Decision ID: 8e16ac48-58c3-56e0-a830-5a311321b713
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte unter der Alias-Identität am 27. August
2001 in der Schweiz um Asyl nach.
Er gab an, er sei ein staatenloser Kurde syrischer Herkunft (Maktoum) und
stamme aus C._. Er verfüge über keine Identitätsdokumente. Er sei
Sympathisant der Yekiti-Partei. Im Jahr (...) sei er wegen des Verkaufs kur-
discher Kassetten mehrere Wochen inhaftiert gewesen. Später habe er für
einen Freund, der Mitglied der Yekiti gewesen sei, von einer Musikkassette
mit prokurdischem Inhalt Abzüge erstellt. Am (...) seien zwei Personen in
seinem Geschäft erschienen und hätten nach einer solchen Kassette ver-
langt. Er habe versprochen, diese in ein bis zwei Tagen zu besorgen. Am
(...) sei er in den Bazar gegangen, um leere Kassetten zu holen. In seiner
Abwesenheit hätten die Amen-Leute sein Geschäft durchsucht, Kassetten
beschlagnahmt und seinen Mitarbeiter mitgenommen. Die Geschäftsnach-
barn hätten daraufhin seine Familie benachrichtigt. Nachdem er bei der
Rückkehr vom Bazar durch seine Familie informiert worden sei, habe er
C._ unverzüglich verlassen und sich bis zu seiner Ausreise am (...)
bei Verwandten aufgehalten.
A.b Mit Verfügung vom 8. August 2003 stellte das damalige Bundesamt für
Flüchtlinge (BFF; heute: SEM) fest, dass der Beschwerdeführer die Flücht-
lingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
Das BFF erachtete die Fluchtvorbringen des Beschwerdeführers, wonach
er (...) wegen des Verkaufs verbotener Kassetten vom Sicherheitsdienst
verfolgt worden sei, als unglaubhaft. Auf eine Prüfung der Glaubhaftigkeit
des Gefängnisaufenthalts im Jahr (...) und der Sympathie für die Yekiti-
Partei verzichtete es, da es diese Vorbringen als nicht asylrelevant erach-
tete. Der Gefängnisaufenthalt liege zu weit zurück, um noch als fluchtbe-
gründend bezeichnet zu werden. Als einfacher Sympathisant der Yekiti-
Partei habe der Beschwerdeführer keine begründete Furcht vor Verfolgung
durch den syrischen Staat. Der Vollzug der Wegweisung sei durchführbar.
A.c Die vom Beschwerdeführer dagegen erhobene Beschwerde wies die
vormalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) mit Urteil vom
22. Dezember 2003 ab.
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In Bezug auf das vom Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene vorge-
brachte exilpolitische Engagement (Kandidatur für eine Mitgliedschaft bei
der Yekiti-Partei Schweiz, Teilnahme an einer Kundgebung im [...]) stellte
die ARK fest, dass dieses die Flüchtlingseigenschaft – wie die Vorflucht-
gründe des Beschwerdeführers – nicht zu begründen vermöge.
B.
B.a Mit Eingabe vom 7. März 2004 reichte der Beschwerdeführer unter der
Alias-Identität beim BFF ein Wiedererwägungsgesuch ein. Er ersuchte um
wiedererwägungsweise Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Ge-
währung des Asyls, eventualiter um Gewährung der vorläufigen Aufnahme
wegen Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.
Er machte geltend, er sei inzwischen von der Yekiti-Partei Schweiz als Mit-
glied aufgenommen geworden. In der Mitgliedschaftsbestätigung vom (...)
werde auch bestätigt, dass er im (...) an einer Demonstration teilgenom-
men habe. Zudem habe er am (...) und (...) im Internet ([...]) mit Namens-
nennung zwei gegen die Herrschaft der Baath-Partei gerichtete Ge-
dichte/Texte veröffentlicht, wobei ein Text mit einem Foto von ihm versehen
sei. Darüber hinaus weise er als Maktoum ein erhöhtes Risikoprofil auf
(Maktoum-Bestätigung des Gemeindevorstehers vom [...]).
B.b Mit Verfügung vom 5. November 2004 zog das BFF seinen Entscheid
vom 8. August 2003 teilweise in Wiedererwägung. Es stellte fest, dass der
Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft aufgrund seines exilpoliti-
schen Engagements, das als intensiv zu bezeichnen sei, und damit des
Vorliegens eines subjektiven Nachfluchtgrunds gemäss Art. 54 AsylG
(SR 142.31) erfülle, und es nahm ihn infolge Unzulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzugs in der Schweiz vorläufig auf. Weiter hielt es fest, dass das
Asylgesuch abgelehnt bleibe, da die Vorfluchtgründe unglaubhaft oder
nicht asylrelevant seien, und für sich allein nicht zur Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung führen würden.
B.c Am (...) wurde dem Beschwerdeführer von den kantonalen Behörden
eine Härtefallbewilligung erteilt. Mit Erhalt der Aufenthaltsbewilligung ist die
vorläufige Aufnahme erloschen.
C.
C.a Mit Eingabe vom 22. Juni 2015 ersuchte der Beschwerdeführer unter
der Alias-Identität beim SEM um Anerkennung der Staatenlosigkeit.
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C.b Mit Schreiben vom 27. Oktober 2016 teilte das SEM dem Beschwer-
deführer mit, dass ein Datenvergleich im Zentralen Migrationsinformations-
system (ZEMIS) ergeben habe, dass der (Verwandte) des Beschwerdefüh-
rers in der Schweiz auch ein Asylgesuch gestellt habe. Anhand vom (Ver-
wandten) vorgelegter Dokumente der Familie sei davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer sein Asylgesuch unter einer falschen Identität ge-
stellt habe. Das SEM räumte dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör
ein.
C.c Mit Eingabe vom 16. Januar 2017 zog der Beschwerdeführer das Ge-
such um Anerkennung der Staatenlosigkeit zurück. Unter Einreichung sei-
ner syrischen Identitätskarte legte er seine wahre Identität offen. Er habe
aus Angst vor einer Wegweisung nach Syrien auf Empfehlung von Schlep-
pern hin seine Identität bei der Einreise in die Schweiz nicht vollständig
bekanntgegeben und die syrische Staatsangehörigkeit verschwiegen.
C.d Am 19. Januar 2017 schrieb das SEM das Gesuch um Anerkennung
der Staatenlosigkeit infolge Gegenstandslosigkeit ab.
D.
D.a Mit Schreiben vom 21. März 2017 teilte das SEM dem Beschwerde-
führer mit, dass es gedenke, ihm die Flüchtlingseigenschaft wegen der fal-
schen Angaben im Asylverfahren abzuerkennen, und gewährte ihm dazu
das rechtliche Gehör.
D.b In seiner Stellungnahme vom 30. März 2017 beantragte der Be-
schwerdeführer die Beibehaltung der Flüchtlingseigenschaft. Die Falsch-
angaben hätten sich auf den Nachnamen und das Geburtsjahr beschränkt
und seien darauf zurückzuführen, dass im Zeitpunkt der Einreichung des
Asylgesuchs viele syrische Kurden nach Syrien zurückgeführt worden
seien. Er habe deswegen auf Anraten des Schleppers die syrische Staats-
angehörigkeit verschwiegen und seine Identität nicht vollständig offenge-
legt. Er bereue dies. Die falschen Angaben seien für die Anerkennung als
Flüchtling aber nicht kausal gewesen. Er sei aufgrund seiner exilpolitischen
Tätigkeit als Flüchtling anerkannt worden (Yekiti-Mitgliedschaft, Teilnahme
an Demonstrationen, Veröffentlichung von mit seinem Alias-Nachnamen
und seinem Foto versehenen Gedichten/Artikeln). Auch wenn die Veröf-
fentlichung der Texte unter dem Alias-Nachnamen erfolgt sei, hätte er vom
syrischen Regime nur schon aufgrund des publizierten Fotos identifiziert
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werden können. Er wäre daher unabhängig von seinen Personalien-Anga-
ben im Asylverfahren aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeiten politischer
Verfolgung und dem Risiko von Folter und Misshandlung ausgesetzt.
E.
Mit Verfügung vom 7. Februar 2020 – eröffnet am 10. Februar 2020 – ab-
erkannte das SEM dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 63 Abs. 1
Bst. a AsylG die Flüchtlingseigenschaft.
Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, dass die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG aberkannt werde, wenn eine
Person ihren Status durch falsche Angaben oder Verschweigen wesentli-
cher Tatsachen erschlichen habe. Es sei unbestritten, dass der Beschwer-
deführer im Asylverfahren falsche Angaben zum Nachnamen, dem Ge-
burtsdatum und der Staatsangehörigkeit gemacht habe. Ein Kausalzusam-
menhang zwischen den Falschangaben und der Feststellung der Flücht-
lingseigenschaft liege vor. Der Beschwerdeführer werde unter falschem
Namen bei der Yekiti geführt und habe unter dieser falschen Identität re-
gimekritische Texte veröffentlicht. Es lägen keine Hinweise vor, dass diese
Aktivitäten von den syrischen Behörden mit der tatsächlichen Identität des
Beschwerdeführers in Zusammenhang gebracht worden seien. Dass er al-
lein aufgrund des Fotos als Regimegegner identifiziert werden könnte, sei
unwahrscheinlich. Vielmehr sei davon auszugehen, dass er durch die Ver-
wendung des Alias-Namens seine Identität geschützt habe. Konkrete An-
zeichen für eine Identifizierung durch die syrischen Behörden habe er nicht
benannt. Darüber hinaus sei bei der Einschätzung der Gefährdung der vor-
gebrachte Status als Maktoum und die damit verbundene Möglichkeit einer
vertieften Überprüfung bei einer Einreise durch die syrischen Behörden
zentral gewesen. Von einem solchen Risikofaktor sei nun aber nicht aus-
zugehen. Der Beschwerdeführer habe auch nicht vorgebracht, dass er
nach der Anerkennung als Flüchtling weiterhin exilpolitisch tätig gewesen
wäre, oder dass er entsprechende Aktivitäten unter seinem richtigen Na-
men ausgeübt hätte. Er habe die Flüchtlingseigenschaft somit aufgrund
falscher Angaben erschlichen, weshalb ihm diese abzuerkennen sei. Als
Folge davon unterstehe er nicht mehr der Flüchtlingskonvention, sondern
dem allgemeinen Ausländerrecht. Nachdem ihm eine Aufenthaltsbewilli-
gung erteilt worden sei, falle die Regelung seiner weiteren Anwesenheit in
die Kompetenz der kantonalen Behörden.
F.
Mit Eingabe vom 11. März 2020 erhob der Beschwerdeführer durch den
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rubrizierten Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht,
worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 7. Februar 2020
und um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, eventualiter um Gewäh-
rung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs ersucht wurde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht
wurde zudem um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsverbeiständung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses ersucht.
Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er
habe im Asylverfahren aus Angst vor einer Wegweisung einen falschen
Nachnamen und ein unzutreffendes Geburtsjahr genannt und seine syri-
sche Staatsangehörigkeit verschwiegen. Die Fehlinformationen seien aber
von untergeordneter Bedeutung gewesen. Die Vorinstanz habe am 5. No-
vember 2004 festgestellt, dass er sich mit seinem Engagement für die Ye-
kiti-Schweiz und der Veröffentlichung von zwei Texten, wovon einer mit sei-
nem Foto versehen sei, in einem Mass exponiert habe, das die syrischen
Behörden als Bedrohung empfinden und in flüchtlingsrechtlich relevanter
Weise ahnden würden. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern sich an dieser
Einschätzung etwas geändert haben sollte, nur weil die besagten Aktivitä-
ten unter seinem Alias-Nachnamen erfolgt seien. Das Verfolgungsmotiv –
sein exilpolitisches Engagement – und die amtierende syrische Regierung
seien unverändert. Der Folgerung des SEM, dass er seine Identität bei der
Veröffentlichung der Texte durch Verwendung des Alias-Namens so ge-
schützt habe, dass zum heutigen Zeitpunkt keine Rückschlüsse auf seine
Person gezogen werden könnten, könne nicht gefolgt werden. Die syri-
schen Behörden könnten ihn seit jeher einfach identifizieren, habe er doch
bei der Beantragung der Mitgliedschaft bei der Yekiti-Schweiz und der Ver-
öffentlichung der beiden Texte lediglich einen falschen Nachnamen ver-
wendet. Zudem erscheine eine Fotografie des Verfassers eines Textes mit-
unter geeigneter, die betreffende Person ausfindig zu machen, als ein
Name. Er sei weiterhin, nunmehr auch unter seinem richtigen Namen, exil-
politisch aktiv. Er verweise hierzu auf die beiliegende Mitgliedschaftsbestä-
tigung der Demokratischen Partei Kurdistans Syrien (PDK-S) Schweiz vom
(...) mit Nennung seiner wahren Identität und auf Fotos seiner Teilnahme
an einer Demonstration vom (...). In der Verfügung vom 5. November 2004
sei nicht erwähnt worden, dass der damals vorgebrachte Maktoum-Status
den Entscheid zur Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft beeinflusst
hätte. Die Flüchtlingseigenschaft sei nur mit seiner exilpolitischen Tätigkeit
begründet worden. Die vormals geltend gemachte Staatenlosigkeit könne
bei der Entscheidfindung somit keine, oder höchstens eine untergeordnete
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Rolle gespielt haben. Wegen seines exilpolitischen Engagements habe er
weiterhin begründete Furcht vor Verfolgung durch die syrischen Behörden.
Er setze sich seit über einem Jahrzehnt in der kurdischen Diaspora gegen
die Assad-Regierung ein. Er sei seit (...) Jahren Mitglied bei der Yekiti-
Schweiz beziehungsweise der PDK-S Schweiz und nehme noch immer re-
gelmässig an Demonstrationen teil. Der syrische Staat habe nach wie vor
ein grosses Verfolgungsinteresse an Regimekritikern, insbesondere kurdi-
schen. Es sei unbestritten, dass die syrischen Behörden infolge seines exil-
politischen Engagements bis zum 5. November 2004 auf ihn aufmerksam
geworden seien. Dies wegen der Benutzung eines falschen Nachnamens
nun in Abrede zu stellen, mute abenteuerlich an. Der syrische Geheim-
dienst sei nicht so schlecht aufgestellt, als dass er sich von der Verwen-
dung eines falschen Nachnamens täuschen lassen würde. Die angerufene
Widerrufsbestimmung setze einen Kausalzusammenhang zwischen den
Falschangaben und der Gewährung der Flüchtlingseigenschaft voraus,
und an einem solchen fehle es vorliegend. Zudem wäre er auch wegen
seiner langen Landesabwesenheit in Kombination mit seiner kurdischen
Herkunft einem erhöhten Risiko ausgesetzt, bei einer Rückkehr nach Sy-
rien einem Verhör unterzogen zu werden. Es sei nicht als verwerflich zu
erachten, dass er als im Exil exponierter Regimekritiker unter Verwendung
eines Alias-Nachnamens um Asyl ersucht habe. Viele Oppositionelle wür-
den dies so handhaben. Von einer Verschleierung seiner Identität könne
auch nicht gesprochen werden, wenn bedenkt werde, dass es sich beim
Alias-Nachnamen um den (...) seines (Verwandten) gehandelt habe. Der
Umstand, dass er einen publizierten Text mit seinem Bild versehen habe,
zeige ebenfalls, dass er seine Identität im Rahmen seiner politischen Akti-
vitäten nicht verschleiert habe. Die Verwendung des falschen Nachnamens
und Geburtsjahrs hätten ihm im Asylverfahren keinen Vorteil verschafft. Die
Flüchtlingseigenschaft sei ihm einzig aufgrund seines exilpolitischen Enga-
gements zuerkannt worden. Angesichts der guten Vernetzung der syri-
schen Geheimdienste im Ausland mit einhergehender Überwachung von
Regimekritikern im Exil könne kaum davon ausgegangen werden, dass er
den syrischen Behörden nicht bekannt sein sollte. Davon sei auch die Vo-
rinstanz überzeugt gewesen, und lediglich wegen der Verwendung eines
anderen Nachnamens habe sich daran auch nichts geändert. Es sei nicht
ersichtlich, weshalb er nicht mehr gefährdet sein sollte. Die Flüchtlingsei-
genschaft sei ihm zu belassen. Im Übrigen sei der Wegweisungsvollzug
nicht nur unzulässig, sondern auch unzumutbar.
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G.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 13. März 2020 den Eingang
der Beschwerde.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 19. März 2020 hiess die Instruktionsrichterin
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsverbeiständung gut und ordnete den rubrizierten Rechtsvertreter
dem Beschwerdeführer als amtlichen Rechtsbeistand bei.
I.
Am 20. Januar 2021 lud die Instruktionsrichterin die Vorinstanz zur Ver-
nehmlassung zur Beschwerde ein.
J.
In seiner Vernehmlassung vom 4. Februar 2021 beantragte das SEM die
Abweisung der Beschwerde. Weder Schreiben der PDK-S Schweiz vom
(...) noch die beiden Fotos von einer Demonstration vermöchten ein expo-
niertes exilpolitisches Profil des Beschwerdeführers zu belegen. Bei erste-
rem handle es sich um ein Gefälligkeitsschreiben, in dem die angeblich
grosse Rolle des Beschwerdeführers in der Partei nicht substantiiert aus-
geführt werde. Die Fotos würden ihn als einfachen Teilnehmer einer Ver-
anstaltung zeigen, die bereits (...) stattgefunden habe. Es könne demnach
nicht davon gesprochen werden, dass der Beschwerdeführer sich unter
seiner richtigen Identität anhaltend, intensiv und nach aussen hin sichtbar
exilpolitisch betätigt hätte.
K.
Am 5. Februar 2021 stellte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer
die Vernehmlassung des SEM zu und räumte ihm Gelegenheit ein, bis zum
22. Februar 2021 eine Replik einzureichen.
L.
Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Replik vom 15. Februar 2021,
dass er wegen seines exilpolitischen Engagements, das in der Verfügung
vom 5. November 2004 als intensiv eingestuft worden sei, als Flüchtling
anerkannt worden sei. Das besagte Engagement und nicht sein Nachname
sei für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft relevant gewesen. Er
habe den Flüchtlingsstatus somit nicht durch Angabe eines falschen Nach-
namens erschlichen. Der Umstand, dass er damals einen anderen Nach-
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namen geführt habe, ändere nichts an seiner exilpolitischen Tätigkeit. Folg-
lich könne auch nicht davon ausgegangen werden, dass es sich bei dem
Schreiben der PDK-S Schweiz um ein reines Gefälligkeitsschreiben
handle. Es sei kaum davon auszugehen, dass diese seit Jahrzehnten agie-
rende Partei mit Ablegern in diversen Staaten ihre Glaubwürdigkeit aufs
Spiel setzen würde, um einer politisch nicht aktiven Person ein Gefällig-
keitsschreiben auszustellen. Das Schreiben bestätige in allgemeiner
Weise seine exilpolitische Rolle und dass er seit Jahren für die Partei aktiv
sei und bei sich (...) organisiert habe. Die Fotos würden seine Exponiertheit
zeigen. Die Vorinstanz habe seine exilpolitische Tätigkeit als derart intensiv
erachtet, dass sie ihm die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt habe. Es sei
daher als erstellt zu erachten, dass die syrische Regierung ihn als potenzi-
elle Bedrohung wahrnehme und ihn bei einer Rückkehr verfolgen würde.
Angesichts der Fotos, die ihn bei Kundgebungen zeigen würden, und des
mit seinem Bild versehenen politischen Texts, den er veröffentlicht habe,
müsse davon ausgegangen werden, dass sein Aussehen den syrischen
Behörden bekannt sei. Auch wenn die exilpolitische Tätigkeit unter einem
Pseudonym erfolgt sei, könnten ihn die syrischen Behörden bei einer Wie-
dereinreise identifizieren, zumal anzunehmen sei, dass bei der Identifizie-
rung von Regimegegnern auch spezifizierte Programme zur Gesichtser-
kennung eingesetzt würden. Bei einer Rückkehr könnten die syrischen Be-
hörden ihn daher ohne Weiteres mit seinen veröffentlichten Aktivitäten in
Verbindung bringen, zumal er bei seiner Tätigkeit seinen realen Vornamen
verwendet habe.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101), wobei für das vorliegende Verfahren das bisherige Recht
gilt (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
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Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzu-
treten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG wird die Flüchtlingseigenschaft ab-
erkannt und/oder das Asyl widerrufen, wenn die ausländische Person das
Asyl oder die Flüchtlingseigenschaft durch falsche Angaben oder Ver-
schweigen wesentlicher Tatsachen erschlichen hat.
3.2 Die Falschangabe oder das Verschweigen wesentlicher Tatsachen
muss für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft oder die Gewährung
von Asyl kausal gewesen sein. Die Flüchtlingseigenschaft wird gemäss
Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG grundsätzlich aberkannt, wenn die Vorausset-
zungen, die zur Anerkennung geführt haben, von Anfang an nicht bestan-
den haben. Die Anwendung dieser Widerrufsbestimmung ist auf Fallkons-
tellationen beschränkt, bei denen die Asylbehörden erst nach der Anerken-
nung der Flüchtlingseigenschaft Kenntnis von Sachverhaltselementen er-
halten, die zu einer Verneinung der Flüchtlingseigenschaft geführt hätten,
wenn sie bereits während des Asylverfahrens bekannt gewesen wären.
Diese Intention entspricht dem allgemeinen Prinzip des Verwaltungsrechts,
dass eine gewährte Rechtsstellung widerrufen wird, falls sich später her-
ausstellt, dass die Voraussetzungen von Anfang an nicht bestanden hatten
und diese Rechtsstellung erschlichen worden war (vgl. ALBERTO ACHER-
MANN/CHRISTINA HAUSAMMANN, Handbuch des Asylrechts, 1991, S. 201;
Botschaft zum Asylgesetz und zu einem Bundesbeschluss betreffend den
Rückzug des Vorbehaltes zu Art. 24 des Übereinkommens über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 31. August 1977, BBl 1977 III 135). Mit
dem Terminus "erschleichen" weist der Gesetzgeber darauf hin, dass für
einen Widerruf gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG eine versehentliche
oder unbewusste Falschaussage nicht genügt; es bedarf wissentlicher und
willentlicher Falschangaben (vgl. ACHERMANN/HAUSAMMANN, a.a.O.; sowie
etwa Urteile des BVGer E-3945/2020 vom 8. Oktober 2020 E. 4 und
E-3469/2018 vom 3. Juli 2019 E. 5.2 m.w.H.).
3.3 Die Beweislast für die Voraussetzungen einer Aberkennung der Flücht-
lingseigenschaft liegt nach den allgemeinen Regeln des Verwaltungsrechts
bei den Asylbehörden, da diese aus den zu beweisenden Tatsachen
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Rechtsfolgen ableiten wollen (vgl. Urteil des BVGer E-3469/2018 vom
3. Juli 2019 E. 5.3 m.w.H.). Bezüglich des Beweismasses haben die
Asylbehörden die relevanten Tatsachen grundsätzlich zu beweisen. Soweit
relevante Tatsachen nur mit unverhältnismässigem Aufwand oder mit den
Behörden zur Verfügung stehenden Mitteln gar nicht bewiesen werden
können, müssen sie mindestens überwiegend wahrscheinlich gemacht
werden (analog Art. 7 AsylG; vgl. Urteile des BVGer E-6465/2019 vom
22. Januar 2020 E. 4.4 und E-3144/2017 vom 19. Dezember 2019 E. 5.3).
4.
4.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
dass die Bedingungen von Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG betreffend das Er-
schleichen der Flüchtlingseigenschaft mittels falscher Angaben und Ver-
schweigens wesentlicher Tatsachen durch den Beschwerdeführer erfüllt
seien. Dieser Einschätzung kann unter Verweis auf die nachfolgenden Aus-
führungen nicht gefolgt werden.
4.2 Mit Verfügung vom 5. November 2004 stellte das BFF fest, dass der
Beschwerdeführer aufgrund seines damaligen, gegen das syrische Re-
gime gerichteten exilpolitischen Engagements bei einer Rückkehr nach Sy-
rien in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise gefährdet wäre, und es er-
kannte ihm deshalb die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG zu. Die
in der angefochtenen Verfügung vom 7. Februar 2020 von der Vorinstanz
angerufene Widerrufsbestimmung von Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG ist, wie
zuvor ausgeführt, für Fallkonstellationen vorgesehen, in denen die Asylbe-
hörden nach der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft Kenntnis von
Sachverhaltselementen erhalten, die zur Verneinung der Flüchtlingseigen-
schaft geführt hätten, sofern sie bereits während des Asylverfahrens be-
kannt gewesen wären. Im vorliegenden Verfahren ist mithin zu prüfen, ob
der Beschwerdeführer die ihm am 5. November 2004 zuerkannte Flücht-
lingseigenschaft durch falsche Angaben im Asylverfahren erschlichen hat,
das heisst, ob davon auszugehen ist, dass die Flüchtlingseigenschaft da-
mals verneint worden wäre, wenn der Beschwerdeführer im Asylverfahren
korrekte Angaben zu seinem Nachnamen und dem Geburtsjahr gemacht
und die syrische Staatsangehörigkeit offengelegt hätte. Von einer solchen
Konstellation kann vorliegend nicht ausgegangen werden. Es ist zwar un-
bestritten, dass der Beschwerdeführer im Asylverfahren einen falschen
Nachnamen und ein unzutreffendes Geburtsjahr angegeben und ver-
schwiegen hat, dass er über die syrische Staatsangehörigkeit verfügt. Die-
ses Verhalten gibt zweifelsohne Anlass zu Tadel, aber es kann aufgrund
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Seite 12
der Aktenlage nicht geschlossen werden, dass die besagten Falschanga-
ben für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft kausal gewesen wä-
ren, mithin die Flüchtlingseigenschaft bei Kenntnis des effektiven Nachna-
mens und Geburtsjahrs sowie der syrischen Staatsangehörigkeit des Be-
schwerdeführers verneint worden wäre. Der Beschwerdeführer hat nicht
eine falsche Staatsangehörigkeit beziehungsweise Herkunft vorgetäuscht.
Seine Herkunft aus Syrien sowie seine kurdische Ethnie waren im Asylver-
fahren von Anfang an bekannt und unbestritten, und es ist nicht ersichtlich,
dass dem Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft am 5. November
2004 trotz seines gegen das syrische Regime gerichteten exilpolitischen
Engagements nicht zuerkannt worden wäre, wenn im damaligen Zeitpunkt
bekannt gewesen wäre, dass er nicht nur syrischer Herkunft, sondern ef-
fektiv syrischer Staatsbürger ist. In diesem Sinne handelt es sich bei der
nachträglich offengelegten syrischen Staatsangehörigkeit nicht um eine
wesentliche verschwiegene Tatsache im Sinne von Art. 63 Abs. 1 Bst. a
AsylG. Die nachträgliche Kenntnisnahme der Asylbehörden von der syri-
schen Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers vermag insofern keine
Relevanz im Hinblick auf einen Widerruf der Flüchtlingseigenschaft zu ent-
falten. Es liegen auch keine Hinweise vor, dass der Beschwerdeführer im
Asylverfahren exilpolitische Aktivitäten vorgegeben hat, die er nicht ausge-
übt hat. Das BFF hat das damalige exilpolitische Engagement des Be-
schwerdeführers in der Verfügung vom 5. November 2004 als intensiv ein-
geschätzt und eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung des Be-
schwerdeführers seitens der syrischen Behörden bejaht. Dass der Be-
schwerdeführer in Zusammenhang mit der damaligen exilpolitischen Tätig-
keit den Alias-Nachnamen nannte, ist Folge der Asylgesuchstellung unter
dieser Personalie. Es kann jedoch nicht darauf geschlossen werden, dass
die Flüchtlingseigenschaft damals verneint worden wäre, wenn der Be-
schwerdeführer den richtigen Nachnamen (und das richtige Geburtsjahr)
angegeben hätte, respektive die korrekten Personalien den Asylbehörden
bekannt gewesen wären, zumal der Beschwerdeführer bei der Publikation
der regimekritischen Texte im Internet sein eigenes Foto und den korrekten
Vornamen verwendet hat. Insgesamt betrachtet kann nicht davon ausge-
gangen werden, dass der Beschwerdeführer durch falsche Angaben res-
pektive das Verschweigen wesentlicher Tatsachen die am 5. November
2004 erfolgte Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft erschlichen hat. Da-
mit sind die Voraussetzungen für die Aberkennung der Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG nicht erfüllt, und die von der Vor-
instanz gestützt auf die besagte Bestimmung verfügte Aberkennung der
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers ist zu Unrecht erfolgt. Der
Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass es vorliegend nicht um die
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Frage geht, ob dem Beschwerdeführer im Falle einer heutigen Rückkehr
nach Syrien aufgrund seiner exilpolitischen Aktivitäten (weiterhin) eine Ver-
folgung durch die syrischen Behörden gemäss Art. 3 AsylG drohen würde.
Vorliegend war einzig die Frage des Erschleichens der ihm am 5. Novem-
ber 2004 zuerkannten Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 63 Abs. 1
Bst. a AsylG zu prüfen. Es erübrigt sich daher, auch das seit dem 5. No-
vember 2004 ausgeübte exilpolitische Engagement des Beschwerdefüh-
rers näher einzugehen.
5.
Aufgrund des Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die angefoch-
tene Verfügung vom 7. Februar 2020 ist aufzuheben. Damit bleibt der Be-
schwerdeführer als Flüchtling anerkannt.
6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
6.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Seitens der
Rechtsvertretung wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die not-
wendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14
Abs. 2 in fine VGKE). Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteient-
schädigung ist in Anwendung der genannten Bestimmungen und unter Be-
rücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren auf insgesamt
Fr. 1'000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
D-1433/2020
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