Decision ID: 645d56b1-ffa4-4ad1-8f04-6a6188130cf7
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Drohung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung - Einzelgericht, vom 1. November 2011 (GG110214)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV vom 16. August 2011 ist diesem Ur-
teil beigeheftet (Urk. 18).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b StGB, − der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie − der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.
2. Vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung gemäss Ziff. 1 lit. d) Ab-
satz 2 (Treppensturz) der Anklageschrift vom 16. August 2011 und vom
Vorwurf der Drohung gemäss Ziff. 1 lit. b) sowie lit. d) Absatz 1 der An-
klageschrift vom 16. August 2011 wird der Beschuldigte freigespro-
chen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen
zu Fr. 10.–, wovon 64 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten, sowie
mit einer Busse von Fr. 700.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4
Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren
Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen.
6. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatkläge-
rin B._ gemäss Schuldspruch (Ziffer 1) dem Grundsatze nach
schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges
des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin B._ auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen. Im Übrigen wird auf das Schaden-
ersatzbegehren nicht eingetreten.
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7. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin B._ wird auf den
Zivilweg verwiesen.
8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 1'500.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 33.– Auslagen Untersuchung
Fr. 9'464.80 amtliche Verteidigung
Fr. Vertretung Privatklägerschaft Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. Wird auf eine schriftliche
Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die Entscheidgebühr um
einen Drittel.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens sowie
der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, ausgenommen
derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten zur
Hälfte auferlegt, aber einstweilen abgeschrieben, und im Übrigen auf
die Gerichtskasse genommen.
10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung im hälftigen Umfang
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die Höhe der Kosten der amtlichen
Verteidigung wird mit separater Verfügung entschieden.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 60/1 S. 1)
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 1. November 2011 in
den Ziffern 1, 3, 4, 5, 6, 8, 9 und 10 aufzuheben.
2. Es sei mein Klient wegen Drohung i.S.v. Art. 180 Abs. 1 und Abs. 2
lit. b StGB, Nötigung i.S.v. Art. 181 StGB und mehrfachen Tätlichkeiten
i.S.v. Art. 126 Abs. 1 StGB freizusprechen.
3. Es sei mein Klient für die erstandene Untersuchungshaft von 64 Tagen
zu entschädigen und es sei ihm eine angemessene Genugtuung aus-
zurichten.
4. Die Zivilforderungen werden gesamthaft und im Einzelnen bestritten
und sind auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staates.
b) Der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 51, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-
richts Zürich, 3. Abteilung – Einzelgericht, vom 1. November 2011, das gleichen-
tags mündlich eröffnet und im Dispositiv übergeben wurde (Prot. I S. 11), melde-
ten der Beschuldigte am 8. November 2011 (Datum Eingang bei der Vorinstanz)
sowie der amtliche Verteidiger mit Eingabe vom 9. November 2011 fristgerecht
Berufung an (Urk. 33; Urk. 34). Das begründete Urteil wurde von der Verteidigung
am 16. Januar 2012 entgegengenommen (Urk. 40/2). Mit Eingabe vom 6. Februar
2012 (Montag) liess der Beschuldigte innert Frist (gemäss Art. 90 Abs. 2 StPO)
seine Berufungserklärung einreichen (Urk. 48/1). Er beantragte darin einen voll-
umfänglichen Freispruch mit den entsprechenden Folgen. Beweisanträge wurden
nicht gestellt (Urk. 48/1). Mit einem Tag Verspätung (Poststempel vom 7. Februar
2012) traf zusätzlich eine eigene Berufungserklärung des Beschuldigten ein
(Urk. 47/1).
2. Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 27. Februar 2012 auf
eine Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils (Urk. 51).
3. Das Amt für Justizvollzug reichte mit Eingabe vom 29. Februar 2012 das Da-
tenerfassungsblatt und mit Eingabe vom 15. März 2012 diverse Steuerunterlagen
des Beschuldigten ein (Urk. 52-54).
4. Der amtliche Verteidiger hatte der hiesigen Kammer bereits mit Schreiben
vom 24. Januar 2012 mitgeteilt, dass er den Beschuldigten vor Obergericht nicht
mehr verteidige (Urk. 42/1). Das Schreiben wurde als Gesuch um Entlassung als
amtlicher Verteidiger entgegengenommen, der Verteidiger jedoch aufgrund der
laufenden kurzen Frist für die Berufungserklärung angehalten, eine solche noch
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einzureichen (Urk. 45). Mit Verfügung vom 15. Mai 2012 wurde der amtliche Ver-
teidiger antragsgemäss entlassen (Urk. 56).
II. Prozessuales
1. Am 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Strafprozessordnung in Kraft ge-
treten. Da der angefochtene Entscheid nach diesem Zeitpunkt gefällt wurde, gilt
für das vorliegende Berufungsverfahren neues Recht (Art. 454 Abs. 1 StPO). Ver-
fahrenshandlungen, die vor dem Inkrafttreten der neuen Strafprozessordnung an-
geordnet oder durchgeführt wurden, behalten ihre Gültigkeit (Art. 448 Abs. 2
StPO).
2. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im
Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-
fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (Schmid, StPO Praxiskommentar, Zü-
rich/St. Gallen 2009, N 1 zu Art. 402). Weder die Privatklägerin oder die Staats-
anwaltschaft noch der Beschuldigte hat die Dispositivziffern 2 (Freispruch vom
Vorwurf der einfachen Körperverletzung gemäss Ziff. 1 lit. d) Absatz 2 [Treppen-
sturz] und vom Vorwurf der Drohung gemäss Ziff. 1 lit. b) sowie lit. d) Absatz 1 der
Anklageschrift vom 16. August 2011) und 7 (Verweisung des Genugtuungsbegeh-
rens der Privatklägerin auf den Zivilweg) angefochten (Urk. 48/1 S. 1). Diese von
der Berufung nicht umfassten Punkte des erstinstanzlichen Urteils sind somit in
Rechtskraft erwachsen, was mittels Beschluss festzustellen ist.
3. Der Beschuldigte rügt zwar nicht ausdrücklich eine Verletzung des Anklage-
prinzips. Dies ist durch das Gericht jedoch von Amtes wegen zu prüfen (Art. 329
Abs. 1 lit. a i.V.m Art. 325 StPO). Nach dem Anklageprinzip muss die Anklage so
abgefasst sein, dass sie die Grundlage für die gerichtliche Beurteilung darstellen
kann. Wesentlich ist unter anderem die Darstellung des Tathergangs, die alle ob-
jektiven und subjektiven Tatbestandselemente der dem Beschuldigten vorgewor-
fenen Straftatbestände umfassen muss. In der Anklageschrift ist der Sachverhalt
so darzustellen, dass die Vorwürfe im objektiven und subjektiven Bereich genü-
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gend konkretisiert sind. Die objektiven Merkmale des Straftatbestandes, den der
Beschuldigte gemäss Anklage erfüllt haben soll, müssen somit ausnahmslos mit
Sachverhaltsbehauptungen umschrieben werden (Landshut, in Do-
natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-
ordnung [StPO], Zürich/Basel/Genf 2010, N 10 f. zu Art. 325).
3.1 Tatbestandsmerkmal der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB ist, dass der
Drohende seinem Opfer ein künftiges schweres Übel ankündigt oder in Aussicht
stellt und dieses dadurch in Angst und Schrecken versetzt wird. Dabei muss der
Eintritt dieses künftigen schweren Übels in irgendeiner Weise als vom Drohenden
abhängig dargestellt werden. Erschreckt einer den anderen willentlich mit der An-
kündigung einer in Wahrheit gar nicht bevorstehenden Gefahr, so mag zwar der
verpönte Erfolg der Angsterzeugung eintreten, doch entfällt der Tatbestand, weil
der Ankündigende die Verwirklichung der Gefahr nicht von sich selbst abhängig
machen kann. Falsche Warnungen bleiben daher straflos, sofern sie nicht den öf-
fentlichen Frieden verletzen (Delnon/Rüdy, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler
Kommentar Strafrecht II, 2. Auflage, Basel 2007, N 14a ff. zu Art. 180). Weiter ist
zu beachten, dass die Drohung schwer sein muss. Die diesbezüglichen Anforde-
rungen sind hoch anzusetzen. Bei der Beurteilung des Tatmittels ist ein objektiver
Massstab anzuwenden. Nur diejenige Drohung soll als schwer gelten, die ein ver-
ständiger Mensch mit durchschnittlicher Belastbarkeit als solche empfindet (Del-
non/Rüdy, a.a.O., N 19 zu Art. 180).
3.2 Inwiefern eine Klage bei einem "C._-Schrein" ein schweres künftiges
Übel darstellt, geht aus der Anklage nicht hervor. Es ist zwar durchaus vorstellbar,
dass jemand durch eine Drohung mit etwas, das in hiesigen Kreisen unbekannt
ist, in Angst und Schrecken versetzt werden kann. Eine in objektiver Hinsicht
schwere Drohung ist damit noch nicht gegeben. Selbst wenn man aber einzig auf
den subjektiven Aspekt der Drohung abstellen wollte, wäre diesfalls in der Ankla-
geschrift ausführlich darzulegen, was genau das Bedrohliche an der Aussage ist
und inwiefern diese jemanden in Angst und Schrecken versetzen soll. Dies wurde
vorliegend in keiner Weise dargelegt. Auch wurde nicht aufgeführt, inwiefern das
künftige Übel vom Willen des Beschuldigten abhängig sein soll.
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Selbst wenn man aber das Anklageprinzip diesbezüglich als eingehalten erachten
wollte, ergibt sich daraus nicht ohne Weiteres ein Schuldspruch im Sinne der An-
klage, wie nachfolgend zu zeigen sein wird.
III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Drohung gemäss Anklageziffer 1. a)
1.1. Noch Gegenstand des Berufungsverfahrens ist zunächst der Vorwurf, der
Beschuldigte habe der Privatklägerin in einem Telefongespräch vom 3. Oktober
2009 gesagt, er werde sie [in D._] bei einem "C._-Schrein" verklagen
(2. Teil der Anklageziffer 1. a) ). Bezüglich der ferner in dieser Anklageziffer ent-
haltenen (Todes-)Drohung hielt die Vorinstanz in ihrem Entscheid fest, dem Be-
schuldigten könne keine solche nachgewiesen werden. Sie erwähnte dies explizit
in ihrem Fazit (Urk. 41 S. 22), nicht jedoch in Dispositivziffer 2 des vorinstanzli-
chen Entscheids betreffend Freispruch (Urk. 41 S. 34). Dabei handelt es sich of-
fenbar um ein Versehen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass in materieller Hin-
sicht ein Freispruch vorliegt und das Berufungsgericht an diesen gebunden ist.
Der formelle Freispruch ist mit dem vorliegenden Urteil vorzunehmen.
1.2. Der Beschuldigte hat stets zugegeben, der Privatklägerin am besagten Tag
im Rahmen eines Telefongesprächs gesagt zu haben, er werde sie bei einem
"C._-Schrein" verklagen (Urk. 7/3 S. 7; Urk. 25 S. 10 f.). Erst anlässlich der
Berufungsverhandlung bestritt der Beschuldigte den betreffenden Sachverhalt
(Urk. 59 S. 3). Da der Beschuldigte den Sachverhalt bisher konstant eingestanden
hat und diesen sogar in seiner eigenhändig verfassten Berufungserklärung bestä-
tigte (Urk. 47/1 S. 1), ist beim heutigen Bestreiten von einer Schutzbehauptung
auszugehen.
1.3. Inwiefern die Aussage des Beschuldigten ein schwerer Nachteil ist, geht –
wie oben erwähnt – nicht aus der Anklageschrift hervor. Auch den Aussagen der
Privatklägerin ist diesbezüglich nichts zu entnehmen (Urk. 8/1-3). Aufschluss dar-
über, was ein "C._-Schrein" ist, geben nur die eigenen Aussagen des Be-
schuldigten. Dieser beschreibt den "C._-Schrein" als einen Gebetsort, wo
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man Leute anzeigen kann, welche lügen. "Die" würden dann zur Familie gehen
und ihnen den Auftrag geben, dass die angezeigte Person die Wahrheit sagen
müsse. Die beschuldigte Person werde vom Schrein aufgefordert, die Wahrheit zu
sagen. Wenn man nicht die Wahrheit sage, wisse man an dieser Gebetsstätte,
wie man die Person dazu bringen könne, die Wahrheit zu sagen. Wie dies ge-
macht werde, wisse der Beschuldigte selbst nicht, man erhalte die nötigen Infor-
mationen dazu, wenn man dort hingehe. Der Schrein bestehe aus natürlichen
Leuten und sei ein Ort, wo Streitigkeiten beigelegt würden. Auf die Frage, ob er
selbst Angst hätte, wenn man ihn vor einem solchen Schrein verklagen würde,
antwortete der Beschuldigte, dass er die Wahrheit sagen würde, anstatt dorthin
gehen zu müssen. Angst habe er jedoch keine. Wenn er nicht lüge, habe er nichts
zu befürchten. Weiter antwortete er auf die Frage, was die Konsequenzen für die
betroffene Person seien, wenn sie von diesem Schrein als "schuldig" verurteilt
würde, dass er dies nicht wisse. Die Leute bei der Gebetsstätte würden dies der
Person erklären und diese müsste dann selbst entscheiden, ob sie die Konse-
quenzen auf sich nehmen oder die Wahrheit sagen wolle (Urk. 7/3 S. 14; Urk. 25
S. 10 ff.). Zusammengefasst ist dieser "C._-Schrein" somit als eine Art tradi-
tionelle Einrichtung zu verstehen, bei welcher es darum geht, die Wahrheit her-
auszufinden und Streitigkeiten beizulegen, wobei zur Erreichung dieses Zwecks
nicht näher bekannte Konsequenzen in Aussicht gestellt werden können. Einer
Protokollnotiz im Rahmen der Einvernahme der Privatklägerin zufolge soll es da-
bei um eine Art Voodoo gehen (Urk. 8/3 S. 5).
1.4. Somit erscheint nur schon aufgrund des Wesens dieses Schreins als frag-
lich, ob die Androhung, die Privatklägerin dort zu verklagen, als schwere Drohung
im Sinne des Strafgesetzbuches gewertet werden kann. Da den Akten ausser den
Aussagen des Beschuldigten keinerlei Erklärungen zum "C._-Schrein" zu
entnehmen sind, ist darauf abzustellen, dass es ausschliesslich darum geht, die
Wahrheit herauszufinden und Streitigkeiten beizulegen, wobei die Familie mitein-
bezogen werden kann. Den Aussagen des Beschuldigten kann entnommen wer-
den, dass sein Hinweis zu besagtem Schrein in Zusammenhang damit erfolgt ist,
dass die Privatklägerin angeblich leugnete, mit dem Beschuldigten verheiratet zu
sein und behauptet habe, sie sei selbständig in die Schweiz gekommen. Dabei
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habe der Beschuldigte sie traditionell geheiratet und zwischen EUR 15'000 bis
20'000 dafür ausgegeben, dass sie in die Schweiz habe kommen können (Urk. 25
S. 12). Auch wenn aufgrund des kulturellen Hintergrundes des Beschuldigten und
der Privatklägerin, welche beide in D._ aufgewachsen sind (Urk. 25 S. 2;
Urk. 7/3 S. 12), durchaus davon auszugehen ist, dass diese Respekt vor einem
solchen Schrein haben, ist darin, dass bei diesem die Wahrheit herausgefunden
werden soll, kein schwerer Nachteil zu erblicken. Selbst wenn den Akten nicht zu
entnehmen ist, ob der Beschuldigte und die Privatklägerin tatsächlich traditionell
miteinander verheiratet wurden und sie durch seine finanzielle Unterstützung in
die Schweiz gekommen ist, ist davon auszugehen, dass sie ohne weiteres die
Wahrheit dazu sagen kann und auch die jeweiligen Familien darüber informiert
sind. Weder den Aussagen des Beschuldigten, noch derjenigen der Privatkläge-
rin, noch den Akten kann sodann entnommen werden, dass der Privatklägerin –
wie dies dem Beschuldigten in der Anklage vorgeworfen wird (Urk. 18 S. 3) – auf-
grund dieses Schreins körperliches Leid zugefügt werden soll.
1.5. Im Übrigen sind die Aussagen der Privatklägerin zur Drohung mit dem
"C._-Schrein" äusserst dürftig. So wurden diese stets in Zusammenhang mit
den gemäss Anklageschrift gleichzeitig erfolgten Todesdrohungen gemacht. Von
diesen wurde der Beschuldigte jedoch wie bereits erwähnt materiell freigespro-
chen (Urk. 41 S. 22). Das besagte Telefongespräch wurde erst in der letzten
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 9. Juli 2010 ein Thema (Urk. 8/3). Die
Privatklägerin schildert darin, wie der Beschuldigte sie angerufen und gesagt ha-
be, er wolle sie und die Kinder töten, was er auch schon ihrer Mutter gesagt habe.
Sie habe solche Angst bekommen. Zudem habe er gesagt, er werde ihren Namen
zu einem C._-Schrein in D._ nehmen. Auf Frage, was weiter vorgefallen
sei, führte die Privatklägerin aus, dass der Beschuldigte ihr gesagt habe, dass er
alles unternehmen werde, um ihr Leben hier in der Schweiz zum Scheitern zu
bringen. Darauf habe sie mit grosser Angst reagiert (Urk. 8/3 S. 5). Diese Aussa-
gen sind die einzigen der Privatklägerin zum C._-Schrein. Daraus wird deut-
lich, dass die Befragung zur mutmasslichen Todesdrohung und dem C._-
Schrein zusammengefasst wurde. Aus dem Kontext geht zwar hervor, dass die
Privatklägerin Angst hatte, jedoch bezog sich die durch sie selbst spontan geäus-
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serte Angst konkret auf die Todesdrohung. Dazu, ob sich die Angst auch auf die
Aussage des Beschuldigten zum C._-Schrein bezog bzw. weshalb dieser sie
in Angst und Schrecken versetzen könnte, machte sie jedoch keinerlei Ausfüh-
rungen. Wenn dieser im Hinblick auf Personen mit ... Hintergrund [des Landes
D._] jedoch so furchteinflössend wäre, wäre zumindest zu erwarten gewe-
sen, dass sie weitere Ausführungen gemacht hätte, weshalb sie diesen Schrein
fürchte. So ist jedoch zu Gunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass
sich ihre Angst ausschliesslich auf die gleichzeitig behandelten Todesdrohungen
bezog, welche jedoch nicht mehr Gegenstand des Verfahrens sind.
1.6. Aufgrund dieser Erwägungen kann nicht davon ausgegangen werden, dass
bei der Privatklägerin durch die Ankündigung des Beschuldigten, er werde ihren
Namen zum "C._-Schrein" mitnehmen, die begründete Befürchtung bewirkt
wurde, der Beschuldigte könnte ihr ein körperliches Leid antun, weshalb der Be-
schuldigte vom Vorwurf der Drohung betreffend C._-Schrein freizusprechen
ist soweit diesbezüglich auf die Anklage überhaupt eingetreten werden kann. Der
Beschuldigte ist somit insgesamt bezüglich Anklageziffer 1. a) ([Todes]-drohung
und C._-Schrein) formell freizusprechen, soweit darauf eingetreten werden kann.
2. Tätlichkeiten gemäss Anklageziffer 1. c)
2.1. Sodann wird dem Beschuldigten zusammengefasst vorgeworfen, der Privat-
klägerin am 25. April 2010 von einem Spielplatz aus nach Hause gefolgt zu sein.
Er habe versucht, ins Haus zu gelangen und die Privatklägerin mit der rechten
Faust auf die linke Hand geschlagen (Urk. 18 S. 3).
2.2. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin
zutreffend wiedergegeben und gewürdigt, worauf verwiesen werden kann (Urk. 41
S. 12 ff.). Ihr ist beizupflichten, dass die Privatklägerin den Vorfall detailreich, in
sich stimmig und nachvollziehbar geschildert hat. Die Ausführungen der Vo-
rinstanz überzeugen, ihnen ist nichts beizufügen. Der Sachverhalt ist somit er-
stellt.
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2.3. Auch die rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist zutreffend und bedarf kei-
nerlei Ergänzungen, weshalb vollumfänglich darauf zu verweisen ist (Urk. 41
S. 24 f.).
3. Tätlichkeiten und Nötigung gemäss Anklageziffer 1. d) Absatz 2 und 3
3.1. Dem Beschuldigten wird sodann zusammengefasst vorgeworfen, die Privat-
klägerin am tt.mm.2011 (recte: 2010, vgl. Urteil der Vorinstanz, Urk. 41 S. 4), ca.
12:00 Uhr, in deren Wohnung aufgesucht zu haben. Er habe sich in die Wohnung
gedrängt und die Privatklägerin mindestens zweimal mit der rechten Faust gegen
den Nacken-/Schulterbereich geschlagen. Danach habe er sie aus der Wohnung
gestossen und sich in der Folge mit den beiden gemeinsamen Kindern in der
Wohnung eingeschlossen. Die Wohnungstüre habe er auch nach mehrfacher Auf-
forderung durch die herbeigerufene Polizei während mindestens drei Minuten
nicht geöffnet (Urk. 18 S. 4). Von den übrigen Vorwürfen im Zusammenhang mit
dem Vorfall vom tt.mm.2010 wurde der Beschuldigte freigesprochen (Urk. 41
S. 34).
3.2. Die Anklage beruht insbesondere auf den Aussagen der Privatklägerin. Die
Vorinstanz hat deren sowie die Aussagen des Beschuldigten und der beiden Zeu-
gen E._ und F._ – den beiden Polizeibeamten, welche als erste bei der
Wohnung eintrafen – ausführlich und zutreffend wiedergegeben. Zur Vermeidung
von Wiederholungen kann auf diese Erwägungen verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO; Urk. 41 S. 15-22). Die nachfolgenden Ausführungen sind zusam-
menfassender und teilweise ergänzender Natur.
3.3. Der Beschuldigte ist geständig, mit den beiden gemeinsamen zwei- und
knapp vierjährigen Kindern in der Wohnung der Privatklägerin eingeschlossen
gewesen zu sein und die Türe erst nach mehrmaliger Aufforderung durch die Po-
lizei geöffnet zu haben. Er bestreitet jedoch, die Privatklägerin mit Gewalt aus der
Wohnung gestossen und diese geschlagen zu haben. Diese sei selber die Treppe
hinunter gerannt und habe nach der Polizei geschrien. Zudem gibt er an, sein äl-
terer Sohn habe die Wohnungstüre abgeschlossen, weil die Polizei gekommen
sei (Urk. 7/1 S. 4; Urk. 7/3 S. 3; Urk. 25 S. 14; Urk. 59 S. 4 f.).
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3.4. Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass die Privatklägerin den Ablauf des
Vorfalls vom tt.mm.2010 in Bezug auf die Nötigung und die Tätlichkeiten konstant
und nachvollziehbar schilderte. Der Beschuldigte sei vor ihrer Türe gestanden und
habe sich Zutritt zur Wohnung verschafft. In der Wohnung habe er sie zwei Mal
mit der rechten Faust an den Hals geschlagen. Danach habe er sie aus der Woh-
nung gestossen und die Türe von innen abgeschlossen. Da sich die Kinder noch
in der Wohnung befanden und sie Angst gehabt habe, habe sie die Polizei ver-
ständigt. Diese sei nach 10 bis 15 bzw. "einigen" Minuten gekommen. Nach eini-
gen weiteren Minuten habe der Beschuldigte die Türe aufgemacht (Urk. 8/1 S. 2;
Urk. 8/2 S. 3 ff.).
3.5. Der Zeuge E._ gab zum besagten Vorfall an, die Privatklägerin sei beim
Eintreffen der Polizei mit Tränen in den Augen am Hauseingang gestanden und
habe ihnen gesagt, dass ihr Freund sie geschlagen und ausgesperrt habe
(Urk. 9/1 S. 2). Er und sein Kollege F._ seien sodann zur verschlossenen
Wohnung hochgegangen, hätten geklopft und den Beschuldigten mehrfach zum
Öffnen der Türe aufgefordert, schliesslich mit der Androhung des Eintretens der
Türe. Der Beschuldigte habe erst nach ca. 3 Minuten geöffnet und erklärt, er habe
die Kinder sehen wollen (Urk. 9/1 S. 2 ff.). Der Zeuge F._ bestätigte diese
Aussagen seines Kollegen. Nur daran, ob die Privatklägerin gesagt hatte, sie sei
vom Beschuldigten geschlagen worden, konnte er sich nicht mehr erinnern
(Urk. 9/2).
3.6. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass die diesbezüglichen Aussa-
gen der Privatklägerin insgesamt zu überzeugen vermögen. Sie schilderte detail-
getreu und nachvollziehbar den Ablauf des Vorfalls. Ihre Aussagen wurden soweit
möglich durch die beiden herbeigerufenen Polizisten bestätigt. Diese hatten den
Eindruck, dass die Privatklägerin aufgelöst war. Zwar haben beide die zwei
Schläge selbst nicht beobachtet, sie schilderten den Vorfall jedoch derart, dass
sich die Schläge zwanglos nachvollziehen lassen. Klar bestätigten die beiden Po-
lizeibeamten jedenfalls, dass bei ihrem Eintreffen die Wohnung verschlossen war
und der Beschuldigte keineswegs auf erste Aufforderung hin die Türe aufschloss.
Damit ist auch erstellt, dass der Vorgang nicht nur wenige Minuten dauerte.
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3.7. Im Gegensatz dazu überzeugen die Aussagen des Beschuldigten nicht. Wie
die Vorinstanz zutreffend anmerkte ist nicht nachvollziehbar und sehr unwahr-
scheinlich, dass ein knapp vierjähriges Kind von sich aus sagt, man müsse die
Türe abschliessen, weil die Polizei komme. Umso unwahrscheinlicher erscheint
die Behauptung des Beschuldigten, weil wohl kein Kleinkind in einer solchen Situ-
ation seine eigene Mutter aussperren würde. Selbst wenn dies der Fall gewesen
wäre, hätte der Beschuldigte in jener Situation die Türe unverzüglich wieder öff-
nen können und müssen. Er war dafür verantwortlich, nachdem er faktisch die
Obhut für die Kinder ausübte. Die Erklärung des Beschuldigten, er habe nach Ein-
treffen der Polizei die Türe nicht öffnen wollen, weil er noch mit den Kindern gere-
det habe, mag durchaus zutreffen (Urk. 7/3 S. 3). Genau dadurch verwirklichte er
jedoch den Tatbestand der Nötigung, indem er die Privatklägerin insofern in ihrer
Handlungsfreiheit beschränkte, als er sie daran hinderte, ihre eigene Wohnung zu
betreten und mit ihren Kindern zusammen zu sein. Zudem musste ihm bewusst
sein, dass er die Mutter seiner Kinder nicht aus der eigenen Wohnung aussperren
durfte und einer polizeilichen Aufforderung, die Türe sofort zu öffnen, unverzüglich
Folge zu leisten ist. Eine plausible Erklärung, weshalb er selbst nach – gemäss
Aussagen der Polizisten (Urk. 9/1 S. 2; Urk. 9/2 S. 2) – lautem Poltern die Tür
nicht öffnete, gibt es nicht.
3.8. Der Sachverhalt betreffend Tätlichkeiten und Nötigung ist somit erstellt. Es
bleibt darauf hinzuweisen, dass im Festhalten des Kindes, nachdem die Polizisten
sich Zutritt zur Wohnung verschaffen konnten, kein nötigendes Verhalten festge-
stellt werden kann.
3.9. Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist zutreffend, es kann darauf ver-
wiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 41 S. 25 f.).
4. Fazit
Gemäss den obigen Ausführungen ist der Beschuldigte der Nötigung im Sinne
von Art. 181 StGB sowie der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. Vom Vorwurf der Drohung betreffend Ankla-
geziffer 1 a) ist der Beschuldigte freizusprechen.
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IV. Sanktion
1. Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jah-
ren oder Geldstrafe bestraft. Innerhalb dieses Strafrahmens ist die Strafe nach
dem Verschulden des Täters zu bemessen, wobei das Vorleben und die persönli-
chen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu be-
rücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere
der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerf-
lichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach
bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der
Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).
1.1 Zur objektiven Tatschwere ist hervorzuheben, dass der Beschuldigte die Pri-
vatklägerin gewaltsam aus ihrer Wohnung gestossen und sich mit den beiden
gemeinsamen Kindern eingeschlossen hat, was mit den damit verbundenen
Schlägen eine bedrohliche Grundstimmung verursacht hat. Zu seinen Lasten zu-
dem zu berücksichtigen ist das noch sehr junge Alter der Kinder, welche sich
nicht selbst wehren konnten. Dass die Nötigungshandlungen nur während einer
relativ kurzen Zeitspanne andauerten, kann nur bedingt zu Gunsten des Beschul-
digten gewertet werden, da dies primär der polizeilichen Intervention zuzuschrei-
ben ist. Die Intensität der Gewalt (Stossen) und das Mittel zur Beschränkung der
Handlungsfreiheit (Einschliessen) sind im Rahmen der vorstellbaren Möglichkei-
ten der Art und Weise des Vorgehens auf unterster Stufe einzuordnen.
1.2 Bezüglich der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldig-
te als Motiv angab, er habe nur seine Kinder sehen wollen. Es deutet nichts da-
rauf hin, dass er diesbezüglich falsche Aussagen machte. Aufgrund der Ausfüh-
rungen sowohl des Beschuldigten als auch der Privatklägerin ist davon auszuge-
hen, dass für die ganze Familie eine angespannte Situation bestand.
1.3 Somit ist das Verschulden als insgesamt noch leicht zu qualifizieren und ei-
ne Bestrafung des Beschuldigten im unteren Drittel des Strafrahmens festzuset-
zen (vgl. Wiprächtiger, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I, 2. Auflage, Basel
2007, N 15 zu Art. 47). Die durch die Vorinstanz festgelegte Einsatzstrafe von 50
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bis 60 Tagessätzen erscheint dabei als zu hoch. Es ist eine Einsatzstrafe von 30
Tagessätzen festzusetzen.
1.4 Der Beschuldigte weist eine Vorstrafe auf, welche nicht einschlägig ist
(Urk. 43). Der Strafbefehl datiert vom 22. Februar 2005, liegt somit schon länger
zurück, erfolgte wegen Fahren in angetrunkenem Zustand und hatte eine eher tie-
fe Strafe (14 Tage Gefängnis bedingt) zur Folge. Sie ist somit nur leicht straferhö-
hend zu gewichten. Ins Gewicht fällt aber weiter, dass der Beschuldigte mit in
Rechtskraft erwachsener Strafverfügung des Statthalters des Bezirkes Pfäffikon
vom 21. August 2009 wegen Tätlichkeiten vor allem zum Nachteil der Privatkläge-
rin mit einer Busse von Fr. 500.– bestraft worden war.
1.5 Bezüglich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann auf die
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 41 S. 29). Ergänzend anzu-
führen ist, dass sich der Beschuldigte zur Zeit in anderer Sache in Untersu-
chungshaft befindet. Ihm wird vorgeworfen, die beiden mit der Privatklägerin ge-
meinsamen Kinder ohne deren Einverständnis nach D._ gebracht zu haben
(Urk. 25 S. 6 f.). Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung führte der Be-
schuldigte aus, er wisse nicht, ob sich die Kinder noch in D._ befinden wür-
den. Er habe seit 8 Monaten keinen Kontakt mehr (Urk. 59 S. 3).
1.6 Was das Nachtatverhalten anbelangt, ist festzuhalten, dass der Beschuldig-
te grundsätzlich nicht geständig ist. Er gab einzig zu, mit den Kindern in der Woh-
nung eingeschlossen gewesen zu sein. Da dies durch die angeforderte Polizei
festgestellt werden konnte, ist diese Teilzugabe nicht zu seinen Gunsten zu wer-
ten.
1.7 Weitere Straferhöhungs- oder -minderungsgründe sind nicht ersichtlich.
1.8 In Würdigung aller massgeblichen Faktoren ist der Beschuldigte mit einer
Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu bestrafen.
1.9 Für die Berechnung der Höhe des Tagessatzes ist auf die Verhältnisse im
Urteilszeitpunkt abzustellen (Art. 34 Abs. 2 StGB). Dabei ist vom Einkommen
auszugehen, das dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Der Be-
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schuldigte ist zur Zeit in anderer Sache in Untersuchungshaft und somit erwerbs-
los. Die Höhe des Tagessatzes wurde durch die Vorinstanz mit Fr. 10.– auf das
Minimum festgesetzt (BGE 135 IV 180 E. 1.4). Einer Erhöhung stünde das Ver-
schlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) entgegen, weshalb es bei der von
der Vorinstanz festgelegten Tagessatzhöhe sein Bewenden hat.
2. Für die mehrfachen Tätlichkeiten ist eine Busse festzusetzen. Die Vo-
rinstanz hat den gesetzlichen Strafrahmen richtig aufgeführt und die Regeln der
Strafzumessung unter Hinweis auf Art. 106 StGB zutreffend dargelegt. Auf ihre
zutreffenden Ausführungen betreffend Verschulden kann verwiesen werden
(Urk. 41 S. 31). Die festgesetzte Busse von Fr. 700.– erscheint als eher tief, kann
jedoch aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht abgeändert werden (Art. 391
Abs. 2 StPO). Aus demselben Grund muss es auch bei der auf 7 Tage festgesetz-
ten Ersatzfreiheitsstrafe sein Bewenden haben.
3. Der Beschuldigte verbrachte das vorliegende Verfahren betreffend 64 Tage
in Haft. Diese sind ihm auf seine Strafe anzurechnen (Art. 51 StGB), wobei das
Bundesgericht festgelegt hat, dass sie zunächst auf Freiheitsstrafen, dann an
Geldstrafen (jeweils bedingt oder unbedingt) und zuletzt an allfällige Bussen an-
gerechnet werden. Bei Bussen basiert die Anrechnung auf der ausgesprochenen
Ersatzfreiheitsstrafe (BGE 135 IV 126 E. 1.3). Somit sind die Geldstrafe von 40
Tagessätzen und die Busse von Fr. 700.– durch insgesamt 47 Tage Haft erstan-
den.
V. Vollzug
Was den Vollzug der Geldstrafe anbelangt, kann nur schon aufgrund des Ver-
schlechterungsverbots nicht vom vorinstanzlichen Entscheid abgewichen werden.
Dem Beschuldigten ist daher der bedingte Vollzug der Geldstrafe zu gewähren.
Die Vorinstanz hat zu Recht die Probezeit auf vier Jahre festgesetzt; ihren dies-
bezüglichen Erwägungen (Urk. 41 S. 32 f.) ist nichts beizufügen.
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VI. Zivilansprüche
1. Die Privatklägerin forderte vor Vorinstanz einen Grundsatzentscheid betref-
fend Schadenersatzpflicht des Beschuldigten nach Art. 126 Abs. 3 StPO. Hin-
sichtlich der Anklagevorwürfe, bezüglich welcher der Beschuldigte freizusprechen
ist, ist indessen nach Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO vorzugehen. Die Privatklägerin
machte in keiner Weise substantiiert geltend, wofür sie mit Bezug auf die Vorwür-
fe, hinsichtlich derer ein Freispruch erfolgte respektive erfolgt, Schadenersatz for-
dert (Urk. 26 S. 4). Somit ist der Sachverhalt bezüglich keiner dieser Vorwürfe
spruchreif und die Privatklägerin insoweit auf den Zivilweg zu verweisen.
2. Betreffend den Vorwurf der Nötigung und der mehrfachen Tätlichkeiten, wo-
für der Beschuldigte schuldig zu sprechen ist, erfolgte keine Bezifferung eines all-
fälligen Schadens. Es ist daher gemäss Art. 126 Abs. 3 StPO festzustellen, dass
der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin gemäss Schuldspruch dem
Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Um-
fangs der Schadenersatzpflicht ist die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozes-
ses zu verweisen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte ob-
siegt mit seinem Antrag auf Freispruch bezüglich der eingeklagten Drohung mit
dem C._-Schrein. Bezüglich des Vorwurfes der Tätlichkeiten und der Nöti-
gung unterliegt er, jedoch wurde das Strafmass herabgesetzt. Insgesamt rechtfer-
tigt es sich somit, dem Beschuldigten die Hälfte der Kosten des Berufungsverfah-
rens aufzuerlegen. Die andere Hälfte ist auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die
Kosten der (vormaligen) amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichts-
kasse zu nehmen. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung im hälftigen Umfang
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung
der Privatklägerin sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, da sich der Beschuldig-
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te nicht in günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen befindet (Art. 426 Abs. 4
StPO).
2. Der Vorwurf betreffend C._-Schrein betraf nur einen Nebenpunkt des
Strafverfahrens, für den sich keine separate Kostenausscheidung des vorinstanz-
lichen Urteils rechtfertigt. Das Kostendispositiv der Vorinstanz (Dispositivziffern 8-
10) ist somit zu bestätigen (Art. 428 Abs. 3 StPO).
3. Ausgangsgemäss ist dem Beschuldigten sodann eine reduzierte Prozess-
entschädigung für das Berufungsverfahren zuzusprechen. Diese ist – ausgehend
von den vom Beschuldigten geltend gemachten Anwaltskosten (vgl. Urk. 60/2 in
Verbindung mit Prot. II S. 6) – auf Fr. 260.– festzusetzen.
4. Der Beschuldigte verbrachte 64 Tage in Untersuchungshaft, wovon ihm 47
Tage an die Strafe anzurechnen sind. Somit besteht eine Überhaft von 17 Tagen.
Für diese Zeit hat der Beschuldigte Anspruch auf Entschädigung und Genugtu-
ung, was von Amtes wegen zu prüfen ist (Art. 431 Abs. 2 i.V.m. Abs. 1 und
Art. 429 Abs. 2 StPO). Dabei sind die allgemeinen zivilrechtlichen Grundsätze
gemäss Art. 41 ff. OR zu berücksichtigen (Wehrenberg/Bernhard, in: Nig-
gli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische Strafprozess-
ordnung, Basel 2011, N 9 zu Art. 431). Zu betonen ist, dass es sich dabei nicht
um unrechtmässige Haft handelt, da diese grundsätzlich rechtmässig angeordnet
wurde, indessen im Nachhinein zu lange dauerte (Wehrenberg/Bernhard, a.a.O.,
N 21 zu Art. 431).
4.1 Gemäss Art. 431 Abs 3 lit. a StPO entfällt der Anspruch auf Entschädigung
und Genugtuung, wenn der Beschuldigte zu einer Strafe verurteilt wird, welche
umgewandelt eine Freiheitsstrafe ergäbe, die nicht wesentlich kürzer wäre als die
ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft. Die Formulierung "nicht we-
sentlich kürzer" lässt einen relativ grossen Ermessensspielraum. Als Beispiel er-
wähnt Schmid, dass eine Untersuchungshaft von 12 Monaten nicht wesentlich
länger ist als eine ausgesprochene Freiheitsstrafe von 11 Monaten (Schmid,
a.a.O., N 9 zu Art. 431). Im Basler Kommentar wird die Ansicht vertreten, dass auf
der anderen Seite eine Untersuchungshaft von 10 Tagen als wesentlich länger
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bezeichnet werden müsste als eine ausgesprochene Geldstrafe in der Höhe von 7
Tagessätzen. Die Autoren sprechen sich dafür aus, dass bei der Beurteilung der
Wesentlichkeit der Dauer auf das Verhältnis der ausgesprochenen Sanktion zur
erlittenen Haft abzustellen sei (Wehrenberg/Bernhard, a.a.O., N 32 zu Art. 431).
Es ist jedoch nicht einzusehen, dass beispielsweise bei einer 12 Jahre dauernden
Haft und einer ausgesprochenen Strafe von 11 Jahren ein ganzes Jahr Überhaft
"nicht wesentlich kürzer" sein soll. Das Kriterium der Verhältnismässigkeit kann
somit nicht allein für die Beurteilung wesentlich sein.
Entscheidend ist, ob die Haft insgesamt zu einer wesentlichen Mehrbelastung der
beschuldigten Person geführt hat. Vorliegend ist die auszusprechende Strafe, die
umgewandelt 47 Tagen Freiheitsstrafe entspricht, der gesamten Haftdauer von 64
Tage gegenüberzustellen. Die Haftdauer überschritt somit das Äquivalent der
auszusprechenden Strafe um ungefähr einen Drittel, was vom Verhältnis her
durchaus als wesentlich erachtet werden kann. In absoluten Zahlen wurde die
Haft um 17 Tage überschritten. Dies ist zwar keine lange Dauer, kann jedoch
auch nicht als unwesentlich qualifiziert werden, weshalb Art. 431 Abs. 3 lit. a
StPO nicht anzuwenden ist.
4.2 Der Beschuldigte liess vor Vorinstanz einen Verdienstausfall von Fr. 2'400.–
monatlich geltend machen, welchen er jedoch nicht belegte (Urk. 27 S. 5). Bei
den Akten liegen seine Lohnabrechnungen für die Zeitspanne von Januar bis April
2010, den Zeitraum unmittelbar vor seiner Inhaftierung (Urk. 54/4). Aus diesen (in
der Höhe stark variierenden) Abrechnungen ergibt sich ein mittlerer Monatslohn
von circa Fr. 1'240.–. Den entgangenen Einnahmen sind die mit der Inhaftierung
verbundenen Einsparungen, beispielsweise für Kost oder Logis, gegenüberzustel-
len (Heierli/Schnyder, in: Honsell/Vogt/Wiegand [Hrsg.], Basler Kommentar Obli-
gationenrecht I, 5. Auflage, Basel 2011, N 7 zu Art. 42; Wehrenberg/Bernhard,
a.a.O., N 25 zu Art. 429). Dem Beschuldigten ist somit für den Verdienstausfall
bezogen auf die 17 Tage Überhaft eine Entschädigung von Fr. 500.– zuzüglich
5% Zins seit 5. Juli 2010 (mittleres Datum des schädigenden Ereignisses, vgl.
BGE 129 IV 149, E. 4, S. 152 ff.) zuzusprechen.
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4.3 Die Festlegung der Höhe der Genugtuung beruht auf richterlichem Ermes-
sen, wobei sich die Höhe der Genugtuungssumme für die im Zusammenhang mit
der Haft erlittene Unbill naturgemäss nicht errechnen, sondern lediglich abschät-
zen lässt (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl.,
Basel 2005, N 8a zu § 109). Vorliegend ist wie oben ausgeführt zu beachten,
dass kein Fall ungerechtfertigter Haft, sondern von Überhaft vorliegt, somit für die
erste (erschwerende) Haftzeit und die strafrechtliche Verdächtigung als Hauptbe-
standteil der Genugtuung kein Grundbetrag zuzusprechen ist (vgl. Bundesge-
richtsentscheid vom 31. Januar 2011, 6B_574/2010, E. 2.3 mit Hinweisen).
Der Beschuldigte befand sich insgesamt 64 Tage in Untersuchungshaft, wovon
die ersten 47 Tage an die Strafe anzurechnen sind. Die Genugtuung ist somit für
die letzten 17 Tage Haft zuzusprechen. Da die schwerere erste Haftzeit nicht zu
berücksichtigen ist, erscheint vorliegend für die Überhaft eine Genugtuung von
Fr. 2'000.– zuzüglich 5% Zins seit 5. Juli 2010 als angemessen (vgl. oben 3.2).
4.4 Es ist darauf hinzuweisen, dass das Verrechnungsrecht des Staates vorbe-
halten bleibt (Art. 442 Abs. 4 StPO).