Decision ID: ce45fbf0-af8f-5305-9ad2-0ad05b188eff
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist seit dem 4. Juli 1991 im Besitz des Führerausweises der Kategorien B, D1, BE
und D1E sowie seit dem 2. August 1996 der Kategorie A. Im eidgenössischen Register
für Administrativmassnahmen (ADMAS) war er bisher nicht verzeichnet. Die
Kantonspolizei St. Gallen hielt ihn am 26. September 2015 um 22.15 Uhr anlässlich
einer Patrouillenfahrt in Staad an und kontrollierte ihn. Da sie Alkoholmundgeruch
feststellte, führte sie zwei Atemlufttests durch. Der erste Test um 22.18 Uhr ergab einen
Wert von 1,39 Gewichtspromille, der zweite um 22.19 Uhr von 1,40 Gewichtspromille.
Daraufhin nahm die Patrouille der Kantonspolizei X den Führerausweis auf der Stelle
vorläufig ab. Um 22.33 Uhr wurde im Spital Rorschach eine Blutprobe abgenommen,
die ein Analysenergebnis von 1,67 bis 1,85 Gewichtspromille (Mittelwert:
1,76 Gewichtspromille), beziehungsweise mit Rückrechnung auf den Kontrollzeitpunkt
von 1,70 bis 2,11 Gewichtspromille ergab.
B.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt verbot X am 8. Oktober 2015 das
Führen von Motorfahrzeugen ab sofort beziehungsweise ab dem 26. September 2015.
Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen wurde er des Führens eines
Motorfahrzeuges in fahrunfähigem Zustand und des Nichtmitführens des
Führerausweises schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
je Fr. 240.–, bedingt aufgeschoben mit einer Probezeit von zwei Jahren, und einer
Busse von Fr. 2‘800.– bestraft.
C.- Am 1. Dezember 2015 fand eine verkehrsmedizinische Untersuchung durch das
Institut für Rechtsmedizin statt. In ihrem Gutachten vom 4. Januar 2016 kamen die
Fachpersonen zum Schluss, dass die Fahreignung aus verkehrsmedizinischer Sicht bei
verkehrsrelevantem, zumindest episodisch übermässigem Alkoholkonsum sowie erst
noch zu erarbeitender selbstkritischer Konsumeinschätzung nur mit folgenden Auflagen
befürwortet werden könne: Einhalten einer Alkoholabstinenz mittels
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Abstinenzkontrollen (Haaranalyse) alle sechs Monate und konsequent
wahrzunehmender Fachtherapie sowie Einreichen von Verlaufsberichten alle sechs
Monate. Dabei solle die Mindestdauer der Abstinenzkontrollen ein Jahr betragen,
wobei im Anschluss nach sechs Monaten nochmals eine abschliessende
Verlaufskontrolle hinsichtlich des Alkoholkonsums mittels Haaranalyse erfolgen solle,
um das Konsumverhalten eines sozial und gesundheitlich verträglichen,
unbedenklichen Alkoholkonsums näher einschätzen zu können.
D.- Am 8. Januar 2016 informierte das Strassenverkehrsamt X darüber, dass
beabsichtigt sei, seinen Führerausweis mit entsprechenden Auflagen zu versehen. X
nahm dazu am 14. Januar 2016 Stellung und beantragte sinngemäss einen Verzicht auf
die vorgesehenen Auflagen. Daraufhin orientierte das Strassenverkehrsamt ihn am 26.
Januar 2016 darüber, dass er entweder die Auflagen akzeptieren könne, wonach ihm
der Führerausweis ausgehändigt werde, und er die Möglichkeit habe, gegen die
Verfügung ein Rechtsmittel zu ergreifen, oder eine Rückweisung des Gutachtens an
das Institut für Rechtsmedizin zur nochmaligen Überprüfung beantragen könne, wobei
aber mit weiteren Kosten zu rechnen sei. Am 1. Februar 2016 bat X um Zustellung der
Verfügung und Aushändigung des Führerausweises. Zudem erklärte er, mit der
Suchtberatung Kontakt aufzunehmen.
E.- Am 4. Februar 2016 verfügte das Strassenverkehrsamt die Aufhebung des
vorsorglichen Führerausweisentzugs (Ziff. 1) sowie einen Warnungsentzug für die
Dauer von vier Monaten (Ziff. 2) ab dem 26. September 2015 bis am 25. Januar 2016
(Ziff. 3). Zudem ordnete es folgende Auflagen (Ziff. 4) an:
„a) Sie haben unter fachlicher Betreuung (Suchtfachstelle) die vollständige,
kontrollierte
Alkoholabstinenz für 6 Monate gemäss Info-Blatt einzuhalten.
b) Die Auflagenkontrolle inklusive Haaranalyse erfolgt in 6 Monaten am Institut für
Rechtsmedizin (IRM) in St. Gallen. Die Kosten dafür gehen zu Ihren Lasten.
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c) Die Kontrolle erfolgt im Juni 2016. Der Verlaufsbericht der Suchtfachstelle ist zur
Abstinenzkontrolle (Haaranalyse) in das IRM mitzubringen.
d) Mindestdauer der Abstinenzkontrollen 1 Jahr, wobei im Anschluss nach 6
Monaten
im Dezember 2016 eine abschliessende Verlaufskontrolle hinsichtlich des
Alkoholkonsums mittels Haaranalyse (Kopfhaare, Länge mind. 3 cm, unbehandelt)
zu erfolgen hat, um das Konsumverhalten mit Ziel eines sozial und
gesundheitlichen
verträglichen, unbedenklichen Alkoholkonsums näher einschätzen zu können.
e) Diese Auflagen haben auf unbestimmte Zeit Gültigkeit und werden mit Code 101
in Ihren
Führerausweis eingetragen. Eine Aufhebung der Abstinenzkontrolle kann
frühestens in
1 Jahr geprüft werden.
f) Bei Missachten der Auflagen haben Sie in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 SVG mit
dem Entzug des Führerausweises – allenfalls auf unbestimmte Zeit – zu rechnen.“
Es entzog dem Rekurs die aufschiebende Wirkung (Ziff. 5).
F.- Dagegen erhob X durch seine Rechtsvertreterin am 26. Februar 2016 Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, Ziff. 4 der vorinstanzlichen
Verfügung sei aufzuheben (Ziff. 1), dem Rekurrenten sei das Führen von
Motorfahrzeugen der im Führerausweis genannten Kategorien sowie aller Unter- und
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Spezialkategorien ohne Auflagen zu gestatten, eventualiter sei die Sache zur erneuten
Abklärung der Fahreignung des Rekurrenten – unter allfälliger Einholung eines
Obergutachtens – an die Vorinstanz zurückzuweisen (Ziff. 2). Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (Ziff. 3). Gleichzeitig beantragte er die Ansetzung einer Nachfrist
zur ergänzenden Begründung des Rekurses (Ziff. 4). Die Rekursergänzung erfolgte am
14. März 2016 innerhalb der angesetzten Nachfrist. Das Strassenverkehrsamt
verzichtete auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 26. Februar 2016 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt – zusammen mit der innert der Nachfrist eingegangenen
Rekursergänzung vom 14. März 2016 – in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Die Rechtsvertreterin des Rekurrenten beanstandet, dass die Vorinstanz den
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe, da sie nicht auf die Stellungnahme des
Rekurrenten eingegangen sei. Im Gutachten seien ihm verschiedene Aussagen
unterstellt worden, die er so nicht gemacht habe. Sodann gebe es Widersprüche im
Zusammenhang mit den Ergebnissen der Haaranalyse. Des Weiteren sei das
Gutachten in wesentlichen Punkten widersprüchlich, nicht korrekt und insgesamt nicht
schlüssig. Mit diesen Mängeln, auf die der Rekurrent bereits im vorinstanzlichen
Verfahren hingewiesen habe, habe sich das Strassenverkehrsamt in seiner Verfügung
nicht auseinandergesetzt und sei damit seiner Begründungspflicht nicht hinreichend
nachgekommen. Der Grundsatz des Anspruchs auf rechtliches Gehör sei somit
bis
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verletzt, was grundsätzlich zur Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids führen
müsse.
a) Art. 29 Abs. 2 BV gewährt den Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus
leitet das Bundesgericht unter anderem die Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen
und Entscheide zu begründen (z.B. BGE 133 III 439 E. 3.3). Als
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz, dass die
Behörden die Vorbringen des vom Entscheid oder der Verfügung in seiner
Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in
der Entscheidfindung berücksichtigt (G. Steinmann, in: St. Galler Kommentar, 3. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2014, N 49 zu Art. 29 BV). Der von einem Entscheid oder einer
Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass er den
Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III
439 E. 3.3). Dies ist nur möglich, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die
Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheids oder der Verfügung ein Bild
machen können; in diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid
stützt. Auf der anderen Seite bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich
mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid oder die
Verfügung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1). Ist die
Sachlage klar und sind die anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese
Rechtsnormen genügen, während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von
Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht
fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen [VerwGE] B 2009/211 vom 18. März 2010
E. 2.1 mit Hinweisen zur Lehre und Rechtsprechung, im Internet abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch).
b) Die Vorinstanz informierte den Rekurrenten mit Schreiben vom 8. Januar 2016 über
die beabsichtigten Auflagen und gab ihm Frist zur Stellungnahme. Daraufhin
beanstandete der Rekurrent in seinem Schreiben vom 14. Januar 2016
zusammengefasst, dass seine Aussagen im verkehrsmedizinischen Gutachten teilweise
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nicht richtig wiedergegeben worden seien und zudem sämtliche Befunde zu seinen
Lasten ausgelegt worden seien. Sodann seien seit Juli 2015 vier Blutproben
genommen worden, deren Ergebnisse allesamt im normalen Bereich gelegen hätten.
Demnach weise nichts auf eine Suchtmittel-Problematik hin. Ferner habe er seit Mitte
Oktober 2015 auf sämtliche alkoholhaltigen Getränke verzichtet. Das Resultat der
Haaranalyse zeige aber bis 1 cm ab Kopfhaut einen Wert von 7,7 pg/mg an, was für ihn
unerklärbar sei. Der Grenzwert zu übermässigem Alkoholkonsum liege bei 30 pg/mg,
was bei einer Messunsicherheit von +/- 25 % zu seinen Lasten ausgelegt worden sei.
Nur gestützt darauf werde er zur Einhaltung einer Alkoholabstinenz verpflichtet. Des
Weiteren werde sein Arbeitsplatz regelmässig mit alkoholhaltigen Reinigungstüchern
geputzt, wodurch der Alkohol auch über die Haut aufgenommen werden könne. Zudem
würden durch seinen Beruf diverse Gifte in den Körper gelangen, deren Auswirkungen
er nicht abschätzen könne.
Ohne sich mit den aufgeworfenen Fragestellungen auseinanderzusetzen, stellte die
Vorinstanz den Rekurrenten daraufhin mit Schreiben vom 26. Januar 2016 lediglich vor
die Wahl, entweder die Auflagen zu akzeptieren, den Führerausweis ausgehändigt zu
erhalten und die Möglichkeit zu haben, die Verfügung mittels Rechtsmittels anzugreifen
oder die Rückweisung des Gutachtens zur nochmaligen Überprüfung zu beantragen. In
der Verfügung vom 4. Februar 2016 schliesslich ging die Vorinstanz mit keinem Wort
auf die Beanstandungen des Rekurrenten ein. Dass sie die Vorbringen sorgfältig und
ernsthaft geprüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt hätte, ist jedenfalls weder
für den Rekurrenten noch für das Gericht ersichtlich. Aus der Verfügung geht nicht
hervor, weshalb die Vorinstanz ihren Entscheid trotz der Vorbehalte des Rekurrenten
auf das Gutachten stützte. Die Verfügung ist somit nicht hinreichend begründet. Die
Vorinstanz hat den Anspruch des Rekurrenten auf rechtliches Gehör verletzt.
Von einer Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zu neuer Entscheidung ist
jedoch abzusehen, denn das Gericht verfügt über volle Kognition (Art. 46 Abs. 1 VRP);
mithin können alle Mängel gerügt werden, und das Gericht kann die Begründung
nachholen. Die Heilung der Gehörsverletzung im Rekursverfahren darf für den
Betroffenen indessen keinen Nachteil zur Folge haben, was unabhängig vom
Verfahrensausgang im Rahmen der Kostenverlegung zu berücksichtigen ist.
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3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz gestützt auf das Gutachten vom 4.
Januar 2016 den Führerausweis des Rekurrenten zu Recht mit Auflagen versehen hat.
a) Die Vorinstanz hat vorliegend keinen Sicherungsentzug des Führerausweises verfügt,
sondern den vorsorglichen Führerausweisentzug mit der Verfügung vom 4. Februar
2016 aufgehoben und einen Warnungsentzug angeordnet. Gleichzeitig hat sie Auflagen
verfügt. Die Wiedererteilung des zu Warnzwecken entzogenen Führerausweises nach
Ablauf der Massnahme darf nicht an Bedingungen oder Auflagen geknüpft werden.
Dennoch ist es im Rahmen der Verhältnismässigkeit stets zulässig, den Führerausweis
aus besonderen Gründen mit Auflagen zu versehen (vgl. BGE 131 II 248 E. 6). Nach
verwaltungsrechtlichen Grundsätzen können Bewilligungen mit Nebenbestimmungen
verbunden werden, wenn sie aufgrund des Gesetzes ansonsten verweigert werden
könnten (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, § 13 Rz
926). Führerausweise können also unabhängig von der Ausweis(-wieder-)erteilung mit
Auflagen verbunden werden, um Schwächen hinsichtlich der Fahrtauglichkeit zu
kompensieren. Sie sind somit im Rahmen der Verhältnismässigkeit zulässig, wenn sie
der Verkehrssicherheit dienen und mit dem Wesen der Fahrerlaubnis im Einklang
stehen. Erforderlich ist, dass sich die Fahreignung nur mit dieser Massnahme
aufrechterhalten lässt. Zudem müssen die Auflagen erfüll- und kontrollierbar sein. Das
Bundesgericht erwähnt als besonderen Grund unter anderem, dass ein Fahrzeuglenker
zum Alkoholmissbrauch neige. Die Fahreignung solcher Lenker bedürfe einer
besonderen Kontrolle (vgl. BGE 131 II 248 E. 6).
b) Aus dem verkehrsmedizinischen Gutachten vom 4. Januar 2016 geht hervor, dass
die Blut- und Urinuntersuchungen vom 1. Dezember 2015 keine auffälligen Befunde
ergaben. Die Haaranalyse ergab allerdings einen Ethylglucuronid-Wert (EtG-Wert) von
7,7 pg/mg beim Segment von 0-1 cm ab Haut und von 30 pg/mg beim Segment von
1-5 cm ab Haut. Gemäss den Erläuterungen „Bestimmung von Ethylglucuronid (EtG) in
Haarproben“ der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) liefern
Werte, die kleiner als 7 pg/mg sind, keinen Hinweis für einen regelmässigen relevanten
Alkoholkonsum. Werte, die 7 pg/mg und mehr betragen, sprechen für einen moderaten
Alkoholkonsum. Ab einem Wert von 30 pg/mg wird von einem übermässigen
Alkoholkonsum ausgegangen. Das Haarwachstum beträgt rund 1 cm pro Monat. Beim
Abbruch eines Substanzkonsums kann es zu einem Auswachsphänomen kommen.
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Das heisst, dass die betreffende Substanz auch nach Abstinenzbeginn noch für wenige
Wochen im Haar nachgewiesen werden kann. Der Grund dafür liegt im
Wachstumszyklus der Haare. Somit ist es nicht ungewöhnlich, dass am 1. Dezember
2015 im Segment von 0-1 cm ab Haut noch ein EtG-Wert von 7,7 pg/mg
nachgewiesen wurde, obwohl der Rekurrent geltend macht, zuletzt im Oktober 2015
Alkohol getrunken zu haben. Der Wert von 30 pg/mg, der für die Zeit davor ermittelt
wurde, weist auf einen übermässigen Alkoholkonsum hin, was auch im Gutachten
festgehalten wurde. Im Gegensatz zum Strafverfahren oder zum Verfahren bei
Warnungsentzügen gilt im vorliegenden Verfahren die Unschuldsvermutung nicht. Die
Anordnung von Auflagen erfolgt nicht wegen eines schuldhaften Verhaltens des
Ausweisinhabers, sondern im Interesse der Verkehrssicherheit. Die Vorinstanz hat
dementsprechend zu Recht und insbesondere in Übereinstimmung mit der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung trotz einer Messunsicherheit von +/- 25 % auf
den ermittelten EtG-Wert von 30 pg/mg abgestellt (vgl. BGer 1C_809/2013 vom 13.
Juni 2014 E. 6).
Zudem ermöglicht die Haaranalyse Rückschlüsse auf wesentlich weiter zurückliegende
Zeitperioden als dies bei Blutproben der Fall ist. Dementsprechend ist auch nicht
ungewöhnlich, dass die Blutprobe, die mehr als einen Monat nach Abstinenzbeginn
genommen wurde, im Gegensatz zur Haaranalyse kein auffälliges Resultat ergab.
Resultate weiterer Blutproben liegen dem Gericht nicht vor und wurden vom
Rekurrenten nicht eingereicht. Dass der Arbeitsplatz regelmässig mit alkoholhaltigen
Reinigungstüchern gereinigt wird, kann jedenfalls nicht dazu führen, dass über die Haut
täglich Alkohol in grösseren Mengen aufgenommen wird. Beim EtG handelt es sich um
ein Abbauprodukt von Alkohol. Es kann also auch nicht durch andere Gifte produziert
werden. Das Verfahren der Haaranalyse sowie deren Resultat wird vom Rekurrenten
grundsätzlich nicht beanstandet, sondern lediglich auf die Messungenauigkeit
hingewiesen, die gemäss voranstehenden Ausführungen nicht entscheidend ist. Es
sind auch keine Umstände ersichtlich, die Zweifel an der korrekten Durchführung der
Messung aufkommen lassen würden.
Im Übrigen war die Blutalkoholkonzentration, die beim Rekurrenten bei der Blutprobe
vom 26. September 2015 festgestellt wurde, mit 1,67 bis 1,85 Gewichtspromille
(Mittelwert: 1,76 Gewichtspromille) sehr hoch. Für den Kontrollzeitpunkt (22.15 Uhr)
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ergab die Rückrechnung des IRM gar einen Wert von 1,70 bis 2,11 Gewichtspromille,
was einen Mittelwert von 1,9 Gewichtspromille ergibt. Auf diesen Mittelwert – und nicht
auf den Minimalwert – kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei einem
Sicherungsentzug oder bei Auflagen abgestellt werden (vgl. BGer 1C_809/2013 vom
13. Juni 2014 E. 6). Bei der Abfahrt in Dornbirn rund eine halbe Stunde zuvor muss die
Blutalkoholkonzentration nochmals etwas höher gelegen haben. Zudem erklärte der
Rekurrent, dass er in München am Oktoberfest gewesen sei und dort Bier getrunken
habe. Erst nach der Rückfahrt mit dem Car nach Dornbirn habe er sich dort ans Steuer
gesetzt. Das Trinkende sei um 16 Uhr gewesen (act. 4/18). Dies liegt also nochmals
mehr als 6 Stunden weiter zurück als der Kontrollzeitpunkt. Ginge man lediglich von
einem minimalen Abbau von 0,1 Gewichtspromille pro Stunde aus, so müsste der
Rekurrent nach abgeschlossener Resorption bereits einen Mittelwert von weit über 2
Gewichtspromille gehabt haben.
Gemäss Ausführungen im Gutachten mit Bezug auf die Fachliteratur führt der
gesellschaftlich übliche Alkoholkonsum in der Regel und selbst bei besonderen
Trinkanlässen nur zu Spitzenwerten zwischen 0,8 und 1,1 Gewichtspromille. Das
Überschreiten einer Blutalkoholkonzentration von 1,3 Gewichtspromille lässt auf eine
hohe Trinkfestigkeit schliessen, die durch ein über dem gesellschaftlichen Konsum
liegendes Trinkverhalten erworben sein muss (act. 4/37). Um eine
Blutalkoholkonzentration von 1,6 Gewichtspromille zu erreichen, muss ein
durchschnittlicher Mann innert zwei Stunden rund 2,5 Liter Bier oder einen Liter Wein
konsumieren. Bei so hohen Konzentrationen liegt eine Missbrauchsproblematik oder
gar eine Suchterkrankung nahe (Botschaft zu Via sicura in BBl 2010, 8500). Die meisten
Ausfallerscheinungen aufgrund von Alkoholkonsum treten bereits ab einer
Blutalkoholkonzentration von 0,5 bis 0,8 Gewichtspromille auf. Die
Unfallwahrscheinlichkeit erhöht sich mit steigender Blutalkoholkonzentration enorm.
Bei 1,1 Gewichtspromille besteht ein zehnfach erhöhtes Unfallrisiko. Bei 1,6
Gewichtspromille ist das Unfallrisiko gar 40-mal erhöht. In Deutschland wird deshalb
aufgrund des aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstandes gefordert, die Indikation
zur Überprüfung der Fahreignung bei Alkoholkonsum von der Blutalkoholkonzentration
von 1,6 Gewichtspromille auf 1,1 Gewichtspromille zu reduzieren (Reimann/van der
Meer/Schubert, Alkohol im Strassenverkehr – Indikation zur
Fahreignungsbegutachtung, in: Blutalkohol 53 (2016), 1, S. 6 – 19). Dass der Rekurrent
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– einige Stunden nach Trinkende – im Kontrollzeitpunkt einen Mittelwert von 1,9
Gewichtspromille aufwies und noch in der Lage war, das Fahrzeug einigermassen
korrekt zu bedienen und zu führen, weist dementsprechend auf eine besondere
Alkoholgewöhnung hin. Zudem erschien sein Verhalten gegenüber der Polizei trotz der
hohen Blutalkoholkonzentration als ruhig, beziehungsweise normal, und sein Stand als
sicher (act. 4/12).
Schliesslich ist nicht realistisch, dass der Rekurrent diese hohe
Blutalkoholkonzentration mit zwei Mass Bier erreicht habe, wie er dies bei der
Blutentnahme im Spital Rorschach angab (vgl. act. 4/18). Auch die übrigen Angaben zu
seinem gewöhnlichen Konsumverhalten gemäss verkehrsmedizinischem Gutachten –
die er mit seiner Stellungnahme vom 14. Januar 2016 noch gegen unten korrigiert
haben wollte –, die in krassem Widerspruch zum hohen EtG-Wert stehen, weisen
übereinstimmend mit der Feststellung im verkehrsmedizinischen Gutachten daraufhin,
dass der Rekurrent dazu neigt, sein Konsumverhalten zu bagatellisieren.
Bagatellisierungen legen einen problematischen Umgang mit Alkohol nahe und lassen
zumindest Rückschlüsse auf einen zeitweisen Alkoholmissbrauch zu (Bruno Liniger in
Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2004, S. 92 ff.). Die wörtlichen Aussagen des
Rekurrenten beim IRM sind im Übrigen vorliegend nicht entscheidend.
c) Insgesamt erscheint damit das Resultat des Gutachtens, wonach ein
verkehrsrelevanter, zumindest episodisch übermässiger Alkoholkonsum vorliege, als
begründet und nachvollziehbar. Damit ist ein besonderer Grund für die Verbindung des
Führerausweises des Rekurrenten mit Auflagen gegeben. Ohne die Anordnung von
Auflagen wäre die Fahreignung des Rekurrenten nicht gewährleistet und damit die
Verkehrssicherheit gefährdet. Der Rekurs ist abzuweisen. Somit ist auch der
Eventualantrag, wonach die Sache zur erneuten Abklärung der Fahreignung des
Rekurrenten – unter allfälliger Einholung eines Obergutachtens – an das
Strassenverkehrsamt zurückzuweisen sei, abzuweisen.
4.- Der Rekurrent machte geltend, dass, sofern Auflagen notwendig sein sollten, die
Auflage von regelmässigen Kontrollen der alkoholrelevanten Parameter zur
Verlaufsüberprüfung des Alkoholkonsums sowie eine Alkohol-Fahrabstinenz zur
Zweckerreichung ausreichend seien. Er stellte diesbezüglich keinen konkreten Antrag.
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Die Verhältnismässigkeit der Massnahmen ist jedoch von Amtes wegen zu prüfen.
Vorliegend besteht eine Problematik mit verkehrsrelevantem, zumindest episodisch
übermässigem Alkoholkonsum sowie Bagatellisierungen des Konsumverhaltens durch
den Rekurrenten. Zudem hat der Vorfall, der zur verkehrsmedizinischen Untersuchung
und in der Folge zur Anordnung von Auflagen geführt hat, gezeigt, dass der Rekurrent
in angetrunkenem Zustand keine Gewähr dafür bietet, auf das Lenken eines Fahrzeugs
zu verzichten. Ferner geht aus Studien hervor, dass die Chance, bei einer
Trunkenheitsfahrt erwischt zu werden, ziemlich klein ist. So braucht es durchschnittlich
400 bis 500 Trunkenheitsfahrten, bis man einmal kontrolliert wird (Rolf Seeger/Gerda
Steindl, Trunkenheit am Steuer, Fahreignung bei Alkoholproblematik, Info Neurologie &
Psychiatrie 2012, Vol. 10 Nr. 5). Folglich wäre einerseits die Auflage lediglich einer
Fahrabstinenz kaum kontrollierbar. Andererseits ist fraglich, ob es sich beim
aktenkundigen Vorfall mit einer erheblichen Blutalkoholkonzentration tatsächlich um die
erste Trunkenheitsfahrt des Rekurrenten gehandelt hat. Die Auflage lediglich einer
Alkohol-Fahrabstinenz würde dementsprechend nicht dafür ausreichen, die
Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Die Anordnung einer Totalabstinenz ist somit
erforderlich und verhältnismässig. Die Mindestdauer der Totalabstinenz von einem Jahr
ist im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, die für die dauerhafte
Überwindung einer Sucht oder eines verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs eine
Überwachung von vier bis fünf Jahren sowie die Auflage einer dreijährigen
Totalabstinenz im Zusammenhang mit der Wiedererteilung eines Führerausweises als
verhältnismässig betrachtet, gar als moderat zu werten (vgl. BGer 1C_342/2009 vom
23. März 2010 E. 2.4). Da der Rekurrent aber zum ersten Mal im Strassenverkehr
auffällig wurde und es bisher zu keiner bekannten konkreten Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer gekommen ist, erscheint dies als verhältnismässig. Zur
Aufarbeitung der Problematik, die dem Rekurrenten offenbar noch nicht richtig bewusst
geworden ist, ist auch die Anordnung einer Suchtberatung angemessen. Die Kontrolle
der Einhaltung der Totalabstinenz mittels halbjährlicher Haaranalysen entspricht
sodann der geltenden Praxis, die auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen
beruht und vom Bundesgericht anerkannt wird (vgl. BGer 1C_342/2009 vom 23. März
2010 E. 3.3 und 1C_809/2013 vom 13. Juni 2014 E. 3). Sie ist geeignet und
verhältnismässig, die Einhaltung der Totalabstinenz zu überprüfen. Aus der Verfügung
geht sodann hervor, dass die Abstinenzkontrollen im Juni 2016 und im Dezember 2016
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zu erfolgen haben und die Auflagen frühestens nach einem Jahr aufgehoben werden
können. Sie ist damit auch hinreichend klar formuliert.
5.- Mit den Auflagen soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum Schutz der
Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer nur in fahrfähigem Zustand ein
Motorfahrzeug lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet, müsste der Rekurrent diese
Auflagen nicht einhalten. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz
vorgesehene aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51
VRP).
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend wären die amtlichen Kosten dem
Rekurrenten aufzuerlegen, denn er unterliegt mit seinen Begehren (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch die Vorinstanz ist jedoch bei
der Kostenauflage zu berücksichtigen. Dabei muss aber auch Beachtung finden, dass
dem Rekurrenten das verkehrsmedizinische Gutachten, gestützt auf welches die
Auflagen angeordnet wurden, vorlag. Daraus geht hervor, dass die Haaranalyse vom 1.
Dezember 2015 im Segment von einem bis fünf Zentimeter ab Haut einen EtG-Wert
von 30 pg/mg ergab. Ebenfalls berücksichtigt werden muss, dass gemäss
bundesgerichtlicher Praxis beim Erreichen dieses Wertes und unabhängig von einer
allfälligen Messungenauigkeit von einem übermässigen Alkoholkonsum auszugehen ist.
Eine hälftige Aufteilung der amtlichen Kosten auf den Staat und den Rekurrenten
erscheint damit als sachgerecht. Die Entscheidgebühr ist auf Fr. 1‘200.– festzusetzen
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss
von Fr. 1‘200.– ist zu verrechnen und dem Rekurrenten im Restbetrag von Fr. 600.–
zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht entgegen den Ausführungen im Rekurs kein
Anspruch auf Entschädigung der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).