Decision ID: dbce3681-df1d-484b-a233-950b9e25cf97
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist Rentner und Eigentümer einer Ferienwohnung in V. im Kanton Luzern. B X-Y
war im Jahr 2008 bei der CS unselbständig erwerbstätig. Die Eheleute X-Y leben in
ihrer Eigentumswohnung in R.
B.- A und B X-Y deklarierten für 2008 ein steuerbares Einkommen von Fr. 131'363.--
und ein steuerbares Vermögen von Fr. 469'651.--. Bei der Ferienwohnung in V. gingen
sie von der amtlichen Schätzung vom 28. November 2008 aus und deklarierten einen
Mietwert von Fr. 6'301.-- (Schätzung von Fr. 9'002.-- abzüglich 30%) und einen
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Verkehrswert von Fr. 196'000.--. Die Veranlagungsbehörde stellte demgegenüber auf
die Werte der früheren Schätzung ab und berücksichtigte einen Mietwert von
Fr. 7'560.-- ohne Reduktion und einen Verkehrswert von Fr. 189'200.--. Sie nahm die
Steuerausscheidung mit dem Kanton Luzern vor und setzte das steuerbare Einkommen
für die Staats- und Gemeindesteuern 2008 auf Fr. 131'000.-- zum Satz von
Fr. 132'600.-- und das steuerbare Vermögen auf Fr. 403'000.-- zum Satz von
Fr. 498'000.-- fest. Die gegen diese Veranlagung mit der Begründung, die im Kanton
Luzern vorgesehene Herabsetzung des Eigenmietwerts um 30% sei auch bei den st.
gallischen Staats- und Gemeindesteuern zu berücksichtigen, erhobene Einsprache
wies das kantonale Steueramt mit Entscheid vom 4. Mai 2009 ab, passte Miet- und
Verkehrswert aber auch nicht an die neue amtliche Schätzung an.
C.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhoben A und B X-Y mit Eingabe vom 18. Mai
2009 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, bei der Ermittlung
des steuerbaren Einkommens und Vermögens sei für das Grundeigentum in V. von den
Werten der amtlichen Schätzung vom 28. November 2008 auszugehen, wobei der
Eigenmietwert von Fr. 6'301.-- gemäss der definitiven Veranlagung des Kantons Luzern
zu berücksichtigen sei.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 1. Juli 2009 die Abweisung des
Rekurses unter Kostenfolge zulasten der Rekurrenten. Die Rekurrenten nahmen dazu
mit Eingabe vom 1. September 2009 Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,

soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 18. Mai 2009 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes
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über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Im Rekurs ist einzig umstritten, nach welchen Regeln sich der steuerbare
Eigenmietwert der selbstgenutzten Ferienwohnung des Rekurrenten in V. bemisst.
a) Im Rekurs wird geltend gemacht, die von der Vorinstanz vertretene Interpretation von
Art. 35 StG führe zu einem Eingriff in die Steuerhoheit des Kantons Luzern. Dem
Rekurrenten sei nicht bekannt, dass nun plötzlich auch für ausserkantonale
Grundeigentums-Einkommenswerte – analog den Vermögenswerten –
"Repartitionswerte" angewendet würden. Die Steuerverwaltungen der für die
Miteigentümer der Liegenschaft in V. zuständigen Kantone (Zürich, Schwyz, Basel-
Landschaft und Aargau) akzeptierten die vom Kanton Luzern festgesetzten
Eigenmietwerte (70%) ohne Einwände.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, zur Vermeidung der effektiven und virtuellen
Doppelbesteuerung komme im interkantonalen Verhältnis ausschliesslich die Methode
der uneingeschränkten Befreiung mit Progressionsvorbehalt zur Anwendung. Zur
Bestimmung des Gesamtsteuersatzes müsse in jedem Kanton das gesamte
Einkommen und Vermögen ermittelt werden. Dabei sei in jedem Kanton für alle Teile
des Einkommens und Vermögens das betreffende kantonale Steuerrecht massgebend.
Jeder steuerberechtigte Kanton berechne das Gesamteinkommen und –vermögen
nach seinem eigenen Recht. Das st. gallische Steuerrecht sehe eine Reduktion des
Eigenmietwertes um 30%, maximal Fr. 9'000.--, nur für das Eigenheim, das der
Steuerpflichtige an seinem Wohnsitz dauernd selbst bewohne, vor. Diese Reduktion sei
am Hauptsteuerdomizil bei der Liegenschaft der Rekurrenten in R. berücksichtigt
worden.
b) Die Rekurrenten wohnen in R. im Kanton St. Gallen. Gleichzeitig verfügt der
Rekurrent über eine Ferienwohnung in V. im Kanton Luzern. Die Rekurrenten sind
deshalb einerseits nach Art. 13 StG aufgrund persönlicher Zugehörigkeit im Kanton St.
Gallen und anderseits entsprechend Art. 4 Abs. 1 und Art. 3 Abs. 3 des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
Gemeinden (SR 642.14, abgekürzt: StHG) aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit im
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Kanton Luzern steuerpflichtig. Gemäss Art. 15 Abs. 1 StG ist die Steuerpflicht bei
persönlicher Zugehörigkeit unbeschränkt, erstreckt sich aber insbesondere nicht auf
Grundstücke ausserhalb des Kantons. Die Steuerausscheidung erfolgt im Verhältnis zu
anderen Kantonen nach den Grundsätzen des Bundesrechts über das Verbot der
interkantonalen Doppelbesteuerung (Art. 16 Abs. 1 StG).
Art. 127 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR
101, abgekürzt: BV) untersagt die interkantonale Doppelbesteuerung. Eine gegen
Art. 127 Abs. 3 BV verstossende Doppelbesteuerung liegt vor, wenn eine
steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren Kantonen für das gleiche Steuerobjekt
und für die gleiche Zeit zu Steuern herangezogen wird (aktuelle Doppelbesteuerung)
oder wenn ein Kanton in Verletzung der geltenden Kollisionsnormen seine Steuerhoheit
überschreitet und eine Steuer erhebt, die einem andern Kanton zusteht (virtuelle
Doppelbesteuerung). Ausserdem darf ein Kanton eine steuerpflichtige Person
grundsätzlich nicht deshalb stärker belasten (Schlechterstellungsverbot), weil sie nicht
in vollem Umfang seiner Steuerhoheit untersteht, sondern zufolge ihrer territorialen
Beziehungen auch noch in einem anderen Kanton steuerpflichtig ist (vgl. anstelle vieler
BGE 131 I 285 E. 2.1).
c) aa) Vorab ist festzustellen, dass die Vorinstanz keine Einkünfte aus der von den
Rekurrenten selbst genutzten Liegenschaft in V. im Kanton Luzern besteuert hat und
damit sowohl eine aktuelle als auch eine virtuelle Doppelbesteuerung ausgeschlossen
ist. Vielmehr hat sich die Vorinstanz an den zur Vermeidung der interkantonalen
Doppelbesteuerung geltenden Grundsatz der unbedingten Befreiung mit
Progressionsvorbehalt gehalten. Auszugehen ist mithin von den Gesamtfaktoren
(Gesamtvermögen, -einkommen), welche nach dem jeweiligen kantonalen Recht zu
ermitteln sind (vgl. P. Locher, Einführung in das interkantonale Steuerrecht, 3. Aufl.
2009, S. 128; BGE 51 I 79 und ständige Rechtsprechung).
bb) Nach Art. 34 Abs. 1 lit. b StG ist bei den Erträgen aus unbeweglichem Vermögen
insbesondere der Mietwert von Liegenschaften oder Liegenschaftsteilen, die dem
Steuerpflichtigen aufgrund von Eigentum für den Eigengebrauch zur Verfügung stehen,
steuerbar. Dieser Mietwert entspricht dem mittleren Preis, zu dem Grundstücke
gleicher oder ähnlicher Grösse, Lage und Beschaffenheit in der betreffenden Gegend
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vermietet werden (Art. 34 Abs. 2 Satz 1 StG). Der Mietwert des Eigenheims, das der
Steuerpflichtige an seinem Wohnsitz dauernd selbst bewohnt, wird um 30%, jedoch
höchstens um Fr. 9'000.-- herabgesetzt (Art. 34 Abs. 3 StG). Mit Art. 34 Abs. 2 StG ist
für die Eigenmietwertbesteuerung auf Gesetzesstufe das Marktwertprinzip verankert.
Seit der Totalrevision des Steuergesetzes wird der Grundsatz bei der Besteuerung des
Eigenheims am Wohnsitz durchbrochen. Mit dem II. Nachtrag vom 24. September
2006 (nGS 41-85) wurde die Herabsetzung auf 30%, maximal Fr. 9'000.-- erhöht (vgl.
dazu Botschaft zum II. Nachtragsgesetz, in: ABl 2005 S. 2413 ff., S. 2437 f.).
Nach dem Steuerrecht des Kantons Luzern beträgt der steuerbare Mietwert von
Liegenschaften, welche dem Steuerpflichtigen aufgrund von Eigentum für den
Eigengebrauch zur Verfügung stehen, 70% der mittleren Marktmiete (§ 28 Abs. 1 lit. b
und Abs. 2 Satz 2 des Steuergesetzes; SRL Nr. 620, abgekürzt: StG-LU). Die mittlere
Marktmiete entspricht dem mittleren Mietzins, der an vergleichbarer Lage für
vergleichbare Mietobjekte zu erzielen wäre (§ 28 Abs. 2 StG-LU). Der – nicht reduzierte
– Mietwert wird auf den Beginn jeder Steuerperiode durch den Regierungsrat an die
aktuellen Verhältnisse angepasst, wobei die unterschiedliche Mietzinsentwicklung je
nach regionaler Lage und Alter der Objekte zu berücksichtigen ist. Für Gebäude in der
Gemeinde V., die ab 2007 von Grund auf neu geschätzt wurden, beträgt der aktuelle
Mietwert 100% des amtlich geschätzten Wertes; davon sind 70% steuerbar (§ 28 Abs.
3 StG-LU in Verbindung mit Anhang 1, Gruppe 8, der Mietwertverordnung, SRL Nr.
625). Im Kanton Luzern wird zwar – wie im Kanton St. Gallen – eine Marktmiete
geschätzt. Bei der Besteuerung der Einkünfte aus dem unbeweglichen Vermögen wird
jedoch die Herabsetzung von 30% generell bei allen Liegenschaften – und nicht nur für
das Eigenheim am Wohnsitz - gewährt, welche dem Steuerpflichtigen aufgrund von
Eigentum für den Eigengebrauch zur Verfügung stehen.
cc) Die Vorinstanz hat das st. gallische Steuerrecht und die Grundsätze zum Verbot der
interkantonalen Doppelbesteuerung richtig angewendet und ist bei der Ermittlung des
satzbestimmenden Gesamteinkommens der Rekurrenten für die Einkünfte aus der
Liegenschaft in V., die den Rekurrenten unbestrittenermassen im Sinn von Art. 34
Abs. 1 lit. b StG für den Eigengebrauch zur Verfügung steht, zu Recht von dem amtlich
geschätzten luzernischen Mietwert, der einer Marktmiete entspricht, ausgegangen.
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Die Rekurrenten können daraus, dass andere Kantone - anders als der Kanton
St. Gallen – den nach dem luzernischen Steuerrecht herabgesetzten Eigenmietwert
auch bei der Ermittlung des satzbestimmenden Einkommens berücksichtigen, nichts zu
ihren Gunsten ableiten. Die Praxis der anderen Kantone bei der Ermittlung des
satzbestimmenden Einkommens beruht auf ihren eigenen – gegebenenfalls von jenen
des Kantons St. Gallen abweichenden – Grundsätzen bei der Besteuerung der
Einkünfte aus dem unbeweglichen Vermögen. Selbst eine abweichende Praxis in einem
Kanton mit einer dem Kanton St. Gallen entsprechenden Rechtslage könnte zu keiner
anderen Beurteilung führen. Das verfassungsmässige Gebot der rechtsgleichen
Behandlung im Sinn von Art. 8 Abs. 1 BV bezieht sich grundsätzlich nur auf den
Zuständigkeitsbereich ein und derselben Gebietskörperschaft. Aus der föderalistischen
Staatsstruktur der Schweiz ergibt sich, dass die Kantone in ihrem
Zuständigkeitsbereich daher auch unterschiedliche Regelungen treffen und
Bundesrecht in der Praxis unterschiedlich anwenden können (vgl. R.J. Schweizer, in:
St. Galler Kommentar zur BV, 2. Aufl. 2008, N 24 zu Art. 8 BV mit Hinweisen auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung).
Schliesslich kann die Nichtberücksichtigung der im Steuerrecht des Kantons
vorgesehenen Herabsetzung der Marktmiete nicht mit der Einführung eines
"Repartitionswertes" bei der Besteuerung des Eigenmietwerts verglichen werden. Mit
dem Repartitionswert soll für die Ausscheidung des Vermögens und die
quotenmässige Verlegung der Schulden in interkantonalen Verhältnissen eine
einheitliche, "marktkonforme" Verkehrswertbewertung erreicht werden (vgl. BGE 128 I
240 E. 3). Bei der Bewertung des Eigenmietwertes ist – jedenfalls im Verhältnis
zwischen den Kantonen St. Gallen und Luzern – eine solche Vereinheitlichung nicht
erforderlich, da die Gesetze beider Kantone bei der Schätzung des Mietwertes auf dem
Prinzip des Marktwertes beruhen. Eine mit einem Repartitionswert vergleichbare
Anpassung läge lediglich dann vor, wenn der Kanton St. Gallen den im Kanton Luzern
amtlich geschätzten Mietwert mit der Begründung, er stelle keinen Marktwert dar, nicht
übernehmen würde. Die Abweichung von der luzernischen Veranlagung ist jedoch nicht
in einer mangelnden Marktkonformität begründet, sondern darin, dass der Kanton St.
Gallen die im Kanton Luzern vorgesehene generelle Herabsetzung des steuerbaren
Mietwertes bei Liegenschaften im Eigengebrauch des Eigentümers auf das Eigenheim
am Wohnsitz beschränkt.
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d) Dementsprechend erweist sich der Rekurs als unbegründet. Da es sich bei der
Ermittlung des Mietwertes von Liegenschaften im Eigengebrauch des Eigentümers
mangels tatsächlicher Mietzinseinnahmen gezwungenermassen um eine Schätzung
handelt, ist es nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz für die Steuerperiode 2008
noch auf den früheren Wert und nicht auf jenen der Ende Jahr noch nicht rechtskräftig
eröffneten Schätzung vom 28. November 2008 abgestellt hat (Art. 178 Abs. 2 StG).
Unter diesen Umständen ist auch im Rekursverfahren von einer Verschlechterung der
Stellung der Rekurrenten abzusehen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten den Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist angemessen
(vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 500.-- ist zu verrechnen.