Decision ID: 9f8dd2e7-7841-4320-9433-c4dbed052a68
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958, reiste im Jahr 1974 aus der Türkei in die Schweiz ein. Im Jahr 2010 erlangte sie das Schweizer Bürgerrecht (Urk. 7/3/1). Sie arbei
tete zuletzt vom 1. Dezember 2010 bis 30. Juni 2014 (letzter effektiver Arbeits
tag: 14. Juli 2013 [Urk. 7/15/2]) bei der
Y._
als Produktions
mit
ar
beiterin in der Pralinenherstellung (Urk. 7/3/4, Urk. 7/13, Urk. 7/15, Urk. 7/27). Am 13. Dezember 2013 meldete sie sich unter Hinweis auf Rücken- und Bein
schmerzen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leistungsbezug an (Urk. 7/3,
Urk. 7/
4). Die IV-Stelle tätigte Abklärungen in be
ruf
lich-erwerblicher (Urk. 7/7, Urk. 7/14) und medizinischer (Urk. 7/16, Urk. 7/17)
Hin
sicht und zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (Urk. 7/8, Urk.
7/13, Urk.
7/18). Alsdann erteilte die IV-Stelle der Versicherten Kostengut
sprache für eine vom 4. bis 29. August
2014 dauernde Potentialabklärung (Urk. 7/35,
Urk. 7/48) und anschliessend ein zweimonatiges Belastbarkeits
trai
ning (Urk. 7/42). Die Ziele des Belastbarkeitstrainings konnten nicht erreicht wer
d
en (Urk. 7/58). Mit Schreiben vom 16. Dezember 2014 wurde der Ver
sicher
ten mitgeteilt, dass derzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien, weshalb nun geprüft werde, ob allenfalls ein Anspruch auf eine Rente bestehe (Urk. 7/60).
In der Folge teilte die IV-Stelle der Versicherten am 2. Juli 2015 mit, dass eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung (Allgemeine Innere Medizin, Rheu
matologie, Neurologie, Psychiatrie) notwendig sei (Urk. 7/81). Nachdem am
31. August 2015 und 4. September 2015 die
Z._
AG als Gutach
tens
stelle
und die Namen der vorgesehenen Gutachter bekannt gegeben w
o
rden
waren
(Urk. 7/89
, Urk. 7/90
), reichte die Versicherte mit Eingabe vom 10. September 2015
zu
nächst
Arzt
berichte zu
h
anden der Gutachter ein (Urk. 7/94) und erhob sodann am 15. September 2015 gegen zwei Gutachter Einwände (Urk. 7/101). Mit Zwischenverfügung vom 14.
Januar 2016 hielt die IV-Stell
e an den Gutach
tern fest (Urk. 7/116).
Danach setzte die Z._ AG
vier andere Gutachter
für die Begutachtung ein, worüber die IV-Stelle die Versicherte mit Sch
reiben
vom 28. Januar 2016 informierte (Urk. 7/119). Die Versicherte wurde schliesslich
im
März und April 2016
gutachterlich
untersucht. Am 17. Juni 2016 erstatte
te
die
Z._
AG
ihr Gutachten (nach
folgend:
Z._
-Gutachten, Urk. 7/126).
Hernach kündigte die IV-Stelle der Ver
sicherten mit Vorbescheid vom
2.
August 2016 die Abweisung ihres Leistungs
begehrens an (
Urk.
7/129). Dagegen liess die
Versicherte am 14. September 2016 Einwand erheben (Urk. 7/133). Nach Prü
fu
ng diese
s Einwa
nde
s
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 3
0.
November 2016 wie vorbeschie
den ab (Urk.
2).
2.
2.1
Dagegen erhob
X._
am 16. Januar 2017 Beschwerde und beantragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 30. November 2016 sei fest
zustellen, dass sie mit Wirkung ab Juli 2014 Anspruch auf eine Invalidenrente habe. Es sei durch das Gericht ein medizinisches Gutach
ten einzuholen. Even
tualiter sei die Sache zu weiteren Abklärungen und neuem Entscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 22. Februar 2017 beantragte die Beschwerde
geg
nerin Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage der IV-Akten [Urk. 7/1-140])
.
Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 16. Januar 2017 an ihren Anträ
gen fest (Urk. 9). Am 31. Mai 2017 wurde der Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass
innert Frist keine Duplik der Beschwerdegegnerin eingegangen
sei
(Urk. 12).
2.2
Alsdann
übermittelte
d
ie Beschwerdegegnerin dem Gericht mit Eingabe vom 1
5.
Juni 2017 (
Urk.
13) einen bei ihr eingereichten Arztbericht
mit Datum
vom
6.
Juni 2017 (Urk. 14).
2.3
M
it Verfügung vom 1
6.
Mai 2018
ersuchte das Gericht den psychiatrischen Exper
ten der Z._ AG
um Beantwortung von zwei Fragen zu seinem Gutach
ten
(
Urk.
16).
Die
Z._
AG
liess sich
dazu
mit Eingabe vom 2
5.
Mai 2018 vernehmen (Urk. 18).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundes
ge
setzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
, IVG
). Erwerbsunfähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Be
handlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beein
träch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
un
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutach
tens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist -, in Kenntnis der und gege
benenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verun
mög
lichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c;
A._
Meyer, Die Rechtspflege in der Sozial
ver
siche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Ent
scheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem ange
fochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht, GSVGer).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwer
deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Ver
waltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der - anschliessend reformatorisch entscheidenden - Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen mög
lich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3)
.
2.
2.1
Mit angefochtener Verfügung vom 3
0.
November 2016 stützte sich die Be
schwer
degegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das
Z._
-Gutachten vom 1
7.
Juni 2016 (
Urk.
7/126; vgl.
Urk.
2 S. 2-3). An diesem Gut
achten waren
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
thera
pie
sowie
Neurologie, Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Innere Medizin, und
C._
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungs
appa
rates, beteiligt (
Urk.
7/124/1,
Urk.
7/126/24).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, dass das
Z._
-Gutach
ten vom 1
7.
Juni 2016 nicht beweiskräftig sei. Sie
bringt unter anderem vor
, dass alle
Z._
-Gutachter Ärzte aus Deutschland seien. Sie hätten keine Praxis
adresse in der Schweiz und seien
hierzulande
nicht prak
tisch tätig. Die Gut
achter seien offensichtlich primär in Deutschland tätig und
würden
nur für die Teilnahme an von der IV in Auftrag gegebenen Be
gut
achtungen in die
Z._
kommen. Die Gutachter Dr.
B._
und Dr.
A._
dürften bei Aus
bildungsabschlüssen im Jahr 1976 beziehungs
weise 1977 im Pensions
alter stehen und gar nicht mehr praktizieren. Zudem sei die Anerkennung der deutschen Medizinaltitel in der Schweiz erst im April 2014 (Dr.
C._
) be
ziehungsweise im April 2015 (Dr.
A._
) und Juni 2015 (Dr.
B._
) erfolgt. All diese Umstände seien ein deutliches Indiz dafür, dass alle beteiligten Gut
achter aus rein kommerziellen Inte
ressen gutachterlich tätig seien, womit ange
sichts der Interessenlage des Auf
traggebers und damit der Gutachter keine Gewähr für eine objektive und neutrale Begutachtung
bestehen würde
, was durch die notorisch versicherungs
freund
liche
Haltung
der MEDAS
Z._
AG be
stätigt werde (Urk. 1 S. 4, Urk. 9 S. 2). Die Gutachter würden jedenfalls den Anschein der Befangenheit erwecken, womit auf das
Z._
-Gut
achten nicht abgestellt werden könne (Urk. 1 S. 4-5, Urk. 9 S. 2).
3.
3.1
Zum
psychia
trische
n
Gutachten von
Dr. A._ vom 11. April 2016
bringt die Beschwerdeführerin insbesondere vor, d
essen psychiatrische Exploration vom
1.
März 2016 habe nur etwa 50 Minuten gedauert. Sie habe das Gespräch als schlimm
und
als äusserst unangenehm erlebt. Sie habe sich gefühlt, als habe sie
Dr. A._
von Anfang
an
nicht ernst genommen und zum Vornherein abge
stempelt.
Dr. A._
habe in raschem Tempo Fragen gestellt und fortlaufend in sein Diktiergerät gesprochen. Eine vernünftige Kommunikation sei unmöglich gewesen und eine vertiefte Be
fragung sei gar nicht zustande gekommen, zumal
noch sprachliche Erschwe
run
gen hinzugekommen seien. Sie verstehe und spreche
zwar einigermassen gut Deutsch.
B
ei komplizierten Sachverhalten, wie eben gerade einer psychiatrischen Exploration
,
brauche
sie
aber viel mehr Zeit
,
als eine muttersprachliche Person, um alles richtig zu verstehen und einzuordnen und sich dann möglichst differenziert auszudrücken
(Urk. 1 S. 5)
. Die von ihr erlebte
“Schnoddrigkeit“ von Dr. A._ mit dem Abhaken einer Checkliste als “Befragung“ und fort
laufendem Diktat entspreche im Übrigen dem, was zahl
reiche Patienten und Exploranden von Dr. A._ im Internet in Blogeinträgen über diesen Arzt ge
äussert hätten (Urk. 1 S. 5-6). Die Rede sei hier von “un
mög
licher Arzt“, “ein Menschenvernichter ohne Skrupel“, eine “Katastrophe“ etc. Es komme hinzu, dass eine psychiatrische Begutachtung bestehend aus einem ein
zigen Gespräch von nicht einmal einer Stunde als völlig ungenügend für eine seriöse Beurteilung angesehen werden müsse. Zudem habe Dr. A._ auch keine fremdanamnestischen Aus
künfte eingeholt (Urk. 1 S. 6).
3.2
3.2.1
Nebst diesen Vorbringen ma
chte die Beschwerdeführerin
ebenfalls
geltend, dass
Dr. A._
in seinem “psy
chiatrischen Befund“ geschrieben habe, dass sie mit dem Ehemann angereist sei, welcher bei der Untersuchung sogar zugegen ge
wesen sei. Richtig sei
aber
, dass sie zu allen drei Terminen allein mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an
gereist sei. Ihr Ehemann habe sie nie be
gleitet. Angesichts dieser tatsachenwid
rigen Feststellungen des Gutachters stelle sich zwingend die Frage, ob sich die An
gaben des Gutachters tatsächlich auf die Beschwerdeführerin beziehen oder hier nicht (zumindest teilweise) eine Ver
wechslung vorliege (
Urk.
1 S. 6).
3.2
.2
Der begutachtende Psychiater führte in seinem Teilgutachten aus, die Ver
sicherte sei mit ihrem Ehemann angereist; dieser sei auch bei der Untersuchung mit zugegen gewesen (Urk. 7/126/38).
Bei einer Begutachtung geht es darum, dem Experten eine möglichst objektive Beurteilung zu ermöglichen; deshalb sind diejenigen Rahmenbedingungen zu schaffen, die aus wissenschaftlicher Sicht am ehesten dazu geeignet sind. Die
Begutachtung soll deshalb möglichst ohne äussere Einflussnahmen vorge
nommen
werden (BGE 132 V 443 E. 3.5). Im Rahmen der für die Erstellung eines medi
zinischen Gutachtens erforderlichen körperlichen Untersuchung oder psychiatri
schen Exploration ist nebst der zu begutachtenden Person die Teilnahme wei
terer Personen in der Regel nicht notwendig. Ein zusätzlicher Erkenntnisgewinn ist damit im Regelfall nicht zu erwarten. Eine ergänzende Fremdanamnese kann gegebenenfalls auch nachträglich noch eingeholt werden Um den Begutachtungsauftrag erfüllen zu können, ist es unumgänglich, dass sich der Experte einen zuverlässigen Eindruck von der betroffenen Person verschaffen kann. Die Gegenwart einer dritten Person während der Exploration und Untersuchung, für die sich keine ärztliche Notwendigkeit ergibt, kann sich unter Umständen als kontraproduktiv erweisen und die Tatsachenfeststellung erschweren oder der Auf
klärung des medizinischen Sachverhalts sonstwie abträglich sein. Sowohl bei einer psychiatrischen als auch bei einer somatischen Begutachtung besteht nämlich die Gefahr, dass die Begleitperson das Wort ergreift, die Gesprächs
führung für die zu begutachtende Person übernimmt und damit ihre eigene Ein
schätzung einbringt oder dass die versicherte Person sich nicht getraut, eigene Aussagen zu machen (Urteil des Bundesgerichts I 42/06 vom 26. Juni 2007 E. 4.5 mit Hinweis). Gerade letzteres ist im Falle des Beiseins von Ehegatten anlässlich einer psychiatrischen Exploration nicht von der Hand zu weisen. Aus demselben Grund wurde in der medizinischen und juristischen Lehre die Regel entwickelt, dass ein Untersuchungsgespräch zwischen psychiatrischem Sachver
ständigem und zu explorierender Person nicht von einem Familienmitglied
übersetzt werden soll. Angehörige (und sinngemäss auch Freunde und Bekannte
) eignen sich nicht als Dolmetscher, weil sie infolge mangelnder Distanz zum
Exploranden und Zwang zu "familienrollenkonformem" Verhalten befangen sind
. Befangenheit in der Untersuchuchungssituation kann auch auf Seiten des Ex
plo
randen bestehen, weil er sich dem Untersucher so präsentieren muss, wie er es auch in der Familie tut oder weil er gehemmt ist, in Gegenwart von Ange
hörigen über psychische Leiden zu berichten (BGE 140 V 260 E. 3.2.4). Falls es einmal ausnahmsweise sinnvoll erscheinen sollte, zumindest einen Teil einer Exploration in Anwesenheit beziehungsweise unter Einbeziehung eines Ange
hö
rigen durchzuführen, muss aus dem Gutachten klar hervorgehen, welche An
gaben vom Exploranden selber und welche vom Angehörigen stammten. Die Interaktion in einem solch erweiterten Setting und mögliche Auffälligkeiten sind zu beschreiben und in die Beurteilung einzubeziehen (BGE 140 V 260 E. 3.2.3).
Im vorliegenden Fall hat es der Gutachter unterlassen, auszuführen, weshalb er eine Exploration der Beschwerdeführerin im Beisein ihres Ehemannes für gebo
ten hielt. Ausführungen zur Frage, welche Angaben von der versicherten Person stammen, und zur Interaktion der Ehegatten lassen sich keine finden. Entspre
chend leidet das psychiatrische Teilgutachten an einem erheblichen Mangel, so dass darauf nicht abgestellt werden kann.
3.2.3
Daran ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin vorbringt, es treffe nicht zu, dass sie mit ihrem Ehemann angereist sei und dieser der Untersuchung beige
wohnt habe. Wenn es sich so verhalten würde - was gemäss schriftlicher Aus
kunft der Begutachtungsstelle vom 25. Mai 2018 nicht mehr erstellt werden kan
n (Urk. 18) -, könnte auf das psychiatrische Teilgutachten ebenfalls nicht abge
stellt werden: Wenn sich der Experte über einen derart offensichtlichen Um
stand irren sollte, könnte dies ohne weiteres erhebliche Zweifel an seiner Sorg
falt begründen, welche die Beweiskraft des gesamten Teilgutachtens in Frage stellt. Selbst wenn dem Experten Unsorgfalt vorzuwerfen wäre, würde dies aller
dings nicht rechtfertigen, in einer Beschwerdeschrift nicht belegbare Hass
kommentare aus einschlägigen Blogs zu kolportieren.
3.3
3.3.1
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie ein neues psychiatrisches Gutachten einholt. In einem ersten Schritt wird sie dabei in medizinischer Hinsicht zu prüfen haben, ob sich das Z._-Gut
achten vom 17. Juni 2016 auf diesem Weg ergänzen lässt. Gegebenenfalls wird sie eine er
neute polydisziplinäre Begutachtung zu veranlassen haben. Die Unter
su
chungen in den Fachrichtungen Neurologie, Innere Medizin, und Ortho
pädie fanden am 1. und 3. März sowie 5. April 2016 in der Z._ AG Bern statt (Urk. 7/126/1). Nach der neuen psychiatrischen Untersuchung müssten die Z._-Gutachter in ihrer Gesamtbeurteilung mithin unter anderem Befunde würdigen, die zeitlich beträchtlich aus
einanderliegen.
3.3.2
Dementsprechend muss auf die übrigen Einwendungen der Beschwerdeführerin gegen das Z._-Gutachten vom 17. Juni 2016 (Urk. 7/126; Urk. 1 S. 4-11) vor
liegend nicht eingegangen zu werden. Die Ausführungen in der Beschwer
de vom 16. Januar 2017 (Urk. 1) geben jedoch zu folgender Bemerkung Anlass: Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass bei der psychiatrischen Unter
suchung durch Dr. A._ unter anderem auch “sprachliche Erschwerungen“ bestanden hätten (Urk. 1 S. 5). Vor den Untersuchungen bei der Z._ AG erklärte die Beschwerdeführerin aber auf einem von ihr am 12. Februar 2016 eigen
händig unterzeichneten Formular, dass sie zwar türkischer Muttersprache sei, aber keinen Dolmetscherdienst benötige (Urk. 19).
Dies deckt sich mit der Angabe, dass die Beschwerdeführerin zu Beginn des Jahres 1974 in die Schweiz einreiste und am 1. Juni 2010 das Bürgerrecht einer Zürcher Gemeinde erlangte (Urk. 7/3).
4.
Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 30. November 2016 (Urk. 2) auf
zuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie, nach er
folgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das vorliegende Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
b
is
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
, welche auf
Fr.
1'400.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen ist.