Decision ID: 09317972-8fbe-4140-8a6c-937cca53c540
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1972 geborene
X._
(verheiratet und Vater von zwei 2014 und 2020 geborenen Kindern) arbeitete zuletzt seit Dezember 2000 bei der
Z._
AG als Schichtleiter
in
einem 100%-Pensum
und
meldete
sich
am 6. Januar 2012 (Eingangsdatum) aufgrund eines Bandscheibenvorfalls bei der Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 11/2
-7
).
In der Folge tätigte die IV-Stelle medizinische
und erwerbliche Abklärungen. Gestützt auf die Stellungnahme von
Dr.
med.
Dr.
rer
. pol. A._
, Fach
arzt für Innere Medizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 17. August 2012 (Urk. 11/21 S. 3 f.)
stellte die IV-Stelle
X._
ab dem 1. Sep
tember 2012 die
Zusprache
einer
Viertelsrente
in Aussicht Urk. 11/23). Im
Einspracheverfahren
verzichtete der Versicherte auf seinen Rentenanspruch, da er seiner bisherigen Tätigkeit wieder zu 100 % nachgehe (Urk. 11/2
7
und Urk. 11/
31
).
Mit Verfügung vom 13. November 2012 wies die IV-Stelle daher
einen Leistungsanspruch
mangels andauernder
Arbeitsunfähigkeit und
renten
begründender Erwerbsunfähigkeit ab (Urk. 11/34).
1.2
Nachdem sich aufgrund eines am 23. Januar 2015 in
Bangladesh
erlittenen Verkehrsunfalls die Rückenbeschwerden von
X._
verschlechtert hatten
, meldete er sich
unter Mithilfe
der SWICA
wiederum
bei der IV
-Stelle zum L
eistungsbezug an (Urk. 11/37-38)
. Mit E
ntscheid vom 29. Juni 2015 stellte die SWICA als Unfallve
r
sicherung ihre Leistungen per 28.
Februar
2015 ein
mit der Begründung, dass die unfallbedingten Beschwerden bis dahin wieder abgeheilt gewesen
seien (Urk. 11/43 S. 1 f.).
Die IV-Stelle tätigte
daraufhin
medizinische und erwerbliche Abklärungen.
Nachdem der Versicherte ab dem 1. Dezember 2015 wieder voll arbeitsfähig gewesen war (vgl. Urk. 11/50 S. 2), wies die IV-Stelle
mit Verfügung vom 5. April 2016
das Leistungsbegehren ab, da das Wartejahr nicht erfüllt sei (Urk. 11/52).
1.3
Am 15. Mai 2020 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
wegen des Bandscheibenvorfalls aus dem Jahre 2011
erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 11/58, unter Beilage diverser Arztberichte, Urk. 11/57).
Die IV-Stelle tätigte
daraufhin
medizinisc
he und erwerbliche Abklärungen und zog die Akten der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG als Krankentaggeldversicherung bei, darunter auch
die
in deren Auftrag
erstellte
F
unktionsorientierte Medizi
nische Abklärung
des Zentrums B._
AG vom 25. Juni 2020 (
FOMA
der
B._
, Urk. 11/74 S. 26-46)
sowie das
V
ersiche
rungsmedizinische
Funktions
- und Ressourcenorientierte Assessment (
VmFRA
)
vom 12. Juli 2020 gestützt auf eine
psychiatrisch-psychopathologische und verhaltensneurologisch-leistungspsychologische
Untersuchung
(Urk. 11/74 S. 5-20)
. Am 16. Dezember 2020 nahm RAD-Arzt
Dr.
med. C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, eine versicherungsmedizinische Beurteilung vor (Urk. 11/84 S. 4 f.). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 11/85 und Urk. 11/94) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 19. Feb
ruar 2021 einen Leistungsanspruch (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 23. März 2021
Beschwerde und bean
tragte, es
sei
en
ihm
unter Aufhebung der angefocht
enen Verfügung vom 19. Feb
ruar 2021
die gesetzlichen IVG-Leistungen und
eine
Invalidenrente zuzusprechen, eventuell sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Urk. 1). Mit Eingabe vom 20. Mai 2021 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er ab dem 1. Mai 2021 wieder eine Tätigkeit als Koch bei einem 40%-Pensum aufgenommen habe (Urk. 7 und Urk. 8/1-2).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2021 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 10/1-96)
.
Mit Verfügung vom
16. Juni 2021
ordnete das hiesige Gericht einen zweiten Schriftenwechsel an und stellte dem Beschwerdef
ührer die Beschwerdeantwort zu (Urk. 11
). Die eingegangene
Replik
vom 18. August 2021 (Urk. 13
) wurde der Beschwerdegegnerin am
25. August 2021
zugestellt, woraufhin diese am
7. September 2021 auf Duplik verzichtete (Urk. 16
). Mit Eingabe vom
19. November 2021
teilte
der Beschwer
deführer
mit, dass er wieder zu 50 % als Koch/Küchenchef arbeite (Urk. 18 und Urk. 19/1-3).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird -
soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestim
mungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE
146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG)
.
1.4
Arbeitsunf
ähige (Art.
6 ATSG) Versicherte, welche eingliederun
gsfähig sind, haben gemäss Art. 18 Abs.
1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines
geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
.
a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ih
res Arbeitsplatzes (
lit
.
b). Die IV-Stelle
veranlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Vorausset
zungen dafür erfüllt sind (Abs.
2).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
bedarf der Anspruch auf Arbeits
vermittlung weder der Invalidität noch eines Mindestinvaliditätsgrades. Zur Begründung des Anspruchs ist jedoch eine spezifische Einschränkung gesund
heitlicher Art notwendig, wenn die Arbeitsfähigkeit einzig insoweit betroffen ist, als der versicherten Person nur leichte Tätigkeiten voll zumutbar sind. Die leis
tungsspezifische Invalidität des Anspruchs liegt vor, wenn die Behinderung Prob
leme bei der Stellensuche verursacht. Dies trifft beispielsweise zu, wenn wegen Stummheit oder mangelnder Mobilität kein Bewerbungsgespräch möglich ist oder dem potenziellen Arbeitgeber die besonderen Möglichkeiten und Grenzen der versicherten Person erläutert werden müssen (zum Beispiel welche Tätigkeiten trotz Sehbehinderung erledigt werden können), damit sie überhaupt eine Chance hat, den gewünschten Arbeitsplatz zu erhalten (Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2015 vom 12. Januar 2016 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch Kreisschreiben über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art [KSBE], Stand 1. Januar 2020,
Rz
5005).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungs
gericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweis
regeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerde
verfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander wider
sprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
1.6
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG einge
holten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezialärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzu
erkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
1.7
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchs
frei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fach
personen
praxisgemäss
nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen
Verfügung (Urk. 2) gestützt auf
ihre Abklärungen davon aus
, dass dem Beschwerdeführer die bisherige Tätig
keit als Schichtleiter Produktion aufgrund seiner gesundheitlichen
Einschrän
kungen
- begründet durch
die vermehrten Pau
sen und der dadurch verursachten
Leistungsminderung -
noch in einem Pensum von 75 % zumutbar sei.
In einer an
gepassten Tätigkeit (körperlich leichte Tätigkeit ohne vorgeneigtes Stehen oder Arbeiten über Kopf, ohne Verharren in verdrehter oder geneigter Zwangshaltung, ohne langes Stehen am Ort und ohne häufiges Treppen- oder Leitersteigen) sei er vollumfänglich arbeitsfähig. Entsprechend sei der Beschwerdeführer in der Lage, ein rentenausschliessendes E
inkommen zu erz
ielen. Die vorliegenden medizini
schen Akten seien komplett und schlüssig, weshalb ein einzuholendes Gutachten nicht zielführend sei.
Da eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit vorliege, sei das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) für die Unterstüt
zung bei der Stellensuche zuständig.
2.2
Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber vor, die Beschwerdegegnerin habe den Sachverhalt nicht rechtskonform abgeklärt, indem sie nur auf die von de
r Allianz in Auftrag gegebenen
Kurzgutachten abstelle und dabei weder die Vorak
ten
noch die Fachb
erichte der Behandler berücksichtige.
Es gäbe diverse Wider
sprüche.
Gemäss dem Bericht der Universitätsklinik
D._
vom 12. Februar 2021 lägen neu auch neurologische Diagnosen vor.
Er sei - nach einer schritt
weisen wiedereingliederungsweisen Steigerung - maximal zu 50 % arbeitsfähig. Deshalb habe er Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Eventuell sei die Sache zu weiteren Abklärung
en
(Einholung eines weiteren Gutachtens) und
hernach zur Prüfung von beruflichen Massnahmen und/oder
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen
(Urk. 1)
.
2.3
In der Beschwerdeantwort (Urk. 9) hielt die Beschwerdegegnerin dafür, dass mit den von der Allianz eingeholten Gutachten (FOMA und
VmFRA
) eine
rechts
genügliche
versicherungsmedizinische Grundlage vorliege und diese in Kenn
tnis des gesamten Krankheitsverl
aufes seit 2011 ergangen seien. RAD-Arzt
Dr.
C._
habe
bei seiner Beurteilung die gesamte medizinische Aktenlage berücksichtigt. Eine Widersprüchlichkeit bestehe
nur bei
der unterschiedlichen Bewertung des Belastungsprofils bei der angestammten Tätigkeit (leichte oder mitte
l
schwere bis schwere Tätigkeit).
In freier Beweiswürdigung sei der objektiven Testung und differenzierten versicherungsmedizinischen Beurteilung des
B._
zu folgen. In antizipierter Beweiswürdigung sei von
einer neuerlichen Expertise
abzusehen, liefe sie doch auf eine unzulässige «
second
opinion
» hinaus. Auch der beigelegte Bericht der Universitätsklinik
D._
vom 12. Februar 2021 ändere nichts daran, da die neurologische Diagnose der
Radikulopathie
L5 längst bekannt sei
. Gestützt auf die
Aktenlage sei der Beschwerdeführer in zumutbarer Verweistätigkeit voll arbeitsfähig.
2.4
Der Beschwerdeführer
wiederholte in der Replik
, dass er seit 2011 wegen seiner Rückenproblematik wiederholt arbeitsunfähig gewesen sei und deshalb seither in Behandlung sei. Die Beschwerdegegnerin habe weder die fachlichen Wider
sprüche zwischen der VVG-Untersuchung und den
Fachbehandlern
noch zwischen den RAD-Einschätzungen von 2012 und 2020 erklären können. Bei den von der Kollektiv-Krankenversicherung in Auftr
ag gegebenen Abklärungen
handle es sich nicht um ein eigentliches Gutachten (Urk. 9).
3.
Die Verfügung vom
19. Februar 2021
(Urk. 2), mit welcher das Leistungs
begehren abgewiesen wurde, basierte auf folgenden medizinischen Beurteilungen:
3.
1
In der FOMA der
B._
vom 25. Juni 2020 (Urk. 10/74 S. 26-46), welche
auftrags
der Allianz erstellt wurde, wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt:
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit/bei:
-
Verdacht auf
lumboradikuläre
Reizung L5 links (MRI der LWS vom
15. Juli 2019: Dorsaldeviation der L5 Wurzel
rezessaler
durch
Dis-
k
usprotrusion
L4/5)
-
Status nach
lumboradikulärem
Reiz- und Ausfallsyndrom L5 links
bei Diskushernie L4/5 mit nach
mediolateral
luxiertem
Sequester bis
in den
Recessus
, Schwäche des
M
usculus
flexor
allucis
longus
links
2012
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblieben eine arterielle Hypertonie und ein Status nach inkompletter
Faszialisparese
links. Der als Küchenmitarbeiter tätige Beschwerdeführer leide seit dem Jahr 2011 unter Schmerzen im linken Bein. Sein Krankheitsverlauf habe mit einer linksseitigen Gesichtslähmung ihren Anfang genommen.
Nachdem sich die Gesichtsproblematik verbessert gehabt habe, habe der Beschwerdeführer ein komisches Gefühl und Schmerzen im linken Bein verspürt, wobei er dieses eines Tages plötzlich nicht mehr habe belasten können. Trotzdem sei er
weiterhin zur Arbeit gegangen. N
ach drei Wochen habe er jedoch erneut andauernde Schmerzen gemischt mit einem Lähmungsgefühl im linken Bein verspürt. Es sei ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert und ihm eine Krankschreibung ausgestellt worden. Zur Beinproblematik sei
en
auch Rücken
beschwerden und ein hoher Blutdruck aufgetreten. Er habe deshalb Kortison-Injektionen erhalten. Nachdem langsam eine Besserung eingetreten sei, habe er stufenweise seine Arbeit
wieder aufgenommen
. Deshalb habe er auch auf die Invalidenrente verzichtet. Der Beschwerdeführer sei nie mehr schmerzfrei gewe
sen und seit etwa einem Jahr verspüre er nun auch rechtsseitige Gesäss- und Beinschmerzen. Eine MRI-Kontrolle habe aber keine Verschlechterung des radio
logischen Befundes ergeben. Seit dem 13. Februar 2020 sei er wieder
arbeitsun
fähig
.
E
r leide unter brennenden Schmerzen
überwiegend im Bereich des linken Beins, dies vom Gesäss aussenseitig bis zum Knie gehend mit Gefühl von Kraft
minderung linksseitig. Die Schmerzen beständen rund um die Uhr und insbe
sondere nachts gehe es ihm schlechter. Er sei alle zwei bis drei Stunden wach und müsse umherlaufen. Die durchgeführte Physiotherapie und die eingenommene Schmerzmedikation seien nicht wirklich wirksam. Die eine Zeitlang eingenom
menen Schlafmittel habe er wieder abgesetzt, da
er
dennoch schmerzbedingt wach geworden sei und vermehrt unter Schwindel sowie Tagesmüdigkeit gelitten habe. Subjektiv gehe es dem Beschwerdeführer um Schmerzen in den Beinen beidseits, überwiegend links, mit Ausstrahlung über den gesamten Rücken bis
zum Nacken und um damit verbundene Schlafstörungen und Kraftminderung. Objektiv bei der aktuellen klinischen Untersuchung sei eine schmerzhaft bedingte eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule im Lendenbereich sowie ein
pseu
doradik
u
läres
Reizsyndrom
,
nicht zu einem Segment zugeordnet
,
eruiert worden. Eine Hyposensibilität im Bereich der L5-In
n
ervation links sei ebenfalls festgestellt worden. Bei der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) bei mässi
ger Symptomausweitung und zum Teil Selbstlimitierung habe der Beschwerde
führer eine mässige Leistungsbereitschaft und mässige Konsistenz gezeigt. Er habe sich mindestens bis zum leichten
B
ereich belasten lasse
n
.
Ausserdem habe der Beschwerdeführer sehr müde gewirkt, da er bereits seit Jahren nicht mehr durchschlafe. Eine Leistungsminderung der Rückenmuskulatur im Lendenbereich, das heisse eine verminderte Kraftausdauer, habe beobachtet werden können. Zu
sammengefasst beständen radiologisch bestätigte strukturell-organische Veränderungen im
L
WS-B
er
eich, w
elche eine gewisse Leistungsminderung medi
zinisch nachvollziehbar erscheinen liessen, aber nicht in dem vom Beschwerde
führer gezeigten Ausmass.
Die angestammte Tätigkeit als Küchenmitarbeiter bei der
Z._
AG sei von Seiten der Gewi
chte her als leicht zu taxieren.
Die
gezeigte Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
liege
teilweise unter den dortig
en Belastungsanforderungen
. Das eigentliche Problem in der angestammten Tätigkeit sei die Ausübung in gehender und stehender Position
. A
ufgrund der teilweisen Selbstlimitierung könne die Beurteilung nur teilweise gestützt auf die EFL-Testung erfolgen. Aus rein rheumatologisch-orthopädischer Sicht sowie medizinisch-theoretisch sei die angestammte Tätigkeit dem Beschwerdeführer ganztags zumutbar; um jedoch einer Kumulation der Beschwerden vorzubeugen wäre eine zusätzliche Pause von 2.5 Stunden/Tag verteilt notwendig. Es bestehe somit eine 75%ige Arbeitsfähig
keit. Nach Absolvieren der empf
ohlenen Reha sei von einer 100%i
gen Arbeits
fähigkeit auszugehen (spätestens ab September 2020).
Eine mindestens mittel
schwere
(zu hantierende Lasten von 10-15 Kilogramm) wechselpositionierende Tätigkeit ohne andauernde rückenbelastende Positionen oder Tätigkeiten, wobei Arbeiten über Schulterhöhe, vorgeneigt
es
Stehen und Sitzen, Rotation im Sitzen, Kriechen, Stehen an Ort, Treppe
n
- und Leitersteigen aktuell zwischen 0.5 und 3 Stunden über den Tag verteilt möglich seien, seien dem Beschwerdeführer ganz
tags und somit zu 100 % zumutbar.
Richtungsweisende
medizinalfremde
Fakto
ren lägen nicht vor. Die Leistungsbereitschaft sei im Wesentlichen zuverlässig, die Konsistenz aber mässig gewesen.
3.
2
Im
versicherungsmedizinische
n
Funktions- und Ressourcenorientierte Assess
ment (
VmFRA
,
Urk. 11/74 S. 5-20) vom 12. Juli 2020
wurde
gestützt auf eine
psychiatrisch-psychopathologische und verhaltensneurologisch-leistungs
psychologische Untersuchung
festgehalten, dass sich aktuell ein unauffälliges
geistig
-mentales/neurokognitives Leistungsprofil fest
st
ellen
lasse
. Insgesamt lies
sen
s
ich keine Einschränk
u
ngen an die im angestammten
B
eruf des Beschwer
deführers gestellten Anforderungen an die kognitive Belastbarkeit, die kognitive Flexibilität und die Fehlerkontrolle ableiten. Die aufgeführten Befunde
qualifi
zierten objektiv-
kriterienorientiert
anhand der ICF-Modalitäten auch nicht für relevante Beeinträchtigungen des psychosozialen Funktionspotenzials, korrelie
rend zum erfragten subjektiv geschilderten globalen Alltagsaktivitätsspektrum (Performance). Unter Ber
ü
cksichtigung des im Rahmen der angestammten
b
eruf
lichen Tätigkeit als Küchenmitarbeiter und Schichtleiter geforderten intellektu
ellen Anspruchsniveaus mittleren Grades sei gesamthaft von keinen kognitiven Einschränkungen auszugehen. Das geforderte körperliche Anspruchsniveau sei als leicht bis mittelschwer zu beurteilen. Hinsichtlich der Zumutbarkeit der beruflichen Reintegration aus somatischer Sicht sei auf die rheumatologisch-orthopädische Beurteilung verwiesen.
Die harten, berufsrelevanten ICF-Fähigkeitsdimensionen seien allesamt a
u
s gutachterlicher Sicht (klinisch-interak
tionell, verhaltensneurologisch und leistungspsychologisch- ps
ychometrisch) nicht limitiert. E
s bestehe demnach eine erhebliche Diskrepanz zwischen der subjektiven Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (Selbsteinschätzung) und dem objektiven Fehlen leistungseinschränkender Befunde.
Die für die Bemes
sung/Schätzung der Arbeitsfähigkeit
nach
versicherungsmedizinischen
Kriterien geforderte klinisch-objektive Schweregradbeurteilung und ressourcenorientierte Beurteilung/Schätzung des objektiven psychosozialen Funktionspotenzials und der berufsrelevanten Fähigkeiten und Fertigkeiten in Anlehnung an ICF-Modalitäten implizier
t
en heute aus psychiatrisch-psychopathologischer und neuropsychologisch-leistungspsychologischer Sicht für die angestammte Tätig
keit als Küchenmitarbeiter und Schichtleiter sowie für jede bildungsadäquate Tätigkeit objektiv keine Einschränkungen der
Capacity
(0%ige Arbeitsunfähig
keit). Klinisch-deskriptiv
,
im Rahm
en der aktuellen Momentaufnahme, zeige sich
bei guter Offenheit und Ausku
n
ftsbereitschaft, subaffektiv
e,
eine
punktuell höchstens leichtgra
dige affektbetonte, gespannt-agitierte Phänomenologie
dys
thymer
Prägung schmerzreaktiver Genese bei subjektiv beklagter therapiere
sis
tenter Dauerschmerzproblematik und organzentrierter
Kausalattribution
,
die
als leichtgradige F4-Anpassu
ngsstörung zu klassifizieren
sei
. Es
gäbe keine Hinweise für psychosoziale Belastungsfaktoren oder
aggravative
Tendenzen mit direktem Kausalzusammenhang zur Grundproblematik. Objektiv gäbe es keine Hinweise für Antriebsstörungen beziehungsweise Störungen der Handlungs
energie bei unauffälligen objektiven AMDP-Modalitäten. Testpsychologisch zeige sich eine
positive Leistungsmotivation.
Neuropsychologisc
h-leistungspsycholo
gisch (test
di
agnostisch-psychometrisch) seien keine neurokognitiven
depres
sogenen
Funk
tionsdefizite mit Berufsrelevanz feststellbar. Der Beschwerdeführer sei durch
gehend psychisch-emotional und mental-intellektuell kompensiert und gefestigt. Bei guter Mitarbeit und guter Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft
ergäben sich klinisch-interaktionell und testdiagnostisch/psychometrisch keine Hinweise für bewusstseinsnahe Antwortverfälschungen/negative Antwortver
zerrungen (motivati
onale Beschwerdevalidierung). Es
bestehe aus leistungs
psychologischer Sicht eine erhebliche Diskrepanz zwischen der subjektiven Einschätzung der Arbeitsfähigkeit/Alltagsfunktionsniveau und der objektiven Einschätzung der Leistungsfähigkeit (Ressourcen/Defizite) bei objektiv Fehlen von leistungs
einschränkenden Befunden. Die Zumutbarkeitsbeurteilung (zur Überwindung des Leidens) im Rahmen des biopsychischen («juristischen») Krank
heitsbegriff
s
sei dann aber Sache des Rechtsanwenders selber. Ber
e
its eigenanam
nestisch im Sinn der Selbstdeklaration sei auch subjektiv von keiner durchge
henden Einschrän
kung des globalen Alltagsaktivitätsspektrums auszugehen.
3.3
Im Bericht zur beruflichen Integration/Rente der Universitätsklinik
D._
vom 18. September 2020 (Urk. 10/80 S. 7 11) zuhanden der Beschwerdegegnerin wurden folgenden Diagnosen aufgeführt:
-
Lumboradikuläre
Reizung L5 links
-
Status nach
lumboradikuläre
m
Reiz-/Ausfallsyndrom L5 links
-
Diskushernie 4/5 nach
mediolateral
luxiertem Sequester bis
in d
en
Rezessus
, Schwäche des
M.
flexor
hallucis
longus
links
-
Infiltrationen
-
CT-gesteuerte therapeutische Infiltration L5 links
-
21. Mai 2012: NWB L5 links
-
anamnestisch diverse weitere Infiltrationen (alle drei
Monate)
-
Wurzelinfiltration L5 links vom 9. August 2019 ohne Effekt,
eher negativ
-
10. August 2020: NWB L5 links, gutes Ansprechen
-
MRI der LWS vom 15. Juli 2019: Dorsaldeviation der L5-Wurzel
links
rezessal
durch
Diskusprotrusion
L4/5, leicht
regredient
zur
Voruntersuchung, minimer Reizzustand der Endplatten L4/5,
stationär zur Voruntersuchung
-
N
europhysi
ologische Untersuchung vom 31. Juli 2020: chronische
sensomotorische L5-Radikulopathie links, keine Hinweise für eine
floride
Denervierung
-
Status nach inkompletter
Fazialisparese
links
Der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 6. November 2019 einmal monatlich dort in Behandlung. Er sei vom Hausarzt zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. Es persistierten weiterhin
gluteale
Beschwerden linksbetont. Die ausstrahlenden Schmerzen im Bereich des lateralen Unterschenkels seien weniger häufig und intensiv.
Der Beschwerdeführer sei während 20 Jahren bei der
Z._
AG ange
stellt gewesen; nun sei ihm per Ende November 2020 gekündigt worden. Bei seiner bisherigen Tätigkeit im Schichtbetrieb habe er zum Teil repetitiv schwere Lasten heben (Ausladen von Materialien) und häufig Treppensteigen müssen. Der Beschwerdeführer sei sicherlich eingeschränkt im Heben von Lasten
.
Grund
sätzlich sei eine stückweise Wiedereingliederung des Beschwerdeführe
r
s in den Arbeitsprozess zu begrüssen, was auch dessen Wunsch entspreche.
Dabei sei eine leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne Verharren in einer Zwangsposition oder ohne längeres Überkopfarbeiten empfohlen. Die Leistungsfähigkeit des Beschwer
deführers sei eingeschränkt. Falls die bisherige Tätigkeit entsprechend angepasst werden könnte und der Beschwerdeführer Ruhepausen hätte und keine schweren Lasten heben müsste, wäre mit einer Eingliederung von 1.5 Stunden pro Tag drei Mal pro Woche zu beginnen, welche sukzessive bis zu einer 50%igen Arbeits
fähigkeit gesteigert werden könnte
. Eine dem Leiden angepasste Tätigkeit - mit entsprechenden Ruhepausen - sei etwa für drei bis vier Stunden pro Tag zumut
bar
.
3.
4.
Dr.
med. E._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, der den Beschwerdeführer seit dem 26. März 2019 neu als Hausarzt behandelt, nannte in seinem Bericht vom 5.
Dezember
2020 (Urk. 10/83) zuhanden der Beschwerde
gegnerin als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
lumbospondyogenes
Schmerzsyndrom bei/mit Dorsaldeviation der L5-Wurzel links
rezessal
durch
Diskusprotrusion
L4-L5 und einem Sta
t
us nach mehrmaligen Infiltrationen
. L
etztere im August 2019 leider ohne Effekt. Der Beschwerdeführer sei für die Mitarbeit in einem Restaurant als mittelschwere bis schwere Tätigkeit seit dem 13. Februar 202
0
bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Der Beschwerdeführer leide seit
mehreren
Jahren an starken Kreuzschmerzen, welche nun seit anfangs 2020 stark zugenommen hätten.
Die Belastbarkeit des
Achsen
sekeletts
sei massiv eingeschränkt.
Der Beschwerdeführer sei für eine mittel
schwere bis schwere Tätigkeit in der freien Wirtschaft wie die bisherige Tätigkeit langfristig zu 100 % arbeitsunfähig. Hingegen sei ihm eine körperlich leichte, wechselbelastende, vorwiegend sitzende Tätigkeit ohne Heben und Stossen von schweren Lasten und ohne repetitive Bewegungen wahrscheinlich zu 50 % zumutbar, wobei mit
öfteren
krankheitsbedingten Absenzen zu rechnen sei. Dabei
sei die Prognose wahrscheinlich günstig. Berufliche Massnahmen kämen wegen der fehlenden Voraussetzungen nicht in Frage. Im Haushalt sei der Beschwerde
führer circa 20-30 % eingeschränkt.
3.
5
RAD-Arzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
,
hielt in seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 16. Dezember 2020 (Urk. 10/84 S. 4 f.) fest, dass anhand der vorliegenden Arzt
berichte mit der
lumboradikulären
Reizung L5 links
ein
somatische
r
Gesundheits
schaden einschliesslich einer sich daraus ableitenden Einschränkung der funk
ti
onellen Leistungsfähigkeit ausgewiesen sei. Dieser Gesundheitsschaden sei seit Längerem stabil. Hinsichtlich der Bewertung der Arbeitsunfähigkeit gäbe es gemäss den vorliegenden Berichten widersprüchliche Angaben beziehungsweise Beurteilungen: so bezeichne der Hausarzt
Dr.
E._
die angestammte Tätig
keit als mittelschwer bis schwer und gebe dafür ab dem 13. Februar 2020 bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
und für eine angepasste Tätigkeit eine «wahrscheinlich 50%ige Arbeitsfähigkeit» an. Im FOMA-Bericht - nach rheuma
tologischer Untersuchung und erfolgter EFL - hingegen werde die angestammte Tätigkeit als «von Seiten der Gewichte her als leicht» bezeichnet, wobei das eigentliche Problem die Ausübung in gehender und stehender Position gewesen sei. Für diese Tätigkeit sei zunächst eine Arbeitsfähigkeit von 75 %, aber nach Absolvieren einer empfohlenen Reha ab spätestens September 2020 bereits eine 100%ige Arbeitsfähigkeit angegeben
worden
, wobei für eine angepasste Tätigkeit sowieso ab sofort eine Arb
eitsfähigkeit von 100 % gelte. N
achdem offenbar keine Reha stattgefunden habe, sei aus versicherungsmedizinischer Sicht mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit von einem seit der FOMA (Juni 2020) unveränderten Gesundheitsschaden auszugehen; somit ab dem 12. Juni 2020 von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit (ganztätige Präsenz mit vermehrten Pausen und dadurch Leis
tungsminderung um 25 %) bis auf Weiteres. Im Verlauf
sei der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit entsprechend vom 13. Februar bis 12. Juni 2020 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen und seither bis auf Weiteres zu 25 % arbeitsun
fähig.
Für eine optimal b
ehinderungsangepasste Tätigkeit hingegen bestehe seit jeher eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (körperlich leicht,
ohne vorgeneigtes Stehen oder Arbeiten über Kopf, ohne Verharren in verdrehter oder geneigter Zwangshaltung, ohne langes Stehen am Ort, Kriechen/Kauern oder häufiges Trep
pen- oder Leitersteigen).
3.
6
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte der Beschwerdeführer einen Verlaufsbericht und aktuellen Arztbericht
der Universitätsklinik
D._
vom 12. Februar 2021 ein
(Urk. 3/1)
, worin
die im früheren Bericht vom 18. September 2020 genannten Diagnosen
wiederholt wurden
(vgl. E. 3.3.3).
Die Belastbarkeit
des Beschwerdeführers
sei reduziert
. Aufgrund der bestehenden L5-Radik
ulopa
thie, welche chronisch sei und
sich auch neurologisch
nachweisen
lasse, bestän
den beim Beschwerdeführer ausstrahlende Schmerzen linksbetont. Durch Heben von schweren Lasten, Treppensteigen, Verharren in einer Zwangsposition und Ähnlichem
w
ü
rden diese Beschwerden getriggert, sodass der Beschwerdeführer vor allem nächtlich unter starken Schmerzen leide, mehrfach erwache und nur wenige Stunden schlafen könne. Es sei eine leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne Verharren in einer Zwangsposition oder längeres Überkopfarbeiten oder repetitives Heben von schweren Lasten über 5 Kilogramm empfohlen. Dabei sei sicherlich die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers eingeschränkt. Eine stückweise Wiedereingliederung bis zu einem 50%-Pensum sei realistisch, sofern die genannten Bedingungen eingehalten würden. Eine Verbesserung durch operative Massnahmen sei von wirbelsäulenchirurgischer Seite nicht gesehen worden. Zum Erhalt der Leistungsfähigkeit seien weiter regelmässige therapeu
tische Massnahmen sowie das regelmässige Training sinnvoll. Im besten Fall
blie
ben die Schmerzen stabil. A
llenfalls wäre es möglich, dass es auch wieder zu einer Verschlechterung der Schmerzsymptomatik mit einer vermehrten
radikulären
Reizung L5 links komme; gegebenenfalls wäre eine erneute
Infiltration
möglich.
Da sich der Beschwerdeführer von 2011 bis 2013 nicht dort in Behandlung befunden habe, könnten zum damaligen Gesundheitszustand keine Angaben gemacht werden.
3.
7
Dr.
E._
attestierte dem Beschwerdeführer im ärztliche
n
Zeugnis vom 12. März 2021 (Urk. 8/2) eine vom 13. Februar
b
is 30. November 2020 dauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit, eine vom 1. Dezember 2020 bis 31. März 2021 dauernde 80%ige Arbeitsunfähigkeit und eine vom 1. bis 30. April 2021 dauernde 75%ige Arbeitsunfähigkeit.
4.
4.1
Die FOMA der
B._
vom 25. Juni 2020
(Urk. 10/74 S. 26-46
) basiert auf einer umfassenden rheumatologischen Untersuchung samt Evaluation der arbeitsbe
zogenen funktionellen Leistungsfähigkeit
(EFL)
und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(Anamnese) abgegeben. Die Gutachter haben detaillierte und nachvollziehbare Befunde und Diagnosen erhoben und sich mit den
vom
Beschwerdeführer geklagten Beschwerden auseinandergesetzt. Zudem wurden die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situa
tion einleuchtend dargelegt und die Schlussfolgerung nachvollziehbar begründet.
Zudem wird die sich auf die somatischen Beschwerden beschränkte FOMA durch
das
VmFRA
vom 12. Juli 2020 (Urk. 10/74 S. 5-20) ergänzt, welches sich aus psychiatrisch-psychopathologischer und neuropsychologisch-leistungspsycholo
gischer Sicht zur Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers äussert.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 3 f. und Urk. 13 S. 2) ist auch den
d
urch Privatversicherer eingeholten Gutachten von externen Spezi
alärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
auch nur geringe Zweifel
gegen die Zuverlä
ssigkeit der Expertise sprechen. Da
solche vorliegend nicht ersichtlich
sind, kommt der FOMA
- sowie auch der
überaus überzeugenden
VmFRA
-
demnach grundsätzlich v
olle Beweiskraft zu (vgl. E. 1.4-5 mit weiteren Hinwei
sen
).
4.2
Vorweg ist festzuhalten, dass aufgrund der gegebenen Aktenlage
unbestrittener
massen
keine relevante psychisch
e
Gesundheitsstörung
beim Beschwerdeführer
vorliegt
. Aus psychiatrischer Sicht wurde vielmehr sogar positiv hervorgehoben, dass
der Beschwerdeführer
durchgehend psychisch-emotional und mental-intel
lektuell kompensiert und gefestigt sei.
4.3
Gestützt auf die
bezüglich Befunderhebung und Diagnoses
tellung im Wesent
lichen übereinstimmenden ärztlichen Berichte steht fest, dass mit der dargelegten
Diagnose ein
somatischer
Gesundheitsschaden, welcher s
ich auf die Arbeitsfähig
keit des Beschwerdefüh
rers auswirkt, ausgewiesen ist.
So stellte
n
die fachärzt
lichen
B._
-
Gutachte
r nachvollziehbar fest, dass dem Beschwerdeführer
die bisherige Tätigkeit
als
Küchenmitarbeiter und Schichtleiter im Restaurant
- begründet durch die vermehrten Pausen und die dadurch verursachte Leistungs
minderung -
nur
noch
zu 75 % zumutbar sei, ihm diese aber nach Absolvierung einer Reha wieder zu 100 % möglich sei.
In einer angepassten Tätigkeit (körper
lich leichte Tätigkeit ohne vorgeneigtes Stehen oder Arbeiten über Kopf, ohne Verharren in verdrehter oder geneigter Zwangshaltung, ohne langes Stehen am Ort und ohne häufiges Treppen- oder Leitersteigen) sei er
dagegen
vollumfänglich arbeitsfähig
. D
iese Einschätzung überzeugt aufgrund der u
mfassend dargelegten Befundlage
und stimmt im W
esentlichen auch mit derjenigen
des
von der Verwaltung hinzugezogenen
RAD-Arztes überein, ausser dass
Dr.
C._
wegen Nicht-Absolvierens einer Reha zugunsten des Beschwerdeführers sogar
auch nach dem 12. Juni 2020 (Zeitpunkt der FOMA)
von einer um 25 % eingeschränkten Arbeit
sfähigkeit ausging (vgl. E. 3.
5)
.
4.4
An der überzeugenden Einschätzung der
B._
-Gutachter sowie des RAD, wonach dem Beschwer
deführer
eine angepasste Tätigkeit
seit jeher
vollumfänglich zumutbar ist, vermögen auch die Einwände des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 4 ff.) nichts zu ändern:
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers erging die FOMA in Kenntnis des Krankheitsverlaufs seit 2011 und den vorhandenen Behandlungsberichten vom 25. September 2019 bis zum 12. März 2020 (
vgl. hierzu
Urk. 10/74 S.
33
)
Dass nicht sämtliche Akten der Invalidenversicherung beigezogen wurden, vermag deren Beweiswert nicht zu schmälern. Einerseits sind die Diagnosen über all die Jahre, wie der Beschwerdeführer selber einräumt (
Urk.
1 S. 6), fast iden
tisch geblieben, andererseits steht die Diagnosestellung im Rahmen einer funkti
onsorientierten medizinischen Abklärung gerade nicht im Vordergrund, sondern ist eine Evaluation der - aktuellen - arbeitsbezogenen funktionellen Leistungs
fähigkeit das Ziel, bei welcher die Bedeutung einer lückenlosen Aktenanamnese in den Hintergrund tritt.
RAD-Arzt
Dr.
C._
stützte sich bei seiner schlüssigen versicherungsmedizinischen Beurteilung auf die gesamte - lückenlose - medizi
nische Aktenlage. Seine Feststellung vom 16. Dezember 2020, dass der Gesund
heitsschaden des Beschwerdeführers unter anderem seit Längerem stabi
l sei (vgl. E. 3.
5), steht denn auch nicht mit der früheren Einschätzung des RAD von 2012 in Widerspruch (vgl. beschwerdeweises Vorbringen, Urk. 1 S. 6). Zwar wurde
damals
sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit von einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen
, doch wurde auch ein bedeu
tendes Verbesserungspotenzial gesehen, da bereits nach sechs Monaten eine Revision vorgesehen war. Die Rückenproblematik hat sich denn auch tatsächlich soweit gebessert, dass der Beschwerdeführer ab Mitte August 2012 seiner ange
stammten Tätigkeit wieder zu 100 % nachgehen konnte.
Mit Ausnahme der unfallbedingen Verschlechterung der Rückenproblematik, konnte der Beschwer
deführer denn bis Febru
ar 2020 seiner Arbeit nachgehen
.
Die stark unterschiedliche Bewertung der Arbeitsfähigkeit in bisheriger Tätigkeit zwischen den behandelnden Ärzten, die eine vollständige Arbeitsunfähigkeit annahmen, und den Gutachtern, die zum Zeitpunkt der Begutachtung von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit ausgingen, ist zum Hauptteil auf die unterschiedliche Bewertung des Belastungsprofils der bisher ausgeübten Tätigkeit zurückzuführen. Die Behandler legten ihrer Beurteilung eine mittelschwere bis schweren Tätigkeit zugrunde (E. 3.3 und E. 3.4), während die FOMA die bisherige Tätigkeit als leicht taxierte (E. 3.1). Die unterschiedliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit wiederum lässt sich
mit der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 9 S. 2) -
mit der Erfahrungstatsache erklären, dass behandelnde Ärzte im Hinblick
auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung
in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 13
5
V 465 E. 4.5, BGE 125 V 251 E. 3b/cc), weshalb deren Aussagen mit Vorbehalt zu würdigen sind.
Zudem konnten sich die
B._
-Gutachter auf objektive Testungsresultate stützen und bei mässiger Symptomausweitung und teilweiser Selbstlimitierung eine fragliche Leistungsbereitschaft und mässige Konsistenz beobachten.
Auch das Vorbringen des Beschwerdeführers, dass mit dem im Beschwerde
verfahren eingereichten Bericht der Universitätsklinik
D._
vom 12. Februar 2021 neu auch eine neurologische Diagnose vorliege (Urk. 1 S. 7 f.)
, trifft nicht zu, da die sensomotorische
Radikulopathie
der Wurzel L5 schon bekannt war (vgl. E. 3.3). Dieser Umstand wurde denn auch von RAD-Arzt
Dr.
C._
berück
sichtigt.
4.5
Soweit
der Beschwerdeführer
weitere medizinische Abkl
ärungen verlangt (Urk. 1 S. 11
), ist darauf in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten, da der Gesund
heitszustand und die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit aufgrund der vorliegenden medizi
nischen Akten - insbesondere der
voll beweiskräftigen
FOMA (Urk. 10/74 S. 26-46
) - hinreichend abgeklärt sind.
Nach dem Gesagten steht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fes
t, dass der Beschwerdeführer
seit jeher
eine leidensangepasste Tätigkeit (
körperlich leichte Tätigkeit ohne vorgeneigtes Stehen oder Arbeiten über Kopf, ohne Verharren in verdrehter oder geneigter Zwangshaltung, ohne langes Stehen am Ort und ohne häufiges Treppen- oder Leitersteigen)
zu 10
0 % zumutbar ist.
4.6
Bei einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit in einer
an
gepassten Tätigkeit, bei der
vorliegend
mit
gleichen
Verdie
nstmöglichkeiten zu rechnen ist
wie in der ange
stammten Tätigkeit als
Schichtleiter in einem Restaurant, erübrigt
sich ein Einkommensvergleich und besteht kein A
nspruch auf eine Invalidenrente
(E. 1.1 und E. 1.2).
Ebenso wenig besteht ein Anspruch auf berufliche Massnahmen der Invaliden
versic
herung, da der Beschwerdeführer
bei voller Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
weder invalid noch von einer Invalidität b
edroht ist (E. 1.1 und E. 1.3).
Für die
Stellensuche sei er auf die
Beratung durch die Arbeitslosenversicherung verwiesen
, da keine spezifischen Einschränkungen gesundheitlicher Art vorliegen (vgl. E. 1.4).
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zu bemessen sind (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), sind a
uf Fr. 600.-- anzusetzen und dem
u
nterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen.