Decision ID: a1bf370c-f064-4447-bdca-43de126e75d0
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
D._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kaspar Noser, Marktstrasse 2, Postfach,
8853 Lachen SZ,
gegen
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Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV (Anpassung und Rückforderung)
Sachverhalt:
A.
A.a D._ meldete sich am 10. Februar 2003 zum Bezug einer Ergänzungsleistung zur
Invalidenrente an. Auf die Frage der EL-Durchführungsstelle, warum seine Ehefrau
keiner Erwerbstätigkeit nachgehe, gab er am 12. Mai 2003 u.a. an, seine Ehefrau habe
gesundheitliche Probleme. Dr. med. A._ berichtete am 21. August 2003, die Ehefrau
des Versicherten habe Bauchbeschwerden, die wahrscheinlich funktioneller Natur
seien, und Rückenbeschwerden. Er empfahl eine psychiatrische Abklärung. Im Rahmen
eines Revisionsverfahrens gab Dr. med. A._ am 1. März 2004 an, die Arbeitsfähigkeit
der Ehefrau des Versicherten betrage 40-50%. Es sollte eine Abklärung durch einen
Rheumatologen oder durch eine qualifizierte Stelle erfolgen, um so die genaue
Arbeitsunfähigkeit zu ermitteln. Die EL-Durchführungsstelle stützte sich auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. A._, unterliess also die empfohlene
spezialärztliche Begutachtung. Sie rechnete dem Versicherten ein hypothetisches
Erwerbseinkommen seiner Ehefrau an. Am 1. Dezember 2004 meldete sich die Ehefrau
des Versicherten zum Bezug einer eigenen Invalidenrente an. Dr. med. A._ berichtete
der IV-Stelle am 17. Dezember 2004, auch in einer körperlich leichten, vorwiegend
sitzend auszuübenden Erwerbstätigkeit sei die Ehefrau des Versicherten nur zu 50%
arbeitsfähig. Sie leide an einem Verdacht auf eine Fibromyalgie, an chronischen
rezidivierenden Bauchschmerzen, an einem Verdacht auf eine Depression und an
Adipositas. Das Spital Linth hatte am 4. Mai 2004 eine psychiatrische Begutachtung
empfohlen. Die IV-Stelle qualifizierte die Ehefrau des Versicherten als reine Hausfrau.
Gestützt auf das Ergebnis der Haushaltabklärung wies sie das Rentenbegehren ohne
weitere medizinische Abklärung ab.
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A.b Am 23. Februar 2006 sprach die IV-Stelle dem Versicherten rückwirkend ab 1.
Oktober 2003 eine höhere Invalidenrente zu. Dies führte zu einer Korrektur der EL-
Anspruchsberechnung ab 1. Oktober 2003. Die entsprechende Verfügung wurde vom
Versicherten mit der Begründung angefochten, im IV-Verfahren sei klar und deutlich
festgehalten worden, dass seine Ehefrau nicht erwerbsfähig sei. Die EL-
Durchführungsstelle wies die Einsprache am 31. März 2006 ab. Sie betrachtete die
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens im Ausmass von 40% des
statistischen Durchschnittslohns als gerechtfertigt. Der Versicherte erhob Beschwerde
gegen diesen Einspracheentscheid. In seinem (rechtskräftigen) Urteil vom 23. Januar
2007 vertrat das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Auffassung, es wäre
der Ehefrau des Versicherten in familiärer und arbeitsmarktlicher Hinsicht möglich
gewesen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In bezug auf die gesundheitliche
Situation bzw. die Arbeitsfähigkeit habe sich die EL-Durchführungsstelle auf das
Abklärungsergebnis im IV-Verfahren abgestützt, obwohl sich dieses Verfahren auf die
Einholung eines Berichts von Dr. med. A._ und auf eine Haushaltsabklärung
beschränkt habe. Dr. med. A._ habe zwar eine präzise Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben, aber er habe sich dabei teilweise auf Verdachtsdiagnosen und auf die
Schmerzangaben der Ehefrau des Versicherten gestützt. Die früher von Dr. med. A._
vorgeschlagene psychiatrische und rheumatologische Abklärung sei unterblieben. Es
fehle deshalb eine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung, so dass die Frage, ob die
Ehefrau des Versicherten in der Lage sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, nicht
beantwortet werden könne. Das Versicherungsgericht wies die Sache zur Abklärung
der Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Versicherten an die EL-Durchführungsstelle
zurück. Es hielt dazu folgendes fest: "Da die Gesundheitsbeeinträchtigung mehrere
medizinische Fachgebiete betrifft, wird die Beschwerdegegnerin eine polydisziplinäre
Begutachtung anordnen müssen" (Urteil vom 23. Januar 2007, Erw. II/2c a.E.).
B.
Die EL-Durchführungsstelle legte Dr. med. A._ am 26. März 2007 verschiedene
Fragen zur Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Versicherten vor. Dr. med. A._ gab am
25. Juni 2007 an, er schätze die aktuelle Arbeitsfähigkeit auf 50%. Im übrigen verweise
er auf seine früheren Berichte. Die Ehefrau des Versicherten klage seit mehreren Jahren
über Schmerzen in verschiedenen Körperteilen, die täglich in unterschiedlicher Stärke
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aufträten. Es sei noch keine konkrete Ursache gefunden worden. Zu den
differentialdiagnostischen Überlegungen verwies Dr. med. A._ auf verschiedene
medizinische Berichte, die er in Kopie beilegte. Er führte weiter aus, die Ehefrau des
Versicherten ermüde sehr schnell und fühle sich nicht im Stande, irgendeiner
ausserhäuslichen Tätigkeit nachzugehen. Körperlich leichte, vorwiegend sitzende
Arbeiten ohne abrupte Bewegungen seien während ca. vier Stunden täglich zumutbar.
Ungünstig seien rückenbelastende Arbeiten und Arbeiten in einem höheren
Arbeitstempo. Das Spital Linth hatte in einem Bericht vom 4. Mai 2004 an Dr. med.
A._ die Diagnose eines Verdachts auf eine Fibromyalgie angegeben und als
Differentialdiagnose eine Depression und eine somatoforme Reaktion bei
psychosozialer Belastungssituation genannt. Es hatte darauf hingewiesen, dass die
depressive Stimmungslage der Ehefrau des Versicherten auffallend gewesen sei,
weshalb eine psychiatrische Beurteilung empfehlenswert sei. Dr. med. B._,
Rheumatologie und Innere Medizin FMH, hatte Dr. med. A._ am 25. April 2007
berichtet, es bestehe ein Verdacht auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
und auf eine depressive Entwicklung. Am 1. Juni 2007 hatte Dr. med. B._ ergänzend
berichtet, aus rheumatologischer Sicht sei zur Durchführung einer
physiotherapeutischen Behandlung eine 25%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
vertretbar. In einem stationären Rahmen könnte in Zusammenarbeit mit einem
Psychiater evaluiert werden, in welchem Ausmass eine allfällige Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht vorliege.
C.
Die EL-Durchführungsstelle erfuhr am 20. Juli 2007, dass dem Versicherten eine Rente
der Pensionskasse ausgerichtet wurde. Die Anrechnung dieser Rente führte (unter
Berücksichtigung des weiterhin berücksichtigten hypothetischen Erwerbseinkommens
der Ehefrau des Versicherten) zu einem Einnahmenüberschuss und damit zu einer
Einstellung der laufenden Ergänzungsleistung. Die entsprechende Verfügung erging am
6. August 2007. Das RAV Rapperswil-Jona berichtete der EL-Durchführungsstelle am
6. August 2007, die Ehefrau des Versicherten könnte ihre Arbeitsfähigkeit nicht
verwerten, da Analphabeten praktisch keine Chance auf eine unbefristete Anstellung
hätten. Die Arbeitgeber bevorzugten deutschsprachige Europäerinnen, die eine hohe
Leistungsbereitschaft und einen guten Schulrucksack mitbrächten. Zudem sei die
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Mobilität von Analphabeten eingeschränkt. Der einzige Betrieb in der Region, der
Personen wie die Ehefrau des Versicherten einsetze, verlange einen
Beschäftigungsgrad von 100%. In den Branchen Reinigung und Gastronomie (Küche)
könne die Ehefrau des Versicherten aufgrund ihrer Behinderung nicht eingesetzt
werden. Mit einer Verfügung vom 17. August 2007 trug die EL-Durchführungsstelle
dem Ergebnis ihrer Abklärungen Rechnung, indem sie den EL-Anspruch ab Oktober
2003 neu berechnete. Dabei berücksichtigte sie nicht nur die Erhöhung der
Invalidenrente und den erst kürzlich bekannt gewordenen Bezug einer
Pensionskassenrente, sondern auch (ab Juli 2004) wieder das bereits früher
berücksichtigte hypothetische Erwerbseinkommen der Ehefrau des Versicherten. Sie
begründete letzteres damit, dass gemäss dem Zeugnis von Dr. med. A._ vom 25.
Juni 2007 eine Arbeitsfähigkeit von 50% bestehe und dass die Arbeitsmarktlage im
Jahr 2004 die Ausübung einer leichten Hilfsarbeit erlaubt hätte. Ab September 2005
überstiegen die anrechenbaren Einnahmen die anerkannten Ausgaben. Der
Einnahmenüberschuss war aber tiefer als das angerechnete hypothetische
Erwerbseinkommen der Ehefrau des Versicherten. Ohne dieses hypothetische
Erwerbseinkommen hätte also ein Ausgabenüberschuss resultiert, d.h. es hätte ein
Anspruch auf eine Ergänzungsleistung bestanden. Die Neuberechnung ergab eine
Rückforderung von Fr. 24'162.-, mit welcher die EL-Nachzahlung für Oktober bis
Dezember 2003 und die IV-Rentennachzahlung verrechnet wurden. In einem
Begleitschreiben zu dieser Verfügung führte die EL-Durchführungsstelle aus, aufgrund
des Einnahmenüberschusses sei auf die Abklärung der wirtschaftlichen Verhältnisse
des Sohnes L. zwischen August 2006 (Ausbildungsende) und April 2007 (18. Altersjahr)
verzichtet worden.
D.
Der Versicherte erhob am 18. Februar 2008 Einsprache gegen die Verfügung vom
17. Januar 2008. Er beantragte deren Aufhebung und die weitere Abklärung durch eine
polydisziplinäre medizinische Begutachtung seiner Ehefrau. Er begründete dies
sinngemäss damit, dass das Versicherungsgericht im Urteil vom 23. Januar 2007 die
Durchführung einer polydisziplinären Begutachtung angeordnet habe. Die in den Akten
liegenden Arztberichte seien keine medizinischen Gutachten. Zur psychiatrischen
Problematik enthielten sie keine fachspezifischen Feststellungen, die verwendbar
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wären. Dr. med. A._ sei weder Psychiater noch Rheumatologe, so dass nicht auf
seine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgestellt werden könne. Zudem hätte gemäss der
Auskunft des RAV gar keine passende Arbeitsstelle gefunden werden können.
E.
Die EL-Durchführungsstelle setzte in ihrem Einspracheentscheid vom 8. Mai 2008 die
Rückforderung auf Fr. 23'298.- herab. Im übrigen wies sie die Einsprache ab. Sie
begründete diese Reduktion damit, dass der Versicherte nicht über Vermögen verfügt
habe, so dass kein Vermögensertrag berücksichtigt werden dürfe. In bezug auf die
Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Versicherten machte die EL-
Durchführungsstelle geltend, Dr. med. A._ habe anders als Dr. med. B._ nicht eine
isolierte rheumatologische Betrachtung vorgenommen. Er habe vielmehr die
Gesamtsituation unter Berücksichtigung der psychischen Situation beurteilt. Es sei
davon auszugehen, dass Dr. med. A._ als Allgemeinpraktiker über hinreichende
Fachkenntnisse der Psychiatrie verfüge, um die psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit
der Ehefrau des Versicherten kompetent beurteilen zu können, zumal er eine Therapie
mit Antidepressiva durchführe. Es sei nachvollziehbar, dass er die Arbeitsunfähigkeit im
Sinne einer Gesamtbetrachtung höher einschätze als die Rheumatologin. Der Bericht
von Dr. med. A._ erfülle die Anforderungen an eine medizinische
Beurteilungsgrundlage. Das Bundesgericht akzeptiere praxisgemäss Zeugnisse
behandelnder Ärzte als Grundlage der Arbeitsfähigkeitsschätzung und damit der
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens. Das "EL-Recht" beschränke
die Pflicht zur Arbeitssuche nicht auf Personen mit optimaler Vermittelbarkeit. Es sei
zumutbar, intensiv und über lange Zeit eine Stelle zu suchen. Die natürliche Fluktuation
auf dem Arbeitsmarkt mache es möglich, dass auch eine schwer vermittelbare Person
früher oder später eine Stelle finde. Vor diesem Hintergrund vermöchten die Angaben
des RAV vom 6. August 2007 nicht zu überzeugen. Diese Angaben seien ohnehin
praxisgemäss nicht von massgebender Bedeutung. Es sei davon auszugehen, dass die
Ehefrau des Versicherten rechtzeitig eine Arbeitsstelle gefunden hätte, wenn sie sich
ernsthaft darum bemüht hätte. Korrekt wäre ein hypothetisches
Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 19'434.-. Zugunsten des Versicherten werde aber für
Juli 2004 bis Juli 2007 ein leicht tieferes hypothetisches Bruttoerwerbseinkommen von
Fr. 18'336.- belassen.
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F.
Der Versicherte erhob am 29. Mai 2007 Beschwerde gegen diesen
Einspracheentscheid. Er beantragte dessen Aufhebung verbunden mit der Anweisung
an die EL-Durchführungsstelle, weitere Abklärungen im Sinne des Urteils vom 23.
Januar 2007 vorzunehmen und dann neu zu entscheiden. Er machte geltend, die EL-
Durchführungsstelle habe zum Ausdruck gebracht, dass die vorhandenen
medizinischen Unterlagen einem polydisziplinären Gutachten gleichkämen und deshalb
ausreichten. Das sei falsch, denn die Pflicht zur polydisziplinären Begutachtung ergebe
sich direkt aus dem Dispositiv des Urteils vom 23. Januar 2007. Das Unterlassen einer
polydisziplinären Begutachtung sei deshalb ohne weiteres rechtswidrig. Wenn es
zulässig wäre, sich über eine richterliche Weisung hinwegzusetzen, wäre ein
obsiegender Beschwerdeentscheid belanglos. Die EL-Durchführungsstelle sei also
nicht befugt gewesen, von einer polydisziplinären Begutachtung abzusehen. Im übrigen
habe ein polydisziplinäres Gutachten eine gesteigerte Aussage- und Beweiskraft. Es
sei eine blosse Behauptung der EL-Durchführungsstelle, dass Dr. med. A._, der nicht
Psychiater sei, über hinreichende psychiatrische Fachkenntnisse verfüge. Die EL-
Durchführungsstelle habe somit zu Unrecht an ihrer Auffassung, seine Ehefrau sei zu
50% arbeitsfähig, festgehalten.
G.
Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 6. Juni 2008 die Abweisung der
Beschwerde.

Erwägungen:
1.
1.1 In dem von der Beschwerdegegnerin bereits genannten Urteil vom 6. Februar
2008 (8C_172/2007) hat das Bundesgericht die Auffassung vertreten, es bestehe eine
Bindung der EL-Organe an die Invaliditätsbemessung durch die IV und diese Bindung
umfasse auch die Einstufung der betreffenden Person als ganzerwerbstätig,
teilerwerbstätig oder nicht erwerbstätig (vgl. die Erw. 6.1 dieses Bundesgerichtsurteils).
Wäre diese Auffassung des Bundesgerichts richtig, dürfte dem Beschwerdeführer an
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sich kein hypothetisches Erwerbseinkommen seiner Ehefrau angerechnet werden,
denn die IV-Stelle hat sie als "Nur-Hausfrau" qualifiziert. Demnach müsste die Ehefrau
des Beschwerdeführers auch bei einer EL-rechtlichen Betrachtung keiner
Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Abweisung des Rentengesuchs der Ehefrau des
Beschwerdeführers datiert vom 17. Oktober 2005. Sie ist also vor dem Erlass jener
Verfügung der Beschwerdegegnerin ergangen, die zum Urteil des
Versicherungsgerichts vom 23. Januar 2007 Anlass gegeben hat. In diesem Urteil hat
das Versicherungsgericht in bezug auf die Frage nach einem allfälligen hypothetischen
Erwerbseinkommen nicht auf die IV-rechtliche Qualifikation der Ehefrau des
Beschwerdeführers als nichterwerbstätig abgestellt, sondern es ist davon
ausgegangen, dass es der Ehefrau des Beschwerdeführers grundsätzlich (d.h. in
Abhängigkeit von der noch zu ermittelnden Arbeitsfähigkeit) zumutbar sei, ganztags
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Es hat die Ehefrau des Beschwerdeführers also
EL-rechtlich als grundsätzlich vollerwerbstätig qualifiziert. Da das Urteil vom 23. Januar
2007 über diesen Teil der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts nach Art. 3c Abs. 1
lit. g i.V.m. Art. 3c Abs. 1 lit. a ELG (in der bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung)
rechtskräftig entschieden hat, besteht vorliegend keine Möglichkeit, auf diese Frage
zurückzukommen und mit dem Argument auf die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens zu verzichten, die Ehefrau des Beschwerdeführers sei von der IV-
Stelle als nichterwerbstätig qualifiziert worden und müsste deshalb - trotz Zumutbarkeit
und allfälliger Arbeitsfähigkeit - keiner Erwerbstätigkeit nachgehen.
1.2 Zum selben Ergebnis würde man gelangen, wenn die Frage nach einem allfälligen
hypothetischen Erwerbseinkommen der Ehefrau des Beschwerdeführers umfassend,
d.h. in allen Teilen ohne Bindung an das Urteil vom 27. Januar 2007 zu beantworten
wäre. Die oben dargestellte Rechtsauffassung des Bundesgerichts trifft nämlich in
zweifacher Hinsicht nicht zu. Zum einen hat die IV-rechtliche Qualifikation einer in ihrer
Gesundheit beeinträchtigten Person als vollerwerbstätig, teilerwerbstätig oder
nichterwerbstätig nur einen Zweck, nämlich die Wahl der richtigen Methode zur
Bemessung des Invaliditätsgrades. Gefragt wird dabei nicht nach der realen Situation
der in der Gesundheit beeinträchtigten Person, sondern nach der fiktiven Situation
ohne die - effektiv bestehende - Gesundheitsschädigung. Die IV-Stelle fragt also nicht,
ob es trotz der Gesundheitsschädigung zumutbar sei, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen, sondern sie fragt nach der fiktiven Erwerbssituation ohne die
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Gesundheitsschädigung. Da es sich um eine völlig fiktive Situation handelt, kann die
Antwort auf die von der IV-Stelle gestellte Frage offensichtlich nicht auch die Antwort
auf die EL-spezifische Frage sein. EL-rechtlich geht es nämlich nicht um eine fiktive
Situation ohne die Gesundheitsschädigung, sondern um die reale Situation unter
Einbezug der Gesundheitsschädigung. Fingiert wird EL-rechtlich nur die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit, nicht das Fehlen einer Gesundheitsschädigung. Ausserdem ist
EL-rechtlich, anders als bei der Auswahl der richtigen Methode zur Bemessung des
Invaliditätsgrades, das Zumutbarkeitskriterium von ausschlaggebender Bedeutung. Es
wird gefragt, ob es zumutbar sei, trotz der real bestehenden Gesundheitsschädigung
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Da die EL-rechtliche Fragestellung also eine völlig
andere ist als die IV-rechtliche, kann die Antwort im IV-Verfahren entgegen der
Auffassung des Bundesgerichts nicht auch im EL-Verfahren massgebend sein. Es ist
deshalb für das EL-Verfahren irrelevant, dass die IV-Stelle die Ehefrau des
Beschwerdeführers als - fiktiv - nichterwerbstätig qualifiziert hat.
1.3 Zum anderen ist zu berücksichtigen, dass es bei Personen, die in die
Anspruchsberechnung der versicherten Person einbezogen sind, für die Frage nach
einem trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung zumutbaren Erwerbseinkommen keine
Bindung an die Invaliditätsbemessung durch die IV-Stelle geben kann. Für eine
derartige Ausnahme von der Pflicht der EL-Durchführungsstellen, den massgeblichen
Sachverhalt selbst umfassend abzuklären, fehlt eine positivrechtliche Grundlage. Art.
14a Abs. 2 ELV, der (nach einer in der Lehre als wenig überzeugend betrachteten
Rechtsprechung, vgl. Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht
Bd. XIV Soziale Sicherheit, Ralph Jöhl und Patricia Usinger-Egger,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, S. 1767f. Rz. 191) eine solche Bindungswirkung
bzw. Aufhebung der Untersuchungspflicht anordnet, bezieht sich nur auf die invaliden
EL-Ansprecher und nicht auch auf die in die Anspruchsberechnung einzubeziehenden
Personen. Zwar würde der Wortlaut des Art. 14a Abs. 1 ELV auch eine Anwendung auf
die in die Anspruchsberechnung einzubeziehenden Personen erlauben, aber mit einer
derart weiten Interpretation entstünde die dringende Gefahr einer rechtsungleichen
Behandlung. Bei invaliden in die Anspruchsberechnung einzubeziehenden Personen,
deren Invalidenrentengesuch rechtskräftig behandelt oder zumindest noch hängig
wäre, müsste der Entscheid der IV-Stelle auch für den Entscheid über das EL-Gesuch
massgebend sein, ohne dass der EL-Ansprecher sich dagegen zur Wehr setzen könnte
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(bzw. sich im IV-Verfahren hätte zur Wehr setzen können, da er dort nicht zur
Anfechtung legitimiert war). Bei invaliden in die Anspruchsberechnung
einzubeziehenden Personen, die kein Gesuch um eine Invalidenrente gestellt hätten,
könnte sich der EL-Ansprecher mit der EL-Durchführungsstelle
oder später mit der Rechtsmittelinstanz über die Frage der Zumutbarkeit einer
Erwerbstätigkeit auseinandersetzen. Beachtet man zusätzlich, dass das Kriterium des
Invaliditätsgrades in vielen Fällen untauglich ist, um den Betrag des zumutbaren
hypothetischen Erwerbseinkommens zu ermitteln (vgl. das Beispiel des
behinderungsbedingt nur noch als Hilfsarbeiter einsatzfähigen, dort aber zu 100%
arbeitsfähigen Arztes bei Ralph Jöhl und Patricia Usinger-Egger, a.a.O., S. 1769 Fn.
643), so kann Art. 14a Abs. 2 ELV bei einer dem Untersuchungsgrundsatz Rechnung
tragenden Interpretation nur den invaliden EL-Ansprecher selbst meinen.
2.
2.1 Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat nur dann im Sinne von Art. 3c Abs. 1 lit. g
i.V.m. Art. 3c Abs. 1 lit. a ELG (in der bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung) auf
die Erzielung eines Erwerbseinkommens verzichtet, wenn ihr im massgebenden
Zeitraum trotz ihrer Gesundheitsbeeinträchtigung die Ausübung einer Erwerbstätigkeit
möglich gewesen ist. In jenem Verwaltungsverfahren, das mit der Verfügung vom 23.
Februar 2006 abgeschlossen worden ist und das Gegenstand des Urteils des
Versicherungsgerichts vom 23. Januar 2007 gebildet hat, hat sich die
Beschwerdegegnerin zur Beantwortung der Frage nach einem allfälligen
Einkommensverzicht der Ehefrau des Beschwerdeführers ausschliesslich auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. A._ gestützt, obwohl dieser am 21. August
2003 eine psychiatrische und am 1. März 2004 eine rheumatologische Abklärung
empfohlen hatte. Das Versicherungsgericht ist in seinem Urteil vom 23. Januar 2007
davon ausgegangen, dass die Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers
unzureichend abgeklärt, d.h. gestützt auf die Angaben von Dr. med. A._ allein nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sei. Es hat mit seiner
Rückweisung zur weiteren Abklärung des Sachverhalts die genauere Abklärung des
Arbeitsfähigkeitsgrades der Ehefrau des Beschwerdeführers angeordnet. Mit dem
Hinweis auf die Notwendigkeit einer polydisziplinären medizinischen Abklärung als
Grundlage der Arbeitsfähigkeitsschätzung hat das Versicherungsgericht klargestellt,
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dass Dr. med. A._ die notwendigen Fachkenntnisse insbesondere rheumatologischer
und psychiatrischer Art fehlten, so dass er gar nicht in der Lage war, eine
überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben, zumal er dies selbst durch den
Hinweis auf die Notwendigkeit entsprechender fachärztlicher Abklärungen zum
Ausdruck gebracht hatte. Hierin unterscheidet sich der vorliegende Sachverhalt
entscheidend von demjenigen, den das Bundesgericht in seinem bereits mehrfach
genannten Urteil vom 6. Februar 2008 (8C_172/2007) zu würdigen hatte. Die dort
massgebende Arbeitsfähigkeitsschätzung war nicht dadurch in ihrer Beweiskraft
eingeschränkt, dass der sie abgebende Arzt aufgrund fehlender fachärztlicher
Kenntnisse gar nicht in der Lage gewesen wäre, eine überzeugende Schätzung
abzugeben. Jene Arbeitsfähigkeitsschätzung erfüllte in jeder Hinsicht die an eine
medizinische Beurteilungsgrundlage zu stellenden Anforderungen (vgl. die Erw. 8 des
genannten Bundesgerichtsurteils). Dr. med. A._ hingegen hat selbst auf die fehlende
Überzeugungskraft seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung hingewiesen. Entgegen der
Auffassung der Beschwerdegegnerin kann das Bundesgerichtsurteil vom 6. Februar
2008 also nicht so interpretiert werden, dass im Bereich der Ergänzungsleistungen
geringere Anforderungen an die Überzeugungskraft einer ärztlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung zu stellen seien als im Rahmen der Invaliditätsbemessung,
so dass es immer genüge, wenn eine Arbeitsfähigkeitsschätzung des Hausarztes der
betreffenden Person vorliege.
2.2 Die Beschwerdegegnerin hat in dem aufgrund des Rückweisungsentscheides des
Versicherungsgerichts vom 23. Januar 2007 wieder aufgenommenen
Verwaltungsverfahren keine polydisziplinäre medizinische Abklärung des
Gesundheitszustandes der Ehefrau des Beschwerdeführer vornehmen lassen. Sie hat
sich erneut darauf beschränkt, bei Dr. med. A._ eine Arbeitsfähigkeitsschätzung
einzuholen. Zufälligerweise hat Dr. med. A._ kurz vorher eine Fachärztin für
Rheumatologie und innere Medizin beigezogen, so dass er über eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung aus rheumatologischer Sicht verfügt hat. Allerdings hat er in
seinem Bericht vom 25. Juni 2007 nicht erklärt, weshalb die Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Dr. med. B._ (Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 25%, um eine
physiotherapeutische Behandlung zu ermöglichen) dazu führen soll, dass eine
behinderungsadaptierte leichte, vorwiegend sitzend auszuübende Tätigkeit ohne
abrupte Bewegungen und ohne hohes Arbeitstempo von der Ehefrau des
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Beschwerdeführers nur noch während vier Stunden pro Tag soll ausgeführt werden
können. Dr. med. A._ muss die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. B._ durch
eine eigene, weit pessimistischere Arbeitsfähigkeitsschätzung unter Berücksichtigung
auch des rheumatologischen Befundes ersetzt haben, obwohl er nicht über die
entsprechenden fachärztlichen Kenntnisse verfügt. Es fehlt der neuen
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. A._ also trotz der Untersuchung der Ehefrau
des Beschwerdeführers durch Dr. med. B._ nach wie vor eine fundierte
rheumatologische Begründung. Auch in psychiatrischer Hinsicht fehlt der neuen
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. A._ der notwendige Wissens- und
Erfahrungshintergrund. Zwar hat Dr. med. A._ die Ehefrau des Beschwerdeführers
mit Antidepressiva behandelt, aber die Diagnose eines depressiven Zustandsbildes
und eines daraus resultierenden Bedarfs nach einer antidepressiven medikamentösen
Therapie bedeutet noch nicht, dass auch dasjenige fachärztliche Wissen vorhanden
wäre, das eine präzise Diagnosestellung und eine überzeugende
Arbeitsfähigkeitsschätzung aus psychiatrischer Sicht erlauben würde. Wenn Dr. med.
A._, wie die Beschwerdegegnerin behauptet, über ausreichende Kenntnisse und
Erfahrungen in der psychiatrischen Exploration und Behandlung seiner Patienten
verfügen würde, um mit derselben Sicherheit wie ein Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht einschätzen zu können,
dann er hätte nicht im Jahr 2003 eine psychiatrische Abklärung der Ehefrau des
Beschwerdeführers empfohlen, sondern diese Abklärung selbst vorgenommen. Es ist
nicht davon auszugehen, dass sich Dr. med. A._ in der Zwischenzeit zum Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie ausgebildet hätte, so dass er nun neu tatsächlich in
der Lage wäre, eine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung aus psychiatrischer
Sicht abzugeben. Es muss also nach wie vor gelten, dass die Auswirkungen der
Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit auf die Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des
Beschwerdeführers nur durch einen Facharzt mit der erforderlichen Beweiskraft
eingeschätzt werden kann. Daraus folgt, dass die Beschwerdegegnerin es erneut
unterlassen hat, die notwendige polydisziplinäre medizinische Abklärung vornehmen zu
lassen. Die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau des
Beschwerdeführers beruht deshalb erneut auf einem in Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes nicht bis zum Beweisgrad der überwiegenden
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Wahrscheinlichkeit abgeklärten Sachverhalt. Der angefochtene Einspracheentscheid
erweist sich somit als rechtswidrig.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist der Einspracheentscheid vom 8. Mai 2008
aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin wird eine medizinische Abklärung zur
Ermittlung des Arbeitsfähigkeitsgrades der Ehefrau des Beschwerdeführers im
massgebenden Zeitraum vorzunehmen haben, bei der die erforderlichen fachärztlichen
Kenntnisse eingesetzt werden. Ob die Beschwerdegegnerin diese Abklärung durch ein
Sachverständigenteam (z.B. durch eine MEDAS) vornehmen lassen will oder ob sie
einzelne Fachärzte beauftragen will, bleibt ihr überlassen. Auf jeden Fall wird diese
Abklärung alle betroffenen medizinischen Fachgebiete umfassen müssen.
Praxisgemäss ist die Rückweisung zur weiteren Abklärung in bezug auf den Anspruch
auf eine Parteientschädigung als vollumfängliches Obsiegen zu qualifizieren, so dass
ein Anspruch auf eine ungekürzte Entschädigung besteht (vgl. etwa ZAK 1987 S. 266
Erw. 5a). Die Parteientschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Da das
Beschwerdeverfahren nur ein früheres Verfahrens fortgesetzt hat und da sich der Streit
auf die Frage nach der Möglichkeit einer Erwerbstätigkeit und insbesondere auf die
Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers beschränkt hat, ist dem
Beschwerdeführer nur ein weit unterdurchschnittlicher Vertretungsaufwand entstanden.
Dies rechtfertigt es, in Anwendung der gesetzlichen Kriterien von einem Aufwand von
Fr. 2000.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) auszugehen. Die
Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer also mit Fr. 2000.- für seine
Vertretungskosten zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG