Decision ID: 1eb41b60-6402-44b6-834b-086acf111823
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1994,
fiel bereits in der Primarschule durch ein langsa
mes Arbeitstempo sowie ein introvertiertes und einzelgängerisches Verhalten auf.
Trotz dieses Umstandes gelang es ihm, die
obligatorische Schulzeit (Pri
mar
schule, Sekundarschule B) in einer ordentlichen Klasse zu absolvieren (
Urk.
8/6/2).
Anschliessend konnte er sich jedoch nicht
in den Arbeitsprozess eingliedern, insbesondere
fand er keine Lehrstelle
. Auch der Besuch des Berufs
-
integrationsprogrammes
Y._
führte zu keinem Erfolg, sondern er wurde dort vielmehr wegen seinem langsamen Arbeitstempo und seinem Sozi
alverhalten ausgeschlossen (
Urk.
8/7/2). Deshalb meldete
er sich am
2
0.
Februar 2012 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/1). Die Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm den Bericht des
O._
(
O._
)
, Regio
nalstelle
Z._
, vom 2
3.
Januar 2012
zu den Akten
(Urk
. 8/6). Aus
serdem
holte sie den Arztbericht von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom
3.
April 2012 ein (
Urk.
8/7/1-3). In der Folge führte sie
Abklärungen über mögliche Eingliederungsmassnahmen durch
(vgl. Ver
laufsprotokoll Berufsberatung vom 1
5.
Mai 2013,
Urk.
8/16). Am
22. Mai 2012 (
Urk.
8/
2
0/1), am
20. August 2012
(Urk. 8/11) und am 1
7.
Juni 2013 (
Urk.
8/20/3)
nahm Prof.
Dr.
med.
B._
, FMH Pädiatrie,
vom Regio
nalen Ärztliche
n
Dienst (RAD) der IV-Stelle zum L
eistungsanspruch Stellung
.
Am 15.
Mai 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, das Leistungsbe
gehren würde als erledigt abgeschrieben, soweit es die Durch
führung einer Berufs
ausbildung ab August 2013 betreffe, da die Abklärungen ergeben hätten, dass
er
gesundheitliche Probleme schildere, welche die Durch
führung von Ein
gliederungsm
assnahmen nicht zuliessen (Urk.
8/14).
Die IV-Stelle holte den
Verlaufsbericht
von Dr.
A._
vom 1
1.
Juni 2013 (Urk.
18/1-4, unter Beilage des Austrittsberic
hts der
C._
, Am
bulatorium
D._
, vom 1
3.
Dezember 2012, Urk. 8/18/5-6) ein. Mit Vorbescheid vom
3.
Juli 2013
kün
digte
die IV-Stelle
X._
an
, er habe basierend auf einem Invaliditäts
grad
von 100
%
mit Wirkung ab dem 1.
Januar 2013 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (
Urk.
8/27). In der Folge gelangte der Rechtsdienst der IV-Stelle jedoch zum Ergebnis,
dass beim Ver
sicherten keine invalidisierende psychische Erkrankung bestehe, sondern psychosoziale Gründe im Vordergrund stünden. Er hielt deshalb in seiner Stellungnahme vom
3.
Oktober 2013 fest, dass das Ren
tenbegehren von
X._
entgegen dem Vorbescheid vom
3.
Juli 2013 abzuweisen sei (
Urk.
8/30). Mit neuem Vorbescheid vom
3.
Oktober 2013 stellte die IV-Stelle
demnach
die Abweisung des Rentenbegehrens in Aus
sicht (
Urk.
8/33) und machte den Versicherten
gleichzeitig darauf aufmerksam, dass er sich im Rahmen seiner Schaden
minderungspflicht einer regelmässigen psy
chiatrisch-psychothera
peutischen Behandlung zu unterziehen habe (
Urk.
8/31).
Gegen den Vorbescheid liess
X._
durch die Rechtsauskunftsstell
e Zür
cher Oberland (RZO) am 27.
November 2013 Einwand erheben (
Urk.
8/38).
Die IV-Stelle wies
das
Leistungs
begehren
mit Verfügung vom 2
5.
Februar 2014 ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
durch
Rechtsanwältin Yvonne Mäder vom RZO am 2
7.
März 2014 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 1):
„
1.
Die Verfügung der SVA
Zürich vom 25.02.2014 sei aufzuheben.
2.
Es sei dem Beschwerdeführer eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
3.
Ev. sei dem Beschwerdeführer eine Schadenminderungspflicht aufzu
erle
gen.
4.
Ev. sei ein Arztbericht von Frau
Dr.
E._
von der
C._
einzuholen.
5.
Ev. sei ein psychiatrisches Gutachten einzuholen.
6.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde
geg
nerin.“
Die Beschwerdegegnerin ersuchte mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
Mai 2014 um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer am 1
9.
Mai 2014 mitgeteilt wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beein
trächti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1
.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Gemäss
dem Bericht des
O._
vom 2
3.
Januar 2012
(
Urk.
8/6)
bestehen beim Beschwerdeführer Anpassungsstörungen mit vorwiegender Störung anderer Gefühle (ICD-10 F43.23). Er sei bereits in der Primarschule durch langsames Arbeitstempo aufgefallen. In der Sekundarschule sei es ihm besser gegangen, insbesondere
,
solange er dort einen sehr kompetenten Lehrer gehabt habe. Aktuell befinde sich der Beschwerdeführer in einem Berufsintegrations
pro
gramm
bei
Y._
. Den grössten Teil seiner Freizeit verbringe er am Computer. Er habe nach der Schule zwei Schnupperlehren angetreten, dann aber festge
stellt, dass die Anforderungen beider Betriebe zu hoch für ihn gewesen seien. Bei einem im Rahmen des Integrationsprogramms absolvierten Praktikum als Logistiker habe man sich über sein langsames Arbeitstempo beschwert.
Es sei
ihm vorgehalten
worden
, dass er keine Fortschritte mache und auf Verbesse
rungsvorschläge der Vorgesetzten nicht eingehen würde. Beim Beschwerdefüh
rer handle es sich um einen wachen, allseits orientierten Patienten. Auffassung und Konzentration in Alltagssituationen seien unauffällig, im Rahmen von abstrakten Aufgaben stark verlangsamt.
Es lägen keine formalen oder inhaltli
chen Denkstörungen keine Ängste oder Zwänge, kein Wahn, keine Sinnestäu
schungen oder Ich-Störungen vor. Der affektive Rapport sei mässig herstellbar. Es bestehe ein grosses Bedürfnis, sich selber zu schützen. Im Affekt zeige sich der Beschwerde
führer reizbar und dysphorisch. Er zeige mehrfach affektive Ausbrüche und weise ein sehr negatives Weltbild auf. Psychomotorisch sei er ruhig, im Antrieb verlangsamt. Er habe normalen Appetit und leide unter kei
nen Ein- oder Durchschlafstörungen. In der Schule habe er keine Freunde und wolle alleine sein. Er sei stark introvertiert und weise ein stark verlangsamtes Arbeitstempo auf. Handwerkliches Arbeiten falle ihm schwer. In sozialen Inter
aktionen fühle er sich sehr schnell angegriffen, überreagiere, drücke sich verbal sehr ungeschickt aus. Fragen bezüglich seiner Person fasse er vielfach als Angriff oder Beleidigung auf. Dies werde ihm während Bewerbungsgesprächen zum Verhängnis. Der Beschwerdeführer habe gute kognitive Fähigkeiten, sein Sozialverhalten sei aber derart auffällig, dass eine Lehrstelle in der Privat
wirt
schaft kaum denkbar wäre. Er sei gegenüber der Aussenwelt sehr verschlossen und sehe seine persönlichen Ansichten und Vorstellungen als private Angele
genheiten, die es zu schützen gelte.
Die Umstände deuteten auf eine massive Überforderung mit sozialen Interaktionen im Alltag hin, was beim Beschwer
deführer zeitweise zu depressiven Verstimmungen führe. Durch die stetige Iso
lation werde diese Auffälligkeit aufrechterhalten. Er erfahre wegen seines Arbeitstempos viel Kritik. In der Testdiagnostik weise seine Arbeits
geschwindig
keit fast zwei Standardab
weichungen von seiner ansonsten durchschnittlichen Gesamtleistung auf. Eine Stelle in der Privatwirtschaft scheine wegen seines auffälligen Sozialverhaltens und seiner mangelnden Kapazität, Aufträge in einem bestimmten Zeitrahmen zu erfüllen, nicht realistisch.
2.2
2.2.1
Laut dem Bericht von
Dr.
A._
vom
3.
April 2012 (
Urk.
8/7/1-3) bestehen beim Beschwerdeführer eine Anpassungsstörung sowie ein Verdacht auf eine depressive Episode. Er sei mittlerweile aus dem Berufsintegrationsprogramm ausgeschlossen worden. Die bisherigen Erfahrungen liessen den S
chluss zu, dass eine berufliche
Eingliederung wohl nur im geschützten Rahmen möglich sei.
2.2.2
Im Berich
t vom 1
1.
Juni 2013 (
Urk.
8/18/1-3
) führte
Dr.
A._
aus, der Beschwerdeführer weise eine schizoide Persönlichkeitsstörung auf. Nach
dem offenbar verzögerten
Ab
schluss der obligatorischen Schulzeit sei ihm der Ein
stieg ins Berufsleben nicht gelungen. Sowohl berufliche Integrationsprogramme als auch psychothera
peutische Behandlungen seien gescheitert, da der Beschwerdeführer diese Angebote ablehne. Seit dem 3
0.
März 2013
befinde sich der Beschwerdeführer im Arbeitsintegrationsprogramm der Gemeinde
F._
, wo er sich aber kaum beteilige und meist pünktlich
Minuten
vor Arbeitsbeginn anrufe und sich abmelde, da er zu müde und nicht imstande sei, zu erscheinen. Er sehe keinen Sinn, dort mitzumachen, da es nur „doofe“ Arbeit habe. Alle 3-4 Wochen erscheine der Beschwerdeführer korrekt und pünktlich in der Praxis von
Dr.
A._
. Einen Therapieversuch mit Trittico habe er einige Wochen mitgemacht, nun aber verkündet, er höre damit auf, da es nicht helfe. Zu Hause lasse er sich ganztags von der offensichtlich mit der Situation überforderten Mutter bedienen, da er am Computer und beim Chatten beschäftigt sei. Er könne sich einen stationären Klinikaufenthalt
zur Erarbeitung einer Tagesstruktur und zum Einstieg in eine Arbeit
zwar vorstellen, er würde aber im entscheidenden Moment wohl absagen. Es komme derzeit wohl nur eine befristete Rente sowie die Eingliederung in eine therapeutische Wohngemeinschaft in Frage. Es bestünden aber Zweifel, dass der Beschwerdeführer dazu bereit sei. Eine körper
liche Einschränkung sei nicht vorhanden.
2.3
Gemäss dem Austrittsbericht der
C._
vom 1
3.
Dezember 2012 (
Urk.
8/18/5-6) befand sich der Beschwerdeführer
dort
vom 2
3.
März
bis zum 12.
Dezember 2012 in ambulanter Behandlung.
Man habe
bei ihm eine schi
zoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.1) sowie Probleme im Zusammen
hang mit Ausbildung und Bildung (I
CD-10 Z55) diagnostiziert
.
Der Beschwerde
führer habe während der Behandlung als ein im Affekt eingeschränkter, schwer aus
lenkbarer, teils schwer zugänglicher sowie sozial isolierter Patient imponiert.
Er
klage selbst über mangelnden Antrieb, Interesselosigkeit und depressive Ver
stimmungen. Es
seien
keine ausreichenden Hinweise für ein Prodromal
stadium einer Schizoph
renie festgestellt vorhanden
.
Ebenso habe ein ADHS ausge
schlossen werden können. Medikamentöse Therapieversuche seien wegen Magenschmerzen und Verdauungsproblemen vom Beschwerdeführer abge
bro
chen worden.
Es sei im Verlauf wiederholt zur Äusserung von reduziertem Affekt und Suizidgedanken gekommen, welche jedoch nicht lange genug per
sistiert hätten, um die diagnostischen Kriterien einer Depression zu erfüllen. Weil der Beschwerdeführer häufig die schwierige häusliche Situation ange
spro
chen habe, sei die Möglichkeit eines betreuten Wohnens abgeklärt worden, letztlich aber vom Beschwerdeführer aus unbekannten Gründen verworfen wor
den.
Ein auf Wunsch des Beschwerdeführers vereinbarter Termin zum Vorge
spräch in einer Tagesklinik sei wahrgenommen worden, die Folge
termine jedoch nicht. Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass es sowieso keinen Sinn habe und es ihn sicher langweilen würde. Dies sei auch sein
e
Argumentation bei Vorschlägen von Arbeitsversuchen und alternativen Freizeitbeschäftigungen. Er habe die Erfahrung gemacht, dass ihn Arbeits
versuche nach kurze
r
Zeit lang
weilen würde
n
, weshalb es keinen Sinn mache, etwas zu versuchen. Er zeige allerdings eine gewisse Ambivalenz, indem er auch fordere, an seiner PC-Sucht etwas zu ändern, da es seine einzige Beschäfti
g
ung sei, was ihn störe.
Alterna
tive Verhaltensweisen hätten aber nicht erarbeitet werden könne, da diese vom Beschwerdeführer verworfen worden seien. Aufgrund der erwähnten Schwierig
keiten sei es nicht möglich gewesen, eine Tagesstruktur zu erarbeiten und den Beschwerdeführer sozial zu integrieren. Bei ausbleibender Wirkung sei die The
rapie auf Wunsch des Beschwerdeführers beendet worden. Auch hier habe der Beschwerdeführer aber ein ambivalentes Verhalten gezeigt, da er schon am nächsten Tag um eine weiterführende Behandlung der Persönlichkeitsstörung gebeten habe, wofür er in der Sprechstunde des
G._
angemeldet worden sei.
2.4
2.4.1
Gemäss der Stellungnahme von RAD-Arzt Prof.
Dr.
B._
vom 2
2.
Mai 2012 (
Urk.
8/20/1) besteht beim Beschwerdeführer eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.23) bei durchschnittlicher Intelligenz und deutlicher sozialer Be
einträchtigung. Die Berufswahl werde vor allem durch das reduzierte Arbeits
tempo beeinträchtigt. Der Beschwerdeführer habe keine Freude an der Schule, sei am liebsten alleine und möchte in Ruhe gelassen werden. Seine sozialen Kontakte finde er in Internetforen. Ein geschützter Rahmen sei medizinisch aus
gewiesen. Der Beschwerdeführer benötige eine Tätigkeit mit wenig Kunden
kontakt, in konfliktarmer Umgebung, mit verständnisvollen Vorgesetzten und mit individueller Einzelbetreuung.
2.4.2
Am 2
0.
August 2012 (
Urk.
8/11/1) führte Prof.
Dr.
B._
aus, beim Beschwer
deführer seien die Voraussetzungen für eine erstmalige berufliche Ausbildung in einem geschützten Rahmen erfüllt. Ebenso sei das sozialpädago
gische Wohnen sinnvoll. Es bestehe allerdings die Möglichkeit, dass der Beschwerdeführer die Ausbildung wegen fehlender psychischer Stabilität und Motivation wieder abbreche.
2.4.
3
Am 1
7.
Juni 2013 (
Urk.
8/20/2-3) hielt Prof.
Dr.
B._
fest, der Beschwerde
führer
sei seit Januar 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig. Unter fachärztlicher Behandlung könne von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit innerhalb eines Jahre
s
ausgegangen werden.
Diese Angaben berichtigte Prof.
Dr.
B._
dahingehend, dass die Wartezeit per
1.
Februar 2012 (
statt
2013) eröffnet wer
den könne (
Urk.
8/20/3).
2.5
Der Berufsberater der Beschwerdegegnerin hielt in seinem Verlaufsprotokoll vom 1
5.
Mai 2013 (
Urk.
8/16/1) fest, es habe sich aus vielfältigen Gründen als unmöglich erwiesen, mit dem Beschwerdeführer eine verbindliche Zusammen
arbeit sowie eingliederungswirksame Massnahmen zu planen und durchzu
füh
ren. Er entziehe sich jeder Verbindlichkeit und Tagesstruktur
,
und es bestünden Hinweise, dass dies nicht auf fehlende Mitwirkung, sondern auf eine schwere, nicht behandelte psychische Erkrankung zurückzuführen sei. Der Beschwerde
führer spreche wie sein eigener Arzt und erkläre seine Diagnosen, welche es ihm unmöglich machten, sich auf ambulante und stationäre Therapie
angebote ein
zulassen oder einer Arbeit nachzugehen.
Erschwerend komme hinzu, dass dieser junge Mann in Verhältnissen lebe, die von fehlenden Unterstützungsmöglich
keiten bis Gleichgültigkeit geprägt seien, so dass er mit etwas Sozialhilfe vor sich hinlebe, den Tag mit dem PC und Spielkonsolen verbringe und seine Ruhe habe. Entsprechend habe er Übergewicht, welches seine Inaktivität bestätige. Der Beschwerdeführer lebe mit seinem Bruder zusammen, welcher zwar mit
Unterstützung der Invalidenversicherung eine Ausbildung habe abschliessen können, seither aber beruflich desintegriert und berentet sei. Insgesamt müsse der Beschwerdeführer damit als nicht eingliederungsfähig beurteilt werden.
Es sei unklar, ob das Erscheinungsbild des Beschwerdeführers auf ein nicht-Kön
nen oder nicht-Wollen zurückzuführen sei. Diese Frage sei von ärztlicher Seite zu beantworten (
Urk.
8/16/6).
3.
3.1
Der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin gelangte in seiner Stellungnahme vom
3.
Oktober 2013 (
Urk.
8/30) zum Ergebnis, für die Diagnose einer schizoi
den Persönlichkeitsstörung würden beim Beschwerdeführer die ent
sprechenden Befunde fehlen. Er würde lediglich als verlangsamt bezeichnet, jedoch bestün
den keine Denkstörungen
,
und er sei schulisch-intellektuell normal begabt. Aus den Arztberichten sei gut ersichtlich, dass vor allem psychosoziale Faktoren den Zustand des Beschwerdeführers ausmachten. Er erhalte von zu Hause keine Unterstützung, habe einen Bruder
zum Vorbild
, der bereits IV-Bezüger sei
,
und sei während der Schulzeit Hänseleien ausgesetzt gewesen.
Der Beschwerdeführer habe ein geringes Selbstwertgefühl, eine neurotische Verwei
gerungshaltung und Misserfolgsorientierung. Es bestehe das Wissen, dass zwischen seinem Potential und dem, was er davon realisiere, eine Diskrepanz vorhanden sei. Desweiteren sei die Diagnose behandelbar. Der Beschwerdeführer habe jedoch die psycho
therapeutischen Behandlungen abgebrochen und eine Weiterführung abgelehnt. Auch die medikamentöse Behandlung mit Trittico habe er aus eigenem Antrie
b eingestellt, da sie ihm nicht
helfe.
Die Diagnose sei aber gut behandelbar, nicht invalidisierend und müsse als überwindbar bezeichnet werden.
3.2
Demgegenüber macht
e
der Beschwerdeführer geltend, alle Ärzte gingen davon aus, dass er zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Es sei deren Sache, die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen und nicht jene des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin. Falls man der Meinung sei, die Diagnose der schizoiden Persönlichkeitsstörung sei nicht genügend erhärtet, müssten weitere medizinische Berichte - insbesondere ein fachärztliches psychiatrisches Gutachten - eingeholt werden. Ansonsten habe er aufgrund des Umstandes, dass er gemäss der Beurteilung aller invol
vierten Ärzte seit zwei Jahren zu 100
%
arbeitsunfähig sei, Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (
Urk.
1).
4.
4.1
Das Vorliegen eines fachärztlich ausgewiesenen psychischen Leidens von Krank
heitswert ist aus rechtlicher Sicht wohl Voraussetzung, nicht aber hinrei
chende Basis für die Annahme einer invalidisierenden Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit. Namentlich vermag eine diagnostizierte Persönlichkeitsstörung als solche
nicht ohne Weiteres eine
langdauernde, zu einer Invalidität führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG zu bewir
ken.
Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist keineswegs gleichbedeu
tend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beein
trächtigung der Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätz
lich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein (BGE 127 V
294
Erw. 4c
)
.
4.2
Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei ge
eig
ne
ter thera
peutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willens
mässig erwartet werden kann, zu arbeiten (eventuell in einem geschütz
ten Rahmen vgl. Praxis 1997 Nr. 49 S. 255 Erw. 4b) und einem Erwerb nach
zu
ge
hen (BGE 127 V 299 f. Erw. 5a mit Hinweisen
; vgl. E. 1.1
).
4.3
Das Gericht kann die Angelegenheit z
u neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss der Rechtsprechung ist eine Rückweisung an die IV-Stelle möglich, wenn sie in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist, oder wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung
oder Ergän
zung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 mit Hinweisen).
4.4
Gemäss der Einschätzung sämtlicher Ärzte inkl. des RAD-Arztes Prof.
Dr.
B._
liegt beim Beschwerdeführer
ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vor.
Wie der Rechtsdienst der Beschwerde
geg
nerin zu Recht festhält, ist der Beschwerdeführer
aber
schulisch-intellektuell normal begabt und die medizinisch-psychiatrischen sowie die berufs
berateri
schen Berichte weisen auf erhebliche psychosoziale und verhaltens
bezogene Beeinträchtigungen hin. Der Beschwerdeführer erhält von seinem Umfeld keine Unterstützung, sondern hat in seinem Bruder vielmehr ein schlechtes Vorbild. Die
genannten
Umstände
allein
vermögen indessen nicht zu erklären, warum
der Beschwerdeführer bereits in der Primarschule durch sein verlangsamtes Arbeitstempo aufgefallen ist. Die Hänseleien in der Schule stellen zwar psy
chosoziale Umstände dar, es ist aber zu berücksichtigen, dass diese
offenbar
gerade wegen der Verhaltensauffälligkeiten des Beschwerdeführers entstanden sind. Zu klären ist sodann auch die Frage, welche Rolle
die
vorhandene Com
putersucht spielt. Schliesslich scheint die medizinische Akten
lage auch nicht genügend, um beurteilen zu können, ob es dem Beschwerde
führer zumutbar ist,
die bei ihm festgestellte (vgl. Urk. 8/30/1)
neurotische Verweigerungshaltung zu überwinden. Tatsächlich sind berufliche Eingliederungsversuche wegen seiner mangelnden Mitwirkung abgebrochen worden
,
und weitere Angebote zur Ver
besserung seiner beruflichen, wohnlichen und gesundheitlichen Situation hat der Beschwerde
führer abgelehnt.
Die
psychiatrische Beurteilung der
C._
vom 1
3.
Dezember 2012 (
Urk.
8/18/5-6) enthält im Übrigen keine
Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit, sondern beschränkt sich - in Übereinstim
mung mi
t
den übrigen
sich mit dem Beschwerdeführer befassenden
Stellen - auf die Feststellung, dass es nicht gelungen sei, mit dem Beschwerdeführer Lösun
gen zu erarbeiten, welche zu einer Tagesstruktur und zu einer besseren sozialen Integration geführt hätten.
Dementsprechend wurde die Behandlung bei der
C._
erfolglos beendet.
Laut Mitteilung von Dr.
A._
an die Beschwerdegegnerin vom 11. Februar 2014 (Urk. 8/39) war damals allerdings „in ca. zwei Wochen“ eine Hospitalisation des Beschwerdeführers in der Klinik
H._
,
I._
, geplant. Ob dieser dann tatsächlich in diese Klinik eingetreten ist und wie der dortige Aufenthalt gegebenenfalls verlief, ist nicht aktenkundig.
4.5
Insgesamt lässt sich die Frage, ob beim Beschwerdeführer eine medizinisch begründete Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vorliegt,
aufgrund der vor
lie
genden Akten nicht schlüssig beantworten und bedarf weiterer Abklärung. Auch wenn die Frage zu bejahen wäre, bliebe unklar, ob und inwiefern allen
falls bei geeigneter therapeutischer Behandlung vom Beschwerdeführer trotz des Leidens - bei objektiver Betrachtung - willensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen. Auf die sich in den Akten befinden
den Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit kann jedenfalls nicht abgestellt wer
den, zumal nicht
feststeht
, inwiefern psychosoziale und sozio
kulturelle Umstände als solche in die
ärztlichen
Beurteilung
en
einflossen.
Zu prüfen ist sodann auch die Frage, welchen Einfluss die Computersucht des Beschwerde
führers auf dessen Arbeitsfähigkeit hat. Der Beschwerdeführer ist auch an dieser Stelle - wie dies die Beschwerdeführerin bereits getan hat (vgl.
Urk.
8/31) - noch einmal darauf hinzuweisen, dass er sich im Rahmen seiner Schadenminde
rungspflicht einer regelmässigen fachärztlich psychiatrisch-psychotherapeuti
schen Behandlung zu unterziehen hat. Hierzu gehört auch die Behandlung
des
Suchtgeschehen
s
.
Die Beschwerdegegnerin hat demnach
einen Verlaufsbericht von Dr.
A._
und Berichte allfälliger weiterer behandelnder Ärztinnen resp. Ärzte (vgl. E.4.4 am Ende) sowie
ein ps
ychiatrisches Gutachten einzuho
len
.
Dieses soll
sich zur Frage äusser
n
, ob bei
m
Beschwerdeführer ein von der psy
chosozialen Belastungssituation unabhängiges psychiatrisches Leiden mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt.
Zu beantworten sind sodann ins
besondere auch die Fragen, welche Rolle
dem
Suchtgeschehen zukommt und inwiefern vom Beschwerdeführer willens
mässig erwartet werden kann, zu arbeiten bzw. an Integrationsmassnahmen mitzuwirken.
5.
Demnach ist die Beschwerde
in dem Sinne gutzuheissen
, dass
die angefochtene Verfügung vom 2
5.
Februar 2014 aufzuheben und die Sache
an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen ist, damit sie nach erfolgten Abklärungen im Sinne der obigen Erwägungen über das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers neu verfüge.
6.
6.1
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) auf
Fr.
600.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.
2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Pro
zessentschädigung hat, welche in Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und
der Schwierigkeit des Prozesses
mit
Fr.
1‘000
.-- (inkl
usive Barauslagen und Mehrwert
steuer) zu bemessen ist.
6.3
Das vom Beschwerdeführer am 27. März 2014 gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2) erweist sich damit als gegen
standslos.