Decision ID: 5ccf3b63-e818-5587-86cf-f539fca4c1e3
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der nordmazedonische Staatsangehörige A._ (geb. 1977; nachfol-
gend: Beschwerdeführer) reiste am 15. Januar 1991 mit seiner Mutter und
seinen Brüdern im Rahmen des Familiennachzugs zu seinem Vater in die
Schweiz ein, wo er am 18. Februar 1991 eine Aufenthaltsbewilligung er-
hielt. Im Jahr 1999 heiratete er in seinem Heimatland eine Landsfrau. Das
Paar hat zwei gemeinsame Kinder (geb. 2000 und 2014). Die Ehefrau und
die beiden Kinder verfügen hierzulande über eine Aufenthaltsbewilligung
(Akten der Vorinstanz [SEM act.] S. 1 ff.).
B.
Aufgrund mehrerer strafrechtlicher Verurteilungen und der Anhäufung von
Schulden verwarnte das Migrationsamt des Kantons St. Gallen den Be-
schwerdeführer am 14. März 2012 und verlängerte die Aufenthaltsbewilli-
gung fortan nur noch unter Vorbehalt. Mit Entscheid vom 22. September
2017 verfügte das Migrationsamt des Kantons St. Gallen die Nichtverlän-
gerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und wies ihn
gleichzeitig aus der Schweiz weg (SEM act. S. 1 ff.). Den dagegen gerich-
teten Rechtsmitteln war kein Erfolg beschieden (vgl. Entscheid des Sicher-
heits- und Justizdepartements des Kantons St. Gallen vom 7. November
2018 sowie Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 23. März 2019 [Akten des Migrationsamts des Kantons St. Gallen S.
755 ff. und S. 780 ff.]). Gemäss den Akten verliess der Beschwerdeführer
die Schweiz am 10. Juli 2019 Richtung Nordmazedonien (SEM act. S. 12).
C.
Am 25. November 2019 wurde der Beschwerdeführer in (...) verhaftet,
nachdem er bei der Begehung eines Diebstahls beobachtet worden war
(SEM act. S. 30). Am darauffolgenden Tag wurde er von einer Mitarbeiterin
der Kantonspolizei St. Gallen zur Sache einvernommen. Gleichzeitig
wurde ihm die Möglichkeit geboten, zur Wegweisung und allfälligen Ver-
hängung eines Einreiseverbots Stellung zu nehmen (SEM act. S. 35 ff.).
D.
In der Folge verfügte das Migrationsamt des Kantons St. Gallen am
26. November 2019 die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der
Schweiz gemäss Art. 64d AIG (SR 142.20) und setzte ihm eine Ausreise-
frist bis zum 29. November 2019 (SEM act. S. 23 f.).
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E.
Mit Strafbefehl vom 3. Februar 2020 erkannte das Untersuchungsamt
Uznach den Beschwerdeführer des mehrfachen Diebstahls gemäss Art.
139 Ziff. 1 StGB für schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 60
Tagessätzen sowie zu einer Busse von Fr. 400.–, schob den Vollzug der
Geldstrafe jedoch unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren auf
(SEM act. S. 61 ff.).
F.
Das SEM erliess am 9. März 2020 gegenüber dem Beschwerdeführer ein
zweijähriges Einreiseverbot. Zur Begründung führte es im Wesentlichen
aus, der Beschwerdeführer sei vom Untersuchungsamt Uznach mit Straf-
befehl vom 3. Februar 2020 wegen mehrfachen Diebstahls zu einer Geld-
strafe von 60 Tagessätzen verurteilt worden. Er sei daher von der zustän-
digen Behörde gemäss Art. 64d AIG weggewiesen worden. Diese Delikte
würden einen schweren Verstoss gegen die Gesetzgebung darstellen, wo-
mit eine schwer wiegende Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ord-
nung einhergehe (SEM act. S. 66).
G.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 11. Mai 2020 beantragte der Beschwerdefüh-
rer beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung des Einreiseverbots;
eventualiter sei die Verfügung des SEM vom 9. März 2020 aufzuheben und
die Dauer des Einreiseverbots sei angemessen herabzusetzen. In verfah-
rensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Gewährung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer
act.] 1).
H.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2020 wies das Bundesverwaltungsgericht das
Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde ab (BVGer act. 3).
I.
Mit Vernehmlassung vom 8. Juli 2020 hielt die Vorinstanz an ihrem abwei-
senden Entscheid fest (BVGer act. 6).
J.
Der Beschwerdeführer nahm mit Schreiben vom 17. August 2020 replik-
weise Stellung (BVGer act. 8).
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Seite 4
K.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM, die ein Einreiseverbot nach Art. 67 AIG zum
Gegenstand haben, unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwal-
tungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Erhebung des
Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 50
und 52 VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Streit-
sache endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-
dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus
anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen.
Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-
scheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
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Seite 5
3.
Der Beschwerdeführer macht in formeller Hinsicht eine zweifache Verlet-
zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend. So habe ihm die Vor-
instanz weder das rechtliche Gehör zur Fernhaltemassnahme gewährt
noch sein Recht auf Familienleben in ihrer Interessenabwägung berück-
sichtigt (Beschwerde Pkt. 5 S. 5).
3.1 Der verfassungsrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst
eine Reihe persönlichkeitsbezogener Mitwirkungsrechte der Partei eines
Gerichts- oder Verwaltungsverfahrens. Im Zentrum steht das Recht, vor
dem Erlass einer belastenden Verfügung angehört zu werden (Art. 30
VwVG). Die Behörde hat die Partei jedoch nicht nur anzuhören, sondern
sie hat das Geäusserte sorgfältig zu prüfen, zu würdigen und bei der Ent-
scheidfindung zu berücksichtigen (Prüfungs- und Berücksichtigungspflicht;
vgl. Art. 32 VwVG). In einer engen Verbindung dazu steht die Pflicht der
Behörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 VwVG). Die Begründungs-
pflicht dient der rationalen und transparenten Entscheidfindung und soll die
Partei in die Lage versetzen, den Entscheid sachgerecht anzufechten. Das
setzt voraus, dass die Behörde die Überlegungen nennt, von denen sie
sich beim Entscheid leiten liess. Dabei ist sie nicht gehalten, zu jedem Ar-
gument der Partei explizit Stellung zu nehmen. Es genügt, wenn aus der
Gesamtheit der Begründung implizit hervorgeht, weshalb das Vorge-
brachte als unrichtig oder unwesentlich übergangen wird (vgl. BGE 137 II
266 E. 3.2 m.H.; BVGE 2012/24 E. 3.2).
3.2 Wie sich aus den Akten entnehmen lässt, wurde dem Beschwerdefüh-
rer anlässlich der Einvernahme durch die Kantonspolizei St. Gallen vom
26. November 2019 in Anwesenheit seines Rechtsvertreters die Gelegen-
heit geboten, sich zu einer Wegweisung sowie zum Erlass eines allfälligen
Einreiseverbots zu äussern. Er führte dazu aus: «Ich darf hier sein in der
Schweiz, sie können meinen Stempel im Pass nachschauen» (SEM act.
S. 36). Dass die Anhörung nicht durch die Vorinstanz erfolgte, ist dabei
nicht zu beanstanden, wurde doch das entsprechende polizeiliche Einver-
nahmeprotokoll dem SEM mit Schreiben des Migrationsamts des Kantons
St. Gallen vom 4. März 2020 zugestellt (SEM act. S. 64; vgl. Urteile des
BVGer F-2338/2018 vom 28. September 2018 E. 3.3; C-4489/2013 vom
23. Januar 2014 E. 3.3 m.w.H. sowie WALDMANN/BICKEL, in Praxiskom-
mentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 30 N 17). Damit hatte der Beschwerde-
führer – entgegen seinen Behauptungen – hinreichend Gelegenheit zur
Stellungnahme im Sinne einer Wahrnehmung des rechtlichen Gehörs und
kann sich nachträglich nicht auf eine Verletzung berufen.
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3.3 Was die Begründungs- bzw. Berücksichtigungspflicht angeht, so ist
darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Gewäh-
rung des rechtlichen Gehörs durch die Kantonspolizei St. Gallen – wie an
obiger Stelle dargelegt – seine in der Schweiz lebende Familie mit keinem
Wort erwähnte. In korrekter Anwendung des Untersuchungsgrundsatzes
gemäss Art. 12 VwVG hat das SEM in seiner Verfügung vom 9. März 2020
die privaten Interessen des Beschwerdeführers in seiner Interessenabwä-
gung berücksichtigt, kam hingegen zum Schluss, diese könnten die öffent-
lichen Interessen an künftigen kontrollierten Einreisen nicht überwiegen.
Die Vorinstanz erwähnte zwar erst in ihrer Vernehmlassung vom 8. Juli
2020 die familiären Verhältnisse des Beschwerdeführers ausdrücklich, es
gilt jedoch in Betracht zu ziehen, dass bereits zuvor im Rahmen des aus-
länderrechtlichen Bewilligungsverfahrens eine ähnliche Interessenabwä-
gung vorgenommen wurde (vgl. Sachverhalt Bst. B) und ihm hätte bewusst
sein sollen, dass mit den vom SEM erwähnten «privaten Interessen» auch
seine familiären Beziehungen gemeint sind. Der Beschwerdeführer war
denn auch ohne weiteres in der Lage, die vorinstanzliche Verfügung sach-
gerecht anzufechten. Soweit schliesslich die pflichtgemässe Ermes-
sensausübung durch die Vorinstanz in Frage gestellt wird, so ist dies nicht
Frage der Begründungspflicht, sondern der rechtlichen Überprüfung.
3.4 Die Rügen des Beschwerdeführers in Bezug auf die Verletzung seines
Anspruchs auf rechtliches Gehör sind daher als unbegründet zurückzuwei-
sen.
4.
4.1 Das SEM verfügt Einreiseverbote gegenüber weggewiesenen Auslän-
derinnen und Ausländern, wenn die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2
Bst. a – c AIG sofort vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AIG) oder die
betroffene Person der Ausreiseverpflichtung nicht innert Frist nachgekom-
men ist (Art. 67 Abs. 1 Bst. b AIG). Es kann sodann nach Art. 67 Abs. 2 AIG
Einreiseverbote gegen ausländische Personen erlassen, die gegen die öf-
fentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstos-
sen haben oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG). Das Einreise-
verbot wird grundsätzlich für eine Dauer von höchstens fünf Jahren ver-
hängt. Es kann für eine längere Dauer verfügt werden, wenn die betroffene
Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AIG). Die verfügende Behörde kann aus hu-
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manitären oder anderen wichtigen Gründen von der Verhängung eines Ein-
reiseverbots absehen oder ein Einreiseverbot vollständig oder vorüberge-
hend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AIG).
4.2 Das Einreiseverbot ist keine Sanktion für vergangenes Fehlverhalten,
sondern eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung (siehe Botschaft zum Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [im Folgenden:
Botschaft] BBl 2002 3813). Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im
Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG bildet den Oberbegriff für die Gesamt-
heit der polizeilichen Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem die Unver-
letzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzelner
(vgl. Botschaft, a.a.O. S. 3809). In diesem Sinne liegt ein Verstoss gegen
die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter anderem dann vor, wenn ge-
setzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet werden
(vgl. Art. 77a Abs. 1 Bst. a der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und
Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 [VZAE, SR 142.201]). Demgegen-
über müssen bei Annahme einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit
und Ordnung konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Aufenthalt
der betroffenen Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit
zu einem Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung führen
wird (Art. 77a Abs. 2 VZAE). Bestand ein solches Verhalten in der Vergan-
genheit, so wird die Gefahr entsprechender künftiger Störungen von Ge-
setzes wegen vermutet (vgl. BVGE 2017 VII/2 E. 4.4 oder Urteil des BVGer
F-3401/2018 vom 24. März 2020 E. 4.2 je m.H.).
4.3 Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mit-
gliedstaats der Europäischen Union oder der Europäischen Freihandelsas-
soziation besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird sie nach Massgabe
der Bedeutung des Falles im Schengener Informationssystem (SIS) zur
Einreiseverweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung
[EG] Nr. 1987/2006 vom 20. Dezember 2006 über die Einrichtung, den Be-
trieb und die Nutzung des Schengener Informationssystems der zweiten
Generation [SIS-II], Abl. L 381/4 vom 28.12.2006 [nachfolgend: SIS-II-VO];
Art. 21 der N-SIS-Verordnung vom 8. März 2013 [SR 362.0]).
5.
5.1 Wie dem Strafbefehl des Untersuchungsamts Uznach vom 3. Februar
2020 zu entnehmen ist, suchte der Beschwerdeführer am 4. November
2019, 11. November 2019, 18. November 2019 und 25. November 2019
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jeweils die Garderobe eines (...) in (...) auf und entnahm aus der Jacken-
tasche einer Kursteilnehmerin den Fahrzeugschlüssel. In der Folge begab
er sich zu dem vor der erwähnten Örtlichkeit parkierten Fahrzeug, schloss
es auf und entnahm aus einem im Handschuhfach des Wagens liegenden
Portemonnaie das Notengeld. Danach legte er den Autoschlüssel wieder
in die Jackentasche der Besucherin zurück. Insgesamt erbeutete er so
Fr. 290.-. Aufgrund dieses Verhaltens wurde der Beschwerdeführer wegen
mehrfachen Diebstahls zu einer (bedingten) Geldstrafe von 60 Tagessätze
sowie einer Busse von Fr. 400.- verurteilt (SEM act. S. 61 ff.). Noch wäh-
rend des laufenden Strafverfahrens wurde er mit Verfügung des Migrati-
onsamts des Kantons St. Gallen vom 26. November 2019 gemäss Art. 64d
Abs. 2 AIG weggewiesen. Dazu wurde ihm eine Ausreisefrist bis zum 29.
November 2019 gesetzt (vgl. SEM act. S. 23 ff. sowie Vernehmlassung
zweiter Abschnitt, wo das SEM seine Ausführungen im Hinblick auf die
Wegweisung gemäss Art. 64d konkretisierte; vgl. auch Replik erster Satz).
5.2 Das Einreiseverbot kann nicht auf Art. 67 Abs. 1 AIG gestützt werden
(vgl. E. 4.1 am Anfang), denn die Wegweisung war nicht sofort vollstreck-
bar (Ausreisefrist von drei Tagen) und der Beschwerdeführer hat – soweit
ersichtlich – die Schweiz innerhalb der Ausreisefrist verlassen.
5.3 Hingegen hat der Beschwerdeführer den Fernhaltegrund nach Art. 67
Abs. 2 Bst. a AIG gesetzt. Anders als die Vorinstanz anzunehmen scheint,
setzt diese Bestimmung weder einen «schweren Verstoss» der öffentlichen
Sicherheit und Ordnung noch eine «schwer wiegende Gefährdung» der-
selben (vgl. Sachverhalt Bst. F) voraus. Beides wäre im Übrigen hier
(mehrfacher Diebstahl, sanktioniert mit einer bedingten Geldstrafe und ei-
ner Busse) zu verneinen. Die Begründung der angefochtenen Verfügung
ist insofern nicht korrekt. Mit dem obgenannten strafrechtlich abgeurteilten
Verhalten hat der Beschwerdeführer indessen – wobei es, wie auch rechts-
mittelweise ausgeführt wird, auf den rechtskräftigen Strafbefehl vom
3. Februar 2020 abzustellen gilt – zweifellos gegen die öffentliche Sicher-
heit und Ordnung verstossen. Ergänzend gilt es darauf hinzuweisen, dass
das Untersuchungsamt Uznach dabei gerade nicht von einem geringfügi-
gen Vermögensdelikt ausgegangen ist, wie es der Beschwerdeführer in
seiner Rechtsmitteleingabe geltend macht (vgl. Art. 139 Ziff. 1 i.V.m. Art.
172ter Abs. 1 StGB sowie TRECHSEL/CRAMERI in: Schweizerisches Strafge-
setzbuch - Praxiskommentar, 3. Aufl. 2017, Art. 172ter N 6). Somit besteht
ein hinreichender Grund für die Verhängung eines Einreiseverbots (vgl. Art.
67 Abs. 2 Bst. a AIG). Es ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass das
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SEM gegenüber dem Beschwerdeführer eine (unterhalb der Regelhöchst-
dauer von Art. 67 Abs. 3 erster Satz AIG festgesetzte) Fernhaltemass-
nahme verhängte.
6.
6.1 Es bleibt noch zu prüfen, ob die auf zwei Jahre befristete Fernhalte-
massnahme in richtiger Ausübung des Ermessens ergangen und ange-
messen ist. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit steht dabei im Vorder-
grund. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine wertende Abwägung vorzuneh-
men zwischen dem öffentlichen Interesse an der Massnahme einerseits
und den von der Massnahme beeinträchtigten privaten Interessen des Be-
troffenen andererseits. Die Stellung der verletzten oder gefährdeten
Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die
persönlichen Verhältnisse des Verfügungsbelasteten bilden dabei den Aus-
gangspunkt der Überlegungen (Art. 96 AIG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜL-
LER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 514 ff.
m.w.H.).
6.2 Bereits das mit Strafbefehl vom 3. Februar 2020 abgeurteilte Verhalten
des Beschwerdeführers lässt auf eine Gefährdung der öffentlichen Sicher-
heit und Ordnung schliessen (vgl. E. 4.2). Hinzu kommt, dass er schon an-
lässlich seines früheren Aufenthaltes in der Schweiz regelmässig straf-
rechtlich in Erscheinung getreten ist, weswegen er zwischen 2009 und
2015 im Zusammenhang mit diversen Verkehrsdelikten und geringfügigen
Vermögensdelikten (Diebstahl, Hehlerei) verurteilt wurde (vgl. Verfügung
des Migrationsamts des Kantons St. Gallen vom 22. September 2017 E. 3
[SEM act. S. 5]). Auch wurde seine Aufenthaltsbewilligung aufgrund von
Schulden und nicht getilgten Verlustscheinen in der Höhe von Fr. 114'000.-
nicht mehr verlängert (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 23. März 2019 E. 2.2 [kant. act. S. 784 ff.]). Sein Verhalten
lässt zusammenfassend auf eine beachtliche Geringschätzung der hiesi-
gen Rechtsordnung schliessen, weswegen auch seine replikweise Aus-
sage, er werde sich künftig wohl verhalten, erheblich in Zweifel zu ziehen
ist. Es besteht demnach ein general- und spezialpräventiv motiviertes In-
teresse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers (zur spezial- und ge-
neralpräventiven Zielsetzung von Fernhaltemassnahmen vgl. BVGE
2014/20 E. 8.2).
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6.3 Es stellt sich weiter die Frage, ob allenfalls private Interessen vorlie-
gen, welche das öffentliche Interesse an einer Fernhaltemassnahme über-
wiegen würden. Hierzu macht der Beschwerdeführer geltend, seine Ehe-
frau und die beiden Kinder (geb. 2000 und 2014) würden in der Schweiz
leben. Durch die Fernhaltemassnahme werde das Recht auf Familienleben
verletzt. Das verfügte Einreiseverbot habe zur Folge, dass die Familie prak-
tisch nur noch mittels moderner Kommunikationsmittel ihren Kontakt pfle-
gen könne. Die Reisemöglichkeiten der Familienmitglieder des Beschwer-
deführers würden sich auf maximal fünf Wochen im Jahr beschränken. Das
sei für eine intakte Familie kein tragbarer Zustand. Zudem sei es seinem
zwanzigjährigen Sohn nicht zuzumuten, die Schweiz zu verlassen, nach-
dem er hier sein ganzes Leben verbracht habe. Aus diesem Grund könne
auch von der Ehefrau und der Tochter nicht verlangt werden, den Wohnsitz
in der Schweiz aufzugeben (vgl. Beschwerde Pkt. 4 sowie Replik).
6.4 Das bestehende Einreiseverbot untersagt dem Beschwerdeführer –
der in der Schweiz über kein Aufenthaltsrecht mehr verfügt – Besuchsauf-
enthalte bei seiner Familie in der Schweiz nicht gänzlich. Vielmehr kann er
die zeitweilige Suspension der angeordneten Fernhaltemassnahme bean-
tragen. Eine solche Suspension kann auf Gesuch hin für eine kurze, klar
begrenzte Zeit ausnahmsweise gewährt werden, wenn wichtige Gründe
vorliegen (Art. 67 Abs. 5 AIG). In diesem – wenn auch eingeschränkten –
Rahmen hat er weiterhin die Möglichkeit, die Beziehung zu seinen zwei
Kindern, wovon eines volljährig ist, und seiner Ehefrau auf schweizeri-
schem Hoheitsgebiet zu pflegen. Wie der Beschwerdeführer selbst aus-
führt, sind persönliche Kontakte in seinem Heimatland bzw. ausserhalb des
Schengenraums weiterhin möglich, und ebenfalls zur Verfügung stehen die
modernen Kommunikationsmittel.
6.5 Eine wertende Abwägung der sich gegenüberstehenden öffentlichen
und privaten Interessen führt insgesamt zum Schluss, dass das zweijäh-
rige Einreiseverbot sowohl im Grundsatz als auch hinsichtlich der Dauer
eine verhältnismässige und angemessene Massnahme zum Schutz der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt.
6.6 Der Bedeutung des Einreiseverbots entsprechend wurde der Be-
schwerdeführer überdies zu Recht im Schengener Informationssystem
(SIS II) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und Art. 24
SIS-II-Verordnung sowie Art. 20 – 22 N-SIS-Verordnung; vgl. E. 4.3).
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7.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Be-
schwerde ist daher vollumfänglich abzuweisen.
8.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer
die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff.
des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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