Decision ID: 69c66368-d656-4ae9-8860-0924d069ce55
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
V._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Selbstkündigung, Zwischenverdienst)
Sachverhalt:
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A.
A.a V._ war vom 1. August 2008 bis zum 31. Oktober 2008 bei der A._ AG mit
einem 50%-Arbeitspensum als Project Managerin tätig (act. G 3/110). Zusätzlich war
sie seit dem 1. Juni 2008 mit einem Arbeitspensum von 20% bei der Stiftung C._ als
Geschäftsführerin angestellt (act. G 3/111). Nach Verlust der 50%-Stelle meldete sie
sich am 31. Oktober 2008 beim RAV-Rapperswil-Jona (nachfolgend RAV) zur
Arbeitsvermittlung an und beantragte ab 1. November 2008 Arbeitslosenentschädigung
bei der Kantonalen Arbeitslosenkasse (act. G 3/100, G 3/101). Per 6. Juli 2009 meldete
sich die Versicherte von der Arbeitsvermittlung ab, um die Abschlussprüfungen des
Psychologiestudiums an der Universität Zürich zu absolvieren (act. G 3/61, G 3/49).
A.b Am 24. August 2009 kündigte die Versicherte per 31. Dezember 2009 ihre Stelle bei
der C._ (act. G 3/56). Zur Arbeitsvermittlung meldete sie sich am 4. September 2009
erneut beim RAV an (act. G 3/55). In einem Schreiben an die Kantonale
Arbeitslosenkasse vom 21. Oktober 2009 gab die Versicherte an, dass sie in der Zeit
von anfangs Juli bis Ende August 2009 keiner Arbeitstätigkeit ausser ihrer 20%-
Beschäftigung bei der C._ nachgegangen sei. Sie habe in dieser Zeit ihre
Abschlussprüfungen des Psychologiestudiums an der Universität Zürich absolviert (act.
G 3/49).
A.cDie Kantonale Arbeitslosenkasse forderte die Versicherte mit Schreiben vom
26. November 2009 zu einer Stellungnahme hinsichtlich der Vermutung der
selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit auf. Bevor die Kasse allfällige Einstelltage verfüge,
habe die Versicherte Gelegenheit die Gründe darzulegen, welche sie zur Kündigung
ihrer 20%-Stelle bewogen haben (act. G 3/38). Die Versicherte führte in der
Stellungnahme vom 8. Dezember 2009 aus, dass sie nach Studienabschluss möglichst
bald den 100%-Berufseinstieg in ihrem Berufsfeld habe schaffen wollen und ihre 20%-
Administrationsstelle dabei hinderlich sei. Den Berufseinstieg gedenke sie mittels eines
Praktikums zu schaffen. Dies sei oft der einzige Weg dafür, wobei es in ihrem
Berufsfeld sehr schwierig sei, ein Teilzeitpraktikum zu erhalten. Bereits im Mai 2009
habe sie Vorabklärungen hinsichtlich eines Praktikums im Rahmen des FSP
Assistenzprojekts getätigt. Im Oktober 2009 habe sie ihre Bewerbungsunterlagen beim
FSP einreichen können. Am 6. Januar 2010 werde sie im Rahmen des FSP
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Assistenzprojekts ein 100%-Praktikum bei der Berufsberatung B._ beginnen (act. G
3/35).
A.d In der Folge stellte die Arbeitslosenkasse die Versicherte mit Verfügung vom
13. Januar 2010 wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Januar 2010 für
38 Tage auf der Basis von Fr. 32.25 (Bruttotaggeld minus Kompensationstaggeld) in
der Anspruchsberechtigung ein. Als Begründung führte sie an, dass eine
Festanstellung grundsätzlich Vorrang vor einer Teilnahme an einer
arbeitsmarktrechtlichen Massnahme habe. Die Versicherte habe zu Lasten der
Arbeitslosenkasse eine Festanstellung aufgegeben. Es hätte ihr zugemutet werden
können, an der 20%-Stelle zu verbleiben und gleichzeitig am FSP Assistenzprojekt
teilzunehmen, bis sie eine 100%-Praktikumsstelle in ihrem Berufsfeld gefunden hätte.
Das Verschulden an der Arbeitslosigkeit müsse als schwer beurteilt werden (act. G
3/24).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 13. Januar 2010 erhob die Versicherte mit Schreiben
vom 11. Februar 2010 Einsprache und beantragte sinngemäss die Aufhebung der
verfügten Einstelltage. Dies begründete sie damit, dass sie seit Anfang 2009 jeden
Monat habe kämpfen müssen, um das Zwischenverdienstformular von der C._ zu
erhalten. Weiter sei es unzumutbar, neben ihrer 100%-Praktikumsstelle, welche einen
Arbeitsweg von drei Stunden täglich mit sich bringe, noch zu 20% zu arbeiten.
Ausserdem müsse sie noch zusätzlich ihre monatlichen Bewerbungen machen. Die
20%-Stelle entspreche nicht ihrer aktuellen Ausbildung als Psychologin und sei nicht
förderlich für eine Festanstellung zu 100%. Indem sie seit Anfang 2010 zu 100%
verfügbar sei, habe sie dazu beigetragen, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu
erhöhen (act. G 3/14).
B.b Mit Entscheid vom 3. März 2010 wies die Arbeitslosenkasse die Einsprache der
Versicherten ab und bestätigte die Verfügung vom 13. Januar 2010. Dass die C._ das
Zwischenverdienstformular jeweils zu spät zugestellt haben solle, würde zu keiner
Unzumutbarkeit des Arbeitsverhältnisses führen. Ebensowenig ein schwieriges
Verhältnis zum Stiftungsrat. Hinsichtlich des Arguments der Wichtigkeit einer
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Praktikumsstelle für die weitere berufliche Laufbahn der Versicherten habe nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine ausgleichsberechtigte
Zwischenverdienstarbeit Vorrang vor einer vorübergehenden Beschäftigung. Die
Versicherte habe die Pflicht, eine lediglich finanziell unzumutbare
Zwischenverdiensttätigkeit beizubehalten, solange ihr keine (andere) Dauerstelle
zugesichert sei und das Verbleiben an dieser Stelle zumutbar sei. Hinsichtlich der 20%-
Stelle bei der C._ habe deshalb weder Unzumutbarkeit noch ein entschuldbarer
Grund zur Auflösung dieses Arbeitsverhältnisses bestanden (act. G 3/9).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von der Beschwerdeführerin am
3. April 2010 (Datum Postaufgabe) erhobene Beschwerde. Sie beantragt darin die
Aufhebung der 38 Einstelltage. Für die Beschwerdeführerin sei es nicht einsehbar,
wieso in ihrem Fall auf der 20%-Stelle bei der C._ beharrt werde, da diese ihr eher
hinderlich für den möglichst raschen Einstieg ins Berufsleben als Psychologin sei.
Ausserdem sei sie seit ihrer Kündigung bei der C._ nur schikaniert worden und habe
den Lohnausweis 2009 über das Steueramt einfordern lassen müssen. Das
Arbeitszeugnis sei immer noch ausstehend. Eine Weiterbeschäftigung bei der C._ sei
unzumutbar. Bereits im Mai 2009 habe man ihr seitens des FSP Assistenzprojekts
zugesichert, dass sie nach Abschluss des Psychologiestudiums ohne Probleme eine
Praktikumsstelle in der Berufs- und Laufbahnberatung finden werde. Die weiteren von
der Beschwerdeführerin aufgeführten Begründungen entsprechen inhaltlich denjenigen
in der Einsprache vom 11. Februar 2010 (act. G 1).
C.b Mit Schreiben vom 3. Mai 2010 verweist die Beschwerdegegnerin als
Beschwerdeantwort auf den Einspracheentscheid vom 3. März 2010 und beantragt die
Abweisung der Beschwerde (act. G 3).

Erwägungen:
1.
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Streitig und zu prüfen ist, ob die Beibehaltung der 20%-Anstellung für die
Beschwerdeführerin zumutbar gewesen wäre und sie somit zu Recht für 38 Tage in
ihrer Anspruchsberechtigung eingestellt wurde.
2.
2.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann,
wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne
dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der
Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b der Verordnung über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR
837.02]). Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe findet demnach das
sozialversicherungsrechtliche Schadenminderungsprinzip seine Grenze bei der
Zumutbarkeit. So kann es der versicherten Person nicht zugemutet werden, eine Stelle,
die im Sinn von Art. 16 Abs. 2 AVIG unzumutbar und damit von der Annahmepflicht
ausgenommen ist, beizubehalten.
2.2 Im Weiteren ist bei der Prüfung der Frage, ob eine Sanktion wegen Selbstaufgabe
der Stelle im Sinn von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zulässig ist, das Übereinkommen
Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung
und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend
Übereinkommen; SR 0.822.726.8) zu beachten, das für die Schweiz am 17. Oktober
1991 in Kraft getreten ist. Nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens können Leistungen
der Arbeitslosenversicherung verweigert, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden,
wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre
Beschäftigung freiwillig ("volontairement") ohne triftigen Grund ("sans motif légitime")
aufgegeben hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und klar ist, ist
sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht den nationalen Bestimmungen über den
Erlass einer Einstellungsverfügung vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Damit dürfen bei einer
völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten
Anforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden;
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insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der
versicherten Person zu berücksichtigen (Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 80). Es kann nicht von einer freiwilligen
Beschäftigungsaufgabe im Sinn des Übereinkommens gesprochen werden, wenn eine
versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen vermag
(BGE 124 V 238 E. 4b/aa).
2.3 Gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. b AVIG ist eine Arbeit unzumutbar, die nicht angemessen
auf die Fähigkeiten oder auf die bisherige Tätigkeiten des Versicherten Rücksicht
nimmt. Diese Vorschrift bezweckt den Schutz des Arbeitnehmers vor Überforderung.
Eine Unterbeanspruchung begründet demgegenüber keine Unzumutbarkeit des
Arbeitsverhältnisses (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; ab 1.
Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 10. Februar 2003,
C 135/02, E. 2.2.1 mit Hinweisen). Zu beachten ist ausserdem, dass die Zumutbarkeit
des Verbleibens am bisherigen Arbeitsplatz im Allgemeinen strenger zu beurteilen ist
als die Zumutbarkeit der Annahme einer neuen Stelle (BGE 124 V 238 E. 4b/bb; Urteil
des EVG vom 21. Februar 2001, C 348/00, E. 2d; Gerhard Gerhards, Kommentar zum
Arbeitslosenversicherungsrecht, N 13 zu Art. 30 AVIG; Chopard, a.a.O., S. 116).
3.
3.1 Aus den Vorbringen wird ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin es als
unzumutbar erachtet hat, die 20%-Stelle bei der C._ weiterhin beizubehalten. Die
Beschwerdeführerin hatte geplant, diese Tätigkeit während ihres Studiums auszuüben
und nach dessen Abschluss zu 100% als Psychologin zu arbeiten. Eine 80%-Tätigkeit
als Psychologin, um die (berufsfremde) Stelle bei der C._ behalten zu können, wurde
ihrerseits nicht angestrebt. Bereits im Mai 2009 sei ihr seitens des FSP
Assistenzprojekts zugesichert worden, dass sie nach Abschluss des Studiums ohne
Probleme eine Praktikumsstelle finden würde. Da sie dies als sicher ansah, gab sie ihre
Stelle auf (act. G 1). Das Bewerbungsdossier reichte die Beschwerdeführerin im
Oktober 2009 beim FSP Assistenzprojekt ein. Ihre Stelle bei der C._ kündigte sie
bereits am 24. August 2009 und somit bevor sie eine sichere Zusage für eine
Praktikumsstelle hatte. Aus Sicht der Arbeitslosenversicherung hätte sie die Stelle bei
der C._ erst dann kündigen sollen, wenn sie eine Daueranstellung mit dem von ihr
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angestrebten Arbeitspensum konkret in Aussicht gehabt hätte. Dass sie zu ihrem
Praktikumsort einen langen Arbeitsweg haben würde, konnte die Beschwerdeführerin
im Zeitpunkt der Kündigung nicht wissen. Indem die Beschwerdeführerin die Stelle bei
der C._ aufgab, ohne über eine Anschlussstelle oder ein Praktikum zu verfügen, hat
sie die Arbeitslosigkeit im Umfang der aufgegebenen Stelle selber verschuldet. Die
Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolgte demnach zu Recht.
3.2 Zu prüfen bleibt die Höhe der verfügten Einstellung. Die Beschwerdegegnerin ist
von einem schweren Verschulden ausgegangen. Nach Art. 45 Abs. 3 AVIV ist bei
Aufgabe einer zumutbaren Arbeit ohne entschuldbaren Grund von einem schweren
Vergehen auszugehen. Im vorliegenden Fall können entschuldbare Gründe für die
Stellenaufgabe angeführt werden. So wirkt sich der Umstand verschuldensmindernd
aus, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der mündlichen Zusicherung vom Mai
2009 mit einer Praktikumsstelle rechnen durfte. Die Beschwerdeführerin macht zwar zu
Recht nicht geltend, die Teilnahme am Einsatzprogramm "FSP Assistenzprojekt" sei
nur bei einer 100% Beschäftigung möglich. Indessen dürfte zutreffen, dass die
Bereitschaft, das Praktikum mit einem Beschäftigungsgrad von 100% zu absolvieren,
die Erfolgsaussichten für das Praktikum und damit auch für die anschliessende
(befristete) Anstellung erhöht hat. Es ist zudem nachvollziehbar, dass die
Beschwerdeführerin nach erfolgreich abgeschlossenem Studium das Erlernte beruflich
nun auch anwenden wollte, um den Einstieg in den Beruf zu schaffen. Schliesslich
erhöhte die Kündigung der 20%-Stelle ihre Flexibilität für eine neue Stelle. Gesamthaft
betrachtet kann deshalb von einem mittelschweren Verschulden im mittleren Bereich
ausgegangen wurden.
4.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der angefochtene Einspracheentscheid
vom 3. März 2010 in teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die
Beschwerdeführerin gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG für 21 Tage auf der Basis von Fr.
32.25 in der Anspruchsberechtigung einzustellen. Gerichtskosten sind nach Art. 60 lit.
a ATSG keine zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53