Decision ID: d4b03ffa-7f03-47dd-891d-9361f5cb9441
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. Die 1965 gegründete C SA mit Sitz in Schlieren (nachfolgend die Pflichti-
ge), bezweckt verschiedene Tätigkeiten im Bereich der elektronischen Kommunikation.
Am 19. Mai 2009 verlegte sie unter Reduktion der operativen Tätigkeiten ihren Sitz von
Schlieren nach Zug. Verbunden mit einer Namensänderung zu A AG erfolgte am 25.
Mai 2011 eine neuerliche Domizilverlegung nach Zürich.
Im Veranlagungs- und Einschätzungsverfahren betreffend die Steuerperioden
1.1.-31.12.2008 und 1.1.-31.12.2009 eröffnete der Steuerkommissär mit Auflagen vom
6. Oktober 2010 bzw. 3. Februar 2011 eine Untersuchung betreffend die in der Folge
nicht streitige Sitzverlegung nach Zug sowie in Bezug auf die marktgerechte Verzin-
sung von bilanzierten Darlehen an nahestehende Gesellschaften ("Loans to affiliated
companies") unter dem Blickwinkel der Zinsvorgaben in den diesbezüglichen jährlichen
Rundschreiben der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV).
Mit Eingabe vom 17. Februar 2011 liess die Pflichtige geltend machen, die
Verzinsung der in Frage stehenden Darlehen sei nach dem "3 bzw. 6 Monate Libor
Satz für CHF abzüglich 25 Basispunkten" erfolgt. Die empfangende Gesellschaft habe
die Gelder entweder am Kapitalmarkt angelegt oder anderen Gruppengesellschaften
weiterverliehen. Damit liege eine marktkonforme Verzinsung vor.
Letzterem widersprach der Steuerkommissär im Rahmen von Veranlagungs-
bzw. Einschätzungsvorschlägen vom 27. Juni 2011, in welchen er davon ausging, dass
die Mindestverzinsung gemäss Rundschreiben der ESTV von 3.25% (2008) bzw. 2.5%
(2009) einzuhalten sei, was zur gewinnseitigen Aufrechnung von geldwerten Leistun-
gen im Umfang der entsprechenden Zinsdifferenzen führe. Dabei wies er darauf hin,
dass es auf die Verwendung der Gelder bei den Darlehensnehmern nicht ankomme.
Das Veranlagungsverfahren betreffend die direkte Bundessteuer Steuerperiode 1.1.-
31.12.2009 stellte er mit Blick auf den mit der Sitzverlegung in den Kanton Zug ver-
bundenen Wechsel der Veranlagungskompetenz ein.
In ihrer Stellungnahme vom 23. August 2011 liess die Pflichtige erneut die
Marktkonformität der streitigen Darlehensverzinsung verfechten und insbesondere gel-
tend machen, dass die von der ESTV festgelegten Zinssätze den damaligen dramati-
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schen Abwärtstrend der Zinsmärkte nicht widerspiegeln würden. Der LIBOR sei Grund-
lage für eine grosse Anzahl von Finanzmarktgeschäften und stelle als Referenzsatz
eine angemessene Verzinsung der Darlehen sicher. Erhalten habe die Darlehen eine
in Grossbritannien ansässige Konzernfinanzierungsgesellschaft. Diese habe dabei von
der britischen Steuerbehörde die Zustimmung erhalten, für die Darlehensverzinsung
den LIBOR als Basiszinssatz zu verwenden, weshalb die beabsichtigte Korrektur der
Verzinsung in der Schweiz deshalb auf Konzernebene eine Doppelbesteuerung auslö-
sen würde.
Mit Veranlagungsverfügung (Direkte Bundessteuer 2008) bzw. Einschät-
zungsentscheiden (Staats- und Gemeindesteuer 2008 und 2009) hielt der Steuerkom-
missär an der ungenügenden Darlehensverzinsung im errechneten Umfang von
Fr. 154'033.- (2008: 3.25% auf Darlehen von Fr. 18'050'000.- = Fr. 586'625.-, statt ver-
bucht Fr. 432'592.-) bzw. Fr. 413'155.- (2009: 2.5% auf Darlehen von Fr. 18'000'000.- =
Fr. 450'000.-, statt verbucht Fr. 36'845.-) fest und setzte die Steuerfaktoren unter Vor-
nahme von entsprechenden Gewinnaufrechnungen wie folgt fest:
Steuerperiode 1.1.-31.12.2008 Staats- und Gemeindesteuer Direkte Bundessteuer
Fr. Fr.
Steuerbarer Reingewinn 972'000.- 972'000.-
Gewinnsteuersatz 8% 8.5%
Steuerbares Eigenkapital 11'282'000.-
Kapitalsteuersatz 0.75‰
Steuerperiode 1.1.-31.12.2009 Staats- und Gemeindesteuer
Fr.
Steuerbarer Reingewinn Kanton Zürich 272'300.-
Satzbestimmender Reingewinn 705'300.-
Gewinnsteuersatz 8%
Steuerbares Eigenkapital 4'469'000.-
Satzbestimmendes Eigenkapital 11'575'000.-
Kapitalsteuersatz 0.75‰.
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B. Die daraufhin am 23. November 2011 erhobenen Einsprachen, mit welchen
sich die Pflichtige gegen die gewinnseitigen Zinsaufrechnungen wandte, wies das kan-
tonale Steueramt mit Entscheiden vom 9. August 2012 ab.
C. Mit Rekurs gegen die beiden die Staats- und Gemeindesteuern betreffen-
den Einspracheentscheide liess die Pflichtige Antrag auf Rücknahme der Zinsaufrech-
nungen bzw. auf Vornahme von deklarationsgemässen Einschätzungen stellen.
Am 24. September 2012 folgte eine entsprechende Eingabe, welche sich auf
den Einspracheentscheid betreffend die direkte Bundessteuer bezog; bezeichnet als
"Rekurs" (recte: Beschwerde).
Das kantonale Steueramt stellte mit Vernehmlassung vom 15. Oktober 2012
den Antrag, auf die Beschwerde sei wegen Verspätung nicht einzutreten und die Re-
kurse seien abzuweisen. Die ESTV liess sich nicht vernehmen.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. Die als Rekurs bezeichnete Eingabe der Pflichtige vom 7. September 2012,
verfasst von einer professionellen Vertreterin (PricewaterhouseCoopers AG [pwc]),
richtete sich inhaltlich allein gegen den Einspracheentscheid vom 9. August 2012
betreffend die Staats- und Gemeindesteuern 1.1.-31.12.2008 und 1.1.-31.12.2009.
Weil mit den Rekursbeilagen aber auch bundessteuerbezogene Dokumente einge-
reicht worden waren (insb. Einspracheentscheid betreffend die direkte Bundessteuer
1.1.-31.12.2008), nahm das Rekursgericht diese Eingabe auch als sinngemässe Be-
schwerde entgegen und eröffnete mit Verfügung vom 18. September 2012 ein auf bei-
de Steuerarten bezogenes Vernehmlassungsverfahren. Am 24. September 2012 liess
die Pflichtige daraufhin eine sich inhaltlich nun explizit gegen die Bundessteuerveran-
lagung richtende Eingabe einreichen, welche statt als Beschwerde wiederum als Re-
kurs bezeichnet war. Dabei machte sie geltend, der diesbezügliche Einspracheent-
scheid sei ihr nie formell korrekt eröffnet worden. Erhalten habe sie am 27. August
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2012 allein die entsprechende Steuerrechnung; erst diese habe demnach die 30tägige
Rechtsmittelfrist ausgelöst.
Entgegen der letzteren Behauptung wurde der die direkte Bundessteuer
betreffende Einspracheentscheid der Vertreterin der Pflichtigen am 10. August 2012
zugestellt (vgl. Sendungsinformationen der Post). Dass in der empfangenen steuerbe-
hördlichen Sendung auch der bundessteuerbezogene Einspracheentscheid enthalten
war, ergibt sich daraus, dass dieser dem Rekurs vom 7. September 2012 beigelegt
worden war. Unter diesen Umständen qualifiziert die nachträgliche ("Rekurs") Eingabe
vom 24. September 2012 als verspätete Beschwerde und ist darauf nicht einzutreten.
Indes hat nun aber das Rekursgericht bereits die innert der 30tägigen Rechtsmittelfrist
eingegangene Rekurseingabe vom 7. September 2012 aufgrund der für beide Steuer-
arten beigelegten Einspracheentscheide auch als sinngemässe Beschwerde entge-
gengenommen, was aufgrund der Tatsache, dass die Pflichtige durch die pwc vertreten
ist, wohlwollend war und allenfalls ein Nachfragen bei der Pflichtigen nach dem Be-
schwerdewillen erheischt hätte. Dieser ersten Eingabe nun im Nachhinein aufgrund der
nachträglich eingereichten separaten Beschwerdeeingabe die Qualifikation als sinn-
gemässe Beschwerde wieder abzusprechen, um alsdann auf die nachträgliche Einga-
be wegen Verspätung nicht einzutreten, wäre überspitzt formalistisch. Kommt hinzu,
dass die Angelegenheit im Bereich der Staats- und Gemeindesteuern ohnehin materiell
zu behandeln ist und der Pflichtigen – wie sich im Folgenden ergibt – auf diesem mate-
riellen Weg kein Erfolg beschieden ist. Unter diesen Umständen rechtfertigt sich eine
formelle Beschwerdeerledigung auch mit Blick auf einen möglichen Weiterzug der Sa-
che an das Verwaltungsgericht nicht.
2. a) Der steuerbare Reingewinn der juristischen Personen setzt sich gemäss
Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezem-
ber 1990 (DBG) bzw. § 64 Abs. 1 Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) zusammen
aus dem Saldo der Erfolgsrechnung unter Berücksichtigung des Saldovortrags des
Vorjahres (lit. a bzw. Ziff. 1) sowie allen vor Berechnung des Saldos der Erfolgsrech-
nung ausgeschiedenen Teilen des Geschäftsergebnisses, die nicht zur Deckung von
geschäftsmässig begründetem Aufwand verwendet werden (lit. b bzw. Ziff. 2). Zum
steuerbaren Reingewinn gehören namentlich offene und verdeckte Gewinnausschüt-
tungen an die Anteilsinhaber oder ihnen nahestehende Dritte, die einem Aussen-
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stehenden nicht oder zumindest nicht im gleichen Masse gewährt würden (lit. b bzw.
Ziff. 2 lit. e).
b) Verdeckte Gewinnausschüttungen sind nach der Rechtsprechung immer
dann anzunehmen, wenn (kumulativ) die Gesellschaft keine oder keine gleichwertige
Gegenleistung erhält, der Aktionär direkt oder indirekt (z.B. über eine ihm nahe ste-
hende Person oder Unternehmung) einen Vorteil erhält, der einem Dritten unter glei-
chen Bedingungen nicht zugebilligt worden wäre, die Leistung also insofern ungewöhn-
lich ist, und der Charakter dieser Leistung für die Gesellschaftsorgane erkennbar war
(BGr, 1. September 2009, 2C_265/2009; BGE 131 II 593; BGr, 22. Juni 2007,
2A.204/2006; 19. November 2003, 2A.204/2006, auch zum Folgenden). Als geldwerte
Leistungen gelten insbesondere Ertragsverzichte zugunsten des Aktionärs oder einer
ihm nahe stehenden Person. Diese Form der geldwerten Leistung wird als "Gewinn-
vorwegnahme" bezeichnet und liegt vor, wenn die Gesellschaft auf ihr zustehende Ein-
nahmen ganz oder teilweise verzichtet und die entsprechenden Erträge direkt dem
Aktionär oder diesem nahestehenden Personen zufliessen bzw. wenn diese nicht jene
Gegenleistung erbringen, welche die Gesellschaft von einem unbeteiligten Dritten for-
dern würde (BGr, 13. Oktober 2008, 2C_335/2008).
c) Ob eine Leistung der Gesellschaft an den Inhaber von Beteiligungsrechten
gerade wegen seiner Eigenschaft als Beteiligter erfolgt ist und einem Dritten nicht er-
bracht worden wäre, sodass sie als eine für jenen steuerbare Zuwendung gelten muss,
bestimmt sich anhand eines Drittvergleichs. Dabei sind alle konkreten Umstände des
zwischen der Gesellschaft und dem Anteilseigner abgeschlossenen Geschäfts zu be-
rücksichtigen, und es muss davon ausgehend bestimmt werden, ob das Geschäft in
gleicher Weise mit einem der Gesellschaft nicht Verbundenen auch abgeschlossen
worden wäre (BGr, 10. November 2000 = StE 2001 B 24.4 Nr. 58 sowie ASA 66, 554
und 559). Rechtsgeschäfte zwischen Gesellschafter und Gesellschaft führen in der
Regel nur dann zu einer verdeckten Gewinnausschüttung, wenn zwischen Leistung
und Gegenleistung ein offenkundiges Missverhältnis zugunsten des Gesellschafters
und zulasten der Gesellschaft besteht. Bloss ungeschickte Dispositionen, denen das
Merkmal der bewussten Vorteilszuwendung fehlt, können zwar für die Unternehmung
nachteilig sein, ja eine Entreicherung derselben darstellen. Sie sind indessen steuerlich
nicht zu erfassen, denn die Gesellschaft darf nur für wirklich erzielte Gewinne und nicht
für geschäftliche Ungeschicktheiten ihrer Leitung besteuert werden (Reimann/Zup-
pinger/Schärrer, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, Band 3, 1969, § 45 N 75). Die
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Gegenleistung muss der Leistung der Gesellschaft in einem solchen Ausmass nicht
entsprechen, dass die Gesellschaft von unbeteiligten Dritten in jedem Fall eine höhere
Gegenleistung verlangen würde und dies nach den Marktverhältnissen auch tun könnte
(Brülisauer/Poltera, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A.,
2008, Art. 58 N 99 DBG mit Hinweis auf BGr, 26. November 1981 = ASA 51, 538 =
StR 1983, 285).
d) Eine geldwerte Leistung im vorstehenden Sinn liegt nach dem Gesagten
also auch vor, wenn die Pflichtige einer nahestehenden Gesellschaft ein Darlehen ge-
währt hat, ohne dabei eine im Drittvergleich übliche und damit marktgerechte Verzin-
sung zu verlangen.
e) Zur Vereinfachung des Drittvergleichs hat die ESTV in verschiedenen Be-
reichen Richtlinien aufgestellt, so auch in Bezug auf Zinsen für Darlehen an Beteiligte
und von Beteiligten. Diesbezüglich publiziert sie jährlich am 1. Februar ein Rundschrei-
ben betreffend steuerlich anerkannter Zinssätze für Darlehen in Schweizer Franken
und anfangs April auch ein solches für Darlehen in Fremdwährungen.
aa) Beide Rundschreiben unterscheiden zwischen Darlehen an Beteiligte so-
wie Darlehen von Beteiligten. Während das Rundschreiben betreffend Zinssätze für
Darlehen in Schweizer Franken zwischen Mindest- und Höchstzinssätzen unterschei-
det, verwendet das Rundschreiben bei den Zinssätzen im Zusammenhang mit Darle-
hen in Fremdwährungen lediglich die Formulierung, dass die publizierten Zinssätze
unter dem Aspekt einer "angemessenen Verzinsung" anzusehen seien. Weitere mate-
rielle Unterschiede zwischen den beiden Rundschreiben bestehen darin, dass nur im
Rundschreiben für Darlehen in Fremdwährungen explizit darauf hingewiesen wird,
dass es sich bei den Zinssätzen um eine "Safe Haven"-Lösung handle und der ent-
sprechende Nachweis des Drittvergleichs durch den Steuerpflichtigen vorbehalten
bleibe.
bb) Diese jährlichen Rundschreiben der ESTV haben keinen Gesetzescharak-
ter, sondern gelten als Verwaltungsverordnungen bzw. administrative Weisung an die
kantonalen Steuerverwaltungen für die Veranlagung der direkten Bundessteuer. In der
Einschätzungspraxis betreffend die Staats- und Gemeindesteuern stellen die Steuer-
behörden ebenfalls darauf ab (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar
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zum DBG, 2. A., 2009, Art. 58 N 124 DBG und Kommentar zum harmonisierten Zür-
cher Steuergesetz, 2. A., 2006, § 64 N 153 StG).
Für die im vorliegenden Fall betroffenen Darlehen an Beteiligte in Schweizer
Franken schreiben die ESTV-Rundschreiben 2008 und 2009 einen Mindestzins von
3.25% bzw. 2.5% vor, soweit die darlehensgebende Gesellschaft die Darlehen aus
Eigenkapital finanziert. Bei aus Fremdkapital finanzierten Darlehen gelten diese Zins-
sätze als Mindestansatz; im Übrigen errechnen sich die Mindestzinssätze aus den
Selbstkosten und einem Zuschlag von 0.50% (Darlehen bis Fr. 10 Mio.) bzw. 0.25%
(Darlehen über Fr. 10 Mio.).
cc) Wird die von der ESTV vorgegebene Verzinsung von Darlehen an Beteilig-
te unterschritten, qualifiziert gemäss Rundschreiben die Differenz zwischen dem effek-
tiven Zinsertrag und dem höheren Minimalzinsertrag als geldwerte Leistung.
Wie bereits erwähnt, lässt dabei lediglich das Rundschreiben zu den Darlehen
in Fremdwährungen die Möglichkeit des Nachweises eines anders lautenden Drittver-
gleichs explizit zu; gelingt der Nachweis, sind abweichende Zinssätze möglich. Das
Rundschreiben zu den Darlehen in Schweizer Franken äussert sich demgegenüber zur
Möglichkeit des Drittvergleichs bzw. der Abweichung von den publizierten Zinssätzen
nicht. Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ging jedoch in einem Ent-
scheid vom 28. August 2002 (GRU A 02 38, publ. in ZGRG 22, 2003, H.1, 32-34) ge-
nerell davon aus, dass beide Rundschreiben nicht schematisch angewendet werden
dürfen, sondern dass eine einzelfallbezogene Anwendung der Richtlinie zu erfolgen
hat, d.h. dass im konkreten Fall ein individueller Drittvergleich vorgenommen werden
soll, sofern sich eine zu überprüfende Leistung nicht innerhalb der Richtlinien bewege.
Dabei unterschied das Gericht nicht zwischen Darlehen in Fremdwährungen und sol-
chen in Schweizer Franken. Ähnlich argumentierte das Bundesgericht in einem Ent-
scheid vom 20. Juni 2005 (2A.355/2004), in welchem es generell auf den Drittvergleich
im Rahmen von Konzernverhältnissen pochte und dabei die Anwendung der publizier-
ten Zinssätze zwar keiner Würdigung unterzog, indes auch darauf hinwies, dass einer
gewissen Bandbreite bei der Festlegung der Verzinsung (allein schon aufgrund des
Spreads zwischen Aktiv- und Passivzinssätzen) Rechnung zu tragen sei. Auch in der
Lehre wird unter Verweis auf die vorerwähnten Urteile die Ansicht vertreten, dass eine
einzelfallbezogene Anwendung der ESTV-Richtlinien zu erfolgen hat; wenn sich also
eine zu überprüfende Leistung nicht innerhalb der ESTV-Richtlinien bewegt, muss im
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konkreten Fall ein individueller Drittvergleich vorgenommen werden (vgl. zum Ganzen;
Vock/Nef, Die Problematik der Bestimmungen von Zinssätzen im Konzernverhältnis –
national und international; StR 2008, 269; Brülisauer/Poltera, Art. 58 N 104).
Insgesamt ist mithin davon auszugehen, dass der Nachweis eines marktmäs-
sigen Verhaltens auch im Fall von Darlehen an Beteiligte in Schweizer Franken zuläs-
sig ist; bei den diesbezüglich von der ESTV vorgegeben Mindest- bzw. Höchstzinssät-
zen handelt es sich dementsprechend ebenfalls um "Safe Haven"-Zinssätze.
dd) Damit stellt sich die Frage, wie der Nachweis des Steuerpflichtigen einer
gegenüber den ESTV-Zinssätzen abweichenden Festlegung der Zinssätze auszuse-
hen hat.
Mit Blick auf das Fehlen von entsprechenden Hinweisen in den Gesetzesnor-
men und den Verwaltungsanweisungen der ESTV werden in der Praxis die von der
OECD aufgestellten allgemeinen Grundsätze des Drittvergleichs entsprechend ange-
wendet (Brülisauer/Poltera, Art. 58 N 98). Geht es dabei um Zinsen, kann der Drittver-
gleich beispielsweise mittels einer unabhängigen und konkreten Bankofferte erbracht
werden (Vock/Nef, 270f. mit Hinweisen, auch zum Folgenden). Beim Nachweis der
Marktkonformität der angewandten Zinssätze kann sodann die Höhe der Zinssätze
nicht losgelöst bzw. ohne Einbezug der Darlehensgewährung als solche betrachtet
werden. Regelmässig stellt sich im Zeitpunkt der Darlehensgewährung zwischen betei-
ligten Gesellschaften eine ganze Reihe von Fragen - etwa ob die Darlehensgewährung
durch den statutarischen Zweck abgedeckt ist, ob die Gesellschaft ein zu grosses
Klumpenrisiko eingeht oder ob die Darlehenshingabe im Zusammenhang mit der Ver-
wendung des Darlehens in einem weiteren Sinn im Interesse der Gesellschaft liegt, die
Bonität des Schuldners wie auch die Rückzahlung (Liquidität, Laufzeit des Darlehens)
gewährleistet ist, und weitere mehr. Die Beantwortung dieser Fragen und einherge-
hend der Darlehensentscheid der Gesellschaft an sich stellt aus Sicht der gewähren-
den Gesellschaft immer auch einen unternehmerischen Entscheid dar, der von den
Steuerbehörden mit Zurückhaltung zu überprüfen ist (VGr, 10. Mai 2006,
SB.2006.00008; Brülisauer/Poltera, Art 58 N 51).
Sofern man im Drittvergleich auf die Prozesse der Kreditgewährung bei Ban-
ken zurückgreift, erfolgt eine erste Triage über die Laufzeit (kurzfristige Kredite zur Fi-
nanzierung des Umlaufvermögens/langfristige Investitionskredite zur Finanzierung des
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Anlagevermögens), was sich sodann ebenfalls in der Zinshöhe der Angebote nieder-
schlägt (BGr, 20. Juni 2005, 2A.355/2004). Die Höhe des Zinssatzes hängt sodann
vom zugrunde liegenden Marktzins zur Refinanzierung risikoarmer Kredite ab, so etwa
von den LIBOR-Sätzen (LIBOR = London Interbank Offered Rate = Marktzinssatz, zu
dem sich erstklassige Banken in London gegenseitig kurzfristige Gelder ausleihen) für
Laufzeiten unter 12 Monaten oder von Swap-Sätzen (Interbanken-Zinssatz) für Lauf-
zeiten von mehr als 1 Jahr (Vock/Nef, 272, auch zum Folgenden). Das Bundesgericht
stellte im vorgenannten Entscheid vom 20. Juni 2005 bei der Festlegung des Zinssat-
zes für langfristige Darlehen in USD auf die Zinssätze von US-Obligationen ab. Für die
Bestimmung des von ihr angewendeten Zinssatzes für die Berechnung der geldwerten
Leistung im zu beurteilenden Fall stützte es sich auf die im Wall Street Journal publi-
zierten Zinssätze zu Beginn des Jahres. Aus letzterem Entscheid leiten Vock/Nef ab,
dass einerseits an den Nachweis des Drittvergleichs keine allzu grossen Anforderun-
gen gestellt werden dürften und andererseits bei der Zinssatzbestimmung durchaus auf
die allgemein publizierten Finanzinformationen von renommierten Fachzeitungen/-
zeitschriften abgestellt werden dürfe; mitunter reichten solche Referenzierungen für
den Drittvergleich demnach bereits aus.
Bekanntermassen kalkulieren Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen
auf den Marktzinssatz (LIBOR/Swap) einen Zuschlag für Risiko-, Eigenkapital- und
Betriebskosten sowie die Gewinnmarge. Dieser Zuschlag wird in Basispunkten (1 Ba-
sispunkt = 0,01%) oder landläufig in Prozenten angegeben. Er hängt primär vom Risiko
des Schuldners (Bonitätsrating), der Kredithöhe und von den gebotenen Sicherheiten
ab. Als Basis nehmen die Banken dazu finanzielle und nichtfinanzielle Faktoren des
Unternehmens und stufen die Risiken danach mittels Rating ab (Vock/Nef, 272).
3. a) Im vorliegenden Fall gewährte die Pflichtige ihrer Beteiligten per 2008
aus Eigenkapital Darlehen von durchschnittlich Fr. 18'050'000.-; der diesbezüglich ver-
buchte Zinsertrag beläuft sich auf Fr. 432'592.-, was einem Zinssatz von rund 2.40%
entspricht. Per 2009 betrug der Zinsertrag auf den annähernd gleich hohen Darlehen
von durchschnittlich Fr. 18 Mio. nur noch Fr. 36'845.-, woraus sich ein Zinssatz von
rund 0.20% errechnet. Die Referenz-Zinssätze der ESTV betrugen zu dieser Zeit dem-
gegenüber 3.25% (2008) bzw. 2.5% (2009), was zu Zinserträgen von Fr. 586'625.-
(2008) bzw. Fr. 450'000.- (2009) geführt hätte. Im Umfang der entsprechenden Zinsdif-
ferenzen errechnen sich damit die von der Steuerbehörde aufgerechneten geldwerten
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Leistungen in der Höhe von Fr. 154'033.- (2008) bzw. Fr. 413'155.- (2009). Insoweit ist
die Ausgangslage in quantitativer Hinsicht unbestritten.
Zu prüfen bleibt, ob die Pflichtige den Nachweis erbracht hat, dass die im
streitbetroffenen Beteiligungsverhältnis angewandte Darlehensverzinsung, welche die
"Save Haven"-Verzinsung der ESTV unterschritten hat, im Rahmen einer Einzelfallbe-
trachtung gleichwohl einem Drittvergleich standhält.
b) aa) Im Veranlagungs- und Einschätzungsverfahren wies die Pflichtige im
Schreiben vom 17. Februar 2011 zunächst darauf hin, dass es sich beim fraglichen
Darlehen nicht um ein festes Darlehen gehandelt habe, welches über das gesamte
Kalenderjahr unverändert geblieben sei. Per 2008 sei die Verzinsung von 2.32% nach
dem "3 bzw. 6 Monate Libor Satz für CHF abzüglich 25 Basispunkten" erfolgt. Die Gel-
der seien von der empfangenden Gesellschaft entweder am Kapitalmarkt wieder ange-
legt oder anderen Gruppengesellschaften weiterverliehen worden.
bb) In der weiteren Eingabe vom 23. August 2011 wurde alsdann die nachste-
hende Übersicht eingereicht:
CHF LIBOR LIBOR-Datum Beginn Fälligkeit Darlenssumme (CHF) Dauer vereinbarter Zins
2.7933% 12.12.2007 20.12.2007 28.03.2008 18'100'000.00 3 M 2.5433%
2.5400% 19.03.2008 28.03.2008 24.04.2008 17'400'000.00 1 M 2.2900%
2.7200% 17.04.2008 24.04.2008 26.06.2008 16'900'000.00 2 M 2.4717%
2.4750% 18.06.2008 26.06.2008 24.07.2008 17'300'000.00 1 M 2.2250%
2.5950% 17.07.2008 24.07.2008 25.09.2008 17'700'000.00 2 M 2.3458%
2.7800% 25.09.2008 25.09.2008 18.12.2008 19'100'000.00 3 M 2.5300%
0.6833% 18.12.2008 18.12.2008 26.02.2009 19'200'000.00 2 M 0.4333%
0.5050% 26.02.2009 26.02.2009 28.05.2009 18'700'000.00 3 M 0.2550%
0.4017% 28.05.2009 28.05.2009 27.08.2009 18'800'000.00 3 M 0.1517%
0.3383% 27.08.2009 27.08.2009 27.11.2009 19'300'000.00 3 M 0.0883%
0.2517% 27.11.2009 27.11.2009 25.02.2010 18'800'000.00 3 M 0.0033%
Dieser detaillierten Übersicht ist zu entnehmen, dass der Darlehensnehmerin
– bezeichnet nunmehr als Konzernfinanzierungsgesellschaft – in den streitbetroffenen
Geschäftsjahren 2008 und 2009 unter dem Jahr leicht variierende Darlehenssummen
jeweils für ein, zwei oder drei Monate zur Verfügung gestellt wurden. Nach Ablauf der
kurzen Laufzeiten erfolgte jeweils umgehend die Erneuerung, wobei der Zinssatz je-
weils angepasst wurde; letzteres basierend auf dem CHF-LIBOR abzüglich eines Ein-
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schlags von 25 Basispunkten bzw. 0.25%, welchen die Konzernfinanzierungsgesell-
schaft der Pflichtigen weitergereicht habe.
Weiter wurde ausgeführt, dass die von der ESTV in den Rundschreiben vom
Februar eines jeden Jahres festgelegten Zinssätze den dramatischen Abwärtstrend der
Märkte nicht widerspiegelten. Das zeige beispielhaft auch die für das Kalenderjahr
2010 vorgegebene Verzinsung von 2.25%, in welchem Jahr sich die Zinssätze für ein-
bis dreimonatige Geldanlagen zwischen negativer Verzinsung und maximal 0.03% be-
wegt hätten. Letzteres belegten die damals von der der Treasury der A AG bei Banken
per Email eingeholten Zinsofferten.
cc) In der Einsprache liess die Pflichtige unter Verweis auf die vorstehenden
Ausführungen geltend machen, dass die Mindestzinssätze der ESTV von 3.25%
(2008) zw. 2.5% (2009) damals am Markt nicht realisierbar gewesen seien. Ihre Abklä-
rungen bei unabhängigen Banken hätten ergeben, dass etwa für das im Septem-
ber 2008 gewährte zweimonatige (recte: dreimonatige) Darlehen ein Zins von ca. 2.4%
und für das im Mai 2009 gewährte dreimonatige Darlehen ein solcher von 0.3% zu er-
zielen gewesen sei. Die zur damaligen Zeit von unabhängigen Banken gewährten
Zinssätze für kurzfristige Kapitalanlagen hätten damit also wesentlich tiefer gelegen als
die Mindestzinssätze der ESTV. Damit sei im konkreten Fall der Nachweis erbracht,
dass die von der Steuerbehörde angewandten ESTV-Zinssätze dem Drittvergleich
nicht standhielten. Im Übrigen sei bekannt, dass im Zug der Finanzkrise im
Herbst 2008 die Zinssätze für Kapitalanlagen in Schweizer Franken dramatisch ein-
gebrochen seien. So sei der 3-Monats-LIBOR von Mitte 2008 bis März 2009 von fast
3.0% auf ca. 0.5% gefallen; damit sei auch das gesamte Zinsniveau um
ca. 2.5%-Punkte gesunken.
dd) Die Vorinstanz erwog in den angefochtenen Einspracheentscheiden, dass
es für ein Abweichen von den Mindestzinssätzen der ESTV nicht genüge, darauf zu
verweisen, dass die konkrete Marktsituation Änderungen rechtfertige. Die Pflichtige
habe ihrer Beteiligten schon seit einigen Jahren Darlehen in der hier zur Diskussion
stehenden Höhe gewährt. Dies lasse klarerweise auf eine langfristige Darlehensge-
währung schliessen. Aufgrund der allgemeinen Anlagerichtlinien, wonach langfristige
Anlagen auch langfristig finanziert werden müssten, erweise sich das Abstellen auf den
äussert kurzfristigen Zinssatz des CH-LIBOR – und dies zudem noch mit einem Ein-
schlag zugunsten des Darlehensnehmers – als der Sachlage nicht angemessen.
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Ebensowenig angemessen sei es, wenn hier offenbar der Darlehensnehmer die Darle-
henskonditionen bestimmt und das Risiko eines kurzfristigen Zinseinbruchs an den
Darlehensgeber weitergereicht habe. Erklärungen, wo und wie die Konzernfinanzie-
rungsgesellschaft die Gelder angelegt habe, seien passenderweise nicht abgegeben
worden. Die von der Pflichtigen angewandte LIBOR-Verzinsung sei aber auch aus an-
deren Gründen nicht angemessen. In der Zeit der Finanzkrise sei infolge gegenseiti-
gem Vertrauensverlust diese von den Banken selbst bestimmte Grösse zum Angebot
und zur Aufnahme von Geldern bei anderen Banken nämlich stark beeinflusst bzw. gar
manipuliert worden. Die Pflichtige besitze im Übrigen keine Banklizenz, mit welcher sie
aufgrund der zahlreichen Sicherheiten und Gewährleistungen als solvent einzustufen
wäre und kurzfristig Gelder an andere Banken oder von anderen Banken ausleihen
könnte. Der LIBOR-Zinssatz wäre deshalb – wenn überhaupt – nur dann ein Ver-
gleichswert im Sinn des Steuerrechts, wenn sowohl der Darlehensgeber als auch der
Darlehensnehmer Banken wären. Im Gegensatz dazu zeige sich, dass insbesondere
mittel- bis langfristige Unternehmensanleihen am Markt einen sehr hohen Zins erfor-
derten, damit unabhängige Dritte unter Inkaufnahme des Ausfalls- und Inflationsrisikos
bereit seien, einem Unternehmen Geld zu leihen. Die führe zum Schluss, dass die an
sich immer noch niedrigen Referenzzinssätze der ESTV mit Blick auf den Drittvergleich
sehr wohl einen sachgerechten "Save Haven" darstellten. Anzufügen bleibe, dass auch
bei kurzfristigen Zinsanstiegen an den Zinssätzen der ESTV festgehalten werde.
ee) Beschwerde- und rekursweise lässt die Pflichtige anführen, wenn eine
Gruppengesellschaft einer anderen Gruppengesellschaft ein Darlehen gewähre, in der
Regel kein direkter Nachweis einer marktkonformen Verzinsung unter unabhängigen
Dritten möglich sei; ein solcher würde nämlich das Einholen einer nicht ernst gemein-
ten Anlageofferte bei einer unabhängigen Geschäftsbank bedingen, was nicht opportun
erscheine. Der Nachweis müsse daher auch indirekt möglich sein. Eine wichtige Grös-
se für die Festlegung von Zinssätzen stelle unter diesen Umständen der LIBOR dar.
Auch wenn dieser in erster Linie für die Geldausleihe zwischen Banken massgebend
sei, habe er doch entscheidenden Einfluss auf sämtliche Zinsen. So sei beispielsweise
bekannt, dass Geschäftsbanken an den LIBOR geknöpfte Hypotheken gewährten. Die
Kritik der Einsprachebehörde am LIBOR sei unberechtigt, denn die Höhe des
CHF-LIBOR sei vorab von der Geldpolitik der Nationalbank abhängig. Ob vorliegend
eine verdeckte Gewinnausschüttung infolge zu tiefer Verzinsung eines Aktivdarlehens
vorliege, sei sodann allein aus Sicht des steuerpflichtigen Gläubigers zu beurteilen. Als
Alternative zur Geldanlage bei einer Gruppenfinanzierungsgesellschaft komme in der
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Praxis nur die Geldanlage bei einer solventen Geschäftsbank in Frage. Ein höherer
Zinssatz als bei einer solchen Anlage sei im Fall einer Anlage bei einer Gruppenfinan-
zierungsgesellschaft nur dann gerechtfertigt, wenn dort ein wesentlich höheres Ausfall-
risiko bestünde. Um dies beurteilen zu können, müsste eine aufwändige Transferpri-
cing-Studie in Auftrag gegeben werden, was bei den vorliegenden Darlehenssummen
unverhältnismässig wäre. Die Vorinstanz mache im Übrigen nicht geltend, dass das
Risikoprofil der gruppeninternen Finanzierungsgesellschaft höher gewesen sei als bei
einer Geschäftsbank. Damit erübrige sich ein Zinsaufschlag. Entgegen der Auffassung
der Einsprachebehörde könne schliesslich nicht verlangt werden, dass sie, die Pflichti-
ge, das Geld langfristig hätte anlegen müssen. Wenn sie sich aus geschäftspolitischen
Gründen entschieden habe, Gelder kurzfristig anzulegen, so sei dies von der Steuer-
behörde nicht zu hinterfragen. Mit dem Argument, dass es im Nachhinein noch bessere
Geldanlagen gegeben hätte, könnte ansonsten praktisch jeder Zinssatz in Frage ge-
stellt werden. Im Kontext einer verdeckten Gewinnausschüttung könne es sodann nicht
darum gehen, ob am Markt auch ein um 1⁄4% höher Zins zu erzielen gewesen wäre;
eine Gewinnausschüttung läge nämlich nur vor, wenn die tatsächlich festgelegten Zin-
sen offenkundig und für die Gesellschaftsorgane erkennbar unter den Marktzinsen ge-
legen hätten, was hier nicht der Fall sei. Dies zeige der erstellte Vergleich zwischen
den in concreto angewandten Zinssätzen und den LIBOR-Zinssätzen sowie auch den
Depositenzinssätzen. Beim Depositenzinssatz handle es sich um denjenigen Zinssatz,
welcher einem Unternehmen für Geld gewährt werde, welche es einer Geschäftsbank
überwiegend zum Zweck der Gewährung von Betriebskrediten an andere Unterneh-
men zur Verfügung stellt; veröffentlicht würden diese u.a. von Bloomberg. Vorliegend
habe die Pflichtige das Geld nicht einer Bank, sondern einer Gruppenfinanzierungsge-
sellschaft zur Verfügung gestellt, welche ihrerseits das Geld in Form von Betriebskredi-
ten an andere Gruppengesellschaften weitergereicht habe. Für einen Drittvergleich
unter gleichen Umständen, wie Laufzeit und Verwendungszweck, sei mithin auch der
Depositensatz eine relevante Vergleichsgrösse.
c) Wie bereits ausgeführt, bilden im Rahmen des Drittvergleichs die Marktzin-
se zur Refinanzierung risikoarmer Kredite, wie etwa der LIBOR für Laufzeiten unter
12 Monaten oder der SWAP für Laufzeiten von mehr als 1 Jahr durchaus sachgerechte
Referenzgrössen. So bilden diese Sätze bekanntermassen etwa auch Basis für kürzer-
und längerfristige Hypotheken, welche mit Blick auf die Grundpfandverschreibung
ebenfalls dem risikoarmen Anlagebereich zuzuordnen sind.
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aa) Wählt man in Bezug kurzfristige Referenz-Zinssätze den 3-Monats-CHF-
LIBOR, zeigt sich, dass dieser anfangs 2008 noch bei 2.75% lag; anfangs 2009 betrug
er nach dem Zinsabsturz per Ende 2008 gerade noch rund 0.65%:
(Quelle: http://forexautomaton.com/resources/64-libor-charts/3911-chf-libor-historical-charts-all-terms)
Beim CHF-SWAP-Satz betrugen die Zinssätze für beispielsweise 3- bis
5-jährigen Laufzeiten per Anfang 2008 zwischen 2.9% und 3.02% und per Anfang 2009
zwischen 1.68% und 2.14%:
Indicative average SWAP rates in CHF:
Date 1 Y 2 Y 3 Y 4 Y 5 Y 6 Y 7 Y 8 Y 9 Y 10 Y
03.01.2008 2.81 2.87 2.90 2.96 3.02 3.08 3.13 3.18 3.24 3.29
Date 1 Y 2 Y 3 Y 4 Y 5 Y 6 Y 7 Y 8 Y 9 Y 10 Y
05.01.2009 1.19 1.40 1.68 1.91 2.14 2.33 2.47 2.59 2.69 2.78
(Quelle: http://ubs.leasegate.com/swap_det.asp?offset=1240&ID_swap)
Damit zeigt sich zunächst, dass bei den längeren Laufzeiten der Zinsabsturz
per Ende 2008 weniger dramatisch war.
bb) Lagen die Referenzsätze der ESTV für CHF-Darlehen an Beteiligte per
Anfang 2008 bei 3.25% und per Anfang 2009 bei 2.5%, so ergibt der Vergleich mit den
vorerwähnten kurz- und langfristigen Marktzinsen (LIBOR/Swap), dass sich die ESTV
bei der Festlegung der Zinssätze an langfristigen Geldanlagen orientiert. Im Rund-
schreiben der ESTV betreffend die Zinssätze für Darlehen an Beteiligte in Fremdwäh-
rungen wird denn auch explizit darauf hingewiesen, dass die publizierten Zinssätze auf
der Rendite von langfristigen Anlagen wie Industrieobligationen basierten. Im knapper
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gefassten, auf die Darlehen in Schweizer Franken bezogenen Rundschreiben, welches
im vorliegenden Fall anwendbar ist, fehlt ein entsprechender expliziter Hinweis, doch
ist evident, dass auch diesbezüglich die Rendite langfristiger Anlagen Basis für die
publizierten Zinssätze bildet.
cc) Bei dieser Lage der Dinge lässt sich zunächst sagen, dass, soweit es um
den längerfristigen Geldverleih unter Beteiligten geht, die Referenzsätze der ESTV
jedenfalls nicht mit dem blossen Verweis auf langfristig ausgerichtete Marktzinssätze
wie dem CHF-SWAP umgestossen werden können. Denn der Zinsvergleich zeigt, dass
die ESTV-Referenzsätze nur geringfügig über diesen im Geschäft unter Banken mass-
geblichen Marktzinsen liegen. Der Aufschlag gegenüber den bankinternen Marktzins-
sätzen lässt sich sodann schon damit erklären, dass im Drittvergleich die Bank das
Geld ihren Kunden nicht zu diesen Marktzinsen abgibt, sondern einen Zuschlag be-
rechnet (Gewinnmarge, Risiko; vgl. vorstehend E. 2/e/dd). Mit anderen Worten hätte
sich die der Pflichtigen nahestehende Gruppenfinanzierungsgesellschaft bei einer
Bank Kredite von Fr. 18 Mio. damals nicht zum SWAP-Zinssatz beschaffen können.
Wenn umgekehrt die Pflichtige die Rolle der Bank übernahm, hätte sie im Drittvergleich
– sofern auf den Swap-Zinssatz abstellend – ebenfalls einen Aufschlag einkalkulieren
müssen.
d) Die Pflichtige macht nun aber zu Recht nicht geltend, dass die "Sa-
ve Haven"-Zinssätze der ESTV im Fall von langfristigen Geldanlagen dem Vergleich
mit dem langfristigen Marktzinsniveau nicht standhielten. Indes hält sie dafür, dass es
in ihrem Fall eben um die kurzfristige Geldanlage gegangen sei und deshalb kurzfristi-
ge Marktzinssätze (wie der CHF-LIBOR oder der sich auf gleichem Level bewegende
Depositensatz; vgl. Zinstabelle) die massgebliche Referenzgrössen für einen Drittver-
gleich bildeten bzw. die Orientierung am auf langfristige Anlagen ausgerichteten Min-
destzinssatz der ESTV fehl am Platz sei.
aa) Tatsächlich zeigt der vorstehende Zinsvergleich, dass die jeweils anfangs
Jahr festgelegten Mindestzinssätze 2008 und 2009 der ESTV mit Blick auf kurzfristige
Geldanlagen kein korrektes Abbild der diesbezüglichen Zinslandschaft widergeben,
wobei dies aber erst nach dem Absturz der kurzfristigen Zinsen per Ende 2008 augen-
fällig wird.
bb) Die Pflichtige hat es nun aber unterlassen, substanziiert darzutun, wes-
halb in ihrem Fall in Bezug auf die Darlehen, welche sie ihrer nahestehenden Finanzie-
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rungsgesellschaft seit Jahren gewährte, die auf kurze Laufzeiten ausgerichteten Markt-
zinssätze die korrekte Referenzgrösse bilden sollten.
Ein Blick in ihre Bilanzen zeigt auf, dass sich das streitbetroffene Darlehen per
Ende 2004 noch auf Fr. 53.5 Mio. belief. Per Ende 2005 betrug es noch rund
Fr. 16 Mio. und danach bis und mit Ende 2009 immer um die rund Fr. 18 Mio. Wie so-
dann die Übersicht der Darlehensentwicklung per 2008 und 2009 aufzeigt (vgl. vorste-
hend, E. 3/b/bb), wurden die Darlehenssumme von durchschnittlich rund Fr. 18 Mio.
jedenfalls buchhalterisch immer kurzfristig für ein bis drei Monate gewährt, wobei nach
Ablauf der kurzen Laufzeiten jeweils die umgehende Neuanlage unter Anpassung der
Zinskonditionen erfolgte. Aus welchen Gründen die Pflichtige über Jahre hinweg eine
solche Anlagestrategie mit kurzen Laufzeiten verfolgte, hat sie nicht bekannt gegeben.
Weder machte sie konkrete Angaben zur Darlehensnehmerin (bezeichnet als in
Grossbritannien ansässige "Konzernfinanzierungsgesellschaft", wobei die Zinsgut-
schriften unter dem Namen "E" verbucht wurden), noch legte sie die Darlehensverträge
vor oder gab sie Erklärungen für das gewählte Vorgehen der Vergabe von sich nahtlos
aneinanderreihenden kurzfristigen Darlehen ab. So machte sie etwa auch nicht gel-
tend, aus Gründen des eigenen Bedarfs an Liquidität auf die renditeträchtigere langfris-
tige Anlage der Gelder verzichtet zu haben, was mit Blick auf den Rückgang ihrer ope-
rativen Tätigkeiten in der Schweiz in diesen Jahren und dem nahtlosen Anschluss der
einzelnen Kredite denn auch nicht naheliegend ist. Ob die Konzernfinanzierungsgesell-
schaft das ihr von der Pflichtigen über Jahre hinweg zur Verfügung gestellte Geld im
Rahmen der Weitergabe an andere Gruppengesellschaft im Rahmen von behaupteten
"Betriebskrediten" ihrerseits nur kurzfristig anlegte, ist in Bezug auf das hier in Frage
stehende Beteiligungsverhältnis unerheblich.
Legt eine Gesellschaft nicht benötigte liquide Mittel über Jahre hinweg in Form
eines Darlehens bei einer nahestehenden Konzerngesellschaft an, so sind die auf län-
gerfristige Anlagen ausgerichteten "Save Haven"-Zinssätze der ESTV sehr wohl die
geeignete Referenzgrösse für den Drittvergleich. Will die Pflichtige den Nachweis
erbringen, dass in ihrem konkreten Einzelfall im Drittvergleich auf die kurzfristigen
Marktzinsen abzustellen sei, genügt es deshalb nicht, lediglich allgemein auf die Ge-
schäfts- bzw. Anlagepolitik zu verweisen, welche von der Steuerbehörde nicht zu hin-
terfragen sei. Der Hintergrund der im Drittvergleich nicht üblichen langfristigen Geldan-
lage mittels Darlehen im kurzen Laufzeitenbereich hätte offengelegt werden müssen,
um ein Abweichen von den von der ESTV vorgegebenen Mindestzinssätzen zu recht-
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fertigen. Schon aus diesem Grund bleiben die Letzteren im Sinn des vereinfachten
Drittvergleichs massgeblich, womit die von der Steuerbehörde ermittelten geldwerten
Leistungen im Umfang der Differenzen zwischen den vereinnahmten Darlehenszinsen
und den gemäss ESTV-Mindestzinssätzen erzielbaren Darlehenszinsen zu bestätigen
sind.
cc) Anzufügen bleibt, dass selbst wenn (bei Vorliegen einer nachvollziehbaren
Begründung) ein Abstellen auf kurzfristige Marktzinse angebracht wäre, dies der Pflich-
tigen in Bezug auf das Geschäftsjahr 2008 nicht weiterhelfen könnte. Wie die oben
dargelegten Zins-Charts aufzeigen, bewegten sich in diesem Jahr die kurz- und lang-
fristigen Zinsen noch sehr nahe beieinander; so hielt sich der dreimonatige
CHF-LIBOR noch fast bis Ende Jahr auf einem Level von gegen 3% (Ende Septem-
ber 2008 betrug er beim damals gewährten dreimonatigen und also erst gegen Ende
Jahr auslaufende Darlehen noch 2.78%). Weil im Drittvergleich bei Abstellen auf den
bankenspezifischen CH-LIBOR-Zinssatz wie erwähnt ein Zuschlag zu kalkulieren ist,
vermag der Referenzzinssatz 2008 der ESTV von 3.25% in dieser Zinsphase auch im
Kontext mit dem auf kurzfristige Laufzeiten ausgerichteten CHF-LIBOR-Zinssatz noch
durchaus zu bestehen; gleiches trifft auf die von der Pflichtigen per 2008 verrechneten
Darlehenszinsen gerade nicht zu, weil bei der LIBOR-bezogenen Zinsfestlegung nicht
einem gebotenen Aufschlag Rechnung getragen, sondern umgekehrt und ohne jede
Erklärung ein Einschlag von 0.25% vorgenommen wurde.
Anders sähe es demzufolge lediglich für das Geschäftsjahr 2009 aus, nach-
dem der CHF-LIBOR Ende 2008 richtiggehend abstürzte und danach gegen Null ten-
dierte, so dass der Mindestzinssatz 2009 der ESTV von 2.5% für den vereinfachten
Drittvergleich bei Darlehen an Beteiligte mit kurzen Laufzeiten nicht mehr gerecht wird.
e) Schliesslich bleibt festzuhalten, dass der Pflichtigen die Behauptung, die
britischen Steuerbehörden hätten für die in Grossbritannien domizilierte Finanzie-
rungsgesellschaft der gewählten Zinssatzfestlegung auf Basis des CHF-LIBOR zuge-
stimmt, weshalb eine einseitige Änderung der Zinssätze durch die hiesige Steuerbe-
hörde einen Doppelbesteuerungskonflikt verursache, nicht weiterhelfen kann.
Abgesehen davon, dass die Pflichtige diesbezüglich keine Beweismittel vorgelegt hat,
ist bei der Besteuerung der hierorts ansässigen Pflichtigen der Besteuerung von Grup-
pengesellschaften im Ausland nicht Rechnung zu tragen. Im Übrigen könnte die briti-
sche Gruppenfinanzierungsgesellschaft die damals eingesparten Zinsdifferenzen nach-
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träglich ihrem Finanzaufwand belasten und steht damit eine Doppelbesteuerung auf
internationaler Konzernebene noch keineswegs fest.
4. a) Nach alledem sind die Beschwerde und der Rekurs abzuweisen.
b) Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten den Pflichtigen aufzuerlegen
(Art. 144 Abs. 1 DBG, § 151 Abs. 1 StG).