Decision ID: 50226a69-1df2-4db5-afdc-236e36f15bc4
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960, ist in seiner ursprünglichen Tätigkeit als Krankenpfle
ger seit Juli 2008 wegen Knieproblemen nicht mehr arbeitsfähig. Im Hinblick auf die Umschulung zur Erlangung des Handelsdiploms VSH (vgl. Protokoll der Berufsberatung und Zielvereinbarung, Urk. 8/109-110) leistete die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, Kostengutsprache für den Besuch des Vorbereitungskurses und des kaufmännischen Basislehrganges mit Abschluss Bürofachdiplom VSH vom
5.
Dezember 2011 bis 3
0.
März 2012 (Mitteilung vom 2
2.
November 2011 [Urk. 8/108]; vgl. auch gesamten Kosten
voranschlag [Urk. 8/105]).
Mit Verfügung vom 1
8.
Januar 2012 (Urk. 8/114=Urk. 2) sprach die IV-Stelle dem Versicherten für den Schulbesuch vom
5.
Dezember 2011 bis
1.
April 2012 ein Taggeld von Fr. 119.20, basierend auf einem Jahreslohn von Fr. 54'294.70, zu (vgl. auch Beschluss vom 2
2.
November 2011, Urk. 8/107).
2.
Hiergegen liess
X._
durch Rechtsanwalt Kaspar Gehring mit Eingabe vom 1
6.
Februar 2012 (Urk. 1) Beschwerde erheben und beantragen, es sei dem Beschwerdeführer ein Fr. 119.20 übersteigendes Taggeld, basierend auf dem letzten, der Nominallohnentwicklung angepassten Einkommen vor der langdau
ernden vollständigen Arbeitsunfähigkeit ab August 2008 auszurichten.
Mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
März 2012 (Urk. 7) anerkannte die Beschwerde
gegnerin den zuletzt bei der
Y._
AG im Pflegeheim
Z._
erzielten Monatslohn von Fr. 6'480.45 als Grundlage für die Taggeldberechnung und beantragte die Abschreibung des Verfahrens infolge Gegenstandslosigkeit. Am 2
8.
März 2012 erliess sie den entsprechenden Beschluss an die Ausgleichskasse Privatkliniken (Urk. 9). Eine neue Taggeld
verfügung wurde dem Gericht bisher nicht eingereicht.
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Nach übereinstimmenden Anträgen der Parteien ist für die Taggeldberechnung grundsätzlich auf das Einkommen abzustellen, das der Beschwerdeführer in sei
ner auf ein halbes Jahr befristeten Anstellung im Pflegeheim
Z._
bezogen hatte (vgl. Arbeitgeberbericht vom 2
1.
November 2008, Urk. 8/14 und Urk. 3/3). Daraus resultiert das von der Beschwerdegegnerin neu festgestellte Jahreseinkommen von Fr. 84'245.85 (Fr. 6'480.45x13; Urk. 7). Auf
grund der Akten- und Rechtslage ist diesem Vorgehen zuzustimmen (
Art.
23 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] in Verbindung mit Art. 21
ter
Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]).
2.2
Ohne dies weiter zu begründen, hat die Beschwerdegegnerin indessen die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Nominallohnerhöhung bis zum Beginn der Taggeldzahlungen im Dezember 2011 nicht berücksichtigt (vgl. Urk. 7).
Nach Art. 21 Abs. 3 IVV ist bei einer mehr als zwei Jahr zurückliegenden Erwerbstätigkeit ohne gesundheitliche Einschränkung auf das Erwerbseinkom
men abzustellen, das die versicherte Person durch die gleiche Tätigkeit unmit
telbar vor der Eingliederung erzielt hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Diese Bestimmung ist vorliegend anwendbar, denn die Arbeitsunfähigkeit als Krankenpfleger ist seit Juli 2008 ausgewiesen (vgl. Urk. 8/109/2).
Die Nominallöhne im
Bereich Gesundheits- und Sozialwesen stiegen im Jahr 2009 um 1.9 %, im Jahr 2010 um 1 % und im Jahr 2011 um 0.9 % (Quelle: www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/04/blank/data/02.html). Damit ergibt sich ein für die Taggeldberechnung
massgebendes
Einkommen zu Beginn der Eingliederung von Fr. 87'485.35 (
Fr. 84'245.85 x 1.019 x 1.01 x 1.009)
,
woraus ein Taggeld von Fr. 191.75 resultiert (
Fr. 87'485.35/365 x 0.80; Art. 23 Abs. 1 IVG).
In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung entsprechend abzuändern.
3.
3.1
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwerdegegnerin zur Bezahlung einer Prozessentschädigung an den vertretenen Beschwerdeführer zu verpflich
ten, welche nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streit
wert auf Fr. 1'000.-- festzusetzen ist (inkl. Barauslagen und
MWSt
; § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
).
3.2
Die Gerichtskosten (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind auf Fr. 400.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.