Decision ID: f7491d52-8a41-45fe-bb58-5e959115e17b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzelgericht, vom 28. November 2018 (GG180023)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 15. August 2018
(Urk. 1/24) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 55 S. 17 f.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB,
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,
− der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285
Ziff. 1 StGB,
− der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten, wovon
124 Tage durch Haft erstanden sind sowie einer Busse von Fr. 700.–.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen.
5. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'800.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 14'464.55 Auslagen (Gutachten)
Fr. -553.65 Gutachten Hafterstehungsfähigkeit, Abschreibung definitiv
Fr. 11'042.90 Kosten amtliche Verteidigung (inkl. Fr. 947.40 Barauslagen und Fr. 789.50 MwSt.)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die
Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse ge-
nommen. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
7. [Mitteilungen]
8. [Rechtsmittel]
9. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge (Prot. II S. 3)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 70 S. 1 f.)
1. Der Beschuldigte sei wegen Hausfriedensbruchs schuldig zu sprechen und
mit einer Strafe von einem Monat Freiheitsstrafe zu bestrafen.
2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Drohung, der Gewalt und Drohung
gegen Beamte sowie der Tätlichkeiten freizusprechen.
3. Der Beschuldigte sei für die erstandene Überhaft angemessen zu entschä-
digen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates. Die Kosten
für die amtliche Verteidigung inkl. Mehrwertsteuer seien vorab aus der
Staatskasse zu bezahlen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 63; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefochte-
nen Entscheid verwiesen werden (Urk. 55 S. 3 f.).
2. Mit Urteil vom 28. November 2018 erkannte das Einzelgericht in Strafsachen
des Bezirks Hinwil den Beschuldigten A._ (fortan Beschuldigter) der Drohung
im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB, des Hausfriedensbruchs im Sinne von
Art. 186 StGB, der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne
von Art. 285 Ziff. 1 StGB und der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB
schuldig und bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten, wovon 124
Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von CHF 700.– (Urk. 46).
Weitere Einzelheiten des Entscheides können dem Ingress dieses Urteils ent-
nommen werden.
3. Da der Beschuldigte anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung auf
eine öffentliche Urteilsverkündung verzichtet und sich damit einverstanden erklärt
hatte, dass ihm in Anwendung von Art. 84 Abs. 3 StPO das Urteilsdispositiv sofort
nach Urteilsfällung zugestellt werde (Prot. I S. 18), wurde das Urteil in der Folge
schriftlich eröffnet (Urk. 47). Mit Eingabe vom 13. Dezember 2018 liess der Be-
schuldigte Berufung anmelden (Urk. 48). Am 17. Dezember 2018 erfolgten die
Mitteilungen der Berufungsanmeldung an die Staatsanwaltschaft See/Oberland
(fortan Staatsanwaltschaft) und an B._ (fortan Privatkläger) (Urk. 49 und
Urk. 51). Das Urteil ging dem Beschuldigten, der Staatsanwaltschaft sowie dem
Privatkläger je am 4. Februar 2019 (Urk. 53) in begründeter Fassung zu (Urk. 52
= Urk. 55). Mit Verfügung vom 13. Februar 2019 wurden die Akten zur Behand-
lung der Berufung der erkennenden Kammer zugestellt (Prot. I S. 24 = Urk. 59).
4. Unter dem 12. Februar 2019 reichte die amtliche Verteidigung der er-
kennenden Kammer die Berufungserklärung ein (Urk. 56). Aus dieser geht hervor,
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dass vom Beschuldigten ein Freispruch von den Vorwürfen der Drohung, der
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und der Tätlichkeiten, eine
Freiheitsstrafe von einem Monat und eine hälftige Auflage der Kosten der Unter-
suchung und des erstinstanzlichen Verfahrens verlangt wird. Beweisanträge stell-
te die Verteidigung keine. Mit Präsidialverfügung vom 26. März 2019 wurde der
Staatsanwaltschaft und dem Privatkläger in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3
StPO, Art. 401 StPO eine Kopie der Berufungserklärung zugestellt und Frist an-
gesetzt, um gegebenenfalls zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben werde,
oder um begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 61). In
der Folge teilte die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 28. März 2019 mit, dass
sie auf Anschlussberufung verzichte und die Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils beantrage. Beweisanträge stellte sie (ebenfalls) keine (Urk. 63). Der Privat-
kläger liess sich nicht vernehmen, weshalb Verzicht auf Anschlussberufung anzu-
nehmen ist. Bereits unter dem 7. März 2019 war überdies ein aktueller Strafregis-
terauszug über den Beschuldigten eingeholt worden (Urk. 60), welcher mit dem
bereits bei den Akten liegenden (Urk. 1/16/2-3, Urk. 44) inhaltlich übereinstimmt.
5. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung erschien der Beschuldigte in
Begleitung seines amtlichen Verteidigers (Prot. II S. 3). Vorfragen waren keine zu
entscheiden (Prot. II S. 4).
II. Umfang der Berufung
Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschieben-
de Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dementsprechend
gehemmt (vgl. Schmid/Jositsch, Praxiskommentar, 3. Aufl. Zürich / St. Gallen
2018, N 1 zu Art. 402). Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil hinsicht-
lich des Schuldsprüche betreffend die Drohung (Dispositivziffer 1 alinea 1), die
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dispositivziffer 1 alinea 3)
und die Tätlichkeiten (Dispositivziffer 1 alinea 4), der Sanktion (Dispositivziffern 2
bis 4) sowie der Kostenauflage (Dispositivziffer 6) anfechten (Urk. 56 S. 2 f.;
Urk. 70 S. 1 f.). Unangefochten blieben hingegen der Schuldspruch wegen Haus-
friedensbruchs (Dispositivziffer 1 alinea 2) und die Kostenfestsetzung (Dispositiv-
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ziffer 5; vgl. Prot. II S. 4). Somit ist das vorinstanzliche Urteil in den Dispositiv-
ziffern 1 alinea 2 und 5 in Rechtskraft erwachsen (Art. 404 Abs. 1 StPO), was
vorab mittels Beschluss festzustellen ist.
III. Sachverhalt
1. Allgemeines
1.1. Die Vorinstanz hat nicht aufgezeigt, wie bei der Sachverhaltserstellung vor-
zugehen ist und welche Grundsätze bei der Beweiswürdigung zu berücksichtigen
sind (Urk. 55 S. 4 f.). Dies ist nachzuholen. Das Gericht legt seinem Urteil denje-
nigen Sachverhalt zugrunde, den es nach seiner freien, aus der Hauptverhand-
lung und den Untersuchungsakten geschöpften Überzeugung als verwirklicht er-
achtet. Der Grundsatz der freien richterlichen Beweiswürdigung besagt, dass das
Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen
Überzeugung würdigen soll (Art. 10 Abs. 2 StPO). Ist ein Sachverhalt umstritten,
ist es die Aufgabe des Gerichts, den Fakten verpflichtet und unter Einbezug aller
im Einzelfall relevanten Umstände zu prüfen, ob es sich von einer bestimmten
Sachverhaltsdarstellung überzeugt zeigen kann. Bestehen nach so vorgenomme-
ner Beweiswürdigung erhebliche und unüberwindbare Zweifel an der Täterschaft
des Beschuldigten, so sind diese "in dubio pro reo" zu seinen Gunsten zu werten
(Art. 10 Abs. 1 und Abs. 3 StPO). Wenngleich in einem Strafprozess an den Be-
weis von Täterschaft und Schuld besonders hohe Anforderungen zu stellen sind,
hat ein Schuldspruch auch dann zu erfolgen, wenn hinsichtlich der Tatsachen-
feststellung keine absolute Sicherheit besteht. Es liegt in der Natur der Sache,
dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweis-
führung erreicht werden kann. Überzeugung ist erreicht, wenn vernünftigerweise
und nach der Erfahrung des Lebens ein gegenteiliger Sachverhalt keine oder nur
eine geringe Wahrscheinlichkeit für sich hat und erhebliche Zweifel demzufolge
nicht oder nicht mehr bestehen. Bei der Beweiswürdigung muss sich das Gericht
letztlich zu einer subjektiven Gewissheit und Wahrheit durchringen können (BSK
StPO I - HOFER, N 60 f. zu Art. 10 StPO; Urteile des Bundesgerichts 6P.155/2006
und 6S.363/2006 vom 28. Dezember 2006, E. 4.1; BGE 127 I 38, E. 2a;
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BGE 120 Ia 31, E. 2d). Die Überzeugung des Gerichts muss freilich auf einem
einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter nachvoll-
ziehbar sein (HAUSER / SCHWERI / HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht,
6. Auflage, 2005, S. 247 Rz. 11). Soweit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist
der Nachweis der Tat mit Indizien zu führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen
Indizien, deren "Mosaik" zu würdigen ist (vgl. ARZT, In dubio contra, in Zeitschrift
für Strafrecht 115, S. 197; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f. Ziff. 3.4.).
1.2. Bei der Würdigung von Aussagen darf sodann nicht einfach auf die Persön-
lichkeit oder allgemeine Glaubwürdigkeit des Aussagenden abgestellt werden.
Der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Aussagenden kommt nach neueren Er-
kenntnissen kaum mehr Bedeutung zu. Weitaus bedeutender ist die Glaub-
haftigkeit der konkreten Aussagen. In der Rechtsprechung des Bundesgerichts
hat sich die sogenannte Aussageanalyse durchgesetzt. Nach dem empirischen
Ausgangspunkt der Aussageanalyse erfordern wahre und falsche Schilderungen
unterschiedliche geistige Leistungen. Überprüft wird dabei in erster Linie die
Hypothese, ob die aussagende Person unter Berücksichtigung der Umstände, der
intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch
ohne realen Erlebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in
der Weise vorgenommen, dass das im Rahmen eines hypothesengeleiteten Vor-
gehens durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, sogenann-
te Realitätskennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussage
sowie des Aussageverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen
überprüft und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert
werden. Bei der Glaubhaftigkeitsbegutachtung ist immer davon auszugehen, dass
die Aussage auch nicht realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass
diese Unwahrhypothese (Nullhypothese) mit den erhobenen Fakten nicht mehr in
Übereinstimmung stehen kann, so wird sie verworfen. Es gilt dann die Alterna-
tivhypothese, dass die Aussage wahr sei. Erforderlich ist dafür besonders auch
die Analyse der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Aussage
(BGE 129 I 49, E. 5 mit weiteren Hinweisen; BENDER / NACK / TREUER, Tatsachen-
feststellung vor Gericht, 3. Auflage, 2007, N 216 ff. und N 294 ff.).
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1.3. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelnes Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. BGE 136 I 229
E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1130/2014 vom 8. Juni 2015 E. 4). Die Be-
rufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte
beschränken.
2. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
2.1. Zusammengefasst wirft die Anklagebehörde dem Beschuldigten vor, den
für seine damalige Freundin C._ zuständigen Betreibungsbeamten D._
(fortan Geschädigter 1) an dessen Arbeitsort auf dem Betreibungsamt E._
angerufen und zu ihm gesagt zu haben, dass er vorbeikommen und ihm den Kopf
abreissen werde, wenn er seinen Job nicht richtig mache. Nachdem ihm der Ge-
schädigte 1 mitgeteilt habe, dass er sich aufgrund dieser Aussage in seinem Si-
cherheitsgefühl beeinträchtigte fühle und das Telefongespräch nun beenden wer-
de, habe der Beschuldigte zu ihm gesagt, dass er vorbeikommen und den Laden
auseinandernehmen werde. Überdies werde er dafür sorgen, dass der Geschä-
digte 1 seine Arbeitsstelle verlieren werde. Durch diese Äusserungen habe sich
der Geschädigte 1 in seinem Sicherheitsgefühl derart beeinträchtigt gefühlt, dass
er seine Vorgesetzte über den Vorfall orientiert und sich in der Folge immer genau
überlegt habe, wie er am schonungsvollsten mit C._ umgehe, um den Be-
schuldigten nicht mehr zu verärgern. Er habe ausserdem Hinweise auf eine allfäl-
lige strafbare Handlung von C._ aus Angst vor Repressalien durch den Be-
schuldigten ignoriert (Urk. 1/24 S. 2 f.).
2.2. Der Beschuldigte stellte im Vorverfahren und in der Hauptverhandlung ent-
schieden in Abrede, dem Geschädigten 1 gedroht zu haben. Er sei davon ausge-
gangen, dass das Telefongespräch aufgenommen werde, weshalb es gar nicht
sein könne, dass der die ihm zur Last gelegten Drohungen ausgesprochen habe
(Urk. 1/5/1 S. 1 ff.; Prot. I S. 13 und S. 15). Zutreffend sei, dass er beim Gespräch
etwas lauter und wütender geworden sei, da er den Geschädigten 1 habe zur
Rede stellen wollen (Prot. I S. 13, S. 14 und S. 16). Angeschrien habe er ihn aber
nicht (Prot. I S. 9). Korrekt sei allerdings, dass er dem Geschädigten 1 gesagt
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habe, er solle seinen Job richtig machen. Das sei aber nicht als Drohung zu ver-
stehen gewesen (Prot. I S. 14 und S. 16), wobei er auch einräumte, dass er am
Telefon bzw. wenn er "hässig" sei eine tiefe Stimme habe, die grob wirke, und er
allgemein verstehen könne, wie seine Worte gewirkt haben könnten (Prot. I
S. 15 f.; Urk. 1/5/8 S. 3). An der Berufungsverhandlung bestritt der Beschuldigte
ebenfalls, sich entsprechend gegenüber dem Geschädigten 1 geäussert zu ha-
ben. Er räumte ein, wütend gewesen und laut geworden zu sein. Vielleicht habe
dem Geschädigten 1 seine dominante Art nicht gepasst (Urk. 69 S. 6).
2.3. Zum Geschehensablauf wurden im Rahmen der Untersuchung der Be-
schuldigte (Urk. 1/5/1, Urk. 1/5/8 und Urk. 1/5/9) und der am Vorfall beteiligte
Geschädigte 1 zunächst polizeilich und hernach staatsanwaltschaftlich als Zeuge
befragt (Urk. 1/6/2 und Urk. 1/6/8). Was die einzelnen Aussagen des Beschuldig-
ten und des Geschädigten 1 zum Tathergang betrifft, kann zur Vermeidung von
Wiederholungen auf ihre Wiedergabe in der Begründung des vorinstanzlichen
Entscheides verwiesen werden (Urk. 55 S. 4 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.4. Fest steht, dass der Beschuldigte mit dem Geschädigten 1 am 15. Dezem-
ber 2016 telefoniert hat und er – der Beschuldigte – dabei wütend gewesen ist.
Der Inhalt des betreffenden Telefongesprächs wird von den beiden beteiligten
Personen allerdings abweichend geschildert. Der Geschädigte 1 hält dafür, dass
der Beschuldigte ihm dabei gedroht habe, er komme vorbei, reisse ihm – dem
Geschädigten 1 – den Kopf ab und nehme den Laden auseinander. Ebenso habe
der Beschuldigte ihm erklärt, dass er dafür sorgen werde, dass der Geschädigte 1
seinen Job verliere (Urk. 1/6/2 S. 2 ff. und Urk. 1/6/8 S. 4 ff.). Demgegenüber
macht der Beschuldigte geltend, er habe dem Geschädigten 1 "lediglich" gesagt,
er – der Geschädigte 1 – solle seinen Job richtig machen, andernfalls werde ihn
ein anderer machen (Urk. 1/5/1 S. 1 ff.; Prot. I S. 14 und S. 16; Urk. 69 S. 9).
2.5. Es ist somit auf Grund der Akten und der heutigen Berufungsverhandlung
in der Folge zu prüfen, ob der dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorgewor-
fene und von ihm bestrittene Sachverhalt aufgrund der vorliegenden Beweismittel
rechtsgenügend erstellt ist.
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2.6. Die Vorinstanz hat in ihrer Beweiswürdigung zusammengefasst erwogen,
dass die Aussagen des Geschädigten 1 konstant, schlüssig und realitätsnah sei-
en. Er habe insbesondere die angeblichen Drohungen immer gleichlautend und in
demselbem Gesprächskontext geschildert. Sodann habe der Geschädigte 1 auch
seinen Gemütszustand während des Telefongesprächs lebensnah beschrieben.
Er habe glaubhaft dargelegt, wie er aufgrund der Worte des Beschuldigten zu-
nächst perplex gewesen sei und einen grossen Adrenalinschub verspürt habe und
wie es ihm in der Folge mulmig geworden sei. Die weitgehend pauschalen Be-
streitungen des Beschuldigten vermöchten die stimmigen, nachvollziehbaren und
detaillierten Aussagen des Geschädigten 1 hingegen nicht in Zweifel zu ziehen.
Der Beschuldigte habe in den verschiedenen Einvernahmen häufig ausweichend
und ausschweifend geantwortet, wobei er nicht in Abrede gestellt habe, dass er
während des betreffenden Telefongesprächs wütend gewesen sei. Der Beschul-
digte habe wiederholt unglaubhafte Begründungen vorgebracht und in wider-
sprüchlicher Art und Weise versucht, seine unbestritten "warnenden" Worte mit
einer angeblich aggressiven und drohenden Haltung des Geschädigten 1 zu
rechtfertigen. Schliesslich lasse auch die Tatsache, dass der Beschuldigte einige
Sachverhaltselemente anerkenne, so insbesondere, dass der dem Geschädigten
1 gesagt habe, er solle seinen Job richtig machen, da ihn sonst ein anderer ma-
chen werde, an der Zuverlässigkeit seiner Aussagen zweifeln. Angesichts der
glaubhaften Aussagen des Geschädigten 1 könnten keine erheblichen Zweifel
mehr daran bestehen, dass sich der Sachverhalt hinsichtlich der Drohung durch
den Beschuldigten tatsächlich so zugetragen habe, wie er in der Anklage geschil-
dert werde. Der (Anklage-)Sachverhalt sei daher als erstellt anzusehen (Urk. 55
S. 6 f.).
2.7. Die vorstehend zitierte Beweiswürdigung der Vorinstanz ist überzeugend
und zu übernehmen. Sie hat einlässlich und nachvollziehbar dargetan, weshalb
sie auf die Bestreitung und die Sachverhaltsvariante des Beschuldigten bzw.
seiner Verteidigung nicht abstellen konnte. Ihren Erwägungen ist vollumfänglich
beizupflichten (Urk. 55 S. 6; Art. 82 Abs. 4 StPO).
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2.8.1. Die erste Aussage, die den strittigen Sachverhalt beschlägt, machte der
Geschädigte 1 am 16. Dezember 2016, mithin einen Tag nach dem inkriminierten
Vorfall, gegenüber der Polizei (Urk. 1/6/2). Dabei schilderte er von sich aus zu-
nächst, dass er im Rahmen eines Pfändungsvollzugs bei der (damaligen) Lebens-
partnerin des Beschuldigten diese auf gewisse Strafartikel aufmerksam gemacht
habe. Sie sei persönlich in seinem Büro gewesen. Circa 15 Minuten nachdem die
Lebenspartnerin das Büro verlassen habe, habe er vom Beschuldigten einen Te-
lefonanruf erhalten. Das Gespräch sei am Anfang noch normal gewesen. Der Be-
schuldigte habe sich vorgestellt und ihn gefragt, ob er – der Geschädigte 1 – sich
an ihn erinnern würde, was er – der Geschädigte 1 – verneint habe. Nachdem der
Beschuldigte ihn gefragt habe, wie lange er heute arbeiten werde und er – der
Geschädigte 1 – geantwortet habe, er arbeite wie jeden Donnerstag bis 18:30
Uhr, haben ihn der Beschuldigte dann wie folgt verbal angegriffen: "Was war das mit dem Vollzug meiner Partnerin, was erlauben Sie sich eigentlich? Sie sind nicht von
der Polizei und dass sie mit einer Strafanzeige drohen können! Wenn Sie Ihren Job nicht
richtig machen, komme ich vorbei, reisse Ihnen den Kopf ab und zeig Ihnen wie man das
richtig macht. Wenn ich mit Ihnen fertig bin und ich das erste mal vor Ihnen stehe, wer-
den Sie mein Gesicht niemals vergessen!" (Urk. 1/6/2 S. 1). Er – so der Geschädigte
1 fortfahrend – habe dann versucht, die Situation zu entschärfen und sei ruhig
geblieben. Er habe dem Beschuldigten unter anderem erklärt, dass er seine Le-
benspartnerin lediglich über die Risiken einer Falschaussage aufgeklärt habe, wo-
rauf der Beschuldigte durchgedreht sei. Seine Stimme sei lauter geworden und er
habe ihn mit vielen Worten beschimpft, wobei er sich nicht an jedes erinnern kön-
ne. Er habe aber beispielsweise gesagt: "Ich komme vorbei und nehme den Laden
auseinander und er werde dafür sorgen, dass er seinen Job verlieren werde" (Urk. 1/6/2
S. 2). Er habe den Beschuldigten dann gefragt, ob er ihm drohe, worauf er – der
Beschuldigte – dies verneint und ihn als "Hurensohn" bezeichnet und gesagt ha-
be, "er mache mich fertig". Er habe dem Beschuldigten dann mitgeteilt, dass er
nicht mehr bereit sei, aufgrund seines Verhaltens mit ihm zu sprechen. Entweder
mässige er seinen Ton oder er – der Geschädigte 1 – werde das Gespräch vor-
zeitig beenden. Der Beschuldigte habe ihm daraufhin erklärt, er – der Geschädig-
te 1 – soll doch nun ruhig zur Polizei springen und eine Anzeige machen; er hätte
vor diesen Bullen sowieso keine Angst. Er – der Geschädigte 1 – habe nochmals
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betont, dass er unter den gegebenen Umständen nicht mehr mit ihm telefonieren
wolle, worauf der Beschuldigte seinerseits mit einem Fluchwort, welches er nicht
mehr wisse, das Telefongespräch beendet habe (Urk. 1/6/2 S. 2). Auf die Frage,
wie es dann weiter gegangen sei, erklärte der Geschädigte 1, dass er zu seiner
Chefin gegangen sei und ihr gesagt habe, dass er nicht wisse, wie er vorzugehen
habe. Seine Chefin habe ihm gesagt, dass sie den Beschuldigten als gefährlich
einstufe, was der stellvertretende Betreibungsbeamte ebenfalls bestätigt habe. Er
habe sich dann telefonisch mit der Polizei in Kontakt gesetzt (Urk. 1/6/2 S. 2). Auf
die Frage, wie er sich nach dem Telefon gefühlt habe, gab der Geschädigte 1 was
folgt zu Protokoll: "Es war eine Beunruhigung, es war mir mulmig. Ich kenne ihn nicht als Person und kann ihn nicht einschätzen. Ich traue ihm zu, dass der eine Körperverlet-
zung ausführen könnte oder dass er handgreiflich werden könnte. Das ist der Haupt-
punkt, dass ich hier bin" (Urk. 1/6/2 S. 2 f.). Auf die Nachfrage, ob er zu einem Zeit-
punkt Angst gehabt habe, erwiderte der Geschädigte 1 Folgendes: "Ich kann es vielleicht so sagen, ich hatte einfach einen grossen Adrenalinschub und ich kann ihnen
nicht sagen, ob es Angst war, aber ich hatte ein sehr ungutes Gefühl, ich wusste nicht
was mich erwartet. Es war mir mulmig." (Urk. 1/6/2 S. 3).
2.8.2. Als Zeuge befragt schilderte der Geschädigte 1 den Geschehensablauf von
sich aus wie folgt: "Die Lebenspartnerin oder Freundin von Herr A._ war bei mir zum Vollzug". "(...)". "Ich habe die Lebenspartnerin auf die Rechtsbelehrungen aufmerk-
sam gemacht. Ein Informant (der Zeuge macht Gänsefüsschen) hat uns immer wieder
Informationen zugespielt, wo sie angeblich tätig sei. Dabei waren auch Foto und Links zu
Websiten". "(...)". "Ich habe sie auf die Konsequenzen von Art. 163 und Art. 169 StGB
aufmerksam gemacht, falls sie uns Arbeitgeber verschweigen würde. Ich habe ihr auch
gesagt, dass ich verpflichtet bin, solchen Hinweisen nachzugehen. Dies habe ich ge-
macht, weil es nicht das erste Mal war, dass wir solche Informationen über sie erhalten
haben". (...)". "Nachdem sie mein Büro verlassen hat, hat etwa 5 bis 10 Minuten später
mein Telefon geklingelt. Am Telefon war Herr A._. Seine erste Frage war: "Wüssed
sie, wer dra isch. Chönd sie sich na a mich erinnere". Das Telefon hat eigentlich normal
begonnen. Ich verneinte, mich an ihn zu erinnern". "(...)". "Er fragte mich dann, was ich
mir erlaube Frau C._ anzugreifen. Ob ich eigentlich das Gefühl habe ich sei Polizist.
Es stehe mir nicht zu ihr mit irgendwelchen Gesetzesartikeln zu drohen." "(...)". "Dann
hat es angefangen." (Urk. 1/6/8 S. 5). Auf die Frage, was angefangen hat, beschrieb
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der Geschädigte 1 den Vorfall folgendermassen: "Er ist dann plötzlich von der  in die Du-Form gefallen. Dann haben alle diese Drohungen angefangen. Einerseits
waren da persönliche Beleidigungen. Eine Aussage, welche mir geblieben ist, war, dass
ich sein Gesicht nicht mehr vergessen werde, wenn er das erste Mal vor mir gestanden
sei. Er würde mir den Kopf abreissen. Ich hätte verdammt noch mal meinen Job richtig zu
machen. Sonst würde er schaue, dass ich ihn verlieren. An das genaue Fluchwort im
Satz kann ich mich nicht mehr erinnern". "(...)". "Als er sich in Rage gesprochen hat, ha-
be ich ihn dann einmal unterbrochen und zu ihm gesagt, ob ich ihn richtig verstehe, dass
er mir jetzt gerade drohe. Worauf er mir sagte, dass er mir überhaupt nicht drohe. Ich ha-
be ihm aber gesagt, dass ich mich bedroht fühle, und zwar an Leib und Leben. Er sagte
dann, dass ihm das völlig egal sei und ich doch zu den Bullen rennen solle. Vor denen
habe er so oder so keine Angst." "(...)". "Wenn ich jetzt an dieser Telefonat zurückdenke
merke ich, dass die Gefühlslage da ist. Mein Puls ist relativ hoch. Ich sagte ihm dann ab
einem gewissen Zeitpunkt, dass ich auf diesem Niveau nicht mit ihm diskutiere. Er sich
beruhigen solle und ich das Gespräche jetzt beenden werde. Daraufhin sagte er, dass er
vorbeikommen werde und das ganze Betreibungsamt auseinandernehmen werde. Ich
ging dann zu meiner Chefin, der Amtsleiterin, und habe sie über den Vorfall in Kenntnis
gesetzt. Sie sagte mir dann gerade "nicht scherzen, ernst nehmen, Strafanzeige". "(...)"
(Urk. 1/6/8 S. 6). Auf Nachfrage hin, bestätigte der Geschädigte 1 erneut, dass
der Beschuldigte ihm gedroht habe, er werde ihm den Kopf abreissen (Urk. 1/6/8
S. 6). Die Frage, wie er sich gefühlt habe, als der Beschuldigte ihm gesagt habe,
er werde vorbeikommen, ihm den Kopf abreissen, den Laden auseinanderneh-
men und dafür sorgen, dass er den Job verliere, beantwortete der Geschädigte 1
wie folgt: "Ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich habe ihm geglaubt, dass er ernst macht. Ich glaube es ihm auch heute noch. Ich habe mich eigentlich darauf vorbereitet, dass jetzt
etwas passieren werden. Deshalb haben wir auch die Polizei bereits in Alarmbereitschaft
versetzt." (Urk. 1/6/8 S. 7). Auf die Nachfrage, wie sich die Gefühle geäussert
hätten, gab der Geschädigte 1 folgendes zu Protokoll: "Es war ein Adrenalinkick. Ich
war vollgepumpt mit Adrenalin." "(...)". Das ist ein sehr unschönes Gefühl" (Urk. 1/6/8
S. 7). Auf die konkrete Nachfrage, ob er Angst gehabt habe, erklärte der Ge-
schädigte 1 was folgt: "Irgendwie schon. Ich nehme solche Situationen sehr ernst. Mein Vater war bei der Kantonspolizei und ist im Dienst ums Leben gekommen, weil eine Si-
tuation falsch eingeschätzt wurde. Ich weiss, dass es Leute gibt, welche Drohungen auch
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tatsächlich umsetzen. Somit war ein Portion Angst dabei, nicht zuletzt auch für meine
Arbeitskollegen und für meine Familie." (Urk. 1/6/8 S. 7).
2.8.3. Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, erscheinen die Aussagen kon-
stant schlüssig und realitätsnah (Urk. 55 S. 6). Insbesondere spricht bereits der
Verlauf der gesamten Befragung und damit die Entstehung der Aussagen gegen
die These des Beschuldigten bzw. der Verteidigung, wonach der Geschädigte 1
die von ihm geschilderte Geschehnisse lediglich erfunden habe. Der Geschädigte
1 schilderte chronologisch und frei, was sich abgespielt hat. Es fällt auf, dass der
Geschädigte 1 nicht versuchte, den Beschuldigten ungerechtfertigt übertrieben zu
belasten. Vielmehr hat er in beiden Einvernahmen die selben Drohungen gleich-
lautend geschildert. Hätte der Geschädigte 1 die Absicht gehabt, den Beschuldig-
ten wider besseres Wissen zu diffamieren, hätte er weitere Belastung vorbringen
können. Er führte anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme zwar aus,
der Beschuldigte habe in seiner Abwesenheit nochmals eine Drohung ihm und
seiner Frau gegenüber ausgestossen, betonte aber, dass er diese Drohung nicht
selber gehört habe, sondern ihm diese nachträglich mitgeteilt worden sei
(Urk. 1/6/8 S. 8 f.). Dieses relativ zurückhaltende Aussageverhalten entspricht
nicht demjenigen eines Mannes, der einen Unschuldigen fälschlicherweise einer
Drohung bezichtigen will.
In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 4. Juli 2018, die knapp ein-
einhalb (!) Jahre nach dem strittigen Telefongespräch stattfand, schilderte der
Geschädigte 1 die Geschehnisse, von sich etwas ausführlicher und detaillierter
als in der polizeilichen Einvernahme. Er versuchte, den Geschehensablauf vom
15. Dezember 2016 (Ablauf und Inhalt des persönliches Gesprächs mit der da-
maligen Lebenspartnerin des Beschuldigten und Ablauf und Inhalt des Telefon-
gesprächs mit dem Beschuldigten) möglichst detailliert wiederzugeben (Urk. 6/2
S. 4). Ein solches Aussageverhalten ist aber nicht aussergewöhnlich und spricht
nicht ohne Weiteres dafür, dass ihre Aussagen nicht glaubhaft wären. Während
die erste polizeiliche Einvernahme vom 16. Dezember 2016 – wie erwähnt –
lediglich einen Tag nach dem fraglichen Vorfall erfolgte, hatte der Geschädigte 1
im Hinblick auf die staatsanwaltliche Einvernahme vom 4. Juni 2018 während
- 15 -
knapp eineinhalb Jahren die Gelegenheit, sich die Geschehnisse nochmals in
Ruhe zu überlegen und sich auf die Einvernahme vorzubereiten. Das wäre an
sich eine Ausgangslage, in welcher Vorwürfe aggraviert und zugespitzt "zurecht-
gelegt" werden könnten, wenn es darum ginge, jemanden bewusst zu diskreditie-
ren. Solche Tendenzen in den Aussagen des Geschädigten 1 sind aber wiederum
nicht ersichtlich. Auch in dieser zweiten Einvernahme erscheinen die Aussagen
des Geschädigten 1 authentisch und lebensnah. Entsprechend ist davon auszu-
gehen, dass sie auch bei dieser zweiten Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft
bemüht war, bei der Wahrheit zu bleiben und die Geschehnisse so wiederzuge-
ben, wie sie diese erlebt hat. Dass der Geschädigte 1 im Übrigen anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme erstmals zu Protokoll gab, dass er dem
Beschuldigten am Telefon gesagt habe, er fühle sich bedroht, und zwar an Leib
und Leben, ist der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen ebenfalls nicht abträglich. Das
menschliche Gehirn ist bekanntlich keine Videokamera, und die Informationen
sind nicht – wie auf einer Festplatte gespeichert – ständig abrufbar. Insofern ist es
nicht verwunderlich, dass während einer Aussage Ergänzungen berichtet oder
(inhaltliche) Lücken geschlossen werden. Hätte der Geschädigte 1 die Drohungen
seitens des Beschuldigten erfinden wollen, so hätte er wohl bei seiner ersten Dar-
stellung kaum für seine Lügengeschichte als wesentlich gehaltene Einzelheiten
weggelassen, weil er den einvernehmenden Polizeibeamten ja gerade dadurch
überzeugen will.
2.8.4. Es bestehen sodann keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Geschädigte 1
bewusst falsche Aussagen gemacht hat. Solche werden denn auch von der amt-
lichen Verteidigung nicht namhaft gemacht. Die Aussagen erweisen sich vielmehr
als homogen. Sie sind in sich schlüssig und insofern frei von Ungereimtheiten, als
dass die einzelnen Aussagenteile aufeinander basieren, logisch konsistent sind
und zu einem stimmigen Ganzen führen. Dass das Verhältnis zwischen dem Be-
schuldigten und dem Geschädigten 1 vor dem strittigen Vorfall vom 15. Dezember
2016 aufgrund von verschiedenen Vorkommnissen getrübt war, wird von der
Verteidigung (ebenfalls) nicht dargetan. Es kann zudem praktisch auch ausge-
schlossen werden, dass sich der Geschädigte 1 zu einer falschen Aussage we-
gen den Auseinandersetzungen mit dem Beschuldigten im Zusammenhang mit
- 16 -
dem Pfändungsvollzug von dessen ehemaligen Lebenspartnerin hat verleiten
lassen. Zwar ist nicht zu verkennen, dass der Geschädigte 1 naturgemäss ein
gewisses Interesse am Ausgang dieses Verfahrens hat und emotional erheblich in
die Sache verwickelt ist, eine unrichtige Belastung des Beschuldigten hätte jedoch
auch für den Geschädigten 1 als Pfändungsbeamter nachteilige Folgen.
2.9.1. Auffallend ist, dass der Beschuldigte die Geschehnisse bezüglich der Dro-
hungen vom 15. Dezember 2016 abgeschwächt und verharmlosend schilderte.
So gab er zwar zu, dass es zwischen ihm und dem Geschädigten 1 zu einer ver-
balen Auseinandersetzung am Telefon gekommen sei, anlässlich welcher er ihm
gesamt habe, er solle seinen Job richtig machen. Sodann räumte er ein, den Ge-
schädigten mit "Hurensohn" oder "Bastard" beschimpft zu haben (Urk. 1/51 S. 3)
und stellte nicht in Abrede, dass er im Gespräch etwas lauter und wütend gewe-
sen sei (Prot. I S. 13, S. 14 und S. 16; Urk. 69 S. 6). Die vom ihm gemachten
Äusserungen seien aber bloss eine Warnung gewesen (Urk. 1/5/1 S. 4 und 5).
Dass es lediglich bei dieser geringfügigen Auseinandersetzung geblieben sein
soll, wie dies der Beschuldigte schilderte, vermag indes nicht zu überzeugen. Auf
Seiten des Beschuldigten ist ein gewisses Aggressionspotenzial zweifellos vor-
handen. Dies verdeutlicht nur allein schon seine Reaktion auf den Besuch zweier
Kantonspolizisten im Rahmen einer Gefährderansprache am 31. Mai 2017. Ge-
mäss dem entsprechenden Polizeirapport vom 10. Juli 2017 (Urk. 1/16/7/1) habe
der Beschuldigte dabei einen äusserst aggressiven Eindruck gemacht. Er habe
die ausgerückten Polizeibeamten aus unerfindlichen Gründen als "Nuttensohn"
und "Bastard" beschimpft. Es sei nicht möglich gewesen, den Beschuldigten zu
beruhigen. In unablässigem Redeschwall habe er die beiden Beamten mit
Schimpfwörtern und latenten Drohungen eingedeckt (vgl. Urk. 1/16/7/1 S. 3 f.).
Aufgrund der Angaben des Beschuldigten selbst ist davon auszugehen, dass er
während des streitgegenständlichen Telefongesprächs wütend war, weil der Ge-
schädigte 1 seine Ex-Lebensgefährtin angeblich ungerecht behandelt haben soll.
Die provokative Warnung des Beschuldigten, er solle seinen Job richtig machen,
sonst mache ihn jemand anders zunächst deutliche Hinweise dafür, dass der Be-
schuldigte auf Konfrontation mit dem Geschädigten 1 aus war. Angesichts dieser
- 17 -
hohen Aggressivität erscheint die Darstellung des Geschädigten 1 von folgenden
Drohungen der in der Anklageschrift umschriebenen Art als naheliegend.
2.9.2. Der Vorinstanz ist darin zu folgen, dass der Beschuldigte in den verschie-
denen Einvernahmen häufig ausweichende, ausschweifende und nichtssagenden
Antworten betreffend die Frage der Drohungen gegeben hat (Urk. 55 S. 6). So
gab er beispielsweise anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 20. Dezem-
ber 2016 (Urk. 1/5/1) auf die konkrete Frage, ob er dem Geschädigten 1 gesagt
habe, dass er ihm den Kopf abreissen werde, wenn er sein Arbeit nicht richtig
mache, was folgt zu Protokoll: "Als erstes sagte ich zu ihm, dass er seinen Job richtig machen solle, sonst mache es jemand anders. Jeder macht Fehler, jeder hat "Dreck am
Stecken". Der Grund war, warum ich dies sagte, ich habe mich vorgestellt und fragte ihn
was das solle und er hat sehr arrogant mir geantwortet. Das kam mir schräg rein und ich
verstehe nicht, warum er nicht anständig war zu mir. Gerade in seiner Position, da hat
man sich anständig zu verhalten. Dann kam er mit dem, "Willst du mir drohen?" Es ist
immer das gleiche heutzutage. Ich sagte im wortwörtlich, dass er Glück hat, dass nun
eine andere Zeit ist und ich andere Ziele verfolge. Ich will nicht lügen." (Urk. 1/5/1 S. 2).
Die konkrete Frage, ob er dem Geschädigten auch erklärt habe, dass er ihn fertig
machen werden, beantwortete der Beschuldigte in derselben Einvernahme bei-
spielsweise wie folgt. "Wie gesagt, jeder Mensch hat "Dreck am Stecken". Wenn er  behauptet, wo er nicht mal Beweise hat, dann muss man einmal bei ihm schauen.
Er droht ihr mit Sachen [gemeint ist die Ex-Freundin], wo er gar nichts in der Hand hat.
Warum macht er das? Würde sie vom Sozialamt abhängig sein, dann würde ich es ver-
stehen. Oder einen Mercedes fahren oder eine teure Attikawohnung haben. Sie ist
21jährig und es ist traurig was sie durchmachen musste und dieser Betreibungsbeamte
kommt ihr so .... Dann frage ich mich etwas Anderes" (Urk. 1/5/1 S. 4). Diese Beispie-
le liessen sich vermehren.
Dass der Beschuldigte schliesslich glauben machen will, dass seine verbalen
Entgleisungen „lediglich“ eine Gegenreaktion auf die Arroganz und Unanständig-
keit des Geschädigten 1 ihm gegenüber gewesen seien (Urk. 1/5/1 S. 2), passt in
die Verteidigungsstrategie des Beschuldigten, der den Geschädigten 1 als min-
derwertige Person darzustellen versucht (Prot. I. S. 5). So warf er etwa dem Ge-
schädigten 1 vor, er habe den grossen "Macker" raushängen wollen und er sollte
- 18 -
ihm nicht erklären müssen, was er zu tun habe (Urk. 1/5/1 S. 4). Oder er unter-
stellte dem Geschädigten 1, dass er wegen eines Burnouts aus der Arbeit aus-
scheide, vom Staat abhängig werde und diesen auch noch verarsche (Urk. 1/5/1
S. 5). Oder er bezeichnete den Geschädigten 1 als Typen, der nicht einmal seine
Frau richtig befriedigen könne (Urk. 1/5/1 S. 5). Solcherart durchsichtige Manöver
sind geeignet, den Beschuldigten als unglaubwürdige Person und seine konkreten
Aussagen als nicht glaubhaft erscheinen zu lassen.
Es kommt schliesslich hinzu, dass der Beschuldigte mit Beschuldigungen an die
Adresse der Geschädigten 1 leichthin um sich warf. So entgegnete er beispiels-
weise auf den Vorhalt der Drohungen gegenüber dem Geschädigten 1, dies sei
eine falsche Anschuldigung, weshalb er eigentlich eine Gegenanzeige machten
sollte (Urk. 1/5/1 S. 1). Sodann führte er aus, dass der Geschädigte 1 seiner Ex-
Freundin gedroht habe, dass sie Schwarzarbeit mache und im "Puff" arbeite
(Urk. 1/5/1 S. 2). Des weiteren machte er mehrfach geltend, dass der Geschädig-
te 1 "Dreck am Stecken" habe (Urk. 1/5/1 S. 2-4 und S. 6). Solcherart Über-
treibungen bzw. nicht nachvollziehbare Beschuldigungen, die durchschaubar be-
zwecken, den Gegner als charakterlich niedrig und verwerflich zu schildern, sind
als Lügensignale zu werten.
2.10. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Aussagen des Beschuldigten die
glaubhafte Darstellung des Geschädigten 1 nicht zu erschüttern vermögen. Es
besteht kein Anlass, die authentischen und plausiblen Schilderungen des Ge-
schädigten 1 in Frage zu stellen. Der entsprechende Anklagesachverhalt ist damit
erstellt.
3. Drohung und Tätlichkeit
3.1. Verkürzt dargestellt wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe während
einer verbalen Auseinandersetzung im Einkaufszentrum "F._" in E._
dem Hauswart G._ (fortan Geschädigter 2) ungefähr vier Mal mit den Fäus-
ten gegen die Arme und eine bis zwei Mal auf die Brust geschlagen, wobei dies
zu keinen Verletzungen des Geschädigten 2 geführt habe. Sodann habe der Be-
schuldigte dem Geschädigten 2 gesagt, er wisse, wo er wohne und auch seiner
- 19 -
Familie werde etwas passieren, wenn er nicht mache, was er – der Beschuldigte
– wolle. Darüber hinaus habe er dem Geschädigten 2 erklärt, dass er ihn an den
Beinen packen und an diesen aufhängen werde, wenn er nicht mache, was er
wolle. Der Geschädigte 2 habe sich – nicht zuletzt wegen den vorgängigen Tät-
lichkeiten – dadurch in seinem Sicherheitsgefühl stark eingeschränkt gefühlt
(Urk. 1/24 S. 3 f.).
3.2. Der Beschuldigte anerkannte explizit, dem Geschädigten 2 gesagt zu ha-
ben, er werde ihn an den Beinen packen und an diesen aufhängen (Prot. I S. 9
und S. 11; Urk. 45/6 S. 6). An der Berufungsverhandlung relativierte er seine Zu-
gabe etwas, indem er angab, er sei sich nicht sicher, ob er dies gesagt habe. Er
habe einfach etwas zugeben wollen. Er sei zwar wütend gewesen, da die Spritzen
nicht entfernt worden seien, aber auch dann sage man doch nicht solche Dinge
(Urk. 69 S. 7 f.). Der Beschuldigte stellt indes konstant in Abrede, dem Geschä-
digten 2 damit gedroht zu haben. Was er ihm gesagt habe, habe er nicht ernst
gemeint. Betreffend die Familie des Geschädigten 2 habe er sodann keine Äusse-
rung gemacht bzw. eine Drohung ausgestossen (Prot. I S. 11; Urk. 69 S. 8 f.).
Ebenso bestreitet der Beschuldigte, gegenüber dem Geschädigten 2 tätlich ge-
worden zu sein. Er schlage keinen älteren Mann (Prot. I S. 10 und S. 12; Urk. 69
S. 7).
3.3. Zum Geschehensablauf wurden im Rahmen der Untersuchung der Be-
schuldigte (Urk. 1/5/6, Urk. 1/5/7+9) und der am Vorfall beteiligte Geschädigte 2
(Urk. 1/6/6 und Urk. 1/6/7) als Auskunftsperson befragt. Was die einzelnen Aus-
sagen des Beschuldigten und der Auskunftsperson zum Tathergang betrifft, kann
zur Vermeidung von Wiederholungen auf ihre Wiedergabe in der Begründung des
vorinstanzlichen Entscheides verwiesen werden (Urk. 55 S. 7 f.; Art. 82 Abs. 4
StPO).
3.4. Fest steht, dass es am 24. März 2018 in der Tiefgarage des Einkaufs-
zentrums "F._" in E._ zu einer verbalen Auseinandersetzung betreffend
die Sauberkeit im Bereich des Treppenhauses und der Toiletten der Tiefgarage
zwischen dem Beschuldigten und dem Geschädigten 2 gekommen ist. Erstellt ist,
dass der Beschuldigte im Rahmen der Auseinandersetzung laut und wütend ge-
- 20 -
worden ist (Prot. I S. 9, Urk. 69 S. 7) und den Putzwagen des Geschädigten 2 mit
dem Fuss blockiert hat, wobei Wasser ausgeleert ist (Prot. I S. 10; Urk. 1/5/7 S. 3;
Urk. 69 S. 7). Ebenso ist aufgrund der Zugabe des Beschuldigten und den Aus-
sagen des Geschädigten 2 erstellt, dass er dem Geschädigten 2 gesagt hat, er
werde ihn an den Beinen packen und an diesen aufhängen (Prot. I S. 9 und S. 11;
Urk. 45/6 S. 6; Urk. D1/6/6 Fragen 3 und 5; Urk. D1/6/7 Fragen 10 und 11),
obschon sich der Beschuldigte dessen an der heutigen Berufungsverhandlung
nicht mehr so ganz sicher sein wollte, da man seinen Angaben zufolge, selbst
wenn man wütend sei, nicht "im Dschungel" sei und er einfach mal habe "etwas
zugeben" wollen (Urk. 69 S. 7 f.). Diese Argumentation des Beschuldigten ist zu
abenteuerlich, um zu überzeugen. Die Ausführungen der Verteidigung erschöpfen
sich denn auch darin, die Äusserung an sich nicht in Abrede zu stellen, sondern,
dass der Beschuldigte mit der Äusserungen den Geschädigten 2 an den Beinen
aufzuhängen, diesen keineswegs habe bedrohen wollen, sondern (einfach) ein
verbaler Disput zwischen den beiden geherrscht habe (Urk. 70 S. 5).
3.5. Es ist somit auf Grund der Akten und der heutigen Berufungsverhandlung
in der Folge zu prüfen, ob der dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorgewor-
fene und von ihm bestrittene Sachverhalt aufgrund der vorliegenden Beweismittel
rechtsgenügend erstellt ist.
3.6. Die Vorinstanz würdigte die Aussagen des Beschuldigten sowie diejenigen
des Geschädigten 2 wie folgt: Letzterer habe detailliert geschildert, wie die Ausei-
nandersetzung vom 24. März 2018 abgelaufen sei. Seine Zeugenaussage (recte
Aussage als Auskunftsperson) stimme sowohl im Kerngehalt als auch betreffend
die äusseren Umstände mit seinen Aussagen anlässlich der polizeilichen Befra-
gung überein. Seine Schilderung, wonach der Beschuldigte erst von ihm abgelas-
sen habe, als ein Auto in die Tiefgarage gefahren sei, zeuge von der Lebensnähe
seiner Aussagen. Bezüglich der (Faust-)Schläge habe der Geschädigte 2 kon-
stant ausgeführt, der Beschuldigte habe ihn ungefähr vier Mal auf die beiden
Arme und die Brust geschlagen, wobei ihn die Schläge nicht mit voller Wucht ge-
troffen hätten, da er rückwärts ausgewichen sei. Die überzeugenden und gleich-
lautenden Schilderungen des Geschädigten 2 – so die Vorinstanz fortfahrend –
- 21 -
würden sich im Übrigen auch mit den teilweisen Zugeständnissen des Beschul-
digten (Blockieren des Putzwagens; aufgebrachte Verfassung des Beschuldigten;
Äusserung des Beschuldigten, er werde den Geschädigten 2 an den Beinen
packen und an diesen aufhängen; Zugabe des Beschuldigten, dass der Geschä-
digte 2 Angst bekommen habe, als er ihn angeschrien habe; Entschuldigung des
Beschuldigten) decken und liessen sich ohne Weiteres mit diesen verflechten.
Seine nicht unwesentlichen Zugeständnisse widersprächen der Vehemenz, mit
welcher er die ihm vorgeworfenen Drohungen und Tätlichkeiten in Abrede stelle.
Die ausschweifenden und verharmlosenden Aussagen der Beschuldigten würde
zudem zahlreiche Strukturbrücke und inhaltliche Inkonsistenzen aufweisen, was
an deren Zuverlässigkeit zweifeln lasse (Urk. 55 S. 7 f.).
3.7.1. Die Aussagewürdigung des Vorderrichters im angefochtenen Entscheid ist
schlüssig und nachvollziehbar. Die Vorinstanz zeigt verschiedene Widersprüche
und Ungereimtheiten in den Angaben des Beschuldigten auf. Gestützt auf die
vorhandenen Beweise ist mit der Vorinstanz davon ausgehen, dass der Beschul-
digte gegenüber dem Geschädigten 2 tätlich geworden ist und ihn – wie in der
Anklageschrift umschrieben – bedroht hat. Den Erwägungen der Vorinstanz ist
vollumfänglich beizupflichten (Urk. 55 S. 6; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.7.2. Festzuhalten ist zunächst, dass der Beschuldigte die Aussage des Ge-
schädigten 2 explizit anerkannt hat, wonach er – der Beschuldigte – dem Ge-
schädigten 2 gesagt habe, dass er ihn an den Beinen packen und an diesen auf-
hängen werde (Prot. I S. 9 und S. 11; Urk. 45 S. 6) und dass er den Putzwagen
des Geschädigten 2 mit dem Fuss blockiert habe, wobei Wasser ausgeleert sei
(Prot. I S. 10; Urk. 1/5/7 S. 3, Urk. 1/5/6 S. 3; Urk. 69 S. 7).
Der Beschuldigte brachte gegenüber dem Vorwurf der Drohung (Packen an den
Füssen und an diesen aufhängen) in tatsächlicher Hinsicht vor Vorinstanz einzig
vor, er habe diese Worte nicht ernst gemeint (Prot. I S. 11). Insofern er damit
geltend will, er könne sich nicht vorstellen, dass sich der Geschädigte 2 durch die
betreffenden Worte bedroht gefühlt habe, ist dies nicht zielführend. Mit Blick auf
den Inhalt der inkriminierten Worte, die darin zum Ausdruck gebrachte erhebliche
Gewaltandrohung und die vom Beschuldigten vorgängig begangenen Tätlichkei-
- 22 -
ten ist ohne Weiteres nachvollziehbar, wenn die Drohungen vom Geschädigten 2
ernst genommen wurden und er mit Schrecken reagierte respektive die Situation
als beunruhigend und beängstigend empfand.
3.7.3. Sodann erscheinen auch die Aussagen des Geschädigten 2 in Bezug auf
die weitere Drohung des Beschuldigten, "er wisse, wo er wohne und dass auch
seiner Familie etwas passieren werde, wenn er nicht mache, was er – der Be-
schuldigte – wolle", authentisch und erlebt. Insbesondere spricht bereits der Ver-
lauf der gesamten Befragung und damit die Entstehung der Aussagen dagegen,
dass der Geschädigte 2 die von ihr geschilderten (weiteren) Drohungen des Be-
schuldigten lediglich erfunden hat. Der Geschädigte 2 schilderte auch hier chrono-
logisch und frei, was sich abgespielt habe. In Bezug auf die dem Beschuldigten
vorgeworfene (weitere) Drohung führte der Geschädigte 2 bereits zu Beginn der
polizeilichen Befragung vom 27. März 2018 (Urk. 1/6/6) aus, der Beschuldigte
habe ihm gesagt, wenn er – der Geschädigte – nicht mache, was er wolle, dann
würde etwas passieren. Er würde seine Freunde und Familie zu ihm schicken. Er
wisse, wo seine Familie wohne (Urk. 1/6/6 S. 1). Später danach gefragt, ob er
sich an den genauen Wortlaut der Drohung erinnern könne, erklärte der Geschä-
digte 2 was folgt: "Er sagte: Ich weiss, wo du wohnst und es passiert dann auch deiner
Familie etwas, wenn Du nicht machst, was ich will" (Urk. 1/6/6 S 2). Auch in der zwei-
ten Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft am 18. April 2018 erklärte der Ge-
schädigte 2 als Auskunftsperson befragt von sich aus, dass der Beschuldigte ihm
gesagt habe, er wisse, wo seine Familie wohne, er schicke seine Familie, also er
schicke dann seine Familie (Urk. 1/6/7 S. 4).
Der Umstand, dass der Geschädigte 2 anlässlich seiner polizeilichen Befragung
den Wortlaut der Drohung leicht anders wiedergegeben hat als im Rahmen der
staatsanwaltschaftlichen Befragung, vermag die Glaubhaftigkeit seiner Aussage
im Kerngeschehen nicht zu schmälern. Massgebend ist, dass der Geschädigte 2
gegenüber der Polizei und der Staatsanwaltschaft gleichbleibend ausgeführt hat,
dass der Beschuldigte hinsichtlich seiner Familie eine Drohung ausgestossen
habe, indem er gesagt habe, er wisse, wo er wohne und er werde seine Familie
bzw. Freunde schicken. Insgesamt hat der Geschädigte 2 (auch) diesen Lebens-
- 23 -
sachverhalt örtlich, zeitlich und personell in einen nachvollziehbaren Gesamt-
kontext gebracht.
3.7.4. Es bestehen sodann keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Geschädigte 2
bewusst falsche Aussagen gemacht hat. Solche werden denn auch von der Ver-
teidigung nicht namhaft gemacht. Im Übrigen gab der Geschädigte 2 auf die Fra-
ge, wie die Beziehung zwischen ihm und dem Beschuldigten sei, an, er habe mit
ihm bis zu diesem Vorfall ein gutes Verhältnis gehabt. Er habe dem Beschuldigten
in der Vergangenheit auch schon bei Kleinigkeiten geholfen (Urk. 1/6/6 S. 3). Er
selber habe auch nie mitbekommen, dass der Beschuldigte Gewalt gegenüber
jemand anderem angewendet habe (Urk. 1/6/7 S. 7). Ausserdem hat der Geschä-
digte 2 die Entschuldigung des Beschuldigten angenommen (Urk. 1/6/7 S. 5 ff.).
Diese spricht für die Objektivität des Geschädigten 2 und gegen eine Tendenz
zum unnötigen Anschwärzen des Beschuldigten.
3.7.5. Der Beschuldigte stellt nicht in Abrede, dass es zwischen ihm und dem
Geschädigten 2 zu einer verbalen Auseinandersetzung um die Sauberkeit in den
Geschäftsräumlichkeiten des Beschuldigten gekommen sei. Er sei gegenüber
dem Geschädigten 2 laut und wütend geworden (Prot. I S. 9; Urk. 69 S. 7 f.).
Dass es lediglich bei dieser geringfügigen verbalen Auseinandersetzung geblie-
ben sein soll, wie dies der Beschuldigte beschrieb, vermag nicht zu überzeugen.
Wie bereits erwogen, ist auf Seiten des Beschuldigten durchaus ein gewisses
Aggressionspotenzial vorhanden. Aufgrund der eigenen Angaben des Beschuldig-
ten ist davon auszugehen, dass er während der Auseinandersetzung wegen an-
geblich herumliegender Spritzen im WC des Beschuldigten (Urk. 1/5/6 S. 1;
Urk. 69 S. 7 f.) wütend war; er habe den Geschädigten 2 angeschrien (Urk. 1/5/6
S. 2). Dieses Verhalten und die Zugabe der Beschuldigten, er habe dem Geschä-
digten 2 gesagt, er werde ihn an den Beinen packen und an diesen aufhängen,
sind deutliche Hinweise dafür, dass der Beschuldigte auf Konfrontation mit dem
Geschädigten 2 aus war. Angesichts dieser hohen Aggressivität des Beschuldig-
ten erscheint die Darstellung des Geschädigten 2 von einer weiteren Drohung der
in der Anklageschrift umschriebenen Art als naheliegend. Diese weitere Drohung
des Beschuldigten lässt sich im Gesamtkontext der angespannten Beziehung und
- 24 -
der verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Ge-
schädigten 2 ohne weiteres einordnen. Aus den Akten ergibt sich im Übrigen mit
hinreichender Sicherheit, dass es sich beim Beschuldigten um einen recht impul-
siven Mann handelt, der vermutlich schon aus diesem Grunde nicht jedes Wort
auf die Goldwaage legt, bevor er es ausspricht. Eine Äusserung des Beschuldig-
ten – wie sie vom Geschädigten 2 geltend gemacht wurde – ist durchaus als per-
sönlichkeitsadäquat zu betrachten. Solcherart Drohung gehören im Übrigen
durchaus zum Repertoire des Beschuldigten. Mit Urteil des Einzelgerichts in
Strafsachen des Bezirksgerichts Uster vom 12. September 2010 wurde der Be-
schuldigte wegen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB verurteilt. Er hat
damals einer Drittperson damit gedroht, "dass er wisse, wo er wohne, er dessen
Hunde und Kinder schlachten und ihn umbringen werde" (vgl. Beizugsakten;
Geschäftsnummer GG100032, Urk. 25).
3.8.1. Der Beschuldigte hat sodann entschieden in Abrede gestellt, den Geschä-
digten 2 tätlich angegangen zu haben. Er sei zwar laut gewesen und habe den
Geschädigten 2 beleidigt. Das sei nicht in Ordnung gewesen. Er sei aber der Mei-
nung, dass Spuren vorhanden wären, wenn er jemanden wie den Geschädigten 2
schlagen würde. Einen solchen Zahnstocher mache er locker fertig. Hätte er den
Geschädigten 2 geschlagen, so hätte dieser zumindest eine Rippe gebrochen
(Urk. 1/5/6 S. 2, Urk. 1/5/7 S. 7 und Urk. 1/5/9 S. 2 und S. 9). Mehrere Schläge
gegen den Brustkorb würden zudem Schmerzen verursachen (Prot. I S. 10; vgl.
auch Urk. 69 S. 7). Auch die Verteidigung hält dafür, dass derjenige, der mit einer
Faust kräftig zuschlage – wie dies der Geschädigte 2 behaupte – garantiert ein
kleines Hämatom hinterlasse. Der Geschädigte 2 habe aber ein solches nicht
vorweisen können (Urk. 45 S. 6; Urk. 70 S. 4 f.).
3.8.2. Der Geschädigte 2 führte anlässlich seiner polizeilichen Befragung vom
27. März 2018 (Urk. 1/6/6) aus, der Beschuldigte habe ihn auf Brust und Arm
geschlagen, obgleich er versucht habe, nach rückwärts auszuweichen (Urk. 1/6/6
S. 1). Auf die Nachfrage, wie er vom Beschuldigen attackiert worden sei, meinte
der Geschädigte 2, der Beschuldigte habe ihn mit den Fäusten geschlagen. Er
habe vier Mal zugeschlagen (Urk. 1/6/6 S. 3). Die konkrete Frage, wo der Be-
- 25 -
schuldigte ihn mit den Faustschlägen getroffen habe, beantwortete der Geschä-
digte 2 dahingehend, dass er an beiden Armen und ein oder zwei Mal auf die
Brust getroffen worden. Der Beschuldigte habe kräftig zugeschlagen, wobei er
durch die Schläge nicht verletzt worden sei (Urk. 1/6/6 S. 3). Anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 18. April 2018 hielt der Geschädigte 2
ebenfalls dafür, dass der Beschuldigte etwa vier Faustschläge auf ihn angesetzt
habe, wobei er etwa von zwei oder drei Schlägen getroffen worden sei. Der Be-
schuldigte habe ihn an der linken Schulter, auf der anderen Seite am Oberarm
und auf der Brust getroffen. Weil er bei den Schlägen zurückgewichen sei, habe
er keine bleibenden Schäden erlitten; aber es habe im ersten Moment schon weh
getan (Urk. 1/6/7 S. 4). Auf die konkrete Nachfrage, wie er – der Geschädigte 2 –
vom Beschuldigten geschlagen worden sei, bekräftigte der Geschädigte 2, dass
der Beschuldigte ihn mit den Fäusten geschlagen habe. Der Beschuldigte habe
ihn am linken Oberarm, auf der Brust und am rechten Unterarm getroffen. Verletzt
sei der dadurch nicht geworden, er habe aber während eineinhalb Stunden einen
Schmerz gefühlt. Der Schlag auf die Brust sei schon stärker gewesen; diesen ha-
be er schon etwa bis Mittag gespürt (Urk. 1/6/7 S. 5). Die Vorinstanz hat plausibel
und nachvollziehbar argumentiert, dass der Geschädigten 2 überzeugend und in
den Einvernahmen gleichlautend ausgeführt habe, er sei vom Beschuldigten ins-
gesamt vier Mal – auf die beiden Arme und die Brust geschlagen worden, wobei
ihn die Schläge nicht mit voller Wucht getroffen hätten. Es kann auf die zutreffen-
den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 55 S. 7 f.; Art. 82 Abs. 4
StPO).
3.8.3. Was der Beschuldigte und die amtliche Verteidigung dagegen vorbringt,
vermag nicht zu überzeugen. Die amtliche Verteidigung wendet ein, dass derjeni-
ge, der mit einer Faust kräftig zuschlage, garantiert ein kleines Hämatom ver-
ursache (Urk. 45 S. 6; Urk. 70 S. 4 f.). Auch der Beschuldigte selbst vertritt den
Standpunkt, dass allfällige Schläge beim Geschädigten 2 Spuren hinterlassen
bzw. Schmerzen am Brustkorb verursacht hätten (Urk. 1/5/6 S. 2, Urk. 1/5/7 S. 7
und Urk. 1/5/9 S. 2 und S. 9, Prot. I S. 10). Dem ist zum einen entgegenzuhalten,
dass der Geschädigte 2 sowohl in der polizeilichen Einvernahme vom 27. März
2018 als auch in der staatsanwaltlichen Einvernahme von 18. April 2018 entge-
- 26 -
gen der Auffassung der Verteidigung (vgl. Urk. 70 S. 4) überzeugend ausgeführt
hat, dass er den Schlägen des Beschuldigten rückwärts habe ausweichen kön-
nen, weshalb keine bleibenden Schäden verursacht worden seien (Urk. 1/6/6 S. 1
und Urk. 1/6/7 S. 4). Zum andern ist festzuhalten, dass Personen verschieden-
artig auf Faustschläge reagieren. Hätte der Beschuldigte im Übrigen einen Blut-
erguss verursacht, mithin einen Riss der Blutgefässe mit nachfolgendem sub-
kutanem Bluterguss, so würde dies keine Tätlichkeit sondern eine einfache Kör-
perverletzung darstellen. Sodann hat der Geschädigte 2 zwar die Frage, ob er
durch die Faustschläge verletzt worden sei, verneint. Er hat aber ausgeführt, dass
die Schläge des Beschuldigten momentane Schmerzen verursacht hätten. Der
Schlag auf die Brust sei stärker gewesen. Diesen habe er circa bis zum Mittag
gespürt (Urk. 1/6/7 S. 5).
Der Umstand, dass der Geschädigte 2 anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen
Befragung ein Mal erklärt hat, der Beschuldigte habe ihn an der linken Schulter,
auf der anderen Seite am Oberarm und auf der Brust getroffen, ein anderes Mal
ausgeführt hat, er sei von den Faustschlägen des Beschuldigten am linken Ober-
arm, auf der Brust und am rechten Unterarm getroffen worden (Urk. 1/6/7 S. 4
und S. 6), vermag die Glaubhaftigkeit seiner Aussage im Kerngeschehen nicht zu
schmälern. Entscheidend ist, dass der Geschädigte 2 gegenüber der Polizei und
der Staatsanwaltschaft gleichbleibend ausgeführt hat, dass der Beschuldigte vier
Faustschläge gegen seine Arme und seine Brust ausgeführt hat. Im Übrigen ist
auch hier zu bemerken, dass keinerlei Anhaltspunkte dafür bestehen, weshalb der
Geschädigte 2 die Geschichte mit den Faustschlägen des Beschuldigten erfinden
sollte. Solche werden denn auch von der Verteidigung nicht namhaft gemacht.
Der Vorinstanz ist darin zu folgen, dass der Beschuldigte auch bei diesem Vorfall
seine Handlungen zu verharmlosen und zu beschönigen versucht. Es kann auf
die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 55 S. 8;
Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.8.4. Damit ist der Anklagesachverhalt wie er in der Anklageschrift umschrieben
ist, erstellt, allerdings mit der Korrektur, dass der Beschuldigte "nur" insgesamt
- 27 -
vier Mal mit den Fäusten gegen die Arme und die Brust des Geschädigten 2 ge-
schlagen hat.
4. Fazit
Entsprechend und abschliessend drängt sich hinsichtlich des Sachverhaltes mit-
hin im Ergebnis keine Korrektur des vorinstanzlichen Entscheides auf. Das Be-
weisfundament ist klar und der Anklagesachverhalt ist demzufolge – mit Aus-
nahme der Anzahl Faustschläge gegen den Geschädigten 2 – erstellt.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
1.1. Die Vorinstanz hat das in der Anklageschrift auf Seite 2 umschriebene
Verhalten des Beschuldigten als Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne
von Art. 285 Ziffer 1 StGB gewürdigt (Urk. 55 S. 9 f.).
1.2. Gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder Geldstrafe bestraft, wer eine Behörde, ein Mitglied einer Behörde oder einen
Beamten durch Gewalt oder Drohung an einer Handlung, die innerhalb ihrer
Amtsbefugnisse liegt, hindert, zu einer Amtshandlung nötigt oder während einer
Amtshandlung tätlich angreift. Die Drohung im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1
StGB entspricht nach der Rechtsprechung der Androhung ernstlicher Nachteile
gemäss dem Tatbestand der Nötigung von Art. 181 StGB. Die Drohung muss
schwer genug sein, um eine verständige Person in der Lage des Betroffenen ge-
fügig zu machen. Dabei genügt nicht jede Drohung. Diese muss vielmehr eine
gewisse Intensität aufweisen, die von Fall zu Fall und nach objektiven Kriterien
festzulegen ist (Urteil 6B_361/2017 vom 2. November 2017 E. 2.3.1 mit Hinweis).
Amtshandlung ist jede Betätigung in der Funktion als Beamter. Innerhalb der
Amtsbefugnisse liegt die Handlung, wenn der Beamte dafür zuständig ist (Urteil
6B_708/2009 vom 14. Dezember 2009 E. 2.3 mit Hinweis). Nicht tatbestands-
mässig sind Verhaltensweisen, die keine hinreichend konkrete Amtshandlung be-
- 28 -
hindern, mögen sie auch geeignet sein, sich auf die Amtsführung im Allgemeinen
auszuwirken (BGE 133 IV 97 E. 6.3.2 in Bezug auf Art. 286 StGB).
1.3.1. Die Verteidigung "merkt an", dass es auch Lehrmeinungen gebe, die eine
blosse leichte Beeinträchtigung einer Amtshandlung nicht als tatbestandsmässig
erachten (Urk. 45 S. 5). Insofern die Verteidigung damit geltend machen will, der
objektive Tatbestand von Art. 285 StGB sei nicht erfüllt, ist dies nicht zutreffend.
Die Vorinstanz hat zu Recht angenommen, der Geschädigte 1 sei in der Aus-
führung seiner Amtshandlungen als Pfändungsbeamter nicht nur erheblich einge-
schränkt, sondern vielmehr behindert worden, habe er doch die Ex-Freundin des
Beschuldigten geschont (Urk. 55 S. 9). Der Geschädigte 1 hat gemäss erstelltem
Anklagesachverhalt Hinweise auf eine allfällige strafbare Handlung von C._
aus Angst vor Repressalien durch den Beschuldigten ignoriert bzw. ist diesen
nicht nachgegangen. Durch das Verhalten des Beschuldigten ist damit der rei-
bungslose Ablauf des Betreibungsverfahrens beeinträchtigt worden. Der Geschä-
digte wurde durch das Verhalten des Beschuldigten an der Durchführung einer
vorgesehene Amtshandlung gehindert.
1.3.2. Die Verteidigung bringt vor, der Beschuldigte habe anlässlich des Telefon-
gesprächs sicherlich geflucht und überreagiert und es sei nicht auszuschliessen,
dass der Geschädigte 1 die Wortwahl des Beschuldigten als Drohung aufgefasst
habe. Tatsache sei aber auch, dass der Geschädigte 1 den gestellten Strafantrag
zurückgezogen hat und es entsprechend gar nicht so schlimm gewesen sein kann
(Urk. 45 S. 5). Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass es sich beim Tatbestand der
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 StGB
um ein Offizialdelikt handelt. Es ist schon aus diesem Grund grundsätzlich irrele-
vant, ob der Geschädigte 1 den Strafantrag nachträglich zurückgezogen hat. Ent-
scheidend ist zudem, dass der Geschädigte 1 die Äusserungen des Beschuldig-
ten in dem Sinn verstanden hat, dass er – der Beschuldigte – vorbeigekommen
und ihm den Kopf abreissen werde, wenn er seinen Job nicht richtig mache, und
dass er vorbeikommen und den Laden auseinandernehmen werde. Die Anspie-
lungen in den Äusserungen des Beschuldigten auf das Leben des Geschädigten
1 und sein Wissen, wo dieser zu finden ist, sind als Gewaltandrohungen zu ver-
- 29 -
stehen. Es wird von der Verteidigung denn auch nicht in Zweifel gezogen, dass
diese Äusserungen objektiv eine Drohung darstellen. Demgegenüber mangelt es
der Äusserung des Beschuldigten, er werde dafür sorgen, dass er – der Geschä-
digte 1 – seine Arbeitsstelle verlieren werde, wohl an der erforderlichen Intensität.
Zudem waren die Drohungen geeignet, eine verständige Person in der Lage der
betroffenen Geschädigten 1 gefügig zu machen. Der Einwand der Verteidigung,
der Geschädigte 1 sei nach dem Telefonanruf des Beschuldigten etwas unsicher
gewesen und habe seine Arbeit nicht mehr ordnungsgemäss ausgeführt, was je-
doch bekanntlich bei Betreibungsbeamten sehr oft der Fall sei (Urk. 70 S. 4), geht
an der Sache vorbei. Zum einen stellen ihre Ausführungen zur Arbeit der Betrei-
bungsbeamten eine klischeehafte Verallgemeinerung dar, zum andern hat der
Geschädigte 1 als Zeuge klar ausgeführt, er habe in diesem Fall seine Arbeit –
nicht wie vorgesehen – ausführen können (Urk. 1/6/8 S. 8).
Ferner wird nicht in Frage gestellt, dass ein Betreibungsbeamter ein Beamter im
Sinne von Art. 285 StGB ist. Der objektive Tatbestand von Art. 285 StGB ist damit
erfüllt.
1.3.3. Die Vorinstanz hat zu Recht auch den subjektiven Tatbestand von Art. 285
StGB als erfüllt erachtet (Urk. 55 S. 9). Der Beschuldigte hat die amtliche Eigen-
schaft des Geschädigten und den öffentlichrechtlichen Charakter von dessen
Funktion im Zusammenhang mit dem gegen seine damalige Freundin C._
geführten Betreibungsverfahren gekannt. Der als impulsiv geltende Beschuldigte
hat offensichtlich damit rechnen müssen, dass seine Äusserungen an den Ge-
schädigten 1 von diesem als Drohung aufgefasst würden. Zumindest hat er dies
eventualvorsätzlich in Kauf genommen. Auch wenn es ihm nicht darum gegangen
sein sollte, eine Amtshandlung des Betreibungsbeamten zu hindern oder zu be-
hindern, und es nur sein Ziel gewesen sei, den Geschädigten 1 für die besonde-
ren "Bedürfnisse" seiner damaligen Freundin C._ zu sensibilisieren, hat er
aufgrund seiner Drohung klarerweise damit rechnen müssen und dies auch in
Kauf genommen, dass der Geschädigte 1 zumindest geängstigt und dadurch in
seinen Handlungen behindert würde.
- 30 -
1.3.4. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten daher zu Recht der Gewalt und Dro-
hung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziffer 1 StGB schuldig
gesprochen.
2. Drohung
2.1. Die Vorinstanz hat das in der Anklageschrift auf Seite 3 und 4 umschriebe-
ne Verhalten des Beschuldigten als Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB
gewürdigt (Urk. 55 S. 10).
2.2.1. Nach Art. 180 Abs. 1 StGB wird bestraft, wer jemanden durch schwere
Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. Der objektive Tatbestand setzt vo-
raus, dass der Drohende seinem Opfer ein künftiges Übel ankündigt oder in Aus-
sicht stellt. Erforderlich ist ein Verhalten, das geeignet ist, die geschädigte Person
in Schrecken oder Angst zu versetzen. Dabei ist grundsätzlich ein objektiver
Massstab anzulegen, wobei in der Regel auf das Empfinden eines vernünftigen
Menschen mit einigermassen normaler psychischer Belastbarkeit abzustellen ist.
Zudem ist erforderlich, dass die betroffene Person durch das Verhalten des Tä-
ters tatsächlich in Schrecken oder Angst versetzt wird. Tritt dieser tatbestands-
mässige Erfolg nicht ein, kommt nur eine Verurteilung wegen versuchter Drohung
in Betracht. Der subjektive Tatbestand verlangt Vorsatz, mindestens Eventual-
vorsatz. Zur Erfüllung des Tatbestandes ist nicht erforderlich, dass der Täter das
Opfer mit dem Tode bedroht oder das in Aussicht gestellte Übel genau beschreibt
(Urteile 6B_871/2014 vom 24. August 2015 E. 2.2.1; 6B_1121/2013 vom 6. Mai
2014 E. 6.3; 6B_192/2012 vom 10. September 2012 E. 1.1; je mit Hinweisen).
2.2.2. Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung, auf die verwiesen werden
kann (Urk. 55 S. 10 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO), dargelegt, dass die Aussagen des
Beschuldigten, er werde den Geschädigten 2 an den Beinen aufhängen und er
wisse, wo er wohne, und dass auch seiner Familie etwas passieren werde, als
Drohung zu werten seien. Zutreffend ist sodann auch die vorinstanzliche Erwä-
gung, dass in Anbetracht der Aussagen der Beteiligten sowie der gesamten Um-
stände der Auseinandersetzung keine Zweifel daran bestehen, dass der Geschä-
digte 2 aufgrund der Äusserungen des Beschuldigten in Angst und Schrecken
- 31 -
versetzt wurde. Zu Recht weist die Vorinstanz darauf hin, dass selbst der Be-
schuldigte eingeräumt habe, dass der Geschädigte 2 Angst bekommen habe, als
er ihn angeschrien habe. Das in Aussicht gestellte Übel, namentlich als Gefähr-
dung von Leib und Leben sowohl des Geschädigten 2 als auch seiner Familie, ist
zweifelsohne geeignet, einen vernünftigen Menschen mit einigermassen normaler
psychischer Belastbarkeit in Angst oder Schrecken zu versetzen.
2.3.1. Die Verteidigung bringt vor, dass es wohl zutreffe, dass der Beschuldigte
dem Geschädigten 2 gesagt habe, man solle ihn an den Beinen aufhängen, wobei
dies nicht mehr als ein dummer Spruch des Beschuldigten gewesen sei (Urk. 45
S. 6). Dieses Vorbringen ist unbehelflich. Die fraglichen Äusserungen des Be-
schuldigten können objektiv nicht anders verstanden werden, als dass der Be-
schuldigte dem Geschädigten in Aussicht stellte, Gewalt gegen ihn und seine
Familie anzuwenden. Die Anspielungen in den Äusserungen des Beschuldigten
auf das Leben des Geschädigten 1 und seiner Familie sowie sein Wissen, wo
dieser bzw. diese zu finden ist, müssen jedenfalls objektiv als Gewaltandrohun-
gen verstanden werden.
Hinzu kommt, dass das Verhältnis zwischen dem Beschuldigten und dem Ge-
schädigten 2 nicht angespannt war. Der Beschuldigte führte heute selbst aus, er
habe es zu Beginn sehr gut mit dem Geschädigten 2 gehabt. Man hat sich offen-
bar gegenseitig auch geholfen (Urk. 69 S. 7). Zu verbalen, geschweige denn
Auseinandersetzungen war es vorgängig nicht gekommen. In Anbetracht dessen
kann vorliegend nicht gesagt werden, dem Geschädigten 2 habe aufgrund frühe-
rer Vorfälle klar sein müssen, dass der Beschuldigte im Eifer des Gefechts oft-
mals Formulierungen wähle, die nicht auf die Goldwaage gelegt werden dürfen
und auch nicht so ernst gemeint sind. Vielmehr muss auf Grund all dieser Um-
stände, die Äusserung des Beschuldigten als Drohung im Sinne von Art. 180
StGB qualifiziert werden.
2.3.2. Dass der Geschädigte 2 im Übrigen tatsächlich in Angst und Schrecken
versetzt wurde, ist im Lichte der vorstehenden Ausführungen ohne weiteres
glaubhaft. Sind Ernst und Schwere der Drohung gegeben, sind an den Beweis
des Erfolgseintrittes – Angst und Schrecken – keine strengen Anforderungen zu
- 32 -
stellen. Der Geschädigte 2 hat im weiteren bei der Polizei und der Staatsanwalt-
schaft angegeben, er habe auf Grund der geschilderten Äusserungen des Be-
schuldigten grosse Angst gehabt (Urk. 1/6/6 S. 2 ff., Urk. 1/6/7 S. 7). Dass es zwi-
schen dem Geschädigten 2 und dem Beschuldigten am besagten Tag nicht bloss
zu einer verbalen Auseinandersetzungen, sondern vielmehr auch zu Tätlichkeiten
seitens des Beschuldigten gekommen ist, ist erstellt. Aufgrund dieser Vorfälle,
welche der Geschädigte 2 selber erlebt hat, ist plausibel und nachvollziehbar,
dass er die Drohung des Beschuldigten ernst genommen hat und auch mit der
Verwirklichung der Drohung rechnen musste. Anhaltspunkte dafür, dass der Ge-
schädigte 2 vorerst auf eine Strafanzeige verzichten wollte oder gar auf eine Ent-
schuldigung oder erklärte Einsicht des Beschuldigten wartete, lassen sich aus den
Ausführungen des Geschädigten 2 ebenfalls nicht entnehmen. Mithin kann keine
Rede sein, dass die Strafanzeige allein deshalb gestellt wurde, weil der Geschä-
digte 2 dem Beschuldigten einen Denkzettel verpassen wollte, und nicht etwa,
weil sich der Geschädigte 2 durch die Drohung des Beschuldigten in Angst und
Schrecken versetzt gefühlt hatte. Der objektive Tatbestand der Drohung ist damit
erfüllt.
2.4. Gegen die Bejahung des (Eventual-)Vorsatzes durch die Vorinstanz
(Urk. 55 S. 10; Art. 82 Abs. 4 StPO) bringt der Beschuldigte nichts vor. Er musste
damit rechnen, den Adressaten seiner Äusserungen in Schrecken oder Angst zu
versetzen. Dies hat er zumindest in Kauf genommen und daher mindestens
eventualvorsätzlich gehandelt
2.5. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten daher zu Recht der Drohung im
Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen.
3. Tätlichkeiten
Weiter hat die Vorinstanz das in der Anklageschrift auf Seite 3 bezüglich des Vor-
falls vom 24. März 2018 umschriebene Verhalten des Beschuldigten – anklage-
gemäss – als Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB gewürdigt (Urk. 55
S. 10 f.). Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist zutreffend. Indem der Be-
schuldigte dem Geschädigten 4 Faustschläge gegen die Brust und die beiden
- 33 -
Arme verpasst hat, hat er auf ihn in einer Weise physisch eingewirkt, welche das
gesellschaftlich tolerierte Mass offenkundig überschreitet. Zudem hat der Be-
schuldigte – wie die Vorinstanz richtig gesehen hat – dabei mit direktem Vorsatz
gehandelt. Es kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 55 S. 11.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Der vorinstanzliche Schuldspruch ist
damit (ebenfalls) zu bestätigen.
V. Sanktion
1. Urteil Vorinstanz / Parteistandpunkte
1.1. Die Vorinstanz hat eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten sowie eine
Busse von Fr. 700.– ausgefällt (Urk. 55 S. 11).
1.2. Die amtliche Verteidigung beantragt – bei abweichendem Schuldspruch,
nämlich Freisprüche vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte, der Drohung und der Tätlichkeiten – eine Freiheitsstrafe von einem
Monat. Im Rahmen der Berufungsbegründung argumentierte die amtliche Vertei-
digung, dass den Beschuldigten nur ein sehr leichtes Verschulden treffe und trotz
seiner Vorstrafen eine Freiheitsstrafe von einem Monat angemessen erschiene
(Urk. 70 S. 2).
1.3. Die Staatsanwaltschaft stellt den Antrag auf Bestätigung des vorinstanz-
lichen Strafmasses (Urk. 63).
2. Übergangsrecht
2.1. Die Tatbestände der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
und des Hausfriedensbruchs hat der Beschuldigte in den Jahren 2016 und 2017
begangen.
2.2. Am 1. Januar 2018 sind die revidierten Bestimmungen des allgemeinen
Teils des Strafgesetzbuches, das neue Sanktionenrecht in Kraft getreten. Ge-
mäss Art. 2 Abs. 1 StGB wird ein Straftäter nach demjenigen Recht beurteilt, das
bei der Begehung in Kraft war. Das neue Recht ist indes anwendbar, wenn es für
- 34 -
den Täter das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Hinsichtlich derselben Tat ist ent-
weder nur das alte oder das neue Recht anzuwenden, eine kombinierte An-
wendung ist ausgeschlossen (Grundsatz der Alternativität). Nachdem die mit der
Revision vorgenommenen Änderungen primär den Anwendungsbereich der Geld-
strafe betreffen bzw. einschränken (Wegfall des teilbedingten Vollzugs, Ver-
kürzung der maximalen Anzahl Tagessätze auf 180, Festlegung einer Tages-
untersatzgrenze) bzw. die Wiedereinführung der kurzen Freiheitsstrafen (bis
sechs Monate) mit sich bringen, was gegenüber dem bisherigen Recht kaum als
milder qualifiziert werden kann, ist im Folgenden für die Gewalt und Drohung
gegen Behörden und Beamte und den Hausfriedensbruch von der weiteren An-
wendbarkeit des alten Rechts auszugehen. Hinsichtlich der Drohung ist indes
neues Recht anzuwenden.
3. Grundsätze der Strafzumessung
3.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen
ist, richtig dargestellt (Urk. 55 S. 11). Darauf (Art. 82 Abs. 4 StPO) und auf die
aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichts zu diesem Thema (BGE 144 IV 217
E. 3.5.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; BGE 135 IV 130 E. 5.3.1; BGE 132 IV 102
E. 8.1, je mit Hinweisen; Bundesgerichtsentscheide 6B_466/2013 vom 25. Juli
2013, E. 2.1, und 6B_274/2013 vom 5. September 2013, E. 1.2.2) kann vorab
verwiesen werden.
3.2. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen
für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe
der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchst-
mass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das
gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der Bil-
dung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist vorab der ordentliche Straf-
rahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für
die schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen. Hernach sind alle
weiteren Delikte verschuldensmässig zu bewerten und es muss die Einsatzstrafe
in Anwendung des Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB unter Be-
rücksichtigung der in Frage kommenden weiteren Strafzumessungskriterien an-
- 35 -
gemessen erhöht werden. Der Richter hat mithin in einem ersten Schritt gedank-
lich die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt festzulegen, indem er alle diesbe-
züglichen straferhöhenden und strafmindernden Umstände einbezieht. In einem
zweiten Schritt hat er die Strafe zu erhöhen, um die weiteren Delikte zu sanktio-
nieren. Auch dort muss er den jeweiligen Umständen Rechnung tragen (BGE 144
IV 217 E. 3.5.1.; Bundesgerichtsentscheide 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013,
E. 2.1, und 6B_274/2013 vom 5. September 2013, E. 1.2.2).
3.3. Nach dem Wortlaut von Art. 49 Abs. 1 StGB beginnt die Gesamtstrafenbil-
dung zwingend mit der Festsetzung der (konkreten) Einsatzstrafe. Es ist unzuläs-
sig, bei der Beurteilung mehrerer Delikte, die alternativ Geld- oder Freiheitsstrafe
vorsehen, zuerst mittels Bildung einer Einheitsstrafe die Strafhöhe zu ermitteln
und dann die Strafart festzulegen (BGE 144 IV 217 S. 239). Die auszusprechende
Gesamtstrafe basiert auf den verschuldensangemessenen Einzelstrafen und nicht
umgekehrt. Erst nachdem es sämtliche Einzelstrafen (gedanklich) festgesetzt hat,
kann das Gericht beurteilen, ob und welche Einzelstrafen gleichartig sind (vgl.
BGE 141 IV 61 E. 6.1.2 S. 67; BGE 138 IV 120 E. 5.2; instruktiv auch: Urteil
6B_323/2010 vom 23. Juni 2010 E. 3.2; je mit Hinweisen; ACKERMANN, a.a.O.,
N. 114 zu Art. 49 StGB).
3.4. Das Asperationsprinzip kommt nur bei mehreren gleichartigen Strafarten
zum Zug. Muss das Gericht einerseits für ein Verbrechen oder Vergehen eine
Freiheits- oder Geldstrafe, andererseits für eine Übertretung eine Busse ausspre-
chen, ist Art. 49 Abs. 1 StGB nicht anwendbar. Übertretungen sind somit stets mit
Busse zu ahnden, selbst wenn gleichzeitig eine Verurteilung wegen eines Ver-
gehens oder eines Verbrechens erfolgt (Urteil des Bundesgerichts 6B_323/2010
vom 23. Juni 2010, E. 2.2). Da vorliegend mit den Tätlichkeiten im Sinne von
Art. 126 Abs. 1 StGB auch Übertretungen vorliegen, ist zudem eine Busse bis zu
CHF 10'000.– festzulegen (vgl. Art. 49 Abs. 1 StGB; Art. 106 Abs. 1 StGB).
3.5. Bei der Festsetzung der Einsatzstrafe sind zunächst alle (objektiven und
subjektiven) verschuldensrelevanten Umstände zu beachten. In einem weiteren
Schritt sind die übrigen Delikte zu beurteilen und ist in Anwendung des Aspera-
tionsprinzips aufzuzeigen, in welchem Ausmass die Einsatzstrafe zu erhöhen ist.
- 36 -
Erst nach der Festlegung der Gesamtstrafe für sämtliche Delikte sind endlich die
allgemeinen Täterkomponenten zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts
6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 Erw. 2.3.2; Urteil des Bundesgerichts
6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.6.1). Darunter fallen beispielsweise ein Ge-
ständnis, das Verhalten während der Strafuntersuchung, Leumund und Vorstrafen
oder besondere Strafempfindlichkeit, wobei Letzteres nur sehr zurückhaltend
anzunehmen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1065/2010 vom 31. März 2011
Erw. 1.10.).
4. Konkrete Strafzumessung
4.1. Die Vorinstanz ging – ausgehend vom Tatbestand der Gewalt und Drohung
gegen Behörden und Beamte als schwerstes Delikt – zutreffenderweise vom or-
dentlichen Strafrahmen von einer Freiheitsstrafe bis drei Jahren oder Geldstrafe
aus. Korrekt hat die Erstinstanz auch darauf hingewiesen, dass zwar ein Straf-
schärfungsgrund (Deliktsmehrheit) vorliegt, eine Erweiterung des Strafrahmens
nach oben bzw. nach unten indes ausser Betracht fällt, da keine ausserordentli-
chen Umstände vorliegen (vgl. BGE 136 IV 55). Der Strafschärfungsgrund der
Tatmehrheit wirkt sich innerhalb des (ordentlichen) Strafrahmens lediglich straf-
erhöhend aus (Urk. 55 S. 11). Strafmilderungsgründe liegen nicht vor. Insbeson-
dere ist dem Beschuldigten gemäss Gutachten von Dr. med. H._ vom
10. Juli 2018 (Urk. 1/7/8) keine verminderte Schuldfähigkeit zu attestieren
(S. 56 ff. und S. 64). Richtig gesehen hat die Vorinstanz ferner, dass die Tätlich-
keiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB "lediglich" mit Busse bedroht sind. Zu
Recht hat die Vorinstanz somit auch eine Busse verhängt (Urk. 55 S. 11 und
S. 14).
4.2. Innerhalb des Strafrahmens ist die Strafe nach dem Verschulden des
Täters zu bemessen, wobei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Täters sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind
(Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird dabei nach der Schwere der Ver-
letzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit
des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt,
- 37 -
wie weit dieser nach den gesamten Umständen in der Lage war, die Gefährdung
oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).
4.2. Für die Zumessung der Strafe ist zwischen der Tat- und der Täterkompo-
nente zu unterscheiden. Bei der Tatkomponente ist als Ausgangspunkt die objek-
tive Schwere der Delikte festzulegen und zu bewerten. Dabei ist anhand des
Ausmasses des Erfolgs sowie aufgrund der Art und Weise des Vorgehens zu
beurteilen, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut beeinträchtigt wurde.
Ebenfalls von Bedeutung sind die kriminelle Energie, der Tatbeitrag bei Tat-
ausführung durch mehrere Täter sowie ein allfälliger Versuch. Hinsichtlich des
subjektiven Verschuldens sind insbesondere das Motiv, die Beweggründe, die
Willensrichtung sowie das Mass an Entscheidungsfreiheit des Täters zu be-
urteilen. Die Täterkomponente umfasst die persönlichen Verhältnisse und das
Vorleben, insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, sowie das Verhalten
nach der Tat und im Strafverfahren, insbesondere Reue und Einsicht oder ein
Geständnis (BSK StGB I-Wiprächtiger/Keller, Art. 47 N 90 ff.).
5.1. Tatkomponente der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
5.1.1. Was die objektive Tatschwere betrifft, erwog die Vorinstanz, dass der Be-
schuldigte während eines relativ kurzen Telefongesprächs eine beachtliche Men-
ge an Drohungen ausgesprochen hat. Er habe den Geschädigten 1 unvermittelt
angerufen und sogleich begonnen, diverse Drohungen ihm gegenüber auszu-
sprechen, wodurch sich der Geschädigte 1 derart in seinem Sicherheitsgefühl
beeinträchtigt gefühlt habe, dass er seine Funktion als Pfändungsbeamter nicht
mehr habe ordnungsgemäss wahrnehmen können. Gerade in einem Zeitalter, in
welchem häufig Drohungen gegen Behörden und Beamte ausgesprochen würden
(teilweise gar mit daraus folgende Anschlägen) könnten Drohungen bezüglich
"Kopf abreissen" und "den Laden auseinandernehmen nicht mehr als leicht ge-
wertet werden. Es sei daher von einer starken Beeinträchtigung der staatlichen
Gewalt auszugehen (Urk. 55 S. 12). Diese Erwägungen der Vorinstanz sind zu-
treffend und zu übernehmen. Ergänzend ist festzuhalten, dass es sich fraglos um
eine konkrete und massive Drohung des Beschuldigten gehandelt hat. Er hat dem
Geschädigten 1 unter anderem mit dem "Kopf abreissen" und damit mit dem Tode
- 38 -
gedroht. Die Androhung, das Leben des Geschädigten 1 auszulöschen stellt den
schwerst möglichen vorstellbaren Nachteil für Leib und Leben dar. Der Umstand,
dass der Geschädigte 1 noch gleichentags seinen Vorgesetzte über den Vorfall
informierte und sich bei der Polizei meldete sowie tags darauf entsprechend
Strafantrag stellte (Urk. 1/1 und Urk. 1/3), lässt ebenfalls darauf hindeuten, dass
die Drohung beim Geschädigten nicht bloss eine geringe Wirkung hinterlassen
hat. Der Beschuldigte liess es bei seiner Handlung an jeglichem Respekt vor dem
Geschädigten 1 missen; vielmehr liess er sich bei seinem Tun ihm gegenüber von
blinder Wut leiten. Innerhalb des denkbaren Spektrums von Gewalt und Drohun-
gen gegen Behörden und Beamte kann objektiv nicht mehr von einem leichten
Fall gesprochen werden.
5.1.2. In subjektiver Hinsicht hat die Vorinstanz erwogen, dass dem Beschuldig-
ten in beschränktem Masse zugute gehalten werden könne, dass er sich für seine
Ex-Freundin einzusetzen versucht und nicht aus purem Eigeninteresse agiert
habe. Gleichwohl sei ihm ein grosses Mass an krimineller Energie zu attestieren,
die im Einklang mit einer Geringschätzung der staatlichen Organe stehe. Der
Beschuldigte scheine die staatlichen Organe nicht zu akzeptieren und wolle seine
eigenen Regelugen schaffen, was nicht zu tolerieren sei (Urk. 55 S. 12). Diese
Erwägungen der Vorinstanz überzeugen und sind zu übernehmen. Zu ergänzen
ist, dass der Beschuldigte eventualvorsätzlich gehandelt hat. Er wollte mit seiner
inkriminierten Handlung seinem subjektiven Rechtsempfinden entsprechend seine
damaligen Freundin im Betreibungsverfahren bzw. im Pfändungsvollzug unter-
stützen bzw. ihr zum Erfolg verhelfen.
5.1.3. Das subjektive Tatverschulden relativiert das objektive Tatverschulden
leicht. Das gesamte Tatverschulden erscheint daher als gerade noch leicht.
Ausgehend von dieser gesamten Tatschwere erscheint für dieses Delikt – mit der
Vorinstanz (Urk. 55 S. 12) – eine hypothetische Einsatzstrafe von 180 Straf-
einheiten angemessen.
- 39 -
5.2. Tatkomponente der Drohung
5.2.1. Betreffend das objektive Tatverschulden hat die Vorinstanz richtig gese-
hen, dass der Beschuldigte mehrere Drohungen ausgestossen hat. Er habe dem
Geschädigten 2 zuletzt damit gedroht, ihn an den Beinen zu packen und an die-
sen aufzuhängen. Dadurch habe er eine deutlichen Beeinträchtigung der Willens-
freiheit des Geschädigten 2 bewirkt und nicht zuletzt aufgrund seiner körperlichen
Überlegenheit ein grosses Angstpotential vermittelt (Urk. 55 S. 13). Diese zu-
treffenden Erwägungen sind zu übernehmen. Insofern die Vorinstanz ausführt,
der Beschuldigte habe die Ernsthaftigkeit seiner Drohungen zudem mit seiner
Gewaltbereitschaft unterstrichen, indem er gegen den Putzwagen des Geschädig-
ten 2 "getreten" habe, ist dies nicht ganz korrekt. Der Beschuldigte hat einge-
standenermassen den Putzwagen mit dem Fuss "blockiert" und nicht dagegen
"getreten". Hingegen hat sich die Gewaltbereitschaft des Beschuldigten darin
manifestiert, dass er vorgängig gegenüber dem Beschuldigten tätlich geworden
ist. Es ist sodann nachvollziehbar und entspricht dem Empfinden eines durch-
schnittlich sensiblen Menschen, dass der Geschädigte 2 aufgrund der erheblichen
Drohungen des Beschuldigten, insbesondere auch gegenüber seiner Familie
("auch seiner Familie werde etwas passieren") grosse Angst gehabt hat und in
seinem Sicherheitsgefühl erschüttert wurde. Die Tatsache, dass der Geschädigte
2 die Polizei den entsprechenden Strafantrag innert drei Tagen nach der Drohung
stellte, zeigt ebenfalls, dass die Drohungen beim Geschädigten 2 nicht bloss eine
geringe Wirkung hinterlassen haben. Die Drohungen des Beschuldigten gegen-
über dem Geschädigten 2 sind im Rahmen aller denkbar möglichen Tatvarianten
der Drohung aber noch im unteren Bereich anzusiedeln. Das objektive Tat-
verschulden ist daher noch als gerade noch leicht zu taxieren.
5.2.2. Im Rahmen der subjektiven Tatschwere ist zu erwägen, dass der Beschul-
digte (auch hier) eventualvorsätzlich gehandelt hat. Das Handeln des Beschuldig-
ten ist als verwerflich zu bezeichnen und die Bewegründe als rein egoistisch, wie
die Vorinstanz zu Recht erwogen hat (Urk. 55 S. 13). Zugunsten des Beschuldig-
ten ist ergänzend darauf hinzuweisen, dass die inkriminierende Handlung des
Beschuldigten spontan und impulsiv im Rahmen einer hitzigen verbalen Aus-
- 40 -
einandersetzung stattgefunden hat. Das Verschulden des Beschuldigten wiegt
damit weniger schwer, als wenn er die Tat von langer Hand geplant hätte. Auf der
anderen Seite ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte von keiner Dritt-
person zur Tat gedrängt wurde.
5.2.3. Die subjektive Tatschwere vermag die objektive Tatschwere leicht zu re-
lativieren. Damit ist für die Drohung insgesamt von einem leichten Tatverschulden
auszugehen. Dies lässt ausgehend vom Strafrahmen gemäss Art. 180 StGB iso-
liert betrachtet eine Einsatzstrafe im Bereich von 105 Strafeinheiten als ange-
messen erscheinen.
5.3. Tatkomponente des Hausfriedensbruchs
5.3.1. In objektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass das
Hausrecht des Privatklägers nur leicht verletzt wurde, da der Beschuldigte sich
nicht besonders lange im Tatobjekt aufgehalten hat. Zudem hat sich der Beschul-
digte – wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat – nicht gewaltsam Zutritt zu den
Geschäftsräumlichkeiten des Privatklägers verschafft (Urk. 55 S. 12 f.).
5.3.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist von Vorsatz auszugehen. Die
inkriminierte Handlung stellt eine Trotzreaktion rund um eine gescheiterte Ge-
schäftsbeziehung mit dem Privatkläger dar, wie die Erstinstanz richtig gesehen
hat (Urk. 55 S. 13)
5.3.2.3. Das in objektiver und subjektiver Hinsicht sehr leichte Verschulden lässt
ausgehend vom Strafrahmen gemäss Art. 186 StGB isoliert betrachtet eine Ein-
satzstrafe im Bereich von 30 Strafeinheiten als angemessen erscheinen.
5.4. Strafart
5.4.1. Bei der Wahl der Sanktionsart für die einzelnen Delikte ist als wichtigstes
Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkung auf
den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berück-
sichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2). Ist eine Gesamtstrafe auszufällen, sind die
Voraussetzungen für eine kurze unbedingte Freiheitsstrafe gemäss Art. 41 aStGB
- 41 -
unbeachtlich solange die Gesamtstrafe mindestens 6 Monate beträgt (BGE
6B_808/2017 E. 2.1.2).
5.4.2. Die Vorinstanz hat – wie vorstehend bereits ausgeführt – auf eine Gesamt-
freiheitsstrafe erkannt. Für die vom Beschuldigten begangenen Delikte (Gewalt
und Drohung gegen Behörden und Beamte, Drohung sowie Hausfriedensbruch)
sieht das Gesetz neben einer Freiheitsstrafe eine Geldstrafe als mögliche Sank-
tion vor. Allerdings ist vorliegend unabhängig davon, ob das verschuldensange-
messene Strafmass die Ausfällung einer Geldstrafe bezüglich der einzelnen vom
Beschuldigten begangenen Taten, insbesondere den Hausfriedensbruchs, noch
erlauben würde, auf eine Freiheitsstrafe zu erkennen. Der vom Beschuldigten
begangene Delikte (Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie die
Drohung) sind gesamthaft betrachtet keine Bagatelltaten mehr. Der Beschuldigte
weist bereits drei Vorstrafen, unter anderem wegen Drohung, Angriff und (ver-
suchte) Nötigung, auf. Er wurde zu zwei unbedingten und einer teilbedingten
Geldstrafe verurteilt. Er liess sich sodann weder von der laufenden Strafuntersu-
chung noch durch die zweitägige Untersuchungshaft abschrecken, sondern delin-
quierte weiter und manifestierte dadurch eine bedenkliche Gleichgültigkeit gegen-
über den behördlichen Interventionen. Bei der Wahl der Strafart muss vorliegend
die präventive Effizienz der Strafe im Vordergrund stehen. Das Verhalten des Be-
schuldigten zeigt, dass ihn der Vollzug von Geldstrafen nicht wirklich von einer
Delinquenz abhalten lassen. Es ist daher eine gewisse Härte unumgänglich, um
dem Beschuldigten die Konsequenzen seines Handelns aufzuzeigen und ihn von
weiteren Straftaten abzuhalten. Folglich ist die Ausfällung einer Geldstrafe für die
einzelnen Delikte vorliegend nicht zweckmässig. Vielmehr ist für alle Delikte
nunmehr eine Freiheitsstrafe auszufällen, um ihm den Ernst der Lage deutlich vor
Augen zu führen und ihm zu verdeutlichen, dass sein nicht zu tolerierendes Ver-
halten in aller Form missbilligt wird und sich unter keinen Umständen wiederholen
darf. Dies hat die Erstinstanz richtig gesehen und zutreffend auf eine Gesamt-
freiheitsstrafe erkannt (Urk. 55 S. 15 ff.).
- 42 -
5.5. Gesamtfreiheitsstrafe
Ausgehend von einer (hypothetischen) Einsatzstrafe von sechs Monaten Frei-
heitsstrafe für die Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und einer
leichten Erhöhung wegen der Drohung (60 Tage) sowie einer leichten Erhöhung
wegen des Hausfriedensbruchs (15 Tage) ist nach Würdigung der Tatkomponen-
te eine Gesamtstrafe für alle Delikte (vor Berücksichtigung der Täterkomponente)
von 8 1⁄2 Monaten angemessen.
6. Täterkomponente
6.1. Betreffend die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten hat sich die
Vorinstanz mit einem Verweis auf die Ausführungen des Beschuldigten anlässlich
der vorinstanzlichen Hauptverhandlung und auf das Gutachten vom 10. Juli 2018
begnügt (Urk. 55 S. 13 f.). Aus den genannten Akten (Prot. I S. 5; Urk. 1/7/9
S. 29 ff.) und aus der Schlusseinvernahme vom 25. Juli 2018 (Urk. 1/5/9) erhellt
zusammengefasst was folgt:
Der Beschuldigte wurde am tt. August 1984 in Libyen geboren und ist dort zu-
sammen mit drei Geschwistern aufgewachsen. Die Familie hatte in Libyen ein
eigenes Haus und eine Hausangestellte. Sein Vater sei der persönliche ... [Beruf]
eines Scheichs gewesen. Kriegshandlungen hat der Beschuldigte gemäss eige-
nen Angaben nicht erlebt. Die Familie des Beschuldigten kam im Jahre 1992 in
die Schweiz, da der Vater aus gesundheitlichen Überlegungen – drei Kinder, un-
ter anderem der Beschuldigte waren herzkrank – aus Libyen wegwollte. Der Be-
schuldigte hat in er Schweiz alle Schulen (Primarschule und Oberstufe) besucht.
Danach arbeitete er im ...-Handel seines Vaters; eine Lehre hat er nicht absol-
viert. Daraufhin ging er verschiedenen Arbeitstätigkeiten auf Baustellen, in der
Produktion, im Lager und als Teamleiter des Umzugsunternehmens "I._"
nach. Anschliessend gründete er zusammen mit einem Kollegen die J._ AG,
deren geschäftliche Tätigkeit der Abbruch von Häusern war. Später hat er diese
Gesellschaft übernommen und in die "K._ GmbH" umgewandelt. Über diese
Firma vertrieb er offenbar verschiedene Hanfprodukte (Prot. I S. 6 ff.). An der Be-
rufungsverhandlung gab er an, Produkte für die sportliche Ernährungsergänzung
- 43 -
kämen neu zum Angebot hinzu. Der Laden sei aktuell geschlossen. Er werde im
Moment von Freunden und der Familie finanziell unterstützt und schulde ihnen
etwa CHF 80'000.– (Urk. 69 S. 2). Die persönlichen Verhältnisse wirken sich da-
mit bei der vorliegenden Strafzumessung – mit der Vorinstanz (Urk. 55 S. 13 f.) –
neutral aus.
6.2. Der Beschuldigte weist sodann drei, teilweise einschlägige Vorstrafen auf
(Urk. 60). Das Bezirksgericht Uster verurteilte ihn am 14. September 2010 wegen
Drohung zu einer unbedingten Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu CHF 70.–. Die
Staatsanwaltschaft See/Oberland bestrafte den Beschuldigten sodann am 14. Mai
2012 wegen Fahrens im fahrunfähigem Zustand und Führens eines nicht be-
triebssicheren Fahrzeugs sowie Übertretung nach Art. 19a des Betäubungs-
mittelgesetzes (mehrfache Begehung) zu einer teilbedingten Geldstrafe von
40 Tagessätzen zu CHF 80.–, davon bedingt vollziehbar 20 Tage bei einer Pro-
bezeit von drei Jahren, sowie einer Busse im Betrag von CHF 300.–. Und
schliesslich wurde der Beschuldige mit Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom
14. Mai 2013 wegen Angriff und Nötigung (Versuch) mit einer unbedingten Geld-
strafe von 240 Tagessätzen zu CHF 30.– bestraft (Urk. 60). Die drei, teilweise
einschlägigen Vorstrafen sind leicht straferhöhend zu berücksichtigen.
Ergänzend ist sodann festzuhalten, dass der Beschuldigte während laufender
Strafuntersuchung und nach der Entlassung aus der zweitägigen Untersuchungs-
haft im Juli 2017 weiter delinquiert hat. Den Beschuldigten scheinen Inter-
ventionen durch die Behörden offenkundig nicht nachhaltig zu beeindrucken, zu-
mindest hat er sich die Konsequenzen erneuter Verfehlungen nicht verinnerlicht.
Dieses Verhalten ist ebenfalls leicht straferhöhend zu berücksichtigen.
6.3.1. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ein Geständnis bei
der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung zugunsten
des Täters berücksichtigt werden, wenn es auf Einsicht in das begangene Un-
recht oder auf Reue schliessen lässt oder der Täter dadurch zur Tataufdeckung
über den eigenen Tatanteil beiträgt (vgl. BGE 121 IV 202 E. 2d/cc S. 206; Urteil
6B_296/2017 vom 28. September 2017 E. 6.3). Diese Praxis fusst auf der Über-
legung, dass Geständnisse zur Vereinfachung und Verkürzung des Verfahrens
- 44 -
und zur Wahrheitsfindung beitragen können. Ob sich bei einem vollumfänglichen
Geständnis gemäss BGE 121 IV 202 E. 2d/cc S. 205 f. die Strafe allenfalls um
einen Fünftel bis zu einem Drittel mindern liesse, kann hier offenbleiben (Urteil
6B_687/2016 vom 12. Juli 2017 E. 1.5.2.; ablehnend Urteile 6B_412/2014 vom
27. Januar 2015 E. 2.6 und 6S.283/2002 vom 26. November 2002 E. 6.2, nicht
publ. in: BGE 129 IV 61). Ein Verzicht auf eine Strafminderung kann sich dem-
gegenüber deshalb aufdrängen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht
erleichtert hat, namentlich weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Be-
weislage oder gar erst nach Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils geständig
geworden ist (Urteile 6B_974/2009 vom 18. Februar 2010 E. 5.4, 6B_737/2007
vom 14. April 2008 E. 1.2 sowie 6S.531/2006 vom 24. Januar 2007 E. 3.6.3 mit
Hinweisen).
6.3.2. Mit Bezug auf Hausfriedensbruch hat der Beschuldigte ein Geständnis
abgelegt. Dieses Nachtatverhalten wirkt allerdings nur marginal strafmindernd, da
angesichts des Umstands, dass der Beschuldigte bis zum Eintreffen der Polizei
in den Geschäftsräumlichkeiten des Privatklägers verweilte, kaum Raum für Be-
streitungen blieb.
6.3.3.1. Die Vorinstanz erkennt im Verhalten des Beschuldigten keine Einsicht
und Reue und würdigt seine Verweigerungshaltung unter Hinweis auf die bun-
desgerichtliche Rechtsprechung (vgl. Urteil 6B_436/2014 vom 2. März 2015)
straferhöhend.
6.3.3.2. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann fehlende Einsicht
und Reue straferhöhend gewertet werden (vgl. BGE 113 IV 56 E. 4c S. 57; Urteil
6B_436/2014 vom 2. März 2015; Urteil 6B_694/2012 vom 27. Juni 2013 E. 2.3.4
mit Hinweisen; Urteil 6B_858/2008 vom 20. Mai 2009 E. 4.3.3 mit Hinweisen),
was die Vorinstanz grundsätzlich richtig gesehen hat. Vorliegend hat der Be-
schuldigte die ihm vorgeworfenen Anklagesachverhalte – mit Ausnahme des
Sachverhaltes betreffend den Hausfriedensbruch – vehement in Abrede gestellt
und die Verantwortung bzw. die Ursache für das von ihm eingestandene Fehlver-
halten den Geschädigten 1 und 2 zugeschoben. Die Gründe, aus denen sich der
Beschuldigte geweigert hat, Einsicht in das begangene Unrecht zu zeigen und mit
- 45 -
den Untersuchungsbehörden zu kooperieren, können komplex und vielfältig sein.
Eine auf Uneinsichtigkeit gestützte Straferhöhung ist daher nicht unbedenklich,
zumal der Beschuldigte kein Geständnis ablegen muss und den ihm vorgeworfe-
nen Anklagesachverhalt bestreiten darf. Eine auf mangelnde Einsicht gestützte
Straferhöhung kann daher nur in Ausnahmefällen (wie z.B. Erschwerung der
Strafverfolgung mit verschiedenen Identitäten, um sich allfälligen Verurteilungen
zu entziehen, uneinsichtiges Verhalten mit absurden Ausführungen) erfolgen. Ein
solcher Ausnahmefall ist indes vorliegen nicht gegeben. Die fehlende Einsicht und
Reue sind daher nicht straferhöhend zu berücksichtigen.
6.4. Im Rahmen der Täterkomponente wirken sich die teilweise einschlägigen
drei Vorstrafen und die Delinquenz während laufender Strafuntersuchung und
kurz nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft je leicht straferhöhend aus.
Unter dem Gesichtspunkt des Nachtatverhaltens führen fehlende Reue und Ein-
sicht des Beschuldigten zu keiner Straferhöhung. Das teilweise Geständnis des
Beschuldigten bezüglich des Hausfriedensbruchs fällt demgegenüber marginal
strafmindernd ins Gewicht. Die Straferhöhungsgründe überwiegen die Strafminde-
rungsgründe erheblich. Die Täterkomponente erhöht die hypothetische Einsatz-
strafe daher erheblich. In Würdigung aller massgebenden Strafzumessungsfakto-
ren erscheinen die von der Vorinstanz ausgefällten 10 Monate Freiheitsstrafe als
angemessen.
6.5.1. Die amtliche Verteidigung macht im Bezug auf den Tatbestand der Gewalt
und Drohung gegen Behörden und Beamte geltend, der Geschädigte 1 habe
seinen Strafantrag zurückgezogen und damit dargetan, dass er kein Interesse
mehr an einer Strafverfolgung habe. Aus Sicht der Verteidigung stelle sich daher
die Frage, ob man diesfalls im Sinne von Art. 52 StGB nicht von einer Bestrafung
absehen solle (Urk. 70 S. 3 oben).
6.5.2. Gemäss Art. 52 StGB sieht die zuständige Behörde von einer Strafverfol-
gung, einer Überweisung an das Gericht oder einer Bestrafung ab, wenn Schuld
und Tatfolgen geringfügig sind. Die Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt
sein. Es war nicht die Absicht des Gesetzgebers, bei Bagatellstraftaten generell
auf eine strafrechtliche Sanktion zu verzichten. Eine Strafbefreiung kommt nur in
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Frage, wenn keinerlei Strafbedürfnis besteht. Auch bei einem Bagatelldelikt kann
daher eine Strafbefreiung wegen Geringfügigkeit von Schuld und Tatfolgen nur
angeordnet werden, wenn es sich von anderen Fällen mit geringem Verschulden
und geringen Tatfolgen qualitativ unterscheidet. Das Verhalten des Täters muss
im Quervergleich zu typischen unter dieselbe Gesetzesbestimmung fallenden
Taten insgesamt – vom Verschulden wie von den Tatfolgen her – als unerheblich
erscheinen, sodass die Strafbedürftigkeit offensichtlich fehlt. Die Behörde hat sich
mithin am Regelfall der Straftat zu orientieren. Für die Anwendung der Bestim-
mung bleibt nur ein relativ eng begrenztes Feld (BGE 135 IV 130 E. 5.3.2 f.; Urteil
6B_410/2018 vom 20. Juni 2018 E. 5.4). Stellt erst das Gericht die Voraussetzun-
gen für das fehlende Strafbedürfnis fest, erfolgt nicht ein Freispruch, sondern ein
Schuldspruch bei gleichzeitigem Strafverzicht (BGE 135 IV 27 E. 2 zu Art. 52
StGB).
6.5.3. Das Vorbringen der Verteidigung erweist sich als nicht zielführend. Festzu-
halten ist zunächst dass der Tatbestand der Gewalt und Drohung gegen Behör-
den und Beamte ein Offizialdelikt ist. Sodann sieht die zuständige Behörde ge-
mäss Art. 52 StGB von einer Strafverfolgung, einer Überweisung an das Gericht
oder einer Bestrafung nur ab, wenn Schuld und Tatfolgen geringfügig ("de peu
d'importance"; "di lieve entità") sind. Die Bestimmung erfasst nach der Botschaft
relativ unbedeutende Verhaltensweisen, welche die Schwere und Härte einer
Strafe nicht verdienen. Zum einen ist das Verschulden des Beschuldigte nicht
gering sondern "gerade noch leicht". Zum andern sind die Tatfolgen, welche nicht
nur den tatbestandsmässigen Erfolg, sondern sämtliche vom Täter verschuldete
Auswirkungen der Tat umfassen, in casu ebenfalls nicht gering. Es kann auf die
vorstehenden Erwägungen unter Ziffer V.5.1.1 verwiesen werden. Das Verhalten
des Beschuldigten ist im Quervergleich zu typischen unter dieselbe Gesetzes-
bestimmung fallenden Taten insgesamt – vom Verschulden wie von den Tatfolgen
her – nicht unerheblich. Zudem spricht auch die bei der Strafzumessung mit zu
berücksichtigende Täterkomponente nicht zugunsten des Beschuldigten.
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7. Tätlichkeiten
7.1. Bezüglich der Tätlichkeiten hat die Erstinstanz das Verschulden des Be-
schuldigten nicht taxiert. In objektiver Hinsicht ist zu bemerken, dass das Schla-
gen mit den Fäusten auf Arme und Brust für sich genommen nicht mehr als ge-
ringfügig einzustufen ist. Vielmehr wiegt das objektive Tatverschulden erheblich.
Was die subjektive Tatschwere betrifft, so ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
direktvorsätzlich gehandelt hat.
7.2. Im Rahmen der Täterkomponente fallen straferhöhend (wiederum) die
drei Vorstrafen und das Delinquieren während laufender Strafuntersuchung ins
Gewicht. Strafminderungsgründe liegen nicht vor.
7.3. Angesichts dieser Umstände und der finanziellen Situation des Beschuldig-
ten erscheint die Ausfällung einer Busse in der Höhe von CHF 700.– als ange-
messen.
8. Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, ist eine Ersatz-
freiheitsstrafe von mindestens einem Tag und höchstens drei Monaten aus-
zufällen (Art. 106 Abs. 2 StGB). Die Vorinstanz setzte diese bei sieben Tagen fest
(Art. 55 S. 14). Dies ist zu bestätigen und zu übernehmen.
9. Unter Berücksichtigung aller relevanten Strafzumessungsfaktoren erscheint
somit eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten sowie eine Busse in der Höhe von
CHF 700.– dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschul-
digten angemessen. In Anwendung von Art. 51 StGB sind dem Beschuldigten die
124-tägige Untersuchungs- und Sicherheitshaft auf die Strafe anzurechnen.
VI. Vollzug
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe in der Regel auf,
wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der
Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (vgl. Art. 42 Abs. 1
StGB). Der Strafaufschub ist die Regel, von der grundsätzlich nur bei ungünstiger
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Prognose abgewichen werden darf. Bei der Prüfung, ob der Verurteilte für ein
dauerndes Wohlverhalten Gewähr bietet, hat das Gericht eine Gesamtwürdigung
aller wesentlichen Umstände vorzunehmen. In die Beurteilung miteinzubeziehen
sind neben den Tatumständen auch das Vorleben und der Leumund sowie alle
weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die
Aussichten seiner Bewährung zulassen. Ein relevantes Prognosekriterium ist
insbesondere die strafrechtliche Vorbelastung (BGE 134 IV 1 E. 4.2.1 f. mit Hin-
weisen). Allerdings schliessen einschlägige Vorstrafen den bedingten Vollzug
nicht notwendigerweise aus (Urteil 6B_820/2010 vom 31. Januar 2011 E. 1.3.2
mit Hinweis).
2. Es ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die drei teilweise ein-
schlägigen Vorstrafen bei der Prognosestellung und die Delinquenz während
laufender Strafuntersuchung als erheblich ungünstiges Element gewichtet hat
(Urk. 55 S. 15 f.). Der Beschuldigte weist insgesamt drei teilweise einschlägige
Vorstrafen auf und wurde zu teilbedingten und unbedingten Geldstrafen Die letz-
ten beiden (Geld-)Strafen aus den Jahren 2012 und 2013 wurde teilbedingt und
unbedingt ausgesprochen (Urk. 60). Die Vorinstanz erwägt zutreffend, das Ver-
halten des Beschuldigten zeige deutlich, dass die Vorstrafen ihre Warnwirkung
verfehlt hätten. Dies gilt umso mehr, als dieser die vorliegend zu beurteilenden
Taten zum Nachteil des Geschädigten 2 während laufender Strafuntersuchung
begangen hat und nachdem er bereits zwei Tage in Untersuchungshaft verbracht
hatte (Urk. 55 S. 15). Mit der Vorinstanz ist des weiteren davon auszugehen, dass
die bereits erstandenen 122 Tage Haft (auch) keine nachhaltige Wirkung auf den
Beschuldigten gezeitigt haben und nicht genügen, um diesem eine günstige
Prognose stellen zu können (Urk. 55 S. 14). Dieses Verhalten weist auf eine
ausgeprägte Uneinsichtigkeit und Gleichgültigkeit den Rechtsnormen gegenüber
hin. Die Vorinstanz bezieht weiter den Umstand, dass das Gutachten vom 10. Juli
2018 (Urk. 1/7/8) dem Beschuldigten eine hohen Rückfallgefahr attestiere, zu
Recht zu Recht negativ in die Prognosestellung ein (Urk. 55 S. 16). Schliesslich
konnte sie beim Beschuldigten weder Einsicht noch Reue erkennen. Sie gelangt
vielmehr zutreffend zum Schluss, dass nicht nur sein fortwährendes Fehl-
verhalten, sondern auch seine persönliche Reaktion im Untersuchungsverfahren
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von einer andauernden Uneinsichtigkeit und einem fehlenden Schuldbewusstsein
zeugten (Urk. 55 S. 16). An dieser Einschätzung vermag auch die berufliche und
familiäre Situation des Beschuldigten nichts zu ändern. Die Vorinstanz hat daher
zu Recht den unbedingten Strafvollzug angeordnet.
2. Die Bestimmungen über die bedingte und teilbedingte Strafe finden auf
Übertretungen, die mit einer Busse zu ahnden sind, keine Anwendung (Art. 105
Abs. 1 StGB). Entsprechend hat der Beschuldigte die Busse ist zu bezahlen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss – es bleibt bei der Verurteilung gemäss dem ange-
fochtenen Urteil – ist die vorinstanzliche Kostenverlegung (Dispositivziffer 6) zu
bestätigen.
2.1. Die Gerichtsgebühr für das zweitinstanzliche Verfahren ist auf CHF 3'000.–
festzusetzen.
2.2. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Anträgen.
Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen
Verteidigung, sind daher dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die amtliche Verteidi-
gung macht ein Honorar von insgesamt Fr. 3'240.80 für das Berufungsverfahren
geltend, wobei die Berufungsverhandlung auf 4 Stunden geschätzt wurde
(Urk. 67). Das Honorar ist der effektiven Dauer der Berufungsverhandlung anzu-
passen und die Verteidigung mit Fr. 3'000.– zu entschädigen. Die Kosten der amt-
lichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die
Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten
bleibt.
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