Decision ID: 83531415-84e2-4f3d-8d29-05017a9c0fd6
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Lehrling zum Konfektionsschneider bei
der B._ AG tätig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherung (Suva)
gegen die Folgen von Unfällen versichert (Suva-act. 50-88). Am 29. Januar 1980 erlitt
er einen Verkehrsunfall, als er als nicht angegurteter Beifahrer eines Personenwagens
mit einem korrekt entgegenkommenden VW-Bus kollidierte. Dabei erlitt er ein
Schädelhirntrauma mit Contusio cerebri, eine doppelseitige Unterkieferfraktur, eine
Taubheit links und eine Commotio labyrinthi links (Suva-act. 50-86).
A.a.
Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht und sprach dem Versicherten aufgrund
der verbliebenen Beeinträchtigungen (Taubheit links, weitere von Zeit zu Zeit
auftretende Beschwerden) mit Verfügung vom 26. Mai 1982 rückwirkend ab 1. März
1981 eine Invalidenrente von (pauschal) 10% bei einem versicherten Jahresverdienst
von Fr. 18'929.-- zu (Suva-act. 49-47 ff., 49-59 ff.). Mit Entscheid vom 7. Dezember
1989 beliess die Suva die Invalidenrente unverändert auf 10% (Suva-act. 49-3, act. G
1.2 S. 2).
A.b.
Nach dem Unfall hatte der Versicherte seine Lehre als Konfektionsschneider nicht
abgeschlossen (Suva-act. 49-49, 54) und anschliessend an verschiedenen Stellen bis
im Jahr 2005 in Vollzeit gearbeitet (Suva-act. 27-102). Seine letzte Vollzeit-Tätigkeit als
A.c.
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B.
Logistiker (Mitarbeiter Lager/Warenannahme) hat er aufgrund somatischer Probleme
(Rücken- und Schulterproblematik) aufgeben müssen (Suva-act. 27-16). Von August
2007 bis Ende Juli 2011 arbeitete er bei der C._ AG mit einem rund 70%-igen
Pensum (vgl. die von der Suva beigelegte CD [IV-Akten]).
Im August 2005 hatte sich der Versicherte wegen einer seit ca. zehn Jahren
bestehenden Wirbelsäulenproblematik zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) angemeldet (vgl. IV-Akten).
B.a.
Die IV-Stelle tätigte mehrere berufliche und medizinische Abklärungen (Suva-act. 5
ff.; IV-Akten). Aufgrund kognitiver Auffälligkeiten wurde am 7. April 2010 ein MRT des
Neurocraniums durchgeführt. Dieses zeigte eine strukturelle Hirnschädigung
(posttraumatischer Hirnparenchymdefekt fronto-basal rechts; Suva-act. 10-6). Die
Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen, Klinik für Neurologie, diagnostizierten eine leichte
kognitive Störung, posttraumatisch (ICD-10: F 06.7; Suva-act. 10-5 ff.). Letztlich
veranlasste die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten bei der MEDAS Zentralschweiz
in Luzern (vgl. dazu das Verfahren IV 2013/16). Die Abklärungen erfolgten vom 28. bis
30. September 2010. Im entsprechenden Gutachten vom 28. Januar 2011 nannten die
Sachverständigen folgende arbeitsfähigkeitsrelevante Diagnosen: ein organisches
Psychosyndrom nach traumatischer Hirnverletzung durch Verkehrsunfall vom 29.
Januar 1980, eine verminderte mentale Leistungsfähigkeit mit mittelschweren verbalen
Gedächtnisdysfunktionen und leichten Aufmerksamkeitsschwierigkeiten multikausaler
Genese, eine teilweise noch subsyndromale depressive Störung, psychotische
Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Erkrankungen sowie
einen Residualzustand mit Periarthropathia humeroscapularis und leichter
Impingement-Symptomatik der rechten Schulter. Zur Arbeitsfähigkeit hielten die
Gutachter fest, die früher ausgeübte, körperlich teilweise schwere Tätigkeit als
Logistik-Mitarbeiter sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar – als limitierend erweise
sich vor allem die Minderbelastbarkeit der rechten operierten Schulter. Die gegenwärtig
ausgeübte Tätigkeit als C._-Mitarbeiter sei dem Versicherten zu 70% der Norm
möglich. Längerfristig sei diese Tätigkeit jedoch ungeeignet aufgrund der
eingeschränkten kognitiven Leistungsfähigkeit des Versicherten, der Notwendigkeit,
B.b.
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C.
Auto zu fahren, und der erhöhten psychischen Belastung bei alleine auszuführenden
Nachteinsätzen. Behinderungsangepasste Tätigkeiten seien dem Versicherten zu 80%
der Norm zumutbar. Limitierend würden sich vor allem die Konzentrations- und
Antriebsstörungen aber auch die Verlangsamung und die erhöhte Ermüdbarkeit
auswirken (Suva-act. 27).
Mit Verfügung vom 7. Dezember 2012 verneinte die IV-Stelle aufgrund eines
Invaliditätsgrades von unter 40% einen Rentenanspruch (Suva-act. 30). Das
Bundesgericht schützte diese Verfügung, nachdem das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen von einem rentenrelevanten Invaliditätsgrad ausgegangen war (IV
2013/16), und bestätigte einen Invaliditätsgrad von weniger als 40% (Urteil vom 22.
September 2015, 9C_366/2015).
B.c.
Mit Schreiben vom 17. November 2015 reichte der Rechtsvertreter des
Versicherten, Rechtsanwalt Dr. iur. R. Pedergnana, bei der Suva ein Revisionsgesuch
ein. Er machte insbesondere geltend, dass der Versicherte die Auswirkungen des
durch den Unfall erlittenen Hirnschadens nicht mehr in gleicher Weise wie früher
kompensieren könne und entsprechend – anders als früher – eine unfallkausale
Teilarbeitsunfähigkeit vorliege, weshalb eine Rentenerhöhung zu prüfen sei (Suva-act.
36).
C.a.
In der Folge wurde der Fall Dr. med. D._, Facharzt für Neurologie, vom
Kompetenzzentrum Versicherungsmedizin der Suva, vorgelegt. Mit Bericht vom 9. Mai
2016 gab dieser seine Beurteilung ab (Suva-act. 54). Zusammengefasst kam er zum
Schluss, dass die im Jahr 2011 dokumentierten leichten Störungen der
Aufmerksamkeit und die leichte Persönlichkeitsveränderung mit rigiden
Persönlichkeitszügen überwiegend wahrscheinlich unfallkausal seien. Weitere
neuropsychologische Funktionseinschränkungen wie die beklagten
Gedächtnisstörungen seien möglicherweise, nicht aber überwiegend wahrscheinlich
auf den Unfall aus dem Jahr 1980 zurückzuführen, da unfallfremde Faktoren wie eine
chronische Schmerzsymptomatik und eine teilweise limitierte depressive Störung eine
Rolle spielten. Nach den operationalen Kriterien der Tabelle 8 der Suva
"Integritätsschaden bei psychischen Folgen von Hirnverletzungen" würden die
C.b.
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D.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter am 25. Mai
2016 Einsprache erheben und die revisionsweise Erhöhung der Invalidenrente auf 30%,
eventualiter auf 50% beantragen. Subeventualiter sei ein neuropsychologisches
Gutachten in Auftrag zu geben (Suva-act. 56). Mit Entscheid vom 12. September 2017
wies die Suva die Einsprache ab (Suva-act. 64).
E.
beschriebenen neuropsychologischen Funktionsstörungen einer leichten Störung
entsprechen. Diese habe sich im Laufe der Jahre nicht überwiegend wahrscheinlich
verschlechtert. Hiergegen spreche auch die MRT-Untersuchung vom 7. April 2010, die
keine Spätfolgen wie eine sekundäre Hirnatrophie oder einen Hydrozephalus ausweise.
Allenfalls verschlechtert habe sich die Fähigkeit des Versicherten, die Folgen der
Hirnverletzung zu kompensieren, dies aber überwiegend wahrscheinlich aus
unfallfremden Gründen. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustands gegenüber
der Rentenfestsetzung könne somit medizinisch nicht begründet werden (Suva-act.
54-11).
Mit Verfügung vom 19. Mai 2016 führte die Suva aus, dass die Rente in
Anwendung von Art. 80 des bis 31. Dezember 1983 geltenden Bundesgesetzes über
die Kranken- und Unfallversicherung (KUVG) grundsätzlich in der revisionslosen Zeit
laufe. Sofern sich die Unfallrestfolgen erheblich verschlimmert hätten, würde trotzdem
eine Rentenerhöhung geprüft. Gestützt auf die neurologische Beurteilung vom 9. Mai
2016 habe sich der unfallbedingte medizinische Befund seit der Rentenfestsetzung
aber nicht erheblich verschlimmert, weshalb die KUVG-Rente nicht erhöht werden
könne (Suva-act. 55).
C.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 12. September 2017 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter am 13. Oktober 2017
Beschwerde erheben und beantragen, der Einspracheentscheid sei aufzuheben und
die Invalidenrente aufgrund neurologischer unfallbedingter Probleme auf 30% zu
erhöhen. Eventualiter sei eine Invalidenrente von 50% auszurichten. Subeventualiter sei
ein neurologisches Gutachten in Auftrag zu geben, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin; act. G 1).
E.a.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist, ob die
Voraussetzungen für eine Revision im Sinne einer Erhöhung der Rente des
Beschwerdeführers gegeben sind.
2.
In der Beschwerdeantwort vom 12. Dezember 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. R. Bachmann, Luzern, die
Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheids (act. G 5).
E.b.
Mit Replik vom 26. Februar 2018 liess der Beschwerdeführer unverändert an
seinen Anträgen festhalten (act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine
Duplik (act. G 11).
E.c.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen in
den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
E.d.
Die Beschwerdegegnerin macht vorab geltend, dass eine Rentenrevision bereits
gestützt auf Art. 80 Abs. 2 KUVG in Verbindung mit Art. 118 des Bundesgesetzes über
die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20), wonach eine Rente längstens bis Ablauf des
neunten Jahres revidiert werden könne, ausser Betracht falle. Der Beschwerdeführer
bestreitet dies. Die Übergangsbestimmungen von Art. 118 UVG, namentlich dessen
Abs. 5, würden sich nur auf Renten mit Invaliditätsgraden von weniger als 10%
beziehen. Demgegenüber würden Renten mit höheren Invaliditätsgraden nicht unter
diese Übergangsbestimmung fallen.
2.1.
Wie der Beschwerdeführer richtig ausführen lässt, ist die Übergangsbestimmung
von Art. 118 Abs. 5 UVG nur auf altrechtliche Renten mit Invaliditätsgraden von weniger
als 10% anwendbar (vgl. die schlüssige Begründung/Auslegung dazu in BGE 131 V 86
ff. E. 2). Sie ist für den vorliegenden Fall dementsprechend unbeachtlich bzw. führt
nicht dazu, dass die Rente des Beschwerdeführers nicht (mehr) revidiert werden
könnte. Zur Beantwortung der Frage der Revidierbarkeit höhergradiger altrechtlicher
Renten ist indessen, nachdem Art. 118 Abs. 2 lit. c UVG (auf den ersten Blick) nicht zur
2.2.
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3.
Vorweg ist zu prüfen, ob sich der unfallkausale Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers (sei es im Sinne eines Rückfalls oder von Spätfolgen)
verschlimmert hat, so dass eine Rentenerhöhung grundsätzlich in Betracht fällt.
Diskussion steht (die Rentenfestsetzung aufgrund der Beeinträchtigungen aus dem
Unfall vom 29. Januar 1980 erfolgte am 26. Mai 1982 und damit vor Inkrafttreten des
UVG am 1. Januar 1984), Art. 118 Abs. 1 UVG einschlägig, wonach
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes
ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen
sind, nach bisherigem Recht, dem KUVG, gewährt werden.
Gemäss Art. 80 Abs. 2 KUVG kann die Rente während der ersten drei Jahre nach
ihrer Festsetzung jederzeit, in der Folge aber nur noch bei Ablauf des sechsten und des
neunten Jahres revidiert werden. Damit ist die ursprüngliche Rente, deren Zusprache
mehr als neun Jahre zurückliegt, grundsätzlich nicht mehr revidierbar. Über den
Wortlaut hinaus hat das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar
2007 sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) bzw. das Bundesgericht
mehrfach entschieden, dass die Erhöhung einer (altrechtlichen) Rente trotz Ablaufs von
neun Jahren seit der Rentenfestsetzung möglich ist, wenn der Unfallversicherer auf
einen Rückfall oder Spätfolgen einzutreten hat, die entsprechenden Beschwerden in
natürlichem und adäquatem Kausalzusammenhang zum ursprünglichen Unfall stehen
und eine erhebliche Verschlimmerung der Unfallfolgen bewirken (vgl. u.a. Urteil des
EVG vom 18. April 2007, U 195/06, E. 2.2.1, und Urteil des Bundesgerichts vom 4.
Dezember 2018, 8C_477/2018, E. 3). Lediglich geänderte erwerbliche Auswirkungen
einer im Wesentlichen gleich gebliebenen Gesundheitsbeeinträchtigung sind einer
Revision nicht mehr zugänglich (Urteil des EVG vom 19. November 2002, U 106/02, E.
4).
2.3.
Die medizinischen Fachpersonen gehen einig, dass der Beschwerdeführer bei
seinem Unfall im Jahr 1980 unter anderem eine strukturelle Hirnschädigung
(posttraumatischer Hirnparenchymdefekt fronto-basal rechts; Suva-act. 10-6, 54-11)
erlitten hat und diese bzw. das von den MEDAS-Gutachtern diagnostizierte organische
Psychosyndrom F07.2 bei Status nach traumatischer Hirnverletzung (Suva-act. 27-26)
unter anderem die kognitive Leistungsfähigkeit einschränkt. Die Hirnschädigung wurde
zeitnah zum Unfall nicht erkannt, da sie sich computertomographisch, aus
methodischen Gründen, nicht zeigte. Sie wurde übersehen (Suva-act. 54-10). Allfällige
kognitive Funktionseinbussen wurden nicht abklärt, da der Beschwerdeführer dadurch
3.1.
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– zumindest erwerbsrelevant – nicht beeinträchtigt war (Suva-act. 54-11). Letztlich
führten sämtliche unfallkausalen Gesundheitsschäden – auch allfällige kognitive
Funktionseinschränkungen – nicht zu einer Erwerbseinbusse und die verbliebenen
Beeinträchtigungen (Taubheit links, weitere von Zeit zu Zeit auftretende Beschwerden)
führten ab März 1981 zu einer (pauschalen) Invalidenrente von 10% bzw. Fr. 100.--
monatlich (vgl. Sachverhalt lit. A.b; Suva-act. 49-47 f., 49-59 ff.). Eine solche Abgeltung
der unfallbedingten Beeinträchtigungen der körperlichen oder psychischen Integrität –
auch ohne Erwerbseinschränkung – war nach dem damals geltenden Recht üblich
(Urteil des EVG vom 23. November 2006, U 123/06, E. 3.1).
Es ist unbestritten und ergibt sich aus den (medizinischen) Akten, dass der
Beschwerdeführer bis zum Ende des Jahres 2004 (Suva-act. 27-28), damit über 24
Jahre lang nach dem Unfall von 1980, zuletzt als Logistiker, aufgrund der strukturellen
Hirnschädigung und allfälligen daraus resultierenden kognitiven Funktionseinbussen im
Erwerbsleben nicht relevant eingeschränkt war. Der Beschwerdeführer war in diesen
Jahren in der Lage, die Folgen der Hirnschädigung mittels anderer Ressourcen zu
kompensieren (Suva-act. 27-29, 54-11). Die MEDAS-Gutachter halten dazu
ausdrücklich fest, dass erfahrungsgemäss Folgen eines Schädelhirntraumas zum Teil
jahrelang kompensiert werden könnten (Suva-act. 10-6, 27-28 f.). Anders gesagt waren
in dieser Zeit die Folgen der Hirnschädigung – wenn auch bereits vorhanden – nicht
derart ausgeprägt, dass sie sich im Erwerbsleben relevant ausgewirkt hätten. Dies
änderte sich erst bei nachträglich hinzugekommenen unfallfremden Faktoren (zu
erwähnen ist dabei insbesondere die Schulterproblematik ab Dezember 2004 und der
damit verbundene Stellenverlust als Logistiker). Aufgrund dessen ist es zu einer
Demaskierung (Suva-act. 10-6) der kognitiven Funktionsstörungen bzw. erstmals auch
zu einem andauernd erwerbsrelevant beeinträchtigten – zumindest teilweise
unfallkausalen – Gesundheitsschaden gekommen. Offensichtlich haben unfallfremde
Faktoren dazu geführt, dass sich auch der unfallkausale Gesundheitszustand deutlich
verschlechtert hat bzw. dass sich die Folgen der Hirnschädigung deutlich ausgeprägter
präsentierten. So werden denn im MEDAS-Gutachten vor allem die Konzentrations-
und Antriebsstörungen, aber auch die Verlangsamung und die erhöhte Ermüdbarkeit,
damit zumindest teilweise unfallkausale kognitive und psychische Beeinträchtigungen,
als quantitativ limitierend qualifiziert (Suva-act. 27-27). Ob diese Verschlechterung bzw.
Demaskierung als Rückfall oder als Spätfolge zu qualifizieren ist, kann letztlich
offenbleiben. Eine Erhöhung der (altrechtlichen) Rente trotz Ablaufs von neun Jahren
seit der Rentenfestsetzung ist bei dieser Konstellation (verschlimmerter
Gesundheitszustand) gestützt auf die Rechtsprechung grundsätzlich möglich (vgl. dazu
auch das Urteil des EVG vom 23. November 2006, U 123/06, E. 4), zumal nicht von
3.2.
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4.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass eine Revision/Erhöhung der altrechtlichen
Rente aufgrund des überwiegend wahrscheinlich ausgewiesenen verschlimmerten
unfallkausalen Gesundheitszustands möglich bleibt. Um wieviel Prozent sich die
Invalidenrente letztlich erhöhen wird bzw. ob die Erheblichkeitsgrenze überschritten
wird, lässt sich mit der vorliegenden medizinischen Aktenlage indes noch nicht
rechtsgenüglich sagen. Damit ist die Angelegenheit zur Bestimmung der
Erwerbsunfähigkeit bzw. des Invaliditätsgrads an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Zwar erscheint die Arbeitsunfähigkeit bei medizinischem Endzustand
(Suva-act. 27-27) gestützt auf das MEDAS-Gutachten ausgewiesen (seit 2008/2009
80% in adaptierten Tätigkeiten ohne besondere Anforderungen an die psychische
Belastbarkeit und die kognitive Leistungsfähigkeit sowie auch nicht besondere
Fähigkeiten verlangend, wobei sich vor allem die Konzentrations- und
Antriebsstörungen, aber auch die Verlangsamung und die erhöhte Ermüdbarkeit
quantitativ limitierend auswirken [Suva-act. 27-25 ff.]). Bei allfälliger multikausaler bzw.
zusätzlich unfallfremder Genese auch der kognitiven/psychischen Beeinträchtigungen
(vgl. dazu Suva-act. 27-21) steht indes – wie erwähnt – eine entsprechende Kürzung
nach Art. 91 KUVG im Raum. Zur Bestimmung der Höhe einer allfälligen Kürzung
bedarf es weiterer medizinischer Abklärungen. Dasselbe gilt bezüglich eines – wenn
auch vorliegend nicht zum Streitgegenstand gehörend – allfälligen Anspruchs auf eine
Integritätsentschädigung. Insgesamt erscheint es angezeigt, mittels externer
fachärztlicher Beurteilung (zumindest neurologisch, neuropsychologisch und
psychiatrisch) diese noch offenen Punkte abklären zu lassen.
lediglich geänderten erwerblichen Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich
gebliebenen Gesundheitsbeeinträchtigung auszugehen ist. Dass erst nachträglich
hinzugekommene unfallfremde Faktoren zur Verschlimmerung des Unfallschadens
geführt haben, ändert nichts an einer (Teil-)Kausalität der im MEDAS-Gutachten
festgestellten, sich erstmals auch quantitativ limitierend auswirkenden
Beeinträchtigungen und damit an einer grundsätzlichen Leistungspflicht des
Unfallversicherers für die eingetretene Verschlechterung. Immerhin kann der nicht
unfallkausale Anteil nach aktuellem Recht zu einer angemessenen Kürzung (Art. 36
Abs. 2 Satz 1 UVG) bzw. nach dem vorliegend anwendbaren Art. 91 KUVG zu einer
entsprechenden Kürzung der Invalidenrente führen (RKUV 1998 Nr. U 47 S. 229 E. 6b).
Gestützt auf das Gesagte vermag die Beurteilung von Dr. D._, wonach sich eine
(erhebliche) Verschlechterung der unfallkausalen Beeinträchtigung medizinisch nicht
begründen lasse, nicht zu überzeugen.
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5.