Decision ID: 6a9be9f6-f365-5918-ae16-33850f4bcdd2
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin ersuchte am 1. Oktober 2019 in der Schweiz um
Asyl. Anlässlich der Übersicht der Personendaten vom 7. Oktober 2019,
der Erstbefragung vom 28. Oktober 2019 und der Anhörung vom 18. No-
vember 2019 führte sie im Wesentlichen aus, sie sei kurdischer Ethnie und
in B._, Bezirk C._, Provinz D._, wohnhaft gewesen.
Sie sei neun Jahre zur Schule gegangen und habe bis Januar 2019 als
Coiffeuse gearbeitet. Ihr Vater habe sie seit ihrer Kindheit geschlagen. Im
Oktober 2015 sei sie eine Beziehung mit E._ eingegangen. Kurze
Zeit danach habe dieser die Türkei verlassen und sei in die Schweiz geflo-
hen. Am 29. Juli 2018 habe sie sich mit ihm telefonisch verlobt. Ihr Vater
sei gegen die Verlobung gewesen, da er ein Problem mit dem Vater ihres
Verlobten gehabt habe. Ihr Onkel väterlicherseits habe sich für sie einge-
setzt und mit ihrem Vater über ihre Verlobungsabsichten gesprochen. An-
lässlich des Gesprächs habe ihr Vater sie in Gegenwart ihres Onkels ge-
schlagen, weshalb sich die Oberhäupter der Familie eingemischt und die
Verlobung vollzogen hätten. Ihr Vater habe vom Vater ihres Verlobten Geld
verlangt, welches dieser aber nicht habe bezahlen können. In der Folge
habe ihr Vater die Verlobung im Frühling 2019 aufgelöst. Durch die Auflö-
sung der Verlobung habe sie die Ehre ihrer Familie verletzt. Ihr Vater habe
sie deshalb geschlagen und hungern lassen. Aus Angst, ihr Vater würde
sie umbringen, habe sie sich nicht zur Polizei gewagt. Sie habe ihm mitge-
teilt, dass sie in Istanbul eine Weiterbildung absolvieren werde. Ihr Vater
habe sie daraufhin am 12. Juli 2019 nach Istanbul zu einer Tante väterli-
cherseits begleitet. Am folgenden Tag habe sie sich ohne Wissen ihres Va-
ters zu einem Bekannten begeben. Am 16. Juli 2019 habe sie die Türkei
legal verlassen und am 23. September 2019 sei sie illegal in die Schweiz
eingereist. Am 26. September 2019 habe sie E._ religiös geheira-
tet. Bei einer Rückkehr in die Türkei befürchte sie wegen ihrer Flucht von
ihrem Vater getötet zu werden. Zudem befürchte sie, von ihrer Familie ge-
tötet zu werden, weil sie E._ religiös geheiratet habe.
Die Beschwerdeführerin reichte einen Auszug aus dem Familienregister in
Kopie ein.
B.
Mit Verfügung vom 24. Januar 2020 (gleichentags eröffnet) stellte die Vor-
rinstanz fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft
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nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 24. Februar 2020 erhob die Beschwerdeführerin beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung der
Vorinstanz sei aufzuheben und zur ergänzenden Sachverhaltsfeststellung
und insbesondere zur gemeinsamen Beurteilung mit dem Gesuch von
E._ an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfü-
gung aufzuheben, die Beschwerdeführerin als Flüchtling anzuerkennen
und ihr in der Schweiz Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei die Verfügung
aufzuheben und die Beschwerdeführerin in der Schweiz vorläufig aufzu-
nehmen. Sollte die Verfügung nicht gemäss Rechtsbegehren Ziff. 1 aufge-
hoben und die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen werden, sei das
vorliegende Beschwerdeverfahren bis zum Entscheid der Vorinstanz in Sa-
chen E._ zu sistieren. Im Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei
der Kanton Bern anzuweisen, bis zum Entscheid über die vorliegende Be-
schwerde auf vorsorgliche Vollzugsmassnahmen zu verzichten. Es sei die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses zu verzichten. Der Beschwerdeführerin sei die Unterzeich-
nende als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen.
Die Beschwerdeführerin reichte ein Schreiben des Zivilstandskreises Ba-
den vom 17. Februar 2020, den Wiederaufnahmeentscheid der Vorinstanz
vom 18. Februar 2020 betreffend E._, einen Arbeitsvertrag vom
18. September 2019 und Lohnabrechnungen für die Monate Mai bis De-
zember 2019 betreffend E._, eine Fürsorgeabhängigkeitsbestäti-
gung (alle in Kopie), sieben Fotos von der Hochzeitsfeier sowie eine Ho-
norarnote ein.
D.
Mit vom 24. Februar 2020 (recte: 24. Mai 2020) datierter Eingabe reichte
die Beschwerdeführerin eine Kopie des Schreibens des Zivilstandskreises
Baden vom 15. Mai 2020 ein.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die Be-
schwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung le-
gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Ausländerrecht richtet
sich die Kognition nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin stellt den Antrag, die Verfügung der Vorinstanz
sei aufzuheben und zur ergänzenden Sachverhaltsfeststellung und zur ge-
meinsamen Beurteilung mit dem Verfahren von E._ an die Vor-
rinstanz zurückzuweisen. Grundsätzlich bildet jeder vorinstanzliche Ent-
scheid ein selbständiges Anfechtungsobjekt. Die Anfechtung in einer ge-
meinsamen Beschwerdeschrift und ein gemeinsames Beschwerdeverfah-
ren mit einem einzigen Urteil ist indes zuzulassen, wenn die einzelnen
Sachverhalte in einem engen inhaltlichen Zusammenhang stehen und sich
ähnliche Rechtsfragen stellen (ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ
KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl.
2013, Rz. 3.17). Diese Voraussetzungen sind nicht erfüllt. Die Beschwer-
deführerin und E._ haben unterschiedliche Fluchtgründe und sind
auch nicht zusammen aus der Türkei geflohen. Demzufolge besteht keine
Veranlassung, die Sache zur gemeinsamen Beurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Ihr Antrag ist abzuweisen.
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3.2 Weiter stellt die Beschwerdeführerin den Antrag, sofern die Verfügung
der Vorinstanz nicht aufgehoben und zur ergänzenden Sachverhaltsfest-
stellung und gemeinsamen Beurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen
werde, sei das Beschwerdeverfahren bis zum Entscheid der Vorinstanz be-
treffend E._ zu sistieren. Derzeit liegen keine Unterlagen – ausser
den Aussagen der Beschwerdeführerin – vor, welche die geschilderte (re-
ligiös geschlossene) Ehe mit E._ belegen. Sie leben erst seit kurzer
Zeit zusammen, weshalb die Voraussetzungen für ein eheähnliches Kon-
kubinat nicht erfüllt sind. Insbesondere der Wegweisungsvollzug ist somit
einzeln zu prüfen, da kein Verstoss gegen das geschützte Familienleben
gemäss EMRK 8 vorliegt. Daran ändert auch das Ehevorbereitungsverfah-
ren nichts. Folglich besteht kein Grund, das Verfahren zu sistieren. Ihr An-
trag ist abzuweisen.
3.3 Da der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu-
kommt (Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz diese nicht entzogen hat,
ist der Antrag, der Kanton Bern sei anzuweisen, bis zum Entscheid über
die vorliegende Beschwerde auf jegliche Vollzugsmassnahmen zu verzich-
ten, mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Grün-
den ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 6
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, die Angaben der Be-
schwerdeführerin, sie sei Misshandlungen seitens ihres Vaters ausgesetzt
gewesen und ihr Vater sei gegen die Verlobung mit E._ gewesen,
weshalb er diese wieder aufgelöst habe, seien nicht glaubhaft. Sie habe
sich nach der Einreise in der Schweiz bis zum 1. Oktober 2019 unange-
meldet am Wohnort von E._ aufgehalten und in dieser Zeit religiös
geheiratet. Dies lasse den Schluss zu, dass sie einzig für die Heirat in die
Schweiz gekommen sei, was ihre Schutzbedürftigkeit unglaubhaft erschei-
nen lasse. Ihre Vorbringen, aufgrund der religiösen Heirat mit E._
befürchte sie bei einer Rückkehr in die Türkei Übergriffe seitens der Gross-
familie und insbesondere seitens ihres Vaters, da er sie seit ihrer Kindheit
geschlagen habe, seien nicht asylrelevant.
5.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei nicht gerechtfertigt, ihre
Fluchtgründe beziehungsweise ihre Einreisegründe in die Schweiz einzig
auf die geplante Eheschliessung zu reduzieren. Im Vordergrund würden
häusliche Gewalt sowie die Unterdrückung durch patriarchale Familien-
strukturen, insbesondere die zunehmende Gewaltanwendung durch ihren
Vater, stehen. Um den frauenspezifischen Fluchtgründen Rechnung tragen
zu können, müsse der erwähnte Gesamtkontext in die Gesuchsprüfung
miteinbezogen werden. Sie habe die durch ihren Vater erlebte Gewalt aus-
führlich geschildert. Sie stamme aus einer Region im Südosten der Türkei,
in welcher in den letzten Jahren gemäss jüngster Medienberichterstattung
die Anzahl bekannter Fälle der Ehrenmorde auf ein paar Hundert pro Jahr
angestiegen sei.
5.3 Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge-
langt, die Vorbringen der Beschwerdeführerin seien unglaubhaft. Es beste-
hen grundlegende Widersprüche und Ungereimtheiten in ihren Angaben.
In der Erstbefragung erklärte die Beschwerdeführerin, sie wisse nicht, wes-
halb ihr Vater gegen die Verlobung gewesen sei. Anlässlich der Anhörung
war es ihr hingegen möglich, detaillierte Aussagen hierzu zu machen. Wei-
ter gab sie anlässlich der Anhörung an, die Onkel väterlicherseits hätten
sie bei ihrer Verlobung unterstützt. Sie erklärte explizit, wenn die Familien-
oberhäupter sich etwas vorgenommen hätten, sei nicht mehr darüber ge-
sprochen worden, weshalb sich der Vater mit der Entscheidung habe ab-
finden müssen. Insofern ist nicht nachvollziehbar, dass der Vater die Ver-
lobung eigenmächtig wieder habe auflösen können, ohne dass sich die Fa-
milienoberhäupter eingemischt hätten. Widersprüchlich ist zudem, dass
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der Vater einerseits die Verlobung aufgelöst habe und andererseits mo-
niere, die Auflösung der Verlobung habe die Familienehre verletzt. Bei ih-
ren Angaben zu den Schlägen durch ihren Vater sind weitere Ungereimt-
heiten zu verzeichnen. So gab sie in der Erstbefragung an, die Schläge
hätten nach der Auflösung der Verlobung zugenommen, anlässlich der An-
hörung hielt sie fest, sie hätten abgenommen. In der Erstbefragung gab sie
ausdrücklich zu Protokoll, dass sie zum Heiraten in die Schweiz gereist sei.
Auf die einleitende Frage anlässlich der Anhörung, warum sie in der
Schweiz um Asyl ersucht habe, erklärte sie ebenfalls, sie sei wegen ihres
Ehemannes in die Schweiz gekommen. Im Übrigen ist hinsichtlich ihrer
weiteren Angaben zu den Misshandlungen durch ihren Vater, zur Auflösung
der Verlobung und zur Tatsache, dass sie kurz nach ihrer Einreise in der
Schweiz geheiratet hat und erst danach ein Asylgesuch gestellt hat, auf die
ausführliche Begründung in der vorinstanzlichen Verfügung zu verweisen.
In der Rechtsmitteleingabe unterlässt es die Beschwerdeführerin, die von
der Vorinstanz minutiös dargelegten Widersprüche aufzulösen und zu er-
klären. Wenn sie lediglich aussagepsychologische Literatur zitiert, geht sie
damit auf keinen einzelnen der seitens der Vorinstanz aufgeführten Wider-
sprüche ein. Damit erübrigt es sich, die Vorbringen auf ihre Asylrelevanz
zu prüfen.
5.4 Insgesamt hat die Beschwerdeführerin keine asylrelevanten Nachteile
erlitten und es besteht auch kein Hinweis darauf, dass ihr eine künftige
asylrelevante Verfolgung drohen würde. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch
der Beschwerdeführerin somit zu Recht abgewiesen.
6.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. Die
Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
(vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht ange-
ordnet.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
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7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Vorliegend kommt der Beschwerdeführerin keine Flücht-
lingseigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-
bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-
meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3
BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass die
Beschwerdeführerin für den Fall einer Ausschaffung in die Türkei dort mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine
Menschenrechtssituation in der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum
heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Weg-
weisung ist zulässig.
7.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Die Beschwerdeführerin hatte ihren letzten offiziellen Wohnsitz in der Pro-
vinz D._. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts herrscht in den Provinzen F._ und D._ eine Situation
allgemeiner Gewalt. Ein Wegweisungsvollzug dorthin ist generell unzumut-
bar (vgl. BVGE 2013/2; Urteil des BVGer D-3554/2019 vom 23. Juli 2019
E. 10.4.2). Die Vorinstanz hat deshalb korrekterweise Istanbul als inner-
staatliche Aufenthaltsalternative geprüft. Die Beschwerdeführerin ist jung
und gesund. Gemäss ihren Angaben verfügt sie in G._ über Ver-
wandte. Kurz vor ihrer Ausreise hat sie sich im Rahmen einer Weiterbil-
dung als Coiffeuse bei ihrer Tante und deren Tochter in G._ aufge-
halten. Sie verfügt über eine Schulbildung, eine Ausbildung als Coiffeuse
und eine langjährige Berufserfahrung. Es ist mit der Vorinstanz davon aus-
zugehen, dass sie in G._ eine Anstellung finden wird und für sich
selbst aufkommen kann, weshalb für sie ausserhalb ihrer Heimatprovinz
D._ eine zumutbare innerstaatliche Aufenthaltsalternative besteht.
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Der Vollzug der Wegweisung erweist sich für die Beschwerdeführerin somit
auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
7.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
da es der Beschwerdeführerin obliegt, sich bei der zuständigen Vertretung
ihres Heimatstaats die für ihre Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu
beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AslyG; BVGE 2008/34 E. 12).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Die gestellten Rechtsbegehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb
die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Beiordnung einer amt-
lichen Rechtsbeiständin ungeachtet einer allfälligen prozessualen Bedürf-
tigkeit abzuweisen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 110a Abs. 1 Bst. a
AslG).
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem
Urteil gegenstandslos geworden.
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