Decision ID: 2135c1bc-7e4e-51c2-9567-54d50a58a8ee
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner betreibt auf der Parzelle Frauenkappelen Grundbuchblatt
Nr. E._ eine Schlosserei. Die Parzelle liegt in der Weilerzone und im Bereich der
Baugruppe C "Mühle" gemäss Bauinventar des Kantons Bern. Aufgrund einer Intervention
der benachbarten Beschwerdeführenden richtete die Gemeinde Frauenkappelen am
23. Dezember 2013 eine Anfrage an das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland zur
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Frage der Baubewilligungspflicht eines Lager-/Palettgestells, welches der
Beschwerdegegner an die Grenze gestellt hat. Mit Entscheid vom 20. Februar 2014 führte
das Regierungsstatthalteramt aus, dass die betreffende Fläche offenbar seit längerer Zeit
als Lager-/Abstellfläche für Gerätschaften, Materialien etc. des Gewerbebetriebes diene.
Hierbei handle es sich zweifelsfrei um eine eigentliche gewerbliche Lagerfläche. Die
Baubewilligungspflicht für diese Lagerfläche (inkl. Palettgestell) sei somit gegeben.
Gestützt auf die Aktenlage stellte das Regierungsstatthalteramt daher fest, dass sich das
Palettgestell auf einer baubewilligungspflichtigen gewerblichen Lagerfläche befinde. Dieser
Entscheid wurde nicht angefochten.
2. Mit Schreiben vom 7. April 2014 forderte die Gemeinde Frauenkappelen den
Beschwerdegegner auf, für die Umnutzung des Vorplatzes ein nachträgliches Baugesuch
einzureichen. Der Beschwerdegegner reichte am 9. Mai 2014 ein nachträgliches
Baugesuch bei der Gemeinde ein für folgendes Bauvorhaben: "Umnutzung des
baubewilligten Vorplatzes als Arbeits- und Umschlagsfläche auf der gesamten
bestehenden Fläche, Nutzung für die Ausübung der Arbeitstätigkeiten im Zusammenhang
mit dem Betrieb der mechanischen Werkstatt/Schlosserei, das Abstellen von Geräten,
Maschinen und Fahrzeugen, welche dafür erforderlich sind, sowie als Umschlagsplatz."
Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache.
Mit Entscheid vom 8. Oktober 2014 erteilte die Gemeinde die Baubewilligung sowie eine
Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung des Strassenabstands nach Art. 26 BauG1
i.V.m. Art. 81 SG2.
3. Gegen diesen Entscheid reichten die Beschwerdeführenden am 7. November 2014
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
stellen folgende Rechtsbegehren: "1. Der Bauentscheid vom 8.10.2014 sei aufzuheben und bis auf weiteres der Bauabschlag zu
erteilen und der Beschwerdegegner zu verpflichten nachzuweisen, dass er mit seinen
gewerblichen Aktivitäten die Lärmwerte der ES III jederzeit einhält.
1 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 2 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11).
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2. Evtl. sei der Bauentscheid mit einer Auflage dahingehend zu ergänzen, dass im Bereiche der
gemeinsamen Marche zu den Beschwerdeführenden im Abstandsbereich von 2 m ab der Grenze
keinerlei Palettegestelle und/oder Lagerungen sowie blecherne Sicht- bzw.
Emissionsschutzvorhaben belassen werden dürfen."
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet3, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Mit Schreiben vom 25. November 2014
beantragt der Beschwerdegegner die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
Bauentscheids der Gemeinde. Die Gemeinde stellt mit Stellungnahme vom 28. November
2014 ebenfalls den Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen und der Bauentscheid sei zu
bestätigen.
5. Am 2. Februar 2015 führte das Rechtsamt im Beisein der Parteien, der Gemeinde
sowie einer Vertreterin des beco, Fachstelle Immissionsschutz, einen Augenschein vor Ort
durch. Die Beteiligten erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu
äussern und Schlussbemerkungen zum Verfahren einzureichen.
6. Auf die Rechtsschriften sowie auf das Ergebnis des Augenscheins wird, soweit für
den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG4. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
3 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 4 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1).
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vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 10 KoG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren
Einsprache abgewiesen wurde, sind unmittelbare Nachbarn des Beschwerdegegners. Sie
sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht
worden (Art. 40 Abs. 1 BauG) und enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs.
2 VRPG5). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten.
b) Die Gemeinde führt aus, die Beschwerdeführenden hätten im Beschwerdeverfahren
erstmals verlangt, dass der Beschwerdegegner die Einhaltung der Lärmgrenzwerte der hier
betroffenen Lärmempfindlichkeitsstufe III (ES III) nachzuweisen habe. In ihrer Einsprache
sei dies noch nicht gefordert worden. Das Vorbringen dieses neuen Punktes sei ihrer
Auffassung nach nicht zulässig.
Die Einsprechenden sind nur im Rahmen ihrer Einsprachegründe zur Beschwerde befugt
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Demnach können neue Rügen im Beschwerdeverfahren
grundsätzlich nicht mehr vorgebracht werden. Diese Bestimmung gelangt jedoch nur zur
Anwendung, wenn die Rüge einer einfachen Verletzung von kantonalem oder
kommunalem Recht zur Diskussion steht. Hingegen dürfen Rügen betreffend die
Verletzung von Bundesrecht, von Völkerrecht und von kantonalem Verfassungsrecht im
Beschwerdeverfahren noch neu vorgebracht werden.6 Zudem sind nach der Praxis Rügen
zulässig, deren Themenbereich in der Einsprache angesprochen wird.7
Vorliegend haben die Beschwerdeführenden bereits in ihrer Einsprache vom 4. Juli 2014
vorgebracht, dass die Aussenarbeiten des Beschwerdegegners teilweise sehr lärmintensiv
seien und damit die zulässigen Grenzwerte in der ES III überschritten würden.8 Auch wenn
5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 6 VGE 100.2012.441 vom 22. März 2013, E. 3; VGE 100.2010.90 vom 1. November 2010, E. 2.3 - 2.5. 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 9a. 8 Vorakten pag. 126.
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die Beschwerdeführenden damals nicht ausdrücklich ein Nachweis zur Einhaltung der
Grenzwerte forderten, so haben sie doch die Einhaltung der Lärmgrenzwerte bestritten.
Dies ist ausreichend. Dazu kommt, dass der Lärmschutz bundesrechtlich geregelt ist und
damit neue Rügen in diesem Bereich nach dem oben Ausgeführten auch noch im
Beschwerdeverfahren zulässig sind. Auf die diesbezügliche Rüge ist daher – entgegen der
Ansicht der Gemeinde – einzutreten.
2. Mangelhafte Sachverhaltsabklärung, lärmrechtliche Beurteilung
a) Die Beschwerdeführenden rügen eine mangelhafte Sachverhaltsabklärung durch die
Vorinstanz. Diese habe im angefochtenen Entscheid ausgeführt, es wäre Sache der
Einsprecher gewesen, Lärmmessungen zu ihren Lasten zu veranlassen, soweit sie der
Auffassung seien, die zulässigen Emissionen der ES III seien überschritten. Die
Beschwerdeführenden bringen vor, der Beschwerdegegner habe nachzuweisen, dass die
massgeblichen Grenzwerte bei seinem Betrieb eingehalten würden.
Sowohl der Beschwerdegegner als auch die Gemeinde entgegnen, sofern die
Beschwerdeführenden der Ansicht seien, die Lärmgrenzwerte der ES III würden aufgrund
der Arbeitstätigkeiten auf dem Vorplatz überschritten, so stehe es ihnen frei, dies mit einem
entsprechenden Fachgutachten zu belegen. Die Gemeinde führt zudem aus, mit der im
vor-instanzlichen Entscheid baubewilligten Nutzung des Vorplatzes änderten sich die
bisher seit Jahrzehnten ausgeführten Aktivitäten des Beschwerdegegners nicht.
b) Nach Art. 18 Abs. 1 VRPG9 stellen die Behörden den Sachverhalt von Amtes wegen
fest. Sie bestimmen Art und Umfang der Ermittlungen, ohne an die Beweisanträge der
Parteien gebunden zu sein (Art. 18 Abs. 2 VRPG). Art. 36 Abs. 1 LSV10 bestimmt, dass die
Vollzugsbehörde die Aussenlärmimmissionen ortsfester Anlagen ermittelt oder deren
Ermittlung anordnet, wenn sie Grund zur Annahme hat, dass die massgebenden
Belastungswerte überschritten sind oder ihre Überschreitung zu erwarten ist.
9 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 10 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41).
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Besteht Grund zur Annahme, dass die massgebenden Belastungsgrenzwerte überschritten
werden, so ist die Behörde zur Durchführung eines Beweis- und Ermittlungsverfahrens
verpflichtet, ohne dass ihr insoweit noch ein Ermessensspielraum zustünde. Dies gilt für
alle Bauvorhaben, auch für „unbedeutende“. Massgebend ist einzig, ob die Überschreitung
der massgebenden Grenzwerte möglich erscheint, d.h. beim aktuellen Kenntnisstand nicht
ausgeschlossen werden kann.11
c) Luftverunreinigungen, Lärm, Erschütterungen und Strahlen sind durch Massnahmen
an der Quelle zu begrenzen. Unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung sind
Emissionen im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und
betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 1 und 2 USG12). Die
entsprechenden Belastungsgrenzwerte für Industrie- und Gewerbelärm ergeben sich aus
dem Anhang 6 der LSV. Das Bauvorhaben liegt in der Weilerzone. Für diese gilt die
Empfindlichkeitsstufe ES III (Art. 242 Abs. 3 GBR13). Es sind demnach mässig störende
Betriebe zulässig (Art. 43 Abs. 1 Bst. c LSV). Gemäss Art. 242 Abs. 1 GBR dient die
Weilerzone der Erhaltung der traditionell entstandenen Siedlungsstruktur und der
massvollen Nutzung der bestehenden Bauvolumen. Nach Art. 243 Abs. 1 sind darin
Wohnnutzungen sowie mässig störende Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe
zugelassen.
d) Aufgrund der Akten und der Befragung des Beschwerdegegners anlässlich des
Augenscheins vom 2. Februar 201514 ergibt sich folgendes Bild des umstrittenen Betriebs:
Der Beschwerdegegner betreibt in der ehemaligen Schmiede und auf dem umstrittenen
Vorplatz eine mechanische Werkstatt/Schlosserei, welche vorab für die Landwirtschaft tätig
ist. Hauptsächlich beliefert der Beschwerdegegner Landwirtschaftsbetriebe mit grösseren
Fütterungsanlagen, welche aus den USA und Kanada importiert, vor Ort instand gesetzt
und danach an die Landwirte geliefert werden. Die Instandsetzungsarbeiten sowie
Schlossereiarbeiten werden im Betrieb durchgeführt, Reparaturen dagegen werden fast
ausschliesslich direkt beim Kunden vorgenommen. Für die Reparaturen bietet der
Beschwerdegegner einen Pikettdienst an. Vor Ort werden die Arbeiten – soweit möglich –
11 BGE 1C_114/2014 vom 13. November 2014, E. 2.5; BGE 137 II 30, E. 3.4; URP 2002 S. 688. 12 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01). 13 Baureglement der Gemeinde Frauenkappelen vom 19. August 2010, genehmigt durch das AGR am 6. Oktober 2011. 14 Vgl. Protokoll zum Augenschein vom 2. Februar 2015.
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im Innern der alten Schmiede vorgenommen. Aufgrund der Grösse der Fütterungsanlagen
ist der Beschwerdegegner jedoch teilweise gezwungen, Schweiss- und Schlosserarbeiten
auf dem Vorplatz vorzunehmen. Zudem werden auf dem Vorplatz Reinigungsarbeiten
(eigene Fahrzeuge, Rasenmäher im Service) vorgenommen. Neben dem
Beschwerdegegner arbeitet eine zusätzliche Person auf dem Betrieb. Gemäss den
Ausführungen des Beschwerdegegners wird auf dem Betrieb vor Ort durchschnittlich ein
bis maximal zwei Tage pro Woche gearbeitet, die übrige Zeit arbeite man direkt bei den
Kunden vor Ort. Die Arbeiten auf dem Vorplatz schätzt der Beschwerdegegner auf im
Schnitt maximal ein Tag pro Woche. Die Arbeiten des Betriebs sowie die
Warenumschlagsarbeiten auf dem Vorplatz fänden grundsätzlich zu regulären
Arbeitszeiten statt, in Notfällen würden letztere jedoch auch um 6 Uhr früh oder spät
abends erfolgen. Bei längeren Anfahrtszeiten zu den Kunden könne es ab und zu
vorkommen, dass sie schon um 5 Uhr morgens losfahren müssten und erst um 21 Uhr
zurück seien. Es käme maximal 1 Mal pro Woche vor, dass die Umschlagsarbeiten früh am
Morgen bzw. spät abends erfolgen würden. Im Schnitt würde alle 14 Tage ein LKW
vorbeikommen, bei welchem man Waren mit einem Hubstapler entladen müsse. Diese
Schätzungen des Beschwerdegegners zur Anzahl der Arbeitstage auf dem Betrieb bzw.
auf dem Vorplatz sowie zu den Zeiten und der Anzahl der Warenumschlagsarbeiten
wurden von den Beschwerdeführenden weder anlässlich des Augenscheins noch im
Rahmen der Schlussbemerkungen bestritten. Die pauschale, nicht näher begründete Kritik
der Beschwerdeführenden in ihren Schlussbemerkungen vom 18. März 2015, wonach die
Darstellungen des Beschwerdegegners anlässlich des Augenscheins blauäugig gewesen
seien, ist daher nicht nachvollziehbar.
e) Die Vertreterin des beco Immissionsschutz kam anlässlich des Augenscheins zur
Einschätzung, dass aufgrund des gewonnenen Eindrucks und der auf dem Betrieb
ausgeführten Arbeiten sowie der Präsenzzeit vor Ort nicht von einer Überschreitung der
Lärmgrenzwerte in der ES III auszugehen sei bzw. eine solche wohl ausgeschlossen
werden könne.15 Dieser Einschätzung kann gefolgt werden. Dabei ist zu beachten, dass für
die Lärmbeurteilung ein Mittelungswert relevant ist, wobei sowohl Lärmspitzen als auch die
durchschnittliche tägliche Dauer des Lärms berücksichtigt werden. Unregelmässige oder
nur selten auftretende Lärmereignisse fallen aufgrund der zeitlichen Verdünnung, die sich
aus der Formel zur Berechnung der Teilbeurteilungspegel in Anhang 6 Ziff. 31 Abs. 2 LSV
15 Vgl. Protokoll zum Augenschein vom 2. Februar 2015, Voten Frau X. S. 13 und 14.
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ergibt, weniger stark ins Gewicht. Vorliegend beschränken sich die lärmverursachenden
Schlosserarbeiten / mechanischen Arbeiten auf dem Betrieb auf einen bis maximal zwei
Tage pro Woche. Dazu kommen Warenumschlagsarbeiten, welche sich jedoch nicht über
den ganzen Tag hinwegziehen, sondern sich auf kürzere Abschnitte vorab morgens vor
allfälligen Einsätzen bei den Kunden bzw. abends nach den Einsätzen beschränken.
Anlieferungen von neuen Geräten und Materialien, welche mit dem Hubstapler entladen
werden müssen, finden nach den unwidersprochenen Aussagen des Beschwerdegegners
ca. alle 14 Tage und damit noch seltener statt. Damit ist eine Überschreitung der
Belastungsgrenzwerte für Gewerbe- und Industrielärm in der ES III durch den Betrieb des
Beschwerdegegners ausgeschlossen, und zwar selbst dann, wenn die strengeren
Planungswerte zur Anwendung gelangen. Es kann daher offen bleiben, ob das Vorhaben
als Neuanlage (Einhaltung der Planungswerte) oder als bestehende Anlage (Einhaltung
der Immissionsgrenzwerte) im Sinne der LSV zu gelten hat (Art. 7 und 8 LSV). Auf nähere
lärmrechtliche Ermittlungen kann verzichtet werden. Der Hauptantrag der
Beschwerdeführenden wird daher abgewiesen.
f) Baubewilligungen können mit Bedingungen oder Auflagen verknüpft werden (Art. 29
Abs. 2 und Art. 38 Abs. 3 BauG). Auflagen sind Pflichten, die mit einer Baubewilligung
verbunden sind. Die Nichterfüllung einer Auflage berührt die Geltung der Baubewilligung
nicht, kann aber baupolizeiliche Massnahmen – insbesondere die Ersatzvornahme – und
Bestrafung nach sich ziehen.16 Die Bedingungen und Auflagen müssen in einem engen
sachlichen Zusammenhang zur erteilten Bau- oder Ausnahmebewilligung stehen und
verhältnismässig sein. Verhältnismässig ist eine Nebenbestimmung nur dann, wenn sie
zum Erreichen des angestrebten Ziels erforderlich, geeignet und für den Bauherrn
zumutbar ist.17
Gemäss den Beschwerdeführenden sind die Türen und Fenster der Werkstatt im Sommer
oft geöffnet, wodurch der Lärm im Sommer intensiver sei.18 Gestützt auf das
Vorsorgeprinzip von Art. 11 Abs. 2 USG (vgl. E. 2c) ist daher vom Beschwerdegegner zu
verlangen, dass er die Türen und Fenster der Werkstatt bei lärmigen Arbeiten im Inneren
des Gebäudes stets geschlossen hält. Diese einfache Massnahme trägt dazu bei, die
16 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 29 N. 1. 17 Aldo Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 38-39 N. 15a. 18 Stellungnahme vom 18. März 2015, S. 2.
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Lärmemissionen des Schlossereibetriebs einzudämmen. Der vorinstanzliche Entscheid ist
mit einer entsprechenden Auflage zu ergänzen. Diese ist zum Erreichen des damit
angestrebten Ziels – der Reduktion der Lärmemissionen – erforderlich, geeignet und für
den Beschwerdegegner ohne weiteres zumutbar.
3. Bauten im Grenzbereich
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, die Palettgestelle bzw. mit Plachen
gedeckten Lagerungen im Marchbereich hätten den Grenzabstand einzuhalten. Dass diese
als festinstalliert zu bewerten seien, erscheine nach den Ausführungen des
Regierungsstatthalteramts als gegeben. Im Rahmen des Eventualstandpunktes werde
daher erwartet, dass eine allfällige Bestätigung der Umnutzungsbewilligung mit der Auflage
versehen werde, dass die Lagerhaltungen inkl. Sichtschutzeinrichtungen mindestens auf
das Abstands-erfordernis von 2 m ab Grenze zurückversetzt würden.
b) Im vorderen Bereich des Vorplatzes hat der Beschwerdegegner an der
Parzellengrenze mit einer Plastikblache eingepackte Eisenelemente auf Holzpaletts
gestapelt und mit einem Wellblech überdeckt.19 Diese Lagerhaltung ist 3 m lang, 1.20 m tief
und 90 cm hoch.20 Wie bereits das Regierungsstatthalteramt in seinem unangefochtenen
Entscheid vom 20. Februar 2014 zur Baubewilligungspflicht dieses Palettgestells21
ausführte und der Beschwerdegegner anlässlich des Augenscheins vom 2. Februar 2015
ausdrücklich bestätigte22, steht diese Lagerhaltung bereits seit längerer Zeit und dauernd
dort.
Im hinteren Bereich des Vorplatzes befindet sich angrenzend zur Parzelle der
Beschwerdeführenden zudem ein Eisengestell mit einer Länge von 6.40 m, einer Tiefe von
95 cm und einer Höhe von 1.20 m.23 Gemäss den Aussagen des Beschwerdegegners
anlässlich des Augenscheins vom 2. Februar 2015 steht auch dieses Gestell schon seit
19 Fotodokumentation zum Augenschein vom 2. Februar 2015, Foto Nr. 7. 20 Augenscheinprotokoll S. 16 oben. 21 Vorakten pag. 9 f. 22 Augenscheinprotokoll S. 14 unten, Votum Herr Y. 23 Augenscheinprotokoll S. 16 oben und Fotodokumentation zum Augenschein vom 2. Februar 2015, Fotos Nrn. 12-14.
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längerer Zeit dort und wurde im Winter 2013/2014 auf eine Höhe von 1.20 m reduziert.24 Im
hinteren Bereich des Vorplatzes hat der Beschwerdegegner zudem entlang der
Parzellengrenze einige Bleche installiert25, welche gemäss seinen Aussagen das
benachbarte Grundstück der Beschwerdeführenden vor dem Wasser der
Reinigungsarbeiten und vor dem Funkensprung der Schweissarbeiten schützen sollen.26
c) Gemäss Art. 212 Abs. 2 Bst. a GBR haben unbewohnte An- und Nebenbauten einen
Grenzabstand von mindestens 2 m einzuhalten. Nach Art. 121 Abs. 1 GBR sind
unbewohnte An- und Nebenbauten oder Gebäudeteile eingeschossige Gebäude, die nur
Nebennutzungsflächen enthalten und die in ihren Dimensionen die zulässigen Masse nicht
überschreiten (gemäss Art. 212 Abs. 2 GBR Höhe max. 4 m, Fläche max. 60 m2).
d) Bei der Lagerhaltung im vorderen Bereich und dem Eisengestell im hinteren Bereich
des Vorplatzes handelt es sich zwar nicht um Gebäude im eigentlichen Sinne. Trotzdem
sind sie aufgrund ihrer Dimensionen bzw. der durch sie beanspruchten, nicht zu
vernachlässigenden Fläche sowie dem Umstand, dass sie dauernd und seit längerer Zeit
am selben Ort platziert sind, den unbewohnten Nebenbauten gleichzustellen. Weder die
Lagerhaltung im vorderen Bereich noch das Eisengestell im hinteren Bereich des
Vorplatzes dürfen damit im Grenzabstand von 2 m gemäss Art. 212 Abs. 2 Bst. a GBR zu
stehen kommen. Vorbehalten bleibt die Zustimmung der Nachbarn durch Erteilung eines
Näherbaurechts, woran es vorliegend aber fehlt.
Die blechernen Schutzwände, welche als Schutz vor Wasser und Funkensprüngen
installiert wurden, sind dagegen zu klein, um mit den unbewohnten Nebenbauten
gleichgestellt zu werden. Der Grenzabstand von 2 m gemäss Art. 212 Abs. 2 Bst. a GBR
ist daher für diese Installationen unbeachtlich.
e) Dem Eventualantrag der Beschwerdeführenden folgend ist damit mittels Auflage
sicherzustellen, dass sich entlang der gemeinsamen Marche der Parzelle des
Beschwerdegegners und der Parzelle der Beschwerdeführenden im Abstandsbereich von
2 m ab Grenze ohne Zustimmung der Nachbarn keine Lagerhaltungen oder Gestelle
24 Augenscheinprotokoll S. 14 Mitte, Voten Herr Y. 25 Fotodokumentation zum Augenschein vom 2. Februar 2015, Foto Nr. 14. 26 Augenscheinprotokoll S. 12 oben, Votum Herr Y.
11
befinden. Dies hat zur Folge, dass die Lagerhaltung im vorderen Bereich des Vorplatzes
und das Eisengestell im hinteren Bereich des Vorplatzes aus diesem Grenzabstand zu
entfernen sind. Die Auflage ist geeignet und erforderlich, um einen gesetzeswidrigen
Zustand (unbewohnte Nebenbauten im Grenzbereich) zu verhindern. Die daraus
resultierende Entfernung der vorhandenen Lagerhaltungen/Gestelle ist nicht aufwändig und
mit keinen Kosten für den Beschwerdegegner verbunden. Eine Umplatzierung auf dem
Grundstück des Schlossereibetriebs erscheint möglich, wie dies der Beschwerdegegner
anlässlich des Augenscheins selber festhielt.27 Die Umsetzung dieser Auflage ist daher
auch zumutbar. Damit erweist sich die Auflage als rechtmässig.
4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache
wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.00 bis Fr. 4'000.00 je Beschwerde erhoben (Art. 19
Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV28). Die Pauschale wird vorliegend festgelegt auf insgesamt
Fr. 1'200.00. Für den Augenschein vom 2. Februar 2015 wird in Anwendung von Art. 20
Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 400.00 erhoben. Die Kosten des
Beschwerdeverfahrens betragen somit Fr. 1’600.00.
b) Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Die Beschwerdeführenden unterliegen mit ihrem Hauptantrag, der vorinstanzliche
Entscheid wird aufgrund ihrer Vorbringen im Zusammenhang mit dem Lärm jedoch mit
einer Auflage ergänzt. Mit ihrem Eventualantrag obsiegen die Beschwerdeführenden
teilweise, indem die von ihnen geforderte Auflage hinsichtlich der Lagerhaltungen und
27 Augenscheinprotokoll S. 15 oben, Votum Herr Y. 28 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
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Gestelle, nicht jedoch hinsichtlich der blechernen Schutzwände in den vorinstanzlichen
Entscheid aufgenommen wird.
Bei diesem Verfahrensausgang rechtfertigt es sich, den Beschwerdeführenden sowie dem
Beschwerdegegner je die Hälfte der Verfahrenskosten, jeweils ausmachend Fr. 800.00
anzulasten. Die Beschwerdeführenden haften solidarisch für den ihnen auferlegten Betrag.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Wie bereits ausgeführt unterliegen die
Beschwerdeführenden und der Beschwerdegegner je zur Hälfte. Der Beschwerdegegner
hat daher den Beschwerdeführenden die Hälfte der Parteikosten zu ersetzen. Der
Beschwerdegegner wird nicht durch einen berufsmässigen Parteivertreter vertreten und hat
daher kein Anrecht auf Parteikosten (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
Die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdeführenden gibt zu keinen Bemerkungen
Anlass. Der Beschwerdegegner hat somit den Beschwerdeführenden die Hälfte der
Parteikosten, ausmachend Fr. 2'706.15 (inkl. Mehrwertsteuer), zu ersetzen.