Decision ID: 26afba7e-829c-4aa2-9e5c-ece8c1f8a266
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist seit 2004 im Besitz eines Führerausweises. Wegen Überschreitens der
gesetzlich zulässigen Geschwindigkeit von 120 km/h um 36 km/h wurde ihm der
Führerausweis mit Verfügung des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes des
Kantons St. Gallen (im Folgenden: Strassenverkehrsamt) vom 16. Juni 2006 für die
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Dauer von drei Monaten entzogen. Der Vollzug dauerte vom 26. Juni bis 25. September
2006.
B.- Am Mittwoch, 3. März 2010, um 05.55 Uhr lenkte X seinen Personenwagen "Audi D
S8 Quattro" in Davos Platz, auf der Talstrasse in Richtung Davos Dorf. Bei der
Dischmakreuzung missachtete er ein Rotlichtsignal und fuhr ohne anzuhalten über die
Verzweigung. Gemäss Polizeirapport wurden Drittpersonen dabei nicht gefährdet. X
wurde daraufhin von einem hinter ihm fahrenden Polizisten angehalten und kontrolliert.
Dabei wurde festgestellt, dass die Scheiben des Fahrzeugs vereist waren. In der Folge
verurteilte das Strassenverkehrsamt des Kantons Graubünden X mit Strafmandat vom
9. Juni 2010 wegen Nichtbeachtens eines Lichtsignals sowie wegen Inverkehrbringens
eines Fahrzeugs in nicht vorschriftgemässem Zustand zu einer Busse von Fr. 350.--.
Am Sonntag, 13. Juni 2010, um 13.46 Uhr fuhr X mit dem Motorrad "Honda J" in Flums
auf der Staatsstrasse in Richtung Mels. Eigenen Angaben zufolge war er mit einer
Geschwindigkeit von 60 km/h unterwegs und beschleunigte nach dem Weiler Halbmil
auf 80 km/h. An dieser Stelle beschreibt die mit Bitumen geflickte Strasse eine leichte
Rechtskurve. Nachdem das Vorderrad kurz die Bodenhaftung verloren hatte, konnte X
zunächst einen Sturz verhindern. Doch dann rutschte das Vorderrad auf einem
weiteren Strassenflick weg. In der Folge stürzte X mitsamt dem Motorrad auf die rechte
Seite. Er rutschte ca. 70 Meter über die Gegenfahrbahn geradeaus Richtung
Leitplanke. Das Motorrad rutschte anschliessend noch 20 Meter weiter und kollidierte
mit Leitplankenelementen. X wurde leicht verletzt. Am Motorrad entstand ein
Totalschaden von Fr. 10'000.-- und an der Leitplanke ein Sachschaden von
Fr. 2'100.--. Wegen dieses Vorfalls wurde X mit Bussenverfügung des
Untersuchungsamtes Uznach (Zweigstelle Flums) vom 5. Oktober 2010 wegen
Nichtanpassens der Geschwindigkeit zu einer Busse von Fr. 300.-- verurteilt.
C.- Das Strassenverkehrsamt eröffnete am 31. August 2010 ein
Administrativmassnahmeverfahren und gab X Gelegenheit zur Stellungnahme. Dieser
liess sich nicht vernehmen. Mit Verfügung vom 1. Oktober 2010 entzog das
Strassenverkehrsamt X den Führerausweis wegen Lenkens eines Fahrzeugs mit
vereister Frontscheibe und Missachtens eines Rotlichtsignals sowie wegen
Nichtbeherrschens des Fahrzeugs für die Dauer von 13,5 Monaten.
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D.- Am 13. Oktober 2010 erhob X beim Strassenverkehrsamt Rekurs gegen die
Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 1. Oktober 2010. Die Eingabe wurde
zuständigkeitshalber an die Verwaltungsrekurskommission weitergeleitet. X beantragte
sinngemäss, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und die
Führerausweisentzugsdauer so weit wie möglich zu reduzieren. Die Vorinstanz
verzichtete auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge sowie auf die Akten wird, soweit

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 13. Oktober 2010 wurde bei der
Vorinstanz eingereicht (Eingang: 15. Oktober 2010). Diese überwies ihn am 19. Oktober
2010 zuständigkeitshalber an die Verwaltungsrekurskommission (Art. 11 Abs. 3 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Die
Rechtsmittelfrist ist eingehalten, wenn das Rechtsmittel rechtzeitig bei einer
unzuständigen Stelle des Kantons eingereicht worden ist (vgl. U.P. Cavelti/T. Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, N 906). Der Rekurs ist somit rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- In tatsächlicher Hinsicht führt der Rekurrent zum Vorfall vom 3. März 2010 in Davos
im Wesentlichen aus, das Rotlichtsignal habe nicht dem Strassenverkehr, sondern der
Bahn gegolten. Bei Minus-Temperaturen habe er während zehn Minuten mit dem
Polizeibeamten diskutiert; nachher sei die Frontscheibe erneut vereist gewesen. Auf
den Fotos erkenne man sein Gesicht, demnach sei die Frontscheibe an den
"wichtigen" Stellen nicht vereist gewesen. Der Rekurrent bestreitet folglich, die ihm
angelasteten Tatbestände erfüllt zu haben.
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Zum Selbstunfall mit dem Motorrad vom 13. Juni 2010 in Flums wendet der Rekurrent
sinngemäss ein, ihm könne kein Verschulden vorgeworfen werden, da er gar nicht zu
schnell gefahren sei. Schuld am Sturz seien die weichen Strassenflicke gewesen.
a) Nach ständiger Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem
Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht
beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen
Entscheid führt, oder wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den
feststehenden Tatsachen klar widerspricht (hat sie hingegen keine zusätzlichen
Beweise erhoben, hat sie sich grundsätzlich an die Würdigung des Strafrichters zu
halten) oder schliesslich wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere die Verletzung
bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 124 II 103). Die Verteidigungsrechte
und allfällige Rechtsmittelmöglichkeiten hat der Beschuldigte bereits im Strafverfahren
wahrzunehmen, wenn er weiss oder annehmen muss, dass gegen ihn auch ein
Führerausweisentzugsverfahren durchgeführt werden wird.
b) Der Rekurrent wurde mit Strafmandat des Strassenverkehrsamtes des Kantons
Graubünden vom 9. Juni 2010 wegen Nichtbeachtens eines Lichtsignals gemäss
Art. 27 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) und Art. 68
Abs. 1 und 1 der Signalisationsverordnung (SR 741.21, abgekürzt: SSV) in
Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG und wegen Inverkehrbringens eines Fahrzeuges in
nicht vorschriftgemässem Zustand gemäss Art. 29 SVG und Art. 57 Abs. 2 der
Verkehrsregelnverordnung (SR741.11, abgekürzt: VRV) in Verbindung mit Art. 93 Ziff. 2
Satz 1 SVG zu einer Busse von Fr. 350.-- verurteilt. Das Strafmandat stützt sich auf den
Rapport der Verkehrspolizei des Kantons Graubünden vom 25. März 2010 (act. 11/2).
Er wurde auf die Einsprachemöglichkeit innert zehn Tagen aufmerksam gemacht.
Mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes Uznach vom 5. Oktober 2010 wurde
der Rekurrent wegen Nichtanpassens der Geschwindigkeit nach Art. 32 Abs. 1 i.V.m.
Art. 90 Ziff. 1 SVG zu einer Busse von Fr. 300.-- verurteilt. Dabei stützte sich das
Untersuchungsamt auf den Polizeirapport vom 22. Juni 2010 (act. 11/3); gleichzeitig
wurde der Rekurrent über die Weiterleitung der Bussenverfügung an das
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Strassenverkehrsamt sowie über die Möglichkeit der Einspracheerhebung orientiert
(act. 11/6, S. 2).
Der Rekurrent musste folglich mit der Eröffnung eines
Administrativmassnahmeverfahrens rechnen. Dessen ungeachtet liess er das
Strafmandat vom 9. Juni 2010 sowie die Bussenverfügung vom 5. Oktober 2010 in
Rechtskraft erwachsen, weshalb die Administrativbehörde an die tatsächlichen
Feststellungen in den Strafverfahren grundsätzlich gebunden ist.
c) Die geltend gemachten Einwände gegen die tatsächlichen Feststellungen in den
Strafverfahren hätte der Rekurrent schon in jenen Verfahren vorbringen müssen. Darauf
ist im Administrativmassnahmeverfahren aufgrund der Bindungswirkung der
Strafentscheide nicht mehr einzugehen.
3.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in
Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und
wird dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in
Kauf genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
a) Die Vorinstanz hat das Führen eines Fahrzeugs in nicht vorschriftgemässen Zustand
als schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinn von
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG qualifiziert. Zur Begründung führte sie aus, die Pflicht vereiste
Scheiben zu reinigen, sei für die Verkehrssicherheit sehr wichtig. Die durch diese
Pflichtverletzung hervorgerufene abstrakte Gefährdung des Strassenverkehrs sei gross
gewesen; das Verschulden des Rekurrenten wiege dabei schwer. Im Unterschied dazu
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hat der Strafrichter dasselbe Verhalten mit einer Übertretungsstrafe (Busse) geahndet,
was im Massnahmerecht einer leichten oder mittelschweren Widerhandlung entspricht.
Die Verwaltungsbehörde ist in der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts frei, ausser
die rechtliche Qualifikation hängt stark von der Würdigung von Tatsachen ab, die der
Strafrichter besser kennt, etwa weil er den Beschuldigten persönlich einvernommen hat
(Urteil des Bundesgerichts 1C_429/2009 vom 17. Februar 2010, E. 3.1). Letzteres trifft
auf den vorliegenden Fall nicht zu. Insbesondere liegt der strafrechtlichen Verurteilung
lediglich eine polizeiliche Befragung zu Grunde.
b) Nach Art. 29 SVG dürfen Fahrzeuge nur in vorschriftsgemässem und
betriebssicherem Zustand verkehren. Sie müssen so beschaffen und unterhalten sein,
dass die Verkehrsregeln befolgt werden können und dass Führer, Mitfahrende und
Strassenbenützer nicht gefährdet werden. Vorschriftsgemäss ist der Zustand eines
Fahrzeuges dann, wenn es den Vorschriften über Bau und Ausrüstung von
Strassenfahrzeugen entspricht (vgl. R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Band I: Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln,
2. Aufl. 2002, N 471). Der Begriff der Betriebssicherheit wird in einem weiten, auch die
Verkehrssicherheit umfassenden Sinn verstanden (vgl. Schaffhauser, a.a.O., N 473). Die
allgemeine Regel von Art. 29 SVG wird in verschiedenen Bestimmungen konkretisiert
(vgl. Schaffhauser, a.a.O., N 474). So schreibt Art. 57 Abs. 2 VRV vor, dass Scheiben
sauber gehalten werden müssen. Gegen diese Bestimmung verstösst unter anderem,
wer mit vereister Windschutzscheibe fährt.
c) In der angefochtenen Verfügung wird dem Rekurrenten vorgeworfen, er sei der
Pflicht, vereiste Autoscheiben vor Fahrbeginn zu reinigen, nicht nachgekommen, und
habe dadurch eine grosse abstrakte Gefährdung des Strassenverkehrs hervorgerufen.
Der Rekurrent bestritt gegenüber der Polizei nicht, die Scheiben vor der Fahrt nicht
vom Eis befreit zu haben. Er hielt aber dafür, dass er trotzdem genug gesehen habe.
Der Strafrichter erwog, dass die Frontscheibe nur unvollständig vom Eis befreit und die
Sicht vom Führersitz aus für den Lenker beeinträchtigt gewesen sei. Zum Ausmass der
Beeinträchtigung der Sicht äussern sich weder der Strafentscheid noch die
angefochtene Verfügung. In den Akten liegen Kopien von drei Polizeifotos. Die Fotos
wurden bei Dunkelheit (morgens um 05.55 Uhr) erstellt, und zwar eines von aussen und
deren zwei aus dem Fahrzeuginnern. In der Aussenansicht ist der hinter dem Steuerrad
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sitzende Lenker durch die Frontscheibe erkennbar. Die Sicht durch das obere Drittel
der Frontscheibe erscheint auf diesem Bild wenig beeinträchtigt. Beim mittleren Drittel
ist die Beeinträchtigung etwas grösser und beim untersten Drittel sind die
Sichtverhältnisse zufolge Eisbeschlags ausgesprochen schlecht. Die beiden Fotos mit
der Innenansicht bestätigen, dass die Frontscheibe im untersten Drittel am meisten, im
mittleren Drittel weniger und im obersten Drittel am wenigsten mit Eis beschlagen war.
Selbst im mittleren Bereich sind indessen verschiedene Verkehrssignale erkennbar. Zu
berücksichtigen ist, dass die Fotos mit Blitz erstellt wurden. Dies führt zu einer
unnatürlichen Beleuchtung im Fahrzeuginnern und lässt möglicherweise auf eine
schlechtere Sicht schliessen, als sie tatsächlich war. Die Sichtverhältnisse waren -
soweit dies aus den in den Akten liegenden Kopien der Originalfotos hervorgeht - aber
nicht derart schlecht, dass dem Rekurrenten das Verursachen einer grossen abstrakten
Gefährdung des Strassenverkehrs vorgeworfen werden könnte. Daran ändert auch
nichts, dass die Scheibenwischer vor dem Fotografieren der Frontscheibe betätigt
wurden, denn Eis lässt sich damit nicht entfernen. Insgesamt hat der Rekurrent eine
mittelschwere Gefährdung geschaffen. Ebenfalls mittelschwer, d.h. weder leicht noch
schwer, ist das Verschulden des Rekurrenten. Anstatt das Eis von den Scheiben zu
entfernen und damit mit geringem Aufwand für klare Sichtverhältnisse zu sorgen, setzte
er sich ohne entsprechende Vorkehrungen hinter das Steuer. Zu seinen Gunsten ist
davon auszugehen, dass die Sicht zwar erheblich beeinträchtigt war, aber nicht in
einem solchen Ausmass, dass ihm Rücksichtslosigkeit vorzuwerfen wäre.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Rekurrent durch die
Verkehrsregelverletzung eine mittelschwere Gefahr für die Sicherheit anderer hervorrief
und sein Verschulden mittelschwer war. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist die
Verkehrsregelverletzung damit nicht als schwere, sondern als mittelschwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG einzustufen. Dass der Rekurrent
nicht nur mit einer vereisten Frontscheibe gefahren ist, sondern auch noch ein auf Rot
geschaltetes Lichtsignal missachtete - dabei jedoch niemanden gefährdete -, ist bei
der Bemessung der Entzugsdauer zu berücksichtigen. Der Strafrichter beurteilte diese
zusätzliche Verkehrsregelverletzung als unter das OBG fallend.
4.- Der Rekurrent verursachte am 13. Juni 2010 einen Selbstunfall mit einem Motorrad.
Gemäss den verbindlichen Feststellungen im Polizeirapport verlor er in einer leichten
Rechtskurve die Kontrolle über sein Fahrzeug. Das Vorderrad rutschte nach links weg
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und er stürzte mitsamt seinem Motorrad auf die rechte Seite. Der Rekurrent schlitterte
in der Folge mit seinem Motorrad geradeaus über die Gegenfahrbahn in Richtung
Leitplanke. Nach ungefähr 70 Metern kam er zum Stillstand; das Motorrad rutschte
jedoch noch 20 Meter weiter und prallte in die Leitplanke. Aufgrund der Wucht des
Aufpralls wurde das Vorderrad mitsamt der Gabel abgerissen und auf das
gegenüberliegende Trottoir geschleudert. Der Rekurrent wurde leicht verletzt.
Das Beherrschen des Fahrzeugs und das Fahren mit angemessener Geschwindigkeit
sind wichtige und grundlegende Bestimmungen des Strassenverkehrsrechts, die für die
Sicherheit grosse Bedeutung haben. Durch die nichtangepasste Fahrweise mit
anschliessendem Selbstunfall hat der Rekurrent andere Verkehrsteilnehmer gefährdet.
Diese Gefährdung blieb zwar abstrakt, indem weitere Verkehrsteilnehmer weder vom
Unfallereignis unmittelbar betroffen, noch bezüglich Leib und Leben in irgendeiner
Weise gefährdet wurden. Es ist aber lediglich dem Zufall zu verdanken, dass sich zum
Unfallzeitpunkt keine weiteren Verkehrsteilnehmer in der Nähe der Unfallstelle
befanden; denn kurz vor dem Unfall hat er einen Personenwagen überholt. Ein
Motorfahrzeug, das von seinem Lenker nicht mehr beherrscht wird, stellt naturgemäss
eine erhebliche Gefahr dar (vgl. VRKE IV-2006/188 vom 19. April 2007 E. 4b/bb; GVP
1983 Nr. 92). Dies gilt umso mehr, als der Rekurrent mit seinem Fahrzeug auf die
Gegenfahrbahn geriet. Die geschaffene abstrakte Gefährdung kann daher nicht mehr
als gering eingestuft werden.
Wenngleich Motorfahrzeugführern allgemein bekannt ist, dass das Befahren von mit
Bitumen geflickten Strassen besonderer Sorgfalt bedarf, wiegt das Verschulden des
Rekurrenten nicht allzu schwer. Folglich kann nicht mehr von einer leichten
Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG ausgegangen werden. Die
Vorinstanz hat den Vorfall zu Recht als mittelschwere Widerhandlung gemäss Art. 16b
Abs. 1 lit. a SVG eingestuft.
5.- Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind die
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen. Die Mindestentzugsdauer,
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welche für eine mittelschwere Widerhandlung einen Monat beträgt (Art. 16b Abs. 2 lit. a
SVG), darf jedoch nicht unterschritten werden.
a) Ausgangspunkt für die Bemessung der Entzugsdauer ist die Mindestentzugsdauer
von einem Monat. Dass der Führerausweis früher bereits einmal wegen einer schweren
Widerhandlung entzogen war, führt nur dann zu einer höheren Mindestentzugsdauer,
wenn die neuerliche Widerhandlung begangen wurde, bevor zwei Jahre nach dem
letzten Führerausweisentzug vergangen sind. Dies trifft hier nicht zu. Denn die Fahrt mit
der vereisten Frontscheibe (3. März 2010) fand rund dreieinhalb Jahre nach dem Ablauf
des dreimonatigen Führerausweisentzugs wegen schwerer Widerhandlung (25.
September 2006) statt. Aufgrund des früheren Führerausweisentzugs ist der
automobilistische Leumund des Rekurrenten jedoch getrübt. Dies wirkt sich ebenso
massnahmeerhöhend aus wie die Umstände, dass das Verschulden nicht mehr leicht
wiegt und er am 3. März 2010 nicht nur mit einer vereisten Frontscheibe fuhr, sondern
zusätzlich ein Lichtsignal nicht beachtete. Schliesslich führt auch zu einer Erhöhung der
Entzugsdauer, dass der Rekurrent am 13. Juni 2010 einen Selbstunfall mit dem
Motorrad zufolge nicht angepasster Geschwindigkeit verursachte und damit eine
weitere mittelschwere Widerhandlung beging. Gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB verurteilt
das Gericht einen Täter, der durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen
für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, zu der Strafe der schwersten Straftat und erhöht
diese angemessen; die Strafe ist angemessen zu erhöhen, jedoch darf das
Höchstmass der angedrohten Strafe maximal um die Hälfte erhöht werden und das
gesetzliche Höchstmass ist zu beachten (BGE 120 Ib 54 E. 2a). Art. 49 StGB ist analog
anzuwenden, wenn mehrere administrativrechtliche Führerausweisentzugsgründe nach
Art. 16 Abs. 3 SVG vorliegen (BSK Strafrecht I-Ackermann, Art. 49 N 40; Urteil des
Bundesgerichts 6A.74/2005 vom 15. März 2006, E. 5.3). Folglich ist nicht für jede
Verkehrsregelverletzung eine einzelne Massnahme anzuordnen. Vielmehr ist die für die
schwerere Verletzung verfügte Massnahme angemessen zu verschärfen, um so zu
einer Gesamtstrafe zu gelangen, welche allen Verfehlungen Rechnung trägt (Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Januar 1999 in Sachen M.B. S. 4). Eine Erhöhung der
Mindestentzugsdauer um drei auf vier Monate erscheint unter den gegebenen
Umständen als angemessen.
b) Der Rekurrent macht geltend, dass er beruflich auf den Führerausweis angewiesen
sei.
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Berufsmässig auf den Einsatz eines Motorfahrzeugs angewiesene Fahrzeuglenker
werden wegen der grösseren Massnahmeempfindlichkeit in der Regel schon durch
eine kürzere Entzugsdauer wirksam von weiteren Widerhandlungen abgehalten. Einem
solchen Lenker soll der Führerausweis deshalb weniger lange entzogen werden als
einem, der sein Fahrzeug beruflich nicht benötigt, selbst wenn beide Fahrzeuglenker
das gleiche Verschulden trifft (vgl. dazu BGE 123 II 572 E. 2c). Die berufliche
Notwendigkeit, ein Fahrzeug zu führen, wird nach der Praxis des Bundesgerichts
grundsätzlich nur angenommen, wenn die Ausübung des Berufs durch den
Führerausweisentzug materiell verboten wird, wie dies beispielsweise bei einem
Berufschauffeur der Fall ist, der für die Fahrdienste entschädigt wird. Ebenso ist die
berufliche Notwendigkeit zu bejahen, wenn die Unmöglichkeit, ein Fahrzeug zu führen,
einen solchen Einkommensverlust oder so beachtliche Kosten verursachen würde,
dass diese Massnahme offensichtlich als unverhältnismässig erscheint. Dagegen liegt
keine massgebliche berufliche Notwendigkeit vor, wenn der Führerausweisentzug die
Ausübung eines Berufes lediglich erschwert, selbst wenn damit ernsthafte
Unannehmlichkeiten und Gewinnausfall verbunden sind (vgl. dazu Pra 79 [1990] Nr.
150). Ein Fahrzeugführer kann aber auch erhöht sanktionsempfindlich sein, ohne dass
geradezu eine berufliche Notwendigkeit vorliegt. Deshalb ist bei der Beurteilung der
beruflichen Angewiesenheit eines Fahrzeuglenkers auf den Führerausweis dem
Grundsatz der Verhältnismässigkeit Rechnung zu tragen. Die Reduktion der
Entzugsdauer bemisst sich danach, in welchem Mass der Fahrzeugführer infolge
beruflicher Angewiesenheit stärker als der normale Fahrer von der Massnahme
betroffen ist (BGE 123 II 572 E. 2c).
Der Rekurrent ist als "Universalmitarbeiter" bei einem Unternehmen in Diepoldsau
angestellt. Er ist kein Berufschauffeur. Aus der von der Arbeitgeberin eingereichten
Bestätigung geht indessen hervor, dass er für den überwiegenden Teil seiner Aufgaben
auf ein Fahrzeug angewiesen ist (act. 4). Auch wenn er zusätzlich nicht näher
spezifizierte Arbeiten innerhalb des Betriebs erledigt und Kunden telefonisch betreut,
so besteht seine Haupttätigkeit in der externen Kundenberatung, im Abholen von
Rohmaterial und der Auslieferung von Fertigteilen. Die Erfüllung dieser Aufgaben ist
ohne Fahrzeug nicht möglich. Gestützt auf die Bescheinigung der Arbeitgeberin ist
davon auszugehen, dass die Berufsausübung wegen eines Führerausweisentzugs
erheblich erschwert wird. Unter diesen Umständen ist von einer leicht erhöhten
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Sanktionsempfindlichkeit auszugehen, was sich im Umfang von ungefähr einem Monat
massnahmemindernd auswirkt. Der Rekurrent unterliess es, die erhöhte berufliche
Sanktionsempfindlichkeit im vorinstanzlichen Verfahren geltend zu machen; dies ist bei
der Kostentragung insoweit zu berücksichtigen, als ihm ein Teil der amtlichen Kosten
aufzuerlegen ist.
c) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Entzugsdauer auf insgesamt 3 Monate zu
reduzieren ist. Im Kostenspruch ist die angefochtene Verfügung zu bestätigen.
6.- Soweit sich der Rekurs gegen den Zeitpunkt der Abgabe des Führerausweises (1.
November 2010) richtet, ist darauf nicht einzutreten. Denn dabei handelt es sich um
eine Vollzugsfrage, zu welcher sich das Gericht nicht äussert.
7.- Der Rekurs ist gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist. Aufgrund der Reduktion
der Entzugsdauer von 13,5 Monaten auf 3 Monate dringt der Rekurrent mit seinem
Begehren durch. In einem solchen Fall trägt in der Regel der unterliegende Beteiligte
die amtlichen Kosten (Art. 95 Abs. 1 VRP). Gemäss Art. 95 Abs. 2 VRP hat jedoch jeder
Beteiligte die Kosten zu übernehmen, die durch nachträgliches Vorbringen von
Begehren, Tatsachen oder Beweismitteln entstehen und deren rechtzeitige
Geltendmachung ihm möglich und zumutbar gewesen wäre. Der Rekurrent machte die
berufliche Angewiesenheit auf den Führerausweis erst im Rekursverfahren geltend,
obwohl ihm dies bereits im Verfahren vor der Vorinstanz möglich und zumutbar
gewesen wäre. Der Berücksichtigung der beruflichen Angewiesenheit kommt - neben
der anderen rechtlichen Qualifikation der Fahrt mit der vereisten Frontscheibe - bei der
erheblichen Reduktion der Entzugsdauer nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Es
erscheint daher sachgerecht, die amtlichen Kosten zu einem Fünftel dem Rekurrenten
und zu vier Fünfteln dem Staat aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.--
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, in: Amtsblatt
des Kantons St. Gallen Nr. 52 vom 27. Dezember 2010, S. 4043). Der Kostenvorschuss
von Fr. 1'200.-- ist im Betrag von Fr. 240.-- zu verrechnen und im Mehrbetrag
zurückzuerstatten.