Decision ID: fc1a9aea-6813-44e1-8b7a-fdff9cd237fe
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezog aufgrund von verschiedenen Geburtsgebrechen Leistungen der
Invalidenversicherung. Der Pädiater Dr. med. B._ vom Ostschweizer Kinderspital hielt
in einem Bericht vom 6. September 2017 fest (IV-act. 515–6 ff.), die Versicherte leide an
einer dyskinetischen Cerebralparese und an einer beidseitigen Hüftluxation, links mehr
als rechts. Sie habe in den vergangenen Jahren grosse kognitive Fortschritte gemacht.
Sie lerne rasch, sie habe eine gute örtliche Orientierung, aber sie brauche viel Schlaf.
Die Schlafqualität habe sich nach Problemen im Zusammenhang mit der Anwendung
von Unterschenkelorthesen zwischenzeitlich wieder verbessert. Der grobmotorische
Entwicklungszustand entspreche jenem eines neun Monate alten Kindes. Auch in
Bezug auf die Feinmotorik bestehe ein erheblicher Entwicklungsrückstand; der Stand
entspreche jenem eines neun bis zwölf Monate alten Kindes. Die Sprachentwicklung
sei als altersgerecht zu qualifizieren. Die kognitiven Leistungen seien dissoziiert. Das
Sozialverhalten sei bis auf eine fehlende Kontinenz gut altersentsprechend bis
überdurchschnittlich, gerade in Anbetracht der grossen Herausforderungen, die die
Versicherte aktuell meistern müsse und die sie in der Vergangenheit gemeistert habe.
Die Kinderpsychiaterin Dr. med. C._ von den Kinder- und Jugendpsychiatrischen
Diensten (KJPD) hatte am 30. März 2017 berichtet (IV-act. 515–12 ff.), die Versicherte
leide an Anpassungsstörungen mit Ängsten, Sorgen, Anspannungen und
Schlafstörungen. Im Dezember 2012 habe nach einer Sozialabklärung eine
Beistandschaft eingerichtet werden müssen. Die Polizei habe nach mehreren
A.a.
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Gewalttätigkeiten zwischen den Kindeseltern und Nachbarn eine Untersuchung der
Versicherten im Kinderspital in die Wege geleitet. Bei der Versicherten seien keine
Spuren einer Gewaltanwendung festgestellt worden. Bei beiden Elternteilen sei ein
Alkoholkonsum bekannt gewesen. Im Mai 2013 sei die Versicherte in eine Pflegefamilie
fremdplatziert worden. Beim Erstgespräch im Juli 2015 hätten die Kindeseltern
angegeben, dass die Versicherte an schweren Schlafstörungen leide und sehr
schreckhaft sei. Auch die Pflegemutter habe über massive Schlafprobleme nach einer
Umstellungsosteotomie beidseits am proximalen Femur berichtet. Seit jener Operation
leide die Versicherte gemäss den Angaben der Pflegemutter unter panikartigen
Zuständen mit Schreien in der Nacht; sie wache mehrmals pro Nacht auf und klage
über Schmerzen. Während der Dauer der Spieltherapie bei Dr. C._ sei die Versicherte
in einen Kindergarten eingetreten. Seither habe sie grosse Entwicklungsschritte
gemacht. Sie freue sich darüber, dass sie in der Kindergruppe der CP-Schule
miteinbezogen werde. Die Platzierung in einer Pflegefamilie biete ihr dabei die
notwendige Sicherheit.
Am 24. Oktober 2017 teilte die SAHB der IV-Stelle mit (IV-act. 490), dass sie eine
Anfrage betreffend bauliche Massnahmen einschliesslich der Installation eines
Treppenlifts erhalten habe. Die SAHB ersuchte die IV-Stelle, ihr einen entsprechenden
Abklärungsauftrag zu erteilen. Die IV-Stelle erteilte der SAHB am 7. November 2017
den Abklärungsauftrag (IV-act. 491). Die Beiständin der Versicherten gab am 3. Mai
2018 auf entsprechende Fragen der IV-Stelle hin an (IV-act. 572), die Versicherte
besuche montags bis freitags täglich den Kindergarten der CP-Schule. Die Pflegeeltern
hätten sie im ganzen Monat Dezember (ohne Ausnahme), tageweise im Januar und im
ganzen Monat Februar (ohne Ausnahme) vom Wohnhaus im Rollstuhl zur Strasse zum
Schulbus stossen müssen. Aufgrund des Schnees und der Strassenverhältnisse habe
der Schulbus nämlich nicht bis zum Wohnhaus fahren können. Eine Sachbearbeiterin
der IV-Stelle notierte am 4. Mai 2018 (IV-act. 576), der Versicherten müsse ein zweiter
Autositz für den Schulbus finanziert werden. In den Wintermonaten müsse die
Versicherte von den Pflegeeltern mit dem Handrollstuhl zu Fuss zur befestigten Strasse
geschoben werden. Den Pflegeeltern sei es nicht möglich, jeweils auch noch den
Autositz mitzutragen. Am 18. Mai 2018 berichtete die SAHB (IV-act. 586), die
Versicherte sei zur Fortbewegung auf einen Handrollstuhl angewiesen, den sie mit
A.b.
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einem speziellen Einhandantrieb bewegen könne. Eine Betreuungsperson der CP-
Schule habe angegeben, dass sich nicht nur die Bewegungseinschränkungen, sondern
auch die spastischen Einschränkungen erheblich auf die Fortbewegungsfähigkeit der
Versicherten auswirkten. Für Transfers benötige die Versicherte die Unterstützung einer
zweiten Person. Zur Förderung der Selbständigkeit im Bereich der Körperpflege
möchte man ein Dusch-WC einsetzen. Der Aktionsradius der oberen Extremitäten sei
eingeschränkt. Längerfristig sei mit einem Einsatz eines Elektrorollstuhls zu rechnen.
Die Pflegeeltern hätten angegeben, dass die Versicherte aufgrund ihrer Erfahrungen als
Säugling nicht in der Lage sei, nachts allein zu sein. Sie müsse die Gewissheit haben,
dass ihre Pflegeeltern in der Nähe schliefen. Die Familie wohne in einem Bauernhaus,
dessen Bausubstanz sehr alt sei und das zur Hälfte als ein Kleintierstall genutzt werde.
Das Gebäude und die Umgebung seien in keiner Weise rollstuhlgängig. Das Haus liege
sehr abgelegen am Waldrand; es befinde sich an einer unbefestigten Waldstrasse. Im
Winter sei die Zufahrt mit einem Fahrzeug teilweise nicht möglich, wenn Schnee liege.
Damit die Versicherte weiterhin bei ihren Pflegeeltern wohnen und von diesen gepflegt
werden könne, seien massive bauliche Anpassungen in den Bereichen Hauszugang,
Nasszelle, Treppenüberwindung etc. notwendig. Im Parterre des Hauses befänden sich
das Entrée, die Küche, der Essbereich, das Wohnzimmer, ein Büroraum, eine Nasszelle
mit Dusche, WC und Lavabo, ein Zugang zum Disponibel sowie ein Raum mit einer
Waschmaschine und einem weiteren Lavabo. Zwischen der Nasszelle und dem Büro
weise das Geschoss einen Absatz zur Küche und zum Wohnzimmer auf, der mit einem
Rollstuhl nicht überwunden werden könne. Im Obergeschoss befänden sich eine
Einliegerwohnung, die Schlafräume der Familie und ein weiteres Badezimmer mit einer
Badewanne, einem WC und einem Lavabo. Die Pflegeeltern hätten glaubwürdig
dargestellt, dass die Versicherte das Schlafzimmer auf dem gleichen Geschoss wie die
Pflegeeltern haben müsse. Dieser Argumentationspunkt könne von der SAHB nicht
überprüft werden; als erstes müsse die IV-Stelle zwingend Abklärungen bezüglich
dieses Punktes tätigen. Sollte die IV-Stelle zum Schluss kommen, dass es der
Versicherten zumutbar sei, im Erdgeschoss im Büroraum (Grundfläche: 12,12m ) zu
leben, seien der Treppenlift und die beantragten baulichen Massnahmen im
Obergeschoss nicht notwendig. Da die Pflegeeltern diesfalls nicht in Rufweite schlafen
könnten, müsste eine Rufverbindung über elektronische Hilfsmittel hergestellt werden.
Aktuell werde die Versicherte jeweils für die Nacht ins Obergeschoss getragen. Das
2
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werde mit zunehmendem Alter zu einem grossen Kraftakt werden. Den Schulweg
überwinde die Versicherte mit einem Rollstuhltaxi oder in Begleitung ihrer Pflegemutter.
Zuhause und im Aussenbereich werde die Versicherte derzeit ständig begleitet.
Längerfristig werde eine selbständige Fortbewegung der Versicherten im und vor dem
Haus angestrebt. Die Kosten für den Ersatz der Stufe im Erdgeschoss durch eine
Rampe beliefen sich gemäss den nicht zu beanstandenden Offerten auf insgesamt
7’906.40 Franken; der grösste Kostenfaktor sei die Neuverlegung der Bodenheizung im
bautechnisch nicht einschätzbaren Unterboden. Der Um- und Ausbau der Nasszelle im
Untergeschoss sei für einen Betrag von insgesamt 26’687.80 Franken offeriert worden.
Für die Türantriebe sei mit Kosten von 17’536.65 Franken zu rechnen, aber die IV-Stelle
werde zunächst prüfen müssen, ob überhaupt eine entsprechende Kostengutsprache
erfolgen könne, da damit keine Selbständigkeit der Versicherten erreicht werden
könne, weil diese ja ihren Rollstuhl im Freien nicht selbst antreiben könne.
Am 22. Juni 2018 berichtete Dr. C._ (IV-act. 594), die Versicherte habe grosse
kognitive, emotionale und soziale Entwicklungsfortschritte gemacht. Sie wachse
körperlich heran, gedeihe gut und schlafe nun unauffällig. Eine Sachbearbeiterin der IV-
Stelle notierte am 15. August 2018 (IV-act. 615), die weitere Entwicklung, namentlich
der für die Zukunft angestrebte Einsatz eines Elektrorollstuhls, sei zum jetzigen
Zeitpunkt nicht beurteilbar und könne deshalb bei der Sachverhaltswürdigung nicht
berücksichtigt werden. Der Versicherten könne ein Schlafzimmer im Erdgeschoss
eingerichtet werden. Es lägen keine „objektiv dokumentierten Fakten“ vor, die eindeutig
dazu zwingen würden, das Schlafzimmer im Obergeschoss einzurichten. Vergütet
werden könnten nur die Kosten einer zweckentsprechenden einfachen Lösung. Dabei
sei hier an ein Babyphone oder an ein ähnliches technisches Hilfsmittel zu denken. Die
offerierte Versorgung mit einem Treppenlift wäre an sich einfach und zweckmässig,
aber der Zugang zum Obergeschoss sei nicht notwendig, da das Schlafzimmer der
Versicherten im Erdgeschoss eingerichtet werden könne. Auch die Kosten für die
Erleichterung des Zugangs im Obergeschoss könnten nicht vergütet werden. Im
Übrigen herrschten im Obergeschoss sehr knappe Platzverhältnisse, weshalb das
Befahren mit einem später eventuell notwendigen Elektrorollstuhl hohe Anforderungen
an die Fahrkünste der Versicherten stellen werde. Die Voraussetzungen für einen
behindertengerechten Hauszugang seien nicht erfüllt, weil die Versicherte auch mit
A.c.
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einem solchen erleichterten Zugang nicht in der Lage sei, das Haus selbständig zu
betreten oder zu verlassen. Zudem sei sie auf eine ständige Begleitung bei der
Fortbewegung ausserhalb des Hauses angewiesen, weshalb immer eine Person
anwesend sei, die ihr beim Betreten und beim Verlassen des Hauses behilflich sein
könne. Dagegen seien die baulichen Massnahmen zur Beseitigung des Absatzes im
Erdgeschoss und zur Anpassung der Nasszelle zu bewilligen respektive durch die
Invalidenversicherung zu finanzieren. Mit einem Vorbescheid vom 17. August 2018
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 616), dass sie die Abweisung des
Leistungsbegehrens für einen Treppenlift, für bauliche Änderungen im Obergeschoss,
für einen neuen Hauszugang mit einem elektrischen Türantrieb, für ein Dusch-WC
sowie für diverse Türantriebe vorsehe. Zur Begründung führte sie aus, der Treppenlift
und die baulichen Änderungen im Obergeschoss seien unnötig, weil es der
Versicherten zumutbar sei, im Erdgeschoss zu schlafen. Einen neuen Hauszugang mit
einem elektrischen Türantrieb und ein Dusch-WC könnte die Versicherte aktuell gar
nicht nutzen, weshalb zum jetzigen Zeitpunkt kein Anspruch auf diese Hilfsmittel
bestehe. Dasselbe gelte auch für die weiteren Türantriebe und Zuleitungen. Die Kosten
für die Baureinigung und für die Baumeisterarbeiten seien nicht von der
Invalidenversicherung zu übernehmen. Mit einem Vorbescheid vom selben Datum teilte
die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie einen Kostenbeitrag an den Einbau einer
Rampe und an die baulichen Änderungen des Badezimmers im Erdgeschoss leisten
werde (IV-act. 617). Am 26. September 2018 liess die Versicherte gegen den die
Abweisung mehrerer Hilfsmittelbegehren ankündigenden Vorbescheid vom 17. August
2018 einwenden (IV-act. 632–1 f.), aus medizinischer Sicht sei es ihr nicht zumutbar, im
Erdgeschoss zu schlafen. Die damit verbundene räumliche Trennung von den
Pflegeeltern könnte zu Retraumatisierungen führen, was Rückschritte in der bisher
positiven Entwicklung zur Folge hätte. Der Eingabe lag eine Stellungnahme von Dr.
C._ vom 6. September 2018 bei (IV-act. 632–9). Diese hatte ausgeführt, die
Versicherte sei ein feinfühliges, ängstliches und hypervigilantes Mädchen, das an
komplexen Traumafolgestörungen mit wiederholt auftretenden Ängsten, Sorgen,
Anspannungen und Schlafstörungen leide. Sie benötige die Möglichkeit, Tag und Nacht
in der unmittelbaren Nähe ihrer wichtigsten Bezugspersonen sein zu können. Nachts
sei sie insbesondere auf ihre Pflegemutter als Bindungsperson angewiesen. Das Gefühl
und Erleben von Alleingelassen- und Ausgeliefertsein könne jederzeit wieder zu
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B.
Retraumatisierungen und Rückschritten führen. Der Pädiater Dr. B._ hatte am 10.
September 2018 festgehalten (IV-act. 632–7 f.), die Versicherte sei unsicher emotional
gebunden, weil sie vorgeburtlich, geburtlich und nachgeburtlich schwere traumatische
Erfahrungen gemacht habe. Selbst für ein Kind mit einer sicheren Bindung und ohne
schwere traumatische Vorerfahrungen wäre ein Verbleiben im unteren Stockwerk mit
einem Getrenntsein von den übrigen Familienmitgliedern eine emotionale
Überforderung. Eine „Fachmitarbeiterin Hilfsmittel“ notierte am 20. November 2018 (IV-
act. 646), die Eingabe der Versicherten sei nachvollziehbar begründet worden.
Allerdings sollte der Fall noch zur medizinischen Beurteilung dem IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD) vorgelegt werden. Am 11. Februar 2019 hielt der
Neuropädiater Dr. med. D._ vom RAD fest (IV-act. 658), die Befürchtungen der
behandelnden Ärzte seien „rein hypothetisch und in keinster Weise belegt“. Mit einem
Babyphone oder einem anderen Überwachungsmittel sei jederzeit ein Kontakt zu den
Pflegeeltern herstellbar, auch wenn die Versicherte in einem anderen Geschoss als der
Rest der Familie schlafe. Natürlich würde das eine gewisse Anpassungsphase
erfordern, aber danach sollte eine solche Konstellation problemlos möglich sein. In der
CP-Schule sei die Versicherte ja auch nicht mit den Pflegeeltern zusammen. Sie habe
die entsprechende Ablösung geschafft. Wenn durch einen plötzlichen Ausfall der
Pflegeeltern eine Heimunterbringung notwendig würde, müsste die Versicherte auch im
eigenen Bett im eigenen Zimmer schlafen. Mit einer Verfügung vom 19. Februar 2019
sprach die IV-Stelle der Versicherten einen Kostenbeitrag an die Rampen und an die
baulichen Änderungen des Badezimmers zu (IV-act. 660). Mit einer Verfügung vom
selben Tag wies sie das Begehren um den Einbau eines Treppenliftes, bauliche
Änderungen im Obergeschoss, den Einbau eines neuen Hauszugangs mit einem
elektrischen Türantrieb, den Einbau eines Dusch-WC und die Anbringung diverser
Türantriebe ab (IV-act. 661). Bezüglich des Treppenliftes und der baulichen
Änderungen im Obergeschoss verwies sie auf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr.
D._.
Am 22. März 2019 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen die abweisende Verfügung vom 19. Februar 2019 erheben
(act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen
B.a.
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Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin mehrere
Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen, weshalb es sich dabei genau
betrachtet um mehrere Verfügungen handelt, die bloss zusammen eröffnet worden
sind. Diese gemeinsame Eröffnung hat nichts am Umstand geändert, dass die
angefochtene Verfügung mehrere voneinander unabhängige Verfügungsinhalte
betroffen hat. Die vorliegende Beschwerde richtet sich nur gegen die Abweisung des
Begehrens um einen Treppenlift und gegen die – sachlich eng damit
zusammenhängende – Abweisung des Begehrens um bauliche Änderungen im
Obergeschoss des von der Pflegefamilie bewohnten Hauses. Betreffend die weiteren
Verfügung, die Vergütung der Kosten für den Einbau eines Treppenlifts und für die
baulichen Änderungen im Obergeschoss sowie eventualiter die Rückweisung der
Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur weiteren Abklärung.
Zur Begründung führte sie aus (vgl. act. G 3), angesichts der vergangenen
Traumatisierungen der Beschwerdeführerin und der daraus entstandenen komplexen
Traumafolgestörungen sei es dieser nicht zumutbar, getrennt von ihren Pflegeeltern im
Erdgeschoss zu schlafen. Ihre psychische Belastbarkeit sei sehr fragil, weshalb sie
insbesondere in der Nacht die unmittelbare Nähe von Bezugspersonen benötige, die
ihr Sicherheit vermittelten.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 12. Juni 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte sie an, die Beschwerdeführerin habe die
Abweisung ihrer Begehren um einen neuen Hauszugang mit einem elektrischen
Türantrieb, um ein Dusch-WC sowie um Türantriebe und entsprechende Zuleitungen
nicht angefochten und demnach akzeptiert. Im vorliegenden Verfahren gehe es folglich
nur um die Erschliessung des Obergeschosses. Entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführerin habe sich die Beschwerdegegnerin ausführlich mit der
traumatisierenden Vorgeschichte befasst. Der RAD habe die Zumutbarkeit des
Schlafens im Erdgeschoss eingehend geprüft und bejaht.
B.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 3. September 2019 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).
B.c.
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Verfügungsinhalte ist eine beschwerdeweise Anfechtung der angefochtenen Verfügung
unterblieben, weshalb die entsprechenden Abweisungen unangefochten in formelle
Rechtskraft erwachsen sind. Dieses Beschwerdeverfahren betrifft folglich nur die
Abweisung des Begehrens um einen Treppenlift und die Abweisung des Begehrens um
bauliche Änderungen im Obergeschoss. Trotz des engen sachlichen Zusammenhangs
handelt es sich dabei um zwei voneinander unabhängige Streitgegenstände. Der
Umstand, dass die beiden entsprechenden Beschwerdeverfahren gemeinsam in einem
Urteil erledigt werden, ändert daran nichts. Den Parteien steht es deshalb
beispielsweise frei, nur bezüglich des einen Streitgegenstandes eine Beschwerde beim
Bundesgericht zu erheben.
2.
Bezüglich der beiden hier zur Diskussion stehenden Hilfsmittelbegehren ist zwischen
den Parteien nur umstritten, ob es der Beschwerdeführerin zumutbar ist, allein im
Erdgeschoss zu schlafen, während die Mitglieder der Pflegefamilie im Obergeschoss
schlafen. Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass eine solche räumliche
Trennung sie so stark verunsichern könnte, dass es zu einer Retraumatisierung
kommen würde, das heisst zu einer Art Rückfall in jenen Zustand, an dem sie beim
Übertritt von der Herkunftsfamilie in die Pflegefamilie und dann später nochmals in der
Zeit nach der Operation im April 2015 gelitten habe. Dadurch würden die
zwischenzeitlich erzielten erfreulichen Fortschritte schlimmstenfalls zunichte gemacht.
Die behandelnden Ärzte Dres. C._ und B._ haben in ihren Stellungnahmen die
Gefahr einer solchen Entwicklung bestätigt. Ihre Beurteilung dürfte allerdings
massgeblich vom Behandlungsauftrag beeinflusst gewesen sein, der sie veranlasst
haben dürfte, für die therapeutisch ideale und nicht für die versicherungsmedizinisch
zumutbare Lösung zu plädieren. So fällt beispielsweise auf, dass Dr. C._ am 22. Juni
2018 – vor dem Streit um die Vergütung der Hilfsmittelkosten – berichtet hat, dass der
Schlaf der Beschwerdeführerin nun unauffällig sei; am 6. September 2018 – nach der
Eröffnung des Vorbescheides – hat sie dann über eine Hypervigilanz und über
Schlafstörungen berichtet. Darin ist eine gewisse Widersprüchlichkeit zu erblicken, was
Zweifel an der Überzeugungskraft der Berichte von Dr. C._ weckt. Die Berichte der
behandelnden Ärzte sind folglich nicht geeignet, den für die Prognose der weiteren
Entwicklung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin massgebenden
Sachverhalt mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
zu belegen. Der RAD-Arzt Dr. D._ hat sinngemäss darauf hingewiesen, dass die
behandelnden Ärzte keine konkreten Anhaltspunkte erwähnt hätten, die die Gefahr
einer Retraumatisierung der Beschwerdeführerin (trotz vorbeugenden Massnahmen wie
elektronischen Hilfsmitteln) als plausibel erscheinen liessen, wenn diese im
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Erdgeschoss schlafen müsste. Allerdings hat er aber auch keine konkreten
Anhaltspunkte genannt, die eine Retraumatisierung der Beschwerdeführerin trotz des
Schlafens im Erdgeschoss als wenig plausibel erscheinen liessen. Dazu ist Dr. D._
aber auch gar nicht in der Lage gewesen, weil er nicht über eine Sachverhaltskenntnis
verfügt hat, die weiter als jene der behandelnden Ärzte gewesen wäre, denn ihm haben
weder zusätzliche medizinische Berichte vorgelegen noch hat er die
Beschwerdeführerin persönlich untersucht. Die Aktenwürdigung von Dr. D._ ist
deshalb ebenfalls nicht geeignet, jene Sachverhaltsgrundlage zu liefern, die für die
Beantwortung der Frage nach der plausibelsten prognostischen Entwicklung des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin erforderlich ist, falls diese im
Erdgeschoss wird schlafen müssen. Zusammenfassend erweist sich der massgebende
Sachverhalt bezüglich der Frage, ob der Beschwerdeführerin ein Schlafzimmer im
Erdgeschoss aus kinderpsychiatrischer Sicht zumutbar ist, als ungenügend abgeklärt.
Die angefochtene Verfügung ist deshalb in Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43
Abs. 1 ATSG) ergangen, weshalb sie als rechtswidrig aufzuheben ist. Weil die
Beschwerdegegnerin diesbezüglich noch keine eigenen Abklärungen getätigt hat, ist
die Sache ist an sie zurückzuweisen (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264). Sie wird
eine Kinderpsychiaterin oder einen Kinderpsychiater mit der Erstellung eines
Gutachtens betreffend die Frage beauftragen, ob es der Beschwerdeführerin zumutbar
ist, im Erdgeschoss zu schlafen. Der oder die medizinische Sachverständige wird zu
berücksichtigen haben, dass zwischen der Beschwerdeführerin und den Pflegeeltern
auch dann eine räumliche Trennung bestehen würde, wenn die Beschwerdeführerin ein
eigenes Zimmer im Obergeschoss hätte. Der Unterschied zu einem eigenen Zimmer im
Erdgeschoss würde also nur darin bestehen, dass die Beschwerdeführerin in einem
eigenen Zimmer im Obergeschoss akustisch und emotional weiter von den Pflegeeltern
entfernt schlafen müsste. Der akustische Aspekt könnte möglicherweise durch
elektronische Hilfsmittel ausgeglichen werden. Das kinderpsychiatrische Gutachten
wird also namentlich die Fragen zu beantworten haben, ob und allenfalls inwiefern sich
die (elektronisch weitgehend zu kompensierende) intensiver empfundene akustische
Trennung oder die intensiver empfundene emotionale Trennung zu den Pflegeeltern
massgeblich auf die – prognostische – Entwicklung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin auswirken würde, wenn diese ihr eigenes Zimmer nicht im
Obergeschoss, sondern im Erdgeschoss hätte. Der oder die kinderpsychiatrische
Sachverständige wird sich dabei auch mit der Frage auseinandersetzen, ob eine
allfällige Bewegungseinschränkung trotz einer elektronischen Möglichkeit, die
Pflegeeltern zu Hilfe zu rufen, wegen eines damit verbundenen Gefühls der Hilflosigkeit
zu psychischen Problemen führen könnte.
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3.
Sollte die kinderpsychiatrische Abklärung ergeben, dass es der Beschwerdeführerin
medizinisch nicht zumutbar ist, ihr Schlafzimmer im Erdgeschoss zu haben, wird die
Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen in Bezug auf die Verhältnismässigkeit der
baulichen Massnahmen zu tätigen haben. Die Finanzierung eines Treppenlifts und
baulicher Veränderungen im Obergeschoss würde es der Beschwerdegegnerin nämlich
nur ermöglich, vorerst weiterhin im Haus der Pflegefamilie wohnen zu können. Die
SAHB hat darauf hingewiesen, dass weder das Wohnhaus noch dessen Umgebung
auch nur im entferntesten rollstuhlgängig sind, weshalb für die Zukunft mit massiven
Investitionen im Haus und um das Haus herum gerechnet werden muss, damit der
Beschwerdeführerin der weitere Verbleib in jener Liegenschaft ermöglicht werden kann.
Zusätzlich wird ein Ausbau respektive eine Befestigung der Zufahrtsstrasse, sofern das
baurechtlich überhaupt bewilligt werden kann, notwendig werden, denn den jetzigen
Zufahrtsweg wird die Beschwerdeführerin bei Schnee und Eis, allenfalls auch bei
starkem Regen, selbst mit einem Elektrorollstuhl nie selbständig überwinden können.
Soll der Beschwerdeführerin der Verbleib im Haus der Pflegefamilie längerfristig
ermöglicht werden, ist also mit sehr hohen Folgeinvestitionen zu rechnen. Der Einbau
eines Treppenlifts und die baulichen Änderungen im Obergeschoss hätten für diese
sehr hohen Folgeinvestitionen eine präjudizierende Wirkung, weshalb die
Beschwerdegegnerin bereits vor dem Einbau eines Treppenlifts und vor der Vornahme
von baulichen Änderungen im Obergeschoss wird abklären müssen, mit welchen
Gesamtkosten für die Zukunft zu rechnen wäre. Bei der Sachverhaltswürdigung wird
sie diesen Gesamtkosten die zu erwartende Nutzungs- respektive Amortisationsdauer
gegenüber zu stellen haben, denn die Verhältnismässigkeit aller in Zukunft zu
erwartenden baulichen Massnahmen beruht auch auf einer Gegenüberstellung der zu
erwartenden Gesamtkosten und der zu erwartenden Nutzungs- respektive
Amortisationsdauer. Die Beschwerdegegnerin wird dabei zu berücksichtigen haben,
dass sich die Nutzungsdauer durch unvorhergesehene Entwicklungen (wie ein sich
Auswachsen der Schlafprobleme respektive der Retraumatisierungsgefahr, eine
plötzliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes, der eine längere stationäre
Behandlung oder einen Heimeintritt notwendig machen könnte, ein Übertritt in ein
Internat zur Sicherstellung einer ausreichenden Beschulung der Beschwerdeführerin
oder ein Wechsel in eine andere Pflegefamilie beziehungsweise zurück in die
Herkunftsfamilie) stark verkürzen könnte. Die Beschwerdegegnerin wird sich zudem
vertieft mit der Frage befassen müssen, inwiefern die Finanzierung von baulichen
Massnahmen im Obergeschoss überhaupt sinnvoll ist, da sich die Beschwerdeführerin
ja im umgebauten Obergeschoss selbst mit einem Elektrorollstuhl kaum selbständig
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wird fortbewegen können, weil die Platzverhältnisse so ungünstig sind, dass ein
Manövrieren im Elektrorollstuhl hohe Anforderungen an die Manövrierfähigkeit der
Beschwerdeführerin stellen würden. Die Beschwerdegegnerin wird auch die Frage
beantworten müssen, inwiefern die Finanzierung von baulichen Massnahmen am Haus
der Pflegeeltern überhaupt – ganz grundsätzlich – den Interessen der
Beschwerdeführerin dienen würde. Bauliche Massnahmen am Haus der Pflegeeltern
allein werden nämlich nicht eine ausreichende Selbständigkeit der Beschwerdeführerin
gewährleisten, denn diese muss ja unter anderem auch die Schule regelmässig
besuchen können. Dies erfordert einen ausreichend sicheren, rund ums Jahr
uneingeschränkt zur Verfügung stehenden Schulweg. Der Waldweg, der zum Haus der
Pflegeeltern führt, ist aber weder ausreichend sicher noch steht er rund um das Jahr
uneingeschränkt zur Verfügung. Es dürfte wohl nicht ganz ungefährlich sein, wenn die
Pflegeeltern die Beschwerdeführerin im Winter bei Schnee und Eis mit dem Rollstuhl
über einen zugeschneiten oder vereisten Waldweg stossen müssten. Zudem besteht
die Gefahr, dass die Zufahrt von Rettungskräften bei einem allfälligen Notfall nicht
gewährleistet wäre, was eine erhebliche Gefährdung der Beschwerdeführerin darstellen
könnte. Die Abgabe von Hilfsmitteln respektive die Finanzierung von baulichen
Massnahmen durch die Invalidenversicherung ist aber unzulässig, wenn dies den
Interessen des versicherten Kindes zuwiderläuft oder wenn es diese Interessen
gefährdet, weshalb die Finanzierung von baulichen Massnahmen im Obergeschoss des
Hauses der Pflegefamilie nur rechtmässig sein könnte, wenn auch die weiteren zu
erwartenden Kosten für weitere Umbauten am Haus der Pflegefamilie, für sämtliche
notwendigen Umgebungsarbeiten und für einen Ausbau des Zufahrtsweges zu einer
Zufahrtsstrasse (sofern das baurechtlich überhaupt bewilligungsfähig ist) als einfach
und zweckmässig qualifiziert werden könnten.
4.
Die Rückweisung einer Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung und zur
anschliessenden neuen Verfügung gilt rechtsprechungsgemäss als ein vollständiges
Obsiegen der beschwerdeführenden Partei. Die angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten sind folglich
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin wird der von ihr
geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin
hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Der erforderliche
Vertretungsaufwand ist als deutlich unterdurchschnittlich zu qualifizieren, insbesondere
weil für die hier massgebenden Fragen nur wenige Akten zu studieren gewesen sind.
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Die Parteientschädigung ist deshalb auf 2’000 Franken (einschliesslich Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen.