Decision ID: 57217961-cbaf-5e0c-abbc-f6cf8f7ab2a4
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (Jahrgang 1960) meldete sich im Oktober 2010 zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 1). Im Gesuchsformular gab sie unter anderem an, sie habe
keinen Beruf erlernt; sie sei Hausfrau und gehe keiner Erwerbstätigkeit nach. Im
November 2010 berichtete Dr. med. B._ (IV-act. 10), die Versicherte leide an
Nacken-, Schulter- und Armschmerzen links, an einem chronischen BWS-Syndrom, an
einer chronischen Lumboischialgie links sowie an chronischen depressiven
Verstimmungen. Sie werde psychiatrisch betreut; bei Bedarf nehme sie NSAR und PPI
ein. Sie sei weiterhin in der Lage, leichte Haushaltsarbeiten zu verrichten. Im März 2011
teilte Dr. med. C._ von der Klinik D._ der IV-Stelle mit (IV-act. 16), die Versicherte
leide an einer dissoziativen Störung. Diese habe einen chronifizierenden Charakter. Er
könne derzeit noch keine definitive Diagnose stellen. Wegen Ängsten, Schwindel,
Ohnmacht, Konzentrationsmangel und Vergesslichkeit sei die Versicherte als Hausfrau
zu 40 Prozent arbeitsunfähig. In einem entsprechenden Fragebogen gab die
Versicherte der IV-Stelle im April 2011 an (IV-act. 17), die Arbeiten im Haushalt würden
durch ihren Sohn, ihre Schwiegertochter und ihren Ehemann verrichtet. Am 21. Juni
2012 erfolgte eine Haushaltsabklärung. Im entsprechenden Bericht vom 6. Juli 2012
(IV-act. 29) hielt die Abklärungsperson der IV-Stelle fest, die Schwiegertochter der
Versicherten habe angegeben, diese könne wegen der Schmerzen im Rücken, im
linken Arm und im linken Bein nicht mehr viel laufen und auch nicht mehr lange sitzen.
Die Versicherte vergesse viel, sie verbringe den Tag mit der Pflege ihrer Blumen auf der
Terrasse und sie kümmere sich um die Enkelkinder, die ihr allerdings manchmal zu
lärmig seien. Die andere Schwiegertochter kümmere sich viel um die Versicherte. Die
Abklärungsperson hielt weiter fest, die Versicherte habe angegeben, sie sei nie
erwerbstätig gewesen. Sie und ihr Ehemann würden seit der Abweisung des
A.a.
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Rentengesuchs des letzteren vom Sohn unterstützt. Dieser wohne zusammen mit
seiner Ehefrau und den drei Kindern im ersten Obergeschoss; ein anderer Sohn wohne
mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern zwei Hausnummern entfernt. Die
Versicherte und ihr Ehemann wohnten in einer Dreizimmerwohnung im
Mehrfamilienhaus der Familie E._. Die Versicherte könne ihrer Schwiegertochter bei
der Essenszubereitung mithelfen, wobei sie aber vergesslich sei. In ihrer eigenen Küche
mache die Versicherte nur Kaffee oder sie nehme Getränke zu sich. Das Mittagessen
und das Abendessen nähmen sie und ihr Ehemann aus traditionellen Gründen in der
Wohnung der Familie des im selben Haus lebenden Sohnes ein. Die Versicherte helfe
auch bei der Küchenreinigung mit (Tisch abwischen, kleinere Reinigungsarbeiten). Sie
könne aber die Schränke nicht mehr reinigen; dies erledige die Schwiegertochter. Die
Versicherte könne abstauben und oberflächlich reinigen. Die Grossreinigung werde von
der Schwiegertochter übernommen. Die Versicherte könne kleinere Einkäufe selbst
erledigen; den Grosseinkauf erledige der Sohn. Die Schwiegertochter besorge auch die
Wäsche. Sie hänge die Wäsche an den grossen Ständer und bügle sie auch. Die
Versicherte könne Wäschestücke am kleinen Ständer aufhängen. Sie lege die Wäsche
auch zusammen und versorge sie. Sie betreue die fünf Enkelkinder nicht regelmässig.
Sie könne nicht mehr so viel stricken wie früher. Sie pflege ihre Blumen auf der
Terrasse. Die Abklärungsperson hielt in ihrer Würdigung des Abklärungsergebnisses
fest, unter Anrechnung der „Schaden- und Mitwirkungspflicht“ könnten keine
Einschränkungen berücksichtigt werden. Diese Pflicht könne in den verschiedenen
Bereichen der Haushaltsbesorgung jeweils vom nicht erwerbstätigen Ehemann und von
der Schwiegertochter erfüllt werden. Mit einer Verfügung vom 2. November 2012 wies
die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 34). Die Versicherte liess
am 10. November 2012 zwei Arztberichte einreichen: Dr. med. F._ hatte angegeben
(IV-act. 36–2), dass die Versicherte im September 2012 wegen einer hochgradigen
Spinalkanalstenose lumbal operiert worden und noch bis etwa Ende November 2012
krankgeschrieben sei; die Klinik D._ hatte ausgeführt (IV-act. 36–3), die Versicherte
leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig
mittelgradigen Episode und einem somatischen Syndrom, an dissoziativen
Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen und an einer generalisierten Angststörung. Im
Rahmen der therapeutischen Bearbeitung der traumatischen Ereignisse in der
Vergangenheit sei es zu einer Verschlechterung der depressiven Symptomatik
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gekommen. Aufgrund der reduzierten Konzentrationsfähigkeit, der reduzierten
geistigen Flexibilität, der formalen Denkstörungen, der reduzierten Ausdauer, der
reduzierten psychischen Belastbarkeit, der Antriebsstörungen und der Störungen der
Psychosomatik bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die somatischen
Krankheiten seien teilweise auf bewusste und unbewusste emotionale Konflikte
zurückzuführen. Die Haushalttätigkeit sei aufgrund der weitgehenden Selbständigkeit
bei der Arbeitseinteilung und der Hilfe der Familie als ideal adaptiert zu bezeichnen, so
dass für den Haushalt keine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden könne. Am 15.
November 2012 notierte Dr. med. G._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst
(RAD; IV-act. 37), die somatische Verschlechterung sei vorübergehend und nicht
rentenrelevant. Die medizinisch nachvollziehbar ausgewiesene Verschlechterung wirke
sich gemäss den Angaben der behandelnden Ärzte im Aufgabengebiet Haushalt nicht
aus.
Die Versicherte liess am 21. November 2012 eine Beschwerde gegen die
Abweisungsverfügung vom 2. November 2012 erheben (IV-act. 40–2). Die RAD-Ärztin
Dr. G._ notierte am 8. Januar 2013 (IV-act. 43–1), es sei davon auszugehen, dass die
Versicherte mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nach der Operation betreffend die
lumbale Spinalkanalstenose ab Ende November 2012 wieder imstande gewesen sei,
ihre Aufgaben im Haushalt auszuführen. Das Versicherungsgericht des Kantons
St.Gallen hob die angefochtene Abweisungsverfügung am 11. Dezember 2014 auf; es
wies die Sache zur weiteren medizinischen Abklärung an die IV-Stelle zurück (IV-act.
54; IV 2012/451). Es begründete diesen Entscheid sinngemäss damit, dass es keine
Schadenminderungspflicht der Familienangehörigen geben könne. Eine solche Pflicht
könnte nämlich bei einer ausreichenden Zahl von Familienangehörigen dazu führen,
dass die Versicherte selbst dann nicht invalid wäre, wenn sie als Folge ihrer
Gesundheitsbeeinträchtigung objektiv gar keine Haushaltsarbeiten mehr ausführen
könnte. Die IV-Stelle erhob am 18. Dezember 2014 beim Bundesgericht Beschwerde
gegen diesen Rückweisungsentscheid (IV-act. 56). Das Bundesgericht trat nicht auf
diese Beschwerde ein (IV-act. 58; 9C_911/2014), führte aber gleichzeitig in einem
obiter dictum aus, an der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, laut der es eine solche
Schadenminderungspflicht der Familienangehörigen gebe, müsse festgehalten werden.
A.b.
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Die IV-Stelle gab am 25. März 2015 im Rahmen des Vollzugs des
Rückweisungsentscheides des Versicherungsgerichtes des Kantons St.Gallen bei der
asim Begutachtung ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (IV-act. 61 und 66). Dort
wurde die Versicherte internistisch, psychiatrisch, neurologisch und orthopädisch
abgeklärt. Die Sachverständigen der asim gaben in ihrem Gutachten vom 21.
September 2015 (IV-act. 71) die folgenden Diagnosen an: Rezidivierende depressive
Störung, mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), dissoziative Sensibilitäts- und
Empfindungsstörung (ICD-10 F44.6), generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1),
chronische Cervicobrachialgie (ohne radiculäre Ausfallsymptomatik, Discusprotrusion
C5/C6 und C6/C7, MRI der HWS vom 8. Juni 2007, kein Nachweis einer
umschriebenen Nervenwurzelkompression oder Spinalkanalstenose), chronisches
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom (mit/bei Dekompression L3–L5 bei
hochgradiger symptomatischer Spinalkanalstenose L3–L5 am 6. September 2012,
Retrolisthesis L4/5, Osteochondrose, Spondylarthrose L3–S1, aktuell ohne radiculäre
Ausfallsymptomatik), chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen
Faktoren (ICD-10 F45.2) mit Symptomausweitung und Selbstlimitation, Verdacht auf
Migräne ohne Aura (DD: mitbedingt durch dissoziative Sensibilitäts- und
Empfindungsstörung sowie chronisches Schmerzsyndrom) und – ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit – anamnestisch wiederholte Episoden mit Bewusstlosigkeit ausgelöst
durch unerwartete Ereignisse (DD: dissoziativ, DD: epileptische Genese wenig
wahrscheinlich, EEG vom 10. August 2015 regelrecht, MRI Schädel vom 10. August
2015 kein richtungsweisender Befund) und linksseitige Hypaesthesie im Rumpfbereich
unklarer Aetiologie (kernspintomographisch Schädel und HWS keine erklärende
Pathologie). Die Sachverständigen der asim führten dazu aus, bei der aktuellen
klinischen Untersuchung sei ein auffälliger Finger-Boden-Abstand von 45 cm
festzustellen gewesen. Dieser Abstand habe dem unauffälligen Untersuchungsablauf
auf der Liege mit einem normalen Aufrichten und Hinsetzen widersprochen. Der
diastolisch erhöhte Blutdruck könne eine Erklärung für die beklagten Kopfschmerzen
gewesen sein. Der Blutzuckerlangzeitwert sei unauffällig gewesen. Alle Laborwerte
seien normal gewesen. Das verordnete Antidepressivum Escitalopram habe im
therapeutischen Bereich gelegen, das Neuroleptikum sei geringst und das Sedativum
gar nicht nachweisbar gewesen. Bei der psychiatrischen Untersuchung seien die ICD-
Kriterien für eine mittelgradige depressive Episode erfüllt gewesen. Im Vordergrund
A.c.
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habe eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren mit
Symptomausweitung und Selbstlimitation gestanden. Die früher diagnostizierten
dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen sowie die generalisierte
Angststörung hätten bestätigt werden können. Die folgenden Fähigkeiten der
Versicherten seien mittelgradig eingeschränkt gewesen: Umstellfähigkeit, Flexibilität
sowie Planen und Strukturieren von Aufgaben. Auf dem freien Arbeitsmarkt sei die
Versicherte also aufgrund ihres funktionellen Niveaus deutlich eingeschränkt. Für die
Tätigkeit im (eigenen) Haushalt bestehe hingegen grundsätzlich keine Einschränkung;
die Versicherte dürfe aber keine Leitern oder Ähnliches besteigen. „Dafür müsste auch
die Schadenminderungspflicht der Angehörigen in Kraft treten“ (IV-act. 71–24). Weiter
führten die Sachverständigen aus, bei der neurologischen Abklärung hätten die
Kopfschmerzen im Vordergrund gestanden. Hier sei eine mögliche Migräne ohne Aura,
wahrscheinlich mitbegründet durch die bekannte dissoziative Erkrankung und das
chronische Schmerzsyndrom, diskutiert worden. Die Versicherte habe eine
Ausstrahlung von Seiten der HWS vermutet, aber die Kernspintomographie von 2007
habe keinen Hinweis auf eine Nervenwurzelkompression oder auf eine
Spinalkanalstenose geliefert. Das habe zu den klinischen Untersuchungen gepasst, bei
denen keine Paresen, Sensibilitätsstörungen oder Reflexausfälle konstatiert worden
seien. Auch in Bezug auf die Rückenbeschwerden habe die klinisch-neurologische
Untersuchung keine radiculäre Ausfallsymptomatik ergeben. Für einfache körperliche,
wechselbelastende Tätigkeiten bestehe aufgrund des erhöhten Pausenbedarfs eine
Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent (im Verlauf unter Behandlung besserbar). Bei der
orthopädischen Untersuchung sei eine Diskrepanz zwischen der aktiven und der
passiven Beweglichkeit gesehen worden. Auch hier seien auf der Untersuchungsliege
keine Schmerzen während der Aufsteigbewegungen und der Positionierung angegeben
worden. Leichte, adaptierte Tätigkeiten seien der Versicherten voll zumutbar. Das gelte
auch für die angestammte Tätigkeit im Haushalt. Die Sachverständigen hielten
zusammenfassend fest, für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Haushalt sei (bei freier
Zeiteinteilung) keine Einschränkung zu begründen. Sie wiesen auf die
Mitwirkungspflicht der Familienmitglieder, insbesondere des Ehemannes (AHV-Rentner)
hin. Die persönliche Befundsituation bestehe seit 2010. Sie sei nur im Rahmen der
Wirbelsäulenoperation im Jahr 2012 für drei Monate durch eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit in allen Tätigkeiten unterbrochen gewesen. Der RAD-Arzt Dr. med.
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H._ notierte am 15. Januar 2016 (IV-act. 75), der Gesundheitsschaden sei nicht als
objektiv schwer zu bezeichnen; es seien keine persönlichkeitsbedingten Faktoren oder
eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden, die einen Umgang mit den
Schmerzen nachvollziehbar erschweren würden; bei der orthopädischen
Befunderhebung hätten erhebliche Inkonsistenzen bestanden; zu den
alltagspraktischen Inkonsistenzen könne aus medizinischer Sicht nicht Stellung
genommen werden, weil der Tagesablauf der Versicherten neben Aufstehen, Hinsetzen
und Nahrungsaufnahme keine Aktivitäten beinhalte. Zusammenfassend weise die
Versicherte keinen Gesundheitsschaden auf, der objektive Einschränkungen in der
bisherigen Tätigkeit als Hausfrau belegen oder erklären würde.
Die zuständige Sachbearbeiterin der IV-Stelle hielt am 17. Februar 2016 fest (IV-
act. 76), auf eine weitere Abklärung vor Ort sei verzichtet worden, weil das Gutachten
nachvollziehbar bestätigt habe, dass keine Einschränkung vorliege. Zudem habe das
Bundesgericht seine Rechtsprechung zur „Mitwirkungs- und
Schadenminderungspflicht von Angehörigen im gleichen Haushalt“ bestätigt. Der
Gesundheitsschaden sei als objektiv nicht schwer zu bezeichnen. Die Versicherte
weise also keinen Gesundheitsschaden auf, der die geltend gemachten
Einschränkungen als Hausfrau belegen würde. Mit einem Vorbescheid vom 18. Februar
2016 (IV-act. 77) kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des
Rentenbegehrens an, da der Invaliditätsgrad unter 40 Prozent liege. Die Versicherte
liess am 21. März 2016 die Zusprache mindestens einer Viertelsrente, eventualiter die
Vornahme weiterer Abklärungen, insbesondere einer Abklärung an Ort und Stelle,
beantragen (IV-act. 82). Sie liess auf einen Arztbericht von Dr. F._ vom 23. Februar
2016 verweisen, laut dem in letzter Zeit Knieschmerzen beidseits aufgetreten waren, so
dass für März 2016 eine Meniskusoperation geplant war (IV-act. 82–8). Ausserdem
liess die Versicherte geltend machen, das Versicherungsgericht des Kantons St.Gallen
habe in seinem Entscheid vom 11. Dezember 2014 eine Abklärung an Ort und Stelle
vorgeschrieben. Dr. H._ vom RAD hielt am 2. August 2016 fest (IV-act. 84),
wahrscheinlich schränke die beschriebene Läsion die Tätigkeit im Haushalt objektiv
nicht relevant ein. Die Versicherte hatte sich am 22. März 2016 im Kantonsspital St.
Gallen einer diagnostischen Kniegelenksinfiltration links unterzogen. Die Diagnose
lautete: Beginnende symptomatische Gonarthrose links mit/bei degenerativer medialer
A.d.
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B.
Meniskusläsion (IV-act. 88). Das Kantonsspital St. Gallen berichtete Dr. F._ am 17.
Mai 2016 (IV-act. 87), die Versicherte habe angegeben, sie habe von der Infiltration
weder kurz- noch langfristig etwas profitiert; sie habe weiterhin massive Schmerzen im
Knie und im Rücken. Die Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen hatten dazu festgehalten,
bei der Versicherten bestehe eine diffuse Schmerzsymptomatik multifokal. Die
Untersuchung nach der intraartikulären Infiltration eines Lokalanästhetikums habe sich
nicht konklusiv gezeigt. Der Schmerzcharakter sei nicht beeinflusst worden. Aus
knieorthopädischer Sicht könne der Versicherten zur Zeit nichts angeboten werden. Dr.
H._ vom RAD hielt dazu am 25. November 2016 fest (IV-act. 93), die Infiltration am
linken Kniegelenk habe nicht das bei einer symptomatischen Gonarthrose und
Meniskusläsion zu erwartende Ergebnis gebracht. Der Schaden am Knie könne die
Haushaltstätigkeit nicht objektiv beeinträchtigen. Am 17. Dezember 2016 stellte die IV-
Stelle der Versicherten die von ihr eingeholten Arztberichte zu (IV-act. 94). Am 27.
Januar 2017 erliess sie die im Vorbescheid angekündigte Abweisungsverfügung (IV-
act. 95). Zur Begründung führte sie insbesondere aus, sie habe auf eine erneute
Abklärung an Ort und Stelle verzichtet, denn das Gutachten habe nachvollziehbar
bestätigt, dass keine Einschränkung vorliege. Zudem habe das Bundesgericht seine
Praxis der „Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht“ von Angehörigen im gleichen
Haushalt bestätigt. Der Gesundheitsschaden sei nicht geeignet, die geltend gemachten
Einschränkungen als Hausfrau objektiv zu belegen. Der zu besorgende Haushalt sei
klein und der im AHV-Alter stehende Ehemann könne im Haushalt helfen. Das gelte
auch für weitere Familienmitglieder, die im gleichen Haus oder in unmittelbarer Nähe
wohnten.
Die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) liess am 28. Februar 2017
Beschwerde erheben und die Zusprache mindestens einer Viertelsrente ab dem 1. April
2011, eventualiter die Rückweisung an die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) zur Vornahme weiterer Abklärungen (insbesondere einer
erneuten Abklärung an Ort und Stelle) und zur neuen Entscheidung beantragen (act. G
1). Zur Begründung liess sie ausführen, die Beschwerdegegnerin habe zur Bemessung
der Invalidität zu Recht darauf abgestellt, in welchem Mass sie, die
Beschwerdeführerin, behindert sei, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen.
B.a.
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Es könne keine Schadenminderungspflicht in der Form der Fähigkeit der
Familienangehörigen, im Haushalt zu helfen, geben, weil nicht die Fähigkeit der
Gesamtheit der Familie, sondern einzig die Fähigkeit einer versicherten Person, den
Haushalt zu erledigen, relevant sei. Deshalb sei zuerst der Gesundheitsschaden zu
klären und dann sei die Abklärung an Ort und Stelle vorzunehmen. Unter diesen
Umständen sei es widersprüchlich, wenn der RAD angebe, dass er zu den
alltagspraktischen Aktivitäten nicht Stellung nehmen könne, er aber gleichzeitig eine
Abklärung an Ort und Stelle für überflüssig halte. Hinzu komme, dass sie unter
Knieschmerzen leide, die nicht auf Infiltrationen angesprochen hätten. Die
Beschwerdeführerin liess mehrere Arztberichte zu diesen Knieschmerzen einreichen.
Die Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
des Kantonsspitals St. Gallen hatte dem Hausarzt am 1. Dezember 2015 berichtet (act.
G 1.1.3), die behandlungsrelevante Diagnose bestehe in einer beginnenden
symptomatischen Gonarthrose links mit/bei einer degenerativen medialen
Meniskusläsion. Die Kniegelenksinfiltration am 13. Oktober 2015 scheine „in keinster
Weise“ eine Besserung erbracht zu haben. Unverändert seien vor allem
belastungsabhängige Schmerzen im Kniegelenk mit einer Einschränkung der
Gehstrecke auf zehn Minuten beschrieben worden. Die Beweglichkeit sei noch gut
erhalten. Die Schmerzsymptomatik sei multifokal und nicht vollständig auf eine
Meniskusläsion zurückzuführen. Man habe eine partielle Entfernung des Meniskus
mittels einer Kniearthroskopie vorgeschlagen. In einem Bericht vom 16. März 2016
hatte diese Klinik dann berichtet (act. G 1.1.5), eine Röntgenabklärung habe einen
unauffälligen ossären Befund ergeben. Weiterhin bestehe eine diffuse
Schmerzsymptomatik multifokal am Knie und am Rücken. Geplant sei eine
diagnostische Infiltration. In Bezug auf eine operative Sanierung der degenerativen
medialen Meniskusläsion sei man sehr zurückhaltend. Schliesslich hatte dieselbe Klinik
am 17. Mai 2016 berichtet (act. G 1.1.7), es bestünden massiv überlagerte Schmerzen
über und am gesamten Knie und an der Wirbelsäule, die nicht weiter eingrenzbar seien.
Die Infiltration sei nicht konklusiv gewesen; auch der Schmerzcharakter sei dadurch
nicht beeinflusst worden. Aus knieorthopädischer Sicht könne der Patientin nichts
angeboten werden. Das Schmerzzentrum werde sie aufbieten. In ihrer Beschwerde
liess die Beschwerdeführerin weiter ausführen, es könne nicht angehen, dass die
Sachverständigen der MEDAS bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit die Mitwirkung
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der Familienangehörigen berücksichtigten. Deshalb könne nicht auf das Gutachten
abgestellt werden. Schliesslich hätte auch abgeklärt werden müssen, ob der eine
Altersrente der AHV beziehende Ehegatte fähig wäre, den Haushalt zu besorgen. Dazu
müsste er wohl medizinisch begutachtet werden.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 12. April 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie führte aus, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei
vorwiegend aus psychischen Gründen eingeschränkt, so dass der medizinischen
Einschätzung zum Vornherein ein grösseres Gewicht als dem „Haushaltsbericht“
zukomme. Die Abklärungspersonen seien nämlich nur bedingt in der Lage, aufgrund
der psychischen Erkrankung die Arbeitsfähigkeit im Haushalt zu bestimmen. Deshalb
sei es im Fall der Beschwerdeführerin nicht nötig gewesen, noch eine
Haushaltsabklärung durchzuführen, zumal die Beschwerdeführerin diese nur dazu
benützt hätte, ihre Arbeitsunfähigkeit „zu beweisen“. Somit sei zu Recht auf das
Gutachten abgestellt worden. Das Bundesgericht habe in seinem Entscheid vom 30.
Januar 2015 „einmal mehr“ festgehalten, dass im Rahmen der
Schadenminderungspflicht die Mithilfe der Familienangehörigen zu berücksichtigen sei.
Demnach sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Haushalt
auszugehen. Die Sachverständigen der asim hätten die Mithilfe der
Familienangehörigen bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht berücksichtigt, sie hätten
nur darauf aufmerksam gemacht. Der RAD habe am 25. November 2016 festgehalten,
dass die beginnende Arthrose im linken Knie die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin im Haushalt nicht beeinträchtige.
B.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 23. Mai 2017 einwenden (act. G 6), sie bestreite,
dass sie vorwiegend aus psychischen Gründen eingeschränkt sei, zumal im Jahr 2016
beidseits Knieschmerzen aufgetreten seien. Gemäss der Erwägung 2.4 des
Entscheides des Versicherungsgerichtes des Kantons St.Gallen vom 11. Dezember
2014 müsse eine Abklärung an Ort und Stelle vorgenommen werden. Die Aussage der
Beschwerdegegnerin, eine erneute Abklärung an Ort und Stelle würde nur dazu
benützt, die Arbeitsunfähigkeit zu „beweisen“, sei absurd. Es sei ja gerade der Sinn
und Zweck der Abklärung an Ort und Stelle, auf der Grundlage der medizinischen
Einschätzung die Invalidität im Haushalt zu bestimmen. Dies habe unabhängig von der
Verfügbarkeit mithelfender Familienangehöriger zu erfolgen.
B.c.
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Erwägungen
1.
Das Bundesgericht ist zwar nicht auf die Beschwerde gegen den Entscheid des
Versicherungsgerichtes vom 11. Dezember 2014 eingetreten, aber es hat in einem
obiter dictum festgehalten, dass es an seiner Auffassung, wonach die Mithilfe von
Familienangehörigen im Rahmen der Schadenminderungspflicht der versicherten
Person zu berücksichtigen sei, festhalte (Urteil 9C_911/2014 vom 30. Januar 2015, E.
2.3 in fine). Das kann nur so verstanden werden, dass das Bundesgericht ein Urteil des
Versicherungsgerichtes als bundesrechtsprechungswidrig aufheben würde, wenn darin
der Mithilfe von Familienangehörigen der Beschwerdeführerin nicht Rechnung getragen
würde. Möglicherweise hätte der Kanton St. Gallen sogar Kosten- und
Entschädigungsfolgen in einem entsprechenden bundesgerichtlichen
Beschwerdeverfahren zu befürchten, weil das Bundesgericht in der jüngsten
Vergangenheit dazu übergegangen ist, Abweichungen von seiner eigenen Auffassung
entsprechend zu ahnden. Auch wenn es sich also beim Hinweis auf die
bundesgerichtliche Auffassung zur Mithilfe von Familienangehörigen formal nur um ein
obiter dictum gehandelt hat, weil das Bundesgericht andernfalls offensichtlich auf die
Beschwerde hätte eintreten müssen, sieht sich das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen im hier zu beurteilenden Fall gezwungen, die Auffassung des
Bundesgerichtes trotz deren offensichtlicher Gesetzwidrigkeit anzuwenden.
2.
Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht mehr vernehmen.B.d.
Bei einer konsequenten Anwendung der bundesgerichtlichen Vorgaben betreffend
die Mithilfe von Familienangehörigen ist die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
eigenen Haushalt irrelevant, weil genügend Familienangehörige der
Beschwerdeführerin vorhanden sind, denen nach der ständigen Praxis der
Beschwerdegegnerin – wohl als Sachverhaltsfiktion - unterstellt werden kann, dass
ihnen die Mithilfe im Haushalt der Beschwerdeführerin möglich und zumutbar sei. Die
bundesgerichtliche Auffassung bezüglich der Mithilfe der Familienangehörigen – als
Schadenminderungspflicht der Beschwerdeführerin – hat nämlich zur Folge, dass
sämtliche Haushaltsarbeiten an deren Familienangehörigen verteilt werden können.
Sogar wenn die Beschwerdeführerin vollständig arbeitsunfähig wäre, weil sie
beispielsweise im Koma im Spital liegen würde, könnte sie nicht invalid sein, weil ihre
Familienangehörigen ihren Haushalt besorgen könnten und müssten. Folglich ist jede
2.1.
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Abklärungsmassnahme bezüglich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin a priori
überflüssig gewesen, weil diese genügend Familienangehörige hat, die in ihrer Nähe
wohnen und denen unterstellt wird, dass ihnen die Besorgung des Haushaltes der
Beschwerdeführerin möglich und zumutbar sei. Die Begutachtung der
Beschwerdeführerin durch die asim ist unter diesen Umständen überflüssig gewesen.
Eine Würdigung des Gutachtens der asim erübrigt sich damit.
Bezüglich der allein massgebenden Frage nach der Leistungsfähigkeit des Teams
„erweiterte Wohngemeinschaft“ erweist sich die Aktenlage als lückenhaft: Die
Beschwerdegegnerin hat keine Abklärungen zur Arbeitsfähigkeit des nicht
erwerbstätigen Ehemannes der Beschwerdeführerin im Haushalt getätigt, weshalb sich
anhand der Akten nicht beurteilen lässt, welche Arbeiten im Haushalt vom Ehemann
übernommen werden können. In den Akten fehlen auch Angaben zur Arbeitsfähigkeit
der beiden Söhne und der beiden Schwiegertöchter der Beschwerdeführerin. Man
könnte sich zwar – der üblichen Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin
entsprechend – auf den Standpunkt stellen, dass ohne Weiteres eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit der Söhne und der Schwiegertöchter fingiert werden könne. Für eine
solche Fiktion fehlt aber die notwendige gesetzliche Grundlage, weshalb das Abstellen
auf diese Fiktion eine Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
bedeuten würde. Die massgebenden Gesetzesnormen können nämlich nur auf einen
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehenden Sachverhalt
angewendet werden. Im Übrigen enthalten die Akten Hinweise darauf, dass zumindest
der Ehemann und einer der Söhne der Beschwerdeführerin nicht uneingeschränkt
arbeitsfähig sein dürften. Folglich hätte die Beschwerdegegnerin zwingend
Abklärungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit des Ehemannes, der
beiden Söhne und der beiden Schwiegertöchter der Beschwerdeführerin in deren
Haushalt tätigen müssen. Hinzu kommt, dass sich anhand der Akten die Frage nicht
beantworten lässt, in welchem Umfang die beiden Söhne und die beiden
Schwiegertöchter überhaupt zeitlich in der Lage sind, der Beschwerdeführerin bei der
Führung des eigenen Haushaltes zu helfen. Die Beschwerdegegnerin hätte also auch
Abklärungen zu einer allfälligen Erwerbstätigkeit und zum entsprechenden
Arbeitspensum der beiden Söhne und der beiden Schwiegertöchter tätigen müssen.
Zudem hätte sie je eine Haushaltsabklärung in den beiden Haushalten der Söhne und
deren Familien durchführen müssen, um festzustellen, wie viel Zeit die Söhne und die
Schwiegertöchter neben einer allfälligen Erwerbstätigkeit für ihren eigenen Haushalt
investieren müssen. Bei diesen Haushaltsabklärungen hätte die Beschwerdegegnerin
unter Umständen auch die Möglichkeit einer allfälligen Mithilfe von
Familienangehörigen der Söhne und der Schwiegertöchter in deren Haushalt abklären
2.2.
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3.
Die Rückweisung einer Sache zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen
Verfügung gilt rechtsprechungsgemäss als ein vollständiges Obsiegen der
beschwerdeführenden Partei. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind deshalb der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von 600 Franken zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Der für die Bemessung
dieser Parteientschädigung massgebende erforderliche Vertretungsaufwand ist als
unterdurchschnittlich zu qualifizieren, weil der Rechtsvertreterin ein wesentlicher Teil
des Sachverhaltes aus dem vorangegangenen Verfahren bereits bestens bekannt
gewesen ist. Die Parteientschädigung ist deshalb auf 2’500 Franken (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.