Decision ID: c574cfca-6846-4f62-a60d-65c947d3b569
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
C._
, geboren 1961,
war bei
der
D._
AG
als Direktor angestellt und ab
März 2007
verantwortlicher
Geschäftsführ
er der Filiale
E._
. Über die Arbeitgeberin
war er bei der Pensionskasse
B._
berufsvorsorgeversichert (
Urk.
2/2).
Am
4.
April 2008 begab sich
C._
zu seinem Hausarzt
Dr.
med.
F._
. Wegen
drohenden Burnouts und Verdachts auf eine depressive Entwicklung schr
ieb ihn dieser
zunächst
bis zum 2
0.
April
2008
und später (mit Attest vom 2
3.
April 2008) bis zum 2
5.
April 2008
arbeitsunfähig
(
Urk.
2/7, 2/8, 8/1). Mit Schreiben vom 1
5.
Mai 2008 kündigte
C._
das Arbeitsverhältnis per 3
1.
Mai 2008 (
Urk.
2/9).
In der Folge
kamen die Arbeit
geberin und
C._
mit Vereinbarung vom 2
3.
Juni 2008 überein, ihn per 3
0.
Juni 2008 freizustellen und das Arbeitsverhältnis per 3
0.
November 2008 aufzulösen (vgl.
Urk.
7 S. 2
, 9/54
).
Am 3
0.
November 2010 schied
C._
freiwillig aus dem Leben (
Urk.
2/5).
2.
Am
6.
Juni 2012 liess die Ehefrau des Verstorbenen,
X._
,
zusammen mit d
en minderjährigen Kindern
Y._
,
Z._
und
A._
Klage gegen die
Pensionskasse
B._
-
unter Auflage eines Privatgutachtens von
Dr.
med.
G._
, Facharzt
für Psychiatrie,
Psychotherapie
und Neurologie
, vom
8.
Februar 2012 (
Urk.
2/11) -
erheben
mit folgendem Rechtsbegehren
(
Urk.
1 S. 2)
:
1.
Die
Beklagte habe der Klägerin 1 die gesetzlich und reglementarisch geschuldete Ehegattenrente ab
1.
November 2010 von monatlich mindestens
Fr.
3‘140.-- zu bezahlen.
2.
Die
Beklagte habe ab
1.
November 2010 für die vorgenannten Kläge
rinnen 2-4 je eine Rente von mindestens
Fr.
1‘047.-- pro Monat zu bezahlen.
3.
Die
Beklagte habe den Klägerinnen für die bisher fälligen Renten ab Klageeinreichung einen Zins zu 5
%
pro
Jahr
zu bezahlen. Für die künftig fälligen Renten sei den Klägerinnen ab Fälligkeit ein Zins von 5
%
pro Jahr zu entrichten.
4.
Die Beklagte habe die Rentenberechnung sowie sämtliche zur Berech
nung der Renten notwendigen und erforderlichen Unterlagen zu edieren.
5.
Unter Kosten- und Entschädig
ungsfolgen zu Lasten der Beklag
ten.
Die
Pensionskasse
B._
schloss in der Klageantwort vom
2.
Juli 2012 auf Abweisung der Klage. Eventualiter beantragte sie, es sei eine reglementari
sche Rente unter Beachtung der Bestimmungen der Überentschädigung zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Beiladung ihres Rückversicherers, der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG (
Urk.
7 S. 1).
Mit Verfügung vom
9.
Juli 2012 wurde dieses Gesuch abgewiesen (
Urk.
10). Im Rahmen des zweiten
Schriftenwechsels hielten die Par
teien in materieller Hinsicht an ihren
Anträgen
fest (
Urk.
12, 15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu beurteilen
ist der Anspruch der Klägerinnen auf Hinterlassenen-leistungen gegenüber der Beklagten.
2.
2.1
Ein Anspruch auf
Hinterlassenenleistungen
besteht unter anderem, wenn der Verstorbene im Zeitpunkt des Todes oder bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zum Tod geführt hat, versichert war (
Art.
18
lit
. a des Bundes
geset
zes über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge, BVG). D
er überlebende Ehegatte
hat gemäss
Art.
19
Abs.
1
BVG
Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente, wenn er beim
Tod des Ehegatten für
den Un
terhalt mindestens eines Kindes aufkommen muss (
lit
. a), oder älter als 45 Jahre ist und die Ehe mindestens fünf Jahre gedauert hat (
lit
. b).
Die Kinder des Ver
storbenen haben
l
au
t
Art.
20
BVG
Anspruch auf Waisenrenten.
Die Witwen
rente beträgt 60
%
, die Waisenrente beträgt 20
%
der vollen Invalidenrente, auf die der Versicherte Anspruch gehabt hätte (
Art.
21
Abs.
1 BVG). Die Beklagte sieht in
Art.
11 und 13 ihres Reglements
die nämlichen Leis
tungen vor (
Urk.
2/6).
2.2
Nach
Art.
18
lit
. a in Verbindung mit
Art.
23
lit
. a BVG besteht das versicherte Ereignis im Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse daraus ein Anspruch auf Renten
leistungen entsteht (vgl. Bundesgerichtsurteil 9C_1048/2008 vom 1
7.
Februar 2009 E. 3.1). Die Arbeitsunfähigkeit ist relevant, wenn sie - für die bisherige Tätigkeit (BGE 134 V 27 E. 5.) - mindestens 20
%
beträgt (Bundesgerichtsurteil 9C_91/2013 vom 1
7.
Juni 2013 E. 4.1.2).
Es wird zwar in der Regel, aber nicht in jedem Fall zwingend eine echtzeitlich ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit zum
rechtsgenüglichen
Nachweis einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsver
mögen verlangt (vgl. Bundesgerichtsurteile
8C_195/2009 vom
2.
September 2009 E. 5 und
9C_96/2008 vom
1
1.
Juni 2008 E. 3.2.2
). Immerhin reichen nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen, wie etwa eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische
Arbeitsunfähig
keit nicht aus (Bundesgerichtsu
rteil 9C_368/2008 vom 1
1.
September 2008 E. 2 mit Hinweisen). Die gesundheitliche Beeinträchtigung muss sich auf das Ar
beitsverhältnis sinnfällig auswirken oder ausgewirkt haben; die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen muss mit anderen Worten arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten sein, etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entspre
chender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfä
lle (SVR 2008 BVG Nr. 34 S. 143
[
9C_127/2008 E. 2.3
]
; SVR 2008 IV
Nr. 11 S. 32 [
I 687/06 E.
5.1
]
; Bundesgerichtsu
rteil 9C_362/2012 vom
6.
Juni 2012 E. 5.2.1 mit Hin
weis). Nur bei Vorliegen besonderer Umstände darf die Möglichkeit einer von der arbeitsrechtlich zu Tage getretenen Situation abweichenden Lage in Betracht gezogen werden, etwa in dem Sinne, dass ein Arbeitnehmer zwar zur Erbrin
gung einer vollen Arbeitsleistung verpflichtet war und auch entsprechend
entlöhnt
wurde, tatsächlich aber doch keine volle Arbeitsleistung erbringen konnte (SVR
2008 BVG Nr. 31 S. 126 [
9C_182/2007 E. 4.1.3
]
; Bundesgerichtsurteil 9C_162/2013 vom
8.
August 2013 E.
2.1.2).
2.3
Wie bei den Invalidenleistungen
ist
auch bei den
Hinterlassenenleistungen
die Leistungszuständigkeit nur
gegeben
, wenn ein sachlicher und zeitlicher Zusam
menhang zwischen der
während des Vorsorgeverhältnisses
eingetretenen Ar
beitsunfähig
keit und dem nach Austritt aus der Vorsorgeeinrichtung
eingetreten Tod bejaht werden kann (Bundesgerichtsurteil 9C_1048
/2008 vom 1
7.
Februar 2009 E. 3;
Isabelle Vetter-Schreiber, BVG/FZG-Kommentar, 2013,
3.
Auflage,
Rz
. 3 zu
Art.
18 BVG; vgl. auch
BGE 130 V 270 E. 4.1).
In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsun
fähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeits
unfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krankheit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitlichen Zusammenhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder
an die Arbeit zurückgekehrt ist
(BGE 123 V 262 E. 1
c, 120 V 112 E. 2c/
aa
und
bb
mit Hinweisen).
2.4
Der Berufsvorsorgeprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (
Art.
73
Abs.
2 BVG),
welcher besagt, dass das Gericht
von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen hat. Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess
tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE
117 V 264 E. 3b, vgl. auch BGE 139 V 185 E. 5.2
).
3.
3.1
Kontrovers und zu prüfen ist, ob
während
des Vorsorgeverhältnisses
von
C._
bei
der Beklagten
einschliesslich der einmonatigen Nachdeckungsfrist nach
Art.
10
Abs.
3 BVG,
mithin bis zum 3
1.
Dezember 2008
eine mit seinem Tod
(am 3
0.
November 2010) in einem (engen zeit
lichen und sachlichen) Z
u
sammenhang stehende Arbeitsunfähigkeit eingetreten war.
3.2
Die Klägerinnen las
sen im Wesentlichen vorbringen,
Dr.
F._
habe am
4.
April 2008 bei
C._
aufgrund dessen psychischer Verfassung eine Arbeits
unfähigkeit festgestellt
. Die Kündigung vom 1
5.
Mai 2008 sei aus gesundheit
lichen Gründen erfolgt.
Gegenüber seiner Ehefrau habe
C._
damals erklärt, sie könne ihn auf dem Friedhof besuchen kommen, wenn er jetzt nicht aufhöre. Nach der Kündigung sei er zu Hause gewesen. Einen neuen Job habe er nicht gesucht.
Bei der Arbeitslosenversicherung habe er sich nicht gemeldet.
Er sei
perspektivlos gewesen und habe sich über nichts mehr freuen können. Sozial habe er sich völlig zurückgezogen.
Auch die älteste Tochter habe ihn gereizt erlebt. Er habe ihre Schulaufgaben nicht mehr korrigiert, und sie habe ihn nichts mehr fragen können.
Bereits 2009 habe keinerlei Eheleben mehr stattge
funden.
Habe ihn die Ehefrau umarmen wollen, sei er mit runterhängenden Armen dagestanden. Er habe unter Schlafstörungen gelitten und sei bereits um zwei Uhr wieder aufgestanden. Am
4.
Juli 2010 habe er im Hinblick auf seinen offenbar damals absehbaren Tod ein Testament verfasst. Im
ebenfalls vorliegenden
Abschiedsbrief habe er erwähnt, dass er schon vor zwei Jahren
Dr.
F._
gesagt habe, dass er seinem Leben ein Ende setzen wolle. Das Burnout und die Depression habe ihm alle Lebensfreude genommen.
Dr.
G._
komme im psychiatrischen Gutachten denn auch zum Schluss,
dass seit April 2008 eine mindestens mittelschwere depressive Episode mit
Somatisierung
vorgeleg
en habe. Es sei nicht ersichtlich, dass es zwischenzeitlich zu einer Besserung ge
kommen sei. Vielmehr sei
im Verlauf
eine zum Teil massive Verschlechterung eingetreten
, so dass spätestens ab Herbst 2
009 eine schwere depressive Epis
ode
mit klassischer Symptomatik vorgelegen habe. Aus fachärztlicher Sicht habe vom 2
3.
April 2008 bis zum Suizid kontinuierlich eine 100%ige Arbeits
un
fähig
keit bestanden. Die Voraussetzungen der Leistungspflicht der Beklagten sei damit gegeben: Es bestehe ein zeitlicher und sachlicher Konnex zwischen der Ursache der Arbeitsunfähigkeit vom April 2008 und dem Suizid vom 3
0.
November 2010
(
Urk.
1, 12)
.
3.3
Die Beklagte stellt sich demgegenüber zusammenfassend auf den Standpunkt,
ausgewiesen sei einzig eine Arbeitsunfähigkeit vom
4.
bis
2
5.
April 200
8.
Für die Zeit danach fehle es an echtzeitlichen Zeugnissen, die eine Arbeitsunfähig
keit von
C._
belegen würden. Dem Gutachten von
Dr.
G._
komme keine Beweiskraft zu.
Dieses basiere ausschliesslich auf
den
Angaben der Klägerinnen und den Aussagen des Hausarztes, der
C._
nach den Konsultationen im April 2008 nicht mehr gesehen habe. Ob die damals aufge
tretene Depression zum Tod geführt habe und mithin ein sachlicher Zusammen
hang bestehe, könne offen bleiben. Auf jeden Fall sei aufgrund der fehlenden echtzeitlichen Angaben keine durchgehende Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
belegt. Der zeitliche Zusammenhang sei folglich zu verneinen. Es sei nicht einmal nachgewiesen, dass
bei Beendigung des Vorsorgeverhältnisses per Ende Dezember 2008 noch eine Arbeitsunfähigkeit bestanden habe.
D
ie Arbeitgeberin habe, abgesehen von der dreiwöchigen Krankschreibung im April 2008, keine Leistungseinbusse feststellen können. Weder seien gesundheitlich bedingte Ab
senzen, noch Ermahnungen wegen mangelnder oder ungenügender A
rbeitsleis
tung dokumentiert.
Allenfalls habe ein Gesundheitsschaden vorgelegen, was aber
mit einer
Arbeitsunfähigkeit
nicht
gleichzusetzen
sei
(
Urk.
7, 15).
4.
4.1
Vorab ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall nicht entscheidungswesentlich ist, ob während des Vorsorgeverhältnisses ein psychisches Leiden bestand, son
dern, falls ein solches zu bejahen ist, ob dieses zu einer (in einem zum Tod
engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang stehende) Arbeitsunfähigkeit geführt hatte.
4.2
An ech
tzeitlichen ärztlichen Bestätigungen
liege
n einzig die beiden Kurzatteste
vor
, mit welchen
C._
vom
4.
bis 2
5.
April 2008 eine Arbeitsunfähig
keit bescheinigt wurde (
Urk.
8/1). Im Bericht vom 1
0.
Dezember 2010 erklärte
Dr.
F._
dazu, wegen des drohenden Burnouts und des Verdachts auf eine depressive En
twicklung habe
er
für vier Monate Antidepressiva verschrieben.
Es sei anzunehmen, dass
C._
die Medikamente im späteren Verlauf abgesetzt habe (
Urk.
2/8). Die letzte Konsultation bei
Dr.
F._
erfolgte am 2
3.
April
200
8. Dr.
F._
empfahl
C._
, sich wieder zu melden und sich zudem in psychiatrische Behandlung zu begeben (
Urk.
2/8, 2/11 S. 6).
C._
unterliess beides
.
Nach dem 2
5.
April 2008 kehrte
C._
an den Arbeitsplatz zurück. Bereits am 1
5.
Mai 2008
hatte
er unter Hinweis auf gesundheitliche Gründe per 3
1.
Mai 2008
gekündigt
(
Urk.
2/8).
Die hie
r
für
gegenüber der Ehefrau
abgege
ben
e
Erklärung
„Wenn ich jetzt nicht aufhöre, kannst Du mich auf dem Fried
hof besuchen ko
mmen“ weist
auf
ein
en grossen Leidensdruck hin
.
In
der Folge arbeitete er jedoch
weiter bis zum 3
0.
Juni 200
8.
Leistungseinbussen für diese Zeit sind nicht dokumentiert.
In diesem Zusammenhang fällt auf, dass
Dr.
F._
am 2
3.
April 2008, einem Mittwoch, lediglich noch
eine
Arbeitsun
fähigkeit bis Ende der Woche attestie
rte
. Dies
lässt den Schluss zu, dass
für die darauffolgende Woche eine volle Leistungsfähigkeit für möglich erachtet wurde
. Da keine Beanstandungen des Arbeitgeb
ers vorliegen, liegt die Annahme nahe
, d
ass dem auch so war
. Vor diesem Hintergrund erscheint fraglich, ob bei Been
digung
des Vorsorgeverhältnisses überhaupt noch eine Arbeitsunfähigkeit be
stand.
4.3
Selbst wenn man den Eintritt einer relevanten Arbeitsunfähigkeit während des Vorsorge
verhältnisses bejah
en würde, liesse
sich eine Leistungspflicht der Beklagten nicht begründen. Das Vorsorgeverhältnis endete am 3
1.
Dezember 200
8.
Am 3
0.
November 2010 beging
C._
Selbstmord.
Für die Dauer dieser
(beinahe)
zwei Jahre bestehen keinerlei echtzeitliche medizinische Doku
mente.
Objektive Hinweise auf
(
arbeitsrechtlich
)
relevante
Einbusse
n
an funkti
onellem Leistungsvermögen fehlen aufgrund der fehlenden Erwerbstätigkeit selbstredend.
Fehlen echtzeitliche Arbeitsunfähigkeitsatteste, ja ist nicht einmal eine psychiatrische Behandlung ausgewiesen, verbietet sich
grundsätzlich
der Schluss auf eine psychogen bedingte Arbeitsunfähigkeit (vgl. Urteil des [dama
ligen] Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom
6.
Febr
uar 2003 B75/01 E.
2.2). D
ass
C._
keine fachärztliche
Behandlung
in Anspruch nahm,
bildet laut
Dr.
G._
typisches
Merkmal eines
schweren depressiven Verl
aufs (
Urk.
2/11 S. 13).
Solchen Umständen
ist bei der Frage des engen zeitlichen Zusammenhangs
Rechnung zu tragen
. Indessen müssen auch in diesen Fällen erhebliche Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit (im Umfang von mindestens 20
%
) nachgewiesen sein
(vgl. etwa Bundesgerichtsurteil B152/06 vom 1
1.
Februar 2008 E. 6.3
)
, woran es vorliegend für die
doch erhebliche
Dauer von
(beinahe)
zwei Jahren fehlt. Bei dieser Beweislage geht es nicht an, einen un
unterbrochene
n zeitlichen Konnex anzunehmen
. Dies gilt
ebenfalls
in Bezug auf
die sachliche
Konnexit
ät
.
Daran vermag auch die gutachterliche Einschätzung von
Dr.
G._
nichts zu ändern
, der von einem natürlichen
Kausalzusammenhang zwischen dem im April 2008 festgestellten Gesundheitsschaden und dem Tod
sowie
von einer durchgehenden vollen Arbeitsunfähigkeit ausgeht
(
Urk.
2/11 S. 16).
Bei seiner retrospektiven Beurteilung konnte er sich notgedrungen lediglich auf die Aus
sagen der nächsten
Angehörigen, d
i
e Angaben von
Dr.
F._
sowie
die
ihm zur Verfügung gestellten Akten stützen. Bei letzteren handelte es sich, soweit sie nicht nach dem Tod von
C._
erstellt wurden, um das Testament vom
4.
Juli 2010 (
Urk.
2/12), den im August 2010 geschrieben Brief der Tochter
Y._
an ihren Vater (
Urk.
9/10,
Urk.
9/18 S. 2) und den (undatierten) Abschiedsbrief (
Urk.
2/13). Diese Dokumente zeichnen ein eindrückliches Bild, geben aber einzig Auskunft über die letzten Monate vor dem Hinschied
; wobei
hierzu noch zu erwähnen ist, dass laut Aussagen der Ehefrau sich die Situation ab Januar 2010 erheblich verschlechtert hatte
(
Urk.
2/10)
.
Dr.
F._
hatte
C._
nach dem 2
3.
April 200
8 nicht mehr gesehen.
Die von
Dr.
G._
rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit
von
C._
basiert somit primär auf d
en Aussagen der A
ngehörigen
. Dies reicht jedoch
für eine beweiskräftige Beurteilung
nicht aus.
Von
weiteren Beweismassnahmen, etwa
der Einvernahme der Klägerinnen als Zeuginnen (
Urk.
12 S.
5), sind
keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abzusehen ist (antizipierte Beweiswürdigung, BGE 136 I 236 E. 5.3, 134 I 148 E.
5.3, 124 V 94 E. 4b).
Die
Folge dieser Beweislosigkeit haben die Klägerinnen zu tragen
(vgl. Bundesgerichtsurteil 9C_597/2008 vom
3.
Dezember 2008 E.
2.2.1
; vorne E.
2.4).
4.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
zwar
durchaus als möglich erscheint, dass
C._
ab April 2008 dauerhaft in seinem funktionellen Leistungs
vermögen eingeschränkt war, dies aber nicht mit dem Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit erstellt ist
und sich auch nicht mehr erstellen lässt
. Die Folgen dieser Beweislosigkeit haben die Klägerinnen zu tragen, was zur Abweisung der Klage führt.