Decision ID: b75e0cd7-d9a4-44dd-bf78-d816bb8dff61
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend Versicherter) meldete sich im März 2013 unter Hinweis auf seit
2003 bestehende Schulterblatt-, Rücken- und Knieschmerzen zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an
(IV-act. 4).
A.a.
Der Versicherte hatte in B._ eine vierjährige Lehre zum
Landwirtschaftsmechaniker absolviert (IV-act. 105-3, 127-72), war 1986 in die Schweiz
eingereist (IV-act. 4-2) und seit 1991 in einem Vollpensum als Monteur bei der C._
AG tätig (IV-act. 2-2, 20). Dort erzielte er im Jahr 2013 ein monatliches Einkommen von
Fr. 4'680.-- (x 13; vgl. IV-act. 20). Am 21. Juni 2013 wurde dem Versicherten per 31.
März 2014 gekündigt (IV-act. 30), nachdem er am 15. März 2013 seinen letzten
effektiven Arbeitstag gehabt hatte (vgl. IV-act. 20.1).
A.b.
Vom 16. Mai bis 5. Juni 2013 hatte sich der Versicherte in den Kliniken Valens
aufgehalten. Die Abteilungsärztin und der Chefarzt Rheumatologie hatten 1. eine
schwergradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.21), 2. ein
lumbospondylogenes Syndrom rechts, 3. eine beginnende Gonarthrose rechts und 4.
Schulterschmerzen rechts bei myofaszialen Befunden im Schultergürtel rechts
diagnostiziert. Für die Dauer des stationären Aufenthalts und bis auf weiteres bestehe
eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 26-7 ff.).
A.c.
Im Anschluss an den Aufenthalt in den Kliniken Valens hielt sich der Versicherte
bis 16. August 2013 in der Psychiatrischen Klinik D._ auf. In psychiatrischer Hinsicht
diagnostizierten die Ärzte eine schwere depressive Episode ohne psychotische
A.d.
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B.
Symptome (ICD-10: F32.2) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10: F45.4). Sie attestierten ihm eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit, wobei nach dem
nächsten, für September geplanten stationären Aufenthalt vorgesehen sei, dass der
Versicherte stufenweise wieder arbeiten könne (IV-act. 38-1 ff.).
Dieser fand vom 16. September bis 4. Oktober 2013 (nach gemeinsamen Ferien
mit seiner Ehefrau [IV-act. 38-4]) erneut in der Psychiatrischen Klinik D._ statt.
Danach folgte eine teilstationäre Behandlung bis 13. Dezember 2013. Im Bericht vom
27. Februar 2014 empfahlen die verantwortlichen Fachpersonen die stufenweise
Aufnahme einer Arbeitstätigkeit, die an die Beschwerden des Versicherten angepasst
sei (Wechsel der Positionen). Aus psychiatrischer Sicht bestehe bei Austritt eine
Arbeitsfähigkeit von 50% (IV-act. 42).
A.e.
Mit Bericht vom 10. März 2014 bescheinigte Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Innere Medizin und Allgemeine Medizin, dem Versicherten vom 16. April 2013 bis auf
weiteres eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit und empfahl eine stufenweise Aufnahme
einer Arbeitstätigkeit, die seinen Beschwerden angepasst sei (IV-act. 43-5 ff.).
A.f.
Im April 2014 wurde das Verfahren zur Abklärung und Durchführung der
beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten und -massnahmen zufolge Wohnortswechsels
des Versicherten an die IV-Stelle des Kantons Zürich delegiert (IV-act. 48 ff.).
B.a.
Vom 7. Oktober bis 4. November 2014 wurde das Potential des Versicherten bei
F._ abgeklärt (IV-act. 56, 59, 76). In der Folge wurde auf Anraten der Institution ein
dreimonatiges Belastbarkeitstraining durchgeführt (IV-act. 78, 82), anschliessend ein
sechsmonatiges Aufbautraining bis 4. August 2015 (IV-act. 80, 84, 91), welches zuerst
bis 4. Februar 2016 und dann bis 4. August 2016 verlängert wurde (IV-act. 88, 94).
Sämtliche Massnahmen erfolgten unter Anleitung/im Rahmen der F._ wobei auch
externe Einsätze durchgeführt wurden (IV-act. 91-8). Insbesondere konnte der
Versicherte bis zum Ende des Aufbautrainings bei gutem Zeugnis in einem 50%-
Pensum bei der G._ AG in I._ arbeiten (IV-act. 92-8, 98-4). Das gewünschte
Arbeitsverhältnis zu einem Pensum von 50% kam aus betrieblichen Gründen in der
Folge nicht zustande (IV-act. 91-6, 105-6, 106-15).
B.b.
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C.
Mit Bericht vom 29. Juni 2016 hatte Dr. med. H._, Leitender Arzt der Schmerz-
und Komplementärmedizin im Spital I._, in dessen Behandlung der Versicherte seit
November 2014 stand, ausgeführt, dass trotz ausgebauter schmerzmedizinischer
Behandlung und psychiatrischer Betreuung der Zustand des Versicherten seit über
einem Jahr nicht habe verbessert werden können. Auf der anderen Seite habe das
momentane Belastungsprofil (leichte Wechselarbeit ohne Heben und Tragen von
Lasten über 15 Kilogramm) von 50% erhalten werden können. Mit den medizinischen
Behandlungen könne die Arbeitsfähigkeit von 50% höchstwahrscheinlich
aufrechterhalten werden. Eine Steigerung sei unwahrscheinlich. Insbesondere die
schwer depressiven Episoden mit Suizidalität liessen eine Steigerung der
Leistungsfähigkeit nicht zu (IV-act. 102-4 f.).
B.c.
Am 6. September 2016 teilte die IV-Stelle des Kantons Zürich dem Versicherten
mit, dass die Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen seien. Trotz intensiver
Bemühungen und Unterstützung seit dem 9. Oktober 2014 sei es nicht gelungen, ihn in
den Arbeitsmarkt zu integrieren. Es werde nun der Anspruch auf eine Rente geprüft (IV-
act. 108). Zur Rentenprüfung wurde das Verfahren wieder der IV-Stelle St. Gallen
zugewiesen (IV-act. 109).
B.d.
Im Bericht vom 1. September 2016 hatte Dr. H._ ausgeführt, dass der
gesundheitliche Zustand beim Versicherten bezüglich seiner Schmerzsymptomatik
mehr oder weniger konstant sei und eine medizinische Massnahme zur Verbesserung
seiner Schmerzen nicht bestehe. Aufgrund der Aufgabe des Arbeitsplatzes (G._ AG)
habe sich die psychische Situation enorm verschlechtert. Der Versicherte sei stark
depressiv und auch suizidal (IV-act. 107-1).
C.a.
In der Folge holte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen Arztberichte der
behandelnden Ärzte ein (IV-act. 113, 114, 115, 117, 121) und gab, nach Vorlage der
Akten an den regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 123), am 12. Januar 2017 eine
bidisziplinäre Begutachtung des Versicherten bei der Abklärungsstelle IME –
Interdisziplinäre Medizinische Expertisen Prof. Dr. med. J._ & Kollegen, St. Gallen
(nachfolgend: IME) durch Dr. med. K._, FA Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie, und Prof. Dr. med. habil. J._, FMH Neurologie, FMH Psychiatrie und
C.b.
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Psychotherapie, SSIPM Interventionelle Schmerztherapie, SGV Vertrauensarzt und
zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, in Auftrag (IV-act. 125 f.). Die
Untersuchungen wurden am 3. und 14. Februar 2017 durchgeführt und das Gutachten
am 1. März 2017 der IV-Stelle zugestellt (IV-act. 127-1). Darin wurden ein chronisches
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, ein chronisches zervikozephales
Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie, eine Blockierung der Kreuzdarmbeingelenke
beidseits (ISG-Blockade) sowie eine medial betonte Gonarthrose des rechten
Kniegelenks diagnostiziert. Diesen Diagnosen massen die Gutachter Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit zu. Weiter diagnostizierten sie psychologische Faktoren und
Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten, eine
Persönlichkeitsakzentuierung mit unreifen Anteilen, eine chronifizierte rezidivierende
depressive Störung (gegenwärtig mittelgradig), Probleme in Verbindung mit Ausbildung
und Bildung, Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit,
Probleme in Verbindung mit ökonomischen Verhältnissen, Anpassungsprobleme bei
Veränderungen der Lebensumstände, Probleme in der Beziehung zum Ehepartner und
sonstige näher bezeichnete Probleme in der primären Bezugsgruppe. Diesen Befunden
massen sie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu (IV-act. 127-2 f.). In der
angestammten Tätigkeit sei der Versicherte seit März 2013 nicht mehr arbeitsfähig.
Unter Wahrung von Schonkriterien bestehe für eine knie- und rückenadaptierte
Tätigkeit mit intermittierender stehender, gehender und sitzender Körperposition aus
orthopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht bezogen auf ein volles Pensum seit der
Antragstellung eine quantitativ unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100%. Aus
bidisziplinärer Sicht sei der orthopädischen Einschätzung zu folgen (IV-act. 127-5).
In der Folge wurde das Gutachten dem RAD vorgelegt (IV-act. 132). Mit
Vorbescheid vom 21. Juni 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten bei einem
Invaliditätsgrad von 0% die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act.
135). Dagegen liess die ipw, Integrierte Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland, in
deren tagesklinischer Behandlung der Versicherte seit dem 21. August 2017 stand, in
dessen Namen am 28. September 2017 Einwand erheben. Mit dem psychiatrischen
Gutachten sei man nicht einverstanden, da jene erhobenen Befunde einen
massgeblichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Die verantwortlichen Personen
diagnostizierten beim Versicherten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
C.c.
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D.
mittelgradige Episode, sowie eine chronische Schmerzstörung mit körperlichen und
psychischen Faktoren. Aus psychiatrischer Sicht sei bezüglich Wiedererlangung der
attestierten vollen Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt von einer ungünstigen
Prognose auszugehen. Aufgrund des bisherigen Krankheits- und Behandlungsverlaufs,
der gezeigten Leistungsfähigkeit in der abgeschlossenen Reintegrationsmassnahme
(50%-ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit, körperlich leicht und
wechselbelastend) und den beobachtbaren Leistungsbeeinträchtigungen in der
aktuellen Arbeitstätigkeit in einem 20%-igen Pensum als Hauswart sei allerhöchstens
von der Wiedererlangung einer Teilarbeitsfähigkeit von 50% auf dem ersten
Arbeitsmarkt auszugehen. Ohne hinreichende Anpassung der Leistungsanforderungen
sei im Gegenteil mit einer Verschlechterung und weiteren Chronifizierung des
psychiatrischen Krankheitsbilds mit konsekutiver Vollinvalidität zu rechnen (IV-act.
148). Mit Verfügung vom 30. Oktober 2017 verneinte die IV-Stelle bei 100%-iger
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit einen Rentenanspruch (IV-act. 150).
Gegen diese Verfügung reichte der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer),
vertreten durch Rechtsanwältin MLaw Aurelia Jenny, Zürich, am 30. November 2017
eine Beschwerde ein. Es wird beantragt, dass die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 30. Oktober 2017 aufzuheben und dem Beschwerdeführer
ab August 2016 eine Rente auszurichten sei. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin
anzuweisen, den medizinischen Sachverhalt rechtsgenüglich abzuklären. Unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1).
D.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 16. Februar 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
D.b.
In der Replik vom 6. April 2018 liess der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde festhalten (act. G 8). Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung
einer Duplik verzichtet (act. G 10).
D.c.
Am 11. Oktober 2019 reichte Rechtsanwältin Jenny ihre Kostennote über Fr.
5'253.70 ein (act. G 12). Diese wurde der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis gebracht
(act. G 13).
D.d.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist ein Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
2.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
D.e.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.1.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
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Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und
das Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; vgl. ferner
Thomas Flückiger, Medizinische, insbesondere hausärztliche Berichte und ihre
Beweiskraft – mit einem Seitenblick auf die medizinischen Gutachten, in: Kieser/
Lendfers [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2013, St. Gallen 2014, S. 138 ff.). In
Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb und cc). Dies gilt auch für Stellungnahmen behandelnder
Spezialärzte (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 6. April
2006, I 803/05, E. 5.5). Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der
Verwaltung bei externen Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche
Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
beachten (Urteil des EVG vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht
zulässig, ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen gelangen oder an vorgängig
geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Vorbehalten bleiben aber Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte
2.3.
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3.
Um den Invaliditätsgrad festlegen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen.
benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Die Verwaltung resp. das Gericht dürfen eine Tatsache nur
dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im
Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht
etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts
genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als
die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen).
2.4.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Ablehnung des Rentenanspruchs
entscheidend auf das psychiatrisch-orthopädische Gutachten der Abklärungsstelle IME
(IV-act. 127), welches dem Beschwerdeführer ab März 2013 eine 100%-ige
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten bescheinigt. Zu prüfen ist nachfolgend, ob
dem IME-Gutachten materiell-rechtlich gefolgt werden kann oder ob konkrete Indizien
gegen dessen Zuverlässigkeit sprechen (vgl. vorstehende E. 2.3).
3.1.
Der Beschwerdeführer spricht dem IME-Gutachten den Beweiswert ab. Es könne
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht oder nur begrenzt beigezogen werden. Auf
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
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die einzelnen Kritikpunkte wird – soweit entscheidwesentlich – nachfolgend konkret
eingegangen.
3.3.
Dem orthopädischen Gutachten von Dr. K._ (IV-act. 127 S. 82 bis 135) liegt
eine umfassende persönliche klinische Untersuchung (inkl. eigener nativradiologischer
Bildgebung; IV-act. 127 S. 121 f.) des Beschwerdeführers zugrunde (IV-act. 127 S. 102
ff.). Die somatische (Kranken-)Geschichte und deren dazugehörende Dokumente
wurden in die Beurteilung einbezogen (IV-act. 127 S. 124 ff.). Auch konnte sich der
Beschwerdeführer zu seinen Beschwerden und deren Entwicklung ausführlich äussern
(IV-act. 127 S. ff.). Gestützt darauf wurden die somatischen Diagnosen, welche im
Wesentlichen mit den Befunden der behandelnden Ärzte übereinstimmen (vgl.
insbesondere IV-act. 26, 115), überzeugend gestellt (IV-act. 127 S. 123) und ein
begründetes Belastungsprofil erstellt (IV-act. 127 S. 130; vgl. Sachverhalt lit. C.b).
3.3.1.
Wie die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers zutreffend feststellt, äussert
sich Dr. K._ in Bezug auf den Verlauf der Arbeitsunfähigkeit aufgrund der
somatischen Problematik auf den ersten Blick widersprüchlich. Zum einen spricht er
von einer seit Antragstellung (März 2013) zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 100% in
adaptierter Tätigkeit (IV-act. 127 S. 131), zum anderen geht er von einem nach Ausbau
einer multimodalen Schmerztherapie noch verbesserungsfähigen Gesundheitszustand
mit damit einhergehender Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aus ("sukzessive
Integration in das Arbeitsleben in einer adaptierten Tätigkeit mit einem schrittweisen
Ausbau des Arbeitspensums"; IV-act. 127 S. 133). Dies könnte dahingehend
missverstanden werden, dass er im Begutachtungszeitung (Februar 2017) ein
Vollpensum für noch nicht zumutbar erachtete. Der vermeintliche Widerspruch kann
aber in dem Sinne ausgeräumt werden, als es sich bei der Einschätzung einer 100%-
igen Arbeitsfähigkeit um die ausschlaggebende medizinisch-theoretische Beurteilung
handelt, bei der Empfehlung eines schrittweisen Ausbaus des Arbeitspensums bei
multimodaler Schmerztherapie hingegen lediglich um einen Hinweis zur
sozialpraktischen Umsetzung der beruflichen Eingliederung. Die Empfehlung des
schrittweisen Pensumsausbaus erfolgte denn auch lediglich im Kapitel H mit der
Überschrift "Hinweise zur Wiedereingliederung" und nicht im früheren Kapitel F, das
sich mit der Arbeitsfähigkeit befasste und in seinen Aussagen klar und eindeutig ist.
3.3.2.
Weiter lässt der Beschwerdeführer geltend machen, dass eine neurologische
oder elektromyographische Abklärung unabdingbar gewesen wäre. Nachdem ein
früheres MRI keinen Hinweis auf ein Nervenkompressionssyndrom gezeigt hatte (IV-
3.3.3.
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act. 127 S. 86, IV-act. 121), konnte im Begutachtungszeitpunkt auf weitere
neurologische Abklärungen verzichtet werden. Dies umso mehr, als gemäss Bericht
vom 7. Dezember 2016 des Kantonsspitals L._, Klinik für Neurochirurgie, am 20.
Dezember 2016 ein weiteres MRI erstellt worden war (IV-act. 121) und davon
ausgegangen werden kann, dass eine bildgebend ausgewiesene relevante
neurologische Einschränkung bzw. Veränderung zum vorgenannten Befund vom
Beschwerdeführer ins Recht gelegt worden wäre. Im Übrigen führte Dr. K._ auch eine
"orientierende orthopädisch-neurologische Untersuchung" durch, beschrieb
diesbezüglich bei im Übrigen unauffälligen Befunden eine rechtsseitig betonte, schräg
über den Unterschenkel verlaufende Minderung der Oberflächensensibilität sowie eine
Hypästhesie im Bereich der rechten Grosszehe entsprechend dem Dermatom L5 (IV-
act. 127 S. 119 f.) und berücksichtigte diesen Befund (sensorisch-sensible
Radikulopathie der Nervenwurzel L5 rechts; IV-act. 127 S. 123) in seiner
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung.
Letztlich führen die von der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ins Feld
geführten Einwände in Bezug auf das orthopädische Gutachten nicht dazu, dass
dessen Beweiswert in Zweifel zu ziehen wäre. Entsprechend kann darauf abgestellt
werden und der Beschwerdeführer ist aus somatischer Sicht für eine knie- und
rückenadaptierte Tätigkeit mit intermittierender stehender, gehender und sitzender
Körperposition seit der Anmeldung zum Bezug von Versicherungsleistungen (März
2013) als zu 100% arbeitsfähig zu betrachten (IV-act. 127 S. 130 f.). Daran vermag
schliesslich auch die Einschätzung von Dr. med. H._, Schmerz- und
Komplementärmedizin, Spital I._, im Bericht vom 29. Juni 2016 nichts zu ändern. Er
führt zwar aus, dass eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit höchstwahrscheinlich
aufrechterhalten werden könne, eine Steigerung aber unwahrscheinlich sei (IV-act.
115). Als Grund dafür benennt er indes nicht somatische Faktoren, sondern die schwer
depressiven Episoden, womit wohl auch Dr. H._ bei rein somatischer Symptomatik
von einer höheren als der attestierten 50%-igen Arbeitsfähigkeit ausginge. In diesem
Sinne äussert sich im Übrigen auch Dr. med. M._ vom RAD des Kantons Zürich mit
E-Mail vom 9. August 2016 (IV-act. 106-16).
3.3.4.
3.4.
Zu prüfen bleibt die Frage, ob auch auf das psychiatrische Teilgutachten von
Prof. Dr. J._ (IV-act. 127 S. 7 bis 81) abgestellt werden kann. Auch diesbezüglich ist
festzuhalten, dass die Beurteilung unter Einbezug und Diskussion der Vorgeschichte
bzw. der vorhandenen (medizinischen) Aktenlage erging (IV-act. 127 S. 11 ff.).
3.4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
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Anlässlich der Exploration konnte sich der Beschwerdeführer zu seinen Beschwerden
und deren Entwicklung äussern (IV-act. 127 S. 64 ff.). Die psychiatrische
Befunderhebung erfolgte in Anlehnung an das anerkannte AMDP-System (IV-act. 127
S. 69 f.). Auf der Basis der erhobenen Befunde stellte der Gutachter in Würdigung der
früheren diagnostischen Einschätzungen (IV-act. 127 S. 72 ff.) nachvollziehbar die
Diagnosen psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts
klassifizierten Krankheiten (ICD-10: Z73.1), eine Persönlichkeitsakzentuierung mit
unreifen Anteilen und eine chronifizierte rezidivierende depressive Störung
(gegenwärtig mittelgradig; ICD-10: F33.8), ätiologisch begründet durch multiple
psychosoziale Belastungsfaktoren (Probleme in Verbindung mit Ausbildung und
Bildung, Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit, Probleme in
Verbindung mit ökonomischen Verhältnissen, Anpassungsprobleme bei Veränderungen
der Lebensumstände, Probleme in der Beziehung zum Ehepartner und sonstige näher
bezeichnete Probleme in der primären Bezugsgruppe; Z-Diagnosen; IV-act. 127-79).
Prof. Dr. J._ führt in Würdigung der ergangenen divergierenden medizinischen
Aktenlage und in Beachtung der eigenen Untersuchung aus, dass seiner Meinung nach
die früher gestellte Diagnose (anhaltende somatoforme Schmerzstörung) nicht zu
stellen sei (IV-act. 127 S. 78). Die abschliessende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung beruht
auf einer objektiv-kritischen Prüfung der geltend gemachten Beschwerden und
Funktionseinschränkungen und erfolgte korrekterweise in Ausserachtlassung der
etlichen, unbestrittenermassen bestehenden psychosozialen Belastungsfaktoren (IV-
act. 127 S. 80). Das psychiatrische Teilgutachten erscheint gestützt auf das Gesagte
umfassend, medizinisch nachvollziehbar und schlüssig begründet.
Mit Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2017 wurde entschieden, dass
sämtliche psychischen Erkrankungen, inklusive depressiver Störungen, dem
strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien (BGE 143 V
409 bzw. 418). Die Absicht dieser Rechtsprechung ist es, das tatsächlich erreichbare
Leistungsvermögen unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren
Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen)
anderseits zu beurteilen (BGE 141 V 294 E. 3.6). Die darauf beruhenden Folgerungen
müssen schliesslich einer Konsistenzprüfung standhalten, welche einerseits die
Teilfragen der gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen
vergleichbaren Lebensbereichen und andererseits den behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck umfasst (BGE 141 V 297 E.
4.1.3). Die Ausfertigung des IME-Gutachtens (März 2017) datiert vor dieser
Praxisänderung. Zum damaligen Zeitpunkt führte bereits die Therapierbarkeit/
3.4.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_130%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-281%3Ade&number_of_ranks=0#page281
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Behandelbarkeit von depressiven Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur dazu, dass
ihnen in der Regel eine invalidisierende Wirkung abzusprechen war (vgl. die Gründe
und Ausnahmen dazu in Urteil des Bundesgerichts vom 16. April 2018, 9C_445/2017,
E. 3.1, mit Hinweisen). Entsprechend leuchtet es ein, dass Prof. Dr. J._ aufgrund der
diagnostizierten und noch therapierbaren/behandelbaren mittelgradigen depressiven
Störung zum Schluss gelangte, dass kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter
Gesundheitsschaden vorliege und der Beschwerdeführer zu 100% arbeitsfähig sei (IV-
act. 127-80). Zu prüfen ist, ob die Einschätzung einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit auch
vor der genannten neuen Rechtsprechung standhält. Diesbezüglich ist festzuhalten,
dass gemäss früherem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se ihren
Beweiswert verlieren. In sinngemässer Anwendung der materiell-beweisrechtlich
geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen
administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten – gegebenenfalls
im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im
Lichte der massgebenden Indikatoren erlauben oder nicht (Urteil des Bundesgerichts
vom 16. April 2018, 9C_271/2017, E. 2.2).
Der Diagnose einer chronifizierten rezidivierenden depressiven Störung ist
inhärent, dass die depressive Symptomatik zumindest während eines längeren
Zeitraums nicht mehr vollends abklingt. In dem Sinne haben die psychiatrischen
Behandlungen und die damit einhergehende Medikation nicht den gewünschten Erfolg
gebracht. Dennoch hat die psychiatrische Befunderhebung gezeigt, dass nebst
Störungen der Affektivität keine weiteren psychopathologischen Auffälligkeiten
bestehen. Das Gedächtnis ist intakt, Störungen der Konzentration und Aufmerksamkeit
werden nicht geltend gemacht und sind anlässlich der Exploration auch nicht
ersichtlich gewesen, der formale Gedankengang ist im Tempo nicht verzögert gewesen
und es haben keine Hinweise für Wahn oder Ich-Störung bestanden. Die Intelligenz
oder kognitive Begabung liegen im Normbereich und es handelt sich beim
Beschwerdeführer um eine werteorientierte und leistungsbereite Person (IV-act. 127 S.
70 f.), was sich auch anlässlich der beruflichen Integration gezeigt hat (vgl. vorstehend
Sachverhalt B.b). Die depressive Symptomatik führt damit nicht dazu, dass er im Alltag
nicht bestehen könnte. Anders gesagt verfügt er über relevantes
Kompensationspotential, das geeignet ist, dazu beizutragen, die funktionellen
Auswirkungen der depressiven Symptomatik gering zu halten. Dies zeigt sich auch in
seinem bei der Begutachtung beschriebenen Tagesablauf und den dabei möglichen
Aktivitäten. Morgens ist er um 6.30 Uhr aufgestanden, hat um 6.45 Uhr das Haus
verlassen, ist entweder selbst mit dem Auto oder mit einem Kollegen ins N._
3.4.3.
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gefahren und dort bis zum Mittag geblieben. Nach dieser Aktivität ist der
Beschwerdeführer nachmittags in der Lage und willens gewesen, persönliche
administrative Arbeiten zu erledigen (Stellensuche im Internet, Erledigung des
Postverkehrs etc.), ehe er zwischen 22.00 und 23.00 Uhr zu Bett gegangen ist (IV-act.
127 S. 67). Damit hat er selbst den Nachweis erbracht, dass er in der Regel genügend
Ressourcen aufweist, ganztags nutzbringenden Beschäftigungen nachzugehen. Im
Weiteren vermag der Beschwerdeführer ohne Begleitung erhebliche Strecken mit dem
Auto zurückzulegen (IV-act. 127 S. 59). Er bringt die dafür notwendigen kognitiven
Fähigkeiten (Konzentration im Strassenverkehr) offensichtlich mit. Es haben zwar auch
ressourcenhemmende Faktoren vorgelegen, namentlich die Schmerzproblematik und
die Belastungen in der Familie. Insgesamt haben aber die positiven Ressourcen
genügend Gewicht gehabt, um davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer trotz
der Schmerzproblematik und der depressiven Symptomatik über
Kompensationspotential verfügt hat, um den beruflichen Alltag zu meistern. Nebenbei
ist zu erwähnen, dass Rückschlüsse auf den effektiv empfundenen Leidensdruck des
Beschwerdeführers nur unzulänglich gezogen werden können. So belegen die Akten
keine ernsthaften Bemühungen um eine nachhaltige psychiatrische Therapie (etwa eine
Gesprächstherapie), ebensowenig sind ernsthafte Behandlungsversuche mit
Psychopharmaka verlässlich dokumentiert. Insgesamt vermag das psychiatrische
Teilgutachten auch im Lichte der neuen Rechtsprechung zu genügen und die
abschliessende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Prof. Dr. J._ erscheint aufgrund der
vorhandenen positiven Ressourcen in Beachtung von Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
nachvollziehbar. Entsprechend war in psychiatrischer Hinsicht im Verfügungszeitpunkt
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht eingeschränkt.
Die von der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers gegen die Verwertbarkeit
des psychiatrischen Teilgutachtens vorgetragenen Argumente vermögen an dieser
Beurteilung nichts zu ändern. Selbst wenn nebst der depressiven Symptomatik auch
noch eine Schmerzstörung zu diagnostizieren wäre, änderte dies nichts am oben
beschriebenen Kompensationspotential, das letztlich entscheidend zur
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung führte. Ausschlaggebend sind denn nicht die
Diagnosestellungen, sondern deren funktionellen Auswirkungen auf die
Leistungsfähigkeit (vgl. u.a. Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2017,
8C_130/2017, E. 6). Genügend einbezogen und damit beurteilbar wurden entgegen der
Rüge des Beschwerdeführers auch die persönlichen und sozialen Lebensumstände (IV-
act. 127 S. 75 f.). Nicht ersichtlich ist weiter, inwieweit ein Einbezug des Verhaltens des
Beschwerdeführers anlässlich der Exploration (Abbruch nach der psychiatrischen
3.4.4.
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Begutachtung) zu einer anderen Einschätzung hätte führen können. Trotz reduziertem
Selbstwertempfinden (IV-act. 127-70) ist der Beschwerdeführer in der Lage, seinen
Willen und seine Unzufriedenheit kundzutun sowie danach zu handeln. Auch dies sind
grundsätzlich Ressourcen, welche der Beschwerdeführer im Berufsleben einsetzen
kann.
Letztlich bemängelt der Beschwerdeführer das IME-Gutachten auch aufgrund
unzureichender Auseinandersetzung mit den Resultaten der beruflichen
Eingliederungsmassnahmen. Es trifft zu, dass die Gutachter sich mit dieser Thematik
eher knapp befasst haben (IV-act. 127 S. 81) und eine eingehendere Diskussion
wünschenswert gewesen wäre. Gemäss den Berichten der F._ konnte der
Beschwerdeführer seine Leistungsfähigkeit bei der G._ AG nicht auf ein Pensum von
über 50% steigern. Als Gründe dafür wurde die somatische Problematik genannt (vgl.
IV-act. 91-8: "Dieses lange Stehen verstärkte jedoch seine Schmerzen."; IV-act. 105-7:
"Beim längeren Sitzen am Bürotisch nahmen seine Rückenschmerzen zu."). Aus den
Berichten geht zudem hervor, dass die Arbeitstätigkeit oder zumindest die konkrete
Arbeitsausführung bei der G._ AG nicht optimal seinen somatischen Beschwerden
angepasst war ("Herr A._ wird mehr darauf achten müssen, in kürzeren Abständen
die Positionen zu wechseln, um seinen Körper zu entlasten."; IV-act. 91-8). Selbst
wenn wegen somatischer Beschwerden bei der G._ AG im entsprechenden Bereich
kein Pensum über 50% erreicht wurde, bedeutet dies demzufolge nicht und ist nicht
ersichtlich, dass besser adaptierte bzw. ergonomisch eingerichtete Tätigkeiten, welche
den Beschwerden entsprechend richtig ausgeführt werden, nicht in einem höheren
Pensum möglich und zumutbar sein sollten. Entsprechend lässt sich die Divergenz
zwischen der medizinischen Zumutbarkeit in optimal angepasster Tätigkeit gemäss
dem IME-Gutachten und der praktisch erprobten Leistungsfähigkeit anlässlich der
Eingliederungsmassnahmen genügend erklären. Konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der IME-Expertise können damit auf jeden Fall nicht begründet werden.
3.5.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt
rechtsgenüglich abgeklärt wurde. Dem Administrativgutachten kommt Beweiswert zu
und es besteht kein Anlass, bezüglich der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit
von dessen Einschätzungen abzuweichen. Damit ist überwiegend wahrscheinlich
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit seit
März 2013 nicht mehr arbeitsfähig ist. Unter Wahrung von Schonkriterien (vgl. IV-act.
127-4) besteht hingegen für eine knie- und rückenadaptierte Tätigkeit mit
intermittierender stehender, gehender und sitzender Körperposition seit März 2013 eine
Arbeitsfähigkeit von 100% (IV-act. 127-5). Folglich besteht offenkundig kein
3.6.
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4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.