Decision ID: c7bde5cf-801f-5f12-8e1f-d2fb4a649327
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Andrea Cantieni, Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach
4358, 6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen / Hinterlassenenrente (B._ sel.)
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Sachverhalt:
A.
A.a Die 19_ geborene B._ (nachfolgend: Versicherte) war seit 1. März 2004 als
Metallarbeiterin bei der Firma C._ AG tätig und in dieser Eigenschaft bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert (Suva-act. 4). Am 26. April 2011 wurde bei ihr im Kantonsspital
Graubünden wegen eines unspezifischen thorakalen Druckgefühls und einer
Leistungsintoleranz mit intermittierender Dyspnoe eine elektive Koronarangiographie
durchgeführt. In der gleichen Sitzung wurde eine hochgradige RIVA (Ramus
interventricularis anterior)-Stenose dilatiert und mit einem Stent versorgt. Die
Versicherte verstarb am Operationstag im Kantonsspital in Chur (Suva-act. 2). Mit
Schreiben vom 30. März 2012 meldete Rechtsanwalt Dr. iur. A. Cantieni, Chur, der
Suva, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es sich beim Todesfall der
Versicherten vom 26. April 2011 um ein Unfallereignis handle (Suva-act. 1). Am 5. April
2012 meldete auch die Arbeitgeberin der Suva den Todesfall als Unfall (Suva-act. 4).
A.b Am 23. Januar 2012 wurde im Auftrag der Staatsanwaltschaft Graubünden ein
rechtsmedizinisches Gutachten durch Dr. med. D._, Facharzt Rechtsmedizin FMH,
erstellt (Suva-act. 9). Am 28. August 2012 verfasste Prof. Dr. med. E._, Facharzt FMH
Innere Medizin und Kardiologie, HerzGefässZentrum, Zürich, ein Kurzgutachten
zuhanden der Patienten-Organisation SPO Patientenschutz, Zürich (Suva-act. 8).
A.c Mit Verfügung vom 10. Dezember 2012 verneinte die Suva einen
Leistungsanspruch aus der obligatorischen Unfallversicherung mit der Begründung,
beim Todesfall vom 26. April 2011 handle es sich nicht um einen Unfall im Rechtssinne
(Suva-act. 11).
B.
Die gegen diese Verfügung von Rechtsanwalt Cantieni für den Ehegatten der
Verstorbenen, A._, mit Eingabe vom 17. Januar 2013 erhobene Einsprache (Suva-
act. 13) wies die Suva nach einer Beurteilung des Schadenfalls durch ihren Kreisarzt
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Dr. med. F._, Suva Linth, vom 30. Januar 2013 (Suva-act. 14) mit
Einspracheentscheid vom 24. April 2013 ab (Suva-act. 17).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 24. April 2013 liess der Ehegatte der
Verstorbenen durch Rechtsanwalt Cantieni mit Eingabe vom 22. Mai 2013 Beschwerde
erheben. Der Rechtsvertreter beantragte, der Einspracheentscheid vom 24. April 2013
sei aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen, um den Anspruch
auf Leistungen nach UVG zu berechnen. Eventualiter sei vom Gericht ein medizinisches
Gutachten in Auftrag zu geben, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 18. Juni 2013 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des Einspracheentscheids vom 24. April
2013 (act. G 3).
C.c Mit Schreiben vom 24. Juni 2013 verzichtete Rechtsanwalt Cantieni auf die
Einreichung einer Replik (act. G 5).
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften und die Ausführungen in
den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob der bei B._ im Kantonsspital Graubünden am 26. April
2011 durchgeführte operative Eingriff einen Unfall im Sinne von Art. 4 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
820.1) darstellt und dabei insbesondere, ob das zum Unfallbegriff gehörende Merkmal
der Ungewöhnlichkeit erfüllt ist.
2.
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2.1 Nach der Definition des Unfalls bezieht sich das Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit auf den Faktor selbst und nicht auf dessen Wirkungen auf den
menschlichen Körper. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, ob
der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen - im konkreten Fall
den tragischen Tod der Versicherten - nach sich zieht. Der äussere Faktor ist
ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder
Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich
nur die objektiven Verumständungen in Betracht fallen (BGE 116 V 138 E. 3b und 147
E. 2a mit Hinweisen; RKUV 1992 Nr. U 153 S. 203 E. 1a; A. Rumo-Jungo/A. Holzer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf, S. 31).
2.2 Diese Grundsätze zum Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit gelten auch, wenn
zu beurteilen ist, ob ein ärztlicher Eingriff bzw. eine medizinische Massnahme im
Rahmen einer Krankenbehandlung, für welche der Unfallversicherer grundsätzlich nicht
leistungspflichtig ist, ausnahmsweise den gesetzlichen Unfallbegriff erfüllt. Die Frage,
ob eine ärztliche Massnahme als mehr oder weniger ungewöhnlicher äusserer Faktor
zu betrachten sei, ist aufgrund objektiver medizinischer Kriterien zu beantworten. Sie
ist nur dann zu bejahen, wenn die ärztliche Vorkehr als solche den Charakter des
ungewöhnlichen äusseren Faktors aufweist; denn das Merkmal der
Aussergewöhnlichkeit bezieht sich nach der Definition des Unfallbegriffs - wie gesagt -
nicht auf die Wirkungen des äusseren Faktors, sondern allein auf diesen selber (RKUV
1992 Nr. 153 S. 203 E. 1b; A. Rumo-Jungo/A. Holzer, a.a.O., S. 31).
2.3 Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung ist es mit dem Erfordernis der
Aussergewöhnlichkeit streng zu nehmen, wenn eine medizinische Massnahme in Frage
steht, d.h. an die Bejahung der Ungewöhnlichkeit des den Gesundheitsschaden - oder
hier den Tod - auslösenden Ereignisses werden gegenüber dem üblichen Unfallbegriff
erhöhte Anforderungen gestellt. Damit eine medizinische Massnahme als
ungewöhnlicher äusserer Faktor qualifiziert werden kann, muss ihre Vornahme unter
den jeweils gegebenen Umständen vom medizinisch Üblichen ganz erheblich
abweichen und zudem, objektiv betrachtet, entsprechend grosse Risiken in sich
schliessen (SVR 1999 UV Nr. 9 S. 29 E. 4a; RKUV 1992 Nr. 153 S. 204 E. 1b, RKUV
1988 Nr. U 36 S. 46 E. 3a; A. Rumo-Jungo/A. Holzer, a.a.O., S. 31).
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2.4 Diese Praxis zur Ungewöhnlichkeit von medizinischen Massnahmen kann laut
höchstrichterlicher Rechtsprechung nur zur Anwendung gelangen, wenn ein
Behandlungsfehler seitens des Arztes bzw. der Ärztin oder der die medizinische
Massnahme durchführenden Person zu beurteilen ist. Liegt hingegen gar kein
fehlerhaftes Verhalten vor, welches als schädigende Einwirkung zu betrachten wäre,
hat die Prüfung der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors nach Massgabe der
üblichen zum Unfallbegriff entwickelten Kriterien zu erfolgen (RKUV 1992 Nr. U 153 S.
204 E. 1b; A. Rumo-Jungo/A. Holzer, a.a.O., S. 32).
2.5 In einem Beitrag in der Zeitschrift Haftung und Versicherung (HAVE 4/2009 S. 382
ff.: Accident médical) äussert sich U. Kieser kritisch zur höchstrichterlichen
Rechtsprechung und kommt zum Ergebnis, beim Accident médical bzw. der
schädigenden medizinischen Behandlung als Unfall gehe es um die Beurteilung der
Frage, ob ein Vorgang im Rahmen einer (weit gefassten) medizinischen Behandlung
einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG darstelle. Ob ein Accident médical vorliege,
beurteile sich unter Anwendung der in Art. 4 ATSG genannten Kriterien, wobei
insbesondere die Kriterien der Ungewöhnlichkeit und der Unfreiwilligkeit von
Bedeutung seien. Es sei verfehlt, das Vorliegen eines Accident médical nur zu prüfen,
wenn ein medizinischer Behandlungsfehler vorliege. Vielmehr gehe es regelmässig um
die Frage, ob das Ereignis das im jeweiligen Lebensbereich Alltägliche oder Übliche
überschreite. Nicht überzeugend sei, im Bereich des Accident médical eine strengere
Prüfung der nach Art. 4 ATSG massgebenden Kriterien vorzunehmen.
2.6 Eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob das Abgrenzungskriterium des
Vorliegens eines medizinischen Behandlungsfehlers bestimmend für die Beurteilung ist,
ob gegenüber dem üblichen Unfallbegriff erhöhte Anforderungen an die
Ungewöhnlichkeit zu stellen seien, kann angesichts dessen, dass im vorliegenden Fall -
wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen (vgl. Erwägung 4.2) - kein
Behandlungsfehler vorliegt, offen bleiben. Die Prüfung der Ungewöhnlichkeit des
äusseren Faktors hat nämlich damit in jedem Fall nach Massgabe der üblichen zum
Unfallbegriff entwickelten Kriterien zu erfolgen; RKUV 1992 Nr. U 153 S. 204 E. 1b; A.
Rumo-Jungo/A. Holzer, a.a.O., S. 32).
3.
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3.1 In dem gestützt auf die Obduktionsbefunde erstellten rechtsmedizinischen
Gutachten von Dr. D._ vom 23. Januar 2012, welches sich zur Todesart und
Todesursache äussert, wurden als Schlussfolgerungen festgehalten, man gehe
aufgrund der Gesamtumstände davon aus, dass im Rahmen des Eingriffs das Herz von
innen perforiert worden sei und es zum Austritt von Blut in den Herzbeutel gekommen
sei. Die Herztamponade habe zum Tod durch Herzversagen geführt. Es sei nicht
gelungen, aufgrund der Obduktionsbefunde, der Krankengeschichte inkl. der Bild- und
Videodokumentation des Eingriffs und der Gedächtnisprotokolle nachzuvollziehen, wie
und warum es zur Herzperforation gekommen sei. Vor allem auch gestützt auf die
Beurteilung eines konsiliarisch beigezogenen, externen Kardiologen dürfe davon
ausgegangen werden, dass der Eingriff nach dem heute gängigen Standard und den
heute geltenden Richtlinien durchgeführt worden sei. Man komme zum Schluss, dass
der Tod als Folge des ärztlichen Eingriffs eingetreten sei. Wahrscheinlich liege eine
seltene Behandlungskomplikation vor. Hinweise für einen Behandlungsfehler hätten
sich nicht ergeben (Suva-act. 9).
3.2 Prof. Dr. E._ führte in seinem Kurzgutachten vom 28. August 2012 aus, aufgrund
der Beschwerden der Verstorbenen - die mit einer für eine PCI (Perkutane
Koronarintervention) gut geeigneten koronaren Läsion erklärt gewesen seien - sei eine
ad hoc PCI (im unmittelbaren Anschluss an die diagnostische Untersuchung) lege artis.
Die Verstorbene sei vor der Untersuchung aufgeklärt worden. Im Text der von ihr
unterschriebenen Einverständniserklärung sei die Perforation eines Gefässes aber nicht
unmittelbar erwähnt worden, da diese Komplikation sehr selten sei. Zusammenfassend
seien Indikation und Aufklärung korrekt. Ursache der im rechtsmedizinischen
Gutachten festgestellten und schliesslich zur Herzbeuteltamponade und damit zum
Tod führenden Komplikation einer traumatischen Verletzung (mechanische Perforation)
sei mit grösster Wahrscheinlichkeit eine Perforation mit der Spitze des verwendeten
Führungsdrahtes. Der Führungsdraht liege während der Intervention mit der Spitze in
einem kleinen Sei-tenast. Bei dieser Lage seien Perforationen möglich, ohne dass sie
während einer Angiografie bemerkt würden. Häufig würden sich die durch den dünnen
Führungsdraht verursachten Läsionen von selbst verschliessen und hätten keine
Folgen. In sehr seltenen Fällen könne es zu einer Wühlblutung ins umliegende
Herzmuskelgewebe kommen. Auch in diesem Stadium sei es durchaus möglich, dass
sich die kleine Perforationsstelle wieder verschliesse und keine Folgen auftreten
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würden. Allerdings - und so dürfte es im vorliegenden Fall gewesen sein - könne sich
die Blutung durch den Herzmuskel wühlen und dann verspätet (zweizeitig) zu einer
Blutung in den Herzbeutel führen. Die relativ kleine Blutmenge von 330 ml genüge bei
akuter Blutung leider bereits zur Ausbildung einer vollen Tamponade, die eine
Pumpbewegung des Herzmuskels durch Kompression nicht mehr möglich mache und
damit tödlich ende. Das Auftreten einer zweizeitigen tödlichen Blutung ins Perikard
nach Drahtperforation sei eine sehr seltene (im Promille-Bereich) Komplikation, führe
aber leider (vor allem wenn die Perforation während der Intervention nicht bemerkt
werde) nicht selten zum Tod. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass die
behandelnden Ärzte sorgfältig und nach den üblichen Richtlinien gehandelt hätten. Die
zum Tode führende Tamponade in Folge Perforation eines kleinen Seitenastes mit dem
Führungsdraht sei während der Intervention unentdeckt geblieben und habe erst 6
Stunden nach der Intervention im Sinne einer langsamen Wühlblutung zur letztlich
tödlichen Herzbeuteltamponade geführt. Diese Komplikation sei sehr selten, aber
bekannt. Im vorliegenden Fall hätten die behandelnden Ärzte diese Komplikation nicht
frühzeitig genug erkennen können, um den Tod der Verstorbenen zu verhindern.
Hinweise für einen Behandlungsfehler fänden sich nicht (Suva-act. 8).
4.
4.1 Ein Behandlungsfehler kann angenommen werden, wenn es sich um grobe
ausserordentliche Verwechslungen und Ungeschicklichkeiten oder sogar um
absichtliche Schädigungen handelt, mit denen niemand rechnet noch zu rechnen
braucht. Ob ein Behandlungsfehler vorliegt, beurteilt sich unabhängig davon, ob der
beteiligte Mediziner einen Kunstfehler begangen hat, der eine (zivil- oder öffentlich-
rechtliche) Haftung begründet. Ebensowenig besteht eine Bindung an eine allfällige
strafrechtliche Beurteilung des ärztlichen Verhaltens (A. Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. 1989, S. 180; A. Rumo-Jungo/A. Holzer, a.a.O., S. 32;
SVR 1999 UV Nr. 9 S. 29 E. 4a).
4.2 Kreisarzt Dr. F._ wies in seiner Beurteilung des Schadenfalls vom 31. Januar
2013 hinsichtlich der Frage des Vorliegens eines Behandlungsfehlers darauf hin, dass
der Rechtsmediziner Dr. D._ das standardgemässe Vorgehen sowie das Einhalten
der Richtlinien bestätige und von einer seltenen Komplikation ausgehe. Auch Prof.
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Dr. E._ verneine einen Behandlungsfehler. Der Eingriff sei sorgfältig durchgeführt
worden. Es sei eine sehr seltene Komplikation eingetreten. Die Gutachter bestätigten
keine grobe oder ausserordentliche Verwechslung bzw. Ungeschicklichkeit. Auch eine
absichtliche Schädigung werde gutachterlich nicht diskutiert. Die Komplikation werde
als sehr selten beurteilt (act. Suva-act. 14). Dass der operative Eingriff vom 26. April
2011 am Herz der Verstorbenen in jeder Hinsicht sorgfältig, fehlerfrei und lege artis
durchgeführt worden ist, wird sodann entsprechend der übereinstimmenden ärztlichen
Beurteilungen zu Recht auch von der Beschwerdegegnerin vertreten. Von dem von
Prof. Dr. Ammann in seinem Gutachten uneingeschränkt angenommenen Geschehen
einer mit der Spitze des verwendeten Führungsdrahtes zu Stande gekommenen
Perforation des Herzkranzgefässes kann ebenfalls keine - vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers geltend gemachte (vgl. act. G 1, Ziff. 6.6) - grobe
Ungeschicklichkeit abgeleitet werden. Perforationen durch das Liegen des
Führungsdrahtes mit der Spitze in einem kleinen Seitenast während der im konkreten
Fall durchgeführten Operation (PCI) stellen Verletzungen dar, welche sich infolge einer
regelrechten Operationstechnik einstellen können und nicht auf einer
Ungeschicklichkeit beruhen (vgl. Suva-act. 8). Weder den Gutachten von Dr. D._ und
Prof. Dr. E._ noch der kreisärztlichen Beurteilung ist mithin eine Wertung zu
entnehmen, wonach von einem Behandlungsfehler auszugehen wäre. Vielmehr wird,
einhellig das Vorliegen eines Behandlungsfehlers verneint. Dementsprechend wurde
auch das strafrechtliche Verfahren eingestellt (act. G 1.7).
5.
5.1 Im Folgenden ist mithin zu prüfen, ob das Unfallbegriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit nach Massgabe der üblichen zum Unfallbegriff entwickelten Kriterien
erfüllt ist. Die erhöhten Anforderungen, dass die Vornahme der konkreten
medizinischen Massnahme unter den jeweils gegebenen Umständen vom medizinisch
Üblichen ganz erheblich abweichen muss und zudem, objektiv betrachtet,
entsprechend grosse Risiken in sich schliessen muss, sind im vorliegenden Fall nicht
zu stellen (vgl. Erwägung 2.3 ff.).
5.2 Hinsichtlich der im konkreten Fall durchgeführten Massnahme - der
Koronarangiographie mit nachfolgender Dilatation einer hochgradigen RIVA-Stenose
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und Stent-Versorgung (Suva-act. 2) - als insgesamt den Tod auslösendem Ereignis gilt
es eine Ungewöhnlichkeit zu verneinen. Laut Gutachten von Prof. E._ war aufgrund
der ursprünglichen Beschwerden der Verstorbenen (akutes Kreislaufversagen mit
pulslos-elektrischer Aktivität am 26. April 2011 [Suva-act. 2]), die mit einer koronaren
Läsion erklärt waren, eine sogenannte ad hoc PCI im unmittelbaren Anschluss an die
diagnostische Untersuchung einer elektiven Koronarangiographie lege artis bzw. die
koronare Läsion war gut geeignet für die fragliche medizinische Massnahme (Suva-act.
8). Die Beschwerdegegnerin schliesst daraus im angefochtenen Einspracheentscheid
zu Recht, dass die am 26. April 2011 bei der Verstorbenen durchgeführte medizinische
Massnahme medizinisch betrachtet grundsätzlich die Norm darstellt und in diesem
Sinn im fraglichen Lebensbereich üblich ist.
5.3
5.3.1 Der äussere Faktor liegt sodann überhaupt vielmehr in der im Rahmen der
elektiven Koronarangiographie erfolgten Perforation des Herzens von innen, durch
welche erst die schädigende Wirkung (Blutung in den Herzbeutel mit Ausbildung einer
Tamponade) eintrat, als im medizinischen Eingriff insgesamt. Die Perforation ist nicht
als Wirkung des äusseren Faktors bzw. nach sich gezogene Folge zu betrachten. Der
Fokus des Prüfungsmassstabs für die Ungewöhnlichkeit liegt nicht bei einem
Behandlungsfehler, sondern bei der medizinischen Massnahme an sich. Entsprechend
wurden auch in RKUV 1992 Nr. U 153 S. 205 f. E. 3b die im Rahmen einer
prophylaktischen Zahnreinigung mit Zahnsteinentferner und anschliessender
Zahnpolitur ins Auge des Patienten geratenen Spritzer der Poliermasse, welche ein
Augenleiden auslösten, als äusserer Faktor und nicht als Wirkung auf den
menschlichen Körper verstanden. Die Argumentation, eine Perforation mit ihren Folgen
sei für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ohne Belang, kann damit nicht greifen.
5.3.2 Zur Beantwortung der Frage, ob die Perforation das Kriterium der
Ungewöhnlichkeit erfüllt, muss ihre genaue Ursache - während Prof. Dr. Ammann die
Perforation "mit grösster Sicherheit" als mit der Spitze des verwendeten
Führungsdrahtes verursacht betrachtet, bejaht Dr. D._ zwar das Geschehen einer
mechanischen Perforation von innen, kann sich jedoch nach Überprüfung der zum
Einsatz gelangten Instrumente nicht vorstellen, wie eines dieser weichen, vorne
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gebogenen, verformbaren Instrumente die Perforation hätte verursachen können - nicht
geklärt werden. Selbst wenn der Führungsdraht nicht die Ursache gewesen sein sollte,
wäre die Ungewöhnlichkeit der Perforation mit Blick auf das Gutachten von Dr. D._
ohne weiteres zu bejahen. Die Perforation überschreitet bei seiner Darstellung, er
könne sich diese angesichts der verwendeten Operationsinstrumente nicht erklären,
den Rahmen des im Lebensbereich "Koronarangiographie und Stenting" Alltäglichen
oder Üblichen jedenfalls klar und ist folglich als ungewöhnlich zu bezeichnen.
Gleichfalls zu bejahen ist das Unfallbegriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit, wenn auf
die Ausführungen von Prof. Dr. Ammann abgestellt wird. Ihm ist die Komplikation
"Perforation eines Gefässes" zwar offenkundig nicht unbekannt. Seine weiteren
Ausführungen - die durch den dünnen Führungsdraht verursachten Läsionen würden
sich häufig von selbst verschliessen; es würde nur in sehr seltenen Fällen zu einer
Wühlblutung ins umliegende Herzmuskelgewebe kommen und es sei auch in diesem
Stadium durchaus noch möglich, dass sich die kleine Perforationsstelle wieder
folgenlos verschliesse; das Auftreten einer zweizeitigen tödlichen Blutung ins Perikard
nach Drahtperforation (eine Tamponade) sei eine sehr seltene Komplikation im
Promille-Bereich - lassen hingegen davon ausgehen, dass die Perforation eines
Gefässes an sich (und nicht nur die noch viel seltenere Perforation mit Todesfolge)
nicht alltäglich oder üblich ist. Die Wahrscheinlichkeit ist offensichtlich als sehr gering
einzustufen. Dieser medizinischen Erfahrungstatsache entsprechend ist laut Prof. Dr.
E._ die Perforation eines Gefässes im Text der Einverständniserklärung der
Schweizerischen Herzstiftung für solche Eingriffe als Risikofaktor auch nicht
unmittelbar erwähnt (vgl. act. G 1.11). Die Häufigkeit der Komplikation ist bei der Frage
der Ungewöhnlichkeit ein massgebender Faktor. So ist die Ungewöhnlichkeit eher zu
verneinen, wenn die eingetretene Schädigung im Rahmen der jeweiligen
Heilbehandlung als üblich gilt und die versicherte Person damit hätte rechnen müssen
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 10. September 2009, 8C_296/2009, E. 5.3).
Wie gesagt, muss eine Perforation eines Gefässes mit der Spitze des verwendeten
Führungsdrahtes angesichts der Ausführungen von Prof. Dr. E._ als seltene
Komplikation eingestuft werden, womit sie einen ungewöhnlichen äusseren Faktor
darstellt.
6.
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Nachdem das Herz der Verstorbenen mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit von innen perforiert worden ist (vgl. dazu Erwägung 3), ist auch das
Unfallbegriffsmerkmal der Plötzlichkeit offensichtlich zu bejahen. Unbestritten ist
sodann das Vorliegen der übrigen Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs, nämlich
der Schädigung, der äusseren Einwirkung und der fehlenden Absicht.
7.
Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass ein versicherter Unfall im
Sinne von Art. 4 ATSG vorliegt und die Beschwerdegegnerin demnach
leistungspflichtig ist.
8.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 24. April 2013 (Suva-act. 17) gutzuheissen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die
obsiegende beschwerdeführende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die
Parteientschädigung ist - wie in vergleichbaren Verfahren üblich - pauschal auf Fr.
3'500.-- einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer, festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP