Decision ID: 0bd264d4-f32f-4ed2-a9aa-463e58e6113c
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X wohnt zusammen mit seiner Ehefrau in A. Er war von Januar bis August 2011
beim Stellenvermittlungsunternehmen I GmbH in B angestellt und in A arbeitstätig.
Anschliessend bezog er Taggelder der Arbeitslosenversicherung (ALV) in der Höhe von
insgesamt Fr. 11'495.–.
B.- Am 22. April 2012 reichte das Ehepaar X und Y die Steuererklärung 2011 auf
elektronischem Weg ein. Dabei deklarierten sie Einkünfte aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit in der Höhe von Fr. 58'245.–, wovon Fr. 11'495.– aus der
Haupterwerbstätigkeit des steuerpflichtigen Ehemanns und die restlichen Fr. 46'750.–
aus dem Haupterwerb der Ehefrau. Unter Ziffer 14 der Steuererklärung brachten sie
Kosten für die private Krankenversicherung in der Höhe von Fr. 6'785.– in Abzug. Die
Veranlagungsbehörde forderte das Ehepaar X und Y mit Schreiben vom 12. Juni 2012
auf, die Steuererklärung 2011 zu ergänzen und einen Nachweis über die Tätigkeit des
Ehemanns vom 1. Januar bis 31. August 2011 einzureichen. Am 18. Juni 2012 ging der
Lohnausweis der I GmbH beim Steueramt ein. Daraus war ersichtlich, dass X vom 1.
Januar bis 31. August 2011 einen Nettolohn in der Höhe von Fr. 34'073.– bezogen
hatte.
C.- Am 11. September 2012 leitete das Kantonale Steueramt gegen X ein
Untersuchungsverfahren wegen versuchter Steuerhinterziehung ein. Es warf ihm vor,
die vom 1. Januar bis 31. August 2011 erzielten Einkünfte aus unselbständigem
Haupterwerb in der Höhe von Fr. 34'073.– nicht deklariert und Prämienverbilligungen
im Umfang von Fr. 2'432.70 nicht in Abzug gebracht zu haben. Das Kantonale
Steueramt stellte eine Busse in der Höhe von Fr. 3'460.– hinsichtlich der Kantons- und
Gemeindesteuern in Aussicht. Der Sohn von X nahm dazu am 13. September 2012
telefonisch Stellung. Er brachte im Wesentlichen vor, sein Vater habe temporär
gearbeitet und deshalb vergessen, die besagten Lohnzahlungen zu deklarieren. Der
Lohnausweis sei der Steuerbehörde aber übergeben worden. Im Übrigen kenne sich
sein Vater in Steuerangelegenheiten nicht aus. Er kümmere sich darum. Mit Strafbefehl
vom 20. September 2012 wurde X wegen versuchter Steuerhinterziehung mit
Fr. 3'460.– gebüsst. Zudem wurden ihm die Verfahrenskosten von Fr. 200.– auferlegt.
D.- Gegen den Strafbefehl erhob X durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
22. Oktober 2012 (Datum der Postaufgabe) Einsprache. Das Kantonale Steueramt
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überwies die Strafsache am 17. Dezember 2012 der Verwaltungsrekurskommission zur
gerichtlichen Beurteilung.
Am 18. Dezember 2012 gab der Abteilungspräsident dem Angeschuldigten
Gelegenheit, bis am 14. Januar 2013 Einsicht in die Akten zu nehmen und Anträge zur
Ergänzung der Untersuchung zu stellen.
Am 2. September 2014 wurden die Parteien zur öffentlichen Verhandlung vorgeladen.
Diese fand am 21. Oktober 2014 statt (vgl. Verhandlungsprotokoll). Die
Anklagebehörde hielt am Antrag auf Schuldigsprechung wegen versuchter
Steuerhinterziehung fest. Der Angeschuldigte beantragte, er sei vom Vorwurf der
versuchten vorsätzlichen Steuerhinterziehung freizusprechen, und der Strafbefehl der
Anklagebehörde vom 20. September 2012 sei unter Kostenfolge aufzuheben. Auf die
weiteren schriftlichen und mündlichen Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zu ihren

Anträgen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Urteil wurde am 21. Oktober 2014 mit Kurzbegründung mündlich und am gleichen
Tag schriftlich ohne Begründung eröffnet.
Mit Schreiben vom 23. Oktober 2014 verzichtete der Angeschuldigte auf die schriftliche
Begründung des Urteils. Die Anklagebehörde verlangte demgegenüber am 24. Oktober
2014 eine schriftliche Urteilsbegründung.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Zu beurteilen ist
der Strafbefehl des Kantonalen Steueramtes vom 20. September 2012 wegen
versuchter Steuerhinterziehung (Kantons- und Gemeindesteuern 2011). Die
Verwaltungsrekurskommission ist zur gerichtlichen Beurteilung zuständig. Der
Angeschuldigte ist zur Erhebung der Einsprache befugt. Die Einsprache vom 22.
Oktober 2012 ist rechtzeitig erhoben worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen. Die Streitsache wurde dem Gericht am 17.
Dezember 2012 zusammen mit den Akten überwiesen. Der Strafbefehl gilt als Anklage
(Art. 264 Abs. 1 und 2 und Art. 265 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG;
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Art. 161 StG in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- Nach Art. 262 Abs. 1 StG bezeichnet der Strafbefehl den Angeschuldigten, die dem
Angeschuldigten zur Last gelegte Handlung, die angewendeten
Gesetzesbestimmungen, die Beweismittel sowie die Strafe und weist auf die
Möglichkeit der Einsprache sowie die Folgen der Unterlassung hin. Er ist nach Art. 262
Abs. 2 StG "kurz" zu begründen. Inhaltlich enthält ein Strafbefehl zunächst die gleichen
Angaben, wie eine Anklageschrift, so die Bezeichnung der verfügenden Behörde und
der beschuldigten Person sowie Ort und Datum der Ausstellung. Zu ergänzen ist er mit
einer möglichst kurzen und genauen Bezeichnung der der beschuldigten Person
vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der
Tatausführung und die dadurch erfüllten Straftatbestände. Hinzu kommen weitere
Angaben, wie sie von einem Urteil verlangt werden, weil beim Verzicht auf eine
Einsprache der Strafbefehl zum Urteil wird, wie namentlich die Festlegung der
Sanktionen, der Kosten- und Entschädigungsfolgen sowie eine
Rechtsbehelfsbelehrung mit dem Hinweis auf die Folgen der Nichtgeltendmachung
dieses Rechtsbehelfs (vgl. F. Riklin, in: Basler Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, Basel 2011, N 4 zu Art. 353 der Schweizerischen
Strafprozessordnung, SR 312, abgekürzt: StPO).
Der Strafbefehl vom 20. September 2012 bezeichnet den Angeschuldigten, die ihm zur
Last gelegte Handlung der versuchten Steuerhinterziehung und die massgeblichen
Gesetzesbestimmungen. Er enthält einen Hinweis auf die Möglichkeit der Einsprache
und die Folgen ihrer Nichtergreifung. Die formellen Voraussetzungen von Art. 262
Abs. 1 StG sind somit erfüllt. Die Anklagebehörde führte zur Begründung an, der
Angeschuldigte habe im Jahr 2011 die Einkünfte aus unselbständigem Haupterwerb in
der Höhe von Fr. 34'073.– nicht deklariert und die Prämienverbilligung von Fr. 2'432.70
nicht in Abzug gebracht. Da 75 Prozent des steuerbaren Jahreseinkommens nicht
deklariert worden seien, sei von Eventualvorsatz auszugehen. Sie setzte die
Bussenhöhe auf Fr. 3'460.– bzw. zwei Drittel jenes Bussenbetrages fest, der bei
vollendeter Steuerhinterziehung festzusetzen wäre, unterliess es jedoch, die genaue
Berechnungsgrundlage bekanntzugeben. Ergänzend führte sie aus, es handle sich
dabei um zwei Drittel der hypothetisch hinterzogenen Steuern. Die Begründung des
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Strafbefehls fällt damit sehr knapp aus, genügt jedoch angesichts der stark
eingeschränkten Begründungspflicht den gesetzlichen Anforderungen (vgl. Riklin,
a.a.O., N 5 zu Art. 353 StPO).
3.- Zu prüfen ist, ob der Angeschuldigte bei der Veranlagung des Steuerjahres 2011
eine versuchte Steuerhinterziehung im Sinn von Art. 249 Abs. 1 StG begangen hat. Die
Bestimmung entspricht den Vorgaben in Art. 56 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (SR 642.14,
abgekürzt: StHG) und deckt sich inhaltlich mit Art. 176 Abs. 2 des Bundesgesetzes
über die direkte Bundessteuer (SR 642.11, abgekürzt: DBG).
a) Das Versuchsstadium beginnt mit der Ausführung der Tat und endet unter anderem,
wenn der Taterfolg ausbleibt. Eine versuchte Steuerverkürzung kann demnach solange
vorliegen, als die betreffende Veranlagung noch im ordentlichen Verfahren durchgeführt
oder abgeändert werden kann (R. Sieber, in: Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, Band I/2b, 2. Aufl. 2008, Art. 176 N 2 f.). In objektiver Hinsicht setzen die
versuchte und die vollendete Steuerhinterziehung unrichtige (unwahre oder
unvollständige) Angaben oder das Verschweigen von Tatsachen voraus, die für eine
gesetzeskonforme Veranlagung erheblich sind. Dazu zählt insbesondere die
Nichtdeklaration von steuerbaren Leistungen, aber auch das Verschweigen anderer
steuererheblicher Tatsachen (Zigerlig/ Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7.
Aufl. 2014, S. 444). Nach Art. 168 Abs. 2 StG muss der Steuerpflichtige die
Steuererklärung wahrheitsgemäss und vollständig ausfüllen und persönlich
unterzeichnen. Aus dem systematischen Zusammenhang ergibt sich, dass mit der
Steuererklärung im Sinn von Art. 168 Abs. 2 StG das in Abs. 1 derselben Bestimmung
genannte Formular gemeint ist. Nach Art. 179 StG regelt das kantonale Steueramt die
Voraussetzungen für den elektronischen Austausch von Daten zwischen dem
Steuerpflichtigen und der Steuerbehörde. Mit dieser Regelung soll sichergestellt
werden, dass das kantonale Steueramt den Schriftverkehr mit den Steuerpflichtigen –
insbesondere das Einreichen von Steuererklärungen und Beilagen sowie eingeforderten
Unterlagen – rasch und flexibel den Entwicklungen auf den Gebieten der Informatik und
Telekommunikation anpassen kann (vgl. Botschaft, in: ABl 1997 S. 1049).
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Der Angeschuldigte unterzeichnete am 22. April 2012 die eTaxes-Quittung 2011.
Darauf war ein steuerbares Einkommen in der Höhe von Fr. 46'700.– aufgeführt. Er
unterschrieb zusätzlich das nicht ausgefüllte Steuererklärungsformular und bestätigte
damit, die Steuererklärung 2011 mit allen Beilageformularen vollständig und
wahrheitsgetreu ausgefüllt zu haben. Auch wenn das Steuererklärungsformular wegen
der elektronischen Erfassung keinerlei Eintragungen enthielt, musste dem Angeklagten
klar sein, dass er mit seiner Unterschrift die Richtigkeit der Angaben auf der eTaxes-
Quittung 2011 bestätigte. Mit der doppelten Unterzeichnung übernahm er folglich die –
für die Verurteilung wegen Steuerhinterziehung erforderliche – Verantwortung für die
unvollständige Steuererklärung. Daran ändert nichts, dass er seinen Sohn mit dem
Ausfüllen der Steuerformulare beauftragte und sich weder für den Inhalt der
Steuererklärung noch denjenigen der Quittung interessierte, wie er vor Gericht
ausführte. Die Delegation dieser Aufgabe entband ihn nicht von der Verantwortung, die
Verfahrenspflichten selbständig zu erfüllen (vgl. Richner/Frei/ Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, Art. 174 N 13).
b) aa) Der Steuerhinterziehungsversuch ist nur bei vorsätzlicher Tatbegehung strafbar
(vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 2A.168/2006 vom 8. März 2007; Sieber, a.a.O.,
Art. 176 N 5). Ob ein Verschulden vorliegt, beurteilt sich nach allgemeinen
strafrechtlichen Grundsätzen. Kann der objektive Tatbestand der versuchten
Steuerhinterziehung auch durch blosses Unterlassen erfüllt werden, indem
beispielsweise die steuerpflichtige Person den ihr auferlegten Mitwirkungspflichten
nicht nachkommt, stellt sich die Frage der Abgrenzung des Hinterziehungsversuchs
von der Verletzung von Verfahrenspflichten. Sie ist im Wesentlichen anhand der
subjektiven Elemente des konkreten Vorgehens des Täters zu beurteilen. Während die
Verfahrenspflichtverletzung sowohl vorsätzlich als auch fahrlässig begangen werden
kann, setzt der Versuch einer Steuerhinterziehung ein Wissen und Wollen des Täters
voraus, das sich nicht nur auf die Unvollständigkeit oder Unrichtigkeit der Angaben,
sondern auch auf deren Folgen – eine unrichtige Veranlagung, eine unrechtmässige
Rückerstattung bzw. einen ungerechtfertigten Erlass – bezieht. Fehlt es an einem
solchen Hinterziehungsvorsatz, kommt nur eine Bestrafung wegen
Verfahrenspflichtverletzung in Betracht (vgl. Sieber, a.a.O., Art. 176 N 6). Letzteres
scheidet im vorliegenden Fall zum Vorneherein aus; der Angeschuldigte wurde nicht
förmlich gemahnt (vgl. Art. 247 StG).
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Der Begriff des Vorsatzes richtet sich nach Art. 12 Abs. 2 des Schweizerischen
Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt: StGB). Vorsätzlich verübt ein Delikt, wer die
Tat mit Wissen und Willen ausführt. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt
der Nachweis des Vorsatzes als erbracht, wenn mit hinreichender Sicherheit feststeht,
dass sich der Beschuldigte der Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der gemachten
Angaben bewusst war. Ist dieses Wissen erwiesen, so muss angenommen werden,
dass er auch mit Willen handelte, d.h. eine Täuschung der Steuerbehörden
beabsichtigt und eine zu niedrige Veranlagung bezweckt (direkter Vorsatz) oder
zumindest in Kauf genommen hat (Eventualvorsatz). Diese Vermutung lässt sich nicht
leicht entkräften, weil in der Regel ein anderer Beweggrund für die Unrichtigkeit oder
Unvollständigkeit der gemachten Angaben nur schwer vorstellbar ist. Lediglich
fahrlässig handelt der Steuerpflichtige demgegenüber, wenn er die Folgen seines
Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht
Rücksicht genommen hat. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der
Steuerpflichtige die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach
seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (BGer 2C_29/2011 vom 16. Juni 2011
E. 2.3).
Der Nachweis der subjektiven Tatbestandselemente obliegt der Behörde (vgl. Richner/
Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 175 N 38 f.). Beim Vorwurf der versuchten
Steuerhinterziehung hat sie insbesondere zu beweisen, dass der Angeklagte sich der
Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der gemachten Angaben bewusst war. Das Wissen
muss mit hinlänglicher Sicherheit nachgewiesen werden; blosse Wahrscheinlichkeit
genügt nicht. Dies erfordert eine umfassende Beweisführung über die relevanten
inneren und äusseren Tatsachen. Nicht jeder Deklarationsfehler ist sogleich auch ein
Steuerkürzungsversuch (vgl. A. Howald, Steuerstrafrecht – versuchte
Steuerhinterziehung, Abgrenzung der Fahrlässigkeit vom Eventualvorsatz, in: Der
Schweizer Treuhänder, 3/2007, S. 197 und 199). Zudem handelt es sich beim
ordentlichen Verfahren zur Veranlagung der Einkommens- und Vermögenssteuern um
ein sogenanntes gemischtes Verfahren. Es enthält Elemente eines
Selbstveranlagungsverfahrens und eines amtlichen Veranlagungsverfahrens (vgl.
Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Vorbemerkungen zu Art. 122-135 N 7). Die
Veranlagungsbehörde darf zwar grundsätzlich darauf vertrauen, dass der
Steuerpflichtige den massgebenden Sachverhalt zutreffend deklarierte, es sei denn, die
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Unzuverlässigkeit der Steuererklärung war ihr bekannt oder hätte ihr bekannt sein
müssen. Wird dem Aspekt, wonach die Steuerbehörde die Steuererklärung zu prüfen
und die erforderlichen Untersuchungen vorzunehmen hat, zu wenig Rechnung
getragen, wird die Verantwortung für die Sachverhaltsermittlung jedoch zu einseitig auf
die Mitwirkungspflicht der Steuerpflichtigen verlagert (vgl. D. Egloff, in: Kommentar zum
Aargauer Steuergesetz, Band 2, 3. Aufl. 2009, N 37 zu § 236 StG).
bb) Der Angeschuldigte war vom 1. Januar bis 31. August 2011 bei der Personal
Agentur I GmbH angestellt; Arbeitsort war A. Er erzielte in dieser Zeit ein
Nettoeinkommen in der Höhe von Fr. 34'073.–. Das Unternehmen bestätigte dies mit
dem am 10. Februar 2012 ausgestellten Lohnausweis (act. 4/3). Dies bestritt der
Angeschuldigte nicht, führte jedoch aus, er übergebe jeweils sämtliche Unterlagen und
Briefe – teilweise sogar ungeöffnet – seinem Sohn, der sich um seine administrativen
Angelegenheiten kümmere. Dass der Lohnausweis gefehlt habe, sei weder ihm noch
seinem Sohn aufgefallen. Ebenso habe er nicht beachtet, dass die im 2010 gewährten
Prämienverbilligungen nicht in Abzug gebracht worden seien. Er sei nicht in der Lage,
eine Steuererklärung selbständig auszufüllen bzw. deren Inhalt zu verstehen. Deshalb
habe er seinem Sohn seit Jahren vertraut und die Steuerformulare unterzeichnet, ohne
sie zu kontrollieren. Er habe jedoch niemals beabsichtigt, Steuern zu hinterziehen. Er
lebe nun seit 24 Jahren in dieser Gemeinde und habe sich nie das Geringste zu
Schulden kommen lassen. Es sei ihm wichtig, den Namen der Familie nicht zu
beschmutzen.
Diese Aussagen des Angeschuldigten erscheinen zwar glaubwürdig. Wer aber ein
Steuerformular sozusagen blind unterschreibt – der Rechtsvertreter führte aus, der
Angeschuldigte habe die Zahlen auf der Quittung gar nicht gelesen und deshalb die
Fehler nicht bemerken können – nimmt zumindest in Kauf, dass dessen Inhalt
mangelhaft sein könnte. Der Angeschuldigte hat sich bewusst für das "Nichtwissen"
entschieden und kann sich nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht darauf
berufen, den fehlerhaften Inhalt der Steuererklärung bzw. der eTaxes-Quittung nicht
gekannt zu haben. Wer sich überhaupt nicht darum kümmert, ob die von ihm
gemachten Angaben richtig sind, handelt nicht mehr fahrlässig, sondern – falls die
Angaben nicht korrekt sind – eventualvorsätzlich (vgl. BGE 135 IV 12 E. 2.3.1; ASA 72
213 ff.; StE 1994 B 101.21 Nr. 13). Diese Rechtsprechung führt dazu, dass jener
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Steuerpflichtige, der seinen Deklarationspflichten selbständig nachkommt, nicht
schlechter gestellt wird als derjenige, der einen Dritten damit beauftragt. Letzterer
könnte sich auf das Vertrauensverhältnis zum Beauftragten berufen und sich auf diese
Weise leichter seiner Verantwortung für die Vollständigkeit der Angaben entziehen (vgl.
Howald, a.a.O., S. 197). Dass der Angeschuldigte die deutsche Sprache nur schlecht
beherrscht, wie er vorbrachte, rechtfertigt sein Verhalten nicht. Er hätte sich von
seinem Sohn zumindest über die wesentlichen Steuerfaktoren informieren lassen
müssen. Dass Letzterer in der fraglichen Zeit wegen familiärer Probleme unter grosser
psychischer Belastung gestanden habe, wie der Rechtsvertreter vorbrachte, und
deshalb nicht in der Lage gewesen sei, die Steuererklärung vorschriftsgemäss bzw.
vollständig auszufüllen, ändert an der Verantwortung des Angeschuldigten für die
korrekte Einreichung der Steuererklärung ebenfalls nichts. Der Vertreter der
Anklagebehörde führte zutreffend aus, dass der Sohn bei der Veranlagungsbehörde
eine Fristerstreckung hätte beantragen können, und eine solche von der Steuerbehörde
im Krankheitsfall in der Regel gewährt werde (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
a.a.O., Art. 119 N 11).
cc) Unter den gegebenen Umständen kann nicht mehr nur auf Fahrlässigkeit
geschlossen werden. Namentlich geht es nicht um den Vorwurf, der Angeschuldigte
habe aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit falsche Angaben gemacht. Vielmehr ist
aufgrund der klaren bundesgerichtlichen Rechtsprechung zumindest von
Eventualvorsatz auszugehen, wenn eine Person ein Dokument unbesehen
unterschreibt. Sie nimmt damit in Kauf, dass dessen Inhalt falsch sein könnte. Dies war
vorliegend der Fall. Der Angeschuldigte unterzeichnete die eTaxes-Quittung 2011, ohne
die darauf aufgeführten Steuerfaktoren zu prüfen. Er konnte sich seiner Verantwortung
für die vollständige Deklaration seines Einkommens nicht dadurch entziehen, dass er
die Erstellung seiner Steuererklärung seinem Sohn übertrug (vgl. Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 176 N 4). Dessen Hinweis, er sei schuld am Fehler, denn
sein Vater kenne sich in Steuerangelegenheiten nicht aus, ist deshalb für den Entscheid
ohne Bedeutung.
c) Zusammenfassend steht damit fest, dass der Angeklagte in Bezug auf die
Nichtdeklaration seines Lohns und der Prämienverbilligungen den Tatbestand der
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versuchten Steuerhinterziehung gemäss Art. 249 Abs. 1 StG erfüllte. Er ist
dementsprechend der versuchten Steuerhinterziehung schuldig zu sprechen.
4.- Nach Art. 249 Abs. 2 StG beträgt die Busse zwei Drittel der Busse, die bei
vollendeter Steuerhinterziehung festzusetzen wäre. Nach Art. 248 Abs. 5 StG beträgt
die Busse in der Regel das Einfache der hinterzogenen Steuer. Sie kann bei leichtem
Verschulden bis auf einen Drittel ermässigt, bei schwerem Verschulden bis auf das
Dreifache erhöht werden.
Die Strafzumessung richtet sich – unter Vorbehalt abweichender Normen im
Steuergesetz – nach den allgemeinen strafrechtlichen Grundsätzen (vgl. Th. Hofer,
Strafzumessung bei der Hinterziehung direkter Steuern, Zürich/St. Gallen 2007,
S. 18 f.). Nach Art. 106 Abs. 3 StGB bemisst das Gericht die Busse je nach den
Verhältnissen des Täters so, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden
angemessen ist. Die Regelstrafmasse sind nicht schematisch anzuwenden. Vielmehr
sind sie als blosser Ausgangspunkt für die Strafzumessung nach dem
Verschuldensprinzip zu betrachten (BGE 134 III 59 E. 2.3.1). Dieses Regelmass soll
dann greifen, wenn Vorsatz vorliegt und es gleichzeitig an Strafminderungs- und
Straferhöhungsgründen fehlt (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/ Meuter, a.a.O., Art. 175 N 91
mit Hinweisen).
Ausgangspunkt bei der Strafzumessung für die Steuerhinterziehung ist der einfache
Betrag der hinterzogenen Steuer. Die Anklagebehörde erwog, in Würdigung sämtlicher
Umstände und unter Berücksichtigung der Strafzumessungsregeln erscheine eine
Busse von Fr. 3'460.– (hypothetisch hinterzogene Steuer, davon 2/3 wegen Versuchs)
als angemessen.
Ohne die nicht deklarierten Einkünfte und Prämienverbilligungen hätte das steuerbare
Einkommen Fr. 43'600.– betragen. Die Berücksichtigung dieser Einkünfte führt zu
einem Familieneinkommen von Fr. 78'100.–. Daraus ergibt sich eine hypothetisch
hinterzogene Steuer von Fr. 5'706.70. Die von der Anklagebehörde unter
Berücksichtigung des Versuchs festgelegte Busse von Fr. 3'460.– erscheint
angemessen und wurde nicht bestritten; sie ist zu bestätigen.
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5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des
Untersuchungsverfahrens von Fr. 200.– und des Gerichtsverfahrens vom
Angeschuldigten zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.–
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).