Decision ID: bfb61be8-7b9c-4b6f-a272-4cb6dc05d9c8
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Eugen Mätzler, Poststrasse 23, 9001 St. Gallen,
gegen
Ersatzkasse UVG, Hohlstrasse 552, Postfach, 8048 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Fürsprecher René W. Schleifer, Stampfenbachstrasse 42, 8006 Zürich,
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und
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beigeladene,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1984 geborene L._ wurde am 31. Januar 2006 als Beifahrer bei einem
Selbstunfall anlässlich einer Strolchenfahrt schwer verletzt (act. G 7.1/A1, G 7.2/M1-
M9). Mit Schreiben vom 22. September 2006 gelangte sein Rechtsvertreter,
Dr. E. Mätzler, St. Gallen, an die Ersatzkasse UVG (Ersatzkasse) und fragte betreffend
Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung an (act. G 7.3/6). Er machte geltend, sein
Mandant habe im Monat vor dem Unfall umfangreiche und regelmässige
Handwerkerleistungen beim Umbau eines Hauses für A._ erbracht, und reichte
verschiedene Unterlagen zu seinen Vorabklärungen bei der Arbeitslosenkasse und bei
A._ ein. Mit Verfügung vom 8. Oktober 2007 hielt die Ersatzkasse fest, der
Ansprecher habe aufgrund der Akten, besonders der Angaben von A._, nie für diesen
gearbeitet, und verweigerte den Versicherungsschutz, weil die Bestimmungen gemäss
Art. 1a UVG und Art. 1 UVV nicht erfüllt seien (act. G 7.3/24).
A.b Gegen diese Verfügung liess der Ansprecher Einsprache erheben, weitere
Unterlagen einreichen und die Ersatzkasse zu weiteren Abklärungen auffordern. Die
Ersatzkasse wies die Einsprache mit Entscheid vom 7. April 2008 ab.
B.
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B.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 5. Mai 2008 mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid vom 7. April 2008 sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass
die Ersatzkasse UVG die gesetzlichen Leistungen nach dem Unfall des
Beschwerdeführers vom 31. Januar 2006 zu erbringen habe, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung liess er
anführen, nach dem Untersuchungsgrundsatz habe die Ersatzkasse den rechts
erheblichen Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären. Die offerierten Beweise habe
die Vorinstanz in völlig unzutreffender Weise antizipiert gewürdigt und den Grundsatz
der freien Beweiswürdigung klar verletzt.
B.b Die Beschwerdegegnerin lässt sich im Beschwerdeverfahren durch Fürsprecher
R. W. Schleifer, Zürich, vertreten. Dieser beantragt mit Beschwerdeantwort vom 3. Juli
2008 die Abweisung der Beschwerde mit der Begründung, der Beschwerdeführer habe
seine Arbeitnehmereigenschaft nicht genügend geltend gemacht und sei damit seiner
Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen. Die Beschwerdegegnerin bleibe dabei, dass
weder die beantragten Zeugeneinvernahmen noch ein Augenschein geeignet seien, die
Arbeitnehmereigenschaft des Beschwerdeführers hinreichend darzutun.
B.c Replicando hielt der Beschwerdeführer an seinem Standpunkt und seinen
Anträgen fest. Ergänzend wies er auf die sehr schweren Unfallfolgen, das über Wochen
dauernde künstliche Koma und die damit verbundenen Erinnerungslücken hin. Er
reichte weitere Unterlagen ein, darunter eine schriftliche Darstellung von B._ der
ebenfalls für A._ gearbeitet habe, und beantragte dessen Einvernahme als Zeuge.
B.d Mit Duplik vom 18. Dezember 2008 bestritt die Beschwerdegegnerin unter
anderem die Gedächtnisprobleme des Beschwerdeführers und argumentierte gegen
die übrigen, erst mit der Replik eingereichten Beweise.
C.
C.a Mit Verfügung vom 25. März 2009 lud der Präsident des Versicherungsgerichts
die Suva zum Prozess bei, da eine vorläufige Beurteilung der Beschwerde ergeben
habe, dass in diesem Fall die Zuständigkeit für die Prüfung der Unterstellung unter das
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Versicherungsobligatorium nicht bei der Ersatzkasse sondern bei der Suva gelegen
hätte.
C.b In der Stellungnahme vom 21. April 2009 führte die Suva aus, weder das
Bundesrecht noch das Verfahrensrecht des Kantons St. Gallen kenne das Institut der
Beiladung für das kantonale Prozessverfahren, weshalb die Suva nicht beigeladen
werden könne. Streitgegenstand sei ausschliesslich die Leistungspflicht der
Ersatzkasse, nicht diejenige der Suva. Die Leistungspflicht der Suva sei vom Verfahren
nicht betroffen; das
instanzabschliessende Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen könne
gegenüber der Suva keinerlei Rechtswirkung entfalten.
D.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der weiteren

Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
Mit Verfügung vom 25. März 2009 lud der Präsident des Versicherungsgerichts die
Suva zum Prozess bei. Das Institut der Beiladung ist gemäss Rechtsprechung (BGE
134 V 306, 132 V 166 E. 3 S. 172, 130 V 501, 125 V 80 E. 8b S. 94f. sowie RKUV 2003
Nr. U 485 S. 253ff.) und Literatur (U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, N 75-77
zu Art. 61 ATSG; Ch. Zünd, Die Beiladung im Sozialversicherungsprozess, in
R. Schaffhauser / F. Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2004, S. 35ff.;
F. Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 183f.) im
Sozialversicherungsprozess etabliert. Daher ist es unbeachtlich, dass es im Kanton
St. Gallen und bundesrechtlich für das kantonale Beschwerdeverfahren nicht gesetzlich
geregelt ist, wie die Suva zutreffend ausführt. Gemäss BGE 130 V 501 wird die
Rechtskraft des Urteils auch auf die Beigeladene ausgedehnt (E. 1.2 S. 502).
2.
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Streitig ist vorliegend, ob der Beschwerdeführer vor dem Unfall vom 31. Januar 2006
als Arbeitnehmer von A._ Arbeitsleistungen erbracht hat und ob daher, gestützt auf
das Arbeitsverhältnis, gegenüber der Beschwerdegegnerin ein Anspruch auf
Versicherungsleistungen besteht.
3.
3.1 Gemäss Art. 1a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) sind alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmer nach diesem Gesetz
obligatorisch versichert. Als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer gelten gemäss Art. 10
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) Personen, die in unselbständiger Stellung Arbeit leisten und dafür
massgebenden Lohn nach dem jeweiligen Einzelgesetz beziehen. Laut Art. 1 der
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) gilt als Arbeitnehmer, wer
eine unselbständige Erwerbstätigkeit im Sinne des Bundesgesetzes über die Alters-
und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) ausübt (vgl. auch Erläuterungen zu
den Änderungen der UVV vom 15. Dezember 1997 in RKUV 1998 S. 87). Für Personen,
die in einem Betrieb gemäss Art. 66 UVG angestellt sind, besteht die Versicherung von
Gesetzes wegen bei der Suva, für die übrigen Arbeitnehmenden muss durch die
Arbeitgebenden bei einem Versicherer gemäss Art. 68 UVG eine Unfallversicherung
nach UVG abgeschlossen werden. Ist keine Versicherung abgeschlossen worden und
nicht die Suva für die Versicherung zuständig, erbringt gemäss Art. 73 UVG die
Ersatzkasse die Versicherungsleistungen, sofern die verunfallte Person als
Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer im Sinn von UVG und UVV gilt. Der Begriff des
Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin ist auch nach Inkrafttreten des ATSG ein
sozialversicherungsrechtlich selbständiger Begriff und ist nicht identisch mit dem
Arbeitnehmerbegriff im Arbeitsvertragsrecht (Art. 319ff. des Bundesgesetzes betreffend
die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligationenrecht;
OR; SR 220]) oder im Arbeitsgesetz (Art. 1 der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz
[ArGV 1; SR 822.111]). Wohl ist jede Person, die einen Arbeitsvertrag abgeschlossen
hat, auch im Sinn des Sozialversicherungsrechts Arbeitnehmerin, der
sozialversicherungsrechtliche Begriff geht jedoch weit über den zivilrechtlichen Begriff
hinaus (Th. Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. 2003, S. 170f.;
vgl. Kieser, a.a.O., N 5 zu Art. 10 ATSG).
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3.2 Wer Versicherungsleistungen beansprucht, hat sich gemäss Art. 29 Abs. 1 ATSG
beim zuständigen Versicherungsträger in der für die jeweilige Sozialversicherung
gültigen Form anzumelden. Die Unfallmeldung ist in Art. 45 UVG und Art. 53 UVV
geregelt. Art. 43 ATSG hält die Abklärungspflicht der Versicherungsträger einerseits
und die Mitwirkungspflicht der Beteiligten andererseits fest. Details zu den
Mitwirkungspflichten in der Unfallversicherung regeln die Art. 54ff. UVV, die sich auf
Art. 28f. ATSG stützen.Nach dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden
Untersuchungsgrundsatz hat die Behörde den rechtserheblichen Sachverhalt von
Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein.
Sie hat aus eigener Initiative vorzugehen und darf Parteivorbringen nicht mit der
Begründung abtun, diese seien nicht belegt worden (Kieser, a.a.O., N 9 zu Art. 43
ATSG; A. Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl. 2003,
S. 348; B. Kupfer Bucher, Das nichtstreitige Verwaltungsverfahren nach dem ATSG und
seine Auswirkungen auf das AVIG, Diss. Freiburg 2006, S. 117). Die
Untersuchungspflicht dauert gemäss Urteil des Bundesgerichts 9C_288/2008 vom
16. Mai 2008, E. 2, so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs
erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. auch BGE 132 V 368 E. 5
S. 374). Zur Klärung des rechtserheblichen Sachverhalts sind (weitere)
Abklärungsmassnahmen vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn dazu auf Grund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht, wobei alle Tatsachen rechtserheblich sind, von deren
Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden
ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 110/07 vom 25. Juni 2007, E. 4.2.2, mit
Hinweisen; BGE 117 V 282 E. 4a S. 282f.).
3.3 Das Prinzip der Rechtsanwendung von Amtes wegen verpflichtet den Richter, auf
den festgestellten Sachverhalt jenen Rechtssatz anzuwenden, den er als den
zutreffenden ansieht, und ihm auch die Auslegung zu geben, von der er überzeugt ist
(GYGI, a.a.O., S. 212). Nach dem Rügeprinzip untersucht die Beschwerdeinstanz nur
die vorgebrachten Beanstandungen und prüft nicht, ob sich die angefochtene
Verfügung unter schlechthin allen in Frage kommenden Aspekten als korrekt erweist
(GYGI, a.a.O., S. 214ff.).
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3.4 Der Untersuchungsgrundsatz weist enge Bezüge zum Prinzip der freien
Beweiswürdigung auf, welches auf Verwaltungs- und Gerichtsstufe in gleicher Weise
gilt (vgl. Art. 61 lit. c in fine ATSG; Kieser a.a.O. N 33 zu Art. 43; vgl. BGE 124 V
90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162): Führt die pflichtgemässe, umfassende und
sachbezogene Beweiswürdigung (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) den
Versicherungsträger oder das Gericht zur Überzeugung, der Sachverhalt sei
hinreichend abgeklärt, darf von weiteren Untersuchungen (Beweismassnahmen)
abgesehen werden. Ergibt die Beweiswürdigung jedoch, dass erhebliche Zweifel an
Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellungen
bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen
noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts
9C_288/2008 vom 16. Mai 2008, E. 2).
3.5 Der aus Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) fliessende Anspruch
auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits stellt er ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher
in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des
Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur
Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen,
mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher
Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (vgl. BGE 122 V 157 E. 1
S. 158 mit Hinweisen). Dem Recht, Beweisanträge zu stellen, steht die Pflicht der
Behörde zur Beweisabnahme gegenüber. Beweise sind im Rahmen dieses
verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die
für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Auf weitere Beweisvorkehren kann
auch dann verzichtet werden, wenn der Sachverhalt, den eine Partei beweisen will,
nicht rechtserheblich ist, wenn bereits Feststehendes bewiesen werden soll, wenn von
vornherein gewiss ist, dass der angebotene Beweis keine Klärungen herbeizuführen
vermag, oder wenn die Behörde den Sachverhalt gestützt auf ihre eigene Sachkenntnis
bzw. jene ihrer fachkundigen Beamten zu würdigen vermag (BGE 104 V 209 E. a
S. 211 mit Hinweisen). In solchen Fällen kann auf ein beantragtes Beweismittel
verzichtet werden. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung stellt keinen
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Verstoss gegen das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV dar (BGE 122 V 157 E. 1d
S. 162; BGE 119 V 335 E. 3c in fine S. 344 mit Hinweisen).
4.
4.1 Mit Schreiben vom 22. September 2006 machte Rechtsanwalt Mätzler für seinen
Mandanten Versicherungsleistungen der Ersatzkasse geltend (act. G 7.3/6). Dabei
wurde die Beschwerdegegnerin darauf hingewiesen, dass A._ dazu tendiere, ein
Arbeitsverhältnis in Abrede zu stellen. Es wurde daher beantragt, die betroffenen
Personen einzuvernehmen. Mit Schreiben vom 14. Dezember 2006 wiederholte der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, A._ werde das Arbeitsverhältnis
wahrscheinlich leugnen, und präzisierte den Antrag auf Zeugenbefragung (act. G
7.3/13). Nachdem A._ am 4. Oktober 2006 zunächst schriftlich zum Telefonanruf bei
der Ersatzkasse aufgefordert (act. G 7.3/7) und danach am 27. November 2006 (act.
G 7.3/9) und 25. Mai 2007 (act. G 7.3/16) schriftlich gemahnt und auf die
(straf-)rechtlichen Folgen aufmerksam gemacht worden war, verneinte er im E-Mail
vom 20. Juni 2007, den Beschwerdeführer mit Arbeiten (beim Umbau des Hauses
seiner Eltern) betraut gehabt zu haben oder Inhaber irgendeiner Firma zu sein (act. G
7.3/18). Dem E-Mail vom 20. Juni 2007 war laut dessen Wortlaut offenbar ebenfalls am
20. Juni 2007 ein Telefongespräch ähnlichen Inhalts vorausgegangen, worüber die
Akten keinerlei Aufzeichnung durch die Beschwerdegegnerin enthalten, trotz
Aufzeichnungspflicht gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG. Nachdem der Anwalt von A._ am
10. Juli 2007 unterschriftlich festhielt, Daniel Lippuner habe gegenüber A._ nie
Arbeitsleistungen erbracht und A._ verfüge über keine Angestellten (act. G 7.3/21),
entschloss sich die Beschwerdegegnerin, keine weiteren Abklärungen vorzunehmen
und ihre Leistungspflicht für den Unfall des Beschwerdeführers vom 31. Januar 2006
abzulehnen. Indem die Beschwerdegegnerin wenig aktiv auf den behaupteten
Arbeitgeber zuging und ihn nicht im persönlichen Gespräch und im Beisein des
Beschwerdeführers bzw. seines Rechtsvertreters mit dessen Behauptungen
konfrontierte, obwohl sie vom Beschwerdeführer darauf aufmerksam gemacht worden
war, dass A._ vermutlich ein Arbeitsverhältnis leugnen werde, und damit seine
Aussage und Glaubwürdigkeit in erhebliche Zweifel zog, verletzte sie ihre
Untersuchungspflicht.
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4.2 Bevor die Beschwerdegegnerin am 8. Oktober 2007 formell verfügte (act. G
7.3/24), gab sie dem Beschwerdeführer die geplante Ablehnung am 16. August 2007
im Sinn des rechtlichen Gehörs bekannt (act. G 7.3/23). Soweit aus den Akten
ersichtlich, gingen dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die Mitteilung vom
16. August 2007 und die Beilagen nicht zu, so dass er erst im Einspracheverfahren auf
das E-Mail von A._ 20. Juni 2007 und das Schreiben von dessen Rechtsanwalt vom
10. Juli 2007 reagieren konnte (act. G 7.3/26). Er tat dies postwendend in der
Einsprache vom 16. Oktober 2007 und doppelte in der Einspracheergänzung vom
23. Januar 2008 nach (act. G 7.3/26 und 7.3/30). Wie bereits in der früheren
Korrespondenz wies der Rechtsvertreter auf den zusätzlichen Abklärungsbedarf hin,
beantragte diverse Zeugeneinvernahmen und einen Augenschein. Nachdem sie die
Chance der persönlichen Befragung mit direkter Konfrontation von A._ vor dessen
Positionsbezug im E-Mail vom 20. Juni 2007 vertan hatte, hätte der
Beschwerdegegnerin spätestens aufgrund der Eingaben im Einspracheverfahren klar
werden müssen, dass weiterer Abklärungsbedarf bestand. Indem sie auf weitere
Abklärungen verzichtete bzw. deren Ergebnis in antizipierter Beweiswürdigung
vorwegnahm, verletzte sie den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches
Gehör.
4.3 Angesichts der speziellen Situation des Beschwerdeführers mit teilweisen
Erinnerungslücken, die von ihm glaubhaft gemacht wurden und weder aufgrund der
Akten noch durch die Ausführungen der Beschwerdegegnerin widerlegt werden, und
aufgrund der Tatsache, dass A._ ein Arbeitsverhältnis mit dem Beschwerdeführer in
Abrede stellte, drängt sich ein Augenschein am Umbauobjekt C._ mit gleichzeitiger
Befragung des Beschwerdeführers und von A._ sowie der Eigentümerschaft auf. Der
Beschwerdegegnerin ist zwar darin beizupflichten, dass ein Augenschein als solcher
keinen Aufschluss gibt über die rechtliche Qualifikation des Verhältnisses zwischen
dem Beschwerdeführer und A._. Im vorliegenden Fall erscheint dieser jedoch als das
geeignete Mittel, vor Ort die wesentlichen Fragen zu den jeweiligen Tätigkeiten, zur
Materialbeschaffung, zur Planung und Kontrolle des Bauvorschritts usw. an die
Kontrahenten zu stellen und ihre offenbar fehlende Erinnerung aufleben zu lassen. Ein
solcher Augenschein am Umbauobjekt C._ und die gleichzeitige Befragung des
Beschwerdeführers und von A._ sowie der Eigentümerschaft sind von der
Beschwerdegegnerin nachzuholen, wozu die Streitsache an sie zurückzuweisen ist. Ob
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im Lauf der weiteren Abklärungen die Strafakten des Kantonsgerichts betreffend
Glaubwürdigkeit von A._ beizuziehen sind, wie vom Beschwerdeführer im
Beschwerdeverfahren ohne Opposition durch die Beschwerdegegnerin beantragt,
hängt von diesen Abklärungen ab und kann daher an dieser Stelle offen bleiben.
4.4 Bereits aus den Unterlagen, die dem Anmeldungsschreiben vom 22. September
2006 beilagen (act. G 7.3/2-5, besonders act. G 7.3/3), und aus diesem selbst (act.
G 7.3/6), ist ersichtlich, dass - nach der Darstellung des Beschwerdeführers bzw.
seiner Mutter - A._ von letzterer Geld ausgeliehen worden war, damit er nachträglich
eine Unfallversicherung für den Beschwerdeführer abschliesse. Aus den Akten ist nicht
erkennbar, dass A._ durch die Beschwerdegegnerin mit diesen Behauptungen
konfrontiert wurde. Eine solche Konfrontation erfolgte auch nicht, als der
Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin mit der Einspracheergänzung vom
23. Januar 2008 die Kopie einer entsprechenden Schuldanerkennung einreichte (act. G
7.3/30/1). Zwar ist diese weder Beweis dafür, dass das Darlehen zur Bezahlung von
Versicherungsprämien geleistet worden war, noch für das Bestehen eines
Arbeitsverhältnisses zwischen dem Beschwerdeführer und A._. Die
Schuldanerkennung ist jedoch als gewichtiger Hinweis für die Darstellung des
Beschwerdeführers und seiner Mutter zu werten. Auch die Konfrontation von A._ mit
den Behauptungen des Beschwerdeführers betreffend Darlehen von dessen Mutter an
A._ zur Bezahlung der Versicherungsprämien ist durch die Beschwerdegegnerin
nachzuholen.
4.5 In der Zusammenfassung der Krankengeschichte vom 1. März 2006 hielt Dr. med.
D._, Abteilungsarzt am Rehabilitationszentrum Klinik Valens, unter Sozial- und
Arbeitsanamnese fest, der Patient habe als Maurer/Hilfsarbeiter auf der Baustelle
gearbeitet, keine Berufslehre abgeschlossen und die Lehre als Netzelektriker
abgebrochen (act. G 7.2/M8). Für den zweiten Klinikaufenthalt in Valens brachte
Abteilungsarzt Dr. med. E._ am 11. April 2006 ebenfalls in der Zusammenfassung der
Krankengeschichte zu Papier, der Patient habe keine Lehre abgeschlossen, sei
Hilfsarbeiter und arbeite zum Teil temporär auf dem Bau, letztmals im Januar 2006
(act. G 7.2/M2). Es kann davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer bei
diesen Antworten frei auf die Fragen der Ärzte antwortete und insbesondere nicht an
die später strittige rechtliche Qualifikation seines Verhältnisses zu A._ dachte. Die
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Ausführungen des Beschwerdeführers gegenüber den Ärzten stellen ein weiteres Indiz
für Arbeitsleistungen des Beschwerdeführers als Arbeitnehmer dar.
4.6 Alle Angaben, die der Beschwerdeführer zum behaupteten Arbeitsverhältnis
machte, stellen konstant ein und denselben Sachverhalt dar, nämlich dass er im
Dezember 2005 und Januar 2006 für A._ Bauarbeiten am Wohnhaus von dessen
Eltern ausgeführt hatte. Die verschiedenen Unterlagen enthalten, wie dargelegt,
mehrere gewichtige Indizien für das geltend gemachte Arbeitsverhältnis zwischen A._
und dem Beschwerdeführer. Der Beschwerdeführer gab der Beschwerdegegnerin mit
dem Anmeldeschreiben vom 22. September 2006 mit Beilagen (act. G 7.3/2-6), dem
Formular Unfallmeldung (act. G 7.3/12) und der Bestätigung über die korrekte
Ausrichtung des Lohns bis zum Unfalltag (act. G 7.3/11), beide unterzeichnet am
7. Dezember 2006, sowie mit dem Schreiben vom 14. Dezember 2006 (act. G 7.3/13)
alle Unterlagen, über die er verfügte und machte alle Angaben, die nach seinem
Dafürhalten nötig waren, damit die Beschwerdegegnerin die weiteren Abklärungen
vornehmen könne. Diese verlangte keine weiteren Angaben von ihm und befragte ihn
auch nicht persönlich, obwohl sie, wie im Einspracheentscheid vom 7. April 2008
geltend gemacht, weitere Angaben benötigte. Der Vorwurf an den Beschwerdeführer,
er habe in der Unfallmeldung ungenügende Angaben gemacht, ist demnach völlig
ungerechtfertigt. Es liegt zudem keinerlei Hinweis vor, dass dieser eine konkrete
Mitwirkung in irgendeiner Weise verweigert hätte. Im Gegenteil anerbot sich sein
Rechtsvertreter wiederholt, an Abklärungen und Befragungen mitzuwirken. Die
Beschwerdegegnerin verletzte ihre Untersuchungspflicht somit auch bezüglich weiterer
Abklärungen beim Beschwerdeführer selbst.
4.7 Obwohl erst im Beschwerdeverfahren die schriftliche Aussage von B._ vom
22. November 2008 (act. G 15.1/9) beigebracht wurde, ist die Streitsache auch zu
dessen Befragung sowie zur Konfrontation des A._ mit dessen Aussagen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sollte sich im Lauf dieser Abklärungen
herausstellen, dass A._ mehrere Personen (den Beschwerdeführer und B._ sowie
allfällige weitere) als Arbeitnehmer beschäftigte, ist auch zu erheben, ob er einen
(befristeten) Betrieb im Sinn von Art. 66 UVG führte. In diesem Fall wäre wegen
allfälliger Versicherungspflicht bei der Suva die Zuständigkeit der Ersatzkasse gemäss
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/13
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St.Galler Gerichte
Art. 35 ATSG (erneut) zu überprüfen und die Sache allenfalls an die Suva zu
überweisen.
4.8 Der ebenfalls erst im Beschwerdeverfahren vom Beschwerdeführer eingereichte
"Wochenrapport" der Kalenderwoche 3/2006 (act. G 15.1/7) ist lediglich ein Hinweis,
dass der Beschwerdeführer vom 24. bis 28. Januar 2006, besonders am 25. und
26. Januar 2006, Arbeiten beim Umbau eines Privathauses als Verantwortlicher
ausgeführt hatte, dass A._ in irgendeiner Form beteiligt war sowie dass eine Person
namens B._ als seine Stellvertretung fungierte. Aus dieser Kopie ist nicht ersichtlich,
ob es sich um ein Arbeits- oder Auftrags- bzw. Werkvertragsverhältnis handelte und
welche rechtlichen Funktionen die namentlich genannten Personen innehatten. Ob es
eine und welche Funktion dieses Papier im Laufe der nötigen weiteren Abklärungen
durch die Beschwerdegegnerin erhält, kann an dieser Stelle offen bleiben.
5.
5.1 Zusammenfassend ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 7. April 2008 gutzuheissen und die Sache zu ergänzenden
Abklärungen im Sinn der vorstehenden Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat der
obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung für die Kosten
der Vertretung und Prozessführung (Art. 61 lit. g ATSG). Diese ist, wie in gleichartigen
Verfahren ohne mündliche Verhandlung, auf pauschal Fr. 3'500.-- (einschliesslich Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG