Decision ID: a3c1b8ad-53bd-4ea2-923a-4ed22633050a
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Emil Nisple, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Die 19_ geborene A._, Küchenangestellte (IV-act. 16), meldete sich am 30. Mai
2008 zum Bezug einer Rente der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen an (IV-act. 1), nachdem sie am 8. November 2007 auf einer Treppe gestürzt
war und sich dabei mehrere Kontusionen in der unteren Lendenwirbelsäule zugezogen
hatte. Der Hausarzt hatte konsiliarische Untersuchungen in der Klinik für Neurochirurgie
am Kantonspital St. Gallen vom 5. Dezember 2007 und 13. Februar 2008 (IV-act. 7.3-6)
sowie in der Klinik Stephanshorn, Wirbelsäulenchirurgie Ostschweiz, vom 18. März
2008 veranlasst (IV-act. 7.7 f.). Eine ossäre Läsion konnte nicht festgestellt werden,
doch zeigten sich unter anderem fortgeschrittene degenerative Veränderungen der
lumbalen Wirbelsäule, die durch das Sturzereignis traumatisiert worden seien. Am
10. Juli 2008 berichtete Dr. med. B._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
von einer konsiliarischen Untersuchung im Auftrag der Unfallversicherung: Zurzeit
bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, eine stationäre Rehabilitation mit rascher
Reintegration in den Arbeitsprozess sei aber sinnvoll (IV-act. 20).
A.b In einem Arztbericht der Klinik Valens vom 17. November 2008 - wo sich die Ver
sicherte vom 30. September bis 23. Oktober 2008 in stationärer
Rehabilitationsbehandlung befunden hatte (IV-act. 33.14-17) - hielten die
behandelnden Medizinalpersonen fest, die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten noch
zu 50% mit einer 10%igen Leistungsminderung wegen vermehrter Pausen zumutbar; in
einer leichten bis mittelschweren Verweistätigkeit sei sie beginnend zu 50%,
längerfristig aber auf 100% steigernd arbeitsfähig (IV-act. 27).
A.c Gestützt auf einen Verlaufsbericht des Hausarztes Dr. med. C._, Allgemeine
Medizin FMH, vom 3. Juni 2009 (IV-act. 33.1-5) hielt der Regionale Ärztliche Dienst
(RAD) Ostschweiz in einer Stellungnahme vom 10. Juni 2009 fest, anfangs November
2008 sei es zu einer erneuten Schmerzexacerbation der Lumboischialgie und neu zu
einem sensomotorischen Ausfallsyndrom im Ausbreitungsgebiet des Nerven S1
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gekommen. Deshalb habe man die von der Klinik Valens attestierte Arbeitsfähigkeit von
50% nicht umsetzen können: Eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestehe sowohl in der
angestammten als auch in der adaptierten Tätigkeit (IV-act. 34).
A.d Das Wirbelsäulenzentrum am D._ erstellte am 1. Oktober 2009 ein Gutachten im
Auftrag der Unfallversicherung. Dr. med. E._ erklärte darin unter Hinweis auf die
Diagnose Lumboischialgie, posttraumatisch aufgetreten, Folgendes: Die Versicherte
habe Prellungen und Stauchungen erlitten, die in der Regel innert weniger Monate
vollständig ausheilen würden. Häufig beobachte man aber bei Menschen mit bisher
asymptomatischen, degenerativ vorgeschädigten Wirbelsäulen, dass sie nach banalen
Verletzungen über lange Zeit persistierende Beschwerden klagten. Es entwickle sich
dann eine massive Dekonditionierung, weil die betroffene Person feststelle, Aktivität
verstärke die Beschwerden, während Ruhe, zumindest anfänglich, eher Linderung
bringe. Vorliegend habe die Versicherte anlässlich der Rehabilitation diese Erfahrung
gemacht; man habe dann darauf bestanden, die Trainings fortzusetzen, und ihr seien
dafür keine adäquaten Erklärungen gegeben worden. Die Beeinträchtigung persistiere
noch heute, denn ein Trauma habe sie zuerst ausgelöst und dazu seien die
vorbestehenden degenerativen Veränderungen sowie eine ungenügende Führung der
Versicherten gekommen; aktuell sei die Versicherte als Küchenhilfe zu 100%
arbeitsunfähig (IV-act. 45.3, 5).
A.e Die Versicherte wurde am 18./19. November 2009 im Auftrag der
Unfallversicherung am Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene (AEH)
mittels einer Funktionsorientierten Medizinischen Abklärung (FOMA) untersucht.
Gemäss AEH-Bericht vom 1. März 2010 bestehe das arbeitsbezogene relevante
Problem in einer schmerzbedingt verminderten Belastungstoleranz der unteren
Lendenwirbelsäule und der Beine. Das Hauptproblem sei ein ausgeprägtes Schmerz-
und Schonverhalten. Aufgrund der Selbstlimitierung könne für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit nicht allein auf das Ergebnis der durchgeführten Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) abgestellt werden. Diese Beurteilung müsse
deshalb ärztlich medizinisch-theoretisch erfolgen: Die angestammte Tätigkeit als
Küchenhilfe sei in reduziertem Zeitumfang (fünf Stunden wegen fehlender
Wechselpositionierung) und in angepasster Form (kein Hantieren von mittelschweren
Gewichten) aktuell zu 50% zumutbar, in prognostischer Hinsicht längerfristig aber eher
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ungünstig; eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit hingegen sei ganztägig zumutbar,
wobei zusätzliche Pausen von eineinhalb Stunden verteilt auf diese Arbeitsleistung, die
Möglichkeit der Wechselhaltung (Sitzen, Stehen und Gehen) und die Vermeidung von
monotonen Zwangshaltungen erforderlich seien (IV-act. 68.27-30).
A.f Im Auftrag der IV-Stelle untersuchte die ABI Aerztliches Begutachtungsinstitut
GmbH am 8. März 2010 die Versicherte polydisziplinär (internistisch, orthopädisch und
psychiatrisch). Im Gutachten vom 30. März 2010 stellten die ABI-Gutachter folgende
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: ein chronisches, vorwiegend
sakrokokzygeal betontes Schmerzsyndrom der unteren Wirbelsäule ohne radikuläre
Symptomatik (ICD-10: M54.88) bei deutlich degenerativen Veränderungen der unteren
Lendenwirbelsäule mit bilateraler Spondylolyse von L5 und Spondylolisthesis Grad I
nach Meyerding sowie Osteochondrosen und Spondylosen der unteren LWS, klinisch
und MR-tomographisch ohne Neurokompression (ICD-10: M43.0/M43.1/M47.87/
M51.2). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien eine arterielle Hypertonie, derzeit
medikamentös gut eingestellt (ICD-10: I10), sowie eine Schmerzausweitung und ein
teilweise inadäquat wirkendes Schmerzverhalten. Aus orthopädischer Sicht bestehe für
körperlich leichte Tätigkeiten in wechselnder Position eine zeitlich und leistungsmässig
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit, wobei die Hebe- und Traglimite von 10 kg nicht
überschritten werden sowie keine Zwangshaltungen des Rumpfes vorkommen sollten -
die angestammte Tätigkeit als Hilfsköchin sei nicht mehr zumutbar. Aus psychiatrischer
und internistischer Sicht liege keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor (IV-
act. 68.23 f.).
A.g Mit Vorbescheid vom 23. März 2011 teilte die IV-Stelle mit, dass vorgesehen sei,
das Leistungsbegehren abzuweisen: Seit dem Treppensturz 2007 sei die Versicherte in
der früheren Tätigkeit als Küchenhilfe als vollständig arbeitsunfähig einzustufen;
hingegen bestünden in einer angepassten wechselbelastenden Tätigkeit keinerlei
Einschränkungen (IV-act. 96). Am 15. Juni 2011 verfügte die IV-Stelle entsprechend.
Der Einwand vom 10. Mai 2011, wonach keine Gesamtwürdigung der Diagnosen
stattgefunden hätte (vgl. IV-act. 97), treffe nicht zu, denn das ABI-Gutachten habe sich
ausführlich mit den vorgängigen ärztlichen Zeugnissen und Gutachten
auseinandergesetzt (IV-act. 103).
B.
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B.a Gegen die Verfügung vom 15. Juni 2011 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 12. August 2011. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache mindestens einer
Viertelsrente ab dem 12. Mai 2010. Eventualiter seien weitere medizinische
Abklärungen vorzunehmen mit anschliessender Neubeurteilung des
Leistungsbegehrens. Zur Begründung führt sie zunächst aus, es treffe nicht zu, dass
sie nach dem Unfall im November 2007 nur für kurze Zeit arbeitsunfähig gewesen sei.
Im Weiteren dürfe die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht überwiegend gestützt auf
die medizinisch-theoretische Einschätzungen im Rahmen der EFL erfolgen, denn diese
Ergebnisse seien noch im Licht vorzunehmender Abklärungen zu validieren. Zudem
seien weitere medizinische Abklärungen erforderlich, weil unterschiedliche ärztliche
Beurteilungen in den Vorakten vorliegen würden. Auch der Einkommensvergleich
werde bestritten. Umstände, die einen höheren Tabellenlohnabzug rechtfertigten, seien
nicht näher geklärt bzw. geprüft worden. Es gelte überdies, den aktuellen
Gesundheitszustand zu berücksichtigen. Die Bemessung des Invaliditätsgrads durch
die Beschwerdegegnerin sei realitätsfremd: Eine Stelle mit den medizinisch
angezeigten Anforderungen sei auf dem Arbeitsmarkt nicht vorhanden (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 27. September 2011 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Dabei stellt sie sich auf den
Standpunkt, die angefochtene Verfügung stütze sich nicht auf die EFL, sondern auf das
ABI-Gutachten. Die ABI habe die vorgebrachten Einschränkungen ausführlich abgeklärt
und in der Beschwerdeschrift werde nicht erklärt, inwiefern das Gutachten fehlerhaft
sein sollte. Es treffe nicht zu, dass es kaum mehr eine geeignete Arbeitsstelle für die
Beschwerdeführerin auf dem vorausgesetzten ausgeglichenen Arbeitsmarkt gebe. Ein
Tabellenlohnabzug von nicht mehr als 10% könne nur gestützt darauf begründet
werden, dass sie lediglich noch körperlich leichte Tätigkeiten ausführen könne. Die
geltend gemachten invaliditätsfremden Faktoren habe die Beschwerdegegnerin
insofern berücksichtigt, als das Invalideneinkommen gestützt auf die niedrige
Qualifikationsstufe 4 der Tabellenlöhne berechnet worden sei (act. G 5).
B.c Die Beschwerdeführerin setzt sich in der Replik vom 24. Oktober 2011
insbesondere mit den Ausführungen der Beschwerdegegnerin zur Bemessung des
Invalideneinkommens auseinander (act. G 9).
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B.d Mit Präsidialentscheid vom 28. Oktober 2011 wird dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das
Beschwerdeverfahren entsprochen (act. G 10).
B.e In der Duplik vom 3. November 2011 hält die Beschwerdegegnerin an der
beantragten Beschwerdeabweisung fest (act. G 12).
C.
C.a Mit Entscheid vom 9. Mai 2011 hatte die III. Abteilung des Versicherungsgerichts
im Verfahren UV 2010/71 die Beschwerde von A._ gegen den Einspracheentscheid
der Zürich Versicherungs-Gesellschaft vom 15. Juli 2010 abgewiesen. Die gegen
dieses Urteil erhobene Beschwerde hiess das Bundesgericht mit Urteil vom 5.
Dezember 2011, 8C_476/2011, teilweise gut, indem es die Sache zur ergänzenden
Abklärung an das Versicherungsgericht zurückwies. In der Folge holte die III. Abteilung
des Versicherungsgerichts bei der Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) am
Universitätsspital Basel ein Gutachten ein. Gestützt auf das asim-Gutachten vom
3. Dezember 2012 wies es die Beschwerde mit Entscheid vom 12. März 2013,
UV 2011/100, erneut ab. Dieses Urteil wurde vom Bundesgericht bestätigt (Urteil vom
5. September 2013, 8C_320/2013).
C.b Das Versicherungsgericht beschloss am 29. August 2013 den Beizug des asim-
Gutachtens vom 3. Dezember 2012. Es stellte den Parteien mit Schreiben vom 18.
September 2013 in Aussicht, diverse Fragen betreffend die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin durch Prof. Dr. med. F._, Orthopädie FMH, der als
orthopädischer Teilgutachter (orthopädisches Teilgutachten vom 10. August 2012) am
asim-Gutachten mitgewirkt hatte, beantworten zu lassen. Gleichzeitig wurden die
Parteien über den Beizug des asim-Gerichtsgutachtens vom 3. Dezember 2012
orientiert (act. G 17). Die Beschwerdeführerin äusserte sich hierzu am 8. Oktober 2013
(act. G 18), währenddem die Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme verzichtete.
Am 11. Oktober 2013 beauftragte das Versicherungsgericht Prof. F._ - in Ergänzung
des Teilgutachtens vom 10. August 2012 - mit der Beantwortung der in Aussicht
gestellten Fragen (act. G 20).
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C.c In der Stellungnahme vom 23. Dezember 2013, die sich auf die im Rahmen der
UV-Gerichtsbegutachtung gemachten Erkenntnisse stützt (vgl. hierzu act. G 23),
diagnostiziert Prof. F._ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
lumbovertebrales linksbetontes Schmerzsyndrom bei: schwerer erosiver
Osteochondrose L3/4 mit Spondylose, Spondylarthrose, Retrolisthesis, segmentaler
translatorischer Instabilität und beginnendem Drehgleiten; fortgeschrittener
Osteochondrose und Spondylarthrose L4/5 mit fixer Retrolisthesis; mässiger
Osteochondrose und Spondylose L1/2 und Th12/L1; Lordoseverlust der LWS;
struktureller linkskonvexer Lumbalskoliose; Diskusprotrusion L3/4 und L4/5 mit
diskreter neurologischer Symptomatik gemäss neurologischem Fachgutachten. Die
angestammte Tätigkeit als Küchenhilfe sei wegen der dabei unvermeidlichen Hebe-
und Tragebelastung, der Arbeiten in Vorneige oder Armvorhalte und des
überwiegenden Stehens auf Dauer nicht mehr zumutbar. Für eine leidensangepasste
Tätigkeit verfüge die Beschwerdeführerin über eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit (act.
G 21).
C.d Die Beschwerdeführerin äussert sich am 27. Januar 2013 zur Einschätzung von
Prof. F._. Ferner bringt sie vor, es sei nicht ersichtlich, was für eine angepasste
Tätigkeit auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt für sie in Frage kommen könnte. Es
dürfte kaum ein Arbeitgeber zu finden sein, der eine solche Anstellung ins Auge fassen
würde (act. G 24). Die Beschwerdegegnerin hat keine Stellungnahme eingereicht.

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) in Kraft getreten. Vorliegend meldete sich die Beschwerdeführerin am
30. Mai 2008 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (IV-act. 1), und die
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leistungsverweigernde Verfügung erging am 15. Juni 2011 (IV-act. 103). Zu beurteilen
ist ein Sachverhalt, der am 8. November 2007 (Unfallzeitpunkt) - vor dem Inkrafttreten
der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision - begonnen hat. Nachfolgend werden
ausschliesslich die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen wiedergegeben, denn
das neue Recht hat hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine
substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage
gebracht und im konkreten Fall wäre ein allfälliger Rentenbeginn sowohl nach dem
alten als auch nach dem neuen Recht frühestens auf den 1. November 2008
festzulegen (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG in Kraft seit 1. Januar 2008), weil im zu
beurteilenden Fall die einjährige Wartezeit am siebten Tag dieses Monats endete (vgl.
Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG in Kraft seit 1. Januar 2008 und aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG in Kraft
gestanden bis 31. Dezember 2007).
1.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
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gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
1.4 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_73/2011, E. 4.1).
2.
Vorab ist die Frage zu beantworten, auf welcher medizinischen Grundlage der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu beurteilen ist.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf die im
polydisziplinären (psychiatrisch-orthopädischen) ABI-Gutachten vom 30. März 2010
(IV-act. 68-2 ff.) für leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigte 100%ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 103).
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2.1.1 Bezüglich des orthopädischen Gutachtensteils ist festzustellen, dass bei der
Begutachtung vom 8. März 2010 keine bildgebenden Untersuchungen vorgenommen
worden sind. Der ABI-Orthopäde stützt sich allein auf die Ergebnisse bildgebender
Untersuchungen vom 25. Oktober 2008 (Lendenwirbelsäule in zwei Ebenen mit seit
licher Funktionsaufnahme sowie Sakrum-Zielaufnahme), vom 29. Oktober 2008 (MR-
Tomographie Lendenwirbelsäule) und vom 27. Februar 2009 (Myelographie und Myelo-
CT; IV-act. 68-18). Angesichts dessen, dass der orthopädische ABI-Gutachter von
deutlich degenerativen Veränderungen der unteren Lendenwirbelsäule - mithin von
einem nicht statischen Geschehen - sprach (IV-act. 68-19), ist nicht nachvollziehbar,
weshalb er keine aktuellen bildgebenden Untersuchungen durchführte, zumal die von
ihm beschriebenen bildgebenden Untersuchungsergebnisse im Zeitpunkt der
Begutachtung bereits mehr als ein Jahr zurücklagen. Des Weiteren begründete er auch
nicht, zumindest nicht schlüssig, weshalb er auf aktuelle bildgebende Abklärungen
verzichtete. In der Regel werden bildgebende Untersuchungen der zur Diskussion
stehenden Regionen wiederholt, falls die zur Verfügung stehenden Bilder älter als
6 Monate sind. Lediglich bei stabilem Beschwerdebild - was vorliegend aufgrund des
degenerativen Leidens gerade nicht der Fall ist (zur inhärenten Progressionstendenz
der Degeneration siehe auch die Einschätzung von Prof. F._, act. G 21, S. 5) - und
(gemäss Akten) unverändertem klinischem Befund reichen auch ältere konventionelle
Aufnahmen aus (vgl. Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Rheumatologie, in:
Schweizerische Ärztezeitung, 2007; 88: 17, S. 738; vgl. zur vorzunehmenden
Röntgenaufnahme Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, Leitfaden für die
Begutachtung im Rahmen der sozialen und privaten Unfall-, Kranken- und
Rentenversicherung, 3. Auflage, Bern 1994, S. 174). Im Licht dieser Umstände
erscheint das orthopädische ABI-Teilgutachten als nicht beweiskräftig, da es sich nicht
auf umfassende Untersuchungen zu stützen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 2. Dezember 2013, 8C_139/2013, E. 2.3.1 am Schluss). Dies hat umso mehr zu
gelten, als ein am 10. Mai 2011 durchgeführtes MRI mit seiner Signalgebung auf eine
Aktivierung der Osteochondrose L3/4 und L4/5 und eine zunehmende
Translationsinstabilität L3/4 hinwies (act. G 21, S. 2, unten). Gegen die Beweiskraft des
orthopädischen ABI-Gutachtens sprechen auch die von Prof. F._ schlüssig
dargestellten Mängel (act. G 21, S. 4; etwa ungenügende Auseinandersetzung mit den
degenerativen Veränderungen der gesamten unteren Lendenwirbelsäule oder
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unzureichende Befundung der Funktionsmyelographie vom 27. Februar 2009), worauf
vollumfänglich verwiesen werden kann (vgl. auch nachstehende E. 2.3.2).
2.1.2 Demgegenüber bestehen grundsätzlich keine Anhaltspunkte, die gegen die
vom psychiatrischen ABI-Gutachter erhobene Feststellung sprechen würden, aus
psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 68-15).
Auch die Beschwerdeführerin bringt dagegen keine Einwände vor.
2.2 Was das im Auftrag des Unfallversicherers in Auftrag gegebene AEH-Gutachten
vom 1. März 2010 (IV-act. 68-27 ff.) anbelangt, so hat Prof. F._ zutreffend dargelegt,
dass sich dieses nicht auf eine vollständige Voraktenlage stützt. Insbesondere stand
den AEH-Experten die Funktionsmyelographie vom 27. Februar 2009 nicht zur
Verfügung (act. G 21, S. 4, oben), zumindest wird es unter dem Titel "Röntgenbefunde"
nicht aufgeführt (IV-act. 68-34). Gegen die Beweistauglichkeit des AEH-Gutachtens
spricht ferner, dass keine bildgebenden Untersuchungen vorgenommen wurden (vgl.
zu deren Notwendigkeit für den vorliegenden Fall vorstehende E. 2.1.1).
2.3 Zu würdigen ist damit noch die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Prof. F._ vom
23. Dezember 2013 (act. G 21).
2.3.1 Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass Prof. F._ aufgrund seiner Beteiligung
an der UV-Gerichtsbegutachtung umfassend Kenntnis von den vollständigen - vor
allem auch bildgebenden - Vorakten und der Person der Beschwerdeführerin hat (vgl.
orthopädisches Teilgutachten vom 10. August 2012, Beilage 4, act. G 23). An der
konsensualen polydisziplinären Besprechung war er beteiligt (Gesamtgutachten vom
3. Dezember 2012, S. 29, act. G 23). Das Teilgutachten von Prof. F._ wurde vom
Versicherungsgericht im unfallversicherungsrechtlichen Beschwerdeverfahren als
vollumfänglich beweiskräftig erachtet (Entscheid des Versicherungsgerichts vom
12. März 2013, UV 2011/100, E. 2.1.6), was vom Bundesgericht bestätigt wurde
(Entscheid des Bundesgerichts vom 5. September 2013, 8C_,320/2013, E. 3.2).
Gestützt auf diese umfassenden Kenntnisse nahm Prof. F._ eine
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung vor.
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2.3.2 Zugunsten der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Prof. F._ spricht weiter,
dass er sich schlüssig und ausführlich mit den abweichenden Beurteilungen der ABI
und des AEH auseinandersetzt. Er legte nachvollziehbar dar, dass sich der
orthopädische ABI-Gutachter stark auf die bilaterale Spondylolyse L5 und das geringe
Ausmass der Spondylolisthese gegenüber S1, die in der Tat keine funktionelle
Bedeutung hätten, fokussiert habe. Die "degenerativen Veränderungen der gesamten
unteren Lendenwirbelsäule" würden im ABI-Gutachten ohne nähere Analyse ihrer Art
und Bedeutung darauf reduziert, dass sie keine "erkennbare Beeinträchtigung neuraler
Strukturen" verursachen würden. Eine Translationsinstabilität mit Drehgleiten in einer
Skoliose bei erosiver Osteochondrose stelle jedoch eine wesentlich bedeutendere
Pathologie dar als die im Alter der Beschwerdeführerin häufigen einfachen
Spondylosen und Spondylarthrosen. Die Funktionsmyelographie vom 27. Februar 2009
werde vom orthopädischen ABI-Gutachter lediglich im Hinblick auf die neuralen
Strukturen befundet. Eine Bildanalyse hinsichtlich Wirbelgleiten L3/4 erfolge nicht. Das
spätere MRI vom 10. Mai 2011 bestätige mit der aktivierten Signalgebung im Segment
L3/4 die damals schon anzunehmende Translationsinstabilität, die sich in den
Funktionsaufnahmen 2012 noch deutlicher darstelle. Die Beschwerdeführerin habe
gegenüber dem orthopädischen ABI-Gutachter in erster Linie über Kreuzbein-/
Steissbeinschmerzen geklagt, was er (Prof. F._) im Rahmen ihrer mehrfach
festgestellten Verdeutlichungstendenz dem Bemühen zuschreibe, einen
Unfallzusammenhang mit dem Treppensturz auf das Gesäss sichtbar zu machen. Es
seien jedoch nach Aktenverlauf daneben immer wieder Schmerzen in Projektion auf die
Ileosakralgelenke, gluteale und lumbale Schmerzen sowie Schmerzausstrahlungen in
die Beine, teils als pseudoradikulär, teils als Wurzelreizsyndrom eingestuft,
dokumentiert. Die jeweils angeführten Beschwerden seien durch die degenerativen
Veränderungen der Lendenwirbelsäule erklärt, für die mehrfach und unabhängig
voneinander eine ausgedehnte Operationsbedürftigkeit vorausgesehen worden sei (act.
G 21, S. 3; zur Auseinandersetzung mit dem AEH-Gutachten siehe act. G 21, S. 2 f.).
2.3.3 Prof. F._ führte nachvollziehbar aus, dass ein degeneratives organisches
Leiden vorliegt, das unbeachtlich subjektiver Symptompräsentation objektiv zu einer
mechanisch bedingten Einschränkung der zumutbaren Lendenwirbelsäulen-
Beanspruchung führt, das eine inhärente Tendenz zu langsamer Verschlechterung aus
eigener Dynamik aufweise und das bildgebend belegt sei (act. G 21, S. 2). In einer
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leidensangepassten Tätigkeit hält er die Beschwerdeführerin - entgegen ihrer davon
abweichenden Selbstüberzeugung - medizinisch-theoretisch für teilweise arbeitsfähig.
Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei sowohl zeitlich als auch leistungsmässig
bedingt. Die zeitliche Einschränkung wegen vermehrter Pausen schätze er auf 20%; in
der restlichen Arbeitszeit sei jedoch die erbringbare Leistung auch in angepasster
Tätigkeit erheblich vermindert, weil Bewegungen im instabilen Segment L3/4 nicht
vermeidbar seien und Anlass zum Innehalten geben sowie alle Tätigkeiten
verlangsamen, und weil die beschwerdearme Sitzdauer und Stehdauer mit jeweils ca.
15 Minuten auch für wechselbelastende Tätigkeiten so kurz seien, dass eine ständige
Unterbrechung des Arbeitsflusses resultiere. Die Leistungsminderung in der zeitlichen
80%igen Tätigkeit schätze er auf 40%. Aus der Kombination resultiere eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit (act. G 21, S. 3). Diese Beurteilung erfolgte explizit unabhängig vom
Beschwerdepräsentationsverhalten der Beschwerdeführerin gestützt auf die
objektivierten strukturellen Befunde an der LWS zum Zeitpunkt der angefochtenen
Verfügung (act. G 21, S. 5).
2.3.4 Vor diesem Hintergrund besteht kein Anlass, von der von Prof. F._ vor
genommenen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung vom 23. Dezember 2013 abzuweichen,
zumal diese auch von den Parteien nicht in Frage gestellt wird.
3.
Ausgehend von der von Prof. F._ bescheinigten 50%igen Arbeitsfähigkeit ist der
Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin gestützt auf einen Einkommensvergleich zu
bestimmen.
3.1 Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, dass ihr die Verwertung
der Restarbeitsfähigkeit nicht zugemutet werden könne (act. G 24, S. 2).
3.1.1 Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
darf nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden.
Insbesondere kann von einer verwertbaren Arbeitsgelegenheit dort nicht gesprochen
werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass
sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht
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realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum vornherein als
ausgeschlossen erscheint. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist ein theoretischer und
abstrakter Begriff. Er berücksichtigt die konkrete Arbeitsmarktlage nicht, umfasst in
wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch tatsächlich nicht vorhandene Stellenangebote
und sieht von den fehlenden oder verringerten Chancen Teilinvalider, eine zumutbare
und geeignete Arbeitsstelle zu finden, ab (BGE 134 V 71 E. 4.2.1 mit Hinweis). Die
wirtschaftliche Verwertbarkeit der noch zumutbaren Restarbeitsfähigkeit auf dem als
ausgeglichen gedachten Arbeitsmarkt bedeutet eine Einschätzung der Chancen der
versicherten Person, trotz der im Einzelfall einzuhaltenden Restriktionen bezüglich
Arbeitsplatz, Arbeitshaltung, Arbeitszeit und Art der Tätigkeit von einem
durchschnittlichen Arbeitgeber noch angestellt zu werden. Es geht dabei um die
konkrete Beurteilung der für die versicherte Person realistischerweise noch
vorhandenen oder nicht mehr vorhandenen Arbeitsmarktchancen (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. Dezember 2008, 9C_854/2008, E. 3.2; vgl. auch Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen).
3.1.2 Eine leidensangepasste Tätigkeit umschrieb Prof. F._ wie folgt: leichte
wechselbelastende Tätigkeiten, die kein Heben, Bewegen oder Tragen von Gewichten
über 5 kg, kein repetitives Vorneigen, Bücken oder Drehen des Rumpfes, keine
Arbeiten über Schulterhöhe, keine Vibrationen und kein Einhalten von
Zwangspositionen enthalten und die eine möglichst freie Wahl der Körperhaltungen
erlauben (act. G 21, S. 3).
3.1.3 Vorliegend ist nicht davon auszugehen, dass der ausgeglichene
Arbeitsmarkt keine Stelle für die Beschwerdeführerin offenhält. Zu berücksichtigen ist
zunächst, dass die Beschwerdeführerin durchaus auch noch für sie ungünstige
Rumpfbewegungen ausführen kann und diese lediglich im Rahmen repetitiver
Vorgänge nicht mehr zumutbar sind. Tätigkeiten mit freier Wahl der Körperhaltung
dürften darüber hinaus gerade bei leichten wechselbelastenden Arbeiten keine
wesentliche Einschränkung begründen. Daran vermag die davon abweichende
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin nichts zu ändern, zumal auch ihr Alter
(geboren 19_) einer realistischen Verwertbarkeit nicht entgegensteht. Ins Gewicht fällt
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weiter, dass gerade auch in der Umschreibung der quantitativen Arbeitsfähigkeit den
eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten der Beschwerdeführerin umfassend
Rechnung getragen wird (act. G 21, S. 3). Obschon eine leidensangepasste Tätigkeit
erhebliche Anforderungen an einen Arbeitsplatz stellt, besteht insgesamt nach dem
Gesagten kein Anlass, die Zumutbarkeit der Verwertbarkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt und damit jegliche zumutbare Erwerbsmöglichkeit zu verneinen.
3.2 Gemäss Art. 16 ATSG richtet sich das Valideneinkommen danach, was eine ver
sicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Massgebend
für das Valideneinkommen ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen
Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns (vor
liegend 1. November 2008, vgl. vorstehende E. 1.1) verdient hätte. Bei der Bestimmung
dieses zuletzt erzielten Einkommens sind sämtliche Erwerbseinkommen (auch etwa
Nebeneinkünfte) oder regelmässig geleistete Überstunden, für die eine AHV-
Beitragspflicht besteht, zu berücksichtigen. Es kann bei der Ermittlung des
hypothetischen Valideneinkommens aber nur relevant sein, was grundsätzlich zum
massgebenden Lohn gemäss des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) zu zählen wäre (Urteil des
Bundesgerichts vom 12. Februar 2010, 8C_465/2009, E. 2.1). Angesichts dessen, dass
die Beschwerdeführerin seit dem Sturz vom 8. November 2007 arbeitsunfähig gewesen
ist und sie im Rahmen ihrer bisherigen Tätigkeit regelmässige, monatlich schwankende
Lohnzulagen erhielt ("Samstag-Sonntag Zulage"), die sie gesundheitsbedingt im
November 2007 wohl nur teilweise und im Dezember 2007 gar nicht mehr zu erzielen
vermochte (IV-act. 16-10), rechtfertigt es sich, zur Bestimmung des
Valideneinkommens auf den im Jahr 2006 erzielten Verdienst von Fr. 51'717.60
abzustellen (IV-act. 16-13). Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (2007:
+ 1,5%; 2008: + 1,8%) resultiert für das Jahr 2008 ein Valideneinkommen von
Fr. 53'438.--.
3.3 Da die Beschwerdeführerin kein Erwerbseinkommen mehr erzielt, sind
rechtsprechungsgemäss die LSE-Tabellenlöhne als Grundlage für die Bestimmung des
Invalideneinkommens heranzuziehen (vgl. BGE 129 V 475 E. 4.2.1). Der einschlägige
statistische Jahreslohn für Tätigkeiten des Anforderungsniveaus 4, Frauen, beträgt für
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das Jahr 2008 Fr. 51'368.-- (vgl. Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe
der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2012).
3.3.1 Zu klären bleibt damit noch die Frage, ob und gegebenenfalls in welchem
Umfang ein Tabellenlohnabzug bei der Bestimmung des Invalideneinkommens
gerechtfertigt erscheint.
3.3.2 Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind,
im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden
Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen
Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand Rechnung getragen, dass
weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter,
Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 129 V 481
E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2).
3.3.3 Die Beschwerdegegnerin anerkannte in der Beschwerdeantwort vom
27. September 2011 einen 10%igen Abzug, da die Beschwerdeführerin nur noch
körperlich leichte Hilfstätigkeiten ausführen könne (act. G 5, Rz 4). Mit Blick darauf,
dass Prof. F._ die qualitativen Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit in
der nach der Beschwerdeantwort ergangenen Stellungnahme vom 23. Dezember 2013
(act. G 21, S. 3; vgl. vorstehende E. 3.1.2) erheblich einschränkender als noch die ABI-
Gutachter (worin unter anderem die Hebe- und Traglimite noch auf 10 kg geschätzt
wurde, vgl. hierzu IV-act. 68-24) formulierte, erscheint ein Abzug von insgesamt 15%
den Umständen angemessen. Weitere Gesichtspunkte, die eine zusätzliche Erhöhung
des Abzugs zu rechtfertigen vermöchten, sind nicht ersichtlich.
3.3.4 Unter Berücksichtigung einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit sowie eines
15%igen Tabellenlohnabzugs resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 21'831.--
(Fr. 51'368.-- x 0.5 x 0.85).
3.4 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 53'438.-- und einem Invalideneinkommen
von Fr. 21'831.-- ergeben sich eine Erwerbseinbusse von Fr. 31'607.-- (Fr. 53'438.-- -
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Fr. 21'831.--) und ein Invaliditätsgrad von 59,15% ([Fr. 31'607.-- / Fr. 53'438.--] x 100)
bzw. abgerundet 59% (zu den Rundungsregeln siehe BGE 130 V 121 ff.). Damit hat die
Beschwerdeführerin ab 1. November 2008 (vgl. vorstehende E. 1.1) Anspruch auf eine
halbe Rente.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vom 12. August 2011 in Aufhebung der
Verfügung vom 15. Juni 2011 gutzuheissen und der Beschwerdeführerin mit Wirkung
ab 1. November 2008 eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung der
Rentenleistungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 800.--
erscheint unter Berücksichtigung der zusätzlichen Beweisvorkehr (Stellungnahme von
Prof. F._ vom 23. Dezember 2013, act. G 21) und der damit verbundenen
Verfahrensaufwände als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss
die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 800.-- zu bezahlen. Die im Beschwerdeverfahren
entstandenen medizinischen Abklärungskosten von Fr. 4'000.-- (act. G 21.1) sind von
der Beschwerdegegnerin zu tragen. Denn die entsprechenden Kosten wurden durch
die diesbezüglich unzureichenden medizinischen Abklärungen im Verwaltungsverfahren
verursacht. Mit Blick auf die Untersuchungspflicht der Verwaltung ist dieser Mangel
dem Risikobereich der IV-Stelle zuzuschreiben (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
2. Aufl., Zürich 2009, N 12 zu Art. 45, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Honorarnote
verzichtet. Der Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint
bis
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eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Die Festsetzung einer Entschädigung aus der gewährten
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (act. G 10) erübrigt sich.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP