Decision ID: 5d7708c3-6854-4dc8-8e7c-26a2c0b128ed
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Urteil Verwaltungsgericht, 01.07.2010 Steuerrecht, Berichtigung, Art. 197 Abs. 2 und 198 Abs. 1 StG (sGS 811.1). Wird eine in der Steuererklärung einer juristischen Person deklarierte Verlustverrechnung nicht in die Veranlagungsberechnung übernommen und die Veranlagung ohne Verlustverrechnung eröffnet, liegt eine Nichtberücksichtigung eines steuermindernden Sachverhalts vor, nicht ein Versehen, das mittels Berichtigung korrigiert werden kann. Da der Mangel mit einem ordentlichen Rechtsmittel geltend gemacht werden konnte, ist eine Revision nicht möglich. Im übrigen begründet der Mangel keine Nichtigkeit (Verwaltungsgericht, B 2010/28).
Urteil vom 1. Juli 2010
Anwesend: Präsident Prof. Dr. U. Cavelti; Verwaltungsrichter lic. iur. A. Linder,
Dr. B. Heer, lic. iur. A. Rufener; Ersatzrichterin lic. iur. D. Gmünder Perrig;
Gerichtsschreiber lic. iur. Th. Vögeli
_
In Sachen
L. AG,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. R.
gegen
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Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen,Abteilung I/1,
Unterstrasse 28, 9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
und
Kantonales Steueramt,Davidstrasse 41, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
betreffend
Staatssteuern (Gewinn- und Kapitalsteuern 1997)
hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die L. AG deklarierte in ihrer Steuererklärung aufgrund des Rechnungsabschlusses
per 31. Dezember 1997 für das Geschäftsjahr 1997 einen Reinertrag gemäss
Jahresabschluss per Ende 1997 von Fr. 179'367.-- und abzugsfähige Verluste aus fünf
vorhergehenden Geschäftsjahren von Fr. 176'374.--, was einen steuerbaren Reinertrag
von Fr. 2'993.-- ergab. Das kantonale Steueramt setzte den steuerbaren Reingewinn
auf Fr. 509'300.-- fest, wobei es keine Verlustvorträge aus den Vorjahren
berücksichtigte. Ausserdem nahm es verschiedene Aufrechnungen vor. Das
Eigenkapital legte es auf Fr. 307'000.-- fest. Gegen diese Veranlagung erhob die
Steuerpflichtige mit Eingaben vom 16. Januar und 17. Februar 2003 Einsprache. Darin
focht sie die vorgenommenen Aufrechnungen an und beantragte eine mündliche
Verhandlung. Das Einspracheverfahren dauerte mehrere Jahre. Am 27. Dezember 2007
entschied das kantonale Steueramt über die Einsprache. Es entschied, die Einsprache
werde gutgeheissen und die Steuerveranlagung gemäss beiliegender Berechnung zu

Gunsten der Steuerpflichtigen korrigiert. In den Erwägungen hielt sie fest, dass sich
aufgrund der eingereichten Beweismittel und Begründungen und gestützt auf die
Ergebnisse weiterer Abklärungen die vorgenommenen Aufrechnungen nicht
aufrechterhalten liessen. Dem Einspracheentscheid wurden neue
Veranlagungsberechnungen beigefügt. Danach wurde der steuerbare Reingewinn auf
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Fr. 179'300.-- festgelegt, wobei keine Verlustverrechnungen aus den Vorjahren
berücksichtigt wurden. Auf die Verlustverrechnungen wurde auch in den Erwägungen
des Einspracheentscheids nicht eingegangen. Der Einspracheentscheid erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
Am 11. April 2008 stellte das kantonale Steueramt der Steuerpflichtigen eine Rechnung
mit dem Titel "definitive Veranlagungsverfügung aufgrund eines Einspracheentscheids,
Rechnungsabschluss: 31.12.1997" zu. Darin wurde das Steuerbetreffnis aufgrund eines
steuerbaren Reingewinns von Fr. 179'300.-- festgelegt und ein Gesamtsteuerbetrag
von Fr. 36'356.10 in Rechnung gestellt. Unter dem Stichwort "Rechtsmittel" wurde
vermerkt, dass dieser Veranlagungsverfügung ein rechtskräftiger Einspracheentscheid
zugrunde liege und sie nicht mehr anfechtbar sei.
Am 30. Mai 2008 stellte die L. AG beim kantonalen Steueramt ein Begehren, es sei
festzustellen, dass die definitive Veranlagungsverfügung betreffend Gewinn- und
Kapitalsteuern 1997 vom 11. April 2008 nichtig sei, eventuell sei die definitive
Veranlagungsverfügung vom 11. April 2008 zu berichtigen, es sei bis zur
rechtskräftigen Beurteilung dieses Gesuchs auf Vollstreckungsmassnahmen zu
verzichten und der Reingewinn gemäss Rechnungsabschluss per Ende 1997 von Fr.
179'300.-- sei mit dem Verlustvortrag der Geschäftsjahre 1992, 1993 und 1996 von
insgesamt Fr. 178'594.-- zu verrechnen, soweit dieser nicht bereits verrechnet sei,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Entscheid vom 5. Januar 2009 wies das kantonale Steueramt die Gesuche um
Feststellung der Nichtigkeit der Veranlagungsverfügung vom 11. April 2008 und um
Berichtigung der Veranlagungsverfügung vom 11. April 2008 ab. Es erwog, die
Verfügung vom 11. April 2008 sei nicht nichtig. Auch liege kein Rechnungsfehler oder
kein Schreibversehen vor.
B./ Mit Eingabe vom 5. Februar 2009 erhob die
L. AG durch ihren Rechtsvertreter Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit
dem Antrag, der Entscheid des kantonalen Steueramts vom 5. Januar 2009 sei
aufzuheben, es sei festzustellen, dass die Verfügung vom 11. April 2008 nichtig sei,
eventuell sei die Verfügung vom 11. April 2008 zu berichtigen, subeventuell zu
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revidieren, und der Reingewinn gemäss Rechnungsabschluss per Ende Dezember
1997 von Fr. 179'300.-- sei mit dem Verlustvortrag der Geschäftsjahre 1992, 1993 und
1996 von insgesamt Fr. 178'594.-- zu verrechnen und der steuerbare Reingewinn 1997
sei auf Fr. 706.-- festzusetzen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Verwaltungsrekurskommission wies den Rekurs mit Entscheid vom 18. Dezember
2009 ab, soweit sie darauf eintrat. Sie erwog, auf den erstmals im Rekursverfahren
gestellten Antrag, die Veranlagung für die Staats- und Gemeindesteuern 1997 sei zu
revidieren, sei mangels Anfechtungsobjekts nicht einzutreten. Weiter erwog sie, die
Veranlagung sei zwar mangelhaft, hingegen liege keine Nichtigkeit vor. Auch bestehe
kein Raum für eine Berichtigung des Einspracheentscheids vom 27. Dezember 2007.
Das Vorgehen des kantonalen Steueramts könne in verschiedener Hinsicht gerügt
werden. So habe es die Nichtanerkennung der deklarierten Vorjahresverluste bei der
Eröffnung der Veranlagungsverfügung nicht bekannt gegeben. Auch habe es entgegen
dem Antrag in der Einspracheergänzung keine Gelegenheit zur mündlichen Ergänzung
der Einsprache gegeben. Die Einsprache sei neun Jahre nach Abgabe der
Steuererklärung und mehr als fünf Jahre nach der Veranlagung ohne jede aktenkundige
Kontaktnahme mit dem Vertreter der Pflichtigen mit dem pauschalen Hinweis auf die
eingereichten Beweismittel und Begründungen gutgeheissen worden. Die Vorinstanz
verfüge offenbar auch nicht mehr über sämtliche Steuerakten der Pflichtigen. Dies
seien indessen Mängel, die im ordentlichen Rechtsmittelverfahren geltend zu machen
und zu beurteilen gewesen seien.
C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 29. Januar 2010 erhob die L. AG
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. In der innert angesetzter Frist eingereichten
Beschwerdeergänzung stellt sie folgende Anträge:
"1. Der Entscheid der Verwaltungsrekurskommission vom 18. Dez. 2009 sei
aufzuheben.
2. Es sei festzustellen, dass die definitive Veranlagungsverfügung betreffend Gewinn-
und Kapitalsteuer 1997 vom 11. April 2008 aufgrund der Berechnung für die
Steuerveranlagung vom 21. Dezember 2007 (Beilage zum Einspracheentscheid vom
27. Dezember 2007) nichtig sei.
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Eventuell sei die definitive Veranlagungsverfügung betreffend Gewinn- und
Kapitalsteuer 1997 vom 11. April 2008 aufgrund der Berechnung für die
Steuerveranlagung vom 21. Dezember 2007 (Beilage zum Einspracheentscheid vom
27. Dezember 2007) zu berichtigen, subeventuell zu revidieren.
3. Der Reingewinn gemäss Rechnungsabschluss per 31. Dezember von CHF
179'300.-- sei mit dem Verlustvortrag der Geschäftsjahre 1992 von CHF 86'024.--,
1993 von CHF 83'924.-- und 1996 von CHF 8'646.--, abzüglich Reinertrag 1994 von
CHF 1'851.-- und 1995 von CHF 369.--, insgesamt CHF 176'594.--, zu verrechnen, und
der steuerbare Reingewinn 1997 sei auf CHF 2'993.-- festzusetzen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge."
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 2. März 2010 die Abweisung
der Beschwerde.
Das kantonale Steueramt beantragte in seiner Vernehmlassung vom 19. März 2010 die
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne.
Die Beschwerdeführerin erhielt Gelegenheit, zu den Vernehmlassungen der
Verfahrensbeteiligten Stellung zu nehmen. Sie äusserte sich allerdings nicht mehr dazu.
Die Erwägungen des angefochtenen Entscheids sowie die Vorbringen der
Beschwerdeführerin werden, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
dargelegt und gewürdigt.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 196 Abs. 1
und Art. 198 Abs. 2 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt StG; Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist grundsätzlich zur Anfechtung des Rekursentscheids legitimiert,
und ihre Eingaben vom 29. Januar und 23. Februar 2010 entsprechen zeitlich, formal
und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 in Verbindung mit
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Art. 161 StG und Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Insoweit
ist auf die Beschwerde einzutreten.
2. Die Vorinstanz ist auf das Revisionsbegehren mangels Anfechtungsobjekts nicht
eingetreten. Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, sie habe bereits mit dem
Gesuch vom 30. Mai 2008 sinngemäss und konkludent die Korrektur der
angefochtenen Verfügung verlangt. Die Revision sei bei Vorliegen eines
Revisionsgrundes von Amtes wegen vorzunehmen. Der Umstand, dass sie im Gesuch
vom 30. Mai 2008 nicht ausdrücklich auch ein Revisionsbegehren gestellt habe, könne
ihr deshalb nicht schaden.
Zutreffend ist, dass im Steuerrekursverfahren neue Begehren grundsätzlich zulässig
sind. Ein Revisionsbegehren ist allerdings nicht ein neues Begehren im Rahmen eines
ordentlichen Rechtsmittelverfahrens. Vielmehr handelt es sich bei der Revision um ein
ausserordentliches Rechtsmittel, mit welchem die Wiederaufnahme eines rechtskräftig
abgeschlossenen Verfahrens (Veranlagungs-, Einsprache-, Rekurs- oder
Beschwerdeverfahren) verlangt werden kann (vgl. den Titel E des dritten Teils des
VRP). Im Gesuch vom 30. Mai 2008 wurden ein Begehren um Feststellung der
Nichtigkeit mit einem Eventualbegehren um Berichtigung der Berechnung für die
Steuerveranlagung, ein Gesuch um Verzicht auf Vollstreckungsmassnahmen sowie ein
Gesuch um Änderung des Reingewinns gestellt. Dementsprechend hat das kantonale
Steueramt keinen Entscheid im Sinn von Art. 197 Abs. 3 Satz 2 StG gefällt, wonach sie
auf ein Revisionsbegehren nicht eintritt. Zu Recht ging daher die Vorinstanz davon aus,
dass hinsichtlich eines Revisionsbegehrens kein Anfechtungsobjekt vorlag und auf den
im Rekurs als Subeventualbegehren gestellten Antrag auf Revision der Verfügung vom
11. April 2008 nicht einzutreten war.
Im Rechtsbegehren Ziff. 3 der Beschwerde wurde der Antrag auf Änderung des
Reingewinns insoweit geändert, als eine Verlustverrechnung von Fr. 176'374.--
beantragt wird. Insoweit wurde das Begehren gegenüber dem Rekursantrag reduziert.
Dies ist zulässig, zumal das Verwaltungsgericht ohnehin nicht an die Begehren der
Beteiligten gebunden ist (Art. 196 Abs. 2 StG).
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3. Die Beschwerdeführerin hält fest, auch wenn das Hauptbegehren als umfassendster
Antrag auf Feststellung der Nichtigkeit laute, so verlange sie in erster Linie die
Berichtigung der angefochtenen Verfügung, in zweiter Linie deren Revision und in
dritter Linie die Nichtigerklärung.
3.1. Nach Art. 198 Abs. 1 StG können Rechnungsfehler und Schreibversehen in
rechtskräftigen Verfügungen und Entscheiden innert fünf Jahren nach Eröffnung auf
Antrag oder von Amtes wegen von der Behörde, der sie unterlaufen sind, berichtigt
werden. Gegen die Berichtigung oder ihre Ablehnung können Rekurs und Beschwerde
erhoben werden (Art. 198 Abs. 2 StG).
Auch im Schrifttum werden als Berichtigungsgründe Schreib- oder Rechnungsfehler
erwähnt. Diese können auch nach Eintritt der Rechtskraft berichtigt werden. Schreib-
oder Rechnungsfehler können bei der Veranlagungsberechnung, bei der Ausstellung
der Steuerrechnung oder bei der Erstellung der Steuerausscheidung entstehen. Als
Beispiele werden die Verwendung des Einkommenssteuertarifs für Alleinstehende statt
des gesplitteten Tarifs für Verheiratete oder die falsche Berechnung einer pro rata-
Steuer erwähnt, ebenso Additionsfehler (vgl. Weidmann/Grossmann/Zigerlig,
Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl., Muri-Bern 1999, S. 399). Sinn
und Zweck der Berichtigung bestehen darin, rechtskräftige Verfügungen und
Entscheide, die dem wirklichen Willen der Veranlagungsorgane oder der
Justizorgane nicht entsprechen, weil sie an einem Fehler im Ausdruck leiden, möglichst
formlos korrigieren zu können. Die Grundidee ist, dass rechnerische und redaktionelle
Fehler einerseits zunächst leicht übersehen werden und vielfach erst im
Zusammenhang mit dem Steuerbezug oder später entdeckt werden, andererseits aber
leicht geprüft, festgestellt und behoben werden können. Es geht also um die Korrektur
der sogenannten "Kanzleifehler" (vgl. statt vieler K. Vallender, in: Kommentar zum
schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/1, 2. Aufl., Basel 2002, N 4 zu Art. 52 des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
Gemeinden, SR 642.14, abgekürzt StHG). Leicht feststellbare und leicht korrigierbare
Kanzleifehler, welche die Verfügung oder den Entscheid zu einem materiell
gesetzwidrigen Hoheitsakt machen, sollen trotz eingetretener formeller Rechtskraft
möglichst unkompliziert korrigiert werden können. Darunter fallen Versehen bei der
Festlegung der Steuerfaktoren und bei der Ausfertigung der Veranlagung. Diesen
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Anforderungen entspricht Art. 197 StG. Nicht nur Rechnungsfehler bei der Festlegung
des Steuerbetrags, sondern auch solche bei der Veranlagungsberechnung können
korrigiert werden. Es geht bei den Rechnungs- und Schreibfehlern um Versehen; kein
solcher Fehler, sondern ein Fehler in der Willensbildung wird hingegen angenommen,
wenn eine Verfügung oder ein Entscheid so gewollt war, wie er zum Ausdruck gebracht
wurde, aber auf evident irrtümlicher Sachverhaltsfeststellung oder unrichtiger
Auslegung oder Rechtsanwendung basiert (Vallender, a.a.O., N 7 zu Art. 52 StHG).
Im vorliegenden Fall bestehen keine Anhaltspunkte, dass die Verlustverrechnung
infolge eines Rechenfehlers oder eines Schreibversehens nicht in der
Veranlagungsberechnung Eingang fand. Nichts spricht dafür, dass der
Steuerkommissär die Verlustverrechnung vornehmen wollte und es versehentlich
unterliess, diese Verrechnung auf der Veranlagungsberechnung auszuführen bzw. auf
dem entsprechenden Formular zu vermerken. Vielmehr wurde ein Sachverhaltselement,
welches den Steuerfaktor Gewinn beeinflusste, aber nicht mit dem steuerbaren Gewinn
des Geschäftsjahres 1997 in direktem Zusammenhang stand, nicht berücksichtigt. Ob
aufgrund der zur Verfügung stehenden Akten eine Verlustverrechnung überhaupt
gerechtfertigt war, was die Vorinstanz bezweifelte und die Beschwerdeführerin
ausführlich begründet, ist nicht von ausschlaggebender Bedeutung, weshalb auf die
entsprechenden Vorbringen in der Beschwerde nicht weiter einzugehen ist. Das
kantonale Steueramt stellte in seinem Entscheid vom 5. Januar 2009 jedenfalls nicht in
Frage, dass die Voraussetzungen für die Anerkennung der Verlustverrechnung gegeben
waren. Es verhielt sich so, dass der Steuerkommissär einen Sachverhalt, der eine
Steuerminderung begründete, bei der Veranlagung ausser Acht liess. Der
Steuerkommissär hat die Deklaration der Beschwerdeführerin in jenem Punkt nicht
übernommen und die Verlustverrechnung in der Veranlagungsberechnung nicht
aufgeführt. Zutreffend ist, dass Abweichungen von der Steuererklärung spätestens bei
der Eröffnung der Veranlagungsverfügung bekanntgegeben werden müssen (Art. 178
Abs. 2 StG). Das Fehlen dieser Bekanntgabe und das Fehlen des Vermerks der
steuermindernden Tatsache in der Veranlagungsberechnung kann aber nicht
dahingehend gedeutet werden, dass der Steuerkommissär die Deklaration übernehmen
wollte, aber versehentlich nicht in die Berechnung einbezogen hat. Auch ein
ausgewiesener, nie bestrittener Sachverhalt kann nicht auf dem Berichtigungsweg
nachträglich zur Grundlage einer rechtskräftigen Veranlagung gemacht werden, wenn
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er bei der Entscheidfindung ausser Acht gelassen wurde. Es handelte sich, wie das
kantonale Steueramt in seinem Entscheid vom 5. Januar 2009 zutreffend festhält, um
einen Mangel des Inhalts der Verfügung bzw. an der Willensbildung. Der
Steuerkommissär hat es unterlassen, den steuermindernden Sachverhalt zur Grundlage
seines Entscheids zu machen, und hat den mangelhaften Entscheid in der
Veranlagungsberechnung schriftlich festgehalten. Zutreffend hält das kantonale
Steueramt fest, dass in diesem fehlerhaften Handeln kein Verschrieb zu erblicken ist
und der Steuerkommissär nicht etwas anderes schreiben wollte, als er tatsächlich
geschrieben hat. Der Steuerkommissär ging denn auch in der Begründung des
Einspracheentscheids gar nicht auf die Verlustverrechnung ein. Bereits in der
ursprünglichen Veranlagungsberechnung blieb diese unberücksichtigt. Dass bei der
provisorischen Rechnung-stellung eine Verlustverrechnung erfolgt war, ist nicht
massgebend. Provisorische Rechnungen werden aufgrund nicht näher geprüfter
Deklarationen oder anderer Behelfsgrundlagen erstellt und beruhen nicht auf
Tatsachen, die im Rahmen eines Veranlagungsverfahrens festgestellt und geprüft
wurden. Es handelt sich vorliegend um eine allenfalls unrichtige bzw. unvollständige
Feststellung des Sachverhalts im Bereich der steuermindernden Tatsachen. Der
Steuerkommissär hat eine Deklaration eines solchen Sachverhalts bei seiner
Entscheidung nicht berücksichtigt. Darin liegt ein allfälliger inhaltlicher Mangel des
rechtskräftigen Entscheids, nicht aber ein Schreib- oder Rechnungsfehler, der auf dem
Weg der Berichtigung behoben werden kann.
3.2. Nach Art. 197 Abs. 2 StG wird auf ein Revisionsbegehren nicht eingetreten, wenn
der Antragsteller als Revisionsgrund vorbringt, was er bei der ihm zumutbaren Sorgfalt
schon im ordentlichen Verfahren hätte geltend machen können.
Wie erwähnt, ist im Gesuch vom 30. Mai 2008 kein Revisionsbegehren zu erblicken. Ein
solches hätte erst-instanzlich beim Kantonalen Steueramt eingereicht werden müssen.
Im Rekursverfahren bestand diesbezüglich kein Anfechtungsobjekt. Dessen ungeachtet
hätte vorliegend der Mangel des Einspracheentscheids vom 27. Dezember 2007
bereits mit einem ordentlichen Rechtsmittel gerügt werden können. Im
Einspracheentscheid wurde zwar vermerkt, die Einsprache werde gutgeheissen und die
Steuerveranlagung zu Gunsten der Pflichtigen korrigiert. Allerdings verwies der
Einspracheentscheid im Dispositiv ausdrücklich auf die beigelegte Berechnung. Aus
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dieser ging klar hervor, dass der Verlustvortrag unberücksichtigt blieb und das
kantonale Steueramt den Reingewinn von Fr. 179'367.-- gemäss Erfolgsrechnung per
Ende 1997 (nach Abzug der angefochtenen Aufrechnungen) zum steuerbaren
Reingewinn (von gerundet Fr. 179'300.--) erhob. Aufgrund dieser Berechnung, auf die
im Dispositiv des Einspracheentscheids ausdrücklich hingewiesen wurde, musste die
Beschwerdeführerin davon ausgehen, dass das kantonale Steueramt, aus welchen
Gründen auch immer, keine Verlustverrechnung berücksichtigte. Es wäre unter diesen
Umständen zumutbar gewesen, den geltend gemachten Mangel im ordentlichen
Rechtsmittelverfahren zu rügen. Damit steht fest, dass eine Revision nicht zulässig ist.
3.3. Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, die Verfügung vom 11. April 2008
sei nichtig. Das Verwaltungsgericht kann auch diesen Standpunkt nicht teilen.
Nichtigkeit wird in der Regel bei besonders schweren formellen und inhaltlichen
Mängeln einer Verfügung oder eines Entscheides oder bei schwerwiegenden und
zugleich offenkundigen oder zumindest leicht erkennbaren Mängeln angenommen,
wobei durch die Annahme der Nichtigkeit die Rechtssicherheit nicht ernsthaft gefährdet
sein darf. Als nichtig gelten in der Regel Verfügungen, die von einer sachlich oder
funktionell eindeutig unzuständigen Behörde erlassen werden, ferner solche, die an
einem schwerwiegenden Form- oder Eröffnungsfehler leiden. Verfahrensfehler oder
inhaltliche Mängel führen nur in Ausnahmefällen zur Annahme der Nichtigkeit, nämlich
dann, wenn sie ausserordentlich schwer wiegen, etwa beim Verstoss gegen
unverzichtbare verfassungsmässige Rechte oder bei einem schwerwiegenden
unzulässigen Eingriff in die persönliche Freiheit (vgl. statt vieler Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 555 mit
Hinweisen). Im Streitfall besteht der geltend gemachte Mangel der Verfügung vom
11. April 2008 darin, dass die Steuerrechnung auf einem als unrichtig gerügten
Steuerfaktor beruht. Der gerügte Mangel des Einspracheentscheids besteht darin, dass
die Vorjahresverluste nicht berücksichtigt bzw. abgerechnet wurden und damit eine
steuermindernde Tatsache zu Unrecht ausser Betracht blieb. Der Sachverhalt wurde
somit allenfalls unvollständig bzw. unrichtig festgestellt. Ein solcher Mangel kann nicht
als besonders schwer bezeichnet werden. Zwar sind die Auswirkungen gravierend, da
das Steuerbetreffnis um einen Betrag von rund Fr. 35'000.-- höher liegt, als wenn die
Verluste verrechnet worden wären. Die Rechtssicherheit würde aber erheblich und in
nicht hinnehmbarer Weise gefährdet, wenn allenfalls unvollständige oder unrichtige
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Sachverhaltsfeststellungen ohne weiteres zur Nichtigkeit einer Verfügung oder eines
Entscheides führten.
3.4. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die
Beschwerde abzuweisen ist.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu Lasten der Beschwerdeführerin (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'500.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht