Decision ID: 5e642c56-be97-43b7-8471-ce6dec391d5c
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a
Der Beschwerdeführer ersuchte am 20. April 2017 in der Schweiz um Asyl.
Zu seiner Person und zur Begründung seines Gesuchs brachte er im We-
sentlichen vor, er sei pakistanischer Staatsangehöriger und ethnischer Ha-
zara, der in Quetta geboren und bis zur Ausreise dort gelebt habe. Ende
August 2012 sei er von zwei unbekannten Personen angeschossen wor-
den, als er mit weiteren Personen mit dem Taxi unterwegs gewesen sei. Es
sei auf sie geschossen worden, weil sie Hazara seien. Am 30. Juni 2013
sei sein Bruder bei einem Selbstmordattentat zusammen mit etwa 30 an-
deren Personen ums Leben gekommen und niemand habe sich um seine
auf der Strasse liegende Leiche gekümmert. Dieses Ereignis habe ihn dazu
bewegt, sich gleichentags als Freiwilliger der Organisation (...) als ehren-
amtlicher Ambulanzfahrer anzuschliessen, um Bombenopfern zu medizini-
scher Versorgung zu verhelfen. Dieser Tätigkeit sei er etwa zweieinhalb
Jahre nebenberuflich nachgegangen. Ab 2014 bis zuletzt im August 2016
hätten ihn unbekannte Personen mehrfach, auch in seinem eigenen Ge-
schäft, mit dem Tode bedroht und aufgefordert, mit dieser Arbeit aufzuhö-
ren. Er habe sich wegen der Drohungen an die Polizei gewandt, die aber
nichts unternommen habe. Schliesslich sei er im November 2016 ausge-
reist.
A.b Mit Verfügung vom 16. April 2020 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylge-
such ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnete deren Vollzug an.
B.
Das Bundesverwaltungsgericht wies die gegen diese Verfügung erhobene
Beschwerde vom 20. Mai 2020 mit Urteil D-2614/2020 vom 4. November
2020 ab.
C.
Mit Eingabe seines neuen Rechtsvertreters reichte der Beschwerdeführer
am 2. Februar 2022 ein «Gesuch um Wiedererwägung» ein. In diesem
machte er im Wesentlichen geltend, sein Gesundheitszustand habe sich
seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erheblich verschlechtert. Er
leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und einer re-
zidivierenden depressiven Störung und sei deshalb seit dem 28. Juni 2021
in therapeutischer Behandlung. Eine Rückkehr nach Quetta sowie generell
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nach Pakistan sei daher sowie aufgrund der Möglichkeit einer Retraumati-
sierung und hinsichtlich der Tatsache, dass sich die finanzielle Situation der
Familie verschlechtert habe, nicht zumutbar. Seit Anfang April 2020 sei der
ältere Bruder des Beschwerdeführers verschwunden und der Vater habe
im Juni 2021 wegen fehlender Visumsverlängerung aus B._ zurück-
kehren müssen und dadurch seine dortige Erwerbstätigkeit verloren. Auch
sei die ältere Schwester arbeitslos. Im Falle einer Rückkehr würde der Be-
schwerdeführer in eine medizinische und persönliche Notlage geraten. Die
festgestellte traumatische Erkrankung belege zudem die Glaubhaftigkeit
seiner flüchtlingsrechtlichen Vorbringen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, die Vollzugsbehörden an-
zuweisen, von konkreten Vollzugsmassnahmen abzusehen und um den
Erlass der Verfahrenskosten.
Der Beschwerdeführer reichte einen fachpsychotherapeutisch-psychiatri-
schen Arztbericht des (...) vom 11. Januar 2022 zu den Akten.
D.
Mit Schreiben vom 8. Februar 2022 wies das SEM die zuständige kanto-
nale Behörde an, von Vollzugshandlungen einstweilen abzusehen.
E.
Mit Verfügung vom 31. März 2022 - eröffnet am 1. April 2022 - wies das
SEM das Wiedererwägungsgesuch ab und erklärte die Verfügung vom
16. April 2020 für rechtskräftig und vollstreckbar. Ebenso lehnte es das Ge-
such um Erlass der Verfahrenskosten ab und legte dem Beschwerdeführer
die Verfahrenskosten von Fr. 600.– auf. Schliesslich hielt es fest, einer all-
fälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
F.
Mit Schreiben vom 1. April 2022 reichte das SEM dem Beschwerdeführer
das medizinische Consulting «Pakistan: Komplexe Posttraumatische Be-
lastungsstörung (K-PTBS) - Hazara in Quetta» vom 4. Mai 2021 nach, auf
welches es sich in seiner Verfügung vom 31. März 2022 bezogen habe.
G.
Mit Beschwerde seines Rechtsvertreters vom 2. Mai 2022 beantragte der
Beschwerdeführer, die vorinstanzliche Verfügung sei vollumfänglich aufzu-
heben und wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläu-
fige Aufnahme anzuordnen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und
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die Sache zur rechtsgenügenden Sachverhaltsabklärung sowie zur Neu-
beurteilung zurückzuweisen. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wir-
kung zu erteilen und die Vollzugsbehörde sei im Sinne vorsorglicher Mas-
snahmen anzuweisen, von jeglichen Vollzugshandlungen Abstand zu neh-
men. Zudem ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege,
inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, sowie um
Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung.
Der Beschwerde lagen Kopien von Dokumenten in Bezug auf die geltend
gemachte erzwungene Ausreise des Vaters aus B._ bei ([...] Ver-
haftungsdokument, Reisepass, Ausreistempel Pass, Foto des Vaters im
Zusammenhang mit der Ausweisung, Flugticket, Fragebogen für Ausrei-
sende), Kontoauszüge aus den Jahren 2016 und 2017 und Fotos von ärzt-
lichen Verschreibungen die Eltern des Beschwerdeführers betreffend.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 4. Mai 2022 hiess der Instruktionsrichter die
Gesuche um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
und um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzich-
tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig wurde das
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gutgeheissen und
Rechtsanwalt lic. iur. Urs Ebnöther als amtlicher Rechtsbeistand des Be-
schwerdeführers eingesetzt. Zudem wurde die Vorinstanz zum Einreichen
einer Vernehmlassung innert Frist eingeladen.
I.
Auf die Vernehmlassung der Vorinstanz vom 9. Juni 2022 erwiderte der
Beschwerdeführer mit Replik vom 16. August 2022.
J.
Der Replik lagen neue Farbfotos der bereits eingereichten ärztlichen Ver-
schreibungen die Eltern des Beschwerdeführers betreffend bei, die Über-
setzung eines «you-toube»-Videoausschnitts des behandelnden Arztes
der Eltern, eine Übersetzung des ärztlichen Rezeptes für den Vater, die
Fotoaufnahme eines Arztpraxisschildes zur Lokalisierung in Quetta sowie
eine Stellungnahme zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
vom (...) vom 11. Juli 2022.
K.
Mit Schreiben vom 16. November 2022 bat der Beschwerdeführer durch
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seinen Rechtsvertreter um das Abwarten eines voraussichtlich Mitte De-
zember 2022 zu erwartenden (...) über den vom Mitte Juni bis Mitte Okto-
ber 2022 erfolgten stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers. Der Be-
schwerdeführer sei seit der stationären Entlassung wieder in der tageskli-
nischen Betreuung des (...) zur drei Mal wöchentlichen Behandlung.
Gleichzeitig wurde informiert, dass die Bankkontoauszüge zur finanziellen
Situation der Familie bis dato noch nicht hätten beschafft werden können.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG)
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist somit grundsätzlich einzutreten (Art. 108 Abs. 6
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG).
In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-
gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
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nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Ebenfalls im Rahmen einer Wiedererwä-
gung zu prüfen sind Beweismittel, die erst nach einem materiellen Be-
schwerdeentscheid des Bundesverwaltungsgerichts entstanden sind und
daher revisionsrechtlich nicht von Relevanz sein können (vgl. BVGE
2013/22 E. 12 und 13).
Die Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig. Sie darf insbesondere nicht
dazu dienen, die Rechtskraft von Verwaltungsentscheiden immer wieder
infrage zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu
umgehen (vgl. BGE 136 II 177 E. 2.1).
2.2 Hinsichtlich der Qualifizierung der Eingabe vom 2. Februar 2022 ist
festzustellen, dass das SEM diese zutreffend als (einfaches) Wiedererwä-
gungsgesuch in Bezug auf die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzu-
ges behandelt hat. Der Beschwerdeführer machte darin – unter Einrei-
chung von nach Abschluss des ordentlichen Asylverfahrens datierenden
medizinischen Unterlagen – eine Verschlechterung seines Gesundheitszu-
standes unter gleichzeitiger Veränderung der finanziellen und sozialen
Lage der Familie geltend und damit das Vorliegen eines allfälligen Voll-
zugshindernisses.
Soweit der Beschwerdeführer zudem vorbrachte, er habe auch aufgrund
neuer Beweismittel nachweisen beziehungsweise glaubhaft machen kön-
nen, dass er in seinem Heimatland flüchtlingsrechtlich relevant gefährdet
sei, ist mit dem SEM festzuhalten, dass er keine weiteren Ausführungen zu
flüchtlingsrechtlich relevanten Begebenheiten gemacht hat. Vielmehr hat
er lediglich behauptet, die Tatsache, dass er noch sehr unter den damali-
gen Erlebnissen leide, unterstreiche die Glaubhaftigkeit der Verfolgungs-
vorbringen.
Auch aus dem eingereichten psychiatrisch-psychotherapeutischen Bericht
der (...) vom 11. Januar 2022 ergeben sich keine Anhaltspunkte, die Ein-
fluss auf die im abgeschlossenen ordentlichen Asylverfahren getroffenen
Einschätzungen in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft haben könnten.
Entgegen den Behauptungen im Wiedererwägungsgesuch, wonach die
massiven Bedrohungen des Beschwerdeführers mit dem Tod (mithin seine
Verfolgungsvorbringen) unter anderem zu seinen psychischen Störungen
geführt hätten (vgl. Eingabe vom 2. Februar 2022, S. 4), lassen sich aus
dem Arztbericht keine genauen Ursachen der Traumatisierung entnehmen
(vgl. Arztbericht, S. 8-10).
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Es ist unter diesen Umständen nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz
die Eingabe vom 2. Februar 2022 lediglich als ein einfaches Wiedererwä-
gungsgesuch in Bezug auf die geltend gemachte Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzuges entgegennahm. Diese Qualifizierung wird im Übri-
gen auch durch den anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer in seiner Be-
schwerdeeingabe nicht in Zweifel gezogen (vgl. Rechtsbegehren sowie
Beschwerdebegründung Ziff. II/3 f.).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer beantragt eventualiter die Kassation der ange-
fochtenen Verfügung und macht geltend, die Vorinstanz habe den Sach-
verhalt in Bezug auf das familiäre und verwandtschaftliche Beziehungsnetz
in Quetta (auch hinsichtlich der finanziellen Familiensituation) nicht hinrei-
chend abgeklärt (vgl. Beschwerde, S. 13), weshalb sich eine Neubeurtei-
lung der Sache aufdränge. Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen.
4.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
Der in Art. 32 VwVG konkretisierte Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ver-
pflichtet die Vorinstanz zudem, die Vorbringen einer Partei tatsächlich zu
hören (Art. 30 f. VwVG), sie sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der
Entscheidfindung zu berücksichtigen. Eng damit zusammen hängt natur-
gemäss die Pflicht der Behörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35
Abs. 1 VwVG).
4.3 Die Vorinstanz hat in der Verfügung vom 31. März 2022 festgehalten,
dass bereits im Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 4. November
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2020 das Beziehungsnetz als tragfähig und der Lebensstandard als über-
durchschnittlich erachtet wurden. Zu Recht hat das SEM in seinem ableh-
nenden Wiedererwägungsentscheid darauf hingewiesen, dass der Be-
schwerdeführer mehrere Einkommensquellen der Familie neben den finan-
ziellen Zuwendungen des Vaters aus B._ erwähnt hat. Zudem hat
das SEM in der Vernehmlassung berechtigterweise betont, dass es an Be-
legen zur aktuellen finanziellen Situation der Familie fehle. Das SEM durfte
insgesamt davon ausgehen, dass die Familie nach wie vor über überdurch-
schnittliche Ressourcen verfügt, selbst wenn der Vater und die Schwester
mittlerweile arbeitslos sein sollten. Inwiefern das SEM weitere Abklärungen
zum vorhandenen Beziehungsnetz beziehungsweise zur aktuellen finanzi-
ellen Situation hätte tätigen sollen, ist – auch vor dem Hintergrund der Mit-
wirkungspflicht des Beschwerdeführers – nicht ersichtlich. Die diesbezüg-
liche Rüge der fehlerhaften Sachverhaltsfeststellung erweist sich als unbe-
rechtigt. Des Weiteren hat die Vorinstanz in der ablehnenden Verfügung
ihre Einschätzung zur Tragfähigkeit des familiären Beziehungsnetzes und
zur fehlenden lebensbedrohenden Situation im Falle der Rückkehr hinrei-
chend begründet. Somit ist auch der Vorwurf der Verletzung der Begrün-
dungspflicht unberechtigt, wonach das SEM unhaltbare Schlüsse aus den
Aussagen der Anhörung in Bezug auf das familiäre Netz geschlossen habe
(vgl. Beschwerde, S. 13, oben).
Die formellen Rügen gehen somit fehl und das Eventualbegehren auf
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur rechtsgenügenden Sach-
verhaltsabklärung ist demnach abzuweisen.
5.
5.1 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung fest, es lägen keine
Gründe vor, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 16. April 2020 be-
seitigen könnten.
5.1.1 Der Vollzug der Wegweisung sei aus medizinischer Sicht zumutbar,
da eine psychiatrische Weiterbehandlung sowohl medikamentös als auch
therapeutisch in Pakistan möglich sei. Gemäss zusätzlicher spezifischer
Abklärungen des SEM sei die Behandlung des Krankheitsbildes der PTBS
sodann auch für Hazara in Quetta in einem öffentlichen und einem privaten
Spital grundsätzlich möglich.
Es sei unter Berücksichtigung des bereits im Urteil vom 4. November 2020
als tragfähig qualifizierten Beziehungsnetzes und des überdurchschnittlich
hohen Lebensstandards des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr nicht
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von einer lebensbedrohenden Situation auszugehen. Die Familie des Be-
schwerdeführers verfüge im Vergleich zu anderen Hazara-Familien nach
wie vor über überdurchschnittliche Ressourcen. Dies auch unter Berück-
sichtigung der unbelegten Behauptung, wonach der aus B._ zu-
rückgekehrte Vater ebenso wie die Schwester mittlerweile arbeitslos seien.
Zur Erleichterung der Finanzierung der psychiatrischen Behandlung vor
Ort könne er zudem einen Antrag auf (medizinische) Rückkehrhilfe stellen.
Neben seinen Eltern und Schwestern habe er zudem mit mehreren Tanten
und einem Onkel in Quetta ein grosses familiäres Netz vor Ort, welches
Unterstützung leisten könne. Die geltend gemachte Gesundheitssituation
erweise sich somit nicht als zusätzliches Gefährdungsindiz gemäss BVGE
2014/32, sodass der Vollzug der Wegweisung aus medizinischer Sicht zu-
mutbar sei.
5.2 In der Beschwerde wird der Argumentation der Vorinstanz, wonach die
gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers kein zusätzliches Ge-
fährdungsindiz darstelle, widersprochen.
5.2.1 Entgegen den Behauptungen des SEM sei eine psychiatrische Wei-
terbehandlung des Beschwerdeführers in Pakistan als Haraza in Quetta
nicht möglich und es liege durch die geltend gemachte Gesundheitssitua-
tion ein zusätzliches Gefährdungsindiz vor. Die medizinische Versorgungs-
lage erweise sich als sehr schwach und die (...) Spitäler (...) in Quetta, der
«(...)» mit dem «Institute (...)» und das «(...) Hospital» befänden sich aus-
serhalb des Hazara-Gebietes und würden von den Angehörigen der Ha-
zara als nicht sicher erachtet werden, da sie in der Vergangenheit von ter-
roristischen Anschlägen betroffen gewesen seien. Auch sei nicht ersicht-
lich, inwieweit ihm die Organisation (...) helfen könne. Zudem verfüge die
Familie nicht über überdurchschnittliche Ressourcen, wie das SEM aber
behaupte. Als der Vater noch in B._ gearbeitet habe, habe er die
Familie finanziell unterstützen können, seit der Verhaftung und Ausweisung
habe sich die finanzielle Lage der Familie allerdings deutlich verschlech-
tert. Der Vater habe im Juni 2021 B._ verlassen und sei momentan
arbeitslos. Die Mutter des Beschwerdeführers sei Hausfrau. Zwei der
Schwestern des Beschwerdeführers arbeiteten als Lehrerinnen, eine sei in
der Ausbildung, der Bruder gelte als vermisst und sei vielleicht Opfer einer
Gewalttat geworden. Das Einkommen der Familie setze sich aus den Ge-
hältern der beiden Schwestern und den Mieteinnahmen der vier Läden zu-
sammen und sei auch für pakistanische Verhältnisse sehr gering. Da zu-
dem beide Elternteile auf ärztliche Hilfe angewiesen seien, stelle dies be-
reits eine grosse finanzielle sowie psychische Belastung dar. Aus Angst vor
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Anschlägen bewege sich die Familie grundsätzlich nur noch in Hazara-
Town. Die Annahme des SEM, in Quetta könne die Behandlung psychi-
scher Krankheiten erfolgen und somit eine Retraumatisierung aufgefangen
und behandelt werden, sei angesichts der tatsächlichen Umstände nicht
zutreffend. Der Beschwerdeführer könne insgesamt nicht auf ein grosses
und vor allem tragfähiges Beziehungsnetz im Heimatstaat zurückgreifen.
Das SEM habe nicht genügend berücksichtigt, dass der Zugang zum Ar-
beitsmarkt für den Beschwerdeführer und seine Familie massiv einge-
schränkt sei. Vor dem Hintergrund der Sicherheitslage der Hazara in Pa-
kistan sei bereits die Zugehörigkeit zu dieser ethnischen Minderheit ein
starkes Indiz für die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. Ange-
sichts der zu würdigenden Veränderung der finanziellen Situation der Fa-
milie sei selbst unter Berücksichtigung der medizinischen Rückkehrhilfe die
medizinische Betreuung des Beschwerdeführers in dem Umfang, auf den
er angewiesen sei, nicht möglich und er würde somit bei einer Rückkehr in
eine medizinische und persönliche Notlage geraten und wäre konkret ge-
fährdet.
5.3 In der Vernehmlassung bringt das SEM vor, die eingereichten medizi-
nischen Verschreibungen für die Eltern seien kaum lesbar und liessen das
Ausstellungsdatum nicht erkennen. Auch sei unklar, seit wann die Diag-
nose der Erkrankungen der Eltern bestehe. Zudem wiesen die Dokumente
nur einen geringen Beweiswert auf. Selbst bei Vorliegen der entsprechen-
den Diagnosen könne nicht grundsätzlich von einer absoluten Arbeitsunfä-
higkeit der Eltern ausgegangen werden.
Zudem falle es auf, dass sich gemäss den eingereichten Dokumenten
beide Elternteile in das «(...) Hospital» begeben haben wollen, obwohl der
Beschwerdeführer für sich selbst eine Behandlung dort ablehne. Die ein-
gereichten Kontoauszüge würden nur die finanzielle Situation der Jahre
2016 bis 2017 wiedergeben, aktuelle Lohnbescheinigungen der Schwes-
tern oder aktuell Auszüge von Vermögenswerten fehlten. Überdies habe
die Rückkehr des Vaters aus B._ beziehungsweise das Beendigen
seiner finanziellen Zuwendungen nicht dazu geführt, dass die breit abge-
stützte finanzielle Situation der Familie mit den überdurchschnittlichen fi-
nanziellen Ressourcen sich zu einer lebensbedrohlichen Situation für den
Beschwerdeführer entwickeln würde.
5.4 In der Replik wird entgegnet, der Beschwerdeführer habe extra die nun-
mehr mitgereichten besser lesbaren Fotoauszüge der ärztlichen Verschrei-
bungen seiner Eltern besorgen lassen, auf denen Stempel und Daten nun
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deutlich erkennbar seien. Überdies sei auf den Dokumenten ersichtlich,
dass sich die Praxis nicht im «(...) Hospital», sondern gegenüber von die-
sem befinde. Auch aus einem Videomitschnitt des behandelnden Arztes
ergebe sich, dass er infolge Pensionierung aus dem «(...) Hospital» aus-
getreten sei. Somit müssten sich die Eltern für die Behandlung nicht ins
Spital begeben, das immer wieder Ziel von Anschlägen sei. Die Schwester
des Beschwerdeführers habe sich bisher erfolglos bemüht, von der Bank
die weiteren Kontoauszüge für die Jahre seit 2018 zu erhalten und versu-
che es weiterhin. Auch wenn die Familie nicht zu den ärmsten in Quetta
gehöre, so leide sie doch Not und lebe in bescheidenen Verhältnissen ein-
zig von den beiden Einkommen der Schwestern des Beschwerdeführers.
Aktuell würden die Lebensumstände durch die Überschwemmungen zu-
sätzlich erschwert. Der gravierend psychisch erkrankte Beschwerdeführer
befinde sich seit dem 23. Juni 2022 in stationärer Behandlung, wie aus
dem beiliegenden psychiatrischen Bericht hervorgehe. Die zuständigen
Ärztinnen wiesen darin insbesondere darauf hin, dass für die adäquate Be-
handlung der komplexen PTBS ein sicheres Umfeld erforderlich sei, um
eine Verbesserung zu erzielen. Bei der Lage in Quetta könne nicht von
einem sicheren Umfeld die Rede sein.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, seit Abschluss des ordentlichen
Verfahrens habe sich sein Gesundheitszustand in relevanter Weise ver-
schlechtert und die finanzielle Situation der Familie stark ungünstig verän-
dert, weshalb wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges die vor-
läufige Aufnahme anzuordnen sei.
6.2 Fraglich ist, ob angesichts einer Veränderung der persönlichen Situa-
tion und des aktuellen Gesundheitszustandes des zur ethnisch-religiösen
Minderheit der schiitischen Hazara gehörenden Beschwerdeführers aus
Quetta ein zusätzliches Gefährdungsindiz gemäss Rechtsprechung vor-
handen und somit der Wegweisungsvollzug unzumutbar geworden ist (vgl.
BVGE 2014/32 E. 9.4).
6.2.1 Gemäss konstanter Praxis der schweizerischen Asylbehörden ist aus
medizinischen Gründen dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs zu schliessen, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im
Zielstaat nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und
lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustands, zur In-
validität oder gar zum Tod der betroffenen Person führen würde. Dabei wird
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als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung er-
achtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz ab-
solut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls noch nicht vor, wenn im
Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard ent-
sprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2011/50
E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 E. 9.3.2)
6.2.2 Die gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdeführers stellen
sich wie folgt dar:
Der Beschwerdeführer leidet gemäss Zwischenbericht der (...) vom 11. Ja-
nuar 2022 an einer PTBS (ICD-10 F43.1) und einer rezidivierenden de-
pressiven Störung (gegenwärtig mittelgradige Episode; ICD-10 F33.1). Er
sei seit dem 28. Juni 2021 in fachpsychotherapeutisch-psychiatrischer Be-
handlung im tagesklinischen Setting und nehme seitdem dreimal wöchent-
lich am kultursensiblen psychotherapeutisch/-psychiatrischen Thera-
pieprogramm teil. Zudem fänden wöchentliche Einzelgespräche statt. Me-
dikamentös werde er mit dem Medikament (...) (Antidepressivum mit Neu-
roleptikum) behandelt, welches die Wirkstoffe (...) enthalte. Ab dem 29.
April 2022 befand sich der Beschwerdeführer gemäss der mit der Replik
eingereichten Stellungnahme des (...) vom 11. Juli 2022 in der ambulanten
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung der Klinik. Gemäss Par-
teieingabe vom 16. November 2022 wurde der Beschwerdeführer dort von
Mitte Juni bis Mitte Oktober 2022 wegen temporärer Suizidalität stationär
behandelt. Seitdem sei er wieder in der Tagesklinik der (...) zur dreimal
wöchentlichen Behandlung.
6.2.3 Zur Behandlung und Prognose der Erkrankung ist folgendes festzu-
halten:
In der Stellungnahme des (...) vom 11. Juli 2022 wird betont, der Beschwer-
deführer sei für die adäquate Behandlung der bestehenden komplexen
PTBS auf ein sicheres Umfeld angewiesen (vgl. Stellungnahme, S. 2).
Auch im Bericht der (...) (vgl. Bericht, S. 13) ist als Behandlungsempfeh-
lung zur Verbesserung der psychischen Symptomatik und längerfristigen
psychischen Genesung hervorgehoben, dass der Beschwerdeführer ein
Gefühl innerer und äusserer Sicherheit erleben müsse. Der weiterhin unsi-
chere Aufenthaltsstatus und die möglicherweise drohende Ausschaffung
nach Pakistan belasteten ihn und verunmöglichten eine weitere und län-
gerfristige psychische Genesung. Zusätzlich sei eine weiterführende psy-
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/50
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Seite 13
chotherapeutisch-psychiatrische Behandlung mit Fokus auf die traumas-
pezifische und depressive Symptomatik dringend indiziert, um therapeuti-
sche Hilfe zur Belastungsverarbeitung, Ressourcenstärkung und nachhal-
tigen Stabilisierung zu gewährleisten.
Die behandelnden Ärzte der (...) halten eine weitere Verschlechterung des
Gesundheitszustandes mit der Gefahr einer Retraumatisierung im Falle ei-
ner Wegweisung aus der Schweiz für wahrscheinlich. In der Stellung-
nahme des (...) wird es als nicht vorstellbar erachtet, dass der Beschwer-
deführer die erforderliche Behandlung in einem sicheren Umfeld im Hei-
matland erhalte, da er dort real verfolgt und mit Mord bedroht würde und
dies seinen Zustand aufrechterhalten oder derart verschlechtern würde,
was zu Suizid oder einer akuten Fremdgefährdung führen könne.
6.2.4 Der Beschwerdeführer ist mithin psychisch an einer PTBS und De-
pression erkrankt, wobei er sich wegen temporärer Suizidalität einige Mo-
nate in stationärer Behandlung befand. Er ist seit Juni 2021 in psychiat-
risch-psychotherapeutischer (tagesklinischer) Behandlung und benötigt
gemäss ärztlichen Schreiben eine psychotherapeutische und psychiatri-
sche Behandlung zur Bewältigung und Verbesserung seines Gesundheits-
zustandes. Generell wird in beiden Arztberichten betont, dass er zur Gene-
sung ein Gefühl innerer und äusserer Sicherheit benötige.
Soweit es in der ärztlichen Stellungnahme vom 11. Juli 2022 die Behand-
lung der PTBS in Pakistan als nicht vorstellbar erachtet wird wegen Verfol-
gungs- und Ermordungsgefahr des Beschwerdeführers, ist festzuhalten,
da es sich hierbei um eine dem Gericht obliegende juristische Frage der
Glaubhaftigkeit der Verfolgungsvorbringen handelt. Vorliegend ist das Bun-
desverwaltungsgericht in seinem Urteil D-2614/2020 vom 4. November
2020 zum Schluss gelangt, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückehr
nach Pakistan keine individuelle Verfolgung zu befürchten hat (vgl. dort
E. 6.2).
Das Abwarten des vom Rechtsvertreter angekündigten Austrittsberichtes
erwies sich nicht als notwendig, da die psychiatrische Klinik bereits mit ihrer
Stellungnahme vom 11. Juli 2022 über den stationären Aufenthalt und den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers informiert hatte und durch die
vorliegenden ärztlichen Berichte der Sachverhalt in Bezug auf den Ge-
sundheitszustand als erstellt zu erachten ist. Insbesondere ist der Eingabe
des Rechtsvertreters vom 16. November 2022 nicht zu entnehmen, dass
sich die Diagnose der Erkrankung oder die therapeutische Behandlung des
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Beschwerdeführers wesentlich verändert hätten. Vielmehr heisst es in dem
Schreiben, dass die drei Mal wöchentliche Behandlung des Beschwerde-
führers in der Tagesklinik der (...) fortgesetzt worden sei. Diese therapeu-
tische Behandlung fand bereits vor der Zuweisung in die psychiatrische
Klinik statt und wurde im Bericht der (...) vom 11. Januar 2022 ausführlich
geschildert.
6.2.5 Hinsichtlich der medizinischen Versorgungslage in Pakistan generell
und speziell in Quetta ist Folgendes festzustellen:
6.2.5.1 Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse geht das Gericht davon
aus, dass in Pakistan psychiatrische Behandlungen grundsätzlich möglich
sind und die verordnete Medikation erhältlich ist, eine adäquate psychiatri-
sche Versorgung im öffentlichen Bereich aber nur sehr beschränkt verfüg-
bar ist.
In Pakistan steht geschätzt ein Psychiater für 400 000 Einwohner zur Ver-
fügung. Zudem sind psychische Krankheiten in der pakistanischen Gesell-
schaft mit einem erheblichen Stigma verbunden (vgl. Schweizerische
Flüchtlingshilfe [SFH], «Pakistan: Zugang zu psychiatrischer Versorgung»,
Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse, 27. Juni 2018, S. 7,
https://www.ecoi.net/en/file/local/2018164/180627-pak-soins-psychiat-
riques-d.pdf, zuletzt abgerufen am 21. November 2022; Austrian Centre for
Country of Origin and Asylum Research and Documentation [ACCORD],
„Anfragebeantwortung zu Pakistan: Lage von Personen mit psychischen
Erkrankungen (a-11252), 30. April 2020, https://www.ecoi.net/de/doku-
ment/2029108.html, zuletzt abgerufen am 21. November 2022). Auch
wenn die Versorgung im öffentlichen Gesundheitswesen in Pakistan grund-
sätzlich kostenfrei wäre, sind die Einrichtungen völlig überlastet und Pati-
enten müssen neben den Kosten für den Transport zu den Spitälern und
den Aufenthalt einen Grossteil der Behandlungen und Medikamente selber
bezahlen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-6084/2020 vom
15. Juni 2021 E. 10.4.3; MALIK, M. A., «Universal health coverage assess-
ment Pakistan», 12.2015, https://ecommons.aku.edu/pakistan_
fhs_mc_chs_chs/203/, abgerufen am 15. November 2022; sowie Quellen
der World Health Organization [WHO], Primary Care Systems Profiles &
Performance (PRIMASYS), 2017, https://www.who.int/alliance-hpsr/pro-
jects/AHPSR-Pakistan-061016.pdf, abgerufen am 15. November 2022).
6.2.5.2 Für ethnische Hazara in Quetta liegen darüber hinaus erschwerte
Bedingungen hinsichtlich des Zugangs zu medizinischer Versorgung vor,
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-6084/2020 https://www.who.int/alliance-hpsr/projects/AHPSR-Pakistan-061016.pdf https://www.who.int/alliance-hpsr/projects/AHPSR-Pakistan-061016.pdf
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da die psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung von PTBS
und Depressionen grundsätzlich in Spitälern in Quetta erfolgt, die aus-
serhalb der Hazara-Enklaven liegen. Zum einen steht das öffentliche «In-
stitute (...) hinter dem «(...)», zum anderen das private «(...) Hospital» zur
Behandlung von PTBS und Depressionen zur Verfügung. Oftmals fürchten
sich Patienten aber angesichts der schlechten Sicherheitslage davor, in
Gebiete und Kliniken zu fahren, die ausserhalb der Hazara-Gebiete liegen,
weshalb der Zugang zur Versorgung als eingeschränkt gelten kann (vgl.
UK Home Office, Country Policy and Information Note Pakistan: Hazaras,
July 2022, https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uplo-
ads/system/uploads/attachment_data/file/1092621/Country_po-
licy_and_information_note_Hazaras_Pakistan_July_2022.pdf, abgeru-
fen am 15. November 2022).
Wer ernsthaft krank ist und es sich finanziell leisten kann, reist für medizi-
nische Behandlungen daher in der Regel nach Karachi (Australian Govern-
ment - Department of Foreign Affairs and Trade [DFAT], «Country Informa-
tion Report Pakistan» (3.7), 25. Januar 2022,
https://www.ecoi.net/en/file/local/2067350/country-information-report-pa-
kistan.pdf, abgerufen 15. November 2022).
Das im ersten Arztbericht erwähnte Medikament (...) sowie Alternativen da-
von sind des Weiteren auch in Pakistan erhältlich (Online Medical Store -
Online Pharmacy in Pakistan, (...), abgerufen am 15. November 2022).
6.2.6 Der Beschwerdeführer macht geltend, die medizinische Behandlung
in den (...) Spitälern (...) in Quetta, im «(...)» und im «(...) Hospital» sei für
ihn als Hazara keine Option. Die Behandlung ausserhalb des Hazara-Ge-
bietes sei angesichts der reellen Gefahr von Selbstmordanschlägen zu ge-
fährlich. Auch das private «(...) Hospital» sei auszuschliessen, da es eben-
falls ausserhalb des Hazara-Gebietes liege.
Diese Angst des Beschwerdeführers ist verständlich und es soll nicht in
Abrede gestellt werden, dass sich viele Hazara angesichts der unsicheren
Lage fürchten, sich in die Spitäler ausserhalb des Hazara-Gebietes aus
Angst vor Anschlägen zu begeben. Das SEM verweist in seiner Verfügung
aber auch auf eine Studie zur psychischen Gesundheit der Hazara-Ge-
meinschaft in Quetta, wonach sich etliche ethnische Hazara trotz der unsi-
cheren Lage ins «(...)-Spital» begeben hätten (vgl. Verfügung des SEM, S.
4).
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Zudem suchen anscheinend auch die Eltern des Beschwerdeführers (zur
Behandlung von Diabetes 2, Bluthochruck, Cholesterinwerten und Blasen-
beschwerden) einen Arzt ausserhalb von Hazara-Town auf. In der Be-
schwerde und in der Replik wird dies selbst mit beigelegten Fotos des Pra-
xisschildes aus Quetta sowie medizinischen Dokumenten belegt. Die Ar-
gumentation in der Replik überzeugt nicht, wonach die Eltern sich ja aus
Angst vor Bombenanschlägen nicht ins «(...) Hospital» begeben würden,
da ihr Arzt ausserhalb des Spitals seine Praxis habe. Auch wenn der pen-
sionierte Arzt nicht mehr direkt im «(...) Hospital» tätig ist, sondern seine
Privatpraxis direkt gegenüber des Spitals hat (vgl. Replik, S. 2), so bleibt
doch als wesentliche Tatsache festzuhalten, dass sich die Eltern anschei-
nend regelmässig ausserhalb von Hazara-Town ganz in die Nähe des «(...)
Hospital» zur ärztlichen Behandlung begeben und damit klar ausserhalb
des Hazara-Gebietes, obwohl die allgemeine Lage dort ausserhalb von
Hazara-Town als unsicher erachtet und das Spital selber als potentielles
Anschlagsziel gesehen wird.
Überdies ist darauf hinzuweisen, dass sich das «(...) Hospital», in dessen
unmittelbare Nähe die Eltern bei ihrem Arzt in Behandlung sind, noch viel
weiter ausserhalb von Hazara-Town befindet als das «(...)-Spital», das di-
rekt an das Gebiet von Hazara-Town grenzt. Es erschliesst sich damit ins-
gesamt nicht, wieso sich der Beschwerdeführer dann nicht in das an Ha-
zara-Town angrenzende «(...)-Spital» zur psychiatrisch-psychotherapeuti-
schen Behandlung begeben könnte.
Zudem widersprechen die Arztbesuche der Eltern bei dem Arzt in der «(...)
Road» gegenüber dem «(...) Hospital» weit ausserhalb von Hazara-Town
der Behauptung in der Beschwerde, die Eltern würden sich aus Angst vor
Terroranschlägen nur noch in Hazara-Town aufhalten und im dortigen Mili-
tärspital behandeln lassen (vgl. Beschwerde, S. 10).
6.2.7 Sicherlich ist es für die psychische Genesung des Beschwerdefüh-
rers, der gemäss Zwischenbericht der (...) zur Verbesserung der psychi-
schen Symptomatik ein Gefühl innerer und äusserer Sicherheit benötigt,
nicht förderlich, dass in Quetta als genesungserschwerende Faktoren die
Angst vor Angriffen in der Stadt und die allgemeine Unsicherheit hinzukom-
men. So sind auch gerade dort in Quetta in der von Terrorismus betroffenen
Hazara-Gemeinschaft PTBS und Depressionen stark verbreitet (siehe
MUHAMMAD SAMSOOR ZARAK, «Assessment of Psychological Status [PTSD
and Depression] Among The Terrorism Affected Hazara Community in
Quetta, Pakistan», Cambridge Medicine Journal, Cambridge, 1-8. Februar
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2020, https://cambridgemedicine.org/new/sites/default/files/2020-
08/ptsd_manuscript_2.pdf, zuletzt abgerufen am 21. November 2022).
Soweit in dem Bericht der (...) der anhaltend unsichere Aufenthaltsstatus
und die drohende Ausschaffung nach Pakistan als weitere Belastungen an-
gesprochen werden, ist anzumerken dass die psychische Belastung hier-
bei auf der generellen Angst vor der Ausschaffung und der Perspektivlosig-
keit im Zusammenhang mit dem unsicheren Aufenthaltsstatus beruhen
dürfte. Dabei handelt es sich aber um einen Umstand, der eine Vielzahl
von Asylsuchenden betrifft, welche ebenso mit der Situation einer mögli-
chen Rückführung in ihr Heimatland konfrontiert sind, weshalb diesem
grundsätzlich keine eigenständige Bedeutung zukommt. Zudem bedeutet
die Anordnung des Wegweisungsvollzuges auf der anderen Seite auch
eine Beendigung der Unsicherheit und ermöglicht dem Beschwerdeführer
die Rückkehr in ein vertrautes familiäres und soziales Umfeld.
6.3 Auch wenn der Zugang zu einer adäquaten Gesundheitsversorgung für
psychisch erkrankte Personen in Pakistan und speziell in Quetta als Ha-
zara erheblich erschwert ist, ist davon auszugehen, dass ein solcher für
den Beschwerdeführer dennoch besteht, da er in seiner Heimat über ein
belastbares familiäres Umfeld mit genügend finanziellen Mitteln verfügt,
welches ihm aus finanzieller Sicht den Zugang zu einer angemessenen
psychiatrischen Versorgung ermöglichen kann.
Im Übrigen steht es ihm im Rahmen der Rückkehr offen, vor der Ausreise
bei der Vorinstanz einen Antrag auf individuelle medizinische Rückkehrhilfe
zu stellen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG; Art. 75 der Asylverordnung 2
vom 11. August 1999 [AsylV2, SR 142.312]).
6.3.1 Soweit der Beschwerdeführer auf das Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts E-1569/2019 vom November 2021 verweist, in welchem die psy-
chische Erkrankung eines Hazara in Quetta zur Bejahung einer konkreten
Gefährdung geführt hat, ist zu entgegnen, dass es sich im betreffenden Fall
um eine Person ohne belastbares soziales Netz gehandelt hat. Vorliegend
kann jedoch angenommen werden, dass das familiäre Umfeld des Be-
schwerdeführers ihm auch aus finanzieller Sicht den Zugang zu einer an-
gemessenen psychiatrischen Versorgung ermöglichen kann.
6.3.2 Der Beschwerdeführer hat nicht glaubhaft machen können, dass sein
familiäres Netz und die finanzielle Situation sich derart verschlechtert ha-
ben, dass der Wegweisungsvollzug als unzumutbar zu erachten ist.
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Das Gericht geht davon aus, dass der Beschwerdeführer in Pakistan nach
wie vor über ein grosses familiäres Beziehungsnetz verfügt. So hatte er in
der BzP ausgesagt, er habe in Quetta mit drei Schwestern, der Mutter und
dem ältesten Bruder zusammengewohnt (vgl. act. A4, S. 5 f.). Auch habe
die Mutter vier Geschwister, die in Quetta lebten (vgl. act. A9, S. 4, F22).
Bei dem Haus, in dem er mit seinen Familienangehörigen gelebt habe,
habe es sich um ein Eigenheim der Familie gehandelt, der Vater habe das
Bauland gekauft und das Haus selber gebaut (vgl. act. A9, S. 3, F9-F11).
Der Beschwerdeführer habe 2014 sein eigenes Kleidungsgeschäft aufge-
macht (vgl. act. A9, S. 5, F39), wobei die Geschäfte gut gelaufen seien (vgl.
act. A9, S. 7, F58). Der Vater habe für die Familie vier Ladenlokale eröffnet,
eines habe der Beschwerdeführer besessen, die anderen drei seien ver-
mietet worden (vgl. act. A9, S. 6, F44). Neben den finanziellen Zuwendun-
gen des Vaters aus B._ habe die ältere Schwester auch Geld für
die Familie durch ihre Arbeit bei den Medien in Quetta verdient (vgl. act. A9,
S. 7, F61, F67). Gemäss eigenen Angaben des Beschwerdeführers sei es
der Familie finanziell gut gegangen (vgl. act. A9, S. 8, F69).
Auch wenn sich der Vater des Beschwerdeführers, der seit 1991 in
B._ mit legaler Aufenthaltsbewilligung gelebt und gearbeitet habe
(vgl. act. A9, S. 3, F14), dort tatsächlich seit Juni 2021 nicht mehr aufhalten
und einem Erwerb nachgehen sollte (vgl. Beschwerde, Beilagen 3-8),
heisst dies nicht, dass er nicht angesichts seiner Arbeitserfahrung im Ver-
kauf und seiner handwerklichen Fähigkeiten in Pakistan wieder einer Er-
werbstätigkeit nachgehen kann. Zumal der in der Beschwerde skizzierte
Gesundheitszustand des Vaters keine vollständige Arbeitsunfähigkeit an-
nehmen lässt (vgl. Beschwerde, S. 9). Zu Recht hat das SEM auch in der
Vernehmlassung darauf hingewiesen, dass weder aktuelle Lohn- und Ver-
mögenswerte des Vaters noch Lohnauszüge der als Lehrerinnen tätigen
Schwestern (vgl. Beschwerde, S. 9) eingereicht worden sind (vgl. Ver-
nehmlassung, S. 2). Auch Kontoauszüge zu den Mieteinnahmen durch die
Vermietung der Ladenlokale fehlen. Somit ist auch die Behauptung, wo-
nach durch die Arbeitslosigkeit des Vaters und der älteren Schwester keine
finanziellen Zuwendungen in die Familie flössen, nicht belegt. Bezeichnen-
derweise hat der Beschwerdeführer bis dato keine aktuellen Kontoauszüge
eingereicht. Warum dies nicht möglich sein sollte, wie wiederholt behauptet
wird, aber Kontoauszüge der Jahre 2016-2017 eingereicht werden konnten
(vgl. Beschwerde, Beilage 9), bleibt fraglich.
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Ebenso werfen die Behauptungen in der Beschwerde im Zusammenhang
mit dem geltend gemachten Verschwinden des älteren Bruders Fragen auf.
Im Wiedererwägungsgesuch heisst es, ein weiterer Faktor für die schlech-
tere finanzielle Situation der Familie sei das Verschwinden des älteren Bru-
ders (vgl. Wiedererwägungsgesuch, S. 9). Angeblich hat der Bruder bis zur
Ausreise des Beschwerdeführers aber gar nicht arbeiten müssen, da es
die finanzielle Situation der Familie nicht erforderlich gemacht habe (vgl.
act. A9, S. 7, F61). Zum Verschwinden des Bruders aus C._ werden
dann widersprüchliche Daten genannt, nämlich einmal im Wiedererwä-
gungsgesuch Anfang April 2020 (vgl. Wiedererwägungsgesuch, S. 4), das
andere Mal in der Beschwerde erst Dezember 2020.
Der Beschwerdeführer hat somit nicht glaubhaft machen können, dass das
belastbare familiäre Umfeld mit genügend finanziellen Mitteln im Heimat-
land nicht mehr vorhanden ist.
6.4 Es ist demnach nicht davon auszugehen, dass eine Rückkehr nach Pa-
kistan zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung seines
Gesundheitszustandes führen würde. Seine psychische Erkrankung stellt
demzufolge kein relevantes zusätzliches Gefährdungsindiz gemäss Recht-
sprechung dar (vgl. BVGE 2014/32 E. 9.4), so dass die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzuges im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG gegeben ist.
6.5 Hinsichtlich einer allfälligen, durch den Beschwerdeführer jedoch nicht
geltend gemachten Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges ist zu er-
gänzen, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesund-
heitlichen Problemen nur in seltenen Ausnahmefällen einen Verstoss ge-
gen Art. 3 EMRK darstellen kann (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf
die damalige Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
[EGMR]). Vorliegend verstösst die Wegweisung nach Pakistan nicht gegen
Art. 3 EMRK, zumal die Erkrankung die hohe Schwelle zur Annahme eines
«real risk» nicht erreicht. Weiterhin bestehenden oder sich allenfalls akzen-
tuierenden suizidalen Tendenzen ist im Fall einer (zwangsweisen) Rück-
führung bei der Ausgestaltung der Modalitäten durch angemessene, sorg-
fältige Vorbereitung Rechnung zu tragen, indem geeignete medizinische
Massnahmen getroffen werden und eine adäquate Betreuung sicherge-
stellt wird. Da der Beschwerdeführer gemäss den eingereichten Eingaben
in ambulanter ärztlicher Behandlung ist, sollte einer möglichen auftreten-
den Suizidalität mit angemessenen medizinischen und therapeutischen
Massnahmen entgegengewirkt werden können. Der Vollzug der Wegwei-
sung nach Pakistan ist daher auch nach wie vor zulässig.
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6.6 Auch nach Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts ist der Voll-
zug der Wegweisung zum heutigen Zeitpunkt weiterhin als zulässig, zu-
mutbar und möglich im Sinne von Art. 83 Abs. 1 AIG zu erachten.
6.7 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Vorbringen
und Beweismittel im Wiedererwägungsverfahren nicht geeignet sind, zu ei-
ner Anpassung der Verfügung des SEM vom 16. April 2020 zu führen. Das
SEM hat das Wiedererwägungsgesuch vom 2. Februar 2022 in genügen-
dem Umfang geprüft und zu Recht abgelehnt.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 49 VwVG). Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG je-
doch mit Zwischenverfügung vom 4. Mai 2022 gutgeheissen wurde, sind
folglich keine Verfahrenskosten zu erheben.
8.2 Da auch das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gemäss
Art. 65 Abs. 2 VwVG gutgeheissen wurde, ist dem amtlichen Rechtsvertre-
ter ein amtliches Honorar auszurichten. Bei amtlicher Vertretung geht das
Gericht in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.–
für Anwältinnen und Anwälte aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE),
wobei nur der notwendige Aufwand zu entschädigen ist (vgl. Art. 8
Abs. 2 VGKE). Somit ist der in der Kostennote vom 16. August 2022 ver-
rechnete Stundensatz von Fr. 300.– auf Fr. 220.– zu kürzen. Der in der
Kostennote ausgewiesene Zeitaufwand von 10,25 Stunden erweist sich als
angemessen. Gleiches gilt für die Auslagen von Fr. 210.40.–. Hinzu kommt
der mit einer halben Stunde zu veranschlagende Zeitaufwand für die erst
nach Erstellung der Kostennote eingereichte Eingabe vom 16. November
2022. Somit sind ein Gesamtaufwand von 10,75 Stunden und Auslagen
von Fr. 210.40.– zu ersetzen. Das durch das Gericht zu entrichtende amt-
liche Honorar beläuft sich somit auf insgesamt Fr. 2'773.70 (inkl. Auslagen
und Mehrwertsteuerzuschlag).
(Dispositiv nächste Seite)
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