Decision ID: bac90591-89a7-5294-814e-6c9d35e0d180
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war als Pflegefachfrau HF mit einem 90%-
Pensum bei der Arbeitgeberin B._ tätig und dadurch bei der AXA Versicherungen AG
(nachfolgend: AXA) unfallversichert, als sie am 8. November 2012 einen Autounfall erlitt
(act. G 5.1/A1). Gemäss Polizeiprotokoll der Kantonspolizei St. Gallen vom 21.
Dezember 2012 fuhr die Versicherte mit ihrem Personenwagen zwischen zwei anderen
Personenwagen auf der Überholspur der Autobahn A1 von C._ Richtung D._, als
der Fahrer des vorderen Personenwagens aufgrund des stockenden Verkehrs plötzlich
stark abbremsen musste. Die Versicherte leitete ebenfalls ein Bremsmanöver ein, was
der nachfolgende Fahrer jedoch nicht bemerkte und mit seinem Personenwagen auf
das Heck des Personenwagens der Versicherten prallte. Deren Personenwagen wurde
dadurch wiederum nach vorne katapultiert, schoss linksseitig am vorderen
Personenwagen vorbei, kollidierte mit diesem, schrammte gleichzeitig an der
Mittelleitplanke vorbei, schleuderte nach rechts auf die Normalspur und kam dort
schliesslich zum Stillstand. Die Versicherte wurde durch die Feuerwehr aus ihrem stark
deformierten Personenwagen geborgen und notfallmässig ins Kantonsspital St. Gallen
(KSSG) überführt (act. G 1.5). Auf der Zentralen Notfallabteilung (ZNA) des KSSG klagte
die Versicherte über Kopfschmerzen und Schmerzen im Becken und zeigte sich mit
einem Glasgow Coma Score (GCS) von 14 und einer Amnesie für das Unfallereignis. Es
erfolgte die stationäre Aufnahme in die Klinik für Neurochirurgie des KSSG wegen
einem leichten Schädelhirntrauma (act. G 5.2/M4, act. G 5.2/M8, act. G 5.2/M10). Die
Versicherte wurde konsiliarisch auch durch die Ärzte der Klinik für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG mitbeurteilt (act. G
5.2/M8), welche am 8. November 2011 den Dokumentationsbogen für Erstkonsultation
nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma ausfüllten (act. G 5.2/M9). Am 9.
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November 2012 berichteten die Ärzte der Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG auch über die Behandlung der
Versicherten auf der ZNA des KSSG. Basierend auf einer im Röntgeninstitut des KSSG
am Unfalltag durchgeführten Röntgenuntersuchung des Beckens und des rechten
Hüftgelenks sowie einer CT-Untersuchung des Neurocraniums und der HWS wurde die
Diagnose eines Hochgeschwindigkeitstraumas vom 8. November 2012 mit HWS-
Distorsion mit Verdacht auf ligamentäre Verletzung, leichtem Schädelhirntrauma sowie
Beckenkontusion rechts festgehalten (act. G 5.2/M10). Am 9. November 2012 wurde
bei der Versicherten im Institut für Radiologie des KSSG zusätzlich eine
Röntgenuntersuchung der HWS (act. G 5.2/M7) sowie eine MRI-Untersuchung des
Neurocraniums (act. G 5.2/M6) vorgenommen. Nachdem sich die Versicherte auf der
Neurochirurgie des KSSG kardiopulmonal und neurologisch stets stabil gezeigt hatte,
wurde sie mit der Diagnose eines leichten Schädelhirntraumas im Rahmen eines PKW-
Unfalls mit/bei HWS-Distorsion am 11. November 2012 in die Betreuung ihres
Hausarztes Dr. med. E._, Allgemein Medizin FMH, entlassen (act. G 5.2/M4).
A.b Nach Eingang der durch den Arbeitgeber der Versicherten am 22. November 2012
eingereichten Unfallmeldung UVG (act. G 5.1/A1) führte die AXA mit der Versicherten
am 18. Januar 2013 eine Besprechung durch (act. G 5.1/A5). Am 26. Februar 2013
reichte Dr. E._ einen ärztlichen Zwischenbericht ein. Daraus ging hervor, dass die
Versicherte ihre Arbeit am 11. Februar 2013 wieder zu 25% mit reduzierter Leistung
aufgenommen hatte, rund 2 bis 3 Mal wöchentlich hausärztliche Konsultationen
stattfanden und eine Behandlung mit Analgetika erfolgte. Dr. E._ hatte der
Versicherten ausserdem am 15. November 2012 und 21. Februar 2013 Physiotherapie-
Verordnungen für das Therapiezentrum F._ ausgestellt (act. G 5.2/M12 f., act. G 5.2/
M15 ff.). Ab 27. Februar 2013 befand sich die Versicherte bei Dr. med. G._,
Spezialärztin Neurologie FMH, Neurologisches Zentrum H._, in neurologischer
Behandlung. Dr. G._ berichtete Dr. E._ jeweils schriftlich über die einzelnen
Konsultationen (act. G 5.2/M14, act. G 5.2/M18 f.). Mit E-Mail vom 21. März 2013 teilte
der damalige Rechtsvertreter der Versicherten der AXA mit, dass sich die Versicherte
für eine psychiatrische Sprechstunde bei Dr. med. I._, Facharzt für Neurologie,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, angemeldet habe (act. G 5.1/A14), worauf
die AXA besagten Arzt am 22. April 2013 ersuchte, einen Verlaufsbericht einzureichen
bzw. verschiedene Fragen zu beantworten (act. G 5.1/A18). Am 24. April 2013 führte
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Dr. G._ bei der Versicherten eine elektrophysiologische Untersuchung durch, deren
Ergebnisse sie in einem Bericht vom 6. Mai 2013 an Dr. E._ festhielt (act. G 5.2/M22),
und wies sie der Klinik J._ für eine MRI-Untersuchung der HWS zu, die am 26. April
2013 durchgeführt wurde (act. G 5.2/M30). Am 25. Juni 2013 teilte der Rechtsvertreter
der Versicherten der AXA telefonisch mit, dass sie im August 2013 mit einer
Zusatzausbildung zum Bachelor „Pflege“ beginne. Derzeit sei eine Diskussion mit dem
Arbeitgeber betreffend Pensumreduktion im Gange. Die Versicherte selber wolle 50%
weiterarbeiten, während der Arbeitgeber die Gefahr einer Überforderung sehe und nur
30% anbiete (act. G 5.1/A21). Am 26. Juni 2013 reichte Dr. E._ der AXA erneut einen
Zwischenbericht ein. Die Versicherte habe weiterhin lokale paravertebrale Schmerzen
im Bereich der HWS linksbetont und leide unter einer leichten Angstsymptomatik.
Insgesamt sei jedoch eine Besserung der Beschwerden zu beobachten. Die Versicherte
sei vom 8. November 2012 bis 10. Februar 2013 zu 100%, vom 11. Februar bis 25.
März 2013 zu 75% und vom 26. März bis 6. Mai 2013 zu 50% arbeitsunfähig gewesen.
Seit 7. Mai 2013 sei sie wieder zu 100% arbeitsfähig. Die unfallbedingte Behandlung
dauere bis auf weiteres fort und es sei noch nicht absehbar, ob ein bleibender Nachteil
zu erwarten sei (act. G 5.2/M20). Am 3. Juli 2013 legte Dr. I._ seinen Bericht vor (act.
G 5.2/M21). Am 11. September 2013 verordnete Dr. E._ der Versicherten eine
physiotherapeutische Langzeitbehandlung bei Status nach HWS-Distorsion und Status
nach leichtem Schädelhirntrauma nach PKW-Unfall am 8. November 2012 im
Therapiecenter F._ (act. G 5.2/M23). Am 29. Oktober 2013 wiederholte er die
Physiotherapie-Verordnung für eine Langzeitbehandlung (act. G 5.2/M24). Auf
Ersuchen der AXA reichte Dr. E._ am 20. November 2013 und 7. Februar 2014
weitere Verlaufsberichte über den Gesundheitszustand bzw. Heilverlauf der
Versicherten ein (act. G 5.2/M27 f.). Am 24. Februar 2014 stellte Dr. E._ erneut eine
Verordnung für eine physiotherapeutische Behandlung - Muskelaufbau bzw.
Verbesserung der Muskelfunktion - aus (act. G 5.2/M31).
A.c Unterdessen hatte die AXA durch ihren Unfallanalytiker, Ing. HTL, J._, am 7.
Februar 2014 ein unfallanalytisches Kurzgutachten erstellen lassen (act. G 5.1/A32).
A.d Am 4. März 2014 beauftragte die AXA Dr. med. L._, Facharzt Neurologie FMH,
mit einer medizinischen Beurteilung des Schadenfalls anhand der vorliegenden Akten.
Gestützt auf dessen Bericht vom 8. März 2014 (act. G 5.1/M32) eröffnete die AXA der
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Versicherten mit Verfügung vom 21. Mai 2014, dass sie ihre Versicherungsleistungen
per 31. Mai 2014 einstellen werde, da die aktuellen Beschwerden bzw. die im
Vordergrund stehenden Nackenschmerzen der Versicherten nicht mehr mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 8.
November 2012 stehen würden, sondern auf degenerative Veränderungen der HWS
zurückzuführen seien (act. G 5.1/A37).
B.
B.a Die Versicherte erhob am 12. Juni 2014 durch ihren Rechtsvertreter, Rechtsanwalt
lic. iur. Dieter Studer, Kreuzlingen, Einsprache mit den folgenden Anträgen: Es sei die
Verfügung vom 21. Mai 2014 aufzuheben und es seien weiterhin die gesetzlichen
Versicherungsleistungen zu erbringen. Es seien die in der Einsprache angeführten
Abklärungen zu tätigen und der Versicherten bzw. ihrem Rechtsvertreter alsdann die
Verfahrensakten zur Einsichtnahme zukommen zu lassen und allenfalls die Gelegenheit
zu geben, die Einsprachebegründung zu ergänzen. Das Einspracheverfahren sei
einstweilen zu sistieren (act. G 5.1/A39).
B.b Nachdem die AXA Rechtsanwalt Studer mit Schreiben vom 19. Juni 2014
mitgeteilt hatte, dass ihres Erachtens kein Grund für eine Sistierung des Verfahrens
bestehe, es ihm jedoch bis zum Erlass des Einspracheentscheids frei stehe, sich
ergänzend zum Streitgegenstand vernehmen zu lassen (act. G 5.1/A42), hielt
Rechtsanwalt Studer mit Schreiben vom 15. August 2014 gegenüber der AXA fest,
dass die Wiederaufnahme der 80%-igen Berufstätigkeit durch die Versicherte ihre
Beschwerden wieder verstärkt habe. Es sei unklar, ob sie auf längere Zeit ihr
Berufspensum einhalten könne. Zumindest benötige sie nach wie vor Therapien
(Physiotherapie und Lymphdrainage). Ein Endzustand sei zweifellos noch nicht erreicht
und die in der Einsprache vom 12. Juni 2014 beantragten Abklärungen seien zu
gegebener Zeit zwingend notwendig (act. G 5.1/A44).
B.c Mit Einspracheentscheid vom 8. Oktober 2014 wies die AXA die Einsprache vom
12. Juni 2014 ab (act. G 5.1/A45).
C.
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C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) durch ihren Rechtsvertreter am 7. November 2014 Beschwerde
mit den Anträgen, der Einspracheentscheid vom 8. Oktober 2014 sowie die Verfügung
vom 21. Mai 2014 seien aufzuheben und der Beschwerdeführerin seien die
gesetzlichen Leistungen nach UVG zu erbringen. Eventuell sei hinsichtlich der
Unfallkausalität der Gesundheitsbeschwerden der Beschwerdeführerin ein
medizinisches Gerichtsgutachten anzuordnen. Subeventuell sei die Sache an die
Vorinstanz zwecks Veranlassung einer neutralen medizinischen Expertise
zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 27. Januar 2015 beantragte die AXA (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin), die Beschwerde sei abzuweisen (act. G 5).
C.c Mit Replik vom 2. März 2015 hielt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
vollumfänglich an seinen Anträgen fest (act. G 7).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 11. März 2015 auf eine
Duplik (act. G 9).
C.e Auf die Begründungen und Ausführungen in den einzelnen Rechtsschriften bzw.
medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen
1.
1.1 Streitig ist, ob die Leistungen, welche von der Beschwerdegegnerin im Anschluss
an das Unfallereignis vom 8. November 2012 ausgerichtet wurden, auf den 31. Mai
2014 eingestellt werden durften.
1.2 Die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin als Unfallversicherer setzt voraus,
dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit,
Invalidität oder Tod) ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE
134 V 109, 117 V 359 und 115 V 133; SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45; ALEXANDRA RUMO-
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JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Wenn der Unfallversicherer den natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und einer entsprechenden
Gesundheitsschädigung einmal anerkannt hat und entsprechende Leistungen erbringt,
entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht (mehr) die
natürliche oder adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also
letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft zu,
wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall
bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328
E. 3b mit Hinweisen). Der Unfallversicherer hat jedoch nicht den Beweis für
unfallfremde Ursachen zu erbringen, sondern nur darzutun, dass die unfallbedingten
Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 27. Februar 2004, U 29/03, E. 3.1).
1.3 Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten
Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den
von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181 E. 3.1,
123 III 110, 112 V 30; PVG 1984 Nr. 82, 174). Bei physischen Unfallfolgen spielt die
Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang
sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die
adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1, 127
V 102 E. 5b/bb, 117 V 364 mit Hinweisen; SVR 2000 Nr. 14 S. 45). Sind dagegen die
Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Hat die
versicherte Person beim Unfall kein Schleudertrauma bzw. keine
schleudertraumaähnliche Verletzung und kein Schädelhirntrauma erlitten, gelangt die
Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140 E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die
Abklärungen indessen das Vorliegen einer Schleudertraumaverletzung oder eines
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Schädelhirntraumas, muss geprüft werden, ob zum typischen Beschwerdebild einer
solchen Verletzung gehörende Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im
Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies
zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 140 E. 6c/aa für
Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze massgebend.
Andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359
festgelegten und in BGE 134 V 109 präzisierten Kriterien. Die Anwendung der
Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der
HWS und Schädelhirntraumen setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus
dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den organischen Beschwerden, die
ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild
ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 327 E. 3b).
1.4 Im Sozialversicherungsrecht herrscht der Grundsatz der Untersuchungspflicht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1 mit Hinweisen;
vgl. BGE 130 I 183 E. 3.2). Wie überall im Sozialversicherungsrecht gilt auch im
Rahmen der Untersuchung der Unfallkausalität der Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 125 E. 9.5). Die blosse Möglichkeit einer
Unfallkausalität genügt nicht. Die Sozialversicherungsorgane und das Gericht haben
vielmehr jenem Sachverhalt zu folgen, den sie von allen möglichen Sachverhalten als
Wahrscheinlichsten würdigen (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b; THOMAS LOCHER/THOMAS
GÄCHTER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, S. 549, §70
Rz 58). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn der
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen
mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der
Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Beim Nachweis des Dahinfallens jeder kausalen
Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens handelt es sich
um eine leistungsaufhebende Tatfrage. Die entsprechende Beweislast liegt hier -
anders als bei der Frage, ob im Grundfall oder auch bei Rückfällen und Spätfolgen ein
(erneuter) leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht
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bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer. Selbstverständlich greift
die vorgenannte Beweisregel erst dann Platz, wenn die Verwaltung und - im
Beschwerdefall - das Gericht dem Untersuchungsgrundsatz rechtsgenüglich
nachgekommen sind bzw. es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6, 117 V 264 E. 3b, je mit Hinweisen; RKUV 2000 Nr. U
363 S. 46 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b, je mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; RUMO-JUNGO/HOLZER,
a.a.O., S. 55.).
1.5 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet und
nachvollziehbar sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit
weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder
in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen
Inhalt (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Den Berichten
versicherungsinterner bzw. beratender Ärzte und Ärztinnen kann
rechtsprechungsgemäss gleichfalls Beweiswert beigemessen werden, sofern sie
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und 125
V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen; RKUV 1991 Nr. U 133 S. 312 f. E. 1b).
2.
Laut Bericht von Dr. E._ vom 7. Februar 2014 leidet die Beschwerdeführerin dauernd
unter leichten Nacken- und Schulterschmerzen, verstärkt bei Kälte und bei Belastung
oder nach langem Sitzen, sowie unter einem gelegentlichen Kribbeln in den Armen bei
Belastung, bei der Arbeit oder bei Haushaltsarbeiten wie beispielsweise Staubsaugen
verbunden mit Schmerzen. Kopfschmerzen wurden - wie bereits im Bericht von Dr.
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E._ vom 20. November 2013 (act. G 5.2/M27) - verneint (act. G 5.2/M28). Während
die Beschwerdegegnerin die Kausalität der angegebenen Beschwerden zum
Unfallereignis vom 8. November 2012 per 31. Mai 2014 (Datum der
Leistungseinstellung) verneint und sich dabei hinsichtlich der natürlichen Kausalität auf
die Beurteilung von Dr. L._ vom 8. März 2014 (act. G 5.2/M32) stützt, stellt sich der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, die fraglichen
Beschwerden seien unfallbedingt und auf die Beurteilung von Dr. L._ könne wegen
wesentlicher Mängel nicht abgestellt werden.
3.
3.1 Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt.
3.1.1 Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der
Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Eine
manuelle ärztliche Untersuchung fördert klinische, nicht aber objektivierbare organisch-
strukturelle Ergebnisse zu Tage. Würde auf Ergebnisse klinischer Untersuchungen
abgestellt, so würde fast in allen Fällen ein organisches Substrat namhaft gemacht.
Von objektiv ausgewiesenen organisch-strukturellen Unfallfolgen kann erst dann
gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden
Untersuchungsmethoden bestätigt werden und die dabei angewendeten
Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (vgl. BGE 134 V 121 E. 9,
134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen, 117 V 363 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4
mit Hinweisen [U 479/05]; Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2008,
8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen Hinweisen). Thoracic-outlet-Syndrom (TOS),
myofasziale und tendinotische bzw. myotendinotische Befunde sind beispielsweise für
sich allein nicht als organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgen zu betrachten.
Auch Verhärtungen und Verspannungen der Muskulatur, Druckdolenzen im Nacken
sowie Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit können für sich allein nicht als klar
ausgewiesenes organisches Substrat der Beschwerden qualifiziert werden. Gleiches
gilt für Nackenverspannungen bei Streckhaltung der HWS mit Retrohaltung (Urteil des
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Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008, 8C_124/2008, E. 6 mit vielen Hinweisen, sowie
vom 7. Februar 2008, U 13/07, E. 3.2 und 3.3).
3.1.2 Beim Unfall vom 8. November 2012 prallte ein Lenker mit seinem
Personenwagen auf das Heck des Personenwagens der Beschwerdeführerin, worauf
dieser nach vorne katapultiert wurde und mit dem vor ihr fahrenden Personenwagen
kollidierte (vgl. dazu act. G 1.5). Echtzeitlich, auf der ZNA des KSSG, klagte die
Beschwerdeführerin über Kopfschmerzen und Schmerzen im Becken, zeigte sich mit
einem GCS-Wert von 14 und bestand für das Unfallereignis eine Amnesie (vgl. act. G
5.2/M10). Im Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem
Beschleunigungstrauma vermerkten die Ärzte der Klinik für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG am 8. November 2012
sofortige Kopfschmerzen und intermittierend Übelkeit (act. G 5.2/M9). Dem
vorgenannten Unfallmechanismus sowie den echtzeitlich geklagten Beschwerden
entsprechend wurden bei der Beschwerdeführerin am 8. und 9. November 2012 eine
Röntgenuntersuchung des Beckens und rechten Hüftgelenks, eine
Röntgenuntersuchung der HWS, eine MRI-Untersuchung des Neurocraniums sowie
eine CT-Untersuchung des Neurocraniums und der HWS durchgeführt (act. G 5.2/M5
ff., act. G 5.2/M10).
3.1.3 Die Röntgenuntersuchung des Beckens zeigte keine frische ossäre Läsion,
worauf die behandelnden Ärzte der Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG lediglich eine Beckenkontusion
rechts diagnostizierten (act. G 5.2/M10), die offensichtlich entsprechend der
medizinischen Erfahrung ohne spezifische Therapie folgenlos ausgeheilt ist (vgl. dazu
ALFRED M. DEBRUNNER, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S.
412). Die weiteren medizinischen Akten enthalten keinen Hinweis auf eine fortdauernde
Beckenproblematik und auch von Seiten des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin
wird keine solche geltend gemacht.
3.1.4 Das Röntgenbild der HWS wies eine Streckhaltung auf, das Alignement der
Wirbelkörperkanten zeigte sich regelrecht und es konnte weder eine prävertebrale
Weichteilschwellung noch eine Instabilität in den Funktionsaufnahmen nachgewiesen
werden (act. G 5.2/M7). Auch das CT der HWS und ebenso dasjenige des
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Neurocraniums sowie das MRI des Neurocraniums waren normal altersentsprechend
(act. G 5.2/M5 f.). Echtzeitlich war die Beschwerdeführerin in der Neurochirurgie des
KSSG auch neurologisch untersucht worden. Es konnten keine fokalen neurologischen
Defizite festgestellt werden (act. G 5.2/M4).
3.1.5 Wegen des anhaltenden paravertebralen, cervicalen Schmerzsyndroms folgte
am 27. Februar 2013 eine erste klinisch-neurologische Untersuchung durch Dr. G._.
Diese zeigte sich ohne Auffälligkeiten, d.h. es fanden sich keine Hinweise für eine
cervicale radikuläre Beschwerdesymptomatik. Dr. G._ ersah solche auch nicht aus
der Anamnese. Die in der muskuloskelettalen Untersuchung erhobenen Befunde -
endständige Dehnungsschmerzen bei Rotationsprüfung der HWS sowie bei Inklination,
leichtgradige Hypästhesie/Dysästhesie paravertebral beidseits, Triggerpunkt am linken
medialen Schulterblattrand, insgesamt leichtgradige muskuläre Verspannung -
sprachen für Dr. G._ für eine muskuläre Genese (act. G 5.2/M14). Auch in den
Berichten über die weiteren Konsultationen vom 3. April und 14. Mai 2013 wurde keine
neurologische Läsion im Bereich der HWS diskutiert (act. G 5.2/M18 f.).
3.1.6 Infolge einer akuten Schmerzexazerbation seit dem 21. April 2013 im Sinne
eines cervico-cephalen wie cervico-brachialen Schmerzsyndroms mit massiver
muskulärer Verspannung und mit Auftreten von Sensibilitätsstörungen im Bereich des
linken Arms, insbesondere der Schulterkuppe und des volaren ulnaren Unterarms mit
Ausstrahlung in Dig. IV und V, stellte sich die Frage nach dem Vorliegen einer
peripheren Nervenpathologie. Dr. G._ führte dazu am 24. April 2013 eine
elektrophysiologische Untersuchung durch. Es fand sich kein Hinweis auf eine
periphere Nervenpathologie im Bereich der Armnerven links respektive beidseits,
insbesondere keiner auf eine Nervus ulnaris-Affektion links. Auch im paravertebralen
EMG liessen sich bis auf sehr diskret ausgeprägte Zeichen einer akuten Denervation
Höhe C7 nur unauffällige Befunde erheben (act. G 5.2/M22). Ergänzend wurde am 26.
April 2013 in der Klinik J._ eine MRT-Untersuchung der HWS durchgeführt.
Abgesehen von einer deutlichen, links-skoliotischen Fehlhaltung der HWS zeigten sich
die Bilder normal, ohne Nachweis einer posttraumatischen, ossären oder ligamentären
Läsion. Auch eine Diskusprotrusion konnte nicht festgestellt werden, höchstens
beginnende Diskopathien HWK 3/4 bis HWK 5/6 ohne Herniationen. Die paravertebrale
Halsmuskulatur besass eine normale Struktur, keine Atrophie-Zeichen und keine
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ödematösen Veränderungen (act. G 5.2/M30). In Zusammenschau der Befunde ging
Dr. G._ „nun sicher“ von einer vorrangig myogenen Schmerzkomponente aus mit
allenfalls pseudoradikulärer Mitbeteiligung (act. G 5.2/M22).
3.1.7 Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass die umfassend durchgeführten
radiologischen bzw. apparativen Abklärungen, aber auch die klinisch- und apparativ-
neurologischen Untersuchungen keine durch den Unfall vom 8. November 2012
bedingten organisch-strukturellen Befunde zeigten. Die erstbehandelnden Ärzte des
KSSG,
Dr. G._ und Dr. E._, hielten in ihren Berichten auch nie eine entsprechende
Diagnose fest (vgl. dazu auch nachfolgende Erwägung 3.2.2 und 3.3). Dass der
alleinige Befund einer myogenen Schmerzkomponente bei Streckhaltung der HWS,
aber auch die erhobenen Bewegungsschmerzen und die Druckdolenzen, nicht als
organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgen zu betrachten sind, wurde bereits in
Erwägung 3.1.1 dargelegt. Eine traumatische Ursache steht wegen einer im
vorliegenden Fall fehlenden unfallkausalen Körperverletzung, wie beispielsweise einer
Fraktur, mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht im
Vordergrund.
3.2
3.2.1 Dr. L._ merkt in seiner Beurteilung vom 8. März 2014 (act. G 5.2/M32) in
Bezug auf das MRT-Untersuchungsergebnis vom 26. April 2013 (vgl. act. G 5.2/M30)
an, dass die Veränderungen auf Höhe C3/4 bis C5/6 deutlich über das zu erwartende
Altersausmass hinausgingen, und geht von einem Vorzustand aus. Ob "höchstens
beginnende Discopathien" deutlich über das zu erwartende Altersausmass
hinausgehende Veränderungen darstellen, was die Beschwerdeführerin bestreitet, kann
offen bleiben. Die Frage einer richtunggebenden Verschlimmerung kann jedenfalls mit
Dr. L._ verneint werden. Der von ihm angeführte Umstand, die Beschwerdeführerin
weise in verschiedenen Segmenten der HWS Discopathien auf, was das Bild einer
degenerativen und nicht traumatisch bedingten Situation stütze, weil ein Trauma ein
Segment isoliert treffen würde, erscheint nachvollziehbar. Eine richtunggebende
Verschlimmerung könnte zudem gemäss medizinischer Erfahrung nur dann als
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erwiesen gelten, wenn die Radioskopie ein plötzliches Zusammensinken der Wirbel
und das Auftreten bzw. die Vergrösserung von Randzacken nach einem Trauma
aufzeigt (ERWIN MORSCHER, in: ERNST BAUR/HENRY NIGST [Hrsg.],
Versicherungsmedizin, 2. Aufl. Bern 1985, S. 191). Der MRT-Bericht enthält, wie bereits
erwähnt, keine Hinweise darauf, dass sich im Zeitpunkt des Unfalls vom 8. November
2012 ein degenerativer Zustand der HWS massiv verändert hätte. Vorliegend kommt
hinzu, dass es sich höchstens um leichte Degenerationen handelt, womit kaum Raum
für eine richtunggebende Verschlimmerung gegeben ist. Auch in den weiteren
medizinischen Akten wird das Vorliegen einer richtunggebenden Verschlimmerung
einer degenerativen Erkrankung nirgends diskutiert. Der Einwand des Rechtsvertreters
der Beschwerdeführerin, die vorliegende Kollisionswucht bzw. der Kollisionsverlauf
spreche sehr für eine richtungweisende Verschlimmerung eines Vorzustandes, vermag
an obiger Beurteilung nichts zu ändern. Der Umstand allein, dass ein Unfallereignis
potentiell geeignet ist, körperlich gravierende Verletzungen oder gar den Tod einer
Person herbeizuführen, kann nicht entscheidend sein. Nicht jeder vorgekommene
Unfallmechanismus hat automatisch eine Verletzung zur Folge, kann doch eine
betroffene Person auch Glück im Unglück gehabt haben. Zu beurteilen gilt es den
konkreten Fall. In demjenigen der Beschwerdeführerin bestehen, wie dargelegt, keine
Hinweise auf eine richtungweisende Verschlimmerung. Auch das Vorbringen des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin, diese habe vor dem Unfall im anstrengenden
Beruf als Pflegefachfrau beschwerdefrei tätig sein können, vermag nicht für eine
richtungweisende Schädigung der HWS zu sprechen. Der zeitliche Aspekt besitzt keine
wissenschaftlich genügende Erklärungskraft. Andernfalls würde man sich mit dem
blossen Anschein des Beweises bzw. mit der blossen Möglichkeit begnügen und
davon ausgehen, dass eine gesundheitliche Schädigung schon dann durch den Unfall
verursacht sei, wenn sie nach diesem auftrat (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
Zürich 2015, N 69 zu Art. 4; ALFRED MAURER, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 460 N 1205 [Beweisführung nach der
Formel „post hoc ergo propter hoc“]; SVR 2009 UV Nr. 13 S. 52 [8C_590/2007, E.
7.2.4] mit weiteren Hinweisen).
3.2.2 Eine auf die Wirbelsäule wirkende Kraft kann zwar ohne weiteres eine bisher
stumme, vorbestehende Wirbelsäulenerkrankung symptomatisch machen. Dabei
handelt es sich aber meistens nur um eine, wie von Dr. L._ als wahrscheinlich
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erachtete, vorübergehende Verschlimmerung (HANS ULRICH DEBRUNNER/ERICH W.
RAMSEIER, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 5). Bezüglich der im
konkreten Fall vorliegenden Diagnosen eines leichten Schädelhirntraumas und einer
HWS-Distorsion (vgl. act. G 5.2/M4, M10, M14 und M28) wird von Seiten der
medizinischen Forschung (GERHARD JENZER, Klinische Aspekte bei HWS-
Belastungen durch Kopfanprall oder Beschleunigungsmechanismus; Grenzbereich zum
leichten Schädel-Hirn-Trauma, SZS 40/1996, S. 462 ff. und insbesondere S. 467)
festgehalten, dass der typische posttraumatische Verlauf nach einer Commotio cerebri
bzw. einem leichten Schädelhirntrauma einer Erholung innert sechs bis zwölf Wochen
entspreche. Ungewöhnlich lang dauernde und schwere Verläufe nach
Beschleunigungsverletzung würden bei Fehlen der klinischen Kriterien einer
traumatischen Hirn- bzw. HWS-Schädigung nach einer Interpretation ausserhalb einer
hirnorganischen Schädigung bzw. Schädigung im HWS-Bereich rufen (JENZER, a.a.O.,
S. 469 mit Hinweis und S. 463; vgl. auch BOGDAN P. RADANOV, Über den Stellenwert
der neuro-psychologischen Diagnostik bei Patienten nach HWS-Distorsion, in: SZS
40/1996 S. 471 ff. und S. 475). Angesichts der dargelegten medizinischen
Erfahrungstatsache kann im konkreten Fall mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit per 31. Mai 2014 (Datum der Leistungseinstellung; act. G 5.1/A37)
von einem Erreichen des Status quo sine vel ante ausgegangen werden.
3.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund der vorangehenden
Erwägungen die von der Beschwerdeführerin angegebenen Nackenbeschwerden
jedenfalls für die Zeit ab 1. Juni 2014 - insbesondere wegen Fehlens einer
objektivierbaren organischen Hirnschädigung oder HWS-Schädigung - nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als unfallkausale Langzeitfolgen
betrachten werden können. Diese auch von Dr. L._ in seiner Beurteilung vom 8. März
2014 (act. G 5.2/M32) gezogene Schlussfolgerung ist dementsprechend
nachvollziehbar und überzeugend. Der Einwand des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin, Dr. L._ habe sich nicht im Geringsten mit den Beurteilungen der
anderen Ärzte auseinander gesetzt und seiner Beurteilung mangle es an einer
nachvollziehbaren Begründung, kann nicht gefolgt werden. Seine Beurteilung erging
offenkundig in Kenntnis der medizinischen Vorakten, welche von ihm chronologisch
und hinsichtlich ihrer massgebenden Inhalte lückenlos aufgelistet worden sind (Ziff. 1
„Akten“). Insofern darf davon ausgegangen werden, dass er diese berücksichtigt bzw.
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in seine Beurteilung miteinbezogen hat. Wie dargelegt, sind keine Gründe ersichtlich,
weshalb mit Blick auf die vorliegende Aktenlage von der Beurteilung von Dr. L._
abgewichen werden sollte und es ist mit ihm festzustellen, dass sich anhand der
radiologischen bzw. apparativen, aber auch mit den klinischen Untersuchungen, keine
über das Datum der Leistungseinstellung (31. Mai 2014) hinausgehenden somatischen
Unfallrestfolgen objektivieren liessen. Dass es sich bei der Beurteilung von Dr. L._
lediglich um ein Aktenbericht handelt, schadet nicht, da auch reinen Aktenberichten
voller Beweiswert zukommen kann, sofern - wie im konkreten Fall - ein lückenloser
Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
30. März 2012, 8C_119/2012, E. 4 mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts vom
22. Dezember 2011, 8C_641/2011, E. 3.2.2).
4.
4.1 Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist nun aber bekannt, dass
bei Schleudertraumen sowie äquivalenten Verletzungen wie Distorsionen der HWS
sowie Schädelhirntraumen (vgl. Urteil des EVG vom 17. August 2004, U 243/03; RKUV
2000 Nr. U 395 S. 316 E. 3; BGE 117 V 369) auch ohne nachweisbare pathologische
bzw. organische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle
verschiedenster Art, unter anderem - wie von der Beschwerdeführerin beklagt -
Nacken- und Schulterschmerzen sowie Parästhesien, aber auch zahlreiche weitere
Beschwerden auftreten können. Der Umstand, dass die für ein Schleudertrauma oder
eine äquivalente Verletzung typischen Beschwerden nicht mit entsprechenden
Untersuchungsmethoden (Röntgen, Computertomogramm, EEG) objektivierbar sind,
rechtfertigt für sich allein nicht, die diesbezüglichen Beschwerden in Abrede zu stellen
(BGE 117 V 359 E. 5d/aa). Ist ein Schleudertrauma oder eine dem Schleudertrauma
äquivalente Verletzung diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches
Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen,
Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit
und Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw.
vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach
eingetretenen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V
359 E. 4b; vgl. auch BGE 117 V 369 E. 3e). Nach der Rechtsprechung des
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Bundesgerichts (Urteile vom 29. Mai 2012, 8C_849/2011, E. 5.2, 30. Januar 2007, U
215/05, und 15. März 2007, U 258/06) muss bei einer HWS-Verletzung das typische
Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden nicht in seiner umfassenden
Ausprägung innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten.
Vielmehr genügt es, wenn sich in diesem Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder
an der HWS und bei einem Schädelhirntrauma zusätzlich Kopfschmerzen
manifestieren. Die anderen im Rahmen eines Schleudertraumas oder einer
äquivalenten Verletzung typischerweise auftretenden Beschwerden müssen sich
jedoch immerhin in einem Zeitraum manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein
eines natürlichen Kausalzusammenhangs auszugehen.
4.2
4.2.1 Distorsionen der HWS sind Folgen von Beschleunigungskräften, die im Sinn
einer Überdehnung und Überbiegung auf die HWS einwirken und mit einem
Kopfanprall verbunden sein können. Ein eigentliches Schleudertrauma liegt nur dann
vor, wenn bei der Auffahrkollision durch die plötzliche Beschleunigung des getroffenen
Fahrzeugs der Kopf des Insassen - ohne anzuprallen - zuerst nach hinten zu knicken
scheint und anschliessend nach vorne beschleunigt wird. Führt der
Beschleunigungsmechanismus zu einem Kopfanprall, sollte nicht von einem
Schleudertrauma, sondern von einer HWS-Distorsion gesprochen werden (vgl.
diesbezüglich THOMAS LOCHER, HWS-Distorsionen [Schleudertrauma] - Einführung
in die Rechtslage nach schweizerischem Recht, in: MURER/NIEDERER/RADANOV/
RUMO-JUNGO/STURZENEGGER/WALZ [Hrsg.], Das so genannte „Schleudertrauma“
– medizinische, biomechanische und rechtliche Aspekte der Distorsionen der
Halswirbelsäule, Bern 2001, S. 31 f.).
4.2.2 Gemäss dem im Polizeiprotokoll der Kantonspolizei St. Gallen vom 21.
Dezember 2012 (act. G 1.5) rapportierten „Unfallhergang“ war die Beschwerdeführerin
mit ihrem Fahrzeug beim Verkehrsunfall vom 8. November 2012, entgegen dem
Hinweis von Dr. L._ in seiner Beurteilung vom 8. März 2014 (act. G 5.2/M32),
durchaus in eine Heckkollision und zusätzlich in eine seitliche Frontalkollision
verwickelt (vgl. Sachverhalt Bst. A.a). Die Ärzte des KSSG stellten sodann in ihren
Berichten neben der Diagnose einer HWS-Distorsion diejenige eines leichten
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Schädelhirntraumas (act. G 5.2/M4, act. G 5.2/M10), womit auch ein Kopfanprall in
Betracht fällt. Angesichts des vorliegenden Unfalls und den von den Ärzten des KSSG
echtzeitlich gestellten Diagnosen ist, auch wenn die Ärzte dies nicht wortwörtlich so
festgehalten haben, jedenfalls davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin beim
Unfall vom 8. November 2012 ein Schleudertrauma und/oder eine dem
Schleudertrauma äquivalente Verletzung erlitten hat.
4.3
4.3.1 Laut echtzeitlichen Berichten des KSSG, insbesondere gemäss des von den
Ärzten der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates am 8. November 2012 ausgefüllten Dokumentationsbogens für
Erstkonsultation nach kraniozervikalem Beschleunigungstrauma (act. G 5.2/M4 und M9
f.), litt die Beschwerdeführerin innerhalb der erforderlichen Latenzzeit (vgl. Erwägung
4.1) unter Kopf- und Nackenschmerzen sowie intermittierend unter Übelkeit. Im Bericht
der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
des KSSG vom 9. November 2012 ist ausserdem von Schwindelbeschwerden die Rede
(act. G 5.2/M10). In den nachfolgenden ärztlichen und physiotherapeutischen Berichten
sind teilweise nur noch Nackenschmerzen bzw. ein cervicales Schmerzsyndrom (vgl.
act. G 5.2/M14, M18 f. und M20) vermerkt, dann aber auch wieder Kopfschmerzen und
zusätzlich Rückenschmerzen sowie Müdigkeit (vgl. act. G 5.2/M11, M13, M15, M21
und M26). Nach Auftreten akuter Schmerzexazerbationen im Bereich der HWS am 21.
April 2013 traten sodann auch Sensibilitätsstörungen im Bereich des linken Arms mit
Ausstrahlung in die Schulter, den Unterarm und in die Finger auf, weshalb Dr. G._ am
24. April 2013 eine elektro¬physiologische Untersuchung durchgeführt hatte (act. G
5.2/M22). Die Parästhesien im kleinen Finger des linken Arms gelegentlich bei starken
Schmerzen dauerten laut Angaben von Dr. E._ im Bericht vom 20. November 2013
fort. Die Nackenschmerzen haben in der letzten Zeit wieder zugenommen (act. G 5.2/
M27).
4.3.2 Dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist darin zuzustimmen, dass
Nackenbeschwerden insofern nicht als unspezifisch bezeichnet werden können, als sie
ein typisches Symptom nach einem Schädelhirntrauma und einer HWS-Distorsion sind
(vgl. dazu Liste HANS SCHMIDT UND JÜRG SENN [Hrsg.], Schleudertrauma -
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neuester Stand: Medizin, Biomechanik, Recht und Case Management, Zürich 2004, S.
14 f.). Wenn Dr. L._ „die Beschwerden“ der Beschwerdeführerin als „vollkommen
unspezifisch“ bezeichnet, ist nicht augenfällig, was genau er damit meint (vgl. act. G
5.2/M32). Möglicherweise wollte er damit ausdrücken, dass sich die von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden nicht immer gleich dargestellt hätten.
Nichts entgegen zu halten ist jedenfalls seiner Aussage, dass gemäss medizinischen
Akten die Nackenschmerzen im Vordergrund stehen würden (vgl. dazu Erwägung
4.3.1). Seine zusätzliche Erklärung, diese könnten „zwanglos“ auf degenerative
Veränderungen zurückgeführt werden, ist lediglich als grundsätzlich mit der
medizinischen Literatur übereinstimmende Möglichkeit zu verstehen. Ob dies im
konkreten Fall tatsächlich so ist, ist damit nicht beantwortet. Überwiegend
wahrscheinlich ist für Dr. L._ offensichtlich nur, dass die Nackenschmerzen über das
Datum der Leistungseinstellung hinaus nicht auf das Unfallereignis vom 8. November
2012 zurückgeführt werden können.
4.3.3 Das in den medizinischen Akten dokumentierte Beschwerdebild zeigte sich
hinsichtlich seiner Vielfalt bereits echtzeitlich eher bescheiden und reduzierte sich im
Verlauf auf Nackenschmerzen. Ein schleudertraumatypisches, gehäuftes
Beschwerdebild ist nicht mehr dokumentiert (vgl. G 5.2/M28). Gerade
Nackenschmerzen können jedoch unfallunabhängig als Leit- und Begleitsymptome
verschiedenster Krankheiten vorkommen (vgl. dazu DEBRUNNER, a.a.O, S. 800;
ROCHE LEXIKON MEDIZIN, a.a.O., S. 1040; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 1438
„Nackensteifigkeit“). Die Müdigkeit, die Parästhesien sowie die oberen
Rückenschmerzen sind erst nach einer längeren Latenzzeit und nur punktuell vermerkt.
Sie können damit nicht überwiegend wahrscheinlich dem Unfall vom 8. November
2012 zugeordnet werden. Selbst wenn also für die Zeit direkt nach dem Unfall von
einer schleudertraumatypischen Verletzung ausgegangen werden muss, ist
festzuhalten, dass angesichts des Gesagten nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine solche Verletzung mit Langzeitfolgen
über die Leistungseinstellung per 31. Mai 2014 hinaus angenommen werden kann.
4.4 Ein Schädelhirntrauma, worunter sämtliche Hirnfunktionsstörungen mit oder ohne
morphologisch fassbare Schädigung des Gehirns subsumiert werden, rechtfertigt die
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analoge Anwendung der Schleudertrauma-Praxis nur, wenn die erlittene
Hirnerschütterung mindestens im Grenzbereich zwischen Commotio und Contusio
cerebri liegt. Leichte Hirnerschütterungen hingegen reichen hierfür nicht aus (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 14. August 2014, 8C_358/2014, E. 2.4.1, vgl. auch Urteile des
EVG vom 6. Mai 2003, U 6/03, und 13. Juni 2005, U 276/04, E. 2.2.1). Die Schwere
eines Schädelhirntraumas wird üblicherweise nach dem Punktwert in der Glasgow-
Coma-Skala (GCS) eingeteilt. In dieser Skala erhalten der Patient oder die Patientin für
bestimmte Reaktionen (wie Augenöffnen, Reaktionen auf Schmerzreize und sprachliche
Äusserungen) eine Anzahl von Punkten, welche zum Schluss addiert werden. Der
schlechteste Wert beträgt 3, der beste 15. Von einem leichten Schädelhirntrauma
spricht man bei einem GCS-Wert von 13 bis 15 (mittelschwer: 9 bis 13, schwer: 3 bis 8;
vgl. PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 266 „Bewusstseinsstörung“ und S. 786 „Glasgow
Coma Scala“; Urteil des EVG vom 13. Juni 2005, U 276/04, E. 2.2.2). Die
Beschwerdeführerin zeigte sich am Unfalltag beim Eintritt in die ZNA des KSSG
orientiert, hatte jedoch für das Unfallereignis eine Amnesie und fragte immer wieder,
was geschehen sei. Eine Bewusstlosigkeit ist nicht vermerkt. Beim Eintreffen der
Ambulanz am Unfallort war die Beschwerdeführerin offenbar ansprechbar (act. G 5.2/
M10). Die bei ihr im KSSG durchgeführte GCS-Überwachung ergab den Wert 14 bzw.
14 bis 15. Die Untersuchung des Neurostatus zeigte keine Auffälligkeiten.
Entsprechend wurde die Diagnose eines leichten Schädelhirntraumas gestellt (act. G
5.2/M4 und M10), was eine Adäquanzprüfung nach Massgabe der in BGE 134 V 109
begründeten Schleudertrauma-Praxis ausschliesst.
4.5 Nach dem in Erwägung 4.3 und 4.4 Gesagten ist die Adäquanzprüfung somit
hinsichtlich der Diagnose HWS-Distorsion nach der Schleudertraumapraxis im Sinne
von BGE 134 V 109 bzw. nach Massgabe der darin entwickelten Kriterien
vorzunehmen. Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid
die rechtlichen Voraussetzungen des Vorliegens eines adäquaten kausalen
Zusammenhangs bei Schleudertraumen oder schleudertraumaähnlichen Verletzungen
zutreffend dar (Erwägung 2.6); darauf ist zu verweisen.
4.6 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin wendet ein, die Adäquanzprüfung sei
eineinhalb Jahre nach dem Unfall verfrüht erfolgt.
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4.6.1 Die Adäquanz ist nach Abschluss des normalen, unfallbedingt erforderlichen
Heilungsprozesses zu prüfen, und nicht solange von einer Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung noch immer eine namhafte Besserung erwartet werden kann (=
Fallabschluss gemäss Art. 19 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
[UVG; SR 832.20]; Urteil des EVG vom 11. Februar 2004, U 246/03; BGE 134 V 112 ff.
E. 3 und 4). Sind die Voraussetzungen für den Fallabschluss erfüllt, ist der Fall unter
Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs
auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung abzuschliessen (Art. 19
Abs. 1 UVG). Der Abschluss des Falls durch den Unfallversicherer bedingt lediglich,
dass von weiteren medizinischen Massnahmen keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands mehr erwartet werden kann, nicht aber, dass eine ärztliche
Behandlung nicht länger erforderlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4.
November 2008, 8C_467/2008, E. 5.2.2.2.). Für die Annahme einer Weiterdauer der
Behandlungskostenübernahme genügt es nicht, dass eine Therapie lediglich eine
unbedeutende Besserung erhoffen lässt oder dass für eine namhafte Besserung nur
eine weit entfernte Möglichkeit besteht (MAURER, a.a.O., S. 274). Von einer namhaften
Besserung des Gesundheitszustands kann auch dann nicht gesprochen werden, wenn
eine therapeutische Massnahme mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur die sich
aus einem stationären Gesundheitsschaden ergebenden Beschwerden für eine
begrenzte Zeit zu lindern vermag (RKUV 2005 Nr. U 557 S. 388).
4.6.2 Nach dem dreitägigen Aufenthalt im KSSG wurde die Beschwerdeführerin
zunächst von ihrem Hausarzt Dr. E._ mit Analgetika behandelt, der ihr die
Medikamente anlässlich regelmässiger Konsultationen - 2 bis 3 Mal wöchentlich -
verschrieb (act. G 5.2/M13 und M27). Dr. E._ stellte der Beschwerdeführerin zudem
zwei Verordnungen für physiotherapeutische Behandlungen von jeweils neun Sitzungen
aus (act. G 5.2/M16 f.). Am 27. Februar, 3. und 24. April sowie 14. Mai 2013
konsultierte sie Dr. G._ (act. G 5.2/M14, M18, M22), die ebenfalls eine analgetische
Behandlung sowie physiotherapeutische Massnahmen empfahl. Letztere wurden von
Dr. E._ mit Verordnungen vom 11. September und 29. Oktober 2013 (act. G act. 5.2/
M23 f.) als Langzeitbehandlung notiert. In seinem Bericht vom 20. November 2013 gab
dieser die zusätzliche Durchführung einer Osteopathiebehandlung an. Die Prognose
bezüglich der Beschwerden bezeichnete er als nicht absehbar und stufte die
Beschwerden als chronisch ein (act. G 5.2/M27; vgl. dazu vgl. BÄR/BERTRAND/
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KIENER, Medizinisch Mitteilungen der Suva Nr. 67 vom Dezember 194, S. 45 ff.). Am 7.
Februar 2014 sprach Dr. E._ schliesslich von zurzeit stationären Verhältnissen.
Eventuell könne durch Muskelaufbau eine Verbesserung erwartet werden. Neue
Therapievorschläge machte er keine (act. G 5.2/M28). Bei der Behandlung der
Angstsymptomatik durch Dr. I._ handelt es sich nicht um eine Behandlung
schleudertraumatypischer Beschwerden (vgl. Erwägung 4.1).
4.6.3 Gestützt auf den in Erwägung 4.6.2 dargelegten Sachverhalt führte die
Beschwerdegegnerin per 31. Mai 2014 die Adäquanzprüfung durch. Der Fallabschluss
auf diesen Zeitpunkt ist nicht zu beanstanden, waren die bei der Beschwerdeführerin
durchgeführten Therapien doch durchwegs dieselben. Massgebende neue
Therapieformen mit der Aussicht auf neue Therapieziele wurden laut Akten nicht in
Erwägung gezogen. Auch der Umstand, dass der Gesundheitszustand als stabil und
chronisch bezeichnet wurde, lässt erkennen, dass per 31. Mai 2014 keine namhafte
Verbesserung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin mehr erwartet wurde
und die bereits längere Zeit durchgeführten, gleichen Therapien lediglich der
Aufrechterhaltung des Erreichten bzw. der Schmerzlinderung dienten oder unfallfremde
Gegebenheiten betrafen. Von Seiten des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin
wurde der Einwand einer verfrühten Adäquanzprüfung ebenfalls nicht weiter begründet.
4.7
4.7.1 Im Rahmen der Adäquanzprüfung gilt es zunächst den Unfall nach seiner
Schwere zu qualifizieren. Beim Unfall vom 8. November 2012 handelte es sich um
einen Heck-Auffahrunfall, der wiederum eine linksseitige Kollision mit dem
voranfahrenden Fahrzeug nach sich zog (vgl. act. G 1.5). Das Auto der
Beschwerdeführerin erlitt Totalschaden und sie musste von der Feuerwehr aus dem
Auto geborgen werden (act. G 1.5). Anlässlich der Erstbehandlung im KSSG liessen
sich jedoch bei ihr keine schweren körperlichen Verletzungen feststellen (vgl. act. G
5.2/M4 und M10). Im Zusammenhang mit dem Unfall wurde ein unfallanalytisches
Kurzgutachten erstellt, aus dem hervorgeht, dass durch die Heckkollision eine
Geschwindigkeitsänderung von ca. 34 bis 44 km/h erfolgte (act. G 5.1/A32). Unter
diesen Umständen - Kollisionsverlauf mit Doppelkollision, Fahrgeschwindigkeit des
auffahrenden Personenwagens bzw. Kollisionswucht (vgl. BGE 115 V 139 ff. E. 6; SVR
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2008 UV Nr. 8 S. 26, U 4/07, E. 5.2.1) - ist der Unfall mit Blick auf die entsprechende
Kasuistik nicht schwerer als ein mittelschwerer Unfall im mittleren Bereich zu
qualifizieren (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 22. August 2008, 8C_623/2007, E. 7,
8. Februar 2008, U 587/06, E. 3.3.2, 5. Februar 2008, 8C_169/2007, E. 4.2 und 14.
Januar 2008, 8C_743/2007, E. 3; RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 61 ff.). Ein
Totalschaden lässt noch nicht den Schluss auf einen schweren Unfall zu, zumal es bei
der Bezeichnung Totalschaden um einen wirtschaftlichen Begriff geht, bei dem die
Reparaturkosten dem Fahrzeug-Restwert gegenübergestellt werden. Dies ist
zumindest bei älteren Personenwagen - wie demjenigen der Beschwerdeführerin -
relevant. Der adäquate Kausalzusammenhang bei einem mittelschweren Unfall im
mittleren Bereich ist zu bejahen, falls ein einzelnes der nach der Rechtsprechung
einzubeziehenden Kriterien (vgl. dazu BGE 134 V 130 E. 10.3; RUMO-JUNGO/
HOLZER, a.a.O., S. 73 ff.) besonders ausgeprägt vorhanden ist oder mindestens drei
der massgeblichen Kriterien erfüllt sind (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar
2010, 8C_897/2009, E. 4.5; RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 65).
4.7.2 Wie die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid vom 8. Oktober 2014
(act. G 5.1/A45) richtig erwogen und auch in der Beschwerdeantwort vom 27. Januar
2015 (act. G 5) ausführlich dargelegt hat, sind die in die Prüfung miteinzubeziehenden
Kriterien weder in der geforderten Anzahl noch eines davon in ausgeprägter Weise
erfüllt. Dem ist nichts hinzuzufügen und es kann auf die diesbezüglich zutreffenden
Ausführungen der Beschwerdegegnerin verwiesen werden (zum Adäquanzkriterium der
besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts vom 22. August 2008, 8C_623/2007, E. 8.1). Die Einwände
des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin in der Beschwerde vom 7. November
2014 (act. G 1) hinsichtlich der von ihm als erfüllt betrachteten Kriterien - besonders
dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die
Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; erhebliche Beschwerden;
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen - vermögen keine
andere Beurteilung herbeizuführen. Hinsichtlich seiner Ausführungen zum
Adäquanzkriterium der Arbeitsunfähigkeit ist zu ergänzen, dass die Beurteilung der
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch ihren Arbeitgeber in Berücksichtigung
ihrer Zusatzbelastung durch die Zusatzausbildung zum Bachelor „Pflege“ erfolgte.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/24
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4.7.3 Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass dem Unfall vom 8. November
2012 keine adäquanzrechtlich massgebende Bedeutung für die andauernden
gesundheitlichen Beschwerden zukommt. Die Einstellung der Leistungen auf den 31.
Mai 2014 erscheint demgemäss auch mit Blick auf eine schleudertraumähnliche
Verletzung ausgewiesen.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 8. Oktober 2014 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).