Decision ID: 4ea2aeb2-b41a-4ee8-bd25-e2553b8d59cd
Year: 2007
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
Der Gemeinderat X beschloss am 21. November 2005, infolge der in der Liegenschaft L-Strasse erfolgten Nutzungsänderung ergänzende Wasseranschluss- und Kanalisationsanschlussgebühren zu erheben; gestützt auf die bauliche Wertvermehrung von Fr. 1'170'000.- gemäss Schätzungsanzeige der Gebäudeversicherung wurden die Nachgebühren auf je Fr. 11'700.- zuzüglich 7,6 % Mehrwertsteuer, also auf je Fr. 12'589.20, bemessen. Als zulässiges Rechtsmittel wurde der Rekurs an den Bezirksrat bezeichnet. Die Verfügung wurde samt Rechnung der A AG zugestellt.
Die A AG erhob am 3. Januar 2006 Einsprache beim Gemeinderat X. Sie beantragte, die Verfügung in Wiedererwägung zu ziehen und ersatzlos aufzuheben; sollte auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten werden oder dieses abgewiesen werden, sei das Gesuch dem zuständigen Bezirksrat zur Entscheidung zu überweisen. Zur Begründung wurde angeführt, der Gemeinderat habe bei der Nachveranlagung nicht berücksichtigt, dass die Rechtsvorgängerin der A AG bereits im März 1993 im Zusammenhang mit dem damaligen Umbau zu einem Asylantendurchgangszentrum zu Anschlussgebührennachzahlungen aufgrund eines damaligen Mehrwerts von ca. 2 Millionen Fr. verpflichtet worden sei. Rund fünf Jahre später sei das Asylantendurchgangsheim geschlossen worden; hernach sei die erneut umgebaute Liegenschaft im Rahmen einer Zwangsverwertung veräussert worden.
Der Gemeinderat X beschloss am 27. März 2006, auf das Wiedererwägungsgesuch nicht einzutreten und die Eingabe vom 3. Januar 2006 dem Bezirksrat Y zur Behandlung als Rekurs zu überweisen.
II.
Der Bezirksrat führte einen doppelten Schriftenwechsel durch. In der Replik vom
14. August 2006 beantragte die A AG, es sei festzustellen, dass die Verfügung vom 21. November 2005 nichtig sei, weil deren Dispositiv keine Adressaten der Gebührenschuld angeführt habe. Der Gemeinderat X ersuchte hierauf um Sistierung des Verfahrens, welchem Begehren mit Präsidialverfügung vom 26. Oktober 2006 entsprochen wurde. Hierauf erliess der Gemeinderat X am 23.Oktober 2006 eine berichtigte Verfügung; in deren Dispositiv Ziffer III wurde die A AG verpflichtet, die nachveranlagten Anschlussgebühren von insgesamt Fr. 24'570.- innert 60 Tagen ab Rechtskraft dieses Beschlusses zu bezahlen (während laut Dispositiv Ziffer III der ursprünglichen Fassung angeordnet worden war, der ausstehende Rechnungsbetrag von Fr. 24'570.- sei der Finanzverwaltung innert 60 Tagen zu überweisen). Mit Präsidialverfügung vom 8. November 2006 hob der Bezirksrat die Sistierung auf und setzte dem Gemeinderat Frist zur Duplik an; in den Erwägungen wies er darauf hin, dass es sich beim neu gefassten Beschluss des Gemeinderats vom 23. Oktober 2006 um eine formelle Präzisierung bzw. teilweise Wiedererwägung des ursprünglichen Beschlusses handle; weil "in den übrigen Punkten" der Rechtsstreit weiter bestehe, könne der bereits erhobene Rekurs aufrechterhalten werden, ohne dass die Rekurrentin den neuen Beschluss anzufechten brauche. In der Duplik vom 22. Januar 2007 beantragte der Gemeinderat – wie schon in der Rekursantwort vom 8. Juni 2006, aber nunmehr auch unter Hinweis auf die Neuformulierung von Dispositiv Ziffer III in der berichtigten Fassung vom 23. Oktober 2006 – die Abweisung des Rekurses.
Der Bezirksrat Y trat mit Beschluss vom 3. April 2007 auf den Rekurs nicht ein. Die Rekurskosten von Fr. 321.- wurden der Rekurrentin auferlegt, die zudem zur Zahlung einer Parteientschädigung von Fr. 726.30 an die Gemeinde X verpflichtet wurde. Der Bezirksrat erwog, die Rekurrentin habe den Rekurs nicht aus Irrtum beim Gemeinderat eingereicht, weshalb die Rekursfrist mit der primär ein Wiedererwägungsgesuch enthaltenden Eingabe vom 3. Januar 2006 an den Gemeinderat nicht gewahrt worden sei; eine derartige fristwahrende Wirkung trete nach § 5 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) nur bei Rekursschriften ein, die irrtümlich bei einer falschen Behörde eingereicht würden, was hier nicht zutreffe. Der Gemeinderat habe auch keine Gelegenheit gehabt, die Eingabe vom 3. Januar 2006 noch innerhalb der ab Zustellung der Verfügung vom 21. November 2005 laufenden Rekursfrist von dreissig Tagen dem Bezirksrat als der zuständigen Rekursbehörde zu übermitteln, sei ihm doch diese Eingabe erst am 4. Januar 2006 zugekommen; die Rekursfrist sei aber bereits am 3. Januar 2006 abgelaufen, nachdem der Rekurrentin die Verfügung vom 21. November 2005 laut ihrer eigenen Darstellung am 3. Dezember 2005 zugestellt worden sei. Sodann sei mit der Neufassung von Dispositiv Ziffer II der angefochtenen Verfügung keine neue Rekursfrist ausgelöst worden, habe es sich doch dabei für die Rekurrentin erkennbar um eine blosse Berichtigung gehandelt.
III.
Mit Beschwerde vom 18. Mai 2007 beantragte die A AG dem Verwaltungsgericht, den Nichteintretensbeschluss des Bezirksrats Y aufzuheben und diesen anzuweisen, den Rekurs vom 3. Januar 2006 materiell zu behandeln, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Der Bezirksrat verzichtete auf Vernehmlassung. Der Gemeinderat Y ersuchte am 28. August 2007 um Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdeführerin.
Die Kammer

zieht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde nach § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19c Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) zuständig. Weil auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
2.1
Rekurse gegen Verfügungen des Gemeinderats betreffend kommunale Anschlussgebühren sind binnen dreissig Tagen seit Zustellung schriftlich bei der Rekursbehörde, dem zuständigen Bezirksrat, einzureichen (§ 22 Abs. 1 VRG). Demgegenüber sind Wiedererwägungsgesuche bei jener Behörde einzureichen, die verfügt hat (Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, Vorbem. zu §§ 19-28 N. 26 ff.). Wer ein Wiedererwägungsgesuch bei der verfügenden Behörde stellt und sich gleichzeitig die Möglichkeit einer (rechtzeitigen) Rekurserhebung wahren will, wird mit der Einreichung des Wiedererwägungsgesuchs nicht davon entbunden, binnen der Rekursfrist bei der Rekursbehörde Rekurs einzulegen. Wird dem Wiedererwägungsgesuch in der Folge entsprochen, kann das Rekursverfahren als gegenstandslos geworden abgeschrieben werden (Kölz/Bosshart/Röhl, Vorbem. zu §§ 19-28 N. 28, § 28 N. 13). Reicht der Betroffene, ohne um Wiedererwägung ersuchen zu wollen, die Rekursschrift irrtümlich bei einer unrichtigen Stelle, etwa der verfügenden Behörde ein, so hat diese gestützt auf § 5 Abs. 2 VRG die Eingabe an die zuständige Rekursbehörde weiterzuleiten; mit dieser Überweisung wird die Rekursfrist gewahrt, sofern die Eingabe binnen dieser Frist bei der falschen Stelle eingereicht wurde (Kölz/Bosshart/Röhl, § 5 N. 32, 34, 35 und 37). Hieraus ergibt sich, dass es für die Wahrung der Rekursfrist grundsätzlich nicht genügt, bei der kommunalen Behörde ein Wiedererwägungsgesuch – verbunden mit dem Eventualantrag, die Eingabe bei abschlägigem Bescheid dem Bezirksrat als der zuständigen Rekursbehörde zu überweisen – einzureichen.
Von diesem Grundsatz ist das Verwaltungsgericht im Hinblick auf besondere Umstände in dem mit Urteil VB.2006.00064 vom 6. April 2006 beurteilten Fall abgewichen (vgl. www.vgrzh.ch). In jenem Fall hatte der Rechtsvertreter des damaligen Rekurrenten in einer Eingabe vom 31. August 2005 an die kommunale Behörde darum ersucht, das darin gestellte Wiedererwägungsgesuch als Rekurs entgegenzunehmen, sofern dazu binnen der Rekursfrist keine Stellungnahme im Sinn einer Wiedererwägung möglich sei. Darin allein sah das Gericht noch keinen Grund, von dem erwähnten Grundsatz abzuweichen. Als solchen Grund würdigte es jedoch den Umstand, dass die kommunale Behörde am 13. September 2005 ausdrücklich beschlossen hatte, die Eingabe des Rechtsvertreters dessen Wunsch entsprechend an den Bezirksrat weiterzuleiten, dies aber dann erst nach Ablauf der bis 19. September 2005 laufenden Rekursfrist am 7. November 2005 vollzogen hatte. Hier liegen keine solche besonderen Umstände vor, die es rechtfertigen würden, vom dargelegten Grundsatz abzuweichen.
Bei alledem kann offen bleiben, ob im vorliegenden Fall die Eingabe vom 3. Januar 2006 noch binnen der bis Dienstag, 3. Januar 2006 laufenden Rekursfrist dem Gemeinderat eingereicht worden ist. Das würde, da die Eingabe laut unbestrittener Feststellung des Bezirksrats erst am Mittwoch, 4. Januar 2006 bei der Gemeindekanzlei einging, voraussetzen, dass sie noch am Dienstag, 3. Januar 2006 der Post übergeben worden wäre (vgl. § 11 Abs. 2 VRG), was von der Beschwerdeführerin nicht behauptet wird. Selbst wenn dies der Fall gewesen wäre, greifen hier die dargelegten Grundsätze ein, welche der Annahme eines rechtzeitig und gültig erhobenen Rekurses gleichwohl entgegenstehen. Ist dagegen die Eingabe nach Ablauf der dreissigtägigen Frist beim Gemeinderat eingereicht worden, läge darin lediglich ein
zusätzlicher
Grund, von einem verspätet erhobenen Rekurs auszugehen.
Wenn der Bezirksrat, nachdem ihm die Eingabe Ende März 2006 durch den Gemeinderat überwiesen worden war, am 10. April 2006 einen Schriftenwechsel anordnete sowie nach Eingang der Rekursantwort vom 8. Juni 2006 am 12. Juni 2006 Frist zur Replik ansetzte, so kann die Beschwerdeführerin hieraus auch unter dem Gesichtswinkel des Grundsatzes von Treu und Glauben nichts zu ihren Gunsten ableiten. Hat sie mit ihrem eigenen Vorgehen (Eingabe vom 3. Januar 2006 an den Gemeinderat mit dem Ersuchen um Wiedererwägung sowie dem bedingten Eventualantrag, im Fall eines abschlägigen Bescheides die Eingabe an den Bezirksrat zur Behandlung als Rekurs zu überweisen) keinen rechtsgültigen bzw. rechtzeitigen Rekurs erhoben, so vermochten die prozessualen Anordnungen, die der Bezirksrat nach Überweisung der Eingabe im Nachhinein traf, kein schützenswertes Vertrauen zu begründen.
2.2
Zu prüfen bleibt, ob dadurch, dass der Gemeinderat während des Rekursverfahrens am 23. Oktober 2006 einen berichtigten Beschluss fasste, eine neue prozessuale Lage eingetreten sei, welche es als rechtswidrig erscheinen liesse, dass der Bezirksrat die ihm Ende März 2006 überwiesene Eingabe vom 3. Januar 2006 nicht doch noch materiell als Rekurs behandelt hat. Das ist nach der im Ergebnis zutreffenden Auffassung des Bezirksrats zu verneinen.
Der ursprüngliche Beschluss des Gemeinderats vom 21. November 2005 war entgegen der von der Beschwerdeführerin in der Replik vom 14. August 2006 vertretenen Auffassung nicht nichtig. Denn obgleich die Beschwerdeführerin in Ziffer III des Dispositivs jenes Beschlusses nicht ausdrücklich als Abgabepflichtige bezeichnet wurde, war klar, dass sie als solche belangt wurde: Zum einen aufgrund von Dispositiv Ziffer V, worin sie ausdrücklich und an erster Stelle als Zustellungsempfängerin bezeichnet wird, zum anderen im Hinblick auf ihre Stellung als Grundeigentümerin der fraglichen Liegenschaft. (Sie bezeichnet sich in der Eingabe vom 3. Januar 2006 selber als Rechtsnachfolgerin der früheren Grundeigentümerin, ohne zu behaupten, sie selber sei im Zeitpunkt der Abgabeerhebung am 21. November 2005 noch nicht Eigentümerin gewesen). Damit lag kein nichtiger Beschluss vor (vgl. Kölz/Bosshart/Röhl, § 10 N. 63). Es lag nicht einmal ein Mangel vor, der eine nur auf dem Wege einer eigentlichen Wiedererwägung mögliche inhaltliche Abänderung des ursprünglichen Beschlusses erforderte (zur inhaltlichen Abänderung von Verfügungen in Form einer Wiedererwägung vgl. Kölz/Bosshart/Röhl, Vorbem. zu §§ 19-26 N. 23 ff.). Der neuen Beschlussfassung durch den Gemeinderat am 23. Oktober 2006 kann im vorliegenden Zusammenhang bloss die Bedeutung einer Berichtigung beigemessen werden (zur Korrektur blosser Versehen im Form einer Berichtigung vgl. Kölz/Bosshart/