Decision ID: 07291d6a-c1a8-4b91-b7eb-024f6cbef942
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967,
verfügt über keine Berufsausbildung
. Der aus
Y._
stammende Versicherte (
Urk.
11/28)
arbeitete zuletzt v
on 1994 bis 2000 als
Maschinist an der Fräse
bei der
Z._
AG
. Nebenbei war er
als Hauswart tätig
(
Urk.
11/
3
S. 4).
Am
5.
August 2000 erlitt er
bei
eine
m
Motorr
adunfall
ein
Polytrauma
.
Es folgten diverse
Operationen
,
die meisten
noch
im
August 2000
,
jahrelange
Untersuchungen
und drei
stationäre
Auf
enthalt
e
in der Rehaklinik
A._
im Herbst 2000, im Herbst 2001 und im Winter
2004/
2005
(
Urk.
11/6 S. 10
,
Urk.
11/23 S. 3
,
Urk.
11/51 S. 2
).
Basierend auf einer Arbeits
un
fähigkeit von 100
%
zahlte die
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva)
dem Versicherten zunächst Taggelder aus
(
Urk.
11/55)
und sprach ihm
mit Wirkung ab
1.
März 2005
eine Invalidenrente
sowie eine Integritätsentschädigung
zu (
Urk.
11/53).
Die
100%-
Rente wurde m
it Mitteilung vom 2
4.
Juli 2013
nochmals
bestätigt (Urk.
11/87).
A
m
1.
Dezember 20
00 meldete sich der Versicherte
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung
für eine Umschulung und zum Rentenbezug
an (Urk.
11/
3
)
.
Mit Verfügungen vom 2
4.
April 200
1
wurden
mit Blick auf den schlechten Gesundheitszustand und das Wartejahr
beide Ansprüche verneint
(
Urk.
11/20 und 11/21). Im November 2001 brachte
die Suva der
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV
Stelle)
,
ihre Akten zur
Kenntnis
(
Urk.
11/23 S. 1,
Urk.
11/57)
.
Die IV-Stelle
sprach dem V
ersicherten
alsdann
mit Verfügung vom 2
2.
Juli 2005 rückwirkend per 1.
August 2001 eine ganze Invalidenrente zu (
Urk.
11/63)
.
Im Frühling 2008 leitete
sie
ein
Revi
sionsverfahren ein (
Urk.
11/71)
. Sie
holte
einen Auszug aus dem Individuellen Konto (
Urk.
11/73) sowie
Bericht
e
beim
Hausarzt
des Versi
cherten
(
Urk.
11/74
S. 1-3,
Urk.
11/78
)
und
der
Universitätsklinik
B._
(
Urk.
11/75)
ein
,
denen
weitere
Arztberichte
beilagen
(
Urk.
11/74 S. 4-18,
Urk.
11/79). Schliesslich bestätigte
sie
mit Mitteilung vom 10.
Oktober 2008 die bisherige
Invalidenrente (
Urk.
1
1/81).
Ende
2013
überprüfte
die IV-Stelle
die Rente erneut
(
Urk.
11/88). Sie
holte
wiederum
einen Auszug aus dem Individuellen Konto
(
Urk.
11/89) und
Arztbe
richte
(
Urk.
11/90)
ein
.
In der Folge
entschied der Regionale Ärztliche Dienst
(RAD)
, den Versicherten selbst
p
sychiatrisch
und
ort
hopädisch
/
rheumatologisch
abzuklären
. Gestützt auf das Ergebnis
dieser
Untersuchungen vom
1
3.
Mai 2014
(
Urk.
11/92
-94
)
stellte die IV-Stelle die Rente – wie im
Vorbescheid
ange
kündigt
(
Urk.
11/98
) –
mit Verfügung vom 14.
Juli 2014
per Ende August 2014 ein und
entzog
einer allfälligen Beschwerde
die aufschiebende Wirkung (
Urk.
2
).
2.
Gegen
diese Verfügung
reichte d
er Versicherte am 1
5.
September 201
4
gleich
zei
tig ein Wiedererwägungsgesuch bei der IV-Stelle und
eine
Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht ein
.
Unter Beilage diverser Unterlagen beantragte er neben der
weiteren
Ausrichtung
d
er
bisherigen
Rente
d
ie
Wieder
herstellung der aufschiebenden Wirkung
(
Urk.
1
,
11/125
und 3/2-34
).
Die IV
Stelle teilte
ihm
m
it Schreiben vom 23.
September 2014 mit, dass sich
k
eine
Wiedererwägung rechtfertige
(
Urk.
11/144).
A
usserdem
schloss sie
mit
Beschwer
de
antwort
vom 2
4.
Oktober 2014 auf Abweisung der Beschwerde
sowie
des
prozessualen
Gesuch
s
(
Urk.
10).
D
er Versicherte
reichte
mit
Eingabe vom 6.
Januar 2015 (
Urk.
14)
neue
Arztberichte (
Urk.
15/1-2)
und am 5. Februar 2015 eine Replik mit Beilagen ein (
Urk.
18 und
19/1-2).
D
ie IV-Stelle verzichtete explizit auf eine Duplik
(
Urk.
22)
.
Im Übrigen gewährte das G
ericht dem Versicherten mit Verfügung vom 1. Dezember 2014 die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihm in der Person von Rechtsanwalt
Dr.
iur
.
Hochstrasser
einen unentgeltlichen Rechts
vertreter (
Urk.
12, Vollmacht
Urk.
4).
Weiter
wies es mit Verfügung vom 1
7.
Februar 2015 das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wir
kung der Beschwerde ab (
Urk.
20).
Schliesslich lud es die berufliche
Vorsorge
einrichtung
des Versicherten, die
Swisscanto
Sammelstiftung der Kantonal
banken, zum Prozess bei (
Urk.
26)
. Diese verzichtete mit Schreiben vom 9.
Oktober 2015 auf eine Stellungnahme
(
Urk.
27).
Dieses Schreiben und die nachträgliche Eingabe des Beschwerdeführers vom 25. November 2015 (Urk. 28) samt Beilagen (
Urk.
29/1-3) versandte das Sozialversicherungsgericht am 30. November 2015 zur Kenntnisnahme an die Prozessbeteiligten (
Urk.
31).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
,
IVG
).
1.
2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Anlass zur
Ren
tenrevision
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beein
flussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustan
des erheblich verändert haben (BGE 1
30 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
Eine Ver
änderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden
in seiner Intensität und in seinen Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/
20
03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3).
Darunter fällt
beispielsweise eine
Steigerung des tatsächlichen Leistungs
vermögens
durch
verbesserte Le
idensanpassung der versicherten Per
son (Urteil des Bundesgerichts
8C_967/2012 vom 3
1.
Mai 2013 E. 3.4).
Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfä
higkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund dar.
1.3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserhebli
chen Änderung bildet die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswür
digung
und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und pro
zessualen Revision (BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V 108 E. 5.4 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine
leistungsbe
einflussende
Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
) und die bisherige Invaliden
rente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den
Ver
gleichszeitpunkt
einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen)
.
1.
4
Nach der Rechtsprechung kann d
as Gericht
alsdann
eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung
gegebenenfalls mit der substituierten Begründung schützen, dass
die
ursprüngliche
(noch nicht gerichtlich beurteilte)
Rentenverfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigu
ng von erheblicher Bedeutung ist. Mit anderen Worten kann
es die
Rentenverfügung
diesfalls
unter den Voraus
setzungen nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG in
Wiedererwägung
ziehen (
BGE 110 V 176 E. 2a
und 1
25 V 368 E.
2 mit Hinweisen; BGE 128 V 272 E. 5b/
bb
; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen).
Die Voraussetzung der erheblichen Bedeutung der Berichtigung ist bei Invalidenrenten mit Blick auf ihren Charakter als periodische Dauerleistun
gen rechtsprechungsgemäss ohne weiteres zu bejahen (BGE 119 V 475 E. 1.c mit Hinweisen, Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 2
9.
April 2008 E.
4.2.1). Zweifellos ist die Unrichtigkeit
nur
, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung
-
denkbar. Ansonsten würde die Wiedererwägung zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung, was sich nicht mit dem Wesen der Rechtsbeständigkeit formell zugesprochener Dauerleistungen vertrüge (
Urteile des Bundesgerichts
8C_347/2011 vom 1
1.
August 2011 E. 2.2 mit Hinweisen und
9C_
49
/20
12
vom
1
2.
Juli 2012
E.
4).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
zog in der angefochtenen Verfügung in Betracht
, dass der Beschwerdeführer spätestens seit der RAD-Untersuchung
i
m Mai 2014
zu 70
%
in angepassten Tätigkeit
en
arbeitsfähig sei.
Folglich
führte
sie
einen
neuen
Einkommensvergleich
durch und
stellte die Rente
aufgrund des neuen
Invalid
itätsgrad
es
von 36
%
ein
(
Urk.
2).
Die Einwände des Beschwerdeführers
erachtete sie
in der Beschwerdeantwort
als nicht gerechtfertigt
(
Urk.
10)
.
2.2
Der Beschwerdeführer
machte sinngemäss geltend
,
dass sich sein Gesund
heits
zu
stand seit April 2005 eher verschlechtert habe (
Urk.
1
Rz
18-25).
Weiter
bean
standete
er den Beweiswert des RAD-Berichts
vom Mai 2014
(
Urk.
1
Rz
26-
35
)
sowie
die
Berechnungsgrundlagen
des
Einkommensvergleich
s
(
Urk.
1
Rz
40-49)
und rügte ferner
eine
Verletzung
seines
rechtlichen Gehörs (
Urk.
1
Rz
13-16).
Es sei ihm folglich
die ganze Rente zu belassen, eventualiter
basierend auf
einer (bestrittenen) 50%-Arbeitsfähigkeit
eine
Dreiviertelsrente
zuzuspre
chen (
Urk.
1
Rz
50-53).
Nichts Neues ergibt sich
aus der Replik (Urk.
18).
3.
3.1
Bei der
Rentenzusprechung
am
2
2.
Juli 2005
(
Urk.
11/63)
stützte sich
die
Beschwer
degegnerin
vollumfänglich auf die Unfallakten der Suva (
vgl.
Fest
stellungsblatt
,
Urk.
11/57).
Die Abschlussuntersuchung
fand
a
uf Geheiss des Kreisarztes (
Urk.
11/54 S. 8)
in d
er
Reh
a
klinik
A._
statt.
De
ren
Austrittsbericht vom 2
7.
Januar 2005 ist zu entnehmen, dass
viereinhalb
Jahre nach dem Motorradunfall mit unter anderem Commotio cerebri,
diskoli
gamentärer
Wirbelsäulenverletzung Th12/L1 und L5/S1 (operativ von dorsal und ventral stabilisiert, Diskektomie L5/S1) und
Bimalleolarfraktur
rechts (pri
mär operativ im Ausland versorgt, im Verlauf
reosteosynthetisiert
), heute eine therapierefraktäre chronische bewegungs- und belastungsabhä
n
gige
Schmerz
symptomatik
des rechten oberen Sprunggelenks
(nachfolgend: OSG)
mit deutlich eingeschränkter Dorsalextension bei posttraumatischer Arthrose und erheblich verminderter Ge
h
fähigkeit (Ge
h
hilfe)
, ein chronisches
lumbospon
dylo
ge
nes
Schmerzsyndrom rechts mit Hypästhesie lumbal und am rechten Bein seitlich, nicht auslösbarem A
chillessehnen
-
Reflex rechts sowie
eine
Ejakula
tionsstörung
bestehen würden. Zudem bestehe auch ein unter stationärer Physi
otherapie nicht wesentlich gebessertes chronisches
Zervikalsyndrom
.
Die Gesamt
belastbarkeit sei bereits in den alltäglichen Aktiv
itäten erheblich einge
schränkt. D
er Beschwerdeführer müsse sich tagsüber leicht wechselbelastend mit wiederholten Pausen
betätigen. Er erreiche das Niveau für eine leichte Tätigkeit halbtags nicht. Es bestehe somit keine wesentliche Restarbeitsfähigkeit (
Urk.
11/54 S.
9
f.).
3.2
Das erste Revisionsverfahren wurde mit Mitteilung v
om 1
0.
Oktober 2008
abge
schlossen
(
Urk.
11/81).
Da
rin
wurde die ganze Invalidenrente
bestätigt, nach
dem diverse Arztbericht
e
(
Urk.
11/74-79)
b
eigezogen und zweimal dem RAD
zur Stellungnahme
vorgelegt worden waren (
Urk.
11/80).
D
ie RAD-Ärztin
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Chirurgie,
hatte
in ihrer Stellung
nahme vom
6.
Oktober 2008
konkret
fest
gehalten, dass
mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit von einer Verschlech
terung des Gesundheitszu
standes
durch Zunahme der posttraumatischen Schmerzen (Arthrose
OSG
/
Cox
arthrose
)
und der Bewegungseinschränkung auszugehen sei. Man könne weiter
hin von einer 100%-Arbeitsunfähigkeit für jede
Tätigkeit ausge
hen. Hinsichtlich einer künftigen Revision sei aus medizinischer Sicht keine Verbesserung zu erwarten
(
Urk.
11/80 S. 3)
.
3.3
3.3.1
Im Laufe des aktuellen Revisions
v
erfahrens
wurden
zahlreiche
medizinische
Unterlagen
vo
n
der
Beschwerdegegnerin eingeholt (
Urk.
11/90)
bzw.
vom Beschwerdeführer eingereicht (
Urk.
3/3-6 und 15/1-2)
.
Daraus geht zunächst hervor
, dass
beim Beschwerdeführer im Juni 2007 eine
Arthrotomie
mit Gelenks-
Débridement
und
Osteophyten
-Resektion
tibiotalar
am OSG rechts durchgeführt
wurde
,
gefolgt von einer Achillessehnenverlängerung und einem Release der hinteren Kapsel im März 2010 (
Urk.
11/90 S. 11, 13, 16, 18 und 20,
Urk.
3/6).
Aus den Berichten der Uniklinik
B._
, datiert zwischen März und September 2010,
ergibt sich
weiter
, dass der Beschwerdeführer vor der letzten Operation über seit ca. einem Jahr zunehmende Schmer
zen/
Gang
schwierigkeiten
auf Höhe des OSG rechts und Krämpfe besonders im Unter
schenkel rechts geklagt hatte (
Urk.
11/90 S. 22). Die Operation
selbst
ver
lief komplikationslos (
Urk.
11/90 S. 24), hingegen wurde der postoperative Ver
lauf nach sechs Wochen als protrahiert beurteilt (
Urk.
11/90 S.
19). In der
Ver
laufskontrolle
im Juni 2010 wurde festgestellt, dass durch die Mobilisation des Gelenks und die Achillessehnenverlängerung keine Besserung der Beschwerden erreicht worden sei. Ein Teil der Schmerzen sei neuropathischer Genese (
Urk.
11/90 S. 17). Ebenso wurde im Verlaufsbericht vom 3
0.
September 2010 fest
gehalten, dass die Operation keine Verbesserung gebracht habe, der Beschwer
de
führer berichte eher über verstärkte Schmerzen. Mit einer Verstei
fung wolle man bei diesem jungen Patienten aber möglichst zuwarten und ihn vor weiteren Massnahmen den Kollegen von der Schmerzsprechstunde vorstel
len (
Urk.
11/90 S. 14).
3.3.2
Am 1
4.
Januar 2011
berichtete das
Schmerzambulatorium des
E._
, der Beschwerdeführer klage über eine Zunahme der Beschwerden seit der Operation und sein
Gangbild
sei
stark hinkend beim Gebrauch einer Unterarmgehstütze. Beim Gehen halte er den rechten Fuss in
A
uswärts
-
Rota
tionsstellung
. Die Muskulatur des rechten Unterschenkels sei deutlich atrophiert (Umfang rechts 34.5 cm/links 38 cm). Die Hautoberflächentemperatur des rech
ten Fusses betrage 31.8° C, diejenige des linken 33.2° C. Am rechten Fuss bestehe zudem eine Hyperhidrose. Eine Blockade des sympathischen
Grenz
stranges
zur Therapie des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) habe der Beschwerdeführer abgelehnt. Einverstanden sei er hingegen mit einer intra
venösen Regionalanästhesie mit Magnesium. Hinsichtlich der persistierenden chronischen Beschwerden im OSG
Bereich könne man aktuell keine therapeu
tischen Optionen anbieten. Aufgrund der Auswertung der Fragebögen bestehe der hohe Verdacht auf eine depressive Verstimmung (
Urk.
11/90 S. 11 f. und 15).
3.3
.
3
Drei Jahre später wurden i
m Bericht der Uniklinik
B._
vom 2
8.
Mai 2014 folgende Diagnosen gestellt: (1) symptomatische posttraumatische OSG
Arthrose rechts, (2)
ein Status nach
Osteosynthesematerialentfernung
Fibula rechts,
Arthrotomie
OSG und Gelenk-
Débridement
rechts sowie
Achilles
sehnenverlängerung
und Release hintere Kapsel rechts im März 2010, (3) posttraumatische Läsion des
Nervus
peroneus
rechts, neurophysiologisch bestätigt im Januar 2010, (4)
Radikulopathie
S1 rechts sowie L5 rechts bei schwerer zentraler Spinalkanalsteno
s
e L2/3 und L3/4 sowie (5) ein Status nach Wirbelverletzung BKW12, L1 und L5/S1 mit dorsaler und ventraler Stabili
sierung im August 200
0.
Der Beschwerdeführer sei letztmals im September 2010 untersucht worden und nun aufgrund zunehmender Schmerzen wieder vorstel
lig geworden. Er nehme täglich
Brufen
ein und besuche jährlich drei Serien Physiotherapie. Es bestünden unter anderem eine deutliche Atrophie im Bereich der Flexoren des Unterschenkels und eine Hypästhesie entlang des
Inner
vationsgebietes
des
Nervus
peroneus
superficialis
. Das Röntgenbild vom 2
2.
Mai 2014 zeige bekanntermassen eine ausgeprägte posttraumatische OSG
Arthrose bei ansonsten regelrechter Stellung, die
Syndesmose
sei teilverknöchert (
Urk.
3/6). Im nachfolgenden Bericht vom 2
8.
August 2014 wurde festgehalten, die Beschwerden seien im Wesentlichen unverändert, weshalb sofort eine Infiltration mit Kortison einzuleiten und die Schuhversorgung voranzutreiben sei (
Urk.
3/5).
3.3.4
Die
Berichte der beiden Hausärzte des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeinmedizin
, und
Dr.
med.
G._
, datieren mehr
heitlich vom Herbst 201
4. Dr.
med.
F._
hielt
a
m
9.
September 2014 fest, als Verletzungsfolgen bestünden immer noch massive Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Bereich des rechten Sprunggelenks und schmerzhafte Einklemmungen von Rückenmarksnerven rechts, die nur durch dauernde Änderung der Sitzposition gelindert werden könnten. Auch in der letzten Sprechstunde am 1
6.
August 2014 sei der Gang des Beschwerdeführers hinkend gewesen und er habe nur für kurze Zeit ruhig sitzen können. Er sei weiterhin 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
3/3).
Dr.
med.
G._
teilte der Beschwerdegegnerin
bereits
am
4. Dezember 2013 mit, der Beschwerdeführer habe Schmerzen im rechten Fussgelenk mit Bewegungseinschränkung und
Fussheberschwäche
, so dass ein
hinkfreier
Gang nicht möglich sei. Auch nachts habe er rechts Schmerzen, Muskelkrämpfe und eine Gefühlslosigkeit. Die Prognose sei schlecht, gegebenenfalls sei eine Ver
steifung oder ein Gelenkersatz nötig. Der Beschwerdeführer habe zudem Rücken
schmerzen und halte es nur wenige Minuten in der gleichen Stellung aus (
Urk.
11/90 S. 4 f.).
In ihrem Bericht vom
8.
September 2014 diagnostizierte sie „chron. LSS“ und „posttraumatische OSG Arthrose rechts“ nach Polytrauma (
Urk.
3/4).
Ferner attestierte sie
dem Beschwerdeführer
am 1
5.
Dezember 2014 aus nicht spezifizierten
Gründen eine 100%-Arbeitsunfähigkeit seit längerer Zeit, ab 1. August 2014 bis dato und bei schlechter Prognose sicher bis 3
1.
Juli 2015 (
Urk.
15/1).
3.4
3.4.1
Zwischen den beiden Zeiträumen der Berichterstattung (bis Januar 2011; ab Ende Mai 2014) fand am 1
3.
Mai 2014 (
Urk.
11/92)
eine
psychiatrische und orthopädisch-rheumatologische
Untersuchung durch den RAD statt (
Urk.
11/92)
. G
estützt auf
deren
Ergebnis erging
am
1
4.
Juli 2014 die
angefochtene
Revisi
onsverfügung
(
Urk.
2).
3.4.2
Der RAD-Arzt m
ed.
pract
.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erhob folgende Befunde: freundlich, voll orientiert, flüssiger und zusammen
hängender Gedankengang, keine Anhaltspunkte für Sinnestäuschungen, Ichstörungen oder inhaltliche Denkstörungen, affektiv gut schwingungsfähig, lebhaft in Mimik und Gestik, unauffälliger Antrieb, aufmerksam und kon
zentriert sowie keine offensichtlichen Gedächtnisstörungen. Aus psychiatrischer
Sicht liege somit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor (
Urk.
11/92 S.
3
f.).
Ferner erläuterte er unter dem Titel „Diskussion“, dass sich in früheren Berich
ten der Verdacht auf eine depressive Verstimmung (Bericht des
E._
vom 1
4.
Januar 2011) und eine „
chronifizierte
leichtgradige
post
traumatische Belastungsstörung“ (Bericht des
I._
vom 3
1.
März 2005) bzw. eine „
subsyndromal
in Erscheinung getretene posttrauma
tische Belastungsstörung mit
leichtgradiger
depressiver Begleitsymptomatik“ (Bericht der Rehaklinik
A._
vom 2
5.
Januar 2001) finde. Bei der aktuellen Untersuchung hätten sich keine Belege für eine Depression gefunden. Ebenso wenig könne eine Belastungsstörung diagnostiziert werden. Insbesondere handle es sich nicht um Intrusionen, wenn der Beschwerdeführer nach belas
tenden Fernsehsendungen schlecht vom Unfall träume (
Urk.
11/92 S. 4).
3.
4
.
3
In der orthopädisch-rheumatologischen Untersuchung stellte die RAD-Ärztin med.
pract
.
J._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie, folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
Bewe
gungs
- und Belastungseinschränkung einerseits der Lendenwirbelsäule nach
langstreckiger
Spondylodese
und andererseits des rechten Beines bei posttrau
matischer Sprunggelenksarthrose mit Bewegungseinschränkung sowie deutli
cher Hypotrophie des rechten Unterschenkels. Als für die Arbeitsfähigkeit unbe
achtlich diagnostizierte sie Schulter-/Nackenbeschwerden mit Verdacht auf ein
Impingement
der rechten Schulter (
Urk.
11/94 S. 8).
Unter dem Titel „Kritische Würdigung der Aktenlage“ wies sie darauf hin, dass sich das Ausmass der geklagten Beschwerden durch die festgestellten
Funk
tionseinschränkungen
nicht erklären lasse. Eine Gangbildstörung mit fixierter
Aussenrotation des rechten Beines, wie sie im Bericht des
Schmerzambulatori
ums
des
E._
vom 1
4.
Januar 2011 beschrieben sei, zeige sich nicht mehr. Das
Gangbild
sei mit und ohne Gehstütze bis auf ein leichtes Schonhinken rechts unauffällig. Klinische Hinweise auf ein CRPS gebe es nicht, jedoch bestehe beim rechten Fuss eine deutlich niedrigere Hauttemperatur. Dem vorerwähnten Bericht sei zudem zu entnehmen, dass eine intravenöse
Regio
nalanästhesie
hätte durchgeführt werden sollen, wovon der Beschwerdeführer jedoch nichts wisse und angegeben habe, nur einmal in der Schmerzklinik gewesen zu sein. Auch vom verordneten Medikament
Lyrica
wisse der Beschwerdeführer nichts. Damit sei gegenüber dem von der Schmerzklinik berichteten Befund eine deutliche Besserung eingetreten. Der Beschwerdeführer sei ferner in der Lage gewesen, während der Untersuchung mehr als eine Stunde ohne Schmerzäusserung zu sitzen. Schliesslich hätten sich die angegeben Schmerzmittel Ibuprofen und Paracetamol im Wirkstoff-Spiegel nicht nachwei
sen lassen (
Urk.
11/94 S. 8).
Unter
„Versicherungsmedizinische Beurteilung“ führte med.
pract
.
J._
aus, dass ein somatischer, die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigender
Gesundheits
schaden
ausgewiesen sei. In der bisherigen Tätigkeit als Bauarbeiter bestehe seit dem Unfall keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer angepassten Tätigkeit mit kör
perlich leichter wechselbelastender, überwiegend sitzender Tätigkeit, ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 10 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne häufige
wirbelsäu
lenbelastende
und sprung-/kniegelenksbelastende Zwangshaltungen und Tätig
keiten (Bücken, Hocken, Knien, Überkopfarbeiten, Arbeiten in Armvorhalte), ohne häufiges Gehen auf unebenem Gelände, ohne andauernde
Vibrationsbe
lastungen
und Nässe-/Kälteexposition sei der Beschwerdeführer seit Mai 2014 zu 70
%
arbeitsfähig. Die Einschränkung ergebe sich durch den erhöhten
Pau
senbedarf
bei einem Status nach Versteifung der Lendenwirbelsäule. Der Gesundheitszustand habe sich im Vergleich zum vorerwähnten Bericht des Schmerzambulatoriums hinsichtlich der Gangbildstörung, des CRPS und der Schmerzen gebessert (
Urk.
11/94 S. 8 f.).
3.
4
.
4
In der zusammenfassenden Stellungnahme vom 1
6.
Mai 2014 ergänzte med.
pract
.
J._
alsdann, dass eine Besserung in der Zukunft aufgrund des degenerativen Charakters des Gesundheitsschadens nicht wahrscheinlich sei. Ebenso würden weitere medizinische Massnahmen überwiegend wahrscheinlich keine Besserung der Arbeitsfähigkeit herbeiführen (
Urk.
11/96 S. 3).
3.5
Ob ein Revisionsgrund
nach
Art.
17 ATSG
gegeben ist
, beurteilt sich
somit
anhand der Frage, ob
mit dem
RAD-Bericht
vom Mai 2014
eine
anspruchser
hebliche
Tatsachenänderung zwischen Oktober 2008 (Zeitpunkt der letzten materiellen Prüfung und Bestätigung der Rente, vgl. E. 1.3) und
Juli 2014 (Erlass der
angefochtenen Verfügung)
nachgewiesen ist
.
Nach Angaben
der RAD-Ärztin med.
pract
.
J._
soll
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
d
erart verbessert haben, dass er nunmehr zu 70
%
in adap
tierten Tätigkeiten arbeitsfähig ist. Diesbezüglich
gilt das im
Sozialversiche
rungsrecht
übliche Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_734/2012 vom 14.
Dezember 2012 E. 2 mit wei
teren Hinweisen).
4.
4.1
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätig
keit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizini
schen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (
Art.
49
Abs. 1
IVV
). Die RAD können Versicherte bei Bedarf
auch
sel
ber ärztlich untersuchen
(
Art.
49
Abs.
2 IVV
; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Der Beweiswert
solcher
RAD-Berichte
nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2
,
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.2
Nicht gefolgt werden kann daher dem
Beschwerdeführer, soweit er entgegen der Auffassung des Gesetzgebers ohne konkrete Anhaltspunkte die Unabhängigkeit des RAD in Frage stellt
(
Urk.
1
Rz
29
)
.
Wie für alle Arztberichte ist hinsichtlich des Beweiswertes
des
RAD-
Berichts
entscheidend, ob
er
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 134 V 231 E.
5.1; 125 V 351 E. 3a).
4.3
Da es sich um ein Revisionsverfahren handelt, ist
darüber hinaus zu beachten, dass es einer von früheren medizinischen Einschätzungen abweichenden Beur
teilung in der Regel am Beweiswert fehlt, wenn sie sich nicht hinreichend dar
über ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat, selbst wenn die Ausführungen für sich allein betrachtet voll
ständig, nachvollziehbar und schlüssig und daher für eine erstmalige Beurtei
lung der Rentenberechtigung beweistauglich wären. Eine verlässliche Abgren
zung der tatsächlich eingetretenen von der nur angenommenen Veränderung ist als erforderliche Beweisgrundlage nicht erreicht, wenn bloss nominelle Diffe
renzen diagnostischer Art bestehen. Hingegen ist die Feststellung über eine seit der früheren Beurteilung eingetretene tatsächliche Änderung genügend unter
mauert, wenn der medizinische Sachverständige aufzeigt, welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfä
higkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben. Je mehr bei einer Diagnose ärztli
ches Ermessen eine Rolle spielt, desto wichtiger sind klinische Feststellungen, gutachtliche Verlaufsbeobachtungen und anamnestische Daten (Urteil des Bun
desgericht
s
9C_49/2012 vom 1
2.
Juli 2012 E. 7.1 mit Hinweisen).
5.
5
.1
Soweit
aus den medizinischen Unterlagen
ersichtlich
,
wurde zwischen Oktober 2008 und Juli 2014 nur ein
einziger
Eingriff
vo
rgenommen. Dieser betraf eine Achillessehnenverlängerung sowie einen Release der hinteren Kapsel
am rech
ten OSG
im März 201
0.
Die Gelenktoilette mit Abtragung der
Osteophyten
war bereits
im Juni 2007
, mithin
fast ein Jahr
vor dem Referenzzeitpunkt für
die
Prüfung einer anspruchserheblichen Tatsachenänderung
, durchgeführt worden (vgl. E. 3.3.1).
Im Übrigen bestand die Therapie in der Verschreibung von Schmerzmitteln und drei Serien Physiotherapie pro Jahr.
Erst
nach der RAD
Untersuchung vom Mai 2014 bzw. kurz vor
Erlass der angefochtenen Verfü
gung
wurden (erneut)
Kortison-Infiltrationen und eine Schuhversorgung
ins Auge gefasst
(vgl. E. 3.3.4), wobei eine
erneute Zunahme der Beschwerden
einige
Jahre
nach
der Gelenktoilette
und
bei
fortschreitender Arthrose
nicht ungewöhnlich erscheint.
Die von der RAD-Ärztin
pract
. med.
J._
attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf
70
%
findet
folglich
keine hinreichende Erklärung in den durchgeführten medizinischen Massnahmen.
5
.2
Alsdann ist
festzuhalten, dass weder bei der
Zusprechung der Rente
im Juli 2005 noch
bei deren Bestätigung
im Oktober 2008 psychische Beschwerden
eine Rolle
spielten, zumal die Beschwerdegegnerin damals auf den Bericht der
Rehaklin
i
k
A._
vom 2
7.
Januar 2005 (vgl. E. 3.1) bz
w. die RAD
Stellung
nahme vom 6.
Oktober 2008 (vgl. E. 3.2)
abstellte
.
Auch wurden die in anderen Berichten tatsächlich diagnostizierten psychischen Beschwerden stets
nur
als
„
leicht
“ oder blosse „
Verstimmung
“
qualifiziert
(z.B.
Urk.
11/74 S.
17
,
Urk.
3/14 S. 4
,
Urk.
11/90 S. 12
)
. Es ist daher nicht von einem nennens
werten Einfluss
derselben
auf die
bisherige
Arbeitsfähigkeit auszugehen.
5.3
In somatischer Hinsicht
weist die
RAD-Ärztin med.
pract
.
J._
auf die Ver
besserung der
Gangbildstörung, d
es
CRPS und
der
Schmerzen
im Vergleich zum Bericht des Schmerzambulatoriums des
E._
vom 14.
Januar 2011 hin
(vgl. E. 3.4.
3
)
.
Referenzzeitpunkt
für die
anspruchserhebli
che
Tatsach
en
änderung
ist allerdings
der
Oktober 200
8.
Da
aufgrund der Berichte der Uniklinik
B._
(vgl. E.3.3.1)
und
des Schmerzambulatoriums (vgl. E.3.3.2)
zudem
nachgewiesen
und insoweit auch nachvollziehbar
ist, dass die letzten
Eingriff
e am OSG
Folge einer zunehmend symptomatischen post
traumatischen Arthrose waren (vgl. E. 3.3.1
und 3.3.2
), bedeutet eine
allfällige
Verbesserung der Beschwerden gegenüber dem Jahr 2011 nicht zwingend eine solche im Vergleich zum Jahr 2008.
Des Weiteren
weichen die Feststellungen der RAD-Ärztin
(vgl. E. 3.4.3)
kaum von den früher erhobenen Befunden und gestellten Diagnosen
ab
(vgl. insbe
sondere E. 3.1
und
3.3.
3
)
. Eine gesundheitliche Verbesserung
(
gegenüber Anfang 2011
)
begründete sie einzig damit
,
dass sie
weder eine fixierte
Aussen
rotation
des rechten Beines noch eine Hyperhidrose am rechten Fuss
habe fest
stellen können
. Zudem machte sie darauf aufmerksam,
dass der Beschwerde
führer
in der Untersuchung
eine Stunde oh
ne Schmerzäusserung habe sitzen und ohne Gehhilfe habe gehen
können. Schliesslich hätten
sich
im Wirkstoff-Spiegel weder Ibuprofen noch Paracetamol nachweisen lassen
.
Allerdings konnte auch sie
vier Jahre nach dem letzten Eingriff noch
immer
eine deutliche Hypotrophie des rechten Unterschenkels und ebenso einen nicht unerheblichen Unterschied der Hauttemperatur der Füsse feststellen
.
Ferner
zeigte
sich der Beschwerdeführer in der Untersuchung
soweit ersichtlich
kooperativ
und
l
iess
keine
nennenswerten
Aggravationstendenzen erkennen.
Dementsprechend
erstellte
selbst
die RAD-Ärztin ein sehr eingeschränktes Belastungsprofil
und schloss
insbesondere
sprung-/kniegelenksbelastende
Zwangs
haltungen
und Tätigkeiten
aus.
Es ist
daher
höchstens
von einer leichten Verbesserung der Gehfähigkeit
und des C
RP
S auszugehen,
die
keine
Erhöhung der Arbeitsfähigkeit auf
7
0
% zu erklären vermag.
In diesem Sinne wiesen denn auch bereits die
Rehaklinik
A._
und
das
Schmerzambulatorium
der
K._
darauf hin,
dass bezüglich des OSG
eine therapierefraktäre chronische Schmerzsymptomatik
bestehe bzw. keine therapeutischen Optionen angeboten werden könnten
(vg
l. E. 3.1 und
3.3.
2
).
Allein
a
us dem Umstand, dass der Beschwerdeführer eine Stunde sitzen konnte
, kann nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, dass er heute – anders als noch bei seinem letzten Aufenthalt in der Rehaklinik
A._
im Jahre 2005
– nunmehr das Niveau
einer Arbeitsfähigkeit
für eine leichte Tätigkeit halbtags erreicht.
Bloss ein Indiz für die Abnahme der Schmerzen ist sodann
der Medikamentenspiegel, wobei
die
Einnahme von Schmerzmitteln
sinnvollerweise wie angeordnet nach Bedarf erfolgt
,
der Beschwerdeführer über Magenprobleme klagt
e
(
Urk.
11/92 S. 2)
und
bei
öfters wechselnder
Analgesie
(vgl.
Urk.
11/90 S. 9,
12,
15
, 17 und
23
,
Urk.
3/14 S. 5,
Urk.
3/14a S. 4
,
Urk.
3/31 S. 2)
nur zwei Wirkstoffe
getestet
wurden
(Urk.
11/93)
.
5.
4
Hinsichtlich
der
weiteren
bekannten
Beschwerden
betreffend Rücken, Knie,
Ner
venläsion
und
Cox
arthrose
führte die RAD-Ärztin eine körperliche Unter
su
chung durch, verzichtete aber
– wie in der ganzen Untersuchung –
auf
bildge
b
ende
Verfahren
.
Infolgedessen
äusserte sie sich auch nicht zur
Entwicklung dieser Beschwerden
. Stattdessen übernahm sie (nur) die wichtigsten
Diagnosen aus den früheren Arztberichten
(vgl. E. 3.1 und
3.3.
3
)
, nannte
diverse Ein
schränkungen
im Zusammenhang mit
angepassten Tätigkeiten
(z.B.
Wechsel
belastung
,
Gewichtslimit
e
für Heben und Tragen, keine Über
-Kopf-A
rbeiten, keine Armvorhalte)
und attestierte einen erhöhten Pausenbedarf aufgrund der Versteifung der Lendenwirbelsäule
(vgl. E. 3.4.
3
).
Dies verdeutlicht
, da
ss die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in leichten Tätig
keit
en
primär im Zusammenhang mit
der
Wirbelsäulenproblematik
und nicht
mit
der (nunmehr verbesserten) Gehfähigkeit
steht.
Wie bereits dargelegt ist eine revisionsrechtlich relevante Steigerung der Leistungsfähigkeit aber noch nicht überwiegend wahrscheinlich, nur weil der Beschwerdeführer eine Stunde sitzen konnte. Darüber hinaus
ist
aufgrund des erheblich eingeschränkten
Belastungs
profils
nicht ohne weiteres ersichtlich, welche Tätigkeit
en
dem Beschwerde
führer
nunmehr
möglich sein
sollen.
B
ei der Prüfung der wirtschaftlichen Ver
wertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
darf
jedenfalls
nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden
(vgl.
Urteil des
Bundesgerichts
I 537/2003 vom 16. Dezember 2003, E. 3.1). Folglich wäre es Aufgabe der untersuchenden RAD-Ärztin gewesen, entsprechende
Möglichkeiten
für ein 70%-Pensum aufzuzeigen.
Schliesslich
erlaubt es
die
eingeschränkte
Untersu
chung nicht,
den
ohnehin
sehr
unspezifischen Hinweis zu belegen, d
as
s sich das
Ausmass der geklagten Beschwerden nicht mit den festgestellten
Funktions
ein
schränkungen
erklären
lasse
.
Offen geblieb
en ist zudem
, wie die angedeutete Symptomausweitung
zu beurteilen ist
(Ausmass, psychische Komponente)
und welche
Beschwerden letztlich Eingang in
die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung fan
den.
5.
5
Zusammenfassend finden sich in den Akten keine Anhaltspunkte für eine Ver
besserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers, welche die von
der RAD-Ärztin
med.
pract
.
J._
attestierte Erhöhung der Arbeitsfähigkeit auf 70
%
in leichten angepassten Tätigkeiten plausibel erscheinen lässt.
Ebenso wenig wurde eine entsprechend verbesserte
Anpassung des Beschwerdeführers an sein Leiden rechtsgenügend dargelegt und
nachgewiesen. Diese
s Ergebnis steht im Einklang
mit der
Einschätzung d
es RAD
im
Jahre 2008
, dass
aus medi
zinischer Sicht keine Verbesserung zu erwarten se
i (vgl. E. 3.2
).
Selbst
med.
pract
.
J._
hielt
in ihrer abschliessenden Stellungnahme fest, dass eine
(künftige)
B
esserung aufgrund des degenerativen Charakters des
Gesundheits
schadens
nicht wahrscheinlich sei und auch medizinische Massnahmen nicht überwiegend wahrscheinlich zu einer Besserung der Arbeitsfähigkei
t führen würden (vgl. E. 3.4.3)
. Eine positive Entwicklung ist bei degenerativem Charak
ter aber auch zwischen Oktober 2008 und Juli 2014 nicht plausibel.
So bestätigt denn auch der aktuelle Austrittsbericht der
K._
vom
1
3.
November 2015 anhand von Bilddokumenten einen grundsätz
lich progressi
ven Verlauf der Wirbelsäulenproblematik (
Urk.
29/1). Unbeachtlich sind dem
gegen
über die im Jahr 2015 konkret festgestellte Verschlechterung des Gesund
heitszustandes sowie die in diesem Zusammenhang durchgeführten Therapien (vgl.
Urk.
29/2-3), da sie den Zeitraum nach Erlass der angefochtenen Verfügung betreffen (vgl. dazu BGE 99 V 98 S. 102, Urteil des Bundesgerichts 9C_67/2012 vom
4.
Juli 2012 E. 2.2).
Zusammenfassend fällt ein Revisionsgrund nach Art. 17 ATSG ausser Betracht.
Im Übrigen
kann
bereits
deshalb
nicht auf den
aktuellen
RAD-Bericht
(Urk.
11/92)
abgestellt werden, weil er keine Angaben dazu enthält, wie sich der Gesundheitszustand im Vergleich zum massgeblichen Referenzzeitpunkt (Okto
ber 2008) verändert hat, sich nicht mit den entsprechenden
Vorakten
auseinan
dersetzt, sich nicht umfassend zu den bekannten Beschwerden äussert und ein sehr eingeschränktes Belastungsprofil ausweist,
ohne entsprechende
Einsatz
möglichkeiten
aufzeigen
.
Damit erfüllt er die von der Rechtsprechung entwi
ckelten
–
bei einem versicherungsinternen Dokument gar erhöhten
–
Anforde
rungen an einen
beweiskräftigen
Arztbericht nicht.
6.
Mangels Revisionsgrund bleibt zu prüfen,
ob die Rentenzusprechung als offen
sichtlich unrichtig
zu beurteilen und deshalb
nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG
in Wiedererwägung zu ziehen ist
(vgl. E. 1.4)
.
Bei weitgehend objektivierbaren
Beschwerden und Einigkeit der Ärzte bezüglich der Diagnosen
geht es vor
liegend einzig um die
unterschiedliche Einschätzung der daraus resultierenden Arbeitsfähigkeit.
Wie das Bundesgericht bereits mehrfach festhielt,
weist die medizinische Folgenabschätzung notgedrungen eine hohe Variabilität auf und trägt unausweichlich Ermessenszüge
(vgl.
BGE 140 V 193
E. 3.1).
Dabei haben alle Ärzte ausser med.
pract
.
J._
eine nennenswerte Restarbeitsfähigkeit
verneint
.
Med.
pract
.
J._
setzt sich alsdann nicht mit den abweichenden Einschätzungen auseinander und ihrem Bericht kommt auch aus anderen Grün
den kein Beweiswert zu (vgl. E. 5.5).
Im Übrigen
erstellte
aber
selbst
sie ein äusserst eingeschränktes Belastungsprofil und
attestierte
allein schon
aufgrund
des Pausenbedarfs im Zusammenhang mit der Lendenwirbelsäule eine um 30
%
reduzierte Arbeitsfähigkeit auch in adaptierten Tätigkeiten.
Dass die
Beschwer
degegnerin
bisher unter Berücksichtigung aller Beschwerden von einem
Invali
ditätsgrad
von
100
%
ausging
(
Urk.
11/57)
, kann daher nicht als zweifello
s unrichtig qualifiziert werden
.
7.
Zusammenfassend ist somit weder ein Revisionsgrund nach
Art.
17 ATSG
noch ein Wiedererwägungsgrund nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG geg
eben. Infolgedessen
ist die Durchführung
eines neuen Einkommensvergleichs bzw.
die
blosse Berücksichtigung neuer statistischer Grundlagen
nicht statthaft
(vgl. BGE 133 V 545
E.
7).
Ausführungen zur strittigen Bestimmung des Validen- und
Inv
aliden
einkommens
erübrigen
sich
.
Dasselbe gilt angesichts des Ausgangs des Ver
fahrens bezüglich der
geltend gemachten Verletzung des rechtlichen Gehörs
.
Die Beschwerde ist
folglich
gutzuheissen und die Verfügung der
Beschwerde
geg
nerin
vom 1
4.
Juli 2014 aufzuheben sowie festzustellen, dass der Beschwer
de
führer weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
8
.
8.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.
—
bis Fr. 1‘000.– festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG)
. Sie sind
auf Fr. 800.
—
anzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8.2
Nach § 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
wies
in der einge
reich
ten Kostennote vom
2
5.
November
2015
(
Urk.
30
)
für das vorliegende Verfahren einen
eigenen Aufwand
von
über
30
Stunden
à
Fr.
220.
—
, einen Auf
wand der Substitutin von 6 Stunden à
Fr.
200.–
sowie Barauslagen von Fr.
22
.
6
0
aus. Diese Aufwendungen
sind
unter Berücksichtigung der vorge
nannten Grundsätze
zu
hoch.
Dies betrifft insbesondere den (nur teilweise separat ausgewiesenen) Aufwand von
fast 30
Stunden innert 14 Tagen für Instruktion, Aktenstudium und Verfassen der 18-seitigen Beschwerdeschrift.
In Würdigung des mittleren Aktenumfangs mit sehr kurzem RAD-Bericht,
der Beschwerdeschrift, Replik und
kleiner
en Eingaben
sowie
mi
t
Blick auf den
ein
fachen Sachverhalt
erscheint
ein Stundenaufwand von
maximal
14 Stunden
als
angemessen
.
Die Beschwerdegegnerin ist daher zu verpflichten, dem unentgelt
lichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung des bis Ende 2014 gerichtsüblichen Stundenansat
zes von Fr.
200.
—
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
3‘700.
—
(
inkl. Barauslagen und Me
hrwertsteuer
)
zu bezahlen.
Dieser Betrag ist
aufgerundet
, sodass auch
die Erhöhung des
Stunden
ansatzes
für seit Jahresbeginn angefallene
Stunden
abgegolten ist.