Decision ID: 121c7240-7219-481c-989d-fbb6158460e9
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im März 2009 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung – berufliche Eingliederungsmassnahmen und Rente – an (IV-act.
1). Im Auftrag der IV-Stelle erstatteten med. pract. B._ und Dr. med. C._ im
September 2012 ein bidisziplinäres rheumatologisches und psychiatrisches Gutachten
(IV-act. 94). Die Sachverständigen hielten fest, die Versicherte leide an einem lumbo-
spondylogenen Syndrom beidseits, rechtsbetont (bei leichten degenerativen
Veränderungen der Lendenwirbelsäule, einem Status nach ventral intercorporellen
Spondylodesen L4–S1 und einer Generalisationstendenz bei einer psychosozialen
Problemkonstellation), an einer depressiven Episode (gegenwärtig mittelgradig mit
einem somatischen Syndrom) sowie an einer somatoformen Schmerzstörung (bei
einem Verdacht auf eine somatoforme autonome Funktionsstörung des unteren
Gastrointestinaltraktes). Zudem bestehe der Verdacht auf akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit einer krankheitsbedingten Wesensänderung. Als Diagnosen
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit führten die Sachverständigen anamnestisch
intermittierende cervico-cephale Symptome, anamnestisch belastungsabhängige
Femoropatellarsymptome, Knick-/Senkfüsse sowie eine vermehrte Bandlaxizität an.
Die Versicherte habe eine generalisierte Schmerzproblematik mit einer vornehmlichen
Lokalisation im Bereich der lumbal operierten Wirbelsäule geschildert. Dokumentiert
seien aber nur leichte degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule. Ausgehend
von der Rückensymptomatik habe sich bei schwierigen Lebensumständen und
langjährigen Schmerzen eine Schmerzgeneralisierung eingestellt, die nicht durch die
rein am Bewegungsapparat zu erhebenden Befunde erklärt werden könne. Organisch
nachvollziehbar bestünden eine vermehrte Bandlaxizität und Knicksenkfüsse, die
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jedoch per se nicht geeignet seien, eine Invalidität in körperlich leicht belastenden
Büro- oder Verwaltungstätigkeiten im kaufmännischen Bereich zu begründen.
Organisch nachvollziehbar bestehe eine verminderte Belastbarkeit für schwere und
mittelschwer belastende Tätigkeiten, für alle Arbeiten in wirbelsäulenbelastenden
Zwangspositionen – längerdauernd rein stehend oder rein sitzend – sowie für Arbeiten
in vornüber geneigten Körperhaltungen oder im Überkopfbereich. Arbeiten, die allen
diesen Einschränkungen gerecht würden, seien mit einem vermehrten Pausenbedarf
von bis zu 20 Prozent eines Vollpensums zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht sei der
Versicherten allerdings nur noch ein Pensum von 50 Prozent zumutbar. Die IV-Stelle
wies das Rentenbegehren mit einer Verfügung vom 25. November 2013 mit der
Begründung ab, die aus psychiatrischer Sicht attestierte Arbeitsunfähigkeit sei gemäss
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht „invalidisierend“ (IV-act. 125). Mit einem
Entscheid vom 2. März 2016 (IV 2014/24; vgl. IV-act. 140) hob das
Versicherungsgericht diese Verfügung auf und es sprach der Versicherten mit Wirkung
ab dem 1. Januar 2010 eine halbe, mit Wirkung ab dem 1. Januar 2011 eine
Dreiviertels- und mit Wirkung ab dem 1. September 2012 eine halbe Rente zu. Am 6.
und am 19. September 2016 ergingen die entsprechenden Rentenverfügungen (IV-act.
152 f.).
A.b Am 13. Dezember 2016 beantragte die Versicherte die Vergütung der Kosten für
einen Elektroscooter vom Typ „Kyburz Classic Plus 30km/h“ (IV-act. 157) im Betrag
von 28’729 Franken (IV-act. 159). Dieses Gesuch war vom Hausarzt Dr. med. D._ am
5. Dezember 2016 mit einer Verbesserung der Lebensqualität, einer Verbesserung der
Mobilität und einer Förderung der Selbständigkeit bei einem chronischen
Schmerzsyndrom nach einer Spondylodese L4/S1 im Jahr 2009 begründet worden (IV-
act. 158). Im Gesuch wurde unter anderem erwähnt, dass die Versicherte am
Elektroscooter eine Rollatorhalterung benötige, da sie sich am Zielort ohne einen
Rollator nicht fortbewegen könne. Am 27. Dezember 2016 gab Dr. D._ der IV-Stelle
an (IV-act. 163), der Zustand der Versicherten habe sich im Vergleich zum
„Vorbericht“ (nicht näher bezeichnet) nicht verändert. Ein Rollstuhl werde „mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit“ länger als ein Jahr benötigt werden. Die Versicherte
könne sich mit einem gewöhnlichen Rollstuhl nicht mehr selber fortbewegen, denn sie
sei „ohnehin sehr schmächtig von nicht muskulöser Natur an den Oberarmen“. Am 6.
Januar 2017 berichtete Dr. D._ (IV-act. 166), die Versicherte könne kurze Strecken im
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Haus laufen. Ihre Gehstrecke ausser Haus betrage maximal 100 Meter. Dann müsse sie
auf jeden Fall mindestens einen Rollator benutzen. Das sei anstrengend. Mit dem
Elektroscooter sei der Bewegungsumfang deutlich grösser. Stehen gehe auch nur
mühsam wegen dem Unsicherheitsgefühl bei einem bekannten Gleitwirbel. Am 31.
Januar 2017 ging der IV-Stelle eine Rechnung eines Elektrikers zu, der am 8. Dezember
2016 für total 1’309.30 Franken eine Steckdose in einer Tiefgarage für den
Elektroscooter angebracht hatte (IV-act. 169–4 f.). Am 3. Februar 2017 berichtete die
SAHB (IV-act. 169–1 f.), sie habe die Versicherte und deren Ehemann befragt. Die
Voraussetzungen für die Abgabe eines Elektroscooters im Sinne der Ziff. 9.02 Anh. HVI
seien erfüllt. Ein einfaches und zweckmässiges Modell koste etwa 5’000–6’900
Franken. An sich könnte ein entsprechender Beitrag im Sinne der Austauschbefugnis
an das (nicht einfache und zweckmässige) angeschaffte Modell vergütet werden, aber
gemäss einer Weisung des Bundesamtes für Sozialversicherungen gelte die
Austauschbefugnis nur für Modelle mit einer maximalen Geschwindigkeit von zehn
Kilometern pro Stunde. Die Kosten für die Steckdose in der Tiefgarage müssten aber
auf jeden Fall vergütet werden.
A.c Mit einem Vorbescheid vom 3. Februar 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit (IV-act. 171), dass sie die Abweisung des Leistungsbegehrens vorsehe. Zur
Begründung führte sie an, der angeschaffte Elektroscooter sei nicht einfach und
zweckmässig. Eine Austauschbefugnis bestehe nicht, da die im Kreisschreiben
vorgesehene Maximalgeschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde überschritten
werde. Dagegen liess die Versicherte am 7. März 2017 einwenden (IV-act. 174), die
Beschränkung der Austauschbefugnis auf Elektromobile mit einer
Maximalgeschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde sei gesetzes- und
verordnungswidrig. Die Versicherte habe im Rahmen der Austauschbefugnis einen
Anspruch auf einen Kostenbeitrag von 6’900 Franken sowie auf die Vergütung der
Kosten von 1’309.30 Franken für die Montage einer zusätzlichen Steckdose in der
Tiefgarage. Am 18. April 2017 notierte ein Fachberater der IV-Stelle (IV-act. 176), ein
Hand- oder Elektrorollstuhl diene der Fortbewegung in der nahen Umgebung und nicht
der Überwindung von grösseren Distanzen. Zudem würden die Hilfsmittel nur leihweise
abgegeben, was bei Elektromobilen mit einer Geschwindigkeit von über zehn
Kilometern pro Stunde aber aus Haftungsgründen nicht möglich sei. Aus den Angaben
von Dr. D._ gehe hervor, dass die Versicherte über einen Rollator verfüge, den sie
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auch einsetze. Über ihren Bewegungsradius mit dem Rollator sei nichts bekannt.
Dieser sei möglicherweise so gross, dass gar kein Anspruch auf einen Rollstuhl
bestehen könne. Mit einer Verfügung vom 20. April 2017 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren ab (IV-act. 177). Zur Begründung führte sie an, es bestehe kein
Anspruch auf ein Elektromobil, da die Versicherte ohne Hilfsmittel eine Gehstrecke von
100 Metern zurücklegen könne und da ihr ein Rollator zur Verfügung stehe, mit dem sie
noch weitere Strecken bewältigen könne.
B.
B.a Am 24. Mai 2017 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 20. April 2017 erheben. Ihre Rechtsvertreterin
beantragte die Kostengutsprache für ein Elektromobil sowie für die Montage einer
Steckdose im Rahmen der Austauschbefugnis. Zur Begründung führte sie aus, der
Hausarzt Dr. D._ habe die Notwendigkeit eines Rollstuhls bestätigt. Aus den Akten
gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin einen Handrollstuhl nicht alleine bedienen
könne. Die Beschränkung der Austauschbefugnis auf Elektromobile mit einer
Maximalgeschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde sei gesetzes- und
verordnungswidrig.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 31. August
2017 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, in den
Akten fehle jeder Hinweis auf eine Unfähigkeit der Beschwerdeführerin, einen
Handrollstuhl alleine bedienen zu können. Im bidisziplinären Gutachten vom September
2012 werde eine regelmässige körperliche Aktivität empfohlen. Folglich wäre es am
sinnvollsten, wenn die Beschwerdeführerin sich möglichst nur mit dem Rollator
fortbewegen würde.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 2. November 2017 an ihrem Antrag festhalten
(act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen
1.
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1.1 Eine versicherte Person, die infolge einer Gesundheitsbeeinträchtigung für die
Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die
Selbstsorge kostspielige Geräte benötigt, hat gemäss dem Art. 21 Abs. 2 IVG im
Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste einen Anspruch auf entsprechende
Hilfsmittel. Die sogenannte leistungsspezifische Invalidität (vgl. Art. 4 Abs. 2 IVG)
besteht in Bezug auf ein Hilfsmittel also in der Hilfsmittelbedürftigkeit der versicherten
Person. Mit anderen Worten ist entscheidend, ob die versicherte Person für die
Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die
Selbstsorge auf ein Hilfsmittel angewiesen ist. Die im Art. 21 Abs. 2 IVG erwähnte Liste
befindet sich im Anhang zur HVI (vgl. Art. 14 IVV). Diese sieht in den Ziff. 9.01 und 9.02
unter bestimmten Voraussetzungen die leihweise Abgabe eines gewöhnlichen oder
eines Rollstuhls mit einem Elektroantrieb und in der Ziff. 10.04 einen jährlichen
Amortisationsbeitrag an ein Automobil vor. Anders als die Ziff. 9.01 und 9.02 ist die Ziff.
10.04 mit einem Asterisk versehen, was gemäss dem Art. 2 Abs. 2 HVI bedeutet, dass
ein Anspruch auf den Amortisationsbeitrag an ein Automobil nur besteht, wenn das
Automobil für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im
Aufgabenbereich, für die Schulung, für die Ausbildung oder für die funktionelle
Angewöhnung benötigt wird. In Bezug auf sämtliche Hilfsmittel gilt, dass nur ein
Anspruch auf eine einfache, zweckmässige und wirtschaftliche Ausführung besteht und
dass die versicherte Person die durch eine andere Ausführung bedingten Mehrkosten
selbst zu tragen hat (Art. 2 Abs. 4 HVI).
1.2 Die Beschwerdeführerin hat mit ihrem Gesuch vom 13. Dezember 2016 die
Abgabe eine Rollstuhls im Sinne der Ziff. 9.01 f. Anh. HVI respektive die Vergütung der
Kosten für ein Elektromobil vom Typ „Kyburz Classic Plus 30km/h“ beantragt. Dieses
Gesuch ist in sich widersprüchlich, denn beim beantragten Elektromobil handelt es sich
nicht um einen – handbetriebenen oder elektrisch angetriebenen – Rollstuhl, sondern
um ein Elektromotorfahrzeug. Diese Widersprüchlichkeit lässt mehrere Varianten für die
Interpretation des Leistungsbegehrens zu: Die Beschwerdeführerin könnte
(fälschlicherweise) angenommen haben, das (bereits angeschaffte) Elektromobil falle in
die Hilfsmittelkategorie „Rollstuhl“ im Sinne der Ziff. 9.01 f. Anh. HVI; sie könnte
allerdings auch bloss versehentlich die falsche Hilfsmittelkategorie angegeben haben;
oder sie könnte die Vergütung eines Teils der Kosten des bereits angeschafften
Elektromobils im Sinne der sogenannten Austauschbefugnis – Elektromobil statt
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Elektrorollstuhl – beantragt haben. Die vollständige Prüfung des Leistungsbegehrens
respektive der infolge dieses Leistungsbegehrens ergangenen angefochtenen
Verfügung erfordert eine Auseinandersetzung mit allen drei Interpretationsvarianten.
1.3 Ein – handbetriebener oder elektrisch angetriebener – Rollstuhl dient der
Fortbewegung der versicherten Person bei einem Verlust der Gehfähigkeit. Er soll die
versicherte Person also in die Lage versetzen, sich wie ein gesunder Fussgänger
fortzubewegen. Das hier zur Diskussion stehende Elektromobil erfüllt augenscheinlich
einen ganz anderen Zweck, denn es kann im Innern eines Hauses gar nicht benutzt
werden und ausser Haus dient es der Überwindung langer Strecken. Es erreicht
nämlich eine Maximalgeschwindigkeit von 30 km/h, was etwa der sechsfachen
Geschwindigkeit eines Fussgängers entspricht. Folglich lässt es sich nicht der
Hilfsmittelkategorie „Rollstuhl“ (Ziff. 9.01 und 9.02) zuordnen. Der Zweck des
Elektromobils entspricht vielmehr jenem eines Automobils (Ziff. 10.04 Anh. HVI), das es
– sowohl einer hilfsmittelbedürftigen als auch einer gesunden Person – ermöglicht,
lange Strecken zu überwinden. Genau dafür hat sich die Beschwerdeführerin das
Elektromobil denn auch angeschafft. Sie kann sich nämlich innerhalb ihrer Wohnung
relativ frei bewegen und auch ausser Haus Gehstrecken bis maximal 100 Meter
zurücklegen. Für längere Strecken benötigt sie einen Rollator. Das Elektromobil dient
gemäss den Angaben des Hausarztes Dr. D._ der Erweiterung des
Bewegungsumfangs, beispielsweise der Überwindung der Strecke vom Wohnort nach
E._ (vgl. IV-act. 166). Auch die Weisung der Aufsichtsbehörde der
Beschwerdegegnerin, die in der Rz. 2082 des Kreisschreibens über die Hilfsmittel
durch die Invalidenversicherung (KHMI; bis 31. Dezember 2017 gültige Fassung) als
Abgrenzungskriterium zwischen den Hilfsmittelkategorien Ziff. 9 Anh. HVI und Ziff. 10
Anh. HVI für Elektrorollstühle eine Maximalgeschwindigkeit von 10 km/h vorgesehen
hat, steht einer Qualifikation des von der Beschwerdeführerin angeschafften
Elektromobils als Elektrorollstuhl im Sinne der Ziff. 9.02 Anh. HVI entgegen. Hinter der
Wahl dieses Abgrenzungskriteriums dürfte nämlich die Überlegung gestanden haben,
dass bei einer Maximalgeschwindigkeit von mehr als 10 km/h jedenfalls nicht mehr von
einer blossen Wiederherstellung der Fähigkeit, sich als Fussgänger fortzubewegen,
gesprochen werden kann, weshalb entsprechende Fahrzeuge nicht als Elektrorollstühle
qualifiziert werden können. In der neusten Fassung der Rz. 2082 KHMI ist die
Maximalgeschwindigkeit zwar auf 20 km/h erhöht worden, aber diese Anpassung ist
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mit Blick auf den Sinn und Zweck der Ziff. 9 f. Anh. HVI problematisch, denn ein
Elektrorollstuhl mit einer Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h ersetzt augenscheinlich
nicht nur eine verlorene Gehfähigkeit als Fussgänger, sondern dient zusätzlich auch der
Überwindung von Distanzen, für die auch eine körperlich nicht eingeschränkte Person
auf ein Fahrzeug zurückgreifen würde. Da das von der Beschwerdeführerin
angeschaffte Elektromobil eine noch höhere Maximalgeschwindigkeit aufweist, könnte
es selbst dann, wenn man sich am (aktuellen) Kriterium der Aufsichtsbehörde zur
Abgrenzung zwischen Elektrorollstühlen und Automobilen orientieren würde, nicht als
ein Elektrorollstuhl qualifiziert werden. Wenn das Gesuch vom 13. Dezember 2016 auf
die Abgabe eines Elektrorollstuhls in Form des angeschafften Elektromobils abgezielt
hat, ist es von der Beschwerdegegnerin also zu Recht abgewiesen worden, weil es sich
beim angeschafften Elektromobil nicht um einen Elektrorollstuhl handelt.
1.4 Ein Amortisationsbeitrag von 3’000 Franken pro Jahr für ein Automobil setzt
gemäss der Ziff. 10.04 Anh. HVI die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder eine Aus-
oder Weiterbildung voraus. Die Beschwerdeführerin ist aber weder erwerbstätig noch
befindet sie sich in einer Aus- oder Weiterbildung. Sie kann folglich keinen Anspruch
auf einen Amortisationsbeitrag an ein Automobil haben. Wenn ihr Gesuch vom 13.
Dezember 2016 auf einen solchen Amortisationsbeitrag abgezielt hat, ist es also
ebenfalls zu Recht abgewiesen worden, weil die Beschwerdeführerin keinen Anspruch
auf ein Hilfsmittel im Sinne der Ziff. 10.04 Anh. HVI hat.
1.5 Bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch gestützt auf die
sogenannte Austauschbefugnis hat. Hinter dieser Austauschbefugnis steht der
Gedanke, dass eine versicherte Person, die sich ein im Sinne des Art. 21 IVG
„luxuriöses“ Hilfsmittel anschafft, einen Anspruch auf eine Kostenbeteiligung der
Invalidenversicherung haben soll, die jenem Betrag entspricht, den die
Invalidenversicherung für dasselbe Hilfsmittel in einer einfachen und zweckmässigen
Ausführung hätte bezahlen müssen. Die Austauschbefugnis will also nur eine
Ungleichbehandlung von Versicherten, die sich mit einem einfachen und
zweckmässigen Hilfsmittel begnügen (dessen Kosten vollständig von der
Invalidenversicherung vergütet werden, sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind), und
jenen Versicherten, die sich ein teureres – „luxuriöses“ – Hilfsmittel anschaffen,
verhindern. Diesen Zweck kann die Austauschbefugnis nur erfüllen, wenn sich die
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versicherte Person ein („luxuriöses“) Hilfsmittel anschafft, das zur selben Kategorie
gehört respektive denselben Zweck erfüllt, wie das (einfache und zweckmässige)
Hilfsmittel, auf das sie an sich einen Anspruch hätte. Die Austauschbefugnis würde in
einer unzulässigen Weise „überstrapaziert“, wenn sie dazu dienen müsste, ein
(„luxuriöses“) Hilfsmittel aus einer anderen Kategorie als jener mitzufinanzieren, zu der
das Hilfsmittel gehört, auf das die versicherte Person an sich einen Anspruch hätte.
Dadurch könnte die versicherte Person nämlich die Anspruchsvoraussetzungen für
bestimmte Hilfsmittel unterlaufen, wie der vorliegende Fall exemplarisch zeigt. Wenn
die Beschwerdeführerin sich nämlich den Betrag, der ihr möglicherweise für die
Anschaffung eines Rollstuhls zur Verfügung stünde, benutzen könnte, um sich ein
Elektromobil anzuschaffen, könnte sie dadurch eine Kostenbeteiligung der
Invalidenversicherung an einem Automobil erwirken, obwohl sie die Voraussetzungen
der Ziff. 10.04 Anh. HVI gar nicht erfüllt. Das wäre rechtsmissbräuchlich. Die
Austauschbefugnis kann deshalb keinen „Sprung“ in eine andere Hilfsmittelkategorie
erlauben. Die Beschwerdeführerin kann folglich auch im Sinne der Austauschbefugnis
keinen Anspruch auf eine Kostenbeteiligung der Invalidenversicherung am bereits
angeschafften Elektromobil haben. Auch wenn ihr Gesuch vom 13. Dezember 2016
entsprechend zu interpretieren wäre, würde sich die Abweisung des
Leistungsbegehrens als rechtmässig erweisen. Damit erweist sich die angefochtene
Verfügung unabhängig von der richtigen Interpretation des Begehrens vom 13.
Dezember 2016 als rechtmässig, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
1.6 Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass es der
Beschwerdeführerin unbenommen ist, die Abgabe eines Hand- oder Elektrorollstuhls
zu beantragen. Dafür müsste sie ein entsprechendes Gesuch bei der
Beschwerdegegnerin stellen. Diese hätte für die Prüfung eines solchen
Leistungsbegehrens medizinische Abklärungen bezüglich der Gehfähigkeit der
Beschwerdeführerin zu tätigen, denn die Angaben in den bisherigen Akten dürften die
Beantwortung der Frage nach der Gehfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erlauben.
2.
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Die Beschwerde gegen die Verfügung vom 20. April 2017 ist abzuweisen. Die
Gerichtskosten sind der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Sie sind
durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. Die unterliegende
Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.