Decision ID: ba19952d-5322-4cb4-bf6d-d3ab367be06c
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1960 geborene
X._
,
ohne Berufsausbildung und
Mutter dreier 1980, 1984 und 1985 geborener Kinder,
reiste im April 1981 von Italien in die Schweiz ein und
bezog aufgrund einer
passageren Hepatitis C-Erkrankung
von Juli 1990 bis Januar 1996 eine ganze Rente der In
validenversicherung (vgl. 7/1)
. Zuletzt
war
sie
vom
1.
August
2003 bis
31. Januar 2019
als
Reinigungsmit
ar
beiterin (83.89
%) bei der Stadt Y._
angestellt
; letzter effektiver Arbeits
tag war der 1. Oktober 2017 (
Urk.
7/10
,
Urk.
7/19
).
Am 1
4.
März 2018 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine Fibromyalgie
erneut bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/4). Die IV-Stelle tätigte medizinische und beruflich-erwerbliche Abklä
rungen
und zog
die
Akten
der
beruflichen Vorsorgestiftung
, namentlich den
vertrauensärztlichen
Bericht von
Dr.
med. Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, vom 1
9.
M
ärz 2018
bei
(
Urk.
7/9
/1-5
)
.
Am 1
6.
Mai 2018 teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit, aus gesundheitlichen Gründen seien
berufliche
Eingliederungsmassnahmen
derzeit nicht
möglich (Urk.
7/14). Im Hinblick auf die R
entenprüfung tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen
und zog
die Verlaufs
akten
der beruflichen Vorsorgestiftung, namentlich
den vertrauensärztlichen
Bericht von
Dr.
Z._
vom 23.
August 2018
bei
(
Urk.
7/30
/1-4)
.
Mit Schreiben vom 1
5.
November 2018 forderte die IV-Stelle die Versicherte unter Hinweis auf die gesetzliche Mitwirkungspflicht und deren Säumnisfolgen auf, sich zur Verbesserung ihres Gesundheitszustandes einer psychiatrischen Behandlung zu unterziehen (
Urk.
7/32).
Nach durchgeführtem
Vorb
escheidverfahren
(
Urk.
7/33 f.), in dessen Rahmen
sie
das polydisziplinäre
(Allgemeine Innere Medi
zin/Rheumatologie/Psychiatrie)
Gutachten
von
Dr.
m
ed. A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
und
Dr.
med. B._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie,
C._
,
vom 1
5.
Januar 2020 (Urk.
7/
62
/1-119
; mit ergänzenden Ausführu
ngen vom 1
5.
Oktober 2020, Urk.
7/77
/1-9
) veranlasste,
lehnte
die IV-Stelle
einen Renten
anspruch der Versicherten mit Verfügu
ng vom 19.
Januar 2021 ab (Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
7.
Februar 2021 Beschwerde mit folgen
den Anträgen:
"
1.
Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1
9.
Januar 2021 aufzuheben.
2.
Es sei festzustellen, dass gegenüber dem Gutachter
Dr.
med. A._
ein triftiger
Ausstands- und Ablehnungsgrund i. S. v.
Art.
44 ATSG besteht.
3.
Es sei festzustellen, dass gegenüber
Dr.
med. B._
ein triftiger Ausstands- und
Ablehnungsgrund i. S. v.
Art.
44 ATSG besteht.
4.
Es sei das von der Beschwerdegegnerin eingeholte medizinische
polydisziplinäre
Gutachten der
C._
vollständig aus dem Recht zu weisen.
5.
Es sei vom angerufenen Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich ein neues
medizinisches polydisziplinäres Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben.
6.
Eventualiter sei die Sache
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, verbunden mit der
Auflage, ein neues medizinisches polydisziplinäres Gutachten i. S. v.
Art.
44 ATSG
einzuholen.
7.
Es sei i. S. v.
Art.
6 EMRK eine öffentliche Verhandlung durchzuführen.
8.
Es sei im Rahmen der beantragte
n öffentlichen Verhandlung die
Beschwerdeführerin persönlich zu befragen.
9.
Es sei im Rahmen der beantragten öffentlichen Verha
ndlungen Herr D._
als Zeuge zu befragen.
10.
Es sei im Rahmen der beantragten öffentlichen Verhandlung die Dolmetscherin Frau
E._
als Zeugin zu befragen.
11.
Es sei vom Gericht ex offic
io abzuklären, ob betreffend dem
Gutachter
Dr.
med.
B._
eine Strafanzeige einzureichen ist gestützt
Art.
307 StG
B
.
»
Mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
März 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6)
, was der Beschwerdeführerin am 3
1.
März 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
3.
Am
15. Oktober
2021
wurden die Parteien zur Hauptverhandlung vorgeladen (Urk. 1
1
), welche am
9.
Dezember 2021 im Beisein der
Beschwer
deführerin,
deren
Rechtsvertre
ter
und
Tochter als Begleitperson sowie
einer Italienisch-Übersetzerin
stattfand (vgl. Protokoll
S. 3
f
f.); die Beschwerdegegnerin hatte mit Schreiben vom
1
9.
Oktober 2021
ihren Verzicht an der Teilnahme angezeigt (Urk. 1
3
). D
er Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin
hielt in der Hauptverhandlung vom
9.
Dezember 2021 an
den bisherigen
Anträgen fest und
gab
seine
Plädoyer
notizen
(Urk. 1
5
)
sowie
diverse Arbeitsunfähigkeitszeugnisse
von
Dr.
med.
F._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin
,
(U
rk. 16
/
1-10
) zu den Akten.
4
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
, in der bis Ende 2021 gültigen Fassung
)
Versi
cherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen
wieder
herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der
Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Gemäss BGE 143 V 418 (E. 7) sind sämtliche psychischen Leiden, laut BGE 143 V 409 (E. 4.5.2) namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin, die Beschwer
deführerin sei seit Oktober 2017 krankgeschrieben.
Gestützt
auf das Gutachten
der
C._
habe bis
November 2019
eine
während eines Jahres
durch
gehende
Arbeitsunfähigkeit von
40
%
bestanden;
seit
Dezember 2019 sei die Beschwerdeführerin in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Reinigungsmitar
bei
terin
zu 50
%
und in einer optimal angepassten Verweistätigkeit zu 80
%
arbeits
fähig. Bei einer Qualifikation von 84
%
im Erwerbs- und 16
%
im Haus
halts
bereich resultiere aus dem Einkommensvergleich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 24
%
.
Mangels Relevanz für den Leistungsanspruch erübrige sich eine Abklärung der Beeinträchtigung im Haushaltsbereich
(
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin erhob unter Hinweis
auf ihre Stellungnahmen vom 4.
Juni und 1
7.
November 2020
(vgl.
Urk.
7/69 ff.,
Urk.
7/79; vgl.
hienach
E. 3.2, E. 3.
5
)
, welche als integrale
Bestandteil
e
der Beschwerde zu würdigen seien, verschiedentlich Einwände gegen das Gutachten der
C._
.
Insbesondere
sei es im Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung unzulässig, dass die Beschwerdeführerin von lediglich zwei Fachärzten begutachtet worden sei.
Sodann
bestünd
en gegen die
begutachtenden
Dr
es
.
A._
und
B._
A
usstands- und Ablehnungsgründe.
Dr.
B._
habe nachweislich falsche Angaben gemacht
zur
Anwesenheit
d
er Dolmetscherin.
Zudem habe er die Beschwerdeführerin im Intimbereich
untersucht
.
Dr.
A._
sei voreingenommen und habe sich diskri
minierend und rassistisch geäussert. Die behandelnden
Dr.
F._
und
Dr.
med. G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
hätten
in ausführlichen Stellungnahmen
ebenfalls
dargetan, weshalb dem Gutachten der
C._
nicht gefolgt werden könne. Bei alle dem sei zwingend eine neue polydisziplinäre Begutachtung durchzuführen.
Schliesslich
bestritt
die Beschwerdeführerin
– vorsorglich -
die von der Beschwerdegegnerin
im Rahmen des Einkommens
vergleichs
eruierten Vergleichseinkommen.
Ausserdem
habe die Beschwerde
gegnerin zu Unrecht auf die Abklärung der Beeinträchtigung im Haushaltsbereich ver
zichtet, weshalb letzteres
im Rahmen der erne
uten Begutachtung nachzuholen sei
(
Urk.
1
,
Urk.
7/69 ff.,
Urk.
7/79
).
3.
3.1
Im Gutachten vom 1
5.
Januar 2020 stellten
Dres
.
B._
und
A._
folgende Hauptdiagnosen mit Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit (Urk.
7/62/16):
-
Fibromyalgie-Syndrom (ICD-10: M79.70)
-
Coxarthrose
beidseits, rechtsbetont (ICD-10: M75.5)
-
Impingement
-Syndrom Schulter beidseits (ICD-10: M75.5)
-
Blei
i
nintoxikation
(ICD-10: T56.0)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie (1) eine
mono
klonale
Gammopathie
, unspezifischer Signifikanz, Typ
lgG
kappa
(ICD-10: D47.2), ED 02/2015, (2)
eine
chronische spontane Urtikaria (ICD-10: L50.9), (3)
eine
diskrete Hypervit
aminose B1 (ICD-10: E67.8), (4)
einen
Status nach Hepatitis C (ICD-10: B18.2), (5)
eine
h
ypertensive
Entgleisung beim Gutachten, (6)
einen
Status nach
Cholezy
s
tektomie
1994, (7)
einen
Status nach
Hel
i
cobakter
pylori
-Befall und
Eradikation
bei Gastritis 05/2017, (8)
eine
k
oloskopische
Abtragung
tubulovillöses
Adenom 05/2017, (9)
einen
Status nach Pneumonie links 10/2018, (10)
eine
leichte depressive Episode (ICD-10: F32.00) sowie (11)
eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41,
Urk.
7/
62/
17 f.).
Im Rahmen der allgemeinmedizinischen
und rheumatologischen
Anamnese
habe die
B
eschwerdeführerin
berichtet,
sie habe sich
infolge einer Bluttransfusion vor mehreren Jahrzehnten mit Hepatitis C infiziert und Schmerzen im Bereich des rechten Oberbauchs bekommen.
Durch die Behandlung sei die
Le
bererkrankung
ausgeheilt.
Es sei jedoch auch
zu starken Hautausschlägen mit erhabenen Rötun
gen und Juckreiz gekommen.
Sie vertrage quasi keine Medikamente mehr.
Zudem bestünden seit
L
angem anhaltende
, generalisierte
Schmerzen
. Diese seien schlei
chend an wechselnden Gelenken ohne eigentlichen Auslöser aufgetreten und
immer schlimmer geworden
.
Als Medikamente
nehme sie
Brufen
400 bis 600 mg bei Bedarf
(ca. ein bis zwei Mal wöchentlich)
,
Cetallerg
10 mg 1-0-0-0 sowie
Xyzal
10 mg bei Bedarf
(ca. ein bis zwei Mal wöchentlich)
ein
(
Urk.
7/62/41
ff.
,
Urk.
7/62/76
f.
)
.
In klinischer Hinsicht
notierte
Dr.
B._
eine diffuse
Druckdolenz
im Bereich des Abdomens
und
in den
Nierenlogen
, 16/18 positive Fibromyalgie-Punkte,
wide-spread-pain
am Schultergürtel, an sämtlichen Extr
emitäten beid
seits,
am Abdomen und Nacken
sowie
verschiedentlich Bewegungseinschrän
kungen an der Hals- und Lendenwirbelsäule, an den Schultergelenken beidseits (hier auch beidseits positive
Impingement
-Zeichen)
und
an der rechten Hüfte. L
aborchemisch ergab sich ein erhöhter Bleispiegel von 0.47
mymol
/l (Norm <
0
.29
mymol
/l,
Urk.
7/62/47 ff.); b
ildgebend zeigte
sich
eine kleinste
osteophytäre
Ausziehung
in der linken Schulter
,
eine grenzwertige Kyphose
sowie
leichte Irre
gularitäten der Grund- und
Deckplatten
im oberen Bereich
der BWS, eine
harmo
nische Lordose
und
geringe
spondylophyt
äre
Anbauten im Bereich der LWS.
Zudem wurde
eine
leichte bis mittelgradige
Coxarthrose
beidseits
festgestellt
(
Urk.
7/62/83 f.).
Anlässlich
der psychiatrischen Exploration bei
Dr.
A._
führte die Beschwer
deführerin
aus
,
seit
ihrer Einreise in d
ie Schweiz habe sie bei H._
, in einer Schreinerei,
in der Fabrik I._
, in einem Restaurant sowie
in einer Blumenexportfirma gearbeitet. Zuletzt sei sie
während
15 Jahre
n
als
Reinigungs
mitarbeiterin
beim Kanton angestellt gewesen; initial zu 15
%
und zuletzt zu 100
%
.
Mithin habe sie nach
ihrer Berentung [von 1990 bis 1996] wieder ange
fangen, vollzeitig zu arbeiten. Dies obschon sie bei langem Stehen auf der rechten Seite Bauchbeschwerden gehabt habe. Sie sei damals aber noch jünger gewesen und habe sich wegen ihrer Familie Mühe gegeben.
Als
Reinigungsmitarbeiterin
sei sie
für zwei Turnhallen und drei Schulhäuser
verantwortlich gewesen; g
leich
zeitig
habe sie
d
rei Kinder grossgezogen und
den Haushalt selber besorgt.
Sie habe gern gearbeitet
und sei auf ihre
Leistung stolz
gewesen.
Jetzt habe sie einfach keine Kraft mehr zu arbeiten. Dies aufgrund der
starken
Schmerzen
in den Beinen, Füssen und
überall im Körper
.
Seit Oktober 2017 habe sie nicht mehr gearbeitet.
Sie wisse nicht, ob sie wegen der Arbeit krank geworden sei.
Nach depressiven Symptomen befragt, habe die Bes
chwerdeführerin angegeben, der Nachts
chlaf sei schlecht
. Dies
aufgrund der Schmerzen und wegen vielen Gedan
ken. Wenn sie mit Gästen auf dem Sofa sitze, müsse sie aufstehen wegen in die Beine ziehenden Schmerzen. Sie müsse sich dann aus der Runde entfernen. Am Tag sei sie müde und müsse sich hinlegen. Sie gehe aber auch imme
r wieder umher, da sie wegen der
Schmerzen nicht stillsitzen könne und stets die Position ändern müsse. Es gebe Tage, an denen sie keinen Appetit habe
.
T
rotzdem habe sie an Gewicht zugenommen
(11 bis 12 k
g)
und fühle sich wie angeschwollen, insbesondere an den Händen und im Gesicht.
Dies
aufgrund der Arthrose und Fibromyalgie, wie man ihr erklärt habe.
Sie sei in
ambulanter,
psychiatrischer Behandlung, ein- oder zweimal pro Woche.
Der Arzt [
Dr.
G._
]
arbeite mit ihr vor allem an ihren Gedanken, da sie ja fast keine Medikamente einnehme wegen der Allergie
. In einer stationären psychiatrischen Behandlung sei sie nie gewesen. Demgegenüber
sei sie
im let
zten Jahr drei Wochen in J._
gewesen. Unter Gymnastik hätten die Schmerzen
in den Armen, im Schulterbereich und überall nur noch zugenommen
. In die Physiotherapie gehe sie auch nicht mehr. Diese Behandlung habe sie schlecht toleriert. Es sei zu verstärkten Schmerzen gekom
men
(
Urk.
7/62/103
f
f
.
, Urk.
7/62/107
)
.
Aktuell lebe sie mit ihrem Ehemann und der jüngsten Tochter (34) in ei
ne
m Einfamilienhaus, welches man vor 15 Jahre
n
gekauft habe. Sowohl der Ehemann als auch die jüngste Tochter würden eine IV-Rente beziehen. Die älteste Tochter (39) sei aufgrund eines Brusttumors operiert
worden, dann auch noch
a
m Arm. Diese Operation sei schiefgegangen. Seither sei die Tochter in Behandlung. Die mittlere Tochter arbeite. Von der ältesten Tochter habe sie einen 10-jährigen Enkel. Er sei wohl der Grund, weshalb sie und die kranken Familienmitglieder noch lebten. Den Tag verbringe sie praktis
ch ausschliesslich auf dem Sofa
. Wenn sie spaziere, dann schmerzten jeweils die Beine, weshalb sie bald wieder nach Hause gehe.
Zwischen 21.00 und 22.00 Uhr gehe sie ins Bett.
Die Haushaltarbeiten erledigte
n
zum Teil die im selben Haushalt w
ohnende Tochter sowie die anderen Töchter,
wenn sie auf Besuch kämen.
Man
habe ihr
(der Beschwerdeführerin)
extra einen leichten Staubsauger gekauft. Das Problem seien aber die Hän
de, so dass sie gar nicht lange
mit dem Staubsauger hantieren könne. Wäsche aufhängen sei auch ein P
roblem,
wie alle
Arbeiten, bei denen sie die Arme hochheben müsse. Sie versuche immer wieder die Wäsche aufzuhängen. Es sei ihr aber oft gar nicht möglich.
I
n der Küche könne sie gerne etwas vorbereiten. Der Ehemann und die Töchter müssten es
aber
fertig zube
reiten, da sie schmerzbedingt nicht lange dranbleiben könne. Kleine Sachen gehe sie im 200 Meter entfernten Tankstellenshop zu Fuss selber einkaufen
. Öffentliche Verkehrsmittel benutze sie nicht. Zu
Dr.
G._
lasse sie sich von ihrer Tochter oder vom Bruder fahren. Sie gehe nirgendwo alleine hin. Zu ihren Kolleginnen habe sie keinen Kontakt mehr. Sie besuche lediglich ihre Geschwister und andere Verwandte. Diese kämen auch regelmässig zu ihr auf Besuch. Im Sommer 2019 sei sie zuletzt in den Ferien gewesen. Mit dem Flugzeug sei sie nach Kalabrien geflogen. Dies auch auf Rat ihres Arztes. Tatsächlich seien die Hände dort weniger geschwollen gewesen
(
Urk.
7/62/105 f
f
.).
In objektiver Hinsicht hielt
Dr.
A._
fest, die Beschwerdeführerin habe
zwar
mit feste
r Stimme und eher viel geredet. Dabei habe sie jedoch
eher wenig Mimik und Gestik und
eine eingeschränkte affektive
Modulation
sfähigkeit gezeigt
. Sie sei durchwegs ernst und gefasst geblieben. Einzig als sie über finanzielle Schwierigkeiten berichtet habe, habe sie geweint. Die Stimmung sei depressiv mit verminderter Freude und eher wenigen Interesse
n
. Der Selbstwert
der Beschwerdeführerin
sei herabgesetzt
und es bestünden
Insuffizienzgedanken. Ansonsten
gebe es
keine auffälligen Persönlich
keitsmerkmale, insbesondere keine
allumfassende Negativität, Ängste oder Zwänge. Bis auf leichte Konzentrationsstörungen seien
die
Aufmerksamkeit, Auffassungs- und Gedächtnisfähigkeit intakt.
Auch wenn die Beschwerdeführerin
viel geredet habe,
habe
sie
nicht immer auf die gestellten Fragen geantwortet, so dass manchmal habe nachgefragt werden müssen
. Bei der Hamilton Depression
Scale
Testung habe
sie
14 Punkte erreicht, was einer leichten Depression entspre
che.
Anlässlich
des Mini-ICF-Ratings
hätten
sic
h durchwegs
keine bis
lediglich
leicht aus
geprägte Einschränkungen
gezeigt
(
Urk.
7/62/
108 f.).
Die Beschwerde
führerin werde ambulant behandelt; eine psychopharmakologische Medikation
bestehe nicht, da
es
nach eigenen Angaben
bei
viele
n
Medika
m
ente
n
zu
allergi
sch
en Reaktionen
mit J
uckreiz komme
.
Allerdings gebe es
verschiedene Substan
zen, so dass es nicht zu einer allergischen Reaktion kommen müsse. Prinzipiell könn
e d
ie regelmässige E
i
nnahme eines sedierenden und schmerzmodulierenden Antidepressi
v
ums auf die Nacht hin
bereits in niedriger Dosierung
hilfreich sein.
Eine Analgesie
nehme die Beschwerdeführerin
aufgrund von Allergien
ebenfalls
nur be
grenzt ein
.
Ihre
Krankheits- und Behinderu
ngsüberzeugung
sei deutlich ausgeprägt. Eine Bereitschaft zur Veränderung
bestehe nicht
.
Alsdann
habe die Beschwerdeführerin w
ährend der Exploration ruhig dages
essen, ohne erkennbare Schmerzwahrnehmung oder wesentliche Ermüdungserscheinungen.
Dass
sie
weiterhin ku
rze Strecken Auto
fahre
,
spreche ebenfalls
gegen wesentliche Konzentrationsstörungen.
Der Verzicht auf eine
Pharmakotherapie
und
das Fehlen stationärer
(psychiatrischer
)
Behandlungen sprächen gegen die
akten
anamnestisch postulierte S
chwere
der depressiven Symptomatik
.
Selbst Flug
reisen in die Heimat seien der Beschwerdeführerin möglich. Es gehe ihr nach eigenen Angaben in Italien besser. Wenn schwer depressive Menschen verreisten, ginge es ihnen in der Regel aber nicht besser,
sondern häufig noch schlechter. Belastend sei sicher, dass auch der Ehemann
und beide Töchter gesundheitliche Probleme hätten
und berentet seien
.
Die
finanzielle Situation
sei
angespannt. Die somatische Problematik mit Schmerzen und die bisher nicht eingetroffene Beschwerdefreiheit führten zur Verunsicherung und Enttäuschung.
Die Beschwer
deführerin führe Haushaltsarbeiten öfters nicht zu Ende, da sie genau wisse, dass die Familie diese Arbeiten dann
für sie
übernehme. Dadurch werde ihr
regressives V
erhalten verstärkt
und
komme
es
zu einem sekundären K
rankheitsgewinn. Allerdings könne die Beschwerdeführerin durchaus mehr leisten, als man ihr im Haushalt zumute
.
Aus rein psychiatrischer Sicht ergäben sich
keine
zusätzlichen
Einschränkungen der Leistungsfähigkeit. D
ies
gelte
auch
für den Haushalts
bereich
. Der Schmerzproblematik sowie
der
mit der leichten depressiven Symp
tomatik assoziierten rascheren Ermüdbarkeit bzw. leicht eingeschränkten Durch
haltefähigkeit
wü
rde
n
bei
der somatischen Beurteilung Rechnung getragen (
Urk.
7/62/112
ff.).
Im Rahmen der interdisziplinären Konsensbeurteilung
hielten
Dres
.
B._
und
A._
fest
, der Lebensweg der Beschwerdeführerin weise die typischen Merk
male einer Fibromyalgie-Erkrankung auf. Es bestünden Aspekte einer Typ-A-P
ersönlichkeit
mit Angabe einer im Nachhinein erkannten Überforderung. Mithin mündeten Lebensphasen mit gesteigertem bis übertr
iebenem (Arbeits-)Eifer in einen
Zusammenbruch, zum B
eisp
iel durch Schmerzempfinden.
Die medizinische Entwicklung sei aber auch durch mehrere Störfaktoren mit potentiellem Einfluss
auf immunologische Prozesse
geprägt,
so etwa durch die chronische
Urtikaria.
Nebst diffusen,
generalisierten Schmerzen
im Sinne eines
Fibromyalgie-Syndrom
s
resp.
einer
chronische
n
Schmerzstörung mit psychi
schen und soma
tischen Faktoren bestünden auch objektivierbare Beschwerden. So
seien die Schmerzen am Bewegungsapparat aufgrund der radiologisch ausgewiesenen
Coxarthrose
sowie des
I
mping
ement
-Syndroms
in den Schultern
erklärbar. Die bislang unbekannte Bleiintoxikation könne
die
Störungen der Konzentration und A
ufmerksamkeit
auch
teilweise
erklären.
Gleichzeitig
hätten sich Verdeutli
chungstendenzen
(aktives Gegenspannen in der körperlichen Untersuchung)
und
kleinere Inkonsistenzen
(wechselnde Beschwerdeschilderung; die Angabe, wonach eine sitzende Tätigkeit schmerzbedingt nicht möglich sei, stehe im Widerspruch zu den Beobachtungen anlässlich der Begutachtung; das
gelebte
Aktivitätsniveau inkl. Flugreisen im Verhältnis
zur dargestellten kompletten Invalidisierung; eine verhältnismässig geringe Inanspruchnahme therapeutischer Angebote und das Fehlen einer psychiatrischen Medikation im Verhältnis zum geschilderten Leidendruck
,
Urk.
7/62/18
f
f
.)
ergeben
und bestehe ein sekundärer Krankheitsgewinn. Insgesamt sei d
ie B
eschwerdeführerin
aufgrund der Ganz
körperschmerzen,
der
Einschränkungen in den Schultern,
der
Coxart
h
rose
sowie Bleibelastung
seit der aktuellen Begutachtung
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
zu 50
%
arbeitsunfähig;
retrospektiv habe
vor Juni 2019
(gesicherte Diagnose der Schulterproblematik)
eine 35
%
ige
und
seither
eine
4
5%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Hinsichtlich
einer
leidensangepassten, vorwiegend sitzend ausgeübten
Verweistätigkeit, ohne Überkopfarbe
iten, ohne Lastenheben über 10 k
g und mit der Möglichkeit,
kleinere
Pausen einzulegen,
bestehe seit Oktober 2017
(letzter effektiver Arbeitstag)
eine 15%ige und seit
der aktuellen Begutachtung eine
2
0%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
7/62/21 ff.).
3.2
3.2.1
Mit Stellungnah
me vom
4.
Juni 2020 machte der Rechtsvertreter der
Beschwer
deführerin
geltend
,
sie sei
lediglich von zwei Fachärzten
begutachtet
worden. Demgegenüber sei eine polydisziplinäre Begutachtung gestützt auf die Vorgaben des
Bundesamtes für Sozialversicherungen (
BSV
)
von mindestens drei vonei
nander unabhängigen Fachärzten durchzuführen. Zudem sei dem Gutachten nicht zu entnehmen, wer die Dolmetscherin und ob diese überhaupt genügend qualifiziert gewesen sei. Letzteres sei aufgrund diverser massiver sprachlicher Probleme
anzuzweifeln.
So sei im
Gutachten mehrmals darauf hingewiesen worden, dass die Beschwerdeführerin nach Ansicht des Facharztes auf Fragen wiederholt nicht passend geantwortet habe. Es sei völlig unklar, was diese Bemerkung inhaltlich wirklich bedeute. Sie zeige jedoch eindrücklich, dass
massive sprachliche Probleme bestanden hätten und diese von der Dolmetscherin nicht hätten bereinigt werden können.
Allein aufgrund der sprachlichen Schwie
rigkeiten sei die Begutachtung nicht lege
artis
durchgeführt worden. Zudem sei aktenwidrig notiert worden, die Dolmetscherin sei bei allen Begutachtungen stets zugegen gewesen. Tatsächlich sei diese während einiger Stunden zufolge Termin
kollisionen nicht anwesend gewesen. Durch diese Falschbehauptung könnten sich die Gutachter strafbar gemacht haben. Alsdann sei die Beschwerdeführerin nicht unvoreingenommen und ergebnisoffen unte
rsucht worden.
Dr.
B._
habe die Beschwerdeführerin
ausserdem im Intimbereich untersucht. Dies
e
unangemessene und unangebrachte Untersuchung
gehe nicht an und stelle einen ärztlichen Über
griff dar. Weiter bestünden Ablehnungsgründe gegenüber
Dr.
A._
. Es zeige sich ganz offensichtlich, dass dieser in
keinster
Art und Weise unvoreinge
nommen gegenüber der Beschwerdeführerin gewesen sei.
Die mangelnde Unvor
eingenommenheit ziehe sich durch das ganze psychiatrische Gutachten. Höhe
punkt der Frechheit und Voreingenommenheit seien die diskriminierenden
und gar rassistischen
Äusserungen im Zusammenhang mit der Herkunft
der Beschwerdeführerin auf Seite 105 des Gutachtens. Damit zeige sich ganz offen
sichtlich die geistige Grundhaltung des psychiatrischen Gutachters, welche geprägt sei von Vorurteilen gegenüber der aus Süditalien stammenden Beschwer
deführerin. Weiter habe die psychiatrische Exploration lediglich 75 Minuten gedauert, was für einen derart komplexen Fall absolut ungenügend sei
. Ein krasser Fehler sei zudem, dass der psychiatrische Gutachter keine Fremdanamnese durchgeführt habe. Er habe sich nicht einmal die Mühe gemacht, mit dem behan
delnden
Psychiater [
Dr.
G._
]
Rücksprache zu nehmen. Zudem stünden die gut
achterlichen Ausführungen, welche nicht nachvollziehbar begründet seien, im krassen Widerspruch zur Einschätzung des behandelnden Psychiaters.
I
n soma
ti
scher Hinsicht seien dem
Gutachten keine nachvollziehbaren Feststellungen zu entnehmen
.
Dasselbe gelte für die Ausführungen im Zusammenhang mit den Einschränkungen im Haushaltsbereich.
Es bestünden ganz klar somatische Beschwerden mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit.
Zudem bedürfe es
mit Bezug auf die Bleiintoxikation
weiterer
Abklärungen.
Auch sei eine neuropsy
chologische Testung gestützt auf Seite
48 des Gutachtens
zwingend angezeigt
.
Bei alle dem sei das Gutachten n
icht verwertbar und eine neue Begutachtung durchzuführen
unter Einschluss der Fachdisziplin
Neuropsychologie
(
Urk.
7/69
/1-9
).
3.2.2
Mit handschriftlichen Notizen vo
m 2
1.
Mai 2020
hielt
die
Beschwerdeführerin
fest
, die Übersetzerin sei lediglich von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr anwesend
und
in der übrigen Untersuchungszeit abwesend gewesen
.
Die Untersuchung habe bis
17.00 Uhr gedauert, weshalb sie zwei Stunden ohne Übersetzerin verblieben sei.
Der Arzt
sei sehr arrogant u
nd unfair gewesen und habe sie eher grob
untersucht
.
Dass sie dabei Schmerzen gehabt und geweint habe sowie
zusammengebrochen sei, habe er ignoriert. Zudem habe er sie mit einer Lampe im Intimbereich unter
sucht und dabei behauptet, diese Lampe diene der radiologischen Untersuchung. Dies sei für sie nicht nachvollziehbar, erniedrigend und peinlich gewesen. Anlässlich der Blutanalyse habe die Dame, welche die Blutentnahme durchgeführt habe, im Buch nachlesen müssen, «wie das Prozedere zu dieser Analyse» aussehe. So habe sie eine
solche
Analyse nach eigenen Angaben noch nie durchgeführt.
Sie (die Beschwerdeführerin) empfinde es zudem als
unverschämt, wenn im Gut
acht
en festgehalten
werde
, trotz Übersetzung hätten die Fragen wiederholt werden müssen und
seien
letztere
nicht passend beantwortet worden. Dies
e
Aussage würde ihr unterstellen, dass sie ihre eigene Muttersprache nicht verstehe. Ob ihre Antworten von der Dolmetscherin kompetent in deutscher Sprache wiedergegeben worden seien, könne sie nicht beurteilen. Weiter stimme es nicht, dass sie die Einnahme von Noxen verneint habe [vgl.
Urk.
7/62/43].
Letzteres
gebe
sie
immer an, wie dies
auch
den Akten der Hausärztin zu entn
ehmen sei. Es gebe keinen Grund,
dies zu verbergen. Zudem stimme es nicht, dass der Ehemann die Wäsche und Reinigungsarbeiten erledige
[vgl.
Urk.
7/
62/45]. Aufgrund seiner Rückenproblematik könne der Ehemann
diesbezüglich nicht mitanpacken. Auch stimme es nicht, dass sie keine externe Hilfe beanspruche;
die Nachbarin
helfe
,
wo sie nur könne.
Ausserdem fielen Freizeitaktivitäten nicht nur aus finanz
iellen Gründen aus [vgl.
Urk.
7/
62/45], sondern hauptsächlich beschwerdebedingt und aufgrund
fehlender
Motivation und Unternehmenslust
. Schliesslich treffe es nicht zu, dass ihre Haare unauffällig seien [vgl.
Urk.
7/62/47]; vielmehr habe
sie
Haar
ausfall, und ausserdem
seit N
eustem
Bluthochdruck (
Urk.
7/
70
).
3.
2.
3
In seiner Stellungnahme zum Gutachten vom
2.
Juni 2020 monierte
Dr.
G._
,
das psychiatrische Teilgutachten sei oberflächlich, einseitig, in einigen Aspekten unzulässig und falsch, von Scheingefechten und Artefakten geprägt und in gewissen Punkten ohne praktischen Sachverstand abgewickelt
worden
.
Dr.
A._
habe
sich zu wenig mit
den
Vorakten
auseinandergesetzt
,
die Varia
bilität und Dynamik de
pressiver Symptome verkannt,
auf ergänz
ende Frage
stellungen verzichtet
. Weiter habe er
einerseits
beiläufige Befunde und
Moment
aufnahmen überbew
ertet, andererseits
der hohen
Somatisierungstendenz
der Beschwerdeführerin zu wenig Rechnung getragen.
Insbesondere habe
Dr.
A._
d
urch Extrapolation
von Einzelaktionen das Bild verfälscht. W
enn eine depres
sive Person etwa beim Autofahren «erwischt» werde, so sei ausfindig zu machen, wie oft
diese
eben nicht Auto fahre. Jede Aussage
,
die etwas Wiss
enschaftlichkeit
oder Verbindlichkeit für sich beanspruche, müsste diese
Bezugsnahm
e
klären. Demgegenüber falle auf, wie
Dr.
A._
einzelne Themen und singuläre Befunde
ungeachtet ihrer Qualität und Hintergründe
sowie
der Frage,
über welche Zeit
räume hinweg sie erfolgt seien,
zu Kernstücken seiner Befund
e hochstilisiert
habe. Dies gelte nebst dem Autofahren auch für die Flugreise und
gewisse haushälte
rische Tätigkeiten.
Demgegenüber sei
immer
auch
in Anschlag zu bringen, welche Adaptionen und Verhaltensänderungen sich die Betroffenen – auch therapeutisch induziert und im Sinne der Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht – unterworfen haben. E
inige vermöchten sogar schwere D
epressionen lange Zeit zu kaschieren, indem sie
den Tag routiniert durchliefen. Zu erwähnen sei auch der typische Alkoholkonsum und das Abreagieren vermittels Autofahren, der Ausübung von Aggression oder positiven beruflichen Einsatzes. Vorliegend sei die getätigte Flugreise zu Unrecht als Zeichen
dafür
gewertet worden, «dass durchaus Aktivitäten» vorgenommen würden. Dass die Reise auf Anraten des behandelnden A
rztes getätigt
worden sei, sei ausser Acht gelassen worden. Auch sei nicht hinterfragt worden,
unter welchen
Umständen und
Anstrengungen und mit wie viel V
ergnügen die Reise stattgefunden habe
.
Die Beschwerdeführerin fahre mit dem A
uto, weil sie nie
mandem begegne
n und nicht kommunizieren wolle;
manchmal auch einfach, weil es bequemer sei un
d weniger Schmerzen verursache. D
ie Gründe seien vielfältig.
Zudem handle es sich d
abei nur noch um kurze Strecken;
dort
,
wo sich die Beschwerdeführerin gut auskenne
. Dass sie längere Strecken vermeide, weil sie leicht überfordert sei, sei ebenfalls
unberück
sichtigt geblieben.
Dass die fehlende
Hospitalisation
, die erhaltene Fähigkeit, gewissen Haushaltsarbeiten nachzugehen
,
sowie das Fehlen einer antidepressiven Behandlung gegen eine schwere Depression
sprächen
, hätten mit einer sachlichen Argumentation nichts mehr zu tun.
Die medikamentöse Behandlung von Depres
sionen sei keine absolute Regel.
Dr.
A._
habe Verträglichkeit und Wirksam
keit gleichgesetzt. Das sei natürlich Unsinn.
Weiter seien Kreuzallergien
vorlie
gend
alles andere als unwahrscheinlich.
Hätte
Dr.
A._
nach Kognitionen geforscht, hätte er diesbezüglich erkennen müssen, weshalb nach
zwei fehlge
schlagenen Versuchen
kein weiterer mehr unternommen worden sei.
Dr.
A._
hätte die Geschichte der allergischen Reaktionen begreifen können – und vermutlich weniger formalistisch darauf reagiert. Allerdings habe
er es
unter
lassen, hier besonders gründlich zu sein; schliesslich habe er die Sache mit den Medikamenten anderweitig ausnützen müssen.
Seine pseudowissenschaftliche
n
bzw. ungerechtfertigt optimistischen Ausführungen zur Wirksamkeit von Psychopharmaka
sei jedenfalls ein Scheinargument und ziele vielleicht auch auf die D
iskreditierung seiner (
Dr.
G._
)
Person
ab.
Dass die Beschwerdeführerin Haushaltstätigkeiten weder planen noch strukturieren müsse, habe
Dr.
A._
ebenfalls ausser Betracht
gelassen; sie tue, was sie gerade könne und was gerade anstehe. Vielfach lasse sie es aber auch einfach sein.
Dr.
A._
habe
p
unktuelle Leistungen
als Normalität präsentiert
und alles vernachlässigt,
was die Beschwer
deführerin an manchen Tagen
eben
nicht schaffe, sie stark einschränke, ihr Leben einer erheblichen Einschränkung unterw
erfe
und mit B
eeinträchtigungen über
zöge
.
Mithin gebe es wenig Anzeichen dafür, dass
Dr.
A._
zur Erhellung des Sachverhaltes gründlicher nachgefragt hätte.
Dass die vorhandenen Aktivitäten verstreute Ausnahmen seien, habe
er
unterschlagen. Dies
e
Methode der Präsen
tation grenze an eine falsche Darstellung. Um einem Rest von Objektivität verpflichtet zu bleiben, wäre über die Häufigkeit der Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensweisen eindeutig Auskunft zu geben gewesen. Doch selbst in Unkenntnis dessen sei es
Dr.
A._
leichtgefallen, Schlussfolgerungen zu ziehen. Es sei anzunehmen, dass dieser die Bedeutung seiner Resultate
überziehe, weil er
hierfür keine Rechenschaft ablege. Die Tatsache, dass
Dr.
A._
eine länger zurückliegende Reise anführe, weise zude
m darauf hin, dass die verschie
denen Befunde der Referenz über einen längeren Zeitraum zusammeng
e
tragen worden seien.
E
ine solch lässige Haltung gegenüber Fakten sei sonst bei keiner wissenschaftlichen Arbeit zulässig.
Dass die Beschwerdeführerin auf Unterstüt
zung angewiesen sei, habe
Dr.
A._
sogar auf
den
Gedanken des sekundären Krankheitsgewinns gebracht.
Weiter
bemängelte
Dr.
G._
die Methodenwahl, insbesondere den Verzicht auf das
Beck’sche
Depressionsinventar, welches bei der Diagnose von depressiven Störungen mit hohem
Somatisierungsanteil
eines der verlässlichsten Instrumente sei, sowie das Fehlen einer Fremdanamnese
.
Jedenfalls habe der Kollege
nichts unternommen
um klarzustellen, welche zeit
lichen Muster hinter seinen Befundungen im Mini-ICF-Rating steckten. Selbst wenn jedes dieser 14 Items einmal in der letzten Woche zu zählen gewesen wäre, sei dies eher wenig. Zudem werde die Qualität der Items nicht referenziert. Ausserdem vermittle eine Tätigkeit bis zu einem gewissen Grad auch Halt und werde deshalb so lange wie möglich beibehalten. Sie sei damit vielleicht als zwanghafter Modus zur Abwehr gegen die Dekompensation zu verstehen, also fast schon als Symptom der Krankheit.
Er (
Dr.
G._
) halte daran fest, dass bei der Beschwerdeführerin (1) eine mittelschwere
chronifizierte
depressive Störung (ICD-10: F39) mit deutlich ängstlichem Einschlag, (2) eine pathologische Schmerzverarbeitung (ICD-10: F45.3) mit vegetativer
Dysbalance
sowie (3) eine kulturspezifische bzw. charakterneurotische Persönlichkeitsprägung mit spezifi
scher Wahrnehmungsstruktur
vorliege
(
Urk.
7/71/1-17). Im 10-seitigen Anhang zu seiner Stellungnahme
machte
Dr.
G._
zudem
allgemeine
Ausführungen
zur Diagnostik von depressiven Störungsbildern
unter Hinweis auf
einschlägige
Webs
eiten
(Urk. 7/71
/17-26).
3.3
Mit Stellungnahme zum Gutachten
vom 3
0.
Juli 2020 hielt
Dr.
F._
fest, die gut eingestellte arterielle Hypertonie führe zu keiner Funktionseinschränkung resp
. Arbeitsunfähigkeit. Betreffend
d
ie gu
tachterlich festgestellte Bleii
ntoxi
kation
stünden weitere Abklärungen an
.
Seit Anfang Juli 2020 weile die Beschwerdeführerin a
llerdings auf unbestimmte Zeit f
erienhalber in Italien. Bisher habe sie physikalische Therapien nur sehr vereinzelt wahrgenommen, da sie der Meinung sei, diese führten zu keiner Verbesserung. Mithin sei die Thera
piebereitschaft der Beschwerdeführerin begrenzt. Bis dato sei sie aus somatischer Sicht
nicht arbeitsfähig (
Urk.
7/73/3).
3.4
Auf Vorlage der oben zitierten Stellungnahmen/Berichte
(
vgl. E. 3.2 - E. 3.
3
,
vgl.
auch
Urk.
7/74)
hielten
Dres
.
A._
und
B._
am
15.
Oktober 2020
ergänzend
fest, übereinstimmend mit der hausärztlichen Einschätzung (vgl.
Urk.
3.
3
) führe
die Hypertonie zu keiner dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die
im Übrigen diskrepante Einschätzung der
somatischen
Arbeitsfähigkeit könne leider nicht aufgelöst werden und fusse auf einer unterschiedlichen Bewertung der Situation.
Dem Eindruck einer in Teilen diffusen und ausweichenden Beschwer
deschilderung
im Rahmen der Begutachtu
ng
sei mit detaillierten N
achfragen begegnet worden
. Diese Nachfragen seien weder arrogant noch herabwürdigend oder unfair, sondern dem Bestreben geschuldet gewesen, die Beschwerden voll
umfänglich zu verstehen, zu erfassen, zu würdigen und einzuordnen.
Eine struk
turierte Einordnung und vertiefte Ausarbeitung der Funktionsdefizite sei gerade bei einer Fibromyalgie unerlässlich. Da letzteres in den
Vorakten
fehle, seien im Rahmen der Begutachtung vertiefte Nachfragen notwendig gewesen.
Eine klini
sche Untersuchung der Intimregion
habe es nicht gegeben
. Im
Anschluss an die klinische sei
durch das radiologische Fachpersonal und
in Abwesenheit
des Gut
achters
eine
radiologische U
ntersuchung durchgeführt worden.
Zwecks Abklä
rung einer
fraglichen
Coxarthrose
bei eingeschränkter H
üftrotation
sei
dabei
aus technischen Gründen
eine Referenzkugel
zwischen die Beine der Beschwerde
führerin platziert worden. Diese Kugel s
ei auf dem Röntgenbild zu sehen,
es handle sich
nicht um eine Lampe.
Die
vom
K._
gestellte
Dolmetscherin
, Frau E._
,
sei anlässlich der gesamten Befra
gung anwe
send gewesen, nicht aber bei der
radiologischen und Laboruntersu
chung.
Alsdann
handle es sich
b
eim
Beck’schen
Depressionsinventar um einen Selbst
beurteilungsfragebogen.
Letzteres sei
in der Versicherungsmedizin nicht geeignet, da die subjektive Selbsteinschätzung und
nicht objektive
Befunde gewichtet würden. Im Sozialversicherungsbereich seien die Diagnosen nach Massgabe des ICD-10-Klassifikationssystems zu stellen. Dieses erfasse vor allem auch den Quer
schnittsbefund. Im Rahmen der Begutachtung seien zudem versi
cherungsmedi
zi
nische Kriterien zu beachten, namentlich
der Verlauf, die Behand
lung, die Prüfung der Konsistenz sowie die Ei
n
schätzung der Belastungen und Ressourcen. Das Gutachten sei lege
artis
und insbesondere unter Berücksichti
gung der Quali
täts
leit
linien der SGPP für versicherungspsychiatrische Gutachten erstellt worden.
Dr.
G._
habe seiner Einschätzung
andere Massstäbe zugrund
gelegt. Der Vorwurf diskriminierender und rassistischer Äusserungen sei nicht begründet und werde entschieden zurückgewiesen
(
Urk.
7/77/5
-9
).
3.5
Mit
Stellungnahme vom 1
7.
November 2020 wiederholte der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin
im Wesentlichen seine bisherigen Beanstandungen (vgl. E. 3.2)
.
Zudem seien die
ergänzenden Ausführungen von
Dres
.
A._
und
B._
vom 1
5.
Oktober 2020 (vgl. E. 3.4
) nicht geeignet, die mangelnde Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit des Gutachtens aus dem Weg zu räumen. «Lediglich der Vollständigkeit halber» sei
schliesslich
darauf hinzuweisen, dass die IV-Stelle das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt habe, indem sie ihr die Fragen an die Gutachter nicht im Vorfeld zur Stellu
ngnahme unterbreitet habe (
Urk.
7/79).
3.6
In der Replik anlässlich der Hauptverhandlung vom
9.
Dezember 2021 brachte die Beschwerdeführer
in resp. deren Rechtsvertreter
erneut vor, das Gutachten der
C._
vom 1
5.
Januar 2021 sei nicht verwertbar, da
die Beschwerde
führerin
lediglich von zwei Sachverständigen untersucht worden sei. Dies
wider
spreche dem
Sinn und Zweck von BGE 137 V
210, nämlich eine
r
ergebnisoffene
n
Begutachtung im Sinne der Verfahrensfairness. Ein zentrales Element von poly
disziplinären Begutachtungen sei auch die Konsensbeurteilung. Wenn nicht pro eingesetzter Fachdisziplin ein medizinischer Sachverständiger eingesetzt werde, würde der Sinn und Zweck der Konsensbeurteilung selbstverständlich unter
graben.
Sodann
habe
sich
die Beschwerdeführerin
insbesondere von
Dr.
B._
gedemütigt gefühlt.
Zudem sei die Übersetzerin anlässlich der Begutachtung von
Dr.
B._
bereits um 15.00 Uhr oder vielleicht um 15.15 Uhr gegangen.
Es gehe ihr
(der Beschwerdeführerin)
weiterhin nicht gut.
Sie könne nur wenig machen, habe überall Schmerzen, insbesondere in den Armen, welche sich wie verfault anfühl
ten.
Gemäss
Dr.
F._
sei sie weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig, weil es ihr nicht gut gehe
(Urk.
15,
Urk.
16/1-10
un
d Protokoll S. 3
ff.).
4.
4.1
Das Gutachten
der
C._
vom 15. Januar 2020
erging in Kenntnis
und in Auseinan
dersetzung mit den relevanten
Vorakten
und den geklagten Beschwer
den sowie gestützt auf die klinischen, radiologischen sowie (Labor-)
Unter
suchungen vom
3. und
9.
Dezember 2019 (
Urk.
7
/62/33,
Urk.
7
/62/48,
Urk.
7
/62/66,
Urk.
7/
62/83, Urk.
7
/62/97)
.
Von einer «Momentaufnahme» kann
– entgegen
Dr.
G._
(
Urk.
7/70) - bereits deshalb
nicht die Rede sein
. Weiter
leuchtet
das Gutachten
in der Darlegung der medizinischen Situation und Zusammenhänge ein und ist hinsichtlich der im Einklang mit den erhobenen Befunden gestellten
Diagnosen schlüssig. Zudem haben die Gutachter
zu den Beurteilungen in den
Vorakten
einlässlich Stellung bezogen
(vgl. etwa
Urk.
7
/62/114) und allfällige Abweichungen nachvollziehbar begründet
. Damit genügt das Gutachten den an eine beweiskräftige Entscheidungsgrundlage
gestellten Anforderungen (E. 1.4
).
Anhaltspunkt
e
dafür, dass das Gutachten der
C._
nicht verwertbar wäre, sind auch im Lichte der übrigen Kritikpunkte
der Beschwerdeführerin
nicht zu erkennen.
Dabei rügte sie
zur
Hauptsache, dass sie im Rahmen der polydiszip
linären Begutachtung lediglich von zwei Fachärzten untersucht wurde
.
Dies stehe im Widerspruch zum Sinn und Zweck von BGE 137 V 210
(
Urk.
1 S. 6, Protokoll S. 4; vgl. auch
Urk.
7/69/2)
.
Mit
BGE 137 V 210
hat
d
as Bundesgericht
seine
Rechtsprechung zum Verfahren be
i der IV-Begutachtung geändert
.
Dabei standen
Korre
ktive auf administrativer Ebene
(
Vergabe der MEDAS-Begutachtungsaufträge nach
dem Zufallsprinzip,
Mindestdifferenzierung de
s Gutachtenst
arifs,
Verbesserung und Vereinheitlichung der Qualitätsanforde
rungen und –
kontrolle
),
die
Stärkung der
Partizipationsrechte der versicherten Personen
sowie Gewährung
vorgängige
r
Mitwirkungsrechte
(E. 3)
im Zentrum
.
Gestützt darauf setzte der
Bundesrat
auf den
1.
März 2012
den neuen
Art.
72
bis
der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft. Demnach
haben m
edizinische Gutachten, an denen drei und mehr Fachdi
sziplinen beteiligt
sind
bzw. bei denen mehr als eine Fachdisziplin beteiligt ist (in der seit
1.
Januar 2022 geltenden Fassung)
,
bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundesamt eine Vereinbarung getroffen hat
.
Gemeint sind die Medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS) im Sinne von
Art.
59
Abs.
3 IVG. Die Vergabe der Aufträge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (
Art.
72
bis
Abs.
2 IVV). Zu dessen Umsetzung hat das
BSV
die webbasierte Vergabeplattform
SuisseMED@P
einge
richtet, über welche der gesamte Verlauf der Gutachtenseinholung gesteuert und kontrolliert wird (vgl. BGE 139 V 349 E. 2.2
).
Zudem
ist
das Verfahren für die Auftragsvergabe von polydisziplinären Gutachten durch die IV-Stelle im vom
BVS herausgegebenen Kreisschreiben über das Verfahre
n in der Invalidenversi
cherung (
KSVI
, Stand: 1. Januar 2018)
detailliert geregelt (
Rz
. 2077 ff.)
.
Dass bei polydisziplinären Gutachten
zwingend
mindeste
ns drei Fachärzte beteiligt sein müssten, ist
weder
BGE 137 V
210
noch den Vorgaben des BSV
zu entnehmen. Vielmehr handelt es sich bei
polydisziplinären Guta
chten um solche, bei
denen drei oder mehr Fach
disziplinen
beteiligt sind (vgl.
Art.
72
bis
Abs.
1 IVV
in der bis Ende 2021 gültig gewesenen Fassung;
vgl.
auch etwa
BGE 139 V 349 E. 2.2
). Nichts anderes ergibt sich aus der
auf der
Homepage
des BSV (www.bsv.admin.ch)
abrufbare
n
«Mustervereinbarung zwischen dem BSV und Gutachterstelle
xy
» resp.
deren
Anhang 1
«
Kriterien für die Durchführung von polydisziplinären medizinischen Gutachten zur Beurteilung von Leistungsansprüchen der I
V»
; unter
Ziff.
1
«
Prolog
»
wird unter anderem festgehalten, die im Auftrag der IV-Stelle durchzuführenden polydisziplinären Gutachten im Sinne von
Art.
72
bis
IVV ent
ha
lten mindestens drei unterschiedliche Expertisen resp. Fachdisziplinen
(
vgl. auch Anhang 2 «Tarif» woraus erhellt, ein polydisziplinäres IV-Gutachten besteht aus einer allgemeinmedizinischen/internistischen Gesamtbeurteilung sowie zwei und mehr fachärztlichen Spezialbeurteilungen)
.
Anlässlich der Hauptverhandlung räumte
die Beschwerdeführerin resp. deren
Rechtsvertreter denn auch ein, es ergebe sich weder gestützt auf die höchstrichterliche Praxis noch vorgenannte Vereinbarung, dass für eine polydisziplinäre Begutachtung zwingend mindestens drei Sachverständige erforderlich
wären
(vgl. Protokoll
S. 4). Weshalb und inwie
fern allein der Umstand, dass eine polydisziplinäre Begutachtung mehr Fach
gebiete als Sachverständige aufweist,
Sinn und
Zweck von BGE 137 V 210 resp.
einer
Konsens
beurteilung
und
ergebnisoffenen Begutachtung
entgeg
enstehen sollte (vgl. Protokoll
S. 4), ist
nicht
einzusehen.
Zudem
ist
eine
zusammenfassende Beurteilung auf der Grundlage einer Konsensdiskussion der einzelnen Gutachter oder unter Leitung eines fallführenden Arztes zur Zusammenführung und Darle
gung der Ergebnisse aus
den einzelnen Fachrichtungen gestützt auf die Bundes
gerichtspraxis
zwar
ideal, aber nicht zwingend
(vgl. BGE 143 V 124 E. 2.2.4 mit weiteren Hinweisen).
E
rwähnenswert
ist auch, dass das Bundesgericht in BGE 137 V 210
zum
Beweiswert von medizinischen Gutachten
auf die bisher entwickelten
und eingangs erläuterten Anforderungen verwiesen
hat
(E. 1.2.1; vgl. vorstehend E. 1.4).
Die Frage, ob ein Gutachten beweiskräftig
ist oder nicht, beurteilt sich mithin
danach, ob sich gestützt auf die Expertise die rechtsrelevanten Fragen beantworten lassen.
Dies ist – wie bereits ausgeführt – vorliegend zu bejahen
.
Als
dann wurde
der Beschwerdeführerin am 13.
September 2019 mitgeteilt
, durch welche Gutachterstelle und durch wen (Name, Facharzttitel) sie begutachtet wird. Zeitgleich wurde sie auf ihr Recht aufmerksam gemacht, bei der IV-Stelle innert
10 Tagen allfällige Ablehnungs- und
Ausstandsgründe
gegen die genannten Gut
achter vorbringen
zu
könne
n
(
vgl.
Urk.
7/56). Die Beschwerdeführerin hätte somit
bereits
in diesem Verfahrensstadium die Beauftragung von
Dr.
B._
für zwei Fachrichtungen rügen können und auch müssen, sind doch verfahrensrecht
liche Einwände nach Treu und Glauben so früh wie möglich vorzubringen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_202/2021 vom
2.
Juli 2021 E. 3
.2 m
it weiteren Hinwei
sen). Innert der angesetzten Frist machte die Beschwerdeführerin
indes
keine Ablehnungs- und
Ausstandsgründe
gegen
Dres
.
B._
und/oder
A._
geltend.
Inwiefern
Dr.
A._
anlässlich der psychiatrischen Expertise hätte vorein
genommen sein sollen und sich diese Voreingenommenheit «durch das ganze psychiatrische Teilgutachten» ziehen sollte – wie die Beschwerdeführerin
nach
träglich
monierte (Urk.1,
Urk.
7/69/5) -,
ist nicht einzusehen und hat sie auch nicht plausibilisiert.
Zwar kann das Verhalten eines Sachverständigen, wozu auch Äusserungen gegenüber einer Partei gehören, den Anschein der Befangenheit begründen, wenn daraus nach objektiver Betrachtung inhaltlich oder durch die Art der Kommunikation auf besondere Sympathien oder Antipathien oder auf eine Ungleichbehandlung der Prozessbeteiligten geschlossen werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_202/2021 vom
2.
Juni 2021 E. 4.3.1 mit weiteren Hinweisen).
Hierfür liefert
das psychiatrische Teilgutachten von
Dr.
A._
indes keiner
lei
Anhaltspunkte.
Daran
vermag
– entgegen der Beschwerdeführerin (
vgl.
E
. 3.2.
1) -
auch
nichts zu ändern
,
wenn
Dr.
A._
auf S. 105 des Gutachtens zusammengefasst festhielt,
die Beschwerdeführerin erscheine als in der Schweiz nicht so gut inte
griert; a
ndererseits
erfahre sie viel
Unterstützung
von ihrer Familie
. Sie habe als Süditalienerin ein familienorientiertes Krankheitsver
ständnis und führe Hausarbeiten öfters nicht zu Ende, da sie genau wisse, dass die Familie diese Arbeiten dann übernehme. Die Beschwerdeführerin könne aller
dings durchaus mehr, als man ihr zumute (vg
l.
Urk.
7/62/115). Dass
Dr.
A._
im Rahmen der psychiatrischen Exploration die Persönlichkeit der Beschwerde
führerin diskutierte, gehört zu einer psychiatrischen Begutachtung, weshalb diese Ausführungen keinen Ans
chein der Befangenheit des Expe
rten begründen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_202/2021 vom
2.
Juni 2021, E
. 4.3.2).
Im Übrigen
liegt eine unzulässige Vorbefassung nicht bereits deshalb vor, weil die betreffende Person zu ungünstigen Schlussfolgerungen für die betreffende Partei gelangt ist (
Ueli
Kieser
, Kommentar zum ATSG, 4. Auflage 2020
,
Rz
.
16 zu
Art.
36 mit weiterem Hinweis). Von Diskriminierung oder gar Rassismus kann ebenfalls nicht die Rede sein.
E
rwähnenswert ist
auch
, dass Dr.
G._
kritisierte,
Dr.
A._
habe sich zu den «soziokulturellen Hintergründen» keine erkennbaren Gedanken gemacht. Er selbst
diagnostizierte eine kulturspezifische bzw. charakterneuroti
sche Persönlichkeitsprägung mit spezifischer Wahrnehmungsstruktur und
wies
darauf hin, «für italienischstämmige Frauen jener Generation» sei es ganz und gar kein Krankheitsgewinn, Unterstützung zu beanspruchen (
Urk.
7/71/9).
Da b
ei
der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden
kann
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_202/2021 vom
2.
Juni 2021 E. 4.3.1)
,
ist das Empfinden der Beschwerdeführerin, wonach «der Arzt» «arrogant, unfair und eher grob» gewesen sei (vgl.
Urk.
7/70/1 f.), unbeachtlich.
Alsdann
wurde
der Beschwerdeführerin
- entgegen ihrer anderslautenden Darstellung (vgl.
Urk.
7/79) –
der
Fragenkatalog an die Gutachter mit Mitteilung
vom 1
4.
August 2019 zuge
stellt. Zeitgleich wurde sie
auf die Möglichkeit hingewiesen, innert angesetzter Frist Zusatzfragen zu stellen (vgl.
Urk.
7/51).
Weiter
sind dem Gutachten keinerlei Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass keine adäquate Kommunikation und/oder Verständigung stattgefunden hätte. Der pauschalen Rüge ihres Rechts
vertreters, es hätten massive sprachliche Probleme vorgelegen (
Urk.
7/69/3), stehen die eigenen Angaben der Beschwerdeführerin gegenüber, wonach sie nicht beurteilen könne, ob die Dolmetscherin ihre Antworten korrekt übersetzt habe. Die Beschwerdeführerin betonte zudem, sie habe jede Frage beantwortet (
Urk.
7/70/4).
Dr.
B._
hielt ausdrücklich fest, die Erhebung sei mittels professio
neller Übersetzung erfolgt und eine differenzierte Befragung sei möglich gewesen (
Urk.
7/62/47). Dr.
A._
notierte ebenfalls, es habe keine Verständnis
schwie
rigkeiten gegeben und das Untersuchungsgespräch sei vollständig über
setzt worden (
Urk.
7/62/108,
Urk.
7/62/115). Selbst wenn – der Darstellung der Beschwerdeführerin folgend (vgl.
Urk.
7/70/4) - im internistischen Teilgutachten entgegen ihren anderslautenden Angaben festgehalten worden wäre, sie habe den Konsum von Nikotin und Alkohol verneint resp. das Rauchen vor einem Jahr eingestellt (vgl.
Urk.
7/62/43,
Urk.
7/62/104), wäre nicht ei
n
zusehen, inwiefern damit «massive Verständigungsprobleme» anzunehmen wären. Insbesondere ist es für den Ausgang dieses Verfahrens unerheblich, ob die Beschwerdeführerin raucht oder nicht. Dasselbe gilt für die - behaupteten - Falschangaben zum Umfang der Unterstützung durch den Ehemann im Haushalt (
Urk.
7/62/45,
Urk.
7/70/5); ob die Wäsche vom Ehemann oder von den Töchtern
der Beschwer
deführerin
aufgehängt wird, ist irrelevant. Soweit die Beschwerdeführerin nach
träglich angab, ihre Freizeitaktivitäten seien hauptsächlich beschwerdebedingt – und nicht aus finanziellen Gründen (vgl. Urk. 7/62/45) – eingeschränkt (
Urk.
7/70/5), so ist darauf hinzuweisen, dass die Gerichte im Bereich des Sozial
versicherungsr
echts in der Regel praxisgemäss
auf die «Aussagen der ersten Stunde» abstellen, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Über
legungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können
(BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis)
.
Weiter machte die Beschwer
deführerin geltend, die Übersetzerin sei
anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
B._
lediglich von 13.00 Uhr bis 15.00
Uhr oder vielleicht bis 15.15
Uhr anwesend und im Übrigen aufgrund eines anderen Termins abwesend gewesen (vgl.
Urk.
7/70/1
, vgl. auch Protokoll S. 6
). Aus dem Gutachten erhellt
, dass
die
Exploration Allgemeine Medizin
durch
Dr.
B._
am
9.
Dezember 2019
von 13.00 Uhr bis ca. 15.30 Uhr dauerte; im Nachgang der körperlichen
Untersuchung
erfolgte eine radiologische
sowie
Laboruntersuchung
(
Urk.
7/62/11)
. Dabei war
en
sowohl
Dr.
B._
als auch die
Übersetzerin
abwesend
(vgl. ergänzende
Ausfüh
rungen
von
Dr.
B._
vom 1
5.
Oktober 2020, Urk. 7/77/6). Weshalb
e
ine Über
setzerin hierbei hätte anwesend sein sollen, ist nicht einzusehen und hat die Beschwerdeführerin auch nicht begründet. Die in diesem Zusammenhang erwo
gene Falschbeurkundung (
Art.
307 StGB) geht offensichtlich ins Leere
(
Urk.
1
Ziff.
11)
; Weiterungen dazu erübrigen sich. Dass das Laborpersonal anlässlich der Blutentnahme zur richtigen Annahmevorschrift im Laborbuch nachgeschlagen hat, ist Ausdruck einer Vorgehensw
eise lege
artis
(vgl. auch Urk.
7/62/6
1
), mithin akkurat und nicht zu beanstanden.
Alsdann machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei von
Dr.
B._
im Rahmen der radiologischen Untersuchung mit einer Lampe im Intimbereich untersucht worden (vgl. E. 3.2.2).
Davon abgesehen, dass die radiologische Untersuchung nicht von
Dr.
B._
durchgeführt wurde, hat dieser
nach Rücksprache mit dem radiologischen Fachpersonal
in den ergänzen
den A
usführungen vom 15.
Oktober 2020 erläutert,
dass
bei der Untersuchung des Beckens aus technischen Gründen eine Referenzkugel zwischen die Beine der Beschwerdeführerin platziert worden
sei
. Diese Kugel sei auch auf dem Röntgen
bild erkennbar, es handle sich nicht um eine Lampe (vgl.
Urk.
7/77/6). Dass sie anlässlich der Begutachtung
von
Dr.
B._
unangebracht untersucht
worden sei, hat die Beschwerdeführerin anlässlich der Hauptverhandlung
denn auch
nicht mehr behauptet.
Soweit
die Beschwerdeführerin weiter moniert, sie sei nicht auf neuropsychologischem Fachgebiet untersucht worden (vgl. Urk. 1 S. 5), ist zunächst allgemein darauf hinzuweisen, dass die zutreffenden Fachdisziplinen in erster Linie von Medizinern zu bezeichnen sind, das heisst auch vom
RAD
als beratende Stelle der IV-Stellen (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG
in der bis Ende 2021 in Kraft gewesene Fassung
, Art. 49 Abs. 3 IVV), und es Sache der beauftragten Gutachter ist, allenfalls weitere notwendige Fachdisziplinen beizuziehen oder die Auftrag
geberin auf die ihrer Meinung nach zutreffenden Fachdisziplinen hinzuweisen, was unter Umständen zu einer Rückgabe des Auftrags führen kann (vgl. BGE 139 V 349 E. 3.3 in
fine
S. 352). Vorliegend hat
Dr.
B._
zwar darauf hingewiesen, dass eine allfällige Einschränkung der Gedächtnis- und Konzentrationsleistung infolge Bleiintoxikation mittels neuropsychologischer Testung eruiert werden
könne. Gleichzeitig hielt er fest, der Befund sei überwiegend wahrscheinlich irre
levant (
Urk.
7/62/59). Insbesondere hätten Gedächtnis- und Konzentrations
einschränkungen bisher weder ärztlicherseits im Fokus gestanden
oder
den Schwerpunkt der geklagten Beschwerden gebildet
noch
sei damit der Verlust der Arbeitsfähigkeit begründet worden (
Urk.
7/62/64). An anderer Stelle wies
Dr.
B._
zudem darauf hin, dass der bei der Beschwerdeführerin gemessen
e Wert von 97
myg
/l (vgl.
Urk.
7
/62/56) innerhalb des Grenzwertes gemäss der SUVA-Richtlinien für beruflich nicht exponierte Personen figuriert und die Auswirkung einer tolerierbaren Bleibelastung Gegenstand noch nicht abgeschlossener wissen
schaftlic
her Betrachtung sei (vgl.
Urk.
7
/62/58 f.). Bei dieser Sachlage sowie im Lichte dessen, dass die behördliche und richterliche Abklärungspflicht nicht unbesehen alles umfasst, sich vielmehr auf den rechtserheblichen Sachverhalt, mithin Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu en
tscheiden ist, beschränkt (
Art.
43 Abs. 1 ATSG;
Kieser
, a.a.O., Art. 43 N 20 mit Hinweisen), drängten sich neuropsychologische Weiterungen vorliegend nicht auf.
Alsdann kann von der Dauer der Unter
suchung nicht auf die Zuverlässigkeit der ärztlichen Stellungnahme geschlossen werden; der für eine psychiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand hängt stets von der Fragestellung und der zu beurteilenden Psycho
pathologie ab (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_47/2016
vom 15. März 2016, E. 3.2.2). Darüber hinaus kommt der Expertin oder dem Experten bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden ein weiter Ermessensspielraum zu. Insbeson
dere ist nicht zwingend notwendig, dass fremdanamnestische Angaben eingeholt (oder Zusatzuntersuchungen) angeordnet werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3). Die in methodischer Hinsicht erhobenen Einwände gehen damit ins Leere.
Zudem handelt es sich beim bemän
gelten
Mini-ICF-Rating um eine anerkannte und häufig eingesetzte Methode in der Sozial- und Versicherungsmedizin
,
der
en V
erwendung
sich im gutachter
lichen Betrieb bei psychosomatischen Leiden bewährt
hat
und
welche
für ein Mindestmass an Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der Folgenabschätzung bei derartigen Leiden sorgen
kann
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_157/2019 vom 2
8.
Oktober 2019
,
E. 4.3)
. Was die sich in diagnostischer Hinsicht ergebende Diskrepanz zur Einschätzung von
Dr.
G._
betrifft, so
ist zunächst darauf hinzuweisen, dass
psychiatrische Explorationen von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei
erfolgen
, weshalb verschiedene medizinisch-psychiatrische Inter
pretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 2009 in Sachen A., 8C_694/2008,
Erw
. 5.1).
Insofe
rn lässt sich die unterschiedli
che Qualifikation
der depressiven Episode sowie Schmerzstörung
erklären
. Zudem
lässt es die
unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini
schen Experten
andererseits
nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (SVR 2017 IV Nr. 49 [9C_338/2016] E. 5.5).
Insbesondere
sind den Ausführungen von Dr.
G._
keine neuen oder zusätzlichen Befunde zu entnehmen
und
hat
Dr.
A._
zutreffend darauf hingewiesen, dass es sich bei den Ausführungen von
Dr.
G._
um eine andere Beurteilung desselben Gesundheitsschadens handelt (
Urk.
7/77/9).
Zudem
betonte
Dr.
G._
wiederholt, dass es sich bei einer Depres
sion um ein dynamisches Geschehen h
andle (vgl. etwa
Urk.
7/71/2f.);
die Schwere der Depression
sei
bei der Beschwerdeführerin nicht anhalten
d hochgradig (
Urk.
7/71/17)
. S
ozialversicherungsrechtlich relevant sind indes in erster Linie dauerhafte Zustände und Einschränkungen (vgl. E. 1.1).
Schliesslich
fällt auf, dass sich
Dr.
G._
in der
17-seitige
n
Stellungnahme vom
2.
Juni 2020
vornehmlich
auf das subjektive Empfinden und Erleben d
er Beschwerdeführerin abstützte. Im Übrigen liess er sich hauptsächlich
zu
pejorativer
Kritik
hinreissen
.
4.2
Sodann erhellt a
us
dem Gutachten hinreiche
nd, dass die Ausprägung der
(soma
tischen und)
psy
chischen diagnoserelevanten Befunde
objektiv
nicht
stark ins Gewicht fällt.
Im Rahmen der Hamilton Depressionsskala Testung erreichte die Beschwerdeführerin 14 Punkte, entsprechend einer leichten Depression (
Urk.
7/62/109)
; im Mini-ICF-Rating ergaben sich bei 6 von 13 Kriterien keine und im Übrigen lediglich leich
te Einschränkungen.
Insbesondere
bei der arbeits
relevanten Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, Planung und Struk
turierung von Aufgaben, bei der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sowie Selbstpflege zeigten sich keine Einschränkungen (Urk. 7/62/110).
Nach depres
siven Symptomen befragt,
gab die Beschwerdeführerin im Wesentlichen schmerz
bedingte Schl
afstörungen an (
Urk.
7/62/103); a
uch das Morgentief begründete sie mit Schmerzen beim Aufstehen (
Urk.
7/62/106)
.
Dazu passend
betonte
Dr.
G._
, die Beschwerdeführerin begreife ihr Leiden zur Hauptsache als körperliches Geschehen; die körperbezogene Dimension stehe im Vordergrund
(
Urk.
7/71/5,
Urk.
7/71/10
)
.
In somatischer Hinsicht
hielt
Dr.
B._
im Wesentlichen diffuse Tenderpoints und Bewegungseinsc
hränkungen fest (
Urk.
7/62/47). Diese liessen sich aufgrund
eines
Impingement
-Syndroms der Schultern sowie einer leicht bis mittelgradig ausgeprägten
Coxarthrose
beidseits
teilweise objektivieren
(
Urk.
7/62/87).
Im Kontext
der Fibromyalgie
,
welche phänomenologisch mit der
Schmerzstörung
dicht beisammen
steht und bei welcher es
sich
deshalb
recht
fertigt,
die von der Rechtsprechung im Bereich der somatoformen Schmerz
störungen entwickelten Grundsätze analog anzuwenden (BGE 132 V 65 E. 4)
,
verblieb die Beschreibung der Muskelschmerzen und Sensibilitätsstörungen trotz wiederholten Nachfragen diffus und teils widersprüchlich (
Urk.
7/62/46,
Urk.
7/62/76,
Urk.
7/62/89).
Zudem
wiesen die Gutachter
auf das Verdeutli
chungsverhalten der Beschwerdeführerin (etwa aktives Gegenspannen in der körperlichen Untersuchung) sowie
auf
Inkonsistenzen
hin
(
vgl.
Urk.
7/62/19). So
habe die Beschwerdeführerin
etwa
betont, schmerzbedingt nicht lange sitzen zu können. Demgegenüber habe sie während der somatischen und psychiatrischen Exploration ohne erkennbare Schmerzwahrnehmung oder wesentliche Ermü
dungserscheinungen ruhig auf dem Stuhl gesessen (
Urk.
7/62/78, Urk. 7/62/108,
Urk.
7/62/113).
Zudem nahm
die Beschwerdeführerin
kaum Schmerzmittel (
Brufen
bei Bedarf) und
k
eine psychopharmakol
ogische Medikation ein
(
Urk.
7/62/113). Soweit sie
als Begründung
eine Medikamentenunverträglichkeit geltend machte,
ist eine
solche
gegen
den Wirkstoff Ibuprofen
im
Allergiepass
nicht ausgewiesen. Dasselbe gilt für
theoretisch mögliche
Kreuzallergien mit Bezug auf Psychopharmaka
(vgl.
Urk.
7/71/14, Urk. 7/62/107
)
.
Weiter – so
Dr.
A._
– ist
die Beschwerdeführerin von
der W
irkungslosigkeit
physikali
scher
Therapieformen überzeugt (U
rk.
7/62/88)
,
ebenso von der vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
7/62/108)
.
Von
ausgeschöpften Therapieressourcen
kann vorliegend jedenfalls nicht die Rede sein.
I
n
Anbetracht der deutlichen
,
subjek
tiven Krankheitsüberzeugung (vgl.
auch
Urk.
7/62/113) sowie
de
s
sich durch die gesamte Aktenlage ergebenden Eindruck
s
eingeschränkter
(Medikamenten-)Com
pliance
(vgl.
etwa
die Stellungnahme
von
Dr.
F._
, wonach die Beschwerde
führerin physikalische Therapien nur sehr vereinzelt
wahr
nehme, weil sie von deren W
irkungslosigkeit überzeugt sei; ihre Therapiebereitschaft sei begrenzt,
Urk.
7/73/3; vgl. auch
den
vertrauensärztlichen Bericht von
Dr.
Z._
vom
2
3.
August 2018,
Urk.
7/30/3)
ist
vielmehr
zumindest
fraglich
, inwieweit das
vor
liegende Leiden
und deren Bewältigung durch invaliditätsfremde Faktoren verur
sacht resp. behindert wird.
Dr.
A._
wies
zudem
ausdrücklich darauf hin, dass der angespannten finanziellen Belastung eine gewichtige Rolle bei der Exazerba
tion und Aufrechterhaltung der Schmerzen
zukäme
(
Urk.
7/62/111
;
vgl. auch
Urk.
7/62/108,
vgl.
auch
Urk.
7/30/3
)
.
Ferner
ergibt sich, dass die Beschwerde
führerin einem insoweit geordneten Tagesablauf mit regelmässigen ausserhäusli
chen Tätigkeiten und Terminen nachgeht (Spaziergänge, leichtere Einkäufe, Besuche bei den Geschwistern und
übrigen
Verwandten, vgl.
Urk.
7/62/106) und weiterhin
kurze Strecken mit dem Auto
fährt (
vgl.
Urk.
7/62/113 f.). Auch war sie im Stande, im Sommer 2019 in ihre Heimat zu reisen
(
vgl.
Urk.
7/62/107)
;
auch
im So
mmer 2020
weilte die Beschwerdeführerin auf unbestimmte Zeit F
erien
halber
in Italien (
vgl.
Urk.
7/73/3)
. D
ie Gutachter
hielt
en
zwar
fest, d
as
Aktivi
tätsniveau
der Beschwerdeführerin
sei
gesamthaft eingeschränkt. Als Grund
hier
für
habe
letztere
indes finanzielle
Gründe angegeben
(
Urk.
7/62/78).
Wie bereits ausgeführt – E. 4.1 – kommen
den
nachträglichen,
anderslautenden
Ausführun
gen beweisrechtlich untergeordnete Bedeutung zu.
Bei alle dem
kam
Dr.
A._
zum begründeten Schluss,
die
B
eschwerdeführerin erscheine
i
m Berufs- und Privatleben
nicht gleichermassen
eingeschränkt.
Dass es sich
bei den vorhan
denen Aktivitäten
um reine Abwehrversuche und behelfsmässige Strukturie
rungsversu
che in Umsetzung therapeutischer
Anregungen handeln mag
– so
Dr.
G._
(vgl.
Urk.
7
/71/5
,
Urk.
7/71/8)
-
, ändert erstmal nichts.
Fakt und relevant ist vielmehr
, dass die Beschwerdeführer
in
– wie auch immer motiviert
–
unbestritte
n
ermassen
in der Lage ist, ihre Leiden zu übe
rwinden und
damit
über intakte
Coping- Strategien verfügt. Dass und w
ie oft es ihr
nicht gelingt, Auto zu fahren oder sonstigen Vorhaben n
achzugehen
,
stand
im Rahmen der
Ressourcen
prüfung
-
entgegen
Dr.
G._
(vgl.
Urk.
7/71/5,
Urk.
7/71/15)
–
eben
nicht im Vordergrund.
Weiter verfügt die Beschwerdeführerin
über
tragende
Beziehungs
strukturen
. Insbesondere von der Familie (Ehemann, zwei Töchter, Geschwister, Schwiegersohn)
wird sie nach eigenen Angaben liebevoll unterstützt (
Urk.
7/62/114,
Urk.
7/62/46).
Ihre
Geschwister würden sie auch trösten und ihr Mut machen; man besuche sich
gegenseitig
regelmässig
(
Urk.
7/62/
106 f.
)
.
Die Beschwerdeführerin
betonte
ausserdem
, ihre Nachbarin würde ihr helfen «wann und wo sie
nur könne» (vgl.
Urk.
7/70/5).
Dr.
G._
wies
darauf hin, die Familie
sei
für die Beschw
erdeführerin
ein Ort des Rückzugs (
Urk.
7/71/6).
Die
von demselben
erfolgte
Charakterisierung der
Familie
als
Not- und
Schicksals
gemein
schaft (vgl.
Urk.
7/71/6
,
Urk.
7/71/15
)
vermag an der
en
Ressourcenqualität
nichts zu ändern
und steht
im Übrigen
diskrepant zu den
eigenen
Schilderungen der Beschwerdeführerin.
Inwiefern
die Beschwerdeführer
in
«vor lauter Fremdbestim
mung und sozialem Druck» kaum mehr in der Lage sei
n soll
te
, ihr Leben zu gestalten (vgl.
Urk.
7/71/16),
ist nicht nachvollziehbar;
selbst wenn,
handelte es sich dabei
um IV-fremde Belastungsfaktoren
.
Darüber hinaus
braucht auf di
e von
Dr.
G._
erhobene Kritik
im Zusammenhang mit der
in Nachachtung von
BGE 141 V 281 E. 4.3.1
(vgl. E. 1.3.2)
korrekt erfolgten gutachtlichen
Ressourcen
prüfung
nicht im Einzelnen einzugehen
;
seine
Ausführungen
erfolgte
n
aug
en
scheinlich in Unkenntnis
oder
Inakzeptanz
der
einschlägigen Gerichtsp
raxis.
Damit
ist auch bereits gesagt, dass
auf die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
von
Dr.
G._
nicht abgestellt werden
kann
.
Im Übrigen
kann es aufgrund
der
bereits unter E. 4.1 genannten
prinzipiellen Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag
(vgl. E. 4.1)
ohnehin
nicht Sache der behandelnden Ärzte
sein, in umstrittenen Fällen verbindlich zur Arbeitsunfähigkeit Stellung zu nehmen (Urteil des Bundesgerichts
9C_152/2011
vom 10. Mai 2011
).
Insoweit kann auch
Dr.
F._
nicht
gefolgt werden, wenn sie eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit postuliert
.
Kommt hinzu, dass sie
hierfür jegliche Begründung vermis
sen
lässt
(
Urk.
7/73/10,
Urk.
16/1-10).
4.3
Zusammenfassend ergibt
sich
unter Berücksichtigung der im Regelfall beacht
lichen Sta
ndardindi
katoren
nachvollzieh
bar
, dass die
im Wesentl
ichen den soma
tischen Beschwerden
ges
chuldeten Defizite
hinsichtlich der angestammten Tätig
keit (Raumpflegerin)
eine Leis
tungsminderung im Umfang einer 5
0%ige
n Arbeits
unfähigkeit zei
tigen
und die Beschwerdeführerin in einer –
näher umschriebenen – Verweistätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig ist. Diese Beurteilung gilt für den Zeit
raum ab der Begutachtun
g (Dezember 2019). Retrospektiv bestand
bis
Juni 2019 eine 35%ige und ab diesem Zeitpunkt
(Diagnose
Impingement
-Syndrom
der
Schulter
n
beidseits, vgl.
Urk.
7/62/92)
eine 45%
ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
.
Beim vorliegenden
Beweisergebnis
erübrigen sich
medizinische
Weiterungen
(antizipierte Beweiswürdigung; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_468/2007 vom 6. Dezember 2006 E. 2.2 mit Hinweisen).
Zu prüfen bleiben di
e erwerblichen Auswirkungen d
er anhaltenden Leistungs
einbusse.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin
– entsprechend ihrem letzten Arbeitsverhältnis
(vgl.
Urk.
7/81/6
, vgl. auch
Urk.
7/4/6,
Urk.
7/10/2
,
Urk.
7/19/1
)
-
als teilerwerbstätige Hausfrau eingestuft, wobei sie den An
teil der Erwerbstätigkeit auf 84
% und den Anteil der Haushalts
tätigkeit auf 16
%
fest
ge
setzt hat. Diese Qualifikation verblieb
unbestritten
und es ergibt sich daraus auch
kein Anlass zur gerichtlichen Korrektur. Mithin
kommt die gemischte Methode bei der Invaliditätsbemessung zur Anwendung
.
5.2
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstä
tigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird
(Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
5.3
5.3.1
Bei der Ermittlung des ohne Gesundheitsschaden e
rzielbaren Einkommens (
Vali
den
einkommen
) ist entscheidend, was die versicherte P
erson aufgrund ihrer beruflichen
Fähigkeiten und persönlichen Umstände mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit ohne den Gesundheitsschaden, aber sonst bei unveränderten Ver
hältnissen verdienen würde (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 E. 3b mit Hinweisen).
Hierfür
ist mit der
Beschwerdegegnerin auf den gemäss IK-Auszug vor Eintritt des Gesundheitsschadens im Jahre
2016 bei der Stadt Y._
erwirtschafteten Jahreslohn ab
zustellen
(
Fr.
50'703.--
Urk.
7/6/3
)
. Dieser Wert ist der Teuerung und realen Einkommensentwicklung anzupassen (ZAK 1990 517 E. 3c), wobei der Nominallohnindex gemäss der entsprechenden Erhebung des Bundesamtes für Statistik zu verwenden ist (BGE 129 V 408). Unter Berücksichtigung der Nomi
nal
lohnentwicklung für
Frauen
bis ins massgebliche Jahr 20
19
(
Ablauf Warte
jahr
, vgl.
hienach
E. 5.4.1
;
vgl. Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohn
index, Landesindex der Konsumentenpreise, T 39, Entwicklung der Nominal
löhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne,
2010-2019
, Nominallöhne
Frauen
; 20
16: 2709; 2019
:
2759
) resultiert ein
Valideneinkommen
(Basis 201
6
) von rund Fr.
51’639
.-- [
Fr.
50'703
.-- :
2709
x
2759
) resp. rund
Fr.
61'475.-- für ein Vollzeitpensum (vgl. E. 5.2).
5.3.2
Die
Beschwerdeführer
in
war gemäss Einschätzung der Gutachter in einer
– näher umschriebenen -
Verweistätigkeit
jedenfalls
seit
Dezember 2019 zu 80
%
arbeits
fähig (vgl. E. 4.2
).
Da
sie
die ihr
seit
Dezember 2019
medizinisch attestierte Rest
arbeitsfähigkeit nicht ausgeschöpft
hat
,
sind
für die Ermittlung des Invaliden
einkommens die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik perio
disch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) heranzuziehen (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129
V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b)
. Mit Blick auf
die fehlende Ausbildung
und
Berufsbiographie
der Beschwerdeführerin
sowie
das
medizinische Belastungsprofil
ist zusammen mit der
Beschwerdegegnerin
auf den Tabellenwert in der Höhe von Fr.
4’371.-- (LSE 2018
, Tabelle TA l, TOTAL, Kompetenzniveau l,
Frauen
) abzustellen
(vgl.
Urk.
7/80)
. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit im Jahr 201
9
von 41.
7
Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stunden pro Woche, 2004-20
20
,
A-S 01-96
)
sowie
der
Nomi
nal
lohnentwicklung für
Frauen
bis ins massgebliche Jahr 2019 (vgl. Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohnindex, Landesindex der Konsumentenpreise, T 39, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 2010-2019, Nominallöhne Frauen; 201
8
: 27
32
; 2019: 2759)
resultiert ein Invali
deneinkommen von rund Fr.
44’177
.-- für ein zumutbares Pensum von 80 % (Fr. 4’371.--: 40 x 41.
7
x 12
: 2732 x 2759
x 0.80).
Die Beschwerdegegnerin hat von einem leidens- oder anderweitig begründeten Abzug abgesehen, was nicht zu beanstanden ist. Insbesondere
ist der Umstand allein, dass nur mehr leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungs
fähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 (bis LSE 2010 Anforderungsniveau 4) bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.2 unter Hinweis auf 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.4 und 9C_386/2012 vom 18. September 2012 E. 5.2).
Zudem werden
Hilfsarbeiten auf dem massgebenden ausgeglichenen Stellenmarkt altersunabhängig nachgefragt. Dies gilt insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten, wo sich ein fortgeschrittenes Alter nicht zwingend lohnsenkend
auswirken muss
(Urteile des Bundesgerichts 8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1 und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.3)
.
Die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt betrifft
schliesslich
das Kriterium der Dienstjahre, dessen Bedeutung im privaten Sektor abnimmt, je niedriger das Anforderungsprofil ist. Mit Blick auf das Kompetenzniveau 1 kommt diesem Aspekt keine ins Gewicht fallende Bedeutung zu (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.2 und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.3 unter Hinweis auf 8C_351/2014 vom 14. August 2014 E. 5.2.4.2).
5.4
5.4.1
Der
Beschwerdeführer
in
wurde vor Juni 2019 eine 35%ige und ab diesem Zeit
punkt eine 45%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
7/62/22) attestiert
. Damit bestand
jedenfalls
von
Dezember
2018 bis
Ende
November 2019
eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von
4
0 % (Art. 28 Abs. 1 IVG, E. 1.2).
5.4.2
Nach Ablauf der Wartezeit bestand seit
Dezember 2019
eine 80%ige Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (
Urk.
7/62/22
). Aus der Gegen
über
stellung von Validen- (
Fr.
61'475.--
,
vgl. E. 5.
3.1
) und dem anrechenbaren Inva
lideneinkommen (
rund
Fr.
44’177.--
vgl. E. 5.3.
2
) resultiert eine Erwerbseinbusse von rund Fr.
17’298
.--, was einen Invaliditätsgrad von
28.13
%
ergibt
.
Bei der vorliegenden Qualifikation (vgl. E. 5.1)
ergibt sich
daraus
im Erwerbsbereich
ein Teilinvaliditätsgrad von 23,6
3
%, gerundet 24
%
(zur mathematischen Rundung vgl. BGE 130 V 121)
.
Unter diesen Umständen
würde ein rentenbegründender Invaliditätsgrad eine 100%ige Leistungsunfähigkeit im Haushaltsbereich voraus
setzen, was gestützt auf die hierfür ausrei
chend aussagekräftige Aktenlage
und unter
zusätzlichem
Hin
weis auf die freie Zeiteinteilung sowie Schade
nminde
rungspflicht
durch den Einbezug
der Familien
mitglieder
vorliegend ohne Weiteres verneint werden kann. Damit ist
auch nicht zu beanstanden, wenn
die IV-Stelle
mangels Relevanz für das Beurteilungsergebnis
von einer Haushalts
abklärung abgesehen hat.
Der angefochtene Entscheid erweist sich
damit
als richtig, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) auf Fr.
1
’
0
00.-- anzusetzen
und ausgangsgemäss der Beschwer
deführerin aufzuerlegen.