Decision ID: 18e825c6-ff08-4248-a25d-374ba47dcea8
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war als Teilarbeitslose bei der B._ AG als Verkäuferin im
Zwischenverdienst tätig und dadurch bei der Generali Allgemeine Versicherungen AG
(nachfolgend: Generali) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 13.
April 2018 wollte sie mit ihrem Auto auf einer Strasse abbiegen und kam deshalb zum
Stillstand, als ein Lieferwagen mit ca. 60 km/h von hinten in ihr Auto prallte (UV-act. 3,
48, 241). Die Generali kam für die Folgen des Unfalls auf (UV-act. 50; vgl. betreffend die
vorerst angenommene Zuständigkeit der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
[Suva] UV-act. 42).
A.a.
Nach einer bei med. prakt. C._, Allgemeine Medizin, am Unfalltag erfolgten
Erstbehandlung (vgl. UV-act. 21, 48, 86-2) stellte sich die Versicherte am 18. April 2018
notfallmässig im Spital D._ vor. Die dort behandelnden Ärzte diagnostizierten eine
Kyphosierung der Halswirbelsäule (HWS) nach Schleudertrauma vom 13. April 2018.
Sie führten eine Röntgenkontrolle durch (vgl. UV-act. 16) und veranlassten eine MR-
Untersuchung der Brustwirbelsäule (BWS) und der HWS (UV-act. 14). Diese ergab tags
darauf unter anderem keinen Anhalt für eine Läsion des Plexus brachialis sowie keinen
Anhalt für eine diskoligamentäre Verletzung oder eine dorsale Weichteilläsion (UV-act.
23). Med. prakt. C._ attestierte der Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
(UV-act. 1).
A.b.
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Am 9. Mai 2018 wurde die Versicherte in der Klinik für Neurochirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) abgeklärt. Die zuständigen Ärzte berichteten unter
anderem über eine nach dem Auffahrunfall vom 13. April 2018 aufgetretene Nacken-
und Kopfschmerzsymptomatik mit beidseitigen Schulterschmerzen, Kreuzschmerzen
sowie Missempfindungen über dem linken Arm und Schmerzen in beiden Handflächen.
Es bestehe ein Status nach einem ähnlichen Auffahrunfall im Jahr 2014. Die
Beschwerden seien gemäss Angaben der Versicherten damals weniger ausgeprägt
gewesen und sie habe nach zwei Wochen wieder arbeiten können (UV-act. 21).
A.c.
Vom 9. bis 27. Juli 2018 befand sich die Versicherte stationär in den Kliniken
E._. Die dort behandelnden Ärztinnen diagnostizierten ein cervicobrachiales Syndrom
beidseits nach Auffahrunfall am 13. April 2018, einen benignen paroxysmalen
Lagerungsschwindel beidseits, eine depressive Anpassungsreaktion nach
Verkehrsunfall und dauerhafter Beeinträchtigung sowie einen Verdacht auf ein Restless
Legs Syndrom. Insgesamt habe bei der Versicherten keine Verbesserung der
Beschwerden erreicht werden können, da sie aufgrund des Schwindels nicht in der
Lage gewesen sei, in vollem Umfang an den Therapien teilzunehmen. Sie empfahlen
eine Fortsetzung der stationären Rehabilitation nach Abklingen der
Schwindelsymptomatik. Die Versicherte sei während der Zeit des stationären
Rehabilitationsaufenthalts und weiter bis zum 31. August 2018 zu 100 %
arbeitsunfähig. Die weitere Prüfung der Arbeitsfähigkeit obliege dem
nachbehandelnden Arzt (UV-act. 83, vgl. auch den Austrittsbericht des Bereichs
Psychosomatik; UV-act. 86). Med. prakt. C._ attestierte der Versicherten weiterhin
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (vgl. UV-act. 1).
A.d.
Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeinchirurgie und Traumatologie, beratender
Arzt der Generali, befand am 3. September 2018, die Nacken-, Rücken- und
Kreuzschmerzen seien überwiegend wahrscheinlich Folge des Auffahrunfalls vom 13.
April 2018. Mindestens drei Kriterien der "HWS-Praxis" seien erfüllt. Die foraminalen
Stenosen im Bereich der HWS seien mit grösster Wahrscheinlichkeit vorbestehend
(UV-act. 89).
A.e.
Med. prakt. C._ hatte am 24. August 2018 berichtet, der Schwindel sei nach
entsprechender Behandlung nun regredient (UV-act. 75, vgl. UV-act. 76). Vom 19.
A.f.
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September bis 9. Oktober 2018 befand sich die Versicherte erneut stationär in den
Kliniken E._. Die behandelnden Ärzte attestierten ihr für die Dauer des Aufenthalts
und weiter bis zum 14. Oktober 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Ab dem 15.
Oktober 2018 bestehe eine 40%ige Arbeitsfähigkeit (ausgehend vom zuletzt
ausgeübten Arbeitspensum von 60 %) für eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit
(UV-act. 106).
Med. prakt. C._ berichtete am 31. Oktober 2018, die Versicherte leide weiterhin
an erheblichen Nacken- und Kopfschmerzen sowie rezidivierender Übelkeit. Vor
wenigen Tagen habe sie einen Arbeitsversuch unternommen, den sie jedoch
beschwerdebedingt habe abbrechen müssen (UV-act. 111). Med. prakt. G._,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, attestierte der Versicherten aus psychiatrischer
Sicht vom 1. Dezember 2018 bis 31. Januar 2019 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
und vom 1. bis 28. Februar 2019 eine solche von 60 % (UV-act. 1, 202-7). Med. prakt.
C._ ging vom 1. Februar bis 13. März 2019 weiterhin von einer Arbeitsunfähigkeit von
60 % aus (UV-act. 145).
A.g.
Im Auftrag der Generali (vgl. UV-act. 151) wurde die Versicherte am 8. Mai 2019
durch Ärzte der medexperts AG bidisziplinär (orthopädisch, psychiatrisch) abgeklärt. In
ihrem Gutachten vom 21. Mai 2019 hielten diese als Diagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren (ICD-10: F45.41) fest. Aus orthopädischer/traumatologischer Sicht liessen
sich keine unfallbedingten Einschränkungen feststellen. Die vorhandenen leichten
degenerativen Veränderungen der BWS und HWS stünden mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit in keinem natürlichen Zusammenhang mit dem zweifach
aufgetretenen kraniozervikalen Beschleunigungstrauma im Rahmen der beschriebenen
Unfälle. In der zuletzt ausgeübten sowie in einer adaptierten Tätigkeit bestehe seit Mai
2018 eine Arbeitsfähigkeit von 80 % (UV-act. 162). Auf Nachfrage der Generali (vgl.
UV-act. 161) bestätigten die Gutachter am 8. August 2019 ihre Einschätzung zur
Arbeitsfähigkeit der Versicherten (UV-act. 166).
A.h.
Nach einer Untersuchung der Versicherten am 2. Juli 2019 hatten die zuständigen
Ärzte der Schmerzsprechstunde am KSSG ein chronifiziertes, vorwiegend nozizeptives
Schmerzsyndrom, eine depressive Anpassungsstörung nach Verkehrsunfall und
A.i.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/18
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B.
dauerhafter Beeinträchtigung, einen benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel bei
Canalolithiasis rechts im August 2018 und eine Pollinosis diagnostiziert. Sie hatten
festgehalten, die Versicherte befinde sich über das regionale
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) in einer Wiedereingliederung; die Arbeitsfähigkeit
betrage derzeit 40 % (UV-act. 174).
Nachdem die IV-Stelle der Versicherten Beratung und Unterstützung bei der
Stellensuche gewährt hatte (UV-act. 115, vgl. UV-act. 164), stellte sie der Versicherten
mit Vorbescheid vom 30. September 2019 bei einem Invaliditätsgrad von 20 % die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (UV-act. 169).
A.j.
Med. prakt. G._ berichtete am 19. Dezember 2019 über eine depressive Episode
mittel- bis schwergradig (ICD-10: F32.1/32.2) und ein chronifiziertes, vorwiegend
nozizeptives Schmerzsyndrom. Aus ihrer Sicht wäre die Teilnahme an der im KSSG
angebotenen interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie (vgl. UV-act. 208)
sinnvoll (UV-act. 220).
A.k.
Mit Verfügung vom 16. März 2020 stellte die Generali die vorübergehenden
Leistungen per 31. Mai 2019 ein (UV-act. 230).
A.l.
Dagegen erhob die Versicherte am 14. Mai 2020 Einsprache. Sie reichte unter
anderem einen Bericht über eine stationäre Behandlung im Schmerzzentrum des KSSG
vom 3. bis 25. Februar 2020 sowie Unterlagen zu einem durch das RAV organisierten
Einsatzprogramm, welches vom 25. März bis 31. Juli 2019 stattgefunden hatte, ein
(UV-act. 235, vgl. auch die vorsorgliche Einsprache der Krankenversicherung der
Versicherten; UV-act. 232)
B.a.
Am 30. September und 23. Dezember 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, sie übernehme die Kosten für ein Belastbarkeitstraining vom 12. Oktober bis 31.
Dezember 2020 sowie ein Aufbautraining vom 1. Januar bis 30. Juni 2021 in der
Dreischiibe, St. Gallen. Während der Massnahme entrichte die IV-Stelle Taggelder (UV-
act. 236 f., 239).
B.b.
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C.

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf vorübergehende Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) der
Beschwerdegegnerin über den 31. Mai 2019 hinaus.
Mit Entscheid vom 22. April 2021 wies die Generali die Einsprache ab (UV-act.
243).
B.c.
Am 25. Mai 2021 erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
dagegen Beschwerde. Sie beantragte, der Einspracheentscheid vom 22. April 2021
bzw. die Verfügung vom 16. März 2020 seien aufzuheben und ihr seien ab 1. Juni 2019
weiterhin Taggelder auszurichten sowie die Heilungskosten zu übernehmen. Allenfalls
sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung des Sachverhalts und Neuverfügung an
die Generali (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuführen; alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolge (act. G1).
C.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 27. Juli 2021, die Beschwerde sei
vollumfänglich abzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G5).
C.b.
Mit Replik vom 13. September 2021 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest (act. G8).
C.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 23. November 2021 auf die Einreichung
einer Duplik (act. G12).
C.d.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Sie hat zudem
Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Die
vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld) sind einzustellen und der
Anspruch auf eine Invalidenrente zu prüfen, wenn allfällige Eingliederungsmassnahmen
der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind und von der Fortsetzung der
1.1.
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ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der
versicherten Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG).
Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (BGE 129 V 181 E. 3.1 f.; André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2018,
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 66 zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-
Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019, [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.).
1.2.
1.3.
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers endet, wenn der Unfall nicht mehr
eine natürliche und adäquate Ursache der fortdauernden Beschwerden darstellt, d.h.
wenn die Beschwerden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen
beruhen. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang
muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich
fehlender Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4;
Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl.
Bern 2014, § 70 N. 58). Da es sich dabei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage
handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender
natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person,
sondern beim Unfallversicherer (Urteil des Bundesgerichts vom 25. April 2017,
8C_766/2016, E. 2.2). Allerdings greift die vorgenannte Beweisregel erst dann Platz,
wenn die Verwaltung und - im Beschwerdefall - das Gericht dem
Untersuchungsgrundsatz rechtsgenüglich nachgekommen sind bzw. es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55; BGE
117 V 264 E. 3b mit Hinweis; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 1).
1.3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/18
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Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs bzw. dessen Wegfall ist in
erster Linie mit den Angaben medizinischer Fachpersonen zu führen (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. August 2015, 8C_331/2015, E. 2.2.3.1). Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181
E. 3.1, 123 III 110, 112 V 30). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind.
Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich
weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder
in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E.
5.1, 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
1.3.2.
Bei Unfällen mit klar ausgewiesenen organischen Unfallfolgen spielt die
Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang
sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle. Sie ist bei
ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres sowohl bezüglich vorübergehender
als auch dauerhafter Gesundheitsschäden zu bejahen (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, 127 V
103 E. 5b/bb; SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch
nicht (hinreichend) nachweisbar, ist betreffend Dauerschäden (Invalidität und
Integritätsschaden) eine eigenständige Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei
welcher wie folgt zu differenzieren ist: Es ist zunächst abzuklären, ob die versicherte
Person beim Unfall ein Schleudertrauma der HWS, eine dem Schleudertrauma
äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma (vgl. dazu Urteil des
Bundesgerichts vom 1. Juni 2016, 8C_12/2016, E. 7.1 mit Hinweisen; SVR 1995 UV Nr.
23 S. 67 E. 2) erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss
BGE 115 V 140 E. 6c/aa (sogenannte "Psycho-Praxis") zur Anwendung. Ergeben die
Abklärungen dagegen, dass eine versicherte Person eine der erwähnten Verletzungen
erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen
Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar (teilweise) vorliegen, im Vergleich zur
psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die
Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit
psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a),
andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359
1.3.3.
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2.
Vorerst ist zu prüfen, ob zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 31. Mai 2019 noch
organisch objektivierbare Unfallfolgen vorhanden waren, welche die fortdauernd
geklagten Beschwerden verursachen konnten.
festgelegten und in BGE 134 V 109 präzisierten Kriterien (sogenannte
"Schleudertrauma-Praxis").
Die behandelnden Ärzte des Spitals D._ diagnostizierten am 18. April 2018 eine
Kyphosierung der HWS (UV-act. 14). Sie stützten sich dabei auf das Ergebnis einer
gleichentags durchgeführten Röntgenuntersuchung, welche im Übrigen unauffällig war
und insbesondere keine Frakturen oder Deformitäten zur Darstellung gebracht hatte
(UV-act. 16). Eine MR-Untersuchung vom 19. April 2018 ergab zudem keinen Anhalt für
eine Läsion des Plexus brachialis sowie keinen Anhalt für eine diskoligamentäre
Verletzung oder eine dorsale Weichteilläsion (UV-act. 23).
2.1.
Der orthopädische Teilgutachter der medexperts AG, Dr. med. univ. H._,
Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie FMH, beurteilte im bidiszplinären
Gutachten vom 21. Mai 2019, aus orthopädischer/traumatologischer Sicht bestehe
kein Hinweis auf eine unfallbedingte Verletzung im Bereich der Wirbelsäule und die
vorhandenen leichten degenerativen Veränderungen der BWS und HWS stünden mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit in keinem natürlichen Zusammenhang mit den
zweifach (gemeint: 2014 und 2018) aufgetretenen kraniozervikalen
Beschleunigungstraumata im Rahmen der beschriebenen Unfälle. Es bestehe
ausserdem keine objektivierbare relevante funktionelle Einschränkung mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit. Aus orthopädischer Sicht könnten die Beschwerden und das von
der Beschwerdeführerin empfundene Ausmass der Schmerzen nicht nachvollzogen
bzw. objektiviert werden (UV-act. 162, S. 4 und 16). Auf Nachfrage der
Beschwerdegegnerin (vgl. UV-act. 161) präzisierte Dr. H._ am 8. August 2019, die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen seien ab Mai 2018 gültig. Von orthopädisch/
traumatologischer Seite her hätten keine unfallbedingten Verletzungen nach dem
kraniozervikalen Beschleunigungstrauma festgestellt werden können.
Erfahrungsgemäss und aufgrund des derzeitigen Wissensstandes könne in dieser
Situation somit zwei bis drei Wochen nach dem Unfall wieder von einer
uneingeschränkten Leistungsfähigkeit ausgegangen werden. Die ab Mai 2018 noch
vorhandenen Beschwerden und Einschränkungen seien in der psychiatrischen
Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren berücksichtigt (UV-act. 166).
2.2.
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3.
Weiter bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung noch unter natürlich und adäquat kausalen organisch nicht
objektivierbaren Unfallfolgen litt.
Insgesamt sind die geklagten Beschwerden entsprechend der Beurteilung von Dr.
H._ (vgl. UV-act. 162, 166) spätestens seit dem Zeitpunkt der Leistungseinstellung
vom 31. Mai 2019 nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch einen klar
ausgewiesenen organischen Unfallschaden im Sinn einer nachweisbaren strukturellen
Veränderung erklärbar.
2.3.
3.1.
Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei
Schleudertrauma- sowie äquivalenten Verletzungen wie einer HWS-Distorsion oder
einem Schädel-Hirntrauma auch ohne nachweisbare pathologische bzw. organische
Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten
können. Der Umstand, dass die für ein Schleudertrauma oder eine äquivalente
Verletzung typischen Beschwerden nicht mit entsprechenden Untersuchungsmethoden
(wie Röntgen, MRT, CT, EEG) objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die
diesbezüglichen Beschwerden in Abrede zu stellen (BGE 117 V 363 f. E. 5d/aa). Ist ein
Schleudertrauma oder eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung diagnostiziert
und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von
Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und
Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit,
Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits-
und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 360 E. 4b; vgl. auch
BGE 117 V 379 f. E. 3e). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts muss bei
einem Schleudertrauma bzw. einer äquivalenten Verletzung das typische
Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden nicht in seiner umfassenden
Ausprägung innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten.
Vielmehr genügt es, wenn sich in diesem Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder
an der HWS – bei einem Schädel-Hirntrauma in Form von Kopfschmerzen –
manifestieren. Die andern im Rahmen eines Schleudertraumas oder einer äquivalenten
Verletzung typischerweise auftretenden Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in
einem Zeitraum manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen
3.1.1.
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Kausalzusammenhangs auszugehen (vgl. u.a. Urteil des Bundesgerichts vom 15. März
2007, U 258/06, E. 4.3).
Am Unfalltag vom 13. April 2018 begab sich die Beschwerdeführerin in
Behandlung bei med. prakt. C._ (vgl. UV-act. 21, 48, 86-2). Gemäss anamnestischen
Angaben der Beschwerdeführerin gegenüber den behandelnden Ärzten der Klinik E._
habe med. prakt. C._ ihr zur Therapie ein Pflaster sowie Schmerztabletten
abgegeben. Es seien sonst keine weitergehenden Untersuchungen erfolgt. Die
Schmerzen seien daraufhin immer mehr geworden, weshalb sie am vierten Tag nach
dem Unfall notfallmässig ins Spital D._ habe gehen müssen (UV-act. 86-2). Der
Arztbericht über die Erstbehandlung bei med. prakt. C._ ist nicht aktenkundig. Die
Beschwerdeführerin reichte mit ihrer Beschwerde allerdings einen am 25. Mai 2018
durch med. prakt. C._ ausgefüllten "Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach
kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma" ein. Diesem ist zu entnehmen, dass die
Erstuntersuchung am 13. April 2018, gut zwei Stunden nach dem Unfall, stattgefunden
hatte. Die Beschwerdeführerin habe auf Nachfrage über Übelkeit sowie bereits initial
über Schmerzen im linken Arm geklagt. Andere Beschwerden (Kopf- und
Nackenschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Hör- und Sehstörungen, Schlafstörungen)
wurden verneint. Die Beweglichkeit der HWS sei initial normal gewesen. Med. prakt.
C._ hielt fest, am 25. Mai 2018, mithin rund sechs Wochen nach dem Unfall, sei die
Bewegung der HWS sodann nur eingeschränkt möglich und schmerzhaft gewesen (act.
G1.2). Anlässlich der Notfallkonsultation vom 18. April 2018 hatten die behandelnden
Ärzte des Spitals D._ eine HWS-Kyphosierung diagnostiziert. Die
Beschwerdeführerin habe berichtet, nach dem Unfall initial starke Schmerzen und eine
Kraftminderung im linken Arm verspürt zu haben. In den nächsten Tagen hätten sich
die Symptome verschlechtert mit noch mehr Kraftminderung und Sensibilitätsstörung
(UV-act. 14). Im "Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem
Beschleunigungstrauma" wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin klage über
Nackenschmerzen, eine Bewegungseinschränkung der HWS und Rückenschmerzen.
Die Bewegungen der HWS seien eingeschränkt möglich und schmerzhaft. Die
Muskelkraft im linken Arm sei vermindert und dort bestünden auch Parästhesien sowie
sensible Defizite (UV-act. 119).
3.1.2.
Am 9. Mai 2018, also knapp ein Monat nach dem Unfall, wurde die
Beschwerdeführerin in der Klinik für Neurologie des KSSG untersucht. Die zuständigen
Ärzte hielten fest, die Beschwerdeführerin leide an einem recht ausgedehnten
Schmerzbild mit Nacken- und Hinterhauptschmerzen, beidseitigen Schulterschmerzen,
beidseitigen Patellaschmerzen sowie auch einem Einschlafen über dem linken Arm.
3.1.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/18
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Dermatom- oder myotombezogene sensible Ausfälle oder myotombezogene
Schwächen liessen sich nicht nachweisen. Es bestehe wohl links eine gewisse
Kraftminderung, wobei diese am ehesten als ein Giving-Way zu interpretieren sei. In
Anbetracht der fehlenden sicheren Nervenwurzelkompression sowie auch des Fehlens
von klaren radikulären Beschwerden komme aus neurochirurgischer Sicht kein
spezielles Prozedere, weder eine Infiltration noch eine Operation, in Betracht. Sie sähen
keinen Handlungsbedarf. Da die Beschwerdeführerin durch ihre Beschwerden jedoch
deutlich beeinträchtigt sei, würden sie eine stationäre Behandlung empfehlen (UV-act.
21). Vom 9. bis 27. Juli 2018 befand sich die Beschwerdeführerin sodann erstmals
stationär in der Klinik E._. Die behandelnden Ärztinnen berichteten am 3. August
2018, die Beschwerdeführerin habe sich bei Eintritt in die Klinik sehr schmerzgeplagt
gezeigt. Sie habe seit dem Unfall unverändert bestehende Schmerzen mit Ziehen von
der HWS in den Kopf okzipital sowie einen ausstrahlenden Schmerz entlang der
Wirbelsäule bis zur Hüfte und in die linke obere und untere Extremität beschrieben.
Weiter habe sie über brennende Handinnenflächen geklagt. Aufgrund der starken
immobilisierenden Schmerzen hätten sie verschiedene Schmerzmittel etabliert, welche
die Beschwerdeführerin jedoch nicht toleriert habe. Bei anhaltendem Schwindel und
Übelkeit hätten sie die Beschwerdeführerin neurologisch mitbehandeln lassen und es
sei ein benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel beidseits festgestellt worden.
Wegen der auffällig depressiven Verstimmung sei auch ein Psychiater in den
Therapieprozess involviert worden (UV-act. 83). Dieser hatte eine depressive
Anpassungsreaktion nach Verkehrsunfall und somatischer andauernder
Beeinträchtigung diagnostiziert (UV-act. 86). Nachdem der Schwindel behandelt
worden und in der Folge regredient war (UV-act. 75 f.), war die Beschwerdeführerin
vom 16. September bis 9. Oktober 2018 erneut stationär in der Klinik E._ (UV-act.
106). Vom 1. Dezember 2018 bis 31. Januar 2019 attestierte ihr med. prakt. G._
sodann aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und vom 1. bis 28.
Februar 2019 eine solche von 60 % (UV-act. 202-7).
Insgesamt bestanden in den Tagen nach dem Unfall zwar gewisse für ein
Beschleunigungstrauma der HWS typische Beschwerden im Sinne von Schmerzen und
einer Bewegungseinschränkung. Die von med. prakt. C._ dokumentierte Übelkeit
erwähnte die Beschwerdeführerin allerdings anlässlich der Notfallkonsultation vom 18.
April 2018 offenbar nicht mehr. Schwindel wurde sodann erstmals während des
Aufenthalts in der Klinik E._, rund drei Monate nach dem Unfall dokumentiert. Ab
diesem Zeitpunkt wurden auch psychische Beschwerden festgestellt, welche in der
Folge im Vordergrund standen. Auch die Gutachter der medexperts AG hielten als
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit einzig eine chronische Schmerzstörung
3.2.
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4.
mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), also eine psychiatrische
Diagnose, fest (vgl. UV-act. 162-4). Nachfolgend hat die Adäquanzprüfung der im
Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 31. Mai 2019 noch geklagten gesundheitlichen
Beschwerden daher anhand der Psycho-Praxis (BGE 115 V 133) zu erfolgen. Dies steht
im Übrigen auch im Einklang mit der Beurteilung der Gutachter der medexperts AG,
welche ab Mai 2018 von keinen orthopädisch bedingten Beschwerden mehr ausgingen
und der Beschwerdeführerin lediglich aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit
von 20 % attestierten (vgl. UV-act. 162, 166).
Bei der Beurteilung des Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer
anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung der
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist nach der Rechtsprechung (BGE 115 V 133) vom
Unfallereignis auszugehen. Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs
ist im Hinblick auf die Gebote der Rechtssicherheit und der rechtsgleichen Behandlung
der Versicherten eine objektivierte Betrachtungsweise angezeigt (BGE 115 V 139 E. 6
mit Hinweisen). Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und
dem Unfall besteht, wenn dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung
der Beschwerden zukommt. In objektivierter Betrachtungsweise werden die Unfälle
nach ihrer erfahrungsgemässen Eignung, psychische Beschwerden zu bewirken,
eingeteilt in banale und leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle andererseits und in
einen dazwischenliegenden Bereich der mittelschweren Unfälle. Bei banalen Unfällen
kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und psychischen
Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil auf Grund der
allgemeinen Lebenserfahrung davon ausgegangen werden kann, dass ein solcher
Unfall nicht geeignet ist, einen invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden zu
verursachen. Bei schweren Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang
in der Regel zu bejahen, denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheitsschäden zu bewirken.
4.1.
Bei Unfällen im mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen dem Unfall und
der psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht, nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig beantworten. Vielmehr sind weitere,
objektiv fassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang
stehen oder als direkte bzw. indirekte Folge davon erscheinen, in eine
Gesamtwürdigung einzubeziehen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei besonders
dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die
4.2.
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Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; eine
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen;
eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; ein
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie der Grad und die
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 139 ff. E. 6a-c). Um die
adäquate Kausalität bejahen zu können, müssen nicht alle Umstände gegeben sein.
Vielmehr genügt ein Kriterium, wenn es sich um einen schweren Unfall im mittleren
Bereich handelt. Kommt keinem Einzelkriterium ein besonderes bzw.
ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien
herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Diese Würdigung
führt zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs, ohne dass
nach weiteren Ursachen geforscht werden muss, die eine psychisch bedingte
Erwerbsunfähigkeit begünstigt haben könnten (SVR 1999 UV Nr. 10 S. 32).
Vorliegend wollte die Beschwerdeführerin am 13. April 2018 mit ihrem Auto auf
einer Strasse zu einer Tankstelle abbiegen. Als sie dazu auf der Strasse anhielt, prallte
ein Lieferwagen von hinten mit ca. 60 km/h in ihr Auto (UV-act. 3, 48, 241). Laut der
Unfallanalyse vom 9. Juli 2018 betrug die kollisionsbedingte
Geschwindigkeitsänderung (Delta-v-Geschwindigkeitszunahme) des Personenwagens
je nach Beladung des Lieferwagens beim Heckanstoss zwischen 18.8 und 28.7 km/h.
Die Insassen des Personenwagens der Beschwerdeführerin bewegten sich initial-
kollisionsbedingt relativ zum Fahrzeug annähernd achsparallel nach hinten (UV-act.
242). Es erscheint - entsprechend der Rechtsprechung bei Auffahrkollisionen auf ein
(haltendes) Fahrzeug (RKUV 2005 Nr. U 549, S. 236) - insgesamt gerechtfertigt, von
einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen auszugehen.
Selbst wenn zu Gunsten der Beschwerdeführerin jedoch von einem mittelschweren
Unfall im engeren Sinn ausgegangen würde, wäre jedoch - wie sich nachfolgend ergibt
- die Adäquanz zu verneinen.
4.3.
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Bei einem mittelschweren Unfall im engeren Sinn müssen für die Bejahung des
adäquaten Kausalzusammenhangs mindestens drei der relevanten Kriterien oder ein
einzelnes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein. Bei der Prüfung
dieser Kriterien sind psychische Aspekte ausser Acht zu lassen (BGE 115 V 140 E. 6c/
aa, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2009, 8C_487/2009 E. 5 mit
Hinweis).
4.4.
Bei der Beurteilung des Kriteriums der dramatischen Begleitumstände oder der
besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls sind objektive Massstäbe anzuwenden. Nicht
was in der einzelnen betroffenen Person beim Unfall psychisch vorgeht, soll
entscheidend sein, sondern die objektive Eignung solcher Begleitumstände, bei ihr
psychische Vorgänge auszulösen (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc). Zu beachten
ist auch, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit
eigen ist, die noch nicht für die Bejahung dieses Adäquanzkriteriums ausreichen kann
(vgl. SVR 2009 UV Nr. 41 S. 142). Vorliegend bestehen unbestritten keine Hinweise auf
besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des
Unfalls.
4.4.1.
Die behandelnden Ärzte des Spitals D._ diagnostizierten eine Kyphosierung
der HWS nach Schleudertrauma (UV-act. 14, 23). Gutachter Dr. H._ befand sodann,
aus orthopädischer/chirurgischer Sicht lasse sich keine unfallbedingte Verletzung
feststellen (UV-act. 162, 166). Es ist damit davon auszugehen, dass es durch den Unfall
vom 13. April 2018 zu keiner strukturellen Verletzung kam (vgl. auch E. 2).
Dementsprechend ist das Kriterium einer besonders schweren Verletzung oder einer
Verletzung besonderer Art zu verneinen.
4.4.2.
Zur Beantwortung der Frage der Dauer der ärztlichen Behandlung ist nicht allein
der zeitliche Massstab entscheidend. Ebenfalls in die Prüfung einzubeziehen sind die
Art und Intensität der Behandlung sowie die Frage, inwieweit davon noch eine
Besserung des Gesundheitszustands zu erwarten war (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 20. Oktober 2006, U 488/05, E. 3.2.3; BGE 134 V
128, E. 10.2.3). Eine Behandlung, die lediglich noch der Erhaltung des
Gesundheitszustands und nicht der Heilung dient, ist im Rahmen der Adäquanzprüfung
grundsätzlich nicht relevant. Abklärungsmassnahmen und blossen ärztlichen Kontrollen
kommt nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zu (Urteil des
Bundesgerichts vom 27. Februar 2008, U 11/07, E. 5.3.1 mit Hinweisen). Der am
Unfalltag erstbehandelnde med. prakt. C._ gab der Beschwerdeführerin lediglich ein
Schmerzpflaster und -tabletten ab. Weitere Untersuchungen erfolgten gemäss
4.4.3.
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Angaben der Beschwerdeführerin nicht (UV-act. 86-2). Am 18. April 2018 stellte sich
die Beschwerdeführerin notfallmässig im Spital D._ vor. Die dort zuständigen Ärzte
führten eine Röntgenkontrolle durch und veranlassten eine MR-Untersuchung (UV-act.
14). Am 9. Mai 2018 erfolgte sodann eine neurologische Abklärung im KSSG (UV-act.
21). Vom 9. bis 27. Juli 2018 sowie vom 19. September bis 9. Oktober 2018 befand
sich die Beschwerdeführerin stationär in den Kliniken E._, wo nebst den beklagten
somatischen Beschwerden auch die festgestellte depressive Anpassungsreaktion
behandelt wurde (UV-act. 83, 106). Zwischen den beiden Aufenthalten wurde die
Beschwerdeführerin aufgrund ihres Schwindels behandelt (UV-act. 75 f.). Danach
fanden in somatischer Hinsicht lediglich Kontrolluntersuchungen bei med. prakt. C._
statt (vgl. UV-act. 111, 145). Am 2. Juli 2019 wurde die Beschwerdeführerin zudem in
der Schmerzsprechstunde des KSSG untersucht, wo die zuständigen Ärzte unter
anderem ein chronifiziertes, vorwiegend nozizeptives Schmerzsyndrom, eine
depressive Anpassungsstörung und einen benignen paroxysmalen
Lagerungsschwindel diagnostizierten (UV-act. 174). Insgesamt fand damit in
somatischer Hinsicht keine intensive Behandlung statt, mehrheitlich erfolgten lediglich
Abklärungen bzw. Kontrolluntersuchungen. Aktenkundig stellten die behandelnden
Ärzte der Kliniken E._ zudem bereits anlässlich des stationären Aufenthalts im Juli
2018 erstmals eine psychische Beschwerdesymptomatik fest (UV-act. 83). Gutachter
Dr. H._ ging gar davon aus, dass bereits ab Mai 2018 keine orthopädisch bedingten
Unfallfolgen mehr bestanden (UV-act. 162, 166). Das Kriterium der langen Dauer der
ärztlichen Behandlung ist damit zu verneinen.
Die Beschwerdeführerin klagte gegenüber den behandelnden Ärzten initial über
Schmerzen im linken Arm sowie Nacken- und Rückenschmerzen (vgl. UV-act. 14, 119,
act. G1.2). Bei späteren Arztkonsultationen machte sie sodann unter anderem
zusätzlich Kopfschmerzen, beidseitige Schulterschmerzen und Kreuzschmerzen
geltend (UV-act. 21, 83, 106, 111). Wie von den Gutachtern der medexperts AG
festgestellt (vgl. UV-act. 162), waren diese jedoch bereits ab Mai 2018 nicht mehr
orthopädisch erklärbar, sondern auf die psychische Problematik zurückzuführen. Das
Kriterium der Dauerschmerzen ist damit als nicht erfüllt zu betrachten.
4.4.4.
Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert hätte, ergeben sich weder aus den Akten, noch werden solche von der
Beschwerdeführerin geltend gemacht.
4.4.5.
Die Dauer der ärztlichen Behandlung und die geklagten Beschwerden deuten
alleine nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf hin. Das entsprechende
4.4.6.
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Kriterium erfordert besondere Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt und verzögert
haben (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 7. Februar 2008, U 590/06, E. 4.3.2, und
vom 10. Juli 2008, 8C_61/2008, E. 7.6). Vorliegend sind keine besonderen Gründe für
einen schwierigen Heilungsverlauf im Sinne der Rechtsprechung erkennbar. Die
Beschwerdeführerin bringt vor, das Kriterium dürfte aufgrund der verschiedensten
medizinischen Massnahmen mit stationären Aufenthalten ohne weiteres erfüllt sein
(act. G1). Wie in E. 4.4.3 ausgeführt, war die somatische Behandlung jedoch wenig
intensiv und schon nach wenigen Monaten abgeschlossen. Psychische Aspekte sind,
wie bereits erwähnt (E. 4.4), bei der Prüfung im Sinne von BGE 115 V 133 ausser Acht
zu lassen (BGE 115 V 140 E. 6c/aa, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 7.
Dezember 2009, 8C_487/2009 E. 5 mit Hinweis).
Die behandelnden Ärzte attestierten der Beschwerdeführerin vom 13. April bis
14. Oktober 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (UV-act. 1, 83, 106). Ab 15.
Oktober 2018 gingen die zuständigen Ärzte der Kliniken E._ von einer
Arbeitsfähigkeit von 40 % aus (UV-act. 106), med. prakt. C._ berichtete jedoch am
31. Oktober 2018, die Beschwerdeführerin habe einen Arbeitsversuch aufgrund
erheblicher Nacken- und Kopfschmerzen sowie rezidivierender Übelkeit abbrechen
müssen (UV-act. 111). Med. prakt. G._ attestierte der Beschwerdeführerin vom 1.
Dezember 2018 bis 28. Februar 2019 sodann eine Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht (UV-act. 1, 202-7). Med. prakt. C._ ging vom 1. Februar bis 13.
März 2019 von einer Arbeitsunfähigkeit von 60 % und vom 3. bis 9. April von einer
solchen von 100 % aus (UV-act. 145, 194). Sein Praxiskollege Dr. med. I._,
Allgemeinmedizin, ging vom 10. April bis 28. Juni 2019 von einer Arbeitsunfähigkeit von
80 % und vom 29. Juni bis 31. Oktober 2019 von einer solchen von 60 % aus (UV-act.
185 ff., vgl. abweichende Atteste in UV-act. 202). Die beiden Hausärzte äusserten sich
jedoch nicht zu den Gründen der attestierten Arbeitsunfähigkeit. Wie die Gutachter der
medexperts AG überzeugend beurteilten, bestand bereits ab Mai 2018 aus
somatischer Sicht wieder eine volle Arbeitsfähigkeit. Lediglich aus psychiatrischen
Gründen gingen sie von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % aus (UV-act. 162, 166). Das
Kriterium der langdauernden (somatisch bedingten) Arbeitsunfähigkeit ist damit nicht
erfüllt.
4.4.7.
Da somit keines der zu berücksichtigenden Kriterien erfüllt ist, ist der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 13. April 2018 und den organisch
nicht objektivierbaren Beschwerden zu verneinen. Die natürliche Kausalität wäre
gestützt auf die Beurteilung der Gutachter der medexperts AG wohl zu bejahen (UV-
4.5.
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5.
Zusammengefasst lagen damit spätestens im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per
31. Mai 2019 keine unfallkausalen Beschwerden mehr vor, weshalb die
Leistungseinstellung nicht zu beanstanden ist. Die später noch von der IV-Stelle
gewährten beruflichen Massnahmen (vgl. UV-act. 115, 164, 236 f., 239) stehen dem
Fallabschluss insofern nicht entgegen, als die Massnahmen lediglich der
Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung der unfallfremden
psychischen Problematik dienten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2016,
8C_892/2015, E. 4.1 f.).
6.