Decision ID: fd92bf4f-9072-4345-97a5-a79552ef77d8
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
vorsätzliches Fahren in fahrunfähigem Zustand und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, Einzelgericht, vom 3. November 2014 (GG140013)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 16. Juni
2014 (Urk. 11) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 26 S. 24 ff.)
1. Die Beschuldigte ist schuldig des vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem
Zustand (qualifizierte Blutalkoholkonzentration) im Sinne von Art. 91
Abs. 1 Satz 2 SVG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 2 der Verordnung der Bun-
desversammlung über Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 9 Monaten Freiheitsstrafe.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
4. Der (teil-) bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft Winterthur/Unterland vom 25. März 2013 ausgefällten Geldstrafe von
2'400.– wird widerrufen.
5. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von
Art. 60 StGB (Suchtbehandlung) angeordnet.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 5'422.40 Auslagen Vorverfahren (gemäss Kontoauszug RIS)
Fr. 40.00 Kosten KAPO
Fr. 1'200.00 Gebühr für die Führung der Strafuntersuchung
Fr. 8'162.40 Total
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert
sich die Gerichtsgebühr um einen Drittel.
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7. Die Entschädigung von Rechtsanwalt lic. iur. X._ für die
amtliche Verteidigung der Beschuldigten vom 2. Dezember 2013 bis zum
3. November 2014 wird auf Fr. 3'780.– (inkl. MWST) festgesetzt.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten
auferlegt.
9. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse
genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
10. (Mitteilungen)
11. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 27 S. 2; Urk. 52; Prot. II S. 6)
- Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils bezüglich Dispositiv-Ziff. 1, 4,
6, 7, 8 und 9
- Bestrafung mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à CHF 30
- Gewährung des bedingten Vollzugs
- Bei Vollzug der Strafe, Aufschub derselben zu Gunsten einer ambulan-
ten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB (Suchtbehandlung)
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 32 S. 1)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
1. Verfahrensgang / Prozessuales
1.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 3. November 2014 wurde die
Beschuldigte des vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (qualifizierte
Blutalkoholkonzentration) im Sinne von Art. 91 Abs. 1 Satz 2 SVG in Verbindung
mit Art. 1 Abs. 2 der Verordnung der Bundesversammlung über Blutalko-
holgrenzwerte im Strassenverkehr schuldig gesprochen (Disp.-Ziff. 1) und mit
9 Monaten Freiheitsstrafe bestraft (Disp.-Ziff. 2), deren Vollzug nicht aufgescho-
ben wurde (Disp.-Ziff. 3). Der (teil-) bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 25. März 2013 ausgefällten
Geldstrafe von 120 Tagessätzen à Fr. 30.– (davon 80 Tagessätze bedingt bei ei-
ner Probezeit von 4 Jahren) wurde widerrufen (Disp.-Ziff. 4). Schliesslich ordnete
die Vorinstanz eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von
Art. 60 StGB (Suchtbehandlung) an (Disp.-Ziff. 5) und auferlegte der Beschuldig-
ten die Kosten, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung (Disp.-
Ziff. 6-9) (Urk. 26 S. 24 f.).
1.2. Gegen dieses Urteil, das der Beschuldigten am 3. November 2014 mündlich
eröffnet und im Dispositiv übergeben wurde (Prot. I S. 12 ff.) und der Staats-
anwaltschaft am 5. November 2014 schriftlich im Dispositiv zugestellt wurde
(Urk. 20/1), liess die Beschuldigte durch ihren amtlichen Verteidiger am
10. November 2014 Berufung anmelden, wobei die Eingabe – wohl versehent-
lich – als "Berufungserklärung" bezeichnet wurde (Urk. 22; Art. 399 Abs. 1 StPO).
Nachdem ihr am 4. März 2015 das begründete Urteil (Urk. 24 = Urk. 26) zuge-
gangen war (Urk. 25/1), liess die Beschuldigte fristgerecht mit Eingabe vom
10. März 2015 die Berufungserklärung hierorts einreichen (Urk. 27; Art. 399
Abs. 3 StPO). Darin stellte der Verteidiger der Beschuldigten die eingangs er-
wähnten Berufungsanträge sowie den Beweisantrag, es sei die Beschuldigte ei-
ner erneuten Begutachtung zu unterziehen bzw. das Massnahmegutachten vom
24. (recte: 29.) April 2014 sei zu ergänzen (Urk. 27 S. 2). Mit Präsidialverfügung
vom 23. März 2015 wurde der Staatsanwaltschaft die Berufungserklärung über-
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mittelt und Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben
oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen sowie obligatorisch zum
Beweisantrag der Beschuldigten Stellung zu nehmen (Urk. 30). Darauf beantragte
die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 7. April 2015, das vorinstanzliche Urteil
sei zu bestätigten sowie der Beweisantrag abzuweisen und ersuchte um Dispen-
sation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung (Urk. 32). Innert erstreck-
ter (Urk. 34) Frist reichte die Verteidigung mit Eingabe vom 24. April 2015 das von
der Beschuldigten ausgefüllte Datenerfassungsblatt inkl. Schreiben der IV-Stelle
ins Recht (Urk. 36-38) und liess sich innert mit Präsidialverfügung vom 27. April
2015 angesetzter Frist (Urk. 39) zur Eingabe der Staatsanwaltschaft vernehmen
(Urk. 41). Dabei reichte die Verteidigung zahlreiche Laborberichte von "Medica –
Medizinische Laboratorien" betreffend CDT-Wert der Beschuldigten zu den Akten
(Urk. 43/1-6), womit bewiesen werden könne, dass die Beschuldigte seit Oktober
2014 keinen Alkohol mehr konsumiert habe (Urk. 41 S. 2). Mit Präsidialverfügung
vom 15. Juni 2015 wurde der Beweisantrag der Beschuldigten auf erneute Begut-
achtung bzw. Ergänzung des Massnahmegutachtens vom 29. April 2014 einstwei-
len abgewiesen (Urk. 45).
1.3. Am 18. Juni 2015 wurde auf den 7. September 2015 zur Berufungsverhand-
lung vorgeladen, wobei der Staatsanwaltschaft das Erscheinen unter Vorbehalt
von Art. 337 Abs. 4 StPO i.V.m. Art. 379 StPO sowie Art. 405 Abs. 4 StPO freige-
stellt wurde (Urk. 47). Zur Verhandlung ist die Beschuldigte in Begleitung ihres
amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur. X._ erschienen (Prot. II S. 6).
1.4. Anlässlich der Berufungsverhandlung, nach durchgeführter Befragung der
Beschuldigten zur Person und zur Sache (Urk. 50), beantragte die Verteidigung
wie bereits im Vorfeld der Verhandlung (Urk. 27 S. 2) (Art. 331 Abs. 3 und 339
StPO), es sei eine erneute Begutachtung bzw. Ergänzung des Massnahmegut-
achtens vom 29. April 2014 zu veranlassen. Ergänzend führte die Verteidigung
an, die Beschuldigte befinde sich aktuell im Verfahren für die Wiedererlangung
des Führerscheins. Im Rahmen der Fahreignungsabklärung am 4. September
2015 und damit unmittelbar vor der Berufungsverhandlung (dazu Urk. 53/1) habe
Frau Dr. B._, also die gleiche Ärztin, die im Gutachten vor einem Jahr eine
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stationäre Therapie empfohlen hatte, nunmehr die Empfehlung auf Wiederertei-
lung des Führerscheins in Aussicht gestellt. Vor diesem Hintergrund sei eine Er-
gänzung des Gutachtens angezeigt (Prot. II S. 7 f.). Die Verteidigung erklärte sich
einverstanden, dass über den Antrag auf Ergänzung des Gutachtens nach dem
Parteivortrag entschieden werde und hielt sodann ihr Plädoyer zur Berufungs-
begründung (Prot. II S. 8 ff.). Hernach wurde – antragsgemäss – die Einholung
eines Ergänzungsgutachtens in Aussicht gestellt. Die Verteidigung erklärte sich
sodann einverstanden, das Berufungsverfahren fortan schriftlich fortzuführen
(Prot. II S. 11).
1.5. Mit Beschluss vom 11. September 2015 wurde eine Ergänzung des
Massnahmegutachtens vom 29. April 2014 eingeholt, wobei Frau Dr. med.
B._, die Gutachterin des Massnahmegutachten vom 29. April 2014
(Urk. 6/4), mit der Erstattung des Ergänzungsgutachtens beauftragt wurde. Der
Gutachterin wurden die Fragen zur Beantwortung unterbreitet, ob an den im Gut-
achten vom 29. April 2014 gestellten Befunden und abgegebenen Empfehlungen,
insbesondere hinsichtlich der vorgeschlagenen stationären therapeutischen
Massnahme, festzuhalten sei, und, falls nicht, welche Neubeurteilungen und Neu-
empfehlungen, insbesondere hinsichtlich einer möglichen Massnahme, sich nun-
mehr ergäben (Urk. 54; detaillierter Gutachtensauftrag Urk. 55). In der Folge er-
klärte sich die Verteidigung einverstanden, die Berichte zur (verkehrsmedizini-
schen) Untersuchung der Beschuldigten im Rahmen des Administrativverfahrens
zur Wiedererlangung des Führerausweises beizuziehen, was eine erneute Explo-
ration der Beschuldigten im vorliegenden Verfahren entbehrlich machte, zumal die
Beschuldigte in jenem Verfahren durch die Gutachterin bereits eingehend unter-
sucht worden ist (Urk. 57-60). Mit Schreiben der hiesigen Kammer vom
6. Oktober 2015 wurde der Gutachtensauftrag insofern präzisiert, als die im Er-
gänzungsauftrag vom 11. September 2015 aufgeworfenen Fragen (Urk. 54
und 55) unter Beizug der Berichte zur (verkehrsmedizinischen) Untersuchung und
ohne erneute persönliche Exploration der Beschuldigten beantworten werden
können, sofern dies aus gutachterlicher Sicht vertretbar und zweckmässig er-
scheint (Urk. 62).
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1.6. Unter dem 16. Oktober 2015 erstattete die Gutachterin das Ergänzungsgut-
achten (Urk. 63). Die Staatsanwaltschaft liess sich nicht vernehmen (vgl. Urk. 69).
Die Verteidigung verzichtete auf eine Stellungnahme und reichte ihre aktualisierte
Honorarnote mit dem Antrag auf Genehmigung ein (Urk. 66).
2. Umfang der Berufung
Die Berufung der Beschuldigten richtet sich gemäss ihrer Berufungserklärung
vom 10. März 2015 gegen Dispositiv-Ziff. 2, 3 und 5, also gegen die Bemessung
und den Vollzug der Strafe sowie der Anordnung einer stationären Massnahme
(Urk. 27 S. 2; Urk. 52). Im Übrigen ist das vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft er-
wachsen (Art. 404 Abs. 1 StPO), was vorab festzustellen ist.
3. Strafzumessung
3.1. Ausgangslage
Wer sich des vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (bei qualifizierter
Blutalkoholkonzentration) im Sinne von Art. 91 Abs. 1 Satz 2 aSVG schuldig
macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe sanktioniert.
Die Vorinstanz hat die Beschuldigte mit 9 Monaten Freiheitsstrafe bestraft
(Urk. 26 S. 24), wogegen sich die Beschuldigte berufungsweise wendet und statt-
dessen eine Bestrafung mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 30.– be-
antragt (Urk. 27 S. 2; Urk. 52; Prot. II S. 6). Nachdem lediglich die Beschuldigte
Berufung erhoben hat, darf der Entscheid der Vorinstanz nicht zu ihrem Nachteil
abgeändert werden (Verschlechterungsverbot; Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO). Es
darf im Berufungsverfahren deshalb keine strengere Bestrafung erfolgen.
3.2. Grundsätze der Strafzumessung
Die Grundsätze der Strafzumessung im Sinne Art. 47 ff. StGB richten sich nach
der einschlägigen bundesgerichtliche Rechtsprechung (eingehend: BGE 136
IV 55 E. 5.4 ff. mit Hinweisen). Die Vorinstanz hat diese Grundsätze zutreffend
wiedergegeben, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 26 S. 8-11; Art. 82
Abs. 4 StPO; vgl. zur Zulässigkeit der Verweisung auf die Vorinstanz Urteil des
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Bundesgericht 6B_1224/2014 vom 9. April 2015 E. 1.2.2. und 1.2.3. [zur Publika-
tion vorgesehen]).
3.3. Objektive Tatschwere
3.3.1. Gemäss Art. 1 Abs. 2 der Verordnung über Blutalkoholgrenzwerte im Stras-
senverkehr gilt ein Blutalkoholgehalt ab 0.8 Promille als qualifiziert. Mit einem Mi-
nimalwert von 1.89 Promille hat die Beschuldigte diesen Grenzwert um mehr als
das Doppelte überschritten, was sich deutlich straferhöhend auswirkt. Art. 91 SVG
avisiert den Schutz der Verkehrssicherheit. Zu konstatieren ist vorliegend, dass
keine konkrete Gefährdung aktenkundig ist, jedoch aufgrund der Teilnahme der
Beschuldigten am Strassenverkehr in doch stark alkoholisiertem Zustand eine er-
hebliche (abstrakte) Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer geschaffen wurde.
Zwar hat sich die Trunkenheitsfahrt am Mittwoch, 28. August 2013 um ca. 20.10
Uhr ausserhalb der Hauptverkehrszeiten ereignet, doch ist zu diesem Zeitpunkt
und auf der von der Beschuldigten befahrenen Hauptstrasse durchaus mit Ver-
kehr zu rechnen. Die von der Beschuldigten zurückgelegte Strecke ist mit
ca. 5 km Länge bis zum Ort der polizeilichen Kontrolle (und total gut 10 km bis
zum eigentlichen Ziel in C._ bei ihrer Schwester) nicht mehr als kurz zu be-
zeichnen (vgl. Google-Maps). Sie führt über primär ländliches Gebiet. Immerhin
war die Beschuldigte mit der gefahrenen Strecke vertraut. Nach dem Gesagten
wiegt die objektive Tatschwere innerhalb des zur Verfügung stehenden Straf-
rahmens noch leicht.
3.4. Subjektive Tatschwere
3.4.1. Bei der Bewertung des subjektiven Verschuldens hat das Gericht (auch) ei-
ne allfällig verminderte Schuldfähigkeit zu berücksichtigen (BGE 136 IV 55 E. 5.5
und E. 5.6). Die Gutachterin attestiert der Beschuldigten, dass sie im Tatzeitpunkt
aufgrund der schweren Alkoholabhängigkeit und der nachgewiesenen Blut-
alkoholisierung nur teilweise fähig gewesen sei, gemäss der (vollständig vorhan-
denen) Einsicht in das Unrecht der Taten zu handeln. Es liege "im Vergleich zu
anderen Straftätern aus dem gleichen Kollektiv jedoch gesamthaft keine Vermin-
derung der Schuldfähigkeit" vor (Urk. 6/4 S. 26; vgl. auch Urk. 63 S. 3). Im Kapitel
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"Zusammenfassung und Beurteilung" hält die Gutachterin indes fest, die Beschul-
digte habe eher impulsiv ohne grösseren Planungsgrad gehandelt, was dann
schlussendlich zu der Trunkenheitsfahrt geführt habe. Die Beschuldigte habe sich
zu diesem Zeitpunkt wenige Gedanken über die Konsequenzen ihres Handelns
gemacht, was möglicherweise auf die Alkoholisierung zurückzuführen sei. Da
allerdings eine gewisse Alkoholgewöhnung vorzuliegen scheine und die Blut-
alkoholisierung nicht über 2 Promille lag, müsse zwar zum Tatzeitpunkt von einer
erheblichen Alkoholisierung gesprochen werden, welche allenfalls eine leichte
Verminderung der Steuerungsfähigkeit zur Folge gehabt habe. Die Beschuldigte
habe auch keine Erinnerungslücken oder andere Störungen der Hirnleistungen
geltend gemacht. Sie habe die Vorkommnisse auch korrekt schildern können und
es hätten sich keine Widersprüche in ihren Aussagen ergeben. Es habe keine
Versuche gegeben, die Tat und entsprechende Hinweise (Nachtatverhalten) zu
verschleiern. Insgesamt lasse sich somit sagen, dass auch im Vergleich zu ähnli-
chen Tätern lediglich eine leichte Verminderung der Schuldfähigkeit feststellbar
sei (Urk. 6/4 S. 23).
Die Vorinstanz hält lediglich – unter Hinweis auf BGE 117 IV 292 S. 296 E. 2d –
fest, dass von einer verminderten Zurechnungsfähigkeit im Sinne von Art. 19
Abs. 2 StGB bei einer Blutalkoholkonzentration von unter 2 Gewichtspromillen
nicht auszugehen sei (Urk. 26 E. IV./3.2.2.). Allerdings handelt es sich hierbei
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung lediglich um eine "grobe Orientie-
rungshilfe/Faustregel", mithin um eine (natürliche) Vermutung, die jedoch "im Ein-
zelfall durch Gegenindizien umgestossen" werden kann. Entscheidend für die Be-
einträchtigung von Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit ist vielmehr der psycho-
pathologische Zustand (der Rausch), und nicht dessen Ursache, die Alkoholisie-
rung, die sich in der Blutalkoholkonzentration widerspiegelt (grundlegend
BGE 122 IV 49 E. 1b; vgl. jüngst Urteil des Bundesgerichts 6B_648/2014 vom
28. Januar 2015 E. 2.2 [nicht publiziert in: BGE 141 IV 34]; zum Ganzen auch
BSK StGB I-BOMMER/DITTMANN, Art. 19 N 61 ff.). Nachdem sich der Grundsatz "in
dubio pro reo" auch auf die tatsächlichen Voraussetzungen der Schuldfähigkeit
bezieht, ist auf verminderte Schuldfähigkeit nicht erst bei zweifelsfreiem Vorliegen
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ihrer Voraussetzungen zu schliessen (so BSK StGB I-BOMMER/DITTMANN, Art. 19
N 51).
Solche Gegenindizien hat die Gutachterin bei der Beschuldigten im Tatzeitpunkt
verortet und beschrieben (gedanken- und planloses, eher impulsives Handeln;
Urk. 6/4 S. 23). Aus forensisch-psychiatrischer Sicht werden Anhaltspunkte für ei-
ne leichte Verminderung der Schuldfähigkeit konstatiert. Somit ist davon auszu-
gehen, dass die Steuerungsfähigkeit der Beschuldigten im Tatzeitpunkt leicht
vermindert war (vgl. auch Urk. 63 S. 3). Es besteht kein Anlass, von dieser Ein-
schätzung der Gutachterin abzuweichen. Es ist bei erhaltener Einsichtsfähigkeit
von einer leichten Verminderung der Steuerungsfähigkeit auszugehen. Die
Schuldfähigkeit ist damit als leichtgradig vermindert anzusehen gemäss Art. 19
Abs. 2 StGB, was leicht strafmindernd zu berücksichtigen ist (Art. 19 Abs. 2 StGB
i.V.m. Art. 48a StGB; BGE 136 IV 55 E. 5.5 und E. 5.6).
3.4.2. Die Vorinstanz hält zu Recht fest, dass bei der Beurteilung der subjektiven
Tatschwere auch von Bedeutung sei, was der Täter gewollt bzw. in Kauf genom-
men habe (Urk. 26 E. IV./3.2.1.). Inwiefern sie dann aber (erst) im Rahmen der
Strafzumessung zum Schluss gelangt, die Beschuldigte habe mit direktem Vor-
satz (Urk. 26 E. IV./3.2.2.) gehandelt, wird im vorinstanzlichen Urteil nicht weiter
begründet. Die Vorinstanz ging indes bei der Beurteilung des (unangefochtenen)
Schuldpunkts (Sachverhalt/rechtliche Würdigung) davon aus, die Beschuldigte
habe die Fahrt unternommen im Wissen darum, dass sie zuvor so viele alkoholi-
sche Getränke konsumiert gehabt habe, dass sie angetrunken gewesen sei und
ihr Blutalkoholgehalt während der Fahrt über 0.8 Gewichtspromille gelegen sei
oder sie habe dies aufgrund ihres vorgängigen Alkoholkonsums zumindest in
Kauf genommen (Urk. 26 E. II. und E. III./1.2.). Die Frage, ob die Beschuldigte
den Tatbestand von Art. 91 Abs. 1 Satz 2 SVG (direkt-)vorsätzlich oder eventual-
vorsätzlich begangen hatte, blieb im vorinstanzlichen Urteil letztlich offen und ist
damit nicht bereits rechtskräftig entschieden, sondern im Rahmen der angefoch-
tenen Strafzumessung zu klären.
Eventualvorsätzlich handelt nach der Rechtsprechung diejenige, die beim Alko-
holkonsum billigend in Kauf nimmt, nachher möglicherweise angetrunken zu fah-
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ren (BGE 104 IV 35 E. 1; dazu auch GIGER, SVG-Kommentar, Art. 91 N 32).
Nachdem die Gutachterin konstatierte, die Beschuldigte habe eher impulsiv und
ohne grösseren Planungsgrad gehandelt, was dann schlussendlich zur Trunken-
heitsfahrt geführt habe (Urk. 6/4 S. 23), ist davon auszugehen, dass die Beschul-
digte das Fahren in fahrunfähigem Zustand mit qualifizierter Blutalkoholkonzentra-
tion nicht direkt wollte und nicht im Voraus geplant hatte, es aber zumindest bei
Antritt der Fahrt in Kauf nahm, sich in einem solchen Zustand in den öffentlichen
Strassenverkehr zu begeben, mithin eventualvorsätzlich handelte.
3.4.3. Die Trunkenheitsfahrt ist einerseits nicht aus besonders verwerflichen Moti-
ven erfolgt, aber andererseits auch nicht nachvollziehbar, bestand doch für die
Fahrt keine Notwendigkeit oder Dringlichkeit. Vielmehr erscheint der Anlass der
Fahrt, das Handy-Ladekabel bei ihrer Schwester holen zu wollen, als eher nichtig.
3.4.4. Zusammenfassend sind – in Abweichung von der vorinstanzlichen Bewer-
tung der subjektiven Tatschwere – die leichte Verminderung der Schuldfähigkeit
und der Umstand, dass die Beschuldigte nicht direktvorsätzlich, sondern even-
tualvorsätzlich gehandelt hat, leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
3.5. Hypothetische Einsatzstrafe
Nach einer Gesamtbetrachtung wird das objektive Verschulden durch die subjek-
tiven Tatkomponenten leicht relativiert. Dem Tatverschulden angemessen er-
scheint eine hypothetische Einsatzstrafe im Bereich von 8 Monaten Freiheitsstrafe
resp. 240 Tagessätzen Geldstrafe.
3.6. Täterkomponenten
3.6.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze für die Bewertung der Täterkomponente
korrekt wiedergegeben und die bei der Beschuldigten vorliegenden relevanten
Umstände benannt und richtig qualifiziert (Urk. 26 E. IV./4.). Darauf kann verwie-
sen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Der Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass
sich die Tatbegehung während laufender Probezeit wie auch die einschlägigen
Vorstrafen straferhöhend und das Nachtatverhalten in der Gestalt der eigenstän-
dig eingeleiteten Alkoholabstinenz strafmindernd auswirken.
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3.6.2. Im Zusammenhang mit den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten
ist ergänzend zu den zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz darauf hinzuwei-
sen, dass die Sozialversicherungsanstalt Zürich die Einstellung der bisherigen,
seit dem 1. April 1999 entrichteten ganzen IV-Rente in Aussicht gestellt und die
Beschuldigte auf den Weg der Selbsteingliederung verwiesen hat (Urk. 38/2).
Dies bedeutet nichts anderes, als dass die Beschuldigte nach nunmehr rund
16-jähriger Rentenbezugsdauer eine Arbeitsstelle suchen muss. Anlässlich der
Berufungsverhandlung gab die Beschuldigte an, nicht mehr auf dem Hof ihrer
Schwester zu arbeiten und neu bei einer Kollegin zu wohnen. Das Verhältnis zur
Schwester sei momentan schwieriger. Was die anderen beiden Schwestern an-
belangt, so erklärte die Beschuldigte, zur ältesten Schwester überhaupt keinen
Kontakt zu haben und zur anderen ab und zu. Bis Ende Juli 2015 habe sie einen
festen Partner gehabt. Die Beziehung habe knapp ein Jahr gedauert. Am 17. Juli
(2015) habe sie den Selbstmord des Freunds ihrer Schwester miterlebt. Sie sei
dann nicht damit klar gekommen, dass ihr damaliger Freund von ihr verlangt ha-
be, dass sie dieses Erlebnis "kalt lassen" müsse, weshalb die Beziehung dann
auseinanderging (Urk. 50 S. 1 ff.).
Zur Einkommenssituation und zur beruflichen Zukunft gab die Beschuldigte an,
dass die IV-Rente per 31. Mai 2015 eingestellt worden sei. Sie betreue momentan
die Kinder ihrer Kollegin, mache mit diesen die Aufgaben, helfe der Kollegin auch
im Haushalt und könne in ihrem Restaurant aushelfen. Sie habe dort ein Zimmer
und dürfe dort essen. Ab und zu könne sie bei einem Metzger aushelfen. Sie ver-
diene monatlich etwa Fr. 1000.–. Sie sei auf Arbeitssuche, und zwar in allen Be-
reichen. Sie habe allenfalls eine Stelle in Aussicht im Restaurant ihrer Kollegin. Ih-
re Schulden würden sich auf ca. Fr. 10'000.– belaufen (Urk. 50 S. 3 ff.).
3.6.3. Unter dem Titel Nachtatverhalten ist ergänzend zu bemerken, dass die Be-
schuldigte weitere Laborbefunde ins Recht reichen liess (Urk. 43/1-6), die für die
Zeit von Oktober 2014 bis März 2015 allesamt einen CDT-Wert – ein Marker für
Alkoholabusus – im Negativbereich ausweisen. Gleiches gilt für den anlässlich
der Berufungsverhandlung eingereichten Befund vom 15. Mai 2015 (Urk. 53/2).
Den Laborbefunden ist folgender Hinweis zu entnehmen: "Der Konsum von mehr
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als 60 gr. Alkohol (etwa 7 dl Wein) pro Tag eine Woche lang lässt den Wert über
die Norm steigen." Aus den im Recht liegenden Laborwerten lässt sich damit
schliessen, dass die Beschuldigte im ausgewiesenen Zeitraum keinen Alkohol-
abusus bzw. zumindest keinen Konsum im eben erwähnten Sinne betreibt, der
den CDT-Wert über die Norm steigen liesse. Auch aus dem Ergänzungsgutachten
erhellt, dass die Beschuldigte ohne eigentliche Therapie selbständig einen Alko-
holentzug eingeleitet und bisher aufrechterhalten hat. Die weitergehenden Blut-
und Haaranalysen im Rahmen der verkehrsmedizinischen Untersuchung, auf
welche das Ergänzungsgutachten verweist, belegen die Alkoholabstinenz (bzw.
schliessen einen Abusus aus) für die Zeitspanne Ende März bis Ende August
2015. Im Ergänzungsgutachten wird ferner konstatiert, die Beschuldigte habe
entgegen der Prognose im ursprünglichen Massnahmegutachten vom April 2014
(Urk. 6/4) selbstständig auf den Alkoholkonsum verzichten können (Urk. 63 S. 7).
Dieser selbständig aktive Beitrag zur Problemlösung ist ihr strafmindernd zugute
zu halten.
3.6.4. Die Beschuldigte ist mehrfach vorbestraft (Urk. 29). Die Verteidigung wen-
det ein, bei der Vorstrafe aus dem Jahre 2012 handle es sich um die Verletzung
einer Versicherungspflicht. Es gehe dabei nicht um die Gefährdung anderer Ver-
kehrsteilnehmer. Diese Vorstrafe sei im vorliegenden Kontext folglich nicht als
einschlägig zu qualifizieren (Urk. 18; Prot. I S. 7; Urk. 52 S. 2). In Bezug auf die
Vorstrafe vom 11. April 2005 führt die Verteidigung ins Feld, es handle sich dabei
um ein Delikt (Fahren in angetrunkenem Zustand) im Übertretungsbereich, wel-
ches gemäss Art. 369 Abs. 3 und 7 StGB aus dem Strafregister entfernt werde
und danach der Beschuldigten nicht mehr entgegenhalten werden dürfe. Diese
Vorstrafe sei folglich zu relativieren, weshalb man vorliegend nicht von einem ei-
gentlichen zweiten Rückfall sprechen könne (Urk. 18 S. 2; Prot. I S. 7; Urk. 52
S. 2).
Es handelt sich bei der Vorstrafe aus dem Jahre 2012 tatsächlich nicht um eine
Verurteilung wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand (Urk. 49). Zumal es sich
dabei aber auch um eine Widerhandlung gegen die Bestimmungen des Strassen-
verkehrsgesetz handelt und insofern ein Zusammenhang mit der vorliegend zu
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beurteilenden Tat besteht (vgl. dazu BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47
N 143), ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz auch diese Vorstrafe in ihre
Strafzumessung einbezogen hat.
In Bezug auf die Übertretungsstrafe aus dem Jahre 2005 ist während laufendem
Berufungsverfahren die zehnjährige Frist für das Verwertungsverbot abgelaufen,
weshalb sie aus dem Vorstrafenregister gelöscht wurde (Urk. 49). Im Zeitpunkt
des erstinstanzlichen Urteils figurierte die Vorstrafe indes noch im Vorstrafenre-
gister (Urk. 29), weshalb die Vorinstanz zu Recht auch diese Vorstrafe verwertete
(vgl. BSK StGB II-GRUBER, Art. 369 N 7 m.H.a. BGE 135 I 71 E. 2.12).
Anders verhält es sich im vorliegenden Berufungsverfahren. Die Berufung ist ein
reformatorisches Rechtsmittel (Art. 408 StPO). Das neu zu fällende Urteil ersetzt
das erstinstanzliche Urteil. Da der Zeitpunkt der Urteilsfällung für die Straf-
zumessung massgeblich ist (BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N 120)
und die Übertretungsstrafe aus dem Jahre 2005 bei Fällung des Berufungsurteils
nicht mehr im Vorstrafenregister figuriert, darf sie der Beschuldigten nicht mehr
entgegen gehalten werden (Art. 369 Abs. 7 StGB). Vor dem Hintergrund, dass die
vorliegend zu beurteilende Straftat kurz vor Ablauf der zehnjährigen Entfernungs-
frist (Art. 369 Abs. 3 StGB) und damit kurz vor der vollständigen Rehabilitierung
hinsichtlich dieses Delikts (Art. 369 Abs. 7 StGB; TRECHSEL/AFFOLTER-EIJSTEN,
StGB PK, Art. 47 N 30) begangen wurde, wäre die Auswirkung der Vorstrafe aus
dem Jahr 2005 auf die Strafzumessung – zumal im Übertretungsbereich – ver-
nachlässigbar. An der vorinstanzlichen Bewertung der Täterkomponenten ändert
sich damit qualitativ nichts.
3.6.5. In einer Gesamtwürdigung der Täterkomponenten ergibt sich mit der Vor-
instanz (Urk. 26 E. IV./4.3.) zusammengefasst, dass sich die straferhöhenden und
strafmindernden Täterkomponenten gegenseitig aufwiegen.
3.7. Ergebnis der Strafzumessung
Insgesamt erweist sich eine Strafe von 8 Monaten Freiheitsstrafe resp.
240 Tagessätzen als angemessen.
- 15 -
3.8. Sanktionsart
3.8.1. Das dem Verschulden und den persönlichen Faktoren angemessene
Strafmass liegt in einem Bereich, in dem sowohl eine Geld- als auch eine Frei-
heitsstrafe möglich wäre. Bei der Wahl der Sanktionsart sind als wichtige Kriterien
die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter
und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen. Nach
dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Verfügung stehenden
Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die per-
sönliche Freiheit der Betroffenen eingreift bzw. die sie am wenigsten hart trifft. Im
Vordergrund steht daher auch bei Strafen von sechs Monaten bis zu einem Jahr
die Geldstrafe als gegenüber der Freiheitsstrafe mildere Sanktion (BGE 138 IV
120 E. 5.2; BGE 134 IV 97 E. 4.2.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1).
3.8.2. Die Vorinstanz hat der Beschuldigten eine neunmonatige Freiheitsstrafe
auferlegt (Urk. 26 Disp.-Ziff. 2). Die Verteidigung wendet sich gegen eine Frei-
heitsstrafe mit dem Argument, dem Verschulden der Beschuldigten könne auch
mit einer Geldstrafe Rechnung getragen werden; eine Freiheitsstrafe sei nicht er-
forderlich (Prot. I S. 9; Urk. 52 S. 2 f.; Prot. II S. 9). Das Verhalten der Beschuldig-
ten seit dem hier zu beurteilenden Vorfall, welcher nun bereits über zwei Jahre
zurück liege (28. August 2013), widerlege die Annahme der Vorinstanz, wonach
eine Geldstrafe keine hinreichende abschreckende bzw. präventive Wirkung hät-
te. Die Beschuldigte habe nämlich, sogar ohne dass sie rechtskräftig bestraft
wurde, seither keine Straftaten mehr begangen. Damit könne bereits heute gesagt
werden, dass alleine das vorliegende Strafverfahren eine hinreichend präventive
und abschreckende Wirkung auf die Beschuldigte erzielt habe. Zu bedenken sei
ferner, dass die Beschuldigte mit dem Rausschmiss vom Hof und dem Suizid des
Freunds ihrer Schwester einschneidende Erlebnisse durchlebt habe, durch wel-
che eine labile Person mit Suchtgefährdung rückfällig geworden wäre, was bei der
Beschuldigten indes gerade nicht der Fall gewesen sei (Urk. 52 S. 3; Prot. II S. 9).
3.8.3. Angesichts der erwähnten einschlägigen Vorstrafen und der bereits ver-
hängten Bussen und Geldstrafen (Urk. 49) stellt sich vorliegend akzentuiert die
Frage nach der präventiven Effizienz einer weiteren Geldstrafe. Bereits am
- 16 -
15. Mai 2012 erfolgte eine Verurteilung zu einer Busse in Höhe von Fr. 400.– und
einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– unter Ansetzung einer
Probezeit von 3 Jahren wegen Fahrens ohne Haftpflichtversicherung und Nicht-
abgabe von Ausweisen und / oder Kontrollschildern. Mit Strafbefehl der Staats-
anwaltschaft Winterthur/Unterland vom 25. März 2013 wurde diese bedingt aus-
gesprochene Geldstrafe widerrufen und die Beschuldigte zu einer teilbedingten
Geldstrafe wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (qualifizierte Blutalkoholkon-
zentration) verurteilt (Urk. 49). Weder die zunächst bedingt ausgesprochene
Geldstrafe, noch der Widerruf derselben und eine weitere, teilbedingte Geldstrafe
haben sich mit Blick auf die Verhinderung weiterer Strafen als effizient erwiesen
(Urk. 26 E. IV./5.4). Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man sich vor Augen
führt, dass die Beschuldigte während laufender Probezeit lediglich 5 Monate nach
der Verurteilung wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (qualifizierte Blutalko-
holkonzentration) just genau denselben Tatbestand wieder verwirklichte. Auch ist
der Verteidigung nicht darin zu folgen, die Beschuldigte hätte bis dato nie sub-
stanziell eine Geldstrafe verbüssen müssen (Urk. 18; Prot. I S. 11). So wurden
gegen die Beschuldigte zum einen – aufgrund des Widerrufs – 60 Tagessätze zu
Fr. 30.– und zum anderen – aufgrund einer neuen Strafe – 40 Tagessätze zu
Fr. 30.– vollzogen. Mithin total 100 vollzogene Tagessätze haben die Beschuldig-
te nicht vom erneuten einschlägigen Delinquieren abgehalten. Mit der Vorinstanz
bestehen aufgrund dessen erhebliche Zweifel an der spezialpräventiven Wirkung
einer erneuten Geldstrafe. Eine Freiheitsstrafe erscheint vorliegend als die einzig
zweckmässige Sanktion.
3.8.4. An dieser Beurteilung ändert auch der von der Beschuldigten selbständig
eingeleitete und bis anhin aufrechterhaltene Entzug nichts. Hauptursache der De-
linquenz der Beschuldigten – jedenfalls der hier zu beurteilenden und der zuletzt
mit Strafbefehl vom 25. März 2013 abgeurteilten Tat – scheint in deren Alkohol-
abhängigkeit zu liegen (vgl. dazu das Ergänzungsgutachten, Urk. 63 S. 7 oben).
Zwar besteht die im Massnahmegutachten vom 29. April 2014 für den Tat- und
Untersuchungszeitpunkt gestellte Diagnose einer Alkoholabhängigkeit mit ständi-
gem Substanzgebrauch (ICD-10 F10.25) im jetzigen Zeitpunkt nicht mehr
(Urk. 6/4 S. 22). Gemäss dem eingeholten Ergänzungsgutachten vom 16. Okto-
- 17 -
ber 2015 liegt bei der Beschuldigten nunmehr die Diagnose "Alkoholabhängigkeit,
gegenwärtig abstinent" vor (ICD-10 F10.20). Mit anderen Worten besteht die
Hauptursache der Delinquenz der Beschuldigten nach wie vor, wenn auch nicht
mehr derart akzentuiert wie im Zeitpunkt der Erstattung des Massnahmegutach-
tens. Deshalb verorten die Gutachterinnen auch im Ergänzungsgutachten noch
immer ein Rückfallrisiko (Urk. 63 S. 7 f.). Die erneute Ausfällung einer Geldstrafe
vermag vor dem Hintergrund der bisherigen Delinquenz und der bisher aus-
gesprochenen, offensichtlich wirkungslos gebliebenen Geldstrafen sowie mit Blick
auf die nach wie vor bestehende Alkoholanhängigkeit der Beschuldigten und der
damit einhergehenden Rückfallgefahr keine hinreichende spezialpräventive Wir-
kung zu zeitigen.
Eine Freiheitsstrafe stellt im vorliegenden Fall in ihrer konkreten Auswirkung auf
die Beschuldigte nicht a priori den stärkeren Grundrechtseingriff als eine (unbe-
dingte) Geldstrafe dar (auch mit Blick auf die sehr prekären finanziellen Verhält-
nisse der Beschuldigten: Einstellung der IV-Rente, monatliches Einkommen mit
Gelegenheitsarbeit von ca. Fr. 1'000.–, dazu Urk. 50 S. 3 f.). Wie zu zeigen sein
wird, ist eine ambulante therapeutische Massnahme (Suchtbehandlung) im Sinne
von Art. 63 StGB anzuordnen. Der Vollzug der auszusprechenden Freiheitsstrafe
wird vorliegend (dazu sogleich) im Sinne von Art. 63 Abs. 2 StGB zu Gunsten der
Massnahme aufzuschieben sein. Eine unbedingte Geldstrafe – und nur eine sol-
che käme vorliegend überhaupt in Betracht (dazu sogleich) – würde dem-
gegenüber ebenso zwingend parallel zur Massnahme vollzogen. Bei positivem
Massnahmeverlauf würde die Freiheitsstrafe definitiv nicht (mehr) vollzogen
(vgl. Art. 63b Abs. 1 StGB); diesfalls ist der Verzicht auf den Strafvollzug obligato-
risch (BSK StGB I-HEER, Art. 63b N 2). In dieser Konstellation erweist sich – unter
der Prämisse des positiven Massnahmeverlaufs – eine Freiheitsstrafe als die mil-
dere geeignete, schuldangemessene Strafe im Vergleich zur Geldstrafe. Wenn es
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei der Sanktionswahl auch auf
die "Auswirkungen auf den Täter" ankommt, dann haben diese eben angestellten
Überlegungen konsequenterweise bei der Bestimmung der Sanktionsart ein-
zufliessen, sind doch die Auswirkungen auf den Täter im Falle einer zu voll-
ziehenden Geldstrafe massiver als im Falle einer nichtvollzogenen Freiheitsstrafe
- 18 -
(vgl. STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II: Strafen und
Massnahmen, 2. Aufl., Bern 2006, § 6 Rz 85).
4. Strafvollzug
4.1. Die Verteidigung beantragt, es sei der bedingte Strafvollzug zu gewähren,
ohne dies im Berufungsverfahren näher zu begründen (vgl. Urk. 52; vor Vor-
instanz noch Prot. I S. 8 f.; Urk. 18 S. 3).
4.2. Die Vorinstanz weist zunächst zu Recht darauf hin, dass vorliegend die ob-
jektive Voraussetzung für die Ausfällung einer bedingten Strafe nach Art. 42
Abs. 1 StGB erfüllt ist (Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zwei Jahren
vorausgesetzt).
4.3. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen der Gewährung des bedingten
Strafvollzugs korrekt wiedergegeben; darauf ist zu verweisen (Art. 82 Abs. 4
StPO). Was die subjektive Voraussetzung anbelangt, wird zutreffend festgehalten,
dass vorliegend eine günstige Prognose vermutet wird, Art. 42 Abs. 2 StGB mithin
nicht zur Anwendung gelangt, da die Beschuldigte innerhalb der letzten fünf Jahre
vor der Tat nicht zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindes-
tens sechs Monaten oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen
verurteilt wurde. Die Vorinstanz hat indes Umstände erblickt, die zur Annahme ei-
ner ungünstigen Legalprognose führen würden. Sie verurteilte die Beschuldigte
folglich zu einer unbedingten Strafe, weil ihrer Ansicht nach – in Anbetracht der
einschlägigen Vorstrafe und unter Bezugnahme auf das Massnahmegutachten
vom 29. April 2014 (Urk. 6/4) – die ernsthafte Befürchtung bestehe, dass die Be-
schuldigte erneut übermässig Alkohol konsumieren und erneut unter diesem Ein-
fluss ein Motorfahrzeug führen könnte (Urk. 26 S. 14 ff.).
4.4. Die Erwägungen des Vorderrichters sind bezogen auf den Zeitpunkt der vor-
instanzlichen Urteilsfällung nicht zu beanstanden. Damals war noch gestützt auf
das Massnahmegutachten von einer Alkoholabhängigkeit mit ständigem Sub-
stanzgebrauch (ICD-10 F1 0.25) auszugehen, die treibender Faktor für das be-
gangene Delikt darstellte (Urk. 6/4 S. 22 und 26). Die Gutachterin sah die Rück-
- 19 -
fallgefahr im Zeitpunkt der Gutachtenerstattung – jedenfalls ohne stationäre Be-
handlung – als stark erhöht an (Urk. 6/4 S. 22 und 26). Demgemäss attestierte die
Vorinstanz der Beschuldigten zurecht eine ungünstige Legalprognose und fällte
folgerichtig eine unbedingte Strafe aus.
4.5. Im Ergänzungsgutachten vom 16. Oktober 2015 kam die Gutachterin ge-
stützt auf die geänderten Umstände nunmehr zu einer etwas anderen Einschät-
zung. Entgegen der Beurteilung im ersten Gutachten konnte die Beschuldigte
selbstständig auf den Alkoholkonsum verzichten, wobei es zu keinen erheblichen
Entzugssymptomen gekommen sei, wie man habe erwarten müssen anlässlich
der Untersuchung im Jahr 2014. Die Abstinenz sei durch die Analyseergebnisse
bestätigt. Trotz schwieriger privater Situation und weiterhin unklarer beruflicher
und privater Perspektiven sei die Beschuldigten nicht rückfällig geworden und ha-
be nicht erneut Alkohol konsumiert. Diese Umstände, so die Gutachterin, würden
für eine gewisse Stabilität der Verhaltensänderung und der Abstinenzeinhaltung
sprechen. Dennoch wird die Durchführung einer ambulanten therapeutischen
Massnahme nach Art. 63 StGB als weiterhin notwendig erachtet, um die Sucht-
erkrankung langfristig zu behandeln und das Rückfallrisiko zu senken. Bisher ha-
be die Beschuldigte noch keine therapeutische Massnahme absolviert und ihre
rückfallbegünstigenden Faktoren seien noch nicht tiefer beleuchtet. Das Rück-
fallrisiko sei (erst) unter adäquater therapeutischer Behandlung als gering anzu-
sehen (Urk. 63 S. 7 f.).
4.6. Dass eine Schlechtprognose vorliegt, zeigt sich bereits darin, dass die Gut-
achterin die Beschuldigte nach wie vor für massnahmebedürftig hält. Gemäss
Art. 56 Abs. 1 lit. a StGB ist eine Massnahme anzuordnen, wenn eine Strafe allein
nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen. Mithin
bedeutet die Anordnung einer Massnahme, wie das Bundesgericht konstant er-
wägt, zugleich eine ungünstige Prognose, so dass eine gleichzeitig ausgefällte
Strafe nicht bedingt gemäss Art. 42 oder teilbedingt gemäss Art. 43 StGB aufge-
schoben werden kann. Dies gilt auch, wenn eine ambulante Massnahme ausge-
sprochen wird (BGE 135 IV 180 E. 2.3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
- 20 -
6B_71/2012 vom 21. Juni 2012; Urteil des Bundesgerichts 6B_342/2010 vom
9. Juli 2010 E. 3.5.2).
4.7. Auch im Zeitpunkt der Erstattung des Ergänzungsgutachtens verortet die
Gutachterin bei der Beschuldigten, wie vorstehend dargelegt, nach wie vor Rück-
fallgefahr und erachtet folglich eine ambulante therapeutische Massnahme nach
Art. 63 StGB als angezeigt. Mit anderen Worten attestiert die Gutachterin der Be-
schuldigten eine Schlechtprognose. Da vorliegend – wie zu zeigen sein wird –
entsprechend den nachvollziehbaren Empfehlungen der Gutachterin aufgrund der
immer noch vorhandenen Schlechtprognose eine ambulante therapeutische
Massnahme anzuordnen ist, scheidet in Nachachtung der dargestellten bundes-
gerichtlichen Praxis die Ausfällung des bedingten wie auch des teilbedingten
Strafvollzugs von vornherein aus.
5. Massnahme
5.1. Massnahmegutachten vom 29. April 2014: Zusammenfassung der
Erkenntnisse
5.1.1. Im Recht liegt ein von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenes
(Urk. 6/1) Massnahmegutachten vom 29. April 2014, welches sich zur Abhängig-
keit von Suchtstoffen, zur Schuldfähigkeit, zur Rückfallgefahr und zu einer mögli-
chen Massnahme äussert (Urk. 6/4 S. 20 ff.). Das Gericht hat das Gutachten
grundsätzlich frei zu würdigen, jedoch darf es in Fachfragen nicht ohne triftige
Gründe davon abweichen (BGE 128 I 81 E. 2 S. 86; 136 II 539 E. 3.2; 139 II 185
E. 9.2 S. 197).
5.1.2. Zur Frage der Abhängigkeit von Suchtstoffen hält das Gutachten fest, es
könne zum Tatzeitpunkt im August 2013 eindeutig von einer Alkoholabhängigkeit
mit ständigem Substanzgebrauch (ICD-10 F1 0.25) ausgegangen werden. Diese
Diagnose bestehe weiter auch im Untersuchungszeitpunkt, da die Beschuldigte
ihr Alkoholkonsumverhalten bis zur Exploration nicht verändert habe und ihr im
Rahmen der Untersuchung ein chronisch übermässiger Alkoholkonsum nach-
gewiesen werden konnte. Die begangene Straftat stehe klar im Kontext mit der
- 21 -
Diagnose Alkoholabhängigkeit. Die Abhängigkeit sei der treibende Faktor für die-
se Delikte (Urk. 6/4 S. 22 und 26).
5.1.3. Zur Rückfallgefahr äussert sich das Gutachten folgendermassen: Die Ein-
haltung der Alkoholabstinenz sei der wichtigste rückfallprotektive Faktor. Bei der
Beschuldigten bestehe eine Alkoholabhängigkeit, welche klar als therapiebedürf-
tig zu bezeichnen sei. Prognostisch ungünstig zu werten sei, dass sie bis anhin
noch keine längerfristige Alkoholabstinenz eingehalten habe. Hinzu kämen die nur
diffusen Zukunftsperspektiven, da die Beschuldigte unter anderem keine Berufs-
ausbildung habe, auf die Unterstützung durch ihre Schwester angewiesen sei, mit
der es jedoch immer wieder zu Streitigkeiten komme, was wiederum zu einem
übermässigen Alkoholkonsum führe und als prognostisch ungünstig anzusehen
sei. Durch eine entsprechende Massnahme könne das Rückfallrisiko der Be-
schuldigten langfristig reduziert werden. Die Rückfallgefahr sei mit entsprechend
therapeutischer Behandlung und gesicherter Abstinenz als eher gering anzu-
sehen (Urk. 6/4 S. 24 und 26 f.).
5.1.4. Was Art und Ausgestaltung der Massnahme anbelangt, so erachten die
Gutachterinnen aufgrund des Schweregrades der Problematik und der bereits ab-
solvierten ambulanten Behandlung einen stationären Aufenthalt als notwendig.
Der stationären Entgiftung solle eine ebenfalls stationär durchzuführende Ent-
wöhnungsbehandlung anschliessen. Nach Entlassung aus dem stationären Rah-
men habe zwingend eine ambulante Nachbehandlung zu erfolgen, um langfristig
eine Stabilität und Verminderung des Rückfallrisikos zu bewirken. Zusammen-
gefasst sahen die Gutachterinnen einzig eine stationäre Massnahme als indiziert
und erfolgsversprechend an. Eine solche stationäre Massnahme könne zum Bei-
spiel in der Forel Klinik in Ellikon an der Thur durchgeführt werden (Urk. 6/4 S. 25
und 27 f.).
5.2. Ergänzungsgutachten vom 16. Oktober 2015: Zusammenfassung der
Erkenntnisse
5.2.1. Wie einleitend ausgeführt, wurde mit Beschluss vom 11. September 2015
– dem Antrag der Verteidigung entsprechend – eine Ergänzung des Massnahme-
- 22 -
gutachtens vom 29. April 2014 eingeholt, das unter dem 16. Oktober 2015 von
Frau Dr. med. B._ erstattet wurde (Urk. 63).
Im Ergänzungsgutachten wird klargestellt, dass an den im Gutachten vom
29.04.2014 beschriebenen Befunden festgehalten werde. Bei der Beschuldigten
sei zum damaligen Zeitpunkt und auch zum Zeitpunkt der Tat eine Alkohol-
abhängigkeit mit ständigem Substanzgebrauch (ICD-10 F10.25) vorgelegen. Die
Beschuldigte habe zwischenzeitlich aus eigener Kraft eine Alkoholabstinenz ein-
gehalten, welche durch die Laborbefunde habe bestätigt werden können (aktuelle
Diagnose: Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig abstinent [ICD-10 F10.20]). Es sei
nicht zu den erwarteten Entzugssymptomen und trotz einer weiterhin bestehen-
den schwierigen Situation sei es zu keinem erneuten Rückfall gekommen. Dies
spreche für eine gewisse Stabilität der Verhaltensänderung und der Abstinenz-
einhaltung. Deshalb könne von der Anordnung einer stationären therapeutischen
Massnahme, wie noch im ursprünglichen Massnahmegutachten empfohlen, ab-
gesehen werden. Aufgrund des eingetretenen positiven Verlaufs bei der Beschul-
digten und der derzeit bestehenden Abstinenz von Alkohol werde nunmehr zur
Verminderung des Rückfallrisikos eine ambulante Massnahme nach Art. 63 StGB
für zweckmässig angesehen. Die Beschuldigte habe bisher noch keine therapeu-
tische Massnahme durchgeführt, welche jedoch bei einer derartigen Problematik
zwingend indiziert sei, um die Suchterkrankung langfristig zu behandeln und das
Rückfallrisiko zu senken. Ihre rückfallbegünstigenden Faktoren seien noch nicht
tiefer beleuchtet. Unter adäquater therapeutischer Behandlung sei das Rückfall-
risiko als gering anzusehen. Wichtig hierbei sei die Einhaltung bzw. der Nachweis
einer längerfristigen und strikten Alkoholabstinenz (Urk. 63 S. 7 f.).
5.3. Ambulante therapeutische Massnahme, Art. 63 StGB: Voraussetzungen
5.3.1. Wenn ein Täter von Suchtstoffen (oder in anderer Weise) abhängig ist, so
kann das Gericht eine ambulante Behandlung anordnen, wenn der Täter eine mit
Strafe bedrohte Tat begangen hat, die mit der Abhängigkeit in Zusammenhang
steht und zudem zu erwarten ist, dadurch lasse sich die Gefahr weiterer mit der
Abhängigkeit in Zusammenhang stehenden Taten begegnen (Art. 63 Abs. 1
StGB).
- 23 -
5.3.2. Gestützt auf das eingeholte psychiatrische Gutachten (Urk. 6/4) sowie das
Ergänzungsgutachten (Urk. 63) lassen sich alle Voraussetzungen für die Anord-
nung einer ambulanten therapeutischen Suchtbehandlung bejahen. Im Einzelnen:
5.3.2.1. Die Beschuldigte hat tatbestandsmässig und rechtswidrig ein Vergehen
verübt (vorsätzliches Fahren in fahrunfähigem Zustand mit qualifizierter Blutalko-
holkonzentration im Sinne von Art. 91 Abs. 1 Satz 2 SVG) (sog. Anlasstat, Art. 63
Abs. 1 lit. a StGB).
5.3.2.2. Es wurde eine umfassende sachverständige Begutachtung (Urk. 6/4 und
Urk. 63) durchgeführt (Art. 56 Abs. 3 StGB).
5.3.2.3. Die Gutachterinnen haben dabei aktuell, nachdem die Beschuldigte
die Abstinenz aus eigener Kraft eingeleitet und bisher aufrechterhalten hat,
eine Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10.20), diagnostiziert
(Art. 56 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 StGB).
5.3.2.4. Zwischen der begangenen Straftat und der Alkoholabhängigkeit besteht
gemäss Gutachten klar eine Konnexität (Art. 56 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit
Art. 63 Abs. 1 lit. a StGB).
5.3.2.5. Die Behandlungsbedürftigkeit manifestiert sich in der Alkoholabhängig-
keit, die dem ursprünglichen Massnahmegutachten (Urk. 6/4) zufolge ohne eine
entsprechende therapeutische Behandlung das Risiko für eine erneute Trunken-
heitsfahrt mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit in sich birgt (Art. 56 Abs. 1 lit. b
StGB). Die Behandlungsbedürftigkeit besteht auch weiterhin, trotz bisher ein-
gehaltener Abstinenz, zumal die Beschuldigte noch keine therapeutische Mass-
nahme durchgeführt hat (vgl. dazu Urk. 50 S. 5 f.), welche gemäss Ergänzungs-
gutachten jedoch bei einer derartigen Problematik zwingend indiziert sei, um die
Suchterkrankung langfristig zu behandeln und das Rückfallrisiko zu senken. Bis-
her sind die rückfallbegünstigenden Faktoren der Beschuldigten noch nicht tiefer
beleuchtet worden.
5.3.2.6. Die von der Gutachterin vorgeschlagene ambulante therapeutische Mass-
nahme nach Art. 63 StGB entfaltet die geforderte präventive Wirkung, indem die
- 24 -
diagnostizierte Rückfallgefahr gesenkt und dadurch eine deutliche Verbesserung
der Legalprognose erwartet werden kann. Unter adäquater therapeutischer Be-
handlung schätzen die Gutachterinnen das Rückfallrisiko als gering ein. Mit ande-
ren Worten ist die Massnahme auch als geeignet anzusehen (Art. 56 Abs. 1 lit. c
in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 lit. b StGB).
Die Bejahung der Eignung setzt voraus, dass sich die Massnahme auch als
durchführbar erweist, was wesentlich von der Kooperationsbereitschaft der Be-
schuldigten abhängt (dazu BSK StGB I-HEER, Art. 63 N 29). Die ist vorliegend zu
bejahen. Einerseits zeigt sich der Wille, die Suchtproblematik anzugehen, bereits
darin, dass die Beschuldigte nunmehr von sich aus abstinent lebt. Ihr scheint aber
auch klar zu sein, dass für die längerfristige Behandlung der Suchterkrankung ei-
ne ambulante Therapie angezeigt ist. Sie sei daran, eine ambulante Therapie zu
suchen und würde sich einer solchen unterziehen, um den Grund des Alkohol-
konsums herauszufinden (Urk. 50 S. 5 f. und S. 10).
Die Eignung der Massnahme hängt nach dem Gutachten auch von der Einhaltung
bzw. vom Nachweis einer längerfristigen und strikten Alkoholabstinenz ab
(Urk. 63 S. 8). Somit ist der Beschuldigten nach Art. 63 Abs. 2 Satz 2 StGB für die
Dauer der Behandlung die Weisung zu erteilen, sich auf Anweisung der Thera-
peutin regelmässiger laborchemischer Kontrollen zwecks Abstinenznachweis zu
unterziehen.
5.3.2.7. Die ambulante therapeutische Massnahme erweist sich sodann auch als
erforderlich (Art. 56 Abs. 1 lit. a StGB). Die Beschuldigte hat zwar selbständig den
Entzug eingeleitet und lebt bisher alkoholabstinent. Entzug und Entwöhnung sind
in der Therapie des Alkoholismus allerdings zwei voneinander abzugrenzende
Phasen (vgl. dazu etwa AROLT/REIMER/DILLING, Basiswissen Psychiatrie und Psy-
chotherapie, 7. Aufl., Berlin/Heidelberg 2011, S. 112; die Phase des Entzugs kann
weiter in Entzug I [körperlicher Entzug, Entgiftung] und Entzug II [Motivations-
behandlung als Vorbereitung zur Entwöhnung] unterteilt werden; vgl. auch
BSK StGB I-HEER, Art. 60 N 66). Die Gutachterinnen stellten im Zeitpunkt des Er-
gänzungsgutachten die Diagnose Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig abstinent
(ICD-10 F10.20). Eine therapeutische Massnahme ist den Gutachterinnen zufolge
- 25 -
auch bei dieser Diagnose (d.h. auch nach eingeleitetem und aufrechterhaltenem
Entzug) zwingend indiziert, um die Suchterkrankung langfristig zu behandeln und
um das Rückfallrisiko zu senken. Selbst wenn der Schritt der Entgiftung/des Ent-
zugs bereits selbständig von der Beschuldigten vollzogen worden sein sollte, so
ändert dies nach dem Gesagten nichts an der Erforderlichkeit einer ambulanten
therapeutischen Massnahme mit dem Ziel einer (längerfristigen) Entwöhnung.
Mildere Massnahmen sind keine ersichtlich.
5.3.2.8. Auch besteht zwischen dem Eingriffszweck des Gesellschaftsschutzes
vor weiteren Delikten und der Eingriffswirkung bei der Massnahmenunterworfenen
vorliegend ein "vernünftiges Verhältnis". Dem ursprünglichen Massnahmegutach-
ten zufolge ist ohne eine entsprechende therapeutische Behandlung von einer
sehr hohen Wahrscheinlichkeit von erneuten Trunkenheitsfahrten auszugehen
(Urk. 6/4 S. 27). Auch im Ergänzungsgutachten verorten die Gutachterinnen ein
immer noch vorhandenes Rückfallrisiko, das einer adäquaten therapeutischen
Behandlung bedarf (Urk. 63 S. 7 f.). Mit diesem Risiko einhergehend ist auch die
Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer in erheblichem Ausmass gefährdet. Was
die dagegen abzuwägenden Individualinteressen der Beschuldigten anbelangt, so
ist darauf hinzuweisen, dass die vorliegend anzuordnende ambulante therapeuti-
sche Massnahme die persönliche Freiheit der Beschuldigten in eher untergeord-
neter Weise tangiert. Wägt man diese beiden Interessen gegeneinander ab, muss
dasjenige der Beschuldigten in den Hintergrund treten. Die Massnahme erweist
sich demnach auch als verhältnismässig im engeren Sinne (Art. 56 Abs. 2 StGB).
Vor diesem Hintergrund zielt die von der Verteidigung aufgeworfene Frage, ob ein
Gericht dermassen in die Freiheit einer Person eingreifen und diese zu einem
abstinenten Leben zwingen dürfe, ins Leere (Prot. I S. 11; Urk. 18; Urk. 52 S. 3 f.;
Prot. II S. 9). Das Massnahmeziel erschöpft sich nicht in der blossen Behandlung
der Trinksucht. Voraussetzung für die Anordnung der Suchtbehandlung ist – ne-
ben der Abhängigkeit – unter anderem, dass die "Gefahr weiterer mit der Ab-
hängigkeit in Zusammenhang stehender Taten" mit der Massnahme gebannt
werden kann. In der Verhinderung weiterer Trunkenheitsfahrten, die Gefahren für
- 26 -
andere Verkehrsteilnehmer in sich bergen, liegt das eingriffslegitimierende Mass-
nahmeziel.
5.4. Es ist somit eine ambulante (therapeutische) Massnahme nach Art. 63 StGB
zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit anzuordnen, verbunden mit der Wei-
sung, sich auf Anordnung der Therapeutin regelmässiger laborchemischer Kon-
trollen zwecks Abstinenznachweis zu unterziehen.
5.5. Aufschub des Vollzugs der Freiheitsstrafe, Art. 63 Abs. 2 StGB
5.5.1. Nach Art. 63 Abs. 2 StGB kann das Gericht den Vollzug einer mit der Mass-
nahme ausgesprochenen unbedingten Freiheitsstrafe zugunsten einer ambulan-
ten Behandlung aufschieben, um der Art der Behandlung Rechnung zu tragen.
Der Strafaufschub ist nach der Praxis des Bundesgerichts anzuordnen, wenn eine
tatsächliche Aussicht auf erfolgreiche Behandlung durch den sofortigen Vollzug
der ausgefällten Freiheitsstrafe erheblich beeinträchtigt würde. Die Therapie geht
vor, falls eine sofortige Behandlung gute Resozialisierungschancen bietet, welche
der Strafvollzug klarerweise verhindern oder vermindern würde. Dabei sind einer-
seits die Auswirkungen des Strafvollzuges, die Erfolgsaussichten der ambulanten
Behandlung und die bisherigen Therapiebemühungen zu berücksichtigen, ande-
rerseits aber auch das kriminalpolitische Erfordernis, Straftaten schuldange-
messen zu ahnden bzw. rechtskräftige Strafen grundsätzlich zu vollziehen. Der
Aufschub ist die Ausnahme und muss sich aus Gründen der Heilbehandlung hin-
reichend rechtfertigen (BGE 129 IV 161 E. 4.1 und E. 4.3; Urteile des Bun-
desgerichts 6B_95/2014 vom 16. Oktober 2014 E. 3 sowie 6B_495/2012 vom
6. Februar 2013 E. 6.2 je mit Hinweis). Die Verteidigung verkennt im Übrigen
(vgl. Urk. 52 und Prot. II S. 9 f.), dass ein Aufschub des Strafvollzugs zu Gunsten
einer ambulanten Massnahme nach klarem Gesetzeswortlaut nur im Falle einer
ausgefällten Freiheitsstrafe, nicht aber bei Geldstrafen in Betracht kommt (Art. 63
Abs. 2 StGB; dazu auch BSK StGB I-HEER, Art. 63 N 34).
5.5.2. Das Ergänzungsgutachten hält fest, dass die Beschuldigte, bestätigt durch
die Analyseergebnisse, mindestens seit März 2015 keinen Alkohol mehr getrun-
ken habe und auch trotz schwieriger privater Situation und weiterhin unklarer be-
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ruflicher und privater Perspektiven nicht rückfällig geworden sei und nicht erneut
Alkohol konsumiert habe. Dies spreche für eine gewisse Stabilität der Verhaltens-
änderung und der Abstinenzeinhaltung. Eine ambulante Massnahme ist gemäss
den Gutachterinnen jedoch weiterhin notwendig, um die Suchterkrankung langfris-
tig zu behandeln (Urk. 63 S. 7). Mit der Verteidigung (Urk. 52 S. 4) erscheint es in
der vorliegenden Konstellation nicht zielführend, die ambulante Therapie während
des Strafvollzugs durchzuführen. Es liegt auf der Hand, dass der Vollzug einer
8-Monatigen Freiheitsstrafe diesen bisherigen positiven Verlauf durchbrechen
würde und die Massnahmenziele, nämlich die längerfristige Entwöhnung im all-
täglichen Leben, erheblich gefährden würde. Die Probleme, welche in der Ver-
gangenheit bei der Beschuldigten zum Alkoholabusus geführt haben, ereigneten
sich im Alltagsleben. Dort, im Alltag, muss die Massnahme ihre Wirkung entfalten.
Folglich ist der Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten der ambulanten Sucht-
behandlung aufzuschieben.
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
6.1. Das erstinstanzliche Kostendispositiv wurde nicht angefochten und ist in
Rechtskraft erwachsen. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsie-
gen und Unterliegen auferlegt (Art. 428 Abs. 1 StPO).
6.2. Hinsichtlich des Antrags, es sei eine bedingte Geldstrafe auszusprechen,
unterliegt die Beschuldigte gänzlich. Mit Bezug auf die Massnahme obsiegt die
Beschuldigte. Allerdings wurden die Grundlagen dafür (nämlich die selbst einge-
leitete und bisher aufrechterhaltene Abstinenz) erst im Berufungsverfahren ge-
schaffen, weshalb ihr die Kosten auch diesbezüglich aufzuerlegen sind (Art. 428
Abs. 2 lit. a StPO). Sie obsiegt insofern, als dass das vorinstanzliche Strafmass
geringfügig nach unten korrigiert wurde. Im Lichte einer interessenmässigen Ge-
wichtung ihrer Anträge sind ihr die Kosten des Berufungsverfahrens (mit Aus-
nahme derjenigen der amtlichen Verteidigung) zu 9/10 aufzuerlegen und zu 1/10
auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung in der Höhe von Fr. 2'406.90
(Urk. 68) sind zu 9/10 einstweilen und zu 1/10 definitiv auf die Gerichtskasse zu
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nehmen, wobei im Umfang von 9/10 die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.