Decision ID: 88caeb82-d70a-5dee-a136-9aedafaf6965
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit 1982. Im
Administrativmassnahmen-Register ist er nicht verzeichnet. Am Montag, 8. August
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2011, meldete gegen 19.00 Uhr eine Person der Kantonalen Notrufzentrale St. Gallen,
dass in A bei den Aussenparkplätzen der Liegenschaft B ein Personenwagen stehe, in
welchem seit längerer Zeit ein Mann sitze. Die Mobile Polizei A traf im fraglichen
Fahrzeug - ein Dacia mit den Kontrollschildern SG 000'000 - X an. Da die wegen
Alkoholmundgeruchs durchgeführten Atemlufttests eine Alkoholkonzentration von
3,29 Gew.-‰ bzw. 2,92 Gew.-‰ ergaben, wurde ihm der Führerausweis
abgenommen. Die Analyse der anschliessend abgenommenen Blutprobe ergab für den
Zeitpunkt der Blutentnahme um 20.15 Uhr eine Blutalkoholkonzentration zwischen
2,93 Gew.-‰ und 3,24 Gew.-‰ und zurückgerechnet auf den Zeitpunkt des
Ereignisses eine solche von mindestens 2,96 Gew.-‰ und höchstens 3,64 Gew.-‰
(Mittelwert 3,3 Gew.-‰).
Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes Gossau vom 5. Oktober 2011 wurde X wegen
Fahrens in fahrunfähigem Zustand (qualifizierte Blutalkoholkonzentration) zu einer
bedingten Geldstrafe in der Höhe von 50 Tagessätzen zu je Fr. 90.-- sowie zu einer
Busse von Fr. 2'500.-- verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
B.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen bestätigte am
12. August 2011 die vorläufige Abnahme des Führerausweises durch die Polizei. Es
eröffnete am 26. August 2011 gegenüber X ein Verfahren zur Abklärung der
Fahreignung, kündigte die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung an
und verbot ihm vorsorglich das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien. Die am
23. September 2011 angeordnete spezialärztliche Untersuchung wurde am 31. Oktober
2011 an der verkehrsmedizinischen Abteilung des Instituts für Rechtsmedizin des
Kantonsspitals St. Gallen durchgeführt. Im Gutachten vom 9. Dezember 2011 wird
festgestellt, genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Alkoholabhängigkeit gemäss
ICD-10 lägen zwar nicht vor, könnten aber auch nicht ausgeschlossen werden. Die
Fahreignung könne wegen einer verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchsproblematik
nicht befürwortet werden.
Am 15. Dezember 2011 wurde dem am 15. November 2011 durch X mandatierten
Rechtsvertreter das rechtliche Gehör gewährt. Mit Eingabe vom 27. Dezember 2011
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nahm dieser zur verkehrsmedizinischen Begutachtung und zum angedrohten
Führerausweisentzug Stellung.
C.- Mit Verfügung vom 24. Januar 2012 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis wegen einer Alkoholproblematik gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG
bei einer Sperrfrist von drei Monaten auf unbestimmte Zeit. Als Bedingungen für die
Aufhebung des Entzugs wurden eine kontrollierte und fachlich betreute
Alkoholabstinenz (Arzt und Beratungsstelle) von mindestens sechs Monaten (gemäss
Info-Blatt) und eine verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung genannt. Einem
allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
8. Februar 2012 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und
dem Rekurs die aufschiebende Wirkung zuzusprechen. Die Vorinstanz trug am
28. Februar 2012 auf Abweisung des Rekurses an.
Mit Verfügung vom 5. März 2012 wies der zuständige Abteilungspräsident der
Verwaltungsrekurskommission das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung
ab. Die Kosten dieser Verfügung wurden bei der Hauptsache belassen.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,
soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 8. Februar 2012 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekursverfahren ist umstritten, ob aus dem verkehrsmedizinischen Gutachten
vom 9. Dezember 2011 auf einen verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch und damit auf
eine mangelnde Fahreignung geschlossen werden könne oder nicht.
bis
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a) Führerausweise sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Wegen fehlender Fahreignung
wird einer Person der Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn sie an einer
Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG), wie
beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit (Botschaft zur
Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4491).
Die Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht, wenn die betroffene Person regelmässig
so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit vermindert wird und sie diese
Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu
überwinden oder zu kontrollieren vermag. Auf eine fehlende Fahreignung darf
geschlossen werden, wenn die Person nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht,
dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt. Der
Suchtbegriff des Verkehrsrechts deckt sich somit nicht mit dem medizinischen Begriff
der Alkoholabhängigkeit. Auch bloss suchtgefährdete Personen, bei denen aber
jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt, können demnach vom Führen eines
Motorfahrzeugs ferngehalten werden (BGE 129 II 82 E. 4.1 mit Hinweisen; BGE 6A.
8/2007 vom 1. Mai 2007 E. 2.1).
Der auf unbestimmte Zeit entzogene Führerausweis kann bedingt und unter Auflagen
wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte Sperrfrist
abgelaufen ist und die betroffene Person die Behebung des Mangels nachweist, der
die Fahreignung ausgeschlossen hat (Art. 17 Abs. 3 SVG). Der Sicherungsentzug greift
tief in den Persönlichkeitsbereich des Betroffenen ein. Nach der Rechtsprechung sind
daher in jedem Fall und von Amtes wegen die persönlichen Verhältnisse und
insbesondere die Trinkgewohnheiten des Betroffenen genau abzuklären. Das Ausmass
der notwendigen behördlichen Nachforschungen, namentlich die Frage, ob ein
medizinisches Gutachten eingeholt werden soll, richtet sich nach den Umständen des
Einzelfalles und liegt im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (BGE 129 II 82
E. 2.2 mit Hinweisen; BGE 1C_98/2007 vom 13. September 2007 E. 2.1-3).
b) aa) Das verkehrsmedizinische Gutachten vom 9. Dezember 2011 stützt sich
einerseits auf die Vorgeschichte und die Angaben des Rekurrenten insbesondere zu
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seinem Alkoholkonsum sowie zum Ereignis vom 8. August 2011, andererseits auf die
Befunde der körperlichen Untersuchung, den Selbstbeurteilungsfragebogen AUDIT, die
Ergebnisse der Analysen von Blut-, Urin- und Haarproben sowie die Auskünfte des
Hausarztes des Rekurrenten.
Bei der körperlichen Untersuchung fielen eine Rötung der Haut im Gesicht und am
Dekolleté mit Gefässzeichnungen im Gesicht, eine vergrösserte Leber und das Zittern
der Hände auf, die Augenbindehäute waren gelblich verfärbt. Die Laboruntersuchungen
ergaben erhöhte Leberwerte (GGT: 1663 U/l, <65; GOT: 59 U/l, <40) sowie des MCV-
Gehalts (96 fl, 80-95). Die Zahl der Thrombozyten (54 G/l, 150-300) und der roten
Blutkörperchen bzw. Erythrozyten (3.7 T/l, 4.6-6.4) waren dagegen niedrig. Die
Haarprobe von 3 cm Länge ab Kopfhaut wies einen Ethylglucuronid(EtG)-Gehalt von
170 pg/mg auf.
bb) Im Gutachten wird ausgeführt, die Befunde der klinischen Untersuchung seien in
der Gesamtheit primär alkoholbedingt. Die Leberauffälligkeiten könnten zusammen mit
dem erhöhten Bilirubin (119 umal/l, <20) auch eine Folge einer anderweitigen
Leberschädigung sein. Da der Hausarzt des Rekurrenten angegeben habe, unter der
berichteten Alkoholabstinenz seien die Leberwerte deutlich rückläufig, seien die
auffälligen Leberwerte zumindest teilweise alkoholbedingt. Die ermittelte EtG-
Konzentration sei hoch und spreche für einen regelmässigen und übermässigen
Alkoholkonsum im Zeitraum von ca. drei Monaten vor der Probeentnahme am
31. Oktober 2011. Allein die hohe Blutalkoholkonzentration sei Ausdruck einer
erheblichen Alkoholgewöhnung, welche vom Rekurrenten auch eingeräumt worden sei.
Auch seine Trinkangaben seien mit regelmässigem und teils erheblichem
Alkoholkonsum vereinbar. Der erhebliche Alkoholkonsum tagsüber sowie auch die
Beschreibung des Rekurrenten, beim Ereignis in sehr kurzer Zeit erhebliche Mengen
Alkohol getrunken zu haben, wiesen auf eine verminderte Kontrollfähigkeit im Umgang
mit Alkohol bezüglich Trinkmenge und Trinkzeitraum zumindest beim Ereignis hin.
Zudem sei der Alkoholkonsum durch äussere Faktoren als Ausdruck eines psychischen
Verlangens zum Trinken beeinflusst worden. Die Laborbefunde sprächen für einen
konstant vermehrten Alkoholkonsum. Gesamthaft sei somit von einem
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch auszugehen und die Fahreignung könne nicht
befürwortet werden.
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Zusammenfassend könne die Fahreignung aus verkehrsmedizinischer Sicht wegen
eines verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs mit Gefährdung nicht befürwortet
werden. Genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Abhängigkeit gemäss ICD-10
lägen nicht vor; eine derartige Problematik könne aber auch nicht ausgeschlossen
werden. Vor einer verkehrsmedizinischen Untersuchung (inkl. Labor) werde daher die
Durchführung einer mindestens sechsmonatigen, fachtherapeutisch betreuten und
kontrollierten Alkoholabstinenz gemäss Merkblatt mit anschliessendem Einreichen von
Verlaufsberichten empfohlen.
cc) Im verkehrsmedizinischen Gutachten vom 9. Dezember 2011 wird keine
Alkoholabhängigkeit im medizinischen Sinn, jedoch ein verkehrsrelevanter
Alkoholmissbrauch diagnostiziert. Diese Diagnose erscheint nachvollziehbar,
widerspruchsfrei und schlüssig. Die Analyse der dem Rekurrenten anlässlich der
Untersuchung am 31. Oktober 2011 abgenommenen Haarprobe auf Ethylglucuronid ist
geeignet, Aussagen über das Konsumverhalten in den vorangegangenen drei Monaten
zu machen. Im analysierten Segment ergab sich eine EtG-Konzentration von 170 pg/
mg. Diese Konzentration liegt nicht mehr im unteren Bereich, in welchem noch von
einem moderaten Alkoholkonsum gesprochen werden kann. Sie belegt vielmehr einen
massiven Alkoholkonsum innerhalb der letzten drei Monate vor dem Untersuch. Bereits
eine Konzentration von über 30 pg/mg Ethylglucuronid deutet auf einen täglichen
Alkoholkonsum von über 60 g Ethanol hin; Letzterer wird als chronisch exzessiver
Alkoholmissbrauch bezeichnet (vgl. Consensus of the society of hair Testing on hair
testing for chronic excessive alkohol consumption 2009, in: Toxichem Krimtech
76/2009 S. 252, www.gtfch.org; vgl. BGE 1C_243/2010 vom 10. Dezember 2010,
E. 2.7). Die festgestellten 170 pg/mg belegen damit einen durchschnittlichen
Alkoholkonsum von weit mehr als 60 g/Tag. Mit diesem Befund stimmen die erhöhten
GOT-, GGT- und MCV-Werte überein. Die Hautrötung im Gesicht und am Dekolleté, die
vergrösserte Leber sowie das Zittern der Hände passen ebenfalls ins Bild. Selbst bei
einer von der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung berücksichtigten
Messunsicherheit von +/- 25 % beträgt der beim Rekurrenten festgestellte Wert noch
über das Vierfache von 30 pg/mg (vgl. VerwGE B 2010/247 vom 9. November 2010
E. 2.2). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung begründet ein EtG-Wert von 94
pg/mg bei der Analyse von Kopfhaaren ein schwerwiegendes Indiz für einen
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch mit Suchtgefährdung im Sinn von Art. 16d
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Abs. 1 lit. b SVG (vgl. BGE 1C_243/2010 vom 10. Dezember 2010 E. 2.7 mit Hinweis
auf BGE 1C_150/2010 vom 25. November 2010 E. 5.2-5.3). Mit dem klaren Ergebnis
der Haaranalyse erübrigen sich weitergehende Abklärungen im Umfeld des Betroffenen
zu seinem Trinkverhalten (Trinkgewohnheiten und -muster; vgl. BGE 6A.8/2007 vom
1. Mai 2007, E. 2.5). Ausserdem kann seine Angabe gegenüber der Kantonspolizei
St. Gallen bezüglich der Trinkmenge, die er an jenem Abend zu sich genommen haben
will, angesichts der gemessenen Blutalkoholkonzentration nicht zutreffen. Der
Rekurrent gab an, am 8. August 2011 nach Feierabend in ein Waldstück gefahren zu
sein und dort zwischen 17.00 Uhr und kurz vor 18.00 Uhr vier Flaschen Bier à je 0.5
Liter getrunken zu haben. Um 18.00 Uhr sei er nach Hause gefahren und ohne
bestimmten Grund im Fahrzeug sitzen geblieben. Nach der Fahrt nach Hause habe er
nichts mehr getrunken (vgl. act. 10/4). Um bei der polizeilichen Kontrolle einen Wert
von durchschnittlich 3,3 Gew.-‰ zu erreichen, musste er jedoch bedeutend grössere
Mengen Alkohol als die zugegebenen zu sich genommen haben. Gegenüber dem
verkehrsmedizinischen Gutachter gab er in Abweichung seiner ursprünglichen
Angaben an, dass er um 17.00 Uhr eine Flasche Wein à 7 dl innert zehn Minuten
getrunken habe und danach nach Hause gefahren sei. Auf dem Parkplatz habe er im
Fahrzeug zwei weitere Flaschen Wein getrunken (vgl. act. 10/26). Er anerkannte
demnach, hohe Mengen an Alkohol zu sich genommen zu haben. Dies bestätigte er
auch gegenüber dem Verkehrsmediziner, wonach er "vorher zu viel getrunken
habe" (vgl. act. 10/26). Dementsprechend ist von einem massiven Alkoholüberkonsum
des Rekurrenten in den rund drei Monaten vor der Entnahme der Haarprobe am
31. Oktober 2011 auszugehen.
dd) Kann wie beim Rekurrenten eine Alkoholabhängigkeit im Sinn von ICD-10 nicht
diagnostiziert werden, stellt sich die Frage nach der Verkehrsrelevanz eines
Alkoholmissbrauchs, namentlich nach der Fähigkeit der betroffenen Person,
Alkoholüberkonsum und Fahren hinreichend konsequent trennen zu können. Obwohl
eine Trunkenheitsfahrt als solche schon den Bezug zum Strassenverkehr und somit die
verkehrsrelevante Bedeutung des im Einzelfall zu beurteilenden Alkoholproblems
hinreichend belegt, kommt den detaillierten FiaZ-Umständen sowie dem FiaZ-
Problembewusstsein zusätzlich sehr grosse Bedeutung zu (vgl. B. Liniger,
Verkehrsmedizin: Fahreignungsbegutachtung und Auflagen, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2004, St. Gallen 2004 S. 94).
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Der Rekurrent gab in der polizeilichen Befragung vom 8. August 2011 an, nach
Feierabend vier Flaschen Bier à 0.5 Liter getrunken zu haben, bevor er nach Hause
gefahren sei. Nach der Fahrt habe er nichts mehr getrunken (vgl. act. 10/4). Im
Polizeiprotokoll bestätigte er unterschriftlich, dieselbe Menge Alkohol im selben
Zeitraum - mithin vor der Heimfahrt - getrunken zu haben (vgl. act. 10/7). Von diesen
Angaben ging sodann das Kantonsspital St. Gallen zur Bestimmung des Blutalkohols
aus (vgl. act. 10/11). Erst anlässlich der verkehrsmedizinischen Begutachtung vom
31. Oktober 2011 gab er an, vor der Heimfahrt eine Flasche und nach der Ankunft zwei
Flaschen Wein à je 7 dl getrunken zu haben (vgl. act. 10/26). Dennoch akzeptierte er
den Strafentscheid vom 5. Oktober 2011, mit welchem er wegen Führens eines
Motorfahrzeuges in nicht fahrfähigem Zustand zu einer bedingten Geldstrafe von 50
Tagessätzen zu je Fr. 90.-- sowie zu einer Busse von Fr. 2'500.-- verurteilt wurde. Aus
dem Strafbefehl geht hervor, dass der Strafrichter von einer massgebenden
Blutalkoholkonzentration von 2,96 Gew.-‰ ausging. Der Einwand, wonach der
Rekurrent den Strafentscheid lediglich deshalb nicht angefochten habe, weil er
akzeptiert habe, in grundsätzlich fahrunfähigem Zustand, nicht aber mit einer
qualifizierten Blutalkoholkonzentration von mindestens 2,96 Gew.-‰ gefahren zu sein
(vgl. act. 1 S. 5), stösst deshalb ins Leere. Die Polizei hielt fest, dass er trotz massiver
Alkoholisierung jederzeit ansprechbar war und die Fragen beantworten konnte. Zudem
war den Polizisten im Fahrzeuginnern nichts Aussergewöhnliches aufgefallen, was
ebenfalls gegen die Version mit den Weinflaschen spricht. Der geltend gemachte
Nachtrunk erscheint unter diesen Umständen als Schutzbehauptung. Der Rekurrent
führte - selbst nach eigener Darstellung - ein Motorfahrzeug in angetrunkenem
Zustand. Die Verkehrsrelevanz des Alkoholmissbrauchs ist damit gegeben.
ee) Die Vorbringen des Rekurrenten in seiner Eingabe vermögen nichts an dieser
Schlussfolgerung zu ändern. Der Hinweis, dass er seit Mitte Oktober 2011 eine
Alkoholabstinenz einhalte, mag ein Hinweis für eine gewisse Einsicht des Rekurrenten
in seine Alkoholproblematik sein. Einen Verzicht auf die in der Verfügung vom
24. Januar 2012 angeordneten Bedingungen für die Aufhebung des
Führerausweisentzugs (kontrollierte und fachlich betreute Alkoholabstinenz von
mindestens sechs Monaten sowie eine verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung)
kann dies jedoch nicht bewirken. Denn die geltend gemachte Verhaltensänderung ist
nicht ausgewiesen, zudem nur von kurzer Dauer und damit nicht aussagekräftig. Auch
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die berufliche Angewiesenheit des Rekurrenten auf den Führerausweis kann nicht
berücksichtigt werden, da die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen,
administrativrechtlich einzig für die Bemessung der Dauer eines Warnungsentzugs
relevant ist (vgl. Art. 33 Abs. 2 der Verordnung über die Zulassung von Personen und
Fahrzeugen zum Strassenverkehr; SR 741.51, abgekürzt: VZV; BGE 6A.23/2004 vom
11. Juni 2004 E. 2.2). Im vorliegenden Fall wurde indes ein Sicherungsentzug verfügt.
c) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht auf das
verkehrsmedizinische Gutachten vom 9. Dezember 2011 abgestellt, die Fahreignung
des Rekurrenten gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG verneint, den Führerausweis auf
unbestimmte Zeit entzogen und die Wiedererteilung unter anderem von einer
kontrollierten und betreuten Alkoholabstinenz von mindestens sechs Monaten Dauer
abhängig gemacht hat. Dementsprechend ist der Rekurs abzuweisen.
3.- Mit dem Sicherungsentzug soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn er während des
Beschwerdeverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'700.-- – darin
enthalten die Kosten der Verfügung zur aufschiebenden Wirkung vom 5. März 2012 –
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 111 und 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- ist zu anzurechnen.