Decision ID: 72938aaa-b4da-48be-9c0a-c3ec8694fef1
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 29.08.2008 Art. 28 aIVG (in der bis zum 31. Dezember 2007 gültigen Fassung); Anspruch auf IV-Leistungen; interdisziplinäres Gutachten aufgrund nicht umfassender Kenntnis des medizinischen Sachverhalts sowie unvollständiger Aktenlage nicht beweistauglich; Rückweisung zur Oberbegutachtung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. August 2008, IV 2007/39).
Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterin Marie-Theres Rüegg Haltinner,
Versicherungsrichter Franz Schlauri; Gerichtsschreiber Philipp Geertsen
Entscheid vom 29. August 2008
in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a S._, geboren 1956, meldete sich am 24. November 2003 zum Bezug von IV-
Leistungen an. Sie führte in der Anmeldung aus, an Rheuma, dauerhaften Schmerzen
sowie psychischen Problemen zu leiden (act. G 5.1/1.1 ff.). Im Arztbericht vom 10.
Februar 2004 diagnostizierte der behandelnde Arzt, Dr. med. A._, Allgemeinpraktiker,
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: ein Fibromyalgie-Syndrom, eine reaktive
Depression, einen Status nach cervicaler Diskushernie HWK 5/6 mit Spondylodese und
Syntheseplatte am 10. Dezember 2002. Er attestierte der Versicherten ab dem
10. Dezember 2002 bis auf weiteres eine generelle 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G
5.1/10.1 ff.). Dr. med. B._, Neurochirurg am Kantonsspital St. Gallen (KSSG),
diagnostizierte im Arztbericht vom 3. März 2004 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ein unspezifisches Schulter-Arm-Syndrom linksbetont bei Status nach ventraler
Mikrodiskektomie. Vom 9. Dezember 2002 bis 9. Januar 2003 attestierte er eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit. Danach sei die Versicherte neurochirurgisch wieder
arbeitsfähig (act. G 5.1/11.5).
A.b Am 25. März 2004 beauftragte die IV-Stelle Dr. med. C._, FMH für Innere
Medizin, FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation, spez.
Rheumaerkrankungen, und Dr. med. D._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit
einer bidisziplinären Begutachtung (act. G 5.1/15). Am 27. Juni 2005 wurde die
Versicherte von Dr. med. C._ und am 23. November 2005 durch Dr. med. D._
untersucht. Der rheumatologische Gutachter stellte folgende Diagnosen: aktuell kein
muskulo-skelettales Leiden von relevantem Krankheitswert, Status nach ventraler
Spondylodese C5/6, Status nach interlaminärer Fensterung L4/5 rechts mit
Diskektomie und Neurolyse der Wurzel L5, radiologisch epifusionelle Spondylose C4/5,
kongenitaler Blockwirbel C6/7, diskoprive Segmentschädigung L4/5 und Status nach
juveniler Osteochondrose der oberen LWS sowie Verdacht auf schweren
Arzneimittelmissbrauch mit Nebenwirkungssyndrom. Der psychiatrische Gutachter
konnte keine psychiatrische Diagnose von Krankheitsrelevanz, insbesondere keine
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Depression, feststellen. Er diagnostizierte einen Verdacht auf Aggravation bzw.
zielgerichtetes Vortäuschen von Unvermögen, mangelnde Motivation / passiv-
delegierende Heilserwartung, Verdacht auf Medikamentenabusus sowie einfach
strukturierte, emotional schlicht organisierte, bildungsferne Persönlichkeit. In der
Gesamtbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, dass die Versicherte für jede
körperlich leichte Tätigkeit sowohl aus körperlicher als auch aus psychiatrischer Sicht
als uneingeschränkt arbeitsfähig zu erachten sei (act. G 5.1/18.1 ff., insbesondere
18.14 f.).
A.c Mit Verfügung vom 4. Januar 2006 lehnte die IV-Stelle einen Anspruch der
Versicherten auf IV-Leistungen ab (act. G 5.1/23.1).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 4. Januar 2006 liess S._ am 2. Februar 2006
Einsprache erheben. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge beantragte sie deren
Aufhebung sowie die Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab 1. Dezember 2003.
Eventualiter seien weitere Abklärungen vorzunehmen (act. G 5.1/29.1 ff.). In der
Einspracheergänzung vom 11. April 2006 machte die Einsprecherin geltend, dass das
Gutachten der Dres. C._ und D._ nicht die rechtsprechungsgemässen
Anforderungen erfülle und somit nicht verwertbar sei. Die Gutachter hätten die
Einsprecherin und deren Beschwerden nicht ernst genommen. Sie sei einseitig und
nicht objektiv beurteilt worden. Darüber hinaus hätten die Gutachter übersehen, dass
die Einsprecherin am 30. August 2005 erneut am Rücken operiert worden sei. Da sich
die Einsprecherin seit ungefähr einem Jahr in psychiatrischer Behandlung bei Dr. med.
E._, Praktische Ärztin, befinde, sei von dieser ein aktueller Arztbericht einzuverlangen
(act. G 5.1/37.1 ff.). Der Einspracheergänzung legte die Einsprecherin einen ärztlichen
Bericht von Dr. med. A._ vom 28. März 2006 bei. Darin berichtete dieser, dass die
Einsprecherin unter einem zunehmend generalisierten Ganzkörpersyndrom mit einem
Maximum an Beschwerden im Schultergürtel und Beckenbereich leide. Die
Beschwerden würden so diffus geschildert, dass von einer erheblichen psychischen
Überlagerung gesprochen werden könne. Unter Berücksichtigung der psychischen
Komponente könne aus hausärztlicher Sicht mindestens von einer 50%igen
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Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. In der Begutachtung sei die hausärztliche
Beurteilung zu wenig berücksichtigt worden (act. G 5.1/37.12 f.).
B.b Im durch die IV-Stelle einverlangten Arztbericht von Dr. med. E._ vom 14. August
2006 diagnostizierte diese mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stark generalisierte
chronische Schmerzen und eine Depression (ICD-10: F32.11), bestehend seit 1998. Für
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Reinigerin sei die Einsprecherin seit 29. April 2005
dauerhaft zu 50% arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand sei stationär. Bei einer
allfälligen Anpassung des Arbeitsplatzes sowie Fortsetzung der medizinischen
therapeutischen Massnahmen könne die Arbeitsfähigkeit von 50% gewährleistet und
sogar erhöht werden (act. G 5.1/40).
B.c Am 19. September 2006 nahm Dr. med. D._ zur erhobenen Einsprache Stellung.
Er macht darin geltend, dass der Arztbericht von Dr. med. E._ keine neuen
Erkenntnisse beinhalte. Es werde weiterhin daran festgehalten, dass die
vorgeschlagene stationäre Rehabilitation mit multimodalem Therapieangebot zu einer
vollen Arbeitsfähigkeit in einer leichten Tätigkeit führen könne. Die in der
Einspracheergänzung vorgebrachten Rügen an der Begutachtung seien haltlos (act. G
5.1/42).
B.d Im Einspracheentscheid vom 15. Dezember 2006 wurde die Einsprache vom 2.
Februar 2006 abgewiesen. Das bidisziplinäre Gutachten sei beweistauglich und die
darauf gestützte Ablehnung von IV-Leistungen sei zu Recht erfolgt (act. G 5.1/47).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegend zu beurteilende
Beschwerde vom 19. Januar 2007. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge beantragt
die Beschwerdeführerin dessen Aufhebung sowie die Ausrichtung einer ganzen
Invalidenrente spätestens ab 1. Dezember 2003. Eventualiter seien weitere
medizinische Abklärungen vorzunehmen. Subeventualiter seien
Eingliederungsmassnahmen zu gewähren. Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie sei zu
100% arbeitsunfähig. Auf das Gutachten der Dres. C._ und D._ könne nicht
abgestellt werden, nicht zuletzt aufgrund der mangelnden Aktualität. Vielmehr sei
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bezüglich der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung auf die Berichte der behandelnden Ärzte
abzustellen. Diese brächten zumindest erhebliche Zweifel am Gutachten zum
Vorschein (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 9. Februar 2007 wiederholt die
Beschwerdeführerin die Rügen am Gutachten der Dres. C._ und D._. Es sei
namentlich nicht mehr aktuell, basiere auf Momentaufnahmen und sei widersprüchlich.
Überdies hätten die Gutachter nicht berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin am
30. August 2005 am Rücken operiert worden sei. Vor diesem Hintergrund sei es nicht
nachvollziehbar, weshalb der rheumatologisch-orthopädische Gutachter am 27. Juni
2005 die Beschwerdeführerin für vollständig arbeitsfähig erachtete. Da die Gutachter
keine Kenntnis von der Operation gehabt hätten, sei das Gutachten unvollständig und
nicht schlüssig. Bei der Bestimmung des Invalideneinkommens rechtfertige sich
vorliegend ein 25%iger Abzug vom Tabellenlohn (act. G 3). Mit der
Beschwerdeergänzung reicht die Beschwerdeführerin eine ärztliche Stellungnahme von
Dr. med. E._ vom 5. Februar 2007 ein. Darin berichtet Dr. med. E._, dass sich der
Gesundheitszustand seit ihrem Arztbericht vom 14. August 2006 nicht verändert habe
und nach wie vor von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Dabei bestehe
eine verminderte Leistungsfähigkeit von 10 bis 20% (act. G 3.1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 16. April 2007
die Beschwerdeabweisung. Sie macht geltend, dass die behandelnden Ärzte keine
Einschränkungen infolge der Rückenoperation angegeben hätten. Daher könne ohne
weiteres auf das Gutachten der Dres. C._ und D._ abgestellt werden. Im Übrigen
verweist die Beschwerdegegnerin auf die Begründung im Einspracheentscheid (act. G
5).
C.c In der Replik vom 18. Mai 2007 bringt die Beschwerdeführerin vor, dass aus der
von Dr. med. A._ attestierten 50%igen Arbeitsunfähigkeit nicht geschlossen werden
könne, sie enthalte keine Einschränkungen aufgrund der Rückenoperation vom 30.
August 2005. Die Beschwerdeführerin sei vom 27. März bis 20. April 2007 stationär in
der Psychiatrischen Klinik Wil behandelt worden. Des Weiteren wiederholt sie die
bereits in der Beschwerde enthaltene Kritik am Gutachten der Dres. C._ und D._.
Im beigelegten ärztlichen Zeugnis der Psychiatrischen Klinik Wil wird der
Beschwerdeführerin für die Hospitalisationsdauer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt (act. G 9.1).
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C.d Mit Schreiben vom 4. Juni 2007 reicht die Beschwerdeführerin einen
Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik Wil vom 19. April 2007 ein. Darin
diagnostizieren die behandelnden Psychiater eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1) sowie eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Als grundlegende Probleme, welche auch nach
Meinung der Patientin mit den Schmerzen zusammenhängen würden, seien die
beginnende Loslösung der ältesten Tochter von der Familie, das Ignorieren der
Schmerzen durch die Familienmitglieder und die fehlende soziale Integration in der
Heimatgemeinde erarbeitet worden (act. G 11 und 11.1).
C.e Die Beschwerdegegnerin bringt in der Duplik vom 8. Juni 2007 vor, dass der neue
Arztbericht der Psychiatrischen Klinik Wil vom 19. April 2007 den Sachverhalt nach
dem Einspracheentscheid vom 15. Dezember 2006 betreffe. Er sei daher im
vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht zu berücksichtigen (act. G 13).
C.f Auf Ersuchen des Versicherungsgerichts vom 19. Mai 2008 reicht das KSSG den
Bericht der Operation vom 30. August 2005 (act. G 18.1) sowie den Austrittsbericht
vom 14. September 2005 ein (act. G 18.2).
C.g Am 23. Juni 2008 reicht die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme von Dr. med.
F._ betreffend fürsorgerische Freiheitsentziehung vom 29. November 2007 ein. Darin
berichtete dieser, dass bei der Beschwerdeführerin ein klare Absicht bestehe, sich
umzubringen. Aufgrund dieser Selbstgefährdung wurde ein fürsorgerischer
Freiheitsentzug verfügt (act. G 20.2). Zusätzlich reicht die Beschwerdeführerin einen
Arztbericht der Psychiatrischen Klinik Wil vom 6. Mai 2008 ein. Darin führten die
behandelnden Psychiater aus, dass die Beschwerdeführerin seit 29. November 2007
bis voraussichtlich 16. Mai 2008 stationär behandelt werde. Für die Dauer der
Hospitalisation bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Bezüglich der Prognose der
mittel- bis längerfristigen Entwicklung der Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten im
geschützten Rahmen sei von einer 10%igen Arbeitsfähigkeit bei Austritt und von einer
30%igen bei günstigem Heilverlauf auszugehen (act. G 20.1).
C.h Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts fordert das KSSG am 2. Juli 2008
auf, den ärztlichen Bericht von Dr. med. B._ betreffend des Nachkontrolltermins vom
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7. Oktober 2005 einzureichen (act. G 22). Im Bericht vom 10. Oktober 2005
diagnostiziert Dr. med. B._ einen Status nach Discushernienrezidiv L4/5 rechts
operiert am 30. August 2005, einen Status nach Fensterung L4/5 rechts am
15. November 2004 sowie ein Status nach ventraler Discushernienoperation HW5/6 am
10. Mai 2002. Er berichtet über eine Verbesserung der Beinschmerzen. Darüber hinaus
klage die Beschwerdeführerin über den bekannten Ganzkörperschmerz von Kopf bis
Fuss, momentan verstärkt jedoch auch noch über Rückenschmerzen. Insgesamt habe
sich ihr Gesundheitszustand gebessert. Sollte sich die Rückenschmerzsymptomatik im
Verlauf der nächsten Monate nicht bessern, sei ein Röntgenbild und ein Kernspin
angezeigt (act. G 23.1).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
E. 1b), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen
Bestimmungen anzuwenden.
2.
Vorliegend ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der
Invalidenversicherung – primär auf Rentenleistungen – streitig.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 aIVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Um den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf
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Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch
zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei
einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es
auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder
die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
2.3 Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen. So weicht das Gericht beispielsweise bei Gerichtsgutachten nach der
Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen
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Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur
Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein
Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist
oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu
anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner
gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten
dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in
Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch einen Oberexperten für
angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis des
Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V E. 3b/aa mit
Hinweisen).
2.4 Die Beschwerdegegnerin stützte den angefochtenen Einspracheentscheid vom
15. Dezember 2006 (act. G 5.1/47) auf das interdisziplinäre Gutachten der Dres. C._
und D._ vom 5. Dezember 2005. Die rheumatologisch-orthopädische Untersuchung
erfolgte bereits am 27. Juni 2005, die psychiatrische Untersuchung am 23. November
2005 (act. G 5.1/18.1 ff.).
2.5 Die Beschwerdeführerin bringt gegen das Gutachten vor, es berücksichtige nicht
sämtliche relevanten medizinischen Grundlagen (act. G 3).
2.5.1 Diese Kritik ist berechtigt. So findet die am 30. August 2005 im KSSG
vorgenommene Operation (Revision LW4/5 rechts mit Entfernung eines
Rezidivsequesters und Nukleotomie) weder im rheumatologisch-orthopädischen noch
in der psychiatrischen Beurteilung der Gutachter ihren Niederschlag. Des Weiteren
scheinen die Gutachter keine Kenntnis von der lumbovertebralen Kernspintomographie
vom 4. August 2005 (vgl. act. G 18.2) gehabt zu haben. Die behandelnden Ärzte des
KSSG erkannten darauf einen grossen Rezidivsequester, und berichteten über eine
gesundheitliche Verschlechterung. Aufgrund der therapieresistenten Schmerzen und
der klinisch-radiologischen Befundkonstellation, sahen sich die behandelnden Ärzte
des KSSG zur Vornahme der genannten Operation veranlasst. Bis zum
Nachkontrolltermin bei Dr. med. B._ vom 7. Oktober 2005 wurde der
Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 18.1 und 18.2).
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2.5.2 Der ärztliche Bericht von Dr. med. B._ vom 10. Oktober 2005 betreffend die
Nachkontrolle lag den Gutachtern ebenfalls nicht vor. Trotzdem Dr. med. B._
"insgesamt" eine gesundheitliche Verbesserung feststellt, berichtet er über momentan
verstärkte Rückenschmerzen und nicht radikuläre Beinschmerzen entlang der
Oberschenkel bis zur grossen Zehe. Zur Arbeitsfähigkeit äussert er sich nicht (act. G
23.1).
2.5.3 Aus den genannten medizinischen Unterlagen lässt sich im Vergleich zum
Zeitpunkt der rheumatologisch-orthopädischen Untersuchung vom 27. Juni 2005 (act.
G 5.1/18.1) eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes entnehmen,
welche sogar zu einer operativen Massnahme führte. Die behandelnden Ärzte des
KSSG attestierten auch noch für mehrere Wochen nach der Operation eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (act. G 18.2). Die Operation vom 30. August 2005 führte nicht zu
einer anhaltenden Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin,
wie der telefonischen Auskunft von Dr. med. A._ vom 23. November 2005
entnommen werden kann. Dieser teilte dem psychiatrischen Gutachter mit, die
Operation habe "rein gar nichts gebracht" und er hätte am 21. Oktober 2005 im
Rahmen der Behandlung mit einem Kortisonstoss beginnen müssen (act. G 5.1/18.13).
2.5.4 Vor diesem Hintergrund weckt das Fehlen der genannten medizinischen Akten
des KSSG sowie die Unkenntnis der entsprechenden medizinischen Beurteilungen
erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der rheumatologisch-orthopädischen
Begutachtung. Dem Gericht scheint, dass die somatischen Befunde (mit drei
erheblichen Eingriffen an der Wirbelsäule) und die entsprechenden Beschwerden
anlässlich der rheumatologisch-orthopädische Beurteilung zu wenig ernst genommen
wurden und der psychischen Situation zu viel Gewicht beigemessen wurde. Ein
weiterer Zweifel an der interdisziplinären Begutachtung entsteht dadurch, dass der
psychiatrische Gutachter trotz der telefonischen Auskunft von Dr. med. A._ vom 23.
November 2005, "die Operation habe rein gar nichts gebracht" (act. G 5.1/18.13), das
Fehlen entsprechender Unterlagen nicht bemerkt hat und sich nicht veranlasst sah,
entsprechende Abklärungen vorzunehmen. Was das psychiatrische Teilgutachten
anbelangt, so vermag es nicht zu überzeugen, da gerade bei der Beurteilung
psychosomatischer Krankheitsbilder eine valide somatische Befunderhebung
erforderlich ist (vgl. Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für
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Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung psychischer Störungen, in:
Schweizerische Ärztezeitung, S. 1050), was vorliegend nicht gegeben ist (vgl.
vorstehende E. 3.2.3).
2.5.5 Rechtsprechungsgemäss kommt einem Gutachten oder anderen medizinischen
Beurteilungen schon dann kein voller Beweiswert zu, wenn – wie im vorliegenden Fall –
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht feststehen, dass die
medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen entsprechen, was nicht mit
medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden oft nicht beurteilen können. Aufgrund
der vorliegenden Mängel kann auf das Gutachten vom 5. Dezember 2005 nicht
abgestellt werden. Es kann für die Beurteilung der vorliegenden Frage betreffend die
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit im massgebenden Zeitraum bis zum 15. Dezember 2006
(Erlass Einspracheentscheid, vgl. vorstehende E. 1) nicht hinzugezogen werden (vgl.
Urteil des EVG vom 16. Oktober 2002 i.S. A., I 779/01, E. 4.2). Die ergänzende
Stellungnahme des Psychiaters Dr. med. D._ vom 19. September 2006 vermag daran
nichts zu ändern, da sie sich mit den genannten Mängeln nicht auseinandersetzt und
sich mangels Fachkenntnisse auch nicht damit auseinander setzen konnte (act. G
5.1/42). Die übrigen medizinischen Akten bieten für die Beurteilung der Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit ebenfalls keine ausreichende Grundlage. Entgegen der Behauptung
der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort äusserte sich Dr. A._ zu den
konkreten Auswirkungen der drei Rückenoperationen nicht konkret. Er gab im
Arztbericht vom 28. März 2006 lediglich die Auffassung der operierenden Fachärzte
wieder (act. G 5.1/37.12). Hingegen führte Dr. E._ im Arztbericht vom 14. August
2006 die Rückenoperationen als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
an (act. G 5.1/40), wie die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort festhält.
Indessen kann die Beurteilung von Dr. E._ als Allgemeinmedizinerin das
fachspezifische Gutachten C._ in dieser Hinsicht nicht überzeugend vervollständigen.
Was die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens von der Beschwerdeführerin
eingereichten medizinischen Unterlagen (ärztliches Zeugnis von Dr. med. G._ vom
23. April 2007 [act. G 9.1], Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik Wil vom 19. April
2007 [act. G 11.1], Bericht der Psychiatrischen Klinik Wil vom 6. Mai 2008 [act. G 20.1]
sowie die Verfügung betreffend fürsorgerische Freiheitsentziehung [act. G 20.2])
anbelangt, so können diese im vorliegend zu beurteilenden Verfahren – wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht geltend macht – nicht berücksichtigt werden, da sie
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nicht den Zeitraum bis zum 15. Dezember 2006 (Erlass Einspracheentscheid)
beschlagen.
2.6 Es erscheint angesichts des Vorliegens von physischen und psychischen
Beeinträchtigungen zweckmässig, die Beschwerdeführerin – wie von ihr selbst
eventualiter beantragt wird – erneut interdisziplinär begutachten zu lassen. Die Sache
ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese ein neutrales
interdisziplinäres Obergutachten in Auftrag gibt. Dieses hat abzuklären, ob und
gegebenenfalls wie sich der Gesundheitszustand, die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer geeigneten Verweisungstätigkeit bis zum 15. Dezember
2006 (act. G 5.1/47) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit entwickelte. In der Folge
wird die Beschwerdegegnerin über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
neu zu verfügen haben.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde der
Einspracheentscheid vom 15. Dezember 2006 aufzuheben, und die Sache ist zur
Anordnung eines Obergutachtens im Sinne der Erwägungen und zu entsprechender
neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Gemäss den Schlussbestimmungen des IVG zur Änderung vom 16. Dezember
2005, in Kraft seit 1. Juli 2006, gilt für die vor dem 1. Juli 2006 bei der IV-Stelle
hängigen Einspracheverfahren das bisherige Recht (lit. b der Schlussbestimmungen).
Somit gelangt Art. 69 Abs. 1 IVG zur Kostenpflicht von Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen im kantonalen Gerichtsverfahren
nicht zur Anwendung. Gerichtskosten sind somit keine zu erheben.
3.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt
praxisgemäss als volles Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 Erw. 5a). Somit unterliegt die
Beschwerdegegnerin vollumfänglich. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
bis
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61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. Im vorliegenden Fall erscheint eine Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG