Decision ID: 79ffac98-46ab-51ac-8a37-0417e84c21dd
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach.
Am 17. August 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) statt und am
21. Dezember 2018 wurde er vom SEM einlässlich zu seinen Asylgründen
angehört.
A.b Zur Begründung seines Gesuches führte der aus B._ im
C._-Distrikt (Nennung Provinz) stammende tamilische Beschwer-
deführer aus, er habe bis (Nennung Stufe) die Schule besucht und ab dem
Jahr (...) bis (...) bei einer Firma als (Nennung Tätigkeit) gearbeitet. An-
schliessend sei er während (Nennung Dauer) in einem anderen Betrieb als
(Nennung Funktion) tätig gewesen. Zuletzt beziehungsweise bis zu seiner
Rückkehr von D._ nach Sri Lanka im Jahr (...) habe bei einer Firma
in (Nennung Funktion) gearbeitet. Er habe im Jahr (...) seine Heimat ver-
lassen, weil ihn kurz nach dem Tsunami ein Mann namens E._ für
die F._ habe rekrutieren wollen. Auf Anraten eines (Nennung Ver-
wandter) habe er sich dagegen ausgesprochen, sei jedoch in der Folge
gezwungen worden, gewisse Arbeiten für die F._ auszuführen. So
habe die F._ bei den Leuten Steuern eingetrieben und er habe
(Nennung Tätigkeit) müssen. Auch habe er von den F._ (Nennung
Tätigkeit) organisiert. Damals habe er unter E._ und einem weite-
ren Mann namens G._ gearbeitet, welche beide beim Geheim-
dienst der F._ und auf der Seite von H._ gewesen seien. Als
es zwischen H._ und I._ zu Problemen gekommen sei, sei
auf G._ geschossen worden. G._ habe trotz einer Verlet-
zung flüchten können und sich zum Haus eines seiner Freunde begeben,
wo G._ ohnmächtig hingefallen sei. Sein Freund habe ihn (den Be-
schwerdeführer) benachrichtigt, worauf sie G._ in der Folge ge-
meinsam ins Spital gebracht hätten. Die Special Task Force (STF) respek-
tive die I._-Gruppe habe davon erfahren und ihn deswegen ge-
sucht. Er sei nicht mehr im Dorf geblieben, sondern habe sich nach
J._ begeben, wo er sich im Haus seiner (Nennung Verwandte) auf-
gehalten habe. Im (...) sei er nach D._ gereist, wo er eine Aufent-
haltserlaubnis bis (Nennung Zeitpunkt) besessen habe. Im (...) sei er nach
Sri Lanka zurückgekehrt, um ein (Nennung Geschäft) in K._ zu füh-
ren, zumal der Krieg schon lange vorbei gewesen sei, er bei seinen regel-
mässigen früheren Besuchen seiner Heimat, die jeweils (Nennung Dauer),
keine Probleme bekommen habe, seine Eltern krank gewesen seien und
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er in Sri Lanka habe leben wollen. Am (...) sei er von Angehörigen des Ter-
rorist Investigation Department (TID) zuhause festgenommen und während
(Nennung Dauer) festgehalten worden. Man habe ihn über E._,
G._ und weitere Personen befragt und ihn beschuldigt, Waffen zu
besitzen, welche er herauszugeben habe. Auch sei ihm vorgeworfen wor-
den, eine Organisation von Auslandtamilen mit Geld unterstützt zu haben.
Er sei in dieser Zeit geschlagen und mit Zigaretten misshandelt worden.
Ausserdem sei es zu einem sexuellen Übergriff gekommen. Man habe ihn
gezwungen, ein in singhalesischer Sprache gehaltenes Schreiben zu un-
terzeichnen, worauf er nach einiger Zeit freigelassen worden sei. Man habe
ihn nach L._ gebracht und dort am Bahnhof freigelassen, wo ihn
ein (Nennung Verwandter) beziehungsweise ein (Nennung Verwandter)
abgeholt habe. Dieser habe ihm gesagt, dass für seine Freilassung ein
Schmiergeld bezahlt worden sei. Der Verwandte habe ihn an einen siche-
ren Ort in K._ gebracht. In den folgenden (Nennung Zeitraum) seien
keine Probleme aufgetaucht. Im (...) sei er dann aber zuhause in
B._ wiederholt von unbekannten Personen gesucht worden, worauf
ihn der (Nennung Verwandter) nach M._ gebracht habe. Danach
habe man ihn noch zwei Mal gesucht und auch nach seiner Ausreise noch
einmal. Da es keinen Sinn mehr gemacht habe, in seiner Heimat zu blei-
ben, habe er mittels eines Agenten seine Ausreise organisiert. Am (...) habe
er seine Heimat legal mit seinem ordnungsgemäss erhaltenen Reisepass
auf dem Luftweg verlassen. Der Schlepper habe dabei – um Probleme zu
vermeiden – die zuständigen Beamten bestochen.
Der Beschwerdeführer reichte zum Nachweis seiner Identität (Nennung
Beweismittel) zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 11. März 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch
ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz sowie de-
ren Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 14. April 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, es
sei die angefochtene Verfügung vom 11. März 2020 wegen der Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör, eventuell wegen der Verletzung der
Begründungspflicht, eventuell zur Feststellung des vollständigen und rich-
tigen rechtserheblichen Sachverhalts aufzuheben und die Sache sei zur
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Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventuell sei seine
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu ge-
währen, eventuell sei die Verfügung betreffend die Dispositivziffern 4 und
5 aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei ihm vollständige Ein-
sicht in die gesamten Akten des Botschaftsasylverfahrens von G._,
geboren (...), Sri Lanka, ORBIS Nr. (...), zu gewähren, unter Einräumung
einer angemessenen Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung
nach gewährter Akteneinsicht. Ferner sei der Spruchkörper bekanntzuge-
ben und zu bestätigen, dass dieser zufällig ausgewählt worden sei, andern-
falls seien die objektiven Kriterien für die Auswahl des Spruchkörpers be-
kanntzugeben.
Der Beschwerde lagen bei: (Aufzählung Beweismittel).
D.
Mit Eingabe vom 20. April 2020 reichte der Beschwerdeführer ein weiteres
Beweismittel (Nennung Beweismittel) nach.
E.
Die Instruktionsrichterin teilte dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
22. April 2020 mit, er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz
abwarten, und gab ihm – unter Vorbehalt allfälliger Wechsel bei Abwesen-
heiten – die Zusammensetzung des Spruchkörpers bekannt. Sodann for-
derte sie das SEM auf, das Gesuch um Akteneinsicht im Verfahren von
G._ betreffend Auslandverfahren respektive Erteilung eines huma-
nitären Visums zu behandeln.
F.
Mit Eingabe vom 4. Mai 2020 legte der Beschwerdeführer weitere Unterla-
gen (Nennung Dokumente) ins Recht.
G.
In der Vernehmlassung vom 20. Mai 2020 hielt die Vorinstanz nach einigen
ergänzenden Bemerkungen an ihren Erwägungen vollumfänglich fest.
H.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 11. Juni 2020, welcher
er zusätzliche Beweismittel (Aufzählung Beweismittel) beilegte. Zudem
führte er an, trotz der Anordnung in der Instruktionsverfügung vom 22. April
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2020 sei bislang durch das SEM keine Akteneinsicht in das Dossier von
G._ gewährt worden.
I.
Mit Verfügung vom 18. Juni 2020 forderte die Instruktionsrichterin das SEM
auf, das Gesuch um Akteneinsicht im Verfahren von G._ betreffend
Auslandverfahren respektive Erteilung eines humanitären Visums ohne
Verzug entweder zu behandeln oder darzulegen, dass das Gesuch bereits
geprüft worden sei.
J.
Mit Schreiben vom 2. Juli 2020 liess der Beschwerdeführer dem Bundes-
verwaltungsgericht eine Kopie des Antwortschreibens des SEM betreffend
das Gesuch um Akteneinsicht hinsichtlich G._ vom (...) zukommen,
worin das SEM im Wesentlichen festhielt, weder im Zentralen Migrationsin-
formationssystem (ZEMIS), noch im nationalen Visumsystem (ORBIS)
noch aus einem Asylverfahren über Akten zur betreffenden Person zu ver-
fügen. Gleichzeitig bemängelte er die Richtigkeit der darin festgehaltenen
Tatsachen, stellte diesbezüglich in Frage, dass das SEM sorgfältig gear-
beitet habe und ersuchte um besonderes Augenmerk des Gerichts in die-
ser Sache.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
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2.
2.1 Auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers
ist nicht einzutreten (Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018
E. 4.3).
2.2 Der Antrag auf Bekanntgabe des Spruchgremiums ist – soweit diesem
nicht bereits in der Instruktionsverfügung vom 22. April 2020 entsprochen
wurde – mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen (Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör inklusive Verletzung der Begrün-
dungspflicht, unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts) erhoben. Diese sind vorab zu beurteilen, da sie allen-
falls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu be-
wirken.
4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
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Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege
des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
4.2.1 Der Beschwerdeführer rügt zunächst, die Vorinstanz habe seinen An-
spruch auf rechtliches Gehör verletzt, weil der bei der Anhörung befra-
gende Mitarbeiter des SEM in deutlicher Weise voreingenommen gewesen
sei. So habe dieser die systemische Machtasymmetrie zwischen Befrager
und ihm ausgenutzt und damit eine erniedrigende Wirkung auf ihn erzielt
anstatt sich geduldig, respektvoll, empathisch und neugierig zu zeigen, wie
dies im Handbuch Asyl und Rückkehr des SEM in Artikel C7 stipuliert
werde. Die Voreingenommenheit und Ungläubigkeit gegenüber seinen Vor-
bringen zeige sich ab Frage 28, und werde in den folgenden Fragen (F37,
F39) deutlicher. Zudem habe er sich nicht frei und mit der notwendigen
Detaildichte äussern können, da er bei Frage 25 unterbrochen worden sei,
als er seine Probleme der Jahre (...) habe schildern wollen. Die verfehlte
Arbeitsweise werde sodann in den Fragen 89, 119 und 125 offenkundig.
Weiter sei der Themenkomplex der sexuellen Misshandlung ohne jegliches
Einfühlungsvermögen erarbeitet worden, wodurch kein Vertrauensverhält-
nis habe entstehen können, was jedoch Voraussetzung gewesen wäre, um
nicht eine Retraumatisierung zu provozieren. Der Befrager verfüge weder
über die notwendige soziale Kompetenz noch über ausreichende Kennt-
nisse des länderspezifischen Kontextes, um traumatisierte Folter- und Ver-
gewaltigungsopfer zu befragen. Der Befrager sei denn auch nicht ausrei-
chend auf seinen Gesundheitszustand eingegangen und habe bezüglich
seiner Narben subjektive Werturteile gefällt. Auch seien seine familiären
Verbindungen zur F._ sowie die Rolle und Biographie seines Freun-
des, der (Nennung Zeitpunkt) den Tod gefunden habe, nicht vollständig ab-
geklärt worden. So habe der Befrager die Nachreichung des (Nennung Be-
weismittel) dieses Freundes mit der Begründung abgelehnt, dass dieses
Beweismittel nichts über seine Schilderungen aussage und keinen Beleg
darstelle, dass er diesen Freund kenne, was jedoch angesichts der einge-
reichten Übersetzung des (Nennung Beweismittel) falsch sei und ein wei-
terer Beleg für die Voreingenommenheit des Befragers und dessen fachli-
che Inkompetenz darstelle. Das Anhörungsprotokoll und somit das Kern-
stück des Asylverfahrens sei deshalb infolge einer mangelhaften Sachver-
haltsabklärung unbrauchbar. Deshalb müsse die angefochtene Verfügung
aufgehoben und zur Durchführung einer korrekten Anhörung sowie zur
Neubeurteilung an das SEM zurückgewiesen werden. Weiter sei ange-
sichts der (durch seinen Rechtsvertreter) bereits in anderen Fällen doku-
mentierten mangelnden Sach- und Sozialkompetenz und unangebrachten
Verhaltensweise des Befragers das SEM anzuweisen, entsprechende
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Massnahmen zu ergreifen, zumal die Eignung desselben zur Befragung
von Asylsuchenden grundsätzlich zu bezweifeln sei.
4.2.2 Die Vorinstanz liess sich zu der vom Beschwerdeführer vorgebrach-
ten Kritik an der Arbeit und der fachlichen Kompetenz des SEM-Mitarbei-
ters, welcher die Anhörung durchführte, in ihrer Vernehmlassung nicht ver-
nehmen. Diesbezüglich ist zunächst festzuhalten, dass weder der ange-
fochtene Entscheid noch die Vernehmlassung durch den für die Anhörung
zuständigen Befrager, sondern durch eine andere Mitarbeiterin des SEM
abgefasst wurde. Weiter zeigt eine Durchsicht des Anhörungsprotokolls,
dass die anwesende Hilfswerksvertretung am Schluss der Anhörung keine
Fragen stellen liess und an derselben weder Einwände anzumelden noch
weitere Abklärungen anzuregen hatte (vgl. act. A17/21, S. 19 sowie Unter-
schriftenblatt der Hilfswerkvertretung gemäss Art. 30 Abs. 4 AsylG). Dem
Anhörungsprotokoll sind ferner keine Hinweise zu entnehmen, welche die
Behauptung des Beschwerdeführers, der SEM-Mitarbeiter habe seine Stel-
lung als Befrager ausgenutzt und ihn dadurch erniedrigt, stützen könnten.
Offenbar sah sich der Beschwerdeführer weder veranlasst, während der
Anhörung einen solchen Einwand zur Sprache zu bringen, noch lassen
sich aus seinen Antworten Hinweise entnehmen, welche darauf hindeute-
ten, dass er sich im Rahmen der in der Beschwerdeschrift zitierten Fragen
(F28, F33, F37, F39) erniedrigt oder in anderer Weise unangemessen be-
handelt gefühlt hätte. Wohl enthält Frage 39 eine kritische Nachfrage, ohne
dass aber daraus auf eine Voreingenommenheit des Befragers geschlos-
sen werden könnte. Ebenso wenig lässt sich aus dieser, wie auch aus den
Fragen 28, 33 und 37 eine Ungläubigkeit gegenüber seinen Schilderungen
herleiten, auch wenn anzumerken ist, dass Fragen etwa zur Motivation
Dritter kaum zielführend erscheinen. Sodann handelt es sich beim zitierten
Handbuch des SEM, das unter anderem Richtlinien für die korrekte Durch-
führung einer Anhörung enthalte, um eine interne Weisung und damit um
eine Verwaltungsverordnung ohne Aussenwirkung, aus welcher der Be-
schwerdeführer keine Rechte und Pflichten abzuleiten vermag (vgl. Urteil
des BVGer E-7803/2016 vom 9. Januar 2017 E. 3.3). Weiter moniert der
Beschwerdeführer, er sei in seinem freien Erzählvortrag zu den Gründen,
die ihn zu seinem Weggang nach D._ im Jahr (...) bewogen hätten,
vom Befrager unterbrochen worden. Daher habe er sich nicht frei und mit
der notwendigen Detaildichte zu seinen damaligen Problemen äussern
können. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Befrager die Anhörung
leitet, welche das Ziel hat, alle wesentlichen Fakten für die Beurteilung des
Asylgesuchs zu sammeln (vgl. act. A17/21, S. 1, 1. Abschnitt). Demzufolge
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obliegt es ihm auch, die Anhörung entsprechend zu gliedern sowie zu len-
ken und dabei den Asylgesuchsteller bei abschweifenden Weiterungen zu
belehren oder bei unzusammenhängenden Ausführungen oder thematisch
abweichenden oder unwesentlichen Äusserungen zu unterbrechen. Auf
diese Möglichkeit wurde der Beschwerdeführer denn auch zu Beginn der
Anhörung explizit aufmerksam gemacht (vgl. act. A17/21, S. 1, 1. Abschnitt
letzter Satz). Im Umstand, dass der Beschwerdeführer in seinem Erzähl-
vortrag unterbrochen und aufgefordert wurde, die (...) Jahre zurückliegen-
den Ereignisse in zusammengefasster Form darzulegen, manifestiert sich
noch keine Voreingenommenheit des Befragers. Überdies stellte der Be-
frager in Aussicht, Fragen zu diesen Ereignissen zu stellen, falls er solche
haben werde (vgl. act. A17/21, F25). Die diesbezügliche Rüge erweist sich
somit als unbegründet.
Sodann kritisiert der Beschwerdeführer, dass sich die verfehlte Arbeits-
weise des Befragers insbesondere in den Fragen 89, 119 und 125 mani-
festiere. Aus der Frage 89 lässt sich jedoch ebenfalls keine Voreingenom-
menheit des Befragers erkennen. Darin nimmt dieser die Ausführungen
des Beschwerdeführers in seiner Antwort zu Frage 88 auf, verweist auf die
generelle Selbstständigkeit des Beschwerdeführers und fragt nach, warum
er eine Verhaftung in J._ befürchte. Es ergeben sich keine Hin-
weise, dass der Beschwerdeführer dadurch vom Befrager erniedrigt wor-
den wäre. Soweit sich der Beschwerdeführer bezüglich der ihm gestellten
Fragen 119 und 125 daran stört, dass der Befrager seine Verwunderung
zu gewissen Antworten zum Ausdruck gebracht habe, was dessen Befan-
genheit aufzeige und erkennen lasse, dass ihm der Befrager nicht geglaubt
habe, ist festzuhalten, dass im Rahmen einer Anhörung prinzipiell ein kla-
rer, sachlicher und zielgerichteter Befragungsstil zu befürworten ist. Vorlie-
gend legte der Befrager – so insbesondere in Frage 125 – in unerwünscht
salopper Weise sein Erstaunen über den Umstand dar, dass der Beschwer-
deführer in seinen vorgängigen Antworten (F121 ff.) wohl Ausführungen zu
G._ macht, letztlich aber angibt, zur zeitlichen Einordnung der Vor-
gänge, die sich teilweise auf Auskünfte von Dritten stützt, keinerlei Anga-
ben machen zu können (vgl. act. A17/21, S. 17 f.). Auch wenn eine sachli-
chere Formulierung teilweise wünschenswert gewesen wäre, kann daraus
nicht geschlossen werden, dass der in den erwähnten Punkten verwendete
Befragungsstil einen massgeblichen Einfluss auf das Aussageverhalten
des Beschwerdeführers hatte, insbesondere dass es den Beschwerdefüh-
rer in seinem Aussagen behindert hätte; solches wird in der Beschwerde-
schrift denn auch nicht konkret dargelegt. Aus dem Umstand, dass der Be-
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frager sein Erstaunen oder ein gewisses Unverständnis bezüglich spezifi-
scher Vorbringen des Beschwerdeführers kundtat, ist nicht bereits auf des-
sen fehlende Objektivität zu schliessen. Zudem erhielt der Beschwerdefüh-
rer dadurch unter Umständen auch Anlass und Möglichkeit, Aussagen zu
verdeutlichen oder allfällige Missverständnisse auszuräumen.
4.2.3 Zum gleichen Schluss kommt das Gericht im Resultat auch hinsicht-
lich des vom Beschwerdeführer geschilderten sexuellen Übergriffs. In die-
sem Zusammenhang rügt der Beschwerdeführer insbesondere, dieser
Themenkomplex sei ohne jegliches Einfühlungsvermögen erarbeitet wor-
den, wodurch kein Vertrauensverhältnis habe entstehen können, zumal der
Befrager auch die Zusicherung, gemäss welcher alle Aussagen vertraulich
behandelt würden, nicht gegeben habe, obwohl er sich in Frage 53 noch-
mals habe versichern wollen, dass seine Erzählungen zum sexuellen Über-
griff auch wirklich niemand erfahren werde. Diesbezüglich ist aus dem Pro-
tokoll zu ersehen, dass der Befrager zu Beginn der Anhörung den Be-
schwerdeführer explizit auf die Verschwiegenheitspflicht aller Anwesenden
aufmerksam machte, weshalb er ohne Furcht erzählen könne. Auf Nach-
frage gab der Beschwerdeführer an, diese Ausführungen verstanden zu
haben (vgl. act. A17/21, S. 2). Auch wenn es für den Befrager bei der Frage
54 möglich und angebracht gewesen wäre, dem Beschwerdeführer erneut
zu versichern, dass seine Angaben vertraulich behandelt würden, stellt die
vorliegende Unterlassung oder die Aufforderung in der Frage 55 "Dann er-
zählen Sie bitte." noch keinen Hinweis auf fehlendes Einfühlungsvermögen
dar. Auch die Nachfragen in den Fragen 56-58 sowie 60-66 vermögen eine
Voreingenommenheit des Befragers nicht zu begründen, zumal die Äusse-
rung seiner Verwunderung zu einzelnen Vorbringen oder kritischer Nach-
fragen dazu noch nicht genügt. Wohl ist insbesondere hinsichtlich der Fra-
gen 59 und 62 festzustellen, dass diese im vorliegenden Kontext als unan-
gebracht, wenig zielführend und von wenig Empathie zeugend zu erachten
sind. Die Behauptung, dass der Beschwerdeführer unter anderem deswe-
gen einer psychischen Tortur ausgesetzt worden wäre oder dies zu einer
krassen Verschlimmerung der von ihm geltend gemachten Traumatisie-
rung geführt haben soll, findet in den Akten jedoch keine Stütze. Auch in
diesem Punkt ist nicht ersichtlich, dass die Art der Fragen das Aussagever-
halten des Beschwerdeführers in erheblicher Weise beeinflusst hätte. Aus
seinen Antworten auf die Fragen 57-66 lässt sich nämlich ersehen, dass er
sich von den Fragen kaum – wenn überhaupt – irritieren liess und auf diese
mehr oder weniger ausführlich antwortete, ohne an irgendeinem Punkt der
Anhörung die Art der gestellten Fragen oder den Befragungsstil des SEM-
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Mitarbeiters zu kritisieren oder auch nur zu kommentieren (vgl. act. A17/21,
S. 8 f.).
4.2.4 Auch wenn aufgrund des Ausgeführten anlässlich der Anhörung stel-
lenweise ein sachlicherer Ton oder bei einer einzelnen Frage mehr Einfüh-
lungsvermögen angebracht gewesen wäre, ist eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs des Beschwerdeführers aufgrund der Art und Weise der An-
hörung durch die Vorinstanz im Ergebnis zu verneinen.
4.3 Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, als logische Konsequenz der
beschriebenen Voreingenommenheit des Befragers und/oder der methodi-
schen Unzulässigkeit der Befragungsweise liege eine mangelhafte Sach-
verhaltsabklärung vor. Dieser Rüge kann nicht beigepflichtet werden. In
E. 4.2.2 wurde dargelegt, dass vorliegend keine Voreingenommenheit des
Befragers anzunehmen ist und die Art und Weise der Durchführung der
Anhörung keinen formellen Mangel darstellt. Alleine der Umstand, dass der
Befrager in Frage 112 dem Beschwerdeführer eine klärende Nachfrage zu
seiner Antwort in Frage 111 stellte, lässt in keiner Weise den Rückschluss
einer fehlenden Kenntnis des sri-lankischen Länderkontextes zu. Sodann
erhielt der Beschwerdeführer Gelegenheit, sich zu seinen gesundheitlichen
Beschwerden zu äussern und dem Befrager seine Verletzungen respektive
seine Narben zu zeigen (vgl. act. A17/21, F131 f.). Nachdem er kurz darauf
verneinte, weitere Gründe zu haben, die er noch nicht habe vorbringen
können, ist darin keine ungenügende Feststellung des Sachverhalts zu er-
kennen (vgl. act. A17/21, F137). Entgegen der in der Beschwerde vertre-
tenen Ansicht ist aus der Klammerbemerkung des Befragers zu Frage 132
ebenfalls nicht auf dessen Voreingenommenheit oder eine unvollständige
Sachverhaltsfeststellung zu schliessen, zumal der Befrager darin im We-
sentlichen lediglich anführt, dass die Ursache für die gezeigten Hautläsio-
nen nicht klar sei und auch von Akne stammen könne. Dieser allgemein
gehaltene Eindruck des Befragers ist auch deshalb nicht zu beanstanden,
weil – wie der Beschwerdeführer selber anführt – der Befrager über kein
medizinisches Fachwissen verfügen dürfte. Zudem entscheiden nach den
Erkenntnissen des Gerichts verschiedene Faktoren über die Art und Optik
einer Narbe (so die Art und die Schwere einer Verletzung, das Alter, die
betroffene Körperstelle, die Wundhygiene, die persönliche Veranlagung so-
wie der Hauttyp) und die Narbenbildung kann bis zu zwei Jahre andauern.
Der Beschwerdeführer soll eigenen Angaben zufolge im (Nennung Zeit-
punkt) mit Zigaretten malträtiert worden sein (vgl. act. A17/21, F53) und die
Beobachtung seiner Hautläsionen fand (erst) über (...) Jahre später im
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Rahmen der am 21. Dezember 2018 durchgeführten Anhörung statt, wes-
halb vorliegend die Narbenbildung bereits abgeschlossen sein dürfte. Der
Beschwerdeführer führte in der Anhörung denn auch selber die Möglichkeit
an, dass diese Narben mittlerweile wieder verschwunden sein könnten (vgl.
act. A17/21, F132). Soweit er eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung
bezüglich der familiären F._-Verbindungen rügt, sind der zitierten
Frage 20 des Anhörungsprotokolls – entgegen der in der Beschwerde ver-
tretenen Ansicht – keinerlei Hinweise über direkte Verbindungen des (Nen-
nung Verwandter) zur F._ zu entnehmen, weshalb es nicht der Vor-
instanz anzulasten ist, dass sie diesbezüglich keine weiteren Anschluss-
fragen gestellt hat. Der in Frage 24 erwähnte (Nennung Verwandter), der
damals (Nennung Jahr) die F._ unterstützt habe, wurde in der an-
gefochtenen Verfügung jedoch aufgeführt und die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten Handlungen zugunsten der F._ geprüft und ge-
würdigt. Nachdem der Beschwerdeführer in den Jahren (...) bis (...) in
D._ lebte und im weiteren Verlauf seiner Asylbegründung für die
Zeit nach seiner Rückkehr sowohl den (Nennung Verwandter) als auch den
(Nennung Verwandter) wie auch irgendwelche Verbindungen von diesen
oder anderen Familienangehörigen zur F._ gänzlich unerwähnt
liess, erweist sich die Kritik, die Sache sei diesbezüglich nicht weiter abge-
klärt worden, als unbegründet.
Soweit der Beschwerdeführer ferner rügt, dass die Rolle und die Biogra-
phie des zwei Monate nach seiner (ersten) Ausreise respektive am (...) er-
schossenen Freundes nicht vollständig abgeklärt worden sei, gab der Be-
frager in der Anhörung eine ausführliche Begründung ab, warum er die Be-
weisofferte des Beschwerdeführers (Erläuterung Beweisofferte) ablehnte
beziehungsweise die Nachreichung dieses Dokuments für die Abklärung
des Sachverhalts als unwesentlich erachtete (vgl. act. A17/21, S. 15,
F107). Zwar nahm der Befrager in diesem Zusammenhang eine Vorabwür-
digung des angebotenen Beweismittels vor. Da jedoch – wie in E. 4.2.2
oben – bereits ausgeführt, die Anhörung das Ziel hat, alle wesentlichen
Fakten für die Beurteilung des Asylgesuchs zu sammeln (vgl. act. A17/21,
S. 1, 1. Abschnitt), verfügt der Befrager bei der Beurteilung, ob Fakten und
damit allenfalls zusammenhängende Beweismittel als wesentlich oder als
unwesentlich einzuschätzen sind, über einen gewissen Spielraum. Daher
stellt die Vorgehensweise des Befragers vorliegend nach Ansicht des Ge-
richts noch keinen Mangel in der Abklärung des Sachverhalts dar. Auch
lässt sich daraus – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht –
ebenfalls keine Voreingenommenheit des Befragers oder eine fachliche In-
kompetenz desselben erkennen. Soweit der Beschwerdeführer in diesem
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Zusammenhang kritisiert, dass der Befrager die Nachreichung des (Nen-
nung Beweismittel) dieses Freundes mit der Begründung abgelehnt habe,
das fragliche Beweismittel enthalte keine Hinweise zu seinen Schilderun-
gen und stelle auch keinen Beleg dar, dass er diesen Freund kenne, was
allerdings angesichts der auf Beschwerdeebene eingereichten Überset-
zung des (Nennung Beweismittel) falsch sei, erweist sich diese Kritik nach
einer Konsultation des nachgereichten Beweismittels und dessen Überset-
zung als unzutreffend. Wohl kann dem fraglichen (Nennung Beweismittel)
entnommen werden, dass die betreffende Person an dem vom Beschwer-
deführer angeführten Datum erschossen wurde. Das Dokument enthält je-
doch in der Tat keinerlei Hinweise, in welchem Zusammenhang dies ge-
schehen sei und es lassen sich daraus auch keine Verbindungen irgend-
welcher Art zu den Vorbringen des Beschwerdeführers herleiten.
Angesichts obiger Ausführungen besteht für das Gericht keine Veranlas-
sung, das SEM – wie vom Beschwerdeführer beantragt – anzuweisen,
Massnahmen gegen den vorliegend zuständigen Befrager wegen man-
gelnder Sach- und Sozialkompetenz und unangebrachtem Verhalten zu er-
greifen.
4.4 Weiter rügte der Beschwerdeführer, das SEM habe die Begründungs-
pflicht verletzt, indem es die im Sinne des Referenzurteils E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 zu prüfenden Risikofaktoren bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka – so hinsichtlich des aktuellen Länderkontextes, der familiären Ver-
bindungen zu ehemaligen F._-Unterstützern und –Mitgliedern so-
wie seiner von Folter stammenden Brandnarben unberücksichtigt gelassen
habe (vgl. Beschwerdeschrift, S. 21, Ziff. 5.2).
4.4.1 Im zitierten Urteil E-1866/2015 hat das Bundesverwaltungsgericht
festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende ta-
milische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von
Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht
orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrern, Opfer
ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an ver-
schiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein
einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Ver-
bindung zu den F._, um Teilnahme an exilpolitischen regimekriti-
schen Handlungen und um Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-
lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsäch-
lichen oder vermuteten Verbindung zu den F._ (sog. stark risikobe-
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gründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1 – 8.4.3). Einem gesteigerten Ri-
siko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Per-
sonen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einrei-
sen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder
die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka
zurückkehren sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach
risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht
wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren
eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben.
Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer eine be-
gründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ha-
ben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass
sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen
(vgl. a.a.O., E. 8.5.1).
4.4.2 In seiner Verfügung hat das SEM bei der Prüfung der Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs im Zusammenhang mit einem Wegweisungs-
vollzug in die (Nennung Provinz) zwar das Urteil E-1866/2015 erwähnt und
festgehalten, dass ein solcher Vollzug beim Vorliegen individueller Zumut-
barkeitskriterien bejaht werden könne. Jedoch wurde im Asylentscheid
keine Risikoeinschätzung gemäss der Rechtsprechung im Referenzurteil
E-1866/2015 durchgeführt. Im Sachverhalt wurde zwar erwähnt, dass der
Beschwerdeführer angab, man habe ihn für die F._ rekrutieren wol-
len. Ein (Nennung Verwandter) habe dies verhindert – dass dieser (Nen-
nung Verwandter) zu diesem Zeitpunkt die F._ selber unterstützte,
blieb von der Vorinstanz jedoch unerwähnt (vgl. act. A17/21, F24; A19/8,
S. 2, Ziff. 2.) –, er habe aber in der Folge gewisse Arbeiten für die
F._ ausführen müssen. Auch habe er einen seiner Vorgesetzten,
G._, nach dessen Schussverletzung ins Spital gebracht, worauf er
von der STF gesucht worden sei. Deshalb sei er nach D._ umge-
zogen. Nach seiner Rückkehr sei er vom TID festgenommen und unter an-
derem mit Zigaretten gefoltert sowie (erneut) zu G._ befragt worden
(vgl. zum Ganzen Bst. A.b oben). Eine Würdigung sämtlicher Sachverhalt-
selemente (so insbesondere die persönlichen und verwandtschaftlichen
Verbindungen zur F._ wie auch die Narben, ebenso die mehrmali-
gen langjährigen Landesabwesenheiten) unter dem Gesichtspunkt des Ri-
sikoprofils im Sinne des erwähnten Referenzurteils hat das SEM in der an-
gefochtenen Verfügung gänzlich unterlassen und auf Vernehmlassungs-
stufe höchstens ansatzweise vorgenommen. Vor diesem Hintergrund ist
von einer schweren Verletzung der Begründungspflicht und somit des
rechtlichen Gehörs auszugehen.
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5.
Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht
in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück.
5.1 Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere
angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein
umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in diesen Fällen feh-
lende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be-
schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus
prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber
nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 m.w.H.). Eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör führt – angesichts des formellen Charakters des Gehörs-
anspruchs unabhängig davon, ob die angefochtene Verfügung bei korrek-
ter Verfahrensführung im Ergebnis anders ausgefallen wäre – grundsätz-
lich ebenfalls zur Kassation und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz.
Die Heilung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen Gründen
ist auf Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte nachgeholt
wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und der Be-
schwerdeinstanz für die konkrete Streitfrage die freie Überprüfungsbefug-
nis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt sowie die
festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende
Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand
hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2014/22 E. 5.3 m.w.H.).
5.2 Vorliegend ist eine Kassation an die Vorinstanz angezeigt. Nach dem
Gesagten wurde die Begründungspflicht und damit das rechtliche Gehör in
schwerwiegender Weise verletzt.
6.
Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, soweit die Aufhebung der ange-
fochtenen Verfügung wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs und der
Begründungspflicht (Rechtsbegehren Ziffn. 3 und 4) beantragt wird. Die
Verfügung vom 11. März 2020 ist aufzuheben und die Sache ist im Sinne
der Erwägungen zur Neubeurteilung – unter Würdigung aller entscheidwe-
sentlichen Sachverhaltselemente und eingereichten Beweismittel – an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
7.
Angesichts des Verfahrensausgangs kann offengelassen werden, ob die
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geltend gemachte Vorverfolgung als glaubhaft gemacht erscheint. Auf die
weiteren Anträge in der Rechtsmitteleingabe ist nicht einzugehen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
8.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann der obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr
erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zugespro-
chen werden (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädi-
gung ausserdem Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE,
SR 173.320.2]). Im vorliegenden Verfahren wurde keine Kostennote einge-
reicht. Auf die Nachforderung einer solchen wird indessen verzichtet (vgl.
Art. 14 Abs. 2 VGKE), weil im vorliegenden Verfahren der Aufwand für die
Beschwerdeführung und den Schriftenwechsel zuverlässig abgeschätzt
werden kann. Entschädigungspflichtig ist nur der notwendige Aufwand,
weshalb es zu berücksichtigen gilt, dass die Beschwerdeeingaben sowohl
redundante Passagen als auch weitschweifige Ausführungen zur allgemei-
nen Lage in Sri Lanka, welche sich auch in den Eingaben des Rechtsver-
treters in anderen Beschwerdeverfahren finden, enthalten. Die von der Vor-
instanz zu entrichtende Parteientschädigung ist in Berücksichtigung dieser
Umstände sowie der übrigen massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl.
Art. 8 ff. VGKE) auf Fr. 1‘500.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von
Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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