Decision ID: 034211ae-2cf2-45d3-aa3a-8685888aeaf4
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962,
arbeitete ab
August 1988 als Logistikmitarbeiter bei der
Y._
AG.
Wegen Schulterproblemen war er ab dem 14. September 2009 100 % arbeitsunfähig. In der Folge kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 30. Juni 2010 (
Urk.
8/1 S. 19) und meldete den Versicherten
im
April 2010 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zur invalidenversicherungsrechtlichen Früherfassung an
(
Urk.
8/1,
Urk.
8/2 und
Urk.
8/3).
Mit Schreiben vom 2
2.
April 2010 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, das Anmeldeformular ausgefüllt an die IV-Stelle zu retournieren (
Urk.
8/5
). Am 11. Mai 2010 meldete sich
X._
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an und beantragte berufliche Mass
nahmen und eine Rente (
Urk.
8/7). Die IV-Stelle nahm erwerbliche (
Urk.
8/12,
Urk.
8/15
) und medizinische (
Urk.
8/17,
Urk.
8/25,
Urk.
8/27,
Urk.
8/28,
Urk.
8/33
-34
) Abklärungen
vor,
lud den Versicherten zu einem persönlichen Gespräch ein (
Urk.
8/32
) und
zog die Akten der Taggeldversicherung Visana Services AG (Visana;
Urk.
8/16
und
Urk.
8/23
) bei
.
Am 22. November 2010 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass keine Arbeitsvermittlung aufge
nommen werde (
Urk.
8/39)
und lud
X._
zu einer medizinischen Ab
klärung durch den
Regionalen Ärztlich
en
Dienst (RAD) ein, welche am 10.
Januar 2011 durchgeführt wurde (
Urk.
8/44).
Mit Vorbescheid vom 10. Mai 2011 stellte die IV-Stelle
X._
die Ausrichtung einer vo
m
1.
November 2010 bis 30. April 2011 befristeten
ganzen Invalidenrente in Aus
sicht (
Urk.
8/49). Dagegen liess der Versicherte Einwand erheben und ab dem 1. September 2010 eine unbefristete Rente beantragen (
Urk.
8/54 und
Urk.
8/57).
Mit Verfügung vom 28. November 2011 hielt die IV-Stelle in Bezug a
uf die Befristung zwar
an ihrem Entscheid fest, sprach dem Versicherten in Abänderung zum Vorbescheid hingegen neu eine vom 1. November 2010 bis zum 31. Mai 2011 befristete
ganze Invalidenrente zu (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt Kübler, am 13. Januar 2012 Beschwerde erheben
und
beantrag
en, es sei ihm mit Wirkung ab 1. Oktober 2010 eine unbefristete Rente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den medizinischen Sachverhalt rechtsgenügend abkläre, um hernach über den Rentenanspruch ab dem 1. Juni 201
1 neu zu verfügen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 20. Februar 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Am 16. April 2012 hielt der Beschwerdeführer replicando an seinen Anträgen fest (
Urk.
11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 15.
Mai 2012 auf das Einreichen einer Duplik (
Urk.
13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG).
1.
2
Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditäts
grad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem In
validitätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente.
1.3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen) Art. 88a
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/dd mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Ver
gleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung bzw. Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung
des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413 f. E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die IV-Stelle stellte sich auf den Standpunkt, die medizinischen Abklärungen
hätten ergeben, dass
X._
seit dem 14. September 2009 in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt sei. Bis zum 25. Oktober 2010 sei er in seiner angestammten Tätigkeit als Lagerist und auch in einer leidensangepassten Tätigkeit
zu 100 % arbeitsunfähig gewesen und
der Invaliditätsgrad habe 100 % betragen. Ab dem 26. Oktober 2010 habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verbessert und es sei ihm ab diesem Zeitpunkt eine behinderungsangepasste Tätigkeit im Umfang von 50 % zumutbar gewesen, was zu einem Invaliditätsgrad von 70 % geführt habe
.
Seit dem 11. Januar 2011 habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers derart verbessert, dass ihm aus ärztlicher Sicht
eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei, was
aufgrund des Einkommensvergleichs
zu einem Invaliditätsgrad von 37 %
führe. Aufgrund der verspäteten Anmeldung
habe der Beschwerdeführer vom 1.
November
2010 bis Ende Mai 2011
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (Urk. 2).
2.2
Dagegen macht der Beschwerdeführer geltend,
dass
sich der Zustand am rechten Schultergelenk seit dem 26. Oktober 2010 aktenkundig nicht mehr verbessert habe, so dass entgegen der Einschätzung der IV-Stelle nicht von einer Verbes
serung des Gesundheitszustandes und einer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit von 50 auf 100 % ausgegangen werden könne.
Eine Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer Verweistätigkeit sei aufgrund der ungenügenden medizinischen Abklärun
gen nicht überwiegend wahrscheinlich, weshalb die Befristung der zugespro
chenen Rente zu Unrecht erfolgt sei.
Eine rechtsgenügende
Einschä
tzung der Arbeitsfähigkeit
scheine nur im Rahmen einer Abklärung durch eine Berufliche Abklärungsstelle
(
BEFAS
)
oder
allenfalls
durch eine Evaluation der funktionel
len Leistungsfähigkeit
(EFL)
möglich.
Zudem stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass
der Rentenanspruch bereits ab 1.
Oktober 2010 be
stehe, da
die am 20. April 2010 von der ehemaligen Arbeitgeberin zur Früherfassung eingereichte Anmeldung zur Fristwahrung ausreiche und nicht erst
das vom Beschwerdeführer am 14.
Mai
2011 (richtig: 2010)
eingereichte Anmeldeformular
massgebend sei
. Weiter bestreitet der Beschwerdeführer das von der IV-Stelle herangezogene Invalideneinkommen von
Fr.
62‘674.75 als nicht nachvollziehbar und zu hoch und den
vorgenommenen
Leidensabzug von 10
%
als zu tief.
2.3
Strittig ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente sowie insbesondere
ob und allenfalls wie sich der Gesundheitszustand des Beschwer
deführers seit dem 14. September 2009 verändert hat und wie sich allfällige
gesundheitliche
Beeinträchtigungen auf seine Arbeitsfähigkeit
ausgewirkt haben
.
3.
3.1
Im Be
richt vom 3. Juni 2010
hielt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Allge
meinmedizin,
unter Verweis auf verschiedene Berichte von
Dr.
med.
A._
, Chefarzt der Klinik für Orthopädische Chirurgie des
S
pitals
B._
(
Urk.
8/17 S. 7-18)
,
folgende Diagnosen
mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
fest
:
Persistier
e
nd
e Schulterschmerzen rechts bei einem
Status nach parti
eller Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion (Subscapularis), Bicepstenodese rechts bei Rotatorenmanschetten-Massenruptur (irreparabler Supraspinatus)
und einen
Status nach Hämatom-Evakuation Schulter rechts (24.02.2010)
. Weiter beschrieb
er eine
Schmerzverstärkung rechts nach Sturz mit direkter Kontusion (05.07.2009)
und attestierte
eine ä
ltere Totalruptur der Supraspinatu
s
sehne rechts,
eine
frischere Subtotalruptur der Subscapularissehne rechts,
eine
Luxa
tion der langen Bicepssehne rechts nach medial,
ein
en
i
ntraartikuläre
n
Erguss
rechts (Sonographie durch
Dr.
C._
August 2009)
sowie einen
Status nach subacromialer Infiltration rechts bei Per
i
a
r
th
r
o
pathia humeroscapularis (Oktober 2007).
Als Diagnose
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
Z._
einen Diabetes mellitus Typ 2 (Erstdiagnose April 2009) auf und attestierte dem Beschwerdeführer
insgesamt
eine seit dem 14. September 2009 bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit
für die bisherige Tätigkeit
.
Dr.
Z._
erachtete es als schwer abschätzbar, ob eine behinderungsangepasste Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten mit leichten Gegenständen möglich sei und hielt fest, dass ein Arbeitsversuch erfolgen müsse, um die Möglichkeiten abzuschätzen (
Urk.
8/17 S. 20-21).
3.2
3.2.1
Dr.
A._
führte im Bericht vom 23. Juni 2010
zu Handen der IV-Stelle aus, beim
Beschwerdeführer bestehe ein Status nach partieller Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion im Bereich des Subscapularis sowie Bicepstenodese rechts vom 24.02.2010 bei symptomatischer Rotatorenmanschetten-Massenruptur
. Wie erwartet sei es bei irreparabler Rotatorenmanschetten-Läsion in Folge der Ope
ration nur zu einer mässigen Verbesserung der Beschwerdesymptomatik und vor allem der Funktion der rechten Schulte
r
gekommen. Der Beschwerdeführer führe nach wie vor eine konsequente Physiotherapie zur Verbesserung der globalen Beweglichkeit und
zum
Kraftaufbau im Bereich der Restmanschette durch. In seiner Tätigkeit als rechtsdominanter Lagerist sei er nach wie vor 100%ig arbeitsunfähig. Auch eine Wiederaufnahme dieser Tätigkeit sei auf
grund des irreparablen Schadens der Schulter nicht zu erwarten. Das Ziel wäre entsprechend im Verlauf den Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu integrieren. Dabei wäre jedoch der Verzicht auf belastete Tätigkeit der rechten Schulter vornehmlich über der Horizontalebene langfristig unabdingbar (
Urk.
7/25 S. 5
=
Urk.
7/28 S. 5
).
3.2.2
In seinem Bericht vom 27. Juli 2010
bestätigte
Dr.
A._
seine Diagnosen und beschrieb
, dass der Beschwerdeführer mit dem Verlauf weiterhin wenig zufrie
den sei und über ein persistierendes Impingement bei sämtlichen Bewegungen mit langem Hebelarm über die Abduktions- und Elevationsebene berichte.
Dr.
A._
hielt fest, dass der Beschwerdeführer nun ein klares Rehabilitationsdefizit mit persistierendem Impingement zeige, weshalb eine erneute Infiltration v
orgenommen worden sei und er den Beschwerdeführer im Berichtszeitpunkt als ehemaligen
Lagerist
en
z
u 100
%
arbeitsunfähig beurteil
e (
Urk.
7/28 S. 6).
3.2.3
Am 26. Oktober 2010 stellte
Dr.
A._
nach
einem am 30. September 2010 durch
geführten Arthro-MRI und
einer erneuten Untersuchung der operierten Schulter fest, dass der Beschwerdeführer in seinem angestammten Beruf ar
beitsunfähig bleibe.
Weiter hielt
Dr.
A._
fest, dass für eine leichte Arbeit,
si
cherlich von einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ausgegangen werden
könnte und
bestätigte die Arbeitsunfähigkeit
bis Ende 2010 (
Urk.
7/33).
3.3
In seinem Bericht vom 17. Dezember 2010 führte
Dr.
Z._
aus, dass der Beschwerdeführer arbeiten wolle und bereit sei für eine Vermittlung, Einglie
derung beziehungsweise einen Arbeitsversuch mit Hilfe der IV-Stelle. Aus medi
zinisch-theoretischer Sicht sei bei
X._
maximal eine angepasste lei
chte Arbeit bis 50
%
denkbar, er
zweifle jedoch daran, ob dies effektiv mög
lich sein werde (
Urk.
7/43).
3.4
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine medizinische Abklärung durch den RAD, welche am 10. Januar 2011 in Anwesenheit eines Italienisch-Dolmetschers von
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, durchgeführt wurde. In seinem Bericht vom 10. Februar 2011
attestierte
Dr.
D._
eine schmerzhafte Bewegungs- und Belastungsein
schränkung der rechten Schulter seit dem 14. September 2009 bei
einem
Status nach Reruptur der Rotatorenmanschette der rechten Schulter bei
einem
Status nach partieller Rotatorenm
anschettenrekonstruktion am 24.
Februar 2010. Weiter hielt
Dr.
D._
fest, dass
damit
ein Gesundheitsschaden aus
gewiesen sei, welcher die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige. In seiner bisherigen Tätigkeit al
s Lagerist bestehe seit dem 14.
September 2009 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, in angepasster Tätigkeit (körperlich leichte Tätigkeit ohne Hebe- und Tragebelastung über 5 kg für die rechte Schulter,
ohne
Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne Überkopfarbeit oder Arbeiten in andauernder Armvorhalte
)
bestehe ge
stützt auf die Einschätzung von
Dr.
A._
eine 50%ig
e Arbeitsfähigkeit seit dem 26.
Oktober 2010 und ab dem Zeitpunkt der RAD-Untersuchung vom 11. Januar 2011 eine 100%ige Arbeitsfähig
keit für angepasste Tätigkeiten
(
Urk.
7/44 S. 5).
3.5
Nachdem
der Beschwerdeführer im Rahmen des Einwandverfahrens den Bericht von
Dr.
A._
vom 13. Januar 2011
hatte
einreichen l
a
ss
en
, in welchem dieser zu Handen der Visana darlegte
, dass beim Beschwerdeführer gestützt auf das Arthro-MRI vom 30. September 2010 allenfalls eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in leichter Tätigkeit sowie eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestehe und das Festhalten der Visana an der Leistungseinstellung fragwürdig erschein
e
(
Urk.
7/53), legte die IV-Stelle den Sachverhalt nochmals dem RAD zur Prüfung vor.
3.6
In ihrer Stellungnahme vom 15. August 2011
hielten
Dr.
D._
und
Dr.
E._
, Facharzt FMH für Innere Medizin,
fest, dass die dargestellten klinischen Be
funde in den Berichten des
S
pitals
B._
(
Dr.
A._
) und dem RAD-Untersuchungsbericht gleich seien. Es gehe im Wesentlichen darum, ob beim Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit lediglich eine 50%ige Arbeits
fähigkeit (gemäss
Dr.
A._
) oder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (gemäss RAD-Untersuchungsbericht) vorliege. Die RAD-Ärzte kamen
zum Schluss,
dass bei einem Vergleich der Untersuchungsbefunde von
Dr.
A._
vom 27. Juli 2010
und derer vom RAD eine Besserung der Beweglichkeit auffalle. Weiter sei das Belastungsprofil derart ausgestaltet worden, dass eine nur noch sehr leichte
Be
las
tung der betroffenen rechten Schulter resultiere, die angesichts der erhobe
nen Befunde darin münde, dass unter diesen geringsten Belastungen eine vollzeitige Tätigkeit möglich sei. Das Belastungsprofil für eine angepasste Tätigkeit, wie es von
Dr.
A._
formuliert worden sei, werde den Einschränkungen des Versicherten nicht vollumfänglich gerecht, deswegen könne für die Zeit bis zur
Anpassung des Belastungsprofil
s die attestierte Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestätigt werden. Nach optimaler Anpassung des Belastungsprofiles resultiere ab Berichtsdatum eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(
Urk.
7/60 S. 2).
Die IV-Stelle stellte
in der Folge
auf die Einschätzung des RAD ab (
Urk.
7/60
S. 2) und sprach dem Beschwerdeführer
neu
eine vom 1. November 2010 bis zum 31. Mai 2011 befristete ganze Invalidenrente zu (
Urk.
2)
.
4.
4.1
Die Berichte von
Dr.
A._
äussern sich zur Arbeitsfähigkeit und zum
zumutba
ren
Leistungspr
ofil nur
allgemein
.
Dr.
A._
schätzte
die Arbeitsfähigkeit
in sei
nen Berichten vom 26. Oktober 2010 und vom 13. Januar 2011
in einer nicht näher umschriebenen
l
eichten
Tätigkeit mit 50
%
ein. W
elche Tätigkeiten der Beschwerde
führer konkret noch ausführen kann
und
welche Belastungen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich sind,
geht aus den Ausführungen von
Dr.
A._
nicht
hervor
. E
in Vergleich
d
es Gesundheitszustandes bezie
hungsweise der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der
letzten
Beurteilung durch
Dr.
A._
am
26
.
Oktober 2010
(bezie
hungsweise am 13. Januar 2011)
und
i
m Zeitpunkt der RAD
-Untersuchung
am
10.
Januar 2011
ist damit nicht möglich. Die
vom RAD beschriebene
leichte
Verbesserung der Beweglichkeit und die entsprechend vorgenommene
Anpas
sung des Anforderungsprofils
k
ö
nn
en
aufgrund der wenigen Angaben von
Dr.
A._
in Bezug auf das Anforderungsprofil nicht überprüft werden. Die von
der IV-Stelle gestützt auf die Beurteilung des RAD geltend gemachte Verbesse
rung
, welche zur Befristung der Rentenzusprache geführt hat,
überzeugt eben
falls
nicht
.
Dies umso mehr, als
Dr.
D._
in seiner Stellungnahme vom
15. August 2011
nach Prüfung des Berichtes von
Dr.
A._
vom 13. Januar 2011
ausdrücklich festh
ie
lt, dass die klinischen Befunde von
Dr.
A._
mit denj
enigen gemäss
der
RAD-Untersuchung
gleich seien.
Aus den Akten geht auch nicht hervor
, ob
Dr.
D._
über sämtliche (bildgebenden) Unterlagen (insbesondere
da
s
Arthro
-
MRI
vom 30.
September 2010) verfügt hat.
4.2
Aufgrund des vorstehend Gesagten ergibt sich, dass weder die Berichte von Dr.
A._
noch derjenige von
Dr.
D._
umfassend, nachvollziehbar und schlüssig genug sind, um die Dauer und das Ausmass der Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seit dem 14.
September 2009 mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bestimmen zu können.
Die Sache ist deshalb an die IV-Stelle zur
ergänzenden
Abklärung – durch ein Gutachten u
nd/oder allenfalls einer BEFAS–Abklärung
– zurück
zuweisen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Die Überprüfung des Invalideneinkommens, wie
sie
der Beschwerdeführer bean
tragt hat, wird entsprechend erst nach Festlegung des Leistungsprofils des Be
schwerdeführers möglich sein.
5.
5.1
Was den Zeitpunkt der Anmeldung
bei der Invalidenversicherung
und damit des Rentenbeginns
betrifft
,
ist d
er Vollständigkeit halber an dieser Stelle bereits darauf
einzugehen
.
Die ehemalige Arbeitgeberin des Beschwerdeführers
reichte das Meldeformular zur Früherfassung am 20.
April 2010 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, ein
(
Urk.
8/3). Mit Schreiben vom 2
2.
April 2010 for
derte die IV-Stelle den Versicherten
in der Folge
auf, das
für sie notwendige
Anmeldeformular ausgefüllt
innert 30 Tagen
an die IV-Stelle zu retournieren (
Urk.
8/5)
. Die IV-Stelle wies den Versicherten in ihrem Schreiben darauf
hin, dass
sie davon ausgehe, dass er auf Leistungen der IV verzichte, wenn er das Anmeldeformular nicht innert der angegebenen Frist einreiche
sowie
dass eine Nichtanmeldung als Verletzung der Mitwirkungspflicht angesehen werde und bei einer späteren Anmeldung zu Leistungskürzungen oder –verweigerungen führen könne.
5.2
5.2.1
Der Beschwerdeführer lässt geltend machen, er habe sich bereits am 20. April 2010 zur Früherfassung bei der IV-Stelle angemeldet. Art. 29
Abs.
l IVG in Ver
bindung mit Art. 29 ATSG verlange nicht, dass sich eine versicherte Person konkret zum Rentenbezug anmelden müsse, weshalb die Anmeldung zur Früherfassung zur Fristwahrung genüge, zumal im Fall des Versicherten keine Taggelder ausgerichtet worden seien.
Art. 29
Abs.
2 ATSG
verlange
, dass der Arbeitgeber des Leistungsansprechers die Anmeldung bei der Invalidenversi
cherung vornehme. Es käme einem überspitzten Formalismus und damit Willkür gleich, wenn bezüglich des Anmeldedatums in Bezug auf die Rentenfrage nicht auf die Anmeldung des Arbeitgebers vom 15. April 2010 abgestellt würde.
So
mit bestehe der Rentenanspruch bereits
ab
1
. Oktober 2010
, was zur Nachzah
lung eines Monatsbetreffnisses führen müsse (
Urk.
1 S. 7).
5.2.2
Gemäss
Art.
3a
Abs.
1 IVG soll nach der Anmeldung zur Früherfassung durch die frühzeitige Erfassung von arbeitsunfähigen (
Art.
6 ATSG) Versicherten bei diesen Personen der Eintritt einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) verhindert werden. Davon zu unterscheiden ist die Anmeldung zum Bezug von Versicherungsleis
tungen: Laut
Art.
29
Abs.
1 ATSG hat sich
beim zuständigen Versicherungsträ
ger in der für die jeweilige Sozialversicherung gültigen Form anzumelden
, wer eine Versicherungsleistung beansprucht.
Nach der Rechtsprechung wahrt die versicherte Person mit ihrer Anmeldung nicht nur jene Ansprüche, die sie ausdrücklich auf dem Anmeldeformular auf
zählt. Vielmehr umfasst eine Anmeldung alle Ansprüche, die nach Treu und Glauben mit dem angemeldeten Risikoeintritt in Zusammenhang stehen. Die im Anschluss an ein Leistungsgesuch durchzuführenden Abklärungen der Verwal
tung erstrecken sich jedoch nur auf die vernünftigerweise mit dem vorgetrage
nen Sachverhalt und allfälligen bisherigen oder neuen Akten in Zusammenhang stehenden Leistungen. Wird später geltend gemacht, es bestehe noch Anspruch auf eine andere Versicherungsleistung, so ist nach den gesamten Umständen des Einzelfalles im Lichte von Treu und Glauben zu prüfen, ob jene frühere unge
naue Anmeldung auch den zweiten, allenfalls später substanziierten Anspruch umfasst (BGE 132 V 286 E. 4.3 mit Hinweisen).
Die Anmeldung zur Früherfassung gemäss
Art.
3a
Abs.
1 IVG löst gesetzlich umschriebene Bemühungen aus, bei der versicherten Person den
Eintritt
einer Invalidität, das heisst des von der Invalidenversicherung versicherten Risikos zu verhindern, nicht aber automatisch auch den Entscheid darüber, ob ein An
spruch auf Versicherungsleistungen besteht, wenn das Risiko dennoch einge
treten ist. Erst und nur mit der Anmeldung zum Leistungsbezug können und müssen gestützt auf
Art.
29 ATSG in Verbindung mit Art 65 ff. IVV
Leistungsansprüche geltend gemacht werden, wenn sich das versicherte Risiko der Invalidität also doch verwirklicht hat. Die Anmeldung zur Früherfassung verfolgt demnach das spezielle Ziel, eine Invalidität zu vermeiden. Wird das Ziel verfehlt, so verpflichtet
Art.
3c
Abs.
6 IVG die IV-Stelle ausdrücklich dazu, die versicherte Person bei Bedarf zu einer Anmeldung bei der Invalidenversiche
rung nach
Art.
29 ATSG aufzufordern und sie darauf aufmerksam zu machen, dass die Leistungen gekürzt oder verweigert werden können, wenn die Anmel
dung nicht unverzüglich erfolgt. Falls die versicherte Person den Pflichten nach
Art.
7 IVG oder nach
Art.
43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist, können die Leistungen in Abweichung von
Art.
21
Abs.
4 ATSG - sogar ohne Mahn- und Bedenkzeitverfahren - gekürzt oder verweigert werden, wenn die versi
cherte Person trotz Aufforderung der IV-Stelle nach
Art.
3c
Abs.
6 IVG nicht unverzüglich eine Anmeldung vorgenommen hat und sich dies nachteilig auf die Dauer oder das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit oder der Invalidität auswirkt (
Art.
7b
Abs.
2 lit. a IVG).
Diese Regelung des Ablaufs mit dem Nacheinander von Anmeldung zur Früherfassung und der Anmeldung zum Leistungsbezug wäre gänzlich unnötig und ohne Sinn, wenn die Anmeldung zur Früherfassung als Massnahme zur Vermeidung eines Invaliditätseintritts gleichzeitig automatisch auch die Anmel
dung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung mit umfassen würde. Wäre dies dennoch der Fall, hätte dies der Gesetzgeber ausdrücklich und un
missverständlich regeln müssen, was er nicht getan hat. Der Argumentation des Beschwerdeführers kann deshalb in diesem Punkt nicht gefolgt werden. Viel
mehr ist für die Festsetzung des Rentenbeginns die separate Anmeldung zum Leistungsbezug nach
Art.
29 ATSG in Verbindung mit
Art.
29
Abs.
l
IVG
mass
gebend
.
5.2.3
Es lag auch keine Verpflichtung der IV-Stelle vor, den Beschwerdeführer ohne eine entsprechende Anfrage von ihm darauf aufmerksam zu machen, dass das Datum der Anmeldung zur Früherfassung nicht gleichzeitig
auch
als jenes der Anmeldung zum Rentenbezug gelten konnte. Eine Verletzung der Auskunfts- und Beratungspflicht gemäss
Art.
27 ATSG käme nur in Betracht, wenn sich der Beschwerdeführer in irgendeiner Form nach der rechtlichen Situation erkundigt hätte und in der Folge entweder falsch oder gar nicht aufgeklärt worden wäre. Dies war jedoch nicht der Fall.
Art.
29
Abs.
1 IVG ist denn auch so eindeutig formuliert, dass sich die Annahme verbietet, das Datum der Anmeldung für eine Invalidenrente stimme mit jenem der Anmeldung zur Früherfassung überein respektive werde auf jenes zurückverlegt. Denn
Art.
29
Abs.
1 IVG hält unmiss
verständlich fest, dass der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Absatz
1 ATSG beginne, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des
18. Altersjahres folge. Entgegen der Annahme des Versicherten wird demnach mit
Art.
29
Abs.
1 IVG der Beginn des Rentenanspruchs ausdrücklich geregelt.
Somit hat die Beschwerdegegnerin den Rentenbeginn zu Recht auf den
1.
November 2010 festgesetzt.
6
.
6
.1
Abweichend von Art. 61 lit. a ATSG ist das Beschwerdeverfahren um die Bewilli
gung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Gericht kostenpflichtig. Die Gerichtskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom St
reitwert im Rahmen von Fr. 200.--
bis Fr. 1'000.
--
festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Die Kosten sind auf Fr. 600.
--
anzusetzen und entsprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
, welche nur minim – in Bezug auf die Vorverlegung des Rentenbeginns um einen Monat - obsiegt
.
6
.2
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die im Verfah
ren vor dem kantonalen Versiche
rungsgericht obsiegende beschwerdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten.
Die Parteientschädigung für die Vertretung vor dem Sozialversicherungsgericht ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streits
ache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und nach Ma
ssgabe des Obsiegens auf Fr.
2‘600
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.