Decision ID: ffb4dd41-b88f-5b6c-b62c-0c35343f61ed
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 26. Januar 2009 wegen einer Depression und eines
Rückenleidens zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1).
Er gab an, keinen Beruf erlernt zu haben. Zuletzt sei er als Maler bei der B._ GmbH
tätig gewesen. Dr. med. C._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, teilte am
3./9. Februar 2009 mit (IV-act. 10), der Versicherte leide an einer Depression bei einer
psychosozialen Überlastung (zeitweise Zustandsbild mit agitiert-depressiver
Symptomatik mit einem somatischen Syndrom). Der Versicherte war wegen eines
psychischen Ausnahmezustands vom 8. August bis 6. September 2008 hospitalisiert
gewesen. Vom 9. Oktober bis 8. November 2008 hatte er sich zur Rehabilitation in der
Klinik D._ aufgehalten. Nach der Einschätzung von Dr. C._ war der Versicherte
nicht arbeitsfähig.
A.a.
Im Fragebogen für Arbeitgebende gab die B._ GmbH am 11. Februar 2009 an
(IV-act. 15), sie beschäftige den Versicherten als Maler/Hilfsgipser. Seit dem 8. August
2008 sei er infolge Krankheit zu 100% arbeitsunfähig. Ohne den Gesundheitsschaden
würde er Fr. 63'000.-- verdienen.
A.b.
Dr. med. E._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst Ostschweiz (RAD) berichtete am
12. Mai 2009 über eine von ihm vorgenommene psychiatrische Abklärung (IV-act. 22).
Er hatte eine mittelschwere bis schwere depressive Episode und einen Verdacht auf
eine Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend abhängigen und psychasthenischen Zügen
diagnostiziert. Am 11. Oktober 2009 teilte Dr. C._ mit (IV-act. 38), die Diagnose sei
unverändert: Eine mittelgradige, zeitweise agitierte depressive Episode mit einem
somatischen Syndrom (ICD-10 F32.11) und eine psychophysische Erschöpfung
(ICD-10 Z73.0). Der neu behandelnde Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und
A.c.
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Psychotherapie FMH, berichtete am 31. Oktober 2009 (IV-act. 39), er habe die
folgenden Diagnosen erhoben: Eine rezidivierende depressive Störung, aktuell
mittelgradig ausgeprägt (ICD-10 F33.1), bei einem Verdacht auf eine vorbestehende
Dysthymia und ein Status nach einem Suizidversuch durch Tablettenintoxikation am
26. Juni 2009. Er gab einen Arbeitsunfähigkeitsgrad von 100% an.
Dr. med. G._, FMH Innere Medizin, gab am 28. Juni 2010 an (IV-act. 60-4), der
Versicherte leide auch an einer Makrophagenalveolitis bei einem Nikotinabusus. Die
körperliche Leistungsfähigkeit sei nachgewiesenermassen vermindert. Die
(vollständige) Arbeitsunfähigkeit sei in erster Linie durch die psychische Erkrankung
bedingt. Am 8. Dezember 2010 teilte Dr. med. H._, Oberarzt der Tagesklinik I._, mit
(IV-act. 72), die Diagnosen lauteten: Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
und Probleme in der primären Bezugsgruppe einschliesslich familiärer Umstände
(ICD-10 Z63.6). Der Versicherte sei zu 100% arbeitsunfähig. Dr. F._ gab am 10. April
2011 an (IV-act. 80), im Verlauf sei deutlicher geworden, dass die chronische
depressive Symptomatik auf der Grundlage einer ausgeprägten
Persönlichkeitsproblematik mit emotional-instabilen und abhängigen Anteilen bestehe.
Teilweise imponierten dissoziative Zustände, die zu einer völligen Handlungsunfähigkeit
führten. Der Versicherte sei immer noch zu 100% arbeitsunfähig. Am 11. April 2011
berichtete Dr. H._ (IV-act. 82), die folgenden Diagnosen seien erhoben worden: Eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-abhängigen, anankastischen und
impulsiven Zügen (ICD-10 F61.0), eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
und Probleme in der primären Bezugsgruppe einschliesslich familiärer Umstände
(ICD-10 Z63.6). Ein Arbeitsversuch in einem klinikintern geschützten Rahmen sei nach
einer Woche vom Versicherten aufgrund einer geäusserten völligen Überforderung
abgebrochen worden.
A.d.
Dr. med. J._ vom RAD notierte am 17. November 2011 (IV-act. 94), aus
somatischer Sicht seien dem Versicherten körperlich leichte Tätigkeiten ohne das
Tragen von mittelschweren bis schweren Gegenständen möglich. Aufgrund der
Problematik der Wirbelsäule und der Lunge sollte der Versicherte nicht mehr in der
angestammten Tätigkeit im Baugewerbe arbeiten. In einer körperlich angepassten
Tätigkeit sei der psychische Gesundheitszustand limitierend. Er empfahl eine
psychiatrische Begutachtung. Am 22. November 2011 teilte die IV-Stelle dem
A.e.
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Versicherten mit, dass eine medizinische Abklärung notwendig sei (IV-act. 95). Am
30. November 2011 reichte Dr. G._ zusätzliche medizinische Berichte ein. Gemäss
einem Austrittsbericht des Spitals K._ hatte sich der Versicherte vom 2. bis 5. August
2011 in einer stationären Behandlung befunden (IV-act. 98-9). Folgende Diagnosen
wurden genannt: Eine rezidivierende depressive Störung, eine hypertensive
Kardiopathie, eine Makrophagenalveolitis, ein chronisches Lumbovertebralsyndrom
und ein hypochrom mikrozytäres Blutbild ohne Anämie. Wegen einer
Tablettenintoxikation in suizidaler Absicht war der Versicherte vom 26. bis 29. August
2011 erneut im Spital K._ hospitalisiert (IV-act. 98-4).
Dr. med. L._, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, führte in seinem Gutachten
vom 20. Dezember 2011 folgende Diagnosen auf (IV-act. 100-13 f.): Eine
selbstunsichere Persönlichkeit (ICD-10 F60.6), ein histrionischer Ausdrucksmodus
(ICD-10 F60.4), eine Konversion und eine Verdeutlichung (ICD-10 F44.9 und 44.88),
eine Simulation (ICD-10 F48.9), eine sexuelle Orientierungsstörung, als Ich-dyston
empfunden (ICD-10 F65.9), und eine Anpassungsstörung mit einer mittelgradig
depressiven Reaktion bei einer psychosozialen Belastung (ICD-10 F43.2 und 32.1). Er
gab an, aus der Gesamtheit der psychischen Gesundheitsstörungen resultiere eine
Beeinträchtigung der Stimmung und des Antriebs, der kognitiven Fähigkeiten, des
formalen und inhaltlichen Denkens und der Wahrnehmung der eigenen Person.
Erheblich beeinträchtigt seien die affektive Stabilität und die affektive Resonanz sowie
der affektive Ausdruck im zwischenmenschlichen Kontakt. Auf der Fähigkeitsebene sei
die Fähigkeit zur Selbstbehauptung im interpersonellen Kontext anders als mit
regressiven Mitteln erheblich beeinträchtigt. Beeinträchtigt seien die Gruppenfähigkeit,
die Kontaktfähigkeit und die Fähigkeit zur Gestaltung familiärer sowie ausserfamiliärer
Beziehungen. Teilweise beeinträchtigt sei die Fähigkeit zu ausserberuflichen
Aktivitäten. Beeinträchtigt sei die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, zur
Planung und Strukturierung, die Flexibilität, die Fähigkeit zur Umstellung und zum
Durchhalten. Die Auswirkungen dieser Beeinträchtigungen auf der Ebene von Teilhabe
und Partizipation sowohl im Bereich der Arbeit wie im ausserberuflichen Alltag seien
erheblich. Zweifel an der durchgehenden Plausibilität und Konsistenz der Beschwerden
und Einschränkungen hätten sich vielfach ergeben. In der Untersuchung hätten sich
Hinweise auf besondere Bemühungen um entweder die besonders deutliche
A.f.
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A.g Der RAD-Arzt Dr. J._ notierte am 6. März 2012 (IV-act. 104), auf das Gutachten
könne abgestellt werden. Die Arbeitsunfähigkeit sei ab August 2008 anzunehmen. Ein
Rechtsdienstmitarbeitender der IV-Stelle hielt am 3. April 2012 fest (IV-act. 107), die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des Gutachters überzeuge nicht. Vielmehr sei von einer
vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Mit einer Verfügung vom 6. August 2012 lehnte die
IV-Stelle das Rentengesuch bei einem IV-Grad von 0% ab (IV-act. 123). Am
3. September 2012 erhob der Versicherte dagegen eine Beschwerde (IV-act. 125). Am
16. März 2015 reichte der Versicherte eine kurze Einschätzung des ihn seit September
2011 behandelnden Psychotherapeuten dipl. Psych. FH M._ ein (IV-act. 142). M._
hielt darin unter anderem fest, der Versicherte leide seit seiner Jugend an einer Störung
aus dem schizophrenen Formenkreis (IV-act. 143). Am 1./8. April 2015 berichteten
M._ und med. pract. N._ vom O._ der IV-Stelle (IV-act. 144), der Versicherte leide
seit seiner Jugend an einer chronisch paranoiden Schizophrenie (ICD-10 F20.0), einer
rezidivierend depressiven Störung mit einer aktuell schweren depressiven Episode mit
einem psychotischen und somatischen Syndrom (ICD-10 F33.3), einer
posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und einer Agoraphobie mit einer
Panikstörung (ICD-10 F40.01). Der Versicherte sei vollständig arbeitsunfähig. Dieser
Darstellung multipler neurokognitiver Beeinträchtigungen oder aber um deren
Simulation gefunden. Ein nicht unerheblicher Teil der Bemühungen um
Verdeutlichungen oder Vortäuschung von Symptomen müsse als "bewusstseinsfern"
und damit einer Überwindung durch Willensanstrengung nicht oder nicht in relevantem
Ausmass zugänglich angesehen werden. Zweifel hätten sich auch aus dem Hinweis auf
erhaltene Restressourcen und Beobachtungen beim Hausbesuch durch Mitarbeitende
der IV-Stelle ergeben. Diese Zweifel würden durch die weitgehend kongruenten
Beobachtungen in der medizinischen Aktenlage über mindestens drei Jahre hinweg
allerdings relativiert. Der Gesundheitszustand sei stabil. Der Beginn dieses stabilen
Gesundheitszustands könne auf den Juli 2010 festgelegt werden. In der realen
Arbeitswelt ausserhalb eines geschützten Rahmens sei der Versicherte vollständig
arbeitsunfähig. Angesichts der hinreichend sicheren Hinweise auf zumindest teilweise
bewusstseinsnahe Bemühungen um die Verdeutlichung oder Vortäuschung zumindest
einzelner Symptome sei medizintheoretisch von einer seit Juli 2010 bestehenden
residualen beruflichen Leistungsfähigkeit von 35% in der angestammten Tätigkeit als
Maler auszugehen. Eine besser angepasste Verweistätigkeit mit einer höheren
beruflichen Leistungsfähigkeit könne nicht benannt werden. Für die Zeit von Mitte 2008
bis Juli 2010 werde auf die Einschätzungen in den medizinischen Akten verwiesen.
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Bericht lag nicht in den Akten des Beschwerdeverfahrens IV 2012/319. Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hiess die Beschwerde mit einem
Entscheid vom 12. Mai 2015 teilweise gut. Es hob die Verfügung vom 3. September
2012 auf und wies die Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurück (IV-
act. 146). Es hielt im Wesentlichen fest, dass an der Richtigkeit der von Dr. L._ und
anderen behandelnden Ärzten gestellten Diagnosen Zweifel bestünden. Gemäss dem
behandelnden Psychotherapeuten M._ leide der Versicherte an einer Störung aus
dem schizophrenen Formenkreis. Diese Diagnose finde sich in den bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung erstellten medizinischen Berichten nicht. Dass die in den
ersten Jahren einer psychiatrischen Behandlung einer Depression und/oder einer
Persönlichkeitsstörung festgestellten Symptome ihre eigentliche bzw. ihre
Hauptursache in einer schizophrenen Störung hätten, liesse sich erfahrungsgemäss in
gewissen Fällen erst nach einer langdauernden (meist auch stationären) Therapie
feststellen. Vorliegend erweise sich der medizinische Sachverhalt nicht nur im Hinblick
auf den von Dr. L._ geäusserten Verdacht aggravierender (oder teilweise auch
simulierender) Aussagen des Versicherten, sondern vor allem im Hinblick auf die
eigentliche Ursache der Symptome als noch nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt (IV 2012/319 E. 1.2 f.). Der
Rückweisungsentscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
Die IV-Stelle holte weitere Arztberichte ein. Der Hausarzt Dr. G._ reichte unter
Beilage diverser medizinischer Berichte einen Verlaufsbericht vom 31. August/
15. Oktober 2015 ein (IV-act. 160). Er gab folgende neue Diagnosen an: Eine Störung
aus dem schizophrenen Formenkreis (Verdacht auf ICD-10 F20.0, gemäss med.
pract. N._ und M._ sei der Versicherte vollständig arbeitsunfähig), eine unklare
respiratorische Partial-Insuffizienz, eine postero-mediale degenerative Meniskusläsion
links (derzeit ohne Beeinträchtigung der Belastbarkeit) und ein chronisches
lumbovertebrales Syndrom (belastungsabhängige Schmerzen). Dr. G._ attestierte
dem Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Med. pract. N._ und M._
berichteten am 15. Dezember 2015 (IV-act. 167), seit dem 1. April 2015 seien keine
neuen Diagnosen gestellt worden. Die psychotischen und die Angst-Symptome seien
unter eingestellter Medikation etwas zurückgegangen. Die depressiven Symptome
seien zurzeit verschlechtert. Der Versicherte sei bei einem chronifizierten Syndrom
(ICD-10 F20.0, F25.1, F33.3, F43.1 und F40.01) vollständig arbeitsunfähig.
B.a.
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Der RAD-Arzt Dr. J._ notierte am 19. Januar 2016 (IV-act. 168), gestützt auf die
neu eingegangenen Akten sei davon auszugehen, dass der Versicherte nicht nur zu
65%, sondern vollständig arbeitsunfähig sei. Er empfahl, bei der Psychiatrischen Klinik
I._ einen Bericht einzuholen. Der Versicherte sei dort zuletzt vom 28. April bis zum
24. Mai 2014 hospitalisiert gewesen. Am 29. Februar 2016 reichte die Psychiatrische
Klinik I._ den Austrittsbericht vom 15. Juli 2014 ein (IV-act. 172). Darin waren
folgende Diagnosen genannt worden: Eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode, mit einem somatischen Syndrom (ICD-10 F33.11)
und eine chron. rez. Lumbago. Der Versicherte sei beim Austritt vollständig
arbeitsunfähig gewesen. Dr. J._ vom RAD gab am 19. April 2016 an (IV-act. 173),
gestützt auf die Aktenlage sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit seit dem
August 2008 auszugehen. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht erforderlich.
B.b.
Im Rahmen einer Strategie-Besprechung vom 29. Juni 2016 entschied die IV-
Stelle, ein Obergutachten in Auftrag zu geben (IV-act. 176). Am 3. August 2016 teilte
die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass eine medizinische Untersuchung
(psychiatrisch) notwendig sei (IV-act. 181). Am 18. Oktober 2016 wurde der Versicherte
durch Dr. med. P._, Psychiatrisches Zentrum Q._, abgeklärt. Im Gutachten vom
23. Dezember 2016 nannte Dr. P._ folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 187-48):
B.c.
Dysthymia (ICD-10 F34.1) und Anpassungsstörung mit Angst und depressiver
Reaktion gemischt (ICD-10 F43.2)
–
Akzentuierte Persönlichkeit mit ängstlich-vermeidenden und sensitiv-paranoischen
Zügen (ICD-10 Z73.1)
–
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)–
Dissoziative Empfindungsstörung (ICD-10 F44.6)–
Nicht näher bestimmte dissoziative Störung (ICD-10 F44.9) im Sinne der
"psychoformen Dissoziation"
–
Abnormes Krankheitsverhalten mit diversen Phänomenen der dysfunktionalen
Beschwerdenbewältigung (ICD-10 F54) bei multipler somatischer Komorbidität
–
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Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit gab Dr. P._
an:
Dr. P._ erklärte (IV-act. 187-43 ff.), aktuell bestehe lediglich ein leicht depressives
Zustandsbild, so dass die hypersensitiven und ängstlich-vermeidenden Züge neben
der somatoformen Symptomatik im Vordergrund stünden. Als direkte
Erscheinungsformen der Gesundheitsschädigungen des Versicherten könnten der
chronisch-depressive Verstimmungszustand mässiger Ausprägung sowie die
Nervosität und Ängstlichkeit genannt werden, welche das Lebensgefühl des
Versicherten durchgehend und vorwiegend prägten. Daneben bestünden eine sensitive
Kränkbarkeit sowie Ausweich- und Vermeidungstendenzen mit geringer
Leistungsmotivation. Daraus resultiere ein zurückgezogener Lebensstil mit
ausgeprägtem Schonverhalten; zwischenzeitlich mache sich auch eine Ressentiment-
Haltung mit aggressiven Ausnahmezuständen bemerkbar. Gegenüber der Vorstellung
einer Wiedereingliederung habe der Versicherte aus seiner leidfixierten Fehleinstellung
eine stark defensive Haltung eingenommen. In der Untersuchung hätten sich gewisse
Verdeutlichungstendenzen, welche an Aggravation grenzen würden, gefunden. Die
Persönlichkeitsdiagnose sei wie folgt zu formulieren: Akzentuierte Persönlichkeit mit
sensitiv-paranoischen und ängstlich-vermeidenden Zügen. Dazu kämen gewisse
dissoziative Elemente, welche einen somatoformen Aspekt in der Form von
Empfindungsstörungen, aber auch einen psychoformen Aspekt in der Form von
dissoziativen Störungen auf der Ebene des Bewusstseins hätten. Betreffend die
sozialen Belastungen stehe die MS-Erkrankung der Ehefrau des Versicherten im
Vordergrund. Wiedereingliederungsmassnahmen seien rein medizinisch zumutbar.
Würde sich der Versicherte darauf einlassen, bestünde sogar die Aussicht auf eine
Verbesserung seiner körperlichen Fitness, seiner Stimmungslage und seines
Selbstwertgefühls. Die vermeidenden und ausweichenden Tendenzen sowie der
sensitiv-paranoische Widerstand des Versicherten seien zurzeit jedoch die deutlich
stärker treibenden Elemente. Die auffälligste Diskrepanz zwischen den geschilderten
Nikotinabhängigkeit (ICD-10 F17.25)–
Akrophobie/Myophobie (ICD-10 F40.2)–
Verdacht auf schädlichen Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1)–
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Symptomen und dem gezeigten Verhalten in der Untersuchung bzw. zur Aktenlage und
zu den Alltagsaktivitäten bestehe zwischen der mittlerweile jahrelang dauernden
Arbeitsuntätigkeit und dem wenig dramatischen Zustandsbild des Versicherten. Als
weitere Diskrepanz seien die vielen medizinischen Abklärungen und den äusserst
geringen Ertrag an objektiven Befunden zu sehen, so dass das Beschwerdebild des
Versicherten als von organischen Substraten nur sehr schwach untermauert erscheine.
Eine weitere Diskrepanz könnte auch zwischen dem klinischen Zustandsbild des
Versicherten und seiner vehementen Verneinung einer substantiellen
Restarbeitsfähigkeit gesehen werden. Diese Beschwerdepräsentation trage
aggravatorische Züge. Das von Dr. L._ im Jahr 2011 erhobene Zustandsbild könne
noch weitgehend bestätigt werden, wobei der mittelgradige Schweregrad der
depressiven Stimmung nicht mehr bestätigt werden könne. Die 65%ige
Arbeitsunfähigkeit scheine daher nicht (mehr) als angemessen. Die von med.
pract. N._ und M._ festgehaltenen Diagnosen einer chronisch paranoiden
Schizophrenie und einer posttraumatischen Belastungsstörung könnten nicht bestätigt
werden. Im Privatleben übernehme der Versicherte von morgens bis abends
Wartungen und pflege in einem bescheidenen Ausmass regelmässige soziale Kontakte,
was zeige, dass substantielle Restpotentiale vorhanden seien. In Bezug auf die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der angestammten Tätigkeit sei festzuhalten, dass
keine Versuche unternommen worden seien, die Einsatzfähigkeit und die Belastbarkeit
des Versicherten auszuloten. Mit Blick auf das ziemlich konstante Zustandsbild in den
letzten acht Jahren, bei dem der Depressivitätsgrad fluktuierend gewesen sei, sei
davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit zumindest 50% betragen habe,
phasenweise aber auch höher zu veranschlagen gewesen sei, so dass sich die
Arbeitsfähigkeit im Mittel auf einem Niveau von ca. 60% bewegt haben dürfte. In einer
körperlich leichteren, wechselbelastenden und vorwiegend sitzend ausgeübten
Tätigkeit in einem reizarmen Milieu, in welchem wenig Kommunikation und Teamarbeit
erforderlich seien, sei es zumindest vorstellbar, dass die Arbeitsfähigkeit auf 70%
gesteigert werden könnte.
B.d Ein Rechtsdienstmitarbeitender der IV-Stelle hielt am 20. Februar 2017 fest (IV-
act. 195), die von Dr. P._ diagnostizierte Dysthymie sei nicht invalidisierend, ebenso
wenig die Anpassungsstörung, die akzentuierte Persönlichkeit als Z-Diagnose und das
abnorme Krankheitsverhalten. Bei den weiteren von Dr. P._ genannten, die
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Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Diagnosen handle es sich um sogenannte
pathogenetisch-ätiologisch unklare syndromale Beschwerdebilder ohne nachweisbare
organische Grundlage. Diesen komme nur im Ausnahmefall eine invalidisierende
Wirkung zu. Beim Versicherten lägen keine invalidisierenden körperlichen oder
psychischen Komorbiditäten vor. Trotz seiner akzentuierten Persönlichkeit sei er in der
Lage gewesen, ab seinem 18. Altersjahr bis Ende Juli 2008 in einem Vollzeitpensum
erwerbstätig zu sein. Seine Persönlichkeit halte somit nach wie vor Ressourcen bereit.
Die vom Versicherten geltend gemachten Beschwerden leiteten sich zudem
überwiegend aus psychosozialen Belastungen ab, was ebenfalls gegen eine
invalidisierende psychische Erkrankung spreche. Hinzu komme, dass der Versicherte
aggraviere, was den geltend gemachten Leidensdruck relativiere. Auch das private
Aktivitätsniveau spreche gegen eine invalidisierende psychische Erkrankung. Aufgrund
der Indikatoren gemäss BGE 141 V 284 ff. sei nicht ausgewiesen, weshalb der
Versicherte nur noch zu 70% arbeitsfähig sein solle. Vielmehr sei – rückwirkend – von
einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
B.e Am 22. Februar 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten bei einem IV-Grad von
4% die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 198). Zur Begründung
gab sie die Stellungnahme des Rechtsdienstmitarbeitenden wieder. Beim
Valideneinkommen von Fr. 63'000.-- stützte sie sich auf das Einkommen in der
angestammten Tätigkeit als Maler/Hilfsgipser und beim Invalideneinkommen auf den
Tabellenlohn von Fr. 60'566.-- gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des
Bundesamts für Statistik (LSE 2009, privater Sektor, Niveau 4, Männer). Der Versicherte
erhob am 30. März 2017 dagegen einen Einwand (IV-act. 199). Er machte im
Wesentlichen geltend, vor dem Hintergrund der Ausführungen des
Versicherungsgerichts im Entscheid vom 12. Mai 2015, wonach sich erfahrungsgemäss
in gewissen Fällen erst nach einer langdauernden (meist auch stationären) Therapie
feststellen lasse, dass die in den ersten Jahren der psychiatrischen Behandlung einer
Depression und/oder einer Persönlichkeitsstörung festgestellten Symptome ihre
eigentliche bzw. ihre Hauptursache in einer schizophrenen Störung hätten, sei es
unverständlich, weshalb die IV-Stelle erneut ausschliesslich auf den Bericht eines
Gutachters abgestellt und die Meinung des behandelnden Psychiaters nicht
einbezogen habe. Im Vorbescheid sei weder auf die paranoide Schizophrenie noch auf
die rezidivierend depressive Störung eingegangen worden, obschon er beide
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Diagnosen gemäss ICD-10 und DSM-IV (mit Testbefragung SKID-I) erfülle. Indem ihm
vorgehalten worden sei, nicht genügend mit dem hochpotenten Neuroleptikum
Aripiprazol behandelt worden zu sein – ein Medikament, das gegen eine paranoide
Schizophrenie wirke, an der er gar nicht leiden solle – werde die Leistungsablehnung
geradezu paradox. Das Gutachten sei nicht verwertbar, weil der Gutachter subjektiv
befangen sei. Seine Aussage, er (der Versicherte) engagiere sich deutlich intensiver im
Rentenstreit als beim Wiedererlangen seiner vollen Arbeitsfähigkeit, sei nämlich eine
subjektive, durch nichts belegte, unsachliche und entsprechend unfachliche
Behauptung des Gutachters. Der Gutachter habe sich damit begnügt festzuhalten,
dass die Diagnosen der paranoiden Schizophrenie und der posttraumatischen
Belastungsstörung keine Bestätigung hätten finden können. Wie er zu diesem Schluss
gekommen sei, gehe aus dem Gutachten nicht hervor. Im Gegensatz zu den
behandelnden Ärzten, welche ihre Diagnosen gestützt auf die standardisierte und
international anerkannte SKID-I-Testung gestellt hätten, habe der Gutachter lediglich
zwei Tests für ADHS und den MINI-ICF durchgeführt. Insgesamt habe der Gutachter
die Diagnosen verneint, ohne die für das Leiden international anerkannte SKID-I-
Testung durchgeführt zu haben. Der Gutachter habe die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit rückwirkend auf 60% geschätzt, ohne sich mit den
abweichenden aktuellzeitlichen Beurteilungen seiner Fachkollegen detailliert
auseinandergesetzt zu haben. Da ein Arzt nur den Ist-Zustand beurteilen könne, sei auf
die damaligen Beurteilungen der behandelnden Ärzte abzustellen, sofern nicht klare
Hinweise bestünden, dass diese Beurteilungen aus sachlichen Gründen unzutreffend
gewesen seien. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Der Gutachter habe vielmehr
bestätigt, dass das von Dr. L._ erhobene Zustandsbild bestätigt werden könne,
wobei der mittelgradige Schweregrad der depressiven Stimmung nicht mehr bestätigt
werden könne. Die damalige 65%ige Arbeitsunfähigkeit sei deshalb nicht (mehr)
angemessen. Der Gutachter habe damit die damalige Einschätzung von Dr. L._ für
den damaligen Zeitraum anerkannt. Dessen ungeachtet habe er die Arbeitsfähigkeit
rückwirkend für denselben Zeitraum auf 50-60% geschätzt. Damit habe er ohne
Begründung der von ihm zunächst anerkannten Einschätzung von Dr. L._
widersprochen. Insgesamt sei die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den
Gutachter nicht schlüssig, in sich widersprüchlich und nicht nachvollziehbar. In Bezug
auf die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit lasse der Gutachter eine
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Begründung vermissen, weshalb von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 70%
auszugehen sei, nachdem med. pract. N._ und Dr. L._ – und der RAD – eine
Arbeitsunfähigkeit von 65-100% attestiert hätten. Das Gutachten weise klare
Widersprüche und eine offensichtlich fehlende Objektivität des Gutachters auf, weshalb
es nicht verwertbar sei. Das Gutachten von Dr. L._ aus dem Jahr 2011 weise einen
höheren Beweiswert auf, da Dr. L._ seine Einschätzung nachvollziehbar und
schlüssig begründet und keinen Anlass zu Zweifel an seiner Objektivität gegeben habe.
Damit liege kein sachlicher Grund vor, der ein Abweichen von der Einschätzung von
Dr. L._ rechtfertigen würde. Selbst wenn man von der Einschätzung von Dr. P._
ausgehen würde, sei die Leistungsablehnung falsch. Die bloss denkbare Mehrleistung
in einem zwischenmenschlich entspannten Milieu dürfe keine Berücksichtigung finden,
da das erwähnte Arbeitsklima branchen- und arbeitsmarktunabhängig nicht
gewährleistet werden könne. Somit wäre von der fluktuierenden 50-60%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen, was einen zeitlich gestaffelten Anspruch auf
entsprechende Teilrenten begründen würde.
B.f Am 10. August 2017 unterbreitete die IV-Stelle Dr. P._ die Einwände des
Versicherten zur Stellungnahme (IV-act. 201). In einem Schreiben vom 31. August 2017
führte Dr. P._ aus (IV-act. 202), aufgrund des aktuellen klinischen Eindrucks könne
man höchstens feststellen, ob ein Patient psychotisch sei oder nicht. Der Versicherte
sei es zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht gewesen. Psychologische Testverfahren
würden in Leitlinienpapieren zumeist als nicht obligatorisch angeführt, vielmehr bedürfe
es zu ihrer Anwendung einer klaren Indikation. Für eine standardisierte und
kriteriengeleitete Diagnostik sorgten die operationalisierten Kriterienlisten in den
diagnostischen Manualen wie etwa ICD-10. Betreffend die Medikamenteneinnahme sei
lediglich anzuführen, dass der Versicherte seit geraumer Zeit keine antipsychotischen
Medikamente mehr eingenommen habe und gleichwohl nicht in eine Psychose geraten
sei. In Bezug auf seine Aussage, dass sich der Versicherte deutlich intensiver im
Rentenstreit als beim Wiedererlangen seiner vollen Arbeitsfähigkeit engagiere, sei nicht
ersichtlich, was daran subjektiv sein solle. Seit geraumer Zeit werde um eine Rente,
nicht aber um angemessene Eingliederungsmassnahmen gestritten. Dr. L._ habe das
Zustandsbild des Versicherten nicht in allen Teilen als authentisch befunden. Ob er (Dr.
P._) das damalige Zustandsbild ebenfalls als mittelgradige Depression eingestuft
hätte, sei unsicher; ebenso liege es nicht auf der Hand, dass eine mittelgradige
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Depression eine dauernde 65%ige Arbeitsunfähigkeit begründe. Klar sei, dass im
Untersuchungszeitpunkt keine mittelgradige Depression bestanden habe, sodass die
damalige 65%ige Arbeitsunfähigkeit im Untersuchungszeitpunkt nicht mehr gültig
gewesen sei. Aus seinem Gutachten gehe transparent hervor, wie er zur Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit gelangt sei. Davon deutlich abweichende Werte wären inkonsistent
mit Anamnese und Befund. Insgesamt halte er an den Darstellungen im Gutachten fest.
B.g Am 12. Oktober 2017 nahm der Versicherte Stellung zum Schreiben von Dr. P._
vom 31. August 2017. Er führte aus, dass sich der Gutachter in Widersprüche ergangen
habe. Dieser habe erklärt, gemäss eigenen Feststellungen könne er lediglich aussagen,
dass der Versicherte im Untersuchungszeitpunkt nicht psychotisch gewesen sei.
Dennoch habe er festgehalten, dass der Versicherte seit geraumer Zeit keine
antipsychotischen Medikamente mehr eingenommen habe und gleichwohl nicht in eine
Psychose geraten sei. Dr. P._ untermauere seine fehlende Objektivität und
Befangenheit. Wenn er nicht verstehe, dass seine negativen Äusserungen – also seine
subjektiven Wertungen – über die Bemühungen, eine IV-Rente zu erlangen,
unwissenschaftlich und unsachlich seien, dann genüge er den Anforderungen an einen
Fachgutachter nicht. Äusserungen wie diese begründeten nicht nur die Besorgnis der
Befangenheit, sondern seien Ausdruck echter Befangenheit. Das Gutachten von
Dr. P._ sei aus den Akten zu nehmen und stattdessen sei auf jenes von Dr. L._
abzustellen. Eventualiter sei ein neues psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben.
B.h Mit einer Verfügung vom 24. Oktober 2017 wies die IV-Stelle, entsprechend dem
Vorbescheid, das Leistungsbegehren ab (IV-act. 206). Zu den Einwänden führte sie an,
Dr. P._ habe sich nicht in Widersprüchen verfangen, wenn er sowohl zur
Momentaufnahme im Rahmen der Untersuchung als auch zum übrigen
Behandlungszeitraum Stellung genommen habe. Es sei auch die Aufgabe des
Gutachters, eine Längsschnittbeurteilung vorzunehmen. Im Weiteren müsse
insbesondere ein psychiatrischer Gutachter das Verhalten eines Versicherten
beschreiben und werten, zumal zum psychiatrischen Beweisthema stets das allfällige
Vorliegen von inkonsistentem, aggravatorischem oder simulatorischem Verhalten
gehöre. Der Gutachter habe auch korrekt die Fragen bezüglich der Eingliederung
beantwortet. Eine Befangenheit von Dr. P._ sei nicht erkennbar.
C.
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C.a Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob am 23. November 2017
eine Beschwerde (act. G 1). Er beantragte die Aufhebung der Verfügung vom
24. Oktober 2017 und die Zusprache einer ganzen Invalidenrente. Eventualiter sei eine
psychiatrische Begutachtung durch das Gericht anzuordnen. Zudem beantragte er den
Beizug der Akten des Verfahrens IV 2012/319. Ergänzend zu den Einwänden im
Vorbescheidverfahren machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, die IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) gehe von einer vollständigen
Arbeitsfähigkeit aus, obschon der RAD eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestätigt
und der Gutachter die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit mit 50-60% und
in einer adaptierten Tätigkeit mit maximal 70% beurteilt habe. Damit gehe sie erneut
über die ärztliche Beurteilung hinaus. Das Gutachten sei nicht verwertbar, da die
fehlende Unabhängigkeit und Parteinahme des Gutachters offensichtlich sei. Zudem
sei dessen Spezialisierung in Frage zu stellen. Die Beschwerdegegnerin habe ihn
ausgewählt, obschon bekannt sei, dass die Begutachtung von psychiatrischen
Beschwerdebildern nach dem Indikatorenverfahren einer breitabgestützten
spezifischen Praxiserfahrung bedürfe, über die Dr. P._ offenbar nicht verfüge. Die
Beschwerdegegnerin habe im Abklärungsergebnis festgehalten, dass aggraviert
worden sei. Hierfür fehle im Gutachten eine entsprechende Grundlage. Entgegen der
Darstellung in der angefochtenen Verfügung werde im Gutachten nicht dargelegt, dass
sich die geltend gemachten Beschwerden überwiegend aus den psychosozialen
Belastungen ableiten würden. Die Beschwerdegegnerin verfange sich in ihrer immer
wiederholten alten Begründung. Der Gutachter habe sowohl die familiären
Hilfeleistungen wie auch die psychotherapeutische und psychiatrische Begleitung als
Bestärkung der Behinderung und nicht als Animation zur Reaktivierung der
persönlichen Ressourcen beurteilt. Aus dem Gutachten sei nicht nachvollziehbar, wie
der Gutachter zu dieser Beurteilung gelangt sei bzw. woher er die entsprechenden
Informationen erlangt habe; insbesondere fehlten Hinweise auf Rückfragen bei
Familienmitgliedern oder bei behandelnden Psychiatern und Therapeuten. Der
Gutachter habe verbleibende psychopharmakologische und psychotherapeutische
Methoden verneint und aufbauende Trainingsmassnahmen als einzig verbleibende
Möglichkeit gesehen, wobei damit das Auslösen einer Zustandsverschlechterung zu
befürchten sei. Das Scheitern einer beruflichen Wiedereingliederung sei damit
prognostiziert. Die Zusprache einer ganzen Invalidenrente sei vor diesem Hintergrund
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/27
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sachgerecht. Der Gutachter habe im Gutachten das im Jahr 2011 von Dr. L._
erhobene Zustandsbild bestätigt und dessen attestierte Arbeitsunfähigkeit von 65% als
angemessen betrachtet. Weshalb die Beschwerdegegnerin auch für die Vergangenheit
jede Rentenleistung verweigere, sei nicht nachvollziehbar. Die behandelnden Ärzte des
O._ hätten ihre Diagnose gestützt auf die standardisierte und international
anerkannte SKID-I-Testung gestellt. Im Gegenzug habe der Gutachter lediglich zwei
Tests für ADHS und den MINI-ICF durchgeführt. Er habe somit die Diagnose der
paranoiden Schizophrenie und der posttraumatischen Belastungsstörung ohne die für
dieses Leiden international anerkannte Testungen verneint. Im Hinblick auf den
Rückweisungsentscheid vom 12. Mai 2015, wonach insbesondere die Frage nach einer
schizophrenen Erkrankung zu klären gewesen wäre, sei die durchgeführte
Untersuchung ungenügend gewesen. Die Beschwerdegegnerin habe sich erneut über
die ärztliche Beurteilung und Empfehlung des RAD hinweggesetzt und im Ergebnis
selbst eine medizinische Beurteilung über die Beeinträchtigung und die Arbeitsfähigkeit
abgegeben.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
Zur Begründung verwies sie auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung vom
24. Oktober 2017 sowie die Stellungnahme von Dr. P._ vom 31. August 2017.
C.c Der Versicherte verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 6).

Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 24. Oktober 2017
einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem IV-Grad von 4% verneint.
Strittig ist somit, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/27
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3.
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.2.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat zur
Beantwortung dieser Frage Dr. P._ mit der Erstellung eines psychiatrischen
Obergutachtens beauftragt, nachdem das Versicherungsgericht im
Rückweisungsentscheid vom 12. Mai 2015 festgehalten hatte, an der Richtigkeit der
gestellten Diagnosen (vor allem der Schwere der Krankheiten) und der Stärke der
entsprechenden Symptome in dem von Dr. L._ verfassten neurologischen und
psychiatrischen Gutachten vom 20. Dezember 2011 drängten sich Zweifel auf (IV
2012/319, E. 1.2). Dr. P._ hat im Gutachten vom 23. Dezember 2016 angegeben (IV-
act. 187-54 f.), in der angestammten Tätigkeit könne davon ausgegangen werden, dass
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in den letzten acht Jahren zumindest 50%
betragen habe. Angesichts der fluktuierenden Stimmungslage sei sie phasenweise aber
auch höher zu veranschlagen gewesen, so dass sie sich im Mittel auf einem Niveau
von ca. 60% bewegt haben dürfte. In einer körperlich leichteren, wechselbelastenden
und vorwiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit in einem reizarmen Arbeitsmilieu, in
welchem wenig Kommunikation und Teamarbeit erforderlich seien, sei es zumindest
vorstellbar, dass die Arbeitsfähigkeit auf 70% gesteigert werden könnte. Dr. L._ hatte
in seinem Gutachten vom 20. Dezember 2011 demgegenüber angegeben, die
3.1.
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Arbeitsfähigkeit habe seit Juli 2010 in einer körperlich leichten Tätigkeit 35% betragen.
Für die Zeit von Mitte 2008 bis Juli 2010 müsse auf die Einschätzungen in der
medizinischen Aktenlage verwiesen werden. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob
dem Gutachten von Dr. P._ voller Beweiswert zukommt, das heisst ob es die
Arbeitsfähigkeit von 70% mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
belegt.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Massgebend ist sodann, ob der Gutachter die vom Bundesgericht in
Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare
psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen Erkrankungen,
insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen, anwendbar erklärten
Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143 V 409 und 143 V 418).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss zur Ermittlung des funktionellen
Leistungsvermögens eines Versicherten – das heisst zur Beantwortung der Frage, ob
und inwiefern eine psychische Erkrankung eine Arbeitsunfähigkeit bzw. eine Invalidität
zur Folge hat – eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung anhand eines Kataloges
von Indikatoren erfolgen. Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren sind: (a)
„funktioneller Schweregrad“, (aa) „Gesundheitsschädigung“, (aaa) Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde, (aab) Behandlungs- und Eingliederungserfolg, (aac)
Komorbiditäten, (ab) „Persönlichkeit“, (ac) „sozialer Kontext“, (b) „Konsistenz“, (ba)
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen, (bb) behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidensdruck (BGE 141 V 297 f. E. 4.1.3). Die Handhabung des Katalogs muss stets
den Umständen des Einzelfalls gerecht werden. Es handelt sich nicht um eine
"abhakbare Checkliste" (BGE 141 V 297 E. 4.1.1).
3.2.
Das Gutachten von Dr. P._ ist in die Abschnitte Anamnese, objektive Befunde,
Beurteilung und Beantwortung der Fragen gemäss dem Gutachtenkatalog gegliedert.
Letzterer berücksichtigt die nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
massgebenden Standardindikatoren. Dr. P._ hat einleitend auf den Gutachtenkatalog
hingewiesen (IV-act. 187-1) und Ausführungen zu sämtlichen Standardindikatoren
gemacht (IV-act. 187-42 ff.): Ausführungen zur Anforderung "Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde" finden sich in den Ziffern 5.I.1. bis 5.I.6. des Gutachtens,
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/27
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zur Anforderung "Behandlungs- und Eingliederungserfolg" in der Ziffer 5.IV. des
Gutachtens, zur Anforderung "Komorbiditäten" in der Ziffer 4.2, letzter Absatz, des
Gutachtens, zur Anforderung "Persönlichkeit" (inklusive persönliche Ressourcen) in den
Ziffern 5.I.7., 5.I.8. und 5.V.2. des Gutachtens, zur Anforderung "sozialer Kontext" in
der Ziffer 5.II. des Gutachtens, zur Anforderung "gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen" in den Ziffern 5.V.1. bis
5.V.3. des Gutachtens und zur Anforderung "behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck" in den Ziffern 5.V.4. und
5.V.5. Aus dem Gutachten ist ersichtlich, dass Dr. P._ umfassende Kenntnis von den
Vorakten gehabt hat. Er hat den Beschwerdeführer während 5.5 Stunden eingehend
untersucht und dessen subjektive Klagen ausführlich aufgenommen. Die objektiven
klinischen Befunde sind im Gutachten zwar eher knapp festgehalten; die Ausführungen
von Dr. P._ zeigen jedoch auf, dass er diese eingehend erhoben hat. Zentral ist
insbesondere die Aussage von Dr. P._, dass der Beschwerdeführer über die
gesamten 5.5 Stunden der Untersuchung keine Ermüdungszeichen gezeigt habe. Der
Beschwerdeführer ist somit in der Lage gewesen, sich über eine längere Zeitdauer zu
konzentrieren und hält damit gewisse Ressourcen bereit. Zur Erhebung der Diagnosen
hat Dr. P._ die Beschwerdebilder geordnet und zwischen psychischen und
somatischen Beschwerden bzw. somatoformen Störungen unterschieden. Gestützt
darauf hat er die Diagnosen gestellt. Aus der Sicht eines medizinischen Laien sind
diese Diagnosen überzeugend hergeleitet und begründet worden. In Bezug auf die
Konsistenz hat Dr. P._ auf Diskrepanzen hingewiesen, nämlich zwischen der
jahrelangen Arbeitsuntätigkeit und dem wenig dramatischen Zustandsbild des
Beschwerdeführers, zwischen den vielen medizinischen Abklärungen auf praktisch
allen Teilgebieten und dem äusserst geringen Ertrag an objektiven Befunden sowie
zwischen dem klinischen Zustandsbild des Beschwerdeführers und dessen
vehementer Verneinung einer substantiellen Restarbeitsfähigkeit. Nach der Ansicht von
Dr. P._ trägt diese Beschwerdepräsentation aggravatorische Züge. Des Weiteren hat
Dr. P._ zum Gutachten von Dr. L._ vom 20. Dezember 2011 Stellung genommen
und festgehalten, dass das im Jahr 2011 erhobene Zustandsbild noch weitgehend
bestätigt werden könne, wobei allerdings der mittelgradige Schweregrad der
depressiven Stimmung nicht mehr bestätigt werden könne. Die damalige 65%ige
Arbeitsunfähigkeit scheine daher nicht (mehr) angemessen. Ergänzend hat er dazu
festgehalten (IV-act. 202-6), dass er nicht sicher sein könne, ob er das damalige
Zustandsbild ebenfalls als mittelschwere Depression eingestuft hätte; ebenso liege es
für ihn nicht auf der Hand, dass eine mittelgradige Depression eine 65%ige
Arbeitsunfähigkeit begründe. Dr. P._ hat auch den Bericht von med. pract. N._ und
M._ vom 18. April 2015 gewürdigt und dazu angegeben, dass die darin gestellten
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Diagnosen einer chronisch paranoiden Schizophrenie und einer posttraumatischen
Belastungsstörung keine Bestätigung hätten finden können. Sei damals noch von einer
schweren depressiven Episode die Rede gewesen, würde man heute eher von einer
leichten, depressiv und ängstlich geprägten Anpassungsstörung sprechen. Die
Auffassung von med. pract. N._ und M._, wonach in der ganzen Zeit ihrer
Behandlung eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit geherrscht habe, könne daher nicht
geteilt werden. Diese für die Diagnosestellung und die Arbeitsfähigkeitsschätzung
relevanten Ausführungen sind schlüssig und nachvollziehbar. Dr. P._ hat damit
überzeugend begründet, dass der Beschwerdeführer an keiner Störung aus dem
schizophrenen Formenkreis leidet (siehe dazu auch unten E. 3.7). Des Weiteren hat
Dr. P._ aufgezeigt, dass der Beschwerdeführer substantielle Restpotentiale hat,
welche er aber lediglich seiner Familie zur Verfügung stellt (Haushaltsarbeiten,
Betreuung seiner an MS erkrankten Ehefrau); zudem pflegt er in einem bescheidenen
Ausmass soziale Kontakte. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang auch die
Ausführungen von Dr. P._ betreffend die Besprechung mit dem Beschwerdeführer,
welche leichte Verweistätigkeiten (z.B. Nachtportier in Hotel, Lagerist für Autozubehör
etc.) er sich vorstellen könnte. Diese zeigen auf, dass sich der Beschwerdeführer
praktisch nichts mehr zutraut, obwohl er über substantielle Restpotentiale verfügt.
Dr. P._ hat sich damit ausführlich mit den Ressourcen des Beschwerdeführers und
der Konsistenz auseinandergesetzt. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hat Dr. P._
festgehalten, dass es sich nur um eine grobe Schätzung handeln könne, da in den
letzten acht Jahren keinerlei Versuche unternommen worden seien, die Einsatzfähigkeit
und die Belastbarkeit des Beschwerdeführers auszuloten. Mit Blick auf das recht
konstante Zustandsbild in den letzten acht Jahren, bei dem der Depressivitätsgrad
fluktuierend gewesen sei, sei davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit mindestens 50% betragen habe, phasenweise aber auch
höher zu veranschlagen gewesen sei, sodass sie sich im Mittel auf einem Niveau von
ca. 60% bewegt haben dürfte. In einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit (körperlich
leichtere wechselbelastende, vorwiegend sitzende Tätigkeit im reizarmen Milieu, wobei
wenig Kommunikation und Teamarbeit erforderlich seien) sei vorstellbar, dass die
Arbeitsfähigkeit auf bis zu 70% gesteigert werden könnte. Ergänzend hat er zur
Arbeitsfähigkeitsschätzung festgehalten (IV-act. 202-6), dass es sich dabei nicht um
einen mathematischen Schritt, sondern um einen sozial-vergleichenden Prozess
handle, und dass er seine Einschätzung als mit der Einschätzung früherer,
vergleichbarer Fälle aus seiner Praxis konsistent erachte. Dr. P._ hat damit
überzeugend begründet, dass der Beschwerdeführer in einem erheblichen Mass
arbeitsfähig ist. Angesichts der gestellten Diagnosen und angesichts des substantiellen
Potentials, über das der Beschwerdeführer noch verfügt, erscheint eine mindestens
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30%ige Arbeitsunfähigkeit in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit – zumindest aus
der Sicht eines medizinischen Laien – als wohl zu pessimistisch. Des Weiteren ergibt
sich aus dem Gutachten nicht mit der für eine rechtliche Beurteilung erforderlichen
Präzision, zu wieviel Prozent der Beschwerdeführer als arbeitsfähig zu taxieren ist. Die
Angabe, dass die Arbeitsfähigkeit seit dem Jahr 2008 mindestens 50% betragen habe,
phasenweise aber höher zu veranschlagen sei, und dass in einer optimal angepassten
Tätigkeit eine Mehrleistung um ca. 10% denkbar sei (IV-act. 187-54 f.), lässt einerseits
offen, in welchen Zeiträumen in der Vergangenheit die Arbeitsfähigkeit wieviel Prozent
betragen hat (fluktuierender Arbeitsfähigkeitsgrad). Andererseits ist unklar, zu wieviel
Prozent der Beschwerdeführer für die Zukunft als arbeitsfähig eingeschätzt wurde
(Angabe einer Spannbreite von 50 bis zu 70%). Schliesslich enthält das Gutachten
auch keine Begründung dafür, weshalb die Arbeitsunfähigkeit in einer
leidensadaptierten Tätigkeit mindestens 30% betragen soll. Diesbezüglich wären
Ausführungen in Bezug auf die Beeinträchtigung des funktionellen Leistungsvermögens
in qualitativer und in quantitativer Hinsicht erforderlich gewesen. Qualitativ können
beispielsweise eine Verlangsamung, ein Verlust der Konzentrationsfähigkeit oder ein
erhöhter Pausenbedarf zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen. In
quantitativer Hinsicht ist zu erklären, wie sich diese Beeinträchtigung des
Leistungsvermögens am idealen Arbeitsplatz konkret auswirkt, beispielsweise dass der
Versicherte für die Erfüllung einer Arbeitsaufgabe doppelt so viel Zeit wie eine gesunde
Person benötige, dass der Versicherte am Vormittag eine volle Leistung zu erbringen
vermöge und am Nachmittag aufgrund von zunehmenden
Konzentrationsschwierigkeiten nur noch zur Hälfte leistungsfähig sei oder dass der
Versicherte nach jeder Arbeitsstunde 10 Minuten Pause benötige, um sich zu erholen.
Mit der Begründung der Arbeitsfähigkeitsschätzung ist auch anzugeben, ob der
Beschwerdeführer ganztags (allenfalls mit einer entsprechend reduzierten Leistung)
oder Teilzeit arbeitsfähig ist. Die verbleibende Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
in einer leidensadaptierten Tätigkeit steht damit (für die Vergangenheit und die Zukunft)
noch nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest.
Dr. L._ hatte dem Beschwerdeführer in seinem Gutachten vom 20. Dezember
2011 eine Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten Tätigkeit von 35% attestiert (seit
Juli 2010). Darauf kann ebenfalls nicht abgestellt werden. Zwar konnte Dr. P._ die im
Rückweisungsentscheid vom 12. Mai 2015 geäusserten Zweifel an der Richtigkeit der
von Dr. L._ gestellten Diagnosen angesichts der von med. pract. N._ und M._ (zu
einem späteren Zeitpunkt) gestellten Diagnose einer Störung aus dem schizophrenen
Formenkreis ausräumen. Dennoch überzeugen die Diagnosestellung und die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. L._ nicht: Das von Dr. L._ beschriebene
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/27
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Zustandsbild des Beschwerdeführers deckt sich in etwa mit der Beschreibung von
Dr. P._. Dr. L._ hatte gestützt darauf eine Anpassungsstörung mit einer
mittelgradig depressiven Reaktion bei einer psychosozialen Belastung diagnostiziert.
Dr. P._ hat dazu festgehalten, dass das Zustandsbild des Beschwerdeführers im
Untersuchungszeitpunkt nicht (mehr) als mittelgradige Depression zu qualifizieren sei.
Er sei sich zudem nicht sicher, ob er das damalige Zustandsbild ebenfalls als
mittelgradige Depression eingestuft hätte. In Anbetracht der von Dr. L._
festgestellten, hinreichend sicheren Hinweise auf besondere Bemühungen des
Beschwerdeführers um die Verdeutlichung oder die Vortäuschung zumindest einzelner
Symptome und der damit verbundenen Zweifel an der Richtigkeit der Diagnosen (vgl.
dazu bereits der Rückweisungsentscheid vom 12. Mai 2015, IV 2012/319, E. 1.2 f.)
sowie unter Berücksichtigung der Stellungnahme von Dr. P._ sind die Diagnosen und
die Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten von Dr. L._ als nicht schlüssig
hergeleitet zu qualifizieren. Insbesondere hat Dr. L._ nicht begründet, weshalb er von
einer mittelgradigen Depression ausgegangen ist, wenn er zugleich hinreichend sichere
Hinweise auf eine aggravierende oder simulierende Beschwerdepräsentation durch den
Beschwerdeführer festgestellt hat. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass der
Beschwerdeführer bereits im Zeitpunkt der Untersuchung durch Dr. L._ massgeblich
an der Pflege und Betreuung seiner Ehefrau beteiligt gewesen war (vgl. die Schilderung
des Tagesablaufs, IV-act. 100-4). Damit bestehen starke Anhaltspunkte, dass er bereits
damals über ein substantielles Restpotential verfügt hatte. Die Einschätzung von
Dr. L._, wonach der Beschwerdeführer über eine verbleibende Arbeitsfähigkeit von
lediglich 35% verfügt habe, überzeugt deshalb nicht.
Die Beschwerdegegnerin hat, in Nachachtung des Rückweisungsentscheids vom
12. Mai 2015, bei der Psychiatrischen Klinik I._ den Austrittsbericht vom 15. Juli 2014
eingeholt. Der Beschwerdeführer war vom 28. April bis zum 24. Mai 2014 dort
hospitalisiert gewesen. Im Austrittsbericht wird als psychiatrische Diagnose eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, mit einem
somatischen Syndrom (ICD-10 F33.11) genannt. Der Beschwerdeführer sei beim
Austritt vollständig arbeitsunfähig gewesen. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung kann
ebenfalls nicht als Grundlage für den Rentenentscheid herangezogen werden. Gemäss
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist nämlich der Erfahrungstatsache Rechnung
zu tragen, dass behandelnde Ärzte wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung
erfahrungsgemäss im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen und
dazu neigen, die pessimistischen oder sogar aggravierenden
Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu qualifizieren (vgl.
3.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/27
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BGE 125 V 353 E. 3b.cc; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom
5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2).
Der Beschwerdeführer hat eingewendet, das Gutachten von Dr. P._ sei nicht
verwertbar, da Dr. P._ befangen sei. Er hat dies im Wesentlichen mit der Aussage
von Dr. P._, dass er (der Beschwerdeführer) sich deutlich intensiver im Rentenstreit
als beim Wiedererlangen seiner vollen Arbeitsfähigkeit engagiere, begründet. Dr. P._
hat dazu Stellung genommen und festgehalten, es sei nicht ersichtlich, was daran
subjektiv sein solle. Seit geraumer Zeit werde um eine Rente, nicht aber um
angemessene Eingliederungsmassnahmen gestritten. Die Beschwerdegegnerin hat zu
Recht ausgeführt, es gehöre zur Aufgabe eines Gutachters, das Verhalten eines
Versicherten zu beschreiben und zu werten, zumal zum psychiatrischen Beweisthema
stets das allfällige Vorliegen von inkonsistentem, aggravatorischem oder
simulatorischem Verhalten gehöre. Bei den Aussagen von Dr. P._, der
Beschwerdeführer engagiere sich "deutlich intensiver im Rentenstreit als beim
Wiedererlangen seiner vollen Arbeitsfähigkeit" (IV-act. 187-39) und er nehme
"gegenüber der Vorstellung einer Wiedereingliederung [...] aus seiner leidfixierten
Fehleinstellung eine stark defensive Haltung ein" (IV-act. 187-43), handelt es sich
offenkundig um objektive psychiatrische Feststellungen. Indizien, die auf eine
Befangenheit von Dr. P._ hinweisen würden, bestehen damit nicht.
3.6.
Der Beschwerdeführer hat des Weiteren eingewendet, Dr. P._ habe die
Diagnosen der paranoiden Schizophrenie und der posttraumatischen
Belastungsstörung verneint, ohne dass aus dem Gutachten ersichtlich sei, wie er zu
diesem Schluss gekommen sei, zumal er die für das Leiden international anerkannte
SKID-I-Testung nicht durchgeführt habe. Zudem habe er im Zusammenhang mit der
Beurteilung der bisherigen Therapie gerügt, dass der Nachweis des Medikamentes
Aripiprazol nicht im therapeutischen Bereich gelegen habe, obschon dieses
Medikament zur Behandlung einer paranoiden Schizophrenie eingesetzt werde.
Dr. P._ hätte, um seiner Sorgfaltspflicht nachzukommen, mindestens einen aktuellen
Bericht bei med. pract. N._ und M._ einholen und sich detailliert damit
auseinandersetzen müssen. Das Versicherungsgericht habe im
Rückweisungsentscheid vom 12. Mai 2015 nämlich festgestellt, dass sich eine
schizophrene Störung erfahrungsgemäss in gewissen Fällen erst nach einer
langdauernden (meist auch stationären) Therapie feststellen lasse. Dr. P._ hat dazu
festgehalten, aufgrund des aktuellen klinischen Eindruckes könne man höchstens
feststellen, ob ein Patient psychotisch sei oder nicht. Das sei der Beschwerdeführer im
Zeitpunkt der Untersuchung nicht gewesen. In der Vorgeschichte des
3.7.
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Beschwerdeführers seien auch keine typischen schizophrenen Phänomene zu finden
gewesen. Zur Anwendung von psychologischen Testverfahren bedürfe es einer klaren
Indikation. Für eine standardisierte und kriteriengeleitete Diagnostik sorgten die
operationalisierten Kriterienlisten in den diagnostischen Manualen wie etwa ICD-10.
Betreffend die Medikamenteneinnahme sei lediglich anzuführen, dass der
Beschwerdeführer seit geraumer Zeit keine antipsychotischen Medikamente mehr
eingenommen habe und gleichwohl nicht in eine Psychose geraten sei. Diese
Ausführungen von Dr. P._ sind schlüssig und nachvollziehbar. Betreffend den
Einwand des Beschwerdeführers, Dr. P._ hätte bei med. pract. N._ und M._
einen aktuellen Bericht einholen müssen, ist festzuhalten, dass davon kein
Beweisfortschritt zu erwarten gewesen wäre. In diesem Zusammenhang ist nämlich –
gleich wie bei der Würdigung des Austrittsberichts der Psychiatrischen Klinik I._ vom
15. Juli 2014 – der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass die behandelnden
Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten
ihrer Patienten auszusagen pflegen und dazu neigen, die pessimistischen
Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu qualifizieren (vgl.
BGE 125 V 353 E. 3b.cc; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom
5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2). Der Einwand des Beschwerdeführers ist damit nicht
stichhaltig und vermag den Beweiswert des Gutachtens nicht zu schmälern.
Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, Dr. P._ habe verbleibende
psychopharmakologische und psychotherapeutische Methoden verneint und
aufbauende Trainingsmassnahmen als einzig verbleibende Möglichkeit gesehen (um
ihn aus seiner passivierten und dekonditionierten Fehlhaltung herauszuholen, vgl. IV-
act. 187-50), wobei damit das Auslösen einer Zustandsverschlechterung zu befürchten
sei. Das Scheitern einer beruflichen Wiedereingliederung sei damit prognostiziert. Die
Zusprache einer ganzen IV-Rente sei vor diesem Hintergrund sachgerecht. Diese
Ausführungen des Beschwerdeführers sind insofern zu präzisieren, als Dr. P._
festgehalten hat, zu befürchten sei, dass der Beschwerdeführer solche
Eingliederungsmassnahmen durch postwendende Zustandsverschlechterung (auf der
Ebene der Befindlichkeit) konterkarieren würde. Des Weiteren hat Dr. P._ – am Ende
der Ziffer 5.IV. betreffend die Behandlung und Eingliederung –
Wiedereingliederungsmassnahmen auf angemessenem Niveau als zumutbar erachtet,
zumal nicht zu befürchten sei, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers objektiv verschlechtern würde. Der Beschwerdeführer vermag
deshalb aus seinen Ausführungen nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
3.8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/27
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Der Beschwerdeführer hat schliesslich geltend gemacht, es sei nicht
nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin ein Gutachten in Auftrag gegeben
habe, nachdem der RAD am 19. April 2016 nach Erhalt der neu eingeholten Berichte
von med. pract. N._ und M._ sowie der Psychiatrischen Klinik I._ seine
Einschätzung vom 19. Januar 2016 bestätigt habe, wonach seit dem 8. August 2008
eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt vorliege und
weitere medizinische Abklärungen in Anbetracht der umfangreichen Aktenlage und
dem Entscheid des Versicherungsgerichts nicht erforderlich seien. Das dennoch in
Auftrag gegebene Gutachten vermöge den Gegenbeweis nicht zu erbringen. In
Anlehnung an die Beurteilung des RAD werde die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente
beantragt. Aus welchen Gründen die Beschwerdegegnerin Dr. P._ mit der
Begutachtung des Beschwerdeführers beauftragt hat, kann an dieser Stelle
offengelassen werden. Aus dem Strategie-Protokoll vom 29. Juni 2016 ist immerhin
ersichtlich (IV-act. 176), dass die Frage nach den invalidisierenden Diagnosen,
insbesondere der schizophrenen Erkrankung, als noch nicht ausreichend geklärt
betrachtet wurde. Zudem wurde die im Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik I._
vom 15. Juli 2014 attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit angesichts der Diagnose
einer depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, als nicht
nachvollziehbar qualifiziert. Wie bereits aufgezeigt überzeugt das Gutachten von
Dr. P._ in Bezug auf die Erhebung des Zustandsbildes des Beschwerdeführers und
die Diagnosestellung. Einzig die verbleibende Arbeitsfähigkeit in einer
leidensadaptierten Tätigkeit steht noch nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest (siehe E. 3.3). Auf die Beurteilung des RAD, welche sich auf die
Berichte von behandelnden Ärzten stützt (vgl. IV-act. 173), ist deshalb nicht
abzustellen.
3.9.
Die Beschwerdegegnerin hat die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. P._ im
Ergebnis, jedoch mit einer leicht anderen Begründung, ebenfalls als nicht überzeugend
qualifiziert. Sie hat dies unter anderem damit begründet, die Diagnosen einer
Dysthymie, einer Anpassungsstörung, einer akzentuierten Persönlichkeit als Z-
Diagnose und eines abnormes Krankheitsverhalten seien gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht invalidisierend. Dazu ist festzuhalten, dass
die Frage, ob diese Diagnosen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben, Gegenstand der
weiteren medizinischen Abklärungen bilden wird (siehe unten E. 3.11). Des Weiteren
hat die Beschwerdegegnerin ausgeführt, bei den weiteren von Dr. P._ genannten, die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Diagnosen einer Somatisierungsstörung, einer
dissoziativen Empfindungsstörung und einer nicht näher bestimmten dissoziativen
Störung handle es sich um sogenannte pathogenetisch-ätiologisch unklare syndromale
3.10.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/27
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Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage. Diesen komme nur im
Ausnahmefall eine invalidisierende Wirkung zu. Sodann hat sie festgehalten, dass
aufgrund der Indikatoren gemäss BGE 141 V 284 ff. nicht ausgewiesen sei, weshalb
der Beschwerdeführer nur noch zu 70% arbeitsfähig sein solle. Die
Beschwerdegegnerin ist damit in ihrer Argumentation zunächst einer Praxis gefolgt,
welche das Bundesgericht mit BGE 141 V 281 gerade aufgegeben hat (Aufgabe der
Überwindbarkeitsvermutung und Ersetzen des Regel/Ausnahme-Modells durch ein
strukturiertes Beweisverfahren). Anschliessend hat sie sich auf das strukturierte
Beweisverfahren gestützt und geltend gemacht, dass nicht ausgewiesen sei, weshalb
die Arbeitsfähigkeit noch 70% betragen solle. Vielmehr sei von einer vollständigen
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Diese Anwendung der
aufgegebenen Praxis und die Berufung auf die neue Praxis ist nicht zulässig. Des
Weiteren hat die Beschwerdegegnerin ihre eigene Arbeitsfähigkeitsschätzung an die
Stelle derjenigen von Dr. P._ gesetzt. Indem die Beschwerdegegnerin ein
medizinisches Gutachten in Auftrag gegeben hat, hat sie zum Ausdruck gebracht, dass
sie auf den Sachverstand unabhängiger medizinischer Fachleute angewiesen gewesen
ist. Hat sie der Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten nicht folgen wollen, wäre sie
im Rahmen der sie treffenden Untersuchungspflicht gehalten gewesen, weitere
Abklärungen vorzunehmen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich Dr. P._ ausführlich mit den
Standardindikatoren auseinandergesetzt hat und dass das Gutachten in Bezug auf die
Erhebung des Zustandsbildes und der Diagnosestellung überzeugt. Die verbleibende
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers steht dagegen noch nicht mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Die Beschwerdegegnerin hat zudem den
Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) verletzt, indem sie ihre eigene
Arbeitsfähigkeitsschätzung an die Stelle derjenigen von Dr. P._ gesetzt hat, anstatt
weitere Abklärungen vorzunehmen. Die angefochtene Verfügung ist deshalb als
rechtswidrig aufzuheben. Da es nicht die Sache des Versicherungsgerichtes sein kann,
die ureigenste Aufgabe der Beschwerdegegnerin – die Sachverhaltsabklärung – zu
übernehmen, ist die Sache zur weiteren Abklärung, insbesondere für eine Nachfrage
bei Dr. P._ zur Präzisierung seiner Angaben zur Arbeitsfähigkeitsschätzung in einer
leidensadaptierten Tätigkeit (für die Vergangenheit und die Zukunft) und zu deren
Begründung, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Einholung eines
Gerichtsgutachtens ist unter diesen Umständen nicht angezeigt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 9. Februar 2018, 8C_580/2017, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).
3.11.
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4.