Decision ID: 0211c57e-5715-54aa-97a7-829e4e46ce54
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1990 geborene
X._
war als Küchengehilfe beim Restau
rant
Y._
in
Z._
tätig und in dieser Eigenschaft bei der SWICA Gesundheitsorganisation
(nachfolgend: SWICA)
obligatorisch gegen Unfälle versichert, als er
in gekündigter Stellung
am
1.
August 2011 einen Arbeitsunfall erlitt. Dabei rutschte er auf dem nass
en Küchenboden aus, fiel nach hinten und gelangte mit seinem linken Arm in einen Top
f
heisser Bouillon (Unfallmeldung,
Urk.
7/1;
Urk.
7/47).
Bei der Diagnose einer Verbrühung Grad
II
a
von 6% der Körperoberfläche (Hand dorsal, Unterarm zirkulär und distaler Oberarm links) wurde am
2.
August 2011 am
Spital A._
ein
Débridement
mit anschliessendem
Ialugen
-Verband durchgeführt
(
Urk.
7/9)
. Am
4.
August 2011 erfolgte eine weitere Operation (Bad,
Débridement
, tangentiale Exzision Hand dorsal, Unterarm zirkulär und distaler Oberarm links und Deckung mit
Spalt
haut
; Entnahme Oberschenkel links zirkulär,
Meshen
1:1.5)
(Urk. 7/10)
. Die SWICA erbrachte ab dem Unfalldatum die gesetzlichen Leistungen.
Das Arbeits
verhältnis, welches bereits vor dem Unfall gekündigt worden war, endete Ende November 2011 (
Urk.
7/25). Am
7.
Februar 2012 fand bei PD
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie,
C._
, eine vertrau
ensärztliche Untersuchung statt.
Dr.
B._
erachtete ab
1.
März 2012 eine volle Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten ohne Kontakt mit Wasser oder Feuchtig
keit des linken Armes und unter Tragung eines Kompressionshandschuhs für weitere zwei bis drei Monate für gegeben an (Bericht vom
9.
Februar 2012,
Urk.
7/47). Mit Schreiben vom 2
0.
März 2012 stellte die SWICA daher ihre
Tag
geldleistungen
per Ende Februar 2012 ein (
Urk.
7/57). Am 1
7.
Dezember 2012 berichteten die behandelnden Ärzte des
A._
, dass der Versicherte eine Korrektur der
Overgrafted
-Areale wünsche (
Urk.
7/63). Dieser teilstationäre Eingriff im Sinne einer
Dermabrasion
am Unterarm links erfolgte am
4.
Februar 2013 (
Urk.
7/64) und führte vorübergehend zu einer vollständigen Arbeitsunfä
higkeit für die Periode
4.
Februar bis 1. März 2013 (
Urk.
7/66-69). Am 2
3.
August 2013 schlossen die Ärzte des
A._
ihre Verlaufskontrollen ab (
Urk.
7/76).
Mit Schreiben vom
9.
September 2013 teilte
die SWICA
dem Versi
cherten die Einstellung der Leistungen per 3
1.
August 2013 mit (
Urk.
8/75).
Alsdann
ersuchte der Hausarzt des Versicherten,
Dr.
D._
, die SWICA
am 3
0.
September 2013
telefonisch
um Beurteilung des Integritätsschadens
(
Urk.
7/78)
.
Die SWICA liess folglich mit Schreiben vom
1.
Oktober 2013 die Dermatologie des
A._
zur Frage nach der Möglichkeit einer namhaften Verbesserung des Gesundheitszustands sowie
nach dem Vor
liegen eines allfälligen
Integritätsschadens Stellung nehmen (
Urk.
8/80).
Die Ärzte des
A._
äusserten sich mit Bericht vom 2
1.
Januar 2014 zu diesen Fragen. Sie hielten fest, dass beim Versicherten mit einer namhaften Verbesserung des Gesundheitszustands nicht mehr gerechnet werden könne und
dass zufolge einer
Depigmentierung
von einem rein unfallbedingten
Integri
tätsschaden
von 10
%
auszugehen sei (
Urk.
8/82).
Hierauf sprach die SWICA dem Versicherten in Ergänzung zu ihrem Schreiben vom
9.
September 2013 mit Verfügung vom 2
9.
Januar 2014
eine Integritätsentschädigung von
10
%, ent
sprechend einem Betrag von
Fr.
12‘600.--, zu (
Urk.
8/83). Die dagegen gerich
tete Einsprache des Versicherten vom
6.
Februar 2014 wies sie mit Entscheid vom 2
4.
März 2014 ab (
Urk.
2
).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
4.
April 2014 bei der SWICA Beschwerde, mit dem sinngemässen Rechtsbegehren, es sei ihm eine höhere
Integritätsent
schädigung
zuzusprechen
(
Urk.
1)
. Die SWICA leitete die Eingabe am 1
7.
April 2014 an das hiesige Gericht weiter (
Urk.
3).
Mit Beschwerdeantwort vom
2
2.
Mai 2014
beantrag
te die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Dem Beschwerdeführer wurde dies mit Schreiben vom 2
7.
Mai 2014 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
3.
Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge
gangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Nach
Art.
10
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (
Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
, ATSG), so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Der Anspruch auf Taggeld erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfä
higkeit (
Art.
17
Abs.
2 UVG). Der Unfallversicherer hat den Fall (unter Einstel
lung von Heilbehandlung und Taggeld sowie Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung) abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person erwartet werden kann und allfäl
lige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (
Art.
19
Abs.
1 UVG; BGE 134 V 109 E. 4.1 S. 113). Der Anspruch auf eine Invalidenrente setzt eine mindestens 10%ige unfallbedingte Invalidität (
Art.
8 ATSG) voraus (
Art.
18
Abs.
1 ATSG).
2.
2.1
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dau
ernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Die
Inte
gritätsentschädigung
wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten
Jahresverdiens
tes
nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des
Integritätsscha
dens
abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhän
gig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der
Integri
tätsentschädigung
die Richtlinien des Anhanges
3.
Fallen mehrere körperliche oder geistige
Integri
tätsschäden
aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die
Integri
tätsentschädigung
nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
2
.2
Die Bemessung der Integritätsentschädigung richtet sich laut Art. 25 Abs. 1 UVG nach der Schwere des
Integri
tätsschadens
. Diese beurteilt sich nach dem medizinischen Befund. Bei gleichem
medizinischen
Befund ist der
Integri
täts
schaden
für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär bemessen. Die Integritätsentschädigung der Unfallversicherung unterscheidet sich daher von der privat
rechtlichen Genugtuung, mit welcher der immaterielle Nach
teil indivi
duell unter Würdigung der besonderen Umstände bemessen wird. Es lassen sich im Gegensatz zur Bemessung der Genugtuungssumme im Zivilrecht (vgl. BGE 112 II 131 E. 2) ähnliche Unfallfolgen miteinander vergleichen und auf medizi
nischer Grundlage allgemein gültige Regeln zur Bemessung des
Integritätsscha
dens
aufstellen; spezielle Behinderungen der Betroffenen durch den
Integritäts
schaden
bleiben dabei unberücksichtigt. Die Bemessung des
Integri
tätsschadens
hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalles ab; auch geht es bei ihr nicht um die Schätzung erlittener Unbill, sondern um die medi
zinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung der körper
lichen oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht zu lassen sind
(BGE 115 V 147 E. 1, 113 V 218 E. 4b mit Hinweisen; RKUV 2001 Nr. U 445
S.
555 ff.).
2
.3
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der
Integ
ritätsschäden
aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typi
sche Schäden prozentual gewichtet. Für die darin genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (
Ziff.
1
Abs.
1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (
Ziff.
1
Abs.
2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 Prozent nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Ent
schädigung (
Ziff.
1
Abs.
3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser
Gebrauchsun
fähigkeit
wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschä
digung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 Prozent des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (
Ziff.
2).
2
.4
Die Medizinische Abteilung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) hat in Weiterentwicklung der
bundesrätlichen
Skala weitere
Bemes
sungsgrundlagen
in tabellarischer Form (sog. Feinraster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff.
1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Prozentsatz des
Integri
tätsschadens
für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthal
ten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116
V
156 E. 3a).
3
.
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid dafür, dem Bericht der Dermatologie des
Spitals A._
vom 21. Januar 2014
komme vorliegend umfassender Beweiswert zu. Demzufolge sei aus medizinischer Sicht gestützt auf die einschlägigen Tabellen der Schweizerischen
Unfallversiche
rungsanstal
t
(SUVA), vorliegend Tabelle 18 (
Integritätsschaden bei Schädigung der Haut, 18.2:
Dep
igmentierung
an den Händen 10 %),
eine höhere
Integritäts
entschädigung
nicht gerechtfertigt (
Urk.
2). Der Beschwerdeführer macht dem
gegenüber geltend,
aufgrund des Unfalls sei er zu 25 – 30
%
arbeitsunfähig geworden, weshalb die 10%ige Entschädigung zu tief sei (
Urk.
1).
4
.
Die behandelnden Ärzte der Dermatologie des
Spitals A._
hielten in ihrem Bericht vom 2
1.
Januar 2014
(
Urk.
8/82)
folgende Diagnosen fest:
St. n. Verbrennung Grad
IIb
von 6% der Körperoberfläche (08/2011)
Hand dorsal, Unterarm zirkulär und distaler Oberarm links;
St. n. tangentialer Exzision Hand dorsal, Unterarm zirkulär und distaler Oberarm link
s
und Deckung mit Spalthaut (Entnahmestelle: OS li.) am 04.08.2011;
Dermabrasion
Unterarm links am 04.02.2013
;
Aktuell: kosmetisch störende Narbe
.
Im Bericht wurde sodann weiter ausgeführt,
dass beim Beschwerdeführer nicht mehr mit einer namhaften Besserung der Gesundheitsschädigung gerechnet werden
könne
. Es bestehe bei ihm eventuell nur noch subjektiv ein kosmetisch unerfreuliches Resultat, welches objektiv als ein sehr gutes beurteilt worden sei. D
as
Resultat der Behandlung in der
E._
beurteilten sie
insgesamt als sehr schön ein- und abge
heilte Spalthauttransplantation
. Das Transplantat sei weich in der Konsistenz, man sehe nur minimal kleine hyper
trophe Anteile. Die Beweglichkeit in Hand- und Ellbogengelenk sei nicht ein
geschränkt. Der Patient sei aufgeklärt worden, dass es keine
Therapiemöglich
keit
der Narbenbehandlung mit einem Laser gebe. Von der Behandlung der Pigmentverschiebungen sei ihm auch abgeraten worden. Es komme diesbezüg
lich aktuell höchstens eine Selbsttherapie mit Selbstbräuner in Frage.
In Bezug auf den rein unfallbedingten Integritätsschaden führten die behandeln
den Ärzte aus, dieser betrage unter Berücksichtigung einer allfälligen als wahrscheinlich prognostizierten, voraussehbaren Verschlimmerung für die Zukunft
10
%
.
5
.
Es besteht entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers keinerlei Veranlassung, von den Einschätzungen der Dermatologie des
A._
, wonach der Integritätsschaden
10
% beträgt, abzuweichen. Der Bericht des
A._
ist umfassend, beruht auf eigenen Untersuchungen und wurde in Kennt
-
nis
der
Vorakten
erstellt.
Die Beurteilung steht sodann im Einklang mit der SUVA-Tabelle 18 (Integritätsschaden bei Schädigung der Haut), gemäss welcher bei einer
Depigmentierung
an den Händen eine Integritätseinbusse von
10
%
anzu
nehmen ist.
Abweichende Einschätzungen liegen nicht vor. Soweit der Beschwerdeführer im Übrigen vorbringt, er sei durch den Unfall zu 25 – 30
%
arbeitsunfähig geworden, weshalb ihm eine höhere Integritätsentschädigung auszurichten sei, ist darauf hinzuweisen, dass sich der Integritätsschaden einzig nach dem medizinischen Befund und unabhängig von der Erwerbsfähigkeit beurteilt (vgl. auch Art. 36 Abs. 1 der Verordnung über die Unfallversicherung).
Eine höhere Entschädigung ist mit anderen Worten nicht gerechtfertigt.
Ferner
ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer seit
1.
März 2012 in einer angepassten Tätigkeit (
Urk.
7/47; vgl. auch
Urk.
7/39 und
Urk.
7/57), und jedenfalls seit März 2013 (
Urk.
7/70) in allen seiner beruflichen Erfahrung ent
sprechenden Tätigkeiten wiederum vollschichtig arbeitsfähig ist, so dass keine namhafte, mindestens 10%ige Erwerbsunfähigkeit resultiert (vgl. hierzu die Berechnung der Beschwerdegegnerin im Schreiben vom 2
0.
März 2012,
Urk.
7/50).
6
.
Zusammenfassend erweist sich der
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 2
4.
März 2014 als rechtens, weshalb die Beschwerde vollumfänglich abzu
weisen ist.