Decision ID: 13e9f844-e6f0-5b1a-88f1-4c2093f7e61a
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren
1953
,
meldete sich a
m 1
6.
März 2009 (Eingangsda
tum) wegen Fussbeschwerden und
eines Plattenepithelkarzinoms d
er Nase bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leistungsbe
zug
an (
Urk.
7/5). Die IV-Stelle liess einen Auszug aus dem individuellen Konto erstel
len (IK-Auszug vom 2
6.
März 2009
,
Urk.
7/11) und holte den Bericht der
Y._
vom
1.
April 2009 (
Urk.
7/13)
ein
. Am
7.
April 2009
er
teilte sie dem Versicherten
Kostengutsprache für
orthopädische Spezialschuhe
(
nach
ärztlicher Verordnung
)
ab dem
4.
März 2009 bis zum 3
1.
März 2019
(
Urk.
7/14).
Weiter zog
die IV-Stelle den Bericht von PD
Dr.
med.
et
Dr.
med.
dent
.
Z._
vom
8.
April 2
009 (Eingangsdatum,
Urk.
7/15) sowie
die Bericht
e
der
Y._
vom 1
3.
Juli
(
Urk.
7/16) und vom
4.
D
ezember 2009 (
Urk.
7/18) bei. Am
9.
Dezember 2009 teilte sie
dem Vers
icherten
mit
, d
ass
aufgrund seines Gesundheitszustands
zurzeit keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen möglich seien
(
Urk.
7/19). In der Folge nahm
die IV-Stelle den Bericht der
Y._
vom 2
6.
August 2010 (
Urk.
7/24),
den Bericht
der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie
(ORL)
des
A._
vom
7.
Oktober 2010 (
Urk.
7/26)
und
den Bericht von
Dr.
med.
B._
,
FMH Innere Medizin,
vom 3
0.
Mai 2011 (
Urk.
7/36) zu den
Akten. Am
5.
Juli 2011 wurde der Versicherte
von
Dr.
med.
C._
,
Praktischer Arzt FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) untersucht (
Berichte vom 1
3.
Juli 2011,
Urk.
7/38 und
Urk.
7/39).
Mit
Vorbe
scheid vom 5.
Oktober 2011
wurde ihm
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 57
%
die
Zusprache
einer halben Rente mit Wirkung ab
dem
1.
September 2009 in Aussicht
gestellt
(
Urk.
7/50). Dagegen erhob der
Versicherte am 1
7.
Oktober
bzw. am 1
5.
Dezember 2011 (
Urk.
7/55 und
Urk.
7/66; vgl. auch
Urk.
7/70 und
Urk.
7/71) Einwand.
Schlie
sslich sprach die IV-Stelle
X._
m
it
Ver
fügung vom
8.
Juni 2012 -
ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 66
%
-
mit Wirkung ab dem
1.
September 2009 eine
Dreiviertelsr
ente
zu (
Urk.
2
).
2.
Hiergegen erhob
X._
,
vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie Schwarz,
am 1
0.
Juli 2012 Beschwerde mit folgendem Rechtsbegehren (
Urk.
1):
„
1.
Die Verfügung der IV-Stelle Zürich vom
8.
Juni 2012 sei insoweit zu ändern,
als dass darin mit Wirkung ab September 2009 der Anspruch auf eine
eine
Dreiviertelsren
te
übersteigende Rente verneint (wird).
2.
Die Verfügung der IV-Stelle Zürich vom
8.
Juni 2012 sei zu ändern und es se
i
ausgehend von einer längeren
Beitragsdauer und einem höheren
durchschnitt
-
lichen
Jahreseinkommen eine höhere Rente auszurichten.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge
n
zulasten der Beschwerdegegnerin.“
Weiter stellte er folgende Verfahrensanträge:
„
4.
Es sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen
.
5.
Es sei eine psychiatrische Abklärung durch das Gericht anzuordnen.
6.
Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege (unentgeltlicher
Rechtsbeistand sowie unentgeltliches Verfahren
)
z
u gewähren. Über dieses
Gesuch
sei vorab zu entscheiden.“
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
6.
September 2012 die Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
6). Mit Verfügung vom 17.
Sep
tember 2012 wurde dem Beschwerdeführer
die unentgeltliche
Prozess
führung
gewährt und Rechtsanwältin Stephanie Schwarz als unentgeltliche
Rechtsver
tre
terin
für das vorliegende Verfahren bestellt (
Urk.
11).
In der Replik vom
3.
Januar 2013
hielt
d
er
Beschwer
deführer
–
mit Ausnahme von Ziffer 2
des Rechtsbegehrens
der Beschwerde – an seinen
Anträgen fest (
Urk.
15). Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Duplik
vom 2
4.
Januar 2013
erneut die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
19).
Die Duplik wurde dem Beschwerdeführer am 2
8.
Januar 2013 zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
20).
Mit Eingabe
vom
5.
März 2013 (
Urk.
21) re
ichte der Beschwerdeführer
die
an die
Beschwerdegeg
nerin
gerichtete
Meldung betreffend Verschlechterung des Gesundheitszustands vom
6.
März 2013 (
Urk.
22) ein.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist
,
ob der Beschwerdeführer
Anspruch
auf eine
Dreivier
telsrente
oder aber auf eine ganze Invalidenrente hat.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erle
digen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die behandelnden Ärzte der
Y._
hielten
in ihrem
Bericht vom 13.
Juli 2009
für ihren Fachbereich (Orthopädie)
folgende Diagnose
n
mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
fest
(
Urk.
7/1
6/1
):
posttraumatische OSG- und USG-Arthrose beidseits
MRI OSG links
3.
März 2009:
synoviale
Proliferationen OSG und USG links,
Knorpel
schaden
mit kleinen
subchondralen
Nekrosezonen
,
Synovitiszeichen
Status nach multiplen Distorsionstraumata
Status nach Bandrekonstruktion rechts ca. 1995
Der Beschwerdeführer sei zum jetzigen Zeitpunkt in der angestammten Tätig
keit zu 100
%
arbeitsunfähig.
Eine operative Revision sei geplant.
Aufgrund der Fuss
schmerzen sei es ihm nicht möglich
,
längere Strecken zu gehen
(
Urk.
7/16/2
).
2.2
Dr.
med.
D._
,
Oberarzt ORL am
A._
,
s
tellte in seinem Bericht vom 7.
Oktober 2010 folgende Diagnose (
Urk.
7/26/1):
Plattenepithelk
arzinom der Nase pT4
RO
-
Status nach Teil-
Ablatio
Nase
und Rekonstruktion mittel
s
Stirnlappen 04/2008
-
Status nach R
adiotherapie
-
aktuell
postak
t
inische
Rhinopathie
In der bisherigen Tätigkeit sei der Beschwerdeführer
wegen der postaktinischen
Rhinopathie
seit dem 3
0.
Juli 2010 bis auf
Weiteres
zu 100
%
arbeitsunfähig. Der Umfang der Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei variabel (
Urk.
7/26/2-3)
.
2.3
RAD-Arzt
Dr.
C._
erklärte
in seinem Bericht vom 1
3.
Juli 2011
,
dass
für die
bisherige
Tätigkeit
als Unternehmensberater (mit ständigem Kundenkontakt)
seit Dezember 2007 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bestehe
.
Aufgrund der
eingeschränkten Mobilität sei eine
überwiegend im Sitzen auszuübende Tätig
keit als behinderungsangepasst zu betrachten. Eine solche Tätigkeit sei
dem Beschwerdeführer
zu 60
%
zumutbar. Die
40%ige Einschränkung resulti
er
e
dabei
aus de
r tumorassoziierten
reduzierten
Belastbarkei
t.
Zu empfehlen sei eine
Tätigkeit im
Backoffice
(
Urk.
7/38/4
-5
)
.
2.4
Dr.
B._
gab in seinem Bericht vom 1
7.
Januar 2012 zuhanden des Beschwer
deführers an, er erachte es
als un
möglich, dass
dieser
eine administra
tiv höchst anspruchsvolle Tätigke
i
t im
Backoffice
wahrnehme
.
Aufgrund der OSG-Arthrose könne er keiner körperlichen Tätigkeit nachgehen.
Eine leichte Arbeit im Büro könne er zum jetzigen Zeitpunkt durchführen. Hier wäre ein
Arbeitsversuch an einer behinderungsangepassten Arbeitsstelle zu empfehlen, wobei eine solche Stelle
realistischerweise
kaum gefunden werden könne. Die Behinderung durch die Arthrose am Sprunggelenk könne allenfalls mittels einer Operation verbessert werden, so dass die physische Gehstrecke optimiert werden könne. Hingegen würden die Defizite aufgrund des ausgedehnten Nasenkrebses und die Folgen der hier durchgeführten Therapie bestehen bleiben. Nebst den Haut-, Geruch
s
sinn-, Seh- und Konzentrationsstörungen spiele in dieser kom
plexen Erkrankung auch die psychische Belastbarkeit eine Roll
e. Zum jetzigen Zeitpunkt sei der Beschwerdeführer
daher auch in einer
behinderungsange
passten
Tätigkeit nicht arbeitsfähig. Allenfalls sei diese Beurteilung nach erfolgter OSG-Operation zu revidieren
(
Urk.
7/72).
2.
5
Prof.
Dr.
med.
E._
,
Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik des
F._
,
diagnostiz
i
erte in seinem
an
Dr.
B._
gerichte
ten Bericht vom 1
9.
November 2012 eine gemischte Störung mit Angst und Depression (ICD-10 F41.2). Aufgrun
d der
klaustrophoben
Ängste, de
r
starken Konzentrationsstörung
en
und der erhöhten Ermü
dbarkeit bei gestörtem Schlaf
und Zwang
,
hohe Dosen von
Medikamenten einzunehmen
, sei der Beschwer
deführer
in seinem früheren Beruf als Marketi
ng-Fachmann v
oll arbeitsunfähig. Auch wäre er
nicht in der Lage
,
eine weniger anspruchsvolle Tätigkeit auszu
üben.
Erschwerend kämen noch
die körperlichen Behinderungen durch die Füsse und Hüften
hinzu. Er wäre schon
nicht
in der Lage, rechtzeitig an ein
em Arbeitsplatz zu erscheinen
,
g
eschweige denn dort eine längerdauernde Leistung
zu erbringen
. Die Notwendigk
eit d
er regelmässigen Ein
nahme von Medika
menten und der
Nasen
spülungen würden ihn
für jeden Arbeitgeber schwer tragbar machen. Die Depression schränke seine
Leistung
sfähigkeit zusätzlich ein, da
ihm d
er nötige Antrieb fehle (
Urk.
16
/
1/
3-
4).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin hat vorliegend zunächst die Berichte sämtlicher Ärzte, die den Beschwerdeführer seit seiner Rückkehr in die Schweiz im Oktober 2008 behandeln, eingeholt (vgl. Sachverhalt E. 1). In der Folge wurde der Beschwer
deführer von
RAD-Arzt
Dr.
C._
am
5.
Juli
2011 eingehend untersucht (
Urk.
7/38 und
Urk.
7/39). In seinem
im
Anschluss daran
erstellten Bericht vom 1
3.
Juli 2011
legte
RAD-Arzt
Dr.
C._
dar, dass
inzwischen die
Tumorer
krankung
der Nase, die aufwändig
operiert und rekonstruiert worden sei
, im Vordergrund stehe. Auch wenn ein befriedigendes kosmetisches Ergebnis vor
liege, sei es durch die Veränderung der Gesichtsanatomie zu den unter den Diagnosen erwähnten Symptomen und Defiziten
(
wie Kopfschmerzen,
Ver
krustung der Schleimhäute
, gestörte
Gesichts- u
nd Augensymmetrie sowie häufiges
Tränen der Augen,
vgl.
Urk.
7/39/1
)
gekommen. Vor allem die Not
wendigkeit der regelmässigen Nasenspülungen lasse die bisherige Tätigkeit als Unternehmensberater (mit ständigem Kundenkontakt) nicht mehr zumutbar erscheinen. Für diese Tätigkeit liege seit Dezember 2007 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit vor.
Aufgrund der eingeschränkten Mobilität, die von untergeord
netem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei, sei eine überwiegend im Sitzen auszuübende Tätigkeit als behinderungsangepasst zu betrachten. Eine solche Tätig
keit sei dem Beschwerdeführer zu 60
%
zumutbar. Die 40%ige Einschränkung resultiere dabei aus der tumorassoziierten reduzierten Belast
barkeit. Zu emp
fehlen sei eine Tätigkeit im
Backoffice
(
Urk.
7/38/4-5).
Die
se
Beurteilung von RAD-Arzt
Dr.
C._
,
die er in Kenntnis der
Vorakten
abgab, ist angesichts der genannten Befunde
nachvollziehbar und plausibel.
Sie deckt sich im Wesentlichen au
ch mit der Einschätzung von Dr.
D._
vom
A._
,
der die bishe
rige Tätigkeit ebenfalls als nicht mehr zumutbar, eine
behinde
rungsangepasste
Tätigkeit in „variablem“ Umfang aber als möglich erachtete (vgl. E. 2.2).
3.2
Was die
eingeschränkte
Mobilität
betrifft,
erklärten
die behandelnden Ärzte der
Y._
in ihrem Bericht vom
1.
April 2009
– das heisst noch bevor der Beschwerdeführer über orthopädische Spezialschuhe verfügte -
, dass
bis zur nächsten klinischen Befundbesprechung mit MRI fü
r stehende und gehende Berufe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe
(
Urk.
7/13/10). I
n ihrem Bericht
vom
1
3.
Juli 2009
gaben d
ie Ärzte der
Y._
an
, es sei
dem Beschwerdeführer
aufgrund der Fussschmerzen
nicht möglich
, länger
e Strecken zu gehen (vgl. E. 2.1
).
In
die
Untersuchung
vom
5.
Juli 2011
, in der RAD-Arzt
Dr.
C._
ein rechtshinkendes
Gangbild
feststellte,
kam
der Beschwerde
führer
mit Orthesen
an beiden Sprunggelenken
(
Urk.
7/39/5). Einen
Stock oder Krücken
benötigte er damals anscheinend nicht.
Sodann geht aus
dem Bericht von
Dr.
B._
vom 1
7.
Januar 2012
nicht hervor,
dass daraufhin
hinsichtlich der Fussbeschwerden
eine Verschlechterung eingetreten
wäre
(Urk. 7/72
)
.
Eine solche trat dann
offenbar im Frühjahr 2013 im Zusammenhang mit der operati
ven Fussversteifung ein (vgl. Schreiben des Beschwerdeführers vom
5.
März 2013,
Urk.
21, und Vorbescheid der Beschwerdegegnerin vom 1
2.
Februar 2014,
Urk.
26).
Für die Beurteilung der
Gesetzmässigkeit
der angefochtenen Verfü
gung ist für das Sozialversicherungsgericht
jedoch
derjenige Sachverhalt
mass
gebend
, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes
-
das
heisst
am 8
.
Juni 2012
-
gegeben war (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens ist diese Verschlechterung deshalb unbe
achtlich
, und es kann aufgrund der genannten ärztlichen Beurteilungen
davon
ausge
gangen werden
,
dass dem Beschwerdeführer
bis im Juni 2012
sowohl eine überwiegend im Sitzen auszuübende Tätigkeit im Büro als auch die Bewälti
gung eines
Arbeitsweg
s
möglich gewesen wäre
n
.
3.3
Die
Krebserkrankung
und die dadurch verursachten bleibenden Beschwerden sowie
die langwierige Behandlung
stellen
für den Beschwerdeführer
verständli
cherweise eine grosse
psychische
Belastung dar.
I
n psychiatrischer Hinsicht
wurde
der Beschwerdeführer
i
m
gesamten vorliegend
massgebenden
Beur
tei
lungszeitraum
zwischen September 2009 (
frühest
möglicher Rentenbeginn
) und Erlass der angefoch
tenen Verfügung vom
8.
Juni 2012
allerdings
nie behandelt
.
Seine
psychischen Beschwerden waren
also
offenbar
nicht derart ausgeprägt
, als dass
e
ine spezifische psychiatrische Behandlung
notwendig
gewesen wäre
.
In diesem Zeitraum stellte v
on den
hier
involvierten Ärzten
denn auch einzig Hausarzt
Dr.
B._
in seinem Bericht vom 3
0.
Mai 2011
eine
psychiatrische Diagnose, nämlich diejenige einer depressiven Entwicklung
(Urk.
7/36/5)
. I
n seinem Bericht vom 1
7.
Januar 2012
erwähnte
Dr.
B._
diese
Diagnose
jedoch
nicht mehr
(
Urk.
7/72/1).
Zu berücksichtigen ist
in diesem Zusammenhang
im Übrigen
auch
, dass Hausärzte wegen ihrer
auftrags
rechtlichen
Vertrauensstellung im Zweifel eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, womit ihre Einschätzungen grundsätzlich mit Vorbehalt zu würdigen sind (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
In der Folge veranlasste Dr.
B._
eine
psychiatrische
Untersuchung bei Pr
of.
E._
,
der
am 19.
November 2012
eine
gemischte Störung mit Angst und Depression
(ICD-10 F41.2)
diagnostizierte.
Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführte
(Urk.
19
)
, ist diese
Diagnose nur zu verwenden, wenn keine der beiden Störungen ein
Ausmass
erreicht, das eine entsprechende einzelne Diagnose (etwa eine leichte depressive Episode, ICD-10 F32.0, oder eine generalisierte Angststörung, ICD-10 F41.1
; Prof.
E._
sprach davon, dass die Störung nicht das
Ausmass
einer posttraumatischen Belastungsstörung aufweise,
Urk.
16/1/4
) rechtfertigen würde. Dabei werden Patienten mit dieser Kombination
verhältnismässig
milder Symptome in der Primärversorgung häufig gesehen. Noch viel häufiger finden sie sich in der Bevölkerung, ohne je in medizinische oder psychiatrische Behandlung zu gelangen (
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klin
isch-diagnostische Leitlinien,
9.
Auflage, Bern 2014, S. 199
). Eine solche Diagnose steht folglich der Ausübung einer Erwerbstätigkeit kaum je
– und
auch
vorliegend
nicht -
massgeblich
entgegen (vgl. Urteil des hiesigen Gerichts
IV.2009.00790 vom 1
7.
März 2011 E. 4.3
).
Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass
keine Anhaltspunkte dafür
ersichtlich waren
, dass der Beschwerdeführer bis Juni 2012
unter einer invali
disierenden ps
ychischen
Störu
ng gelitten haben könnte
. Hinreichender Anlass
für eine zusätzliche
Abklärung
in psychiatrischer Hinsicht
bestand
daher
nicht.
De
m
Verfahrensantrag des Beschwerdeführers, es sei eine psychiatrische Abklärung durch das Gericht anzuordnen, ist deshalb
nicht zu folgen
.
3.4
Dr.
B._
begründete des Weiteren
n
icht plausibel
, weshalb dem Beschwer
de
führer
, der über zwei Universitätsabschlüsse verfügt
und jahrelang
sehr
anspruchs
volle
berufliche Tätigkeiten
ausübte (
Urk.
7/35/5 und
Urk.
7/
11
),
lediglich eine leichte (und nicht
eine
höchst
anspruchsvolle bzw. qualifizierte
)
administrative Tätigkeit in einem 60%-Pensum (RAD-Arzt
Dr.
C._
trug den Beschwerden im Zusamme
nhang mit der Tumorerkrankung – wie
er
wähnt
–
ja
mit einer 40%ige
n Einschränkung Rechnung)
zumutbar sein soll
.
Nicht nachvollziehbar
ist
auch
Dr.
B._
Einschätzung betreffend Arbeits
fähigkeit.
So erklärte er i
n
seinem Bericht vom 1
7.
Januar 2012
unter Ziffer
4
zunächst
ausdrücklich
, dass der Beschwerdeführer
aufgrund der OSG-Arthrose k
einer körper
lichen Tätigkeit nachgehen
könne. E
ine leichte Arbeit im Büro
könne er
zum jetzigen
Zeitpunkt
durchführen
.
Ein
Arbeitsversuch in einer
be
hinderungs
angepassten
Stelle wäre
sinnvoll.
Unter Ziffer
5 gab er
dann
aber
an, dass er
eine behinderungsangepasste
Tätigkeit zum jetzigen Zeitpunkt als nicht zumut
bar erachte
(
Urk.
7/72).
Anlässlich des Te
lefongesprächs mit RAD
Arzt Dr
.
C._
vom 2
0.
Februar 2012 schlug er zudem
(erneut)
ein
Arbeits
trai
ning
vor (
Urk.
7/75/2).
Die
Einschätzung
von
Dr.
B._
vermag
die überzeu
gende Beurteilung
von RAD-Arzt
Dr.
C._
daher
nicht in Zweifel zu ziehen.
4.
Der
von der Beschwerdegegnerin ermittelte Rentenbeginn sowie d
eren
Berech
nungen
des
Validen- und Invalideneinkommens
sind nicht zu beanstanden
.
Der
betreffende
Einkommensvergleich wurde
vom Beschwerdeführer
auch
ledigli
ch insofern
bemängelt
, als er
die Gewährung eines höhere
n Leidensabzuges (25
%
statt 20
%
) verlangte
(
Urk.
1 S. 8
).
Ob
ein 20%iger Leidensa
bzug oder der maximal zulässige A
bzug von 25
%
zu berücksichtigen
ist, kann indes offen bleiben.
Denn w
ie die Beschwerdegegnerin zutreffend
bemerkte
(
Urk.
6 S
.
2),
würde bei
Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 25
%
ein
Invalidenein
kommen
von
Fr.
50‘937.75
(
Fr.
67‘917.-- x 0,75),
eine
Erwerbseinbusse
von
Fr.
107‘097.25 (
Fr.
158‘035.-- -
Fr.
50‘937.75)
und somit
schliesslich
ein
Invali
ditätsgrad
von gerundet 68
%
(
Fr.
107‘097.25 :
Fr.
158‘035.--) resultieren.
Auch
diesfalls
hätte der Beschwerdeführer Anspruch auf ein
e
Dreiviertelsrente
(vgl. E.
1.
5
).
Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen.
5
.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Strei
twert festzulegen (
Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegende
n Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge der
bewil
ligten unentgeltlichen Prozessführung (
vgl.
Urk.
11) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.2
Die dem Beschwerdeführer bestellte unentgeltliche Rechtsvertreterin Rechts
anwäl
tin Stephanie Schwarz
(
vgl.
Urk.
11)
machte mi
t i
hrer
am 20.
Februar 2014 eingereichten
Honorarnote
(Urk.
25
) einen Aufwand von 13:45
Stund
en und Barauslagen von
Fr.
108.41
geltend
,
weshalb die beantragte Entschädigung von
Fr.
3‘068.90
(inkl. Barauslagen und
MWSt
)
zuzusprechen ist
.
5.3
Kommt der Beschwerdeführer künftig in günstige
wirtschaftliche Verhältnisse,
kann ihn das Gericht zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichten (
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über
das
Sozialversiche
rungsgericht
,
GSVGer
).