Decision ID: ec6dc5da-2578-5c5d-8c3e-38914f41dca0
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Die gelernte Kauffrau A._ meldete sich am 26. September 2011 erstmals zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 4). Die Versicherte war am
8. März 2011 von einem Treppengeländer gestürzt. Dabei hatte sie sich eine
nichtdislozierte Schrägfraktur des Os ilium (entspricht einer Ala- oder Iliumfraktur) links
zugezogen. Sie hatte sich vom 9. bis 21. März 2011 stationär im Spital B._ befunden,
wo sie konservativ behandelt worden war (IV-act. 2, 37-12, Suva-act. 1-62 f.). Die
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) hatte ihr seit 11. März 2011
Taggelder basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 100% entrichtet (vgl. IV-act. 13).
A.b Dr. med. C._, Orthopädie D._, berichtete am 20. September 2011 über
sekundäre muskuläre Fehlbelastungen, eine undislozierte, noch nicht verheilte
Alafraktur Beckenschaufel links und einen Status nach Schulterkontusion mit AC-
Gelenkreizung links. Im Vergleich zur Voruntersuchung vom 26. Mai 2011 bestehe noch
eine Reizreaktion im Frakturspalt mit leichter Dehiszenz. Der Frakturspalt sei noch gut
erkennbar, allenfalls beginne die Konsolidierung ventral in den unteren Abschnitten (IV-
act. 37-16 f.). Am 26. September 2011 hielt er sodann fest, ein beginnender Durchbau
der Alafraktur sei eindeutig auszumachen. Die Versicherte sei seit 9. März 2011 zu
100% arbeitsunfähig, ein zwischenzeitlicher Arbeitsversuch sei wegen der Schmerzen
nicht geglückt (IV-act. 10, bzgl. Arbeitsversuch vgl. Suva-act. 1-20 f.).
A.c Suva-Kreisarzt Dr. med. E._, Facharzt für Chirurgie, untersuchte die Versicherte
am 28. November 2011 und berichtete gleichentags, bildgebend fände sich eine nur
partiell verheilte Alafraktur mit deutlicher Dehiszenz cranial und es bestehe ein
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Kompressionsschmerz im Beckenbereich linksseitig (Suva-act. 3-22 ff.). Die
Versicherte konsultierte darauf PD Dr. med. F._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Klinik G._, für eine
Zweitmeinung. Dieser diagnostizierte mit Bericht vom 22. Dezember 2011 eine
inkomplette Pseudarthrose des Os ilium links. Er schlage vor, mit einem operativen
Eingriff noch zwei bis drei Monate zuzuwarten (Suva-act. 3-13 f.).
A.d Am 18. Januar 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, aufgrund ihres
Gesundheitszustandes seien zurzeit keine beruflichen Massnahmen möglich (IV-act.
22).
A.e Da sich die Alafraktur weiterhin nicht komplett durchbaute (vgl. IV-act. 24), führte
Dr. F._ am 18. April 2012 Knochenentnahmen im Beckenkamm, ein Anfrischen der
Pseudarthrose, eine Spongiosaplastik sowie eine Osteosynthese durch. Er attestierte
der Versicherten vom 17. April bis 11. Juni 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (IV-
act. 37-8 f., Suva-act. 7-8 f.). Postoperativ kam es zu einer Fussheberschwäche (Suva-
act. 7-10 f.). Nach einer Untersuchung vom 22. August 2012 hielt PD Dr. med. H._,
Facharzt für Neurologie, Zentrum für Paraplegie der Klinik G._, eine leicht gebesserte
Fussdorsalflexion links fest, die Plexusläsion erhole sich langsam. Die Versicherte sei
zu 100% arbeitsunfähig als Sekretärin. Wahrscheinlich werde sie in absehbarer Zeit
wieder arbeitsfähig für eine vorwiegend sitzende Tätigkeit (Bericht vom 30. Dezember
2012; IV-act. 42-3 f.). Ab Oktober 2012 arbeitete die Versicherte mit Unterbrüchen bzw.
teilweise unregelmässig täglich rund zwei Stunden bei ihrer Arbeitgeberin I._ AG (IV-
act. 45-4, Suva-act. 9-22, 10-6, 10-10 ff.).
A.f Die behandelnde Ärztin der Klinik G._ führte am 15. Januar 2013 aus, in der
Zwischenzeit sei eine deutliche Besserung auf allen Ebenen eingetreten. Die
postoperativ bestehende L5-betonte Plexusläsion sei regredient. Theoretisch wären
Tätigkeiten in sitzender Position zumutbar, die Versicherte könne sich aufgrund der
Schmerzen ein längeres Sitzen aber nicht vorstellen (IV-act. 41). Am 25. Januar 2013
berichtete die Versicherte gegenüber Dr. F._, die Beschwerden im Bereich des
linksseitigen Beckens hätten sich seit einigen Wochen deutlich verstärkt. Zudem sei es
erneut zu einer ausstrahlenden Beschwerdesymptomatik ins linke Bein gekommen (IV-
act. 45-2 f.).
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A.g Aufgrund der Beschwerdeprogredienz wurde die Versicherte am 25. Februar 2013
im Sinne einer Zweitmeinung durch PD Dr. med. J._, Chefarzt Orthopädie, Klinik
K._, untersucht. Dieser hielt gleichentags fest, die Fussheberschwäche habe sich
erholt. Es liege höchstwahrscheinlich eine Reizung des Neuroforamen durch die
Schraubenspitze der dorsalen Schraube vor. Des Weiteren sei durch diese Schraube
das Iliosacralgelenk blockiert. Er teile die Meinung von Dr. F._ (vgl. IV-act. 55-8 f.),
wonach eine partielle Osteosynthesematerialentfernung (OSME) zu empfehlen sei (IV-
act. 51-3 f.). Dr. F._ führte die Operation am 4. Juni 2013 durch (IV-act. 55-7).
A.h Dr. med. L._, FMH Allgemeine Medizin, befand am 1. Juli 2013, die bisherige
Tätigkeit sei der Versicherten noch maximal vier Stunden pro Tag möglich. Eventuell
wäre eine Umschulung in einen Arbeitsbereich, wo die Versicherte selbständig die
Position wechseln könne, zu erwägen (IV-act. 55-13 ff.). Der behandelnde Arzt der
Klinik G._ hielt am 26. August 2013 fest, in einer körperlich leichten,
wechselbelastenden Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50%, wahrscheinlich
steigerbar auf 100% (IV-act. 57-2 f.). Ab 5. August 2013 war die Versicherte in einem
Pensum von 50% tätig gewesen. Die Suva legte die Nettoarbeitsfähigkeit aufgrund des
höheren Pausenbedarfs jedoch auf 33 1/3% fest und richtete entsprechende Taggelder
aus (IV-act. 57-4 f., Suva-act. 11-1, 11-13).
A.i RAD-Ärztin Dr. med. M._ befand am 15. Oktober 2013, der Gesundheitszustand
sei noch besserungsfähig, es sei ein Zeitraum von ca. einem halben Jahr abzuwarten.
Weiter sei davon auszugehen, dass zumindest in einer adaptierten Tätigkeit eine volle
Arbeitsfähigkeit wiedererlangt werde. Ob die volle Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit wieder erreicht werden könne, sei noch offen (IV-act. 61-8).
Am 29. Oktober 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, aufgrund ihres
Gesundheitszustandes seien zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich (IV-act. 66).
A.j Ab Oktober 2013 besuchte die Versicherte zur Vorbereitung auf die spätere
Ausbildung zur Primarlehrerin die Maturitätsschule für Erwachsene und arbeitete
daneben mit einem Pensum von 50% bei der I._ AG weiter (vgl. Fremdakten 14-83,
IV-act. 61-5).
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A.k Am 11. November 2013 erachtete Dr. H._ die Versicherte aufgrund der
Hüftproblematik und des neuropathischen Schmerzes bis April 2014 als zu 50%
arbeitsfähig in ihrer Tätigkeit als Bürokraft (IV-act. 68). Suva-Kreisärztin med. pract.
N._ hielt nach einer Untersuchung vom 4. Februar 2014 tags darauf fest, aktuell
bestünden neuropathische Schmerzen, eine normale Fuss-/Grosszehenhebung mit
Kraftgrad M 5, eine Hypästhesie und Hypalgesie der Zehen II/III links sowie eine
Belastungsintoleranz. In einer adaptierten Tätigkeit liege eine volle Arbeitsfähigkeit vor.
In der angestammten Tätigkeit sollte eine volle Leistung während der halbtägigen
Präsenz im Büro zumutbar sein (IV-act. 99-6 ff.) RAD-Ärztin Dr. M._ ging am 26. März
2014 von den gleichen Arbeitsfähigkeiten aus (IV-act. 70).
A.l Mit Vorbescheid vom 5. Mai 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens auf berufliche Massnahmen in Aussicht, da sie
keine weitere Unterstützung durch die Eingliederungsberaterin wünsche (IV-act. 75).
Dagegen erhob die Versicherte am 21. Mai 2014 Einwand (IV-act. 76, vgl. Begründung
vom 21. Juli 2014; IV-act. 84). Mit Verfügung vom 11. November 2014 wies die IV-
Stelle das Begehren um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 90). Die dagegen von der
Versicherten am 15. Dezember 2014 erhobene Beschwerde (IV-act. 95, vgl.
Beschwerdeergänzung vom 21. Januar 2015; IV-act. 97-11 ff.) wies das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 9. Juni 2015 ab (IV-
act. 110).
Am 20. Oktober 2015 wies das Bundesgericht die dagegen erhobene Beschwerde ab
(IV-act. 117, vgl. IV-act. 113).
A.m Die behandelnden Ärzte des Zentrums für Paraplegie der Klinik G._ hatten am
12. Mai 2014 berichtet, die Fussheber- und Grosszehenheberparese links habe sich im
Verlauf gut erholt. Es persistiere ein neuropathisches Schmerzsyndrom. Eine
wechselbelastende Tätigkeit sei zu 100% zumutbar. Im aktuellen kaufmännischen
Beruf mit vorwiegend sitzender Tätigkeit sei allenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 50%
erreichbar (IV-act. 78, gleiche Arbeitsfähigkeitsschätzung auch von Dr. F._; vgl. IV-
act. 79). RAD-Ärztin Dr. M._ hatte am 1. Oktober 2014 befunden, in einer leichten,
wechselbelastenden Bürotätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 88).
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A.n Die Suva hatte die Heilkosten- und Taggeldleistungen per 31. Dezember 2014
eingestellt (Suva-act. 14-4 f.). Mit Verfügung vom 2. Februar 2015 hatte sie einen
Rentenanspruch verneint und der Versicherten eine Integritätsentschädigung basierend
auf einer Integritätseinbusse von 12.5% zugesprochen (Suva-act. 16). Die dagegen von
der Versicherten erhobene Einsprache hatte die Suva mit Entscheid vom 14. August
2015 abgewiesen (Suva-act. 18). Am 17. September 2015 hatte die Versicherte
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid erhoben (vgl. act. G11.2).
A.o Mit Vorbescheid vom 2. März 2015 hatte die IV-Stelle der Versicherten bei einem
Invaliditätsgrad von 9% die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht gestellt (IV-
act. 103). Dagegen hatte die Versicherte am 15. April 2015 Einwand erhoben (IV-act.
106).
A.p Am 15. März 2016 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid (IV-act.
121).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 15. März 2016 erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) die vorliegende Beschwerde vom 3. Mai 2016. Sie beantragte
darin deren Aufhebung. Weiter sei das Verfahren bis zum rechtskräftigen Entscheid in
der hängigen unfallversicherungsrechtlichen Streitigkeit (UV 2015/56) zu sistieren und
es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung zu gewähren; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1).
B.b Die Verfahrensleitung entsprach dem Sistierungsgesuch nach Gewährung des
rechtlichen Gehörs am 6. Juni 2016 (act. G3). Nachdem das Versicherungsgericht die
Beschwerde im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren (UV 2015/56) am 9.
November 2017 abgewiesen hatte (vgl. act. G11.2), hob die Verfahrensleitung die
Sistierung am 7. Februar 2018 auf (act. G4).
B.c In ihrer Beschwerdebegründung vom 29. Mai 2018 beantragte die
Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 15. März 2016.
Für die Zeit vom 8. März 2012 bis 30. April 2014 sei ihr eine Rente zuzusprechen; unter
Kosten und Entschädigungsfolge. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zog sie
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zurück. Sie machte geltend, sie sei vom 8. März 2011 bis und mit 28. Februar 2014 zu
100%, vom 1. März bis 30. April 2014 zu 50% arbeitsunfähig gewesen und die Suva
habe ihr in dieser Zeit Taggelder ausgerichtet. Sie habe daher Anspruch auf eine
befristete Rente der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) (act. G11).
B.d Mit Beschwerdeantwort vom 3. Oktober 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie brachte vor, in der Zeit vom 9. März 2011 bis 4.
Februar 2014 seien in der angestammten und einer adaptierten Tätigkeit
Arbeitsunfähigkeiten zwischen 50% und 100% vorgelegen. In dieser Zeit seien
allerdings die Behandlungsmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft gewesen, weshalb
nicht von einer Erwerbsunfähigkeit ausgegangen werden könne. Die
Beschwerdeführerin habe schliesslich wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erlangt.
Unter diesen Umständen sei nicht von einer rechtlich relevanten Einschränkung der
Erwerbsfähigkeit auszugehen und die Beschwerdeführerin erfülle die Voraussetzungen
für die Ausrichtung der beantragten Rente nicht (act. G19). Die Beschwerdegegnerin
reichte eine Stellungnahme von RAD-Ärztin Dr. M._ vom 25. September 2018 ein
(act. G19.1).
B.e Die Beschwerdeführerin liess die Frist zur Einreichung einer Replik unbenützt
ablaufen (act. G27).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente der Beschwerdegegnerin. Gemäss Art. 29
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) entsteht
der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der
Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Nachdem sich die Beschwerdeführerin am
26. September 2011 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet
hat (vgl. IV-act. 4), ist vorliegend ein Rentenanspruch frühestens ab März 2012 zu
prüfen.
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1.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
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2.
Vorab sind die medizinische Situation und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
im Verlauf zu beurteilen. Zur Beurteilung des Rentenanspruchs ist dabei die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ausschlaggebend.
2.1 Nach ihrem Unfall vom 8. März 2011 war die Beschwerdeführerin aufgrund der
sich nur langsam durchbauenden Alafraktur über längere Zeit zu 100% arbeitsunfähig
für sämtliche Tätigkeiten (vgl. IV-act. 10, 37-16 f., Suva-act. 3-22 ff.). Ein
Arbeitsversuch im August 2011 scheiterte (vgl. Suva-act. 1-20 f.). Am 18. April 2012
führte Dr. F._ Knochenentnahmen im Beckenkamm, ein Anfrischen der
Pseudarthrose, eine Spongiosaplastik sowie eine Osteosynthese durch. Er attestierte
der Beschwerdeführerin bis zum 11. Juni 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (IV-
act. 37-8 f., Suva-act. 7-8 f.). Als postoperative Komplikation kam es zu einer
Fussheberschwäche bzw. einer L5-betonten Plexusläsion (Suva-act. 7-10 f.). Nach
einer Untersuchung vom 22. August 2012 hielt Dr. H._ fest, die Beschwerdeführerin
könne nicht länger sitzen, stehen oder gehen und sei daher für ihre Tätigkeit als
Sekretärin zu 100% arbeitsunfähig. Wahrscheinlich werde sie in absehbarer Zeit wieder
arbeitsfähig werden für eine vorwiegend sitzende Tätigkeit (IV-act. 42-3 f.). Ab Oktober
2012 nahm die Beschwerdeführerin zwar ihre Tätigkeit als Sekretärin im Umfang von
rund zwei Stunden täglich wieder auf, dies jedoch mit Unterbrüchen, teilweise
unregelmässig und mit verminderter Leistungsfähigkeit (vgl. IV-act. 45-4, Suva-act.
9-22, 10-6, 10-10 ff.). Die behandelnde Ärztin der Klinik G._ führte am 15. Januar
2013 aus, sitzende Arbeiten wären zwar theoretisch zumutbar, im Moment könne man
sich längeres Sitzen jedoch nicht vorstellen, da dies für die Beschwerdeführerin
schmerzhaft sei (IV-act. 41). Aufgrund der Beschwerdeprogredienz und einer störenden
Schraube (vgl. IV-act. 51-3 f., 55-8 f.) unterzog sich die Beschwerdeführerin am 4. Juni
2013 einer partiellen OSME (IV-act. 55-7). Bis zu diesem Zeitpunkt kann demnach nicht
von einer anhaltenden relevanten Arbeitsfähigkeit, auch nicht in einer adaptierten
Tätigkeit, ausgegangen werden.
2.2 Am 1. Juli 2013 befand Dr. L._, die bisherige Tätigkeit sei der
Beschwerdeführerin noch zu maximal vier Stunden pro Tag zumutbar. Eventuell wäre
die Umschulung in eine wechselbelastende Tätigkeit zu erwägen (IV-act. 55-13 ff.). Der
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behandelnde Arzt der Klinik G._ beurteilte am 26. August 2013, in der letzten
Sprechstunde vom 19. Juli 2013 sei ein Arbeitsversuch zu 50% ab dem 5. August 2013
vereinbart worden. Eine adaptierte Tätigkeit wäre aktuell zu 50% möglich und
wahrscheinlich steigerbar auf 100% (IV-act. 57-2 f.). Die Beschwerdeführerin war ab 5.
August 2013 in einem Pensum von 50% tätig. Die Suva legte die Nettoarbeitsfähigkeit
aufgrund des höheren Pausenbedarfs auf 33 1/3% fest (vgl. IV-act. 57-4 f., Suva-act.
11-13). Es ist jedoch gestützt auf die ärztlichen Beurteilungen mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin spätestens ab 5.
August 2013 eine adaptierte Tätigkeit zu einem Pensum von 50% zumutbar war. Es ist
darauf hinzuweisen, dass es sich bei einer solchen adaptierten Tätigkeit auch um eine
Stelle als kaufmännische Angestellte hätte handeln können (vgl. diesbezüglich die
Entscheide des Versicherungsgerichts St. Gallen bezüglich beruflicher Massnahmen
vom 9. Juni 2015, IV 2014/571, E. 3; act. G11.1 und der unfallversicherungsrechtlichen
Streitigkeit vom 9. November 2017, UV 2015/56, E. 4.4; act. G11.2) und es der
Beschwerdeführerin angesichts der damals bereits über zweijährigen
Arbeitsunfähigkeit zumutbar gewesen wäre, einen Stellenwechsel vorzunehmen.
2.3 RAD-Ärztin Dr. M._ hielt am 15. Oktober 2013 fest, es sei davon auszugehen,
dass zumindest in einer adaptierten Tätigkeit wieder eine volle Arbeitsfähigkeit erlangt
werde. Da der Gesundheitszustand noch besserungsfähig sei, sei ein Zeitraum von
etwa einem halben Jahr abzuwarten (IV-act. 61-8). Suva-Kreisärztin med. pract. N._
befand nach einer Untersuchung vom 4. Februar 2014, in einer adaptierten Tätigkeit
liege eine volle Arbeitsfähigkeit vor (IV-act. 70). Dies ist insbesondere vor dem
Hintergrund nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin bereits ab Oktober 2013 in
einem Pensum von 50% an ihrer - nicht optimal adaptierten - Arbeitsstelle im Büro
tätig war und daneben die Maturitätsschule für Erwachsene besuchte (vgl. Fremdakten
14-83, IV-act. 61-5). RAD-Ärztin Dr. M._, die behandelnden Ärzte des Zentrums für
Paraplegie der Klinik G._ und Dr. F._ gingen am 26. März bzw. 12./16. Mai 2014
ebenfalls von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit aus (IV-act. 70,
78 f.).
2.4 Zusammenfassend war die Beschwerdeführerin damit in einer adaptierten Tätigkeit
überwiegend wahrscheinlich vom 8. März 2011 bis 4. August 2013 zu 100% und ab 5.
August 2013 bis 4. Februar 2014 zu 50% arbeitsunfähig. Ab 5. Februar 2014 bestand
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sodann durchgehend eine Arbeitsfähigkeit von 100%. Dies entspricht auch der
abschliessenden Beurteilung von RAD-Ärztin Dr. M._ vom 25. September 2018 (act.
G19.1).
3.
Basierend auf den genannten Arbeitsfähigkeiten in einer adaptierten Tätigkeit ist
nachfolgend der Invaliditätsgrad zu bestimmen.
3.1 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, die Beschwerdeführerin
sei im Zeitraum vom 8. März 2011 bis 4. Februar 2014 zwar arbeitsunfähig gewesen, in
dieser Zeit seien die Behandlungsmöglichkeiten jedoch noch nicht ausgeschöpft
gewesen und sie habe danach wieder die volle Arbeitsfähigkeit erlangt. Es könne somit
nicht von einer Erwerbsunfähigkeit ausgegangen werden und es bestehe kein
Anspruch auf eine befristete Rente (act. G19). Entgegen diesen Ausführungen
entspricht die Zusprache von befristeten Renten in Situationen wie der vorliegenden
sowohl der höchstrichterlichen als auch der kantonalen Rechtsprechung (vgl. z.B.
Urteile des Bundesgerichts vom 10. Dezember 2015, 9C_318/2015, und 30. April 2018,
9C_238/2018, Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV
2017/30, IV 2016/405 und IV 2013/500, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch,
Dienstleistungen, Rechtsprechung, Versicherungsgericht). Das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen hat zudem in einem gemeinsamen Entscheid nach Art. 54 des
Gerichtsgesetzes (GerG; sGS 941.1) am 7. Mai 2019 beschlossen, dass Versicherte,
die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
zu 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und die nach Ablauf dieses Jahres
weiterhin zu mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig sind, grundsätzlich Anspruch auf
eine Rente haben, obwohl zumutbare Eingliederungsmassnahmen, welche ihre
Arbeitsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, nicht abgeschlossen sind.
3.2 Bezüglich der Berechnung des Invaliditätsgrades kann sodann auf den in der
unfallversicherungsrechtlichen Streitigkeit am 9. November 2017 ergangenen
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen verwiesen werden (UV
2015/56, E. 4.5 f.; act. G11.2). Demnach fehlt es an einer repräsentativen Grundlage für
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die Bestimmung des Valideneinkommens, weshalb dieses, wie auch das
Invalideneinkommen, anhand der selben LSE-Tabellenlöhne zu bestimmen ist. Weiter
hielt das Gericht fest, wenn sich überhaupt die Festsetzung eines Tabellenlohnabzugs
rechtfertige, so habe dieser jedenfalls nicht mehr als 5% zu betragen.
3.3 Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten im Zeitraum vom 8. März 2011 bis 4. August 2013 ergibt sich ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 100%. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50%
in einer leidensadaptierten Tätigkeit vom 5. August 2013 bis 4. Februar 2014 und unter
Berücksichtigung eines 5%igen Tabellenlohnabzugs resultiert im Rahmen eines
Prozentvergleichs ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von 52.5% (50% + [50% x
5%]).
3.4 Demnach hat die Beschwerdeführerin nach Ablauf des Wartejahres i.S.v. Art. 29
Abs. 1 IVG ab 1. März 2012 Anspruch auf eine ganze Rente. Die im August 2013
eingetretene gesundheitliche Verbesserung, die bis Februar 2014 fortgedauert hat,
führt unter Berücksichtigung der bei der Rentenanpassung gemäss Art. 88a Abs. 1 und
2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) geltenden
dreimonatigen Frist und mit Blick darauf, dass gemäss Art. 19 Abs. 3 ATSG Renten für
den ganzen Kalendermonat im Voraus ausbezahlt werden, für die Dauer ab 1.
Dezember 2013 bis 30. Mai 2014 zu einem befristeten Anspruch auf eine halbe Rente.
Danach hat die Beschwerdeführerin keinen Rentenanspruch mehr.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 15. März 2016
aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung vom 1. März 2012 bis 30.
November 2013 eine ganze und vom 1. Dezember 2013 bis 30. Mai 2014 eine halbe
Invalidenrente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Leistung ist die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Ausgangsgemäss
hat die Beschwerdegegnerin die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS
963.75; in der vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe
Art. 30bis HonO) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Im hier zu beurteilenden Fall
erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) als angemessen.