Decision ID: 268365fc-f31e-5aa7-80a4-00723520e384
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 197
5
geborene
X._
, Mutter dreier Kinder (geb. 2002, 2004 und 2013) reiste 1991 in die Schweiz ein
(Urk.
7/
50 f.
)
und
war
ab 1999
als Montage
arbe
iterin
tätig, zunächst
in einem 60
%
-
Pensum
und
ab
dem
1.
Oktober 2008 in einem Pensum
von knapp 50 %
(Urk.
7/1
, Urk.
7/6
). Am 20.
Dezember 2011 (Eingangsdatum) meldete sie sich unter Hinweis auf
eine Depression,
auf
Schlaf
störungen, Kopfschmerzen sowie Magen-
/
Darmbeschwerden bei der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden zum Leistungsbezug an (Urk.
7/1).
Diese tätigte beruflich-erwerbliche sowie medizinische Abklärungen
.
Am 11.
Juni 2012 gewährte die IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden
der Versicherten Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche; Ausgangslage der Arbeitsvermittlungs
bemühungen sei, dass der Versicher
ten eine angepasste Tätigkeit in
einem Pensum von 80 % zumutbar sei
(Urk.
7/2
1
).
Am 20. Februar 2013 erlitt die Versicherte eine Fehl- oder eine Totgeburt (Urk. 7/50/3). Nach dem Umzug nach
Y._
zog die Versicherte ihre Anmeldung
bei der
IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden
am 24. September 2013
vorbehaltslos zurück (Urk.
7/43
; vgl. auch Urk. 7/60/2
)
, woraufhin das Gesuch am 8. Oktober 2013 als gegenstandslos geworden abgeschrieben wurde (Urk. 7/42)
.
Das dritte
(
beziehungsweise vierte
)
Kind der Versicherten
wurde
am 29. Dezember 2013
geboren (Urk.
7/44/1).
1.2
A
m 22.
Mai 2018
(Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte, unterstützt vom Sozialamt
Y._
,
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-
S
telle,
unter Hinweis auf Probleme mit den Ohren,
auf eine
Intelligenzminderung sowie
auf
Nacken- und Kopfschmerzen
erneut
zum Leistungsbezug an (Urk.
7/50).
Die IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden überwies ihre Akten an die
IV-Stelle
in
Zürich (Urk.
7/56)
, welche
weitere Abklärungen
tätigte
.
Am 1.
Juni 2018
erteilte
sie
der Versicherten
Kostengutsprache für
eine
Arbeitsvermittlung
durch die
Z._
AG
i
m
Sinne einer
Frühintervention
(Urk.
7/66).
Nachdem die Versicherte mit Schreiben vom 24. August 2018 mitgeteilt hatte, aufgrund ihrer Diagnose und der vollständigen Arbeitsunfähigkeit sei es nicht realistisch, Stellen zu suchen (Urk. 7/73), schloss die IV-Stelle die Eingliederungsmassnahmen am
11.
September 2018
ab und teilte mit, der Anspruch auf eine Rente werde später geprüft
(Urk.
7/75).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 14.
Mai 1019 [Urk.
7/99] und Einwand vom 27.
Mai 2019 [
Urk.
7/100
]
)
verneinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 10.
Juli 2019
einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
(Urk.
7/106)
.
Da
die IV-Stelle den Einwand
der Versicherten
vom 4. Juli 2019 (zur Post gegeben am 8. Juli 2019 und bei der IV-Stelle eingegangen am 10. Juli 2019 [Urk. 7/104-105]) in ihrer Verfügung vom
10. Juli 2019 nicht mehr berücksichtigt hatte, hob sie diese auf Hinweis der
Ver
sicherte
n vom 12. Juli 2019
(Urk.
7/108)
am 1
5.
Juli 2019 wiedererwägungsweise auf
(Urk.
7/107). Mit Verfügung vom 2
4.
September 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten
schliesslich
auch unter Bezugnahme auf den Einwand vom 4. Juli 2019
ab (
Urk. 2 [=
Urk.
7/114
]
).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 11.
Oktober 2019 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei bei der Beurteilung des IV-relevanten Gesundheitsschadens auf die fachärztliche Beurteilung der
Klinik A._
abzustützen; eventuell sei die IV-Stelle zu verpflichten, weitere medizinische Abklärungen zu treffen (eventuell durch eine Begutachtung respektive weitere neuropsychologische Testungen in der Muttersprache der Beschwerdeführerin et
cetera
). In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin, e
s sei
ihr
«
von Seiten des Sozialversicherungsgerichts im Beschwerdeverfahren eine zusätzliche Frist zu gewähren, damit sie juristische Beratung beiziehen und gegebenenfalls weitere Ausführungen zum Sachverhalt machen
»
k
önne (Urk.
1)
.
Unter Hinweis darauf, dass die Beschwerdefrist als gesetzliche Frist nicht erstreckt werden könne und dass die Beschwerde einen hinreichend klaren Antrag mit
einer kurzen Begründung enthalte, wurde der Beschwerdeführerin m
it Ver
fügung vom 18.
Oktober 2019
keine Nachfrist zur Ergänzung der Beschwerde
schrift
vom
11.
Oktober 2019
gewährt
(Urk.
4). Mit Beschwerde
-
antwort vom 25.
November
2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 29.
November 2019 (Urk.
8) mitgeteilt wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie aus
gewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Faktoren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorgaben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände
aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus
zuklammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegner
in
erwog in der angefochtenen Verfügung,
die Arbeits
unfähigkeit sei auf die erheblichen psychosozialen
Faktoren zurückzuführen. Die
Beschwerdeführerin
sei alleinerziehende Mutter von drei minderjährigen Kindern, da ihr Ehemann nicht in die Schweiz einreisen dürfe. Die Therapieoptionen seien noch nicht ausgeschöpft. Eine Therapie mit
Anti
-
depressiva
sowie eine teil
stationäre oder stationäre psychiatrische Behandlung sei
en
nicht erfolgt. Der Regional
e Ä
rztliche Dienst
(RAD)
sei zum Schluss gekommen, dass zwar psychische und körperliche Diagnosen ausgewiesen seien, diese aber keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten.
Der nachträglich eingereichte neuropsychologische Bericht vom 20.
April 2018 der
Klinik A._
,
Z
entrum
B._
,
ändere
daran
nichts.
Gemäss diesem Bericht hätten au
f
grund der Deutschkenntnisse nur sprachunabhängige Tests durchgeführt werden können. Deshalb habe man keine eindeutige Aussage zur Verbal
intelligenz und somit zur Gesamtintelligenz treffen können. Die Diagnose einer leichten Intelligenzminderung sei
von
den
Behandlern
als
Verdachtsdiagnose
gestellt
worden
und könne deshalb für die Leistungsprüfung nicht berücksichtigt werden. Selbst wenn die Intelligenzminderung ausgewiesen wäre, hätte diese keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, da
die Beschwerdeführerin
in der Vergangenheit bereits ein Einkommen im branchenüblichen Schnitt habe erzielen können (Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte dagegen geltend, die Bestimmung des IQ-Wertes sei in sprachunabhängiger Weise erfolgt. Es sei jedoch davon auszugehen, dass der IQ-Grad nicht wesentlich höher ausgefallen wäre, wenn auch die Verbal
intelligenz gemessen worden wäre
. D
er IQ-Test habe eine Minderintelligenz von 60 IQ-Punkten ausgewiesen. Ein IQ-Wert unter 75 sei in der Regel IV-relevant, was von der IV-Stelle nicht rechtsgenügend ber
ü
cksichtigt worden sei. Die Arbeitsb
iographie der
Beschwerdeführerin
zeige, dass sie in der Vergangenheit zwar erwerbstätig gewesen sei,
sie
die Anstellung
en
aber aufgrund von häufigen Absenzen
jeweils
nicht lange habe halten können. Die häufigen Fehlzeiten bei ihrer letzten beruflichen Tätigkeit seien auf die durch die Minderintelligenz verursachte permanente
Ü
be
rforderung zurückzuführen (Urk.
1).
3.
3.1
Im Bericht der
Klinik A._,
Z
entrum
C._
, vom 12.
Juni 2018 wurden folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
festgehalten
(Urk.
7/70/4)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (
ICD-10
F33.1)
Differentialdiagnose
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (
ICD-10
F43.2) (Diagnosestellung am 11.
Januar 2018)
-
Leichte Intelligenzminderung (
ICD-10
F70.0) (Diagnosestellung am 20.
April 2018)
Die
Ä
rzte führten aus, die Beschwerdeführerin
sei
aktuell für alle Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt zu 100
% arbeitsunfähig
(Urk.
7/70/2)
.
Es habe am 20.
April 2018 eine neuropsychologische
Testung stattgefunden, wobei
sich im Rahmen der Intelligenztestung Hinweise auf eine leichte Intelligenzminderung gezeigt
hätten
. Die Bes
chwerdeführerin habe im Bereich
der Handlungsintelligenz und der Wahrnehmungsintelligenz sehr niedrige Resultate erzielt.
Einschränkend sei festzuhalten, dass aufgrund der ungenügenden Deutschkenntnisse nur sprach
unabhängige Tests hätten durchgeführt werden können und damit keine ein
deutige Aussage zur Verbalintelligenz und somit auch zur Gesamtintelligenz getroffen werden könne
(Urk.
7/70/3).
In der Zusammenschau der durchgeführten Tests sowie der Verhaltensbeobachtung während der Testung und den vor
handenen anamnestischen Informationen scheine das Vorliegen einer leichten Intelligenzminderung jedoch sehr wahrscheinlich. Das Sprach- und Instruktions
niveau sei deutlich defizitär
(Urk. 7/70/3 f.).
Dass die Beschwerdeführerin in den vielen Jahren, in denen sie in der Schweiz lebe und gearbeitet habe, nicht besser Deutsch gelernt habe, sei ein deutlicher Hinweis, dass wahrscheinlich auch die
sprachliche Intelligenz unterdurchschnittlich sei. Eine erfolgreiche Wieder
eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt scheine bei diesen Voraussetzungen sehr unwahrscheinlich (Urk. 7/70/4). Die Beschwerdeführerin verrichte leichte bis
mittlere Tätigkeiten im Haushalt. Sie werde von Freunden unterstützt. Die
Kinderbetreuung sei eingeschränkt; hier werde sie durch die Kindes- und Erwachsenen
schutzbehörde (KESB) mit wöchentlichen Besuchen unterstützt (Urk. 7/70/6).
3.2
Im Bericht der
Klinik A._
,
Z
entrum
B._
,
vom 25.
September 2018
wurde
n die gleichen
Diagnose
n
wie im Bericht vom 12.
Juni
2018 (vgl. E
.
3.1) aufgeführt
(Urk.
7/78/
3).
Die
Ä
rzte gaben an, dass die Beschwerdeführerin aktuell für alle Tätigkeiten im ersten und zweiten Arbeits
markt arbeitsunfähig sei.
Aufgrund des persistierenden Beschwerdebildes ohne wesentliche Verbesserung trotz regelmässiger und enger therape
utischer Kontakte sei die
Prognose zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt
.
Die
Beschwerdeführerin sei schon mit der psychosoziale
n Situation und der Haus
haltsfü
h
r
ung trotz intensiver Unterstützung durch die KESB und caritat
ive
Organisationen überlastet
(Urk.
7/78/2-
6
)
.
3.3
Im Bericht von
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Neurologie,
vom 11.
Februar 2019
wurden folgende Diagnosen festgehalten
(Urk.
7/91/7)
:
-
Polysomnographisch
schwergradige
Restless-Legs
(RLS) und
Periodic
Limb
Movements
in
Sleep
(PLMS)
polysomnographisch
(Schlaflabor
GZO 26.0
7
.2018) mit deutlich erhöhtem Leg-
Movements
-Index von 74/h neben nur leichtgradigem obstruktivem Schlafapnoe-/
Hypopnoe
-Syndrom mit AHI 11/h,
DDx
i.R. damals allerdings auch erniedrigten
Ferritins
& transient hormonell veränderten Umständen mit nachfolgend deutlicher Besserung inkl. Eisensubstitution.
-
V
erdacht auf
posttraumatische chronische Spannungstypkopfschmerzen verbunden mit
zervikozephalem
Syndrom und teils auch
migrän
i
former
Komponente
Dr.
D._
berichtete, gegenwärtig werde der Schlaf subjektiv als gut und erholsam erlebt
. Phasenweise sei dieser aber nun wieder durch die zunehmende Stresssituation im Zusammenhang mit dem Sozialamt gestört. Zudem verstehe sich die Beschwerdeführerin nicht mit der
Beiständin
; sie wolle einen Wechsel vornehmen. Die Situation sei zunehmend angespannt, da der 16-jährige Sohn keine Lehrstelle gefunden habe, was nun ihr angelastet werde. Die finanzielle Unterstützung durch das Sozialamt werde vorübergehend gekürzt (Urk. 7/91/8; vgl. auch den Bericht von Dr.
D._
vom 27. Februar 2018 [Urk. 7/91/9]).
3.4
M
ed.
pract
.
E._
nannte in ihrem Bericht
vom
13.
Februar 2019
als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine Anpassungsstörung und eine psychische Überlastung
(Urk.
7/91/3)
. Im Vordergrund
hätten
die Kopf
schmerzen sowie zum Teil eine Migräne gestanden
. Die
Beschwerdeführerin leide an einem Tinnitus u
nd einer Hörminderung, an Schlaf
störungen und einer psychischen Überlas
t
ung durch psychosoziale Belastungsfaktoren. Sie lebe mit ihren drei Kindern zusammen. Ihr Ehemann sei im Kosovo, da er über keine Aufenthaltsbewilligung verfüge.
Eine Prognose hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit könne nicht gestellt werden, es sei der Psychotherapeut zu kontaktieren. Die
Sprachkenntnisse würden für unqualifizierte Tätigkeiten ausreichen (Urk. 7/91/1-5).
3.5
Dr.
med. F._
,
Ä
rztin
für I
nnere Medizin,
Spital
G._
,
stellte in ihrem Bericht
vom 4.
März 2019 folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk.
7/93/3)
:
-
Schweres
Restle
s
s
Legs
-Syndrom
-
Obstruktives Schlafapnoe/
Hypopnoe
-Syndrom
-
V
erdacht
a
uf
postraumatische
Verspannungskopfschmerzen
Dr.
F._
attestierte der Beschwerdeführerin
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
. Die
Prognose, wann wieder mit einer Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei, sei unklar. Eine Arbeitsfähigkeit sei möglich, wenn die Beschwerdeführerin eine erfolgreiche Therapie machen könne (Urk.
7/93/
2-
3).
3
.6
Im Verlaufsb
ericht der
Klink
A._
vom
19.
März 2019
(Urk. 7/96/2)
wurden die
bereits
i
n
den
Bericht
en
vom 12.
Juni 2018
und vom 25. September 2018
aufgeführt
en Diagnosen wiederholt
(vgl. E
.
3.1
und 3.2
)
.
Die
Ä
rzte
führten aus, die Beschwerdeführerin zeige weiterhin eine persistierende Symptomatik mit Aufmerksamkeitsstörung und deutlicher Konzentrationsstörung sowie mit teil
weise bestehenden Auffassungsstörungen aufgrund der Minderintelligenz. Sie habe deutliche Schwierigkeiten, komplexere
Zusammenhäng
e
oder Erklärungen nachhaltig zu begreifen. Aktuell erhalte die Beschwerdeführerin keine medikamentöse Behandlung. Sie werde psychotherapeutisch und sozial
psychiatrisch betreut
(Urk.
7/96/
3
).
4.
4.1
Zur Rüge, der
IQ-Wert von 60 Punkten sei nicht rechtsgenügend berücksichtigt worden
, ist
zu bemerken
, dass lediglich eine Verdachtsdiagnose der Minder
intelligenz vorliegt.
Die
Feststellungen
der behandelnden Ärzte in den Berichten der
Klinik
A._
können
sodann
nicht nachvollzogen werden. Zum einen war die
Beschwerdeführerin während mehr als zehn Jahren fähig, zu arbeiten und einen angemessenen Lohn zu erzielen
(vgl. Urk.
7/7). Zum anderen steht die Fest
stellung, die sprachliche Intelligenz sei unterdurchschnittlich, offensichtlich
im Widerspruch zu den übrigen in den Akten dokumentierten Beobachtungen: Die Rückfrage von Seiten der Beschwerdegegnerin beim Verein
H._
über den Einsatz
der Beschwerdeführerin vom 1. Oktober 2017 bis 28.
Februar 2018
(Arbeits
integrationsmassnahme im Auftrag des Sozialamts) ergab, dass die Beschwerde
führerin jeweils wortreich betont habe, dass sie so gerne arbeiten wolle. Habe man sie mit den enorm vielen Absenzen respektive ihren Absichtserklärungen, arbeiten zu wollen, und ihrem äusserst bescheidenen diesbezüglichen Engagement konfrontiert, habe sie plötzlich die deutsche Sprache nicht mehr verstanden. Sie sei dann der (durchaus fürsorglichen) Konfrontation ausgewichen, indem sie gesagt habe, sie könne sprachbedingt nichts verstehen (Urk. 7/64/2). Der Eingliederungsberater der Beschwerdegegnerin hielt anlässlich des Erstgesprächs vom 31. Mai 2018 zudem fest, die Beschwerdeführerin spreche die deutsche Sprache ganz ordentlich. Das Wenige, was sie nicht verstanden habe, sei ihr von ihrer Schwester übersetzt worden (Urk. 7/64/5).
Med.
pract
.
E._
hielt in ihrem Bericht vom 13.
Februar 2019
ebenfalls fest, die
Sprachkenntnisse
der Beschwerdeführerin
würden für unqualifizier
te Tätigkeiten ausreichen (Urk. 7/91/4
).
Angesichts dessen sind die Resultate des aufgrund der angeblich ungenügenden Deutschkenntnisse durchgeführten sprachunabhängigen Tests nicht aussage
kräftig. Eine Intelligenzminderung ist
nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht
massgebenden
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
ausgewiesen.
4.2
Des Weiteren ist mit der
RAD
-
Ä
rzt
in
darauf hinzuweisen,
dass bei der Beschwerdeführerin
psychosozial
e
Belastungs
faktoren im Vordergrund stehen
, was in den
Arztberichten
der behandelnden Ärzte denn auch wiederholt
zum Ausdruck
gelangte
.
Die Spannungskopfschmerzen und die Schlafstörungen stehen
gemäss
Dr.
D._
primär im Zusammenhang mit
psychosozialen Stres
soren (Urk.
7/91/7 f.).
Zudem unterhalten d
ie
Sorge um die Existenz
und
die Alleinerziehung der drei Kinder
infolge
Abwesenheit des ausgeschafften
Ehe
mann
es
die
psychische
Symptomatik
wesentlich
.
Hinzu kommen Auseinander
setzungen mit dem Sozialamt und Differenzen mit der
Beiständin
der Kinder
. So
fühlt sich
die Beschwerdeführerin vom Sozialamt
beispielsweise
systematisch schikaniert und erniedrigt
(Urk. 7/64/5).
G
emäss
ihren
eigenen Angaben
wurden ihr
die Sozialleistungen vorübergehend gekürzt.
Auch
versteht sie sich nicht mit der
Beiständin
der Kinder
(Urk. 7/91/8).
Bereits aus den Akten des Erstanmeldungsverfahrens bei der
IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden
geht hervor
, dass
psychosoziale Faktoren die
psychische
Symptomatik der Beschwerdeführerin nicht bloss unterhielten, sondern über
haupt auslösten. D
er Beginn der Beschwerden
fiel
mit der Inhaftierung des Ehe
mannes der Beschwerdeführerin
zusammen: In der
Erstanmeldung aus dem Jahr 2011 machte die Beschwerdeführerin geltend, ihre gesundheitliche Beeinträchtigung bestehe seit sechs Jahren (Urk. 7/1/4). Dies
fällt
in etwa
mit dem Beginn des
Freiheitsentzuges des Ehemannes
zusammen
(vgl. den
Bericht von
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für
Neuro
logie
FMH, vom 28. März 2011 [Urk. 7/9/7]).
Gemäss
eigenen Angaben
der Beschwerdeführerin wurde der
Ehemann nach
Verbüssung
der
Freiheits
strafe
(wohl i
m Jahr 2012 [vgl. Urk. 7/70/3])
in den Kosovo ausgewiesen (Urk. 7/28/1). Die Beschwerdeführerin, welche damals mit der Versorgung von zwei Kindern
bereits
belastet war (Urk. 7/28/1), gebar im Jahr 2013 nochmals zwei Kinder (im Februar und im Dezember), wovon eines starb (Urk. 7/50/3).
Ab dem Jahr 2013 hatte sie als alleinerziehende Mutter für drei Kinder zu sorgen.
Bezüglich der durch die behandelnden Psychiater attestierten 100%igen Arbeits
unfähigkeit für jegliche Tätigkeiten ist
zudem
auf die Erfahrungstatsache hinzu
weisen, dass behandelnde Arztpersonen beziehungsweise Therap
euten
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Die behandelnden Ärzte
unterliessen
es
denn auch
, die massiven psychosozialen Belastungsfaktoren bei der Beurteilung der Arbeits
fähigkeit auszuklammern.
Da die erhobenen Befunde in den
psychosozial
en und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden,
liegt kein
invaliden
versicherungsrechtlich
relevanter Gesundheitsschaden vor
(vgl. E. 1.3
).
Kommt hinzu, dass die Therapieoptionen noch nicht ausgeschöpft sind, da bis jetzt keine Antidepressiva
verschrieben wurden und eine (teil)stationäre psychiatrische Behandlung nicht erfolgt
e
(Urk. 7/98/6, Urk. 7/70/3). Somit scheint auch der Leidensdruck nicht sehr hoch zu sein.
I
n ihrer Neuanmeldung vom 22. Mai 2018
erwähnte die Beschwerdeführerin
eine psychische Beein
trächtigung
nicht einmal
(Urk. 7/50/6)
;
anlässlich
des Erstgesprächs bei der IV-
Stelle Zürich am 31. Mai 2018 gab
sie sodann an
,
sie sei doch nicht invalid. S
ie sei vom Sozialamt «genötigt» worden, sich bei der Invalidenversicherung anzumelden. Es sei ihr
grösster
Wunsch, eine gute Stelle zu erhalten, sodass sie sich und ihre drei Kinder ernähren und ein ordentliches Leben führen könne. Es sei ihr enorm wichtig, sich baldmöglichst vom Sozialamt abmelden zu können.
Sie wolle arbeiten und sie könne arbeiten (Urk. 7/64/5).
Kontrastierend hierzu wurde
im Schlussbericht des Vereins H._
vom 19. März 2018 über den Einsatz
der Beschwerdeführerin
vom 1. Oktober 2017 bis 28. Februar 2018 festgehalten,
es seien
mit
ihr
spezielle Arbeitszeiten vereinbart worden, da sie wegen der Kinderbetreuung nicht zu den normalen Schichtzeiten habe arbeiten können. Doch auch diese speziellen Arbeitszeiten habe sie schlecht bis gar nicht einge
halten. Bereits der Einsatzstart habe sich schwierig gestaltet. Die Beschwerde
führerin sei entweder zu spät oder gar nicht
erschienen
. Zum Telefonieren habe sie jedoch immer Zeit gefunden. Sie habe mehrmals täglich angerufen
,
um zu erläutern, weshalb sie nicht zum Einsatz kommen könne. Immer wieder sei sie oder eines der Kinder krank gewesen. Die Beschwerdeführerin sei von Oktober bis Dezember 2017 an durchschnittlich 3-4 Tagen pro Monat zur Arbeit erschienen, nach dem 7. Dezember 2017 überhaupt nicht mehr; sie habe alle Absenzen ab dem Dezember
2017
mit einem Arztzeugnis belegt. Während der Arbeitszeit sei die Beschwerdeführerin unerlaubterweise oft privaten Erledigungen nachgegangen wie zum Beispiel mit dem Mobiltelefon surfen, Einkaufen oder sonstiges (Urk. 7/86/3
, vgl. auch Urk. 7/64/2
).
4.
3
Sofern eine psychische Beeinträchtigung überhaupt
vorliegt
,
ist vor dem Hinter
grund
der
dominierenden
psychosoziale
n Belastungssituation ein erheblicher funktioneller Schweregrad des Leidens im Verfügungszeitpunkt zu verneinen. Ein
psychosozial
bedingtes Beschwerdebild vermag zwar medizinisch die Diagnose einer depressiven Episode, aber rechtlich keine Invalidität zu begründen
.
Eine
indikatorengeleitete
Überprüfung des depressiven Leidens erübrigt sich nach dem soeben Dargelegten
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_858/2017 vom 17. Mai 2018 E.
3.2). Angesichts der klaren Aktenlage sind in diesem Zusammenhang von weiteren Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E.
4b).
5.
Die Beschwerdegegnerin hat demnach einen Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin zu Recht verneint, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6.
6.1
Die Kosten d
es Verfahrens sind auf Fr.
600.
--
festzulegen
und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
6.2
Mit ihrer Beschwerde
vom 11. Oktober 2019
reichte die Beschwerdeführerin die Unterstützungsbestätigung des zuständigen Sozialamts vom 10. Oktober 2019 (Urk. 3/2) sowie dessen Budgetberechnung
für die
Monate März bis August 2019 als Grundlage für die Unterstützungsleistungen (Urk. 3/1)
ein. Eine Mittellosigkeit ist damit
zwar
ausgewiesen.
Doch erweist sich die Beschwerde als aussichtslos. Aussichtslos sind Prozessbegehren, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum mehr als ernsthaft bezeichnet werden können (BGE 129 I 129 E. 2.3.1, 128 I 225 E. 2.5.3 mit Hinweis). Vor dem Hintergrund, dass die psychosozialen Faktoren bei der Beschwerdeführerin
augenscheinlich
dominieren und
sich in Anbetracht des
Schlussbericht
s
des Vereins H._
vom 19. März 2018
ernsthafte Zweifel an der von der Beschwerdeführerin mehrmals beteuerten Motivation
,
zu arbeiten, ergeben
, können die
Gewinnaussichten der Beschwerde nicht als ernsthaft bezeichnet werden. Damit ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung abzuweisen.