Decision ID: c8ea8877-da44-5847-8994-6c527557c6a9
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 15.06.2017 Art. 28 IVG, Art. 43 Abs. 1 ATSG Der medizinische Sachverhalt ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, da sowohl die psychiatrische als auch die rheumatologische Beurteilung ungenügend begründet ist. Zudem ist die Anamnese im psychiatrischen Gutachten aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten fehlerhaft gewesen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Juni 2017, IV 2014/527). Entscheid vom 15. Juni 2017 Besetzung Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Annemarie Haase Geschäftsnr. IV 2014/527 Parteien A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Max Imfeld, Grand & Nisple Rechtsanwälte, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente Sachverhalt
Entscheid Versicherungsgericht, 15.06.2017
A.
A.a A._ meldete sich am 22. Mai 2008 bei der IV-Stelle St. Gallen zum Bezug von IV-
Leistungen an. Im Anmeldeformular gab sie an, vom 27. August bis 26. September
2007 wegen ihrer Diskushernie zur Rehabilitation in der Klinik Valens und vom 14. bis
18. April 2008 im Spital B._ gewesen zu sein. Seit 1981 sei sie als Näherin bei der
C._ AG in St. Gallen tätig (IV-act. 2, 4, 27 S. 5 ff.). Die C._ AG berichtete am 2. Juni
2008, die Versicherte arbeite wöchentlich 42,5 h als Näherin und Verpackerin von
Kompressionsstrümpfen für einen Lohn von jährlich Fr. 49'075.-- (IV-act. 17).
A.b Am 23. Juli 2008 beauftragte die IV-Stelle Dr. med. D._, Facharzt für
Rheumatologie und Innere Medizin, mit der Begutachtung der Versicherten (IV-act. 25).
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In seinem Gutachten vom 2. Oktober 2008 hielt Dr. D._ folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: Chronisches lumbospondylogenes Syndrom
bds. (ICD-10 M54.4) bei/mit degenerativen Veränderungen der LWS,
Wirbelsäulenfehlhaltung/-fehlform, mehrsegmentalen Dysfunktionen, ISG Dysfunktion
links, muskulärer Dysbalance, Haltungsinsuffizienz bei Deconditionierung, klinische
Periarthropathia humeroscapularis tendopathica rechts mit leichter
Impingementsymptomatik (ICD-10 M75.4) und klinisch beginnende Rhizarthrosen bds.
möglich. Er führte aus, Ursache der beschriebenen Blockaden der Hände seien
beginnende, jedoch nicht aktivierte Rhizarthrosen, die im derzeitigen Stadium ohne
Limitierung der Arbeitsfähigkeit blieben. Die Versicherte sei spätestens ab November
2007 aufgrund der bestehenden Haltungsdefizite in einer Tätigkeit wie der als Näherin
nur noch zu 30% arbeitsfähig. In einer den Beschwerden angepassten körperlich leicht
belastenden Tätigkeit bestehe aus rein rheumatologischer Sicht eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 38).
A.c Die C._ AG kündigte der Versicherten am 25. November 2008 per Ende Februar
2009 (IV-act. 48, 52). Da die Versicherte angegeben hatte, sich zu 100% arbeitsunfähig
zu fühlen, verzichtete die IV-Stelle auf die Durchführung beruflicher
Eingliederungsmassnahmen (IV-act. 57, 62). Am 15. September 2009 kündigte die
Versicherte an, sich einer Rückenoperation unterziehen zu müssen (IV-act. 86, 89).
Zudem liess sie durch Prof. Dr. med. E._, Arzt der Klinik für Hand-, Plastische- und
Wiederherstellungsmedizin, KSSG, am 29. Januar 2010 einen operativen Eingriff an der
Handwurzel des Zeigefingers vornehmen. Eine anschliessende Besserung der
Schmerzen an der Hand blieb jedoch aus (IV-act. 94, 100, 107).
A.d Nachdem weitere Arztberichte eingeholt worden waren (IV-act. 102, 104, 112, 120
S. 3, 126), beauftragte die IV-Stelle die Dres. F._ und D._ mit einer bidisziplinären
Abklärung der Versicherten (IV-act. 129). Im entsprechenden rheumatologischen und
psychiatrischen Gutachten hielten Dr. D._ und Dr. med. G._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit fest:
Chronisches multilokuläres Schmerzsyndrom lumbal, cervicobrachial rechts, carpal
rechts, sowie LBH-Bereich bds. rechtsbetont, chronisches lumbospondylogenes
Syndrom bds. (ICD-10 M54.4), chronischer Handschmerz rechts (ICD-10 M79.6),
beginnende Periarthropathia humeroscapularis tendopathica rechts (ICD-10 M75.9)
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und depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig mit somatischem Syndrom (ICD-10
F32.11). Dr. D._ erklärte, aus rheumatologischer Sicht sei eine körperlich leicht
belastende Tätigkeit in wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen gehend, sitzend
und stehend, ohne Überbelastung der Hände oder Einsatz der oberen Extremitäten im
Überkopfbereich und gewichtsbelastet achsenfern, zumutbar. Die Tätigkeit als Näherin
könne der Versicherten hingegen wegen der posturalen Belastungen der Hände aktuell
und auch künftig nicht mehr zugemutet werden. Dr. G._ hielt fest, dass die
psychiatrische Begutachtung zusammen mit einer Dolmetscherin stattgefunden habe.
Grundsätzlich sei aufgefallen, dass die Versicherte sehr auf ihre äussere Integrität
bedacht und um Haltung bemüht gewesen sei. Diese Fassade habe im Laufe des
Gespräches jedoch zu bröckeln begonnen. Der Versicherten könne weder eine
Aggravations- noch eine Somatisierungstendenz unterstellt werden. Auch eine
Schmerzausweitung i.S. einer somatoformen Schmerzstörung könne derzeit nicht
diagnostiziert werden. Aufgrund der verminderten Motivationsfähigkeit bei anhaltenden
körperlichen Beschwerden verbunden mit einer erheblichen Adynamie (ICD-10 R53) bei
anhaltender Schlafstörung bestehe eine mittelgradige Einschränkung der
Aufmerksamkeit und der Konzentrationsfähigkeit, womit die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten aus psychiatrischer Sicht eingeschränkt sei. Die Versicherte habe sich in
jedem Fall psychiatrisch behandeln zu lassen, auch wenn fraglich sei, inwiefern sich
das Leistungsniveau dadurch steigern lasse. Gesamthaft hielten die Gutachter fest, aus
rheumatologischer Sicht verbleibe in einer wirbelsäulenadaptierten, die rechte Hand
nicht überfordernden Tätigkeit eine 70%ige und aus psychiatrischer Sicht eine 60%ige
Arbeitsfähigkeit, womit die Versicherte in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 0% und in
einer beschwerdeadaptierten Tätigkeit noch zu 60% arbeitsfähig sei (IV-act. 138 f.). Auf
Nachfrage des RAD hin erklärte Dr. D._ am 27. Dezember 2011, im Vergleich zum
Vorgutachten bestehe neu ein St. n. dekomprimierender Rückenoperation, in dessen
Folge lokale Narbenbeschwerden und eine Minderung der Segmentstabilität möglich
erschienen. Ausserdem sei am rechten Handgelenk eine Zyste im Bereich des Os
trapezoideum aufgefüllt worden, woraufhin sich nun eine carpometacaraple
Schmerzsituation entwickelt habe. Diese postoperativen Situationen könnten sowohl
die lumbalen Beschwerden wie auch solche im Bereich der rechten Hand organisch
nachvollziehbar erklären. Aus rein rheumatologischer Sicht bestehe daher in einer
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adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70%, die jedoch aufgrund der
psychiatrischen Einschätzung auf 60% zu reduzieren sei (IV-act. 150).
A.e Anfang 2012 wurde die Versicherte erneut an der Handwurzel des Zeigefingers
operiert (IV-act. 155, 161) und vom 9. bis 12. Mai 2012 war sie aufgrund einer
ischämischen Kolitis (nichtinfektiöse Entzündung des Darmes infolge einer
Durchblutungsstörung) linke Flexur bis Sigma im KSSG hospitalisiert (IV-act. 184 S. 7
f.).
A.f Der seit dem 16. November 2012 behandelnde Psychiater Dr. med. H._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt am 27. März 2013 fest, die Versicherte leide
seit 2011 an einer anhaltenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradig mit
somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11). Die Prognose sei ungünstig, da sich
verschlimmernde Begleiterkrankungen, eine psychosoziale Belastungssituation, ein
Krankheitsgewinn sowie eine schwache Bildung vorlägen. Die Einschränkungen
bestünden in einer Verlangsamung, Schmerzhemmung, Konzentrationsstörung,
Ermüdbarkeit und Angstzuständen. Die Versicherte habe eine ischämische Kolitis
gehabt, aufgrund derer sie sich beeinträchtigt fühle und Angst vor weiteren
Verschlechterungen habe. Die psychiatrische Situation habe sich seit der letzten
Begutachtung verschlechtert (IV-act. 178, 184). Am 10. August 2013 berichtete Dr.
H._ von einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustandes der
Versicherten, so dass nun aufgrund des psychiatrischen Erscheinungsbildes
mindestens eine um 50% verminderte Leistungsfähigkeit bestehe (IV-act. 194). Dr.
med. I._, Facharzt für Innere Medizin, erklärte am 14. Oktober 2013, die Versicherte
sei seit April 2013 insbesondere wegen der gastrointestinalen Beschwerden, des
kardiovaskulären Risikoprofils und des chronischen Schmerzsyndroms bei ihm in
Behandlung. Bezogen auf diese Beschwerden hätten sich bislang keine wesentlichen
Änderungen ergeben (IV-act. 197).
A.g Am 22. November 2013 beauftragte die IV-Stelle die Academy of Swiss Insurance
Medicine, Universitätsspital Basel (asim), mit einer polydisziplinären Abklärung (IV-act.
198, 203). Daraufhin liess die Versicherte am 28. November 2013 bemerken, dass die
Anamnese und die psychiatrische Untersuchung aufgrund ihrer mangelnden
Deutschkenntnisse durch einen gut Italienisch sprechenden Arzt durchzuführen seien,
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damit die Schlussfolgerungen auf einem ungefilterten, direkten Eindruck basieren
könnten (IV-act. 200). Noch bevor das Gutachten vorlag, wandte sich die Versicherte
am 10. Juli 2014 an die IV-Stelle und liess die erfolgte psychiatrische Begutachtung
beanstanden. Sie liess ausführen, dass die psychiatrische Begutachtung unter
merklichem Zeitdruck stattgefunden habe, da der begutachtende Arzt Dr. med. J._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit über einer Stunde Verspätung
erschienen sei und die ursprünglich von 10:00 bis 12:00 Uhr angesetzte Begutachtung
trotzdem um 12:00 Uhr abgeschlossen habe. Ihre Antworten habe er kaum abgewartet
und zur Kenntnis genommen. Trotz ihrer schlechten Deutschkenntnisse sei ihr zudem
aufgefallen, dass die Dolmetscherin überfordert bzw. ungeeignet gewesen sei. So habe
diese ihre Aussage, sie nähe seit über 40 Jahren, mit "kochen" übersetzt. Dies habe
auch der Arzt bemerkt, woraufhin er die Dolmetscherin genervt aufgefordert habe,
doch bitte korrekt zu übersetzen. Die psychiatrische Untersuchung sei unter diesen
Rahmenbedingungen unzumutbar gewesen, weshalb sie eine erneute Untersuchung
durch einen anderen Arzt und mit einer geeigneten Dolmetscherin beantrage (IV-act.
212).
A.h Im asim-Gutachten vom 22. Juli 2014 hielt Dr. J._ fest, aus psychiatrischer Sicht
bestehe mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive Episode (ICD-10
F32.0). Die Behandlung bei Dr. H._ habe eine relevante Verbesserung des
psychiatrischen Zustandsbildes gebracht, sodass die Versicherte momentan allenfalls
eine minimale "Deprimiertheit" aufweise. An affektiven Besonderheiten sei ferner eine
Klagsamkeit zu verzeichnen und die Schwingungsfähigkeit sei leichtgradig
eingeschränkt. Psychomotorische Defizite seien in der Untersuchung nicht zum
Vorschein gekommen. Die Versicherte identifiziere sich übermässig mit der
Krankenrolle. Aus rein psychiatrischer Sicht sei sie jedoch voll arbeitsfähig. Dr. med.
K._, Facharzt für Rheumatologie, hielt folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit fest: Lumbospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5),
degenerative Veränderungen der Hände (ICD-10 M19) und beginnende Polyarthrose
der Hände (ICD-10 M15.8). Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit lasse sich in der
angestammten Tätigkeit wegen der degenerativen Veränderungen der Segmente
LWK4/5 sowie LWK5/SWK1 spätestens ab November 2007 begründen. In einer
körperlich leichten Verweistätigkeit mit der Möglichkeit wirbelsäulenadaptierter
Wechselpositionen im Gehen, Stehen und Sitzen ohne die Notwendigkeit der
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Kraftanwendung des rechten Handgelenkes und der rechten Hand lasse sich aus
rheumatologischer Sicht aufgrund der degenerativen Veränderungen des rechten
Handgelenkes nach zwei Operationen, die zu einer eingeschränkten Extension des
rechten Handgelenkes geführt hätten, eine Arbeitsfähigkeit von 60% ermitteln.
Körperlich schwere Tätigkeiten seien aufgrund der Rückenproblematik, körperlich
mittelschwere Tätigkeiten aufgrund der Kraftanwendung der rechten Hand nicht mehr
zumutbar. Die Versicherte könne keine grobe Kraft entfalten und dürfe nur Lasten bis
max. 5 kg tragen. Da es sich in Bezug auf ihren Rücken und ihre Hände um
degenerative - per Definition irreversible - Veränderungen handle, könnten keine
medizinischen Massnahmen angegeben werden (IV-act. 215).
A.i Mit einem Vorbescheid vom 28. August 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie deren Rentengesuch aufgrund des sich bei einer Gegenüberstellung eines
Valideneinkommens als Näherin von Fr. 50'722.-- und eines Invalideneinkommens als
Hilfsarbeiterin von Fr. 31'953.-- ergebenden Invaliditätsgrades von 37% abweisen
werde (IV-act. 220 ff.). Die Versicherte liess daraufhin am 24. September 2014 ein
erneute psychiatrische Begutachtung, die Feststellung eines IV-Grades von mindestens
50% sowie die Spezifikation einer leidensangepassten Tätigkeit, in der das
berücksichtigte Invalideneinkommen erzielt werden könne, beantragen. Zur
Begründung liess sie ausführen, die Begutachtung durch Dr. J._ sei ungenügend und
der Einkommensvergleich sei fehlerhaft gewesen, da insbesondere kein
Tabellenlohnabzug berücksichtigt worden sei (IV-act. 223).
A.j Die IV-Stelle verfügte am 16. Oktober 2014 die Abweisung des
Leistungsbegehrens. Zum Einwand der Versicherten führte sie aus, eine erneute
Begutachtung sei nicht angezeigt, da der RAD das Gutachten aus medizinischer Sicht
als schlüssig erachtet habe. Laut dem psychiatrischen Fachgutachten habe die
Untersuchung ohne Schwierigkeiten erfolgen können, sodass der Gutachter die
nötigen Informationen für das Teilgutachten habe erheben können. Zudem habe die
Untersuchung zwei Stunden ohne Pause gedauert und die Versicherte habe die
Möglichkeit gehabt, sich ausführlich zu den gestellten Fragen zu äussern. Ein
Tabellenlohnabzug sei nicht gerechtfertigt, da die Einschränkungen bereits bei der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden seien (IV-act. 227).
B.
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B.a Am 17. November 2014 liess die Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführerin)
gegen die Verfügung vom 16. Oktober 2014 Beschwerde erheben und die Zusprache
einer Rente, eventualiter die Anordnung eines Obergutachtens zur objektiven
Feststellung der psychischen Verfassung, der Arbeitsfähigkeit sowie der Ursache der
psychischen Erkrankung beantragen. Zur Begründung liess sie ergänzend zu ihren
Ausführungen im Einwand erklären, Dr. J._ habe im Gutachten keinen Bezug auf die
vorhandenen Verständigungsschwierigkeiten genommen und hinsichtlich der Dauer der
Begutachtung keine wahrheitsgetreue Aussage gemacht. Durch die falsche bzw.
irreführende Angabe betreffend die Dauer der Begutachtung sowie das Verschweigen
der erheblichen Verständigungsprobleme sprachlicher Art erweise sich der Bericht
letztlich als unbrauchbar. Zudem sei nicht nachvollziehbar, wie die Gutachter trotz der
Tatsache, dass sie ihre rechte Hand kaum gebrauchen könne, von einer 60%igen
Arbeitsfähigkeit ausgehen könnten. Im konkreten Fall sei ein Tabellenlohnabzug von
mindestens 20% vorzunehmen (act. G 1). Zusätzlich liess die Beschwerdeführerin eine
persönliche Stellungnahme zum psychiatrischen Fachgutachten einreichen. Darin
führte sie aus, sie habe nie gesagt, dass sich die Familie beklage, weil sie immer das
Gleiche koche. Vielmehr bringe die Familie Verständnis für ihre Situation auf. Ihre
Ausführungen zu den Krankheiten ihrer Eltern seien im Gutachten nicht wiederzufinden
gewesen. Weiter habe der Vater ihres Ehemanns und nicht "ein Grossvater" an einer
amyotrophen Lateralsklerose gelitten und eine Freundin von ihr leide an Brustkrebs und
nicht an einem Tumor im Kopf. Ihr Sohn absolviere im Übrigen keine Weiterbildung in
Winterthur, sondern sei an der L._. Auch die Aussage, dass sie in ihrer Freizeit nur
"herumsitze" und dabei Kreuzworträtsel löse oder Comic-Hefte lese, sei falsch. Sie sei
gefragt worden, ob sie lese, woraufhin sie geantwortet habe, sie lese je nach Zustand
manchmal Comic-Hefte und habe früher Kreuzworträtsel gelöst. Es stimme auch nicht,
dass sie gewohnt sei, Dinge schnell zu erledigen. Sie habe ausschliesslich erzählt, dass
sie früher stets alles selbstständig erledigt habe, weshalb es sie nun belaste, auf
fremde Hilfe angewiesen zu sein. So helfe ihr - entgegen den Ausführungen im
Gutachten - ihre Familie nach dem Essen mit dem Aufräumen des Geschirrs, da sie
dies oft nicht alleine erledigen könne. Ebenso wenig stimme es, dass sie das dritte von
fünf Kindern sei, da ihre Mutter vier Kinder gesund geboren habe und zwei Kinder kurz
nach der Geburt gestorben seien. Auch sei es zwischen ihren Eltern nie zu Gewalt,
sondern lediglich zu mündlichen Auseinandersetzungen und zu Diskussionen zwischen
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Eltern und Kindern gekommen. In Bezug auf die Höhe der auf der Wohnung lastenden
Hypothek und in Bezug auf die gewöhnliche Schlafenszeit habe der Gutachter sie, da
sie keine genauen Angaben habe machen können, zur Angabe irgendeines Betrages
bzw. irgendeiner Uhrzeit gedrängt, um schneller voranzukommen. Gesamthaft seien
ihre Antworten unter (Zeit-) Druck erfolgt und der Gutachter sei auch gegenüber der
Dolmetscherin laut geworden, als diese ihr auf ihren Wunsch hin eine Frage des
Gutachters ausführlich habe erklären wollen. Zudem seien viele ihrer Aussagen gar
nicht im Gutachten aufgenommen worden, zum Beispiel dass sie aufgrund der
ischämischen Kolitis immer vor Augen gehabt habe, wie es ihrem Vater ergangen sei,
und dass sie Angst gehabt habe, dass sie "gleich enden würde". Auch ihre finanzielle
Situation sei nicht ausführlich und einheitlich dargestellt worden. So unterstütze ihr
Sohn die Familie, indem er den Kontosaldo decke und einkaufen gehe, was die
familiäre Situation sehr belaste. Als der Gutachter in seinem Bericht festgehalten habe,
momentan seien keine relevanten Verstimmungen und Ängste mehr erkennbar, habe er
übersehen/überhört, dass sie mehrmals von panischen Angstzuständen, Sorgen und
Albträumen berichtet habe (act. G 1.1).
B.b Am 5. Januar 2015 liess die Beschwerdeführerin Stellungnahmen von Dr. I._ und
Dr. H._ einreichen. Dr. I._ hatte am 20. Dezember 2014 erklärt, die
Beschwerdeführerin sei seit Mai 2012 nie schmerzfrei gewesen und habe vor allem
über Beschwerden im Bereich des Muskuloskelettalapparates bei den degenerativen
Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule und der Hände geklagt. Angesichts dieser
Schmerzproblematik sei es immer wieder zu muskulären Überbelastungen gekommen,
wodurch sich die Gesamtsituation nochmals verschlechtert habe, was wiederum die
Psyche der Beschwerdeführerin stark belastet habe. In Bezug auf das Gutachten wäre
eine neurochirurgische Standortbeurteilung notwendig gewesen, um einen objektiven
Befund zu erhalten (act. G 5.1). Dr. H._ hatte am 22. Dezember 2014 bemängelt,
dass Dr. J._ keine systematische, klinische psychopathologische Beschreibung
vorgenommen und keine Ratingskala zur Gewichtung der Depression angewandt habe.
Ausserdem habe Dr. J._, ohne auf den anderslautenden Zwischenbericht vom 27.
März 2013 einzugehen, behauptet, es sei unter der psychiatrischen Behandlung zu
einer Besserung gekommen. Dies sei nicht belegt. Zudem habe Dr. J._ in seinem
Gutachten verstreut depressive Symptome aufgeführt (Antriebsmangel, Suizidalität,
Stimmung sehr traurig, kein klarer Kopf, Schlafstörungen, Nervosität,
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Konzentrationsschwierigkeiten, Inaktivität, sozialer Rückzug, Aufgeben vom
Autofahren, frühmorgendliches Erwachen, Einschlafstörungen). Die implizit als das
Leiden relativierende angeführte "Klagsamkeit" sei ausserdem ebenso wie die
erwähnte "Verminderung der Schwingungsfähigkeit" aus psychiatrischer Sicht ein
Symptom der Depression und nicht ein Argument gegen das Vorliegen einer
Depression. Die Aussage, es müsse "nicht mehr eine mühsame Fassade
aufrechterhalten werden", wäre vor dem Hintergrund der Behauptung einer
"Klagsamkeit, verminderten Schwingungsfähigkeit und Identifizierung mit der
Krankenrolle" mindestens näher zu begründen gewesen. Indem Dr. J._ geschrieben
habe, dass keine relevanten Schlafstörungen vorlägen, entstehe zudem ein inhaltlicher
Widerspruch zu seiner eigenen Exploration. Zudem habe Dr. J._ keine Abhandlung
der Beziehung zwischen dem Schmerzerleben und der psychiatrischen Befindlichkeit
resp. den psychische Teilursachen der Schmerzen vorgenommen, obwohl er von
interpersonalen Konflikten und dysfunktionalen Copingstrategien berichtet habe.
Konsequenterweise hätte er die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung
zumindest diskutieren und die Foerster'schen Kriterien abhandeln müssen. Die
angebliche Zustandsbesserung sei weder anamnestisch nachvollziehbar noch passe
sie zu dem Eindruck, den die Beschwerdeführerin in den Konsultationen mache. Grund
für die Reduktion des Antidepressivums sei im Übrigen nicht dessen gute Wirkung,
sondern vielmehr eine mangelhafte Wirkung sowie das Auftreten unangenehmer
Nebenwirkungen gewesen. Die Theorie eines Krankheitsgewinns in der Beziehung zur
Tochter ("dysfunktionale Copingstrategie") erscheine im Kontrast zur undifferenzierten
Abhandlung des depressiven Zustandsbildes und der überhaupt nicht beleuchteten
Beziehung zum Ehemann spitzfindig. Die undifferenzierte Abhandlung im
psychiatrischen Teilgutachten unter Auslassung der Schmerzsymptomatik u.a. im
gastrointestinalen Bereich könnte dazu beigetragen haben, dass der
Beschwerdeführerin im Hauptgutachten eine negative Einstellung unterstellt, die
Beeinträchtigung durch die zwischenzeitliche ischämische Colitis nicht diskutiert und
keine die verschiedenen Krankheiten integrierende Gesamtbeurteilung vorgenommen
worden sei (act. G 5.2).
B.c In der Beschwerdeantwort vom 14. Januar 2015 erklärte die Beschwerdegegnerin,
der Einschätzung des asim komme ein grosses Gewicht zu, da es sich um eine für die
IV geschaffene spezialisierte Gutachterstelle handle, die mit IV-rechtlichen
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Fragestellungen bestens vertraut sei. Mit dem polydisziplinären Ansatz sei
gewährleistet worden, dass den medizinischen Einzeldisziplinen bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung kein zu grosses Gewicht zugekommen sei, sondern eine
Gesamtbetrachtung stattgefunden habe. Das Gutachten sei ausführlich abgefasst und
die Schlussfolgerungen zusammen mit Arbeitsfähigkeitsschätzung seien begründet.
Dem psychiatrischen Teilgutachten seien keine Verständigungsschwierigkeiten zu
entnehmen und die Angaben der Beschwerdeführerin seien ausführlich beschrieben.
Ebenso sei nicht erkennbar, dass die psychiatrische Exploration zu wenig lange
gedauert hätte. Es komme zudem nicht auf die Dauer der Untersuchung, sondern
darauf an, dass das Gutachten vollständig und im Ergebnis schlüssig sei. Die
Beschwerdeführerin übersehe, dass sich der Gutachter bei seiner Beurteilung auch auf
die umfassend erhobene Anamnese und die Vorakten habe abstützen können. Zudem
sei Dr. J._ ausführlich auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin
eingegangen. Auch die Schilderung der Befundlage und die abschliessende
Beurteilung nähmen im Gutachten einen breiten Raum ein. Demnach sei davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin durch Dr. J._ ausreichend und kompetent
untersucht worden sei, womit ohne Weiteres auf das asim-Gutachten habe abgestellt
werden können. Die Beschwerdeführerin könne leichtere Maschinenbedienungs-,
Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten und leichtere Arbeiten bei der
Lager- und Einzelteilbewirtschaftung übernehmen. Ein Tabellenlohnabzug sei nicht
vorzunehmen, da die gesundheitlichen Ein¬schränkungen bereits grosszügig im
Arbeitsfähigkeitsgrad von 60% enthalten seien (act. G 7).
B.d Am 16. Februar 2015 liess die Beschwerdeführerin in ihrer Replik anmerken, es
komme auch bei den MEDAS-Stellen vor, dass Fehler unterliefen oder minder
qualifiziertes Personal eingesetzt werde. Da Falschangaben hinsichtlich Zeit und Länge
der Begutachtung und/oder des Ortes der Konsultation erhebliche Zweifel an der
Glaubwürdigkeit eines Gutachtens rechtfertigten und der Gutachter die
Beschwerdeführerin zudem weder sprachlich noch inhaltlich verstanden habe, sei die
"umfassend erhobene Anamnese" falsch gewesen (act. G 9).
B.e Nach Abschluss des Schriftenwechsels liess die Beschwerdeführerin diverse
aktuelle Arztberichte einreichen (act. G 11, G 12, G 15, G 17, G 19, G 21, G 23, G 25).

Erwägungen
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1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem IV-Grad von 37% abgelehnt.
Strittig ist demnach, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente
hat.
1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art.
8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), zu dem
Einkommen in Beziehung gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Im Rahmen eines Einkommensvergleichs sind die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen in der Regel ziffernmässig möglichst genau
zu ermitteln und einander gegenüberzustellen; sie können aber auch nach Massgabe
der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 120). Wird eine
Schätzung vorgenommen, muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen
Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine
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Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen (sog. Prozentvergleich; BGE 114 V
310 E. 3a mit Hinweisen).
2.
2.1 Um das Invalideneinkommen und damit den IV-Grad ermitteln zu können, muss die
Arbeitsfähigkeit mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen.
2.2 Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung.
Die Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei,
d.h. ohne eine Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten.
Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den
Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die
Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische
These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht
oder Gutachten.
2.3 Da die Beschwerdegegnerin sich bei ihrem Entscheid auf das asim-Gutachten vom
22. Juli 2014 gestützt hat (vgl. IV-act. 215, 220, 227), ist zunächst zu prüfen, ob dieses
Gutachten eine beweiskräftige Grundlage für die Beurteilung der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin bildet.
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2.4 In formaler Hinsicht muss das asim-Gutachten die von der Rechtsprechung
aufgestellten Kriterien an ein voll beweiskräftiges Gutachten erfüllen. Dafür muss es in
Kenntnis aller relevanten Vorakten abgegeben worden sein (Ziff. 3), eine Anamnese
enthalten (Ziff. 4.1 sowie Ziff. 2.1 der Fachgutachten), die subjektiven Angaben des zu
Begutachtenden zu seinen Leiden berücksichtigen (siehe Anamnese), die erhobenen
objektiven Befunde angeben (Ziff. 4.2 sowie Ziff. 2.2, 2.3, 3 der jeweiligen
Fachgutachten) und eine abschliessende Gesamtbeurteilung (Ziff. 7 sowie Ziff. 4 der
jeweiligen Fachgutachten) abgeben. Vorliegend scheinen zwar alle formalen Vorgaben
erfüllt, doch hat die Beschwerdeführerin geltend machen lassen, das psychiatrische
Fachgutachten sei unbrauchbar. Dies hat sie damit begründen lassen, dass
Verständigungsschwierigkeiten bestanden hätten, die die anwesende, fachlich nicht
hinreichend kompetente Dolmetscherin nicht habe aus dem Weg räumen können, dass
das Gespräch nicht die vereinbarten zwei Stunden gedauert und dementsprechend
unter grossem (Zeit-) Druck stattgefunden habe und dass das Gutachten falsche
Angaben enthalte. Zudem sei die Arbeitsfähigkeitsschätzung aus rheumatologischer
und internistischer Sicht zu optimistisch ausgefallen (act. G 1).
2.4.1 Das durch Dr. J._ erstellte psychiatrische Fachgutachten enthält auf etwas
mehr als zwei Seiten Angaben zur Untersuchung, zu den vorherigen Berichten und zur
fachärztlichen Beurteilung. Zu den bisherigen Berichten hat Dr. J._ einzig ausgeführt,
die Beschwerdeführerin sei zwar mit einer mittelgradigen depressiven Episode
vordiagnostiziert worden, ihr psychisches Zustandsbild habe sich aber unter der vor
einem Jahr aufgenommenen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
relevant verbessert, sodass momentan allenfalls eine minimale "Deprimiertheit"
vorliege. Auch habe die antidepressive Medikation eine gute Wirksamkeit gezeigt,
sodass diese um die Hälfte habe reduziert werden können. Die von Dr. G._ gestellte
Prognose, mit entsprechender medikamentöser und therapeutischer Behandlung
könne eine Verbesserung der depressiven Störung erreicht werden, habe sich damit
bewahrheitet (IV-act. 215 S. 46 f.). Dr. G._ hatte am 27. Juli 2011 eine aus
psychiatrischer Sicht 60%ige Arbeitsfähigkeit bei einer depressiven Episode,
gegenwärtig mittelgradig mit somatischem Syndrom, festgehalten und eine
Verhaltenstherapie sowie eine psychiatrische Medikation empfohlen, um eine weitere
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
aufzuhalten (IV-act. 145). Die Argumentation von Dr. J._, die vorherigen ärztlichen
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Beurteilungen seien nicht mehr aktuell, da sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin zwischenzeitlich infolge der psychotherapeutischen und
medikamentösen Behandlung wesentlich verbessert habe, erscheint unter
Berücksichtigung dessen, dass entsprechende Behandlungen relativ häufig zu einer
Verbesserung des Gesundheitszustands eines Patienten führen, zunächst als
nachvollziehbar. Allerdings ist Dr. J._ nicht auf die abweichende Aussage von Dr.
H._ vom 27. März 2013 eingegangen, laut der sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin seit der Begutachtung vom 27. Juli 2011 und somit auch seit
Behandlungsbeginn nicht gebessert, sondern vielmehr verschlechtert hatte und die
Prognose u.a. aufgrund der Begleiterkrankungen ungünstig war (vgl. IV-act. 184). In
seiner Stellungnahme vom 22. Dezember 2014 hat Dr. H._ zudem darauf
aufmerksam gemacht, dass Dr. J._ in seinem psychiatrischen Fachgutachten
verstreut depressive Symptome aufgeführt habe, weshalb die durch Dr. J._
festgestellte Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin, die im
Übrigen nicht zu dem Eindruck passe, den die Beschwerdeführerin durchgehend in
den Konsultationen erwecke, anamnestisch nicht nachvollziehbar sei (act. G 4.2). Dr.
J._ hat seine Annahme, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich
gebessert, insbesondere damit begründet, dass die antidepressive Medikation habe
reduziert werden können. Diese Argumentation vermag jedoch nicht zu überzeugen, da
die Medikation, wie die Beschwerdeführerin im Rahmen der psychiatrischen
Begutachtung angegeben und Dr. H._ in seiner Stellungnahme zum Gutachten
nochmals bestätigt hat, nur wegen unerwünschter Nebenwirkungen reduziert worden
ist. Gesamthaft ist somit festzustellen, dass Dr. J._ sich ungenügend mit den
früheren medizinischen Berichten auseinandergesetzt und seine von den bisherigen
Beurteilungen abweichende fachärztliche Meinung nicht nachvollziehbar und genügend
begründet hat.
2.4.2 Die verhältnismässig umfangreiche, nämlich insgesamt dreiseitige Anamnese
von Dr. J._ enthält Aussagen der Beschwerdeführerin, die in den früheren
psychiatrischen Gutachten und Berichten nicht haben gefunden werden können.
Beispielsweise sind der Anamnese detailliertere Ausführungen zu innerfamiliären
Spannungsverhältnissen ("Besonders angespannt sei das Verhältnis zur Tochter,
welche der Versicherten neulich gesagt habe, sie hätte sie gar nicht gebären müssen,
denn es gebe in der Familie so viele Krankheiten.", "Die Tochter sei des Öfteren nervös
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[...] und spreche kaum mit der Mutter.") und Hinweise auf einen in Jugendzeiten
erfolgten Suizidversuch der Beschwerdeführerin zu entnehmen. Dies lässt zunächst
vermuten, dass Dr. J._ die Anamnese sorgfältig erhoben hat. Bei näherer
Betrachtung zeigen sich jedoch einige Ungereimtheiten und es entsteht der Eindruck,
die Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage gewesen, kohärente und detaillierte
Angaben zu ihrer persönlichen Anamnese zu machen. So erscheinen ihre Angaben zu
den "aktuellen Beschwerden" teilweise wirr und schwer verständlich. Beispielsweise
hat sie einerseits berichtet, sie koche immer das Gleiche (worüber sich ihre Familie
wohl beklage) und es könne sein, dass es nicht immer schmecke, und andererseits hat
sie erklärt, das am häufigsten gekochte Gericht, Spaghetti Bolognese, gelinge ihr stets
einwandfrei, obwohl es vorkommen könne, dass sie Salz und Zucker verwechsle. Die
Schilderungen der Beschwerdeführerin zur "aktuellen Lebenssituation" erscheinen
teilweise insbesondere mit Hinblick auf die früher erhobenen Anamnesen ungenau (die
Tochter sei des Öfteren "nervös", "blass" und esse "nicht gut"; die Ehe sei inzwischen
"nicht so gut"; die Beschwerdeführerin sei "von früh an sehr bemüht", die Dinge
möglichst schnell zu erledigen; die Kindheit sei "eher arm" gewesen und es sei "ab und
zu" zu Gewalt gekommen, weil die Eltern so arm gewesen seien) und widersprüchlich
(einmal hat die Beschwerdeführerin angegeben, sie könne erst ab ca. drei Uhr
einschlafen, ein anderes Mal hat sie erklärt, ab etwa drei Uhr wieder wach zu sein;
einerseits hat sie angegeben, aufgrund von Konzentrationsproblemen nicht mehr Auto
zu fahren, andererseits sitze sie "meistens nur herum" und "löse dabei
Kreuzworträtsel"). Dennoch hat Dr. J._ in seiner Befundschilderung ausgeführt, die
Beschwerdeführerin habe im formalen Denken geordnet, kohärent und nicht
verlangsamt gewirkt. Eine entsprechende Begründung bzw. eine Erklärung für die
Diskrepanz zwischen den widersprüchlichen anamnestischen Angaben und der
Befundschilderung von Dr. J._ lässt sich im psychiatrischen Fachgutachten nicht
finden. Allerdings könnten die widersprüchlichen und konfusen Angaben der
Beschwerdeführerin auch das Resultat der ungenügenden Übersetzungsleistung der
beigezogenen Dolmetscherin sein. Schliesslich hat die Beschwerdeführerin die IV-
Stelle bereits vor der Fertigstellung des Gutachtens darauf hingewiesen, dass es
während der psychiatrischen Begutachtung zu Verständigungsschwierigkeiten
gekommen sei. Zudem hat sie erwähnt, selbst Dr. J._ habe diesen Umstand
bemängelt und die Dolmetscherin dementsprechend zurecht gewiesen (vgl. IV-act.
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212). Weiter hat die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Beschwerde eine durchaus
glaubhafte Gegenüberstellung der tatsächlich gemachten und der im psychiatrischen
Fachgutachten festgehaltenen Angaben eingereicht. Gesondert betrachtet sind die
daraus hervorgehenden Abweichungen nicht weiter relevant, da es sich dabei lediglich
um kleinere Ungenauigkeiten handelt. Allerdings verstärken sie den Eindruck, dass die
im psychiatrischen Fachgutachten von Dr. J._ wiedergegebene Anamnese ungenau
bzw. das Ergebnis einer ungenügenden Übersetzung sein könnte. Bezüglich des
Detailgrades und der Kohärenz fällt zudem ein Unterschied zu den anamnestischen
Angaben der Beschwerdeführerin im rheumatologischen Fachgutachten von Dr. K._
(vgl. IV-act. 215 S. 53 ff.) und im früheren psychiatrischen Teilgutachten von Dr. G._
(vgl. IV-act. 139) auf. Da die Beschwerdeführerin sich mit Dr. K._ direkt auf M._ hat
unterhalten können und da bei der Exploration durch Dr. G._ offenbar ein
kompetenter Dolmetscher zugegen gewesen war, wird der Verdacht, dass die
Übersetzung während der psychiatrischen Begutachtung durch Dr. J._ tatsächlich
ungenügend gewesen sein könnte, bestärkt. Gesamthaft bestehen daher Zweifel an
der Zuverlässigkeit der anamnestischen Erhebungen von Dr. J._, gestützt auf welche
er den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht beurteilt
hat. Da die anamnestischen Angaben für eine psychiatrische Begutachtung von
erheblicher Bedeutung sind, weckt auch die Möglichkeit einer unzureichenden
Übersetzungsleistung wesentliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der sich teilweise
darauf stützenden Beurteilung von Dr. J._. Erschwerend kommt hinzu, dass Dr. J._
die Anamnese betreffend die eingangs erwähnten möglichen erheblichen Probleme
(Verhältnis zum Ehemann und zur Tochter, Sorgen um Tochter, Suizidversuch in der
Jugendzeit) nur oberflächlich erhoben zu haben scheint, was den Eindruck erweckt, die
Exploration durch Dr. J._ sei diesbezüglich nicht umfassend und sorgfältig genug
erfolgt. Dies könnte möglicherweise der von der Beschwerdeführerin wiederholt und
grundsätzlich glaubhaft geltend gemachten Verspätung von Dr. J._ und der damit
einhergehenden Verkürzung der vorgesehenen Untersuchungsdauer geschuldet sein.
Diesbezüglich hätte die Beschwerdegegnerin mit einer einfachen Rückfrage an Dr.
J._ Gewissheit betreffend den Beginn und die Dauer der Begutachtung erlangen
können. Obwohl sie eine solche Rückfrage unverständlicherweise unterlassen hat,
muss dieses Versäumnis nicht durch das Versicherungsgericht behoben werden, da
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das psychiatrische Fachgutachten, wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen,
weitere Mängel aufweist.
2.4.3 Dr. H._ ist in seiner Stellungnahme vom 22. Dezember 2014 sinngemäss zu
dem Schluss gekommen, das Gutachten von Dr. J._ sei fehlerhaft, unvollständig und
nicht nachvollziehbar (act. G 5). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts darf bei
der Würdigung des Beweiswertes der Berichte von behandelnden Ärzten der
Erfahrungstatsache Rechnung getragen werden, dass diese mitunter im Hinblick auf
ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer
Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b mit Hinweisen). In seiner Stellungnahme
hat Dr. H._ die Explorationsergebnisse von Dr. J._ zusammengetragen, die
Befunderhebung und die Herleitung der Diagnosen betrachtet sowie Stellung zum
Inhalt des Gutachtens genommen. Insbesondere hat er richtiggestellt, dass die
Einnahme des Antidepressivums deshalb eingestellt worden sei, da dieses eine
mangelhafte Wirkung gezeigt und unangenehme Nebenwirkungen mit sich gebracht
habe. Auf seine persönliche Auffassung über den Zustand der Beschwerdeführerin ist
er hingegen nur kurz eingegangen, indem er erklärt hat, die von Dr. J._ beschriebene
Zustandsbesserung stimme nicht mit dem Eindruck überein, den die
Beschwerdeführerin bei seinen Konsultationen mache. Primär hat Dr. H._ sich also
auf einer objektiven Ebene mit dem psychiatrischen Fachgutachten
auseinandergesetzt. Dabei hat er bemängelt, Dr. J._ habe die Behauptung, die
mittelgradige depressive Episode bestehe nicht mehr, da es unter der Behandlung zu
einer Besserung gekommen sei, aufgestellt, ohne sich kritisch mit dem
anderslautenden Zwischenbericht vom 27. März 2013 auseinanderzusetzen; zudem
habe Dr. J._ in der Anamneseerhebung verstreut depressive Symptome aufgeführt,
ohne diese als solche wahrzunehmen. Ausserdem hat sich Dr. H._ mit der
Interpretation einzelner dem Gutachten zu entnehmender Symptome beschäftigt und
hat auf weitere Widersprüche (z.B. betreffend die trotz der Angaben der
Beschwerdeführerin im Rahmen der Anamnese von Dr. J._ getätigte Aussage, die
Beschwerdeführerin leide nicht unter relevanten Schlafstörungen) hingewiesen. Nach
Dr. H._‘s Ansicht hätte Dr. J._ ausserdem die Beziehung zwischen dem
Schmerzerleben und der psychischen Befindlichkeit der Beschwerdeführerin
beleuchten oder zumindest eine somatische Schmerzstörung bzw. die Foerster'schen
Kriterien abhandeln müssen, da er von interpersonalen Konflikten und dysfunktionalen
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Copingstrategien gesprochen habe. Gesamthaft erweckt die Kritik des behandelnden
Psychiaters Dr. H._ nicht den Eindruck, dass er bloss die subjektiven Befindlichkeiten
der Beschwerdeführerin übernommen und diese im Rahmen seines
Auftragsverhältnisses mit der Beschwerdeführerin wohlwollend hätte verteidigen
wollen. Dr. H._ hat sich vielmehr eingehend und weitgehend objektiv mit dem
Gutachten von Dr. J._ auseinandergesetzt und dabei fachlich fundiert argumentiert.
Mit seiner Stellungnahme hat er daher nachvollziehbar aufgezeigt, dass sich das
Gutachten von Dr. J._ auf eine fehler- und lückenhafte Befunderhebung und
Diagnoseherleitung stützt und dass Dr. J._ u.a. aufgrund seines Irrtums hinsichtlich
die antidepressive Medikation der Beschwerdeführerin und aufgrund der mangelhaften
Auseinandersetzung mit dem Zwischenbericht von Dr. H._ vom 27. März 2013
fälschlicherweise von einer Zustandsbesserung ausgegangen ist. Damit führt auch die
Stellungnahme durch Dr. H._ dazu, dass der Inhalt des psychiatrischen
Fachgutachtens von Dr. J._ nicht als überwiegend wahrscheinlich erstellt betrachtet
werden kann.
2.4.4 Zusammenfassend bestehen deshalb erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit
der psychiatrischen Beurteilung, was bedeutet, dass das Fachgutachten von Dr. J._
den massgebenden Sachverhalt nicht mit dem erforderlichen Beweismass der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen vermag.
2.4.5 Im rheumatologischen Fachgutachten hat Dr. K._ mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, degenerative
Veränderungen der Hände sowie eine beginnende Polyarthrose der Hände
festgehalten. Zwar sei die Beweglichkeit beider Hände unauffällig, doch sei es
durchaus möglich, dass aufgrund der sich auf den Röntgenbildern zeigenden
beginnenden degenerativen Veränderung des linken Daumengrundgelenkes und der
STT-Arthrose rechtsseitig belastungsabhängige Schmerzen entstehen könnten. In der
angestammten Tätigkeit als Näherin lasse sich eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
aus rheumatologischer Sicht aufgrund der Lendenwirbelsäulenproblematik begründen.
In einer körperlichen Verweistätigkeit mit der Möglichkeit, wirbelsäulenadaptierte
Wechselpositionen im Gehen, Stehen und Sitzen einzunehmen, ohne Kraft im rechten
Handgelenk und der rechten Hand aufwenden zu müssen, bestehe insbesondere
aufgrund der generativen Veränderung des rechten Handgelenkes eine
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Restarbeitsfähigkeit von 60% (vgl. IV-act. 215 S. 48 ff.). Die Beschwerdeführerin hat
diese Einschätzung ihrer Arbeitsfähigkeit als zu "zweckoptimistisch" empfunden, da
nicht plausibel sei, wie sie in einer adaptierten Tätigkeit noch zu 60% solle arbeiten
können, wenn sie ihre rechte Hand nicht einsetzen könne (vgl. act. G 1). Dr. K._ hat
im rheumatologischen Fachgutachten nirgends erwähnt, dass die rechte Hand gar
nicht eingesetzt werden dürfe, sondern er hat im Gegenteil festgehalten, das Tragen
von Lasten bis maximal 5 kg mit der rechten Hand sei nach wie vor erlaubt. Ebenso sei
der Beschwerdeführerin die Bewältigung des Haushalts abgesehen von körperlich
schweren Tätigkeiten (z.B. mit der Notwendigkeit repetitiver Belastungen des
Handgelenks) durchaus zumutbar. Indem Dr. K._ die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auf 60% eingeschätzt hat, weicht er um 10% von der am 19. Mai
2010 vom KSSG attestierten Arbeitsfähigkeit ab. Diese Abweichung hat er damit
begründet, dass es sich bei den damals von der Beschwerdeführerin beklagten
Schmerzen am Bein um pseudoradikuläre Schmerzen bei einer muskulärer Dysbalance
der Beinmuskulatur gehandelt haben müsse. Die Belastbarkeit des Rückens sei daher
nicht in dem Ausmass beschränkt, wie damals von den Neurochirurgen angenommen.
Indem Dr. K._ die damals mit dem Rücken in Verbindung gebrachten Beinschmerzen
einer anderen, weniger einschränkenden Ursache hat zuweisen können, hat er den
Unterschied zwischen seiner aktuellen und der damaligen Arbeitsfähigkeitsschätzung
nachvollziehbar und plausibel begründet. Auch Dr. D._ hatte im Gutachten vom 2.
September 2011 die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin um 10% niedriger
eingeschätzt als Dr. K._. Dr. K._ hat diese Abweichung damit erklärt, dass das
Ausmass der degenerativen Veränderungen am rechten Handgelenk lediglich als
mittelschwer und die beginnende degenerative Veränderung am Daumen als
leichtgradig einzustufen sei. Allerdings ist die von Dr. D._ gestellte Diagnose damals
noch relativ ungenau gewesen (chronischer Handschmerz rechts, ICD-10 M79.6) und
er hat auch keine Angaben zu allfälligen degenerativen Veränderungen am Handgelenk
und/oder Daumen gemacht. Dafür hat er festgehalten, die Belastbarkeit der rechten
Hand erscheine für repetitive Greif- und Umwendebewegungen sowie bezüglich der
Ausübung von und der Belastung in feinmotorisch fordernden Tätigkeiten reduziert (IV-
act. 138 S. 32). Demgegenüber hat Dr. K._ die Belastbarkeit der rechten Hand
lediglich bei repetitiven Belastungen des Handgelenks und dem Tragen von mehr als
5kg eingeschränkt gesehen (IV-act. 215 S. 62). Weshalb Dr. K._ nicht der Meinung
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gewesen ist, dass auch bei feinmotorischen Arbeiten Einschränkungen bestehen,
sondern eine Arbeit als Näherin lediglich aufgrund der Lendenwirbelsäulenproblematik
als unzumutbar qualifiziert hat, ist nicht ersichtlich. Obwohl Dr. K._ seine
Untersuchung sorgfältig durchgeführt zu haben scheint und die Beurteilung umfassend
ist, hat er nicht nachvollziehbar darlegen können, weshalb er, anders als Dr. D._, von
einer 60%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen ist. Im Gutachten von Dr. D._ lassen
sich nämlich ebenso wenig Anhaltspunkte dafür finden, dass die rechte Hand der
Beschwerdeführerin früher stärker eingeschränkt gewesen wäre als bei der
Begutachtung durch Dr. K._. Es wäre allenfalls denkbar, dass Dr. K._ die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin höher geschätzt hat, da er ihre
Schulterproblematik - anders als Dr. D._ - nicht mehr als die Arbeitsfähigkeit
einschränkend qualifiziert hat. Andererseits ist den Ausführungen von Dr. K._ nicht zu
entnehmen, weshalb die Beschwerdeführerin in einer rücken- und handadaptierten
Tätigkeit überhaupt zu 40% eingeschränkt sein sollte. Grundsätzlich wäre doch
vielmehr davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer Tätigkeit, die ihren
körperlichen Einschränkungen und damit insbesondere der eingeschränkten
Einsatzfähigkeit der rechten Hand optimal Rechnung trägt, zu 100% arbeitsfähig ist.
Den Ausführungen von Dr. K._ sind denn auch keine Hinweise auf eine
Verlangsamung oder einen erhöhten Pausenbedarf zu entnehmen, die auch in einer
adaptierten Tätigkeit zu einer Verminderung der Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer
Sicht führen könnten. Damit erweist sich auch das Ergebnis der rheumatologischen
Begutachtung als nicht überwiegend wahrscheinlich richtig.
2.5 Zusammenfassend kann nicht auf das Gutachten des asim abgestellt werden. Der
massgebliche Sachverhalt ist somit nicht mit dem nötigen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Da die Beschwerdegegnerin und nicht das
Versicherungsgericht gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG mit der Sachverhaltsermittlung
betraut ist, ist die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Dafür hat diese, da bereits einige Zeit vergangen ist und neue
medizinische Berichte vorliegen (vgl. act. G 11, 12, 15, 17, 19, 21, 23, 25), erneut eine
interdisziplinäre Begutachtung durchzuführen. Dabei hat sie auch die Notwendigkeit
einer neurochirurgischen Begutachtung zu prüfen (act. G 4.1) und darauf zu achten,
dass insbesondere im Rahmen des psychiatrischen Gutachtens keine sprachlichen
Barrieren die Exploration behindern.
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2.6 Sollte die erneute Begutachtung ergeben, dass die Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin ein rentenrelevantes Ausmass einnimmt, wäre im Rahmen des
Grundsatzes "Eingliederung vor Rente" zu prüfen (vgl. dazu UELI KIESER, ATSG-
Kommentar,
3. Auflage 2015, Vorbemerkungen, Rz. 81 ff.), ob die Beschwerdeführerin nicht
allenfalls umgeschult werden könnte. Auch wenn die Beschwerdeführerin nur sehr
schlecht Deutsch spricht und versteht, nie eine Berufsausbildung absolviert hat und in
der Vergangenheit ausschliesslich als ungelernte Näherin gearbeitet hat (vgl. IV-act.
145 S. 4, 212, 215 S. 45), könnte sie über besondere Fähigkeiten oder eine spezielle
Begabung verfügen, die eine Umschulung in einen Beruf zuliessen, in dem das
Lohnniveau deutlich über demjenigen einer durchschnittlichen Hilfsarbeiterin läge. Die
Beschwerdegegnerin wird also zumindest eine berufsberaterische Abklärung
durchführen müssen.
3.
3.1 Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass das versicherte Risiko
bzw. der Schaden, der durch die Invalidenrente gedeckt wird, die Invalidität, also der
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 8 ATSG i.V.m. Art.
7 Abs. 1 ATSG), ist. Versichertes Gut ist somit die Erwerbsfähigkeit und nicht das
konkrete Erwerbseinkommen einer versicherten Person. Da die Beschwerdeführerin,
die als Näherin ein unterdurchschnittliches Einkommen erzielt hat, ohne Weiteres fähig
gewesen wäre, eine durchschnittlich entlöhnte Hilfsarbeit auszuführen, wenn ihr der
konkrete Arbeitsmarkt die entsprechende Möglichkeit geboten hätte, entspricht ihr
Valideneinkommen nicht dem Einkommen als Näherin, sondern dem
Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiterinnen.
3.2 Dieses Hilfsarbeiterinneneinkommen müsste auch bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens als Grundlage dienen. Bei diesem Einkommen handelt es sich
um einen Wert, bei dessen statistischer Ermittlung stets von dem Einkommen gesunder
Arbeitnehmer ausgegangen wird. Sollte sich also ergeben, dass die
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
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ist, müsste berücksichtigt werden, dass ihre Leistungsfähigkeit nicht derjenigen einer
gesunden Hilfsarbeiterin entsprechen würde. Diesem Umstand müsste bei der
Invaliditätsbemessung mit einem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung getragen werden
(vgl. BGE 126 V 75). Vorliegend würde sich ein betriebswirtschaftlich-ökonomisch
denkender und selbst den Zwängen der freien Marktwirtschaft unterliegender
potentieller Arbeitgeber aufgrund des Alters der Beschwerdeführerin mit hohen
Sozialversicherungsbeiträgen konfrontiert sehen. Ausserdem könnte er der
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit und ihres
Belastungsprofils keine Überstunden zumuten. Er könnte sie auch nicht flexibel im
Betrieb einsetzen. Ein betriebswirtschaftlich-ökonomisch sinnvolles Verhalten müsste
also darin bestehen, der Beschwerdeführerin einen unter dem Zentralwert liegenden
Bruttolohn zu bezahlen, weshalb ein Tabellenlohnabzug von mindestens 10%
vorzunehmen wäre.
4.
4.1 Da der Sachverhalt in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
unvollständig abgeklärt worden ist, ist die angefochtene Verfügung vom 16. Oktober
2014 in teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Die Sache ist zur weiteren
Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur anschliessenden Neuverfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Bei einer einzelrichterlichen Beurteilung
erweist sich praxisgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- als angemessen. Die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung ist als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten (BGE 132 V 215
E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
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weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten
ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter hat keine Honorarnote
eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint aufgrund des doppelten
Schriftenwechsels, der Einholung der Stellungnahmen von Dr. H._ und Dr. I._ zum
asim-Gutachten und der zahlreichen zusätzlich eingereichten Arztberichte eine leicht
überdurchschnittliche Parteientschädigung von Fr. 3'800.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.