Decision ID: aafd1d48-4046-4023-9a5a-d8d7b93e4146
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war bei der B._ AG im Büro sowie der Weinhandlung tätig und dadurch
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die
Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten obligatorisch versichert, als sie am 26.
Januar 1998 beim Herunternehmen eines Weinharasses stolperte und rückwärts auf
den Boden fiel (Suva-act. 1-88, 1-96). Der am 29. Januar 1998 erstbehandelnde Dr.
med. C._, Allgemeine Innere Medizin FMH, diagnostizierte eine rechtsseitige
Diskushernie L5/S1 (Suva-act. 1-94, vgl. CT vom 24. März 1998; Suva-act. 1-93). Die
Suva entrichtete Taggelder und kam für die Kosten der Heilbehandlung auf. Ab 24.
August 1998 arbeitete die Versicherte wieder zu 50%, der behandelnde Dr. med. D._,
Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, wies sie jedoch an, keinerlei Lasten zu heben
(Suva-act. 1-79 f.). Da die konservative Therapie erfolglos war, unterzog sich die
Versicherte am 17. Dezember 1998 einer Diskektomie L5/S1 rechts (Suva-act. 67 f.).
Die Arbeitgeberin löste das Arbeitsverhältnis per 31. Januar 1999 auf (Suva-act. 1-73).
A.a.
Mit Verfügung vom 6. April 2000 teilte die Suva der Versicherten mit, dass sie
aufgrund der Einschätzung der behandelnden Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen
(KSSG; vgl. Suva-act. 1-7, 1-15) ab 1. Februar 2000 von einer Arbeitsfähigkeit von 75%
und ab 1. Juni 2000 von 100% ausgehe. Sie stelle daher die Taggeldzahlungen ab 1.
Juni 2000 ein (Suva-act. 1-5 f.).
A.b.
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Am 19. Juni 2002 stolperte die Versicherte bei ihrer Tätigkeit im Service mit einem
Tablett in der Hand auf einer Treppe und verdrehte sich den Oberkörper, ohne jedoch
zu stürzen. Sie klagte darauf über akute Rückenschmerzen. Dr. C._ diagnostizierte
eine posttraumatische Lumboischialgie rechts. Vom 1. Juli bis 18. August 2002
attestierte er ihr eine Arbeitsunfähigkeit von 50%. Er schloss die Behandlung am 16.
August 2002 ab (vgl. Zeugnis vom 30. Januar 2003; Suva-act. 2-135 f., Suva-act.
2-164). Die Mobiliar Versicherungen & Vorsorge (nachfolgend: Mobiliar) erbrachte als
Unfallversicherer der Arbeitgeberin die gesetzlichen Leistungen. Mit Verfügung vom 3.
Oktober 2003 stellte die Mobiliar die Leistungen ein (Suva-act. 2-116 f.).
A.c.
Dagegen erhoben die Versicherte, die Suva sowie die Swica
Gesundheitsorganisation, Krankenversicherung der Versicherten, Einsprache (Suva-
act. 2-105 ff., 2-113, 2-118). Am 12. November 2003 teilte die Mobiliar der Suva mit,
dass sie auf die Einsprache mangels Aktivlegitimation nicht eintreten werde (Suva-act.
2-110). Mit Entscheid vom 11. Februar 2004 wies die Mobiliar die weiteren Einsprachen
ab (Suva-act. 2-85 ff.). Dagegen erhoben die Versicherte sowie die Swica Beschwerde
beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (Suva-act. 3-1 ff., 3-31 ff.). Das
Verfahren wurde auf Antrag der Mobiliar zu weiteren Abklärungen sistiert (Suva-act. 3-9
ff., 7-4) und die Verfahrensleitung lud die Suva zum Prozess bei (Suva-act. 5).
A.d.
Am 17. Februar 2004 berichtete Dr. med. E._, Orthopädie F._, über eine
chronische Lumboischialgie bei Osteochondrose und Diskushernie L5/S1. Es handle
sich immer noch um einen Folgeschaden der im Dezember 1998 chirurgisch
behandelten posttraumatischen Diskushernie L5/S1 rechts (Suva-act. 2-97 f.). Im
September 2004 unterzog sich die Versicherte einer mikrochirurgischen Neurolyse S1
rechts sowie einer dorsolateralen Spondylodese L5/S1 mit Eigenspongiosa und
translaminären Schrauben (Suva-act. 53-150 f.).
A.e.
Im Auftrag der Mobiliar wurde die Versicherte im Juni 2006 durch Ärzte der Klinik
G._ bidisziplinär (orthopädisch, neuropsychiatrisch) abgeklärt. Diese beurteilten in
ihrem Gutachten vom 25. August 2006, zumindest die erste Diskushernie L5/S1 könne
anamnestisch als traumatisch beurteilt werden, mit letzter Sicherheit sei dies zumindest
nicht auszuschliessen. Der erneute Unfall vom Juni 2002 stelle höchstens eine
A.f.
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Teilursache im Sinne einer erneuten Traumatisierung eines chronischen Vorzustandes
dar (Suva-act. 11).
Nachdem die Verfahrensleitung die Sistierung aufgehoben hatte (vgl. Suva-act.
15), hob das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 15.
Oktober 2008 den Einspracheentscheid vom 11. Februar 2004 auf und wies die Sache
zur Abklärung und Festlegung der weiteren Leistungen aufgrund des Unfalls vom 26.
Januar 1998 an die Mobiliar zurück (Suva-act. 24). Auf die dagegen von der Suva
erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht mit Urteil vom 2. März 2009 nicht ein
(Suva-act. 23).
A.g.
Suva-Kreisarzt Dr. med. H._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, hatte
am 5. November 2008 beurteilt, die Versicherte habe mit hoher Wahrscheinlichkeit
schon vor dem Ereignis vom 26. Januar 1998 eine Protrusion aufgewiesen. Sowohl
dieses Ereignis als auch dasjenige vom 19. Juni 2002 hätten nicht zu einer objektiv
fassbaren dauernden Verschlimmerung der Beschwerden geführt. Verantwortlich für
die derzeitigen Befunde sei ein degeneratives Bandscheibenleiden (Suva-act. 20).
A.h.
Im Auftrag der Mobiliar (vgl. Suva-act. 2-38) wurde die Versicherte im Juni 2010
durch Ärzte der Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG (AEH) mittels
Funktionsorientierter Medizinischer Abklärung (FOMA) untersucht. Diese listeten in
ihrem Bericht vom 17. August 2010 als Diagnose ein chronisches lumbospondylogenes
Syndrom rechts auf. Sie befanden, eine adaptierte Tätigkeit sei der Versicherten
ganztags zumutbar. Falls bei der angestammten Tätigkeit als Buschauffeuse (seit 1.
Juli 2007 ausgeübt; vgl. Suva-act. 2-25) längeres Stehen und Sitzen nicht unterbrochen
werden könne, bestehe ein vermehrter Pausenbedarf von einer Stunde täglich,
entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von 87.5% (Suva-act. 2-13 ff.). Dr. med. I._,
Facharzt für Chirurgie, schätzte den Integritätsschaden in seiner Beurteilung vom 1.
Juni 2011 auf 25% (Suva-act. 2-8 ff.).
A.i.
Am 26. September 2011 reichte die damalige Arbeitgeberin der Versicherten, die
J._ AG, der Suva eine Schadenmeldung ein. Am 17. November 2009 sei es zu einem
Rückfall gekommen, die Versicherte sei im Keller gestürzt (Suva-act. 33). Die Suva
verneinte mit Schreiben vom 27. September 2011 eine Leistungspflicht, da es sich um
A.j.
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Folgen einer nicht bei ihr versicherten Gesundheitsschädigung handle (Suva-act. 34).
Dr. E._ hatte ihr seit 17. November 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 30% attestiert
(Suva-act. 35).
Am 4. Januar 2012 (falsche Datierung: 2011) meldete Dr. med. K._, Arzt für
Allgemeinmedizin, der Mobiliar einen am 6. Dezember 2011 eingetretenen Rückfall und
hielt als Diagnose eine Lumboischialgie fest. Die Versicherte sei vom 6. Dezember 2011
bis 2. Januar 2012 zu 100% arbeitsunfähig gewesen und habe dann die Arbeit wieder
zu 30% aufgenommen (Suva-act. 53-84).
A.k.
Mit Verfügung vom 15. März 2012 verneinte die Mobiliar einen Rentenanspruch
und sprach der Versicherten eine Integritätsentschädigung basierend auf einem
Integritätsschaden von 25% zu. Weiter erteilte sie Kostengutsprache für eine
Medizinische Trainingstherapie für maximal vier Monate sowie ein Jahresabonnement
in einem Fitnesscenter. Ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und ohne Präjudiz
sicherte sie die Bezahlung eines Unfalltaggelds zu 30% vom 17. November bis 5.
Dezember 2011 und zu 100% vom 6. Dezember 2011 bis 29. Februar 2012 zu (Suva-
act. 40). Die dagegen von der Versicherten erhobene Einsprache wies die Mobiliar mit
Entscheid vom 28. Mai 2013 ab (Suva-act. 53-43 ff.). Mit Entscheid vom 23. Dezember
2014 wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die dagegen erhobene
Beschwerde ab (Suva-act. 53-23 ff.). Das Bundesgericht bestätigte dies mit Urteil vom
29. April 2015 (Suva-act. 53-13 ff.).
A.l.
Dr. E._ hatte am 4. April 2013 nach Durchführung einer Kernspintomographie
beurteilt, eine mechanische Kompression neuraler Strukturen als Ursache der repetitiv
auftretenden Lähmungserscheinungen sei auszuschliessen. Diese seien offensichtlich
als schmerzbedingt einzustufen. Er sehe derzeit keine Chance, dass die Belastbarkeit
über die aktuelle 70%ige Arbeitsfähigkeit hinaus gesteigert werden könne (Suva-act.
53-73). Am 25. Juni 2014 hatte sich die Versicherte einer ventralen interkorporellen und
dorsolateralen Spondylodese L3/4, L4/5 mit Femurring Allograft und Eigenspongiosa
sowie einer Metallentfernung der translaminären Schrauben L5/S1 unterzogen (Suva-
act. 53-62 ff.).
A.m.
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B.
C.
Mit Schreiben vom 16. November 2015 forderte die Mobiliar von der Suva einen
Betrag von insgesamt Fr. 119'016.65 für die von ihr ab Herbst 2002 erbrachten
Leistungen zurück und informierte die Suva über eine Rückfallmeldung der
Versicherten vom 23. Juli 2015, in der diese eine Verschlechterung seit März 2012
geltend gemacht hatte (Suva-act. 53-3, vgl. Suva-act. 53-11). Da das Schreiben bei der
Suva nicht eingegangen war, sandte die Mobiliar es der Suva am 1. Juli 2016 nochmals
zu (Suva-act. 50, 53-1).
A.n.
Dr. med. L._, Fachärztin für Chirurgie, Kompetenzzentrum für
Versicherungsmedizin der Suva, beurteilte am 21. Februar 2017, der Status quo sine
sei am 1. Juni 2000 erreicht gewesen. Es bestehe keine Rückfallkausalität und die
derzeit beklagten Beschwerden seien nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf
den Unfall vom 26. Januar 1998 zurückzuführen (Suva-act. 67).
A.o.
Mit Verfügung vom 8. März 2017 verneinte die Suva gegenüber der Versicherten
ihre Leistungspflicht für die Folgen der am 23. Juli 2015 gemeldeten Verschlechterung,
da kein sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall
vom 26. Januar 1998 und der gemeldeten Verschlechterung vom 23. Juli 2015 bestehe
(Suva-act. 70).
A.p.
Dagegen erhob die Versicherte am 21. April 2017 Einsprache. Sie reichte unter
anderem diverse Berichte von Dr. E._ ein (Suva-act. 75).
B.a.
Mit Entscheid vom 3. August 2017 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-act. 79).B.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 3. August 2017 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 13. September 2017. Die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) beantragte darin dessen Aufhebung. Weiter sei die Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zu verpflichten, ihr die ärztlichen Leistungen zu
gewähren, insbesondere Taggeld, Integritätsentschädigung und Invalidenrente; alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie machte geltend, der Rückfall sei
C.a.
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Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher
die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
2.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu beurteilen ist die Leistungspflicht
der Beschwerdegegnerin für den am 23. Juli 2015 gemeldeten Rückfall bzw. die
Spätfolgen zum Unfall vom 29. Januar 1998.
unfallkausal und die Beschwerdegegnerin spätestens ab der Rückfallmeldung vom 23.
Juli 2015 leistungspflichtig (act. G1).
Mit Beschwerdeantwort vom 21. Dezember 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie brachte vor, die in den
vorherigen Entscheiden des Versicherungsgerichts vorgenommenen unzutreffenden
Kausalitätsbeurteilungen würden gegenüber ihr keine Bindungswirkung entfalten. Der
Status quo sine sei per 1. Juni 2000 erreicht gewesen und es bestehe keine
Rückfallkausalität (act. G7).
C.b.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G9).C.c.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen
natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel
2.1.
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auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 123 III 110,
112 V 30, 107 V 173, Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Bei physischen Unfallfolgen
spielt indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle (BGE 117 V 365 mit Hinweisen; SRV 2000 UV Nr. 14 S. 45).
Gemäss Art. 11 UVV werden Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und
Spätfolgen gewährt, wobei Rückfälle und Spätfolgen besondere revisionsrechtliche
Tatbestände darstellen (vgl. BGE 118 V 293; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326).
Praxisgemäss handelt es sich bei einem Rückfall um das Wiederaufflackern einer
vermeintlich geheilten Krankheit bzw. vermeintlich geheilter Unfallfolgen, so dass es
erneut zu ärztlicher Behandlung und möglicherweise zu einer weiteren
Arbeitsunfähigkeit kommt. Von Spätfolgen wird dann gesprochen, wenn ein scheinbar
geheiltes Leiden im Lauf längerer Zeit organische oder psychische Folgen bewirkt, die
zu einem andersgearteten Krankheitsbild führen können. Rückfälle und Spätfolgen
schliessen begrifflich an ein in der Vergangenheit bestandenes Unfallereignis an.
Dementsprechend können sie eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers
nur dann auslösen, wenn zwischen den erneut vorgebrachten Beschwerden und der
seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher
und ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1, BGE 118 V
296 f. E. 2c).
2.2.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a, BGE 121 V 210 E. 6c). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsrecht tragen mithin die Parteien in der
Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte; bei einer leistungsaufhebenden Tatfrage liegt die Beweislast
somit beim Unfallversicherer, bei einer leistungsbegründenden Tatfrage bei der
versicherten Person. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer
2.3.
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3.
Mit Entscheid vom 15. Oktober 2008 hielt das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen fest, bezüglich des Unfalls vom 26. Januar 1998 habe noch kein Fallabschluss
stattgefunden. Der durch den Unfall vom 19. Juni 2002 ausgelöste Schmerzschub sei
seit Herbst 2002 wieder abgeheilt. Die noch bestehenden Beschwerden seien kausal
auf den Unfall vom 26. Januar 1998 zurückzuführen und die Mobiliar sei aufgrund der
Koordinationsregeln weiterhin leistungspflichtig. Es wies die Streitsache zur Abklärung
und Festlegung der weiteren Leistungen aufgrund des Unfalls vom 26. Januar 1998 an
die Beschwerdegegnerin zurück (Suva-act. 24). Das Bundesgericht trat mit Entscheid
vom 2. März 2009 auf die von Beschwerdegegnerin erhobene Beschwerde mangels
Aktivlegitimation nicht ein (Suva-act. 23). Mit Einspracheentscheid vom 28. Mai 2013
verneinte die Mobiliar unter anderem einen Rentenanspruch und sprach der
Beschwerdeführerin eine Integritätsentschädigung basierend auf einem
Integritätsschaden von 25% zu (Suva-act. 53-43 ff.). Die dagegen erhobene
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Nach der
Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im
Wesentlichen gestützt auf versicherungsinterne medizinische Beurteilungen (darunter
fallen auch solche von Vertrauensärzten) zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinn zu stellen, dass bei auch
nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind. Ein Anspruch auf eine
versicherungsexterne Begutachtung besteht gemäss Rechtsprechung nicht (BGE 135
V 465).
2.4.
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Beschwerde wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen am 23. Dezember
2014 ab. Es erwog, es könne weiterhin auf die im früheren Verfahren vorgenommene
Beurteilung und die dort festgestellte Unfallkausalität der Diskushernie L5/S1 abgestellt
werden. Es resultiere kein rentenbegründender Invaliditätsgrad (Suva-act. 53-23 ff.).
Die Beschwerdegegnerin macht geltend, die früheren Einschätzungen des
Versicherungsgerichts, insbesondere bezüglich Kausalität, hätten für sie keine
Bindungswirkung (Suva-act. 79, act. G7). Aus der Erwägung des Bundesgerichts in
seinem Entscheid vom 2. März 2009 ergibt sich, dass das Versicherungsgericht an die
Feststellungen im Rückweisungsentscheid vom 15. Oktober 2008 gebunden ist (vgl.
Suva-act. 23, E. 3.5). Wie sich nachfolgend ergibt, ist dies jedoch für die im
vorliegenden Verfahren vorzunehmende Beurteilung nicht relevant.
4.
Die Beschwerdeführerin meldete der Mobiliar am 23. Juli 2015 eine seit März 2012,
mithin der letzten Verfügung der Mobiliar (vgl. Suva-act. 40), eingetretene
gesundheitliche Verschlechterung (Suva-act. 53-11). Dr. E._ berichtete am 12. Juni
2015, von 2012 bis ins Frühjahr 2014 sei eine deutliche Verschlechterung der
Rückenproblematik eingetreten. Die Beschwerdeführerin habe mehr Schmerzen
beklagt, häufigere Behandlungen benötigt und es seien mehrmals Facetteninfiltrationen
durchgeführt worden. Radiologisch habe sich eine deutliche Anschlussdegeneration
L3/4 und L4/5 nachweisen lassen, welche letztendlich zur Operation vom 25. Juni 2014
geführt habe (Suva-act. 53-57 f.). Die Rückfall- bzw. Spätfolgenmeldung bezieht sich
damit im Wesentlichen auf die Operation vom 25. Juni 2014 und deren Folgen. Die
Beschwerdeführerin unterzog sich damals einer ventralen interkorporellen und
dorsolateralen Spondylodese L3/4, L4/5 mit Femurring Allograft und Eigenspongiosa
sowie einer Metallentfernung der translaminären Schrauben L5/S1 (Suva-act. 53-62 ff.).
Unbestritten hatte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für die Folgen der
Diskushernie L5/S1 rechtskräftig anerkannt (vgl. Suva-act. 24). Bezüglich der
Diskushernien L3/4 und L4/5 mangelt es jedoch an einer solchen Anerkennung,
weshalb die Beweislast bei der Beschwerdeführerin liegt bzw. sie die Folgen einer
allfälligen Beweislosigkeit tragen muss (vgl. E. 2.3).
4.1.
Die Operation erfolgte gemäss Bericht von Dr. E._ vom 22. Juli 2014 aufgrund
einer Lumboischialgie mit Anschlussdegeneration L3/4 und L4/5 sowie wiederholten
Bronchitiden (Suva-act. 53-62). Am 13. Oktober 2014 hielt Dr. E._ fest, im weiteren
Sinne müsse davon ausgegangen werden, dass die Degenerationen L3/4 und L4/5
durch die Fusion L5/S1 begünstigt worden seien, welche ihrerseits wegen eines
posttraumatischen Zustands durchgeführt worden sei. Im weiteren Sinne sei die
4.2.
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aktuelle Behandlung somit zumindest in einem Zusammenhang mit dem Unfall zu
sehen. Auf der anderen Seite seien degenerative Veränderungen bei Personen über 40
Jahren nichts Ungewöhnliches und es sei auch nicht ungewöhnlich, dass in diesem
Alter Fusionsoperationen notwendig würden (Suva-act. 75-31 f.). Diese vage
Äusserung von Dr. E._ reicht nicht aus, um die Degenerationen L3/4 und L4/5 sowie
die deshalb nötig gewordene Operation als überwiegend wahrscheinlich unfallkausal zu
betrachten. Gegen eine Unfallkausalität spricht auch die Beurteilung von Dr. L._ vom
21. Februar 2017, welche befand, bei der Beschwerdeführerin liege ein krankhaft
bedingtes, degeneratives Verschleissleiden der Lendenwirbelsäule, welche am 26.
Januar 1998 traumatisiert worden sei, vor. Dieses Leiden sei in den folgenden knapp
20 Jahren erwartungsgemäss fortgeschritten. Die Unfallfolgen seien spätestens am 1.
Juni 2000 abgeheilt gewesen und es bestehe keine Rückfallkausalität (Suva-act. 67-8
f.). Dr. H._ hatte bereits am 5. November 2008 über eine deutliche Degeneration der
Bandscheibe L3/4, welche keinen Zusammenhang mit den Unfällen vom 26. Januar
1998 und 19. Juni 2002 habe, berichtet (Suva-act. 20-7). Insgesamt sind die
Diskushernien L3/4 und L4/5 damit nur möglicherweise, jedoch nicht überwiegend
wahrscheinlich als unfallkausal zu betrachten. Die Beschwerdeführerin hat die Folgen
dieser Beweislosigkeit zu tragen.
Die ebenfalls anlässlich des Eingriffs vom 25. Juni 2014 durchgeführte
Metallentfernung der translaminären Schrauben L5/S1 stand gemäss Lage der Akten
nicht im Vordergrund. Dr. E._ hielt diesbezüglich fest, die Metallentfernung sei
geplant gewesen, falls die Schrauben angetroffen würden (Suva-act. 53-63). Daraus ist
zu schliessen, dass die Metallentfernung nur deshalb erfolgte, weil ohnehin eine
Operation notwendig war. Aus den medizinischen Akten ergibt sich nicht, dass eine
Indikation für eine separate Metallentfernung bestanden hätte. Die am 19. März 2014
durchgeführte MR-Untersuchung hatte im Bereich des Segments L5/S1 regelrechte
postoperative Verhältnisse nach translaminärer Verschraubung ergeben (Suva-act.
53-68). Aufgrund der im Operationsbericht sowie im Austrittsbericht vom 22. Juli 2014
nur am Rande erwähnten Metallentfernung hatte diese offensichtlich nur einen kleinen
Anteil an der Operation, der überwiegend wahrscheinlich kostenmässig nicht
abgrenzbar ist (vgl. Suva-act. 53-62 ff.). Jedenfalls fällt er nicht erheblich ins Gewicht.
Auch ist unwahrscheinlich, dass die Metallentfernung Folgekosten verursacht hat,
welche über die der nicht unfallkausalen Folgekosten der Spondylodesen L3/4 und
L4/5 hinausgingen. Insbesondere bestehen keine Hinweise darauf, dass der
postoperativ aufgetretene Wundinfekt und die dadurch notwendige notfallmässige
Hospitalisation in Zusammenhang mit der Metallentfernung gestanden hätten (vgl.
Suva-act. 53-60, 75-32).
4.3.
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5.