Decision ID: 66040a69-07df-4c5f-82a9-7334dfeaf2e2
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1960 geborene
X._
bezog seit 1. Dezember 1997 eine ganze Invali
denrente (
Verfügung vom 1
0.
Dezember 1999,
Urk. 8/52). Die im Oktober 2000 und Mai 2004 eingeleiteten Revisionsverfahren ergaben keine Änderung des Rentenanspruchs (
Mitteilung vom 1
6.
Februar 2001, Urk. 8/59;
Mitteilung vom 1
5.
Oktober 2004,
Urk. 8/69). Im Rahmen eines im November 2007 eingeleiteten Revisionsverfahrens hob die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
die Rente
per Ende Mai 2009
auf (
Verfügung vom
2.
April 2009,
Urk. 8/94), was mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 12. Februar 2010 (
IV.2009.00491,
Urk. 8/105) und mit Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2010 bestätigt wurde (
9C_279/2010,
Urk. 8/107).
Am 29. Juni 2011
(Eingangsdatum)
meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 8/109)
. Die IV-Stelle tätigte berufliche und erwe
rbliche Abklärung
en
und holte beim
Y._
in
Z._
das polydisziplinäre Gutachten vom 1
7.
April 2012 (
Urk.
8/137) ein.
Gestützt auf die Schlussfolgerungen der Gut
achter verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 17. August 2012 einen
Leis
tungsanspruch
(Urk.
8/149), was mit Urteil
IV.2012.01004
des hiesigen Gerichts vom
4.
November 2013 (
Urk.
8/155) bestätigt wurde.
Der Versicherte meldete sich am
9.
Dezember 2013 (Eingangsdatum) erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/156).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 2
6.
März 2014,
Urk.
8/163; Einwand vom 2
9.
April 2014,
Urk.
8/167) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
9.
August 2014 (
Urk.
2) auf das Leistungsbegehren nicht ein.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
8.
September 2014 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es sei die Verfügung vom
1
9.
August 2014 aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, auf das Leistungsbegehren vom
9.
Dezember 2013 einzutreten und nach Durchführung eines ordentlichen Abklärungsverfahrens die gesetzlichen Leistungen nach dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG) auszurichten, insbesondere eine angemessene Invalidenrente. Mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Oktober 2014 (
Urk.
7 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
8/1-177) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abwei
sung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
7.
Oktober 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfol
genden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) hielt die Beschwerdegegnerin dafür, dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft dargelegt habe, dass sich die tat
sächlichen Verhältnisse wesentlich verändert hätten, es liege lediglich eine andere Beurteilung desselben Sachverhaltes vor.
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im Wesentlichen vor,
gestützt auf den Austrittsbericht der
A._
sowie de
n
Arztbericht von
Dr.
med.
B._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
7.
Januar 2014
sei
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass sich der psychische Gesundheitszustand verschlechtert habe. Auch hätten die Knieschmerzen weiter zugenommen, weshalb die Gehstrecke und Standzeit massiv eingeschränkt sei
en
. Unter Berücksichtigung, dass das
Y._
-Gutachten vom 1
7.
April 2012 nicht verwertbar sei, da die Verfahrensvorschriften gemäss BGE 137 V 210 nicht berücksichtigt worden seien, dränge sich eine neutrale polydisziplinäre medizinische Abklärung auf (
Urk.
1 S. 11 f.).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Oktober 2014 konstatierte die
Beschwerdegegne
rin
, dass die Vergabe der Gutachtensaufträge erst ab dem
1.
März 2012 per Zu
fallsprinzip habe
erfolgen müsse
n
, demnach habe das
Sozi
alversicherungsgericht
das
Y._
-Gutachten vom 1
7.
April 2012 im Urteil vom
4.
November 2013 zu Recht als verwertbar betrachtet. Die seit dem
Y._
-Gut
achten eingereichten Arztberichte würden keine Verschlechterung glaubhaft machen (
Urk.
7).
2.
2.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 die
ser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
vorzu
gehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2).
2.2
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens
im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV
sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die
Tatsa
chenänderung
muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine
Sachverhaltsän
derung
, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Inva
lidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2).
3
.
Dem Urteil IV.2012.01004 des hiesigen Gerichts vom
4.
November 2013 (
Urk.
8/155) lag in medizinischer Hinsicht das Gutachten des
Y._
vom 1
7.
April 2012 zugrunde. Dieses stützt
e
sich auf die Akten, die Angaben des Beschwer
deführers sowie die allgemeininternistische, psychiatrische und orthopädische Untersuchung vom 14. Dezember 2011 (Urk. 8/137).
3.1
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom ohne
radikuläre
Symptomatik (ICD-10 M54.80). Radiologisch bestehe ein altersentsprechender regelrechter Befund der Halswirbelsäule (HWS) und der Lendenwirbelsäule (LWS), insbeson
dere ohne Hinweis für Instabilität oder Neurokompression (Urk. 8/137 S. 20).
Die Gutachter stellten folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit (Urk. 8/137 S. 21):
Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
Anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Beginnendes metabolisches Syndrom
Diabetes mellitus Typ II (ICD-10 E11.9)
Dyslipidämie
(ICD-10 E78.2)
Übergewicht (ICD-10 E66.0)
hypertone Blutdruckwerte
Leberwerterhöhung unklarer Ätiologie
3.2
Die Gutachter führten aus, aus psychiatrischer Sicht bestünde eine leichte depres
sive Episode mit depressiven Verstimmungen, erhöhter Ermüdbarkeit, Schlafstörung und anamnestisch aggressiver Gestimmtheit mit Gereiztheit sowie eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung mit ausgeweiteten Schmerzen im Bewegungsapparat, deren Ausmass sich durch die somatischen Befunde nicht hinreichend objektivieren lasse. Es bestünden psychosoziale und emotionale Belastungsfaktoren, die deutlich ausgeprägt seien und sich durch die dadurch hervorgerufenen unangenehmen Affekte im Sinne der Abwehr auch in den Schmerzen ausdrückten. Der Explorand könne sich nicht vorstellen
,
zu arbeiten. Er begründe dies mit seinen Schmerzen, die er auf seine frühere
,
als anstren
gend empfundene Arbeit zurückführe. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Schmerzstörung wirke sich nicht ein
schränkend auf die Arbeitsfähigkeit aus. Aus somatischer Sicht seien ihm ange
passte Tätigkeiten zumutbar. Die depressive Störung wirke sich ebenfalls nicht einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit aus. Der Explorand leide nicht unter deutlichen Konzentrationsstörungen und sei nicht suizidal. Es bestünden keine deutlich auffälligen Persönlichkeitszüge für die Achse-2-Diagnose einer
Persön
lichkeitsstörung
und gegen diese Diagnose spreche vor allem auch der Verlauf mit vor der Erkrankung normaler Sozialisation und voller Arbeitsfähigkeit. Dem Exploranden könne aus psychiatrischer Sicht zugemutet werden, einer seinen körperlichen Einschränkungen angepassten Tätigkeit ganztags und ohne
Leis
tungseinschränkung
nachzugehen (Urk. 8/137 S. 12 f.).
3.3
Aus orthopädischer Sicht bestehe ein keinesfalls reproduzierbares linksseitiges Hinken, während die Gangarten ohne Absinken vorgenommen werden könnten. Bei der Untersuchung der Wirbelsäule demonstriere der Explorand unter Gegenspannung eine
thorakolumbal
praktisch aufgehobene Beweglichkeit, während sich die bei expliziter Prüfung der Kopfrotation verminderte
Auslen
kung
unter Ablenkung als völlig frei erweise. Auch an den oberen und unteren Extremitäten bestehe eine freie Beweglichkeit. Infolge Gegenspannung und unablässiger lumbaler Schmerzangabe habe dabei insbesondere die Untersu
chung der Hüftgelenke in Rückenlage kaum durchgeführt werden können, während die Vornahme derselben Manöver in sitzender Position mit hängenden Beinen problemlos gelungen sei. Bereits während der Anamneseerhebung, vor allem aber bei der körperlichen Untersuchung habe ein unablässiges massives Schmerzgebaren bestanden. Fünf von fünf
Waddell
-Zeichen seien positiv. Bezüglich des inkonstanten Gangbildes sei festzuhalten, dass die symmetrische Umfangsmessung der unteren Extremitäten und seitengleich plantare
Beschwielung
ebenso wie die keinesfalls verminderte Abnützung der linken Schuhsohle gegen ein längerdauerndes Hinken sprächen. Seitens der oberen
Extremitäten sei zu betonen, dass der Explorand in sitzender Position mit hän
genden Beinen durchaus unter Einsatz beider oberen Extremitäten den Oberkör
per trotz seines Übergewichts kraftvoll hochstemmen könne, um auf der Unter
lage rückwärts zu rutschen, was eine längerdauernde Schonung der linken oberen Extremität als eher unwahrscheinlich erscheinen lasse. Auf neurologi
scher Ebene zeigten sich keine Hinweise für das Vorliegen einer Pathologie im Bereich des peripheren Nervensystems. So könnten eine spinale
Kompressions
problematik
oder die Läsion eines grösseren peripheren Nervens klinisch wei
testgehend ausgeschlossen werden. Auf radiologischer Ebene bestünden
alters
entsprechend
regelrechte Befunde an HWS und LWS, insbesondere ohne Hin
weis für lumbale Instabilität oder Neurokompression. Auch der Befund an Hüft- sowie
Iliosakralgelenken
sei regelrecht (Urk. 8/137 S. 18).
Zusammenfassend könne gesagt werden, dass sich die vom Exploranden beklag
ten äusserst diffusen Beschwerden durch die klinischen und radiologi
schen Befunde in keiner Weise erklären liessen. Die deutlichen Inkonsistenzen, das fehlende Ansprechen auf anamnestisch wiederholt durchgeführte lumbale Infiltrationen und konservative Therapiemassnahmen, der erhebliche
Analgetik
akonsum
und die langdauernde körperliche Schonung könnten als klare Hin
weise für eine im Vordergrund stehende nicht-organische
Beschwerdekompo
nente
angesehen werden (Urk. 8/137 S. 19).
Für die angestammte Tätigkeit als Schreiner und Zimmermann bestehe ebenso wie für andere körperlich andauernd schwere Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten unter Wechselbelastung liege dagegen aus rein orthopädischer Sicht eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor. Das wiederholte Heben und Tragen von Lasten über 15 Kilogramm sei zu vermeiden (Urk. 8/137 S. 19).
3.4
Zum interdisziplinären Konsensus wurde im Gutachten festgehalten, dass der Explorand seit Jahren unter Rückenschmerzen leide, welche sich verstärkt hät
ten. Bei der orthopädischen Untersuchung sei ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom ohne
radikuläre
Symptomatik diagnostiziert worden. Radiolo
gisch bestehe ein altersentsprechender Befund an der Wirbelsäule ohne über
mässige degenerative Veränderungen. Die Untersuchung sei durch
Gegen
span
nen
und Schmerzangaben erschwert gewesen. Es hätten Differenzen zwischen spontanen Bewegungen und den demonstrierten
Bewegungsein
schränkungen
bestanden. Als Zeichen nichtorganischer Schmerzgenese seien fünf von fünf
Waddell
-Zeichen positiv gewesen. Die klinischen und radiologischen Befunde erklärten die vom Exploranden angegebenen Beschwerden nicht. Aus orthopä
discher Sicht sei der Explorand für die früher ausgeübte Tätigkeit als Zimmer
mann wie auch für andere körperlich schwere Tätigkeiten zu 100 % arbeitsun
fähig. Für körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten bestünden aus orthopädischer Sicht keine zeitlichen oder leistungsmässigen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Bei der psychiatrischen Untersuchung
so die Gutachter weiter - sei eine leichte depressive Symptomatik festgestellt worden. Diese sei aber nur
geringgradig
ausgeprägt und beeinträchtige den Exploranden nur wenig. Die somatisch nicht vollständig erklärbaren Beschwer
den seien Ausdruck der ebenfalls psychiatrisch diagnostizierten anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung. Diese allein habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Da die Komorbidität mit der leichten depressiven Episode nur
geringgradig
sei, bestehe aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Im internistischen Status sei ein etwas erhöhter Blutdruck gemessen worden. Zudem bestehe ein Übergewicht mit einem BMI von 27 kg/m
2
.
Zusammen mit den leicht pathologischen Laborwerten hätten sie die Diagnose eines beginnenden metabolischen Syndroms gestellt. Klinisch seien die Befunde noch kompensiert, eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe aus allgemein-internistischer Sicht nicht. Zusammengefasst sei der Explorand aus polydisziplinärer Sicht für eine körperlich leichte bis mittelschwere,
wech
selbelastende
Tätigkeit zu 100 % arbeits- und leistungsfähig. Die früher ausge
übte Tätigkeit als Zimmermann sowie auch andere körperlich schwere Tätigkei
ten seien ihm nicht mehr zumutbar (Urk. 8/137 S. 21 f.).
4
.
Zur Glaubhaftmachung einer gesundheitlichen Verschlechterung liess der Beschwerdeführer folgende Arztberichte einreichen:
4
.1
Der Beschwerdeführer war vom 1
1.
Juni bis zum 2
2.
Juli 2013 in der
A._
hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 2
4.
Juli 2013 (
Urk.
8/166)
diagnostizierten die behandelnden Ärzte in psychiatrischer Hinsicht 1) eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie 2) eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10 F45.41)
. Als somatische Diagnosen hielten sie folgende fest:
Chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom (linksbetont) seit 1998
kleine mediane Diskushernie L3/L4 und L4/L5
Chronischer Spannungskopfschmerz
Hypertonie
Tachykardie und CK-Erhöhung im Serum (Differentialdiagnostisch unter
Pregabalin
)
Lebersteatose
Während des Aufenthalts seien psychopathologisch die bekannten
chronifizier
ten
Kopf- und Rückenschmerzen sowie eine depressive Symptomatik mit nie
dergedrücktem Affekt, ausgeprägten Insuffizienzgefühlen und Schlafstörungen im Vordergrund gestanden. Die behandelnden Ärzte gingen
von einer mittel
gradigen depressiven Episode aus, welche - wie auch die
somatoforme
Schmerzstörung - durch multiple Belastungsfaktoren, insbesondere
die
Aberken
nung der IV-Rente,
die
fehlende
Integration in der Schweiz sowie die
innerfamiliä
ren
Konflikte aufrechterhalten werde. Passend hierzu hätten während des Auf
enthalts Phasen beobachtet werden können,
in denen der Beschwerdeführer weniger schmerzgeplagt geschienen und ein flüssigeres Gangbild gezeigt habe, wenn er sich unbeobachtet geglaubt habe. Hiermit konfrontiert hab
e
er angege
ben, dass er nur draussen spazieren gehe, wenn er sich besser fühle, da er nicht wolle, dass andere Menschen ihn so schmerzgeplagt sähen - dies sei ihm unan
genehm (
Urk.
8/166 S. 3).
Der Beschwerdeführer sei mit nur leicht remittierter Symptomatik ausgetreten und sei ohne Anhalt für akute Selbst- oder Fremdgefährdung in die ange
stammten Wohnverhältnisse zurückgekehrt mit dem Ziel einer Anbindung an die Tagesklinik
C._
. Eine zusätzliche Unterstützung durch die Spitex habe der Beschwerdeführer zum aktuellen Zeitpunkt abgelehnt,
er
wäre jedoch gege
benenfalls zu einem späteren Zeitpunkt (je nach Programm der Tagesklinik
C._
) dazu bereit (
Urk.
8/166 S. 4).
4
.2
Dr.
B._
diagnostizierte
in seinem zuhanden der Beschwerdegegnerin
verfass
ten
Arztbericht vom
7.
Januar 2014 (
Urk.
8/1
59
) 1) eine mittelgradig
e
depres
sive Episode (ICD-10 F32.1) und 2) eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstö
rung
(ICD-10 F45.
40)
.
Aktuell bestehe eine mittelgradige depressive Symptomatik (gedrückte Stim
mung mit reduzierter Schwingungsfähigkeit, Antriebsverarmung, reduzierte Vitalgefühle, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen) sowie ein
schwergra
diges
chronifiziertes
Schmerzsyndrom. Sicherlich bestehe auch eine organische Beeinträchtigung durch die degenerativen WS-Veränderungen. Der Beschwer
deführer wirke in der allgemeinen Lebensqualität deutlich beeinträchtigt. Es seien bereits viele verschiedene somatische Ansätze mit
frustranem
Ergebnis probiert worden. Er habe den Beschwerdeführer in die
A._
eingewiesen, da bisher keine längere stationäre psychiatrische Behandlung stattgefunden habe. Der Zustand des Beschwerdeführers habe aber nicht wesentlich gebessert wer
den können. Im Anschluss daran sei er tagesklinisch behandelt worden (vom
1.
bis zum 1
1.
Oktober 2012),
allerdings sei er nicht in der Lage gewesen, die Therapien länger durchzuhalten.
Es sei deutlich, dass der Beschwerdeführer schwerwiegend beeinträchtigt sei. Er habe sich massiv zurückgezogen und es bestünden körperliche
Begleiterkran
kungen
. Die Symptomatik sei
chronifiziert
. Der Beschwerdeführer sei nicht ein
mal in der Lage, seine Beschwerden soweit zu überwinden, dass er eine leichte Tätigkeit durchhalten könne und es sei ihm auch nicht möglich, eine regelmäs
sige Tagesstruktur mit z.B. Hau
s
h
a
ltstätigkeiten oder Hobb
ys aufrechtzu
erhal
ten. Es erscheine nicht angemessen, ihm eine volle Erwerbstätigkeit zuzumuten (
Urk.
8/165).
4
.3
Dr.
med.
D._
, Allgemeine Medizin FMH,
hielt in seinem zuhanden der Beschwerdegegnerin erstellten Bericht vom 1
3.
Januar 2014 dafür, dass sich der Zustand des Beschwerdeführers insbesondere in den letzten zwei Jahren deut
lich verschlechtert habe (
Urk.
8/160). Der depressive Zustand habe sich zemen
tiert und leider
chronifiziert
. Als der Beschwerdeführer 1998 die IV-Rente erhalten habe, sei wahrscheinlich ein grosser Fehler gemacht worden, die beruf
liche Reintegration wäre damals sicher die adäquatere Lösung gewesen. Nach
dem der Beschwerdeführer während mehreren Jahren eine ganze Rente erhalten habe und diese später sistiert worden sei, sei eine höchst ungünstige Situation entstanden. Wie sich bestätigt habe
,
seien die Bemühungen um eine berufliche Reintegration an einer Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwer
deführers völlig gescheitert. Der grosse Fehler sei wahrscheinlich 1998 began
gen worden und nun sei es wahrscheinlich zu spät, diesen zu korrigieren.
Dr.
D._
führte aus, dass
er die Devise Arbeit vor Rente
und die berufliche Rein
tegration bei jeder Gelegenheit unterstütze. Beim Beschwerdeführer sehe er jedoch keine solchen Möglichkeiten und beurteile die Chancen dazu als prak
tisch
Null
. In diesem Sinne ersuche er um Wiedererwägung betreffend d
as
Urteil vom
4.
November 2013 (
Urk.
8/160).
5
.
5
.1
Der Beschwerdeführer
hielt dafür, dass das
Y._
-Gutachten vom 1
7.
April 2012 nicht verwertbar sei, da bei der Vergabe des Gutachtensauftrages die
Verfah
rensstandards
gemäss BGE 137 V 210 nicht berücksichtigt worden seien, bzw. die Gutachterstelle nicht nach dem Zufallsprinzip bestimmt worden sei.
Dieses Vorbringen zielt nicht darauf, darzulegen, dass entgegen der angefochte
nen Verfügung eine gesundheitliche Veränderung seit der letztmaligen
Renten
beurteilung
glaubhaft gemacht worden ist, sondern verlangt sinngemäss, den rentenabweisenden Entscheid vom 1
7.
August 2012, rechtskräftig materiell beurteilt mit Urteil vom
4.
November 2013, in Wiedererwägung zu ziehen. Die in BGE 137 V 210 initiierte Rechtsprechung zum Verfahrensstandard bei der Vergabe von polydisziplinären Gutachten stellt keinen Revisionsgrund dar, weshalb seine Einwände gegen das
Y._
-Gutachten vom 1
7.
April 2012, welches in der Urteilsbegründung vom
4.
November 2013 als beweiskräftig angesehen wurde, nicht zu hören sind.
5
.2
Der Beschwerdeführer bringt vor, dass sich der somatische Gesundheitszustand verschlechtert habe, da die Knieschmerzen zugenommen hätten, weshalb die Gehstrecke und die Standzeit massiv eingeschränkt seien. Aus den im Recht lie
genden aktuellen Arztberichten geht dies nicht hervor, so dass keine Ver
schlechterung des somatischen Gesundheitszustandes
glaubhaft gemacht ist (vgl. E. 4
).
5
.3
Im Weiteren hielt der Beschwerdeführer dafür, dass gestützt auf die Arztberichte der
A._
und von
Dr.
B._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt sei, dass sich sein psychischer Gesundheitszustand massiv verschlechtert habe. Richtig ist, dass in beiden Arztberichten von einer mittelgradigen depressiven Episode und nicht
wie im
Y._
-Gutachten von
einer leichten depressiven Episode ausgegangen wird.
Unverändert wurde die
somatoforme
Schmerzstörung diag
nostiziert, welche gemäss
Y._
-Gutachten keine Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit hat.
Hingegen ergeben sich weder aus dem Bericht von
Dr.
B._
(E. 4
.2) noch aus dem Au
strittsbericht der
A._
(E. 4
.1) Befunde, welche auf eine wesentliche Veränderung seit der letztmaligen Beurteilung hindeuten würden. Gegenteils berichtet
Dr.
B._
einzig über eine fehlende Verbesserung – wobei er nicht dargelegt, dass eine adäquate Behandlung einer allenfalls die Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigenden depressiven Symptomatik gescheitert wäre. Fer
ner ergibt sich aus dem Bericht von
Dr.
D._
vom 1
3.
Januar 2014 lediglich, dass sich der depressive Zustand zementiert hat und er wegen der 1998 erfolg
ten
Rentenzusprache
keine Chance mehr zu einer erfolgr
eichen Rehabilitation sehe (E. 4
.3). Damit behauptet er keine medizinische Veränderung des Sachver
halts. Angesichts der kurzen Zeitspanne zwischen Neuanmeldung und letztma
liger materieller Beurteilung des Leistungsgesuches genügen diese Berichte behandelnder Ärzte nicht, eine relevante Veränderung des medizinischen Sach
verhalts seit dem 1
7.
August 2012 glaubhaft zu machen.
Vollständigkeitshalber ist festzuhalten, dass s
elbst bei veränderten Diagnosen aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
gilt
, dass nicht die Diagnosen und
deren Anzahl entscheidend ist, sondern die Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkei
t (vgl. BGE 136 V 279 E.3.2.1
). Eine Änderung der erhobenen Diagnosen sagt als solche nichts aus über die Ent
wicklung des Invaliditätsgrades.
5
.4
Eine rechtserhebliche Sachverhaltsänderung ist zusammenfassend nicht glaub
haft gemacht, so dass die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf die Neuan
meldung eingetreten ist. Die angefochtene Verfügung ist demnach zu schützen und die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen.
6
.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Besc
hwerdeverfahren vor dem kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) auf
Fr.
600.-- festzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.