Decision ID: edbe4ada-be3b-5caa-ad1a-3ebcbacb3b57
Year: 2020
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Nachdem sich C._ (Beschwerdegegner 2) im April 2016 bei der Ausgleichskasse des Kantons Bern (AKB) als selbstständig erwerbender ... und ... angemeldet hatte, ersuchte die AKB die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva bzw. Beschwerdegegnerin 1) dessen sozialversicherungsrechtlichen Status abzuklären (Akten der Suva [act. IIA, IIB] act. IIB 1). Die Suva kam zum Schluss, C._ gelte für seine Tätigkeit als ..., bei der er Direktaufträge in eigenem Namen und auf eigene Rechnung ausführe, sein eigenes wirtschaftliches Unternehmerrisiko trage und von einer fremden Betriebsorganisation unabhängig sei, ab dem 5. April 2016 als selbstständig erwerbend (act. IIB 12). Mit Schreiben vom 5. Februar 2018 (act. IIB 13 S. 2 f.) gelangte der nach der Aktenlage seit Ende 2017 in ... lebende C._ (vgl. z.B. act. IIB 42 S. 2), vertreten durch seine Ehefrau, abermals an die AKB und ersuchte um Klärung des sozialversicherungsrechtlichen Status betreffend seine Tätigkeit für A._ (Beschwerdeführer). Daraufhin ersuchte die AKB die Suva um Neubeurteilung (act. IIB 13 S. 1). Nach einem Telefonat mit der Ehefrau (act. IIB 15) stufte diese C._ mit Schreiben vom 27. Februar 2018 (act. IIB 17) für seine Tätigkeit als ... rückwirkend ab Januar 2017 als unselbstständig erwerbend ein. Aufgrund weiterer Abklärungen bei A._ vom 22. August 2018 (act. IIA 7) teilte die Suva am 30. August 2018 mit (act. IIB 21), das vorangegangene Schreiben vom 27. Februar 2018 (vgl. act. IIB 17) sei nichtig. C._ erfülle nach wie vor die Voraussetzungen für eine selbstständige Erwerbstätigkeit (act. IIB 21 S. 1), was mit Feststellungsverfügung vom 3. Oktober 2018 (act. IIB 28) bestätigt wurde. Eine hiergegen erhobene Einsprache von C._ (act. IIB 34 S. 1 ff.) hiess die Suva mit zwei separaten Entscheiden vom 29. April 2020 (act. IIA 14; act. IIB 41) gut.
B.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Dez. 2020, UV/20/408, Seite 3
Gegen den an ihn adressierten Einspracheentscheid vom 29. April 2020 (act. IIA 14) erhob A._, vertreten durch Rechtsanwalt B._, mit Eingabe vom 29. Mai 2020 Beschwerde. Er stellt die folgenden Rechtsbegehren:
1. In Aufhebung des Einspracheentscheides vom 29. April 2020 sei festzustellen, dass Herr C._ hinsichtlich der im Jahr 2017 für den Beschwerdeführer ausgeführten ...arbeiten als Selbstständigerwerbender gilt.
2. Eventuell sei die Sache in Aufhebung des Einspracheentscheides vom 29. April 2020 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
- Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen -
Mit prozessleitender Verfügung vom 4. Juni 2020 wies der Instruktionsrichter den Verfahrensantrag der Gewährung der erstmaligen Einsichtnahme in die Akten der Beschwerdegegnerin 1 im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels ab.
Mit prozessleitender Verfügung vom 12. Juni 2020 führte der Instruktionsrichter aus, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdegegnerin 1 für den Beschwerdeführer und den Beschwerdegegner 2 separate Einspracheentscheide erlassen habe. Dem Beschwerdegegner 2 komme im vorliegenden Beschwerdeverfahren Parteistellung zu und somit gelte auch der ihm eröffnete Einspracheentscheid (act. IIB 41) als angefochten, womit das vorliegende Verfahren zwei Anfechtungsobjekte zum Gegenstand habe.
Mit Beschwerdeantwort vom 3. August 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin 1 die Abweisung der Beschwerde. Für den Fall, dass das angerufene Gericht wider Erwarten zum Schluss gelangen sollte, die Beschwerde sei nicht bereits aufgrund der vorhandenen Akten abzuweisen, werde die Befragung der Ehefrau des Beschwerdegegners 2 als Zeugin beantragt.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Dez. 2020, UV/20/408, Seite 4
Mit Eingabe vom 5. August 2020 liess sich auch der Beschwerdegegner 2, weiterhin vertreten durch seine Ehefrau, vernehmen. Er beantragt die Abweisung der Beschwerde.
Mit prozessleitender Verfügung vom 24. September 2020 wies der Instruktionsrichter den Beweisantrag der Zeugeneinvernahme ab.
Aufforderungsgemäss reichte der Beschwerdegegner 2 am 9. Oktober 2020 eine weitere Eingabe zu den Akten.
Mit Replik vom 23. Oktober 2020 wiederholt der Beschwerdeführer seine bisherigen Anträge.
Mit Duplik vom 17. November 2020 respektive Stellungnahme vom 19. November 2020 halten die Beschwerdegegnerin 1 und der Beschwerdegegner 2 an ihren Anträgen auf Abweisung der Beschwerde fest.

Erwägungen:
1.
1.1 Die angefochtenen Entscheide sind in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträgen nicht durchgedrungen, durch die angefochtenen Entscheide berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Die
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Dez. 2020, UV/20/408, Seite 5
Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) sind eingehalten.
1.2 Angefochten sind die beiden Einspracheentscheide vom 29. April 2020 (act. IIA 14; act. IIB 41).
1.2.1 In formeller Hinsicht ist vorab die Frage zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin 1, welche den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 8. September 2016 (act. IIB 12) als selbstständig erwerbend qualifizierte, zu den nachträglich und rückwirkend erfolgten Änderungen des Beitragsstatuts vom 27. Februar 2018 (act. IIB 17), 30. August 2018 (act. IIB 21) und letztmals mit den beiden angefochtenen Einspracheentscheiden (act. IIA 14; act. IIB 41) überhaupt berechtigt war oder ob sich die nachträglichen Änderungen des Beitragsstatuts als nichtig erweisen. Der Beschwerdegegner 2 hält denn auch dafür, die Beschwerdegegnerin 1 habe mit formlosem Entscheid vom 27. Februar 2018 (act. IIB 17) rechtskräftig über seinen Status entschieden und hätte – mangels eines Rückkommenstitels (Art. 53 ATSG) – nicht erneut in derselben Sache entscheiden dürfen (Eingaben des Beschwerdegegners 2 vom 5. August 2020 S. 10 und vom 19. November 2020 S. 1 Ziff. 1).