Decision ID: e7cb1814-88ac-4bed-9abb-bda344cb29ad
Year: 2019
Language: de
Court: CH_EDÖB
Chamber: CH_EDÖB_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: public_law

I. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte stellt fest:
1. Der Antragsteller (Privatperson) gelangte am 30. Oktober 2018 gestützt auf das Bundesgesetz
über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ; SR 152.3) mit acht
Fragestellungen an das Bundesamt für Kommunikation BAKOM und ersuchte um Zugang zu
folgenden Informationen:
1) Alle Akten und Leistungsvereinbarungen zu Aufträgen des VBS und anderer externer
Stellen an das BAKOM, welche die Inlandaufklärung innerhalb der Schweiz dokumentieren.
2) Die Leistungsvereinbarung, welche den Zugriff des VBS auf das BAKOM-Monitoring-
system regelt bzw. beinhaltet.
3) Alle Akten sowie die Leistungsvereinbarung mit dem VBS, welche den Zugriff des BAKOM
auf Anlagen des VBS umfassen.
4) Alle Akten, welche Aufträge externer Bundesstellen an das BAKOM bezüglich
Spionageabwehr umfassen.
5) Alle Akten, welche Aufträge externer Stellen an das BAKOM bezüglich Botschaftsfunk
regeln.
6) Akten, welche belegen, dass das BAKOM die Frequenzen bestimmter Fluggesellschaften
für andere Bundesstellen überwacht.
7) Alle Akten sowie die Leistungsvereinbarungen, welche den Zugriff des BAKOM auf das
militärische Peilsystem der Schweizer Luftwaffe umfassen.
8) Alle Akten, welche belegen, dass die BAKOM Mitarbeitenden des Radiomonitorings über
eine Personensicherheitsprüfung verfügen müssen.
2. Am 22. November 2018 nahm das BAKOM zu den einzelnen Punkten des Zugangsgesuchs
Stellung. Einleitend wies es darauf hin, dass sich die Tätigkeit jeder Verwaltungseinheit auf eine
Rechtsgrundlage stütze. Zudem machte es den Antragsteller darauf aufmerksam, dass das
Öffentlichkeitsgesetz nur für Dokumente gelte, die nach dessen Inkrafttreten am 1. Juli 2006
von der Behörde erstellt oder empfangen worden sind (Art. 23 BGÖ). In materieller Hinsicht
führte das BAKOM aus, dass in Bezug auf die Punkte 1) und 2) sowie 4) – 7) keine
entsprechenden Dokumente existierten, da solche Leistungsvereinbarungen, Aufträge und
Zugriffe nicht bestünden. Betreffend den Punkt 8) bestätigte das BAKOM dem Antragsteller,
dass Mitarbeiter mit der Funktion «Radiomonitoring» einer Personensicherheitsprüfung
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unterzogen würden (Art. 4 Abs. 1 der Verordnung über die Personensicherheitsprüfungen
[PSPV, SR 120.4]). In Bezug auf den Punkt 3) des Zugangsgesuchs verlängerte das BAKOM
die Frist für dessen Beantwortung, da weitere Abklärungen nötig seien (Art. 12 Abs. 2 BGÖ).
3. Daraufhin reichte der Antragsteller am 28. November 2018 beim BAKOM ein weiteres
Zugangsgesuch mit vier Fragen A.) – D.) zu allfälligen finanziellen Entschädigungen zwischen
dem BAKOM und dem VBS ein. Er bezeichnete dabei zwei Fragen als «Erweiterung» und zwei
Fragen als «Präzisierung» seines Zugangsgesuchs vom 30. Oktober 2018 (vgl. Ziff. 1).
4. Am 10. Dezember 2018 reichte der Antragsteller in Bezug auf sein Zugangsgesuch vom
30. Oktober 2018 einen Schlichtungsantrag beim Eidgenössischen Datenschutz- und
Öffentlichkeitsbeauftragten (Beauftragter) ein. Darin hielt er einleitend fest, dass die Frage 8)
zufriedenstellend beantwortet worden sei. Im Übrigen halte er die Aussage des BAKOM, dass
betreffend Fragen 1) und 2) sowie 4) – 7) keine Dokumente existierten, für unglaubwürdig. Der
Hinweis des BAKOM auf das Datum des Inkrafttretens des Öffentlichkeitsgesetzes lasse
vermuten, dass sehr wohl entsprechende Akten vorliegen müssten. Er bat zudem den
Beauftragten, mit einer Schlichtungsverhandlung zuzuwarten, bis die Antworten des BAKOM
auf seine Frage 3) sowie zu seinem neuen Einsichtsbegehren vom 28. November 2018
vorlägen.
5. Am 11. Dezember 2018 forderte das BAKOM den Antragsteller auf, sein Zugangsgesuch vom
28. November 2018 (vgl. Ziff. 3) hinreichend zu präzisieren (Art. 7 Abs. 3 der Verordnung über
das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung [Öffentlichkeitsverordnung, VBGÖ; SR 152.31]).
Überdies teilte das BAKOM ihm mit, dass es für die Bearbeitung des Zugangsgesuchs
voraussichtlich Gebühren verlangen werde.
6. Am 12. Dezember 2018 nahm das BAKOM gegenüber dem Antragsteller sodann auch noch zu
dessen Frage 3) gemäss Zugangsgesuch vom 30. Oktober 2018 Stellung. Es bestätigte ihm,
dass das BAKOM Zugriff auf eine Kurzwellen-Antenne des VBS habe. Unter Hinweis auf die
Zuständigkeitsregel von Art. 10 Abs. 1 BGÖ verwies das BAKOM den Antragsteller an das
VBS, da dieses für die Erstellung entsprechender Dokumente verantwortlich gewesen sei.
7. Mit Schreiben vom 17. Dezember 2018 gelangte der Antragsteller erneut an das BAKOM. Zum
einen bezeichnete er die Antwort des BAKOM auf seine Frage 3) als irreführend. So habe das
BAKOM nicht bloss Zugriff auf eine Kurzwellen-Antenne des VBS, sondern auf mehrere
Kurzwellen-Peilanlagen. Dies habe ihm das BAKOM zu bestätigen. Zum anderen kam er der
Aufforderung des BAKOM vom 11. Dezember 2018 nach und ging weiter auf sein
Zugangsgesuch vom 28. November 2018 ein.
8. Am 18. Dezember 2018 wandte sich der Antragsteller mit einer als «Update zum
Schlichtungsverfahren BAKOM» bezeichneten E-Mail an den Beauftragten und machte geltend,
dass es sich bei der Antwort des BAKOM auf seine Frage 3) um eine «Täuschung» handle. Es
sei absolut zwingend, dass das BAKOM nicht nur Zugriff auf eine einzige Anlage des VBS
habe, sondern auf alle vier vorhandenen Peilanlagen. Dieser Umstand sei ihm vom BAKOM zu
bestätigen.
9. Am 7. Januar 2019 reichte das BAKOM dem Beauftragten die Korrespondenz mit dem
Antragsteller und eine ergänzende Stellungnahme ein. Darin wiederholte das BAKOM seine
Aussage, wonach in Bezug auf das Zugangsgesuch vom 30. Oktober 2018 keine Dokumente
vorhanden seien. Betreffend die Frage 3) sei das VBS zuständige Behörde im Sinne von Art. 10
Abs. 1 BGÖ.
10. Auf die weiteren Ausführungen des Antragstellers und des BAKOM sowie auf die eingereichten

Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen eingegangen.
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II. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte zieht in Erwägung:
A. Formelle Erwägungen: Schlichtungsverfahren und Empfehlung gemäss Art. 14 BGÖ
11. Der Antragsteller reichte ein Zugangsgesuch nach Art. 10 BGÖ beim BAKOM ein. Dieses
verweigerte den Zugang zu den verlangten Dokumenten bzw. verwies ihn an eine andere
Behörde. Der Antragsteller ist als Teilnehmer an einem vorangegangenen Gesuchsverfahren
zur Einreichung eines Schlichtungsantrags berechtigt (Art. 13 Abs. 1 Bst. a BGÖ). Der
Schlichtungsantrag wurde formgerecht (einfache Schriftlichkeit) und fristgerecht (innert
20 Tagen nach Empfang der Stellungnahme der Behörde) beim Beauftragten eingereicht
(Art. 13 Abs. 2 BGÖ).
12. Das Schlichtungsverfahren findet auf schriftlichem Weg oder konferenziell (mit einzelnen oder
allen Beteiligten) unter Leitung des Beauftragten statt, der das Verfahren im Detail festlegt.1
Kommt keine Einigung zustande oder besteht keine Aussicht auf eine einvernehmliche Lösung,
ist der Beauftragte gemäss Art. 14 BGÖ gehalten, aufgrund seiner Beurteilung der
Angelegenheit eine Empfehlung abzugeben.
B. Materielle Erwägungen
13. Der Beauftragte prüft nach Art. 12 Abs. 1 VBGÖ die Rechtmässigkeit und die Angemessenheit
der Beurteilung des Zugangsgesuches durch die Behörde.2
14. Angesichts der verschiedenen, sich teilweise zeitlich überschneidenden Eingaben und Anfragen
des Antragstellers beim BAKOM sowie dem Beauftragten ist in einem ersten Schritt auf den
Gegenstand des vorliegenden Schlichtungsverfahrens und dieser Empfehlung einzugehen.
15. Der Schlichtungsantrag des Antragstellers vom 10. Dezember 2018 bezog sich auf die
ablehnende Stellungnahme des BAKOM vom 22. November 2018 zu seinem Zugangsgesuch
vom 30. Oktober 2018 (vgl. Ziffer 1 und 2). Auch das «Update» zum Schlichtungsantrag vom
18. Dezember 2018 betraf die vom BAKOM später beantwortete Frage 3) des erwähnten
Zugangsgesuchs. Demgegenüber war die am 28. November 2018 eingereichte und vom
Antragsteller als «Präzisierung» und «Erweiterung» seines Zugangsgesuchs vom 30. Oktober
2018 bezeichnete Eingabe (vgl. Ziffer 3) – welche aus Sicht des Beauftragten als neues
Zugangsgesuch zu qualifizieren ist, da Zugang zu anderen Informationen verlangt wird – bis
anhin noch nicht Gegenstand eines Schlichtungsantrages. Das neue Zugangsgesuch vom
28. November 2018 konnte insbesondere nicht bereits «vorsorglich» Teil des hier relevanten
Schlichtungsantrages sein, da im Zeitpunkt von dessen Einreichung noch keine abschliessende
Stellungnahme des BAKOM nach Art. 12 Abs. 4 BGÖ vorlag. Folglich äussert sich der
Beauftragte nachfolgend ausschliesslich zu den mit Zugangsgesuch vom 30. Oktober 2018
gestellten Einsichtsbegehren 1) – 7). Der Punkt 8) wurde nach Aussage des Antragstellers
zufriedenstellend beantwortet, weshalb dieser nicht mehr Gegenstand dieses
Schlichtungsverfahrens ist.
16. Gemäss Art. 6 Abs. 1 BGÖ hat jede Person das Recht, amtliche Dokumente einzusehen oder
von den Behörden Auskünfte über den Inhalt amtlicher Dokumente zu erhalten. Ein amtliches
Dokument ist gemäss Art. 5 Abs. 1 BGÖ jede Information, die auf einem beliebigen
Informationsträger aufgezeichnet ist (Bst. a), sich im Besitz einer Behörde befindet, von der sie
1 Botschaft zum Bundesgesetz über die Öffentlichkeit der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ) vom 12. Februar 2003,
BBl 2003 1963 (zitiert BBl 2003), BBl 2003 2024. 2 GUY-ECABERT, in: Brunner/Mader [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum BGÖ, Bern 2008 (zit. Handkommentar BGÖ),
Art. 13, Rz 8.
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stammt oder der sie mitgeteilt worden ist (Bst. b), und die Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe
betrifft (Bst. c).
17. Gemäss den Ausführungen des BAKOM gegenüber dem Antragsteller liegen keine Dokumente
entsprechend dem Zugangsgesuch vom 30. Oktober 2018 vor. Dies weil das BAKOM keine
Vereinbarung im Bereich der Inlandaufklärung eingegangen sei und auch keine Aufträge dazu
vom VBS oder anderer externer Stellen erhalten habe (Punkt 1). Weiter habe das VBS keinen
Zugriff auf das BAKOM-Monitoringsystem (Punkt 2). Das BAKOM habe zudem keine Aufträge
von externen Bundesstellen bezüglich Spionageabwehr erhalten (Punkt 4). Ebenso wenig habe
es Aufträge für das Abhören des Botschaftsfunks erhalten (Punkt 5) oder für andere
Bundesstellen Überwachungen bestimmter Fluggesellschaften durchgeführt (Punkt 6).
Schliesslich habe das BAKOM auch keinen Zugriff auf das militärische HF-Peilsystem der
Schweizer Luftwaffe (Punkt 7). Das BAKOM stütze sich bei seiner Verwaltungstätigkeit auf die
einschlägigen Rechtsgrundlagen, insbesondere das Fernmeldegesetz (FMG; SR 784.10).
Diesen Standpunkt wiederholte das BAKOM auch in seiner Stellungnahme an den
Beauftragten.
18. Die Vorbringen des BAKOM sind für den Beauftragten glaubhaft und es ist davon auszugehen,
dass sich das BAKOM bei seinen Tätigkeiten an den gesetzlich vorgesehenen Rahmen hält.
Die als «Indizien» bezeichneten Ausführungen des Antragstellers zu den seiner Vermutung
nach unwahren Angaben des BAKOM vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern.
Demnach verfügt das BAKOM aus nachvollziehbaren Gründen über keine amtlichen
Dokumente mit den vom Antragsteller gewünschten Informationen. Ob allenfalls, wie vom
Antragsteller angenommen, entsprechende Dokumente existieren, welche vor Inkrafttreten des
Öffentlichkeitsgesetzes erstellt worden sind, ist vorliegend nicht von Belang. Solche Dokumente
würden – falls es sie überhaupt gibt – aufgrund von Art. 23 BGÖ ohnehin nicht dem zeitlichen
Geltungsbereich des Öffentlichkeitsgesetzes unterstehen und es bestünde kein Anspruch auf
Zugang gemäss Art. 6 Abs. 1 BGÖ.
19. Im Ergebnis hat das BAKOM glaubwürdig vorgebracht, dass es hinsichtlich der Begehren 1)
und 2) sowie 4) – 7) über keine amtlichen Dokumente gemäss Art. 5 Abs. 1 BGÖ verfügt.
20. Was den Punkt 3) seines Zugangsgesuchs anbelangt (alle Akten sowie die
Leistungsvereinbarung mit dem VBS, welche den Zugriff des BAKOM auf Anlagen des VBS
umfassen), wurde der Antragsteller vom BAKOM mit Hinweis auf Art. 10 Abs. 1 BGÖ ans VBS
verwiesen. Gemäss dieser Bestimmung ist ein Gesuch um Zugang zu amtlichen Dokumenten
an die Behörde zu richten, die das Dokument erstellt oder von Dritten, die nicht diesem Gesetz
unterstehen, als Hauptadressatin erhalten hat.
21. Wurde ein Gesuch bei einer Behörde eingereicht, die nicht Urheberin oder Hauptadressatin des
verlangten Dokumentes ist, so obliegt es der angefragten Behörde, das Gesuch von Amtes
wegen der zuständigen Behörde weiterzuleiten.3 Folglich empfiehlt der Beauftragte dem
BAKOM, dieses Zugangsgesuch – soweit dieses den Punkt 3) betrifft – an das VBS zur
Bearbeitung weiterzuleiten.