Decision ID: 6be8e6e0-4f65-5b18-bf36-7b5595fcb7ca
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Josef Jacober, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
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St.Galler Gerichte
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft, Hohlstrasse 552, Postfach, 8048 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Nichteintreten auf Einsprache
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1960, hatte sich am 27. August 1995 bei einem Sturz eine zentral
imprimierte Radiusköpfchenfraktur am linken Arm zugezogen (act. G6.1.3). In der Folge
bezog er vorübergehend Leistungen der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
(Allianz). Dieser Unfallversicherung war er über seinen damaligen Arbeitgeber, die
B._, wo er als Kellner gearbeitet hatte, angeschlossen gewesen (act. G6.1.2). Die
Verletzung heilte nach verzögertem Verlauf insofern aus, als der Versicherte die
Tätigkeit als Kellner wieder vollschichtig auszuüben vermochte. Allerdings verblieb eine
Bewegungseinschränkung des linken Ellenbogengelenks (vgl. Begutachtung Dr. med.
F._ vom 18. September 1996 [act. G6.1.29 S. 8 ff.]).
A.b Am 21. September 2005 meldete der Versicherte am Schalter der Allianz,
Niederlassung St. Gallen, einen Rückfall an (act. G6.1.36). Zwar war er arbeitslos, er
glaubte allerdings, dass er wegen der Ellenbogenbeschwerden nicht mehr als Kellner
arbeiten könnte, selbst wenn er eine Stelle hätte (act. G6.1.41). Nachdem ihr
Vertrauensarzt die geltend gemachten Beschwerden in einer Aktenbeurteilung vom 13.
Oktober 2005 sicher auf das Unfallereignis von 1995 zurückgeführt hatte (act. G6.1.40),
beschloss die Allianz, die medizinische Situation neu abklären zu lassen (act. G6.1.43).
In der Folge wurden verschiedene medizinische Stellungnahmen eingeholt, so u.a. das
Gutachten der Dres. med. C._ und D._, Klinik für Orthopädische Chirurgie am
Kantonsspital St. Gallen, vom 17. März 2006 (act. G6.1.48). Gestützt darauf kam die
Allianz am 19. Dezember 2006 zum Schluss, dass kein Anspruch auf eine
Invalidenrente bestehe und derjenige auf eine Integritätsentschädigung bei einem
Integritätsschaden von 10% Fr. 9'720.-- betrage (act. G6.1.60). Zur Stellungnahme
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aufgefordert, mandatierte der Versicherte Rechtsanwalt Josef Jacober, St. Gallen, mit
seiner Vertretung. Auf dessen Intervention vom 8. Januar 2007 hin (act. G6.1.66)
wurden weitere Gutachten eingeholt, so dasjenige von Dr. med. E._, Handchirurgie,
Orthopädie am Rosenberg, vom 18. Mai 2007 (act. G6.1.75) und - nachdem dieser Arzt
am 26. November 2007 eine operative Ellenbogenrevision links vorgenommen hatte
(act. G6.1.87) - ein weiteres von der Gutachterstelle Solothurn vom 24. Oktober 2008
(act. G6.1.125). Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (act. G6.1.127 und G6.1.132)
verfügte die Allianz am 26. Februar 2009, dass kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad vorliege und der Versicherte keinen Anspruch auf eine Invalidenrente
habe, dass er entsprechend einem Integritätsschaden von 14% Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung von Fr. 13'608.-- habe und dass im Übrigen die
Taggeldleistungen auf den 1. Mai 2008 und die Heilungskosten auf den 31. Oktober
2008 eingestellt würden (act. G6.1.133).
B.
Gegen die Verfügung vom 26. Februar 2009 erhob Rechtsanwalt Jacober am 3. April
2009 Einsprache. Er beantragte, diese sei betreffend Invalidenrente und
Integritätsentschädigung aufzuheben, es sei ein Obergutachten zu erstellen, eventuell
sei dem Versicherten eine Invalidenrente von mindestens 15% auszurichten, die
Integritätsentschädigung sei entsprechend einem Integritätsschaden von 18% auf Fr.
17'496.-- anzuheben, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Weiter stellte er ein
Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung sowie ein solches um Fristerstreckung zur
Einsprachebegründung bis 9. Mai 2009. Zu Letzterem führte er aus, dass es ihm infolge
dringender anderweitiger Inanspruchnahme noch nicht möglich gewesen sei, die
Angelegenheit mit seinem Mandanten zu besprechen und die Einsprachebegründung
auszuarbeiten (act. G6.1.137). Mit Schreiben vom 24. April 2009 wies die Allianz im
Wesentlichen darauf hin, dass sie sich vorbehalte, das Verhalten von Rechtsanwalt
Jacober entsprechend einer bundesgerichtlichen Rechtsprechung als offensichtlich
rechtsmissbräuchlich zu qualifizieren, weil dieser bewusst eine mangelhafte
Rechtsschrift eingereicht habe, um damit eine Nachfrist zu erwirken. Sie drohte ihm
Nichteintreten auf die Einsprache an. Gleichwohl forderte sie ihn auf, das Formular für
die unentgeltliche Rechtspflege auszufüllen und die Richtigkeit durch die
Steuerbehörde bescheinigen zu lassen, den Krankenversicherer zu bezeichnen und bis
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zum 8. Juni 2009 die Mängel der Einsprache zu beheben und zur Frage des
Nichteintretens wegen bewusst mangelhafter Einsprache Stellung zu nehmen (act.
G6.1.138). Mit Eingabe vom 8. Juni 2009 lieferte Rechtsanwalt Jacober das Verlangte.
Auf die materielle Einsprachebegründung wird hier nicht näher eingegangen. Den
Vorwurf der bewusst mangelhaften Beschwerde wies er vehement zurück. Unter
Hinweis auf Lehre und Praxis - worauf erforderlichenfalls in den rechtlichen
Erwägungen eingegangen wird - machte er geltend, dass von einem
rechtsmissbräuchlichen Verhalten nicht die Rede sein könne (act. G6.1.140). Mit
Entscheid vom 7. September 2009 hielt die Allianz an ihrer Sichtweise fest und trat auf
die Einsprache nicht ein (act. G6.1.143).
C.
C.a Rechtsanwalt Jacober reichte am 2. Oktober 2009 für A._ Beschwerde beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ein und stellte folgende Anträge: Der
Einspracheentscheid der Allianz vom 7. September 2009 sei aufzuheben und die
Angelegenheit an diese zurückzuweisen, damit sie den Anspruch auf Leistungen
gemäss UVG materiell prüfe und darüber entscheide. Es sei festzustellen, dass die
Allianz zu Unrecht auf die Einsprache nicht eingetreten sei; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten der Allianz. Für die Durchführung des
Beschwerdeverfahrens sei A._ die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung zu bewilligen (act. G1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. November 2009 liess die Allianz auf Abweisung
der Beschwerde antragen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des
Beschwerdeführers (act. G6).
C.c Im zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien mit Eingaben vom 14. Januar
2010 (act. G14) und 21. Januar 2010 (act. G17) an ihren Rechtsstandpunkten fest. Auf
die Begründungen in den jeweiligen Rechtsschriften wird, soweit notwendig, in den
rechtlichen Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
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Streitgegenstand im vorliegenden Verfahren ist einzig die Frage, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Einsprache vom 3. April 2009 nicht eingetreten
ist. Müsste dies verneint werden, wäre die Angelegenheit an sie zurückzuweisen, damit
die mit der Einsprache erhobenen materiellen Begehren geprüft und entschieden
werden können.
2.
Beide Parteien berufen sich für ihren jeweiligen Standpunkt auf die Rechtsprechung
des Bundesgerichts. Der Beschwerdeführer stützt sich vor allem auf den Entscheid I
898/06 vom 23. Juli 2007, publiziert in SVR 2009 Nr. IV 19 S. 49-51, die
Beschwerdegegnerin auf BGE 134 V 162 ff. Wie das Bundesgericht im letztgenannten
Entscheid selber ausgeführt hat (vgl. die Hinweise im ersten Absatz von E. 2), findet
sich die für die an eine Einsprache zu stellenden Anforderungen und die Folgen bei
Nichteinhaltung massgebliche Rechtslage jedoch in der Tat in E. 3 des Entscheides I
898/06. Dort hat das höchste Gericht in einem die Invalidenversicherung, wo das
Einspracheverfahren seit 1. Januar 2003 bis zum Inkrafttreten der Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 16. Dezember 2005 am 1. Juli
2006 (AS 2006 S. 2003) ebenfalls Anwendung gefunden hatte, betreffenden Fall
folgendes erwogen:
2.1 Auf den 1. Januar 2003 ist das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) vom 6. Oktober 2000 in Kraft getreten.
Damit wurde das Einspracheverfahren für alle dem ATSG unterstellten Zweige der
Sozialversicherung eingeführt. Gemäss Art. 52 Abs. 1 Satz 1 ATSG kann gegen
Verfügungen innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben
werden. Gestützt auf die dem Bundesrat in Art. 61 ATSG eingeräumte
Delegationskompetenz hat er in Art. 10 bis 12 der Verordnung über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV; SR 830.11) Ausführungsbestimmungen zu
Form und Inhalt der Einsprache sowie zum Einspracheverfahren erlassen. Gemäss Art.
10 Abs. 1 ATSV müssen Einsprachen ein Rechtsbegehren und eine Begründung
enthalten. Die schriftlich erhobene Einsprache muss die Unterschrift der Einsprache
führenden Person oder ihres Rechtsbeistandes enthalten (Art. 10 Abs. 4 Satz 1 ATSV).
Genügt die Einsprache den Anforderungen nach Abs. 1 nicht oder fehlt die
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Unterschrift, so setzt der Versicherer eine angemessene Frist zur Behebung der Mängel
an und verbindet damit die Androhung, dass sonst auf die Einsprache nicht eingetreten
wird (Art. 10 Abs. 5 ATSV; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit
1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 8. September
2006 i/S R. [I 99/06] E. 2.1).
2.2 Der Wortlaut von Art. 10 Abs. 5 ATSV stimmt - von zwei redaktionellen
Anpassungen abgesehen - mit der für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren
massgebenden Bestimmung von Art. 61 lit. b Satz 2 ATSG überein, die ihrerseits der
bis 31. Dezember 2002 gültig gewesenen Vorschrift von altArt. 85 Abs. 2 lit. b Satz 2
AHVG entspricht. Diese Nachfristbestimmungen stehen und standen im Gegensatz zu
der für das letztinstanzliche Beschwerdeverfahren bis 31. Dezember 2006 in Kraft
gewesenen Vorschrift von Art. 108 Abs. 3 OG, wonach eine Nachfrist mit Androhung
des Nichteintretens nur anzusetzen ist, wenn die Beilagen fehlen oder die Begehren
des Beschwerdeführers oder die Begründung die nötige Klarheit vermissen lassen und
sich die Beschwerde nicht als offensichtlich unzulässig herausstellt. Die damit für das
letztinstanzliche Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren statuierten
Einschränkungen der richterlichen Pflicht, dem Beschwerdeführer eine Nachfrist zur
Behebung von Mängeln seiner Beschwerde anzusetzen, fehlen sowohl im Wortlaut von
Art. 61 lit. b Satz 2 ATSG als auch in demjenigen von Art. 10 Abs. 5 ATSV. Daraus hat
das EVG - in Auslegung der altrechtlichen bis 31. Dezember 2002 gültig gewesenen
Bestimmung von altArt. 85 Abs. 2 lit. b Satz 2 AHVG - gefolgert, dass im
erstinstanzlichen Beschwerdeverfahren die Ansetzung einer Nachfrist zur Verbesserung
einer mangelhaften Beschwerdeschrift nicht nur bei Unklarheit des Rechtsbegehrens
oder der Begründung, sondern ganz allgemein immer dann zu erfolgen hat, wenn eine
Beschwerde den gesetzlichen Anforderungen nicht genügt; also auch dann, wenn ein
Rechtsbegehren und/oder eine Begründung überhaupt fehlen. Es handle sich bei der
erwähnten Bestimmung um eine formelle Vorschrift, die das erstinstanzliche Gericht -
ausser in Fällen von offensichtlichem Rechtsmissbrauch - stets verpflichtet, eine Frist
zur Verbesserung der Mängel anzusetzen. Mit Bezug auf die Bestimmung von Art. 61
lit. b Satz 2 ATSG hat das EVG diese Rechtsprechung bestätigt. Auf Grund der
grammatikalischen Identität von Art. 61 lit. b Satz 2 ATSG und Art. 10 Abs. 5 ATSV gilt
diese Auslegung auch für das Einspracheverfahren (EVG-Urteil vom 8. September 2006
i/S R. [I 99/06] E. 2.2 mit Hinweisen).
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2.3 Ein davon abweichender Rechtssinn kann Art. 10 Abs. 5 ATSV auch nicht auf
dem Wege der teleologischen Reduktion gestützt auf Zweck und Rechtsnatur der
Einsprache und des Einspracheverfahrens beigelegt werden. Mit der Einsprache wird
eine Art Wiedererwägungsverfahren in Gang gesetzt, in welchem die verfügende Stelle
Gelegenheit erhält, ihre Verfügung nochmals zu überprüfen, bevor das
(Versicherungs-)Gericht sich damit befassen muss. Es sollen damit die gerichtlichen
Beschwerdeinstanzen entlastet und das rechtliche Gehör des Betroffenen erweitert
werden. Mit diesem Zweck wäre es nicht zu vereinbaren, im Einspracheverfahren
strengere Anforderungen an die Verbesserung einer mangelhaften Einsprache
innerhalb einer anzusetzenden Nachfrist zu stellen als im erstinstanzlichen
Beschwerdeverfahren. Dementsprechend wird auch in der Lehre die Auffassung
vertreten, gemäss Art. 10 Abs. 5 ATSV sei bei einer mangelhaften Einsprache "immer"
eine Nachfrist anzusetzen. Vorbehalten bleiben einzig Fälle von offensichtlichem
Rechtsmissbrauch, wenn rechtskundig vertretene Versicherte mit einer sogenannten
vorsorglichen Einsprache ohne Rechtsbegehren und ohne Begründung einzig
bezwecken, mittels Nachfrist eine Verlängerung der Einsprachefrist zu erwirken (EVG-
Urteil vom 8. September 2006 i/S R. [I 99/06] E. 2.3 mit Hinweisen).
3.
3.1 Genau diesen Vorwurf des offensichtlichen Rechtsmissbrauchs macht vorliegend
die Beschwerdegegnerin dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers. Es fällt auf,
dass das Bundesgericht offensichtlichen Rechtsmissbrauch ausschliesslich dort
ausmacht, wo rechtskundig vertretene Versicherte bezwecken, mittels Nachfrist eine
Verlängerung der Einsprachefrist zu erwirken. Dieser Sachverhalt verwirklicht sich, so
das Bundesgericht explizit, wenn eine sogenannte vorsorgliche Einsprache ohne
Rechtsbegehren und ohne Begründung eingereicht wird. Im vorliegenden Fall hat
Rechtsanwalt Jacober in der Einsprache vom 3. April 2009 - wie eingangs dargestellt
(vgl. Sachverhalt lit. B) - jedoch sämtliche Anträge gestellt. Weiter hat er ausgeführt, die
Einsprache diene der Fristwahrung und dass er um Fristerstreckung für die
Einsprachebegründung bis 9. Mai 2009 nachsuche. Für letzteres gab er
nachvollziehbare Gründe an. Es erscheint mehr als fraglich, ob man diesen beiden
qualitativ doch sehr unterschiedlichen Vorgehensweisen die gleiche harsche
Rechtsfolge zubilligen könnte, nämlich vom Ansetzen einer Nachfrist abzusehen und
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auf die Rechtsvorkehr nicht einzutreten. Wie es sich damit genau verhält, kann
indessen, wie sich nachfolgend zeigen wird, offen bleiben.
3.2 Der Beschwerdeführer hat die Verfügung vom 26. Februar 2009, gegen welche
sich die fragliche Einsprache richtete, unbestrittenermassen am 6. März 2009 auf der
Post abgeholt. Die Einsprachefrist von 30 Tagen (Art. 52 Abs. 1 Satz 1 ATSG) begann
damit am 7. März 2009 zu laufen und endete zufolge des Fristenstillstands vom siebten
Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern (Art. 38 Abs. 4 lit. a ATSG) -
dieser Feiertag fiel auf den Sonntag, 12. April 2009 - am 20. April 2009. Es kann ohne
weiteres davon ausgegangen werden, dass die am 3. April 2009 eingeschrieben der
Post übergebene Einsprache der Beschwerdegegnerin rund 14 Tage vor Ablauf der
Einsprachefrist zugegangen ist. Bei solchen Gegebenheiten, hat das EVG in seinem
Entscheid I 99/06 vom 8. September 2006 E. 3.4 entschieden, ist der Versicherte
gestützt auf den Grundsatz von Treu und Glauben sowie die allgemeine Aufklärungs-
und Beratungspflicht der Sozialversicherer in Art. 27 ATSG (vgl. hiezu BGE 130 V
476 E. 4) in seinen Rechten zu schützen: Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und
Glauben (Art. 9 BV), welcher den Bürger in seinem berechtigten Vertrauen auf
behördliches Verhalten schützt, können falsche Auskünfte von Verwaltungsbehörden
unter bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen Recht abweichende
Behandlung des Rechtsuchenden gebieten. Gemäss Rechtsprechung und Doktrin ist
dies der Fall, 1. wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf
bestimmte Personen gehandelt hat; 2. wenn sie für die Erteilung der betreffenden
Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende Person die Behörde aus
zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; 3. wenn die Person die
Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erkennen konnte; 4. wenn sie im
Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne
Nachteil rückgängig gemacht werden können, und 5. wenn die gesetzliche Ordnung
seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren hat (BGE 131 II 636 E. 6.1, 129 I
170 E. 4.1, 126 II 387 E. 3a, 122 II 123 E. 3b/cc, 121 V 66 E. 2a; RKUV 2000 Nr. KV 126
S. 223). Unterbleibt eine Auskunft entgegen gesetzlicher Vorschrift (vgl. Art. 27 ATSG)
oder obwohl sie nach den im Einzelfall gegebenen Umständen geboten war, hat die
Rechtsprechung dies der Erteilung einer unrichtigen Auskunft gleichgestellt (BGE 131 V
480 E. 5 mit Hinweisen; vgl. auch Meyer-Blaser, Die Bedeutung von Art. 4
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Bundesverfassung für das Sozialversicherungsrecht, in: ZSR 1992 2. Halbbd., S. 299
ff., 412 f.).
3.3 Die Beschwerdegegnerin, welche die zwar Anträge, aber keine materielle
Begründung enthaltende Einsprache als ungenügend erachtete, unterliess es, den
Beschwerdeführer im Rahmen ihrer Aufklärungs- und Beratungspflicht (Art. 27 ATSG)
von Amtes wegen rechtzeitig auf den ihm ihrer Ansicht nach drohenden Rechtsnachteil
aufmerksam zu machen und klar festzustellen, dass eine entsprechende Verbesserung
innert der noch bis 20. April 2009 laufenden Rechtsmittelfrist zu erfolgen habe. Unter
diesen Umständen durfte Rechtsanwalt Jacober ohne weiteres davon ausgehen, dass
seinem Fristerstreckungsgesuch zur Nachreichung der Einsprachebegründung
stattgegeben würde. Nach dem Gesagten ist das Schreiben der Beschwerdegegnerin
vom 24. April 2009 (act. G6.1.138) so zu verstehen, als sei ihm damit die Frist zur
Nachreichung der Einsprachebegründung ohne Androhung irgendwelcher
Rechtsnachteile bis 8. Juni 2009 erstreckt worden. Nachdem er die
Einsprachebegründung an diesem Datum eingeschrieben der Post übergeben hat (act.
G6.1.140 und G6.1.139), ist auf die Rechtsvorkehr einzutreten. Die
Beschwerdegegnerin wird die damit gestellten Anträge materiell zu prüfen und über die
geltend gemachten Ansprüche zu entscheiden haben. Hierfür ist ihr die Angelegenheit
in Gutheissung der Beschwerde zurückzuweisen. Abschliessend rechtfertigt es sich in
diesem Fall darauf hinzuweisen, dass wechselseitige Verhältnisse erfahrungsgemäss
ohnehin besser funktionieren, wenn die Beteiligten bestrebt sind, ihre jeweiligen
feststehenden Verpflichtungen zu erfüllen, als wenn sie danach trachten, allfällige
Unterlassungen der anderen Seite auszumachen.
4.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Bei diesem Ausgang des
Verfahrens hat der obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Es rechtfertigt sich, diese angesichts der auf die Eintretensfrage
beschränkten, nicht sehr umfang- und anforderungsreichen Streitigkeit in
Ausserachtlassung des für das Pauschalhonorar für das Prozessieren vor dem
Versicherungsgericht geltenden Rasters nach Art. 19 und 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal
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mit Fr. 2'500.-- zu bemessen. Bei diesem Prozessausgang wird das Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG