Decision ID: 38115fd8-747a-42c5-8ea3-67f9d71c45f3
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ bezieht wegen einer chronifizierten schweren Depression (siehe IV-act. 8-1
und 15-1) seit dem 1. März 2002 eine ganze IV-Rente (IV-act. 17 f.).
A.b Am 24. Juli 2013 reichte der Versicherte einen ausgefüllten Revisionsfragebogen
ein (IV-act. 38). Er gab an, dass sein Gesundheitszustand gleich geblieben sei. Er
isoliere sich und könne keinen Kontakt mit anderen Menschen aufbauen. Dr. med.
B._, Spezialarzt für Neurologie, berichtete am 17. August 2013 über einen insgesamt
stationären Gesundheitszustand (IV-act. 45). Der Versicherte leide an ausgeprägten
Symptomen einer schweren Depression. Es fänden stützende Gespräche in J._ und
eine hoch dosierte Psychopharmaka-Therapie statt. Dem Versicherten seien weiterhin
keine Tätigkeiten zumutbar.
A.c Eine IV-Sachbearbeiterin hielt am 24. Oktober 2013 fest (IV-act. 52), dass der
Versicherte anlässlich der Observation seiner Ehefrau beim Lenken eines Autos, bei
einem Spaziergang und bei der Kinderbetreuung beobachtet worden sei. Er habe einen
uneingeschränkten Eindruck hinterlassen. Der Observant sei mündlich beauftragt
worden, die Beweise auf Videomaterial festzuhalten. Ein Überwachungsauftrag werde
nachgereicht.
A.d Am 21. November 2013 fand ein Gespräch zwischen dem Versicherten, seiner
Ehefrau und SVA-Mitarbeitern betreffend eine EL-Angelegenheit statt (IV-act. 58). Ein
SVA-Mitarbeiter protokollierte, dass der Versicherte während des gesamten Gesprächs
mit stets gesenktem Blick dagesessen sei und überhaupt nicht am Gespräch
teilgenommen habe. Er habe während der gesamten Dauer kaum eine Regung gezeigt,
nie die Sitzposition verändert und apathisch gewirkt. Einer Aktennotiz desselben
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Datums eines anderen SVA-Mitarbeiters war zu entnehmen, dass der Versicherte ihm
zur Begrüssung die Hand gereicht habe, ohne Blickkontakt herzustellen (IV-act. 64).
Der Versicherte sei mit sehr langsamem und schleppendem Gang ins
Besprechungszimmer gegangen. Den Kopfhabe er immer tief gegen den Boden
gesenkt gehalten. Während des ca. 40-minütigen Gesprächs habe er kein einziges
Wort gesprochen und den Kopf gegen den Boden gesenkt gehalten. Der Versicherte
habe auf ihn einen schwer depressiven, absolut antriebs- und interesselosen und
schwer leidenden Eindruck gemacht. Der Versicherte sei zu keiner Zeit ansprechbar
gewesen. Gemäss den Feststellungen der Observanten habe der Versicherte das Auto
zum Termin in der SVA gelenkt. Die Tatsache, dass dieser schwer leidende, apathisch
und abwesend wirkende, antriebslose und kaum gehfähige Mann einen
Personenwagen gelenkt haben solle, erstaune ihn doch sehr.
A.e Am selben Tag erteilte die IV-Stelle der C._AG schriftlich den angekündigten
Überwachungsauftrag (IV-act. 61). Zur Begründung wurde u.a. angeführt, dass der
Versicherte anlässlich der Observation seiner Ehefrau auf Spaziergängen, beim
Kinderhüten und beim Lenken eines Autos beobachtet worden sei. Er habe dabei einen
uneingeschränkten Eindruck gemacht. Der Verdacht auf ein partnerschaftlich
abgestimmtes, planmässiges Vorgehen liege nahe. Die vorhandenen Zweifel könnten
nur mittels einer Observation ausgeräumt werden.
A.f Am 25. und 27. November 2013 wurde der Versicherte polydisziplinär (allgemein-
internistisch, psychiatrisch und orthopädisch) von der Medas Ostschweiz begutachtet
(Gutachten vom 16. Januar 2014, IV-act. 69). Die Gutachter erklärten, der Versicherte
habe sich im Vorfeld geweigert, einen unabhängigen Übersetzer beizuziehen; seine
Tochter habe als Übersetzerin fungiert. Die Diagnosen mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit lauteten:
− Schwere depressive Störung (ICD-10: F32.2);
− posttraumatische Belastungsstörung (F43.1);
− andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (F62.0);
− Schulterimpingement beidseits (M75.4);
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− Ansatztendinopathie Calcaneus plantar beidseits (M77.3).
Der Versicherte gab hinsichtlich seines Tagesablaufs an, dass er am Nachmittag ca.
eine Stunde alleine oder mit seiner Ehefrau im Wald spazieren gehe. Soziale Kontakte
pflege er seit zehn Jahren nicht mehr. Im Haushalt mache er nichts. Es gehe ihm
psychisch sehr schlecht. Er ertrage keine Menschen um sich. Gegenüber dem
psychiatrischen Gutachter Dr. med. D._ gab der Versicherte an, er werde jeweils von
seiner Tochter zu den psychotherapeutischen Gesprächen gefahren; alleine bekomme
er im öffentlichen Verkehr Angst. Zusammen mit seiner Ehefrau lebe er zurückgezogen
und pflege keine Kontakte zur Aussenwelt. Er habe zu nichts mehr Lust, an nichts mehr
Freude und könne sich auf nichts mehr einlassen. Die Tochter erklärte, der Versicherte
wolle nicht, dass sie mehr als einmal pro Woche vorbeikomme, da er den vom
Enkelsohn verursachten Lärm nicht ertrage. Dr. D._ erklärte, die Stimmung des
Versicherten sei andauernd gedrückt, es bestehe eine Interessen- und Freudlosigkeit
an praktisch allen Aktivitäten des Alltags und der Versicherte habe sich ganz
zurückgezogen. Der Versicherte schlafe schlecht, habe Alpträume im Zusammenhang
mit den Foltererlebnissen, erwache frühmorgens und könne nicht wieder einschlafen.
Es bestünden wiederkehrende Gedanken an den Tod und an Suizid. Die jahrelangen
Foltererlebnisse könnten als aussergewöhnliche Bedrohung, die bei fast jedem eine
tiefe Verzweiflung hervorrufe, eingestuft werden. Der Versicherte leide an wiederholtem
Erleben der Traumata. Auch habe er Alpträume von Foltererlebnissen, die vor dem
Hintergrund eines andauernden Gefühls von bedroht sein und emotionaler Stumpfheit
aufträten. Seinen Mitmenschen gegenüber sei er gleichgültig und seiner Umgebung
und seiner Familie gegenüber teilnahmslos und freudlos. Der Versicherte meide
Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten.
Durch die Folter habe er eine Belastung katastrophalen Ausmasses über Jahre erlebt,
welche tiefgreifende Auswirkungen auf die Persönlichkeit hätten. Die andauernde
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung sei durch eine misstrauische und
ängstliche Haltung gegenüber der Welt, durch einen sozialen Rückzug, ein Gefühl der
Leere und Hoffnungslosigkeit, ein chronisches Gefühl der Anspannung wie bei
ständiger Bedrohung und durch eine Entfremdung gekennzeichnet. Der
psychopathologische Zustand des Versicherten habe sich im Laufe der letzten Jahre
verschlechtert. Das trotz Behandlung bestehende Leiden habe sich chronifiziert. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe kein Zweifel daran, dass der Versicherte in jeglicher
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Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei. Die volle Arbeitsunfähigkeit halte seit der
Rentenzusprache im Jahr 2002 an. Gegenüber dem orthopädischen Gutachter Dr.
med. E._ gab der Versicherte an, vor allem an beidseitigen Fersen- und
Schulterschmerzen zu leiden. Der orthopädische Gutachter kam zum Schluss, dass
sich die Arbeitsfähigkeit aus Sicht des Bewegungsapparates seit März 2002 nicht
wesentlich verändert habe. Der Versicherte sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Küchenhilfe im Altersheim weiterhin zu 100 % arbeitsfähig. In polydisziplinärer Hinsicht
erklärten die Gutachter, dass die psychisch bedingte, volle Arbeitsunfähigkeit in
jeglichen Tätigkeiten seit der Rentenzusprache im Jahr 2002 anhalte.
A.g Am 3. Februar 2014 reichte die C._ einen Überwachungsbericht vom 28. Januar
2014 ein (IV-act. 70). Gemäss dem Bericht war der Versicherte vom 24. Oktober bis
16. Dezember 2013 an sieben Tagen (24. und 26. Oktober, 9., 21., 25. und 27.
November und 16. Dezember 2013) überwacht worden. Er sei dabei beobachtet
worden, wie er morgens und nachmittags zusammen mit seiner Frau das Haus
verlassen habe. Die beiden hätten eine intensive Beziehung zu ihrer Tochter und ihrem
Enkelkind gepflegt. Der Versicherte habe einen Spaziergang mit seiner Frau und dem
Enkelkind unternommen, Termine in F._ wahrgenommen und sei zusammen mit
seiner Familie in einen Einkaufsladen gegangen. Der Versicherte habe den
Personenwagen an sieben überwachten Tagen selber gelenkt und habe stets voll
fahrtauglich erschienen. Er habe bei der Observation keine Zeichen einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung gezeigt und sich im Alltag absolut normal verhalten.
A.h Am 27. Februar 2014 nahm Dr. med. G._, Mitarbeiterin der IV-Stelle, Stellung
zum Medas-Gutachten (IV-act. 73). Sie erklärte, dass das Gutachten formell korrekt,
inhaltlich schlüssig und nachvollziehbar sei, weshalb von medizinischer Seite her
darauf abgestützt werden könne. Die 100 %ige Arbeitsunfähigkeit sei durch die
psychiatrischen Diagnosen begründet. Es bestünden keine Inkonsistenzen. Allenfalls
könnte argumentiert werden, dass der Medikamentenspiegel hätte überprüft werden
können. Allerdings sei fraglich, inwieweit das konsequente Einhalten der psychiatrisch-
medikamentösen Therapie zu einer signifikanten Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
beitragen würde.
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A.i Am 28. Februar 2014 nahm Dr. G._ Stellung zum Observationsmaterial (IV-
act. 74). Sie führte aus, dass das Aktivitätsniveau und der Tagesablauf des
Versicherten nicht mit den Angaben anlässlich der Begutachtung und der Angaben im
Revisionsfragebogen vom April 2013 übereinstimmten. Auch das beobachtete
Verhalten entspreche nicht dem Bild, welches der Versicherte anlässlich der Gespräche
in der SVA am 21. November und 16. Dezember 2013 und anlässlich der Begutachtung
am 25. und 27. November 2013 vermittelt habe. Im damals präsentierten Zustand hätte
der Versicherte kein Fahrzeug lenken können. Die Videosequenzen zeigten den
Versicherten jedoch als uneingeschränkt fahrtauglichen Lenker. Der Umstand, dass er
anlässlich der oben genannten Termine das Fahrzeug in einiger Entfernung zur
Örtlichkeit des Termins geparkt habe bzw. sich genau dann von seiner Tochter habe
fahren lassen, lege nahe, dass er nicht als Lenker eines Autos habe wahrgenommen
werden wollen. Auf den Videoaufnahmen sei der Versicherte stets in Begleitung seiner
Ehefrau und wiederholt im Familienverband zu sehen. Das Ehepaar mache auf den
Videos einen harmonischen Eindruck. Das Verhältnis zu den beiden Töchtern scheine
ebenfalls gut zu sein. Das Verhalten und die Kommunikation des Versicherten mit der
Familie stünden in Widerspruch zum präsentierten Gemütszustand anlässlich der
Gespräche in der SVA und der Begutachtung. Die anlässlich der Observation
gemachten Beobachtungen seien auch diskrepant zu den Aussagen der Tochter
bezüglich des Verhaltens im Familienverband (Teilnahmslosigkeit, Reizbarkeit).
Besonders hervorzuheben sei das Verhalten des Versicherten gegenüber seinem
Enkelkind: Auf den Videoaufnahmen sei er dem Kind gegenüber zugewandt,
aufmerksam und fürsorglich und beschäftige sich mit ihm. In Anwesenheit des Kindes
sei der Gesichtsausdruck des Versicherten gelöst, entspannt und nicht bedrückt. Es
gebe Momente, in denen sein Gesicht strahle. In einigen Videosequenzen werde
deutlich, dass ein enges Vertrauensverhältnis zwischen dem Enkelkind und dem
Versicherten bestehe. Diese Beobachtungen stünden in Widerspruch zu den in den
Akten festgehaltenen Gewalttätigkeiten bzw. dem aggressiven Verhalten. Man könne
sich auch schwer vorstellen, dass eine Mutter ihr Kind einem solchen Mann in Obhut
geben würde. Abschliessend hielt Dr. G._ fest, das Observationsmaterial lasse
vermuten, dass das Ausmass der depressiven Störung und die daraus resultierenden
Einschränkungen weniger ausgeprägt seien als vom Versicherten präsentiert. Aufgrund
dieser neuen Erkenntnisse liessen sich die psychiatrische Beurteilung im Medas-
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Gutachten und ihre eigene medizinische Stellungnahme vom 27. Februar 2014 nicht
mehr aufrechterhalten. Das Observationsmaterial enthalte gewisse Hinweise auf eine
absichtliche Täuschung und Aggravation. Aus medizinischer Sicht sei eine erneute
psychiatrische Beurteilung unter Berücksichtigung des Observationsmaterials
notwendig.
A.j Am 21. März 2014 informierte die IV-Stelle den Versicherten über die Observation
(IV-act. 75). Gleichzeitig teilte sie ihm mit, dass sie zur Klärung der Leistungsansprüche
eine schriftliche Rückfrage an den psychiatrischen Gutachter der Medas als notwendig
erachte und präsentierte dem Versicherten die Rückfragen (IV-act. 76). Am 23. April
2014 nahm der Rechtsvertreter des Versicherten Stellung zum Fragenkatalog und bat
um eine Überarbeitung desselben (IV-act. 87). Am 12. Mai 2014 wurde dem
Versicherten ein angepasster Fragenkatalog in Form einer Verfügung eröffnet (IV-act.
89). Dagegen liess der Versicherte am 12. Juni 2014 Beschwerde erheben (IV-act. 92-2
ff.). Obschon die IV-Stelle am 24. Juni 2014 darüber orientiert worden war (IV-act. 90),
stellte sie der Medas am 27. Juni 2014 die in der angefochtenen Verfügung eröffneten
Rückfragen (IV-act. 91). Das Beschwerdeverfahren wurde hierauf wegen
Gegenstandslosigkeit abgeschrieben (IV-act. 98).
A.k Der psychiatrische Gutachter Dr. med. D._ nahm am 18. Juli 2014 Stellung zum
Observationsmaterial (IV-act. 94). Er erklärte, dass aus psychiatrischer Sicht zwischen
der Präsentation der Beschwerden in den verschiedenen Untersuchungssituationen
einerseits und in unbeobachteten Situationen anlässlich der Observation andererseits
keine Diskrepanzen vorlägen. Auf den Videoaufnahmen sei der Versicherte meistens
verlangsamt und seine Gestik und Mimik seien verhalten. Beispielsweise stehe er am
Waldrand und wirke teilnahmslos, gehe neben seiner Frau oder seiner Tochter her und
sei nachdenklich, schaue zu Boden, rauche und wirke besorgt. Er wirke stets in sich
gekehrt und verschlossen. Nur selten sei ein Lächeln zu erkennen. Weitere Zeichen von
Freude und Schwung seien nicht ersichtlich. Der Versicherte bemühe sich, am
Familienleben teilzunehmen, offenbar jedoch ohne grosse Motivation und Freude. Aus
psychiatrischer Sicht könnten keine Inkonsistenzen festgestellt werden, die eine
Auswirkung auf die psychiatrische Beurteilung vom 25. November 2013 nach sich
ziehen würden. Es bestünden keine Hinweise auf ein Täuschungsverhalten. Aus dem
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Observationsmaterial ergäben sich keine neuen Aspekte, die an der gutachterlichen
Beurteilung zweifeln liessen.
A.l RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärte in
seiner Stellungnahme vom 30. März 2015 (IV-act. 102), dass bei einer derart schweren
Depression mit Persönlichkeitsveränderung und hoher Medikation mit
unterschiedlichen Antidepressiva und sogenannten Mood Stabilizern von
Fahruntüchtigkeit im Strassenverkehr auszugehen sei. Zudem stelle sich bei der
routinemässigen Medikation mit Xanax und Lexotanil die Frage nach einer
Benzodiazepin-Abhängigkeit. Es bestünden erhebliche Diskrepanzen zwischen dem
auf den Videoaufnahmen vom 9., 21. und 25. November 2013 ersichtlichen Verhalten
des Versicherten und dem am 25. November 2013 von Dr. D._ festgehaltenen
Zustand und Verhaltensbild. Bei einer Besprechung mit dem Versicherten und seiner
Ehefrau am 21. November 2013 in der SVA habe der Versicherte während 40 Minuten
kein einziges Wort gesprochen. Beim Gespräch am 16. Dezember 2013 sei vermerkt
worden, dass der Versicherte sehr undeutlich und in gebrochenem Deutsch
gesprochen habe. Es stelle sich daher die Frage, wie Dr. D._ mit dem Versicherten
ohne Dolmetscher habe kommunizieren können. Es liege nahe, dass die Tochter als
Dolmetscherin fungiert habe, was grundsätzlich unzulässig sei. Weiter könne aus dem
Umstand, dass der Versicherte um vier Uhr morgens erwache und anschliessend
wieder einschlafe, kein zur Symptomatologie „mit somatischem Syndrom“ zählendes
Depressionskriterium gesehen werden. Auch habe Dr. D._ nicht anhand der ICD-10-
Kriterien erklärt, in welcher Weise die Kriterien einer Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung erfüllt seien. Ebenfalls habe er nicht dargelegt, worin die
soziokulturelle Entwurzelung bestehen soll. Und schliesslich habe Dr. D._ nicht zur
medikamentösen Behandlung Stellung genommen und auch keine Serumspiegel-
Bestimmung der Psychopharmaka-Medikation veranlasst. Die Stellungnahme zum
Observationsbericht von Dr. D._ stehe in krassem Gegensatz zu derjenigen von Dr.
G._. Es sei nicht zutreffend, dass der Versicherte auf den Videosequenzen meistens
verlangsamt und in Gestik und Mimik verhalten, am Waldrand teilnahmslos stehend,
nachdenklich, zu Boden schauend, besorgt wirkend, stets in sich gekehrt und
verschlossen gewirkt habe. Auch sei nicht richtig, dass der Versicherte ausser einem
seltenen Lächeln keine weiteren Zeichen von Freude und Schwung gezeigt habe. Das
vom Versicherten bei den Gesprächen in der SVA am 21. November und 16. Dezember
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2013 gezeigte Verhalten stehe in einem eklatanten Gegensatz zu dem aus den
Videosequenzen zu gewinnenden Bild. Die Videosequenzen liessen in keiner Weise
eine sehr schwere und alle Lebensbereiche umfassende Depression und
Persönlichkeitsveränderung nach andauernder Extrembelastung erkennen. Der
Versicherte habe sich mit dem Auto im Strassenverkehr routiniert und keineswegs
verlangsamt und in sich zusammengesunken, apathisch und teilnahmslos wie bei der
Begutachtung am 25. November 2013 und an den Gesprächen in der SVA gezeigt. Es
bestehe der hochgradige Verdacht auf eine sehr bewusstseinsnah gesteuerte und eine
schwere psychische Symptomatologie präsentierende Verhaltensweise. Die
unterschiedlichen Zustandsbilder seien mit einer schweren Depression und
Persönlichkeitsänderung nicht vereinbar. Es müsse von einem Täuschungsverhalten
ausgegangen werden. Da auf die Beurteilung der Medas nicht abgestellt werden
könne, sei eine weitere Begutachtung erforderlich.
A.m Am 20. April 2015 wurde dem Versicherten mitgeteilt, dass zur Klärung der
Leistungsansprüche eine erneute psychiatrische Begutachtung als notwendig erachtet
werde. Dr. med. I._ werde mit der Untersuchung und Erstellung des Gutachtens
beauftragt. Der Fragenkatalog lag der Mitteilung bei (IV-act. 105). Am 1. Mai 2015
ersuchte der Rechtsvertreter des Versicherten die IV-Stelle, von einer erneuten
psychiatrischen Begutachtung abzusehen (IV-act. 108). Dr. B._ teilte der IV-Stelle am
4. Mai 2015 mit, dass eine weitere Begutachtung weder notwendig noch zumutbar sei.
Eine solche würde den Versicherten gesundheitlich zusätzlich belasten (IV-act. 107).
A.n Mit Verfügung vom 11. August 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
sie an der Abklärung durch Dr. I._ festhalte (IV-act. 109). Zur Begründung führte sie
an, dass das Medas-Gutachten gemäss RAD-Arzt Dr. H._ nicht verwertbar sei und er
eine erneute Begutachtung als notwendig erachte. Da gegen die Person des
Gutachters keine substantiierten Einwendungen vorgebracht worden seien, könne an
dessen Wahl festgehalten werden. Der Fragenkatalog würde insoweit angepasst, als
die Fragen betreffend die syndromalen Leiden gestrichen würden.
B.
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B.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
11. September 2015 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte,
es sei festzustellen, dass die angeordnete Begutachtung durch Dr. I._ weder
notwendig noch zumutbar sei und dass dem Beschwerdeführer unverändert eine
ganze Rente auszurichten sei. Eventualiter seien die vom RAD geäusserten
Kritikpunkte am psychiatrischen Teilgutachten Dr. D._ zwecks eines abschliessenden
Ergänzungsberichts vorzulegen. Subeventualiter sei durch das Gericht eine
unabhängige, neutrale Gutachterstelle mit der Erstellung eines neuen polydisziplinären
Gutachtens zu betrauen. Der Rechtsvertreter machte sodann geltend, dass der
Observationsbericht, soweit er sich auf den Zeitraum vor der Erteilung des
Überwachungsauftrags am 21. November 2013 beziehe, bereits in formeller Hinsicht
nicht verwertbar sei. Zur Begründung seiner Anträge brachte er vor, dass das Medas-
Gutachten formell und inhaltlich korrekt, schlüssig und nachvollziehbar sei. Die Tochter
des Beschwerdeführers habe nicht als Dolmetscherin fungiert, sondern die persönliche
Anamneseerhebung ergänzt. Der Gutachter habe jeweils klar unterschieden, ob eine
Aussage vom Beschwerdeführer selbst oder von seiner Tochter stamme. Der
Beschwerdeführer sei in der Lage gewesen, selbst auf Deutsch zu kommunizieren. Der
Gutachter habe das Vorhandensein einer Persönlichkeitsänderung damit begründet,
dass der Beschwerdeführer während acht Jahren gefoltert worden sei. Für eine
Serumspiegelkontrolle habe kein Anlass bestanden, da keinerlei Zweifel an der
Einnahme der Medikamente vorgelegen hätten. Der Beschwerdeführer und seine Frau
seien zwischen dem 4. September und 16. Dezember 2013 an 17 Tagen überwacht
worden. An sieben Tagen habe das Ehepaar das Haus überhaupt nicht verlassen. An
drei Tagen (27. September, 25. Oktober und 22. November 2013) habe lediglich die
Ehefrau des Beschwerdeführers beobachtet werden können. Der Beschwerdeführer
selbst habe das Haus an diesen Tagen nicht verlassen. Die Zusammenfassung von
Ereignissen aus 55 Filmminuten über einen Zeitraum von mehr als drei Monate
vermöge keinen repräsentativen Querschnitt über das Aktivitätsniveau des
Beschwerdeführers zu geben. Diese Überwachungsergebnisse bewiesen eindrücklich
den sozialen Rückzug des Beschwerdeführers. Objektiv betrachtet seien die
Schlussfolgerungen des Gutachters wesentlich nachvollziehbarer als die Interpretation
des RAD. Für eine weitere Begutachtung bestehe keine Notwendigkeit, zumal sich das
neue Gutachten mit denselben Fragestellungen befassen solle, die im Rahmen der
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Begutachtung durch die Medas bereits beantwortet worden seien. Hinzu komme, dass
die letzte medizinische Begutachtung und die Überwachung den psychischen
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers massgeblich beeinträchtigt hätten. Als
Opfer von Bespitzelung und Folter durch die Behörden habe ihm die
Überwachungsaktion besonders zugesetzt. Eine weitere medizinische Begutachtung
sei gemäss dem behandelnden Psychiater auch aus gesundheitlichen Gründen nicht
mehr zumutbar. Sollte das Gericht trotzdem zum Ergebnis gelangen, dass eine erneute
Begutachtung notwendig sei, sei einerseits ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag
zu geben und andererseits die Expertenstelle vom Gericht zu bezeichnen. Bei Dr. I._
handle es sich um einen äusserst umstrittenen Gutachter, der weit herum als IV-
Sympathisant bekannt sei. Innert angesetzter Nachfrist erklärte der Rechtsvertreter am
23. September 2015 (act. G 3), dass ihm Dr. D._ anlässlich eines telefonischen
Gesprächs mitgeteilt habe, dass der Beschwerdeführer in sprachlicher Hinsicht ohne
Schwierigkeiten mit ihm habe kommunizieren können. Die Tochter des
Beschwerdeführers sei nur am zweiten Gesprächstermin dabei gewesen. Das
„somatische Syndrom“ definiere sich über das Vorliegen einer Schlafstörung, die beim
Beschwerdeführer ohne Zweifel gegeben sei. Es sei nicht an ihm, dem behandelnden
Arzt bezüglich der Weiterführung der psychiatrischen Behandlung und Medikation
Vorschriften zu machen. Nach den allgemeinen fachmedizinischen
Begutachtungsregeln sei eine Medikamentenkontrolle durch eine Serumspiegel-
Bestimmung vorzunehmen, wenn der dringende Verdacht bestehe, dass die
angegebenen Medikamente nicht eingenommen würden. Im vorliegenden Fall hätten
sich keine solchen Verdachtsmomente ergeben. Die vom RAD aus dem Video- und
Überwachungsmaterial gezogenen Schlussfolgerungen und Interpretationen könne er
nicht nachvollziehen. Des Weiteren könne aufgrund der Diagnosen nicht darauf
geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer generell kein Auto mehr lenken
könne. Ob er aufgrund der strassenverkehrsrechtlichen Bestimmungen noch ein Auto
lenken dürfe, sei eine andere Frage.
B.b Am 12. November 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde (act. G 1). Zur Begründung brachte sie vor, dass schon die gutachterliche
Feststellung, es bestünden keine Diskrepanzen, schwer nachvollziehbar sei. Zumindest
das Verhalten des Beschwerdeführers am 21. November 2013 und am 16. Dezember
2013 sei diskrepant und erwecke gleichzeitig den Anschein einer gezielten Täuschung.
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Er habe sich bei den Gesprächen in der SVA wie auch bei der Begutachtung als
Schwerkranker gezeigt. Ausserhalb des Hauses sei ein deutlich besseres
Funktionsniveau zu beobachten gewesen. Es wäre von den gutachterlichen Antworten
zu erhoffen gewesen, dass sie diese Diskrepanzen entschlüsseln. Nachdem jedoch das
Vorliegen von Diskrepanzen rundweg verneint worden sei, seien auch die Fragen offen
geblieben. Der Rechtsvertreter habe Dr. I._ als äusserst umstritten und als IV-
Sympathisanten dargestellt. Dies sei nicht nachvollziehbar. Dieser Arzt sei gewählt
worden, weil ihn auch das Versicherungsgericht als Gutachter beiziehe und es sinnvoll
erschienen sei, ein Gutachten bei einem Arzt einzuholen, der aus dem gleichen
Kulturkreis stamme wie der Beschwerdeführer.
B.c Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bestritt in seiner Replik vom 14.
Dezember 2015 die Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeschrift.
Zudem ersuchte er um Zusprache einer Parteientschädigung von Fr. 3‘000.-- zuzüglich
Barauslagen und Mehrwertsteuer (act. G 9).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).

Erwägungen
1.
Das Bundesgericht hat in seiner früheren Praxis der Anordnung von medizinischen
Gutachten keinen Verfügungscharakter eingeräumt. Diese Praxis ist mit dem
Grundsatzurteil BGE 127 V 210 in Bezug auf bei Medizinischen Abklärungsstellen
(Medas) eingeholte polydisziplinäre Administrativ- und Gerichtsgutachten geändert
worden. Gemäss BGE 139 V 349 sind die darin festgehaltenen rechtsstaatlichen
Anforderungen sodann − vorbehältlich der Beschränkung der Auftragsvergabe nach
dem Zufallsprinzip − auch auf mono- und bidisziplinäre medizinische Begutachtungen
anwendbar (BGE 141 V 330 E. 3.1 und 3.2 mit Hinweisen). Bei der Anordnung, eine
Expertise einzuholen, handelt es sich um eine Zwischenverfügung, welche bei
Bejahung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils unter Erhebung aller gesetzlich
vorgesehenen Rügen rechtlicher und tatsächlicher Natur angefochten werden kann.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist im Rahmen einer verfassungs-
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und konventionskonformen Auslegung die Eintretensvoraussetzung des nicht wieder
gutzumachenden Nachteils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren zu bejahen,
zumal die nicht sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht
nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken wird (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7 mit
Hinweisen). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
2.1 Der Rechtsvertreter hat zunächst geltend gemacht, die Observationsergebnisse
seien, soweit sie sich auf den Zeitraum vor der Erteilung des Überwachungsauftrags
am 21. November 2013 beziehen, nicht verwertbar.
2.2 Die Erhebung und Aufbewahrung erkennungsdienstlicher Daten, worunter auch
Videoaufnahmen fallen, berührt im öffentlich-rechtlichen Verhältnis den Schutzbereich
der persönlichen Freiheit und den Schutz der Privatsphäre (Art. 10 Abs. 2 und Art. 13
der Bundesverfassung, BV, SR 101). In einer privatdetektivlichen Beobachtung einer
leistungsansprechenden Person ist eine Verletzung der Privatsphäre zu sehen. Eine
Einschränkung des verfassungsrechtlichen Persönlichkeitsschutzes bedarf einer
gesetzlichen Grundlage, muss im öffentlichen Interesse liegen, verhältnismässig sein
und den Kerngehalt des Grundrechts wahren (Art. 36 BV). Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einer Observation jedenfalls
dann um einen relativ geringfügigen Eingriff in die grundrechtlichen Positionen der
überwachten Person, wenn sie sich auf den öffentlichen Raum beschränkt. Dasselbe
gilt für eine Observation im öffentlich einsehbaren, privaten Raum (namentlich Balkon),
soweit die überwachte Person einzig bei Verrichtungen des Alltags gefilmt wird. Durch
eine solche Überwachung wird der Kerngehalt von Art. 13 BV nicht angetastet. Das
Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt, dass die Observation geboten ist, d.h. dass
konkrete Anhaltspunkte vorgelegen haben, die Zweifel an den geäusserten
gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit haben
aufkommen lassen. Solche Anhaltspunkte können beispielsweise bei
widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person gegeben sein oder wenn Zweifel
an ihrer Redlichkeit bestehen (eventuell durch Angaben und Beobachtungen Dritter),
bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen Untersuchung, Aggravation,
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Simulation oder Selbstschädigung (zum Ganzen vgl. BGE 137 I 327 E. 4 und 5 mit
Hinweisen).
2.3 Die gesetzliche Grundlage für eine Observation ist in Art. 43 i.V.m. Art. 28 Abs. 2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1) und in Art. 59 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG, SR 831.20) zu erblicken. Das öffentliche Interesse an der Einschränkung des
Schutzes der Privatsphäre liegt darin, die Gemeinschaft der Versicherten nicht zu
schädigen, indem nicht geschuldete Leistungen erbracht werden (vgl. BGE 137 I 327 E.
5.3 mit Hinweisen). Vorliegend ist das öffentliche Interesse an einer Observation
angesichts der zur Diskus-sion stehenden erheblichen Leistungen der
Invalidenversicherung (ganze Rente) ohne weiteres zu bejahen. Auch die objektive
Gebotenheit der Observation kann bejaht werden: Der Beschwerdeführer hat anlässlich
der Observation seiner Ehefrau beim Lenken eines Autos, beim Spazierengehen sowie
bei der Kinderbetreuung beobachtet werden können und - nach Eindruck der
observierenden Person - einen uneingeschränkten Eindruck hinterlassen (IV-act. 52).
Diese Beobachtungen stehen in einem gewissen Widerspruch zur Angabe des
Beschwerdeführers im Revisionsfragebogen, wonach er sich isoliere und keinen
Kontakt zu anderen Menschen aufbauen könne (IV-act. 38-3). Der Observationsauftrag
ist am 24. Oktober 2013 mündlich erteilt worden (IV-act. 52). Das Observationsmaterial
enthält keine Wahrnehmungen, die vor dem 24. Oktober 2013 gemacht worden sind
(siehe IV-act. 70-4). Die Observationsergebnisse sind somit verwertbar.
2.4 Anzumerken bleibt, dass dem vom Rechtsvertreter eingereichten
Observationsbericht der Ehefrau desselben Datums (act. G 1.2) zu entnehmen ist, dass
nicht nur an den sieben im Observationsbericht des Beschwerdeführers angegebenen
Tagen eine Überwachung stattgefunden hat, sondern an fünf weiteren Tagen, nämlich
am 25. und 28. Oktober 2013 sowie am 20., 22. und 23. November 2013. An diesen
Tagen ist der Beschwerdeführer offenbar nicht gesehen worden, weshalb sie in seinem
Observationsbericht nicht erwähnt worden sind. Beim Lesen des Observationsberichts
könnte jedoch durch das Weglassen dieser fünf Tage der Eindruck entstehen, dass der
Beschwerdeführer an allen Tagen, an denen er observiert worden ist, aktiv gewesen ist
bzw. das Haus verlassen hat. Gerade bei psychiatrischen Erkrankungen erscheint es
für die Interpretation und Wertung von Observationsergebnissen durch medizinische
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Sachverständige relevant, ob eine Person an allen observierten Tagen das Haus
verlassen hat oder nur an sieben von zwölf. Die diesbezügliche Kritik des
Rechtsvertreters ist daher berechtigt. Im Falle einer weiteren Begutachtung müsste der
Gutachter vorab zwingend über diesen Mangel im Observationsbericht informiert
werden.
3.
3.1 Als nächstes ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin berechtigt ist, eine erneute
psychiatrische Begutachtung durchzuführen.
3.2 Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und
zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2
ATSG). Der Sozialversicherungsträger hat den Sachverhalt von Amtes wegen
abzuklären (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Mit welchen Mitteln die Sachverhaltsabklärung
erfolgt, liegt im Ermessen des Versicherungsträgers. Im Rahmen der Verfahrensleitung
kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und
Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich
aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist
der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die
für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen durchzuführenden
notwendigen Abklärungen im Sinne von Art. 43 ATSG beinhalten indessen nicht das
Recht des Versicherungsträgers, eine "second opinion" zum bereits in einem
Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt (Urteil
des Bundesgerichts vom 10. Oktober 2011, 9C_1037/ 2010 E. 5.1).
3.3 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat vorgebracht, dass mit dem
Medas-Gutachten ein voll beweiskräftiges Gutachten im Recht liege, weshalb eine
weitere psychiatrische Begutachtung nicht notwendig sei. Dr. D._ hat beim
Beschwerdeführer eine schwere depressive Störung, eine posttraumatische
Belastungsstörung und eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung diagnostiziert und die Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit auf 100
% geschätzt. Bezüglich der Observationsergebnisse hat er sinngemäss erklärt, dass
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diese seine Beurteilung stützen würden. Dieser Einschätzung stehen die
Stellungnahmen von Dr. G._, einer Mitarbeiterin der IV-Stelle, vom 28. Februar 2014
und jene von RAD-Arzt Dr. H._ vom 30. März 2015 diametral entgegen. Diese hatten
erklärt, dass das gezeigte Verhalten mit den gestellten Diagnosen nicht vereinbar sei,
und den Verdacht auf eine absichtliche Täuschung geäussert. Vergleicht man die
Observationsergebnisse mit den vom Beschwerdeführer bzw. seiner Tochter anlässlich
der Begutachtung gemachten Angaben, fallen vor allem zwei Diskrepanzen auf: Die
Tochter hat anlässlich der Begutachtung erklärt, dass der Beschwerdeführer nicht
wolle, dass sie mehr als einmal pro Woche vorbeikomme, da er den vom Enkelsohn
verursachten Lärm nicht ertrage. Demgegenüber sind der Beschwerdeführer und seine
Ehefrau auf den Videoaufnahmen vom 24. und 26. Oktober 2013 sowie vom 9. und 21.
November 2013 beim Hüten des Enkelkindes zu sehen. Die Ehefrau des
Beschwerdeführers hat anlässlich eines Gesprächs mit der Beschwerdegegnerin am
19. März 2014 eingeräumt, dass das Enkelkind meistens an vier Tagen pro Woche
mehrere Stunden in ihrer Obhut sei und sie und der Beschwerdeführer sich gemeinsam
um das Kind kümmerten (IV-act. 77-2 f.). Ausserdem hat der Beschwerdeführer
gegenüber Dr. D._ angegeben, jeweils von seiner Tochter zu den
psychotherapeutischen Gesprächen gefahren zu werden, da er alleine im öffentlichen
Verkehr Angst bekomme. Zwar ist der Beschwerdeführer auf den Videoaufnahmen nie
alleine mit dem Auto unterwegs. Trotzdem erscheint bemerkenswert, dass der
Beschwerdeführer an sieben von zwölf überwachten Tagen das Auto gelenkt und auf
die Observanten einen voll fahrtauglichen Eindruck gemacht hat. Zudem fällt auf, dass
der Beschwerdeführer, wenn er mit seiner Ehefrau unterwegs gewesen ist, stets der
Fahrer gewesen ist. Lediglich einmal hat die Ehefrau den Wagen gelenkt, nämlich am
27. November 2013 auf dem Rückweg von der Begutachtung. Später am Tag hat er
den Wagen dann wieder selber gefahren. Zudem ist auf den Aufnahmen vom 25.
November 2013 ersichtlich, wie der Beschwerdeführer mit seiner Ehefrau (Beifahrerin)
zum Wohnort der Tochter fährt. Von dort her lässt er sich in seinem Auto (resp. dem
seiner Ehefrau) von seiner Tochter zum Begutachtungstermin fahren. Vor diesem
Hintergrund stellt sich doch die Frage, ob und falls ja, weshalb der Beschwerdeführer
gegenüber den Gutachtern hat verheimlichen wollen, dass er regelmässig ein Auto
lenkt. Hinzu kommt, dass sich der Beschwerdeführer anlässlich eines Gesprächs in der
SVA am 21. November 2013 mit einem sehr langsamen und schleppenden Gang
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fortbewegt hat, den Kopf immer tief gegen den Boden gesenkt gehalten hat, zu keiner
Zeit ansprechbar gewesen ist und einen sehr leidenden Eindruck gemacht hat. In
Widerspruch dazu macht der Beschwerdeführer auf den Videoaufnahmen desselben
Tages keinen leidenden (allerdings auch keinen fröhlichen) Eindruck und bewegt sich
normal fort. Aufgrund der aufgeführten Diskrepanzen stellt sich die Frage, ob der
Beschwerdeführer seine Beschwerden gegenüber den Gutachtern der Medas
verdeutlicht bzw. (bewusst oder unbewusst) aggraviert oder sogar simuliert hat. Das
Gericht setzt sich aus medizinischen Laien zusammen, weshalb es nicht beurteilen
kann, ob die anlässlich der Begutachtung erhobenen Befunde und gestellten
Diagnosen mit dem auf den Videoaufnahmen ersichtlichen Verhalten des
Beschwerdeführers vereinbar sind. Mit der Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. H._ liegt
eine fachärztliche Einschätzung zu den Observationsergebnissen im Recht, die
derjenigen von Dr. D._ vehement widerspricht. Hinzu kommt, dass Dr. D._ in seiner
Stellungnahme zu den Observationsergebnissen − wie die Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort richtig bemerkt hat − mit keinem Wort auf die vorgenannten
Diskrepanzen eingegangen ist. Es fehlt somit an einer plausiblen Begründung, weshalb
trotz der Diskrepanzen an der gutachterlichen Beurteilung festgehalten werden kann.
Vor diesem Hintergrund erscheint die durch die Beschwerdegegnerin angeordnete
neue psychiatrische Begutachtung als begründet. Eine nochmalige Rückfrage an Dr.
D._, wie sie der Rechtsvertreter gefordert hat, erscheint im vorliegenden Fall nicht
zielführend: Einerseits haben Dr. D._ bereits bei der ersten Rückfrage alle relevanten
Unterlagen, insbesondere die Observationsergebnisse, zur Verfügung gestanden,
weshalb aus einer weiteren Rückfrage keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind.
Andererseits löst eine Rückfrage die Problematik, dass Dr. G._ und Dr. H._ die
Observationsergebnisse völlig anders interpretiert haben als Dr. D._, nicht. Der
Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass sich bei einer erneuten Begutachtung eine
Serumspiegelkontrolle der eingenommenen medizinisch-psychiatrischen Medikation
aufdrängen würde. Zudem müsste für eine erneute psychiatrische Begutachtung ein
professioneller Dolmetscher beigezogen werden, sofern der Gutachter nicht selber
J._ spricht. Denn anlässlich der Medas-Begutachtung hat sich gezeigt, dass doch
gewisse Verständigungsprobleme auftreten können. So hat die Tochter bei
Sprachschwierigkeiten jeweils die Sätze vervollständigen müssen, die der
Beschwerdeführer nicht zu Ende hat sprechen können (IV-act. 69-22).
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3.4 Der Rechtsvertreter hat weiter argumentiert, eine erneute psychiatrische
Begutachtung sei dem Beschwerdeführer nicht zumutbar. Dieser Einwand wird durch
den behandelnden Arzt Dr. B._ gestützt, welcher erklärt hat, dass eine weitere
Begutachtung den Beschwerdeführer gesundheitlich zusätzlich belasten würde. Der
Beschwerdeführer leidet gemäss dem Gutachten von Dr. D._ wegen jahrelangen
Foltererlebnissen u.a. an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Es leuchtet daher
ein, dass jede psychiatrische Begutachtung für den Beschwerdeführer eine zusätzliche
Belastung darstellt. Letztlich ist die Frage, ob eine gutachterliche Abklärung
medizinisch verantwortbar ist, jedoch vom ärztlichen Sachverständigen zu beantworten
(statt vieler: Urteil des Bundesgerichts vom 21. Oktober 2013, 9C_723/2013 E. 2.3). So
hat Dr. D._ beispielsweise in seinem Teilgutachten angegeben, dass er den
Beschwerdeführer verschont habe, auf Einzelheiten der Foltererlebnisse einzugehen
(IV-act. 69-22).
3.5 Der Rechtsvertreter hat des Weiteren moniert, dass − sollte das Gericht die
Notwendigkeit einer erneuten Begutachtung bejahen − eine polydisziplinäre
Begutachtung durchgeführt werden müsste. Der Beschwerdeführer ist im Rahmen des
laufenden Revisionsverfahrens polydisziplinär begutachtet worden. Die Gutachter sind
zum Schluss gekommen, dass der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht in seiner
angestammten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. Diese Beurteilung ist im
Verwaltungsverfahren nicht umstritten gewesen. Der Rechtsvertreter hat im
Beschwerdeverfahren zudem keine Gründe vorgebracht, weshalb nicht auf den
somatischen Teil des Medas-Gutachtens abgestellt werden könnte. Sein Antrag, es sei
eine polydisziplinäre Begutachtung durchzuführen, muss daher als Versuch gewertet
werden, eine psychiatrische Begutachtung durch den von der Beschwerdegegnerin
ernannten Gutachter zu verhindern. Nach dem Gesagten ist die Anordnung lediglich
einer monodisziplinären psychiatrischen Begutachtung nicht zu beanstanden.
3.6 Schliesslich hat der Rechtsvertreter geltend gemacht, dass das Gericht − sollte es
eine erneute Begutachtung für notwendig und zumutbar erachten − die Gutachterstelle
bestimmen müsse. Zur Begründung brachte er vor, dass es sich bei dem von der
Beschwerdegegnerin beauftragten Gutachter Dr. I._ um einen äusserst umstrittenen
Gutachter handle, der weit herum als IV-Sympathisant bekannt sei. Ist ein mono- oder
bidisziplinäres Gutachten erforderlich, stellt die IV-Stelle der versicherten Person eine
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Mitteilung zu, welche die Art der Begutachtung (mono- oder bidisziplinär) und den
Namen sowie den Facharzttitel der mit dem Gutachten beauftragten Person bzw.
Personen festhält. Der versicherten Person wird für die Erhebung von Einwänden sowie
für die Einreichung von Zusatzfragen eine Frist von 10 Tagen eingeräumt (Rz. 2083 des
Kreisschreibens über das Verfahren in der Invalidenversicherung, KSVI, Stand 1.
Januar 2015). Wenn ein zulässiger Einwand formeller (fallbezogenes formelles
Ablehnungsbegehren) oder materieller (fachbezogener) Natur erhoben worden ist,
muss eine Einigung gesucht werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. September
2013, 9C_560/2013 E. 2.3 und Rz. 2084 KSVI). Zu prüfen bleibt somit, ob es sich beim
Ablehnungsbegehren des Rechtsvertreters um einen zulässigen Einwand gehandelt hat
und somit vor Erlass der angefochtenen Verfügung mit Bezug auf die
Gutachtensperson ein Einigungsversuch hätte durchgeführt werden müssen. Beim
Einwand des Rechtsvertreters handelt es sich um einen pauschalen Einwand, den er
nicht durch stichhaltige Fakten hat unterlegen können. Dr. I._ verfügt als Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie über die fachlichen Qualifikationen, um eine
monodisziplinäre Begutachtung durchzuführen. Die Beschwerdegegnerin hat erklärt,
sie habe Dr. I._ als Gutachter ausgewählt, weil ihn auch das Gericht als Gutachter
beiziehe und es sinnvoll erscheine, ein Gutachten bei einem Arzt einzuholen, der aus
dem gleichen Kulturkreis stamme wie der Beschwerdeführer. Die Beschwerdegegnerin
hat somit stichhaltige Gründe vorgebracht, weshalb sie im vorliegenden Fall Dr. I._
als Gutachter gewählt hat. Da der Beschwerdeführer keine triftigen Einwendungen
gegen Dr. I._ als Gutachter vorgebracht hat, hat die Beschwerdegegnerin zu Recht
auf einen Einigungsversuch verzichtet und sofort die angefochtene Verfügung erlassen.
3.7 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
4.
Bei Streitigkeiten betreffend die Anordnung einer Begutachtung im
Verwaltungsverfahren sind keine Gerichtskosten zu erheben, da es sich nicht um eine
Streitigkeit betreffend „IV-Leistungen“ handelt und daher die Kostenregelung nach Art.
69 Abs. 1 IVG keine Anwendung findet (Art. 61 lit. a ATSG). Bei diesem
Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).
bis
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