Decision ID: 841123cc-ffc6-4f24-81df-a5003585fdd0
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1955, war vom 1. März 2004 bis 30. September 2005 bei der
Z._
AG,
A._
, angestellt und bei
der
Y._
BVG-Kasse
(nachfolgend:
Y._
)
berufsvorsorgeversi
chert
. Am 20. Dezember 2004 erlitt der Versicherte einen Unfall und verletzte sich an der rechten Schulter und am rechten Ellenbogen (vgl. Urk. 1 S. 2).
1.2
Mit Verfügung vom 19. Februar 2008 (Urk. 2/2/175) sprach die Schweizerische
Un
fallversicherungsanstalt
(SUVA), bei welcher der Versicherte unfallversichert gewesen war, eine auf einem Invaliditätsgrad von 40 % basierende Rente ab
1. Juni 2007 zu, und zwar sowohl die somatischen Unfallfolgen des Ereignisses vom
20. Dezember 2004 als auch diejenigen eines bereits zuvor erlittenen Un
falls vom 31. Mai 1981 berücksichtigend. Zudem wurde ihm eine
Integritäts
ent
schädigung
von insgesamt 52,5 % zugesprochen.
1.3
Mit Verfügung vom 23. Februar 2009 (Urk. 2/2/277/3-6) sprach die IV-Stelle des Kantons Zürich dem Versicherten mit Wirkung vom 1. Dezember 2005 bis 31. März 2007 eine befristete ganze Rente der Eidgenössischen Invalidenversi
cherung zu. Für die Zeit ab 1. April 2007 wurde ein Rentenanspruch des Versi
cherten gestützt auf einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 28 % verneint. Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich wies eine dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil vom 6. Juli 2010 (Prozess Nr. IV.2009.00207; Urk. 2/2/148) ab. Das Bundesgericht bestätigte diese Entscheidung mit Urteil 9C_708/2010 vom 25. Februar 2011 (Urk. 2/2/141).
1.4
Ende Dezember 2011 erfolgte eine Neuanmeldung des Versicherten bei der In
va
l
idenversi
cherung (vgl. Urk. 2/2/85-86). Mit Verfügung vom 6. Juni
2013 (Urk. 2/1)
sprach die IV-Stelle des Kantons
B._
dem Versicherten mit Wirkung ab 1. März 2013 eine auf einem Invaliditätsgrad von 52 % basierende halbe Rente der Eidgenössischen Invalidenversicherung zu.
1.5
In der Folge wandte sich der Versicherte an die
Y._
und beantragte die Aus
richtung von Invalidenleistungen der beruflichen Vorsorge. Die
Y._
lehnte
jedoch die Ausrichtung derartiger L
eistungen an den Versicherten ab
(vgl. Urk. 1
S. 3).
2.
Mit Eingabe vom 11. Juni 2014 (Urk. 1) liess der Versicherte Klage gegen die
Y._
erheben mit folgendem Rechtsbegehren:
1.
Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger mit Wirkung ab 1. März 2013 die gesetzlichen und reglementarischen Leistungen bei einem Invaliditätsgrad von 52 % zu erbringen.
2.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten.
Die
Y._
liess in ihrer Klageantwort vom 19.
September 2014
(Urk. 10) auf kos
ten- und entschädigungsfällige Abweisung der Klage schliessen.
Replicando
und
duplicando
liessen die Parteien an ihren Anträgen festhalten, was ihnen gegenseitig zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 13 und 16; vgl. auch Urk. 17).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
der
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
24 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
berufliche Alters-, Hinterlasse
nen
-
und Invalidenvorsorge (BVG) hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 Prozent, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 Prozent, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 Prozent invalid ist. Gemäss Abs. 1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechen
den Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
Art.
29
IVG). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen
Vorsorgeein
rich
tung
geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des
versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruf
lichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Um
stand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von ei
nem Jahr ge
mäss
Art.
28 Abs. 1
lit
. b IVG in Verbindung mit
Art.
26 BVG) in
valid wird. Da
mit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen
erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Um
ständen aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
unterstanden hat (BGE 123 V 262 E.
1b, 121 V 97 E.
2a, 120 V 112
E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss
Art.
23 BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Ein
tritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach
Art.
23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der rele
vanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die
Ver
sicherteneigenschaft
muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Ver
schlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später inva
lid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetretene
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die
Vorsorgeeinrich
tung
somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des
Vorsorge
verhält
nisses
der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der
Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (
Art.
26 Abs. 3 BVG e
con
tra
rio
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
1.3
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorge
ein
rich
tungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Ar
beitsfähigkeit be
reits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die
Vor
sorgeeinrichtung
) wechselt und ihr später eine Rente der In
validenver
siche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach
Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen
Vorsorge
einrichtung
, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitneh
mer
beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Be
en
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzu
kommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Inva
lidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zu
sammenhang besteht (BGE 130
V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der In
validität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder ar
beitsfähig wurde. Die f
rühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krank
heit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig
keit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbre
chung des zeitlichen Zu
sammenhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder
an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zu
sammenhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und In
validität in schematischer (ana
loger) Anwendung der Regeln von
Art.
88a Abs. 1 der Verordnung über die
In
validenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine
anspruchsbeein
fluss
ende
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in je
dem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und vor
aussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Um
stände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die ver
si
cherte Person zur Wiederaufnahme der Ar
beit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hinweisen).
1.4
Das Erfordernis des sachlichen und zeitlichen Konnexes als Kriterium für die
Leistungspflicht einer Vorsorgeeinrichtung spielt nicht nur dann eine Rolle, wenn
ein Versicherter aus einer Vorsorgeeinrichtung aus- und in eine neue eintritt, son
dern gilt in jedem Fall, also auch dann, wenn ein Versicherter wäh
rend der Dauer der Versicherteneigenschaft arbeitsunfähig und später invalid wird (be
zieh
ungsweise sich der Invaliditätsgrad erhöht), ohne zuvor nochmals in eine neue Vorsorgeeinrichtung eingetreten zu sein. Der sachliche Konnex ist dann gegeben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähigkeit ge
führt hat, auch Ursache für den Eintritt der Invalidität oder der Erhöhung des
Invalidi
täts
grades
ist. Dieses Erfordernis geht aus
Art.
23 BVG hervor. Der zeit
liche Konnex ist zu bejahen, wenn die Arbeitsunfähigkeit des Versicherten nicht durch eine Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit unterbrochen wird (Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts B 64/99 vom
6.
Juni 2001, E. 5.a).
1.5
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invaliden
versi
cherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der berufli
chen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund ei
ner gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E.
1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überle
gung, die
Or
gane der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen auf
wändigen Ab
klä
rungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurtei
lung
en der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entschei
dend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmel
dung zum
Leis
tungsbezug
bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Über
prüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die
Vorsorgeein
rich
tung
beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bun
desgerichts 9C_49/2010 vom 23. Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens)
ins
Vorbescheidverfahren
(
aArt
. 73
bis
IVV; seit 1. Juli 2006: Art. 73
ter
IVV) ein
be
zogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bun
des
gerichts 9C_81/2010 vom 16. Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Ver
sicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-recht
liche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungs
weise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, so
weit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente ent
schei
dend
war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Ver
fah
ren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die
Inva
li
di
tätsbe
messung
der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270
E. 3.1).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a,
122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Der Versicherte liess zur Begründung der Klage im Wesentlichen vortragen, dass er vom 1. März 2004 bis zum 30. September 2005 bei der
Z._
AG angestellt und bei der Beklagten berufsvorsorgeversichert ge
wesen sei. Am 20. Dezember 2004 habe er einen Unfall (Ausrutschen auf Glatt
eis) erlitten und sich dabei an der rechten Schulter und am rechten Ellenbogen verletzt. Die SUVA richte ihm deshalb eine auf einem Invaliditätsgrad von 40 % basierende Rente aus. Vom 1. Dezember 2005 bis Ende März 2007 habe die Eid
genössische Invalidenversicherung dem Kläger befristet eine ganze Rente aus
ge
richtet. Für die Zeit ab 1. April 2007 sei ein Rentenanspruch gestützt auf ei
nen
rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 28 % verneint worden. Nach einer Neuanmeldung Ende 2011 werde ihm nunmehr mit Wirkung ab 1. März 2013 eine halbe Invalidenrente ausgerichtet (Invaliditätsgrad 52 %). In medizi
nischer Hinsicht stehe
zwischen
dem Kläger und der Beklagten die psychische Prob
le
matik, welche zur Zusprechung der halben Invalidenrente geführt habe, zur Dis
kussion beziehungsweise deren
Konnexität
zum erlittenen Unfall. Die Beklagte bestreite
unzutreffenderweise
, dass zwischen dem Unfall und der inva
lidisie
ren
den psychischen Problematik ein enger zeitlicher und sachlicher Zu
sammen
hang
bestehe. Der Unfall vom 20. Dezember 2004 bilde nämlich die wesentlichste Ur
sache für die psychischen Gesundheitsstörungen. Der Kläger
sei
nach dem Un
fal
l
nie mehr voll arbeitsfähig
geworden
. Das ganze somatische Gesche
hen spiele sich
vor dem Hintergrund einer seit 2001 behandelten psychischen
Grunder
kran
kun
g
ab. Der Kläger habe, solange er körperlich gesund gewesen sei, mit der psychi
schen Krankheit umgehen können. Erst infolge des Unfalls habe er allmählich
dekompensiert
. Der Unfall vom 20. Dezember 2004 könne aus der vorliegenden Kausalkette nicht weggedacht werden. Daraus ergebe sich die Leistungspflicht der Beklagten (Urk. 1 und 13).
2.2
Demgegenüber liess die Beklagte ausführen, dass durch die dem Kläger von der SUVA ausgerichtete Rente nicht nur die Folgen des Unfalls vom 20.
Dezember
2004, sondern auch diejenigen eines bereits am 31. Mai 1981 erlittenen Unfalls
abgegolten würden. Die Erhöhung des Invaliditätsgrades auf 52 % sei gemäss den
Feststellungen der IV-Stelle
B._
aufgrund von neu hinzugekom
me
nen psychischen Leiden erfolgt. Gestützt auf die Ausführungen im psychiat
rischen Gutachten sei erstellt, dass die neu hinzugekommene Beeinträchtigung der Ar
beitsfähigkeit erst seit dem 14. März 2012 vorliege. Von einer reaktiven De
pression aufgrund des Unfalls vom 20. Dezember 2004 sei niemals die Rede ge
wesen. Es bestehe weder ein zeitlicher noch ein sachlicher Konnex zwischen der neu hinzugekommenen,
p
sychisch
bedingten
(erhöh
ten) Erwerbsunfähigkeit und dem Unfall vom 20. Dezember 2004 beziehungs
weise der während der
Versi
che
rungsdauer
eingetretenen Arbeitsunfähigkeit. Damit entfalle die Leistungspflicht der Beklagten (Urk. 10).
Replicando
liess die Beklagte ergänzen, dass die
De
pressionsproblem
a
tik
bereits im Mai 2001 als Folge der Trennung des Klägers von
seiner damaligen Ehefrau bestanden habe. Das Leiden sei lange vor
Versi
che
rungsbeginn
bei der Beklagten entstanden und nicht durch den Unfall begrün
det
worden (Urk. 16).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Verschlechterung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsfähigkeit des Klägers (Erhöhung des von der IV-Stelle ermittelten
Inva
liditätsgrades
auf 52 % [Verfügung der IV-Stelle
B._
vom 6. Juni 2013
[Urk. 2/1]:
Zusprache
einer halben Rente mit Wirkung ab 1. März 2013) auf eine
Ursache zurückzuführen ist, die bereits für die während der
Versiche
rungsdauer
eingetretene und weiterhin andauernde Arbeitsunfähigkeit verant
wortlich war, oder ob diese Erhöhung Folge einer erst danach neu aufgetretenen
Gesundheits
beeinträchtigung
ist. Im Kern geht es um die Frage, ob die psychi
sche
Gesund
heitsstörung
des Klägers,
derentwegen
sich der Invaliditätsgrad auf 52 % erhöh
te
, in einem engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang (Kon
nex) zur am 20. Dezember 2004 unfallbedingt eingetretenen Arbeitsunfähigkeit besteht oder nicht. Im ersten Fall ergäbe sich die Leistungspflicht der Beklagten. Im zweiten Fall wäre die Klage ohne
Weiteres
abzuweisen.
Da die IV
Stelle des Kantons
B._
die Verfügung vom 6. Juni 2013 (Urk. 2/1), mit der sie dem Kläger mit Wirkung ab 1. März 2013 eine auf einem Invaliditätsgrad von 52 % basierende halbe Rente der Eidgenössischen Invali
denversicherung zugesprochen hatte, auch der Beklagten eröffnet hatte, besteht im vorliegenden Prozess im Sinne des in E. 1.5
hievor
Ausgeführten grundsätz
lich eine Bindung an die Feststellungen der IV
Stelle. Vorbehalten bleibt einzig die Rüge der offensichtlichen Unhaltbarkeit.
3.
3.1
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, kam in sei
nem
Gutachten vom 29. Oktober 2007 (Urk. 2/3 [vom Kläger unvollständig ko
piert eingereicht] = Urk. 2/2/180 [vollständige Fassung auf CD]) zum Schluss, dass keine psychische Störung gemäss ICD-10 mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit vorliege (S. 20). Beim Kl
ä
ger lägen zwar Hinweise für
selbstunsichere
und
dependente
Persönlichkeitszüge vor. Zudem sei
anamnestisch
eine phobi
sche
Störung mit
soziophoben
und
agoraphoben
Anteilen sowie ein Status nach
An
passungsstörungen
mit depressiver Reaktion bei Trennung von der Ehefrau (2001
) zu diagnostizieren. Dies habe aber alles keine Auswirkungen auf die Ar
beits
fähig
keit des Klägers.
3.2
Dr.
med.
D._
berichtete am 3. Februar 2012 darüber, dass sich der Kläger seit März 2011 in seiner ambulanten Behandlung befinde. Es liege eine ty
pi
sche rezidivierende depressive Störung, mittelgradig (ICD-10 F33.1) vor. Die
Haupt
symptome
seien eine depressive Verstimmung, Interessenminderung, An
triebsmangel, wiederkehrende suizidale Ideationen und rasche Ermüdbarkeit. Al
s Zusatzsymptome zeigten sich ein vermindertes Selbstwertgefühl und ein herab
gesetztes Selbstvertrauen. Der Kläger habe über eine Zunahme der depres
siven Symptome in den letzten zwölf Monaten berichtet. Auf der psychisch-geistigen Ebene sei die Leistungsfähigkeit deutlich eingeschränkt und es bestehe aus psy
chi
a
trischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in allen
Arbeitstätig
keiten
(Urk. 2/2/
71
).
3.3
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagno
s
tizierte in se
inem Gutachten vom 14. März 2012
(Urk. 2/4 = Urk. 2/2/65) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht
e bis mittelgradige Episode (ICD
-10 F33.1) sowie (ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) agora- und sozial
phobische Ängste (ICD-10 F40.8).
Der Beginn der aktuell zur Diskus
sion steh
en
den
psychiatrischen Problematik lasse sich bis in das Jahr 2001 zu
rück
ver
fol
gen
. Der Kläger habe im Rahmen der Ehetrennung 2001 unter einer
Anpassungs
stö
rung
mit depressiver Reaktion gelitten. Vor dem Hintergrund weiterer psycho
sozialer Belastungsfaktoren (niedriges Ausbildungsniveau, Schulden) und nach
einem Unfall am 20. Dezember 2004 habe er erneut psy
chische Beschwerden ent
wickelt und sei schliesslich arbeitsunfähig geworden (S. 9 f.). Im Rahmen der aktu
ellen psychiatrischen Untersuchung zeige sich ein
dysphorischer
Versi
cher
ter mit
leichtgradig
eingeschränkter affektiver
Schwin
gungsfähigkeit
. Hin
sicht
lich Schmerzverarbeitung seien gewisse dysfunktionale
Bewältigungs
me
cha
nis
men
und eine Tendenz zur Selbstlimitierung bezie
hungsweise
Symptom
aus
wei
tung
erkennbar. Eine mittel- bis
schwergradige
de
pressive Symptomatik könne
aktuell nicht attestiert werden. Dafür fehlten ty
pischerweise damit ein
her
geh
ende
Auffälligkeiten wie gravierende kognitive Beeinträchtigungen
, Ver
nach
lässi
gun
g
der Körperpflege und massive Schwie
rigkeiten bei der
Alltags
bewäl
tigung
(S. 10).
Aus ver
si
cherungsmedizinisch-psy
chiatrischer Sicht be
gründe
die gestellte Diag
nose eine gewisse, nämlich 30%ige Einschränkung der Arbeits
fähigkeit. IV-fremde
psychosoziale
Belastungsfakto
ren
(niedriges
Aus
bildungs
niveau
, Schul
den) und subjektive Beschwerden (Schmer
zen) seien dabei berück
sichtigt (S. 11).
Er könne die von
Dr.
D._
attestierte Arbeits
un
fähigkeit von 100 % nicht
bestätigen, vielmehr bestehe ab dem
Unter
such
ungsdatum
aus rein psychia
trischer Sicht - wie ausgeführt - eine Arbeitsun
fähigkeit von 30 % (S. 12).
3.4
Dr.
D._
kritisierte das Gutachten von
Dr.
E._
am 21. März 2014
dahingehend, dass es seit Ende 2004 zu einer zunehmenden Verschlechterung des
Zustandes gekommen sei. Dies bedeute, dass die Erkrankung „schon zu Zeiten des
Arbeitsverhältnisses - in unterschiedlichem Schweregrad - bis heute“ bestan
den habe (Urk. 2/5).
3.5
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte in seinem Bericht vom 24. März 2014 (Urk. 2/6) aus, dass der Kläger ab 11. Mai 2001 wegen starker Stimmungsschwankungen bei ihm in Behandlung gewesen
sei. Von Anfang an seien Antidepressiva notwendig gewesen.
Als
Gründe für die
Beeinträchtigung der Stimmung
nannte er
: „Rückblenden auf schwierige Ehe-
Situation, Konflikte am Arbeitsplatz, nach Kündigung schwierige Stellensuche. Bei
Stel
lenantritt
Z._
, 1.3.04, wie schon zuvor, Behandlung mit dem Anti
de
pressi
vum
Floxyfral
. Unfall am 20.12.0
4.
Konsultation 3.8.05: Kündigung be
kommen, Albträume, in schwarzem Loch, sehe kein Licht, studiere viel über finanzielle Probleme, Stelle
etc.
; Erhöhung der Dosis des Antidepressivums.“ In
der Folge hätten die depressiven Symptome über die Jahre zugenommen, und zwar
vor
wiegend als Reaktion auf die finanzielle Knappheit, das lange Warten auf
Versi
cherungsentscheide
und die Tatsache, dass es aus gesundheitlichen Grün
den praktisch ausgeschlossen gewesen sei, eine neue Anstellung zu finden.
Ein
be
handlungsbedürftiger
depressiver Zustand habe schon lange vor dem Unfal
l bestanden, allerdings ohne dass es Anhaltspunkte dafür gegeben hätte, dass
der Kläger deswegen nicht arbeitsfähig gewesen wäre. Der Unfall vom 20. Dezem
ber 2004 habe den Zustand des Klägers entscheidend beeinträchtigt. Das Ausschei
den aus dem Arbeitsprozess sei unfallbedingt.
4.
4.1
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass beim Kläger neben den
unfall
bedingten
somatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen bereits seit vielen Jahren
Gesundheitsstörungen psychischer Natur vorhanden sind. Letztere lassen sich bis
ins Jahr 2001 zurückverfolgen (Anpassungsstörungen infolge der Trennung des
Klägers von seiner damaligen Ehefrau [vgl. dazu etwa das Gutachten von
Dr.
E._
; oben E. 3.3]). Im vorliegenden Zusammenhang ist allerdings
nicht streitentscheidend, seit wann eine gesundheitliche Störung vorhanden war,
sondern zu welchem Zeitpunkt die relevante Arbeitsunfähigkeit eintrat, die mit der späteren Invalidisierung (beziehungsweise der Erhöhung der Invalidität) in einem engen sachlichen und zeitlichen Konnex steht.
4.2
Die oben in E. 3 wiedergegebenen medizinischen Akten ergeben hinsichtlich der Frage, wann das psychische Leiden des Klägers zu einer Erhöhung des (soma
tisch-unfallbedingten) Invaliditätsgrades geführt hat, nicht ein vollkommen ein
heit
liches Bild. Namentlich
Dr.
F._
vertrat die Auffassung, dass der Unfall vom 20. Dezember 2004 den psychischen Zustand des Klägers e
ntschei
dend be
ein
trächtigt
und schliesslich zur psychisch bedingten Erhöhung des
In
validi
täts
grades
geführt habe (vgl. Urk. 2/6 und
oben E. 3.5). Auch
Dr.
D._
war der Ansicht
, dass es seit Ende 2004 zu einer zunehmenden Ver
schlechterung des
psychischen Zustandes gekommen sei (vgl. Urk.
2/5 und oben E. 3.4). Demge
gen
über war der Gutachter
Dr.
E._
der Meinung, dass eine psychisch be
dingte Arbeitsunfähigkeit (von lediglich 30 %) erst ab dem
Unter
suchungs
zeit
punkt
(März 2012
) attestiert werden könne (Urk. 2/2/65; oben E. 3.3). Letztere
Meinungsäusserung wird indirekt auch durch den Bericht von
Dr.
D._
vom 3. Februar 2012 (Urk. 2/2/
71
; vgl. oben E. 3.2)
gestützt
. Daraus geht hervor,
dass die depressiven Symptome nach Darstellung des Klä
gers in den letzten
zwölf Monaten (also sei
t
Februar 2011) zugenommen hätten. Schliesslich ist auch
daran zu erinnern, dass bereits
Dr.
C._
in seinem Gut
achten vom 29. Okto
ber 2007 (Urk. 2/2/180; vgl. oben E. 3.1) zum Schluss ge
kommen war, dass
seiner
zeit aus psychiatrischer Sicht die Arbeitsfähigkeit des Klägers, obwohl ge
wisse psychische Erkrankungen vorhanden gewesen seien, nicht eingeschränkt gewesen sei.
Somit spricht vieles für die Ansicht
der Beklagten, die sich dabei insbesondere auf das Gutachten
v
on
Dr.
E._
stützen kann, dass die neu zu attestie
rende Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen erst eingetreten war, als das Versicherungsverhältnis zwischen dem Kläger und der Beklagten
bereits seit
Jahren beendet
gewesen
war, und dass zwischen dem Unfall beziehungsweise de
r daraus resultierenden Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit und der psychisch verur
sachten Arbeitsunfähigkeit kein enger sachlicher und zeitlicher Zusam
menhang besteht.
Streitentscheidend ist
aber ohne Weiteres
, dass die Feststellung der IV-Stelle des Kantons
B._
, wonach (erst) ab 14. März 2012 auch von einer psych
isch bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (Verfügung vom 6. Juni 2013 [Urk. 2/1]), angesichts der oben wiedergegebenen Gutachten von
Dr.
C._
und
Dr.
E._
zutreffend erscheint beziehungs
weise auf keinen Fall als offensichtlich unhaltbar qualifiziert werden kann. Des
halb muss der Kläger diese Feststellung auch im vorliegenden Kontext
gegen sich gelten lassen
. Die - nicht einmal explizit erhobene - Rüge der offensichtli
chen Unhalt
barkeit
ist jedenfalls nicht begründet
(Bindungswirkung; vgl. oben E. 1.5).
Hinzu kommt, dass das hiesige Gericht mit Urteil vom 6. Juli 2010 (Prozess
Nr. IV.2009.00207; Urk. 2/2/148) sowie das Bundesgericht mit Urteil 9C_708/201
0
vom 25. Februar 2011 (Urk. 2/2/141) festhielten, dass seinerzeit kein anspruchsbegründender Invaliditätsgrad bestanden habe.
Das
Sozialversi
che
rungsgericht
verneinte dabei das Vorliegen eines die Arbeitsfähigkeit beein
trächtigenden psychischen Leidens gestützt auf das Gutachten von
Dr.
C._
ausdrücklich, was das Bundesgericht in keiner Weise beanstandete (vgl. E. 4.1 und 4.2 des genannten bundesgerichtlichen Urteils).
Hätte bereits damals eine (bis zur Anstellungszeit im Jahr 2004/2005 zurückgehende) Arbeitsunfähigkeit im erforderlichen Ausmass von mindestens 20 % bestanden, hätte der Einkommensvergleich eine rentenbegründende Einschränkung von über 40 % ergeben (80%
statt 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit).
Die
Argumentation des Klägers im vorliegenden Prozess kommt somit im Kern und über weite Strecken inhaltlich einer reinen
apellatorischen
Kritik an den genannten
invalidenversi
cherungsrechtlichen
Entscheiden gleich. Damit zielt er ins Leere.
4.3
Aus dem Gesagten folgt, dass angesichts
des fehlenden
sachlichen und zeit
lichen Konne
xes zwischen der Erhöhung des Invaliditätsgrades aus psychischen Gründen im Jahr 2013 und dem erlittenen Unfall vom 20. Dezember 2004 be
ziehungsweise der seinerzeit eingetretenen Arbeitsunfähigkeit aus somati
schen Gründen die Leistungspflicht der Beklagten zu verneinen ist. Demzufolge ist die Klage abzu
weisen.
5.
Art. 73 Abs. 2 BVG schliesst einen Anspruch der obsiegenden
Versicherungs
trägerin
auf eine Prozessentschädigung zwar nicht aus. Indes werden den Trä
gern der beruflichen Vorsorge gemäss BVG beziehungsweise den mit
öffent
lich
rechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in Anlehnung an die Rechtspre
chung zu Art. 159 Abs. 2 des bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Bundesge
setzes über die Organisation der Bundesrechtspflege (
Bundesrechts
pflege
gesetz
/
OG) praxisgemäss keine Parteientschädigungen zugesprochen. Es besteht kein Grund, bei der Beklagten - trotz ihres entsprechenden Antrages - anders zu ver
fahren (vgl. BGE 128 V 133 E. 5b, 126 V 150 E. 4a, 118 V 169 E. 7 und 117 V 349
E. 8, mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 125 E. 5b und 320 E. 1a und b sowie 112 V 356 E. 6).
Dem Kläger steht eine Prozessentschädigung ausgangsgemäss nicht zu.