Decision ID: ddc32fde-69d9-455c-8f91-19e88e53fb67
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.A. wurde per 1. Januar 2013 mit einem Beschäftigungsgrad von 80 % als Mitglied
der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde X. (KESB X.) zu einem Lohn von
monatlich Fr. 6'552.10 angestellt (act. 18/1). Anlässlich einer Besprechung vom 25.
Februar 2013 wurde das Angestelltenverhältnis von B.B., dem Vorsitzenden des
Geschäftsausschusses der KESB X., und C.C., der KESB-Präsidentin, während der
Probezeit auf den 4. März 2013 gekündigt und A.A. mit sofortiger Wirkung freigestellt.
Hierfür legten sie ihr ein von ihnen unterzeichnetes Schreiben vor, welches vom
26. Februar 2013 datierte. Dieses Schreiben wurde A.A. zusätzlich, lediglich
unterzeichnet durch den Vorsitzenden des Geschäftsausschusses der KESB X., am 26.
Februar 2013 zugestellt (act. 18/10).
B.
Am 4. März 2013 liess A.A. durch ihren damaligen Rechtsvertreter bei der
Schlichtungsstelle in Personalsachen des Kantons St. Gallen ein Begehren um
Durchführung einer Schlichtungsverhandlung einreichen. Am 8. März 2013 erklärte sich
die Schlichtungsstelle für nicht zuständig und überwies die Eingabe der KESB X.
(act. 18/12). Mit Schreiben vom 12. April 2013 lehnte die KESB X. eine Entschädigung
von A.A. ab, nachdem sie mit A.A. am 10. April 2013 eine Besprechung durchgeführt
hatte (act. 18/14).
C.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Am 6. August 2013 erhob A.A. (Klägerin) durch ihren damaligen Rechtsvertreter Klage
beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, die KESB X. (Beklagte) sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zu verpflichten, ihr Fr. 6'552.10 nebst Zins zu 5 %
seit dem 4. März 2013 zu bezahlen (act. 1).
D.
Mit Klageantwort vom 23. August 2013 beantragte die Beklagte, die Klage sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Klägerin abzuweisen (act. 4). Mit Replik
vom 17. September 2013 bestätigte die Klägerin ihre Anträge und Ausführungen (act.
6). Am 1./11. April 2014 reichte die Beklagte die Interkommunale Vereinbarung über die
KESB X. (nachfolgend: Vereinbarung, act. 14) und das Personaldossier der Klägerin
nach (act. 13 und 17 f.), worauf die Klägerin am 15. Mai 2014 abschliessend Stellung
nahm (act. 22).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Gemäss dem Anstellungsvertrag vom 4. Juni 2012 (act. 2/2) richten sich die
Anstellungsbedingungen grundsätzlich nach dem Personalrecht des Kantons St.
Gallen, d.h. nach dem Personalgesetz (sGS 143.1, PersG) und der Personalverordnung
(sGS 143.11, PersV). Dementsprechend ist von einem öffentlich-rechtlichen
Arbeitsverhältnis zwischen der Klägerin und der Beklagten als selbständige öffentlich-
rechtliche Körperschaft des Gemeinderechts auszugehen, welches sich sachgemäss
nach dem PersG und der PersV richtet (vgl. GVP 2007 Nr. 5 E. 1.2.1 mit Hinweisen
sowie Art. 14 PersG, Art. 1 der Vereinbarung in Verbindung mit Art. 4 des
Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über das Kindes- und
Erwachsenenschutzrecht, sGS 912.5, EG-KES, und Art. 95 Abs. 2 des
Gemeindegesetzes, sGS 151.2, GG). Gemäss Art. 79 erster Satzteil des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, VRP) beurteilt das Verwaltungsgericht
vermögensrechtliche Ansprüche aus dem durch Verfügung begründeten
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Anstellungsverhältnis in Gemeinden. Die Bestimmung bringt zum Ausdruck, dass die
Klage vor Verwaltungsgericht nicht nur dann gewährleistet sein soll, wenn das
Angestelltenverhältnis vertraglich begründet wurde, sondern – da es den Gemeinden
freigestellt ist, inwieweit sie das Personalgesetz des Kantons anwenden wollen –
weiterhin auch, wenn und solange sie bei der verfügungsweisen Anstellung bleiben
(vgl. Teilentscheid des Verwaltungsgerichts K 2013/3 vom 28. April 2015 E. 1 mit
Hinweis auf ABl 2010 S. 1585 ff., S. 1656, www.gerichte.sg.ch). Das Dienstverhältnis
der Klägerin beruht auf dem Wahlbeschluss vom 30. April 2012 (act. 18/2) des
Stadtrates Altstätten, dem Rechtsvorgänger des Geschäftsausschusses der Beklagten
(vgl. Ziff. 2 des Anstellungsvertrages vom 1./4. Juni 2012, act. 18/1, und Art. 9 lit. b der
Vereinbarung). Unabhängig davon, ob das Arbeitsverhältnis der Klägerin durch
Verfügung (durch den zitierten Wahlbeschluss allein) oder durch öffentlich-rechtlichen
Vertrag (durch den Wahlbeschluss und die Willenserklärung der Klägerin vom 4. Juni
2012, act. 18/1) begründet worden ist, ist das Verwaltungsgericht zur Behandlung der
Klage zuständig. Weiter setzt die Erhebung der Klage voraus, dass der Anspruch durch
die oberste in der Sache zuständige Verwaltungsbehörde des Gemeinwesens, gegen
den sich der Anspruch richtet, abgelehnt worden ist (Art. 80 Abs. 2 erster Satz VRP).
Mit Schreiben vom 12. April 2013 (act. 18/14) hat der Beirat der Beklagten als oberstes
Organ (Art. 4 der Vereinbarung) den Anspruch der Klägerin abgelehnt, weshalb auch
diese Klagevoraussetzung erfüllt ist. Im Weiteren ist die Zuständigkeit der
Schlichtungsstelle für Personalsachen des Kantons auf die Personengruppen gemäss
Art. 2 PersG beschränkt und kann vertraglich nicht auf andere Personengruppen
ausgedehnt werden. Die Schlichtungsstelle in Personalsachen weigerte sich am
8. März 2013 deshalb mit Recht, im konkreten Fall tätig zu werden (act. 18/12). Da ein
Schlichtungsverfahren auf Gemeindestufe weder in der Vereinbarung noch im
Anstellungsvertrag vom 1./4. Juni 2012 vorgesehen ist, steht der Klage im konkreten
Fall nicht entgegen, dass analog zu Art. 78 Abs. 2 PersG kein Schlichtungsverfahren
auf Gemeindestufe durchgeführt wurde (vgl. Teilentscheid des Verwaltungsgerichts K
2013/3 vom 28. Mai 2015 E. 2, www.gerichte.sg.ch). Weiter finden im erstinstanzlichen
Klageverfahren die Bestimmungen über die Rechtsmittelfrist (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 47 Abs. 1 VRP) keine Anwendung. Auch ist die Legitimation als
Sachurteilsvoraussetzung eines Anfechtungsverfahrens (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP) keine Prozessvoraussetzung (Cavelti/Vögeli,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, N 1152 f. sowie
VerwGE K 2012/5 vom 19. Dezember 2013 E. 3 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
Im übrigen ist die Klage am 6. August 2013 erhoben worden (act. 1), nachdem es die
Beklagte am 12. April 2013 abgelehnt hatte, der vermögensrechtlichen Forderung der
Klägerin zu entsprechen (act. 18/14). Somit ist die sechsmonatige Frist gemäss
Art. 81 PersG eingehalten, und es braucht nicht geprüft zu werden, ob diese Vorschrift
im konkreten Fall sachgemäss Anwendung findet. Die Klage erfüllt ferner in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 80 Abs. 1 in Verbindung
mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Klage ist einzutreten. Damit erübrigt sich
das Einholen der von der Klägerin beantragten Amtsauskunft bei der Aufsichtsbehörde
der Beklagten (act. 1, S. 4). Auch kann offen gelassen werden, ob das Schreiben der
Beklagten vom 12. April 2013 (act. 18/14) gemäss der Auffassung der Klägerin zu