Decision ID: fc7ff62d-fdbc-5e6c-b8a6-012a5ff374a3
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die Politische Gemeinde Sargans lud am 8. November 2017 acht Unternehmen zur
Einreichung eines Angebots für die Lieferung eines Fahrzeuges mit Salzstreuer und
Pflug ein. In den Ausschreibungsunterlagen wurden die Zuschlagskriterien samt
Gewichtung – nämlich Preisangebot (25 Prozent, unter Angabe der Preiskurve),
Anforderungen Fahrzeug und Zubehör (15 Prozent), Dienstleistungspaket (25 Prozent),
Garantiedauer (20 Prozent), Fahrzeugpräsentation auf dem Werkhof mit einer
Schlüsselperson (15 Prozent) – bekanntgegeben (act. 8/2, Pflichtenheft Ziffer 4.4).
Gemäss Leistungsbeschreibung in den Ausschreibungsunterlagen war als Zubehör 1
ein Salzstreuer „gemäss Mindestanforderung“ zu offerieren (act. 8/2, Pflichtenheft Ziffer
5.1 Position 2.0). Die maximale Höhe über Kabine sollte 2‘350 Millimeter, die minimale
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Nutzlast der Brücke fünf Tonnen betragen (act. 8/2, Pflichtenheft Ziffer 6.1). Varianten
waren nicht zugelassen (act. 8/2, Pflichtenheft Ziffer 3.8). Am 22. November 2017 nahm
die Vergabestelle zu verschiedenen Fragen der Anbieter Stellung. Dem Begehren einer
Anbieterin, die maximale Höhe über Kabine sei auf 2,50 Meter anzupassen, entsprach
sie nicht. Zur Anmerkung eines Anbieters, es fehle der Behälterinhalt, und zu seiner
Frage, ob Liter oder Kubikmeter anzugeben seien, verwies sie auf die
Minimalanforderungen und ergänzte, der neue Salzstreuer solle entsprechend der
Achslasten des Fahrzeugs und der Nutzlast der Brücke dimensioniert werden (act. 2/6).
Innert der bis 1. Dezember 2017 offenen Frist reichten sieben Unternehmen ein
Angebot ein. Mit Verfügung vom 10. Januar 2018 erteilte der Gemeinderat der
Politischen Gemeinde Sargans der Good Maschinencenter AG, deren Angebot zum
Preis von CHF 208‘497.15 mit dem möglichen Punktemaximum von 10‘000 bewertet
worden war, den Zuschlag.
B. Die Bernhardsgrütter Landtechnik AG (Beschwerdeführerin), deren Angebot zum –
um einen Additionsfehler berichtigten (act. 8/19 Seite 19) – Preis von CHF 208‘706.25
9‘572 Punkte erzielt hatte, erhob gegen die Zuschlagsverfügung des Gemeindesrates
der Politischen Gemeinde Sargans (Vorinstanz) vom 10. Januar 2018 mit Eingabe vom
19. Januar 2018 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die Vergabe sei
aufzuheben und neu zu beurteilen. Mit Zwischenverfügung vom 31. Januar 2018 wies
der zuständige Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts das Gesuch der
Beschwerdeführerin, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, ab.
Die amtlichen Kosten der Zwischenverfügung von CHF 1‘000 wurden der
Beschwerdeführerin auferlegt und mit dem von ihr in der Höhe von CHF 2‘500
geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. CHF 1‘500 verblieben bei der Hauptsache.
Die Vorinstanz, welche mit Eingabe vom 24. Januar 2018 nicht nur zum Gesuch um
aufschiebende Wirkung Stellung genommen, sondern auch die Abweisung der
Beschwerde beantragt hatte, verzichtete stillschweigend auf eine Ergänzung ihrer
Ausführungen. Die Good Maschinencenter AG (Beschwerdegegnerin) verzichtete
stillschweigend auf eine Vernehmlassung zur Beschwerde.
Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin und der Vorinstanz zur Begründung ihrer
Anträge sowie die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 5 Abs. 2 des
Einführungsgesetzes zur Gesetzgebung über das öffentliche Beschaffungswesen; sGS
841.1, EGöB). Die Beschwerdeführerin, deren Angebot gegenüber dem
berücksichtigen Angebot der Beschwerdegegnerin mit einem Rückstand von 428 von
10‘000 Punkten den zweiten Rang erreichte, hat – zumal dem Gericht keine Mitteilung
der Vorinstanz über einen Vertragsabschluss vorliegt – reelle Chancen auf den
Zuschlag und ist dementsprechend zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS
951.1, VRP). Die Beschwerde gegen die Zuschlagsverfügung vom 10. Januar 2018
wurde mit Eingabe vom 19. Januar 2018 rechtzeitig erhoben und erfüllt die formellen
und inhaltlichen Anforderungen (Art. 15 Abs. 3 der Interkantonalen Vereinbarung über
das öffentliche Beschaffungswesen; sGS 841.32, IVöB). Auf die Beschwerde ist
dementsprechend einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin beanstandet die Bewertung ihres Angebots und desjenigen
der Beschwerdegegnerin.
2.1. Das Angebot der Beschwerdeführerin wurde mit 9‘572 Punkten, jenes der
Beschwerdegegnerin mit dem Maximum von 10‘000 Punkten bewertet. Der Rückstand
von 428 Punkten ergibt sich – wie bereits in der Zwischenverfügung vom 31. Januar
2018 dargestellt – aus Abzügen beim Zuschlagskriterium „Preisangebot“ von 3
Punkten (2‘497 statt 2‘500), beim Zuschlagskriterium „Anforderung Fahrzeug und
Zubehör“ von 100 Punkten (1‘400 statt 1‘500), beim Zuschlagskriterium „Garantie“ von
250 Punkten (1‘750 statt 2‘000) und beim Zuschlagskriterium
„Fahrzeugpräsentation“ (Unterkriterium „Gesamteindruck“) von 75 Punkten (225 statt
300; act. 8/6). Die Beschwerdeführerin wendet sich einzig gegen die Abzüge bei den
Zuschlagskriterien „Anforderung Fahrzeug und Zubehör“ (100 Punkte; dazu
nachfolgend Erwägung 2.2) und beim „Gesamteindruck“ (75 Punkte; dazu nachfolgend
Erwägung 2.3). Selbst wenn die Beschwerde diesbezüglich begründet wäre, vermöchte
das Angebot den Rückstand von 428 Punkten nicht aufzuholen. Abgesehen davon sind
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die Abzüge – wie ebenfalls bereits in der Zwischenverfügung vom 31. Januar 2018
ausgeführt – nachvollziehbar und vergaberechtskonform.
2.2. Der in Art. 11 lit. a IVöB verankerte vergaberechtliche Grundsatz der
Nichtdiskriminierung der Anbieterinnen verbietet es den Vergabebehörden in der Regel,
technische Spezifikationen derart eng umschreiben, dass nur ein ganz bestimmtes
Produkt oder nur ein einzelner Anbieter beziehungsweise nur wenige Anbieter für die
Zuschlagserteilung in Frage kommen (vgl. BVGer Zwischenentscheide B-2675/2012
vom 23. Juli 2012 und B-822/2010 vom 10. März 2010). Im Einladungsverfahren wird
es aber als zulässig erachtet, dass die Vergabestelle sich vorab für ein bestimmtes
Produkt, Fabrikat, System, eine bestimmte Marke oder eine bestimmte Ausführungsart
entscheidet und gestützt auf diesen Entscheid nur solche Unternehmen zur
Submission einlädt, von denen sie weiss, dass sie diese Marke, dieses Produkt oder
die gewählte Ausführungsart anbieten beziehungsweise anzubieten gewillt sind. In
diesem Sinn darf sie in den Submissionsunterlagen – anders als in einem offenen
Verfahren – auch entsprechende Produktevorgaben machen, ohne sich deswegen den
Vorwürfen der Diskriminierung und Ungleichbehandlung auszusetzen. Einer
Begründung dafür bedarf es genauso wenig wie für den Entscheid, welche
Unternehmen für das Verfahren einzuladen sind. Die Vergabestelle hat lediglich die
Pflicht, die eingeladenen Anbieter untereinander gleich und fair zu behandeln; keine
solche Pflicht besteht gegenüber nicht eingeladenen Dritten (z.B. Konkurrenten,
Subunternehmer, Zulieferer; vgl. den Hinweis auf die aargauische Rechtsprechung bei
Galli/Moser/Lang/Steiner, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Aufl. 2013,
Rz. 355). Wer vorbehaltlos die Ausschreibungs- und Einladungsunterlagen akzeptiert
und diese zur Grundlage seines Angebots macht, dem ist es grundsätzlich verwehrt,
nach einem für ihn negativen Ausgang des Verfahrens Mängel der Einladung zu rügen
(vgl. GVP 2015 Nr.41).
Zwar hat sich die Beschwerdeführerin im Vergabeverfahren offenkundig nach der
Möglichkeit, von der Maximalhöhe von 2‘350 Millimetern gemäss Mindestanforderung
abzuweichen, erkundigt. Die Antwort der Vorinstanz war indessen abschlägig, und die
Beschwerdeführerin hat in der Folge nicht geltend gemacht, die Umschreibung des
Beschaffungsgegenstandes führe zu einer unzulässigen Beschränkung des
Wettbewerbs. Abgesehen davon hat die Vorinstanz die – immerhin vier von sieben –
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Angebote, bei denen ein Fahrzeug mit einer Höhe über Kabine von mehr als 2‘350
Millimetern Gegenstand war, nicht vom Vergabeverfahren ausgeschlossen, sondern mit
einem Abzug von 100 – bei einem Punktemaximum von 10‘000 – bewertet. Unter
diesen Umständen – die Bewertung der Angebote, welche die Mindestanforderungen
hinsichtlich der Höhe über Kabine nicht einhielten, wurden vergaberechtskonform
bewertet – kann offen bleiben, ob die Rüge der Beschwerdeführerin – trotz einer
entsprechenden Frage vor Einreichung des Angebotes – verspätet und im
Einladungsverfahren die Festsetzung einer technischen Spezifikation, welche –
aufgrund der konkreten Offerten – auf ein bestimmtes Produkt ausgerichtet zu sein
scheint, zulässig ist.
2.3. Bei der Bewertung der Angebote hinsichtlich der Qualität kommt der
Vergabebehörde aufgrund ihrer – dem Gericht selber abgehenden – technischen
Kenntnisse ein erheblicher Ermessensspielraum zu, in welchen das Verwaltungsgericht
nicht einzugreifen befugt ist (vgl. BGE 141 II 14 E. 8.4.4; 139 II 185 E. 9.3 mit Hinweisen
auf BGE 135 II 356 E. 3.1, 135 II 384 E. 2.2.2, 133 II 35 E. 3, 130 II 449 E. 4.1). Der
Vorinstanz, deren Gemeindeautonomie durch Art. 89 der Kantonsverfassung (sGS
111.1) – und Art. 50 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101) – gewährleistet ist, ist in Vergabeangelegenheiten zwar an
die einschlägigen Submissionsvorschriften gebunden, verfügt dabei aber über eine
relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit namentlich bei der Festlegung des Verfahrens,
der Zuschlagskriterien und schliesslich beim Zuschlag selber. In Bezug auf die
Zuschlagskriterien besteht ein erheblicher Spielraum der Gemeinden jedenfalls insoweit
als sie einen direkten, sachlichen Bezug zur nachgesuchten Leistung aufweisen (vgl.
BGE 143 II 553 E. 6.3.2 mit Hinweisen).
Der Umstand, dass die Kabine des von der Beschwerdeführerin – im Gegensatz zu
jener des von der Beschwerdegegnerin – angebotenen Fahrzeugs kippbar ist, was
nach Auffassung der Beschwerdeführerin wartungsfreundlich für den Motor- und
Getrieberaum ist, hat sich in der Bewertung nicht niedergeschlagen. Dieser Aspekt war
mithin für die Vorinstanz nicht von Belang. Dessen Berücksichtigung hätte sich
sachlich sicherlich begründen lassen; indessen ist die Nichtberücksichtigung
angesichts des weiten Ermessensspielraums der Vorinstanz bei der Festlegung der
Zuschlagskriterien und der Teilaspekte nicht vergaberechtswidrig. Die Vergabebehörde
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ist nicht verpflichtet, alle möglichen sachlich begründbaren Teilaspekte in die
Bewertung einfliessen zu lassen, sondern darf sich grundsätzlich auf jene beschränken,
die ihrer Auffassung nach von ausschlaggebender Bedeutung sind. Dem Abzug von 75
– bei einem Maximum von 10‘000 Punkten – beim Gesamteindruck anlässlich der
Präsentation der Fahrzeuge liegen – mehr oder weniger übereinstimmende –
Beurteilungen von vier Fachpersonen zugrunde, welche den Abzug mit der
Begründung „kein/ohne Salzer“ begründeten. Umgekehrt wurde beim Fahrzeug,
welches die Beschwerdegegnerin offerierte, in der Begründung der Bewertung mit der
Maximalnote ausdrücklich erwähnt, dass die beiden Zusatzgeräte Salzstreuer und
Pflug mit derselben Marke voll mit dem Fahrzeug kompatibel seien (act. 8/7).
3. Die Beschwerdeführerin – die selbst einen Salzstreuer mit einem Inhalt von 2,5
Kubikmeter offeriert hatte – bringt zur Hauptsache vor, der von der
Beschwerdegegnerin offerierte Salzstreuer „Schmidt Stratos“ mit einem Volumen von
1,3 Kubikmeter entspreche überhaupt nicht den Mindestanforderungen und Vorgaben.
Der Preis sei demzufolge um einige tausend Franken tiefer, was auf den Endpreis
hunderte von Punkten ausmache. Es könne ja nicht sein, dass pro forma ein neues
Fahrzeug mit viel zu kleinem Salzstreuer bestellt werde und bei der Auslieferung
plötzlich eine andere Baureihe sowie ein viel grösserer Salzstreuer eingesetzt werde,
was die Vorgabe des Kaufpreises massiv erhöhe. – Die Vorinstanz hält dem entgegen,
auch die Beschwerdeführerin halte fest, es seien in den Ausschreibungsunterlagen zum
Salzstreuer keine Mindestanforderungen gestellt worden. Die von ihr selbst gestellten
Anforderungen – das Volumen beim zu ersetzenden Fahrzeug habe einen Inhalt von 1,1
Kubikmeter, was „nur zur Hälfte bis zum Weiler Vild“ ausreiche – könnten für die
Vergabebehörde nicht massgebend sein. Inwiefern der von der Beschwerdegegnerin
offerierte Salzstreuer nicht den Anforderungen der Ausschreibung entsprechen soll, sei
nicht nachvollziehbar und werde von der Beschwerdeführerin auch nicht dargelegt.
Aus der Ausschreibung und der Beantwortung der Frage zum Volumen des
Salzstreuers wird ersichtlich, dass für die Vorinstanz eine minimale Nutzlast der Brücke
von fünf Tonnen von Bedeutung war. Das heisst allerdings nicht, dass ein Salzbehälter
zu offerieren war, welcher diese minimale Nutzlast auch ausnützen würde. Vielmehr
war auch der Beschwerdeführerin bekannt, dass das zu ersetzende Fahrzeug mit
einem Salzstreuer von 1,1 Kubikmeter ausgestattet war. Dass diese Dimensionierung –
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nach Auffassung der Beschwerdeführerin – nicht sinnvoll ist, hätte sie im Angebot
dartun können. Diese Auffassung ändert aber nichts daran, dass die Vorinstanz bei der
Bewertung der Angebote auf den Preis des jeweils offerierten Salzstreuers ohne
Berücksichtigung seines Volumens abstellen durfte. Die fehlenden
Mindestanforderungen hinsichtlich des Volumens haben denn auch dazu geführt, dass
immerhin drei von sieben Anbietern ein Modell mit einem Volumen von 1,3
Kubikmetern offerierten.
4. Die Beschwerde erweist sich dementsprechend als unbegründet. Sie ist abzuweisen.
5. Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin die amtlichen Kosten
des Beschwerdeverfahrens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 1‘500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Sie ist mit dem bei der Hauptsache verbliebenen Rest von CHF 1‘500 des von
der Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschusses zu verrechnen. Ausseramtliche
Kosten sind mangels Anspruchs und Antrags – Vorinstanz – beziehungsweise mangels
Antrags – Beschwerdegegnerin – nicht zu entschädigen (vgl. Art. 98 Abs. 1 und
Art. 98 VRP).