Decision ID: e12524f9-accc-4a98-b1f6-ae6f53f8b8fa
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte Tötung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, III. Abteilung, vom 15. Dezember 2011 (DG110015)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 11. Juli
2011 (Urk. 29) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- der versuchten Tötung i.S.v. Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
- der mehrfachen Tätlichkeit i.S.v. Art. 126 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 9 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 499 Tage
durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 2000.–.
3. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen.
4. Es wird eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme (psychiatrische
Therapie) im Sinne von Art. 63 StGB angeordnet.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 6'000.–. Über die weiteren Kos-
ten (Barauslagen usw.) wird die Gerichtskasse Rechnung stellen.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf
die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die Höhe der Kosten der amtlichen Vertei-
digung wird mit separatem Entscheid entschieden.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 133)
A. Hauptantrag
1. Der Appellant und Beschuldigte, A._, sei vom Vorwurf der ver-
suchten Tötung freizusprechen.
2. Der Appellant und Beschuldigte sei der Tätlichkeit im Sinne von
Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
3. Der Appellant und Beschuldigte sei mit einer Busse von Fr. 500.– zu
bestrafen.
4. Mit Ausnahme eines Kostenanteils von Fr. 1'000.– zu Lasten des Ap-
pellanten und Beschuldigten, seien die Verfahrenskosten, einschliess-
lich derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf die Staatskasse zu
nehmen.
5. Dem Appellanten und Beschuldigten sei für die erlittene Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft eine angemessene Entschädigung und
Genugtuung aus der Staatskasse zu bezahlen.
B. Eventualantrag
1. Eventualiter sei der Appellant und Beschuldigte der Gefährdung des
Lebens im Sinne von Art. 129 StGB sowie der Tätlichkeit im Sinne von
Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Der Appellant und Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von höchs-
tens 36 Monaten zu bestrafen.
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3. Die bisher erstandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 30 Mo-
naten und 4 Tagen bis heute seien anzurechnen.
Diesfalls sei der Appellant und Beschuldigte, in Anrechnung des übli-
cherweise zu erlassenden Strafdrittels, unmittelbar und mit sofortiger
Wirkung aus der Sicherheitshaft zu entlassen.
C. Subeventualantrag
1. Subeventualiter, sollte das Gericht wider Erwarten den Appellanten und
Beschuldigten dennoch wegen versuchter Tötung schuldig sprechen,
so sei er mit einer Freiheitsstrafe von höchstens dreieinhalb Jahr (42
Monate) zu bestrafen, und zwar seien ihm die bisher durch Untersu-
chungshaft und Sicherheitshaft erstandenen 30 Monate und 4 Tage
anzurechnen.
2. Auch diesfalls sei der Appellant und Beschuldigte, in Anrechnung des
üblicherweise zu erlassenden Strafdrittels, unmittelbar und mit soforti-
ger Wirkung zu entlassen.
b) Der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 135)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 15. Dezember 2011 (DG110015)
sei grundsätzlich zu bestätigen, mit folgender Ausnahme (Dispositiv Ziff. 2):
2. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 11 Jahren
unter Anrechnung der erstandenen Haft, sowie mit einer Busse von
Fr. 2'000.–.
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Erwägungen:
I. Formelles
1. Am 15. Dezember 2011 sprach das Bezirksgericht Horgen, III. Abteilung,
den Beschuldigten schuldig der versuchten Tötung und der mehrfachen Tätlich-
keit. Es bestrafte ihn mit 9 Jahren Freiheitsstrafe und mit einer Busse von
Fr. 2'000.–. Überdies ordnete es für den Beschuldigten eine vollzugsbegleitende
ambulante Massnahme (psychiatrische Therapie) an (HD Urk. 82).
Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte am 19. Dezember 2011 Beru-
fung an (HD Urk. 69). Die Berufungserklärung folgte unter dem 22. März 2012
(HD Urk. 89). Sie wurde auf gerichtliche Aufforderung hin mit Eingabe vom
9. April 2012 präzisiert und ergänzt (HD Urk. 90 und 92). Demnach verlangt der
Beschuldigte die Freisprechung vom Vorwurf der versuchten Tötung sowie vom
Vorwurf der mehrfachen Tätlichkeiten gegenüber der Privatklägerin 2 und die
Sanktionierung des unangefochtenen Schuldspruchs wegen Tätlichkeiten gegen-
über dem Privatkläger 1 mit einer Busse von Fr. 500.–. Von den Kosten des ge-
samten Verfahrens seien dem Beschuldigten sodann lediglich ein Anteil von
Fr. 1'000.– aufzuerlegen und der Rest sei auf die Staatskasse zu nehmen. Im
Eventualantrag wird vom Beschuldigten zusätzlich zur Verurteilung wegen Tät-
lichkeiten ein Schuldspruch wegen Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129
StGB beantragt; diese Verurteilung sei mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von
höchstens 34 Monaten zu sanktionieren, wobei der unbedingte Strafanteil 20 Mo-
nate betragen solle (HD Urk. 92).
Die Staatsanwaltschaft schloss sich mit Eingabe vom 18. April 2012 der Be-
rufung beschränkt auf die Bemessung der Strafe an, stellte jedoch vorerst noch
keinen konkreten Antrag zum Strafmass (HD Urk. 96). Vor Vorinstanz hatte sie
eine Freiheitsstrafe von 11 Jahren verlangt (HD Urk. 57). In der Berufungsver-
handlung erneuerte sie diesen Antrag ausdrücklich (HD Urk. 135). Die Verteidi-
gung brachte vor, die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sei zu spät er-
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folgt (HD Urk. 100; HD Urk. 133 S. 4 und Prot. II S. 14). Dieser Einwand ist nicht
zu hören. Mit Präsidialverfügung vom 12. April 2012 wurde den Privatklägern so-
wie der Anklagebehörde nämlich eine zwanzigtägige Frist ab deren Zustellung
angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben (HD Urk. 94). Die Staatsanwalt-
schaft nahm diese Verfügung am 18. April 2012 entgegen (HD Urk. 95/1) und mit
Eingabe vom selben Datum (Datum des Poststempels: 19. April 2012) erklärte sie
Anschlussberufung (HD Urk. 96). Die Anschlussberufung erfolgte somit fristge-
recht.
Demnach ist das erstinstanzliche Urteil unangefochten geblieben hinsichtlich
der Verurteilung wegen Tätlichkeiten gegenüber dem Privatkläger 1 (Dispositiv-
Ziffer 1, teilweise) und bezüglich der festgesetzten Entscheidgebühr ( 5). Es ist folglich vorab festzustellen, dass diese Punkte bereits in Rechts-
kraft erwachsen sind.
2.1. Wie bereits vor Vorinstanz stellte der Verteidiger des Beschuldigten an-
lässlich der Berufungserklärung den Beweisantrag, es sei B._ vor Schranken
des Gerichts erneut als Zeuge zu befragen (Eingabe vom 22. März 2012, HD
Urk. 89). Im Rahmen der Präzisierung und Ergänzung der Berufungserklärung
vom 9. April 2012 hielt der Verteidiger am besagten Beweisantrag fest (HD
Urk. 92). Mit Präsidialverfügung vom 27. August 2012 wurde der Beweisantrag
einstweilen abgewiesen (HD Urk. 113). Am 31. August 2012 stellte der Verteidiger
ein Wiedererwägungsgesuch (HD Urk. 116), erklärte sich in der Folge jedoch be-
reit, dass darüber erst anlässlich der Berufungsverhandlung entschieden werde
(vgl. HD Urk. 117). Zur Berufungsverhandlung am 22. Januar 2013 erschien der
Beschuldigte und sein Verteidiger in Begleitung des beantragten Zeugen; der An-
trag auf dessen Anhörung wurde erneuert (vgl. Prot. II S. 14). Das Berufungsge-
richt gab diesem Antrag anlässlich der Berufungsverhandlung statt, weshalb es
B._ im Rahmen der Berufungsverhandlung als Zeugen befragte (Prot. II
S. 14; HD Urk. 132).
2.2. Auch gegen den weiteren Beweisantrag der Verteidigung, die zahlrei-
chen Briefe des Beschuldigten, die an seinen Anwalt gerichtet waren und in de-
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nen er stets seine Unschuld beteuerte, zu den Akten zu nehmen, war nichts ein-
zuwenden. Die gesamte Korrespondenz ist als HD Urk. 93 abgelegt.
3. Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 22. Januar 2013 beschloss
das Gericht, das rechtsmedizinische Gutachten ergänzen zu lassen (Prot. II
S. 30 ff.; HD Urk. 139), weshalb es das Institut für Rechtsmedizin der Universität
Zürich (IRM) gleichentags beauftragte, ein Ergänzungsgutachten zu erstellen (HD
Urk. 139 und 140). Das von med. pract. C._ und Dr. med. D._ verfasste
Ergänzungsgutachten vom 22. März 2013 ging am 27. März 2013 hierorts ein (HD
Urk. 156). Es wurde sodann den Parteien zugestellt und ihnen Frist angesetzt,
dazu Stellung zu nehmen, und zu erklären, ob auf die Fortsetzung der Berufungs-
verhandlung und eine mündliche Urteilseröffnung verzichtet werde (HD Urk. 158).
Die Anklagebehörde liess sich innert Frist nicht vernehmen. Die amtliche Verteidi-
gung reichte ihre Stellungnahme am 23. April 2013 ein und erklärte, auf die Fort-
setzung der Berufungsverhandlung und eine mündliche Urteilseröffnung zu ver-
zichten (HD Urk. 164 S. 2). Der vorliegende Prozess erweist sich demnach als
spruchreif und kann auf schriftlichem Weg abgeschlossen werden.
II. Sachverhaltserstellung
1. Erstellung des Würgevorgangs zum Nachteil des Privatklägers 1
Der Beschuldigte hat im Verlauf der Untersuchung nach anfänglichem
Leugnen, überhaupt am Tatort gewesen zu sein, zumindest daran festgehalten,
dass er den Privatkläger 1 (im Folgenden: Privatkläger) nicht gewürgt und die Pri-
vatklägerin 2 (im Folgenden: Privatklägerin) nicht geschlagen habe. Vor Vor-
instanz blieb er dabei und ergänzte, der Schlag gegen den Privatkläger sei unge-
wollt und im Affekt passiert. Weiter betonte er wie bereits anlässlich der Tatortre-
konstruktion (vgl. HD Urk. 14/2 S. 6), dass sich beim Sessel rechts des Sofas,
dem Ort, an welchem gemäss Darstellung der Privatkläger, aber auch des Zeu-
gen B._, die erste Kampf- bzw. Gerangel-Phase stattgefunden haben soll,
nichts wie in der Anklage Behauptetes abgespielt habe (HD Urk. 54 S. 13).
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Im Berufungsverfahren hielt der Beschuldigte an seiner Bestreitung hinsicht-
lich des Würgevorgangs fest (HD Urk. 131 S. 8 ff. und 133); er liess nunmehr je-
doch - wie eingangs erwähnt - den Vorwurf, wonach er dem Privatkläger einen
Faustschlag gegen die linke Wangenseite verabreicht habe, gelten (vgl. HD
Urk. 133 S. 19). Demgegenüber bestritt er die Schläge gegen die Privatklägerin
weiterhin. Zu erstellen ist somit vorerst, was dem Privatkläger in der ersten Phase
der Auseinandersetzung auf bzw. hinter dem Sessel rechts des Sofas widerfahren
ist.
Die Erwägungen der Vorinstanz zur Erstellung des Tatgeschehens ein-
schliesslich des inkriminierten Würgevorgangs sind ausführlich und sorgfältig
ausgefallen. Insbesondere die Aussagen der beiden Privatkläger, aber auch - so-
weit bereits vorliegend - des Beschuldigten und von B._, wurden im Detail
wiedergegeben und grundsätzlich richtig analysiert, sodass vorab darauf verwie-
sen werden kann (HD Urk. 82 S. 5-35). Dabei ist anzumerken, dass die Aussagen
der Privatkläger im Zeugenstand entgegen der Auffassung der Verteidigung (HD
Urk. 133 S. 10 f.) durchaus verwertbar sind, da sie noch unter dem Regime der
kantonalzürcherischen Strafprozessordnung erfolgt sind, die verlangte, dass Ge-
schädigte als Zeugen zu befragen sind (§ 128 StPO/ZH); zudem behalten Verfah-
renshandlungen, die vor Inkrafttreten der Schweizerischen Strafprozessordnung
durchgeführt worden sind, ihre Gültigkeit (Art. 448 Abs. 2 StPO).
Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass die im Kern übereinstimmenden
Schilderungen der beiden Privatkläger hinsichtlich des gesamten Geschehens am
Tatort grundsätzlich glaubhaft seien; dies auch deshalb, weil der Ablauf der Er-
eignisse – abgesehen vom eigentlichen Würgevorgang – im Wesentlichen auch
vom Zeugen B._ gleich geschildert werde. Was den Würgegriff des Beschul-
digten an den Hals des Privatklägers angeht, der nur von den beiden Privatklä-
gern beschrieben wird, stellte die Vorinstanz darauf ab, dass deren Darstellung
durch die von mehreren Ärzten festgestellten und auch fotografisch festgehalte-
nen Würgemale am Hals des Privatklägers untermauert würden (Dr. E._ als
Zeuge in HD Urk. 13/7, Dr. F._ in HD Urk. 19/1, die IRM-Ärzte in HD
Urk. 19/7 und die Fotodokumentation in HD Urk. 15/2). Für die Vorinstanz waren
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die Aussage von B._, wonach er nichts von einem Würgevorgang gesehen
habe, und ebenso diejenige des Beschuldigten, die als wenig stimmig und zum
Teil schlichtweg lebensfremd erachtet wurde, nicht geeignet, die eindeutige Be-
weislage zu entkräften. An der Erstelltheit des Anklagesachverhalts der ersten
Kampfphase mit dem inkriminierten Würgevorgang machte die Vorinstanz einzig
die Einschränkung, dass der Beschuldigte den Privatkläger nicht mit beiden Hän-
den, sondern lediglich mit der rechten Hand am Hals gewürgt habe.
Beweisführung und Beweisergebnis der Vorinstanz überzeugen grundsätz-
lich. Insbesondere die Aussagen der Beteiligten und die ärztlichen Feststellungen
sind korrekt wiedergegeben und richtig beurteilt. Zu berichtigen ist vorweg ledig-
lich der Verschrieb im vorinstanzlichen Urteil auf S. 12: richtigerweise war nicht
der Beschuldigte, sondern der Privatkläger mit der Privatklägerin gut befreundet
(vgl. HD Urk. 11/2 S. 3). Die Erwägungen der Vorinstanz bekräftigend sei im Übri-
gen wiederholt, dass der mit Bezug auf falsche Belastungen des Beschuldigten
unverdächtige Zeuge B._ das Geschehen in der Wohnung der Privatklägerin
vom zeitlichen wie örtlichen Ablauf her gleich wie die beiden Privatkläger be-
schrieben hat und insbesondere bestätigte, dass das erste Gerangel der Litigan-
ten beim bzw. hinter dem Sessel rechts vom Sofa stattgefunden hatte, eine
Streitphase, die vom Beschuldigten weitgehend negiert wird, von den Privatklä-
gern jedoch als diejenige bezeichnet wird, in welcher der Würgevorgang stattge-
funden habe. Die Vorinstanz hat deshalb den von ihr aufgrund der ärztlichen
Feststellungen und der Fotodokumentation als erstellt erachteten Würgevorgang
auf diese erste Streitphase beim erwähnten Sessel festgelegt, was überzeugt.
Auch die sachverhaltliche Einschränkung, wonach der Beschuldigte den Hals des
Privatklägers wenn schon, dann lediglich mit einer, nämlich der rechten Hand zu-
gedrückt habe, ist angesichts der entsprechenden Aussage der Privatklägerin und
der am Hals vor allem linksseitig festgestellten Würgemale naheliegend, zumal
der Beschuldigte dem Privatkläger körperlich weit überlegen war, was einen ein-
händigen Angriff auf den Hals des Opfers als genügend wirkungsvoll erscheinen
lässt. Diese Sachverhaltsvariante wird im Übrigen auch vom IRM als im Vorder-
grund stehende Möglichkeit angesehen (HD Urk. 156 S. 7).
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Demgegenüber beruft sich die Verteidigung unter anderem auf die Aussage
des Zeugen B._, der in der Berufungsverhandlung erneut angehört beteuer-
te, keinen Würgevorgang gesehen zu haben; vielmehr habe der Beschuldigte den
Privatkläger (und vice versa) in den Schwitzkasten genommen (HD Urk. 132 S. 4;
HD Urk. S. 25 ff.). Bekanntlich veranlassten die Beteuerungen des Zeugen
B._ das Berufungsgericht zur Einholung eines Ergänzungsgutachtens von
Seiten des IRM zur Frage, ob das Verletzungsbild des Privatklägers nicht auch
durch einen "Schwitzkasten" verursacht worden sein könnte. Die Antwort des IRM
fiel – wie bereits erwähnt – relativ klar aus: Aufgrund des Verletzungsbildes des
Privatklägers stehe ein Würgegriff, am ehesten durch die rechte Hand, "weit im
Vordergrund" (HD Urk. 156 S. 6). Es finde sich am Kehlkopf zwar ein unterblute-
tes Gebiet, das für sich genommen durchaus auch mit einem Schwitzkasten ver-
einbar wäre. Die anderen Blutungsbefunde und Hautunterblutungen seien jedoch
aus rechtsmedizinischer Sicht typisch für eine kleinflächigere und direkt auf die
Haut einwirkende Gewalt. Dies zu bewirken sei eine Hand mit Fingern eher in der
Lage als ein relativ gerader Arm (a.a.O.). Immerhin schliesst das IRM-Gutachten
einen "Schwitzkasten" als Verletzungsursache nicht ausdrücklich aus, weshalb für
sich allein betrachtet noch kein schlüssiger Beweis vorläge. Es lauten aber auch
die Aussagen beider Privatkläger dahingehend, dass der Privatkläger in der ers-
ten Kampfphase vom Beschuldigten gewürgt worden sei, was die Feststellung
des IRM zusätzlich stützt. Dass ein Würgegriff gegenüber einem Gegner für den
Beschuldigten nicht gerade persönlichkeitsfremd ist, geht im Übrigen aus seinen
Vorakten hervor (vgl. Urteil des Landgerichts Hamburg vom 4. Dezember 2003,
HD Urk. 27/10/3 S. 17 Mitte).
Der Privatkläger sprach zwar – anders als die Privatklägerin – davon, dass
er vom Beschuldigten mit beiden Händen, und nicht nur mit einer, gewürgt wor-
den sei. Dies tut der Glaubhaftigkeit der im Kern einen Würgevorgang beschrei-
benden Aussagen beider Privatkläger jedoch keinen Abbruch, kann ein Gewürg-
ter doch selber in aller Regel nicht genau sehen, in welcher Weise er gewürgt
wird, und kann ein kräftiger einhändiger Zugriff durch einen körperlich überlege-
nen Angreifer beim Opfer durchaus den Eindruck eines zweihändigen Angriffs
hinterlassen.
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Die Aussage des Zeugen B._, er habe keinen Würgevorgang, auch
nicht mit einer Hand, gesehen, die Litiganten hätten sich nur gegenseitig in den
Schwitzkasten genommen (HD Urk. 132 S. 4), erweist sich im Übrigen in zweifa-
cher Hinsicht als nicht geeignet, die Beweislage entscheidend zu verändern. Zum
einen sind die Aussagen von B._ generell mit grosser Vorsicht zu würdigen,
ist er doch ein guter Freund und "Kumpel" des Beschuldigten, dem es ein persön-
liches Anliegen zu sein scheint, seinen Kumpel zu entlasten (vgl. HD Urk. 13/6
S. 11 und Zuschrift in HD Urk. 122). Zum anderen steht die am Ende des Verfah-
rens vom Zeugen vorgetragene kategorische Bestreitung des Würgevorgangs im
Widerspruch zu seinen anfänglichen Aussagen, wonach ihn das Geschehen nicht
besonders interessiert habe, und er es (auch auf der rechten Seite des Sofas; vgl.
HD Urk. 13/6 S. 5 oben) nicht ganz genau bzw. nicht so ganz mitbekommen bzw.
nur aus den Augenwinkeln mitverfolgt habe (HD Urk. 13/5 S. 4 und 13/6 S. 3-6,
14/5 S. 4). Dies heisst, dass der Zeuge B._ nur bestätigen kann, dass er ein
Würgen selber nicht gesehen hat; es bedeutet aber nicht, dass ihm ein kurzzeiti-
ger Griff des Beschuldigten an den Hals des Privatklägers nicht entgangen sein
könnte, zumal er einiges nur aus den Augenwinkeln gesehen hat. Damit aber
vermag seine Aussage die kombinierte Beweiskraft der Aussagen der Privatklä-
ger und des Ergänzungsgutachtens, das sich auf das Verletzungsbild am Hals
des Opfers abstützt, nicht zu schmälern. Vielmehr verbleiben aufgrund der Be-
weislage keine ernstlichen Zweifel daran, dass es zu dem inkriminierten (einhän-
digen) Würgevorgang gekommen ist. In dieser Hinsicht muss der Anklagesach-
verhalt somit als erstellt betrachtet werden.
Immerhin drängt sich aus Sicht der Berufungskammer hinsichtlich der ersten
Kampfphase eine weitere Relativierung des Anklagesachverhalts auf: Es betrifft
dies die unmittelbare körperliche Reaktion des Privatklägers auf den Würgegriff
an seinem Hals. Diesbezüglich nahm die Vorinstanz an, dass der Privatkläger da-
bei das Bewusstsein verloren habe. Sie stützte sich dafür einzig auf die Aussagen
des Privatklägers selber. Diesbezüglich fällt jedoch auf, dass dessen Aussagen
die Tendenz aufweisen, die Vorgänge zu seinen eigenen Gunsten zu beschöni-
gen: So sieht er im eigenen Verhalten keinerlei Provokation; er will, obwohl er
dem Beschuldigten nachgewiesenermassen recht frech entgegengetreten ist, an-
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geblich die Welt nicht mehr verstanden haben, als dieser auf ihn losgegangen ist
(vgl. HD Urk. 11/1 S. 2 oben). Und er will "keine Ahnung" gehabt haben, weshalb
er vom Beschuldigte angegriffen worden ist (a.a.O. S. 3). Überdies will er den Be-
schuldigten während des Gewürgtwerdens noch gefragt haben, ob er ihm "eins in
die Eier hauen" solle (HD Urk. 11/2 S. 10 f., 14/3 S. 2), was eine weitere Provoka-
tion darstellte. Weiter fällt auf, dass der Privatkläger, so seine Aussage in der po-
lizeilichen Einvernahme, festgestellt haben will, wie ihm die Privatklägerin zu Hilfe
geeilt ist und wie sie, als sie die Hand des Beschuldigten von seinem Hals hatte
wegziehen können, vom Beschuldigten eine "geknallt" erhalten hat, so dass sie
"durch die Wohnung" bzw. "ins Gestell" geflogen ist (HD Urk. 11/1 S. 2, 11/2 S. 4,
14/3 S. 3). Diese Beobachtungen des Privatklägers wollen nicht zu seiner weite-
ren Aussage passen, wonach er gerade in der Phase des Griffs an seinen Hals
"nichts mehr" gespürt haben, ja abgetaucht und ohnmächtig gewesen sei (HD
Urk. 11/1 S. 2). Der Privatkläger legte Wert darauf, dass er dabei "ziemlich" ohn-
mächtig gewesen sei (a.a.O. S. 3), und er verwies von sich aus darauf, dass der
Bewusstseinsverlust beim zweiten Mal (gemeint: in der späteren Kampfphase,
links des Sofas), als er "wieder ins Koma" gefallen sei (a.a.O. S. 2), "sicher eine
halbe Minute" gedauert habe (a.a.O. S. 3). Auch wenn der Privatkläger diese
Aussagen in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, offenbar auf den Wider-
spruch zwischen gemachten Beobachtungen und behaupteter Bewusstlosigkeit
aufmerksam geworden, zum Teil widerrief (HD Urk. 11/2, insbes. S. 4 f., 8 f.), so
erweist sich seine Aussage in der ersten Befragung zwei Tage nach dem Vorfall
hinsichtlich des behaupteten ersten Bewusstseinsverlusts nicht nur inhaltlich,
sondern zum Teil auch von der Wortwahl her ("ziemlich") als wenig überzeugend.
Die auffällige Anlehnung an den zweiten, nach Darlegung des Beschuldigten gra-
vierenderen Vorfall von behaupteter Bewusstseinsstörung gibt ebenfalls zu Den-
ken. Es kommt hinzu, dass sich ein eigentliches "Abtauchen" schlecht damit ver-
trägt, dass der Privatkläger die nur wenige Sekunden auseinanderliegenden Vor-
gänge rund um den Würgevorgang wahrgenommen haben will und während des
kurzzeitigen Würgens sogar noch einen zynischen Spruch abzusetzen in der La-
ge war.
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Entscheidend ist aber, dass die den Vorgang beobachtende Privatklägerin
nichts davon zu berichten wusste, dass der Privatkläger bereits in der Phase, als
an seine Gurgel gegriffen wurde, das Bewusstsein verloren hätte. Sie präzisierte
vielmehr, dass sie es mit der Panik zu tun bekommen habe, als sie gemerkt habe,
dass der Privatkläger langsam wegtreten würde. Sie sei rasch dazwischen ge-
gangen. Und sie fügte an, dass, falls der Beschuldigte weiter zugedrückt hätte,
"dann wäre G._ bewusstlos geworden" (HD Urk. 12/2 S. 6 oben). Diese Aus-
sage der Privatklägerin ist klar und sie wird indirekt selbst vom Privatkläger wie-
dergegeben, indem er erklärte, dass die Privatklägerin ihm gesagt habe, dass er
beim Würgevorgang "langsam die Augen komisch verdreht" habe und sie, weil sie
der Meinung gewesen sei, es werde gefährlich, eingegriffen habe (vgl. HD
Urk. 11/2 S. 5). Die Aussage der Privatklägerin lässt angesichts der weit weniger
verlässlichen Darstellung des Privatklägers ernstliche Zweifel daran aufkommen,
ob dieser tatsächlich in dieser ersten Kampfphase das Bewusstsein verloren hat.
Diese Zweifel legen nahe, zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass
das Einschreiten der Privatklägerin einen Bewusstseinsverlust seitens des Privat-
klägers gerade noch rechtzeitig hat verhindern können. Nur so erscheint es plau-
sibel, dass der Privatkläger den auf die Befreiung seines Halses direkt folgenden
Faustschlag des Beschuldigten gegen die intervenierende Privatklägerin und de-
ren "Wegfliegen" zu realisieren vermochte (vgl. HD Urk. 14/3 S. 3).
Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass die Situation bezüg-
lich der späteren Kampfphase, die auf der anderen Seite des Wohnzimmers statt-
fand, allenfalls anders zu beurteilen wäre. Der Privatkläger erhielt vom Beschul-
digten in dieser zweiten Phase einen Faustschlag gegen den Kopf, so dass er
nicht nur umfiel, sondern kopfvoran auch noch gegen den Türrahmen prallte (HD
Urk. 11/2 S. 5, 14/3 S. 3; vgl. auch HD Urk. 12/2 S. 6). Dadurch zog er sich nebst
einem Hämatom einen unschönen Schwartenriss an der Schädeldecke zu (vgl.
Foto in HD Urk. 15/2 S. 19 und 20), und er lag anschliessend am Boden. Dass er
in diesem Fall das Bewusstsein verloren hat, wie er aussagte, erscheint ange-
sichts der doppelten Einwirkung auf den Kopf durchaus denkbar. Jedenfalls dürfte
diese zweite Kampfphase für den Privatkläger die Dramatik der gesamten Situati-
on und seine Wut gegen den Beschuldigten zusätzlich gesteigert haben.
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Was sodann das Wissen des Beschuldigten über die Herzprobleme des Pri-
vatklägers angeht, so ist dies erstellt, hat Ersterer sein entsprechendes Wissen
doch wiederholt selber eingeräumt (vgl. HD Urk. 10/3 S. 9, 10/5 S. 4, 10/6 S. 9
und 54 S. 15, 131 S. 10).
Im Ergebnis ist der Anklagesachverhalt hinsichtlich des Würgevorgangs -
abgesehen von den beiden Einschränkungen - als rechtsgenügend erstellt zu be-
trachten.
2. Schläge gegen die Privatklägerin
Im Berufungsverfahren hielt der Beschuldigte an seiner Bestreitung fest,
wonach er die Privatklägerin nicht geschlagen habe; er schlage keine Frau (HD
Urk. 131 S. 14 f., 133 S. 8 f.). Dem stehen die Aussagen sowohl des Privatklägers
als auch der Privatklägerin entgegen, die beide die zwei Schläge gegen Letztere
wiederholt und lebensnah beschrieben haben (HD Urk. 11/1 S. 2, 11/2 S. 4 f.,
14/3, 12/1 S. 1 f., 12/2 S. 5 und 14/4 S. 2). Beiden Schlägen ging denn auch ein
Einwirken der Privatklägerin auf den Beschuldigten voraus, das dieser abzuweh-
ren hatte. Im Ergebnis können die Schläge gegen die Privatklägerin, wie sie in der
Anklage beschrieben sind, als rechtsgenügend erstellt gelten.
III. Rechtliche Würdigung
1. Versuchte Tötung zum Nachteil des Privatklägers
Anklagebehörde und Vorinstanz haben den Würgegriff des Beschuldigten an
den Hals des Privatklägers als versuchte Tötung im Sinne von Art. 111 StGB
i.V.m. Art. 22 StGB qualifiziert. Die Verteidigung will für diesen Vorgang im Even-
tualstandpunkt den Tatbestand der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129
StGB angewendet sehen. Mit Bezug auf beide Tatbestände ist vorweg zu wieder-
holen, dass der Beschuldigte zugegebenermassen um die schwere Herzkrankheit
des Privatklägers wusste. Dessen ungeachtet hat er ihn in der inkriminierten Wei-
se angegriffen. Dass dadurch für das Opfer eine unmittelbare Lebensgefahr ent-
stand, ist gutachterlich erstellt (vgl. HD Urk. 17/9). Des Weiteren ist offensichtlich,
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dass beim Würgen einer Person die Todesfolge im allgemein bekannten Rahmen
des Kausalverlaufs liegt. Dies muss auch dem Beschuldigten bewusst gewesen
sein und er hat folglich mit seinem Tun die Verwirklichung dieses Erfolgs für mög-
lich gehalten.
Vom dolus eventualis auf Tötung unterscheidet sich der Gefährdungsvorsatz
dadurch, dass der Täter darauf vertraut, der Tod des Opfers werde nicht eintre-
ten. Dies setzt voraus, dass er annimmt, die drohende Gefahr könne durch sein
eigenes Verhalten oder durch eine Reaktion der gefährdeten Person abgewendet
werden. Je mehr die Vermeidung der Todesfolge dem Zufall überlassen bleibt,
desto eher ist eventualvorsätzliche Tötung oder der Versuch dazu anzunehmen
(BSK Strafrecht II-Aebersold, Art. 129 N 28). Im vorliegenden Fall war die Beein-
flussung der Todesfolge nicht nur wegen des als erstellt geltenden kraftvoll aus-
geführten Würgevorgangs, sondern zusätzlich wegen des Herzleidens des Opfers
praktisch unmöglich. Aufgrund des augenfällig enormen Kräftegefälles zwischen
dem Beschuldigten und dem Privatkläger und aufgrund von Erfahrungen, die der
Beschuldigte schon früher beim Verprügeln (und auch Würgen) von Gegnern ge-
macht hatte – zu denken ist an die Geschehnisse vom 12./13. April 2003 in Ham-
burg, die u.a. am 4. Dezember 2003 zur Verurteilung des Beschuldigten zu 4 Jah-
ren Freiheitsstrafe geführt haben (vgl. Urteil in HD Urk. 27/10/3, insbes. S. 12-17)
–, musste ihm überdies bewusst sein, dass seine enorme Körperkraft, wenn ein-
gesetzt, die Tendenz hatte, exzessiv zu wirken. Aus beiden Gründen durfte der
Beschuldigte nicht darauf vertrauen, dass sein Angriff nicht tödlich, sondern
glimpflich verlaufen würde. Es ist deshalb mit der Vorinstanz davon auszugehen,
dass er die Tötung des Opfers zwar nicht angestrebt hat, jedoch ernstlich in
Rechnung stellte und damit billigend in Kauf genommen hat.
Die Vorinstanz hat zudem richtig erkannt (HD Urk. 82 S. 36), dass keine
Veranlassung besteht, diesen Versuch der Tötung unter den qualifizierten oder
privilegierten Tatbestand, Mord oder Totschlag, zu subsumieren. Es bleibt somit
beim Grundtatbestand.
Anders als die Vorinstanz es noch tat, ist im Übrigen – wie dargelegt – nicht
davon auszugehen, dass der Privatkläger beim Gewürgtwerden bereits das Be-
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wusstsein verloren hat. Vielmehr ist anzunehmen, dass die Privatklägerin, welche
rasch eingriff, dies gerade noch verhindern konnte. Zwar ist nicht klar, ob sie stark
genug war, die Hand des Beschuldigten mit rein physischer Kraft wegzureissen,
ihre Intervention bewirkte jedoch zumindest, dass der Beschuldigte seine Hand
vom Hals des Privatklägers löste, um damit der Privatklägerin einen Faustschlag
auszuteilen. Unter diesen Umständen kann nicht mehr von einem vollendeten
Versuch der Tötung gesprochen werden, sondern es ist der Vorgang als Versuch
zu betrachten, bei dem der Täter noch nicht alles getan hat, was nach seiner Vor-
stellung zur Herbeiführung des Todeseintritts erforderlich war; er ist von seinem
Tun, das nicht abgeschlossen war, durch eine äussere Intervention abgebracht
worden.
Im Ergebnis ist der Beschuldigte des eventualvorsätzlich begangenen un-
vollendeten Tötungsversuchs im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Tätlichkeiten zum Nachteil der Privatklägerin
Die Privatklägerin hat durch die Schläge des Beschuldigten verschiedene
Prellmarken im Gesicht erlitten. Dass diese Beeinträchtigungen nicht die Intensität
einer einfachen Körperverletzung erreichen, hat schon die Vorinstanz festgehal-
ten. Die Qualifikation als Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB ist nicht
fraglich.
IV. Strafe
1. Die Vorinstanz ist bei der Bemessung der Freiheitsstrafe vom Strafrah-
men für vorsätzliche Tötung, mithin 5 bis 20 Jahre, ausgegangen und hat mit Be-
zug auf den Umstand, dass vorliegend lediglich ein Versuch vorliegt, ausgeführt,
dass dieser sich "nicht erheblich zu Gunsten des Beschuldigten" auswirke (HD
Urk. 82 S. 42 und 44). Davon ausgehend, dass das subjektive Verschulden etwas
leichter als das objektive zu gewichten war, hielt die Vorinstanz eine Einsatzstrafe
aufgrund der Tatkomponente "im unteren Drittel des Strafrahmens (fünf bis zehn
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Jahre)" für angemessen und setzte sie auf acht bis zehn Jahre fest (a.a.O. S. 45).
Unter Berücksichtigung auch der Täterkomponente sprach sie letztlich eine Frei-
heitsstrafe von neun Jahren aus (a.a.O. S. 48).
Die Verteidigung brachte subeventualiter – im Falle der Verurteilung wegen
versuchter Tötung – zusammengefasst vor, es solle eine Freiheitsstrafe von
höchstens 42 Monaten ausgesprochen werden; die vorinstanzliche Strafzumes-
sung sei gründlich zu überdenken. Wenn man die Versuchsvariante genau durch-
denke, sei dieser Versuch gar nicht vollständig zu Ende geführt worden, denn die
Privatklägerin habe den Beschuldigten kraft ihrer beiden Hände vom Hals des
Privatklägers losgerissen. Damit sei der Vorgang der versuchten Tötung in seiner
Anfangsphase unterbrochen worden. Der Tötungsversuch sei nicht beendet ge-
wesen. Die Einsatzstrafe sei viel zu hoch angesetzt. Die Vorinstanz gewichte das
Gesamtverschulden des Beschuldigten als nicht mehr leicht, taxiere es aber doch
nicht als schweres Verschulden, und siedle deshalb selber die Einsatzstrafe im
unteren Drittel des zur Verfügung stehenden Strafrahmens (5-10 Jahre) an, wel-
che sie jedoch auf enorm hohe hypothetische 8-10 Jahre erhöhe. Die Vorinstanz
unterlasse dabei die Überlegung, dass der Strafrahmen nach unten offen stehe.
Es lasse sich somit mit Fug argumentieren, dass die Einsatzstrafe im unteren
Rand vom unteren Drittel anzusiedeln sei, das heisse bei vier Jahren. Ziehe man
den Umstand des unvollendeten Versuchs in Betracht, gewichte man auch die
Provokation, die schwere Beleidigung und die leicht verminderte Schuldfähigkeit
etwas stärker und berücksichtige man die Realkonkurrenz mit der Tätlichkeit so-
wie sein Palmarès an Vorstrafen leicht straferhöhend, so sei eine Bestrafung von
nicht mehr als 3 1⁄2 Jahren angemessen (HD Urk. 133 S. 42 ff.).
Die Staatsanwaltschaft führte zum Strafmass aus, das kriminelle Vorleben
des Beschuldigten sei zu wenig berücksichtigt worden. Gerade die letzten zwei
Vorstrafen, insbesondere diejenige vom 4. Dezember 2003, seien nicht nur erheb-
lich, sondern stark straferhöhend zu berücksichtigen. Wer das Urteil vom
4. Dezember 2003 lese, erschrecke über das brutale Vorgehen des Beschuldig-
ten, dessen Motiv damals niedere Rache gewesen sei, wobei es auch damals
zum Nachteil eines Geschädigten zu einem Würgen gekommen sei. Ausgangs-
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gemäss erscheine eine Freiheitsstrafe von elf Jahren als angemessen und nicht
als massiv zu hoch (Urk. 135 S. 2).
2. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen bezüglich Freiheitsstrafe und Busse
korrekt abgesteckt. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann vorab auf
die diesbezüglichen Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden
(HD Urk. 82 S. 42 f.). Zu ergänzen ist, dass die tat- und täterangemessene Strafe
grundsätzlich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens der (schwersten) anzu-
wendenden Strafbestimmung festzusetzen ist (SCHWARZENEGGER/HUG/JOSITSCH,
Strafrecht II, 8. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2007, S. 74). Dieser Rahmen ist vom Ge-
setzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen konkreten Um-
ständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer auch in der Praxis verbreiteten Auf-
fassung wird der ordentliche Strafrahmen durch Strafschärfungs- oder Strafmilde-
rungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann innerhalb dieses neuen
Rahmens die Strafe nach den üblichen Zumessungskriterien festzusetzen wäre
(Urteil 6S.73/2006 vom 5. Februar 2007 E. 3.2). Zwar ist auch in der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung darauf hingewiesen worden, das Gesetz sehe eine
Strafrahmenerweiterung vor (vgl. BGE 116 IV 300 E. 2a S. 302). Damit sollte aber
nur ausgedrückt werden, dass der Richter infolge eines Strafschärfungs- bzw.
Strafmilderungsgrundes nicht mehr in jedem Fall an die Grenze des ordentlichen
Strafrahmens gebunden ist. Der ordentliche Rahmen ist nur zu verlassen, wenn
aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedroh-
te Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (SCHWARZENEGGER/
HUG/JOSITSCH, a.a.O.). Die Frage einer Unterschreitung des ordentlichen Straf-
rahmens kann sich stellen, wenn verschuldens- bzw. strafreduzierende Faktoren
zusammentreffen, die einen objektiv an sich leichten Tatvorwurf weiter relativie-
ren, so dass eine Strafe innerhalb des ordentlichen Rahmens dem Rechtsempfin-
den widerspräche. Dabei hat der Richter zu entscheiden, in welchem Umfang er
den unteren Rahmen wegen der besonderen Umstände erweitern will. Der vom
Gesetzgeber vorgegebene ordentliche Rahmen ermöglicht in aller Regel, für eine
einzelne Tat die angemessene Strafe festzulegen. Er versetzt den Richter na-
mentlich in die Lage, die denkbaren Abstufungen des Verschuldens zu berück-
sichtigen. Eine verminderte Schuldfähigkeit allein führt deshalb grundsätzlich nicht
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dazu, den ordentlichen Strafrahmen zu unterschreiten. Dazu bedarf es weiterer
ins Gewicht fallender Umstände, die das Verschulden als besonders leicht er-
scheinen lassen (zum Ganzen: BGE 136 IV 55 Erw. 5.8.).
3. Innerhalb des festgelegten Strafrahmens misst das Gericht die Strafe
nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die
persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben (Art. 47
Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Ge-
fährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den
Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter
nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder
Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt bei der Strafzu-
messung ist die objektive Tatschwere, d.h. die Schwere der Verletzung oder Ge-
fährdung des betroffenen Rechtsguts bzw. der schuldhaft verursachte Erfolg.
Ebenso massgeblich ist die subjektive Tatschwere, die sich aus der Intensität des
deliktischen Willens sowie den Beweggründen für die Tat ergibt. Mit zu berück-
sichtigen sind schliesslich das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Täters.
Die objektive Tatschwere würde bei vollendeter Tat eine Einsatzstrafe von
ca. 12 Jahren gebieten. Das Vorgehen des Beschuldigten offenbart in einer Ge-
samtbetrachtung nämlich ein erhebliches Gewalt- und Aggressionspotential. Er
übte einen brutalen und schmerzhaften Tatversuch aus, der allerdings nur sehr
kurz dauerte. Selbst drei Tage nach der Tat wies der Privatkläger deutlich erkenn-
und sichtbare Würgemale bzw. Hämatome auf (HD Urk. 15/1 S. 1 f.; HD Urk. 15/2
S. 6 und S. 8 f.), die auf ein grobes, brutales Vorgehen hindeuten. Verschuldens-
erschwerend ist ferner zu veranschlagen, dass dem Angriff des Beschuldigten
zwar eine verbale Auseinandersetzung voranging, die massive Attacke auf seine
Person konnte der Privatkläger aber dennoch nicht vorhersehen, weshalb er ent-
sprechend wehr- und chancenlos war. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte dem
Privatkläger in körperlicher Hinsicht weitaus überlegen war. Verschuldensmin-
dernd und zu Gunsten des Beschuldigten wirkt einerseits, dass es sich um eine
spontane, nicht von langer Hand geplante Tat handelte, und andererseits, dass
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der Privatkläger gemäss Einschätzung seines Hausarztes kaum körperliche Fol-
gen davon tragen wird (HD Urk. 19/5). Das objektive Tatverschulden ist demge-
mäss, ohne Berücksichtigung des Versuchs, als mittelschwer einzustufen.
Was die subjektive Tatschwere betrifft, so ist festzuhalten, dass der Be-
schuldigte lediglich eventualvorsätzlich gehandelt hat. Dies führt zu einer Reduk-
tion der Strafe um etwa einen Viertel. Verschuldensmindernd in gleichem Aus-
mass wirkt die beim Beschuldigten festgestellte leichtgradig verminderte Schuld-
fähigkeit gemäss Gutachten von Dr. med. H._ und med. pract. I._ (HD
Urk. 27/11/8 S. 45). Ebenfalls zu Gunsten des Beschuldigten im Umfang von rund
sechs Monaten zu veranschlagen ist, dass seinem Angriff Provokationen seitens
des Privatklägers vorangegangen sind. Gesamthaft betrachtet vermag das sub-
jektive Tatverschulden das objektive demnach erheblich zu relativieren.
Das Gesamtverschulden wiegt demzufolge nicht mehr leicht, weshalb sich
eine (hypothetische) Einsatzstrafe von rund 6 1⁄4 bis 6 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe als
angemessen erweist.
Dass die Tat nicht zur Vollendung gelangte, sondern es beim Versuch – und
zwar bei einem unvollendeten, nicht vollendeten Versuch – blieb, ist mit einer Re-
duktion der Einsatzstrafe um ungefähr einen weiteren Drittel zu veranschlagen.
Die Vorgehensweise der Vorinstanz (vgl. HD Urk. 82 S. 44 f.) nimmt darauf, dass
vorliegend der Taterfolg ausgeblieben ist, zu wenig Rücksicht. Lehre und Recht-
sprechung verlangen, dass der Versuch einer Tat stets zu einer milderen Strafe
als bei einem vollendeten Delikt führen müsse; ein Versuch wiege ja prinzipiell
weniger schwer. Dieser Auffassung ist zu folgen. Aus diesem Grund erweist sich
die von der Vorinstanz festgelegte Einsatzstrafe von acht bis zehn Jahren als von
vornherein übersetzt. Angemessen erscheint – unter Berücksichtigung des Vor-
liegens gleich mehrerer Strafmilderungsgründe – eine Einsatzstrafe für die Tat-
komponente von 4 1⁄2 bis 5 Jahren Freiheitsstrafe.
4. Was die Täterkomponente bei der Strafzumessung angeht, so hat die
Vorinstanz die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten und sein Vorleben
zutreffend wiedergegeben (vgl. HD Urk. 82 S. 45 f.). In der Berufungsverhandlung
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ergab sich ergänzend, dass der Beschuldigte von einem Gericht in Hamburg von
seiner dritten Ehefrau geschieden wurde (HD Urk. 131 S. 4). Zudem erklärte er, er
habe Schulden beim Betreibungsamt in der Höhe von Fr. 20'000.– (a.a.O. S. 5).
Es geht allerdings nicht an, festzustellen, dass dem Beschuldigten die zahlreichen
"mehr als zehn Jahre zurückliegenden Vorstrafen nicht mehr entgegengehalten"
würden und gleichzeitig und speziell – wie es die Vorinstanz, wenn auch unter
dem Titel Vorleben, getan hat (HD Urk. 82 S. 46) – die "lang andauernde kriminel-
le Aktivität" des Beschuldigen "gewichtig" in die Waagschale zu werfen. Strafer-
höhend haben sich vielmehr einzig die drei neueren Vorstrafen des Beschuldigten
aus Deutschland auszuwirken. Dabei handelt es sich um folgende Verurteilungen
(vgl. HD Urk. 27/5):
− 1. April 2003: Amtsgericht Hamburg-Harburg, vorsätzliche Trunkenheit im
Verkehr in Tateinheit mit Führen eines Kraftfahrzeugs ohne Fahrerlaubnis,
4 Monate Freiheitsstrafe, Bewährungszeit 2 Jahre, später widerrufen;
− 4. Dezember 2003: Landgericht Hamburg, schwerer Raub in Tateinheit mit
gefährlicher Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung sowie Körper-
verletzung, 4 Jahre Freiheitsstrafe;
− 3. August 2004: Amtsgericht Hamburg, vorsätzliche Körperverletzung,
10 Monate Freiheitsstrafe.
Von diesen Vorstrafen wirken sich – wie die Vorinstanz richtig festgehalten
hat – insbesondere die beiden, welche Gewaltanwendung gegen andere Men-
schen betrafen, ganz erheblich straferhöhend aus. Die entsprechende Straferhö-
hung hat im Umfang von rund einem bis 1 1⁄2 Jahren auszufallen.
Andere Strafzumessungsfaktoren sind nicht auszumachen, zumal der Be-
schuldigte weder geständig ist, noch etwa Reue gezeigt hat. Zusammengefasst
ist die Freiheitsstrafe für den eventualvorsätzlichen Tötungsversuch auf 6 Jahre
festzulegen. Daran ist die bis heute erlittene Haft von 1'008 Tagen anzurechnen
(Art. 51 StGB).
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Was die Ahndung der Tätlichkeiten betrifft, kann auf die zutreffenden Erwä-
gungen der Vorinstanz verwiesen werden (HD Urk. 82 S. 48). Dem diesbezügli-
chen Verschulden und den finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten wird die
auf Fr. 2'000.– bemessene Busse, entsprechend einer Ersatzfreiheitsstrafe von
20 Tagen, durchaus gerecht.
V. Massnahme
Die Vorinstanz hat für den Beschuldigten eine psychiatrische Therapie im
Sinne einer vollzugsbegleitenden ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63
Abs. 1 StGB angeordnet. Der Beschuldigte hatte dies vor Vorinstanz zwar nicht
befürwortet, gegen die Massnahme im Berufungsverfahren jedoch keine Einwän-
de erhoben bzw. lediglich die Frage aufgeworfen, wieso er als Unschuldiger eine
Therapie machen solle (HD Urk. 131 S. 6). Dennoch hat die angeordnete Mass-
nahme als mitangefochten zu gelten, da sie an die angefochtene Verurteilung
wegen Tötungsversuchs anknüpft.
Die Vorinstanz stützte sich für ihren Entscheid massgeblich auf das psychi-
atrische Gutachten der Ärzte Dr. med. H._ und med. pract. I._ vom
1. Juni 2011 (HD Urk. 27/11/8) und berücksichtigte ebenso ein aus dem Jahre
2007 stammendes psychologisches Gutachten von Dipl.-Psych. J._ (HD
Urk. 27/10/16, 1. Bündel, S. 85-100).
Der Vorinstanz ist darin zu folgen, dass auf dieser Basis eine vollzugsbeglei-
tende ambulante psychiatrische Behandlung indiziert erscheint, wobei der Fokus
der Behandlung auf die problematischen Persönlichkeitsbereiche des Beschuldig-
ten (erhöhte Kränkbarkeit, Gewaltbereitschaft im Zusammenhang mit einer ver-
minderten Impulskontrolle) zu legen ist und auch sein Alkoholkonsum miteinbezo-
gen werden muss (HD Urk. 82 S. 49-51).
Die Anordnung der Massnahme durch die Vorinstanz ist deshalb zu bestäti-
gen.
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VI. Kostenfolge
Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenregelung (Dispositiv-Ziffer 6)
zu bestätigen. Der Beschuldigte dringt mit seiner Berufung im Schuldpunkt nicht
durch. Allerdings erwirkt er eine erhebliche Reduktion der Strafe (Reduktion von
drei Jahren), weshalb ihm lediglich zwei Drittel der Kosten des zweitinstanzlichen
Verfahrens aufzuerlegen sind. Die übrigen Kosten und die Kosten der amtlichen
Verteidigung im Berufungsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu nehmen (unter
Vorbehalt der Nachforderung der Verteidigungskosten gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO).