Decision ID: 880cd55d-0911-5c43-a5c3-e5ffea8ad506
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X (geb. 1950) wuchs als uneheliches Kind bei der Grossmutter mütterlicherseits und
bei einem Onkel (Bruder der Mutter) auf einem Bauernhof in A auf. Zur Mutter hatte sie
nur wenig Kontakt. Erst im Schulalter erfuhr sie, dass ihr Vater im gleichen Dorf
wohnte, und dass sie ihn vom Sehen her kannte. In der Schule wies sie gute
Leistungen auf, so dass sie die Primar- und die Sekundarschule ohne grössere
Probleme abschloss. Als X neun Jahre alt war, heiratete ihre Mutter. Aus dieser Ehe
gingen zwei Kinder (Halbschwestern von X) hervor. 1960 heiratete ihr Onkel, dessen
Ehefrau sich zunehmend in die Erziehung von X einmischte. Sie war dabei sehr streng
und bestrafte viel. Als X zwölf Jahre alt war, brachte sich der Ehemann der Mutter um.
Die darauf von der Mutter geäusserten Suizidabsichten versetzten X in tiefe Unruhe
und Angst. Nach Beendigung der obligatorischen Schule verbrachte X ein Jahr in
Freiburg und ein weiteres Jahr im Tessin. Anschliessend absolvierte sie eine
halbjährige Haushaltschule und ein halbjähriges Spitalpraktikum. Im Jahr 1969 begann
sie eine Ausbildung als Kinderkrankenschwester, welche sie im Alter von 22 Jahren mit
einem guten Ergebnis abschloss. In der Folge arbeitete sie als Krankenschwester und
reiste insgesamt dreimal nach Israel. Während des letzten Kibbuz-Aufenthalts in Israel
lernte sie ihren späteren deutschen Ehemann kennen. X zog in der Folge zu ihm nach
Deutschland und heiratete ihn im Alter von 27 Jahren. Nach einer neunmonatigen
Hochzeitsreise mit Reiseziel Indien siedelten sie in die Schweiz über.
Ein Jahr nach der Hochzeit begann der Ehemann von X eine aussereheliche Beziehung,
weshalb er während vier Monaten von ihr getrennt lebte. Obwohl die Trennung für X ein
eischneidendes Erlebnis war, lebten sie anschliessend wieder zusammen. 1981 kam
ein Sohn und 1984 eine Tochter zur Welt. Die Beziehung zum Ehemann blieb jedoch
weiterhin angespannt. Der Ehemann verhielt sich X gegenüber impulsiv und abwertend;
zudem konsumierte er Alkohol und Haschisch. Auch X konsumierte Alkohol. Im Jahr
1999 kam es zur Trennung. Die Ehe wurde jedoch erst im Jahr 2003 geschieden, da X
eine Scheidung ablehnte. Neben ihren Aufgaben als Mutter und Hausfrau war X von
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1981 bis 1991 im Wochenenddienst als Krankenschwester tätig. Von 1992 bis 2000
arbeitete sie als Abwart in einem Kindergarten. Diese Stelle wurde ihr aufgrund der
zunehmenden Alkoholprobleme gekündigt. Von 2000 bis 2002 betreute sie zwei ältere
Damen. Anschliessend arbeitete sie bis 2004 als Hausangestellte bei einer behinderten
Frau. Im Jahr 2005 war sie im Rahmen eines RAV-Programms beschäftigt. Als sie im
Jahr 2008 informiert wurde, dass sie das Einfamilienhaus, welches sie jahrelang mit
ihrer Familie bewohnt hatte, wegen Sanierungsarbeiten verlassen und in eine
Kleinwohnung umziehen müsse, löste dies bei ihr Unzufriedenheit, Trauer und
Überforderung aus; der Alkoholkonsum nahm weiter zu, und sie wurde in der Folge
mehrmals in verwahrlostem Zustand aufgefunden.
B.- Bereits im Jahr 1999 wurde X erstmals wegen chronischen Alkoholkonsums per
fürsorgerischen Freiheitsentzug in die Kantonale Psychiatrische Klinik (im Folgenden:
KPK) St. Pirminsberg in Pfäfers eingewiesen. Nach mehreren Hospitalisationen in den
KPK St. Pirminsberg und Wil in den Folgejahren wurde sie mit Entscheid der
Vormundschaftsbehörde Rebstein vom 15. August 2002 auf eigenes Begehren hin
verbeiständet. Trotz der intensiven Betreuung durch den Beistand kam es in den
folgenden Jahren erneut zu mehreren Klinikaufenthalten. Mit Bericht vom 20. Juni 2006
empfahl die KPK St. Pirminsberg, X mittels vormundschaftlicher Massnahme in einer
geeigneten Einrichtung zu platzieren. Sämtliche Versuche einer Platzierung scheiterten
jedoch an ihrem Widerstand.
Seit dem Frühjahr 2009 häuften sich die Vorfälle von Alkoholmissbrauch, welche
teilweise zu Polizeieinsätzen führten, weil besorgten Nachbarn auffiel, dass X ihre
Wohnung nicht öffnete, sich nicht meldete oder den Briefkasten über längere Zeit nicht
leerte. Nachdem der Präsident der Vormundschaftsbehörde während drei Tagen
versucht hatte, X zu kontaktieren, konnte er am 18. Juni 2009 in ihre Wohnung
gelangen. Er fand X alkoholisiert, rauchend und verwahrlost am Küchentisch sitzend
vor. Einen für den nächsten Tag vereinbarten Termin konnte sie nicht einhalten, weil
sie, wie sie angab, nicht gehen konnte. Daraufhin wurde der Hausarzt informiert,
welcher X in das Spital Altstätten einwies, wo sie sich vom 18. bis 23. Juni 2009
aufhielt. Am 29. Juni 2009 schloss X mit der Vormundschaftsbehörde eine
Zielvereinbarung ab. Darin verpflichtete sie sich zur Durchführung einer Antabus-
Behandlung, welche jedoch sistiert wurde, nachdem X trotz Antabus-Einnahme weiter
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Alkohol konsumierte. In der Folge verschlimmerte sich der Zustand von X wegen des
Alkoholkonsums immer mehr: Sie ernährte sich mangelhaft und vernachlässigte die
Körper- und Wohnungspflege. Am 18. Juli 2009 fand ein befreundetes Ehepaar X in
ihrer Wohnung liegend vor. Sie befand sich in einem desolaten Zustand, zitterte,
konnte kaum sprechen und sich nicht auf den Beinen halten. Der Hausarzt konnte nicht
mit Sicherheit feststellen, ob der Zustand von X auf den Alkoholkonsum oder eine
Temesta-Überdosierung zurückzuführen war. Sie wurde gleichentags zur stationären
Behandlung ins Spital Altstätten eingewiesen. Am 21. Juli 2009 wies die
Vormundschaftsbehörde X per fürsorgerischen Freiheitsentzug zum stationären
Alkoholentzug, zur Abklärung und Begutachtung in die KPK St. Pirminsberg ein. Im
Februar 2010 wurde sie aus der Klinik entlassen.
C.- Mit Eingabe vom 20. Juli 2009 beauftragte die Vormundschaftsbehörde den
forensischen Dienst der KPK St. Pirminsberg mit der Begutachtung von X hinsichtlich
Errichtung vormundschaftlicher Massnahmen. Das Gutachten vom 22. Ja-nuar 2010
kam zum Schluss, dass X an einer chronischen Alkoholabhängigkeit (ICD-10: F 10.2),
an einer kognitiven Einschränkung (ICD-10: F 10.73), an einer alkoholtoxischen
Polyneuropathie sowie an einer chronischen Leberzirrhose (ICD-10: K 70.2) leide und
eine dauernde Schutzbedürftigkeit bestehe. Am 26. Februar 2010 wurde X zur
vorgesehenen Anordnung der Vormundschaft vom Präsidenten und dem Sekretär der
Vormundschaftsbehörde im Rathaus der Gemeinde Rebstein persönlich angehört. Sie
gab dabei im Wesentlichen an, dass sie mit einer Entmündigung nicht einverstanden
sei; am liebsten würde sie sogar die Beistandschaft wieder aufheben.
D.- Mit Beschluss vom 3. März 2010 (Versand: 4. März 2010) hob die
Vormundschaftsbehörde der Gemeinde Rebstein die am 15. August 2002 errichtete
Beistandschaft auf eigenes Begehren nach Art. 394 ZGB auf und ordnete stattdessen
an, dass X gestützt auf Art. 369 und Art. 370 ZGB entmündigt und unter
Vormundschaft gestellt wird. Als Vormund wurde Cornelia Kuster, Soziale Dienste
Oberes Rheintal, Wiesentalstrasse 1a, 9450 Altstätten ernannt.
E.- Gegen diesen Beschluss erhob X mit Eingabe vom 15. März 2010 Klage bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem sinngemässen Antrag, der Beschluss der
Vormundschaftsbehörde sei aufzuheben und von einer Vormundschaft sei abzusehen.
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Am 17. Mai 2010 liess sich die Vorinstanz vernehmen. Sie beantragte die Abweisung
der Klage sowie die Einholung einer Stellungnahme von Y, begleitender Arzt des
Psychiatrie-Zentrums Rheintal in Heerbrugg (im Folgenden: Psychiatrie-Zentrum), und
Z, Sozialarbeiter des Psychiatrie-Zentrums. Frau W, die Nachfolgerin von Herrn Y,
konnte keine Angaben machen (vgl. act. 18). Demgegenüber gab Z Auskunft über die
Betreuung der Klägerin (vgl. act. 20).
F.- Am 25. Oktober 2010 fand im Sitzungszimmer der Verwaltungsrekurskommission in
St. Gallen die mündliche Verhandlung statt, an welcher die Klägerin, Cornelia Kuster,
Beistand der Klägerin, sowie Urs Graber, Sekretär der Vorinstanz, teilnahmen.
a) Die Klägerin bestätigte auf entsprechende Befragung, Alkoholprobleme zu haben,
zeitweise sogar massive. Allerdings trinke sie nie so viel, dass sie nicht mehr wisse was
sie tue. Es treffe nicht zu, dass sie tagelang ihre Wohnung nicht verlasse und die
Haustüre nicht aufmache. Sie erledige täglich ihre Einkäufe. Zudem habe sie
Schlafschwierigkeiten, weshalb sie manchmal am Nachmittag schlafe; dann gehe sie
nicht an die Tür. Ihr Einfamilienhaus aufgeben zu müssen, in welchem sie 26 Jahre lang
gelebt habe, sei für sie sehr schwierig gewesen. Das Ganze sei ihr damals sehr nahe
gegangen. Mittlerweile gefalle es ihr aber in ihrer neuen Wohnung. Der Umzug sei für
sie ein grosser Stress gewesen. Dies habe dazu geführt, dass sie wieder vermehrt
Alkohol getrunken habe. Sie trinke nur mit Wasser oder Fruchtsaft verdünnten Wodka.
Vor allem wenn sie Schmerzen habe, trinke sie vermehrt Alkohol, jedoch nie mehr als
eine halbe Flasche pro Tag. Seit August 2010 trinke sie gar keinen Alkohol mehr. Die
Gefahr eines Rückfalls sei gering, da das Schlimmste, was habe passieren können -
nämlich der Verlust des Einfamilienhauses - bereits geschehen sei. Zudem werde sie
psychologisch im Psychiatrie-Zentrum in Heerbrugg betreut. Im Jahr 2004 habe sie die
Antabus-Behandlung abgebrochen, weil sie nicht ein Leben lang Antabus habe
einnehmen wollen. Ihre Tochter habe Biologie studiert und wohne in einer
Wohngemeinschaft in B. Ihr Sohn lebe mit seiner Freundin zusammen und halte sich
zurzeit im Ausland auf. Zu den Kindern pflege sie regelmässig Kontakt; zu ihrem Ex-
Mann jedoch nicht. Auch zu einigen anderen Einwohnern der Gemeinde habe sie
näheren Kontakt. Zudem werde sie von Z begleitet, welcher regelmässig (früher
zweimal, heute einmal wöchentlich) vorbei komme, um zu schauen, ob alles in Ordnung
sei. Zur Beiständin habe sie zurzeit vor allem telefonischen Kontakt. Frau W, die
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Nachfolgerin von Y, habe sie noch nicht kennen gelernt. Dagegen stehe sie mit Herrn
Dudle in Kontakt. Zurzeit gehe sie einer Arbeit nach; sie helfe bei der Obsternte. Seit
2004 sei sie zudem bei den "Anonymen Alkoholikern". Auf die Spätfolgen ihres
übermässigen Alkoholkonsums angesprochen gab sie an, sie glaube nicht, dass ihre
Beinschmerzen von einer Polyneuropathie stammten. Der Zustand ihrer Leber mache
ihr allerdings schon Sorgen. Gegen die Beinschmerzen erhalte sie Lyrica und zum
Schlafen das Antidepressivum Seroquel.
b) Cornelia Kuster führte aus, Anfang August habe die Klägerin vermehrt Alkohol
konsumiert. Nachdem Y damit gedroht habe, im Falle einer Fortsetzung des
Alkoholkonsums die Verantwortung nicht mehr übernehmen zu können, habe sich die
Situation jedoch sofort gebessert. Aufgrund der Aussagen von Z könne sie bestätigen,
dass die Klägerin seit eineinhalb Monaten keinen Alkohol mehr trinke. Weiter gab sie
an, sie kenne die Klägerin seit zwei Jahren. Die ersten drei bis vier Monate sei das
Verhältnis zur Klägerin gut gewesen. Dann sei es aufgrund des Alkoholkonsums und
des Umzugs sehr schwierig geworden; sie habe für die Klägerin als Feindbild herhalten
müssen. Im Einfamilienhaus habe die Klägerin nicht bleiben können, weil diese Häuser
saniert und die Mietzinse angehoben worden seien. Mit dem Aufbau des
Betreuungsnetzes im Frühling 2010 sei das Verhältnis besser geworden. Von einer
Vormundschaft erhoffe sie sich, dass der Klägerin in einer Notsituation früher geholfen
werden könne, beispielsweise durch eine Einweisung in eine geeignete Institution. Die
Klägerin gehe sparsam mit ihrem Geld um. Im Jahr 2005 habe sie sich das Kapital der
beruflichen Vorsorge ausbezahlen lassen. Soweit sie den Überblick habe, gehe die
Klägerin sorgsam mit diesen finanziellen Mitteln um. Wie sie der Vorgeschichte
entnehmen könne, sei das Verhältnis der Klägerin zu ihrem Beistand noch nie so gut
gewesen wie heute. Mittlerweile könnten sie gute Gespräche führen. Sie wisse jedoch
nicht, ob die Klägerin bei Problemen selbstständig Hilfe holen würde. Im Moment
klappe die Betreuung sehr gut; sie könne sich darauf beschränken, die Situation im
Auge zu behalten. Sie halte den Kontakt zu den Betreuungspersonen aufrecht.
Diesbezüglich verlange die Klägerin keine Einschränkungen. Sie wolle jedoch nicht,
dass sie Kontakt zu ihrer Familie aufnehme. Auch mit dem Hausarzt der Klägerin sei
der Informationsfluss gut. Der Hausarzt nehme mit ihr Kontakt auf, wenn er von der
Klägerin nicht genug erfahre.
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c) Der Vertreter der Vormundschaftsbehörde, Urs Graber, gab an, die Befragung der
Klägerin vom 26. Februar 2010 habe nach deren Entlassung aus der Klinik im Beisein
des Präsidenten Andreas Eggenberger und ihm selbst im Rathaus der Gemeinde
Rebstein stattgefunden. Der fürsorgerische Freiheitsentzug vom 21. Juli 2009 sei von
der Vormundschaftsbehörde verfügt worden. Die jetzige Situation sei zufriedenstellend.
Allerdings sei diese Stabilisierung wohl auf den Druck der angedrohten Entmündigung
zurückzuführen. Bisher habe die Klägerin ambulante Behandlungen nämlich abgelehnt
und keine Krankheitseinsicht gezeigt. Von einer Entmündigung verspreche er sich
insofern Vorteile gegenüber der heutigen Situation, als die Klägerin zu ambulanten
Behandlungen gezwungen werden könnte. Auch Kriseninterventionen würden
einfacher, da leichter Zugang zur Wohnung verschafft werden könnte. Aufgrund der
Vorgeschichte erachte er eine Entmündigung im Hinblick auf zukünftige Krisen trotz
des aktuell guten Zustands der Klägerin als verhältnismässig. Dass die Klägerin
gemäss Dispositiv des Entmündigungsentscheids vom 3. März 2010 auch gestützt auf
Art. 369 ZGB entmündigt worden sei, beruhe auf einem Missverständnis. Die Klägerin
sei nicht geisteskrank, das Gutachten vom 22. Januar 2010 spreche nicht von einer
Geisteskrankheit. Es handle sich um einen Fehler; die Klägerin hätte lediglich gestützt
auf Art. 370 ZGB entmündigt werden sollen.
G.- Auf weitere Ausführungen der Beteiligten sowie die Akten wird, soweit notwendig,
in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Verfügungen der
Vormundschaftsbehörde betreffend Bevormundung, Verbeiratung und Verbeiständung
von Erwachsenen können innert zehn Tagen mit öffentlich-rechtlicher Klage bei der
Verwaltungsrekurskommission angefochten werden (Art. 373 Abs. 1 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, abgekürzt: ZGB; Art. 64 Abs. 2 des
Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, sGS 911.1, abgekürzt: EG
zum ZGB; Art. 71a lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Die Klage vom 15. März 2010 (Poststempel) ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 71d in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Klage ist daher einzutreten.
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2.- Der angefochtene Beschluss und das vorinstanzliche Verfahren sind von Amtes
wegen auf ihre formelle Rechtmässigkeit hin zu überprüfen.
a) Die Vorinstanz ist sowohl örtlich als auch sachlich zur Anordnung
vormundschaftlicher Massnahmen gegenüber X zuständig (Art. 376 Abs. 1 ZGB und
Art. 373 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit Art. 4 und 64 Abs. 1 EG zum ZGB).
b) Gemäss Art. 374 Abs. 1 ZGB ist die zu entmündigende Person vorgängig persönlich
anzuhören. Die Anforderungen an die mündliche Anhörung gehen dabei über Art. 29
Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101) hinaus (Schnyder/Murer, Berner Kommentar
zum schweizerischen Privatrecht, Band II/3/1, 3. Aufl. 1984, N 26 ff. zu Art. 374 ZGB).
Die Anhörung dient nicht nur der Wahrung der Verteidigungsrechte der betroffenen
Person, sondern sie bildet auch ein Mittel der von Amtes wegen erfolgenden Erhebung
des Sachverhaltes, das der entscheidenden Behörde ein Urteil über die körperliche und
geistige Verfassung dieser Person und über die Notwendigkeit der Anordnung einer
vormundschaftlichen Massnahme ermöglichen soll. Nach der geltenden
bundesgerichtlichen Praxis erfordert die in Art. 374 ZGB vorgeschriebene Anhörung bei
Entmündigung nicht die Einvernahme durch die gesamte entscheidende Behörde. Mit
Blick auf die grosse Bedeutung, welche der Beurteilung der Persönlichkeit und der
unmittelbaren Wahrnehmung des Betroffenen von Bundesrechts wegen zukommt, ist
eine persönliche Anhörung des Betroffenen durch einen einzelnen Beamten aber in der
Regel nur dann mit Art. 374 ZGB vereinbar, wenn dieser auch in der Sache selbst
entscheidungsbefugt ist (BGE 117 II 132 ff.).
Die persönliche Anhörung (act. 10/4) erfolgte gemäss Aussage des Sekretärs der
Vormundschaftsbehörde an der Verhandlung am 26. Februar 2010 durch den
Präsidenten der Vormundschaftsbehörde, Andreas Eggenberger, sowie den Sekretär
der Vormundschaftsbehörde, Urs Graber. Dabei wurde die Klägerin über den Inhalt des
Gutachtens sowie über die Auswirkungen einer Entmündigung in Kenntnis gesetzt.
Damit ist den bundesrechtlichen Anforderungen an die Durchführung der Anhörung
Genüge getan.
c) Art. 374 Abs. 2 ZGB bestimmt, dass die Entmündigung wegen Geisteskrankheit und
Geistesschwäche nur nach Einholung eines Gutachtens von Sachverständigen erfolgen
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darf, das sich auch über die Zulässigkeit einer vorgängigen Anhörung des zu
Entmündigenden auszusprechen hat. Gemäss Art. 67 Abs. 1 EG zum ZGB holt die
Vormundschaftsbehörde im Fall der Bevormundung wegen Geisteskrankheit oder
Geistesschwäche ein schriftliches Gutachten darüber ein, ob der Geisteszustand des
Leidenden Bevormundung erheische und ob seine persönliche Anhörung zulässig sei.
Die Begutachtung erfolgt durch einen Amtsarzt oder durch den Arzt eines staatlichen
psychiatrischen Dienstes (Art. 67 Abs. 2 Satz 1 EG zum ZGB). Bei den anderen
Entmündigungsgründen ist aufgrund der Umstände des Einzelfalls zu entscheiden, ob
eine Begutachtung notwendig ist. Ein Gutachten ist jedoch immer dann einzuholen,
wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Grund für die Schwäche, welche zur
Entmündigung führt, in einer Geisteskrankheit oder Geistesschwäche liegt. Weil der
Verfahrensgegenstand nicht in der Disposition der Parteien steht, ist es nicht zulässig,
die Frage der Geistesschwäche bzw. -krankheit offen zu lassen und die Entmündigung
gestützt auf Art. 370 ZGB auszusprechen, um eine Begutachtung zu vermeiden
(vgl. Th. Geiser, in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum
Schweizerischen Privatrecht, Zivilgesetzbuch I, Art. 1-456 ZGB, 3. Aufl. 2006, N 18 zu
Art. 374 ZGB). Die Einholung eines Sachverständigengutachtens ist deshalb in den
meisten Fällen, in denen eine Entmündigung nach Art. 370 ZGB in Betracht gezogen
wird, angezeigt.
Die Vorinstanz hat am 20. Juli 2010 in Anwendung von Art. 374 Abs. 2 ZGB und Art. 67
Abs. 2 Satz 1 EG zum ZGB den forensischen Dienst der KPK St. Pirminsberg mit der
Begutachtung der Klägerin im Hinblick auf die Errichtung einer Vormundschaft
beauftragt. Dr.med. Regula Meinherz, Oberärztin, und Dr.med. Amir Mujanovic,
Assistenzarzt, haben gestützt auf den Gutachtensauftrag vom 22. Juli 2009, die Akten
der KPK St. Pirminsberg, die psychiatrischen Untersuchungen vom 13. August,
9. September und 5. Oktober 2009 in der KPK St. Pirminsberg, das Telefonat mit dem
Hausarzt vom 18. November 2009, sowie das Telefonat mit dem Beistand, Cornelia
Kuster, vom 16. November 2009 am 22. Januar 2010 ein Gutachten erstattet (act.
10/1), das sich zum Verlauf seit der Errichtung der Beistandschaft, zur Frage des
Gesundheitszustands der Klägerin und ihrer Unterstützungsbedürftigkeit äussert. Beide
Gutachter sind Ärzte eines staatlichen psychiatrischen Dienstes und damit als
Sachverständige im Sinn von Art. 374 Abs. 2 ZGB zu betrachten, zumal diese in Art. 67
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Abs. 2 Satz 1 EG zum ZGB ausdrücklich aufgeführt sind. Damit genügt das Gutachten
vom 22. Januar 2010 den formellen Anforderungen.
d) Die vorinstanzliche Verfügung ist schliesslich hinreichend begründet und verstösst
damit nicht gegen den aus Art. 29 Abs. 2 BV fliessenden Anspruch auf eine
angemessene Begründung (GVP 1998 Nr. 45).
3.- Die Vorinstanz entmündigte die Klägerin gemäss Ziff. 4.2 des Dispositivs der
angefochtenen Verfügung sowohl gestützt auf Art. 369 als auch auf Art. 370 ZGB. Laut
Aussage des Vertreters der Vorinstanz an der Verhandlung handelt es sich dabei um
einen Fehler. Die Klägerin hätte demnach lediglich gestützt auf Art. 370 ZGB
entmündigt werden sollen. Da das Entscheiddispoitiv jedoch massgebend ist und im
Falle der Abweisung in Rechtskraft erwächst, sind die Voraussetzungen für eine
Entmündigung sowohl nach Art. 369 als auch nach Art. 370 ZGB zu prüfen.
a) Lediglich gestützt auf Art. 369 ZGB ist zu entmündigen, wenn Geistesschwäche oder
Geisteskrankheit neben einem Entmündigungsgrund nach Art. 370 ZGB gegeben sind,
etwa wenn die Trunksucht die Folge schwerer psychischer Störungen ist oder schwere
psychische Störungen verursacht, die als Geisteskrankheit oder Geistesschwäche im
Sinne von Art. 369 ZGB zu qualifizieren sind. Die Abgrenzung zwischen
Geisteskrankheit/Geistesschwäche und den Charakterschwächen (Mangel an Verstand
oder Wille) gemäss Art. 370 ZGB, mit denen Verschwendung, Trunksucht,
Misswirtschaft oder lasterhafter Lebenswandel einhergehen, bereitet oft
Schwierigkeiten. Nur wenn der Mangel an Verstand oder Wille aus der Sicht des
besonnenen Laien noch nicht als Geisteskrankheit oder Geistesschwäche empfunden
werden, fällt die Anwendung des Entmündigungsgrundes nach Art. 370 ZGB in
Betracht (E. Langenegger, in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum
Schweizerischen Privatrecht, Zivilgesetzbuch I, 3. Aufl. 2006, N 8 zu Art. 370 ZGB, N
19 zu Art. 369 ZGB; Schnyder/Murer, a.a.O., Vorbemerkungen zu Art. 369-375 ZGB,
NN 29 und 127 zu Art. 370 ZGB; H.M. Riemer, Grundriss des Vormundschaftsrecht, 2.
Aufl. 1997, § 4 Rz 55; BGE 85 II 463).
b) Zunächst ist zu prüfen, ob die materiellen Voraussetzungen für eine Entmündigung
nach Art. 369 ZGB erfüllt sind, und die Vorinstanz damit zu Recht die Entmündigung
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der Klägerin gestützt auf diese Bestimmung angeordnet hat. Bei der Prüfung, ob der
Entmündigungsgrund der Geisteskrankheit oder Geistesschwäche im Sinn von Art. 369
ZGB gegeben ist, folgt die Verwaltungsrekurskommission ihrer bereits gefestigten
Praxis bei der fürsorgerischen Freiheitsentziehung (GVP 2004 Nr. 43).
Für eine Entmündigung nach Art. 369 ZGB wird vorausgesetzt, dass die betreffende
Person an einer Geisteskrankheit oder Geistesschwäche leidet. Im Gutachten vom
22. Januar 2010 wurde jedoch keine Geisteskrankheit im medizinischen Sinn
diagnostiziert, weshalb es sich erübrigt, das Vorliegen einer Geisteskrankheit oder
Geistesschwäche im juristischen Sinn zu prüfen. In Ihrem Entscheid vom 3. März 2010
begründet die Vorinstanz die Entmündigung der Klägerin zudem nicht mit dem
Vorliegen einer Geisteskrankheit oder Geistesschwäche. Damit ist der
Entmündigungsgrund von Art. 369 ZGB aufgrund der Akten nicht ausgewiesen,
weshalb eine Entmündigung gestützt auf diese Bestimmung nicht zulässig ist.
Die angefochtene Verfügung der Vorinstanz ist daher aufzuheben, soweit sich die
angeordnete Entmündigung auf Art. 369 ZGB stützt.
c) Zu prüfen ist sodann, ob die materiellen Voraussetzungen für die Entmündigung
nach Art. 370 ZGB gegeben sind, wonach jede mündige Person unter Vormundschaft
gehört, welche durch Verschwendung, Trunksucht, lasterhaften Lebenswandel oder
durch die Art und Weise ihrer Vermögensverwaltung sich oder ihre Familie der Gefahr
eines Notstandes oder der Verarmung aussetzt, zu ihrem Schutze dauernd des
Beistandes und der Fürsorge bedarf oder die Sicherheit anderer gefährdet.
aa) Die vier in Art. 370 ZGB genannten Entmündigungsgründe haben je selbständige
Bedeutung und sind eng auszulegen. Ihnen gemeinsam ist, dass sie durch tiefgreifende
Mängel an Verstand oder Willen und nicht einfach durch ethisch verwerfliche
Verhaltensweisen verursacht werden (Schnyder/Murer, a.a.O., N 6 zu Art. 370 ZGB).
Die Beeinträchtigung des Verstandes oder Willens ist in allen Fällen des Art. 370 ZGB
charakterlich bedingt, d.h. durch die Prägung, die dem affektiv-triebhaften und dem
willensmässigen Reaktionsmuster des Individuums zugrunde liegt (Schnyder/Murer,
a.a.O., N 16 zu Art. 370 ZGB). Trunksucht im Sinne von Art. 370 ZGB liegt vor, wenn
eine Person mangels Einsicht oder Willens auf die Dauer nicht mehr aus eigener Kraft
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auf den übermässigen Genuss von Alkohol verzichten kann. Nicht als trunksüchtig gilt,
wer nur von Zeit zu Zeit übermässig Alkohol konsumiert (vgl. E. Langenegger, a.a.O., N
5 zu Art. 370 ZGB).
bb) Die Vorinstanz hat die Entmündigung der Klägerin gemäss Art. 370 ZGB auf das
Gutachten vom 22. Januar 2010 gestützt, wonach die Klägerin an einer schweren
Alkoholabhängigkeit leidet. Den Ausführungen im Gutachten folgend führt die
Vorinstanz im Entmündigungsentscheid vom 3. März 2010 aus, die Klägerin sei durch
den Alkoholkonsum ihrer selbst nicht mehr mächtig und könne den Konsum nicht
selber steuern. Diesbezüglich zeige sie sich uneinsichtig. Durch den anhaltenden
Alkoholeinfluss sei es zu einer Schädigung des Gehirns und zu körperlichen
Folgeschäden (Leberzirrhose und Nervenschädigung) gekommen. Die Klägerin
bagatellisiere zudem ihren Alkoholkonsum und dessen Folgen und überschätze ihre
Möglichkeiten abstinent zu bleiben. Die Erkrankung habe dazu geführt, dass die
Klägerin trotz guter Ausbildung keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen könne und
sich in ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit gefährde und ihren sozialen
Status ruiniere. Die Klägerin sei infolge ihrer Krankheit nur teilweise in der Lage, ihre
Angelegenheiten selbst zu besorgen. Ihre Selbstfürsorge sei nicht gewährleistet und
ihre Gesundheit daher gefährdet. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen sei die
Klägerein nicht in der Lage allein zu wohnen ohne rasch wieder in desolaten
Alkoholkonsum zu fallen. Die Gutachter empfehlen eine engmaschige Betreuung,
Unterstützung und Beobachtung der Klägerin; minimale Massnahme sei dabei der
Spitex-Dienst in der eigenen Wohnung, ansonsten eine Heimplatzierung. Die Klägerin
sei uneinsichtig und auch selbstgefährdend, sobald sie nicht unter ständiger Kontrolle
und Betreuung sei.
cc) Den Akten ist zu entnehmen, dass die Klägerin erstmals im Alter von 27 Jahren
zusammen mit ihrem damaligen Ehemann übermässig Alkohol zu trinken begann.
Aufgrund des täglichen Alkoholkonsums ihres Ehemannes zu den Mahlzeiten,
konsumierte sie ebenfalls täglich Alkohol. Dies habe schliesslich zu einem
Kontrollverlust bezüglich der konsumierten Alkoholmenge geführt (vgl. act. 10/1, S. 14).
Bereits im Jahr 1999 wurde die Klägerin erstmals wegen einer Selbstgefährdung durch
massiven Alkoholkonsum per fürsorgerischen Freiheitsentzug hospitalisiert. Der
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Klinikaufenthalt dauerte vom 20. April bis 5. Juli 1999. Dabei wurde ein
Alkoholabhängigkeitssyndrom mit Verhaltensstörungen im alkoholisierten Zustand
(stundenlanges Herumschreien) festgestellt. Mit ihrem Alkoholkonsum und der daraus
resultierenden Folgen für die Kinder konfrontiert, reagierte sie mit massiver Abwehr und
Bagatellisieren, Schuldzuweisungen und Ausblendungen. Trotz der langen
Hospitalisation konnte nur eine geringe Krankheitseinsicht erreicht werden (vgl.
act. 10/1, S. 5). Bereits am ersten Wochenendurlaub erlitt sie einen Rückfall. Vom
25. Januar bis 13. Februar 2001 musste die Klägerin erneut hospitalisiert werden,
nachdem sie eine erste Alkoholkrise selbst auffangen konnte, und eine zweite Krise
erfolgreich mit Antabus behandelt wurde. Weitere Hospitalisationen folgten vom 13. bis
27. Juni 2002 und vom 8. Juli bis 8. August 2002. Dabei wurde mit der Einstellung der
Klägerin auf Antabus begonnen. Nachdem die Klägerin das Antabus absetzte, trank sie
an einem Wochenende an zwei aufeinanderfolgenden Tagen je einen halben Liter
Wodka. Als Grund für diesen Exzess habe sie angegeben, sie habe ihre Abstinenz
feiern wollen. In der Folge wurde sie vom 13. bis 23. Februar 2004 hospitalisiert. Eine
weitere stationäre Behandlung der Klägerin folgte vom 29. Mai bis 23. Juni 2006
nachdem sich die Feuerwehr Zugang zu ihrer Wohnung verschaffen musste und sie in
alkoholisiertem Zustand vorfand.
dd) Der an der Verhandlung anwesende Dr.med. Stefan Lendi schliesst sich der
medizinischen Beurteilung im Gutachten vom 22. Januar 2010, wonach die Klägerin an
einer chronischen Alkoholabhängigkeit leide, welche bereits zu körperlichen
Folgeschäden in Form einer alkoholtoxischen Polyneuropathie und einer chronischen
Leberzirrhose geführt habe, vollumfänglich an. Ergänzend führte er aus, die
Folgeschäden liessen eindeutig auf einen übermässigen Alkoholkonsum über mehrere
Jahre schliessen.
Insgesamt ist deshalb davon auszugehen, dass bei der Klägerin der
Entmündigungsgrund der Trunksucht nach Art. 370 ZGB vorliegt.
ee) Die Anordnung der Vormundschaft nach Art. 370 ZGB setzt sodann voraus, dass
zusätzlich eine der drei besonderen Schutzbedürftigkeiten vorliegt. Als
Schutzbedürftigkeiten kommen dabei die drohende Gefahr, sich oder die Familie einem
Notstand oder der Verarmung auszusetzen, das dauernde Bedürfnis nach Beistand
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und Fürsorge oder die Gefährdung der Sicherheit anderer in Betracht, wobei das
alternative Vorliegen einer der drei genannten Voraussetzungen genügt (E.
Langenegger, a.a.O., N 9 und 12 zu Art. 370 ZGB).
Die Gefahr eines Notstandes oder der Verarmung bezieht sich auf die wirtschaftliche
Existenz der betroffenen Person, die (z.B. durch Suchterkrankung hervorgerufene)
Gefahr eines gesundheitlichen Notstands wird durch diese
Entmündigungsvoraussetzung nicht erfasst. Einkommen und Vermögen der
betroffenen Person sind dabei als wirtschaftliche Einheit zu betrachten, weshalb nicht
zu entmündigen ist, wer seine wirtschaftliche Existenz insgesamt nicht gefährdet (vgl.
E. Langenegger, a.a.O., N 10 zu Art. 370 ZGB, mit weiteren Hinweisen).
Wie im Gutachten vom 22. Januar 2010 ausgeführt wird, ist der Begriff vom Geld und
Wert der Dinge bei der Klägerin erhalten. Sie war zudem bisher immer in der Lage, ihre
Rechnungen zeitgerecht zu begleichen. Den Akten sind zudem keine Hinweise zu
entnehmen, wonach die Klägerin durch ihre Alkoholabhängigkeit sich oder ihre Familie
wirtschaftlich einem Notstand oder der Verarmung aussetzen würde. Auch aufgrund
der Verhandlung ergaben sich keine Hinweise auf eine solche Gefährdung.
Das andauernde Bedürfnis nach Beistand und Fürsorge als
Entmündigungsvoraussetzung des Art. 370 ZGB ist nicht nur dem Wortlaut, sondern
auch inhaltlich mit der entsprechenden Entmündigungsvoraussetzung von Art. 369
ZGB identisch (E. Langenegger, a.a.O., N 12 zu Art. 370 ZGB, mit weiteren Hinweisen).
Unter dem Bedürfnis nach Beistand und Fürsorge ist insbesondere die Unterstützung
der zu entmündigenden bzw. unter Vormundschaft stehenden Person in deren
persönlichen Angelegenheiten zu verstehen. Dazu gehören etwa Ernährung, Wohnung,
Kleidung, Gesundheitspflege, Wahrung der Ehre und Schutz des eigenen Lebens (BGE
5A_726/2008 vom 19. Dezember 2008, E. 3.4; Schnyder/Murer, a.a.O., N 131 zu Art.
369 ZGB).
Die Klägerin bedarf aufgrund ihrer schweren Alkoholabhängigkeit nach Einschätzung
der Gutachter dauernd des Beistands und der Fürsorge. Als minimale Betreuung sei es
erforderlich, dass sie mehrmals wöchentlich aufgesucht und unterstützt werde,
beispielsweise durch die psychiatrische Spitex. Einzig durch eine engmaschige
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Betreuung könne die Klägerin alleine wohnen, ohne rasch wieder in einem desolaten
Alkoholkonsum zu fallen. Die Klägerin gefährde ihre Gesundheit durch eine massive
Alkoholintoxikation, durch fehlende Nahrungsaufnahme und unzureichende
Flüssigkeitszufuhr. Zudem sei ihre Fähigkeit, Gefahren frühzeitig zu erkennen, bei
massiver Alkoholisierung beeinträchtigt. So gefährde sie sich und andere, wenn sie
brennende Zigaretten herumliegen lasse oder in alkoholisiertem Zustand die Herdplatte
auszuschalten vergesse. Schliesslich sei die Klägerin unter Alkoholeinfluss mehrmals
verwahrlost und ungepflegt aufgefunden worden. Dies zeige, dass sie nicht
durchgängig in der Lage sei, sich selber ausreichend zu pflegen.
Angesichts der langen Vorgeschichte der Alkoholabhängigkeit der Klägerin mit
erheblichen Folgeschäden und zahlreichen stationären Behandlungen in den Kliniken
St. Pirminsberg und Wil sowie im Spital Altstätten ist trotz der seit dem 10. August
2010 eingehaltenen Abstinenz und des aktuell guten Allgemeinzustands davon
auszugehen, dass die Alkoholproblematik und die damit verbundenen Schwierigkeiten
der Klägerin auch weiterhin bestehen werden. Eine nur vorübergehende
Schutzbedürftigkeit liegt deshalb nicht vor.
Insgesamt ist somit das andauernde Bedürfnis der Klägerin nach Beistand und
Fürsorge zu bejahen.
Daraus ergibt sich, dass die besondere Schutzbedürftigkeit der Klägerin im Sinn von
Art. 370 ZGB gegeben ist.
ff) Die in Art. 370 ZGB genannten Voraussetzungen für eine Entmündigung liegen damit
grundsätzlich vor. Es bleibt noch zu prüfen, ob die von der Vorinstanz angeordnete
Massnahme vor dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit und der Subsidiarität
standhält (Deschenaux/Steinauer, Personnes physiques et tutelle, 3. Aufl. 1995,
S. 335). Danach darf eine Person nur dann entmündigt werden, wenn der damit
verfolgte Zweck nicht mit einer die persönliche Freiheit weniger einschränkenden
Massnahme erreicht werden kann (zur Stufenfolge der vormundschaftlichen
Massnahmen vgl. Riemer, Grundriss des Vormundschaftsrecht, 2. Aufl. 1997, S. 149 ff.;
Schnyder/Murer, a.a.O., N 162 zu Art. 369 ZGB). Ziel einer vormundschaftlichen
Massnahme ist es, die negativen Folgen gewisser Schwächezustände zu beheben,
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auszugleichen oder mindestens zu mildern und damit das Wohl des Schwachen zu
gewährleisten. Ist eine Massnahme zur Erreichung dieses Ziels nicht geeignet, hat ihre
Anordnung zu unterbleiben, weil nicht bloss zu weit gehende oder zu milde, sondern
auch untaugliche vormundschaftliche Massnahmen unverhältnismässig und daher
ungesetzlich sind (BGE 5C.74/2003 vom 3. Juli 2003 E. 4.2). Soweit die persönliche
Fürsorge des Schutzbedürftigen durch die Angehörigen oder einer vom urteilsfähigen
Mündigen beauftragten privaten Person umfassend gewährleistet ist und ist diese -
auch bei einem urteilsunfähig Gewordenen - auf diese Weise in der Familie oder in
einer Anstalt dauernd gewährleistet, kann auf die Errichtung einer Vormundschaft
verzichtet werden (vgl. VRKE V-2003/3 vom 11. März 2003, S. 32). Insbesondere stellt
sich vorliegend die Frage, ob die Weiterführung der bestehenden Beistandschaft auf
eigenes Begehren nach Art. 394 ZGB genügen würde.
In Ihrer Klageschrift bringt die Klägerin im Wesentlichen vor, sie werde vom
Psychiatrie-Zentrum und vom Sozialarbeiter Z sehr gut unterstützt. Diese
Unterstützungsmassnahmen würde ihr viel mehr helfen als eine Bevormundung. Sie
lebe alleine und habe ihre Finanzen im Griff; Schulden habe sie keine. Ihre Gesundheit
sei ihr sehr wichtig. Mit den bestehenden Unterstützungsmassnahmen werde sie auch
in Zukunft gegen ihre Krankheit kämpfen. Anlässlich der Verhandlung bestätigte die
Klägerin, mit einer Vormundschaft nicht einverstanden zu sein; sie brauche das nicht.
Sie könne gut mit ihrem Geld umgehen. Sie ziehe es vor, von Fachleuten betreut zu
werden. Sie brauche keine zusätzliche Hilfe: Wenn es ihr nicht gut gehe, so könne sie
ihren Beistand, ihre Freundin oder das Psychiatrie-Zentrum kontaktieren. Mit einer
Beistandschaft sei sie hingegen einverstanden; sie sei froh, jemanden zu haben, an den
sie sich bei Problemen wenden könne.
An der Verhandlung gab Cornelia Kuster, Beistand der Klägerin, an, von einer
Vormundschaft erhoffe sie sich, dass im Falle einer Krise früher eingegriffen werden
könne. Sie sei sich nicht sicher, ob die Klägerin in einer Krisensituation selbstständig
Hilfe holen würde. Durch das enge Betreuungsnetz sei das Verhältnis zur Klägerin viel
besser geworden und sie könnten gute Gespräche miteinander führen. Der Zustand der
Klägerin habe sich derart stabilisiert, dass sie sich darauf beschränken könne, die
Klägerin im Auge zu behalten und mit den Betreuungspersonen in Kontakt zu bleiben.
Der Vertreter der Vorinstanz führte aus, von der Errichtung einer Vormundschaft erhoffe
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er sich, dass Kriseninterventionen insofern einfacher würden, als die Klägerin zu
ambulanten Behandlungen gezwungen werden könne und die Vormundschaftsbehörde
sich im Notfall Zugang zur Wohnung der Klägerin verschaffen könne.
Anlässlich der Verhandlung hinterliess die Klägerin einen guten körperlichen und
psychischen Eindruck. Sie signalisierte Kooperationsbereitschaft und bestätigte, mit
der Weiterführung der bestehenden Beistandschaft auf eigenes Begehren
einverstanden zu sein und auch weiterhin mit dem Beistand und den weiteren
Betreuungspersonen zusammen arbeiten zu wollen. Das Verhältnis zum Beistand
erscheint im heutigen Zeitpunkt harmonisch zu sein, was eine Voraussetzung für das
Funktionieren einer Beistandschaft auf eigenes Begehren nach Art. 394 ZGB ist. Die
Klägerin verfügt über eine gutes und enges Betreuungsnetz, welches ihr die nötige
Unterstützung gibt. Sie wird psychiatrisch vom Psychiatrie-Zentrum betreut, einmal
wöchentlich besucht sie ein Sozialarbeiter der Wohnbegleitung Rheintal und zusätzlich
wird sie von ihrem Hausarzt betreut. Nach Aussage des Beistandes funktioniert der
Informationsfluss zwischen ihr und den Betreuungspersonen sehr gut. Schliesslich ist
die Klägerin seit 2004 bei den "Anonymen Alkoholikern" aktiv. Dieses nach der letzten
Hospitalisierung der Klägerin in der KPK St. Pirminsberg durch den Beistand
aufgebaute Betreuungsnetz hat wesentlich zum gelungenen Übertritt vom
Klinikaufenthalt in den Alltag und damit zum guten Zustand der Klägerin im heutigen
Zeitpunkt beigetragen. Aufgrund des guten Allgemeinzustands der Klägerin, des
positiven Berichts des Beistandes, des engmaschigen Betreuungsnetzes und der
Kooperationsbereitschaft der Klägerin, erscheint im heutigen Zeitpunkt die bestehende
Beistandschaft nach Art. 394 ZGB ausreichend, um der Schutzbedürftigkeit der
Klägerin gerecht zu werden. Als Folge davon erweist sich die von der Vorinstanz
angeordnete Entmündigung als nicht verhältnismässig, soweit sie sich auf Art. 370
ZGB stützt. Die angefochtene Verfügung ist deshalb auch diesbezüglich aufzuheben.
gg) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Ziffern 4.2 bis 4.6 des Dispositivs des
Beschlusses der Vormundschaftsbehörde Rebstein vom 3. März 2010 aufzuheben
sind. Nicht aufzuheben ist dagegen Ziffer 4.1 des Dispositivs, da die bestehende
Beistandschaft auf eigenes Begehren gemäss Art. 394 ZGB bestehen bleibt. Dieses
Ergebnis entspricht einer Gutheissung der Klage.
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4.- Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen,
dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt der Grundsatz der
Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens. Da die Klägerin
vollumfänglich obsiegt, sind ihr keine Kosten aufzuerlegen. Deshalb sind die amtlichen
Kosten von Fr. 2'000.-- der Politischen Gemeinde Rebstein aufzuerlegen (vgl. Art. 13
Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). In Anwendung von Art. 95 Abs. 3 VRP
ist auf deren Erhebung zu verzichten. Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, der
Klägerin den Kostenvorschuss von Fr. 500.-- zurückzuerstatten.