Decision ID: 99c654cd-88a2-535e-9f62-abd11c92c49a
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1976,
ist von Beruf Verkäufer
und war zuletzt bei der
Y._
im
Z._
angestellt
(
Urk.
10/1)
. Am 24. Februar 2002 erlitt er beim Fussballspielen eine Distorsion des linken Knies und zog sich dabei eine vordere Kreuzbandruptur zu, welche am 26. April 2002 chirurgisch versorgt wurde. Der Heilungsverlauf entwickelte sich in der Folge ungünstig. Unter Hinweis darauf, dass er auch nach der Operation unter starken Schmerzen leide, meldete sich
X._
am 16. April 2003 bei der
Sozial
versiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 1
0
/2). Die IV-Stelle tätigte Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht und zog die Akten der Unfallversicherung (SUVA) bei. Nachdem die SUVA
X._
gestützt auf ihre Abklärungen in somatischer wie psychi
atrischer Hinsicht mit Verfügung vom 6. September 2005 mit Wirkung ab 1. September 2005 eine Invalidenrente nach Massgabe einer Erwerbsunfähigkeit von 100 % zugesprochen hatte (nebst einer Integritätsentschädigung von 30 % für die or
ganischen Beschwerden; Urk. 1
0
/22), sprach die IV-Stelle dem Versi
cherten mit Verfügung vom 6. Dezember 2005 mit Wirkung ab 1. Februar 2003 ebenfalls eine ganze Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von 100 % zu (Urk. 1
0
/26; zuzüglich Zusatzrente für die Ehegattin sowie
Kinder
renten
).
1.2.
Im Oktober 2007 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein und
hob
die Rente mit Verfügung vom 1
5.
Juni 2012 auf Ende des der Zustellung folgenden Monats
auf
(
Urk.
10/99). Die von
X._
hiegegen
erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht
mit Urteil vom 1
6.
Juni 2014
in dem Sinne gut, als die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese nach Abklärungen im Sinne der Erwägungen über den Anspruch auf eine Invalidenrente neu ver
füge (Urk. 10/110;
Prozess-Nr.
IV.2012.00764).
Die IV-Stelle veranlasste her
nach eine polydisziplinäre Expertise, die am 1
7.
Februar 2015 vom
A._
erstattet wurde (Urk. 10/128).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/132 ff.) hielt sie mit
Verfügung vom 2
9.
Mai 2015 sinngemäss an der Leistungseinstellung per Ende Juli 2012 (
zum Zustellungszeitpunkt
vgl.
Urk.
10/102/7-16
[
S. 2
]
) fest (
Urk.
2, Überschrift,
einleitender Satz
und Abklärungsergebnis
).
1.3
Mit Verfügung vom
7.
Mai 2015 hob die SUVA die Rente per
1.
Juni 2015 auf, woran sie auf Einsprache des Versicherten hin mit Entscheid vom 1
3.
August 2015 festhielt.
Die dagegen am
1
5.
September 2015
erhobene Beschwerde wurde mit heutigem Urteil des hiesigen Gerichts abgewiesen (Prozess-Nr. UV.201
5
.001
83
).
2.
Mit Beschwerde vom 2
0.
Juni 2015 (
Urk.
1) gelangte
der Rechtvertreter von
X._
an die IV-Stelle mit dem
Begehren, die bisherige Rente auszu
richten. Zudem stellte er den Antrag,
das Verfahren zu sistieren oder aber die Beschwerde an das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich weiterzulei
ten.
Nach telefonischer Rückfrage
beim Rechtsvertreter
(
Urk.
5)
übermittelte
die IV-Stelle die Beschwerde
am 2
9.
Juni 2015 dem hiesige
n
Gericht
(
Urk.
4).
Mit Eingabe vom
8.
Juli 2015 ersuchte der Beschwerdeführer beim Gericht um Sis
tierung des Verfahrens (Urk.
8). Am 2
6.
August 2015 erging die Vernehmlas
sung der Beschwerdegegnerin mit Antrag auf Abweisung (
Urk.
9)
. Mit Verfü
gung vom 9. September 2015 wurde das Sistierungsgesuch abgelehnt und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort vom 2
6.
August 2015 zugestellt (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Für die
rechtlichen Erwägungen
kann auf die
Ausführungen
im hiesigen Ent
scheid vom 1
6.
Juni 2014 verwiesen werden (
Prozess-Nr.
IV.2012.00764
;
Urk.
10/110
E.
1
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Renteneinstellung
mit dem Ergebnis des
A._
-Gutachtens vom 1
7.
Februar 2015 (
Urk.
2)
, wonach in einer
behin
derungsangepassten
Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe
. Sie führte in der Beschwerdeantwort
vom 2
9.
August 2015
aus, mit der neu
hinzu
gekom
menen Schulterproblematik
, die laut dem Gutachten
Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit
habe,
bestehe eine wesentliche Veränderung in den tatsächlichen Ver
hältnissen, die geeignet sei, den Invaliditätsgrad und somit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Ein Revisionsgrund sei
demnach
gegeben, weshalb nach der Rechtsprechung eine umfassende Prüfung des Rentenanspruchs, mithin auch eine erneute ärztliche Beurteilung der gesundheitlichen Situation und der Arbeitsfähigkeit zu erfolgen habe. Da im
A._
-Gutachten das Vorliegen einer
somatoforme
n
Störung ausgeschlossen worden sei, habe die
in der Beschwerde
zitierte neue Rechtsprechung betreffend psychosomatischer Leiden auf den vor
liegenden Fall keine Auswirkung
en
(Urk.
9).
2.2
Der Beschwerdeführer
hielt diesem Vorbringen sinngemäss entgegen
, es sei vor dem Hintergrund der in BGE 141 V 281 (Urteil des Bundesgerichts 9C_492/2014 vom
3.
Juni 2015) geforderten neuen Richtlinien für die psychiatrische Begut
achtung stossend, wenn eine Rente aufgehoben werde bevor diese Erkenntnisse von den zuständigen medizinischen Fachgesellschaften umgesetzt worden seien. Er verneinte die Beweiswertigkeit
der
gutachterlichen Einschätzungen
in psy
chischer Hinsicht
. Im Weiteren bemängelte der Beschwerdeführer die Ermittlung des Invaliditätsgrades
. Zudem
stellte
er
das Vorliegen eines Revisionsgrundes in Frage (
Urk.
1).
3.
Die
A._
-Gutachter
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Rheumatolo
gie FMH, Dr.
med.
C._
, Facha
rzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
sowie Dr.
med.
D._
, Facharzt für Innere Medizin FMH
,
stellten
in ihrer Expertise
vom 17.
Februar 2015 (
Urk.
10/128)
folgende
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit (S. 52):
1.
persistierende Knieschmerzen links mit/bei:
Status nach traumatischer vorderer Kreuzbandruptur beim Fussballspielen am 2
4
.
Februar
2002
Status nach
arthroskopisch
assistierter vorderer Kreuzbandplastik mitte
ls frei
em Ligamen
tum
patellae
-Transplantat am 2
6.
April 2002
aktuell unklarer
residueller
Schmerzsymptomatik
2.
Periarthropathia
humeroscapularis
tendinotica
beidseits, rechtsbetont
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
massen die
Gutachter
den nachfolgen
den
Diagnosen zu (S. 52):
3.
i
nsulinpflichtiger D
iabetes mellitus Typ 1 mit/bei:
Erstdiagnose
1992
aktuell unter
intensivierter Basis-Bolus-
lnsul
intherapie
m
ässig eingestellt
beginnender diabetischer
N
ephrop
athie
mit Mikroalbuminurie
peripherer,
rein sensibler Polyneuropathie
4.
e
ssentielle arterielle Hy
pertonie
5.
Hyperlipidämie
6.
p
sychologische Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizier
ten Erkrankun
gen (ICD-10
F54)
7.
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig l
eichte Episode (ICD-10
F33.00)
Die Gutachter gaben an, i
m Rahmen der aktuellen psychiatrischen Exploration habe eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit ausgeschlossen werden können. Die Schmerzen stünden nicht im Hauptfokus der Aufmerksamkeit des Beschwerdeführers.
Vielmehr sei eine Selbstlimitierung erkennbar.
Letztlich handle es sich um eine maladaptive
Schmerzverarbeitung, die diagnostisch am ehesten unter der Rubrik psycholo
gische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei anderenorts klassifizierten Krank
heiten (ICD-10 F54) zu kodieren sei. Des Weiteren liege noch eine leichte depressive Symptomatik vor. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei leicht ein
geschränkt, der Beschwerdeführer
sei im Affekt leicht deprimiert. Er sei inner
lich leicht angespannt und die Vitalgefühle seien leicht herabgese
tzt. Hinweise für eine schwerer
(e)
ausgeprägte depressive Episode gebe es nicht. Der Versi
cherte könne noch Freude empfinden. Er habe sich sozial nicht zurückgezogen, besuche etwa
das Training sowie die Fussballspiele seines Sohnes
oder gehe in den Laden seiner Frau und helfe
,
zum Beispiel bei Übersetzungen.
Insgesamt
habe sich seit dem Jahr 2008
in psychischer Hinsicht
an der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers nichts Wesentliches verändert. Es liege kein psychiatrisches Leiden vor, das eine langfristige Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit mit sich bringen könne (S. 59 f.).
Im rheumatologischen Teilg
utachten berichtete
Dr.
B._
von einem
Versicher
ten in gutem Allgemeinzustand
, wobei er ein ostentatives Hinken wahrnahm
.
Dr.
B._
gab an, d
ie massiven Knieschmerzen auf der linken Seite seien bei ordentlich guter Funktion nicht erklärbar. Auffallend sei, dass bei dieser massi
ven Schonung der linken unteren Extremität keine muskuläre Atrophie im Bereich des
Quad
r
izeps
oder der Wade festzustellen sei. Auch den beidseits, rechts betont, und als extrem stark angegebenen Schulterschmerzen stehe nur ein mässig klinisch-pathologisch
er Befund gegenüber (S. 42 f.).
In ihrer Zusammenfassung gaben d
ie
A._
-Gutachter
an, der
Beschwerdeführer
sei
unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde aus rheumatolo
gischer Sicht qualitativ in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Schwere kör
perliche sowie schulter- oder kniebelastende Tätigkeiten seien ihm nicht mehr zumutbar.
Der Beschwerdeführer sei indes
in einer vorwiegend sitzenden und wechselbelastenden leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne regelmässige Überkopfarbeiten und ohne dauerndes Arbeiten
in stehender, gehender, kniender oder kauernder Haltung
zu 100
%
arbeitsfähig. Aus internistischer und psychiatrischer Sicht bestehe keine zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähig
keit. Aufgrund des insulinpflichtigen Diabetes seien Schichtarbeiten sowie Tätigkeiten als beruflicher LKW- oder Busfahrer nicht geeignet
(S. 60)
.
Zur Frage nach dem zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit
führten die Gutach
ter aus, retrospektiv könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass das hier formulierte Belastungsprofil, was die Einschränkungen von Seiten des linken Knies betreffe, seit 2002 bestehe.
Ein ähnliches
Zumut
barkeitsprofil
sei bereits im Jahr 2004 vom SUVA-Kreisarzt Dr.
med.
E._
formuliert und im Jahr 2010 vom SUVA-Orthopäden Dr.
med.
F._
bestätigt worden
(S. 60 f.). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Verkaufsbe
rater
in einem
Z._
eines Warenhauses sei der Beschwerdeführer seit dem Unfall im Jahr 2002 dauerhaft zu 100
%
eingeschränkt (S. 62)
. D
as
im Jahr 20
0
8 vom
G._
-Orthopäden postulierte CRPS liege hingegen nicht vor. Die Einschränkungen von Seiten der Schultern bestünden aktenkundig seit Sommer 2012 und seien damals von den Orthopäden der Balgristklinik als „
frozen
shoulder
“ gedeutet worden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe spätestens seit der Begutachtung
durch das
G._
im Jahr 2008 keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr
(S. 61)
. Aufgrund der Berichtslage
und der aktuellen Untersuchung
sei davon auszugehen
, dass der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2008 mehrheitlich unter einer leichten depressiven S
ymptomatik gelitten habe
. Die Dauer der von Dr.
med.
H._
im Bericht vom
4.
September 2012
diag
nostizierten
mittelgradige
n
depressive
n
Episode sei aufgrund der Aktenlage nicht einschätzbar
(S. 62)
.
Nicht nachvollziehbar
sei
en
die im selben Bericht gestellten Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer
somatoformen
Schmerzstörung
(S.
61
)
.
4.
4.1
Bereits im rechtskräftigen Urteil des Sozialversicherungsgerichts vom 1
6.
Juni 2014 wurde festgestellt, dass die ursprüngliche
Rentenzusprache
zweifellos unrichtig war (
Art.
53
Abs.
2 ATSG
;
Urk.
10/110
), weshalb eine Neubeurteilung auch ohne wesentliche Veränderung der gesundheitlichen Situation möglich ist.
Im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
hätte der Beschwerdeführer keinen rentenbegründenden Invaliditätsgrad erreichen können.
Auf die diesbezüglichen Erwägungen kann an dieser Stelle verwiesen werden (E. 4). Zu prüfen blieb
gemäss den Ausführungen des Gerichts
, wie es sich mit dem Gesundheitszustand sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aktuell – im Hinblick
dar
auf
, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verändert habe, weshalb seine Rente zu revidieren sei -
verhielt (E. 5).
4.
2
Die
Expertise des
A._
vom 1
7.
Februar 2015
beantwortet die Fragen nach dem
aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
,
dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
sowie nach dem zeitlichen Verlauf
umfassend
. Sie
beruht auf fachärztlichen Untersuchungen in den massgebenden Disziplinen, berück
sichtigt die relevanten
Vorakten
wie auch die geklagten Beschwerden und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Verhältnisse und in der Begrün
d
ung der Schlussfolgerungen ein. Damit liegt eine
medizinische
Expertise
vor, welche die Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische
Entscheidungs
grundlage
rechtsprechungsgemäss
vollumfänglich erfüllt (vgl. BGE 125 V 351 E.
3a).
4.
3
4.
3
.1
Nicht einverstanden erklären konnte sich der
Beschwerdeführer
mit der psychi
atrischen Ei
nschätzung.
Die vorgebrachten Einwände überzeugen
,
wie die fol
genden Ausführungen zeigen
,
aber nicht:
4.
3
.2
Nicht gefolgt werden k
ann dem Beschwerdeführer
was sein
en
grundsätzliche
n
Einwand gegenüber nach altem Standard eingeholten psychiatrischen Gutach
ten betrifft. Zum einen spielt das in BGE 141 V 281
zum
Anforderungskatalog
an psychiatrische Gutachten G
esagte bei de
r
vorliegenden Fragestellung
inso
weit
k
eine Rolle,
als
die Gutachter die Diagnose einer
somatoformen
Schmerz
störung
gerade - und
überzeugend
-
ablehnten. Zum anderen
kann aus dem
höchstrichterlichen Hinweis
, wonach bezüglich der Leitlinien der psychiatri
schen Begutachtung ein dringender Handlungsbedarf bestehe (E. 5.1.2),
nicht
geschlossen werden, dass vor dem Entwurf neuer Richtlinien ergangene
schlüs
sige
Gutachten
ihren Beweiswert verlieren würden (vgl. auch BGE 141 V 281 E.
8).
4.
3
.3
Der Beschwerdeführer rügte weiter
, das
s
bei der psychiatrischen Exploration
keine Tests durchgeführt
w
o
rden
seien
(
Urk.
1 S.
2), was praxisgemäss nicht geeignet ist, die Beweiswertigkeit einer psychiatrischen Expertise in Zweifel zu ziehen.
Es obliegt dem Gutachter zu entscheiden, ob er zur Befunderhebung
test
psychologische
Befunde beiziehen will (Urteil des Bundesgerichts 9C_725/2013 vom 29. Januar 2014 E. 4.3)
.
Für
den Aussagegehalt einer Exper
tise ist
dies nicht entscheidend. Massgeblich ist,
ob sie in Kenntnis der
Vorakten
erging, inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a)
.
4.
3
.4
Nicht gefolgt werden kann auch dem Vorhalt
,
wonach ein Obergutachten
in Auftrag gegeben werden müsse
, da
die psychiatrischen Gutachten der IV den psychiatrischen Gutachten der SUVA
widersprechen würden
(
Urk.
1 S. 2)
.
Zutreffend ist
zwar
, dass das
A._
-Gutachten von den
Berichten
des SUVA-Kreis
arztes
Dr.
med.
I._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
,
aus den Jahren 2004, 2005 und 2008
(vgl.
Urk.
10/
13
/
15
-
25
,
Urk.
10/
20
/
3-6
,
Urk.
10/35/4-9 und
Urk.
10/49/8
)
sowie von der Akteneinschätzung der SUVA-Ärztin
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
, vom 3
0.
März 2011 (
Urk.
10/79
/4-8
)
, abweicht
. Dies taten bereits die
G._
-Gutachter
in ihrer Expertise vom 3
1.
Oktober 2008 (
Urk.
10/49)
sowie
Dr.
med.
K._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, der eigens wegen des Widerspruchs zwischen der Expertise von
Dr.
I._
und dem
G._
-Gutachten mit einer
erneuten fachärztlichen Begutachtung beauftragt
worden war
, in sei
nem Gutachten vom 1
2.
Oktober 2009
(
Urk.
10/52
, vgl. auch Urk. 10/81
)
.
Letzt
lich ist es
a
ber
die
schlüssige Darlegung
im Gutachten des
A._
, in Kenntnis sämtlicher Vorberichte
, die
überzeugt
. So legten die
A._
-Gutachter
nachvoll
ziehbar
dar, dass die Diagnosekriterien für eine
somatoforme
Schmerzstörung nicht erfüllt sind. Es lasse sich kein emotionaler Konflikt beziehungsweise
k
eine psychosoziale Belastungssituation herausarbeiten, die schwer genug wäre
n
, um als entscheidender Faktor für das Entstehen beziehungsweise Aufrechterhalten der
som
atoformen
Schmerzstörung gelten
zu können. Es komme weder zu spontanen Schmerzäusserungen noch zu schmerzbedingten Positionswechseln. Auch bei der Schmerzschilderung sei
ein
Leidensdruck
nicht spürbar gewesen.
Der Beschwerdeführer mache weder Therapien bezüglich der Schmerzen noch komme es zu vermehrten Arztbesuchen, letztere beschränkten sich auf unregel
mässige Konsultation
en
beim Hausarzt zum Medikamentenbezug. Die Schmer
zen stünden nicht im Hauptfokus der Aufmerksamkeit
,
es sei vielmehr eine Selbstlimitierung erkennbar. Diagnostisch handle es sich um eine maladaptive Schmerzverarbeitung, die am ehesten unter der Rubrik ICD-10 F54 zu kodieren sei (
Urk.
10/128 S. 59).
D
ie depressive Symptomatik betr
e
ff
end
legten
die Gut
achter
unter Würdigung der
Akten
lage und des Ergebnisses der aktuellen Untersuchung ebenfalls überzeugend dar,
weshalb sie davon
ausgingen
, dass der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2008 mehrheitlich unter einer leichten depressiven Symptomatik
, welche die Arbeitsfähigkeit nicht wesentlich einge
schränkt habe,
gelitten habe (
Urk.
10/128 S 62).
Diese Einschätzungen überzeu
gen. Es besteht kein Anlass für weitere Abklärungen
beziehungsweise für die Einholung eines Obergutachtens
(antizipierte Beweiswürdigung;
BGE 136 I 229 E. 5.3
).
4.
4
Mit dem
A._
-Gutachten ist
rechtsgenüglich
erstellt, dass
dem
Beschwerde
führer im Revisionszeitpunkt
(Juni 2012)
wechselbelastende körperlich leichte bis mittelschwere sowie schulter-
und
knieangepasste Tätigkeiten zu 100
%
zumutbar waren. Nicht geeignet sind wegen des insulinpflichtigen Diabetes Schichtarbeiten sowie Tätigkeiten als beruflicher LKW- oder Busfahrer.
5
.
5.1
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der
eingeschränkten Arbeits
fä
higkeit
.
Für den
Einkommensvergleich
ist
der Zeitpunkt der
Renten
einstellu
ng
mit Verfügung vom 1
5.
Juni 2012
massgeblich.
5.2
Wie die nachfolgenden Ausführungen
(E. 5.3)
zeigen
,
spielt es dabei
betreffend
das
Valideneinkommen
keine Rolle
, ob auf die Lohnangaben der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers im Unfallzeitpunkt, der
Y._
, abgestellt wird, woraus
für das Jahr 2012
ein Lohn von Fr.
62‘582.-- resultierte
(vgl.
Urk.
10/143
; hier
bestehen
allerdings gewisse Differenzen in den einzelnen über die Jahre hinweg erteilten Auskünfte, vgl. etwa 10/146 S. 2
)
,
oder
auf die Tabellenlöhne der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizeri
schen Lohnstrukturerhebung
(LSE)
. Bei einem Abstellen auf die Tabellenlöhne wäre in Anbetracht der abgeschlossenen zweijährigen
Ausbildung im Detail
handel und dem
im Unfallzeitpunkt offenbar bereits in Angriff
genommenen dritten
Lehrjahr
der
Medianlohn
im
Detailhandel bei Tätigkeiten, die Berufs- und Fachkenntnisse voraussetzen,
heranzuziehen
(
LSE
2010 Tabelle TA1 S
.
27
Ziff.
47
). Der dort vermerkte Monatslohn im Betrag von
Fr.
5‘052.-- müsste sodann auf zwölf Monate hochgerechnet
sowie an die durchschnittliche
wöchentliche Arbeitszeit im Handel im Jahr 2012
von 41,9 Stunden angepasst werden (
Die Volkswirtschaft 3/4
-
2015,
A
ktuelle Wirts
chaftsdaten,
S. 88 Tabelle B
9.2
). Unter Berücksichtigung der bei Männern zwischen 2010 und 2012 statt
gefundenen Nominallohnentwicklung
(Indexstand 2010:
2150
, Indexstand 2012:
2188
;
Die Volkswirtschaft 3/4
-
2015,
A
ktuelle Wirtschaftsdate
n,
S. 89 Tabelle B
10.3
)
,
resultierte ein Lohn von Fr. 64‘626.--
.
5.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss LSE her
angezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standar
disierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem
wiederum
zu berück
sichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40
Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende
betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E
. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Im Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) betrug der
Median
lohn
der Männer im Jahr 2010 bei 40 Wochenarbeitsstunden Fr.
4'901
.-- (LSE 2010 TA1 S. 26 TOTAL). Angepasst an die im Jahr 2012 betriebsübliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41,
7 Stunden (vgl. Die Volkswirtschaft 3/4-2015, S. 88 Tabelle B 9.2) und
an
die bis dahin eingetretene geschlechterspezifische Nominallohnentwicklung (
Nominallohnentwicklung Männer von 2010 bis 2012:
Die Volkswirtschaft 3/4
-
2015 S. 89 Tabelle B
10.3
) ergibt sich für das Jahr 2012 ein Einkommen von Fr. 62‘395.15 (Fr.
4'901
.-- x 12 : 40 x 41,
7 : 2150 x 2188
)
bei einem dem Beschwerdeführer zumutbaren vollzeitlichen Arbeitspensum.
Der
im Zeitpunkt der Renteneinstellung 36 Jahre alte Beschwerdeführer
, der
im Alter von
16 Jahre
n
in die Schweiz einreiste
(
Urk.
10/1)
,
ist seit über 10 Jahren nicht mehr arbeitstätig. Es bestehen nicht nur Einschränkungen von Seiten des linken Knies, sondern zudem schulterbedingte Defizite. Darüber hinaus kann er keine Schichtarbeiten sowie Tätigkeiten als LKW- oder Busfahrer ausführen.
Wenn man die Verweigerung eines Abzuges vom Tabellenlohn als unangemes
sen bezeichnen
wollte
(BGE 137 V 71 E. 5.1) erschiene es i
nsgesamt und unter Berücksichtigung aller Umstände
höchstens
als gerechtfertigt, vom Tabellenlohn einen Abzug von 10
%
vorzunehmen
(BGE 126 V 75), woraus
ein
Invalidenein
kommen
von
Fr.
56‘155.65
resultiert
. Verglichen mit einem
Valideneinkommen
von
Fr.
62‘582.-- (Variante zuletzt
im Jahr 2002
erzielter Lohn
, angepasst an die seitherige Lohnentwicklung nach Angabe der Arbeitgeberin
)
ergibt
sich ein Invaliditätsgrad von
gerundet
10
%
, verglichen mit dem
herangezogenen
Tabellenlohn
„
Detailhandel
“
im Betrag von Fr. 64‘626.--
ein solcher
von 13
%
.
Damit entfällt der Anspruch auf eine Invalidenrente, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerle
gen.