Decision ID: 8b10a9ba-b260-50da-81bf-a292f1e31609
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X wurde am Samstag, 24. Juni 2006, von der Polizei in St. Gallen angehalten, als er
einen Personenwagen in alkoholisiertem Zustand lenkte. Die anschliessend im
Kantonsspital St. Gallen durchgeführte Untersuchung ergab eine
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Blutalkoholkonzentration von mindestens 2.26 Gew.-‰. Wegen Führens eines
Fahrzeuges in angetrunkenem Zustand entzog ihm das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (im Folgenden: Strassenverkehrsamt) mit
Verfügung vom 19. Juli 2006 den Führerausweis für die Dauer von drei Monaten (vom
24. Juni bis 23. September 2006). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
B.- Am 4. September 2006 um 15.25 Uhr reiste X mit dem Personenwagen "Porsche
911 Carrera 4S" beim Grenzübergang Castasegna GR von Italien in die Schweiz ein.
Dabei wies er sich mit einem alten, ungültigen Führerausweis (ausgestellt am 21. Juni
1971 von der Motorfahrzeugkontrolle Appenzell Ausserhoden) aus, der ihm sogleich
abgenommen wurde. Abklärungen ergaben, dass gegen X mit Verfügung vom 19. Juli
2006 wegen einer schweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften
ein dreimonatiger Führerausweisentzug verfügt worden war, und dass dieser somit
seinen Personenwagen trotz Führerausweisentzugs lenkte. Bei der anschliessenden
Befragung gab X zu Protokoll, der Polizei nahe stehende Personen hätten ihm gesagt,
dass im Ausland bei Führerausweisentzug gefahren werden dürfe. Folglich habe er sich
in Italien ans Lenkrad gesetzt; ab der Schweizer Grenze wäre jedoch seine Frau
weitergefahren.
C.- Mit Strafmandat des Kreispräsidenten Bergell vom 14. November 2006 wurde X im
summarischen Verfahren wegen Fahrens eines Motorfahrzeuges trotz
Führerausweisentzugs nach Art. 95 Ziff. 2 aSVG zu einer bedingten Haftstrafe von 20
Tagen und einer Busse von Fr. 5'000.-- verurteilt. Gegen diesen Entscheid erhob X
Einsprache. Mit Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Maloja vom 1. April 2008 wurde
er zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je Fr. 870.-- und zu einer Busse von
Fr. 5'000.-- verurteilt; auf den Widerruf des bedingten Strafvollzugs gemäss
Strafbescheid des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 28. August 2006 (acht Wochen
Gefängnis) wurde verzichtet, die Probezeit wurde jedoch um ein Jahr verlängert. Eine
am 30. Juni 2008 gegen dieses Urteil erhobene Berufung hiess das Kantonsgericht
Graubünden mit Entscheid vom 22. Oktober 2008 teilweise gut und verurteilte X wegen
Fahrens eines Motorfahrzeuges trotz Führerausweisentzugs zu einer Busse von
Fr. 2'000.--; die Verlängerung der Probezeit um ein Jahr wurde dagegen bestätigt.
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Das Bundesgericht hiess eine gegen dieses Urteil eingereichte Beschwerde in
Strafsachen mit dem Hauptantrag auf Freispruch teilweise gut, hob das angefochtene
Urteil auf und wies die Streitsache zu neuer Entscheidung hinsichtlich der
Strafzumessung an die Vorinstanz zurück. Mit Urteil vom 9. September 2009 verurteilte
die erste Strafkammer des Kantonsgerichts Graubünden X wegen Fahrens eines
Motorfahrzeuges trotz Führerausweisentzugs zu einer bedingten Geldstrafe von zehn
Tagessätzen zu je Fr. 95.-- sowie zu einer Busse von Fr. 230.--. Dieses Urteil erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
D.- Daraufhin eröffnete das Strassenverkehrsamt das
Administrativmassnahmeverfahren und gab X Gelegenheit zur Stellungnahme. Mit
Stellungnahme seines Rechtsvertreters vom 30. Januar 2010 liess er sich vernehmen
und beantragte, es sei von einem Entzug des Führerausweises abzusehen; eventualiter
sei der Führerausweis für die Dauer von höchstens drei Monaten zu entziehen. In der
Folge entzog ihm das Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 2. Februar 2010 wegen
einer schweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften den
Führerausweis für die Dauer von zwölf Monaten.
E.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
16. Februar 2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und von einem Entzug des Führerausweises
sei abzusehen. Eventualiter seien Ziff. 1 der Verfügung aufzuheben, der Führerausweis
für die Dauer von höchstens drei Monaten zu entziehen und Ziff. 4 der Verfügung
entsprechend anzupassen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des
Staates. Die Vorinstanz verzichtete auf eine Vernehmlassung.
Auf die weiteren Ausführungen zur Begründung der Anträge sowie auf die Akten wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 16. Februar 2010 ist rechtzeitig
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eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. f in Verbindung mit Art. 16c Abs. 2 lit. c des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) ist einem Fahrzeugführer, der
während der Dauer eines rechtmässigen Ausweisentzugs ein Motorfahrzeug geführt
hat, der Führerausweis mindestens für zwölf Monate zu entziehen, wenn in den
vergangenen fünf Jahren der Ausweis wegen einer schweren Widerhandlung entzogen
war.
a) Angesichts des rechtskräftigen Urteils vom 9. September 2009 der ersten
Strafkammer des Kantonsgerichtes Graubünden ist zu Recht unbestritten, dass der
Rekurrent am 4. September 2006 trotz eines dreimonatigen Führerausweisentzugs
einen Personenwagen gelenkt hat. Damit sind die objektiven Voraussetzungen von
Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG erfüllt.
b) Gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. f in Verbindung mit Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG beträgt die
Mindestentzugsdauer im vorliegenden Fall zwölf Monate. Der mit Entscheid vom
2. Februar 2010 verfügte Führerausweisentzug für die Dauer von zwölf Monaten
entspricht damit der gesetzlichen Mindestdauer, welche nach dem in Art. 16 Abs. 3
SVG klar geäusserten Willen des Gesetzgebers nicht unterschritten werden darf (vgl.
BBl 1999 S. 4486; BGE 6A.65/2006 vom 1. Februar 2007, E. 2). Eine Unterschreitung
der Mindestentzugsdauer oder gar einen Verzicht auf die Massnahme lässt das Gesetz
auch wegen beruflicher Angewiesenheit nicht zu. Dies gilt gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung auch für Berufschauffeure (BGE 132 II 234 E. 2). Es stellt sich deshalb
allein die Frage, ob die gesetzlich vorgeschriebene Mindestdauer in Anlehnung an
Rechtsprechung und Lehre zu Art. 17 Abs. 1 lit. c aSVG (in Kraft bis 31. Dezember
2004) in Fällen, wo das Verschulden des Lenkers derart gering ist, dass ein Festhalten
an der gesetzlichen Mindestentzugsdauer unverhältnismässig erschiene, durch
richterliche Lückenfüllung unterschritten werden kann, weil der untypische Fall des
fahrlässigen Fahrens trotz Ausweisentzugs im Gesetz nicht geregelt ist.
bis
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aa) Rechtsprechung und Lehre zu Art. 17 Abs. 1 lit. c aSVG haben die Herabsetzung
der Mindestentzugsdauer bei "besonders leichten Fällen" des Fahrens trotz
Ausweisentzugs von sechs Monaten auf einen Monat für zulässig befunden (BGE 117
IV 302 E. 3b/dd; BGE 123 II 225 E 2b/bb; BGE vom 5. Februar 2003 E. 3.2 in: Pra
8/2003 Nr. 148; R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Bd. III, N 2494 ff.). Die gesetzliche Mindestentzugsdauer von
sechs Monaten erscheine bei bloss einfacher Fahrlässigkeit als stossend, weshalb in
solchen Fällen auf einen Entzug von mindestens einen Monat zu erkennen sei (BGE
124 II 103 E. 2a). Art. 17 Abs. 1 lit. c aSVG sei auf die typischen Fälle des Führens eines
Motorfahrzeugs trotz Führerausweisentzugs zugeschnitten, d.h. auf Fälle, in denen sich
der Betroffene schlechterdings über die Massnahme hinwegsetze – also vorsätzlich
handle – in der Hoffnung, er werde dabei nicht erwischt (BGE 124 II 103 E. 2a mit
Hinweisen). Der Warnungsentzug des Führerausweises sei zwar der Form nach eine
Administrativmassnahme, habe aber materiell überwiegend Strafcharakter, weshalb in
Analogie zu Art. 100 Ziff. 1 Abs. 2 SVG in besonders leichten Fällen die sechsmonatige
Mindestentzugsdauer unterschritten werden könne. Unter einem besonders leichten
Fall sei insbesondere die Begehungsform der einfachen Fahrlässigkeit zu verstehen. Ab
grobfahrlässiger Begehungsweise sei hingegen der qualifizierte Tatbestand von Art. 17
Abs. 1 lit. c aSVG erfüllt und damit eine Mindestentzugsdauer von sechs Monaten
gegeben (BGE 124 II 103 E. 2a).
bb) Der Tatbestand des Fahrens trotz Ausweisentzugs erfuhr durch die Revision des
SVG vom 31. März 1999 keine inhaltlichen Änderungen (vgl. BBl 1999 S. 4490). Neu
wird der Tatbestand in Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG ausdrücklich erwähnt, während im
altem Recht eine echte Gesetzeslücke bestanden hat, die vom Bundesrat auf dem
Verordnungsweg, durch Art. 32 Abs. 1 der alten Verkehrszulassungsverordnung (SR
741.51, abgekürzt: VZV), gefüllt wurde (vgl. BGE 112 Ia 310; BGE vom 30. April 1997,
in: AJP 7/1997, S. 890). Die Sanktionen bei Fahren trotz Führerausweisentzugs wurden
durch die Gesetzesrevision hingegen deutlich verschärft. Gegenüber der altrechtlichen
Bestimmung von Art. 17 Abs. 1 lit. c aSVG, die eine Mindestentzugsdauer von generell
sechs Monaten vorsah, erfolgt die Bemessung der Mindestentzugsdauer nach der
Revision des Administrativmassnahmerechts nach Abstufungen. Gemäss Art. 16c Abs.
2 lit. b SVG beträgt die Mindestentzugsdauer wegen Fahrens trotz Entzugs des
Führerausweises weiterhin sechs Monate. Diese Minimalfrist erhöht sich aber gemäss
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Art. 16c Abs. 2 lit. c und d SVG zwingend auf die Dauer von zwölf bzw. vierundzwanzig
Monaten, wenn der Führerausweis in den vorangegangenen Jahren wegen qualifizierter
Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz einmal oder mehrere Male
entzogen war.
Auch in strafrechtlicher Hinsicht wurde die Bestimmung wegen Fahrens trotz
Ausweisentzugs in Art. 95 Ziff. 2 SVG durch die Revision verschärft. Neu ist sie nicht
mehr als Übertretung, sondern als Vergehen (Freiheits- oder Geldstrafe) ausgestaltet.
Die Verschärfung der administrativen und strafrechtlichen Sanktionen im Vergleich zur
altrechtlichen Regelung lässt darauf schliessen, dass dem Tatbestand des Fahrens
trotz Ausweisentzugs von Gesetzes wegen eine Schwere zukommen soll, die aber bei
nur geringem Verschulden unangebracht ist.
cc) Für die Annahme, dass der Gesetzgeber bei der Revision des SVG bei der
Regelung des Tatbestands des Fahrens trotz Ausweisentzugs weiterhin von den
typischen Fällen ausging, in denen sich der Betroffene vorsätzlich – oder zumindest
grobfahrlässig – über die verfügte Massnahme hinwegsetzt, spricht neben der
Verschärfung der Sanktionen auch die systematische Stellung des Art. 16c Abs. 1 lit. f
SVG als letzter in einer Reihe von qualifizierten Verkehrsregelverletzungen. Eine
Besonderheit des Fahrens trotz Ausweisentzugs innerhalb der in Art. 16c Abs. 1 SVG
aufgeführten schweren Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz besteht
darin, dass die Verkehrssicherheit nicht unmittelbar gefährdet wird. Art. 16c Abs. 1 lit. f
SVG bezweckt, einer früher erlassenen Entzugsverfügung Nachachtung zu verschaffen,
indem derjenige, der sich über das vorübergehende Fahrverbot hinwegsetzt, mit einer
repressiven Massnahme dazu angehalten werden kann, künftig solche Verfügungen zu
beachten (Schaffhauser, a.a.O., N 2497). Die Norm sanktioniert also nicht die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, sondern primär den Ungehorsam gegen eine
amtliche Verfügung. Ungehorsam setzt aber in aller Regel Vorsatz voraus. Der
Unrechtsgehalt des fahrlässigen Fahrens trotz Ausweisentzugs (z.B. aufgrund eines
Verbots- oder Sachverhaltsirrtums) ist offensichtlich ungleich geringer als in Fällen, wo
der Lenker um die ihm durch Verfügung rechtmässig auferlegte Verpflichtung weiss
und diese nicht erfüllen will. Die undifferenzierte Anwendbarkeit derselben
Minimaldauer des Ausweisentzugs für vorsätzlichen oder fahrlässigen Ungehorsam
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kann aus diesem Grund sachlich nicht gerechtfertigt sein und widerspricht dem Sinn
und Zweck von Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG.
dd) Es ergibt sich somit, dass der Gesetzgeber den Tatbestand des fahrlässigen
Fahrens trotz Ausweisentzugs bei der Revision des SVG vom 31. März 1999 nicht
geregelt hat. Es liegt deshalb eine gesetzliche Ausnahmelücke vor, die durch
richterliche Lückenfüllung zu schliessen ist. Obschon bei der Festsetzung der
Entzugsdauer gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG ein Unterschreiten der gesetzlichen
Mindestentzugsdauer ausdrücklich ausgeschlossen wird, muss, um nicht Gefahr zu
laufen, das im Administrativmassnahmerecht geltende Verschuldensprinzip
auszuhöhlen, weiterhin die Möglichkeit bestehen, in besonders gelagerten Fällen des
Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG dem Grad des Verschuldens im Einzelfall Rechnung zu tragen
und in Analogie zu Art. 100 Ziff. 1 Abs. 2 SVG die für den Tatbestand des Fahrens trotz
Entzugs des Führerausweises in Art. 16c Abs. 2 lit. a-d SVG jeweils festgelegte
Mindestentzugsdauer bei einfacher Fahrlässigkeit herabzusetzen. Die differenzierende
Praxis des Bundesgerichts zur altrechtlichen Regelung des Fahrens trotz
Ausweisentzugs kann aus diesem Grund für die Beurteilung von ähnlich gelagerten
Sachverhalten nach neuem Recht grundsätzlich weiterhin herangezogen werden. Dies
gilt aber mit der Einschränkung, dass durch die allgemeine Verschärfung des
Administrativmassnahmerechts infolge der Revision des SVG vom 31. März 1999 das
Vorliegen eines "besonders leichten Falls" künftig nur sehr zurückhaltend angenommen
werden dürfte.
c) Zu prüfen ist im Folgenden, ob das Verschulden des Rekurrenten so gering war,
dass eine Unterschreitung der gesetzlichen Mindestentzugsdauer geboten erscheint.
Im Urteil vom 22. Oktober 2008 des Kantonsgerichts Graubünden wird in subjektiver
Hinsicht ausgeführt, der Beschwerdeführer habe keine Anstalten gemacht, direkt am
Kontrollposten einen Fahrerwechsel mit seiner Frau vorzunehmen, sondern habe dies
gemäss eigenen Angaben erst am nächstmöglichen Abstellplatz vornehmen wollen. Es
sei beim Passieren der Grenze zwar nicht ersichtlich, wo genau diese verlaufe. Hätte
der Rekurrent aber mit Sicherheit vermeiden wollen, einige Meter auf Schweizer Boden
zu fahren, hätte er vor dem italienischen Grenzposten den Fahrerwechsel vornehmen
können. Da es ihm unklar gewesen sei, wo die Grenze verlief, habe er in Kauf
genommen, den Fahrerwechsel unter Umständen erst nach der Grenze vorzunehmen.
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Somit müsse sich der Rekurrent den Vorwurf eventualvorsätzlichen Handelns gefallen
lassen (E. 5c.dd S. 9). Das Bundesgericht trat in seinem Urteil vom 20. Mai 2009 auf die
Rüge der Verletzung der Bestimmung über den Eventualvorsatz nicht ein und
bestätigte damit die diesbezügliche Darstellung im Urteil des Kantonsgerichts
Graubünden vom 22. Oktober 2008 (vgl. Urteil 6B.25/2009 vom 20. Mai 2009, E. 2.4).
Die Verwaltungsbehörde ist bei der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts
grundsätzlich nicht an das Urteil des Strafgerichts gebunden. Anders kann es sich
verhalten, wenn die rechtliche Würdigung sehr stark von Tatsachen abhängt, die das
Strafgericht besser kennt als die Verwaltungsbehörde. Dies kann der Fall sein, wenn es
den Beschuldigten persönlich einvernommen hat. Letzteres kann dazu führen, dass die
Verwaltungsbehörde auch an die rechtliche Qualifikation des Sachverhalts durch das
Gericht gebunden ist (BGE 124 II 103 E. 1c/bb; 119 Ib 158 E. 3c/bb; 102 Ib 193 E. 3).
Am 22. Oktober 2008 führte der Kantonsgerichtsausschuss Graubünden in
Anwesenheit des Rekurrenten und dessen Verteidigers am Grenzübergang in
Castasegna einen Augenschein durch. Der Rekurrent erhielt dabei Gelegenheit, seinen
Standpunkt noch einmal darzulegen. Wie oben ausgeführt kam das
Kantonsgerichtsausschuss trotzdem zum Schluss, der Rekurrent habe am
4. September 2006 eventualvorsätzlich gehandelt. Das Bundesgericht trat auf eine
dagegen erhoben Rüge nicht ein. Unter diesen Umständen kann davon ausgegangen
werden, dass die Strafbehörde die Tatsachen besser kennt als die
Verwaltungsbehörde. Somit ist das Gericht im Rekursverfahren bei der rechtlichen
Würdigung des Sachverhalts an das Strafurteil gebunden. Dabei ist der Einwand des
Rekurrenten, das Bundesgericht habe seinen Entscheid auf den vom Kantonsgericht
zum Teil falsch festgestellten Sachverhalt gestützt, unbehelflich. Daher steht fest, dass
der Rekurrent beim Lenken seines Personenwagens trotz Führerausweisentzugs
eventualvorsätzlich gehandelt hat.
Hinzu kommt, dass der Rekurrent zur angeblich erhaltenen Auskunft, wonach im
Ausland das Führen eines Personenwagens trotz Führerausweisentzugs in der Schweiz
erlaubt sei, widersprüchliche Angaben machte. Zunächst gab er an, er habe die
Auskunft von der Polizei nahe stehenden Personen erhalten (vgl. Polizeibefragung vom
4. September 2006 [act. 8/1]). Später wollte er die Auskunft von einem St. Galler
Rechtsanwalt erhalten haben (vgl. Rekurs vom 16. Februar 2010). Es gibt keine
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Anhaltspunkte dafür, dass sich der Rekurrent beim Antritt der Fahrt im Irrtum über die
ihm auferlegte Administrativmassnahme befand. Gegen ein fehlendes
Unrechtsbewusstsein des Rekurrenten spricht insbesondere die Tatsache, dass er sich
anlässlich der Kontrolle durch den Grenzwachtbeamten mit einem alten, ungültigen
Fahrausweis ausgewiesen hat, statt den Grenzwachtbeamten sofort über den wahren
Sachverhalt zu informieren (vgl. act. 8/1). Dieser Täuschungsversuch kann als klares
Indiz für das Bewusstsein der Gesetzeswidrigkeit gewertet werden.
Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist demnach auch im
Administrativmassnahmeverfahren von eventualvorsätzlichem Handeln auszugehen.
Der qualifizierte Tatbestand von Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG ist somit sowohl objektiv als
auch subjektiv erfüllt. Daran vermag die lediglich kurze, auf Schweizer Boden
zurückgelegte Strecke von 35 Metern, welche sich bei der Strafzumessung zugunsten
des Rekurrenten ausgewirkt hatte, nichts zu ändern.
d) Unter Würdigung aller Umstände kann vorliegend nicht von einem besonders
leichten Fall ausgegangen werden. Die gesetzliche Mindestentzugsdauer von zwölf
Monaten kann deshalb nicht unterschritten werden, und die am 2. Februar 2010
verfügte Entzugsdauer von zwölf Monaten ist nicht zu beanstanden. Das gilt ebenfalls
für die von der Vorinstanz festgestellte Anrechnung von 20 Tagen gemäss Art. 16c Abs.
3 SVG. Demnach ist der Rekurs als unbegründet abzuweisen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint
angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen. Bei diesem Verfahrensausgang hat
der Rekurrent keinen Anspruch auf Entschädigung der ausseramtlichen Kosten (Art.
98 und 98 VRP; vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 182 ff.).