Decision ID: d0a654fe-70bc-5fa5-8833-9e46fe638654
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Der Beschwerdeführer reiste am 23. Juli 2015 in die Schweiz ein und stellte
am 27. Juli 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum B._ ein
Asylgesuch. Am 30. Juli 2015 fand seine summarische Befragung zur Per-
son (BzP) statt.
B.
Mit Verfügung vom 21. August 2015 trat das SEM gestützt auf Art. 31
Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers nicht ein und ordnete die Überstellung nach C._ sowie den
Vollzug an. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
II.
C.
Ein vom Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. November 2015 gestelltes
Gesuch um wiedererwägungsweise Wiederaufnahme des Asylverfahrens
und Gewährung des Asyls respektive einer vorläufigen Aufnahme wurde
vom SEM mit Verfügung vom 27. November 2015 abgewiesen, soweit da-
rauf eingetreten wurde. Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde
vom 9. Dezember 2015 wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil
E-8040/2015 vom 18. Dezember 2015 ebenfalls abgewiesen soweit darauf
eingetreten wurde.
III.
D.
Mit als "neues Asylgesuch" betitelter Eingabe seiner damaligen Rechtsver-
tretung vom 6. Juli 2017 beantragte der Beschwerdeführer die Wiederauf-
nahme seines Asylverfahrens.
E.
Mit Verfügung vom 12. Juli 2017 hob das SEM seine Verfügung vom
21. August 2015 auf und stellte fest, das nationale Asylverfahren werde
wieder aufgenommen und gemäss den gesetzlichen Vorschriften durchge-
führt.
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F.
Am 4. April 2017 fand eine Anhörung des Beschwerdeführers zu seinen
Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) statt.
G.
G.a Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs
im Wesentlichen vor, er sei im Jahr (...) den Liberation Tigers of Tamil
Eelam (LTTE) beigetreten. Nach einem Basis-Training sei er in (...) ge-
schult worden und danach als (...) tätig gewesen. Ab (...) habe er auch (...)
ausgebildet und sei dann, nach einem weiteren Training, selber als (...)
des "(...)" der LTTE (D._) eingesetzt worden. Daneben sei er wei-
terhin als (...) tätig gewesen. Im Jahr (...) habe er an einem Spezialtraining
durch (...) teilgenommen. Danach sei er während etwa eines Jahres für
den Schutz des (...) des "(...)" verantwortlich gewesen und in der Folge bis
zum Ende des Bürgerkriegs wieder als (...) des "(...)" tätig gewesen. Er
habe mehrere persönliche Waffen gehabt, habe diese aber nur zu Trai-
ningszwecken benutzt und sei nie in ein Gefecht verwickelt gewesen. Einer
seiner Brüder sei ebenfalls seit (...) als (...) von D._ bei den LTTE
tätig gewesen; er sei am (...) bei einem Angriff des sri-lankischen Militärs
ums Leben gekommen. In der Endphase des Krieges sei er zusammen mit
dem LTTE-(...), Verteidigungstruppen und vielen Zivilisten am Strand bei
der Nanthi-Kadal-Lagune eingekesselt gewesen. Zusammen mit einer
Gruppe von Leuten sei er damit beauftragt gewesen, auf ein Signal einer
Kampfeinheit der LTTE auf dem Festland hin den (...) auf das Festland zu
bringen. Sie hätten jedoch die entsprechende Meldung nie erhalten und
seien schliesslich vom sri-lankischen Militär in der Lagune entdeckt und
angegriffen worden. Er habe bei diesem Vorfall keine Schusswaffe auf sich
getragen, weil er nur mit dem Transport von Proviant beauftragt gewesen
sei. Nachdem er sich der sri-lankischen Armee ergeben habe, sei er in ein
Rehabilitationsprogramm geschickt worden. Er sei zunächst in E._
und dann in F._ in einem Camp festgehalten worden. Er sei dort
vom CID (Criminal Investigation Department) wiederholt zu seiner Tätigkeit
für die LTTE befragt und gefoltert worden. Er habe aber seine Rolle als (...)
von D._ verschwiegen und falsche Angaben zu seiner Tätigkeit für
die LTTE gemacht sowie einen falschen Rebellennamen angegeben. Er
sei fälschlicherweise verdächtigt worden, bei der Luftwaffe gewesen zu
sein. Schliesslich habe ein Onkel einen Angehörigen des CID namens
G._ mit einer hohen Geldsumme bestochen, der dann seine Frei-
lassung organisiert habe. Er sei im Oktober (...) nach Vavuniya gebracht
und dort freigelassen worden. Danach habe er bis zur Ausreise bei einem
Kollegen von G._ in Kilinochchi gelebt. Während dieser Zeit sei er
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gewarnt worden, dass das CID sich bei einem Bekannten nach ihm und
seinem anderen, noch in Sri Lanka lebenden Bruder erkundigt habe.
G._ habe ihm auch einen Reisepass beschafft und dafür gesorgt,
dass er den Flughafen ohne Probleme habe passieren können. Er sei im
(...) nach H._ ausgereist. Während seines dortigen Aufenthalts hät-
ten die sri-lankischen Behörden seinen Bruder mitgenommen, befragt und
bedroht. Nachdem dieser ihnen seine (des Beschwerdeführers) Telefon-
nummer gegeben habe, hätten sie ihn in H._ angerufen. Zudem
habe man sich dort bei seinen Nachbarn nach ihm erkundigt. Die sri-lanki-
schen Behörden hätten inzwischen von seiner wahren Rolle bei den LTTE
erfahren, und hätten ihn deswegen erneut festnehmen wollen. Er habe be-
fürchtet, nach Sri Lanka zurückgeschafft zu werden, wenn er länger in
H._ geblieben wäre. Mehrere Personen, die mit ihm zusammen im
Rehabilitationsprogramm gewesen seien, seien nach ihrer Entlassung wie-
der festgenommen worden und immer noch in Haft.
G.b
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer folgende Do-
kumente ein:
− Identitätskarte (Kopie),
− Geburtsurkunde (beglaubigte Kopie)
− Zwei Formulare des Ministry of Rehabilitation and Prison Reforms
vom (...) betreffend Entlassung aus dem Rehabilitationsprogramm,
− Reintegration Certificate vom (...),
− Haftbestätigung des IKRK vom (...),
− Karten des IKRK (Original), des ICRS (Information Counselling and
Referral Service; Original) sowie des UNHCR (Kopie),
− mehrere Fotos des Beschwerdeführers und seines verstorbenen
Bruders.
H.
Mit zwei separaten Schreiben vom 7. Dezember 2018 forderte das SEM
den Beschwerdeführer auf, die Haftbestätigung des IKRK von dieser Or-
ganisation beglaubigen zu lassen und Übersetzungen der fremdsprachi-
gen Formulare betreffend die Rehabilitationshaft einzureichen.
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I.
Innert erstreckter Frist reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
15. Januar 2019 eine Authentizitätsbestätigung des IKRK vom (...) sowie
eine Übersetzung der Bestätigung des Ministry of Rehabilitation and Prison
Reforms vom (...) betreffend die Entlassung aus dem Rehabilitationspro-
gramm ein.
J.
Mit Verfügung vom 8. Juli 2019 (eröffnet am 9. Juli 2019) stellte das SEM
fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
Abs. 1 und 2 AsylG, wies sein Asylgesuch jedoch wegen Asylunwürdigkeit
ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Hingegen verfügte
es, dass der Vollzug der Wegweisung wegen Unzulässigkeit zugunsten ei-
ner vorläufigen Aufnahme aufgeschoben werde.
K.
Mit Eingabe vom 7. August 2019 reichte der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung der Vorinstanz
ein und beantragte, die Dispositiv-Ziffern 2 bis 6 derselben seien aufzuhe-
ben und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihm Asyl zu gewähren. Eventuali-
ter sei die Sache zur Neubeurteilung im Asylpunkt an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 15. August 2019 forderte die Instruktionsrich-
terin den Beschwerdeführer zur Einzahlung eines Kostenvorschusses in-
nert Frist auf.
Der Kostenvorschuss wurde am 17. August 2019 fristgerecht einbezahlt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
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det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Vorliegend wurde gestützt auf Art. 111a AsylG auf einen Schriftenwechsel
verzichtet.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
4.
Nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer in der angefochtenen Ver-
fügung gestützt auf Art. 3 AsylG als Flüchtling anerkannt und dessen vor-
läufige Aufnahme in der Schweiz angeordnet hat, ist nachfolgend einzig zu
beurteilen, ob das SEM zu Recht zum Schluss gelangt ist, er sei im Sinne
von Art. 53 AsylG asylunwürdig und sein Asylgesuch sei deshalb abzu-
lehnen.
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Seite 7
5.
5.1
5.1.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung aus, es sei ge-
stützt auf die Aktenlage mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus-
zugehen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Sri
Lanka mit flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen zu rechnen hätte, wes-
halb er die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Flüchtlingen werde unter ande-
rem dann kein Asyl gewährt, wenn sie wegen verwerflicher Handlungen
des Asyls unwürdig seien (vgl. Art. 53 Bst. a AsylG). Unter den Begriff der
verwerflichen Handlungen würden grundsätzlich Delikte fallen, die dem
abstrakten Verbrechensbegriff von Art. 10 Abs. 2 StGB entsprechen wür-
den, also mit einer abstrakten Höchststrafe von mehr als drei Jahren Frei-
heitsstrafe bedroht seien. Irrelevant sei, ob die verwerfliche Handlung ei-
nen ausschliesslich gemeinrechtlichen Charakter habe oder als politisches
Delikt aufzufassen sei. Unter Art. 53 Bst. a AsylG seien somit auch Hand-
lungen zu subsumieren, denen keine strafrechtliche Konnotation im enge-
ren Sinne des Strafrechts zukomme. Es genüge die aus schwerwiegenden
Gründen gerechtfertigte Annahme, dass sich die betreffende Person einer
Straftat im Sinne der genannten Bestimmungen schuldig gemacht habe,
wobei auf den individuellen Tatbeitrag abzustellen sei. Gemäss Art. 260ter
StGB werde mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft,
wer sich an einer Organisation beteilige, die ihren Aufbau und ihre perso-
nelle Zusammensetzung geheim halte und die den Zweck verfolge, Ge-
waltverbrechen zu begehen oder sich mit verbrecherischen Mitteln zu be-
reichern, oder wer eine solche Organisation in ihrer verbrecherischen Tä-
tigkeit unterstütze. Praxisgemäss würden die LTTE nicht ausschliesslich
als terroristisch-kriminelle Organisation gelten, könnten aber gleichzeitig
ebenso wenig nach den alleinigen Kriterien einer Bürgerkriegspartei be-
handelt werden. Es sei weder sachgerecht, deren Taten generell als
Kriegshandlungen zu qualifizieren mit der Konsequenz, dass diese den da-
ran Beteiligten nicht als Asylausschlussgrund entgegengehalten werden
könnten, noch sei ein Asylausschluss einzig aufgrund der Mitgliedschaft
bei den LTTE als gerechtfertigt zu erachten. Der individuelle Tatbeitrag der
betroffenen Person müsse ermittelt werden, zu welchem die Schwere der
Tat, der persönliche Anteil am Tatentscheid, das Motiv des Täters und all-
fällige Rechtfertigungs-und Schuldminderungsgründe zu zählen seien. Für
den Asylausschluss im Sinne von Art. 53 AsylG bedürfe es in der Regel
eines individuellen Tatbeitrages an einer verwerflichen Handlung. Unter
Umständen genüge aber auch die Verantwortlichkeit für eine solche im Zu-
sammenhang mit einer Führungsfunktion.
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5.1.2 Bei den LTTE handle es sich zweifellos um eine Organisation, die als
Mittel der Zielerreichung verwerfliche Handlungen begangen oder solche
in Kauf genommen habe. Der Beschwerdeführer sei unbestrittenermassen
von (...) bis zum Kriegsende Mitglied der LTTE gewesen und habe diese
als (...) und (...) des LTTE-(...) unterstützt. Es erscheine unwahrscheinlich,
dass er in seiner Funktion als (...) nie in Kampfhandlungen verwickelt ge-
wesen sei, zumal er selbst ausgeführt habe, verschiedene Waffen getra-
gen und ein Spezialtraining absolviert zu haben. Ferner dürfte angenom-
men werden, dass ihm die genannten Funktionen ohne ein besonderes
Engagement und Pflichtbewusstsein für die Organisation nicht übertragen
worden wären. Als (...) habe der Beschwerdeführer überdies nahe Verbin-
dungen zur Führungsebene der LTTE unterhalten. Angesichts seiner jah-
relangen und qualifizierten Unterstützungstätigkeit für die LTTE habe er die
oben erwähnten terroristischen Handlungen der Organisation ermöglicht
oder zumindest begünstigt. Im Ergebnis würden damit schwerwiegende
Gründe für mindestens eine mittelbare individuelle Verantwortlichkeit für
die von den LTTE begangenen verwerflichen Handlungen vorliegen. In Be-
zug auf die Frage der Verhältnismässigkeit des Asylausschlusses sei zu
berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer den LTTE freiwillig beigetre-
ten sei, wobei er aber im Zeitpunkt des Beitritts noch minderjährig gewesen
sei und nach seiner Darstellung auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle ge-
spielt hätten. Der Umstand, dass er zum (...) sowie zum (...) des (...) der
LTTE befördert worden sei, belege allerdings sein starkes Engagement für
die Organisation, nachdem er die Volljährigkeit erreicht habe und sich den
Zielen und der Vorgehensweise der Organisation ohne Weiteres bewusst
gewesen sein dürfte. Die den LTTE zur Last gelegten Straftaten (An-
schläge, Tötungen oder Entführungen und Bestrafung von Abtrünnigen,
Folter), zu denen er in seinen Funktionen zumindest mittelbar beigetragen
habe, seien gemäss Schweizer Strafrecht noch nicht verjährt. Darüber hin-
aus habe der Beschwerdeführer sich bis heute auch nicht explizit von den
Aktivitäten der LTTE distanziert.
5.1.3 Unter Würdigung der Gesamtumstände erweise sich der Asylaus-
schluss deshalb als verhältnismässig.
5.2 Zur Begründung seiner Beschwerde stellte der Beschwerdeführer zu-
nächst fest, die Vorinstanz werfe ihm keine konkrete Tat vor, sondern halte
fest, dass er aufgrund seiner Position für verwerfliche Taten der LTTE Ver-
antwortung übernehmen müsse, Der Umstand, dass er eine Waffe habe
tragen müssen, bedeute nicht, dass er deswegen in Kampfhandlungen ver-
wickelt gewesen sei. Er halte daran fest, dass er die Waffe nur während
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der Trainings benutzt habe. Zudem sei er nie in Entscheidungsprozesse
involviert gewesen. Ebenso wenig lasse seine Tätigkeit als (...) den
Schluss zu, dass er in verwerfliche Handlungen involviert gewesen sei. In
der angefochtenen Verfügung sei nicht dargelegt worden, weshalb die Vo-
rinstanz seine wahrheitsgetreuen Angaben zu seinen Aufgaben bei den
LTTE als unglaubhaft erachte und einen strikten Nachweis als nicht not-
wendig erachte. Damit habe das SEM seine Untersuchungspflicht verletzt.
Es sei nicht konkret dargelegt worden, worin sein individueller Tatbeitrag
bestanden habe. Der blosse Hinweis, dass ihm seine Funktion ohne ein
besonderes Engagement und Pflichtbewusstsein für die Organisation nicht
übertragen worden wäre, reiche für die Annahme eines solchen nicht aus.
Die Vorinstanz habe keine individuelle Betrachtung, sondern eine nur pau-
schale Beurteilung vorgenommen. Sein persönlicher Anteil am Tatent-
scheid oder sein Motiv seien in keiner Weise berücksichtigt worden. Das
SEM sei ohne die erforderlichen Nachweise einerseits davon ausgegan-
gen, dass er in Sri Lanka flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile zu be-
fürchten habe, und habe ihm deshalb die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt,
habe andererseits aber seine Aussagen angezweifelt.
6.
6.1 Gestützt auf Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen
grundsätzlich Asyl. Davon ausgenommen sind jedoch unter anderem ge-
mäss Art. 53 AsylG Flüchtlinge, die wegen verwerflicher Handlungen der
Asylgewährung unwürdig sind (Bst. a) oder die die innere oder die äussere
Sicherheit der Schweiz verletzt haben oder gefährden (Bst. b).
6.2 Unter den Begriff der verwerflichen Handlungen im Sinne von Art. 53
Bst. a AsylG fallen grundsätzlich Delikte, die dem abstrakten Verbrechens-
begriff von Art. 10 Abs. 2 StGB entsprechen, also Straftaten, die mit einer
abstrakten Höchststrafe von mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht
sind (vgl. hierzu und zum Folgenden BVGE 2011/29 E. 9.2.2, BVGE
2011/10 E. 6 und BVGE 2010/44 E. 6). Denkbar erscheint unter Hinweis
auf Art. 333 Abs. 2 Bst. a StGB (Ersatz des Begriffs „Zuchthaus“ durch
„Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr“) allerdings, dass – entsprechend
der unter Geltung des früheren Verbrechensbegriffs entwickelten Recht-
sprechung der Asylbehörden – auch eine mit weniger als drei Jahren Frei-
heitsstrafe bedrohte Straftat als „verwerfliche Handlung“ qualifiziert und
zum Asylausschluss führen könnte (vgl. Urteil des BVGer E-2734/2015
vom 16. April 2018 E. 7.2.1, mit weiteren Hinweisen). Nach der asylrechtli-
chen Rechtsprechung ist es irrelevant, ob die verwerfliche Handlung einen
ausschliesslich gemeinrechtlichen Charakter hat oder als politisches Delikt
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aufzufassen ist. Unter Art. 53 Bst. a AsylG sind mithin auch Handlungen zu
subsumieren, denen keine strafrechtliche Konnotation im engeren Sinne
des Strafrechts zukommt (vgl. BVGE 2011/29 E. 9.2.2, BVGE 2011/10 E. 6
[2. Abschnitt]; Urteil des BVGer D-3609/2020 vom 5. Mai 2021 E. 5.2.1, je
mit weiteren Hinweisen). Aus der Anbindung des Asylausschlussgrundes
der "verwerflichen Handlungen" im Sinne von Art. 53 AsylG an den Verbre-
chensbegriff von Art. 10 Abs. 2 StGB ergibt sich zwingend, dass in Bezug
auf die in Frage stehenden Handlungen der betreffenden Person eine straf-
rechtliche Verantwortlichkeit gegeben sein muss (vgl. Urteil des BVGer
D-6788/2018 vom 25. Juni 2021 E. 4.3, mit weiteren Hinweisen). Das an-
zusetzende Beweismass wurde in der Botschaft zur Totalrevision des Asyl-
gesetzes sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und
Niederlassung der Ausländer vom 4. Dezember 1995 (BBl 1996 II 73) für
Art. 1 F des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 53 Bst. a AsylG übereinstimmend
umschrieben, was sich in der Folge in der Rechtsprechung niedergeschla-
gen hat. Demnach ist bei Straftaten, die im Ausland begangen wurden, kein
strikter Nachweis erforderlich. Es genügt die aus schwerwiegenden Grün-
den gerechtfertigte Annahme, das heisst die überwiegende Wahrschein-
lichkeit, dass sich die betreffende Person einer Straftat im Sinne der ge-
nannten Bestimmungen schuldig gemacht hat (vgl. Urteil des BVGer
D-3609/2020 vom 5. Mai 2021 E. 5.2.5). Liegt eine entsprechende Delin-
quenz vor, vermag die alleinige Tatsache einer Mitgliedschaft bei einer ext-
remistischen Organisation nicht zur Folgerung der Asylunwürdigkeit füh-
ren. Vielmehr ist von einer pauschalen Betrachtungsweise Abstand zu neh-
men und der individuelle Tatbeitrag zu ermitteln; zu diesem sind die
Schwere der Tat und der persönliche Anteil am Tatentscheid wie auch das
Motiv des Täters und allfällige Rechtfertigungs- oder Schuldminderungs-
gründe zu zählen (vgl. BVGE 2011/29 E. 9.2.3 und 9.2.4 S. 565). Ein ent-
sprechender Tatbeitrag, der zum Ausschluss von der Asylgewährung führt,
kann zum einen in unmittelbarer Täterschaft erfolgt sein. Zum anderen ist
auch nach einer Tatbeteiligung und einer mittelbaren Täterschaft zu fragen,
die sich aus einer Verantwortung für Handlungen Dritter aufgrund einer ent-
sprechenden Befehlsgewalt ergeben kann (vgl. hierzu das Urteil BVGer
E-3971/2016 vom 22. November 2018 E. 5.1 m.w.H.).
6.3 Liegt eine entsprechende Delinquenz vor, ist ausserdem zu prüfen, ob
die Rechtsfolge des Asylausschlusses auch eine verhältnismässige Mass-
nahme darstellt. Dabei ist vorab in Betracht zu ziehen, wie lange die Tat
bereits zurückliegt, wobei auf die Verjährungsbestimmungen des Straf-
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Seite 11
rechts verwiesen wird. Ebenso haben das Alter im Zeitpunkt der Tatbege-
hung sowie eine allfällige Veränderung der Lebensverhältnisse nach der
Tat Einfluss auf die diesbezügliche Entscheidfindung (vgl. BVGE 2011/10
E. 6 S. 132, 2011/29 E. 9.2.3 f. S. 565, mit weiteren Hinweisen).
7.
7.1 Vorab ist festzustellen, dass der in der Beschwerde erhobene Vorwurf,
die Vorinstanz habe nicht hinreichend begründet, weshalb sie vom Vorlie-
gen verwerflicher Handlungen im Sinne von Art. 53 Bst. a AsylG ausgehe,
welche im Übrigen nicht den Untersuchungsgrundsatz sondern die Be-
gründungspflicht beschlägt, sich als unbegründet erweist. Das SEM hat in
der angefochtenen Verfügung die Überlegungen genannt, auf welche es
seinen Entscheid stützte. Insgesamt war die vorinstanzliche Verfügung so
abgefasst, dass sich der Beschwerdeführer über die Tragweite des Ent-
scheids ein Bild machen konnte; wie die Beschwerdeschrift zeigt, war es
ihm denn auch ohne Weiteres möglich, diese Verfügung sachgerecht an-
zufechten.
7.2 Zunächst ist zu prüfen, ob und inwiefern dem Beschwerdeführer ver-
werfliche Handlungen im oben genannten Sinne vorgeworfen werden kön-
nen.
7.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner gefestigten Rechtspre-
chung davon aus, dass die LTTE angesichts ihrer Zielsetzung der politi-
schen Selbstbestimmung der Tamilen in Sri Lanka, nicht ausschliesslich
als terroristisch-kriminelle Organisation aufzufassen sind, gleichzeitig aber
aufgrund der Wahl ihrer Mittel, welche zu erheblichen Menschenrechtsver-
letzungen geführt haben, ebenso wenig nach den alleinigen Kriterien einer
Bürgerkriegspartei behandelt werden können. Mit anderen Worten wird es
in Bezug auf die LTTE einerseits nicht als sachgerecht angesehen, deren
Taten generell als Kriegshandlungen zu qualifizieren (was zur Konsequenz
hätte, dass diese den daran Beteiligten generell nicht als Asylausschluss-
grund entgegengehalten werden könnten; vgl. auch EMARK 2006 Nr. 29,
E. 7.5). Andererseits wird auch die Annahme eines Asylausschlusses ein-
zig gestützt auf eine Mitgliedschaft bei den LTTE nicht als gerechtfertigt
erachtet (vgl. BVGE 2011/29 E. 8.2.1; Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts D-4291/2012 vom 26. Juli 2013 E. 5.2.1 ff. m.w.H.).
7.2.2 Den Ausführungen des Beschwerdeführers ist zu entnehmen, dass
er sich im Jahre (...) freiwillig den LTTE anschloss und nach Absolvierung
mehrerer Ausbildungsgänge während zehn Jahren als (...) sowie als (...)
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Seite 12
des LTTE-(...) D._ und von dessen (...) tätig war. Dass er für diese
Aufgaben ausgewählt wurde, lässt darauf schliessen, dass er von den Füh-
rungskräften der Tamil Tigers als sehr vertrauenswürdig eingeschätzt
wurde und sich in überdurchschnittlicher Weise mit den Zielen dieser Or-
ganisation identifiziert sowie für diese eingesetzt hat. Das Gericht teilt die
Auffassung der Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer das Ausmass sei-
nes Engagements für die LTTE offensichtlich zu beschönigen versucht.
Seine Aussage, nie in einem Ernstfall von seinen Waffen Gebrauch ge-
macht zu haben und im Rahmen seiner Tätigkeit als (...) nie in eine gefähr-
liche Situation verwickelt gewesen zu sein (vgl. Protokoll Anhörung D8/19
S. 13 F68 ff.), ist als unglaubhaft zu qualifizieren, zumal diese Behauptung
kaum in Einklang mit seiner Darstellung zu bringen ist, er sei in der End-
phase des Bürgerkrieges zusammen mit dem LTTE-(...) D._ sowie
weiteren LTTE-Angehörigen und Zivilisten bei der Nanthi-Kadal-Lagune
von Armeekräften eingekesselt und angegriffen worden. Dass er bei die-
sem Vorfall unbewaffnet gewesen sei, muss als unrealistisch bezeichnet
werden, zumal er gemäss seinen Angaben mehrere Waffen besass (a.a.O.
F65). Zumindest zeigen die Funktionen, die der Beschwerdeführer gemäss
seiner Darstellung bei den LTTE ausübte, seine Bereitschaft, falls erforder-
lich Gewalt einzusetzen, sowie dass er mit seiner Ausbildungstätigkeit we-
sentlich zur Kampftüchtigkeit von LTTE-Mitgliedern beigetragen hat, im
Wissen darum, dass es bei deren Fronteinsätzen zu Tötungen sowie an-
deren strafbaren Handlungen kommt. Der Umstand, dass er gemäss eige-
ner Aussage nach Absolvierung eines Spezialtrainings für die Sicherheit
des (...) von D._ verantwortlich war und auch andere (...) ausbil-
dete, deutet darauf hin, dass er im Verhältnis zu den übrigen (...) eine füh-
rende Funktion bekleidete und mit der oberen Führungsriege der LTTE eng
zusammenarbeitete. Die ausweichende Antwort des Beschwerdeführers
auf die Frage nach seinem Rang bei den Tamil Tigers lässt auch diesbe-
züglich einen Versuch der Bagatellisierung seiner Rolle innerhalb dieser
Organisation vermuten. Durch seine Tätigkeiten hat er nach dem Gesagten
einen kausalen Beitrag zur Verwirklichung der Ziele der LTTE geleistet und
deren Vorgehensweise unterstützt und weitergetragen (vgl. hierzu nament-
lich Urteil des BVGer D-3609/2020 vom 5. Mai 2021 E.5.2.5). Strafaus-
schluss- oder Strafminderungsgründe wurden nicht geltend gemacht und
sind nicht erkennbar.
7.3 Der Ausschluss des Beschwerdeführers von der Gewährung des Asyls
erscheint im Weiteren gestützt auf die geltende Praxis auch als verhältnis-
mässig. Zunächst ist zu berücksichtigen, dass sich die Tätigkeit des Be-
schwerdeführers für die LTTE, für welche ihm eine Verantwortlichkeit im
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Sinne des Art. 53 AsylG vorzuwerfen ist, über einen längeren Zeitraum er-
streckte, auch nach Erreichen seiner Volljährigkeit. Mit anderen Worten
geht es im vorliegenden Fall nicht um die Wahrscheinlichkeit einer einma-
ligen, sondern einer fortgesetzten Delinquenz im Sinne dieser Bestim-
mung. Zudem ist die strafrechtliche Verjährungsfrist für die ihm vorzuwer-
fenden Delikte noch nicht abgelaufen, und der Asylausschluss hat für ihn
nicht die Pflicht zum Verlassen der Schweiz zur Folge, sondern wirkt sich
lediglich auf seinen aufenthaltsrechtlichen Status aus (vorläufige Auf-
nahme als Flüchtling statt Asyl). Schliesslich wies die Vorinstanz zu Recht
darauf hin, dass der Beschwerdeführer sich bisher nie explizit von seinen
Aktivitäten für die LTTE distanziert und aufrichtige Reue bekundet hat.
7.4 Nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts bestehen demnach ins-
gesamt gesehen hinreichende konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Be-
schwerdeführer verwerfliche Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG be-
gangen hat. Er wurde demnach zu Recht von der Vorinstanz in Anwendung
dieser Bestimmung wegen Asylunwürdigkeit von der Asylgewährung aus-
geschlossen.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.3 Da der Beschwerdeführer mit Verfügung des SEM vom 8. Juli 2019 in
der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenommen wurde, erübrigen sich
praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglich-
keit des Wegweisungsvollzugs.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-
weisen.
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10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.−
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur
Begleichung dieser Kosten zu verwenden.
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