Decision ID: 8b15f909-f5bb-5d98-b769-2cec0a894596
Year: 2010
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 10. Juni 2010 in der Schweiz um Asyl nachsuchte,
dass er anlässlich der beiden Befragungen im Empfangs- und  C._ vom 18. Juni 2010 im Wesentlichen geltend machte, er stamme aus einer sehr armen Familie und habe sein Heimatland verlassen, um im Ausland eine Arbeitsstelle zu suchen,
dass er in Tunesien weder politisch aktiv gewesen sei, noch jemals Probleme mit den Behörden oder Drittpersonen gehabt habe,
dass er Tunesien am 8. Dezember 2008 in Richtung Italien verlassen habe, wo er sich bis zur Einreise in die Schweiz am 10. Juni 2010 aufgehalten habe,
dass der Beschwerdeführer auf Vorhalt des Eurodac-Treffers vom 12. Oktober 2009 in D._/Griechenland berichtigte, dass seine vorgängigen Angaben zum Aufenthalt in Italien nicht der Wahrheit ; er habe sein Heimatland vielmehr erst im Jahr 2009  und sei nach Griechenland gereist, wo er in D._  erfasst und nach E._ gebracht worden sei,
dass er nach zirka einem Monat aufgefordert worden sei,  zu verlassen, weshalb er nach Tunesien zurückgekehrt sei,
dass er Tunesien im Dezember 2009 erneut verlassen habe und auf dem Seeweg nach F._ gereist sei,
dass keine Gründe gegen die Zuständigkeit Griechenlands für die Prüfung seines Asylgesuchs sprächen,
dass es ihm in Griechenland jedoch nicht gefalle, weshalb er von dort weggegangen sei,
dass bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der  des rechtserheblichen Sachverhalts auf die Protokolle bei den Akten verwiesen wird (vgl. A1 und A7),
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dass das BFM aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers und dessen daktyloskopischer Erfassung am 12. Oktober 2009 in D._/Griechenland am 6. Juli 2010 ein Übernahmeersuchen an die griechischen Behörden stellte, welches unbeantwortet blieb,
dass das BFM auf das Asylgesuch mit Verfügung vom 8. Oktober 2010 – eröffnet am 13. Oktober 2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht eintrat, die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz nach Griechenland und den Wegweisungsvollzug anordnete und gleichzeitig feststellte, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme,
dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte,  sei gestützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen  über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des  Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin-Assoziierungsabkommen [DAA], SR 0.142.392.68) und das Übereinkommen vom 17. Dezember 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung,  und Entwicklung des Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwegen  Asylantrags (Übereinkommen vom 17. Dezember 2004, SR 0.362.32) für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig,
dass die Zuständigkeit aufgrund des unbeantwortet gebliebenen Übernahmeersuchens gestützt auf Art. 18 Abs. 7 der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin-II-VO), auf Griechenland übergegangen sei,
dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder Verlängerung gemäss Art. 19 f. Dublin-II-VO – bis zum 7. März 2011 zu erfolgen habe,
dass dem Beschwerdeführer am 18. Juni 2010 das rechtliche Gehör gewährt worden sei,
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dass das Vorbringen, er sei von Griechenland nach Tunesien , nicht glaubhaft sei, sondern vielmehr davon auszugehen sei, er habe sich seit dem Eintreffen in Griechenland ununterbrochen im Dublin-Raum aufgehalten,
dass sein Einwand, Griechenland habe ihm nicht gefallen, keinen Hinderungsgrund für die Rückführung dorthin darstelle,
dass daher auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht  und dessen Wegweisung aus der Schweiz anzuordnen sei,
dass er in einen Drittstaat reisen könne, in dem er Schutz vor  im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG fände, weshalb das -Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaats nicht zu prüfen sei, und ferner für den Fall einer Rückkehr nach  keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und  (EMRK, SR 0.101) bestehen würden,
dass weder die in Griechenland herrschende allgemeine Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll - zugs in diesen Staat sprechen würden,
dass der Wegweisungsvollzug zudem technisch möglich und praktisch durchführbar sei, da Griechenland der Rückübernahme  zugestimmt habe,
dass der Beschwerdeführer dagegen mit Eingabe vom 19. Oktober 2010 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob, worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um Anweisung des BFM, sein Recht zum Selbsteintritt auszuüben und sich für das  Asylgesuch für zuständig zu erachten, ersucht wurde,
dass in prozessualer Hinsicht beantragt wurde, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen und es seien entsprechende vollzugshemmende Massnahmen anzuordnen,
dass zudem um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
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ersucht wurde, wobei diesbezüglich eine  vom 19. Oktober 2010 zu den Akten gereicht wurde,
dass auf die Begründung der Beschwerde – soweit für den Entscheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Zwischenverfügung vom 20. Oktober 2010 den Vollzug der Wegweisung provisorisch aussetzte,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht im Bereich des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des  vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung  berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung der  legitimiert ist, weshalb auf die frist- und formgerecht ein - gereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in  Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters  einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend – wie nachfolgend aufgezeigt – um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftwechsel verzichtet wurde,
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dass der Beschwerdeführer in formeller Hinsicht rügt, das BFM habe die Begründungspflicht verletzt, indem es weder in den Erwägungen noch im Dispositiv die Frist für die Durchführung der Überstellung  habe,
dass diesem formellen Einwand nicht gefolgt werden kann, da das BFM die entsprechende Frist in den Erwägungen ausdrücklich  hat (vgl. S. 3 der angefochtenen Verfügung), und sich der effektive Zeitpunkt der Überstellung selbstredend erst bei Vorliegen eines rechtskräftigen Dublin-Entscheids ergeben kann,
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32-35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der  grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,
dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den  als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.),
dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs indes materiell geprüft hat, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht  grundsätzlich volle Kognition zukommt, wobei sich diese Fragen – namentlich diejenigen hinsichtlich des Bestehens von  (Durchführbarkeit der Überstellung an den  Staat) – in den Dublin-Verfahren bereits vor Erlass des Nichteintretensentscheides stellen,
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl - suchende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die  des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich  ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),
dass sich die vorinstanzlichen Erwägungen aufgrund der Akten als zutreffend erweisen, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen vorab auf die nicht zu beanstandenden Ausführungen des BFM in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann,
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dass der vorgängige Aufenthalt des Beschwerdeführers in  und die stillschweigende Zustimmung Griechenlands zu dessen Rückübernahme aufgrund der Aktenlage feststehen,
dass die in der Schweiz geltend gemachten Asylgründe daher in Griechenland, das staatsvertraglich zuständig ist, zu prüfen sein werden,
dass auf Beschwerdeebene im Wesentlichen geltend gemacht wird, es bestehe in Griechenland das ernsthafte Risiko, dass Asylsuchende ohne Zugang zu einem fairen Asylverfahren und ohne Überprüfung ihrer Asylgründe in ihren Heimatstaat zurückgeschafft würden, und es bestehe die Gefahr unmenschlicher Behandlung aufgrund prekärer Aufnahmebedingungen,
dass diesbezüglich festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer  eigenen Angaben in Tunesien weder politisch aktiv war, noch jemals Probleme mit den Behörden oder Drittpersonen hatte, sondern sein Heimatland einzig aus wirtschaftlichen Gründen verlassen hat (vgl. A1 S. 5),
dass er damit keine asylrechtlich relevante Verfolgung geltend macht, die ihm im Heimatland drohen würde, und daher keinen  Schutz benötigt,
dass daher die Gefahr einer Verletzung des flüchtlingsrechtlichen -Gebots – auch im Falle einer allfälligen  – ausgeschlossen werden kann,
dass, auch wenn die Aufenthaltsbedingungen von Asylsuchenden in Griechenland generell zu Besorgnis Anlass geben, vorliegend keine konkreten Anhaltspunkte gegeben sind, die darauf hindeuten würden, der Beschwerdeführer würde im Falle einer Rückkehr nach  in eine existenzielle Notlage geraten, zumal es ihm auch jederzeit offensteht, in sein Heimatland zurückzukehren, wo er über  verfügt (vgl. A1 S. 3),
dass somit entgegen der Beschwerdevorbringen nicht davon  ist, das BFM hätte Veranlassung zu einem Selbsteintritt (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO) gehabt,
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dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht  ist,
dass die Anordnung der Wegweisung nach Griechenland der Systematik des Dublin-Verfahrens – bei dem es sich um ein  in den für die Prüfung des Asylgesuchs  Staat handelt – entspricht und im Einklang mit der  von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht, wobei in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach der Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs regelmässig bereits  (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheids ist, und hier nicht mehr zu prüfen ist,
dass sich auch die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in einem Dublin-Verfahren nicht unter dem Aspekt der vorläufigen Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) stellt, sondern eine entsprechende Prüfung – soweit  – vielmehr bereits im Rahmen der Entscheidfindung  der Ausübung des Selbsteintrittsrechts stattfinden muss (vgl. vor - stehende Erwägungen),
dass vorliegend – wie aufgezeigt – kein Anlass zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO) besteht, weshalb der vom BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist,
dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,
dass mit vorliegendem Urteil ohne vorgängige Instruktion das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses  geworden ist,
dass die Beschwerde aufgrund obiger Erwägungen als aussichtslos zu qualifizieren ist und daher das Gesuch um Gewährung der unentgelt - lichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG –  der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers – abzuweisen ist,
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dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600.- (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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