Decision ID: e4c727b2-7fb2-4fbd-ba9b-039429154acd
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfachen Betrug etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht in Strafsachen, vom 4. Dezember 2014 (GG140038)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 16. Juni 2014 ist
diesem Urteil beigeheftet (HD Urk. 17).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB be-
treffend HD (B._), ND 1 (C._), ND 2 (D._), ND 3
(E._), ND 4 (F._), ND 5 (G._), ND 6 (H._), ND 7
(I._), ND 8 (J._), ND 11 (K._) und ND 12 (L._)
− der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB
betreffend ND 4 (F._), ND 5 (G._) sowie ND 8 (M._
GmbH / J._)
− des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB betreffend
ND 4 (F._) und ND 8 (M._ GmbH / J._)
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu
Fr. 80.– (wovon bis und mit heute 15 Tagessatz als durch Haft geleistet gilt).
3. Diese Geldstrafe ist im Umfang von 180 Tagessätzen (abzüglich der bereits
als durch Untersuchungshaft geleistet geltenden 15 Tagessätze) innert der
von der Vollzugsbehörde anzusetzenden Frist zu bezahlen.
Der Vollzug der restlichen Geldstrafe von 180 Tagessätzen wird aufgescho-
ben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.
4. Der Beschuldigte wird anerkennungsgemäss verpflichtet dem Privatkläger
B._ Fr. 460.– als Schadenersatz zu bezahlen. Im Mehrbetrag (Zins seit
Ereignisdatum) wird das Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilpro-
zesses verwiesen.
- 3 -
5. Der Beschuldigte wird anerkennungsgemäss verpflichtet den Privatklägern
C1._, C2._, C3._ und C4._ je Fr. 509.40 (insgesamt
Fr. 2'037.60) als Schadenersatz zu bezahlen. Im Mehrbetrag werden die
Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
6. Der Beschuldigte wird anerkennungsgemäss verpflichtet dem Privatkläger
D._ Fr. 780.– als Schadenersatz zu bezahlen. Im Mehrbetrag (Zins seit
Ereignisdatum) wird das Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilpro-
zesses verwiesen.
7. Der Beschuldigte wird anerkennungsgemäss verpflichtet dem Geschädigten
E._ Fr. 830.– als Schadenersatz zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Schadenersatzbegehren abgewiesen.
8. Der Beschuldigte wird anerkennungsgemäss verpflichtet dem Privatkläger
H._ Fr. 813.– als Schadenersatz zu bezahlen.
9. Der Beschuldigte wird anerkennungsgemäss verpflichtet der Privatklägerin
I._ Fr. 7'541.97 als Schadenersatz zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird
das Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
10. Der Beschuldigte wird anerkennungsgemäss verpflichtet dem Privatkläger
K._ Fr. 1'380.20 als Schadenersatz zu bezahlen. Im Mehrbetrag (Zins
seit 15. Juli 2013) wird das Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivil-
prozesses verwiesen.
11. Der Beschuldigte wird anerkennungsgemäss verpflichtet dem Privatkläger
L._ Fr. 6'400.– als Schadenersatz zu bezahlen. Im Mehrbetrag (Zins
seit 22. Juli 2013) wird das Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivil-
prozesses verwiesen.
12. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger
G._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-
satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadener-
- 4 -
satzanspruches wird der Privatkläger G._ auf den Weg des Zivilprozes-
ses verwiesen.
13. Der Beschuldigte wird anerkennungsgemäss verpflichtet dem Privatkläger
F._ Fr. 4'100.– als Schadenersatz zu bezahlen. Im Mehrbetrag (Zins
seit Ereignisdatum) wird das Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zi-
vilprozesses verwiesen.
14. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Geschädigten
M._ GmbH aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach
schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des
Schadenersatzanspruches wird die Geschädigten M._ GmbH auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
15. Der Beschuldigte wird anerkennungsgemäss verpflichtet dem Privatkläger
J._ Fr. 2'000.– als Schadenersatz zu bezahlen.
16. Die Privatkläger B._, C1._, C2._, C3._, C4._,
D._, F._, G._, H._, I._ und K._ werden mit ih-
ren Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
17. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 6'830.15 Auslagen Vorverfahren
Fr. 2'500.00 Gebühr Anklagebehörde
18. Rechtsanwalt Dr. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger aus der Gerichtskasse mit Fr. 9'054.40 (inkl. MwSt.) entschädigt.
19. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
- 5 -
20. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 56)
1. Herr A._ sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Es sei Herr A._ eine Genugtuung nach richterlichem Ermessen
zuzusprechen.
3. Die Verfahrenskosten - d.h. die Kosten sowohl der gerichtlichen Ver-
fahren wie auch des Vorverfahrens - seien vollumfänglich dem Staat
aufzuerlegen.
4. Der amtliche Verteidiger sei für seinen Aufwendungen gemäss einge-
reichter Honorarnote zu entschädigen.
b) Der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis:
(Urk. 50, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
- 6 -

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte und Gegenstand der Berufung
1.1. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Dietikon, Einzelgericht
in Strafsachen, vom 4. Dezember 2014 der mehrfachen Veruntreuung, der mehr-
fachen Urkundenfälschung sowie des mehrfachen Betrugs im Sinne der Anklage
schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu Fr. 80.–
bestraft; im Umfang von 180 Tagen wurde der Vollzug der Strafe aufgeschoben,
im Übrigen – unter Anrechnung der erstandenen Haft – war die Strafe zu bezah-
len. Schliesslich wurde über die Zivilansprüche der Privatkläger befunden (Urk 43
S. 45 ff.).
1.2. Der Beschuldigte meldete am 15. Dezember 2014 rechtzeitig Berufung ge-
gen das vorinstanzliche Urteil an (Urk. 39; Urk 35/2). Die Berufungserklärung da-
tiert vom 23. Juli 2015 (Urk. 44) und erfolgte damit ebenfalls fristgerecht (vgl.
Urk. 42/2). Weder hat die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung erhoben (vgl.
Urk. 47, 50; Art. 400 Abs. 2 f. und Art. 401 StPO), noch wurden im Berufungsver-
fahren Beweisergänzungsanträge gestellt (Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 44 S. 3;
Urk. 50; Prot. II S. 4 ff.). Von den Privatklägern hat sich niemand vernehmen las-
sen (vgl. Urk. 47 f.). Schliesslich ersuchte die Staatsanwaltschaft um Dispensation
von der Beteiligung vom weiteren Verfahren (Urk. 50); ihr wurde das Erscheinen
an der Berufungsverhandlung freigestellt.
1.3. Der Beschuldigte hat die Berufung gegen das angefochtene Urteil be-
schränkt (Urk. 44 S. 2; Art. 399 Abs. 4 StPO). Die Staatsanwaltschaft trägt auf
Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheides an; im Berufungsverfahren sind
demzufolge die Regelung diverser Zivilansprüche (Urteilsdispositiv-Ziffern 4 bis
11, 13, 15 und 16) sowie die Kostenfestsetzung (Urteilsdispositiv-Ziffern 17 und
18) nicht angefochten. Da der Beschuldigte beantragte, die Kosten der Untersu-
chung und der gerichtlichen Verfahren auf die Gerichtskasse zu nehmen, hat Ur-
teilsdispositiv-Ziffer 20 als mitangefochten zu gelten, enthält diese nebst der Ver-
legung der Kosten der amtlichen Verteidigung auf die Gerichtskasse doch einen
- 7 -
Rückforderungsvorbehalt zu Lasten des Beschuldigten. Die Rechtskraft dieser
Dispositiv-Ziffern ist vorab mit Beschluss festzustellen.
1.4. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die Urteilsdispositiv-
Ziffern 1 (Schuldspruch), 2 und 3 (Sanktion und Vollzug), 12 und 14 (Schadener-
satzforderungen) sowie 19 (Kostenverlegung). Ziffer 20 (Verlegung der Kosten
der amtlichen Verteidigung) gilt, wie bereits erwähnt, als mitangefochten. Der Be-
schuldigte beantragt einen vollumfänglichen Freispruch (Urk. 44 S. 3). Die Kos-
tenfolge sei ausgangsgemäss neu festzulegen.
2. Schuldpunkt
2.1. In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten im Wesentlichen vorgeworfen,
er habe als Geschäftsführer des Reisebüros "N._" im Zeitraum Februar bis
Juli 2013 Be- bzw. Anzahlungen diverser Kunden mit Blick auf zu buchende
Dienstleistungen entgegengenommen, diese Mittel aber weisungswidrig zu eige-
nen Zwecken verwendet. Zudem habe der Beschuldigte in diesem Zusammen-
hang Dokumente gefälscht und ferner einen Reiseanbieter unter Vorspiegelung
der Bezahlung zum Versand von Reiseunterlagen samt Voucher veranlasst. Der
Beschuldigte habe zusammengefasst in neun Fällen Veruntreuungen begangen,
vier Mal Urkunden gefälscht und drei Mal betrogen (HD Urk. 17).
2.2. In der Anklageschrift Ziffer 1.3 wird dem Beschuldigten eine Veruntreuung
zu Lasten D._ im Zeitraum 27. bis 29. Juli 2013 über ca. Fr. 780.– vorgewor-
fen (HD Urk. 17 S. 4). Der Beschuldigte führte in der Untersuchung aus, er sei am
21. oder 22. Juli 2013 nach Deutschland gereist, da er sich zur Geschäftsführung
im Reisebüro nicht mehr befähigt gesehen habe (HD Urk. 1/4/4 S. 6). Diese Ge-
schäftsaufgabe wird von Privatklägern bestätigt (vgl. bspw. ND12 Urk. 4 S. 2). Der
betroffene Privatkläger D._ sagte in seiner polizeilichen Einvernahme vom
23. Oktober 2013 aus, er habe die fraglichen Flüge anfangs Juni 2013 gebucht
und Ende Juni 2013 bezahlt (ND2 Urk. 4 S. 2). Der Tatzeitraum in der Anklage-
schrift entspricht nicht dem Untersuchungsergebnis und ist daher auf ein nicht
näher bekanntes Datum im Juni 2013 zu anzupassen.
- 8 -
2.3. Der Beschuldigte anerkannte den äusseren Sachverhalt im Wesentlichen; er
bestritt indessen, dass er sich habe bereichern wollen oder mit den übergebenen
Geldern andere Schulden getilgt habe. Die Bezahlungen seien auch nicht mit der
Verpflichtung erfolgt, sie direkt an Dritte zu überweisen; die Verantwortung, eine
Reise zu planen und einen Drittanbieter auszuwählen sei ganz bei ihm gelegen.
Er habe keine Urkunden gefälscht und ganz generell keine Straftaten begangen
(HD Urk. 1/4/9 S. 19). Nachfolgend wird der von der Vorinstanz beurteilte Schuld-
punkt zu prüfen sein, wobei der Sachverhalt und die rechtliche Würdigung jeweils
unter den vorgeworfenen Tatbeständen (Veruntreuung, Urkundenfälschung und
Betrug) zusammengefasst werden.
2.4. Vorab darauf hinzuweisen ist, dass die Vorinstanz ausführliche und zutref-
fende Ausführungen zu den Grundsätzen und Regeln der Beweiswürdigung
machte, worauf vollumfänglich verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO;
Urk. 43 S. 7 ff.).
3. Veruntreuung (HD, ND1-3, 5-7 und 11-12)
3.1. Die Vorinstanz erachtete den äusseren Sachverhalt gestützt auf die Zuge-
ständnisse des Beschuldigten und das weitere Untersuchungsergebnis als erstellt
(Urk. 43 S. 10 f. und S. 12-15). Dem ist ausgenommen Anklagesachverhalt Ziffer
1.8 zu ND12 zuzustimmen:
3.1.1. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 5. März 2014 gab der
Beschuldigte zu Protokoll, dass er die Reise zugunsten des Privatklägers L._
(ND12) gebucht und in dessen Beisein auch mit der Firmenkarte bezahlt habe. Es
sei nicht der Reiseveranstalter O._ Konkurs gegangen, sondern diverse an-
dere Unternehmen in der Reisebranche, weshalb keine Kontingente mehr zur
Verfügung gestanden hätten und bei der O._ keine Buchung auf den Namen
des Privatklägers vorhanden gewesen sei (HD Urk. 1/4/8 S. 14). Anlässlich der
Schlusseinvernahme vom 4. April 2014 liess sich der Beschuldigte diesbezüglich
nicht mehr explizit vernehmen (HD Urk. 1/4/9 S. 19). In der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung führte der Beschuldigte aus, die Reise des Privatklägers habe
nicht durchgeführt werden können, da er die Kontingente so nicht mehr bekom-
- 9 -
men habe (Prot. I S. 7). Zu seiner Behauptung aus dem Vorverfahren, er habe die
Reisekosten dem Veranstalter O._ bereits überwiesen, wurde der Beschul-
digte nicht befragt. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte er aus, er glaube,
dass die Kreditkarte belastet, der Betrag aber später wieder gutgeschrieben wor-
den sei. Er sei sich aber nicht sicher (Prot. II S. 11). Insoweit ist der äussere
Sachverhalt demnach bestritten, zumal der Beschuldigte das Nichtgelingen der
vom Privatkläger gebuchten Pauschalreise dem Reiseveranstalter O._ anlas-
tete. Als verwertbare Beweismittel liegen die Aussagen des Beschuldigten, jene
des Privatklägers L._ sowie die Buchungsbestätigung vom 10. Juli 2013 im
Recht.
3.1.2. Aus der vom Beschuldigten unterschriebenen Buchungsbestätigung vom
10. Juli 2013 geht hervor, dass der Privatkläger L._ für den "Flug .../Hotel
P._ 9 Tage/AI+ 2* DZ Inklusive Privat VIP Transfer", Zeitraum: 28.07.-
06.08.2013, Fr. 6'400.– zu zahlen hatte. Mit dem weiteren Vermerk "Noch Offen:
CHF 0.00" wird bestätigt, dass diese Summe dem Beschuldigten bereits überwie-
sen wurde. Schliesslich enthält die Buchungsbestätigung den Vermerk "RO"
(ND12 Urk. 2/1).
3.1.3. In der delegierten polizeilichen Einvernahme vom 18. Dezember 2013 sag-
te der Beschuldigte aus, der Privatkläger L._ habe am 29. Juli 2013 fliegen
wollen und habe auch direkt bezahlt. Sie hätten einige Angebote angeschaut.
Hätte ein Angebot realisiert werden können, so hätte die Zahlung an den Veran-
stalter sofort erfolgen müssen, da es für eine Pauschalreise kurzfristig gewesen
sei und die Vakanzen gering gewesen seien. Aufgrund des Zeitdrucks und der
Krankheit habe er nicht mehr buchen können. Auf Vorhalt der Buchungsbestäti-
gung führte der Beschuldigte aus, dass es sich hierbei um ein Angebot gehandelt
habe, das er habe buchen wollen. Bei O._ habe es sich um eine Buchung
auf Anfrage gehandelt. Dies (gemeint wohl das "RO" auf der Buchungsbestäti-
gung) wäre an sich ein "RQ" und bedeute, dass es sich um ein Angebot auf An-
frage handle. Hätten sie es bekommen, so wäre die Buchung verbindlich gewor-
den und das Angebot hätte sofort bezahlt werden müssen. Dem sei aber nicht so
gewesen. Die Buchung sei nicht frei gegeben worden (HD Urk. 1/4/6 S. 1 ff.).
- 10 -
3.1.4. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. Februar
2014 als Auskunftsperson führte der Privatkläger L._ aus, er sei am 9. oder
10. Juli beim Beschuldigten im Reisebüro gewesen. Jener habe das Hotel
P._ mit der Kreditkarte gebucht; das habe er mit eigenen Augen gesehen.
Der Beschuldigte habe ihm gesagt, dass nach ca. einer Woche die Vouchers
kommen würden. Am 19. Juli 2013 habe er sowohl bei O._ als auch beim
Hotel angerufen und gefragt, ob etwas auf seinen Namen reserviert sei, was ver-
neint worden sei. Der Beschuldigte habe sich in der Folge damit erklärt, dass die
O._ in Konkurs gefallen sei (ND12 Urk. 5 S. 3-5). Daraufhin erfolgte die ein-
gangs wiedergegebene Aussage des Beschuldigten vom 5. März 2014 bei der
Untersuchungsbehörde, er habe die Pauschalreise beim Reiseveranstalter mit der
Firmenkarte bezahlt.
3.1.5. Die Darstellung des Beschuldigten, die Reise bei O._ bezahlt zu ha-
ben, erscheint aus folgenden Gründen als reine Schutzbehauptung. Erstens be-
stätigte der Beschuldigte in seiner ersten einlässlichen Befragung zu diesen The-
ma selber mehrfach, dass er der O._ noch nichts bezahlt hatte, da die Bu-
chung nicht frei gegeben worden sei (HD Urk. 1/4/6 S. 2). Der Beschuldigte legte
ganz generell Wert darauf, eine Buchung gegenüber Dritten zu Gunsten seiner
Kunden so lange als möglich offen zu lassen (vgl. Urk. 30 S. 7). Zweitens deckt
sich dieser Umstand mit der von ihm erstellten Buchungsbestätigung (Hinweis
"RO"). Drittens schliesslich stützte der Beschuldigte seine Darstellung einzig auf
die Aussage des Privatklägers L._ ("Wie er gesagt hat, habe ich die Reise in
seinem Beisein gebucht und auch selbst mit der Firmenkarte bezahlt."; HD
Urk. 1/4/8 S. 14). Der Privatkläger hat indes in seiner Aussage keine Zahlung be-
stätigt, sondern führte einzig aus, dass die Buchung unter Angabe der Kreditkar-
tendaten des Beschuldigten erfolgt sei. Wie der Beschuldigte und der Privatkläger
L._ übereinstimmend ausführten, kam es in der Folge aber zu keiner Bestä-
tigung der Buchung und folglich auch zu keiner Belastung der Kreditkarte.
3.1.6. Der äussere Sachverhalt ist damit auch hinsichtlich des Anklagesachver-
halts Ziffer 1.8. zu ND12 erstellt.
- 11 -
3.1.7. Was den Einwand des Beschuldigten zu Anklageziffer 1.3. (ND2) betrifft,
die vom Privatkläger D._ gebuchten Flüge seien zufolge Insolvenz der Flug-
gesellschaft Q._ nicht durchgeführt worden (Urk. 30 S. 5, Urk. 56 S. 27), ist
darauf hinzuweisen, dass die gebuchten Flüge des Privatklägers und dessen
Bruders gar nicht zur Anklage erhoben wurden. Dem Beschuldigten werden einzig
die zugunsten der Eltern des Privatklägers gebuchten Flüge nach ... mit der
R._ zum Vorwurf gemacht. Die behauptete Insolvenz ist irrelevant und der
Einwand verfängt nicht.
3.2. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung machte der Beschuldigte gel-
tend, dass er kein Reisevermittler sei. Er habe niemanden bewusst betrogen, in-
dem er das Geld genommen habe. Vielmehr habe er immer versucht, die Reisen
so spät wie möglich zu bezahlen, damit für die Kunden keine Storno- oder Umbu-
chungskosten entstehen (Prot. II S. 11 f.). Der Verteidiger führte aus, dass der
Beschuldigte die Funktion eines Reiseveranstalters und nicht diejenige eines Rei-
severmittlers inne gehabt habe. Die Geschädigten hätten Reisen, Hotels und Flü-
ge beim Beschuldigten gebucht und bezahlt, wobei dieser im Gegenzug die ver-
tragliche Pflicht gehabt habe, diese gewünschten Leistungen zu organisieren. Der
Beschuldigte habe als Reiseveranstalter keine Pflicht gehabt, fremde Gelder
zweckgebunden an bestimmte Dritte weiterzuleiten. Er habe die Zahlungen der
Geschädigten als Gegenleistung für die von ihm vertraglich versprochene Organi-
sation eines Fluges, eines Hotels oder eines Pakets von verschiedenen Leistun-
gen entgegen genommen. Damit seien die von den Geschädigten geleisteten
Zahlungen nicht anvertraut gewesen (Urk. 56 S. 3 ff.).
3.3. Die Vorinstanz hat ihre Ausführungen zum inneren Sachverhalt, zum Tatbe-
stand und der Rechtsprechung zur Veruntreuung ausführlich wiedergegeben; es
ist grundsätzlich darauf zu verweisen (Urk. 43 S. 21-25). Ergänzend und präzi-
sierend sei Folgendes festgehalten:
3.4. Kernfrage ist, ob der Beschuldigte als Reiseveranstalter oder als Reisever-
mittler tätig wurde. Der Veruntreuung nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB macht sich
nämlich schuldig, wer ihm anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem
oder eines anderen Nutzen verwendet. Anvertraut ist, was jemand mit der Ver-
- 12 -
pflichtung empfängt, es in bestimmter Weise im Interesse des Treugebers zu
verwenden, insbesondere es zu verwahren, zu verwalten oder abzuliefern. Der in
casu in Frage stehende Tatbestand von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB soll nur jenes
Unrecht erfassen, das mit dem in Abs. 1 umschriebenen strukturell gleichwertig
ist. In den Fällen, in denen Abs. 2 zur Anwendung kommt, erwirbt der Treuhänder
an den erhaltenen Vermögenswerten Eigentum. Er erlangt daher nicht nur eine
tatsächliche, sondern auch eine rechtliche Verfügungsmacht. Die ins Eigentum
des Treuhänders übergegangenen Vermögenswerte sind jedoch bestimmt, wie-
der an den Berechtigten zurückzufliessen oder an einen Dritten weitergeleitet zu
werden. In diesem Sinne sind sie wirtschaftlich fremd. Der Treuhänder ist deshalb
verpflichtet, dem Treugeber den Wert des Empfangenen ständig zu erhalten. Nur
wo diese besondere Werterhaltungspflicht besteht, befindet sich der Treuhänder
in einer vergleichbaren Stellung mit demjenigen, der eine fremde bewegliche Sa-
che empfangen und das Eigentum des Treugebers daran zu wahren hat (BGE
133 IV 21 E. 6.1.2 und 6.2). Wird Geld ausgehändigt, um eigene Verpflichtungen
gegenüber dem Empfänger zu erfüllen, kann der Betrag nicht als anvertraut gel-
ten. Dies gilt auch, wenn die Zahlung dem Empfänger die Honorierung der An-
sprüche eines Dritten ermöglichen soll. Unterlässt es jemand entgegen den von
einer oder beiden Seiten gehegten Erwartungen, einen ihm ausbezahlten Betrag
an einen Dritten weiterzuleiten, kann das Geld nur als anvertraut gelten, wenn er
diese Aufgabe als direkter oder indirekter Stellvertreter des Zahlenden oder des
Dritten zu erfüllen hat. Der Tatbestand ist nicht gegeben, wenn der Empfänger
das Geld auf eigene Rechnung erhält, auch wenn er sich gegenüber der einen
oder anderen Seite zur Weiterleitung verpflichtet hat (vgl. Urteil des BGer vom
23. Februar 2010, 6B_785/2009, E. 2.3).
3.4.1. Der Beschuldigte hielt mit Nachdruck dafür, er sei selbständig, in eigenem
Namen aufgetreten und habe keine Pflicht gehabt, fremde Gelder zweckgebun-
den an bestimmte Dritte weiterzuleiten, sondern einzig, die gebuchten Dienstleis-
tungen zu organisieren. Damit seien ihm keine Mittel anvertraut worden, sondern
er habe eine Gegenleistung für die Organisation und Zusammenstellung der Rei-
se erhalten. Er sei Reiseveranstalter und keine Reisevermittlung gewesen
(Urk. 30 S. 3 f., Urk. 56 S. 3 ff.).
- 13 -
3.4.2. Die Vorinstanz erwog, der Beschuldigte habe als Reisevermittler eine
Pflicht zur Werterhaltung der ihm von den Kunden überlassenen Mittel bis zum
verbindlichen Zustandekommen der jeweiligen Reise gehabt. Veranstalter der
Reisen seien jeweils Drittanbieter gewesen, die regelmässig als Empfänger diver-
ser Zahlungen in den Kontoauszügen des Beschuldigten auftauchen würden
(Urk. 43. S. 23 f.).
3.4.3. Zur Beantwortung der Qualifikation der Verträge gilt es, die einzelnen
Sachverhalte zu differenzieren:
3.5. Nur Flüge (HD, ND1, ND2 und ND11)
3.5.1. Im Anklagesachverhalt Ziffern 1.1.-1.3. und 1.7. bestand die Dienstleistung
des Beschuldigten in der Buchung von Flügen zwischen definierten Destinationen
unter Angabe der entsprechenden Fluggesellschaft (vgl. HD Urk. 8/6 S. 3; ND1
Urk. 5 S. 2; ND2 Urk. 4 S. 3; ND11 Urk. 7 S. 3f.). Hier von der Veranstaltung einer
Reise zu sprechen, geht per se fehl. Selbst wenn der Beschuldigte jeweils nicht
sofort nach Erhalt der Zahlungen buchte, sondern die Flüge solange wie möglich
nur reservierte, um allfällige Annullations- oder Umbuchungsgebühren zu vermei-
den, wie er geltend macht (Prot. II S. 11 f.), ändert dies nichts daran, dass das
Buchen eines Fluges nicht der Veranstaltung einer Reise gleich kommt. Die Pri-
vatkläger buchten beim Beschuldigten Flüge bei spezifischen Fluggesellschaften
und bezahlten ihn für diese Dienstleistung. Mit der Vorinstanz ist in dieser Kons-
tellation ohne weiteres von einer Werterhaltungspflicht des Beschuldigten und
damit einem anvertrauten Vermögenswert im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2
StGB auszugehen.
Der innere Sachverhalt, der objektive und der subjektive Tatbestand der Verun-
treuung sind - entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 56 S. 3 ff.) - unter
Hinweis auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz erstellt (Art. 82 Abs. 4
StPO; Urk. 43 S. 21-25). Der Beschuldigte wusste, dass ihm die Gelder zum
Zweck der Buchung und Bezahlung von Flügen übergeben worden waren und er
über diese nicht frei verfügen durfte. Es kann dem Beschuldigten zwar nicht
nachgewiesen werden, dass er bereits zum Zeitpunkt der Entgegennahme der
Zahlungen vor hatte, seine vertraglichen Verpflichtungen nicht zu erfüllen, aber
- 14 -
spätestens zum Zeitpunkt, als er die ihm anvertrauten Gelder für andere Zwecke
brauchte, als zur Bezahlung der Flüge, verwendete er diese vorsätzlich un-
rechtsmässig. Zur Absicht unrechtmässiger Bereicherung gilt es zu ergänzen,
dass der Beschuldigte selbst eingestand, einige andere Kunden hätten nicht be-
zahlt, woraus ein Negativsaldo resultiert hätte (Prot. I S. 8). Wenn der Beschuldig-
te nun die ihm anvertrauten Gelder dazu verwendete, um anderen Kunden ge-
währte Darlehen zu befriedigen, so liegt bereits darin eine ungerechtfertigte Be-
reicherung.
3.5.2. Mangels Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen ist der Beschul-
digte der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
schuldig.
3.6. Pauschalreisen (ND3, ND5-7 und ND12)
3.6.1. Im Anklagesachverhalt Ziffern 1.4.-1.6., 1.8. und 2. hatte der Beschuldigte
die Buchung einer Pauschalferienreise bestehend aus Flügen, Transfers und Ho-
telaufenthalten als Dienstleistung zu erbringen. Wie die Vorinstanz zutreffend er-
wog, gehörte es zum Geschäftsmodell des Beschuldigten, dass ein Gewinn nur
dann resultierte, wenn es ihm gelang, dieselben Leistungen bei einem anderen
Anbieter oder allenfalls durch kurzfristiges Buchen zu günstigeren Konditionen zu
erhalten (Urk. 43 S. 23). Der Beschuldigte erhob keine Vermittlungsgebühr für
sein Wirken; er war alleinige Ansprechperson für die den Kunden verkauften Rei-
sen:
3.6.1.1. Aus den Akten zu Anklageziffer 1.4. (ND3) geht hervor, dass die ur-
sprüngliche Buchungsbestätigung vom 21. Juni 2013 über den Veranstalter
"S._" lief (Vermerk "S._"; ND 3 Urk. 2/1 f.). Die Bestätigung vom 17. Juli
2013 erfolgte dann mit dem Veranstalter "T._" (ND3 Urk. 2/3; diese Bestäti-
gung erfasst den Hinflug in die Türkei nicht). Aus dem Polizeirapport vom 29. Au-
gust 2013 geht schliesslich hervor, dass der Hinflug gebucht und bezahlt, das Ho-
tel zwar reserviert, nicht aber bezahlt worden war (ND3 Urk. 1 S. 2).
3.6.1.2. Zu Anklageziffer 1.5. (ND6) ist den Akten zu entnehmen, dass der Be-
schuldigte dem Privatkläger H._ mit Datum vom 20. Juni 2013 eine Bu-
- 15 -
chungsbestätigung für eine Pauschalreise nach ... ausstellte (ND6 Urk. 2/1). Der
Privatkläger H._ führte in seiner delegierten polizeilichen Befragung vom 23.
Oktober 2013 aus, dass er vom Beschuldigten nicht über den Anbieter der Reise
informiert worden sei. Er habe bezahlt und der Beschuldigte habe gebucht (ND6
Urk. 5 S. 3).
3.6.1.3. Betreffend Anklageziffer 1.6. (ND7) ist bereits dem eingeklagten Sach-
verhalt zu entnehmen, dass der Beschuldigte Reisearrangements der
U._ GmbH, der V._ GmbH und der W._ GmbH kombinierte, wobei
er teilweise die Flüge separat buchte (HD Urk. 17 S. 5).
3.6.1.4. Zu Anklageziffer 1.8.(ND12) liegt wie in Erwägung 3.1.2. erwogen eine
Buchungsbestätigung des Beschuldigten vor.
3.6.1.5. Hinsichtlich Anklageziffer 2. (ND5) geht schliesslich bereits aus der An-
klageschrift hervor, dass der Beschuldigte bei der vom Privatkläger G._ ge-
buchten Pauschalreise kurzfristig die Fluggesellschaft X._ für die Flüge von
... nach ... durch Y._ ersetzte, bezahlte und in der Folge den Transfer zum
gebuchten Hotel organisierte und beglich.
3.6.2. Zu Gunsten des Beschuldigten und entgegen der Annahme der Vorinstanz
ist in diesen Anklagesachverhalten also davon auszugehen, dass der Beschuldig-
te die Anzahlungen der Privatkläger auf eigene Rechnung erhielt. Auf eine Pflicht
des Beschuldigten als direkter oder indirekter Stellvertreter der Privatkläger Zah-
lungen an die Reiseveranstalter weiterzuleiten, kann unter den soeben dargestell-
ten Umständen nicht geschlossen werden. Einhergehend mit der Auffassung des
Beschuldigten ist er in diesen Fällen als Reiseveranstalter zu bezeichnen. Damit
nahm er Gelder für sich bzw. das Reisebüro ein. Aus gegenseitigen Zuwendun-
gen in synallagmatischen Verträgen entstehen einzig Ansprüche auf Gegenleis-
tungen, nicht aber auf Werterhaltung. Die von den Privatklägern überwiesenen
Vermögenswerte waren daher nicht im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB anvertraut.
3.6.3. Der Beschuldigte ist in den Anklageziffern 1.4.-1.6., 1.8. und 2. (ND3, ND5-
7 und ND12) der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB nicht
- 16 -
schuldig und freizusprechen. Zufolge des Grundsatzes der reformatio in peius ist
in Anklageziffer 2. nicht zusätzlich zu prüfen, ob der Tatbestand des Betrugs zur
Anwendung gelangt.
4. Urkundenfälschung
4.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, eine fingierte Überweisungsanzeige
der Bank Z:_ AG erstellt zu haben, um dem Hotel AA._ in ... vorzuge-
ben, dass die finanziellen Mittel für den Aufenthalt des Privatklägers G._ im
Hotel überwiesen wurden (HD Urk. 17 S. 6 f.; Anklageziffer 2.; ND5). Ferner soll
der Beschuldigte dem Privatkläger F._ eine selber hergestellte, fiktive Zah-
lungsbestätigung des Reiseveranstalters U._ GmbH ausgehändigt haben
(HD Urk. 17 S. 7 f.; Anklageziffer 3.1.; ND4). Sodann habe der Beschuldigte der
Privatklägerin M._ GmbH am 30. April 2013 eine gefälschte Überweisungs-
anzeige der Bank Z._ AG über € 1'471.– via einen Dritten zugehen lassen
(HD Urk. 17 S. 9.; Anklageziffer 3.2.1.; ND8). Schliesslich habe der Beschuldigte
vier Voucher (Hotelgutscheine für das Hotel AB._) derart abgeändert, dass
neu sechs Voucher auf den Privatkläger J._ und dessen Familie lauteten
(HD Urk. 17 S. 10 ff.; Anklageziffer 3.2.2.; ND8). Der Beschuldigte bestritt diesen
Sachverhalt, die Vorinstanz sprach ihn diesbezüglich aber der mehrfachen Ur-
kundenfälschung schuldig (Urk. 43 S. 45).
4.2. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung machte der Beschuldigte gel-
tend, keine Urkunden gefälscht zu haben (Prot. II S. 12 ff.). Der Verteidiger führte
betreffend ND5 (Anklageziffer 2.) aus, eine elektronisch generierte Überwei-
sungsanzeige einer Bank sei nicht geeignet, eine Tatsache von rechtlicher Be-
deutung zu beweisen. Rechtserhebliche Tatsache wäre die Erfüllung der (angeb-
lichen) Geldschuld, d.h. die Gutschrift beim Gläubiger, und nicht die Überweisung
des geforderten Geldbetrages vom Konto des Schuldners. Darüber hinaus wür-
den Überweisungsanzeigen ohnehin jeweils unter dem Vorbehalt der ausreichen-
den Kontodeckung stehen (Urk. 56 S. 10 f.). Das selbe gelte für die Überwei-
sungsanzeige der Z._ gemäss ND8 bzw. Anklageziffer 3.2.1. (Urk. 56 S. 14).
Zu ND4 (Anklageziffer 3.1.) machte der Verteidiger geltend, es sei falsch, dass es
sich bei ND4 Urk. 2/2 um eine (gefälschte) Zahlungsbestätigung der
- 17 -
U._ GmbH handeln solle. Richtigerweise handle es sich dabei um eine Zah-
lungsbestätigung der "N._". Der Beschuldigte habe dem Geschädigten so-
dann nicht vortäuschen wollen, dass die vom Geschädigten getätigte Zahlung
vom Beschuldigten an die U._ GmbH weitergeleitet worden sei, sondern dem
Geschädigten bestätigen wollen, dass dieser seine vertraglich geschuldete Zah-
lung an die als Agentur bezeichnete "N._" vollständig geleistet habe (Urk. 56
S. 12 f.). Betreffend ND8 (Anklageziffer 3.2.2.) führte er aus, dass es sich bei den
Vouchern nicht um Urkunden handle. Diese würden keine Gutscheine darstellen,
welche vorbehaltlos einen Anspruch auf eine Leistung geben oder sogar verkör-
pern würden. Die Gültigkeit der Voucher in der Reisebranche setze immer eine
zugrundeliegende Buchung voraus. Folglich seien Voucher nicht geeignet,
rechtserhebliche Tatsachen zu beweisen (Urk. 56 S. 14 f.).
4.3. Die Vorinstanz hat sich eingehend mit der vorliegenden Beweislage ausei-
nander gesetzt. Sie hat die vorhandenen Beweise sowohl einzeln als auch in ihrer
Gesamtheit gewürdigt und die Personalbeweise einer umfassenden Glaubwürdig-
keits- und Glaubhaftigkeitsprüfung unterzogen. Zur Vermeidung von Wiederho-
lungen kann auf diese Ausführungen verwiesen werden kann (Urk. 43 S. 11 ff.).
Die nachfolgenden Erwägungen verstehen sich als Hervorhebungen und Präzisie-
rungen:
4.3.1. Was die Z._-Überweisungsanzeigen gemäss Anklageziffern 2. und
3.2.1. betrifft, so ist festzuhalten, dass die Aufzeichnung von Bild- und Datenträ-
gern der Schriftform gleich steht, sofern sie demselben Zweck dient (Art. 110 Abs.
4 StGB), weshalb auch einem elektronischen Bankbeleg Urkundencharakter zu-
kommen kann. Auf einem Bankbeleg der Z:_ steht "Ausgeführte Aufträge"
und auf beiden Bankbelegen erscheint ein Ausführungsdatum (ND5 Urk. 2/4, ND8
Urk. 1/3/3). Dies impliziert, dass das Geld erfolgreich dem Empfänger überwiesen
wurde. Damit erscheinen diese Anzeigen durchaus als geeignet, eine Tatsache
von rechtlicher Bedeutung zu beweisen und sind als Urkunden zu verstehen.
4.3.2. Bei Anklageziffer 2. konnte sich der Beschuldigte schlicht nicht erklären,
woher die Z:_-Überweisungsanzeige stammt (Prot. I S. 11). Die Existenz
dieses Schriftstücks ist aber unbestritten. Der Privatkläger G._ hat dem Be-
- 18 -
schuldigten nachgewiesenermassen Fr. 6'450.– für die gebuchten Dienstleistun-
gen bezahlt und dafür eine Quittung erhalten (ND5 Urk. 2/1). Wie die Vorinstanz
richtig erwog, ist völlig abwegig, dass der Privatkläger einen selber fingierten
Überweisungsbeleg seitens des Bankkontos des Beschuldigten an das fragliche
Hotel in Höhe von € 7'620.– faxte, zumal er seiner Pflicht zur Zahlung bereits
nachgekommen war, selbst wenn dem Privatkläger die Bank-Kontonummer des
Beschuldigten aufgrund der Quittung bekannt gewesen sein musste (vgl. Urk. 43
S. 15). Ein unbekannter und unbeteiligter Dritter als Ersteller des Überweisungs-
belegs ist sodann ebenfalls auszuschliessen.
4.3.3. In Anklageziffer 3.1. ist die Urheberschaft der Zahlungsbestätigung vom
Beschuldigten eingestanden, unter Hinweis darauf, dass es eine Urkunde von ihm
sei, kombiniert mit einer Buchungsanfrage des Reiseveranstalters (Prot. I S. 12).
Entgegen der Auffassung des Beschuldigten und einhergehend mit den Erwä-
gungen der Vorinstanz ist indessen nicht von einer ungeschickten Kombination
von einer Zahlungsbestätigung des Beschuldigten samt Offerte des Reiseveran-
stalters auszugehen (vgl. Urk. 30 S. 8, Urk. 43 S. 18 und Urk. 56 S. 12). Zah-
lungsbestätigungen des Beschuldigten selber wurden abweichend gefasst (vgl.
bspw. ND4 Urk. 2/1). Die fragliche Urkunde hat den Beschuldigten als Adressaten
und den Reiseveranstalter U._ GmbH als Absender und erweckt damit den
Eindruck, die U._ bestätige gegenüber dem Beschuldigten den Eingang ei-
ner Zahlung von € 3'312.– (ND4 Urk. 2/2).
4.3.4. Bei Anklageziffer 3.2.1. ergibt sich die Urheberschaft der Überweisungsan-
zeige aus dem E-Mail-Verkehr der Parteien, wie es die Vorinstanz zweifelsfrei
aufzuzeigen vermochte (vgl. Urk. 43 S. 19 f.; ND8 Urk. 1/7).
4.3.5. Bei den Vouchern gemäss Anklageziffer 3.2.2. handelt es sich durchaus um
Urkunden. Es ist nicht entscheidend, ob die Voucher gültig waren, sondern es war
massgebend, dass sie beim Kunden den Eindruck hinterliessen, die Buchung sei
in Ordnung, hatte er doch keine Veranlassung, daran zu zweifeln. Damit waren
sie geeignet, rechtserhebliche Tatsachen zu beweisen. Sodann ist die Existenz
der fiktiven Voucher letztlich wiederum unbestritten und der Beschuldigte kann
sich einfach nicht erklären, was da für ein Fehler passierte (Prot. I S. 12). Der Pri-
- 19 -
vatkläger J._ führte glaubhaft und in Übereinstimmung mit dem übrigen Un-
tersuchungsergebnis aus, die Voucher seien ihm vom Beschuldigten ausgehän-
digt worden. Zusätzliches Indiz für dessen Urheberschaft ist der Umstand, dass
der Beschuldigte geraume Zeit vorher die der Täuschung zu Grunde liegenden
Originalvoucher mit der identischen Hotelgutschein-Nummer verarbeitet hatte.
Wie die Vorinstanz überzeugend erwog, müssen die sechs Voucher vom Be-
schuldigten stammen (Urk. 43 S. 20 f.).
4.3.6. Der relevante Sachverhalt ist erstellt.
4.4. Die Vorinstanz hat die rechtliche Würdigung zutreffend vorgenommen
(Urk. 43 S. 25-28), worauf zu verweisen ist. Der Beschuldigte ist daher der mehr-
fachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB in den Anklagezif-
fern 2., 3.1., 3.2.1. und 3.2.2. schuldig zu sprechen.
5. Betrug
5.1. Dem Beschuldigten wird schliesslich in drei Fällen Betrug vorgeworfen. Mit
der Aushändigung der gefälschten Zahlungsbestätigung des Reiseveranstalters
U._ GmbH an den Privatkläger F._ habe der Beschuldigte ersterem
vorgegeben, die Vorauszahlungen von Fr. 4'100.– tatsächlich für die gebuchte
Reise verwendet zu haben, obwohl der Beschuldigte das Geld für eigene Zwecke
verwendet habe (HD Urk. 17 S. 7 f.; Anklageziffer 3.1.; ND4). Mit der am 30. April
2013 veranlassten Übermittlung der gefälschten Überweisungsanzeige habe die
M._ GmbH im Glauben an die erfolgte Bezahlung Reisedokumente an den
Beschuldigten versandt und sei über € 1'471.– geschädigt worden (HD Urk. 17 S.
9.; Anklageziffer 3.2.1.; ND8). Sodann habe der Privatkläger J._ die sechs
gefälschten Voucher (Hotelgutscheine für das Hotel AB._) vom Beschuldig-
ten im Gegenzug für die übergebenen € 1'375.– erhalten, wobei er die gewünsch-
te Reise nicht habe antreten können und in diesem Betrag geschädigt worden sei
(HD Urk. 17 S. 10 ff.; Anklageziffer 3.2.2.; ND8).
5.2. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten diesbezüglich des mehrfachen Be-
trugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig (Urk. 43 S. 32). Der Beschuldig-
- 20 -
te liess diesen Schuldspruch im Wesentlichen dahingehend bestreiten, dass es
an der gefälschten Urkunde als Tatmittel fehle (Urk. 30 S. 9, Urk. 56 S. 14 und
S. 16 f.). Die Einwendung zur fehlenden gefälschten Urkunde verfängt nicht – wie
soeben erwogen; die Vorinstanz erstellte den Anklagesachverhalt mit zutreffender
Begründung (Urk. 43 S. 15 ff.), worauf vollumfänglich verwiesen werden kann
(Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.3. Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich des Betruges schuldig, wer in der
Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch
Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in
seinem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten be-
stimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt. Für
die Erfüllung des Tatbestands muss die Vermögensverfügung Folge des Irrtums
und dieser wiederum Folge der Täuschung sein. Gänzlich straflos bleibt nach
Art. 146 StGB also, wer jemanden erst irreführt, nachdem er die Vermögensdis-
position bereits getroffen hat (vgl. DONATSCH, Strafrecht III, 10. Auflage, Zürich
2013, S. 236).
5.4. Die Privatkläger F._ und J._ trafen ihre Vermögensdispositionen
gemäss dem verbindlichen Anklagesachverhalt bevor der Beschuldigte mit ge-
fälschten Urkunden an sie herantrat. Die Zahlungen wurden demzufolge nicht
durch eine arglistige Täuschung des Beschuldigten verursacht und eine Verurtei-
lung wegen Betrugs entfällt. Unter Hinweis auf die auch hier zutreffende Erwä-
gung 3.6. kommt in diesen beiden Anklagesachverhalten eine Verurteilung wegen
Veruntreuung ebenso wenig in Frage. Der Beschuldigte ist daher in Anklageziffer
3.1. und 3.2.2. nicht schuldig des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB und
freizusprechen.
5.5. Mangels Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen ist der Beschul-
digte aber unter Hinweis auf die zutreffende Begründung der Vorinstanz (Urk. 43
S. 30 ff.) des vorsätzlichen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in der
Anklageziffer 3.2.1. schuldig zu sprechen.
- 21 -
5.6. Die Vorinstanz hat mit dem Dispositiv betreffend ND4 und ND8 sowohl für
den Tatbestand der Veruntreuung als auch für jenen des Betrugs einen Schuld-
spruch ausgefällt. Das geht nicht an und findet auch in den vorinstanzlichen Er-
wägungen keinerlei Stütze. Es handelt sich wohl um einen offensichtlichen Irrtum
im Rahmen der Formulierung des Dispositivs, welcher zu korrigieren ist, ohne
dass es eines zusätzlichen Freispruchs bedürfte.
6. Strafzumessung
6.1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das
gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei der Bildung einer Gesamtstrafe nach
Art. 49 Abs. 1 StGB vorab der Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestim-
men und alsdann die Einsatzstrafe für die schwerste Tat innerhalb dieses Straf-
rahmens festzusetzen. Schliesslich ist die Einsatzstrafe unter Einbezug der ande-
ren Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen.
Das Gericht hat mithin in einem ersten Schritt gedanklich die Einsatzstrafe des
schwersten Delikts festzulegen, indem es alle diesbezüglichen straferhöhenden
und strafmindernden Umstände einbezieht. In einem zweiten Schritt hat es die
Strafe zu erhöhen, um die weiteren Delikte zu sanktionieren. Auch dort muss es
den jeweiligen Umständen Rechnung tragen (BGE 6B_865/2009 vom 25. März
2010 E. 1.2.2). Als schwerste Tat gilt jene, die gemäss abstrakter Strafdrohung
des Gesetzes mit der höchsten Strafe bedroht ist (BGE 6B_885/2010 vom 7.
März 2011 E. 4.4.1).
6.1.1. Als Strafen sieht das Strafgesetzbuch Geldstrafe gemäss Art. 34 StGB,
gemeinnützige Arbeit im Sinne von Art. 37 StGB und Freiheitsstrafe gemäss
Art. 40 StGB vor. Gemäss Art. 34 Abs. 1 StGB beträgt die Geldstrafe höchstens
360 Tagessätze, sofern das Gesetz nichts anderes vorsieht. Die Zahl der Ta-
gessätze ist nach dem Verschulden des Täters zu bestimmen. Gemäss Abs. 2
derselben Bestimmung beträgt ein Tagessatz höchstens Fr. 3'000.–. Der Vorder-
- 22 -
richter hat zur vorliegend anwendbaren Sanktionsart der Geldstrafe das Nötige
ausgeführt (Urk. 43 S. 38 f.).
6.1.2. Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es be-
rücksichtigt dabei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wir-
kung der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden
wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechts-
guts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des
Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren
Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden
(Art. 47 Abs. 2 StGB). Für die Zumessung der Strafe ist zwischen der Tat- und der
Täterkomponente zu unterscheiden. Bei der Tatkomponente ist als Ausgangs-
punkt die objektive Schwere des Delikts festzulegen und zu bewerten. Dabei ist
anhand des Ausmasses des Erfolgs sowie auf Grund der Art und Weise des Vor-
gehens zu beurteilen, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut beein-
trächtigt worden ist. Ebenfalls von Bedeutung sind die kriminelle Energie, der Tat-
beitrag bei Tatausführung durch mehrere Täter sowie ein allfälliger Versuch. Hin-
sichtlich des subjektiven Verschuldens sind insbesondere das Motiv, die Beweg-
gründe, die Willensrichtung sowie das Mass an Entscheidungsfreiheit des Täters
zu beurteilen. Die Täterkomponente umfasst die persönlichen Verhältnisse, das
Vorleben, insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, und das Verhalten
nach der Tat und im Strafverfahren, insbesondere gezeigte Reue und Einsicht,
oder ein abgelegtes Geständnis (DONATSCH/FLACHSMANN/HUG/WEDER, Kommen-
tar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 13. Aufl., Zürich 2013, Art. 47 N 5 ff.).
6.2. Sowohl für die Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB, die
Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB als auch den Betrug im
Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB sieht das Gesetz eine abstrakte Strafdrohung ei-
ner Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. Vorliegend stehen die
Veruntreuungen im Vordergrund.
6.2.1. Betreffend die objektive Tatschwere ist hervorzuheben, dass der Beschul-
digte das Vertrauen von immerhin sieben Geschädigten missbrauchte. Er brachte
die Geschädigten nicht nur um ihr Geld, sondern verunmöglichte ihnen auch, die
- 23 -
geplanten Ferien antreten zu können. Insgesamt entstand ein Vermögensscha-
den von Fr. 4'657.80. In objektiver Hinsicht wiegt das Verschulden angesichts des
im Vergleich mit anderen Veruntreuungsfällen geringfügigen Deliktbetrags gerade
noch leicht.
6.2.2. Was die subjektive Tatschwere betrifft, so handelte der Beschuldigte – wie
die Vorinstanz zutreffend erwog – einzig aus finanziellen Motiven. Auch in subjek-
tiver Hinsicht ist sein Verschulden als gerade noch leicht einzustufen.
6.2.3. Insgesamt erweist sich eine Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen Geldstrafe
als dem Verschulden angemessen.
6.2.4. Diese für die mehrfache Veruntreuung festgesetzte Einsatzstrafe ist unter
Einbezug des Betrugs und der vier Urkundendelikte zu erhöhen.
6.2.5. Betreffend die objektive Tatschwere hinsichtlich des Betrugs ist hervorzu-
heben, dass der Beschuldigte geplant und recht raffiniert vorging, verwendete er
doch eine vorgängig vorbereitete, gefälschte Überweisungsanzeige der Z._,
die einem Original ähnlich sah. Sein Tatvorgehen zeigt eine nicht unerhebliche
kriminelle Energie. Der Geschädigten M._ GmbH entstand dadurch ein Ver-
mögensschaden von € 1'471.–, was verglichen mit anderen Betrugsfällen jedoch
eine nicht sehr hohe Deliktssumme ist. In objektiver Hinsicht wiegt das Verschul-
den noch leicht. In subjektiver Hinsicht ist zu erwähnen, dass der Beschuldigte
auch hier aus rein finanziellen Motiven handelte. Das Verschulden für den Betrug
wiegt insgesamt noch leicht.
6.2.6. Bezüglich der Urkundendelikte ist zu betonen, dass der Beschuldigte ins-
besondere mit den Überweisungsanzeigen der Z._ Dokumente herstellte, die
Vertrauen erwecken, werden diese doch oft so im Rechtsverkehr verwendet. Er
missbrauchte mit den gefälschten Urkunden das Vertrauen seiner Kunden in die-
se Dokumente. Dies tat er aus rein egoistischen Gründen, nutzte er die gefälsch-
ten Urkunden doch als Mittel, um sich finanziell bereichern zu können. Sein Ver-
schulden wiegt sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht nicht mehr
leicht.
- 24 -
6.2.7. Zusammenfassend rechtfertigt es sich, die Einsatzstrafe von 120 Tagessät-
zen Geldstrafe für die mehrfache Veruntreuung unter Berücksichtigung des Aspe-
rationsprinzips um 90 Tagessätze, mithin auf eine Gesamtstrafe von 210 Tages-
sätzen Geldstrafe zu erhöhen.
6.2.8. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann
auf die Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 43 S. 36
f.). Ebenso hat die Vorinstanz zum Nachttatverhalten das Notwendige ausgeführt.
Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte ergänzend aus, er
arbeite in einer Firma im Bereich der Unternehmensberatung. Der Beschuldigte
ist verheiratet und hat ein Kind (Prot. II S. 7). Aus der Biographie und den persön-
lichen Verhältnissen des Beschuldigten ergeben sich keine Anhaltspunkte, die für
die Strafzumessung von wesentlicher Bedeutung wären. Auch das ins Feld ge-
führte Burnout und die Alkoholprobleme des Beschuldigten bleiben ohne straf-
mindernden Belang, zumal ein direkter strafzumessungsrelevanter Zusammen-
hang zwischen den vorliegenden Delikten und diesen Umständen nicht ersichtlich
ist.
6.2.9. Der Beschuldigte ist mehrfach einschlägig vorbestraft, was erheblich straf-
erhöhend zu veranschlagen ist. Er wurde mit Strafmandat des Untersuchungsrich-
teramtes II, Emmental-Oberaargau, vom 21. April 2006 unter anderem wegen Be-
trugs mit einer Gefängnisstrafe von sieben Tagen belegt; mit Urteil des Bezirksge-
richts Zürich wurde der Beschuldigte sodann wegen mehrfachen Betrugs zu einer
Geldstrafe von 90 Tagsätzen zu Fr. 30.– verurteilt (Urk. 54).
6.2.10. In Würdigung dieser Strafzumessungsgründe erweist sich eine Geldstrafe
von 270 Tagessätzen als angemessen.
6.3. Bei der Geldstrafe richtet sich die Höhe des Tagessatzes nach den persönli-
chen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, na-
mentlich nach Einkommen und - soweit er davon lebt - Vermögen, ferner nach
seinem Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten und
nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB).
- 25 -
6.3.1. Ausgangspunkt für die Tagessatzberechnung ist das Einkommen, welches
dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Dabei bleibt belanglos, aus
welcher Quelle dieses Einkommen stammt. Abzuziehen ist, was gesetzlich ge-
schuldet ist oder dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, so etwa die laufenden
Steuern und die obligatorischen Versicherungsbeiträge. Ausserdem ist das Netto-
einkommen um die Unterhalts- und Unterstützungsbeiträge zu reduzieren, soweit
der Verurteilte ihnen tatsächlich nachkommt. Nicht zu berücksichtigen sind Schul-
den und nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in der Regel auch die
Wohnkosten (BGE 134 IV 68 ff.).
6.3.2. Der Beschuldigte verdient gemäss seinen Angaben mit einem 100 %-
Pensum mit Gewinnbeteiligung Fr. 5'300.– bis Fr. 5'400.– netto pro Monat. Seine
Ehefrau steuert ein Nettoeinkommen von ca. Fr. 5'000.– bei. Die Krankenkassen-
prämie für die ganze Familie beträgt Fr. 850.– und der Beschuldigte erwartet eine
Steuerrechnung von ca. Fr. 4'500.– (Prot. II S. 7). Sodann hat das Ehepaar einen
Sohn, der im unterstützungspflichtigen Alter ist. Angesichts dieser finanziellen
Verhältnisse wäre an sich eine höhere Tagessatzhöhe, als diejenige, welche die
Vorinstanz festgelegt hat, angemessen. Aufgrund des Grundsatzes der reformatio
in peius, ist jedoch die vorinstanzlich auf Fr. 80.– festgesetzte Tagessatzhöhe zu
bestätigen.
6.4. Unter Berücksichtigung aller Aspekte ist der Beschuldigte mit einer Geldstra-
fe von 270 Tagessätzen zu Fr. 80.– zu bestrafen. An die Geldstrafe sind 15 Tage
erstandene Untersuchungshaft anzurechnen (Art. 51 StGB; HD Urk. 3/1 und 16).
7. Vollzug
7.1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit
oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei
Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint,
um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten
(Art. 42 Abs. 1 StGB). Materiell ist demnach das Fehlen einer ungünstigen Prog-
nose vorausgesetzt. Das heisst in Anlehnung an die herrschende Praxis, dass auf
das Fehlen von Anhaltspunkten für eine Wiederholungsgefahr abgestellt wird. Die
- 26 -
günstige Prognose wird also vermutet. Das Gericht kann den Vollzug aber auch
nur teilweise aufschieben, wenn dies notwendig ist, um dem Verschulden des Tä-
ters genügend Rechnung zu tragen (Art. 43 Abs. 1 StGB). Der unbedingt vollzieh-
bare Teil darf hierbei die Hälfte der Strafe nicht überschreiten (Art. 43 Abs. 2
StGB). Der teilbedingte Vollzug ist dann heranzuziehen, wenn der Aufschub we-
nigstens eines Teils der Strafe aus spezialpräventiver Sicht erfordert, dass der
andere Strafteil unbedingt ausgesprochen wird.
7.2. Da vorliegend eine Geldstrafe auszufällen ist, sind in objektiver Hinsicht die
Voraussetzungen zur Gewährung des bedingten Strafvollzuges erfüllt. Der Be-
schuldigte weist eine Vorstrafe über 90 Tagessätze Geldstrafe aus dem Novem-
ber 2010 auf; Art. 42 Abs. 2 StGB gelangt nicht zur Anwendung. Die Vorinstanz
hat aber zutreffend erwogen, dass beim Beschuldigten in einer Gesamtwürdigung
Bedenken am zukünftigen Wohlverhalten bestehen, ist er doch zweifach ein-
schlägig vorbestraft. Aufgrund dieser schlechten Prognose wäre der unbedingte
Strafvollzug in Betracht zu ziehen gewesen, was vorliegend aufgrund des Grund-
satzes der reformatio in peius jedoch nicht in Frage kommt. Die Strafe ist vor die-
sem Hintergrund zur Hälfte zur Bewährung auszusetzen und zur Hälfte für voll-
ziehbar zu erklären.
7.3. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so be-
stimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1
StGB). Angesichts der Vorstrafen und der verbleibenden Bedenken ist eine Pro-
bezeit von drei Jahren anzusetzen.
8. Zivilansprüche
8.1. Ein Geschädigter kann seine aus der Straftat herrührenden Zivilansprüche
gegen den Beschuldigten adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen
(Art. 122 Abs. 1 StPO).
8.2. Die Vorinstanz hat über zwölf Schadenersatzbegehren befunden und sämtli-
che Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen (Urk. 43
S. 45 ff.). Mit der Berufungserklärung verlangte der Beschuldigte die Abweisung
- 27 -
der Schadenersatzbegehren der Privatkläger G._ und M._ GmbH (HD
Urk. 44 S. 3).
8.2.1. Die Vorinstanz stellte mit der Urteilsdispositiv-Ziffer 12 fest, dass der Be-
schuldigte gegenüber G._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze
nach schadenersatzpflichtig sei und verwies die Geschädigte für das Quantitative
auf den Weg des Zivilprozesses (Urk. 43 S. 46). Der Privatkläger hatte im Vorver-
fahren Schadenersatz in der Höhe von Fr. 7200.– zuzüglich Zins zu 5 % seit Er-
eignisdatum geltend gemacht (ND5 Urk. 7/2). In der Schlusseinvernahme aner-
kannte der Beschuldigte auf Vorhalt des Schadenersatzbegehrens die Summe
an, die man ihm nachweislich übergeben habe (HD Urk. 1/4/9 S. 21). Anlässlich
der vorinstanzlichen Hauptverhandlung liess der Beschuldigte sodann durch sei-
nen Verteidiger sämtliche Zivilansprüche der Privatkläger – ausgenommen der
M._ GmbH – im Umfang der Anklageschrift anerkennen (Urk. 30 S. 11 f.).
Der Anklageschrift ist zu entnehmen, dass der Privatkläger G._ dem Be-
schuldigten Fr. 6'450.– übergab und der Beschuldigte Flüge bei der Fluggesell-
schaft Y._ sowie einen Flughafentransfer organisierte und bezahlte (HD Urk.
17 S. 6). In welchem Umfang sich also ein Schaden beim Privatkläger G._
konkret auswirkte, geht weder aus der Anklageschrift hervor, noch ist der Scha-
den zureichend durch Unterlagen des Privatklägers untermauert und beziffert. Die
Zivilklage ist daher auf den Zivilweg zu verweisen (vgl. Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).
Der Sachverhalt ist nicht spruchreif.
8.2.2. Die Vorinstanz stellte mit der Urteilsdispositiv-Ziffer 14 fest, dass der Be-
schuldigte gegenüber der M._ GmbH aus dem eingeklagten Ereignis dem
Grundsatze nach schadenersatzpflichtig sei und verwies die Geschädigte für das
Quantitative auf den Weg des Zivilprozesses (Urk. 43 S. 47). Die M._ GmbH
hat sich im Vorverfahren nie als Privatklägerin konstituiert (vgl. ND8 Urk. 1/8 und
1/10 sowie HD Urk. 16 S. 5); eine Schadenersatzforderung wird denn auch in der
Strafanzeige der M._ GmbH vom 30. Juli 2013 nicht geltend gemacht (ND8
Urk. 1/2). Urteilsdispositiv-Ziffer 14 der Vorinstanz ist damit ersatzlos zu streichen,
zumal eine gar nicht geltend gemachte Forderung weder gutgeheissen, noch ab-
gewiesen werden kann.
- 28 -
9. Kosten- und Entschädigungsfolge
9.1. Wird die beschuldigte Person (teilweise) freigesprochen, so können ihr die
Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig
und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung
erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO).
9.2. Nach der Rechtsprechung zu Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK dür-
fen einem Beschuldigten bei Freispruch nur dann Kosten auferlegt werden, wenn
er durch ein unter rechtlichen Gesichtspunkten vorwerfbares Verhalten die Einlei-
tung eines Strafverfahrens veranlasst oder dessen Durchführung erschwert hat.
Es ist mit der Verfassung ohne weiteres vereinbar, einem nicht verurteilten Be-
schuldigten die Kosten aufzuerlegen, wenn er in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise
gegen eine Verhaltensnorm, die sich aus der Gesamtheit der schweizerischen
Rechtsordnung ergeben kann, klar verstossen und dadurch das Strafverfahren
veranlasst oder dessen Durchführung erschwert hat (vgl. BGer 1B_345/2011, Ur-
teil vom 8. Dezember 2011 E. 3.1).
9.3. Der Beschuldigte hat seine vertraglichen Pflichten unerfüllt gelassen, wie er
auch selber einräumte (Urk. 30 S. 2). Solch ein Vorgehen weicht vom erwarteten
Durchschnittsverhalten ab und erscheint vorliegend auch als kausal für die Einlei-
tung der Untersuchung. Angesichts der konkreten Umstände bewirkte das Verhal-
ten des Beschuldigten die Einleitung des Strafverfahrens. Die Kosten der Unter-
suchung sind dem Beschuldigten daher aufzuerlegen. Im Umfang der Freisprüche
erscheint das gerichtliche Verfahren vor Vorinstanz hingegen nicht als durch das
Fehlverhalten des Beschuldigten verursacht.
9.4. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte ob-
siegt mit seinen Berufungsanträgen teilweise. Allerdings wurde die Strafhöhe
dadurch nicht erheblich geändert. Es rechtfertigt sich daher, dem Beschuldigten
die Kosten beider Gerichtsverfahren zu zwei Dritteln aufzuerlegen und im Übrigen
auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind -
- 29 -
unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang
von zwei Dritteln - auf die Gerichtskasse zu nehmen.
9.5. Der amtliche Verteidiger reichte anlässlich der Berufungsverhandlung die
Honorarnote für seine Aufwendungen im Berufungsverfahren ein (Urk. 57). Die
geltend gemachten Aufwendungen sind ausgewiesen. Der amtliche Verteidiger ist
damit für das Berufungsverfahren mit Fr. 4'500.– (inkl. MwSt) zu entschädigen.