Decision ID: 25271208-9e86-4001-ac67-b4d561acbe1e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964,
ist Inhaber des Einzelunternehmens
Y._
und der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Aus
gleichskasse, als
Selbständigerwerbender
angeschlossen.
Am 7
.
Dezem
ber
2020
und
7.
Januar 2021
meldete er sich bei der
Ausgleichskasse
für den Bezug einer Erwerbsausfallentschä
digung gestützt auf
die Verordnung über Mass
nah
men bei
Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19; Covid-19-Ver
ordnung Erwerbs
ausfall) an (Urk.
9
/
120
-121
, Urk.
9/132
).
In den Anmel
dungs
formularen machte er im Wesentlichen geltend, dass sein Einzelunternehmen aufgrund der behörd
lichen Massnahmen zu
r Bekämpfung von Covid-19 in der
Zeit
periode
vom 1
7.
September bis 3
1.
Dezember 2020 eine wesentliche Umsatz
ein
busse erlitten habe (
Urk.
9/120/3,
Urk.
9/121/3
,
Urk.
9/132/3
).
Mit Verfügung vom 8
.
Januar
202
1
wies die Ausgleichskasse den An
spruch von
X._
auf Ausrichtung einer Erw
erbsausfallentschädigung für den
Zeit
raum
vom
1
7.
Oktober (richtig:
September
) bis 3
1.
Dezember
2020 ab (Urk.
9
/
133
). Die dagegen von
X._
mit
Eingabe vom 12
. Januar 2021 erho
bene Einsprache (Urk.
9
/
134
) wies die Ausgleichskasse
mit
Einspracheentscheid
vom 19
. Februar 2021 ab (Urk. 2).
2.
2.1
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom
2
5. März 2021
(
Urk.
1)
Beschwerde. Er
beantragte, in Aufhebung des angefochtenen
Einsprache
ent
scheids
vom 1
9.
Februar 2021 und der Verfügung vom 8.
Februar 2021 sei die Beschwer
de
gegnerin anzuweisen, ihm umgehend eine Corona-Erwerbsausfall
entschädi
gung auszuzahlen
(Urk. 1
S. 3
).
Nebst anderen Unterlagen (
Urk.
3/1,
Urk.
3/3-7) reichte er
mit seiner Beschwerde
die Veranlagungsverfügung und Steuerrechnung des Kantonalen Steueramtes Zürich für die direkte Bundessteuer 2019 vom 1
2.
März 2021 ein (
Urk.
3/2).
2.2
Mit Eingabe vom 30. März 2021 (Urk. 5) berief sich der Beschwerdeführer erneut auf die Veranlagungsverfügung für die direkte Bundessteuer 2019 (Urk. 6/1). Er reichte zudem die Schlussrechnung des Steueramtes der Gemeinde
Z._
für die Staats- und Gemeindesteuer 2019 vom 26. März 2021 (6/2) ein.
2.3
Die Beschwerdegegnerin
beantragte mit Besc
hwer
deantwort vom 11
.
Mai 2021
Abweisung d
er Beschwerde (Urk. 8, unter Beilage der Kassenakten, Urk.
9/1-
1
74
), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 17.
Mai 2021 angezeigt wurde (Urk. 10
).
2.4
Der Beschwerdeführer reichte am
3.
Juni 2021 eine Stellungnahme zur Beschwer
deantwort der Beschwerdegegnerin vom 1
1.
Mai 2021 ein (
Urk.
11).
Die Beschwer
degegnerin erhielt eine Kopie dieser Eingabe (
Urk.
12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Verord
nun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohen
den schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusse
ren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf [maximal] sechs Monate, vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Ver
wal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des
Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützten - am 20. März 2020 die Covid-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall. Die Verordnung wurde rückwirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt (Art. 11 Abs. 1 und 2 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall vom 20. März 2020). Mit dem Bundesgesetz über die gesetzlichen Grundlagen für Verordnungen
des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie vom
25. September 2020 (Covid-19-Gesetz) wurde rück
wirkend per 17. September 2020
eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall ge
schaf
fen (Art. 15 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 3 Covid-19-Gesetz). Seit ihrem In
kraft
treten per 17. März 2020 wurde die Covid-19-Ver
ordnung Erwerbs
ausfall vom Bundesrat mehrfach geändert.
1.2
1.2.1
In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 130 V 445 E. 1.2.1). Weiter stellt das Sozialversicherungs
gericht bei der Beurteilung eines Falles
grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
1.2.2
Demnach ist die rechtliche Beurteilung des angefochtenen
Einspracheentscheids
(Urk. 2) anhand der bis
19. Februar 2021
gültig gewesenen Rechtsvorschriften vorzunehmen.
Ausschlaggebend ist sodann, dass sich der Beschwerdeführer
am 7. Dezember 2020 und
7.
Januar 2021 für die Ausrichtung einer Corona-
Erwerbsaus
fallent
schä
digung an
gemeldet hat
(Urk.
9/120
-121
, Urk.
9/132
)
und der
Einsprache
ent
scheid
die Erwerbsausfallentschädigung
d
er
Zeitperiode vom
17.
September
bis 31. De
zember
2020 betrifft (vgl.
Urk. 9/133
). Vorliegend
sind somit die vom Bun
desrat
am 4. November 2020 rück
wirkend per 17. Septem
ber 2020 in Kraft ge
setzten Art. 2 Abs. 3
bis
und Abs. 3
ter
der Covid-19-Verord
nung Erwerbsausfall
anwendbar
, und zwar nach den in den Monaten September
bis Dezember
2020 gültig gewesenen Vorschriften
. Soweit nicht anders vermerkt, werden sie nach
folgend in dieser Fassung zitiert.
1.3
1.3.1
Gemäss
Art.
2
Abs.
3
bis
der
Covid-19-Verordnun
g Erwerbsausfall
sind
Selb
stän
dig
erwerbende
im Sinne von Art. 12 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) und Personen nach Art. 31 Abs. 3
lit
. b und
lit
. c des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver
siche
rung und die Insolvenzentschädigung (
AVIG
), welche im Sinne des Bundes
gesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG) obli
gatorisch ver
sichert sind, anspruchs
berechtigt, wenn:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Mass
nahmen
zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b.
s
ie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; un
d
c.
sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbsein
kom
men von mindestens Fr. 10'000.-- erzielt haben; diese Voraussetzung
gilt sinngemäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurd
e; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese Voraussetzung proportional zu deren Dauer.
1.3.2
Die Erwerbstätigkeit gilt als massgeblich eingeschränkt, wenn pro Monat eine Umsatzeinbusse von mindestens 55 Prozent
(in der vorliegend anwendbaren, bis
18. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung; vom 19. Dezember 2020 bis 31. März
2021 waren es 40 Prozent und ab 1. April 2021 sind es 30 Prozent)
im
Ver
gleich
zum durchschnittlichen monatlichen Umsatz der Jahre 2015–2019 vorliegt. Wurde
die Tätigkeit nach 2015 und vor 2020 aufgenommen, so ist der Durch
schnitt der entsprechenden Erwerbsdauer massgebend. Personen, die ihre Erwerbstätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen haben, müssen nachweisen, dass pro Monat eine Umsatzeinbusse von mindestens 55 Prozent (ab 1. April 2021: 30 Prozent) im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz von mindestens drei Monaten vor
liegt; massgebend ist der Durchschnitt der drei Monate mit den höchsten Um
sätzen (Art.
2
Abs.
3
ter
der
Covid-19-Verordnun
g Erwerbsausfall).
1.3.3
Für die Bemessung der Entschädigung anspruchsberechtigter
Selbständiger
wer
bender
nach Art. 2 Abs. 1
bis
lit
. b Ziff. 2, Abs. 3 oder 3
bis
ist das AHV-pflichtige Erwerbseinkommen des Jahres 2019 massgebend. Sobald die Höhe der Entschä
digung festgesetzt wurde, kann sie nicht aufgrund einer aktuelleren Berech
nungs
grundlage neu festgesetzt werden (Art. 5 Abs. 2
ter
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall).
F
ür anspruchsberechtigte
Selbständigerwerbende
nach Art. 2 Abs. 1
bis
lit
. b Ziff. 2, Abs. 3 oder 3
bis
, die bereits eine Entschädigung gemäss dieser Verordnung in der bis zum 1
6.
September 2020 geltenden Fassung bezogen haben, bleibt die Berechnungsgrundlage die gleiche
(Art. 5 Abs. 2
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall)
.
1.4
1.4.1
Gemäss
Rz
1065 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz (KS CE), in der vorliegend massgebenden, ab 17. Septem
ber 2020 gültigen Version, bildet Grundlage für die Bemessung der Entschä
di
gung für selbstständig Erwer
bende grundsätzlich das Erwerbseinkommen, welches
im Jahr 2019 erzielt wurde. Als Basis ist das Einkommen zu verwenden, welches für die Festsetzung der Beitragsrechnungen für das Jahr 2019 (
Akonto
rech
nun
gen
) herangezogen wurde. Liegt im Zeitpunkt der Festsetzung der Ent
schädigung die definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2019 bereits vor, ist auf diese abzustellen. Für Anspruchsberechtige die bereits eine Entschädigung gemäss der
bis zum 16. September 2020 geltenden Version der Covid-19-Verord
nung Erwerb
s
ausfall bezogen haben, bleibt die Berechnungsgrundlage die gleiche (vgl. auch Art. 5 Abs. 2
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall).
1.4.2
Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer Natur nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen Ge
setzesanwendung
abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen
Auf
sichtsbehörde. Solche Verwaltungsweisungen sind wohl für die Durchfüh
rung
s
organe, nicht aber für die Gerichtsinstanzen verbindlich (BGE 118 V 206 E. 4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Be
stimmungen zulassen. Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 70 E. 4a mit Hinweisen).
2.
2.1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 1
9.
Februar 2021 hielt die Beschwer
degegnerin fest, der Beschwerdeführer habe zur Begründung seiner Einsprache vom 1
2.
Januar 2021 im Wesentlichen ausgeführt, dass er gemäss seiner Steuer
erklärung im Jahr 2019 ein Einkommen von mehr als
Fr.
10'000.
-- erzielt habe. Gemäss
Rz
1065 KS CE sei das Einkommen massgebend, welches für die
Akonto
rechnungen
2019 herangezogen worden sei. Liege im Zeitpunkt der Festsetzung der Entschädigung die definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2019 bereits vor, sei auf diese abzustellen (
Urk.
2 S. 1).
Des Weiteren bewirke eine später erfolgte Anpassung der
Akontorechnungen
2019 keine Änderungen in der Entschä
di
gung. Die Steuererklärung 2019 sei ebenfalls nicht massgeblich (
Urk.
2 S. 2).
Die
angefochtene leistungsablehnende
Verfügung vom
8.
Januar 2021 sei
damit
be
gründet
worden, dass der Beschwerdeführer für den Zeitraum vom 1
7.
Oktober (richtig: September) bis 31.
Dezember 2020 keinen Anspruch
auf eine Corona-Erwerbs
ausfallentschädigung habe, weil er im Jahr 2019 ein Einkommen unter
Fr.
10'000.-- abgerechnet habe (
Urk.
9/133/1). Die vom Beschwerdeführer gegen diese Verfügung erhobene Einsprache sei nach dem hiervor Ausgeführten abzu
weisen (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte
demgegenüber im Wesentlichen vor,
dass gemäss
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall lediglich vorausgesetzt sei, dass die
selb
ständigerwerbende
Person im Jahr mindestens ein Einkommen in der Höhe von
Fr.
10'000.-- erzielt habe
(Urk. 1 S. 1)
. Eine Abrechnung mit der Ausgleichs
kasse sei nicht notwendig. In
Rz
1041.2 KS CE sei ebenfalls nur davon die Rede, dass der Anspruchsberechtigte im Jahr 2019 ein AHV-pflichtiges Einkommen von mindestens
Fr.
10'000.-- erzielt haben müsse (
Urk.
1 S. 1
, Urk. 11 S. 1
).
Seit über 20 Jahren
erg
ebe
sich sein Einkommen
erst
aus dem
Jahresabschluss im Folge
jahr. Um vorsichtig zu sein, melde er der Beschwerdegegnerin zu Beginn des Jah
res jeweils ein tiefes provisorisches Einkommen. Die
Covid-19-Verord
nung Erwerbs
ausfall habe zum Ziel, den
Selbständigerwerbenden
einen Ersatz für den Umsatzeinbruch, welchen sie aufgrund der behördlichen Massna
hmen zur Be
kämp
fung von Covid-19
erlitten haben, zu leisten. Es sei d
aher auf den tatsäch
lichen
Verdienst
(im Jahr 2019)
und nicht auf
die
provisorische
Meldung des voraussichtlichen Einkommens abzustellen
(
Urk.
11 S. 2).
Für die Durchsetzung seines Anspruches auf eine Corona-Erwerbsausfallentschädigung sei sodann er
schwerend hinzugekommen, dass
der
Zeitpunkt der
Feststellung
seines
tatsäch
lichen
Ein
kom
mens
im Jahr 2019
nicht allein von ihm selbst, sondern vom Arbeitstempo der
Behör
den
ab
hängig
gewesen sei
(
Urk.
11 S. 2).
Das Kantonale Steueramt Zürich habe nunmehr a
m 1
2.
März 2021 die Veranlagungsverfügung (für die direkte Bundessteuer 2019) erlasse
n
. Die Steuerveranlagung beruhe auf seiner Steuerklärung. Seine Steuerklärung (für das Jahr 2019) sei somit von den Steuerbehörden akz
eptiert worden. Sie könne zur Ermittlung
seines Einkommen
s
2019 und zur Berechnung seiner Corona-Erwerbsausfallent
schädigung verwendet werden
.
Gemäss seiner Steuerklärung habe er im Jahr 2019 Fr. 34'800.-- verdient. Sein Anspruch auf eine Corona-Erwerbsausfallent
schä
di
gung
könne somit nicht mit der Begründung, dass er im Jahr kein Einkommen in der Höhe von Fr. 10'000.-- erzielt habe, verneint werden (Urk. 1 S. 2).
3.
3.1
3.1.1
Der Beschwerdeführer bringt gegen den angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
1
9.
Februar 2021
(
Urk.
2)
somit
zunächst
vor, dass die Beschwerdegegnerin
zu
Un
r
echt auf das Einkommen
in der Höhe von
Fr.
4'900.--,
welches Grundlage für die AHV-
Akontobeiträge
2019 bildete
(
Urk.
9/56/1
)
,
abgestellt
habe
.
Er stellt sich auf den Standpunkt, dass
g
emäss dem Wortlaut sowie Sinn und Zweck der
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall vielmehr auf das Einkommen abzustellen
sei
, wel
ches er durch seine selbständige Tätigkeit im Jahr 2019 effektiv erzielt habe (E.
2.2).
In der auszugsweise eingereichten Steuererklärung 2019 bezifferte der Beschwer
deführer seine Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit mit
Fr.
32'734.-- (
Urk.
3/1 S. 2
).
3.1.2
Bereits
unter der Herrschaft
der vom 17. März
bis
1
6
. September 2020 gültig
ge
wes
en
en
Version der Covid-19-Verord
nung Erwerbsausfall
war
sowohl für die Be
stimmung des anspruchsbegründenden Grenzwertes wie für die Entschädi
gungs
bemessung
auf
das für die Bemessung der
AHV-
Beiträge massgebende Ein
kom
men
für das Jahr 2019
abzustellen
. Zu diesem Schluss gelangte d
as Sozial
versi
che
rungs
gericht auf
grund des unzweideutigen Wortlauts
der
damals gelten
den
Verordnungsbestim
mungen
(
Urteil
des Sozialversicherungsgerichts des
Kan
tons Zürich
EE.20
20
.00026 vom 25. November 2020
E. 3.1).
Mit der ab 17. September 2020 gültigen Version der Covid-19-Verord
nung Erwerbsausfall hat d
er Verord
nungsgeber dies
bezüglich
keine Änderungen vorgenommen
.
Dies
ergibt
sich wie
derum
eindeutig aus dem Wortlaut der Verordnung.
Gemäss Art. 2 Abs. 3
bis
lit
. c und Art. 5 Abs. 2
ter
der Covid-19-Verord
nung Erwerbsausfall in der ab 1
7.
Septem
ber 2020 gültigen Version wird auf das
AHV-pflichtige Erwerbsein
kom
men
des Jahres 2019 abge
stellt.
Das
AHV-pflichtige Erwerbseinkommen des Jahres 2019 ist aber nicht mit dem
durch die selbständige
Erwerbstätigkeit im Jahr 2019 erzielte
n
(reine
n
) Einkommen gleichzusetzen.
Die Ausgleichskassen ermitteln das AHV-pflichtige be
ziehungsweise beitragspflichtige Einkommen ausgehend vom von den Steuer
be
hörden gemeldeten E
rwerbse
inkommen sowie - gegebenenfalls - vom gemeldeten im Betrieb eingesetzten Kapital (
Art.
9
Abs.
3 AHVG,
Art.
23
der Verordnung über die Alters- und
Hinter
lasse
nen
ver
siche
rung
, AHVV)
aufgrund der Vorgaben von Gesetz (
insbes.
Art.
9
Abs.
2 und
Abs.
4
AHVG) und Verordnung
(
Art.
23 AHVV)
. Das reine Einkommen aus selbständiger Erwerbs
tätigkeit
und das
AHV-pflich
tige Erwerbsein
kom
men
sind
somit
nicht nur begrifflich, sondern auch
betrag
lich
verschieden.
Was die Bestimmung des
AHV-pflichtige
n
Ein
kommen
s
betrifft, so ist zunächst zu beachten, dass g
emäss den Regeln des
Beitragsbezugsver
fah
ren
s
das
beitragspflichtige
Ein
kommen
mit der
Beitrags
verfügung defi
nitiv festgesetzt
wird
(vgl. dazu: Art. 25 Abs. 1
AHVV
sowie
Rz
1183 f. der Weg
leitung des Bundes
amtes für Sozialver
sicherungen über die Beiträge der
Selb
ständig
erwer
benden
und Nicht
er
werbs
tätigen in der AHV, IV und
EO [WSN];
gültig ab
1.
Januar 2008,
Stand: 1. Januar 2021
)
.
Vor der
defi
ni
tiven
Beitragsverfügung
haben
die Bei
tragspflichtigen
i
m laufenden Beitrags
jahr
periodisch
Akontobeiträge
zu leisten
(Art. 24
Abs.
1 AHVV)
.
Die Ausgleichs
kas
sen bestimmen die
Akonto
beit
räge
auf Grund des voraussicht
lichen Einkom
mens des Beitragsjahres. Sie können dabei vom Einkommen ausge
hen, das der letzten Bei
tragsverfügun
g zu Grunde lag, es sei denn die b
eitragspflich
tige
Person
mache glaubhaft, dieses entspreche offen
sichtlich nicht dem voraussichtlichen Ein
kom
men
(Art.
24
Abs.
2 AHVV)
.
Mit der definitiven Beitragsverfügung wird dann der Ausgleich mit den ge
leiste
ten
Akontobeiträge
n
vorgenommen (
Art.
25
Abs.
1
AHVV). Aus dem System des Beit
ragsbezugsverfahrens gemäss
AHVV folgt
so
mit
, dass bezüg
lich des AHV-pflichtigen Einkommens auf das den
Akontorechnungen
zugrunde liegende
voraussichtliche Einkommen abzustellen ist, wenn noch keine definitive Beitrags
verfügung vorliegt.
3.1.
3
Vorliegend gibt es für das Beitragsjahr 2019 noch keine definitive Beitrags
ver
fügung.
Gemäss der Mitteilung vom 2
9.
Januar 2019 erhob die Beschwerde
geg
nerin die
Akontobeiträge
für das Jahr 2019 aufgrund eines voraussichtlichen beitragspflichtigen Einkommens in der Höhe von
Fr.
4'900.-- (
Urk.
9/56/1). Dazu führte sie unter anderem aus, dass der Beschwerdeführer gebeten werde, wesent
liche Abweichungen des effektiven Erwerbseinkommens von den provisorischen
Berechnungsgrundlagen (mehr als 25 Prozent) umgehend mitzuteilen (
Urk.
9/56
/3). Im beigelegten Formular konnte der Beschwerdeführer Änderungen des voraus
sichtlichen Erwerbseinkommens für das Jahr 2019 eintragen (
Urk.
9/56/5). Davon machte der Beschwerdeführer gemäss den Kassenakten in der Folge keinen Gebrauch.
Dies obwohl er sich der Folgen hinsichtlich Verzugszinsen (
Art.
41
bis
Abs.
1
lit
. f AHVV) bewusst sein musste: So auferlegte ihm die Beschwerde
geg
nerin am 1
5.
März 2019 Verzugszinsen auf auszugleichenden persönlichen Bei
trägen der Periode 2016 (vgl.
Urk.
9/60). Obwohl er nach eigenen Vorbringen seit Beginn seiner selbständigen Erwerbstätigkeit im Jahre 1999 jedes Jahr zwischen
Fr.
25'000.-- und
Fr.
65'000.-- verdient habe
n soll
, liess er die
Akontobeiträge
für das Jahr 2019 unverändert.
Hierzu ist festzuhalten, dass
Art.
24
Abs.
4 AHVV auch eine Verpflichtung des
Selbständigerwerbenden
enthält, wesentliche Abwei
chungen vom voraussichtlichen Einkommen der Ausgleichskasse zu melden. Ge
mäss
Rz
1155 WSN gilt als wesentlich eine Abweichung des erzielten vom vor
aussichtlichen Jahreseinkommen von mindestens 25
P
rozent
.
Angesichts des vom
Be
schwerdeführer
in der Steuererklärung 2019
deklarierten Erwerbseinkommens in der Höhe von
Fr.
32'734.-- (
Urk.
3/1 S.
2) wird sein beitragspflichtig
es Ein
kom
men für das Jahr 2019 deutlich, das heis
st weit mehr als 25 Prozent, vom
den
Akontobeiträgen
2019 zugrundeliegenden Einkommen in der Höhe von
Fr.
4
'900.-- abweichen (
Urk.
9/56/1).
Auch wenn der Beschwerdeführer sich bis Mitte
März bzw. Mitte
April
2020
(Einführung der sogenannten Härtefallregelung für indirekt von den Pandemie-Massnahmen betroffene
Selbständigerwerbende
)
nicht bewusst sein konnte, welche Auswirkungen die pflichtwidrige Unterlassung seiner Meldepflicht für seinen Entschädigungsanspruch
haben wird, muss er sich
die Unterlassung der Anpassung der
Akontobeiträge
anrechnen lassen.
Meldun
ge
n über Einkommensänderungen nach Inkrafttreten der
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
müssen
angesichts der absehbaren Folgen sowie der Missbrauchs
ge
fahr
unbeachtlich bleiben.
3.1.4
Massgebend ist somit
das Einkommen in der Höhe von Fr. 4'900.--,
auf welchem die
AHV-
Akontobeiträge
2019 e
rhoben wurden
(Urk. 9/56/1)
.
Da das AHV-pflichtige Einkommen 2019 unter Fr. 10'000.-- lag, hat der Beschwerde
führer keinen Anspruch auf eine Corona-Erw
erbsausfallentschä
digung (
Art. 2 Abs. 3
bis
lit
. c
der
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
e
contra
r
io
).
Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass dem Beschwerdeführer nach Lage der Akten keine Corona-Erwerbsausfall
ent
schä
digung
gemäss der bis zum
16.
September 2020 gültig gewesenen
Fassung
der Covid-19-Verordnung Erwerb
s
ausfall
, welche als Berechnungsgrundlage für den Anspruch ab 1
7.
Septem
ber 2020 dien
en würde (Art. 5 Abs. 2
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall)
, ausgerichtet wurde.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 1
9.
Februar 2021 (
Urk.
2) ist daher rechtens.
3.2
3.2.1
Mit der Beschwerde legte der
Beschwerdeführer
die Veranlagung
des Kantonalen
Steueramtes Zürich
für die direkte Bundessteuer
vom 1
2.
März 2021
auf
(
Urk.
3/2
)
.
Der Beschwerdeführer macht
e
sinngemäss geltend, dass mit der defi
nitive
n
Steuer
ver
an
lagung ein Einkommen 2019 in einer anspruch
s
begrün
den
d
en Höhe nunmehr
nachgewiesen
sei. Es
könne
ihm weiter
nicht zum Vorwurf gemacht werden
, dass seine die definitive Ste
uerveranlagung im Zeitpunkt seiner Anträge
vom 7. Dezember 2020 und 7. Januar 2021
auf eine Corona-Erwerbsaus
fallent
sch
ädigung für die Zeitperiode 1
7.
September bis 3
1.
Dezember 2020
(Urk.
9/120
-
121
, Urk. 9/132)
vom Kantonalen Steueramt Zürich
noch nicht erlassen worden sei
(E. 2.2)
.
Zu
beurteilen
bleibt demnach, ob gestützt auf die Steuerveranlagung 2019
sein Anspruch neu zu prüfen ist.
3.2.2
Diesbezüglich hat das S
ozialversicherungsgericht in E. 3
des
Urteil
s
EE.2020.
00006 vom 29. Oktober 2020
erwogen,
dass
es einer sachlich nicht zu rechtfertigenden Privilegierung oder aber Benachteiligung der antragstellenden Person gleich
käme
,
wenn
der etwaige Anspruch
auf eine Corona-Erwerbsausfallentschädigung
davon abhängig gemacht
würde
, ob die definitive Steuer
veranlagung über das Jahr 2019
im Zeitpunkt des Antrags
bereits vorliegt oder nicht.
In jenem Urteil musste das Sozialversicherungsgericht aber noch nicht prüfen, ob die versicherte Person verpflichtet gewesen wäre
,
die
Akontobeiträge
während des Jahres 2019
an
zu
passen
.
In den nachfolgenden
Urteile
n
EE.2020.00042 vom 3. Dezember 2020
E. 4.3.2 f. und EE.2020.00043 vom 10. Dezember 2020 E. 3.4 f.
hielt das Sozial
ver
sicherungsgericht fest, dass eine Anpassung an eine nachträgliche (nach dem 1
6.
September 2020 ergangene) Steuerveranlagung unterbleiben muss, wenn
es eine selbständige Person
pf
lichtwidrig unterlassen
hat
,
vor Inkrafttreten der
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
eine wesentliche Änderung des voraus
sicht
lichen Einkommens zu melden
.
Sie kann sich
diesfalls
nicht darauf berufen, dass
s
ie auf den Zeitpunkt der
Veranlagung
des AHV-pflichtigen Einkommens keinen Einfluss nehmen konnte.
3.2.3
Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer eine wesentliche Korrektur von
über 25
P
rozent
nicht vor Inkrafttreten der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall ge
mel
det hat, bleibt für eine nachträgliche Korrektur bzw. erneute Prüfung der An
spruchs
voraussetzungen der Härtefallregelung nach definitiver Steuerv
er
an
la
gu
ng kein Raum
.
4.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.