Decision ID: 857204cb-43e0-5fd8-9bdb-69614765e1c3
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 14. Dezember 2010 wegen unfallbedingter Schmerzen in
der rechten Schulter zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Anlässlich des FI-
Gesprächs vom 5. Januar 2011 gab der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für
Allgemeine Medizin, an, der Versicherte leide an Schmerzen nach Sturz auf den
rechten Arm (SLAP-II Läsion rechts am 9. August 2010; siehe hierzu IV-act. 13-3). Am
15. Dezember «2011» (richtig: 2010) sei im Spital C._ eine Arthroskopie und
subacromiale Dekompression erfolgt. Für den angestammten Beruf als Maurer bestehe
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Leichte körperliche Arbeiten, z.B. in einem Magazin,
seien dem Versicherten 8 Stunden pro Tag möglich (Protokoll vom 5./7. Januar 2011,
IV-act. 13). Am 17. August 2011 unterzog sich der Versicherte einem weiteren
operativen Eingriff an der rechten Schulter (Schulterathroskopie, Acromioplastik und
Labrum-Refixation ventral rechts; Operationsbericht der Klinik für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie am Kantonsspital St. Gallen [KSSG] vom 17. August 2011,
IV-act. 34-3). Vom 1. bis 29. Dezember 2011 befand sich der Versicherte in der
Rehaklinik Bellikon. Die dort behandelnden Ärzte stellten im Austrittsbericht vom
3. Januar 2012 fest, die arbeitsbezogenen relevanten Probleme seien Schmerzen im
rechten Schultergelenk sowie die deswegen deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der
Schulter, wobei die Beschwerden durch eine mässige Symptomausweitung funktionell
überlagert würden. Bezogen auf die angestammte Tätigkeit bescheinigten sie eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit. Leichte bis mittelschwere Arbeit sei dem Versicherten
zumutbar (IV-act. 35-5 ff.).
A.a.
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Vom 20. August bis 14. September 2012 (IV-act. 59-1) nahm der Versicherte an
einer beruflichen Abklärung in der BEFAS Stiftung D._ teil. Die Abklärungspersonen
gelangten zur Einschätzung, dass für die angestammte Tätigkeit eine volle
Arbeitsunfähigkeit bestehe. Bezogen auf eine leidensangepasste Tätigkeit verfüge der
Versicherte über eine 80%ige Arbeitsfähigkeit (Bericht vom 26. September 2012, IV-
act. 60).
A.b.
Die IV-Stelle ermittelte auf der Grundlage einer 80%igen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten einen 34%igen Invaliditätsgrad und wies das
Rentengesuch des Versicherten mit Verfügung vom 16. Juli 2013 ab (IV-act. 80). Dieser
Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
A.c.
Vom 17. Oktober bis 20. November 2013 befand sich der Versicherte zur
stationären psychosomatischen Rehabilitation in der Klinik E._. Die dort
behandelnden medizinischen Fachpersonen diagnostizierten u.a. eine depressive
Episode, aktuell schwergradig ausgeprägt (ICD-10: F32.2), und eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10:
F45.41; Austrittsbericht vom 2. Dezember 2013). Auf den 13. Januar 2014 fand der
Versicherte bei seiner früheren Arbeitgeberin eine Anstellung als Lagerist mit einem
50%igen Beschäftigungsgrad (IV-act. 81). Am 14. Januar 2014 meldete er sich erneut
zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an (IV-act. 83). Dr. B._ berichtete am
29. Januar 2014, der Versicherte leide u.a. an folgenden Diagnosen: Sturz auf Eis am
27. Januar 2013 mit Distorsion des linken Knies und einem dorsoradialen, proximalen,
partiellen ossären Kapselausriss MP-Gelenk I links (linker Daumen); schwergradiges
Schlaf-Apnoe-Syndrom mit CPAP-Behandlung; schwere depressive Episode mit
sozialer Regression; chronifiziertes multilokuläres Schmerzsyndrom Gerbershagen III;
posttraumatische Periarthropathia humeroscapularis rechts nach Sturz am 9. August
2010; femoropatelläre Arthrose links und Rhizarthrose Stadium I Daumen links. Eine
leichte körperliche Arbeit sei dem Versicherten je nach Belastung zwischen 4 und
8 Stunden pro Tag zumutbar (IV-act. 97; siehe auch den Verlaufsbericht vom
4. September 2014, IV-act. 130). Die am Psychiatrischen Zentrum F._ seit 20. Januar
2014 behandelnden psychiatrischen Fachpersonen gaben im Bericht vom 21. Februar
2014 an, der Versicherte leide an einer mittelgradig depressiven Episode ohne
somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10). Sie äusserten zudem einen Verdacht auf eine
A.d.
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anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Aufgrund der Schmerzen
bestünden Einschränkungen bei körperlichen Tätigkeiten. Zudem sei der Versicherte
durch die depressiven Symptome beeinträchtigt. Antrieb und Kraft seien vermindert,
die Stimmungslage sei depressiv (IV-act. 105; siehe auch den Verlaufsbericht vom
14. August 2014, IV-act. 128).
Die IV-Stelle gelangte zur Einschätzung, dass aus juristischen Gründen weiterhin
eine 80%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten ausgewiesen sei, aus
welcher sich analog zur letzten rentengesuchsabweisenden Verfügung vom 16. Juli
2013 ein Invaliditätsgrad von 34% ergebe. Deshalb stellte sie dem Versicherten mit
Vorbescheid vom 25. November 2014 die Abweisung seines neuerlichen
Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 134). Dagegen erhob der Versicherte am
5. Dezember 2014 Einwand (Datum Posteingang IV-Stelle; IV-act. 135; siehe auch die
Eingaben vom 12. Dezember 2014, IV-act. 136, und vom 9. Februar 2015, IV-act. 139).
Aufgrund eines Fehlers im Einkommensvergleich korrigierte die IV-Stelle den
Invaliditätsgrad auf 31% und stellte dem Versicherten am 29. Mai 2015 einen neuen
Vorbescheid zu, worin sie ihm wiederum die Abweisung des Rentengesuchs anzeigte
(IV-act. 142). Dagegen erhob der Versicherte am 1. Juli 2015 erneut Einwand und
forderte die IV-Stelle auf, weitere Abklärungen zu tätigen (IV-act. 146).
A.e.
Nachdem die IV-Stelle bei den behandelnden medizinischen Fachpersonen weitere
Verlaufsberichte eingeholt hatte (siehe zum Verlaufsbericht von Dr. B._ vom 5. März
2016 IV-act. 154 und zum Verlaufsbericht des Psychiatrischen Zentrums F._ vom
19. April 2016 IV-act. 158), beauftragte sie am 13. September 2016 die BEGAZ GmbH,
Binningen, mit einer polydisziplinären (allgemeinmedizinischen, neuropsychologischen,
psychiatrischen und rheumatologischen) Begutachtung (IV-act. 172). Nach der
allgemeinmedizinischen Untersuchung vom 21. November 2016 wurde zusätzlich eine
pneumologische und neurologische Begutachtung für erforderlich gehalten (IV-
act. 176). Die weiteren Untersuchungen fanden am 28. November, 12. Dezember und
13. Dezember 2016 sowie am 22. Februar 2017 statt (IV-act. 179-5). Im
polydisziplinären Gesamtgutachten vom 22. März 2017 stellten die Gutachter folgende
Diagnosen, denen sie eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimassen:
1. chronische Schulterschmerzen rechts mit Bewegungseinschränkung; 2. chronische
Knieschmerzen links; 3. eine mittelschwere neuropsychologische Störung mit im
A.f.
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Schwerpunkt subkortikalen/frontobasalen und linksfrontotemporalen
Hirnfunktionsstörungen; 4. eine rezidivierende depressive Störung, zurzeit mittelgradige
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11); 5. eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4); 6. ein mittelschweres Apnoe-/Hypopnoe-Syndrom;
7. einen gemischten Kopfschmerz; 8. intermittierende teils migräniforme
Schmerzakzentuierungen und 9. ein cervicogenes Schmerzsyndrom. Es sei davon
auszugehen, dass negative Wechselwirkungen zwischen den somatischen und
psychischen Problemen bestünden. Gesamtmedizinisch sei festzuhalten, dass seit
dem Unfall vom 9. August 2010 bezüglich der ursprünglichen Tätigkeit als Maurer eine
andauernde Arbeitsunfähigkeit von 100% bestehe. In einer leidensangepassten
leichten bis intermittierend mittelschweren Tätigkeit bestehe seit mindestens April 2013
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. An seiner aktuellen Arbeitsstelle scheine der
Versicherte derzeit optimal, d.h. seinen derzeitigen Ressourcen entsprechend,
eingesetzt zu sein (IV-act. 179, insbesondere IV-act. 179-91 ff.). Die RAD-Ärztin
Dr. med. G._, Fachärztin für Allgemeinmedizin, hielt die gutachterliche Beurteilung für
plausibel und nachvollziehbar. Auf die Frage nach Inkonsistenzen antwortete sie, dass
eine gewisse Verdeutlichungstendenz beschrieben werde (Stellungnahme vom 10. April
2017, IV-act. 181).
In der Stellungnahme vom 24. August 2017 vertrat ein Rechtsdienstmitarbeiter der
IV-Stelle die Auffassung, weder die im BEGAZ-Gutachten aus neurologischer Sicht mit
der Kopfschmerzproblematik ohne organisches Korrelat begründete Arbeitsunfähigkeit
von 30% noch die aus psychiatrischer Sicht mit dem psychischen Leiden begründete
Arbeitsunfähigkeit von 50% stelle eine invalidenversicherungsrechtlich relevante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dar. Damit sei auch die aus neuropsychologischer
Sicht erwähnte leicht verminderte Leistungsfähigkeit irrelevant, zumal die Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit im medizinischen Sinn dem Arzt oder der Ärztin und nicht
Fachleuten aus dem Gebiet der Psychologie obliege. Invalidenversicherungsrechtlich
relevant sei einzig die aus rheumatologischer Sicht für angepasste Tätigkeiten
bescheinigte 10%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit, da der rheumatologische
Experte für die multilokulären Beschwerden einen teilweise somatischen Kern im
Bereich der rechten Schulter, des linken Knies und auch der Daumensattelgelenke
festgestellt habe. In diesem Sinn sei von der im BEGAZ-Gutachten festgestellten
A.g.
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B.
Arbeitsunfähigkeit von 50% abzuweichen, ohne dass die Expertise ihren Beweiswert
verlöre. Damit sei für die Invaliditätsbemessung von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit des
Versicherten in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen (IV-act. 182).
Mit neuerlichem Vorbescheid vom 5. September 2017 gab die IV-Stelle dem
Versicherten zur Kenntnis, dass sie weiterhin beabsichtige, das Rentengesuch
abzuweisen (IV-act. 185). Dagegen erhob der Versicherte am 3. Oktober 2017 Einwand
und beantragte die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen (IV-act. 186; zur
ergänzenden Eingabe vom 30. November 2017 siehe IV-act. 189). Nachdem die IV-
Stelle eine weitere Stellungnahme des Rechtsdienstes eingeholt hatte (IV-act. 190),
verfügte sie am 23. Februar 2018 die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 191).
A.h.
Gegen die Verfügung vom 23. Februar 2018 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 5. April 2018. Der Beschwerdeführer beantragte darin deren
Aufhebung und die Zusprache einer halben Rente. Eventualiter sei die Angelegenheit
zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung brachte er vor, dass die
gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nur insoweit nicht nachvollziehbar sei,
dass im Gesamtkonsens lediglich eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden
sei, nachdem eine solche bereits aus psychiatrischer Sicht attestiert werde. Vor diesem
Hintergrund müsse gesamthaft beurteilt von einer Arbeitsunfähigkeit von «50% plus»
ausgegangen werden. Im Übrigen bestehe kein Anlass bei der Bestimmung der
Erwerbsunfähigkeit aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht von der gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung abzuweichen (act. G 1).
B.a.
In der Beschwerdeantwort vom 11. Juni 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie vertrat weiterhin den Standpunkt, dass aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht lediglich von einer 10%igen Arbeitsunfähigkeit
bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten ausgegangen werden könne (act. G 7).
B.b.
Der Beschwerdeführer hielt in der Replik vom 12. Juli 2018 unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 9).
B.c.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der im Rahmen der
Wiederanmeldung vom 14. Januar 2014 vom Beschwerdeführer infolge geänderter
erwerblicher (IV-act. 81) und gesundheitlicher Verhältnisse erneut geltend gemachte
Rentenanspruch (IV-act. 83; siehe den Bericht von Dr. B._ vom 29. Januar 2014 und
die dort erwähnte, im August 2013 erhobene Erstdiagnose eines schwergradigen
Schlaf-Apnoe-Syndroms IV-act. 97-1; vgl. hierzu auch IV-act. 104).
Am 6. August 2018 teilte die Beschwerdegegnerin den Verzicht auf eine Duplik mit
(act. G 11).
B.d.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs
Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
1.2.
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2.
In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die BEGAZ-Gutachter den medizinischen
Sachverhalt beweiskräftig eingeschätzt haben.
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.4.
Der Beschwerdeführer bemängelt an der gutachterlichen Beurteilung, dass die
polydisziplinär eingeschätzte Arbeitsunfähigkeit zu niedrig sei. Die Bescheinigung einer
50%igen Arbeitsunfähigkeit sei insofern nicht schlüssig, als dass die Gutachter ja
selbst darauf hinweisen würden, dass negative Wechselwirkungen zwischen den
somatischen und den psychischen Beschwerden bestünden und dass bereits der
psychiatrische Gutachter eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinige (act. G 1, III.
Rz 5). Dem ist zunächst entgegenzuhalten, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung im
polydisziplinären Konsens in Berücksichtigung der Wechselwirkungen stattfand und
insbesondere auch vom psychiatrischen BEGAZ-Gutachter mitunterzeichnet bzw.
geteilt wurde (IV-act. 179-97). Entscheidend ist weiter, dass der Beschwerdeführer seit
2014 tatsächlich einer Erwerbstätigkeit im Umfang der von den Gutachtern
bescheinigten Arbeitsfähigkeit nachzugehen vermag (IV-act. 81, 115-5, 117,
2.1.
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3.
Zu prüfen ist des Weiteren, ob die Gutachter bei der von ihnen vorgenommenen
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von den normativen Vorgaben in Art. 7 Abs. 1 und 2 ATSG
abgewichen sind.
und 158-3), ohne dass Hinweise für ein zusätzlich reduziertes Rendement ersichtlich
sind.
Die gutachterliche Beurteilung beruht auf eigenständigen, gründlichen
polydisziplinären Abklärungen und ist für die streitigen Belange umfassend. Die
medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Die vom Beschwerdeführer
geklagten Leiden wurden berücksichtigt und nachvollziehbar im Rahmen u.a. einer
ausführlichen Konsistenz- und Ressourcenprüfung gewürdigt. Die vorgenommene
Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Des Weiteren
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht
berücksichtigt worden wären. Ausserdem hielt auch die RAD-Ärztin Dr. G._ die
gutachterliche Einschätzung vorbehaltlos für plausibel und nachvollziehbar
(Stellungnahme vom 10. April 2017, IV-act. 181). Folglich ist in tatsächlicher Hinsicht
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer an einem vielschichtigen
Gesundheitsschaden leidet, der zu den von den Gutachtern plausibel begründeten
Funktionseinbussen führt (siehe zur umfangreichen Diagnoseliste IV-act. 179-91 f.).
2.2.
Bei nicht organisch erklärbaren Schmerzleiden und bei (anderen) psychischen oder
psychosomatischen Krankheitsbildern steht das Beweisproblem im Vordergrund, dass
sich die Beurteilung dieser Gesundheitsschäden und der dadurch bedingten
Arbeitsunfähigkeiten - mangels zuverlässiger bzw. bewährter Messmethodik -
zwangsläufig zunächst auf die Angaben der versicherten Person und deren
Leidenspräsentation stützt, da es an einer eigentlichen davon unabhängigen, direkten
Objektivierbarkeit fehlt. Deshalb ist die umfassende Prüfung der Konsistenz und der
Plausibilität der Leidensschilderung sowie -präsentation für die möglichst objektive
bzw. medizinisch-wirklichkeitsgetreue Beurteilung der gesundheitlichen
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von zentraler Bedeutung (vgl. hierzu bereits die
Ausführungen im Rechtsgutachten Prof. Dr. H._ und Dr. iur. I._ vom 20. November
2012, S. 66 ff. mit Hinweis auf den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 19. Juni
2012, IV 2010/336, E. 3.2.3; dieser Entscheid wurde vom Bundesgericht unter der
damaligen Praxis gemäss BGE 137 V 64 und 130 V 352 im Urteil vom 13. Januar 2013,
8C_552/2012, aufgehoben; zur inzwischen erfolgten Praxisänderung des
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
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Bundesgerichts siehe etwa BGE 141 V 281). Um eine möglichst objektive, von der
Selbsteinschätzung der Versicherten unabhängige, der tatsächlichen
Funktionsfähigkeit entsprechende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Sinn von Art. 7
Abs. 1 und 2 ATSG zu gewährleisten (vgl. hierzu bzw. zur Massgeblichkeit des
tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens etwa das Urteil des Bundesgerichts vom
11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2), haben die medizinischen Fachpersonen nebst den
Erkenntnissen der eigenen Untersuchung deshalb nach Möglichkeit bei ihrer Expertise
sämtliche Lebensaspekte zu würdigen, bei denen Beeinträchtigungen und Ressourcen
einer versicherten Person in Erscheinung treten. Dabei sich zeigende Umstände wie
etwa Inkonsistenzen, die auf krankheitsfremde Faktoren deuten oder ernsthafte Zweifel
am objektiven Umfang der geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigung begründen,
sind zu benennen. Geltend gemachte Beeinträchtigungen, die auf solchen
krankheitsfremden bzw. nicht krankheitswertigen Faktoren beruhen oder zweifelhaft
erscheinen, sind bei der Beurteilung des Gesundheitsschadens sowie der
Arbeitsfähigkeit auszuklammern. Denn massgebend für die Ermittlung der
Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität sind nur gesundheitliche Beeinträchtigungen, deren
Vorhandensein aus objektiver Sicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bejaht werden kann. Aus diesen Gründen sehen die
Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie SGPP (3. vollständig überarbeitete und
ergänzte Auflage, 16. Juni 2016) denn auch vor, dass eine Stellungnahme zur
Authentizität von Beschwerden, von präsentierten Symptomen und von
Leistungseinschränkungen obligatorischer Bestandteil eines
versicherungspsychiatrischen Gutachtens zu sein hat. Das beinhaltet eine
Stellungnahme zur Frage, ob die berichteten Beschwerden und präsentierten
Symptome in sich konsistent sind oder ob Diskrepanzen, allenfalls sogar Widersprüche
bestehen. Dies gelingt am ehesten durch eine Gegenüberstellung der erhobenen
Informationen mit Hilfe der verschiedensten methodischen Zugänge. Diesbezüglich
sind Hinweise aus der Verhaltensbeobachtung und dem Anamneseverlauf relevant
(Qualitätsleitlinien, S. 29). Eine besondere Bedeutung bei der Exploration kommt der
detaillierten Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch die versicherte Person
zu, da sich hieraus häufig Hinweise auf Interessen, Aktivitäten, Alltagsgewohnheiten
und damit Potential und Ressourcen, jedoch auch Diskrepanzen zu anderen Angaben
oder zum Verhalten in der Untersuchung ergeben (Qualitätsleitlinien, S. 16).
Diese Überlegungen haben inzwischen Eingang in die Rechtsprechung des
Bundesgerichts gefunden. In BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht
Lebenssachverhalte und Umstände benannt, welche die medizinischen Fachpersonen
3.2.
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für eine möglichst objektive, medizinisch-realistische Beurteilung eines
Gesundheitsschadens und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu würdigen
haben. Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um eine «abhakbare Checkliste» bzw.
eine abschliessende Aufzählung (BGE 141 V 297 E. 4.1.1; siehe auch das Urteil des
Bundesgerichts vom 11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2). Eine solche würde denn auch
eine unzulässige Beschränkung der freien Beweiswürdigung darstellen und darüber
hinaus der unterschiedlich gewählten Lebensgestaltung bzw. den Alltagsaktivitäten der
Versicherten unter dem Blickwinkel einer umfassenden Berücksichtigung von
leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren und Kompensationspotentialen
(Ressourcen) - wie sie auch vom Bundesgericht gefordert wird (Urteil des
Bundesgerichts vom 11. Mai 2020, 9C_765/2020, E. 4.2) - nicht gerecht werden (siehe
hierzu vorstehende E. 3.1 am Schluss). Jeder Einzelfall ist daher nach den individuell-
konkreten Umständen zu beurteilen.
Von einer in Nachachtung der Qualitätsleitlinien und der Rechtsprechung zu Art. 7
Abs. 1 und 2 ATSG erfolgten medizinischen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ist (nur) aus
triftigen Gründen abzuweichen. Solche liegen vor, wenn die medizinische Annahme
einer Arbeitsunfähigkeit im Ergebnis, unter dem entscheidenden Gesichtswinkel der
Konsistenz- und Ressourcenprüfung nicht überzeugt. Diesbezüglich ruft das
Bundesgericht zurecht in Erinnerung, dass die ärztliche Beurteilung - von der Natur der
Sache her unausweichlich - Ermessenszüge aufweist, die auch den Rechtsanwender
begrenzen (vgl. zum Ganzen das Urteil des Bundesgerichts vom 11. Mai 2020,
9C_765/2019, E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 145 V 367 ff. E. 4.3).
3.3.
Entgegen der Auffassung des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin, die sich
weitestgehend in einer Wiedergabe und generell-abstrakten Würdigung der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung erschöpft (act. G 7, III. Rz 3 ff.), enthält das
BEGAZ-Gutachten bezüglich des ausgewiesenen polymorbiden Krankheitsbildes eine
überzeugende individuell-konkrete Auseinandersetzung mit den normativen Vorgaben
von Art. 7 Abs. 1 und 2 ATSG (zur ausführlichen widerspruchsfreien Diskussion der
Standardindikatoren durch den psychiatrischen Gutachter siehe IV-act. 179-66 ff.). Die
BEGAZ-Gutachter begründen unter ausdrücklicher Bezugnahme auf die einschlägigen
Indikatoren (IV-act. 179-66 ff.) auf nachvollziehbare Weise das Ausmass der
Leistungsminderung. Sie äussern sich darin namentlich zum Schweregrad des Leidens
und zum Behandlungs- und Eingliederungserfolg. Ausserdem tragen sie den
vorhandenen - vom Beschwerdeführer in anerkennenswerter Weise im Rahmen seiner
Teilerwerbstätigkeit verwerteten - Ressourcen (siehe etwa IV-act. 179-67 unten),
dessen lebensgeschichtlich bedingten Belastungsfaktoren und seinem sozialen
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
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Kontext Rechnung. Sie bejahen unter Berücksichtigung der verbliebenen
Funktionsfähigkeit des Beschwerdeführers in verschiedenen Lebensbereichen ein
konsistentes Verhalten (siehe etwa zum erhobenen Tagesablauf IV-act. 179-62 bzw. zu
den Alltagsaktivitäten IV-act. 179-68 f.; zum Funktionsverlust im Alltag siehe etwa IV-
act. 179-34 f. und -81 Mitte sowie IV-act. 115-2 unten; auch aus den Vorakten ergaben
sich aus gutachterlicher Sicht insbesondere keine Diskrepanzen bezüglich des
psychischen Gesundheitsschadens, IV-act. 179-73).
Der Beschwerdeführer nahm während Jahren eine Vielzahl von sowohl
somatischen als auch psychiatrischen und psychosomatischen Behandlungen in
Anspruch, die grösstenteils nicht den erhofften Erfolg bewirkten (siehe zum
eindrücklichen Umfang der durchgeführten Therapien etwa IV-act. 179-37; -41
Mitte, -61, 62 unten und -76). Die Inanspruchnahme von psychotherapeutischen
Optionen wurde als «adäquat» beurteilt (IV-act. 179-72). Ferner vermochte weder der
rheumatologische noch der neuropsychologische Gutachter Therapieoptionen zu
benennen, bei deren Ausschöpfung eine erhebliche gesundheitliche Verbesserung
erwartet werden könnte (IV-act. 179-44 und -57). Der psychiatrische Gutachter bejahte,
dass die bisherigen Therapien lege artis erfolgt seien (IV-act. 179-70). Die
antidepressiven Medikamentenspiegel waren bei der Laboruntersuchung lediglich
«etwas zu tief», weshalb der psychiatrische Gutachter es bei einem Vorschlag, die
antidepressiven Medikationen zu erhöhen, beliess (IV-act. 179-70 unten). Im
Verlaufsbericht des Psychiatrischen Zentrums F._ vom 14. August 2014 wurde
festgehalten, der Beschwerdeführer nehme motiviert an der Psychotherapie teil (IV-
act. 128-1). Schliesslich ging der neurologische Gutachter aufgrund des Umfangs des
Schmerzmittelkonsums des Beschwerdeführers vom Bestehen eines
«Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes» aus (IV-act. 179-87 und -89 unten; zum
Verdacht auf einen Mischkopfschmerz bei Analgetika-Überkonsum siehe den Bericht
der Kopfschmerz-Sprechstunde in der Klinik für Neurologie am KSSG vom
21. September 2015, IV-act. 154-40 f.). Insgesamt bestätigen die vom
Beschwerdeführer bisher in Anspruch genommenen Therapien vielmehr seinen
Leidensdruck. Jedenfalls kann darin kein triftiger Grund erblickt werden, der ein
Abweichen von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung rechtfertigen würde.
3.5.
Die BEGAZ-Gutachter setzten sich überzeugend mit der Konsistenz der geklagten
Leiden und der Leidenspräsentation des Beschwerdeführers auseinander (siehe etwa
IV-act. 179-58 oben oder -71 f.). Zwar zeigten sich im Rahmen einzelner
Begutachtungen «gewisse» Verdeutlichungstendenzen (IV-act. 179-44). Allerdings
wurden Hinweise auf eine bewusste Aggravation ausdrücklich verneint (IV-act. 179-44
3.6.
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und -67 oben). Der neuropsychologische Gutachter verneinte selbst das Vorliegen von
Verdeutlichungstendenzen (IV-act. 179-55) und bestätigte die Authentizität der
erhobenen Befunde (IV-act. 179-56). Der Beschwerdeführer wurde als sehr freundlich,
kooperativ, ruhig wirkend und zurückgezogen beschrieben. Er habe versucht die
Anamnese «adäquat» wiederzugeben (IV-act. 179-32). Auch die RAD-Ärztin Dr. G._
benannte in ihren Stellungnahmen keine relevanten Inkonsistenzen (IV-act. 181-2, IV-
act. 151-2 und IV-act. 131-3).
Auch bei den Eingliederungsbemühungen gingen die Gutachter von einer
weitgehenden Kooperation des Beschwerdeführers aus. Probleme bei der
Eingliederung hielten sie für «störungsbedingt» (IV-act. 179-71 oben). Die
Eingliederungsverantwortliche ging am 21. Mai 2014 mit schlüssiger Begründung
davon aus, dass der Beschwerdeführer mit seiner 50%igen Erwerbstätigkeit «optimal
eingegliedert» sei (IV-act. 115-5). Diese Einschätzung bestätigten die BEGAZ-Gutachter
aus medizinischer Sicht (IV-act. 179-97).
3.7.
Aus der gutachterlichen Beurteilung bezüglich des vielschichtigen Leidensbilds
des Beschwerdeführers ergibt sich gesamthaft, dass sowohl eine gesundheitliche
Beeinträchtigung von erheblichem Schweregrad als auch deren funktionelle
Auswirkungen in erwerblicher Sicht objektiv (Art. 7 Abs. 2 ATSG) kohärent und
widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sind. Mithin kann
der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus rechtlicher Sicht gefolgt
werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2019, 9C_157/2019 E. 5.1).
Die Beschwerdegegnerin lässt bei ihrer Kritik die medizinisch bescheinigten
krankheitsbedingten Störungen und Belastungsfaktoren grösstenteils ausser Acht und
abstrahiert zu Unrecht vom Umstand, dass eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
gesamtgutachterlich bescheinigt wurde (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
28. Oktober 2019, 9C_157/2019 E. 5.2). Die Beschwerdegegnerin nimmt eine
unzulässige juristische Parallelprüfung vor, die nichts daran ändert, dass die BEGAZ-
Gutachter sorgfältig und nachvollziehbar dargelegt haben, welche krankheitsbedingt
plausibilisierten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit objektiv ausgewiesen erscheinen. Es ist weder ersichtlich noch
zeigt die Beschwerdegegnerin schlüssig und konkret auf, inwiefern sich aus den Akten
oder anderen Umständen Hinweise ergeben, die mit der gutachterlich bescheinigten
50%igen Arbeitsfähigkeit nicht mehr vereinbar wären bzw. die über die
entsprechenden verbliebenen Ressourcen hinausgehen würden. Insgesamt fehlen
triftige Gründe, die vorliegend ein Abweichen von der gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung rechtfertigen würden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
3.8.
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4.
Aufgrund der Wiederanmeldung vom 14. Januar 2014 (IV-act. 83) entsteht ein
Rentenanspruch frühestens am 1. Juli 2014 (Art. 29 Abs. 1 und Abs. 3 IVG). Die
Beschwerdegegnerin ermittelte für das Jahr 2014 gestützt auf den vom
Beschwerdeführer im Jahr 2009 erzielten Verdienst ein Valideneinkommen von
Fr. 76'745.-- (IV-act. 191-2; vgl. auch IV-act. 140 und 21-1), was vom
Beschwerdeführer unbestritten blieb. Es ergeben sich auch aus den Akten keine
Anhaltspunkte, die den von der Beschwerdegegnerin festgesetzten Betrag in Frage
stellen würden. Hinsichtlich der Höhe des Invalideneinkommens ist davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer die ihm verbliebene Resterwerbsfähigkeit optimal im
Rahmen der ausgeübten Tätigkeit verwertet (siehe vorstehende E. 3.7). Gemäss
Arbeitsvertrag vermag der im Stundenansatz angestellte Beschwerdeführer im Rahmen
eines 50%igen Pensums einen Jahresverdienst bezogen auf das Jahr 2014 von
Fr. 31'616.-- zu erzielen (IV-act. 117-1). Bei einem Invalideneinkommen von
Fr. 31'616.-- resultieren eine Erwerbsunfähigkeit von Fr. 45'129.-- (Fr. 76'745.-- -
Fr. 31'616.--) und ein Invaliditätsgrad von aufgerundet 59% (Fr. 45'129.-- /
Fr. 76'745.--). Der Beschwerdeführer hat folglich ab Juli 2014 - wie von ihm beantragt
(act. G 1) - Anspruch auf eine halbe Rente.
5.
11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.4.4). Der gutachterlichen Schätzung schloss sich im
Übrigen auch die RAD-Ärztin Dr. G._ aus versicherungsmedizinischer Sicht
vorbehaltlos an (IV-act. 181). Somit ist - auch retrospektiv - von einer 50%igen
Arbeitsunfähigkeit bezogen auf die seit Januar 2014 ausgeübte Tätigkeit sowie andere
leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 179-97).
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und dem Beschwerdeführer
mit Wirkung ab 1. Juli 2014 eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und
Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der vom Beschwerdeführer geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm zurückzuerstatten.
5.2.
bis
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