Decision ID: 78e6e4b8-5b62-46df-8575-de7a69d5cc26
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch die Sozialen Dienste
gegen
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Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geb. 1948, meldete sich infolge Zuzugs aus einem anderen Kanton am 17.
August 2009 bei der AHV-Zweigstelle zum Bezug von Ergänzungsleistungen (EL) zur
IV-Rente an (EL-act. 13). Der Anmeldung legte er zwei Mietverträge für je eine 1-
Zimmer-Wohnung an der B._ 2/4, beide lautend auf den Beschwerdeführer sowie
seine Ehefrau, bei. Für die Wohnung 1. Türe links, wurde der 1. September 2009 als
Mietbeginn vereinbart, währenddem das Mietverhältnis für die Wohnung 4. Türe links
erst am 1. Oktober 2009 begann (EL-act. 35-2 ff.). Mit Verfügung vom 10. September
2009 berechnete die EL-Durchführungsstelle der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen (SVA) den EL-Anspruch mit Wirkung ab 1. September 2009 auf Fr.
1'644.- monatlich. Die Position Wohnkosten berücksichtigte die EL-
Durchführungsstelle mit der Miete der Wohnung 1. Türe links in der Höhe von
monatlich Fr. 560.- bzw. jährlich Fr. 6'720.- (EL-act. 30-1 ff.). Am 15. September 2009
stellte der Beschwerdeführer zusammen mit der Sozialarbeiterin ein
Wiedererwägungsgesuch; eventualiter erhob er Einsprache gegen die Verfügung vom
10. September 2009 und beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung. Der
EL-Anspruch sei unter Berücksichtigung der Kosten beider Wohnungen zu berechnen
(EL-act. 29-1).
A.b Mit Verfügung vom 17. September 2009 setzte die EL-Durchführungsstelle den
EL-Anspruch des Beschwerdeführers mit Wirkung ab 1. Oktober 2009 auf Fr. 1'674.-
fest. Die Wohnkosten berechnete sie nun mit der höheren Miete der beiden 1-Zimmer-
Wohnungen (Wohnung 4. Türe links, Haus 12) und dementsprechend Fr. 590.-
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monatlich bzw. Fr. 7'080.- jährlich. Die EL-Berechnung erfolgte somit nach wie vor nur
unter Anrechnung des Mietzinses für eine 1-Zimmer-Wohnung. Die restlichen
Positionen der EL-Berechnung blieben unverändert (EL-act. 17).
A.c Mit Einspracheentscheid vom 18. Dezember 2009 wies der Rechtsdienst der SVA
die Einsprache vom 15. September 2009 in Vertretung der EL-Durchführungsstelle ab.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass die angefochtene
Verfügung den Zeitraum ab 1. September 2009 betreffe. Dementsprechend sei der EL-
Anspruch in der angefochtenen Verfügung auch mit der Miete der ab 1. September
2009 gemieteten 1-Zimmer-Wohnung in der Höhe von Fr. 560.- berechnet worden. Der
Mietvertrag für die zweite Wohnung sei erst per 1. Oktober 2009 geschlossen worden
und könne daher in der Berechnung ab 1. September 2009 nicht berücksichtigt
werden. Die EL-Durchführungsstelle habe über die EL-Berechnung mit Wirkung ab 1.
Oktober 2009 am 17. September 2009 eine separate Verfügung erlassen. Diese sei
unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Die angefochtene Verfügung vom
10. September 2009 sei korrekt und somit nicht zu beanstanden (EL-act. 22).
A.d Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte, vertreten durch die
Sozialen Dienste der Stadt Wil, am 25. Januar 2010 Beschwerde erheben. Mit
Entscheid EL 2010/8 vom 13. September 2010 hiess das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen die Beschwerde in dem Sinn gut, dass die Streitsache an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wurde, damit diese materiell über die
Rechtmässigkeit der Verfügung vom 17. September 2009 entscheide (EL-act. 10-1 ff.).
A.e In der Folge tätigte die EL-Durchführungsstelle weitere Abklärungen (EL-act. 9).
Mit Einspracheentscheid vom 18. Januar 2011 wurde die Einsprache des Versicherten
erneut abgewiesen (act. G 1.2).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde des Versicherten
vom 6. Februar 2011. Der Beschwerdeführer lässt sinngemäss die Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 18. Januar 2011 beantragen. Es seien ihm in der EL-
Berechnung die Mietkosten für beide gemieteten Zimmer in der Höhe von Fr. 1'060.--
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monatlich (bzw. Fr. 12'720.-- jährlich) anzurechnen. Zur Begründung lässt er im
Wesentlichen auf die bisherige Korrespondenz mit der EL-Durchführungsstelle,
insbesondere auf das Schreiben vom 7. Januar 2011 verweisen (act. G 1).
B.b Am 8. März 2011 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der

Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen im Einspracheentscheid
(act. G 3).
Erwägungen:
1.
1.1 Streitig ist, ob bei der Berechnung des EL-Anspruchs die Kosten beider vom
Beschwerdeführer und seiner Ehefrau bewohnten 1-Zimmer-Wohnungen
berücksichtigt werden können.
1.2 Die jährliche EL entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die
anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung [ELG;
SR 831.30]). Die anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen, worin in
bestimmtem Umfang auch das Vermögen einbezogen ist, werden nach den in Art. 10
und 11 ELG sowie Art. 11 bis 18 der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) festgelegten
Bestimmungen ermittelt.
1.3 Bei Personen, die nicht dauernd oder längere Zeit in einem Heim oder Spital
leben (zu Hausewohndende Personen), sind gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG als
Ausgaben der Mietzins einer Wohnung und die damit zusammenhängenden
Nebenkosten anzuerkennen. Nach Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 ELG werden für die
Mietzinsausgaben bei Ehepaaren jährlich höchstens Fr. 15'000.-- anerkannt.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer lässt sinngemäss gesundheitliche Gründe für die
Wohnsituation geltend machen. Seine Ehefrau leide unter Atembeschwerden. Bei der
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aktuellen Wohnsituation handle es sich daher um eine sehr gute Lösung, das
Schlafzimmer könne so rauchfrei gehalten werden. Sodann könnten er und seine
Ehefrau in einem Zimmer kochen, essen und Gäste empfangen und sich anschliessend
zur Erholung bei unverbrauchter Luft in die zweite 1-Zimmer-Wohnung zurückziehen.
Zudem habe er beim Umzug keine passende Wohnung finden können. Er habe bei der
Wohnungssuche darauf geachtet, möglichst preisgünstig zu wohnen. Sodann liege die
gewählte Wohnungslösung deutlich unterhalb der vom Gesetzgeber vorgesehenen
Mietzinsgrenze. Der Umzug in eine gemeinsame Wohnung würde deutlich höhere
Kosten verursachen. Er und seine Ehefrau würden weder getrennt leben, noch sei eine
Trennung beabsichtigt (act. G 1, 1.1; EL-act. 29).
2.2 Die Beschwerdegegnerin führt aus, es sei gesetzlich nur der Abzug eines
Wohnungsmietzinses vorgesehen. Vorliegend seien keine Gründe ersichtlich, die es
ausnahmsweise zuliessen, eine Zweitwohnung bzw. das Studio in die EL-Berechnung
miteinzubeziehen. Insbesondere würden die geltend gemachten gesundheitlichen
Probleme der Ehefrau dies nicht rechtfertigen. Es dürfe vom Beschwerdeführer
erwartet werden, dass er aus Rücksicht auf seine Ehefrau nicht in der Wohnung rauche
(act. G 1.2).
2.3 Die Beschwerdegegnerin stützt sich auf die Rz. 3025 der vom Bundesamt für
Sozialversicherungen herausgegebenen Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur
AHV und IV (WEL, in der bis 31. März 2011 gültig gewesenen Fassung). Danach kann
im Rahmen der von Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG zugelassenen Höchstbeträge gleichzeitig
nur der Mietzins für eine einzige Wohnung und nicht auch noch der Zins für zusätzlich
benützte Wohnräumlichkeiten (z.B. an einem anderen Ort) berücksichtigt werden. Eine
Ausnahme von diesem Grundsatz besteht gemäss WEL nur insofern, als eine zweite
Wohnung aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen für die EL-beziehende
Person unentbehrlich ist (ZAK 1974 S. 212).
2.4 Es ist der Beschwerdegegnerin beizupflichten, dass die geltend gemachten
gesundheitlichen Beschwerden der Ehefrau die Miete einer zweiten Wohnung nicht zu
rechtfertigen vermögen. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern das Zusammenleben in einer
einzigen Wohnung Einfluss auf die Gesundheit des Beschwerdeführers und jener seiner
Ehefrau haben sollte. Insbesondere wäre es dem Beschwerdeführer – dessen Ehefrau
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offenbar an Atembeschwerden leidet – ohne weiteres zumutbar, das Rauchen in der
Wohnung zu unterlassen.
2.5 Neben den in der Rz 3025 WEL festgehaltenen Ausnahmen geht die
Rechtsprechung indessen noch von weiteren Konstellationen aus, die vom Grundsatz
der Berücksichtigung der Kosten einer einzigen Wohnung abweichen. Das
Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG, seit dem 1. Januar 2007 sozialrechtliche
Abteilung des Bundesgerichts) hat in einem nicht veröffentlichen Urteil vom 19.
September 1995 den Mietzinsabzug für ein Malatelier zugelassen, das die EL-
berechtigte Person als Ergänzung zu ihrer aus einem einzigen Zimmer bestehenden
Wohngelegenheit hinzugemietet hatte. Es erwog dabei, beim Zusatzraum handle es
sich nicht um eine eigentliche Zweitwohnung, doch diene das Atelier der Ergänzung
der bestehenden Wohngelegenheit, die sich in einem einzigen Zimmer erschöpfe und
offenbar elementaren Bedürfnissen nicht zu genügen vermöge (nicht veröffentlichtes
Urteil R. vom 19. September 1995 [P 10/95]). Im Urteil T. vom 2. März 2005 [P 72/03]
hat das EVG die Mietkosten eines Lagerplatzes als Mietzinsabzug zugelassen. Der EL-
Bezüger konnte innert nützlicher Frist keine Wohnung finden und mietete zusätzlich zu
einem Wohnwagen einen Lagerplatz für seine Möbelstücke. Das Bundesgericht führte
aus, die Miete des Lagerplatzes sei nicht freiwillig erfolgt und habe nur als
Übergangslösung gedient, bis der EL-Bezüger eine geeignete Wohnung habe finden
können. Bei der Miete des Lagerplatzes handle es sich um eine notwendige Einheit mit
der Miete des Wohnwagens. Eine Abweichung von Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG soll immer
dann gerechtfertigt sein, wenn es im Einzelfall unumgänglich ist, zur Deckung des
existenziellen Wohnbedürfnisses beispielsweise zwei kostengünstige Wohnungen zu
mieten (Ralph Jöhl, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: SBVR XIV, Soziale Sicherheit,
Basel 2007, S. 1699 f., Rz. 94).
2.6 Vorliegend stellt sich die Frage, ob die zusätzlich gemietete 1-Zimmer-Wohnung
überhaupt als eigentliche Wohnung im Sinn des Gesetzes betrachtet werden kann. Die
beiden 1-Zimmer-Wohnungen befinden sich in derselben Liegenschaft an der B._. In
der Zwischenzeit sind die Ehegatten innerhalb der Liegenschaft nochmals umgezogen
und haben die eine der 1-Zimmer-Wohnungen gegen ein Studio ohne Küche getauscht
(EL-act. 8). Angesichts des eher tiefen Mietzinses ist davon auszugehen, dass die 1-
Zimmer-Wohnungen relativ klein und nur rudimentär ausgestattet sein dürften. Unter
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diesen Umständen hat die zweite 1-Zimmer-Wohnung (bzw. seit dem Umzug das
Studio) den Zweck, die existenziellen Wohnbedürfnisse des Beschwerdeführers und
seiner Ehefrau zu befriedigen. Das Studio kann daher als Zusatzzimmer zur ersten 1-
Zimmer-Wohnung betrachtet werden, zumal sich die Zimmer in ein und derselben
Liegenschaft und nicht etwa in einer anderen Liegenschaft oder in einer anderen
Ortschaft befinden. Somit stellt die zweite 1-Zimmer-Wohnung (bzw. das Studio) eine
notwendige Einheit mit der Miete der ersten 1-Zimmer-Wohnung dar, sodass EL-
rechtlich nicht von zwei eigentlichen Wohnungen bzw. einer Zweitwohnung, sondern
von einer Wohneinheit bestehend aus zwei 1-Zimmer-Wohnungen auszugehen ist.
Folglich steht der Anrechnung der Kosten beider Zimmer nichts entgegen.
2.7 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Anrechnung der Kosten beider 1-
Zimmer-Wohnungen (bzw. der 1-Zimmer-Wohnung und des Studios) – unter
Berücksichtigung, dass diese zur Deckung des existenziellen Wohnbedürfnisses des
Beschwerdeführers und seiner Ehefrau notwendig sind – ausnahmsweise möglich ist.
Die EL-Berechnung hat somit ab 1. Oktober 2009 unter Anrechnung der Ausgaben für
beide 1-Zimmer-Wohnungen bzw. ab dem Tausch der einen Wohnung gegen ein
billigeres Studio unter Anrechnung der Ausgaben für die 1-Zimmer-Wohnung und des
Studios zu erfolgen.
3.
3.1 Gestützt auf vorstehende Erwägungen ist der angefochtene Einspracheentscheid
vom 18. Januar 2011 aufzuheben und die Beschwerde gutzuheissen. Die Sache ist an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese den EL-Anspruch des
Beschwerdeführers im Sinn der vorstehenden Erwägungen neu berechne.
3.2 Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP