Decision ID: a5764623-09d9-52c8-a1ae-8b4aa85d059b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, war seit 19
77, zuletzt als Senior Ful
fillment Professional
bei der
Y._
angestellt
(
Urk.
7/
41
)
.
Die
Arbeit
geberin
kündigte am 2
0.
April 2016
schriftli
ch
das Arbeitsverhältnis mit der Ver
sicherten per 3
1.
August 2016
und
sprach
ihr
eine Abfindung von
Fr.
177'000.--
zu
(
Urk.
7/7
S. 1 oben
).
Aufgrund einer Krankschreibung der Versicherten ver
längerte sich die Kündigungsfrist
bis Ende März 2017 (
Urk.
7/40).
Die Versicherte meldete sic
h am 1
2.
August 2016
beim Regionalen Arbeitsver
mittlungszentrum (RAV)
Z._
zur Arbeitsvermittlung an und beantragte die Ausrichtung von Arbeitslosene
ntschädigung (
Urk.
7/1,
Urk.
7/9
).
Die Personalvorsorgestiftung der
Y._
richtete der Versicherten ab dem
1.
April 2017 eine Altersrente der Pensionskasse
von
Fr.
2'346.--
aus (
Urk.
7/36
; 7/55
).
1.2
Mit Verfügung vom 1
8.
September 2017 (
Urk.
7/85 Beilage) forderte die Arbeits
losenkasse des Kantons Zürich von der Versicherten für in den Monaten Juli und August 2017
zu viel
ausgerichtete
Arbeitslosenentschädigung
Fr.
5'677.60
netto
zurück. Mit Verfügung v
om 2
9.
September 2017 (
Urk.
7/81
) zog die Arbeitslo
senkasse des Kantons Zürich die Verfügung vom 1
8.
September 2017 in Wieder
erwägung
und
korrigierte die Rückforderung auf neu
Fr.
8'057.45 netto. Die Ver
sicherte erhob dagegen am 2
7.
Oktober 2017 Einsprache (
Urk.
7/85
S. 1
). Am
8.
November 2017
(
Urk.
7/90 S. 1)
reichte sie der Arbeitslosenkasse eine weitere Eingabe ein.
Mit Entscheid vom 2
2.
November 2017 (
Urk.
7/91 =
Urk.
2) wies die Arbeitslo
senkasse des Kantons Zürich die Einsprache vom 2
7.
Oktober 2017 ab
.
2.
Die Versicherte reichte am 2
2.
Dezember 2017 gegen den
Einspracheentscheid
vom 2
2.
November 2017 (
Urk.
2) eine Eingabe bei der Arbeitslosenkasse des Kan
tons Zürich ein (
Urk.
1). Die Eingabe wurde am
8.
Januar 2018 (
Urk.
4) als Be
schwerde an das hiesige Gericht weitergeleitet. Die Versicherte beantragte sinn
gemäss die Überprüfung der Rechtmässigkeit der Rückforderung von
Fr.
8'057.4
5.
Die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7.
Februar 2018 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwer
deführerin mit Verfügung vom
9.
Februar 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurück
kommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (sogenannte Wiedererwägung; Art. 53 Abs. 2 und 3
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG; BGE 144 I 103 E. 2.2, 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1 mit Hinweis).
1.3
Laut
Art.
95
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
-
versiche
rung und die Insolvenzentschädigung (
AVIG
)
richtet sich die
Rück
-
forderung
aus
ser in den Fällen nach
Art.
55 und
Art.
59c
bis
Abs.
4 AVIG nach
Art.
25
(
ATSG
)
. Gemäss
Art.
25
Abs.
1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzu
erstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zu
rückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt.
Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist massge
bend (
Art.
25
Abs.
2 ATSG).
1.4
Nach
Art.
18
Abs.
1 AVIG beginnt der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung nach einer Wartezeit von fünf Tagen kontrollierter Arbeitslosigkeit. Für Personen ohne Unterhaltspflichten gegenüber Kinder unter 25 Jahren beträgt die Wartezeit: 10 Tage bei einem versicherten Verdienst zwischen 60'001.-- und 90'000.-- Fran
ken (
lit
. a), 15 Tage bei einem versicherten Verdienst zwischen 90'001.-- und 125'000.-- Franken (
lit
. b) und 20 Tage bei einem versicherten Verdienst über 125'000.-- Franken (
lit
. c).
1.5
Gemäss
Art.
18c
Abs.
1 AVIG werden Altersleistungen der beruflichen Vorsorge von der Arbeitslosenentschädigung abgezogen.
Nach
Art.
28
Abs.
2 AVIG werden
auch
Taggelder der Kranken- oder Unfallversicherung, die Erwerbsersatz darstel
len, von der Arbeitslosenentschädigung abgezogen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest, mit Ver
fügung vom 1
8.
September 2017 habe sie von der Beschwerdeführerin für die Monate Juli und August 2017 zu viel ausbezahlte Arbeitslosenentschädigung von
Fr.
5'677.60 netto zurückgefordert. Mit Verfügung vom 2
9.
September 2017 habe sie die Verfügung vom 1
8.
September 2017 in Wiedererwägung gezogen, da sie betragsmässig nur die im Juli 2017 ausbezahlte Arbeitslosenentschädigung zu
rückgefordert habe.
Die Rückforderung betrage neu
Fr.
8'057.45 netto (S. 1 un
ten).
Die Beschwerdegegnerin wies weiter darauf hin, dass die Beschwerdeführerin seit dem
1.
April 2017 eine Altersrente der Personalvorsorgestiftung von
Fr.
2'346.-- pro Monat
beziehe. Dieser Betrag sei bei
der Berechnung der Arbeitslosenent
schädigung
abzuziehen
.
Zudem habe sie in der Zeit vom
1.
Juli bis 3
1.
August 2017 bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
Krankentaggelder der Allianz Suisse erhalten
(
S. 4 E. 4
und 6
).
Die Beschwerdegegnerin ermittelte in ihrer Berechnung für Juli 2017 8.3 Tage und für August 2017 10.3 Tage,
die nach Abzug von 20 Wartetagen als abgegolten zu betrachten sind.
Die Beschwerdegegnerin kam da
her zum Ergebnis, dass für
die betreffenden Monate kein Anspruch auf Arbeits
losenentschädigung bestand
(S. 4 f. E. 7 und 8).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte in der Eingabe vom 2
2.
Dezember 2017 vor, sie habe beantragt, dass die diversen Abrechnungen auf ihre Richtigkeit zu überprü
fen
seien. Sie akzeptiere den
Einspracheentscheid
nicht, da ihrem Begehren nicht entsprochen worden sei (
Urk.
1).
2.3
Strittig ist zunächst, ob die Voraussetzungen für ein Zurückkommen auf die Ver
fügung der Beschwerdegegnerin vom 1
8.
September 2017
nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG
erfüllt
sind
.
Im Weiteren
ist die Rechtmässigkeit der Rückforderung in Höhe von
Fr.
8'057.45 zu prüfen.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin war bis
zum Ablauf
der bis
Ende März 2017
verlängerten Kündigungsfrist
bei der
Y._
angestellt.
Da ihr die frühere Arbeitge
berin eine
Abfindung von
Fr.
177'000.--
zusprach
(vgl.
Urk.
7/7 S. 1)
,
bestand frühestens
ab dem
1.
Juli 2017
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung.
3.2
Die Beschwerdegegnerin
wies
i
n der Abrechnung vom 1
8.
September 2017 für Juli 2017
bei einem versicherten Verdienst von
Fr.
11'469.-- ein Taggeld von
Fr.
369.95 aus (
Fr.
11'469.-- x
0.7
:
21.7) und ermittelte ausgehend von
entschä
digungsberechtigten
7 Tagen eine Entschädigung von
Fr.
2'589.6
5.
Nach
Berück
sichtigung der
gesetzlichen Abzüge
von
Fr.
209.80 wurden
der Beschwerdefüh
rerin für Juli 2017
Fr.
2'379.85
netto
ausbezahlt (
Urk.
7/75 Beilage).
Für den August 2017 ermittelte die Beschwerdegegnerin in der Abrechnung vom 1
8.
September 2017
bei
16.7
entschädigungsberechtigten
Tagen
eine Entschädi
gung von
Fr.
6'178.1
5.
Die gesetzlichen Abzüge
beliefen sich auf
Fr.
500.55, so dass der
Beschwerdeführerin
für diesen Monat
Fr.
5'677.60
netto
ausbezahlt
wur
de
n
(
Urk.
7/75 Beilage).
3.3
Mit Verfügung vom 1
8.
September 2017 (
Urk.
7/85 Beilage) forderte die Be
schwerdegegnerin von der Beschwerdeführerin die in den Monaten Juli und Au
gust 2017 ausg
erichtete
Arbeitslosene
ntschädigung zurück. Betragsmässig wies sie eine Rückforderung von
Fr.
5'677.60 netto
aus.
Mit Verfügung vom 2
9.
September 2017 (
Urk.
7/81) kam die Beschwerdegegnerin auf die Verfügung vom 1
8.
September 2017 zurück und
korrigierte die Rückfor
derung dahingehend
, dass die
für
Juli und August 2017 ausbezahlte Arbeitslo
senentschädigung
Fr.
8'057.45 netto betrage. Die Beschwerdeführer erhob dage
gen am 2
7.
Oktober 2017 (
Urk.
7/85 S. 1) Einsprache. Am
8.
November 2017 (
Urk.
7/90 S. 1) reichte sie bei der Beschwerdegegnerin eine weitere Eingabe ein.
4.
4.1
Bei der Prüfung der Voraussetzung der zweifellosen Unrichtigkeit nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 1
8.
September 2017
fälschlicherweise nur die
den
August 2017
betreffende
ab
gerechnete
Arbeitslosenentschädigung
,
und nicht
die
beiden
Monate
Juli und Au
gust 2017 berücksichtigt hat
.
Entsprechend forderte sie von der
Beschwerdefüh
rerin zu Unrecht nur
Fr.
5'677.60 netto zurück
. Da die Abrechnung
en
beid
er Mo
nate zu berücksichtigen gewesen wäre
,
is
t von einem Versehen auszugehen. Die
ursprüngliche Verfügung vom 1
8.
September 2017
erweist sich damit
als zwei
fellos unrichtig. Die Berichtigung
der Abrechnungen
ist zudem von erheblicher Bedeutung
(vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Aufl., N 58 f. zu
Art.
53
ATSG
)
. Ein Zurückkommen auf die Verfügung vom 1
8.
September 2017
erweist sich daher als rechtens.
4.2
Nach
Art.
18c
Abs.
1 AVIG sind Altersleistungen von der Arbeitslosenentschädi
gung abzuziehen.
Die Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft richtete der Beschwerdeführerin
gemäss den
Abrechnungen vom 2
1.
Juli 2017 und vom 2
2.
August 2017 in den Monaten Juli und August 2017
bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
Kranken
taggelder
von je
Fr.
4'676.--
aus (
Urk.
7/68,
Urk.
7/73).
Aufgrund der Arbeitsun
fähigkeit von 50
%
reduziert
sich die Vermittlungsfähigkeit der Beschwerdefüh
rerin für die
betreffenden
Monate
von 100 auf 50
%
.
4.3
Bei einem Lohn von
Fr.
10'587.-- pro Monat
(vgl.
Urk.
7/10) zuzüglich des 1
3.
Monatslohnes von
Fr.
882.25
ergibt sich
ein versicherter Verdienst von
Fr.
11'469.25 (
Fr.
10'587.-- +
Fr.
882.25).
Dies ist unbestritten.
In der korrigierten Abrechnung
der Beschwerdegegnerin
vom
2.
Oktober 2017 betreffend Juli 2017
beträgt der versicherte Verdienst neu
Fr.
5'735.--.
Die Be
rechnung erweist
sich als korrekt, da bei einer
Arbeitsunfähigkeit
im Juli 2017
von 50
%
noch
eine Vermittlungsfähigkeit von 50
%
bestand. Dies führt
, wie in den
korrigierten Abrechnung
en
dargelegt
worden ist
,
zu einem Taggeld von neu
Fr.
185.-- (vgl.
Urk.
7/90 Beilage). Wie die Beschwerdegegnerin im angefochte
nen Entscheid
berechnete
, resultiert nach Abzug der Altersrente der Pensions
kasse von
Fr.
2'346.--
und
ausgehend von
21
Wochentagen im Juli 2017
eine Differenz von
Fr.
1'539.-- (
Fr.
5'735.
-- :
21.7 x 21 x 0.7 -
Fr.
2'346.
--) und damit
von
8.3 Tag
gelder
n
(
Fr.
1'539.-- :
Fr.
185.--)
. Da bei einem versicherten Verdienst von über
Fr.
125'000.--
20 Wartetage abzuziehen sind, besteht für den Juli 2017 kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung.
Für den Monat August 2017
resultiert
aufgrund der Arbeitsunfähigkeit der Be
schwerdeführerin ebenfalls ein Taggeld von
Fr.
185.--.
Für
diesen Monat ergibt sich
bei 23 Wochentagen
eine Differenz von
Fr.
1’909
.-- (
Fr.
5'735.
-- :
21.7 x 23 x 0.7 -
Fr.
2'346.--), was zu
einen Anspruch von
10.3 Tag
geldern
(
Fr.
1'909.-- :
Fr.
185.--)
führt.
Nach Abzug
der Wartetage besteht somit auch für August 2017 kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Damit ergib sich eine Rückforde
rung für die Monate Juli und August 2017 von
Fr.
8'057.45 netto (
Fr.
2'379.85 +
Fr.
5'677.60).
Die Beschwerdeführerin gab in der Beschwerde lediglich an, dass sie die Abrech
nungen
der Beschwerdegegnerin
der Monate Juli und August 2017 nicht nach
vollziehen könne (
Urk.
1). Sie legte jedoch nicht dar, inwiefern
die Berechnung der Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid nicht korrekt
sein sollen
.
Die der
Eingabe der Beschwerdeführerin vom
8.
November 2017 beigel
e
gten kor
rigierten Abrechnungen
der Beschwerdegegnerin können nachvollzogen werden und erweisen sich als korrekt
, auch wenn die wiederholt korrigierten Abrechnun
gen etwas verwirrend erscheinen mögen.
4.4
Zusammenfassend forderte die Beschwerdegegnerin von der Beschwerdeführerin zu Recht
Fr.
8'057.45 netto für in den Monaten Juli und August 2017 zu Unrecht ausgerichtete Arbeitslosenentschädigung zurück.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 2
2.
November 2017 erweist sich
so
mit
als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.