Decision ID: 68954e63-2c4b-579c-b7a9-eccbde89fcfd
Year: 2010
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin vom 8.  2008 mit Verfügung vom 23. November 2009 – eröffnet am 26. November 2009 – ablehnte und ihre Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug anordnete,
dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 29. Dezember 2009 (Poststempel) gegen diesen Entscheid beim  Beschwerde erhob und beantragte, der Entscheid des BFM vom 23. Juli 2009 (recte: 23. November 2009) sei aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, sie wegen Unzumutbarkeit der Wegweisung vorläufig aufzunehmen,
dass sie zudem in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die  Rechtspflege zu gewähren,
dass sie gleichzeitig beantragte, es sei die Frist wiederherzustellen und es sei ihr eine 3-tägige Nachfrist zur Verbesserung der  gemäss Art. 110 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] anzuordnen,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden  Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) des BFM  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des  vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass das Bundesverwaltungsgericht auch für die Behandlung von  um Wiederherstellung von Fristen gemäss Art. 24 Abs. 1 VwVG zuständig ist, bei denen es im Falle der Wiederherstellung über die nachgeholte Parteihandlung beziehungsweise Rechtsvorkehr zu  hat (vgl. URSINA BEERLI-BONORAND, Die ausserordentlichen Rechts-
Seite 2
D-8122/2009
mittel in der Verwaltungsrechtspflege des Bundes und der Kantone, Zürich 1985, S. 233),
dass über zulässige und hinreichend begründete Gesuche um  einer Frist nach Art. 24 VwVG ein Spruchgremium aus drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG) und über  unzulässige Beschwerden ein Einzelrichter oder eine  entscheiden (vgl. Art. 111 Bst. b AsylG und Art. 23 VGG),
dass vorliegend aus verfahrensökonomischen Gründen dasselbe Spruchgremium in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen über das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist und die Eintretensfrage befindet,
dass die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen seit Eröffnung der  einzureichen ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG),
dass schriftliche Eingaben spätestens am letzten Tag der Frist der  einzureichen oder zu deren Handen der Schweizerischen Post zu übergeben sind (Art. 21 Abs. 1 VwVG),
dass die angefochtene Verfügung gemäss Rückschein der Post am 26. November 2009 eröffnet wurde und demnach die 30-tägige  am 28. Dezember 2009 abgelaufen ist (Art. 20 VwVG),
dass die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 29. Dezember 2009 eingesteht, die Beschwerde sei verspätet eingereicht,
dass sie geltend macht, der angefochtene Entscheid sei ihr am 26.  2009 zugestellt worden, als sie nach der Geburt ihrer Tochter wieder zu Hause gewesen sei,
dass sie seit der Geburt ihrer Tochter mit ihrer ganzen Situation  sei,
dass der Vater ihres Kindes sie im Stich gelassen habe und sie nicht wisse, was sie in Zukunft für sich und ihr Kind machen könne,
dass sie deshalb mit der Einreichung der Beschwerde um einen Tag zu spät sei,
dass sie einen Arztbericht nachreichen werde,
Seite 3
D-8122/2009
dass sie aus diesen Gründen um Wiederherstellung der  und um Gewährung einer angemessenen Nachfrist zur  ersuche,
dass nach Art. 24 Abs. 1 VwVG eine Frist wieder hergestellt wird, wenn der Gesuchsteller oder sein Vertreter unverschuldeterweise  worden ist, binnen Frist zu handeln, sofern er unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses darum  und die versäumte Rechtshandlung nachholt,
dass das Gesuch um Fristwiederherstellung frist- und formgerecht  ist und die versäumte Rechtshandlung – die Beschwerde  mit Ablauf der Rechtsmittelfrist spätestens am 28. Dezember 2009 eingereicht werden sollen – innert Frist nachgeholt wurde,
dass die Beschwerdeführerin durch die angefochtene Verfügung  berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG), und mithin auf das  einzutreten und dieses materiell zu prüfen ist,
dass die Wiederherstellung von Fristen dazu dient, die  zu beseitigen, die ein Verfahrensbeteiligter wegen unverschuldeter Fristversäumnis erleidet (vgl. STEFAN VOGEL, in: Auer/Müller/Schindler (Hrsg.), Kommentar zum Bundesgesetz über das  (VwVG), Zürich 2008, Rz. 1 zu Art. 24 VwVG),
dass ein Versäumnis unverschuldet im Sinne der erwähnten  ist, wenn dafür objektive Gründe vorliegen und der Partei  der Vertretung keine Nachlässigkeit vorgeworfen werden kann (ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und  des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 124; vgl. auch Entscheide und Mitteilungen der Schweizerischen  [EMARK] 2006 Nr. 12; 2004 Nr. 15 E. 3b, wobei als ausreichender objektiver Grund praxisgemäss etwa eine schwerwiegende Krankheit gilt [BGE 108 V 109 E. 2c]),
dass den Nachweis, dass die Frist wegen eines unverschuldeten  nicht gewahrt werden konnte, die Beschwerdeführerin zu erbringen hat, wobei die entsprechenden Umstände zu beweisen sind und ein blosses Glaubhaftmachen nicht genügt (vgl. BEERLI-BONORAND, a.a.O., S. 227 ff.),
Seite 4
D-8122/2009
dass die geltend gemachten Hindernisse indessen lediglich behauptet und – abgesehen von der Beweisofferte betreffend die Nachreichung eines ärztlichen Zeugnisses – in keiner Weise belegt werden,
dass eine Schwangerschaft respektive Geburt nicht einer  Krankheit gleichzusetzen ist, welche die Beschwerdeführerin faktisch handlungsunfähig gemacht hätte,
dass sie selber angibt, ihre Tochter sei am (...) – also vor Erlass der Verfügung des BFM vom 23. November 2009 – geboren worden,
dass sie diese Verfügung am 26. November 2009 in Empfang  habe, als sie nach der Geburt wieder zuhause gewesen sei,
dass aus diesem Umstand, dass die Beschwerdeführerin (...) nach der Geburt bereits wieder zuhause war, geschlossen werden kann, es sei bei bzw. nach der Geburt zu keinen besonderen Komplikationen gekommen, die ein Hindernis nach Art. 24 Abs. 1 VwVG darstellen könnten,
dass den Akten auch keine anderen Hinweise darauf zu entnehmen sind, dass die Beschwerdeführerin derart schwer erkrankt gewesen sei, dass sie von der Rechtshandlung (Einreichung der Beschwerde) abgehalten und auch nicht in der Lage gewesen wäre, dazu eine  zu bestellen,
dass die Beschwerdeführerin am 26. November 2006 – also bereits am gleichen Tag, an dem die Verfügung eröffnet wurde, beim BFM ein Akteneinsichtsgesuch einreichte, wobei sie die Beratungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht in C._ ermächtigte, die Akten in Empfang zu nehmen,
dass die Beschwerdeführerin dabei offensichtlich Kontakt zu dieser Rechtsberatungsstelle hatte und sich auch bezüglich einer  an diese oder eine andere fachliche Beratungsstelle hätte wenden können,
dass die Beschwerdeführerin lediglich einen Tag nach Ablauf der  ein rechtsgenügliches Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist und gleichzeitig auch eine Beschwerde gegen die  des BFM vom 23. November 2009 einreichte,
Seite 5
D-8122/2009
dass es der Beschwerdeführerin unter diesen Umständen auch  und zumutbar gewesen wäre, bereits einen Tag respektive Tage vorher – also noch innert der Beschwerdefrist – zur Wahrung dieser Frist zumindest eine rudimentär begründete Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einzureichen,
dass sie dies jedoch unterlassen und stattdessen erst nach Ablauf der Frist eine Beschwerde eingereicht hat,
dass sich die Beschwerdeführerin diese Nachlässigkeit entgegen  lassen muss, weshalb nicht davon ausgegangen werden kann, sie sei unverschuldeterweise abgehalten worden, innert Frist Beschwerde zu erheben,
dass die Vorbringen im Wiederherstellungsgesuch keinerlei Hinweise darauf ergeben, die zusätzliche Abklärungen zum Sachverhalt nahe legen würden, weshalb der entscheidwesentliche Sachverhalt erstellt ist,
dass deshalb im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung der in Aussicht gestellte Arztbericht nicht abgewartet werden muss (vgl. EMARK 2003 Nr. 13 S. 84 E. 4c),
dass das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist daher  ist,
dass die am 29. Dezember 2009 (Poststempel) eingereichte  somit verspätet und daher offensichtlich unzulässig ist,  auf diese nicht einzutreten ist (Art. 111 Bst. b AsylG),
dass das Gesuch um Gewährung einer Nachfrist zur  damit gegenstandslos wird,
dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ungeachtet der Frage der prozessualen Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin abzuweisen ist, da ihre  als aussichtslos zu bezeichnen sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.-- (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
Seite 6
D-8122/2009
SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
Seite 7
D-8122/2009