Decision ID: 2b06304d-ad4e-5430-bf4d-11b88d929ac2
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Muhamed A., geboren 1953, ist mazedonischer Staatsangehöriger. Er zog 1991
vom Kanton Zürich in den Kanton St. Gallen. Er war im Besitz einer
Aufenthaltsbewilligung. 1994 verlängerte das Ausländeramt seine Bewilligung auf
Zusehen und Wohlverhalten hin um ein halbes Jahr. 1995 verweigerte das
Ausländeramt die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, da die Schulden von
Muhamed A. stark zugenommen hatten. Mit Entscheid vom 26. März 1996 wurde der
Rekurs gegen die Verweigerung der Bewilligungsverlängerung abgewiesen. Nachdem
Muhamed A. am 16. September 1995 bei einer Schiesserei schwer verletzt worden
war, wurde die Ausreisefrist mehrmals erstreckt. Am 10. Dezember 1996 ersuchte
Muhamed A. um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung aus humanitären Gründen.
Diese Bewilligung wurde ihm am 7. September 2000 erteilt. Sie wurde letztmals am 26.
August 2002 verlängert, und zwar bis zum 29. August 2003.
Die Ehefrau von Muhamed A., Vaide A., geboren 1950, reiste 1991 mit vier Kindern in
die Schweiz ein. Sie erhielt am 17. September 1991 eine Aufenthaltsbewilligung im
Rahmen des Familiennachzugs. 1995 verweigerte das Ausländeramt die Verlängerung
der Bewilligung. Mit Entscheid vom 26. März 1996 wurde der Rekurs gegen die
Verweigerung der Bewilligungsverlängerung abgewiesen. Aufgrund der Geschehnisse
im Zusammenhang mit ihrem Ehemann wurde die Ausreisefrist ebenfalls erstreckt, und
schliesslich wurde ihr am 7. September 2000 eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. Diese
wurde letztmals am 26. August 2002 verlängert, und zwar wie bei ihrem Ehemann bis
zum 29. August 2003.
In den Jahren 2002 und 2003 hielten sich die Eheleute A. verschiedentlich während
längerer Zeitabschnitte in Mazedonien auf. Ihr jüngster Sohn Astrit A. teilte der Polizei
mehrmals mit, dass sich seine Eltern seit Oktober 2002 in Mazedonien aufhielten. Dort
besitze sein Vater ein Haus. In der Folge ergaben sich für die Behörden verschiedene
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Anhaltspunkte, dass sich die Eheleute A. nicht mehr dauernd in der Schweiz bzw. im
Kanton St. Gallen aufhielten.
Am 27. August 2003 ersuchten die Eheleute A. um Verlängerung ihrer
Aufenthaltsbewilligungen.
Mit Verfügungen vom 28. Mai 2004 stellte das Ausländeramt fest, die
Aufenthaltsbewilligungen von Muhamed und Vaide A. seien erloschen. Zur Begründung
wurde festgehalten, die Betroffenen hätten ihren Wohnsitz in der Schweiz aufgegeben
und einen neuen Wohnsitz in Mazedonien begründet.
B./ Gegen die Verfügungen des Ausländeramts erhoben Muhamed und Vaide A. mit
Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 15. Juni 2004 Rekurs, der vom Justiz- und
Polizeidepartement mit Entscheid vom 21. Februar 2005 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 8. März und 29. April 2005 erhoben
Muhamed und Vaide A. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der
Rekursentscheid vom 21. Februar 2005 sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass
die Aufenthaltsbewilligungen nicht erloschen seien, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird im wesentlichen geltend gemacht, die
Aufenthaltsbewilligung erlösche mit der Abmeldung oder der tatsächlichen Aufgabe
des Aufenthalts. Dieser gelte dann als tatsächlich aufgegeben, wenn der Mittelpunkt
der Lebensverhältnisse ins Ausland verlegt worden sei. Der Entscheid der Vorinstanz
beruhe auf einer unrichtigen und unvollständigen Sachverhaltsfeststellung. Die Indizien,
auf die sich die Vorinstanz stütze, seien völlig unzureichend und vermöchten in keiner
Weise die Abwesenheit während insgesamt mehr als einer Jahreshälfte zu belegen. Sie
belegten lediglich, dass die Beschwerdeführer rege zwischen Heimat und Wohnsitz
pendelten. Ein langfristiger Aufenthalt in Mazedonien, mit Ausnahme des
unbestrittenen Aufenthalts vom Herbst 2003, wo sie sich zwecks Wiederaufbau ihres
vom Krieg zerstörten Hauses in Mazedonien aufgehalten hätten, sei nicht
nachgewiesen, erst recht nicht die Verlegung des Lebensmittelpunktes. Auf die
weiteren Vorbringen in der Beschwerde wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden
Erwägungen näher eingegangen.
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Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 6. Mai 2005 unter Hinweis auf die
Erwägungen des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 8. März und 29.
April 2005 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist daher einzutreten, wobei allerdings im Sinne der nachfolgenden
Erwägung 2a) eine Einschränkung zu machen ist.
2./ Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die Behörde, im Rahmen der gesetzlichen
Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland, nach freiem Ermessen über die
Bewilligung von Aufenthalt oder Niederlassung.
Nach Art. 9 Abs. 1 ANAG erlischt die Aufenthaltsbewilligung mit dem Ablauf der
Bewilligungsfrist, sofern diese nicht verlängert worden ist (lit. a), mit der Erteilung einer
Bewilligung in einem anderen Kanton (lit. b), mit der Abmeldung oder wenn der
Aufenthalt tatsächlich aufgegeben ist (lit. c).
a) Letztmals wurden die Aufenthaltsbewilligungen der Beschwerdeführer am 26. August
2002 verlängert, und zwar bis zum 29. August 2003. In der Folge wurde den
Beschwerdeführern keine neue Aufenthaltsbewilligung mehr erteilt bzw. wurden die
abgelaufenen Aufenthaltsbewilligungen nicht verlängert. Die Aufenthaltsbewilligungen
der Beschwerdeführer sind daher gemäss Art. 9 Abs. 1 lit. a ANAG infolge Zeitablaufs
erloschen. Daher besteht kein schutzwürdiges Interesse mehr an der Ueberprüfung der
Frage, ob die Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 9 Abs. 1 lit. c ANAG erloschen sei
oder nicht. Vielmehr ist zu prüfen, ob der Entscheid der Vorinstanz, der einer
Verweigerung der Bewilligungsverlängerung gleichkommt, rechtmässig ist.
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b) Die Beschwerdeführer sind Staatsangehörige von Mazedonien und haben weder
aufgrund einer gesetzlichen Vorschrift noch aufgrund von Staatsverträgen einen
Rechtsanspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. Die Erteilung
oder Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen der Beschwerdeführer lag daher im
Ermessen des Ausländeramts bzw. der Vorinstanz. Dem Verwaltungsgericht ist es
verwehrt, Entscheide der Verwaltung im Bereich der Ermessensausübung zu
überprüfen. Das Verwaltungsgericht kann nur prüfen, ob die Verwaltung ihr Ermessen
überschritten bzw. unterschritten oder missbraucht hat. Im Streitfall bedeutet dies,
dass das Verwaltungsgericht den Ermessensspielraum der Vorinstanz zu respektieren
hat, wenn diese bei ihrem Entscheid von sachlichen und vernünftigen Ueberlegungen
ausging, die im Einklang mit Sinn und Zweck des Gesetzes stehen (vgl. statt vieler GVP
1996 Nr. 9 mit Hinweisen).
Soweit der vorinstanzliche Entscheid einer Verweigerung der Verlängerung einer
Bewilligung gleichkommt, ist die Ermessensausübung des Ausländeramts bzw. der
Vorinstanz nicht zu beanstanden. Die Beschwerdeführer besitzen ein Haus in
Kumanovo/Mazedonien. Dieses bauten sie im Jahr 2003 wieder auf, nachdem es
gemäss ihrer nicht näher überprüfbaren Darstellung im Krieg zerstört worden sei.
Aufgrund der Akten steht ausserdem fest, und es wird von den Beschwerdeführern
anerkannt, dass sie sich häufig in Mazedonien aufhielten. Hinzu kommt, dass die
Beschwerdeführer samt ihrem Sohn Astrit an ihrem früheren Wohnort Altstätten am
1.12.2003 nach O. abgemeldet wurden. In O. wurde jedoch nur der Sohn angemeldet.
Dieser hatte zwar die abgelaufenen Ausländerausweise der Beschwerdeführer bei sich;
eine Anmeldung erfolgte indes nicht. Bei den polizeilichen Abklärungen konnten die
Beschwerdeführer nie angetroffen werden. In der Wohnung in O. war jeweils nur der
Sohn anwesend. Auch an der in der Beschwerdebegründung angegebenen Adresse in
S. sind die Beschwerdeführer nicht angemeldet. Ihr Einwand, sie seien wegen des
vorliegenden Verfahrens nicht zur Anmeldung gelangt, ist unbegründet. Sie behaupten
jedenfalls nicht, sie hätten auf dem Einwohneramt vorgesprochen.
Die Beschwerdeführer haben keine Arbeitsstelle in der Schweiz; der Ehemann ist IV-
Rentner. Der in der Schweiz lebende Sohn Astrit ist volljährig und lebt selbständig in
der Schweiz. Als Staatsangehöriger von Mazedonien werden dem Beschwerdeführer
die Leistungen der Invalidenversicherung auch im Heimatstaat ausgerichtet, da die
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Schweiz mit Mazedonien ein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat. Unter
diesen Umständen kann eine Verweigerung der Erteilung bzw. Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nicht als Missbrauch oder Ueberschreitung des Ermessens
qualifiziert werden.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98bis VRP).