Decision ID: 92d5e472-7b3b-4f4f-8b7d-2535f2bf1ad0
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, ist Mutter
dreier erwachsener Kinder (Urk.
9/7/1 und 9/7/3). Sie verfügt über erfolgreich abgeschlossene Ausbildun
g
en
als PTT-Betriebsassistentin
(
Urk.
9/7/5
,
9/34/3
und 9/34/17
) und Pflegehel
ferin des
Y._
(
Urk.
9/6/4
und 9/34/14
). Überdies absolvierte
sie
Weiterbildungskurse in den Bereichen Finanzbuch
haltung (
Urk.
9/6/2-3
und 9/34/8
), Englisch
(
Urk.
9/6/1
und 9/34/2
)
und Haushilfe
(Urk.
9/6/5
-
9
und 9/34/6
)
.
Sie war seit
dem 3
0.
April 2012 mit einem Pensum von 35
%
als Haushelferin
Spitex
bei der
Z._
angestellt
(Urk.
9/1/5,
9/2/1
,
9/7/5,
9/11 und 9/12
)
, als es a
m
1.
April 2014
nach langjäh
riger Ehe
zur
Trennung von ihrem Ehemann
kam
(
Urk.
9/7/1
und 9/34/1
).
Am 1
0.
Juni 2014
meldete sich
die Versicherte
– nach
im Mai 2014
erfolgter
Früherfassung
(
Urk.
9/2 und 9/4) –
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
9/7
).
Diese
tätigte erwerb
liche (Urk.
9/11
und 9/12
) und medizinische (Urk.
9/17 und
9/19
) Abklärungen.
Mit Vorbescheid vom 2
2.
Oktober 2014 stellte
die IV-Stelle
der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
9/21). Dagegen erhob
die Ver
s
icherte
Einwand (Urk. 9/26 und 9/32). D
ie IV-Stelle nahm weitere
Arztbe
richt
e
zu ihren Akten (
vgl.
Urk.
9/30) und führte mit der Versicherten
am
1.
April 2015
ein Gespräch zur Abklärung ihrer beruflichen Situation (
Urk.
9/33 und 9/43/2-4).
M
it E-Mail
vom 31.
August 2015
informierte die Versicherte die IV-Stelle
über eine gep
lante Knieoperation (Urk.
9/41), worauf ihr
d
ie IV-Stelle
am
2.
September
2015
schriftlich
mit
teilte
,
sie
schliesse
die Dienstleistungen im Bereich der beruflichen Eingliederung
ab
, da berufliche Eingliederungsmass
nahmen verfrüht seien
(Urk.
9
/
42
).
A
m 28.
Januar 2016
ersuchte die Versicherte
um Wiederaufnahme von beruflichen Eingliederungsmassnahmen
und machte geltend, die
Folgen der Knieoperation
seien
zufriedenstellend verheilt
(Urk. 9/48). Überdies
reichte
sie
einen Austrittsbericht der
A._
vom 2
3.
November 2015 ein (
Urk.
9/47).
Nach dem Eintreffen weiterer medi
zinischer Unterlagen (Urk.
9/49
,
9
/
51
,
9
/
53, 9/54, 9/56
und 9/58
)
gab die IV-Stelle
e
in polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (Urk. 9
/59-60 und 9/62-66), das am 11.
November 2016 von der
Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS)
B._
AG erstattet wurde (
Urk.
9/69)
.
Auf
Ersuchen der Versicherten
wurde das Gutachten
an deren Hausarzt zugestellt (
Urk.
9/70
, 9/72 und 9/73).
Mit Verfü
gung vom
1
3.
Januar 2017
verneinte die IV-Stelle
wie angekündigt einen Leis
tungsanspruch
(Urk.
2 und
9
/
75
).
2.
Die Versicherte erhob gegen die Verfügung vom 1
3.
Januar 2017 mit einer
auf
den 1
1.
März 2017 datiert
en Eingabe Beschwerde, die sie
am 13. Februar 2017 der Schweizerischen Post zu
Handen
des Sozialversicherungsgerichts, Postfach, 8087 Zürich,
übergab
(vgl. Urk. 1, 5 und
9
/77)
.
Die Sendung traf am 14.
Februar 2017 bei der IV-Stelle ein,
von wo
sie zuständigkeitshalber an das Sozial
ver
sicherungsgericht weiter
ge
leitet
wurd
e (Urk. 4 = 9/78).
In der Beschwerde
schrift wurden Eingliederungsmassnahmen in Form von beruflichen Massnahmen beantragt (vgl.
Urk.
1, 5 und 9/77).
Am
2
2.
März
201
7
schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
8
).
Mit Verfügung vom 2
7.
März 2017 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet und der Beschwerde
führerin eine Frist von 30 Tagen zur Replik angesetzt (
Urk.
10).
Sie erstattete diese
am 2
4.
April 2017 (
Urk.
12). Die Beschwerdegegnerin verzichte
te am 29.
Mai 2017 auf das Einreichen einer Duplik (
Urk.
14).
Davon
wurde der
Beschwerdeführerin
mit
Verfügung
vom
3
1.
Mai
201
7
Kenntnis
gegeben
(Urk.
15
).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
D
ie Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Abs. 1).
Zu den Eingliederungsmassnahmen gehören unter anderem Massnahmen beruf
licher Art wie die Umschulung, die Berufsberatung und die Arbeitsvermittlung (Abs. 3
lit
. b).
1.3
Drohende Invalidität liegt vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit über
wiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ist unerheblich
(
Art.
1
novies
der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV)
.
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin über einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen in Form von beruflichen Massnahmen verfügt (vgl.
Urk.
1, 2,
8, 9/75 und
12
).
3.
3.1
Den medizinischen Unterlagen lässt sich entnehmen, dass
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, der Versicherten
vom
1
3.
Januar
bis zum 1
4.
März
2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (
Urk.
9/1/2-4).
Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielt er in seinem Bericht vom 2
5.
August 2014 eine Anpassungsstörung mit depres
siver Episode und den schädlichen Gebrauch von Alkohol fest. Ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit seien Blockaden am
Iliosakralgelenk
und ein Kar
paltunnelsyndrom rechts (
Urk.
9/17/1). Anamnestisch vermerkte
Dr.
C._
eine
wegen der Trennung vom Ehemann ab Januar 2014 sehr angespannte Situation mit
zunehmendem Alkoholkonsum
der Versicherten
(
Urk.
9/17/2).
3.2
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, der die Versicherte seit dem 1
0.
Januar 2
014
behandelte, diagnostizierte gemäss seinem Bericht vom 2
6.
September 2014 (
Urk.
9/19) eine depressive Episode, ausgelöst durch die Trennung vom Ehemann (ICD-10: F32.1)
,
un
d einen schädlichen Gebrauch vom
Alkohol (ICD-10: F10.1). Die Versicherte habe
berichtet, ihre 26jährige Ehe sei
bereits
seit zehn Jahren nicht mehr gut gelaufen
. Um die Situ
ation besser ertragen zu können, habe
sie
seit Jahren Alkohol konsumiert, in den letzten zwei Jahren zunehmend bis zu 1-2 Flaschen Wein (
Urk.
9/19/1).
Die Behandlung
der Versicherten
habe
mit einer tiefenpsychologisch fundierten Einzelpsychotherapie mit der Darstellung der intrapsychischen Konflikte und der daraus folgenden Symptombildung begonnen. Medikamentös sei in
itial eine Entzugsbehandlung vom
Alkohol erfolgt,
während welcher
der Versicherten
zur Unterstützung
Seresta
verordnet worden sei
. Die Versicherte zeige eine gute Motivation und sei abstinent.
A
ufgrund der depressiven Symptomatik mit der Schlafstörung
ha
b
e sie zur Nacht
Mirtazapin erhalten. Unter dieser Behandlung
seien
eine Verbesserung der Schlafqualität und eine leichte Abnahme der depressiven Symptomatik
eingetreten
(
Urk.
9/19/1-2).
Vom 1
8.
Januar bis zum 14. März 2014 sei der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wor
d
en. W
eiterhin
sei die Versicherte
durch die Sch
eidung erheblich belastet (Urk.
9/19/2).
3.3
Am
6.
Januar 2015 teilte
Dr.
C._
der IV-Stelle mit, er
habe
versehentlich einen Teil der Patientengeschichte nicht dokumentiert (
Urk.
9/28).
In der Folge
reichte
er
eine korrigierte Fassung seines Berichts vom 2
5.
August 2014 ein, in der
er
neu Diskushernien an den HWK 3/4 bis 6/7 mit relativen Spinalkanalste
nosen und leicht- bis mittelgradige foraminale Stenosen als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufführte (
Urk.
9/30/1). Seinen
schrift
lichen Angaben
legte er einen entsprechenden Bericht des Röntgeninstituts O
._
vom
2.
April 2014 zur gleichentags durchgeführten magnetreso
nanztomographischen Untersuchung der Halswirbelsäule bei (Urk. 9/30/6).
3.4
Die Versicherte begab sich am
2.
Juni 2015 wegen einer Kribbeldysästhesie der rechten Gesichtshälfte, intermittierenden leichten Wortfindungsstörungen und anamnestisch einem Zustand nach rechts
facialer
Pares
e
ins
G._
, wo sie bis zum
3.
Juni 2015 auf der
Stroke
Unit hospitalisiert war.
Im Austrittsbericht vom
9.
Juni 2015 wurden
unklare intermittierende rech
t
s
seitige Dysästhesien, differentialdiagnostisch dissoziativ im Rahmen der Tren
nungssituation, eine Adipositas und aktenanamnestisch eine Spinalkanalstenose als Diagnosen festgehalten (
Urk.
9/53/7).
Für die von der Versicherten beschrie
bene Symptomatik
habe man
keine somatische Ursache gefunden (
Urk.
9/
53/8; vgl. auch
Urk.
9/53/10-12
).
3.5
Vom
8.
September bis zum 1
9.
Oktober
2015
hielt sich die Versicherte zur statio
nären psychosomatischen Rehabilitation in der Klinik
E._
auf (Urk.
9/49/1). Dort wurden eine Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2), eine akti
vierte mediale Gonarthrose und eine Meniskusläsion medial links als Diagnosen festgehalten (
Urk.
9/49/1). Vom
8.
September bis zum
2.
November 2015 wurde der Versicherten – aufgrund ihrer
Kniebeschwerden
– eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit attestiert (
Urk.
9/49/3
und 9/49/5
).
Im Anschluss an den Klinikaufent
halt begab sich die Versicherte
in psychiatrisch-psychotherapeutische Behand
lung
des
Ambulatorium
s
des
F._
Instituts (Urk.
9/58).
3.
6
Am
1
9.
November 2015
wurde wegen der medialen
Varusgonarthrose
eine Opera
tion am linken Knie durchgeführt
, worauf
die Versicherte bis zum 22.
November 2015 in der
A._
hospitalisiert war. Im Austrittsbe
richt vom 2
3.
November 2015 wurden ein komplikationsloser Verlauf und die Möglichkeit einer Teilbelastung während vier Wochen mit anschliessender Voll
belastung
vermerkt
(
Urk.
9/47/1).
Bis zum
6.
Januar 2016 wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert, ab dem
9.
Januar 2016
sei die
Versicherte für leichte Büroarbeiten zu 0
%
arbeitsunfähig (Urk. 9/51/7).
3.
7
Dr.
med.
C._
hielt in seinem Verlaufsbericht vom 2
5.
April 2016 den Sta
tus nach Arthroskopie mit
Débridement
der
Varusgonarthrose
, Schlaf- und Durch
sch
lafstörungen und intermittierende rechtsseitige Dysästhesien als neue Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
9/53/1
= 9/54/1
). Er
bescheinigte
vom 2
9.
März bis zum 3
0.
April 2016 eine 50%ige Arbeitsun
fähigkeit (
Urk.
9/53/2
= 9/54/2
).
3.8
Die Behandler des Ambulatoriums des
F._
Instituts bestätigten in ihrem Bericht vom 1
5.
Juli 2016
,
sie hätten die Versicherte am 2
9.
April 2016 zum letzten Mal gesehen (
Urk.
9/58/1). Aus
psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht
(im April 2016) könne eine Arbeitstätigkeit in einem ruhigen Umfeld mit klaren Struktu
ren wieder aufgenommen werden (
Urk.
9/58/3). Mit Bezug auf die aus soma
tischen Gründen attestierte Arbeitsunfähigkeit verwiese
n
sie a
uf
den Hausarzt (
Urk.
9/58/3).
3.9
Gemäss dem polydisziplinären Gutachten der
B._
AG vom 1
1.
November 2016
(
Urk.
9/69)
wurden keine
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit gestellt (
Urk.
9/69/9). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die folgende Diagnosen (
Urk.
9/69/9):
1.
Wiederkehrende Schmerzen der Halswirbelsäule bzw. der Nacken
musku
latur bei im MRT festgestellten degenerativen Veränderungen der Hals
wirbelsäule
,
ohne neurologische Auffälligkeiten, ohne Wurzelreiz
syn
drom, mit nur endgradiger Bewegungseinschränkung der Halswirbel
säule
2.
Wi
e
derkehrende Schmerzen des rechten Schultergelenkes bei der Arm-Seit
wärts- und Vorwärtshebung aufgrund der Veränderungen der Hals
wirbelsäule
,
ohne Hinweis für ein
Impingement
-S
yndrom bei freier Beweglichkeit
3.
Medial betonte Gonarthrose des linken Kniegelenkes, zurzeit symptomlos nach erfolgreich durchgeführter Umstellungsosteotomie des Unter
schen
kels 19.11.2015
4.
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, zwischenzeitlich remittiert (ICD-10: F43.21)
5.
Schädlicher Gebrauch von Alkohol, zwischenzeitlich sistiert (ICD-10: F10.20
)
6.
Übergewicht (BMI 28 kg/m
2
)
7.
Missempfindungen auf der rechten Seite anfallsweise, DD psychogen
8.
Status nach Operation eines Karpaltunnelsyndroms rechts 2014.
Aus orthopädisch-
traumatologischer
Sicht wurde vermerkt, die Beschwerden der Halswirbelsäule hätten ihr röntgenologisches Korrelat in degenerativen Verän
derungen der Diskushernien C3/4 bis C6/7 und entsprechenden
Uncovertebral
arthrosen
. Insofern seien die wiederkehrenden Schmerzen der Halswirbelsäule nachzuvollziehen, sie seien jedoch gut kompensiert. Die Muskulatur der Hals
wirbelsäule sei gut balanciert, es
bestehe
lediglich eine endgradige Bewegungs
einschränkung der Halswirbelsäule ohne neurologische Auffälligkeiten.
Bei beiden
Oberarme
n
seien
die Muskeln
seitengleich
ausgebildet
, es gebe seiten
gleiche Gebra
uchszeichen der Hände und eine
seitengleiche
Handbeschwielung
. Der Operationserfolg des linken Unter
schenkels bzw. Kniegelenks sei als sehr gut zu bezeichnen, es bestünden hier praktisch keine Beschwerden mehr. Die Arbeitsfähigkeit
i
n der bisherigen Tätigkeit als Haushal
tshelferin Spitex und in einer anderen leidensadaptierten Tätigkeit sei nicht bee
i
nträchtigt
(
Urk.
9/69/10
und 9/69/27
). In den
weiteren
Fachgebieten wurden keine
rlei
Einschränkungen festgestellt (
Urk.
9/69/9-10
, 9/69/37, 9/69/44 und 9/69/51
).
Zusammenfassend wurde
zur Arbeitsfähigkeit aus polydisziplinärer Sicht
die Auffassung vertreten
, es seien der Versicherten keine schweren Tätigkeiten mehr abzuverlangen. Gegen mittelschwere Tätigkeiten bestünden keine Beden
ken. Die Arbeiten sollten in wechselnden Positionen, zeitweise im Gehen, Ste
hen und Sitzen ausgeführt werden.
Die Versicherte
sollte keine Tätigkeiten mit ausschliesslichem Bücken oder Knien und keine Tätigkeiten mit überwiegender Zwangshaltung verrichten. Die Gebrauchsfähigkeit der Hände sei nach der erfolgreichen Operation des Karpaltunnelsyndroms unbeeinträchtigt. Es soll
t
en keine ausschliesslichen Überkopfarbeiten ausgeführt werden (Urk.
9/69/10). Sowohl in der bisherigen Tätigkeit als Haushalthelferin Spitex als auch in einer anderen leidensadaptierten Tätigkeit bestünden
keine Beeinträchtigungen (Urk.
9/69/11).
Retrospektiv habe vom 1
8.
Januar bis zum 1
4.
März 2014, während der Behand
lung im
G._
im Juni 2015 und während des statio
nären Aufenthalts in der Klinik
E._
vom
8.
September bis zum 19.
Oktober 2015
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
in der angestammten und in
leidens
adaptierten Tätigkeiten
bestanden (
Urk.
9/69/11).
Überdies habe nach
den
Operation
en
an
der rechten Hand und
am linken Kniege
lenk während
der
Rekonvaleszenz
,
für das linke Kniegelenk
sechs Monate
,
in der angestammten Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit bestanden (Urk.
9/69/11). Für eine leidensadaptierte Tätigkeit
sei
die Versicherte
während einer einmonatigen Rekonvaleszenz
nach der Operation der rechten Hand und einer zweimonatigen Rekonvaleszenz
nach der Knieoperation
arbeits
un
fähig gewesen
(
Urk.
9/69/12)
.
4
.
4.1
Das Gutachten der
B._
AG vom 1
1.
November 2016 (
Urk.
9/69) basiert auf den
zur Verfügung gestellten und weiteren beigezogenen Unterlagen sowie de
n
fach
ärztlichen orthopädisch/
traumatologischen
,
psychiatrischen
, internistischen und neurologischen
Untersu
chung
en
der
Beschwerdeführerin am 12., 1
9.
und 20. Oktober 2016 (Urk. 9/69/1). Es
wurde in Kenntnis der medizinischen Vorak
ten erstellt und berücksichtigt die von
der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden ange
messen. Die gestellten
Fra
ge
n beantwortet es umfassend.
4.2
Die Beschwer
deführerin wandte gegen das Gutachten der
B._
AG ein, es sei erstellt worden, als sie ein Arbeitspensum von 36
%
ausgeübt habe.
Sie sei indessen auf eine Arbeitsstelle mit ei
nem Pensum von 100
%
angewiesen
. Den damit verbundenen Anforderungen könne
sie aufgrund ihrer körperlichen und psychischen Einschränkungen nicht gerecht werden
. Insbesondere sei zu beachten, dass im psychiatrischen Teilgutachten eine berufliche Eingliederung in einer körperlich adaptierten Tätigkeit empfohlen worden sei
. Der Empfeh
lung, keine Gewichte von mehr als 10 kg zu heben, könne sie bei der Ausübung ihrer angestammten Tätigkeit nicht nachkommen
(
Urk.
1 S. 1
f. mit Hinweis auf Urk.
9/69/37
und
Urk.
12 S. 1
).
Der Argumentation der Beschwerdeführerin ist entgegenzuhalten, dass die gut
achterlichen Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit in der Regel unter der Annahme einer 100%igen Tätigkeit erfolgen, es sei denn, es werde im Gutach
ten etwas
anderes
vermerkt. Letzteres trifft hier nicht zu.
Es ist somit ohne Weiteres davon auszugehen, dass die Gutachter die Beschwerdeführerin als Haushelferin Spitex mit einem Pensum von 100
%
als uneingeschränkt arbeits
fähig erachteten.
Die
se gutachterliche
Einschätzung wird auch nicht durch den Umstand in Frage gestellt, dass sich die Beschwerdeführerin
selbst nicht dazu in der Lage fühlt
,
nur schon
ein
Pensum von 36
%
in ihrer angestammten Tätig
keit als Haushelferin Spitex
zu bewältigen
. Vielmehr fällt ins Gewicht, dass
für die Beurteilung allein objektive Kriterien massgebend
sind, welche im Gutach
ten eingehend und nachvollziehbar dargelegt wurden
.
Die von der Beschwerdeführerin
zitierte
Empfehlung im psychiatrischen Teilgut
achten
gibt weder
in formeller noch in materieller Hinsicht
Anlass für Bean
standungen
und steht nicht im Widerspruch zur Einschätzung aus polydiszipli
närer Sicht
.
In diesem Zusammenhang
ist zu berücksichtigen, dass den Angaben im psychiatrischen Teilgutachten lediglich mit Bezug a
uf die psychischen Ver
hältnisse
eine Relevanz zukommen kann.
Zur Beantwortung der
hier zur Dis
kussion stehende
n
Frage, ob die (rechtlichen) Voraussetzungen für berufliche
Massnahmen gegeben sind,
lässt sich aus den betreffenden Ausführungen
ebenfalls
nichts zu Gunsten der Beschwerdeführerin ableiten.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht
e
, sie könne keine Gewichte von mehr als 10 kg heben, ist zu bemerken, dass dies gemäss den von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arbeitgeberauskünften
bei ihrer Tätigkeit als Haushilfe Spitex
nicht erfor
derlich ist (
Urk.
9/12/6). Die g
utachterliche Ein
schätzung, wonach die Beschwerdeführerin
ihre
angestammte Tätigkeit als Haushilfe trotz
der erhobenen somatischen Befunde und de
r
skizzierten Konse
quenzen
uneingeschränkt ausüben kann, steht somit im Einklang mit den Akten.
Die Verrichtung von mittelschweren Arbeiten wurde denn auch aus
drücklich als zumutbar bezeichnet.
4.3
Aus dem Gesagten folgt, dass nichts vorgetragen wurde, was das Gutachten der
B._
AG vom
1
1.
November 2016
als widersprüchlich oder nicht schlüssig er
schei
nen liesse oder sonst in Zweifel zu ziehen vermöchte. Ebenso wenig ist etwa
s Derartiges aus den Akten ersichtlich. Vielmehr erfüllt das Gutachten sämtli
che von der Rechtsprechung statuierten Anforderungen an ein medizi
ni
sches Gutachten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5a und 125 V 351 E. 3a). Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin darauf abgestellt hat.
5.
Mit dem Gutachten der
B._
AG vom 1
1.
November 2016 ist ausgewiesen, dass
die Beschwerdeführerin zwischen
Januar 2014
und ihrer Begutachtung im Oktober 2016
zwar an psychischen und phy
sischen Gesundheitsschäden litt
(vgl. auch
Urk.
12 S. 1)
. Die psychisch begründete Arbeits- und Erwerbsunfähig
keit
(im
Jahr
2014)
dauerte jedoch lediglich rund zwei Monate
. Ebenso wenig
überschritten
die Arbeits- und Erwerbsunfähigkeiten, welche – mit Unter
brüchen – wegen der
diversen
somatischen Leiden
(2014, 2015 und 2016) bestanden hatten,
jeweils
die Dauer von einigen Monaten
.
Seit Oktober 2016 ist die Beschwerdeführerin wieder voll arbeits- und erwerbsfähig.
Eine
invalidenversicherungsrechtlich relevante Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
oder
eine Invalidität im Sinne des Gesetzes
lässt sich
vor
diesem Hintergrund nicht bejahen
(vgl. Art.
28
Abs.
1 IVG
,
Art.
29
ter
IVV und
Art.
8
Abs.
1 ATSG
). Der Beschwerdegegnerin ist daher beizupflichten, dass
de
n
festgestellten
Gesundheitsschäden invalidenversicherungsrechtlich keine Rele
vanz beizumessen ist.
Anhaltspunkte für eine bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung am
1
3.
Januar 2017
eingetretene Verschlechterung der gesund
heit
lichen Situation sind keine vorhanden.
Von der Beschwerdeführerin wurde denn auch keine Entwicklung in diese Richtung behauptet
. Es erweist sich des
halb als korrekt, dass
die Beschwerdegegnerin
eine Invalidität verneinte
. Unter den gegebenen Umständen, insbesondere unter Berücksichtigung der prognostischen Einschätzung im Gutachten der
B._
AG
(
Urk. 9/69/12)
, deren Ausserachtlas
sung zu Unrecht gerügt wurde (
Urk.
12 S. 1)
, ist es auch nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den Eintritt einer
(teilweisen)
Erwerbsunfähigkeit nicht als überwiegend wahrscheinlich erachtete, mithin eine drohende Invalidi
tät
ausschloss
. Dementsprechend
erweist es sich als zutreffend, dass
die Beschwerdegegnerin
zum Schluss gelangte, die
der Beschwerdeführerin
verfüge über
k
einen Anspruch auf Eingliederungs
massnahmen, namentlich auf Mass
nahmen beruflicher
Art.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde
.
Lediglich ergänzend bleibt zu bemerken, dass die Abweisung des Rentenbegehrens nach dem Gesagten zu Recht unangefochten geblieben ist
(vgl.
Art.
28
Abs.
1 IVG)
.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- festzusetzen. Sie sind aus
gangsgemäss der unterliegende
n
B
e
schwerdeführerin
aufzuerlegen.