Decision ID: b4634af5-0a5c-5775-8bbc-2b826dcea531
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein iranischer Staatsangehöriger kurdischer Eth-
nie, verliess den Iran eigenen Angaben zufolge Ende Sommer 2018 illegal
und gelangte nach einer Reise über verschiedene Länder am 3. Dezember
2018 in die Schweiz, wo er am 4. Dezember 2018 um Asyl nachsuchte. Am
6. Dezember 2018 wurde er zu seiner Person befragt (BzP; Protokoll in
den SEM-Akten A8/12) und am 18. Februar 2020 fand die Anhörung zu
seinen Asylgründen statt (Anhörung; Protokoll in den SEM-Akten A16/23).
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine Shenasnameh (Per-
sonenstandsurkunde), seine Melli-Karte (Identitätskarte) und einen USB-
Stick mit Fotos über seine Arbeit als Lastenträger ein.
B.
Mit am 12. Juni 2020 eröffneter Verfügung vom 10. Juni 2020 stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 10. Juli 2020 erhob der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und unter Anerkennung
der Flüchtlingseigenschaft sei ihm Asyl zu gewähren. Eventuell sei die
Streitsache zwecks Ergänzung des Sachverhalts und Neubeurteilung zu-
rückzuweisen. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegwei-
sung unzumutbar sei, und als Folge davon sei die Verfügung des SEM vom
10. Juni 2020 aufzuheben und wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen.
In prozessualer Hinsicht begehrt er, es sei im Sinne vorsorglicher Mass-
nahmen der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu er-
teilen. Die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung
des Beschwerdeführers in den Iran abzusehen, bis das Bundesverwal-
tungsgericht über den Suspensiveffekt der eingereichten Beschwerde ent-
schieden habe. Schliesslich sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewäh-
ren, insbesondere sei auch von einer Kostenvorschusspflicht abzusehen.
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D.
Am 15. Juli 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht dem Rechts-
vertreter den Eingang der Beschwerde und stellte fest, der Beschwerde-
führer könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz ab-
warten.
E.
Mit Eingabe vom 16. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Bestäti-
gung seiner Bedürftigkeit vom 9. Juli 2020, ausgestellt vom Schweizeri-
schen Roten Kreuz, zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
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Seite 4
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Angesichts der Rechtslage (Art. 55 Abs. 1 VwVG) war auf die Anträge um
Aussetzung des Wegweisungsvollzugs sowie um Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung von vornherein nicht einzutreten. Weitere Ausfüh-
rungen erübrigen sich angesichts des vorliegenden Entscheides in der Sa-
che. Gleiches gilt für den Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Art. 3 Abs. 4 AsylG hält zwar fest, dass Personen, die Gründe geltend
machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind
und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Her-
kunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, keine
Flüchtlinge seien. Diese einschränkende Feststellung wurde vom Gesetz-
geber jedoch durch den ausdrücklichen Hinweis auf den – rechtsdogma-
tisch selbstverständlichen – Vorbehalt der Geltung der Flüchtlingskonven-
tion relativiert.
4.3 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (sogenannte subjektive Nachfluchtgründe). Eine Person, die sub-
jektive Nachfluchtgründe geltend macht, hat begründeten Anlass zur
Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit
erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat
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Seite 5
und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevan-
ter Weise im Sinne von Art. 3 AsylG verfolgt würde. Die Flüchtlingseigen-
schaft wird unabhängig davon anerkannt, ob die Berufung auf die subjek-
tiven Nachfluchtgründe missbräuchlich erfolgt oder nicht (vgl. BVGE
2009/28 E. 7.1).
4.4 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Die Flüchtlingseigenschaft ist glaubhaft
gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit für gegeben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Glaubhaftma-
chung bedeutet im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweis-
mass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den
Aussagen. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das
Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend
für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Demgegenüber reicht
es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen
zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche
und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-
stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob
die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len (BVGE 2015/3 E. 6.5.1). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen,
die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüch-
lich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf ge-
fälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3
AsylG).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer bringt zur Begründung seines Asylgesuches fol-
gendes vor:
Er sei, wie viele junge Leute in seiner Herkunftsregion, unter anderem als
sogenannter "Kolbar" (Lastenträger) tätig gewesen und habe illegal Waren
über die iranisch-irakische Grenze transportiert. Eines Tages, als er mit sei-
nem Kollegen N. auf dem Rückweg vom Irak gewesen sei, hätten die ira-
nischen Grenzbehörden sie beschossen. N. sei ums Leben gekommen,
wobei er (Beschwerdeführer) den Täter erkannt habe. Im Spital, wohin er
zusammen mit den Dorfbewohnern das Opfer gebracht habe, sei der Täter
plötzlich aufgetaucht. Er sei von ihm eingeschüchtert und bedroht worden,
weshalb er zugestimmt habe, dass er niemandem davon erzählen werde.
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Gleichzeitig sei die Polizei im Spital gewesen und habe die Eltern des Op-
fers gefragt, ob sie Anzeige erstatten wollten, was diese verneint hätten.
Noch am selben Tag sei der Polizeiposten im Dorf – von wo aus auf ihn
und seinen Kollegen geschossen worden sei – angegriffen worden.
Am nächsten Tag beziehungsweise einen Monat später, als er erneut als
Lastenträger gearbeitet habe, sei er erneut von Grenzbeamten überrascht
worden. Der Täter, der N. erschossen habe, habe ihn verfolgt und er habe
sich ihm gestellt, weil es ihm zu beschwerlich gewesen sei, ins Gebirge zu
fliehen. Der Täter habe ihm vorgeworfen, ihn verraten zu haben und damit
den Grund für den Angriff auf den Polizeiposten gesetzt zu haben. Es sei
ihm (dem Beschwerdeführer) dann gelungen, dem Täter die Pistole zu ent-
wenden, auf den Boden neben seine Füsse zu schiessen und zu fliehen.
Nach diesem Vorfall sei er nach Hause zurückgekehrt beziehungsweise
sei eine Rückkehr nach Hause keine Option mehr gewesen. Er habe des-
halb Verwandte angerufen, die ihn abgeholt hätten; bei ihnen habe er sich
versteckt. Diese Verwandten hätten Beziehungen zum Ettelaat (Anmer-
kung Gericht: iranischer Geheimdienst), gehabt und dadurch Informationen
über den Stand der Dinge in Erfahrung bringen können. So hätten sie ver-
nommen, dass eine Akte gegen ihn eröffnet worden sei. Man habe ihm
vorgeworfen, auf einen Offizier der Sepah (Anmerkung Gericht: Sepah-e
Pasdaran-e Enqelab-e Eslami; Revolutionsgarden) geschossen zu haben
und diesen umbringen zu wollen. Da man als Kurde mit einer offenen Akte
beim Geheimdienst deutlich heftiger als normale Iraner bestraft und im
Falle einer Festnahme sogar hingerichtet werde, habe er den Iran verlas-
sen. Beim Abschied habe ihm seine Mutter zudem erzählt, dass Mitarbeiter
des Ettelaat ihn zweimal zuhause aufgesucht hätten. Als er bereits in der
Türkei gewesen sei, habe er telefonisch von seiner Mutter erfahren, dass
die Akte gegen ihn eröffnet worden beziehungsweise immer noch offen sei.
Der Beschwerdeführer macht auch geltend, während seiner Reise, in Ser-
bien, sei er zum Christentum konvertiert beziehungsweise er habe darüber
nachgedacht, dies zu tun, es dann aber gelassen. Schliesslich gab er an,
in der Schweiz Mitglied der Kurdischen Demokratischen Partei zu sein, wo-
bei er bisher keine Aktivitäten ausgeübt habe.
5.2 Das SEM führt zur Begründung der angefochtenen Verfügung zu-
nächst aus, der Beschwerdeführer habe die Fragen rund um seine Arbeit
als Lastenträger detailliert und nachvollziehbar beantworten können und
seine Ausführungen zu den häufigen gewalttätigen Zwischenfällen mit den
iranischen Grenzbehörden bei solchen Warentransporten deckten sich mit
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Berichten kurdischer Menschenrechtsorganisationen. Demgegenüber sei
nicht glaubhaft, dass gerade er persönlich in der von ihm geltend gemach-
ten Weise in den Fokus der iranischen Behörden geraten sei. Es führt dazu
aus, er habe widersprüchliche Angaben gemacht. So habe er einerseits
gesagt, es wäre den Angehörigen des Opfers möglich gewesen Anzeige
zu erstatten, weil es nicht erlaubt sei zu schiessen, was die Polizei den
Angehörigen auch angeboten habe. Danach gefragt, weshalb niemand An-
zeige erstattet habe – immerhin sei die Polizei vor Ort gewesen und der
Täter bekannt – habe er, im Widerspruch zur vorherigen Aussage, erwidert,
eine Anzeige würde nichts bringen. Am Tag nach dem Tod von N. habe er,
seinen Schilderungen während der BzP zufolge, erneut Waren transpor-
tiert. Dabei sei er wiederum von den Grenzbehörden, inklusive dem Täter,
überrascht worden. Während der Anhörung habe er, im Widerspruch dazu,
ausgesagt, er habe nach dem Tod seines Kollegen während einem Monat
nicht gearbeitet, seine Mutter habe es ihm nicht erlaubt. Erst nach diesem
Monat sei es zu dem geltend gemachten erneuten Zwischenfall gekom-
men. Darauf angesprochen habe er erwidert, er habe bereits an der BzP
von zwei bis vier Wochen gesprochen, zudem liege die BzP lange zurück.
Angesichts des rückübersetzten und von ihm unterschriebenen Protokolls,
sowie dem Umstand, dass es sich beim zweiten Zwischenfall immerhin um
den Auslöser seiner Ausreise handle, sei diese Erklärung wenig überzeu-
gend.
Obschon die Darstellung des zweiten Vorfalls mit dem Täter nicht gänzlich
in Abrede gestellt werden könne, sei ein derart konfrontatives, waghalsiges
Verhalten angesichts der kurz zuvor miterlebten Erschiessung von N. und
der gegen ihn gerichteten Drohungen befremdlich. Anlässlich des Zusam-
menstosses habe der Täter ihm zudem einerseits gesagt, er wolle ihn nicht
töten, sondern ihm eine Lektion erteilen; er habe ihm die Schuld für den
Angriff auf den Polizeiposten gegeben. Gleichzeitig habe der Beschwerde-
führer andererseits erwähnt, dass er die Pistole auf ihn gerichtet und ihn
habe töten wollen. Auch diese unterschiedlichen Aussagen seien nicht
nachvollziehbar. Laut seinen Aussagen während der BzP sei er nach die-
sem Vorfall zwei oder drei Tage zuhause geblieben. Da er eine ständige
Gefahr gespürt habe, sei er schliesslich ausgereist. Im Gegensatz dazu
habe er während der Anhörung explizit erklärt, dass er nicht nach Hause
zurückgekehrt sei, sondern sich im Wald versteckt habe; er habe gewusst,
dass man ihn suchen würde. Deshalb habe er den Schwiegersohn seines
Onkels angerufen, der ihn abgeholt und zu sich nach Hause mitgenommen
habe.
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Nach einer Woche bei dieser Familie zuhause – auch dies ein Widerspruch
zu den zuvor erwähnten zwei oder drei Tagen zwischen dem Vorfall und
seiner Ausreise – habe der Schwiegersohn seines Onkels einen Bekann-
ten beim Ettelaat angerufen, der ihm noch am gleichen Abend persönlich
mitgeteilt habe, dass eine Akte gegen ihn eröffnet worden sei. Darin werde
ihm vorgeworfen, auf einen Offizier der Sepah geschossen zu haben. Auf-
grund dieser Akte habe er sein Heimatland schliesslich verlassen. Was der
Geheimdienst mit der Eröffnung eines solchen Dossiers überhaupt hätte
bezwecken sollen – weder habe er Anzeige erstattet noch sich der Auffor-
derung, den Täter nicht zu entlarven, widersetzt – gehe aus seinen Schil-
derungen nicht hervor. Seine Erklärung, dass man nichts vom Geheim-
dienst herausbekommen könne, erscheine angesichts seiner Möglichkeit,
an interne Informationen zu gelangen, fraglich.
Weiter falle auch auf, dass er im Rahmen der BzP angegeben habe, er
habe den Iran letztlich verlassen, da er sich ständig in Gefahr gewähnt
habe. Er habe vermutet, dass er bald verhaftet würde. Allfällige Akten beim
Geheimdienst, die zu seiner Ausreise geführt hätten, habe er nicht er-
wähnt, vielmehr habe er auf die Frage, weshalb er eine baldige Verhaftung
vermute, zu Protokoll gegeben, dass er eine Woche nach seiner Ausreise
mit einem Freund telefoniert habe. Dieser habe ihm mitgeteilt, dass die
Polizei und der Ettelaat ihn suchten. Sein Freund habe dies dank Verwand-
ten bei den Behörden in Erfahrung bringen können. Auf diesen Wider-
spruch angesprochen habe er erwidert, dass er seine Ausreisegründe an-
lässlich der BzP lediglich zusammengefasst habe. Nach der Ausreise habe
er mit seiner Mutter telefoniert und erfahren, dass seine Akte beim Ettelaat
nach wie vor offen sei. Eine solche Erklärung sei angesichts dieser vonei-
nander zu trennenden Ereignisse – einmal handle es sich um erste Nach-
forschungen vor der Ausreise, einmal um weiterführende Nachfragen nach
der Ausreise – wenig nachvollziehbar. Auch der Verweis auf die kurze
Dauer der BzP vermöge daran nichts zu ändern, zumal es sich eben nicht
um ein zuvor nicht erwähntes Ereignis handle, sondern um einen Wider-
spruch. Des Weiteren widerspreche auch der Umstand, dass er gemäss
seinen Aussagen während der BzP nicht wegen konkreten behördlichen
Interventionen, sondern wegen einem Gefühl der Gefahr, ausgereist sei,
seinem Erklärungsversuch. Seine widersprüchlichen Aussagen erhärteten
die Zweifel an der geltend gemachten Verfolgung. Daran vermöchten auch
die eingereichten Fotos nichts zu ändern, zumal es sich dabei lediglich um
allgemeine Dokumente über die Arbeit der Lastenträger, sowie seinen ge-
töteten Kollegen und dessen Beerdigung handle. Die geltend gemachte
Verfolgungssituation vermöge dadurch nicht belegt zu werden.
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Schliesslich habe er auch keine subjektiven Nachfluchtgründe dargetan. Er
habe angegeben, in der Schweiz Mitglied der Kurdischen Demokratischen
Partei geworden zu sein und an Aktivitäten bis zum Zeitpunkt der Anhörung
im Februar 2020 nicht teilgenommen zu haben und auch sonst nicht exil-
politisch aktiv zu sein. Damit lägen keinerlei Anhaltspunkte vor, welche zur
Annahme exilpolitischer Aktivitäten führen könnten, mit denen er aus der
Masse regimekritischer iranischer Staatsangehöriger im Ausland hervor-
treten und als ernsthafte Bedrohung für das iranische Regime wahrgenom-
men werden könnte.
5.3 In der Beschwerde wird im Wesentlichen entgegnet, die Schilderungen
des Beschwerdeführers enthielten zahlreiche Realkennzeichen, die für die
Glaubhaftigkeit seiner Sachverhaltsdarstellung sprächen. Auch sei es nicht
angebracht, ihm vorzuhalten, er habe sich nicht rational verhalten, ange-
sichts der damaligen Stresssituation, zumal gemäss bundesverwaltungs-
gerichtlicher Rechtsprechung im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung bei
Plausibilitätsüberlegungen Zurückhaltung angebracht sei. Auf die Entgeg-
nungen zur Argumentation der Vorinstanz im Einzelnen, wird nachfolgend
eingegangen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach einlässlicher Prüfung der
Akten zum Schluss, dass das SEM die Vorbringen des Beschwerdeführers
zu Recht als unglaubhaft qualifiziert hat. Dies aus folgenden Gründen:
6.1.1 Zwar ist festzustellen, dass einzelne Argumente des SEM nicht gänz-
lich überzeugen. So wendet der Beschwerdeführer etwa zu Recht ein, zwi-
schen der Aussage, man könne eine Anzeige einreichen, weil nicht ge-
schossen werden dürfe einerseits und seiner späteren Angabe, eine An-
zeige hätte nichts gebracht, liege kein Widerspruch. Dies umso weniger als
er auch noch nachvollziehbar schilderte, weshalb eine Anzeige nichts
bringe beziehungsweise eher kontraproduktiv sei (A16 F98). Aus seiner
Antwort auf die Frage 86 kann ohne weiteres geschlossen werden, er habe
damit gemeint, dass die grundsätzliche Möglichkeit einer Anzeige gegeben
sei. Ebenfalls wenig überzeugend ist, wenn das SEM dem Beschwerde-
führer vorhält, es gehe aus seinen Schilderungen nicht hervor, was der Ge-
heimdienst mit der Eröffnung eines Dossiers überhaupt hätte bezwecken
sollen, zumal er weder Anzeige erstattet noch sich der Aufforderung, den
Täter nicht zu entlarven, widersetzt habe. Denn der Beschwerdeführer be-
gründet ja die Eröffnung einer Akte damit, dass ihm vorgeworfen werde,
auf einen Offizier der Sepah geschossen zu haben, was den Zweck einer
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Dossiereröffnung offensichtlich zu erklären vermag (ebd. F59, S. 10, 4. Ab-
schnitt in fine).
6.1.2 Demgegenüber stellt das SEM aber zu Recht auch gewichtige Un-
stimmigkeiten fest, die insgesamt gegen die Glaubhaftigkeit der Sachdar-
stellung des Beschwerdeführers sprechen. Dies betrifft etwa den Vorhalt,
der Beschwerdeführer habe an der BzP nicht erwähnt, dass eine Akte über
ihn existiere, sondern dort als Ausreisegrund angegeben, dass er eine
ständige Gefahr gespürt und vermutet habe, er werde bald verhaftet. Auf
die Nachfrage, weshalb er vermutet habe, bald verhaftet zu werden, gab
er an der BzP zur Antwort, er habe etwa eine Woche nach seiner Ausreise
mit einem Freund telefoniert, der ihm gesagt habe, die Polizei und der Et-
telaat würden nach ihm suchen; dieser Freund habe Verwandte bei den
Behörden und dies so erfahren (A8 Ziff. 7.02). Es ist tatsächlich in keiner
Weise nachvollziehbar, warum der Beschwerdeführer in diesem Moment
nicht geantwortet hätte, es bestehe eine Akte über ihn und es werde ihm
vorgeworfen, auf einen Offizier der Grenzwache geschossen zu haben,
wenn dies tatsächlich so wäre und er es – noch vor der Ausreise – von dem
Verwandten des Schwiegersohnes seines Onkels persönlich erfahren
hätte, wie er dies später in der Anhörung zu Protokoll gibt (A16 S. 10, 4.
Abschnitt). Im Übrigen gibt er in der Beschwerde plötzlich dazu an, er
selbst habe Verwandte, die beim Ettelaat arbeiteten und von denen er dies
erfahren habe (ebd. S. 4 unten). Auch in zeitlicher Hinsicht wirft das SEM
dem Beschwerdeführer zu Recht Unstimmigkeiten vor, die sich mit seinen
Hinweisen auf die Kürze der BzP und dem Zeitraum zwischen den beiden
Befragungen nicht erklären lassen. Dies betrifft etwa den Zeitraum zwi-
schen dem ersten und dem zweiten Ereignis oder die Anzahl Tage, die er
bis zur Ausreise noch im Iran verbracht habe. Sein Einwand in der Be-
schwerde, der Vorwurf des SEM wegen der wenigen Tage sei unverhält-
nismässig, vermag nichts zu bewirken. Hinzu kommt nämlich auch, dass
er sich nicht nur hinsichtlich der Dauer, sondern auch in Bezug auf den Ort,
wo er sich vor seiner Ausreise aufgehalten habe widersprach, und zwar
entscheidend (u.a. A8 Ziff. 7.01., A16 F59 S. 10). Unter dem Aspekt zeitli-
cher Komponenten fällt im Übrigen auf, dass sich der Beschwerdeführer
nie konkreter zum Zeitpunkt seiner Ausreise (Ende Sommer 2018) oder der
beiden geltend gemachten Ereignisse äussern kann, wofür keine Erklärung
ersichtlich ist (A8 Ziff. 5.01, 7.01 f.; A16 F78, F105). Auch auf Beschwerde-
ebene bleiben seine zeitlichen Angaben durchgehend vage (ebd. Ziff. II).
Zu Recht hält das SEM dem Beschwerdeführer unter anderem auch vor,
sein Verhalten anlässlich des zweiten Ereignisses sei befremdlich. Es ist
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tatsächlich nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer es vorgezo-
gen habe, die Konfrontation mit dem Täter zu suchen, nachdem er um des-
sen unzimperliche Haltung wusste, einfach weil es ihm zu beschwerlich
war, zu fliehen. Erstaunlich ist im Übrigen auch, dass es angesichts der
umschriebenen Umstände (u.a. A16 F82) dem Täter und den begleitenden
Soldaten beim ersten Vorfall nicht gelungen ist, den Beschwerdeführer
ebenfalls zu treffen, sei dies doch gemäss Aussage des Beschwerdefüh-
rers grundsätzlich die Absicht der Grenzwächter (A16 F80).
6.1.3 Soweit der Beschwerdeführer einwendet, das SEM habe die vielen
Realkennzeichen in seinen Schilderungen übersehen, ist dies nicht zutref-
fend. So hat es gleich zu Beginn festgehalten, die Schilderungen des Be-
schwerdeführers zur Tätigkeit als Lastenträger seien detailliert ausgefallen.
Es bestreitet diese nicht grundsätzlich. Zu Recht aber, wie soeben unter
E. 6.1.2 erläutert, glaubt es nicht, dass er in der von ihm geltend gemach-
ten Weise in den Fokus der iranischen Grenzbehörden geraten sei und nun
gesucht werde. Den Realkennzeichen kommt sodann im Rahmen der vor-
zunehmenden Gesamtwürdigung Bedeutung zu und sie können, wie der
Name schon sagt, darauf hinweisen, dass die Schilderungen der Wahrheit
entsprechen. Demgegenüber sind sie nicht losgelöst von den Gesamtum-
ständen entscheidend, weshalb der Umstand, dass der Beschwerdeführer
vorliegend zahlreiche Interaktionen und diese auch noch durchwegs in di-
rekter Rede wiedergab, für sich alleine nichts zu seinen Gunsten zu bewir-
ken vermag. Auch hat das SEM die angefochtene Verfügung gerade nur
an einer Stelle mit einem Plausibilitätsargument begründet, das sich auch
noch als zutreffend erweist (das vorgehaltene befremdliche Verhalten des
Beschwerdeführers anlässlich des zweiten Ereignisses).
6.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, glaubhaft zu machen, im Rahmen seiner Tätigkeit als
Lastenträger und in Zusammenhang mit der Tötung von N. in den Fokus
der iranischen Behörden geraten zu sein und deswegen im Sinne von Art. 3
AsylG verfolgt zu werden.
6.3 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er habe begründete
Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 und Art. 54 AsylG, weil er sich
nach seiner Ausreise einer oppositionellen kurdischen Partei angeschlos-
sen habe, ergibt sich auch daraus keine flüchtlingsrechtlich relevante Ge-
fährdung. Es kann zur Begründung auf die zutreffende Erwägung in der
angefochtenen Verfügung verwiesen werden (ebd. Abschnitt II, Ziff. 2). Der
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Hinweis in der Beschwerde auf eine allgemeine Analyse von Amnesty In-
ternational (AI) vermag daran nichts zu ändern.
6.4 Insgesamt ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine begrün-
dete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder
glaubhaft zu machen. Er erfüllt die Flüchtlingseigenschaft nicht und das
SEM hat sein Asylgesuch zu Recht abgewiesen. Das diesbezügliche Be-
schwerdebegehren ist abzuweisen. Abzuweisen ist auch der nur eventuell
gestellte Rückweisungsantrag zwecks Ergänzung des Sachverhalts und
Neubeurteilung, zumal er nicht begründet wird und auch nichts aus den
Akten hervorgeht, was eine Rückweisung rechtfertigen könnte.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein
Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr
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Seite 13
läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (flüchtlings-
rechtliches Refoulementverbot; Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 Abs. 1 AsylG).
Zudem darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden (menschenrechtliches Refou-
lementverbot; Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 EMRK und Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]).
Gemäss Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschen-
rechte (EGMR) und des UN-Anti-Folterausschusses liegt eine Verletzung
des menschenrechtlichen Refoulementverbots vor, wenn die Beschwerde-
führenden eine konkrete Gefahr ("real risk") dafür nachweisen oder glaub-
haft machen können, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder
unmenschliche Behandlung droht (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Ita-
lien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.).
8.2.2 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich
relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, findet das
flüchtlingsrechtliche Refoulementverbot vorliegend keine Anwendung. So-
dann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch
aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung
in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Dies gelingt dem Beschwerdeführer insbesondere auch nicht
mit dem Hinweis in der Beschwerde auf eine Analyse von AI, wonach die
kurdische Minderheit im Iran überproportional von Hinrichtungen betroffen
sei. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den Weg-
weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen,
auch wenn diese in diverser Hinsicht zu beanstanden ist. Entsprechend ist
der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der flüchtlingsrechtlichen als
auch der menschenrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 Im Iran herrscht im heutigen Zeitpunkt weder Krieg, Bürgerkrieg noch
eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. dazu etwa Urteile des BVGer
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D-2176/2018 vom 21. November 2018 E. 10.2 und D-2335/2017 vom
9. April 2018 E. 7.4.3). Der Vollzug von Wegweisungen in den Iran ist daher
in ständiger Praxis als generell zumutbar zu erachten.
8.3.3 Der Beschwerdeführer gab zu seinen Lebensverhältnissen an, er sei
in B._ geboren und aufgewachsen. Im Alter von (...) Jahren sei er
zusammen mit seiner Familie nach C._ gezogen. Dort habe er bis
zur Ausreise zusammen mit seiner (...) und (...) gelebt; sein Vater sei vor
einigen Jahren verstorben, die beiden älteren Schwestern seien verheiratet
und hätten eigene Kinder. Alle seien nach wie vor in C._ wohnhaft.
Er habe die Schule bis zur ersten Klasse des Gymnasiums besucht und
anschliessend begonnen, als (...) zu arbeiten, auch als (...) könne er ar-
beiten; in dem Bereich habe es aber zu wenig Arbeit gegeben. Ein Grossteil
der Bewohner sei als Lastenträger, die illegal Waren über die Grenze trans-
portierten, tätig; auch er habe angefangen, diese Arbeit auszuüben.
Zu Recht erwägt das SEM, der Beschwerdeführer könne als junger gesun-
der Mann nach C._ zurückkehren, zumal er über eine Schulbildung
bis zur ersten Klasse des Gymnasiums verfüge und als (...), (...) und Las-
tenträger gearbeitet habe, auch wenn dies mit Schwierigkeiten verbunden
gewesen sei. Er verfüge dort zudem über ein soziales Netzwerk, welches
ihn im Falle einer Rückkehr unterstützen könne. Sein Schwager unter-
stütze seine Mutter und Schwester zudem finanziell. Des Weiteren habe er
zahlreiche Onkel und Tanten im Ausland, sowie in C._ selbst. Mit
Letzteren bestehe zwar aufgrund eines familiären Konflikts kein Kontakt.
Sein in D._ wohnhafter Onkel habe aber beispielswiese seine
Reise in die Schweiz finanziert. Insgesamt erweise sich somit der Vollzug
der Wegweisung in individueller Hinsicht als zumutbar.
Zwar kann dem Beschwerdeführer insofern zugestimmt werden, als von
ihm nicht erwartet werden kann, dass er nach der Rückkehr wieder als
Lastenträger arbeiten könnte. Nichts desto trotz ist er offenbar in der Lage,
auch körperlich schwerere Arbeit zu leisten. Auch das Gericht verkennt so
wenig wie die Vorinstanz, dass es für den Beschwerdeführer möglicher-
weise nicht einfach sein wird, eine Arbeitsstelle zu finden. Dieser Umstand
vermag allerdings die hohen Anforderungen an die Annahme einer konkre-
ten Gefährdung nicht zu erfüllen, zumal breite Bevölkerungsschichten im
Iran, darunter viele junge Menschen, Schwierigkeiten haben, eine Arbeits-
stelle zu finden. Immerhin verfügt der Beschwerdeführer mit seinen Erfah-
rungen als (...) und (...) aber über Möglichkeiten in Bereichen tätig zu sein,
die grundsätzlich überall gefragt sind. Auch ohne die Unterstützung seiner
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Verwandten wären die Voraussetzungen in seinem Falle gegeben, um eine
konkrete Gefährdung zu verneinen. Immerhin ist aber davon auszugehen,
dass sein soziales Netz ihm eine Rückkehr erleichtern dürfte.
8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.4 Der Beschwerdeführer hat authentische Identitätspapiere zu den Akten
gegeben. Unabhängig davon obliegt es ihm, sich bei der zuständigen Ver-
tretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku-
mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Die Verfahrenskosten sind in der Regel der unterliegenden Partei aufzuer-
legen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde hat sich aber nicht als aus-
sichtslos im Sinne des Gesetzes erwiesen und der Beschwerdeführer hat
seine Bedürftigkeit belegt, weshalb in Gutheissung seines Gesuches um un-
entgeltliche Prozessführung auf die Erhebung von Verfahrenskosten abzuse-
hen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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