Decision ID: 24a313d0-b3f8-4dfc-8e8b-2569d8f053eb
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965, Raumpflegerin, war als Arbeitslose bei der Suva versichert, als sie sich am
6.
August 2014 bei einem Autounfall in der Türkei eine
Humerusfraktur
rechts, eine Kniegelenkskontusion rechts und eine
Thoraxkontu
sion
rechts (
Urk.
8/12/2-3 S. 1
Ziff.
5) zuzog (
Urk.
8/2).
Die Suva
stellte mit Schreiben
vom 1
5.
September 2016
die Taggeldleistungen per 3
0.
September 2016 ein (
Urk.
8/174) und
verneinte mit Verfügung vom
5.
Oktober 2016 einen Rentenanspruch und einen Anspruch auf Integritätsent
schädigung (
Urk.
8/177). Die dagegen am
4.
November 2016 und 2
7.
Januar 2017 erhobene Einsprache (
Urk.
8/184, Urk. 8/198) wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 3
0.
Mai 2018 ab (
Urk.
8/207 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 3
0.
Mai 2018 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am
2.
Juli 2018 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien ihr Leistungen auch nach dem 3
0.
September 2016 zu erbringen (S. 2
Ziff.
I.1), eventuell sei die Beschwerdegegnerin
zu
verpflichten, nach einer neut
ralen Begutachtung neu zu entscheiden (S. 2
Ziff.
II.2).
Die Suva beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
August 2018 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin
am 2
4.
August 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
6.
August 2014
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.3
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versi
cherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begrif
fes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Bes
serung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In die
sem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prog
nostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil
des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbe
sondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezem
ber 2014 E. 3).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus,
die Beschwerdeführerin sei nicht
nur
durch Unfallfolgen, sondern auch durch näher genannte unfallfremde Beschwerden (S. 5 f.
Ziff.
3a)
sowie durch nicht adäquat unfallkausale psychische Beschwerden (S. 6 ff.
Ziff.
3b) beeinträchtigt. Hinsicht
lich der Arbeitsfähigkeit sei auf die kreisärztliche Zumutbarkeitsbeurteilung vom 2
5.
Februar 2016 (vgl. nachstehend E. 3.
9
) abzustellen (S. 11
Ziff.
5b). Gemäss überzeugender kreisärztlicher Beur
teilung (vgl. nachstehend E. 3.12
) sei am 2
6.
September 2016 bezüglich unfallkausaler Beeinträchtigungen ein stabiler Gesundheitszustand erreicht gewesen (S. 13 Mitte). Die näher dargelegte Invali
ditätsbemessung ergebe keinen Rentenanspruch (S. 15
Ziff.
9). Aus näher darge
legten Gründen bestehe auch kein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung (S. 17
Ziff.
10d).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
die Beschwerdegegnerin habe die Rentenprüfung vorgenommen, obwohl noch kein Endzustand vorgelegen habe (S. 2
Ziff.
3, S. 7 f.
Ziff.
6). Die erfolgten Abklärungen und Untersuchungen hätten gezeigt, dass mittels weiterer Behand
lungen noch eine wesentliche Beschwerdelinderung erreicht werden könne (S. 6 f.
Ziff.
8). Die Leistungseinstellung sei sicherlich zu früh erfolgt, weshalb die Beschwerdegegnerin auch zu verpflichten sei, weitere gesetzliche Leistungen (Taggelder und Heilbehandlungskosten) auszurichten und (erst) im Zeitpunkt des Endzustandes die langfristigen Leistungen zu prüfen (S. 7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Prüfung des Rentenanspruchs im Verfügungs
zeitpunkt als verfrüht oder als gerechtfertigt zu beurteilen ist.
3.
3.1
Laut Bericht vom 2
4.
September 2014 über die am 1
1.
August 2014 im Stadtspital
Y._
erfolgte Erstbehandlung (
Urk.
8/12/2-3) zog sich die Beschwerdeführerin am
6.
August 2014 bei einem Autounfall in der Türkei eine proximale
Humerus
schaft
-/Kopf-Mehrfachfraktur rechts, eine Kniegelenkskontusion rechts und eine
Thoraxkontusion
rechts zu (S. 1
Ziff.
5). Sie war vom 1
1.
bis 1
4.
August 2014 hospitalisiert (S. 2
Ziff.
7b) und am 1
2.
August 2014 wurde die
Humerusfraktur
mit einer
Philosplatten
-Osteosynthese versorgt (S. 2
Ziff.
7a; vgl.
Urk.
8/16/2-3,
Urk.
8/87/2-3).
3.2
Dr.
Z._
, Oberarzt, Chirurgische Klinik, Stadtspital
Y._
, berichtete am 2
9.
September 2014 über seine Verlaufsuntersuchung (
Urk.
8/18/2).
In seinem Bericht vom 1
3.
Januar 2015 (
Urk.
8/40/2-3) nannte
Dr.
Z._
folgende Diagnose (S. 1 Mitte):
-
Philos-Plattenosteosynthese Humerus rechts vom 1
2.
August 2014 bei proximaler
Humerusschaft
-/Kopf-
Mehrfragmentfraktur
-
prolongiertes Schmerzsyndrom und Bewegungseinschränkung
Er führte unter anderem aus, der Grund für die ausgeprägten Schmerzen sei nicht klar
eruierbar
(S. 2 oben).
In seinem Bericht vom 1
1.
Februar 2015 (
Urk.
8/47/2-4 =
Urk.
8/61) führte
Dr.
Z._
unter anderem aus, die Patientin gebe an, dass durch die Haus
ärztin seit zirka
Anfang
Januar 2015 eine psychiatrische Behandlung einge
leitet worden sei
(S. 1 unten). Die langsame Verbesserung der Beweglichkeit und lang
same Schmerzabnahme solle durch physiotherapeutische Massnahmen, aber sicherlich auch durch die psychiatrische Behandlung
,
kontinuierlich verbessert werden (S.
2 oben).
3.3
Dr.
A._
berichtete am
2
1.
April 20
15 (
Urk.
8/66)
, die Patientin befinde sich seit 2
5.
November 2014
vierzehntäglich
in seiner psychiatrisch-psy
chotherapeutischen Behandlung (S. 1 Mitte)
,
und nannte als Diagnose eine post
traumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) nach Verkehrsunfall am
6.
August 2014 (S. 2 oben).
3.4
Vom 1
6.
April bis 1
9.
Mai 2015 weilte die Beschwerdeführerin stationär in der Rehaklinik
B._
, worüber am 2
7.
Mai 2015 berichtet wurde
(
Urk.
8/76)
. Es wurden die folgenden, hier leicht verkürzt angeführten Diagnosen gestellt (S. 1 Mitte):
-
Unfall vom
6.
August 2014: Auffahrunfall in der Türkei
-
proximale
Humerusschaft
und -kopf-
Mehrfragmentfraktur
rechts
-
Kniekontusion rechts
-
Thoraxkontusion
rechts
-
Unfall vom 1
1.
Mai 2015: während Busfahrt Aufprall auf linke Schulter anlässlich eine
s
brüsken Bremsmanövers
-
Schulterkontusion links
-
Adipositas per magna (BMI 41)
Die früh
ere Tätigkeit als Raumpflegerin/
Hauswartin sei aktuell nicht zumutbar; die Zumutbarkeit für andere Tätigkeiten werde später festgelegt (S. 2 Mitte).
I
m
Bericht vom 2
6.
Juni 2015 über
ein am
1.
Juni 2015
erfolgtes
neurologische
s
Konsilium (
Urk.
8/84)
wurden als neurologische
Diagnosen ein Verdacht auf
residuelle
motorische Parese des
N.
radialis
rechts und eine unklare
Hemihypäs
thesie
rechts mit Aussparung des Gesichts genannt (S. 3 unten).
3.5
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.2) führte in seinem Bericht vom
3.
Juni 2015 (
Urk.
8/79) unter anderem aus, radiologisch sei die Stellung der Fraktur unverän
dert und diese praktisch geheilt (S. 2 oben). Mit Bericht vom 1
0.
August 2015 (
Urk.
8/97
=
Urk.
8/98/2-3
) empfahl er, eine
Osteosynthesematerialentfernung
(OSME) vorzunehmen (S. 2).
Diese erfolgte sodann am 3
0.
Oktober 2015 (vgl.
Urk.
8/108/2
,
Urk.
8/109)
.
3.6
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.3)
führte im Bericht vom
1
5.
Oktober 20
15 (
Urk.
8/105)
aus, im Verlauf der Behandlung habe man einen weiteren Rückgang der Trauma-Folgestörungen und ängstlichen Symptomatik beobachtet. Die Patientin habe von der Behandlung profitiert und sei zufrieden mit ihrem psychischen Zustand. Des
halb sei die Behandlung am
2.
Juli 2015 in gegenseitigem Einvernehmen beendet worden (S. 2 oben).
3.7
Kreisarzt
Dr.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, nannte im Bericht vom
8.
Januar 2016 über die gleichentags erfolgte Untersuchung (
Urk.
8/128)
folgende Diagnosen (S. 5 oben):
-
Status nach Osteosynthese einer proximalen
Humerusfraktur
rechts (6./1
2.
2014, vollständige OSME 3
0.
Oktober 2015)
-
Verdacht auf
residuelle
motorische Teilparese
Nervus
radialis
rechts (Diagnose Rehaklinik
B._
)
In seiner Beurteilung führte er aus, bezüglich der
Humerusfraktur
werde 4 Monate nach der Metallentfernung ein stabiler Zustand anzunehmen sein, diesbezüglich erscheine der Fallabschluss per
1.
März 2016 realistisch. Ein Endzustand nach der anzunehmenden Teilläsion des
N.
radialis
werde
zum gleichen Zeitpunkt erreicht sein,
dazu
werde
er nach einer - veranlassten - konsiliarischen neurologischen Beurteilung (vgl. nachstehend E. 3.8)
erneut Stellung nehmen
(S. 5 Mitte)
.
Bei der heutigen Untersuchung
sei
ein ausgeprägt demonstratives Schonverhalten
mit teilweise auch dysfunktionalen Anteilen
aufgefallen. Beispielsweise sei
die
Einschränkung der
Faustschlusskraft auch bei einer Teilläsion des
N.
radialis
rechts nicht dermassen eingeschränkt
wie heute gezeigt
,
und die Angaben zum Funktionsverlust der rechten Hand
seien
medizinisch nicht
erklärbar. Die Streck
schwäche des Daumens erklär
e
nicht die Unmöglichkeit zum Halten eines
Schreibwerkzeugs.
Bei fehlenden Hinweisen auf eine funktionel
l erhebliche
fro
zen
shoulder
sei
auch die gezeigte aktive Schulterbeweglichkeit als dysfunktional aufzufassen
, und schliesslich zeige
die Umfangmessung
,
trotz etwas einge
schränkt möglicher Aussage bei der bestehenden Adipositas,
dass die dominante rechte Hand im täglichen Leben durchaus eingesetzt
werde (S. 5)
.
Er
habe heute mit Hilfe der anwesenden
Ü
bersetzerin der Versicherten bereits erklärt, dass bei der
Beurteilung des Zumutbarkeitsprofils rein auf die strukturel
len Unfallfolgen abgestellt werden
müsse
und da
s
s Faktoren wie Alter, Überge
wicht, fehlende Ausbildung und fehlende sprachliche Fähigkeiten
nicht berück
sichtigt werden könn
t
e
n (S. 5 unten)
.
3.8
Dr.
D._
, Facharzt für Neurologie, Oberarzt, Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie
, Universitätsspital
E._
,
führte in seinem Bericht vom 2
9.
Januar 2016 über die gleichentags erfolgte Untersuchung (
Urk.
8/136/2-3) aus,
es zeige
sich ein
überlagertes
myofasziales
Schmerzsyndrom mit einer Hypästhesie über die ganze rechte Körperhälfte
,
welche unter Zusammenschau der klinischen Befunde und der normalen Elektrodiagnostik
an eine erhebliche funktionelle
Ü
berlagerung denken
lasse
.
Elektrodiagnostisch f
ä
nden
sich
normale Neurographien des
N.
radialis
und Ramus
superficialis
, normale Medianus- und
Ulnarisneurographien
und eine normale Neurographie des
N.
cutaneus
ante
brachii
lateralis
rechts.
Zusammen mit den normalen Nadel-EMG-Befunden der dis
t
alen
radialisversorgten
Muskulatur
f
ä
nden
sich
absolut keine Hinweise für eine neurogene Schädigung des
N.
radialis
als Erklärung der Beschwerden
(S. 2)
.
An objektivierbaren Befunden fä
nden sich in erster Linie Weichteilschmerzen mit
Druckdolenz
im Bereich des
Epicondy
l
us
humeri
radialis
als Hinweis für eine
Epicondylitis
.
N
eurologische Ausfälle könn
t
en
klinisch und neurogene Verände
rungen elektrodiagnostisch nicht objektiviert werden, so dass eine nicht
unerheb
liche Überlagerung nicht ausgeschlossen werden
könne
.
E
mpf
o
hle
n werde
- falls nicht bereits erfolgt - eine rheumatologische Beurteilung bezüglich der Weich
teilschmerz-Problematik und eine psychiatrische Evaluation und Behandlung. Nervenchirurgische Interventionen am
N.
radialis
seien
bei
d
en
aktu
e
llen Befun
den definitiv nicht indiziert
(S. 2 unten)
.
Ein am 1
2.
Februar 2016 erstelltes MRI der rechten Schulter (
Urk.
8/148) ergab eine fortgeschrittene
Tendinose
der
Rotatorenmanschette
, jedoch keinen
Hinweis auf
eine
Rotatorenmanschettenruptur
, degenerative Veränderungen mit
osteo
phytärer
Reaktion subkapital bei Status nach Plattenosteosynthese am 1
2.
August 2014 und OSME im Oktober 2015, eine diskrete Subluxationsstellung
glenohu
moral
und Subluxation der langen Bizepssehne nach ventral ohne Nachweis einer Bizepssehnen-Ruptur und ein degenerativ verändertes Labrum
glenoidale
ohne posttraumatische SLAP-Läsion (S. 1 unten).
3.9
Kreisarzt
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.7) führte in seinem Bericht vom 2
5.
Feb
ruar 2016 (
Urk.
8/143) aus, nach Ausschluss einer neurologischen Pathologie, jedoch Bestätigung der deutlichen Überlagerung und damit auch des demonstra
tiven Schonverhaltens mit Symptomausweitung, könnten die Angaben der Ver
sicherten und die klinischen Befunde bezüglich Zumutbarkeitsprofil
nur teilweise
beigezogen werden. Anhand der
klinisch bei der kreisärztlichen Untersuchung festgehaltenen muskulären Situation an den Armen könne nicht von einer mas
siven funktionellen Einschränkung gesprochen werden (S. 1 unten).
Unabhängig von Alter, Ausbildung, Sprache, Krankheitsfolgen und Übergewicht ergebe sich als Zumutbarkeitsprofil, dass eine mindestens leichte bis mittel
schwere Tätigkeit der Versicherten vollzeitig und vollschichtig
mit folgenden Ein
schränkungen zumutbar sei: Keine Tätigkeiten über Schulterhöhe und keine Tätigkeiten mit länger dauernden körperfernen Tätigkeiten mit der dominanten rechten Hand (weiter als 1 1⁄2 Unterarmlängen vom Körper entfernt), keine Tätig
keiten mit repetitivem starkem Krafteinsatz des rechten Armes und keine Tätig
keiten, die zu heftigen Schlägen oder Vibrationen am rechten Arm führten (S. 2 oben).
Angesichts des objektivierbaren Zustands liege keine erhebliche strukturelle Schädigung vor, welche die
Erheblichkeitsgrenze
für eine Integritätsschädigung erreichen würde (S. 2 Mitte).
3.10
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.2) führte in seinem Bericht vom 1
5.
April 2016 über eine am 1
8.
Februar 2016 erfolgte Infiltration des glenohumeralen Gelenks (
Urk.
8/149) aus, es müsse von einem Endzustand bei unklarer Gesamtsituation ausgegangen werden. Weder die
Osteosynthesematerialentfernung
noch sämtli
che physiotherapeutischen oder
lokalinfiltrativen
Massnahmen hätten in irgend
einer Form eine Besserung erbracht, und auch die erhobenen Befunde und das aufgezeigte Schonverhalten liessen sich nicht schlüssig vereinbaren. Insgesamt seien die Möglichkeiten in der unfallchirurgisch/orthopädischen Sprechstunde ausgeschöpft, womit er von weiteren Kontrollen absehe und die Behandlung abschliesse. Vor allem Tätigkeiten unterhalb der Schulterhöhe seien zumutbar (S. 1 unten)
.
3.11
Dr.
F._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Rheu
matologie
,
nannte in ihrem Bericht vom
4.
Juli 2016 über die am 1
5.
Juni 2016 erfolgte Untersuchung (
Urk.
8/162/2-5 =
Urk.
164/2-4) die folgenden, hier ver
kürzt angeführten Diagnosen (S. 1 f.):
-
chronische therapierefraktäre Schulterschmerzen rechts
-
chronisches
cervikospondylogenes
und
cephales
Schmerzsyndrom rechts
betont
-
chronisches intermittierendes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts
-
chronische Knieschmerzen beidseits rechtsbetont
-
chronische sternale Schmerzen
-
Vitamin D Mangel
-
Adipositas per magna (BMI 41)
Bezüglich der stark immobilisierenden Schulterschmerzen rechts sei eine weitere Abklärung (vgl. nachstehend E. 3.11) veranlasst worden (S. 2
Ziff.
1).
3.1
2
Ein am 1
5.
Juli 2016 erstelltes
Arthro
-MRI der rechten Schulter (
Urk.
8/166/3-4 =
Urk.
8/213/4-5 =
Urk.
3
/
4
) ergab folgende Beurteilung (S. 2 oben):
-
Pulley
-Läsion mit Subluxation der
tendinopathischen
Bizepssehne nach medial sowie partielle Oberrandläsion der
Subscapularissehne
-
geringgradige gelenkseitige Partialruptur der
Infraspinatussehne
am Ober
rand
-
keine Bursitis
subacromialis
, keine Omarthrose nachweisbar
Dr.
F._
führte sodann mit Bericht vom
5.
September 2016 (
Urk.
8/172/1-2
=
Urk.
3/3
) aus, die Ursache der chronischen therapieresistenten Schulterschmerzen sei multifaktorieller Genese. Einerseits bestehe eine
Pulley
-Läsion und anderseits ein
Impingement
sowie störendes Osteosynthese-Material. Auch das
cervikospon
dylogene
und
cephale
Schmerzsyndrom mit ausgeprägten
myofaszialen
Kompo
nenten, die wahrscheinlich auch die Ursache der Missempfindungen im rechten Arm seien, spielten bei der Schmerzsymptomatik
eine Rolle. Es werde empfohlen, eine orthopädische Zweitmeinung durch einen Schulterspezialisten für eine Ope
rationsindikation
einzuholen
(S. 2 Mitte).
3.1
3
Am 2
6.
September 2016 erstattete Kreisärztin
Dr.
G._
, Fach
ärztin für Chirurgie, eine ärztliche Beurteilung (
Urk.
8/175).
Sie führte aus, über
wiegend wahrscheinlich sei ein s
tabiler Gesundheitszustand erreicht
. Der
Abschluss der Behandlung durch den Operateur
sei am 1
1.
April 2
016,
sechs Monate nach Metallentfernung
, erfolgt (S. 4
Ziff.
1)
.
Vergleiche man die am
1
5.
Juni 2
016
im Rahmen der
rheumatologische
n
Untersuchung bei
Dr.
F._
objektiv erhobenen Befunde im Bereich des rechten Oberarms/Schulter mit denen der kreisärztlichen Untersuchung
im
Januar 2016, so habe sich im Verlauf die Beweglichkeit bezüglich Flexion/Abduktion um gut 30/35° verbessert (S. 4 f.). In den
Arthro
-MRI-Untersuchungen
von
Februar
und
Juli 2016 habe sich im Verlauf keine gravierende Veränderung ergeben. In der Regel könne man davon ausge
hen, dass nach einer Metallentfernung spätestens sechs Monate postoperativ der Endzustand erreicht sei (S. 5 oben).
Ihres Erachtens seien weitere Abklärungen im Sinne von
Dr.
F._
(vgl. vorste
hend E. 3.11) nicht notwendig, da sich gesamthaft in der bildgebenden Diagnostik keine Veränderung und im klinischen Verlauf bezüglich Bewegungsausmass eine Verbesserung ergeben habe, und sowohl der Operateur wie auch Kreisarzt
Dr.
C._
als auch der Neurologe
Dr.
D._
von weiteren operativen Eingrif
fen abgeraten
hätten
und die durchgeführten glenohumerale Infiltration
zu
keine
r
Veränderung der subjektiven
Beschwerden/Schmer
zen ge
führt
habe (S. 5
Ziff.
2).
Am von
Dr.
C._
im Februar 2016 formulierten Zumutbarkeitsprofil könne festgehalten werden, denn es sei im Verlauf zu keiner gravierenden Veränderung der Gesamtsituation beziehungsweise Veränderung im Bereich der bildgebenden Diagnostik gekommen. Entsprechend sei eine mindestens leichte bis mittel
schwere Tätigkeit der Versicherten mit folgenden Einschränkungen
vollzeitig und vollschichtig zumutbar: Keine Tätigkeiten über Schulterhöhe und keine Tätigkei
ten mit länger dauernden körperfernen Tätigkeiten mit der dominanten rechten Hand, keine Tätigkeiten mit repetitivem starkem Krafteinsatz des rechten Armes und keine Tätigkeiten, die zu heftigen Schlägen oder Vibrationen am rechten Arm führten (S. 5
Ziff.
3).
Ebenso habe die Beurteilung des Integritätsschadens weiterhin Gültigkeit, denn auch im
Arthro
-MRI vom 1
5.
Juli 2016 habe sich keine gravierende Veränderung zur
Arthro
-MRI-Untersuchung vom 1
2.
Februar 2016 ergeben. Angesichts des objektivierbaren Zustandes liege keine erhebliche strukture
l
le Schädigung vor, welche die
Erheblichkeitsgrenze
für eine Integritätsschädigung erreichen würde (S. 5 unten).
3.1
4
Am
7.
Dezember 2016 berichteten die Ärzte der Universitätsklinik
H._
über ihre Untersuchung
(
Urk.
8/195 =
Urk.
8/197 =
Urk.
8/199/1-3 =
Urk.
8/213/6-8 =
Urk.
3/5)
.
Als
Diagnosen nannten sie die gleichen wie die im Bericht von
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.11) aufgeführten (S. 1 f.)
.
In ihrer Beurteilung führten sie aus, es handle sich insgesamt um eine schwierige Situation bei chronischen Schmerzen. Die Ursache dafür liege wohl nicht rein isoliert in der Schulter, eine zervikogene Ursache könne nicht ausgeschlossen werden. Die
beschriebenen
Hyp- und Parästhesien seien
unspezifisch, zudem habe bereits eine externe neurophysiologische Beurteilung einen intakten
Nervus
radialis
ergeben. Aus schulterchirurgischer Sicht biete sich zur Erklärung der Ursache der Schulterbeschwerden nun eine sequentielle Infiltration des AC-Gelenks des
Subacromialraumes
und des
Glenohumeralgelenks
an (S. 2 unten).
Im Bericht vom
6.
März 2017 (
Urk.
8/205) führten sie aus, bei ungenügendem Ansprechen durch die verabreichte diagnostisch-therapeutische Infiltration und bei gegenüber operativer Massnahmen
ablehnender Patientin
seien sie aufgrund der ungewissen Prognose diesbezüglich zurückhaltend. Die Patientin berichte jedoch, auf physiotherapeutische Massnahmen zuletzt gut angesprochen zu haben, sodass diese fortgeführt würden. Ihrerseits sei aktuell keine erneute Ver
laufskontrolle geplant, eine solche könne jedoch jederzeit bei Bedarf stattfinden (S. 2 Mitte).
4.
4.1
In der Beschwerde (
Urk.
1) wurde geltend gemacht, zwar sei auch von den behandelnden Ärzten eine Operation als nicht indiziert angesehen worden, doch sei gerade auch erläutert worden, «dass weitere Abklärungen und Behandlungen stattfinden müssen, um den persistierenden Beschwerden auf den Grund zu gehen» (S. 5
Ziff.
6 Mitte). Erst wenn die exakten Ursachen der unfallbedingt eingeschränkten rechten Schulter eruiert werden könnten, sei auch eine Beschwerdeheilung möglich (S. 5 unten). Die behandelnden Ärzte hätten nach
vollziehbar erläutert,
«
dass die Beschwerdeführerin nicht nur noch an Unfallfol
gen leide
t
, sondern auch weitere medizinische Behandlungen notwendi
g s
in
d»
(S. 6
Ziff.
7).
4.2
Die Beschwerdeführerin zog sich am
6.
August 2014 eine
Humerusfraktur
, eine Kniegelenkskontusion und eine
Thoraxkontusion
zu. Die Fraktur - als einzige strukturelle Läsion - wurde am 1
2.
August 2012 mit einer Plattenosteosynthese versorgt (vorstehend E. 3.1). Ende Oktober 2015 wurde das
Osteosynthesematerial
entfernt (vorstehend E. 3.5). Im April 2016 hielt der behandelnde Chirurg fest, es müsse von einem Endzustand bei unklarer Gesamtsituation ausgegangen werden, insgesam
t seien die unfallchirurgischen/
orthopädischen Möglichkeiten ausge
schöpft, womit er von weiteren Kontrollen absehe und die Behandlung abschliesse (vorstehend E. 3.10).
Eine im November 2014 aufgenommene psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung verlief gemäss den Angaben des behandelnden Psychiaters erfolg
reich, weshalb er diese im Juli 2015 beendete (vorstehend E. 3.6).
Eine neurologische Abklärung der Verhältnisse am rechten Arm im Januar 2016
ergab, dass sich weder neurologische Ausfälle klinisch noch neurogene Verände
rungen elektrodiagnostisch objektivieren liessen (vorstehend E. 3.8).
Ein im Februar 2016 erstelltes M
R
I de
r rechten Schulter ergab Hinweise auf ein
zeln genannte degenerative Veränderungen (vorstehen
d
E. 3.8 am Ende)
, ein sol
ches im Juli 2016 ergab eine definitionsgemäss degenerativ bedingte
Pulley
-Läsion und eine partiale Sehnenruptur (vorstehend E. 3.1
2
).
Von den Diagnosen, welche die Rheumatologin
Dr.
F._
im Juli 201
6
auflistete (vorstehend E. 3.11), könnten einzig die anhaltenden Schulterschmerzen allen
falls in einen gewissen Zusammenhang mit der im August 2014 erlittenen
Hume
rusfraktur
gebracht werden. Im September 20
1
6
führte sie aus, deren Ursache sei «multifaktorieller Genese» - dies unter Hinweis auf die
Pulley
-Läsion, ein
Impin
gement
, «störendendes
Osteosynthesematerial
» sowie das ebenfalls diagnostizierte
cervikospondylogene
und
cephale
Schmerzsyndrom - und empfahl das Einholen einer orthopädischen Zweitmeinung (vorstehend E. 3.1
2
).
Die im Dezember 2016 konsultierten Ärzte der Klinik
H._
schliesslich
s
pra
chen von einer insgesamt schwierigen Situation bei chronischen Schmerzen und verzichteten im März 2017 nach ergebnisloser Infiltrationstherapie auf weitere Verlaufskontrollen, wobei sie das Weiterführen von Physiotherapie empfahlen (vorstehend E. 3.1
4
).
4.3
Bezüglich der Beurteilung durch
Dr.
F._
muss angenommen werden, dass sie in Unkenntnis der Akten abgegeben wurde, denen hätte entnommen werden kön
nen, dass das
Osteosynthesematerial
bereits im Oktober 2015 entfernt worden war und im April 2016 von fachärztlich kompetenter Seite ein Endzustand festgehal
ten und von weiteren Behandlungen
–
also auch einer allfälligen Operation
–
Abstand genommen worden war. Auf beides nahm
Dr.
F._
keinerlei Bezug.
Doch davon abgesehen lässt sich ihrem Bericht auch nicht entnehmen, dass sie die - einzig in Frage kommenden - Schulterbeschwerden explizit als Unfallfolge bezeichnet hätte. Auch empfahl sie keineswegs selber weitere Behandlungen, son
dern lediglich das Einholen einer orthopädischen Zweitmeinung bezüglich einer allfälligen Operation.
Schliesslich
verzichteten
die Ärzte der Universitätsklinik
H._
im März 2017
nicht nur auf weitere medizinische Massnahmen im Zusammenhang mit den chronischen Schulterschmerzen, sondern sogar auf blosse Verlaufskontrollen, und empfahlen
lediglich ein Weiterführen von Physiotherapie. Auch postulierten sie keineswegs einen allfälligen Kausalzusammenhang mit der im August 2014 erlittenen
Humerusfraktur
(was angesichts der bildgebend gesicherten degenera
tiven Befunde zudem zu hinterfragen gewesen wäre), sondern äusserten sich dazu gar nicht.
4.4
Somit ergeben sich aus den genannten Berichten keinerlei Anhaltspunkte, welche den beschwerdeweise eingenommenen Standpunkt (vorstehend E. 4.1) stützen würden. Vielmehr muss dieser vor dem Hintergrund eben dieser Berichte als widerlegt gelten.
Damit erweist sich die Annahme, dass jedenfalls Ende September 2016 der medi
zinische Endzustand erreicht war, als vollumfänglich gerechtfertigt.
4.5
Anhaltspunkte, wonach das kreisärztliche Zumutbarkeitsprofil (vorstehend E. 3.9 und 3.12) unzutreffend sein könnte, sind weder geltend gemacht worden noch ersichtlich. Somit ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin dieses der Invaliditätsbemessung zugrunde gelegt hat. Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Invaliditätsbemessung (
Urk.
8/178 S. 4 oben) gibt ebenfalls zu keinen Beanstandungen Anlass.
Schliesslich sind auch keine ärztlichen Beurtei
lungen aktenkundig, die auf einen allfälligen Integritätsschaden schliessen lies
sen.
Somit erweist sich der angefochtene Entscheid insgesamt als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.