Decision ID: dff42802-8d4e-4778-8ad6-109ce483eb52
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X ist seit dem 16. Mai 1997 im Besitz des Führerausweises der Kategorien B und C
und seit dem 16. September 1999 zusätzlich der Kategorien BE und CE. Am
Donnerstag, 18. Juli 2013, um 13.44 Uhr, lenkte er einen Lieferwagen auf der A1 in
Winterthur in Fahrtrichtung Zürich. Da er dem vor ihm fahrenden Personenwagen mit
einem ungenügenden Abstand folgte, fiel er einer zivilen Patrouille der Kantonspolizei
Zürich auf, die daraufhin eine Videoaufzeichnung auslöste, ihn anschliessend anhielt
und kontrollierte.
B.- Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland des Kantons Zürich
vom 25. September 2013 wurde X der vorsätzlichen groben Verletzung der
Verkehrsregeln schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 10
Tagessätzen zu je Fr. 80.– und einer Busse von Fr. 300.– verurteilt. Sodann wurden ihm
die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 700.– auferlegt. Dagegen erhob X durch
seinen Rechtsvertreter am 7. Oktober 2013 Einsprache.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt verfügte gegen X wegen des Vorfalls
vom 18. Juli 2013 ohne Abwarten des Ausgangs des Strafverfahrens bereits am
18. September 2013 einen für alle Motorfahrzeugkategorien geltenden dreimonatigen
Führerausweisentzug. Gleichzeitig auferlegte es ihm die Verfahrenskosten in der Höhe
von Fr. 250.–.
Dagegen erhob X am 7. Oktober 2013 durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. In der Rekursergänzung vom 22. Oktober 2013 stellte
der Rekurrent den Antrag, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und die Sache
zum neuen Entscheid (nach rechtskräftigem Abschluss des Strafverfahrens) an die
Vorinstanz zurückzuweisen (Ziff. 1), sowie den Eventualantrag, die Verfügung der
Vorinstanz sei aufzuheben und es sei dem Rekurrenten der Führerausweis für einen
Monat zu entziehen (Ziff. 2); unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Vorinstanz bzw. des Staates (Ziff. 3). Das Verfahren wurde am 23. Oktober 2013 bis
zum Vorliegen eines rechtskräftigen Strafentscheids sistiert. Am 19. November 2013
zog der Rekurrent seine im Strafverfahren eingereichte Einsprache zurück, womit der
Strafbefehl rechtskräftig wurde. Daraufhin wurde die Sistierung des Rekursverfahrens
aufgehoben. Das Strassenverkehrsamt verzichtete auf eine Vernehmlassung.
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Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 7. Oktober 2013 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt mit der Rekursergänzung vom 22. Oktober 2013 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Da der Sachverhalt insbesondere in Bezug auf den gegenüber dem voranfahrenden
Motorfahrzeug gewahrten Abstand umstritten ist, ist vorab zu klären, auf welche
Sachverhaltsfeststellungen abzustellen ist. Nach Strassenverkehrsdelikten befindet das
Strafgericht über die strafrechtlichen Sanktionen (Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Busse)
und die Verwaltungsbehörde in einem separaten Verfahren über
Administrativmassnahmen (insbesondere Führerausweisentzug, Verwarnung). Die
Zweispurigkeit des Verfahrens ist zulässig, kann aber – bei fehlender Koordination –
dazu führen, dass derselbe Lebensvorgang zu voneinander abweichenden
Sachverhaltsfeststellungen von Verwaltungs- und Justizbehörden führt und die
erhobenen Beweise abweichend gewürdigt und rechtlich beurteilt werden. Um dieser
Gefahr entgegenzuwirken, hat die Verwaltungsbehörde gemäss konstanter
bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich mit ihrem Entscheid zuzuwarten,
bis ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt. Denn das Strafverfahren bietet durch die
verstärkten Mitwirkungsrechte des Beschuldigten, die umfassenderen persönlichen
und sachlichen Ermittlungsinstrumente sowie die weiterreichenden prozessualen
Befugnisse besser Gewähr dafür, dass das Ergebnis der Sachverhaltsermittlung näher
bei der materiellen Wahrheit liegt als im nicht durchwegs derselben Formstrenge
unterliegenden Verwaltungsverfahren. An die rechtliche Würdigung durch das
Strafgericht ist die Verwaltungsbehörde nur dann gebunden, wenn diese stark von der
Würdigung von Tatsachen abhängt, die dem Strafgericht besser bekannt sind als der
Verwaltungsbehörde. Für den Betroffenen bedeutet dies auf der anderen Seite, dass er
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nicht das Verwaltungsverfahren abwarten darf, um allfällige Rügen vorzubringen und
Beweisanträge zu stellen, sondern nach Treu und Glauben verpflichtet ist, dies bereits
im Rahmen des Strafverfahrens zu tun und allenfalls die nötigen Rechtsmittel zu
ergreifen (BGE 119 Ib 158 E. 2/c/bb und E. 3/c/bb; BGE 123 II 97 E. 3c/aa; VRKE
IV-2009/152 vom 27. Mai 2010 im Internet abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
Entgegen der Auffassung des Rekurrenten führt das Vorgehen der Vorinstanz nicht
generell zur Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, sondern gemäss geltender
Praxis der Verwaltungsrekurskommission aus prozessökonomischen Gründen in der
Regel zu einer Sistierung des Administrativverfahrens bis zum rechtskräftigen
Abschluss des Strafverfahrens. Auch vorliegend wurde dies so gehandhabt, wobei sich
der Rekurrent dazu nicht ablehnend vernehmen liess und überdies in der
Rekursergänzung vom 22. Oktober 2013 selbst erklärte, dass er sich eventualiter einer
direkten materiellen Beurteilung des Falles durch die Verwaltungsrekurskommission
nicht verschliessen würde. Der durch den Rekurrenten zitierte Fall war anders gelagert.
Dort war hauptsächlich strittig, ob das Strafverfahren bereits rechtskräftig
abgeschlossen war oder nicht. Zudem waren die Strafbehörden nicht mehr aktiv, als
der Fall bei der Verwaltungsrekurskommission hängig war. Es war deshalb nicht
möglich, das Administrativverfahren bis zum Abschluss des Strafverfahrens zu
sistieren, sondern es war ein Entscheid im Hauptpunkt notwendig, der feststellte, dass
das Strafverfahren noch nicht rechtskräftig abgeschlossen und eine Verfügung durch
die Administrativbehörden dementsprechend noch nicht zulässig war (VRKE
IV-2013/32 vom 29. August 2013). Dies war vorliegend nicht nötig. Es ergibt sich also
keine Veranlassung dazu, von der Praxis der Verwaltungsrekurskommission
abzuweichen. Nachdem das Strafverfahren abgeschlossen sowie die Sistierung
aufgehoben ist, kann materiell entschieden werden.
Massgeblich ist also grundsätzlich der Sachverhalt, wie er im Strafverfahren festgestellt
wurde. Nach konstanter Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den
tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil nur dann abweichen, wenn sie Tatsachen
feststellt und ihrem Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren
oder die er nicht beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung
zu einem anderen Entscheid führt, wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter
den feststehenden Tatsachen klar widerspricht, oder wenn der Strafrichter bei der
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Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat,
namentlich die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 124 II 103
E. 1c; VRKE IV-2012/126 vom 21. März 2013).
Vorliegend fand zwar keine Beweiswürdigung durch ein Strafgericht statt, vielmehr
erwuchs der von der Staatsanwaltschaft erlassene Strafbefehl in Rechtskraft. Es wäre
dem Rekurrenten jedoch offen gestanden, das Strafverfahren weiterzuziehen.
Tatsächlich reichte er zuerst Einsprache gegen den Strafbefehl ein, zog diese später
aber zurück und akzeptierte damit den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/
Unterland vom 25. September 2013. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits anwaltlich
vertreten. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass er über die Konsequenzen
seines Handelns im Bild war. Insbesondere musste er wissen, dass er Rügen zum
Sachverhalt bereits vor den Strafbehörden geltend machen musste und damit nicht bis
zum Verwaltungsverfahren zuwarten durfte (vgl. voranstehende Ausführungen). Dass
die Einsprache aus Kostengründen zurückgezogen wurde, ändert nichts daran, dass
sich der Rekurrent die Sachverhaltsfeststellungen im rechtskräftigen Strafbefehl
entgegenhalten lassen muss. Ferner verwies der Rekurrent selbst auf die
Rechtsprechung, wonach die Administrativbehörde mit ihrem Entscheid bis zum
Abschluss des Strafverfahrens zuzuwarten habe, damit in den beiden Verfahren keine
Doppelspurigkeit ergehe.
3.- Strittig ist, ob es sich vorliegend um eine schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) oder um eine mittelschwere
Widerhandlung gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG handelt. Diesbezüglich sind das
Verschulden sowie die Gefährdung von Drittpersonen genau zu prüfen.
a) Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b
SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von
Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt
(Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und wird
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dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf
genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Die
mittelschwere Widerhandlung nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG stellt einen
Auffangtatbestand dar. Sie liegt vor, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer
leichten Widerhandlung und nicht alle qualifizierenden Elemente einer schweren
Widerhandlung gegeben sind (BGE 135 II 138 E. 2.2.2).
Nach einer mittelschweren Widerhandlung wird der Lernfahr- oder Führerausweis für
mindestens einen Monat entzogen (Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG). Nach einer schweren
Widerhandlung wird der Lernfahr- oder Führerausweis für mindestens drei Monate
entzogen (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG).
Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder zumindest abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird dabei zwischen der einfachen und der erhöhten
abstrakten Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahmen
nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann
auszugehen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten
betroffen werden können. Führte dieses hingegen zu einer Verletzung eines Rechtsguts
oder einer konkreten bzw. einer erhöhten abstrakten Gefährdung der körperlichen
Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete
Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich daherkommenden
Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer Körperverletzung
oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12).
Zudem ist das Ausmass der üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der
Rechtsgutverletzung zu berücksichtigen (vgl. VRKE IV-2011/113 vom 24. November
2011 E. 3b).
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b) Die Staatsanwaltschaft sprach den Rekurrenten der groben Verkehrsregelverletzung
schuldig (Art. 90 Abs. 2 SVG). Sowohl eine grobe Verkehrsregelverletzung gemäss Art.
90 Abs. 2 SVG als auch eine schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
setzen eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln sowie eine ernstliche Gefahr für die
Sicherheit anderer voraus. Bei der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts ist die
Administrativbehörde jedoch nicht an diejenige der Strafbehörde gebunden (vgl.
voranstehende Ausführungen).
aa) Art. 34 Abs. 4 SVG bestimmt, dass gegenüber allen Strassenbenützern ein
ausreichender Abstand zu wahren ist, was namentlich beim Kreuzen, Überholen sowie
beim Neben- und Hintereinanderfahren gilt. Beim Hintereinanderfahren muss der
Fahrzeugführer auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs
rechtzeitig halten können (Art. 12 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11,
abgekürzt: VRV). Die bundesgerichtliche Rechtsprechung hat keine allgemeinen
Grundsätze zur Frage entwickelt, bei welchem Abstand in jedem Fall, d.h. auch bei
günstigen Verhältnissen, eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90 Abs. 2
bzw. eine schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG anzunehmen
ist, sondern es müssen im Einzelfall alle massgebenden Umstände in Betracht gezogen
werden (BGer 1C_356/2009 vom 12. Februar 2010 E. 3.2; VRKE IV-2010/113 vom 24.
Februar 2011). Soweit überblickbar, ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
bei einem zeitlichen Abstand von 0,54 Sekunden und weniger in der Regel unabhängig
von der Beschaffenheit der Fahrzeuge und auch bei günstigen Strassen-, Verkehrs-
und Sichtverhältnissen von einer erhöhten abstrakten Gefahr und damit in objektiver
Hinsicht von einer groben Verkehrsregelverletzung auszugehen. Gleichermassen hat
das Bundesgericht die Qualifikation eines Abstandes von 0,51 Sekunden – eine Distanz
von 10 Metern zwischen Personenwagen bei 70 km/h ausserorts bei dichtem Verkehr –
als grobe Verkehrsregelverletzung nicht beanstandet (vgl. die Zusammenfassung der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung in VRKE IV-2010/113 vom 24. Februar 2011).
bb) Die Vorinstanz hielt in tatbeständlicher Hinsicht fest, dass der durch den
Rekurrenten gelenkte Lieferwagen bei einer Geschwindigkeit von mindestens 80 km/h
beim Hintereinanderfahren einen ungenügenden Sicherheitsabstand von nur etwa
sieben Metern eingehalten habe. Der Rekurrent hingegen erklärt, dass aus dem Video
der Polizei ersichtlich sei, dass sich der Abstand, welcher der Rekurrent gegenüber
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dem vor ihm fahrenden Fahrzeug eingehalten habe, zwischen 12 und 18 Metern
bewegt habe. Dies ergebe sich aus der Betrachtung der Leitlinien (Mittellinien) bzw. der
Zwischenräume zwischen diesen. Gemäss belegter Auskunft des Werkhofs Winterthur
hätten die Leitlinien an der fraglichen Stelle eine Länge von 6 Metern und die
Zwischenräume einen Abstand von 12 Metern. Auf dem Video sei ersichtlich, dass der
Rekurrent stets ein bis eineinhalb Zwischenräume Abstand zum vor ihm fahrenden
Fahrzeug eingehalten habe, was einem Abstand von 12 bis 18 Metern entspreche. Bei
einer Geschwindigkeit von netto ca. 80 km/h ergebe sich bei einem Abstand von 12 bis
18 Metern ein zeitlicher Abstandswert von 0.54 – 0.81 Sekunden, was als
mittelschwere Verletzung der Strassenverkehrsvorschriften zu bewerten sei.
cc) Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland hielt in ihrem Strafbefehl vom
25. September 2013 fest, dass der Rekurrent am 18. Juli 2013, 13.44 Uhr, den
Lieferwagen mit den Kontrollschildern SG 000'000 bei Winterthur auf der Autobahn A1
in Richtung Zürich gelenkt habe. Im Bereich von Autobahnkilometer 322.200 habe er
bei einer Geschwindigkeit von rund 80 km/h über eine Strecke von ca. 1'200 Metern
bis auf zeitweise lediglich 8 bis 10 Meter auf den ihm vorausfahrenden Personenwagen
aufgeschlossen. Eine Sichtung der von der Polizei aufgenommenen Videosequenz über
den entsprechenden Vorfall vom 18. Juli 2013 ergibt – unter Betrachtung der
Leitlinienabstände –, dass der Rekurrent während einer Dauer von über einer Minute
den Abstand von 10 Metern zum vorausfahrenden Fahrzeug mehrmals deutlich
unterschritten hat. Dementsprechend besteht keine Veranlassung, vom von der
Staatsanwaltschaft grundsätzlich verbindlich festgestellten Sachverhalt abzuweichen.
dd) Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h und einem Abstand von 8 bis 10 Metern
ergibt sich ein zeitlicher Abstand von rund 0,36 bis 0,45 Sekunden. Die Strassen- und
Sichtverhältnisse waren am fraglichen Tag gut, das Verkehrsaufkommen normal. Beide
Fahrzeuge befanden sich auf dem rechten Fahrstreifen, der Rekurrent machte jedoch
keine Anstalten, das voranfahrende Fahrzeug zu überholen. Aufgrund der
Videosequenz ist ersichtlich, dass es für den Rekurrenten mindestens zeitweise
möglich gewesen wäre, auf die Überholspur zu wechseln. Bei einem abrupten
Bremsmanöver des voranfahrenden Fahrzeugs wäre es für den Rekurrenten nicht mehr
möglich gewesen, rechtzeitig zu halten. Im Übrigen fuhr er einen Lieferwagen, der
erfahrungsgemäss einen längeren Bremsweg als ein Personenwagen hat. Zudem
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befanden sich auf dem Pannenstreifen eine Signalisation sowie Fahrzeuge, was die
Möglichkeit unvorhersehbarer Bremsmanöver erhöht. Im Lichte der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist deshalb von einer schweren Gefährdung im
Sinn einer schweren Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG auszugehen. Da
der Abstand dabei zwischendurch bis auf unter 0,4 Sekunden fiel, erübrigt sich die
Prüfung der Massgeblichkeit einer allfällig gesetzeswidrigen Praxis der Vorinstanz;
daran wäre das Gericht ohnehin nicht gebunden.
c) Subjektiv erfordert Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ein rücksichtsloses oder sonst
schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein schweres Verschulden, bei
fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit (BGE 131 IV 133 E. 3.2; VRKE
IV-2010/113 vom 24. Februar 2011). Dies ist zu bejahen, wenn sich der Täter der
allgemeinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Grobe
Fahrlässigkeit kann aber auch vorliegen, wenn der Täter die Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht gezogen, also unbewusst
fahrlässig gehandelt hat (BGE 130 IV E. 5.1). In solchen Fällen ist grobe Fahrlässigkeit
zu bejahen, wenn das Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf
Rücksichtslosigkeit beruht. Rücksichtslos ist unter anderem ein bedenkenloses
Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern. Dieses kann auch in einem blossen
(momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen bestehen (BGE 131
IV 133 E. 3.2; BGE 6B_660/2009 vom 3. November 2009 E. 4.3; VRKE IV-2010/113
vom 24. Februar 2011).
Der Rekurrent hielt gegenüber dem voranfahrenden Personenwagen über eine Strecke
von ca. 1'200 Metern und während einer Dauer von über einer Minute bei einer
Geschwindigkeit von rund 80 km/h einen Abstand von zeitweise nur 8 bis 10 Metern
ein. Dass dieser Abstand nicht genügend war, ist offensichtlich und wird vom
Rekurrenten auch nicht bestritten. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass er
sich der besonderen Gefährlichkeit seiner verkehrsregelwidrigen Fahrweise bewusst
war. Sollte er allerdings die allgemeine Gefährlichkeit seines verkehrsregelwidrigen
Verhaltens nicht bedacht haben, hat er sich bedenkenlos über die Interessen der
anderen Verkehrsteilnehmer hinweg gesetzt und in einem Ausmass gedankenlos
gehandelt, das ihm als grobe Fahrlässigkeit und damit als schweres Verschulden im
Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG anzulasten ist.
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d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Rekurrent den gebotenen Abstand zum
voranfahrenden Fahrzeug massiv unterschritten und damit insbesondere für die
Insassen im voranfahrenden Fahrzeug eine schwere Gefährdung geschaffen hat.
Gleichzeitig ist ihm ein schweres Verschulden anzulasten. Es handelt sich somit um
eine schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG. Die für eine schwere
Widerhandlung vorgeschriebene Mindestentzugsdauer von drei Monaten darf nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 16 Abs. 3 SVG selbst bei beruflicher
Angewiesenheit des Betroffenen auf den Führerausweis nicht unterschritten werden
(BGE 132 II 234 E. 2.3; VRKE IV-2010/113). Der Leumund als Motorfahrzeuglenker ist
ungetrübt. Unter Berücksichtigung aller Beurteilungskriterien ist es möglich, die
Entzugsdauer auf das gesetzliche Minimum von drei Monaten zu beschränken. Die
vorinstanzliche Verfügung ist dementsprechend nicht zu beanstanden und der Rekurs
folglich abzuweisen.
4.- Die amtlichen Kosten sind grundsätzlich nach Obsiegen und Unterliegen zu
verlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass die Vorinstanz
den Abschluss des Strafverfahrens nicht abgewartet hat und der Rekurrent deshalb
gezwungen war, vorsorglich ein Rechtsmittel einzulegen, um seiner Rechte nicht
verlustig zu gehen. Zu einer sorgfältigen Mandatsführung hätte indessen gereicht,
vorerst nur die Sistierung des Rekursverfahrens zu verlangen und sich eine Ergänzung
des Rekurses je nach Ausgang des Strafverfahrens vorzubehalten. Auf der anderen
Seite unterliegt der Rekurrent in der Sache. Dementsprechend rechtfertigt sich eine
hälftige Kostenauferlegung auf den Rekurrenten und den Staat. Eine Entscheidgebühr
von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu
verrechnen und dem Rekurrenten der Restbetrag von Fr. 600.– zurückzuerstatten. Bei
diesem Verfahrensausgang ist keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen (Art.
98 VRP).