Decision ID: c612936d-11d4-591d-8740-79fdd9ac9e3d
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im April 2016 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Er stand zu diesem Zeitpunkt noch in einem
Arbeitsverhältnis mit der B._ AG, für die er seit 1995 als Produktionsmitarbeiter tätig
war (IV-act. 10-2 f.). Sein Hausarzt Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, erwähnte
im Bericht vom 5. Juni 2016 eine Gonarthrose rechts. Wegen der Knieproblematik sei
der Versicherte seit dem 14. Dezember 2015 voll arbeitsunfähig (IV-act. 12).
A.a.
Am 29. Januar 2016 war am rechten Knie eine Arthroskopie mit partieller medialer
Meniskektomie und Knorpelshaving am Femurkondylus vorgenommen worden (IV-act.
19-4). Am 6. Juni 2016 wurde am rechten Knie des Versicherten eine Knieprothese
implantiert (IV-act. 28). Seitens der Klinik D._ wurde dem Versicherten im Rahmen
einer Verlaufskontrolle am 25. August 2016 ein regelrechter Verlauf bescheinigt (IV-act.
33-6). Dr. C._ berichtete am 3. November 2016 von persistierenden erheblichen
belastungsabhängigen Knieschmerzen rechts und leichtem Schonhinken. Eine sitzende
Arbeit erachtete der Hausarzt ohne Einschränkung als möglich (IV-act. 33-2 f.). Am
20. Februar 2017 erfolgte eine Kniegelenkspunktion (IV-act. 45), die keine
Anhaltspunkte für einen Infekt ergab (IV-act. 44-3).
A.b.
Im Auftrag der Krankentaggeldversicherung erstattete Dr. med. E._, Facharzt
FMH für Orthopädische Chirurgie, am 23. Mai 2017 ein Gutachten. Er diagnostizierte
persistierende Knieschmerzen rechts, ein Lumbovertebralsyndrom bei ausgeprägter
A.c.
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Osteochondrose L5/S1, ein Zervikalsyndrom bei ausgeprägter Degeneration und
rechtskonvexer Skoliose der HWS und klinisch eine Rotatorenmanschetten-
Degeneration an der linken Schulter. Für leine leichte, vorwiegend sitzende, teils
stehende Tätigkeit mit der Möglichkeit, auf Tischhöhe zu arbeiten, und ohne repetitiven
Einsatz des linken Arms mit Gewichten über 5 kg auch auf Tischhöhe dürfte der
Versicherte eine Restarbeitsfähigkeit von 80% erreichen, die nötigen Pausen
miteinberechnet. Aufgrund der Gesamtsituation werde sich diese "theoretische
Arbeitsfähigkeit" nicht in eine Erwerbstätigkeit umsetzen lassen, sodass recht
eigentlich eine Berentung angezeigt sei (act. G 4.2/54-10 f.).
Auf Anfrage der IV-Stelle bezeichnete Dr. C._ im Bericht vom 5. Juni 2017
sitzende Arbeit in einem 50%-igen Arbeitspensum als möglich. Die Einschränkung
begründete er mit dem Hinweis auf reduzierte psychische Belastbarkeit durch eine
depressive Störung (IV-act. 50-1).
A.d.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 14. November 2017 bei der ABI
Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel, in den Disziplinen Allgemeine Innere
Medizin, Psychiatrie, Orthopädie und Neurologie untersucht. Im Gutachten vom 18.
Dezember 2017 wurde den Diagnosen chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom
und chronische Kniebeschwerden rechts Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zugebilligt.
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Hilfsarbeiter sowie für alle anderen, körperlich
mittelschweren und schweren Verrichtungen bestehe aus orthopädischer Sicht eine
bleibende und vollständige Arbeitsunfähigkeit. Für körperlich sehr leichte, immer
wieder auch sitzende Verrichtungen unter Wechselbelastung liege aus orthopädischer
Sicht eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor. Das
wiederholte Heben und Tragen von Lasten über 5kg sollte dabei vermieden werden.
Auf neurologischem Gebiet ergebe sich keine wesentliche, die Arbeitsfähigkeit
einschränkende Erkrankung. Aus psychiatrischer Sicht wurden die Diagnosen einer
leichten depressiven Episode sowie einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren gestellt. Diesen Diagnosen wurde keine
relevante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zugebilligt (IV-act. 61-24 ff.).
A.e.
Mit Mitteilung vom 24. Januar 2018 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf
berufliche Massnahmen (IV-act. 66-1). Betreffend Rentenanspruch kündigte sie am
A.f.
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B.
9. Februar 2018 ebenfalls die Verweigerung an (IV-act. 69; siehe zum Einwand des
Versicherten IV-act. 70 und 74). Am 25. April 2018 verfügte die IV-Stelle bei einem
Invaliditätsgrad von 0% entsprechend (IV-act. 75).
Gegen die Verfügung vom 25. April 2018 liess der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwältin mag. jur. K. Moosmann, St. Gallen, am 25. Mai 2018 Beschwerde
erheben. Beantragt wurde unter Kosten- und Entschädigungsfolge die Aufhebung der
Verfügung, die Zusprache der gesetzlichen Leistungen, insbesondere einer ganzen
Invalidenrente, eventualiter weitere medizinische Abklärungen, insbesondere ein neues
medizinisches Gutachten. Der Begründung ist hauptsächlich zu entnehmen, dass im
ABI-Gutachten die Rückenschmerzen und die negative Wechselwirkung von Knie und
Rücken nicht genügend berücksichtigt worden seien. Der Beschwerdeführer habe
zudem mehrfach angegeben, eigentlich drei Jahre älter zu sein als im Pass
dokumentiert. Weder die Beschwerdegegnerin noch die Gutachter seien näher auf
dieses Problem eingegangen respektive hätten Nachforschungen angestellt. Das Alter
sei aber in mehrfacher Hinsicht entscheidend. Weiter wird die Verwertbarkeit einer
Restarbeitsfähigkeit bestritten, mindestens aber ein Leidensabzug von 25% beantragt
(act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 18. Juli 2018 die Abweisung der
Beschwerde. Dem ABI-Gutachten komme voller Beweiswert zu. Es halte auch der
Prüfung der vom Bundesgericht vorgegebenen Indikatoren stand. Dem
Beschwerdeführer seien im relevanten Zeitpunkt der Begutachtung noch knapp über
drei Jahre bis zum Erreichen des AHV-Rentenalters geblieben. Aufgrund der Art und
des geringen Ausmasses des Gesundheitsschadens und der Ressourcen des
Beschwerdeführers sei die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit zu bejahen. Die
Voraussetzungen für die Gewährung eines Leidensabzugs seien nicht gegeben
(act. G 4).
B.b.
Der Beschwerdeführer liess in der Replik vom 13. September 2018 unverändert an
seinen Anträgen festhalten. Auch Dr. E._ sei davon ausgegangen, dass die
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht gegeben sei.
Erneut liess der Beschwerdeführer das ABI-Gutachten kritisieren. Zudem wurde betont,
B.c.
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dass er sich immer mehr zurückziehe. Er könne bzw. dürfe auch nicht im Haushalt
helfen. Seine Frau und er hätten eine klare Aufgabenteilung, sie sei zuständig für den
Haushalt und die Kinder, er arbeite. Für ihn stelle die Haushaltführung eine völlig neue
Situation dar. Auch hier müsste er eingearbeitet werden. Aufgrund seiner körperlichen
Beschwerden sei es ihm zudem kaum möglich, aktiv bei der Haushaltführung behilflich
zu sein. Das ABI-Gutachten gehe selbst nur von einer theoretisch bestehenden
Arbeitsfähigkeit aus. Sämtliche Ärzte sähen keine realistische Möglichkeit zur
Wiedereingliederung. Mit der Replik wurde die Übersetzung einer offenbar in F._
verfassten Taufurkunde vom 1. September 2018 eingereicht, auf der als Geburtsdatum
des Beschwerdeführers der _ 19_ angegeben wurde (act. G 6; 6.1.1).
Die Beschwerdegegnerin hielt am 25. September 2018 an ihrem
Abweisungsantrag fest und verzichtete auf weitere Ausführungen (act. G 8).
B.d.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte am 15. Oktober 2018 ihre
Honorarnote ein (act. G 10, 10.1).
B.e.
Seitens der Verfahrensleitung wurde am 30. April 2020 das Zivilstandsamt G._
angefragt, ob im Personenstandsregister ein Antrag um Korrektur des Geburtsdatums
des Beschwerdeführers gestellt worden oder ob eine solche Korrektur bereits erfolgt
sei (act. G 12). Das Zivilstandsamt G._ teilte am 1. Mai 2020 mit, dass im
elektronischen Personenstandsregister keine Personendaten des Beschwerdeführers
abrufbar seien (act. G 13). Mit Schreiben vom 8. Mai 2020 informierte die
Verfahrensleitung die Parteien darüber, dass einstweilen keine weiteren Beweise zum
Geburtsdatum des Beschwerdeführers erhoben würden, weil davon ausgegangen
werde, dass im vorliegenden Verfahren das in der Schweiz amtlich registrierte
Geburtsdatum als zutreffend erachtet werde. Dem Beschwerdeführer wurde
Gelegenheit zur Mitteilung gegeben, falls er eine Korrektur anstrebe bzw. ein
entsprechendes Verfahren einleite (act. G 14). Am 25. Mai 2020 liess er, neu vertreten
durch Rechtsanwältin A. Guyot, mitteilen, dass er ein Verfahren betreffend Korrektur
des Zivilstandsregisters weder eingeleitet habe noch anstrebe (act. G 16).
B.f.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Gegen die am 24. Januar 2018 mitgeteilte
Verweigerung beruflicher Massnahmen hat sich der Beschwerdeführer nicht zur Wehr
gesetzt. Da er – nach Lage der Akten plausibel – die Auffassung vertritt, objektiv mache
eine berufliche Eingliederungsmassnahme keinen Sinn (vgl. act. G 6 S. 3 Ziff. 8), ist
darauf nicht näher einzugehen; dies auch, da der Beschwerdegegnerin – wie sich
nachfolgend zeigt – keine Verletzung ihrer dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente"
entstammenden Eingliederungspflicht vorzuwerfen ist.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3.
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2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.5.
Der Beschwerdeführer lässt gegen den Beweiswert des ABI-Gutachtens unter
anderem vorbringen, dass die Gutachter die Wechselwirkungen der Knie- und
Rückenproblematik nicht berücksichtigt hätten. Die Rückenbeschwerden würden ein
längeres Gehen und Stehen notwendig machen, dies sei aber wegen der Gonarthrose
nicht möglich (act. G 1 S. 6 Ziff. B/25). Die ABI-Gutachter dokumentierten die
Schmerzangaben des Beschwerdeführers nicht nur in den Knien mit Schwerpunkt
rechts, sondern auch im Rücken und hielten unter anderem fest, dass er
Rückenschmerzen beim Sitzen schildere (IV-act. 61-6 f., 61-14, 61-22). Der
orthopädische Gutachter protokollierte die Aussagen des Beschwerdeführers, wonach
die vorbestehenden Rückenbeschwerden nach dem ersten Knieeingriff zugenommen
hätten, sich die ganze Symptomatik unablässig verschlechtere und er keine Minute
lang schmerzfrei sei (IV-act. 61-15). Bei den Befundangaben hielt der Gutachter einen
"massivsten" Rundrücken mit Protraktion der Schultern fest. Die Längsachse sei
aspektmässig im Lot. Bei der Messung des Finger-Boden-Abstands (19cm) erwähnte
der Gutachter in beide Richtungen flüssig durchgeführte Manöver und auf Nachfrage
angegebene starke Schmerzen am rechten Knie und in der Lumbalregion. Bei den
übrigen funktionellen Prüfungen sei der Beschwerdeführer regelrecht erstarrt, sodass
nur minimste Rotationsbewegungen, nicht aber die Lateralflexion oder Reklination
2.1.
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gelungen seien. Weiter beschrieb der Gutachter eine ubiquitäre, stereotyp angegebene
Druckdolenz thorakolumbal, thorakal einschliesslich der Schulterblätter sowie an den
Flanken und der gesamten dorsalen Beckenregion, der "ganze Körper" schmerze (IV-
act. 61-16). In Bezug auf die Beweglichkeit der HWS erkannte der Gutachter – anders
als beim Untersuch, vgl. zu den Werten IV-act. 61-17 – unter Ablenkung keine relevante
Einschränkung mehr. Die Druckdolenzen wurden in Bezug auf mehrere Regionen
(Wirbelsäule, Hüfte, beide Schultern) als diffus bezeichnet. In der Beurteilung
bezeichnete der orthopädische Gutachter die praktisch die ganze Körperoberfläche
umfassenden Druckdolenzen als sehr auffallend. Während die Prüfung der rechten
unteren Extremitäten in Rückenlage zeitweise nicht toleriert werde, gelinge die
Vornahme derselben Manöver in sitzender Position unter sehr wechselhafter
Schmerzreaktion letztlich ohne relevante Einschränkung. Von den auf nichtorganische
Rückenschmerzen hinweisenden Waddell-Zeichen waren vier von fünf getesteten
positiv (IV-act. 61-19). Der Befund am linken Kniegelenk wurde als regelrecht gewertet.
Auch rechts wurden bezüglich des medial erfolgten Gelenkersatzes unauffällige
Verhältnisse beschrieben, allerdings lateral wie auch femoropatellär mit degenerativen
Veränderungen. Zusammenfassend kam der Gutachter zum Schluss, die äusserst
diffusen, sämtliche Abschnitte des Bewegungsapparats umfassenden Beschwerden
liessen sich durch die klinischen und radiologischen Befunde keinesfalls vollständig
erklären. Als durchaus nachvollziehbar bezeichnete er einen gewissen Leidensdruck an
der Wirbelsäule angesichts der genannten Veränderungen (dazu ausführlich IV-
act. 61-17 f.) sowie auch unter Belastung am rechten Knie, kaum aber die übrigen
Beschwerden. Die erheblichen Inkonsistenzen sowie das fehlende Ansprechen auf
weiterhin durchgeführte konservative Therapiemassnahmen, langdauernde körperliche
Schonung und Arbeitskarenz könnten als klare Hinweise für eine massive nicht-
organische Beschwerdekomponente angesehen werden (IV-act. 61-20). Im Übrigen
fand der neurologische Teilgutachter betreffend die ihm gegenüber insbesondere
lumbal geklagten Rückenschmerzen keinen Anhalt für eine neurale Beteiligung (IV-
act. 61-23). Bei diesen Befunden und den daraus von den Gutachtern plausibel
gezogenen Schlüssen und Bewertungen ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass
die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung für adaptierte Tätigkeiten (zum Anforderungsprofil
siehe IV-act. 61-20, 61-25 f.) zu streng ausgefallen wäre oder dass ein allfälliges
negatives Zusammenspiel der Rücken- und Knieschmerzen zu wenig berücksichtigt
worden wäre. Dass Dr. E._, um dessen Einschätzung die
Krankentaggeldversicherung ersucht hatte, eine Einschränkung von 20% unter
Einberechnung der nötigen Pausen attestiert hatte (act. G 4.2/54-11), überzeugte den
orthopädischen ABI-Gutachter ferner nicht. Er mutmasste diesbezüglich, dass Dr.
E._ offenbar das Alter des Beschwerdeführers einbezogen habe (IV-act. 61-21). Dies
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ist durchaus plausibel. Dr. E._ erwähnte zudem – allerdings ohne Begründung –,
dass sich die theoretische Arbeitsfähigkeit "aufgrund der Gesamtsituation" nicht in eine
Erwerbstätigkeit umsetzen lassen werde (act. G 4.2/54-11). Ob er dabei den realen
Arbeitsmarkt und die Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung des Beschwerdeführers sowie
eine allfällig fehlende Motivation miteinbezog, ist unklar. Nachvollziehbare Argumente
für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus orthopädischen Gründen sind
jedenfalls nicht hinreichend erhoben bzw. begründet worden. Zweifel an der
diesbezüglichen Einschätzung im ABI-Gutachten ergeben sich nicht.
Der Beschwerdeführer rügt im Weiteren, dass sein Hausarzt Dr. C._ eine
Arbeitsfähigkeit von nur 50% adaptiert angegeben habe, worauf die
Beschwerdegegnerin nicht eingehe (act. G 1 S. 7 Ziff. 27). Im von ihm erwähnten
Bericht vom 5. Juni 2017 erwähnte Dr. C._ belastungsabhängige Knieschmerzen
rechts beim Gehen und bei längerem Stehen und hielt fest, sitzende Arbeit wäre in
einem 50%-igen Arbeitspensum möglich. Die quantitative Einschränkung führte er
nicht auf somatische Beschwerden zurück, sondern begründete diese "aufgrund
reduzierter psychischer Belastbarkeit durch die depressive Störung" (IV-act. 50-1).
Sieben Monate zuvor war Dr. C._ allerdings noch von uneingeschränkter
Arbeitsfähigkeit für sitzende Arbeit ausgegangen und hatte keine psychische
Beeinträchtigung erwähnt (Bericht vom 3. November 2016, IV-act. 33-3). Auch die
übrigen Akten belegen keine manifeste psychische Erkrankung. Gegenüber dem
psychiatrischen ABI-Teilgutachter gab der Beschwerdeführer an, er sei nie in
psychiatrischer Behandlung gewesen und brauche keinen Psychiater. Er sei manchmal
schon traurig, es helfe ihm aber, wenn er reden könne (IV-act. 61-10). Dem Gutachter
fiel eine hintergründig leicht depressive Stimmung auf. Auffälligkeiten im Psychostatus
erhob er nicht (vgl. dazu ausführlich IV-act. 61-11). Er erkannte psychosoziale und
emotionale Belastungsfaktoren. Der Beschwerdeführer sei wegen der Arbeit in die
Schweiz gekommen, habe die Arbeit als anstrengend empfunden und seine Schmerzen
auch auf die Arbeit zurückgeführt. Seine Ehefrau habe ebenfalls gesundheitliche
Probleme. Er habe die Kündigung aus Krankheitsgründen erhalten. An der
vorangegangenen Stelle sei die Entlassung aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt.
Finanziell sei er von den Taggeldleistungen abhängig. Er habe nur noch wenige
Kollegen. Die bisher nicht eingetroffene Beschwerdefreiheit führe psychisch zu
Verunsicherung und Enttäuschung. Auf diesem Hintergrund komme es auch zu
regressiven Tendenzen (IV-act. 61-12). Dennoch erkannte der Gutachter ausreichende
Ressourcen, wies etwa auf gute Kontakte innerhalb der Familie und einige Kontakte mit
Kollegen hin, erwähnte Spaziergänge, den Besuch von Gottesdiensten, eine gewisse
Selbständigkeit durch (kurze) Autofahrten und Interesse zum Lesen eines Buches oder
2.2.
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3.
von Zeitungen sowie zum Fernsehen. Insgesamt ist nachvollziehbar, dass der
psychiatrische Gutachter lediglich eine leichte depressive Episode und eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren erhob und diesen
Diagnosen keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zubilligte. Er hielt eine psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung nicht zwingend für angezeigt, empfahl eine solche
nur für den Fall der Zustandsverschlechterung (dazu sowie zur Empfehlung betreffend
antidepressive Medikation vgl. IV-act. 61-14). Eine relevante, sich auf die
Arbeitsfähigkeit auswirkende psychiatrische Erkrankung ist vor diesem Hintergrund
nicht ausgewiesen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aktenlage sowie die Vorbringen des
Beschwerdeführers keine plausiblen Hinweise liefern, die gegen den Beweiswert der
Beurteilung der ABI-Gutachter sprechen. Im Folgenden ist damit für ideal adaptierte
Tätigkeiten von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen.
2.3.
Der Beschwerdeführer lässt die Verwertbarkeit seiner Arbeitsfähigkeit bestreiten.
Diesbezüglich wird insbesondere auf sein Alter, die fehlende Ausbildung samt nicht
vorhandenen Computerkenntnissen sowie schlechte Sprachkenntnisse hingewiesen
(act. G 1 S. 7 f. Ziff. C/29 ff.).
3.1.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Beschwerdeantwort die Rechtsprechung zur
Verwertbarkeit zutreffend wiedergegeben (act. G 4 Ziff. III/7 ff.). Darauf wird verwiesen.
Im Zentrum steht für den Beschwerdeführer offenkundig sein fortgeschrittenes Alter als
Grund für die Unverwertbarkeit.
3.2.
Offenbar erachtet er diesbezüglich das behauptete Geburtsdatum des _ 19_
als relevant. Dieses Datum steht zwar auf der mit der Replik eingereichten Übersetzung
einer "Taufurkunde", datiert mit 1. September 2018 (act. G 6.1.1). Als Geburtsdatum in
der Schweiz amtlich erfasst ist hingegen der _ 19_ (IV-act. 2-1, 3). Die seitens des
Gerichts vorgenommenen Abklärungen haben ergeben, dass der Beschwerdeführer bis
zum 25. Mai 2020 kein Verfahren betreffend Korrektur des Zivilstandsregisters
eingeleitet hatte und dies auch nicht anstrebt (vgl. act. G 16). Da im
Sozialversicherungsrecht die amtlich erfassten Personendaten massgebend sind,
erübrigen sich im vorliegenden Verfahren weitere Abklärungen. Als massgebendes
Geburtsdatum ist der _ 19_ zu betrachten.
3.2.1.
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4.
Der Zeitpunkt, in dem die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers feststand bzw.
die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung
erlaubten (vgl. dazu BGE 138 V 457 E. 3.3 f.), ist auf das Datum des ABI-Gutachtens,
also den 18. Dezember 2017 festzulegen. Damals war der Beschwerdeführer 61 Jahre
und gut 10 Monate alt. Der Beschwerdegegnerin ist darin zuzustimmen, dass bei
folglich über 3 Jahren verbleibender Aktivitätsdauer bis zum Erreichen des ordentlichen
Pensionsalters noch nicht von einer Unverwertbarkeit der verbleibenden
Arbeitsfähigkeit auszugehen ist. Sie weist zutreffend darauf hin, dass bei einer
Arbeitsfähigkeit von 100% für adaptierte Tätigkeiten zwar ein negatives
Fähigkeitsprofil, aber keine allzu grossen Einschränkungen zu berücksichtigen seien
(act. G 4 Ziff. III/10). Der Beschwerdeführer verfügt über jahrzehntelange
Arbeitserfahrung in unterschiedlichen Unternehmungen und Tätigkeiten. Auf Deutsch
kann er sich offenkundig ausreichend verständigen (vgl. dazu etwa IV-act. 61-14, zu
zudem vorhandenen Italienischkenntnissen vgl. IV-act. 61-10 Mitte). Zumindest auf
dem in der Invalidenversicherung relevanten hypothetischen ausgeglichenen
Arbeitsmarkt ist folglich davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer noch eine
Anstellung hätte finden können. Die Verwertbarkeit der verbleibenden Arbeitsfähigkeit
ist zu bejahen.
3.2.2.
Bei Anmeldung im April 2016 liegt der frühestmögliche Rentenbeginn am
1. Oktober 2016 (vgl. Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG). Die ABI-Gutachter bezeichneten die
retrospektive Einschätzung des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit als schwierig. Sie gingen
spätestens sechs Monate nach dem am 6. Juni 2016 durchgeführten
Kniegelenksersatz von der uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in adaptierten
Tätigkeiten aus (IV-act. 61-20). Wegen der Knieproblematik war er seit 14. Dezember
2015 arbeitsunfähig geschrieben (IV-act. 12-1, ferner IV-act. 1-4). Bei Ablauf des
Wartejahrs (dazu Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) bestand für adaptierte Tätigkeiten keine
quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr. Damit wird der
rentenbegründende Mindestinvaliditätsgrad von 40% – bei verglichen mit den
Tabellenlöhnen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung für Hilfsarbeiter knapp
unterdurchschnittlichem Valideneinkommen (vgl. IV-act. 10-3: Fr. 62'595.--) –
offenkundig nicht erreicht. Unter diesen Umständen kann die Festsetzung des
Tabellenlohnabzugs, der praxisgemäss maximal 25% beträgt (BGE 126 V 75),
unterbleiben. Die verfügte Abweisung des Rentengesuchs ist rechtmässig.
4.1.
Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.4.2.
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