Decision ID: 6297f5ba-d277-4840-b601-b939c7f6acb7
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. A._ ist Alleineigentümer der Parzellen B._ (C._) und
F._ (D._) in der Gemeinde E._. Südlich der
Parzelle F._ liegt die Parzelle H._
(Gewerbehalle/Lager/Werkstatt und Bürogebäude). An der Ostgrenze von
Parzelle H._ liegt Parzelle I._ (im Eigentum der RhB), über die
ein im Generellen Erschliessungsplan 2009 (nachfolgend GEP 2009) als
Land- und Forstwirtschaftsweg klassifizierter, gemäss GEP 2014
aufzuhebender bzw. in der Zwischenzeit aufgehobener, von der
Kantonsstrasse bei km 12.94 zum ehemaligen Bahnübergang bei
km 28.318 der Strecke Chur-St. Moritz herkommender
Erschliessungsweg führt. Östlich all dieser Parzellen (F._, H._
und I._) führt die Bahnlinie der RhB vorbei. Zwischen den beiden
Parzellen F._ und H._ liegt ein Teil der Parzelle J._ (im
Eigentum der RhB). Rund 75 m weiter südlich zweigt eine als
Parzelle K._ (im Eigentum der Gemeinde E._) abparzellierte
Erschliessungsstrasse ostwärts von der Kantonsstrasse ab.
2. Mit Beschluss vom 5. Februar 2019 genehmigte die Regierung des
Kantons Graubünden das Strassenbauprojekt für den Ausbau der
L._, Abschnitt E._-Dorfeinfahrt Nord, zwischen km 12.81 und
km 12.98, und erteilte gleichzeitig das Enteignungsrecht für die benötigten
Grundstücksflächen. Geplant sind auf der nordwärts führenden
Strassenseite ein Linksabbieger mit Spuraufweitung, wofür Land u.a. ab
den Parzellen B._ und F._ beansprucht wird. Die Einfahrt ab der
Kantonsstrasse auf die Parzelle F._ bei km 12.94 und der
entsprechende Land- und Forstwirtschaftsweg wurden aufgehoben und
die Erschliessung der Parzelle F._ sollte neu über die
Parzellen K._ und H._ realisiert werden.
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3. Mit dem in Rechtskraft erwachsenen Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden R 19 18/19 vom 28. Mai 2020 wurde die gegen den
Beschluss vom 5. Februar 2019 erhobene Beschwerde abgewiesen.
4. Am 2. September 2021 wurde der Dienstbarkeitsvertrag vom 29. Januar
2019 zwischen dem Eigentümer der Parzelle H._ und der Politischen
Gemeinde E._ öffentlich beurkundet und im Grundbuch eingetragen.
5. Da mit dem Eigentümer der Parzellen B._ und F._ keine gütliche
Einigung für den Landerwerb erzielt werden konnte, reichte der Kanton
Graubünden im März 2022 bei der Enteignungskommission VII das
Gesuch um Durchführung eines Schätzungsverfahrens im Sinne des
Enteignungsgesetzes ein. Nach Einleitung dieses Verfahrens im April
2022 ersuchte der Kanton Graubünden zusätzlich um vorzeitige
Besitzeseinweisung in eine Abtretungsfläche von ca. 20 m2 der
Parzelle B._ sowie von ca. 125 m2 der Parzelle F._ und um eine
vorübergehende Beanspruchung von ca. 84 m2 auf Parzelle B._
sowie von ca. 190 m2 auf Parzelle F._. Er begründete das Gesuch
mit der Dringlichkeit der Bauarbeiten.
6. Mit Entscheid vom 9. Juni 2022 wies die Enteignungskommission VII den
Kanton Graubünden in Gutheissung des entsprechenden Gesuchs
vorzeitig in den Besitz von ca. 104 m2 ab Parzelle B._ und ca. 315 m2
ab Parzelle F._ ein, alles im Grundbuch der Gemeinde E._ und
gemäss Landerwerbsplan. Der Eigentümer der Parzellen B._ und
F._ wurde angewiesen, weder rechtliche noch faktische
Massnahmen zu ergreifen, die den Besitzeseintritt erschwerten.
7. Am 13. Juni 2022 teilte die Gemeinde E._, namens und im Auftrag
des Kantons Graubünden, A._ mit, dass die entsprechenden Flächen
frühestens ab 20. Juni 2022 in Anspruch genommen würden. Im Juli 2022
nahm die Bauleitung mit A._, die auf diesem Grundstück einen
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Parkplatz betreiben, Kontakt auf, um insbesondere die Räumung der
betroffenen Flächen der Parzelle F._ zu organisieren. Sie wurden
darauf aufmerksam gemacht, dass die parkierten Fahrzeuge bis zum
27. Juli 2022 entfernt werden sollten oder dass der Bauleitung zumindest
die Angaben der jeweiligen Eigentümer mitgeteilt werden müssten, so
dass diese die Halter informieren und das Umstellen dieser Fahrzeuge
selbst organisieren könne. Dieser Aufforderung kamen A._ nicht
nach.
8. Gegen den Entscheid der Enteignungskommission VII vom 9. Juni 2022
betreffend die vorzeitige Besitzeseinweisung erhoben A._ am
20. Juni 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden (Hauptverfahren R 22 39). Sie beantragten die Aufhebung
des angefochtenen Entscheids, eventualiter die Aufhebung der
"Gutheissung des Gesuchs um vorzeitige Besitzeseinweisung ab
Parzelle F._ im Entscheid der Enteignungskommission VII".
9. Mit Gesuch vom 29. Juli 2022 beantragte der Kanton Graubünden beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden den Erlass (super-
)provisorischer Massnahmen mit folgenden Rechtbegehren:
1. Die Beschwerdeführer seien unter Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB zu verpflichten, die ca. 315 m2 ab Grundstück Nr. F._ im Grundbuch der Gemeinde E._, welche gemäss Entscheid der Enteignungskommission VII vom 9. Juni 2022 in den Besitz des Kantons Graubünden eingewiesen wurden, innert 5 Tagen zu räumen.
2. Eventualiter: Die Beschwerdeführer seien unter Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB zu verpflichten, die Halterdaten der auf den ca. 315 m2 ab Grundstück Nr. F._ im Grundbuch der Gemeinde E._, welche gemäss Entscheid der Enteignungskommission VII vom 9. Juni 2022 in den Besitz des Kantons Graubünden eingewiesen wurden, parkierten Fahrzeuge sofort bekannt zu geben.
3. Subeventualiter: Es sei dem Kanton Graubünden das Recht zu erteilen, die auf den ca. 315 m2 ab Grundstück Nr. F._ im
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Grundbuch der Gemeinde E._, welche gemäss Entscheid der Enteignungskommission VII vom 9. Juni 2022 in den Besitz des Kantons Graubünden eingewiesen wurden, parkierten Fahrzeuge auf den Werkhof "M._", Grundstück Nr. G._ im Grundbuch der Gemeinde E._ ab-zustellen.
4. Unter Kostenfolge gemäss Gesetz.
10. Mit Eingabe vom 2. August 2022 beantragten A._, ihrer Beschwerde
vom 20. Juni 2022 sei die aufschiebenden Wirkung zu gewähren.
11. Nach durchgeführtem Schriftenwechsel wies der Instruktionsrichter mit
Verfügung vom 23. August 2022 das Gesuch um aufschiebende Wirkung
ab und hiess die beantragten vorsorglichen Massnahmen gut.
12. Gegen diese im Verfahren R 22 39a erlassene Verfügung erhoben
A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 25. August 2022
Prozessbeschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden.
Sie beantragten die Aufhebung der Verfügung vom 23. August 2022. Am
30. August und am 5. September 2022 reichten sie dem
Verwaltungsgericht weitere Schreiben und Beilagen ein.
13. Der Kanton Graubünden (nachfolgend Beschwerdegegner 1) schloss in
seiner Vernehmlassung vom 7. September 2022 auf Abweisung der
Prozessbeschwerde.
14. Die Enteignungskommission VII (nachfolgend Beschwerdegegnerin 2)
liess sich nicht vernehmen.
15. Die Beschwerdeführer replizierten mit Eingabe vom 20. September 2022.
16. Der Beschwerdegegner 1 reichte am 30. September 2022 seine Duplik
ein.
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Auf die weitere Begründung in der angefochtenen Verfügung sowie auf die
weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird, soweit
entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens ist die prozessleitende
Verfügung des im Hauptverfahren R 22 39 zuständigen
Instruktionsrichters vom 23. August 2022, mit der dieser das Gesuch der
(Prozess-)Beschwerdeführer um aufschiebende Wirkung abgewiesen und
die vom Beschwerdegegner 1 beantragten vorsorglichen Massnahmen
gutgeheissen hat. Gemäss Art. 42 i.V.m. Art. 50 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) können solche
prozessleitenden Verfügungen von den Verfahrensparteien innert zehn
Tagen beim Verwaltungsgericht angefochten werden, sofern diese durch
den angefochtenen Entscheid berührt sind und ein schutzwürdiges
Interesse an seiner Aufhebung oder Änderung haben. Die
Eintretensvoraussetzungen geben vorliegend zu keinen Bemerkungen
Anlass, weshalb auf die – unter Berücksichtigung von Art. 39 Abs. 1 lit. b
VRG – fristgerecht eingereichte Prozessbe-schwerde im Rahmen der
darin zulässigen Rügen bzw. des Streitgegenstandes (vgl. dazu
insbesondere die nachstehenden Erwägungen 2 ff.) einzutreten ist.
2. Der Streitgegenstand erschöpft sich vorliegend in der Frage, ob der
Instruktionsrichter im Hauptverfahren neben der Abweisung des Gesuchs
um aufschiebende Wirkung (Dispositivziffer 1) zu Recht folgende
vorsorgliche Massnahmen angeordnet hat:
2.1.A._ werden unter Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB verpflichtet, die ca. 315 m2 ab Grundstück Nr. F._ im Grundbuch der Gemeinde E._, welche gemäss Entscheid der
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Enteignungskommission VII vom 9. Juni 2022 in den Besitz des Kantons Graubünden eingewiesen wurden, innert 5 Tagen seit Mitteilung dieser Verfügung zu räumen.
2.2. Im Unterlassungsfall werden sie unter Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB verpflichtet, die Halterdaten der auf den ca. 315 m2 ab Grundstück Nr. F._ im Grundbuch der Gemeinde E._, welche gemäss Entscheid der Enteignungskommission VII vom 9. Juni 2022 in den Besitz des Kantons Graubünden eingewiesen wurden, parkierten Fahrzeuge sofort bekannt zu geben.
2.3. Kommen sie den Verpflichtungen gemäss Ziff. 2.1 und 2.2 nicht nach, wird dem Kanton Graubünden das Recht erteilt, die auf den ca. 315 m2 ab Grundstück Nr. F._ im Grundbuch der Gemeinde E._, welche gemäss Entscheid der Enteignungskommission VII vom 9. Juni 2022 in den Besitz des Kantons Graubünden eingewiesen wurden, parkierten Fahrzeuge auf den Werkhof "M._", Grundstück Nr. G._ im Grundbuch der Gemeinde E._ abzustellen.
Auf die darüber hinaus gehenden Vorbringen der Beschwerdeführer in
ihrer Prozessbeschwerde und Replik, die das Hauptverfahren zur
vorzeitigen Besitzeseinweisung betreffen (R 22 39), namentlich auf den
Vorwurf eines rechtsmissbräuchlichen und treuwidrigen Verhaltens, auf
die zahlreichen Hinweise auf die Begründung in den im Hauptverfahren
eingereichten Rechtsschriften sowie auf anderweitige Vorbringen (z.B.
Verschiebung des Eingangstors zur Parzelle F._, Standort der
Grenzsteine, Verfügung betreffend die Mieter von Parzelle F._,
Ortsplanungsrevision 2022 "Umsetzung KRL" etc.) kann somit von
vornherein nicht eingegangen werden.
3. Gemäss Art. 5 VRG trifft die Behörde bzw. das hierfür zuständige Mitglied
für die Dauer des Verfahrens von Amtes wegen oder auf Antrag die
erforderlichen verfahrensleitenden Anordnungen und vorsorglichen
Massnahmen zum Schutz der im Streit liegenden Rechte und Interessen
der Beteiligten. Gemäss Art. 53 Abs. 1 VRG hat die Beschwerde keine
aufschiebende Wirkung, die Instruktionsrichterin oder der
Instruktionsrichter kann jedoch einer Beschwerde im Einzelfall von Amtes
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wegen oder auf Antrag die aufschiebende Wirkung erteilen (Art. 53 Abs. 2
VRG).
3.1. Die Anordnung vorsorglicher Massnahmen – zu denen auch die Erteilung
der aufschiebenden Wirkung gehört – dient dazu, die tatsächliche und
rechtliche Situation während der Dauer des laufenden Verfahrens so zu
gestalten, dass möglichst keine (unter Umständen irreversiblen) Schäden
entstehen und dass möglichst keine Fakten geschaffen werden, die den
Endentscheid präjudizieren (WIEDERKEHR, Öffentliches Verfahrensrecht,
Bern 2022, Rz. 391; Urteil des Verwaltungsgerichts [VGU] R 21 100b vom
27. September 2022 E.1.2), d.h. es soll verhindert werden, dass durch
einen vorzeitigen Vollzug des angefochtenen Entscheids vollendete
Tatsachen geschaffen werden, die nur noch erschwert oder gar nicht mehr
rückgängig gemacht werden können (VGU R 21 104 vom 8. Februar 2022
E.3.1 f., R 21 100b vom 27. September 2022 E.1.2 und R 20 86 vom
8. Dezember 2020 E.2). Nach Lehre und Rechtsprechung sind
vorsorgliche Massnahmen zulässig, um einer Prozesspartei richterlichen
Schutz vor Nachteilen zu gewähren, die aus der Dauer des Verfahrens
entstehen können. Konkret sind vorsorgliche Massnahmen vorläufig
wirkende Anordnungen mit dem Zweck, den bestehenden tatsächlichen
oder rechtlichen Zustand während der Hängigkeit des Prozesses
einstweilen zu erhalten (sichernde Massnahmen), oder sie sind als
regelnde Massnahmen ausgestaltet, indem sie alle Anordnungen
umfassen, die das Rechtsverhältnis provisorisch gestalten oder
einstweilen neu regeln (KIENER, in: AUER/MÜLLER/SCHINDLER, Kommentar
VwVG, Zürich/St. Gallen 2019, Art. 56 Rz. 9; BGE 130 II 149 E.2.2,
BGE 127 II 132 E.3).
Die Zulässigkeit einer gestaltenden vorsorglichen Massnahme setzt eine
Entscheidprognose, einen Anordnungsgrund sowie die Prüfung der
Verhältnismässigkeit voraus (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
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Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 564 ff.; PVG 2016 Nr. 28 E.2a). Ein
Entscheid über die Anordnung vorsorglicher Massnahmen setzt
Dringlichkeit voraus, d.h. es muss sich als notwendig erweisen, die
fraglichen Vorkehren sofort zu treffen; der Verzicht auf Massnahmen muss
für den Betroffenen einen Nachteil bewirken, der nicht leicht wieder gut zu
machen ist. Erforderlich ist, dass eine Abwägung der sich
gegenüberstehenden Interessen den Ausschlag für den einstweiligen
Rechtsschutz gibt und dieser verhältnismässig erscheint. Vorsorgliche
Massnahmen ergehen aufgrund einer bloss summarischen Prüfung der
Sach- und Rechtslage; die zuständige Behörde ist nicht gehalten, für ihren
rein vorsorglichen Entscheid zeitraubende Abklärungen zu treffen,
sondern kann in erster Linie auf die ihr zur Verfügung stehenden Akten
abstellen. Prognosen über den Ausgang des Verfahrens sind zu
berücksichtigen, wenn sie eindeutig sind (BGE 130 II 149 E.2.2, BGE 127
II 132 E.3; PVG 2016 Nr. 28 E.2b).
3.2. Die aufschiebende Wirkung wirkt rechtserhaltend, deren Erteilung
bedeutet, dass die in der Verfügung angeordnete Rechtsfolge vorläufig
nicht eintritt, sondern gehemmt wird (sogenannter Suspensiveffekt)
(WIEDERKEHR, a.a.O., Rz. 389); der tatsächliche und rechtliche Zustand
der Streitsache soll einstweilen erhalten bleiben und entsprechend kann
weder der Adressat/die Adressatin von der Verfügung Gebrauch machen
(Wirksamkeitshemmung) noch die Behörde diese vollstrecken
(Vollstreckungshemmung), bis der Streitfall (endgültig) erledigt ist
(WIEDERKEHR, a.a.O., Rz. 389; vgl. VGU R 21 100b vom 27. September
2022 E.3.1). Die aufschiebende Wirkung dient in der Regel dazu, den
status quo in einem Rechtsstreit zu erhalten und zu verhindern, dass durch
einen vorzeitigen Vollzug der angefochtenen Verfügung vollendete
Tatsachen geschaffen werden, die nur noch erschwert oder gar nicht mehr
rückgängig gemacht werden können (VGU R 21 104 vom 8. Februar 2022
E.3.1 f., R 20 86 vom 8. Dezember 2020 E.2, U 14 73 vom 16. Oktober
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2014 E.3 und U 12 89 vom 20. November 2012 E.2a). Die Erteilung der
aufschiebenden Wirkung setzt also – wie bei den anderen vorsorglichen
Massnahmen – eine Hauptsachenprognose, das Bestehen eines
Anordnungsgrundes (überzeugende Gründe, nicht leicht
wiedergutzumachender Nachteil) sowie eine Interessenabwägung voraus
(VGU R 21 104 vom 8. Februar 2022 E.3.2, R 21 100b vom
27. September 2022 E.1.3 und R 17 57 vom 16. Januar 2018 E.3b;
MÄRKLI, Die aufschiebende Wirkung im öffentlichen Recht des Bundes und
der Kantone, Zürich/St. Gallen 2022, Rz. 398 ff.). Auch der
prozessleitende Entscheid über die Rechtmässigkeit und den Umfang der
aufschiebenden Wirkung beruht auf einer bloss summarischen Prüfung
der aktuellen Sach- und Rechtslage (prima vista-Entscheid) (BGE 130 II
149 E.2.2). Im Allgemeinen wird die urteilende Instanz ihren Entscheid auf
den Sachverhalt stützen, der sich aus den vorhandenen Akten ergibt, ohne
zeitraubende weitere Beweiserhebungen anzustellen, ausserdem genügt
es, wenn die entscheiderheblichen Tatsachen glaubhaft gemacht werden.
Bei der Interessenabwägung steht ihr ein nicht unbedeutender
Beurteilungsspielraum zu (vgl. zum Ganzen: VGU R 21 104 vom
8. Februar 2022 E.3.1 f., R 21 100b vom 27. September 2022 E.1.3 und
R 17 57 vom 16. Januar 2018 E.3b; SEILER, in:
WALDMANN/WEISSENBERGER, Praxiskommentar VwVG, Zürich/Basel/Genf
2016, Art. 55 Rz. 92 ff.; KIENER, a.a.O., Art. 55 Rz. 15 ff.).
4. Vorliegend verweigerte der Instruktionsrichter mit Verfügung vom
23. August 2022 die seitens der Beschwerdeführer mit Gesuch vom
2. August 2022 ersuchte aufschiebende Wirkung bezüglich der am
20. Juni 2022 erhobenen Beschwerde und gewährte die vom
Beschwerdegegner mit Gesuch vom 29. Juli 2022 beantragten
vorsorglichen Massnahmen. Der Instruktionsrichter begründete seinen
Entscheid mit der Dringlichkeit, die bevorstehenden Arbeiten für die
Etappe 3, die das Grundstück F._ der Beschwerdeführer betrifft, mit
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den übrigen Bauetappen abzustimmen, sowie mit der Gewährleistung der
Strassensicherheit. Er legte dar, den Beschwerdeführern drohe kein
Nachteil, weil die vom Beschwerdegegner vorgesehenen Massnahmen
(Fällen der Bäume, Demontage des Zauns sowie Abschleppen der
parkierten Fahrzeuge) angesichts des rechtskräftig erteilten
Enteignungsrechts in einem späteren Zeitpunkt ohnehin ausgeführt
werden dürften. Was die Zufahrt zur Parzelle F._ des
Beschwerdeführers betreffe, sei diese mittels des Dienstbarkeitsvertrags
vom 29. Januar 2019 (betreffend Parzelle H._, vgl. Akten des
Beschwerdegegners [Bg1-act.] 3.7 sowie Akten der
Beschwerdegegnerin 2 [Bg2-act.] 3.7 im Verfahren R 22 39) bzw. Duldung
(Schreiben der RhB vom 26. April 2022 betreffend Parzelle J._, vgl.
Bg1-act. 4.6 im Verfahren R 22 39) hinreichend gewährleistet.
4.1. Die Beschwerdeführer machen geltend, in der angefochtenen Verfügung
werde die Abweisung der aufschiebenden Wirkung einzig mit der
Dringlichkeit des Strassenprojekts auf der Kantonsstrasse begründet.
Diese sei vom Kanton und der Gemeinde E._ absichtlich geschaffen
worden, damit die vorzeitige Besitzeseinweisung sowie die vorsorglichen
Massnahmen erzwungen werden könnten, bevor eine hinreichende
Neuerschliessung der Parzelle F._ realisiert werden müsse. Eine
solche bestehe nicht, weshalb auch keine vorzeitige Besitzeseinweisung
und/oder vorsorgliche Massnahmen gutgeheissen werden könnten. Wie
sie bereits dargelegt hätten, sei der Bahnübergang im Frühjahr 2022
bereits nach Süden verlegt worden und es bestehe somit kein öffentliches
Interesse mehr an der Querung der Parzellen H._ und J._. Somit
sei mit dem besagten Dienstbarkeitsvertrag nicht nur die Erschliessung
der Parzelle J._, sondern auch jene des Grundstücks F._ über
die Parzelle H._ nicht dauerhaft sichergestellt. Insofern verfüge die
Parzelle F._ über keine dauerhafte, hinreichende, verkehrssichere
und kostenlose Neuerschliessung. Zudem liege ein
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rechtsmissbräuchliches und treuwidriges Verhalten vor. Mit der
angefochtenen Verfügung werde das Prozessziel im (Haupt-)Verfahren
R 22 39, die Neuerschliessung von Parzelle F._ dauerhaft, rechtlich,
tatsächlich und kostenlos vor Aufhebung der heute bestehenden Zufahrt
zu erreichen, vereitelt. Ohne sich mit den Begründungen in der
Beschwerde auseinanderzusetzen, werde das Erfordernis der
Neuerschliessung von Parzelle F._ abgetan. Es treffe nicht zu, dass
die Verweigerung der aufschiebenden Wirkung und die Gutheissung der
vorsorglichen Massnahmen keine rechtlichen und tatsächlichen Schäden
für den Grundeigentümer von Parzelle F._ zur Folge haben werde,
vielmehr erlitten sie dadurch nicht wiedergutzumachende Nachteile.
4.2. Der Beschwerdegegner 1 legt dar, dass der Instruktionsrichter eine
summarische Interessenabwägung vorgenommen und dabei erkannt
habe, dass durch die Vollstreckung der vorzeitigen Besitzeseinweisung
keine nicht leicht wiedergutzumachenden Nachteile für die
Beschwerdeführer ersichtlich seien, zumal die Erschliessung des
Grundstücks F._ der Beschwerdeführer rechtlich bestehe und die
beabsichtigen Massnahmen aufgrund des rechtskräftigen
Enteignungsentscheids zu einem späteren Zeitpunkt ohnehin ausgeführt
werden dürften. Die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Realisierung des
Strassenbauprojekts bestehe seit langem und sei von den Behörden in
keiner Art und Weise absichtlich geschaffen worden. Die Etappierung der
Bauarbeiten sei ausschliesslich aufgrund verschiedener bautechnischer
Gegebenheiten erfolgt, die entsprechend hätten berücksichtigt werden
müssen (z.B. Einbau Deckbelag während bestimmter Temperaturen und
Erstellen der Entwässerungsleitungen von "unten nach oben"). Die
Verlegung des Bahnübergangs nach Süden ändere an der Erschliessung
des Grundstücks F._ nichts, zumal auch diese Eventualität im
Dienstbarkeitsvertrag vom 29. Januar 2019 geregelt sei. Die Zufahrt zu
dieser Parzelle sei mittels Dienstbarkeitsvertrags bzw. Duldung in
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rechtlicher Hinsicht in jedem Fall gewährleistet, was das
Verwaltungsgericht bereits im Urteil R 19 18/19 vom 28. Mai 2020
bestätigt habe (dortige E.6.2.5 und E.6.2.6). Auch in tatsächlicher Hinsicht
sei die Zufahrt vorhanden, ohne dass weitere bauliche Massnahmen nötig
würden.
4.3. Ein Anordnungsgrund ist zu bejahen, wenn z.B. überzeugende Gründe
vorliegen oder ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil für das
bedrohte öffentliche oder private Interesse droht, würde die Massnahme
nicht angeordnet (PVG 2016 Nr. 28 E.2b). Dabei ist die Wahrscheinlichkeit
des Eintritts dieses Nachteils festzustellen, und zwar sowohl nach dem
Kausalverlauf sowie in zeitlicher Hinsicht (Dringlichkeit) (...) (PVG 2016
Nr. 28 E.2b).
4.3.1. Das auf der Basis der Ortsplanungsteilrevision 2014 und des GEP 2014 in
Angriff genommene Strassenbauprojekt (Nordanschluss E._)
bezweckt die Bündelung der im fraglichen Gebiet bestehenden
Anschlüsse an die Kantonsstrasse im Hinblick auf die Verkehrssicherheit.
Wie aus dem rechtskräftigen Urteil R 19 18/19 vom 28. Mai 2020
hervorgeht, besteht an der Erforderlichkeit des Baus der fraglichen
Linksabbiegespur angesichts zu erwartender Frequenzen, des
Schwerverkehrsanteils zu den linksseitigen Gewerbe- und Bauzonen
sowie der Funktion der O._ Strasse als Ausweichroute für die
Nationalstrasse A 13 sowie zum Zweck der Verkehrssicherheit
(Entlastung des Dorfkerns, bessere Anbindung der Gewerbezone
N._ und des Werkhofs sowie des Siedlungsgebiets) kein Zweifel (vgl.
dortige E.6.3.5 mit Hinweis auf Art. 51 ff. Strassengesetz [StrG;
BR 807.100] und die einschlägigen Normen der Vereinigung
Schweizerischer Strassenfachleute [VSS]). Für die Realisierung der im
Rahmen der vorzeitigen Besitzeseinweisung aufgenommenen
Bauarbeiten bestehen also bedeutende öffentliche Interessen.
Dementsprechend wurde dem Beschwerdegegner auch das
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Enteignungsrecht für die benötigten Grundstücksflächen (rechtskräftig)
erteilt.
4.3.2. Darüber hinaus besteht eine zeitliche Dringlichkeit: Einerseits wird das
Bauprojekt etappenweise ausgeführt, wobei gemäss Angaben des
Beschwerdegegners 1 die Etappen 1 und 2 abgeschlossen sind, die
Etappe 4 vorgezogen wurde (betrifft Parzelle B._), jedoch mit
Etappe 3 (betrifft Parzelle F._/Linksabbiegespur) anfangs August
2022 noch nicht begonnen werden konnte, obwohl das nächste Bauprojekt
(Belagssanierung Binder- und Deckschicht) Mitte August 2022 in Angriff
genommen werden und Ende September 2022 abgeschlossen sein sollte.
Andererseits sind die Bauarbeiten derart aufeinander abgestimmt, dass
eine zeitgerechte Realisierung der einzelnen Etappen notwendig ist. Diese
Dringlichkeit scheint nicht absichtlich geschaffen zu sein, sondern sich aus
der langjährigen Planung zu ergeben (vgl. Technischer Bericht Mai 2017,
Bg1-act. 7/Vernehmlassung im Verfahren R 22 39, S. 3 f.) sowie auch u.a.
dem Beginn der kälteren Jahreszeit im Herbst geschuldet, zumal gerade
Belagsarbeiten nach Angaben des Beschwerdegegners 1 bzw. den
Weisungen des Tiefbauamtes Graubünden (Bg1-
act. 3.5/Vernehmlassung im Verfahren R 22 39) witterungsbedingt
(geeignete Luft- und Oberflächentemperaturen) nur zwischen Mitte Mai
und Mitte September ausgeführt werden dürfen. Der Beschwerdegegner 1
hat glaubhaft dargetan, dass eine Verschiebung der Belagssanierung auf
Frühling 2023 wegen des schlechten Strassenzustands und wegen der
Verkehrssicherheit nicht tragbar wäre. Darüber hinaus müssten die
Entwässerungsleitungen der Gemeindestrasse (Etappe 4) "von unten
nach oben", mithin zuerst die Etappen 1 und 2 und erst danach die Etappe
4 erstellt werden. All dies spricht gegen die Gewährung der
aufschiebenden Wirkung und für die angeordneten vorsorglichen
Massnahmen.
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4.3.3. Sofern die Beschwerdeführer im Wesentlichen kritisieren, die vorzeitige
Besitzeseinweisung sowie die vorsorglichen Massnahmen dürften nicht
umgesetzt werden, solange die Neuerschliessung ihrer Parzelle F._
nicht erfolgt sei, ist dieses Argument nicht zu hören. Bereits im Rahmen
der Teilrevision der Ortsplanung im Jahr 2014 wurde als Ersatz für den
aufzuhebenden Land- und Forstwirtschaftsweg zwischen den beiden
Parzellen F._ und H._ (Teil der Parzelle J._) eine neue, von
der Erschliessungsstrasse Parzelle K._ aus nordwärts abzweigende
und entlang der östlichen Grenze von Parzelle H._ bis in den Bereich
von Parzelle F._ und dem Bahnübergang bei km 28.318 führende
Erschliessungsstrasse festgelegt (vgl. GEP 2014). Sowohl das
Verwaltungsgericht mit Urteil R 15 59 vom 22. Januar 2016 als auch das
Bundesgericht mit Urteil 1C_248/2016 vom 15. Februar 2017 schützten
die damit einhergehende Aufhebung des bisher bestehenden Forst- und
Landwirtschaftsweges entlang der Parzelle F._ zum fraglichen
(mittlerweile nach Süden verschobenen) Bahnübergang bei km 28.318. In
der Folge genehmigte das Verwaltungsgericht mit rechtskräftigem Urteil
R 19 18/19 vom 28. Mai 2020 das konkrete Strassenbauprojekt (mit u.a.
Linksabbiegespur mit Spuraufweitung inkl. Aufhebung der
landwirtschaftlichen Zufahrt D._ bei km 12.94) und erteilte das
Enteignungsrecht für die benötigten Grundstücksflächen sowie das
kommunale Anschlussprojekt (mit u.a. Neuerschliessung der
Parzelle F._).
Im fraglichen Urteil R 19 18/19 vom 28. Mai 2020 setzte sich das
Verwaltungsgericht sowohl mit der Frage der Neuerschliessung der
Parzelle F._ einlässlich auseinander, indem es insbesondere den mit
dem Eigentümer der Parzelle H._ geschlossenen
Dienstbarkeitsvertrag vom 29. Januar 2019 berücksichtigte, der ein Fuss-
und Fahrwegrecht zu Gunsten der Öffentlichkeit (Gemeindeservitut)
einräumt und somit auch der Gewährleistung der Erschliessung der
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Parzelle F._ dient, als auch mit der Frage der Verschiebung des
Bahnübergangs nach Süden. Dabei schloss das Verwaltungsgericht
hinsichtlich der neuen Erschliessung der Parzelle F._, dass entgegen
der Auffassung der Beschwerdeführer nicht von einer unverbindlichen und
nicht hinreichenden Ersatzlösung gesprochen werden könne (vgl. dortige
E.6.2.5 f.). Gemäss dem erwähnten Dienstbarkeitsvertrag vom 29. Januar
2019 ist dem jeweiligen Eigentümer der Parzelle F._ der Durchgang
bzw. die Durchfahrt auch bei einer Verlegung des Bahnübergangs nach
Süden gestattet (vgl. Bg1-act. 3.7/Vernehmlassung und Bg2-act. 3.7, Ziff.
III/3 im Verfahren R 22 39), und für den Fall, dass der Eigentümer der
Parzelle H._ einen Teil der im Eigentum der RhB liegenden
Parzelle J._ erwerben könnte, wird dieser vorvertragsweise
verpflichtet, der Gemeinde auch auf diesem Landstreifen ein Fuss- und
Fahrwegrecht einzuräumen (vgl. Bg1-act. 3.7/Vernehmlassung und Bg2-
act. 3.7, Ziff. III/6 im Verfahren R 22 39), was ebenfalls der
Gewährleistung der Erschliessung der Parzelle F._ dient. In diesem
Zusammenhang hat der Beschwerdegegner 1 glaubhaft versichert, dass
die Gemeinde E._ in jedem Fall dafür besorgt sein werde, das
vorvertraglich bereits gesicherte Gemeindeservitut (zu Lasten Parzelle
J._) zu begründen und grundbuchlich zu vollziehen (vgl.
Vernehmlassung des Beschwerdegegners vom 10. August 2022 im
Verfahren R 22 39 [Rechtsschriften], S. 7, sowie auch Schreiben der
Gemeinde vom 5. September 2022 an den Eigentümer der Parzelle
H._ und vom 19. September 2022 an die Beschwerdeführer, vgl.
Akten Beigeladene act. 1 und act. 2 im Verfahren R 22 39 [vgl. auch den
Vorschlag zur Ausgestaltung als Grunddienstbarkeit zu Gunsten der
Parzelle F._ anstatt zu Gunsten der Öffentlichkeit). Anhaltspunkte,
daran zu zweifeln, ergeben sich aus den Unterlagen im Rahmen der hier
gebotenen summarischen Prüfung keine, namentlich auch nicht aus der
Stellungnahme der Gemeinde E._ vom 6. September 2022 (im
Verfahren R 22 39 [Rechtsschriften]) zur Streitigkeit zwischen dem
- 17 -
Eigentümer der Parzelle H._ und den Beschwerdeführern. Zudem ist
prima facie davon auszugehen, dass die RhB bis zu einem allfälligen
Erwerb eines Teils der Parzelle J._ durch den Eigentümer der
Parzelle H._ – wie bereits hinsichtlich des aufzuhebenden Land- und
Forstwirtschaftswegs – gemäss Schreiben vom 26. April 2022 den fortan
von Süden über das Grundstück H._ herkommenden
Beschwerdeführern gestattet, die Parzelle J._ zu befahren, um zum
Grundstück F._ zu gelangen (vgl. Bg1-act. 4.6 und Stellungnahme
der Gemeinde vom 4. Oktober 2022 im Verfahren R 22 39
[Rechtsschriften]). Sollten die Verkaufsverhandlungen hinsichtlich des
massgeblichen Teils der Parzelle J._ scheitern, stünden der
Gemeinde zudem weitere Möglichkeiten zur Erschliessung der
Parzelle F._ zur Verfügung (z.B. Quartierplan- oder
Enteignungsverfahren).
Gemäss dem Dienstbarkeitsvertrag vom 29. Januar 2019 hat der
Eigentümer der Parzelle H._ dafür zu sorgen, dass die Zufahrt
ordnungsgemäss unterhalten wird und das Fuss- und Fahrwegrecht
jederzeit ausgeübt werden kann (vgl. Bg1-act. 3.7/Vernehmlassung und
Bg2-act. 3.7, Ziff. II, im Verfahren R 22 39). Im Verfahren R 22 39 hat die
Gemeinde E._ mit Stellungnahme vom 6. September 2022
(Rechtsschriften) mitgeteilt, dass sie ein Interesse an der Durchsetzung
dieser Dienstbarkeit (jederzeitige Ausübung des Fuss- und Fahrwegrechts
auf Parzelle H._) hat, wobei sie die Situation im Auge behalten und
notfalls Massnahmen ergreifen wird. Auf diesen Aussagen kann sie
behaftet werden. Auch in ihrem Schreiben vom 5. September 2022 an den
Eigentümer der Parzelle H._ hat die Gemeinde E._ bekräftigt,
dass gestützt auf die im Grundbuch eingetragene Dienstbarkeit sowie die
im Rahmen des Erwerbs der Parzelle J._ noch einzutragende
Verlängerung jedermann, der über ein entsprechendes Interesse verfügt,
über die Parzelle H._ gehen oder fahren dürfe, und der
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Grundeigentümer stets gewährleisten müsse, dass die
Dienstbarkeitsfläche jederzeit gefahrenlos zugänglich und befahrbar sei
(Stellungnahme der Gemeinde vom 6. September 2022 im Verfahren R 22
39 [Rechtsschriften]/Akten Beigeladene act. 1, sowie Stellungnahme der
Gemeinde vom 4. Oktober 2022 im Verfahren R 22 39 [Rechtsschriften]).
Daraus lässt sich, entgegen den Beschwerdeführern, keinerlei
Beschränkung des Fahrwegrechts auf Fahrzeuge mit einer Länge von
maximal 6 m ableiten (vgl. auch Schreiben der Gemeinde vom
19. September 2022 an die Beschwerdeführer, [Akten Beigeladene act. 2
im Verfahren R 22 39]). Damit muss dem Grundeigentümer der
Parzelle H._ bewusst sein, dass jedermann – namentlich auch die
Mieter der Parzelle F._ – über die mit der Dienstbarkeit belastete
Fläche auf seinem Grundstück gehen und fahren darf, worauf auch er
behaftet werden kann (vgl. Stellungnahme der Gemeinde vom
6. September 2022 im Verfahren R 22 39 [Rechtsschriften]/Akten
Beigeladene act. 1). Unter diesen Umständen darf erwartet werden, dass
eine solche Situation, wie sie von den Beschwerdeführern fotografisch
dokumentiert wurde, bei der die Zufahrt auf der Parzelle H._ mit (Bau-
)Materialien versperrt ist, nicht mehr vorkommen wird (vgl. Bf-act. 22 f. im
Verfahren R 22 39). Schliesslich bleibt zu erwähnen, dass den
Beschwerdeführern aus dem Dienstbarkeitsvertrag – wie bereits im Urteil
R 19 18/19 vom 28. Mai 2020 ausgeführt – gemäss den Angaben der
Gemeinde E._ keine Kosten überbunden werden (vgl. dortige
E.6.2.6). Aus all diesen Gründen ist im Rahmen der hier gebotenen
summarischen Prüfung festzustellen, dass bereits vor Beginn der
Bauarbeiten und auch mit Aufhebung der bisherigen Zufahrt eine in
rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht hinreichend gewährleistete neue
Erschliessung der Parzelle F._ bestand und nach wie vor besteht.
Daran ändert auch die strittige Frage, ob das Einfahrtstor auf
Parzelle F._ verschoben oder die jetzige Zufahrt mit zwei Kurven
beibehalten werden soll, nichts (vgl. Stellungnahme der Gemeinde vom
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4. Oktober 2022 im Verfahren R 22 39 [Rechtsschriften]). Sofern die
Beschwerdeführer geltend machen, die fragliche Zufahrt über
Parzelle F._ solle gemäss dem im Rahmen der Ortsplanungsrevision
im September/Oktober 2022 aufgelegenem GEP aufgehoben werden (Bf-
act. 24), so ist diese mutmassliche künftige Massnahme für das
vorliegende Verfahren nicht massgeblich.
4.3.4. Ferner erwächst den Beschwerdeführern auch bezüglich der
(vorübergehenden Inanspruchnahme) von Land während der Bauphase
kein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil. Bereits aus dem
rechtskräftigen Urteil R 19 18/19 vom 28. Mai 2020 geht unter Verweis auf
den Technischen Bericht vom Mai 2017 hervor (vgl. Bg1-
act. 7/Vernehmlassung im Verfahren R 22 39), dass der Zaun auf den
Parzellen B._ und F._ demontiert und wiederhergestellt werde,
die tangierten Flächen wieder instand gestellt würden, die Bepflanzung
ersetzt und/oder ergänzt werde und dass die Gehölze, die erhalten werden
könnten, während der Bauzeit mit entsprechenden Massnahmen zu
schützen seien (vgl. dortige E.5.2). Was die inzwischen bereits gefällten
Nussbäume auf der Parzelle F._ betrifft, ist prima facie davon
auszugehen, dass sie den vorgeschriebenen Abstand von sechs Metern
vom Fahrbahnrand unterschritten, soweit sie nicht ohnehin bereits in dem
vom rechtskräftig erteilten Enteignungsrecht erfassten Landstreifen
standen (vgl. Art. 21 Abs. 1 lit. a der Strassenverordnung des Kantons
Graubünden [StrV; BR 807.110] sowie Entwurf zur gütlichen
Vereinbarung, Bg2-act. 1.9 im Verfahren R 22 39).
4.4. Aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip ergibt sich schliesslich das
Erfordernis einer Interessenabwägung. Dabei ist der festgestellte und
bewertete potenzielle Nachteil mit den entgegenstehenden öffentlichen
und privaten Interessen abzuwägen. Die entgegenstehenden Interessen
müssen umso mehr zurücktreten, je schwerer die Interessen, die
- 20 -
zugunsten der Regelungsmassnahme sprechen, zu gewichten sind
(PVG 2016 Nr. 28 E.5)
4.4.1. Die Behauptung der Beschwerdeführer, der Vorderrichter habe in der
angefochtenen Verfügung vom 23. August 2022 keine
Interessenabwägung vorgenommen, ist unzutreffend. Wie der dortigen
Erwägung 4 entnommen werden kann, erfolgte eine zumindest
summarische Interessenabwägung, was in einem vorsorglichen
Massnahmeverfahren ausreichen muss (vgl. Erwägung 3.1 f.).
4.4.2. Überdies hielt das Verwaltungsgericht schon im rechtskräftigen Urteil R 19
18/19 vom 28. Mai 2020 dafür, dass der Eingriff in das Eigentum der
Beschwerdeführer mit der dauerhaften Inanspruchnahme von ca. 125m2
und der vorübergehenden Beanspruchung von ca. 190m2 ab der
Parzelle F._ verhältnismässig ist (vgl. dortige E.6.3.4). Die mit
Verfügung vom 23. August 2022 angeordneten vorsorglichen
Massnahmen (Räumung des fraglichen Landstreifens bzw. im
Unterlassungsfall Bekanntgabe der Halterdaten der darin parkierten
Fahrzeuge bzw. Abschleppen) bewegen sich im Rahmen des Vollzugs
des Enteignungsrechts und erweisen sich daher als verhältnismässig. Die
von den Beschwerdeführern aufgeworfenen Befürchtungen vermögen
somit die auf der Hand liegenden Nachteile, die ein Baustopp betreffend
Verkehrssicherheit und Verzögerung hinsichtlich der nachgelagerten
Belagsanierungsarbeiten nach sich ziehen würde (vgl. Erwägung 4.3.2),
nicht zu überwiegen.
4.5. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass den Beschwerdeführern durch
die Vollstreckung der vorzeitigen Besitzeseinweisung und die Anordnung
der beantragten vorsorglichen Massnahmen keine nicht leicht
wiedergutzumachenden Nachteile erwachsen, und dass die angeordneten
vorsorglichen Massnahmen verhältnismässig sind, womit nicht zu
beanstanden ist, dass der Vorderrichter diese vorsorglichen Massnahmen
- 21 -
angeordnet und dabei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung
verweigert hat.
5. Folglich ist die Prozessbeschwerde abzuweisen. Die entstandenen
Gerichtskosten für die Behandlung der Prozessbeschwerde sind bei
diesem Verfahrensausgang den Beschwerdeführern – je zur Hälfte und
solidarisch haftend für das Ganze – aufzuerlegen. Dabei erweist sich eine
Staatsgebühr von CHF 500.-- (zuzüglich Kanzleiauslagen) als
angemessen. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-
rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen wird in der Regel keine
Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen (Art. 78 Abs. 2 VRG). Davon abzuweichen
besteht vorliegend kein Anlass.