Decision ID: 6cf2a7d9-b508-5aa8-8578-fd30c98e246f
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ (im Folgenden: Versicherter oder Beschwerdeführer) wurde am
(...) 1969 geboren. Von Oktober 2009 an war er für verschiedene Firmen
als Bauarbeiter in der Schweiz tätig und entrichtete Beiträge an die schwei-
zerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung. In Deutsch-
land wies er zudem 42 versicherte Monate aus (Vorakten [nachfolgend IV-
act. 48, 83/2]). Am 1. Juni 2010 stürzte er bei der Arbeit aus einer Höhe
von 7 bis 8 Metern und erlitt ein Polytrauma mit einer Fraktur des Nasen-
beins, des Jochbeins sowie der linken Hand, einer Halswirbelsäulendistor-
sion, Myogelosen, Rissquetschwunden und einer Einblutung im Gehirn
(Akten der Suva [nachfolgend: Suva-act.] 1/310 ff., 1/279 ff., 1/226 ff., 1/220
f.).
B.
B.a Am 14. Juni 2010 machte der Arbeitgeber des Versicherten eine Scha-
denmeldung bei der Suva B._ (Suva-act. 1/310). Die Suva holte
diverse ärztliche Berichte ein, darunter insbesondere einen neuropsycho-
logischen Bericht von C._ (Psychologin), Dr. D._ (Fachpsy-
chologe für Neuropsychologie) vom 6. August 2010 (Suva-act. 1/226 ff.),
einen neurologischen Bericht von Dr. E._ (Spezialarzt für Neurolo-
gie) (Suva-act. 1/218 f.), einen Austrittsbericht vom 27. April 2011 über ei-
nen Aufenthalt in der Rehaklinik F._ vom 24. Januar bis 27. April
2011 (Suva-act. 1/69 ff.), einen Abschlussbericht betreffend eine stationäre
Belastungserprobung von Dr. G._(ärztlicher Direktor),
Dr. H._ (Internistin, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative
Medizin) und I._ (Reha-Berater und Bildungsbegleiter) der Univer-
sitäts- und Rehabilitationskliniken J._ (Suva-act. 1/8 ff.), sowie neu-
ropsychologische, neurologische und psychiatrische Berichte der Rehakli-
nik F._ vom 9. und 11. November 2011 (Suva-act. 2/256 ff., 2/253
ff.), vom 8. und 14. August 2012 (Suva-act. 2/17 ff., 2/29 ff.) und vom 7. De-
zember 2012 (Suva-act. 2/42 ff., 2/68 ff.). Die medizinischen Akten liess sie
am 21. Mai 2013, 7. Juni 2013 und 5. August 2013 kreisärztlich beurteilen
(Suva-act. 4/231, 4/215 ff., 4/199 f.). Daraufhin holte die Suva weitere neu-
ropsychologische, neurologische und psychiatrische Berichte sowie eine
interdisziplinäre Zusammenfassung der Rehaklinik F._ vom 14. Mai
2014 (Suva-act. 4/72 ff.) und 11. Juli 2014 (Suva-act. 4/72 ff., 4/45 ff.) ein.
B.b Rückwirkend ab dem 4. Juni 2010 und bis zum 31. Oktober 2014 wur-
den dem Versicherten seitens der Suva Taggeldleistungen ausgerichtet
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(Suva-act. 1/268, 1/259, 1/214, 1/193, 1/184, 1/172, 1/169, 1/151, 1/124,
1/50, 1/25, 2/337, 2/324, 2/307, 2/287, 2/247, 2/199, 2/117, 2/103, 2/92,
2/84, 2/16, 2/5, 4/258, 4/253, 4/240, 4/227, 4/214, 4/203, 4/197, 4/195,
4/189, 4/187, 4/185, 4/181, 4/174, 4/152, 4/142, 4/101, 4/96, 4/70, 4/68,
4/42).
B.c Mit Verfügung vom 24. Oktober 2014 (Suva-act. 4/39 f.) stellte die Suva
fest, es lägen keine behandlungsbedürftigen Unfallfolgen mehr vor. Die
jetzt noch geklagten Beschwerden würden in keinem ursächlichen Zusam-
menhang mit dem Unfall vom 1. Juni 2010 stehen. Daher würden die Ver-
sicherungsleistungen per 31. Oktober 2014 eingestellt. Die dagegen erho-
bene Einsprache vom 27. November 2014 (Suva-act. 4/27 ff.) wies die
Suva mit Einspracheentscheid vom 17. Juli 2015 ab (Suva-act. 410). Die
durch den Versicherten beim Kantonsgericht des Kantons K._ an-
hängig gemachte Beschwerde vom 14. September 2015 gegen den Ein-
spracheentscheid (Suva-act. 412) wurde mit Urteil vom 8. Juni 2016 abge-
wiesen (Suva-act. 420).
C.
C.a Am 19. August 2010 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle des
Kantons K._ (nachfolgend: IV-Stelle) zum Bezug von Massnahmen
für die berufliche Eingliederung und einer Rente an (IV-act. 2). Zur Beurtei-
lung des Gesuchs holte die IV-Stelle einen Bericht von Dr. L._
(Facharzt für Allgemeinmedizin) vom 4. Oktober 2010 (IV-act. 13) sowie
einen durch den letzten Arbeitgeber M._ AG ausgefüllten Arbeitge-
berfragebogen (IV-act. 8) ein und zog die Suva-Akten bei.
C.b Im Laufe des Jahres 2011 verlegte der Versicherte seinen Wohnsitz
nach Deutschland, woraufhin die kantonale IV-Stelle das Dossier mit
Schreiben vom 24. Februar 2012 zuständigkeitshalber an die IVSTA über-
wies (IV-act. 31, 34, 42). Im Verlauf des Verfahrens reichte der Beschwer-
deführer einen Bescheid des Landratsamts Landkreis N._ vom
18. März 2013 ein, mit dem ein Grad der Behinderung von 40 ab dem
1. Juni 2010 festgestellt wurde (IV-act. 61).
C.c Mit Stellungnahme vom 22. März 2013 (IV-act. 59) äusserte sich der
medizinische Dienst der IVSTA zu den medizinischen Akten.
C.d Mit Vorbescheid vom 1. Juli 2013 teilte die IVSTA dem Versicherten
mit, es bestehe zufolge angemessener Eingliederung kein Anspruch auf
berufliche Massnahmen (IV-act. 76/3 f.). Gleichentags erliess sie einen
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Vorbescheid betreffend Rentenanspruch, in dem sie feststellte, ab dem
1. Juni 2011 bestehe ein Anspruch auf eine ganze Rente, wohingegen ab
dem 1. April 2013 bei einer Erwerbseinbusse von 20% kein Anspruch mehr
auf eine Rente bestehe (IV-act. 76/5 ff.).
C.e Ihren Vorbescheid betreffend berufliche Massnahmen bestätigte die
IVSTA mit Verfügung vom 1. Oktober 2013 (vgl. IV-act. 75). Die dagegen
erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil C-
6210/2013 vom 8. Dezember 2014 ab, soweit es darauf eintrat.
C.f Gegen den Vorbescheid betreffend den Rentenanspruch erhob der
Versicherte mit Eingabe vom 31. Oktober 2013 Einwand und beantragte,
es sei ihm über den 31. März 2013 hinaus eine Rente auszurichten (IV-act.
81).
C.g Mit dem Vorbescheid entsprechender Verfügung vom 7. April 2015
sprach die IVSTA dem Versicherten vom 1. Juni 2011 bis 31. März 2013
eine ordentliche ganze Rente zu und hielt fest, ab dem 1. April 2013 be-
stehe kein Rentenanspruch mehr (IV-act. 78, 88).
D.
Gegen die Verfügung vom 7. April 2015 liess der Beschwerdeführer am
12. Mai 2015 durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht erheben (act. im Beschwerdeverfahren [nachfolgend:
BVGer-act.] 1). Er beantragt, der vorinstanzliche Entscheid sei teilweise
aufzuheben und die Sache sei zur Ergänzung des medizinischen Sachver-
halts und Neubeurteilung an die IVSTA zurückzuweisen, eventualiter sei
der Entscheid aufzuheben und es sei ihm über den 31. März 2013 hinaus
mindestens eine halbe Rente zuzusprechen. In verfahrensrechtlicher Hin-
sicht ersuchte er um Beizug der Vorakten, der Akten des Beschwerdever-
fahrens C-6210/2013 und aller Fremdakten, insbesondere der Suva-Akten.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 22. Mai 2015 setzte das Bundesverwaltungs-
gericht dem Beschwerdeführer Frist zur Bezahlung eines Kostenvorschus-
ses an, welcher fristgerecht geleistet wurde (BVGer-act. 2, 3).
F.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 23. Juli 2015 unter
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Bezugnahme auf eine Stellungnahme des versicherungsinternen medizini-
schen Diensts vom 13. Juli 2015 (IV-act. 93) die Abweisung der Be-
schwerde (act. 10).
G.
Mit Eingabe vom 4. August 2015 ersuchte der Beschwerdeführer um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung
und reichte das ausgefüllte Formular „Gesuch um unentgeltliche Rechts-
pflege“ samt Belegen ein (BVGer-act. 12).
H.
Der Instruktionsrichter hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und Rechtsverbeiständung mit Zwischenverfügung
vom 2. September 2015 gut und ordnete dem Beschwerdeführer dessen
Rechtsvertreter als gerichtlich bestellten Anwalt bei. Zudem hob er die Zwi-
schenverfügung vom 22. Mai 2015 auf und ordnete die Rückerstattung des
einbezahlten Kostenvorschusses an (BVGer-act. 13).
I.
Mit Verfügung vom 15. Oktober 2016 stellte der Instruktionsrichter fest, der
Beschwerdeführer habe keine Replik eingereicht, und schloss den Schrif-
tenwechsel ab (BVGer-act. 17).
J.
Mit Schreiben vom 21. Juni 2017 ersuchte der Instruktionsrichter die Vor-
instanz um Zustellung der Suva-Akten seit dem 21. April 2015 (BVGer-act.
19). Am 28. Juni 2017 übermittelte der Beschwerdeführer einen Ein-
spracheentscheid der Suva betreffend Unfallversicherungsleistungen vom
17. Juli 2015, Beschwerdeakten des Kantonsgerichts K._ und ein
Urteil des Kantonsgerichts K._ vom 8. Juni 2016 (BVGer-act. 20).
Mit Schreiben vom 5. Juli 2017 übermittelte die IVSTA die eingeforderten
Akten (BVGer-act. 21; Suva-act. 404-427).
K.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird,
soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Zu den an-
fechtbaren Verfügungen gehören jene der IVSTA, welche eine Vorinstanz
des Bundesverwaltungsgerichts darstellt (Art. 33 Bst. d VGG; vgl. auch
Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die In-
validenversicherung [IVG, SR 831.20]).
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
Gestützt auf Art. 3 Bst. dbis VwVG findet dieses Gesetz in Sozialversiche-
rungssachen jedoch keine Anwendung, soweit das Bundesgesetz vom
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) anwendbar ist, was gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG für die
Invalidenversicherung (Art. 1a-26bis und 28-70) zutrifft, soweit das IVG
nicht ausdrücklich davon abweicht.
1.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (vgl. Art. 60
ATSG und Art. 50 Abs. 1 sowie 52 Abs. 1 VwVG). Als Adressat der ange-
fochtenen Verfügung ist der Beschwerdeführer berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (vgl. Art. 59
ATSG). Damit ergibt sich, dass sämtliche Prozessvoraussetzungen erfüllt
sind, womit auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger und mit Wohn-
sitz in Deutschland, weshalb das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Ab-
kommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihrer Mitglieds-
staaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA, SR 0.142.112.681) sowie
die gemäss Anhang II des FZA anwendbaren Verordnungen (EG) des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates Nr. 883/2004 vom 29. April 2004
sowie Nr. 987/2009 vom 16. September 2009, anwendbar sind. Gemäss
Art. 8 Bst. a FZA werden die Systeme der sozialen Sicherheit koordiniert,
um insbesondere die Gleichbehandlung aller Angehörigen der Vertrags-
staaten zu gewährleisten. Soweit – wie vorliegend – weder das FZA und
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die gestützt darauf anwendbaren gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte ab-
weichende Bestimmungen vorsehen noch allgemeine Rechtsgrundsätze
dagegen sprechen, richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens und die
Prüfung des Rentenanspruchs alleine nach der schweizerischen Rechts-
ordnung (vgl. BGE 130 V 257 E. 2.4; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
C-3985/2012 vom 25. Februar 2013 E. 2.1).
2.2 In zeitlicher Hinsicht sind – besondere übergangsrechtliche Regelun-
gen vorbehalten – jene materiellen Rechtssätze massgeblich, die bei der
Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben
(vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Der Leistungsanspruch ist für die Zeit vor
einem Rechtswechsel aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt
nach den neuen Normen zu beurteilen (vgl. BGE 130 V 445). Vorliegend
sind das IVG, die IVV (SR 831.201) und das ATSG gemäss der 5. IV-Revi-
sion (in Kraft seit 1. Januar 2008; AS 2007 5129) und der IV-Revision 6a
(in Kraft seit 1. Januar 2012; AS 2011 5659) zu beachten. Die 5. IV-Revi-
sion brachte für die Invaliditätsbemessung keine substanziellen Änderun-
gen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage, so dass
die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin mas-
sgebend ist (vgl. Urteil des BVGer C-2656/2015 vom 24. Februar 2016 E.
3.4 m.H.).
2.3 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung (hier: 7. April
2015) eingetretenen Sachverhalt ab. Tatsachen, die jenen Sachverhalt
seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Ver-
fügung sein (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1 sowie BGE 121 V 362 E. 1b je
m.H.).
3.
3.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft im vorliegenden Verfahren die
Verletzung von Bundesrecht einschliesslich der Überschreitung oder des
Missbrauchs des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit
(Art. 49 VwVG).
3.2
3.2.1 Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet
die Verfügung vom 7. April 2015, mit welcher die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer beschränkt auf den Zeitraum vom 1. Juni 2011 bis 31. März
http://links.weblaw.ch/BGE-132-V-215 http://links.weblaw.ch/BGE-132-V-215 http://links.weblaw.ch/BGE-121-V-362
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Seite 8
2013 eine ganze Rente zusprach und einen darüber hinausgehenden An-
spruch verneinte.
3.2.2 Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente
zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen ange-
fochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechts-
mittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen
Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413
E. 2d mit Hinweisen, seither mehrfach bestätigt). Die gerichtliche Prüfung
hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise ge-
regelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhe-
bung der Rente zu erfassen (statt vieler: Urteil des EVG I 526/06 vom
31. Oktober 2006 E. 2.3).
Zwischen den Parteien strittig ist insbesondere, ob ein über den 31. März
2013 hinausgehender Rentenanspruch besteht und der diesbezügliche
Sachverhalt hinreichend abgeklärt ist. Zu prüfen ist jedoch auch die Recht-
mässigkeit der Zusprache einer Rente ab Juni 2011.
4.
Im Folgenden werden die für die Beurteilung der Streitsache massgeben-
den Bestimmungen des Invalidenversicherungsrechts und die von der
Rechtsprechung dazu entwickelten Grundsätze dargelegt.
4.1 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG) und
beim Eintritt der Invalidität während der gesetzlich vorgesehenen Dauer –
das heisst während mindestens drei Jahren (Art. 36 Abs. 1 IVG) – Beiträge
an die AHV/IV geleistet hat. Diese Bedingungen müssen kumulativ gege-
ben sein; fehlt eine Voraussetzung, so entsteht kein Rentenanspruch,
selbst wenn die andere erfüllt ist. Falls die Mindestbeitragsdauer mit
schweizerischen Versicherungszeiten nicht erfüllt ist, müssen bei Schwei-
zern und Angehörigen von EU/EFTA-Staaten Beitragszeiten mitberück-
sichtigt werden, die in einem EU/EFTA-Staat zurückgelegt worden sind.
Beträgt allerdings die Beitragszeit in der Schweiz weniger als ein Jahr, so
besteht kein Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente (ULRICH
MEYER/MARCO REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
IVG, 3. Aufl. 2014, Art. 36 N. 4; vgl. auch Rz. 3005 des Kreisschreibens
über das Verfahren zur Leistungsfestsetzung in der AHV/IV [KSBIL], gültig
ab 4. April 2016, Stand: 4. April 2016).
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Seite 9
4.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente.
Nach Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten, die einem Invaliditätsgrad von
weniger als 50% entsprechen, nur an Versicherte ausgerichtet, die ihren
Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz ha-
ben. In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind Viertelsrenten je-
doch entgegen Art. 29 Abs. 4 IVG exportierbar (BGE 130 V 253 E. 2.3 und
3.1).
4.3 Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren,
nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die er-
forderlichen Auskünfte ein. Das Gesetz weist dem Durchführungsorgan die
Aufgabe zu, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersuchungs-
grundsatz abzuklären, sodass gestützt darauf die Verfügung über die in
Frage stehende Leistung ergehen kann (Art. 49 ATSG; SUSANNE LEUZIN-
GER-NAEF, Die Auswahl der medizinischen Sachverständigen im Sozialver-
sicherungsverfahren [Art. 44 ATSG], in: Riemer-Kafka/Rumo-Jungo
[Hrsg.], Soziale Sicherheit – Soziale Unsicherheit, T._ 2010, S. 413
f.). Auf dem Gebiet der Invalidenversicherung obliegen diese Pflichten der
(zuständigen) IV-Stelle (Art. 54 - 56 in Verbindung mit Art. 57 Abs. 1 lit. c-g
IVG).
4.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
4.4.1 Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu
beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung
unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erhe-
ben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sach-
verständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Ge-
richt nicht kompetent sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen ge-
sundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arzt-
person hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Viel-
mehr nimmt sie zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine Schät-
zung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet.
Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die
C-3054/2015
Seite 10
juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person
noch zugemutet werden (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195 f. m. H.).
4.4.2 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob
dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün-
det sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a). Ausschlaggebend für
den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft des Beweismit-
tels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
medizinischen Beurteilung als Bericht, Gutachten oder Stellungnahme (vgl.
BGE 125 V 351 E. 3.a; 122 V 157 E. 1c).
4.4.3 Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen. So weicht der Richter bei Gutachten nach der Praxis nicht
ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Exper-
ten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Verwaltung und
der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sach-
verhalt medizinisch zu erfassen. Eine abweichende Beurteilung kann etwa
gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer
Fachexperten dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit
des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass er die Überprüfung
durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass er ohne Oberex-
pertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolge-
rungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b S. 352 f. m.w.H.). Auch den Berichten
und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern
sie schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet und in sich wider-
spruchsfrei sind, und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen
(BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 353 f.).
4.4.4 Die regionalen ärztlichen Dienste stehen den IV-Stellen zur Beurtei-
lung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Ver-
fügung. Sie setzen dabei insbesondere die für die Invalidenversicherung
nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versi-
cherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben-
bereich auszuüben (Art. 59 Abs. 2bis IVG und Art. 49 Abs. 1 Satz 1 IVV).
C-3054/2015
Seite 11
4.5 Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Dieser Grad übersteigt einerseits die
Annahme einer blossen Möglichkeit bzw. einer Hypothese und liegt ande-
rerseits unter demjenigen der strikten Annahme der zu beweisenden Tat-
sache. Die Wahrscheinlichkeit ist insoweit überwiegend, als der begründe-
ten Überzeugung keine konkreten Einwände entgegenstehen (UELI KIE-
SER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 43 Rz. 50; THOMAS LOCHER,
Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70, Rz. 58 ff.).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer war zwischen 2009 und 2010 während 15 Mo-
naten in der Schweiz erwerbstätig und war zuvor in Deutschland während
42 Monaten versichert (IV-act. 48, 83/2, 85). Damit erfüllt er die Mindest-
beitragsdauer für den Anspruch auf eine Invalidenrente gemäss Art. 36
Abs. 1 IVG.
5.2 Die Vorinstanz sprach dem Beschwerdeführer mit der angefochtenen
Verfügung rückwirkend vom 1. Juni 2011 bis 31. März 2013 eine ordentli-
che ganze Rente zu.
5.2.1 Eine Verfügung über eine befristete Invalidenrente umfasst einerseits
die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder
Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (Art. 17 Abs.
1 ATSG; BGE 113 V 273 E. 1a S. 275 mit Hinweisen) vorliegen. Gegen-
stand der angefochtenen Verfügung bildet damit die befristete Zuspre-
chung der ganzen Rente, sowie deren anschliessende, nach den Grund-
sätzen der Rentenrevision vorgenommene Aufhebung (BGE 133 V 263 E.
6.1; BGE 131 V 16 E. 2.2 S. 165 m.H.).
5.2.2 Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat-
sächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist
die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes re-
vidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheits-
zustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbe-
reich von Bedeutung; dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
aufgrund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umstän-
den auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invali-
dität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs
eingetreten ist (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Hingegen ist die
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=soz&query_words=BGE+129+V+222+%2Bbefristete+%2BRente&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F113-V-273%3Ade&number_of_ranks=0#page273
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lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich geblie-
benen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
5.2.3 Die Frage, ob im Prüfungszeitraum eine für den Rentenanspruch er-
hebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die
Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, bestimmt sich durch
Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjeni-
gen zur Zeit der Aufhebung respektive Herabsetzung der Rente nach
Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a IVV (vgl. BGE 121 V 264 E.
6b/dd, BGE 125 V 413 E. 2d in fine).
5.2.4 Die massgebenden Vergleichszeitpunkte sind folglich der 1. Juni
2011 (Rentenbeginn) sowie der 31. März 2013 (Rentenaufhebung). Die IV-
STA berechnete bei Ablauf der einjährigen Wartezeit einen Invaliditätsgrad
von 100% (IV-act. 62). Die gleichzeitig verfügte Rentenaufhebung stützte
sie auf die Dreimonatsfrist von Art. 88a IVV, da sie ab dem 7. Dezember
2012 von einer massgeblichen Verbesserung des Gesundheitszustands
und der Erwerbsfähigkeit ausging. Für die Zeit ab dem 7. Dezember 2012
ging sie von einem Invaliditätsgrad von 20% aus (IV-act. 62).
6.
Nachfolgend werden zunächst die massgeblichen medizinischen Akten zu-
sammengefasst und chronologisch dargestellt.
6.1 Für die Zeit vor dem Unfall vom 1. Juni 2010 sind keine unfall- oder
krankheitsbedingten Einschränkungen bekannt. In einer Situationsanalyse
der Suva vom 27. September 2010 wird lediglich festgehalten, dass der
Beschwerdeführer früher in Deutschland eine Handverletzung am linken
Daumen erlitten habe, die vollständig verheilt sei (Suva-act. 1/167).
6.2 Im Zeitpunkt des Rentenbeginns (1. Juni 2011) waren die folgenden
medizinischen Akten massgeblich:
6.2.1 Am 1. Juni 2010 stellten O._, Dr. P._ und Dr.
Q._ des Spitalzentrums R._, Standort S._ die Diag-
nosen atlanto-axiale Subluxation 45° Rotationsfehler, Infraktion linke Stirn-
und Kieferhöhle und komplexe Nasenbeinfraktur, Infraktion Caput humeri
links, ohne Dislokation und verlegten den Beschwerdeführer zur weiteren
Therapie ins (...)spital T._ (Suva-act. 1/302). Dort wurden von
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Dr. U._ (Assistenzarzt Universitätsklinik für Plastische und Hand-
chirurgie) am 2. Juni 2010 eine dislozierte extraartikuläre MC-II Spiralfrak-
tur links, St. n. Reposition Nasenbeinfraktur, eine undislozierte Jochbein-
fraktur und eine HWS Distorsion festgestellt (Suva-act. 1/316). Gleichen-
tags berichteten Dr. U._ und Dr. V._ (Co-Klinikdirektorin)
über eine operative offene Reposition und dorsale Plattenosteosynthese.
In der abschliessenden Kontrolle zeigte sich eine anatomisch reponierte
Fraktur (Suva-act. 1/274 f.). Der Beschwerdeführer blieb vom 2. bis 9. Juni
2010 im (...)spital hospitalisiert. Mit Austrittsbericht vom 8. Juni 2010 be-
richteten Dr. W._ (Assistenzarzt) und Dr. V._, der peri- und
postoperative Verlauf habe sich seitens der Wundheilung problemlos ge-
staltet. Auffallend sei eine allgemeine Schwäche des Patienten gewesen
(Suva-act. 1/276). Am 30. Juli 2010 hielt Dr. X._, Rehaklinik
F._, in einem handchirurgischen Konsilium fest, die klinische Unter-
suchung und die Röntgendokumentation zeigten betreffend die Fraktur am
linken Zeigefinger einen regelrechten und zeitgerechten postoperativen
Verlauf (Suva-act. 1/224 f.). Eine am 30. August 2010 aufgetretene Unbe-
weglichkeit des Daumenendgelenks der linken Hand war am 31. August
2010 bereits wieder remittiert. Das Röntgenbild ergab einen möglichen St.
n. ossärer Avulsionsfraktur des Kapselbandapparates auf Höhe des IPGe-
lenks mit beginnender degenerativer Veränderung bei ansonsten regel-
rechten Gelenkskonturen und fehlenden Anhaltspunkten für eine Fraktur
(vgl. Bericht von Dr. X._, Rehaklinik F._, vom 3. September
2010, Suva-act. 1/222 f.).
6.2.2 Mit einem ärztlichen Zwischenbericht vom 29. Juni 2010 zu Handen
der Suva hielt Dr. L._ (Facharzt für Allgemeinmedizin) fest, der Zu-
stand des Beschwerdeführers habe sich seit Spitalaustritt gebessert, aber
seit 14 Tagen herrsche Stillstand. Es bestehe eine posttraumatische Be-
lastungssituation mit funktionellen Beschwerden sowie diversen Schmer-
zen. Es sei ein Rehabilitationsaufenthalt zu organisieren (Suva-act. 1/301).
6.2.3 Dr. Y._ (leitender Arzt) und med. pract. Z._ (Assistenz-
arzt) des Kantonsspitals Aa._ (Institut für Radiologie) berichteten
am 29. Juli 2010 über ein MRI des Schädels am Vortag. Sie stellten bei im
Übrigen unauffälligem Befund eine kleine umschriebene Parenchymblu-
tung im Gyrus orbitalis auf der rechten Seite mit einer Ausdehnung in ap-
Richtung von etwa 10mm fest. Es gebe keine Hinweise auf intrazerebrale
Schwerverletzungen und es eine intrazerebrale Raumforderung sei nicht
nachgewiesen (Suva-act. 1/220 f.).
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6.2.4 Vom 20. Juli bis 8. September 2010 hielt sich der Beschwerdeführer
stationär in der Rehaklinik F._ auf.
6.2.4.1 Mit neuropsychologischem Bericht vom 6. August 2010 (Suva-act.
1/226 ff.) stellten lic. phil. C._ (Psychologin) und Dr. D._
(Fachpsychologe für Neuropsychologie) die Diagnose einer leichten bis
mittelschweren neuropsychologische Störung mit Einschränkungen der
Aufmerksamkeitsfunktionen (visuelle Aufmerksamkeitsausrichtung, Dauer-
aufmerksamkeit) und der Gedächtnisleistungen (visuell-räumliche Merkfä-
higkeit, kurz- und langfristige visuell-räumliche Behaltensleistungen) im
Rahmen eines postkontusionellen Syndroms (ICD-10: F07.2). Dazu führ-
ten sie aus, der Patient sei affektiv in positiver Stimmung mit guter Schwin-
gungsfähigkeit. Er habe berichtet, in den letzten Tagen etwas erschöpft ge-
wesen zu sein von den vielen Therapien. Im sozialen Kontakt sei er freund-
lich, interessiert und differenziert gewesen. Er habe das Unfallgeschehen
und seine aktuellen Beschwerden verständlich und adäquat schildern kön-
nen. In der Untersuchungssituation hätten sich keine Verhaltensauffällig-
keiten gezeigt. Die Belastbarkeit habe in der zweieinhalbstündigen Unter-
suchung nicht reduziert gewirkt. In der zusammenfassenden Beurteilung
äusserten die Mediziner, es hätten sich Einschränkungen der Dauerauf-
merksamkeit, der visuell-räumlichen Merkfähigkeit sowie der kurz- und mit-
telfristigen visuell-räumlichen Behaltensleistungen gezeigt. Die weiteren
getesteten Aufmerksamkeitsleistungen, die Exekutivfunktionen sowie die
visuokonstruktiven Fähigkeiten seien unauffällig gewesen. Im Vordergrund
würden die Beeinträchtigungen bei den visuell-räumlichen Gedächtnisleis-
tungen sowie bei den längerfristigen Aufmerksamkeitsanforderungen ste-
hen. Die Befunde seien mit einer rechtshemisphärischen frontalen Hirnver-
letzung gut vereinbar. Die Beeinträchtigungen bei der visuellen Aufmerk-
samkeitsausrichtung seien in einer wiederholten Überprüfung der Testauf-
gabe nicht mehr messbar gewesen. Hinweise auf eine Persönlichkeitsver-
änderung hätten sich keine ergeben. Der Symptomvalidierungstest habe
keine Hinweise auf eine bewusstseinsferne Verdeutlichung oder bewusst-
seinsnahe Aggravation der Beschwerden ergeben (Suva-act. 1/229 f.). Die
Funktionsfähigkeit wurde als bei Tätigkeiten mit höheren kognitiven Anfor-
derungen momentan deutlich eingeschränkt eingestuft. Schliesslich wurde
empfohlen, aufgrund des Läsionsortes im Gyrus orbitalis rechts allfällige
auftretende Verhaltensauffälligkeiten im Sinne einer Persönlichkeitsverän-
derung zu beobachten und bei Bedarf eine Fremdanamnese einzuholen
(Suva-act. 1/230).
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Seite 15
6.2.4.2 In seinem neurologischen Bericht vom 11. August 2010 (Suva-act.
1/218 f.) hielt Dr. E._ (Spezialarzt für Neurologie) insbesondere fest,
die vom Patienten angegebenen passageren kognitiven Veränderungen in
den letzten Tagen seien nicht auf eine organische Basis zurückführen. Un-
terdessen habe sich die Merkfähigkeit auch wieder vollständig normalisiert.
Im Rahmen des Unfalls habe sich keine leichte traumatische Hirnverlet-
zung ereignet, die Kriterien dazu seien nicht erfüllt. Die kleine Einblutung
im Gyrus orbitalis rechts sei klinisch nicht relevant und habe keine thera-
peutische Konsequenz. Sie werde sich spontan resorbieren.
6.2.4.3 Mit Austrittsbericht von Dr. Bb._ (Assistenzarzt Rehaklinik
F._) und Dr. Cc._ (Facharzt physikalische Medizin und Re-
habilitation) vom 8. September 2010 (Suva-act. 1/232 ff.) wurden folgende
Diagnosen gestellt:
1. Traumatische Hirnverletzung
- 28.7.2010 MRI Kopf mit Hämosiderinsequenzen: Kleine Einblutung
im Gyrus orbitalis rechts mit Ausdehnung ca. 10mm in ap-Richtung
- 4.8.2010 Neuropsychologische Abklärung: Leichte bis mittelschwere
neuropsychologische Störung
- 10.8.2010 Neurologisches Konsil Dr. E._: keine neurologi-
schen Auffälligkeiten
- 16.8.2010 Konsultation Prof. Dd._, leitender Neurologe RK
F._: St. n. traumatischer Hirnverletzung mit konsequtiver neu-
ropsychologischer Störung
2. Komplexe Nasenbeinfraktur, undislozierte Jochbeinfraktur, Infraktion linke
Stirn und Kieferhöhle
- 1.6.2010 Nasenbeinreposition und RQW-Versorgung
3. HWS-Distorsion QTF IV mit atlanto-axialer Subluxation, 45° Rotationsfeh-
ler
4. Infraktion Caput humeri links ohne Dislokation
5. Dislozierte extraartikuläre Metacarpale II-Spiralfraktur links
- 2.6.2010 Offene Reposition und dorsale Plattenosteosynthese
- 21.7.2010 Röntgen: normaler Heilungsverlauf, keine Lockerungs-
zeichen
- 27.7.2010 Handchirurgisches Konsil: sukzessive Belastungsstei-
gerung bis zur Vollbelastung. Kraftaufbau und Quengelung zur
Faustschlussverbesserung empfohlen.
6. Initial eingeschränkte Daumereflexion links
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- 26.8.2010 Röntgen Daumen: Möglicher knöchernder Defekt bei
Daumenstrecksehne
- 31.8.2010 Handchirurgisches Konsil: Spontane Remission der
Beschwerden, Daumenbeweglichkeit wieder problemlos und na-
hezu beschwerdefrei
7. Fremdkörper im Unterlid mit Abszess rechts
- 17.8.2010 ophthalmologisches Konsil, Dr. Ee._,
Aa._: Abzessinzision und Entfernung eines Holzpartikels.
Nebendiagnose: Astigmatismus mixtus.
A1: Leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störung infolge einer hirn-
organischen Schädigung mit Einschränkungen der Aufmerksamkeitsfunktio-
nen und der Gedächtnisleistungen im Rahmen eines postkontusionellen Syn-
droms (ICD-10: F07.2)
A2: Schmerzhafte Funktionseinschränkung der HWS
A3: Leichte schmerzhafte Funktionseinschränkung Hand links
Beim Austritt bestanden eine deutlich verminderte psychologische
Belastbarkeit, eine allgemeine Verlangsamung, Konzentrationsstörungen,
Vergesslichkeit, brennende Schmerzen an der ventralen HWS, regrediente
Kopfschmerzen und regrediente Schmerzen in der Mittelhand bei
endständigem Faustschluss (Suva-act. 1/223). Da der Patient von den
multimodalen Therapien gut profitiert habe, seien weiterführende intensive
ambulante Therapien indiziert (Empfehlung 1x/Woche ambulante
Physiotherapie und 2x/Woche medizinische Trainingstherapie und
Ergotherapie). Da sich schon jetzt abzeichne, dass langfristig nicht die
körperlichen, sondern eher die aktuell unverkennbaren neuropsychologi-
schen Defizite zu beachten seien, werde in ca. 4 Monaten eine
neuropsychologische Kontrolle und eine zweite Rehabilitationsphase zur
beruflichen Abklärung in der Neurorehabilitation empfohlen. Hinsichtlich
der Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, die angestammte Tätigkeit als
Dachdecker sei aufgrund der schweren Arbeit nicht zumutbar; es bestehe
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% ab dem 8. September 2010. Die
Zumutbarkeit für eine angepasste Tätigkeit werde momentan noch nicht
festgelegt, da weitere Rehabilitation nötig sei.
6.2.5 Der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. L._ (Facharzt für
Allgemeinmedizin) berichtete am 4. Oktober 2010 (IV-act. 13), dieser leide
aktuell an den Symptomen Leistungsschwäche, ausgeprägter Erschöpf-
barkeit, brennender HWS resp. Nackenschmerzen und Kopfdruck. Den
Befund beschrieb er wie folgt: Elektrisieren der Füsse bei HWS Flexion,
leicht eingeschränkte Handbeweglichkeit links, v.a. Flexion, Opposition des
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Seite 17
Daumens, Konzentrationsstörungen, vermindertes Kurzzeitgedächtnis,
Ängstlichkeit, Unsicherheit, Panikattacken unter Belastung. Prognose: Die
Symptomatik verbessert sich langsam und schleppend. Ob die Beschwer-
den v.a. im HWS Bereich dauerhaft verschwinden wird sich im Verlauf noch
zeigen. Seit dem 1. Juni 2010 und bis auf weiteres bestehe eine volle Ar-
beitsunfähigkeit. Die Einschränkungen (Erschöpfbarkeit, Unsicherheit,
Angst, leichter Schwindel) liessen sich durch medizinische Massnahmen
vermindern (Physio- und Ergotherapie, Rehabilitation, Fitness, Psychothe-
rapie). Die Beschwerden würden langsam aber stetig bessern. Mit einer
Wiederaufnahme der Tätigkeit könne nicht gerechnet werden. Eine beruf-
liche Umstellung sei nicht zu prüfen.
6.2.6 Am 17. Dezember 2010 führten Dr. Ff._, Dr. Gg._ (lei-
tender Arzt Radiologie), MRO Magnetresonanz Zentrum R._, ein
MRI des Schädels des Beschwerdeführers durch. Im Rapport vom 20. De-
zember 2010 (Suva-act. 1/160) berichteten sie über eine weitgehend sym-
metrische Darstellung des Hirnparenchyms und zentrierte Mittellinien-
Strukturen. Es gebe keinen Nachweis einer frischen intra- oder extraaxia-
len Blutung oder Raumforderung, keine Liquor-Zirkulations-Störung, kei-
nen Hinweis auf einen erhöhten Hirndruck und keinen Nachweis älterer
Parenchym-Läsionen zerebral. Ein Vergleich mit den Voraufnahmen vom
28. Juli 2010 werde empfohlen.
6.2.7 Am 5. April 2011 berichteten Dr. U._ (Assistenzarzt), Dr.
Hh._ (Oberärztin), (...)spital T._, Universitätsklinik für Plas-
tische- und Handchirurgie (Suva-act. 1/52 f.), die Metakarpale II Fraktur
links, St. n. Platten-OS mit Zugschraube sei geheilt. Die störende dorsale
Platte sei operativ entfernt worden.
6.2.8 Vom 24. Januar bis 27. April 2011 hielt sich der Beschwerdeführer
wiederum in der Rehaklinik F._ auf.
Mit Austrittsbericht von Dr. Ii._ (Fachärztin Psychiatrie und Psycho-
therapie) und PD Dr. Jj._ (Fachärztin Neurologie) vom 27. April
2011 (Suva-act. 1/69 ff.), psychiatrischem Bericht von Dr. Ii._
(Suva-act. 1/66 ff.) gleichen Datums und neuropsychologischem Bericht
von Kk._ (Psychologin), Dr. D._ und Dr. Ii._ vom
27. April 2011 (Suva-act. 1/59 ff.) wurden die bekannten Diagnosen ge-
stellt, zuzüglich St. n. Synkope am 9.12.10, MRI Schädel 17.12.10 unauf-
fällig, Epileptische Genese möglich. Beim Austritt hätten ziehende Kopf-
schmerzen parieto-occipital bds. bis in Nacken, brennende Schmerzen
C-3054/2015
Seite 18
nuchal und eine deutlich erhöhte Erschöpfbarkeit bestanden. Psychiatri-
scherseits wurde der Verdacht auf eine organische Persönlichkeitsverän-
derung nach traumatischer Hirnverletzung (ICD-10: F07.0) geäussert.
Zwar lägen keine zuverlässigen fremdanamnestischen Angaben zum prä-
morbiden Verhalten vor, jedoch zeigten die Beobachtungen im stationären
Rahmen charakteristische Verhaltensänderungen im Bereich der Äusse-
rung von Affekten, Bedürfnissen und Impulsen. Betroffen sei die Fähigkeit,
Handlungen längerfristig zu planen und durchzuführen sowie das Abschät-
zen ihrer wahrscheinlichen Konsequenzen. Die Fähigkeit, zielgerichtete
Aktivitäten über einen längeren Zeitraum durchzuhalten, sei anhaltend re-
duziert, zudem bestehe eine deutlich erhöhte Erschöpfbarkeit. Das emoti-
onale Verhalten erscheine verändert mit eher abgeflachter Fröhlichkeit und
Sorglosigkeit. Anteile einer reaktiven Affektstörung seien vorhanden, er-
klärten jedoch nicht das Ausmass der Verhaltensauffälligkeiten. Ob die Ver-
haltensänderung stabil bleibe oder sich im Verlauf noch zurückbilde, sollte
gut beobachtet werden (Suva-act. 1/69 ff.). Anzeichen für eine Traumafol-
gestörung im engeren Sinne, wie eine PTBS, ergaben sich nicht (Suva-
act. 1/60). Aus neuropsychologischer Sicht zeigten sich nach wie vor Ein-
schränkungen bei der Aufmerksamkeitsaktivierung und der Daueraufmerk-
samkeit. Auffallend seien speziell die schwankenden bzw. mit der Zeit ab-
nehmenden Leistungen gewesen. Im Bereich der räumlichen Gedächtnis-
leistungen sei im Vergleich mit der früheren Untersuchung eine Verbesse-
rung der Leistungen zu beobachten gewesen. Diese hätten nunmehr im
durchschnittlichen Bereich gelegen. Die hauptsächlich im Bereich der
Grundaktivierung und der längerfristigen Aufmerksamkeitszuwendung be-
obachtbaren Einschränkungen liessen sich gut mit der erlittenen Einblu-
tung im rechten Gyrus orbitalis vereinbaren. Der Patient habe während der
Untersuchungen über zunehmende Schmerzen berichtet, ohne klagsam
zu sein. Die Ausprägung der neuropsychologischen Störung sei unverän-
dert als leicht bis mittelschwer einzuschätzen (Suva-act. 1/62). Somatisch
(neurologisch, orthopädisch) ergaben sich keine behandlungsbedürftigen
Störungen mehr (Suva-act. 1/71). Zur Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt,
es bestehe eine mindestens mittelschwere Leistungsminderung infolge ei-
ner psychischen Störung mit Krankheitswert, die Folge einer hirnorgani-
schen Schädigung sei. Eine berufliche Tätigkeit als Hilfsarbeiter sei aktuell
nicht zumutbar, es bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit ab dem 28. April
2011. Eine andere (Verweis-)Tätigkeit sei körperlich, nicht aber kognitiv zu-
mutbar.
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Per 2. Mai 2011 trat der Beschwerdeführer zur Fortsetzung der berufsori-
entierten Rehabilitationsbehandlung in die Universitäts- und Rehabilitati-
onskliniken J._ ein. Die Rehaklinik F._ plante eine psychiat-
rische, neuropsychologische und ergotherapeutische Reevaluation im
Haus in 6-9 Monaten.
6.3 Bis zum Zeitpunkt der Rentenaufhebung (31. März 2013) entwickelte
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wie folgt:
6.3.1 Vom 2. Mai bis 22. Juni 2011 hielt sich der Beschwerdeführer in den
Universitäts- und Rehabilitationskliniken J._ auf.
6.3.1.1 Dr. Ll._ (Leiter der Sektion für Hand-, Plastische und Mikro-
chirurgie) und Dr. Mm._ (Oberarzt), Universitätsklinikum
J._, Zentrum für Chirurgie, Klinik für Unfallchirurgie, Hand-, Plasti-
sche und Wiederherstellungschirurgie stellten am 9. Juni 2011 (Suva-act.
1/28 f.) fest, es würden eine Bewegungseinschränkung des linken Zeige-
fingers am Grundgelenk D2 links mit 0/10/100° gegenüber rechts von
0/0/80° und Verspannungen im Nackenbereich bei Z.n. HWS-Distorsion
vorliegen, weshalb Ergotherapie sowie eine Massage des Nackenbereichs
rezeptiert werde.
6.3.1.2 Dr. G._(ärztlicher Direktor), Dr. H._ (Internistin,
Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin) und Herr
I._ (Reha-Berater und Bildungsbegleiter), Universitäts- und Reha-
bilitationskliniken J._ stellten in ihrem Abschlussbericht über die
stationäre Belastungserprobung vom 30. Juni 2011 (Suva-act. 1/8 ff.) fol-
gende Rehabilitationsdiagnosen:
- Traumatische Hirnverletzung bei Sturz aus 7m Höhe am 1.6.2010,
kleine Gyrus orbitalis rechts
- Eingeschränkte kognitive Belastbarkeit als Traumafolge
- Asthenische Störung, vitale Erschöpfung
- Dislozierte Metakarpale-II-Spiralfraktur links, offene Reposition und
dorsale Platten-osteosynthese am 2.6.2010
- Rezidivierende Kopfschmerzen bei HWS-Distorsion
Im Weiteren hielten sie insbesondere fest, die neurologische Untersuchung
habe ergeben, dass der Unterberg’sche Tretversuch und der Strichgang –
C-3054/2015
Seite 20
als Folge des Hirntraumas (vgl. Suva-act. 1/16) – unsicher seien; es be-
stehe ein Druckschmerz über Metacarpale-II links und eine Bewegungs-
einschränkung im Grundgelenk.
Einer Testuntersuchung in einer Kleingruppe habe sich der Patient nicht
gewachsen gezeigt. Nach etwa 10 Minuten sei diese wegen Überforderung
bzw. nicht ausreichender mentaler Belastbarkeit abgebrochen worden. In
mehreren Einzelversuchen seien die markanten Aufmerksamkeitsdefizite
zu berücksichtigen gewesen, die die Untersuchung erschwert oder auch
unmöglich gemacht hätten. Nach den formalen Befunden seien die kogni-
tive Verarbeitungsgeschwindigkeit und die Fähigkeit zur visuellen Aufmerk-
samkeitsteilung als mässig beeinträchtigt einzustufen gewesen. Nach der
Verhaltensbeobachtung hätten sich bei einer Untersuchungsdauer von
zehn bis zwanzig Minuten sichtbare Anzeichen einer starken Ermüdbarkeit
und reduzierten Daueraufmerksamkeit ergeben. Der Patient habe berich-
tet, dass er nach den einzelnen Test- und Gesprächsterminen anschlies-
send immer längere Zeit zur Erholung benötigt habe. Im Fragebogen er-
lebter Defizite der Aufmerksamkeit (FEDA) habe er stark erhöhte Ablenk-
barkeit und Verlangsamung bei geistigen Prozessen und deutlich gestei-
gerte Ermüdung und Verlangsamung bei praktischen Tätigkeiten angege-
ben (Suva-act. 1/12). Zusammenfassend seien die beschriebenen ver-
schiedenartigen Symptome wie leichte Ermüdbarkeit, Erschöpfung,
Schwierigkeiten bei Konzentration und geistigen Leistungen, Einschrän-
kungen der Aufmerksamkeitsfunktionen und der Gedächtnisleistung und
verminderte psychophysische Belastungbarkeit zu verifizieren gewesen.
Als Folge des Unfalls bestehe eine anhaltende eingeschränkte kognitive
Belastbarkeit, diese habe sowohl im Bereich der Aufgaben und in den Test-
verfahren als auch in den ärztlichen Gesprächen validiert werden können.
Hinzugetreten sei eine vitale Erschöpfung, die als asthenische Störung im-
poniere. Damit liege weiterhin eine mittelschwere bis schwere berufliche
Einschränkung vor, das heisst die berufliche Tätigkeit (angestammter Beruf
oder umgeschult) könne aufgrund physischer, mentaler und emotionaler
Schwierigkeiten und Symptome nur teilweise oder gar nicht bewältigt wer-
den (Suva-act. 1/13). Es liege eine Belastbarkeit von unter drei Stunden
vor. Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt könne er noch nicht eingesetzt wer-
den. Ein definitives Leistungsbild könne noch nicht erstellt werden. Die wei-
tere Rekonvaleszenz bleibe abzuwarten (Suva-act. 1/16).
6.3.2 Im November 2011 erfolgte in der Rehaklinik F._ eine ambu-
lante Reevaluation des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers.
C-3054/2015
Seite 21
6.3.2.1 Herr Nn._ (Psychologe) und Dr. D._, diagnostizier-
ten mit neuropsychologischem Bericht vom 9. November 2011 (Suva-act.
2/256 ff.) eine leichte bis mittelgradige neuropsychologische Störung mit
im Vordergrund stehender Asthenie nach einer Schädigung des Gehirns
(ICD-10: F07.8, DD F07.0) und einer Verdeutlichung der Beschwerden
(Suva-act. 2/260).
Der Patient beklage persistierende Hals- und Nackenbeschwerden. Die
Schmerzempfindungen würden bis in die Ohren ausstrahlen und zu einem
Druckgefühl im Kopf und beiden Augen führen. Es gebe Tage, an denen er
ein Zittern und Frösteln im Körper spüre und völlig erschöpft sei. Dann liege
er bis zu zwei Tage im Bett. Das Konzentrationsvermögen reisse nach
45 Minuten ab. Nach körperlicher Belastung sei er am nächsten Tag völlig
erschöpft. Nach einer Untersuchung von etwa 45 Minuten habe er ange-
geben, nicht mehr zu können, so dass insgesamt drei Pausen eingelegt
worden seien. Somit seien keine längeren Untersuchungsblöcke ohne Un-
terbruch möglich gewesen (Suva-act. 2/257). In der zusammenfassenden
Beurteilung wurde ausgeführt, im Rahmen der neuropsychologischen Ree-
valuation habe sich eine Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähig-
keit gegenüber den neuropsychologischen Voruntersuchungen gezeigt.
Der Patient habe weit unterdurchschnittliche Testergebnisse in den Berei-
chen der Konzentrationsfähigkeit, der kognitiven Verarbeitungsgeschwin-
digkeit, des verbalen Langzeitgedächtnisses, des verbalen Wiedererken-
nens und bei einer computerbasierten Aufgabe zur selektiven Aufmerk-
samkeit, beim kurzfristigen verbalen Abruf nach Darbietung einer Störwort-
liste, beim Benenntempo von Nicht-Farbwörtern und bei der Interferenz-
kontrolle (erhöhter Zeitaufwand) gezeigt. Subjektiv habe der Patient über
neurasthenische Beschwerden wie Energieverlust, Konzentrationsschwie-
rigkeiten und Ermüdungs- oder Erschöpfungserscheinungen berichtet. Es
dränge sich die Frage auf, was zur Verschlechterung der kognitiven Leis-
tungsfähigkeit geführt habe. Die Durchführung eines Symptomvalidie-
rungstests habe keine Hinweise auf eine reduzierte Leistungsbereitschaft
ergeben. Dennoch müsse in Bezug auf die kognitive Verschlechterung von
einem atypischen Verlauf nach einer traumatischen Hirnverletzung gespro-
chen werden. Zudem habe es gewisse Inkonsistenzen im Testprofil gege-
ben (keine Verlangsamung bei anspruchsvoller Aufgabe zur geteilten Auf-
merksamkeit, dagegen deutlich bei anderen Tests; deutlich bessere Lö-
sung des d2-Tests am Schluss als am Anfang trotz massiver Erschöpfung).
Diese seien am ehesten im Rahmen einer unbewussten Verdeutlichung
der Beschwerden zu interpretieren. Bei alleiniger Betrachtung der Tester-
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Seite 22
gebnisse würde man eine mittelschwere neuropsychologische Störung an-
nehmen. Bei Vorliegen einer Verdeutlichung sei die Plausibilität des Aus-
masses der diagnostisch festgestellten Leistungseinbussen aber in Frage
zu stellen. Der Schweregrad der neuropsychologischen Störung sei unter
diesen Umständen geringer, als es das Testprofil darlege. Unter Berück-
sichtigung der Verdeutlichungstendenz dürfte nach wie vor eine etwa
leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störung vorliegen. Psychi-
atrischerseits sei in der Beurteilung der Verdacht auf eine Persönlichkeits-
veränderung (ICD-10: F07.0) geäussert worden, was mit einer orbitofron-
talen Läsion vereinbar sei (Suva-act. 2/259 f.). Aufgrund leichter bis mittel-
gradiger Minderleistungen einzelner kognitiver Funktionen sei bei Berufen
mit hohen kognitiven Anforderungen mit einer Einschränkung der Funkti-
onsfähigkeit zu rechnen. Als limitierender Faktor dürfte sich die stark aus-
geprägte Asthenie auswirken (Suva-act. 2/260).
6.3.2.2 Dr. Ii._ stellte mit psychiatrischem Bericht vom 11. Novem-
ber 2011 (Suva-act. 2/253 ff.) die Diagnose organische Persönlichkeits-
und Verhaltensstörung nach traumatischer Hirnverletzung mit im Vorder-
grund stehender ausgeprägter Asthenie (ICD F07.8), DD Organische Per-
sönlichkeitsveränderung nach traumatischer Hirnverletzung (ICD-10:
F07.0).
Der Patient berichte, nach wie vor unter ausgeprägter Erschöpfbarkeit zu
leiden. Diese trete bei jeglichen Tätigkeiten auf, sowohl körperlichen als
auch kognitiven. Länger als eine Stunde könne er nichts machen, danach
brauche er Erholung. Die Schmerzen in Kopf und Nacken seien im Allge-
meinen erträglich. Nur unter Anstrengung stiegen sie meist rasch an. Der
Grund für seine Erschöpfbarkeit sei ihm unklar, jedoch habe er keine Mög-
lichkeit, diese zu überwinden (Suva-act. 2/253 f.). Der Versicherte zeige
Auffälligkeiten im Bereich der Äusserung von Affekten, Bedürfnissen und
Impulsen. Bei weitgehend normaler physischer Funktionsfähigkeit werde
v.a. dem Gefühl von Erschöpfung unmittelbar nachgegeben. Es bestehe
damit aktuell eine anhaltend reduzierte Fähigkeit, zielgerichtete Aktivitäten
über einen längeren Zeitraum durchzuhalten. Das emotionale Verhalten er-
scheine verändert mit teilweise abgeflachten Affekt, teilweise leichten hy-
pochondrischen Ängsten sowie leichter Distanzminderung. Daneben er-
gebe sich aktuell kein Hinweis auf relevante psychoreaktive Störungen. Ak-
tuell bestehe aus neuropsychiatrischer Sicht weiterhin eine volle Arbeits-
unfähigkeit (Suva-act. 2/255).
C-3054/2015
Seite 23
6.3.3 Bei einem weiteren kurzstationären Aufenthalt in der Rehaklinik
F._ von Ende Juni bis Anfang Juli 2012 wurden weitere orthopädi-
sche, psychiatrische, neuropsychologische und neurologische Untersu-
chungen vorgenommen.
6.3.3.1 Mit Bericht Stellungnahme Therapien und Pflege vom 2. Juli 2012
(Suva-act. 2/28) hielten Frau Oo._ (dipl. Ergotherapeutin), Frau
Pp._ (dipl. Physiotherapeutin) und Frau Qq._ (dipl. Ergothe-
rapeutin) fest, der Versicherte sei häufig gar nicht erschienen oder habe
Therapien aufgrund übermässiger subjektiver Erschöpfung abgebrochen.
Es sei möglich gewesen, maximal 40 Minuten bei einer Aufgabe zu bleiben.
Danach seien ein sichtbares Zittern der Hände und angegebene Kopf-
schmerzen aufgetreten. Innerhalb der körperlichen Abklärung habe sich
der Versicherte teilweise aufgrund der beschriebenen Symptome nicht bis
an die funktionelle Limite belastet. Zum Teil seien Testungen auch verwei-
gert worden mit dem Hinweis, er sei schon mehrmals getestet worden. Aus
ergotherapeutischer und physiotherapeutischer Sicht sei keine weitere
Therapie sinnvoll.
6.3.3.2 Dr. Rr._ (Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirur-
gie) berichtete am 6. Juli 2012 (Suva-act. 2/40 f.), von Seiten der Orthopä-
die/Handchirurgie würden keine Einschränkungen bestehen. Die grobe
Kraft sei unauffällig. Die geringe Kraftdifferenz ergebe sich aus der Tatsa-
che, dass der Versicherte rechtsdominant sei.
6.3.3.3 Mit neuropsychologischem Bericht von Nn._ und Dr.
D._ vom 8. August 2012 (Suva-act. 2/17 ff.) wurde festgehalten, der
Versicherte habe unterdurchschnittliche Testergebnisse in den Bereichen
der Konzentrationsfähigkeit und der selektiven Aufmerksamkeit, der figura-
len Fluenz, der verbalen Merkspanne sowie der kurzfristigen verbalen Ab-
rufleistungen erzielt. Im Vordergrund der Beschwerden habe eine hohe Er-
schöpfbarkeit gestanden, die nach 45 bis 60 Minuten körperlicher oder
geistiger Belastung aufgetreten sei. Bei einem Selbstbeurteilungsinstru-
ment zur Beurteilung depressiver Symptome habe der Explorand einen ge-
ringfügig tieferen Wert als anlässlich der Reevaluation vom 9. November
2011 erzielt; dieser entspreche einer minimalen depressiven Symptomatik.
Der Versicherte habe insgesamt einen leicht hypochondrischen Eindruck
erweckt. Im Rahmen einer standardisierten Symptomvalidierung hätten
sich keine Hinweise auf eine Aggravation der kognitiven Beschwerden er-
geben. Die leichten Fluktuationen einzelner Testergebnisse im Vergleich
C-3054/2015
Seite 24
zu früheren Untersuchungen seien im Rahmen von leichten Aufmerksam-
keitsschwankungen erklärbar. Die Befunde würden insgesamt einer leich-
ten neuropsychologischen Störung entsprechen, die nosologisch im Rah-
men eines psychoorganischen Syndroms (ICD-10: F07.2) einzuordnen sei.
Die erwähnten Inkonsistenzen würden am ehesten als Ausdruck einer Ver-
deutlichung betrachtet.
6.3.3.4 Dr. Ss._ (Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie) befand
am 14. August 2012 (Suva-act. 2/29 ff.), der Versicherte wirke als sehr ani-
mierter, sich im Gespräch offensichtlich gerne darstellender und lebhafter
Gesprächspartner, der an einzelnen Stellen plötzlich schwerbesinnlich
wirke, ansonsten keine auffälligen Schwierigkeiten bei der zeitlichen Ein-
ordnung seiner Biografie habe und diesbezüglich inhaltlich zusammenhän-
gend berichten könne. Von einer psychischen Traumafolgestörung könne
nicht die Rede sein. Es würden Schmerzen und eine praktisch schlagartig
einsetzende Erschöpfbarkeit geklagt, wobei diese Einschränkungen in ei-
nem längeren, einleitenden Gespräch gar nicht zur Sprache kämen. Ent-
sprechend gewinne man nicht den Eindruck eines Klageverhaltens, wie es
für somatoforme Patienten typisch wäre. Die Qualitäten und der Kontext
des Auftretens der Erschöpfung wirkten ebenfalls atypisch für eine neuras-
thenieforme Erschöpfung und seien auch für sonstige Qualitäten der Er-
schöpfung eher ungewöhnlich. Abgesehen von der Sequenz, als er um
eine Pause bitte, ergebe sich eigentlich ein psychopathologisch völlig un-
auffälliger Eindruck eines eloquenten jüngeren Mannes (Suva-act. 2/34).
Rein aufgrund der Gesprächsinhalte und der objektiven Befunde stelle sich
die Frage, wie authentisch das geschilderte Beschwerdeerleben (Erschöp-
fung) sei. Eine posttraumatische Belastungsstörung bestehe sicher nicht,
auch keine andere unfallassoziierte Angststörung. Der Versicherte wirke
auch nicht in seiner Persönlichkeit verändert. Zu diskutieren wäre einzig
noch die Angabe über eine vermehrte Schlafdauer, was als Hypersomnie
interpretiert werden könnte. Atypisch wäre jedoch als erfrischte Erwachen.
Die Angabe der verlängerten Schlafdauer könne psychiatrisch insgesamt
nicht sinnvoll eingeordnet werden. Die angegebene Erschöpfung führe
dazu, dass sich der Versicherte auf der Verhaltensebene stark schone und
damit selbst limitiere. In diesem Sinne würden dysfunktionale Bewälti-
gungsmuster im Sinne einer sog. Symptomausweitung bestehen. Entspre-
chend könne keine Einschränkung der Zumutbarkeit auf psychiatrischem
Fachgebiet attestiert werden, ebenso wenig ein Integritätsschaden.
C-3054/2015
Seite 25
6.3.3.5 Mit neurologischer Stellungnahme vom 7. Dezember 2012 berich-
tete Dr. Tt._ (Fachärztin Neurologie, Psychiatrie und Psychothera-
pie) (Suva-act. 2/42 ff.), der Versicherte sei am 16. Juni 2012 wieder um-
gekippt und habe sich das Kinn aufgeschlagen. Insgesamt sei dies das
dritte Ereignis dieser Art gewesen, ohne Vorboten, er könne dazu lediglich
sagen, dass er umkippe, wenn er extrem erschöpft sei. Die neurologische
Untersuchung vom 28. Juni 2012 ergab insbesondere keine epilepsietypi-
schen Potenziale (Suva-act. 2/59). Bei der neuropsychologischen Untersu-
chung vom 3. Juli 2012 fielen die Aufmerksamkeitsdefizite im Vergleich zur
neuropsychologischen Abklärung vom 9. November 2011 weniger ausge-
prägt aus. Auch im Bereich der verbalen Gedächtnisfunktionen waren bes-
sere Leistungen zu verzeichnen. Inkonsistenzen hätten sich zwischen
selbstberichteten Symptomen und dem Verhalten des Versicherten erge-
ben. Seinen Angaben zufolge bestehe seit dem Unfall unverändert eine
reduzierte Belastbarkeit. Aus dem neuropsychologischen Bericht vom 6.
August 2010 (vgl. vorne E. 6.2.4.1, Suva-act. 1/226 ff.) gehe allerdings her-
vor, dass die Belastbarkeit damals während einer 2.5 stündigen Untersu-
chung nicht reduziert gewesen sei. Die Verschlechterung mit einer gegen-
wärtigen Belastbarkeit von maximal einer Stunde sei hirnorganisch
schlecht erklärbar. Aufgrund des Erleidens der kleinen Einblutung im Gyrus
orbitalis rechts könne ein Zusammenhang zwischen den erwähnten Inkon-
sistenzen und der hirnorganischen Läsion jedoch nicht vollständig ausge-
schlossen werden (Suva-act. 2/59 f.). Dr. Tt._ stellte die Diagnose
einer leichten neuropsychologischen Störung mit im Vordergrund stehen-
den Aufmerksamkeitsdefiziten – nosologisch hauptsächlich im Rahmen ei-
nes psychoorganischen Syndroms (ICD-10: F07.2) einordenbar. Die Aus-
übung eines Berufs sei grundsätzlich möglich. Bei Berufen mit hohen kog-
nitiven Anforderungen dürfte die Funktionsfähigkeit eingeschränkt sein. In
der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sollte sich die kognitive Leistungsminde-
rung eigentlich nicht bemerkbar machen. Es könnte aber sein, dass bei St.
n. traumatischer Hirnverletzung das Arbeitspensum auch in einer leidange-
passten Tätigkeit von vermehrtem Erholungs- und regelmässigem Pausen-
bedarf um 20% gemindert sei (Suva-act. 2/60, 2/65 f.). Leider lasse der
Versicherte aufgrund der angegebenen erschöpfungsbedingten vollen Ar-
beitsunfähigkeit eine realistische Standortbestimmung nicht zu. Ohne die
Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit werde ein Transfer dieser rein
medizinisch-theoretischen Überlegungen in die Praxis nicht möglich sein
(Suva-act. 2/65 f.). Es werde von einem abgeschlossenen Heilverlauf aus-
gegangen; wesentliche Veränderungen der vorhandenen Beschwerden
und Befunde seien nicht mehr zu erwarten (Suva-act. 2/66).
C-3054/2015
Seite 26
6.3.3.6 Der interdisziplinären Zusammenfassung von Dr. Tt._,
Dr. Uu._, Dr. Ss._, Herrn Nn._ sowie Dr. D._
vom 7. Dezember 2012 (Suva-act. 2/68 ff.) ist insbesondere zu entnehmen,
die angegebene, jeweils plötzlich einsetzende Erschöpfung führe dazu,
dass sich der Versicherte auf Verhaltensebene stark schone und damit sel-
ber limitiere. In diesem Sinn bestünden dysfunktionale Bewältigungsmus-
ter im Sinn einer so genannten Symptomausweitung. Die physiotherapeu-
tische Evaluation sei aufgrund der erschöpfungsbedingt eingeschränkten
Kooperationsfähigkeit erschwert gewesen. Die kurzen Sequenzen der phy-
siotherapeutischen Untersuchung hätten aber durchwegs normale Be-
funde gezeigt, die mit einer erschöpfungsbedingten körperlichen Dekondi-
tionierung nicht vereinbar wären (Suva-act. 2/71).
6.3.4 Der medizinische Dienst der IVSTA (Dr. Vv._, Facharzt für All-
gemeinmedizin) stellte mit Bericht vom 22. März 2013 (IV-act. 59) gestützt
auf die Berichte der Rehaklinik F._ ab dem 2. Juli 2012 die Haupt-
diagnose Status nach Polytrauma 1. Juni 2010; leichte neuropsychologi-
sche Störung im Rahmen eines psychoorganischen Syndroms. Die Ar-
beitsunfähigkeit sowohl in der angestammten Tätigkeit wie auch in einer
Verweistätigkeit betrage 100% ab dem 1. Juni 2010 und 20% ab dem
7. Dezember 2012 (Arbeitsposition sitzend oder stehend, Heben von Ge-
wichten von max. 25kg). Auf die interdisziplinäre Beurteilung der Suva sei
abzustellen. Der Versicherte leide an einem leichten psychoorganischen
Syndrom. Aufgrund dieser Diagnose erscheine eine Umschulung auf eine
neue Erwerbstätigkeit nicht erfolgreich.
6.4 Nach dem 1. April 2013 und bis zum Zeitpunkt des Erlasses der ange-
fochtenen Verfügung befinden sich folgende medizinische Berichte bei den
Akten:
6.4.1 Im Verlauf des Jahres 2013 äusserten sich verschiedene versiche-
rungsinterne Ärzte der Suva zur medizinischen Aktenlage.
6.4.1.1 Am 21. Mai 2013 (Suva-act. 4/231 f.) führte eine Kreisärztin der
Suva gestützt auf die Abklärungen der Rehaklinik F._ aus, es be-
stehe eine leichte kognitive Störung, eigentlich ohne Einfluss auf die Ar-
beitsfähigkeit als Hilfsarbeiter. Möglicherweise bestehe eine Leistungsmin-
derung von 20%, sonst keine limitierenden Unfallfolgen. Die quasi anfalls-
artig geschilderten Erschöpfungszustände könnten weder somatisch noch
psychiatrisch erklärt werden und seien nicht Folge des Unfallereignisses.
C-3054/2015
Seite 27
Auch die drei Mal geschilderten Stürze seien nicht erklärbar. Eine Leis-
tungseinbusse von 20% sei nachvollziehbar. Obwohl die Aetiologie der
Stürze – und damit auch, ob es sich um eine Folge des Ereignisses vom
1. Juni 2010 handle – unklar sei, sollte keine Tätigkeit mit Absturzgefahr
mehr ausgeübt werden.
6.4.1.2 Mit Stellungnahme vom 7. Juni 2013 hielten Dr. Ww._
(Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) und Dr. Xx._ (Dip-
lompsychologin), Suva Versicherungsmedizin (Suva-act. 4/215 ff.) fest, die
Berichte der Rehaklinik F._ betreffend die Untersuchungen vom
26. Juni bis 5. Juli 2012 wiesen eine hohe Qualität auf. Es könne davon
ausgegangen werde, dass der Versicherte zumindest im Frühsommer letz-
ten Jahres (Juni/Juli 2012) nicht unter einer behandlungsbedürftigen psy-
chischen Störung gelitten habe. Für eine abschliessende Beurteilung fehle
eine aktuelle Dokumentation der psychischen Beschwerden, aufgrund der
sich der Versicherte (in Deutschland) in Behandlung begeben haben solle.
6.4.1.3 Dr. Yy._ (Facharzt für Neurologie), Suva Versicherungsme-
dizin (Suva-act. 4/199 f.) führte mit Bericht vom 5. August 2013 aus, die
einzelnen fachlichen Stellungnahmen und die interdisziplinäre Zusammen-
fassung der Rehaklinik F._ vom Sommer 2012 seien einwandfrei
abgefasst. Einzig könnte kritisiert werden, dass aus der neurologischen
Stellungnahme nicht eindeutig hervorgehe, ob die Bilddokumentation, ins-
besondere die kraniale MRT vom 28. Juli 2010 der Expertin im Original zur
eigenen Beurteilung vorgelegen habe. Ferner werde nicht eindeutig klar,
wie die Neurologin die vom Versicherten angegeben ständigen druckarti-
gen Kopfschmerzen im Augenbereich diagnostisch und versicherungsme-
dizinisch einordne.
6.4.2 Ein weiterer Aufenthalt in der Rehaklinik F._ vom 13. bis
16. Mai 2014 ergab folgende Einschätzung des Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers:
6.4.2.1 Dr. Zz._ (Fachlicher Leiter Neuropsychologie) hielt mit neu-
ropsychologischem Bericht vom 14. Mai 2014 (Suva-act. 4/72 ff.) im We-
sentlichen fest, die Anstrengungsbereitschaft sei intermittierend reduziert,
wobei der Explorand bei einigen wenigen Aufgaben eine Überforderung
beklage. Davon abgesehen habe klinisch während der einmal dreistündi-
gen und einmal zweieinhalb-stündige Untersuchung eine gute psychophy-
sische Belastbarkeit bestanden. Auf Verhaltensebene hätten sich im orien-
tierenden psychopathologischen Befund weitgehend keine Auffälligkeiten
C-3054/2015
Seite 28
gezeigt, lediglich das formale Denken sei etwas auf die Erschöpfungs-
symptomatik eingeengt und der Explorand gebe sich im Verlauf vermehrt
klagend (Suva-act. 4/80). Formal geprüft zeigten sich in den meisten kog-
nitiven Bereichen normgerechte Leistungen (Aufmerksamkeit, mnestische
Funktionen, exekutive Funktionen, Sprache und sprachassoziierte Funkti-
onen, Visuo-Konstruktion, höhere visuelle Wahrnehmungsleistungen). In
einigen wenigen Aufgaben hätten sich jedoch im Vergleich zu einer Norm-
population deutliche Leistungsminderungen abgebildet. Inkonsistent seien
die angeblich vorliegende schwerste Fatigue und das tatsächliche Verhal-
ten im Untersuchungskontext. Obwohl der Versicherte angegeben habe,
im Alltag in Belastungssituationen schon nach kurzer Zeit in einen starken
Erschöpfungszustand mit begleitenden physiologischen Symptomen zu
geraten (Zittern des ganzen Körpers, Sprechen wegen des Gefühls einer
schweren Zunge kaum mehr möglich) hätten von aussen weder ebenge-
nannte Symptome noch offensichtliche Ermüdungsanzeichen beobachtet
werden können (Suva-act. 4/81). In der Beschwerdevalidierung hätten sich
Hinweise auf wahrscheinliche Aggravationstendenzen ergeben: 1. Auffälli-
ges Resultat im Beschwerdevalidierungstest; 2. Diskrepanzen unter Be-
trachtung des Verlaufs der vorgebrachten kognitiven (Minder-)Leistungen;
3. Diskrepanzen zwischen den ermittelten Ergebnissen der kognitiven
Tests und anamnestischen Angaben; 4. Diskrepanzen zwischen selbstbe-
richteten Symptomen und bekannten Hirnfunktionsmustern; 5. Diskrepan-
zen zwischen selbstberichteten Symptomen und beobachtetem Verhalten.
Vor diesem Hintergrund könne die Validität der heutigen neuropsychologi-
schen Resultate nicht etabliert werden. Rund vier Jahre nach dem Unfall
wäre mit einer Verbesserung oder zumindest einer Stabilisierung der kog-
nitiven Defizite zu rechnen – die deutliche Verschlechterung in einigen kog-
nitiven Teilfunktionen, insbesondere jener, die in der neuropsychologischen
Untersuchung vom 3. Juli 2012 noch im Normbereich gelegen hätten,
könne weder hirnphysiologisch noch psychiatrischen Faktoren zugeordnet
werden (Suva-act. 4/81 f.). Daher sei von einem intakten neuropsychologi-
schen Funktionsniveau auszugehen. Somit bestehe aus rein neuropsycho-
logischer Sicht keine verminderte Zumutbarkeit, weder in den bisherigen
Tätigkeiten noch für Verweistätigkeiten.
6.4.2.2 Frau Aaa._ (dipl. Ergotherapeutin) und Frau Bbb._
(dipl. Physiotherapeutin) führten in ihrem Bericht Stellungnahme Therapien
und Pflege vom 14. Mai (Suva-act. 4/89 ff.) aus, die durchgeführten Tests
hätten im Wesentlichen ähnliche Ergebnisse gebracht wie im Bericht vom
2. Juli 2012 (vgl. vorne E. 6.3.3.1, Suva-act. 2/28).
C-3054/2015
Seite 29
6.4.2.3 Dr. Tt._ verfasste am 11. Juli 2014 eine ergänzende neuro-
logische Stellungnahme ohne Untersuchung des Versicherten (Suva-act.
4/86 ff.) betreffend die Beanstandung der Suva, wonach die druckartigen
Kopfschmerzen im Augenbereich im Bericht vom 7. Dezember 2012 (vgl.
vorne E. 6.3.3.5, Suva-act. 2/42 ff.) diagnostisch und versicherungsmedi-
zinisch nicht eingeordnet worden seien. Dieser Kritik wurde aus neurologi-
scher Sicht Recht gegeben. Eine verlässliche Stellungnahme zur versiche-
rungsmedizinischen Relevanz der Kopfschmerzen sei aus neurologischer
Sicht rein durch das Aktenstudium aber nur eingeschränkt möglich. Ge-
nauso wie die erhöhte Ermüdbarkeit aus neurologischer Sicht damals auf-
grund der unfallbedingten Hirnverletzungen nicht habe erklärt werden kön-
nen, sei auch die Feststellung einer Leistungsbeeinträchtigung durch Kopf-
schmerzen aufgrund der fehlenden Objektivierbarkeit erschwert und nicht
sicher möglich. Aufgrund der seltenen Einnahme von Analgetika werde
nicht von Medikamentenübergebrauchskopfschmerzen ausgegangen. Der
Lokalisation und dem Schmerzcharakter nach seien die frontalen Kopf-
schmerzen als Spannungstypkopfschmerzen einzuordnen. Da sie von dem
früher sehr leistungsstarken Versicherten aktendokumentiert nach dem
Unfall immer wieder angegeben worden seien, sei eine Unfallkausalität
möglich. Die quantitative Gewichtung der Kopfschmerzen sei allerdings
nicht nachvollziehbar. Dass er kopfschmerzbedingt nur 5kg habe heben
können, sei gemessen am früheren Leistungsprofil durch die Kopfschmer-
zen nicht erklärbar beziehungsweise deute auf eine subjektive Überbewer-
tung der Kopfschmerzen hin. Was den Verdacht auf epileptische Anfälle
anbelange, habe das EEG vom 2. Juli 2012 lediglich vigilanzbedingte All-
gemeinveränderungen und keinen Hinweis auf epilepsietypische Potenzi-
ale gezeigt. Auch hätte das von der Untersucherin persönlich in Augen-
schein genommene zerebrale MRI vom 28. Juli 2010 „bihemisphärisch epi-
lepsietypische Potenziale“ als Korrelat von unfallbedingten strukturellen
Läsionen nicht erklären können. Im Jahr 2012 habe aus neurologischer
Sicht nicht von einer Epilepsie ausgegangen werden können. Sollten wei-
terhin synkopenartige Anfälle auftreten, müsste, falls notwendig, zu deren
endgültiger Einordnung eine stationäre Diagnostik in einem Epilepsiezent-
rum erfolgen (Suva-act. 4/87 f.).
6.4.2.4 Dr. Ss._, Dr. Tt._ und Dr. Zz._, hielten mit
psychiatrischer und interdisziplinäre Abklärung vom 11. Juli 2014 (Suva-
act. 4/45 ff.) fest, der psychiatrische Befund sei im Vergleich zur Untersu-
chung im Jahr 2012 eigentlich gleich geblieben. Das lange Gespräch sei
ohne Pause von 8.00-10.50 und ohne objektivierbare Ermüdungs- oder Er-
schöpfungszeichen und auch ohne kognitive Fehlleistungen verlaufen.
C-3054/2015
Seite 30
Schon rein aufgrund dieser objektiven Befundlage seien keine Zeichen für
eine relevante depressive Verstimmung oder eine spezifische psychotrau-
matologische Störung festzustellen. Insgesamt kontrastierten der objektive
Befund und der Ablauf des Untersuchungsgesprächs samt Interaktion mit
den inhaltlichen Angaben über eine prompt eintretende Erschöpfung, kog-
nitive Fehlleistungen und einen gewissen sozialen Rückzug. Es bestehe
abermals auch nicht eine spezielle Klagsamkeit im Sinne von Schmerzen
oder Erschöpfung, wie es von der Qualität her für somatoforme Störungen
typisch wäre. Ein depressives Profil ergebe sich eindeutig nicht. Es sei ins-
gesamt überwiegend wahrscheinlich, dass die geschilderten, äusserst
niedrig gesetzten Leistungsgrenzen nicht in dieser Art bestehen würden
und der Alltag anders verlaufe als geschildert. Es würden somit schon rein
aufgrund der psychiatrischen Untersuchung unüberbrückbare Inkonsisten-
zen bestehen (Suva-act. 4/60 f.).
Angesichts der gesamten Befundlage sei nicht erkennbar, dass eine Indi-
kation zu einer Psychotherapie oder psychopharmakologischen Therapie
bestehen würde. Es bestehe keine psychische Störung, die gleichsam den
Gegenstand einer Therapie bilden könnte. Wenn man den inhaltlichen An-
gaben des Versicherten folgen wolle, habe er sich, durchaus im Einklang
mit sich selber, mit seinen Behinderungen abgefunden und er beschreibe
implizit, eine gute Lebensqualität auf dem jetzigen Funktionsniveau zu ha-
ben. Aus all dem sei zu folgern, dass eigentlich eine uneingeschränkte
Funktion in allen psychischen Aspekten bestehe. Somit könne der Versi-
cherte allenfalls notwendige Veränderungen in seinem Leben aus eigener
Initiative bei gegebener Gelegenheit selbst anpacken. Entsprechend be-
stehe eine günstige Prognose (Suva-act. 4/62). Im Rahmen der neurologi-
schen Stellungnahme vom 7. Dezember 2012 sei aufgrund der neuropsy-
chologischen Befunde bei damals fehlenden Zeichen für eine Aggravation
von einem Integritätsschaden von 20% ausgegangen worden. Mittlerweile
habe sich die neuropsychologische Befundlage verändert. Die neuen Re-
sultate würden an sich eine kognitive Verschlechterung darlegen, aller-
dings zeigten sich diesmal neu Aggravationstendenzen, so dass die Unter-
suchung nicht verwertet werden könne. Da die damalige Festlegung im
Jahr 2012 einzig auf den Resultaten der neuropsychologischen Testung
beruht habe, könne aktuell kein Integritätsschaden festlegt beziehungs-
weise begründet werden (Suva-act. 4/64).
7.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft nachfolgend insbesondere, ob die
C-3054/2015
Seite 31
Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig erho-
ben und daraus nachvollziehbare Schlüsse in Bezug auf den Umfang der
Arbeitsunfähigkeit im verfügungsweise geregelten Zeitraum gezogen hat.
7.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, aus den Akten ergebe sich eine rein
unfallbedingte Erwerbsunfähigkeit von 20%. Den IV-Akten lasse sich je-
doch nicht entnehmen, ob auch unfallfremde Faktoren vorliegen würden,
die Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit haben. Damit liege eine Verlet-
zung von Art. 43 ATSG vor, weshalb die angefochtene Verfügung, soweit
den Zeitraum nach dem 31. März 2013 betreffend, aufzuheben und die Sa-
che der Ergänzung des medizinischen Sachverhalts an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen sei. Im Übrigen lasse sich weder den Akten noch der ange-
fochtenen Verfügung eine Berechnung des IV-Grades entnehmen, womit
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliege.
7.2 Vernehmlassend führt die IVSTA aus, es sei nicht zu bestreiten, dass
der medizinische Aktenstand bei Erlass der angefochtenen Verfügung nicht
mehr aktuell gewesen sei. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens seien
daher bei der Suva sämtliche seit der letzten Aktenübermittlung vom
6. Februar 2013 aufgelaufenen Akten, insbesondere die Berichte der
Rehaklinik F._ über umfangreiche neue Untersuchungen im Früh-
jahr 2014, eingeholt worden (vgl. IV-act. 90, Suva-act. 4 und 5). Der medi-
zinische Dienst halte in seiner Beurteilung vom 13. Juli 2015 (IV-act. 93)
fest, durch die aktuelle Untersuchung der Rehaklink F._ hätten sich
im Vergleich zur Untersuchung von Ende 2012 keine neuen Aspekte erge-
ben. Ergänzende Abklärungen in dieser Hinsicht seien dementsprechend
nicht indiziert. Die der angefochtenen Verfügung zugrunde liegende Beur-
teilung der Arbeitsfähigkeit könne aufgrund des aktualisierten medizini-
schen Aktenstands ohne Weiteres bestätigt werden. Von der Durchführung
eines Einkommensvergleichs sei schliesslich abgesehen worden, da die
festgestellte Arbeitsfähigkeit von 80% auch für die bis zum Unfall ausge-
übte Tätigkeit als Hilfsdachdecker gelte, und im Rahmen eines Prozentver-
gleichs eine Erwerbseinbusse von 20% festgestellt worden sei (vgl. IV-act.
62).
7.3 Die Akten der Unfallversicherung seit dem 6. Februar 2013 holte die
IVSTA erst im Rahmen der Vernehmlassung im Beschwerdeverfahren ein.
Dieser verspätete Beizug der vollständigen Akten bedeutet für den Be-
schwerdeführer jedoch keinen Nachteil, zumal ausgeschlossen werden
kann, dass die Vorinstanz bei Vorlage der nachgeforderten Unterlagen zu
einem anderen Ergebnis gelangt wäre (vgl. dazu nachfolgend E. 7.4). Mit
C-3054/2015
Seite 32
Stellungnahme vom 13. Juli 2015 (IV-act. 93) hielt der medizinische Dienst
der IVSTA (Dr. Vv._) zu den eingeforderten Akten denn auch fest,
gemäss der aktuellen psychiatrischen und interdisziplinären Abklärung be-
stehe keine relevante psychiatrische Störung, ebenfalls keine somato-
forme oder neurasthenische Erschöpfung. Gegenüber der Untersuchung
aus dem Jahr 2012 habe sich aus psychiatrischer Sicht nichts geändert.
Die neuropsychologische Untersuchung habe klar Zeichen einer Aggrava-
tion ergeben; es sei von einem intakten neuropsychologischen Funktions-
niveau auszugehen. Aufgrund des sehr ausführlichen vollständig nachvoll-
ziehbaren Aktenstandes würden keine Anhaltspunkte für ein invalidisieren-
des unfallfremdes Geschehen bestehen. Eine ergänzende Abklärung auf
Krankheitsfolgen sei nicht indiziert. Dem Beschwerdeführer wurde mit der
Einladung zur Replik Gelegenheit zur Stellungnahme zu den nachgefor-
derten Akten und der Einschätzung des medizinischen Dienstes respektive
der Vorinstanz gegeben, auf welche er jedoch verzichtete. Eine Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör kann daher nicht festgestellt werden.
7.4 Die neurologischen, neuropsychologischen, psychiatrischen und ortho-
pädischen Berichte und interdisziplinären Austrittsberichte beziehungs-
weise Stellungnahmen der Universitätskliniken J._ vom Juni 2011
(vgl. E. 6.3.1) und der Rehaklinik F._ vom August/September 2010
(vgl. vorne E. 6.2.4), April 2011 (vgl. E. 6.2.8), November 2011 (vgl. E.
6.3.2), Juli 2012 (vgl. E. 6.3.3) und Mai 2014 (vgl. E. 6.4.2) erfüllen die
Anforderungen an beweiskräftige Gutachten (vgl. E. 4.4.2). Sie geben die
Vorakten wieder, fussen auf umfangreichen Untersuchungen, erheben voll-
ständige Befunde, berücksichtigen die vom Beschwerdeführer geklagten
Beschwerden, diskutieren die nachvollziehbar gestellten Diagnosen und
sind in ihren Schlussfolgerungen zur gesundheitlichen Situation und deren
Auswirkungen überzeugend. Sämtlichen Berichten ist daher volle Beweis-
kraft zuzumessen. Aus den vorliegenden Berichten ergibt sich ein schlüs-
siges und Bild des Gesundheitszustands, aufgrund dessen sich Aussagen
zum zeitlichen Verlauf der Arbeitsunfähigkeit machen lassen. Auf die me-
dizinische Dokumentation der Suva ist daher – soweit die Unfallfolgen be-
treffend – vollumfänglich abzustellen.
7.5 Die medizinischen Akten dokumentieren den gesundheitlichen Verlauf
seit dem Unfall ausführlich.
7.5.1 Die anlässlich des Unfalls erlittenen Frakturen wurden erfolgreich
operativ behandelt (vgl. E. 6.2.1) und waren spätestens im Juli 2012 voll-
ständig verheilt (vgl. E. 6.2.7, E. 6.3.3.2); orthopädischerseits bestanden
C-3054/2015
Seite 33
ab dem 6. Juli 2012 keine relevanten Einschränkungen mehr (vgl. E.
6.3.3.1). Die mit Austrittsbericht vom 8. September 2010 erstmals erwähnte
schmerzhafte Funktionseinschränkung der HWS (vgl. E. 6.2.4.3, E. 6.2.5,
E. 6.3.2.1) wurde nicht als für die Arbeitsfähigkeit relevant beurteilt; am
27. April 2011 wurde festgestellt, eine Verweistätigkeit sei körperlich, nicht
aber kognitiv zumutbar (Suva-act. 1/70). Betreffend die am 29. Juli 2010
festgestellte kleine Blutung im Gyrus orbitals rechts (vgl. E. 6.2.3) wurde
mit neuropsychologischem Bericht vom 6. August 2010 festgestellt, allfäl-
lige daraus resultierende Verhaltensauffälligkeiten im Sinne einer Persön-
lichkeitsveränderung seien zu beobachten (Suva-act. 1/230). Mit neurolo-
gischem Bericht vom 11. August 2010 wurde die Blutung als klinisch nicht
relevant eingestuft (Suva-act. 1/218 f.). Mit MRT vom 17. Dezember 2010
konnten schliesslich keine älteren Parenchym-Läsionen nachgewiesen
werden (vgl. E. 6.2.6).
7.5.2 In psychologischer und psychiatrischer Sicht wurde am 6. August
2010 durch die Rehaklinik F._ erstmals eine leichte bis mittel-
schwere neuropsychologische Störung mit Einschränkungen der Aufmerk-
samkeitsfunktionen und der Gedächtnisleistungen im Rahmen eines post-
kontusionellen Syndroms (ICD-10: F07.2) diagnostiziert, die am 27. April
2011 bestätigt wurde (Suva-act. 1/226 ff.; 1/69 ff.). Der Neurologe Dr.
E._ erachtete die angegebenen kognitiven Veränderungen nicht als
auf einer organischen Basis beruhend (Suva-act. 1/218 f.). Im April 2011
wurde zusätzlich der Verdacht auf eine organische Persönlichkeitsverän-
derung nach traumatischer Hirnverletzung (ICD-10: F07.0) geäussert
(Suva-act. 1/71). Diese Diagnose wurde im November 2011 noch differen-
zialdiagnostisch erwogen bei der Hauptdiagnose einer leichten bis mittel-
gradigen neuropsychologischen Störung mit im Vordergrund stehender As-
thenie nach einer Schädigung des Gehirns (ICD-10: F07.7) (Suva-act.
2/260, 2/253 ff.). Im Juli/Dezember 2012 wurde wiederum die Diagnose
neuropsychologische Störung im Rahmen eines psychoorganischen Syn-
droms (ICD-10: F07.2) gestellt, jedoch nur noch in leichter Ausprägung
(vgl. E. 6.3.3.3 und 6.3.3.5); zudem wurde eine Persönlichkeitsverände-
rung als unwahrscheinlich beurteilt (vgl. E. 6.3.3.4). Im Mai 2014 wurden
normgerechte Leistungen in den meisten kognitiven Bereichen, eine deut-
liche Verschlechterung in einigen kognitiven Teilfunktionen und Aggravati-
onstendenzen bemerkt. Insgesamt ging der Neuropsychologe von einem
intakten neuropsychologischen Funktionsniveau aus (vgl. E. 6.4.2.1). Auch
psychiatrischerseits wurde keine psychische Störung (mehr) diagnostiziert
und eine günstige Prognose gestellt (vgl. E. 6.4.2.4).
C-3054/2015
Seite 34
7.5.3 Gemäss neuropsychologischem Rapport vom 6. August 2010 berich-
tete der Beschwerdeführer über eine leichte Erschöpfung, wobei die Be-
lastbarkeit während der Untersuchung nicht reduziert gewirkt habe (Suva-
act. 1/229 f.). Der Hausarzt hielt am 4. Oktober 2010 fest, der Beschwer-
deführer berichte über eine ausgeprägte Erschöpfbarkeit (IV-act. 13). Im
April und Juni 2011 wurde auch durch die Rehaklinik F._ und die
Universitätskliniken J._ über eine deutlich erhöhte Erschöpfbarkeit
respektive eine sichtbare starke Ermüdbarkeit berichtet, die seitens der
Universitätskliniken als asthenische Störung interpretiert wurde (Suva-act.
1/69 ff., 1/12 f.). Im November 2011 berichtete die Rehaklink F._
über die Beklagung verschiedener neurasthenischer Beschwerden durch
den Beschwerdeführer, die hinsichtlich der beruflichen Funktionsfähigkeit
als limitierender Faktor eingestuft wurde (Suva-act. 2/259 f., 2/253 f.). Eine
hohe Erschöpfbarkeit beklagte der Beschwerdeführer auch im Juli 2012
(Suva-act. 2/17 ff., 2/29 ff.), wobei diese als durch den Psychiater als neu-
rasthenieuntypisch eingestuft und die Frage aufgeworfen wurde, wie au-
thentisch die Beschwerden seien (Suva-act. 2/34, 2/38 f.). Psychatrischer-
seits wurden im Juli 2012 eine starke Schonung und Selbstlimitierung
durch die angegebene Erschöpfung konstatiert (Suva-act. 2/39 sowie E.
6.3.3.6) und neurologischerseits wurden Inkonsistenzen zwischen der be-
richteten Erschöpfbarkeit und dem Verhalten des Beschwerdeführers fest-
gestellt (vgl. E. 6.3.3.5). Die physiotherapeutische Untersuchung im Juli
2012 ergab normale Befunde, die mit einer starken Erschöpfung nicht ver-
einbar waren (vgl. E. 6.3.3.6). Im Juli 2014 zeigte sich in der neuropsycho-
logischen und psychiatrischen Untersuchung eine gute psychophysische
Belastbarkeit und wiederum Inkonsistenzen zwischen der angegebenen
Erschöpfbarkeit und dem Verhalten während der Untersuchung (vgl. E.
6.4.2.1, 6.4.2.4).
Ebenfalls weder somatisch noch psychiatrisch erklärt werden konnten die
am 9. Dezember 2010, September/Oktober 2011 und 16. Juni 2012 durch
den Beschwerdeführer berichteten Synkopen (vgl. etwa Suva-act. 1/69,
2/257, 2/42 ff.) und Kopfschmerzen (vgl. Suva-act. 1/223, 1/69 ff., 1/8 ff.,
2/68 ff.). Eine Epilepsie konnte nicht nachgewiesen werden (vgl. Suva-act.
2/59, 4/87 f.).
7.5.4 Aus den medizinischen Berichten ergibt sich ein instabiler Gesund-
heitszustand bis Mitte 2012; vor diesen Zeitpunkt waren sich die Rehabili-
tationsärzte einig, dass eine definitive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
noch nicht erfolgen könne und der weitere Verlauf abzuwarten sei (vgl. E.
6.2.4. in fine, E. 6.2.5, E. 6.2.8, E. 6.3.1.2 in fine). Im November 2011 wurde
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ein atypischer Verlauf nach einer traumatischen Hirnverletzung festgestellt
und erstmals von einer unbewussten Verdeutlichung der Beschwerden
ausgegangen, die auch im Juli 2012 als wahrscheinlich erachtet wurde
(vgl. E. 6.3.2.1, 6.3.3.3). Im Dezember 2012 wurde von einem abgeschlos-
senen Heilverlauf ausgegangen und erwogen, dass die Funktionsfähigkeit
bei Berufen mit hohen kognitiven Anforderungen eingeschränkt sei, wobei
sich die Leistungsminderung in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit nicht be-
merkbar machen sollte. Allenfalls sei auch bei einer angepassten Tätigkeit
von einer Leistungsminderung von 20% zufolge vermehrtem Erholungs-
und Pausenbedarf auszugehen (vgl. E. 6.3.3.5). Im Mai 2014 wurde ver-
merkt, es bestehe keine verminderte Zumutbarkeit (Arbeitsfähigkeit), we-
der in den bisherigen noch in Verweistätigkeiten (vgl. E. 6.4.2.1).
7.5.5 Nach dem Gesagten ergibt sich aus den Unfallakten per Mai 2014
ein abgeschlossener Heilverlauf bei Persistieren von (angegebenen) Er-
schöpfungszuständen sowie Kopfschmerzen und bei Vorliegen von Aggra-
vationstendenzen. Die Suva verneinte eine unfallbedingte Invalidität mit
Verfügung vom 24. Oktober 2014 (Suva-act. 4/39 f.) und Einspracheent-
scheid vom 17. Juli 2015 (Suva-act. 410) implizit. Diese Einschätzung
wurde durch das Kantonsgericht des Kantons K._ mit Urteil vom
8. Juni 2016 bestätigt (Suva-act. 420). Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist die Invaliditätsschätzung der Unfallversicherung für die
Invalidenversicherung zwar zu berücksichtigen, doch darf der Invalidenver-
sicherungsträger eine solche Einschätzung keinesfalls ohne weitere ei-
gene Prüfung übernehmen (vgl. zum Ganzen BGE 133 V 549 E. 6; BGE
131 V 362; BGE 126 V 288 E. 2).
Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise dafür, dass aufgrund der we-
der hirnorganisch noch psychiatrisch erklärbaren, von Inkonsistenzen ge-
prägten angegeben Erschöpfungszustände eine rein krankheitsbedingte,
das heisst nicht auf Unfallfolgen zurückzuführende, Invalidität bestehen
würde. Es ist auch nicht ersichtlich, wie dies weiter abgeklärt werden
könnte, nachdem die begutachtenden Ärzte festhalten, die Erschöpfbarkeit
könne nicht (mehr) verifiziert werden. Der Beschwerdeführer bringt selbst
keine ärztlichen Berichte bei, die eine Erklärung für die Erschöpfung bieten
könnten oder Anlass zu weiteren Abklärungen geben würden. Er macht
auch keine Verschlechterung seines Gesundheitszustands geltend. Damit
bestehen keine Hinweise auf unfallfremde medizinische Einschränkungen.
Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes der Vorinstanz kann dem-
nach nicht festgestellt werden.
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Seite 36
7.5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vorliegenden Arztbe-
richte ein komplettes Bild über den Gesundheitszustand des Beschwerde-
führers für den hier relevanten Zeitraum geben. Der rechtserhebliche Sach-
verhalt erweist sich diesbezüglich als vollständig und richtig erstellt. In an-
tizipierter Beweiswürdigung ist daher von weiteren Abklärungen auf Krank-
heitsfolgen abzusehen (vgl. BGE 127 V 491 E. 1b; 124 V 90 E. 4b; 122 V
157 E. 1d mit Hinweis).
7.6 Die Vorinstanz stützt ihre Verfügung in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers vollumfänglich auf die Einschätzungen der
Rehaklinik F._ vom Juli/August 2012 einerseits und vom 7. Dezem-
ber 2012 andererseits sowie die entsprechende Stellungnahme des medi-
zinischen Diensts vom 22. März 2013 (IV-act. 59; vgl. vorne E. 6.3.4). Sie
geht von einer vollen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen oder einer ange-
passten Arbeitstätigkeit ab dem 1. Juni 2010 und – bei Fortbestehen einer
leichten neuropsychologische Störung im Rahmen eines psychoorgani-
schen Syndroms – einer solchen von 20% ab dem 7. Dezember 2012 bei
einer Belastbarkeit bis 25kg und im Übrigen ohne funktionelle Einschrän-
ken aus. Diese Einschätzung steht im Einklang mit den vorliegenden ärzt-
lichen Berichten und Gutachten und ist nachvollziehbar. Ab Mai 2014 ergibt
sich aus den vorliegenden medizinischen Akten gar eine volle Arbeitsfähig-
keit in der angestammten wie in einer angepassten Tätigkeit, was auf den
Anspruch auf eine Invalidenrente jedoch keinen Einfluss hat.
7.7 Dass die Vorinstanz zur Berechnung des Invaliditätsgrads einen Pro-
zentvergleich vorgenommen hat (vgl. IV-act. 62 und die Vernehmlassung
vom 23. Juli 2015), ist bei vorliegender Sachlage nicht zu beanstanden.
Der Prozentvergleich ist eine zulässige Variante des Einkommensver-
gleichs. Dabei ist das ohne Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs-
einkommen mit 100% zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf
einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich
aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (vgl. das Urteil des
BGer 9C_888/2014 vom 4. Februar 2015 E. 2). Der ordentliche Einkom-
mensvergleich erübrigt sich vorliegend, weil der Beschwerdeführer zu-
nächst in der angestammten wie auch in einer Verweistätigkeit gleicher-
massen arbeitsunfähig war beziehungsweise mittlerweile gleichermassen
arbeitsfähig ist und daher für das Validen- und das Invalideneinkommen
jeweils dieselbe Bemessungsgrundlage herangezogen wird (vgl. das Urteil
des BGer 8C_463/2012 vom 3. August 2012 E. 4.2). Nach der zutreffenden
Berechnung der Vorinstanz ergab sich per Juni 2011 bei voller Arbeitsun-
fähigkeit ein Invaliditätsgrad von 100% respektive per Dezember 2012 bei
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Seite 37
einer Arbeitsunfähigkeit von 20% ein Invaliditätsgrad von 20%. Gestützt auf
die nachträglich eingereichten Arztberichte ist per Mai 2014 von einem In-
validitätsgrad von 0% auszugehen.
7.8 Im Ergebnis hat die Vorinstanz zu Recht dem Beschwerdeführer vom
1. Juni 2011 bis 31. März 2012 eine befristete Rente zugesprochen und
festgestellt, dass seit dem 1. April 2013 kein entsprechender Anspruch
mehr besteht. Die Rügen des Beschwerdeführers dringen nach dem Ge-
sagten nicht durch, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
8.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
8.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m.
Abs. 2 IVG). Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs.
1 VwVG die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Da
dem unterliegenden Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom
2. September 2015 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde
(BVGer-act. 13), sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
8.2 Nachdem dem Beschwerdeführer auch ein unentgeltlicher Rechtsver-
treter beigeordnet wurde (BVGer-act. 13), ist dieser zu Lasten der Gerichts-
kasse amtlich zu entschädigen. Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist
das Honorar aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE).
Dabei ist von einem Stundenansatz für Anwälte von mindestens Fr. 200.-
und höchstens Fr. 400.- auszugehen (Art. 9 Abs. 1 i.V.m. Art. 10 Abs. 2
VGKE). Unter Berücksichtigung des gebotenen und aktenkundigen Auf-
wands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des vorlie-
gend zu beurteilenden Verfahrens sowie in Anbetracht der in vergleichba-
ren Fällen gesprochenen Entschädigungen ist ein amtliches Honorar von
Fr. 2'800.- angemessen (Art. 65 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a
VGG und Art. 14 Abs. 2 VGKE; inkl. Auslagen, exkl. Mehrwertsteuer [vgl.
Art. 5 Bst. b des Mehrwertsteuergesetzes vom 2. September 1999
(MWSTG, SR 641.20) i.V.m. Art. 14 Abs. 3 Bst. c MWSTG sowie Art. 9 Abs.
1 Bst. c VGKE, vgl. auch Urteil des BVGer C-6983/2009 vom 12. April
2010]). Es wird darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer der Ge-
richtskasse Ersatz zu leisten hat, wenn er zu hinreichenden Mitteln gelangt
(Art. 65 Abs. 4 VwVG).
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Die Vorinstanz hat gemäss Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht (VGKE, SR 173.320.2) keinen Anspruch auf eine Parteientschädi-
gung.
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