Decision ID: 0c5d7542-ef5b-4f7e-951e-e876abbf566e
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis der Kategorie B auf Probe am 16. November 2009. Am
Freitag, 22. April 2011, war er um 15.38 Uhr mit dem Personenwagen "BMW" auf der
Bischofszellerstrasse von Waldkirch in Richtung Gossau unterwegs. Auf der Höhe
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"Moos" führte die Kantonspolizei St. Gallen Geschwindigkeitsmessungen durch. Die
Polizisten beobachteten dabei, wie ein Personenwagen "Opel Astra" den von X
gelenkten BMW überholen wollte, das Überholmanöver jedoch abbrach und wieder
hinter X auf die Normalspur einlenkte. Die Geschwindigkeitsmessung beim
Personenwagen Opel ergab eine rechtlich relevante Geschwindigkeit von 115 km/h.
Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes Gossau vom 8. Juni 2011 wurde X wegen
Verletzung der Verkehrsregeln ("Geschwindigkeit ausserorts über 80 / Übertretung") zu
einer Busse von Fr. 480.-- verurteilt.
B.- Mit Schreiben vom 28. Juni 2011 informierte das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (nachfolgend: Strassenverkehrsamt) X über die
Eröffnung eines Administrativmassnahmeverfahrens und gab ihm Gelegenheit zur
Stellungnahme. Mit Verfügung vom 18. Juli 2011 entzog ihm das Strassenverkehrsamt
den Führerausweis wegen Überschreitens der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit von
80 km/h um 35 km/h für die Dauer von drei Monaten und verlängerte die Probezeit um
ein Jahr.
C.- Gegen diese Verfügung reichte X beim Strassenverkehrsamt mit Schreiben vom 20.
Juli 2011 ein Wiedererwägungsgesuch ein. Er machte sinngemäss geltend, er sei im
Strafverfahren lediglich wegen einer Übertretung verurteilt worden. Dieses Gesuch
leitete das Strassenverkehrsamt zuständigkeitshalber an die
Verwaltungsrekurskommission weiter, wo es als Rekurs in die Geschäftsverwaltung
aufgenommen wurde. Im Rekursverfahren wurden die Strafakten beigezogen. Die
Vorinstanz verzichtete am 9. Oktober 2011 auf eine Vernehmlassung.
D.- Nach der Akteneinsicht vom 28. Oktober 2011 reichte der Rekurrent eine
schriftliche Stellungnahme ein. Auf seine Ausführungen zur Begründung des Antrags
ist, soweit erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Das bei der Vorinstanz innert offener Rechtsmittelfrist
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eingereichte Wiedererwägungsgesuch vom 20. Juli 2011 wurde gemäss Art. 11 Abs. 3
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt: VRP)
zuständigkeitshalber der Verwaltungsrekurskommission überwiesen. Das Rechtsmittel
wurde rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Die fehlbare Person wird verwarnt, wenn in den
vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen war und keine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde (Art. 16a Abs. 3 SVG). Ist die Verletzung der
Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von
Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt
(Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren Widerhandlung ist immer dann
auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten und nicht alle
qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft zur Änderung
des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4487).
3.- Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten den Führerausweis gestützt auf Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG wegen einer schweren Widerhandlung für drei Monate entzogen. Sie ging
von einer Geschwindigkeitsüberschreitung ausserorts von 35 km/h aus. Der Rekurrent
macht geltend, er sei vom Strafrichter wegen einer Übertretung (Art. 90 Ziff. 1 SVG)
verurteilt worden. Der Untersuchungsrichter habe gesagt, es sei kein schweres
Vergehen und von einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 29 oder 30 km/h
auszugehen. Wie es sich damit verhält, ist im Folgenden zu prüfen.
bis
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a) Die Geschwindigkeit ist stets den Umständen anzupassen, namentlich den
Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung sowie den Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnissen (Art. 32 Abs. 1 SVG). Nach Art. 4a Abs. 1 lit. b der
Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV) beträgt die allgemeine
Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge ausserhalb von Ortschaften, ausgenommen auf
Autobahnen, unter günstigen Bedingungen 80 km/h. Wer die zulässige
Höchstgeschwindigkeit ausserorts von 80 km/h um 30 km/h oder mehr überschreitet,
begeht gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ungeachtet der konkreten
Umstände objektiv eine schwere Verkehrsregelverletzung. Wird dieselbe
Höchstgeschwindigkeit um 26 bis 29 km/h überschritten, liegt ungeachtet der
konkreten Umstände objektiv ein mittelschwerer Fall vor. Überschreitungen zwischen
21 und 25 km/h stellen leichte Widerhandlungen dar (BGE 124 II 259 E. 2c mit
Hinweisen). Bei Geschwindigkeitsübertretungen bis 20 km/h kommt das OBG zur
Anwendung (Ziff. 303.2 der Ordnungsbussenverordnung, SR 741.031).
b) Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG entspricht in Wortlaut und Sinn der Strafbestimmung von
Art. 90 Ziff. 2 SVG. In subjektiver Hinsicht verlangen die Bestimmungen ein
rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein
schweres Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit.
Dies ist immer dann zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit
seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kann aber auch
vorliegen, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar
nicht in Betracht zieht, also unbewusst fahrlässig handelt. In solchen Fällen bedarf
jedoch die Annahme grober Fahrlässigkeit einer sorgfältigen Prüfung. Sie wird nur zu
bejahen sein, wenn das Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer
ebenfalls auf Rücksichtslosigkeit beruht und daher besonders vorwerfbar ist
(vgl. BGE 118 IV 285 E. 4). Bei einer Überschreitung der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit, die in objektiver Hinsicht den Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2
bzw. Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG erfüllt, ist davon auszugehen, dass dem Lenker eine
solche Überschreitung nicht verborgen bleiben kann und sie zumindest auf grober
Fahrlässigkeit beruht (vgl. R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Band III: Die Administrativmassnahmen, Bern 1995, Rz. 2305,
sowie Urteil der Verwaltungsrekurskommission VRKE IV-2003/63 vom 3. März 2004,
E. 4c/aa, publiziert in: www.gerichte.sg.ch/Rechtsprechung).
http://www.gerichte.sg.ch/Rechtsprechung
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Nach konstanter Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem
Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht
beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen
Entscheid führt, oder wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den
feststehenden Tatsachen klar widerspricht (hat sie hingegen keine zusätzlichen
Beweise erhoben, hat sie sich grundsätzlich an die Würdigung des Strafrichters zu
halten) oder schliesslich wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere die Verletzung
bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 124 II 103). Anders verhält es sich bei
der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts. Diesbezüglich ist die Verwaltungsbehörde
grundsätzlich nicht an den Strafentscheid gebunden, es sei denn, die rechtliche
Würdigung hänge sehr stark von der Würdigung von Tatsachen ab, die das Strafgericht
besser kennt als die Verwaltungsbehörde, etwa wenn der Beschuldigte im
Strafverfahren persönlich einvernommen wurde, was im vorliegenden Fall nicht zutrifft.
c) Die Kantonspolizei St. Gallen stellte mittels Laser-Geschwindigkeitsmessung fest,
dass das Fahrzeug "Opel Astra", welches den Rekurrenten überholen wollte, mit einer
rechtlich relevanten Geschwindigkeit von 115 km/h unterwegs war. Im Rapport vom
21. Mai 2011 wird ausgeführt, die Geschwindigkeitsmessung sei in jenem Zeitpunkt
erfolgt, als beide Fahrzeuge nebeneinander gefahren seien. Der Opel habe
anschliessend nicht mehr weiter aufgeholt und den Überholvorgang nicht abschliessen
können. Folglich sei der Rekurrent mit derselben Geschwindigkeit wie der Opel
unterwegs gewesen und habe die Höchstgeschwindigkeit ebenfalls um 35 km/h
überschritten (act. 16/2).
Der Rekurrent sagte unmittelbar nach dem Vorfall gegenüber der Polizei aus, er sei
vom nachfolgenden Personenwagen bedrängt worden. Der Opel sei seit Bischofszell
mit einem sehr geringen Abstand von nur wenigen Metern hinter ihm gefahren. Er habe
dessen Frontscheinwerfer nicht mehr gesehen und deshalb beschleunigt. Er sei mit ca.
105 km/h unterwegs gewesen. Auf einer geraden Strecke habe er dem Lenker des
Opels zuvor eine Überholmöglichkeit geboten. Er sei mit ca. 70 km/h und so weit als
möglich am rechten Strassenrand gefahren (act. 16/2). Die Beifahrerin des Rekurrenten
bestätigte, dass der Opel sehr nahe aufgefahren sei (act. 16/4). Der Lenker des Opels
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erklärte der Polizei gegenüber, er sei zu schnell gefahren, da er den BMW habe
überholen wollen. Dessen Lenker habe jedoch beschleunigt, als er auf der Höhe des
Fahrzeughecks gewesen sei. Während einer Distanz von rund 50 bis 80 Metern habe er
zuvor einen Abstand von ca. 10 Metern eingehalten (act. 16/3).
d) Aus der in Art. 32 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101) und Art. 6 Ziff. 2 der Europäischen Konvention zum
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101) verankerten
Unschuldsvermutung wird die Rechtsregel "in dubio pro reo" abgeleitet ("im Zweifel für
den Angeklagten"; vgl. dazu BGE 127 I 38 E. 2a; 124 IV 86 E. 2a; 120 Ia 31 E. 2c). Als
Beweislastregel bedeutet die Maxime, dass es Sache der Anklagebehörde ist, die
Schuld des Angeklagten zu beweisen, und nicht dieser seine Unschuld nachweisen
muss (vgl. BGE 127 I 38 E. 2a). Als Beweiswürdigungsregel besagt der Grundsatz,
dass sich der Strafrichter nicht von einem für den Angeklagten ungünstigen
Sachverhalt überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel
bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (vgl. BGE 127 I 38 E. 2a mit
Hinweisen). Die Maxime ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des
Angeklagten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische
Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit
nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende
Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen
(Urteil des Bundesgerichts 6B_111/2007 vom 4. Juni 2007, E. 2.1). Die in Art. 6 Ziff. 2
EMRK verankerte Unschuldsvermutung ist im Administrativverfahren anwendbar, wenn
es um einen Warnungsentzug geht, der eine der Strafe zwar ähnliche, von dieser aber
unabhängige Verwaltungsmassnahme mit präventivem Charakter darstellt (Urteil des
Bundesgerichts 1C_259/2011 vom 27. September 2011, E. 2.1).
Gemäss Art. 9 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die Kontrolle des Strassenverkehrs (SR
741.013, abgekürzt: SKV) sind bei der Überwachung der Geschwindigkeit nach
Möglichkeit technische Hilfsmittel einzusetzen. In der Verordnung des Bundesamtes für
Strassen zur SKV (SR 741.013.1, abgekürzt: VSKV-ASTRA) werden die Messarten für
die Geschwindigkeitskontrollen geregelt (Art. 6 VSKV-ASTRA). An erster Stelle stehen
Messungen mit stationären Systemen, die durch eine Messperson beaufsichtigt oder
autonom betrieben werden, mobile Messungen (entweder aus einem Fahrzeug oder
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Helikopter heraus oder Nachfahrmessungen) sowie
Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen. Daneben sind nach Art. 7 VSKV-ASTRA andere
Feststellungen von Geschwindigkeitsüberschreitungen, wie Aufzeichnungen von Fahrt-
und Restwegschreibern sowie Datenaufzeichnungsgeräten, zulässig.
Der Strafrichter verurteilte den Rekurrenten wegen Überschreitens der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit ausserorts von 80 km/h. Im Strafbefehl vom 8. Juni 2011 gab
er die genaue Geschwindigkeit des Rekurrenten im fraglichen Zeitpunkt nicht an.
Entgegen den Ausführungen des Rekurrenten wurde die Missachtung der
Höchstgeschwindigkeit vom Strafrichter nicht mit 29 oder 30 km/h beziffert. Aus der
Tatsache, dass die Verurteilung nach Art. 90 Ziff. 1 SVG und damit lediglich wegen
einer Übertretung erfolgte, ist angesichts der allseits bekannten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zu Geschwindigkeitsverstössen zu schliessen, dass der Strafrichter
von einer Geschwindigkeitsüberschreitung von weniger als 30 km/h ausging. Eine
höhere Geschwindigkeit ist im Übrigen nicht nachgewiesen: Insbesondere ist die
Annahme der Polizei, wonach der Rekurrent gleich schnell gefahren sei wie der Opel,
da sich im Zeitpunkt der Messung beide Fahrzeuge auf gleicher Höhe befunden hätten
und der Opel den BMW nicht habe überholen können, mit erheblichen Zweifeln
behaftet. Eine Geschwindigkeitsmessung des Fahrzeugs des Rekurrenten und damit
ein strikter Beweis der von ihm gefahrenen Geschwindigkeit existieren nicht. Die von
der Polizei mittels Lasergeräts durchgeführte Messung von 119 km/h betraf das
überholende Fahrzeug (Opel Astra). Die Geschwindigkeit des Rekurrenten wurde
aufgrund von Beobachtungen der anwesenden Polizisten von der Geschwindigkeit des
Opels abgeleitet und beruht auf Mutmassungen, welche in den Akten keine Stütze
finden. Im Messprotokoll wurde beim Fahrzeug des Rekurrenten eine Geschwindigkeit
von ~ (ungefähr) 119 km/h eingetragen (act. 16/11). Der Rekurrent gab zwar zu, dass er
beschleunigt habe. Ob er dabei jedoch genau die gleiche Geschwindigkeit wie der
Opel erreicht hat, ist nicht belegt und geht auch nicht aus der Videoaufzeichnung
hervor (act. 16/13). Dort ist im Gegenteil ersichtlich, dass das Fahrzeug des
Rekurrenten nur kurze Zeit später mit einer gemessenen Geschwindigkeit von 94 km/h
unterwegs war. Dass die Fahrzeuge im Messzeitpunkt auf gleicher Höhe waren, geht
aus dem Bildmaterial in den Akten entgegen der Feststellung im Polizeirapport
ebenfalls nicht zweifelsfrei hervor. Nach dem Beweiswürdigungsgrundsatz "Im Zweifel
für den Angeklagten", der auch im Administrativmassnahmeverfahren gilt, kann dem
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Rekurrenten daher höchstens die von ihm zugegebene
Geschwindigkeitsüberschreitung von 25 km/h (bei gefahrenen 105 km/h) vorgeworfen
werden. Dies stellt in der Regel eine leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG dar. Das Bundesgericht bestätigte indessen die Annahme einer mittelschweren
Widerhandlung gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG bei einer
Geschwindigkeitsüberschreitung von 20 km/h auf einer Autobahn mit einer zulässigen
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h, da das Verschulden des Fahrzeuglenkers
erheblich und der Leumund erheblich getrübt war (Urteil des Bundesgerichts vom
2. Juni 1987, zusammengefasst in: Schaffhauser, a.a.O., Rz. 2332). Ebenfalls eine
mittelschwere Widerhandlung stellte eine Überschreitung um 24 km/h bei erheblichem
Verschulden und getrübtem Leumund dar (GVP 1987 Nr. 11).
Vorliegend bestehen jedoch keine genügenden Hinweise für die Annahme eines
zumindest mittelschweren Verschuldens. Weder aus der Bussenverfügung vom 8. Juni
2011 (act.12/1) noch aus dem Polizeirapport vom 21. Mai 2011 (act. 16/1) ergeben sich
Anhaltspunkte hierfür. Die Fahrbahn war trocken und die Sicht gut. Gestützt auf die
glaubhaften Aussagen des Rekurrenten der Polizei gegenüber folgte ihm der Lenker
des Opels seit Bischofszell über eine längere Strecke und hielt dabei teilweise einen
sehr geringen Abstand ein. Er habe die Frontscheinwerfer im Rückspiegel nicht mehr
erkennen können. Der Lenker des Opels schätzte den Abstand zum Fahrzeug des
Rekurrenten vor dem Überholmanöver auf ca. 10 Meter. Auch auf der
Videoaufzeichnung ist zu erkennen, dass der Abstand zwischen den beiden
Fahrzeugen sehr gering war, und zwar selbst nach dem Abbruch des
Überholmanövers. Insbesondere liess sich der Opelfahrer nicht so weit zurückfallen, als
dass ein genügender Abstand zum Fahrzeug des Rekurrenten bestanden hätte. Es ist
unter diesen Umständen nachvollziehbar, dass der Rekurrent sich in dieser Situation
bedrängt fühlte und bestrebt war, mit einer Beschleunigung seinerseits wieder einen
sicheren Abstand herzustellen. In pflichtwidriger Unvorsichtigkeit hat er dabei die
Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausser Acht gelassen und die
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h überschritten.
e) Der Rekurrent hat gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu
Geschwindigkeitsüberschreitungen ausserorts eine leichte Widerhandlung im Sinn von
Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begangen. Es liegen keine besonderen äusseren Umstände
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(wie z.B. schlechte Sicht, ungünstige Strassenverhältnisse) vor, welche ein Abweichen
von dieser Qualifizierung rechtfertigen würden. Ebensowenig liegt bei einer solchen
Geschwindigkeitsüberschreitung ein besonders leichter Fall vor, der einen Verzicht auf
jegliche Massnahme zur Folge hätte (vgl. Art. 16a Abs. 4 SVG). Da der Rekurrent über
einen ungetrübten automobilistischen Leumund verfügt, ist er gemäss Art. 16a Abs. 3
SVG zu verwarnen. Dementsprechend ist der Rekurs gutzuheissen und die
angefochtene Verfügung der Vorinstanz vom 18. Juli 2011 mit Ausnahme des
Kostenspruchs aufzuheben.
5.- Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen,
dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt der Grundsatz der
Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens (A. Hagmann, Die
st. gallische Verwaltungsrechtspflege und das Rechtsmittelverfahren vor dem
Regierungsrat, Diss. Zürich 1979, S. 267 f.). Der Rekurrent ist mit seinem
sinngemässen Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung durchgedrungen.
Die amtlichen Kosten sind daher vom Staat zu tragen. Eine Entscheidgebühr von
Fr. 1'200.-- erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem Rekurrenten den
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- zurückzuerstatten.