Decision ID: 6244676f-9b07-4a6e-8316-a68894d32e7a
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Bundesanwaltschaft am 7. Juli 2016 auf Ersuchen des Bezirksgerichts
Luxemburg in der Wohnung von A. und am Sitz der B. AG Hausdurchsu-
chungen vornahm, anlässlich derer eine Reihe von elektronischen Daten,
Unterlagen und Wertgegenständen sichergestellt wurden;
- Rechtsanwalt C. als Vertreter der B. AG namens und auftrags seiner Klientin
am selben Tag bei der Bundesanwaltschaft die vollumfängliche Siegelung
des sichergestellten Materials verlangte;
- A. ebenfalls am selben Tag bei der Bundesanwaltschaft die vollumfängliche
Siegelung des in seiner Wohnung und am Sitz der B. AG sichergestellten
Materials verlangte;
- die Bundesanwaltschaft dem Vertreter der B. AG am 14. Juli 2016 mitteilte,
das Gesuch um Siegelung enthalte keinerlei Begründung und werde abge-
lehnt;
- dem Vertreter der B. AG diese Mitteilung am 19. Juli 2016 eröffnet worden
ist;
- die Bundesanwaltschaft A. am selben Tag eine entsprechende Mitteilung be-
treffend die in seiner Wohnung sichergestellten Gegenstände zugehen liess;
- A. dieses eingeschriebene Schreiben jedoch nicht abgeholt hat;
- A. auch bei einem weiteren Zustellversuch vom 12. August 2016 die an ihn
adressierte Sendung nicht abgeholt hat;
- eine weitere – am 8. September 2016 – erfolgte Übermittlung der Mitteilung
vom 14. Juli 2016 offenbar erfolgreich war (act. 1.2);
- A. und die B. AG mit gemeinsamer Eingabe vom 17. September 2016 (Post-
aufgabe 18. September 2016) bei der Beschwerdekammer des Bundesstraf-
gerichts Beschwerde erheben, mit welcher sie – nebst der Gewährung der
aufschiebenden Wirkung – in erster Linie die Aufhebung der Verfügungen
der Bundesanwaltschaft vom 8. September 2016 bzw. 14. Juli 2016 verlan-
gen (act. 1);
- die Bundesanwaltschaft der Beschwerdekammer auf entsprechende Auffor-
derung hin die diesbezüglichen Verfahrensakten übermachte (act. 4).
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- der Verfügung, mit der das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen wird, voran-
gehende Zwischenverfügungen selbstständig angefochten werden können,
sofern sie einen unmittelbaren und nicht wieder gutzumachenden Nachteil
bewirken durch die Beschlagnahme von Vermögenswerten und Wertgegen-
ständen oder durch die Anwesenheit von Personen, die am ausländischen
Prozess beteiligt sind (Art. 80e Abs. 2 IRSG);
- die diesbezügliche Beschwerdefrist zehn Tage ab der schriftlichen Mitteilung
der Verfügung beträgt (Art. 80k IRSG);
- auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten die
Bestimmungen des VwVG anwendbar sind (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37
Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (Art. 12
Abs. 1 IRSG);
- die Behörde ihre Mitteilungen an den Vertreter einer Partei macht, solange
diese die Vollmacht nicht widerruft (Art. 11 Abs. 3 VwVG);
- die angefochtene Mitteilung dem Vertreter der Beschwerdeführerin 2 am
19. Juli 2016 zugestellt werden konnte, womit sich die am 18. Septem-
ber 2016 in ihrem Namen der Post aufgegebene Beschwerde als offensicht-
lich verspätet erweist;
- eine Mitteilung, die nur gegen Unterschrift eines Adressaten oder einer an-
deren berechtigten Person überbracht wird, spätestens am siebenten Tag
nach dem ersten erfolglosen Zustellungsversuch als erfolgt gilt (Art. 20
Abs. 2bis VwVG);
- diese Zustellungsfiktion u. a. voraussetzt, dass der Adressat mit der fragli-
chen Zustellung hatte rechnen müssen (BGE 141 II 429 E. 3.1 S. 431 f.; 134
V 49 E. 4 S. 52; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2014.189 vom
17. Juli 2014);
- vorliegend die Mitteilung an den Beschwerdeführer 1 als Reaktion auf seinen
schriftlich gestellten Antrag vom 7. Juli 2016 erfolgte, er somit zweifelsohne
mit deren Zustellung hat rechnen müssen;
- am 15. Juli 2016 der Beschwerdeführer durch Avis im Postfach zur Abholung
der Mitteilung eingeladen wurde, er die entsprechende Frist jedoch unge-
nutzt verstreichen liess;
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- bei dieser Ausgangslage die Zustellfiktion von Art. 20 Abs. 2bis VwVG zur
Anwendung gelangt, weshalb sich auch die im Namen des Beschwerdefüh-
rers 1 am 18. September 2016 der Post aufgegebene Beschwerde als offen-
sichtlich verspätet erweist;
- sich die Beschwerde nach dem Gesagten als offensichtlich unzulässig er-
weist, weshalb auf diese ohne Durchführung eines Schriftenwechsels nicht
einzutreten ist (Art. 57 Abs. 1 VwVG e contrario);
- bei diesem Ausgang des Verfahrens das mit Beschwerde gestellte Gesuch
um Gewährung der aufschiebenden Wirkung als gegenstandslos abzu-
schreiben ist;
- die Gerichtskosten den unterliegenden Beschwerdeführern aufzuerlegen
sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG);
- die Gerichtsgebühr festzusetzen ist auf Fr. 500.– (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m.
Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bun-
desstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Ent-
schädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]);
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