Decision ID: 81b6acb0-8ef9-55e9-909b-261bd6dc7ea3
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ war ab dem 1. Januar 1998 bei der Billag AG (fortan: Billag),
die bis Ende 2018 im Auftrag des Bundes die Radio- und Fernseh-
empfangsgebühren erhob, für den privaten Radio- und Fernsehempfang
angemeldet. Mit Schreiben vom 31. Juli 2017 teilte er der Billag mit, dass
er seinen Rückerstattungsanspruch aufgrund zu Unrecht belasteter Mehr-
wertsteuern mit der Rechnung vom 3. April 2017 für die Periode
01.03.2017 – 28.02.2018 verrechnen werde.
B.
Die Billag antwortete mit Schreiben vom 12. September 2017 und infor-
mierte A._ dahingehend, dass sie ein die Rückzahlungspflicht fest-
legendes höchstrichterliches Urteil abwarten wolle. Am 15. September
2017 folgte die zweite resp. am 16. November 2017 die letzte Mahnung
bezüglich der Rechnung vom 3. April 2017 für die Periode 01.03.2017 –
28.02.2018.
C.
A._ wiederholte mit Schreiben vom 30. November 2017 seine Ver-
rechnungsabsicht und teilte mit, dass er den um seinen Rückerstattungs-
anspruch (CHF 112.80) reduzierten Rechnungsbetrag (CHF 456.10 –
CHF 112.80 = CHF 343.30) überweisen werde. Daraufhin wurde
A._ mit Schreiben vom 17. Januar 2018 letztmals aufgefordert, die
Rechnung vollständig zu begleichen. In seinem Schreiben vom 7. Februar
2018 verwies A._ erneut auf die Verrechnungserklärung im Schrei-
ben vom 31. Juli 2017 und teilte mit, dass der (nach seiner Auffassung)
geschuldete Betrag (CHF 343.30) fristgerecht zur Zahlung freigegeben
worden sei.
D.
Die Billag stellte am 12. April 2018 ein Betreibungsbegehren über den aus-
stehenden Rechnungsbetrag von CHF 107.80 zuzüglich CHF 20.- (behör-
deninterne) Mahn- / Betreibungsgebühren, worauf der Zahlungsbefehl des
Betreibungsamtes (...) am 18. April 2018 zugestellt wurde. A._ er-
hob gleichentags Rechtsvorschlag.
E.
Mit Verfügung vom 8. Mai 2018 beseitigte die Billag den Rechtsvorschlag
vom 18. April 2018 und erteilte die definitive Rechtsöffnung betreffend die
Forderung von CHF 127.80 (exkl. Betreibungskosten).
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Seite 3
F.
Mit Verwaltungsbeschwerde vom 18. Mai 2018 focht A._ die Verfü-
gung der Billag vom 8. Mai 2018 beim Bundesamt für Kommunikation
(fortan: BAKOM) an. Er beantragte die Aufhebung der Verfügung und die
Feststellung, dass aufgrund der Verrechnung mit seinem Rückzahlungsan-
spruch keine Restforderung für die Periode 01.03.2017 – 28.02.2018 zu-
gunsten der Billag bestehe.
G.
Das BAKOM wies die Beschwerde mit Verfügung vom 9. Januar 2019 voll-
umfänglich ab und beseitigte den Rechtvorschlag für die genannte Forde-
rung im Umfang von CHF 127.80.
H.
Gegen die Verfügung des BAKOM (fortan: Vorinstanz) vom 9. Januar 2019
erhebt A._ (fortan: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 1. Februar
2019 Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt vorweg in
formell-rechtlicher Hinsicht, dass die Verfügung des BAKOM wegen Befan-
genheit der genannten Amtsstelle vollumfänglich aufzuheben und die Sa-
che zur Neubeurteilung einer Amtsstelle zuzuweisen sei, die im Verfahren
BGer 2C_240/2017 nicht Partei gewesen sei. In materiell-rechtlicher Hin-
sicht beantragt er im Wesentlichen die Aufhebung der Verfügung des
BAKOM vom 9. Januar 2019 und der Verfügung zur Beseitigung des
Rechtsvorschlages in der Betreibung Nr. 20180221 sowie die Feststellung,
dass keine Restforderung der Billag betreffend die Periode 01.03.2017 –
28.02.2018 bestehe; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulas-
ten der Billag.
I.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 21. März 2019 die
Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge, soweit darauf einzutreten
sei.
J.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten be-
findlichen Dokumente wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.
A-600/2019
Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021), sofern eine Vorinstanz im Sinne
von Art. 33 VGG entschieden hat und keine Ausnahme nach Art. 32 VGG
gegeben ist. Als Verfügungen gelten nach Art. 5 Abs. 2 VwVG auch Be-
schwerdeentscheide i.S.v. Art. 61 VwVG.
Die Vorinstanz ist eine Dienststelle der Bundesverwaltung i.S.v. Art. 33
Bst. d VGG. Ihr Beschwerdeentscheid stellt eine Verfügung i.S.v. Art. 5
VwVG und damit ein zulässiges Anfechtungsobjekt dar. Da zudem kein
Ausnahmegrund nach Art. 32 VGG vorliegt, ist das Bundesverwaltungsge-
richt zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Das Verfah-
ren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt
(Art. 37 VGG).
1.2 Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der
Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teil-
nahme erhalten hat (Bst. a), durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
oder Änderung hat (Bst. c).
Der Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Entscheids, mit
welchem seine Begehren abgewiesen wurden, ohne Weiteres zur vorlie-
genden Beschwerde legitimiert. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist dem-
nach – unter Vorbehalt der Einschränkungen in E. 1.3 und 1.4 – einzutre-
ten.
1.3 Anfechtungsobjekt im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht
bildet einzig der vorinstanzliche Entscheid; dieser ersetzt allfällige Ent-
scheide unterer Instanzen (sog. Devolutiveffekt; vgl. BGE 134 II 142 E. 1.4;
Urteile des BVGer A-321/2019 vom 17. September 2019 E. 1.2,
A-5624/2018 vom 19. Juli 2019 E. 1.2 und A-5569/2018 vom 3. Juni 2019
E. 1.3; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesver-
waltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.7). Soweit der Beschwerdeführer vor-
liegend die Aufhebung der Verfügung der Billag vom 8. Mai 2018 beantragt,
ist daher auf seine Beschwerde nicht einzutreten.
A-600/2019
Seite 5
1.4 Gemäss Art. 25 Abs. 2 VwVG ist dem Begehren um eine Feststellungs-
verfügung zu entsprechen, wenn der Gesuchsteller ein schutzwürdiges In-
teresse nachweist. Laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der An-
spruch auf Erlass einer Feststellungsverfügung subsidiär gegenüber
rechtsgestaltenden Verfügungen (BGE 125 V 21 E. 1b, 119 V 13 E. 2a;
WEBER-DÜRLER/KUNZ-NOTTER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommen-
tar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2019
[fortan: Kommentar VwVG], Art. 25 Rz. 20). Dem Beschwerdeführer fehlt
bei seinem Feststellungsbegehren ein schutzwürdiges Interesse an des-
sen Behandlung, weil er bereits das Leistungsbegehren auf Aufhebung der
angefochtenen Verfügung der Vorinstanz vom 9. Januar 2019 stellt. Auf
den Antrag auf Feststellung, dass keine Restforderung der Billag betreffend
die Periode 01.03.2017 – 28.02.2018 bestehe, ist somit nicht einzutreten.
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung
auf Rechtsverletzungen, einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der
Ausübung des Ermessens (Art. 49 Bst. a und b VwVG). Zudem prüft es die
Verfügung auf Angemessenheit hin (Art. 49 Bst. c VwVG). Es wendet das
Recht von Amtes wegen an und ist an die Begründung der Parteien nicht
gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
2.
2.1
2.1.1 Nach Art. 30 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-
genossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) und Art. 6 Ziff. 1 der Kon-
vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) hat jede Person Anspruch darauf, dass
ihre Sache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefan-
genen Richter ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird.
Mit den Ausstandsregeln soll die objektive Prüfung durch eine unparteii-
sche und unvoreingenommene Behörde gewährleistet werden. Für die An-
nahme von Zweifeln an der Unparteilichkeit genügen nach konstanter bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung Umstände, welche objektiv geeignet
sind, den Anschein einer Voreingenommenheit oder einer Gefährdung der
Unparteilichkeit aufkommen zu lassen. Das Misstrauen in die Unparteilich-
keit muss objektiv und durch vernünftige Gründe gerechtfertigt sein (vgl.
BGE 144 I 234 E. 5.2, 144 I 159 E. 4.3, 141 IV 178 E. 3.2.1, 140 I 240
E. 2.2; Urteil des BVGer A-7956/2016 vom 8. November 2017 E. 1.7.2;
BENJAMIN SCHINDLER, Die Befangenheit der Verwaltung, 2002, S. 91 f.).
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Seite 6
Tatsächliche Befangenheit wird laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung
für den Ausstand nicht verlangt; es genügt, wenn Umstände vorliegen, die
bei objektiver Betrachtung den Anschein der Befangenheit zu begründen
vermögen (vgl. BGE 144 I 234 E. 5.2, 144 I 159 E. 4.3, 141 IV 178 E. 3.2.1,
140 I 326 E. 5.1; Urteil des BGer 2C_931/2015 vom 12. Oktober 2016
E. 5.1).
2.1.2 Für nichtrichterliche Behörden – wie hier für die Vorinstanz und deren
Mitarbeitende – kommen Art. 30 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK nicht
zur Anwendung. Hingegen gewährleistet Art. 29 Abs. 1 BV den Anspruch
auf gleiche und gerechte Behandlung; das Gebot der Unbefangenheit bil-
det einen Teilgehalt dieses Grundrechts (vgl. BGE 140 I 326 E. 5.2; HÄFE-
LIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016,
Rz. 979; BENJAMIN SCHINDLER, Die Befangenheit der Verwaltung, 2002,
S. 237).
2.1.3 Art. 10 VwVG konkretisiert diese allgemeinen Verfahrensvorausset-
zungen von Art. 29 Abs. 1 BV, indem er den Ausstand in Verwaltungsver-
fahren des Bundes regelt (vgl. BGE 132 II 485 E. 4.2). Nach Art. 10 Abs. 1
VwVG müssen Personen bei der Vorbereitung und dem Erlass einer Ver-
fügung in den Ausstand treten, die an der Sache ein persönliches Interesse
haben (Art. 10 Abs. 1 Bst. a VwVG), mit einer Partei durch Ehe, Partner-
schaft, Lebensgemeinschaft oder verwandtschaftlich besonders verbun-
den sind (Art. 10 Abs. 1 Bst. b und bbis VwVG), sich mit der Sache als Par-
teivertreter bereits beschäftigt haben (Art. 10 Abs. 1 Bst. c VwVG) oder aus
anderen Gründen in der Sache befangen sein könnten (Art. 10 Abs. 1
Bst. d VwVG).
2.1.4 Bei Exekutivbehörden ist dabei zudem zu berücksichtigen, dass ihr
Amt mit einer sachbedingten Kumulation verschiedener, auch politischer
Aufgaben einhergeht (vgl. BGE 140 I 326 E. 5.2; Urteil des BGer
1C_278/2010 vom 31. Januar 2011 E. 2.2). Exekutivbehörden sind auf-
grund ihres Amtes, anders als ein Gericht, nicht allein zur (neutralen)
Rechtsanwendung oder Streitentscheidung berufen. Sie tragen zugleich
eine besondere Verantwortung zur Erfüllung bestimmter öffentlicher Aufga-
ben. Liegt die amtliche Mehrfachbefassung damit im öffentlichen Interesse
und ist sie in diesem Sinne systembedingt, so liegt nicht bereits darin eine
unzulässige Vorbefassung. Ob eine systembedingt vorbefasste Amtsper-
son tatsächlich voreingenommen erscheint, entscheidet sich nach den
konkreten Umständen des Einzelfalls (vgl. BGE 140 I 326 E. 5.2; BGE 125
I 119 E. 3f; Urteil des BGer 2C_912/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 2.3).
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Seite 7
Dabei ist vorab je nach Verfahrensart, Funktion oder Streitgegenstand des
betreffenden Verfahrens zu unterscheiden (vgl. BGE 137 II 431 E. 5.2, 125
I 119 E. 3d und 3f; GEROLD STEINMANN, in: Ehrenzeller et al. [Hrsg.], Die
schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014,
Art. 29 Rz. 35). Im verwaltungsinternen Verfahren wird eine Ausstands-
pflicht in der Regel nur dann bejaht, wenn das betreffende Behördenmit-
glied ein persönliches Interesse an dem zu behandelnden Geschäft hat
(Urteil des BGer 1C_278/2010 vom 31. Januar 2011 E. 2.2).
2.1.5 Ausstandsbegehren richten sich dem Gesetzeswortlaut entspre-
chend gegen ein einzelnes oder mehrere Behördenmitglieder, mithin ge-
gen Personen; eine Behörde selbst kann nicht befangen sein. Indessen ist
ein gegen eine Behörde gerichtetes Ausstandsbegehren im Sinne eines
Begehrens gegen die Einzelmitglieder an die Hand zu nehmen (FEL-
LER/KUNZ-NOTTER, Kommentar VwVG, Art. 10 Rz. 6).
2.2
2.2.1 Das Bundesgesetz über Radio und Fernsehen vom 24. März 2006
(RTVG; SR 784.40) und die Radio- und Fernsehverordnung vom 9. März
2007 (RTVV; SR 784.401) wurden hinsichtlich der Empfangsgebühr teil-
weise geändert. Die Änderungen traten am 1. Juli 2016 in Kraft. Neu ist die
Erhebung einer «Abgabe für Radio und Fernsehen» vorgesehen. Der Sys-
temwechsel ist auf den 1. Januar 2019 erfolgt (Art. 109b Abs. 1 RTVG
i.V.m. Art. 86 Abs. 1 RTVV). Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Empfangsge-
bühr für den privaten und für den gewerblichen Empfang nach bisherigem
Recht erhoben (Art. 109b Abs. 2 RTVG, Art. 86 Abs. 2 RTVV) und ist auch
die bisherige Gebührenerhebungsstelle (Billag) für die Erhebung der Emp-
fangsgebühren zuständig (Art. 86 Abs. 1 und 2 RTVV). Die angefochtene
Verfügung ist daher nach den bis zum 1. Juli 2016 in Kraft stehenden und
bis Ende 2018 anwendbaren Bestimmungen zu beurteilen.
2.2.2 Wer ein zum Empfang von Radio- und Fernsehprogrammen geeig-
netes Gerät (Empfangsgerät) zum Betrieb bereithält oder betreibt, muss
eine Empfangsgebühr bezahlen (aArt. 68 Abs. 1 Satz 1 RTVG [AS 2007
762]). Die Gebührenpflicht beginnt am ersten Tag des Monats, der dem
Beginn des Bereithaltens oder des Betriebs folgt (aArt. 68 Abs. 4 RTVG)
und endet mit Ablauf des Monats, in dem das Bereithalten und der Betrieb
aller Empfangsgeräte enden, jedoch nicht vor Ablauf des Monats, in dem
dies der Gebührenerhebungsstelle gemeldet worden ist (aArt. 68 Abs. 5
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Seite 8
RTVG). Änderungen der meldepflichtigen Sachverhalte sind der Gebüh-
renerhebungsstelle schriftlich zu melden (sog. Melde- und Mitwirkungs-
pflicht; aArt. 68 Abs. 3 RTVG i.V.m. aArt. 60 Abs. 1 RTVV [AS 2007 811]).
2.2.3 Die Billag als zivilrechtliches bzw. privatwirtschaftliches Rechtssub-
jekt (Art. 620 OR) war im Rahmen einer Beleihung von der Eidgenossen-
schaft mit der Funktion als Schweizerische Erhebungsstelle für Radio- und
Fernsehgebühren betraut. Sie erhob die Gebühren namens und im Auftrag
des BAKOM (vgl. BGE 144 II 412 E. 3.3.4). Die Erhebung solcherlei Ge-
bühren ist nach der Konzeption der Radio- und Fernsehgesetzgebung öf-
fentlich-rechtlicher Natur. Dies zeigt sich etwa in der Stellung der Erhe-
bungsstelle als Behörde und in der Befugnis zum Erlass von Verfügungen
(aArt. 69 Abs. 1 RTVG; vgl. auch BGE 130 III 524 E. 1.2.3). Das Verhältnis
zu den Gebührenpflichtigen trägt uneingeschränkt öffentlich-rechtlichen
Charakter (BGE 140 II 80 E. 2.5.1).
2.3 Bei einer Verrechnung wird eine eigene Schuld durch Opferung einer
eigenen Forderung getilgt, wobei diese Art der Schuldentilgung als einsei-
tiges Rechtsgeschäft ausgestaltet ist (WOLFGANG PETER, in: Heinrich
Honsell et al. [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationenrecht I, 6. Aufl. 2015,
Vor Art. 120-126 Rz. 1). Bei der Verrechnung handelt es sich um einen zur
finanziellen Befriedigung des Gläubigers führenden Untergangsgrund und
damit um ein echtes Bezahlungssurrogat. Die Verrechnung von Steuerfor-
derungen des Gemeinwesens im Besonderen ist unter bestimmten, relativ
engen Voraussetzungen zulässig und bedarf keiner Mitwirkung des Steu-
erschuldners, sondern wird durch die Verrechnungserklärung des Forde-
rungsgläubigers – des Gemeinwesens – bewirkt (MICHAEL BEUSCH, Der
Untergang der Steuerforderung, 2012, S. 167). Das Gemeinwesen kann
nämlich seine Forderungen mit Gegenforderungen der Privaten unabhän-
gig davon zur Verrechnung bringen, ob die Forderungen oder die Gegen-
forderungen öffentlich- oder privatrechtlich sind (BGE 111 Ib 150 E. 3). Die
Privaten dagegen können ihre Forderungen gegenüber dem Gemeinwe-
sen mit einer öffentlich-rechtlichen Forderung des Gemeinwesens – wie
insbesondere Steuerforderungen – nur verrechnen, sofern dieses zu-
stimmt (vgl. Art. 125 Ziff. 3 OR; Urteile des BVGer A-2962/2018 vom
13. März 2019 E. 2.4 und A-8637/2007 vom 9. Juli 2008 E. 2.4; Verwal-
tungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 58.18 E. 27; HÄFELIN/MÜL-
LER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 793; BEUSCH, a.a.O., S. 171 f., mit weiteren Hin-
weisen).
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Seite 9
3.
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Rechnung der Billag
vom 3. April 2017 betreffend die Periode 01.03.2017 – 28.02.2018. Der
Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, dass der gesamte Rech-
nungsbetrag durch Zahlung sowie Verrechnung beglichen worden sei. Vor-
liegend ist in materiell-rechtlicher Hinsicht also die Frage zu klären, ob eine
gültige Verrechnung vorliegt (E. 3.2) bzw. ob der Beschwerdeführer die um-
strittene Rechnung durch Vorauszahlung beglichen hat (E. 3.3). Vorweg ist
jedoch auf den formell-rechtlichen Antrag des Beschwerdeführers einzuge-
hen, die Verfügung der Vorinstanz sei wegen Befangenheit der Amtsstelle
aufzuheben (E. 3.1).
3.1 Der Beschwerdeführer legt der Vorinstanz zur Last, dass diese im Ver-
fahren BGer 2C_240/2017 (BGE 144 II 412) als Vertreterin des Eidgenös-
sischen Departementes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
(fortan: UVEK) aufgetreten sei, weshalb ein Ausstandsgrund nach Art. 10
VwVG vorliege.
3.1.1 Die Vorinstanz ist in ihrer Funktion als Bundesamt nicht allein zur
neutralen Rechtsanwendung oder Streitentscheidung berufen. Sie trägt zu-
sätzlich die Verantwortung zur Erfüllung bestimmter öffentlicher Aufgaben.
Die systembedingte mehrfache Befassung der Behörde mit derselben oder
einer ähnlichen Thematik führt nicht zu Befangenheit, wenn dies im öffent-
lichen Interesse liegt (vgl. E. 2.1.4).
3.1.2 Das erwähnte Verfahren BGer 2C_240/2017 betrifft die Rückerstat-
tung der Mehrwertsteuer auf den Empfangsgebühren für Radio und Fern-
sehen. Wie der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde an die Vorinstanz
selbst festhält, geht es im vorliegenden Verfahren indessen einzig um die
Verrechenbarkeit einer vom Beschwerdeführer geltend gemachten Forde-
rung mit einer Forderung des Gemeinwesens aus öffentlichem Recht. Es
handelt sich demnach um zwei unterschiedliche Fragestellungen, womit
sich das BAKOM bzw. dessen Angestellte auch nicht mehrfach mit dersel-
ben konkreten Streitsache befasst hat (vgl. FELLER/KUNZ-NOTTER, Kom-
mentar VwVG, Art. 10 Rz. 31). Eine Befangenheit des BAKOM hinsichtlich
der Frage der Verrechenbarkeit ist infolge unterschiedlicher Fragestellun-
gen also ausgeschlossen.
3.1.3 Selbst wenn es sich um dieselbe Fragestellung gehandelt hätte,
könnte der Vorinstanz nicht vorgeworfen werden, dass sie sich als Vertre-
terin des UVEK vor Bundesgericht für die Interessen der Schweizerischen
A-600/2019
Seite 10
Eidgenossenschaft eingesetzt hat, ist sie doch in ihrer Amtstätigkeit gerade
dazu gehalten, diese Interessen zu wahren (vgl. E. 2.1.4). Im Übrigen liegt
kein persönliches Interesse eines bestimmten Angestellten im Sinne von
Art. 10 VwVG vor, was vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht
wird.
3.1.4 Aus dem Gesagten folgt, dass die Vorinstanz in der vorliegenden Sa-
che nicht befangen und damit auch nicht ausstandspflichtig war.
3.2
3.2.1 Der Beschwerdeführer wendet in der Folge ein, dass sich die Billag
als juristische Person des schweizerischen Zivilrechts nicht auf Art. 125
Ziff. 3 OR stützen könne.
Der Beschwerdeführer verkennt indessen, dass die Billag als Vertreterin
der Schweizerischen Eidgenossenschaft handelt, welche ihrerseits Gläu-
bigerin der Empfangsgebühr zzgl. Mehrwertsteuer ist. Dieser Umstand
geht unter anderem aus dem Betreibungsbegehren oder dem Zahlungsbe-
fehl hervor. Mithin können sich die Schweizerische Eidgenossenschaft als
Gemeinwesen und die Billag als deren Vertreterin ohne Weiteres auf
Art. 125 Ziff. 3 OR berufen.
Im Übrigen wäre auch die Billag selbst berechtigt, sich auf Art. 125 Ziff. 3
OR zu stützen. Sie war in ihrer Funktion als Erhebungsstelle eine Behörde
mit der Befugnis, Verfügungen zu erlassen. Sie nahm im Auftrag des Bun-
des die Erhebung der Radio- und Fernsehgebühren vor, wobei die Bezie-
hung zu den Gebührenpflichtigen rein öffentlich-rechtlicher Natur war
(E. 2.2.3). Die Billag ist demzufolge sehr wohl als Gemeinwesen im Sinne
von Art. 125 Ziff. 3 OR zu qualifizieren, weshalb sie sich grundsätzlich auch
auf diese Bestimmung berufen kann.
Die Schweizerische Eidgenossenschaft bzw. die Billag können sich dem-
zufolge rechtmässig auf Art. 125 Ziff. 3 OR berufen, womit grundsätzlich
die Zustimmung zur Verrechnung der Forderung des Beschwerdeführers
notwendig ist (vgl. E. 2.3).
3.2.2 Der Beschwerdeführer zeigte am 31. Juli 2017 erstmals an, dass er
seinen Rückerstattungsanspruch in der Höhe von CHF 112.80 mit der
Rechnung vom 3. April 2017 verrechnen wolle. Die Billag antwortete be-
treffend Rückerstattung, dass sie ein höchstrichterliches Urteil abwarten
wolle, und liess dem Beschwerdeführer zwei weitere Mahnungen zukom-
A-600/2019
Seite 11
men (vgl. Sachverhalt Bst. B). Nach wiederholter Anzeige der beabsichtig-
ten Verrechnung durch den Beschwerdeführer vom 30. November 2017
wurde selbiger mit Schreiben vom 17. Januar 2018 letztmals aufgefordert
den gesamten Rechnungsbetrag zu begleichen (vgl. Sachverhalt Bst. C).
Die Verrechnung einer öffentlich-rechtlichen Forderung gegen das Ge-
meinwesen ist nur mit dessen Zustimmung möglich (vgl. E. 2.3). Aus der
dargelegten Korrespondenz erhellt, dass die Billag deutlich zu erkennen
gab, dass sie nicht an einer Verrechnung der Forderungen interessiert war.
Ihre Handlungen können nicht anderweitig interpretiert werden. Im Übrigen
könnte auch ein diesbezügliches Schweigen der Billag nicht als konklu-
dente Zustimmung zur Verrechnung interpretiert werden.
Daraus folgt, dass die nötige Zustimmung zur Verrechnung seitens des
Gemeinwesens nicht gegeben ist, womit der Beschwerdeführer seinen gel-
tend gemachten Rückerstattungsanspruch nicht mit der Rechnung vom
3. April 2017 verrechnen kann.
3.3 Der Beschwerdeführer bringt des Weiteren vor, er habe in den Jahren
2012 – 2015 eine Vorauszahlung geleistet, indem er zu viel bezahlt habe.
Damit sei die Rechnung vom 3. April 2017 vollumfänglich beglichen.
Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten («Voraus-»)Zahlungen in
den Jahren 2012 – 2015 erfolgten als Empfangsgebühren für die jeweiligen
Perioden, wobei zu dieser Zeit noch nicht feststand, dass Radio- und Fern-
sehempfangsgebühren nicht der Mehrwertsteuer unterliegen. Die Pflicht
zur Rückerstattung der unrechtmässig bezahlten Mehrwertsteuer ist mitt-
lerweile nicht mehr strittig. Indessen können die seinerzeit nicht rechts-
grundlos erfolgten Zahlungen (vgl. BGE 144 II 412 E. 3.3.4) nicht als Vo-
rauszahlung für die Rechnung vom 3. April 2017 qualifiziert werden, betra-
fen sie doch eine andere Rechnungsperiode. Der Beschwerdeführer ver-
fügt lediglich über einen Rückerstattungsanspruch (vgl. BGE 144 II 412
E. 3.4.1). Dass dieser nicht verrechnungsweise geltend gemacht werden
kann, wurde bereits dargelegt (E. 3.2).
3.4 Im Übrigen ist auf die Äusserungen des Beschwerdeführers bezüglich
der sich in Erarbeitung befindlichen gesetzlichen Grundlage betreffend die
Rückerstattung der zu Unrecht mit den Empfangsgebühren in Rechnung
gestellten Mehrwertsteuer nicht weiter einzugehen. Streitgegenstand ist
die Rechnung vom 3. April 2017 und die allfällige Verrechnung dieser For-
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Seite 12
derung mit dem geltend gemachten Rückerstattungsanspruch des Be-
schwerdeführers. Wie diese Rückerstattung anderweitig erfolgen könnte,
ist hier nicht zu klären.
3.5 Aus dem Gesagten folgt, dass der Teilbetrag der Rechnung vom
3. April 2017 über CHF 107.80 zuzüglich (behördeninterne) Mahn- / Betrei-
bungsgebühren von CHF 20.- mangels Verrechnung weiterhin ausstehend
ist und der Rechtsvorschlag somit zu Recht beseitigt wurde.
Die Beschwerde ist demnach vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
4.
4.1 Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten, die auf CHF 500.- fest-
zusetzen sind, dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG
i.V.m. Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE;
SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in derselben Höhe ist
zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
4.2 Dem Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung zuzusprechen
(vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG bzw. Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario).
A-600/2019
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