Decision ID: 98626db4-5db9-48be-84f6-2136e4593361
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 2014, wurde von ihrer Mutter am 20. Juli 2014 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 6/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nischen Verhältnisse ab, wobei seitens der behandelnden Ärzte des Kinderspitals A._ die Geburtsgebrechen Ziffer 177 (übrige angeborene Defekte und Miss
bildungen der Gliedmassen, sofern Operation, Apparateversorgung oder Gips
verband notwendig sind), Ziffer 181 (angeborene Versteifung von Gelenken in Beuge- oder Streckstellung [Krummgelenkigkeit]) sowie Ziffer 193 (angeborener Plattfuss, sofern Operation oder Gipsverband notwendig sind) des Anhangs zur Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV Anhang) diagnostiziert wurden (Urk. 6/17 S. 2). In der Folge erteilte die IV
Stelle im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziffer 181 GgV Anhang diverse Kostengutsprachen für medi
zinische Massnahmen (insbesondere für ambulante Physiotherapie sowie für
Behandlungs- und Bedienungsgeräte; Urk. 6/18-20, Urk. 6/47, Urk. 6/58,
Urk. 6/77 und Urk. 6/98), lehnte indessen einen Anspruch auf medizinische Mass
nahmen betreffend das Geburtsgebrechen Ziffer 193 GgV Anhang sowie eine Kostengutsprache für eine genetische Untersuchung bezüglich des Geburts
gebrechens Ziffer 181 GgV Anhang ab (Urk. 6/31 und Urk. 6/55). Nach durch
ge
führtem Vorbescheid
ver
fahren (Urk. 6/86) wies die IV-Stelle einen Anspruch auf Kostengutsprache für Osteopathie mit Verfügung vom 29. April 2016 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte, gesetzlich vertreten durch ihre Mutter, am 26. Mai 2016 unter Beilage ihres Einwands vom 16. März 2016 sowie diverser Unterlagen der Osteopathin A._ (Urk. 3/1 und Urk. 3/4-7) Beschwerde (Urk. 1) und beantragte sinngemäss, die Verfügung vom 29. April 2016 (Urk. 2) sei aufzuheben und es sei Kostengutsprache für Osteopathie zu leisten (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 28. Juni 2016 (Urk. 5) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführe
rin am 4. Juli 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behand
lung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs.
2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) notwendigen
medizini
schen Massnahmen (Art.
13 Ab
s.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung, IVG
).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
der Ver
ordnung über Geburtsgebrechen,
GgV).
Zu den invalidenversicherungsrechtlich anerkannten Geburtsgebrechen gehört auch die angeborene Versteifung von Gelenken in Beuge- oder Streckstellung (Ziffer 181 GgV Anhang), wie sie bei der Beschwerdeführerin diagnostiziert worden ist.
1.2
Die medizinischen Massnahmen umfassen gemäss Art. 14 Abs. 1 IVG die Behand
lung, die vom Arzt oder von der Ärztin selbst oder auf ihre Anordnung durch medizinische Hilfspersonen in Anstalts- oder Hauspflege vorgenommen wird (lit. a), mit Ausnahme von logopädischen und psychomotorischen Thera
pien
,
sowie die Abgabe der vom Arzt oder der Ärztin verordneten Arzneien (lit. b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der leistungsabweisenden Verfügung und in der Beschwerdeantwort auf den Standpunkt, die Kosten für Osteopathie könnten in begründeten Ausnahmefällen im Zusammenhang mit einem Geburts
gebrechen von der Invalidenversicherung übernommen werden. Vor
aus
setzung sei, dass die Osteopathie durch eine anerkannte Therapiestelle für Physiotherapie durchgeführt werde. Da die Osteopathin A._ aber keine anerkannte Physiotherapeutin (mit ZSR-Nummer) sei, könnten die entsprechenden Kosten nicht übernommen werden (Urk. 2 S. 1, Urk. 5 S. 2).
2.2
Demgegenüber wandte die Mutter der Versicherten ein, bei A._ handle es sich um eine diplomierte Physiotherapeutin, welche in der Vergan
genheit über eine Zahlstellenregister-Nummer (ZSR-Nummer) verfügt habe. A._ habe ihre ZSR-Nummer nach Abschluss ihrer Zusatzausbil
dung als Osteopathin indessen abgeben müssen, da sie ansonsten vom Schwei
zerischen Verband der Osteopathen nicht als Osteopathin anerkannt worden wäre und den Beruf nicht hätte ausüben können. Da die Kosten für Osteopathie in der Schweiz überdies nur im Rahmen einer Zusatzversicherung gedeckt wür
den, sämtliche Krankenversicherer die Beschwerdeführerin als Zusatzversicherte indessen abgelehnt hätten, sei sie nicht der Lage, Osteopathie-Leistungen in
Anspruch zu nehmen, sofern sie nicht selber dafür aufkomme (Urk. 1 Ziff. 12-
18).
2.3
Im vorliegenden Fall ist streitig und zu prüfen, ob die Invalidenversicherung die von A._ durchgeführte osteopathische Behandlung
des Geburtsge
brechens Ziffer 181 GgV
Anhang
als medizinische Massnahme im Sinne von Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 14 Abs. 1 lit. a IVG zu übernehmen hat. Die
positive Wirkung der Osteopathie bei der Beschwerdeführerin und die Anordnung der entsprechenden Therapie durch einen Arzt sind
ausgewiesen (vgl. Urk. 6/81/4-7 S. 2) und werden seitens der Beschwerdegegnerin auch nicht in Frage gestellt (Urk. 5 S. 1).
3.
3.1
Gemäss Art. 26 Abs. 1 IVG steht dem Versicherten die Wahl unter den eidgenössisch diplomierten Ärzten (sowie Zahnärzten und Apothekern) frei. Das freie Arztwahlrecht steht einzig unter dem Vorbehalt des Entzugs der Behandlungsbefugnis aus wichtigen Gründen (Art. 26 Abs. 4 IVG).
Analog dem freien Arztwahlrecht statuiert Art. 26
bis
Abs. 1 IVG auch mit Bezug auf medizinische Hilfspersonen ein freies Wahlrecht der Versicherten, doch ist dieses im weiteren Masse eingeschränkt als jenes. Einerseits steht das Recht der Versicherten auf freie Wahl der medizinischen Hilfspersonen (und anderer Leistungs
erbringer) unter dem Vorbehalt, dass diese „den kantonalen Vor
schriften und den Anforderungen der Versicherung genügen“ (Art. 26
bis
Abs. 2 letzter Halbsatz IVG). Andererseits ist der Bundesrat gestützt auf die ihm in Art. 26
bis
Abs. 2 IVG eingeräumte Delegationskompetenz befugt, Vorschriften über die Zulassung von medizinischen Hilfspersonen (und von anderen Leis
tungserbringern) zu erlassen.
Mit Bezug auf die medizinischen Hilfspersonen hat der Bundesrat von dieser Befugnis (abgesehen von vorliegend nicht interessierenden Ausnahmen) keinen Gebrauch gemacht, weshalb der Vorbehalt der bundesrechtlichen Zulassungs
vorschriften gemäss Art. 26
bis
Abs. 2 IVG in diesem Leistungsbereich nicht zum Zug kommt (vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversiche
rung, 3. Aufl. 2014, Rz 3 zu Art. 26
bis
IVG).
3.2
Gestützt auf Art. 27 Abs. 1 IVG ist der Bundesrat befugt, mit der Ärzteschaft, den Berufsverbänden der Medizinalpersonen und der medizinischen Hilfsperso
nen (und anderen Leistungserbringern) Verträge zu schliessen, um die Zusam
menarbeit mit den Organen der Versicherung zu regeln und die Tarife festzule
gen. Der Bundesrat hat diese Kompetenz in Art. 24 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) an das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) delegiert und in Abs. 3 dieser Bestimmung statuiert, dass die vertraglich festgelegten beruflichen Bedingungen für Personen (und Stellen), die Ein
gliederungsmassnahmen durchführen, ohne einem bestehenden Vertrag beizu
treten, als Mindestanforderung im Sinne von Art. 26
bis
Abs. 1 IVG gelten. Mit dieser Bestimmung hat der Bundesrat die „Anforderungen der Versicherung“ im Sinne von Art. 26
bis
Abs. 1 IVG näher ausgeführt. Das in Art. 26
bis
Abs. 1 IVG hinsichtlich der medizinischen Hilfspersonen (und anderer Leistungserbringer) statuierte freie Wahlrecht der Versicherten steht somit unter dem zusätzlichen Vorbehalt der in einem Vertrag festgelegten beruflichen Anforderungen. Diese gelten für alle Personen (und Stellen), welche Eingliederungsmassnahmen durch
führen, gleichgültig, ob sie dem Vertrag beigetreten sind oder nicht (Urteile des Bundesgerichts I 187/00 vom 14. September 2000 E. 2c und I 174/03 vom 28. Dezember 2004 E. 5.1). Soweit kein solcher Vertrag besteht, kann der Bundesrat die Höchstbeträge festsetzen, bis zu denen den Versicherten
die Kosten der Eingliederungsmassnahmen vergütet werden (Art. 27
Abs. 3 IVG).
Mit Bezug auf Osteopathen bestehen weder Verträge im Sinne von Art. 27 Abs. 1 IVG noch eine Festsetzung von Höchstbeträgen gemäss Art. 27 Abs. 3 IVG.
3.3
Die Invalidenversicherung sieht - im Gegensatz zur Krankenversicherung (vgl. Art. 35 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung, KVG) - keinen abschliessenden Katalog der Hilfspersonen vor, welche zur Vornahme medizi
nischer Massnahmen gemäss Art. 14 Abs. 1 IVG berechtigt sind.
Ent
sprechend gelten sämtliche Personen als Hilfspersonen, die medizinische
Massnahmen im Sinne von Art. 12 f. IVG vornehmen und die Voraussetzungen von Art. 26
bis
IVG erfüllen. Der Umstand, dass Osteopathen in Rz
1202 des Kreis
schreiben
s des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV)
über die medi
zini
schen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (KSME) nicht erwähnt werden, schliesst somit eine entsprechende Leistungspflicht
der Invali
denversicherung
nicht aus
(Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversiche
rung, Bern 2011, S. 102 Rz 166 mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts I 174/03 vom 28. Dezember 2004 E. 5.2 f.; Meyer/Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014, Art. 26
bis
N 4)
.
3.4
Das IV-Rundschreiben Nr. 232 des BSV vom 2. März 2006 betreffend Kosten
ver
gütung für medizinische Massnahmen nach Art. 12 und Art. 13 IVG lautet dahin, dass ein Leistungserbringer grundsätzlich dann anerkannt ist, wenn er einer Tarifvereinbarung mit der Invalidenversicherung beigetreten ist. Er ist dann entweder auf einer Therapeutenliste aufgeführt oder erhält eine Identifika
tions
nummer (Ziff. 6 S. 2). Während das Rundschreiben die Anerken
nung von Ärzten, Zahnärzten, Spitälern und Physiotherapeuten – für letztere erfolgt die Anerkennung durch santésuisse mittels ZSR-Nummer – festlegt, fehlen ent
sprechende Angaben betreffend Osteopathen (Ziff. 6 S. 3). Das Bun
desgericht hat mit Bezug auf das besagte Rundschreiben festgehalten, dass aus einer ZSR
Nummer zwar auf eine Tarifvereinbarung mit der Kranken- oder Invaliden
versicherung geschlossen werden könne, dass deren Bestehen im Inva
liden
versicherungsrecht indes weder Voraussetzung der Leistungspflicht im Ein
zelfall sei, noch die versicherte Person daraus einen Rechtsanspruch für die Über
nahme entsprechender Kosten durch die Invalidenversicherung ableiten könne (Urteil des Bundesgerichts 9C_917/2011 vom 28. März 2012 E. 6.2). Der Zweck der ZSR-Nummer liegt denn auch im Wesentlichen in der erleichterten Abrechnung zwischen Leistungserbringer und Versicherer und entlastet letzeren von der aufwändigen Prüfung der Zulassungsvoraussetzungen im Einzelfall, zumal der Versicherer grundsätzlich davon ausgehen darf, dass der über eine ZSR-Nummer verfügende Rechnungssteller die Voraussetzungen der Zulassung als Leistungserbringer erfüllt (BGE
135
V
237 E. 2 mit Hinweis auf BGE 132 V 303 E. 4.3.2).
Insoweit ginge die Auffassung der Beschwerdegegnerin, wonach Osteopathie nur bei Physiotherapeuten mit einer ZSR-Nummer anerkannt werden könnte, fehl.
3.5
Die selbständige Berufsausübung als Osteopathin oder Osteopath ist im Kanton Zürich (zur Regelung auf Bundesebene das am 31. September 2016 im Parla
ment verabschiedete Bundesgesetz über die Gesundheitsberufe [GesBG]) grund
sätzlich erlaubt, ohne dass dafür eine entsprechende Bewilligung der zuständi
gen Gesundheitsdirektion erforderlich ist. Ebenso wenig besteht eine diesbezügliche Meldepflicht. Lediglich die selbständige Tätigkeit unter dem von der Schweize
rischen Konferenz der Gesundheitsdirektorinnen und –direktoren (GDK) verliehenen interkantonalen Diplom als Osteopathin oder Osteopath untersteht der Bewilligung zur Titelführung (§ 65 in Verbindung mit § 3 lit. g des zürcherischen Gesundheitsgesetzes [GesG] sowie § 9 der Verordnung über die nichtuniversitären Medizinalberufe [nuMedBV];
vgl. auch Merkblatt Nicht
ärztliche Alternativ- und Komplementärmedizin im Kanton Zürich der Gesund
heitsdirektion vom Juni 2016, S. 1 und S. 2).
Im Nationalen Register über Gesundheitsberufe (
www.nareg.ch
) ist A._ als Osteopathin mit GDK-Diplom sowie als anerkannte Physiothera
peutin eingetragen. Ob A._ über die entsprechende kantonale Bewilligung zur Titelführung verfügt, ist weder aus dem Registereintrag noch den Akten ersichtlich. Diese Frage kann im Lichte der nachfolgenden Erwä
gungen indessen offenbleiben.
3.6
3.6.1
Die Leistungspflicht der Invalidenversicherung bei medizinischen Massnahmen im Allgemeinen (
Art.
12 IVG) und bei Geburtsgebrechen im Besonderen (
Art.
13 IVG) setzt unter anderem voraus, dass die Massnahmen nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind (
Art.
2
Abs.
1 Sa
tz 2 IVV und Art. 2 Abs. 3 GgV
). Nach der Rechtsprechung gilt eine Behandlungsart dann als bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft entsprechend, wenn sie von Forschern und Praktikern der medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis anerkannt ist. Das Schwergewicht liegt auf der Erfahrung und dem Erfolg im Bereich einer bestimmten Therapie (
BGE 123 V 53
E. 2b/aa
, vgl.
BGE
115 V 191
E. 4b, je mit Hinweisen). Die für den Bereich der Kranken
pflege entwi
ckelte Definition der Wissenschaftlichkeit findet prinzipiell auch auf die medizinischen Massnahmen der Invalidenversicherung Anwen
dung. Eine Vor
kehr, welche mangels Wissenschaftlichkeit nicht durch die obligatorische Kran
kenpflegeversicherung zu übernehmen ist, kann grund
sätzlich auch nicht als medizinische Massnahme nach
Art.
12 oder 13 IVG zu Lasten der Invaliden
ver
sicherung gehen (
BGE 123 V 53
E. 2b/cc mit Hinweisen; Urteile
des Bundes
ge
richts
I 519/03 vom 1
1.
Dezember 2003 E
. 5, I 757/02 vom 11. März 2003
E.
2.1). Medizinische Eingliederungsmassnahmen der Invaliden
ver
siche
rung (
Art.
12 und 13 IVG) sowie Analysen und Arzneimittel (
Art.
4
bis
IVV) werden somit nur unter der Voraussetzung gewährt, dass sie wissen
schaftlich anerkannt sind. Auch in der Invalidenversicherung gilt das funda
mentale Prinzip der
wissenschaftlich nachgewiesenen Wirksamkeit (vgl. dazu
BGE 129 V 167
E. 3.2
), der wissenschaftlichen Anerkennung mithin (
BGE 125 V 21
E. 5a in fine
,
123 V 53 E. 2b/cc
; Urteil
des Bundesgerichts
I
519/03 vom 1
1.
Dezember 2003 E. 5.1).
3.6.2
Die Osteopathie ist eine ganzheitliche Medizin, die der Prävention und Heilung insbesondere durch manuelle Techniken dient und sich nicht nur auf die phy
sischen Symptome begrenzt, sondern auch die Lebensgewohnheiten und den allge
meinen Gesundheitszustand des Patienten berücksichtigt (vgl.
http://osteo
pathes-suisses.ch/public/de/pages/104
, abgerufen am 20. März 2017). Sie zählt zu den komplementärmedizinischen Fachrichtungen, denen im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung in der Regel ein ausrei
chender Wirk
samkeitsnachweis (vgl. E. 3.6.1 hievor) fehlt (Urteil des Bundesge
richts 9C_108/2014 vom 26. September 2014 E. 3.5.3; vgl. auch Eugster, Kran
ken
versicherung, in: Soziale Sicherheit, Schweizerisches Bundesverwaltungs
recht Band XIV, 3. Aufl. 2016, S. 612 Rz 669; ferner auch Bericht des Bun
desrates vom 13. Mai 2015 betreffend Komplementärmedizin: Stand der Umsetzung von Art. 118a der Bundesverfassung – Schwerpunkt: Leistungs
pflicht der obliga
to
rischen Krankenpflegeversicherung, S. 3 Ziff. 1.1 und S. 11 Ziff. 7.2).
Die osteopathische Therapie findet keine Erwähnung in der Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Kranken
pflege-Leistungsverordnung, KLV) und zwar weder unter dem Titel der von Ärzten und Ärztinnen oder Chiropraktikern und Chiropraktorinnen erbrachten Leistungen, deren Kosten nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen werden (Art. 1 KLV und Anhang 1 zur KLV, Art. 33 lit. a der Krankenverordnung [KVV] in Verbindung mit Art. 33 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversi
cherung [KVG]), noch unter dem Titel neuer oder umstrittener Leistungen, deren Wirksamkeit, Zweckmässigkeit oder Wirtschaftlichkeit sich in Abklärung befin
den (dies im Gegensatz zu sechs im Anhang 1 Ziff. 10 zur KLV genannten komplementärmedizinischen Fachrichtungen; Art. 33 lit. c KVV in Verbindung mit Art. 33 Abs. 3 KVG), noch unter dem Titel der auf Anordnung oder im Auf
trag eines Arztes oder einer Ärztin erbrachten Leistungen (Art. 5-11 KLV, Art. 33 lit. b KVV in Verbindung mit Art. 33 Abs. 2 KVG; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts I 174/03 vom 28. Dezember 2004 E. 6.2). Die Osteopathie stellt somit keine Leistung dar
, deren Kosten von der obligatorischen Krankenpflege
versicher
ung übernommen wird, weshalb sie auch nicht als medizinische Mass
nahme nach Art. 13 IVG zu Lasten der Invalidenversicherung geht. Entspre
chend sieht auch das IV-Rundschreiben Nr. 307 des BSV vom 24. Januar 2012 betreffend Vergütung der ärztlichen Komplementärmedizin durch die IV keine Leistungspflicht der Invalidenversicherung für Osteopathie vor.
3.6.3
Im „Arztbericht für Versicherte vor dem 2
0.
Altersjahr" beantwortete
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, die Frage der IV
Stelle, ob Osteopathie im Zusammenhang mit einem Geburtsgebrechen notwen
dig sei, mit Ja, unter der Begründung, dass eine Arthrogrypose
(
ange
borene Gelenksteife
)
mit leichtem Schiefhals nach links, leichter Skoliose, Klino
daktylie Dig V F
uss
rechts und Dig l F
uss
links sowie Talus verticalis beidseits (ange
meldet unter der Ziffer 181 GgV Anhang) bestehe. Als therapiebedürftige Symptome nannte sie Kontrakturen an sämtlichen Gelenken der oberen und unteren Extremitäten sowie Spannung durch Gelenksein
schränkung und Fehl
haltung der Wirbelsäule. Das Therapieziel bestehe darin, mittels manueller Mobilisation Kontrakturen und Extensionsdefizite zu lösen, die Bewegungsfrei
heit der Gelenke und des Gewebes respektive die Funktion im Alltag zu verbes
sern, die vertikale Aufrichtung zu unterstützen und die neuromuskuläre und craniosacrale Entwicklung zu fördern (
Urk.
3/3).
Mit Rechnung vom 2
9.
Dezember 2015 wies
A._
die vorliegend in Frage stehenden Leistungen unter dem Titel „Bezeichnung/Methode" ausdrück
lich als „Osteopathie/Etiopathie" (drei Einheiten [am 2
6.
Oktober, 23.
November und 1
2.
Dezember 2015] zu 45 Minuten beziehungsweise zweimal 30 Minuten zum Ansatz von
Fr.
200.
--
pro Stunde; Gesamtbetrag von
Fr.
350.
--
) aus. Zudem stand die Beschwerdeführerin im in der Rechnung erwähnten Zeitraum (Oktober bis Dezember 2015) mindestens während der Monate Oktober und November (mit mutmasslich ähnlichem Therapieziel)
mehrfach bei
der Physio
therapeutin
C._
in physiotherapeutischer Behandlung (Urk.
6/62/1). Ent
sprechend gehen die Kosten für die von
A._
erbrachten Leistungen nicht als medizinische Massnahme nach
Art.
13 IVG zu Lasten der Invalidenversiche
rung. Dabei ist nicht entscheidend, ob es sich bei
A._
um eine anerkannte Physiotherapeutin (mit ZSR-Nummer) handelt oder nicht. Massge
bend ist, dass der von ihr erklärtermassen angewandten (durch die obligatori
sche Kranken
pflege
versicherung nicht zu übernehmenden) Osteopathie ein aus
reichender Wirksamkeitsnachweis fehlt (vgl. E. 3.6.1 und E.
3.6.2 hievor). Die Verfügung vom 2
9.
April 2016 erweist sich
damit im Ergebnis als rechtens.
Anzumerken bleibt allerdings, dass sich in der tatsächlichen Praxis von Physio
therapeuten mit Zusatzausbildung in Osteopathie eine klare Abgrenzung zwi
schen physiotherapeutischen und osteopathischen Behandlungstechniken mit
unter als schwierig erweisen dürfte, da sich die (strukturelle) Osteopathie teilweise mit der in der Physiotherapie praktizierten manuellen Therapie über
lappt.
4.
Da
es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegenden
Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr.
6
00.
-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerle
gen
.