Decision ID: 3d14ce58-146e-4143-a7ee-34f7be45cf3f
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Urteil
9C_52/2016
vom 23. März 2016 (
Urk.
1) hob das Bundesgericht
den Entscheid des hiesigen Gerichtes vom 9. Dezember 2015 (
Proz
. Nr. IV.2014.00754;
Urk.
2/13) auf, mit welchem dieses die Verfügung der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 10. Juni 2014 (
Urk.
2/2) betreffend Einstellung der seit Juli 2002 ausgerichteten (
Urk.
2/8/21 und
Urk.
2/8/25) und am 2
2.
Oktober 2007 bestätigten (
Urk.
2/8/35) halben Rente aufgehoben und einen unveränderten Anspruch auf eine halbe Invali
denrente festgestellt hatte. Das Bundesgericht wies die Sache zur allseitigen Prüfung in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht an das kantonale Gericht zu
rück (
Urk.
1 E. 3.3).
2.
Währenddem
die IV-Stelle am
2.
Mai 2016 (
Urk.
6) auf eine Stellungnahme hierzu verzichtete, verwies die Beschwerdeführerin am 27. Juni 2016 (
Urk.
7) auf die bereits monierte (
Urk.
2/1
Rz
17) ungenügende Begutachtung im Rah
men des Revisionsverfahrens und ersuchte um Einholung eines
Gerichtsgutach
tens
. Hierüber wurde die jeweilige Gegenpartei am 5. Juli 2016 (
Urk.
8) orien
tiert.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend er
höht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Anlass zur
Rentenrevi
sion
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Er
werbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung. Hingegen ist die lediglich unter
schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich. Liegt in diesem Sinne ein
Revisi
onsgrund
vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht
umfassend („allseitig“) zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilun
gen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
Das hiesige Gericht hatte im Urteil vom 9. Dezember 2015 (
Urk.
2/13) als massgeb
lichen Vergleichszeitpunkt die revisionsweise Mitteilung vom 2
2.
Oktober 2007 (
Urk.
2/8/35) erachtet und war zum Schluss gekommen, dass bis zum Erlass der angefochtenen rentenaufhebenden Verfügung vom 10. Juni 2014 (
Urk.
2/2) keine massgeblichen Veränderungen eingetreten seien, weshalb kein Revisionsgrund gegeben sei.
Das Bundesgericht legte in seinem Urteil vom 23. März 2016 (
Urk.
1) den
Ver
gleichszeitpunkt
auf die erstmalige
Rentenzusprache
am 18. Oktober 2002 (
Urk.
2/8/21 und
Urk.
2/8/25) fest und kam zum Schluss, dass der ursprüngliche Grund für die
Rentenzusprache
weggefallen ist. Laut dem rheumatologischen Gutachter hätten sich die Diskushernie L4/5 und die Nervenwurzelirritationen, welche damals für die 50%ige Arbeitsunfähigkeit verantwortlich gewesen seien, zurückgebildet. Damit sei ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG gegeben. Es wies die Sache zur allseitigen Prüfung in rechtlicher und tatsächli
cher Hinsicht an das kantonale Gericht zurück (E. 3.3).
3.
3.1
In medizinischer Hinsicht gestaltet sich die medizinische Aktenlage im massgeben
den Zeitpunkt des Erlasses der rentenaufhebenden Verfügung wie folgt:
3.2
PD
Dr. med.
Z._
, Spezialarzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie
,
stellte in seinem Gutachten vom 29. November 2013 (Urk. 2/8/53) keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
mass
er einem Verdacht auf eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung bei (S. 10).
Er verneinte namentlich jegliche Hinweise für eine Affektpathologie anlässlich der Untersuchung. Sämtliche einschlägigen Parameter fielen in der sehr guten Bandbreite der Norm aus, seien zu keinem Zeitpunkt pathologisch verändert gewesen, so dass aus objektiver Sicht keine Affektpathologie, also zum Beispiel keinerlei depressive Störung, diagnostiziert werden könne. Dies entspreche in sehr hoher Kongruenz auch den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin, die ebenfalls habe mitteilen können, dass sie sich nie depressiv oder niederge
schlagen fühle. Entsprechend habe sie auch noch nie in einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Behandlung gestanden, es sei einzig zu zwei Konsi
lien im
A._
und einem psychiatrischen Konsilium vor der Magenbypass-Operation (2009) gekommen. Die anhaltenden Körperschmerzen machten die Beschwerdeführerin immer wieder nervös, so dass sie innerlich unruhig sei, sie verneine aber klar jegliches depressives Erleben, sie berichte auch nicht über eine anhaltende Müdigkeit, auch nicht über eine anhaltende Antriebsminderung und verneine eine Freud-, Interesse- oder Lustlosigkeit. Der Appetit sei gut, lediglich der Schlaf sei auf Grund der Schmerzen schlecht
(S. 11).
3.3
Dr. med. und Dr. sc. nat. ETH
B._
, Innere Medizin FMH, stellte in ihrem Gutachten vom 21. Januar 2014 (Urk. 2/8/54/1-43) keine Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie (S. 37):
-
Ausgedehnte chronische Schmerzen
-
Adipositas Grad I (BMI 31.4 kg/m
2
) bei
-
Status nach Roux-Y-
Gastric
Bypass am 2
7.
November 2009 wegen
-
Adipositas Grad III (43.0 kg/m2) mit
-
Netz-
Repair
bei postbariatrischer
Umbilikal
-Hernie am 2
9.
September 2012 und
-
Hyperinsulinanämie seit 2011
-
AC-Gelenksarthrose der linken Schulter mit
-
leichtem
Impingement
bei intakter
Rotatoren
-Manschette
-
Arthro
-MRI 01/2014
-
Status nach Hashimoto-Thyreoiditis 2002 mit adäquater Substitution
-
Status nach grosser
mediolateraler
Diskushernie L4/5 rechts mit
-
Irritation der Nervenwurzel L5 rechts (MRI 01/2000) mit
-
vollständiger Regression der Diskushernie und der Nervenwurzel-Irritation
-
jetzt altersentsprechende bildgebende Befunde (CT 01/2013)
Die Gutachterin führte aus (S. 38), die Beschwerdeführerin klage seit etwa 1999 über lumbale Schmerzen mit Ausstrahlung in das rechte Bein. Seither hätten sich die Beschwerden auf den ganzen Körper ausgeweitet. In der klinischen Untersuchung fielen Diskrepanzen auf. Es sei eine Adipositas Grad I und eine Hypokyphose der Brustwirbelsäule vorhanden. Alle drei Wirbelsäulen-Ab
schnitte (Halswirbelsäule [HWS], Brustwirbelsäule [BWS] und Lendenwirbelsäule [LWS]) seien normal beweglich.
Radikuläre
Zeichen seien nicht vorhanden. Alle
grossen
peripheren Gelenke seien normal beweglich
ausser
der linken Schulter. Hier zeige sie bei der direkten Prüfung eine deutlich eingeschränkte Beweglich
keit, die sich unter Ablenkung jedoch weitgehend normalisiere. Gelenksergüsse,
Synovitiden
oder überwärmte Gelenke seien nicht vorhanden. In der
Dolori
metrie
seien alle 18 Tender Points pathologisch wie auch alle acht Kontroll
punkte. Dies entspreche einem pathologischen
Dolorimetrie
-Befund im Sinne einer Schmerzausweitung. Die
Bioimpendanz
zeige trotz der Adipositas eine Muskelmasse von 42 %, welche den Normwert von 40 % leicht übertreffe. Eine lang andauernde körperliche Schonung könne daraus nicht abgeleitet werden.
Zu den bildgebenden Befunden hielt Dr.
B._
fest, die MRI-Untersuchung des rechten Knies (07/2007) habe einen normalen Befund ergeben. Die
Arthro
-MRI-Untersuchung der linken Schulter (01/2014) habe einen
altersentsprechen
den
Befund gezeigt mit einer weitgehend intakten
Rotatorenmanschette
. Die MRI-Untersuchung der HWS (01/2014) habe einen altersentsprechenden Befund ohne Kompression neuraler Strukturen gezeigt. Unter Berücksichtigung der kli
nischen Befunde und in Kenntnis dieser drei altersentsprechend normalen
bild
gebenden
Befunde stelle sie keine Diagnosen im Bereich des rechten Knies, der linken Schulter und der HWS. Die CT-Untersuchung der LWS (01/2013) zeige eine vollständige Regression der 2000 diagnostizierten
grossen
mediolateralen
Diskushernie L4/5 rechts. Dieser bildgebende Befund der LWS sei jetzt
alters
entsprechend
. Zusammen mit dem klinischen Befund bestehe daher jetzt auch keine Diagnose im Bereich der LWS. Die Blutuntersuchungen – so die Ärztin weiter – hätten keinen nennenswerten Befund ergeben. Der Rheumafaktor und die
Antitrullin
-Antikörper seien normal, wie auch die Entzündungszeichen. Die Hypothyreose sei adäquat substituiert.
Die Gutachterin schloss, die vorhandenen Befunde erklärten das
Ausmass
der Beschwerden nicht. Die Beschwerdeführerin könne sämtliche Tätigkeiten unein
geschränkt ausüben, die Frauen ihres Alters üblicherweise verrichteten. Sodann verwies sie auf gewisse Inkonsistenzen und beschrieb (S. 39), beim Besteigen der Untersuchungsliege wie auch beim Ausziehen der Socken habe die Be
schwerdeführerin spontan den
Langsitz
eingenommen. Diskrepant dazu sei, dass
sie Sekunden danach beim Prüfen des
Lasègues
rechts bereits bei 45° und links bei 30° laut Schmerzen
äussere
und keine weitere Prüfung zulasse. Da kein re
flektorischer Bewegungswiderstand feststellbar sei, handle es sich keinesfalls um einen pathologischen
Lasègue
, sondern am ehesten um eine
Verdeutlichungs
tendenz
. Bei der Messung der maximalen Handkraft der rechten Hand habe sie im Dezember 2008 mit 30.5
kp
102 % der Norm erreicht. Sie sei mit zwei
gros
sen
, gut gefüllten Taschen zur Untersuchung gekommen, mit welchen sie prob
lemlos mit der rechten wie auch der linken Hand hantiert habe. Diskrepant dazu sei die bei dieser Untersuchung gezeigt Handkraft von rechts 40 % der Norm und links 27 %. Aus rheumatologischer Sicht gebe es keine Ursache für eine deutlich verminderte Handkraft beidseits. Hier habe sicher eine
Selbstlimitie
rung
bestanden, erreichten doch Patientinnen mit wesentlich
grösseren
Patho
logien in der Regel eine höhere Handkraft.
Zusammenfassend attestierte Dr.
B._
eine vollumfängliche Arbeitsfähig
keit auch in der angestammten Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin in der
C._
und fügte an, aus den Unterlagen gehe nicht eindeutig hervor, ab wann diese Arbeitsfähigkeit erreicht worden sei, weshalb sie seit dem Datum der rheumatologischen Untersuchung am 8. Januar 2014 gelte (S. 40 f.).
3.4
PD Dr.
D._
, welcher die Beschwerdeführerin seit 2001 betreut, stellte im am 31. März 2014 (Urk. 2/8/63) zu deren
Handen
verfassten Bericht folgende Diag
nosen:
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom bei degenerativen Veränderun
gen
-
Diskusprotrusion
auf Höhe L4/5
-
Spondylarthrose
L3-S1
-
Partielle
Sakralisation
von L5 rechts
-
Zervikales
spondylogenes
Syndrom bei degenerativen Veränderungen
-
Diskushernie C6/7 mit Einengung des
Neuroforamens
beidseits
-
Linksbetont mediane
Diskusprotrusion
mit Impression der Medulla
spinalis
auf Höhe C3/4
-
Restless
legs
Syndrom
-
Carpaltunnelsyndrom (CTS) beidseits
-
Thoracic
-
outlet
-Syndrom mit deutlicher Ausprägung
-
Periarthropathie
der linken Schulter bei AC-Arthrose und
subakromialem
Im
pingement
des
Musculus
supraspinatus
,
Ansatztendinose
infraspinatus
,
Tendinopathie
der langen
Bizepssehne
im
Rotatorenintervall
Er hielt fest, aufgrund der eindeutigen klinischen Befunde könne bei der Be
schwerdeführerin mit bestem Willen nicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden, im höchsten Falle sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit mög
lich. Weiter verwies er auf vermehrte Beschwerden in der Schulter und entspre
chend anstehende Untersuchungen.
3.5
Nach Erlass der angefochtenen Verfügung erstellte PD
Dr.
D._
am 7. Juli 2014 (Urk. 2/3/3) einen Kommentar zum rheumatologischen Gutachten und führte zur Diagnoseliste aus, in der linken Schulter handle es sich um eine ad
häsive
Kapsulitis
mit deutlicher Bewegungseinschränkung, was er selber auch schon bemerkt habe. Dies sei der Gutachterin entgangen. Die Beschwerdeführe
rin habe weiter
Spondylarthrosen
L3/4 und L5/S1. Gerade bei eher übergewich
tigen Personen könne das durchaus zu Schmerzbildern führen. Es bestehe ein pathologisch anatomisches Substrat für die Schmerzen im Rahmen des
lum
bospondylogenen
Syndromes
. Sodann sei der Gutachterin entgangen, dass die Beschwerdeführerin an einem
Restless
legs
Syndrom leide, welches zu Schlaf
störungen und die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Ermüdungserscheinungen führen könne.
Schliesslich
bestehe ein
Thoracic
-
outlet
-Syndrom und ein CTS beidseits, was der Gutachterin entgangen sei.
Zusammenfassend hielt PD
Dr.
D._
fest, dass die Beschwerdeführerin nach wie vor eingeschränkt arbeitsfähig sei. Gerade für körperliche Arbeit sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bei dieser Diagnose-Liste schon mehr als genug.
3.6
Im von PD
Dr.
D._
(in seinem Kommentar, E. 3.5) erwähnten
Sprechstundenbe
richt
vom 17. Juni 2014 (Urk. 2/3/4) hatten die Ärzte der
E._
folgende Diagnosen gestellt:
-
Periarthropathie
der linken Schulter bei AC-Gelenksarthrose und
subacro
mia
lem
Impingement
des
Musculus
supraspinatus
,
Ansatztendinose
Infraspi
natus
,
Tendinopathie
der langen
Bizepssehne
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom bei degenerativen Verände
run
gen
-
Diskusprotrusion
L4/5
-
Spondylarthrose
L3-S1
-
partielle
Sakralisation
L5 rechts
-
zervikales
spondylogenes
Syndrom
-
Diskushernie C6/7 mit Einengung des
Neuroforamens
beidseits
-
linksbetont mediane
Diskusprotrusion
mit Impression der Medulla
spinalis
auf Höhe C3/4
-
Restless
leg
s
Syndrom
-
CTS beidseits
-
Thoracic
-
outlet
-Syndrom
Die Ärzte erwähnten seit einem Jahr geklagte linksseitige Schulterschmerzen ohne
erinnerliches
Trauma. Die Schmerzen seien so stark, dass die Beschwer
deführerin in ihrem Beruf als Wäscherin derzeit nur zu 50 % arbeiten könne. Unter Hinweis auf eine Röntgenuntersuchung vom 16. Juni 2014 (
AC-Gelenks
arthrose
,
Humeruskopf
zentriert, keine Weichteilverkalkungen) beschrieben sie das Bild einer adhäsiven
Kapsulitis
mit deutlicher Bewegungseinschränkung und verwiesen auf eine
glenohumerale
Infiltration sowie eine solche ins AC-Gelenk samt Kontrolle in drei Monaten.
3.7
Dr. med.
F._
, Facharzt FMH für Neurologie, hatte mit (von PD
Dr.
D._
er
wähntem) Bericht vom 12. März 2014 (Urk. 2/3/6) ein
Restless
legs
Syndrom, ein CTS beidseits (diskret ausgeprägt) sowie ein
Thoracic
-
outlet
-Syndrom mit deutlicher Ausprägung ohne Hinweise auf eine diabetische Polyneuropathie di
agnostiziert. Er berichtete von geklagter Müdigkeit den ganzen Tag, wobei die Beschwerdeführerin nachts nicht schlafen könne, sodann leide sie unter Unruhe der Beine und Missempfindungen.
4.
4.1
Angesichts der bildgebenden Untersuchungsresultate steht fest, dass sich die Diskushernie L4/5 und die Nervenwurzelirritationen, welche bei der erstmaligen
Rentenzusprache
für die 50%ige Arbeitsunfähigkeit verantwortlich waren, zu
rückgebildet haben. Etwas anderes macht auch die Beschwerdeführerin nicht geltend und das Bundesgericht bestätigte diese Einschätzung (E. 2). Die Be
schwerdeführerin führte indes weitere (neue) Gesundheitsschäden ins Feld, wel
che einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit entgegenstünden.
4.2
Vorwegzuschicken ist, dass das internistisch-rheumatologische Gutachten der
Dr.
B._
vom 21. Januar 2014 (E. 3.3) den
praxisgemässen
Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise vollumfänglich entspricht. So ist das Gut
achten für die streitigen Belange umfassend, beantwortet es doch die Frage nach den gesundheitlichen Beeinträchtigungen und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Es beruht sodann auf einer umfassenden Untersuchung, und berücksichtigt die geklagten Beschwerden sowie das Verhalten der Be
schwerdeführerin während der Abklärung. Die Gutachterin schilderte die anam
nestischen Angaben der Beschwerdeführerin und setzte sich detailliert damit auseinander. Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben und sie leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation ein. In diesem Sinne erscheinen die gutachterlichen Schlussfolgerungen als begründet. Dies namentlich angesichts des Umstandes, dass
Dr.
B._
bildgebend umfassend dokumentiert war, ei
gens ein MRI der HWS (Bericht vom 1
5.
Januar 2014,
Urk.
2/8/54/45) sowie eine
Arthrographie
der linken Schulter (Bericht vom 1
6.
Januar 2014,
Urk.
2/8/54/46) anfertigen
liess
und diese Untersuchungsresultate eingehend diskutierte und nachvollziehbar würdigte.
4.3
4.3.1
PD.
Dr.
D._
bemängelte die Expertise vorweg in Bezug auf die
Schultersitua
tion
und diagnostizierte eine adhäsive
Kapsulitis
mit deutlicher
Bewegungsein
schränkung
, was der Gutachterin entgangen sei. Dieser Befund wurde seitens der Ärzte der
E._
am 1
7.
Juni 2014 bestätigt (E. 3.6), nachdem tags zuvor eine Röntgenuntersuchung stattgefunden hatte. Es wurde weiter
von
seit einem Jahr geklagte
n
Schulterschmerzen berichtet.
4.3.2
Anlässlich der von
Dr.
B._
veranlassten
Arthrographie
der linken Schulter vom 1
6.
Januar 2014 (
Urk.
2/8/54/46) zeigte sich eine AC-Arthrose mit
sub
akromialem
Impingement
vom Muskelbauch des M.
supraspinatus
am
mus
kulotendinösen
Übergang, weiter eine gelenkseitige
Ansatztendinose
am
superi
oren
Ansatz der
Infraspinatussehne
sowie diskret auch der
Supraspinatussehne
bei ansonsten erhaltener Kontinuität. Beschrieben wurde ferner eine leichte
Tendinopathie
der langen
Bizepssehne
im
Rotatorenintervall
und eine
Chondro
pathie
II°
glenohumeral
bei ansonsten intakter
Rotatorenmanschette
.
4.3.3
Dr.
B._
war demgemäss der Zustand der Schulter bekannt. Die von den Ärzten der
E._
auf den Röntgenbildern entdeckte AC-Gelenks-Arthrose hatte sie selber diagnostiziert. Auch das von den Ärzten der
E._
erwähnte
Impingement
des M.
supraspinatus
fand Eingang in ihre
Di
agnosestellung
. Die übrigen Diagnosen der
E._
-Ärzte (
Ansatztendinose
Infraspinatus
,
Tendinopathie
der langen
Bicepssehne
) waren ihr ebenfalls be
kannt, ergeben sich diese doch aus der veranlassten
Arthrographie
. Dass
Dr.
B._
dies nicht eigens in der Diagnoseliste aufgeführt hat, schmälert den Beweiswert ihrer Einschätzung ebenso wenig wie der Umstand, dass sie in ihrer Beurteilung den Begriff „adhäsive
Kapsulitis
“ nicht verwendet hat. Fest steht, dass die neueren (nach Erlass der angefochtenen Verfügung erstellten) bildgebenden Untersuchungsresultate keine neuen Befunde dokumentierten und
Dr.
B._
über die Schultersituation umfassend im Bild war.
Dr.
B._
setzte sich sodann mit der anlässlich der Untersuchung festgestell
ten deutlichen Bewegungseinschränkung der linken Schulter auseinander in dem
Sinne, als sie auf eine weitgehende Normalisierung unter Ablenkung hin
wies (
Urk.
2/8/54/38). Aus ihren Erhebungen schloss sie
auf eine
Arbeitsfähig
keit in einer Tätigkeit, die Frauen ihres Alters üblicherweise machen können (
Urk.
2/8/54/41).
4.3.4
Etwas Abweichendes ist den neueren Berichten nicht zu entnehmen. Die Ärzte der
E._
attestierten namentlich keine Arbeitsunfähigkeit, sondern verwiesen lediglich auf die von der Beschwerdeführerin subjektiv geäusserten Angaben, wonach die Schmerzen so stark seien, dass sie in ihrem Beruf als Wäscherin derzeit nur zu 50
%
arbeiten könne (
Urk.
3/4 S. 1). Abgesehen da
von, dass sie nicht aufgrund der Schulter-, sondern der Rückenschmerzen ar
beitsunfähig geschrieben worden war und deswegen eine Rente bezog, erschei
nen diese Angaben nicht als schlüssig. Die Arbeitgeberin bestätigte – allerdings über ein Jahr zuvor - am 3
1.
Januar 2013 (
Urk.
8/43), dass die Beschwerdefüh
rerin seit der (teilweisen) Arbeitsunfähigkeitsschreibung im Jahr 2001 – abgese
hen von der Grossteilmange - uneingeschränkt in der
Mangeabteilung
einge
setzt werde. Eine weitergehende Einschränkung wurde nicht erwähnt und es wurde bestätigt, dass der ausgerichtete Lohn der Arbeitsleistung entspreche.
Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der Schultersituation in ihrer bisherigen Tätigkeit – bei welcher auf ihr vermindertes Leistungsvermögen Rücksicht genommen wird – und in jeder ihren Verhältnissen entsprechenden Tätigkeit nicht einge
schränkt ist. Kein Arzt, auch nicht PD
Dr.
D._
, bestätigten explizit eine Ar
beitsunfähigkeit aufgrund der Schultersituation.
4.4
4.4.1
In Bezug auf das
lumbospondylogene
Syndrom verwies PD
Dr.
D._
auf
Spon
dylarthrosen
L3/4 und L5/S1 unter dem Hinweis, dass dies gerade bei eher übergewichtigen Leuten zu Schmerzbildern führen könne.
4.4.2
In der Computertomographieaufnahme vom 2
4.
Januar 2013 (
Urk.
2/7/54/53) zeigten sich mässige degenerative Veränderungen an der unteren LWS, betont auf Niveau L4/5 mit höhengemindertem Diskus,
breitbasiger
Protrusion
,
Spon
dylarthrose
sowie konsekutiver geringer Einengung des
Foramens
beidseits,
Spondylarthrosen
auf Niveau L3/4 und geringer L5/S1 ohne Nachweis relevan
ter Diskuspathologien sowie eine partielle
Sakralisation
von L5 rechtsbetont.
4.4.3
Dr.
B._
verwies in ihrer Expertise auf diese bildgebenden Unter
-
suchungsre
sultate
und bewertete sie als altersentsprechend. Dabei legte sie
zwar
das Schwergewicht auf die Darlegung der Verbesserung (
regrediente
Dis
kushernie
), setzte sich aber auch mit den Restbefunden auseinander und schloss – in
Zusammenschau mit der klinischen Untersuchung – nicht auf eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
2/8/54/37-38).
4.4.4
Der pauschale Hinweis von PD
Dr.
D._
, dass die vorliegenden Befunde gerade bei übergewichtigen Leuten Schmerzbilder zeitigen könnten, vermag die Ein
schätzung von
Dr.
B._
nicht in Frage zu stellen. Er selber stellte jedenfalls die gutachterliche Folgerung nicht in Frage, dass im Wesentlichen
altersent
sprechende
Befunde vorlägen. Auch PD
Dr.
D._
ersah aus den medizinischen Akten und seinen eigenen Untersuchungen jedenfalls keine Wurzelbeteiligung mehr und legte nicht dar, inwiefern die Befunde eine die aktuell ausgeübte (be
reits angepasste) Tätigkeit nicht mehr zulassen würden.
4.5
Bezüglich des thematisierten
Restless
legs
Syndrom
s
ergibt sich, das
Dr.
F._
am
6.
Februar 2014 eine entsprechende Verdachtsdiagnose (
Urk.
3/5) stellte und diese am 1
2.
März 2014 bestätigte.
Dr.
B._
war anlässlich der Untersu
chung am
8.
Januar 2014 nichts Derartiges aufgefallen. Dass ihr dies „entgan
gen“
sei
, wie PD
Dr.
D._
ausführt (
Urk.
3/3), kann bei dieser Ausgangslage nicht gesagt werden. Offensichtlich zeigte die Beschwerdeführerin keine ent
sprechenden Symptome, solche (selbst wahrgenommenen) schilderten denn auch die behandelnden Ärzte nicht, sondern lediglich subjektiv geklagte. Wenn nun die Beschwerdeführerin anlässlich der Exploration keine entsprechenden Angaben machte, kann dies der Gutachterin nicht entgegengehalten werden.
Relevant ist in diesen Zusammenhang ohnehin, dass eine (aktuelle) Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit jedenfalls nicht erstellt ist. PD
Dr.
D._
vermerkte ein
zig, dass ein schlecht eingestelltes
Restless
legs
Syndrom zu Schlafstörungen und damit auf längere Sicht zu Ermüdungserscheinungen führe, was sich auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirke. Diese Einschätzung er
folgte am
7.
Juli 2014 und damit nach Verfügungserlass, weshalb im massge
benden Zeitpunkt (noch) keine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist, stellte doch PD
Dr.
D._
eine solche erst für die die Zukunft in Aussicht.
4.6
Weiter beschrieb PD
Dr.
D._
ein
Thoracic
-
outlet
-Syndrom (
Urk.
3/3), welches sowohl die Ärzte der
E._
(
Urk.
3/4) wie auch
Dr.
F._
(
Urk.
3/6) diagnostiziert hatten. Hierzu ist festzuhalten, dass diese Diagnose erstmals am 1
2.
März 2014 gestellt wurde (
Urk.
3/6), indes ohne Darlegung entsprechender Befunde.
Dr.
B._
hatte die klinische und bildgebende Seite der
Schulter
problematik
eingehend untersucht und kam zum Schluss, dass die bisherige Tä
tigkeit zumutbar ist. Hieran ändert die neue Diagnose nichts, beschrieben doch die Ärzte keine von den Erhebungen
Dr.
B._
s abweichende
n
klinische
n
Verhältnisse. Dass die Schulterbeweglichkeit eingeschränkt ist, ist aktenkundig.
Dass die Beschwerdeführerin deswegen aber in erheblichem Ausmass einge
schränkt wäre, ist nicht erstellt.
4.7
Das weiter thematisierte Karpaltunnelsyndrom (CTS) findet sich ebenfalls erst
mals am 1
2.
März 2014 (
Urk.
3/6)
als D
iagnos
e
. Der behandelnde Neurologe
Dr.
F._
beschrieb dieses indes lediglich als diskret ausgeprägt und legte nicht dar, inwiefern die Beschwerdeführerin deswegen in ihrer (nicht feinmotorischen) bisherigen Tätigkeit eingeschränkt sein sollte.
4.8
In Bezug auf die aktenkundigen Befunde an der HWS ist erstellt, dass
Dr.
B._
diese zur Kenntnis genommen und als altersentsprechend inter
pretiert und eine Kompression neuraler Strukturen verneint hat (
Urk.
2/8/54/45 und
Urk.
2/8/54/38). Eine Arbeitsunfähigkeit leiteten auch die übrigen Ärzte daraus nicht ab.
4.9
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung am 1
0.
Juni 2014 ihre Arbeitsfähigkeit in der angestammten (angepassten) Tätigkeit wieder zurückerlangt hat. Nach der Rückbildung der Diskushernie L4/5 samt Nervenwurzelirritationen war der Grund für die Berentung weggefallen. Die neu hinzugetretenen Beschwerden sind allesamt nicht von einer Qualität, dass sie die bestehende
Restarbeitsfähig
keit
massgeblich einschränken würden. Namentlich
kann aufgrund
d
e
s nicht detailliert begründete
n
und sich auch nicht mit den Erhebungen
Dr.
B._
auseinandersetzenden Attest
es
des behandelnden PD
Dr.
D._
nicht
auf eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
ge
schl
ossen werden
. Der blosse Verweis auf Diag
nosen und das pauschale Attest entsprechen keiner Begründung, welche prü
fend nachvollzogen werden könnte. Anzumerken ist, dass sich PD
Dr.
D._
namentlich nicht mit den geschilderten Inkonsistenzen – namentlich bezogen auf die Schulterbeschwerden – auseinandersetzte. Damit besteht keine Veran
lassung, von den Schlüssen
Dr.
B._
abzuweichen.
Kein Raum besteht sodann für ergänzende Abklärungen, stehen doch die
echtzeit
lichen
Verhältnisse fest. Eine nach Verfügungserlass eingetretene Ver
schlechterung, welche angesichts der geschilderten Pathologien nicht auszu
schliessen ist, wäre in einem Neuanmeldungsverfahren geltend zu machen.
5.
In psychiatrischer Hinsicht ist ebenfalls keine die Arbeitsfähigkeit einschrän
kende Pathologie ersichtlich. Gutachter
Dr.
Z._
verneinte mangels entspre
chender Klinik explizit das Vorliegen einer (zuvor von
Dr.
med.
G._
, Arzt für Allgemeine Innere Medizin, am 1
4.
November 2013 [
Urk.
2/8/52/5] diagnosti
zierten) depressiven Erkrankung (
Urk.
2/8/53/11). Bei letzterem Arzt handelt es
sich nicht um einen Facharzt für diese Störung, weshalb den gegenteiligen und begründet erfolgten Darlegungen
Dr.
Z._
zu folgen ist. Eine anderweitige fachärztliche Einschätzung ist nicht aktenkundig.
Dr.
Z._
stellte sodann lediglich die Diagnose eines Verdachtes auf eine
soma
toforme
Schmerzstörung, verneinte er doch das Vorliegen der vollständigen Eingangskriterien (
Urk.
2/8/53/12) und schloss er auf eine vollumfängliche Ar
beitsfähigkeit in psychiatrischer Hinsicht (
Urk.
2/8/53/13). Darauf ist abzustel
len, zumal von der Beschwerdeführerin nichts Gegenteiliges vorgebracht wur
den.
6.
Zusammenfassend ist von einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin in der angestammten Tätigkeit auszugehen, welche von der Arbeitgeberin in dem Sinne angepasst wurde, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr in der Grossteilmange eingesetzt wird. Die Arbeitgeberin bekundete so
dann ihre Unterstützung betreffend allfällige
Umplatzierungsmöglichkeiten
(
Urk.
2/8/43/1-2). Bei dieser Ausganslage erleidet die Beschwerdeführerin keine Erwerbseinbusse, jedenfalls nicht eine solche von mindestens 40
%
. Damit hat die Beschwerdegegnerin die Ausrichtung der halben Invalidenrente zu Recht eingestellt, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
7.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.-- festzulegen und
ausgangsgemäss
von der
Beschwerdeführerin
zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).