Decision ID: cf667b23-65c0-4777-8e00-4f568523dcb3
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Progrès Versicherungen AG, Postfach, 8081 Zürich,
Beschwerdeführerin,
gegen
Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft, Bundesgasse 35, Postfach,
3001 Bern,
Beschwerdegegnerin,
und
W._,
Beigeladener,
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St.Galler Gerichte
betreffend
Versicherungsleistungen i/S W._
Sachverhalt:
A.
Der 1971 geborene W._ war bei der Schweizerischen Mobiliar
Versicherungsgesellschaft (nachfolgend: Mobiliar) gegen die Folgen von Unfällen und
bei der Progrès Versicherungen AG (nachfolgend: Progrès) krankenversichert, als er
laut Angaben in der Bagatellunfall-Meldung vom 28. Mai 2008 am 7. Oktober 2007 das
Fahrrad umstellen wollte, dabei hinfiel und sich eine Rückenverletzung zuzog (UV-act.
UM/A). Am 12. Juni 2008 reichte die Arbeitgeberin des Versicherten der Mobiliar die
von jenem bezahlte Rechnung von Dr. A._, Chiropraktor, Rorschach, vom 11.
Dezember 2007 für Behandlungen eines lumbovertebralen sowie ischioradikulären
Syndroms vom 26. Oktober bis 6. Dezember 2007 ein. Sie verwies auf das Schreiben
der Progrès vom 22. Januar 2008 (UV-act. 2), die den Versicherten für die Übernahme
des Rechnungsbetrags an den Unfallversicherer verwiesen hatte (UV-act. 3). Nach
Vornahme entsprechender Abklärungen - Einholung von Arztzeugnissen beim
erstbehandelnden sowie nachbehandelnden Arzt (UV-act. M1, M3), ergänzenden
Erkundigungen beim Versicherten zum Unfallablauf (UV-act. UM/B) - lehnte die Mobiliar
mit Verfügung vom 10. September 2008 den Anspruch des Versicherten auf
Versicherungsleistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung mit der
Begründung ab, der gemeldeten Gesundheitsschädigung liege weder ein Unfall noch
eine unfallähnliche Körperschädigung zugrunde (UV-act. 19).
B.
Gegen diese Verfügung erhob die Progrès am 19. September 2008 vorsorglich
Einsprache (UV-act. 21). Am 19. bzw. 25. September 2008 liess sie dann der Mobiliar
eine begründete Einsprache zukommen (UV-act. 23, 24), welche diese mit
Einspracheentscheid vom 6. November 2008 abwies (UV-act. 32).
C.
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C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 4. Dezember
2008 mit den Anträgen, die Beschwerde sei gutzuheissen, der angefochtene
Einspracheentscheid und die Verfügung vom 10. September 2008 seien aufzuheben,
und die Beschwerdegegnerin habe die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
C.b Mit Schreiben der Gerichtsleitung vom 8. Dezember 2008 wurde W._ die
Beschwerde zur Stellungnahme zugestellt und die Gelegenheit eingeräumt, im
anhängig gemachten Verfahren Parteirechte wahrzunehmen. Der Beigeladene hat sich
in der Folge nicht vernehmen lassen.
C.c In der Beschwerdeantwort vom 26. Januar 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde.
C.d Mit Replik vom 10. Februar 2009 und Duplik vom 16. Februar 2009 hielten die
Verfahrensbeteiligten an ihren bisherigen Anträgen fest.

Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden die Versicherungsleistungen, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte, schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge
hat (Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal
der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den
Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der
äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat.
Ein äusserer Faktor ist aussergewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich
im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (RKUV
2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit
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Hinweisen). Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen
äusseren Faktors kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten
Bewegung bestehen. So kann der Körper als Ganzes in Bewegung kommen, indem er
- z.B. bei einem Sturz - auf harter Unterlage aufschlägt und Schaden nimmt. Der
äussere und der ungewöhnliche Faktor sind hier ohne weiteres gegeben. Dies trifft
auch zu, wenn sich, wie beim Ausgleiten, Stolpern oder Abwehren eines Sturzes, bloss
einzelne Körperteile bewegen und in Verbindung mit einem in der Aussenwelt
liegenden Umstand zur gesundheitlichen Störung führen (RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199
E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b; Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 176 f.; Rumo-Jungo, Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich 2003, S. 27 f.). Weiter bejaht die Rechtsprechung
das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors dann, wenn beim Heben oder
Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt und zu einer,
gelegentlich als Verhebetrauma bezeichneten, Schädigung führt. Es muss jedoch von
Fall zu Fall geprüft werden, ob die Anstrengung im Hinblick auf Konstitution und
berufliche oder ausserberufliche Gewöhnung der betreffenden Person ausserordentlich
war (vgl. BGE 116 V 139 E. 3b; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2). Der Bundesrat kann
sodann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalls ähnlich sind, in die
Versicherung einbeziehen (Art. 6 Abs. 2 UVG). In Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) hat er in einer abschliessenden Aufzählung
folgende Körperschäden auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen
gleichgestellt, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration
zurückzuführen sind: Knochenbrüche, Verrenkungen von Gelenken, Meniskusrisse,
Muskelrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandläsionen sowie
Trommelfellverletzungen.
1.2 Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht,
der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben
den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln. Indessen ist die
leistungsansprechende Person gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss die
Umstände des Unfalls glaubhaft machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach,
indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das
Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen,
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besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem
Gericht, zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind.
Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen
Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen (RKUV
1990 Nr. U 86 S. 50). Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person
über den Unfallhergang kann praxisgemäss auf die Beweismaxime abgestellt werden,
wonach die so genannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel
unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder
unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art
beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Lauf der Zeit
wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, in der Regel
grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des
Versicherers (BGE 121 V 47 E. 1a mit Hinweisen). Das Gericht stellt auf jene
Sachverhaltsdarstellung ab, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die
wahrscheinlichste würdigt. Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im
Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine
Beweislast insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener
Partei ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese
Beweisregel kommt zur Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
kein wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 2b). Wird
also auf dem Wege der Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht
wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht (Th.
Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, Bern 2003, 3. Aufl., S. 451 f.), so hat
dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden
Person auswirkt.
2.
In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass der Versicherte am 10. Oktober 2007 wegen
Schmerzen über dem Iliosakralgelenk (ISG) links Dr. med. B._, Allgemeine Medizin
FMH, konsultierte und dieser eine Lumbago diagnostizierte (UV-act. M3). Unbestritten
ist im Weiteren, dass er wegen gleicher Beschwerden bzw. eines lumbovertebralen
sowie ischioradikulären Syndroms erstmals am 26. Oktober 2007 Dr. A._ aufsuchte
(UV-act. M1). Streitig und zu prüfen ist im Folgenden, wie es zu dieser gesundheitlichen
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Störung, die grundsätzlich in Folge eines Unfalls auftreten bzw. durch einen Unfall
ausgelöst oder verschlimmert werden kann (vgl. A. Maurer, a.a.O., S. 167), jedoch
häufig krankhaften Veränderungen in der Lendenwirbelsäule (LWS) bzw. im ISG
zuzuschreiben ist (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie,
4. Aufl., Bern 2002, S. 848 ff., 904 f.), gekommen ist. Während die Beschwerdeführerin
geltend macht, die behandelten Rückenbeschwerden seien auf einen drei Tage vor der
Konsultation bei Dr. B._, d.h. am 7. Oktober 2007, erlittenen Unfall im Sinn von Art. 4
ATSG zurückzuführen, vertritt die Beschwerdegegnerin die Ansicht, das Vorliegen eines
Unfallereignisses sei nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erstellt. Fest steht demgegenüber, dass es sich bei einer Lumbago bzw. einem
lumbovertebralen sowie ischioradikulären Syndrom nicht um eine Körperschädigung im
Sinn von Art. 9 Abs. 2 UVV handelt und damit eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin unter dem Titel einer unfallähnlichen Körperschädigung von
vornherein entfällt.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin führt die Rückenbeschwerden des Versicherten auf ein
Ereignis zurück, wie es von diesem am 2. Juni 2008 gegenüber der
Beschwerdegegnerin beschrieben wurde. Der Versicherte habe sein Fahrrad umstellen
und dabei auch eine Runde fahren wollen. Als er auf das Fahrrad gestiegen sei, sei
jedoch der Gang nicht richtig drin gewesen. Er habe mit der Pedale durchgedreht und
sei hierauf auf die rechte Seite gefallen. Danach habe er Schmerzen im Rücken
verspürt. Diese hätten sich anfangs noch im Rahmen gehalten, seien dann jedoch von
Tag zu Tag stärker geworden, worauf er zum Arzt gegangen sei (UV-act. UM/B). -
Unstreitig ist, dass mit einem Sturz ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf den Körper
einwirkt und das eben beschriebene Ereignis damit einen Unfalltatbestand im Sinn von
Art. 4 ATSG darstellt. Der Hergang des angeblichen Ereignisses vom 7. Oktober 2007
ist in den Akten weitere Male beschrieben. In der Bagatellunfallmeldung vom 28. Mai
2008 wurde kurz angegeben, der Versicherte habe das Fahrrad umstellen wollen und
sei hingefallen (UV-act. UM/A). Dr. A._ hielt sodann im Arztzeugnis vom 5. Juni 2008
fest, der Versicherte habe ca. drei Wochen vor seiner ersten Behandlung am 26.
Oktober 2007 ein Verhebetrauma erlitten. Konkret wurde ein Verhebetrauma bei der
Arbeit notiert. Ein Unfall als Ursache der Beschwerden wurde nicht markiert (UV-act.
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M1). Dr. B._ vermerkte schliesslich im Arztzeugnis vom 23. Juli 2008
Rückenschmerzen nach Zügeln und verneinte das Stattfinden eines Traumas (UV-act.
M3).
3.2 Tatsächlich wurden die Arztzeugnisse von Dr. A._ und Dr. B._ erst am 5. Juni
bzw. 23. Juli 2008 und damit in etwa zeitgleich mit der Bagatellunfallmeldung sowie der
ergänzenden Sachverhaltsdarstellung des Versicherten vom 2. Juni 2008 verfasst.
Dieser Umstand ist jedoch einzig darauf zurückzuführen, dass die Ärzte von der
Beschwerdegegnerin erst im fraglichen Zeitpunkt zum Schadenfall des Versicherten
befragt wurden. Die zuhanden des Unfallversicherers einzureichenden, mit
vorgegebenen Rubriken vorgedruckten Arztzeugnisse geben jedoch die von den Ärzten
anlässlich konkreter - allenfalls eben früherer - Untersuchungen eines Patienten
notierte Krankengeschichte mit den damals erhobenen Befunden, Diagnosen sowie
angeordneten Therapien usw. wieder. Die - wenn auch erst - in einem später
ausgestellten Arztzeugnis enthaltenen Vermerke stellen insofern echtzeitliche Berichte
bzw. Beurteilungen dar. So lassen auch die Arztzeugnisse von Dr. A._ und Dr. B._
den Schluss zu, dass sie nicht den gegenwärtigen Status des Versicherten, sondern
dessen Anamnese wiedergeben. Dass bei der Übertragung der ursprünglich notierten
Krankengeschichte in das Arztzeugnis Fehler unterlaufen können oder ärztliche
Fachmeinungen nicht überzeugen, ist nicht auszuschliessen. Grundsätzlich ist jedoch
von der Richtigkeit des in den Arztzeugnissen Notierten auszugehen. Die
Beweiswertigkeit einer ärztlichen Fachmeinung ist sodann im Rahmen der
beweisrechtlichen Würdigung zu prüfen. Im Weiteren ist festzuhalten, dass der Arzt bei
der Rubrik "Angaben der Patientin/des Patienten: Unfallhergang und Beschwerden,
Rückfall?" eine Sachverhaltsfrage und keine medizinische Frage beantwortet. Die
diesbezüglichen ärztlichen Vermerke basieren zwingend auf den Darstellungen der
Patientin bzw. des Patienten oder allenfalls Dritter. In diesem Sinn sind sämtliche in
Erwägung 3.1 dargelegten Sachverhaltsschilderungen als solche des Versicherten zu
betrachten. Diese weisen nun aber hinsichtlich der Frage, was sich am 7. Oktober 2007
ereignet haben soll - Sturz oder Verhebetrauma -, massgebende Abweichungen auf.
3.3 Bauen spätere Aussagen auf früheren Aussagen auf bzw. zeichnen sich erstere
einzig durch einen höheren Detaillierungsgrad aus, kann auch ein späterer Sachverhalt
als ausgewiesen gelten bzw. berücksichtigt werden. Die verschiedenen Aussagen
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müssen jedoch in sich kongruent und logisch betrachtet werden können. Wird dagegen
zu einem späteren Zeitpunkt ein vollkommen neuer Sachverhalt hinzugefügt, ist dessen
überwiegend wahrscheinliches Geschehen als zweifelhaft bzw. lediglich als möglich zu
betrachten. - Die Arztzeugnisse von Dr. A._ und Dr. B._ enthalten zwei
echtzeitliche Sachverhaltsschilderungen des Versicherten (vgl. Erwägung 3.2), die sich
insofern decken, als sie das Geschehen eines Verhebetraumas beinhalten. In den mehr
als ein halbes Jahr nach dem Unfall in der Bagatellunfallmeldung sowie in der
Ergänzung des Versicherten vom 2. Juni 2008 notierten bzw. geschilderten
Sachverhalten ist von einem solchen in keiner Weise mehr die Rede. Vielmehr wurde
hier ein vollkommen neuer Sachverhalt, nämlich ein Sturz, hinzugefügt. Nachdem es
sich hierbei zweifellos - offensichtlich auch für den Versicherten und die
Beschwerdeführerin - um das wesentliche Element des Vorfalls vom 7. Oktober 2007
handelt und gerade dieses den Unfalltatbestand zu begründen vermag, kann dessen
Nichterwähnung - bei Zutreffen - bereits in den anfänglichen Unfallschilderungen in
keiner Weise nachvollzogen werden. Es ist zudem nicht davon auszugehen, dass das
fragliche Element bei Nennung durch den Versicherten von den behandelnden Ärzten
nicht in die Anamnese aufgenommen worden wäre. Nachdem zwei Ärzte
übereinstimmend und offensichtlich unabhängig voneinander von einem
Verhebetrauma - wenn auch vom einen Arzt als beim Zügeln und vom anderen als bei
der Arbeit geschehen - berichten, besteht kein Anlass, die Richtigkeit dieser ärztlichen
und auf den ersten Patientenaussagen beruhenden Angaben in Zweifel zu ziehen. Dass
das Verhebetrauma einen Unfall darstellen würde bzw. beim Heben oder Tragen einer
Last, beispielsweise beim Umstellen des Fahrrads, ein ganz ausserordentlicher
Kraftaufwand erfolgt wäre, wird weder von der Beschwerdeführerin noch vom
Versicherten geltend gemacht. Im Arztzeugnis von Dr. B._ wird zudem ein Trauma -
offensichtlich auch auf Befragung des Versicherten - explizit verneint.
3.4 Insgesamt ist damit ein Sturz bzw. ein Unfalltatbestand im Sinn von Art. 4 ATSG,
von dem mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, er treffe zu, vorliegend
nicht ausgewiesen. Auszugehen ist von den echtzeitlichen Angaben des Versicherten
gegenüber den behandelnden Ärzten, welche einzig ein Verhebetrauma beinhalten. Die
Beschwerdeführerin wendet zwar überzeugend ein, dass der Versicherte im Zeitpunkt
der Bagatellunfallmeldung sowie seiner ergänzenden Unfallschilderung nicht wusste,
dass die Beschwerdegegnerin den Fall mangels Unfallereignisses ablehnen würde. Er
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war jedoch durch die Beschwerdeführerin davon informiert, dass nach deren
Beurteilung die Kosten der Behandlung von Dr. A._ zu Lasten des Unfallversicherers
gehen würden und er deshalb dessen Arztrechnung an diese Stelle senden sollte (UV-
act. 2). Ansprechpartnerin war für den Versicherten also fortan die
Beschwerdegegnerin, womit eine Beeinflussung der weiteren Aussagen des
Versicherten durch versicherungsrechtliche Überlegungen nicht auszuschliessen ist
bzw. zumindest hinsichtlich der echtzeitlichen Aussagen eine solche nicht
ausgeschlossen werden kann. Der Einwand der Beschwerdeführerin, es sei dem
Versicherten offensichtlich nicht klar gewesen, dass er den Nichtberufsunfall dem
Unfallversicherer hätte melden können, vermag den Wahrscheinlichkeitsbeweis
ebenfalls nicht herbeizuführen. Der Versicherte war bei seiner Arbeitgeberin vollzeitlich
angestellt, womit bei ihm arbeitszeitmässig kein Grenzfall hinsichtlich
Versicherungsdeckung für Nichtberufsunfall vorlag. Die Beweislosigkeit für den vom
Versicherten bzw. von der Beschwerdeführerin nachträglich geltend gemachten Sturz
führt demnach zu einem Entscheid zu Ungunsten der Beschwerdeführerin, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
ableiten wollte (Rumo-Jungo, a.a.O., S. 21).
3.5 Nachdem ein Unfall im Sinn von Art. 4 ATSG zu verneinen ist, erübrigen sich
weitere Ausführungen zur Kausalität als weitere Voraussetzung der Leistungspflicht des
Unfallversicherers (vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG) An dieser Stelle bleibt höchstens nochmals
zu erwähnen, dass die beim Versicherten erhobene Gesundheitsstörung häufig
krankheitsbedingt auftritt (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 848 ff., 904 f.).
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen und der
angefochtene Einspracheentscheid vom 11. November 2008 zu bestätigen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG