Decision ID: 192c64d6-4d2d-451b-bf87-7936dc019a42
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1955, war nach Abschluss ihrer beruflichen Ausbil
dung als eidgenössisch diplomierte Werbeassistentin
im Jahr 1973
zunächst
als
Unselbständigerwerbende
tätig,
vor allem
im Werbebereich
; seit
1.
Mai 1996 führt sie als
Selbständigerwerbende
die
Y._
(
Urk.
7/7,
Urk.
7/25,
Urk.
7/31)
. Ab
2
5.
April 2015
bezog sie Krankentaggelder
(
Urk.
1)
.
Am
6.
Juli 2015
meldete
sie
sich bei der Soz
ialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich, IV-Stelle,
unter anderem wegen Schlaf
- und
Konzentrationsproblemen
sowie wegen eines Leistungsabfalls
zum Leistungsbezug
an
(
Urk.
7/7)
.
Die IV-Stelle klärte die erwerb
lichen und medizinischen Verhältnisse ab
. Ausserdem gewährte sie der Versicherten für die Zeit ab 1
8.
November
2015 bis zum 1
5.
Juli 2016 Frühinterventionsmassnahmen in Form einer externen Arbeitsvermittlung
(
Urk.
7/21)
.
Diese Massnahmen hob die IV-Stelle i
nfolge
eines
Abbruchs
durch die Versicherte
per
4.
Dez
ember 2015 wieder auf (
Urk.
7/23).
Mit der unangefoch
ten in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom
5.
April 2016
(
Urk.
7/35)
ver
neinte sie mangels einer relevanten Invalidität einen Anspruch auf
eine Invali
denrente
.
1.2
Auf ein erneutes Leistungs
gesuch der
Versicherten
um
Zusprache
eine
r
Invali
denrente
vom
1
8.
Januar 2017
(
Urk.
7/36)
trat die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7
/41,
Urk.
7/43)
mit Verfügung vom
1
7.
Mai 2017
nicht ein
(
Urk.
2)
.
2.
Dagegen erhob
die
Versicherte am
1
4.
Juni
2017 Beschwerde
(
Urk.
1)
mit dem Antrag, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei die IV-Stelle zu ver
pflichten, auf
ihr
Gesuch einzutreten
und ihr eine Invalidenrente zuzusprechen
. Gleichzeitig stellte
sie
ein Gesuch um die Bewilligung der unentgeltlichen Pro
zessführung. Der Beschwerde legte
sie ein zuhanden
des Krankentaggeldversiche
rers
erstelltes Gutachten von
Dr.
med. Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 1
3.
Dezember 2015 (
Urk.
3/9)
sowie
einen Bericht von
Dr.
med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
6.
Februar 2017 (
Urk.
3/7) bei
.
In der Ver
nehmlassung vom
4.
September 2017 (
Urk.
6)
schloss die IV-Stel
le auf Abweisung der Beschwerde, was der Versicher
ten am 2
5.
September 2017 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Das gemäss der Verfügung des Sozialversicherungsgerichts vom 1
0.
Juli 2017 (
Urk.
4) zur
Substantiierung der prozessualen Bedürftigkeit geforderte Formular reichte die Versicherte nicht ein.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
mei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
B
ei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent ergibt sich ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Pro
zent Anspruch auf eine
Drei
viertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von min
destens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
1.3.1
Wird der Verwaltung eine Neuanmeldung eingereicht, so ist gemäss Art. 87
Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversiche
rung
(IVV) da
rin glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität seit dem letz
ten leistungsabweisenden Entscheid in einer für den Anspruch erhebli
chen Weise geändert hat.
Der versicherten Person kommt damit ausnahmsweise eine Beweis
führungslast zu, und der Untersuchungsgrundsatz spielt insoweit nicht (
BGE
130 V
64
E. 5.2.5). Die Ver
wal
tung hat daher erst dann gestützt auf den Unter
suchungsgrundsatz von Amtes wegen für die rich
tige und vollstän
dige
Ab
klärung des rechts
erheblichen Sach
verhaltes zu sorgen (Art. 43 ATSG, Art. 57
IVG in Ver
bindung mit Art. 69 ff. IVV), wenn sie auf das Leistungs
be
gehren eingetreten ist.
Die Verwaltung hat nach dem Eingang einer Neuanmel
dung daher zunächst zu prüfen, ob die Vorbringen der versicherten Person über
haupt glaubhaft sind, und sie erledigt das Gesuch ohne weitere Abklärun
gen durch Nichteintreten, falls sie dies verneint.
1.3.2
Unter Glaubhaftmachen im Sinne von
Art.
87
Abs.
3 IVV ist nicht der Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden Grad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit zu verstehen. Die Beweisanforderungen sind viel
mehr herabgesetzt, indem nicht im Sinne eines vollen Beweises die Über
zeu
gung der Verwaltung
begründet zu werden braucht, dass seit der letzten, rechts
kräfti
gen Entscheidung tatsächlich eine relevante Änderung eingetreten ist. Es genügt, dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenig
s
tens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Mög
lichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behaup
tete Sachver
haltsänderung nicht erstellen lassen. Bei der Prüfung der Frage, ob die Vorbrin
gen der versicherten Person glaubhaft sind, berücksichtigt die Ver
wal
tung unter anderem, ob seit der rechtskräftigen Erledigung des letzten Leis
tungs
gesuchs lediglich kurze oder schon längere Zeit vergangen ist; je nach
dem sind an die Glaubhaftma
chung einer Änderung des rechtserheb
lichen Sachver
halts höhere oder weniger hohe Anforderungen zu stellen (Urteil des Bundesge
richts
9C_236/2011 vom 8. Juli 2011
E. 2.1.1 mit Hinweisen). Insofern steht der Ver
waltung ein gewisser Beurteilungsspie
lraum zu, den das Gericht grund
sätz
lich zu respektieren hat (BGE 109 V 108 E. 2b;
Urteil des Bundesgerichts I 888/05
vom 7. Juni 2006 E. 2).
Die
Eintretensvoraussetzung
gemäss
Art. 87 Abs. 3 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begrün
deten Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht einer neuen Prüfung so lange entge
gen, wie der seiner
zeit beurteilte Sachverhalt sic
h in der Zwischenzeit nicht ver
ändert hat. Wenn die dem Revisionsg
esuch beigelegten ärztlichen Be
richte so wenig sub
stantiiert sind, dass sich eine neue P
rüfung nur aufgrund weiterer Erkennt
nisse allenfalls recht
fertigen wü
rde, ist die IV-Stelle zur Nach
forderung weiterer An
gaben nur, aber immerhin dann verpflichtet, w
enn den - für sich allein genom
men nicht Glaub
haftigkeit begründenden - Arztberichten konkrete Hin
weise ent
nommen werden können, wonach
möglicherweise eine mit weiteren Erhe
bungen
erstellbare rechts
erhebliche Änderung vorliegt (Urteil des Bundes
ge
richts 8C_
844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.1
mit Hin
weisen
).
1.3.3
Das Gericht hat die Behandlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist,
das heisst
wenn die Verwal
tung gestützt auf Art. 87 Abs. 3 IVV Nichteintreten beschlossen hat und die ver
si
cherte Person deswegen Beschwerde führt
. Seiner beschwerdeweisen Über
prü
fung hat das Gericht den Sachverhalt zugrunde zu legen, wie er sich der Ver
waltung bei Erlass des
Nichteintretensentscheides
bot (
BGE
130 V 64 E. 5.2.5; Urteil des Bun
des
gerichts 8C_196/2008 vom 5. Juni 2008). Zeitlicher
Ausgangs
punkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invalidi
tätsgrades bildet bei der Neuan
meldung die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruht. Demgemäss sind die Verhält
nisse bei Erlass der strittigen Verwaltungsverfügung mit denje
nigen im Zeitpunkt der letzten materiellen Abweisung zu vergleichen (BGE 130 V 64 E. 2, 130 V 71 E. 3, 133 V 108 E. 5.2 und E. 5.4). Dabei stellt die bloss unterschiedliche Beurtei
lung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unver
än
dert geblie
benen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein ge
nommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet
e
die angefochtene Verfügung vom 1
7.
Mai 2017 (
Urk.
2;
unter Hinweis a
uf die gesetzlichen Grundlagen,
Urk.
7/48/3-4) damit,
um das neue Gesuch der Versicherten
um eine Invalidenrente prüfen zu können, müss
t
e sich
deren
berufliche oder medizinische Situation wesentlich geänd
e
rt haben. Solche Veränderungen,
wie neue Diagnosen oder Befunde
,
seien
aufgrund der vorlegten Arztberichte nicht
fest
zustellen
.
Auch würden i
m Bericht von
Dr.
A._
vom 1
6.
Februar 2017
die Diagnosen nicht detailliert
beurteilt.
Ü
berwiegend wahrscheinlich
würden
invalidenversicherungsrechtlich nicht rele
vante Belastungsfaktoren (wie geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt) vorliegen, welche nicht berücksichtigt werden könnten.
2.2
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber
im Wesentlichen
geltend,
da die Verfügung vom
5.
April 2016 das Vorliegen eines Gesundheitsschadens bestätigt
habe,
brauche es im jetzigen Verfahren entgegen der Auffassung der Beschwer
degegnerin
keine Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse.
Zudem würden gemäss dem Arztbericht von
Dr.
A._
vom 1
6.
Februar 2
017
entsprechend
de
m
darin aufgeführten Psychostatus und
dem
Hinweis,
dass
das Krankheitsge
schehen nicht passager sei, sehr wohl neue Diagnosen und Befunde vorliegen. Die Verwendung des Wortes «wahrscheinlich» in der angefochtenen Verfügung widerspreche Treu und Glauben. Die Beschwerdegegnerin habe mit der angefoch
tenen Verfügung zudem das rechtliche Gehör verletzt. Die Verfügung
vom
5.
April 2016
beruhe
auf falschen
und aktenwidrigen
Annahmen und
sie
sei
zudem
zweifellos unrichtig, weshalb
heute
darauf
zurückzukommen sei.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin auf die Neu
anmeldung zum Rentenbezug vom 1
8.
Januar 2017 zu Recht nicht eingetreten ist. Prozessthema bildet die Frage, ob die Beschwerdeführerin bis zum Erlass des hier angefochtenen Entscheids vom 1
7.
Mai 2017 im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV glaubhaft darge
tan hat, dass sich ihr Gesundheitszustand seit Erlass der einen Rentenanspruch verneinenden Verfügung vom
5.
April 2016 relevant ver
schlechtert hat.
Auf
den Antrag
der
Beschwerdeführerin,
die
unangefochten in Rechtskraft erwachsene Verfügung vom
5.
April 2016
sei
nicht korrekt
gewesen und
wegen zweifelloser Unrichtigkeit in Wiedererwägung
(
Art.
53
Abs.
2 ATSG)
zu ziehen
,
ist nicht einzutreten. Dies
ist nicht Gegenstand des angefochtenen Entscheids.
Abgesehen davon
besteht kein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch auf eine Wie
dererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG (BGE 133 V 50).
3
.
3.1
Der leistungsverneinenden Verfügung vom
5.
April 2016 (
Urk.
7/35)
lag
en
die Arztb
erichte von
Dr.
A._
vom 2
6.
August
2015
,
5.
Oktober 2015 und vom
2
6.
Januar 2016
sowie
das
Gutachten
von
Dr.
Z._
vom 1
3.
Dezember 2015
zugrunde
.
In seinem Bericht vom 2
6.
August 2015 (
Urk.
7/16) diagnostizierte
Dr.
A._
, welcher die Versicherte seit dem 1
8.
März 2015 behandelt,
eine mittelgradige depressive Episode
mit somatischem Syndrom
(ICD-10: F32.11) bei innerer Unruhe, Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Hoffnungslosig
keit und depressiver Stimmung, Interessenverlust und Isolationstendenz sowie
bei einer reduzierten Belastbarkeit
. In
der angestammten Tätigkeit sei d
ie
Beschwer
deführerin
seit Anfang
Februar 2015 zu 100
%
arbeitsunfähig. Eine leidensange
passte Tätigkeit sei
der Versicherten
vorerst noch nicht möglich.
Dr.
A._
führte in seinem
Bericht vom
5.
Oktober 2015 (
Urk.
7/20)
unter anderem
aus, das langsam sich entwickelnde und primär s
chon
chronifizierte
Krankheitsb
ild habe sich trotz adäquater Behandlung nur langsam gebessert. Nach wie vor würden Ko
nzentrationsstörungen, Adynamie
,
Anhedonie
und Müdigkeit bestehen. Die laufende Therapie sollte fortgeführt werden, und sobald sich der Zustand der Versicherten gebessert habe, werde sie sich für Stellen bewerben.
Dr.
Z._
, welche die Versicherte am
1.
Dezember 2015 untersucht hat
te
,
diag
nostizierte in ihrem Gutachten vom 1
3.
Dezember 2015 (
Urk.
7/25
/8
) eine mittel
gradige Erschöpfungsdepression (ICD-10: F32.10) bei Burnout (ICD-10: Z73.0) bei einer akzentuierten Persönlichkeit mit perfektionistisch-leistungsorientiert-zwanghaft
en
und narzisstischen Zügen (ICD-10: Z73.1) und Belastung durch die berufliche und die privat
e
Konstellation.
Aktuell bestehe in der angestammten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Unter günstigen Bedingungen
und bei entsprechender Therapie
könne in drei bis vier
Monaten
mit einer Teilarbeits
fähigkeit der Versicherten gerechnet werden.
Im Bericht vom 2
6.
Januar 2016 führt
e
Dr.
A._
– nebst einem
Hinweis auf die
bekannten Diagnosen
-
unter anderem aus, der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
habe sich g
ebessert. Die
Beschwerdeführerin
zeige mehr Initiative
,
jedoch noch keine stabile Verbesserung
.
Es bestehe
nach wie vor
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Prognose sei jedoch gut.
Die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
könne durch die
Weiterführung der ambulanten
Therapie verbessert werden.
3.2
Zur Glaubhaftmachung der Verschlechterung des Gesundheitszustandes beruft sich die Beschwerdeführe
rin auf die Berichte von
Dr.
A._
vom 1
0.
November 2016
und
1
6.
Februar
2017
.
Im Bericht vom 1
0.
November 201
6
(
Urk.
7/37) diagnostizierte
Dr.
A._
eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) bei Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörun
g (perfektionistisch, zwanghaft;
ICD-10: F60.5). In der angestammten Tätigkeit sei die Versicherte zu 80
%
arbeitsunfähig. Es bestehe nur eine langsame
B
esserung des Krankheitsbildes trotz adäquater
Therapie und guter Mitarbeit der
Versicherten
.
Nach der Stabili
sierung
des
Gesundheitszustandes sei ihr die angestammte Tätigkeit voraussichtlich
wieder
zumutbar.
Der behandelnde Psychiater
Dr.
A._
gab in seinem Bericht vom 1
6.
Februar 2017
-
ohne
die
Aufführung von Diagnosen
-
an, die Versicherte sei zu 80
%
arbeitsunfähig.
Unter dem Titel «
Psychostatus
» führ
t
e er stichwortartig Folgendes aus: depressive Grundstimmung, A
dynamie, Schlaf-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
,
nicht belastbar,
unauffälliges
Denken,
sozialer
Rückzug und Isolation sowie fehlende Motivation, die notwendi
gen Schritte zu unter
nehmen, um
sich beruflich wieder
etablieren zu können
.
Weiter gab der Arzt an, w
ährend Anfang
2016 noch
habe
davon ausgegangen werden können, dass die kognitiven Einschränkungen der Versicherten und ihre depressive Symptomatik im Wesentlichen auf eine depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung zurückzuführen und somit passager sei
en
, müsse heute davon ausgegangen werden, es
handle
sich um ein nicht passageres Krankheits
geschehen
.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin bringt vor, in der ursprünglichen Verfügung vom
5.
April 2016 sei das Vorliegen eines Gesundheitsschadens bestätigt worden. Grund für die Verneinung des Rentenanspruchs sei die Annahme gewesen, der Gesundheitsschaden werde nicht über längere Zeit andauern. Im vorliegenden Neuanmeldungsverfahren sei daher nicht eine Verschlechterung des Gesundheits
schadens glaubhaft zu machen, es genüge, dass der Gesundheitsschaden weiter
hin bestehe (
Urk.
1
Ziff.
8-10).
4.2
Die Verfügung vom
5.
April 2016 erging unter der Herrschaft der damals gültig gewesenen Rechtsprechung des Bundesgerichts, bei leichten bis mittelschweren Störungen aus dem depressiven Formenkreis sei aufgrund der guten Therapier
barkeit anzunehmen, dass sie keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkten. Mithin fehle es leichten bis mittelschweren depressiven Erkrankungen, solange sie therapeutisch
angehbar
seien, an einem hinreichenden Schweregrad, um als invalidisierend zu gelten. Eine andere Beurteilung rechtfertige sich erst, wenn trotz adäquater Behandlung eine Therapieresistenz ausgewiesen sei (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_30/2017 vom 1
0.
Juli 2017 mit Hinweis).
Diese Rechtsprechung hat das Bundesgericht mit den Urteilen BGE 143 V 409 und 143 V 418 am 3
0.
November 2017 aufgegeben. Für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit sind neu auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren (BGE 141 V 281) beachtlich, die es erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen. Diese Recht
sprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 1
6.
Januar 2018 mit Hinweisen).
4.3
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts bildet eine geänderte Gerichts- oder Verwaltungspraxis im Prinzip keinen Anlass, in eine laufende, auf einem formell rechtskräftigen Entscheid beruhende Dauerleistung einzugreifen. Sie kann aber ausnahmsweise zur Abänderung eines rechtskräftigen Verwaltungsentscheides (mit Wirkung für die Zukunft) führen, wenn die neue Praxis in einem solchen Masse allgemeine Verbreitung erfährt, dass ihre Nichtbefolgung als Verstoss gegen das Gleichheitsgebot erschiene, insbesondere wenn die alte Praxis nur in Bezug auf eine einzige versicherte Person oder eine geringe Zahl von Versicherten beibehalten würde. Ein solches Vorgehen drängt sich namentlich dann auf, wenn das Festhalten am ursprünglichen Entscheid aus Sicht der neuen Rechtspraxis schlechterdings nicht mehr vertretbar ist und diese eine so allgemeine Verbrei
tung findet, dass ihre Nichtbeachtung in einem einzelnen Fall als dessen stos
sende Privilegierung (oder Diskriminierung) und als Verletzung des Gleichbe
handlungsgebots erscheint (BGE 135 V 201 E. 6.1.1).
Die Rechtsprechung durchbricht den Grundsatz, wonach eine Praxisänderung keine Änderung formell rechtskräftiger Entscheide über eine Dauerleistung recht
fertigt, kaum je in Bezug auf Anpassungen zu Ungunsten der Versicherten. Zu Gunsten der Versicherten liess das Bundesgericht demgegenüber in einzelnen Fällen eine Anpassung unter weniger strengen Voraussetzungen zu. Letztlich hat eine wertende Abwägung der betroffenen Interessen zu erfolgen (BGE 141 V 585 E. 5.2, 135 V 201 E. 6.1.
2.
je mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2017 vom 22. Dezember 2017 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Diese Rechtsprechung, die sich auf rechtskräftig verfügte Dauerleistungen bezieht muss in gleicher Weise Gültigkeit haben, wenn eine Dauerleistung rechtskräftig verneint wurde und nur die geänderte Rechtsprechung als anspruchsrelevante Änderung im Sinne von
Art.
87
Abs.
2 IVV geltend gemacht werden kann.
4.4
Die Rechtsprechung des Bundesgerichts, dass leichte bis mittelschwere depressive Störungen aufgrund ihrer guten Therapierbarkeit keinen Rentenanspruch zu begründen vermögen, dauerte etwa von Mitte 2013 bis zum 3
0.
November 2017,
mithin knapp viereinhalb Jahre (vgl. die Hinweise in BGE 143 V 409 E. 4.1 und im Urteil des Bundesgerichts 9C_667/2013 vom 2
9.
April 2014). Vor diesem Zeit
punkt konnten auch depressive Leiden mittlerer Ausprägung zu einer – allenfalls befristeten – Invalidenrente führen, wenn sie eine ausreichende Arbeitsunfähig
keit zur Folge hatten. In BGE 127 V 294 E. 4c hatte das Bundesgericht ausdrück
lich festgehalten, dass die Therapierbarkeit eines Leidens dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität nicht absolut entgegensteht. Diese Rechtspre
chung nahm es mit BGE 143 V 409 wieder auf und erklärte, sie habe weiterhin Bestand (BGE 143 V 409 E. 4.2.1).
Damit ist nur eine kleine Gruppe von Personen von der zwischenzeitlich gültig gewesenen Rechtsprechung betroffen, nämlich jene Personen, die an einer Depression litten und deren Rentenanspruch in der Zeit von Mitte 2013 bis Ende November 2017 geprüft und rechtskräftig verneint wurde. Sie haben keine Mög
lichkeit, ihren Rentenanspruch unter der neuen Rechtsprechung nochmals über
prüfen zu lassen, wenn sie nicht einen zusätzlichen Gesundheitsschaden oder eine ausgewiesene Therapieresistenz dartun können. Demgegenüber wird der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung von all jenen Personen, deren Verfahren Ende 2017 noch nicht erledigt war, nach der neuen Rechtspre
chung überprüft. Hinzu kommt, dass die zwischenzeitliche Rechtsprechung sich nur auf ein einziges psychisches Leiden, eben die depressiven Störungen bezog, während durchaus weitere, auch somatische Gesundheitsstörungen denkbar sind, die mit einer adäquaten Behandlung gut heilbar sind oder wenigstens gebessert werden können. Insofern kann von einer Diskriminierung der betroffenen Perso
nen gesprochen werden. Sodann wirkt sich die neue Rechtsprechung zweifellos zu Gunsten jener Versicherten aus, die wegen einer depressiven Störung Invali
denversicherungsleistungen beantragen.
Damit sind die Voraussetzungen für die Anwendung der mit BGE 143 V 409 und 143 V 418 geänderten Rechtsprechung auf alle im Zeitpunkt der Rechtspre
chungsänderung noch nicht rechtskräftig erledigten Neuanmeldungsfälle in dem Sinne zu bejahen, dass die neue Rechtsprechung als Änderung der massgeblichen Verhältnisse zu gelten hat, die eine Neuüberprüfung des Leistungsanspruchs zu rechtfertigen vermag.
5.
Die angefochtene
Nichteintretensverfügung
datiert vom 1
7.
Mai 2017 und war am 3
0.
November 2017 noch nicht in Rechtskraft erwachsen. Damit sind die Voraussetzungen für die Anwendbarkeit der neuen Rechtsprechung gemäss BGE 143
V 409 und 143 V 418 erfüllt. Die Sache ist an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin eintrete und ihren Leis
tungsanspruch aufgrund des strukturieren Beweisverfahrens gemäss BGE 141 V 281 prüfe und hernach darüber befinde. In diesem Sinne ist die Beschwerde gut
zuheissen.
6
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1'000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
700
.-- anzusetzen. Ent
sprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwer
de
gegnerin
aufzuerlegen.
Das
Gesuch
der Versicherten
vom 1
4.
Juni 2017
um Gewährung der unentge
lt
lichen Prozessführung (
Urk.
1)
wird damit gegenstandslos
.
Das Gericht
erkennt
:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 1
7.
Mai 2017 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese auf die Neuanmeldung vom 1
8.
Januar 2017 eintrete und den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin im Sinne der Erwägungen prüfe und darüber neu verfüge
.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
700
.-- werden der Beschwerde
gegnerin
auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X._
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.