Decision ID: d92ad29c-3e7a-45fa-a325-b4546b408c14
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
mehrfache versuchte vorsätzliche Tötung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 8. Abteilung, vom
28. Oktober 2014 (DG140223)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 22. Juli
2014 (Urk. 79) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 144 S. 121 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil von C._
und D._;
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbin-
dung mit Ziff. 2 Abs. 1 und 2 StGB zum Nachteil von B._.
2. Vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung zum Nachteil von
E._ und F._ wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 7 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit dem Urteilsdatum 913 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
5. Die sichergestellten, nachfolgend aufgeführten Gegenstände werden nach
Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen an die jeweiligen
Eigentümer von der Lagerbehörde herausgegeben:
a) an den Beschuldigten
- 1 Kappe (Asservat-Nr. A...)
- 1 Veston (Asservat-Nr. A...)
- 1 Hemd (Asservat-Nr. A...)
- 1 T-Shirt (Asservat-Nr. A...)
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- 1 Jeanshose (Asservat-Nr. A...)
- 1 Unterhose (Asservat-Nr. A...)
- 1 Paar halbhohe Schuhe (Asservat-Nr. A...)
b) an F._
- 1 Freizeithose (Asservat-Nr. A0...)
- 1 Unterhose (Asservat-Nr. A...)
- 1 Hose (Asservat-Nr. A...)
- 1 T-Shirt (Asservat-Nr. A...)
- 1 Träger-Unterleibchen (Asservat-Nr. A...)
c) an G._
- 1 Bluse/Hemd (Asservat-Nr. A...)
- 1 Jeanshose (Asservat-Nr. A...)
- 1 Strumpfhose (Asservat-Nr. A...)
- 1 Tuch (Asservat-Nr. A...)
d) an E._
- 1 Hemd (Asservat-Nr. A...)
- 1 Hose (Asservat-Nr. A...)
- 1 Boxershorts (Asservat-Nr. A...)
- 1 Paar Freizeitschuhe (Asservat-Nr. A...)
- 1 Paar Socken (Asservat-Nr. A...)
e) an B._
- 1 T-Shirt (Asservat-Nr. A...)
- 1 (Damen-)Jacke (Asservat-Nr. A...)
- 1 Hose (Asservat-Nr. A...)
- 1 Unterhose (Asservat-Nr. A...)
- 1 Paar Socken (Asservat-Nr. A...)
- 1 Paar Halbschuhe (Asservat-Nr. A...)
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f) an D._
- 1 Kapuzenjacke (Asservat-Nr. A...)
- 1 T-Shirt (Asservat-Nr. A...)
- 1 Hose (Asservat-Nr. A...)
- 1 Gürtel (Asservat-Nr. A...)
- 1 Unterhose (Asservat-Nr. A...)
- 1 Paar Freizeitschuhe (Asservat-Nr. A...)
- 1 Paar Socken (Asservat-Nr. A...)
- persönliche Effekten (Zigaretten, Kondome, Taschenlampe etc.) (Asservat-Nr. A..)
g) an C._
- 1 (Bomber-)Jacke (Asservat-Nr. A...)
- 1 T-Shirt (Asservat-Nr. A...)
- 1 Träger-Unterleibchen (Asservat-Nr. A...)
- 1 Hose (Asservat-Nr. A...)
- 1 Unterhose (Asservat-Nr. A...)
- 1 Paar Socken (Asservat-Nr. A...)
- 1 Paar Halbschuhe (Asservat-Nr. A...)
6. Der anlässlich der Hauptverhandlung vom 27. Oktober 2014 von der Staats-
anwaltschaft als Beweismittel eingereichte (Geh-)Stock wird dem Beschul-
digten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen heraus-
gegeben.
7. Der von der Verteidigung anlässlich der Hauptverhandlung vom 27. Oktober
2014 als Beweismittel eingereichte Schmuck sowie die privaten Fotografien
des Beschuldigten werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft
des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben.
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8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger D._ Fr. 8'000.– zu-
züglich 5% Zins ab 29. April 2012 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
9. Die übrigen Zivilansprüche des Privatklägers D._ werden auf den Zivil-
weg verwiesen.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 3'000.– zu-
züglich 5% Zins ab 29. April 2012 als Genugtuung zu bezahlen.
11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 9'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 7'000.– Gebühr Anklagebehörde,
Fr. 450.– Kosten Kantonspolizei,
Fr. 19'232.35 Auslagen amtliche Verteidigung (Akontozahlungen),
Fr. 34'097.65 Auslagen amtliche Verteidigung,
Fr. 38'642.15 Auslagen Untersuchung,
Fr. 13'200.00 Auslagen Vertreter Geschädigter/Privatkläger 3.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
12. Der amtliche Verteidiger RA lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen
mit Fr. 53'330.– (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der
Gerichtskasse entschädigt.
13. Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers 3 RA lic. iur. Y._
wird für seine Aufwendungen mit Fr. 13'200.– (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
14. Der Beschuldigte wird verpflichtet dem Privatkläger 1 D._ eine
Prozessentschädigung von Fr. 12'770.10 (inkl. Mehrwertsteuer) zu be-
zahlen.
15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens sowie der
amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung des Privat-
klägers 3 werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.
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16. (Mitteilung)
17. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 16 ff.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 218):
1. In Gutheissung der Berufung und Abweisung der Anschlussberufung
seien folgende Disp. Ziff. des vorinstanzlichen Urteils aufzuheben
1.1 1, 3 und 4 (Schuldspruch der mehrfach versuchten Tötung zum
Nachteil von C._ und D._ sowie der einfachen
Körperverletzung zum Nachteil von B._ mit ent-
sprechender Bestrafung und Vollzug der Strafe)
1.2 8 (Genugtuungsleistung an den Privatkläger D._), 10 (Ge-
nugtuungsleistung an den Privatkläger B._) und 14 (Prozess-
entschädigung an den Privatkläger D._)
Mithin sei der Berufungskläger von Schuld und Strafe vollumfänglich
freizusprechen und unverzüglich aus der Sicherheitshaft zu entlassen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 221):
1. Der Beschuldigte sei der versuchten Tötung im Sinne von Art. 111
StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil von B._ schuldig zu
sprechen.
2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren zu bestra-
fen.
3. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 28. Oktober
2014 zu bestätigen.
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c) Der Privatklägerschaft D._ (Urk. 209):
1. Die Berufung des Beschuldigten sei vollumfänglich abzuweisen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich MwSt.)
zulas ten des Beschuldigten.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im ange-
fochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 144 S. 5 ff.).
1.2. Mit Urteil der 8. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich vom 28. Oktober 2014
wurde der Beschuldigte A._ im Sinne des eingangs wiedergegebenen Ur-
teilsdispositivs schuldig gesprochen und bestraft. In Bezug auf den Vorwurf der
versuchten vorsätzlichen Tötung zum Nachteil von E._ und F._ wurde
der Beschuldigte indes durch die Vorinstanz freigesprochen. Gegen dieses Urteil
meldete der Beschuldigte bereits im Anschluss an die Eröffnung des vorinstanzli-
chen Urteils zuhanden des Protokolls die Berufung an
(Prot. I S. 21). Mit Schreiben vom 6. November 2014 bestätigte sein amtlicher
Verteidiger diese Berufungsanmeldung (Urk. 137). Mit Eingabe vom 3. Februar
2015 reichte der amtliche Verteidiger sodann fristgerecht die Berufungserklärung
ins Recht (Urk. 148). Mit Eingabe vom 30. Oktober 2014 meldete auch der Privat-
kläger B._ Berufung an (Urk. 132), zog diese mit Eingabe vom
16. Januar 2015 allerdings wieder zurück (Urk. 143; Urk. 145). Innert der hierauf
den Privatklägern und der Staatsanwaltschaft durch die hiesige Kammer an-
gesetzten Frist (Urk. 150) erhob die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom
26. Februar 2015 Anschlussberufung (Urk. 152).
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1.3. Nach durchgeführtem – mehrmaligem – Schriftenwechsel (Urk. 168,
Urk. 169, Urk. 172, Urk. 174, Urk. 175 und Urk. 179) ordnete die hiesige Verfah-
rensleitung mit Präsidialverfügung vom 28. April 2015 die Fortdauer der Sicher-
heitshaft betreffend den Beschuldigten an (Urk. 185).
1.4. In seiner Berufungserklärung vom 3. Februar 2015 stellte der amtliche Ver-
teidiger sodann eine Reihe von Beweisanträgen. Namentlich beantragte er die
Identitätsermittlung von verschiedenen Personen und deren Zeugenbefragung.
Weiter beantragte die Verteidigung eine augenärztliche Untersuchung des
Beschuldigten sowie die Erläuterung einer Passage des über den Beschuldigten
verfassten, psychiatrischen Gutachtens und den Beizug von diversen Strafakten.
Schliesslich beantragte die Verteidigung in einem Eventualstandpunkt die Rück-
weisung des Verfahrens zur Beweisergänzung an die Vorinstanz (Urk. 148
S. 2 ff.). Mit Eingabe vom 23. April 2015 liess der Beschuldigte schliesslich den
Antrag stellen, dass G._ als Zeugin einzuvernehmen sei. Erneut stellte die
Verteidigung in diesem Zusammenhang den Eventualantrag, dass dies unter
Rückweisung an die Vorinstanz zu erfolgen habe, und dass im Übrigen eine Notiz
betreffend ein Telefongespräch des amtlichen Verteidigers mit G._ zu den
Akten zu nehmen sei (Urk. 176/A). Die Anklagebehörde beantragte die Abwei-
sung sämtlicher Beweisanträge der Verteidigung (Urk. 154 und Urk. 159). Mit
Präsidialverfügung vom 5. Juni 2015 entschied die hiesige Verfahrensleitung,
dass die Telefonnotiz betreffend das am 23. April 2015 geführte Telefongespräch
zwischen dem Verteidiger des Beschuldigten und G._ als Urk.177/A bzw.
Urk. 183/1 (bezüglich des Datums korrigierte Version) zu den Akten genommen
werde. Die übrigen Beweisanträge des Beschuldigten wurden abgewiesen.
Schliesslich wurde der Anklagebehörde Frist angesetzt um dem Gericht mitzutei-
len, ob und falls ja bei welchen Amtsstellen und unter
welchen Geschäftsnummern Strafverfahren gegen die von der Verteidigung im
Rahmen ihres Gesuchs um Aktenbeizug genannten Personen geführt werden
(Urk. 195). Dieser gerichtlichen Aufforderung kam die Anklagebehörde mit Ver-
nehmlassung vom 26. Juni 2015 innert Frist nach und teilte mit, dass gegen den
genannten Personenkreis keine Strafuntersuchungen eröffnet respektive geführt
würden (Urk. 197).
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1.5. Am 12. Oktober 2015 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher der
Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur.
X._ sowie die Leitende Staatsanwältin lic. iur. Bettina Groth
erschienen sind (Prot. II S. 16).
2. Umfang der Berufung
2.1. In seiner Berufungserklärung vom 3. Februar 2015 liess der Beschuldigte
mitteilen, er beantrage einen vollumfänglichen Freispruch von Schuld und Strafe,
mit der Folge, dass keine Genugtuungsleistungen bzw. Prozessentschädigungen
zulasten des Beschuldigten zuzusprechen seien (Urk. 148 S. 2).
2.2. Die Anklagebehörde beschränkte ihre Anschlussberufung auf den Schuld-
spruch betreffend einfache Körperverletzung zum Nachteil von B._ sowie auf
die Bemessung der Strafe (Urk. 152 S. 1).
2.3. Demnach ist das vorinstanzliche Urteil in Bezug auf die nachfolgenden Dis-
positivziffern in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen
ist (Art. 404 Abs. 1 StPO):
− Freispruch vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung zum
Nachteil von E._ und F._ (Dispositiv Ziffer 2)
− Herausgabe der sichergestellten Gegenstände (Dispositiv Ziffer 5)
− Herausgabe des Gehstocks an den Beschuldigten (Dispositiv Ziffer 6)
− Herausgabe des von der Verteidigung eingereichten Schmuckes sowie
der privaten Fotografien an den Beschuldigten (Dispositiv Ziffer 7)
− Verweis der Zivilansprüche des Privatklägers D._ auf den
Zivilweg (Dispositiv Ziffer 9)
− Vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositiv Ziffer 11)
− Festsetzung der Entschädigung für den amtlichen Verteidiger
RA lic. iur. X._ (Dispositiv Ziffer 12)
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− Festsetzung der Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertretung
des Privatklägers 3, RA lic. iur. Y._ (Dispositiv Ziffer 13)
− Kostenübernahme durch die Gerichtskasse (Dispositiv Ziffer 15)
Zur Disposition stehen im vorliegenden Berufungsverfahren damit einzig
noch die Dispositivziffern 1, 3, 4, 8, 10 und 14.
3. Anklageprinzip
3.1. Die Verteidigung brachte zusammengefasst vor, der in der Anklageschrift
geschilderte Sachverhalt, der von einem Täter ausgehe, sei mit dem Beweis-
ergebnis nicht in Übereinstimmung zu bringen, weshalb das Anklageprinzip ver-
letzt sei (Urk. 218 S. 13).
3.2. Das Anklageprinzip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte
der beschuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Infor-
mationsfunktion; BGE 133 IV 235 E. 6.2 und 6.3; Urteil des Bundesgerichts
6B_130/2012 vom 22. Oktober 2012 E. 6.2 [nicht publ.] in: BGE 138 IV 209; je mit
Hinweisen). Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den
Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 29 Abs. 2 und
Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b
EMRK).
3.3. Die Verteidigung verkennt, dass nicht von einem anderen Sachverhalt aus-
gegangen wird, sondern lediglich ein Teil des Sachverhalts zu Gunsten des
Beschuldigten als nicht erstellt angesehen wurde. Der Beschuldigte weiss auch
im Berufungsverfahren, was ihm (noch) vorgeworfen wird und kann sich ent-
sprechend wirksam verteidigen. Dies ist entscheidend. Eine Verletzung des
Anklageprinzips ist nicht zu erkennen.
4. Formales
4.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/487be69d-2b11-4d78-9620-a48bd2ca7f5f?citationId=8350360d-762d-45c3-84f8-1b55aefeb22c&source=document-link&SP=6|lrgcbz
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jeweils in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne, dass dies jeweils
explizit Erwähnung findet.
4.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. Urteil des Bundes-
gerichts 6B_170/2011 vom 10. November 2011 E. 1.2.). Die Berufungsinstanz
kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte
beschränken.
5. Beweisanträge der Verteidigung
5.1. Die Verteidigung stellte an der Berufungsverhandlung die folgenden
Beweisanträge (Urk. 219):
1. Es sei die Identität des Veranstalters des Anlasses vom 28./29. April 2012 im Club H._, DJ I._, ermitteln zu lassen. Er sei zu den Vorfällen zum Tatvorgang als Zeuge zu befragen.
2. Es sei die Identität des Facebook-Nicknamen J._ ermitteln zu lassen. Er sei als Zeuge an der Berufungsverhandlung zum Motiv seines , zum Tatvorgang und zu den Vorfällen vor der Tat zu befragen.
3. Es sei zumindest eine repräsentative Auswahl von Personen ermitteln zu lassen, welche mutmassliche Gäste des Anlasses vom 28. April 2012 zur Tatzeit bzw. kurz davor im Club H._ anwesend waren. Die Anwesenden seien als Zeugen zu befragen.
4. Es sei die Identität der beiden weiteren, unter dem Übernamen "K._" und "L._" am Gespräch im Spital im Beisein von E._ und M._ Anwesenden zu ermitteln und diese an der Berufungsverhandlung als Zeugen zu befragen.
5. Es sei die Sehkraft des rechten Auges des Berufungsklägers ärztlich untersuchen zu lassen.
6. Es sei G._ nochmals als Zeugin zu ihren noch nicht zu Protokoll gegebenen Wahrnehmungen, namentlich zu jener Person bzw. jenen Personen, welche ein Messer geführt und die Geschädigten verletzt haben, einzuvernehmen.
7. Es sei M._ nochmals als Zeuge zur Frage einzuvernehmen, ob E._ im Spital eine weitere Person namentlich genannt hat, welche ein Messer geführt hat, und wen.
8. Es sei die vollständige Identität des in act. 1 S. 12 erwähnten "N._" bzw. "N'._" mit der Natelnummer 078 ... zu ermitteln und zur Diskrepanz zwischen der auf S. 12 und vom Zeugen M._ erwähnten Videokamera und deren Fehlen gemäss Aktennotiz vom gleichen Datum, eventualiter zum möglichen Verschwinden des Videomaterials, zu befragen.
9. Es sei die Staatsanwaltschaft IV einzuladen, ein Strafverfahren gegen E._ und F._, wegen mehrfach versuchter vorsätzlicher Tötung
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einzuleiten, zumindest eine erste Befragung mit den Beschuldigten durchzuführen und ein Aktendoppel der bis dahin vorliegenden Akten zu den Akten des vorliegenden Verfahrens zu produzieren.
10. Es sei die zuständige Staatsanwaltschaft einzuladen, ein Strafverfahren gegen F._ und E._ wegen falscher Anschuldigung mit ihrer Aussage, der Täter sei "O._" gewesen, gegen IP._ wegen falscher Anschuldigung betreffend der Angabe gegenüber der Polizei, Stock und Rucksack gehörten dem Täter der Messerstecherei, eventualiter Begünstigung druch das Verwischen von Spuren durch von ihm geduldete oder initiierte Reinigungarbeiten sowie gegen B._ Q._, C._ und D._ wegen falschen Zeugnisses einzuleiten, zumindest eine erste Befragung mit den Beschuldigten durchzuführen und Aktendoppel der bis dahin vorliegenden Akten zu den Akten des vorliegenden Verfahrens zu produzieren.
11. Es seien folgende Urkunden, welche in der Berufungsbegründung zitiert werden und zur Entlastung des Berufungsklägers dienen, zu den Akten zu nehmen:
11.1 Quittung R._ AG vom 20.12.2010, aus der die Sehbeeinträchtigung des linken Auges des Berufungsklägers hervorgeht (Kopie, Beilage 1, der Verteidigung seit 6. Oktober 2015 vorliegend)
11.2 Telefonnotiz der Verteidigung vom 7.10.2015, aus welcher die Täterschaft von F._ und die Existenz einer Videoüberwachungsanlage im Club H._ hervorgeht (Beilage 2)
12. Es seien folgende Kosten des Berufungsklägers betreffenden, er seit Kurzem vorliegenden Belege, sowie die ergänzte Honorarnote der amtlichen Verteidigung zu den Akten zu nehmen: Rechnung Vermieterin Berufungsklägers, Beilage 3/1, Abrechnung Versicherung, Beilage 3/2, Abzahlungsvereinbarung, Beilage 3/3, Posteinzahlungensquittungen, Beilage 3/4, ergänzte Honorarnote Verteidigung, Beilage 4.
13. Eventualiter sei die Angelegenheit an die erste Instanz zur Beweisergänzung zurückzuweisen.
14. Unter Vorbehalt der Ergänzung der Beweisanträge aufgrund des durch diese bewirkten Beweisergebnisses.
5.2. Die Beweisanträge 1.-5. wurden bereits mit Präsidialverfügung vom 5. Juni
2015 eingehend behandelt und abgewiesen. Da sich die Umstände seither nicht
verändert haben, kann vollumfänglich auf die Erwägungen in der Präsidialverfü-
gung verwiesen werden (vgl. Urk. 195). Diese Beweisanträge sind abzuweisen.
5.2.1. Mit Verweis auf die nachfolgende Beweiswürdigung erscheint eine erneute
Einvernahme von G._ nicht notwendig.
5.2.2. Dasselbe gilt für die Einvernahme von M._ als Zeugen. Dass dieser
über drei Jahre nach dem Vorfall und zudem lediglich vom Hörensagen noch wei-
terführende Erkenntnisse bringen könnte, erscheint nahezu ausgeschlossen. Zu-
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dem ist der Zeuge offenbar aus Angst um seine Familie nicht bereit, Namen zu
nennen oder auszusagen.
5.2.3. Die Verteidigung macht sodann geltend, es liege ihr ein weiterer Hinweis
vor, wonach im Club H._ eine Videoüberwachung vorhanden gewesen sei.
Dazu sei die Identität von "N'._" bzw. "N._" zu ermitteln, damit dieser
befragt werden könne. Es ist vorliegend nicht erkennbar, inwiefern sich im Zu-
sammenhang mit der genannten Videokamera Neuerungen ergeben hätten, zu-
mal die Verteidigung zum "zusätzlichen Hinweis" nichts Konkretes ausführt. Aus-
serdem erkennt sie selbst, dass es ohnehin höchst unwahrscheinlich wäre, dass
heute noch Videomaterial gefunden würde. Schliesslich ist anzuführen, dass auch
aus einer allfälligen Beseitigung von Videomaterial nicht geschlossen werden
kann, diese sei zum Schutz einer Person erfolgt.
5.2.4. Auf die Anträge der Verteidigung, wonach die Staatsanwaltschaft einzu-
laden sei, verschiedene Strafverfahren einzuleiten, ist nicht näher einzugehen,
zumal diese Anträge keine eigentlichen Beweisanträge darstellen und davon aus-
zugehen ist, dass die Staatsanwaltschaft zu gegebener Zeit die notwendigen
Schritte unternehmen wird.
5.2.5. Der Antrag der Verteidigung, diverse Urkunden zu den Akten zu nehmen,
kann gutgeheissen werden (vgl. Urk. 220/1-4).
5.2.6. Da derzeit keine Beweisergänzung vorzunehmen ist, erübrigt sich eine
weitere Auseinandersetzung mit dem Antrag der Verteidigung auf Rückweisung
des Verfahrens an die Vorinstanz.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
6. Anklagevorwurf und Sachverhalt
6.1. In der Anklageschrift vom 22. Juli 2014 (Urk. 79) wird dem Beschuldigten in
Bezug auf den hier noch interessierenden Vorwurf zusammengefasst zur Last ge-
legt, er habe anlässlich einer Auseinandersetzung in den frühen Morgenstunden
des 29. April 2012 mit einem Messer respektive einem anderen gefährlichen
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Gegenstand auf die Privatkläger C._, B._ und D._ eingestochen
und diesen Personen Stichverletzungen zugefügt. Er habe dabei gewusst, dass
aufgrund seiner Vorgehensweise die genannten Personen tödlich verletzt werden
könnten. Den Tod dieser Personen habe er gewollt bzw. den möglichen Tod zu-
mindest in Kauf genommen.
6.2. Der Beschuldigte selbst hat den ihm zur Last gelegten Sachverhalt stets in
Abrede gestellt. Er hat sich im Rahmen der Untersuchung und vor Vorinstanz
stets auf den Standpunkt gestellt, er habe mit niemandem einen Streit gehabt und
weder jemanden gestochen noch verletzt. Er habe gar kein Messer gehabt. Es
seien vielmehr die Security-Leute gewesen, die ihn geschlagen hätten, woraufhin
er dann weggegangen sei (Urk. 7/14 S. 3 ff.; Urk. 66/1 S. 4; Urk. 66/2 S. 2, 4;
Urk. 66/3 S. 4 f.; Urk. 116 S. 5 f.).
6.3. Die Vorinstanz zog zur Sachverhaltsermittlung zunächst die Aussagen des
Beschuldigten selbst heran (Urk. 7/1-14, Urk. 66/1-3 sowie Urk. 116). Weiter hat
sich die Vorinstanz im Rahmen ihrer Beweiswürdigung mit den Aussagen der
Privatkläger C._ (Urk. 9/1-2, Urk. 5/1 und 5/3), D._ (Urk. 3, Urk. 9/4) und
B._ (Urk. 3, Urk. 9/10) sowie des Zeugen F._ (Urk. 9/5 und Urk. 9/8),
der Auskunftspersonen Q._ (Urk. 8/1-2), G._ (Urk. 9/13), der Zeugin
S._ (Urk. 8/9 und Urk. 8/15), des Zeugen T._ (Urk. 8/16 und Urk. 8/21),
des Geschädigten E._ (Urk. 9/14) und schliesslich des Zeugen M._
auseinandergesetzt (Urk. 117). Die Aussagen der weiteren einvernommen Perso-
nen, namentlich jene von P._, U._, V._, W._ und AA._
erachtete die Vorinstanz für die Sachverhaltsermittlung als nicht relevant, weil al-
lesamt keine eigenen Wahrnehmungen zum eigentlich anklagebildenden Sach-
verhalt machen konnten (Urk. 144 S. 8 ff. und S. 24 ff.). Schliesslich erwog die
Vorinstanz, die polizeilichen Einvernahmen des Privatklägers D._ vom 10.
Mai 2012 (Urk. 9/3), des Privatklägers B._ vom 15. Mai 2012 (Urk. 9/9) und
von G._ vom 24. Mai 2012 (Urk. 9/12) seien nicht zulasten des Beschuldig-
ten verwertbar, weil die betreffenden Einvernahmen im Rahmen der Strafuntersu-
chung durch die Anklagebehörde und unter Wahrung der Teilnahme- und Frage-
rechte des Beschuldigten hätten erfolgen müssen. Die Polizei sei im damaligen
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Verfahrensstadium nicht dazu legitimiert gewesen die Privatkläger D._ und
B._ sowie G._ ein weiteres Mal einlässlich zu befragen, ohne dem Be-
schuldigten seine Teilnahme- und Fragerechte zu gewähren (Urk. 144 S. 10 ff.).
Als ebenfalls nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertbar bezeichnete die Vo-
rinstanz die Aussagen der Privatkläger D._ und B._ der Geschädigten
E._ und F._ sowie von G._, soweit diese im Bericht der Kantonspo-
lizei Zürich vom 30. April 2012 zusammengefasst worden seien (Urk. 3 S. 3 ff;
Urk. 4 S. 7 ff.). Von den betreffenden Befragungen existierten – so die Vorinstanz
– keine Protokolle und damit auch keine unterschriftlichen Bestätigungen dieser
Personen im Sinne von Art. 78 Abs. 5 StPO. Diese zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz wurden durch die Verteidigung im Rahmen des Berufungsverfahrens
nicht beanstandet. Die betreffenden vorinstanzlichen Erwägungen sind nach dem
Gesagten zu übernehmen (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Verteidigung hielt im Beru-
fungsverfahren sodann zutreffend fest, dass der Argumentation der Vorinstanz
folgend auch die Einvernahmen von Q._ vom 16. Mai 2012 sowie von
T._ vom 5. Juni 2012 nicht verwertbar seien (Urk. 218
S. 10 f.).
6.4. Neben den zuvor genannten Aussagen stellte die Vorinstanz im Rahmen ih-
rer Beweiswürdigung zudem auf die diversen medizinischen Gutachten und
Berichte ab, welche sich bei den Akten befinden. Für den vorliegend noch zu
beurteilenden Anklagesachverhalt sind namentlich noch die Gutachten des Insti-
tuts für Rechtsmedizin der Universität Zürich zur körperlichen Untersuchung des
Beschuldigten (Urk. 12/1) und zu den Verletzungen des Privatklägers D._
(Urk. 68/3) sowie die ärztlichen Berichte betreffend den Privatkläger C._
(Urk. 12/2; Urk. 12/6-7) sowie den Privatkläger D._ (Urk. 12/8-13; Urk. 12/15-
16) und den Privatkläger B._ (Urk. 12/18+19; Urk. 12/21; Urk. 12/23; Urk.
12/25) von Belang. Weiter massgeblich sind – wie bereits die
Vorinstanz zutreffend erwog – die pharmakologisch-toxikologische Gutachten im
Zusammenhang mit den vom Beschuldigten eingenommenen Substanzen
(Urk. 11/5; Urk. 69/3) sowie die auf den Tatzeitpunkt erfolgte Rückrechnung der
Blutalkoholkonzentration des Beschuldigten (Urk. 69/7).
- 16 -
6.5. Dass die Privatkläger C._, D._ und B._ die auf Seite 3 der
Anklageschrift geschilderten Stichverletzungen und Schnittwunden tatsächlich er-
litten haben, lässt sich ohne weiteres den jeweiligen ärztlichen Berichten und
Gutachten entnehmen (betreffend C._ Urk. 12/6, Urk 12/2, Urk. 12/7; betref-
fend D._ Urk. 79, Urk. 12/16, Urk. 12/8, Urk. 12/9, Urk. 12/13, Urk. 68/3; be-
treffend B._ (Urk. 12/23, Urk. 12/18-19, Urk. 12/21). Lediglich in Bezug auf
den beim Privatkläger B._ festgestellten Stichkanal kam die Vorinstanz zum
Schluss, dessen Tiefe habe nicht wie in der Anklageschrift umschrieben 6 cm,
sondern lediglich 3.5 cm betragen. Die betreffenden Erwägungen der Vorinstanz
sind überzeugend und vollständig. Sie decken sich mit den jeweiligen medizini-
schen Berichten und Gutachten, welche allesamt korrekt erhoben und daher auch
verwertbar sind. Weiterungen hierzu erübrigen sich, es kann auf das von der Vo-
rinstanz Ausgeführte verwiesen werden (Urk. 144 S. 16 ff.). Der Sachverhalt ist
daher bezüglich die in der Anklageschrift geschilderten Verletzungen der Privat-
kläger – mit der marginalen, den Privatkläger B._ betreffenden, Einschrän-
kung bezüglich die Tiefe des Stichkanals – erstellt. Davon kann nachfolgend aus-
gegangen werden.
6.6. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid die massgeblichen Aussa-
gen des Beschuldigten (Urk. 144 S. 24 ff.), des Privatklägers C._ (Urk. 144
S. 35 ff.), des Privatklägers D._ (Urk. 144 S. 43 ff.), des Privatklägers
B._ (Urk. 144 S. 47 ff.), des Geschädigten F._ (Urk. 144 S. 51 ff.), der
Auskunftsperson Q._ (Urk. 144 S. 58), der Auskunftsperson G._ (Urk.
144 S. 62 ff.), der Zeugin S._ (Urk. 144 S. 65 ff.), des Zeugen T._ (Urk.
144 S. 71 ff.) sowie des Geschädigten E._ (Urk. 144 S. 74 f.) und des Zeu-
gen M._ (Urk. 144 S. 75 ff.) sehr gründlich und vollständig wiedergegeben.
Eine neuerliche Darstellung der betreffenden Depositionen kann unter diesen
Umständen mit Verweis auf die Erwägungen der Vorinstanz unterbleiben. Ein-
schränkungen sind anzufügen, was die – wie vorstehend erwogen – nicht ver-
wertbaren Aussagen von Q._ und T._ betrifft. Ebenfalls kann vollum-
fänglich auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden, insofern sie sich
mit der Frage der Glaubwürdigkeit der aussagenden Personen befasste (Art. 82
Abs. 4 StPO). Die betreffenden Darlegungen wurden auch seitens der Verteidi-
- 17 -
gung nicht substantiell in Zweifel gezogen. Dies vollkommen zu recht, denn sie
sind überzeugend und nicht zu beanstanden.
6.6.1. Bei der Würdigung der einzelnen Aussagen kam die Vorinstanz zusam-
mengefasst zum Schluss, der Beschuldigte habe namentlich zum Kerngehalt der
Auseinandersetzung vom 29. April 2012 im Club H._ uneinheitliche Aussa-
gen gemacht. Insbesondere seine Depositionen zu dem von ihm vom Boden auf-
gehobenen Gegenstand seien sehr zweifelhaft und insofern nicht schlüssig, als
der Beschuldigte geltend mache, es habe sich dabei um einen Fingerring gehan-
delt. Diesbezüglich müsse davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte
seine Aussagen einfach immer wieder dem Stand der Untersuchung angepasst
habe, was erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen aufkommen
lasse. Fest stehe aufgrund der Aussagen des Beschuldigten, dass er sich zum
Tatzeitpunkt im Inneren des Clubs H._ – bei der Garderobe – aufgehalten
habe. Dieser Umstand werde auch vom Privatkläger C._ und dem Zeugen
T._ bestätigt. Beide hätten nämlich zu Protokoll gegeben, der Beschuldigte
sei zu Beginn der Auseinandersetzung zusammen mit G._ aus dem Club
geführt worden (Urk. 144 S. 30 ff.).
6.6.2. Was die Aussagen des Privatklägers C._ betreffe, erwog die Vor-
instanz, dessen Depositionen betreffend den Ablauf des Geschehens würden
durchaus gewisse Abweichungen und Differenzen aufweisen. Dies erstaune aber
nicht sonderlich, weil die Tatbegehung sehr dynamisch abgelaufen sei und es
unter diesen Umständen nicht ungewöhnlich erscheine, dass man im Nachhinein
nicht mehr alle Details im Einzelnen konstant wiedergeben könne. Entscheidend
sei, dass der Privatkläger C._ gleichbleibend und überzeugend zu
Protokoll gegeben habe, dass der Beschuldigte ihn zwei Mal mit einem Messer
gestochen habe. Er habe den Angreifer klar gesehen und den Beschuldigten an-
lässlich der am 2. Mai 2012 durchgeführten Wahlbildkonfrontation aus 923 vorge-
legten Fotos zweifelsfrei als denjenigen identifiziert, welcher ihm die Messerstiche
verabreicht habe. Auch die vom Privatkläger C._ zu Protokoll gegebene Per-
sonenbeschreibung treffe bis auf die Altersangabe auf den Beschuldigten zu.
C._ habe den Aggressiven, den er aus dem Club gebracht und der ihn später
- 18 -
gestochen habe, als dunkelhäutigen Mann, dünner Statur, etwa 35 bis
40 jährig, ca. 168 cm bis 170 cm gross, mit dicken, ungepflegten Haaren und
vermutlich einem Bart beschrieben. Dass der Privatkläger C._ den Beschul-
digten mit dem ebenfalls anwesenden F._ verwechselt habe,
könne ausgeschlossen werden. Einerseits habe dieser zum Tatzeitpunkt einen
Kurzhaarschnitt getragen und andererseits sei F._ deutlich grösser als der
Beschuldigte. Zudem habe C._ im Rahmen seiner Aussagen klar zwischen
dem Beschuldigten und F._ unterschieden. Auch eine Verwechslung mit
E._ komme nicht in Frage, denn der Zeuge M._ habe dezidiert ausge-
sagt, dass E._ dem Beschuldigten überhaupt nicht ähnlich sehe. Die Vo-
rinstanz erwog weiter, der Privatkläger C._ habe differenziert und authen-
tisch ausgesagt und dabei auch seine eigene Rolle im Konflikt nicht beschönigt.
Namentlich habe er eingestanden, den Beschuldigten zunächst geschlagen bzw.
gepackt und ihn dergestalt zu Boden geführt zu haben, dass er gemeint habe, der
Beschuldigte bleibe anschliessend benommen am Boden liegen. Damit habe
C._ einen nicht unerheblichen tätlichen Übergriff auf den Beschuldigten ein-
geräumt, was unter anderem auch für die Glaubhaftigkeit seiner Darstellungen
spreche. Ein Motiv C._s für eine Falschbelastung des Beschuldigten, sei
entgegen den betreffenden Behauptungen der Verteidigung, nicht auszumachen.
Schliesslich spreche auch der Umstand, dass seine Aussagen durch diejenigen
des Privatklägers B._ und Q._ gestützt würden, für die Glaubhaftigkeit
seiner Depositionen (Urk. 144 S. 37 ff.).
6.6.3. Die Aussagen des Privatklägers D._ erachtete die Vorinstanz ebenfalls
als durchwegs glaubhaft. Dieser habe nach Auffassung der Vorderrichter den Vor-
fall konstant und detailliert geschildert. Insbesondere habe er sowohl anlässlich
der Wahlbildkonfrontation als auch bei der direkten Gegenüberstellung anlässlich
seiner Einvernahme als Auskunftsperson den Beschuldigten ausdrücklich als den
Verursacher seiner Stichverletzungen identifiziert. Anzeichen für eine Falschaus-
sage seien nicht ersichtlich, habe der Privatkläger doch zurückhaltend und in der
Sache sehr differenziert ausgesagt. Auch für die Annahme, es habe
eine Absprache zwischen dem Privatkläger und seinen Kollegen statt gefunden,
bestünden keine Anhaltspunkte. Im Falle einer tatsächlichen Absprache zum
- 19 -
Nachteil des Beschuldigten hätten die verschiedenen Aussagen nach Auffassung
der Vorinstanz weit übereinstimmender ausfallen müssen (Urk. 144 S. 45 ff.).
6.6.4. Was die Aussagen des Privatklägers B._ anbelangt, erwog die
Vorinstanz zusammengefasst, dieser habe in der Untersuchung grundsätzlich
gleichbleibende, klare und differenzierte Angaben zum Tatablauf gemacht.
B._ habe namentlich auch bestätigt, dass der Täter derjenige gewesen sei,
welcher zuvor von C._ aus dem Club geführt worden sei. Nachdem der Täter
ihn verletzt habe, sei er mit einem Messer C._ nachgerannt. In der Konfron-
tationseinvernahme habe B._ den Beschuldigten zu 90% als Täter erkannt.
Er sei sich sicher gewesen, dass ihn derjenige Typ mit dem Messer verletzt habe,
welcher mit dem Rucksack und dem Stock in den Club H._ gekommen sei.
Der Privatkläger B._ habe sowohl bei der Identifizierung des Beschuldigten,
als auch bei seinen übrigen Schilderungen ein vorsichtiges, aber differenziertes
Aussageverhalten an den Tag gelegt. Seine Depositionen seien realitätsnah und
überzeugend. Auch beim Privatkläger B._ konnte die Vorinstanz keine
Anhaltspunkte für eine Absprache mit seinen Kollegen ausmachen, denn dafür
seien die verschiedenen Schilderungen zu heterogen. Bezüglich der Glaub-
haftigkeit der Aussagen des Privatklägers B._ bestünden – so die Vor-
instanz – keine Vorbehalte. Eine Einschränkung sei lediglich insoweit vorzu-
nehmen, als die näheren Umstände der Schnittverletzung links seitlich an seinem
Kopf aufgrund seiner Aussagen nicht geklärt werden könnten. Ob er sich diesen
Schnitt durch den Sturz zu gezogen habe oder als er schliesslich an Boden
gelegen sei, bleibe unklar. Da keiner der übrigen Beteiligten Angaben über die
Umstände betreffend diese Verletzung von B._ habe machen können, lasse
sich der in der Anklageschrift umschriebene Sachverhalt betreffend die Verlet-
zung am Kopf zulasten des Privatklägers B._ nicht rechtsgenügend erstellen
(Urk. 144 S. 49 ff.).
6.6.5. Die Aussagen des Geschädigten F._ stufte die Vorinstanz als insge-
samt unglaubhaft ein. Auffällig sei zunächst, dass sich F._ in der staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme zu seinen ersten Ausführungen vor der Polizei in
Widerspruch gesetzt habe. Kurz darauf habe er dann wieder seine ersten Aus-
- 20 -
sagen bestätigt. Die voneinander abweichenden Schilderungen würden den
Kerngehalt des zu beurteilenden Vorfalls betreffen, wobei nicht zu übersehen sei,
dass F._ die Rolle des Beschuldigten beim Staatsanwalt zunächst offensicht-
lich stark habe abschwächen wollen. Wer F._ die Stichverletzung im Bereich
seiner linken Gesässhälfte zugefügt habe, bleibe zudem aufgrund seiner eigenen
Aussagen unklar. Da darüber hinaus auch keiner der übrigen Beteiligten Angaben
über die Täterschaft betreffend diese Verletzung habe machen können, lasse sich
der in der Anklageschrift umschriebene Sachverhalt betreffend den Geschädigten
F._ nicht rechtsgenügend erstellen. Entsprechend müsse diesbezüglich ein
Freispruch erfolgen (Urk. 144 S. 58).
6.6.6. Betreffend die Auskunftsperson Q._ erwog die Vorinstanz, seine Aus-
sagen seien insgesamt als glaubhaft einzustufen. Er habe insgesamt gleichblei-
bende, konstante und detaillierte Aussagen zum Ablauf gemacht. Lediglich in Be-
zug auf die Frage, ob er am fraglichen Abend einen Pfefferspray und/oder
einen Stock auf sich getragen habe, habe er widersprüchliche Angaben gemacht.
Dieser Widerspruch beziehe sich jedoch nicht auf das eigentliche Kerngeschehen
und sei daher auch nicht geeignet, seine übrigen Depositionen als unglaubhaft
erscheinen zu lassen. Q._ habe zurückhaltend ausgesagt und auch immer
transparent gemacht, wenn er eigene Wahrnehmungen geschildert, oder vom
Hörensagen gewonnene Erkenntnisse zu Protokoll gegeben habe. Auch bei
Q._ sei weder ein Motiv für eine Falschaussage erkennbar, noch bestünden
Anzeichen für eine Absprache mit seinen Kollegen. Hier gelte, was bereits an
anderer Stelle ebenfalls ausgeführt worden sei (Urk. 144 S. 60 ff.).
6.6.7. Bezüglich der Aussagen der Auskunftsperson G._, der Zeugin
S._ und des Zeugen T._ würdigte die Vorinstanz die betreffenden De-
positionen und kam zum Schluss, es würden sich daraus keine Erkenntnisse hin-
sichtlich des dem Beschuldigten vorgeworfenen Verhaltens ergeben. Die Aussa-
gen der genannten Personen würden sich weder zu Gunsten noch zu Lasten des
Beschuldigten auswirken und seien daher für die Sachverhaltserstellung nicht
dienlich (Urk. 144 S. 65, S. 71 und S. 74).
- 21 -
6.6.8. Mit Verweis auf zuvor gemachte Erwägungen hielt die Vorinstanz zunächst
fest, dass die Aussagen des Geschädigten E._ mangels Konfrontation mit
dem Beschuldigten nicht zu dessen Ungunsten verwendet werden dürften. Auch
in Bezug auf die Frage, wer E._ die in der Anklageschrift geschilderten Ver-
letzungen zugefügt habe, lasse sich seiner polizeilichen Befragung für das Verhal-
ten des Beschuldigten nichts entnehmen, was letztlich rechtlich von Bedeutung
sei. Namentlich könnten daraus auch keine Erkenntnisse gewonnen werden, wel-
che sich zu Gunsten des Beschuldigten auswirken würden. Damit müsse offen
bleiben, wer dem Geschädigten E._ die Verletzung im linken Mittelbauch zu-
gefügt habe und wie es zu dieser Verletzung gekommen sei. Keine der beteiligten
Personen habe hierzu sachdienliche Angaben machen können. Entsprechend
sprach die Vorinstanz den Beschuldigten mangels erstelltem Sachverhalt vom
Anklagevorwurf betreffend E._ frei (Urk. 144 S. 75).
6.6.9. Schliesslich würdigte die Vorinstanz die Aussagen von M._, welchen
sie anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung als Zeugen befragte. Die
Vorderrichter erachteten dessen Aussagen zwar als grundsätzlich glaubhaft, kon-
statierten jedoch gleichzeitig, dass der Zeuge mit Ausnahme zum Tatvorgehen
betreffend den Geschädigten E._ keine Angaben zum eingeklagten Sach-
verhalt machen könne (Urk. 144 S. 78).
6.7. Vor Vorinstanz stellte sich die Verteidigung zusammengefasst im Wesentli-
chen auf den Standpunkt nicht der Beschuldigte, sondern eine Drittperson habe
die in der Anklageschrift umschriebenen Tathandlungen begangen. Für die
Unschuld des Beschuldigte spreche einerseits, dass es keinen einzigen Sach-
beweis gebe, welcher dem Beschuldigten zugeordnet werden könne. Bei ihm sei-
en weder Blut- noch DNA-Spuren sichergestellt worden. Ebenso wenig habe man
Fingerabdrücke oder die Waffe beim Beschuldigten gefunden. Niemand habe ge-
sehen, dass der Beschuldigte zugestochen habe. Die Privatkläger hätte lediglich
einen Stich gespürt und später erst festgestellt, dass sie geblutet hätten. Zudem
habe niemand beim Beschuldigten ein Messer oder einen spitzen Gegenstand
gesehen. Eine Person habe ein Messer bei einem Aggressiven gesehen. Diese
aggressive Person könne aber nicht der Beschuldigte gewesen sein. Auch das
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Nachtatverhalten des Beschuldigten spreche klar gegen seine Täterschaft. Hinzu
komme, dass die den Beschuldigten belastenden Aussagen diverse "Killerwider-
sprüche" aufweisen würden (Urk. 121 S. 2 ff.).
6.7.1. Im Rahmen des Berufungsverfahrens brachte die Verteidigung vor, die Vor-
instanz habe sich nicht mit der Ablaufhypothese der Verteidigung auseinanderge-
setzt, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstelle. Die Verteidigung
wiederholte sodann, was sie – wie vorstehend widergegeben – bereits vor Vor-
instanz vorgebracht hatte. Zudem würden weitere auffällige Ungereimtheiten be-
stehen. Sodann seien diverse Beweismittel nicht verwertbar und der Wahlbildkon-
frontation sowie den Wiedererkennungen bei der Staatsanwaltschaft würde nur
ein minimaler Beweiswert zukommen. Absolut unerklärlich sei, weshalb die Vor-
instanz die erheblichen Differenzen in den Aussagen von C._ nicht zum An-
lass nehme, sein Aussageverhalten als widersprüchlich und nicht glaubhaft ein-
zustufen. Die Aussagen von M._ seien zu restriktiv zu Ungunsten des Be-
schuldigten ausgelegt worden, dieser entlaste den Beschuldigten, ebenso
G._. Die Vorinstanz habe weiter die Sachbeweise nicht korrekt gewürdigt.
Beim Beschuldigten seien keine Blutspuren gefunden worden, was nach einem
Gemetzel nicht denkbar sei, ebenso sei keine fremde DNA am Körper des
Beschuldigten gefunden worden und der Fingernagelschmutz sei negativ ge-
wesen. Das Spurenbild schliesse den Beschuldigten als Täter aus. Es sei weiter
denkbar, dass eine Videokamera entfernt worden sei. Es würden sich unüber-
windliche Zweifel an der Vereinbarkeit der Schilderung des Tatablaufs bezüglich
angeblich schneller und heftiger Bewegungen mit der durch das rechtsmedizini-
sche Gutachten festgestellten körperlichen Verfassung des Beschuldigten
ergeben. Kein Belastender erkenne den auffälligen Schmuck des Beschuldigten
und niemand habe beim Beschuldigten ein Messer oder einen spitzen Gegen-
stand gesehen. Die Sicherheitsleute wüssten zwar genau, wer der Täter sei,
keiner habe den Tatablauf jedoch beobachtet. Es würden unüberwindliche Zweifel
bestehen, dass es sich beim "Aggressiven" um den Beschuldigten gehandelt
habe. Schliesslich würden sich auch Widersprüche bezüglich des angeblichen
Nachrennens von C._ durch den Beschuldigten ergeben, sowie Mängel in
der Wiedererkennung aufgrund Dunkelheit und dunkler Hautfarbe. Letztlich wür-
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dige die Vorinstanz die Aussagen des Beschuldigten falsch, wenn sie Zweifel an
deren Glaubhaftigkeit habe (Urk. 218 S. 2 ff.).
6.8. Zentrale und letztlich einzige entscheidende Frage ist vorliegend, ob der Be-
schuldigte durch das Beweisergebnis zweifelsfrei als Urheber der in der Anklage-
schrift vom 22. Juli 2014 geschilderten Verletzungen der Privatkläger C._
und D._ und B._ identifiziert werden kann. In diesem Sinne sind die
nachfolgenden Erwägungen als Ergänzung zu der in allen Teilen zutreffenden
Beweiswürdigung der Vorinstanz zu verstehen, welche abgesehen von der
folgenden Einschränkung vollumfänglich übernommen werden kann (Art. 82
Abs. 4 StPO). Nicht konsequent ist die Vorinstanz, wenn sie zwar argumentiert,
die polizeilichen Einvernahmen von D._ und B._ seien nicht
zulasten des Beschuldigten verwertbar (Urk. 144 S. 15), hernach jedoch auf die
im Rahmen besagter Einvernahmen durchgeführten Wahlbildkonfrontationen
abstellt (Urk. 144 S. 45 und 48). Ebenso nicht verwertbar sind nach dem Gesag-
ten die Aussagen von Q._ anlässlich der polizeilichen Einvernahme und der
dann durchgeführten Wahlbildkonfrontation (Urk. 144 S. 58 f.).
6.8.1. Dass sich in den frühen Morgenstunden des 29. April 2012 beim Club
H._ an der ...strasse ... in Zürich eine Auseinandersetzung zwischen meh-
ren Personen zugetragen hat, ist ebenso wenig bestritten wie der Umstand, dass
die obgenannten Privatkläger im Rahmen dieser Auseinandersetzung die in der
Anklageschrift umschriebenen (mit einer marginalen Einschränkung betreffend
den Privatkläger B._ bezüglich die Tiefe der Stichwunde) Stichverletzungen
erlitten haben. Die betreffenden Verletzungen sind durch die medizinischen Be-
richte und Gutachten zweifelsfrei bewiesen. Hierzu bedarf es keiner weiteren Er-
läuterungen mehr. Es kann vollumfänglich auf die in allen Teilen zutreffenden Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 144 S. 16 ff.; betreffen C._
Urk. 12/6, Urk 12/2, Urk. 12/7; betreffend D._ Urk. 79, Urk. 12/16, Urk. 12/8,
Urk. 12/9, Urk. 12/13, Urk. 68/3; betreffend B._ Urk. 12/23, Urk. 12/18-19,
Urk. 12/21; Art. 82 Abs. 4 StPO).
6.8.2. Wie die Verteidigung vor Vorinstanz richtigerweise vorbrachte, existieren
zur Klärung dieser Frage mit Ausnahme der Aussagen der Beteiligten, keinerlei
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Sachbeweise. Die Vorinstanz hat sich ausgesprochen einlässlich mit den ver-
schiedenen Aussagen der – in welcher Form auch immer – an der Tat beteiligten
Personen auseinandergesetzt. Wenn sie nach ihrer sehr gründlichen und über-
zeugenden Beweiswürdigung zum Schluss kommt, die Aussagen der Privatkläger
C._, D._ und B._ sowie diejenige der Auskunftsperson Q._
seien als glaubhaft anzusehen, so ist ihr darin vollumfänglich zuzustimmen.
6.8.3. Insbesondere was die Täterschaft anbelangt kann angesichts der überzeu-
genden Aussagen der genannten Personen letztlich kein Zweifel mehr an der
Täterschaft des Beschuldigten bestehen. Der Privatkläger C._ hat den Täter,
den er als "den Aggressiven" bezeichnete, als dunkelhäutigen etwa 35 bis 40 jäh-
rigen Mann dünner Statur, von ca. 168 cm bis 170 cm Körpergrösse
beschrieben, der dicke, ungepflegte Haare und vermutlich einen Bart gehabt habe
(Urk. 9/1 S. 4). Anlässlich seiner ärztlichen Untersuchung im Institut für Rechts-
medizin der Universität Zürich gab der Beschuldigte an, 175 cm gross und 60 kg
schwer zu sein (Urk. 11/4). Bei seiner Verhaftung trug der Beschuldigte Strähnen
verfilzter Haare, sogenannte Dreadlocks, sowie einen Bart (Urk. 19/1 S. 1). Die
Täterbeschreibung des Privatklägers C._ trifft also in Bezug auf die äusserli-
chen Merkmale praktisch zu 100 % auf den Beschuldigten zu. Einzig hinsichtlich
des Alters stimmen die geschätzten Angaben des Privatklägers nicht mit dem ef-
fektiven Alter des Beschuldigten überein. Der Beschuldigte wurde am tt. März
1960 geboren und war somit im Tatzeitpunkt beinahe 52 Jahre alt. Dass C._
sich beim Alter des Beschuldigten verschätzt hat, ist einerseits durchaus nach-
vollziehbar, sind Altersschätzungen doch notorischerweise schwierig. Dies umso
mehr, wenn man sich einerseits den sehr dynamischen Tatablauf vor Augen führt
und zudem in Betracht zieht, dass der Beschuldigte nicht nur
einer – für europäische Verhältnisse – fremden Ethnie angehört, sondern auch
aufgrund seines gesamten Habitus in Bezug auf sein Alter schwer einschätzbar
erscheint. Entscheidend aber ist letztlich, dass die vom Privatkläger D._ zu
Protokoll gegebene Täterbeschreibung auf keine andere der am Tatort in die
Auseinandersetzung involvierten Personen zutrifft. Diesbezüglich kann auf die
erschöpfenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 144 S. 40).
D._ hat überzeugend ausgesagt, er habe den Täter klar und deutlich gese-
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hen. Entsprechend wurde der Privatkläger auf den 2. Mai 2012 zur Wahlbildkon-
frontation in die Räumlichkeiten der Stadtpolizei Zürich vorgeladen. Ihm wurden
am Computer insgesamt 923 Fotos gezeigt, wobei der Privatkläger den Beschul-
digten als diejenige Person identifizieren konnte, welche ihn zwei Mal mit
einem Messer gestochen habe. Wie sich dem betreffenden Rapport der Kantons-
polizei Zürich vom 2. Mai 2012 entnehmen lässt, erkannte der Privatkläger den
Beschuldigten sehr spontan aufgrund der Gesichtsmerkmale. D._ gab an,
die Gesichtsform, die Augenpartie sowie die Haare und der Bart würden exakt mit
dem Täter übereinstimmen (Urk. 5/1 S. 2). Entgegen der Verteidigung ist nicht
ersichtlich, weshalb dieser Wahlbildkonfrontation nur ein reduzierter Beweiswert
zukommen sollte. Auch anlässlich der Einvernahme des Privatklägers C._
durch die Staatsanwaltschaft vom 28. Juni 2012, liess dieser keinen
Zweifel daran aufkommen, dass es sich bei dem ebenfalls anwesenden Beschul-
digten um "den Aggressiven" handelte, welcher ihn mit dem Messer verletzt hatte
(Urk. 9/2 S. 4 ff.). Dafür, dass er mit "dem Aggressiven" einen anderen als den
Beschuldigten meinte, besteht entgegen der Verteidigung kein Hinweis.
6.8.4. D._ liess anlässlich seiner Befragung durch die Staatsanwaltschaft
vom 3. Juli 2012, an welcher eine direkte Gegenüberstellung mit dem
Beschuldigten stattfand, keine Zweifel daran aufkommen, dass es sich beim
Beschuldigten um diejenige Person handelt, welche ihm die Stichverletzung zuge-
fügt hat (Urk. 9/4 S. 4). Auch dieser Wiedererkennung kommt kein reduzierter
Beweiswert zu.
6.8.5. Auch B._ wurde im Rahmen seiner Befragung durch die Staatsanwalt-
schaft vom 22. Oktober 2012 direkt mit dem Beschuldigten konfrontiert. Damals
gab B._ zu Protokoll, er sehe den Beschuldigten das zweite Mal. Das erste
Mal habe er ihn "am Abend als es passierte" gesehen (Urk. 9/10 S. 3). Auf die
Frage, ob er sagen könne, ob es sich beim Beschuldigten um jenen Mann handle,
welcher beim Club H._ mit dem Messer auf ihn losgegangen sei, antwortete
der Privatkläger B._ wörtlich: "Ja, ich würde sagen, dass ich ihn zu 90 % als
Täter erkenne" (Urk. 9/10 S. 5). Diejenige Person, welche ihn verletzt habe, sei
die selbe Person gewesen, welche zuvor von den Sicherheitsleuten aus dem Club
- 26 -
H._ hinausgeführt worden sei. Genau diese Person sei mit einem Messer auf
ihn losgegangen. Er sei sich zu 100 % sicher, dass es sich bei der Stichwaffe um
ein Messer gehandelt habe. Der Beschuldigte habe es in seiner rechten Hand ge-
halten und er habe nur den Teil des Messers gesehen, welcher aus der Hand
herausgeragt sei (Urk. 9/10 S. 6).
6.8.6. Am 28. Juni 2012 wurde Q._ durch die Staatsanwaltschaft als Aus-
kunftsperson einvernommen und mit dem Beschuldigten direkt konfrontiert (Urk.
8/2). Anlässlich dieser Konfrontation zeigte Q._ mit dem Finger auf den Be-
schuldigten und bezeichnete diesen zweifelsfrei als diejenige Person, welche zu-
nächst von C._ aus dem Club befördert worden und diesem hernach mit ei-
nem Gegenstand in der Hand – welchen er als Messer wahrgenommen
habe – hinterhergerannt sei. Ob es tatsächlich ein Messer gewesen sei, könne er
nicht mit Sicherheit sagen. Er habe aufgrund der Verletzungen der anderen
Personen auf ein Messer geschlossen. Es habe aber auch etwas anderes sein
können. Der Beschuldigte sei ihm schon früher aufgefallen, weil dieser immer mit
dem Stock und einem Rucksack gekommen sei. Der Stock sei etwa 2 Meter lang
gewesen und habe oben drauf einen geschnitzten Löwenkopf gehabt. Der
Beschuldigte sei jeweils beleidigt gewesen, wenn er beim Eingang zu Club kon-
trolliert worden sei. Probleme habe es aber mit ihm nie gegeben (Urk. 8/2 S. 4).
6.8.7. Mit der Vorinstanz und unter Verweis auf deren zutreffende Erwägungen
kann angesichts der namentlich in Bezug auf die Person des Beschuldigten über-
einstimmenden und glaubhaften Aussagen der Privatkläger C._, D._
und B._ sowie der Auskunftsperson Q._ kein ernsthafter Zweifel daran
bestehen, dass es der Beschuldigte war, der den Privatklägern die noch zur Dis-
kussion stehenden Stichverletzungen beigebracht hat. Dass keiner dieser Perso-
nen der auffällige Schmuck des Beschuldigten aufgefallen war, steht dieser
Schlussfolgerung nicht entgegen. Wenn man sich vor Augen führt, dass von den
sieben an der inkriminierten Auseinandersetzung beteiligten Personen mit Aus-
nahme des Beschuldigten allesamt Stichverletzungen aufwiesen und ausge-
schlossen werden kann, dass sich diese die Stichwunden
gegenseitig (etwas derartiges wurde von niemandem jemals behauptet) oder gar
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selbst beigebracht haben, dann spricht auch dieser Umstand klarerweise für die
Täterschaft des Beschuldigten. Die vom Beschuldigten nachträglich vorgebrach-
ten Erklärungsversuche, wonach er am Tatort einen grossen Ring verloren habe,
welcher möglicherweise von den anderen fälschlicherweise als Messer ange-
sehen worden sei, erscheint angesichts der überzeugenden Beweislage geradezu
grotesk und macht umso mehr deutlich, wie unglaubhaft die Depositionen des
Beschuldigten sind. Auch dies hat die Vorinstanz zutreffend erwogen, weshalb
sich Weiterungen hierzu erübrigen. Auch dass beim Beschuldigten keine Spuren
gefunden werden konnten, vermag ihn nicht zu entlasten, ebenso wenig sein
Nachtatverhalten.
6.9. Nach dem Gesagten ist im Sinne eines Fazits festzuhalten, dass der
Anklagesachverhalt insofern erstellt ist, als der Beschuldigte, nachdem er aus
dem Club H._ befördert worden war, wieder zurück in den Eingangsbereich
kam und dort dem Privatkläger C._ zunächst in der rechten und
anschliessend in der linken Körperseite mit einem Messer je eine Stichverletzung
zufügte. In der Folge stach er dem Privatkläger D._ mit einem Messer oder
einem anderen hierfür geeigneten gefährlichen Gegenstand wie beispielsweise
einer Glasscherbe in den Brustkorb. Ausserdem ging der Beschuldigte mit einem
Messer auf den Privatkläger B._ los, welchem er einen Stich in die Flanke
versetzte. In diesem Sinne ist der in der Anklageschrift geschilderte und vorlie-
gend noch interessierende rechtlich relevante Sachverhalt bezüglich der dem Be-
schuldigten vorgeworfenen Stichverletzungen gegenüber den drei Privatklägern
D._, C._ und B._ zweifelsfrei erstellt. Davon ist im Rahmen der
rechtlichen Würdigung auszugehen.
7. Rechtliche Würdigung
7.1.1. In Bezug auf die Anklagevorwürfe betreffend die Privatkläger C._ und
D._ kam die Vorinstanz im Rahmen ihrer rechtlichen Würdigung zusammen-
gefasst zum Schluss, der Beschuldigte habe durch sein inkriminiertes Verhalten
den objektiven Tatbestand der vorsätzlichen Tötung nicht vollendet. Hingegen
habe er in subjektiver Hinsicht tatbestandsmässig gehandelt, indem er zumindest
im Sinne eines Eventualvorsatzes (Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB) den Tod der Pri-
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vatkläger bei seinem Handeln billigend in Kauf genommen habe. Qualifizierende
Tatbestandsmerkmale seien weder eingeklagt worden, noch ersichtlich. Gleich
verhalte es sich mit den privilegierenden Tatbestandsmerkmalen.
Weiter erwog die Vorinstanz es seien weder Rechtfertigungs- noch Schuldaus-
schlussgründe vorhanden. Entsprechend erkannte die Vorinstanz in Bezug auf
die Privatkläger C._ und D._ auf mehrfach versuchte (eventual-
)vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
(Urk. 144 S. 92 ff.).
7.1.2. Betreffend das deliktische Verhalten des Beschuldigten zum Nachteil von
B._ erkannte die Vorinstanz auf vorsätzliche einfache Körperverletzung mit
einem gefährlichen Gegenstand im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB (Urk. 144 S.
100 ff.), wobei eine Minderheit des Spruchkörpers die Ansicht vertrat, die Tat zum
Nachteil von B._ stelle einen eventualvorsätzlichen Tötungsversuch dar (Urk.
139).
7.2. Diese rechtliche Würdigung der Vorinstanz wurde durch die Verteidigung im
Rahmen ihrer Berufungserklärung vom 3. Februar 2015 nicht explizit bean-
standet. Wie bereits vor Vorinstanz setzte sich die Verteidigung zufolge des von
ihr beantragten, vollumfänglichen Freispruchs, auch anlässlich der Berufungs-
verhandlung nicht mit der rechtlichen Würdigung auseinander (Urk. 148; Urk. 218
und Prot. II S. 22).
7.3. Seitens der Anklagebehörde wurde die rechtliche Würdigung der Vorinstanz
bezüglich die, die Privatkläger C._ und D._ betreffenden Tathandlungen
nicht beanstandet.
Hingegen sah sie sich veranlasst, die rechtliche Würdigung betreffend den Privat-
kläger B._ mittels Anschlussberufung einer erneuten Überprüfung unterzie-
hen zu lassen. In ihrer Anschlussberufung vom 26. Februar 2015 sowie in der
Begründung anlässlich der Berufungsverhandlung brachte die Anklagebehörde
zusammengefasst was folgt vor: Der Beschuldigte habe mit einem Messer oder
einem anderen gefährlichen Gegenstand B._ eine mehrere Zentimeter tiefe
Verletzung in den Oberkörper, d.h. in die rechte Flanke in der Nähe der
- 29 -
Wirbelsäule (Übergang Brust zur Lendenwirbelsäule) zugefügt. Die Sorgfalts-
pflichtverletzung des Beschuldigten wiege nicht leicht und das Risiko, mit Stich-
bewegungen mit einem Messer gegen den Oberkörper eines Menschen diesem
tödliche Verletzungen zuzufügen, sei als erheblich einzustufen. Vorliegend sei
das Risiko des Erfolgseintritts in einem dynamischen Geschehen sogar derart
gross gewesen, dass der Beschuldigte beim Angriff gegen den Geschädigten
B._ nicht bloss auf das Ausbleiben von tödlichen Verletzungen habe vertrau-
en können, sondern er habe vielmehr mit der Entstehung von tödlichen Verlet-
zungen rechnen müssen, selbst wenn eine tödliche Verletzung nicht das eigentli-
che Ziel seines Handelns gewesen sei. Wenn der Beschuldigte mit einem Messer
in der Hand im Rahmen eines dynamischen Geschehens ungezielt zusteche,
könne er überhaupt nicht abschätzen, wo genau er den Geschädigten steche.
Auch habe der Beschuldigte in dem Moment, als er mit dem Messer zugestochen
habe, die nächsten Bewegungen des Geschädigten unmöglich abschätzen kön-
nen, weshalb er auch die Einstichtiefe absolut nicht habe beeinflussen können.
Indem der Beschuldigte somit im Rahmen eines dynamischen Geschehens mit
einem Messer oder einem anderen gefährlichen Gegenstand auf den Geschädig-
ten eingestochen und gewusst habe, dass sein Handeln tödliche Verletzungen
hervorrufen könne, habe er fraglos eventualvorsätzlich gehandelt. Durch dieses
Handeln habe der Beschuldigte A._ daher den subjektiven Tatbestand der
vorsätzlichen Tötung zweifellos erfüllt (Urk. 152 S. 2 f.; Urk. 221).
7.4. Die Auffassung der Vorinstanz kann nicht geteilt werden. In objektiver Hin-
sicht hat der Beschuldigte dem Privatkläger B._ mit einem Messer in die
rechte Flanke in der Nähe der Wirbelsäule beim Übergang von der Brust- zur
Lendenwirbelsäule gestochen und dabei eine ca. 4 cm lange und ca. 3.5 cm tiefe
Stichverletzung zugefügt. Genau in diesem Übergangsbereich zwischen der
Brustwirbelsäule, mit welcher die einzelnen Rippen verbunden sind, und den Len-
denwirbeln, befinden sich beidseits der Wirbelsäule die Nieren. Zudem verläuft
unmittelbar rechts der Wirbelsäule die untere Hohlvene, welche eines der zent-
ralsten Blutgefässe im menschlichen Körper darstellt. Wenn die Vorinstanz also
ausführt, unmittelbar neben der Einstichstelle würden sich keine lebenswichtigen
Organe befinden, so ist dies anatomisch betrachtet schlicht unzutreffend. Es
- 30 -
erstaunt in diesem Zusammenhang, dass dem ärztlichen Bericht des Universi-
tätsspitals Zürich zu entnehmen ist, es hätten sich in unmittelbarer Nähe keine
lebenswichtigen Organe befunden (Urk. 12/23 S. 1; Antwort 2a). Dem ärztlichen
Befund von Dr. med. AB._ vom 30. November 2012 (Hausarzt des Privatklä-
gers B._) lässt sich demgegenüber entnehmen, dass er der Auffassung war,
es habe beim Privatklägers sehr wohl Lebensgefahr bestanden (Urk. 12/25). In
Übereinstimmung mit der Auffassung der Anklagebehörde sowie der Minder-
heitsmeinung der Vorinstanz steht ausser Zweifel, dass der dem Privatkläger
B._ zugefügte Messerstich durchaus lebenswichtige, stark durchblutete
Organe und Gefässe hätte verletzen können, was zu einem akut lebensbedrohli-
chen Zustand hätte führen können. Wer, wie der Beschuldigte, in absolut unkon-
trollierter und wegen des ausgesprochen dynamischen Ablaufs auch weitgehend
unkontrollierbarer Manier einen Messerstich gegen den Oberkörper führt, der
muss wissen, dass ein solches Verhalten zu tödlichen Verletzungen führen kann.
Wie die Anklagebehörde zutreffend vorbrachte, bedarf es nach ständiger bundes-
gerichtlicher Rechtsprechung keiner besonderen Intelligenz um zu erkennen,
dass ungezielte Messerstiche in Brust und Bauch, mithin in den Oberkörper eines
Menschen den Tod der betroffenen Person zur Folge haben können. Weder
mangelnde Schulbildung noch eine momentane Erregung über einen Angriff
schliessen das Erkennen des mit dem Einsatz des Messers verbundenen erhebli-
chen Todesrisikos aus (BGE 109 IV 5 E. 2.). Soweit die Vorinstanz erwägt, die In-
tensität des Zustechens sei nicht bekannt, so ist ihr diesbezüglich entgegen zu
halten, dass aufgrund der Tiefe der Stichverletzung – diese betrug 3.5 cm – da-
rauf geschlossen werden muss, dass die Stichbewegung mit nicht unerheblicher
Intensität geführt wurde. Insgesamt betrachtet, musste dem Beschuldigten
bewusst gewesen sein, dass durch sein unkontrolliertes Einwirken mit einem
Messer auf den Oberkörper des Privatklägers schlimmstenfalls dessen Tod hätte
bewirkt werden können. Indem er dessen ungeachtet mit dem Messer in der
inkriminierten Art und Weise auf Letzteren eingestochen hat, hat er den Tod des-
selben in Kauf genommen. Damit hat der Beschuldigte entgegen der Auffassung
der Vorinstanz in subjektiver Hinsicht den Straftatbestand der vorsätzlichen
Tötung im Sinne von Art. 111 StGB erfüllt.
- 31 -
Nachdem der Beschuldigte den objektiven Tatbestand der vorsätzlichen Tötung
nicht vollendet, jedoch den subjektiven Tatbestand wie gesehen erfüllt hat, ist er
in Ermangelung von Schuldausschluss- und/oder Rechtfertigungsgründen und in
Gutheissung der Anschlussberufung der Anklagebehörde der vollendet versuch-
ten eventualvorsätzlichen Tötung zum Nachteil des Privatklägers B._ im Sin-
ne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
III. Sanktion
8. Allgemeines
8.1. Die Vorinstanz hat vorab zutreffende theoretische Erwägungen zum Straf-
rahmen gemacht und richtigerweise festgehalten, dass für eine vollendete vor-
sätzliche Tötung i.S.v. Art. 11 StGB der anwendbare Strafrahmen von mindestens
5 Jahren Freiheitsstrafe bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe reicht.
8.2. Ebenso hat die Vorinstanz in Übereinstimmung mit der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung festgehalten, dass der ordentliche Strafrahmen nur dann zu ver-
lassen ist, wenn ausserordentliche Umstände vorliegen, welche die für die betref-
fende Straftat angedrohte Strafe im konkreten Fall als zu hart oder zu milde er-
scheinen lässt. Wenn die Vorderrichter im vorliegenden Fall zur Überzeugung ge-
langt sind, anhand der vorliegend zu sanktionierenden Delinquenz rechtfertige
sich ein Verlassen des ordentlichen Strafrahmens nicht, so ist dies nicht zu bean-
standen und kann übernommen werden (Urk. 144 S. 102 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
8.3. Weiter hat die Vorinstanz die massgeblichen theoretischen Grundsätze der
Strafzumessung ausführlich und zutreffend dargetan, sodass darauf verwiesen
werden kann und sich Weiterungen hierzu erübrigen (Urk. 144 S. 103 ff.; Art. 82
Abs. 4 StPO).
8.4. Schliesslich hat sich die Vorinstanz einlässlich mit dem von PD Dr. med.
AC._, Direktor Klinik ... und Dr. med. AD._, Oberarzt, Facharzt für Psy-
chiatrie und Psychotherapie, erstellten psychiatrischen Gutachten betreffend den
Beschuldigten auseinandergesetzt. Sie hat die massgeblichen Passagen des
Gutachtens korrekt zusammengefasst sowie wiedergegeben und hernach über-
- 32 -
zeugend dargetan, weshalb sie in Übereinstimmung mit den Gutachtern zum
Schluss gelangt, es sei zugunsten des Beschuldigten von einer schwerwiegenden
Verminderung der Schuldfähigkeit des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt auszuge-
hen. Diese Erwägungen der Vorinstanz und die betreffenden Schlussfolgerungen
wurden weder durch die Verteidigung, noch durch die Anklagebehörde in Abrede
gestellt. Sie bedürfen weder einer Korrektur, noch einer Ergänzung und können
für das Berufungsverfahren übernommen werden (Urk. 144 S. 104 ff.; Art. 82 Abs.
4 StPO).
9. Einsatzstrafe für die versuchte eventualvorsätzliche Tötung zum Nachteil des Privatklägers C._
9.1. Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, das objektive Tatver-
schulden des Beschuldigten für das vollendet begangene Delikt müsse als erheb-
lich beurteilt werden, weshalb sich eine Strafe im mittleren Bereich des Straf-
rahmens von Art. 111 StGB von 14 Jahren Freiheitsstrafe rechtfertige. Das
subjektive Tatverschulden erachtete die Vorinstanz unter Miteinbezug der in
schwerem Grad verminderten Schuldfähigkeit des Beschuldigten sowie der Alko-
hol- und Cannabisintoxikation als insgesamt leicht, was schliesslich dazu führte,
dass die Vorinstanz das Gesamtverschulden als noch leicht taxierte. Die Täter-
komponente bewertete die Vorinstanz insgesamt als strafzumessungsneutral.
Schliesslich erwog die Vorinstanz, die Tatsache, dass es vorliegend bei einer ver-
suchten Tatbegehung im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB geblieben sei, könne
lediglich sehr leicht strafmindernd berücksichtigt werden, weil es nicht dem Ver-
halten des Beschuldigten, sondern dem Eingreifen einer Drittperson und dem
Zufall zuzuschreiben sei, dass das deliktische Verhalten des Beschuldigten keine
schwerwiegendere Folgen gezeitigt habe (Urk. 144 S. 107 ff.).
9.2. Die Anklagebehörde hielt im Rahmen ihrer Anschlussberufung fest, die
Vorinstanz habe die Strafzumessung bezüglich der versuchten Tötung zum Nach-
teil des Privatklägers C._ korrekt vorgenommen (Urk. 152 S. 3; Urk. 221
S. 5).
9.3. In der Tat hat die Vorinstanz sämtliche für die Festlegung des objektiven und
subjektiven Tatverschuldens massgeblichen Faktoren genannt und in nicht zu be-
- 33 -
anstandender Art und Weise gewürdigt. Auf die betreffenden Erwägungen im an-
gefochtenen Entscheid kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 144 S. 107
ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Hingegen hat es die Vorinstanz unterlassen, nach Fest-
legung einer Gesamtbewertung für das Tatverschulden eine hypothetische Ein-
satzstrafe für das Hauptdelikt festzulegen. Bei einem noch als leicht zu bezeich-
nenden Gesamtverschulden müsste für das vollendete Delikt angesichts des
Strafrahmens von 5 bis 20 Jahren Freiheitsstrafe eine hypothetische Einsatzstrafe
im unteren Strafrahmendrittel – mithin von rund 7 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe –
resultieren.
9.3.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten voll-
ständig und korrekt zusammengefasst und wiedergegeben, auf die betreffenden
Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 144 S. 109 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte der Beschuldigte zu seinen persön-
lichen Verhältnissen vor, in der Haft gehe es ihm nicht gut, er mache sich Sorgen
und sein Kind. Mit den Mitgefangenen komme er gut aus, er könne jedoch nicht
arbeiten, da er keine Arbeit erhalte (Urk. 217 S. 2 ff.).
9.3.2. Während der Beschuldigte im Zeitpunkt der vorinstanzlichen Urteilsfällung
noch einen Strafregistereintrag wegen eines Vergehens gegen das Betäubungs-
mittelgesetz aus dem Jahre 2005 aufwies, ist der betreffende Eintrag mittlerweile
in Anwendung von Art. 369 Abs. 3 StGB von Amtes wegen aus dem Register ge-
löscht worden (Urk. 208). Nachdem jedoch bereits die Vorinstanz davon ausging,
dass der betreffende Eintrag nicht ins Gewicht falle, hat nun auch die definitive
Löschung dieses Strafregistereintrage keine Auswirkung mehr auf die Strafzu-
messung.
9.3.3. Mit der Vorinstanz kann nach dem Gesagten festgehalten werden, dass
sich die Täterkomponente insgesamt als strafzumessungsneutral erweist. Es
bleibt daher auch nach Berücksichtigung derselben bei einem noch leichten
Gesamtverschulden.
9.4. Schliesslich hat die Vorinstanz unter dem Titel Strafminderung erschöpfend
dargetan, weshalb die Tatsache, dass es bei einer versuchten Tatbegehung im
- 34 -
Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB geblieben ist, lediglich eine sehr leichten Strafmin-
derung nach sich zieht. In der Tat hatte das deliktische Verhalten des Beschuldig-
ten nur deshalb keine schwerwiegenderen Folgen, weil eine Drittperson ihn davon
abhielt, ein weiteres Mal auf den Oberkörper des Privatklägers C._
einzustechen. Dass die diesem bereits zugefügten Stichverletzungen letztlich
nicht lebensbedrohlich waren, ist nur dem Zufall und nicht etwa dem Verhalten
des Beschuldigten zuzuschreiben. Immerhin kann festgehalten werden, dass der
Privatkläger C._ zu keinem Zeitpunkt in unmittelbarer Lebensgefahr schweb-
te und dass die Folgen der Tat glücklicherweise nicht als schwer bezeichnet wer-
den müssen. Insofern rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten unter
diesem Titel eine Strafminderung von rund 1/5 zuzugestehen.
9.5. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass – gemessen am noch
leichten Tatverschulden und unter Berücksichtigung der Strafminderung aufgrund
des Versuchs – für das Hauptdelikt eine Sanktion im Bereich von 6 Jahren Frei-
heitsstrafe angemessen erscheint.
10. Straferhöhung aufgrund der versuchten Tötung zum Nachteil des  D._
10.1. Die Vorinstanz erwog, das objektive Tatverschulden des Beschuldigten
betreffend den Privatkläger D._ wiege im Vergleich mit dem an C._ be-
gangenen Hauptdelikt etwas leichter. D._ habe eine ca. 2 cm lange und 1 cm
tiefe Stichverletzung am linken Brustkorb (Rippenbogen) erlitten. Die Verletzung
sei weder lebensgefährlich gewesen, noch habe sie zu bleibenden Schäden ge-
führt. Dennoch sei eine Operation sowie ein Spitalaufenthalt von
vier Tagen erforderlich gewesen. Zudem sei der Privatkläger D._ bis zum
16. Mai 2012 zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Im Übrigen gelte hinsichtlich des
objektiven Tatverschuldens, was bereits bei C._ ausgeführt worden sei. Ins-
gesamt müsse das objektive Tatverschulden als nicht mehr leicht beurteilt wer-
den. In subjektiver Hinsicht übernahm die Vorinstanz praktisch die Argumentation,
welche sie bereits bezüglich das an C._ begangene Delikt vorgebracht hatte
und stufte das subjektive Tatverschulden ebenfalls als leicht ein. Das Gesamttat-
verschulden taxierte die Vorinstanz in der Folge als noch leicht. Schliesslich er-
- 35 -
wog sie in Bezug auf die Täterkomponente erneut, dass sich diese als strafzu-
messungsneutral erweise und gestand dem Beschuldigten unter dem Titel Ver-
such eine lediglich leichte Strafminderung zu. Aufgrund der versuchten Tötung
zum Nachteil des Privatklägers D._ rechtfertigte es sich nach Auffassung der
Vorinstanz sowie unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips eine Erhöhung
der Einsatzstrafe um 2 Jahre vorzunehmen (Urk. 144 S. 111 ff.).
10.2. Die Anklagebehörde hielt im Rahmen ihrer Anschlussberufung fest, die
Vorinstanz habe die Strafzumessung bezüglich der versuchten Tötung zum Nach-
teil des Privatklägers D._ korrekt vorgenommen (Urk. 152 S. 3; Urk. 221
S. 5).
10.3. Die vorinstanzlichen Erwägungen zur Strafzumessung bezüglich das an
D._ begangenen Delikts sind überzeugend und vollständig. Sie bedürfen
keiner Ergänzung oder Korrektur und können vollumfänglich übernommen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO). Wenn die Vorinstanz für dieses Delikt eine Erhöhung der
Einsatzstrafe um 2 Jahre vornimmt, so erscheint dies zwar sehr wohlwollend. Mit
Blick auf das relativ grosse richterliche Ermessen kann die festgesetzte Erhöhung
als noch vertretbar bezeichnet werden, weshalb es sich nicht rechtfertigt, hier in
den Ermessenentscheid der Vorinstanz einzugreifen. Dies umso weniger, als
auch die Anklagebehörde keinen entsprechenden Einwand vorbrachte.
11. Straferhöhung aufgrund der versuchten Tötung zum Nachteil des  B._
11.1. In objektiver Hinsicht ist bei der versuchten vorsätzlichen Tötung zum Nach-
teil des Privatklägers B._ zunächst in Erinnerung zu rufen, dass der Be-
schuldigte mit einem Messer in den Rücken des Privatklägers stach. Dies tat er
mit derartiger Intensität, dass der Privatkläger B._ eine etwa 4 cm lange und
etwa 3.5 cm tiefe Stichverletzung in die rechte Flanke in der Nähe der
Wirbelsäule am Übergang der Brust zur Lendenwirbelsäule erlitt. Unweit des
Stichkanals befanden sich zentrale Blutgefässe, wie etwa die Hohlvene, und die
rechte Niere, mithin also lebenswichtige Organe. Die Verletzungen des Privat-
klägers B._ zeitigte letztlich glücklicherweise weder lebensgefährliche Folgen
noch zog sie bleibende Nachteile nach sich. Der Beschuldigte stach zudem ledig-
- 36 -
lich einmal auf den Privatkläger B._ ein und liess anschliessend von sich aus
vom Privatkläger ab. Dennoch waren zur Wundversorgung zwei Notfalloperatio-
nen notwendig. Auch in Bezug auf den Privatkläger B._ handelte der Be-
schuldigte aus nichtigem Anlass und entsprechend vollkommen unverhältnismäs-
sig. Das objektive Tatverschulden für das (fiktiv) vollendet begangene Delikt muss
auch hier als keineswegs leicht bezeichnet werden.
11.2. Was zuvor betreffend die Delikte zum Nachteil der Privatkläger C._ und
D._ vorgebracht wurde, hat in subjektiver Hinsicht auch in Bezug auf das an
B._ begangene Delikt Geltung. Zugunsten des Beschuldigten ist zunächst zu
vermerken, dass dieser nicht direktvorsätzlich, sondern "lediglich" eventualvor-
sätzlich gehandelt hat. Mit seiner Tat reagierte der Beschuldigte vollkommen in-
adäquat auf seinen Rausschmiss aus dem Club H._, wobei er eine
erschreckende Gleichgültigkeit und Geringschätzung gegenüber der physischen
Unversehrtheit des Privatklägers B._ an den Tag legte. Obwohl es ihm an
sich ein Leichtes gewesen wäre, sich nach dem Rauswurf aus dem Club, dem
Konflikt endgültig zu entziehen und nach Hause zu gehen, kehrte er in den Ein-
gangsbereich des Clubs zurück und suchte, bewaffnet mit einem Messer, die
erneute Auseinandersetzung mit den sich dort befindlichen Personen. Schliesslich
ist auch in Bezug auf das Delikt zum Nachteil des Privatklägers B._ die gut-
achterlich festgestellte, schwer verminderte Schuldfähigkeit des Beschuldigten zu
berücksichtigen, weshalb das subjektive Tatverschulden letztlich auch hier noch
als leicht zu bezeichnen ist.
11.3. Insgesamt muss nach dem Gesagten das Gesamttatverschulden noch als
leicht bezeichnet werden.
11.4. Betreffend die Täterkomponente kann vollumfänglich auf die Erwägungen
unter Ziffer. 6.4.1. ff. vorstehend verwiesen werden.
11.5. Auch in Bezug auf die Strafminderung infolge der versuchten Tatbegehung
kann auf die bereits gemachten Erwägungen unter Ziffer. 9.4.. vorstehend ver-
wiesen werden.
- 37 -
11.6. Aufgrund der versuchten Tötung zum Nachteil des Privatklägers B._
rechtfertigt es sich unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips und mit Blick
auf die Erwägungen betreffend das nämliche Delikt zum Nachteil von D._,
eine weitere Erhöhung der Einsatzstrafe um 2 Jahre vorzunehmen.
12. Strafminderung wegen der Verfahrensdauer
Die Vorinstanz gestand dem Beschuldigten wegen der langen Verfahrensdauer
eine leichte Strafminderung zu, wobei sie explizit festhielt, dass noch nicht von
einer eigentlichen Verletzung des Beschleunigungsgebotes gesprochen werden
könne. Eine Strafminderung rechtfertige sich dennoch, weil sich das Verfahren
aufgrund einer, vom Beschuldigten nicht zu vertretenden, Rückweisung um rund
16 Monate verlängert habe. Diese Argumentation der Vorinstanz wurde allseits
nicht beanstandet. Sie ist durchaus vertretbar und kann daher auch im Beru-
fungsverfahren übernommen werden.
13. Gesamtwürdigung
Zusammenfassend kann nach dem Gesagten festgehalten werden, dass der
Beschuldigte für die mehrfach versuchten vorsätzlichen Tötungen im Sinne von
Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil der Privatkläger C._,
D._ und B._ mit einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren zu bestrafen ist.
14. Vollzug
14.1. Angesichts der Höhe der auszufällenden Freiheitsstrafe kommt die Gewäh-
rung des bedingten respektive teilbedingten Strafvollzuges i.S.v. Art. 42 f. StGB a
priori nicht in Frage. Weiterungen hierzu erübrigen sich.
14.2. Der Beschuldigte befindet sich ununterbrochen seit dem 29. April 2012 in
Haft (Urk. 19/1). Die ausgestandene Haft von 1262 Tagen ist dem Beschuldigten
im Sinne von Art. 51 StGB auf die Strafe anzurechnen.
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IV. Zivilansprüche
15. Genugtuung
Die Vorinstanz hat dem Privatkläger D._ eine Genugtuung in der Höhe von
Fr. 8'000.-- und dem Privatkläger B._ eine solche von Fr. 3'000.--, jeweils zu-
züglich 5 % Zins seit dem schädigenden Ereignis zugesprochen (Urk. 144 S. 116
ff.). Die beiden Privatkläger verlangten die Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils, während die Verteidigung des Beschuldigten sich zufolge des von ihr bean-
tragten Freispruchs nicht zu den Zivilforderungen äusserte.
Die in allen Teilen überzeugende Begründung der Vorinstanz kann übernommen
werden. Die Höhe der zuzusprechenden Genugtuung ist letztlich immer eine
Frage des Ermessens. Die von der Vorinstanz zugesprochenen Genugtuungen
liegen in der Bandbreite der in vergleichbaren Fällen zugesprochenen Beträge.
Der Entscheid der Vorinstanz kann ohne Weiterungen bestätigt werden.
V. Kosten- und Entschädigung
16. Kosten des Berufungsverfahrens
16.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 5'000.-- zu veran-
schlagen.
16.2. Im Berufungsverfahren erfolgt die Kostenauflage nach Obsiegen und
Unterliegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Beru-
fung vollumfänglich. Dementsprechend sind ihm die Kosten für das Berufungs-
verfahren, ausgenommen die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unent-
geltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, in vollem Umfang aufzuerlegen.
17. Prozessentschädigung
17.1. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, dem Privatkläger D._
eine Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 12'770.10 (inkl. Mehrwertsteuer)
zu bezahlen. Zur Begründung erwog sie, der Privatkläger D._ habe sich als
- 39 -
Straf- sowie als Zivilkläger konstituiert und eine Genugtuung in der Höhe von Fr.
15'000.– zuzüglich 5% Zins seit dem 29. April 2012 geltend gemacht. Nachdem
der Beschuldigte wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zum Nachteil des Privat-
klägers D._ schuldig zu sprechen und zur Leistung einer Genugtuung in der
Höhe von Fr. 8'000.– an diesen zu verurteilen sei, obsiege der Privatkläger
D._ mit seinem Begehren grundsätzlich. Seine Kosten für den Beizug seines
Rechtsbeistandes in der Höhe von Fr. 12'770.10 seien daher dem Beschuldigten
aufzuerlegen (Urk. 144 S. 118).
17.2. Die Verteidigung beanstandet die Zusprechung einer Prozessentschädigung
an den Privatkläger D._ nicht substanziell, sondern ficht diese
lediglich sozusagen akzessorisch zum beantragten, vollumfänglichen Freispruch
des Beschuldigten an. Die vorinstanzlichen Erwägungen sind denn auch in
diesem Punkt zutreffend und überzeugend; darauf kann verwiesen werden
(Urk. 144 S. 118; Art. 82 Abs. 4 StPO). Es drängen sich keinerlei Korrekturen
oder Ergänzungen auf. Eine Reduktion des zugesprochenen Betrages drängt sich
nicht auf und einer Erhöhung steht das Verbot der reformatio in peius entgegen.
In Bestätigung der vorinstanzlichen Regelung ist der Beschuldigte zu verpflichten,
dem Privatkläger D._ eine Prozessentschädigung in der Höhe von
Fr. 12'770.10 (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
17.3. Für das Berufungsverfahren lässt der Privatklägers D._ eine Entschä-
digung in der Höhe von Fr. 1'488.25 beantragen. Die entsprechenden Aufwen-
dungen seines Rechtsbeistandes sind durch das beigelegte Leistungsverzeichnis
ausgewiesen und belegt (Urk. 209). Die geltend gemachten Aufwendungen sind
angemessen weshalb der Beschuldigte in Anwendung von Art. 436
Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO zu verpflichten ist, dem Privatkläger
D._ für das Berufungsverfahren eine Prozessentschädigung der Höhe von
Fr. 1'488.25 (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
18. Entschädigung der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers B._
Rechtsanwalt lic. iur. Y._ hat seine Honorarnote für das vorliegende Verfah-
ren eingereicht (Urk. 215). Der darin aufgeführte Aufwand ist ausgewiesen und zu
- 40 -
entschädigen. Weiter ist ein Zuschlag für das Studium des Urteil sowie eine
Besprechung zu entschädigen, weshalb schliesslich ein Betrag von Fr. 500.-- inkl.
MwSt. zu entrichten ist.
19. Entschädigung der amtlichen Verteidigung
19.1. Der amtliche Verteidiger hat anlässlich der Berufungsverhandlung seine
Honorarnote eingereicht (Urk. 220/4). Er verlangt eine Entschädigung von total
Fr. 17'786.84 inkl. Auslagen und MwSt., zuzüglich Aufwand für die Berufungs-
verhandlung.
19.2. Die Entschädigung für die anwaltliche Verteidigung bestimmt sich
grundsätzlich nach der Verordnung über die Anwaltsgebühren vom 8. September
2010 (Anwaltsgebührenverordnung; LS 215.3; vgl. auch § 1 AnwGebV; Art. 135
Abs. 1 StPO). Gemäss § 1 AnwGebV setzt sich die Entschädigung aus der
Gebühr und den notwendigen Auslagen zusammen. Die Gebühr für die Führung
eines Strafprozesses (einschliesslich Vorbereitung des Parteivortrages und
Teilnahme an der Hauptverhandlung) beträgt im Bereich der Zuständigkeit des
Kollegialgerichts – auch im Berufungsverfahren – in der Regel Fr. 1'000.-- bis
Fr. 28'000.--, wobei auch zu berücksichtigen ist, ob das vorinstanzliche Urteil
ganz oder nur teilweise angefochten wurde (§ 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. b
AnwGebV). Innerhalb dieses Rahmens wird die Grundgebühr nach den besonde-
ren Umständen, namentlich etwa nach Art und Umfang der Bemühungen und
Schwierigkeiten des Falles, bemessen.
19.2.1. Gemäss Praxis ist bei so genannten einfachen Standardverfahren von den
in der Anwaltsgebührenverordnung angeführten Ansätzen auszugehen. Die
Anwaltsgebührenverordnung ist jedoch so auszulegen, dass die Kosten der Ver-
teidigung – zumindest weitestgehend – gedeckt sind.
19.2.2. Bei der Festsetzung der Entschädigung des (amtlichen) Verteidigers ist
daher primär zu beurteilen, ob es sich vorliegend um ein so genanntes einfaches
Standardverfahren handelt. Dies beurteilt sich nach folgenden Kriterien: Akten-
umfang, Komplexität und Schwierigkeit des Falles (sowohl in tatsächlicher als
auch rechtlicher Hinsicht), Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Person
- 41 -
und Anzahl der angeklagten und zu beurteilenden Delikte (ZR 111 [2012] Nr. 16
mit Verweis auf Beschlüsse des Kassationsgerichtes AC040089 vom
23. Dezember 2004, E. II.3c, und AC070031 vom 11. Juli 2008, E. 4.5).
Vorliegend ist der Umfang der Akten beachtlich, wobei zu berücksichtigen ist,
dass im Berufungsverfahren nur noch eine geringe Anzahl relevanter Aktenstücke
dazugekommen ist. Der Beschuldigte liess einen vollumfänglich Freispruch bean-
tragen, womit die gesamte vorinstanzliche Sachverhaltserstellung zu überprüfen
war. Weiter stellten sich betreffend die rechtliche Würdigung und Strafzumessung
Fragen, wozu sich die Verteidigung jedoch nicht äusserte.
19.2.3. In Würdigung der gesamten Umstände handelte es sich beim vorliegen-
den Verfahren sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht nicht um ein
besonders schwieriges und aufwändiges Verfahren, sondern nach wie vor um ein
Standardverfahren im Sinne der vorgenannten Rechtsprechung. Deshalb ist bei
der Bemessung der Entschädigung für den amtlichen Verteidiger von den in der
Anwaltsgebührenverordnung angeführten Ansätzen auszugehen.
19.2.4. Die Grundgebühr umfasst die gewöhnlichen, d.h. regelmässig anfallenden
Bemühungen des Verteidigers im Rahmen des gerichtlichen Verfahrens sowie der
Vorbereitung für dieses. Dazu zählen im Berufungsverfahren namentlich eine
Besprechung mit dem Beschuldigten, das Aktenstudium, die Vorbereitung und
Teilnahme an der Berufungsverhandlung (inkl. Verfassen des Plädoyers) sowie
das Studium des Berufungsurteils (ZR 111 [2012] Nr. 15 E. 2.3.1.; ZR 101 [2002]
Nr. 19 E. 3b). Der vom Verteidiger geltend gemachte Aufwand umfasst neben
diversen, nicht zu beanstandenden kleineren Aufwendungen wie Telefonate und
Schreiben insbesondere den Aufwand für die Redaktion des Plädoyers, Akten-
studium sowie diverse Instruktionen mit dem Beschuldigten (vgl. Urk. 220/4).
Diese Aufwendungen sind zwar grundsätzlich von der Grundgebühr abgedeckt,
können jedoch nicht in der geltend gemachten Höhe gewährt werden.
19.2.5. Wie bereits erwähnt sind im Berufungsverfahren nicht neue Akten in
einem Umfang dazu gekommen sind, die ein Aktenstudium in der aufgeführten
Höhe rechtfertigen würden. Schliesslich ist festzuhalten, dass das Plädoyer der
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Verteidigung im Berufungsverfahren teilweise dem Plädoyer vor Vorinstanz ent-
spricht (vgl. Urk. 121 und Urk. 218). Damit ist auch der Aufwand für die Redaktion
des Plädoyers zu kürzen.
19.2.6. Angesichts der Bedeutung und Schwere des Falles sowie des konkreten
Aufwandes für die Verteidigung und dem weiten Rahmen von Fr. 1'000.-- bis
Fr. 28'000.-- ist vorliegend für das Berufungsverfahren eine Grundgebühr von
Fr. 14'000.-- inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer festzusetzen. Da das
Honorar als Pauschalbetrag auszurichten ist, erübrigen sich weitere Ausführun-
gen zur eingereichten Honorarnote.
19.3. Die Kosten für die amtliche Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichts-
kasse zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO ausdrücklich vorbehalten bleibt.