Decision ID: 8dfba3e6-32eb-535d-aa41-2735e58516b1
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Kehl, Poststrasse 22, Postfach 118,
9410 Heiden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen / Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a K._ meldete sich am 17. Februar 2005 (in der Anmeldung wohl fälschlicherweise
als 17. Februar 2004 angegeben) zum Bezug von IV-Leistungen (Umschulung auf eine
neue Tätigkeit, Rente) an (act. G 5.1.1). Mit Arztbericht vom 26. April 2005
diagnostizierte Dr. med. A._, Allgemeine Medizin FMH, ein chronisches
lumbovasikuläres (richtig: lumboradikuläres) Schmerzsyndrom bei Diskushernie L4/5
(MRI Mai 04), das Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. Der Versicherte sei in
seiner angestammten Tätigkeit als Hilfsmetzger seit 15. Mai 2004 bis auf weiteres zu
100% arbeitsunfähig (act. G 5.1.10-5). Am 19. April 2006 wurde er durch die
Medizinische Abklärungsstelle Zentralschweiz (nachfolgend: MEDAS) psychiatrisch,
rheumatologisch und internistisch untersucht und begutachtet. Im Gutachten vom 22.
Mai 2006 wurden gestützt auf die Konsilien von Dr. B._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, und Dr. med. C._, Facharzt FMH Rheumatologie, folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: 1. ein chronifiziertes,
therapierefraktäres lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit pseudoradikulärer
Symptomatik rechts, bei lumbaler Hyperlordose und leichter rechtskonvexer Skoliose,
Diskushernie L3/4 intraforaminal rechts, muskulärer Dysbalance, Diskrepanz von
subjektivem Leiden und objektiven Befunden, mit unübersehbarer
Verdeutlichungstendenz sowie 2. eine Polyallergie auf Zement (Kaliumdichromat und
Kobaltchlorid), Heuschnupfen (anamnestisch), Lederjacke ("Hautausschlag",
anamnestisch). Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit,
aber mit Krankheitswert wurden angegeben: 1. ein Leberzellschaden unklarer Ätiologie,
bekannt seit 2004, mit deutlicher Erhöhung von Transaminasen und Gamma-GT, 2.
eine Thromboseneignung, bei Status nach tiefer Beinvenenthrombose rechts (2000),
tiefer Beinvenenthrombose links (2004) sowie 3. Verdacht auf Inguinalhernien beidseits.
Psychiatrisch liege keine Störung mit Krankheitswert vor. Für die angestammte
Tätigkeit als Hilfsmetzger betrage die Arbeitsfähigkeit 0%; das gelte auch für alle
anderen Schwerarbeiten. Für körperlich leichte und gelegentlich mittelschwere,
wechselbelastende Tätigkeiten ohne ungünstige Körperpositionen betrage die
Arbeitsfähigkeit 100%. In beruflicher Hinsicht sei schnellstmöglich eine schrittweise
Wiedereingliederung mit Hilfe der IV vorzunehmen (act. G 5.1.21-20 f.).
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A.b Mit Verfügung vom 30. Oktober 2006 wies die IV-Stelle die Begehren des
Versicherten betreffend berufliche Massnahmen und Rentenleistungen ab, da sein
Invaliditätsgrad 11% betrage (act. G 5.1.36). Am 7. Dezember 2006 erhob
Rechtsanwalt lic. iur. Simon Kehl als Vertreter des Versicherten Beschwerde gegen
diese Verfügung (act. G 5.1.42-2 ff., 5.1.48). Der Rechtsvertreter beantragte, den
Sachverhalt medizinisch neu abzuklären, berufliche Massnahmen zu treffen und
danach die Rentenfrage neu zu entscheiden. Mit Arztbericht vom 18. September 2006
führte Dr. med. D._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, aus, zur Zeit bestehe eine
deutliche mittelgradige depressive Grundstimmung (ICD-10 F32.1) mit Verlust des
Selbstwerts, des Antriebs und Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit,
somit eine mittelgradige depressive Episode. Auf dem Boden dieser Erkrankung habe
sich ein recht typisches somatoformes Schmerzsyndrom (ICD-10 F45.4) gebildet, mit
Einengung der Kognition auf die Schmerzempfindung, mit sekundärer Verspannung,
mit Kopfschmerzen, dem Gefühl, nicht mehr Herr des eigenen Lebens zu sein. Dies
alles zwar auf der Basis der Rückenbeschwerden, die sich ausgeweitet hätten, aber
auch infolge der für den Versicherten schwerwiegenden Konsequenzen in familiärer
und beruflicher Hinsicht. Er zweifle, ob der Versicherte in diesem Zustand arbeitsfähig
sei. Sicherlich sei er so zur Zeit nicht vermittelbar (act. G 5.1.55). Gestützt auf eine
Stellungnahme des RAD-Arztes vom 28. Februar 2007, der den Bericht von Dr. D._
als medizinisch überzeugend erachtete (act. G 5.1.60), widerrief die IV-Stelle am 8.
März 2007 die angefochtene Verfügung, um weitere Abklärungen durchzuführen (act. G
5.1.62). In der Folge wurde das Beschwerdeverfahren abgeschrieben (act. G 5.1.68).
B.
B.a Am 13. und 16. Juli 2007 wurde der Versicherte in der Schulthess Klinik
neuropsychiatrisch und rheumatologisch untersucht und begutachtet. Im Gutachten
vom 20. November 2007 stellten Prof. Dr. med. E._, Psychiatrie/Psychotherapie
FMH, Psychosomatik APPM, und Dr. med. F._, Rheumatologie FMH, folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Lumbovertebrales
Schmerzsyndrom seit Mai 2004 mit/bei ungenügender Rumpfstabilisierungsfähigkeit
bei allgemeiner deutlicher Dekonditionierung, leichten degenerativen Veränderungen an
der LWS mit Diskopathien ohne Hinweise auf radikuläre Störungen oder wesentliche
segmentale Beeinträchtigung als Quelle der Beschwerden, panvertebraler
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Ausstrahlung, intermittierend Cephalgien. Aktuell bestehe für schwere körperliche
Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Leichte Tätigkeiten seien dem
Versicherten zumutbar. Innerhalb der nächsten sechs Monate sollten ihm nach
Durchführung eines gezielten muskulären Aufbauprogramms aufgrund der Befunde
auch mittelschwere Tätigkeiten möglich sein; Tätigkeiten in einer Metzgerei wären dann
auch wieder zumutbar (act. G 5.1.75-16 ff.).
B.b Mit Vorbescheid vom 8. Januar 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, dass er keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe (act. G 5.1.78). Am 7.
Februar 2008 erhob der Vertreter des Versicherten Einwand gegen den Vorbescheid
und verlangte vorab die Prüfung des Anspruchs auf Eingliederungsmassnahmen (act.
G 5.1.84). Mit Verfügung vom 19. Februar 2008 wies die IV-Stelle die Begehren des
Versicherten ab, da sein Invaliditätsgrad 11% betrage; es bestehe weder Anspruch auf
Arbeitsvermittlung noch auf Integrationsmassnahmen, da ihm eine angepasste
Tätigkeit zu 100% zumutbar sei (act. G 5.1.85).
C.
C.a Am 10. April 2008 erhebt der Vertreter des Versicherten Beschwerde und
beantragt, die Verfügung vom 19. Februar 2008 sei aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, berufliche Massnahmen zu treffen und
gegebenenfalls eine Invalidenrente auszurichten. Zur Begründung bringt er im
Wesentlichen vor, es könne nicht auf das Gutachten der Schulthess Klinik abgestellt
werden. Die Voraussetzungen für Integrationsmassnahmen, spezialisierte
Berufsberatung und Arbeitsvermittlung seien erfüllt (act. G 1).
C.b Am 28. April 2008 stellt der Vertreter des Beschwerdeführers ein Begehren um
unentgeltliche Prozessführung (act. G 3). Diese wird mit Präsidialverfügung vom 18.
Juni 2008 bewilligt (act. G 6).
C.c Mit Beschwerdeantwort vom 9. Juni 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, die
angefochtene Verfügung habe einzig die Invalidenrente zum Gegenstand. Demnach sei
auf den Antrag des Beschwerdeführers betreffend berufliche Massnahmen nicht
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einzutreten. Im Übrigen wäre ein solcher Anspruch ohnehin nicht gegeben. Es könne
ohne weiteres auf das MEDAS-Gutachten bzw. das Gutachten der Schulthess Klinik
abgestellt werden (act. G 5).
C.d Mit Replik vom 16. September 2008 hält der Vertreter des Beschwerdeführers an
seinem Antrag fest. Er macht im Wesentlichen geltend, die angefochtene Verfügung
prüfe und verneine auch berufliche Massnahmen. Das lange Zuwarten der
Beschwerdegegnerin mit Massnahmen beruflicher Art habe beim Beschwerdeführer
inzwischen zu einer gesundheitlichen Verschlechterung (Chronifizierung/Depression)
geführt, welche die Eingliederungsfähigkeit in Bezug auf berufliche Massnahmen
möglicherweise tatsächlich in Frage stelle. Bevor die Eingliederungsfähigkeit in Bezug
auf Massnahmen beruflicher Art allenfalls ganz verloren gehe, seien von der
Beschwerdegegnerin nun zumindest Integrationsmassnahmen durchzuführen (act. G
14).
C.e Die Beschwerdegegnerin hat am 25. September 2008 auf die Einreichung einer
Duplik verzichtet (act. G 16).

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen sind vorliegend - entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin - sowohl der Anspruch auf berufliche Massnahmen als auch
derjenige auf eine allfällige Rente. Zum einen setzt sich der angefochtene Entscheid
nämlich durchaus mit beruflichen Massnahmen auseinander, auch wenn dies der
Überschrift der Verfügung nicht zu entnehmen ist. Zum anderen gilt der Grundsatz
"Eingliederung vor Rente", weshalb auch Eingliederungsmassnahmen zu prüfen sind.
1.2 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
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angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E.
1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung erging am 19.
Februar 2008, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der
revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher
und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche
noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals
geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-
Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1).
1.3 Nach Art. 8 Abs. 1 aIVG haben Invalide oder von einer Invalidität unmittelbar
bedrohte versicherte Personen bzw. Invalide und von einer Invalidität bedrohte
Versicherte (Art. 8 Abs. 1 rev. IVG) Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern und
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind. Die
Eingliederungsmassnahmen bestehen in medizinischen Massnahmen,
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung,
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung,
Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kaptialhilfe) und der Abgabe von Hilfsmitteln (Art. 8
Abs. 3 rev. IVG). Nach Art. 28 Abs. 1 aIVG bzw. Art. 28 Abs. 2 rev. IVG besteht der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
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261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Dies
bedeutet nicht, dass Parteigutachten durch den Umstand allein, dass sie von einer
Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wurden, ohne weiteres minder
beweiskräftig sind. Denn auch sie können nützliche Äusserungen zum medizinischen
Sachverhalt enthalten. Daraus folgt wiederum nicht, dass sie den gleichen Rang wie ein
vom Gericht oder vom Sozialversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht
eingeholtes Gutachten besitzen. Relevant werden sie nur, wenn ihre Aussagen die
Auffassungen und Schlussfolgerungen des förmlich bestellten Gutachtens in
rechtserheblichen Fragen derart zu erschüttern vermögen, dass davon abzuweichen
wäre (BGE 125 V 351 E. 3c). Was Berichte von Hausärzten angeht, muss die
Erfahrungstatsache mitberücksichtigt werden, dass Hausärzte mitunter aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung eher dazu neigen, zu Gunsten ihrer Patienten
auszusagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Bei der Abschätzung des Beweiswerts im
Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die
potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der
Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf
nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren
Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft
wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur
von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits
(BGE 124 I 175 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage
zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
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Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen).
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützt den angefochtenen Entscheid in erster Linie auf
das Gutachten der Schulthess Klinik vom 20. November 2007.
2.2 Der Vertreter des Beschwerdeführers macht diesbezüglich im Wesentlichen
geltend, es könne nicht auf dieses Gutachten abgestellt werden. Es setze sich nicht
angemessen mit dem MEDAS-Gutachten auseinander; Abweichungen und
Widersprüche würden nicht begründet. Zudem stehe das Gutachten in klarem
Widerspruch zu Feststellungen von Dr. A._ und Dr. D._. Es gehe weder auf die
Bedenken der IIZ-Beraterin ein, noch beantworte es die vom Beschwerdeführer
gestellten Zusatzfragen. Es sei nicht schlüssig, unvollständig und widersprüchlich.
Zahlreiche Vorakten würden nicht berücksichtigt (act. G 1 und 14).
2.3 Das Gutachten der Schulthess Klinik genügt den rechtlichen Anforderungen,
welche die Rechtsprechung an ein Gutachten stellt (vgl. E. 1.4). Die Vorbringen des
Beschwerdeführers vermögen diesbezüglich keine ernsthaften Zweifel zu wecken.
Insbesondere wurden die Vorakten offenkundig berücksichtigt (vgl. act. G 5.1.75-6 ff.).
Auch besteht - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - im Wesentlichen
eine Übereinstimmung mit dem MEDAS-Gutachten, indem beide Gutachten eine
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen verneinen und dem
Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit
attestieren. Ein Unterschied besteht lediglich darin, dass die Gutachter der Schulthess
Klinik im Gegensatz zu den MEDAS-Gutachtern die angestammte Tätigkeit nicht als
schwere Arbeit einstufen und demnach (nach einem sechsmonatigen
Aufbauprogramm) wieder als zumutbar erachten. Dies ist vorliegend jedoch nicht
relevant, ist doch die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung für die
Bemessung des Invalideneinkommens von Tabellenlöhnen ausgegangen und hat nicht
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auf die frühere Tätigkeit des Beschwerdeführers als Hilfsmetzger abgestellt (vgl. act. G
5.1.77-2). Zudem wird im Gutachten der Schulthess Klinik in Bezug auf eine zumutbare
Tätigkeit ausgeführt, diese müsse leicht, mit Pausen und wechselbelastend sein (act. G
5.1.75-20). Die Beurteilung stimmt somit im Wesentlichen mit dem MEDAS-Gutachten
überein. Soweit das Gutachten der Schulthess Klinik von den Beurteilungen durch Dr.
A._ und Dr. D._ abweicht, ist vorab festzuhalten, dass Dr. A._ hinsichtlich der
gestellten Diagnosen kein Spezialist ist, weshalb von vornherein nicht auf seine
Beurteilung abgestellt werden kann. Was die von Dr. D._ diagnostizierte
somatoforme Schmerzstörung anbelangt, so hat Dr. E._ im besagten Gutachten
nachvollziehbar dargelegt, warum er eine solche beim Beschwerdeführer für nicht
gegeben hält (act. G 5.1.75-15 f.); dies in Übereinstimmung mit dem MEDAS-
Gutachten (act. G 5.1.21-27). Dass in beiden Gutachten eine somatoforme
Schmerzstörung "erwogen" wurde, bedeutet - entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers - nicht, dass eine solche auch diagnostiziert wurde bzw. hätte
diagnostiziert werden müssen, weshalb die Gutachten auch in diesem Punkt nicht
widersprüchlich sind. Dass im Gutachten der Schulthess Klinik schliesslich nicht
ausdrücklich auf die Fragen des Vertreters des Beschwerdeführers (act. G 5.1.70)
eingegangen wurde, vermag die Beweiskraft des Gutachtens nicht zu schmälern. Die
Fragen beziehen sich zur Hauptsache auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
(act. G 5.1.70-2); das Gutachten setzt sich mit dieser Thematik ausführlich und
nachvollziehbar auseinander. Folglich kann vorliegend auf das Gutachten der
Schulthess Klinik abgestellt werden. Demzufolge ist der Beschwerdeführer für leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten mit Pausen als voll arbeitsfähig zu betrachten.
3.
Unter Verweis auf die Beschwerdeergänzung vom 31. Januar 2007 im Rahmen des
ersten Beschwerdeverfahrens (act. G 5.1.48-6 ff.) bemängelt der Beschwerdeführer
den von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen Einkommensvergleich.
3.1 Für die Bemessung des Valideneinkommens ist die Beschwerdegegnerin vom
Einkommen des Beschwerdeführers im Jahr 2003 (Fr. 63'310.-- gemäss IK-Auszug;
act. G 5.1.8) ausgegangen und hat dieses für das Jahr 2007 der Teuerung angepasst,
was einem Valideneinkommen von Fr. 66'207.-- entspricht (act. G 5.1.36-2, 5.1.77-2
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und 5.1.85-2). Beim Invalideneinkommen ist sie von Tabellenlöhnen ausgegangen und
hat einen Wert von Fr. 59'028.-- ermittelt. Einen Leidensabzug hat sie nicht
berücksichtigt.
3.2 Der Einkommensvergleich der Beschwerdegegnerin ist nicht zu beanstanden. Die
vom Beschwerdeführer vorgenommene Berechnung des Valideneinkommens mittels
Addition der Monatslöhne Mai 2003 bis und mit April 2004 drängt sich vorliegend nicht
auf und würde, wie nachfolgend aufgezeigt wird, ohnehin nicht zu einem anderen
Ergebnis führen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers würde das so
ermittelte Valideneinkommen zudem nicht Fr. 68'014.--, sondern Fr. 64'718.-- (unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis 2007 Fr. 67'760.--) betragen, da
lediglich der AHV-pflichtige Lohn zu berücksichtigen und die SUVA-Taggeldleistung
vom Juli 2003 in Abzug zu bringen wäre (vgl. act. G 5.1.59). Die Berechnung des
Invalideneinkommens anhand von Tabellenlöhnen wird vom Beschwerdegegner zu
Recht nicht beanstandet.
Die Bemessung bzw. Verweigerung des Leidensabzugs durch die Beschwerdegegnerin
hält einer Ermessensprüfung nicht stand. Nach der Rechtsprechung ist ein Abzug vom
Invalideneinkommen gerechtfertigt, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen,
dass ein Versicherter, der gesundheitsbedingt lediglich noch leichtere Hilfsarbeiten
ausführen kann, seine Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage ist. Zudem
können weitere persönliche und berufliche Merkmale (Alter, Dauer der
Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad) Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben. Hingegen ist zu
beachten, dass nicht immer sämtliche Ausländer weniger Einkommen als der Totalwert
aller Schweizer und Ausländer erzielen; vielmehr können sich je nach
Aufenthaltskategorie und Anforderungsniveau weitgehende Unterschiede ergeben,
insbesondere bei Inhabern einer Niederlassungsbewilligung C, bei welchen der
Durchschnittslohn für einfache und repetitive Tätigkeiten darüber liegen kann (vgl. BGE
126 V 75 E. 5a mit Hinweisen). Verrichtete eine gesundheitlich beeinträchtigte Person
bisher Schwerarbeit und ist sie nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für
leichtere Arbeiten nicht uneingeschränkt einsatzfähig, so ist davon auszugehen, dass
sie verglichen mit voll leistungs- und einsatzfähigen Arbeitnehmern lohnmässig
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benachteiligt ist und deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen
rechnen muss (BGE 124 V 323 E. 3b/bb mit Hinweisen). Gemäss Gutachten der
MEDAS und der Schulthess Klinik kann der Beschwerdeführer nur noch leichte bis
gelegentlich mittelschwere wechselbelastende Arbeiten verrichten, wobei er auf
Pausen angewiesen ist. Nicht als gesichert betrachtet werden kann demgegenüber die
Beurteilung der Schulthess Klinik, wonach er nach einem sechsmonatigen Training
auch wieder körperlich belastende Tätigkeiten ausführen könne, handelt es sich dabei
doch lediglich um eine Prognose. Hinzu kommen diverse Beeinträchtigungen, die zwar
keinen direkten Einfluss auf seine Arbeitsfähigkeit haben, ihn jedoch dennoch in einem
gewissen Mass einschränken. Unter diesen Umständen erscheint vorliegend ein
Leidensabzug im Ausmass von 10% gerechtfertigt. Aufgrund der von der
Beschwerdegegnerin ermittelten Validen- (Fr. 66'207.--) und Invalideneinkommen (Fr.
59'028.--) ergibt sich somit unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 10% ein
Invaliditätsgrad von (gerundet) 20%. Stellte man für das Valideneinkommen - wie der
Beschwerdeführer dies geltend macht - auf das Einkommen von Mai 2003 bis und mit
April 2004 ab (Fr. 67'760.--; vgl. E 3.2), ergäbe sich ein Invaliditätsgrad von (gerundet)
22%.
4.
4.1 Bei einem Invaliditätsgrad von 20% (bzw. 22%) hat die Beschwerdegegnerin den
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente zu Recht abgewiesen, entsteht ein
solcher doch erst bei einem Invaliditätsgrad von 40% (Art. 28 Abs. 1 aIVG, Art. 28 Abs.
2 rev. IVG).
4.2 Was die beruflichen Massnahmen anbelangt, so sind diese von Gesetzes wegen
nicht an einen bestimmten Invaliditätsgrad gebunden. Der Anspruch auf eine
bestimmte Eingliederungsmassnahme der IV setzt voraus, dass sie sich zur Erreichung
des von ihr bezweckten Eingliederungsziels eignet; dies nicht nur objektiv mit Bezug
auf die Massnahme, sondern auch subjektiv mit Bezug auf die Person des
Versicherten. Denn eingliederungswirksam kann eine Massnahme nur sein, wenn der
Ansprecher selber wenigstens teilweise eingliederungsfähig ist (AHI 2002 S. 109,
m.w.H.).
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4.3 Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen
(insbesondere Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche
Eingliederung sowie Arbeitsvermittlung) abgelehnt, da sie den Beschwerdeführer für
eine adaptierte Tätigkeit als zu 100% arbeitsfähig betrachtete und einen
Invaliditätsgrad von weniger als 20% ermittelte. Integrationsmassnahmen würden
entfallen, da er nicht zumindest 50% arbeitsunfähig sei. In der Beschwerdeantwort
machte sie zudem geltend, der Beschwerdeführer sei subjektiv nicht
eingliederungsfähig.
4.4 Was die (fehlende) subjektive Eingliederungsfähigkeit anbelangt, ist dem Gutachten
der Schulthess Klinik zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer betreffend eine
allfällige berufliche Einsatzmöglichkeit kaum konkrete Vorstellungen machen könne.
Wenn er daran denke, dass ihn beim Auftreten von Beschwerden auch ein Zittern
erfasse, das ihn regelrecht ausser Gefecht setze, müsse er sagen, dass er tatsächlich
nichts mehr machen könne. Alle diese Beschwerden träten täglich auf, obwohl die
Bedingungen in der Werkstatt, wo er gegenwärtig arbeite, in keiner Weise mit den
Bedingungen an irgendeiner Arbeitsstelle auf dem freien Markt übereinstimmten (act. G
5.1.75-13). Generell kann den ärztlichen Beurteilungen entnommen werden, dass der
Beschwerdeführer sehr auf seine Schmerzen fixiert ist und sich deshalb ausser Stande
sieht, wieder einer Arbeit nachzugehen. Zudem ist auch eine Wiedereingliederung in
den Arbeitsmarkt durch das RAV gescheitert, klagte der Beschwerdeführer doch auch
dort täglich über Schmerzen, wies ein langsames Arbeitstempo sowie eine schwache
Arbeitsleistung auf und meldete sich oft krankheitshalber bzw. schmerzbedingt vom
Einsatzprogramm ab. Er sehe keine Perspektiven betreffend eine Arbeitsstelle (act. G
5.1.71 f.). Unter diesen Umständen ist die Beschwerdegegnerin zu Recht von einer
subjektiven Eingliederungsunfähigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen und hat
den Anspruch auf Arbeitsvermittlung korrekterweise verneint, setzt dieser doch
ausdrücklich die Eingliederungsfähigkeit voraus (Art. 18 Abs. 1 rev. IVG). Ebenso wenig
hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Integrationsmassnahmen, können diese doch
nur zugesprochen werden, wenn dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung
von Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden können (Art. 14a Abs. 1 rev. IVG).
Diese Bedingung kann jedoch infolge der ausgeprägten Krankheitsüberzeugung des
Beschwerdeführers vorliegend nicht als erfüllt betrachtet werden.
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4.5 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers erübrigt sich auch die
Durchführung des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG, ist
doch davon auszugehen, dass dieses an der Krankheitsüberzeugung bzw. der
fehlenden subjektiven Eingliederungsfähigkeit (und damit an den fehlenden
Anspruchsvoraussetzungen für Eingliederungsmassnahmen) des Beschwerdeführers
nichts ändern wird. Zudem bezieht sich die bundesgerichtliche Rechtsprechung
bezüglich der zwingenden vorgängigen Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens auf Fälle, in denen berufliche Eingliederungsmassnahmen bereits
zugesprochen worden waren, in der Folge aber von der betroffenen versicherten
Person nicht (weiter) befolgt wurden (vgl. Urteile vom 25. April 2007, I 928/06, und 3.
Oktober 2005, I 265/05).
4.6 Es bleibt jedoch anzumerken, dass der Beschwerdeführer erneut einen Antrag auf
Arbeitsvermittlung stellen kann, sobald er seine Krankheitsüberzeugung ablegt und
sich für eine Eingliederung bereit zeigt. Im Zuge der 5. IV-Revision wurde der Anspruch
auf Arbeitsvermittlung dahingehend ausgeweitet, dass alle stellenlosen Personen, die
ihre bisherige Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können,
Anspruch auf Arbeitsvermittlung durch die IV haben, somit auch Hilfsarbeiterinnen und
Hilfsarbeiter, die in einer angepassten Hilfstätigkeit noch voll arbeitsfähig sind (BBl
2005 4524).
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung am 18. Juni 2008 bewilligt (act. G 6). Wenn die wirtschaftlichen
Verhältnisse des Beschwerdeführers es gestatten, kann er jedoch zur Nachzahlung der
Gerichtskosten, der Auslagen für die Vertretung und der vom Staat entschädigten
Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/
SG).
5.3 Dem unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in Höhe von
Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung
zu befreien.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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5.4 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers aufzukommen. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete auf das Einreichen einer
Kostennote. Die Entschädigung ist auf Fr. 3'500.-- festzulegen und um einen Fünftel zu
kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers mit Fr. 2'800.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht