Decision ID: f4b40ad3-c1a9-44a3-af76-de54fd83988d
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Drohung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht
Strafsachen, vom 29. Januar 2016 (GG150091)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 27. No-
vember 2015 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 22).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der Drohung im Sinne von Art. 180
Abs. 1 und 2 lit. a StGB, der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art.
123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 4 StGB und der Tätlichkeiten im Sinne von
Art. 126 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten, wo-
von 170 Tage (12. August 2015 bis 29. Januar 2016) durch Haft erstanden
sind, sowie einer Busse von Fr. 400.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3
Jahre festgesetzt.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen.
5. Für die Dauer der Probezeit wird dem Beschuldigten die Weisung erteilt, das
Lernprogramm Partnerschaft ohne Gewalt (PoG) (Häusliche Gewalt) zu ab-
solvieren und an den Nachkontrollgesprächen beim Amt für Justizvollzug
des Kantons Zürich, Bewährungs- und Vollzugsdienste, Lernprogramme,
8090 Zürich, teilzunehmen.
Das Amt für Justizvollzug wird ersucht, die Einhaltung der Weisung zu
überwachen.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 1'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 12. August 2015 als Genugtuung zu bezahlen.
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7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'400.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'500.00 Gebühr für das Vorverfahren;
Fr. 612.45 Auslagen Vorverfahren
Fr. 350.00 Kosten Kantonspolizei
Fr. 250.00 Gutachten/Expertisen
Fr. 20'631.00 Kosten für die amtliche Verteidigung
Fr. 6'861.90 Kosten für unentgeltliche Rechtsvertretung der Privat- klägerin (1/2)
Fr. 33'605.35 Total
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
8. Die Kosten des Vorverfahrens (Gebühr Vorverfahren sowie Auslagen Vor-
verfahren, Auslagen Polizei, Gutachten/Expertisen) und des gerichtlichen
Verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung sowie der
Hälfte der Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin,
werden dem Beschuldigten auferlegt, diejenigen der amtlichen Verteidigung
sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin indessen
einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Art. 135 Abs. 4 StPO und
Art. 138 StPO bleiben vorbehalten.
9. Mitteilungssatz.
10. Rechtsmittel.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 92 S. 2)
1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
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Eventualiter sei der Beschuldigte aufgrund von Art. 126 Abs. 1 des
Strafgesetzbuches zu verurteilen und mit einer Busse in Höhe von
Fr. 200.– zu bestrafen.
2. Die Kosten der Untersuchung, der gerichtlichen Verfahren sowie der
amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu
nehmen.
3. Dem Beschuldigten sei infolge des Freispruchs eine Genugtuung für
die zu Unrecht angeordnete Haft in Höhe von Fr. 25'200.– zuzuspre-
chen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich (schriftlich, Urk. 86 bzw. sinngemäss)
Verzicht auf Anschlussberufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils.
c) Des Vertreters der Privatklägerin
Keine Vernehmlassung.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung
1. Vorinstanzliches Urteil
1.1. Mit Urteil vom 29. Januar 2016 sprach das Einzelgericht am Bezirksgericht
Winterthur den Beschuldigten A._ der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
und 2 lit. a StGB, der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
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Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 4 StGB und der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1
StGB schuldig und bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten, wovon
170 Tage bereits durch Haft erstanden seien, sowie einer Busse von Fr. 400.–.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jah-
re festgesetzt. Demgegenüber wurde festgehalten, dass die Busse zu bezahlen
sei, wobei die schuldhafte Nichtbezahlung der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe
von 4 Tagen nach sich ziehen würde. Für die Dauer der Probezeit wurde dem
Beschuldigten die Weisung erteilt, das Lernprogramm Partnerschaft ohne Gewalt
(PoG) (Häusliche Gewalt) zu absolvieren und an den Nachkontrollgesprächen
beim Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich teilzunehmen. Das Amt für Justiz-
vollzug wurde ersucht, die Einhaltung der Weisung zu überwachen. Ferner wurde
der Beschuldigte verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab
12. August 2015 als Genugtuung zu bezahlen. Die Kosten, einschliesslich derje-
nigen der amtlichen Verteidigung sowie der Hälfte der Kosten der unentgeltlichen
Rechtsvertretung der Privatklägerin, wurden dem Beschuldigten auferlegt, wobei
diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung
der Privatklägerin einstweilen – unter dem Nachforderungsvorbehalt von Art. 135
Abs. 4 StPO – auf die Gerichtskasse genommen wurden.
1.2. Gegen das Urteil wurde seitens der Verteidigung im Anschluss an die Ur-
teilseröffnung am 29. Januar 2016 und damit rechtzeitig Berufung angemeldet
(vgl. Prot. I S. 37). Mit Eingabe vom 18. August 2016 erstattete die Verteidigung
daraufhin rechtzeitig die schriftliche Berufungserklärung (Urk. 83; Empfangsbestä-
tigung betr. schriftlich begründetes Urteil: Urk. 79).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 29. August 2016 wurde der Staatsanwaltschaft
IV des Kantons Zürich (hernach Staatsanwaltschaft oder Anklagebehörde) sowie
der Privatklägerin unter Zustellung einer Kopie der Berufungserklärung der Ver-
teidigung Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten
auf die Berufung zu beantragen. Dem Beschuldigten wurde dieselbe Frist ange-
setzt, um das Datenerfassungsblatt und mehrere spezifisch bezeichnete Urkun-
den zu seinen finanziellen Verhältnissen einzureichen (Urk. 84; Empfangsschei-
ne: Urk. 85/1-3).
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1.4. Seitens der Staatsanwaltschaft wurde mit Eingabe vom 1. September 2016
Verzicht auf Anschlussberufung erklärt und die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils beantragt (Urk. 86).
1.5. Die Privatklägerin liess sich demgegenüber innert der ihr angesetzten Frist
nicht vernehmen.
1.6. Mit Eingabe vom 21. September 2016 liess der Beschuldigte das Datener-
fassungsblatt sowie mehrere Belege zu seinen finanziellen Verhältnissen einrei-
chen (Urk. 87 u. 88/1-6).
1.7. Am 24. Oktober 2016 ergingen die Vorladungen an die Staatsanwaltschaft,
die Privatklägerin und den Beschuldigten zur heutigen Berufungsverhandlung
(vgl. Urk. 89).
2. Umfang der Berufung
Die Verteidigung beantragt einen vollumfänglichen Freispruch sowie die vollstän-
dige Kostenauflage zulasten der Staatskasse. Die Kostenfestsetzung durch die
Vorinstanz (Dispositiv-Ziff. 7) wurde nicht beanstandet (vgl. Urk. 83 S. 1 f. und
Urk. 92 S. 2 und S. 10), weshalb diese in Rechtskraft erwachsen ist, was vorab
mit Beschluss festzustellen ist.
II. Prozessuales
1. Die seitens der Vorinstanz gemachten detaillierten Ausführungen zur seitens
der Verteidigung im vorinstanzlichen Verfahren monierten Unverwertbarkeit der
polizeilichen Einvernahme des Beschuldigten infolge unterlassener Übersetzung
(Urk. 60 S. 9) sind zutreffend und geben zu keinen weiteren Bemerkungen An-
lass, weshalb vollumfänglich auf diese verwiesen werden kann (vgl. Urk. 82
E. II.2.). Die anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 13. August 2015
(Urk. 6/1) seitens des Beschuldigten gemachten Aussagen sind demnach ver-
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wertbar. Abgesehen davon ist diese Einvernahme für die Erstellung des Anklage-
sachverhaltes auch nicht in erster Linie massgebend, da die darin gemachten
Aussagen des Beschuldigten seine übrigen Aussagen nicht widerlegen und ihn
zwar nicht belasten, aber auch nicht zu entlasten vermögen (vgl. hinten insb. un-
ter E. III.3.4.3.).
2.1. Weiter wurde seitens der Verteidigung im vorinstanzlichen Verfahren vorge-
bracht, dass dem Sohn der Privatklägerin und des Beschuldigten, B._, an-
lässlich seiner staatsanwaltlichen Einvernahme vom 20. Oktober 2015 (Urk. 9/2,
Fragen 30, 38 u. 42) wie auch dem Beschuldigten selbst in der staatsanwaltlichen
Einvernahme vom 10. November 2015 (Urk. 6/4: Frage 16) Suggestivfragen bzw.
unzulässige Fragen gestellt worden seien (Urk. 60 S. 10; Prot. I S. 26 f.).
2.2. In Art. 140 StPO findet sich eine Auflistung der verbotenen Beweiserhe-
bungsmethoden, worunter Zwangsmittel, Gewaltanwendung, Drohungen, Ver-
sprechungen, Täuschungen und Mittel, welche die Denkfähigkeit oder die Willens-
freiheit einer Person beeinträchtigen können, fallen. Art. 143 StPO schreibt vor,
wie eine Einvernahme durchzuführen ist, wobei in Absatz 4 festgehalten wird,
dass die einzuvernehmende Person sich zum Gegenstand der Einvernahme äus-
sern kann und in Absatz 5 vorausgesetzt wird, dass durch klar formulierte Fragen
und Vorhalte die Vollständigkeit der Aussagen und die Klärung von Widersprü-
chen angestrebt werden soll. Die Zulässigkeit von Suggestivfragen, die der einzu-
vernehmenden Person von vornherein eine bestimmte Antwort nahelegen, wird in
der Strafprozessordnung nicht ausdrücklich geregelt. Suggestivfragen sind in An-
betracht des Gebots der Verfahrensfairness (Art. 3 Abs. 2 lit. d i.V.m. Art. 140
StPO, Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK), der staatlichen Objektivitäts-
pflicht gemäss Art. 6 Abs. 2 StPO und des Grundsatzes von Treu und Glauben
gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. a StPO zu vermeiden. Verboten sind sie indessen nicht,
weshalb ein Spielraum für eine situationsangepasste Einvernahmetechnik bleibt.
Eine verbotene Untersuchungsmethode ist mittels Stellen von Suggestivfragen in
jedem Fall gegeben, wenn sie einer Täuschung im Sinne von Art. 140 StPO ent-
sprechen. Falls dem nicht so ist, können Suggestivfragen allenfalls den Beweis-
wert der daraufhin gemachten Angaben in Frage stellen (GODENZI in: DO-
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NATSCH/HANSJAKOB/LIEBER, STPO KOMM., 2. A., Art. 140 StPO N 12 u. Art. 143
StPO N 33 m.w.H.; SCHMID, STPO PRAXISKOMMENTAR, 2. A., Zürich/St. Gallen
2013, ART. 140 StPO N 5). Das Verbot von Suggestivfragen wie auch Verstösse
gegen die in Art. 143 Abs. 4 und 5 StPO normierten Grundsätze sind jedenfalls
als Ordnungsvorschriften ausgestaltet, weshalb Antworten trotz suggestiver bzw.
unzulässiger Frageweise grundsätzlich verwertbar sind. Der Art, wie sie erlangt
wurden, ist bei der Würdigung der entsprechenden Aussagen Rechnung zu tra-
gen (Urteil des Bundesgerichts 6B_89/2014 vom 1. Mai 2014, E. 1.4.5.; BSK-
STPO-HÄRING, Art. 143 StPO N 36a u. 37). Zu beachten ist hierbei, dass Kinder
schon aufgrund ihres Alters erhöht suggestionsanfällig sind. Bei ihnen ist beson-
ders die Neigung ausgeprägt, immer – auch auf "unsinnige" Fragen – Antworten
geben zu wollen (MARTIN HUSSELS, Fragen der Vernehmungstechnik und -taktik
bei der Einvernahme von Zeugen/Auskunftspersonen, Forum Poenale 2011,
S. 357 f. m.w.H.).
2.3. In casu ist offensichtlich, dass anlässlich der Befragung von B._, wel-
cher im Zeitpunkt seiner korrekt gemäss Art. 178 lit. b StPO erfolgten Einvernah-
me als Auskunftsperson erst knapp neunjährig war, aufgrund seines kindlichen Al-
ters eine besonders zurückhaltende Befragungstechnik anzuwenden war, um all-
fällige Beeinflussungen auszuschliessen. Allerdings tangieren die seitens der Ver-
teidigung gerügten Fragestellungen allesamt Ordnungsvorschriften und demnach
nicht die (prozessual relevante) Verwertbarkeit der Aussagen sondern – allenfalls
– bloss deren (materiell relevante) Würdigung, worauf später eingegangen wird
(s. hernach unter E. III.3.4.2.2.). Gleiches gilt für die Rüge der Verteidigung hin-
sichtlich einer unzulässigen Frage anlässlich der Schlusseinvernahme des Be-
schuldigten (s. hernach unter E. III.3.4.3.2.).
3. Ferner wurde von der Vorinstanz zutreffend festgehalten (Urk. 82 E. II.1.),
dass es sich bei den dem Beschuldigten vorgeworfenen Tatbeständen der Dro-
hung und der einfachen Körperverletzung (wie auch bei der Nötigung) um Offizi-
aldelikte handelt, welche von Amtes wegen zu verfolgen sind und deshalb keines
Strafantrages der Privatklägerin bedürfen, da der Beschuldigte im Zeitpunkt der
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ihm vorgeworfenen Taten mit der Privatklägerin verheiratet war (Art. 180 Abs. 1
und 2 lit. a StGB und Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 4 StGB).
4. Schliesslich wurde seitens der Vorinstanz ebenso zutreffend erwogen
(Urk. 82 E. II.1. bzw. IV.1.), dass in casu hinsichtlich der Geschehnisse vom
12. August 2015 nicht von mehreren Vorfällen sondern vielmehr von lediglich ei-
nem Vorfall auszugehen sei, welcher dem Beschuldigten als strafbare Tätlichkeit
zur Last gelegt werde: So sei er gegen die Privatklägerin tätlich geworden, indem
er diese gepackt und in Richtung Balkontüre geschleppt habe, wodurch sie
Hautschürfungen und Rötungen erlitten habe. Anders als bei wiederholten Tät-
lichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 2 StGB handelt es sich bei einer einzigen
Tätlichkeit um ein Antragsdelikt (Art. 126 Abs. 1 StGB), wofür der erforderliche
Strafantrag vorliegt (Urk. 2). Hinsichtlich des Vorfalls vom Juli 2014 befindet sich
demgegenüber -– obschon gestützt auf Art. 126 Abs. 1 StGB erforderlich – kein
Strafantrag bei den Akten bzw. wurde die entsprechende Dreimonatsfrist gemäss
Art. 31 StGB verpasst. Ein Offizialdelikt gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB liegt
demgegenüber nicht vor, da die beiden Vorfälle vom Juli 2014 und 12. August
2015 zusammen noch keine wiederholten Tätlichkeiten im Sinne des Gesetzes
darstellen, welche einen Strafantrag obsolet machen würden, soll die Amtsverfol-
gung doch erst dann einsetzen, wenn die Begehung von Tätlichkeiten derart re-
gelmässig erfolgt, dass damit die Ausübung physischer Gewalt zur Methode wird
(BSK STGB- II-ROTH/KESHELAVA, Art. 126 StGB N 9 m.w.H.). Da der Vorfall vom
Juli 2014 hinsichtlich des Sachverhalts erstellt ist (s. nachstehend unter
E. III.3.5.), die rechtliche Würdigung indes ergibt, dass es sich dabei nicht um eine
einfache Körperverletzung, sondern um eine Tätlichkeit des Beschuldigten han-
delt (s. nachstehend unter E. IV.3.1.-3.2.), ist demnach diesbezüglich nicht auf die
Anklage einzutreten.
5. Auf die Stellung von Beweisanträgen wurde seitens der Parteien verzichtet
(Prot. II S. 7 und S. 26). Eine vom Amtes wegen vorzunehmende erneute Be-
weisabnahme gestützt auf Art. 389 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 343 Abs. 3
StPO ist in vorliegender Konstellation ausserdem nicht erforderlich. So liegt in
casu insbesondere keine klassische "Aussage gegen Aussage"-Situation vor,
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welche die unmittelbare Kenntnis eines der Beweismittel für die Urteilsfällung
notwendig erscheinen lassen würde (s. hierzu folgende Urteile des Bundesge-
richts: 6B_620/2014 vom 25. September 2014, E. 1.4.2. m.w.H., sowie
6B_98/2014 E. 3.8. vom 30. September 2014).
6. Ebenso wurden im Berufungsverfahren seitens der Parteien keine (weiteren)
prozessualen Einwendungen vorgebracht (vgl. dazu Prot. II S. 12).
III. Sachverhalt
1. Unbestrittener Sachverhalt
1.1. Der Beschuldigte zeigte sich anlässlich der heutigen Berufungsverhand-
lung wie auch bereits vor Vorinstanz und im Vorverfahren hinsichtlich des Vorfalls
vom 12. August 2015 insofern geständig, als er zugab, die Privatklägerin (am
Oberkörper) gepackt und diese vom Mitbeschuldigten weg bis zur Balkontür weg-
gezogen zu haben. Ebenso anerkannte er, von B._ gebissen worden zu sein
und daraufhin von der Privatklägerin abgelassen zu haben (Urk. 6/1 S. 3 ff.; Urk.
6/2 S. 5 ff.; Urk. 6/3 S. 2 f.; Urk. 6/4 S. 2 ff.; Prot. I S. 9 ff.; Prot. II S. 18).
1.2. Hinsichtlich des Vorfalls vom Juli 2014 anerkannte der Beschuldigte einzig,
einen Tisch samt den darauf stehenden Blumentöpfen vom Balkon der ehelichen
Wohnung im 3. Stock in den Garten geworfen zu haben (Urk. 6/2 S. 6 f.; Urk. 6/3
S. 3; Urk. 6/4 S. 5 f. u. 8; Prot. I S. 18 ff.; Prot. II S. 19 f.).
2. Bestrittener Sachverhalt
2.1. Demgegenüber machte der Beschuldigte anlässlich der heutigen Beru-
fungsverhandlung wie auch bereits vor Vorinstanz und im Vorverfahren hinsicht-
lich des Vorfalls vom 12. August 2015 geltend, dass er die Privatklägerin nicht mit
beiden Händen an den Füssen/Unterschenkeln festgehalten habe. Ferner habe er
diese von seinem Vater bis zur Balkontür, nicht aber auf den Balkon, weggezo-
gen. Ferner habe er die Privatklägerin weder vom Balkon werfen wollen noch ha-
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be er ihr damit gedroht (Urk. 6/1 S. 3 ff., Urk. 6/2 S. 5 ff., Urk. 6/3 S. 2 f., Urk. 6/4
S. 2 ff., Prot. I S. 9 ff.; Prot. II S. 17-20).
2.2. Hinsichtlich des Vorfalles vom Juli 2014 bestritt der Beschuldigte den gan-
zen vorstehend unter E. 1.2. nicht anerkannten übrigen ihm zur Last gelegten An-
klagesachverhalt (Urk. 6/2 S. 6 f.; Urk. 6/3 S. 3; Urk. 6/4 S. 5 f. u. 8; Prot. I S. 18
ff.; Prot. II S. 19 f.).
2.3. Nachfolgend ist zu prüfen, ob sich die beiden bestrittenen Anklagesachver-
halte vom Juli 2014 und August 2015 rechtsgenügend erstellen lassen. Dabei ge-
bietet es der Anspruch auf das rechtliche Gehör (Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO, Art. 29
Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK), dass das Gericht die Vorbringen des vom
Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in
der Entscheidfindung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist, dass es sich mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann es sich auf die für den Entscheid wesentli-
chen Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen ge-
nannt werden, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich sein
Entscheid stützt (BGer 6B_42/2016 vom 26. Mai 2016 E. 4.1.).
3. Beweiswürdigung
3.1. Glaubwürdigkeit der Beteiligten
Die Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich aus deren prozessualen Stellung, ih-
ren wirtschaftlichen Interessen am Ausgang des Verfahrens sowie vor allem an-
hand ihrer persönlichen Beziehungen und Bindungen zu den übrigen Prozessbe-
teiligten. Die seitens der Vorinstanz gemachten Erwägungen zur Glaubwürdigkeit
des Beschuldigten (Urk. 82 E. III.5.1.a), des Mitbeschuldigten C._ (Urk. 82 E.
III.5.2.a), der Privatklägerin (Urk. 82 E. III.5.3.a), B._ (Urk. 82 E. III.5.4.a) so-
wie von D._ (Urk. 82 E. III.5.5.a), E._ (Urk. 82 E. III.5.5.a) und F._
(Urk. 82 E. III.5.5.a) sind zutreffend, weshalb vollumfänglich darauf verwiesen
werden kann. In casu ist offensichtlich, dass die persönlichen Beziehungen und
Bindungen zwischen insbesondere dem Beschuldigten, dem Mitbeschuldigten
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und der Privatklägerin von nicht unbeträchtlicher Bedeutung und insbesondere
hinsichtlich der Motivlage der erwähnten Personen, so oder anders auszusagen,
aufschlussreich sind. Darauf ist im Rahmen der Würdigung der Aussagen insbe-
sondere zur Vorgeschichte zum Vorfall vom August 2015 näher einzugehen (s.
nachstehend unter E. III.3.4.1.). Weiter ist darauf zu verweisen, dass für den Be-
weiswert sämtlicher Aussagen der Beteiligten deren Glaubhaftigkeit das massge-
bende Kriterium bleibt.
3.2. Glaubhaftigkeit der Aussagen
3.2.1. Bei der Bewertung der Glaubhaftigkeit einer Aussage ist zu prüfen, ob die
Sachverhaltsdarstellungen in wesentlichen Punkten Widersprüche enthalten, ob
ihr Kerngehalt stimmig und ihr Ablauf logisch und schlüssig ist, sowie ob sie – so-
weit möglich – anhand objektiver Umstände verifizierbar sind. Zu achten ist insbe-
sondere auf Strukturbrüche innerhalb einer Aussage, Über- oder Untertreibungen,
das Vorhandensein einer hinreichenden Zahl von Realitätskriterien sowie das
Fehlen von Lügensignalen (BENDER, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung
von Zeugenaussagen, SJZ 81, S. 53 ff.). Als Kennzeichen wahrheitsgetreuer
Aussagen sind spontane, detailreiche Schilderungen zu werten, welche sich allen-
falls auch mit bewiesenen, zur Tatzeit vorhandenen äusseren Umständen ver-
flechten lassen. Als Hinweis für unglaubhafte Aussagen gelten Strukturbrüche in
den Schilderungen des Aussagenden, welche in Widerspruch zu bereits erstellten
Fakten stehen. Entscheidend ist letztendlich der innere Gehalt der Aussagen,
verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Steht Aussage ge-
gen Aussage, so bedeutet dies also nicht, dass der Beschuldigte schon aus die-
sem Grund nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" freigesprochen werden muss.
Vielmehr ist auf die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussa-
gen abzustellen. Diese sind einer Analyse bzw. einer kritischen Würdigung zu un-
terziehen. Nur wenn weder in der einen noch in der anderen Richtung eine Über-
zeugung zu gewinnen ist, hat das Gericht im Zweifel für den Beschuldigten zu
entscheiden (BENDER, a.a.O., S. 53 ff.; BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststel-
lung vor Gericht, 4. Aufl., München 2014, S. 76 ff.).
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3.2.2. Die wesentlichen, seitens des Beschuldigten, des Mitbeschuldigten
C._, der Privatklägerin, der Auskunftspersonen B._ und D._ sowie
der Zeugen E._ und F._ gemachten Aussagen wurden von der Vo-
rinstanz sehr ausführlich und korrekt wiedergegeben (s. Urk. 82 E. III.4.7.-4.11.),
weshalb vorab darauf – wie auch auf die zutreffenden theoretischen Ausführun-
gen zur freien richterlichen Beweiswürdigung und Aussagewürdigung (Urk. 82
E. III.3.1.-3.2.) – verwiesen werden kann. Im Rahmen der nachfolgenden konkre-
ten Würdigung der Beweise ist die Glaubhaftigkeit der seitens der Beteiligten ge-
machten massgeblichen Aussagen zu erörtern.
3.2.3. Weiter ist hier wiederzugeben, welche Aussagen der Beschuldigte anläss-
lich der Berufungsverhandlung machte. So sei er am 12. August 2015 um ca.
20.00 Uhr von der Arbeit nach Hause gekommen. Da es am Abend vorher bereits
einen Streit zwischen seiner Frau und seinem Vater gegeben habe, habe er die-
sem gesagt, er solle ins Bett gehen, bevor seine Frau von der Arbeit zurückkehre.
Diese sei aber früher als erwartet zurück gekommen und habe seinen Vater als
Lügner und Betrüger bezeichnet, als sie auf dem Balkon geraucht habe. Als der
Vater des Beschuldigten sagte, sie sei das selbst, habe sie ihn angegriffen, wo-
rauf der Beschuldigte sie gepackt und zur offenen Balkontüre geführt habe, damit
sie seinen Vater nicht schlagen konnte. Sein Vater habe sie nicht gehalten. Sein
Sohn B._ habe ihn gebissen, um die Mutter zu verteidigen (Prot. II S. 17 ff.).
Zum Vorfall im Juli 2014 führte er aus, er habe in die Ferien mit seiner Frau reisen
wollen. Sie habe gesagt, sie könne nicht frei nehmen, was er akzeptiert habe. Als
sie ihn beleidigt habe, habe er einen Tisch vom Balkon geworfen. Er habe sie
nicht berührt; es sei nur zu einem Schubs in der Türe gekommen, weil sie sich
ihm in den Weg gestellt habe, als er in die Wohnung gewollt habe (Prot. II S. 19
f.).
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3.3. Weitere Beweismittel
Nebst den bereits erwähnten Beweismitteln liegen – wie von der Vorinstanz zu-
treffend erwähnt (Urk. 82 E. III.4.) – eine Fotodokumentation der Wohnung
(Urk. 3) sowie der Verletzungen der Privatklägerin und des Beschuldigten
(Urk. 4/1), ein Gutachten über die körperliche Untersuchung der Privatklägerin
(Urk. 4/3), ein Spurenbericht des Forensischen Instituts Zürich (Urk. 4/5), ein
Kurzbericht zur körperlichen Untersuchung des Beschuldigten (Urk. 33) sowie ein
ärztlicher Bericht betreffend einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behand-
lung der Privatklägerin (Urk. 59) vor.
3.4. Konkrete Würdigung des Vorfalls vom 12. August 2015
3.4.1. Aussagen zur Vorgeschichte
3.4.1.1. In casu ist offensichtlich, dass zwischen der Privatklägerin und dem
Mitbeschuldigten C._, ihrem Schwiegervater, im Allgemeinen wie auch im
Speziellen kurz vor dem fraglichen Vorfall im August 2015 erhebliche Animositä-
ten bestanden und Feindseligkeiten ausgetauscht wurden.
Dies wird einerseits seitens des Beschuldigten bestätigt, welcher davon berichte-
te, dass es unter anderem am Vorabend und am Vormittag des 12. August 2015
Streitereien zwischen der Privatklägerin und dem Mitbeschuldigten gegeben ha-
be. Dem liege gemäss den Aussagen des Beschuldigten der Umstand zugrunde,
dass die Privatklägerin mit dem Besuch des Mitbeschuldigten nicht einverstanden
gewesen sei und sich daran gestört habe, dass der Mitbeschuldigte bei einem
Nachbarn EUR 1'000.– ausgeliehen habe (Urk. 6/1 S. 1 ff.; Urk. 6/2 S. 2 ff.;
Urk. 6/3 S. 2; Prot. I S. 12 f.).
Auch die Privatklägerin bestätigte das Konfliktpotential in der Beziehung zu
C._ (Urk. 7/1 S. 7 u. 7/2 S. 23; Urk. 57 S. 17, 23 u. 25): So sagte sie unter
anderem aus, mit dem Mitbeschuldigten praktisch immer, wenn sie ihn sehe,
Auseinandersetzungen zu haben, was bereits elf Jahre so gehe. Aus ihren Aus-
sagen geht hervor, dass ihre Animositäten gegenüber ihrem Schwiegervater ins-
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besondere darin begründet sind, dass ihrem inzwischen verstorbenen Vater – im
Gegensatz zum Schwiegervater – der Kontakt zur Familie verwehrt worden sei (s.
Urk. 7/2 S. 8 f.) sowie dass ihre Schwiegereltern einen grossen Einfluss auf ihren
Mann hätten, was dazu führe, dass alles gemäss deren Wünschen geschehe.
Das Vermögen, das sie und ihr Ehemann gespart hätten, hätten die Schwiegerel-
tern erhalten. Sie erwähnte mehrere zehntausend Franken, die diesen überwie-
sen worden seien, wobei ein Teil hiervon ohne ihr Wissen transferiert worden sei
(Urk. 7/2 S. 9 f. u. 24). Die Privatklägerin bestätigte, auch am Vormittag des
12. August 2015 eine verbale Auseinandersetzung mit dem Mitbeschuldigten ge-
habt zu haben, anlässlich welcher dieser sie beleidigt und gesagt habe, dass sie
keinen Respekt habe, sie die falsche Frau für seinen Sohn und eine schlechte
Mutter sei sowie dass sie schon noch etwas erleben werde (Urk. 7/2 S. 5 u. 18).
Weiter führte sie aus, dass C._ bei ihren Nachbarn Schulden habe machen
wollen, ohne sie oder ihren Ehemann zu informieren (Urk. 7/2 S. 7 u. 18).
Den Streit am Morgen des 12. August 2015 bestätigte auch der Mitbeschuldigte
C._. Allerdings stellt er diese Auseinandersetzung anders als die Privatkläge-
rin dar: Die Privatklägerin habe ihn beschimpft, von hinten mit den Füssen getre-
ten und bedroht (Urk. 8/1 S. 2). Weiter führte er aus, dass er im August 2015 zum
ersten Mal in die Schweiz gekommen sei, und zwar, um seinen Sohn zu besu-
chen. In der Vergangenheit habe es mit der Privatklägerin nie Probleme gegeben
und wenn sie ihn beleidigt habe, habe er das mit Zurückhaltung aufgenommen
(Urk. 8/2 S. 5). Finanziell seien er und seine Ehefrau von der Privatklägerin noch
nie unterstützt worden. Nicht einmal zur Beschneidung ihres Sohnes B._ ha-
be sie etwas beigetragen. Seit ca. zwei bis drei Wochen vor der Beschneidung
von B._ habe die Privatklägerin nicht mehr mit ihm sprechen wollen (Urk. 8/2
S. 6 f.). Auch wenn der Mitbeschuldigte damit mehrfach durchblicken lässt, dass
die Privatklägerin und nicht er die Ursache für ihre belastete Beziehung sei, ge-
hen die sich kurz vor dem Vorfall noch erheblich intensivierenden Animositäten
und Spannungen zwischen ihnen beiden auch aus seinen Aussagen deutlich her-
vor.
- 16 -
3.4.1.2. Die Beziehung zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin,
welche verheiratet sind und zwei gemeinsame Kinder (geb. 2006 und 2011) ha-
ben, zeichnet sich dadurch aus, dass sie bereits seit mehreren Jahren belastet
erscheint. Aus den Akten geht hervor, dass die Polizei bereits mehrfach wegen
Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten ausrücken musste, wobei es zu
Gewaltschutzmassnahmen, nicht aber zu strafrechtlichen Verurteilungen kam
(Urk. 17/1-3; Beizugsakten B-3/2009/6217 der Staatsanwaltschaft Winterthur-
Unterland: Urk. 7; Prot. I S. 23 f.). Nach einer Auseinandersetzung im Jahre 2009,
bei welcher die Polizei erscheinen musste, sei der Beschuldigte laut der Privat-
klägerin für drei Monate ausgezogen (Urk. 7/3 S. 11; Urk. 6/4 S. 6; Urk. 17/3). Seit
dem Vorfall im Juli 2014, als er im Streit mit der Privatklägerin einen Tisch vom
Balkon in den Garten hinuntergeworfen habe, hätten die Eheleute gemäss dem
Beschuldigten einmal monatlich ein Gespräch bei der KESB gehabt (Urk. 6/2
S. 6 f.). Die Nacht vor dem Vorfall hätten sie getrennt voneinander geschlafen
(Prot. I S. 12; s. zudem nachstehend unter E. III.3.4.1.3.). Aus diesen Erwägun-
gen folgt, dass die Beziehung zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin
zwar von erheblichen Schwierigkeiten beeinträchtigt worden war, die Eheleute
sich indes wiederholt zusammengerauft haben und im Zeitpunkt des Vorfalls vom
12. August 2015 mit behördlicher Unterstützung an ihrer Beziehung zu arbeiten
schienen.
3.4.1.3. Die Beziehung zwischen dem Beschuldigten und dem Mitbeschuldigten
C._, seinem Vater, welchen der Beschuldigte freiwillig regelmässig finanziell
unterstützt (s. Prot. I S. 23), erscheint gut zu sein. Aus den Akten wie auch den
gemachten Erwägungen geht klar hervor, dass dem Beschuldigte in den Tagen
vor dem Vorfall eine durchaus schwierige Vermittlungsrolle und Scharnierfunktion
zwischen seinem Vater und seiner Ehefrau zukam, deren Beziehung wiederum –
wie bereits erwähnt – von Animositäten und Feindseligkeiten geprägt war. Der
Beschuldigte legte mehrfach unmissverständlich dar, dass er der Meinung sei,
dass es der Privatklägerin in ihrem Verhalten gegenüber dem Mitbeschuldigten an
Respekt gemangelt habe (Urk. 6/1 S. 2; Prot. I S. 11 f. und Prot. II S. 17). Die
Nacht vor dem Vorfall hätten sie laut seiner Aussage getrennt voneinander ge-
schlafen, da es am Vortag Beleidigungen seitens der Privatklägerin gegenüber
- 17 -
dem Mitbeschuldigten gegeben habe (Prot. I S. 12). Demgegenüber lassen sich
aus den Akten keine Aussagen des Beschuldigten finden, in welchen er das Ver-
halten seines Vaters kritisiert. Gestützt auf diese Ausgangslage erscheint es na-
heliegend, dass sich der Beschuldigte in diesem Loyalitätskonflikt zwischen den
beiden ihm nahestehenden Personen im Zweifelsfalle auf die Seite des Mitbe-
schuldigten schlägt, welchem er sich – zumindest für die Tage dessen Besuchs in
der Schweiz – offensichtlich mehr verpflichtet fühlt als der Privatklägerin. Dies
scheint nicht zuletzt auch in einem Schamgefühl gegenüber seinem Vater für die
sehr eigenständig auftretende Privatklägerin, welche sich den hierarchischen Ge-
pflogenheiten im familiären Verhältnis im Gegensatz zum Beschuldigten nicht oh-
ne Weiteres unterordnet, zu gründen. So gab der Beschuldigte denn auch zu Pro-
tokoll, dass er seinem Vater vorgängig nicht mitgeteilt habe, dass seine Ehefrau
mit seinem Besuch nicht einverstanden sei, da er sich geschämt habe (Urk. 6/2
S. 2).
3.4.1.4. Wie seitens der Vorinstanz ausgeführt wurde, dürfte sich B._ als
Sohn des Beschuldigten und der Privatklägerin sowie als Enkel des Mitbeschul-
digten aufgrund dieser familiären Beziehungen zu den Parteien in einem Loyali-
tätskonflikt befinden, weshalb von der Vorinstanz erwogen wurde, dass seine
Aussagen trotz eigentlich uneingeschränkter Glaubwürdigkeit mit gewisser Vor-
sicht zu würdigen seien (Urk. 82 III.5.4.a), was nicht zu beanstanden ist.
3.4.1.5. Die erörterten Spannungen in den Beziehungen zwischen dem Be-
schuldigten, dem Mitbeschuldigten und der Privatklägerin geben in casu nicht un-
beträchtliche Aufschlüsse über ihr Aussageverhalten, was sich nicht zuletzt auch
daran zeigt, dass keine dieser drei Personen umfassend wahrheitsgemäss aus-
sagte. Darauf ist nachfolgend einzugehen.
3.4.2. Aussagen von B._ im Zentrum
3.4.2.1. Seitens der Vorinstanz wurde zutreffend festgehalten, dass B._
den ganzen Vorfall bildlich und nachvollziehbar zu schildern vermocht habe, wes-
halb seine Aussagen als glaubhaft eingestuft wurden und es als plausibel erachtet
worden ist, dass sich der Vorfall so abspielte, wie er ihn geschildert habe (Urk. 82
- 18 -
E. III. 5.4.b). Auch seitens der Verteidigung wird vorgebracht, dass die Aussagen
von B._ besonders zu berücksichtigen seien (Urk. 60 S. 9; Urk. 92 S. 6).
Ferner ging auch der Beschuldigte selbst davon aus, dass sein Sohn immer bei
ihm gewesen sei und alles mitbekommen habe (Urk. 6/1 S. 5). Seitens der Vo-
rinstanz wurde deshalb richtigerweise auf seine Schilderung abgestellt.
3.4.2.2. Wie von der Vorinstanz korrekt wiedergegeben wurde (Urk. 82
E. III.5.4.b), ist B._ lediglich einmal staatsanwaltlich – am 20. Oktober 2015 –
einvernommen worden (Urk. 9/2). Hinsichtlich der Glaubhaftigkeit seiner Einver-
nahmen wurde seitens der Vorinstanz zutreffend darauf hingewiesen, dass er zu-
vor direkt nach dem Vorfall mündlich polizeilich befragt wurde (Urk. 82 E.
III.5.4.b). Der Polizeirapport vom 13. August 2015 (Urk. 1 S. 4 f.) stellt grundsätz-
lich ein zulässiges und taugliches Beweismittel dar (vgl. BGer 6B_1057/2013 E.
23 und BGer 6B_721/2011 E. 9.2.1.). Auch wenn vorliegend dem Beschuldigten
das rechtliche Gehör nicht gewährt wurde, so ist der Rapport auf jeden Fall zu-
gunsten des Beschuldigten verwertbar. Da die anlässlich der staatsanwaltlichen
Einvernahme gemachten Aussagen mit denjenigen des Polizeirapports im We-
sentlichen übereinstimmen, wirken sie sich aber in casu nicht entlastend aus. Zu-
treffend wurde von der Vorinstanz ebenfalls erwogen (Urk. 82 E. III.5.4.b), dass
auch deshalb kein Anlass bestehe, an der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen zu
zweifeln, weil es – entgegen der Auffassung des Beschuldigten und C._s –
keine Hinweise dafür gebe, dass B._s Aussagen in irgendeiner Form beein-
flusst worden seien. Richtig verweist die Vorinstanz darauf, dass B._ mit sei-
nen Aussagen nicht nur seinen Vater und seinen Grossvater belastet, sondern
teilweise auch deutlich von der Sachverhaltsdarstellung seiner Mutter, der Privat-
klägerin, abweicht. Von einer Wiederholung der seitens der Vorinstanz ausführlich
wiedergegeben, auch auf jeweilige Konfrontation mit den anderslautenden Ant-
worten der Privatklägerin erfolgten Ausführungen von B._ kann deshalb an
dieser Stelle abgesehen und vollumfänglich auf diese verwiesen werden (Urk. 82
E. III.5.4.b) S. 51). Die von der Vorinstanz daraus gezogene Schlussfolgerung,
dass sein Aussageverhalten neutral wirkt und weder einseitig belastend noch
durch die Privatklägerin instruiert erscheint, ist deshalb richtig (Urk. 82 E. III.5.4.b)
S. 51).
- 19 -
Daran vermögen auch die seitens der Verteidigung vorgebrachten Rügen hin-
sichtlich unzulässiger Suggestionen (Urk. 60 S. 10; Prot. I S. 26; s. auch vorste-
hend unter E. II.2.1.-2.3.) nichts zu ändern. So ist in Bezug auf die vorliegend von
der Verteidigung als suggestiv monierte Frage 30 seiner staatsanwaltlichen Ein-
vernahme zu bemerken, dass das Hinunterfallen der Privatklägerin vom Balkon
bereits früher in derselben Einvernahme von der Auskunftsperson B._ im
Kontext damit, wovor er Angst gehabt habe, selbst aufgebracht wurde (Antworten
auf Fragen 13 und 14). In Frage 29 wurde B._ gefragt, ob er wisse, ob seine
Mutter Angst gehabt habe, dass ihr etwas passieren werde, was von B._ mit
der Begründung bejaht wurde, weil sie geweint habe. Die logische nächste Frage
wäre diejenige gewesen, wovor die Mutter aus seiner Sicht Angst gehabt habe.
An deren Stelle wurde in der Frage 30 die Angst der Privatklägerin mit dem vom
Balkon Geworfenwerden verknüpft. Da diese Möglichkeit aber – wie zuvor er-
wähnt – bereits von B._ thematisiert worden ist, ist eine unzulässige Beein-
flussung zu verneinen. So oder anders fällt die Antwort von B._ auf Frage 30
("Weil sie traurig ist, wenn zum Beispiel ihr Mann vom Balkon runter fallen sollte.
Sie hat Gefühle...") dermassen interpretationsbedürftig aus, dass ihr kein Be-
weiswert zukommt und sie weder geeignet ist, den Beschuldigen zu belasten
noch diesen zu entlasten. Auch die nachfolgende Frage 31 ("Hat jemals die Ge-
fahr bestanden, dass Deine Mutter vom Balkon fallen könnte?") ist gestützt auf
die vorherige Thematisierung dieser Möglichkeit, nicht auf unzulässige Art und
Weise gestellt worden.
Ebenso wenig ist die seitens der Verteidigung ferner monierte Frage 38 unzuläs-
sig, mittels welcher gefragt wurde, ob er gesehen habe, ob der Beschuldigte und
der Mitbeschuldigte die Privatklägerin hin und her geschaukelt hätten. Die Rüge
des Verteidigers, dass diese Frage obsolet gewesen sei, nachdem B._ be-
reits zuvor bestätigt gehabt habe, dass die Privatklägerin nie in die Luft gehoben
worden sei (Antwort auf Frage 26), geht fehl. Die Wiederholung von auch anders
formulierten Fragen zielt vielmehr dahin, die Konstanz des Aussageverhaltens zu
überprüfen. So oder anders sagte B._ gleichlautend aus, weshalb dies die
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen stützt.
- 20 -
Ferner rügt der Verteidiger Frage 42, mittels welcher B._ an seine bei der
Polizei gemachte – anderslautende – Aussage erinnert wurde. Es erscheint je-
denfalls nicht unzulässig, die einvernommene Person mit früheren Aussagen zu
konfrontieren, zumal B._ zu Beginn der staatsanwaltlichen Befragung die
Wahrheit seiner vor Polizei gemachten Aussagen bestätigte (Antwort auf Frage
8). Die Frage erweist sich deshalb als zulässig. Aus der Würdigung der Antwort
von B._ ergeben sich allerdings Widersprüche in Bezug auf den letzten
Standort der Privatklägerin, bevor diese die Wohnung verliess. Diese Unklarheit
ist so oder anders nicht zu Ungunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen (s.
nachstehend E. III.3.4.2.7.).
Im Nachfolgenden ist auf einige wesentliche Geschehnisse am Abend des
12. August 2015 bzw. die diesbezüglichen Schilderungen von B._ nochmals
näher einzugehen.
3.4.2.3. Die Vorgeschichte und Ausgangslage für das den beiden Beschuldig-
ten hernach folgende zur Last gelegte strafbare Verhalten schildert B._ de-
ckungsgleich mit seinem Vater (so auch die Vorinstanz: Urk. 82 E. III.5.4.b)
S. 52), wonach seine Mutter, nachdem sie zusammen ins Wohnzimmer gekom-
men seien, auf den Balkon gegangen sei, und durch Beleidigungen einen verba-
len Streit mit seinem Grossvater begonnen habe: Im Einzelnen habe sein Vater
erwähnt, dass sie am folgenden Tag einen Termin hätten, woraufhin seine Mutter
okay gesagt und ergänzt habe, dass er, der Grossvater, zum Glück nicht mit-
komme. Sie habe weiter ausgeführt, dass dieser für sie wie nicht am Leben sei,
woraufhin C._ erwidert habe, sie sei nichts. Seine Mutter habe sich dann
gewehrt und sein Vater habe versucht einen (weiteren) Streit zwischen den bei-
den zu verhindern und sei dazwischen gegangen (Urk. 9/2 S. 3 u. 5). Wie von der
Vorinstanz zutreffend erwogen wurde (Urk. 82 E. III.5.4.b) S. 52), wurde von
B._ lebensnah und nachvollziehbar beschrieben, wie aus einem Gespräch
und einer Bemerkung von seiner Mutter ein Streit zwischen ihr und seinem
Grossvater entstand. Daran vermag auch der Umstand, dass die Privatklägerin
bestritt, ihren Schwiegervater beleidigt zu haben, nichts zu ändern, weil ein Motiv
für eine Falschbelastung durch ihren Sohn nicht ersichtlich ist und ein entspre-
- 21 -
chender Irrtum über das Vorgefallene gestützt auf seine detaillierten Ausführun-
gen ausgeschlossen werden kann.
3.4.2.4. Auch die darauf folgende Beschreibung des Verhaltens seines Vaters
und seines Grossvaters durch B._, welcher während des Vorfalls auf der
Wohnzimmercouch gesessen sei (Urk. 9/2 S. 5 f.) – erscheint lebensnah. So sei
sein Vater dazwischen gegangen, um den Streit zu verhindern, woraufhin es dann
"losgegangen sei". Sein Vater und sein Grossvater hätten seine Mutter gepackt.
Seine Mutter habe dann "Lasst mich los" geschrien (Urk. 9/2 S. 3). Auf spätere
Nachfrage schilderte B._, dass sein Grossvater seine Mutter zuerst "irgend-
wie so am Bauch" und sein Vater sie an den Füssen gepackt habe (Urk. 9/2 S. 4
und 8). Er habe seinen Vater gefragt: "Machsch du das würklich jetzt?", woraufhin
dieser ihn böse angeschaut habe (Urk. 9/2 S. 4). Sie hätten seine Mutter nicht
mehr losgelassen und seien mit ihr zur Balkontür gegangen, welche offen gestan-
den sei. Dort habe er angefangen, seinen Vater zu beissen (Urk. 9/2 S. 5). Der
Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass diese Schilderungen eindrücklich und
bildlich vorstellbar erscheinen und sowohl seine bereits im Polizeirapport festge-
haltenen Aussagen (Urk. 1 S. 5) wie auch grundsätzlich diejenigen der Privatklä-
gerin bestätigen (Urk. 82 E. III 5.4.b) S. 52 f.). Es besteht demnach kein Anlass,
an der Richtigkeit seiner Ausführungen zu zweifeln.
3.4.2.5. Eindrücklich schilderte B._ überdies seine Emotionen während
des Vorfalls: Er sei erschrocken, als er das am Anfang gesehen habe. Er habe
gedacht, dass sie böse werden wollen zu seiner Mutter (Urk. 9/2 S. 5). Er habe
Angst gehabt, Angst davor, dass seine Mutter in den Garten hinunterfalle
(Urk. 9/2 S. 4). Er sei deshalb auf seinen Vater losgegangen und habe ihn in den
Rücken gebissen. Dieser habe sich an die Bissstelle gefasst und seine Mutter
losgelassen (Urk. 9/2 S. 6). Sein Grossvater habe seine Mutter zu fangen ver-
sucht und sie dabei am Nacken gepackt bzw. mit den Händen am Hals gekratzt
(Urk. 9/2 S. 4 u. 7). Seine Mutter habe sich losreissen können, worauf sie zu-
sammen weg, nach draussen gegangen seien (Urk. 9/2 S. 3 f.). Auch die wieder-
gegebenen Schilderungen seiner Emotionen wirken sehr überzeugend und lassen
klar auf selbst Erlebtes schliessen.
- 22 -
3.4.2.6. B._ verneinte hingegen, dass seine Mutter vom Beschuldigten und
Mitbeschuldigten in die Luft gehoben und dabei hin und her geschaukelt worden
sei (Urk. 9/2 S. 5 f.; und auch bereits bei der Polizei: Urk. 1 S. 5), wie es seitens
der Privatklägerin vorgebracht wird (s. nachstehend E. III.3.4.5.2.). Diesbezüglich
ist vorab zu beachten, dass dem Beschuldigten in der Anklage lediglich zur Last
gelegt wird, die Privatklägerin zusammen mit dem Mitbeschuldigten "in der Luft
tragend" "zur Balkontüre und von dort auf den Balkon" geschleppt zu haben, nicht
aber, diese hin- und hergeschaukelt zu haben (Urk. 22 S. 2). Allerdings bestätigte
B._, dass sein Vater seine Mutter an den Füssen gepackt habe (Urk. 9/2 S.
4), was mit seinen bei der Polizei gemachten Aussagen insofern übereinstimmt,
als dort protokolliert wurde, dass sein Vater versucht habe, seine Mutter an den
Füssen zu packen (Urk. 1 S. 5). Ausserdem führte B._ auf die Frage, was
der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte mit der Privatklägerin gemacht hätten,
als sie sie gepackt gehabt hätten, dass sie diese dann nicht mehr losgelassen
hätten und mit ihr zur Balkontüre gegangen seien, wo er angefangen habe, sei-
nen Vater zu beissen (Urk. 9/2 S. 5). Aus seinen Aussagen geht demzufolge deut-
lich hervor, dass der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte die Privatklägerin ge-
gen deren Willen zur Balkontüre verbrachten. Insofern ist der Anklagesachverhalt
erstellt. Ob die Privatklägerin sich dabei zumindest teilweise in der Luft befand,
was angesichts des Packens am Oberkörper durch den Mitbeschuldigten und an
den Füssen durch den Beschuldigten logisch wäre, kann demgegenüber offen
bleiben.
3.4.2.7. Nicht erstellt ist gestützt auf die Aussagen von B._, dass die Pri-
vatklägerin auf den Balkon verbracht wurde, sagte er doch aus, dass sie zur offe-
nen Balkontüre gegangen seien, wobei weder sein Vater noch sein Grossvater
jemals auf dem Balkon gestanden seien (Urk. 9/2 S. 5 f.). Entgegen der Auffas-
sung der Vorinstanz (Urk. 82 E. III.5.4.b) S. 51) machte B._ in Bezug auf den
Standort der Mutter konträre Aussagen: Nachdem er ausgesagt hatte, dass es in
der Wohnung drin gewesen sei, wo sie sich losgerissen habe, bestätigte er da-
raufhin seine bei der Polizei gemachte Aussage als richtig, wonach die Privatklä-
gerin mit dem rechten Fuss auf dem Balkon und mit dem linken Fuss noch im
Wohnzimmer gewesen sei (Urk. 9/2 S. 7 u. 9; Urk. 1 S. 5). Die Dynamik des vor-
- 23 -
liegenden Geschehens ist allerdings nicht zu unterschätzen, zumal sich die Pri-
vatklägerin laut den Aussagen von B._ auch noch an der Balkontüre festge-
halten habe (Urk. 9/2 S. 9), was durchaus plausibel erscheinen lässt, dass sich
die Privatklägerin zumindest mit einem Teil ihres Körpers noch im Wohnzimmer
befunden hat. Auch wenn die Aussagen von B._ zum Standort seiner Mutter
nicht einheitlich waren, lässt sich der vermeintliche Widerspruch auflösen. Erstellt
ist jedenfalls, dass die Privatklägerin zur Balkontüre, nicht aber auf den Balkon,
geschleppt worden ist.
3.4.2.8. Seitens der Verteidigung vorgebrachte Zweifel (Prot. I S. 26) an der
Aussage von B._, dass der Beschuldigte dem Mitbeschuldigten gesagt habe,
dass sie nun beide zusammen auf die Privatklägerin losgehen würden (Urk. 9/2 S.
8), wirken überdies wenig überzeugend, da das erstellte darauf folgende Handeln
des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten genau eine solche Vorgehensweise
aufzeigt, was die Aussage plausibel erscheinen lässt. Ein blosses auf Schlichtung
des Streits zwischen dem Mitbeschuldigten und der Privatklägerin mit anschlies-
sender räumlicher Trennung der Streitenden bedachtes Handeln des Beschuldig-
ten, wie es die Verteidigung geltend machte (Urk. 60 S. 9 ff.), erscheint auch des-
halb ausgeschlossen.
3.4.2.9. Ferner ist mit der Vorinstanz (Urk. 82 E. III.5.6.a) davon auszugehen,
dass in casu nicht erstellt ist, dass der Mitbeschuldigte der Privatklägerin mit den
Worten drohte "du hast keinen Respekt, jetzt ist fertig, jetzt werfen wir dich über
den Balkon und bringen dich um", weil B._ solche Aussagen seines Gross-
vaters nicht bestätigte (Urk. 9/2 S. 4 f. u. 8).
3.4.2.10. Die Verursachung des angeklagten Verletzungsbilds der Privatklägerin
ist unter Berücksichtigung der geschilderten Vorgehensweise des Beschuldigten
und des Mitbeschuldigten sowie der mehrfach vorgebrachten Aussage von
B._, wonach sein Grossvater die Privatklägerin am Hals gekratzt habe (Urk.
9/2 S. 4 f.), ebenfalls als erstellt anzusehen. Die seitens der Verteidigung vorge-
brachte Darstellung, wonach die Verletzungen der Privatklägerin allein durch den
Beschuldigten beim Wegziehen derselben beigebracht worden seien (Urk. 60
S. 11) oder dass diese einen anderen Ursprung haben könnten (Urk. 92 S. 8), er-
- 24 -
scheint angesichts des klaren Aussageverhaltens von B._ unrealistisch und
geht deshalb fehl.
3.4.2.11. Schliesslich ist es aufgrund der Umstände und insbesondere der ag-
gressiven Vorgehensweise des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten als plau-
sibel zu erachten, dass B._ gestützt auf sein eigenes Erleben der Situation –
und nicht aufgrund entsprechender Darstellungen der Privatklägerin – davon aus-
ging, dass sein Vater und sein Grossvater seine Mutter vom Balkon hinunterwer-
fen würden. Obschon er anlässlich seiner staatsanwaltlichen Einvernahme auch
darauf verwies, dass seine Mutter gedacht habe, sie werde "runter geschupft vom
Balkon" (Urk. 9/2 S. 6), führte er nämlich davor aus, er habe Angst gehabt, dass
sie in den Garten hinunter falle (Urk. 9/2 S. 4). Für ein eigenes Erleben dieser
Angst spricht auch sein eindrückliches und aussergewöhnliches Einschreiten in
die Auseinandersetzung mittels Beissens seines Vaters, welches für den Bestand
einer hohen Gefährdungslage betreffend die Privatklägerin spricht, welche er da-
mit zu beseitigen suchte. Ferner ist erstellt, dass der Beschuldigte und der Mitbe-
schuldigte die Privatklägerin gegen ihren Willen zur offenen Balkontüre verbrach-
ten, an welcher sich die Privatklägerin festhielt, was nahe legt, dass sie dadurch
der Bewegungsrichtung etwas entgegensetzen wollte. Dieser Ablauf spricht klar
dafür, dass die Privatklägerin auf den Balkon gebracht werden sollte, was wiede-
rum ein Hinunterwerfen der Privatklägerin bzw. ein entsprechendes Angsteinja-
gen bei der Privatklägerin im Sinne einer Lektionserteilung beim vorliegenden
Kräfteungleichgewicht und der Dynamik des Geschehens als plausibel erscheinen
lässt. Es ist naheliegend, dass das von B._ geschilderte Rufen der Privatklä-
gerin ("Lass mich los": Urk. 9/2 S. 3 u. 5) zu seiner aussergewöhnlichen Reaktion
zum Schutze der Privatklägerin beigetragen hat, wobei es indes – entgegen der
Ansicht der Verteidigung (Urk. 60 S. 11) – vor dem Hintergrund des übrigen Ge-
schehens eine blosse Mitursache für seine Reaktionsweise darstellte. Ob der
frühere Vorfall, anlässlich welchem der Beschuldigte während eines Streits mit
der Privatklägerin wütend einen Tisch vom Balkon geworfen hat (s. Urk. 6/2 S. 6
f.), bei den Angstgefühlen von B._ eine Rolle spielte, ist nicht auszuschlies-
sen, aber gleichzeitig auch nicht von Relevanz.
- 25 -
3.4.2.12. Gestützt auf die glaubhaften Aussagen von B._ ist – im Wesentli-
chen einhergehend mit der Vorinstanz (Urk. 82 E. III.5.6.a) – erstellt, dass die Pri-
vatklägerin von der Arbeit nach Hause kam und, nachdem sie zusammen mit ihm
ins Wohnzimmer gekommen sei, auf den Balkon ging. Von dort aus entstand ein
zunächst verbaler Streit zwischen ihr und C._, in dessen Folge die Privatklä-
gerin auf C._ zugegangen ist, worauf sie von ihm zuerst am Oberkörper und
sogleich vom Beschuldigten an den Füssen gepackt wurde. Darauf haben die
beiden Beschuldigten die Privatklägerin nicht losgelassen und sie gewaltsam bis
zur offenen Balkontür verbracht. B._ hat aufgrund dieser Vorgehensweise
des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten dermassen Angst um seine Mutter
bekommen, dass er befürchtete, dass seine Mutter vom Balkon geworfen werde,
weshalb er sich veranlasst sah, seinen Vater in den Rücken zu beissen, worauf-
hin dieser die Privatklägerin losliess, sie sich von C._ losreissen und mit
B._ nach draussen flüchten konnte.
3.4.3. Aussagen des Beschuldigten
3.4.3.1. Seitens der Vorinstanz wurden die Aussagen des Beschuldigten ein-
gehend und zutreffend gewürdigt, weshalb grundsätzlich vollumfänglich auf die
von ihr diesbezüglich gemachten Erwägungen verwiesen werden kann (Urk. 82
E. III.5.1.).
3.4.3.2. Erwähnenswert erscheinen indes die nachfolgenden Umstände: Auffäl-
lig ist – wie von der Vorinstanz korrekt erwogen (Urk. 82 E. III.5.1.b) S. 39) – dass
der Detaillierungsgrad beim Beschuldigten stark schwankte: Während der Beginn
der Auseinandersetzung zwischen dem Mitbeschuldigten und der Privatklägerin
ausführlich und genau geschildert wird, erfolgten zum eigentlichen Kerngesche-
hen, welches ihm vorliegend als strafbares Verhalten zum Vorwurf gemacht wird,
nur vage Angaben: So wurde von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt, dass sei-
ne Angaben hinsichtlich des "Losgehens" seiner Frau auf seinen Vater unter-
schiedlich sind (Urk. 82 E. III.5.1.b) S. 34 betr. Urk. 6/1 S. 3; Urk. 6/4 S. 2; Prot. I
S. 11) wie auch diejenigen hinsichtlich der Beschreibung, auf welche Weise er die
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Privatklägerin gepackt habe (Urk. 82 E. III.5.1.b) S. 34 f: betr. Urk. 6/1 S. 3 f.; Urk.
6/2 S. 5; Urk. 6/3 S. 2; Urk. 6/4 S. 3; Prot. I S. 11). Der Verteidiger bezeichnete al-
lerdings eine anlässlich der Schlusseinvernahme des Beschuldigten gestellte
Frage als aktenwidrig und unzulässig, weil der Beschuldigte – entgegen dem ihm
gemachten Vorhalt (Urk. 6/4 Frage 16) – im Rahmen der staatsanwaltlichen Ein-
vernahme vom 20. Oktober 2015 nicht zu Protokoll gab, die Privatklägerin ledig-
lich und ausschliesslich an den Füssen gepackt zu haben (Prot. I. S. 26 f.). Dem
Einwand der Verteidigung ist zu folgen, da aus der bezeichneten früheren Einver-
nahme keine entsprechende Aussage des Beschuldigten hervorgeht. Die seitens
des Beschuldigten gegebene Antwort vermag sich indes so oder anders nicht zu
seinen Ungunsten auszuwirken, da er ein blosses Packen der Privatklägerin an
deren Oberkörper zu Protokoll gab, was eine Beeinflussung seitens der Staats-
anwaltschaft ausschliesst. Zu Gunsten des Beschuldigten ist bezüglich seiner vor
Polizei gemachten Aussage, gemäss welcher er erwähnte, die Privatklägerin auf
den Balkon gezogen zu haben, um zu verhindern, dass sie seinen Vater schlage
(Urk. 6/1 Frage 12), von einem Protokollfehler auszugehen, da er in derselben
Befragung mehrfach zu Protokoll gab, nie auf dem Balkon gewesen zu sein (Urk.
6/1 Fragen 24, 32 u. 34).
3.4.3.3. Mit der Vorinstanz (Urk. 82 E. III.5.1.b) S. 36) ist zudem festzustellen,
dass die Angaben des Beschuldigten hinsichtlich des Zeitpunkts, in welchem er
die Privatklägerin losgelassen habe, unpräzise erscheinen (Urk. 6/1 S. 3; Urk. 6/2
S. 5; Prot. I S. 15). Klar widersprüchlich sagte der Beschuldigte – wie es die Vor-
instanz richtig anführte (Urk. 82 E. III.5.1.b) S. 36) – in Bezug auf die Frage, ob
die Balkontüre im massgebenden Zeitpunkt offen oder geschlossen war, aus:
Während er zu Beginn ausführte, die Balkontür sei geschlossen gewesen, da er
sie aufgrund des lauter werdenden Streits geschlossen habe, damit die Nachbarn
den Streit nicht hörten (Urk. 6/1 S. 5, Urk. 6/2 S. 5), gab er anlässlich der vor-
instanzlichen Hauptverhandlung zu Protokoll, seine Frau nütze es aus, dass die
Balkontür offen gewesen sei (Prot. I S. 18), was in Bezug auf die offene Türe
auch von B._ bestätigt wird (Urk. 9/2 S. 5). Der Vorinstanz ist darin beizu-
pflichten (Urk. 82 E. III.5.1.b) S. 36), dass sich dieser Widerspruch in den Ausfüh-
rungen des Beschuldigten nicht begründen lasse, weshalb aufgrund des Gesag-
- 27 -
ten davon auszugehen sei, dass es sich bei den Aussagen des Beschuldigten zu
Beginn der Untersuchung um eine reine Schutzbehauptung handle.
3.4.3.4. Ferner wurde seitens der Vorinstanz richtig erwogen, dass die Aussa-
gen des Beschuldigten keinen endgültigen Schluss bezüglich des Tatbeitrags von
C._ zulassen. Sie legte unter Bezugnahme auf seine Aussagen zutreffend
und ausführlich dar, dass seine entsprechenden Aussagen stark relativierend, zu-
rückhaltend und teilweise auch uneinheitlich erfolgten (Urk. 82 E. III.5.1.b)
S. 36 ff.). Hierfür bezeichnend erscheint seine Aussage anlässlich der staatsan-
waltlichen Einvernahme vom 20. Oktober 2015, wonach er die Privatklägerin mit
den Armen an den Hüften gepackt habe, selber aber nicht gesehen habe, ob sein
Vater die Privatklägerin irgendwo gepackt habe, woraufhin er die Privatklägerin
dann mit Gewalt in Richtung der Balkontüre geschleppt habe (Urk. 6/3 S. 2),
nachdem er in den ersten beiden Einvernahmen noch die klaren Aussagen getrof-
fen hatte, dass sein Vater seine Frau nicht gepackt, nicht einmal angefasst oder
gar berührt habe (Urk. 6/1 S. 3 f., Urk. 6/2 S. 5 f.). Ausserdem erscheint die Un-
kenntnis über eine allfällige tätliche Beteiligung des Mitbeschuldigten als vorge-
schoben und unglaubhaft. Es ist demnach offensichtlich, dass der Beschuldigte
den Mitbeschuldigten nicht belasten will, was in ihrer verwandtschaftlichen Bezie-
hung begründet liegt. Ausserdem muss – wie bereits ausführlich dargelegt wurde
(s. E. 3.4.1.3. vorstehend) – davon ausgegangen werden, dass sich der Beschul-
digte – zumindest für die Tage des Besuchs von C._ in der Schweiz – sei-
nem Vater gegenüber mehr verpflichtet fühlte als seiner Ehefrau, weshalb die Zu-
rückhaltung in den entsprechenden Aussagen naheliegend erscheint. Deshalb ist
die von der Vorinstanz aus der Würdigung der Aussagen des Beschuldigten zum
Verhalten seines Vaters gewonnene Schlussfolgerung, dass die Tendenz zu er-
kennen sei, dass er seinen Vater in Schutz nehmen und aus dem Konflikt heraus-
halten wolle, indem er nur zurückhaltende Äusserungen mache und den Tatbei-
trag seines Vaters immer wieder als gering darstelle bzw. seinen Vater sogar als
Streitschlichter bezeichne, richtig (Urk. 82 E. III.5.1.b) S. 37).
3.4.3.5. Schliesslich wurde seitens der Vorinstanz auch zutreffend festgestellt,
dass der Beschuldigte keine nachvollziehbare Begründung für die festgestellten
- 28 -
Verletzungen seines Vaters liefert (Urk. 82 E. III.5.1.b) S. 38). Als reine Schutzbe-
hauptung wirkt seine Darlegung, dass es vielleicht möglich sei, dass seine Frau
und sein Vater am Vormittag eine Auseinandersetzung gehabt hätten (Urk. 6/4
S. 4). Dazu weist die Vorinstanz zutreffend darauf hin, dass nie jemand ausge-
führt habe, dass es am Vormittag des 12. August 2015 zu einer tätlichen Ausei-
nandersetzung gekommen sei (Urk. 82 E. III.5.1.b) S. 38).
3.4.3.6. Unter Berücksichtigung dieser Erwägungen geben die Aussagen des
Beschuldigten keinen Anlass, die seitens seines Sohnes zum relevanten Kernge-
schehen gemachten Ausführungen ernsthaft in Zweifel zu ziehen.
3.4.4. Aussagen von C._
3.4.4.1. Auch in Bezug auf die von C._ gemachten Aussagen ist die – ein-
gehende – Würdigung durch die Vorinstanz in keiner Weise zu beanstanden,
weshalb grundsätzlich vollumfänglich darauf verwiesen werden kann (Urk. 82 E.
III.5.2.b). Beizupflichten ist der Vorinstanz im Ergebnis darin, dass seine Aussa-
gen von Widersprüchen, Strukturbrüchen, Ungereimtheiten, Inkonstanz und teil-
weise ausweichendem Verhalten geprägt sind, was gegen deren Glaubhaftigkeit
spricht (Urk. 82 E. III.5.2.b) S. 44 f.). Im Nachfolgenden ist das Aussageverhalten
von C._ nochmals zu erörtern.
3.4.4.2. Zum Ausgangspunkt der Auseinandersetzung – das Beschimpfen
durch die Privatklägerin – äusserte sich der Mitbeschuldigte C._ insbesonde-
re in Bezug auf die seitens der Privatklägerin initiierte verbale Auseinanderset-
zung ähnlich wie der Beschuldigte und B._. Allerdings erwähnte er konstant,
dass er von der Privatklägerin überdies bespuckt worden sei (Urk. 8/1 S. 4 f.;
Urk. 8/2 S. 3; Urk. 8/3 S. 3; Prot. GG150090 S. 12), was allerdings von nieman-
dem sonst bestätigt wurde. Wesentlich erscheint in diesem Zusammenhang, dass
gestützt auf die Aussagen von C._ davon auszugehen ist, dass es die Pri-
vatklägerin war, welche den Streit vom Zaun gebrochen und den Mitbeschuldigten
C._ provoziert hat, was seinen Niederschlag auch im übrigen Beweisergeb-
nis findet. Mit der Vorinstanz als wenig überzeugend ist aber die Begründung von
C._ einzustufen, weshalb er erst in der Schlusseinvernahme vom
- 29 -
10. November 2015 vorbrachte, dass die Privatklägerin ihm fünf bis sechs sehr
feste Boxschläge bzw. sechs bis zehn Boxschläge zugefügt habe: So habe er
dies verschwiegen, weil es ihm als Mann nicht wohl sei zu sagen, dass er von ei-
ner Frau geschlagen worden sei (Urk. 8/4 S. 2 ff.). Seine weitere Behauptung,
dass der Beschuldigte diese Boxschläge nicht gesehen haben soll (Urk. 8/4 S. 4),
teilweise mit der Begründung, weil er zu diesem Zeitpunkt hinter ihm gestanden
sein soll (Prot. GG150090 S. 11 und Prot. II S. 25), erscheint bereits unter Einbe-
zug der behaupteten Vielzahl an Boxschlägen wie auch deren Heftigkeit abwegig,
war doch die Situation derart, dass die Privatklägerin durch ihr Hereinstürmen in
das Wohnzimmer die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben musste. Ausser-
dem behauptete er andernorts wiederum, dass der Beschuldigte eingegriffen ha-
be, weil er nicht gewollt habe, dass seine Frau seinen Vater schlage (Prot.
GG150090 S. 16), was vor dem Hintergrund, dass der Beschuldigte die Schläge
nicht gesehen habe, wenig Sinn ergibt. Den Umstand, dass auch B._ die
Schläge nicht gesehen habe, erklärt C._ ferner ausschliesslich damit, dass
dieser kleiner sei als seine Mutter und auch als der Beschuldigte, weshalb er nicht
habe sehen können, was seine Mutter ihm angetan habe (Urk. 8/4 S. 7), was un-
ter Berücksichtigung der übrigen Erwägungen ebenso wenig überzeugend er-
scheint. Ferner soll C._ der Privatklägerin nämlich noch gesagt haben "Ich
erdulde sogar deine Schläge, aber sei ruhig, nicht dass alle dies mitbekommen.
Schämst du dich nicht, dich so zu verhalten" (Urk.8/4 S. 4), was die Glaubhaf-
tigkeit seiner Aussagen nochmals herabsetzt, weil diese Äusserungen von nie-
mandem bestätigt werden und es sich dabei offensichtlich um einen – sehr plum-
pen – Versuch handelt, eine Erklärung zu liefern, weshalb niemand die (vermeint-
lichen) Schläge der Privatklägerin mitbekommen haben soll.
3.4.4.3. In Bezug auf das Eingreifen des Beschuldigten hielt die Vorinstanz zu-
treffend fest (Urk. 82 E. III.5.2.b) S. 41 f.), dass Ungereimtheiten bezüglich der
Position des Beschuldigten sowie hinsichtlich des Zeitpunkts seines Eingreifens
bestehen würden: Während C._ anlässlich der vorinstanzlichen Hauptver-
handlung zunächst angegeben habe, dass der Beschuldigte im Zeitpunkt der
Schläge hinter ihm gestanden sei, hat er später ausgeführt, dass der Beschuldigte
die Privatklägerin von hinten gepackt habe, und zwar noch bevor sie ihn,
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C._, geschlagen habe (GG150090 Prot. S. 11). Die seitens der Vorinstanz
daraus gezogene Schlussfolgerung, dass es in diesem Fall schlicht unmöglich
sei, dass der Beschuldigte zugleich hinter C._ gestanden sei (Urk. 82 E.
III.5.2.b) S. 42), ist richtig.
3.4.4.4. Weitere Inkohärenzen ergeben sich auch aus seinen Aussagen zu den
weiteren Handlungen des Beschuldigten. Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen,
dass uneinheitlich und unbestimmt bleibt, wann und vor allem wie der Beschuldig-
te die Privatklägerin gepackt haben soll (Urk. 82 E. III.5.2.b) S. 42). So sagte
C._ zunächst aus, dass der Beschuldigte sich zwischen ihn und die Privat-
klägerin gestellt habe bzw. diese von der Seite her kommend seitlich bzw. von
hinten gepackt habe, nachdem sie auf ihn, C._, losgekommen sei und sich
ca. einen halben Meter vor ihm befunden habe. Der Beschuldigte habe sie über
ihren Oberarmen umklammert und sie dann nach hinten gezogen (Urk. 8/1
S. 4 f.). Hernach gab er wiederum an, der Beschuldigte habe sie seitlich mit den
Armen umfasst (Urk. 8/2 S. 3), demgegenüber er sich anlässlich der Schlussein-
vernahme dahingehend äusserte, dass der Beschuldigte versucht habe, die Pri-
vatklägerin an der Taille, den Schultern und am Nacken zu halten (Urk. 8/4 S. 4).
Zusammen mit den zuvor in Bezug auf die Position und den Zeitpunkt des Ein-
greifens des Beschuldigten wiedergegebenen widersprüchlichen Aussagen von
C._ im Rahmen der vorinstanzlichen Hauptverhandlung (s. vorstehend unter
E. III.3.4.4.3.) folgt, dass sich aus der Darstellung von C._ kein kohärentes
Bild des Geschehens ergibt.
3.4.4.5. Bezüglich seiner eigenen Handlungen und seiner damaligen Emotions-
lage äusserte sich C._ ebenfalls nicht kohärent. So wurde seitens der Vo-
rinstanz zutreffend darauf hingewiesen (Urk. 82 E. III.5.2.b) S. 43), dass Relativie-
rungen und Verharmlosungen erkennbar seien, weil er zunächst aussagte, per-
plex und sprachlos (Urk. 8/1 S. 5) gewesen und zurückgewichen zu sein (Urk. 8/1
S. 7), wohingegen er später geltend machte, etwas auf die Privatklägerin zuge-
gangen zu sein, aber bei den Schlägen auf seine Brust ganz ruhig und still dort
gestanden (Urk. 8/4 S. 2 ff.) und auch sonst ruhig und besonnen (Prot. GG150090
S. 12) gewesen zu sein (Urk. 82 E. III.5.2.b) S. 43). Dass sich diese Selbstdarstel-
- 31 -
lung mit den Aussagen von B._, wonach sein Grossvater wütend gewesen
sei (Urk. 9/2 S. 8), nicht deckt, ist offensichtlich, und erscheint im Übrigen ange-
sichts des behaupteten vorangehenden Angriffs der Privatklägerin mit Beleidigun-
gen, Bespucken und mehreren Boxschlägen – wie die Vorinstanz zutreffend her-
vorhebt (Urk. 82 E. III.5.2.b) S. 43) – völlig unglaubhaft und lebensfremd, was er
an anderer Stelle, wo er angibt, angesichts der üblen Schimpfworte seitens der
Privatklägerin wütend geworden zu sein (Urk. 8/2 S. 3), sinngemäss auch einge-
steht. Für das Bestehen einer wütenden Befindlichkeit sprechen zudem teilweise
auch seine Ausführungen, was er im damaligen Zeitpunkt zur Privatklägerin ge-
sagt haben soll. Auf die entsprechenden zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
zur Unterschiedlichkeit dieser Aussagen, welche sich nicht rational begründen
lassen würden (Urk. 82 E. III.5.2.b) S. 43 f.), kann vollumfänglich verwiesen wer-
den und bedürfen keiner Ergänzungen.
3.4.4.6. Auffällig ist zudem, wie offensiv C._ der Privatklägerin im Rahmen
seiner Befragungen ein Motiv für eine Falschbelastung zuweist und ihr überdies
unterschiebt, B._ für ihre Zwecke instrumentalisiert zu haben (Urk. 8/1 S. 4).
So machte C._ mehrmals geltend, die Privatklägerin habe durch die Falsch-
belastung die Ausgangslage für den am nächsten Tag anstehenden gerichtlichen
Scheidungstermin bzw. für die bevorstehende Scheidung ändern wollen (Urk. 8/1
S. 6; Urk. 8/2 S. 5; Urk. 8/4 S. 2), was in den Akten keinen Niederschlag findet,
bzw. habe sie ihnen eine Falle stellen (Prot. GG150090 S. 10) und sich rächen
wollen (Urk. 8/4 S. 2). Es drängt sich auch deshalb die Vermutung auf, dass
C._ seine entsprechenden Aussagen nach dem Motto "Angriff ist die beste
Verteidigung" traf.
3.4.4.7. Schliesslich bringt C._ auch eine doch recht abenteuerliche und
unglaubhafte Erklärung für die bei der Privatklägerin festgestellten Verletzungen
vor: So könne es sein, dass sie sich die Verletzungen beim Passieren der Balkon-
türe zugezogen habe, welche nicht sehr breit, vielleicht ca. 70 cm breit sei, als sie
von der Küche auf den Balkon gegangen sei (Urk. 8/4 S. 5). Bezeichnend ist,
dass er diese Behauptungen später relativierte, indem er auf die Frage, ob der
Beschuldigte ihr die Verletzungen beigebracht habe, ausweichend ausführte,
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dass seine Versuche [die des Beschuldigten] in dieser Sache menschlicher Art
gewesen seien und er einen Exzess habe verhindern wollen (Prot. GG150090 S.
15 f.), was klarerweise eine Zufügung (zumindest eines Teils) der Verletzungen
durch den Beschuldigten nahe legt.
3.4.4.8. Gestützt auf dieses Aussageverhalten von C._ kann, wie die Vo-
rinstanz – unter Anwendung erheblicher Zurückhaltung – richtig folgert (Urk. 82
E. III.5.2.b) S. 45), zur Sachverhaltserstellung nicht auf seine Aussagen abgestellt
werden.
3.4.5. Aussagen der Privatklägerin
3.4.5.1. Auch in Bezug auf die seitens der Privatklägerin gemachten Aussagen
ist die sorgfältige Würdigung der Vorinstanz im Wesentlichen zutreffend und nicht
zu beanstanden, weshalb auf diese verwiesen werden kann (Urk. 82 E. III.5.3.b).
Zutreffend wurde von der Vorinstanz vorab auch erwähnt, dass ihre Aussagen
insbesondere unter Berücksichtigung der belasteten Beziehung zum Beschuldig-
ten und des schlechten Verhältnisses zum Mitbeschuldigten mit entsprechender
Vorsicht zu würdigen seien (Urk. 82 E. III.5.3.a). Auf die entsprechenden Animosi-
täten und Spannungen zwischen der Privatklägerin einerseits und dem Beschul-
digten wie dem Mitbeschuldigten andererseits wurde bereits ausführlich hinge-
wiesen (s. vorstehend unter E. III.3.4.1.1.-2.). Ungeachtet dessen steht indes die
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen im Zentrum.
3.4.5.2. Der Vorinstanz ist darin beizupflichten (Urk. 82 E. III.5.3.b) S. 45 f.),
dass die Privatklägerin den grundlegenden Ablauf des Vorfalls stets gleich schil-
dert: Sie sei nach Hause gekommen und ins Schlafzimmer gegangen, um sich
umzuziehen, wohin ihr B._ gefolgt sei. Daraufhin sei sie ins Wohnzimmer in
Richtung Balkon gegangen, um zu rauchen, sei jedoch in der Mitte des Raumes
von hinten durch ihren Schwiegervater an den Schultern/Oberarmen und am Hals
gepackt und nach hinten gezogen sowie von ihrem Mann an den Füssen gepackt
und angehoben worden. Beide hätten sie mit Gewalt auf den Balkon gezerrt, an
ihr gerissen und sie dort hin und her geschwungen. Ihre rechte Schulter sei am
Balkongeländer angelehnt gewesen bzw. habe über das Geländer hinausgeragt.
- 33 -
Sie habe Todesangst gehabt. Sie habe sich gewehrt und versucht, sich loszureis-
sen. Sie habe dann plötzlich wieder Bodenkontakt erhalten, nachdem ihr Mann
sie losgelassen habe und habe sich dadurch losreissen und durch die Küche
flüchten können und sei dann mit dem Sohn B._ ins Treppenhaus gelaufen
und habe die Polizei verständigt (Urk. 82 E. III.5.3.b) S. 45 f. betr. Urk. 7/1 S. 4 ff.,
Urk. 7/2 S. 5 f. und 10 ff., Urk. 57 S. 5 ff. und 22).
3.4.5.3. Allerdings bestehen bei gewissen Ausführungen der Privatklägerin
nicht unerhebliche Zweifel. In Bezug auf die angeblichen Drohungen und übrigen
Äusserungen, welche anlässlich des Vorfalls von Seiten von C._ ausgespro-
chen worden seien, kann auf die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 82 E. III.5.3.b) S. 46 ff.), wonach die anfänglich beschrie-
benen Drohungen und übrigen Aussagen ihres Schwiegervaters später erheblich
relativiert wurden. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass nicht erstellt ist,
dass von Seiten von C._ ausdrücklich Drohungen ausgesprochen wurden
(Urk. 82 E. III.5.3.b) S. 47 f.), ist jedenfalls nicht zu beanstanden und erweist sich
insbesondere auch vor dem Hintergrund des übrigen Beweisergebnisses – wobei
den glaubhaften Aussagen von B._, welcher keine Drohungen wahrgenom-
men hat (s. vorstehend unter E. III.3.4.2.9.), eine bedeutende Rolle zukommt – als
richtig. Unsicherheiten bestehen aufgrund der uneinheitlichen Aussagen sowie
der offensichtlichen Tendenz der Privatklägerin zu Übertreibungen auch in Bezug
auf die übrigen von Seiten von C._ angeblich gemachten Äusserungen. Vor
dem Hintergrund der angespannten Lage zwischen der Privatklägerin und ihrem
Schwiegervater am fraglichen Abend und den situativen Gegebenheiten ist von
einem verbalen Streit zwischen der Privatklägerin und C._ auszugehen, auch
wenn im Einzelnen nicht wortwörtlich erstellt werden kann, was gesprochen wur-
de.
3.4.5.4. Die Vorinstanz würdigte die Neigung der Privatklägerin zu Übertreibun-
gen – die Verteidigung verweist auf Dramatisierungen (Urk. 60 S. 5) – gestützt auf
eine sorgfältige Analyse ihrer Äusserungen zutreffend, weshalb vollumfänglich auf
die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden kann (Urk. 82 E. III.5.3.b)
insb. S. 48 f.). Ergänzend ist festzustellen, dass ihre Äusserungen bezüglich ihres
- 34 -
Verbringens durch den Beschuldigten und C._ auf den Balkon widersprüch-
lich erscheinen, was sich insbesondere an der Reihenfolge, in welcher die drei
Personen auf den Balkon hinausgegangen sein sollen, festmachen lässt: Anfäng-
lich sagte die Privatklägerin aus, ihr Schwiegervater sei voraus- und ihr Ehemann
hinterhergelaufen (Urk. 7/1 S. 5). Anlässlich ihrer zweiten Einvernahme sprach die
Privatklägerin demgegenüber davon, dass der Beschuldigte den Balkon zuvor-
derst betreten, sie selbst dazwischen gewesen und C._ zuletzt gekommen
sei (Urk. 7/2 S. 23). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung gab die
Privatklägerin zu Protokoll, sie wisse nicht mehr, wer den Balkon zuerst betreten
habe, wobei sie selbst zuerst mit dem Oberkörper auf dem Balkon gewesen sei
(Urk. 57 S. 9). Bereits angesichts dieser uneinheitlichen Angaben der Privatkläge-
rin kann in casu nicht mit rechtsgenügender Sicherheit erstellt werden, dass diese
auf den Balkon verbracht worden ist. Da sie selbst davon ausgeht, dass sie der
Länge nach getragen worden sei (Urk. 57 S. 9), erscheint auch ein nachvollzieh-
barer Irrtum über die vor und hinter ihr befindliche Person ausgeschlossen, dass
diese den Balkon – mit der Privatklägerin in der Mitte – allenfalls auf etwa dersel-
ben Höhe betreten haben könnten. Abgesehen davon werden diese Angaben der
Privatklägerin auch von B._ nicht bestätigt. Dieser befürchtete zwar, dass
sein Vater und sein Grossvater seine Mutter vom Balkon hinunterwerfen würden,
gab aber gleichzeitig an, nicht wahrgenommen zu haben, dass die Privatklägerin
tatsächlich auf den Balkon hinaus verbracht wurde (s. vorstehend unter
E. III.3.4.2.7. u. 3.4.2.11). Ebenso wenig bestätigte B._ überdies ihre Aussa-
gen (Urk. 7/1 S. 4; Urk. 7/2 S. 11 u. 13; Urk. 7/3 S. 4; Urk. 57 S. 7 ff.), dass sie
vom Beschuldigten und C._ in der Luft, das heisst, ohne jeglichen eigenen
Bodenkontakt, getragen und hernach hin und her geschaukelt worden sei, wohin-
gegen der Anklagesachverhalt gestützt auf seine glaubhaften Aussagen insofern
erstellt ist, dass der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte die Privatklägerin ge-
gen deren Willen zur Balkontüre verbrachten (s. vorstehend unter E. III.3.4.2.6. u.
3.4.2.7.). Deshalb bestätigt sich die seitens der Vorinstanz vorgenommene Ein-
schätzung, dass die Aussagen der Privatklägerin teilweise uneinheitlich, ungenau
und übertrieben erscheinen (Urk. 82 E. III.5.3.b) S. 48 f.).
- 35 -
3.4.5.5. In Bezug auf die seitens der Privatklägerin vorgebrachte damalige Be-
fürchtung, vom Balkon hinuntergeworfen zu werden, kann gestützt auf ihre Aus-
sagen wie auch die gesamten Umstände davon ausgegangen werden, dass diese
Angst real war. Der Vorinstanz ist darin beizupflichten (Urk. 82 E. III.5.3.b)
S. 48 f.), dass sie glaubhaft machen konnte, dass sie bei diesem Vorfall in nicht
unerheblichem Masse in Angst und Schrecken versetzt wurde, was durch ihre
teils spontanen Gemütsbewegungen während diverser Einvernahmen (Urk. 7/2
S. 5, Urk. 7/3 S. 6), welche für tatsächlich Erlebtes sprechen würden, wie auch
durch den ärztlichen Bericht betreffend ihre psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung (Urk. 59), aus dem hervorgehe, dass der Vorfall einen bleibenden
Eindruck hinterlassen habe, belegt würde. In Detaillierung dazu ist festzuhalten,
dass der Privatklägerin im erwähnten ärztlichen Bericht von Dr. med. G._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine posttraumatische Belastungs-
störung diagnostiziert wird, wobei gestützt auf die Darlegungen im Bericht nahe
liegt, dass der Vorfall vom 12. August 2015 hierfür (zumindest überwiegend) kau-
sal war (s. hierzu auch die nachstehend unter E. VII.4. gemachten Erwägungen).
Weiter spricht auch die Dynamik des Handlungsgeschehens und die Aufge-
brachtheit des Beschuldigten und C._s für das Vorliegen der geschilderten
Angst: So wurde erstellt (vorstehend E. III.3.4.2.11.), dass der Beschuldigte und
der Mitbeschuldigte die Privatklägerin gegen ihren Willen zur offenen Balkontüre
verbrachten, an welcher sich die Privatklägerin festhielt, um der Bewegungsrich-
tung etwas entgegenzusetzen. Diesbezüglich wurde bereits erwogen, dass dieser
Ablauf klar dafür spricht, dass die Privatklägerin auf den Balkon gebracht werden
sollte, was wiederum ein Hinunterwerfen der Privatklägerin bzw. ein entsprechen-
des Angsteinjagen bei der Privatklägerin im Sinne einer Lektionserteilung beim
vorliegenden Kräfteungleichgewicht und der Dynamik des Geschehens als plau-
sibel erscheinen lässt (E. III.3.4.2.11.). Dass auch B._ Angst gehabt hatte,
dass seine Mutter vom Balkon gestossen werden sollte (E. III.3.4.2.5.), stellt
überdies ein weiteres Indiz für das Vorliegen derselben Befürchtung bei der Pri-
vatklägerin dar.
3.4.5.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass gestützt auf die gemachten
Erwägungen zum Aussageverhalten der Privatklägerin für die Erstellung des An-
- 36 -
klagesachverhalts im Wesentlichen weiterhin von der Sachdarstellung von
B._ auszugehen ist, wobei zusätzlich erstellt ist, dass die Privatklägerin in
Angst geriet, weil sie befürchtete, vom Balkon hinunter geworfen zu werden.
3.4.6. Aussagen von E._, F._ und D._
In Bezug auf die Befragungen von E._, F._ und D._ wurde seitens
der Vorinstanz zutreffend erwogen, dass sich aus ihren Aussagen wenig Relevan-
tes ableiten lasse, aber immerhin festzustellen sei, dass sie mit der Sachverhalts-
darstellung von B._ nicht im Widerspruch stehen würden (Urk. 82 E.
III.5.5.b). Ergänzend ist festzuhalten, dass aus dem Umstand, dass das Vorbrin-
gen der Verteidigung, wonach D._ ausgeführt habe, die Privatklägerin und
B._ hätten die Wohnung "normal" verlassen, was er durch den Türspion be-
obachtet habe (Urk. 60 S. 11 in Bezug auf Urk. 9/5 S. 5), nichts am Beweisergeb-
nis zu ändern vermag. So handelt es sich bei der entsprechenden Wahrnehmung
der Auskunftsperson um einen subjektiven Eindruck, welcher auf einer sehr kur-
zen Beobachtung mit eingeschränktem Blickfeld basiert. Ferner befanden sich die
Privatklägerin und B._ in diesem Augenblick bereits nicht mehr in der Woh-
nung, was deren Sicherheitsgefühl verstärkt und ihre Geschwindigkeit durchaus
gedrosselt haben könnte.
3.4.7. Übrige Beweismittel
Wie seitens der Vorinstanz zutreffend ausgeführt wurde, sind die Verletzungen
der Privatklägerin rechtsgenügend und auch gutachterlich dokumentiert (Urk. 4/1
u. 4/3), wobei – ebenso korrekt – diejenigen an ihren Füssen und Beinen dem
Beschuldigten und diejenigen an ihrem Oberkörper dem Mitbeschuldigten
C._ zuzurechnen sind (Urk. 82 E. III.4.2., 4.3. u. 5.6).
3.4.8. Ergebnis
Gestützt auf die Beweiswürdigung ist – im Wesentlichen einhergehend mit der
Vorinstanz (Urk. 82 E. III.5.6.a) – erstellt, dass die Privatklägerin von der Arbeit
nach Hause kam und, nachdem sie zusammen mit B._ ins Wohnzimmer ge-
kommen sei, auf den Balkon ging. Von dort aus entstand ein zunächst verbaler
- 37 -
Streit zwischen ihr und C._, in dessen Folge die Privatklägerin auf C._
zugegangen ist, worauf sie von ihm zuerst am Oberkörper und sogleich vom Be-
schuldigten an den Füssen gepackt wurde. Darauf haben die beiden Beschuldig-
ten die Privatklägerin nicht losgelassen und sie gewaltsam bis zur offenen Balkon-
tür verbracht. B._ hat aufgrund dieser Vorgehensweise des Beschuldigten
und des Mitbeschuldigten dermassen Angst um seine Mutter bekommen, dass er
befürchtete, dass seine Mutter vom Balkon geworfen werde, weshalb er sich ver-
anlasst sah, seinen Vater in den Rücken zu beissen, woraufhin dieser die Privat-
klägerin losliess, sie sich von C._ losreissen, mit B._ nach draussen
flüchten und die Polizei rufen konnte. Durch diesen Vorfall erlitt die Privatklägerin
die in der Anklageschrift erwähnten Verletzungen, wobei ihr diejenigen an ihren
Füssen und Beinen vom Beschuldigten und diejenigen an ihrem Oberkörper vom
Mitbeschuldigten C._ zugefügt worden sind. Durch das gewaltsame Verbrin-
gen in Richtung des Balkons geriet die Privatklägerin in Angst, weil sie befürchte-
te, vom Balkon hinunter geworfen zu werden.
3.5. Konkrete Würdigung des Vorfalls vom Juli 2014
3.5.1. Erhebliche Beweismittel
Hinsichtlich des dem Beschuldigten zur Last gelegten Vorfalls vom Juli 2014 lie-
gen als bedeutsame Beweismittel die Aussagen der Privatklägerin einerseits und
diejenigen des Beschuldigten andererseits vor. Seitens der Vorinstanz wurde zu-
treffend erwogen, dass die Aussagen von B._ zum besagten Vorfall nicht zur
Klärung des diesbezüglichen Sachverhalts beitragen, weil er lediglich eine Situa-
tion beschreiben konnte, die noch in der Wohnung stattgefunden habe (Urk. 82
E. III.5.4.c), was grundsätzlich stimmt. Allerdings weisen seine glaubhaften Aus-
führungen, wonach der Beschuldigte die Privatklägerin an die Wand gedrückt ha-
be (Urk. 9/2 S. 7 f.), immerhin auf die damals an den Tag gelegte Aggressivität
des Beschuldigten hin, was auch durch das – unbestrittene – Hinunterwerfen des
Tisches vom Balkon belegt wird. Für die Erstellung des Kerngehalts des Anklage-
sachverhalts, demgemäss der Beschuldigte der Privatklägerin auf dem Balkon
von hinten einen wuchtigen Stoss gegen die Schultern versetzt habe, woraufhin
diese sich verletzte, tragen diese indes nichts bei.
- 38 -
3.5.2. Aussagen des Beschuldigten
Während der Beschuldigte anlässlich der Hafteinvernahme vom 14. August 2015
noch keine Angaben dazu machte, seine Ehefrau anlässlich des Streits angegan-
gen oder berührt zu haben (Urk. 6/2 S. 6 f.), räumte er in der Einvernahme vom
20. Oktober 2015 ein, dass er sie ein bisschen zur Seite geschubst habe und her-
nach den Tisch genommen und hinuntergeworfen habe (Urk. 6/3 S. 3). In der
Schlusseinvernahme stellte der Beschuldigte die Sachlage so dar, dass er sie mit
seinem Oberarm verletzt habe, als er den Tisch hochgehalten habe und es sein
könne, dass seine Frau vielleicht denke, dass er sie so weggestossen habe
(Urk. 6/4 S. 6). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung bestritt der Be-
schuldigte demgegenüber (erneut), seine Ehefrau überhaupt berührt zu haben
(Prot. I S. 20). Der Vorinstanz ist sowohl darin beizupflichten, dass gestützt auf
die Ausführungen des Beschuldigten unklar bleibt, was damals genau geschehen
ist, wie auch darin, dass die starken Relativierungen durch den Beschuldigten auf-
fallen (Urk. 82 E. III.5.1.c): So habe er seine Frau ein bisschen zur Seite ge-
schubst (Urk. 6/3 S. 3) bzw. könne es sein, dass seine Frau vielleicht denke, dass
er sie weggestossen habe (Urk. 6/4 S. 6). Weiter erwähnte er, das Tischbein habe
vielleicht einen Topf mitgezogen (Prot. I S. 20) bzw. habe er sich etwas aufgeregt
und den Tisch hinuntergeworfen (Prot. I S. 19). Es ist – wie seitens der Vorinstanz
korrekt festgestellt (Urk. 82 E. III.5.1.b) S. 40) – kaum vorstellbar, dass sich der
Beschuldigte lediglich etwas aufgeregt hat, wenn er im Streit einen Balkontisch
aus der dritten Etage in den Garten hinuntergeworfen und unter Umständen
dadurch sogar die Gefährdung von Drittpersonen in Kauf genommen hat. Der von
der Vorinstanz daraus gezogene Schluss, dass es daher äusserst fraglich sei, ob
der Beschuldigte in seiner Wut seine Frau nur ein bisschen zur Seite geschubst
habe, ist richtig. Aus dem Gesagten resultiert vielmehr, dass der Beschuldigte der
Privatklägerin einen Stoss versetzt hat, dessen Wucht indes gestützt auf seine
Aussagen nicht feststeht.
3.5.3. Aussagen der Privatklägerin
Die Privatklägerin sagte demgegenüber aus, der Beschuldigte habe sie mit voller
Kraft geschubst, als er anlässlich eines Streits einen Tisch in den Garten hinun-
- 39 -
tergeworfen habe (Urk. 7/2 S. 6 und S. 16). Er habe sie so stark gestossen, dass
sie vornüber gefallen sei. Wenn sie sich nicht am Sessel festgehalten hätte, wäre
sie "vielleicht" bzw. "zu 100%" vom Balkon gefallen (Urk. 7/2 S. 17). In Bezug auf
die dadurch erlittenen Verletzungen führte die Privatklägerin uneinheitlich aus,
sich das linke Knie bzw. das Schienbein verletzt zu haben (Urk. 7/3 S. 7 u. 9). Die
Verletzung habe nicht geblutet, aber mindestens einen Monat lang geschmerzt.
Sie sei aber noch in der Lage gewesen, ohne hinken zu laufen (Urk. 7/3 S. 9 u.
Urk. 57 S. 19). Sie habe monatelang blaue Flecken gehabt. Zum Arzt sei sie aber
nicht gegangen (Urk. 57 S. 19). Wie bereits bezüglich des Vorfalls vom 12. Au-
gust 2015 festgestellt wurde (vorstehend unter E. III.3.4.5.4.), zeichnen sich die
Ausführungen der Privatklägerin durch gewisse Übertreibungstendenzen aus,
was auch hinsichtlich des Vorfalls vom Juli 2014 zutrifft. Auf die zum gleichen
Schluss gelangende sorgfältige Würdigung der Vorinstanz (Urk. 82 E. III.5.3.c)
kann deshalb vollumfänglich verwiesen werden. Dass ein Stoss seitens des Be-
schuldigten erfolgte, ist gestützt auf ihre Aussagen jedenfalls glaubhaft. Nicht
durch ihre Aussagen als erstellt anzusehen sind allerdings eine erhebliche Wucht
des Stosses und die damit verbundene Schwere der behaupteten dadurch zuge-
zogenen Verletzungen. Einerseits erscheint denn auch auffällig – wie die Vertei-
digung zutreffend geltend macht (Urk. 60 S. 5 f.) – dass die Verletzungen nicht
protokolliert bzw. der Staatsanwaltschaft rapportiert wurden. Andererseits sah die
Privatklägerin keinen Anlass, einen Arzt aufzusuchen. Diese nicht unerheblichen
Umstände vermögen sich vorliegend nicht zu Ungunsten des Beschuldigten aus-
zuwirken.
3.5.4. Ergebnis
Hinsichtlich des Vorfalls vom Juli 2014 ergibt sich aus den gemachten Erwägun-
gen, dass es damals zu einem Streit gekommen ist, anlässlich dessen der Be-
schuldigte einen Tisch in den Garten geworfen hat und der Privatklägerin einen
Stoss versetzte, wodurch sie sich am linken Bein anstiess und blaue Flecken er-
litt, die für eine gewisse Zeit schmerzten.
- 40 -
IV. Rechtliche Würdigung
1. Würdigung der Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er habe sich durch sein Ver-
halten der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, der Drohung im Sinne von
Art. 180 Abs. 1 und 2 lit. a StGB, der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1
und 2 lit. b StGB sowie in Bezug auf den Vorfall im Juli 2014 der einfachen Kör-
perverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig gemacht
(Urk. 22).
2. Vorfall vom 12. August 2015
2.1. Tätlichkeiten
2.1.1. Wie bereits ausgeführt, ist vorliegend in Bezug auf den Vorfall vom
12. August 2015 von einer Tätlichkeit und nicht von wiederholten Tätlichkeiten
auszugehen (s. vorstehend unter E. II.4.). Eine Tätlichkeit im Sinne von Art. 126
Abs. 1 StGB ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung anzunehmen bei ei-
ner das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass überschreitenden
physischen Einwirkung auf einen Menschen, die keine Schädigung des Körpers
oder der Gesundheit zur Folge hat. Die Verursachung von Schmerzen ist nicht er-
forderlich (BGE 117 IV 16 f.; BGE 134 IV 191).
2.1.2. In casu ist erstellt, dass der Beschuldigte die Privatklägerin an den Füssen
und C._ sie am Oberkörper gepackt und gemeinsam gewaltsam bis zur offe-
nen Balkontür verbracht haben, wodurch die Privatklägerin die in der Anklage-
schrift umschriebenen Hautrötungen, Kratzverletzungen, Hautschürfungen am
Oberkörper bzw. eine Hautläsion am linken Fussrücken erlitt (E. III.3.4.8.). Wie
seitens der Vorinstanz zutreffend erwogen (Urk. 82 E. IV.1.2.), hat der Beschul-
digte damit den objektiven Tatbestand der Tätlichkeiten erfüllt. Da es lediglich zu
einer vorübergehenden Beeinträchtigung des Wohlbefindens der Privatklägerin
- 41 -
kam, wurde die Schwelle zur einfachen Körperverletzung durch sein Handeln
nicht überschritten.
2.1.3. Wie seitens der Vorinstanz zutreffend festgehalten wurde (Urk. 82
E. IV.1.3.), haben der Beschuldigte und C._ die Privatklägerin willentlich ge-
packt und gewaltsam zur Balkontür verbracht und dabei kleinere Verletzungen in
Kauf genommen. Die unmittelbar durch C._ verursachten Einwirkungen auf
den Körper der Privatklägerin waren vom Willen des Beschuldigten mindestens
eventuell mitumfasst. Der Tatbestand der Tätlichkeiten ist damit auch in subjekti-
ver Hinsicht erfüllt.
2.1.4. Mangels Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen hat sich der Be-
schuldigte demnach der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig
gemacht.
2.2. Nötigung
2.2.1. Gemäss Art. 181 StGB begeht eine Nötigung, wer jemanden durch Gewalt
oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner
Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Diese
Strafnorm schützt die freie Willensbildung und Willensbetätigung (BGE 129 IV 8;
BGE 129 IV 264; BGE 134 IV 221). Nicht vom geschützten Rechtsgut erfasst ist
dagegen die körperliche Integrität (BGE 99 IV 210). Unter Gewalt ist die physi-
sche Einwirkung auf den Körper eines Menschen zu verstehen. Ist die Nötigung
eine blosse Begleiterscheinung von Tätlichkeiten oder vorsätzlicher Körperverlet-
zung, so gehen diese Tatbestände demjenigen von Art. 181 StGB vor (DONATSCH,
Strafrecht III, 9. A., Zürich 2008, S. 415; BGE 104 IV 73). Art. 126 StGB konsu-
miert demnach nur (aber immerhin) die Nötigung, welche unmittelbar mit dem An-
griff gegen den Körper einhergeht (TRECHSEL/FINGERHUTH, in: TRECHSEL/PIETH
(HRSG.), StGB Praxiskommentar, 2. A., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 181 StGB
N 18).
2.2.2. In casu wurde die Privatklägerin vom Beschuldigten und C._ gepackt
und gewaltsam gegen ihren Willen zur offenen Balkontür verbracht, was sie dul-
- 42 -
den musste. Ihre Willensfreiheit wurde deshalb durch die Gewaltanwendung des
Beschuldigten und C._ klarerweise tangiert. Allerdings geht die Nötigungs-
handlung vorliegend nicht über die erstellten Tätlichkeiten hinaus, weshalb erstere
von letzteren konsumiert wird. Deshalb kann vorliegend offen bleiben, ob der Be-
schuldigte nebst den Tätlichkeiten auch den Tatbestand der Nötigung erfüllt hat.
Im Übrigen ist – mit der Vorinstanz (Urk. 82 E. IV.2.2.) – darauf zu verweisen,
dass die in Frage stehende gegen den Willen der Privatklägerin erfolgte Gewalt-
anwendung überdies in einer Handlungseinheit mit der – nachfolgend zu prüfen-
den – Drohungshandlung steht.
2.3. Drohung
2.3.1. Den Tatbestand der Drohung erfüllt, wer jemanden durch schwere Drohung
in Schrecken oder Angst versetzt (Art. 180 Abs. 1 StGB). Der Begriff der Drohung
bezieht sich auf das in Aussicht Stellen eines künftigen schweren Übels bzw.
Nachteils, dessen Verwirklichung vom Willen des Drohenden abhängig ist
(BGE 81 IV 106; BGE 99 IV 215; BGE 106 IV 128; TRECHSEL/FINGERHUTH, a.a.O.,
Art. 180 StGB N 1). Unter einer Drohung ist nicht nur eine blosse ausdrückliche
Erklärung des Drohenden zu verstehen, sondern jegliches Verhalten, durch wel-
ches das Opfer vom Drohenden bewusst in Schrecken und Angst versetzt wird.
Das in Aussicht gestellte Übel kann auf irgendeine Weise angekündigt werden, so
durch Wort, Schrift, Gesten oder konkludentes Verhalten. Der Tatbestand ist voll-
endet, wenn das Opfer in seinem Sicherheitsgefühl tatsächlich schwer beeinträch-
tigt bzw. "in Schrecken oder Angst versetzt" wird. Das Opfer muss die Verwirkli-
chung des angedrohten Übels befürchten, was bedeutet, dass es die Zufügung
für möglich hält oder tatsächlich damit rechnet, und andererseits, dass der ange-
drohte Nachteil von solcher Schwere ist, dass er Schrecken und Angst auszulö-
sen vermag (BSK STGB II-DELNON/RÜDY, Art. 180 StGB N 14, 24 u. 31). Die
Äusserung, das Gegenüber Töten zu wollen, stellt einen schweren Nachteil dar
(BGer 6B_765/2010 vom 28. Februar 2011).
2.3.2. In casu ist erstellt, dass die Privatklägerin vom Beschuldigten und C._
am Oberkörper und an den Füssen gepackt gegen ihren Willen gewaltsam zur of-
fenen Balkontüre verbrachte wurde und dadurch in Angst geriet, weil sie befürch-
- 43 -
tete, dass sie vom Balkon hinunter geworfen werden sollte (s. vorstehend E.
III.3.4.5.5.). Diese Handlungsweise des Beschuldigten war denn auch ohne Wei-
teres geeignet, diese Angst bei der Privatklägerin zu verursachen, auch wenn es
zu keiner ausdrücklichen, sondern nur einer konkludenten Drohung kam. Wie be-
reits ausgeführt (E. III.3.4.5.5.), sind diesbezüglich auch die Dynamik des Hand-
lungsgeschehens, die Aufgebrachtheit des Beschuldigten bzw. seines Mitstreiters
und das Kräfteungleichgewicht zwischen den Kontrahenten von Bedeutung, wel-
che – nebst den entsprechenden Aussagen der Privatklägerin – dazu führen,
dass die Angst der Privatklägerin real erscheint. Mit der Vorinstanz ist festzustel-
len (Urk. 82 E. IV.3.1.), dass es nur darauf ankommt, dass die Privatklägerin zum
damaligen Zeitpunkt tatsächlich Angst hatte, vom Balkon hinuntergeworfen zu
werden, unabhängig davon, ob diese Angst effektiv berechtigt gewesen ist. Der
objektive Tatbestand der Drohung ist durch das Verhalten des Beschuldigten da-
mit erfüllt worden.
2.3.3. Der Vorinstanz ist ferner darin beizupflichten (Urk. 82 E. IV.3.2.), dass in
casu davon auszugehen ist, dass der Beschuldigte und C._ die Privatkläge-
rin gefügig machen wollten und ihr durch Angsteinflössen Respekt beibringen
bzw. demonstrieren wollten, dass sie ihren Schwiegervater mit Respekt zu be-
handeln habe. Der Beschuldigte handelte demzufolge mit direktem Vorsatz. Der
subjektive Tatbestand ist somit ebenfalls als erfüllt zu erachten.
2.3.4. Mangels Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen macht sich der
Beschuldigte folglich der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 und 2 lit. a StGB schul-
dig.
3. Vorfall vom Juli 2014
3.1. Einfache Körperverletzung
3.1.1. Unter Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB fallen diejenigen Verletzungen, welche
weder die Voraussetzungen von Art. 122 StGB noch von Art. 126 StGB erfüllen.
Die körperliche Integrität ist im Sinne einer Körperverletzung beeinträchtigt, wenn
innere oder äussere Verletzungen oder Schädigungen zugefügt werden, die min-
- 44 -
destens eine gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordern, also etwa Kno-
chenbrüche, auch wenn sie unkompliziert sind und verhältnismässig rasch und
problemlos ausheilen, aber auch bereits Hirnerschütterungen, Quetschungen mit
Blutergüssen und Schürfungen, sofern sie um einiges über blosse Kratzer hin-
ausgehen. Dass die körperliche Beeinträchtigung den Beizug eines Arztes nötig
machen, ist jedoch nicht gefordert. In Abgrenzung zum Tatbestand der Tätlichkei-
ten im Sinne von Art. 126 StGB muss der Eingriff in die körperliche Integrität mehr
als geringfügig sein und mehr als eine vorübergehende Beeinträchtigung des
Wohlbefindens mit sich bringen. Auf blosse Tätlichkeiten ist zu erkennen, wenn
Schürfungen, Kratzwunden, Quetschungen oder bloss blaue Flecken offensicht-
lich so harmlos sind, dass sie in kürzester Zeit vorübergehen und ausheilen (BSK
STGB II-ROTH / BERKEMEIER, Art. 123 StGB N 3 f.).
3.1.2. In casu ist erstellt, dass der Beschuldigte bei einem Streit einen Tisch in
den Garten geworfen hat und der Privatklägerin einen Stoss versetzte, wodurch
sie sich am linken Bein anstiess und blaue Flecken erlitt, die für eine gewisse Zeit
schmerzten (E. III.3.5.4.). Entgegen der Vorinstanz (Urk. 82 E. IV.4.1.-3.) ist vor-
liegend nicht davon auszugehen, dass die erlittene körperliche Beeinträchtigung
der Privatklägerin eine Intensität erreichte, welche über blosse Tätlichkeiten hin-
ausging. Auch wenn es für die Annahme einer Körperverletzung nicht erforderlich
ist, einen Arzt aufzusuchen, spricht vorliegend insbesondere der Umstand, dass
von der Polizei über die Verletzungen kein Bericht oder Rapport erstellt wurde (s.
vorstehend unter E. III. 3.5.3.) gegen das Vorliegen einer Körperverletzung im ge-
setzlich geforderten Sinne.
3.2. Tätlichkeiten
3.2.1. Bezüglich der gesetzlichen Anforderungen betreffend Tätlichkeiten kann an
dieser Stelle auf die vorliegend gemachten Erwägungen verwiesen werden
(E. IV. 2.1.1. u. 3.1.1.).
3.2.2. Der Beschuldigte hat der Privatklägerin einen Stoss versetzt, wodurch sie
sich am linken Bein anstiess und blaue Flecken erlitt, die für eine gewisse Zeit
- 45 -
schmerzten (E. III.3.5.4.). Durch diese Handlungsweise hat der Beschuldigte den
objektiven Tatbestand der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB erfüllt.
3.2.3. Auch der subjektive Tatbestand der Tätlichkeiten wurde in casu vom Be-
schuldigten erfüllt. Da er um die engen Platzverhältnisse auf dem Balkon wusste,
musste er zumindest damit rechnen, dass sich die Privatklägerin durch den Stoss
verletzten könnte, was er auch in Kauf nahm.
3.2.4. Mangels Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen hätte sich der
Beschuldigte demnach der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB
schuldig gemacht. Da in Bezug auf den Vorfall vom Juli 2014 kein Strafantrag der
Privatklägerin vorliegt, ist indes, wie bereits ausgeführt wurde, auf die entspre-
chende Anklage nicht einzutreten (s. vorstehend unter E. II.4.).
4. Ergebnis
Der Beschuldigte machte sich demzufolge der Drohung im Sinne von Art. 180
Abs. 1 und 2 lit. a StGB und der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB
schuldig.
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V. Sanktion
1. Strafrahmen
1.1. Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des or-
dentlichen Strafrahmens der schwersten anzuwendenden Strafbestimmung fest-
zusetzen. Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst
worden, um sämtlichen konkreten Umständen Rechnung zu tragen. Der ordentli-
che Rahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen
und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw.
zu milde erscheint. Entgegen einer auch in der Praxis weit verbreiteten Auffas-
sung wird der ordentliche Strafrahmen nicht automatisch erweitert, worauf dann
innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den üblichen Strafzumessungs-
kriterien festzusetzen wäre. Zwar ist auch in der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung darauf hingewiesen worden, das Gesetz sehe eine Strafrahmenerweite-
rung vor. Damit sollte aber nur ausgedrückt werden, dass der Richter infolge ei-
nes Strafschärfungs- bzw. Strafmilderungsgrundes nicht mehr in jedem Fall an die
Grenze des ordentlichen Strafrahmens gebunden ist. Der vom Gesetzgeber vor-
gegebene ordentliche Rahmen ermöglicht in aller Regel, für eine einzelne Tat die
angemessene Strafe festzulegen. Er versetzt den Richter namentlich in die Lage,
die denkbaren Abstufungen des Verschuldens zu berücksichtigen (BGE 136 IV 55
E. 5.8.).
1.2. Zutreffend erwogen hat die Vorinstanz, dass eine Erweiterung des Strafrah-
mens nach oben aufgrund der Deliktsmehrheit nicht in Betracht fällt (Urk. 82
E. V.1.2.).
1.3. Der vorliegend für die Drohung gemäss Art. 180 StGB als schwerste Straftat
massgebende Strafrahmen bemisst sich – wie seitens der Vorinstanz zutreffend
festgestellt (Urk. 82 E. V.1.1.) – auf einen Tagessatz Geldstrafe bis drei Jahre
Freiheitsstrafe.
1.4. Ebenso wurde von der Vorinstanz richtig festgehalten (Urk. 82 E. V.1.1.),
dass Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB mit Busse bestraft werden. Der
- 47 -
anwendbare Strafrahmen für Übertretungen reicht gemäss Art. 106 Abs. 1 StGB
von Fr. 1.– bis Fr. 10'000.– Busse.
2. Strafzumessungsfaktoren
Im Übrigen wurden seitens der Vorinstanz zu den Kriterien der Strafzumessung
die nötigen theoretischen Ausführungen gemacht. Darauf und auf die aktuelle
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Thema (BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.; 135
IV 130 E. 5.3.1; 132 IV 102 E. 8.1; je mit Hinweisen) kann vorab verwiesen wer-
den. Zutreffend wurde auch festgehalten, dass zwischen der Tat- und Täterkom-
ponente sowie der objektiven und subjektiven Tatschwere zu unterscheiden ist (s.
Urk. 82 E. V.2.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Konkrete Strafzumessung
3.1. Drohung
3.1.1. Von der Vorinstanz wurde im Zusammenhang mit der Tatkomponente aus-
geführt, dass hinsichtlich der objektiven Tatschwere ins Gewicht falle, dass der
Beschuldigte durch sein Verhalten die Privatklägerin in erhebliche Angst und
Schrecken versetzte (Urk. 82 E. V.3.1.a). Die Privatklägerin fürchtete, dass sie
vom Balkon aus dem dritten Stock hinuntergeworfen werde, weshalb die Todes-
angst, von der sie mehrfach sprach, nachvollziehbar erscheint. Ergänzend ist
festzuhalten, dass der Beschuldigte zusammen mit C._ – wobei die Tatbei-
träge austauschbar waren – aggressiv vorging, das Kräfteungleichgewicht dafür
sorgte, dass sich die Privatklägerin kaum wehren konnte und der Beschuldigte
nicht aus freien Stücken von der Privatklägerin abliess, sondern durch das be-
herzte Beissen von B._ in seinen Rücken gestoppt wurde. Vor dem Hinter-
grund des weiten Strafrahmens ist die objektive Tatschwere des Beschuldigten
als gerade noch leicht einzustufen, wofür eine Einsatzstrafe von 270 Tagessätzen
Geldstrafe bzw. 9 Monaten Freiheitsstrafe angemessen erscheint.
3.1.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere wurde von der Vorinstanz zutref-
fend erwogen, dass sich der Beschuldigte direkten Vorsatz anzurechnen lassen
habe sowie dass durch sein Verhalten die in seinen Augen respektlose Privatklä-
- 48 -
gerin Angst bekommen und gefügig gemacht werden sollte (Urk. 82 E. V.3.1.b).
Zu seinen Gunsten ist in die Waagschale zu werfen, dass davon auszugehen ist,
dass die Privatklägerin seinen Vater verbal beleidigte und damit auch ihn heraus-
forderte, auch wenn dies seine darauf folgende Handlungsweise in keiner Weise
rechtfertigt. Die subjektive Tatschwere vermag die objektive Tatschwere ange-
sichts dieser Umstände leicht zu reduzieren, weshalb es sich rechtfertigt, die Ein-
satzstrafe um 60 Tagessätze bzw. zwei Monate auf 210 Tagessätze Geldstrafe
bzw. 7 Monate Freiheitsstrafe zu senken.
3.1.3. Hinsichtlich der Täterkomponente ist festzustellen, dass zu den persönli-
chen Verhältnissen des Beschuldigten auf die Ausführungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden kann (Urk. 82 E. V.4.2.). Anlässlich der Berufungsverhandlung
ergab sich, dass der Beschuldigte immer noch als Eisenleger bei der H._
GmbH in .../AG angestellt ist und ca. Fr. 4'300.– pro Monat verdient, wobei er nun
einen dreizehnten Monatslohn erhält (s. zum Ganzen: Prot. II S. 8-11). In Bezug
auf die Täterkomponente ist – mit der Vorinstanz (Urk. 82 E. V.4.3.) – zu bemer-
ken, dass sich aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten keine straf-
zumessungsrelevanten Umstände ableiten lassen.
In Bezug auf das Vorleben des Beschuldigten ist zu erwähnen, dass er am
13. Oktober 2008 wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Geldstra-
fe von 14 Tagessätzen zu Fr. 60.– und einer Busse von Fr. 800.– verurteilt wurde,
wobei die Geldstrafe bedingt unter Gewährung einer Probezeit von 2 Jahren aus-
gesprochen wurde. Am 15. Juli 2009 wurde der Beschuldigte zudem wegen Fah-
rens ohne Führerschein zu einer weiteren Geldstrafe von 14 Tagessätzen zu
Fr. 50.– verurteilt. Auch wenn die zu berücksichtigenden Vorstrafen, welche
Strassenverkehrsdelikte betreffen, nicht einschlägig sind, zeigen diese doch eine
gewisse Unbelehrbarkeit und Gleichgültigkeit des Beschuldigten auf. Vorstrafen
wirken sich nach konstanter Praxis generell straferhöhend aus (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_694/2012 vom 27. Juni 2013, E. 2.3.4.). Dass es sich um nicht
einschlägige Vorstrafen handelt, kommt dem Beschuldigten aber insofern zu Gu-
te, dass jene in Bezug auf das zu beurteilende Vorleben bloss in sehr leichtem
- 49 -
Masse zu seinen Ungunsten ins Gewicht fallen. Eine Straferhöhung um 30 Ta-
gessätze bzw. einen Monat erscheint nach dem Gesagten angemessen.
Auf die seitens der Vorinstanz gemachten Erwägungen in Bezug auf die man-
gelnde Reue und Einsicht des Beschuldigten kann vollumfänglich verwiesen wer-
den (Urk. 82 E. V.4.3.). Sein Nachtatverhalten wirkt sich insgesamt strafzumes-
sungsneutral aus.
3.1.4. Als Strafart für den Bereich der mittleren Kriminalität sieht das Gesetz die
Geld- und die Freiheitsstrafe vor. Nach der Konzeption des Allgemeinen Teils des
Strafgesetzbuches stellt die Geldstrafe die Hauptsanktion dar. Freiheitsstrafen
sollen nur verhängt werden, wenn der Staat keine anderen Mittel hat, die öffentli-
che Sicherheit zu gewährleisten. Nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip soll bei
alternativ zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquiva-
lenten Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die
persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft
(BGE 134 IV 82 E. 4.1.; Botschaft vom 21. September 1998 zur Änderung des
Schweizerischen Strafgesetzbuches BBl 1999 S. 2043 f.). Die Geldstrafe ist ge-
genüber der Freiheitsstrafe die weniger eingriffsintensive Sanktion und gilt somit
als mildere Strafe (BGE 134 IV 97 E. 4.1.1.-2.). Mit Blick auf die bundesgerichtli-
che Rechtsprechung hat das Gericht konkret zu prüfen und auch zu begründen,
weshalb im Einzelfall eine Geldstrafe unzweckmässig und stattdessen eine Frei-
heitsstrafe auszusprechen ist, was seitens der Vorinstanz unterblieb. Die Begrün-
dungspflicht reicht nicht soweit, wie dies Art. 41 Abs. 2 StGB hinsichtlich der Aus-
fällung kurzer Freiheitsstrafen unter sechs Monaten verlangt. Allerdings sollten die
Beweggründe des Gerichts für die eine oder andere Sanktionsform aus dem Urteil
ersichtlich sein (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Februar 2010 6B_839/2009
E. 3.4.).
In casu ist für die Wahl der Sanktionsart massgebend, dass der Beschuldigte be-
reits zweimal – einmal bedingt, einmal unbedingt – zu Geldstrafen verurteilt wor-
den ist (s. vorstehend E. V.3.1.3.), was ihn indes nicht davon abgehalten hat, wei-
ter zu delinquieren. Vor diesem Hintergrund ist die seitens der Vorinstanz gewähl-
te Sanktion der Freiheitsstrafe nicht zu beanstanden.
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2016&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-IV-82%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page82
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3.1.5. Nach Würdigung der Tat- und der Täterkomponente erweist sich eine Frei-
heitsstrafe von 8 Monaten als angemessen.
3.1.6. Der Beschuldigte befand sich ab dem 12. August 2015 bis zum 29. Januar
2016 in Haft. Es sind ihm daher 170 Tage durch erstandene Haft anzurechnen.
3.2. Tätlichkeiten
Bezüglich der Tätlichkeiten des Beschuldigten ist festzuhalten, dass insbesondere
seine aggressive Vorgehensweise und weniger die daraus bei der Privatklägerin
resultierenden Verletzungen im Vordergrund stehen. Insgesamt erscheint – auch
unter Berücksichtigung der finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten – eine
Busse im Betrag von Fr. 400.– als angemessen. Bezahlt der Beschuldigte die
Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Ta-
gen.
VI. Strafvollzug / Weisung
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs
Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte
Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Ver-
brechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Materiell ist demnach
das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt. Das heisst in Anlehnung
an die herrschende Praxis, dass auf das Fehlen von Anhaltspunkten für eine
Wiederholungsgefahr abgestellt wird. Die günstige Prognose wird also vermutet.
Bei der Beurteilung der Frage, ob die für die Gewährung des bedingten Strafvoll-
zuges erforderliche Voraussetzung des Fehlens einer ungünstigen Prognose vor-
liegt, ist eine Gesamtwürdigung aller Umstände vorzunehmen, wobei insbesonde-
re Vorleben, Leumund, Charaktermerkmale und Tatumstände einzubeziehen
sind.
- 51 -
2. Die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvoll-
zuges sind angesichts der auszusprechenden Freiheitsstrafe von 8 Monaten ge-
geben (Art. 42 Abs. 1 StGB).
3. Zum Vorleben des Beschuldigten ist festzuhalten, dass er vorbestraft ist,
aber nicht einschlägig. Auf die zwei Vorstrafen im Bereich der Strassenverkehrs-
delikte aus den Jahren 2008 und 2009 (Urk. 16/2) wurde bereits verwiesen (vor-
stehend E. V.3.1.3.). Weiter wurde seitens der Vorinstanz zutreffend darauf hin-
gewiesen (Urk. 82 E. VI.1.), dass das Rückfallrisiko des Beschuldigten für erneute
Intimpartnergewalt gemäss "ODARA-Standardinterpretation" auf 53 % geschätzt
wurde, wodurch der Beschuldigte der zweithöchsten von insgesamt sieben Risi-
kokategorien angehört (Urk. 16/3). Die Bedenken der Vorinstanz (Urk. VI.1.), ob
dem Beschuldigten vor diesem Hintergrund eine günstige Prognose gestellt wer-
den kann, erscheinen deshalb nachvollziehbar. Allerdings hat der Beschuldigte
erstmals mehrere Monate in Untersuchungs- und Sicherheitshaft verbracht, sich
einer Eignungsabklärung für das Lernprogramm Partnerschaft ohne Gewalt beim
Amt für Justizvollzug unterzogen und wurde als geeignet für die Absolvierung ei-
nes solchen Programmes erachtet (Urk. 54). Gestützt auf diese Umstände ist aus
heutiger Sicht zu erwarten, dass der Beschuldigte aus den angeklagten Vorfällen
seine Lehren gezogen hat und sich in Zukunft wohl verhalten wird. Es ist ihm da-
her weiter eine günstige Prognose zu stellen und der bedingte Vollzug zu gewäh-
ren.
4. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so be-
stimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1
StGB). Die von der Vorinstanz ausgesprochene Probezeit von drei Jahren
(Urk. 82 E. VI.2.) ist nicht zu beanstanden.
5. Für die Dauer der Probezeit kann das Gericht Bewährungshilfe anordnen
und Weisungen erteilen (Art. 44 Abs. 2 StGB). Von der Staatsanwaltschaft wurde
beantragt, dass die Anordnung einer Weisung zur Absolvierung des Lernpro-
gramms Partnerschaft ohne Gewalt (PoG (Häusliche Gewalt) und zur Teilnahme
an den Nachkontrollgesprächen beim kantonalen Amt für Justizvollzug zu erfol-
gen habe (Urk. 22 S. 5). Die von der Vorinstanz dazu gemachten Erwägungen zu
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den rechtlichen und tatsächlichen Voraussetzungen für die Anordnung der bean-
tragten Weisung erweisen sich allesamt als zutreffend, weshalb vollumfänglich
darauf verwiesen werden kann (Urk. 82 E. VI.3.). Dem Beschuldigten ist somit für
die Dauer der Probezeit die Weisung zu erteilen, das Lernprogramm Partner-
schaft ohne Gewalt (PoG) (Häusliche Gewalt) zu absolvieren und an den Nach-
kontrollgesprächen beim Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich teilzunehmen.
Sollte der Beschuldigte das Lernprogramm nicht erfolgreich absolvieren, müsste
er mit dem nachträglichen Vollzug der heute ausgesprochenen Strafe rechnen
(Art. 46 Abs. 4 i.V.m. Art. 95 Abs. 3 und 5 StGB).
VII. Genugtuung
1. Seitens der Vorinstanz wurden die erforderlichen rechtlichen Ausführungen
zu den Voraussetzungen für die Zusprechung von Genugtuung gemacht, weshalb
vollumfänglich auf diese verwiesen werden kann (Urk. 82 E. VII.).
2. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten (wie auch C._ im Ver-
fahren GG150090), der Privatklägerin eine Genugtuung in Höhe von (je)
Fr. 1'000.–, zuzüglich 5% Zins ab 12. August 2015, zu bezahlen (Urk. 82 Disposi-
tiv-Ziffer 6).
3. Der Vorinstanz ist beizupflichten (Urk. 82 E. VII.), dass in casu objektiv eine
erhebliche Verletzung der Persönlichkeitsrechte und insbesondere der psychi-
schen und in kleinerem Ausmass auch der physischen Integrität der Privatklägerin
vorliegt, welche Todesangst hatte. Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie – welcher die Privatklägerin im Beurteilungszeitpunkt wäh-
rend rund zwei Monaten anlässlich von vier Sitzungen therapierte und sich zudem
auf Angaben des Hausarztes der Privatklägerin stützte – diagnostizierte der Pri-
vatklägerin in seinem ärztlichen Bericht vom 20. Januar 2016 eine posttraumati-
sche Belastungsstörung (Urk. 59). Weiter führte er aus, dass die psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung erst begonnen habe und eine längerdauernde
Behandlung notwendig sei. Grundsätzlich sei die mittelfristige Prognose für die
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Privatklägerin gut und die Arbeitsfähigkeit seit dem 1. Oktober 2015 zu 100% ge-
geben. Psychische Leiden, welche in den letzten zehn Jahren behandelt wurden,
seien keine bekannt. Nicht zu folgen ist dem Einwand der Verteidigung von
C._, dass die psychischen Belastungen nicht direkt vom Vorfall vom 12. Au-
gust 2015 herstammen würden, sondern insbesondere durch die Inhaftierungen
des Ehemannes und des Schwiegervaters verursacht worden seien, weshalb es
am adäquaten Kausalzusammenhang zum Vorfall mangle (Prot. GG150090 S.
23). So ist aus den weiteren Ausführungen des Berichts von Dr. med. G._
herauszulesen, dass der Vorfall vom 12. August 2015 mindestens überwiegend
kausal war für die Probleme der Privatklägerin, da er die Hauptursache für ihre
Belastungen darstellt, auch wenn im Bericht ebenfalls darauf hingewiesen wird,
dass seitens der Schwiegereltern ein langjähriger massiver Druck bestanden ha-
be und die zur Zeit bestehenden Unsicherheiten – das ganze Familiensystem sei
erschüttert – sich belastend auf die Privatklägerin auswirken würden. In Anbe-
tracht der gesamten Umstände erscheint eine Genugtuung in der Höhe von (je)
Fr. 1'000.– zuzüglich Zins ab dem Schadensereignis, als gerade noch angemes-
sen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten nebst den Kosten der Untersu-
chung und des erstinstanzlichen Verfahrens auch die Kosten des Berufungsver-
fahrens – ausgenommen die Kosten der amtlichen Verteidigung und, mangels
günstiger wirtschaftlicher Verhältnisse (Art. 426 Abs. 4 StPO), derjenigen der un-
entgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin – aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1
StPO). Dass auf die Anklage hinsichtlich des Vorfalles vom Juli 2014 nicht einge-
treten wird, hat angesichts der nur marginalen Bedeutung dieses Sachverhalts
keine Auswirkungen auf die Kostenauflage. Die Rückzahlungspflicht für die Kos-
ten der amtlichen Verteidigung nach Art. 135 Abs. 4 StPO und für diejenigen der
unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin gemäss Art. 138 i.V.m.
Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
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2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzuset-
zen.
3. Der amtliche Verteidiger ist für seine Bemühungen im Berufungsverfahren
mit Fr. 5'100.– zu entschädigen.
4. Die Rechtsvertretung der Privatklägerin ist für ihren Aufwand im vorliegen-
den Berufungsverfahren mit Fr. 560.– (die Hälfte der für dieses und für das Ver-
fahren SB160341 geforderten Entschädigung, vgl. Urk. 90) zu entschädigen.