Decision ID: 950b2bd3-0f2d-4050-bbbc-61826ff2946c
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Lehrling der B._ AG bei der
Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: Mobiliar) gegen
die Folgen von Unfällen versichert, als er am 23. und 25. Juni 2014 Dr. med. C._,
FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Sportmedizin SGSM, und Dr. med. D._, Facharzt für Traumatologie, chirurgische
Orthopädie, konsultierte. Im Sprechstundenbericht vom 1. Juli 2014 diagnostizierten
die Ärzte basierend auf einer MRI-Untersuchung des rechten Knies vom 24. Juni 2014
eine mediale Meniskusläsion Knie rechts am 18. Mai 2014. Anamnestisch hielten sie
fest, der Versicherte habe sich im Zug anlässlich einer Studienreise nach E._ am 18.
Mai 2014 das rechte Knie verdreht. Sofort hätten Schmerzen, eine eingeschränkte
Beweglichkeit und Blockaden bestanden, so dass er sich in E._ vorgestellt habe.
Dort sei der radiologische Ausschluss einer frischen ossären Läsion erfolgt. Man habe
dem Versicherten Gehstöcke verordnet, worauf sich die Schmerzen gebessert hätten.
Am 25. Juni 2014 habe sich ein erneuter Knieverdreher mit Schmerzen ereignet (act. G
3.3/M1). Am 1. Juli 2014 führte Dr. D._ beim Versicherten eine arthroskopische
Kniegelenksmeniskusoperation durch (act. G 3.3/M2, M3).
A.b Am 3. Juli 2014 reichte die Leiterin der Lohnbuchhaltung der F._ AG, welche die
Lohnbuchhaltung für die Arbeitgeberin des Versicherten ausführte (vgl. act. G 3.1/7),
der Mobiliar eine Unfallmeldung ein, worin festgehalten wurde, der Versicherte sei am
18. Mai 2014 auf der Rückfahrt von einer Studienreise im Zug aufgesprungen und dann
auf dem rechten Bein gelandet (act. G 3.2/1-3).
A.c Am 21. August 2014 beschrieb der Versicherte in einem von der Mobiliar
zugestellten Fragebogen den Hergang des Ereignisses vom 18. Mai 2014 (act. G
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3.2/4-5). Auf Nachfrage der Mobiliar am 4. September 2014 (act. G 3.1/13) teilte der
Vater des Versicherten mit einer ausgedruckten und vom Versicherten am 10.
September 2014 unterzeichneten, ursprünglich vom 8. September 2014 datierten E-
Mail mit, dass es trotz Vermerks des zusätzlichen Datums vom 25. Juni 2014 im
Sprechstundenbericht von Dr. C._ und Dr. D._ einzig um den Schadenfall vom 18.
Mai 2014 gehe (act. G 3.1/19).
A.d Mit Schreiben vom 31. Oktober 2014 setzte die Mobiliar den Versicherten darüber
in Kenntnis, dass kein Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen
Unfallversicherung bestehe, da weder ein Unfallereignis noch eine unfallähnliche
Körperschädigung vorliege (act. G 3.1/20-21). Am 3. November 2014 wünschte der
Vater des Versicherten als dessen gesetzlicher Vertreter telefonisch eine
einsprachefähige Verfügung (act. G 3.1/24), worauf die Mobiliar ihre
Leistungsablehnung am 8. Dezember 2014 verfügte (act. G 3.1/28-30).
B.
Die gegen diese Verfügung vom Versicherten, vertreten durch seinen Vater, am 27.
Dezember 2014 erhobene Einsprache (act. G 3.1/36-37) wies die Mobiliar mit
Einspracheentscheid vom 9. Januar 2015 (act. G 3.1/38-47) ab.
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) durch Rechtsanwalt lic. iur. D. Zünd, St. Gallen, mit Eingabe vom 6.
Februar 2015 Beschwerde erheben. Darin wurde beantragt, die "Verfügung" der
Mobiliar (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) "vom 8. Dezember 2014" sei aufzuheben
und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die
gesetzlichen Leistungen auszurichten, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten
der Beschwerdegegnerin (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 27. Februar 2015 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 9. Januar 2015 (act. G 3).
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C.c Mit Replik vom 27. März 2015 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
unverändert an seinem Antrag fest (act. G 5). Mit Duplik vom 29. April 2015 hielt die
Beschwerdegegnerin ihrerseits an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest
(act. G 7).
C.d Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt

der übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin für das Ereignis vom 18. Mai
2014, in dessen Folge anerkanntermassen ein medialer Meniskusriss diagnostiziert und
arthroskopisch behandelt wurde (act. G 3.3/M1-M3), leistungspflichtig ist.
2.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen
und Berufskrankheiten gewährt, soweit des Gesetz nichts anderes bestimmt.
2.2 Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors,
sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist
somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach
sich gezogen hat. Ein äusserer Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im
jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft,
beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht
fallen (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, BGE 121
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V 38 E. 1a, je mit Hinweisen). Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des
ungewöhnlichen äusseren Faktors kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer
unkoordinierten Bewegung bestehen. So kann der Körper als Ganzes in Bewegung
kommen, indem er - z. B. bei einem Sturz - auf harter Unterlage aufschlägt und
Schaden nimmt. Der äussere und der ungewöhnliche Faktor sind hier ohne weiteres
gegeben. Dies trifft auch zu, wenn sich, wie beim Ausgleiten, Stolpern oder Abwehren
eines Sturzes, bloss einzelne Körperteile bewegen und in Verbindung mit einem in der
Aussenwelt liegenden Umstand zur gesundheitlichen Störung führen. Freilich tritt
schon bei einer normalen Bewegung des Körpers, wie beispielsweise beim normalen
Aufstehen aus der tiefen Hocke, eine sinnfällige Veränderung der Aussenwelt ein.
Dieser äussere Faktor ist aber nicht zugleich ein ungewöhnlicher Faktor; denn die
Bewegung des Körpers ist, äusserlich betrachtet, normal verlaufen, also nicht durch
eine in der Aussenwelt begründet Ursache - z.B. Ausrutschen wegen einer glitschigen
Unterlage - in ihrem Ablauf gestört worden. Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt. Unter
unkoordinierten Bewegungen versteht man also nur körperliche Bewegungen, die in
ihrem Ablauf durch etwas Programmwidriges, durch etwas Sinnfälliges, d.h. durch
einen ungewöhnlichen Faktor, gestört werden, so dass einzelne Muskeln oder
Muskelgruppen übermässig beansprucht werden; daraus können Muskel- und
Sehnenschäden, ja selbst Knochenbrüche resultieren (ALFRED MAURER,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 176 f.; ALEXANDRA
RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 40 f.; RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422
E. 2b).
2.3 Der Bundesrat kann sodann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalls
ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Art. 6 Abs. 2 UVG). In Art. 9 Abs. 2 der
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) hat er in einer
abschliessenden Aufzählung folgende Körperschäden auch ohne ungewöhnliche
äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt, sofern sie nicht eindeutig auf eine
Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind: Knochenbrüche,
Verrenkungen von Gelenken, Meniskusrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse,
Bandläsionen und Trommelfellverletzungen. Hingegen hat das Bundesgericht (bis 31.
Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG) in BGE 129 V 467 E. 2.2
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seine Rechtsprechung gemäss BGE 123 V 43, wonach mit Ausnahme der
Ungewöhnlichkeit auch bei den unfallähnlichen Körperschädigungen die übrigen
Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs - fehlende Absicht, äusserer Faktor,
Plötzlichkeit, Schädigung (Art. 4 ATSG) - erfüllt sein müssen, bestätigt. Besondere
Bedeutung kommt hierbei der Voraussetzung des äusseren Ereignisses zu, d.h. eines
ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben
unfallähnlichen Vorfalls (BGE 129 V 466; Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juli 2009,
8C_346/2009, E. 3). Wo ein solches Ereignis mit Einwirkung auf den Körper nicht
stattgefunden hat, und sei es auch nur als Auslöser eines in Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h
UVV aufgezählten Gesundheitsschadens, liegt eine eindeutig krankheits- oder
degenerativ bedingte Gesundheitsschädigung vor. Kein unfallähnliches Ereignis liegt in
all jenen Fällen vor, in denen der äussere Faktor mit den Schmerzen gleichgesetzt wird,
wie sie anfänglich bei den in Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufgezählten
Gesundheitsschäden typischerweise in Erscheinung treten. Das Auftreten von
Schmerzen als solches ist kein äusserer (schädigender) Faktor im Sinn der
Rechtsprechung. Mit anderen Worten kann von einem äusseren schädigenden Faktor
dort nicht gesprochen werden, wo die versicherte Person nur das (erstmalige) Auftreten
von Schmerzen in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag. Auch nicht erfüllt ist das
Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors, wenn das (erstmalige) Auftreten von
Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte
Person zu beschreiben in der Lage ist. Denn für die Bejahung eines äusseren, auf den
menschlichen Körper schädigend einwirkenden Faktors ist stets ein Geschehen
verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnt. Das ist zu
bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer
allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele
sportliche Betätigungen zutreffen kann. Wer hingegen bei einer normalen
physiologischen Beanspruchung des Skeletts, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und
Bänder - beispielsweise beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, bei der Bewegung im
Raum, Handreichungen usw. - einen einschiessenden Schmerz erleidet, welcher sich
als Symptom einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf
das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung berufen. Allerdings ist das
Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors erfüllt bei Änderungen der Körperlage,
die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen
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können, also im Sinn der bisherigen Rechtsprechung beim plötzlichen Aufstehen aus
der Hocke, bei der heftigen und/oder belastenden Bewegung und bei der durch
äussere Einflüsse unkontrollierbaren Änderung der Körperlage (BGE 129 V 470 E. 4.2.1
ff.; ZBJV 2003 S. 918 f.). Erforderlich für die Bejahung eines äusseren Faktors ist
demzufolge ein gesteigertes Schädigungspotenzial, sei es zufolge einer allgemein
gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit der
Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führenden Faktors (BGE 129 V 471 E.
4.3).
2.4 Die leistungsansprechende Person muss die einzelnen Umstände des
Unfallgeschehens glaubhaft machen. Zur Glaubhaftmachung genügt es nicht, einen
Gesundheitsschaden nachzuweisen, der möglicherweise auf ein Unfallereignis
zurückgehen könnte, sondern es müssen über das konkrete Geschehen wahre, genaue
und wenn möglich ins Einzelne gehende Daten namhaft gemacht werden, aufgrund
derer der Versicherer in die Lage versetzt wird, sich über die Tatumstände ein Bild zu
machen und diese in objektiver Weise abzuklären. Im Streitfall obliegt es dem Gericht,
zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Zu
diesem Zweck hat es den Sachverhalt von Amtes wegen zu untersuchen, kann aber die
Mitwirkung der Parteien beanspruchen (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG; THOMAS LOCHER/
THOMAS GÄCHTER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, §
70 N. 2 ff., N 20; RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 29; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
Das Gericht stellt auf jene Sachverhaltsdarstellung ab, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt. Bei sich widersprechenden
Angaben der versicherten Person über den Unfallhergang kann praxisgemäss auf die
Beweismaxime abgestellt werden, wonach die so genannten spontanen „Aussagen der
ersten Stunde“ in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere
Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die
versicherte Person ihre Darstellung im Lauf der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die
sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, in der Regel grösseres Gewicht zu als jenen
nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 47 E. 1a mit
Hinweisen; RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 29 f.).
3.
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Streitig ist zunächst, ob der Beschwerdeführer am 18. Mai 2014 ein Unfallereignis im
Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat.
3.1 Den Akten sind folgende Sachverhaltsbeschreibungen zu entnehmen: Gemäss
Bagatellunfallmeldung vom 3. Juli 2014 ist der Beschwerdeführer am 18. Mai 2014 im
Zug aufgesprungen und dann auf dem rechten Bein gelandet (act. G 3.2/1-3). Im
Fragebogen der Beschwerdegegnerin schrieb der Beschwerdeführer am 21. August
2014, er sei aufgesprungen und sehr dumm auf seinem rechten Bein gelandet, so dass
ihn das Knie geschmerzt habe. Es habe sich nichts Besonderes, Unvorhergesehenes
(Sturz, Anschlagen etc.) ereignet, ausser dass er unvorhergesehen gelandet sei (act. G
3.2/4-5). Laut Einsprache vom 27. Dezember 2014 turnte der Beschwerdeführer mit
drei Kameraden während einer Zugreise in einem Zugabteil, in welchem normalerweise
Fahrräder transportiert wurden. Dabei habe er sich an den Halterungsrohren für die
Fahrräder hochgezogen. Bei diesem Aufspringen und Herumtoben sei er sehr
ungeschickt auf sein rechtes Bein gestürzt, welches sich dabei sehr stark verdreht
habe. Die Folgen des Sturzes hätten ihm unsägliche Schmerzen verursacht und er
habe sein Bein von da an nicht mehr belasten können (act. G 3.1/36-37).
3.2 Unbestritten ist, dass in der Bagatellunfallmeldung nur ein natürlicher
Bewegungsablauf des Körpers beschrieben wird, bei dem zwar eine sinnfällige
Veränderung der Aussenwelt eintrat, jedoch ohne erkennbare Störung durch etwas
Programmwidriges bzw. Sinnfälliges, so dass daraus eine übermässige
Beanspruchung des Körpers resultiert hätte. Der Unfallbegriff ist mit dieser
Ereignisschilderung also nicht erfüllt. Angesichts dessen, dass sie nicht vom
Beschwerdeführer stammt (vgl. Sachverhalt Bstb. A.b) und erkennbar kurz gehalten ist,
ist ihr jedoch ohnehin kein massgebender Beweiswert beizumessen. Eine erste
Gelegenheit zur persönlichen Äusserung zum Ereignis vom 18. Mai 2014 bekam der
Beschwerdeführer mit dem Fragebogen der Beschwerdegegnerin. Dieser dient der
Unfallversicherung zur detaillierten Erhebung der tatsächlichen Verhältnisse bei der
leistungsansprechenden Person. Im Vordergrund stehen entsprechend Fragen
betreffend die für die Leistungspflicht des Unfallversicherers massgebenden
Voraussetzungen des Unfallgeschehens. Sofern der Unfallversicherer die tatsächlichen
Verhältnisse mittels Frageblättern detailliert erhoben hat, ist er seiner Verpflichtung zur
richtigen und vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
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grundsätzlich rechtsgenüglich nachgekommen (Untersuchungsgrundsatz; vgl.
Erwägung 2.4) und es überzeugt rechtsprechungsgemäss nicht, wenn die versicherte
Person einen bestimmten, bedeutsamen Sachverhalt bzw. Umstand als
Schadensursache erst nach der abschlägigen, einlässlich begründeten Verfügung
erwähnt bzw. einen solchen bis zum Einspracheverfahren unerwähnt lässt. Der
Unfallversicherer ist nicht gehalten, die versicherte Person im Nachgang zu
umfassenden Erhebungen zur weiteren Substantiierung des gemeldeten
Geschehnisses aufzufordern (Urteile des EVG 26. Februar 2004, U 64/2002, E. 2.2.3,
und vom 27. Juni 2002, U 148/01, E. 2.b). In Bezug auf den konkreten Fall lässt sich
sodann sagen, dass die gegen die leistungsablehnende Verfügung vom 8. Dezember
2014 (act. G 3.1/28-30) erhobene Einsprache die ausführlichste Beschreibung des
Ereignisses vom 18. Mai 2014 enthält und insofern ihr Beweiswert nach den in
Erwägung 2.4 dargelegten Grundsätzen zu prüfen ist.
3.3 Unstreitig ist, dass ein Sturz einen Unfalltatbestand im Sinn von Art. 4 ATSG
darstellt. Namentlich erwähnte der Beschwerdeführer einen solchen erst in der
Einsprache (act. G 3.1/36-37), d.h. nach Erhalt der leistungsablehnenden Verfügung
(act. G 3.1/28-30). Mit der Formulierung der Frage 2 des Fragebogens wird
verständlich erklärt, dass sich insbesondere mit dem Geschehen eines Sturzes oder
Anschlagens etwas Besonderes, Unvorhergesehenes ereignet hat. Wenn also nach
einem besonderen, unvorhergesehenen Ereignis gefragt wird, ist es nicht
nachvollziehbar, wenn eine versicherte Person im Rahmen dieser konkreten Frage
einen erlittenen Sturz unerwähnt lässt. Der Beschwerdeführer verneinte die Frage 2 des
Fragebogens, was jedoch sein Rechtsvertreter in der Replik vom 27. März 2015 (act. G
5) nachvollziehbar damit erklärte, für den Beschwerdeführer wäre ein Sturz dann
gegeben gewesen, wenn er am Ende am Boden gelegen hätte. Ausserdem hat der
Beschwerdeführer dem "Nein" hinzugefügt: „ausser, dass ich unvorhergesehen
gelandet bin“. Er nimmt also den Ausdruck „Unvorhergesehenes“ der Frage 2 auf und
bejaht damit letztlich die Frage. Die Verneinung einerseits bzw. die Bejahung
andererseits erscheinen in keinem ersichtlichen Widerspruch zueinander, sondern sind
grundsätzlich als eigenständige Antworten zu betrachten. Es erscheint offensichtlich,
dass der Beschwerdeführer keinen eigentlichen Sturz mit dem Körper auf den Boden
als Unfallereignis geltend macht. Er landete unbestrittenermassen mit dem rechten
Bein und damit grundsätzlich stehend auf dem Boden, doch - wie er im Rahmen der
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Frage 1 beschreibt - eben „sehr dumm“. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer
erst in der Einsprache vom 27. Dezember 2014 (act. G 3.1/36-37) den Begriff „Sturz“
verwendete, ist angesichts des Gesagten irrelevant. Auch mit diesem zentralen
Sachverhaltselement der Einsprache („ein sehr ungeschickter Sturz auf das rechte
Bein“) ist offensichtlich die Landung auf dem rechten Bein nach dem Aufsprung
gemeint. Die zusätzlich beschriebene sehr starke Verdrehung wurde zwar vom
Beschwerdeführer im Rahmen des Fragebogens nicht explizit erwähnt, dennoch kann
grundsätzlich von einem Verdrehungssachverhalt ausgegangen werden. Eine
Verdrehung lässt sich ohne weiteres in seine Antwort „sehr dumm bzw.
unvorhergesehen gelandet“ einordnen. Hinzu kommt, dass Dr. D._ und Dr. C._ im
Sprechstundenbericht vom 1. Juli 2014 ebenfalls eine Verdrehung des rechten Knies
beschrieben haben (act. G 3.1/1-2) und im Austrittsbericht vom 7. Juli 2014 eine
mediale Korbhenkel-Läsion rechts nach Kniedistorsion diagnostiziert worden ist (act. G
3.1/5).
3.4 Für die Bejahung eines Unfallereignisses ist nicht vorausgesetzt, dass es
tatsächlich zu einem Sturz kommt. Entsprechend ist die Aufzählung der
Bewegungsabläufe in der Frage 2 des Fragebogens nur beispielhaft. Dennoch muss im
Einzelfall ein programmwidriger Bewegungsablauf in der Wirkungsstärke eines Sturzes
passiert sein. Die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ist im Folgenden im
Hinblick auf einen Sachverhalt zu beurteilen, bei dem der Beschwerdeführer nach
einem Sprung „sehr dumm“ bzw. „sehr ungeschickt“ auf dem rechten Bein gelandet ist
und sich das rechte Knie verdreht hat. Fest steht, dass der Bewegung des
Aufspringens mit anschliessender Landung mit dem rechten Bein auf dem Boden, aber
auch einer Drehbewegung mit dem Knie an sich nichts Programmwidriges anhaftet. Es
handelt sich dabei um normale Bewegungen, die mit dem Körper ausgeführt werden
können (vgl. BGE 129 V 466 E. 4.1). Es ist eine Erfahrungstatsache, dass im alltäglichen
Bewegungsablauf Verdrehungen oder ein gewisser Zug in eine Richtung von Sehnen,
Muskeln, Bändern und Gelenken nichts Aussergewöhnliches darstellen. Die genannten
beweglichen Bestandteile des Körpers gewährleisten gerade ein normales und
verletzungsfreies Funktionieren im täglichen Leben mit verschiedensten Bewegungen
und Drehungen und dergleichen mehr, durchaus auch verbunden mit einer
Krafteinwirkung. Die vom Beschwerdeführer verwendete Formulierung „verdreht“ ist
grundsätzlich in diesem normalen Rahmen zu sehen und kann nicht als ungewöhnliche
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Einwirkung auf das Kniegelenk aufgefasst werden. Bei einer Distorsion handelt es sich
zwar im Regelfall um eine traumatisch bedingte Diagnose, die sich jedoch durch
verschiedenste Schweregrade auszeichnen kann (vgl. dazu ALFRED M. DEBRUNNER,
ORTHOPÄDIE, orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S. 1097, 1117; vgl. auch
Urteil des EVG vom 30. August 2001, U 277/1999). Sie kann durchaus auch nach
einem geringfügigen Vorfall auftreten oder auch nur einem unfallähnlichen Ereignis
ohne Programmwidrigkeit im Sinne eines ungewöhnlichen äusseren Faktors
entstammen. Die in Bezug auf die Landung vom Beschwerdeführer verwendeten
Formulierungen „sehr dumm“, „sehr ungeschickt“ sind nicht klar definierbar. Die
subjektive Betrachtungsweise des Betroffenen bestimmt entscheidend mit, was als
„sehr dumm“ und „sehr ungeschickt“ wahrgenommen wird und was nicht. Im
konkreten Fall erscheint es naheliegend, dass die fraglichen Formulierungen zu einem
wesentlichen Teil mit der in der Folge festgestellten Verletzung zusammenhängen.
Inwieweit, d.h. mit welcher Intensität, das rechte Kniegelenk des Beschwerdeführers im
Sinn einer klar abgegrenzten Belastungssituation übermässig beansprucht wurde, lässt
sich im konkreten Fall nicht bestimmen. Mit der bei ihm diagnostizierten Schädigung
eines Meniskusrisses liegt ein körpereigenes Trauma vor, für dessen Geschehen der
Beschwerdeführer jedoch keinen eindeutig definierbaren, besonders sinnfälligen
Umstand (mit den Füssen am Boden hängen geblieben, Knie angeschlagen, gestolpert,
ausgeglitten) beschreibt, unter dem es gesetzt worden wäre (vgl. Erwägung 2.2). Der
Nachweis für einen ungewöhnlichen äusseren Faktor ist damit nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erbracht.
3.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall unter Würdigung
aller Umstände ein Unfall im Rechtssinn nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ausgewiesen ist.
4.
4.1 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin für den, eine unfallähnliche
Körperschädigung darstellenden, medizinisch feststehenden Meniskusriss (vgl. Art. 9
Abs. 2 lit. d UVV) Versicherungsleistungen zu erbringen hat. Diesbezüglich ist zu
beantworten, ob auch das Kriterium des äusseren Faktors erfüllt bzw. ein
unfallähnliches Ereignis vorliegt.
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4.2 Nach unfallmedizinischer Erfahrung werden Meniskusverletzungen am häufigsten
durch sogenannte körpereigene Traumen in Form einer unkontrollierten Drehbewegung
bei gebeugtem Kniegelenk oder beim Aufstehen aus der Hocke verursacht.
Körpereigene Traumen erfüllen die Begriffsmerkmale der zwar nicht ungewöhnlichen,
aber plötzlichen und äusseren schädigenden Einwirkung (vgl. Erwägung 2.3; Urteil des
EVG vom 21. Oktober 2002, U 5/02, E. 2.2; vgl. auch die medizinische Literatur:
PSCHYREMBEL, Klinisches Wörterbuch, 266. Aufl. Berlin 2014, S. 1339; ROCHE
LEXIKON MEDIZIN, 5. Aufl. München 2003, S. 1204; LEITLINIE DER ORTHOPÄDIE,
Hrsg. von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und
dem Berufsverband der Ärzte für Orthopädie, 2. erweiterte Auflage Köln 2002, S. 141).
4.3 Laut seiner Antwort im Fragebogen (act. G 3.1/4-5) und seiner Schilderung in der
Einsprache vom 27. Dezember 2014 (act. G 3.1/36/37) zog sich bzw. sprang der
Beschwerdeführer an den Halterungsrohren für die Fahrräder hoch. Beim Aufspringen
und Landen findet im Allgemeinen eine Beugung und Streckung der Knie statt. Durch
diesen Bewegungsablauf wirkt eine erhöhte Kraft auf die Kniegelenke. Diese
körpereigene Bewegung kann mit der Situation des plötzlichen Aufstehens aus der
Hocke oder dem Sprung von einer Verpackungskiste bzw. aus einem
Bahngepäckwagen, für welche das EVG das Kriterium des äusseren schädigenden
Faktors bejahte, verglichen werden (vgl. BGE 129 V 469 E. 4.1; Urteile des EVG vom 5.
Juni 2001, U 398/00, und vom 21. September 2001, U 266/00, E. 1b). Möglicherweise
erfolgte die Landung des Beschwerdeführers zumindest gegenüber einem Sprung aus
dem Bahngepäckwagen aus einer geringeren Höhe. Dafür dürfte im konkreten Fall die
axiale Belastung aus der Landung durch den gerade für einen Meniskusriss typischen
Bewegungsmechanismus einer Drehbewegung (vgl. Erwägung 4.2) gesteigert worden
sein. Aufgrund der Beschreibungen - „sehr dumm auf dem rechten Bein gelandet, so
dass es mir im Knie sehr schmerzte“; „Die Folgen dieses Sturzes verursachten Manuel
unsägliche Schmerzen und er konnte sein Bein von da an nicht mehr belasten.“- kann
sodann davon ausgegangen werden, dass eine Landung beim Herumturnen in einem
Zugabteil der Auslösefaktor für den Meniskusriss war. Auch laut Sprechstundenbericht
vom 1. Juli 2014 traten unmittelbar nach der Landung die für einen Meniskusriss
symptomatischen Beschwerden auf, weswegen sich der Beschwerdeführer bereits auf
seiner Studienreise in E._ untersuchen und behandeln liess und Gehstöcke verordnet
erhielt. Anzufügen ist schliesslich, dass den Berichten von Dr. D._ und Dr. C._ (vgl.
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insbesondere Befund der MRI-Untersuchung des rechten Knies vom 24. Juni 2014
[act. G 3.1/2]) keinerlei Hinweise auf Degenerationen im Bereich des rechten
Kniegelenks des Beschwerdeführers zu entnehmen sind, was angesichts seines Alters
auch nicht verwundert, dafür aber ebenfalls auf ein unfallähnliches Ereignis als Ursache
des Meniskusrisses schliessen lässt. Aufgrund des Gesagten ist zusammenfassend
festzuhalten, dass das Geschehen vom 18. Mai 2014 die Begriffsmerkmale eines
unfallähnlichen Ereignisses erfüllt.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 9. Januar 2015 gutzuheissen und die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, für die unfallähnliche Körperschädigung des
Beschwerdeführers die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. c ATSG).
5.3 Hingegen hat der Beschwerdeführer bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf
eine Parteientschädigung. Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache
sowie der Schwierigkeit des Prozesses rechtfertigt es sich, diese wie in vergleichbaren
Fällen (vgl. etwa Entscheid des Versicherungsgerichts vom 26. Februar 2013, UV
2012/42) pauschal auf Fr. 3‘500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzulegen.