Decision ID: 891b79e6-71fd-5a6a-a9d0-ec0c80ba62fa
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 30. Juni 2017 verhängte das SEM über A._ ein
fünfjähriges Einreiseverbot und schrieb ihn zur Einreiseverweigerung im
Schengener Informationssystem (SIS II) aus.
B.
Gegen diese Verfügung erhob A._ mit Rechtsmitteleingabe vom
30. August 2017 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und bean-
tragte, das Verfahren bis zum rechtskräftigen Entscheid über den Widerruf
seiner Niederlassungsbewilligung zu sistieren. Einen Nachweis zum lau-
fenden kantonalen Aufenthaltsverfahren reichte er nicht ein.
C.
Unter Vorbehalt einer späteren Sistierung des Verfahrens wurde der Be-
schwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 22. September 2017 aufge-
fordert, bis zum 20. Oktober 2017 einen Kostenvorschuss von Fr. 1‘200.-
zu leisten, und darauf hingewiesen, dass bei Versäumung der Frist auf die
Beschwerde nicht eingetreten werde.
D.
Zum Nachweis des behaupteten kantonalen Verfahrens übersandte der
Beschwerdeführer am 25. September 2017 Kopien der beim Verwaltungs-
gericht des Kantons Zürich erhobenen Beschwerde vom 14. September
2017 und der Kostenverfügung des zuständigen Abteilungspräsidenten
vom 19. September 2017. Gleichzeitig ersuchte er darum, „das Verfahren
per sofort zu sistieren und auf die Leistung eines Kostenvorschusses bis
zur Aufhebung der Sistierung zu verzichten“. Für den Fall, dass auf den
erhobenen Kostenvorschuss nicht verzichtet werden sollte, bat der Be-
schwerdeführer „um ein kurze Nachfrist zur Leistung desselben“.
Die o.g. Verfügung des Abteilungspräsidenten machte das Eintreten auf die
vor dem kantonalen Verwaltungsgericht erhobene Beschwerde von der Be-
zahlung eines Kostenvorschusses in Höhe von Fr. 2‘060.- abhängig, dies
angesichts der offenen Schulden des Beschwerdeführers aus früheren
Verfahren vor den zürcherischen Behörden.
Vor diesem finanziellen Hintergrund wurde eine Prüfung der im vorliegen-
den Verfahren beantragten Sistierung auf den Zeitpunkt verschoben, in
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welchem sowohl für das kantonale als auch für das bundesverwaltungsge-
richtliche Verfahren die jeweils von der Kostenvorschussleistung abhängi-
gen Eintretensvoraussetzungen erfüllt sein würden.
E.
Die Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 2. Oktober 2017 hatte
aufgrund dessen im Dispositiv folgenden Wortlaut:
1.
Das Gesuch vom 25. September 2017 um Verlängerung der mit Zwischenver-
fügung vom 22. August 2017 angesetzten Frist zur Bezahlung des Kostenvor-
schusses wird abgewiesen.
2.
Über eine Sistierung des Verfahrens wird nach Ablauf der oben genannten
Frist (20. Oktober 2017) entschieden werden.
3.
Der Beschwerdeführer hat innerhalb dieser Frist einen Nachweis darüber zu
erbringen, dass er den vom Verwaltungsgericht des Kantons Zürich am
19. September 2017 erhobenen Kostenvorschuss geleistet hat.
4.
...
F.
Mit Eingabe vom 5. Oktober 2017 übersandte der Beschwerdeführer einen
Beleg über die Bezahlung des vom Verwaltungsgericht des Kantons Zürich
erhobenen Kostenvorschusses. Die ihm vom Bundesverwaltungsgericht
mit Zwischenverfügung vom 22. September 2016 gesetzte und am 20. Ok-
tober 2017 endende Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses verstrich
ergebnislos. Infolgedessen trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil
vom 31. Oktober 2017 auf die gegen die Verfügung vom 30. Juni 2017
erhobene Beschwerde, wie angedroht, nicht ein.
G.
Am 8. November 2017 wandte sich der Rechtsvertreter des Beschwerde-
führers an das Bundesverwaltungsgericht mit dem Gesuch, das Urteil vom
31. Oktober 2017 „in Wiedererwägung zu ziehen“. Er, der Unterzeichnen-
de, habe die Verfügung vom 2. Oktober 2017 „so verstanden, dass inner-
halb der ursprünglich angesetzten Frist (bis 20.10.2017) anstelle der Leis-
tung des Kostenvorschusses der Nachweis zu erbringen sei, dass der vom
kantonalen Verwaltungsgericht erhobene Kostenvorschuss geleistet
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wurde, wonach über die beantragte Sistierung entschieden werde“. In der-
selben Eingabe ersuchte der Rechtsvertreter darum, „eine kurze Nachfrist
zur Leistung des Kostenvorschusses zu gewähren“.
H.
Das Bundesverwaltungsgericht nahm die Eingabe vom 8. November 2017
als Gesuch um Wiederherstellung der Frist entgegen und verwies in seiner
Eingangsbestätigung vom 10. November 2017 auf Art. 24 Abs. 1 VwVG
und die dort genannten Voraussetzungen.
I.
Der weitere Akteninhalt wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen Be-
rücksichtigung finden.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Im Beschwerdeverfahren F-4882/2017 hat das Bundesverwaltungsge-
richt seine Zuständigkeit bejaht (vgl. Urteil vom 31. Oktober 2017). Diese
erstreckt sich auf das am 8. November 2017 gestellte Gesuch um Wieder-
herstellung der Frist gemäss Art. 24 VwVG, da das Bundesverwaltungsge-
richt bejahendenfalls auch über die nachgeholte Parteihandlung befinden
– d.h. nach Zahlung des Kostenvorschusses auf die Beschwerde eintreten
– müsste (zur behördlichen Zuständigkeit: vgl. PATRICIA EGLI in Wald-
mann/Weissenberger (Hrsg.), Praxiskommentar VwVG, 2016, Art. 24 N 6).
1.2 Art. 24 Abs. 1 VwVG nennt sowohl die formellen als auch die materiel-
len Voraussetzungen der Fristenwiederherstellung. Demzufolge ist auf ein
Gesuch um Wiederherstellung der Frist einzutreten, sofern unter Angabe
des Grundes innerhalb von 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses da-
rum ersucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt wird.
Die formelle Voraussetzung des rechtzeitigen Gesuchs ist im vorliegenden
Fall erfüllt, da der Rechtsvertreter seiner Argumentation zufolge erst mit
Zustellung des Urteils vom 31. Oktober 2017 Kenntnis von der versäumten
Zahlungsfrist erhielt und am 5. November 2017 das Wiederherstellungsge-
such einreichte. Die versäumte Rechtshandlung – die Bezahlung des mit
Zwischenverfügung vom 22. September 2017 erhobenen Kostenvorschus-
ses – wurde bisher nicht nachgeholt.
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2.
2.1 Ob ausreichende Gründe für die Wiederherstellung der Frist vorliegen,
ist eine materielle Frage. Art. 24 VwVG ist Ausdruck des Verhältnismässig-
keitsprinzips, welches sich aus dem in Art. 29 Abs. 1 BV verankerten Recht
auf ein faires Verfahren ergibt und mit der Fristenwiederherstellung die Be-
seitigung eines unverschuldet erlittenen verfahrensrechtlichen Nachteils
bezweckt (vgl. PATRICIA EGLI, a.a.O., Art. 24 N 1 m.H.). Als unverschuldet
im Sinne von Art. 24 Abs. 1 VwVG gilt ein Versäumnis nur dann, wenn da-
für objektive Gründe vorliegen und der Partei bzw. ihrem Rechtsvertreter
keine Nachlässigkeit – d.h. Nichtbeachtung der üblichen Sorgfalt – vorge-
worfen werden kann (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor
dem Bundesverwaltungsgericht, 2013, N 2.140).
2.2 Zu einem unverschuldeten Versäumnis können typischerweise Krank-
heiten oder Unfälle führen. Diese müssen allerdings derart unvorhergese-
hen auftreten, dass es der betroffenen Person nicht mehr möglich ist, die
vorzunehmende Handlung an eine Drittperson zu delegieren (KÖLZ/HÄNER/
BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bun-
des, 2013, N 587 m.H.; vgl. auch Urteil der Schweizerischen Asylrekurs-
kommission vom 27. Januar 2006 in: Verwaltungspraxis der Bundesbehör-
den [VPB] 70/2006 Nr. 72 E. 4). Insoweit noch strengere Anforderungen
werden an anwaltliche Vertreter gestellt, da sie sich von vornherein so or-
ganisieren müssen, dass im Falle einer Verhinderung Fristen trotzdem ge-
wahrt bleiben (vgl. STEFAN VOGEL in: Auer/Müller/Schindler, VwVG, 2008,
Art. 24 N 11).
2.3 Im Falle des Beschwerdeführers gab es allerdings kein äusserliches
Ereignis, welches ihn an der Bezahlung des Kostenvorschusses hätte hin-
dern können. Stattdessen macht sein Rechtsvertreter geltend, er habe die
Verfügung vom 2. Oktober 2017 dahingehend verstanden, dass innerhalb
der ursprünglich bis zum 20. Oktober 2017 laufenden Frist anstelle des
Kostenvorschusses ein Nachweis über den im kantonalen Verfahren ein-
bezahlten Kostenvorschuss erbracht werden solle (vgl. Sachverhalt G).
2.4 Irrtümer können zwar entschuldbar sein und zu einer Wiederherstel-
lung der Frist führen, wenn sie auf einer falschen Auskunft beruhen, auf
welche sich der Adressat verlassen durfte (vgl. PATRICIA EGLI, a.a.O.,
Art. 24 N 23 m.H.). Eine derartige Konstellation liegt bei jenem Irrtum, auf
den sich der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beruft, jedoch nicht
vor. Der Instruktionsverlauf des Verfahrens – die mit Zwischenverfügung
vom 22. September 2017 verlangte Leistung eines Kostenvorschusses bis
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zum 20. Oktober 2017, der auf Seiten des Beschwerdeführers am 25. Sep-
tember 2017 gestellte Antrag auf Verzicht des Kostenvorschusses bzw. um
Ansetzung einer Nachfrist sowie die am 2. Oktober 2017 erfolgte Abwei-
sung dieses Fristerstreckungsgesuchs – lassen bei genügender Sorgfalt
kein Missverständnis am Zeitpunkt der Fälligkeit des Kostenvorschusses
aufkommen. Trotz des im Vordergrund stehenden Anliegens, für den Be-
schwerdeführer ohne Kostenrisiko eine bis zum Abschluss des Aufenthalts-
verfahrens dauernde Sistierung zu erreichen, hätte der Rechtsvertreter die
von ihm behauptete Interpretation der Verfügung vom 2. Oktober 2017 ver-
meiden können. Deren Inhalt hätte ihm – schon aufgrund der beruflich not-
wendigen Sensibilität im Hinblick auf die Einhaltung von Fristen – klar sein
müssen (zum Mass der anwaltlichen Sorgfalt: MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH-
LER, a.a.O., N 2.145).
3.
Damit ist abschliessend festzustellen, dass die versäumte rechtzeitige
Zahlung des Kostenvorschusses auf die fehlende Sorgfalt des Rechtsver-
treters zurückzuführen ist. Für die Wiederherstellung der Frist nach Art. 24
Abs. 1 VwVG besteht demzufolge kein Grund. Das Gesuch um Wiederher-
stellung der Frist ist daher abzuweisen.
4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Verfahrens dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des
Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-
waltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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