Decision ID: d2675f61-6131-4447-b381-5d589e7eb575
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Die C._, Architekten und Totalunternehmer, plant die Überbauung der
im Eigentum Dritter stehenden Parzellen D._ in der Gemeinde B._
(nachfolgend Gemeinde). A._ ist Eigentümerin einer Stockwerkeinheit
auf der an Parzelle D._ angrenzenden Parzelle D._.
2. Mit Baubewilligungs- und Einspracheentscheid vom 12. September 2017
sowie einem am 28. November 2017 mitgeteilten Nachtrag erteilte die
Gemeinde die Baubewilligung für den Neubau von Wohnhäusern am
E._ auf den Parzellen D._ mit Teilabbruch sowie Umnutzung des
Gebäudes am E._ auf Parzelle D._ betreffend das Baugesuch
Nr. 16308 vom 14. November 2016 (Wohnhäuser A - I) sowie betreffend die
Projektänderungsgesuche vom 28. Februar 2017 (u.a. Verzicht auf
Wohnhäuser A und B) und vom 21. August 2017 unter Auflagen und
Bedingungen. Gleichzeitig wies sie die gegen das Bauprojekt erhobene
Einsprache ab.
3. Mit Entscheid vom 6. November 2018 bewilligte die Baubehörde das
Gesuch vom 26. Oktober 2018 für die 1. Verlängerung der erteilten
Baubewilligungen betreffend das Baugesuch Nr. 16308 unter Bedingungen
und Auflagen, bis zum 28. November 2019. Die dagegen erhobene
Beschwerde von A._ vom 10. April 2019 wies das Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden mit Urteil R 19 27 vom 25. August 2020, mitgeteilt
am 18. Mai 2020, ab, soweit es darauf eintreten konnte.
4. Mit Entscheid vom 24. September 2019 wurde das
Fristverlängerungsgesuch vom 11. September 2019 betreffend die
2. Verlängerung bis zum 15. September 2020, mit Entscheid vom
6. Oktober 2020 das Fristverlängerungsgesuch vom 12. September 2020
betreffend die 3. Verlängerung bis zum 15. September 2021 bewilligt.
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5. Mit Beschluss vom 14. September 2021, mitgeteilt am 21. September 2021,
bewilligte B._ das Gesuch vom 2. September 2021 um Verlängerung
der Baubewilligung betreffend Neubau Wohnhäuser, Teilabbruch und
Umnutzung auf den Parzellen D._ und Projektänderung ohne Häuser
A und B (Neubau Wohnhäuser neu E._) bis zum 15. September 2022.
6. Gegen diesen Beschluss erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin)
mit Eingabe vom 25. Oktober 2021 Beschwerde an das Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden mit dem Begehren um Aufhebung des
angefochtenen Beschlusses und Feststellung, dass die Baubewilligung
infolge abgelaufener Frist zum Baustart erloschen sei. Gleichzeitig ersuchte
sie um Gewährung der aufschiebenden Wirkung. Sie führte aus, der
Entscheid der Gemeinde sei ihr frühestens am 24. September 2021
zugegangen, weshalb die 30-tägige Beschwerdefrist eingehalten sei.
7. Mit Vernehmlassung vom 17. November 2021 beantragte die C._
(nachfolgend Beschwerdegegnerin 2) die Abweisung der Beschwerde,
soweit darauf eingetreten werden könne. Sie machte geltend, die
Beschwerdeführerin habe die Beschwerdefrist nicht eingehalten, weil der
angefochtene Beschluss mit Einschreiben vom 21. September 2021 dem
Rechtsvertreter, der sie bis dahin vertreten hatte, eröffnet worden sei. Wenn
dieser nun am 22. September 2021 telefonisch mitgeteilt habe, dass er die
Beschwerdeführerin nicht mehr vertrete und die Gemeinde ihr den
Entscheid in der Folge in Kopie verschickt habe, seien die
Voraussetzungen, nach denen eine nochmalige Mitteilung eine neue Frist
auslöse, nicht gegeben. Somit habe die Beschwerdefrist am 23. September
2021 zu laufen begonnen und am Freitag, dem 22. Oktober 2021 geendet,
weshalb die Beschwerde vom 25. Oktober 2021 verspätet sei.
8. Mit Vernehmlassung vom 6. Dezember 2021 beantragte auch die
Gemeinde B._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin 1) die Abweisung
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der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Auch sie machte
eine verspätete Beschwerdeeinreichung geltend. Die Gemeinde habe vier
Monate nach Mitteilung des verwaltungsgerichtlichen Urteils am 18. Mai
2021 (R 19 27 vom 25. August 2020) davon ausgehen müssen, dass die
Beschwerdeführerin weiterhin durch denselben Rechtsanwalt vertreten
werde. Das Ende des Mandatsverhältnisses sei ihr erst nach Mitteilung des
angefochtenen Beschlusses angezeigt worden, weshalb der neue
Rechtsvertreter die fristauslösende Zustellung am 22. September 2021
hätte beachten müssen.
9. Mit Verfügung vom 8. Dezember 2021 verweigerte der Instruktionsrichter
der Beschwerde die aufschiebende Wirkung mit der Begründung, dass
Bautätigkeiten gemäss kommunalem Baugesetz im Zeitraum vom
15. Dezember bis am Osterdienstag ohnehin generell untersagt seien.
10. Mit Replik vom 31. Januar 2022 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Rechtsbegehren fest. Zur Beschwerdefrist führte sie aus, dass es nach
Abschluss des verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens R 19 27
keiner Mitteilung an die Beschwerdegegnerin 1 bedurft hätte, wonach das
Mandatsverhältnis mit dem vormaligen Rechtsvertreter beendet sei. Das
Verfahren sei definitiv abgeschlossen gewesen, zudem erlaube das
kommunale Baugesetz lediglich zwei Bauverlängerungen, weshalb sie nicht
mit einer weiteren Verlängerung habe rechnen müssen. Sie sei auch nicht
darüber informiert worden, dass nochmals ein Verfahren über ein
Verlängerungsgesuch eröffnet worden sei; sie habe davon erst mit
Zustellung des fraglichen Beschlusses am 24. September 2021 erfahren.
Ihr als juristischer Laiin, die damals nicht anwaltlich vertreten war, sei nicht
mitgeteilt worden, wann die Verfügung ihrem ehemaligen Rechtsvertreter
zugegangen sei, und auch nicht, dass die Meinung vertreten werde, damit
sei bereits eine rechtsgültige Zustellung erfolgt. Weiter erläuterte die
Beschwerdeführerin, weshalb ihrer Meinung nach die 30-tägige
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Rechtsmittelfrist erst mit Zustellung an sie persönlich begonnen haben
könne.
11. Je mit Duplik vom 14. Februar 2022 hielten sowohl die
Beschwerdegegnerin 1 als auch die Beschwerdegegnerin 2 an den in ihren
Vernehmlassungen gemachten Ausführungen fest.
12. Auf erneutes Gesuch vom 3. August 2022 der Beschwerdeführerin hin
verweigerte der Instruktionsrichter mit Verfügung vom 27. September 2022
der Beschwerde erneut die aufschiebende Wirkung, diesmal mit der
Begründung, dass auf die Beschwerde in summarischer Prüfung der Sach-
und Rechtslage mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht eingetreten werden
könne.
Auf die weiteren Ausführungen der Gemeinde im angefochtenen Beschluss
sowie der Parteien in ihren Rechtsschriften wird, soweit entscheidrelevant,
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Beschluss der
Gemeinde vom 14. September 2021, mitgeteilt am 21. September 2021,
(Akten der Beschwerdeführerin [Bf-act.] 1). Dieser Entscheid unterliegt
gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) der Beschwerde an das örtlich und sachlich zuständige
Verwaltungsgericht, zumal er nicht bei einer anderen Instanz angefochten
werden kann und nicht nach kantonalem oder eidgenössischem Recht
endgültig ist (vgl. Art. 92 des kantonalen Raumplanungsgesetzes [KRG;
BR 801.100], Art. 46 der kantonalen Raumplanungsverordnung [KRVO;
BR 801.110] sowie Art. 163 des Baugesetzes der Gemeinde vom 4. März
2001 [nachfolgend BG]). Als formelle und materielle Verfügungsadressatin
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ist die Beschwerdeführerin davon unmittelbar betroffen, und sie hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung, womit sie
zur Beschwerdeerhebung legitimiert ist (Art. 33 Abs. 3 lit. a des
Bundesgesetzes über die Raumplanung [RPG; SR 700] i.V.m. Art. 89
und Art. 111 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG;
SR 173.110] und Art. 50 VRG).
2. Streitgegenstand ist die Frage, ob die Beschwerdefrist gemäss Art. 52
Abs. 1 VRG eingehalten ist oder nicht. Demnach ist eine Beschwerde
schriftlich innert 30 Tagen seit Mitteilung des angefochtenen Entscheids
beim Verwaltungsgericht einzureichen.
2.1. Die Beschwerdeführerin weist darauf hin, dass die Beschwerdegegnerin 1
während des am Verwaltungsgericht hängigen Beschwerdeverfahrens R 19
27 betreffend eine 1. Verlängerung der Baubewilligung der Gemeinde ein
Gesuch um eine 2. (11. September 2019) und eine 3. (12. September
2020) Verlängerung eingereicht habe, dass ihr jedoch weder diese
Eingaben noch der Entscheid vom 24. September 2019 betreffend die
2. Verlängerung zugestellt worden seien. Der Entscheid vom 6. Oktober
2020 betreffend die 3. Verlängerung sei ihr am 15. Oktober 2020, die
Gesuche und der Entscheid vom 24. September 2019 später auf
entsprechende Nachfrage hin zugeschickt worden. Das am 25. August
2020 ergangene Urteil des Verwaltungsgerichts betreffend die
1. Verlängerung sei ihr erst am 19. Mai 2021 zugestellt worden; dieses sei
mangels Weiterzug in Rechtskraft erwachsen, womit sich in der Folge eine
anwaltliche Vertretung erübrigt und auch keine Notwendigkeit für die
Mitteilung bestanden habe, dass das Mandatsverhältnis beendet sei. Sie
habe nicht mit einer weiteren Verlängerung rechnen müssen, weil einerseits
die Ausführungsverordnung zum BG lediglich deren zwei vorsehe und
andererseits die Gemeinde sie auch während laufendem Verfahren nicht
über die Verlängerungsgesuche informiert hatte. Nicht strittig sei, dass ihr
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ehemaliger Rechtsvertreter den angefochtenen Beschluss vom
14. September 2021 am 22. September 2021 entgegengenommen habe,
worauf dieser die Beschwerdegegnerin 1 über das Ende des Mandats
informiert und Erstere den Beschluss der Beschwerdeführerin direkt (mit
Poststempel vom 23. September 2021) zugestellt habe. Sie, die zu diesem
Zeitpunkt nicht mehr anwaltlich vertreten gewesen sei, habe diesen am
24. September 2021 entgegengenommen. Im Begleitbrief habe die
Beschwerdegegnerin 1 ausgeführt, dass man ihr eine Kopie der Bewilligung
zustelle. Die 30-tägige Beschwerdefrist habe erst mit dieser Zustellung zu
laufen begonnen, womit die Frist mit ihrer Eingabe vom 25. Oktober 2021
gewahrt sei.
2.2. Sowohl die Beschwerdegegnerin 1 als auch die Beschwerdegegnerin 2
stellen sich auf den Standpunkt, dass der Beschluss der Gemeinde am
21. September 2021 mitgeteilt und vom ehemaligen Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin am 22. September 2021 entgegengenommen wurde,
weshalb die Frist am 23. September 2021 zu laufen begonnen und am
22. Oktober 2021 geendet habe. Der Beschwerdeführerin sei explizit
lediglich eine Kopie des Entscheids zugestellt, der Entscheid mithin nicht
nochmals eröffnet worden. Da die Gemeinde keine Anhaltspunkte dafür
gehabt habe, dass das Mandatsverhältnis beendet gewesen wäre, habe sie
grundsätzlich vom Fortbestand des Vertretungsverhältnisses ausgehen und
den Entscheid dem Rechtsvertreter eröffnen müssen. Dieser wäre auch
verpflichtet gewesen, die ehemalige Mandantin über den Eingang zu
informieren. Die gemäss Bundesgericht erforderlichen Voraussetzungen für
eine neue fristauslösende Zustellung seien vorliegend nicht gegeben. Der
von der Beschwerdeführerin neu und rechtzeitig (Unterzeichnung der
Vollmacht am 21. Oktober 2021) bestellte Rechtsvertreter hätte die
fristauslösende Zustellung vom 22. September 2021 beachten müssen.
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3. Wird die Zustellung des angefochtenen Beschlusses vom 14. September
2021, mitgeteilt am 21. September 2021, mit Eingang am 22. September
2021 beim (ehemaligen) Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin als
gültige und somit fristauslösende Entscheideröffnung angesehen, ist die am
25. Oktober 2021 (einem Montag) – anstatt am 22. Oktober 2021 (einem
Freitag) – eingereichte Beschwerde verspätet. Wird hingegen der direkte
Versand einer Kopie des Beschlusses am 22. bzw. 23. September 2021
(gemäss Angaben der Beschwerdeführerin trägt der Poststempel das
Datum des 23. September 2021) mit Eingang bei der Beschwerdeführerin
am 23. bzw. 24. September 2021 als gültige Mitteilung angesehen, wäre die
Beschwerdeerhebung (bei Fristbeginn am 24. bzw. 25. September 2021)
am 25. Oktober 2021 unter Berücksichtigung des Wochenendes (vgl. Art. 7
Abs. 2 VRG) als rechtzeitig erfolgt anzusehen.
3.1.1. Gemäss Art. 23 Abs. 1 VRG sind Entscheide den Parteien und, soweit dies
gesetzlich vorgeschrieben ist, Dritten schriftlich mitzuteilen. Diese Regelung
gilt gestützt auf Art. 2 VRG auch für Gemeindebehörden. Sie entspricht im
Übrigen dem auf Bundesebene geltenden Art. 34 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021),
wonach die Behörde ihre Verfügungen den Parteien schriftlich eröffnet. Die
Eröffnung der Verfügung stellt eine einseitige empfangsbedürftige, nicht
jedoch annahmebedürftige Rechtshandlung dar
(WIEDERKEHR/MEYER/BÖHME, Kommentar VwVG, Zürich 2022, Art. 34
Rz. 4, KNEUBÜHLER/PEDRETTI, in: AUER/MÜLLER/SCHINDLER, Kommentar
zum VwVG, Zürich/St. Gallen 2019, Art. 34 Rz. 3). Eine entsprechende
Rechtsmittelfrist beginnt folglich nicht erst mit der Kenntnisnahme der
Verfügung zu laufen, sondern bereits im Zeitpunkt der ordnungsgemässen
Zustellung (WIEDERKEHR/MEYER/BÖHME, a.a.O., Art. 34 Rz. 4,
KNEUBÜHLER/PEDRETTI, a.a.O., Art. 34 Rz. 3). Nach einem allgemeinen
Rechtsgrundsatz gilt eine Sendung als zugestellt, wenn sie in den Macht-
bzw. Verfügungsbereich der Empfängerin oder des Empfängers gelangt,
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indem sie etwa von einer empfangsberechtigten Person
entgegengenommen wird (KNEUBÜHLER/PEDRETTI, a.a.O., Art. 34 Rz. 3,
WIEDERKEHR/MEYER/BÖHME, a.a.O., Art. 34 Rz. 4). Im Rahmen eines
Verfahrens haben die Parteien nach Treu und Glauben sicherzustellen,
dass behördliche Sendungen an der von ihnen angegebenen
Zustelladresse zugestellt werden können (...); dabei dauert die Pflicht, die
Zustellung behördlicher Sendungen zu ermöglichen,
rechtsprechungsgemäss ungefähr ein Jahr, gemessen an der letzten
Verfahrenshandlung der Behörde (WIEDERKEHR/MEYER/BÖHME, a.a.O.,
Art. 34 Rz. 10).
3.1.2. Während das VRG keine Regelung für den Fall enthält, dass die Partei
anwaltlich vertreten ist, schreibt auf Bundesebene Art. 11 Abs. 3 VwVG vor,
dass die Behörde ihre Mitteilung an die Vertreterin oder den Vertreter
richtet, solange die Partei die Vollmacht nicht widerruft. Diese Bestimmung
findet ihr Pendant für das Zivilverfahren in Art. 137 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272), wonach die Zustellung an eine
vertretene Partei an die Vertretung zu erfolgen hat, bzw. für den
Strafprozess in Art. 87 Abs. 3 der Schweizerischen Strafprozessordnung
(StPO; SR 312.0), wonach Mitteilungen an Parteien, die einen
Rechtsbeistand bestellt haben, rechtsgültig an diesen zugestellt werden.
Die Behörde hat sich also in allen Belangen an die Vertreterin/den Vertreter
zu wenden; diese/r ist – umgangssprachlich – die Ansprechperson der
Behörde (NYFFENEGGER, in: AUER/MÜLLER/SCHINDLER, Kommentar VwVG,
Zürich/St. Gallen 2019, Art. 11 Rz. 27). Die Behörde hat sich bis zum
Widerruf der Vollmacht durch die Partei an die Vertreterin/den Vertreter zu
halten (NYFFENEGGER, a.a.O., Art. 11 Rz. 31). Der Widerruf der Vollmacht
ist die einseitige empfangsbedürftige und an den Bevollmächtigten
gerichtete Erklärung der vertretenen Partei, wonach der bislang zur
Vertretung Berufene nicht mehr befugt ist, für die vertretene Partei zu
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handeln (NYFFENEGGER, a.a.O., Art. 11 Rz. 31). Die zur Vertretung berufene
Partei kann die Vollmacht ihrerseits durch Niederlegung zum Erlöschen
bringen (NYFFENEGGER, a.a.O., Art. 11 Rz. 31). Der Widerruf der Vollmacht
durch die vertretene Partei oder die Niederlegung durch den Vertreter sind
der Behörde mitzuteilen (NYFFENEGGER, a.a.O., Art. 11 Rz. 31). Solange die
Behörde über den Widerruf oder die Niederlegung nicht orientiert ist, gelten
ihre Mitteilungen an die Vertreterin/den Vertreter als ordnungsgemäss bzw.
nicht mangelhaft, selbst wenn die Vollmacht oder der Auftrag widerrufen
bzw. beendet sind (NYFFENEGGER, a.a.O., Art. 11 Rz. 31 mit Hinweis auf
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-6431/2012 vom 16. April 2013
E.2.1.2 u.a.). Hat also die Partei einen Vertreter bestellt, so kann die
Behörde bis zum Widerruf der Vollmacht ihre Verfügung nur gegenüber der
Parteivertreterin oder dem Parteivertreter rechtswirksam eröffnen
(WIEDERKEHR/MEYER/BÖHME, a.a.O., Art. 34 Rz. 32 mit Hinweis auf das
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-3300/2016 vom 18. März 2019
E.1.3.2, UHLMANN/SCHILLING-SCHWANK, in: WALDMANN/WEISSENBERGER,
VwVG-Praxiskommentar, Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 34 N 26). Die
Eröffnung der Verfügung erfolgt während der Dauer des
Mandatsverhältnisses in dem Moment, in dem sie in den Machtbereich der
vertretenen Partei gelangt (WIEDERKEHR/MEYER/BÖHME, a.a.O., Art. 34
Rz. 13, vgl. auch Art. 11 Rz. 22; BGE 144 IV 64 E.2.5: Lorsqu'un conseil
juridique a été institué, les communications doivent lui être notifiées, sous
peine d'invalidité). Stellt die Behörde zulässigerweise die Verfügung der
Vertreterin/dem Vertreter der Partei zu, so muss sich diese die Zustellung
entgegenhalten lassen (WIEDERKEHR/MEYER/BÖHME, a.a.O., Art. 34 Rz. 33
mit Hinweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5540/2013
vom 6. Januar 2014 E.2.1.1).
Im Anwendungsbereich der ZPO ist die Zustellung an die Vertretung
exklusiv (Art. 137 ZPO). Wurde für das Verfahren rechtmässig ein Vertreter
bestellt, so fällt eine direkte Zustellung an die Partei ausser Betracht und
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eine solche gilt grundsätzlich als nicht gehörig erfolgt (BGE 143 III 28
E.2.2.1 mit zahlreichen Hinweisen). Es ist dann Sache der Vertreterin/des
Vertreters, die vertretene Person zu informieren (GASSER/RICKLI,
Kurzkommentar ZPO, Zürich/St. Gallen 2010, Art. 137, Rz. 1). Mit Zugang
bei der Vertretung – nicht erst nach Weiterleitung an die Vertretene – ist die
Zustellung erfolgt (GASSER/RICKLI, Kurzkommentar ZPO, a.a.O., Art. 137,
Rz. 2). Wird ein Vertretungsverhältnis aufgelöst, können Zustellungen an
die (vormalige) Vertretung so lange rechtsgültig erfolgen, bis dem Gericht
der Widerruf der Vollmacht mitgeteilt wird (HUBER, in:
BRUNNER/GASSER/SCHWANDER, Kommentar ZPO, Zürich/St. Gallen 2016,
Art. 137 Rz. 6, STAEHELIN, in: SUTTER-SOMM/HASENBÖHLER/LEUENBERGER,
Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich/Basel/Genf
2016, Art. 137 Rz. 3). Relevant sind die Kenntnisse des Gerichts im
Zeitpunkt des Versands der Urkunde (GASSER/RICKLI, a.a.O., Art. 137,
Rz. 1). Auch im Strafprozess muss, sofern ein Rechtsbeistand bestellt ist,
an diesen zugestellt werden; die direkte Zustellung an die Partei ist
grundsätzlich nicht rechtswirksam (ARQUINT, in:
NIGGLI/HEER/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar zur StPO, Basel 2011,
Art. 87 Rz. 5).
3.2.1. Vorliegend ist ausgewiesen, dass Rechtsanwalt Stössel die
Beschwerdeführerin im Verfahren R 19 27 vor Verwaltungsgericht
anwaltlich vertrat. In dieser Funktion hatte er am 10. April 2019 gegen den
Entscheid vom 6. November 2018 (Bf-act. 3; betreffend die
1. Verlängerung) Beschwerde erhoben (Bf-act. 4), in der er u.a.
beanstandete, dass ihm der fragliche Verlängerungsentscheid erst nach
mehrmaliger Nachfrage am 12. März 2019 per Mail zugestellt worden war.
Noch während laufendem Verfahren, nämlich mit Eingabe vom 16. Oktober
2020, hatte er dem Gericht weitere Unterlagen zugestellt (Bf-act. 7),
darunter auch den Entscheid vom 6. Oktober 2020 über die 3. Verlängerung
der Baubewilligung (bis zum 15. September 2021), den die
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Beschwerdegegnerin 1 am 14. Oktober 2020 auch ihm mitgeteilt hatte (Bf-
act. 6). Am 18. Mai 2021 wurde das Urteil des Verwaltungsgerichts vom
25. August 2020 den Parteien mitgeteilt, u.a. auch Rechtsanwalt Stössel.
Rund vier Monate später, am 21. September 2021, stellte die
Beschwerdegegnerin 1 den hier angefochtenen Beschluss (betreffend die
4. Verlängerung) Rechtsanwalt Stössel als dem Parteivertreter der
Beschwerdeführerin zu. Am Tag darauf, am 22. September 2021 nahm
Rechtsanwalt Stössel den angefochtenen Beschluss entgegen (vgl. Akten
der Beschwerdegegnerin 1 [Bg1-act.] 1 und 2), noch am selben Tag wurde
die Beschwerdegegnerin 1 über das Ende des Mandatsverhältnisses
informiert. In der Folge liess die Bausekretärin am 22. September 2021 eine
Kopie des Beschlusses mit einem von ihr unterzeichneten Begleitschreiben
der Beschwerdeführerin direkt zukommen (Bf-act. 1). Eigenen Angaben
zufolge hatte die Beschwerdegegnerin 1 keine Kenntnis davon, dass
Rechtsanwalt Stössel die Beschwerdeführerin nicht mehr vertrat. Dies
erscheint glaubhaft, zumal nicht ausgewiesen ist, dass seit dem Abschluss
des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens im Mai 2021 (Mitteilung des
Urteils R 19 27) bzw. Juni 2021 (Rechtskraft des Urteils R 19 27) die
Vollmacht widerrufen oder das Mandat ausdrücklich niedergelegt worden
wäre. Nachdem aber die Entscheide betreffend Verlängerung der
Baubewilligung Rechtsanwalt Stössel – teilweise zumindest auf dessen
Verlangen hin – zugestellt worden waren (vgl. Bf-act. 6, vgl. auch Bf-act. 7)
und die ursprüngliche Baubewilligung noch bis zum 15. September 2021
Gültigkeit hatte (3. Verlängerung vom 6. Oktober 2020), hatte die
Beschwerdegegnerin 1 keinen Anlass anzunehmen, das Mandat sei
stillschweigend beendet worden.
3.2.2. Vorliegend besteht kein Grund, die Frage der behördlichen Zustellung von
Entscheiden auf kantonalrechtlicher Ebene anders zu handhaben als im
Anwendungsbereich des VwVG und der ZPO/StPO (vgl. Erwägung 3.1.1
f.); das heisst, es rechtfertigt sich auch im Anwendungsbereich des VRG,
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davon auszugehen, dass die Mitteilungen einer Behörde an die
Parteivertreterin/den Parteivertreter als ordnungsgemäss bzw. nicht
mangelhaft gelten, solange die Behörde über den Widerruf oder die
Niederlegung nicht orientiert ist, selbst wenn die Vollmacht oder der Auftrag
widerrufen bzw. beendet ist (vgl. Erwägung 3.1.2). Gilt die Pflicht seitens
einer Partei, die Zustellung behördlicher Sendungen zu ermöglichen,
rechtsprechungsgemäss während ungefähr einem Jahr gemessen an der
letzten Verfahrenshandlung (vgl. Erwägung 3.1.1), ist vorliegend nicht zu
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin 1 rund vier Monate nach
Mitteilung bzw. drei Monate nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils R 19
27 vom 25. August 2020 auch den Beschluss vom 21. September 2021
über die mit Eingabe vom 14. September 2021 ersuchte 4. Verlängerung
dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eröffnete und nicht ihr
persönlich. Dies gilt umso mehr, als unklar ist, zu welchem Zeitpunkt das
Mandat beendet wurde, dies mithin auch erst nach Zugang des Entscheids
vom 14. September 2021 betreffend die 4. Verlängerung geschehen sein
könnte. Damit kann auch offen bleiben, ob die Beschwerdeführerin
verpflichtet gewesen wäre, der Beschwerdegegnerin 1 das Mandatsende
mitzuteilen; ohnehin geht aus den Akten nicht hervor, durch wen das
Mandat beendet wurde. Für das Gericht ist jedenfalls nicht ersichtlich, dass
die Beschwerdegegnerin 1 einen Grund gehabt hätte, sich bei der
Beschwerdeführerin nach dem aktuellen Vertretungsverhältnis zu
erkundigen. Daran ändert die Behauptung der Beschwerdeführerin nichts,
die Beschwerdegegnerin 1 habe ihr einen weiteren
Verlängerungsbeschluss (betreffend Haus B) ebenfalls persönlich
mitgeteilt, erging doch dieser Entscheid später, nämlich am 30. November
2021 (mitgeteilt am 3. Dezember 2020, recte wohl: 2021, Bf-act. Replik 1),
mithin nach Beschwerdeerhebung in vorliegender Sache am 25. Oktober
2021 und nach Eingang der Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin 2
vom 17. November 2021. Letztlich ist für die vorliegende Streitsache
ausschlaggebend, dass die Beschwerdegegnerin 1 bzw. die Bausekretärin
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der Beschwerdeführerin mit Begleitschreiben (Begleitnotiz) vom
22. September 2021 explizit nicht nochmals den Beschluss vom
21. September 2021 eröffnete, sondern klar darauf hinwies, dass es sich
um eine Kopie handelte und dass der Beschluss Rechtsanwalt Stössel
bereits zugestellt worden war. Unter diesen Umständen kann nicht von
einer zweiten fristauslösenden Zustellung gesprochen werden.
3.3. Die Beschwerdeführerin kann auch aus der Anrufung des
Vertrauensschutzes nichts zu ihren Gunsten ableiten, wenn sie geltend
macht, die Beschwerdegegnerin 1 habe ihr den Beschluss mit der