Decision ID: b46a5a0c-a1d4-4620-9077-246d6391b40f
Year: 2011
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Auch an ihrer Sachverhaltsdarstellung hielten sie fest, wozu sie als
Beweismittel die Zeugeneinvernahme des Gemeindekanzlisten beantragten.
Dieser sei nach Art. 48 der Verfassung der Gemeinde ... sicherlich befugt
gewesen, Auskünfte über die bei ihm aufgelegten Pläne zu erteilen. Das
Auflageverfahren werde schliesslich durch den Gemeindevorstand als
kommunale Baubehörde durchgeführt; und nicht durch den Baufachchef, die
Baukommission oder den Leiter des Bauamtes. Zudem sei die Unrichtigkeit
der Auskünfte nicht leicht erkennbar gewesen, zumal von den
Beschwerdeführern nicht verlangt werden könne, die klaren Aussagen des
Gemeindeschreibers zu überprüfen.
7. Am 22. September 2010 hielt die Gemeinde in der Duplik an ihren Anträgen
fest. Der Gemeindeschreiber habe keine Aussagen zu einer Neuauflage des
Gesuchs gemacht, sondern diesbezüglich auf seine Unzuständigkeit
aufmerksam gemacht und die Beschwerdeführer an den Baufachchef
verwiesen. Am 23. September 2010 hielt sodann auch die Bauherrschaft
duplizierend an ihren Anträgen fest. Sofern die behauptete falsche Auskunft
überhaupt tatsächlich bewiesen werden könne, sei deren Unrichtigkeit für die
Beschwerdeführer leicht erkennbar gewesen. Zudem sei die
Vorbehaltlosigkeit der Auskunft nicht bewiesen. Auch sei die Zuständigkeit
des Gemeindeschreibers nicht gegeben.
8. Am 29. September 2010 reichte die Vertreterin der Bauherrschaft ihre
Honorarnote ein, der sie einen Zeitaufwand von 10.25 Stunden und einen
Stundenansatz von Fr. 450.-- zugrunde legte. Daraufhin beantragten die
Beschwerdeführer am 5. Oktober 2010, den Zeitaufwand auf 7.05 Stunden
und den Stundenansatz auf Fr. 230.-- zu reduzieren. Sodann seien die Kosten
für die Teilnahme der Vertreterin der Bauherrschaft an der noch folgenden
Zeugeneinvernahme nicht gerechtfertigt. Die Vertreterin der Bauherrschaft
hielt am 13. Oktober 2010 dagegen, dass der Stundenansatz von Fr. 450.--
gerechtfertigt und der Stundenaufwand belegt sowie nachvollziehbar sei.
Zudem sei auch gegen die Kosten der Bauherrschaft für die Teilnahme der
Vertreterin an der Zeugeneinvernahme nichts einzuwenden.
9. Anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 18. November 2010 bestätigte der
Gemeindeschreiber ..., dass er die Beschwerdeführerin - auf ihre telefonische
Frage im Gespräch vom 6. April 2010 zum Fristenlauf ab dem 30. März 2010
hin - an die Baukommission verwiesen habe. Er habe ihr mitgeteilt, dass im
Falle wesentlicher Änderungen, was die Baukommission entscheide, die
Projektänderung neu publiziert werde und eine neue Frist zu laufen beginne.
Er habe sie im zweiten Gespräch vom 8. April 2010 an den Baufachchef,
zugleich den Präsidenten der Baukommission, verwiesen sowie dessen
Namen und Telefonnummer genannt. Schriftlich habe er ihr am 6. April 2010
eine E-Mail mit den revidierten Plänen vom 30. April 2010 zukommen lassen.
10. Am 19. November 2010 hielt die Bauherrschaft fest, dass die Zeugenaussage
die Korrektheit der erfolgten telefonischen Auskünfte beweise, indem die
Beschwerdeführer an den Präsidenten der Baukommission verwiesen worden
seien. Zudem gehe hervor, dass die Auskünfte nicht vorbehaltlos erteilt
worden seien. Mit Schreiben vom 26. November 2010 erklärte die Gemeinde,
die Zeugenaussage beweise ihren Standpunkt.
11. Schliesslich hielten die Beschwerdeführer am 29. November 2010 dagegen,
der Gemeindeschreiber stehe als Angestellter der Gemeinde in einem
Abhängigkeitsverhältnis, weshalb seine Aussage vorsichtig zu würdigen sei.
Hätte er tatsächlich auf den Baufachchef verwiesen, dann hätte sich die
Beschwerdeführerin auch dort erkundigt und die Einsprache fristgerecht
eingereicht. Die E-Mail des Gemeindeschreibers vom 6. April 2010 enthalte
gerade keinen Hinweis auf eine Planrevision und den Baufachchef. Daher
hätten die Beschwerdeführer darauf vertrauen dürfen, dass es sich dabei um
die einzige noch gültige Baueingabe handelte.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Verfahren ist der Entscheid der Gemeinde
... vom 27. Mai 2010, nicht auf die beschwerdeführerische Einsprache vom
12. April 2010 einzutreten. Zu beantworten ist die Frage, ob die Gemeinde zu
Recht einen Nichteintretensentscheid infolge verpasster Einsprachefrist
erlassen hat.
2. a) Vorab gilt es die Eintretensvoraussetzungen zu prüfen, da die Bauherrschaft
in ihrer Vernehmlassung die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
einzutreten ist, beantragt. Zur Begründung des Antrags auf Nichteintreten
infolge sachlicher Unzuständigkeit des Verwaltungsgerichts führt die
Bauherrschaft aus, die Beschwerdeführer hätten zunächst nach Art. 10 VRG
beim Gemeinderat ... um Wiederherstellung der versäumten Frist ersuchen
müssen.
b) Die Bauherrschaft verkennt, dass die Beschwerdeführer nicht die
Wiederherstellung einer versäumten Frist i.S.v. Art. 10 VRG beantragen,
sondern im Nichteintretensentscheid der Vorinstanz eine Verletzung des
Grundsatzes von Treu und Glauben in Form des Vertrauensschutzes (Art. 9
BV) erblicken, woraus sie einen späteren Fristbeginn herleiten wollen. Dafür
steht den Beschwerdeführern nach Art. 49 Abs. 1 lit. a und Art. 51 VRG der
Weg ans Verwaltungsgericht offen. Das betreffende Vorbringen der
Bauherrschaft erweist sich somit als unbegründet. Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
3. a) In Bezug auf die vorliegend relevanten Rechtsgrundlagen ist festzuhalten,
dass das baurechtliche Einspracheverfahren nicht nach kommunalen,
sondern nach kantonalen Vorschriften zu beurteilen ist. Massgebend sind die
Bestimmungen des Raumplanungsgesetzes (KRG) und der
Raumplanungsverordnung (KRVO) für den Kanton Graubünden. Art. 92 Abs.
3 KRG bestimmt, dass die Regierung durch Verordnung das
Baubewilligungsverfahren regelt. Der Verordnungsauftrag schreibt dafür eine
grundsätzlich abschliessende und verbindliche Regelung in der KRVO vor, so
dass Art. 92 Abs. 3 KRG die Rechtsgrundlage für ein gesamtkantonal
einheitlich geregeltes Baubewilligungsverfahren darstellt. Das in der KRVO
festgelegte Baubewilligungsverfahren (Art. 41 ff. KRVO) ist daher so
ausgestaltet, dass die Gemeinden darauf verzichten können und müssen, in
ihren Baugesetzen eigene Verfahrensvorschriften aufzustellen. Eine
kommunale Kompetenz besteht nach Art. 92 Abs. 4 KRG nur im Bereich von
ergänzenden Bestimmungen (Departement für Volkswirtschaft und Soziales
Graubünden, Arbeitshilfe zum KRG, Stand 1. Dezember 2010, S. 94;
Botschaft der Regierung zur KRG-Revision, Heft Nr. 3/2004-2005, S. 367).
b) In Bezug auf die Einsprachefrist massgebend ist daher Art. 45 Abs. 4 KRVO,
wonach Einsprachen während der - 20-tägigen, vgl. Art. 45 Abs. 1 KRVO -
Auflagefrist bei der Gemeinde einzureichen sind. Der von den Parteien zitierte
Art. 91 Abs. 2 des Baugesetzes der Gemeinde ... (BG) wiederholt lediglich
die kantonale Regelung, ohne in diesem Bereich von eigenständiger
Bedeutung zu sein.
4. a) Materiell stellt sich in Bezug auf den Nichteintretensentscheid der Gemeinde
... vom 27. Mai 2010 einzig die Frage, ob die beschwerdeführerische
Behauptung, es liege eine Verletzung des Gebots von Treu und Glauben in
Form des Vertrauensschutzes vor, zutreffend ist. Darauf beschränken sich die
nachfolgenden Erwägungen.
b) Nach bundesgerichtlicher Praxis verleiht der in Art. 9 der Schweizerischen
Bundesverfassung (BV) verankerte Grundsatz von Treu und Glauben einer
Person Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche
Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes
Verhalten der Behörden (BGE 129 I 170 E. 4.1). Gemäss Rechtsprechung
und Doktrin ist dies im Zusammenhang mit falschen Auskünften der Fall,
 (1) wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte
Personen vorbehaltlos gehandelt hat;
 (2) wenn sie für die Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig war oder
wenn die rechtsuchende Person die Behörde aus zureichenden Gründen
als zuständig betrachten durfte;
 (3) wenn die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres
erkennen konnte;
 (4) wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen
getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können;
 (5) wenn die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine
Änderung erfahren hat, und
 (6) wenn dem Interesse am Vertrauensschutz keine überwiegenden
öffentlichen Interessen entgegenstehen (BGE 131 V 480 E. 5, 127 I 36 E.
3a; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., S.
140 ff.; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 3.
Aufl., S. 161 ff.).
5. a) Im vorliegenden Fall mangelt es bereits an einer Vertrauensgrundlage, da der
Gemeindeschreiber den Beschwerdeführern keine vertrauensbegründende
fehlerhafte Auskunft erteilt hat. Auf Veranlassung der Beschwerdeführer hat
das Verwaltungsgericht den Gemeindeschreiber ... am 18. November 2010
um 09.00 Uhr in Chur als Zeugen einvernommen; unter Hinweis auf die
strafrechtlichen Folgen nach Art. 307 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs
(StGB) und mit Handgelübde. Der Zeuge bestätigte, am 6. und am 8. April
2010 mit der Beschwerdeführerin telefoniert zu haben. Er habe ihr im ersten
Gespräch vom 6. April 2010 mitgeteilt, dass ein Baugesuch eingegangen und
die diesbezügliche Profilierung erstellt worden sei. Das Baugesuch sei am 19.
März 2010 publiziert worden und die Einsprachefrist betrage 20 Tage. Es
habe bei den Plänen am 30. März 2010 eine Revision gegeben. Auf die Frage
der Beschwerdeführerin, ob die Frist ab dem 30. März neu laufe, habe er diese
an die Baukommission verwiesen. Er habe ihr weiter erklärt, wenn die
Revision wesentliche Änderungen beinhalte, was durch die Baukommission
beschlossen werde, werde die Projektänderung neu publiziert und es beginne
eine neue Frist zu laufen. Am gleichen Tag habe er der Beschwerdeführerin
eine E-Mail mit den revidierten Plänen vom 30. März 2010 zukommen lassen.
Anlässlich des zweiten Gesprächs vom 8. April 2010 habe ihn die
Beschwerdeführerin gefragt, ob er wisse, ob das Baugesuch erneut publiziert
werde und eine neue Frist zu laufen beginne, oder ob es beim Fristbeginn des
19. März 2010 bleibe. Er habe sie darauf hingewiesen, sie solle Kontakt mit
dem Baufachchef, der gleichzeitig Präsident der Baukommission sei,
aufnehmen, um die Frage zu klären. Er habe ihr auch die Angaben des
Baufachchefs (Name und Telefonnummer) mitgeteilt.
b) Die Zeugenaussage des Gemeindeschreibers ist widerspruchsfrei und klar:
Er hat der Beschwerdeführerin mitgeteilt, es sei am 19. März 2010 ein
Baugesuch publiziert worden und die Einsprachefrist betrage 20 Tage. Er hat
dagegen nicht angegeben, aufgrund der Planrevision vom 30. März 2010
werde die Projektänderung neu publiziert. Im Weiteren hat er auch nicht
kundgetan, es beginne am 30. März 2010 eine neue Frist zu laufen. Andere
Beweismittel zum Inhalt der beiden Telefongespräche liegen nicht vor. Damit
ist rechtsgenüglich erstellt, dass der Gemeindeschreiber den
Beschwerdeführern die von ihnen behauptete vertrauensbegründende
Auskunft nicht erteilt hat. Eine Verletzung des Gebots von Treu und Glauben
in Form des Vertrauensschutzes liegt somit nicht vor.
c) Daran ändert auch das Vorbringen der Beschwerdeführer, die
Glaubwürdigkeit des Zeugen sei zweifelhaft, da ein Abhängigkeitsverhältnis
zwischen dem Gemeindeschreiber als Angestelltem und der Gemeinde ... als
Arbeitgeberin bestehe, nichts. Es liegen keine Anhaltspunkte vor, die klare
und widerspruchsfreie Zeugenaussage im Sinne der Ausführungen der
Beschwerdeführer vorsichtig zu würdigen. Das blosse Bestehen eines
Arbeitsverhältnisses zwischen dem Gemeindeschreiber und der Gemeinde ...
vermag per se noch keine Zweifel am Wahrheitsgehalt der Zeugenaussage
zu begründen; zumal zu berücksichtigen ist, dass ein falsches Zeugnis der
Strafandrohung von Art. 307 StGB unterliegt. Der Zeugenaussage kommt
daher der volle Beweiswert zu.
d) Schliesslich stellt auch die E-Mail des Gemeindeschreibers vom 6. April 2010
an die Beschwerdeführer keine Vertrauensgrundlage dar; wenn die
zugestellten revidierten Pläne vom 30. März 2010 auch als Baueingabe des
Ferienhauses der Familie ... bezeichnet wurden. Mit telefonischer Auskunft
vom gleichen Tag wurden die Beschwerdeführer über die Publikation des
Baugesuchs am 19. März 2010 und die laufende 20-tägige Einsprachefrist
informiert. Zudem wurden sie in Bezug auf die Planänderung vom 30. März
2010 an die Baukommission verwiesen. Infolgedessen durften die
Beschwerdeführer offensichtlich nicht darauf vertrauen, dass es sich bei den
mit E-Mail vom 6. April 2010 zugestellten Plänen um die einzige noch gültige
Baueingabe handelte.
6. a) Im Übrigen könnten sich die Beschwerdeführer infolge fehlender
Zuständigkeit des Gemeindeschreibers aber auch dann nicht auf den
Vertrauensschutz berufen, wenn dieser - wie von ihnen behauptet - eine
fehlerhafte Auskunft über den Beginn des Fristenlaufs erteilt hätte. Die für die
Schaffung einer Vertrauensgrundlage erforderliche behördliche Zuständigkeit
ist nach Lehre und Rechtsprechung gegeben, wenn die Auskunft erteilende
Behörde den Entscheid in der Sache hätte treffen können, oder wenn die
Beschwerdeführer in guten Treuen davon ausgehen durften, dies sei der Fall.
Schliesslich kann den Beschwerdeführern nicht zugemutet werden, die
verwaltungsinterne Zuständigkeitsordnung bis in ihre Einzelheiten zu kennen
(BGE 127 I 36 E. 3a, 101 Ia 100 E. 3b; Tschannen/Zimmerli/Müller,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 3. Aufl., S. 166). Der Schutz des guten
Glaubens fällt nur dahin, wenn die Unzuständigkeit offensichtlich, d.h. klar
erkennbar war. Ob dies zutrifft, ist anhand objektiver und subjektiver Elemente
zu beurteilen. Objektiv fällt die Natur der gegebenen Auskunft und die Rolle
der sie erteilenden Auskunftsperson in Betracht; subjektiv muss einer
allfälligen besonderen Stellung oder Befähigung der Betroffenen, welche
ihnen die Erkennbarkeit der Unzuständigkeit erleichterte, Rechnung getragen
werden (BGE 129 II 382 E. 7.2, 114 Ia 109 E. 2d/aa; Häfelin/Müller/Uhlmann,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., S. 153). In objektiver Hinsicht wäre
die vertrauensbegründende Auskunft über die Neuauflage eines Baugesuchs
infolge Planrevision, die zu einem neuen Fristenlauf führen würde, vorliegend
durch den unzuständigen Gemeindeschreiber erteilt worden. Zuständige
Behörde wäre dagegen nach Art. 44 ff. KRVO i.V.m. Art. 4 BG der
Gemeindevorstand gewesen, der auf Antrag der Baukommission gemäss Art.
46 Abs. 1 KRVO i.V.m. Art. 5 Abs. 2 BG über das Baugesuch und die
Einsprachen entschieden hätte. Subjektiv einzubeziehen wäre die
aktenkundige beschwerdeführerische Fähigkeit, die baurechtliche
Einsprache vom 12. April 2010 selbst zu verfassen.
b) Nach freier Würdigung der vorstehenden objektiven und subjektiven Elemente
gelangt das Gericht zum Schluss, dass die Unzuständigkeit des
Gemeindeschreibers für die Beschwerdeführer klar erkennbar gewesen wäre.
Die Beschwerdeführer kannten nachweislich das Baugesetz der Gemeinde
..., haben sie in ihrer selbst verfassten Einsprache vom 12. April 2010 doch
mehrmals detailliert darauf Bezug genommen. Infolgedessen musste ihnen
auch die grundsätzliche baurechtliche Kompetenzverteilung in der Gemeinde
... gemäss Art. 4 und Art. 5 BG - Gemeindevorstand als verantwortliche
Baubehörde, vorbereitende und antragstellende Baukommission - bekannt
sein. Die Beschwerdeführer hätten sich entsprechend auf Auskünfte des
Gemeindevorstands und auf Auskünfte der Baukommission verlassen dürfen,
nicht aber auf Auskünfte des für sie erkennbar unzuständigen
Gemeindekanzlisten. Daran vermag auch der beschwerdeführerische
Hinweis auf Art. 48 der Verfassung der Gemeinde ... (GV), wonach der
Gemeindekanzlist direkt dem Gemeindepräsidenten unterstellt ist, nichts zu
ändern. Das angeführte direkte Subordinationsverhältnis vermag für sich noch
keinen genügenden Anschein für eine behördliche Zuständigkeit des
Gemeindekanzlisten zu begründen. Anders wäre nur zu entscheiden, wenn
objektive Hinweise für die Zuständigkeit des Gemeindekanzlisten vorgelegen
hätten, oder dieser seine Zuständigkeit vorgegeben hätte. Vorliegend lassen
sich den Akten und den beschwerdeführerischen Behauptungen aber weder
derartige objektive Hinweise noch eine Zusicherung entnehmen. Im Übrigen
darf man von den Eigentümern einer Liegenschaft in der Gemeinde ... ohne
weiteres erwarten, dass diese die Grundzüge der Gemeindeverwaltung und
die Organe der Gemeinde gemäss Gemeindeverfassung kennen. Als solche
Organe gelten nach Art. 23 GV insbesondere die Gemeindeversammlung und
der Gemeindevorstand, nicht hingegen der Gemeindekanzlist. Diesem
kommen lediglich administrative und beratende Befugnisse zu (vgl. Art. 34,
Art. 40 und Art. 41 GV). Auch insofern hätten die Beschwerdeführer die
Zuständigkeit des Gemeindekanzlisten in Zweifel ziehen und diesbezüglich
nachfragen müssen.
c) Die Beschwerdeführer haben somit nicht in guten Treuen von der
Zuständigkeit des Gemeindekanzlisten zur Auskunfterteilung in Bausachen
ausgehen dürfen. Eine Verletzung des Gebots von Treu und Glauben in Form
des Vertrauensschutzes läge daher selbst dann nicht vor, wenn der
Gemeindekanzlist die behauptete Auskunft erteilt hätte.
7. a) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen des
Vertrauensschutzes nicht gegeben sind. Die Beschwerdeführer haben die
Einsprachefrist verpasst und die Gemeinde ... ist zu Recht auf die verspätete
Einsprache nicht eingetreten. Der angefochtene Entscheid erweist sich somit
als rechtsmässig. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten
der Beschwerdeführer.
b) Gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG wird die unterliegende Partei in der Regel
verpflichtet, der obsiegenden Partei alle durch den Rechtsstreit verursachten
notwendigen Kosten zu ersetzen. Die Vertreterin der Bauherrschaft hat am
29. September 2010 eine Honorarnote in der Höhe von insgesamt Fr.
5'197.60 eingereicht; bei einem Aufwand von 10.25 Stunden zu einem Ansatz
von Fr. 450.-- pro Stunde. Eine vollständige, unterschriebene
Honorarvereinbarung, wie es Art. 4 der Verordnung über die Bemessung des
Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (HV; BR 310.250)
vorschreibt, wurde dagegen nicht eingereicht. Infolgedessen ist das
Verwaltungsgericht nach Art. 2 Abs. 1 und Art. 4 HV befugt, die
Parteientschädigung nach Ermessen festzusetzen. Zu berücksichtigen ist der
für die Prozessführung grundsätzlich erforderliche, angemessene anwaltliche
Aufwand (Art. 2 Abs. 2 Ziff. 2 HV). Die zuzusprechende Entschädigung darf
dabei nicht eine von der Sache bzw. den legitimen Rechtsschutzbedürfnissen
her nicht gerechtfertigte Belastung der unterliegenden Partei zur Folge haben
(Art. 2 Abs. 2 Ziff. 3 HV). Vorliegend erscheint angesichts der rechtlichen
Schwierigkeiten des Verfahrens, des doppelten Schriftenwechsels und der
Zeugeneinvernahme in Chur eine Entschädigung von Fr. 3'800.-- (inkl.
MWST) als angemessen.
c) Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben
betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel keine
Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht vorliegend kein Anlass.