Decision ID: 9c8120c3-ce1f-5922-9114-ad3f68435f0b
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die am (...) 1998 gegründete B._ GmbH wurde aufgrund ihrer
Sitzverlegung von Z._ nach Y._ am (...) 2005 in das Han-
delsregister des Kantons V._ eingetragen. Am (...) 2015 wurde die
GmbH im Handelsregister gelöscht, weil einerseits eine Umwandlung in
eine Aktiengesellschaft (C._ Holding AG) und andererseits eine
Vermögensübertragung (bzw. eine Übertragung des Betriebes) auf die neu
gegründete A._ AG, ebenfalls mit Sitz in Y._, vorgenommen
wurde (BVGer-act. 17-20).
A.b Die B._ GmbH bezweckte gemäss dem Internet-Handelsregis-
terauszug (http://www._, abgerufen am 28.10.2015) insbesondere
die Vermietung, den Service und den Handel von, an und mit Kranen sowie
alle in Zusammenhang stehenden Arbeiten (BVGer-act. 19). Der Betrieb
war der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) unterstellt.
B.
B.a Die Suva bzw. die von ihr beauftragte Baukontrolle der Stadt
V._ führten im Zeitraum von September 2011 bis Juli 2012 auf Bau-
stellen der B._ GmbH die folgenden Arbeitsplatzkontrollen durch:
 am 27. September 2011 in X._, Kranmontage (...) (Vorakten 8)
 am 7. Februar 2012 in W._, Kranmontage (...) (Vorakten 10)
 am 4. Mai 2012 in V._, (...) (Vorakten 12)
 am 17. Juli 2012 in V._, (...) (Vorakten 16).
B.b Bei allen erwähnten Kontrollen wurden Sicherheitsmängel festgestellt,
so dass die Suva insgesamt drei Ermahnungen (Vorakten 8, 10, 14) aus-
sprach. Im Anschluss an die Kontrolle vom 4. Mai 2012 fand auf Anregung
der Suva am 3. Juli 2012 ausserdem eine Besprechung mit dem Ge-
schäftsführer und dem Sicherheitsbeauftragten der B._ GmbH statt
(Vorakten 12-14). Mit Schreiben vom 31. Juli 2012 (Vorakten 16) wies die
Suva den Betrieb schliesslich auf die am 17. Juli 2012 von der städtischen
Baukontrolle in V._ erneut festgestellten Mängel hin und räumte die
Gelegenheit ein, sich zu den gemachten Feststellungen innert Frist zu äus-
sern. Gleichzeitig kündigte die Suva aufgrund der wiederholten Missach-
tung von Vorschriften der Arbeitssicherheit unter Hinweis auf Art. 92 Abs. 3
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UVG (SR 832.20) eine Prämienerhöhung an. Die B._ GmbH liess
sich im Schreiben vom 9. Oktober 2012 zu den am 17. Juli 2012 in
V._ festgestellten Mängeln vernehmen (Vorakten 23).
B.c Mit Verfügung vom 29. Oktober 2012 (Vorakten 25) reihte die Suva die
B._ GmbH als administrative Zwangsmassnahme rückwirkend auf
den 1. Januar 2012 für die Dauer von einem Jahr in eine um vier Stufen
höhere Prämienstufe für die Berufsunfallversicherung (BUV) ein. Der Prä-
miensatz erhöhte sich dadurch von 2.164% (Stufe 97) auf 2.630% (Stufe
101) der Klasse 13D. Die Suva stützte ihre Verfügung auf Art. 92 Abs. 3
UVG sowie Art. 66 der Verordnung über die Unfallverhütung vom 19. De-
zember 1983 (VUV, SR 832.30) in Verbindung mit Art. 113 der Verordnung
über die Unfallversicherung vom 20. Dezember 1982 (UVV, SR 832.202).
B.d Gegen diese Verfügung liess die B._ GmbH mit Schreiben ih-
res Rechtsvertreters vom 23. November 2012 (Vorakten 27) Einsprache
erheben und darum ersuchen, die Verfügung aufzuheben und auf die Prä-
mienerhöhung zu verzichten. Im Wesentlichen wurde geltend gemacht, die
verfügte Prämienerhöhung sei unverhältnismässig, weil die in zwei Jahren
(2011 und 2012) ausgesprochenen vier Ermahnungen im Verhältnis zu den
52 Angestellten und den jährlich ca. 800 bis 1'000 vorgenommenen Kran-
montagen bzw. den ca. 500 betreuten Baustellen zu betrachten seien. Zu-
dem seien die aktiven Bemühungen der B._ GmbH zur Unfallver-
hütung unbeachtet geblieben.
B.e Die Suva wies mit Entscheid vom 18. Januar 2013 (Vorakten 30) die
Einsprache ab. Zur Begründung führte sie zusammengefasst aus, dass die
Verhältnismässigkeit der für die Dauer eines Jahres angeordneten Prä-
mienerhöhung von rund 21.5% gegeben sei, nachdem innerhalb von we-
niger als 10 Monaten in vier Fällen klare Zuwiderhandlungen gegen Ar-
beitssicherheitsvorschriften konstatiert worden seien, was angesichts der
als Stichproben und relativ selten vorgenommenen Kontrollen als augen-
fällige Häufung erscheine. Die von der B._ GmbH getätigten Bemü-
hungen zur Unfallverhütung würden daran nichts ändern.
C.
Gegen diesen Einspracheentscheid liess die B._ GmbH (nachfol-
gend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom
18. Februar 2013 (BVGer-act. 1) Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt (Eingang: 19. Februar 2013) erheben und folgende Beschwerdebe-
gehren stellen: 1. Es seien die Verfügung der Suva vom 29. Oktober 2012
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und der Einspracheentscheid der Suva vom 18. Januar 2013 aufzuheben.
2.a. Es sei auf eine rückwirkende Erhöhung der Prämie für die BUV der
B._ GmbH für das Jahr 2012 durch Versetzung von Stufe 97 (Prä-
miensatz 2.164%) auf Stufe 101 (Prämiensatz 2.630%) der Klasse 13D zu
verzichten. 2.b. Soweit das Bundesverwaltungsgericht in der Sache selbst
nicht neu entscheide, sei die Sache zur Abklärung des massgeblichen
Sachverhaltes und zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Weiter wurde der Verfah-
rensantrag gestellt, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu
erteilen.
In der Beschwerdebegründung wurde zunächst gerügt, die Suva habe den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie
sich im Einspracheentscheid nicht detailliert mit den in der Einsprache ge-
machten Vorbringen auseinandergesetzt habe. Weiter wurde beanstandet,
die Suva habe den massgeblichen Beobachtungszeitraum willkürlich auf
10 Monate reduziert und den angefochtenen Entscheid treuwidrig begrün-
det. Schliesslich wurde – wie bereits in der Einsprache – moniert, die Suva
habe den Verhältnismässigkeitsgrundsatz verletzt, weil sie die festgestell-
ten vier Zuwiderhandlungen gegen die Arbeitssicherheit, welche unbestrit-
ten seien, nicht in Relation gesetzt habe zur Anzahl Mitarbeiter (aktuell 52)
und den 500 Baustellen pro Jahr. Der Verfahrensantrag wurde in der Be-
schwerde nicht weiter begründet.
D.
Den mit Zwischenverfügung vom 6. März 2013 (BVGer-act. 2) einverlang-
ten Kostenvorschuss von Fr. 800.- leistete die Beschwerdeführerin am
25. März 2013 (BVGer-act. 4).
E.
Mit Vernehmlassung vom 8. Mai 2013 (BVGer-act. 6) stellte die Suva
(nachfolgend auch: Vorinstanz) die folgenden Rechtsbegehren: 1. Der Ver-
fahrensantrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung sei abzuweisen.
2. Die Beschwerde vom 18. Februar 2013 sei abzuweisen und der Ein-
spracheentscheid vom 18. Januar 2013, womit die Verfügung vom 29. Ok-
tober 2012 geschützt worden sei, sei zu bestätigen.
Zunächst hielt die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung fest, der beschwer-
deweise gestellte Verfahrensantrag sei unbegründet. Hinsichtlich des
Hauptantrags verwies die Vorinstanz sodann auf ihre im Einspracheent-
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scheid gemachten Ausführungen und wiederholte diese stellenweise. Er-
gänzend erklärte die Vorinstanz sodann, dass die vier Regelverstösse vom
27. September 2011, 7. Februar 2012, 4. Mai 2012 und 17. Juli 2012, wel-
che zur strafweisen Höhereinreihung im Prämientarif geführt hätten, sei-
tens der Beschwerdeführerin explizit anerkannt würden und die übrigen in
der Beschwerde vorgebrachten Einwendungen unbegründet seien. Die
verfügte Prämienerhöhung entspreche dem EKAS-Leitfaden, wonach so-
gar bis zu 10 Jahre zurückliegende Regelverletzungen berücksichtigt wer-
den könnten, sowie der unmissverständlichen Anordnung in Art. 92 Abs. 3
UVG. Zudem habe die Suva nur Stichproben durchgeführt und dabei eine
augenfällige Häufung von Regelverletzungen festgestellt. Der angefoch-
tene Entscheid sei deshalb absolut verhältnismässig.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2013 (BVGer-act. 7) wies der Instruk-
tionsrichter das Gesuch der Beschwerdeführerin um Erteilung der auf-
schiebenden Wirkung ab.
G.
Die Beschwerdeführerin liess in der Replik vom 30. Juli 2013 (BVGer-
act. 13) die beschwerdeweise gestellten (Haupt-)Anträge erneuern und die
seitens des Bundesverwaltungsgerichts verfügte Abweisung ihres Ge-
suchs um Erteilung der aufschiebenden Wirkung akzeptieren.
In der Replikbegründung wurde vorab klargestellt, dass einzig die Prämien-
erhöhung als solche, nicht jedoch deren Mass bestritten werde. Sodann
wurden die Rüge der vorinstanzlichen Gehörsverletzung sowie die ent-
sprechenden Argumente wiederholt. Betont wurde in der Replik insbeson-
dere, dass die Vorinstanz den EKAS-Leitfaden in absoluter Weise an-
wende, obwohl er als keine verbindliche Rechtsverordnung gelte. Es wurde
eine Schlechterstellung gegenüber kleineren Unternehmen geltend ge-
macht und in diesem Zusammenhang eine Verletzung des Rechtsgleich-
heitsgrundsatzes gerügt. Schliesslich wurde seitens der Beschwerdeführe-
rin beanstandet, dass die Vorinstanz bei den Kontrollen und im Vollzugs-
verfahren zu wenig Rücksicht genommen habe auf die Besonderheiten von
Kranmontagen und Arbeiten an Kranen. Bei der Würdigung der Gefähr-
dungsmeldungen sei der (geringere) Gefährdungsgrad mitzuberücksichti-
gen.
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Seite 6
H.
Die Vorinstanz hielt in ihrer Duplik vom 10. September 2013 (BVGer-
act. 15) an dem in der Vernehmlassung gestellten Antrag auf Beschwerde-
abweisung sowie den dort gemachten Ausführungen fest und erneuerte
diese. Ergänzend hob die Vorinstanz insbesondere hervor, dass durch die
Einhaltung der Vorgaben des EKAS-Leitfadens, welche ein ausserordentli-
ches Durchführungsverfahren vorsähen, sowohl der Grundsatz der Ver-
hältnismässigkeit wie auch jener der Rechtsgleichheit eingehalten würden.
Weitere Kriterien oder entlastende Faktoren seien weder in Gesetz noch
Praxis vorgesehen.
I.
Mit prozessleitender Verfügung vom 17. September 2013 (BVGer-act.16)
wurde der Schriftenwechsel geschlossen.
J.
Mit Eingabe vom 10. Dezember 2015 (BVGer-act. 24) reichte der Vertreter
der Beschwerdeführerin auf Ersuchen des Instruktionsrichters vom 4. De-
zember 2015 (BVGer-act. 23) eine neue bzw. aktuelle Vollmacht ein.
K.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Akten
wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der nachste-
henden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Einspracheentscheid der Suva vom
18. Januar 2013, wonach – in Bestätigung der Verfügung vom 29. Oktober
2012 – die von der Beschwerdeführerin für das Jahr 2012 zu leistende
BUV-Prämie aufgrund von wiederholten Zuwiderhandlungen gegen die Ar-
beitssicherheitsvorschriften rückwirkend um vier Stufen erhöht wurde.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme
nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG ge-
nannten Behörden. Die Suva ist eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. e
VGG. Die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Beurteilung
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von Beschwerden gegen Einspracheentscheide über die Zuteilung der Be-
triebe und der Versicherten zu den Klassen und Stufen der Prämientarife
und Anordnungen zur Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten ist in
Art. 109 Bst. b und c UVG geregelt. Bei der hier strittigen Höhereinreihung
im Prämientarif handelt es sich um eine Massnahme der Unfallverhütung
(BGE 116 V 255 E. 2), weshalb die Zuständigkeit des Bundesverwaltungs-
gerichts zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gestützt auf Art. 109
Bst. c UVG gegeben ist.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes be-
stimmt (Art. 37 VGG). Vorbehalten bleiben gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG
die besonderen Bestimmungen des ATSG (SR 830.1).
1.3 Als Adressatin des Einspracheentscheides hatte die Beschwerdeführe-
rin bei Beschwerdeeinreichung ein schützenswertes Interesse an dessen
Aufhebung oder Abänderung (Art. 59 ATSG, Art. 48 Abs. 1 VwVG), weshalb
sie beschwerdelegitimiert war. Wie vorne (Sachverhalt A.a) erwähnt, wurde
die Beschwerdeführerin aber am (...) 2015 im Handelsregister des Kantons
V._ gelöscht und deren Kranbetrieb (bzw. die entsprechenden Akti-
ven und Passiven) auf die neu gegründete A._ AG übertragen
(BVGer-act. 17-21). Durch diese Transaktion auf dem Weg der Univer-
salsukzession ist die A._ AG hinsichtlich des vorliegenden Streitge-
genstandes von Amtes wegen als Rechtsnachfolgerin der Beschwerdefüh-
rerin zu betrachten (vgl. Art. 69 ff. des Fusionsgesetzes vom 3. Oktober
2003 [SR 221.301]; MARANTELLI-SONANINI/HUBER, in: Waldmann/Weissen-
berger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2008, Art. 6 N. 48 ff.). Dies wird
vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in der Eingabe vom 10. De-
zember 2015 bestätigt (BVGer-act. 24). Ein Rechtsschutzinteresse der
A._ AG an der Weiterführung des hängigen Verfahrens ist ange-
sichts der von ihr übernommenen Aktiven und Passiven des Kranbetriebes
der Beschwerdeführerin zu bejahen.
1.4 Die Beschwerde wurde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht
(vgl. Art. 38 ff. und Art. 60 ATSG, Art. 52 VwVG). Da auch der Kostenvor-
schuss innert Frist geleistet wurde (Art. 63 Abs. 4 VwVG), ist auf die Be-
schwerde einzutreten.
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Seite 8
2.
2.1 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unange-
messenheit des Entscheides beanstanden (Art. 49 VwVG).
2.2 Nach der Rechtsprechung hat auch eine Rechtsmittelbehörde, der
volle Kognition zusteht, in Ermessensfragen einen Entscheidungsspiel-
raum der Vorinstanz zu respektieren. Sie hat eine unangemessene Ent-
scheidung zu korrigieren, kann aber der Vorinstanz die Wahl unter mehre-
ren angemessenen Lösungen überlassen (BGE 133 II 35 E. 3). Das Bun-
desverwaltungsgericht hat daher nur den Entscheid der unteren Instanz zu
überprüfen und sich nicht an deren Stelle zu setzen (vgl. BGE 126 V 75
E. 6). Insbesondere dann, wenn die Ermessensausübung, die Anwendung
unbestimmter Rechtsbegriffe oder die Sachverhaltswürdigung hochste-
hende, spezialisierte technische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche
Kenntnisse erfordert, ist eine Zurückhaltung des Gerichts bei der Überprü-
fung vorinstanzlicher Bewertungen angezeigt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3;
133 II 35 E. 3; 128 V 159 E. 3b/cc). Es stellt daher keine unzulässige Kog-
nitionsbeschränkung dar, wenn das Gericht − das nicht als Fachgericht
ausgestaltet ist − nicht ohne Not von der Auffassung der Vorinstanz ab-
weicht, soweit es um die Beurteilung technischer, wirtschaftlicher oder wis-
senschaftlicher Spezialfragen geht, in denen die Vorinstanz über ein be-
sonderes Fachwissen verfügt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3; 133 II 35 E. 3
mit Hinweisen; siehe zum Ganzen auch YVO HANGARTNER, Behördenrecht-
liche Kognitionsbeschränkungen in der Verwaltungsrechtspflege, in:
Bovay/Nguyen [Hrsg.], Mélanges en l'honneur de Pierre Moor, 2005,
S. 319 ff.; FELLER/MÜLLER, Die Prüfungszuständigkeit des Bundesverwal-
tungsgerichts – Probleme in der praktischen Umsetzung, Schweizerisches
Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 110/2009 S. 442 ff.).
3.
3.1 Der Vollzug der Bestimmungen über die Verhütung von Berufsunfällen
und Berufskrankheiten obliegt gemäss Art. 85 Abs. 1 UVG den Durchfüh-
rungsorganen des Arbeitsgesetzes vom 13. Mai 1964 (ArG, SR 822.11)
und der Suva. Die gestützt auf Art. 85 Abs. 2 UVG eingesetzte eidgenössi-
sche Koordinationskommission für die Arbeitssicherheit (EKAS) stimmt die
einzelnen Durchführungsbereiche aufeinander ab, soweit der Bundesrat
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Seite 9
hierüber keine Bestimmungen erlassen hat; sie sorgt für eine einheitliche
Anwendung der Vorschriften über die Verhütung von Berufsunfällen und
Berufskrankheiten in den Betrieben (Art. 85 Abs. 3 Satz 1 UVG). Die Be-
schlüsse der EKAS sind für die Versicherer und die Durchführungsorgane
des ArG verbindlich (Art. 85 Abs. 4 UVG). Die EKAS kann insbesondere
Ausführungsbestimmungen zum Verfahren erlassen (Art. 53 Bst. a VUV),
was sie mit dem Leitfaden (nachfolgend: EKAS-Leitfaden) gemacht hat.
3.2 Nach Art. 92 Abs. 3 UVG können die Betriebe bei Zuwiderhandlung ge-
gen Vorschriften über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten
jederzeit und auch rückwirkend in eine höhere Gefahrenstufe versetzt wer-
den. Diese Höhereinreihung richtet sich gemäss Art. 113 Abs. 2 UVV nach
den Bestimmungen der VUV, wobei der betroffene Betrieb in der Regel in
eine Stufe mit einem um mindestens 20% höheren Prämiensatz versetzt
werden soll. Ist dies innerhalb des Tarifs nicht möglich, so wird der Prämi-
ensatz der höchsten Stufe der betreffenden Klasse entsprechend erhöht.
Laut Art. 66 Abs. 1 VUV kann ein Betrieb in eine höhere Stufe des Prämi-
entarifs versetzt werden, sofern der Arbeitgeber einer vollstreckbaren Ver-
fügung keine Folge leistet oder er auf andere Weise Vorschriften über die
Arbeitssicherheit zuwiderhandelt. Die Prämienerhöhung wird unter Angabe
von Beginn und Dauer vom zuständigen Durchführungsorgan angeordnet.
Sie muss vom Versicherer unverzüglich verfügt werden, wobei das Durch-
führungsorgan eine Kopie dieser Verfügung erhält (Art. 66 Abs. 2 VUV).
4.
Bei der Überprüfung einer Verfügung gestützt auf Art. 92 Abs. 3 UVG ist in
einem ersten Schritt zu beurteilen, ob eine Missachtung der Vorschriften
über die Unfallverhütung vorliegt. Ist dies zu bejahen, muss weiter geprüft
werden, ob die verfügte Prämienerhöhung in rechtmässiger Anwendung
der massgeblichen Bestimmungen ergangen ist.
4.1 Gemäss Art. 82 Abs. 1 UVG ist der Arbeitgeber verpflichtet, zur Verhü-
tung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten alle Massnahmen zu tref-
fen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik an-
wendbar und den gegebenen Verhältnissen angemessen sind. Gestützt
auf Art. 83 Abs. 1 UVG hat der Bundesrat neben der VUV weitere Verord-
nungen erlassen, in welchen die Anforderungen an die Arbeitssicherheit für
bestimmte Tätigkeiten konkretisiert werden. Dazu gehören namentlich die
Bauarbeitenverordnung vom 29. Juni 2005 (BauAV, SR 832.311.141) so-
wie die Kranverordnung vom 27. September 1999 (SR 832.312.15). Vor-
liegend sind insbesondere die folgenden Bestimmungen relevant:
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Seite 10
4.1.1 Gemäss Art. 5 VUV muss der Arbeitgeber den Arbeitnehmern zumut-
bare persönliche Schutzausrüstungen (PSA) wie unter anderem Schutz-
helme und Schutzgeräte gegen Absturz zur Verfügung stellen, falls Unfall-
und Gesundheitsgefahren durch technische oder organisatorische Mass-
nahmen nicht oder nicht vollständig ausgeschlossen werden können, und
er muss dafür sorgen, dass diese jederzeit bestimmungsgemäss verwen-
det werden können. Laut Art. 6 Abs. 3 VUV sorgt der Arbeitgeber dafür,
dass die Arbeitnehmer die Massnahmen der Arbeitssicherheit einhalten.
Art. 5 Abs. 2 Bst. b BauAV schreibt eine Schutzhelmtragpflicht bei Arbeiten
im Bereich von Kranen vor. Gemäss Art. 8 Abs. 2 Bst. a BauAV sind sodann
zur Gewährleistung der Arbeitsplätze insbesondere Absturzsicherungen im
Sinne der Art. 15-19 anzubringen. Art. 19 Abs. 1 BauAV bestimmt, dass
Fanggerüste, Auffangnetze oder Seilsicherungen zu verwenden oder
gleichwertige Schutzmassnahmen zu treffen sind, wo das Anbringen eines
Seitenschutzes nach Art. 16 oder eines Gerüstes nach Art. 18 technisch
nicht möglich oder zu gefährlich ist.
4.1.2 Die Vorinstanz stellte anlässlich der erwähnten Baustellenkontrollen
vom 27. September 2011, 7. Februar 2012, 4. Mai 2012 und 17. Juli 2012
(vgl. Sachverhalt B.a) die folgenden sicherheitswidrigen Zustände fest: un-
gesichertes Arbeiten bei der Kranmontage (Absturzhöhe ca. 30 m, Vorak-
ten 8/4), Ausführung von Arbeiten durch Kranmonteure ohne Helm und
ohne Sicherung (Vorakten 10/5-6), Ausführung von Arbeiten auf dem Kran-
bock ohne Absturzsicherung (Vorakten 11), Vornahme von Arbeiten auf
dem Kranausleger ohne Absturzsicherung (Vorakten 15). Seitens der Be-
schwerdeführerin wurden die genannten Vorfälle sowie die ihr deswegen
von der Vorinstanz vorgehaltenen Zuwiderhandlungen gegen die Vorschrif-
ten über die Arbeitssicherheit explizit nicht bestritten (siehe insb. BVGer-
act. 1 S. 8, 13 S. 5). Es kann daher als erstellt gelten, dass die Beschwer-
deführerin in den Jahren 2011 und 2012 mehrmals gegen Vorschriften über
die Verhütung von Unfällen verstossen hat.
4.2 Im Folgenden bleibt zu prüfen, ob die hier streitige Höhereinreihung der
Beschwerdeführerin im BUV-Prämientarif in korrekter Anwendung der ge-
setzlichen Zuständigkeitsregeln und unter Beachtung der allgemeinen
Grundsätze des Verwaltungshandelns verfügt wurde.
4.2.1 Gemäss Art. 66 Abs. 2 VUV ordnet das zuständige Durchführungsor-
gan die Prämienerhöhung nach Art. 113 Abs. 2 UVV an, welche vom zu-
ständigen Versicherer unverzüglich verfügt werden muss. In Betrieben des
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Baugewerbes und bei Arbeiten anderer Betriebe auf deren Baustellen be-
aufsichtigt die Suva als zuständiges Durchführungsorgan die Anwendung
der Vorschriften über die Verhütung von Berufsunfällen (Art. 85 Abs. 1 UVG
i.V.m. Art. 49 Abs. 1 Ziff. 11 VUV). Dass vorliegend die Bestimmungen über
die Unfallverhütung durch die Suva vollzogen werden, ist somit nicht zu
beanstanden und im Übrigen unbestritten. Ebenso wenig zu erläutern ist
die unstreitige versicherungsrechtliche Unterstellung des hier zur Diskus-
sion stehenden Kranbetriebes unter die Suva, welche sich aus Art. 66
Abs. 1 Bst. b UVG in Verbindung mit Art. 73 UVV ergibt. Vorliegend war die
Suva demnach sowohl für die Anordnung der streitigen Prämienerhöhung
als auch für den Erlass der entsprechenden Verfügung zuständig.
4.2.2 Nach Art. 113 Abs. 2 UVV erfolgt wegen Zuwiderhandlung gegen Vor-
schriften über die Verhütung von Unfällen eine Einreihung in eine höhere
Stufe des Prämientarifs, wobei der Betrieb in der Regel in eine Stufe mit
einem um mindestens 20% höheren Prämiensatz versetzt werden soll. Die
Sanktion greift ungeachtet der Schwere des Verstosses. Das Eidgenössi-
sche Versicherungsgericht (EVG, heute: BGer) hat diese Ordnung grund-
sätzlich als mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip und dem Willkürverbot
vereinbar bezeichnet (Urteil des EVG U 240/03 vom 2. Juni 2004 E. 6.3 mit
Hinweis auf BGE 116 V 255 E. 4b und c, veröffentlicht in: RKUV 2004 Nr. U
525 S. 549 ff.). Die verfügte Sanktion muss sich aber auch im Einzelfall als
verhältnismässig erweisen (BGE 116 V 255 E. 4b; Urteil des BVGer C-
4640/2007 vom 9. März 2009 E. 4.2.2 mit Hinweis).
4.2.3 Die Beschwerdeführerin wurde von der Vorinstanz rückwirkend für
das Jahr 2012 im BUV-Prämientarif um vier Stufen höher eingereiht. Der
Prämiensatz wurde von 2.164% (Stufe 97) auf 2.630% (Stufe 101) und da-
mit um 21.53% erhöht. Diese Höhereinreihung entspricht den Vorgaben
von Art. 113 Abs. 2 UVV und wird seitens der Beschwerdeführerin aus-
drücklich nicht bestritten (BVGer-act. 13 S. 3).
4.2.4 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst eine Verletzung der vor-
instanzlichen Begründungspflicht mit dem Argument, der Einspracheent-
scheid befasse sich nicht mit dem Aspekt der Verhältnismässigkeit, insbe-
sondere nicht mit der Relation der Zahl der Verwarnungen zur Zahl der
Mitarbeiter und Baustellen (BVGer-act. 1 S. 6 f.).
4.2.4.1 Einen wesentlichen Bestandteil des in Art. 29 Abs. 2 BV garantier-
ten Anspruchs auf rechtliches Gehör bildet die Begründungspflicht. Diese
soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten
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lässt, und es der betroffenen Person ermöglichen, die Verfügung bzw. den
Einspracheentscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist
nur möglich, wenn sich sowohl die Partei wie auch die Rechtsmittelinstanz
über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. In diesem
Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von de-
nen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung
stützt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tat-
beständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinander-
setzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentli-
chen Gesichtspunkte beschränken (statt vieler: BGE 124 V 180 E. 1a; Ur-
teil des EVG I 3/05 vom 17. Juni 2005 E. 3.1.3 mit Hinweisen, veröffentlicht
in: SVR 2006 IV Nr. 27).
4.2.4.2 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin befasste sich die Vo-
rinstanz in ihrem Einspracheentscheid durchaus mit dem Verhältnismäs-
sigkeitsprinzip. Nach Hinweis auf die massgeblichen Bestimmung (E. 3
und 3b/c) legte die Vorinstanz in ihren Erwägungen (insb. E. 3d) kurz und
klar dar, aus welchen wesentlichen Überlegungen sie die Verhältnismäs-
sigkeit der Höhereinreihung vorliegend bejahte und dass die seitens der
Beschwerdeführerin gemachten Einwände deshalb nicht zu berücksichti-
gen seien. Unter diesen Umständen konnte sich die Beschwerdeführerin
ohne weiteres Rechenschaft geben über die Tragweite des Entscheides
und diesen sachgerecht ans Gericht weiterziehen. Im Unterscheid zur Ein-
reihung in den Prämientarif (BVGE 2007/27 E. 9.3) handelt es sich bei der
Prämienerhöhung wegen Zuwiderhandlung gegen Unfallverhütungsvor-
schriften nicht grundsätzlich um eine komplexe Materie, so dass eine ent-
sprechend ausführlichere und umfassendere Begründung notwendig ge-
wesen wäre. Dies gilt auch hinsichtlich der hier streitigen Höhereinreihung.
Hinzu kommt, dass die Vorinstanz sich in ihrer Vernehmlassung (BVGer-
act. 6 S. 4 Ziff. 10) – anders als von der Beschwerdeführerin in der Replik
behauptet (BVGer-act. 13 S. 4 f.) – eingehend mit der Frage auseinander-
setzt, ob eine Differenzierung nach der Betriebsgrösse im Rahmen einer
strafweisen Prämienerhöhung angebracht sei, und im Übrigen auch in der
Duplik weitere Ausführungen dazu macht (BVGer-act. 15 S. 2 f. Ziff. 3 f.).
Selbst wenn also von einer geringfügigen Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs ausgegangen würde, müsste diese vorliegend als geheilt gelten (vgl.
BGE 127 V 431 E. 3d/aa; 126 V 130 E. 2b mit Hinweisen).
Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz ist nach dem
Gesagten zu verneinen.
C-852/2013
Seite 13
4.2.5 Die Beschwerdeführerin bringt sodann vor, die Vorinstanz habe den
Einspracheentscheid willkürlich, treuwidrig und einseitig begründet, indem
sie ohne Berücksichtigung anderer zeitlicher Faktoren davon ausgehe,
dass die vier unbestrittenen Zuwiderhandlungen sich innerhalb einer Peri-
ode von "weniger als zehn Monaten" ereignet hätten und diese als "augen-
fällige Häufung" qualifiziert würden. Zudem sei in der vorinstanzlichen Ar-
gumentation völlig unbeachtet geblieben, dass die am 21. September 2012
auf der Baustelle (...) in U._ durchgeführte Arbeitsplatzkontrolle
keine Mängel oder Gefährdung der Arbeitssicherheit habe aufzeigen kön-
nen (BVGer-act. 1 S. 7 f., 13 S. 5 f.).
4.2.5.1 Die vorliegende Rüge der Willkür und Treuwidrigkeit gemäss Art. 9
BV richtet sich gegen die Begründung des angefochtenen Entscheides. Ein
Entscheid verstösst aber gegen Art. 9 BV nicht schon dann, wenn er will-
kürlich begründet ist, sondern erst, wenn er auch im Ergebnis unhaltbar ist
(Urteil des BGer 8C_594/2010 vom 25. August 2011 E. 3.4.2).
4.2.5.2 Die streitige Höhereinreihung als solche wird von der Beschwerde-
führerin nicht als mit Art. 9 BV unvereinbar gerügt und eine entsprechende
Unvereinbarkeit ist aufgrund der vorliegenden Akten nicht ersichtlich. Auch
die vorinstanzliche Begründung des angefochtenen Entscheides ist entge-
gen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht als willkürlich oder treu-
widrig zu betrachten. Vorliegend gilt als erwiesen, dass sich die vier unbe-
strittenen Zuwiderhandlungen gegen Vorschriften über die Verhütung von
Unfällen in der Zeit von Ende September 2011 bis Mitte Juli 2012 und folg-
lich tatsächlich innerhalb einer Periode von "weniger als zehn Monaten"
ereignet hatten. In keiner Art und Weise ist zu beanstanden, dass die Vor-
instanz diesen Umstand als "augenfällige Häufung" qualifiziert. Dies gilt
umso mehr, wenn berücksichtigt wird, dass die vier Verstösse unbestritte-
nermassen im Rahmen von Stichprobenkontrollen festgestellt wurden (vgl.
BVGer-act. 6 S. 5). Von einer willkürlichen Reduktion des massgeblichen
Zeitraums kann keine Rede sein. Bei einer strafweisen Höhereinreihung
sind aufgrund des klaren Wortlauts von Art. 92 Abs. 3 UVG die Zuwider-
handlungen gegen Vorschriften über die Verhütung von Unfällen massge-
bend. Die Einhaltung der entsprechenden Vorschriften wird vorausgesetzt
und kann nicht entlastend wirken. Der Vorinstanz ist somit nicht vorzuhal-
ten, dass sie in ihrer Entscheidbegründung den Umstand unerwähnt liess,
wonach anlässlich der Arbeitsplatzkontrolle vom 21. September 2012
keine Sicherheitsmängel festgestellt werden konnten (Vorakten 22).
C-852/2013
Seite 14
4.2.6 Insbesondere rügt die Beschwerdeführerin schliesslich eine Verlet-
zung des Verhältnismässigkeitsprinzips mit der Begründung, die Vor-
instanz setze die in den Jahren 2011 und 2012 ausgesprochenen vier Er-
mahnungen nicht in Relation zu den aktuell 52 Angestellten und den pro
Jahr ca. 800 bis 1'000 ausgeführten Kranmontagen auf ca. 500 Baustellen
(BVGer-act. 1 S. 9 ff.). Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vor-
instanz wende den EKAS-Leitfaden in einer undifferenzierten und zu wort-
getreuen Weise an, was zu einer rechtsungleichen Behandlung führe
(BVGer-act. 13 S. 8).
4.2.6.1 Gemäss dem EKAS-Leitfaden (Ziff. 5.2.8) spricht das Durchfüh-
rungsorgan im Normalfall dreimal eine Ermahnung aus und verfügt erst bei
der vierten Feststellung eines sicherheitswidrigen Zustandes eine Prä-
mienerhöhung. Je nach Bedeutung des Verstosses kann und soll das Ver-
fahren abgekürzt werden. Die Prämienerhöhung könnte daher bereits nach
der ersten Feststellung angeordnet werden, sofern dem Betrieb vorgängig
das rechtliche Gehört gewährt worden ist. Andererseits sollen Feststellun-
gen, die mehr als 10 Jahre zurückliegen, nicht berücksichtigt werden (vgl.
auch EKAS-Leitfaden Ziff. 5.3).
4.2.6.2 Die EKAS-Richtlinien stellen nicht unmittelbar verbindliches Recht
dar, sondern sind konkretisierende Bestimmungen, welche den Arbeitge-
ber nicht verpflichten (vgl. EKAS-Leitfaden Ziff. 2.3.3). Gleiches gilt – wie
die Beschwerdeführerin richtig annimmt – auch für den EKAS-Leitfaden,
welcher den Durchführungsorganen, die den Vollzug der gesetzlichen Vor-
schriften betreffend Arbeitssicherheit zu überwachen und notfalls durchzu-
setzen haben (vgl. E. 3.1), Anleitungen gibt in der Absicht, ein einheitliches
und rechtsgleiches Vorgehen in der Praxis zu fördern (EKAS-Leitfaden
Ziff. 1; vgl. auch Art. 52a Abs. 1 VUV). Die Rechtsprechung erachtet die im
EKAS-Leitfaden enthaltene Regel, wonach im Normalfall (sofern nicht ein
besonders gravierender Verstoss vorliegt oder die Verletzung von Vor-
schriften zu einem Unfall geführt hat) drei Ermahnungen ausgesprochen
werden und bei der vierten Feststellung eines sicherheitswidrigen Zustan-
des eine Prämienerhöhung verfügt wird, als Ausdruck des Verhältnismäs-
sigkeitsgrundsatzes (BVGE 2010/37 E. 2.4.2.2). Die gilt insbesondere vor
einer erstmaligen Sanktion (Urteil des BVGer C-6018/2008 vom 25. No-
vember 2010 E. 6.2.4; vgl. auch Urteil des BVGer C-5278/2010 vom
22. Oktober 2012 E. 4.2.3).
4.2.6.3 Die Vorinstanz hatte die Beschwerdeführerin unbestrittener- und
erwiesenermassen dreimal schriftlich ermahnt, bevor sie nach der vierten
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Seite 15
Feststellung von Sicherheitsmängeln (erstmals) die Prämienerhöhung ver-
fügte. Dieses Vorgehen entspricht dem oben erwähnten EKAS-Leitfaden
und kann gestützt auf die zitierte Rechtsprechung deshalb nicht als unver-
hältnismässig bezeichnet werden. Daran ändern die von der Beschwerde-
führerin vorgebrachten Einwände nichts: Es trifft nicht zu, dass die Befol-
gung der erwähnten EKAS-Regel, welche hinsichtlich der strafweisen Hö-
hereinreihung auf die Anzahl Zuwiderhandlungen abstellt und weitere Fak-
toren (wie Betriebsgrösse, Anzahl Angestellte, Anzahl Baustellen etc.) un-
berücksichtigt lässt, zu einer rechtsungleichen Behandlung führt. Im Ge-
genteil hat die Einhaltung dieser Regel zur Folge, dass die Vorschriften
über Arbeitssicherheit in allen Betrieben nach dem gleichen Massstab
durchgesetzt werden (vgl. dazu EKAS-Leitfaden Ziff. 2.4.1). Es kann nicht
sein, dass sich ein grösserer Betrieb mehr (festgestellte) Sicherheitsmän-
gel erlauben kann und dadurch seine Arbeitnehmenden einer höheren Ge-
fährdung aussetzt, bis eine sanktionsweise Höhereinreihung im Prämien-
tarif erfolgt. Vielmehr hat ein grösserer Betrieb entsprechend seiner Grösse
für die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften mehr Aufwand zu betreiben,
damit die Arbeitsplatzsicherheit gleich hoch ist wie in einem kleineren Be-
trieb. Die streitige EKAS-Regel findet folglich unabhängig von der Grösse
eines Betriebes Anwendung. Die Vorinstanz weist deshalb zu Recht darauf
hin, dass grössere Betriebe, welche wiederholt gegen die Vorschriften der
Arbeitssicherheit verstossen bzw. ihre Mitarbeitenden nicht anhalten, diese
Vorschriften konsequent einzuhalten, ein höheres Risiko darstellen
(BVGer-act. 15 S. 3, 6 S. 5). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesge-
richts (BGE 116 V 255) ist in der Regel sogar bei jeder Zuwiderhandlung
eine Prämienerhöhung angebracht (E. 4b), wobei diese nicht von der
Schwere der Verletzung der Arbeitssicherheitsvorschriften abhängt (E. 4c).
Laut den vorliegenden Akten stellte die Vorinstanz anlässlich von Baustel-
lenkontrollen nicht nur die vier besagten sicherheitswidrigen Zustände fest,
sondern es wurden – entgegen der pauschalen Behauptung der Beschwer-
deführerin in der Replik (BVGer-act. 13 S. 8) – vor dem 27. September
2011 noch zwei weitere Verstösse gegen Vorschriften über die Arbeitssi-
cherheit konstatiert, nämlich am 21. Juli 2011 (in T._, Werkhof [...],
nicht fachgerechter Einsatz der PSAgA auf dem Lagerplatzkran [Vorakten
6]) und am 25. August 2011 (Kranmonteur am Boden trug keinen Helm
[Vorakten 7]). Die aufgrund der festgestellten Mängel entstandene Gefähr-
dung wurde von der Vorinstanz zwar offensichtlich nicht als erhöht oder
noch grösser eingestuft, weshalb in diesen beiden Fällen keine Ermahnung
erfolgte (vgl. EKAS-Leitfaden Ziff. 5.3). Dennoch handelt es sich bei diesen
aktenmässig dokumentierten und im Vollzugsverfahren unbestritten geblie-
benen Vorfällen um weitere Zuwiderhandlungen gegen Vorschriften über
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Seite 16
die Verhütung von Unfällen (vgl. E. 4.1.1), welche die Verhältnismässigkeit
der hier streitigen Prämienerhöhung deutlich machen.
4.2.6.4 Die Beschwerdeführerin rügt, die Suva habe eine Monopolstellung
inne (BVGer-act. 13 S. 7). Dazu ist festzuhalten, dass der Gesetzgeber
ausdrücklich wollte, dass die Arbeitnehmenden von Betrieben, welche eine
bestimmte Tätigkeit ausüben, ausschliesslich bei der Suva versichert sind
(vgl. Art. 66 Abs. 1 UVG). Die Zusammensetzung der EKAS ergibt sich
ebenfalls aus dem Gesetz, welches in Art. 85 Abs. 2 UVG regelt, dass sich
die EKAS je zur Hälfte aus Vertretern der Versicherer und der Durchfüh-
rungsorgane des ArG zusammensetzt (vgl. auch Art. 47 ff. VUV). Diese
gesetzlichen Regelungen sind vom Bundesverwaltungsgericht nicht zu
überprüfen (Art. 190 BV; vgl. auch Urteil des BVGer C-5278/2010 vom
22. Oktober 2012 E. 4.2.4.1)
4.2.6.5 Die Beschwerdeführerin kann sich bezüglich der streitigen Höher-
einreihung sodann nicht darauf berufen, aktive und über das branchenüb-
liche bzw. gesetzliche Mass hinausgehende Bemühungen zur Unfallverhü-
tung unternommen zu haben (BVGer-act. 1 S. 10, 13 S. 10). Sie scheint
bei ihrer Argumentation den Unterschied zu verkennen zwischen einer
sanktionsweisen Höhereinreihung im Prämientarif nach Art. 92 Abs. 3 UVG
einerseits und der ordentlichen (risikogerechten) Einreihung in den Prämi-
entarif gemäss Art. 92 Abs. 2 UVG andererseits. Für die Versetzung in eine
höhere Stufe des Prämientarifs gemäss Art. 92 Abs. 3 UVG in Verbindung
mit Art. 113 Abs. 2 UVV und Art. 66 Abs. 1 VUV ist einzig die Zuwiderhand-
lung gegen Arbeitssicherheitsvorschriften massgebend. Grundlage bildet
hingegen die ordentliche Einreihung, welche gemäss Art. 92 Abs. 2 UVG
auch den Stand der Unfallverhütung berücksichtigt. Die sanktionsweise
Höhereinreihung ist (in der Regel auf ein Jahr) befristet. Nach Ablauf dieser
Zeitperiode fällt die Höhereinreihung dahin und hat keinen Einfluss auf die
weitere (ordentliche) Einreihung (vgl. Urteil des BVGer C-6018/2008 vom
25. November 2010 E. 6.2.2). Die von der Beschwerdeführerin geltend ge-
machten Anstrengungen zur Unfallverhütung sind daher unbehelflich (vgl.
auch Urteil des BVGer C-7273/2013 vom 8. Mai 2015 E. 7.4).
4.2.6.6 Aus dem Umstand, Kranmonteure würden praktisch nie abstürzen
und auch in ihrem Betrieb habe sich bislang kein Absturzunfall ereignet
(BVGer-act. 13 S. 9), kann die Beschwerdeführerin ebenfalls nichts zu ih-
ren Gunsten ableiten. Eine strafweise Höhereinreihung aufgrund von Zu-
widerhandlungen gegen Arbeitssicherheitsvorschriften erfolgt gemäss
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Rechtsprechung unabhängig davon, ob sich aufgrund der nicht eingehal-
tenen Sicherheitsvorschriften ein Unfall ereignet hat oder nicht (vgl. BGE
116 V 255 E. 4c; Urteile des BVGer C-4640/2007 vom 9. März 2009 E. 4.3
und C-3410/2009 vom 11. November 2013 E. 4.8).
4.2.6.7 Schliesslich ist die seitens der Beschwerdeführerin geäusserte Kri-
tik an der Anwendbarkeit und Umsetzbarkeit der von der Vorinstanz zitier-
ten Arbeitssicherheitsvorschriften auf Kranen (BVGer-act. 13 S. 9) unbe-
achtlich und als Schutzbehauptung zu werten. Die Vorinstanz hat die hier
massgeblichen Bestimmungen richtig wiedergegeben (Vorakten 8 S. 4, 10
S. 5, 12, 16 S. 5, 30 S. 4) und die entsprechenden Zuwiderhandlungen
wurden von der Beschwerdeführerin mehrfach ausdrücklich anerkannt.
4.3 Nach dem Gesagten erweist sich die am 29. Oktober 2012 verfügte
Prämienerhöhung als korrekt. Die Vorinstanz hat die dagegen erhobene
Einsprache zu Recht abgewiesen. Der angefochtene Einspracheentscheid
vom 18. Januar 2013 ist deshalb zu bestätigen und die Beschwerde ist
abzuweisen.
5.
Es bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteientschädigung
zu befinden.
5.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG sind die Verfahrenskosten der unterlie-
genden Partei aufzuerlegen, wobei der geleistete Kostenvorschuss zu be-
rücksichtigen ist. Da die Beschwerdeführerin unterlegen ist, hat sie die Ver-
fahrenskosten zu tragen. Diese bemessen sich nach Umfang und Schwie-
rigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und finanzieller Lage der
Parteien (vgl. Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Die Verfahrenskosten sind vorliegend auf Fr. 800.- festzu-
legen. Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrens-
kosten zu verwenden.
5.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Vorinstanz
als mit einer öffentlichen Aufgabe betraute Organisation hat jedoch keinen
Anspruch auf Parteientschädigung (vgl. BGE 128 V 124 E. 5b sowie Art. 7
Abs. 3 VGKE).
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