Decision ID: 9185f517-3ff7-49e0-892a-84aec54d9653
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, war ab dem 1. November 1996 als
Salatrüsterin
und stellvertretende Schichtleiterin in der Produktion für die
Y._
tätig (Urk. 6/2,
6/8/5
, 6/13
und
6/16
). Am 27. Mai 2012 erlitt sie einen Herz
infarkt, worauf ihr
im Spital
Z._
ein Stent eingesetzt wurde
(Urk.
6/15/20 ff.
).
Anschliessend wurde
ihr eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit atte
stiert (vgl. Urk. 6/4
, 6/9
und
6/15
)
und es wurden ihr Krankentaggelder ausge
richtet (vgl. Urk. 6/15)
.
1.2
Nach erfolgter Früherfassung (vgl. Urk. 6/3 und 6/6) meldete sich die Versi
cher
te am 2. November 2012 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 6/8).
Diese teilte
ihr
mit Schreiben vom
8.
November
2012 mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmass
nah
men
möglich seien (Urk. 6/12). Hernach zog die
IV-Stelle die
Akten des
Kranken
taggeldversicherers
(Urk. 6/15)
sowie
weitere
erwerbliche (Urk.
6/13
und 6/16
) und medizinische (Urk.
6
/
21
) Unterlagen bei
.
Überdies
gab
sie
bei Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gut
achten in Auftrag (vgl. Urk.
6
/2
3
), das am
15.
September
201
3
erstattet wurd
e (Urk.
6
/2
4
).
Am 23. Oktober 2013 ordnete die IV-Stelle die Intensivierung der fachärztlichen psychiatrischen Behandlung (Psychotherapie und bei Notwendig
keit Psychopharmakotherapie) während sechs Monaten an (Urk. 6/26
). Nach dem
Eingang des Bericht
s des behandelnden Psychiaters Dr. med.
B._
, Fach
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. November
2013 (Urk.
6/29)
gab die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (vgl. Urk. 6/30 ff.), das
am 23. Juli 2014 von der MEDAS
C._
erstattet wurde (Urk. 6/38).
Mit Vorbescheid vom
22
.
August
2014 stellte die IV-Stelle darauf die Abweisung des
Renten
b
e
gehrens in Aussicht (Urk.
6
/
42
). Dagegen liess d
ie
Versicherte Einwand erheben (Urk.
6
/
43 und 6/46)
.
Mit Verfügung vom 9. Oktober 2014 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (Urk. 2 = 6/54)
.
2.
Gegen die Verfügung vom 9. Oktober 2014 liess die
Versicherte mit Eingabe vom
11. November 2014
Beschwerde erheben (Urk. 1).
Ihre
Rechtsvertreter
in
bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben
und der Beschwerdeführerin sei eine ganze Rente der Invalidenversicherung auszurichten
.
Eventualiter sei
die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Unter Kosten- und
Entschädi
gungs
folgen
zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle schloss am 1
5
.
Dezember
201
4
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
5
). Davon wurde der Gegenpartei mit
Schreiben v
om 1
6
.
Dezember 2014 Kenntnis gegeben (Urk. 7
).
Am 24. März 2015 reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerdefüh
rerin einen Aus
trittsbericht der
D._
über einen stationären Aufenthalt
der Beschwerdeführerin
vo
m 31. Dezember 2014 bis zum 12.
Februar 2015 ein (vgl. Urk. 8 und 9).
Die Beschwerdegegnerin ver
zichtete am 8. April 2015 darauf,
eine
schriftliche
Stellungnahme dazu ein
zu
reichen
, da sich der Austrittsbericht nur zum Gesundheitszustand nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung äussere (Urk. 11). D
ies wurde der
Gegen
partei mit Schreiben vom 14. April 2015
mitgeteilt
(Urk. 12).
Auf die Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften
und die im
Be
schwer
deverfahren
neu eingereichte Unterlage (vgl. Urk. 9)
wird, soweit erfor
der
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1
des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
e
inträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE
125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem
sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des
strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen ein
ander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum
es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S.
188 E.
2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens
ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen
beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem
Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psy
chischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
le
gung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schluss
folgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind,
dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Ex
perte
oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 3. Aufl. 1994, S.
24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin zog in der angefochtenen Verfügung
im Wesentlichen
in Betracht,
gemäss ihren medizinischen Abklärungen
sei
die Beschwerde
füh
rerin
von Mai 2012 bis Mai 2013 in
ihrer
bisherige
n
Tätigkeit
eingeschränkt ge
wesen
. Danach sei maximal eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. In
einer
angepasste
n
Tätigkeit (körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen, ohne Arm-Vorhalte und ohne Überkopfarbeiten)
sei
die Be
schwerdeführerin
zu 100 % arbeitsfähig
(Urk.
2).
2.2
Demgegenüber lässt die Beschwerdeführerin den Standpunkt vertreten, gestützt auf das
psychiatrische
Gutachten von Dr.
A._
sei
davon auszugehen, dass sie zu 100 % arbeitsunfähig sei
(Urk. 1)
.
2.3
Strittig
und zu prüfen
ist somit die
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der Be
schwer
deführerin, insbesondere ab dem Zeitpunkt des
frühest
möglichen
Rentenbe
ginns
am 1.
Mai
2013 (Art. 29 Abs. 1 IVG; vgl. Urk. 6/8) bis zum Erlass der ange
foch
te
nen Verfügung vom 9. Oktober 2014 (Urk. 2).
3.
3.1
Nach ihrem Herzinfarkt vom 27. Mai 2012 wurde die Beschwerdeführerin bis zum 1. Juni 2012 stationär im Spital
Z._
behandelt (Urk. 7/15/20). Am
16. Juni 2012
suchte sie dessen
Notfallstation
auf
, weil
sie
seit dem 15. Juni 2012
an einer
zunehmende
n
Mü
digkeit, vermehrte
r
Atemnot, trockene
m
Husten, tho
rakale
n
Schmerzen und Schmerzen im linken Arm
litt
. Zudem
klagte sie über starke
Refluxbeschwerden
. Bei klinisch hoher Wahrscheinlichkeit für eine
muskuloskelettale
Genese der Beschwerden,
einem
ord
entlichen
Allgemein
zu
stand
und negativen Kardiomarkern wurde sie wieder nach Hause entlassen
(Urk.
6/15/18 f.).
A
m 18. September 2012, um 22.
00 Uhr,
begab sich die Be
schwer
deführerin
erneut
in die
Notfallstation des Spit
als
Z._
, weil sie seit dem Morgen ein
zunehmendes
linksthorakales Druckgefühl mit Schmerzen und
Ausstrahlungen
in
den linken Arm verspürte. Nach elektrokardiographischen und
laborchemischen Untersuchungen
konnten
eine erneute kardiale Ischämie und
ein Pneumothorax ausgeschlossen werden (Urk.
6/15/16 f.).
Am 26. September 2012
wurde die Beschwerdeführerin in der Abteilung für Kardiologie des
E._
untersucht,
nachdem
sie während der Herzrehabil
itation über
„Prob
leme“ geklagt
hatte. Es wurde jedoch keine signifikante Ischämie festge
stellt
(Urk. 6/15/14).
Wegen einer akuten Exazerbation der bekannten Schmer
zen im linken Thora
x-/
Axilla
-Bereich mit Ausstrahlung in den linken Arm und ver
mehrter Atemnot begab sich die Beschwerdeführerin am 30. Oktober 2012 erneu
t
notfallmässig ins Spital
Z._
. Bei negativen Herzenzymen und unauf
fälli
gem EKG habe man sie von dort nach Hause entlassen wollen, was b
ei aus
ge
prägter Schwäche und Mü
digkeit jedoch nicht möglich gewesen sei. Die Pati
en
tin habe sich in depressiver Grundstimmung präsentiert. Es wurde
darauf
neu die Diagnose einer Anpassungsstörung, differentialdiagnostisch diejenige einer
de
pressiven Verstimmung gestellt.
Ferner wurde vermerkt, dass sich d
ie Be
schwer
deführerin wegen ihres depressiven Zustands in der Sprechstunde von Dr.
B._
vorstellen
werde
.
Vom 31.
Oktober bis zum 4. November 2012
habe man ihr
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Aus internistischer Sicht könne diese nicht weiter verlängert werden (Urk. 6/21/13 f.).
3.2
Am 6. November 2012 begab sich die Beschwerdeführerin zu Dr.
B._
in Be
handlung (vgl. Urk. 6/29). Auf diesen Umstand wies
ihr
Hausarzt
pract
. med.
F._
in seinem Bericht vom 27. März 2013
ausdrücklich hin (Urk.
6/21/2)
. In demselben hielt er überdies
eine koronare Zweigefässerkrankung, einen nicht
insulinpflichtigen Diabetes mellitus Typ II, eine Angst
s
törung, chronische Schul
terschmerzen und einen Intertrigo
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beits
fähigkeit fest. Seit dem 27. Mai 2012 bis auf Weiteres sei die Beschwer
deführerin wegen Angstzuständen, Druckgefühlen, Müdigkeit usw. zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 6/21).
3.3
Vom 18. Juni bis zum 12. Juli 2013 war die Beschwerdeführerin in der
G._
hospitalisiert
, in welche sie aufgrund einer depressiven Episode freiwillig eingetreten war
. Im
Aus
trittsbericht
vom 26. Juli 2013 wurde eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) als psychiatrische Diagnose festgehalten.
Angaben zur Arbeits
fähigkeit wurden keine gemacht.
3.4
Dr.
A._
diagnostizierte in seinem Gutachten vom 15. September 2013
eine protrahierte depressive Störung schweren Grades (ICD-10: F32.2), eine
Panik
störung
(ICD-10: F41.0), einen Status nach Herzinfarkt am 27. Mai 2012 mit
Stenteinlage
bei koronarer Gefässerkrankung, einen Diabetes mellitus, Adiposi
tas und chronische Schulterschmerzen (Urk. 6/24/10).
Seit Mai 2012 bis heute sei die Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen generell zu 100 % arbeits
unfähig gewesen. Die protrahierte schwere Depression und die fixierte
Panik
störung
bedingten einen anhaltenden psychovegetativen Stresszustand mit der Folge einer psychophysischen Schwäche und Energielosigkeit. Die Prognose erscheine ungünstig. An medizinischen Massnahmen seien in der Zwischenzeit eine ambulante und eine stationäre psychiatrische Behandlung durchgeführt w
orden. Beide
ohne nachhaltigen Erfolg. Die therapeutischen Möglichkeiten erschienen deshalb ausgeschöpft (Urk. 6/24/12).
3.5
In seinem Bericht vom 21. November 2013 (Urk. 6/29)
führte
Dr.
B._
aus, dass er die Beschwerdeführerin seit dem 6. November 2012
verhaltenspsy
cho
thera
peutisch
und medikamentös behandle. Als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vermerkte er
eine mittelgradige depressive Episode mit soma
ti
schen Beschwerden
(ICD-10: F32.11)
. Der psychosozialen Belastungssituation durch
die psychisch kranke Tochter komme keine Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit zu. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
überlasse er
dem Gutachter und dem Hausbesuch der Abklärungsperson, da der Ehemann der Beschwerde
führerin bei der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung immer dabei sei und die Antworten beeinflusse
(Urk. 6/29/3)
.
3.6
Vom 20. Februar bis zum 5. März und vom 13. bis zum 21. März 2014 war die Beschwerdeführerin offenbar erneut in der
G._
hos
pitalisiert. Zwischendurch hielt sie sich im Spital
H._
auf, nachdem sie kolla
biert und notfallmässig dorthin verbracht worden war. Im Austrittsbericht der
G._
vom 11. April 2014
, welcher in den Akten nicht zu finden ist,
wurde
n angeblich
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen festgehalten. Die Patientin habe berichtet, dass es ihr nach dem Klinikaustritt im Juli 2013 gut
gegangen sei; seit zwei bis drei Monaten gehe es nicht mehr gut. Sie falle wiederholt auf den Boden und könne die Stürze nicht beschreiben. Sie merke
jeweils erst auf dem Boden, dass sie gestürzt sei. Es sei ihr nicht schwindelig un
d sie müsse nicht erbrechen. Sie höre Stimmen tagsüber. Vor zwei Monaten sei sie in
I._
gewesen und habe an der Beerdigung ihrer Schwiegermutter teilgenommen. Sie sei sehr traurig, da sie sie sehr geliebt habe.
Bei eine
r Synkope am 5. März 2014 mit Sturz und fraglichem Kopfanprall sei die
Patientin zur A
bklärung ins Spital
H._
überw
i
e
sen worden. Ein
Computer
to
mogramm
des
Neurokraniums
habe keine Pathologie ergeben.
Die telemetrische
Rhythmusüberwachung und die transthorakale Echokardiographie seien
bland
ge
wesen. Ein
Schellong
-Test habe ein symptomatisches
Orthostasemuster
gezeig
t. Nach Absetzen von
Bisoprolol
seien tief-normale bis normale Blutdruckwerte ge
messen worden und ein erneuter
Schellong
-Test habe diskrete Veränderungen objektiv
i
ert. Man gehe ursächli
c
h am ehesten von einer
orthostatischen
Symp
tomatik im Rahmen der antidepressiven und
antihypertensiven
Therapie und
Dekonditionierung
durch den sozialen
R
ückzug mit viel Liegen aus (Urk.
6/38
/12
ff.)
.
3.7
Im Gutachten der MEDAS
C._
vom 23. Juli 2014
wurden die fol
gen
den Diagnosen
mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeits
fähig
keit
festgehalten
(Urk.
6
/38/29):
Koronare 2-Gefäss-Erkrankung
Status nach Myokardinfarkt am 27.05.2012 (NSTEMI)
Status nach PTCA/Stent (beschichtet) bei subtotalem Verschluss des PLA1 und
des RCX; RCA
ostial
50 %
stenosiert
,
interventionell
nicht angegangen
Die letzte kardiologische Kontrolle 07.03.2014 im Spital
H._
: Normale systo
lische und diastolische Funktion, normale Klappenverhältnisse
Kardiovaskuläre Risikofaktoren: arterielle H
y
pertonie/Diabetes mellitus/
Adi
positas
Periarthropathia
humeroscapularis
partim
ankylosans
links bei Verkalkung an der Insertion der
Subscapularissehne
(Tendinitis
calcarea
)
Partialruptur der
Subcapularis
- und der
Supraspinatussehne
Leichte
Bursi
tits
subdeltoidea
links und Biz
eps-
longus
-Syndrom (Ultraschall vom 15.05.2014)
Psyche: aktuell keine Diagnosestellung möglich
.
Die Versicherte sei bis zum Infarkt am 27. Mai 2012 eine voll arbeitsfähige
Ge
müserüsterin
/Vorarbeiterin mit einem 100 %-Pensum gewesen. Der Infarkt habe
zu einem Zusammenbruch der Gesundheit geführt, der diagnostisch nicht
richtig erfassbar sei. Auch das Familiensystem sei im Sinne einer offenbar massiv
über
steigerten Überbehütung gestört. Für die Versicherte gehe gar nichts mehr.
Der psychiatrische Gutachter habe
in seinem Teilgutachten
dargelegt, dass er weder eine schlüssige psych
i
atrische Diagnose stellen noch zur Arbeitsfähigkeit
der Versicherten
Stellung
nehmen könne. Unter dem durchaus möglichen Modell
, dass die Versicherte depressiv sei
,
müsse festgehalten werden, dass sie absolut ungenügend behandelt sei. Unter der Annahme, dass hier eine Depression be
s
tehe
,
müsse eine intensive Steigerung der Behandlung vorgenommen werden um nachher, beispielsweise bei eingetretener deutlicher Besserung, die Situation diag
nostisch und bezüglich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit neu zu eva
lu
ieren
(Urk. 6/38/30)
.
Die Depres
sionsbehandlung setz
e sich aus zwei Komponenten zusammen: Psy
chiatrische Gesprächstherapie/Verhaltenstherapie und Psychopharmako
therapie. Die Versicherte habe angegeben, sie könne mit ihrem Psychiater, welcher selber hier in der Schweiz auch fremdsprachig sei, nicht in ihrer Muttersprache reden. Dies wäre im Fall der Versicherten unbedingt notwendig: Falls die Depression leicht bis mittelschwer sei, würde eine alleinige Gesprächstherapie/
Psycho
thera
pie im Vordergrund stehen, nicht die medikamentöse Behandl
ung
. Bei der Ver
sicherten sei aber auch zu diskutieren, ob allenfalls eine schwere Depression bestehe – hier wäre nach modernen Erkenntnissen die medikamentöse Therapie
begleitend unbedingt notwendig und
effizienter als die Gesprächs-Psycho
the
ra
pie. Die festgestellten Blutspiegel belegten aber, dass die Versicherte medika
mentös keine wirksamen Blutspiegel aufweise.
Als einzige realistische diagnos
tische Option sehe man hier eine intensive Psychotherapie und
Psychopharma
ko
therapie
.
Bei der Schlussbesprechung sei nochmals deutlich geworden: Man könne nicht unterscheiden, ob eher ein (nicht krankheitswertiges) demonstratives
Krank
heits
verhalten
oder aber eine Krankheit vorliege. In Richtung
Krankheits
ver
halten
zeigten sich einige Hinweise, beispielsweise die kaum vorhandene
Unter
suchbarkeit
in allen Bereichen, dann aber auch die zum grossen Teil nicht nach
vollziehbaren Angaben über die Inaktivität/Überbetreuung und auch die Anga
be
n über das Stimmenhören, die allzu dick aufgetragen schienen.
Aktuell könne die Arbeitsfähigkeit in angestammter oder in einer anderen
Tätigkeit nicht beurteilt werden. Aufgrund der Akten sei davon auszugehen, das
s
die Versicherte für maximal ein Jahr nac
h ihrem Infarkt vom 27. Mai 2012
ar
beits
unfähig gewesen sei. Für den anschliessenden Zeitraum bis zur Begut
ach
tung könnten die Gutachter keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vorneh
men
. Aus reiner Optik des Bewegungsapparates sei die Versicherte in ihr
er ange
stammten Tätigkeit zu 75
% arbeitsfähig.
Diesbezüglich bedürfe es keiner Neu-
Evaluation.
Leichtere manuelle Tätigkeiten, ausgenommen ausgesprochen mono
tone Arbeitsvorgänge mit stereotyper Belastung der linken Schulter, seien
aus somatischer Sicht
in vollem Umfang zumutbar (Urk. 6/38/23).
Schliesslich wurde vorgeschlagen, die Dosen von
Trittico
und
Cymbalta
in erhöh
tem Umfang abzugeben, aber das Medikament
Abilify
wegzulassen, da die Kombination dieser drei Medikamente, vor allem durch das
Abilify
, zu Neben
wirkungen führen könne. Hinsichtlich der Kollapse sei eine Minimierung aller Medikamente wichtig. Das
Metformin
sei auf 2 x 1⁄2 Tablette zu reduzieren. Vom Betablocker
Concor
werde abgeraten, schon deshalb, weil er nur noch in einer minimalen Dosierung gegeben werde, aber auch weil er zur
Orthostase
beitra
gen könne. Der Lipidsenker
Sortis
könne auch zu
Orthostase
führen und sollte daher ebenfalls wenigstens vorübergehend abgesetzt werden zur Beobachtung, ob sich Kollapse wieder zeigten. Es komme hinzu, dass
Sortis
auch zu eigen
ar
tigen
muskoloskelettalen
Schmerzen, zu Rückenschmerzen, zu Myalgien und so
gar
zu Myositiden führen könne. Die Versicherte leide ja an unklaren Schmer
zen, und auch diesbezüglich sei es durchaus gerechtfertigt,
Sortis
abzusetzen (Urk. 6/38/31).
4.
4.1
Zu Recht wurde
nicht in Frage gestellt, dass
der physische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im
hier relevanten Zeitraum vom 1.
Ma
i 2013 bis zum
9.
Oktober 2014
zwar beeinträchtigt war,
ihre
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
aber
nicht in einem Umfang
einschränkte, welcher für sich alleine einen Renten
anspruch zu begründen vermöchte
.
Strittig und
zu prüfen
ist
,
ob darüber hinaus
auch invaliditätsrelevante
psychische Gesundheitsschäden bestanden,
welche die
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
weiter
limitierten.
4.2
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin vertritt den Standpunkt, es sei
für die Beurteilung des psychischen Gesundheitszustands
auf das
Gutachten von Dr.
A._
vom 15. September 2013
abzustellen, gemäss welchem von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (Urk. 1 S. 3 und 6). Dieses
basiert auf der psychiatrischen Untersuchung
der Beschwerdeführerin vom 3.
Septem
ber 2013, auf den zur Verfügung gestellten Akten und auf dem Austrittsbericht der
G._
vom 26. Juli 2013 (Urk.
6/24/1).
Obwohl
sich die Beschwerdeführerin bekanntermassen bereits seit dem 6. November 2012
bei Dr.
B._
in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung befand (vgl. Urk. 6/21/2, 6/24/4, 6/24/5 und 6/29),
hat Dr.
A._
sein Gutachten erstellt, ohne einen Bericht von Dr.
B._
zu berücksichtigen
oder eine Rückfrage an diesen zu tätigen
.
Zum erhobenen Psychostatus hielt Dr.
A._
im Wesentlichen fest, dass die Beschwerdeführerin sehr angespannt wirke und ihn mit grossen Augen durch
dringend anblicke. Sie sei sehr gereizt, halte ihre Stirne dauernd gerunzelt. Sie zeige eine exaltierte Mimik. Sie habe den Kopf oft auf den Arm abgestützt, lasse sich in der Haltung zwischendurch gehen. Sie habe ein einfaches Denken und duze ihn. Die kognitiven Funktionen seien im Übrigen unauffällig. Die
Explo
ran
din
rede
in
einem vehementen, sehr aggressiven Ton, auf abgehackte, ener
gische Weise, wie unwillig. Plötzlich weine sie oder zeige sich frustriert. Die Affek
tivität sei nivelliert, gar nicht ansprechbar und nicht moduliert. Nach knapp
zwei Stunden Gespräch zeigten sich Erschöpfungsanzeichen (Urk. 6/24/9).
Es ist nicht
ohne
W
eiteres
nachvollziehbar, wie er vor diesem Hintergrund zur Diagnose einer depressiven Störung schweren Grades
, bestehend seit Mai 2012 (Urk. 6/24/11),
gelangt
e
(vgl. auch Urk. 6/38/49)
.
Dies muss umso mehr gelten, als die Ärzte in der
G._
, wo sich die Beschwerde
führerin vom
18.
Juni bis zum 12. Juli 2013 aufgehalten hatte, lediglich eine
mittel
gradige depressive Episode diagnostiziert
en (Urk.
6/24/13 und 6/24/15
). I
m
Verlauf der
Hospitalisation
stellten sie darüber hinaus
eine
deutliche
Verbesse
rung fest
.
Namentlich sei die
Besch
w
e
rdeführerin zuerst durch ihr zurück
ge
zogenes, eher passives Verhalten auf der Station aufgefallen. Nach und nach habe
sie sich
jedoch in die Patientengruppe und den Stationsalltag eingegliedert und am stationären Therapieprogramm bestehend aus Ergotherapie und
einer
Stabi
li
tätsgruppe
teilgenommen. Es sei zu einer leichten Verbesserung des Schlafes
gekommen (wahrscheinlich begrenzter Erfolg durch die Zimmerkollegin). Leichte
innere Unruhe und Anspannungszustände hätten mit
Relaxane
behandelt wer
den können. Die bestehende Kraftlosigkeit sei am ehesten mit einer zu niedrigen Protein- und
Ko
h
le
n
hydratezufuhr
in Verbindung zu bringen. Man habe die
Patientin
im Verlauf ihres Klinikaufenthaltes als zunehmend
schwingungs
fähiger
, jedoch auf ihre somatischen Beschwerden eingeengt wahrgenommen
(Urk. 6/24/15).
Trotz der beschriebenen Verbesserungen unter
adäquate
r
medikamentöse
r
Be
hand
lung erachtet
e
Dr.
A._
in seinem Gutachten
eine Besserung auf abseh
bare Zeit als wenig wahrscheinlich. Seiner Auffassung nach
war
en die thera
peu
tischen Massnahmen
ausgeschöpft. Zur Begründung führt
e
er an,
dass
die ambulante und die stationäre psychiatrische Behandlung keinen nachhaltigen Erfolg erzielt
hätten
(Urk. 6/24/12).
In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass Dr.
A._
darauf verzichtet hat, die korrekte Medikamenteneinnahme mit Hilfe eines
Serumsspiegels
zu belegen
oder sich bei Dr.
B._
nach dem Verlauf der ambulanten psychiatrischen
-psychotherapeutischen
Behandlung zu erkun
di
gen
(vgl. Urk. 6/24).
Die Beurteilung von Dr.
A._
erscheint daher nicht als schlüssig.
Sie wird zusätzlich durch die Resultate der Laborbefunde der am 12.
Mai 2014 im Zusammenhang mit der polydisziplinären Begutachtung durch die MEDAS
C._
entnommene
n
Blutprobe der Beschwerdeführerin
in Frage gestellt.
Demnach lag der
Du
loxetin
-Spiegel (
Cymbalta
) bei 0
, der
Trazo
don-Spiegel
(
Trittico
) bei etwa 25 % des unteren Referenzwertes
und
der
Aripi
prazol-Spiegel
(
Abilify
) bei etwa 20 % des unteren Referenzwertes. Mit einer wesentlichen Wirkung der Antidepressiva
war
damit nicht zu rechnen (vgl. Urk.
6/38/22
und 6/38/35
).
Die Beschwerdeführerin selbst erklärte im Rahmen ihrer polydisziplinären Begutachtung bei der MEDAS
C._
, dass sie nicht viel mit ihrem behandelnden Psychiater spreche. Sie könne nichts vertra
gen, brauche Ruhe, und fertig. Jede zweite, dritte Woche gehe sie zum Psychia
ter. Ihr Mann und ihre Schwiegertochter
brächten
sie dorthin, deswegen seien sie dort
anwesend
. Meist
ens
redeten
die Schwiegertochter und der Ehemann; sie selber rede in der Regel nicht. Sie verstehe den Psychiater auch sprachlich nicht. Ihre Angehörigen könnten Deutsch, sie selber
beherrsche die Sprache
nicht
gut
genug (Urk. 6/38/45).
Nach dem Gesagten kann nicht auf die Beurteilung von Dr.
A._
abgestellt
werden. Unter diesen Umständen erübrigt es sich, näher darauf einzugehen, dass
die Explo
ration der Beschwerdeführerin im
Beisein ihres Sohnes stattfand, wel
cher zwischendurch
auch
Übersetzungsdienste leistete (vgl. Urk. 6/24/9).
Insbe
sondere spielt es
hinsichtlich
der Würdigung des
Gutachtens von Dr.
A._
auch
keine Rolle
mehr
, dass
die Anwesenheit von Angehörigen kontraproduktiv sein und zu Verfälschungen führen kann (vgl. die Qualitätsleitlinien für psychia
tri
sche Gutachten in der Eidgenössischen Invalidenversicherung, Schweizerische Ge
sellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie SGPP, Bern 2012, S. 12 mit Hinweisen).
4.3
Mit Hilfe des Gutachtens der MEDAS
C._
lässt sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und dessen Auswirkungen auf ihre
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ebenfalls nicht beurteilen
, wurden darin doch keine
entsprechenden Angaben gemacht (vgl. Urk. 6/38)
.
Vielmehr legte Dr. med.
J._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
, im psy
chia
trischen Teilgutachten eingehend dar, dass das Bild
der Beschwerdeführerin
auf der psyc
h
isch-psychiatrischen Ebene nicht schlüssig sei
.
Eine Depression sei möglich,
sie sei im Zusammenhang mit Herzinfarkten auch immer wieder zu beobachten. D
er Schweregrad
sei
jedoch nicht sicher einschätzbar,
auch
nicht
überwi
e
gend wahrscheinlich. Eine Panikstörung liege wohl vor, die Anfälle seien
aber
so
selten
, dass sie als ohne relevanten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu werten sei
. Das Auftreten
der Beschwerdeführerin
in der psychiatrischen Explo
ration wirke massiv
aggraviert
und nicht nachvollzie
h
bar üb
e
rsteigert. Er könne so nur den Verdacht auf eine Depression haben, eine Einschätzung des
Schwe
re
grade
s
sei nicht möglich. An Ängsten leide die Explorandin zwar auch, aber auch hier blieben
ihre
Angaben unklar
im Hinblick auf eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
(Urk. 6/38/50)
.
Dr.
J._
schlug vor, dass eine Psychotherapie in der Muttersp
rache der Ver
sicherten d
u
r
chgeführt werde, in welcher sie allein – ohne Beisein von Ver
wandten – behandelt werden könne. Die Medikation wirke angesichts der angeb
lich schweren Depression nicht konsequent dosiert; es seien keine genügenden Wirkspiegel vorhanden. Die Versicherte müsse konsequent behandelt und medi
kamentös
aufdosiert
und beobachtet werden; eine Re-Evaluation
in 12
Monaten sei empfehlenswert.
Die Prognose werde davon abhängen, was sich in einer Psychotherapie in der Muttersprache ohne Beisein von Verwandten und unter Kontrolle der Einnahme der Psychopharmaka in den nächsten Monaten ent
wickle. Denn stationär sei es bereits zweimal zu deutlich erkenn- und nachvoll
ziehbaren Verbesserungen gekommen
(Urk. 6/38/23 f., 6/38/27 f. und 6/38/51)
.
4.4
Nebst den beiden erwähnten Gutachten hat sich e
inzig
noch
der Hausarzt
pract
.
med.
F._
zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin geäussert
(vgl. Urk.
6/21).
Diesbezüglich ist vorab als Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass
behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver
trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Pati
enten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Es erscheint auch fraglich, ob
pract
. med.
F._
fachlich geeignet ist, die psychische Situation der Beschwerde
füh
rerin
, welche von diversen Fachärzten aus dem Bereich Psychiatrie und Psy
cho
therapie kontrovers diskutiert wird,
angemessen zu beurteilen. Die von ihm ab
ge
g
ebene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit wird zudem auch dadurch in Frage gestellt, dass er – als Einziger – dem
nicht insulinpflichtigen Diabetes mellitus Typ II
eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zumisst. Seine Ausführungen
sind folglich e
benfalls nicht geeignet, um zu beurteilen, ob nebst den soma
ti
schen
Diagnosen auch ein inval
i
ditätsrelevanter psychischer
Gesundheits
schaden
vorliegt und wie es sich mit der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der Beschwer
deführerin
im hier relevanten Zeitraum
verhie
lt.
4.
5
Die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht lässt sich mit den vorhandenen Unterlagen folglich nicht beurteilen. Ebenso wenig lässt sich den Akten entnehmen, wie die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit polydisziplinär
zu qua
lifizieren ist
.
Darüber hinaus hat Dr.
J._
eingehend und nachvoll
zieh
bar dargelegt, weshalb auch die psychiatrische Diagnosestellung, welche von den involvierten Fachärzten kontrovers diskutiert wird, weiterer Abklärungen bedarf.
Zusammenfassend ergibt sich
daher
, dass über den strittigen Rentenan
spruch nicht ohne zusätzliche medizinische
Untersuchungen
betreffend den psy
chischen Gesundheitszustand sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin entschieden werden kann. Da diesel
ben
grundsätzlicher Natur sind, wird die Beschwerdegegnerin diese vorzunehmen haben.
Der angefochtene Entscheid ist somit aufzuheben und die Sache ist zur
Durchführung der notwendigen Abklärungen, unter Beachtung des von Dr.
J._
skizzierten Vorgehens, und neuer Entscheidung an die
Beschwerde
geg
nerin
zurückzuweisen (§ 26 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
). In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhäng
ig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
und auf Fr.
8
00.--
fest
zusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5
.2
Überdies hat die obsiegende Beschwerdeführerin
Anspruch auf
den Ersatz der Parteikosten (§ 34 Abs. 1
GSVGer
)
.
Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Ent
schädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§ 34 Abs.
3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr.
1‘300
.-- (inklusive Barauslagen und 8 % Mehrwertsteuer) als angemes
sen
.