Decision ID: 93b2ca63-6d62-4be1-91c4-a2135ae86861
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968, wurde mit Verfügung vom 11. März 2004 der
Sozi
alversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, gestützt auf einen
Invali
ditätsgrad
von 100 % ab 1. Januar
2001 eine ganze Rente zugesprochen (Urk. 8/63).
1.2
Im Januar 2009 führte die IV-Stelle
erstmals
eine
Revision von Amtes wegen durch (Urk. 8/81). Gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten
des
Y._
vom 10. August 2009 (Urk. 8
/89)
setzte die IV-Stelle die bisherige ganze Rente per 1. September 2010 auf eine
Dreivier
telsrente
herab (
Verfügung vom 22. Juli 2010
, Urk. 8/120/14-21)
.
Die dagegen erhobene Beschwerde
(Urk. 8/120/3-13) wurde mit
Urteil des hiesigen Gerichts vom 29. Februar 2012
abgewiesen
(
Prozess IV.2010.00805,
Urk. 8/130).
1.3
Im Juni 2013 führte die IV-Stelle eine weitere Revision durch (Urk. 8/138).
Sie holte Arzt
berichte (Urk. 8/139-140),
Akten des Unf
allversicherers (Urk. 8/141)
sowie ein psychiatrisches Gutachten
ein
(Urk. 8/150). Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Urk. 8/153, Urk. 8/158) hob die IV-Stelle die bisherige Inva
li
denrente
mit Verfügung vom 2. Dezember 2014
auf (Urk. 8/161 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 15. Januar 2015
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 2. Dezember 2014
(Urk. 2)
und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm
wei
terhin die bisherige Rente
zuzusprechen
(Urk.
1 S.
2).
In der Folge leis
tete er
den ver
langten
Kosten
vorschuss
von Fr.
1‘000.-- (vgl. Urk. 4 sowie Proto
koll S. 1)
.
Die IV-Stelle be
antragte mit Beschwerdeantwort vom
5. März 2015
(Urk.
7
)
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
18. März 2015 zur Kenntnis gebracht (Urk. 9
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen ist - mit den nachfolgenden Ergänzun
gen - auf das Urteil des hiesigen Gerichts vom 29. Februar 2012 zu verweisen (
IV.2010.00805,
Urk. 8/130/
3-4).
1.2
Eine fach
ärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht
eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer
zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände,
welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wie
dereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung
einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung
und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiterkrankun
gen
; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progre
die
n
ter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiese
ner so
zia
ler Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht
mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glückten, psy
chisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krank
heitsgewinn
; „Flucht
in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes
Behandlungser
gebnis
trotz kon
se
quent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Be
handlung (auch mit
unter
schie
d
lichem therapeutischem Ansatz) und geschei
terte
Rehabilitations
mass
nah
men
bei vorhandener Motivation und
Eigenan
strengung
(kooperative Hal
tung) der versicherten Person. Je mehr dieser Krite
rien zutreffen und je ausge
prägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahms
weise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu vernei
ne
n (BGE 130 V 352, 131 V 4
9 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
Praxisgemäss
stellt die Diagnose einer „sonstigen andauernden
Persönlich
keits
änderung
" nach ICD-10: F62.8 - und damit auch diejenige einer „nicht näher
bezeichneten andauernden Persönlichkeitsänderung" nach ICD-10: F62.9 - für sich
allein nicht einen invalidisierenden Gesundheitsschaden im Rechtssinne dar.
Vielmehr ist auch bei dieser gesundheitlichen Beeinträchtigung die Frage der invalidisierenden Wirkung nach den rechtlichen Kriterien zu be
urteilen, die für
somatoforme
Schmerzstörungen und ähnliche Leiden gelten (Urteil des Bundes
gerichts 8C_822/2013 vom 4. Juni 2014 E.
4.4 mit Hinweis auf in BGE
136 V 362
nicht publizierte
E. 2.3 des Urteils
9C_55/2010 vom 8. Oktober 2010).
1.3
Nach
lit
. a
Abs.
1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen
Schlussbestimmun
gen
der Änderung vom 1
8.
März 2011 des Bundesgesetzes über die Invaliden
ver
sicherung (IVG
;
6.
IV-Revision, erstes
Massnahmepaket
; kurz:
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision
) werden Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage
ge
-
spro
chen
wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung
überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Artikel 7 ATSG nicht erfüllt, so wird
die
Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen von Artikel 17 Absatz 1 ATSG nicht erfüllt sind. Diese Be
stimmung ist verfassungs- und EMRK-konform (BGE 139 V 547 E. 3).
Die in
lit
. a
Abs.
1
SchlB
6.
IV-Revision
vorgesehene Rentenherabsetzung bezie
hungsweise -aufhebung ist nicht auf vor dem
1.
Januar 2008 zugesprochene Renten beschränkt. Erging die fragliche
Rentenzusprache
aber bereits in Be
ach
tung der jeweils relevanten Rechtsprechung zu
pathogenetisch
-ätiologisch un
klaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grund
lage
,
bleibt kein Raum für ein Rückkommen unter dem Titel der
Schluss
be
stim
mung
(BGE 140 V 8 E. 2).
Laufende Renten sind vom Anwendungsbereich von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
zur
6.
IV-Revision nur ausgenommen, wenn und soweit sie auf erklärbaren Be
schwerden, das
heisst
auf einer nachweisbaren objektivierbaren Grundlage be
ruhen.
Lassen sich unklare von erklärbaren Beschwerden trennen, können die Schlussbestimmungen der
6.
IV-Revision auf erstere Anwendung finden (BGE
140 V 197 E. 6.2, in Präzisierung u.a. von
BGE 139 V 547
E.
10.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_738/2013 vom
8.
April 2014 E.
3.1.2.1 mit Hinweis). Dem
nach ist die Schlussbestimmung bei kombinierten Beschwerden anwendbar, wenn
die unklaren und die „
erklärbaren" Beschwerden - sowohl diagnostisch als auch hinsichtlich der funktionellen Folgen - auseinandergehalten werden können. Ein organisch begründeter
Teil
der Arbeitsfähigkeit kann bei Anwend
barkeit der
Schlussbestimmung nur neu beurteilt werden, sofern eine Verände
rung im Sinne
von
Art.
17 ATSG eingetreten ist. Insoweit wird im Anwen
dungsbereich der
Schlussbestimmung vom Grundsatz abgewichen, dass die Verwaltung im Rahmen
einer materiellen Revision - um eine solche handelt es sich auch hier - den Ren
ten
anspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend prüft (Urteil
des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 2.4.2 mit Hinwei
sen).
Da der Bestand laufender Renten wesentlich von medizinischen Aspekten ab
hängt, sind an die entsprechenden Abklärungen besonders hohe Anforderun
gen zu stellen. Namentlich muss verlangt werden, dass die Untersuchungen im Zeit
punkt der Revision aktuell sind und sich mit der
massgeblichen
Fragestel
lung auseinandersetzen. Soweit die versicherte Person sich - auch mit Bezug auf die Chancen, welche die
Wiedereingliederungsmassnahmen
bieten - der Beur
teilung
durch die Verwaltung und deren Regionalen Ärztlichen Dienst nicht
anschliessen
kann, dürfte sich in der Regel eine neue, polydisziplinäre Begut
achtung als un
um
gänglich erweisen (vgl. BGE 139 V 547
E. 10.2
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon
aus,
beim Beschwerdeführer
würden
Diagnosen vor
liegen
, welche unter die
pa
tho
genetisch-ätiologisch
unklaren
syndromalen
Beschwerdebilder ohne nach
weis
bare organische Grundlage fallen würden (S. 2 oben). Die zu prüfenden Fak
toren,
welche zu einer ausnahmsweisen Unzumutbarkeit der
Beschwerde
überwindung
führen könnten, würden nicht in gehäufter und erheblicher Form vorliegen. Demnach sei rechtsprechungsgemäss davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer die Folgen seiner Beschwerden überwinden könne und keine Arbeitsunfähigkeit im Sinne
von Art. 6 ATSG vorliege
(S. 3 oben)
.
2.2.
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1),
es bestehe gar kein Anlass, die bisherige Rente im Rahmen einer materiellen Revi
sion abzuändern, da gestützt auf das Gutachten von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein im Vergleich zur
Rentenverfü
gung
vom Jahr 2009 unveränderter Gesundheitszustand
vorliege
(S. 5 Ziff. 7).
Zudem seien die Voraussetzungen für ein Rückkommen gestützt auf die
Schlus
s
bestimmungen
(vgl. vorstehend E. 1.3)
nicht erfüllt (S. 5 f. Ziff. 8).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisherige Invaliden
rente zu Recht aufhob.
3.
3.1
D
er Beschwerdeführer monierte, sein
aktueller
Gesundheitszustand sei im Ver
gleich zur gesundheitlichen Situation
anlässlich der i
m Jahr 2009 eingeleiteten Revision unverändert, weshalb kein Anlass für eine materielle Revision bestehe
. Dabei
übersieht er
jedoch
, dass
eine
Überprüfung einer laufenden Rente
nach
lit
. a
Abs.
1
SchlB
6.
IV-Revision
gerade
keine gesundheitliche Veränderung
erfor
dert (vorstehend E. 1.3
).
3.2
Sodann wurde weder in der Verfügung vom 22. Juli 2010
(Urk. 8/120/14-21)
noch im Urteil vom 29. Februar 2012 im Prozess IV.2010.00805
(Urk. 8/130) d
ie
Frage der Überwindbarkeit der Schmerzproblematik behandelt
.
D
ie
Ren
ten
zu
sprache
erfolgte somit
nicht in Beachtung der relevanten Rechtsprechung zu
pa
thogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nach
weis
bare organische Grundlage
. Damit bleibt
eine Überprüfung
nach
lit
. a Abs. 1
SchlB
6. IV-Revision nach wie vor möglich
(BGE 140 V 8 E. 2.2.2).
4
.
4
.1
Im Zusammenhang mit der im Januar 2009 eingeleiteten Rentenrevision finden sich folgende medizinischen Berichte in den Akten:
4
.2
Mit Bericht vom 23. Februar 2009 (Urk. 8/84) nannte die neue Hausärztin, Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, als Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein HWS-Distorsionstrauma mit chro
ni
scher
Cephalea
(
S. 2
Ziff. 1.1). Des Weiteren seien – ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit - unter anderem auch Depressionen und Schlafstörungen zu di
agnos
ti
zieren. Der Beschwerdeführer klage zudem über Fusssohlenschmerzen (Ziff. 1.4). Zum Arbeitsfähigkeitsgrad nahm Dr.
A._
keine Stellung.
4
.3
Im Juni 2009 fand eine Begutachtung des Beschwerdeführers statt. Dr. med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med.
D._
, Facharzt für Neurologie,
Y._
, ge
lang
ten in ihrem Gutachten vom 10. August 2009 (Urk. 8/89/1-37) zu folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 33 f.):
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
leichte bis mittelgradige depressive Störung (ICD-10 F32.1)
DD:
Dysthymie
(ICD-10 F34.1)
Status nach Unfall vom 31. Januar 2000 (Sturz vom Gerüst, keine si
chere Commotio cerebri)
Status nach Verkehrsunfall (Heckkollision) am 31. August 2000 mit HWS-Distorsion
chronische
Cephalea
vom Spannungstypkopfweh
leichtes
Cervikalsyndrom
mit panvertebraler Ausbreitungstendenz ohne
radikuläre
und/oder spinale Funktionsstörung
lumboischialgieforme
Schmerzausdehnung ohne sichere
radikuläre
Symp
tome
Fersenschmerz links ohne klares neurologisches Korrelat
Aus der psychiatrischen Untersuchung ging gemäss Dr.
C._
hervor, dass beim
Beschwerdeführer aktuell aufgrund der geringen objektivierbaren Befunde
allenfalls ein leichter depressiver Zustand festgestellt werden könne (S. 24 oben).
Wegen der subjektiven Angaben lasse sich eine depressive Störung in leichtem Ausmass bestätigen, wobei möglicherweise teilweise ein mittelgradiges Ausmass vorliege. Nach wie vor bestehe eine Schmerzsymptomatik, die soma
tisch nicht hinreichend nachvollziehbar und begründbar sei. Die Schmerzen seien in der
Intensität wechselnd, dauernd vorhanden und unbeeinflussbar, weshalb auch aktu
ell die Diagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung zu be
stätigen sei. Gesamthaft sei aus psychiatrischer Sicht seit der letzten Begut
ach
tung im Jahr 2002 von einer Besserung auszugehen, da in der Vergangen
heit keine weiter
gehende psychiatrische Therapie mehr durchgeführt worden sei, was darauf hin
weise, dass die psychische Beeinträchtigung subjektiv und auch von Seiten der Hausärztin als nicht mehr derart gravierend eingestuft worden sei (S. 24 unten). Körperliche Schwerarbeit sei dem Beschwerdeführer wegen der
Schmerzsympto
matik
nicht mehr möglich (S. 25). Hingegen sei eine leichte bis mittelschwere
Tätigkeit mit einer 40%igen Einschränkung, bedingt durch eine verminderte Be
las
t
barkeit und einen erhöhten Pausenbedarf, zumutbar.
Aus
gesamtgutachterischer
Sicht bestehe bis zum Begutachtungsdatum am 29. Juni 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten (S. 35
unten). Ab dem Begutachtungszeitpunkt bestehe für körperlich leichte bis mit
tel
schwere Tätigkeiten ohne repetitive Trage- und Hebebelastungen mittleren bis
schweren Grades, ohne repetitive Tätigkeiten in Überkopfstellung der Arme so
wie
ohne längere Gehstrecken eine Einschränkung von 40 %.
4
.4
Im Bericht vom 1
9. Februar 2010 (Urk. 8
/103) stellte Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen (
S. 1
Ziff. 1.1):
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychiatrischer Erkrankung (ICD-10 F62.1)
Beide Diagnosen würden seit mindestens dem Jahr 2002 bestehen. Wegen einer Denkstörung und einer ausgeprägt veränderten Selbst- und
Fremd
wahrneh
mung
resultiere eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Handwerker (
S. 2 f.
Ziff. 1.6 f.). Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit beurteilte Dr.
E._
nicht.
5
.
5
.1
Im Nachgang
zur
Verfügung vom 22. Juli 2010 finden sich in den Akten folgende medizinische Berichte:
5
.2
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im Bericht vom 4. Juli 2013
(Urk. 8/139)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 1 Ziff. 1.1):
andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Erkrankung (ICD-10 F62.1)
schwere depressive Episode im Rahmen einer chronischen Depression (ICD-10 F33.2) kompliziert durch eine chronische Schmerzproblematik
Wechsel von schweren und mittelschweren depressiven Episoden trotz konsequenter medikamentöser Therapie und Verhaltenstherapie
Als psychische Einschränkung gab
Dr.
F._
an, der Beschwerdeführer leide an Denkstörungen, Störungen der Vitalgefühle, Wahrnehmungsstörungen, habe „schwarze Gedanken“
;
der Antrieb sei vermindert (S. 3 Ziff. 1.7). Die bishe
rige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar (S. 2 Ziff. 1.6) und es sei auch nicht mehr mit
deren
Wiederaufnahme zu rechnen (S. 3 Ziff. 1.9).
5
.3
In einem undatierten (Eingang bei der Beschwerdegegnerin am 28. August 2013)
Bericht der
G._
(Urk.
8/140
/1-7) w
u
rden als Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
cervicocephales
Syndrom
sowie eine
chronifizierte
depressive Störung (ICD-10 F33.11) genannt (S. 1 Ziff. 1.1)
. Hinsichtlich Befund und Beurteilung der Arbeitsfähigkeit wurde auf die Beurteilung vo
n
Dr.
F._
verwiesen (
S. 2 f. Ziff. 1.4 ff.).
5
.4
Am 24. März 2014 erstattete
Dr.
Z._
im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein psychiatrisches Gutachten (Urk.
8/150
) und stellte folgende Diagnosen (S. 13 oben):
chronisches Schmerzsyndrom mit
somatoformer
Schmerzkomponente im Sinne einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
chronisch depressive Entwicklung im Anschluss an die beiden
Unfaller
eignisse
im Jahre 2000 mit anamnestisch beschriebenen mittelgradigen bis schweren Episoden, aktuell leichte depressive Restsymptomatik (ICD-10 F33.0 / DD:
Dysthymie
ICD-10 F34.1)
Persönlichkeitsänderung im Anschluss an die beiden Unfälle im Jahre 2000 (ICD-10 F62.8)
Dr.
Z._
hielt anlässlich der Begutachtung fest, der Beschwerdeführer
leide
hauptsächli
ch an chronischen Schmerzen
(S. 10 Ziff. 3).
Die reaktive depressive Entwicklung sei als Begleitsymptomatik der chronischen Schmerzstörung nach zwei Unfällen im Jahr 2000 zu interpretieren. Zum jetzigen Zeitpunkt sei wieder weitgehend die Situation anlässlich der Begutachtung im Jahr 2009 erreicht, nach
dem
sich die Stimmungslage nach Angaben von
Dr.
F._
zwischenzeitlich verschlechtert habe.
Im Jahr 2012 sei er mit seiner Familie nach
H._
zu
rück
gereist. Zirka alle ein bis zwei Monate reise er für einige Tage in die Schweiz und nehme Arzttermine wahr. Er habe hier bei seiner Schwägerin eine Wohnung gemietet
(S. 12)
.
Wie bereits von den Vorgutachtern beschrieben
worden sei
, und wovon auch weiterhin auszugehen sei, sei der Beschwerdefüh
rer in der bisherigen Tätigkeit als Bauarbeiter vollständig arbeitsunfähig. Für adaptierte Tätigkeiten bestehe eine Teilrestarbeitsfähigkeit von 60 % (S. 13 Ziff. 5).
6.
6.1
Damit eine Rente nach
Massgabe
von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision der genannten Bestimmung aufgehoben oder herabgesetzt werden kann, bedarf es zwar keiner erheblichen Veränderung des Gesundheitszustandes im Sinne von
Art. 17 ATSG. Indes ist die Revision an drei Voraussetzungen geknüpft (BGE 139
V 547 E. 10.1):
Die
Rentenzusprache
erfolgte auf Grund der Diagnose eines
pathogenetisch
-
ätio
logisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildes ohne nachweisbare or
ga
ni
sche Grundlage.
Auch im Revisionszeitpunkt liegt ein unklares Beschwerdebild vor. Zu klären ist daher, ob sich der Gesundheitszustand seit der
Rentenzusprache
allenfalls
verschlechtert hat und ob neben den nicht objektivierbaren Störungen an
hand
klinischer psychiatrischer Untersuchungen nunmehr nicht klar eine Di
agnose gestellt werden kann (vgl. BGE 139 V 547 E. 7.1.4).
Schliesslich
ist zu prüfen, ob die
sogenannten
„Foerster-Kriterien" als erfüllt
zu betrachten sind und eine
Validitätseinbusse
auf diese Weise - trotz des hin
sichtlich der invalidisierenden Folgen nicht objektivierbaren
Beschwerde
bil
des
- nach
weisbar ist (vgl. BGE 139 V 547 E. 9.1-9.1.3).
6.2
Für die vom Beschwerdeführer angegebenen Schmerzen fehlt es aufgrund des vor
stehend (E.
4 f.) Dargelegten an einer organischen Ursache. Wie bereits im
Urteil vom 29. Februar 2012 festgehalten, lag beim Beschwerdeführer zum da
ma
ligen Zeitpunkt gestützt auf das
Y._
-Gutachten eine
somatoforme
Schmerz
störung
sowie eine leichte bis mittelgradige depressive Störung vor (Urk. 8/130/9
E
.
5.2)
.
Sowohl anlässlich der letzten materiellen Über
prüfung als auch
aktuell
liegt
beim
Beschwerdeführer eine
somatoforme
Schmerzstörung
und eine leichte depress
ive
Symptomatik
vor
. Wie
Dr.
Z._
ausführte, hat sich die von der behandelnden Psychiaterin
Dr.
F._
zwischen
zeitlich festgehaltene Verschlechterung der de
pressiven Problematik wieder sta
bilisiert und das Ausmass der 2009 beschrie
be
nen Ausprägung erreicht (vorste
hend E. 5.4).
Diese Beurteilung
durch
Dr.
Z._
ist vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer, der in der Zwischenzeit mehrheitlich in
H._
lebt, und le
diglich alle ein bis zwei Monate für einige
Tage zurück in die Schweiz kommt und dann
Dr.
F._
konsultiert, nachvoll
zieh
bar. Eine engmaschige psychiatri
sche Begleitung, wie es eine schwere depressi
ve
Störung erfordern würde, ist
offenkundigerweise
nicht mehr nötig.
Damit lag im - vorliegend entscheidenden - Revisionszeitpunkt ein im Wesent
li
chen unveränderter Gesundheitszustand und weiterhin ein einschlägiges
Be
schwerdebild
vor, womit die ersten beiden Bedingungen (vorstehend E. 6.1) er
füllt sind.
6.3
Beim Beschwerdeführer wurde eine leichte depressive Restsymptomatik festge
halten, welche als Begleitsymptomatik der chronischen Schmerzstörung nach zwe
i Unfällen im Jahr 2000 zu interpretieren ist (vorstehend E. 5.4).
Nach der Rechtsprechung werden leicht- bis mittelgradige Episoden einer De
pres
sion und selbst mittelgradige depressive Episoden
regelmässig
nicht als von
depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde De
pressi
on
im Sinne eines verselbst
ändigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der be
troffenen Person verunmöglicht, die Folgen der bestehenden
Schmerz
proble
matik
zu überwinden. Daran ändert nichts, wenn die depressive Episode vor dem
Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diagnostiziert worden ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2014 vom 2
6.
Juni 2014 E. 3.3.4 mit Hin
wei
sen; vgl. auch Urteil 9C_856/2013 vom 8. Oktober 2014 E. 5.1.2).
Eine psychi
sche
Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer (vor
steh
end E. 1.2) war damit im Verfügungszeitpunkt offensichtlich nicht gegeben.
Soweit beim Beschwerdeführer eine Persönlichkeitsänderung diagnostiziert wurde
(vorangehend E. 5.2 und 5.4), stellt diese Diagnose
für sich allein
eben
falls k
ei
nen invalidisierenden Gesundheitsschaden im Rechtssinn dar und sind auch dies
bezüglich die rechtlichen Kriterien zu beurteilen, die für
somatoforme
Schmerz
störungen und ähnliche Leiden gelten
(vor
st
ehend E. 1.2).
6.4
Beim Beschwerdeführer sind auch keine somatischen Beschwerden vorhanden, welche zu einer
massgeblichen
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit führen
würden (vorangehend E. 4 f.). Chronische körperliche Begleiterkrankungen lie
gen
demnach nicht vor. Demgegenüber ist von einem
chronifizierten
Krank
heits
verlauf
mit unveränderter oder progredienter Symptomatik auszugehen, da beim
Beschwerdeführer bereits seit dem Jahr 2000 eine Schmerzsymptomatik
vorliegt
und sich in der Folge eine Schmerzstörung entwickelte, die sich nicht mehr zu
rückgebildet hat (vgl. dazu auch Erwägung 3 des Urteils vom 29. Februar 2012, Urk. 8/130/5-7).
Das Kriterium des Scheiterns einer konsequent durchgeführten ambulanten oder
stationären Behandlung trotz kooperativer Haltung der versicherten Person ist nicht gegeben.
Aufgrund der Behandlung bei
Dr.
F._
konnte eine zwischen
zeit
liche Verschlechterung aufgefangen werden (vgl. Urk. 8/150/14 oben).
Schliess
lich
fehlen auch Hinweise für das Vorliegen eines primären
Krankheits
gewinns
und eines sozialen Rückzugs in allen Belangen des Lebens. Bezüglich Letzterem ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführ
er
regelmässig
Reisen von der Schweiz nach
H._
und umgekehrt unternimmt
,
täglich mehrere Stunden mit seinen Hunden spazieren geht und Verwandte trifft (Urk. 8/150/10 oben)
.
Die Gesamtwürdigung der bei Fehlen einer psychischen Komorbidität zu beach
ten
den
massgebenden
Kriterien ergibt, dass einzig von einem
chronifizierten
Krankheitsverlauf auszugehen ist. Angesichts dessen kann nicht gefolgert wer
den,
eine Schmerzbewältigung sei ausnahmsweise unzumutbar.
6.5
Beeinträchtigungen aufgrund eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syn
dro
malen
Beschwerdebildes ohne nachweisbare organische Grundlage können nur dann eine Invalidität begründen, wenn entweder eine erhebliche psychische Ko
morbidität besteht oder bestimmte andere Kriterien erfüllt sind (vorstehend E. 1.2
). Die Würdigung der Akten hat ergeben, dass vorliegend beides nicht der Fall ist; weder ist eine erhebliche psychische Komorbidität zu bejahen noch sind
die alternativen Kriterien erfüllt. Somit vermögen die genannten Beeinträchti
gung
en keine versicherungsrelevante Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Dem
ent
sprechend ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden, was zur Ab
wei
sung der Beschwerde führt.
Wenn der Beschwerdeführer diese medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit nicht
verwertet, ist er trotzdem nach dieser, mithin nach dem ihm objektiv zu
mut
baren
Arbeitsausmass
, zu beurteilen (BGE 127 V 294 E.
4c mit Hinweisen und AHI 2001 S. 228 E.
2b).
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.