgemäss wird der Beschuldigte für das Vorverfahren und das erst-
instanzliche Gerichtsverfahren vor Bezirksgericht Dietikon kostenpflichtig. Die
Gerichtsgebühr für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren ist auf Fr. 3'000.-- fest-
zusetzen. Die Kosten für die amtliche Verteidigung vor Bezirksgericht Dietikon
sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
12.2. Der Beschuldigte unterliegt auch im Berufungsverfahren, weshalb ihm
ausgangsgemäss die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten
der amtlichen Verteidigung aufzuerlegen sind. Die zweitinstanzliche Gerichts-
gebühr ist auf Fr. 5'000.-- festzusetzen. Die Kosten für die amtliche Verteidigung
im Berufungsverfahren sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei
die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.