Decision ID: 139641c7-5693-4bfe-adb5-ec5b317f6608
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960, meldete sich am 2
4.
Februar 2004 (Ein
gangsdatum) unter Hinweis auf Depressionen und Stress bei der
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/5). Nach erwerblichen und medizinischen Abklärungen, insbesondere der Einholung des psychiatrischen Gutachten von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
5.
Juli 2004 (
Urk.
9/13 S. 3 ff.)
sprach die IV-Stelle dem Versicherten
gestützt auf einen
Invaliditäts
grad
von 100
%
eine ganze Rente mit Wirkung ab
1.
Februar 2003 zu (Verfü
gung vom 1
9.
November 2004,
Urk.
9/19).
Im Rahmen der im Jahre 2009 von Amtes wegen eingeleiteten Revision (
Revisi
onsfragebog
en
vom 2
1.
Oktober 2009,
Urk.
9
/31) tätigte die IV-Stelle medizi
nische Abklärungen
und holte insbesondere das Gutachten von
Dr.
med.
Z._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und
lic
.
phil
A._
vom
5.
September 2011 (
Urk.
9/46) ein. Mit Vorbescheid vom 1
8.
Juni 2012 (
Urk.
9/50) stellte die IV-Stelle die Aufhebung der Rente in Aussicht.
Nach Ein
sicht in den Einwand des Beschwerdeführer vom 2
1.
Juni 2012 (
Urk.
9/52; ergänzende
Einwandbegründungen
vom 1
0.
Juli und 1
0.
September 2012,
Urk.
9/54 und 9/59) teilte die IV-Stelle dem Versicherten am
3.
Januar 2013 (
Urk.
9/65) mit, dass eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung angeord
net werde. Mit Schreiben vom 1
4.
Januar 2013 brachte der Versicherte vor, er sei nicht mit einer solchen Untersuchung einverstanden (
Urk.
9/66)
,
woraufhin die IV-Stelle mit unangefochten gebliebener Zwischenverfügung vom
5.
Februar 2013 an der Notwendigkeit der
polysdiziplinären
Untersuchung fest
hielt (
Urk.
9/70).
Am 1
5.
März 2013 (
Urk.
9/72) wurde dem Versicherten mitge
teilt, dass die Begutachtung durch die
Medizinische Abklärungsstelle
B._
(fol
gend: MEDAS)
, durchgeführt werde, woraufhin der Versicherte mit Schreiben vom
8.
April 2013 verschiedene
Ausstandsgründe
gegen
die MEDAS als auch gegen
einen Arzt
vorbrachte (
Urk.
9/73). Mit unangefochten gebliebener Zwischenverfügung
vom 1
7.
April 2013 hielt die IV-Stelle an der Abklärungsstelle
und den vorgesehenen Ärzten
fest (
Urk.
9/74).
Nach Ein
gang
des interdiszipli
nären Gutachtens (Orthopädie, Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie) der MEDAS vom 1
1.
November 2013 (
Urk.
9/78) wurde dem Versicherten am 2
6.
November 2013 (
Urk.
9/79) erneut Möglichkeit gegeben, Stellung zu neh
men. Nach Stellungnahme durch den Versicherten am
23.
Dezember 2013 (
Urk.
9/81) hob die IV-Stelle die Rente mit Verfügung vom 2
2.
April 2014 wie vorbeschieden auf (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 2
6.
Mai 2014 Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte, die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
2.
April 2014 sei auf
zuheben und es seien ihm ab Juni 2014 weiterhin Leistungen der Invalidenver
sicherung auszurichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Wiederherstel
lung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie um unentgeltliche Rechtspflege und um unentgeltliche Rechtsvertretung durch Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
. Mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
Juni 2014 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
9/1-94). Mit Verfügung vom 2
4.
Juli 2014 (
Urk.
10) wurde das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen, dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung gewährt und ihm Rechts
anwältin Lotti Sigg
Bonazzi
, Winterthur, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren bestellt. Gleichzeitig wurde ein zweiter
Schriften
wechsel
angeordnet.
Der Beschwerdeführer hielt in seiner Replik vom
3.
Oktober 2014 an seinen Anträ
gen fest (
Urk.
13)
. Mit Schreiben vom
6.
November 2014 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf Duplik (
Urk.
16), was dem Beschwerdeführer am 1
1.
November 2014 (
Urk.
17) mitgeteilt wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass
die Überprüfung der Invalidenrente gemäss Schlussbestimmung der Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 1
8.
März 2011
(
6.
IV-Revision, erstes
Massnahmepaket
)
ergeben habe, das
s
die Diagnosen, welche zur
Rentenzusprache
geführt hätten, zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grund
-
lage gehör
ten.
Da die Überwindung der Beschwerden zumutbar sei, bestehe
für die Zukunft kein Anspruch auf eine Invalidenrente mehr (
Urk.
2).
1.2
Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor,
es liege kein Anwendungsfall der Rentenüberprüfung nach den Schlussbestimmungen des IVG vor, so gehe aus dem Gutachten von
Dr.
Y._
eindeutig hervor, dass der
Grund für die Arbeitsu
nf
ä
h
igkeit allein in den depressiven Beschwerden gelegen habe (
Urk.
1 S. 6), welche nicht ein
pathogenetisch
-ätiologisch unklares
syndromale
s
Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage dar
stell
t
e
n
(
Urk.
1 S. 6 f.). Die klare Hauptdiagnose einer
chron
i
fizierten
schweren Depression habe zur
Rentenzusprache
geführt, woran nic
hts ändere, dass
Dr.
Y._
zusätz
l
ich noch ein teilweise unklares
syndromales
Beschwerde
bild
erwähnt habe. Auch dass im MEDAS-Gutachten ein unklares
Beschwerde
bild
angenommen werde, ändere nichts daran, da die Diagnose im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
massgeblich sei (
Urk.
1 S. 7).
Das
Gutachten der MEDAS, insbesondere das psychiatrische Gutachten
über
zeuge
nicht und es könne nicht darauf abgestellt werden, da nicht nachvoll
ziehbar dargelegt werde, weshalb die gestellten Diagnosen ri
chtiger sein sollten als die
jenigen von
Gutachter
Dr.
Z._
.
Auch habe der psychiatrische Gut
achter die mangelnde Bildung und das Unvermögen des Beschwerdeführers, sich differenzierter auszudrücken, nicht wahrgenommen, was das psychiatrische Gutachten zusätzlich disqualifiziere (
Urk.
1 S. 8).
Hinzu komme, dass die recht
lichen Ausführungen im MEDAS Gutachten unzutreffend seien und auch die angebliche Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes seit der ersten Begutachtung im Jahr 2004 nicht begründe
t, sondern nur behauptet werde. Auch sei eine andere ärztliche Beurteilung des bei der
Rentenzusprache
gut
achterlich beurteilten Sachverhaltes nicht massgeblich, dies umso
weniger
, als die vollständige Arbeitsunfähigkeit im Gutachten von
Dr.
Z._
bestätigt und eine psychische Komorbidität bejaht worden sei. Auch habe
dipl.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie,
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) das MEDAS Gutachten als nicht überzeugend und schlüssig erachtet. Es sei
mit RAD-Arzt
dipl.
med.
C._
auf das ausführliche und klare Gutach
ten von
Dr.
Z._
abzustellen, welches eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jede Tätigkeit attes
tiere
(
Urk.
1 S. 9 f.).
1.3
Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Beschwerdeantwort ergänzend dafür, dass entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers davon auszugehen sei, dass gestützt auf das Gutachten von
Dr.
Y._
die Schmerzstörung mit der Depression eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bewirkt habe, womit ein
Fall nach den Schlussbestimmungen des IVG
vorliege. Sofern
angenommen würde
, dass die erstmalige
Rentenzusprache
nicht aufgrund eines
pathogenetisch
-ätio
logisch unklaren Beschwerdebildes erfolgt sei, so sei auch ein Revisionsgrund nach
Art.
17
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
(
ATSG
)
ausgewiesen, da gemäss Be
g
utachtung vom 1
1.
November 2013 eine Verbesserung des Gesundheitszustandes vorliege, womit die Aufhe
bung der Rente auch unter dem Gesichtspunkt der
ordentlichen
Revisionsbe
stimmungen
angezeigt wäre.
Es sei ausführlich dargelegt worden, warum nicht auf das Gutachten von
Dr.
Z._
abgestellt werden könne. Diesbezüglich sei am 1
7.
April 2013 auch eine unangefochten in Rechtskraft erwachsene Zwischenverfügung erlas
sen worden. Das aktuelle Gutachten lege auf nachvollziehbare Weise dar, wes
halb den Ausführungen von
Dr.
Z._
nicht gefolgt werden könne. Dass der Beschwerdeführer im Jahr 2004 unter anderem an einer schweren depressiven Episode gelitten habe, sei nachvollziehbar, die depressive Symptomatik habe jedoch entsprechend dem aktuellen Gutachten nicht mehr festgestellt werden können (
Urk.
8).
1.4
Mit Replik vom
3.
Oktober 2014 (
Urk.
13)
beanstandete
der Beschwerdeführer, dass der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin weiterhin am MEDAS Gutachten festhalte, obwohl der RAD der Ansicht sei, dass insbesondere das psychiatrische Gutachten der MEDAS nicht nachvollziehbar sei und nicht auf dieses abgestellt werden könne.
Der RAD bezeichne die ganze polydisziplinäre Abklärung als kurz und vor allem anamnestisch zu wenig fundiert.
Insgesamt sei damit das
MEDAS
Gutachten mangelhaft.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu
verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
2.3
Nach
lit
. a
Abs.
1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen
Schlussbestimmun
gen
der Änderung vom 1
8.
März 2011 des IVG (
6.
IV-Revision, erstes
Mass
nahmenpaket
; kurz:
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision
) werden Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Artikel 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgeho
ben, auch wenn die Voraussetzungen von Artikel 17 Absatz 1 ATSG nicht erfüllt sind. Diese Bestimmung ist verfassungs- und EMRK-konform (BGE 139
V
547 E. 3).
Die in
lit
. a
Abs.
1
SchlB
6.
IV-Revision
vorgesehene Rentenherabsetzung bezie
hungsweise -aufhebung ist nicht auf vor dem
1.
Januar 2008 zugesprochene Renten beschränkt. Erging die fragliche
Rentenzusprache
aber bereits in Beachtung der jeweils relevanten Rechtsprechung zu
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage, bleibt kein Raum für ein Rückkommen unter dem Titel der
Schluss
bestimmung
(BGE 140 V 8 E. 2).
Laufende Renten sind vom Anwendungsbereich von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
zur
6.
IV-Revision nur ausgenommen, wenn und soweit sie auf erklärbaren Beschwerden, das heisst auf einer nachweisbaren objektivierbaren Grundlage beruhen. Lassen sich unklare von erklärbaren Beschwerden trennen, können die Schlussbestimmungen der
6.
IV-Revision auf erstere Anwendung finden (BGE 140 V 197 E. 6.2, in Präzisierung u.a. von
BGE 139 V 547
E. 10.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_738/2013 vom
8.
April 2014 E. 3.1.2.1 mit Hinweis). Demnach ist die Schlussbestimmung bei kombinierten Beschwerden anwendbar, wenn die unklaren und die „erklärbaren" Beschwerden – sowohl diagnostisch als auch hinsichtlich der funktionellen Folgen – auseinandergehalten werden können. Ein organisch begründeter
Teil
der Arbeitsfähigkeit kann bei Anwend
barkeit der Schlussbestimmung nur neu beurteilt werden, sofern eine Verände
rung im Sinne von
Art.
17 ATSG eingetreten ist. Insoweit wird im Anwen
dungsbereich der Schlussbestimmung vom Grundsatz abgewichen, dass die Verwaltung im Rahmen einer materiellen Revision – um eine solche handelt es sich auch hier – den Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend prüft (Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 2.4.2 mit Hinweisen).
Ist ein „Mischsachverhalt" gegeben, bei dem es unmöglich ist festzustellen, wie gross der Anteil der organisch bedingten Beschwerden bei der
Rentenzuspre
chung
war, wäre ein Abstellen auf die aktuelle gutachtliche Einschätzung nicht zu vereinbaren mit der Rechtsprechung, wonach der auf erklärbaren Beschwer
den beruhende Teil der Invalidität unter dem Rechtstitel der Schlussbestimmung nicht überprüft werden kann. In einem solchen Fall bestimmt sich die (zu einer
integralen
Neuprüfung führende) Anwendbarkeit der Schlussbestimmung
nach folgendem Grundsatz: Besteht (im Zeitpunkt der Rentenzusprechung
und/oder -
überprüfung) neben dem
syndromalen
Zustand eine davon
unab
-
hängige
orga
nische oder psychische Gesundheitsschädigung, so hängt die
Anwendbarkeit der Schlussbestimmung davon ab, dass die weitere („nicht
-
syndromale
")
Gesund
heitsschädigung
die anspruchserhebliche Arbeitsunfähig
-
keit
nicht
mitverur
sacht
, das heisst letztlich nicht selbständig zur Begründung des Rentenan
spruchs beigetragen hat. Wenn sie die Auswirkungen des unklaren
Beschwerde
bildes
bloss verstärkte, bleibt eine Rentenrevision unter diesem Rechtstitel mög
lich (Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 2.6 mit Hinweisen).
2.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
3.
3.1
Die Verfügung vom
1
9.
November 2004 basierte in medizinischer Hinsicht auf dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
Y._
vom
5.
Juli 2004
(vgl.
Fest
stellungsblatt
vom 1
5.
September 2004,
Urk.
9/14 S. 6).
Dr.
Y._
diag
nostizierte 1) eine schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2), 2) eine
somato
forme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) bei chron. rezidivierendem
Cervicalsyn
drom
und 3) ein
en
Reizcolon
und eine chron. rezidivierende Gastritis.
In der Exploration seien keine manifesten Bewusstseins- oder Orientierungs
-
störun
gen
aufgefallen. Es lägen leichte bis mittelschwere
Auffas
sungsstörungen
vor, die aber aufgrund der Übersetzung schwer zu beurteilen seien. Die
Kon
-
zentrationsstörungen
seien mittelschwer ausgeprägt und der Beschwerdeführer klage über Gedächtnisstörungen. Zeitweise sei mehrfaches Nachfragen
erfor
-
derlich
, um genauere Informationen zu bekommen. Der
Beschwerdeführer
bemühe sich um Kooperation, sei im affektiven Rapport aber wenig spürbar. Er nehme nur selten Blickkontakt auf und wirke zurückgezogen, in der Körper
-
haltung zusammengefallen und etwas misstrauisch. Sinnestäu
schungen würden glaubhaft verneint. Ob eventuell Ich-Störungen im Sinne von desintegrativen Störungen der Gesamtpersönlichkeit vorlägen
,
könne nicht beurteilt werden. Affektiv sei er ausgespro
chen
dysphorisch
und deprimiert, er sei verschlossen und auf sich selbst zurückgezogen. Ausgeprägt seien Freudlo
sigkeit, stark erniedrigtes Selbstwertgefühl und Versagens- und Schuldgefühle. Insgesamt sei ein Antriebsmangel vorhanden, jedoch auch eine leichte motori
sche Unruhe. Offenbar bestünden keine zirkadianen Besonderheiten „es gehe immer schlecht“, allerdings
lägen
in immer wieder wechselndem Ausmass
Sui
zidgedanken
vor
, wobei zur Zeit keine Suizidpläne und akute Suizidalität
best
ünden
. Er habe sich zeitweise geringfügig selbst verletzt (blutig Kratzen der Arme, Schlagen des Kopfes gegen die Wand ohne Folgeverletzungen). Die Hamilton-Depressions
-
skala ergebe einen Score von 35, was einer schweren depressiven Episode
ent
-
spreche (
Urk.
9/13 S. 5).
Aufgrund der Schwere der Depression und der inzwischen eingetretenen
Chronifi
zierung
sei von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Ebenso würden die schweren Beeinträchtigungen im kognitiven und sozialen Bereich trotz medikamentöser Behandlung Umschulungen zum jetzigen Zeit
punkt verunmöglichen. Auch eine angepasste Tätigkeit sei nicht zumutbar (
Urk.
9/13 S. 5 f.).
3.2
Die aktuelle medizinische Aktenlage präsentiert sich folgendermassen:
3.2.1
Dr.
med.
D._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, behandelt den B
eschwerdeführer seit April 200
4.
In ihrem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztbericht vom 1
4.
April 2010 (
Urk.
9/39) diagnostizierte sie eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), bestehend seit ca. 2000, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Sie behandle den Beschwerdeführer psychotherapeutisch und pharmakologisch und sehe ihn ca. ein Mal in drei Monaten. Der Beschwerdeführer sei zu 70
%
arbeitsunfähig seit Beginn der Behandlung. Eingeschränkt sei er durch die psychische Ver
langsamung, durch die Einschränkung des Gedächtnis
ses
, der Konzentration
und Denkfähigkeit sowie durch die verminderte Belastbarkeit, was sich durch langsames und fehlerhaftes Arbeiten sowie Stressintoleranz auf die Arbeit aus
wirke (
Urk.
9/39).
3.2.2
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, hielt in seinem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztbericht vom 1
1.
Juni 2010 (
Urk.
9/40 S. 6) chronisch rezidivierende Lumbalgien fest. Ohne rückenbelastende Arbeiten sei der Beschwerdeführer praktisch beschwerdefrei. Für schwere körperliche Arbeiten, wie zum Beispiel Arbeiten auf dem Bau, sei er vollumfänglich arbeits
unfähig, für leichte bis mittelschwere Arbeiten sei er theoretisch zu 100 % arbeitsfähig.
Dr.
E._
erklärte, dass er den Beschwerdeführer in den letzten Jahren nur wegen seiner rezidivierenden
epigastrischen
Beschwerden gesehen habe. Eine Behandlung bezüglich der Rückensituation sei in den letzten zwei Jahren nicht notwendig gewesen.
3.2.3
Dr.
Z._
notierte
im von der Beschwerdegegnerin eingeholten psychiatri
schen Gut
achten vom
5.
September 2011
eine
chronifizierte
und fixierte post
traumatische Belastungsstörung gemäss ICD-10 F43.1, die zur depressiven Ent
wicklung, Somatisierung und anhaltenden Persönlichkeitsveränderung geführt habe. Als Nebendiagnose sei eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung nach ICD-10 F45.4 anzufügen (
Urk.
9/46 S. 12). Im ICD sei die Ziffer F62.0 für Persönlichkeitsveränderungen nach traumatisch verarbeiteten
Extrembelastun
gen
und Katastrophenerfahrungen reserviert (Folter, Kriegserfahrungen, Geisel
nahme usw.) und könne deshalb nicht angeführt werden
. Die persönliche Kata
strophe des Beschwerdeführers habe aber vergleichbare Konsequenzen gehabt und sehr ähnliche Abläufe ausgelöst
(
Urk.
9/46 S. 12).
Im Jahre 1987 habe sich der schwere, selbst verschuldete Autounfall, bei dem seine Frau gestorben sei, ereignet. Der Unfall sei dabei ohne Zweifel als trau
matisierendes Ereignis einzustufen gewesen, das den Beschwerdeführer und, wie seinen Sc
hilderungen zu entnehmen sei, den ganzen Familienverband bis heute belaste. Als Betroffener und in Bezug auf Frau und Kind als Zeuge sei er beim Unfallereignis ohnmächtig einer lebensbedrohenden Situation hilflos ausgesetzt gewesen. Durch den Unfall seien auch die tragenden Beziehungen abgebrochen - seine Frau sei gestorben, der dreijährige Sohn habe schliesslich für eine geeig
nete
Betreuung in die
F._
zurückkehren müssen
, die Familie der verstorbe
nen Ehefrau habe sich distanziert und selbst in seiner Herkunftsfamilie sei ihm im eigenen Erleben mit Vorbehalten begegnet worden. Dazu seien die richterlich ausgesprochene Schuld am Tod seiner Frau und die Verurteilung sowie die Gefängnisstrafe gekommen. Auch wenn der Beschwerdeführer die letzteren Umstände rationalisiere, verständnisvoll annehme und als kulturgegeb
en
erkläre, müss
t
en ihn die
amtliche Bestätigung seiner Schuld und die Sühne dafür zusätzlich traumatisiert und verstört und die nachvollziehbaren Schuld
gefühle verstärkt und zu deren Fixierung beigetragen haben. Verständlich sei das „depressive Einfrieren“ im Rahmen der
Chronifizierung
der unbehandelten posttraumatischen Belastungsstörung. Dass sich der Beschwerdeführer vorüber
gehend erholt habe, scheinbar stabil und beruflich aktiv gewesen sei, spreche nicht gegen diese Diagnose. Es sei in der Regel so, dass traumatisierte Menschen durch Abwehr unverarbeitete Ereignisse neutralisieren, bis scheinbar harmlose
Triggerereignisse
ein Trauma reaktivieren würden. Im Falle des Beschwerde
führers dürften die Krankheiten und die Verlustereignisse in der Familie und namentlich der Umstand, dass er wieder ohnmächtig und hilflos die gesund
heitlichen Probleme und die Chancenlosigkeit seines Sohnes in der
F._
habe realisieren müssen
,
zu Triggern für die Reaktivierung des traumatischen Pro
zesses geworden sein. Eine Rolle bei der
Chronifizierung
der Störung dürften auch die berichteten zwei Operationen
wegen einer Diskushernie
in der
F._
spielen (
Urk.
9/46 S. 11).
Heute sei von einer Fixierung und
Chronifizierung
der posttraumatischen
Belas
tungsstörung
mit einer anhaltenden Persönlichkeitsveränderung auszugehen. Störungstypisch seien die
somatoformen
Probleme, die von
Dr.
E._
beschrieben würden
,
und namentlich die anhaltende
somatoforme
Schmerzstö
rung
, die nicht mit Medikamenten sondern nach heutigen Erkenntnissen
mechanismusorientiert
und psychotherapeutisch hätte behandelt werden müs
sen. In der Literatur werde die Komorbidität von posttraumatischer Störung und Schmerzstörung mit bis zu 80
%
angegeben. Eine Schmerzstörung trete vor allem auf, wenn bei Betroffenen das ursprüngliche traumatische Ereignis mit Schmerzen verbunden gewesen sei
, was beim Beschwerdeführer zutreffe
. Im impliziten Gedächtnis und emotionalen Erfahrungsgedächtnis sei die
Schmerz
erfahrung
gespeichert und werde durch stressende Trigger abgerufen, was zum psychisch ausgelösten Schmerz führe, der vom unbewussten limbischen System ausgehe. Diese Abläufe gälten heute als neurophysio- und -psychologisch gesi
chert. Ganz ähnliche Mechanismen würden die unveränderlichen Schuld- und Ohnmachtsgefühle aufrechterhalten (
Urk.
9/46 S. 11 f.).
Der Beschwerdeführer sei aktuell zu 100
%
arbeitsunfähig für jede Tätigkeit und berufliche Massnahmen seien unvorstellbar (
Urk.
9/46 S. 12 f.).
3.2.4
Die begutachtenden Ärzte der MEDAS notierten keine Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Produktionsmitar
beiter
in einer Spinnerei. Als Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit hielten sie folgende fest
(
Urk.
9/78 S. 21 f.)
:
Chronisch wiederkehrende
Zervikalgien
und Lumbalgien bei degenerati
ven HWS- und LWS-Veränderungen und Status nach zweimaliger lum
baler Bandscheibenoperation 2006
Wiederkeh
rende Brachialgien rechts und Ellenbogen-
Art
h
ralgie rechts
Spreizfuss beidseits
Hallux
valgus
linksbetont
Status nach
Diskushernienoperation
L4/5 im Jahre 2006, gegenwärtig keine
radikuläre
Reiz- oder Defizitsymptomatik
Sonstige Reaktion auf schwere Belastung ICD-10 F43.8
Gastroduodenitis
(anamnestisch)
COPD (anamnestisch)
Auf psychiatrischem Fachgebiet habe weder die Diagnose einer posttraumati
schen Belastungsstörung (PTBS), noch einer relevanten Persönlichkeitsstörung oder einer
somatoformen
Störung gestellt werden
können
. Diagnostisch ergäben sich Hinweise auf eine versicherungsmedizinisch nicht relevante Diagnose einer sonstigen Reaktion auf schwere Belastung (ICD-10 F43.8). Gegen eine relevante psychiatrische Erkrankung speziell eine Depression spreche auch der klinisch-chemische Nachweis von Antidepressiva-Spiegel im Serum, da dieser weit unter dem Referenzbereich liege und somit therapeutisch nicht wirksam sein könne. Es müsse somit angenommen werden, dass der Beschwerdeführer keine Antide
pressiva einnehme, was gegen einen Leidensdruck in Bezug auf eine vermeid
lich depressive Erkrankung spreche
(
Urk.
9/78/21)
.
Aus orthopädischer Sicht bestünden chronisch wiederkehrende
Zervikalgien
und Lumbalgien bei degenerativen HWS- und LWS-Veränderungen sowie Status nach zweimaliger lumbaler Bandscheibenoperation in der Etage L4/5 im Jahre 2006, einem Spreizfuss beidseits und einem linksbetonten
Hallux
valgus
. Wegen dieser Leiden seien leichte und mittelschwere körperliche Tätigkeiten voll umfänglich zumutbar, wenn lange statische Wirbelsäulenbelastungen, Belas
tungen der Wirbelsäule ausserhalb der Körperachse und Überkopftätigkeiten vermieden werden könnten. Schwere körperliche Tätigkeiten seien dauerhaft nicht mehr zumutbar.
Internistisch
und neurologisch sei keine Reduktion der Arbeitsfähigkeit zu attes
tieren
(
Urk.
9/78 S. 21).
4.
Zu
prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin die Rente zurecht im Rahmen einer
Revision nach
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision
aufhob
. Die Verfügung vom 1
9.
November 2004 (
Urk.
9/19) basierte in medizinischer Hinsicht auf dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
Y._
(
Urk.
9/13;
vgl.
Feststellungsblatt vom
1
5.
September 2004,
Urk.
9/14).
Er
führte aus, dass aufgrund der Schwere der
Depression und der inzwischen eingetretenen
Chronifizierung
von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Ebenso würden die schweren Beeinträchtigungen im kognitiven und sozialen Bereich trotz medi
kamentöser antidepressiver Behandlung zum jetzigen Zeitpunkt Umschulungen verunmöglichen (
Urk.
9/13 S. 5).
Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass bei
Verfügungser
lass
im Jahr 2004 die schwere depressive Episode Hauptursache für die von
Dr.
Y._
attestierte vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit war.
Demnach ist davon auszugehen, dass die
somatoforme
Schmerzstörung
, sofern sie überhaupt Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hatte,
nur einen geringen Einfluss auf die von
Dr.
Y._
attestierte Arbeitsunfähigkeit zeitigte. Damit ist
eine
Revision nach
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision nicht möglich (vgl. E.
2.3
)
.
5.
Zu prüfen bleibt
, ob
– wie von der Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeant
wort
geltend gemacht –
zwischen der eine ganze Rente zusprechenden Verfü
gung vom 1
9.
November 2004 und der rentenaufhebenden Verfügung vom 2
2.
April 2014 eine gemäss
Art.
17 ATSG
wesentliche Änderung in den tatsäch
lichen Verhältnissen
vorliegt
, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen.
5.1
5.1
.1
Das
interdisziplinäre
Gutachten vom
1
1.
November 2013 (
Urk.
9/78)
erfüllt sämtli
che rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche
Entscheidungsgrundlagen (
vgl. E.
2.4
).
Es beruht auf fachärztlichen Untersuchungen durch die Gutachter (
Urk.
9/78 S. 8 ff.;
Urk.
9/78 S. 24 ff.;
Urk.
9/78 S. 29 ff.;
Urk.
9/78 S. 34 ff.
) und wurde in Kenntnis der relevanten
Vorakten
(
Urk.
9/78 S. 3 ff.)
abgegeben. Es berücksichtigt die vom Beschwer
deführer geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen hinreichend ausei
nander.
Es würdigt die vorhandenen Arztberichte sorgfältig, insbesondere
auch das frü
her eingeholte psychiatrische Gutachten von
Dr.
Z._
(
Urk.
9/78 S. 14 ff.). Der begutachtende Psychiater,
Dr.
m
ed.
G._
, führte diesbezüglich im Wesentlichen aus, dass die Kriterien für eine PTBS gemäss ICD oder DSM IV fehlen würden, auch könnten die typischen Symptome weder für die Vergan
genheit noch für die Gegenwart vom Beschwerdeführer durch gezieltes Befragen in Erfahrung gebracht werden. So fehle insbesondere der zentrale Symptomen
komplex des Wiedererlebens, als auch ein Vermeidungsverhalten und eine Übererregung. Die Symptome einer PTBS würden in der Regel zwischen vier Wochen und sechs
Monate nach der Traumatisierung auftreten, ein späterer Beginn sei untypisch, könne aber unter entsprechend begünstigenden Umstän
den vorliegen, was vom
Beschwerdeführer
aber nicht berichtet würde. Auch könne entgegen den Berichten der behandelnden Psychiaterin und
Dr.
Z._
keine psychiatrische Komorbidität festgestellt werden und die ebenfalls beschriebene Persönlichkeitsstörung sei aufgrund der anamnestischen Angaben und dem Verhalten des Beschwerdeführers in der aktuellen Untersuchung nicht haltbar. Die Diagnose einer
Somatisierungsstörung
könne nicht gestellt werden, da hierzu entsprechende ICD-Kriterien fehlen würden und selbst wenn diese in geringer Form vorläge, hätte sie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers (
Urk.
9/78 S. 14).
Auch d
ie Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ist einleuchtend und das
MEDAS
Gutachten ist
demnach
schlüssig.
5.1
.2
An der Schlüssigkeit des MEDAS Gutachtens vermögen
entgegen den Vorbrin
gen des Beschwerdeführers
auch
die Stellungnahmen von
RAD-Arzt
d
ipl.
med.
C._
vom 2
4.
Januar 2014
(
Urk.
9/82 S. 8 f.)
und vom 1
2.
November 2012
(
Urk.
9/82 S. 6)
nichts zu ändern. Zum Einen beruht die Einschätzung von
dipl.
med.
C._
lediglich auf den vorhandenen Akten
, er untersuchte den Beschwerdeführer nicht selbst
. Zum
Anderen
führt
Dr.
G._
schlüssig aus, warum keine PTBS gemäss dem Gutachten von
Dr.
Z._
vorliege
. Soweit
dipl.
med.
C._
vorbringt, der Beschwerdeführer habe sich stark sozial zurückgezogen
,
ist dem entgegenzuha
lten, dass der Beschwerdeführer anlässlich der psychiatrischen
MEDAS
Begutachtung ausführte, regelmässig in den
H._
Verein zu gehen und den Sohn seiner Schwester zu besuchen - dies obwohl er berichtete, in sozialer Hinsicht nicht so eingebunden und nicht gerne unter zu vielen Menschen sei (
Urk.
9/78 S. 10). Anlässlich der orthopädischen Untersuchung gab er an, dass er viel TV sc
haue. G
egen 16.00 Uhr
gehe er häu
fig zu seiner Schwester
, die in der Nähe wohne und auf seine sechs bis sieben Katzen achte, wenn er abwesend sei. Häufig gehe er auch zu seinem Bruder und besuche ein Männercaféhaus in der Nähe der
I._
. 70
%
seiner Zeit ver
bringe er in der
F._
.
Seine Wohnung in der Schweiz zahle er weiter, auch wenn er in der
F._
sei. Sei er hier, so gehe er oft in den
H._
Verein (
Urk.
9/78 S. 25).
Auch s
oweit
dipl.
med.
C._
ausführt, das
Gutachten sei sehr kurz und vor
allem anamnestisch zu wenig fundiert, kann d
ies nicht nachvollzogen werden: D
ie begutachtenden Ärzte
berücksichtigten
die relevanten
Vorakten
und erho
ben jeweils eine ausführliche Anamnese
(vgl.
Urk.
9/78 S. 8 ff.;
Urk.
9/78 S.24 f.;
Urk.
9/78 S. 29 f.;
Urk.
9
/78 S. 34 f.).
5.2
Dr.
Y._
diagnostizierte in seinem psychiatrischen Gutachten nebst einer schweren depressiven Episode auch eine
somatoforme
Schmerzstörung bei chron. rezidivierendem
Zervikalsyndrom
.
In psychiatrischer Hinsicht hielt
Dr.
G._
im MEDAS Gutachten zusammenfassend fest, dass aufgrund der aktuellen Untersuchung die Diagnose einer
chronifizierten
und fixierten post
traumatischen Belastungsstörung nicht nachvollzogen werden könne, auch könne keine depressive Entwicklung berichtet werden und es bestehe kein rele
vantes
somatoformes
Zustandsbild. Eine Persönlichkeitsveränderung sei ebenso wenig feststellbar (
Urk.
9/78 S. 18). Im Vergleich zu früheren psychiatrischen Berichten bzw. dem Gutachten aus dem Jahr 2004 sei eine eindeutige Verbes
serung des Gesundheitszustandes eingetreten, welche bereits ab dem Jahr 2011 anzunehmen sei (
Urk.
9/78).
Da der Beschwerdeführer gemäss
Dr.
G._
aktuell nicht mehr an einer Depres
sion leidet, ist die Verbesserung des Gesundheitszustandes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Eine derartige Verbesserung ist geeignet, den
Invali
ditätsgrad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen, womit die Voraus
setzung einer Revision im Sinne von
Art.
17 ATSG gegeben ist.
6.
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der
gemäss MEDAS Gutach
ten
in qualitativer Hinsicht eingeschränkten Arbeitsfähigkeit.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Der Beschwerdeführer war in der Schweiz zuletzt im Jahre 1994
bei der
J._
AG tätig (Auszug aus dem individuellen Konto vom 2
7.
Mai 2014,
Urk.
9/88).
Gemäss
eigenen
Angaben war er danach während einiger Jahre für seinen Bruder in der
F._
in einer Weberei
tätig. Anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
Z._
führte er
diesbezüglich
aus, der Bruder habe 2003 das Geschäft
aufgeben müssen, woraufh
in er in die Schweiz zurückge
kehrt sei
,
sich sein Zustand noch einmal verschlechtert habe und er nicht mehr habe arbeiten können (
Urk.
9/46 S. 6). Anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
K._
berichtete er, er habe seinem Bruder in der Weberei geholfen und sei 2002 in die Schweiz zurückgekehrt, da der Bruder das Geschäft aufgeben musste. Gleichzeitig
erklärte
er, er sei bereits 2001 erkrankt und darum in die Schweiz zurückgekommen (
Urk.
9/78 S. 9). Aufgrund der Geschä
ftsaufgabe durch den Bruder und der Rückkehr in die Schweiz ist mit überwiegender Wahrscheinlich
keit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer heute
ohne den
Gesund
heitsschaden
als Hilfsarbeiter
in der Schweiz
tätig wäre.
Die begutachtenden Ärzte der MEDAS hielten interdisziplinär fest, dass der Beschwerdeführer in leichten und mittelschweren körperlichen Tätigkeiten voll
umfänglich arbeitsfähig sei, wenn lange statische Wirbelsäulenbelastungen, Belastungen der Wirbelsäule ausserhalb der Körperachse und
Überkopftätigkei
ten
vermieden werden können. Schwere körperliche Tätigkeiten seien dauerhaft nicht mehr zumutbar (
Urk.
9/78 S. 22).
Eine Tätigkeit als Hilfsarbeiter ist dem Beschwerdeführer demnach vollumfänglich zumutbar.
Da die Validen- und die Invalidentätigkeit identisch sind und der Beschwerdefüh
rer zu 100
%
angepasst arbeitsfähig ist, resultiert keine
Einkom-menseinbusse
und somit auch kein rentenrelevanter Invaliditätsgrad.
Vollstän
digkeitshalber
ist festzuhalten, dass die nur geringen
somatischen
Einschrän
kungen des Beschwerdeführers keinen Leidensabzug rechtfertigen.
Die angefochtene rentenaufhebende Verfügung erweist sich damit als rechtens und die Beschwerde ist vollumfänglich abzuweisen.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 8
00.-- anzuset
zen. Ausgangsgemäss sind sie dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.
7
.2
Mit Verfügung vom 2
4.
Juli 2014 (
Urk.
10) wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung gewährt und es wurde ihm Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
, Winterthur, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorlie
gende Verfahren bestellt. Die dem Beschwerdeführer
auferlegten Gerichtskosten
sind dem
nach einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Rechtsanwältin
Lotti Sigg
Bonazzi
machte mit ihrer Honorarnote vom
1
3.
November 2014 (
Urk.
18
) einen Aufwand von
12
Stunden
und 45 Minuten
und Barauslagen von
Fr.
65.22
geltend, was angemessen erscheint. Daraus resultiert eine Entschädigung von insgesamt
Fr.
2‘824.25
(inklusive Mehrwert
steuer von 8
%) weshalb Rechtsanwältin
Lotti Sigg
Bonazzi
in diesem Umfang aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.
Kommt der Beschwerdeführer
künftig in günstige wirtschaf
tliche Verhältnisse, so kann ihn
das Gericht zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichten (
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das
Sozialversiche-rungsgericht
,
GSVGer
).