Decision ID: 5a106769-2351-4019-ab3e-fdd8cdcbd024
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, arbeitete seit dem 1. Januar 2013 als Mitarbeiter im Rüstsektor bei der
Z._
AG (Urk. 10/13/1). Ab dem 26. Januar 2018 wurde er zu 100 % krankgeschrieben und bezog Krankentaggel
der (Urk. 10/47/3,
vgl.
Urk. 10/12/
15-20 und Urk. 10/12/21-24). Am 16. Juli 2018 (Eingangsdatum, vgl. Aktenverzeichnis zu Urk. 10/3) meldete sich der Ver
sicherte unter Hinweis auf eine
n
Rückens
chaden
und seit 2014 bestehende
Schmerzen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/3/5). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nische und erwerbliche Situation ab und zog Akten der Krankentaggeldversiche
rung bei (Urk. 10/47).
D
ie
Arbeitgeber
in
löste das Arbeitsverhältnis mit dem Ver
sicherten am 2. August per 31. Oktober 2018 auf (Urk. 10/13/8).
Sodann
teilte
die
Krankentaggeldversicherung
dem Versicherten am 1
3.
März 2019 mit, dass sie
ihre
- auf der Basis eines Arbeitsunfähigkeitsgrades von 100
%
ausgerichteten -
Leistungen per 14. Juni 2019 ein
stelle
(Urk. 10/47/3 f.).
Mit Vorbescheid vom 26. August 2019 stellte
die IV-Stelle
dem Versicherten die Abweisung des Leis
tungsbegehrens in Aussicht (Urk. 10/56). Dagegen erhob dieser am 11. September 2019 Einwand und reichte
diverse
Unterlagen
ein (Urk. 10/60). In der Folge tätigte die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen
und holte
zwei
Stellung
nahme
n
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), Dr. med.
A._
, Facharzt für Chirurgie, vom 16. sowie 23. Januar 2020 ein (Urk. 10/85/4 f.,
Urk. 10/68 f.,
Urk.
10/73, Urk. 10/75). Am 16. März 2020 verzichtete der
Versi
cherte
, nun vertreten durch
MLaw
Y._
,
Dextra
Rechtsschutz AG
(Urk. 10/79 f.)
, auf eine Vernehmlassung zu den ergänzenden
Sachverhaltsabklä
rungen (Urk. 10/84).
Am 31. März 2020 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des
Versicherten
ab (Urk. 10/86 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der
Versicherte
am 18. Mai 2020 Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung vom 31. März 2020 aufzuheben und es seien weitere Abklä
rungen zum Sachverhalt zu treffen. Insbesondere sei ein Gutachten einzuholen, welches sich zu seiner Arbeitsfähigkeit in angestammter und angepasster Tätig
keit äussere. Ferner seien ihm die gesetzlichen Leistungen auszurichten (Urk. 1 S. 2
, vgl. auch
Urk.
6
).
Seiner Beschwerde legte er
unter anderem
einen Bericht von Dr. med.
B._
, praktische Ärztin, vom 2. Dezember 2019 sowie ein Aufgebot zur rheumatologischen Sprechstunde in der Universitätsklinik
C._
,
Klinik für Rheumatologie und Physikalische Medizin
,
vom 20. März 2020 (Urk. 3/6) bei.
Die Beschwerdegegnerin schloss am 2. Juli 2020 auf Abweisung der Beschwerde
(Urk. 9).
Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 9. Juli 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2,
143
V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, aufgrund der medizinischen Abklärungen sei
k
eine gesundheitliche Einschränkung mit der erforderlichen Schwere und Dauer
ausgewiesen
. Aus medizinischer Sicht sei eine innert vier Wochen
auf 100 %
steigerbare
Arbeitsfähigkeit
gegeben
. Zudem bestehe eine psychosoziale Belastungssituation, welche von der Invalidenversi
cherung nicht berücksichtigt werden könne (Urk. 2 S. 1). In der bisherigen Hilfs
arbeitertätigkeit als Mitarbeiter im Rüstsektor der
Z._
AG sei der Beschwerdeführer nicht mehr arbeitsfähig. In jeder andere
n
, höchstens mittel
schweren Hilfsarbeitertätigkeit (seltenes Hantieren mit Lasten von bis zu 15 kg, manchmal bis 10 kg), mit der Möglichkeit zur Wechselpositionierung (Wechsel zwischen Gehen-Stehen und Sitzen), liege jedoch keine Einschränkung vor. Es bestehe kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen oder eine Invalidenrente (Urk. 2 S. 2).
In ihrer Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin, es seien umfas
sende Abklärungen durchgeführt worden, die keinen Hinweis auf ein Lambert-Eaton-Syndrom gezeigt hätten. Aus den medizinischen Unterlagen seien keine Unstimmigkeiten ersichtlich. Es sei dem Beschwerdeführer trotz seiner Beschwer
den möglich, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (Urk. 9 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, er leide an einem schwer behindernden Ganzkörperschmerz mit brennenden Schmerzen in den Armen und Beinen, lumbalen Schmerzen und Gelenkschmerzen. Ferner leide er an einer Schwäche im rechten Bein, sodass er akut sturzgefährdet sei. Alle bisherigen Abklärungen hätten noch keine Klärung
hinsichtlich
der definitiven Ursache der anhaltenden Schmerzen gebracht.
Die Beschwerdegegnerin habe keine Abklärungen durchgeführt. Bei den Akten befinde sich lediglich ein kurzer Abschnitt mit der medizinischen Beurteilung des RAD.
Es
drängten sich zusätzli
ch
e
Abklärungen im Zusammen
h
ang mit der Arbeitsfähigkeit auf. Es liege eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes vor
(Urk. 1 S. 4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen hat.
3.
3.1
Dem Operationsbericht der Klinik
D._
vom 23. Mai 2018 ist zu entneh
men, dass
beim
Beschwerdeführer am 19. April 2018
bei einer diagnostizierten Diskushernie L3/4 rechts
eine mikrochirurgische
interlaminäre
Fenestration
an der Lendenwirbelsäule (L3/4) rechts, eine
Flave
ktomie
und
Rezessotomie
sowie
Exs
t
ir
p
ation des grossen freien
nach
kranial luxierten Sequesters und eine parti
elle
Nukleotomie
durchgeführt wurde
n
(Urk. 10/12/4).
Der Beschwerdeführer befand sich gemäss Austrittsbericht vom 23. Mai 2018 anschliessend vom 19. bis 21. April 2018
stationär in der
Neurochirurgie der Kli
nik
D._
.
Die Behandler stellten die Diagnosen einer Diskushernie L3/4 rechts, einer anamnestisch bestehenden Hypothyreose sowie e
ine
s Status nach Schädelhirntrauma mit Gesichtsverletzung und eines Glasauges auf der rechten Seite. Dazu ergänzten sie, n
ach notfallmässiger Vorstellung
des Beschwerdefüh
rers
bei erheblicher Schonhaltung,
progredienter
Parese L3 rechts und erheblicher Schmerzsymptomatik bis zur Immobilisation sei die dringliche Indikation zur mikrochirurgischen Dekompression und
Sequestrektomie
gestellt worden. Der operative Eingriff habe komplikationslos durchgeführt werden können. Der wei
tere postoperative Verlauf sei regelrecht und es sei eine Mobilisation nach Mass
gabe der Beschwerden erfolgt. Der Beschwerdeführer habe bei vollständig rück
läu
figer Schmerzsymptomatik und M4
-Parese im
Quadrizeps
/Hüftbeuger rechts am 21. April 2018 bei reizlosen Wundverhältnissen in das häusliche Umfeld ent
lassen werden können (Urk. 10/12/5).
Aus dem
ambulanten Sprechstundenbericht vom 23. Mai 2018 über die Verlaufs
kontrolle vom 16. Mai 2018
geht ein
weiterer positiver Verlauf
hervor
. Die präoperative Schmerzsymptomatik sei deutlich rückläufig, ebenfalls die leicht
gradige
Quadrizepsparese
rechts. Aktuell berichte der Beschwerdeführer über neue, insbesondere muskuläre Schmerzen auch im Bereich beider Sprunggelenke (Urk. 10/12/7). Es sei eine Verordnung zu Physiotherapie ausgehändigt und auf
grund der erheblich schweren körperlichen Arbeit eine Verlängerung des Arbeits
unfähigkeitszeugnisses von 100 % um sechs Wochen vorgenommen worden
(Urk. 10/12/7 f., 16. April bis 9. Juli 2018, Urk. 10/12/9)
. Eine klinische Verlaufs
kontrolle finde in zwei bis drei Monaten statt (Urk. 10/12/
8
).
3.2
Mit Bericht vom 29. April 2018 nannte
Dr.
B._
als Diagnosen eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) sowie eine seit dem Jahr 2013 bestehende Mus
kelsch
wäche und
ein generalisiertes Schmerzsyndrom seit 2015 (Ätiologie unklar, Differentialdiagnose [DD] Fibromyalgie). Sie führte aus, der Beschwerdeführer habe in den ersten zwei Wochen wenig
e
, danach
aber
rasche Fortschritte gemacht, sodass er aus ihrer Sicht wieder arbeitsfähig
gewesen wäre
, wenn nicht die Notfalloperation der Diskushernie in der Klinik
D._
anschliessen
d
zu einem Notfall mit konsekutiver Arbeitsunfähigkeit geworden wäre.
Ursprünglich sei es das Arbeitsumfeld
gewesen
, welches zu einer leichten Depression geführt habe. Was die Orthopäden in der Klinik
D._
meinten, könne sie nicht sagen, diese würden nun die Arbeitsunfähigkeit bestimmen. Von Seiten der Depression seien keine weiteren Massnahmen notwendig. Der Beschwerdeführer habe sich durch die Gesprächstherapie bei ihr gut erholt (Urk. 10/12/13). Die von ihr attestierte Arbeitsunfähigkeit habe vom 26. Januar bis 30. April 2018 gedau
ert. Aus ihrer Sicht sei er wieder voll arbeitsfähig, von Seiten der Operation aus jedoch nicht (Urk. 10/12/14).
3.3
Mit Bericht über die Verlaufskontrolle in der
Neurochirurgie der
Klinik
D._
vom 22. August 2018 hielt der behandelnde Dr. med.
E._
, Fach
arzt für Neurochirurgie, an den mit Bericht vom
23. Mai 2018 gestellten Diagno
sen fest und ergänzte diese um eine generalisierte Muskelschwäche seit dem Jahr 2013
sowie
ein generalisiertes Schmerzsyndrom seit dem Jahr 2015, deren Ätio
logie unklar sei (Urk. 10/16). Die anamnestischen und klinischen Befunde zeigten vier Monate postoperativ einen erfreulichen Befund. Die präoperative Beschwer
desymptomatik
sei
vollständig rückläufig.
Residuell
bestehe bei bekanntem generalisiertem Schmerzsyndrom beziehungsweise
lumbospondylogenem
Beschwerdekomplex eine demensprechende Einschränkung des Beschwerdefüh
rers. Da
er
als Lagerarbeiter körperliche
r
Belastung
ausgesetzt gewesen sei
und Kisten über 20 kg getragen habe, bestehe der dringende Bedarf einer
Anpassung
des beruflichen
Umfelds. Bisher sei noch keine rheumatologische Abklärung erfolgt, weshalb er die Kollegen
des Rheuma
zentrums im Hause um ein ambulan
tes Aufgebot des Beschwerdeführers
gebeten habe
(Urk. 10/17).
3.4
Am 28. November 2018 erstatteten Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie
,
sowie Dr. med.
G._
, Fachärztin für Neuro
logie,
von der
H._
,
ein
psychiatrisch
-verhaltensneurologisches Gutachten
zuhanden der Krankentaggeldversicherung
(Urk. 10/47/28 ff.).
Im Rahmen der klinischen Exploration habe sich ein psychopathologisch-verhal
tensneurologisch
,
interaktionell kooperativer Beschwerdeführer gezeigt, bei dem sich ausserhalb einer punktuell
dysthym-dysphorischen
Zeichnung keine rele
vanten depressiven Kernsymptome hätten feststellen lassen (Denken, Antrieb,
Spontanreaktivität
, pragmatisches Kommunikationsverhalten, dynamischer Gesamteindruck, psychisches Energieniveau, kognitive Umstellungsfähigkeit, Emotionsregulation, Ich-Stärke).
Die psychische und kognitive Belastbarkeit des Beschwerdeführers seien nicht beeinträchtigt, seine Gedankengänge seien kohä
rent und er sei über den Verlauf und sein Krankheitsbild sehr gut informiert. Zudem zeige er über den gesamten Verlauf der Exploration keine Antriebs-, keine Initiations- und keine Impulskontrollstörung sowie keine anderweitigen affekt
pathologischen Störungsbilder. Die berufsbezogene neuropsychologisch-leis
tungspsychologische Abklärung ergebe im kognitiven Bereich unter Berücksich
tigung eines prämorbid höchstens mittleren Leistungsprofils eine durchwegs intakte kognitive Leistungsfähigkeit
(Urk. 10/47/35)
.
In Anbetracht
des im Rahmen der angestammten beruflichen Tätigkeit als Ange
stellter in der
Rüsterei
eines
Gastrounternehmens
geforderten
leichten
intellektu
ellen Anspruchsniveaus sei gesamthaft von keinen kognitiven Einschränkungen auszugehen.
Zusammengefasst
sprächen
die aufgeführten Befunde gemäss Mini-ICF-APP nicht für relevante Beeinträchtigungen des psychosozialen Funktions
niveaus (Alltagsaktivitätsspektrum), korrelierend zum erfragten subjektiv geschil
derten globalen Alltagsaktivitätsspektrum. Die «harten» ICF-AFF-Fähig
-
keitsdimensionen
seien allesamt nicht beeinträchtigt. Insgesamt bestehe eine Diskrepanz zwischen der subjektiv beklagten Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit und dem objektiven Fehlen leistungseinschränkender Befunde und
der
subjektiv erfragte
n
«gute
n
» Alltagsperformance (Urk. 10/47/35).
Aus psychiatrisch-psychopathologischer und neuropsychologisch-leistungspsy
chologischer Sicht bestehe für die angestammte Tätigkeit sowie für jede andere bildungsadäquate Tätigkeit eine
100%ige Arbeitsfähigkeit
(Urk. 10/47/36).
3.
5
Vom 17. bis 25. Dezember 2018 war der Beschwerdeführer im Stadtspital
I._
, Klinik für Rheumatologie, hospitalisiert. Dem Austrittsbericht vom 25. Dezember 201
8
lassen sich die folgenden Diagnosen entnehmen:
Multilokuläres
myofaszi
ales
Schmerzsyndrom, sensomotorisches
lumboradikuläres
Ausfalls
yndrom L4 rechts, substituierte Hypothyreose, Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (Differentialdiagnose: bei somatoformer Schmerzstörung [Fibromyalgie], psycho
sozialer Belastungssituation, Akkulturationsschwierigkeiten, emotional vernach
lässigender, negativ verändernder Familienstrukturen in
der
Kindheit und Jugend [ICD-10 Z62.4] sowie anamnestisch Mangel an Entspannung und Freizeit
[ICD-10 Z73.2], Urk. 10/37).
Der Beschwerdeführer habe sich bei
seinem
Eintritt klinisch
afebril
und schmerz
kompensiert in Ruhe gezeigt. Es zeige sich eine Druck- und
Klopfdolenz
der gesamten Wirbelsäule, insbeso
ndere lumbal.
A
nsonsten bestünden keine senso
motorischen Defizite an allen vier Extremitäten. Bei einem
Widesprea
d
-
Pain
-Index (WPI) von 12/19 und
einer Symptomschweregrad-Skala (
SSS
)
von 8/12 sei eine primäre Fibromyalgie als Ursache für die generalisierten Beschwerden und die Schwäche wahrscheinlich. Ein stationär durchgeführtes psychologisches Kon
silium habe eine
Anpassungsstörung
mit depressiver Reaktion bei bekannter psy
chosozialer Belastungssituation ergeben
. Die ICF-Beurteilung bei Spitalaustritt habe eine leichte Einschränkung im Bereich des alltäglichen Lebens gezeigt
(Urk. 10/38)
.
Leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit langsamer Arbeitssteigerung seien zumutbar.
Es werde aktuell ein Arbeitsbeginn mit 20 % in der ersten Woche, 40 % in der zweiten W
oche, 60 % in der dritten Woche, 80 % in der vierten Woche
und dann
100 %
, empfohlen
(Urk. 10/38).
3.
6
In der Folge liess die Krankentaggeldversicherung den Beschwerdeführer vom
Zentrum
J._
, Dr. med.
K._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheuma
tologie, untersuchen (Urk. 10/47/5 ff.). In seinem Bericht vom
5. März 2019
nannte
dieser
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chroni
sches
lumbospondylogenes
Syndrom (Funktionsdefizit sowie leichtes s
ensibles Restsyndrom L4 rechts [
Patellarsehnenreflex,
PSR]
bei Status nach akutem Reiz- und sensomotorischem Ausfallsyndrom L3/L4 rechts und Status nach
Disk
usher
nienoperation
,
Notfalleingriff am 19. April 2018, Urk. 10/47/5) sowie
Myotendi
nosen
an beiden Füssen und Unterschenkel
n,
rechtsbetont (strukturell organisch ohne eindeutige Ursache, differentialdiagnostisch fehlbelastungsbedingt, atypi
sche
Claudicatio
bei
einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit,
p
AVK
). Ohne leistungsmindernde
Wirkung seien demgegenüber die Hyperthyreose, das rechte Glasauge sowie anamnestisch die
Osteopenie
mit Vitamin-D3-Substitution
(
Urk. 10/47/6).
Beim Beschwerdeführer bestehe ein Folgezustand nach Massenprolaps mit sen
somotorischem Ausfallsyndrom und Reizsyndrom L3/4 rechts, wobei aktuell der Nervendehnungstest negativ sei und lediglich noch eine leichte Atrophie im Bereich des rechten Oberschenkels sowie ein abgeschwächter
Patellarsehnenre
flex
rechts bestehe. Dieser werde unwahrscheinlich bestehen bleiben (Urk. 10/47/6). Die distalen Beschwerden könnten lokal durch isometrisch
resistive
Belastung der
Peronealmuskulatur
sowie der Extensoren wie auch durch Palpation der Unterschenkelmuskulatur verstärkt werden (Urk. 10/47/6 f.). Dies sei bei negativen Nervendehnungstests sowie atypischer Anamnese hinsichtlich eines engen Spinalkanals und normaler distaler Neurologie am ehesten auf ein
myotendinotisches
Problem durch Fehlbelastung zurückzuführen. Sollten die Beschwerden weiterhin bestehen, so sei allenfalls eine periphere arterielle Ver
schlusskrankheit auszuschliessen. Die lokale Darstellung der oberen und unteren Sprunggelenke (OSG, USG) hätten keine auffälligen Pathologien ergeben. Ein direkter Zusammenhang mit den Rückenbeschwerden sei unwahrscheinlich. Es sei noch von einer beeinträchtigten Belastbarkeit auszugehen, wobei gegen die Aufnahme einer leichten bis knapp mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit nichts einzuwenden sei. Als medizinische Massnahmen
würden
weiterführende physiotherapeutische Massnahmen, eine Intensivierung der Weichteilbehandlung der unteren Extremitäten und
gegebenenfalls
der Ausschluss einer
peripheren arteriellen Verschlusskrankheit empfohlen
(Urk. 10/47/7).
Eine Beeinflussung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ergebe sich dadurch aber nicht (Urk. 10/47/7)
.
Zur Arbeitsfähigkeit ergänzte
Dr.
K._
, die angestammte Tätigkeit bei der
Z._
AG
entspreche gemäss der groben Arbeitsbeschreibung einer über
wiegend stehenden, mittelschwer bis zum Teil schweren Tätigkeit. Eine solche sei dem Beschwerdeführer aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht unter Berück
sichtigung der
aktuellen muskulären Insuffizienz
und wahrscheinlich auch struk
turell reduzierten Belastbarkeit und der
beeinträchtigten Gehfähigkeit
nicht zumutbar. Eine höchstens mittelschwere Tätigkeit (mit seltenem Hantieren von Lasten bis 15 kg, manchmal bis 10 kg), mit der Möglichkeit der Wechselpositio
nierung (Wechsel zwischen Gehen-Stehen und Sitzen) sei dem Beschwerdeführer aus rheumatologischer Sicht ganztags zumutbar. Unter Berücksichtigung der Fussproblematik sei
en
das Gehen auf unebenem Gelände sowie das rasche Gehen auf selten bis
manchmal zu beschränken (Urk. 10
/47/7).
3.
7
Mit Bericht vom 2. Dezember 2019
erklärte
Dr.
B._
, der Beschwerdeführer leide an einem schwer behindernden «Ganzkörperschmerz» mit brennenden Schmerzen in den Armen und Beinen, lumbalen Schmerzen und Gelenkschmerzen. Diese seien seit einem Jahr noch schlimmer geworden, insbesondere drei Monate nach der LWS-Operation
in der Klinik
D._
im April 201
8.
Man müsse hier von invalidisierenden Schmerzen sprechen. Ferner leide er an einer Schwäche im rechten Bein, sodass er akut sturzgefährdet sei. Alle bisherigen Abklärungen hät
ten noch nicht zu einer definitiven Ursache der anhaltenden Schmerzen geführt. Der Beschwerdeführer habe am 2. Dezember 2019 einen Termin beim
Rheumato
logen Dr. med.
L._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheu
matologie, zur Eruierung der Ursache der Schmerzen sowie für eine zielgerichtete Therapie. Sie habe dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis Ende Dezember 2019 attestiert. Die empfohlene stufenweise Wiederaufnahme der Berufstätigkeit sei beim aktuellen Zustand des Beschwerdeführers nur schwer nachzuvollziehen (Urk. 3/5).
3.8
Der seit dem 11. November 2013 behandelnde Dr. med.
M._
, Facharzt für Neurologie,
erwähnte am
30. Dezember 2019
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein sensomotorisches Ausfallsyndrom L4 rechts sowie eine generalisierte Muskelschwäche seit 2013 respektive ein generalisiertes Schmerzsyndrom seit 2015 (Urk. 10/73/1 f.). Demgegenüber schränke der Status nach Unfall mit Augenverletzung im Jahr 1980 die Arbeitsfähigkeit nicht ein (Urk. 10/73/2). Ergänzend führte er
aus,
die letzte Kontrolle habe am 17. Dezem
ber 2019 stattgefunden. Eine reguläre Kontrolle sei vorerst nicht vereinbart wor
den. Er habe weder die seit 2013 bestehende, generalisierte Muskelschwäche noch das seit 2015 bestehende generalisierte Schmerzsyndrom aus neurologischer Sicht erklären können (Urk. 10/73/1).
Aufgrund der Rückenproblematik seien schwere körperliche Arbeiten nicht mög
lich. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Körperlich leichte
Tätigkei
ten seien aber in einem Pensum von 100 % zumutbar
(Urk. 10/73/2).
3.
9
Mit Stellungnahme vom 16. Januar 2020 nannte RAD-Arzt Dr.
A._
als Diag
nosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein sensomotorisches
lumboradikuläres
Ausfallsyndrom L4 rechts (Zustand nach
Fenestration
L3/4 rechts,
Flavektomie
und
Rezessotomie
und Exstirpation des grossen Sequesters, partielle
Nukleotomie
am 19. April 2018) sowie eine generalisierte Muskelschwä
che seit 2013
beziehungsweise ein generalisiertes Schmerzsyndrom seit 2015 (am ehesten im Rahmen eines
polytopen
myofaszialen
Syndroms, Elektrophysiologie Juli 2019: keine Hinweise für ein
Lambert
-Eaton-Syndrom). In seiner bisherigen Tätigkeit als Küchenhilfe sei der Beschwerdeführer seit dem 26. Januar 2018 und
bis auf Weiteres arbeitsunfähig. In einer adaptierten Tätigkeit habe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
vom 26. Januar bis 11. Oktober 2018 bestanden. Seit dem 12. Oktober 2018 und bis auf Weiteres sei in einer behinderungsangepassten Tätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit mehr gegeben (Urk. 10/85/4).
Mit Bezug auf das Belastungsprofil schloss sich der RAD der Beurteilung Dr.
K._
s vom
J._
vom 5. März 2019 an (Urk. 10/85/4, Urk. 7/47/7).
3.
10
Am 18. Januar 2020
berichtete
Dr.
E._
von der Klinik
D._
, aus seiner Sicht bestehe ein komplexes Beschwerdebild, welches aktuell noch keine wirkli
che
Arbeitsdiagnose respektive ein Therapiekonzept
beinhalte. Aus neurochirur
gischer Sicht scheine derzeit ein operatives Vorgehen an der Wirbelsäule nicht indiziert. Dies scheine auch nicht das Hauptbeschwerdebild des Beschwerdefüh
rers zu sein.
Daher sehe er zusammenfassend eine
partielle Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
, jedoch wolle er auf die umfassende neurologische beziehungs
weise auch rheumatologische Beurteilung verweisen (Urk. 10/75/7).
Mit Blick auf den Bericht
Dr.
E._
s hielt RAD-Arzt
Dr.
A._
a
m 23. Januar 2020
fest
, dieser
enthalte
keine neuen medizinischen Erkenntnisse, die
er
nicht schon in
seiner eigenen
Stellungnahme vom 16. Januar 2020 berücksichtigt
hätte
(Urk. 10/85/5).
4.
4.1
Gestützt auf die
medizinische Akten
lage
steht fest
, dass der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht in seiner angestammten Tätigkeit in der
Rüsterei
der
Z._
AG seit dem 26. Januar 2018 aus rheum
atologisch-orthopädischer und
neu
rologischer Sicht nicht mehr arbeitsfähig ist.
Dies geht aus
der Stellungnahme
d
e
s
RAD-Arzt
es
,
den
Beurteilungen
Dr.
K._
s
sowie
de
r
Behandler
Dr.
M._
und Dr.
E._
hervor
(Urk. 10/85/4,
Urk. 10/47/7,
Urk. 10/73/2,
Urk. 10/17).
4.2
Zu prüfen ist die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nach Ablauf des Wartejahres am 26. Januar 2019 (vgl.
Art.
28
Abs.
1
lit
. c, Urk. 10/47/3),
und nach Ablauf des halben Jahres,
nachdem sich der Beschwerdeführer am 16. Juli 2018 bei der Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug
angemeldet
hatte
(vgl. Aktenverzeichnis zu Urk. 10/3, Art. 29
Abs.
1 IVG). Diesbezüglich
kam der
RAD-Arzt Dr.
A._
in seiner Stellungnahme vom 16. Januar 2020 zum Schluss, der Beschwerdeführer sei seit dem 12. Oktober 2018 in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Dabei stützte er sich auf die Beurteilungen von Dr.
K._
sowie Dr.
M._
(Urk. 10/85/4).
Dr.
K._
legte in nachvollziehbarer Weise dar, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
Verweistätigkeit
aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht nicht eingeschränkt ist (Urk. 10/47/7). Dabei würdigte er die angegebenen Beschwerden im Rahmen eines chronischen
lumbospondylogenen
Syndroms mit einem leichten sensiblen Restsyndrom L4 rechts bei Status nach akutem Reiz- und sensomotorischem Ausfallsyndrom L3/L4 rechts sowie
Myotendinosen
an beiden Füssen und Unterschenkeln (Urk. 10/47/5 f.). Dr.
K._
zeigte auf, dass aktuell lediglich noch eine leichte Atrophie im Bereich des rechten Oberschenkels sowie ein abgeschwächter Patellarseh
n
enreflex rechts besteht (Urk. 10/47/6). Ausgehend von einer nach wie vor beeinträchtigten Belastbarkeit
mit muskulärer Insuffizienz
und der
reduzierten
Gehfähigkeit
leuchtet
seine Einschätzung
ein
, wonach
dem Beschwerdeführer
seine
bisherige, mittelschwere bis schwere Tätig
keit nicht mehr zumutbar ist,
jedoch
einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit mit Wechselbelastung
und Beschränkung des raschen Gehens sowie des Gehens auf unebenem Gelände auf selten bis manchmal
zumindest ab dem Zeitpunkt der Begutachtung vom 11. Oktober 2018
nichts entgegensteht
(Urk. 10/47/
1 und
7)
.
D
iese Auffassung wird gestützt durch
die Beurteilung des behandelnden Neuro
logen, Dr.
M._
, welcher die bisherige schwere körperliche Arbeit aufgrund der Rückenproblematik als nicht mehr möglich erachtete, körperlich leichte
Tätigkei
ten aber in einem Pensum von 100 % für
zumutbar
hielt
(Urk. 10/73/2). Auch
die Behandler der Klinik für Rheumatologie des Stadtspitals
I._
beurteilten die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
am 25. Dezember 2018
in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit als innert vier Wochen auf ein Vollpensum
steigerbar
(Urk. 10/38). Dem widerspricht auch der Bericht von Dr.
E._
vom 18. Januar 2020 nicht. Zum einen nahm er im besagten Bericht keine abschliessende Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit vor, indem er auf eine umfassende neurologische und rheumatologische Beurteilung verwies (Urk. 10/75/7). Zum anderen bewer
tete
er
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zwar als partiell eingeschränkt. Damit bezog er sich jedoch offensichtlich auf die
–
aufgrund der Aktenlage
nicht mehr vorhandene –
Arbeitsfähigk
eit in der bisherigen Tätigkeit. Denn er
erwähnte
die bestehende Einschränkung
in seinem Verlaufsbericht vom 22. August 2018
im Zusammenhang mit der körperlic
hen Belastung als Lagerarbeiter, weshalb er
eine Anpassung des beruflichen Umfelds
empfahl
(Urk. 10/17).
Einzig Dr.
B._
führte aus
, sie könne die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit auf
grund des aktuellen Zustandes des Beschwerdeführers nur schwer nachvollziehen
,
und attestierte ihm bis Ende Dezember 2019 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Allerdings ist ihr Bericht nicht geeignet, die
gestützt auf die
Aktenlage ausgewie
sene 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
zu widerlegen. Einerseits ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass Hausärztinnen und Hausärzte wie auch behandelnde Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati
entinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Andererseits
begründete
Dr.
B._
ihre Einschätzung wenig differenziert
, indem sie lediglich auf die ihrer Ansicht nach fehlende Nachvollziehbarkeit hinwies.
Ferner ist nicht von Belang, dass sich anhand der bisherigen Abklärungen keine defini
tive Ursache der Beschwerden eruieren liess. Denn
gemäss bundesgerichtlicher Praxis
ist
nicht die diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens ent
scheidend, sondern dessen
konkrete
Auswirkungen auf die Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit (BGE 143 V 418 E. 6, Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2013 vom 26. Juni 2013 E. 4.1.4 mit Hinweis).
Sowohl der von ihr erwähnte «Ganzkörper
schmerz» als auch die Schwäche im rechten Bein fanden bereits Eingang in die Beurteilungen von Dr.
K._
und Dr.
M._
(Urk. 10/47/7, Urk. 10/73/2). Das von Dr.
K._
formulierte Belastungsprofil (Urk. 10/47/7) trägt diesen Beschwerden angemessen Rechnung. Dasselbe gilt für die Möglichkeit eines Lam
bert-Eaton-Syndroms
. Dies umso mehr,
als
sich anlässlich der Elektrophysiologie vom Juli 2019 keine Hinweise darauf fanden (Urk. 10/73/2)
.
4.3
In psychischer Hinsicht ist auf die Beurteilung von Dr.
F._
sowie Dr.
G._
abzustellen, wonach
beim Beschwerdeführer in Anlehnung an
den Mini-ICF-APP
keine relevanten Beeinträchtigungen des psychosozialen Funktionsniveaus fest
gestellt werden konnten und er
aus psychiatrisch-psychopathologischer und neu
ropsychologisch-leistungspsychologischer Sicht sowohl in der angestammten als auch einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig ist (Urk. 10/47/36).
Das anläss
lich des stationären Aufenthaltes im Stadtspital
I._
durchgeführte psycholo
gische Konsilium ergab zwar unter anderem eine Anpassungsstörung mit depres
siver Reaktion. Allerdings hielten die Behandler in ihrer ICF-Beurteilung lediglich eine leichte Einschränkung im Bereich des alltäglichen Lebens fest und
vermerk
ten
im Belastungsprofil lediglich somatische Einschränkungen
(Urk. 10/38)
.
Dies spricht gegen ein invalidisierendes psychisches Leiden mit Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit. Auch Dr.
B._
führte am 29. April 2018 aus,
von Seiten der Depression seien keine weiteren Massnahmen notwendig. Der Beschwerdeführer habe sich durch die Gesprächstherapie bei ihr gut erholt (Urk. 10/12/13).
Die von ihr attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 26. Januar bis 30. April 2018 ist zudem nicht relevant, da das Wartejahr – wie bereits erwähnt – erst am 26. Januar 2019 abgelaufen war.
4.4
Nach dem Gesagten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer
in seiner bisherigen Tätigkeit
seit dem
26. Januar 2018 nicht mehr arbeitsfähig ist, jedoch seit dem 12. Oktober 2018 und bis auf Weiteres in einer behinderungsangepassten Tätigkeit zu 100 % leistungsfähig ist.
V
on weiteren medizinischen Abklärungen wie der beschwerdeweise beantragten Begutachtung
(Urk. 6 S. 2)
sind keine anderen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abzusehen ist
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3
).
5.
5.1
Damit bleibt die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen der Einschränkung.
Der für die Invaliditätsbemessung und damit den Rentenanspruch massgebende Ein
kommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.
2
). Sind indessen Validen-
und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentvergleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1)
.
5.2
Der Beschwerdeführer absolvierte keine Berufsausbildung und verrichtete bisher verschiedene
unterschiedlich
schwere Hilfsarbeiten in der Hotel- und
Gastrobran
che
(Urk. 10/3/4, Urk. 10/8, Urk. 10/47/10). In Anbetracht dessen drängt sich die Berücksichtigung der Löhne für Hilfsarbeitertätigkeiten auf
. Sodann
ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen weiterhin solche Tätigkeiten ausführen
würde. Da somit sowohl
mit Bezug auf das
(hypothetische)
Valideneinkommen
als auch
das
Invalideneinkommen
auf denselben
Tätigkeitsbereich (Hilfsarbeitertätigkeiten)
abgestellt
werden kann, ist
für die Ermittlung
beider Vergleichseinkommen
auf
die Tabellenlöhne
für männ
liche Hilfsarbeiter
gemäss
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik
(LSE)
abzustellen
.
Ausgehend von einer Arbeitsunfähigkeit
von 0 %
in einer angepassten Tätigkeit resultiert
im Ergebnis
ein
gleich hoher,
rentenausschlies
sender Invaliditätsgrad von 0 %.
So
weit
der Beschwerdeführer in seinem Einwand einen Leidensabzug fordert (Urk. 10/60/1), kann ihm nicht gefolgt werden. Denn zum einen werden Hilfsar
beiten auf dem massgebenden ausgeglichenen Stellenmarkt altersunabhängig nachgefragt (Urteile des
Bundesgerichts
8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1 und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.3). Zum anderen sind auch mangelnde Sprachkenntnisse oder eine ungenügende Ausbildung nicht abzugs
relevant, da diesen Aspekten bei der Wahl des untersten Kompetenzniveaus bereits Rechnung getragen wurde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7).
Somit bleibt es beim ermittelten Invaliditätsgrad von 0 %.
An
zufügen bleibt, dass
selbst unter Berücksichtigung des
– hier nicht gerechtfertigten –
maximalen Abzugs von 25 %
vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc)
ein nicht rentenbegründender Invalidi
tätsgrad von 25 %
resultierte
.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin einen
renten
re
levanten Invaliditätsgrad zu Recht verneint hat.
6.
In der angefochtenen Verfügung verneinte die Beschwerdegegnerin sodann den Anspruch auf berufliche Massnahmen (Urk. 2 S. 2). Dies ist nicht zu beanstanden.
Der Beschwerdeführer ist in einer Verweistätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Für Integrationsmassnahmen gemäss Art. 14a IVG
ist
jedoch eine mindestens 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auch
in einer Verweistätigkeit
gefordert
(
BGE 137 V 1 E. 7
)
. Auch der mit Bezug auf eine
Umschulung
nach Art. 17 IVG ver
langte
Mindestinvaliditätsgrad von 20 %
ist vorliegend nicht erreicht, weshalb kein Anspruch
darauf
besteht
(
Urteil des Bundesgerichts 9C_511/2015 vom 15. Oktober 2015 E. 3
).
Des Weiteren ist
auch der Anspruch auf Berufsberatung
im Sinne von Art. 15 IVG zu verneinen, verfügt
d
er
Beschwerdeführer
mit seinen
beschränkten Deutsch
kenntnissen doch nicht über die erforderlichen schulischen Grundvoraussetzun
gen für einen Erfolg versprechenden Beginn einer beruflichen Massnahme.
Auch die Arbeitsvermittlung nach
Art.
18 IVG fällt nicht in die Zuständigkeit der Beschwerdegegnerin.
Die fehlende berufliche Eingliederung im Sinne der Verwer
tung der bestehenden Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
ist
vorlie
gend
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nicht in erster Linie auf gesundheit
lich bedingte Schwierigkeiten bei der St
ellensuche zurückzuführen,
sondern viel
mehr durch invaliditätsfremde Faktoren wie fehlende Berufsausbildung und geringe
Deutschkenntnisse
erschwert
. Dies
räumte
der Beschwerdeführer
zumin
dest sinngemäss
auch selbst
ein
(Urk. 10/60/1). D
iesbezüglich ist darauf hinzu
weisen
, dass
Tätigkeiten im Kompetenzniveau 1 definitionsgemäss
keine guten Kenntnisse
der deutschen Sprache erfordern (Urteil des Bundesgerichts 9C_426/2014 vom 18. August 2014 E. 4.2).
Der Beschwerdeführer
kann
sodann
trotz
seiner
Behinderung aus medizinischer Sicht jede
körperlich höchstens mit
telschwere Tätigkeit mit der Möglichkeit zur Wechselpositionierung und unter Beschränkung des raschen Gehens sowie des Gehens auf unebenem Grund auf selten bis manchmal in einem
100%igen Pensum ausüben
. Damit steht ihm
noch ein weites Betätigungsfeld offen
.
Es
besteht
somit
keine zusätzliche spezifische Einschränkung gesundheitlicher Art
,
welche einen
Anspruch auf Arbeitsvermitt
lung
begründen würde
(Urteil des Bundesgerichts 9C_594/2016 vom 18. Novem
ber 2016 E. 3.2)
.
Für die Unterstützung
bei
der Stellensuche
ist
das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zuständig.
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers zu Recht
verneint. Dies führt zu
r
Abweisung der Beschwerde.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um
eine Streitigkeit über IV-Leistungen
geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie
dem unterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen.