Decision ID: ee9edaf1-9c06-49f6-9f79-2299ab6bb34f
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1971 geborene
X._
, Elektromonteur mit Fähigkeitszeugnis, meldete sich
am 25. März 2010
unter Hinweis auf eine chronische Depression,
eine
Soziophobie
sowie
eine Erschöpfungsdepression bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 12/8).
Am 11
. Februar 2013 sprach die So
zialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versicherten mit Wirkung ab 1. Januar 2011 eine
Viertelsrente
zu (Urk. 12/118).
Im Januar 2015 leitete die IV-Stelle eine
Rentenrevision ein (Urk. 12/20
4) und stellte mit Verfügung vom 10. Februar 2016 (Urk. 12/23
3) die bisher
ausgerichtete
Vierte
lsrente
ein.
Daneben
wies sie ein vom Versicherten am 23. September 2015 gestelltes Begehren um Wiederaufnahme des Eingliederungsverfahrens
(Urk. 12/222)
ab. Die vom Versicherten dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 1
2/239
/8-21
) hiess das hiesig
e Gericht mit Urteil vom 20. Jun
i 2017 (Urk. 12/252
/1-15
, Prozess IV.2016.
00
310) in dem Sinne gut, als dass die ange
fochtene Verfügung aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurüc
kgewiesen wurde, damit diese
weitere medizinische
Abklärungen
betreffend die
dem Versi
cherten
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht aktuell zumutbare Arbeits
leistung
durchführe und hernach über de
ssen
Anspruch auf eine Rente neu be
finde.
Bezüglich der vom Versicherten gestellte
n
Anträge um Zusprechung von Integrationsmassnahmen respektive berufliche
n
Eingliederungsmassnahmen
wurde auf die Beschwerde nicht eingetreten
(S. 5 f.
Ziff. 3
, S.
12 Ziff. 5.4, S.
14)
.
Die IV-Stelle
veranlasste
in der Folge
eine psychiatrische Begutachtung bei Dr. med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie
FMH (Expertise vom 26. März 2018, Urk. 12/263/1-69). Mit Vorbescheid vom 24. April 2018 (Urk. 12/266) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aus
sicht, wogegen der Versicherte am 8. Mai 2018 Einwand (Urk. 12/268
, Urk. 12/272
) erhob.
Am 22. August 2018 wies die IV-Stelle das Lei
stungsbegehren ab
(Urk. 12/276)
. Am 28. August 2018 informierte die IV-Stelle den Versi
cherten über die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 22. Au
gust 2018
(Urk. 12/27
6
)
, da im Dispositiv das Leistungsbegehren abgewiesen worden sei, es sich aber richtigerweise um eine Renteneinstellung handle (Urk. 12/278).
Mit Vorbescheid vom 13. Dezember
2018 (Urk. 12/285)
stellte
die IV-Stelle
die Renteneinstellung
in Aussicht
, wogegen
der Versicherte
am 29. Ja
nuar 2019
Einwand (Urk. 12/286)
erhob
. Am 18. März 201
9
verfügte die IV-Stelle, dass die Rente weiterhin per März 2016 eingestellt bleibe (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte
unter Auflage
zweier
Arztberichte (Urk. 3/
3-4)
am
27. April 2019 Beschwerde (Urk. 1)
und beantragte, es sei die Verfügung vom 18. März 2019 aufzuheben und es seien ihm die gesetz
lichen
Leistungen aus IVG zu erbringen, insbesondere seien ihm weitere berufliche Massnahmen zu gewäh
ren und eine Rente auszurichten. In formeller Hinsicht stellte
er
das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (S. 2).
Mit Beschwerdeant
wort vom 2. Juli 2019 (Urk. 11) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 4. Juli 201
9
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
. Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über
die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem
Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet
e
die Renteneinstellung
vom 18. März 2019
damit, dass der Beschwerdeführer
gemäss psychiatrischem Gutachten
in der Ar
beitsfähigkeit zu 40 % eingeschränkt sei und bis zum heutigen Zeitpunkt keine adäquate psychotherapeutische Behandlung wahrnehme. Unter einer entspre
chenden Behandlung wäre
er
indessen in seiner Arbeitsfähigkeit lediglich zu 20 % eingeschränkt. Unter
fortgesetztem
Cannabiskonsum lass
e sich keine wir
kungsvolle
Behandlung
der
Aufmerksamkeitsdefizit- und
Hyperaktivitätsstörung
(ADHS)
etablieren, weshalb die Cannabisabstinenz eine unabdingbare Voraussetzung für die Verbesserung des Gesundheitszustands darstelle.
Im Weiteren be
stünden Diskrepanzen zwischen den
vom Beschwerdeführer
geschilderten Beein
trächtigungen und der Inanspruchnahme von therapeutischer Hilfe
und es sei
eine übermässige Scho
nung festzustellen
.
Es
liege
sodann
eine
seit Jahren aktiv erzeugte Abhängigkeit des Beschwerdeführers von Drittpersonen
vor
, welche sich mit dessen Fähigkeiten und Defiziten nicht vereinbaren
lasse
. Entsprechend sei keine invalidisierende gesundheitliche Beeinträchtigung
ausgewiesen
(Urk. 2 S.
2
).
Betreffend
Eingliederungsbemühungen hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass erneute berufliche
Massnahmen
nicht sinnvoll seien, da es dem Beschwer
deführer
(unter Behandlung)
möglich sei, in einem Pensum von 80 % einer Ar
beitstätigkeit nachzugehen (S.
3
).
2.2
Demgegenüber
stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1), dass Dr.
Y._
von einem seit
dem
Jahre 2011
unveränderten Gesundheitszu
stand
sowie einer unveränderten Arbeitsfähigkeit von maximal 60 % für ange
passte Tätigkeiten ausgegangen sei (S. 6). Seit der Begutachtung im März 2018 sei sodann eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetre
ten, da
die depressive Störung
damals
gemäss Dr.
Y._
noch
remittiert gewe
sen sei.
Im Weiteren sei eine hinreichende psychotherapeutische Therapie durch
geführt worden
. Nicht nachvollziehbar sei sodann die vo
n
der Beschwerdegegne
rin
vorgenommene
Indikatorenprüfung
, welche
ein
Abweichen von den gut
achterlichen Feststellung
en nicht zu begründen vermöge
(S. 11
f.
).
Gestützt auf die von Dr.
Y._
attestierte Arbeitsfähigkeit von 60 %
in ausführenden Tä
tigkeiten unter enger Supervision sei dem Beschwerdeführer mindestens die bis
herige
Viertelsrente
auszurichten, betreffend die per Dezember 2018 eingetretene gesundheitliche Verschlechterung seien weitere medizinische Abklärungen vor
zunehmen.
A
ufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer mittlerweile auf schlecht bezahlte handwerkliche Tätigkeiten in Teilzeit
verwiesen
sei,
sei
ein Lei
densabzug von mindestens 10 % vorzunehmen, weshalb die
Viertelsrente
ab März 2016 auf eine halbe Rente zu erhöhen sei (S. 13 f.). Im Übrigen
sei
en
die
Eingliederungsbemühungen
der Beschwerdegegnerin nicht nachvollziehbar
im Jahre 2014
erfolglos beendet worden und der Beschwerdeführer sei aufgrund der Erkrankung, der Beschränkung auf ein Teilzeitpensum
sowie
der langen Abwe
senheit
vom
ersten Arbeitsmarkt auf Unterstützung bei der Wiedereingliederung
angewiesen (S. 14 f.).
3.
Der Beschwerdeführer beantragt sowohl die Zusprechung einer Invalidenrente als auch die Gewährung beruflicher Massnahmen (Urk. 1 S. 2). Gegenstand der an
gefochtenen Verfügung vom 18. März 2019 (Urk. 2) ist jedoch nur der Rentenan
spruch (vgl. Dispositiv in Urk. 2 S. 3). Über die vom Beschwerdeführer
im Jahre
2015 mehrmals gestellten Gesuche um berufliche Eingliederungsmassnahmen (Urk. 12/203, Urk. 12/210 S. 4, Urk. 12/211, Urk. 12/222) hat die Beschwerdegeg
n
erin
- wie bereits im Urteil vom 20. Juni 2017 festgehalten (Urk. 12/252
/1-15
S. 5 Ziff. 3) -
noch nicht formell befunden
. Im vorliegenden Verfahren zu prüfen ist demzufolge lediglich der Rentenanspruch, während auf den Antrag um Ge
währung von beruflichen Massnahmen nicht einzutreten ist.
Im Zusammenhang mit der von der Beschwerdegegnerin innert nützliche
r Frist an die Hand zu neh
mende
n
Prüfung der Voraussetzungen
für berufliche
Massnahmen
ist darauf hin
zuweisen, dass nicht
s
ämtliche Massnahmen eine
Erwerbsunfähigkeit
/
Invalidität
voraussetzen
respektive eine Erwerbseinbusse von etwa 20 % ausreichend ist
(vgl. Art. 18
, Art.17
IVG).
4.
4
.1
Referenzzeitpunkt für die Prüfung einer allfälligen anspruchsrelevanten
Ände
rung des Gesundheitszustand
s ist die
rentenzusprechende
Verfügung vom
11. Februar 2013
(Urk.
12/118
). Die
se
beruhte auf
dem psychiatrischen Gutachten von Dr. med. Dipl.-Psych.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. April 2011 (Urk.
12
/41; vgl. auch Urk.
12/103 S. 4
f.)
, worin
folgende Diagnose
n
gestellt
wurden
(S. 9):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
s
oziale Phobie (ICD-10 F40.1) vor dem Hinte
rgrund akzentuierter selbst
unsi
cherer und emotional-instabil
er Persönlichkeit (ICD-10 Z73.1)
-
ohne
Auswirkung
en auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
r
ezidivierend depressive Störung, zum Untersuchungszeitpunkt remittiert (ICD-10 F33.4)
-
Abhängigkeitssyndrom Cannabis (ICD-10 F12.24), ständiger Substanzge
brauch
D
er Gutachter
Dr.
Z._
gab
an, der
Beschwerdeführer
sei
hinsichtlich seiner psychosozi
alen Leistungsfähigkeit durch die ausgeprägte Angstsymptomatik vor dem Hintergrund der akzentuierten Per
sönlichkeitszüge deutlich beein
trächtigt. Dies werde zusätzlich erschwert durch die Unzufriedenheit in seiner beruflichen Situation, mit der er auch eine Akzentuierung der Angstsympto
matik verbinde. Aus psychiatrischer Sicht sei angesichts der vorliegenden Angstsymptomatik vor dem Hintergrund der akzentuierten Persönlichkeits
züge von einer 60%igen Ar
beitsfähigkeit in einer ruhigen stressarmen, emo
tional wenig belastenden, gut strukturierten Arbeitstätigkeit auszugehen. In
validitätsfremde Faktoren (unge
wisse berufliche Zukunft, finanzieller Eng
pass) seien von invaliditätsbedingten Faktoren abgegrenzt worden und nicht in die Beurteilung der medizinisch-theo
retischen Zumutbarkeit einer Ar
beitstätigkeit miteingeflossen (S. 11).
Zur Prognose führte der Gutachter aus, Angststörungen seien prinzipiell gut be
handelbare psychische Störungen. Prognoseverdüsternd seien der langjäh
rige Verlauf, die bestehenden akzentuierten Persönlichkeitszüge und die der
zeit vor
handenen psychosozialen Belastungsfaktoren, welche die Angst
symptomatik eher befördern dürften. Neben den etablierten adäquaten Be
handlungsmassnah
men seien deshalb vor allem berufliche Massnahmen an
gezeigt, um die Prognose zu verbessern (S. 11).
4
.2
4
.2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der
zu beurteilenden Renteneinstellung
vom 18. März 2019
(Urk. 2) auf das Gutachten von Dr.
Y._
vom 26. März
2018 (Urk. 12
/263/1-69), in wel
chem folgende Diagnosen aufgeführt
wurden (S. 51 f.
, S. 59 f.
):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
einfache
Aktivitäts-und
Aufmerksamkeitsstörung (
ADH
S
,
ICD-10 F90.0)
-
Cannabisabhängigkeit, langjähriger und gegenwärtiger Substanzgebrauch (akti
ve Abhängigkeit, ICD-10 F12.25);
indirekte Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit
, weil durch den fortgesetzten Konsum keine wirkungsvolle
ADHS-Behandlung
möglich sei
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
aktenkundige rezidivierende depressive Störung, aktuell in Remission (ICD-10 F33.4)
-
aktenkundige
akzentuierte Persönlichkeit mit selbstunsicheren, nega
tivistischen, depressiven und impulsiven Merkmalen (ICD-10 Z73.1)
; durch die aktuelle
Begutachtung
nachvollziehbare schizoide und schizo
type Persönlichkeitsakzentuierung (ICD.10 F73.1[richtig Z73.1])
Betreffend die
ADHS führte Dr.
Y._
aus,
d
er Beschwerdeführer scheine typi
scherweise seine Planung auf den Moment zu beschränken und zeige neben einer
Ideenflüchtigkeit auch eine erhebliche Impulsivität. Die anfängliche Über
schwänglichkeit bezüglich seiner jeweiligen Arbeitstätigkeit sowie das nachträg
lich erschwerte Durchhalten lasse sich mehrheitlich der Affektlabilität im Rahmen der
ADHS
zuordnen
. Suchtleiden stellten bei
ADHS
eine häufige Komorbidität dar und zeigten gegenseitige Verstärkungen
(
Affektlabilität, emotionale Über
reagibilität
,
Desorganisation
, kognitive Defizite)
mit der
ADHS
-Symptomatik.
Die aktenkundigen
selbstunsichere
n
, negativistische
n
, depressive
n
und impulsive
n
Persönlichkeitsakzente
zeigten
ebenfalls Überlappungen mit den Domänen de
r
ADHS
und
des
Cannabiskonsums. Trotz diese
r
diagnostischen Schwierigkeiten lasse sich die
ADHS-
Diagnose bestätigen, weil sich der diagnostisch geforderte frühe Beginn in der Kindheit und Jugend anamnestisch widerspruchsfrei nach
vollziehen lasse (S. 51).
Im Weiteren wies
der Experte
darauf hin, dass die rezidivierende Störung unter
schiedlicher Ausprägung in den Akten zwar wiederholt erwähnt sei, jedoch Hin
weise auf die diagnostisch geforderten symptomfreien Intervalle fehlten.
D
ie Krankheitsentwicklung
spreche zudem
nicht für depressive Episoden, sondern vielmehr für zeitlich limitierte emotionale Krisen, welche aus den Symptomdo
mänen de
r
ADHS
respektive
der
Merkmale des Persönlichkeitsakzentes ausrei
chend erklärbar seien
(S. 51 f.)
.
Eine
nachvollziehbare Schilderung des Krank
heitsverlaufs mit abgrenzbaren depressiven Episoden, welche sich von möglichen depressiven Items im Rahmen des Cannabiskonsums sowie von der Affektlabilität der ADHS abgrenzen liessen,
habe
gefehlt (S. 53).
Betreffend die aktenkundige
akzentuierte Persönlichkeit hielt Dr.
Y._
fest, dass die entsprechende SKID II-Diagnostik vom 15. Juni 2010
(vgl. S. 11)
nicht mehr aktuell sei, weswegen eine
entsprechende D
iagnostik nach Etablier
ung
einer
adäquaten
ADHS
-Behandlung
unter
Cannab
isabstinenz zu wiederholen sei
(S. 52).
Der Gutachter
führte ferner
aus, dass
die
Wirkung des Cannabiskonsums auf men
tale Funktionen von etlichen Variablen ab
hänge
, wobei eine signifikante Beein
trächtigung
der entsprechenden
Funktionen bei frühem Erstkonsum in der Ado
leszenz, j
ahrelangem regelmässigem Konsum
sowie bei Anzeichen besonderer Vulnerabilität
,
welche sich oft in der Form ängstlich-paranoider Symptome zeige, wahrscheinlicher werde. Diese Faktoren träfen
auf
den
Beschwerdeführer zu. Für die Abhängigkeitsproblematik sprächen zudem die
teilweise
vagen widersprüch
lichen oder bagatellisiere
nden Angaben zum Substanzkonsum
sowie eine durch keine andere Störung zu erklärende Leistungseinbusse mit stetig wachsender Un
selbständigkeit im Alltag (Wohnungswechsel durch temporäres Wohnen bei
Drittpersonen, soziale Abhängigkeit mit zunehmender Übernahme von Alltags
funktionen durch Drittpersonen ohne entsprechende objektivierbare Defizite) und letztlich auch ein zunehmendes amotivationales Syndrom mit einer ausgeprägten Schwierigkeit der
A
ufrechterh
altung der Motivation im Alltag
(S. 52
f.
, vgl. auch S. 57
).
Dr.
Y._
hielt weiter fest
, dass
die
ADHS
die Hauptdiagnose dar
stelle
, wobei sich das Störungsbild unbehandelt erheblich stark präsentiere. Da eine
ADHS
-
Spektrumsstörung
unter leitliniengerecht
er
Pharmako
- und Psychotherapie sowie
einer bedarfsgerechten Unterstützung im Alltag (beispielsweise durch ei
ne spe
zialisierte Ergotherapie)
in aller Regel gut behandelbar sei, lasse sich aus der Hauptdiagnose unter konsequenter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behand
lung eine maximal leichte, zeitlich überdauernde Arbeitsunfähigkeit von 20 % mit einem zumutbaren Pensum von 6-7 Stunden täglich in angepasster Tätigkeit herleiten. Bereits in unbehandeltem Zustand sei es dem Beschwerdeführer in den letzten Jahren gelungen, zeitlich befristet
eine 80%ige Tätigkeit aufrechtzu
erhal
ten. Aktuell liege die
Leistungserbringung am Arbeitsplatz bei etwa 40 %
,
wobei aufgrund des vorliegenden Gutachtens eine höhere Leistungserbringung von 60 % anzunehmen sei.
M
it einer
Ausnahme (225
mg Venlafaxin täglich)
habe
nie eine antidepressive Pharmakotherapie im therapeutischen Bereich stattgefunden und das komplexe Krankheitsbild stelle sich im Wesentlichen unbehandelt dar
(S. 53, vgl. auch S. 59
)
.
Eine adäquate psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung umfasse eine Cannabisabstinenz, um einerseits den Gesundheitsschaden durch den fortgesetz
ten Cannabiskonsum zu verringern
und andererseits eine Behandlung de
r
ADHS
zu ermöglichen. Eine Cannabisabstinenz stelle eine unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg einer störungsspezifischen
ADHS
-Therapie dar (S. 54
, vgl. auch S. 57
, S. 61
).
Des Weiteren hielt Dr.
Y._
fest, dass die Prognose hinsichtlich der Arbeits
fähigkeit zusätzlich vom möglichen Krankheitsgewinn abhänge. Aufgrund der aus
ge
prägten
ADHS
-Symptomatik mit gleichzeitig fehlender Therapieeinsicht
lasse sich ein primärer (unbewusster) Krankheitsgewinn vermuten, wobei sich dieser indessen nicht belegen lasse. Die Frage nach einem (bewussten) sekundären Krankheitsgewinn sei indessen zu bejahen, wobei nicht so sehr ein Rentenbegeh
ren im Vordergrund stehe, sondern vielmehr eine seit Jahren aktiv erzeugte Ab
hängigkeit von Drittpersonen (Wohnen, Finanzen, Arbeit), welche sich mit den Fähigkeiten und Defiziten des Beschwerdeführers nicht vereinbaren
lasse. Dieser
nicht monetäre Kr
ankheitsg
ewinn wirke sich
dekonditionieren
d
respektive behin
der
nd auf die Arbeitsfähigkeit aus
. Die vorhandenen Krankheitsgewinne und das die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Beschwerdebild seien einer therapeuti
schen Intervention zugänglich, weshalb sich die Prognose insgesamt als günstig darstelle
(S. 54 f.
; vgl. auch S. 53
).
Ferner wurde festgehalten, dass
sich
als objektivierbare Befunde stark beeinträch
tigte Aufmerksamkeitsfunktionen, eine mittelgradige motorische Unruhe sowie eine mittelgradige formalgedankliche Ideenflucht präsentierten, welche als the
matische Sprunghaftigkeit, Ablenkbarkeit und Konzentrationsstörungen in Er
scheinung getreten seien. Dem Beschwerdeführe
r
scheine es im Alltag nicht zu gelingen, komplexe Planungen vorzunehmen und den entsprechenden Überblick zu wahren
, die Ausführung strukturierter
ausführender Tätigkeiten sei indessen gut möglich und
lasse
eine ausreichende Leistungserbringung erwarten (S. 55).
Dr.
Y._
führte weiter aus
, dass
innert einem Jahr
nach Etablierung einer lege artis-Behandlung von einer
80%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
auszugehen sei
. Zumutbar seien
Verrichtungen
, welche strukturiert und ausfüh
rend konzipiert seien (Hauswarttätigkeit unter Supervision). Eine soziale Tätigkeit werde kaum erfolgreich sein, da diesbezüglich ein hohes Mass an Introspek
tions
fähigkeit erforderlich sei
(S. 62
, S. 65
, S. 67
).
Der Gutachter bemerkte sodann, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwer
deführers seit April 2011 im Wesentlichen gleichbleibend darstelle. Die stationäre Behandlung vom 16. Oktober bis 4. November 2013 sei im Sinne einer Krisenin
tervention zu verstehen und beinhalte keine grundsätzliche Verschlechterung der gesundheitlichen Situation. Das Zustandsbild sei durch die beiden relevanten Diagnosen eine
r
ADHS
mit komorbider Cannabisabhängigkeit geprägt, wobei die vorgebrachten Zustandsverschlechterungen seit April 2011 durchwegs transient seien und im Rahmen emotionaler Krisen aufgrund erschwerter Lebensumstände (Beziehung, Wohnen, wirtschaftliche Verhältnisse) zu deuten seien. Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit während des stationären
Klinika
ufenthalts
im Okto
ber/
November 2013 sei nachvollziehbar.
Abgesehen davon sei
von einer zeitlich stabilen Arbeitsfähigkeit von 60 % auszugehen, wobei diese Beurteilung der
da
maligen
effektiven Leistungserbringung
des Beschwerdeführers entspreche (Stif
tung
F._
). Die zeitlich limitierte höhere Leistungserbrin
gung von 80 % (Pflegezentrum
G._
) respektive tiefere Leistungserbringung von 40 % (Pflegezentrum
H._
) stünden
unter Berücksichtigung der Abwesen
heit einer störungsspezifischen Therapie
nicht im Widerspruch zu dieser ha
bituellen Leistungserbringung
(
S. 66 f.).
4
.2.2
A
m
4
. Dezember 2018 berichtete
Dr.
med.
A._
, Oberarzt an der Psychiatri
schen
B._
klinik
,
über die Vorstellung des Beschwerdeführers in der ADH
S
-Spezialambulanz zur diagnostisc
hen Beurteilung (Urk. 3/3). Dr.
A._
wies darauf hin, dass dem Beschwerdeführer mehrere
von ihm
auszufüllende Fra
gebogen ausgehändigt worden seien
, wobei in der Zusammenschau
die Ver
dachtsdiagnose eine
r
ADHS mit den Testungen auf
grund der parallel vorliegen
den
schweren depressiven Störung sowie der bestehenden Komorbiditäten aktuell nicht bestätigt werden könne (S. 2 f.).
Differentialdiagnostisch müssten mehrere psychische Störungen als Ursache der gezeigten Gesamtkonstellation in Betracht gezogen werden. Die geschilderten Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, welche in der ADHS-Selbstbeurteilu
ngsskala angegeben worden seien
,
könnten ebenso im Rahmen der aktuell vorliegenden depressiven Störung begründet sein. Ebenso könnte auch die Antriebslosigkeit im Zuge der affektiven Störung ein hyperkinetisches Syn
drom
aktuell
maskieren und gewisse Symptome aktuell nicht erkennbar wer
den lassen
(S. 3).
Der Beschwerdeführer habe sodann
unter anderem
davon berichtet, dass er über
all mit allen Leuten anecke, er keinen Kontakt zum Bruder/Vater habe und die Tochter gegen ihn aufgehetzt werde. Diese Empfindungen könnten auch im Rah
men einer depressiven Interpretation der äusseren Umstände
[in]
negativen Denk
mustern oder bei der vermuteten Persönlichkeitsstörung mit paranoiden Zügen begründet liegen.
Der
Beschwerdeführer attribu
iere die Verantwortung für un
günstige Geschehnisse extern und beschreibe sich als Opfer
, was
eine
Persönlich
keitsakzentuierung respektive
–
störung
nahe
lege
.
Er
könne sich zudem
nicht
von angegebenen Wahninhalten distanzieren
,
was
gegebenenfalls
im Zusammenhang mit der paranoiden Grundstimmung im Rahmen der Persönlichkeitsst
örung oder dem kontinuierlichen
deutlichen Cannabiskonsum oder der Kombination von bei
dem gesehen werden
müsse
(S. 3).
Dr.
A._
hielt weiter fest, dass mit dem Beschwerdeführer die Einleitung einer antidepressiven Behandlung, eine möglichst umfassende Cannabis-Karenz sowie zwecks Beurteilung des weiterhin bestehenden Verdachts auf ein
e
ADHS eine Wiedervorstellung in zirka sechs Monaten besprochen worden sei. Eine empfoh
lene stationäre Behandlung, wie im Falle einer schweren depressiven Episode in
diziert, habe der Beschwerdeführer mehrfach abgelehnt
(S. 4).
4
.2.
3
In ihrem Bericht vom 12. April 2019
(Urk. 3/4)
stellten Dr.
C._
,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und Psychologe
lic.
phil. FSP
D._
folgende Diagnosen (S.
3 f.):
-
ADHS (ICD-10 F90: einfache ADHS oder ICD-10 F90.1: hyperkinetische Stö
rung des Sozialverhaltens)
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (ICD-10 F61)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psycho
tische Symptome (ICD-10 F33.2)
Dr.
C._
und Psychologe
D._
hielten
fest, dass sie den Beschwerdeführer seit
der Begutachtung vom 26. März
2018 weiterhin ein
-
bis zweimal im
Monat be
handelt hätten und
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Arbeitsversuche seien auf Wunsch des Beschwerdef
ührers möglich, wobei bisherige
Versuche
mittel- oder langfristig erfolg
los gewesen seien.
Administrative Belange könne der Beschwerdeführer
– wenn überhaupt –
nur unter grosser Kraftanstrengung erle
digen und benötige eine befreundete Drittperson
zur Unterstützung
. Diese Dritt
person habe gegenüber den Ärzten
festgestellt
, dass sich der Beschwerdeführer auch ohne Cannabiskonsum n
icht lange konzentrieren
könne respektive plötzlich abwesend sei. Dies weise auf ein mögliches dissoziatives Geschehen hin, was ein typisches Kennzeichen für eine Traumatisierung sei (S. 1).
Im Weiteren wurde ausgeführt, dass die Lebensgeschichte und Psychogenese des Beschwerdeführers weder von der Beschwerdegegnerin noch vom Gutachter adä
quat eingeschätzt worden sei
en
. Es liege eine Fehlinterpretation vor, wobei die Bedeutung von Entwicklungstraumata, welche über Jahre hin entstünden, nicht erkannt worden sei. Die verschiedenen Krisen sei
e
n als depressive Episoden auf
grund hoher Vulnerabilität bei Stress und Anforderungen (Traumata) auf dem Hintergrund eine
r
ADHS einzustufen. Aufgrund der mangelnden Entwicklung von Copingstrategien in der Kindheit/Jugend und den damit einhergehenden fort
gesetzten Misserfolgen in der Schule und im Beruf sowie den Enttäuschungen im Privatleben,
kulminierend
in sozialem Rückzug, sei der Beschwerdeführer seit zirka 2010
bis heute
nicht in der Lage, einer regelmässigen Arbeit nachzugehen (S. 2).
Ferner liege beim Beschwerdeführer keine Schonhaltung vor, da er sich immer wieder aus eigener Initiative um Arbeitsstellen bemüht habe (S. 2).
Dr.
C._
und Psychologe
D._
wiesen
weiter
darauf hin, dass d
er
Cannabiskonsum
sekundär sei und als Versuch der Selbstmedikation gedeutet werde.
Der
Be
schwerdeführer
sei
gemäss eigenen Angaben
im Jahre 2017 für sechs Mo
nate abstinent gewesen, wobei si
ch sein Gesundheitszustand
nicht verändert habe (S. 3).
Betreffend die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Epi
sode ohne psychotische Symptome,
wurde
auf die von Dr.
A._
durchgeführte Testdiagnostik mittels Becks
Depressions
Inventar
II hingewiesen, welche eine schwere depressive Symptomatik zeige und somit eine verstärkte Depression im
Vergleich zur letztmaligen Einschätzung durch die genannten Fachpersonen
aus
weise
(S. 4).
Abschliessend hielten
Dr.
C._
und Psychologe
D._
fest, dass sich das Krank
heitsbild des Beschwerdeführers seit de
n
letzten Schreiben vom Juni und Septem
ber 2018 verändert habe. Eine damals beschriebene psychische Verbesserung habe sich als nicht nachhaltig erwiesen. Der Beschwerdeführer ziehe sich nach eigenen Angaben immer noch in seine Wohnung zurück, habe keine sozialen Kontakte und habe mit seiner Expartnerin, seine
m
Kind, Bruder und Vater gebrochen. Der Psychostatus sei derselbe wie vormals beschrieben (S. 4 f.).
5
.
5
.1
Das Gutachten von Dr.
Y._
vom 26. März 2018 (Urk. 12/263/1-69)
ent
spricht den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise. So ist es für die streitigen Belange umfassend, gibt es doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und der verbleibenden Ar
beitsfähigkeit. Es beruht sodann auf den notwendigen Untersuchungen in psy
chiatrischer Fachrichtung. D
er
Gutachter berücksichtigte detailliert die geklagten Beschwerden und setzte sich damit auseinander (
S.
28 ff., S. 40 ff., S. 55 f.
). Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, wobei sich
der
Gutachter zur Krankheitsentwicklung äusserte und Bezug auf die medi
zinischen
Vorakten
nahm
(
S.
8 ff.
).
Er
setzte sich insbesondere mit abweichenden Diagnosen in Arztberichten auseinander und würdigte diese in nachvollziehbarer Weise (
S.
27, S. 51 f.
). Schliess
lich leuchtet das Gutachten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
t
ion ein und die Schlussfolgerun
gen in der Expertise sind begründet.
In diesem Sinne ging
Dr.
Y._
schlüssig
von einer ADHS, einer Cannabisab
hängigkeit, einer remittierten rezidivierenden depressiven Störung sowie einer Persönlichkeitsakzentuierung aus, wobei er lediglich de
r
ADHS direkte Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
beimass. In einer ange
passten Tätigkeit
respektive
ausführende
n
handwerkliche
n
Verrichtungen
unter enger Supervision
attestierte der Gutachter seit April 2011 eine 60%ige Arbeits
fähigkeit
(S. 65
ff.
).
Die Expertise erfüllt demnach die praxisgemässen Kriterien an den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens (BGE 125 V 351 E. 3a, BGE 122 V 157 E. 1c), weshalb für die Entscheidfindung darauf abzustellen ist.
5.2
Was die Auffassung der Beschwerdegegnerin betrifft, dem Beschwerdeführer sei es unter adäquater Behandlung möglich, in einem Pensum von 80 % einer Ar
beitstätigkeit nachzugehen
, weshalb keine invalidisierende gesundheitliche Be
einträchtigung
vorliege
(Urk. 2
S. 2 f.
), ist Folgendes festzuhalten:
Im Zeitpunkt der psychiatrischen
Untersuchung
am 26. Januar 2018 ging Dr.
Y._
von einem unveränderten Gesundheitszustand seit April 2011 aus und attestierte – analog zu Dr.
Z._
(vgl. Urk. 12/41 S. 11)
– eine 60%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit. Unter Hinweis auf eine Cannabisabstinenz mit
gleichzeiti
ger
Etablierung einer störungsspezifischen und leitliniengerechten
Pharma
ko
- und Psychotherapie der ADHS
sowie einer bedarfsgerechten spezialisierten ergo
therapeutischen Begleitung im Alltag hielt Dr.
Y._
fest, dass innerhalb eines Jahres nach entsprechendem Therapiebeginn von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % auszugehen sei
(Urk. 12/263/1-69 S. 6
5, S. 67). Dabei handelt es sich lediglich um eine im Idealfall
und frühestens nach
einem Jahr nach Behandlungsbeginn
möglicherweise zu erwartende 20%ige
Steigerung der im Januar 2018
attestierten
Arbeitsfähigkeit von 60 %
, von deren Eintritt
nicht
ohne Weiteres
ausgegangen
werden kann
.
Auf eine solche bloss prospektive Erhöhung der Arbeitsfähigkeit kann vorliegend
indessen nicht abgestellt werden,
vielmehr
ist auf die gemäss Dr.
Y._
im Untersuchungszeitpunkt bestehende
und von den Parteien unbe
stritten gebliebene (Urk. 2 S. 2, Urk. 1 S. 6
und S. 13
) Arbeitsfähigkeit von 60 % abzustellen.
In diesem Zusam
menhang erweist
sich
die Angabe
des RAD-Arzt
es
Dr.
med.
E._
, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
, vom 4. April 2018 als unzutreffend,
wonach
unter Hinweis
auf das Gutachten von Dr.
Y._
in einer angepassten Tätigkeit
von einer
40 % Arbeitsunfähigkeit ohne psychotherapeutische Behandlung respektive einer solchen von 20 % mit psychotherapeutischer Behandlung
auszugehen sei
(Urk. 12/265 S. 4)
, zumal der Beschwerdeführer in der Zeit bis zur Begutachtung im Januar 2018
gemäss dem genannten Experten
wiederholt ein angemessenes ambulantes Therapieangebot in Anspruch genommen hat (Urk
.
12/263
/1-69 S. 50).
Der RAD-Arzt kann sich zudem nicht über eine fachliche Qualifikation im Fachgebiet Psychiatrie auswei
sen, wobei dieser Umstand bereits im Urteil vom 20. Juni 2017 (Urk. 12/252
/1-15
S. 12 Ziff. 5.3.4) gerügt wurde
.
Auch
Dr.
A._
ging von einer relevanten Pathologie aus. Er bestätigte - entgegen dem Gutachter
Dr.
Y._
- die «Verdachtsdiagnose» einer ADHS nicht, schloss diese indes auch nicht aus. Die thematisierte schwere depressive Störung fusste hauptsächlich auf testpsychologischen Abklärungen. Der erhobene Befund war, abgesehen von verminderter Konzentration, Wahnerleben und teilweise ver
schlechterter Stimmung, unauffällig.
Dr.
A._
äusserte sich denn auch nicht zur Arbeitsfähigkeit, sondern formulierte Therapievorschläge. Bei dieser Sachlage und
dem Fehlen eines (über 40
%
hinausgehenden) Arbeitsunfähigkeitsattestes besteht keine Veranlassung, die gutachterlichen Schlüsse in Frage zu stellen, zu
mal
Dr.
A._
gar keinen Bezug zur Expertise nahm und ihm diese
offsichtlich
nicht bekannt war.
5.3
Der Beschwerdeführer macht geltend, seit der Begutachtung im März 2018 sei eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten,
da
die
Dres
.
A._
und
C._
sowie
Psychologe
D._
im Dezember 2018 respektive April 2019
vo
n
einer schweren Episode einer rezidivierenden depressiven Störung ausgegangen sei
en
; dies im Gegensatz
zu
Dr.
Y._
,
welcher
im März 2018
eine depressive Störung in Remission festgestellt habe
(Urk. 1 S. 10 f.
).
Hierzu ist festzuhalten, dass eine andere respektive neu
hinzugetretene Diagnose nicht un
besehen eine höhere Arbeitsunfähigkeit bewirkt. Massgebend für den Grad der Arbeitsunfähigkeit ist nicht die Diagnose oder die Zahl der erhobenen Diagnosen, sondern die daraus resultierende Leistungseinschränkung, welche sich auch durch eine zusätzliche Beeinträchtigung nicht zwangsläufig erhöhen muss (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_804/2015 vom 21. Juni 2016 E. 3.2).
Dr.
A._
setzte sich in seinem Bericht vom
4.
Dezember 2018 (Urk. 3/3)
im Wesentlichen mit der Frage nach dem Vorliegen
einer ADHS auseinander. Die depressive Symptomatik erwähnte er nur am Rande und ging unter Hinweis auf das
im
Selbstbeurteilungs
test des Beschwerdeführers
(Becks
Depressions
Inventar II, BDI-II)
erzielte
Resul
tat
von einer schweren depressiven Störung
aus (S. 3)
.
Im Weiteren
äusserte sich
Dr.
A._
weder zur Arbeitsfähigkeit noch
zu
eine
r
allfällige
n
seit
März 2018 eingetretene
n
Verschlechterung
des Gesundheitszustands
. Dr.
C._
und Psycho
loge
D._
wiesen
in ihrem Bericht vom 12. April 2019 (Urk. 3/4)
zwar auf eine seit ihrem letzten Schreiben
vom
Juni und September 2018 eingetretene Ver
schlechterung hin (Urk. 3/4 S. 4), machten indessen keine Angaben darüber, in
wiefern sich
die gesundheitliche Situation
des Beschwerdeführers konkret ver
schlechtert haben soll.
Der
im Bericht
erwähnte Bruch
des Beschwerdeführers
mit seiner Expartnerin, dem Vater und dem Bruder
wurde bereits im Gutachten von Dr.
Y._
thematisiert (Urk. 12/263/1-69
S. 30 f.
,
S.
33, S. 37
).
Ebenso wenig
wurde
die
von
Dr.
C._
und Psychologe
D._
attestierte 100%ige Arbeitsun
fähigkeit (S. 1) näher begründet
. Bezüglich der
schwere
n
depressive
n
Episode
ver
wiesen sie
sodann einzig auf die
im Bericht von Dr.
A._
erwähnte
Testdiag
nostik
gemäss BDI-II
(S. 4).
Im Übrigen ist die Erfahrungstatsache zu berücksich
tigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc). Vor diesem Hinter
grund ist eine gesundheitliche Verschlechterung seit März 2018 nicht ausgewie
sen.
6.
6.1
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141
V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Mit Urteil 9C_724/2018 vom 11. Juli 2019 änderte das Bundesgericht seine Rechtsprechung bezüglich des Anspruchs auf Leistungen der Invalidenversiche
rung bei Vorliegen einer Suchterkrankung. Bei Abhängigkeitssyndromen bezie
hungsweise Substanzkonsumstörungen ist wie bei allen anderen psychischen Er
krankungen nach dem strukturierten Beweisverfahren (vgl. BGE 141 V 281
)
zu ermitteln, ob und gegebenenfalls wie sich ein fachärztlich diagnostiziertes Ab
hängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt.
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281, Urteil des Bundesgerichts 9C_724/2018 vom 11. Juli 2019) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6.2
In Bezug auf den funktionellen Schweregrad
des
Komplex
es
«Gesundheitsschädi
gung»
zeigten sich starke Konzentrationsstörungen, wobei die Merkfähigkeit und die formalgedankliche Ideenflucht mittelgradig beeinträchtigt waren. Es lagen zudem eine mittelgradige motorische Unruhe sowie eine leichtgradige Umständ
lichkeit und gedankliche Einengung auf die belastende, aktuelle Lebenssituation vor (Urk. 12/263/1-69 S. 41, S. 55).
Hinsichtlich des Indikators «Behandlungs- und Eingliederungserfolg» ist zu be
merken, dass sich der Beschwerdeführer
seit 2010
mit einigen Unterbrüchen
in ambulanter
psychotherapeutischer respektive psychologischer
Therapie
befindet
und sich im
Jahre 2010 einer sechsmonatigen tagesklinischen beziehungsweise im
Jahre 2013 einer dreiwöchigen stationären Behandlung unterzog. Seit 2011 nimmt er
das Antidepressivum
Venlafaxin
ein
(S. 34 ff.).
Dr.
Y._
wies darauf hin
, dass der Beschwerdeführer
wiederholt ein angemessenes (ambulantes) The
rapieangebot, wie dies aufgrund seines Beschwerdebilds habe erwartet werden können, in Anspruch genommen habe, sich aber danach nicht auf die empfohlene Behandlung eingelassen habe (beispielsweise auf eine Behandlung mit Methyl
phenidat). Di
e Tatsache, dass
das
aktuelle
ambulante Behandlungssetting für eine wirkungsvolle Symptomreduktion
nicht ausreichend
sei
, könne dem Beschwer
deführer aber nur
teilweise angelastet werden, da die Beurteilung der Notwendig
keit einer störungsspezifischen ADHS-
Therapie
alleine den Behandlern obliege und es deren Aufgabe
sei
, die leitliniengerechte Therapie wirkungsvoll zu vermit
teln (S. 50).
Gemäss Dr.
Y._
umfasst eine adäquate Behandlung eine Can
nabisabstinenz, die Gabe von Stimulantien (Methylphenidat
,
Lisdexamphetamin
), eine störungsspezifische Psychotherapie und eine spezialisierte ergotherapeuti
sche Begleitung im Alltag (S. 54).
Der Experte
hielt zudem fest, dass die Thera
pieadhärenz des Beschwerdeführers als schwankend zu bezeichnen sei, da eine Therapieeinsicht fraglich erscheine, der Beschwerdeführer das Krankheitsbild nicht zu verinnerlichen vermöge
, keine Bereitschaft zur lege artis-Behandlung de
r
ADHS aufweise, dem Cannabiskonsum keinen Störungswert beimesse und eine Bereitschaft zur
A
bstinenz fraglich scheine (S. 59). Die Kooperation des Be
schwerdeführers hinsichtlich der Eingliederungsbemühungen sei mangelhaft, wo
bei die Diskrepanz zwischen den enthusiastisch überschiessenden Motivations
überzeugungen im Rahmen der erfolgten Arbeitsversuche und der tatsächlich er
brachten Leistung auf eine fehlende Reflexionsfähigkeit und mangelnde Selbst
einschätzung zurückzuführen sei, welche teilweise als krankheitsbedingt anzu
nehmen sei (S. 61).
Im Zusammenhang mit den Komorbiditäten wird insbesondere auf die Wechsel
wirkung zwischen
der
ADHS und
der
Cannabisabhängigkeit hingew
iesen (S. 59
)
.
Hinsichtlich der Persönlichkeit gilt es anzumerken, dass im Gutachten von Dr.
Y._
das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung nicht bestätigt werden konnte. Der
Experte
erwähnte zwar
Hinweise
auf
Persönlichkeitsakzente, welche
unter stressvollen Bedingungen die Funktion im Beruf behindern könnten, wobei aber
beim Beschwerdeführer
eine zeitlich überdauernde erhebliche Beeinträchti
gung der Arbeitsfähigkeit entlang der biographischen Zeitachse nicht ersichtlich sei (S. 57).
Im Bereich Wohnung und Finanzen hat sich der Beschwerdeführer in den letzten Jahren auf die Unterstützung von Dritten verlassen
(S. 58). Im Jahre 2017 nahm der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben während sechs Mo
naten kein Cannabis ein (Urk. 3/4 S. 3).
Beim sozialen Kontext ist zu berücksichtigen,
dass der Beschwerdeführer im Zeit
punkt der Begutachtung durch Dr.
Y._
«im geschützten Rahmen» an drei Halbtagen
pro Woche
jeweils für sechs Stunden im Pflegezentrum
H._
ar
beite
t
.
Am Dienstag
und
Donnerstag
ist der Beschwerdeführer zu H
ause, zusam
men mit seiner engen
weiblichen Bezugsperson,
von welcher er auch lebensprak
tische Unterstützung erhält
. Er verbringt die Zeit mit seiner Gitarre, mit
Basteln und
Zeichnen
und spielt
a
bends mit seiner Bekannten einen Jass und raucht dabe
i Cannabis. Wenn die Bezugsperson nach Hause geht, konsumiert er weiter Can
nabis,
sieht sich YouTube-Filme/Clips an und geht spät zu Bett
. Am Morgen steht er gegen 5.30 Uhr auf, um den Bus um 6.40
Uhr zu nehmen (
Urk. 12/263/1-69
S. 29, S. 34,
S. 42 f.).
Der Beschwerdeführer hat einen Hund (S. 37) und wohnt in einer eigenen Wohnung (S.
29
)
, in welcher die Tochter (geboren 2008)
am Abend der Begutachtung
übernachte
t
(S. 31)
. Die Mutter des Beschwerdeführers ist ver
storben und zu seinem Vater, seinem Bruder
sowie
der Mutter der gemeinsamen Tochter hat er keinen Kontakt (S. 30
f.
, S. 33, S. 37). Der Beschwerdeführer gab
schliesslich
an, dass er
in seinem Leben
immer wieder Frauen gehabt habe, welche nach ihm
«
geschaut
»
hätten (S. 37).
Im Zusammenhang mit der Kategorie «Konsistenz» ist zu bemerken,
dass von einer etwa gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in Beruf und Erwerb einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen andererseits auszugehen ist.
Der Beschwerdeführer verbringt seinen Alltag i
m Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr.
Y._
entweder bei der Arbeit oder bei sich zu Hause und sein so
ziales Netzwerk beschränkt sich im Wesentlichen auf seine
weibliche
Bezugsper
son und seine Tochter. Im Weiteren
hat er
seine B
eschwerden der Situation an
geme
ssen vorgetragen und die Betonungen bei der Beschwerdeschilderung sind nicht über die bei Begutachtungen zu erwartende Verdeutlichungstendenz hin
ausgegangen (S. 50).
6.3
Nach dem Gesagten
is
t
die
gutachterliche Einschätzung
einer 60%igen Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
unter Berücksichtigung
der Standardin
dikatoren
nachvollziehbar
.
D
ie
von der Beschwerdegegnerin am 12. April 2018
vorgenommene
Indikatorenprüfung
(Urk. 12/265 S. 4 f.)
überzeugt nicht
,
da
sie
insbesondere
nicht sämtliche Indikatoren (vgl. E. 6.1 hievor) prüfte
.
7.
7.1
7.1.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
7.1.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
7.1.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jeden
falls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss
der vom Bundesamt für Statistik
(BFS)
herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
herangezo
gen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1
; ferner BGE 142 V 178 zur LSE 2012 und deren Unterschiede zur LSE 2010
).
7.1.
4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schät
zen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit ein
geschränkt ist
(BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbeding
ten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichts
punkts führen dürfen (Urteil 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hin
weisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abwei
chende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2 und
8C_808/2013 vom 14. Februar 2014 E. 7.1.1 mit Hinweisen).
7.2
7.2.1
Der Beschwerdeführer erzielte vor Eintritt des Gesundheitsschadens respektive im Jahr 2010 bei der
I._
AG ein Einkommen von Fr. 68'900.-- (Urk. 12/17 S. 2
Ziff.
2.10)
. Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung für das massgebende Jahr 2016 resultiert ein
Validenlohn
von Fr. 71'7
4
7.60 (Nominallohnindex 2010: 123.4, 2016: 128.5
; BFS, T1.93
,
Nominallohnindex 1993-2010/2011-2018, Total Männer
)
.
7.2.2
Dem Beschwerdeführer
ist die Ausübung von handwerklichen Dienstleistungen
unter enger Supervision in einem 60 %-Pensum zumutbar
(vgl. E. 5.1 hievor)
.
Entsprechend ergibt sich gestützt
auf die LSE 2014 und unter Berücksichtigung einer
betriebsüblichen
Arbeitszeit von
41.7 Stunden pro Woche
(BFS, T
03.02.03.01.04.01, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschafts
abteilungen
)
sowie der Nominallohnentwicklung
für 2016
(Index 2014: 127.3, Index 2016: 128.5)
ein Invalidenlohn von Fr.
40'247.
7
0 (BFS, LSE 2014, TA1_tirage_skill_level, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschafts
zweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Total Männer, Kompetenzniveau 1).
7.2.3
Grundsätzlich ist ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen, wenn ein Versi
cherter seine Arbeitsfähig
keit nicht vollschichtig umsetz
en kann, weil Teilzeitar
beit bei Männern statistisch gesehen vergleichsweise weniger gut entlöhnt wird als eine Vollzeittätigkeit. Allerdings muss dies stets mit Blick auf d
en
konkreten Beschäftigungsgrad (vorliegend 60 %) und die jeweils aktuellen Werte beurteilt
werden
. Gemäss der betreffend die LSE 2014 erstellten Tabelle zu den nach Be
schäftigungsgrad, beruflicher Stellung und Geschlecht differenzierten monatli
chen Durchschnittslöhnen rechtfertigt ein Beschäftigungsgrad vo
n 60 %
bei Männer
n
auf der untersten Stufe der beruflichen Stellung (ohne Kaderfunktion) keinen zusätzlichen Tabellenlohnabzug. Denn auf dieser Ebene besteht bei Män
nern zwischen dem Durchschnittslohn bei einem Teilzeitpensum von 50-74 % proportional bezogen auf ein 100 %-Pensum (Fr. 5’714.--) und dem Durch
schnittslohn bei einem Vollzeitpensum (Fr. 6'0
69
.
--) kein wesentlicher Unter
schie
d
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_805/201
6 vom 22. März 2017 E. 3.2
mit Hinweisen
; BFS, T 18, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Beschäfti
gungsgrad, beruflicher Stellung und Geschlecht, Privater und öffentlicher Sektor [Bund, Kantone, Bezirke, Gemeinden, Körperscha
ft
en
] zusammen, Schweiz 2014)
. Im Übrigen sind
andere
Gründe, welche einen leidensbedingten Abzug vom Ta
bellenlohn rechtfertigen würden
,
nicht ersichtlich und werden vom Beschwerde
führer auch nicht (substantiiert) vorgebracht (Urk. 1 S. 13 f.), zumal die gesund
heitlichen Einschränkungen bei der Reduktion des Arbeitspensums auf ein sol
ches von 60 % bereits ausreichend berücksichtigt wurden.
7
.3
In Anbetracht der Einkommenseinbusse von Fr. 31'
500.--
(Fr. 71’7
47
.60 ./. Fr. 40'247.
7
0
) resultiert im Jahre 2016 ein Invaliditätsgrad von 43.
9
%
, was einen Anspruch auf eine
Viertelsrente
begründet.
Demnach ist die Beschwerde
betreffend die Renteneinstellung gutzuheissen.
8.
8.1
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei
gerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzli
chen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.--) auf Fr. 900.-- festzulegen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2) als gegen
standslos.
8.2
Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht
in Verbindung mit Art. 61
lit
. g ATSG). Es ist dem
Beschwerdeführer unter Berücksichtigung dieser Grundsätze eine Prozessentschä
digung von Fr.
3
’
1
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzuspre
chen.
Unter diesen Umständen erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtsvertretung als gegenstandslos.