Decision ID: 2a45d8b9-bfa4-4236-9d4e-ec4e3acba912
Year: 2016
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

begründenden Sachverhalts Geltung hatte. Bei Neubauten entstehe die
Anschlussgebührenpflicht mit dem direkten oder indirekten Anschluss. Bei
einem Neubau erfolge der "Anschluss" in der Regel im Rahmen der
Baumeisterarbeiten, d.h. im vorderen Drittel bzw. in der vorderen Hälfte
der Bauarbeiten und damit lange vor Bauvollendung. Die massgeblichen
Sachverhaltselemente seien Baubewilligung, Baubeginn und Anschluss.
Diese Grundsätze würden keine unmittelbare Anwendung finden, wenn
es um nachträgliche Umbauten gehe. Jedoch müssten dieselben
Tatbestandselemente massgebend sein. Vorliegend finde kein neuer
Anschluss statt, da dieser bereits bestehe. Daher löse der Baubeginn die
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Anschlussgebühr aus. Die Ansicht der Beschwerdeführer, wonach die
streitigen Gebührennachforderungen erst im Zeitpunkt der Bauvollendung
bzw. nach Eingang der amtlichen Schätzung entstanden seien, sei zu
verneinen. So halte auch das Bundesgericht fest, dass sich die
rechtlichen Voraussetzungen für die Gebührenerhebung nach dem
Zeitpunkt bestimmen würden, in dem der Anschluss vollzogen werde. Alle
nach diesem Zeitpunkt eingetretenen Sachverhaltsdaten (Bauvollendung,
Bauabnahme, amtliche Schätzung, etc.) seien nicht massgebend (BGE
103 Ia 26, S. 29).
9. In ihrer Replik machen die Beschwerdeführer noch geltend, dass bei der
nachträglichen Anschlussgebühr der aus den baulichen Änderungen
entstandene Mehrwert belastet werde. Es könne nur etwas mit einer
Gebühr belastet werden, was vorhanden sei. Dieser Mehrwert entstehe
erst mit der Vollendung des Bauwerks; bei Erteilung der Baubewilligung
oder bei Baubeginn seien diese Werte auf den jeweiligen Grundstücken
noch nicht realisiert worden.
10. In ihrer Duplik unterstreicht die Beschwerdegegnerin nochmals, dass der Zeitpunkt der Bauvollendung bzw. der darauf folgende amtliche
Schätzwert nur für die Bestimmung des Umfangs der Abgabe relevant
sei, nicht hingegen für die Begründung der Abgabepflicht.
Auf die weiteren Vorbringen und Argumente der Parteien wird, soweit
erforderlich, im Rahmen der Erwägungen noch eingetreten.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Nach Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen
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Entscheide von Gemeinden, soweit diese nicht bei einer anderen Instanz
angefochten werden können oder nach kantonalem oder
eidgenössischem Recht endgültig sind. Der angefochtene
Einspracheentscheid vom 16. März 2015, mit welchem die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführer definitiv mit
Anschlussgebühren für die im Jahre 2014 getätigten Umbau- und
Sanierungsarbeiten auf ihren Grundstücken (Parzelle 346 und 2476)
veranlagte, ist weder endgültig noch kann er bei einer anderen Instanz
angefochten werden. Der angefochtene Entscheid stellt damit ein
taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Als Adressaten des
Entscheids sind die Beschwerdeführer berührt und weisen ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung auf (Art. 50 VRG). Auf
die zudem frist- und formgerecht eingereichte(n) Beschwerde(n) vom 23.
April 2015 ist daher einzutreten.
b) Gestützt auf Art. 6 lit. a VRG sind die beiden Beschwerdeverfahren A 15
22 und A 15 23 zum gleichen Rechtsgegenstand vom Instruktionsrichter
am 2. Juni 2015 verfahrensrechtlich vereinigt worden, weshalb sie nun
auch in einem Urteil materiell behandelt und entschieden werden können
(s. dazu bereits im Sachverhalt Ziff. 1, hiervor).
c) Beschwerdethema ist vorliegend einzig die Frage nach dem
anwendbaren Recht für die Erhebung der definitiven Anschlussgebühren
für die Wasser- und Abwasserentsorgung, zumal die provisorischen
Anschlussgebühren über Fr. 426‘500.-- für die Gesamtüberbauung von
Fr. 10 Mio. schon bezahlt worden sind (Sachverhalt Ziff. 5). Während die
Beschwerdegegnerin die Anschlussgebühren gestützt auf Art. 40 ff. des
Wasserversorgungsgesetzes (WVG) vom 26. März 2006 und auf Art. 38
ff. des Abwasserentsorgungsgesetzes (AbwG) vom 26. März 2006
festgesetzt hat, verlangen die Beschwerdeführer die Anwendung der
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beiden am 3. März 2013 revidierten Wasserversorgungs- und
Abwasserentsorgungsgesetze (WVG/AbwG), die zeitgleich am 1. Juli
2013 in Kraft gesetzt wurden. Der Unterschied zwischen den
Gesetzestexten besteht darin, dass das bisherige Recht (gültig bis 30.
Juni 2013) Anschlussgebühren auch auf Umbauten vorsah, die keinen
Einfluss auf das Volumen des Gebäudes hatten; während das neue Recht
(Version gültig ab 1. Juli 2013) vorsieht, dass nachträgliche
Anschlussgebühren bei Umbauten und Renovationen nur geschuldet
sind, sofern sich das Gebäudevolumen ebenfalls verändert. Anzumerken
bleibt noch, dass das neue Recht keine Übergangsbestimmung für die
Regelung allfälliger Konfliktsituationen enthält. Die Streitfrage des hier
anwendbaren Rechts ist somit anhand des Wortlauts der einzelnen
Bestimmungen und des konkret zu beurteilenden Sachverhalts zu
beantworten, zumal verschiedene Anknüpfungspunkte für die Erhebung
der strittigen Anschlussgebühren denkbar sind, so z.B. der Zeitpunkt für
die Erteilung der Baubewilligung, des Baubeginns, des Bauabschlusses,
der Bauabnahme oder der amtlichen Schätzung des geschaffenen
Mehrwerts am Gesamtobjekt. Genau diesen korrekten Zeitpunkt für die
Festlegung der Fälligkeit der strittigen Anschlussgebühren gilt es
nachfolgend zu klären und zu entscheiden.
2. a) Ausgangspunkt für die materielle Beurteilung des Falles müssen die
einschlägigen Gesetzesbestimmungen der vier möglicherweise zur
Anwendung gelangenden Wasserversorgung- und
Abwasserentsorgungsgesetze der Beschwerdegegnerin sein:
Art. 40 Ziff. 1-3 WVG – Anschlussgebühren (Version gültig bis 30. Juni 2013) 1 Für Neubauten und bestehende Bauten, die erstmals an die
Wasserversorgungsanlagen der Gemeinde angeschlossen werden, haben die Grundeigentümer/Innen eine einmalige Anschlussgebühr von 1% des Neuwertes gemäss amtlicher Schätzung zu bezahlen.
2 Erhöht sich durch nachträgliche bauliche Vorkehren der Neuwert gegenüber dem früheren aufgrund des Gebäudeversicherungsindexes angepassten Wert, so ist auf diesen Mehrwert die Anschlussgebühr nachzuzahlen. An-
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und Aufbauten im Sinne von Erweiterungsbauten sowie der Wiederaufbau abgebrochener oder zerstörter Gebäude werden analog behandelt.
3 Jener Teil des Neuwerts, welcher auf unmittelbar der Gewinnung erneuerbarer Energie dienenden Anlagen (ohne Kleinstanlagen wie Cheminées mit Umluftwärmerückgewinnung und dgl.) entfällt, ist von der Anschlussgebühr befreit.
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Art. 43 Ziff. 1-3 WVG – Fälligkeit Anschlussgebühr (Unverändert gültig) 1 Die Anschlussgebühren für Neubauten und nachträgliche bauliche
Veränderungen werden mit dem Baubeginn, jene für bestehende Bauten mit dem Anschluss fällig.
2 Bei grossen Überbauungen mit mehreren Einzelbauten werden die Anschlussgebühren bei Baubeginn der einzelnen Bauetappen fällig.
3 Die provisorisch veranlagten Gebühren sind bei Baubeginn, die übrigen Gebühren innert 60 Tagen seit Zustellung der Rechnung zu bezahlen. Bei verspäteter Zahlung wird ein Verzugszins berechnet.
Art. 38 Ziff. 1-3 AbwG – Anschlussgebühren (Version gültig bis 30. Juni 2013) 1 Für Neubauten und bestehende Bauten, die erstmals an die
Abwasseranlagen der Gemeinde angeschlossen werden, haben die Grundeigentümer/Innen eine einmalige Anschlussgebühr von 3% des Neuwertes gemäss amtlicher Schätzung zu bezahlen.
2 Erhöht sich durch nachträgliche bauliche Vorkehren der Neuwert gegenüber dem früheren aufgrund des Gebäudeversicherungsindexes angepassten Wert, so ist für diesen Wert die Anschlussgebühr nachzuzahlen. An- und Aufbauten im Sinne von Erweiterungsbauten sowie der Wiederaufbau abgebrochener oder zerstörter Gebäude werden analog behandelt.
3 Jener Teil des Neuwerts, welcher auf unmittelbar der Gewinnung erneuerbarer Energie dienenden Anlagen (ohne Kleinstanlagen wie Cheminées mit Umluftwärmerückgewinnung und dgl.) entfällt, ist von der Anschlussgebühr befreit.
Art. 41 Ziff. 1-3 AbwG – Fälligkeit Anschlussgebühren (Unverändert gültig) 1 Die Anschlussgebühren für Neubauten und nachträgliche bauliche
Veränderungen werden mit Baubeginn, jene für bestehende Veränderungen mit dem Abschluss fällig.
2 Bei grossen Überbauungen mit mehreren Einzelbauten werden die Anschlussgebühren bei Baubeginn der einzelnen Bauetappen fällig.
3 Die provisorisch veranlagten Gebühren sind bei Baubeginn, die übrigen Gebühren innert 60 Tagen seit Zustellung der Rechnung zu bezahlen. Bei verspäteter Zahlung wird ein Verzugszins berechnet.
Laut rechtskräftiger Teilrevision des Wasserversorgungs- und
Abwasserentsorgungsgesetzes vom 3. März 2013 wurden nur
nachfolgende Bestimmungen inhaltlich abgeändert und neu wie folgt
formuliert und ergänzt:
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Art. 40 Ziff. 2-4 WVG – Anschlussgebühren (Neuversion gültig ab 1. Juli 2013) 1 [Unverändert] 2 Erhöht sich durch nachträgliche bauliche Vorkehren der Neuwert gegenüber
dem früheren aufgrund des Gebäudeversicherungsindexes angepassten Wert, so sind unter dem Vorbehalt von Abs. 3 und 4 für diesen Mehrwert die Anschlussgebühren nachzuzahlen. Diese Regelung findet bei Wiederaufbauten und Ersatzbauten analog Anwendung.
3 Werden bestehende funktionsfähige Gebäude bei gleichem Volumen und bei gleicher Nutzung renoviert oder umgebaut und resultieren daraus höhere Neuwerte, so entfällt die Nachzahlungspflicht. Werden in diesem Zusammenhang auch Anbauten erstellt, so wird nur deren Neuwert für die Anschlussgebühren erfasst.
4 Generell befreit sind jene Teile von Gebäuden, welche dazu dienen, über die gesetzlichen Vorgaben hinaus Energie einzusparen. Die Werte der befreiten Teile sind vor der definitiven Veranlagung bzw. vor Eingang der amtlichen Schätzung unaufgefordert nachzuweisen.
Art. 38 Ziff. 2-4 AbwG - Anschlussgebühren (Neuversion gültig ab 1. Juli 2013) 1 [Unverändert] 2 Erhöht sich durch nachträgliche bauliche Vorkehren der Neuwert gegenüber
dem früheren aufgrund des Gebäudeversicherungsindexes angepassten Wert, so sind unter dem Vorbehalt von Abs. 3 und 4 für diesen Mehrwert die Anschlussgebühren nachzuzahlen. Diese Regelung findet bei Wiederaufbauten und Ersatzbauten analog Anwendung.
3 Werden bestehende funktionsfähige Gebäude bei gleichem Volumen und bei gleicher Nutzung renoviert oder umgebaut und resultieren daraus höhere Neuwerte, so entfällt die Nachzahlungspflicht. Werden in diesem Zusammenhang auch Anbauten erstellt, so wird nur deren Neuwert für die Anschlussgebühren erfasst.
4 Generell befreit sind jene Teile von Gebäuden, welche dazu dienen, über die gesetzlichen Vorgaben hinaus Energie einzusparen. Die Werte der befreiten Teile sind vor der definitiven Veranlagung bzw. vor Eingang der amtlichen Schätzung unaufgefordert nachzuweisen.
Am Ende des teilrevidierten Wasserversorgung- und
Abwasserentsorgungsgesetzes wurde jeweils unter dem Titel
Übergangsbestimmungen zur Revision bloss noch bestimmt: „Die
Neuregelung der Anschluss- und Benutzungsgebühren gelangt erstmals
per 1. Juli 2013 zur Anwendung.“
Mangels ausdrücklicher Übergangsregelung der hier interessierenden
Streitfrage, ob auf den zu beurteilenden Sachverhalt noch das bis zum
30. Juni 2013 gültige Recht (Meinung Beschwerdegegnerin) oder eben
bereits das neu ab dem 1. Juli 2013 gültige Recht (Meinung
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Beschwerdeführer) zur Anwendung komme, muss diese Frage aufgrund
der allgemein im Verwaltungsrecht gültigen Prinzipien über das jeweils
anwendbare Recht entschieden werden.
b) Das Interesse am Schutz des Vertrauens der Betroffenen auf die
Weitergeltung des bisherigen Rechts und an der Rechtssicherheit wird
am besten gewahrt, wenn das im Zeitpunkt der Einleitung des Verfahrens
geltende Recht angewendet wird (HÄFELIN/ MÜLLER/UHLMANN,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich/St.Gallen 2016, Rz. 292 f.,
S. 68). Gemäss neuerer Rechtsprechung des Bundesgerichts sollen jene
Bestimmungen auf hängige Verfahren Anwendung finden, welche im
Zeitpunkt der Verwirklichung des Sachverhaltes Geltung haben. Dabei sei
nur auf jenen Sachverhalt bzw. Tatbestand abzustellen, der rechtlich zu
würdigen ist oder der zur Rechtsfolge führt (WIEDERKEHR/RICHLI, Praxis
des allgemeinen Verwaltungsrechts, Band 1, Bern 2012, Rz. 777 und 783
mit ausführlichem Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung;
BGE 137 V 105 E.5.3.1 = Pra. 100 [2011] Nr. 110 E.5.3.1; BGE 130 V
329 E.2.2 u. E.2.3 = Pra. 94 [2005] Nr. 95 E.2.2 u. E.2.3; BGE 129 V 1
E.1.2). Eine Ausnahme sei nur zu machen, wenn sich die Anwendung des
neuen Rechts aus zwingenden Gründen – vor allem um der öffentlichen
Ordnung willen – aufdränge, wie das namentlich bei neuen
Bestimmungen im Bereich des Umweltschutzes der Fall ist (BGE 127 II
306 E.7c; BGE 126 II 522 E.3b/aa; BGE 125 II 591 E.5e/aa mit weiteren
Hinweisen). Betreffend die Erhebung von Kanalisationsgebühren hat das
Bundesgericht schon entschieden, dass sich deren rechtliche
Voraussetzungen nach dem Zeitpunkt, in dem der Anschluss vollzogen
wird, bestimmen sollten. Die Entstehung des Anspruchs auf Erhebung der
Anschlussgebühr richtet sich folglich nach der Erfüllung der gesetzlichen
Voraussetzungen (Eintritt des Baubeginns), während die Veranlagung der
Höhe der Anschlussgebühr erst später im Zuge der Vollstreckung der
gesetzlichen Verpflichtung zur Anwendung gelangt (vgl. BGE 103 Ia 26
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E.2). Dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung gilt es auch hier
gebührend Rechnung zu tragen.
c) Bei einem Neubau ist klar, dass der Anschluss vor der Beendigung der
Bauarbeiten erfolgt, noch sicherer vor der Bauabnahme und erst recht
zeitlich vor der Neuschätzung. Massgeblicher Anknüpfungspunkt ist bei
einem Neubau derjenige Zeitpunkt, in dem der Anschluss vollzogen wird
(so BGE 103 Ia 26 E.2). Daran ändert auch nichts, wenn das alte und das
neue Gebührengesetz der Beschwerdegegnerin bei Neubauten für die
Fälligkeit der Forderung auf den Baubeginn abstellen (s. Art. 43 Ziff. 1
WVG bzw. [Unverändert] neu Art. 40 Ziff. 1 WVG; sowie Art. 41 Ziff. 1
AbwG bzw. [Unverändert] neu Art. 38 Ziff. 1 AbwG). Der Grund für die
Festlegung des Fälligkeitszeitpunkts auf den Baubeginn dürfte aber einzig
und allein darin liegen, dass überhaupt eine provisorische Veranlagung
und eine Verzinsung der fälligen Forderung bei Nichtbezahlung der
definitiv festgelegten Anschlussgebühren erfolgen können.
3. a) Im konkreten Fall steht allerdings fest, dass weder auf Parzelle 346
(Sanierungsarbeiten plus Anbau [für Terrasse/Liftschacht]) noch auf
Parzelle 2476 (Totalsanierung Chalet) ein Neubau erfolgt ist, weshalb
auch nicht unbesehen auf den Baubeginn mit dem erstmaligen Anschluss
der erforderlichen Infrastrukturanlagen (für die Frischwasserversorgung
und die Abwasserentsorgung) abgestellt werden kann, sondern
offenkundig auf einen späteren Zeitpunkt im Sinne des "Vollzugs bzw. der
konkreten Gebrauchsfähigkeit der erneuerten und/oder ergänzten
Hausinfrastrukturanlagen" abzustellen ist. Bei einer Renovation wie auch
bei einem Umbau/ Ausbau besteht schon ein Anschluss. Folglich ist hier
festzulegen, in welchem Zeitpunkt genau die Forderung entsteht. Es
bestehen für die Bestimmung des Fälligkeitszeitpunkts verschiedene
denkbare Anknüpfungspunkte, welche es nachfolgend im Detail zu
erörtern und zu prüfen gilt.
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b) Mit Sicherheit kann nicht der Zeitpunkt der Baubewilligung (2009)
massgeblich für die Entstehung der Gebührenforderung sein. Dieser
Zeitpunkt kommt schon deswegen nicht in Frage, weil die Bauherrschaft
unter Umständen trotz Baubewilligung in der Folge auf den Umbau/Anbau
oder die Renovation verzichten kann. Allenfalls wäre es aber denkbar,
dass ein Mehrwert entsteht, für Umbauten im Innern eines Gebäudes, für
welche keine Baubewilligung nötig wäre (z.B. Art. 86 Abs. 2 des
Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden [KRG; BR 801.100]
in Verbindung mit Art. 40 der Raumplanungsverordnung für den Kanton
Graubünden [KRVO; BR 801.110] = nicht bewilligungspflichtige
Bauvorhaben; oder lediglich ‚Meldeverfahren‘ gestützt auf Art. 50/51
KRVO vorgeschrieben). Ein Anknüpfen der Entstehung der
Gebührenforderung an die Baubewilligung würde in solchen Fällen also
schon scheitern, weil gar keine Baubewilligung besteht oder von der
Baubewilligung kein Gebrauch gemacht wird. Dieser Anknüpfungspunkt –
von der Beschwerdegegnerin zunächst im Einspracheentscheid vom 16.
März 2015 noch selbst geltend gemacht – ist in der Praxis offensichtlich
untauglich und deshalb falsch. Zu diesem Schluss ist die
Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 1. Juni 2015 bereits
selber gelangt, da sie darin neuerdings an die letzte Bau-etappe des
Gesamtprojekts (April 2013) anknüpfte. Dieser nachträgliche Wechsel der
Begründung für den massgebenden Zeitpunkt der Entstehung der
Gebührenforderung wird allenfalls bei der Auferlegung der Gerichts- und
Anwaltskosten zu berücksichtigen sein, weil die falsche Begründung im
Einspracheentscheid wohl erst zur Beschwerdeerhebung geführt haben
dürfte; umgekehrt hätte die abgeänderte Begründung in der erwähnten
Vernehmlassung die Beschwerdeführer dazu veranlassen können, ihre
Beschwerden zurückzuziehen. Dieser Ereignis- und Verfahrensablauf
wird bei der Kostenverteilung einzubeziehen sein.
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c) Die Beschwerdeführer machen für ihren Standpunkt insbesondere
geltend, dass der massgebliche Zeitpunkt für die Entstehung der
Gebührenforderung bei Abschluss der Arbeiten bzw. bei der Bauabnahme
oder bei der Neuschätzung anzusiedeln sei. Dieser Argumentation kann
nicht gefolgt werden. Die Neuschätzung ist wesentlicher Bestandteil zur
Ermittlung der effektiven Höhe der geschuldeten Anschlussgebühren. Sie
ist daher die Grundlage, ob die definitive Gebührenrechnung erlassen
werden kann. Die Entstehung der Forderung, welche die Basis für den
Erlass der provisorischen Gebührenrechnung bildet, muss auf der
Zeitachse damit früher angesiedelt werden. Die Beschwerdeführer
vermischen diese unterschiedlichen Anknüpfungspunkte offensichtlich zu
Unrecht.
d) Laut Wortlaut von Art. 43 Ziff. 1 WVG (in Version gültig bis 30. Juni 2013)
bzw. neu Art. 40 Ziff. 1 WVG (Unverändert - Gültig ab 1. Juli 2013) sowie
dem ebenfalls identischen Wortlaut von Art. 41 Ziff. 1 AbwG (alt) bzw. neu
Art. 38 Ziff. 1 AbwG sind die Anschlussgebühren für Neubauten und für
nachträgliche bauliche Veränderungen mit Baubeginn fällig. Wenn nun
also gemäss eindeutiger gesetzlicher Formulierung bei Umbauten die
Anschlussgebühren mit Baubeginn fällig werden, spricht dies durchaus
dafür, dass die Forderung spätestens mit Baubeginn entsteht. Dies gilt
bestimmt für alle Umbauten und Renovationsarbeiten an bereits
bestehenden Gebäuden. Wie bereits erwähnt, wird die Fälligkeit an den
Baubeginn geknüpft, damit eine provisorische Veranlagung erfolgen kann,
was beide Gesetze (WVG und AbwG) der Beschwerdegegnerin
ausdrücklich vorsehen. Ohne Fälligkeit könnte keine provisorische
Rechnung erstellt werden und es würde bei Nichtbezahlung oder bei
verspäteter Bezahlung keine Verzinsung erfolgen. Trotzdem erachtet das
Gericht die Formulierung in den eingangs zitierten Gesetzen als
zusätzliches Argument dafür, dass der Baubeginn als Zeitpunkt der
Entstehung der Gebührenforderung zu gelten hat. Die Tatsache, dass
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erst nach Bauabschluss und Neuschätzung die definitive Veranlagung
erfolgen kann, hat keinen Einfluss auf den Zeitpunkt der Entstehung der
Forderung (siehe E.2b am Ende, hiervor).
e) Wenn bei einem bestehenden, bereits angeschlossenen Gebäude mit
dem Umbau begonnen wird, so entsteht damit folgerichtig auch die
Gebührenforderung. Der sinngemässe Einwand der Beschwerdeführer,
wonach zu diesem Zeitpunkt die Höhe der Forderung noch nicht bekannt
sei, geht fehl. Denn auch bei einem Neubau – wo erst der Anschluss die
Forderung entstehen lässt – ist beim Anschluss noch nicht klar, wie hoch
die Gebühr letztlich sein wird; da beim Anschluss des Gebäudes dasselbe
in der Regel ebenfalls noch nicht fertiggestellt ist.
f) Der Argumentation der Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren –
also in ihrer Vernehmlassung vom 1. Juni 2015 (Abstellen auf Baubeginn
der letzten Ausbauetappe [im April 2013]); nicht aber derjenigen im
Einspracheverfahren (Abstellen auf Erhalt der Baubewilligung [2009]) –
kann infolgedessen zugestimmt werden; bei einem als Einheit zu
betrachtenden Umbau wäre es sogar zulässig auf den Baubeginn der
ersten Etappe abzustellen. Ein anderer Zeitpunkt für die Entstehung der
Leistungspflicht der Anschlussgebühr bei Umbau oder Renovationen von
bestehenden Gebäuden, welche bereits angeschlossen sind bzw. deren
Anschluss schon früher vollzogen wurde, ist nach Ansicht des
streitberufenen Gerichts hingegen – ohne ausdrückliche gesetzliche
Regelung – nicht denkbar. Aus diesen Überlegungen kann die
Entstehung der Gebührenforderung auch nicht auf den späteren
Abschluss der Bauarbeiten (inkl. förmlicher Bauabnahme) oder sogar auf
die noch spätere Neuschätzung durch das Amt für Schätzungswesen
zurückdatiert werden, da dafür allein der Baubeginn – je nach
Ausführungsstadium bei Umbauen und Renovationen somit der Beginn
der letzten Bauetappe – in Frage kommen kann. Alle andern
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Anknüpfungspunkte erweisen sich entweder als zu früh oder als zu spät,
um den tatsächlichen Verhältnissen in der volatilen Bauwirtschaft gerecht
zu werden.
g) Daran ändert nichts, dass es in der Schweiz auch Gemeinden gibt,
welche – gestützt auf eine ausdrückliche gesetzliche Regelung – bei
Nachzahlungen auf die Vollendung der Umbauten/Renovationen
abstellen (so z.B. die Zürcher Gemeinden Rüti, Dinhard und Oberrieden).
Es gibt also durchaus auch Gemeinden, die die Nachzahlungspflicht erst
bei Abschluss der Umbauarbeiten und Renovationsmassnahmen
entstehen lassen. Die anders angewandte Auslegung der
Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 1. Juni 2015
betreffend Fälligkeitszeitpunkt erscheint dem Gericht korrekt und
keineswegs willkürlich, zumal der vorliegende Streitfall nicht ausdrücklich
gesetzlich (WVG; AbwG) geregelt wird und die Beschwerdegegnerin für
die Fälligkeit üblicherweise auf den Baubeginn abstellt. Dem steht hier
auch nicht entgegen, dass im Kanton Graubünden häufig die Lösung mit
der provisorischen Veranlagung bei Erteilung der Baubewilligung anhand
des voraussichtlichen Wertes bzw. Mehrwertes gewählt wurde.
h) Aus dem soeben Gesagten ergibt sich, dass die Anschlussgebühren für
die schon angeschlossenen Gebäude, die nun auf Parzelle 346 und 2476
total saniert und renoviert, umgebaut und teils gar noch ergänzt wurden,
mit „Baubeginn“ entstanden sind. Als Baubeginn wurde dabei zu Recht an
den „Beginn der letzten Bauetappe“ (N.B. Bei Baueinheit wäre sogar
bereits die erste Ausführungsetappe ausreichend) für die
gebäudetechnisch schon voll erschlossenen Gebäude angeknüpft, wobei
dieser Zeitpunkt laut Bauakten der Beschwerdegegnerin auf den 15. April
2013 fiel (vgl. Beilage 1a der Beschwerdegegnerin). Dieses
Fortsetzungsdatum für die Beendigung der letzten Ausbauphase konnte
von den Beschwerdeführern nicht widerlegt oder falsifiziert werden,
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weshalb fallentscheidend auf dieses Datum abzustellen ist, was zur
Konsequenz hat, dass auf den vorliegenden Fall das bis zum 30. Juni
2013 geltende Recht anzuwenden ist. Der Baubeginn der bereits im 2009
bewilligten Bauarbeiten ist damit aber auch noch vor dem Regimewechsel
der beiden erst per 1. Juli 2013 zu Gunsten der Bauherrschaft geänderten
Gebührengesetze (siehe neu Art. 40 Ziff. 2-4 WVG sowie Art. 38 Ziff. 2-4
AbwG) erfolgt, was bedeutet, dass im konkreten Fall noch die bis zum 30.
Juni 2013 gültigen Gebührengesetze (also konkret Art. 40 Ziff. 2 WVG
sowie Art. 38 Ziff. 2 AbwG) zur Anwendung gelangen, wonach die
Anschlussgebühren ohne Erweiterung des Gebäudevolumens geschuldet
sind und damit die Nachzahlung der gesetzlichen Anschlussgebühren
allein schon aufgrund des geschaffenen Mehrwerts eingefordert werden
konnte. Mit ihrer Rüge der unzutreffenden Rechtsanwendung dringen die
Beschwerdeführer infolgedessen hier nicht durch.
i) Der angefochtene Entscheid vom 16. März 2015 ist demnach im Resultat
rechtens und schützenswert, obwohl die darin (zunächst) enthaltene
Begründung falsch war und erst mit der behördlichen Vernehmlassung
vom 1. Juni 2015 korrekt nachgereicht wurde. Dieser Tatsache muss bei
der Kostenaufteilung gebührend Rechnung getragen werden. Die
Beschwerden erweisen sich indes materiell als unbegründet und sind
abzuweisen.
4. a) Die Gerichtskosten sind gestützt auf Art. 73 Abs. 1 VRG im Grundsatz
jeweils von der unterliegenden Partei zu tragen. Aufgrund des Umstands,
dass die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid aber eine falsche
Begründung geliefert hat, verletzte sie den Anspruch der
Beschwerdeführer auf rechtliches Gehör, womit sie das vorliegende
Beschwerdeverfahren – zumindest bis zur Einreichung der entsprechend
korrigierten Vernehmlassung – offensichtlich provoziert hat. Diese
anfängliche Fehlleistung der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es im
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konkreten Fall - trotz Obsiegens – ihr die Hälfte (50%) der Gerichts- und
Verfahrenskosten aufzuerlegen. Die restlichen Kosten sind je hälftig (à
25%) dem Beschwerdeführer (Verfahren A 15 22) sowie der
Beschwerdeführerin (Verfahren A 15 23) aufzuerlegen, wobei die
Beschwerdeführer unter sich nicht solidarisch für ihre Kostenanteile
haften.
b) Aussergerichtlich hat die Beschwerdegegnerin – aus demselben Grund
wie in E.4a, hiervor angeführt – den Beschwerdeführer (Verfahren A 15
22) sowie die Beschwerdeführerin (Verfahren A 15 23) noch angemessen
gestützt auf Art. 78 Abs. 1 VRG zu entschädigen. Es kann dabei von den
Honorarnoten vom 25. Juni 2015 des Anwalts des Beschwerdeführers in
der Höhe von total Fr. 1‘792.10 sowie der Beschwerdeführerin über total
Fr. 2‘017.40 ausgegangen werden, wobei die Beschwerdegegnerin auch
diesbezüglich nur zu 50% für die anwaltlich notwendigerweise
verursachten Kosten zu Gunsten des Beschwerdeführers (50% von Fr.
1‘792.10 = Fr. 896.05) respektive der Beschwerdeführerin (50% von Fr.
2‘017.40 = Fr. 1‘008.70) aufzukommen hat. Sowohl in der Entschädigung
für den Beschwerdeführer über Fr. 896.05 als auch im Besonderen in
derjenigen für die Beschwerdeführerin über Fr. 1'008.70 ist die
Mehrwertsteuer (plus 8% MWST) jeweils bereits mitenthalten, da beide
Beschwerdeführer im UID-Register nicht als MWST-pflichtig vermerkt sind
(vgl. Leiturteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] R
2014 87 vom 14. April 2015 E.4). Insbesondere bei der
Beschwerdeführerin wurde dazu aufgezeigt, dass diese nicht berechtigt
ist, die Mehrwertsteuer als Vorsteuerabzug geltend zu machen.
Umgekehrt steht der Beschwerdegegnerin nach Art. 78 Abs. 2 VRG keine
Entschädigung zu, da sie lediglich in ihrem amtlichen Wirkungskreis
obsiegte.
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