Decision ID: f65e0e83-fcf8-5f4a-a108-ca9ee4417155
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein 1981 geborener kosovarischer Staatsangehö-
riger, reiste im Jahr 1999 im Rahmen des Familiennachzugs zu seinem
Vater in die Schweiz ein. In der Folge wurde ihm eine Niederlassungsbe-
willigung erteilt, die zuletzt bis zum 31. Januar 2020 verlängert wurde. Am
15. August 2002 heiratete er in seinem Heimatland eine Landsfrau, welche
hierzulande eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei ihrem Ehemann
erhielt. Das Paar hat zwischenzeitlich drei Kinder (geb. 2005, 2006 und
2008), welche alle über eine Niederlassungsbewilligung verfügen (Akten
der Vorinstanz [SEM act.] 5/74 sowie Akten des Amts für Migration und
Integration des Kantons Aargau [kant. pag] 443).
B.
Aufgrund der zahlreichen strafrechtlichen Verurteilungen (u.a. mit Urteil
des Obergerichts des Kantons Aargau vom 25. Juni 2015 wegen qualifi-
zierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Gehilfenschaft
zum Betrug sowie Gehilfenschaft zur Urkundenfälschung zu einer Frei-
heitsstrafe von 43 Monaten und einer Geldstrafe von 210 Tagessätzen) wi-
derrief das Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau mit Ent-
scheid vom 7. Februar 2017 die Niederlassungsbewilligung des Beschwer-
deführers und verfügte gleichzeitig seine Wegweisung (SEM act. 5/65-75).
Mit Einspracheentscheid vom 28. November 2017 bestätigte der Rechts-
dienst des Amtes für Migration und Integration des Kantons Aargau die vor-
genannte Verfügung. Auf eine dagegen gerichtete Beschwerde trat das
Verwaltungsgericht des Kantons Aargau wegen verpasster Beschwerde-
frist und fehlender Wiederherstellungsgründe nicht ein (bestätigt durch Ur-
teil des BGer 2C_345/2018 vom 11. Oktober 2018 [SEM act. 3/36-42]).
C.
Am 21. November 2018 wurde der Beschwerdeführer nach Verbüssen von
zwei Dritteln seiner durch das Obergericht des Kantons Aargau am 25. Juni
2015 ausgefällten Freiheitsstrafe von 43 Monaten aus dem Strafvollzug
entlassen und am 28. November 2018 in den Kosovo ausgeschafft (kant.
pag 525, 578).
D.
Mit Verfügung vom 14. November 2018 erliess die Vorinstanz gegenüber
dem Beschwerdeführer ein vom 23. November 2018 bis 22. November
2027 gültiges Einreiseverbot (SEM act. 10/127 ff.). Eine dagegen gerich-
tete Beschwerde wurde mit Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts
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vom 19. Februar 2019 zufolge Rückzugs als gegenstandslos abgeschrie-
ben (SEM act. 9/121-123).
E.
Am 12. Februar 2019 und 15. Juli 2020 liess der Beschwerdeführer beim
SEM um Aufhebung des Einreiseverbots und Löschung der Ausschreibung
im Schengener-Informationssystem (SIS II) ersuchen (SEM act. 10/124-
142; SEM act. 12/150-154). Die Vorinstanz wies die Wiedererwägungsge-
suche mit Verfügung vom 22. Juli 2020 ab (SEM act. 13/155-162).
F.
Hiergegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 15. August 2020
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte sinngemäss
die Aufhebung des Einreiseverbots und die Erteilung eines Aufenthalts-
rechts bzw. es seien das Einreiseverbot und die SIS-Ausschreibung aufzu-
heben. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Akten des Bundesverwaltungsgerichts
[BVGer act.] 1).
G.
Mit Zwischenverfügung vom 26. August 2020 wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ab (BVGer
act. 2).
H.
Der Beschwerdeführer wandte sich mit Schreiben vom 29. August 2020
erneut an das Bundesverwaltungsgericht und wiederholte insbesondere
die in seiner Beschwerde gemachten Ausführungen (BVGer act. 5).
I.
In ihrer Vernehmlassung vom 9. September 2020 hielt die Vorinstanz an
ihrem Entscheid fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde
(BVGer act. 6). Ergänzend verwies das SEM auf die Urteile des Verwal-
tungsgerichts des Kantons Aargau WBE.2020.83 vom 15. Juni 2020 und
des Bundesgerichts 2C_669/2020 vom 28. August 2020. Wie den Ent-
scheiden zu entnehmen ist, wurde mittlerweile bezüglich der Ehefrau des
Beschwerdeführers die Nichtverlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung und
deren Wegweisung aus der Schweiz verfügt (vgl. Beilagen zu BVGer act.
6).
J.
Der Beschwerdeführer liess dem Bundesverwaltungsgericht ein weiteres
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Schreiben, datiert vom 4. September 2020, zukommen (BVGer act. 8).
Eine Stellungnahme bezüglich der vorinstanzlichen Vernehmlassung
wurde trotz schriftlicher Aufforderung nicht eingereicht.
K.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM betreffend Gesuche um wiedererwägungs-
weise Aufhebung von Einreiseverboten sind mit Beschwerde beim Bundes-
verwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das
Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts
anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist – unter Vorbehalt der Einschränkung unter Ziff. 2 nachfol-
gend – einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens kann nur sein, wo-
rüber die Vorinstanz entschieden hat oder richtigerweise hätte entscheiden
müssen. Im vorliegenden Fall hat das SEM mit Verfügung vom 22. Juli
2020 das Gesuch des Beschwerdeführers um Aufhebung des am 14. No-
vember 2018 verhängten Einreiseverbots sowie die Revozierung der da-
zugehörenden Ausschreibung im SIS-II abgewiesen. Gemäss dem pro-
zessualen Grundsatz, dass sich der Streitgegenstand im Zuge des Rechts-
mittelverfahrens nicht ausweiten darf, kann somit nur das bestehende Ein-
reiseverbot Gegenstand des Beschwerdeverfahrens sein (vgl. KÖLZ/
HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des
Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, N 687 ff. m.H.). Der Antrag des Beschwer-
deführers auf Erteilung eines Aufenthaltsrechts geht darüber hinaus und ist
damit nicht zulässig.
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3.
Die Vorinstanz ist auf das Gesuch des Beschwerdeführers um wiederer-
wägungsweise Aufhebung des Einreiseverbots eingetreten, hat dieses ma-
teriell geprüft und einen neuen Sachentscheid getroffen. Das Bundesver-
waltungsgericht kann daher mit voller Kognition prüfen, ob sich das Einrei-
severbot heute noch als bundesrechtskonform erweist (vgl. Art. 49 VwVG).
Die Frage, ob die ursprüngliche – nach Rückzug einer dagegen gerichteten
Beschwerde in Rechtskraft erwachsene – Verfügung zu Recht erlassen
wurde, kann demgegenüber nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Ver-
fahrens bilden (vgl. BVGE 2008/24 E. 2.2 m.H.).
4.
4.1 Gemäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG kann das SEM gegen ausländische
Personen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz
oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden, ein Einreisever-
bot verfügen. Dieses wird – so Art. 67 Abs. 3 AIG – für eine Dauer von
höchstens fünf Jahren verfügt, kann aber für eine längere Dauer angeord-
net werden, wenn von der ausländischen Person eine schwerwiegende
Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht (vgl. BVGE
2014/20 E. 5). Aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen kann von
der Verhängung eines Einreiseverbots abgesehen oder ein Einreiseverbot
vollständig oder vorübergehend aufgehoben werden (Art. 67 Abs. 5 AIG).
Mit dieser Bestimmung existiert eine spezialgesetzliche Grundlage für die
Wiedererwägung eines Einreiseverbots (vgl. Urteil des BGer 2C_487/2012
vom 2. April 2013 E. 4.2).
4.2 Das in Art. 67 AIG geregelte Einreiseverbot bildet eine Massnahme zur
Abwendung einer künftigen Störung der öffentlichen Sicherheit und Ord-
nung (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Aus-
länder vom 8. März 2002 [nachfolgend: Botschaft], BBl 2002 3813). Die
öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG
bildet den Oberbegriff für die Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter; sie
umfasst unter anderem die Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung
und der Rechtsgüter Einzelner (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3809). Die Ver-
hängung eines Einreiseverbots knüpft an das Bestehen eines Risikos einer
künftigen Gefährdung an. Es ist gestützt auf die gesamten Umstände des
Einzelfalls eine entsprechende Prognose zu stellen. Dabei ist naturgemäss
in erster Linie das vergangene Verhalten der betroffenen Person zu be-
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rücksichtigen (vgl. die in BVGE 2014/20 nicht veröffentlichte E. 3.2 des Ur-
teils C-5819/2012 vom 26. August 2014 m.H.; statt vieler Urteil des BVGer
F-6991/2018 vom 14. Oktober 2019 E. 4.2).
5.
Mit Verfügung vom 14. November 2018 verhängte das SEM gegen den
Beschwerdeführer ein neunjähriges Einreiseverbot (gültig ab dem 23. No-
vember 2018). Die Vorinstanz führte begründend aus, anlässlich seines
Aufenthalts in der Schweiz habe der Beschwerdeführer zu zahlreichen Kla-
gen Anlass gegeben und sei deswegen wiederholt verurteilt worden. Zwi-
schen 2004 und 2015 sei er insgesamt zu 5 Monaten Gefängnis (bedingt),
einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen sowie zu Bussen in der Höhe von
Fr. 8’350.- verurteilt worden. Mit Urteil des Obergerichts des Kantons Aar-
gau vom 25. Juni 2015 sei er wegen qualifizierter Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz, Gehilfenschaft zum Betrug sowie Gehilfen-
schaft zur Urkundenfälschung für schuldig befunden und zu einer Freiheits-
strafe von 43 Monaten und einer Geldstrafe von 210 Tagessätzen verurteilt
worden (SEM act. 10/129).
Damit steht zweifellos fest, dass der Beschwerdeführer die öffentliche Si-
cherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG verletzt und
einen Fernhaltegrund gesetzt hat.
6.
6.1 Die Vorinstanz ist in ihrem Entscheid vom 22. Juli 2020 davon ausge-
gangen, dass nach wie vor ein überwiegendes öffentliches Interesse daran
besteht, den Beschwerdeführer länger als fünf Jahre von der Schweiz fern-
zuhalten. Nachfolgend ist demnach zu prüfen, ob von ihm eine noch an-
haltende schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG ausgeht. Eine solche
schwerwiegende Gefahr kann sich gemäss der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung aus der Hochwertigkeit der deliktisch bedrohten Rechtsgüter
(insb. Leib und Leben, körperliche und sexuelle Integrität und Gesundheit),
aus der Zugehörigkeit der Tat zur Schwerkriminalität mit grenzüberschrei-
tendem Charakter (z.B. Terrorismus, Menschenhandel, Drogenhandel oder
organisierte Kriminalität), aus der mehrfachen Begehung – unter Berück-
sichtigung einer allfälligen Zunahme der Schwere der Delikte – oder aus
der Tatsache, dass keine günstige Prognose gestellt werden kann, erge-
ben. Die zu befürchtenden Delikte müssen einzeln oder in ihrer Summe
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das Potenzial haben, eine aktuelle und schwerwiegende Gefahr zu begrün-
den (vgl. BVGE 2014/20 E. 5.2 m.H.; BGE 139 II 121 E. 6.3 m.H.).
6.2 Die Verneinung des Vorliegens einer schwerwiegenden Gefährdung
ist erst nach einer längerfristigen Bewährung der straffällig gewordenen
Person möglich. Dabei ist für die Berechnung der Dauer des klaglosen Ver-
haltens nicht auf den Begehungs- oder Urteilszeitpunkt abzustellen. Ent-
scheidrelevant ist vielmehr, wie lange sich die betroffene Person nach ihrer
Entlassung aus der Haft in Freiheit bewährt hat (vgl. BVGE 2014/20 E. 5.4
m.H.). Im Weiteren ist zu beachten, dass Strafrecht und Ausländerrecht
unterschiedliche Ziele verfolgen. Während der Strafvollzug auch der Reso-
zialisierung dient, steht für die Migrationsbehörden das Interesse der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung im Vordergrund. Daraus ergibt sich im
Ausländerrecht ein im Vergleich mit den Straf- und Strafvollzugsbehörden
strengerer Beurteilungsmassstab (vgl. BGE 137 II 233 E. 5.2.2 m.H.).
6.3 Der Beschwerdeführer fiel anlässlich seines Aufenthalts in der Schweiz
vor allem durch SVG-Delikte auf. Seine erste Verurteilung erfolgte mit
Strafentscheid des Bezirksgerichts Kulm vom 16. November 2004 wegen
fahrlässiger Tötung (begangen durch ungenügende Aufmerksamkeit im
Strassenverkehr, Nichtbeherrschen des Fahrzeugs, ungenügendes
Rechtsfahren) und wegen Führens eines Motorfahrzeugs in nicht vor-
schriftgemässem Zustand. Damals wurde er zu einer bedingten Gefäng-
nisstrafe von 5 Monaten und einer Busse von Fr. 2’000.- verurteilt (kant.
pag. 62 ff.). Aufgrund dieser Verurteilung wurde er mit Verfügung des Mig-
rationsamts des Kantons Aargau vom 3. Februar 2005 in ausländerrechtli-
cher Hinsicht verwarnt (kant. pag. S. 73 ff.). Nichtsdestotrotz erwirkte er in
der Folge noch 34 weitere Verurteilungen (Bussen wegen Verkehrsregel-
verletzungen, Widerhandlung gegen das Transportgesetz und Ungehor-
sam im Betreibungs- und Konkursverfahren sowie eine unbedingte Geld-
strafe von 20 Tagessätzen wegen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Ent-
zug des Führerausweises [vgl. SEM act. 5/72-74]).
Schliesslich wurde er am 25. Juni 2015 mit Strafentscheid des Oberge-
richts des Kantons Aargau wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz, Gehilfenschaft zum Betrug und Gehilfenschaft
zur Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von 43 Monaten und einer
bedingten Geldstrafe von 210 Tagessätzen verurteilt. Der Beschwerdefüh-
rer handelte dabei als Teil einer Bande und kümmerte sich in einer mindes-
tens mittleren hierarchischen Stellung sowohl um den Import wie auch Ex-
port der Drogen (Marihuana), womit er eine wichtige Rolle einnahm, auch
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wenn er nicht der eigentliche Drahtzieher des Drogenhandels war (vgl.
SEM act. 4/50 f.). Für die Bestimmung der objektiven Tatschwere und dem
damit einhergehenden Verschulden war zunächst Art und Menge der Dro-
gen massgebend. Das Gericht führte in diesem Zusammenhang aus, Ma-
rihuana sei im breiten Spektrum der Betäubungsmittel zwar auf einer im
Vergleich zu den harten Drogen wie Heroin oder Kokain niedrigeren Ge-
fährlichkeitsstufe anzusiedeln; indes sei das damit einhergehende noch
leichte Verschulden in Anbetracht des äusserst umfangreichen Handels mit
Marihuana (rund 63 Kilogramm) und der sich daraus ergebenden Gefähr-
dung der Gesundheit der Drogenkonsumenten nicht zu bagatellisieren.
Auch wenn es sich beim gehandelten Marihuana teilweise um solches von
eher «schlechter Qualität» gehandelt haben soll und zu Gunsten des Be-
schwerdeführers davon auszugehen sei, dass er rund 7.4 kg in einem Bach
entsorgt habe, so hätten die vom Institut für Rechtsmedizin der Universität
Bern untersuchten Hanfblüten doch einen THC-Gehalt von 7.9 % aufge-
wiesen, mithin ein Wert, der deutlich über dem Grenzwert von 1 % liege
und zu einer entsprechend höheren Gefährdung der Gesundheit der Dro-
genkonsumenten führe (SEM act. 4/51).
Zuletzt wurde der Beschwerdeführer – soweit aus den Akten ersichtlich –
mit Strafbefehl vom 29. September 2015 wegen Nichttragens des Sicher-
heitsgurtes zu einer Busse von Fr. 60.- verurteilt (SEM act. 5/72).
6.4 Vorliegend fällt nebst der Vielzahl der strafrechtlichen Verurteilungen
auch die (teilweise) Schwere der Delikte ins Gewicht. Die Drogendelin-
quenz des Beschwerdeführers wurde denn auch als qualifizierte Wider-
handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 2
Bst. b BetmG eingestuft. Aus der Tatsache, dass er als Teil einer organi-
sierten Bande mit insgesamt rund 63 Kilogramm Marihuana handelte, lässt
sich zweifellos eine schwerwiegende Gefahr im obgenannten Sinne ablei-
ten (vgl. E. 6.1). Kommt hinzu, dass im Hinblick auf sein langjähriges de-
linquentes Verhalten von einer beachtlichen Uneinsichtigkeit und Gleich-
gültigkeit gegenüber der hiesigen Rechtsordnung ausgegangen werden
muss, konnten ihn doch weder der Umstand, dass er vorbestraft war (unter
anderem wegen fahrlässiger Tötung), eine ausländerrechtliche Verwar-
nung, die mehrmals verlängerte Probezeit des Urteils des Bezirksgerichts
Kulm vom 16. November 2004 sowie entsprechende Sanktionen beeindru-
cken (vgl. kant. pag. 123; SEM act. 4/52). Die Wahrscheinlichkeit der Rea-
lisierung weiterer Straftaten ist damit weiterhin als gross zu erachten. Eine
Bewährungsfrist von zwei Jahren seit der Entlassung aus dem Strafvollzug
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Seite 9
(21. November 2018) scheint aus ausländerrechtlicher Perspektive in die-
sem Sinne als zu kurz, als dass die schwere Gefährdung der öffentlichen
Sicherheit und Ordnung zum heutigen Zeitpunkt bereits verneint werden
könnte. In diesem Sinne ist auch das Vorbringen, der Beschwerdeführer
sei ein ruhiger Mensch und sei weder im Kosovo noch in einem Drittstaat
verurteilt worden, unbehelflich (vgl. Beschwerde S. 2). Folglich ist gegen-
über dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG
nach wie vor ein über fünf Jahre dauerndes Einreiseverbot angezeigt (vgl.
BVGE 2013/4 E. 5.2; BGE 139 I 131 E. 2.3.2). Die Vorinstanz ist deshalb
zu Recht davon ausgegangen, vorliegend rechtfertige sich eine lang an-
dauernde Fernhaltemassnahme.
7.
7.1 Es bleibt folglich zu prüfen, ob die angefochtene Verfügung betreffend
die Aufrechterhaltung des Einreiseverbots in seiner ursprünglich angeord-
neten Dauer und die Abweisung des Wiedererwägungsgesuchs in rechts-
konformer Anwendung des Ermessens ergangen und angemessen ist. Da-
bei steht der Grundsatz der Verhältnismässigkeit im Vordergrund. Unter
diesem Gesichtspunkt ist eine wertende Abwägung zwischen den berühr-
ten öffentlichen und privaten Interessen vorzunehmen. Ausgangspunkt der
Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten Rechts-
güter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die per-
sönlichen Verhältnisse der betroffenen ausländischen Person (Art. 96 AIG;
ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungs-
recht, 7. Aufl. 2016, Rz. 555 ff.).
7.2 Das Einreiseverbot soll in seiner spezialpräventiven Wirkung weitere
Straftaten des Beschwerdeführers in der Schweiz – und im Schengen-
Raum – verhindern und ihn dazu anhalten, bei einer allfälligen künftigen
Wiedereinreise zu Besuchszwecken keine weiteren Verstösse gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung zu begehen. In generalpräventiver
Sicht soll die öffentliche Sicherheit und Ordnung durch eine konsequente
Massnahmenpraxis geschützt werden (vgl. BVGE 2014/20 E. 8.2 m.H.).
Angesichts dessen sowie der vom Beschwerdeführer ausgehenden
schwerwiegenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ist
grundsätzlich nach wie vor von einem erheblichen öffentlichen Fernhaltein-
teresse auszugehen.
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Seite 10
7.3 Mit Rechtsmitteleingabe vom 15. August 2020 beruft sich der Be-
schwerdeführer in Bezug auf seine privaten Interessen auf seine in der
Schweiz lebende Ehefrau und die drei gemeinsamen Kinder.
7.4 Wie dem mit Vernehmlassung eingereichten (rechtskräftigen) Urteil
des Verwaltungsgerichts des Kantons Aargau vom 15. Juni 2020 zu ent-
nehmen ist, wurde der Ehefrau des Beschwerdeführers mittlerweile die
Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert und ihre Wegweisung verfügt. Auch
den Kindern sei es, so das Gericht, zumutbar, mit ihrer Mutter zu ihrem
Vater in den Kosovo zu ziehen (vgl. E. 3 ebenda [Beilage zu act. 6]). Einem
Eintrag im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) zufolge hat
die Ehefrau die Schweiz am 28. August 2020 verlassen (BVGer act. 12).
Damit wird das durch Art. 8 Abs. 1 EMRK geschützte Recht auf Familien-
leben in casu gar nicht tangiert. Auf die mit Beschwerde geltend gemachten
Vorbringen, die Corona-Pandemie würde den Beschwerdeführer und seine
Familie zusätzlich einschränken und die Beziehungen weiter verschlech-
tern, ist demnach nicht mehr einzugehen.
7.5 Schliesslich kann auch aus der Aufenthaltsdauer des Beschwerdefüh-
rers in der Schweiz nichts abgeleitet werden. Er gelangte zwar schon im
Jahr 1999 in die Schweiz und hielt sich relativ lange hierzulande auf. Das
Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau erachtete ihn indes
gemäss Verfügung vom 7. Februar 2017 in beruflicher und finanzieller Hin-
sicht als nicht integriert. Weiter führte es aus, auch im Hinblick auf seine
sprachliche und soziale Integration könne er nichts zu seinen Gunsten ab-
leiten (SEM act. 5/68). Konkrete Integrationsleistungen wurden auch im
vorliegenden Verfahren weder geltend gemacht noch sind solche ersicht-
lich.
7.6 Das bis am 22. November 2027 geltende Einreiseverbot stellt nach
dem Gesagten eine verhältnismässige und angemessene Massnahme
zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dar.
8.
Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitglied-
staats der Europäischen Union oder der Europäischen Freihandelsassozi-
ation besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird sie nach Massgabe der
Bedeutung des Falles im SIS zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben
(vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung [EG] Nr. 1987/2006 vom 20. Dezember
2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schengener
Informationssystems der zweiten Generation [SIS-II], Abl. L 381/4 vom
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Seite 11
28.12.2006; Art. 21 der N-SIS-Verordnung vom 8. März 2013 [SR 362.0]).
In diesem Sinn ist die bereits mit Verfügung vom 14. November 2018 be-
wirkte Ausschreibung des Beschwerdeführers im SIS, welche unverändert
für die Dauer des Einreiseverbots Geltung hat, nicht zu beanstanden. Mit
Verweis auf die vorangegangenen Ausführungen ist ein überwiegendes öf-
fentliches Interesse nicht nur der Schweiz, sondern sämtlicher Schengen-
Staaten an der längerfristigen Fernhaltung des Beschwerdeführers gege-
ben.
9.
Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes-
recht nicht verletzt (vgl. Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist somit abzuwei-
sen, soweit darauf einzutreten ist.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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