Decision ID: 97c23da3-d1de-454d-a4f4-ac5f0dadf18a
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981, leidet an Muskeldystrophie,
eine
r
erblich bedingte
n
Muskelerkrankung, die zu einem fortschreitenden
Schwund von Muskelgewebe führt (Urk. 8/4-5,
Urk.
8/292,
Urk.
8/348)
.
Seit der erstmaligen Anmeldung bei der Invalidenversicherung im Jahr
1996 (Urk. 8/1) sprach diese dem
Versicher
ten
im Laufe der Jahre verschieden
e Leistungen zu, namentlich
Sonderschul
massnahmen
(
Urk.
8/7
), Hilfsmittel (Urk.
8/12-13,
Urk.
8/33, Urk.
8/48-50,
Urk.
8/59,
Urk.
8/90,
Urk.
8/98
,
Urk.
8/194,
Urk.
8/213
, Urk.
8/233,
Urk.
8/257
), medizinische Massnahmen (Urk.
8/42
), berufliche Massnahmen (Urk.
8/34,
Urk.
8/46,
Urk.
8/104
),
letztendlich nun
eine
Hilflosenentschädigung
schweren Grades
(Urk.
8/141,
Urk.
8/157,
Urk.
8/170
,
Urk.
8/
305
) und eine
halbe
Invali
denrente (Urk.
8/127
,
Urk.
8/156,
Urk.
8/165
,
Urk.
8/
307
).
Er arbeitet i
n
einem Pensum von 50
%
bei der
Y._
und lebt zus
a
mmen mit seiner Frau und zwei Kindern in einer Wohnung (
Urk.
8/309).
1.2
Am 10. Januar 2012 meldete sich
der
Versicherte zum Bezug von Assistenz
-
beiträ
gen
an (Urk. 8/309). Nach Abklärung der Voraussetzungen für dies
e Leistungen (vgl.
Urk.
8/123
) erliess die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, am 13. März
2012 den Vorbescheid, mit dem sie dem Versi
cherten
ab 1. Januar 2012
ein
en Ass
istenzbeitrag von
Fr.
3‘182.05 pro Monat respektive Fr.
35‘002.40
pro Jahr
in Aussicht stellte (Urk. 8/321
).
Gegen den Vorbescheid vom 13. März 2012 erhob der Versicherte am 30. April 2012 Einwände (Urk. 8/325). Am 7. Mai 2012 ergänzte er seine Einwände (Urk. 8/330). Die IV-Stelle beurteilte den Anspruch
in der Folge neu (vgl. Urk.
8/33
5 und
Urk.
8/337) und sprach dem
Versicherten mit Verfügung vom 30. Juli 2012
mit Wirkung ab 1. Januar 2012
Assistenzbeiträge in der Höhe von
Fr.
3‘857.40 pro Monat respektive Fr. 42‘431.30
pro Jahr zu (Urk. 8/336 = Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 30. Juli 20
12 erhob der Versicherte am 14.
September 2012 Beschwerde mit den folgenden Rechtsbegehren zur Sache (Urk. 1 S. 2 f.):
Es sei die Beschwerdegegneri
n zu verpflichten, dem Beschwerdefüh
rer
die gesetzlichen Leistungen aus IVG zuzugestehen.
Es sei die Verfügung vom 30. Juli 2012 teilweise aufzuheben und die Sache zur erneuten Abklärung einer externen Stelle zuzuweisen und diese anzuhalten, den in zeitlicher Hinsicht effektiven Bedarf an Assistenz festzustellen gemäss Art. 42
quater
ff. IVG und diesen in Form von Stunden als Berechnungsgrundlage für den Assistenzbeitrag an
zunehmen.
Es sei die
Hilflosenentschädigung
von den ermittelten
Assistenzstun
den
nicht in Abzug
zu bringen und es sei diese dem Beschwerdefüh
rer
als Beitrag zur freien Verfügung zu belassen, damit diese
r
die Anstellungsverhältniss
e in Bezug auf die Überstunden-
Notfallein
satz
- und Auslagenvergütung gesetzeskonform gemäss Art. 327a
Abs.
1 OR abwickeln und die behinderungsbedingten Mehrkosten decken kann.
Es sei der effektive marktkonforme und sozialverträgliche Stunden
lohn für die Entschädigung der Assistenz zu ermitteln.
Es sei dem Beschwerdeführer
im Rahmen der Berechnung des
Assis
tenzbeitrages
ein Extrabeitrag für die lebenspraktische Begleitung anzuerkennen.
Es sei der Assistenzbeitrag für 12 Monate und nicht bloss für 11 Monate anzuerkennen.
Die IV-Stelle beantragte in der Beschwerdea
ntwort vom
2
2.
Oktober
2012 die A
bweisung der Beschwerde (Urk. 7
).
Am 6. Februar 2013 (Urk. 9) stellte der Versicherte dem Gericht
einen am 31. Januar 2013 erneut erlassenen Vorbe
scheid in der vorliegenden Sache
zu, in dem
die
IV-Stelle
den Assistenzbeitrag
neu mit
Fr.
5‘867.50 pro Monat respektive
Fr.
64‘542.65
pro Jahr bezifferte
(Urk. 10/3).
In
der Replik vom 14. Juni 2013 hielt der Besc
hwerdeführer an den gestellten R
echtsbegehren fest (Urk. 14). Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Duplik vom 21. August 2013 unter Hinweis
auf den am
31. Januar 2013
er
neut erlassenen Vorbescheid
den Antrag, die Beschwerde sei
im Sinne des neuen Vorbescheides
teilweise gutzuheissen (Urk. 17).
Mit Eingabe vom 29.
Oktobe
r 2013 (Urk. 21
) zog
der Beschwerdeführer
den Antrag auf Durch
führung
einer öffentlichen Verhandlung
(vgl.
Urk.
1 S. 3) zurück.
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 42
quater
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG
)
, in Kraft seit 1. Januar 2012,
haben Versicherte, denen eine
Hilflosenent
schädigung
der Invalidenversi
cherung ausgerichtet wird (
lit
. a), die zu Hause leben (
lit
. b) und die volljährig sind (
lit
. c),
Anspruch
auf einen Assistenzbeitrag. Die Hilfeleistungen müssen regelmässig und für eine bestimmte Dauer von einer natürlichen Person (Assistenzperson) erbrach
t werden, die nicht zu den Fami
lienangehörigen zählt und die von der versiche
rten Person oder ihrer gesetzli
chen Vertretung im Rahmen eines Arbeitsvertrages angestellt ist (Art. 42
quinquies
IVG).
1.2
D
ie für die Hilfeleistungen benötigte Zeit
bildet die
Grundlage für die Berech
nung des Assistenzbeitrages
(
Art. 42
sexies
Abs.
1 IVG)
. Davon abzuziehen ist die Zeit, die der
Hilflosenentschädigung
(
lit
. a)
, den Beiträgen für Dienstleistungen Dritter anstelle eines Hilfsmittels
(
lit
. b)
und dem für Grundpflege ausgerichteten Beitrag der obligatorischen Krankenpflegeversicherung an Pflegeleistungen
nach Art. 25a
des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG)
entspricht
(
lit
. c)
. Bei einem Aufenthalt in stationären und teilstationären Institutionen wird der für Hilfeleistungen im Rahmen des
Assis
tenzbeitrages
anrechenbare Zeitbedarf entsprechend reduziert (
Art. 42
sexies
Abs.
2
).
In Abweichung von Art. 64
Abs.
1 und 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) gewährt die Invaliden
versicherung keinen Assistenzbeitrag für Hilfeleistungen, die durch den
Pflege
beitrag
nach Art. 25a
KVG
gedeckt werden (Art. 42
sexies
Abs.
3 IVG).
1.3
1.3.1
H
insichtlich der einzelnen Bereiche und der minimalen und maximalen Anzahl Stunden, f
ür die ein Assistenzbeitrag aus
gerichtet wird
(
lit
. a)
, der Pauschalen für Hilfeleistungen pro Zeiteinheit
(
lit
. b) und für die Fälle, da ein
Assistenzbei
trag
aufgrund von Verpflichtungen aus Arbeitsvertrag nach dem OR ausgerich
tet wird, ohne dass die Hilfeleistungen durch die Assistenzperson tatsächlich er
bracht worden
sind
(
lit
. c),
ist die Regelung auf dem Verordnungsweg vorgesehen (Art. 42
sexies
Abs.
4 IVG).
1.3.2
Gemäss Art. 39c der Verordnung über die Invali
denversicherung (IVV
) kann in folgenden Bereichen ein Hilfebedarf anerkannt werden: alltägliche
Lebensver
richtungen
, Haushaltsführung, gesellschaftliche Teil
habe und Freizeitgestaltung, Er
ziehung und Kinderbetreuung, Ausübung einer gemeinnützigen oder ehren
amtlichen Tätigkeit, berufliche Aus- und Weiterbildung, Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem regulären Arbeitsmarkt, Überwachung während des Ta
ges
-
und Nachtdienst
s
.
1.3
.3
Die Bestimmung des anerkannten Hilfebedarfs wird in Art. 39e IVV geregelt.
Der anerkannte monatliche Hilfebedarf wird in Stunden durch die IV-Stelle er
mittelt (
Abs.
1).
Gemäss Art. 39e
Abs.
2
lit
. a IVV kann pro Monat höchstens ein Bedarf von
40
Stunden pro alltägliche Lebensverrichtung, die bei der Festset
zung der
Hilflosenentschädigung
schweren
Grades festgehalten wurde, für As
sistenz bei alltäglichen Lebensverrichtungen, Haushaltsführung, gesellschaftli
cher Teilhabe und Freizeitgestaltung berücksichtigt werden. Für die Bereiche nach Art. 39c
lit
. d–g (Erziehung und Kinderbetreuung, Ausübung einer ehren
amtlichen Tätigkeit, berufliche Aus- und Weiter
bildung, Ausübung einer Er
werbs
tätigkeit auf dem
regulären
Arbeitsmarkt) werden monatlich insgesamt höchstens 60 Stunden berücksichtigt.
Für die Überwachung
während des Tages
gemäss Art. 39c
lit
. h gilt ein Höchstansatz von 120 Stunden (Art. 39e
Abs.
2
lit
. c).
Gemäss Art. 39e
Abs.
4 IVV werden die Höchstansätze für jeden Tag und jede Nacht, die die versicherte Person pro Woche in einer Institution verbringt, um zehn Prozent gekürzt
.
1.4
Gestützt auf diese Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen hat das Bundesamt für Sozialversicherungen das Kreisschreiben über
den Assistenzbeitrag (KSAB
in der hier massgebenden, im Jahr 2012 gültig gewesenen Fassung
) er
lassen. Darin
wird
die Unterteilung
der in Art. 39c IVV genannten Bere
iche in Teilbereiche (KSAB
Rz
4002),
die Unterteilungen
dieser Teilbereiche in
verschiedene Tätig
keiten (KSAB
Rz
4003) und
die Unterteilung
jeder Tätigkeit in verschiedene Verr
ichtungen (Teilhandlungen; KSAB
Rz
4004)
vorgenommen
. Sodann sieht das KSAB ein Stufensystem
des Hilfebedarfes
für die einzelnen Bereiche respek
tive
Teilbereiche vor. Gemäss diesem System ist für jeden Teil
bereich festzule
gen, ob die ver
sicherte Person nicht (Stufe 0), unwesentlich oder sporadisch (Stufe 1), in mehreren Teilhandlungen regelmässig (Stufe 2), weitgehend (Stufe 3) oder vollständig (Stufe 4) auf direkte oder indirekte
Dritthilfe angewiesen ist (KSAB
Rz
4009 ff.).
Dabei muss für jede Tätigkeit entschieden werden, in wel
cher Stufe die versicherte Person einzustufen ist (
Rz
4015).
Jeder Kombination von Teilhandlung und Stufe
ist
schliesslich e
in Minutenwert zugeordnet (KSAB
Rz
4015).
Praktisch erfolgt die Erfassung mit dem standardisierten
Abklärung
s
instrument
FAKT
,
sowohl für die direkte
als auch
für die indirekte Hilfe (KSAB
Rz
4005). Zu erfassen ist der gesamte Hilfebedarf,
unabhängig davon, wer im Moment die Hilfe leistet und ob die Hilfe auch tatsächlich in Anspruch geno
m
men wird (
KSAB
Rz
4006 und
4008).
1.5
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Ent
schei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zu
lassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von
Verwaltungs
weisungen
ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch in
terne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 587 E. 6.1; 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer bemängelt das von der Beschwerdegegnerin zur Bemes
sung der Höhe des Assistenzbedarfs angewandte Verfahren ganz grundsätzlich. Er vertritt die Auffassung, die Evaluationsmethode, die der Verordnungsgeber konkretisiert und die Verwaltung durch Weisungen und insbesondere durch das Erhebungsinstrument FAKT vorgegeben hätten, sei mangelhaft. Im Gesetz sei vorgesehen, dass der effektive Hilfebedarf zu entschädigen sei. Durch die ange
wandte Art der Evaluation und Bemessung der Beiträge werde dieser Grundsatz verletzt
(Urk. 1 S. 12 f.
Ziff.
34-36).
2.2
Das Gesetz gewährt einen ausdrücklich als solchen bezeichneten
Assistenzbei
trag
(Art. 42
quater
Abs.
1 IVG).
Gemäss Art.
42
sexies
Abs.
1 IVG
ist
die für
alle
Hilfeleistungen benötigte Zeit die Grundlage für die Berechn
ung des
Assistenz
beitrages
, d
ie Umrechnung in die
der versicherten Person
zustehende Geldleis
tung erfolgt
indessen
nicht unmittelbar, sondern
mittels eines
Schlüssels im Sinne der weiteren Vorgaben von Art. 42
sexies
IVG.
Auf der Grundlage des ef
fektiven Hilfebedarfs ist der anerkannte Hilfebedarf zu ermitteln.
Namentlich
sind
für die
der versicherten Person zustehende
Hilflosenentschädigung
und
für die
Pflegebeiträge der Krankenversicherung Abzüge
vorzunehmen
(Art. 42
sexies
Abs.
1
lit
. a und c IVG).
Gemäss
Art. 42
sexies
Abs.
4
lit
. a
IVG
hat der Bundesrat
in der Verordnung
ferner
die minimale und die maximale Anzahl Stunden
fest
gelegt
, für die ein Assistenzbeitrag a
usgerichtet wird,
und gemäss
lit
. b
die Pauschalen für
die Hilfeleistungen pro Zeiteinheit
bestimmt (vgl. Art. 39e-f IVV)
.
2.3
Das Gesetz selber legt
nach dem Gesagten
ausdrücklich fest, dass der massge
bende Zeitbedarf
unter Berücksichtigung verschiedener
Faktoren
einzugrenzen ist
, und dass
bei der
Berechnung de
s Assistenzbeitrages Pauscha
lansätze zur Anwendung gelangen
.
Der Gesetzgeber folgte
damit
dem bereits in der Bot
schaft formulierten
Zweck
der neuen Leistungskategorie
, nämlich die Förderung und nicht die Gewährleistung eines selbstbestimmten Lebens (vgl. Die Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [6. IV-Revi
sion, erstes Massnahmenpaket], S. 1818 und S. 1820).
Direkte V
ergleiche mit dem Assistenzbudget
(vgl.
Urk.
1 S. 6 ff.
Ziff.
14 ff.)
, das als
Pilot
phase der Einführung des Assistenzbeitrags voranging,
können nicht gezogen werden
. Das Assistenzbudget unterstand
,
anders als
der
nun
im Gesetz verankerte
Assistenz
beitrag
,
nicht dem
Grundsatz der Kostenneutralität
.
D
er
erwähnten
Botschaft
ist
zu
entnehmen,
während
der auf dem Verordnungsweg
eingeführten
und wis
senschaftlich evaluierte
n
Pilotversuch
sphase
hätten die Teilnehmenden aus
serhalb eines Heimes gewohnt und statt einer pauschalen
Hilflose
nentschädi
gung
ein individuell
berechnetes Assistenzbudget erhalten. A
us Sicht der teil
nehmenden Personen
habe die Versuchsphase
zu deutlich mehr Selbstbestim
mung und
Selbständigkeit geführt.
Ein Aufenthalt zu Hause mit einem
Assis
tenzbudget
habe im Durchschnitt rund
Fr.
5‘500.-- pro Jahr weniger als ein Heimaufenthalt gekostet. Bei Personen, die schon vor dem Pilotversuch zu Hause gelebt hätten und dort weitgehend unentgeltlich betreut worden seien, hätten sich die Kosten um durchschnittlich
Fr.
35‘000.--
bis
Fr.
40‘000.-- er
höht.
Der Pilotversuch habe gezeigt, dass mit den Heimaustritten beziehungs
weise den vermiedenen Heimeintritten nicht genügend Einsparungen hätten er
zielt werden können, um die erwarteten Mehrkosten für die schon vor dem Projekt zu Hause wohnenden Personen zu kompensieren.
Entgegen der anfäng
lichen Erwartung werde das Assistenzbudget, wie es im Pilotversuch getestet worden sei, längerfristig zu Mehrkosten für die IV in der Höhe von rund 450 Millionen Franken pro Jahr führen, da sich
aller Voraussicht nach
bei einem derart
deutlichen Ausbau der Leistungen ein Grossteil der Zielgruppe für dieses Modell entscheiden werde.
Angesichts der finanziellen Lage der IV könnten da
her nicht alle Elemente des Pilotversuchs übernommen werden. Es sei eine Be
schränkung auf den Kern der Zielsetzung, das heisst die Förderung von Selbst
bestimmung und Eigenverantwortung nötig. Mit dem gesetzlich umzusetzenden Assistenzmodell, dem Assistenzbeitrag, werde
n
die
Hilflosenentschädigung
und die Hilfe der Angehörigen ergänzt. Die Betroffenen würden in die Lage versetzt, ihre Betreuungssituation vermehrt selbständig und in eigener Verantwortung zu gestalten. Die stärkere Ausrichtung an den Bedürfnissen der Betroffenen ver
bessere deren Lebensqualität, erhöhe die Chancen, trotz einer Behinderung ei
genständig zu Hause
zu
wohnen und schaffe bessere Möglichkeiten, sich in die Gesellschaft und ins Berufsleben zu integrieren. Zudem ermögliche der
Assis
tenzbeitrag
eine zeitliche Entlastung pflegender Angehöriger
(vgl. Botschaft
S.
1818,
S. 1836 f.
und S. 1865
).
Diese Ausrichtung legte der Gesetzgeber den Bestimmungen über den
Assistenz
beitrag
(Art. 42
quater
ff. IVG) zu Grunde.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer
k
ritisiert,
bei der Festsetzung seines
Assistenzbeitrags
sei
der Bedarf an lebenspraktischer Begleit
ung nicht berücksichtigt worden
.
Er sei
nicht bloss in den alltäglichen Lebensverrichtungen eingeschränkt, sondern
ins
besondere
auch auf lebensprak
tische Begleitung angewiesen. Im
Rahmen der Ermittlung des Assistenzbeitrages müsse diesem Umstand Rechn
ung getragen werden, denn die
Hilflosenentschädigung
werde vom Gesamtbedarf des
Assis
tenzbeitrages
abgezogen
.
Werde nicht der Gesamtbedarf unter Einbezug der
le
benspraktischen
Begleitung ermittelt, führe der Abzug der
Hilflosenentschädi
gung
zu einer
unangemessenen
Schlechterstellung
(U
rk.
1 S. 22 ff.
Ziff.
64-67).
3.2
Der Bedarf einer versicherten Person an lebenspraktischer Begleitung wird unter den im Gesetz vorgesehenen Voraussetzungen im Rahmen der
Hilflosenent
schädigung
berücksichtigt (vgl. Art. 42
Abs.
3 IVG, Art. 38 IVV). Ein direkt
an
spruchsbegründendes
Element ist die lebenspraktische Begleitung indessen nur im Rahmen einer leichten beziehungsweise mittelschweren Hilflosigkeit
(vgl. Art. 37
Abs.
2
lit
. c und
Abs.
3
lit
. e IVV; vgl. auch Ulrich Meyer, Rechtspre
chung des Bundesgerichts zum IVG,
2.
Aufl., Zürich 2010, S. 426
und S. 439
). Der Beschwerdeführer
jedoch
ist
in schwerem Grade h
ilflos und es steht ihm eine diesem Grad der Hilflosigkeit
entsprechende
Hilflosenentschädigung
zu (vgl. Urk. 8/305).
Eine zusätzliche Abgeltung für lebenspraktische Begleitung entfällt in dieser Situation. Im Rahmen der Bemessung des Assistenzbeitrages findet der Bedarf an lebenspraktischer Unterstützung insofern Berücksichtigung, als der Hilfebedarf in allen massgebenden Hilfebereichen zu ermitteln ist. Eine darüber hinaus gehende Berücksichtigung ist nicht vorgesehen.
Dass dies zu ei
ner nicht gerechtfertigten Ungleichbehandlung führt, ist entgegen der Auffas
sung des Beschwerdeführers nicht ersichtlich, zumal der Beschwerdeführer un
erwähnt lässt,
bezüglich welcher anderweitiger Lebenssachverhalte
eine
Un
gleichbehandlung
vorliegt
(vgl.
Urk.
1 S. 23 f.). Es ist mithin nicht zu beanstan
den, dass im Evaluationsinstrument FAKT keine Kostenvergütung für
lebens
praktische
Begleitung vorgesehen ist.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer macht geltend, der in Art. 42
sexies
Abs.
1
lit
. a IVG
vorgese
hene
Abzug für die
Hilflose
nentschädigung
sei unsachgemäss
.
Bei der
Hilflosenentschädigung
handle es sich
um eine
pauschale Entschädigung für
behinderungsbedingte Mehrkosten. Seien die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt,
würden
behinderungsbedingte
Mehrkosten vermutet.
Solche Mehrkosten
ent
stünden
nicht allein in Bezug auf die a
lltäglichen Lebensverrichtungen
, sondern
auch
in Bezug auf die
sachbezogenen, beispielsweise bei der Anschaffung von
nicht IV-finanzierte
n Hilfsmitteln
.
Z
u den Löhnen für die
Assistenzpersonen
kämen
gesetzlich zwingende Auslagen (abzuschliessende Versicherungen)
hinzu
und
auch auswärtige
Aktivitäten
seien mit
Spesen
verbunden
(Mah
lzeiten, Ein
tritte, Fahrspesen)
.
Mehrkosten dieser Art fielen bei ihm, dem Beschwerdeführer, in erhöhtem Ausmass an, denn aufgrund seines Leidens sei er in praktisch allen Lebensbereichen auf Hilfe angewiesen.
Die vorgenommene
Umrechnung
der
Hilflosenentschädigung
in Stunden auf der Basi
s einer Stundenvergütung von
Fr.
32.50
sei unsachgemäss und der
Abzug vom Assistenzbedarf untauglich.
Es sei schwierig bis unmöglich auf einem absoluten Minimalstandart (ohne
Ausla
genersatz
) überhaupt Assistenzpersonen zu finden (
Urk.
1 S. 17 ff.
Rz
49-57).
4.2
Art.
42
sexies
Abs.
1
lit
. a IVG sieht ausdrücklich vor, dass von der für die Hilfe
-
leis
tungen
benötigten Zeit die Zeit abzuziehen ist, die der
Hilflosenent
schädigung
entspricht.
Der durch die
Hilflosenentschädigung
gedeckte zeitliche Umfang wird ermittelt, indem der Betrag der
Hilflosen
entschädigung
durch den Standard
-Stundenansatz des Assistenzbeitrages dividiert wird (KSAB
Rz
4107).
Da die
Hilflosenentschädigung
nicht aufgrund
von
zeitlichen Kriterien, sondern pauschal bemessen wird (je nach Grad der Hilflosigkeit ist ein gewisser Pro
zentsatz des Höchs
t
betrages der AHV-Altersrente massgebend; Art. 42
ter
Abs.
1 IVG)
,
ist die im KASB vorgesehene
Umrechnung der
Hilflosenentschädigung
auf einen Stundenwert mittels Division des für den Assistenzbeitrag massgebenden Entschädigungsansatzes sachgerecht und entspricht
der
gesetzlichen Vorgabe. In welche Richtung eine in den Augen des Beschwerdeführers sachgerechtere Umrechnung zu g
ehen hätte, führte er nicht näher aus
.
4.3
Nicht weiter zu klären ist die Frage, wann die Nichtberücksichtigung der
Hilflo
senentschädigung
respektive der von der Krankenversicherung abgegoltenen Pflegeleistungen bei der Bemessung des Assistenzbeitrags eine
Überentschädi
gung
zur Folge hat (vgl.
Urk.
14 S. 4 f.
Ziff.
14 f.). Die Berücksichtigung der
Hilflosenentschädigung
und der Pflegebeiträge der Krankenversicherung sind in jedem Falle gesetzlich zwingend vorgesehen (Art. 42
sexies
Abs.
1 IVG).
5.
5.1
Nach Auffassung des Beschwerdeführers können mit den in der Verordnung festgelegten Stundenansätzen Spesen der Assistenzpersonen und anderweitige Gestehungskosten nicht ausreichend abgegolten werden. In erster Linie den
Ba
sisansatz
für den Assistenzbeitrag von Fr. 32.50 pro Stunde gemäss Art. 39f
Abs.
1 IVV, aber auch denjenigen für qualifizierte Assistenzpersonen in der
Höhe von
Fr.
48.75 pro Stunde gemäss Art. 39f
Abs.
2 IVV erachtet der Be
schwerdeführer als nicht marktkonform
(
Urk.
1 S. 21
f.
Ziff.
58-63).
5.2
Zu
berücksichtigen
ist
, dass
zusätzliche Auslagen
je nach
versicherter Person
, der Art des Gesundheitsschadens und
der persönlichen
Lebensführung unter
schiedlich
hoch
ausfallen. Eine
zusätzliche
Berücksichtigung dieser
individuell unterschiedlichen
Kosten ist vo
m Gesetz nicht vorgesehen. Art.
42
sexies
Abs.
4
lit
. b
IVG
bestimmt ausdrücklich, dass für die Hilfeleistungen pro Zeiteinheit Pauschalen festzulegen sind.
5.3
Gemäss
der derzeit verfügbaren Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung
(LSE)
2010
betrug im private
n Sektor der durchschnittliche Monatsl
ohn (ohne Be
rücksichtigung des Geschlechts)
für nichtqualifizierte Arbeitskräfte
(
Anforde
rungsniveau
4)
im Durchschnitt aller Branchen
Fr.
4‘525.-- und im
Gesund
heits
- und Sozialwesen
Fr.
4‘700.-- (vgl.
Die Volkswirtschaft 12-2013, S.
91, Tabelle B 10.1). Die Lohnangaben der LSE basieren auf einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Das Monatseinkommen von
Fr.
4‘525.-- entspricht somit ei
nem Stundenlohn von
Fr.
28.30 (
Fr.
4‘525.
-- :
4 : 40) und das Monatseinkom
men von
Fr.
4‘700.-- entspri
cht einem Stundenansatz von Fr.
29.40
(
Fr.
4‘700.-- : 4 : 40).
Diese Stundenansätze liegen selbst unter Berücksichtigung der
Lohn
entwicklung
in den Jahren 2011 und 2012 von 1,8
%
(vgl. Die Volkswirtschaft 12-2013, S. 91, Tabel
le B 10.2) unter dem in Art. 39
f
Abs.
1 festgelegten
Stun
denansatz
von
Fr.
32.50.
Gemäss LSE 2010 erzielten gelernte Arbeitskräfte (Anforderungsniveau 3) im Durchschnitt aller Branchen ein Einkommen von monatlich
Fr.
5‘674.-- und im Gesundheits- und Sozialwesen ein solches von
Fr.
5‘759.-- (vgl. Die Volkswirt
schaft 12-2013, S. 91, Tabelle B 10.1).
Dem Einkommen von Fr.
5‘674.-- liegt ein Stundenansatz von
Fr.
35.50 zu Grunde und dem Einkommen von
Fr.
5‘759.-- ein solcher von
Fr.
36.-- (
Fr.
5‘674.-- resp. Fr.
5‘759.
-- :
4 : 40).
In den Tätigkeiten auf dem Anforderungsniveau 1 oder 2 (Verrichtung
selb
-
ständi
ger und qualifizierter Arbeiten resp. Verrichtung höchst anspruchs
voller schwierigster
Arbeiten) betrug das Total aller
Löhne
monatlich Fr. 7‘629.-- und der durchschnittliche Monatslohn im Gesundheits- und Sozialwesen Fr. 7‘005.--
(vgl. Die Volkswirtschaft 12-2013, S. 91, Tabelle B 10.1). Dem Ein
kommen von
Fr.
7‘629.-- liegt ein Stundenansatz von
Fr.
47.70 zu Grunde und dem Einkommen von
Fr.
7‘005.-- ein solcher von
Fr.
43.80 (
Fr.
7‘629.-- resp.
Fr.
7‘005.
-- :
4 : 40).
Auch auf höherem Anforderungsniveau liegen die
errechneten
Stundenansätze unter Berücksichtigung der Lohnentwicklung in den Jahren 2011 und 2012 von 1,8
%
(vgl. Die Volkswirtschaft 12-2013, S. 91, Tabelle B 10.2) unter
respektive
im Bereich des
in Art. 39f
Abs.
2
IVV
festgelegten Stundenansatz
es
von Fr. 48.75.
Von fehlender Marktkonformität kann somit in Bezug auf die bean
standeten, in Art. 39f
Abs.
1 und 2
IVV
genannten Stundenansätze für den Assistenzbeitrag nicht gesprochen werden.
Zu beachten ist, dass diese
Stunden
ansätze
nicht fix sind, sondern laut
Art. 39
f
Abs.
4 IVV nach Massgabe von
Art. 33
ter
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG)
periodisch der Lohn- und Preisentwicklung
anzupassen sind
.
6
.
6.1
Der
Beschwerdeführer
bemängelt
die Qualifikation der Abklärungsp
ersonen
der Beschwerdegegnerin,
Z._
und
A._
(vgl.
Urk.
3/335/2)
. Es sei nicht ersichtlich, über welche fachlichen Kenntnisse die
Abklärungsbe
auftragten
genau
verfügten
. Hinzu komme, dass die Abklärungspersonen nicht unabhängig seien
.
Es falle auf, dass in manchen Punkten eine sehr niedrige Einstufung vorgenommen worden sei und die Verfügung darüber keinen Auf
schluss gebe, weswegen der Verdacht naheliege, dass versucht werde, auf Kos
ten der Versicherten zu sparen. Geeigneter wäre eine verwaltungsexterne Ab
klärung.
Krankenversicherer zögen
beispielsweise
bei der
Bedarfsabklärung
für Pfl
egeleistungen im Sinne von Art.
25a KVG
regelmässig externe
Fachpersonen bei, namentlich Fachpersonen aus dem Spitex-Bereich
(
Urk.
1 S.
S. 14
Ziff.
37 und S.
16 f
.
Ziff.
47-48
,
Urk.
14 S. 4
Ziff.
12
f.
)
.
6.2
Zur Kritik betreffend die fehlende Unabhängigkeit ist auf den Grundsatz hinzu
weisen, dass im gesamten Verwaltungs- und Verwaltungsrechtspflegeverfahren Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln zu würdigen sind. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweis
mittel unabhängig davon
,
von wem sie stammen
,
objektiv prüft und danach entscheidet, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Für Abklärungsberichte der
Sozialversi
cherungsträge
r
sind zusätzlich
folgende
Faktoren zu berücksichtigen:
Es ist we
sentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderun
gen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detail
liert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V
67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom
6. April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 f. E. 4 betref
fend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosig
keit).
6.3
Über welche besondere
n
fachliche
n
Fähigkeiten die
beiden
von der
Beschwerde
gegnerin
eingesetzten
Abklärungsbeauftragten
Z._
und
A._
(vgl. Urk.
8/311/2,
Urk.
8/311/2,
Urk.
8/335/2)
verfügen
,
ist
nicht aktenkundig.
D
ie Bemessung des Assistenzbeitrages basiert
in allen Fällen
auf einer umfassenden Abklärung des faktischen Hilfebedarfs eines Antragstellers
oder einer Antragstellerin
in seinen
respektive ihren sämtlichen
Lebensbelan
gen.
Die Abklärungsbeauftragten haben
- wovon auch der Beschwerdeführer zutreffend ausgeht (vgl.
Urk.
1 S. 14
Ziff.
40) -
die sich aus den medizinischen Unterlagen ergebenden respektive die von der versicherten Person angegebenen Einschränkungen und die nötigen Hilfeleistungen in den zahlreichen
Hilfeberei
chen
einer bestimmten Hilfebedarfsstufe zuzuordnen. Zur Verfügung stehen
je
weils
vier Stufen (vgl. KSAB
Rz
4009 ff.).
F
achliche Voraussetzungen im Sinne eines
bestimmten
Expertenwissens
sind hierfür
grundsätzlich
nicht erforderlich. Auch der Beschwerdeführer erwähnte konkret
nicht, über welche
unverzichtba
ren Voraussetzungen fachlicher Art
die
Abklärungsbeauftragten
hätte
verfügen müssen, um ihren Auftrag
seiner Ansicht nach
sachlich korrekt erfüllen zu kön
nen
.
Es stellt
kein
en
Mangel dar, dass keine verwaltungsexterne Abklärung durchge
führt wurde. Bei der Beurteilung des ermittelten Hilfebedarfs steht im Vorder
grund
, mit welcher Genauigkeit und Vollständigkeit
die Abklärungsbeauftragten
diesen
erhoben
haben
.
Dies
ist in nachstehender Erwägung
10
zu prüfen. Eben
falls an
genannter
Stelle
und
zudem
in nachfolgender Erwägung 8
ist der Frage nachzugehen, ob in gewissen Punkten ergänzend eine medizinische Stellung
nahme nötig gewesen wäre. An genannter Stelle ist
schliesslich
auch
die Rüge zu prüfen, in verschiedenen Punkten sei der Hilfebedarf ung
erechtfertigt tief ausgefallen.
Hier festzuhalten bleibt
, dass der
Vorwurf
des Beschwerdeführers
, Anlass
für niedrige Einstufungen könnten
Sparbemühungen auf Kosten der Versicherten
sein
, jeder Substantiierung entbehrt.
7
.
Der Beschwerdeführer
weist darauf hin
,
die Beschwerdegegnerin habe im
FAKT bei der Umschreibung der Körperbehinderung
festgehalten
, er sei in der Lage, sich mit dem Rollstuhl selbständig fortzubewegen. Diese Feststellung sei
aber
nur in Bezug auf die
Fortbewegung in der Wohnung
korrekt
. Ausser Haus (Hobby, gesellschaftliche Kontakte)
benötige er
für die Fortbewegung
dauernd
Dritthilfe (
Urk.
1 S. 14
Ziff.
38 und
S. 16
Ziff.
44)
.
Gemäss FAKT steht die Er
wähnung, es sei eine selbständige Fortbewegung im Rollstuhl möglich, unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass es sich um die Fortbewegung im
Innenbe
reich
der Wohnung handle (
Urk.
8/335/3). Der Einwand des Beschwerdeführers erweist sich somit als unbegründet.
8
.
8.1
Der Beschwerdeführer kritisiert, die Beschwerde
gegnerin habe im FAKT das Auf
tre
ten von akuten Phasen verneint (vgl.
Urk.
8/335/3). Ob akute Phasen
be
hinderungsbedingt
seien, dürfe nicht durch eine Abklärungsperson allein be
antwortet werden, sondern diese Frage sei einer medizinischen Fachperson vor
zulegen (Urk. 1 S. 14
Ziff.
39).
8.2
Von einer
akute
n Phase ist auszugehen
, wenn bei einer versicherten Person wäh
rend einer Zeitdauer von höchstens drei Monaten ein deutlich erhöhter
Hil
febedarf
vorliegt und dieser in direktem Zusammenhang mit dem
Gesundheits
schaden
steht, der die Hilflosigkeit begründet (
KSAB
Rz
4079).
Zu berücksichtigen ist, dass die Evaluation des Hilfebedarfs im Beisein und un
ter Mitwirkung der versicherten Person in d
eren Lebensumfeld erfolgt (vgl.
Urk.
8/311
/
2-3). Die Vermerke
zu den
v
erschiedenen Evaluationspunkten
erfolgen somit
unter Mitwirkung der
Versicherten
(vgl.
KSAB
Rz
4101
)
. Dass es sich
vorliegend
nicht so verhalten hat, machte der Beschwerdeführer nicht gel
tend. Es ist somit davon auszugehen, dass er selber angab, dass sein L
eiden nicht durch das Auftre
ten akuter Phasen gekennzeichnet ist. Dies bestätigen
auch
die ärztlichen Angaben.
Die Muskeldystrophie des Beschwerdeführers ist zwar chronisch und progredient,
im Verlauf treten aber keine heftigen
Schwan
kungen
auf
(vgl. Urk.
8/289,
Urk.
8/292).
Im Übrigen
bleibt offen, welchen Erkenntniswert
der Beschwerdeführer von
ei
ne
r
zusätzliche
n
ärztliche
n
Beurteilung
in diesem Punkt erwartet
.
Er
erläuterte dies nicht weiter.
Zu beachten ist zudem, dass das Auftreten akuter Phasen nur beim Vorliegen einer leichten Hilflosigkeit zu einer Erhöhung des Hilfebedarfs führen kann (
KSAB
Rz
4078
), beim Beschwerdeführer aber eine schwere Hilfl
o
sigkeit vorliegt (vgl.
Urk.
8/
335/4).
Entgegen dem Antrag des Beschwerdeführers kann von einer fachärztlichen Begutachtung abgesehen werden.
8.3
Fehlende ärztliche Stellungnahmen im Rahmen der Evaluation des
Assistenzbe
darfs
bemängelte der Beschwerdeführer
auch
ganz generell
. Er macht geltend,
n
ur ein Arzt könne entscheiden, welche Tätigkeiten noch zumutbar seien und welche Restaktivität noch verwertet werden könne
(Urk. 1 S. 16
Ziff.
46). Hier
bei zu berücksichtigen ist, dass es
vorliegend
um die Feststellung des
Hilfe
be
darfs
im Zusammenhang mit der
Bewältigung des Alltags
geht, mithin um eine praktische Beurteilung, und nicht
um die Feststellung der Restarbeitsfähigkeit
im Sinne einer medizinisch-theoretischen Einschätzung
.
Über die Körperbehin
derung als solche geben die medizinischen Akten Auskunft
(
Urk.
8/289,
Urk.
8/292,
Urk.
8/348). Diese erlauben es der Abklärungsperson, die von der versicherten Person zum Hilfebedarf gemachten Angaben zu überprüfen.
Stehen die angegebenen respektive die
festgestell
ten Beeinträchtigungen mit dem L
ei
den in Ei
nklang
, bedarf es
zur Ermittlung des Assistenzbedarfs
keiner zusätzli
chen ärztlichen Beurteilung
. Eine versicherungsmedizinische Abklärung hat erst dann Platz zu greifen, wenn zwischen geltend gemachter Einschränkung bei der Alltagsbewältigung und dem Leiden eine auffallende Diskrepanz
ins Auge fällt
.
9
.
Unter Hinweis auf den progressiven Verlauf seiner Erkrankung stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt,
e
s sei nicht zumutbar,
bereits nach eini
gen Monaten
eine Revision zu verlangen
. Es sei unsachgemäss, bei den einzel
nen Lebensverrichtungen nicht einen gewissen Spielraum vorzusehen (Urk. 1
S. 16
Ziff.
45)
.
Ein
Leistungsanspruch
muss ausgewiesen sein
,
deswegen
dürfen
bei der
Beurtei
lung
grundsätzlich
nur Ist-Zustände
erfasst
werden
,
nicht
jedoch noch nicht eingetretene Krankheitszustände
. Dies gilt auch
bei
chronisch progredient
ver
la
ufenden Erkrankungen, wie dies vorliegend der Fall ist (vgl. Urk.
8/289/1-3).
Auch wenn eine
künftige
Verschlechterung des Zustandes zu erwarten ist, lässt sich hypothetisch nicht
mit
hinreichender
Sicherheit
feststellen, wann welche zusätzliche Einschränkung eintreten wird
.
Anders verfahren werden kann nur dann, wenn eine Verschlechterung im
Beur
teilungszeitpunkt
klar und in ihrem Umfang abschätzbar feststeht. Wo die
Be
schwerdegegnerin
allenfalls konkret absehbare Zustandsverschlechterungen nicht berücksichtigt hat, legte
der
Beschwerdeführer nicht näher dar. Aus den Akten
lässt sich eine künftige Verschlechterung weder zeitlich noch hinsichtlich des Umfangs erkennen.
10
.
10.1
Der Beschwerdeführer
ist der Auffassung
,
das
im Erfassungsinstrument
FAKT vorgesehene
Stufensystem zur Bestimmung des Schwergerades der Einschrän
kung in den jeweiligen Lebens
bereichen sei
generell
nicht sachgemäss
.
Bezogen auf die Sache rügte er
zudem
, i
n verschiedenen Punkten habe
die
Beschwerde
gegnerin
eine
zu
n
iedrige Einstufung vorgenommen,
i
nsbesondere sei dem Um
stand nicht Rechnung getragen worden, dass bei gewissen Tätigkeiten die
As
sistenzperson
anwesend sein müsse ohne selber aktiv zu werden.
Auch wenn
eine behinderte Person
gewisse Handlungen
noch selbständig aus
füh
ren
könn
e
, müsse die
Assistenzperson in dieser kurzen Zeit anwesend
bleiben und falls nö
tig
helfend eingreifen könn
en.
N
icht berücksichtigt worden sei
ferner
, dass ver
schiedene Handlungen
zwar
noch selber ausgeführt werden könnten, jedoch zeitintensiv und
im Beisein der Assistenzperson
. Die
tatsächlich vorgenommene Einstufung im FAKT-Evaluationsbogen sei vor diesem Hintergrund
nicht nach
vollziehbar
(
Urk.
1 S. 15 f.
Ziff.
41-43).
In der Replik ergänzte der Beschwerde
führer seine Ausführungen
und stellte
dem FAKT-Abklärungsbogen
(Urk. 8/335)
eine e
igene Zeiterfassung gegenüber
(vgl.
Urk.
14 S. 2 f.
Ziff.
6,
Urk.
15
/1).
10.2
Der vom Gesetzgeber in Art. 42
sexies
Abs.
4
IVG
gezogene Rahmen zur Erfassung des Umfangs des Assistenzbeitrages lässt eine
standardisierte
Erfassung des an
erkannten Hilfebedarfs
für die
verschiedenen
Hilfebereiche
(Art. 39c IVV) inner
halb eines maximal zulässigen Zeitrahmens (vgl. Art. 39e IVV)
und
anhand ei
nes Stufensystems, wobei den verschiedenen Stufen je nach Schwergrad be
stimmte Zeitwerte zugeordnet sind
(vgl.
KSAB
Rz
4005 ff. )
,
nicht nur zu,
son
dern sieht ein solches System sogar vor
.
Der prinzipielle Einwand des Be
schwerdeführers gegen die im Erfassungsinstrument FAKT für jeden
Hilfebe
reich
vorzunehmende Einstufung des Hilfebedarfs i
st somit nicht begründet.
10.3
Die konkrete
Einstufung in den verschiedenen Hilfebereichen
und damit den Umfang
des anerkannten Hilfebedarfs
bemängelte der Beschwerdeführer bereits im
Vorbescheidverfahren
(vgl.
Urk.
8/330). In verschiedenen Punkten
nahm
die Beschwerdegegnerin
daraufhin unter Darlegung
ihrer Überlegungen
eine Kor
rektur vor
.
Auf diese Ausführungen ist zu verweisen
(vgl.
Urk.
8
/337, vgl.
auch
Urk.
2 S. 4 f.).
Mittels
der im Beschwerdeverfahren eingereichten Zeitaufstellung
(Urk. 15/1)
macht der Beschwerdeführer
erneut
einen höheren Zeitaufwand und damit eine höhere Einstufung
in verschiedenen Hilfebereichen
geltend.
10.4
Die Ermittlung des Hilfebedarfs mittels FAKT funktioniert wie folgt:
Den
jeweili
gen
Hilfebereichen
(vgl. Art. 39c IVV,
KSAB
Rz
4001-4004
)
ist
abhängig von der
Stufe
je ein bestimmter
Zeitwert
zugeordnet. Dieser basiert, wovon
auch
der Beschwerdeführer
zutreffend
ausgeht (vgl.
Urk.
14 S. 3
Ziff.
9)
,
auf statis
tisch ermittelten Durchschnittswerten
(vgl.
Urk.
15/2)
. Damit wird die Gleichbe
handlung aller Versicherten gewährleistet
.
Mit der Vornahme der
Einstufung
im jeweiligen Hilfebereich
wird
nach dem Gesagten der
standardisierte Zeitwert, der die direkte und die indirekte Hilfe berücksichtigt (vgl.
KSAB
Rz
4005
)
,
zuge
ordnet
. Aus deren Summe errechnet sich schliesslich der
Hilfebedarf
.
Hauptauf
gabe im Abklärungsverfahren ist
mithin
die Wahl der angemessenen Stufe
,
ba
sierend auf einer Bewertung
der bestehenden Einschränkung und des sich dar
aus ergebenen Hilfebedarfs
.
Um individuellen Gegebenheiten Rechnung zu tra
gen, sind Kürzungen oder Zuschläge möglich (
KSAB
Rz
4016
). Insofern über
zeugt der Standpunkt des Bes
chwerdeführers
nicht
, die Anwendung de
s stan
dardisierte
n
Abklärungssystem
s
lasse keine Berücksichti
gung des effektiven Be
darfs zu
.
Der in diesem Zusammenhang vom Beschwerdeführer gestellte
Antrag, die Zeiteinheiten der Zuschläge für Mehraufwand seien
von der
Beschwerde
gegnerin
offen zu legen (Urk.
14 S. 3
Ziff.
8
),
ist entbehrlich,
denn die
erwähn
ten
Zuschläge
sind ausgehend von
den tatsächlichen Gegebenheiten
individuell und ermessensweise
vorzunehmen
(KSAB
Rz
4016).
10.5
I
m
vorliegenden
FAKT-Erfassungsblatt
ist jede
gewählte
Einstufung
mit einer Begründung versehen
(vgl. Urk.
8/335/8 ff.
und
Urk.
8/
335/46 ff.
). Werden diese
Begründungen
mit den im KSAB umschriebenen Charakteristika der verschiede
nen Stufen
verglichen
(vgl.
Rz
4010-4015), erweist sich die vorgenommene Einstufung
unter Berücksichtigung der
bestehenden
leidensbedingten
Ein
schränkungen
in keinem der relevanten Bereiche als
unangemessen
.
Es besteht somit kein Anlass, eine andere Einstufung vorzunehmen.
Auch der Beschwer
deführer ging auf die einzelnen vorgenommenen Einstufungen konkret nicht
ein
. Weder in den Parteivorträgen noch in der vom Beschwerdeführer selber verfassten Zeitaufstellung wird auf die vorgenommenen Einstufungen bezie
hungsweise auf die dazugehörige Begründung im FAKT
inhaltlich
Bezug ge
nommen. Der Beschwerdeführer machte
auch nicht geltend, er habe
bei der Ab
klärung
von den vermerkten Einschränkungen klar abweichende Angaben ge
macht
oder es hätten deutliche
Ko
mmunikationsprobleme bestanden
, die zu ei
ner Fehlerfassung geführt hätten
.
10.6
Für den Beschwerdeführer zeigt sich die Mangelhaftigkeit der Evaluation des anerkannten Hilfebedarfs auch daran, dass die Beschwerdegegnerin in der Dup
lik vom 21. August 20
13
(Urk. 17)
eine teilweise Gutheissung der Beschwerde im Sinne
ihres
am 31. Januar 2013 ergänzend erlassenen Vorbescheides
(Urk. 10/3) beantragte (
Urk.
14 S. 3 f.
Ziff.
7
).
Dem fraglichen Vorbescheid liegt in Bezug auf die Ermittlung des anerkannten Hilfebedarfs
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
keine neue
Beur
teilung des Hilfebedarfs
zu Grunde.
Die beantragte teilweise Gutheissung
er
folgte
,
weil
beim Erlass der angefochtenen Verfügung der ermittelte Zei
tbedarf für die Kindererziehung
zu Unrecht nicht angerechnet wurde (vgl.
Urk.
8/335/35 f. und
Urk.
8/335/43,
Urk.
18/3/17 und
Urk.
18/3
/22
; vgl. auch
Urk.
13/2 und Urk.
18/2
). Da dem begründeten Antrag auf teilweise Gutheis
sung die Korrektur eines offensichtlichen Versehens zu Grunde liegt, erweist
sich der Standpunkt des Beschwerdeführer
s
, die Abklärung sei unsorgfältig er
folgt, als unbegründet. Erneute Sachverhaltsa
bklä
rung
en
(
vgl.
Urk. 14 S. 4
Ziff.
12 f.)
sind nicht angezeigt
.
10.7
Der
Einwand
des Beschwerdeführers, die zeitliche Abstufung der pro Stufe ge
währten Assistenzzeit sei im Evaluationsbogen FAKT nicht ersichtlich
(Urk. 1
S. 14 f.
Ziff.
40)
, ist nicht begründet. Wie dargelegt wurde
(E. 10.2)
,
ist die in ei
nem Hilfe
bereich
je nach
Stufe zu berücksichtigende Assistenzzeit
gesetzes
konform
pauschalisiert. Hauptaufgabe bei der Abklärung des anerkannten
Hil
febedarfs
ist die Evaluation der Stufen. Daraus ergibt sich dann automatisch
der
zu berücksichtigende Hilfebedarf in Minuten (vgl.
Urk.
15/2).
Dass bei der Ein
stufung die direkte und die indirekte Dritthilf
e zu berücksichtigen sind (Urk.
1
S. 14 f.
Ziff.
40), ergibt sich im Übrigen ausdrücklich aus dem
KSAB
(
Rz
4005).
1
1
.
11.1
Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, durch die Kürzung des Assistenzbeitrages nach Massgabe von Art. 39g
Abs.
2
lit
. b
IVV komme es zu einem massiven Eingriff in die Lebensgestaltung von Ehepaaren.
In der Regel seien heute beide Ehegatten erwerbstätig. Arbeitnehmer
und Arbeitnehmerinnen seien
verpflichtet
, die Ferien und di
e Freizeit zur Erholung zu nutz
en.
Durch
Art. 39g
Abs.
2
lit
. b IVV
werde
der Ehegatte gezwungen, seine Ferien mit der Pflege des kranken Partners zu verbringen (Urk. 1 S. 24 f.
Ziff.
69-71). Vorlie
gend komme hinzu, dass die Ehefrau selber invalid sei, jedoch keine Leistungen beantragen könne, da ihr Leiden bereits vor
ihrer
Niederlassung
in der Schweiz aufgetreten sei. Sie sei gesundheitlich nicht in der Lage, ihren Beitrag an die vorgesehene Schadenminderungspflicht
zu leisten
(Urk. 14 S. 5 f.
Ziff.
19 ff.).
11.2
Mit der Regelung von Art. 39g
Abs.
2
lit
. b IVV
konkretisierte
der Verordnungs
-
ge
ber
den Grundsatz der Schadenminderu
ngspflicht dahingehend, dass den
zu
sammen mit Angehörigen lebenden Versicherten der monatliche Assistenz
-
beitrag insgesamt
nur
elfmal
statt zwölfmal (Art. 39g
Abs.
2
lit
. a IVV)
pro Jahr ausgerichtet wird.
Begründet wird
dies damit, dass es den nahen
An
gehörigen zuzumuten
sei
, gewisse Hilfeleistungen ohne Abgeltung durch die Sozial
-
versicherungen vorzunehmen (vgl. Georges Pestalozzi-
Seger
, IV-Revision 6a (4. Teil): Die Einführung des Assistenzbeitrages, in: Behinderung und Recht 2/2012, S. 5).
Der Grundsatz der Schadenminderungspflicht ist im Sozialversicherungsrecht zwingend zu beachten (Ueli
Kieser
, Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, Zürich 2007, S. 204
Rz
. 5
; Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar,
2.
Aufl., Zürich 2009,
Vorbemerkungen
Rz
48) und
er
erstreckt sich insbesondere auch auf die Fami
lienangehörigen (Hardy
Landolt
, Das Zumutbarkeitsprinzip im Schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Zürich 1995
,
S. 72 ff.
Rz
113 ff., insbes.
Rz
. 118 f.
).
Nach der Rechtsprechung ist bei der Bemessung der Hilflosigkeit zunächst nicht zu unterscheiden
, ob eine versicherte Person allein
,
in
der Familie, in einem Spital respektive
Heim oder
sonstwie
in einer der heutzutage verbreiteten Wohnformen lebt
. Würde anders entschieden, das heisst
die Hilflosigkeit nach der Mühe bemessen, die der jeweiligen Umgebung erwächst, so wären stossende Konsequenzen unumgänglich, insbesondere dann, wenn beispielsweise ein Wechsel von der Haus- in die Spitalpflege stattfände oder sich die Familienver
hältnisse änderten (Scheidung, Tod eines Ehegatten usw.). Versicherte, welche mit Familienangehörigen (Ehegatten, Kinder oder Eltern) zusammenleben, hät
ten
zum Beispiel
kaum je Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
für
lebens
praktische
Begleitung. Eine solche Einschränkung kann
weder dem Gesetz noch der
Verordn
ung entnommen werden
. Massgebend ist allein, ob d
i
e
v
ersicherte
Person
, wäre
sie
auf sich allein gestellt, erhebliche Dritthilfe benötigen würde. Demgegenüber ist die tatsächlich erbrachte Mithilfe von Familienmitgliedern eine Frage der Schadenminderungspflicht, die erst in eine
m zweiten Schritt zu prüfen ist. Die Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Einsatzfähigkeit sind durch geeignete organisatorische Massnahmen und die Mithilfe der Fami
lienangehörigen möglichst zu mildern. Diese Mithilfe geht zwar weiter als die ohne Gesundheitsschaden üblicherweise zu erwartende Unterstützung, jedoch darf den Familienangehörigen keine unverhältnismässige Belastung entstehen. Vielmehr ist bei der Mitarbeit von Familienangehörigen stets danach zu fragen, wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einrichten würde, sofern keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären. Dauernde und umfassende
Hand
reichungen für den Ehemann
und dessen Begleitung zu Hause überschreiten das übliche Mass dessen, was gemeinhin unter zumutbarer Mithilfe
einer Ehefrau zu subsumieren ist. Ein solcher
Mehraufwand kann nicht im Rahmen der
Scha
denminderungspflicht
gefordert werden, um
dem Ansprecher den Anspruch (in
casu
lebenspraktische Begleitung) abzusprechen
(Urteile des Bundesgerichts 9C_410/2009 vom 1. April 2010, E 5.1, und
I 1013/06 vom 9. November 2007, E. 7.2,
je mit zahlreichen Hinweisen auf das Schrifttum und die Judikatur).
Nach der Rechtsprechung kann das Gericht Verordn
ungen des Bundesrates grundsätz
lich, von hier nicht in Betracht fallenden Ausnahmen abge
sehen, auf ihre Rechtmässigkeit hin überprüfen. Bei (un
selbständigen) Verordnungen, die sich auf eine gesetzliche Delegation stützen, geht es in erster Linie darum zu beurteilen, ob sie sich im Rahmen der Delegationsnorm halten. Besteht ein sehr weiter Spielraum des Ermessens für die Regelung auf Verordnungsebene, muss
sich das Gericht auf die Prüfung beschränken, ob die umstrittenen Vorschriften offensichtlich aus dem Rahmen der im Gesetz delegierten Kompetenzen fallen oder aus andern Gründen
verfassungs
oder gesetzwidrig sind (vgl. Art. 190 BV). Die verordnete Rege
lung verstösst gegen das Willkürverbot oder das Gebot der rechtsgleichen Behandlung (Art. 9 und Art. 8
Abs.
1 BV), wenn sie sich nicht auf ernsthafte Gründe stützen lässt, wenn sie sinn
oder zwecklos ist oder wenn sie rechtliche Unter
scheidungen trifft, für die sich ein vernünftiger Grund nicht finden lässt. Gleiches gilt, wenn der Verordnungsgeber es unterlässt, Un
terscheidungen zu treffen, die richtigerweise hätten berücksichtigt werden sol
len. Für die Zweckmässigkeit, namentlich die wirtschaftliche oder politische Sachgerechtigkeit, trägt der Bundesrat die Verantwortung (BGE 133 V 569
E. 5.1; 131 II 562 E. 3.2; vgl. auch BGE 130 V 39 E. 4.3).
11.3
Das Gesetz (Art. 42
sexies
Abs.
4 IVG) räumt dem Verordnungsgeber bei der Konkre
tisierung der Bemessung des Assistenzbeitrages ein weites Ermessen ein, indem das Gesetz selber
nur den
Rahmen absteckt. Mit Art. 39g
Abs.
2 IVV schloss der Ver
ordnungsgeber den Anspruch von V
ersicherten, die mit Angehö
rigen leben, nicht schlechterdings zu Lasten der Mithilfe der Familienmitglieder aus, sondern beschränkte sie
, bezogen auf ein Jahr,
im Umfang von einem Zwölftel
ein
. Dieses Anrechnungsprinzip
bezieht die
von der R
echtsprechung anerkannte
grundsätzliche
Mithilfe von Angehörigen bei der Betreuung und Pflege
von
Versicherten
in
standardisierter
Form mit ein, was so lange nicht als unangemessen erscheint, als eine schadenmindernde Mithilfe Angehöriger ob
jektiv möglich ist.
Weder Gesetz noch Praxis schliessen
die
Anrechnung
scha
denmindernder
Mithilfe in
dieser
Form grundsätzlich
aus.
11.4
D
ie
geltend gemachten
gesundheitlichen Probleme der Ehefrau des Beschwerde
führers sind in den Grundzügen dokumentiert (vgl.
Urk.
15/
4-5). Aus den ein
gereichten Unterlagen ergibt sich, dass die Ehefrau aufgrund der Folgen einer kongenitalen Hüftdysplasie in funktioneller Hinsicht eingeschränkt ist. Jedoch schloss es
ihr
Leiden bi
s dato nicht aus, dass sie sich tatsächlich an der Betreu
ung ihres Ehemannes beteiligt (
Urk.
15/4). Die Anwendung von Art.
39g
Abs.
2 IVV führt vorliegend nicht zu einem unhaltbaren Ergebnis, sondern berücksich
tigt die tatsächlich geleistete Mithilfe der Ehefrau. Dass der Verordnungsgeber dem mit einem pauschalen Abzug Rechnung trägt, ist von dem ihm einge
räumten Ermessen gedeckt.
12.
Zusammenfassend setzt sich der anerkannte Assis
tenzbedarf wie folgt zusam
men: Bei Erlass der angefochtenen Verfügung
(vgl.
Urk.
2)
ermittelte die
Be
schwerdegegnerin
gemäss Art. 39c IVV und Art. 39 e IVV
anhand der für
jeden Hilfebereich massgebende
n
Stufe (
Urk.
8/
335/8-41)
den anerkannten Hilfebedarf (Urk. 8/335/43) und
die massgebenden
zeitlichen
Höchstansätze pro Monat (
Urk. 8/335/42)
.
Die zusammenfassende Berechnung enthält die Ermitt
lung des Assistenzbeitrags unter Berücksichtigung der verschiedenen
Vergü
tungsansätze
gemäss Art. 39f IVV und un
ter Berücksichtigung der
Zeitabzüge gemäss Art.
42
sexies
Abs.
1 IVG (Urk. 8/335/44
-45
).
Der so errechnete
Assistenz
beitrag
beläuft sich auf
Fr.
3‘
85
7.
40 pro Monat respektive auf Fr.
42‘431.30 pro Jahr (
Fr.
3‘857.40 x 11).
Mit dem Vorbescheid vom 31. Januar 2013 erfolgte in Bezug auf die
Kinderbe
treuung
eine Korrektur des anerkannten Hilfebedarfs zu Gunsten des Beschwer
deführers (Urk. 10/3), die von diesem anerkannt wurde (Urk. 10/1 S. 3
Ziff.
4). Unter Berücksichtigung des höheren anerkannten Hilfebedarfs ergibt sich ein monatlicher Assistenzbeitrag von
Fr.
5‘867.5
0
pro Monat respektive von
Fr.
64‘542.65 pro Jahr
(
Fr.
5‘867.50 x 11)
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, im Übrigen
ist sie jedoch gestützt die vorstehenden Er
wägungen
abzuweisen.
13.
13.1
Gemäss Art. 69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr.
1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
900
.-- als ange
messen. Ausgangsgemäss sind die Kosten
dem Beschwerdeführer zu zwei Drit
teln und der Beschwerdegegnerin zu einem Drittel aufzuerlegen.
13.2
Ausgangsgemäss hat
der Beschwerdeführer
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine
redu
zierte
Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeu
tung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1‘500
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.