Decision ID: 3e483d73-f529-424b-98fa-e0d311ed26a6
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2005 erstmals zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.
1). Sie gab an, sie habe eine Lehre als B._ abgeschlossen; derzeit arbeite sie auf
diesem Beruf. Ihr Hausarzt Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
FMH, gab der IV-Stelle am 25. Oktober 2005 (IV-act. 6) gestützt auf Berichte des
Kantonsspitals St. Gallen an, die Versicherte leide an einem Lupus erythematodes (ED
2002), Kleinhirninfarkten, einer tiefen Beinvenenthrombose rechts (2004), einem
interhemisphären Haematom (2002) mit Cephalgien und einem Antiphospholipid-
Antikörpersyndrom. Er begleite die Versicherte in ihren täglichen Beschwerden
(Cephalea, Trümmel, Konzentrationsstörungen und Folgen der ständig durchgeführten
Chemotherapien). Die Versicherte sei in ihrem angestammten Beruf und bei ihrem
jetzigen Arbeitgeber optimal aufgehoben. Der Arbeitgeber komme der Versicherten bei
den krankheitsbedingten Abwesenheiten sehr entgegen. Seit dem 15. November 2004
bestehe eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit. Die Arbeitgeberin
teilte der IV-Stelle am 26. Oktober 2005 mit (IV-act. 7), die Versicherte würde ohne den
Gesundheitsschaden Fr. 5'440.-- bzw. Fr. 70'720.-- verdienen. Die IV-Stelle ermittelte
ein leicht höheres Valideneinkommen 2005 von Fr. 71'960.--. Diesem
Valideneinkommen stellte sie ein Invalideneinkommen von Fr. 38'860.-- gegenüber,
nämlich 60% des Valideneinkommens abzüglich eines Teilzeitnachteils von 10%.
Daraus ergab sich ein Invaliditätsgrad von 46% (IV-act. 10-2). Mit einer Verfügung vom
8. Februar 2006 sprach sie der Versicherten eine Viertelsrente ab dem 1. November
2005 zu (IV-act. 16 f.). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
Anlässlich eines im Jahr 2009 durchgeführten Revisionsverfahrens machte die
Versicherte zwar geltend (IV-act. 19), ihr Gesundheitszustand habe sich seit Oktober
2008 verschlechtert (Schmerzen, Achillessehnenteilruptur rechts), aber sowohl der
behandelnde Arzt (IV-act. 23) als auch die Arbeitgeberin (IV-act. 24) berichteten, es
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habe sich nichts an der Arbeitsfähigkeit am angestammten Arbeitsplatz (60%)
geändert. Prof. Dr. D._ vom Kantonsspital St. Gallen berichtete am 15. Oktober 2009
(IV-act. 28-2), die Frage nach der Arbeitsfähigkeit könne nur durch eine genauere
gutachterliche Überprüfung (inkl. EFL) seriös beantwortet werden. Die Arbeitgeberin
bestätigte der IV-Stelle am 8. März 2010 (IV-act. 33), dass der Jahreslohn von Fr.
52'127.-- bei einem Arbeitspensum von 60% der Arbeitsleistung der Versicherten
entspreche. Die IV-Stelle ermittelte anhand dieses Invalideneinkommens und eines
Valideneinkommens von Fr. 86'878.-- einen Invaliditätsgrad von 40% (IV-act. 34). Am
19. März 2010 teilte sie der Versicherten mit, es bestehe weiterhin ein Anspruch auf
eine Viertelsrente, da die Überprüfung des Invaliditätsgrades keine anspruchsrelevante
Veränderung ergeben habe. Im Rahmen eines im Jahr 2013 eröffneten
Revisionsverfahrens gab die Versicherte am 9. März 2013 an (IV-act. 39), ihr
Gesundheitszustand sei gleich geblieben. Der behandelnde Arzt berichtete am 18.
März 2013 (V-act. 42), der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich
verschlechtert. Generell scheine die Konzentrationsfähigkeit der Versicherten
abzunehmen. Die Versicherte ermüde rascher. Sie könne kaum den ganzen Tag
arbeiten, so dass fünf Stunden täglich möglich seien. Die Versicherte sei weniger
flexibel, mehrere Arbeiten gleichzeitig zu erledigen (Laborarbeit). Bei der
Gesundheitsbeeinträchtigung handle es sich um ein chronisches Leiden mit einer
gewissen Progredienz. Die Arbeitgeberin der Versicherten teilte am 18. März 2013 mit
(IV-act. 43), es habe sich nichts geändert; die Versicherte arbeite zu 60%. Prof. Dr.
D._ gab am 28. März 2013 an (IV-act. 44), der Invaliditätsgrad von 40% sei eher an
der unteren Grenze des Realen, aber angemessen. Am 17. April 2013 teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit (IV-act. 46), es bestehe weiterhin ein Anspruch auf die bisherige
Invalidenrente.
C.
Am 19. Juni 2016 ersuchte die Versicherte um eine Erhöhung der Invalidenrente (IV-act.
49). Sie gab an, sie kämpfe mit einer immer stärker werdenden Müdigkeit und
Erschöpfung; sie habe einfach keine Kraft mehr. Aufgrund vermehrter Absenzen habe
ihre Arbeitgeberin sie gefragt, ob es nicht besser wäre, das Arbeitspensum auf 50% zu
reduzieren. Am 9. August berichtete Prof Dr. D._ (IV-act. 61-2), der systemische
Lupus erythematodes sei trotz der therapeutischen Bemühungen weiterhin aktiv. Im
vergangenen Jahr sei die Versicherte dreimal hospitalisiert worden, zweimal wegen
einer aktiven Lungenbeteiligung und einmal wegen des Verdachts auf eine Cyclo
phosphamid-Nebenwirkung (DD: Nierenbeteiligung) im Rahmen des SLE. Seit Mai 2016
werde sie wegen eines chronischen Hustens und eines Verdachts auf eine Pleuritis und
zusätzlich wegen einer zunehmenden, schweren Fatigue-Symptomatik als Ausdruck
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einer systemischen oder neuropsychiatrischen Aktivität erneut mit Cyclophosphamid
behandelt. Eine neurologische Untersuchung habe bestätigt, dass die schwere
Fatigue-Symptomatik kognitiv schwer und motorisch mittelschwer ausgeprägt sei.
Insgesamt sei die Versicherte in ihrem Beruf dauerhaft höchstens zu 50% arbeitsfähig.
Bereits am 4. Mai 2016 hatte eine psychologische Untersuchung durch die Klinik für
Neurologie des Kantonsspitals St.Gallen stattgefunden. Gemäss dem entsprechenden
Bericht vom 17. Mai 2016 (IV-act. 61-9 ff.) waren insgesamt leichte kognitive
Funktionsstörungen vorgefunden worden. Im Vordergrund hatte dabei eine leichte bis
mittelschwere Antriebs- und Aufmerksamkeitsstörung mit einer reduzierten
Grundaktivierung und einem verlangsamten kognitiven Arbeitstempo gestanden.
Daneben hatten sich im Exekutivbereich leicht reduzierte Flüssigkeitsleistungen
gezeigt. Im Gedächtnisbereich war einzig die verbale Merkspanne minimal vermindert
gewesen. Auf der emotionalen und auf der Persönlichkeitsebene hatten sich Hinweise
auf eine minimale depressive Symptomatik mit hauptsächlich körperlichen und
kognitiven Symptomen sowie Hinweise auf eine schwere Fatigue-Symptomatik
(kognitiv schwer und motorisch mittelschwer ausgeprägt) ergeben. Gegenüber einer
offenbar im Jahr 2004 durchgeführten Untersuchung hatten sich der Antrieb und die
Aufmerksamkeit leicht verbessert und die weiteren geprüften kognitiven
Funktionsbereiche (Gedächtnis-, Exekutiv- und Aufmerksamkeitsbereich) waren
unauffällig gewesen. Der zuständige Arzt des RAD hielt am 27. Oktober 2016 fest (IV-
act. 63-2), die neuropsychologische Untersuchung habe eine zumindest teilweise
Befundverbesserung ergeben. Die rheumatologischen Berichte wiesen multiple
Widersprüchlichkeiten auf. Damit sei keine deutliche und anhaltende gesundheitliche
Verschlechterung belegt. Die IV-Stelle ging deshalb weiterhin von einem
Arbeitsfähigkeitsgrad am angestammten Arbeitsplatz von 60% aus. Sie ermittelte einen
Invaliditätsgrad von 40% (IV-act. 64). Im Vorbescheidsverfahren gab die Versicherte an,
sie würde sich gerne für eine polydisziplinäre Begutachtung zur Verfügung stellen (IV-
act. 67). Die IV-Stelle wies das Gesuch um eine Rentenerhöhung mit einer Verfügung
vom 4. Januar 2017 ab (IV-act. 68). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
D.
Am 15. Februar 2018 beantragte die Versicherte erneut eine Rentenerhöhung (IV-act.
72). Sie machte geltend, sie könne seit März 2017 aus gesundheitlichen Gründen keine
Arbeitsleistung im Rahmen von 60% mehr erbringen. Ihre Arbeitgeberin habe sich
gezwungen gesehen, das Arbeitspensum auf 50% zu reduzieren. Damit habe
verhindert werden sollen, dass sie ihren Arbeitsplatz gänzlich verliere. Prof. Dr. D._
hatte am 31. Januar 2018 angegeben (IV-act. 73), die Versicherte sei aufgrund ihrer
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Erkrankung in ihrer beruflichen Tätigkeit dauerhaft nicht mehr als maximal 50%
arbeitsfähig. Er habe ab 1. März 2017 eine ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit von
50% bescheinigt. Die Reduktion von 60 auf 50 Stellenprozent sei aus medizinischer
Sicht dringend geboten, um die Versicherte weiterhin im Arbeitsprozess zu halten. Die
Arbeitgeberin hatte am 21. November 2017 bestätigt, dass sie das Arbeitspensum der
Versicherten auf 50% habe reduzieren müssen, weil die Versicherte nur noch eine
Arbeitsleistung von 50% erbringe (IV-act. 74). Am 13. Juni 2018 berichteten Dr. phil.
E._, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, und Dr. phil. F._, Psychologie
FSP, gegenüber Prof. Dr. D._ (IV-act. 79-5 ff.), im Rahmen einer
neuropsychologischen Verlaufsuntersuchung seien bei der Versicherten insgesamt
mittelschwere bis teilweise schwere kognitive Funktionsstörungen festgestellt worden.
Im Vordergrund stünden mittelschwere attentionale und exekutive sowie leichte bis
mittelschwere Gedächtnisstörungen. Im Aufmerksamkeitsbereich dominiere eine
schwere Störung in der Aufmerksamkeitsbereitschaft und in der Aktivierung sowie im
kognitiven Verarbeitungstempo. Die selektive Aufmerksamkeit sei leicht vermindert. Im
Exekutivbereich stehe im Vordergrund eines mittelschwere bis schwere
Antriebsstörung (sprachlich, im figuralen Antrieb, in der Interferenzabwehr und in einer
planerischen Aufgabe). Im Gedächtnisbereich lägen leichte bis mittelschwere
Einbussen vor, wobei eine leichte bis mittelschwere Lern- und Speicherstörung für
verbale und visuelle Einzelinformationen sowie für verbale Kontextinformationen im
Vordergrund stehe. In der geteilten Aufmerksamkeit, im visuellen Kontextgedächtnis, in
der Wahrnehmung und in der Visuo-Konstruktion habe die Versicherte unauffällige und
durchschnittliche Leistungen gezeigt; im Exekutivbereich sei die Denkflexibilität knapp
genügend gewesen. Im emotionalen und im Persönlichkeitsbereich habe es Hinweise
auf eine minimale Stimmungsproblematik gegeben. Weiter hätten sich Hinweise für
eine schwere Fatigue-Symptomatik ergeben. Weder vom klinischen Eindruck her noch
aufgrund der testinternen Parameter seien Auffälligkeiten bzw. Hinweise auf eine
verminderte Anstrengungsbereitschaft festgestellt worden, weshalb von validen
Befunden ausgegangen werden könne. Der verminderte Antrieb und die Einbussen im
attentionalen Exekutivbereich könnten am ehesten im Zusammenhang mit der
schweren Fatigue-Symptomatik resp. mit der SLE gesehen werden. Aufgrund des
Schweregrades der vorliegenden Befunde könne von einer Alltags- bzw.
Berufsrelevanz ausgegangen werden. Am 26. Juli 2018 erkundigte sich die IV-Stelle
beim Kantonsspital St. Gallen, welche funktionellen Einbussen aufgrund der
Grunderkrankung bestünden, welche Behandlung momentan stattfinde und ob die von
den Neuropsychologen empfohlenen Massnahmen bereits eingeleitet worden seien (IV-
act. 84). Prof. Dr. D._ führte am 21. August 2018 aus (IV-act. 85), die funktionellen
Einbussen seien im Bericht über die neuropsychologische Verlaufsuntersuchung gut
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dargestellt worden. Diese Einbussen seien durch die zerebralen Veränderungen im
Rahmen der zurückliegenden Aktivität des SLE zustande gekommen. Die Schäden
seien irreversibel, da sie durch die medikamentösen Therapien nicht hätten beeinflusst
werden können und da in den vergangenen Jahren keine Aktivitätszeichen
nachweisbar gewesen seien. Die von der Neuropsychologie vorgeschlagenen
Massnahmen seien deshalb supportiv, d.h. sie dienten der Erhaltung des aktuellen
Zustandes und könnten diesen nicht wesentlich verbessern. Am 13. September 2018
notierte der zuständige RAD-Arzt (IV-act. 86), zwar seien die vom RAD formulierten
Fragen nur teilweise beantwortet worden. Es fehlten Angaben über die aktuellen
funktionellen Einschränkungen im Bereich des rheumatologischen Fachgebietes, über
die aktuelle Behandlung des SLE und ob und wo die empfohlene neuropsychologische
Behandlung stattfinde. Gesamthaft sei aber eine Verschlechterung des neurokognitiven
Zustandes gegenüber der Voruntersuchung vom Mai 2016 gegenüber dem Bericht
vom Juni 2018 ausgewiesen. Daher könne auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
rheumatologischen Behandlers (50% in der angestammten Tätigkeit) abgestellt
werden. Die IV-Stelle ermittelte auf der Grundlage eines Arbeitsfähigkeitsgrades von
50% am angestammten Arbeitsplatz einen Invaliditätsgrad von 50% (IV-act. 94). Mit
einer Verfügung vom 26. März 2019 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung
ab dem 1. September 2018 eine halbe Invalidenrente zu (IV-act. 100). Diese Verfügung
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
E.
Am 27. November 2019 beantragte die Versicherte erneut eine Rentenerhöhung
(IV-act. 109). Sie führte aus, sie könne ihr 50%iges Arbeitspensum aus
gesundheitlichen Gründen nicht mehr aufrechterhalten; sie könne maximal noch zu
20% arbeiten. Die Krankentaggeldversicherung habe eine Verschlimmerung des
vorhandenen Leidens festgestellt. Die Arbeitgeberin habe das Pensum auf 20%
herabgesetzt. Die Versicherte reichte u.a. einen Untersuchungsbericht von Prof. Dr.
D._ vom 12. Juni 2019 (IV-act. 113-9 ff.) ein. Darin hatte Prof. Dr. D._ angegeben,
aktuell seien zwar keine objektiven Anzeichen einer aktiven Erkrankung klinisch und
serologisch nachweisbar, aber es sei mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit zu einer
Zunahme der hirnorganischen Veränderungen mit konsekutiven neuropsychologischen
Störungen gekommen. Diese Veränderungen hätten sich in einem neuen Angio-MRI
gezeigt. Sie hätten zu einer zunehmenden Occlusion beider A. vertebralis geführt, so
dass eine mit sonstigen Methoden nicht erfassbare subklinische Aktivität doch ziemlich
E.a.
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wahrscheinlich sei. Die Folge dieser Problematik sei ein multifaktorielles schweres
Fatigue- und Erschöpfungssyndrom, das schon seit geraumer Zeit zu einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit führe. Aus medizinischer Sicht sei es nicht
empfehlenswert, dass die Versicherte ihre Arbeit weiterführe, zumal die Arbeit die
Versicherte daran hindere, sich einer höchst empfehlenswerten psychologisch-
psychiatrischen ambulanten Behandlung zu unterziehen. Der zuständige RAD-Arzt
notierte am 19. Februar 2020 (IV-act. 117-3), die rheumatologischen Behandler hätten
das Fehlen aktueller Aktivitätszeichen des SLE bestätigt. Warum die Durchführung
einer ambulanten Psychotherapie nur bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100% möglich
sein solle, sei nicht nachvollziehbar. Er empfahl eine polydisziplinäre Begutachtung.
Am 28. Juli 2020 erstattete die medexperts ag ihr polydisziplinäres
(rheumatologisches, allgemein internistisches, neurologisches, psychiatrisch-
psychotherapeutisches und neuropsychologisches) Gutachten (IV-act. 124). Die
Sachverständigen gaben an, die Versicherte leide an einer organisch emotional labilen
Störung (ICD-10 F06.6), an einem aktenanamnestischen systemischen Lupus
erythematodes (SLE; Ed 08/2002), an einem thorakolumbovertebralen und beidseits
lumbospondylogenen Syndrom mit anamnestisch thorakospondylogener Komponente
rechts, an migräniformen Kopfschmerzen und an einer Varicosis mit rezidivierenden
Ödemen bei einem anamnestischen Zustand nach insgesamt 3-4
Beinvenenthrombosen. Hinzu kämen folgende Diagnosen (ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit): Bronchiolitis obliterans mit organisierender Pneumonie (ED 2004),
manifeste Osteoporose bei Zustand nach aktenanamnestischer (aktuell konventionell
radiologisch nicht fassbarer) Spontanfraktur BWK 12 bzw. LWK 1, Adipositas II (BMI
39,5), arterielle Hypertonie, zwei bekannte Leberherde im Segment V (DD: Hämangiom,
atypisches Hämangiom) und multiple Allergien (Penicillin, Pollenallergie, Allergie auf
Hausstaub, Pfirsich und Nektarine). Der rheumatologische Sachverständige führte in
seinem Fachgutachten aus (IV-act. 124-18 ff.), es fänden sich aktuell keine klinischen
oder serologischen Hinweise für eine Entzündungsaktivität des aktenanamnestischen
systematischen Lupus erythematodes. Unbestritten sei das Vorliegen eines
Antiphospholipid-Antikörper-Syndroms. Die 08/2002 gestellte Diagnose eines
systemischen Lupus erythematodes lasse sich retrospektiv nicht schlüssig herleiten
und könne weder bestätigt noch ausgeschlossen werden. Klinisch seien weder
E.b.
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muskuloskelettale noch systemische Lupus-assoziierte Organmanifestationen
feststellbar. Die subjektive chronische Fatigue und Erschöpfung lasse sich nicht mit
einer erhöhten Entzündungsaktivität des aktenanamnestischen SLE begründen. Seit
der letzten rechtskräftigen Verfügung der IV-Stelle sei aus rheumatologischer Sicht
keine Entzündungsaktivität des SLE dokumentiert. Auch aktuell seien keine Hinweise
für eine solche Entzündungsaktivität vorhanden. Es sei von einer multifaktoriell
bedingten Chronic Fatigue auszugehen. Eine Chronic Fatigue trete bei
Autoimmunopathien oft auf; bei aktuell fehlenden Hinweisen auf eine
Entzündungsaktivität könne seit der letzten Verfügung eine Arbeitsunfähigkeit von mehr
als 50% allein aus rheumatologischer Sicht nicht begründet werden. Die in den Akten
dokumentierte Spontanfraktur von BWK 12 und LWK 1 (widersprüchliche
aktenanamnestische Angaben) sei aktuell in ergänzend angefertigten
Röntgenaufnahmen nicht fassbar. Die von der Versicherten beklagten
Rückenbeschwerden seien aber mit den objektivierbaren klinischen und radiologischen
Befunden hinreichend erklärbar. Die in der letzten Osteodensitometrie (DEXA) vom 25.
März 2018 ermittelten Knochendichtewerte entsprächen einer Osteopenie.
Zusammenfassend lasse sich eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit
der letzten Verfügung der IV-Stelle vom 25. März 2019 aus rheumatologischer Sicht
nicht objektivieren; die Tätigkeit als B._ sei weiterhin zu 50% (halbtags) zumutbar.
Bei der von der Versicherten ausgeübten Tätigkeit als B._ handle es sich aus
rheumatologischer Sicht um eine körperlich optimal adaptierte Berufstätigkeit. Die
körperliche Leistungsfähigkeit liege im Bereich einer körperlich mindestens leichten,
mit Vorteil wechselbelastenden beruflichen Tätigkeit mit Heben/Tragen von Lasten von
5-10kg. Von weiteren medizinischen Massnahmen/Therapien sei keine Verbesserung
der Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Der internistische Sachverständige gab in seinem
Fachgutachten an (IV-act. 124-33 ff.), aufgrund des höhergradigen Asthmas bestehe
eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für nur mehr leichte und
mittelschwere körperliche Arbeiten. Bezüglich der symptomatischen Varikositas
empfehle sich eine wechselnde Arbeitshaltung unter Anlage der
Kompressionsstrümpfe. Der neurologische Sachverständige führte in seinem
Fachgutachten aus (IV-act. 124-43 ff.), die starke Schmerzintensität mit einer hohen
Anzahl von Kopfschmerztagen führe zu einem erhöhten Pausenbedarf. Deshalb
bestehe aktuell eine Arbeitsunfähigkeit von 20%. Die neuropsychologische
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Sachverständige gab in ihrem Teilgutachten (IV-act. 125) an, insgesamt seien vor allem
eine ausgeprägte Antriebsstörung und eine kognitive Verlangsamung deutlich
geworden. Letztere werde vor allem in attentionalen und exekutiven Anforderungen
deutlich. Dabei seien verschiedene Aufmerksamkeitsbereiche wie z.B. die Alertness
und die selektive und geteilte Aufmerksamkeit vermindert. Insbesondere habe sich die
mentale Flexibilität als weit unterdurchschnittlich betroffen gezeigt. Weniger
ausgeprägt seien mnestische Störungen; hier sei insbesondere die eingeschränkte
verbale Wiedererkennungsleistung aufgefallen. Die kognitive Verlangsamung habe sich
jedoch in anderen Bereichen gezeigt, die qualitativ nicht betroffen seien, z.B. im
Wortschatz, beim logischen Denken oder auch im figuralen Gedächtnis.
Unterdurchschnittliche Testergebnisse seien in der zweiten Testhälfte zu finden
gewesen, was auf eine Belastbarkeitsminderung hinweise. Insgesamt könne von einer
hohen Alltags- resp. Berufsrelevanz ausgegangen werden. Als für den Berufsalltag
besonders limitierend würden die umfassende und ausgeprägte kognitive
Verlangsamung sowie die verminderte Aktivierung bei den kognitiven Anforderungen
gesehen. Die Funktionsfähigkeit sei in den meisten beruflichen Anforderungen deutlich
eingeschränkt. In Berufen mit hohen Anforderungen sei die Funktionsfähigkeit stark
eingeschränkt. Die Befunde sprächen insgesamt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
für eine mittelschwere neuropsychologische Störung. Der psychiatrische
Sachverständige hielt fest (IV-act. 124-52 ff.), aufgrund der deutlichen und anhaltenden
Affektinkontinenz und Labilität, der erhöhten Ermüdbarkeit und der Vielzahl
unangenehmer körperlichen Empfindungen und Schmerzen als Folge einer
bestehenden somatischen Störung könne die Diagnose einer organisch emotional
labilen Störung bestätigt werden. Aufgrund der Untersuchungsbefunde könnten
weitere psychiatrische Erkrankungen ausgeschlossen werden. Aus psychiatrischer
Sicht bestehe aufgrund der neurokognitiven Einschränkungen eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit. Der
Versicherten könnten Tätigkeiten mit höherer nervlicher Belastung oder
Konzentrationsanforderung, mit eigener Entscheidungsbefugnis bzw.
Überwachungsfunktion, mit engem Zeitlimit und im ausschliesslichen Personenkontakt
oder mit hohen visuellen Anforderungen nicht zugemutet werden. Eingeschränkt
zeigten sich besonders die attentionalen und exekutiven Funktionen. Geeignet seien
einfache Tätigkeiten ohne besondere Verantwortung mit mehr vorgegebenen seriellen
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F.
Arbeitsabläufen. Nicht durchgeführt werden sollten Tätigkeiten im Nachtschichtbetrieb
und mit Stressbelastung. Zu empfehlen seien eine wohlwollende Arbeitsatmosphäre
und keine ausschliessliche Teamarbeit. Insgesamt bestehe sowohl für die
angestammte Tätigkeit als B._ als auch für weitere angepasste Tätigkeiten eine
50%ige Arbeitsfähigkeit. Aus interdisziplinärer Sicht kamen die beteiligten Gutachter
zum Schluss, dass sich keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit
September 2018 objektivieren lasse. Es hätten sich zwar neue diagnostische
Gesichtspunkte ergeben, diese beeinflussten die Gesamteinschätzung der
Leistungsfähigkeit aber nicht. Sowohl für die angestammte als auch für jede andere
adaptierte Tätigkeit sei von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50% auszugehen.
Der RAD-Arzt notierte am 30. Juli 2020, auf das medexperts-Gutachten könne
abgestellt werden (IV-act. 127). Die IV-Stelle verglich ein Valideneinkommen in der
Tätigkeit als B._ am bestehenden Arbeitsplatz von Fr. 88'920.-- mit einem
Invalideneinkommen am selben Arbeitsplatz von Fr. 44'460.-- und ermittelte so einen
Invaliditätsgrad von 50% (IV-act. 128). Mit einem Vorbescheid vom 31. Juli 2020
kündigte die IV-Stelle der Versicherten aufgrund eines unveränderten IV-Grades von
50% die Abweisung des Rentenerhöhungsgesuchs an (IV-act. 132). Am 16. September
2020 beantragte die Versicherte die Zusprache einer höheren Rente (IV-act. 133). Zur
Begründung gab sie an, sie sei selbst in einer ideal angepassten Tätigkeit (wie sie sie
derzeit ausübe) nicht mehr als zu 20% arbeitsfähig. Am 12. Oktober 2020 verfügte die
IV-Stelle die Abweisung des Gesuchs um Erhöhung der Invalidenrente (IV-act. 136). Zur
Begründung führte sie sinngemäss aus, gemäss dem Gutachten sei die Versicherte in
der angestammten Tätigkeit als B._ zu 50% arbeitsfähig. Sie habe keine neuen
medizinischen Unterlagen eingereicht, welche die gutachterlich beurteilte
Arbeitsfähigkeit in Frage stellen würden.
E.c.
Am 10. November 2020/19. Februar 2021 erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) fristgerecht Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle (nach
folgend: Beschwerdegegnerin) vom 12. Oktober 2020 (act. G 1 und G 7). Sie
beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Ausrichtung einer
ganzen Rente ab dem 1. Dezember 2019. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen
F.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/17
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aus, auf das Gutachten der medexperts ag könne nicht abgestellt werden bzw. in der
interdisziplinären Beurteilung seien unhaltbare Schlüsse bezüglich der verbleibenden
Arbeitsfähigkeit gezogen worden. Der rheumatologische Sachverständige habe
ausgeführt, die Zunahme der Chronic Fatigue lasse sich bei Fehlen einer
Entzündungsaktivität der Autoimmunopathie nicht mit der rheumatischen
Systemerkrankung erklären. Diese Schlussfolgerung sei insbesondere unter Beachtung
der Angaben des behandelnden Rheumatologen Prof. Dr. D._ nicht haltbar. Die
Verschlechterung des Gesundheitszustandes müsse aus dem multifaktoriellen
Krankheitsbild als Ganzes abgeleitet werden. Allein aus dem Fehlen einer aktuellen
Entzündungsproblematik auf das Fehlen einer Verschlechterung des
Gesundheitszustandes zu schliessen, greife zu kurz. Unhaltbar sei weiter die
Schlussfolgerung, dass die Chronic Fatigue nicht auf den SLE zurückgeführt werden
dürfe, weil diese auch andere Ursachen haben könne. Das Ausmass der Chronic
Fatigue sei nicht mittels Geräten messbar. Aufgrund der Wahrnehmungen der
Arbeitgeberin, wonach die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin deutlich
abgenommen habe, und der subjektiven Schilderung der Beschwerdeführerin selbst
sei übereinstimmend mit den Beobachtungen der Behandler von einer Verstärkung der
Chronic Fatigue Symptomatik auszugehen. Dabei sei zu berücksichtigen, dass
anlässlich der Begutachtung keine Inkonsistenzen festgestellt worden seien und dass
das Symptomvalidierungsverfahren keinerlei Auffälligkeiten gezeigt habe. Insbesondere
die in der neuropsychologischen Testung in der zweiten Hälfte stark
unterdurchschnittlichen Testergebnisse sprächen deutlich für eine Ermüdung bzw.
Erschöpfung. Insgesamt sei eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes in der
klinischen Untersuchung sichtbar und ausgewiesen, selbst wenn - mit Ausnahme der
emotionalen labilen Störung - keine neuen Diagnosen erhoben worden seien. Weiter
entspreche die Tätigkeit als B._ nicht (mehr) einer adaptierten Tätigkeit; die Tätigkeit
als B._ sei mit den angeführten Adaptionskriterien nicht vereinbar. Die
Beschwerdeführerin reichte unter anderem einen Bericht von Prof. Dr. D._ vom 26.
Januar 2021 ein (act. G 7.1.1). Prof. Dr. D._ hatte darin ausgeführt, die Diagnose
einer SLE bestehe zweifelsfrei. Bei der Beschwerdeführerin habe von Beginn an ein
Blutgefässschaden im zentralen Nervensystem (mit Sinusvenenthrombose und
Kleinhirninfarkten) im Vordergrund gestanden. Die Bronchiolitis schliesse die Diagnose
einer SLE nicht aus. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich seit
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Erwägungen
1.
der Diagnose (der SLE) in den frühen 2000ern über die Jahre langsam und progredient
verschlechtert. Die Verschlechterung habe zu einem durch Entzündung entstandenen
Schaden und möglicherweise zu sekundären psychischen Problemen geführt. Die
Fatigue sei mittlerweile eine universell anerkannte Manifestation des SLE.
In einer Beschwerdeantwort vom 15. April 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 10). Sie begründete dies
im Wesentlichen damit, dass das medexperts-Gutachten vom 28. Juli 2020 die an eine
beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage zu stellenden Voraussetzungen
erfülle. Prof. Dr. D._ gehe in seinem Schreiben offenbar davon aus, dass der
rheumatologische Gutachter die Diagnose einer SLE in Frage stelle. Dies treffe nicht zu.
Die SLE sei im Gutachten als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
aufgelistet worden. Auch die Chronic Fatigue sei im Gutachten berücksichtigt worden;
die Gutachter hätten explizit festgehalten, dass die neurologischen Befunde mit einer
Chronic Fatigue vereinbar seien (mit Verweis auf IV-act. 124-9). Bezüglich der Tätigkeit
als B._ hätten sich die Gutachter aufgrund der Befragung und den zur Verfügung
stehenden Unterlagen ein Bild von der Tätigkeit machen können. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung, die sich speziell auf die Tätigkeit als B._ beziehe, sei
sicherlich genauer als eine Beurteilung über das Belastungsprofil.
F.b.
In einer Replik vom 25. Juni 2021 liess die Beschwerdeführerin an ihren
Beschwerdeanträgen festhalten (act. G 14). Sie führte ergänzend aus, dass sich
insbesondere die psychiatrischen und neuropsychologischen Gutachter nicht mit der
vorgebrachten Verschlechterung der Chronic Fatigue auseinandergesetzt hätten.
F.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 26. Juli 2021 auf die Einreichung einer
Duplik (act. G 16).
F.d.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen,
1.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/17
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2.
Die Beschwerdegegnerin ist bei der erstmaligen Zusprache der Invalidenrente und bei
den späteren Revisionsverfahren immer davon ausgegangen, dass nicht nur die
Validen-, sondern auch die Invalidenkarriere in der Tätigkeit der Beschwerdeführerin als
Laborantin bestehe. Sie muss also angenommen haben, dass die Beschwerdeführerin
die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit bei der Ausübung ihres Berufes bestmöglich
verwerten könne. Den dem Gericht vorliegenden Akten lässt sich allerdings nicht
entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin je vertieft geprüft hätte, ob diese Annahme
tatsächlich richtig gewesen ist, ob die Beschwerdeführerin also tatsächlich nicht durch
eine Umschulung (Art. 17 Abs. 1 IVG) oder durch eine Weiterausbildung (Art. 16 Abs. 2
lit. c IVG) in die Lage versetzt worden wäre, entweder einen der
Gesundheitsbeeinträchtigung besser Rechnung tragenden und damit einen höheren
Arbeitsfähigkeitsgrad (bei einem vergleichbaren Lohnniveau) zulassenden Beruf
auszuüben oder aber einer Berufstätigkeit nachzugehen, bei der die Arbeitsfähigkeit
zwar nicht ansteigen, aber ein höheres Lohnniveau als im Beruf als Laborantin
bestehen würde. Auch in dem der angefochtenen Verfügung vorausgegangenen
Revisionsverfahren ist die Beschwerdegegnerin wieder davon ausgegangen, dass die
Tätigkeit als Laborantin die ideale Invalidenkarriere sei. Tatsächlich hat eine
entsprechende berufsberaterische Abklärung unterbleiben können, denn die
Beschwerdeführerin ist offenkundig aus medizinischen Gründen weder umschulungs-
noch weiterbildungsfähig. Bei einer massiv reduzierten Arbeitsfähigkeit für sämtliche
Arten von Erwerbstätigkeit ist nämlich auch die "Ausbildungsfähigkeit" entsprechend
die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen,
Anlass zur Rentenrevision. Die Invalidenrente ist nicht nur bei einer wesentlichen
Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die
erwerblichen Auswirkungen des sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes
erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
Gegenstand dieses Verfahrens ist, ob die Beschwerdegegnerin das Erhöhungs
gesuch der Beschwerdeführerin vom 15. Februar 2018 zu Recht abgewiesen hat. Der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ist letztmals anlässlich des mit der Verfügung
vom 26. März 2019 abgeschlossenen Revisionsverfahrens materiell geprüft worden.
Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse, namentlich die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, zwischen dem 26. März 2019 und dem 12.
Oktober 2020 (Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung) derart verändert
haben, dass daraus eine Änderung des Invaliditätsgrades resultiert, welche zu einer
Änderung des Rentenanspruchs führt.
1.2.
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reduziert, so dass die Ausbildungszeit mindestens doppelt so lang wäre wie bei einer
uneingeschränkten Arbeits- bzw. "Ausbildungsfähigkeit", was aus der Sicht der
Beschwerdeführerin unverhältnismässig lang und damit unzumutbar wäre. Im Übrigen
ist die Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit insbesondere in
psychischer Hinsicht einer Umschulung in einen anderen Beruf gar nicht gewachsen.
Erst recht gilt das für eine – notwendigerweise intellektuell besonders
anforderungsreiche – Weiterausbildung. Unter diesen Umständen hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht eine IV-rentenspezifische Schadenminderungspflicht
der Beschwerdeführerin in der Form einer beruflichen Eingliederung (in der Praxis als
"Eingliederung vor Rente" bezeichnet, vgl. etwa U. Kieser, ATSG-Kommentar, 4. A.,
Vorbemerkungen N. 86) verneint und weiterhin als Invalidenkarriere den erlernten Beruf
bzw. dessen weitere Ausübung beim langjährigen Arbeitgeber herangezogen.
3.
Bei der Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens kommt
den Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit eine
zentrale Rolle zu. Zur Klärung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit hat die
Beschwerdegegnerin bei der medexperts ag ein polydisziplinäres Gutachten eingeholt.
Auf dieses Gutachten hat die Beschwerdegegnerin bei der Bemessung des
Invaliditätsgrades abgestellt. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die in diesem Gutachten
angegebene Arbeitsfähigkeit überwiegend wahrscheinlich richtig ist.
3.1.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und die
Schlussfolgerungen der Sachverständigen begründet sind (vgl. etwa BGE 125 V 351,
E. 3a). Die Sachverständigen der medexperts ag haben die medizinischen Vorakten
eingehend gewürdigt und die subjektiven Klagen der Beschwerdeführerin umfassend
wiedergegeben. In ihren Teilgutachten haben sie die von ihnen erhobenen objektiven
klinischen Befunde anschaulich und vollständig dargelegt und in ihrer Art und Schwere
gewürdigt, wobei sie sich auch mit den Angaben der Beschwerdeführerin
auseinandergesetzt haben. Sie haben ihre versicherungsmedizinische Beurteilung
detailliert begründet. Insbesondere der rheumatologische Sachverständige hat
nachvollziehbar ausgeführt, dass die SLE sich nicht verschlimmert hat. So sei
aktenanamnestisch seit der letzten rechtskräftigen Verfügung (März 2019) keine
Entzündungsaktivität des SLE dokumentiert. Auch aktuell seien keine Hinweise für eine
solche Entzündungsaktivität vorhanden. Es besteht kein Grund zur Annahme, dass
3.2.
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einer der Sachverständigen eine wesentliche medizinische Tatsache übersehen oder
versehentlich ignoriert hätten. Der für ihre Beurteilung massgebende medizinische
Sachverhalt ist den Sachverständigen vollumfänglich bekannt gewesen. Die
Sachverständigen haben eine Konsistenzprüfung vorgenommen. Sie haben ausgeführt,
die Beschwerdeführerin habe ihre Beschwerden konsistent und glaubhaft geschildert;
sie hätten plausibel gewirkt und korrelierten aus interdisziplinärer Sicht mit den
objektivierbaren Befunden. Die von den Sachverständigen abschliessend abgegebene
interdisziplinäre Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist einleuchtend und mit den in den
Teilgutachten enthaltenen Würdigungen vereinbar.
Der Rechtsvertreter wendet ein, die Sachverständigen hätten sich nicht bzw. nur
ungenügend mit dem durch die SLE bedingte Chronic Fatigue- bzw. des
Erschöpfungssyndroms auseinandergesetzt. Die im Gutachten gezogene
Schlussfolgerung, wonach das Chronic Fatigue-Syndrom nicht zu einer Erhöhung der
Arbeitsunfähigkeit führe, sei nicht mit dem von Dr. D._ Berichteten vereinbar. Die
Sachverständigen, insbesondere der rheumatologische Sachverständige, haben sich
vertieft mit der SLE auseinandergesetzt; sie wird vom rheumatologischen
Sachverständigen denn auch als arbeitsfähigkeitsrelevante Diagnose aufgelistet (IV-
act. 124-27). Der rheumatologische Sachverständige hat zwar angegeben, er habe die
SLE aktuell weder bestätigen noch dementieren können, weshalb er die Diagnose als
"aktenanamnestisch" betitelt habe (IV-act. 124-27). Die Sachverständigen haben über
sämtliche Informationen in den Akten verfügt und sie haben sämtliche notwendigen
Abklärungen vorgenommen, um ein Chronic-Fatigue-Syndrom oder
Erschöpfungssyndrom zu prüfen. Sowohl bei einem Chronic Fatigue-Syndrom als auch
bei einem Erschöpfungssyndrom hat die Arbeitsfähigkeitsschätzung grundsätzlich
anhand des strukturierten Beweisverfahrens zu erfolgen, es sei denn die Fatigue sei auf
einen somatischen Gesundheitsschaden (z.B. ZNS-Erkrankung) zurückzuführen; dann
ist eine Prüfung nach den Standardindikatoren nicht zulässig (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 6. August 2019, 9C_106/2019, E. 2.3.3). Im Bericht vom 12. Juni
2018 (IV-act. 113-9 ff.) hat der die Beschwerdeführerin behandelnde Prof. Dr. D._
ausgeführt, dass aktuell keine objektiven Zeichen einer aktiven Erkrankung (des SLE)
klinisch und serologisch nachweisbar seien; Aktivitätszeichen seien damit nicht
vorhanden. Er ist damit zum gleichen Schluss gekommen wie der rheumatologische
Gutachter, nämlich dass aktuell keine Entzündungsaktivität vorliege. Trotzdem hat Prof.
Dr. D._ angegeben, dass im Rahmen eines Gesamtschadens ein multifaktorielles,
schweres Fatigue- und Erschöpfungssyndrom bestehe, das seines Erachtens schon
seit geraumer Zeit zu einer dauerhaften 100%igen Arbeitsfähigkeit führe; in der
Diagnosenliste hat er dafür unter anderem "psychosomatische Ursachen" angegeben.
3.3.
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Prof. Dr. D._ hat sich bei der Erhebung der Befunde vorwiegend auf die
Schilderungen der Beschwerdeführerin gestützt. Er hat also keine objektive
Betrachtungsweise eingenommen, sondern sich bei der Beurteilung von Art und
Ausmass einer Gesundheitsbeeinträchtigung massgeblich auf die subjektiven Angaben
der Beschwerdeführerin gestützt. Im Weiteren hat er für die Arbeitsfähigkeitsschätzung
von der Diagnose eines Chronic Fatigue Syndroms direkt auf eine Arbeitsunfähigkeit
geschlossen bzw. er ist von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. Er hat also
nicht anhand des strukturierten Beweisverfahrens geprüft, über welches funktionelle
Leistungsvermögen die Beschwerdeführerin objektiv noch verfügt, was für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung allein massgebend ist. Aufgrund der Erfahrung von Prof. Dr.
D._ und seines vertieften Fachwissens besteht zwar eine gewisse Plausibilität
bezüglich seiner Aussagen. Die beschriebene Schwere eines Chronic Fatigue-
Syndroms bzw. eines Erschöpfungssyndroms vermag aber dem Beweismass der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 138 V 218 S. 221 m.w.H.) nicht zu genügen.
Die Gutachter hätten noch die "Fatigue Skala für Motorik und Kognition" (FSMC; vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Fatigue_Skala_f%C3%BCr_Motorik_und_Kognition
abgerufen am 15.03.2022) prüfen können. Da diese Skala aber gestützt auf die
Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers ausgewertet wird, und bei einem Antrag
um Rentenerhöhung eine Verdeutlichungstendenz nicht ausgeschlossen werden kann,
ist unter antizipierter Beweiswürdigung auch von dieser weiteren Abklärung ist kein
wesentlicher Erkenntnisgewinn zu erwarten, da auch damit die Chronic Fatigue nicht
objektiv messbar ist. Die Berichte von Prof. Dr. D._ sind nicht geeignet, ein Absinken
der Arbeitsfähigkeit von 50% auf 20% mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu
belegen und Zweifel am Gutachten zu wecken.
Die Beschwerdeführerin hat eine Ausbildung zur B._ gemacht, sie übt diesen
Beruf nach wie vor aus. Damit bildet die Tätigkeit als B._ die Validenkarriere der
Beschwerdeführerin. Da die Tätigkeit als B._ einer adaptierten Tätigkeit entspricht
und gemäss den obigen Ausführungen keine berufliche Eingliederung im Sinne der
Eingliederung vor Rente in Frage kommt, bildet die Tätigkeit als B._ auch die
Invalidenkarriere. Der Invaliditätsgrad ist deshalb anhand eines sogenannten
Prozentvergleichs zu ermitteln, er entspricht also dem Arbeitsunfähigkeitsgrad,
allenfalls korrigiert um einen (dem sog. Tabellenlohnabzug analogen) zusätzlichen
Abzug. Gemäss dem überzeugenden Gutachten der medexperts ag ist der
Beschwerdeführerin die Arbeit als B._ an ihrem aktuellen Arbeitsplatz zu 50%
zumutbar. Im Rahmen eines Prozentvergleichs resultiert damit eine Einschränkung von
50%. Ein zusätzlicher Abzug ist nicht gerechtfertigt. In den Akten fehlt nämlich ein
Hinweis darauf, dass die Beschwerdeführerin von ihrem Arbeitgeber einen
3.4.
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4.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Sie ist
vollumfänglich der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Die unterliegende
Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung; das
entsprechende Begehren ist abzuweisen.