Decision ID: 3a08739e-626f-4990-af6d-2bc8d364daa1
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Diego Quinter, Goldgasse 11, Postfach 553,
7002 Chur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im Dezember 2004 und im Februar 2005 zum Leistungsbezug
bei der liechtensteinischen und der schweizerischen Invalidenversicherung an (IV-act.
1, 44). Die Sozialversicherungsanstalt St. Gallen (SVA) überwies das Leistungsgesuch
am 17. Februar 2005 an die liechtensteinische Invalidenversicherung (nachstehend: IV-
FL) zur weiteren Bearbeitung (IV-act. 9). Im Bericht vom 5. März 2005 stellte Dr. med.
B._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bei der Versicherten die Diagnosen einer
Fibromyalgie sowie einer rezidivierenden depressiven Episode mittelschweren bis
schweren Ausprägungsgrads. In der Tätigkeit als Reinigungsfrau bestehe seit 15.
September 2003 (wegen der rheumatischen Beschwerden mit Fibromyalgie) eine volle
Arbeitsunfähigkeit. In einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit
(angestammter Beruf als Sekretärin) sei die Versicherte aus psychiatrischer Sicht zu
50% arbeitsfähig (IV-act. 53).
A.b Dr. med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am
18. Januar 2007 zuhanden der IV-FL ein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 67). Nach
Durchführung von weiteren medizinischen Behandlungen und Abklärungen,
insbesondere einer interdisziplinären Begutachtung in der Klinik Valens (einschliesslich
einer erneuten psychiatrischen Teilbegutachtung durch Dr. C._ vom 10. Juli 2008; IV-
act. 93), wies die IV-FL das Rentengesuch mit Verfügung vom 11. November 2008 ab.
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 38'356.80 (Lohn-Periode vom September 2002
bis August 2003 gemäss IV-act. 47) und einem Invalideneinkommen zu 50% von
Fr. 23'973.-- errechne sich ein IV-Grad von 37.5%. Im Haushalt liege eine
Einschränkung von 40.8% vor. Im Erwerbsteil (80%) bestehe ein IV-Grad von 30% (0.8
x 37.5%) und im Haushalt (20% Anteil) ein solcher von 8.16% (40.8% x 0.2). Nach
einer Einarbeitungsphase von drei bis vier Monaten errechne sich bei einem
Valideneinkommen von Fr. 38'356.80 (Lohn-Periode vom September 2002 bis August
2003 gemäss IV-act. 47) und einem Invalideneinkommen zu 100% (mit zusätzlichen
Pausen von zwei Stunden) von Fr. 36'530.30 ein IV-Grad von 4.76%. Im Erwerbsteil
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(80%) bestehe dementsprechend ein IV-Grad von 3.8% und im Haushalt ein solcher
von 8.16%, woraus ein IV-Grad von insgesamt 12% resultiere (IV-act. 98). Mit
Vorbescheid vom 17. November 2008 wies die IV-FL den Antrag auf Kostenübernahme
eines Arbeitsversuchs ab (IV-act. 99).
A.c Nachdem gegen die vorerwähnte Rentenverfügung Einsprache (Vorstellung)
erhoben bzw. gegen den Vorbescheid betreffend Arbeitsversuch ein Einwand
eingereicht worden war (IV-act. 105, 106), veranlasste die IV-FL eine erneute
psychiatrische Begutachtung (Gutachten von Dr. med. D._; IV-act. 113). Am 18.
Januar 2010 verfügte sie betreffend Arbeitsversuch im Sinn des Vorbescheids (IV-act.
118). Gestützt auf das eingeholte psychiatrische Gutachten hob die IV-FL die
Verfügung vom 11. November 2008 auf und sprach der Versicherten mit Beschluss
vom 27. Oktober 2009 ab September 2004 eine ganze Rente auf der Basis eines IV-
Grads von 88% zu. Bei der Bemessung des IV-Grads ging sie im Erwerbsteil von einem
Anteil 80% und einer Einschränkung von 80% (0.8 x 100%) und im Haushalt von einem
Anteil von 20% und einer Einschränkung von 8% (0.2 x 40.8%) aus (IV-act. 114-117).
Am 25. Januar 2010 erliess die IV-FL eine Rentennachzahlungsverfügung (IV-act. 133).
A.d Im Vorbescheid vom 8. Juni 2010 stellte die SVA die Ablehnung des
Rentenanspruchs in Aussicht. Eine leidensadaptierte Tätigkeit sei der Versicherten zu
50% zumutbar. Es sei ihr somit möglich, weiterhin dasselbe Erwerbseinkommen (Anteil
Erwerb 80%) zu erzielen wie bisher. Unter Berücksichtigung der
Schadenminderungspflicht der Familienangehörigen bestehe in den Haushalttätigkeiten
(Anteil Haushalt 20%) keine rentenrelevante Einschränkung (IV-act. 126). Hiergegen
reichte Rechtsanwalt lic. iur. D. Quinter, Chur, für die Versicherte am 14. Juli 2010
einen Einwand ein (IV-act. 127). Die SVA verfügte am 22. Juli 2010 im Sinn des
Vorbescheids (IV-act. 128).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Quinter für die Versicherte am
14. September 2010 Beschwerde mit den Anträgen, unter Aufhebung der Verfügung
sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin zu 100% invalid sei. Die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin rückwirkend ab 15.
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September 2003, eventuell ab Datum nach richterlichem Ermessen, eine
hundertprozentige IV-Rente zu bezahlen. Zur Begründung legte der Rechtsvertreter
unter anderem dar, der Regionale ärztliche Dienst der IV (RAD) gehe in der
Stellungnahme vom 12. Mai 2010 aufgrund von veralteten Arztberichten aus den
Jahren 2005 und 2007 von einer Arbeitsfähigkeit von 50% in einer adaptierten Tätigkeit
aus. Eine Begründung dafür, dass das Gutachten D._ übergangen werde, suche man
vergeblich in der Stellungnahme. Die Beschwerdegegnerin übersehe, dass der
gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin sich vor drei Jahren merklich
verschlechtert habe, was Dr. D._ nachvollziehbar darlege. Es gebe keine
Veranlassung, von dessen Einschätzung abzuweichen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 4. November 2010 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie unter
anderem aus, das Gutachten D._ sei nicht schlüssig. Es sei nicht ersichtlich, wieso
die Beschwerdeführerin vollständig arbeitsunfähig sein sollte. Die ärztlicherseits
festgestellten aggravatorischen Tendenzen seien gebührend zu gewichten, was Dr.
D._ unterlassen habe. Er habe auch den Umstand unterschlagen, dass die
Beschwerdeführerin die Antidepressiva gar nicht einnehme. Selbst wenn bei der
Beschwerdeführerin eine im Gutachten D._ diagnostizierte mittelgradige depressive
Störung vorläge, wäre diese nicht invalidisierend, weil es sich um eine reaktive
Begleiterscheinung zur Schmerzstörung handle. Eine solche Depression stelle keine
Komorbidität dar, weil kein von depressiven Verstimmungszuständen unterscheidbarer
Gesundheitsschaden vorliege. Auch andere Faktoren, welche die zumutbare
Willensanstrengung für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit behindern könnten, lägen
bei der Beschwerdeführerin nicht in der notwendigen Intensität vor. Psychosoziale
Faktoren (eheliche Probleme, Erziehungsprobleme, jahrelange Mehrfachbelastung)
würden keine Invalidität begründen. Dr. C._ habe zu Recht keine invalidisierende
psychiatrische Diagnose gestellt. Die im Gutachten der Klinik Valens bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit von 50% aus somatischen Gründen stehe nicht im Einklang mit der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach eine Dekonditionierung nicht
invalidisierend sei. Vom Gutachten Valens könne abgewichen werden, ohne dass
diesem deshalb im restlichen Teil der Beweiswert abgesprochen werden müsse.
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B.c Mit Replik vom 29. November 2010 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seinen Standpunkt (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete
auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung vom 20. Dezember 2007 eingetretenen Sachverhalt
abzustellen ist (BGE 121 V 366 E. 1b), sind die bis zum 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen materiellen Bestimmungen anzuwenden.
1.2 Streitig ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine IV-Rente hat. Nach der
vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007 in Kraft stehenden Fassung von Art. 28
Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch
auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf
eine Viertelsrente. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird nach Art. 16 ATSG
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens
ist die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist
nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
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abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E.
3a mit Hinweis; RKUV 2000, 214).
Aus den Akten ersichtlich und unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin als
Gesunde zu 20% im Haushalt und zu 80% ausserhäuslich tätig wäre. Bei
Teilerwerbstätigen (bzw. bei Personen, die ohne die Behinderung teilerwerbstätig
wären) bemisst sich die Invalidität für den nichterwerblichen Teil nach der
Einschränkung im bisherigen Aufgabenbereich (sogenannte 'gemischte Methode',
Art. 27 i.V.m. Art. 27 IVV). Die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung ist auch
anwendbar auf ausschliesslich im Haushalt tätige Personen, falls diese ohne ihren
Gesundheitsschaden weiterhin teilweise erwerbstätig wären (vgl. Rz 3105 ff. des
Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit, KSIH).
1.3 Die IV-FL bejahte mit Verfügung vom 25. Januar 2010 den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine ganze Rente ab Oktober 2005 auf der Basis eines IV-
Grads von 88% (IV-act. 133), während die Beschwerdegegnerin - unter
Zugrundelegung derselben Akten - den Rentenanspruch gänzlich verneint. Unbestritten
ist, dass die Beschwerdeführerin zuletzt im Fürstentum Liechtenstein Beiträge
abrechnete (IV-act. 47), da sie wegen des zwischen der Schweiz und dem Fürstentum
Liechtenstein gültigen Erwerbsortprinzips (BGE 125 V 230; AHI 1999, 198) der
Beitragspflicht an die dortige IV sowie der liechtensteinischen Gesetzgebung unterstellt
war (vgl. BGE 125 V 230) und deshalb auch von der IV-FL einen anteilsmässigen
Rententeil erhält (vgl. BGE 122 V 69). Die Beschwerdegegnerin überwies die
Angelegenheit dementsprechend zur Erstprüfung an die IV-FL (IV-act. 9). Das heisst
aber nicht, dass die schweizerische IV an die Wertung und Beurteilung der
verschiedenen Arztberichte durch die IV-FL gebunden wäre. Das Gleiche gilt auch für
den darauf basierenden Invaliditätsgrad, da dieser auf der Basis der (leicht
unterschiedlichen) Gesetzgebung beider Länder zu ermitteln ist. Daran ändert auch
nichts, dass die Beschwerdeführerin vor den liechtensteinischen Behörden ein
Rentenverfahren anhängig machte und die leistungszusprechende Verfügung der IV-FL
vom 25. Januar 2010 in Rechtskraft erwuchs. Ob der Staatsvertrag über Soziale
Sicherheit mit dem Fürstentum Liechtenstein etwas Gegenteiliges über eine allfällige
bis
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Rechtskraftbindewirkung festhält, braucht nicht geprüft zu werden, da die
Beschwerdeführerin als Angehörige eines Drittstaates sich nicht auf dieses Abkommen
berufen könnte.
2.
2.1 Im rheumatologischen Bericht der Klinik Valens vom 20. Februar 2004 wurden bei
der Beschwerdeführerin die Diagnosen einer Depression mit somatoformer Schmerz
störung, ein chronisch rezidivierendes thoracolumbospondylogenes Syndrom und eine
Bicepssehnentendinopathie bescheinigt (IV-act. 51, 61). Der Psychiater Dr. B._
erachtete sie am 5. März 2005 in einer körperlich leichten, wechselbelastenden
Tätigkeit (angestammter Beruf als Sekretärin) aus psychiatrischer Sicht zu 50%
arbeitsfähig. Er diagnostizierte eine rezidivierende depressive Episode mittelschweren
bis schweren Ausprägungsgrades (IV-act. 53). Eine Abklärung im Haushalt vom 27.
April 2006 ergab eine Behinderung in diesem Arbeitsbereich (Anteil 20%) von 40.8%
(IV-act. 60). Im Bericht der Klinik G._, vom 19. April 2006 wurden eine Dysthymia und
eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten vor
dem Hintergrund eines chronischen Paarkonfliktes diagnostiziert (IV-act. 62). Dr. B._
bescheinigte am 25. Mai 2006, dass aufgrund der Chronifizierung der Depression nicht
zu erwarten sei, dass die Beschwerdeführerin in nächster Zeit einer Erwerbstätigkeit
werde nachgehen können (IV-act. 62). Im Gutachten vom 18. Januar 2007 stellte Dr.
med. C._, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Dysthymia, Probleme in der Beziehung zum
Ehepartner und sonstige näher bezeichnete Probleme bei der Erziehung. Bei der
Dysthymia seien die betroffenen Personen in der Regel fähig, den wesentlichen
Anforderungen des täglichen Lebens gerecht zu werden. Dies, obwohl sie sich häufig
müde und depressiv fühlten, alles als Anstrengung erleben würden und nichts
geniessen könnten. Die Beschwerdeführerin zeige histrionisch-manipulative
Persönlichkeitsanteile, habe aber auch ängstlich-zwanghafte Persönlichkeitselemente
und zeige irritierende Verhaltensauffälligkeiten. Diese Auffälligkeiten würden aber nicht
genügen, um die Diagnose einer eigentlichen Persönlichkeitsstörung zu begründen; sie
könnten aber zumindest als prämorbide Persönlichkeitsanteile als wesentlicher
Bestandteil der Krankheitsentwicklung der Beschwerdeführerin geltend gemacht
werden. Nichtmedizinische Faktoren würden bei der Entstehung und beim Erhalt der
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von der Beschwerdeführerin geklagten Symptomatik eine sehr grosse Rolle spielen.
Überfordert worden sei die Beschwerdeführerin sicherlich durch einen jahrelangen
psychosozialen Stress in Form ehelicher Probleme einerseits und von
Erziehungsproblemen anderseits. Es handle sich um eine dysfunktionale Familie,
welche verschiedenste Institutionen in Anspruch nehmen müsse. Desgleichen sei eine
jahrelange Mehrfachbelastung als Hausfrau, Mutter von zwei Kindern und
Fabrikarbeiterin bzw. Raumpflegerin festzustellen. In Anbetracht der Tatsache, dass die
Dysthymie zwar eine chronische, aber weder schwere noch therapieresistente
psychiatrische Störung darstelle, könne der Beschwerdeführerin keine langfristige
Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Dies speziell unter dem Aspekt, dass die nicht
medizinischen Faktoren einen kausal erheblichen Anteil darstellen würden (IV-act. 67).
Dr. B._ bestätigte am 30. April 2007 mit Hinweis auf das Vorliegen einer Dysthymie,
einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, einer Fibromyalgie und eines
Zustands nach Borrelieninfektion nach Zeckenbiss eine volle Arbeitsunfähigkeit seit 15.
September 2003 (IV-act. 75). Dr. med. E._, Facharzt für Innere Medizin FMH,
bescheinigte am 30. Mai 2007 ein invalidisierendes thorakolumbospondylogenes
Syndrom. Eine Lyme-Borreliose habe ausgeschlossen werden können. Die Patientin
könne auch den Haushalt nur mit Hilfe der Tochter und des Ehemanns machen. Daher
komme eine Erwerbstätigkeit nicht in Frage (IV-act. 76).
2.2 In der Stellungnahme vom 19. November 2007 hielt Dr. C._ unter anderem fest,
es sei nicht zulässig, wenn Dr. B._ die Diagnose einer emotional instabilen
Persönlichkeitsstörung als solche mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufführe, da
aufgrund einer Persönlichkeitsstörung im Grundsatz keine Arbeitsunfähigkeit abgeleitet
werden könne. Eine Fibromyalgie könne aufgrund der Aktenlage und des Zustands der
Beschwerdeführerin nicht diagnostiziert werden. Zudem handle sich dabei um eine
Störung ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die von Dr. B._ unter den
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführte Borreliosen-Infektion
habe gemäss dem Zecken-Spezialisten Dr. E._ ausgeschlossen werden können.
Unter den beteiligten Ärzten bestehe Einigkeit bezüglich der Diagnose einer Dysthymie;
hieraus lasse sich nach wie vor keine langfristige gutachterlich-psychiatrisch
begründbare Arbeitsunfähigkeit ableiten. Dies gelte speziell mit Blick auf die
Persönlichkeitsauffälligkeiten der Beschwerdeführerin und die zahlreichen
nichtmedizinischen Faktoren (IV-act. 83). Der RAD-Arzt Dr. med. F._ vermerkte am
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28. März 2008 unter anderem, dass die von Dr. C._ bescheinigten Auffälligkeiten in
der Persönlichkeit sich weitgehend mit der von Dr. B._ zusätzlich gestellten Diagnose
einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung decken würden. Aktuell liege somit
der gleiche psychiatrische Sachverhalt vor wie anlässlich der Begutachtung von 2007.
Lediglich die Beurteilung der Auswirkungen sei unterschiedlich. Es gebe keine
Veranlassung, an den Schlussfolgerungen des psychiatrischen Gutachters zu zweifeln
(IV-act. 86).
Eine Abklärung der Beschwerdeführerin in der Klinik Valens mit EFL-Untersuchung
(Bericht vom 30. April 2008) sowie rheumatologischer und psychiatrischer
Begutachtung (Bericht Dr. C._ vom 10. Juli 2008) ergab gemäss Gutachten vom 25.
August 2008 die Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eines chronischen
myofaszialen generalisierten Schmerzsyndroms seit Jahren mit Schmerzexazerbation
seit dem Jahr 2003 sowie eines chronischen zervikothorakospondylogenen Syndroms.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung (histrionisch, ängstlich-vermeidend und abhängig; Dysthymia),
ein Rezidiv einer epigastrischen Hernie, zum Teil symptomatisch, sowie ein Status nach
Borrelieninfekt diagnostiziert. Eine bewusste Aggravation zeige sich nicht. Zudem
könne keine Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung aufgrund der
Psychomotorik und aufgrund des Schmerzverhaltens gestellt werden. Die bisherige
Tätigkeit als Raumpflegerin sei der Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht
initial vier Stunden täglich zumutbar; nach einer Einarbeitungsphase sollte eine
Steigerung dieser Tätigkeit innert drei bis vier Monaten auf eine ganztägige Arbeitszeit
mit zusätzlichen Pausen von insgesamt 1 1⁄2 bis 2 Stunden über den Tag verteilt
möglich sein, wenn folgende Einschränkungen eingehalten würden: Arbeit über
Schulterhöhe, Kriechen, repetitive Armbewegungen sollten nur manchmal (6 bis 33 %
eines Arbeitstags) vorkommen und bei Bedarf unterbrochen werden können. Zumutbar
sei auch eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Arbeit, initial zu vier Stunden
täglich; nach einer Einarbeitungsphase sollte eine Steigerung innert drei bis vier
Monaten auf eine ganztätige Arbeitszeit mit zusätzlichen Pausen von 1 1⁄2 bis 2 Stunden
pro Tag und den bereits erwähnten Einschränkungen möglich sein. Es werde ein
regelmässiges Ausdauertraining empfohlen. Nachdem die Beschwerdeführerin sich
aber nicht mehr im Stand fühle, wieder einer Arbeit zu mehr als 25% nachzugehen,
bereits seit Jahren keiner Tätigkeit mehr nachgehe und im Alltag auch ein
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Schonverhalten feststellbar sei, werde es kaum möglich sein, sie zu motivieren, diese
Empfehlungen umzusetzen. Die Prognose sei vor allem aufgrund der
Persönlichkeitsstörung ungünstig. Die Beschwerdeführerin wirke appellativ hilflos im
Gespräch und habe eine ausgeprägte Fixierung auf eine Rentenzusprache. Sie könne
sich nicht vorstellen, ein Arbeitspensum über 25% zu bewältigen (IV-act. 93).
Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie sowie Psychotherapeut,
diagnostizierte im Gutachten vom 8. Oktober 2009 mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende, depressive Störung mit in den letzten Jahren
eingetretener Chronifizierung seit 1987. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit führte er einen Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung
vorbestehend an. Aus der Sicht des Gutachters könne die Diagnose einer Dysthymie
nicht aufrecht erhalten werden, da sowohl vor als auch nach dem stationären
Aufenthalt in G._ Symptome einer rezidivierenden depressiven Störung mit einem
zeitweisen Ausprägungsgrad einer schweren Depression vorhanden gewesen seien.
Aus nervenärztlicher Sicht sei keine Erwerbstätigkeit mehr zumutbar. Die 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bestehe seit dem 15. September 2003. Es werde empfohlen, auf
einen Arbeitsversuch zu verzichten (IV-act. 113). Die RAD-Ärzte Dres. med. H._ und
I._ hielten in der Stellungnahme vom 12. Mai 2010 fest, im Gutachten D._ werde
die Meinung des langjährig behandelnden Psychiaters Dr. B._ gestützt. Dr. B._
attestiere jedoch in den Arztberichten 2005 und 2007 in einer adaptierten Tätigkeit eine
50%ige Arbeitsfähigkeit. Wie aus den im letzten Gutachten von Dr. C._
festgehaltenen Aussagen im telefonischen Gespräch mit Dr. B._ hervorgehe, sei es
der Beschwerdeführerin nach 2006 eher besser gegangen, so dass angenommen
werden könne, dass zu keinem Zeitpunkt eine geringere Arbeitsfähigkeit bestanden
habe. Dies entspreche auch dem, was aufgrund der gestellten Diagnose gemäss
Rechtsprechung als zumutbar angenommen werde und widerspiegle auch die
Ergebnisse der Haushaltabklärung vom 27. April 2006, wo eine Behinderung von
40.8% festgehalten worden sei. Auch die im Gutachten D._ beschriebenen
Einschränkungen würden dies vermuten lassen (noch bestehende soziale Kontakte;
ausserhäusliche Tätigkeiten seien nicht völlig verunmöglicht). Eine Arbeitsfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit sei nicht mehr gegeben. Unter Berücksichtigung der im
Gutachten D._ gestellten Diagnosen bzw. der beschriebenen
Funktionseinschränkungen könne von einer medizinisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit
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von 50% in einer adaptierten Tätigkeit (leicht und wechselbelastend, ohne
Kundenkontakte bzw. ohne Exposition an konfliktträchtige Situationen, Möglichkeit der
vermehrten Pauseneinschaltung, ohne Leistungsdruck, ohne Schicht-/Nachtarbeit)
ausgegangen werden. Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei auf den 15. September
2003 zu setzen (IV-act. 120).
3.
3.1 Depressive Stimmungslagen sind nach der Rechtsprechung in der Regel (reaktive)
Begleiterscheinungen einer somatoformen Schmerzstörung (bzw. Ausdruck und
Begleitsymptome des Schmerzgeschehens) und können keine selbstständige, vom
Schmerzsyndrom losgelöste psychische Komorbidität darstellen (vgl. BGE 130 V 358
E. 3.3.1). Es kann aber auch sein, dass sie sich aufgrund ihres Schweregrads von einer
somatoformen Störung unterscheiden lassen (Urteil des Bundesgerichts [bis
31. Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG] vom 20. April 2004, I
805/04, E. 5.2.1). Es stellt sich damit die Frage, inwiefern konkret eine unabhängig von
den weiteren, ärztlicherseits diagnostizierten psychischen Leiden bestehende
Depression zu bejahen ist. Hierbei ist von Bedeutung, dass die psychiatrische
Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet
dem begutachtenden Psychiater praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb
dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig
und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Daher und
unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und
Abklärungsauftrag (BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00)
kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets
dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die
behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an
solchen vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält
es sich hingegen, wenn die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte
vorbringen, welche im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben
und die geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des EVG
vom 13. März 2006, I 676/05, E. 2.4).
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Wie das Bundesgericht wiederholt festgehalten hat, lassen sich psychosoziale und
soziokulturelle Faktoren oft nicht klar vom medizinisch objektivierbaren Leiden trennen.
Trotzdem können solche äusseren Umstände nicht als gesundheitliche
Beeinträchtigungen im Sinn des Gesetzes verstanden werden, weil der gesetzliche
Invaliditätsbegriff selber klar zwischen der versicherten Person als Trägerin des
(invalidisierenden) Gesundheitsschadens und der durch ihn verursachten
Erwerbsunfähigkeit unterscheidet. Infolgedessen können psychische Störungen, die
durch soziale Umstände verursacht werden und bei Wegfall der Belastungsfaktoren
wieder verschwinden, nicht zur Invalidenrente berechtigen. Je stärker psychosoziale
oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das
Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine davon zu
unterscheidende fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert
vorhanden sein (BGE 127 V 294, E. 5a). Nur wenn und soweit psychosoziale und
soziokulturelle Faktoren einen derart verselbständigten Gesundheitsschaden
aufrechterhalten oder seine - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen
bestehenden - Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend
auswirken (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Februar 2008, 9C_578/2007, E. 2.2 in
fine mit Hinweisen). In diesem Sinn werden Wechselwirkungen zwischen sich
körperlich und psychisch manifestierenden Störungen und der sozialen Umwelt
berücksichtigt, wenn auch bedeutend weniger stark als nach dem bio-psycho-sozialen
Krankheitsmodell (SVR 2008 IV Nr. 6 S. 15 E. 5.4; Urteil des Bundesgerichts vom 29.
Juli 2008, 9C_830/2007, E. 4.2).
3.2 Nachdem die Ärzte der Klinik Valens im Februar 2004 bei der Beschwerdeführerin
vom Vorliegen einer Depression mit somatoformer Schmerzstörung ausgegangen
waren und bezüglich Arbeitsfähigkeit auf die Beurteilung des behandelnden
Psychiaters Dr. B._ (50%) verwiesen hatten (IV-act. 51, 61), bescheinigte Dr. B._ im
März 2005 eine mittelschwere bis schwere depressive Episode (IV-act. 53). Bei aus
psychiatrischer Sicht im Wesentlichen unveränderten Verhältnissen wurde von Seiten
der Klinik G._ die am 24. März 2006 (IV-act. 62-4/7) gestellte vorläufige Diagnose
(rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, Probleme in
der Beziehung zum Ehepartner) im kurz darauf ergangenen Bericht derselben
Institution vom 19. April 2006 (IV-act. 62-5/7) in eine Dysthymia mit gemischter Störung
von Gefühlen und Sozialverhalten vor dem Hintergrund eines chronischen Paarkonflikts
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abgeändert. Dies ohne nähere Begründung bzw. einzig mit dem Hinweis, dass
"angesichts der langjährigen Symptomanamnese sowie des bisherigen Verlaufs" die
Diagnose einer rezidivierenden Depression in eine Dysthymie "revidiert" werde (vgl. IV-
act. 62-7/7). Dr. B._ übernahm die Diagnose einer Dysthymie im Mai 2006 zwar
formell und mit Verweis auf die Einschätzung der Klinik G._ (IV-act. 62-1/7), hielt aber
fest, dass die antidepressive Medikation weitergeführt werde (IV-act. 62-1/7) und eine
"Chronifizierung der Depression (Dysthymie ICD-10 F 34.1)" (IV-act. 62-3/7) vorliege.
Diese unklare Unterscheidung der beiden Diagnosen durch die beteiligten Ärzte zeigt,
dass die Merkmale der Diagnosen inhaltlich ineinanderfliessen und die
Diagnosefestlegung dementsprechend stark von ärztlichen Wertungen abhängig ist.
Dies ergibt sich auch deutlich aus dem Gutachten C._ vom Januar 2007, wo die
Diagnose einer Dysthymie und das Nichtbestehen einer "langfristigen
Arbeitsunfähigkeit" (IV-act. 67 S. 26 unten) im Wesentlichen mit Hinweis auf
nichtmedizinische Faktoren (psychosozialer Stress durch eheliche Probleme,
dysfunktionale Familie mit Inanspruchnahme von diversen Institutionen,
Mehrfachbelastung als Hausfrau, Mutter und Erwerbstätige; IV-act. 67 S. 24) begründet
wurde. Als nichtmedizinischen Faktor führte Dr. C._ im Übrigen sogar die bei der
Beschwerdeführerin offenbar bestehenden "prämorbiden Persönlichkeitsanteile" und
eine familiäre Disposition zu depressiven Reaktionen auf (IV-act. 67 S. 25 Mitte).
Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren und das medizinisch objektivierbare
Geschehen wurden hier offensichtlich nicht unterschieden.
Wenn Dr. C._ im Gutachten vom Januar 2007 als Merkmal der Dysthymie die
Fähigkeit der betroffenen Person vermerkte, den wesentlichen Anforderungen des täg
lichen Lebens gerecht zu werden (IV-act. 67 S. 23), so ist auf den Abklärungsbericht
Haushalt vom April 2006 zu verweisen, wo unter anderem festgehalten wurde, die
Beschwerdeführerin fühle sich schwach, kraftlos und mit allem überfordert. Im
Haushalt müsse sie täglich unterstützt werden. Ihr fehle der Antrieb dazu. Es komme
auch vor, dass sie tagelang gar nichts koche und vorbereite. Sie gehe nie allein zum
Einkaufen. Post- und Banksachen erledige ihr Mann (IV-act. 60 S. 1 und 5). Teil des
interdisziplinären Gutachtens der Klinik Valens vom August 2008 bildet sodann ein
psychiatrisches Konsiliargutachten von Dr. C._ vom 10. Juli 2008 (IV-act. 93-31/72ff).
Dort wurde unter anderem festgehalten, entscheidend und primär gehe es darum, die
Schwere und Chronizität der depressiven Störung einzuordnen (IV-act. 93-53/72).
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Diese Einordnung nahm der Gutachter im Wesentlichen mit dem Hinweis vor, dass
"nach wie vor" Einigkeit zwischen Dr. B._ und ihm (dem Gutachter) hinsichtlich des
Vorliegens einer Dysthymie bestehe. Dabei handle es sich um eine depressive
Verstimmung, welche "sicherlich schon seit fünf bis sechs Jahren" vorliege (IV-act.
93-54/72). Zum Verlauf verwies der Gutachter auf die Beurteilungen von Dr. B._ von
2004 bis 2006 (IV-act. 93-56/72), wobei er allerdings die von der Klinik Valens und Dr.
B._ in den Jahren 2004 und 2005 angeführten, nicht auf eine Dysthymie
reduzierbaren Befunde (Depression bzw. mittelschwere bis schwere depressive
Episode; IV-act. 51, 53) unerwähnt liess. Was die von Dr. C._ angeführte fehlende
Einnahme verordneter Antidepressiva betrifft (IV-act. 93-45/72), ist festzuhalten, dass
eine (einzige) Medikamentenspiegelbestimmung (vom Juni 2008) eine ungenügende
Compliance über den hier zur Diskussion stehenden langen Zeitraum nicht zu belegen
vermag. Weitere begründende Ausführungen hinsichtlich des Vorliegens einer
langjährigen Dysthymie lassen sich dem Gutachten C._ vom Juli 2008 nicht
entnehmen. Insgesamt erscheint somit dieses Gutachten als nicht überzeugend.
Das zur Klärung der Situation veranlasste Gutachten D._ vom Oktober 2009 kam
nach Darlegung des chronologischen Krankheitsverlaufs seit 1987 (IV-act. 113-5/22)
zum Schluss, die auch vom behandelnden Nervenarzt Dr. B._ ursprünglich gestellte
Diagnose einer rezidivierenden Depression sei unglücklicherweise in der Klinik G._
zugunsten der Diagnose einer Dysthymie aufgegeben worden. Aus der Sicht des
Gutachters könne die Diagnose einer Dysthymie nicht aufrecht erhalten werden, da
sowohl vor als auch nach dem stationären Aufenthalt in Pfäfers Symptome einer
rezidivierenden depressiven Störung mit einem zeitweisen Ausprägungsgrad einer
schweren Depression vorhanden gewesen seien. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehe eine
chronifizierte mittelgradig ausgeprägte Depression. Der Krankheitsverlauf der letzten
Jahre zeige, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer affektiven Erkrankung
keineswegs auch nur in der Lage gewesen sei, ihre meisten Aktivitäten zu bewältigen,
was bedeute, dass in den letzten Jahren in chronifizierter Form eine stärker
ausgeprägte Depression als nur eine leichte depressive Episode vorgelegen habe. In
Übereinstimmung damit attestiere Dr. B._ eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Dr. B._
gebe an, dass er die Diagnose einer Dysthymie nur wegen des chronischen Verlaufes
von G._ übernommen habe, nicht wegen des Ausprägungsgrads der Erkrankung.
Seit der Verschlechterung des Zustandsbilds im Jahr 2003 hätten die Somatisierungen
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zugenommen. Psychosoziale Faktoren hätten den Krankheitsverlauf beeinflusst, sie
stünden jedoch nicht im Vordergrund. Nicht der Ehekonflikt habe zu den Beschwerden
geführt; vielmehr hätten die lang anhaltenden Beschwerden die eheliche Beziehung
beeinträchtigt. Aus nervenärztlicher Sicht sei keine Erwerbstätigkeit mehr zumutbar (IV-
act. 113 S. 16-19).
Wenn in der Stellungnahme des RAD vom 12. Mai 2010 festgehalten wurde, Dr. B._
attestiere in den Berichten 2005 und 2007 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit (IV-act. 120), so trifft dies insofern nicht zu, als Dr. B._ in den
Berichten vom Mai 2006 und April 2007 vielmehr eine volle Arbeitsunfähigkeit seit
September 2003 bescheinigt und festgehalten hatte, dass aufgrund der Chronifizierung
der depressiven Symptomatik auch eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit kaum zu
verwirklichen sein dürfte (IV-act. 62, 75). Auch das Vorbringen der RAD-Ärzte in der
Stellungnahme vom 12. Mai 2010, wonach es der Beschwerdeführerin nach Lage der
Akten (Gutachten C._ von 2008; Dr. B._) nach 2006 eher besser gegangen sei, so
dass zu keinem Zeitpunkt eine geringere Arbeitsfähigkeit (als 50%) anzunehmen sei (IV-
act. 120), wird durch die Aktenlage nicht gestützt. Denn gemäss Bericht von Dr. B._
vom 25. Mai 2006 konnte während des stationären Aufenthalts in Pfäfers nur eine
geringe Verbesserung erreicht werden. Der Arzt hielt fest, es sei nicht zu erwarten, dass
die weitere ambulante Therapie die für eine Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit
notwendige Verbesserung erbringen werde (IV-act. 62-3/7). Die vorerwähnten
Einwände sind somit nicht geeignet, das Gutachten D._ und dessen Ergebnis in
Zweifel zu ziehen. Dieses Gutachten beruht - im Gegensatz zum RAD-Bericht - auf
einer Untersuchung der Beschwerdeführerin einschliesslich Aussenanamnese mit dem
Ehegatten (IV-act. 113-1/22). Abstrakte, allgemeine Feststellungen zu gesundheitlichen
Verläufen ohne eigene Untersuchung durch den RAD genügen nicht, um die
Plausibilität eines Gutachtens zu zerstören.
3.3 Bei der rezidivierenden depressiven Störung der Beschwerdeführerin handelt es
sich, wie die geschilderte Aktenlage zeigt, um ein mehrjähriges, im Zeitverlauf von
leicht bis schwer schwankendes Geschehen (vgl. vorstehende E. 3.2). Der Hinweis von
Dr. C._ auf belastende psychosoziale Faktoren genügt für sich allein nicht, um eine
invalidisierende Wirkung des psychogenen Teils des Schmerzleidens auszuschliessen,
ist doch eine gesamthafte Prüfung der Sachlage nach den von der Rechtsprechung
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formulierten Kriterien vorzunehmen (BGE 131 V 49 und 130 V 352; Urteil des
Bundesgerichts vom 30. Juni 2008, 9C_25/2008, E. 3.2). Bei der IV-rechtlichen
Beurteilung der invalidisierenden Wirkung anhaltender somatoformer
Schmerzstörungen oder sonstiger vergleichbarer pathogenetisch (ätiologisch) unklarer
syndromaler Zustände darf sodann nicht unbesehen auf die ärztlichen - selbst die
gutachterlich attestierten - Einschätzungen abgestellt werden, zumal der
Invaliditätsbegriff rechtlicher Natur ist (Art. 8 ATSG) und nicht zwingend mit dem
medizinischen Krankheits- oder Invaliditätsverständnis übereinstimmt. Vielmehr hat die
rechtsanwendende Behörde zunächst die - aufgrund der medizinischen Aktenlage zu
beantwortende - Frage zu prüfen, ob und inwieweit bei der versicherten Person nebst
der diagnostizierten, allein nicht invalidisierenden anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung zusätzliche psychische Beeinträchtigungen im Sinn des
rechtsprechungsgemässen Kriterienkatalogs vorliegen, welche einer adäquaten
Schmerzbewältigung objektiv entgegenstehen. Die weitere Frage, ob eine allenfalls
festgestellte psychische Komorbidität hinreichend erheblich ist und/oder einzelne oder
mehrere der festgestellten weiteren Kriterien in genügender Intensität und Konstanz
vorliegen, um gesamthaft den Schluss auf eine nicht mit zumutbarer
Willensanstrengung überwindbare Schmerzstörung und somit auf eine invalidisierende
Gesundheitsschädigung zu gestatten, ist rechtlicher Art. Ihre abschliessende
Beantwortung obliegt damit nicht den Ärztinnen und Ärzten, sondern den
rechtsanwendenden Behörden (Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2008,
9C_820/2008, E. 4.1 mit Hinweisen). Wenn es an der erforderlichen Erheblichkeit der
Schwere, Ausprägung und Dauer der Komorbidität fehlt, ist nach der Rechtsprechung
eine invalidisierende Wirkung der Gesundheitsschädigung nicht gegeben, selbst wenn
eine mittelschwere depressive Episode als selbständiges, von der somatoformen
Schmerzstörung losgelöstes Leiden vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4.
August 2010, 8C_144/2010, E. 3.5).
3.4 Ärztliche Behandlungen ab ca. 2002 führten - bei wechselhaftem gesundheitlichen
Verlauf - nicht zu einer andauernden Verbesserung, und die Beschwerdeführerin stand
im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. D._ nach wie vor in psychiatrischer
Behandlung bei Dr. B._ (IV-act. 113-3/22, 113-15/22f). Der Gutachter Dr. D._ führte
eine rezidivierende depressive Störung mit in den letzten Jahren eingetretener
Chronifizierung seit 1987 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (IV-
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act. 113-14/22). Ein langjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit weitgehend
unveränderter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung lässt sich somit mit
Bezug auf die Schmerzproblematik der Beschwerdeführerin nicht in Abrede stellen (vgl.
IV-act. 113-15/22ff). Ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens ist aus den
Akten demgegenüber nicht ersichtlich (vgl. IV-act. 113-4/22, 113-8/22). Der Gutachter
Dr. D._ schätzte sodann die im Begutachtungszeitpunkt mittelschwere depressive
Störung und die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit als aus psychiatrischer Sicht
nicht verbesserbar ein. Alle ambulanten und stationären therapeutischen Massnahmen
seien ausgeschöpft worden (IV-act. 113-20/22). Weitere therapeutische Massnahmen
erachtete er als nicht erfolgversprechend (IV-act. 113-21/22). Von einer blossen
Episode kann angesichts des langjährigen, im Begutachtungszeitpunkt und auch
später andauernden Verlaufs und der erwähnten Prognose nicht gesprochen werden,
so dass sich auch das Vorliegen eines gefestigten, nicht mehr angehbaren
innerseelischen Verlaufs (missglückte, psychisch aber entlastende Konfliktbewältigung)
und damit eine selbständige psychische Erkrankung nicht verneinen lässt.
Chronifizierung und Therapieresistenz sind bei der Beurteilung der Frage, ob ein
depressives Geschehen mit Somatisierungstendenz mit einer zumutbaren
Willensanstrengung überwindbar sei, mitentscheidende Faktoren (vgl. BGE 131 V 49
mit Hinweisen und Urteil des Bundesgerichts vom 23. Mai 2008, 9C_136/2008, E. 4).
Im Übrigen erachtete Dr. D._ die Auffälligkeiten im Verhalten der Beschwerdeführerin
(vgl. Gutachten C._ 2008, IV-act. 93-48/72) als durch die auch in den früheren
Berichten und Gutachten erwähnte Persönlichkeitsstörung erklärbar (IV-act.
113-19/22). Diese Verhaltensauffälligkeiten lassen sich somit entgegen der Auffassung
der Beschwerdegegnerin (act. G 4 Ziff. 2.3) nicht als aggravatorische Tendenzen bzw.
Inkonsistenzen interpretieren, zumal solche von Seiten der Klinik Valens ausdrücklich
verneint worden waren (IV-act. 93-64/72). Wenn Dr. D._ eine über Jahre chronifizierte
Depression unterschiedlicher Ausprägung (von leicht bis schwer) bestätigte und die
Prognose als schlecht einschätzte (IV-act. 113-19/22), so stellt dies nicht eine blosse
(reaktive) Begleiterscheinung einer somatoformen Schmerzstörung (bzw. Ausdruck und
Begleitsymptome des Schmerzgeschehens) dar. Mit Blick auf die vorstehenden
Darlegungen ist vielmehr von einer selbstständigen, vom Schmerzsyndrom losgelösten
psychischen Komorbidität auszugehen, welche die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin seit September 2003 (vgl. dazu IV-act. 53-1/7, 62-3/7, 75 und 113
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S. 20) vollumfänglich einschränkt. Beweiskräftige Belege dafür, dass dieser Umstand
die Arbeitsfähigkeit - entgegen der Bestätigung von Dr. D._ und Dr. B._ - aus
psychiatrischer Sicht lediglich um die Hälfte (angefochtene Verfügung) bzw. überhaupt
nicht (Beschwerdeantwort) einschränkt, lassen sich den Akten nicht entnehmen. Dies
gilt auch für das Gutachten Valens von 2008, welchem wie erwähnt die nicht
überzeugende psychiatrische Beurteilung von Dr. C._ zugrunde liegt (vorstehende E.
3.2 zweiter Absatz). Im EFL-Bericht der Klinik Valens vom 30. April 2008 wurde sodann
ausdrücklich vermerkt, dass anhand der somatisch orientierten Tests nicht beurteilt
werden könne, inwiefern psychiatrische oder soziale Kontextfaktoren die Zumutbarkeit
beeinflussen würden (IV-act. 93-64-72). Die liechtensteinische IV ging vom Gutachten
D._ aus, indem sie die Erwerbsunfähigkeit gestützt auf eine volle (psychiatrische
begründete) Arbeitsunfähigkeit im Erwerbsteil (80%) festlegte (IV-act. 114). Die Frage,
welche Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht vorliegt, kann bei dieser Sachlage
offenbleiben.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
Verfügung vom 22. Juli 2010 gutzuheissen und die Sache zur Festsetzung von Höhe
und Beginn der Rente gestützt auf eine volle Arbeitsunfähigkeit an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Mit Blick auf das Obsiegen der Beschwerdeführerin hat die
Beschwerdegegnerin die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. Gemäss
Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei Anspruch auf Ersatz
der Parteikosten. Ausgehend von einer "mittleren" Pauschalentschädigung bei vollem
Obsiegen von Fr. 3'500.-- erscheint eine Parteientschädigung in dieser Höhe
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP