Decision ID: fa780430-0367-479f-b24e-c33dcd50530d
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
ist
der
Vater
von
Y._
,
geboren 12. August 199
6.
Von der Mutter von
Y._
ist er geschieden.
Am
19. Juli 2016 bean
tragte
X._
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Familienausgleichskasse, die Ausrichtung von Familienzula
gen für Nicht
er
werbstätige für
Y._
, ab dem 1. Januar 2010 (Urk. 6/5).
Mit Verfügung vom 27.
Juli 2016
wies
die Familie
nausgleichskasse
das Gesuch ab
, was sie damit begründete, dass
der Anspruch einer erwerbstätigen Person dem Anspruch einer nichterwerbstätigen Person vorgehe, weshalb
die Mutter von
Y._
die Familienzulagen bei ihrem Arbeitgeber beantragen müsse (Urk. 6/13). Eine - nach
erfolgter
weiterer Korrespondenz per Email (Urk. 6/15-17) - dagegen erhobene Einsprache vom 12. September 2016 (Urk. 6/18) wies die Familienausgleichskasse
mit
Einspracheentscheid
vom 19. September 2016 ab (Urk. 2).
2.
Hiegegen
erh
ob
X._
mit Eingabe vom 15. Oktober 2016 Beschwerde (Urk. 1) mit den Anträgen, es sei der angefochtene
Ein
spracheentscheid
aufzuheben und die Familienzulagen für
Y._
seien
rück
wirkend für fünf Jahre an ihn,
Y._
s
Vater, auszurichten (Urk. 1 S. 1).
Die Familienausgleichskasse
stellte mit Vernehmlassung vom 21. November 2016 Antrag auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was
X._
mit Verfügung vom 22.
November 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Familienzulagen sind einmalige oder periodische Geldleistungen, die ausgerich
tet werden, um die finanzielle Belastung durch ein oder mehrere Kinder teil
weise auszugleichen (Art. 2 des Bundesgesetzes über die Familien
zulagen,
FamZG
). Für das gleiche Kind wird nur eine Zulage derselben Art ausgerichtet. Die Differenzzahlung nach Art. 7 Abs. 2
FamZG
bleibt vorbe
halten (Art. 6
FamZG
).
1.2
Haben mehrere Personen für das gleiche Kind Anspruch auf Familienzulagen nach eidgenössischem oder kantonalem Recht, so steht der Anspruch
nach Art. 7 Abs. 1
FamZG
in nachstehender Reihenfolge zu:
a.
der erwerbstätigen Person;
b.
der Person, welche die elterliche Sorge hat oder bis zur
Mündigkeit des Kindes hatte;
c.
der Person, bei der das Kind über
wiegend lebt oder bis zu seiner
Mündigkeit lebte;
d.
der Person, auf welch
e die Familienzulagenordnung im
Wohnsitzkanton des Kindes
anwendbar ist;
e.
der Person mit dem höheren AHV-pflichtigen
Einkommen aus
unselbstständiger Erwerbstätigkeit;
f.
der Person mit dem höhere
n AHV-pflichtigen Einkommen aus
selbstständiger Erwerbstätigkeit.
Richten sich die Familienzulagenansprüche der erst- und der zweitanspruchs
berechtigten Person nach den Familienzulagenordnungen von zwei verschie
denen Kantonen, so hat die zweitanspruchsberechtigte Person Anspruch auf den Betrag, um den der gesetzliche Mindestansatz
in ihrem Kanton
höher ist als im anderen (Art. 7
Abs.
2
FamZG
).
1.3
Werden die Familienzulagen nicht für die Bedürfnisse einer Person verwen
det, für die sie bestimmt sind, so kann diese Person oder ihr gesetzlicher Vertreter verlangen, dass ihr die Familienzulagen in Abweichung von Arti
kel 20 Absatz 1 ATSG auch ohne Fürsorgeabhängigkeit ausgerichtet werden
(Art. 9 Abs.
1
FamZG
)
.
Auf begründetes Gesuch hin kann die Ausbildungs
zulage in Abweichung von Artikel 20 Abs
atz
1 ATSG direkt dem mündigen Kind ausgerichtet werden (Art. 9
Abs.
2
FamZG
).
Macht die anspruchsberechtigte Person selber die Familienzulage nicht gel
tend, kann dies stellvertretend der andere Elternteil oder die Person, Sozial
hilfestelle oder
E
inrichtung, die
für das Kind sorgt, tun (
§
1 der
zürcherischen
Verordnung zum EG
FamZG
)
.
2.
2.1
Die Familienausgleichskasse begründete den angefochtenen Entscheid im Wesentlichen damit, dass die
Mutter von
Y._
nach
Art.
7
FamZG
(als er
werbstätige Person)
Anspruch habe. Da der Beschw
e
rdeführer seit
dem
1.
Januar 2010
nichterwerbstätig sei, sei die Mutter erstanspruchsberechtigt. Auf das
„
Sorgerecht
“
sei erst an zweiter Stelle abzustellen
(
Urk.
2).
2.2
Dagegen macht
e
der Beschwerdeführer zur Hauptsache geltend, dass ihm bei der Ehescheidung die alleinige Obhut zugesprochen
worden sei
.
Y._
und seine Mutter hätten seit Januar 2010 keinen Kontakt mehr
.
S
either wohne
Y._
ausschliesslich beim Beschwerdeführer,
welcher
alleine für Unterhalt und Erziehung auf
komme
. Da die Mutter von
Y._
weder finanziell noch
sonstwie
einen
Beitrag
an Unterhalt und Erziehung
von
Y._
leiste,
entzöge
sich jeglicher L
ogik und Gerechtigkeit
, wenn die Mutter Anspruch auf Fami
lienzulagen hätte.
A
ufgrund der gegebenen
Umstände
könne viel
m
ehr
nur
er (
der Beschw
e
rdeführer
)
Zul
a
gen beanspruchen
,
weshalb es gar keine An
spruchskonkurrenz im Sinne von
Art.
7
FamZG
gebe (
Urk.
1).
3.
3.1
In tatsäch
licher Hinsicht
wird die Feststellung im angefochtenen Entscheid, wonach der Beschwerdeführer seit 1. Januar 2010 nicht erwerbstätig
ist
, von ihm
nicht be
stritten und stimmt auch mit den vorliegenden
Akten
überein
(vgl. namentlich
die kein
Erwerb
seinkommen ausweisenden
Steuererklärun
gen der Jahre 2010
–
2014
;
Urk.
6/8
)
. Aufgrund de
r Akten
ist alsdann
ausge
wiesen
, dass
der Sohn
Y._
bei
der im Jahr 2011 erfolgten Scheidung der Eheleute
X/A._
zwar unter der gemeinsame
n
elterliche
n
Sorge belassen wurde, er jedoch seit Januar 2010 beim Vater wohnt
, welcher die alleinige Obhut hat
(vgl. Scheidungsurteil vom 6.
Dezember 2011 des Bezirksgerichts
O._
; Einzelrichter im ordentlichen Verfahren
; Urk
. 6/9 S. 2
)
.
Aus den An
gaben des Beschwerdeführers im Antragsformular
Familienzulagen für Nichterwerbstätige
geht alsdann hervor
, dass die Mutter von
Y._
,
A._
,
seit dem Jahr 2005
(
als Angestellte
)
einer Erwerbstätigkeit nachgeht (vgl.
Ziff.
7 des Antragsformulars;
Urk.
6/5 S. 3).
3.2
Da
der Beschwerdeführer
seit 1
.
Januar 2010
(
und mithin
im Zeitraum, für welchen er Zulagen beantragt
)
nicht
erwerbstätig
war bzw.
ist
, während seine geschiedene Ehefrau
einer Erwerbstätigkeit nach
geht
, hat die Verwaltung zu Recht erkannt, dass
der Zulagena
nspruch
auf Grund der Ausübung einer Er
werbstätigkeit
vorrangig
bei
der
geschiedenen
Ehefrau
liegt.
Denn die An
spruchsberechtigung ergibt sich allein aufgrund der in
Art.
7
Abs.
1
FamZG
festgelegten
Prioritäte
nordnung, anhand welcher
-
in der vom Gesetz vorge
gebenen Reihenfolge
-
zu prüfen ist, ob das jeweils vorrangige Kriterium eine Regelung der Ansp
ruchskonkurrenz erlaubt;
nur wenn dies nicht der Fall ist
,
kann auf ein nachrangiges
Kriterium
zurückgegriffen werden
(vgl.
Kie
ser
/
Reichmuth
, Praxiskommentar zum Bundesgesetz über die Familienzula
gen, Zürich/St. Gallen 2010,
Art.
7
Rz
39)
. Gemäss
Art.
7
Abs.
1
lit
.
a
FamZG
ist
erstberechtigte Person diejenige
, welche erwerbstätig ist;
d
amit wollte der Gesetzgeber sicherstellen, dass prinzipiell die Zulagen für Erwerbstätige den Zulagen für Nichterwerbstätige vorangehen (vgl.
Kieser
/
Reichmuth
,
a.a.O.
,
Art.
7
Rz
44).
Somit fällt ein vorrangiger Anspruch des
nichterwerbstätigen
Beschwerdeführers ausser Betracht.
Daran ändert
– entgegen der durchaus nachvollziehbaren Auffassung des Beschwerdeführers
–
mit Blick auf die ge
genwärtige Rechtslage
nichts, dass der Beschwerdeführer
, welcher gemäss Scheidungsurteil allein für den Unterhalt
von
Y._
aufkommt
(vgl.
Urk.
6/9 S. 2)
,
die alleinige Obhut hat und
Y._
ausschliesslich bei ihm wohnt.
Das
l
etztere
,
in
Art.
7
Abs.
1
lit
.
c
FamZG
genannte Kriterium
(Ort des
Lebens
)
wäre erst dann entscheidend, wenn die
nach
Art.
7
Abs.
1
lit
. a und b
FamZG
vorrangig massgebenden Kriterien
die Zuordnung des Anspruchs nicht er
laubten
(vgl.
wiederum
Kies
e
r
/
Reichmuth
,
a.a.O.
,
Art.
7
Rz
39).
Dies ist
jedoch
wie ausgeführt
nicht der Fall
, da bereits
Art.
7
lit
. a
FamZG
(Erwerbstätigkeit)
die Regelung der Anspruchskonkurrenz erlaubt
.
3.3
D
aher
und da
weder
der
Beschwerdeführer
geltend macht
noch
nach Lage der Akten
Anhaltspunkte darauf bestehen,
dass die erwerbstätige Mutter von
Y._
als vorrangig leistungsberechtigte Person keinen Anspruch ha
ben
bzw
.
dieser dahingefallen sein
könnte
,
im Ü
brigen
der Beschwerdeführer als Nichterwerbstätiger von
v
orneher
e
in auch keinen Anspruch auf eine Diffe
renzzahlung nach
Art.
7
Abs.
2
FamZG
hat (
Art.
19
Abs.
1
FamZG
)
und
schliesslich
auch kein Wahlrecht besteht, wer von
mehreren grundsätzlich anspruchsberechtigten Personen die Zulage beziehen soll
(
zum Ganzen: BGE 139 V 429 E. 4.2
)
,
erweist es sich als
korrekt
, dass
die Verwaltung d
as Ge
such des Beschwerdeführers
abgelehnt
hat
(vgl.
dazu
Kieser
/
Reichmuth
, a.a.O.
;
Art.
7
Rz
36
).
4.
D
ar
auf hinzuweisen
ist
immerhin
, dass
-
bei er
füllten Voraussetzungen
-
die
Möglichkeit einer Drittauszahlung nach
Art.
9
FamZG
besteht
bzw
.
auch
da
rauf
,
dass – sollte die vorrangig anspruchsberechtigte Mutter von
Y._
sel
ber die Familienzulage nicht geltend machen - dies der Beschwerdeführer als anderer Elternteil stellvertretend
für sie
tun kann (
§
1 der zürcherischen Ver
ordnung zum EG
FamZG
;
vgl. E
.
1.
3
hievor
).