Decision ID: 882895a0-6521-401b-bae1-8ff35c2bd09b
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) wurde im April 19_ erstmals aufgrund eines
Geburtsgebrechens (totale Lippen-Kiefer-Gaumenspalte rechts, Lippenspalte links und
Chonalatresie links) bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle)
zum Bezug von Leistungen angemeldet (IV-act. 2 f.). In der Folge sprach ihm die IV-
Stelle medizinische Massnahmen zur Behandlung der Geburtsgebrechen Ziff. 201, 212
und 411 zu (IV-act. 10 f., 28 und 36).
A.a.
Am 29. Januar 2003 ersuchte Dr. med. B._, Facharzt FMH für Kinder- und
Jugendmedizin, die IV-Stelle, den Versicherten bei der anstehenden Berufswahl zu
unterstützen (IV-act. 42). In der Folge finanzierte die IV-Stelle dem Versicherten
zunächst ein Vorlehrjahr (IV-act. 50) und erteilte nach dessen Ablauf Kostengutsprache
A.b.
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für die Übernahme der invaliditätsbedingten Mehrkosten der erstmaligen beruflichen
Ausbildung zum (...) in der geschützten Ausbildungsstätte C._ (IV-act. 75). In einer
Stellungnahme vom 5. Juli 2006 hielt ein IV-Berufsberater fest, eine kürzlich
durchgeführte Kiefer-Korrekturoperation habe beim Versicherten eine massive
psychische Krise ausgelöst und der Versicherte habe wegen akuter suizidaler
Gefährdung vorübergehend in der Klinik D._ behandelt werden müssen. Trotzdem
werde versucht, die Lehre ordentlich zum Abschluss zu bringen (IV-act. 86). Anlässlich
eines gemeinsamen Gesprächs im September 2006 beschlossen der Versicherte,
dessen Vater, die Ausbildner des C._ sowie die IV-Berufsberaterin, die Ausbildung
vorübergehend zu unterbrechen (IV-act. 89). Nach einer von der Invalidenversicherung
(IV) finanzierten Zwischenabklärung als Vorbereitung für den Wiedereinstieg in die
Lehre (IV-act. 118) wurde aufgrund geänderter Anforderungen des bisherigen
Lehrgangs und zur Vermeidung von übermässigem Druck beschlossen, dass der
Versicherte nicht die bisherige Lehre fortsetzen werde, sondern sich im C._ neu zum
(...) ausbilden lassen werde (IV-act. 122 und 126). Diese Ausbildung konnte der
Versicherte termingerecht und mit einem Notenschnitt von 4.9 abschliessen. Die
Ausbildner des C._ attestierten dem Versicherten eine 100%ige Leistungsfähigkeit,
wiesen aber darauf hin, dass er an etwa 90 Tagen gefehlt habe, was rund 20 % des
Pensums entspreche (IV-act. 144 und 148). Die IV-Berufsberaterin hielt in ihrem
Schlussbericht vom 14. Oktober 20_ fest, dass der Versicherte die Ausbildung
erfolgreich abgeschlossen habe. Vom Lehrbetrieb seien ihm gute Arbeitsleistungen,
Selbständigkeit, Sorgfalt und Ausdauer attestiert worden, auffallend seien jedoch die
zahlreichen Absenzen. Schwierigkeiten im Arbeitskontext hätten sich insbesondere in
Bezug auf das eigene Aussehen des Versicherten gezeigt. Der Versicherte sei schnell
verunsichert und irritiert gewesen, wenn er geglaubt habe, dass andere Lernende ihn
schräg angeschaut oder über sein Aussehen gesprochen hätten. Aufgrund der guten
Leistungen werde dem Versicherten seitens des Lehrbetriebs eine Anstellung in einem
Betrieb der freien Wirtschaft zugetraut. Während je zweiwöchiger Praktika in zwei
verschiedenen Betrieben habe sich die Arbeitsmarktfähigkeit bestätigt. Der Versicherte
fühle sich allerdings nicht ausreichend belastbar und halte sich für nicht
eingliederungsfähig. Vorerst stehe aus seiner Sicht eine intensive Behandlung der
psychischen Schwierigkeiten im Vordergrund. Eine Stelle habe er deswegen nicht
gesucht. Die Berufsberaterin hielt weiter fest, sie könne nicht abschliessend beurteilen,
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B.
ob die deutliche Diskrepanz zwischen den Rückmeldungen des Lehrbetriebs sowie der
beiden Praktikumsbetriebe und der Selbsteinschätzung bzw. dem geringen Vertrauen
in die eigenen Möglichkeiten ausschliesslich durch die psychische Problematik oder
allenfalls durch invaliditätsfremde Gründe begründet sei (IV-act. 145). Der regionale
ärztliche Dienst (RAD) ging am 11. Februar 2010 von einer medizinisch-theoretischen
Arbeitsfähigkeit von 100 % in einem wohlwollenden Arbeitsumfeld aus, empfahl jedoch
die Erwägung von beruflichen Massnahmen (IV-act. 153). Anlässlich eines
Assessmentgesprächs vom 12. April 2010 zeigte sich gemäss dem Protokoll der
Eingliederungsverantwortlichen eine tiefe Selbsteinschätzung des Versicherten. Auf die
Frage hin, unter welchen Bedingungen er sich eine Arbeit vorstellen könnte, habe
dieser zu weinen begonnen, woraufhin dessen Psychotherapeutin mit ihm den Raum
verlassen und das Gespräch vorzeitig abgebrochen habe. Die Eingliederungsberaterin
schlug in der Folge den Abschluss der Arbeitsvermittlung und die Rentenprüfung vor
(IV-act. 157). Nachdem der RAD am 7. Oktober 2010 in einer weiteren Stellungnahme
erneut ausgeführt hatte, weshalb seines Erachtens keine schwerwiegende psychische
Störung ausgewiesen sei (IV-act. 168), verfügte die IV-Stelle am 22. Oktober 2010 die
Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 169). Eine dagegen erhobene Beschwerde
wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 13. Juni 2012
ab (IV-act. 189; vgl. diesen Entscheid auch für eine detailliertere Schilderung des
Sachverhaltes bis zum damaligen Zeitpunkt). Eine gegen den Entscheid des
Versicherungsgerichts erhobene Beschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil vom 7.
Juni 2013 ebenfalls ab (IV-act. 194).
Am 19. Juni 2015 stellte Fürsprecher lic. iur. D. Küng, für den Versicherten bei der
IV-Stelle ein neues Leistungsgesuch und stellte die Zusendung neuer Berichte in
Aussicht (IV-act. 202). Mit einer Eingabe vom 3. Februar 2016 liess der Versicherte der
IV-Stelle zur Glaubhaftmachung einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes
einen Bericht seines behandelnden Psychiaters med. pract E._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 20. Januar 2016 zukommen (IV-act. 208 f.).
Med. pract. E._ hatte darin ausgeführt, dass sich der Gesundheitszustand im
Vergleich zu einem Bericht des ambulanten Psychiatrischen Dienstes, F._, vom 25.
Januar 2010 wesentlich verändert habe. Der Versicherte leide aktuell an einer
B.a.
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schwergradigen depressiven Episode, während er damals eine leichtgradige
depressive Episode gehabt habe (IV-act. 209 S. 11; zu einem weiteren Bericht von
med. pract. E._ vom 5. April 2016 vgl. IV-act. 221). Aufgrund zweier beim RAD
eingeholter Stellungnahmen (vgl. IV-act. 213 und 229) trat die IV-Stelle mit Verfügung
vom 24. Juni 2016 auf das neue Leistungsbegehren nicht ein, da der Versicherte im
neuen Gesuch nicht glaubhaft dargelegt habe, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse
seit der letzten Verfügung wesentlich verändert hätten (IV-act. 230). Gegen diese
Verfügung liess der weiterhin anwaltlich vertretene Versicherte am 28. Juli 2016 beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde erheben (IV-act. 233) und mit
Eingabe vom 10. August 2016 einen Bericht von med. pract. E._ vom 5. August 2016
einreichen (IV-act. 240 f.). Aufgrund eines im Zuge des Beschwerdeverfahrens seitens
des Versicherten eingereichten Berichtes des ehemaligen behandelnden Psychiaters
Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 10. Dezember 2014,
in welchem dieser die Diagnose einer ausgeprägten sozialen Phobie vor dem
Hintergrund einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gestellt hatte (IV-act. 246), kam
der RAD in einer Stellungnahme vom 27. September 2016 zum Schluss, mit dieser neu
im Raum stehenden Diagnose sei eine Veränderung des Gesundheitszustandes
glaubhaft gemacht (IV-act. 251). Demnach widerrief die IV-Stelle mit Verfügung vom 28.
September 2016 die Nichteintretensverfügung vom 24. Juni 2016 (IV-act. 258). Mit
Verfügung vom 11. Oktober 2016 schrieb das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen das bei ihm anhängig gemachte Beschwerdeverfahren ab (IV-act. 269).
Am 7. März 2017 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von Prof. Dr. med.
H._, FMH Neurologie, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch
begutachtet (IV-act. 285 S. 1). Anlässlich der Begutachtung führte der Versicherte
bezüglich seiner aktuellen Beschwerden namentlich aus, Ängste vor den Menschen zu
haben. Er habe Angst, dass sie ihn nicht schön fänden. Eine Kiefer-Gaumen-Spalte sei
von niemandem akzeptiert. Er sei deswegen seit dem Kindergarten und in der Schule
ausgegrenzt worden. Die Kinder hätten sich vor ihm geekelt und der Lehrer habe
seinen Sprachfehler sogar vor den anderen Schülern nachgemacht. Er, der Versicherte,
habe immer nur die Erfahrung machen müssen, nichts wert zu sein und nicht
dazuzugehören. Er verlasse aktuell das Haus nur für Termine; dies immer in Begleitung.
Seine Tante bringe ihn zu den Ärzten. Allein verlasse er die Wohnung nie (IV-act. 285
B.b.
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S. 64). Innerhalb des Wohngebäudes könne er sich auch nicht bewegen, weil er Angst
davor habe, Menschen im Flur zu begegnen. Er gehe daher nicht während des Tages
zum Briefkasten, sondern leere diesen erst mitten in der Nacht, wenn er sicher sei,
niemandem im Flur zu begegnen. Gleiches gelte für den Besuch der Waschküche (IV-
act. 285 S. 65). Auch gehe er nicht einkaufen. Sein Bruder erledige die Einkäufe für ihn
(IV-act. 285 S. 66). Am 8. März 2017 erfolgte eine neuropsychologische
Zusatzuntersuchung durch Dipl. Psych. I._, Klin. Neuropsychologin, Fachpsychologin
für Neuropsychologie FSP (IV-act. 285 S. 88 ff.). Diese hielt in ihrer Beurteilung vom 9.
März 2017 fest, dass beim Versicherten die psychiatrische Problematik im Vordergrund
stehe. Die in der neuropsychologischen Untersuchung erhobenen, teilweise schweren
Minderleistungen gingen deutlich über das Ausmass hinaus, welches im Rahmen der
psychischen Diagnosen erklärbar wäre. Die Minderleistungen stünden in deutlicher
Diskrepanz zu dem aufgrund der Berichte der Berufsberatung und der
Ausbildungsinstitution im unteren Normbereich zu erwartenden Niveau. Die Ergebnisse
der aktuellen neuropsychologischen Untersuchung seien als nicht valide
einzuschätzen. Eine bewusstseinsnahe Selbstlimitierung bei angestrebtem
Krankheitsgewinn könne nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund der erhobenen
Testwerte könnten weder die Art noch das Ausmass der kognitiven Defizite angegeben
werden. Daraus könne aber nicht geschlossen werden, dass im Rahmen der
psychischen Symptomatik keine leichteren kognitiven Leistungsminderungen vorlägen.
Anhaltspunkte für eine hirnorganische Pathologie würden sich weder aus der Aktenlage
noch aus der Untersuchung ergeben (IV-act. 285 S. 92). Prof. H._ nannte im
gleichentags erstellten psychiatrischen Gutachten als Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit eine schwere soziale Phobie, eine andauernde
Persönlichkeitsänderung, eine rezidivierende depressive Störung (im Verlauf
schwankend zwischen mittelgradig und schwer) sowie Zwangsgedanken und
Zwangshandlungen gemischt (IV-act. 285 S. 84). Weiter hielt er fest, dass der
Versicherte mit einem Geburtsgebrechen zur Welt gekommen sei und nach eigenen
Angaben zur Korrektur der Fehlbildung ca. zwanzig Operationen hinter sich habe. Der
Versicherte habe im Rahmen der Exploration traumatisierende
Ausgrenzungserfahrungen in der Kindheit infolge der entstellenden Missbildung
geschildert. Diese negativen Erfahrungen hätten zu einer ausgeprägten
Krankheitsverarbeitungsstörung geführt. Der Versicherte habe über massive aversive
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Kognitionen im Zusammenhang mit seinem Äusseren berichtet. Sein Verhalten sei
unreif, regressiv und sozialphobisch. Er verstecke sein Gesicht vor anderen Menschen
und wolle niemandem begegnen. Er, Prof. H._, stütze die von Dr. G._ gestellte
Diagnose einer sozialen Phobie. Die Symptome seien eine primäre Manifestation der
Angst. Der Versicherte gebe sich nur noch in Begleitung aus seiner Wohnung und
würde sich freiwillig nie in Menschenmengen oder alleine auf Reisen begeben. Er
vermeide die phobischen Situationen durch einen massiven sozialen Rückzug. Bis auf
seine Familie, die ihn in seiner Wohnung besuchen komme, habe er sich sozial
komplett isoliert. Bereits im Zeitpunkt der Ausbildung hätten sozialphobische Ängste
bestanden. Es bestehe eine massive Selbstwertproblematik. Diagnostisch sei davon
auszugehen, dass es unter jahrelangem Stress in der Auseinandersetzung mit der
Krankheit bei fehlenden frühzeitigen Behandlungsangeboten zu einer andauernden
Persönlichkeitsänderung gekommen sei. Die massive Störung der Ich-Strukturen führe
neben der Problematik in der Selbst- und Fremdwahrnehmung und der
Realitätsprüfung zu einer massiven Störung der Affektregulation mit dem Auftreten
rezidivierender depressiver Episoden. Zudem liege eine Zwangsstörung mit
Zwangsgedanken vor. Der Versicherte gebe an, ständig seine Möbel gerade rücken zu
müssen. Auch diese Störung sei im Sinne einer sekundären Symptomausweitung des
psychodynamischen Prozesses zu sehen (IV-act. 285 S. 79 f.). Aus gutachterlicher
Sicht hätten keine Verdeutlichungen, keine Aggravation und keine Simulation
vorgelegen. Der Versicherte sei in der psychiatrischen Exploration und im
neuropsychologisches Zusatzuntersuch massiv verhaltensauffällig gewesen. Aus
gutachterlicher Sicht habe sich der Versicherte keineswegs diskrepant zur
Krankengeschichte verhalten. Die Akzentuierung des Verhaltens sei im Sinne einer
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes zu interpretieren (IV-act. 285
S. 78 f.). Infolge der psychischen Störungsbilder und der per MINI-ICF dargestellten
Fähigkeitsstörungen sei der Versicherte weder in der Tätigkeit des (...) noch in
adaptierten Tätigkeiten einsetzbar. Aktuell sei auch ein Einsatz im geschützten Bereich
nicht möglich. Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei nur schwer bestimmbar. Es handle
sich um einen chronisch fortschreitenden Krankheitsverlauf. Medizinisch-theoretisch
setze er, Prof. H._, den Beginn der 100%igen Arbeitsunfähigkeit auf das Datum eines
ärztlichen Berichts des Psychiatriezentrums N._ vom 25. Januar 2010, in welchem
nachvollziehbar eine Soziophobie sowie eine Persönlichkeitsstörung mit Handicaps
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beschrieben worden seien (IV-act. 285 S. 84 f.). Es sei eine intensive stationäre
Behandlung angezeigt. Die Schwere der Störung sei im ambulanten Bereich nicht
adäquat behandelbar. Der Versicherte habe einer tagesklinischen oder stationären
Therapie bisher jedoch ablehnend gegenübergestanden, weshalb med. pract. E._
abhilfsweise eine psychiatrische Spitex installiert habe. Diese Massnahme habe jedoch
eher symbolischen als therapeutischen Charakter. Die Problematik liege in der
krankheitsbedingten, soziophobischen und vermeidenden Haltung des Versicherten,
dessen Störungsbild inzwischen derart stark ausgeprägt sei, dass er selbst von seinem
behandelnden Psychiater in dieser Fragestellung nicht mehr erreichbar sei (IV-act. 285
S. 80 f und S. 85). In einer Stellungnahme vom 15. März 2017 kam der RAD zum
Schluss, dass das psychiatrische Gutachten die versicherungsmedizinischen
Anforderungen erfülle, weshalb darauf abgestellt werden könne (IV-act. 291 S. 3).
Am 20. Juni 2017 hielt Dr. med. J._, zertifizierte medizinische Gutachterin SIM,
Mitarbeiterin der IV-Stelle, fest, dass beim Versicherten eine schwerwiegende
Fehlbildung im Gesichtsbereich bestehe. Obschon durch die heutigen Operations- und
Therapieverfahren sehr gute ästhetische und funktionelle Ergebnisse erzielt werden
könnten, sei es plausibel, dass der Versicherte in seiner Kindheit und Jugend
verschiedenen Belastungen ausgesetzt gewesen sei. Trotzdem sei er mit einem
Unterbruch in der Lage gewesen, eine Lehre zum (...) erfolgreich abzuschliessen und
dabei auch gute Leistungen zu erzielen, sodass er in der freien Marktwirtschaft zu 100
% arbeitsfähig befunden worden sei. Auch habe er während der Ausbildung aktiv
Fussball gespielt. Das Gutachten von Prof. H._ sei umfassend. Dieser habe die
Diagnosen und deren Auswirkungen schlüssig und nachvollziehbar begründet. Aus
medizinischer Sicht sei das Gutachten nicht anfechtbar. Trotzdem stelle sich aus nicht
ärztlicher Sicht die auch schon in früheren RAD-Berichten diskutierte Frage nach
amotivationalen Faktoren. Aufgrund der geltend gemachten Einschränkungen sei es
nur schwer vorstellbar, dass der Versicherte überhaupt in der Lage sei, selbständig zu
leben. Gleichzeitig sei wegen der ablehnenden Haltung des Versicherten bisher keine
Intensivierung der Therapie erfolgt. Auch wenn die auffälligen Resultate der
neuropsychologischen Validierungstests von Prof. H._ im Rahmen der Erkrankung
interpretiert worden seien, stelle sich dennoch die Frage, ob die
Kooperationsbereitschaft des Versicherten bei der Untersuchung nicht vermindert
B.c.
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gewesen sei. In Anbetracht der geschilderten Einschränkungen in Bezug auf die
Alltagsaktivitäten des täglichen Lebens wäre es sinnvoll, das tatsächliche
Funktionsniveau im unbeobachteten Alltag zu ermitteln (IV-act. 296). Am 23. Juni 2017
erteilte die IV-Stelle der K._ einen Auftrag zur Observation des Versicherten im
Umfang von fünf bis acht Tagen (vgl. IV-act. 294 f.). Gemäss dem Observationsbericht
vom 28. Juli 2017 hat der Versicherte am _. Juni 2017 zu Hause nicht festgestellt
werden können. Am _. Juli 2017 habe sich der Versicherte zu einer Bushaltestelle
begeben, sich dort mit einer mit einem Rollkoffer eintreffenden jungen Frau kurz
unterhalten, sich mit Backenküssen von ihr verabschiedet und sei danach allein zu
Fuss nach Hause gegangen. Für kurze Zeit habe er sich auf dem Balkon aufgehalten
und das sich neben dem Balkon befindliche Fenster gereinigt. Am Mittag habe der
Versicherte die Wohnung erneut allein verlassen und sei später mit einer prall gefüllten
Tasche erneut gesichtet worden. Am Nachmittag habe sich der Versicherte für kurze
Zeit auf dem Balkon aufgehalten und einen Grill gereinigt. Am _. Juli 2017 habe sich
der Versicherte wiederum kurz auf dem Balkon aufgehalten, mit einem Abfallsack
hantiert und das sich neben dem Balkon befindliche Fenster gereinigt. Gegen Mittag
habe er wiederum alleine die Wohnung verlassen und sich mit einer Papiertragetasche
zu Fuss zu einer nahegelegenen Sammelstelle begeben und sei danach wieder in die
Wohnung zurückgekehrt. Dort sei er für kurze Zeit auf dem Balkon anzutreffen
gewesen, auf dem er unter anderem Balkonblumen getränkt und den Balkonboden
gereinigt habe. Am _. Juli 2017 habe sich der Versicherte wiederum für kurze Zeit auf
dem Balkon aufgehalten, die Balkonblumen getränkt und gepflegt sowie am Grill
hantiert. Am Nachmittag sei der Versicherte allein mit einem Bike in ein
Lebensmittelgeschäft gefahren und sei später, verschiedene Lebensmittel mit sich
führend, nach Hause zurückgekehrt (IV-act. 299). In einer Stellungnahme vom 30.
August 2017 hielt Dr. J._ fest, dass die aktuellen Beobachtungen zumindest teilweise
in massivem Widerspruch zu den anamnestischen Angaben stehen würden, dies
insbesondere hinsichtlich der Unmöglichkeit, selbständig die Wohnung zu verlassen.
Die Durchführung einer erneuten psychiatrischen Begutachtung sei angezeigt (IV-
act. 303). Am 26. September 2017 fand eine Besprechung mit dem Versicherten und
dessen Rechtsanwalt in den Räumlichkeiten der IV-Stelle statt (IV-act. 308). Dabei
bestätigte der Versicherte, dass die im Gutachten beschriebenen Einschränkungen
noch immer vorhanden seien, gab gleichzeitig jedoch an, an manchen Tagen
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gezwungen zu sein, nach draussen zu gehen (IV-act. 308 S. 4). Auf die Frage, ob es in
den letzten sechs Monaten Tage gegeben habe, an welchen der Versicherte für
irgendwelche Verrichtungen die Wohnung verlassen habe, antwortete dieser, sich nicht
erinnern zu können. Phasen, in denen er sich gut gefühlt habe und Freude empfunden
habe, habe es gegeben (IV-act. 308 S. 5). Auf die Frage, wann er letztmals ohne fremde
Hilfe einen Einkauf getätigt habe, gab der Versicherte zunächst an, sich nicht erinnern
zu können, weil er ein Blackout habe, da alle hier sässen (IV-act. 308 S. 5 f.). Später
führte er aus, sich daran zu erinnern, in einem Lebensmittelgeschäft bei ihm in der
Nähe einkaufen gewesen zu sein, da alle in den Ferien gewesen seien und er zu Hause
nichts mehr zu essen gehabt habe (IV-act. 308 S. 8). Nach der Konfrontation mit den
Observationsergebnissen führte der Versicherte aus, er hoffe, dass auch kontrolliert
worden sei, wie oft er die Wohnung verlassen habe. Es gebe Tage, an denen er
gezwungen sei, rauszugehen. Dies mache er dann vielleicht für eine halbe Stunde oder
Stunde. Aber es gehe ihm dabei nicht gut. Er müsse sich dazu zwingen und
überwinden. Sobald er zu Hause sei, fühle er sich wieder geschützt (IV-act. 308 S. 11).
In einem Bericht vom 17. Oktober 2017 hielt med. pract. E._ fest, dass die
Observation negative Auswirkungen auf den Gesundheitszustand des Versicherten
gehabt habe (IV-act. 319). Der Versicherte werde seit anfangs 2017 von einer
ambulanten psychiatrischen Spitex betreut, die ca. alle zwei Wochen zu ihm komme
mit dem Ziel, das in der Therapie theoretisch Besprochene praktisch umzusetzen. Mit
Hilfe der Spitex sei es gelungen, dass der Versicherte etwas mehr, aber noch immer
sehr wenig, aus der Wohnung komme. Bei der Observation seien Teile dieser kleinen,
aber doch vorhandenen Behandlungserfolge festgestellt worden (IV-act. 319 S. 3).
Aufgrund der Observationsergebnisse könne die Diagnose einer sozialen Phobie weder
gestellt noch ausgeschlossen werden (IV-act. 319 S. 4).
Am 15. März 2018 erstattete Dr. med. L._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, im Auftrag der IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 329). Im
Rahmen der Begutachtung war auch eine neuropsychologische Abklärung durch Dr.
phil. M._, Diplompsychologe, Klin. Neuropsychologe, Fachpsychologe für
Neuropsychologie, durchgeführt worden. In seiner Beurteilung war Dr. M._ zum
Schluss gekommen, dass die ungewöhnliche Schwere der Störungen vor dem
Hintergrund der Krankheitsfaktoren erklärungsbedürftig erscheine. Es bestehe eine
B.d.
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gewisse Diskrepanz zum zu erwartenden Leistungsprofil. Einerseits sei ein prämorbides
Ausgangsniveau im Bereich einer schweren Lernbehinderung anzunehmen. Hierauf
wiesen die Schulzeugnisse hin. Beim Einsatz von Beschwerdevalidierungsverfahren sei
bei Personen mit deutlich unterdurchschnittlicher Intelligenz und schweren kognitiven
Beeinträchtigungen Vorsicht geboten. Andererseits seien beim Versicherten
Krankheitsfaktoren zu berücksichtigen. Auch wäre bei einem langjährigen starken
sozialen Rückzug und einer konsekutiven Deprivation eine sekundäre Abnahme der
Hirnleistung denkbar. Entsprechend schwere Einschränkungen wie im Fall des
Versicherten wären im Rahmen dieser Störungen auch bei vorbestehend
unterdurchschnittlichem Ausgangsniveau jedoch nicht zu erwarten. Die Ergebnisse
seien zudem diskrepant zu den im Dossier enthaltenen Berichten der
Ausbildungsstätte, in denen sich keine Hinweise auf massive Gedächtnisstörungen
hätten finden lassen. Allerdings handle es sich bei einer testpsychologischen
Untersuchung um eine soziale Situation mit Leistungsprüfungscharakter, was bei
ausgeprägter Angst vor negativer Bewertung aufgrund der zu erwartenden
Angstreaktion zu einer Leistungslimitation führen könne. Der Versicherte habe sich
durchgängig hoch angespannt und nervös gezeigt. Daher sei es wahrscheinlich, dass
die Performance in der Untersuchung nicht das volle Leistungsvermögen im Alltag bei
normalem Anspannungsniveau abbilde. Aber auch suboptimales Leistungsverhalten sei
nicht sicher auszuschliessen. Da die Resultate überwiegend wahrscheinlich nicht das
tatsächliche Leistungsniveau abbildeten, sei eine sinnvolle Interpretation der Resultate
in Bezug auf Leistungen in vertrauten Situationen nicht möglich. Das Verhalten in der
Testsituation mit hochgezogenem Kragen und Hand vor dem Mund sowie
ausgeprägter Anspannung könne gegenüber dem bei der durchgeführten Observation
beobachteten Verhalten als diskrepant beurteilt werden. Wiederum könnte der
Verhaltensunterschied durch die Situation bedingt sein (IV-act. 330). Dr. L._ konnte in
seinem Gutachten keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen (IV-
act. 329 S. 87). Zur Erklärung führte er aus, dass sich die psychiatrische Diagnostik
ganz wesentlich auf subjektive Angaben des Versicherten abstützen müsse. Dies
bedinge zuverlässige Angaben. Im vorliegenden Fall liessen sich viele Hinweise dafür
finden, dass die Angaben des Versicherten nicht zuverlässig seien. Beispielsweise
habe er bei verschiedenen Behandlern und Untersuchern angegeben, das Haus nicht
zu verlassen. Bei der Observation sei er jedoch an zufällig ausgewählten Tagen häufig
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ausser Haus angetroffen worden. Dabei habe er entspannt gewirkt, sich unauffällig
bewegt und den Mund nicht durch die Hand oder Kleider versteckt. Sehr auffällig sei
das Untersuchungsresultat der neuropsychologischen Abklärung im Rahmen der
Vorbegutachtung gewesen. Interessant sei auch der Vergleich mit der
neuropsychologischen Testung durch Dr. M._. Dieser habe ebenfalls ein
unterdurchschnittliches Leistungsprofil beschrieben. Insgesamt sei das Profil aber
deutlich besser als in der Vorbegutachtung ausgefallen, namentlich auch bei den
Symptomvalidierungstests. Dies bedeute, dass der Versicherte auch in dieser sehr
speziellen Situation sein Verhalten ein wenig modulieren könne und dies auch tue.
Selbst wenn das auffällige Verhalten bei der aktuellen neuropsychologischen
Untersuchung vielleicht teilweise krankheitsbedingt sei, lasse sich aus den Befunden
nicht auf das tatsächliche Leistungsniveau schliessen. Insgesamt liessen sich
eindeutige Hinweise auf gravierende Diskrepanzen und Widersprüche finden, sodass
letztlich nicht auf das tatsächliche Vorhandensein einer sozialen Phobie und die
tatsächlichen Einschränkungen geschlossen werden könne. In Anbetracht aller Akten
sei es insgesamt zwar möglich und einigermassen plausibel, dass der Versicherte unter
einer sozialen Phobie leide, diese Störung könne jedoch nicht derart stark ausgeprägt
sein, wie dies der Versicherte selber angegeben habe und die Einschränkungen
könnten nicht derart gravierend sei, wie vom Versicherten berichtet und in der
Untersuchungssituation teilweise demonstriert worden sei. Daher sei es insgesamt
nicht möglich, eine Diagnose eindeutig zu begründen und zu den
Leistungseinschränkungen Stellung zu nehmen. Auch liessen sich in den Akten
Hinweise auf ein Rentenbegehren bzw. eine eingeschränkte Motivation und
Selbstlimitierung finden (IV-act. 329 S. 79 ff.). Wenn tatsächlich eine soziale Phobie
bestehen würde, wäre die bisherige Therapie nicht lege artis gewesen. Zu empfehlen
wäre in erster Linie ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Vorgehen mit begleiteten
Expositionen (IV-act. 329 S. 87). Zusammenfassend liessen sich aufgrund der
eingeschränkten Mitwirkung des Versicherten keine Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit begründen (IV-act. 329 S. 93 ff.).
Mit einem Vorbescheid vom 6. Juni 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung seines Rentenbegehrens mit Verweis auf das Gutachten von Dr. L._ in
B.e.
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C.
Aussicht. Im vorliegenden Fall sei keine relevante Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen (IV-
act. 334)
In einem gegen den Vorbescheid gerichteten Einwand vom 5. Juli 2018 (IV-
act. 336) liess der Versicherte im Wesentlichen auf einen beigelegten Arztbericht von
med. pract. E._ vom 3. Juli 2018 verweisen (IV-act. 335).
B.f.
Mit Verfügung vom 21. August 2018 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten ab (IV-act. 339).
B.g.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer),
weiterhin vertreten durch Fürsprecher Küng, am 18. September 2018 Beschwerde
(act. G 1) mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 21. August 2018 sei vollumfänglich aufzuheben und ihm sei
eine ganze Invalidenrente ab wann rechtens, spätestens ab dem 1. Januar 2016,
zuzusprechen und zu entrichten; alles unter gesetzlicher Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1 S. 2). In
prozessualer Hinsicht stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung und unentgeltliche Rechtsverbeiständung (act. G 1 S. 2 und G 4).
Zusammen mit seiner Beschwerde reichte er einen weiteren Bericht von med. pract.
E._ vom 12. September 2018 ein (act. G 1.3).
C.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 12. November 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
C.b.
Am 20. November 2018 entsprach das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das
Beschwerdeverfahren (act. G 6).
C.c.
In seiner Replik vom 19. März 2019 hielt der Beschwerdeführer an den in der
Beschwerde gestellten Anträgen fest (act. G 16).
C.d.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung vom 21. August 2018 einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu
Recht verneint hat.
2.
Mit Schreiben vom 26. April 2019 hielt die Beschwerdegegnerin an dem in der
Beschwerdeantwort gestellten Antrag vollumfänglich fest und verzichtete auf die
Erstattung einer ausführlichen Duplik (act. G 18).
C.e.
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.1.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 und 115 V 134 E. 2). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden Instanzen die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
2.2.
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stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der Fachperson begründet sind (zum Ganzen BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Die
Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine
Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt
sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts
genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als
die wahrscheinlichste würdigt (BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen; Urteile des
Bundesgerichts vom 28. April 2017, 8C_794/2016, E. 4.1, und 17. August 2016,
8C_307/2016, E. 5.3).
Der im Sozialversicherungsprozess herrschende Untersuchungsgrundsatz (Art. 61
lit. c ATSG) schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die
Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten
jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten
wollte (Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2017, 8C_794/2016, E. 4.3.1; BGE 117
V 263 f. E. 3b). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen; Urteile
des Bundesgerichts vom 28. April 2017, 8C_794/2016, E. 4.3.1, und 17. August 2016,
8C_307/2016, E. 5.3, je mit Hinweisen). Im Verzicht auf die Abnahme weiterer
Beweismittel ist dann keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör zu
erblicken, wenn von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen keine neuen wesentlichen
Erkenntnisse mehr zu erwarten sind (Urteile des Bundesgerichts vom 28. April 2017,
8C_794/2016, E. 4.2, und 15. März 2017, 9C_662/2016, E. 2.2).
2.3.
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3.
Zunächst ist zu prüfen, ob aufgrund der medizinischen Aktenlage der
Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit festgestellt werden kann.
3.1.
Gestützt auf die medizinische Aktenlage ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass beim Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung eine psychische Gesundheitsbeeinträchtigung bestanden
hat. Sowohl die behandelnden Ärzte med. pract. E._ und Dr. G._ als auch der
psychiatrische Gutachter Prof. H._ sind von einer sozialen Phobie ausgegangen (IV-
act. 246, 285 S. 84 und 319 S. 1 f.). Selbst Dr. L._, der es nicht für möglich gehalten
hat, eine eindeutige psychiatrische Diagnose zu begründen, hat den Verdacht auf eine
soziale Phobie geäussert und dazu festgehalten, es sei in Anbetracht der gesamten
Aktenlage und der verschiedenen Untersuchungsergebnisse einigermassen plausibel,
dass der Beschwerdeführer unter einer sozialen Phobie leide, jedoch nicht im
angegebenen und demonstrierten Ausmass (IV-act. 329 S. 83). Neben einer schweren
sozialen Phobie hat Prof. H._ in seiner gutachterlichen Untersuchung vom 7. März
2017 auch eine andauernde Persönlichkeitsänderung, eine rezidivierende depressive
Störung (im Verlauf schwankend zwischen mittelgradig und schwer) sowie
Zwangsgedanken und Zwangshandlungen gemischt diagnostiziert (IV-act. 285 S. 84).
Die Entstehung der Persönlichkeitsänderung hat Prof. H._ mit dem jahrelangen
Stress des Beschwerdeführers in der Auseinandersetzung mit seiner Krankheit bei
fehlenden frühzeitigen Behandlungsangeboten erklärt. Schliesslich habe die massive
Störung der Ich-Strukturen neben einer Problematik in der Selbst- und
Fremdwahrnehmung sowie der Realitätsprüfung auch zu einer massiven Störung der
Affektregulation mit dem Auftreten rezidivierender depressiver Episoden geführt. Auch
die Zwangsstörung sei im Sinne einer sekundären Symptomausweitung des
psychodynamischen Prozesses zu sehen (IV-act. 285 S. 79 f.). Dazu passend haben
bereits die behandelnden Ärzte des Psychiatriezentrums N._ in einem Bericht vom
25. Januar 2010 Hinweise auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend
ängstlichen und abhängigen Anteilen sowie eine depressive Problematik, damals
jedoch lediglich als leichte depressive Episode, genannt (IV-act. 151 S. 2). Der
behandelnde Psychiater med. pract. E._ ist seit der Erstvorstellung des
Beschwerdeführers vom 13. Oktober 2015 von einer schwergradigen depressiven
Episode ausgegangen und hat somit eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
seit dem Jahr 2010 angenommen (vgl. insbesondere IV-act. 209 S. 4 und 221 S. 6 f.).
Zusammenfassend sind im Grundsatz somit sämtliche behandelnde Ärzte und
3.2.
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Gutachter, die seit der Neuanmeldung des Beschwerdeführers bei der
Beschwerdegegnerin im Juni 2015 (IV-act. 202) bzw. Februar 2016 (IV-act. 208)
Stellung genommen haben, von einer psychischen Beeinträchtigung ausgegangen.
Aufgrund der beim Beschwerdeführer bestehenden Geburtsgebrechen, die zu
zahlreichen Operationen geführt haben (vgl. IV-act. 7, 17, 26, 30 ff., 42, 123 und 285
S. 58), ist denn auch von einer bereits in der Kindheit und Jugend existierenden
psychischen Belastung auszugehen. Der Beschwerdeführer hat in den beiden
gutachterlichen Untersuchungen relativ differenziert und plausibel von den durch die
Geburtsgebrechen bedingten Belastungen einhergehend mit einer erlebten
Ausgrenzung in der Schule und dem Gefühl fehlender Akzeptanz und Wertschätzung
im persönlichen Umfeld berichtet (IV-act. 285 S. 58 ff. und 329 S. 57 ff.). In den
Berichten zur beruflichen Eingliederung ist dazu passend wiederholt auf eine
Selbstwertproblematik hingewiesen worden und ein gewisser sozialer Rückzug des
Beschwerdeführers beschrieben worden (vgl. IV-act. 45 S. 1, 57 S. 1, 66 S. 2, 89 S. 1,
122 S. 2 und 144 S. 3 f.; vgl. ferner IV-act. 94 und 114). Auch finden sich in den
Berichten zur beruflichen Eingliederung Hinweise darauf, dass der Arbeitsweg dem
Beschwerdeführer Probleme bereitet habe, da es ihm aufgrund seines Aussehens
schwer gefallen sei, sich im öffentlichen Raum zu zeigen (vgl. IV-act. 45 S. 1, 57 S. 1,
66 S. 2, 89 S. 1, 122 S. 2 und 144 S. 3 f.; vgl. ferner IV-act. 94 und 114). Die
Beschwerdegegnerin ist deshalb für die Kosten einer Wohnung in der Nähe des
Ausbildungsbetriebes aufgekommen (vgl. IV-act. 126). In einem Bericht eines IV-
Berufsberaters ist zu Beginn der beruflichen Eingliederung auch ein genereller
Entwicklungsrückstand im Sinne einer erhöhten Irritierbarkeit, eines mangelhaften
Selbstvertrauens und eines reduzierten Realitätsbezuges beschrieben worden (vgl. IV-
act. 45 S. 1). Neben den Selbstwertproblemen und Unsicherheiten aufgrund der
Geburtsgebrechen haben sich beim Beschwerdeführer auch schon früh schulische
Schwierigkeiten gezeigt (vgl. z.B. IV-act. 44 S. 2 und 45 S. 1), die gemäss Dr. M._
gewisse kognitive Einschränkungen erklären könnten (vgl. IV-act. 330 S. 11). Bei der
Berufswahl und dem Einstieg ins Berufsleben hat der Beschwerdeführer sodann
Unterstützung durch die Beschwerdegegnerin erhalten. Er hat nicht sogleich eine
Ausbildung aufgenommen, sondern zunächst ein Lehrvorbereitungsjahr absolviert (IV-
act. 50). Danach ist man zum Schluss gelangt, dass dem Beschwerdeführer gleichwohl
nicht eine Lehre in der freien Wirtschaft, sondern nur im geschützten Rahmen
zugemutet werden könne (IV-act. 57 und 66 S. 2). Während dieser Ausbildung ist es
auch bereits zu einer ersten psychischen Dekompensation gekommen, die den
Beschwerdeführer zu einem Unterbruch seiner Ausbildung gezwungen hat (vgl. IV-
act. 89, 91, 94, 98 und 104). Er hat danach keine Volllehre mehr in Angriff genommen
3.3.
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(vgl. IV-act. 122), sondern nur aber immerhin eine Attestausbildung abschliessen
können (IV-act. 144 und 148). Bereits in der schulischen und beruflichen Ausbildung
und Entwicklung haben sich demnach gewisse Auffälligkeiten gezeigt. Dass die
Selbstwertproblematik, die durch die schulischen Schwierigkeiten und den schwierigen
Einstieg ins Berufsleben möglicherweise noch verstärkt worden ist (der
Beschwerdeführer hat zudem von Insuffizienzgefühlen gegenüber anderen
Familienmitgliedern berichtet; vgl. IV-act. 329 S. 59), auf Dauer zu depressiven
Reaktionen führen kann, ist gut nachvollziehbar. Dies erst recht, wenn sich der
Beschwerdeführer, wie von ihm behauptet, nach Abschluss der Ausbildung sozial noch
mehr isoliert hat. Er hat ausgeführt, dass er es während der Ausbildung noch geschafft
habe, rauszugehen (vgl. IV-act. 329 S. 59). Ein gewisser, möglicherweise nach
Abschluss der Ausbildung fortschreitender sozialer Rückzug ist aufgrund der vom
Beschwerdeführer geschilderten schmerzlichen Erfahrungen in den sozialen
Interaktionen und dem Unwohlsein im eigenen Körper äusserst plausibel. Die
durchgeführte Observation hat denn auch kein sozial aktives Verhalten des
Beschwerdeführers zu Tage gefördert. Vielmehr hat sich der Beschwerdeführer
lediglich im Umkreis seiner Wohnung bewegt und sich auch während langer Zeit in der
eigenen Wohnung aufgehalten, wobei keine anderen Personen gesichtet worden sind.
Der einzige soziale Kontakt, welchen die Observation gezeigt hat, ist eine kurze
Unterhaltung mit der (...) des Beschwerdeführers, also mit einem Familienmitglied,
gewesen (IV-act. 299 i.V.m. 308). Der Beschwerdeführer hatte vor der Observation
anlässlich der Begutachtung durch Prof. H._ angegeben, sich von seiner (...) jeweils
(...) (IV-act. 285 S. 66) und Kontakte zu Familienmitgliedern, aber eben nur zu solchen,
zu pflegen (vgl. IV-act. 285 S. 60). Beim obgenannten anlässlich der Observation
festgestellten Kontakt hat es sich also um einen vom Beschwerdeführer angegebenen
Kontakt und nicht um einen Kontakt mit einer fremden Person gehandelt. Auch haben
sich in der Observation keine besonderen Aktivitäten des Beschwerdeführers gezeigt
(vgl. IV-act. 299), welche die von Prof. H._ und den behandelnden Ärzten gestellten
Diagnosen als eindeutig falsch darstellen würden. Das anlässlich der Observation an
zwei Tagen hintereinander beobachtete Putzen desselben Fensters (vgl. IV-act. 299
S. 4) könnte sogar ein Indiz für die seitens Prof. H._ diagnostizierte Zwangsstörung
sein (vgl. IV-act. 285 S. 84). Zu einem zwanghaften Verhalten passt auch die anlässlich
einer Besprechung bei der Beschwerdegegnerin von Dr. J._ gemachte Beobachtung,
wonach der Beschwerdeführer nach dem Unterschreiben des Gesprächsprotokolls
wiederholt die Papiere geordnet habe, wobei Dr. J._ allerdings den Eindruck hatte,
der Beschwerdeführer habe sich bei dieser Handlung beobachtet gefühlt (vgl. IV-
act. 310 S. 1). Die Observationsergebnisse lassen aber jedenfalls nicht den Schluss zu,
der Beschwerdeführer sei nicht krank. Wie med. pract. E._ nachvollziehbar
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beschrieben hat, können nämlich auch Personen, die an einer schweren depressiven
Episode oder an einer sozialen Phobie leiden, gelegentlich das Haus verlassen (vgl. IV-
act. 319 S. 6), um beispielsweise wie der Beschwerdeführer einen Einkauf zu tätigen
oder den Müll zu entsorgen, zumal erkrankte Menschen ja auch als Teil ihrer Therapie
dazu aufgefordert werden, nach draussen zu gehen (vgl. dazu IV-act. 319 S. 3).
Überdies hat der Beschwerdeführer anlässlich einer Besprechung bei der
Beschwerdegegnerin auf eine entsprechende Frage sogar bereits vor der Konfrontation
mit dem Observationsergebnis zugegeben, aufgrund einer Notsituation in einem
Lebensmittelgeschäft einkaufen gewesen zu sein (vgl. IV-act. 308 S. 8). Med. pract.
E._ ist nach dem Gesagten also darin zuzustimmen, dass aufgrund der
Observationsergebnisse beim Beschwerdeführer weder eine Diagnose gestellt noch
eindeutig widerlegt werden kann (vgl. IV-act. 319 S. 4).
Gleichwohl sind die von Dr. L._ in seinem Gutachten vom 15. März 2018
geäusserten Zweifel an der von Prof. H._ und med. pract. E._ attestierten
100%igen Einschränkung der Leistungsfähigkeit nachvollziehbar. Dr. L._ hat
einerseits auf die Diskrepanzen zwischen den vom Beschwerdeführer anlässlich der
Begutachtung durch Prof. H._ angegeben massiven Einschränkungen (er verlasse nie
alleine die eigene Wohnung; er traue sich nur nachts an den Briefkasten zu gehen, um
unbeobachtet zu bleiben; auch im Flur des Mehrfamilienhauses halte er sich möglichst
nicht auf; er tätige keine Einkäufe; vgl. IV-act. 285 S. 64 ff.) und dem in der Observation
gezeigten Verhalten, bei welchem der Beschwerdeführer das Haus allein verlassen
habe, selber einkaufen gegangen sei und im Gegensatz zur Untersuchungssituation
unbeschwert gewirkt habe (vgl. IV-act. 299), hingewiesen (vgl. IV-act. 329 S. 79). Zwar
können die von med. pract. E._ behaupteten Fortschritte durch eine
Spitexbehandlung nicht ausgeschlossen werden (vgl. IV-act. 319 S. 3). Allerdings ist es
nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, dass die Behandlungserfolge einer nur ca. alle
zwei Wochen stattfindenden Spitexbehandlung mit Beginn ab 2017 (vgl. dazu IV-
act. 319 S. 3) es dem Beschwerdeführer bei dem von Prof. H._ beschriebenen
schweren Krankheitsbild bereits im frühen Sommer 2017 erlaubt haben sollen, allein
frequentierte Plätze wie Einkaufsläden oder eine Bushaltestelle aufzusuchen und das
Haus mehrfach hintereinander zu verlassen. Dass sich der Beschwerdeführer gerade
an zwei Tagen hintereinander bzw. teilweise sogar zweimal am selben Tag ausser Haus
begeben hat (vgl. IV-act. 299), ist erstaunlich, da eine solche Exposition bei einer
schweren Chronifizierung der Krankheit, wie sie beim Beschwerdeführer laut Dr. H._
bestanden hat, doch mit einer erheblichen Kraftanstrengung verbunden sein dürfte. Es
soll in keiner Weise in Abrede gestellt werden, dass der Beschwerdeführer in seinem
Alltag von Ängsten oder Zwängen schwer belastet sein könnte und es ihn
3.4.
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möglicherweise Überwindung gekostet hat, ausser Haus zu gehen. Doch lässt die
Observation gleichwohl gewisse Zweifel daran aufkommen, ob der Beschwerdeführer
seine Einschränkungen anlässlich der Begutachtungen authentisch vorgetragen hat.
Weiter hat Dr. L._ nämlich auch auf gewisse Auffälligkeiten in den
neuropsychologischen Testverfahren hingewiesen (vgl. IV-act. 329 S. 79 ff.). In der
anlässlich der ersten Begutachtung durchgeführten neuropsychologischen Abklärung
durch Neuropsychologin I._ haben sich massive Verhaltensauffälligkeiten gezeigt
(vgl. IV-act. 285). Auch in der neuropsychologischen Testung durch Dr. M._ haben
sich schlechtere Resultate gezeigt als aufgrund der psychischen Beeinträchtigungen
und der schulischen Defizite zu erwarten gewesen wäre. Dr. M._ hat zudem auf die
Diskrepanz der Ergebnisse zu den Berichten der Ausbildungsstätten, in denen sich
keine Hinweise auf massive Gedächtnisstörungen hätten finden lassen, hingewiesen.
Allerdings hat Dr. M._ als Erklärungsansatz für die schlechten Testwerte angeführt,
dass es sich bei einer testpsychologischen Untersuchung um eine soziale Situation mit
Leistungsprüfungscharakter handle, was bei einer ausgeprägten Angst vor einer
negativen Bewertung aufgrund der zu erwartenden ausgeprägten Angstreaktion zu
einer Leistungslimitation führen könne. Der Beschwerdeführer habe sich durchgängig
hoch angespannt und nervös gezeigt. Daher sei es wahrscheinlich, dass die
Performance in der Untersuchung nicht das volle Leistungsvermögen des
Beschwerdeführers im Alltag bei einem normalen Anspannungsniveau abbilde (vgl. IV-
act. 330 S. 11 f.). Dem entspricht auch die Angabe des Beschwerdeführers, dass er
sich anlässlich der neuropsychologischen Untersuchungen beobachtet gefühlt habe
und nicht seine optimale Leistung habe zeigen können (vgl. z.B. IV-act. 319 S. 5).
Ebenfalls passend dazu ist bereits in einem Zwischenbericht eines IV-Berufsberaters
aus dem Jahr 2005 festgehalten worden, dass der Beschwerdeführer bei
Schnuppertagen in potentiellen Lehrbetrieben stets blockiert gewesen sei und nicht
seine gewohnte Leistung bzw. sein wahres Potential habe zeigen können (IV-act. 57
S. 1, oben). Einerseits ist es also gut möglich, dass der Beschwerdeführer aufgrund
seiner Selbstwertproblematik und einer daraus möglicherweise entstandenen
Persönlichkeitsstörung Versagensängste hat, sodass er in Drucksituationen seine
Leistungen nicht richtig abrufen kann bzw. sein Leistungspotential nicht voll entfalten
kann. Auch ein krankhaft bedingtes Vermeidungsverhalten von Drucksituationen liesse
sich somit gut erklären. Den Akten lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer
Druck immer wieder ausgewichen ist. So hat der Beschwerdeführer anlässlich eines
Gesprächs mit dem IV-Eingliederungsberater beispielsweise den Wunsch geäussert,
statt einer Volllehre eine zweijährige Attestausbildung zu absolvieren (IV-act. 122).
Zudem hat er ein auf seinen Wunsch hin organsiertes Praktikum kurzfristig abgelehnt
mit der Begründung, er habe dort nicht genügend Zeit, um sich auf die
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Lehrabschlussprüfung vorzubereiten, während er im Lehrbetrieb die Möglichkeit habe,
an seiner Vertiefungsarbeit für die Schule zu schreiben (IV-act. 144 S. 4). Auch der
Umstand, dass er sich bis zum Lehrabschluss bzw. nach dem Lehrabschluss gar nicht
erst um eine Stelle in der freien Wirtschaft bemüht hat, da er sich nicht für ausreichend
belastbar und eingliederungsfähig gehalten hat, könnte mit einem krankhaft bedingten
Vermeidungsverhalten in Zusammenhang stehen (vgl. IV-act. 145 S. 1 und 144 S. 4).
Prof. H._ hat sich die auffälligen Resultate anlässlich der neuropsychologischen
Testung denn auch durch die Krankheit des Beschwerdeführers erklärt (vgl. IV-act. 285
S. 79). Andererseits könnte das in den Akten verschiedentlich dokumentierte
Vermeidungsverhalten auch durch eine mangelnde Motivation und
Leistungsbereitschaft bzw. gewisse Rentenbegehrlichkeiten bedingt sein, wie dies Dr.
L._ beschreibt (vgl. IV-act. 329 S. 83; vgl. dazu auch den Schlussbericht der
beruflichen Eingliederung; IV-act. 145). Immerhin finden sich auch in den Berichten zur
beruflichen Eingliederung unterschiedliche Beschreibungen. Teilweise wird der
Beschwerdeführer als motiviert und leistungswillig beschrieben (vgl. IV-act. 45 S. 1, 44
S. 3 und 144). Teilweise wird aber auch auf eine mangelnde Motivation hingewiesen
(vgl. IV-act. 144 und 143 S. 2, 137 S. 2, 136 S. 2). Beispielsweise ist im Schlussbericht
des C._ festgehalten worden, dass der Beschwerdeführer aufgrund religiöser
Feiertage darauf bestanden habe, die Pausen durcharbeiten zu können, um früher nach
Hause gehen zu können und dass er für das Abhalten seiner wöchentlichen Gebete
vermehrte Pausen eingefordert habe (vgl. IV-act. 144 S. 2). Dies spricht dafür, dass
sich der Beschwerdeführer nicht lediglich aus krankheitsbedingten Gründen, sondern
auch aus persönlichen Gründen nicht immer leistungswillig gezeigt hat. Auch die im
Schlussbericht des C._ beschriebenen fehlenden Bewerbungsbemühungen sowie
der Kontaktabbruch zu einem Jobcoach zusammen mit dem geäusserten Wunsch,
nach dem Lehrabschluss zunächst zwei bis drei Monate Ferien zu machen (vgl. IV-
act. 144), könnten auf eine suboptimale Leistungsbereitschaft hinweisen. Im
Schlussbericht zur beruflichen Eingliederung hat die zuständige
Eingliederungsverantwortliche sodann angemerkt, dass eine deutliche Diskrepanz
zwischen den Rückmeldungen des Lehrbetriebs sowie den beiden
Praktikumsbetrieben und der Selbsteinschätzung des Versicherten bestehe. Ob das
geringe Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten und das entsprechende Verhalten
(Vermeidungsverhalten, fehlende Arbeitsbemühungen) ausschliesslich durch die
psychische Problematik begründet seien oder ob allenfalls invaliditätsfremde Gründe
eine Rolle spielten, könne aus Sicht der Berufsberatung nicht abschliessend beurteilt
werden (IV-act. 145; vgl. dazu auch den seitens des Versicherten geäusserte Wunsch
nach Rentenprüfung, IV-act. 146 S. 7). Schliesslich hat sich der Beschwerdeführer
nach einhelliger Meinung der beiden Gutachter bisher auch nur ungenügend
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therapieren lassen (vgl. IV-act. 285 S. 80 f. und 85; IV-act. 329 S. 87 und 89). Schon im
Rahmen der beruflichen Eingliederung hat er sich nicht durchgängig therapiewillig
gezeigt, weshalb ihm die Beschwerdegegnerin den Besuch einer Psychotherapie unter
Verweis auf die ihn treffenden Schadenminderungs- und Mitwirkungspflichten auferlegt
hatte (vgl. IV-act. 104, 107 und 116). Andererseits hat Prof. H._ dem
Beschwerdeführer eine krankheitsbedingt mangelnde Therapieadhärenz attestiert
(vgl. IV-act. 285 80 f. und S. 86) und auch med. pract. E._ hat ausgeführt, dass eine
stationäre Therapie dem Beschwerdeführer aktuell nicht möglich sei (vgl. IV-act. 319
S. 7).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die gesamte Aktenlage einerseits
Anhaltspunkte für gesundheitliche Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers,
andererseits aber auch solche für ein suboptimales Leistungsverhalten und eine
mangelnde Motivation liefert. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass Dr.
L._ ausgeführt hat, keine eindeutige Beurteilung der Leistungsfähigkeit abgeben zu
können, obwohl er gesundheitliche Beeinträchtigungen keineswegs ausgeschlossen
hat (vgl. IV-act. 329 S. 83). Aufgrund der vorhandenen Aktenlage ist es dem Gericht
nicht möglich, mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
festzustellen, in welchem Ausmass der Beschwerdeführer aus gesundheitlichen
Gründen in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Angesichts der Feststellung von
Dr. M._, wonach nicht anzunehmen sei, dass der Beschwerdeführer in
Drucksituationen sein wahres Leistungspotential zeigen könne (vgl. IV-act. 330 S. 11),
und der von Dr. L._ vermuteten unzureichenden Mitwirkung des Beschwerdeführers
im Rahmen der Begutachtung (vgl. IV-act. 329), sind von einer weiteren Begutachtung
keine wesentlichen Erkenntnisse mehr zu erwarten. Auch med. pract. E._ hat darauf
hingewiesen, dass es schwierig sein dürfte, durch weitere Abklärungen weitere
Erkenntnisse zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu erlangen (vgl. IV-act. 335
S. 10). Die von ihm vorgeschlagene berufliche Abklärung (vgl. IV-act. 335 S. 10) dürfte
die vorliegend bestehenden Unsicherheiten ebenfalls nicht beseitigen können. Denn es
ist zu erwarten, dass das vom Beschwerdeführer im Rahmen einer solchen Abklärung
gezeigte Verhalten von beruflichen Abklärungspersonen kaum eindeutig der Krankheit
oder einer mangelnden Motivation zugewiesen werden könnte. Ohnehin ist die
Leistungsfähigkeit in erster Linie medizinisch-theoretisch zu bestimmen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_332/2009, E. 3.4 mit Hinweis). Schliesslich ist
auch nicht anzunehmen, dass sich der Beschwerdeführer aufgrund der geltend
gemachten Beschwerden in der Lage sehen würde, an einer solchen Abklärung
teilzunehmen. Folglich hat der Beschwerdeführer die Folgen der Beweislosigkeit zu
tragen und das Rentenbegehren ist abzuweisen. Sollte sich der Beschwerdeführer zu
3.5.
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4.