Decision ID: 3021275b-fc22-4b91-bd74-4fd4e2ae41ab
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Gegen C. sowie mehrere Angestellte der staatlichen israelischen D. Corpo-
ration wird in Israel ein Strafverfahren wegen Bestechung, Betrugs, Ver-
trauensbruch und Geldwäscherei geführt.
Ihnen wird vorgeworfen, von der deutschen Gesellschaft E. AG und deren
israelischen Tochtergesellschaft E. AG (Israel) im Zusammenhang mit der
Vergabe eines Auftrags im Wert von ca. EUR 320 Mio. Bestechungszah-
lungen erhalten zu haben. Bei diesem Auftrag habe es sich um die Be-
schaffung von vier Gasturbinen gehandelt. Das Vergabeverfahren sei nur
für fünf Unternehmen, die von der D. Corporation technisch geeignet be-
trachtet worden seien, um den Auftrag auszuführen, offen gewesen, darun-
ter die E. AG. Letzlich sei der Auftrag an die E. AG vergeben worden. Auch
C., der damalige Direktor der D. Corporation, soll in diesem Zusammen-
hang Bestechungszahlungen von Vertretern der E. AG bzw. von E. AG (Is-
rael) erhalten haben. F., damaliger Manager des Energiedepartements und
späterer CEO von E. AG (Israel), soll die Bezahlung von ca. EUR 1 Mio.
Bestechungsgelder zugunsten von C. arrangiert und dazu seinen Schwa-
ger A. als Drittpartei benutzt haben. Auch für nachfolgende Aufträge sollen
C. und weitere Angestellte der D. Corporation von E. AG Bestechungszah-
lungen in der Höhe von insgesamt ca. EUR 20 Mio. erhalten haben. Die
Überweisung dieser Bestechungszahlungen soll mittels einer Beraterver-
einbarung zwischen der E. AG resp. E. AG (Israel) und A. auf Konten aus-
serhalb von Israel stattgefunden haben. Von dort sollen sie anschliessend
auf diverse Offshore Konten von C. und weiteren Angestellten überwiesen
worden sein.
B. In diesem Zusammenhang ist das israelische Justizministerium mit
Rechtshilfeersuchen vom 6. Februar 2012 an die Schweiz gelangt. Darin
wurde die Schweiz in einem ersten Punkt um Beschlagnahme der Bankun-
terlagen vom 1. Januar 1999 bis 31. Dezember 2005 betreffend auf A., sei-
ner Ehefrau B. und seiner Gesellschaft G. Ltd. mit Sitz in Hong Kong lau-
tende Konten bei der Bank H. ersucht. In einem zweiten Punkt wurde um
Übermittlung der Protokolle der Einvernahmen von A. und seiner Ehefrau,
welche im Rahmen der hiesigen Strafuntersuchung durchgeführt worden
waren, sowie von weiteren, für das israelische Strafverfahren relevanten,
Informationen aus der nationalen Strafuntersuchung gebeten. Die israeli-
schen Behörden erklärten dabei, dass die Anklageschrift gegen C. zwar am
7. Januar 2009 beim Landgericht Tel-Aviv-Jaffa wegen Bestechung, Be-
trugs und Untreue eingereicht worden sei, das Strafverfahren gegen ihn
vorläufig aber nicht weitergehen könne, da dieser 2005 nach Peru geflüch-
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tet sei und in Israel Gerichtsverhandlungen in Abwesenheit nicht vorgese-
hen seien (Rechtshilfeakten Bundesanwaltschaft, Rubrik 1).
C. Das Bundesamt für Justiz (nachfolgend „BJ“) übertrug den Vollzug des vor-
liegenden Rechtshilfeersuchens mit Schreiben vom 16. Februar 2012 an
die Bundesanwaltschaft (Rechtshilfeakten Bundesanwaltschaft, Rubrik 2).
Diese trat mit Eintretensverfügung vom 2. April 2012 auf das Rechtshilfeer-
suchen ein (Rechtshilfeakten Bundesanwaltschaft, Rubrik 2).
D. Da die verlangten Bankunterlagen bereits im Rahmen der eigenen Strafun-
tersuchung wegen des Verdachts der Geldwäscherei und der Urkundenfäl-
schung durch die Bundesanwaltschaft eingefordert worden waren, wurden
diese mittels Aktenbeizugsverfügungen vom 24. April 2012 in das Rechts-
hilfeverfahren integriert (Rechtshilfeakten Bundesanwaltschaft, Rubrik 7).
Das gerichtspolizeiliche Ermittlungsverfahren war mit Beschluss vom
9. November 2009 eröffnet worden. Anlass für die Verfahrenseröffnung war
eine MROS-Meldung vom 5. November 2009 gestützt auf eine Verdachts-
meldung nach Art. 305 ter
StGB seitens der Bank H. Zürich. Gemäss der
MROS-Meldung handelte es sich bei den Inhabern der gemeldeten Bank-
konten um den Schwager bzw. die Schwester von F., dem ehemaligen Lei-
ter der Energy Division von E. AG (Israel). Die MROS nahm Bezug auf die
in Israel gegen F. erhobenen Vorwürfe. Dieser werde verdächtigt, im Zu-
sammenhang mit dem Verkauf von Gasturbinen, einen Direktor der D. Cor-
poration, C., mit ca. EUR 5 Mio. bestochen zu haben. Diese Gelder seien
anschliessend über ein Netz von Offshore Firmen in verschiedene Länder
weiter transferiert worden. Aufgrund dieser Verdachtsmeldung, den dazu
eingereichten und zusätzlich bei der Bank H. eingeforderten Unterlagen,
wurde das gerichtspolizeiliche Ermittlungsverfahren in personeller Hinsicht
mit Verfügung vom 26. Januar 2010 auf A. und B. wegen des Verdachts
der Geldwäscherei ausgedehnt. Mit Verfügung vom 28. Dezember 2010
wurde das Verfahren schliesslich eingestellt (s. Rechtshilfeakten Bundes-
anwaltschaft, Beilagenordner 2 zu Rubrik 7.001).
Bereits vor Einleitung des vorgenannten gerichtspolizeilichen Ermittlungs-
verfahrens führte die Bundesanwaltschaft seit mehreren Jahren Ermittlun-
gen im Zusammenhang mit der Einrichtung "schwarzer Kassen" zwecks
Bezahlung von Bestechungsgeldern an ausländische Amtsträger durch
(vormalige) Mitarbeiter der E. AG. Aufgrund der bereits in Deutschland und
in den USA in diesem Zusammenhang gegen die E. AG ergangenen Urtei-
le ist bekannt, dass die E. AG über Jahrzehnte und in sämtlichen ihrer Ge-
schäftsbereiche solche Strukturen zur Zahlung von Bestechungsgeldern
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verwendet hat. Für die Bundesanwaltschaft lag daher zunächst der Ver-
dacht nahe, dass im vorstehenden Fall für ein anderes geographisches
Marktgebiet und in einem anderen Geschäftsbereich möglicherweise eben-
falls eine Struktur mit "schwarzen Kassen" geschaffen wurde, mit dem
Zweck der Akquisition von Aufträgen durch die Ausrichtung nicht geschul-
deter Zahlungen (s. Rechtshilfeakten Bundesanwaltschaft, Beilagenordner
2 zu Rubrik 7.001).
E. Mit Schlussverfügung vom 25. Juni 2013 entsprach die Bundesanwalt-
schaft dem israelischen Rechtshilfeersuchen. In Disp. Ziff. 2 ordnete sie die
rechtshilfeweise Herausgabe der Bankunterlagen betreffend das Konto
Nr. 1 bzw. Nr. 2 sowie Nr. 3 bei der Bank H. an. In Disp. Ziff. 3 verfügte sie
die rechtshilfeweise Übermittlung der Protokolle der Einvernahmen mit A.
und B. vom 14. und 15. September 2010 (act. 1.1).
F. Dagegen führen A. und B. mit Eingabe vom 25. Juli 2013 Beschwerde bei
der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts mit dem Antrag, die
Schlussverfügung sei aufzuheben und die Rechtshilfe sei zu verweigern.
Eventualiter sei die Schlussverfügung aufzuheben und die Sache an die
Vollzugsbehörde zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen dieses Ge-
richts zurückzuweisen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (act.
1).
In seiner Vernehmlassung vom 12. August 2013 beantragt das BJ, die Be-
schwerde sei abzuweisen (act. 6). Mit Beschwerdeantwort vom 21. August
2013 stellte die Beschwerdegegnerin denselben Antrag (act. 7). Beide Ein-
gaben wurden den Beschwerdeführern am 22. August 2013 zur Kenntnis
übermittelt (act. 8).
Mit Eingabe vom 3. Oktober 2013 teilten die Beschwerdeführer mit, ge-
mäss dem beigelegten Auszug aus der "Haaretz" vom 1. Oktober 2013 ha-
be das zuständige Gericht in Israel C. inzwischen verurteilt und den Urteils-
vorschlag der Staatsanwaltschaft bestätigt. Sie ersuchten diesen Umstand
im Beschwerdeentscheid zu berücksichtigen (act. 9). Diese Eingabe wurde
dem BJ und der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis zugestellt (act. 10).
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten
wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Für die akzessorische Rechtshilfe zwischen der Schweiz und Israel sind in
erster Linie die Bestimmungen des Europäischen Übereinkommens über
die Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. April 1959 (EUeR; SR 0.351.1)
massgebend, welchem beide Staaten beigetreten sind. Soweit dieser
Staatsvertrag bestimmte Fragen nicht abschliessend regelt, gelangt das
schweizerische Landesrecht, namentlich das Bundesgesetz vom 20. März
1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und
die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in
Strafsachen (IRSV; SR 351.11), zur Anwendung (vgl. Art. 1 Abs. 1 IRSG).
Das innerstaatliche Recht gilt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann,
wenn dieses geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 137 IV
33 E. 2.2.2; 136 IV 82 E. 3.1; 129 II 462 E. 1.1 S. 464). Vorbehalten bleibt
die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV 212; 123 II 595 E. 7c).
2.
2.1 Die Verfügung der ausführenden kantonalen Behörde oder der ausführen-
den Bundesbehörde, mit der das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen wird,
unterliegt zusammen mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der