Decision ID: c9bf68cc-d64d-42af-b067-16438adc88ec
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 26. September 2022 in der Schweiz ein
Asylgesuch ein. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der «Eurodac»-
Datenbank ergab, dass er am 23. April 2018 und am 18. Januar 2022 in
Italien um Asyl nachgesucht hatte.
B.
Am 29. September 2022 fand die Personalienaufnahme (PA) des Be-
schwerdeführers statt und am 19. Oktober 2022 gewährte das SEM ihm –
im Rahmen des persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 der Verordnung
(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) und im Bei-
sein seiner Rechtsvertretung – das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Ita-
liens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer
allfälligen Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt.
C.
Am 20. Oktober 2022 ersuchte die Vorinstanz die italienischen Behörden
um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dub-
lin-III-VO. Dieses Gesuch blieb innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO
vorgesehenen Frist unbeantwortet.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 26. Oktober 2022 wurde der Beschwerdefüh-
rer von der Vorinstanz aufgrund erheblicher Störung des Betriebs und der
Sicherheit in einem Bundesasylzentrum (BAZ) für 30 Tage dem besonde-
ren Zentrum B._ zugewiesen.
Gleichentags wurde ihm dazu das rechtliche Gehör gewährt.
E.
Mit Verfügung vom 4. November 2022 (eröffnet am 7. November 2022) trat
die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31)
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Über-
stellung nach Italien und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf
der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den
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zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem Be-
schwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus
und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid
keine aufschiebende Wirkung zukomme.
F.
Mit Schreiben vom 7. November 2022 teilte die damalige Rechtsvertretung
die Beendigung des Mandats mit dem Beschwerdeführer mit.
G.
Mit Eingabe vom 10. November 2022 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Verfügung
vom 10. November 2022 (recte: 4. November 2022) sei aufzuheben und
sein Asylgesuch sei in der Schweiz zu prüfen. In prozessualer Hinsicht
beantragte er die Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie der un-
entgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Kostenvorschuss-
erhebung.
H.
Am 11. November 2022 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovi-
sorischen Vollzugsstopp an. Gleichentags lagen dem Bundesverwaltungs-
gericht die vorinstanzlichen Akten in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109
Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33
Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und
so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105
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AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-
führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu
behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
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Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) – wie vorliegend
– findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprü-
fung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und
8.2.1 m.w.H.).
4.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, dessen Antrag abgelehnt
wurde und der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat
oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufent-
haltstitel aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder auf-
zunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO).
5.
5.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-
rodac»-Datenbank ergab, dass er sowohl am 23. April 2018 als auch am
18. Januar 2022 in Italien einen Asylantrag gestellt hatte (SEM-Akte
1199985-5/1). Das SEM ersuchte die italienischen Behörden deshalb am
20. Oktober 2022 um Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf
Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO (SEM-Akte 1199985-17/4). Diese lies-
sen das Ersuchen innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen
Frist unbeantwortet, womit sie ihre Zuständigkeit implizit anerkannten
(Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO). Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, in Ita-
lien ein Asylgesuch eingereicht zu haben, und auch die grundsätzliche Zu-
ständigkeit dieses Mitgliedstaates blieb unbestritten.
5.2 Nachfolgend ist im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob
es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden und ob nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-
VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist.
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Seite 6
6.
6.1 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung da-
von aus, dass das italienische Asylsystem – trotz punktueller Schwachstel-
len – keine systemischen Mängel im Sinn von Art. 3 Abs. 2 zweiter Satz
Dublin-III-VO aufweist (vgl. statt vieler Referenzurteile des BVGer
D-4235/2021 vom 19. April 2022 E. 10; F-6330/2020 vom 18. Oktober
2021 E. 9 und E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 E. 6.3). An dieser
Rechtsprechung ist festzuhalten, zumal der Beschwerdeführer nichts Ge-
genteiliges vorbringt. Für eine Übernahme der italienischen Zuständigkeit
gestützt auf Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO besteht daher kein Anlass.
7.
Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat be-
schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-
losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er
nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung
zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbstein-
trittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August
1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung
kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann be-
handeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig ist.
Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der
Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
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8.
8.1 Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerdeschrift sinnge-
mäss dasselbe wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren geltend: Er habe
sein Heimatland verlassen und sei nach Italien gereist, um sein Studium
weiterführen zu können. In Italien habe er bereits zwei Asylgesuche ge-
stellt, welche jedoch abgelehnt worden seien. Er habe deshalb versucht,
über C._ nach D._ oder E._ zu gelangen. Anlässlich
dieser Versuche sei er aber immer wieder nach Italien zurückgeschickt
worden. Da er über C._ nicht weitergekommen sei, sei er in die
Schweiz gereist. Er wolle hier Papiere erhalten und eine Ausbildung ma-
chen. Italien sei ein schönes Land, aber seine Ausbildung könne er auf-
grund der fehlenden Papiere dort nicht beenden.
8.2 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan, die italienischen Behörden würden sich weigern, ihn wieder aufzu-
nehmen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu ent-
nehmen, Italien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement
missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib,
sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG
gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol-
ches Land gezwungen zu werden. Ausserdem hat der Beschwerdeführer
nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in
Italien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der
EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Es
liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Behandlung seines Asylgesuchs
mangelhaft gewesen sein könnte und seine Wegweisung in Verletzung des
Non-Refoulement-Prinzips verfügt worden wäre. In diesem Zusammen-
hang ist der Vollständigkeit halber festzustellen, dass ein definitiver Ent-
scheid über ein Asylgesuch und die Wegweisung in das Heimatland nicht
per se eine Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips darstellen. Das Prin-
zip der Überprüfung eines Asylgesuchs durch einen einzigen Mitgliedstaat
("one chance only") dient im Gegenteil der Vermeidung von multiplen Asyl-
gesuchen in verschiedenen Staaten (sogenanntes "asylum shopping"; vgl.
BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3). Vorliegend führt die Überstellung des
Beschwerdeführers nach Italien gemäss Akten nicht zu einer Kettenab-
schiebung, welche gegen das Non-Refoulement-Prinzip verstossen würde,
wie es in Art. 33 FK verankert ist (und sich ausserdem aus Art. 4 der EU-
Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK ableiten lässt).
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8.3 Der Beschwerdeführer machte weder gesundheitliche Probleme gel-
tend noch lassen sich solche den Akten entnehmen. Er gilt dementspre-
chend als gesund. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass Italien grund-
sätzlich über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt (vgl.
statt vieler: Urteil des BVGer E-4930/2021 vom 18. November 2021 E. 6.3
m.w.H.). Es darf davon ausgegangen werden, dass dieser Dublin-Mitglied-
staat die sich aus der Aufnahmerichtlinie ergebenden Rechte nach Einrei-
chung eines Asylgesuches anerkennt und schützt. Es liegen keine Hin-
weise vor, wonach Italien dem Beschwerdeführer eine allenfalls notwendig
werdende adäquate medizinische Behandlung verweigern würde. Der Zu-
gang für asylsuchende Personen zum italienischen Gesundheitssystem
über die Notversorgung hinaus ist derzeit grundsätzlich gewährleistet,
auch wenn es in der Praxis zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann
(vgl. Urteil E-962/2019 E. 6.2.7). Der Beschwerdeführer könnte sich im Üb-
rigen nötigenfalls an die italienischen Behörden wenden und die ihm zu-
stehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl.
Art. 26 Aufnahmerichtlinie).
8.4 Zusammenfassend liegt kein Grund für die Anwendung der Ermes-
sensklausel von Art. 17 Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3
AsylV 1 vor. Weder ist die Schweiz verpflichtet, auf das Asylgesuch einzu-
treten, noch liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt na-
helegen würden. Das SEM ist daher zu Recht auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht eingetreten. Da er nicht im Besitz einer gültigen Auf-
enthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach
Italien in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet
(Art. 32 Bst. a AsylV 1).
9.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
10.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen. Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem
Urteil abgeschlossen, weshalb sich der Antrag auf Gewährung der auf-
schiebenden Wirkung als gegenstandslos erweist. Der angeordnete Voll-
zugsstopp fällt mir vorliegendem Urteil dahin.
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-962/2019
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11.
Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den
vorstehenden Erwägungen ergibt – aussichtlos waren, weshalb die Vor-
aussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Das Gesuch um
Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wird mit dem vorliegenden Ent-
scheid in der Sache gegenstandslos.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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