Decision ID: c77576a7-9005-5554-8b56-1a16ea1bbe61
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
GastroSocial Pensionskasse, Bahnhofstrasse 86, Postfach, 5001 Aarau,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
G._,
Beigeladene,
betreffend
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Rente für G._,
Sachverhalt:
A.
A.a G._, geboren 1980, meldete sich am 16. November 2005 zum Bezug von IV-
Leistungen an und beantragte die Ausrichtung einer Rente. Sie machte geltend, an
einer Borderline Symptomatik zu leiden (act. G 4.1/1.1 ff.). Während der Zeit vom 31.
März bis 27. April 2004 befand sich die Versicherte in der Klinik Gais, Fachklinik für
kardiale und psychosomatische Rehabilitation. Die behandelnden Ärzte der Klinik Gais
diagnostizierten eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10:
F43.21 und X78) mit Automutilationen (skill disease), eine soziale Phobie (ICD-10:
F40.1) sowie eine binge eating disorder (ICD-10: F50.2) und attestierten ab dem 3. Mai
2004 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (act. G 4.1/8.8 f.). Die Versicherte wurde vom 30.
November 2004 bis 24. März 2005 stationär, ab 4. April bis 22. April 2005 im
tagesklinischen Setting in der Psychiatrischen Klinik Wil behandelt. Im
Kurzaustrittsbericht vom 19. April 2005 diagnostizierte der Psychologe A._ eine
adoleszentäre Problematik (ICD-10: F98.9) mit abhängigen und konversiven Zügen und
starker Selbstwertproblematik, auf dem Hintergrund einer Borderline-
Persönlichkeitsorganisation, schädlicher Gebrauch von Cannabis und Alkohol,
gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung (ICD-10: F19.21) sowie ein
pathologisches Glücksspiel (ICD-10: F63.0; act. 4.1/8.6 f.). Der Hausarzt Dr. med.
C._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete über den bisherigen Verlauf und postulierte
gestützt darauf im Arztbericht vom 30. November 2005 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit im freien Stellenmarkt (act. G 4.1/8.5). Im Arztbericht der
Psychiatrischen Klinik Wil vom 20. Dezember 2005 wurden die im Kurzaustrittsbericht
vom 19. April 2005 enthaltenen Diagnosen durch die Differentialdiagnose "emotional
instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline Typus (ICD:10 F60.31)" ergänzt. Die
Versicherte wurde vom 14. November bis 23. November 2005 erneut in der Tagesklinik
der Psychotherapiestation der Psychiatrischen Klinik Wil und vom 24. bis 28.
November 2005 infolge eines Suizidversuches vom 23. November 2005 in der
Akutstation der Psychiatrischen Klinik Wil behandelt (act. G 4.1/14.2 f.). Im Moment sei
der Gesundheitszustand der Versicherten zu instabil für eine Tätigkeit in der freien
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Wirtschaft (act. G 4.1/14.3). Der behandelnde Psychiater, Dr. med. D._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im Arztbericht vom 28. Dezember 2005
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
(ICD-10: F61.0), einen emotional instabilen Typus Borderline (ICD-10: F60.31), vom
selbstunsicheren Typus (ICD-10: F60.6), sowie vom abhängigen Typus (ICD-10: F60.7),
ein mittelgradig depressives "ZB bei rez. depressiven Episoden" (ICD-10: F33.1), ein
pathologisches Glückspiel (ICD-10: F63.0), ein schädlicher Gebrauch von Cannabis
und Alkohol, in geschützter Umgebung abstinent (ICD-10 F19.21) sowie einen Status
nach Suizidversuch mit Tablettenintoxikation im November 2005. Seit Februar 2004 sei
die Versicherte zu mindestens 70% arbeitsunfähig. In dieser Zeit sei sie entweder zu
100% arbeitsunfähig gewesen (mit verschiedenen Hospitalisationen) oder habe in
einem geschützten Rahmen zu 30 bis 50% gearbeitet (act. G 4.1/15.1). Eine Tätigkeit in
der freien Marktwirtschaft sei ihr längerfristig nicht zumutbar. Einfache Tätigkeiten
seien ihr nur in einem geschützten Rahmen bis zu 50% zumutbar, die
Leistungsfähigkeit betrage dabei höchstens 50% (act. G 4.1/15.4).
A.b Im Vorbescheid vom 10. Juli 2006 wurde der Versicherten die Zusprache einer
ganzen Invalidenrente in Aussicht gestellt (act. G 4.1/33). Die GastroSocial
Pensionskasse erhob dagegen am 30. August 2006 Einwand und beantragte unter
Verweis auf den ärztlichen Bericht ihres Vertrauensarztes Dr. med. B._, Spezialarzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 7. August 2006 (act. G 4.1/36.2 f.) die
Durchführung einer erneuten medizinischen Begutachtung. Die Versicherte käme
gemäss Dr. med. B._ im nicht geschützten Rahmen ohne Suchtmittelkonsum zu
mindestens der Leistung wie in der Z._ (d.h. zu mindestens 50%). Es bestünden
weiter erhebliche Zweifel an der Diagnose "borderline-Störung". Problematisch sei
auch, dass nicht labormässig überprüft worden sei, ob die Versicherte ohne Noxen
lebe (act. G. 4.1/36.1).
A.c Mit Verfügung vom 5. Dezember 2006 wurde der Versicherten mit Wirkung ab
1. Januar 2005 eine ganze Invalidenrente zugesprochen (act. G 4.1/45). Dagegen erhob
die GastroSocial Pensionskasse am 8. Januar 2007 Beschwerde beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (act. G 4.1/47.3 ff.). Am 2. März 2007
widerrief die IV-Stelle die Verfügung vom 5. Dezember 2006 (act. G 4.1/53) und gab am
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6. März 2007 eine psychiatrische Begutachtung in Auftrag (act. G 4.1/57). In der Folge
wurde das Beschwerdeverfahren als gegenstandslos abgeschrieben (act. G 4.1/61).
A.d Die Versicherte wurde am 2. April 2007 durch Dr. med. E._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Allgemeinmedizin, untersucht. Der Gutachter
diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, selbstunsicheren und emotional instabilen
Zügen sowie ein Borderline-Persönlichkeitsorganisationsniveau (ICD-10: F61.0), DD:
Rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F33.1) und einen Status nach
Suizidversuch November 2005 (ICD-10: F61.0). Ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit seien die Diagnosen des pathologischen Glücksspiels (ICD-10: F63.0)
sowie ein Cannabisabusus (ICD-10: F19.21; act. G 4.1/64.8 f.). Eine adaptierte Tätigkeit
– soweit auf dem freien Markt verfügbar – sei der Versicherten zu zwei Stunden täglich
zumutbar (act. G 4.1/64.11). Mit Vorbescheid vom 13. September 2007 stellte die IV-
Stelle die Zusprache einer ganzen Invalidenrente in Aussicht (act. G 4.1/71).
B.
B.a Dagegen erhob die GastroSocial Pensionskasse am 5. Oktober 2007 Einwand und
beantragte die Durchführung einer angemessenen Psychotherapie mit entsprechender
Medikation und eines Drogenentzuges. Es sei nicht klar, welche Drogen in welchem
Umfang die Versicherte konsumiere. In den Akten befänden sich keine entsprechenden
Testresultate. Zudem sei der Versicherten gemäss Aussagen von Dr. med. E._ nach
erfolgter Therapie eine angepasste Arbeit zumutbar. Daher sei vor einer Berentung die
Schadenminderungspflicht zu überprüfen. Eine Berentung sei nicht gerechtfertigt (act.
G 4.1/74.2). Mit Schreiben vom 31. Oktober 2007 reichte die GastroSocial
Pensionskasse ein durch Dr. med. B._ erstelltes Aktengutachten vom 29. Oktober
2007 ein (act. G 4.1/75.2 ff.). Dr. med. B._ erachtete die Versicherte für die bisherigen
wie in angepassten Tätigkeiten als mindestens zu 50% arbeitsfähig (act. G 4.1/75.8).
B.b Mit Verfügung vom 13. November 2007 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab
1. Januar 2005 eine ganze Rente zu (act. G 4.1/78 und 79).
C.
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C.a Gegen die Verfügung vom 13. November 2007 richtet sich die vorliegende
Beschwerde der GastroSocial Pensionskasse vom 15. Januar 2008. Die
Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die
Durchführung einer Begutachtung, insbesondere zur labortechnischen Prüfung, ob die
Versicherte ohne Noxen lebe. Der Invaliditätsgrad sei neu festzulegen. Eventualiter sei
ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchzuführen. Die Beschwerdeführerin macht
gestützt auf die ärztlichen Stellungnahmen von Dr. med. B._ im Wesentlichen
geltend, dass die angefochtene Verfügung auf widersprüchlichen und nicht
vollständigen medizinischen Abklärungen beruhe. Möglicherweise sei der
Drogenabusus ein wesentlicher Faktor für die verminderte Leistungsfähigkeit. Des
Weiteren sei vor der Leistungszusprache zu Unrecht keine Prüfung der
Schadenminderungspflicht durch die Beschwerdegegnerin vorgenommen worden (act.
G 1). Mit der Beschwerde reicht die Beschwerdeführerin eine ärztliche Stellungnahme
von Dr. med. B._ vom 9. Januar 2008 ein, worin dieser seine Kritik an der
medizinischen IV-Aktenlage wiederholt (act. G 1.2).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 11. März 2008
die Abweisung der Beschwerde. Sie bringt vor, es fänden sich in den vorliegenden
Akten keine Hinweise, dass die Versicherte in wesentlichem Ausmass oder regelmässig
Drogen nehme. Es werde in den medizinischen Akten darauf hingewiesen, dass sie
gegenwärtig abstinent sei. Mangels einschlägiger Indizien bestehe keine Verpflichtung
zur Vornahme weiterer Abklärungen bezüglich eines Drogenkonsums. Dem Gutachten
von Dr. med. E._ komme voller Beweiswert zu. Bei ihrer Kritik übersehe die
Beschwerdeführerin, dass nicht die Bezeichnung des Leidens für die
Invaliditätsbemessung ausschlaggebend sei, sondern vielmehr dessen Auswirkungen
auf die Leistungsfähigkeit. Es gebe keinen relevanten Hinweis, dass die Versicherte
nicht an einer schweren Persönlichkeitsstörung leide. Die Zusprache einer ganzen
Rente sei zu Recht erfolgt (act. G 4).
C.c Replicando führt die Beschwerdeführerin aus, dass rechtsprechungsgemäss nicht
auf eine sichere Diagnose verzichtet werden könne. Im Übrigen wiederholt sie ihre
Kritik an der bestehenden medizinischen Aktenlage (act. G 6).
C.d Auf eine Duplik wird verzichtet (act. G 8).
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C.e Die Versicherte als Beigeladene verzichtet auf die Einreichung einer eigenen
Stellungnahme (act. G 10).

Erwägungen:
1. Das Rechtsmittel der Beschwerdeführerin erfüllt die von der Rechtsprechung
benannten Voraussetzungen der Beschwerdelegitimation (vgl. Urteile des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 6. Juni 2006 i.S. Pensionskasse X., I 22/05, und
vom 21. April 2006 i.S. Sammelstiftung N., I 349/05). Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG).
2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4).
2.3 Das kantonale Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen
festzustellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie
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stammen. Danach hat es zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des
strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander
widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das
gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die
eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 352 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser
Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen
umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der
untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen
Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in
Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung
der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die
Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder
die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die
Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich
macht (BGE 125 V 352 E. 3a; Ulrich Meyer-Blaser, Sozialversicherungsrecht und
Medizin, in: Hermann Fredenhagen (Hrsg.), Das ärztliche Gutachten, 1994, S. 24 f.).
3.
3.1 Streitig und zu prüfen ist, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die
Versicherte Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat.
3.2 Von den Parteien ist unbestritten, dass die Arbeitsfähigkeit der Versicherten aus
somatischer Sicht nicht eingeschränkt ist. Hingegen ist die Frage zu prüfen, ob und in
welchem Umfang eine Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit aus psychischen Gründen
vorliegt.
3.3 Zu den geistigen Gesundheitsschäden, die in gleicher Weise wie die körperlichen
eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG zu bewirken vermögen, gehören neben
den eigentlichen Geisteskrankheiten auch seelische Abwegigkeiten mit Krankheitswert.
Nicht als Auswirkungen einer krankhaften seelischen Verfassung und damit
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invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Beeinträchtigungen der
Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens,
Arbeit in ausreichendem Masse zu verrichten, zu vermeiden vermag. Das Mass des
Forderbaren muss dabei weitgehend objektiv bestimmt werden. Es ist somit
festzustellen, ob und in welchem Masse eine versicherte Person infolge ihres geistigen
Gesundheitsschadens auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt erwerbstätig sein kann. Dabei kommt es darauf an,
welche Tätigkeit ihr zugemutet werden darf. Zur Annahme einer durch einen geistigen
Gesundheitsschaden verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die
versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob
anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozialpraktisch nicht mehr
zumutbar (BGE 127 V 298 E. 4c in fine mit Hinweisen).
3.4 Die Behandelbarkeit einer psychischen Störung sagt, für sich allein betrachtet,
nichts über deren invalidisierenden Charakter aus. Für die Entstehung des Anspruchs
auf eine Invalidenrente im Besonderen ist immer und einzig vorausgesetzt, dass
während eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch) eine durchschnittlich
mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat und eine anspruchsbegründende
Erwerbsunfähigkeit gemäss Art. 28 IVG weiterhin besteht. Dies bedeutet keineswegs,
dass eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ohne weiteres
gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität ist. In jedem Einzelfall muss eine
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich
unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein.
Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu erfolgende
Beurteilung, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die
Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen
stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar ist (BGE 127 V
298 E. 4c mit Hinweisen).
4.
4.1 Dr. med. E._ attestierte im psychiatrischen Gutachten vom 12. April 2007 mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
abhängigen, selbstunsicheren und emotional instabilen Zügen, ein Borderline-
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Persönlich-keitsorganisations-niveau (ICD-10: F61.0), DD eine rezidivierende
depressive Störung (ICD-10: F33.1) sowie einen Status nach Suizidversuch vom
November 2005 (ICD-10: F61.0; act. G 4.1/64.8). Der Gutachter kam zum Schluss,
dass die bisherige Tätigkeit in adaptierter Form und soweit am freien Markt verfügbar
der Versicherten zwei Stunden täglich zumutbar sei (act. G 4.1/64.11 f.). Es bestehe ein
leichtgradiger Cannabisabusus. Bei diesem handle es sich mit Sicherheit um eine
sekundäre Krankheit, der keine signifikante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zeige
(act. G 4.1/64.12). Der Urin-Test bezüglich Cannabis fiel negativ aus (act. G 4.1/64.8).
In diesem Zusammenhang ist die medizinische Tatsache zu berücksichtigen, dass bei
regelmässigem Cannabiskonsum dieser auch noch mehrere Wochen nach dem letzten
Konsum im Urin nachgewiesen werden kann (vgl. http://www.dopinginfo.ch/de/
content/view/110/141/). Auch sonst ergaben die erhobenen Laborbefunde (Blutbild,
Leber- und Schilddrüsenwerte) keine Auffälligkeiten. Dr. med. E._ fand nebst dem
von der Versicherten angegebenen Cannabiskonsum keine ausreichenden Hinweise
auf einen Äthylabusus oder andere Drogen (act. G 4.1/64.12). Gestützt auf die
bestehenden Unterlagen, die Auskünfte der Versicherten und der Aussenanamnese
sowie der erhobenen Laborbefunde kommt Dr. med. E._ zum Schluss, dass
gegenwärtig keine für die Arbeitsfähigkeit relevante Bedeutung des Cannabisabusus
oder der Spielsucht belegt werden könne. Ein Äthylabusus sei weder aus der
Psychopathologie noch aus den somatischen Befunden ableitbar (act. G 4.1/64.9).
4.2 Im Hinblick auf die Würdigung der medizinischen Situation fällt ins Gewicht, dass
das psychiatrische Gutachten von Dr. med. E._ auf eigenständigen Abklärungen,
mithin auf allseitigen Untersuchungen beruht und damit für die streitigen Belange
umfassend ist. Insbesondere erhob er auch bezüglich der allfälligen Suchtproblematik
eigene Laborbefunde. Die Vorakten wurden verwertet und die von der Versicherten
geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Das Gutachten leuchtet in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation ein. Vor diesem Hintergrund vermögen auch die darin
enthaltenen Schlussfolgerungen, namentlich die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit –
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin – zu überzeugen. Das Gutachten
erfüllt alle praxisgemässen Kriterien für beweiskräftige Gutachten (vgl. BGE 125 V 352
E. 3a), so dass grundsätzlich darauf abzustellen ist.
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4.3 Die Beschwerdeführerin erachtet gestützt auf die ärztlichen Stellungnahmen ihres
Vertrauensarztes vom 29. Oktober 2007 (act. G 4.1/75.2 ff.) und vom 9. Januar 2008
(act. G 1.2) das Gutachten von Dr. med. E._ für mangelhaft.
4.3.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass sämtliche medizinischen Stellungnahmen des
Vertrauensarztes ohne persönliche Untersuchung der Versicherten erfolgten. Bei
psychiatrischen Beurteilungen bildet der klinische Untersuchungsgang mit
Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung aber gerade das
Kernstück. Von besonderer Wichtigkeit ist der interpersonelle Prozess (vgl. Leitlinien
der Schweizerischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung
psychischer Störungen, Schweizerische Ärztezeitung, S. 1050). Ferner erscheint die –
in Widerspruch zur medizinischen Aktenlage stehende – Aussage, "die
Wahrscheinlichkeit ist gross, dass wegen der Spielsucht, dem Alkohol- und
Drogenkonsum der Leistungsknick erfolgte" nicht nachvollziehbar begründet (act. G
4.1/75.8). Bei dieser Auffassung stützt sich der Vertrauensarzt auf Mutmassungen: "Ich
werde den Verdacht nicht los..." (act. G 4.1/75.8). Einschlägige Anhaltspunkte für
seinen Verdacht vermag er nicht zu nennen.
4.3.2 Auch setzt sich der Vertrauensarzt in Widerspruch, wenn er berichtet, dass die
erhobene Psychostaten relativ wenig pathologisch seien, er dann aber trotzdem bei
korrekter Behandlung und ohne Konsum von Noxen eine mindestens 50%ige
Arbeitsfähigkeit ermittelt (act. G 4.1/75.8). Des Weiteren ist der Vorwurf des
Vertrauensarztes, es sei eine allfällige Suchtkrankheit nicht gehörig abgeklärt worden,
unbegründet. Von grösster Bedeutung und Beweiskraft ist bezüglich der Abklärung
einer Suchtkrankheit der chemisch-toxikologische Nachweis im Harn und Blut (vgl.
Hans Hermann Marx, Medizinische Begutachtung, Grundlagen und Praxis, 1992, S.
670). Dr. med. E._ verneinte eine relevante Suchtkrankheit nicht nur gestützt auf die
bestehenden Unterlagen, die eigenen erhobenen Anamnese sowie Aussenanamnese,
sondern vor allem auch gestützt auf die im Urin und Blut erhobenen Laborbefunde (act.
G 4.1/64.8 f.). Es bestehen somit auch diesbezüglich keine ernsthaften Zweifel an der
Beweistauglichkeit des Gutachtens von Dr. med. E._. Ohnehin ist darauf
hinzuweisen, dass selbst das Bestehen einer allfälligen Suchtproblematik ohne
relevante Auswirkung auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit wäre (vgl. die
Einschätzungen von Dr. med. E._ in act. G 4.1/64.12). Vor diesem Hintergrund
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bestehen auch keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Verletzung der
Schadenminderungspflicht durch die Versicherte (vgl. hierzu auch act. G 4.1/64.13).
Dies geht ferner aus dem Bericht des RAD-Arztes vom 8. August 2007 hervor. Dieser
berichtet, dass die jetzige regelmässige ambulante Therapie verbunden mit der Arbeit
in der beschützten Einrichtung (Tagesstruktur, Einübung von sozialen Fähigkeiten)
gleichermassen wirkungsvoll sei wie eine stationäre Therapie. Deshalb kommt er
nachvollziehbar zum Schluss, die von Dr. med. E._ vorgeschlagene stationäre
Psychotherapie sei nicht als Auflage im Rahmen der Schadenminderungspflicht zu
betrachten (act. G 4.1/66).
4.3.3 Die Beschwerdeführerin erblickt im Umstand, dass in den Akten sich
widersprechende Diagnosen befänden, einen erheblichen Anhaltspunkt für die
Unrichtigkeit der von der Beschwerdegegnerin berücksichtigten Arbeits- bzw.
Erwerbsunfähigkeit. Die Beschwerdegegnerin entgegnet diesbezüglich zutreffend, dass
nicht die Bezeichnung des Leidens für die Invaliditätsbemessung ausschlaggebend sei,
sondern vielmehr deren Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit (act. G 4, S. 6). Die
Arbeitsunfähigkeit ergibt sich denn auch bei psychischen Krankheiten nicht direkt aus
der Diagnose, sondern aus der störungsbedingten Einschränkung der Funktionen und
dem Schweregrad der Einschränkung (Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für
Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung psychischer Störungen, Schweizerische
Ärztezeitung, S. 1051; vgl. BGE 127 V 298 E. 4c mit Hinweisen). Die Kritik der
Beschwerdeführerin ist von daher unbegründet. Die von der Beschwerdegegnerin nach
dem Suizidversuch vom November 2005 erhobenen medizinischen Stellungnahmen
(vgl. act. G 4.1/8.5, act. G 4.1/14.5, act. G 4.1/15.1 ff.) gehen gestützt auf die
erhobenen Befunde und Einschränkungen insoweit übereinstimmend von einer
erheblich höheren Arbeitsunfähigkeit aus als der Vertrauensarzt der
Beschwerdeführerin. Dies spricht zusätzlich für die Richtigkeit der Beurteilung durch
Dr. med. E._ trotz allenfalls variierender Diagnosen.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist für die Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit auf
das Gutachten von Dr. med. E._ abzustellen. Es besteht keine Veranlassung vom
schlüssigen Gutachten abzuweichen. Ein weiterer Abklärungsbedarf besteht nicht. Es
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ist demnach davon auszugehen, dass der Versicherten auf dem freien Arbeitsmarkt
derzeit nur noch eine Arbeitsfähigkeit von 25% zugemutet werden kann. Gestützt auf
diese Arbeitsfähigkeitseinschätzung hat die Beschwerdegegnerin einen Invaliditätsgrad
von 77% ermittelt und zu Recht eine ganze Invalidenrente zugesprochen. Der
Wirkungsbeginn ab 1. Januar 2005 blieb zu Recht unbestritten.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
und mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zu verrechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG