Decision ID: 34864e7a-3433-5a68-8a82-2b4d2f60f416
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Baupolizeikommission der Stadt St. Gallen bewilligte am 12. Mai 2006 den
Umbau und die Erweiterung des im Jahr 1969 erstellten Gebäudes Vers.-Nr. C0000, A.
Strasse 02, 03 und 03a, auf dem Grundstück Nr. C0001 in St. Gallen mit der Auflage,
gegen die A. Strasse verglaste Erker ("Schallschutzerker") und Festverglasungen
anzubringen. Die Auflage wurde damit begründet, wesentliche Änderungen von
Gebäuden mit lärmempfindlichen Räumen dürften nur bewilligt werden, wenn die
Immissionsgrenzwerte nicht überschritten würden. Baubewilligung und Auflage wurden
rechtskräftig. Die Liegenschaft umfasste ursprünglich 22 Wohnungen, das Hotel "T."
mit 35 Zimmern und 64 Betten sowie eine Gaststätte mit 80 Sitzplätzen. Seit dem
Ausbau des Attikageschosses, der Umnutzung des Hotels und der Gaststätte sowie
den Anpassungen der Grundrisse bestehen 39 Wohnungen.
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Bereits am 19. April 2006 hatte das kantonale Tiefbauamt der R. AG, welche damals
Eigentümerin des Grundstücks war, mitgeteilt, für die erforderlichen
Lärmschutzmassnahmen könne nicht mit Beiträgen des Kantons gerechnet werden.
Am 21. August 2007 verlangte die R. AG vom Kanton St. Gallen als Eigentümer der die
Lärmschutzmassnahmen erfordernden A. Strasse im Sinn einer "vorgezogenen
Sanierung" die Übernahme zumindest der Kosten für die "Schallschutzerker" von
Fr. 173'875.95. Das Tiefbauamt trat am 14. Dezember 2007 auf das Begehren um
Erlass einer anfechtbaren Verfügung nicht ein. Es verneinte ein aktuelles
Feststellungsinteresse, da anlässlich der lärmschutzrechtlichen Sanierung der A.
Strasse ein Anspruch auf eine gestaltende Verfügung bestehen werde. Den dagegen
beim Baudepartement des Kantons St. Gallen erhobenen Rekurs zog die X. AG, die
das Grundstück im Lauf des sistierten Verfahrens erworben hatte, am 27. Januar 2012
zurück. Der Rekurs wurde am 1. Februar 2012 abgeschrieben.
B./ Die A. Strasse ist Teil der Kantonsstrasse Nr. 0, welche wesentliche
Lärmemissionen verursacht. An zahlreichen Liegenschaften werden die
Immissionsgrenzwerte und teils auch die Alarmwerte des Lärmschutzrechts deutlich
überschritten. Am 9. November 2010 beschloss die Regierung des Kantons St. Gallen
das Ausführungsprojekt "Kantonsstrasse Nr. 0, St. Gallen: Lärmsanierungsprojekt A.
Strasse, St. Gallen". Da sich Sanierungsmassnahmen an der Strasse und auf dem
Ausbreitungsweg als unverhältnismässig erwiesen, sollen Erleichterungen gewährt
werden. Als Ersatzmassnahme sind Schallschutzfenster vorgesehen. Das Projekt
wurde vom 17. November bis 16. Dezember 2010 in der Politischen Gemeinde St.
Gallen öffentlich aufgelegt. Die Betroffenen wurden mit persönlicher Anzeige vom
Planverfahren und vom Enteignungsbegehren in Kenntnis gesetzt. Die Eigentümerin
des Grundstücks Nr. C0001 wurde darüber informiert, dass der Kanton zur Übernahme
der Kosten für Massnahmen verpflichtet sei, wenn wegen gewährter Erleichterungen
die Alarmwerte nicht eingehalten würden. Bei Lärmbelastungen unter dem Alarmwert
bestehe keine rechtliche Verpflichtung zur Kostenübernahme. Da die Lärmbelastung
bei der Liegenschaft deutlich unter dem Alarmwert liege, seien keine
Schallschutzmassnahmen vorgesehen.
Die X. AG erhob am 16. Dezember 2010 bei der Regierung des Kantons St. Gallen
Einsprache gegen das Projekt im Wesentlichen mit dem Begehren, es seien ihr die
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Aufwendungen für die "Schallschutzerker" von Fr. 173'874.95 nebst Zins zu 5% seit
21. August 2007 zuzusprechen. Mit den Massnahmen seien die festgestellten
Lärmwerte unter die Immissionsgrenzwerte gesenkt worden. Die Alarmwerte würden
einzig deshalb nicht überschritten, weil schon im Jahr 2006 Sanierungsmassnahmen
durchgeführt worden seien. Nach Einspracheverhandlungen vom 6. April und 5. Mai
2011 hielt die X. AG an ihrem Anspruch auf Kostenersatz fest und stimmte einer
Projekttrennung, welche die Ausführung des restlichen Projekts ermöglicht hätte, nicht
zu.
C./ Mit Entscheid vom 10. Januar 2012 wies die Regierung des Kantons St. Gallen
(nachfolgend Vorinstanz) die Einsprache, soweit sie darauf eintrat, ab. Zur Begründung
wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Ersatz des allenfalls verbleibenden Schadens
im Sinn einer formellen Enteignung sei nicht Gegenstand des Verfahrens, so dass
darauf nicht einzutreten sei. Die Einsprecherin wende sich gegen die dem Kanton als
Strasseneigentümer bei der Lärmsanierung gewährten Erleichterungen bezüglich ihrer
Liegenschaft. Sie bestreite indirekt die Zulässigkeit der Enteignung, wenn sie die von
ihr bzw. ihrer Rechtsvorgängerin bezahlten Aufwendungen für die im Jahr 2006
realisierten Lärmschutzmassnahmen geltend mache. Auf die Fragen, welche das
Lärmsanierungsprojekt und die Zulässigkeit der Enteignung beträfen, sei einzutreten.
Liessen sich Lärmimmissionen von bestehenden Strassen durch Massnahmen bei der
Quelle nicht unter den Alarmwert herabsetzen, seien die Eigentümer betroffener
Gebäude verpflichtet, Räume, die dem längeren Aufenthalt von Personen dienten, mit
Schallschutzfenstern oder durch ähnliche bauliche Massnahmen zu schützen. Der
Strasseneigentümer könne sich von der Übernahme der Kosten befreien, wenn er
nachweise, dass die Immissionsgrenzwerte schon zum Zeitpunkt der Baueingabe des
betroffenen Gebäudes überschritten worden seien. Da dies der Fall gewesen sei, sei
die Baubewilligung im Jahr 2006 für die wesentlichen baulichen Änderungen mit der
Auflage von Lärmschutzmassnahmen verbunden worden, für deren Kosten der
Grundeigentümer habe aufkommen müssen. Selbst wenn im Rahmen der
Strassensanierung noch Schallschutzmassnahmen am Gebäude zu treffen wären,
müsste nicht der Strasseneigentümer die Kosten tragen. Von Kosten, welche der
Strasseneigentümer im Rahmen der Lärmsanierung ohnehin übernehmen müsste,
könnte nur dann gesprochen werden, wenn die Liegenschaft nicht umgebaut worden
wäre. Gemäss gängiger Praxis bestehe bei der Sanierung durch den
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Strasseneigentümer keine Berechtigung für Schallschutzmassnahmen bei Gebäuden,
die nach dem 1. Januar 1985, dem Inkrafttreten des Umweltschutzgesetzes, eine
Baubewilligung im Zusammenhang mit einer wesentlichen Änderung erhielten. Das
Sanierungsprojekt sei aufgrund der gemessenen Lärmwerte notwendig, erreiche den
Zweck des Schutzes vor schädlichen und lästigen Einwirkungen und führe zu einem
verhältnismässigen Eingriff in die privaten Rechte der Einsprecherin.
D./ Gegen den am 13. Januar 2012 entgegen genommenen Entscheid erhob die X. AG
(nachfolgend Beschwerdeführerin) mit Eingabe des Rechtsvertreters der früheren
Eigentümerin vom 27. Januar 2012 und Ergänzung vom 27. Februar 2012 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei
der angefochtene Entscheid aufzuheben und es seien ihr Mehraufwendungen für die
realisierten Lärmschutzmassnahmen an der Liegenschaft Nr. C0001 von Fr. 173'874.95
nebst Zins zu 5% seit 21. August 2007 zuzusprechen. Vom Vorbehalt auf
Geltendmachung des Ersatzes des verbleibenden Schadens im Sinn einer
Entschädigung aus formeller Enteignung zufolge der allenfalls zu gewährenden
Erleichterungen sei Vormerk zu nehmen.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 16. März 2012, die Beschwerde
sei abzuweisen. Die Politische Gemeinde St. Gallen verzichtete stillschweigend auf eine
Vernehmlassung. Die Beschwerdeführerin nahm am 30. Mai 2012 Stellung zur
vorinstanzlichen Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin und der Vorinstanz zur Begründung ihrer
Anträge und auf die Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführerin macht im Rahmen der am 9. November 2010
beschlossenen lärmschutzrechtlichen Sanierung der A. Strasse einen Anspruch auf
Ersatz von Aufwendungen geltend, welche im Jahr 2007 beim Umbau und der
Erweiterung des Gebäudes Vers.-Nr. C0000, A. Strasse 02, 03 und 03a, für
Lärmschutzmassnahmen angefallen sind. Für Sanierungen und
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Schallschutzmassnahmen bei Strassen wird gemäss Art. 5 Abs. 1 des
Grossratsbeschlusses über den Lärmschutz (sGS 672.43) das Planverfahren nach dem
Strassengesetz (sGS 732.1, abgekürzt StrG), in welchem unter anderem gegen das
Projekt und die Zulässigkeit der Enteignung Einsprache erhoben werden kann,
sachgemäss durchgeführt (vgl. Art. 39 ff., insbesondere Art. 45 Abs. 1 lit. a und b StrG).
Soweit bei einer lärmschutzrechtlichen Sanierung Schallschutzmassnahmen an
bestehenden Gebäuden zu treffen sind, ist eine Verfügung über die im Einzelnen zu
treffenden Massnahmen sowie die Kostentragung erforderlich (vgl. Botschaft und
Entwurf des Regierungsrates vom 5. Dezember 1989 zum Grossratsbeschluss über
den Lärmschutz, in: ABl 1990 S. 189 ff., S. 205 und 210). Dementsprechend erscheint
es sachgerecht, auch den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten
Ersatzanspruch für früher getroffene Schallschutzmassnahmen im Rahmen des
Sanierungsprojektes zu behandeln.
Dies gilt umso mehr, als das Tiefbauamt des Kantons St. Gallen - im Anschluss an die
unangefochten rechtskräftig gewordene Baubewilligung vom 12. Mai 2006 - bezüglich
des Begehrens um Übernahme der Kosten der "Schallschutzerker" durch den
Strasseneigentümer am 14. Dezember 2007 ein Feststellungsinteresse verneinte und
die Beschwerdeführerin auf das Sanierungsprojekt verwies und der dagegen erhobene
Rekurs – nachdem das Sanierungsprojekt vom 17. November bis 16. Dezember 2010
öffentlich auflag und über die Einsprache am 10. Januar 2012 materiell entschieden
worden war - vom Baudepartement zufolge Rückzugs vom 27. Januar 2012 am
1. Februar 2012 abgeschrieben wurde. Nachdem die zuständige Behörde des Kantons
die Auffassung vertrat, der von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Anspruch
sei im Rahmen des Sanierungsprojekts zu prüfen, erwiese es sich als treuwidrig, ihr
jetzt vorzuhalten, sie hätte den Anspruch im Zusammenhang mit dem Umbau und der
Erweiterung des Gebäudes geltend machen müssen.
Soweit im sachgemäss anwendbaren Planverfahren nach dem Strassengesetz auf eine
allfällige Entschädigung aus formeller Enteignung Bezug genommen wurde, hat die
Vorinstanz zu Recht einen Nichteintretensentscheid gefällt, da diese Entschädigung im
Schätzungsverfahren nach dem Enteignungsgesetz festzulegen ist (vgl. Art. 5 Abs. 1
des Grossratsbeschlusses über den Lärmschutz in Verbindung mit Art. 49 StrG).
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3. In tatsächlicher Hinsicht ist davon auszugehen, dass das Grundstück Nr. C0001, mit
dem 1969 erstellten Gebäude Vers.-Nr. C0000, A. Strasse 02, 03 und 03a, St. Gallen, in
der Wohn- und Gewerbezone WG4a liegt, für welche die Empfindlichkeitsstufe III gilt
(vgl. angefochtener Entscheid vom 10. Januar 2012, act. 2/1a, E. 3c). Die
Immissionsgrenzwerte für Strassenverkehrslärm betragen 65 dB(A) am Tag und 55
dB(A) in der Nacht. Für Betriebsräume gelten um 5 dB(A) höhere Werte. Die Alarmwerte
liegen bei 70 dB(A) am Tag und 65 dB(A) in der Nacht (vgl. Anhang 3 und Art. 42 Abs. 2
der Lärmschutz-Verordnung; SR 814.41, abgekürzt LSV). Für das Gebäude A. Strasse
02 betrugen die Immissionswerte im Zeitpunkt der Erteilung der Baubewilligung im Jahr
2006 gemäss Strassenlärmkataster 71 dB(A) tags und 63 dB(A) nachts; sie lagen damit
über den massgebenden Immissionsgrenzwerten (vgl. Bewilligung der
Baupolizeikommission der Stadt St. Gallen vom 12. Mai 2006, act. 9, INGE-Nummer
08-40, 3/4, S. 14) und am Tag auch über dem Alarmwert für Strassenverkehrslärm. Mit
dem Umbau und der Erweiterung des Gebäudes wurden das Hotel "T." mit 35
Zimmern und die Gaststätte mit 80 Sitzplätzen aufgegeben sowie im Attikageschoss
drei zusätzliche Wohnungen erstellt, so dass sich - nach Grundrissänderungen in allen
Geschossen - die Zahl der Wohnungen von 22 auf 39 erhöhte (vgl. Bewilligung vom
12. Mai 2006, a.a.O., S. 2 und 4). Die Rechtsvorgängerin der Beschwerdeführerin hat
entsprechend der Auflage zur Baubewilligung vom 12. Mai 2006 zur Einhaltung der
Immissionsgrenzwerte der Lärmschutzverordnung insbesondere "Schallschutzerker"
an der Fassade angebracht, welche Kosten von Fr. 173'874.95 verursachten (vgl.
Rechnung der Q. AG, Z., vom 4. Juli 2007; Rekurs-act. 11/6). Die "Schallschutzerker"
führen bei einem vorsichtigen Ansatz zu einer Dämpfung von 8 dB(A) und stellen so die
Einhaltung der Immissionsgrenzwerte sicher (vgl. Lärmgutachten V2 vom 25. April
2006, act. 9 INGE-Nummer 08-40, 30/5, S. 7/8 und Anhang C). Die im Rahmen des
Sanierungsprojekts A. Strasse erstellte Lärmprognose geht für das sanierte Gebäude
der Beschwerdeführerin und das Jahr 2030 von Werten von 66,3 dB(A) am Tag und
58,9 dB(A) in der Nacht aus (vgl. Technischer Bericht vom 10. Januar 2012, act. 9,
INGE-Nummer 10-7732, 4/2, S. 23). Diese Werte liegen unterhalb der Alarmwerte,
jedoch über den Immissionsgrenzwerten.
Die Beschwerdeführerin ging in der Beschwerdeeingabe von für das Jahr 2030
prognostizierten, die Alarmwerte überschreitenden Pegeln von 79,4 dB am Tag und
72,0 dB nachts aus (vgl. act. 5, Beschwerdeergänzung, C1). Bei diesen Werten handelt
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es sich, worauf die Vorinstanz hinweist (vgl. act. 8, Vernehmlassung, lit. D) und was die
Beschwerdeführerin anerkennt (vgl. act. 16, Stellungnahme Ziff. 3), um Emissions- und
nicht um Immissionswerte.
4. Die zuständigen Behörden haben eine Übernahme der Kosten für die
"Schallschutzerker" von Fr. 173'874.95 im Rahmen des Umbaus und der Erweiterung
des Gebäudes Vers.-Nr. C0000 abgelehnt (vgl. dazu nachfolgend E. 4.1.). Mit dem
angefochtenen Entscheid hat die Vorinstanz auch eine Übernahme im Rahmen der
späteren Lärmsanierung der A. Strasse abgelehnt (vgl. dazu nachfolgend E. 4.2.).
4.1. Im Zusammenhang mit dem Umbau und der Erweiterung der Liegenschaft A.
Strasse 02, 03 und 03a sind die lärmschutzrechtlich erforderlichen Massnahmen
(vgl. dazu nachfolgend E. 4.1.1.) und die Kostenregelung darzustellen (vgl. dazu
nachfolgend E. 4.1.2.).
4.1.1. Sind die Immissionsgrenzwerte überschritten, werden gemäss Art. 22 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz; SR 814.01, abgekürzt
USG) Baubewilligungen für neue Gebäude, die dem längeren Aufenthalt von Personen
dienen, nur erteilt, wenn die Räume zweckmässig angeordnet und die allenfalls
notwendigen zusätzlichen Schallschutzmassnahmen getroffen werden. Über den
Wortlaut hinaus erfasst Art. 22 USG auch die wesentliche Änderung bestehender
Gebäude, die vor dem Inkrafttreten des Umweltschutzgesetzes erstellt wurden. Diese
Erweiterung kommt in Art. 31 Abs. 1 LSV zum Ausdruck (vgl. R. Wolf, in: Kommentar
zum Umweltschutzgesetz, Loseblattsammlung 2. Aufl. 2000, N 14 zu Art. 22 USG).
Sind die Immissionsgrenzwerte überschritten, so dürfen gemäss Art. 31 Abs. 1 LSV
Neubauten und wesentliche Änderungen von Gebäuden mit lärmempfindlichen
Räumen nur bewilligt werden, wenn diese Werte durch die Anordnung der
lärmempfindlichen Räume auf der dem Lärm abgewandten Seite des Gebäudes (lit. a)
oder durch bauliche oder gestalterische Massnahmen, die das Gebäude gegen Lärm
abschirmen (lit. b) eingehalten werden können. Die zuständige Baubewilligungsbehörde
hat die Auflage auf diese Bestimmung gestützt. Die Beschwerdeführerin vertritt die
Auffassung, mit der Umnutzung des Hotels sei lärmschutzrechtlich keine wesentliche
Änderung verbunden gewesen.
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Bauliche Änderungen sind wesentlich im Sinn von Art. 31 Abs. 1 LSV, wenn sie den
Konflikt zwischen der Lärmbelastung und den empfindlichen Nutzungen vergrössern,
indem neue lärmempfindliche Räume geschaffen, wesentlich erweitert oder in solche
mit höherer Lärmempfindlichkeit umgewandelt werden. Sie sind somit unter
lärmschutz- und nicht baurechtlichen Gesichtspunkten zu beurteilen. Bleibt das
Konfliktpotential gleich, weil keine zusätzlichen oder wesentlich erweiterten
lärmempfindlichen Räume oder keine Räume mit höherer Lärmempfindlichkeit
entstehen, können Schutzmassnahmen nach Art. 22 Abs. 2 USG im Licht des
Verhältnismässigkeitsprinzips nur verlangt werden, wenn im Rahmen des
Umbauprojekts der bessere Schutz zum dadurch verursachten Zusatzaufwand in
einem vernünftigen Verhältnis steht und zumutbar erscheint. Dies ist der Fall, wenn mit
zumutbarem Aufwand eine spürbare Verbesserung des Lärmschutzes der Bewohner
bzw. Benutzer des Gebäudes erreicht werden kann, beispielsweise wenn durch
Grundrissveränderungen und Zweckänderungen ohnehin in die Bausubstanz
eingegriffen oder ein Haus ausgekernt wird und sich im Zug dieses Projekts unter
Ausnutzung der Synergien zusätzliche oder bessere Schallschutzmassnahmen
realisieren oder die Räume neu anordnen lassen (vgl. Ch. Jäger, Bauen im
lärmbelasteten Gebiet, Interessenabwägung nach Art. 31 Abs. 2 LSV, VLP-ASPAN
Raum&Umwelt Juli 2009, S. 8 mit Literaturhinweisen). Erfasst die Änderung bloss einen
Teil des Gebäudes, sind die Anforderungen von Art. 22 USG bei den von der Änderung
betroffenen Gebäudeteilen einzuhalten. Ein Gebäude, das einer neubauähnlichen
Umgestaltung, die so weit geht, dass die Identität des bisherigen Gebäudes nicht
erhalten bleibt, unterzogen wird, muss die Anforderungen von Art. 22 USG umfassend
erfüllen (vgl. Wolf, a.a.O., N 14/15 zu Art. 22 USG).
Das Gebäude Vers.-Nr. C0000 umfasste vor den baulichen Änderungen im
Wesentlichen 22 Wohnungen, ein Hotel mit 64 Betten in 35 Zimmern und einen
Gastwirtschaftsbetrieb mit 80 Sitzplätzen. Die Baubewilligung vom 12. Mai 2006 betraf
die Erweiterung im Attikabereich, den Umbau der Hotelzimmer und der Gaststätte in
Wohnungen sowie den Anbau hofseitiger Balkone. Nach den baulichen Veränderungen
standen 39 Wohnungen zur Verfügung. Zwar werden Hotelzimmer und natürlich
belüftete Speisesäle in Restaurants sowie Wohn- und Schlafzimmer hinsichtlich der
Lärmempfindlichkeit gleich behandelt (vgl. Bundesamt für Umwelt/Bundesamt für
Strassen, Leitfaden Strassenlärm, Vollzugshilfe für die Sanierung, Bern 2006, S. 31
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Abb. 6, nachfolgend Leitfaden Strassenlärm). Indessen ergibt sich aus der
Baubewilligung, dass der Umbau mit Grundrissänderungen in allen Geschossen und
der Realisation von drei neuen Wohnungen im Attikageschoss verbunden war.
Angesichts des Ausmasses der baulichen Änderungen erscheint die Anordnung der
Auflagen gestützt auf Art. 31 Abs. 1 LSV bzw. auf Art. 22 Abs. 2 USG – die allerdings
nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist – unter dem Gesichtspunkt der
Verhältnismässigkeit als vertretbar. Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, die
Auflage in der Baubewilligung vom 12. Mai 2006 sei zu Unrecht erfolgt, muss ihr die
Rechtskraft dieser Auflagen entgegen gehalten werden. Daran vermag nichts zu
ändern, dass sie geltend macht, auf eine Anfechtung sei einzig aus – ökonomischen -
Opportunitätsgründen verzichtet worden. Es ist deshalb davon auszugehen, dass es
sich bei den "Schallschutzerkern" nicht um freiwillige, sondern um obligatorische
Schallschutzmassnahmen gehandelt hat.
4.1.2. Die Kosten der Massnahmen im Sinn von Art. 31 Abs. 1 LSV trägt gemäss Art. 31
Abs. 3 LSV der Grundeigentümer. Die Beschwerdeführerin bezweifelt die Vereinbarkeit
dieser Regelung mit dem in Art. 2 USG verankerten Grundsatz des
Verursacherprinzips, wonach, wer Massnahmen nach diesem Gesetz verursacht, die
Kosten dafür trägt.
Dass die Kosten der Massnahmen nach Art. 22 Abs. 2 USG, die zwecks Einhaltung der
Immissionsgrenzwerte getroffen werden, gemäss Art. 31 Abs. 3 LSV grundsätzlich vom
Eigentümer des betroffenen lärmempfindlichen Gebäudes zu tragen sind, stellt nach in
der Literatur vertretener Auffassung eine Abweichung vom Verursacherprinzip im Sinn
von Art. 2 USG dar (vgl. Wolf, a.a.O., N 44 zu Art. 22 USG). Danach handelt es sich bei
den vom Eigentümer eines lärmbetroffenen Gebäudes vorgekehrten
Selbsthilfemassnahmen um "Massnahmen nach diesem Gesetz", so dass der
Eigentümer bzw. Inhaber der Anlage gemäss Art. 2 USG kostentragungspflichtig wird
(vgl. Griffel/Rausch, a.a.O., N 12 zu Art. 20 USG).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung erweist sich Art. 31 Abs. 3 LSV jedoch
nicht als gesetzwidrig, da Art. 22 USG dem Bauwilligen die Pflicht zur Ergreifung der
notwendigen zusätzlichen Schallschutzmassnahmen und damit auch die Kostenpflicht
auferlegt, wenn er in einem Gebiet bauen will, wo die Immissionsgrenzwerte bereits
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überschritten sind. Ist der Bauwillige nicht bereit, diese zusätzlichen
Schallschutzmassnahmen zu ergreifen und zu finanzieren, darf ihm im Rahmen von
Art. 22 USG keine Baubewilligung erteilt werden. In diesem Fall muss er warten, bis der
für die Lärmverursachung Verantwortliche in Beachtung der ihm obliegenden Pflicht
(Art. 16 ff. USG) saniert hat (vgl. BGE 120 Ib 76 E. 3d und 4b).
In der Literatur wird indessen auch die Auffassung vertreten, anders als Art. 20 USG,
welcher den Schallschutz bei bestehenden Gebäuden betrifft und den Eigentümer
lärmiger ortsfester Anlagen unter bestimmten Umständen zur Kostentragung
verpflichtet, und Art. 25 USG, welcher die Errichtung unter anderem von Strassen
betrifft und deren Eigentümer zur Übernahme der Kosten von Schallschutzfenstern
oder ähnlicher baulicher Massnahmen verpflichtet, äussere sich Art. 22 USG zur Frage
der Kostentragung nicht. Dass Art. 31 Abs. 3 LSV – auf Verordnungsebene - als
Grundlage für eine Ausnahme vom – im formellen Gesetz vorgeschriebenen -
Verursacherprinzip ausreicht, wird dementsprechend verneint (vgl. Griffel/Rausch,
Kommentar zum Umweltschutzgesetz, Ergänzungsband zur 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf
2011, N 11 zu Art. 22 USG). Da allerdings nach der – in der Literatur kritisierten –
bundesgerichtlichen Rechtsprechung Art. 2 USG nicht unmittelbar anwendbar ist (vgl.
BGE 132 II 371 E. 3.3; 125 I 449 E. 1b; Griffel/Rausch, a.a.O., N 13 zu Art. 2 USG),
kann die Beschwerdeführerin aus dem allgemeinen Prinzip keinen Anspruch ableiten.
Es bleibt deshalb dabei, dass die Rechtsvorgängerin der Beschwerdeführerin als
Bauherrin die Kosten, welche mit dem Umbau und der Erweiterung ihres Gebäudes
verbunden waren, zu tragen hatte. Insoweit bestätigt Art. 31 Abs. 3 LSV lediglich einen
allgemeinen Grundsatz.
Mit Blick auf die Regelung der Pflicht zur Kostentragung in Gesetz und Verordnung bei
Schallschutzmassnahmen an neuen oder wesentlich geänderten Bauten, bei welchen
die Immissionsgrenzwerte überschritten werden, und die dargestellte
bundesgerichtliche Rechtsprechung erweist es sich als richtig, dass die
Grundeigentümerin für den geltend gemachten Kostenersatz auf das Verfahren der
Lärmsanierung durch den Strasseneigentümer verwiesen wurde.
4.2. Für das Lärmsanierungsprojekt "Kantonsstrasse Nr. 0, A. Strasse, St. Gallen" sind
ebenfalls die gebotenen Massnahmen (vgl. dazu nachfolgend E. 4.2.1.) und die
Kostenübernahme (vgl. dazu nachfolgend E. 4.2.2 und 4.2.3) zu klären.
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4.2.1. Gemäss Art. 16 Abs. 1 USG müssen Anlagen, wozu auch Verkehrswege gehören
(Art. 7 Abs. 7 USG und Art. 2 Abs. 1 LSV), die den Vorschriften des Gesetzes oder den
Umweltvorschriften anderer Bundesgesetze nicht genügen, saniert werden.
Unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung sind Emissionen im Rahmen der
Vorsorge soweit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und
wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG). Der Bundesrat erlässt Vorschriften über
die Anlagen, den Umfang der zu treffenden Massnahmen, die Fristen und das
Verfahren (Art. 16 Abs. 2 USG). Für die Durchführung von Sanierungen und
Schallschutzmassnahmen gilt für Strassen – mit Ausnahme der Nationalstrassen – eine
Frist bis 31. März 2018 (vgl. Art. 16 Abs. 2 USG in Verbindung mit Art. 17 Abs. 4 lit. b
LSV). Angesichts dieser Frist kann dem Kanton St. Gallen nicht vorgeworfen werden, er
habe es in rechtswidriger Weise unterlassen, den fraglichen Abschnitt der A. Strasse
bis zum Um- und Ausbau des Gebäudes auf dem Grundstück der Beschwerdeführerin
im Jahr 2006 in lärmschutzrechtlicher Hinsicht zu sanieren.
Wäre eine Sanierung nach Art. 16 Abs. 2 USG im Einzelfall unverhältnismässig,
gewähren die Behörden Erleichterungen, wobei für Lärmimmissionen der Alarmwert
nicht überschritten werden darf (vgl. Art. 17 USG). Lassen sich die Lärmimmissionen
auf bestehende Gebäude in der Umgebung von bestehenden Strassen durch
Massnahmen bei der Quelle nicht unter den Alarmwert herabsetzen, so werden die
Eigentümer der betroffenen Gebäude verpflichtet, Räume, die dem längeren Aufenthalt
von Personen dienen, mit Schallschutzfenstern zu versehen oder durch ähnliche
bauliche Massnahmen zu schützen (vgl. Art. 20 Abs. 1 USG). Diese gesetzlichen
Vorgaben werden im Bereich des Lärmschutzes auf Verordnungsebene konkretisiert.
Gemäss Art. 13 LSV ordnet die Vollzugsbehörde bei ortsfesten Anlagen, die wesentlich
zur Überschreitung der Immissionsgrenzwerte beitragen, nach Anhören der Inhaber der
Anlagen die notwendigen Sanierungen an (Abs. 1). Die Anlagen müssen soweit saniert
werden, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist und
die Immissionsgrenzwerte nicht überschritten werden (Abs. 2). Gestützt auf Art. 14
Abs. 1 LSV gewährt die Vollzugsbehörde Erleichterungen bei Sanierungen, unter
anderem soweit sie unverhältnismässige Kosten verursachen würde (lit. a). Werden
wegen gewährten Erleichterungen die Alarmwerte nicht eingehalten, so verpflichtet die
Vollzugsbehörde die Eigentümer der lärmbelasteten bestehenden Gebäude gestützt
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auf Art. 15 Abs. 1 LSV, die Fenster lärmempfindlicher Räume nach Anhang 1 gegen
Schall zu dämmen.
4.2.2. Die Eigentümer der lärmigen ortsfesten Anlagen tragen gemäss Art. 20 Abs. 1
USG die Kosten für die zur Einhaltung der Alarmwerte notwendigen
Schallschutzmassnahmen. Die Verfahrensbeteiligten sind sich einig, dass die
Lärmsanierung der A. Strasse am Gebäude der Beschwerdeführerin zur Einhaltung der
Alarmwerte keine weiteren Schallschutzmassnahmen verlangt. Aus Art. 20 Abs. 1 USG
ergibt sich damit jedenfalls keine unmittelbare Pflicht des Strasseneigentümers zur
Übernahme der im Jahr 2007 angefallenen Kosten für die "Schallschutzerker".
4.2.3. Zu prüfen ist, ob dem Gesetz darüber hinaus ein Anspruch auf Rückerstattung
von Kosten, welche Grundeigentümer vor der Sanierung der lärmemittierenden festen
Anlage für Schallschutzmassen aufgewendet haben, entnommen werden kann. Vorab
sind die bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. dazu nachfolgend E. 4.2.3.1.), die
Literatur (vgl. dazu nachfolgend E. 4.2.3.2.) sowie die Rechtslage bei besonderen
Lärmsanierungen und die Praxis (vgl. dazu nachfolgend E. 4.2.3.3.) darzustellen.
4.2.3.1. Ob dem Eigentümer gegenüber dem Inhaber der lärmigen Anlage, von welcher
die
übermässige Lärmbelastung ausgeht, ein Anspruch auf Rückerstattung der Kosten
zusteht, hat das Bundesgericht unter Bezugnahme auf die Sanierungspflicht des
Anlageninhabers offen gelassen (vgl. BGE 120 Ib 76 E. 3d).
Zu Art. 25 Abs. 3 USG, welcher die Verhältnisse bei der Erstellung neuer ortsfester
Anlagen regelt und dem Eigentümer der Anlage die Kosten für Schallschutzfenster oder
ähnliche bauliche Massnahmen an den vom Lärm betroffenen Gebäuden überbindet,
wenn die Immissionsgrenzwerte durch Massnahmen bei der Quelle nicht eingehalten
werden können, hat das Bundesgericht festgehalten, die Bestimmung statuiere nur die
Pflicht, die betroffenen Gebäude auf Kosten des Anlageinhabers zu schützen, spreche
sich aber über die Rückerstattung von Kosten für – freiwillig oder gezwungenermassen
– bereits ergriffene Schutzmassnahmen nicht aus (vgl. BGE 126 II 522 E. 48d; BGer 1A.
308-319/1999 vom 10. Januar 2001 E. 3c).
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Im Zusammenhang mit der in Art. 10 des Bundesgesetzes über die Lärmsanierung der
Eisenbahnen (SR 742.144, abgekürzt BGLE) vorgeschriebenen, über Art. 20 USG
hinausgehenden Rückerstattungspflicht von Kosten, welche den Grundeigentümern für
freiwillige passive Schallschutzmassnahmen anfielen, hat das Bundesgericht mit Blick
auf das Massgeblichkeitsgebot von Art. 190 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101) offen gelassen, ob die Besserstellung
der Bahnlärmbetroffenen gegen die Rechtsgleichheit verstösst (vgl. BGer 1A.135-145,
148 und 149/2000 vom 1. Mai 2001, veröffentlicht in Pra 2001 Nr. 146 und URP 2001
S. 454 ff., E. 4).
4.2.3.2. Die Äusserungen in der Literatur sind wenig eindeutig. Nach Aemisegger
(vgl. H. Aemisegger, Aktuelle Fragen des Lärmschutzrechts in der Rechtsprechung des
Bundesgerichts, in: URP 8/1994 S. 441 ff., S. 448 f.) kommt ein Ersatzanspruch am
ehesten in Betracht, wenn dem Inhaber der lärmigen Anlage aus den Massnahmen, die
am lärmempfindlichen Gebäude getroffen wurden, bei einer ihm später auferlegten
Sanierung ein Vorteil erwächst. Wie ein solcher Ersatzanspruch umzusetzen wäre,
müsse sich weisen. Mitunter gebe die Rechtslage aber heute schon Anlass dazu, dass
Bauwillige und Sanierungspflichtige miteinander Kontakt aufnähmen, ihre Absichten
und Pläne besprächen und zur Lösung des Schallschutz- und Sanierungsproblems
unter Umständen bereits im Zusammenhang mit einem Baubewilligungsverfahren
Abmachungen träfen.
Wolf (vgl. a.a.O., N 46 zu Art. 22 USG) vertritt die Auffassung, die Rechtsgrundlage
eines allfälligen Anspruchs sei keineswegs klar. Die speziellen Kostentragungspflichten
der Inhaber lärmiger Anlagen nach Art. 20 Abs. 2 USG und Art. 25 Abs. 3 USG beträfen
nachträgliche Schallschutzmassnahmen (Schalldämmung der Aussenhülle) an
bestehenden Gebäuden und kämen bei Massnahmen nach Art. 22 USG, die
Neubauten bzw. wesentliche Änderungen beträfen und die Einhaltung der
Immissionsgrenzwerte an den offenen Fenstern gewährleisten müssten, nicht zur
Anwendung.
Zu Art. 20 USG, welcher den Schallschutz bei bestehenden Gebäuden regelt und im
Zusammenhang mit Erleichterungen im Einzelfall bei Sanierungen gemäss Art. 17 USG
steht, wird ausgeführt, aus Gesetz und Verordnung gehe nicht hervor, wieweit Kosten
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vorzeitig durchgeführter Schallschutzmassnahmen, welche der Eigentümer eines
lärmempfindlichen Gebäudes aus eigener Initiative getroffen habe, bevor er dazu
verpflichtet worden sei, durch den Anlageinhaber zurückzuerstatten seien. Bei
Massnahmen, die der Eigentümer nach dem Inkrafttreten des Gesetzes durchgeführt
habe, erscheine eine nachträgliche Erstattung der Kosten gerechtfertigt, sofern die
Massnahmen den Anforderungen von Abs. 1 entsprechen und die übrigen
Voraussetzungen einer Kostenübernahme nach Abs. 2 erfüllt seien (vgl. Zäch/Wolf, in:
Kommentar zum Umweltschutzgesetz, Loseblattsammlung, 2. Aufl. 2000, N 43 zu
Art. 20 USG).
4.2.3.3. Für den Bereich der Eisenbahnen regelt das Lärmsanierungsrecht die Frage
der Rückerstattung früherer Aufwendungen ausdrücklich. Gemäss Art. 10 BGLE in
Verbindung mit Art. 33 der Verordnung über die Lärmsanierung der Eisenbahnen (SR
742.144.1, abgekürzt VLE) werden die Kosten für bereits getroffene
Schallschutzmassnahmen bei Belastungen über dem Alarmwert zu 100 Prozent und
bei Belastungen zwischen dem Immissionsgrenzwert und dem Alarmwert zu 50
Prozent zurückerstattet, wenn sie vor Erlass der Plangenehmigung eingebaut worden
sind, gestützt auf die Plangenehmigung nötig sind und die Anforderungen nach Anhang
1 LSV für die Schalldämmung von Fenstern erfüllen (Abs. 1 und 2). Verzinsung und
Abschreibung werden bei der Bemessung des Rückerstattungsbeitrags nicht
berücksichtigt und die Rückerstattung erfolgt in der Regel an die Person, die im
Zeitpunkt der Plangenehmigung Gebäudeeigentümerin ist (Abs. 3 und 4).
Für die Lärmsanierung von Nationalstrassen halten die zuständigen Bundesbehörden
im Sinn einer Richtlinie fest, dass vorfinanzierte Schallschutzmassnahmen an
Gebäuden rückerstattet werden, wenn für das Gebäude eine Sanierungspflicht
bestand, die Lärmbelastung die Mindestgrenze der kantonalen Regelung für
Schallschutzmassnahmen an Gebäuden erreicht oder übersteigt, der Einbau der
Schallschutzmassnahmen nach dem 1. Januar 1985 erfolgte und die schalltechnische
Wirkung der Schallschutzmassnahmen den Anforderungen nach Anhang 1 der LSV
genügt (vgl. Leitfaden Strassenlärm S. 39). Die Kantone können die Richtlinie bei der
Sanierung eigener Strassen als Vollzugshilfe heranziehen (vgl. Leitfaden Strassenlärm
S. 7).
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4.2.2.4. Das Gesetz muss in erster Linie aus sich selbst heraus, das heisst nach dem
Wortlaut, Sinn und Zweck und den ihm zu Grunde liegenden Wertungen auf der Basis
einer teleologischen Verständnismethode ausgelegt werden. Die Gesetzesauslegung
hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass nicht schon der Wortlaut die Norm
darstellt, sondern erst das an Sachverhalten verstandene und konkretisierte Gesetz.
Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung im normativen Gefüge, ausgerichtet auf
ein befriedigendes Ergebnis der ratio legis. Dabei befolgt die Rechtsprechung einen
pragmatischen Methodenpluralismus und lehnt es namentlich ab, die einzelnen
Auslegungselemente einer hierarchischen Prioritätsordnung zu unterstellen.
Insbesondere bei jüngeren Gesetzen sind auch die Gesetzesmaterialien zu beachten,
wenn sie auf die streitige Frage eine klare Antwort geben und dem Richter damit
weiterhelfen (vgl. BGer 4A_210/2012 vom 29. Oktober 2012 E. 2.4 mit Hinweis unter
anderem auf BGE 137 V 167 E. 3.2; 135 III 20 E. 4.4).
Weder die Bestimmungen des Gesetzes noch jene der Verordnung verlangen vom
Betreiber einer lärmigen Anlage ausdrücklich eine Entschädigung von Aufwendungen
für vorgezogene Sanierungsmassnahmen an lärmbelasteten Gebäuden. Bei
wesentlichen baulichen Veränderungen bestehender Gebäude mit lärmempfindlichen
Räumen, bei denen die Immissionsgrenzwerte nicht eingehalten werden, hat der
Grundeigentümer die Kosten für bauliche oder gestalterische Massnahmen zu tragen
(vgl. Art. 22 Abs. 1 USG und Art. 31 Abs. 1 und 3 LSV). Auch in diesem
Zusammenhang hat der Gesetzgeber keinen ausdrücklichen Rückerstattungsanspruch
vorgesehen (vgl. dazu oben E. 4.1.2.). Bei der Sanierung ortsfester lärmiger Anlagen hat
deren Eigentümer - falls sich die Lärmimmissionen auf bestehende Gebäude durch
Massnahmen bei der Quelle nicht unter den Alarmwert herabsetzen lassen - die Kosten
für die notwendigen Schallschutzmassnahmen grundsätzlich (vgl. Art. 20 Abs.1 USG),
d.h. vorbehältlich der vom Gesetz genannten Ausnahmen (vgl. Art. 20 Abs. 2 USG) zu
tragen. Die Bestimmung knüpft an den notwendigen Massnahmen an. Abzustellen ist
deshalb auf den Zustand eines Gebäudes im Zeitpunkt der Sanierung. Diese Lösung
erweist sich auch aus praktischen Gründen als sachgerecht, zumal eine Pflicht zur
nachträglichen Entschädigung kaum einer einfachen Regelung im Sinn einer
Lückenfüllung durch den Rechtsanwender zugänglich wäre. Zu entscheiden wäre
insbesondere, für welchen Zeitraum eine solche Entschädigungspflicht gelten, auf
welche Investitionen sie sich beziehen und ob dabei auch eine Verzinsung oder – im
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Gegenteil – eine Abschreibung berücksichtigt werden sollte. Dass das Gesetz keinen
Rückerstattungsanspruch für "vorgezogene" Schallschutzmassnahmen vorsieht, lässt
sich auch aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ableiten, welche die Frage, ob
sich eine gegen das Rechtsgleichheitsgebot verstossende Besserstellung von
Bahnlärmbetroffenen ergebe, offen gelassen hat (vgl. dazu oben E. 4.2.3.1), mithin also
davon ausgegangen ist, dass grundsätzlich kein Anspruch auf einen Ersatz solcher
Kosten besteht.
Art. 20 Abs. 2 lit. a USG schliesst eine Pflicht des Eigentümers der lärmigen Anlage zur
Übernahme der Kosten aus, wenn die Baueingabe für das betroffene Gebäude in
einem Zeitpunkt erfolgte, in welchem die Immissionsgrenzwerte nachweislich bereits
überschritten waren. Die Verfahrensbeteiligten sind sich einig, dass die A. Strasse im
Bereich der Liegenschaft der Beschwerdeführerin die Emissionsgrenzwerte bereits im
Zeitpunkt der Bewilligung des Umbaus und der Erweiterung des Gebäudes am 12. Mai
2006 überschritt. Die Vorinstanz geht davon aus, mit diesen baulichen Änderungen sei
ein Anspruch auf Kostenübernahme durch den Anlagenbetreiber untergegangen. Die
Beschwerdeführerin vertritt demgegenüber die Auffassung, bei der Anwendung von
Art. 20 Abs. 2 lit. a USG dürfe nicht auf den Zeitpunkt der Erteilung dieser
Baubewilligung abgestellt werden, da ein bloss beschränkter Umbau mit
überwiegender Renovation der bestehenden Bausubstanz vorliege und keine
wesentliche Änderung im Sinn von Art. 31 LSV stattgefunden habe. Massgebend sei
der Zeitpunkt der Erstellung des Gebäudes im Jahr 1969. Dass die
Immissionsgrenzwerte bereits damals überschritten worden seien, habe der
Strasseneigentümer aber nicht nachgewiesen. Da der Grundsatz von Art. 20 Abs. 1
USG wie dargestellt von der Übernahme der Kosten "notwendiger" Massnahmen
ausgeht, kann die Frage, ob der im Jahr 2006 bewilligte Um- und Ausbau eine
Baueingabe im Sinn von Art. 20 Abs. 2 Ingress USG darstellt, offen bleiben.
Ein Anspruch des Grundeigentümers auf Entschädigung von Aufwendungen
vorgezogener Sanierungsmassnahmen durch den Betreiber der lärmigen Anlagen lässt
sich schliesslich auch nicht aus dem Verursacherprinzip, wie es in Art. 2 USG verankert
ist, ableiten, da diese Bestimmung nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung den
abgaberechtlichen Anforderungen an eine gesetzliche Grundlage nicht genügt und
deshalb auch nicht direkt anwendbar ist (vgl. dazu oben E. 4.1.2.). Dementsprechend
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kann die Beschwerdeführerin auch gestützt auf das Verursacherprinzip gegenüber dem
Eigentümer der lärmigen Anlage keinen Anspruch auf Entschädigung für die im Jahr
2006 anlässlich des Umbaus und der Erweiterung des Gebäudes Vers.-Nr. C0000
getätigten Aufwendungen ableiten.
Die Rechtsordnung geht davon aus, dass grundsätzlich der Eigentümer die Kosten für
den Unterhalt und die Erneuerung der Schallschutzmassnahmen an seinem Gebäude
zu tragen hat. Im Sinn einer Ausnahme hat der Betreiber einer lärmigen öffentlichen
Anlage, dem Erleichterungen gewährt wurden, die Kosten für die notwendigen
Schallschutzmassnahmen an lärmbetroffenen Gebäuden zu übernehmen, wobei die
gesetzliche Regelung auch hier Ausnahmen vorsieht. Die Kosten für den Unterhalt und
die Erneuerung dieser Massnahmen trägt hingegen entsprechend dem allgemeinen
Grundsatz wiederum der Gebäudeeigentümer (vgl. Art. 16 Abs. 1, 2 und 4 LSV). Gesetz
und Verordnung regeln die Pflicht zur Kostentragung für Schallschutzmassnahmen
ohne planwidrige Unvollständigkeit und damit abschliessend. Dementsprechend ist
davon auszugehen, dass keine von der rechtsanwendenden Behörde zu schliessende
Lücke im Gesetz vorliegt.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die beim Um- und Ausbau des Gebäudes Vers.-
Nr. C0000 angefallenen Kosten für Schallschutzmassnahmen, welche zur Einhaltung
der Immissionsgrenzwerte erforderlich und gesetzlich vorgeschrieben waren, von der
damaligen Grundstückeigentümerin zu tragen waren. Bei der Lärmsanierung der A.
Strasse waren in der Folge am Gebäude der Beschwerdeführerin keine
Schallschutzmassnahmen notwendig, weil – wenn auch dank der von der
Grundeigentümerin früher getroffenen vorgeschriebenen Massnahmen - die
Alarmwerte nicht überschritten wurden, so dass den Strasseneigentümer auch keine
Pflicht zur Kostentragung treffen konnte.
6. Der von der Beschwerdeführerin beantragte Beizug der gesamten Bauakten bei der
Stadt St. Gallen erübrigt sich, da aus der Vorprüfung und der Bewilligung des
Baugesuchs vom 21. Oktober 2005 und vom 12. Mai 2006 (vgl. act. 9, INGE-Nummer
08-40, 3/3 und 3/4) die für den Entscheid wesentlichen Tatsachen, insbesondere der
Umstand, dass die Schallschutzmassnahmen gestützt auf Art. 31 Abs. 1 LSV
angeordnet wurden, hervorgehen. Entsprechendes gilt für das Schreiben vom 11. April
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2006 der damaligen Grundeigentümerin an das Tiefbauamt des Kantons St. Gallen, auf
dessen Fehlen in den Akten die Beschwerdeführerin hinweist. Soweit dessen Inhalt für
den vorliegenden Entscheid relevant ist, kann er aus den übrigen Verfahrensakten ohne
Weiteres erschlossen werden. Ebensowenig ist die Durchführung eines Augenscheins
erforderlich. Auf die Abnahme beantragter Beweismittel kann verzichtet werden, wenn
der Richter aufgrund der abgenommenen Beweise seine Überzeugung gebildet hat
(vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003,
Rz. 988 mit Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung).
7. (...).