Decision ID: 999314f9-ca68-4ef9-9414-f5ea49d6a460
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Die 1982 geborene Beschwerdeführerin war aufgrund ihres Anstellungs-
verhältnisses obligatorisch bei der Beschwerdegegnerin gegen die Folgen
von Unfällen versichert, als sie am 10. Januar 2021 von einem Schlitten
stürzte und sich dabei an der rechten Schulter prellte. Die Beschwerdegeg-
nerin anerkannte ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit dem fragli-
chen Ereignis und richtete die entsprechenden Versicherungsleistungen in
Form von Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen aus. Mit Verfügung
vom 9. August 2021 stellte sie diese mangels Unfallkausalität der noch ge-
klagten Beschwerden per 8. April 2021 ein. Die dagegen erhobene Ein-
sprache wies die Beschwerdegegnerin mit Einspracheentscheid vom
23. März 2022 ab.
2.
2.1.
Gegen den Einspracheentscheid vom 23. März 2022 erhob die Beschwer-
deführerin mit Eingabe vom 9. Mai 2022 fristgerecht Beschwerde und
stellte folgende Rechtsbegehren:
"1. Der angefochtene Einsprache-Entscheid vom 23.03.2022 sei  aufzuheben und der Beschwerdeführerin seien die gesetzlich geschuldeten Leistungen aus dem Unfall vom 10.01.2021,  die Übernahme der Heilkosten und der Taggelder, zuzusprechen.
2. Eventualiter sei die Sache zur ordnungsgemässen Abklärung des Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 3. Juni 2022 beantragte die Beschwerdegegne-
rin die Abweisung der Beschwerde.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Versicherungs-
leistungen im Zusammenhang mit dem Unfall vom 10. Januar 2021 zu
Recht mit Einspracheentscheid vom 23. März 2022 per 8. April 2021 ein-
gestellt hat (Vernehmlassungsbeilage [VB] 69).
- 3 -
2.
2.1.
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus,
dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krank-
heit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursa-
chen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände,
ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten
oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten
gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja-
hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein
Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen
ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Be-
dingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person
beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden
kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele
(BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109
E. 2.1 S. 111 f. und 129 V 402 E. 4.3.1 S. 406).
2.2.
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Un-
fallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ur-
sache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch
und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu,
wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar
vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante) oder aber derjenige Zu-
stand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften
Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (status
quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung
von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem Be-
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5
S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181) nachgewiesen sein.
3.
3.1.
In ihrem Einspracheentscheid vom 23. März 2022 (VB 69) stützte sich die
Beschwerdegegnerin im Wesentlich auf die Aktenbeurteilungen von Kreis-
arzt Dr. med. univ. B., Praktischer Arzt, vom 3. Juni 2021 (VB 40) und
8. Februar 2022 (VB 67).
3.1.1.
Dr. med. univ. B. führte am 3. Juni 2021 aus, bei den im MRI vorgefunde-
nen und am 3. Mai 2021 operierten Befunden handle es sich ausschliess-
lich um vorbestehende degenerative Veränderungen mit Schmerzauslö-
sung durch direkte Kontusion der rechten Schulter. Das geltend gemachte
- 4 -
Ereignis wäre gegebenenfalls geeignet gewesen, eine AC-Gelenksverlet-
zung zu verursachen, nicht jedoch die im MRI vorgefundenen Befunde ei-
ner Rotatorenmanschetten-Teilruptur. Ursache dafür sei ein erhöhter kriti-
scher Schulterwinkel von über 40°, welcher unfallunabhängig zur Teilruptur
der Rotatorenmanschette geführt habe. Entsprechend fänden sich auch
kleine zystisch-degenerative Veränderungen im MRI vom 26. Januar 2021
(VB 17) im Bereich der Läsionen der Rotatorenmanschette. Der Unfall sei
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht natürlich-kausal für die (im MRI
nachgewiesenen) Befunde und die durchgeführte Operation (VB 40
S. 2 f.).
3.1.2.
In seinem Bericht vom 28. September 2021 hielt der behandelnde Arzt
Dr. med. C., Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Q., fest, er sei in verschiedener Hinsicht nicht ein-
verstanden mit der medizinischen Einschätzung von Dr. med. univ. B. Der
Kreisarzt habe den Unfall als direkte Schulterkontusion rechts nach dem
Sturz mit dem Schlitten beschrieben. Das könne man aber nicht mit Sicher-
heit so beschreiben. In der Regel gebe es nach einem solchen Sturz eine
Stütz-Abwehrreaktion mit den Armen, was zur Distorsion in der Schulter,
wahrscheinlich auch mit Kontusionskomponenten, führe. Dieser Mechanis-
mus könne eine Rotatorenmanschettenläsion verursachen. Die Beschwer-
deführerin habe zudem vor dem Unfall keine Beschwerden in dieser Schul-
ter gehabt. Die MRI-Bilder würden eine frische, ausgedehnte RM-Unterflä-
chen-Teilruptur zeigen mit Längsriss auch der Subscapularissehne. Intrao-
perativ habe die Läsion vom Aspekt her traumatisch ausgesehen, es sei
nicht nur eine Unterflächen-Teilruptur gewesen, sondern diese sei auch an
einem Punkt transmural gewesen. Es sei zwar möglich, dass die Ursache
der Rotatorenmanschetten-Teilruptur ein erhöhter kritischer Schulterwinkel
von über 40° gewesen sei. Aber nicht alle Menschen, die radiologisch einen
solchen anatomischen Befund hätten, würden eine Rotatorenmanschetten-
läsion erleben. Zudem hätten alle Menschen ab 30 Jahren „mehr oder we-
niger“ mindestens beginnende degenerative Veränderungen im Bewe-
gungsapparat. 96 % der Menschen in der Altersgruppe „um die 40 Jahre
[...] brauch[t]en theoretisch einen Unfall für eine entsprechende Rotatoren-
manschetten-Läsion“. Die Rotatorenmanschettenläsion sei „definitiv“ mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 10. Januar 2021 zu-
rückzuführen (VB 62 S. 11 f.; Fragen an Dr. med. C., VB 62 S. 5).
3.1.3.
In seiner Aktenbeurteilung vom 8. Februar 2022 führte der Kreisarzt
Dr. med. univ. B. aus, Dr. med. C. behaupte im Widerspruch zu den unter-
schriebenen Angaben der Beschwerdeführerin zum Unfallhergang einen
abweichenden Pathomechanismus, welcher in seine – Dr. med. C. – Argu-
mentation passe. Es sei nicht nachvollziehbar, dass dieser behaupte, es
gebe nach einem solchen Sturz eine Stütz-/Abwehrreaktion mit den Armen.
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Bei einer langsamen Rückwärtsfahrt auf einem Schlitten führe ein seitlicher
Sturz aus derart geringer Höhe in aller Regel zum Versuch einer Abrollbe-
wegung, insbesondere auch wenn man, wie dies die Beschwerdeführerin
getan habe, mit den Armen einen Rucksack umschliesse (VB 67 S. 1).
Transmurale Rupturen würden in keiner Weise eine Unfallkausalität be-
gründen, sondern seien meist Folge fortgeschrittener degenerativer Verän-
derungen, wie im vorliegenden Fall mit kleinzystischen Läsionen im Bereich
der Footprint und daraus resultierenden Sehnenläsion. Zudem gebe es Kri-
terien zur Beurteilung, ob es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um
eine traumatische Ruptur handle oder nicht, wie z.B. Bone bruise am Tu-
berculum majus, isolierte Ruptur der Subscapularissehne, ödematöse Ver-
änderungen des Sehnenstumpfes und wellige Struktur desselben, unver-
züglicher Arztbesuch und unverzügliches Röntgen. Im vorliegenden Fall sei
keines der Kriterien erfüllt. Dass die MRI-Bilder eine frische, ausgedehnte
Rotatorenmanschettenunterflächenteilruptur zeigen würden, entbehre ei-
ner nachvollziehbaren Grundlage (VB 67 S. 2). Zusammenfassend sei fest-
zuhalten, dass im vorliegenden Fall keines der Kriterien zur Annahme einer
traumatischen Läsion erfüllt sei und die Behauptungen von Dr. med. C.
durch die Angaben der Beschwerdeführerin widerlegt seien und durch die
einschlägige Fachliteratur nicht gestützt würden (VB 67 S. 3).
3.1.4.
In seinem im Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht vom 26. April
2022 hielt Dr. med. C. fest, er sei der Meinung, dass mehrere beschriebene
Punkte und Aussagen von Dr. med. univ. B. kontrovers diskutiert werden
könnten. Das solle aber „nur im Rahmen eines neutralen Gutachtens durch
einen Schulterexperten durchgeführt werden“. Mit Verweis auf drei nicht
näher bezeichnete und nicht aktenkundige Artikel führte er aus, es sei den
meisten Patienten häufig nicht möglich, eine präzise Unfallbeschreibung
abzugeben. Die Meinung der Schweizer Expertengruppe der Schulter- und
Ellbogenchirurgie sei sogar, dass bei einem direkten Trauma der Schulter
ebenfalls eine RM-Läsion entstehen könne. Zu bemerken sei, dass die Be-
schwerdeführerin 39-jährig sei und in einer Studie zu transmuralen RM-Lä-
sionen bei unter 50-Jährigen in 79.2 % der Fälle ein Trauma als Ursache
der transmuralen RM-Läsionen festgestellt worden sei (Beschwerdebei-
lage [BB] 3 S. 1). Insgesamt seien die Argumente von Dr. med. univ. B.
nicht konklusiv, weshalb es ein Gutachten durch einen Schulterexperten
brauche (BB 3 S. 2).
3.2.
3.2.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
- 6 -
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-
ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
3.2.2.
Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-
dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im
Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-
nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c
S. 160 ff.). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.
und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.).
3.2.3.
Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im
Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen
Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-
besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-
licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-
nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-
verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen
ein lückenloses Bild machen können (Urteile des Bundesgerichts
8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. Dezember
2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen).
3.3.
Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen mit Verweis auf die Ein-
schätzung von Dr. med. C. vor, die kreisärztliche Beurteilung des Allge-
meinmediziners Dr. med. univ. B. sei unzutreffend. Die Kausalität des Un-
falls vom 10. Januar 2021 für die im Zeitpunkt der Leistungseinstellung
noch geklagten Beschwerden sowie die dadurch notwendig gewordene
Operation sei gestützt auf die detailliert begründeten Ausführungen des
Chirurgen Dr. med. C. zu bejahen (vgl. Beschwerde S. 4, 13 ff.).
3.4.
Der behandelnde Arzt Dr. med. C. zeigte in seinen Berichten vom 28. Sep-
tember 2021 und 26. April 2022 lediglich auf, dass aufgrund der medizini-
schen Literatur beziehungsweise einer entsprechenden Studie bei unter
50-Jährigen respektive medizinischer Erfahrung insbesondere angesichts
des Alters der Beschwerdeführerin im Unfallzeitpunkt es durchaus möglich
sei, dass die bei der Beschwerdeführerin festgestellte Rotatorenmanschet-
ten-Verletzung traumatischer Ursache sei (vgl. VB 62 S. 11 f.; BB 3). Er be-
gründet in keiner Weise, wieso im konkreten Falle der Beschwerdeführerin
überwiegend wahrscheinlich von einer traumatischen – durch den Unfall
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vom 10. Januar 2021 bedingten – Rotatorenmanschettenläsion auszuge-
hen wäre und ging überdies – bewusst – von einem von den übereinstim-
menden entsprechenden Darstellungen der Beschwerdeführerin (vgl.
VB 35 S. 2; Beschwerde S. 3) abweichenden Unfallhergang aus (VB 62
S. 11; BB 3 S. 70). Die blosse Möglichkeit eines natürlichen Kausalzusam-
menhangs zwischen einem Unfall und einer Gesundheitsstörung genügt für
die Begründung eines Leistungsanspruches aber nicht (vgl. BGE 129 V 177
E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_646/2019 vom
6. März 2020 E. 8). Soweit Dr. med. C. des Weiteren festhielt, die Be-
schwerdeführerin habe vor dem Unfall keine Beschwerden in der rechten
Schulter gehabt (VB 62 S. 11), ist darauf hinzuweisen, dass eine gesund-
heitliche Schädigung nicht schon dann als durch den Unfall verursacht gilt,
weil sie nach diesem aufgetreten ist. Eine derartige "post hoc, ergo propter
hoc"-Argumentation ist beweisrechtlich nicht zulässig (BGE 142 V 325
E. 2.3.2.2 S. 330 und 119 V 335 E. 2b/bb S. 341 f.).
Insgesamt vermögen die Berichte von Dr. med. C. damit keine Zweifel an
den Aktenbeurteilungen von Dr. med. univ. B. (VB 40, VB 67) zu begrün-
den. Diese sind in sich schlüssig und plausibel begründet. Die Akten, auf
die er sich stützte, beruhen auf verschiedenen persönlichen Untersuchun-
gen sowie einer Bildgebung (VB 40 S. 1 f.) und ergeben ein vollständiges
Bild betreffend den vorliegend relevanten medizinischen Sachverhalt (vgl.
E. 3.2.3. hiervor). Dr. med. univ. B. kam in Kenntnis und Würdigung dieser
medizinischen Vorberichte, der angegeben Beschwerden, der bildgeben-
den Befunden sowie unter Bezugnahme auf entsprechende Fachliteratur
zur nachvollziehbar begründeten Schlussfolgerung, dass ein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 10. Januar 2021
und den vier Wochen nach dem Unfallereignis noch geklagten Schulterbe-
schwerden rechts nicht überwiegend wahrscheinlich sei (VB 19, vgl. E.
3.1.1. und 3.1.3. hiervor). Gemäss Rechtsprechung sind Kreisärzte nach
ihrer Funktion und beruflichen Stellung Fachärzte im Bereich der Unfallme-
dizin. Da sie ausschliesslich Unfallpatienten, unfallähnliche Körperschädi-
gungen und Berufskrankheiten diagnostisch beurteilen und therapeutisch
begleiten, verfügen sie über besonders ausgeprägte traumatologische
Kenntnisse und Erfahrungen, dies unabhängig von ihrem ursprünglich er-
worbenen Facharzttitel (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_480/2021 vom
6. Dezember 2021 E. 4.2.1 und 8C_316/2019 vom 24. Oktober 2019 E. 5.4
[je mit Hinweisen]). Dr. med. univ. B. verfügt als Kreisarzt somit entgegen
der Ansicht der Beschwerdeführerin (vgl. Beschwerde S. 13 f.) über das
notwendige Fachwissen, um im vorliegenden Fall eine qualifizierte Beurtei-
lung abgeben zu können.
3.5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht auf
die Beurteilung von Dr. med. univ. B. abgestellt hat. Der medizinische
Sachverhalt erweist sich vor diesem Hintergrund als vollständig abgeklärt,
- 8 -
sodass auf die Einholung weiterer Beweismittel (vgl. Beschwerde S. 4 ff.)
verzichtet werden kann, da von diesen keine weiteren Erkenntnisse zu er-
warten sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 127 V 491 E. 1b S. 494
mit Hinweisen; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 4). Da demnach davon auszu-
gehen ist, dass die von der Beschwerdeführerin noch über den 8. April
2021 hinaus geklagten rechtsseitigen Schulterbeschwerden in keinem na-
türlichen Kausalzusammenhang zum Ereignis vom 10. Januar 2021 stan-
den, ist die per 8. April 2021 erfolgte Leistungseinstellung durch die Be-
schwerdegegnerin nicht zu beanstanden. Der Einspracheentscheid vom
23. März 2022 (VB 69) ist damit zu bestätigen.
4.
4.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
4.3.
Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens
(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung
als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-
spruch auf Parteientschädigung zu.