Decision ID: 57106037-bc75-4642-9da1-77c1d301f424
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend grobe Verletzung der Verkehrsregeln (Rückweisung der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts)
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, Einzelgericht, vom 19. Januar 2017 (GG160023)
Urteil der I. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich vom 21. September 2017 (SB170132)
Urteil der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts vom 23. November 2018 (6B_1342/2017)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 24. Oktober 2016
(Urk. 9) ist diesem Urteil beigeheftet
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 18 S. 22-24)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne
von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 29 SVG und Art. 57 Abs. 2 VRV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 85.–
(entsprechend Fr. 2'550.–) sowie einer Busse von Fr. 300.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-
gesetzt.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so
tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'400.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'200.– Gebühr für das Vorverfahren.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Entscheidgebühr um einen Drittel.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-
schuldigten auferlegt.
7. (Mitteilungen)
8. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. III S. 2 [Prot. III = Protokoll im Verfahren SB180518])
a) des Beschuldigten
(Urk. 33 S. 1 und Prot. III S. 3 sinngemäss)
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon vom 19. Januar 2017 aufzu-
heben,
2. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der groben Verkehrsregelverletzung
frei zu sprechen,
3. Alles auf Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.
b) der Staatsanwaltschaft
(Urk. 36; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefochte-
nen Entscheid verwiesen werden (Urk. 20 S. 3).
2. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil vom 19. Januar
2017 sprach die Vorinstanz den Beschuldigten der groben Verletzung der Ver-
kehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 29 SVG und
Art. 57 Abs. 2 VRV schuldig. Der Beschuldigte wurde bestraft mit einer bedingten
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 85.– bei einer Probezeit von 2 Jahren so-
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wie mit einer Busse von Fr. 300.– resp. einer Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen im
Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse (Urk. 20 S. 22 f.).
3. Auf Berufung des Beschuldigten bestätigte die erkennende Kammer mit
Urteil vom 21. September 2017 sowohl den Schuldspruch als auch die Sanktion
(Urk. 51).
4. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschuldigte Beschwerde in Strafsachen
an das Schweizerische Bundesgericht und beantragte die Aufhebung des oberge-
richtlichen Urteils vom 21. September 2017 sowie einen Freispruch vom Vorwurf
der groben Verletzung der Verkehrsregeln (Urk. 57/2). Mit Urteil der strafrecht-
lichen Abteilung des Bundesgerichts vom 23. November 2018 wurde die Be-
schwerde teilweise gutgeheissen, das Urteil der erkennenden Kammer vom
21. September 2017 aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an das
Obergericht zurückgewiesen (Urk. 64).
5. Am 29. Januar 2019 ergingen die Vorladungen an die Parteien und an den
Zeugen zur Berufungsverhandlung auf den 9. Mai 2019, wobei der Anklagebe-
hörde das Erscheinen freigestellt wurde. Zugleich wurde den Parteien mitgeteilt,
dass anlässlich der Berufungsverhandlung der Polizeibeamte Fw B._ als
Zeuge befragt werde (Urk. 66).
6. Zur Berufungsverhandlung erschien seitens der Parteien der Beschuldigte
(Prot. III S. 2). Im Rahmen des Beweisverfahrens wurde der Polizeibeamte
Fw B._ als Zeuge einvernommen (Urk. 69). Der Beschuldigte ersuchte an
der Berufungsverhandlung um Beweiserhebungen betreffend den Zeugen
B._, da er ihn nach seiner Auffassung zu Unrecht belaste. Der Beschuldigte
wollte insbesondere abgeklärt haben, ob der Zeuge B._ je einmal ein Verfah-
ren wegen falschen Zeugnisses (Art. 307 StGB) gehabt habe und verlangte zu-
dem sinngemäss Einsicht in die Falldossiers des Zeugens bei der Polizei, um die
vom Beschuldigten vermutete Ausländerfeindlichkeit des Zeugens beurteilen zu
können (Prot. III S. 3; Urk. 69 S. 15). Dem wurde mangels irgendwelcher Anhalts-
punkte nicht stattgegeben, mit Ausnahme der Einsichtnahme des Gerichts in ei-
nen Strafregisterauszug über den Zeugen B._, worin nichts verzeichnet war
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(Prot. III S. 3). Im Anschluss an die Berufungsverhandlung wurde das Urteil
mündlich eröffnet, begründet und im Dispositiv den Parteien mitgeteilt (Prot. III
S. 7).
II. Prozessuales und Umfang der Berufung
1. Hebt das Bundesgericht einen Entscheid auf und weist es die Sache zu
neuer Beurteilung an die kantonale Instanz zurück, so wird der Streit in jenes
Stadium vor der kantonalen Instanz zurückversetzt, in dem er sich vor Erlass des
angefochtenen Entscheids befunden hat.
Im Falle eines bundesgerichtlichen Rückweisungsentscheids hat die mit der neu-
en Entscheidung befasste kantonale Instanz ihrem Urteil die rechtliche Beurtei-
lung, mit der die Rückweisung begründet wird, zugrunde zu legen. Jene bindet
auch das Bundesgericht, falls ihm die Sache erneut unterbreitet wird. Aufgrund
dieser Bindungswirkung ist es den erneut mit der Sache befassten Gerichten wie
auch den Parteien, abgesehen von allenfalls zulässigen Noven, verwehrt, der
Überprüfung einen anderen als den bisherigen Sachverhalt zu unterstellen oder
die Sache unter rechtlichen Gesichtspunkten zu prüfen, die im Rückweisungs-
entscheid ausdrücklich abgelehnt oder überhaupt nicht in Erwägung gezogen
worden sind. Die neue Entscheidung der kantonalen Instanz ist somit auf diejeni-
ge Thematik beschränkt, die sich aus den bundesgerichtlichen Erwägungen als
Gegenstand der neuen Beurteilung ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu in
Gang gesetzt, als dies notwendig ist, um den verbindlichen Erwägungen des
Bundesgerichts Rechnung zu tragen (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1 S. 220 und 135
III 334 E. 2 S. 335 f., je mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 6B_613/2018
vom 7. Januar 2019 E. 1.3 und 6B_54/2018 vom 28. November 2018 E. 1.2). Da-
bei kann sich die neue Entscheidung in den Grenzen des Verbots der reformatio
in peius auch auf Punkte beziehen, die vor Bundesgericht nicht angefochten wa-
ren, sofern dies der Sachzusammenhang erfordert (BGE 123 IV 1 E. 1; Urteile
des Bundesgerichts 6B_980/2017 vom 20. Dezember 2018 E. 2.2. und
6B_1438/2017 vom 12. Oktober 2018 E. 2.3.1, je mit Hinweisen).
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Da das Bundesgerichtsgesetz das Institut der Teilrechtskraft nicht kennt, ist im
aktuellen Berufungsverfahren grundsätzlich nochmals über alle Punkte zu ent-
scheiden, wobei die urteilende Kammer in ihrem neuen Entscheid nur in jenen
Punkten auf ihr früheres Urteil zurückkommen darf, die zu dessen Aufhebung ge-
führt haben, selbst wenn aus formellen Gründen das ganze Urteil aufgehoben
wurde (BGE 123 IV 1 E. 1).
2. Thema des bundesgerichtlichen Rückweisungsentscheides bildete einzig die
Frage nach der Notwendigkeit der Wiederholung eines bereits im Vorverfahren
ordnungsgemäss und vollständig erhobenen Personalbeweises (Art. 343 Abs. 3
StPO in Verbindung mit Art. 405 StPO). Das Bundesgericht hiess die Beschwerde
teilweise gut mit der Begründung, dass es für die Urteilsfällung auf den unmittel-
baren persönlichen Eindruck des Zeugen B._ durch das Gericht ankomme.
Im Einzelnen wurde erwogen, es handle sich vorliegend um eine klassische "Aus-
sage gegen Aussage"-Situation. Neben der Aussage des Zeugen gebe es kein
weiteres Beweismittel für den gegen den Beschuldigten erhobenen und von ihm
vollumfänglich bestrittenen Vorwurf. Die Bedeutung der Zeugenaussage sei für
den Verfahrensausgang entscheidend und die allfällig mit dem Tatvorwurf ver-
bundenen Konsequenzen für den Beschuldigten, insbesondere im Hinblick auf
seine berufliche Zukunft, nicht unerheblich. Hinzu komme, dass der Zeuge
B._ seine Beobachtungen als Privatperson gemacht und gleichzeitig die poli-
zeilichen Ermittlungen geführt habe, bei denen es ebenso wie bei der staatsan-
waltlichen Einvernahme vom 22. September 2016 zu erheblichen atmosphäri-
schen Störungen gekommen sei, aufgrund derer der befragende Staatsanwalt
mehrfach beruhigend habe intervenieren müssen (Urk. 3/6). Die unmittelbare
Zeugeneinvernahme durch das Gericht sei vorliegend für die Urteilsfällung not-
wendig im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO, nicht zuletzt weil das Vorverfahren ei-
nen persönlichen Einschlag aufweise und der Zeuge auch erstinstanzlich nicht
einvernommen worden sei (Urk. 64 S. 3 Erw. 4 mit Hinweisen auf BGE 140
IV 196 E. 4.4.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_803/2015 vom 26. April 2017
E. 1.1, nicht publ. in BGE 143 IV 288). An diese Rechtsauffassung ist die urteilen-
de Kammer gebunden.
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Auch wenn das Bundesgericht das Urteil der Kammer vom 21. September 2017
und damit den Freispruch formell vollständig aufgehoben hat (Urk. 64 S. 4), geht
aus den Erwägungen klar hervor, dass sich die Aufhebung auf den genannten
Teilaspekt beschränkt. Mit der Rückweisung zur erneuten Zeugeneinvernahme ist
der Rahmen für das neue kantonale Verfahren eng gesteckt. Die Kammer darf
daher nur soweit auf das frühere Beweisergebnis zurückkommen, als sich aus der
Befragung von Fw B._ und jener des Beschuldigten oder zulässigen Noven
ein anderes Bild ergibt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_35/2012 vom 30.
März 2012 E. 2.3).
3. Der Beschuldigte ficht das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich an und bean-
tragt einen Freispruch (Urk. 2/33 S. 1 und Prot. III S. 4 f. sinngemäss). Es ist des-
halb keine Dispositiv-Ziffer des vorinstanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen
(Art. 399 Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 402 StPO und Art. 437 StPO).
4. Auf die Argumente der Parteien ist im Rahmen der nachstehenden Erwä-
gungen einzugehen. Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, dass
die Behörde die Vorbringen des von einem Entscheid in seiner Rechtsstellung Be-
troffenen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Entscheidfindung berücksich-
tigt. Nicht erforderlich ist, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich
auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr
kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Es
müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 141 IV 249
E. 1.3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_46/2018 vom 14. Februar 2018 E. 4 mit
Hinweisen).
III. Schuldpunkt – eingeklagter Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, er habe am
18. März 2016 um ca. 5.10 Uhr den Personenwagen "Opel Astra" ZH ... auf der
C._-strasse und der D._-strasse in E._ in Fahrtrichtung E._
Zentrum gelenkt. Dabei seien die Seitenscheibe der Beifahrerseite, beide hinteren
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Seitenscheiben und die Heckscheibe vollkommen mit Eis oder Reif bedeckt ge-
wesen. Die Frontscheibe habe einzig ein ca. 15 cm x 30 cm grosses Guckloch
gehabt. Dadurch sei die Sicht des Beschuldigten auf die Geschehnisse im
Strassenverkehr stark eingeschränkt bzw. vollkommen verdeckt gewesen, womit
das von ihm gelenkte Fahrzeug nicht den Strassenverkehrsregeln entsprochen
habe. Der Beschuldigte habe eine erhöht abstrakte Unfallgefahr geschaffen, was
er durch sein Handeln, indem er lediglich ein Guckloch freigekratzt habe, zu-
mindest billigend in Kauf genommen habe (Urk. 9 S. 2; auch Urk. 20 S. 3 f.).
2. Die Vorinstanz machte zutreffende Erwägungen zu den Grundsätzen der
Beweiswürdigung und zu den vorhandenen Beweismitteln, weshalb darauf zu
verweisen ist (Urk. 20 S. 4-8; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu ergänzen ist, dass es sich
auch beim Polizeirapport (Urk. 1) um ein zulässiges Beweismittel handelt, nämlich
um eine von der Polizei als Strafverfolgungsbehörde zusammengetragene Akte
(Art. 12 lit. a StPO, Art. 15 StPO, Art. 100 Abs. 1 lit. b StPO und Art. 139 Abs. 1
StPO; Urteil des Bundesgerichts 6B_1057/2013 vom 19. Mai 2014 E. 2.3 mit Hin-
weisen). Dass der Polizeirapport im Unterschied zu einem Einvernahmeprotokoll
nicht von der mündlich befragten Personen unterschrieben werden muss, ergibt
sich aus der Stellung und dem Auftrag der Polizei und ändert nichts an dessen
uneingeschränkten Verwertbarkeit.
3. Die Vorinstanz fasste die Aussagen des Beschuldigten und des Zeugen
B._ zutreffend zusammen (Urk. 20 S. 8-10). Auch darauf kann verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.1 Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 21. September 2017 betonte der
Beschuldigte mehrfach, dass er mit einem Garagenauto keinen Unfall riskieren
würde, da er sich einen daraus resultierenden Schaden nicht leisten könne
(Urk. 47 S. 5 und 8). Er habe sein Auto mit dem dafür vorgesehenen Werkzeug
gereinigt, das im Kofferraum des Garagenautos verstaut gewesen sei (Urk. 47
S. 5 f. und 9). Er habe rückwärts aus dem Parkplatz rausfahren und sehen müs-
sen, was hinter ihm gewesen sei (Urk. 47 S. 5). Der Polizeibeamte B._, der
ihn angezeigt und einvernommen habe, habe ihm gegenüber eine feindselige Hal-
tung gehabt (Urk. 47 S. 6). Er habe sich unsachlich verhalten und habe irgendwie
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ein Problem mit Ausländern (Urk. 47 S. 9). Wenn er ihn gestoppt hätte, hätte er
ein Foto machen können und hätte jetzt einen Beweis. Da der Polizeibeamte
B._ ihn aber erst sechs Stunden später angerufen habe, könne er sich nun
nicht richtig verteidigen (Urk. 47 S. 7). Er (Beschuldigter) habe ausserdem zwei
Indizien vorzuweisen, einerseits das Arztzeugnis, das belege, dass seine Nase
bei einem Luftzug laufe und brenne und andererseits die von ihm gegen den Poli-
zeibeamten B._ eingereichte Aufsichtsbeschwerde (Urk. 47 S. 7 f.; auch Urk.
57/2 S. 7 und 9 ff.).
4.2 An der Berufungsverhandlung vom 9. Mai 2019 führte der Beschuldigte aus,
der Zeuge B._ habe ihn angelogen und gesagt, er habe Fotos von seinem
Auto, die er ihm (dem Beschuldigten) später zeige (Urk. 70 S. 3). Es liege ein wi-
dersprüchliches Verhalten des Zeugens B._ vor, wenn er (der Beschuldigte)
so gefahren wäre, hätte der Zeuge sofort gehandelt (Urk. 70 S. 3 f.). Der Zeuge
habe ihm gesagt, er wisse, dass er lüge, er könne dies in seinem Herzen sehen
(Urk. 70 S. 4). Er habe ihn auch gefragt, ob er Frühaufträge habe. Er (der Be-
schuldigte) habe genau verstanden, was er damit meine, nämlich, dass er mit
Drogen deale. Dies sei für beide klar gewesen (Urk. 70 S. 4). Dass der Zeuge ei-
genen Angaben zufolge von einem Auto angefahren worden sei, habe vielleicht
entscheidende Bedeutung auf das ganze Verfahren gehabt. Der Zeuge B._
sei ihm gegenüber feindlich gewesen (Urk. 70 S. 4). Dass der Zeuge B._ von
Beruf Polizist sei, habe ihn (den Beschuldigten) von Anfang an benachteiligt (Prot.
III S. 4).
Im Weiteren hielt der Beschuldigte wiederum fest, dass es sich um ein Garagen-
auto gehandelt habe und er damit keinen Unfall riskiere. Er putze sein Auto und
wenn er rückwärts fahre, müsse er etwas sehen, dort fahre regelmässig ein Bus
(Urk. 70 S. 4; Prot. III S. 5). Wenn der Zeuge B._ ihn gestoppt hätte, wäre die
Sache erledigt. Dann hätte er direkt seine Unschuld beweisen können (Prot. III
S. 4).
4.3 Der Zeuge B._ gab im Rahmen des Beweisverfahrens vom 9. Mai 2019
Folgendes zu Protokoll: In der Hauptsache verwies der Zeuge immer wieder auf
den Rapport. Es sei so gewesen, wie es im Rapport stehe bzw. beschrieben sei
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(Urk. 69 S. 4 f.; S. 6 f., S. 10 f.). Er (der Zeuge) sei vom Fahrradweg her an die
C._-strasse herangefahren und habe das Fahrzeug mit Eis bedeckten bzw.
vereisten Scheiben gesehen (Urk. 69 S. 4). Die Fahrerscheibe sei seines Erach-
tens bzw. seiner Erinnerung nach offen gewesen. Um dies mit Sicherheit sagen
zu können, müsste er im Rapport nachschauen. Wenn es dort so stehe, sei es so
gewesen (Urk. 69 S. 4, S. 6). Es sei ein Iglu-Fahrer gewesen (Urk. 69 S. 4). Der
Beschuldigte sei von rechts von der C._-strasse Richtung D._-strasse
gefahren. Zunächst habe der Beschuldigte Mitte des Trottoirs angehalten, sei
dann weiter die D._-strasse hinunter gefahren, wobei er dabei eine schwan-
kende, unsichere Fahrweise "von links nach rechts" gehabt habe, jedoch nicht wie
ein Betrunkener (Urk. 69 S. 4 f.; S. 7). Er (der Zeuge) sei, bevor der Beschuldigte
ihn überholt habe, etwa ein bis zwei Meter weg von der Motorhaube am fraglichen
Fahrzeug vorbeigefahren (Urk. 69 S. 6). Die D._-strasse sei eine Haupt-
strasse und gut beleuchtet gewesen (Urk. 69 S. 11). Die Frontscheibe habe ein
kleines Loch und vereiste Scheiben gehabt (Urk. 69 S. 7). Das Gluckloch sei etwa
20 cm auf 30 cm gewesen, so wie im Rapport umschrieben (Urk. 69 S. 10). Er
habe sich die Autonummer des Fahrzeugs gemerkt. Um 5.30 Uhr habe er seinen
Dienst aufgenommen und so früh als möglich, die Garage "F._" kontaktiert.
Er habe den schnellstmöglichen Weg gewählt, um den Beschuldigten zu kontak-
tieren. Es sei zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht als Polizist unterwegs gewesen
(Urk. 69 S. 13). Das Gespräch am gleichen Tag auf der Wache habe abgebro-
chen werden müssen und es sei eine offizielle schriftliche Befragung durchgeführt
worden (Urk. 69 S. 8 f. ).
5. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten wurde im angefochtenen
Entscheid zutreffend erwogen, dass ihn keine Pflicht zu wahrheitsgemässer Aus-
sage trifft und er ein – grundsätzlich legitimes – Interesse daran haben dürfte, die
Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen (Urk. 20 S. 10). Seine
Aussagen sind aber nicht deswegen mit (besonderer) Vorsicht zu würdigen, son-
dern primär entscheidend ist die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Das gilt analog
für die Aussagen von Zeugen und Auskunftspersonen. Ihren Angaben kommt
nicht schon deswegen ein höherer Wahrheitsgehalt zu, weil der aussagenden
Person, hier dem Zeugen B._ (vgl. Urk. 3/1; Urk. 69 S. 1 f.), Strafandrohun-
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gen vorgehalten werden. Alleine aus der prozessualen Stellung einer am Strafver-
fahren beteiligten Person kann nichts hinsichtlich deren Glaubwürdigkeit abgelei-
tet werden, was auch der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung vom
21. September 2017 richtig ausführte (Prot. II S. 8, Urk. 47 S. 8). Der allgemeinen
Glaubwürdigkeit eines Zeugen respektive einer einvernommenen Person im Sin-
ne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kommt nämlich kaum mehr relevan-
te Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemei-
ne Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage (BGE 133 I 33
E. 4.3, Urteil des Bundesgerichts 6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 E. 1.4, je mit
Hinweisen). Insgesamt ist daher festzuhalten, dass die Glaubwürdigkeit des Be-
schuldigten und des Zeugen B._ auf der gleichen Stufe anzusiedeln ist.
6. Vorab kann auf die zutreffende Beweiswürdigung der Vorinstanz verwiesen
werden, namentlich auf die schlüssige Analyse der Aussagen beider Beteiligter
(Urk. 20 S. 10-13; Art. 82 Abs. 4 StPO), mit den nachstehenden Ergänzungen:
6.1 Der Beschuldigte machte geltend, er könne doch mit einem Ersatzwagen
aus der Garage keinen Unfall riskieren, da er dann den Schaden bezahlen müss-
te. Die Scheiben seien nicht vereist gewesen (Urk. 2/2 S. 4 Fragen 11, 15 und 23;
Urk. 47 S. 5, Urk. 70 S. 4, Prot. III S. 5). Es könne sein, dass die Scheiben be-
schlagen gewesen seien (Urk. 47 S. 5; Prot. III S. 5). Weiter gab er zu Protokoll,
nur schon, weil er rückwärts aus dem Parkplatz rausfahren müsse, müsse er hin-
ten hinaus schauen können (Urk. 2/2 S. 3 Frage 17 und S. 5 Frage 31; Urk. 13
S. 3; Urk. 47 S. 5; Urk. 57/2 S. 11 f.; Urk. 70 S. 4). Er habe das Fahrzeug geputzt
(Urk. 70 S. 4).
Diese Argumente sprechen keineswegs zwingend für unvereiste oder freige-
kratzte Autoscheiben. Nachdem sich der Beschuldigte nicht daran erinnert, am
fraglichen Morgen noch andere Verkehrsteilnehmer auf der C._-strasse
wahrgenommen zu haben (Urk. 2/2 S. 3 Frage 18) und zudem auf der C._-
strasse als 30-er Zone ebenso wie auf der D._-strasse als 50-er Zone ge-
mäss seiner Aussage normales Licht herrschte (Urk. 2/2 S. 3 Frage 20), kann er
bei den gegebenen Platzverhältnissen mit dem vorgelagerten Trottoir (vgl. Urk.
2/6) und nach Verschaffen eines Überblicks über die damalige Verkehrssituation
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das rasch ausgeführte Rückwärtsmanöver ohne weiteres auch "blind", d.h. mit
vereisten Scheiben vorgenommen haben. Zudem gab der Zeuge B._ kon-
stant an, dass das Fenster bei der Fahrertüre offen gewesen sei (Urk. 3/1 S. 3
Frage 14; Urk. 69 S. 4, S. 6), weshalb es durchaus auch möglich ist, dass der Be-
schuldigte beim Rückwärtsmanöver durch das geöffnete Fenster schaute. Dass
die C._-strasse beleuchtet war, sehr wenig Verkehr herrschte und die Sicht
trotz leichtem Nebel gut war, bestätigte im Übrigen der Zeuge B._ auch
(Urk. 3/1 S. 4 Fragen 20-22; Urk. 69 S. 11). Dass die Scheiben vollständig be-
schlagen anstatt vereist gewesen sein sollen, vermag nicht zu überzeugen, zumal
das Fenster bei der Fahrertüre geöffnet war und ein Rundumbeschlag innert der
kurzen Strecke, die der Beschuldigte fuhr, sehr unwahrscheinlich ist. Letztlich hät-
te der Beschuldigte aber auch bei einem vollständigen Beschlag nicht fahren dür-
fen, da seine Sicht ebenfalls beeinträchtigt gewesen wäre. Es trifft im Weiteren
zu, dass der Beschuldigte das Fahrzeug "putzte", jedoch eben nicht vollständig,
sondern lediglich ein Guckloch an der Frontscheibe freikratzte.
Der Beschuldigte nahm sodann auf die örtlichen Verhältnisse Bezug und erklärte,
es würden in beide Richtungen Busse durch die C._-strasse fahren, trotz 30-
er Zone mit übersetzter Geschwindigkeit, dies vor allem zu Stunden, wo wenig bis
keine Verkehrsteilnehmer zu erwarten seien (Urk. 57/2 S. 12). Dieses Argument
vermag in der hier zu beurteilenden Situation nicht zu überzeugen. Einerseits ist
fragwürdig, dass zur damals frühen Morgenstunde, ca. um 5.10 Uhr, in der als
Quartierstrasse zu betrachtenden C._-strasse bereits Busse unterwegs wa-
ren bzw. gewesen sein sollen, dies erst noch in Überschreitung der signalisierten
Höchstgeschwindigkeit. Selbst wenn dem so (gewesen) wäre, hätte dies, wie er-
wähnt, ein zügiges Rückwärtsmanöver nach vorgängiger Prüfung der Verkehrs-
lage nicht verunmöglicht. Glaubhaft ist, dass der Beschuldigte, der nach seinen
Angaben seit bald zehn Jahren in der Schweiz autofährt, einen einwandfreien au-
tomobilistischen Leumund aufweist, sich als Jurist der Konsequenzen einer Ge-
setzesverletzung bewusst ist und aus beruflichen Gründen eines Autos bedarf
(Urk. 57/2 S. 12). Diese allgemeinen Umstände zur Person des Beschuldigten
erweisen sich hinsichtlich des zu klärenden Sachverhalts aber nicht als auf-
schlussreich.
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6.2 In sich widersprüchlich ist die Aussage des Beschuldigten vor Vorinstanz, er
habe den Zeugen nicht wahrgenommen und ihm den Vortritt gegeben (Urk. 13
S. 3). Bei der Staatsanwaltschaft hatte der Beschuldigte die Frage, ob er den
Polizisten an diesem Morgen wahrgenommen habe, einerseits verneint, dann
aber dahin relativiert, es könne sein, dass er das Fahrrad gesehen habe, aber er
werde es wieder vergessen haben (Urk. 2/2 S. 4 Frage 23).
6.3 Der Beschuldigte kritisierte das Verhalten des Zeugen mehrfach. Diese Un-
terstellungen und Gegenattacken gegenüber dem Zeugen stellen Lügensignale
dar, welche die Glaubhaftigkeit des Standpunkts des Beschuldigten schwächen.
Dazu Folgendes:
6.3.1 Wenn der Beschuldigte vorbringt, der Zeuge habe ihn dargestellt wie einen
Betrunkenen, der im Dunkeln fahre (Urk. 2/2 S. 4 Frage 22), so trifft das nicht zu.
Vielmehr hat der Zeuge lediglich seine präzise Beobachtung zu Protokoll gegeben
und entsprechend skizziert. Der Zeuge gab im Rahmen seiner heutigen Be-
fragung an, der Beschuldigte sei mit dem Fahrzeug ein bisschen rechts, ein
bisschen links gefahren und habe eine schwankende, unsichere Fahrweise ge-
zeigt, jedoch nicht wie ein Betrunkener (Urk. 69 S. 5, S. 7). Daraus ergibt sich,
dass der Beschuldigte nicht gerade fuhr, sondern sich abwechselnd zwischen der
Fahrbahnmitte und dem rechten Rand nahe dem Trottoir bewegte und damit in-
nerhalb der ihm zustehenden Fahrbahnhälfte Schlangenlinie fuhr (Urk. 1 S. 3;
Urk. 3/1 S. 3-5 und Urk. 3/4). Eine solche Fahrweise spricht ebenfalls für eine
massiv eingeschränkte Sicht des Beschuldigten auf die Fahrbahn und ist nicht
weiter verwunderlich.
6.3.2 Weiter führte der Beschuldigte ins Feld, der Zeuge hätte ihn auf der Stelle
stoppen müssen, wenn es so gewesen wäre (Urk. 2/2 Frage 31, Urk. 47 S. 7;
Urk. 70 S. 3 f.) bzw. er hätte ja direkt eine Meldung bei der Polizei machen
müssen, damit die kommen und ihn, den Beschuldigten, stoppen (Urk. 2/2 S. 4
Frage 22). Dem ist zu entgegnen, dass sich der Zeuge lediglich mit dem Fahrrad
auf dem Arbeitsweg befand, keine Polizeiuniform trug und damit für den Beschul-
digten nicht als Polizist erkennbar gewesen wäre, nicht mit Funk ausgerüstet war
und nicht gesehen hat, wo das Fahrzeug im Anschluss an die ca. 400 m lange ge-
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rade Strecke und die kurvige Einmündung in die G._-strasse hingefahren ist
(Urk. 3/1 S. 5-7; Urk. 3/4; Urk. 69 S. 8; auch Urk. 1 S. 3). Unter diesen vom Zeu-
gen detailliert und plausibel geschilderten Umständen (Urk. 3/1 S. 4 ff.; Urk. 69
S. 8) und in Anbetracht der aktenkundigen damaligen Witterungsverhältnisse ist
es nicht zu beanstanden, dass der Zeuge den Beschuldigten "erst" ca. sechs
Stunden später kontaktierte, musste er doch zunächst aufgrund des sich gemerk-
ten Nummernschildes die Eigentums- bzw. Besitzverhältnisse des Fahrzeuges
ausfindig machen und den möglichen Lenker eruieren (Urk. 3/1 S. 3 f. und 8 f.).
Da es sich ausserdem unbestrittenermassen um ein Garagenauto handelte,
musste der Polizeibeamte hierfür zuerst bei der entsprechenden Garage – unter
Berücksichtigung der Öffnungszeit derselben – herausfinden, wem dieses Auto
ausgeliehen wurde. Erst danach konnte er den Beschuldigten kontaktieren. Es ist
ausserdem davon auszugehen, dass er an diesem Morgen noch andere Auf-
gaben in seiner Tätigkeit als Polizeibeamter zu erledigen hatte. Der Zeuge gab
anlässlich seiner Befragung durch das Berufungsgericht in diesem Sinne rea-
litätsnah an, er habe um 5.30 Uhr seinen Dienst angetreten und den schnellst-
möglichen Weg gewählt, um den Halter des Fahrzeuges zu eruieren und später
die Ehefrau des Beschuldigten als Halterin zu kontaktieren, welche ihm dann den
Beschuldigten als Lenker des Fahrzeugs ans Telefon gab. Es habe kein dienst-
licher Auftrag vorgelegen (Urk. 69 S. 8). Bei der gegebenen Situation geht auch
die Kritik des Beschuldigten fehl, der Zeuge habe es unterlassen, beispielsweise
durch Handzeichen einen Kontakt mit ihm als Fahrer herzustellen (Urk. 2/5 S. 2;
Urk. 3/1 S. 7). Ferner ist nachvollziehbar, dass der Zeuge in der konkreten Situa-
tion und der Dynamik des Geschehens vor Ort keine Fotografien anfertigen konn-
te, zumal er keine GoPro am Helm hatte.
6.3.3 Die Behauptung des Beschuldigten, der Zeuge habe gesehen, dass die
Fahrerscheibe geputzt und sauber gewesen sei und er habe nur angenommen,
dass sie nach unten gekurbelt gewesen sei (Urk. 2/5 S. 2; Urk. 3/1 S. 7), ist eben-
falls nicht stichhaltig. Aufgrund der Fahrstrecke des Zeugen, des nahen ersten
Kontaktes mit dem vom Beschuldigten gelenkten Fahrzeug bei der Einmündung
der C._-strasse in die D._-strasse – wobei der Zeuge auf dem parallel
zur Fahrbahn der D._-strasse verlaufenden Velostreifen langsam in Richtung
- 15 -
Zentrum E._ am bzw. vor dem stillstehenden (da vortrittsbelasteten) grauen
Fahrzeug des Beschuldigten vorbeifuhr (Urk. 3/1 S. 8; Urk. 69 S. 4 f.) – und seiner
zutreffenden Feststellung, dass eine männliche Person am Steuer sass (Urk. 3/1
S. 3 und 5), ist nicht zweifelhaft, dass die Fahrerscheibe entsprechend der Be-
schreibung des Zeugen ganz heruntergelassen war. Diese Beobachtung wird
noch bestärkt durch den Umstand, dass der Zeuge über die komplett vereiste (mit
Reif bedeckte) hintere Seitenscheibe und das fahrerseits auf der Frontscheibe nur
kleine freigekratzte Loch staunte, daher verständlicherweise mit seinem geschul-
ten Auge besonders genau hinschaute, die vollständig gesenkte Fahrerscheibe
klar erkannte und die dahinter sitzende Person wie erwähnt richtig als (ihm unbe-
kannten) Mann identifizierte, weshalb er sich entsprechend seiner konstanten
Schilderung sicher war und nicht getäuscht haben kann (Urk. 3/1 S. 3 Frage 14,
S. 5 Fragen 24, 30 ff. und S. 7 f. Fragen 46 ff.; Urk. 69 S. 4, S. 6 f.; Urk. 1 S. 2).
6.3.4 Als durch nichts belegte Unterstellung zu bezeichnen ist die wiederholt ge-
äusserte Annahme des Beschuldigten, der Zeuge sei verärgert gewesen, verfolge
ein persönliches Interesse an der Sache, habe etwas Persönliches gegen ihn und
gar eine ausgewiesene ausländerfeindliche Grundhaltung (Urk. 2/5 S. 2; Urk. 22
S. 3 f.; Urk. 47 S. 9; Urk. 57/2 S. 7 f., Urk. 70 S. 4, Prot. III S. 4 f.). Der Zeuge
nahm Ermittlungen – das Eruieren des Fahrzeughalters – auf, bevor er wissen
konnte, dass es sich beim Fahrer des von ihm beobachteten Autos um eine Per-
son mit ausländischen Wurzeln handelte. Er übte seine Tätigkeit als Polizist kor-
rekt aus, indem er den Beschuldigten wenig später telefonisch kontaktierte, mit
ihm einen Termin vereinbarte und ihn noch gleichentags auf dem Polizeiposten
kurz mündlich befragte, ihn dann noch schriftlich vorlud und schliesslich einen
Polizeirapport erstellte.
Eine schlechte Atmosphäre zwischen den zwei Beteiligten entwickelte sich an-
lässlich des ersten Kontaktes auf dem Polizeiposten am Ereignistag um die Mit-
tagszeit – mithin nach dem gemäss der Anklage zu prüfenden Geschehen –, was
der Zeuge mit dem Hinweis im Rapport festhielt, der Beschuldigte habe sich ihm
gegenüber nun verbal hochnäsig und arrogant verhalten. Da eine konstruktive
Kommunikation nicht mehr möglich gewesen sei, sei der Beschuldigte zur schrift-
- 16 -
lichen Einvernahme vorgeladen worden (Urk. 1 S. 3; Urk. 69 S. 9). Dass der Zeu-
ge sein damaliges Empfinden freimütig im Rapport niederschrieb, spricht nicht per
se gegen seine Glaubwürdigkeit und macht seine späteren Aussagen nicht
a priori unglaubhaft. Die Aussagen sind vielmehr im Rahmen der Beweis-
würdigung durch das Gericht auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Analoges gilt
für die vom Zeugen in seiner Einvernahme bestätigte Bemerkung gegenüber dem
Beschuldigten bei jener ersten Begegnung auf dem Polizeiposten, er werde ihn
(Beschuldigten) im Auge behalten (Urk. 3/1 S. 9 Frage 58; vgl. auch Urk. 57/2
S. 7 und 10; Urk. 2/4 und 24/4). Mit den entsprechenden Folgehandlungen, die
in das vorliegende Verfahren mündeten, verrichtete der Zeuge seine Arbeit als
Polizist. Dass schliesslich erneut eine sehr angespannte Stimmung zwischen dem
Beschuldigten und dem Polizisten B._ aufkam, als Letzterer am Ende seiner
Zeugeneinvernahme aufgefordert war, ein gutes Dutzend Ergänzungsfragen des
Beschuldigten zu beantworten, wobei die Antworten sachlich ausfielen (Urk. 3/1
S. 7 ff. Fragen 44 ff.; Urk. 3/6), ist als Ausfluss der entgegengesetzten Positionen
im Verfahren zu sehen. Auch der zum Teil eher provokative Charakter der Ergän-
zungsfragen (u.a. die Fragen 47, 55, 56) dürfte zur Spannung beigetragen haben.
Entsprechendes kam auch im Rahmen der Befragung des Zeugen durch das Be-
rufungsgericht zum Ausdruck (vgl. Urk. 69 S. 3, S. 11 ff.).
6.3.5 Die Berufung auf seine rund zwei Stunden nach dem initialen Gespräch mit
dem Zeugen auf dem Polizeiposten per E-Mail vom 18. März 2016 an die Stadt-
polizei D._-E._ gerichtete Aufsichtsbeschwerde (vgl. Urk. 2/4 und
Urk. 24/4) hilft dem Beschuldigten nicht weiter. Insbesondere war es dem Zeugen
als befragendem Polizisten unbenommen, dem Beschuldigten im Sinne von Ver-
gleichsbeispielen ausgedruckte Fotos aus dem Internet mit Fahrzeuglenkern vor-
zuhalten, welche mit ungenügend freigekratzten Autoscheiben unterwegs waren
(Urk. 3/1 S. 6; Urk. 4/1 S. 3). Ebenso durfte die Vorinstanz darauf Bezug nehmen.
Die Behauptung des Beschuldigten, damit wolle die Vorinstanz den Eindruck er-
wecken, die Fotoaufnahme stamme vom Auto des Beschuldigten (Urk. 22 S. 2),
ist nicht zu hören. Die fraglichen Bilder aus dem Internet sind ausdrücklich dekla-
riert als in etwa der vom Zeugen festgestellten Situation entsprechend (Urk. 4/1
S. 3). Das vom Zeugen B._ wahrgenommene "Guckloch" wird von diesem in
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der Einvernahme umschrieben (Urk. 1 S. 2; Urk. 3/1 S. 3), im Ausmass ergän-
zend mit den Händen optisch gezeigt (Urk. 3/3) und in der Befragung durch das
Berufungsgericht von ihm bestätigt (Urk. 69 S. 10).
Die Aufsichtsbeschwerde des Beschuldigten richtete sich im Übrigen an den Vor-
gesetzten des Zeugen und deren Eingang wurde von diesem (Lt. H._, Poli-
zeichef der Stadtpolizei D._-E._) beantwortet (Urk. 2/4; Urk. 57/2 S. 9).
Dies zu tun sowie über das weitere Schicksal der Beschwerde zu befinden war
nicht Aufgabe des Zeugen (Urk. 3/1 S. 7 Frage 41; Urk. 57/2 S. 10).
6.3.6 Dass der Zeuge dem Beschuldigten bei der mündlichen Befragung am Er-
eignistag indirekt Drogenhandel vorgeworfen bzw. diesen implizit als Drogen-
dealer taxiert haben soll, weil er frühmorgens unterwegs war und den Beschuldig-
ten gefragt habe, ob er Frühaufträge habe (Urk. 2/4 und Urk. 24/4; Urk. 13 S. 3;
Urk. 22 S. 2 und 4; Urk. 57/2 S. 9, Urk. 70 S. 4), wird vom Zeugen ausdrücklich
bestritten (Urk. 3/1 S. 9 Frage 57). Die Folgerung des Beschuldigten, dass die – in
Einvernahmen von Fahrzeugführern regelmässig gestellte – Frage, woher ein
Automobilist gekommen sei und wohin er zu fahren beabsichtigte (vgl. z.B.
Urk. 2/1 S. 2 Frage 17), eine derartige Anschuldigung beinhalte, ist als haltlos zu
bezeichnen. Überdies handelt es sich bei der aktenkundigen Aufsichtsbeschwer-
de um eine reine Parteibehauptung, die sich als wenig beweiskräftig erweist und
letztlich auch nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet (Urk. 22 S. 2
f.).
6.4 Sodann ist auch die Behauptung des Beschuldigten zu verwerfen, gestützt
auf das Arztzeugnis von Dr. med. I._ vom 24. August 2016 (Urk. 5/3) sei er-
stellt, dass die Zeugenaussage bezüglich des geöffneten Fensters nicht der Reali-
tät entsprechen könne (Urk. 22 S. 4). Der Arzt bescheinigt darin lediglich, dass er
den Beschuldigten seit 2012 gelegentlich wegen Rhinitis (Schnupfen) mit Adeno-
idschwellung (Schwellung des Drüsengewebes im Rachen, Rachenpolypen) und
Schwellung der Tonsillen (vergrösserte Mandeln) sowie rezidivierend Cerumen
obturans (Ohrschmalzpfropf) behandelt, dass ein einfacher Luftzug, z.B. Fahrt-
wind in einem Fahrzeug, zur Auslösung des Nasenlaufens führen kann und dass
er dem Beschuldigten dagegen Cortinasal 100 zur Anwendung bei Bedarf ver-
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schrieben hat. Selbst ausgehend von einer erhöhten Empfindlichkeit des Be-
schuldigten betreffend Schnupfen samt schmerzhaften Schwellungen des Drü-
sengewebes im Rachen besagt der Arztbericht nichts darüber, dass der Beschul-
digte beim vorliegend zu beurteilenden Geschehen nicht – umständehalber – mit
geöffnetem Fahrerfenster unterwegs war. Die Situation, dass Zugluft der Gesund-
heit des Beschuldigten offenbar abträglich ist und zum Zeitpunkt des Geschehens
eine Temperatur um den Gefrierpunkt herrschte (Urk. 2/3), vermag daran nichts
zu ändern. Der Bericht von Dr. med. I._ ist jedenfalls nicht geeignet, irgend-
welche Zweifel an der detaillierten, nachvollziehbaren und in allen Teilen plausib-
len Zeugenaussage des den eingeklagten Vorfall beobachtenden Polizisten Ma-
thias B._ zu wecken.
6.5 Es gibt mithin seitens der Kammer keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der
Zeuge den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte. Die vom Beschuldigten auf-
geworfenen Unterstellungen der Ausländerfeindlichkeit und der falschen Aussage
des Zeugens entbehren jeglicher Grundlage und sind als blosse Schutzbe-
hauptungen abzutun.
Manche Aussagen des Beschuldigten wirken schliesslich stereotyp – etwa seine Verneinungen mit "nie" oder "unmöglich" (Urk. 2/2 S. 4 f.; Urk. 13 S. 6) –, oder
etwas übersteigert wie der Hinweis, Luftzüge würden ihm "sehr grosse Schmer-
zen" bereiten (Urk. 2/5 S. 2), was die Glaubhaftigkeit seiner Darstellung zusätzlich
einschränkt.
7. Demnach ist mit der Vorinstanz auf die glaubhaften Aussagen des Zeugen
B._ abzustellen. Der angeklagte Sachverhalt ist folglich erstellt.
IV. Schuldpunkt – rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz hat mehrheitlich eine korrekte rechtliche Würdigung vorge-
nommen (Urk. 20 S. 13-17). Um Wiederholungen zu vermeiden, ist darauf zu
verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO). Nicht richtig ist jedoch die Erwägung im ange-
fochtenen Urteil in Bezug auf den Gefährdungsgrad (dazu nachstehend Ziff. 2.).
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Im Übrigen stützte das Bundesgericht mit Urteil vom 16. Januar 2009 einen vor-
instanzlichen Entscheid, welcher das Fahren mit einem Auto mit einem 15 cm mal
25 cm grossen Guckloch in der Frontscheibe als grobe Verletzung der Verkehrs-
regeln qualifiziert hatte (Urteil des Bundesgerichts 6B_672/2008 E. 1.2 und 1.5).
2. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mit dem Führen
eines Fahrzeuges, bei welchem die Frontscheibe bis auf ein freigekratztes Guck-
loch vereist war und – abgesehen von der heruntergelassenen Fahrerscheibe –
die übrigen Scheiben ebenfalls vollkommen mit Eis oder Reif bedeckt waren, ein
nicht betriebssicheres Fahrzeug führte und damit Art. 29 SVG in Verbindung mit
Art. 57 Abs. 2 VRV als grundlegende Verkehrsvorschrift im Sinne von Art. 90
Abs. 2 SVG verletzte. Ein betriebssicheres Fahrzeug ist für die Verkehrssicherheit
elementar (Urteil des Bundesgerichts 6B_672/2008 vom 16. Januar 2009 E. 1.2).
Die Sicht nicht nur auf die Fahrbahn unmittelbar vor dem Beschuldigten war vor-
liegend aufgrund der vereisten Front- und Seitenscheiben stark behindert, son-
dern der Beschuldigte war auch auf die Seite hin nicht in der Lage gewesen, dem
Verkehrsgeschehen und den Strassenverhältnissen die erforderliche Aufmerk-
samkeit zu widmen. Zudem herrschte angesichts der frühen Stunde auch noch
Dunkelheit, was – trotz der vorhandenen Strassenbeleuchtung und nur leichtem
Nebel – die Sicht verglichen mit der Tageshelle erschwerte, und die Temperatur
lag (anhaltend) im Frostbereich (Urk. 2/3). Der morgendliche Berufsverkehr hatte
jedoch noch nicht eingesetzt und es waren nur sehr wenige Verkehrsteilnehmer
unterwegs. Der Zeuge B._ bremste gemäss seinen Aussagen sicherheits-
halber ab, bevor er beim Fahrzeug des Beschuldigten war und fuhr dann langsam
an diesem vorbei. Danach wurde der Zeuge, der beinahe still stand, vom Fahr-
zeug des Beschuldigten überholt (Urk. 3/1 S. 3 ff. Fragen 14, 23, 29 und S. 8 f.
Fragen 48, 50, 53; Urk. 3/4; Urk. 69 S. 5 f.). Demnach kann entgegen der Vo-
rinstanz (Urk. 20 S. 15) nicht von einer konkreten Gefährdung des Zeugen
B._ ausgegangen werden. Ein solche wäre im Übrigen vom Anklagesach-
verhalt gar nicht umfasst (Urk. 9). Hingegen führt die vom Beschuldigten in Rich-
tung Zentrum E._ befahrene Innerorts-Strasse durch dicht besiedeltes Ge-
biet und weist einige Einmündungen auf. Daher war jederzeit mit weiteren Fahr-
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zeuglenkern oder Fussgängern zu rechnen, so dass insgesamt eine erhöht abs-
trakte Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer zu bejahen ist.
3. Der Beschuldigte verwies zur Qualifizierung als grobe Verkehrsregelver-
letzung auf zwei Urteile des Bundesgerichts (6A.16/2006 vom 6. April 2006 sowie
6A.58/2006 vom 9. Oktober 2006), welche ebenfalls "Gucklochfahrer" betrafen
und worin auf eine mittelschwere Verkehrsregelverletzung bzw. Art. 16b Abs. 1
lit. a SVG erkannt und je ein einmonatiger Führerausweisentzug bestätigt wurde
(Urk. 57/2 S. 13). Dem ist entgegen zu halten, dass es in jenen Entscheiden um
durch die Verwaltungsbehörde ausgesprochene, befristete Warnungsentzüge
ging. An diese Erkenntnisse ist die Strafbehörde grundsätzlich nicht gebunden
(BGE 119 Ib 158 E. 2c/bb S. 162 mit Hinweis und Urteil des Bundesgerichts
6B_672/2008 vom 16. Januar 2009 E. 1.5). Die Tatbestandsumschreibungen für
den Führerausweisentzug als Administrativmassnahme (Art. 16a-c SVG) und die
strafrechtlichen Sanktionen (Art. 90 SVG) stimmen trotz Parallelen nicht voll-
ständig überein. Während die Strafnorm von Art. 90 SVG das Schwergewicht auf
das Verschulden des Fahrzeuglenkers legt und eine Würdigung des Sachverhalts
unter einem subjektiven Gesichtspunkt verlangt, stellen die verwaltungsrecht-
lichen Bestimmungen von Art. 16 ff. SVG stärker oder gar ausschliesslich auf die
objektive Gefährdung des Verkehrs ab (Philippe Weissenberger, Kommentar
Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen
2014, Art. 90 N 56).
4. Der Beschuldigte war sich der vereisten Scheiben und der mangelnden
Sicht auf die Fahrbahn bewusst (Urk. 20 S. 16), womit der objektive und der sub-
jektive Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG erfüllt sind.
5. Der Beschuldigte ist demnach der groben Verletzung der Verkehrsregeln im
Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 29 SVG und Art. 57 Abs. 2
VRV schuldig zu sprechen.
V. Strafzumessung und Vollzug
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1. Per 1. Januar 2018 ist eine Revision des Sanktionenrechts in Kraft getreten
ist. Diese betrifft unter anderem eine Neuregelung von Geldstrafen, die neu nur
noch bis 180 Tagessätze, nicht mehr bis 360 Tagessätze möglich sind (Art. 34
Abs. 1 StGB im Vergleich zu Art. 34 Abs. 1 aStGB). Da vorliegend eine Geldstrafe
von weniger als 180 Tagessätzen auszusprechen ist, hat die Gesetzesnovelle
keine Auswirkung auf den vorliegenden Fall. Das neue Sanktionenrecht erweist
sich im konkreten Fall nicht als milder (Art. 2 Abs. 2 StGB). Für die Strafzu-
messung ist daher wie im angefochtenen Urteil das vom 1. Januar 2007 bis
31. Dezember 2017 geltende Sanktionenrecht anwendbar.
2. Die Vorinstanz machte korrekte Ausführungen zu den theoretischen Grund-
sätzen der Strafzumessung (Urk. 20 S. 17 f.). Es ist zu präzisieren, dass sich der
Strafrahmen vorliegend neben Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren auch auf Geld-
strafe bis zu 360 Tagessätzen erstreckt (Art. 90 Abs. 2 SVG; Art. 34 Abs. 1
aStGB).
3. Es kann weiter auf die ebenfalls zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen
zur Tat- und Täterkomponente sowie zur Bewertung des Tatverschuldens als
noch leicht verwiesen werden. Die Einsatzstrafe liegt im Bereich von etwas mehr
als 30 Tagen bzw. Tagessätzen (Urk. 20 S. 18 f.).
Zur Täterkomponente, welche mit der Vorinstanz insgesamt als neutral zu werten
ist (Urk. 20 S. 19; vgl. auch Urk. 65), bleibt zu ergänzen, dass der Beschuldigte
Jurist ist, bei der J._ als Jurist arbeitet und ausserdem an einer Dissertation
schreibt (Urk. 70 S. 1 f.). Er verdient monatlich Fr. 4'700.– netto und seine Frau
monatlich um die Fr. 4'000.–. Der Beschuldigte hat weder Vermögen noch Schul-
den (Urk. 47 S. 3). Der verheiratete Beschuldigte ist Vater zweier Kinder, das drit-
te Kind wird erwartet (Urk. 70 S. 1). Zudem unterstützt er seine Mutter und die
Kinder seiner verstorbenen Schwester mit Fr. 500.– pro Monat (Urk. 70 S. 2).
Mit der Vorinstanz erscheint in Berücksichtigung aller massgebenden Strafzu-
messungsgründe eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 85.– angemessen.
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4. Die vorinstanzlichen Erwägungen zur Frage des Vollzugs der Geldstrafe
sind zutreffend, weshalb darauf zu verweisen ist (Urk. 20 S. 20 f.). Demnach ist
der Vollzug der Geldstrafe aufzuschieben und die Probezeit auf das Minimum von
zwei Jahren festzusetzen.
5. Unter Verweis auf die Vorinstanz (Urk. 20 S. 19 f.) ist sodann im Sinne von
Art. 42 Abs. 4 StGB eine Verbindungsbusse von Fr. 300.– auszusprechen. Für
den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung dieser Busse ist eine Ersatzfreiheits-
strafe von 3 Tagen festzulegen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Es bleibt beim vorinstanzlichen Schuldspruch. Ausgangsgemäss ist das vor-
instanzliche Kostendispositiv (Ziffern 5 und 6) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 Satz
1 StPO).
2.1 Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung
vollumfänglich, weshalb er auch die Kosten des ersten Berufungsverfahrens
(SB170132) zu tragen hat (Art. 426 Abs. 1 StPO und Art. 428 StPO). Die Ge-
richtsgebühr für das erste Berufungsverfahren ist wiederum auf Fr. 3'000.– fest-
zusetzen.
2.2 Die Kosten des zweiten Berufungsverfahrens (SB180518) hat der Beschul-
digte aufgrund der Rückweisung durch das Bundesgericht nicht zu vertreten,
weshalb sie auf die Gerichtskasse zu nehmen sind.