Decision ID: 0ecc401d-c002-4954-9639-8c6e1e763001
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1977, arbeitete seit Mai 2014 als Reinigungs
ange
stellte (Urk. 6/26 Ziff. 2.1 und 2.7), als am 13. November 2014 die Meldung zur Früh
erfassung erfolgte (Urk. 6/5). Am 5. Januar 2015 meldete sie sich in der Folge unter Hinweis auf einen Morbus Bechterew bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/16 Ziff. 6.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche (Urk. 6/1, Urk. 6/20, Urk. 6/26) und medizinische Abklärungen (Urk. 6/10, Urk. 6/24, Urk. 6/29, Urk. 6/32), zog Akten des Krankenversicherers bei (Urk. 6/38) und teilte der Versicherten am 13. August 2015 mit, aufgrund des Gesundheitszustandes seien derzeit keine beruflichen Massnahmen möglich (Urk. 6/39). Nachdem die IV-Stelle weitere medi
zinische Abklärungen getätigt (Urk. 6/44) und eine rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung der Versicherten veranlasst hatte (Urk. 6/55), wies die IV-Stelle die Versicherte mit Schreiben vom 7. September 2016 auf ihre Mit
wirkungspflicht hin (Urk. 6/58). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/59-60, Urk. 6/68) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. Februar 2017 einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 6/70 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 7. März 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 10. Februar 2017 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine IV-Rente zuzusprechen, eventuell sei die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten, unverzüglich die gesetzlich vorgeschriebenen notwendigen medizi
nischen Abklärungen über den Gesundheitszustand beziehungsweise über die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vorzunehmen oder zu veranlassen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 27. April 2017 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Beschwerdeführerin am 29. Mai 2017 mit
geteilt wurde (Urk. 7). Die Swiss Life AG, welche mit Gerichtsverfügung vom 13. April 2018 zum Prozess beigeladen wurde (Urk. 8), verzichtete mit Schreiben vom 23. April 2018 auf eine Stellungnahme (Urk. 10), wovon den anderen Ver
fahrensbeteiligten Kenntnis gegeben wurde (Urk. 11).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b.cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 10. Februar 2017 (Urk. 2), nach Prüfung der vorliegenden Akten sei von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer körperlich angepassten Tätigkeit auszu
gehen. Die bisherige Tätigkeit als Reinigungsangestellte sei seit Dezember 2014 nicht mehr zumutbar (S. 1). Es sei davon auszugehen, dass die therapeuti
schen Massnahmen im psychiatrischen wie auch rheumatologischen Bereich noch nicht ausgeschöpft seien und sich der Gesundheitszustand der Beschwer
de
führerin deshalb noch verbessern könne. Bei der Diagnose einer mittel
gradigen depressiven Episode handle es sich zudem noch um keine invalidisierende Erkrankung und sei daher bei der Invalidenversicherung nicht versichert. Die psychiatrischen Beschwerden würden somit von der Invaliditäts
bemessung aus
geklammert. Ein leidensbedingter Abzug sei nicht angezeigt, da die Beschwer
deführerin unter Berücksichtigung des Belastungs
profils auf einem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt eine Anstellung ohne Lohnein
busse finden könne (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, gemäss dem Y._-Gutachten bestehe für eine körperlich angepasste, leichte Tätigkeit aus gesamt
medizinischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von zirka 50 %, entsprechend vier bis fünf Stunden täglich. In seiner Stellungnahme vom 21. Juni 2016 habe der RAD-Arzt Dr. med. Z._ ausgeführt, die Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit habe vom 1. Dezember 2014 bis 15. Juni 2016 100 % betragen. Seit 16. Juni 2016 betrage die Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bis auf weiteres 50 %. Es sei eine wesentliche Verbesse
rung des Gesundheitszustandes zu erwarten, da noch nicht alle therapeutischen Massnahmen (psychiatrisch) ausgeschöpft seien und auch die depressive Medi
kation insuffizient sei (Urk. 1 S. 3 Ziff. 2). Das Y._-Gutachten erfülle die pra
xisgemässen Kriterien nicht, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne (S. 4 Ziff. 5). Die von Dr. Z._ aufgeführte Behauptung, wonach eine wesentli
che Veränderung des Gesundheitszustandes zu erwarten sei, widerspreche nicht nur den Berichten von Dr. A._, Dr. B._ und Dr. C._, sondern falle auch wesentlich positiver aus als die Feststellungen im Y._-Gutachten. Dr. Z._ sei zudem Facharzt für Chirurgie und entsprechend nicht quali
fiziert, die psychiatrischen Beschwerden angemessen zu beurteilen. Da sie gleichzeitig mit dem Erlass des Vorbescheides auf die Schadenminderungs
pflicht hingewiesen worden sei, könne die behauptete und hiermit bestrittene insuffiziente Therapie frühestens ab Zustellung des besagten Schreibens berück
sichtigt werden (S. 4 Ziff. 7). Der rheumatologische Gutachter halte fest, dass die Beschwerdeführerin in einer leichten Verweistätigkeit unter Vermeidung von schwereren Belastungen der Wirbelsäule in Phasen niedriger Entzündungsakti
vität aus rheumatologischer Sicht voll arbeitsfähig sei. Daraus sei zu schliessen, dass in Phasen von erhöhter Entzündungsaktivität bereits aus rheumatologi
scher Sicht zumindest teilweise eine Arbeitsunfähigkeit bestehe (S. 5 Ziff. 8). Die Ausführungen der Beschwerde
gegnerin, wonach sich aus den Aussagen der Beschwerdeführerin diverse psychosoziale Belastungsfaktoren entnehmen lassen würden, welche im Gutachten sowie vom RAD-Arzt Dr. Z._ als Aus
schlussgründe nicht ausgeklammert worden seien, seien nicht nachvollziehbar. Die Arbeitsun
fähig
keit sei keinesfalls auf psychosoziale Belastungsfaktoren zurückzuführen, sondern gründe in den massiven Schmerzen, welche die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer physischen Beschwerden verspüre. Auch die Behauptung, dass die bisherige psychiatrische Behandlung insuffizient gewesen sei, könne klar wider
legt werden. Entsprechend rechtfertige es sich unter keinen Umständen, von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen. Seit dem 8. September 2014 sei sie bis auf weiteres in sämtlichen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig, weshalb ihr ab September 2015 keine gan
ze Rente aus
zurichten sei (S. 5 f. Ziff. 10).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin und damit der Invaliditätsgrad.
3.
3.1
Die behandelnde Rheumatologin Dr. med. D._, Fachärztin für Rheu
matologie und Innere Medizin, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 24. Juli 2014 (Urk. 6/10/1-2) insbesondere einen Morbus Bechterew sowie eine chroni
sche Blepharitis beidseits (S. 1). Die Beschwerdeführerin leide seit dem Jahre 2002 an Rückenschmerzen mit Schmerzausstrahlung ins Bein. Die Schmerzen hätten im Verlauf deutlich zugenommen. Es bestehe eine Indikation für eine Basistherapie mit einem TNF-Hemmer (S. 2).
3.2
Die Hausärztin Dr. med. C._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte am 10. November 2014 aus, die Beschwerdeführerin leide an ausgeprägten Schmerzen paravertebral und sternal sowie an einer Schlafstö
rung. Dies führe zu Beeinträchtigungen im Alltag (Urk. 6/38/11 Ziff. 1). Als Diagnose nannte Dr. C._ einen Morbus Bechterew (Ziff. 3). Aufgrund schwerer Nebenwirkungen habe die Beschwerdeführerin die Basistherapie mit TNF-Hemmer nicht gewünscht (Ziff. 6). Seit dem 8. September 2014 bestehe in allen Bereichen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 7). Die Prognose sei schlecht (Ziff. 8).
3.3
Dr. med. E._, Facharzt für Augenheilkunde und Augenchirurgie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 5. Februar 2015 eine chronische Blepha
ritis beidseits sowie ein kleines Lidrandpapillom an der temporalen Unterlid
kante. Aus augenärztlicher Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/24/6).
3.4
Die Ärzte des F._ nannten in ihrem Bericht vom 23. März 2015 (Urk. 6/29/6-9), folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 f. Ziff. 1.1, vgl. korrigierte Diagnosen im Schreiben vom 8. Oktober 2015, Urk. 6/44):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Morbus Bechterew (ED 2013)
Die Beschwerdeführerin könne sich auch nach bisheriger ambulanter psycho
therapeutischer und medizinischer Behandlung nur langsam wieder in das All
tagsleben eingliedern. Sie leide nach wie vor an Aktivitätsein
schränkungen, oft nach nur kleinen Anstrengungen, an starker Depression, Interessenverlust und Freudlosigkeit. Die gedrückte Stimmung ändere sich von Tag zu Tag wenig und es falle der Patientin schwer, auf die jeweiligen Lebensumstände zu reagieren. Sie vermeide im Alltag Aktivitäten und habe sich völlig zurück
gezogen. Sie leide an andauernden und quälenden Schmerzen. Nach wie vor leide die Beschwerdeführerin an starken Konzentrationsstörungen, verminder
tem Selbst
wertgefühl und Selbstvertrauen sowie Schlafstörungen. Längeres Sitzen und Stehen würden Unruhe und Nervosität auslösen (S. 1). Sie könne sich nicht lange unter Menschen aufhalten und habe keine Ausdauer (S. 3 Ziff. 1.7). Auf
grund des Leistungsprofils und der Diagnose sei die Beschwerde
führerin in einem labilen Zustand und auf längere Sicht zu 100 % arbeitsunfähig für sämt
liche Tätigkeiten in der freien Marktwirtschaft. Im Haus
halt bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70 % (S. 1). Aufgrund der fortge
schrittenen Chronifi
zierung und dem ungenügenden Erfolg der bisherigen Therapien sei die Progno
se als negativ zu beurteilen (S. 3 oben). Zwei- bis dreimal monatlich besuche die Beschwerdeführerin eine Einzeltherapie, einmal monatlich erhalte sie psychiatri
sche Betreuung und medikamentöse Therapie (S. 3 Ziff. 1.5). In der bisherigen Tätigkeit als Reinigungsangestellte sei die Beschwer
deführerin seit September 2014 vollständig arbeitsunfähig (S. 3 Ziff. 1.6).
3.5
Am 14. April 2015 nannte Dr. C._ folgende Diagnosen (Urk. 6/32 Ziff. 1.1):
-
Spondylarthritis Typ Bechterew mit panvertebralen Schmerzen entzün
dungsbedingt
-
depressive Störung mittleren Grades (ICD-10 F32.1)
Seit dem Jahre 2003 leide die Beschwerdeführerin unter panvertebralen Schmer
zen, welche in den letzten Jahren so stark zugenommen hätten, dass sie kaum mehr schlafen könne und Depressionen entwickelt habe. Sie leide unter Schlafstörungen und Minderwertigkeitskomplexen, weil sie kaum mehr etwas machen könne zu Hause. Die Stimmung sei gedrückt, sie sei apathisch und grü
belnd (Ziff. 1.4). Seit dem 8. September 2014 bestehe eine vollständige Arbeits
unfähigkeit (Ziff. 1.6). Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar (Ziff. 1.7), eine berufliche Umstellung sei aus medizinischer Sicht nicht zu prüfen (Ziff. 1.12).
3.6
Am 24. sowie 29. März 2016 wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag der Beschwerdegegnerin rheumatologisch und psychiatrisch begutachtet. Die Ärzte des Y._ stützten sich bei ihrem Gutachten vom 16. Juni 2016 auf die vorhandenen Akten, die Anamnese sowie eigene Untersuchungen (Urk. 6/55/2 Ziff. 2) und nannten insgesamt fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/55/3 Ziff. 3):
-
axiale Spondylarthritis
-
HLA-B27 positiv
-
Status nach Uveitis 1/2014
-
aktenanamnestisch initial gutes Ansprechen auf NSAR
-
mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10)
Gemäss rheumatologischer Einschätzung könne in Übereinstimmung mit der Aktenlage die Diagnose einer HLA-B27-positiven axialen Spondylarthritis gestellt werden. Zum aktuellen Gutachtenszeitpunkt könne die Krankheitsakti
vität bei kaum eingeschränkter Beweglichkeit, unauffälligem Mennell-Test, fehlenden Hinweisen auf eine akute Arthritis und laborchemisch fehlendem Hinweis auf eine humorale entzündliche Aktivität als gering eingeschätzt wer
den. Auch in dem anlässlich der aktuellen Untersuchung veranlassten MRI der gesamten Wirbelsäule hätten sich kaum Hinweise auf eine Krankheitsaktivität der Spondylarthritis gezeigt, lediglich im Bereich der ISG-Gelenke seien gering
gradige Zeichen einer möglichen leichten Krankheits
aktivität nachweisbar gewesen. Dennoch könne zusammenfassend aus rheuma
tologischer Sicht auf
grund der zweifelsohne nachgewiesenen Spondyl
arthritis eine verminderte Belastbarkeit der Wirbelsäule postuliert werden, so dass die Explorandin für körperlich schwere Arbeiten und auch für mehr als punktuell mittelschwere Arbeiten nicht mehr qualifiziert sei (Urk. 6/55/3). In einer leichten Verweistätig
keit unter Vermeidung von schwereren Belastungen der Wirbelsäule sei die Beschwerdeführerin in Phasen niedriger Entzündungsaktivität aus rheuma
to
logischer Sicht vollständig arbeitsfähig. Es sei jedoch darauf zu achten, dass keine schwereren Lasten gehoben werden müssten und dass rücken
belastende Zwangshaltungen vermieden werden könnten. Eine wechsel
belastende Tätigkeit sei zu bevorzugen (Urk. 6/55/47 unten). Bei der psychiatrischen Untersuchung sei in Übereinstimmung mit der Einschätzung des vorbehandelnden ambulanten Psychiaters die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode gestellt wor
den. Die funktionellen Einschränkungen aufgrund der depressiven Symptomatik würden sie heute etwas geringer einschätzen als der vorbehandelnde Psychiater. Einschränkungen würden vor allem im Bereich Flexibilität und Umstellungs
fähigkeit, Anwendung fachlicher Kompetenzen, Durchhaltefähigkeit, Selbstbe
hauptungsfähigkeit, Fähigkeit zu familiären und intimen Beziehungen und Spontanaktivitäten bestehen. Diese führten zu einer Einschränkung der Arbeits
fähigkeit als Reinigungsmit
arbeiterin, aber auch in angepassten Tätigkeiten. Die bisher eingeleitete The
rapie könne als unzureichend eingeschätzt werden (Urk. 6/55/3).
Die bisherige Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Reinigungsmitarbeiterin, welche sie mit der Krankschreibung ab dem 1. September 2014 aufgegeben habe, könne als körperlich zumindest punktuell schwer bezeichnet werden. Für diese Tätigkeit bestehe schon rein aufgrund des rheumatologischen Krankheits
bildes dauerhaft keine Arbeitsfähigkeit mehr. Dies gelte auch bei aktuell fehlen
dem Hinweis auf eine entzündliche Aktivität der Spondylarthritis, da eine erhöhte Vulnerabilität des Bewegungsapparates auch bei fehlenden Aktivitäts
zeichen bestehe. Auch aus psychiatrischer Sicht bestehe aufgrund der hohen Anforderungen an das Durchhaltevermögen und an die Sorgfalt für diese Tätig
keit keine Arbeitsfähigkeit mehr (Urk. 6/55/4 oben). Für körperlich ange
passte, leichte Tätigkeiten bestehe aus gesamtmedizinischer Sicht eine Arbeits
fähigkeit von zirka 50 % entsprechend vier bis fünf Stunden täglich. Die Ein
schränkung gegenüber einem Vollpensum könne dabei mit dem psychiatrischen Krankheits
bild und der dadurch verminderten emotionalen Belastbarkeit begründet wer
den. Die Tätigkeit sollte gut strukturiert sein, wenig Kunden- und Teamkontakte erfordern, ausreichende Pausenmöglichkeiten bieten und intellektuell nicht anspruchsvoll sein (Urk. 6/55/4 unten). Die Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten werde derzeit in erster Linie aufgrund des psychiatrischen Krank
heitsbildes reduziert (Urk. 6/55/8 Ziff. 6).
Gemäss rheumatologischer Beurteilung empfahlen die Gutachter weitere Kon
trollen der Entzündungsaktivität der Spondylarthritis. Die Indikation für eine Biologika-Therapie werde aus rheumatologischer Sicht aufgrund der derzeit fehlenden entzündlichen Aktivität vorsichtig beurteilt. Aus psychiatrischer Sicht sei eine Intensivierung der Therapie, insbesondere der medikamentösen Thera
pie, empfehlenswert (Urk. 6/55/5 oben, Urk. 6/55/7 Ziff. 3). Es bestünden deut
liche Einschränkungen im Alltagsleben und in der Freizeitgestaltung. Die Beschwerde
führerin selber führe diese Einschränkungen auf ihre Antriebs
losigkeit und ihre allgemeine Schwäche zurück, die Schmerzen stünden dabei weniger im Vordergrund. Insgesamt könne damit davon ausgegangen werden, dass in erster Linie die psychiatrische Erkrankung zu einer Einschränkung des Alltagslebens und der Freizeitgestaltung führe (Urk. 6/55/7 Ziff. 2).
Bei der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode handle es sich um ein eigenständiges psychisches Leiden. Psychosozialen Faktoren könnten zwar eine verstärkende Wirkung respektive auch eine auslösende Wirkung bei der Entwicklung des depressiven Krankheitsbildes beigemessen werden, sicherlich würden sie sich derzeit auch eher ungünstig auf die Bewältigung der Erkran
kung auswirken. Dennoch handle es sich um ein eigenständiges psychiatrisches Krankheitsbild, das klar von psychosozialen Faktoren abgegrenzt werden könne (Urk. 6/55/7 Ziff. 1).
3.7
Die Ärzte des F._ führten am 11. November 2016 aus, bei den Medikamenten Trittico und Zolpidem handle es sich um eine Bedarfsmedikation, welche die Beschwerdeführerin nicht täglich einnehme, sondern nur an den neun Schmerztagen im Monat. Die frühere Dauermedikati
on mit Cymbalta und Saroten habe eine ungenügende Wirkung gezeigt. Es sei nicht richtig, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der Möglichkeiten insu
ffizient behandelt werde. Sodann seien die psychosozialen Umstände nicht ursächlich für die Depression. Die Konflikte mit dem Ehemann seien eine Folge der Schmerzen. Die Tumorerkrankung der Tochter sei vollständig geheilt und damit keine angebliche Ursache für die Depression. Die Belastungen durch die pubertierende Tochter seien keinesfalls ausserhalb der Norm (Urk. 6/67 S. 1 Ziff. 2). Eine sitzende Tätigkeit sei zunehmend ebenfalls nicht mehr möglich gewesen, zu Hause liege die Beschwerdeführerin zwischendurch immer wieder. Der Haushalt sei nicht mehr machbar. Daher sei die Beschwerdeführerin auch für angepasste Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig (S. 2 Ziff. 3). Da sie zirka zehn Tage pro Monat nur noch im Bett liege und kaum mehr auf die Toilette gehen könne, sei die Störung nicht überwindbar und willentlich nicht mehr beeinflussbar. Die Beschwerdeführerin sei auch in angepasster Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig (S. 2 Ziff. 4). Der bisherige Verlauf zeige keine Verbesse
rung, sondern stationär immer wieder exazerbierende Schmerzen. Trotz medizi
nischer Massnahmen sei nicht davon auszugehen, dass die Situation wieder besser werde (S. 2 Ziff. 6).
4.
4.1
Aus den vorliegenden medizinischen Akten ergibt sich in Bezug auf den medi
zinischen Sachverhalt ohne Weiteres, dass die Beschwerdeführerin an einem Morbus Bechterew sowie einer mittelgradigen depressiven Episode leidet (E. 3.1
2, E. 3.4-6). Gemäss dem Y._-Gutachten vom 16. Juni 2016, welches sich umfassend mit allen Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen aus
einandersetzt, insbesondere auch sämtliche bis dahin vorhandenen ärztli
chen Untersuchungsberichte berücksichtigt und damit die praxisgemässen Anfor
de
rungen an den Beweiswert medizinischer Berichte (vgl. vorstehend E. 1.3) voll
umfänglich erfüllt und zu überzeugen vermag, ist davon auszugehen, dass schon rein aufgrund des rheumatologischen Krankheitsbildes für die bisherige, körperlich zumindest punktuell schwere Tätigkeit als Reinigungs
mitarbeiterin dauerhaft keine Arbeitsfähigkeit mehr besteht. Für körperlich angepasste, leichte Tätigkeiten ist aus gesamtmedizinischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von zirka 50 % entsprechend vier bis fünf Stunden täglich auszugehen, wobei diese Einschränkung mit dem psychiatrischen Krankheitsbild und der dadurch ver
minderten emotionalen Belastbarkeit begründet wurde. Die Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten werde in erster Linie aufgrund des psychiatrischen Krankheitsbildes reduziert (E. 3.6).
4.2
Die Argumentation der Beschwerdeführerin, wonach auf das Y._-Gutachten nicht abgestellt werden könne und sie seit dem 8. September 2014 vollständig arbeitsunfähig sei, vermag demgegenüber nicht zu überzeugen. Zum einen ist in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandeln
den Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungs
tatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behand
lung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unter
schiedliche Natur von Behandlungsauftrag de
r therapeutisch tätigen (Fach-)
Per
son einer
seits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedi
zinischen Exper
ten anderseits (BGE 124 I 170
E. 4
) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichts
gutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapie
kräfte zu anders
lautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anders
lauten
den Ein
schätzungen wichtige
-
und nicht rein subjektiver Interpretation ent
sprin
gende
Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder unge
würdigt geblieben sind (Urteil
des Bundesgerichts
8C_677/2014 vom 29.
Oktober 2014 E. 7.2
mit Hinweisen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]
).
Zum anderen bezeichnete der psychiatrische Gutachter den bisherigen psychiatri
schen Therapieverlauf als weitgehend stationär (Urk. 6/55/38 Ziff. 6.8) und vermochte keine Verbesserung des Gesundheitszustandes seit dem Zeit
punkt der Aufgabe der Arbeitstätigkeit nachzuweisen. Auch die Ärzte des F._ gingen von einem weitgehend stationären Verlauf aus, nachdem sie den Erfolg der Therapien als ungenügend einstuften und festhielten, die Beschwerdeführe
rin könne sich auch nach bisheriger ambulanter psychotherapeutischer und medizinischer Behandlung nur langsam wieder in das Alltagsleben eingliedern (E. 3.4).
4.3
Insgesamt kann somit auf das Y._-Gutachten vom 16. Juni 2016 abgestellt werden und der medizinische Sachverhalt ist in psychiatrischer Hinsicht als dahingehend erstellt zu betrachten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund einer mittelgradigen depressiven Störung in der angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig ist und ihr auch eine angepasste, körperlich leichte Tätigkeit nur in einem Pensum von 50 % zugemutet werden kann. Der Beginn dieser Einschrän
kungen ist auf den Zeitpunkt der Arbeitsaufgabe am 8. September 2014 festzu
legen.
5.
5.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hin
weis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2
).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächli
che Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE
141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grund
sätz
lich sämtliche psychischen
Erkrankungen
einem strukturierten Beweis
verfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krank
heitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest
stellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hinder
n
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensations
po
tenzialen (Ressour
cen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungs
ver
mögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
5.2
Nach dem Gesagten ist zu prüfen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststel
lungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsun
fähigkeit schliessen lassen.
Eine schlüssige Prüfung der massgebenden Standardindikatoren ist gestützt auf das Y._-Gutachten möglich. Weitere medizinische Abklärungen sind nicht erforderlich.
5.3
Mit Bezug auf den ersten Indikator («Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome») ergibt sich aus dem Gutachten, dass sich die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode zum einen aus dem Nachweis von Deprimiertheit, Antriebsmangel sowie Konzentrations- und Gedächtnis
störungen ergebe, zum anderen aus den Klagen über Freudemangel, dem Ver
lust des Selbstwertgefühls und ausgeprägten Schuldgefühlen (Urk. 6/55/33 Ziff. 6.1). Der affektive Rapport sei reduziert herstellbar. Affektiv sei die Beschwerde
führerin nicht ratlos, ohne Gefühl der Gefühllosigkeit, leicht- bis mittelgradig affektarm, mit einer mittelgradigen bis starken Störung der Vital
gefühle, mittelgradig deprimiert, stark hoffnungslos, leicht ängstlich, nicht dys
phorisch, nicht gereizt, mittelgradig innerlich unruhig, mittelgradig klagsam, mit starken Insuffizienz- und starken Schuldgefühlen, stark ambivalent, nicht parathym, leicht bis mittelgradig affektlabil und nicht affektstarr. Der Antrieb sei mittelgradig bis stark verarmt und mittelgradig gehemmt. Psychomotorisch sei sie ruhig, nicht theatralisch, nicht mutistisch und nicht logorrhoisch (Urk. 6/55/31 oben).
Zum Tagesablauf führte die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung aus, sie stehe jeweils um 7:45 Uhr auf, mache ein Frühstück für den Sohn und schicke ihn anschliessend zur Schule. Danach lege sie sich wieder hin bis 10:30 Uhr. In der Folge stehe sie wieder auf und bereite das Mittagessen vor, das sie zusammen mit dem Sohn einnehme. Nachmittags gehe sie mit ihm für eine bis zwei Stunden zum Spielplatz. Anschliessend kehre sie nach Hause zurück und bereite das Abendessen vor. Gemeinsam nähmen sie das Abend
essen ein, in der Folge räume sie noch die Küche auf. Dann sitze sie für unbe
stimmte Zeit in der Wohnung oder wasche ihren Sohn. Schliesslich gehe sie aufs Sofa und schaue fern. Zwischen 23:00 und 24:00 Uhr gehe sie zu Bett (Urk. 5/55/26 unten).
Zum zweiten Indikator («Behandlungserfolg oder –resistenz») ergibt sich aus dem Gutachten, dass die Beschwerdeführerin aus pharmakologischer Sicht nicht ausreichend behandelt werde. In etwas mehr als einem Jahr Behandlung seien nur zwei verschiedene Antidepressiva eingesetzt worden. Gemäss einschlägigen Behandlungsleitlinien sei ein Präparat zu wechseln, augmentieren oder kombi
nieren, wenn nach vier bis sechs Wochen kein antidepressiver Effekt eintrete. Die Fortführung der Psychotherapie sei angezeigt, ebenfalls indiziert sei ein Schmerzbewältigungstraining, welches via Psychoedukation über chronische Schmerzen und Aufmerksamkeitslenkung zu einem besseren Umgang mit dem chronischen Schmerzgeschehen beitragen solle. Weitere Therapieelemente wären in Form von Entspannungsverfahren und aktivierender Physiotherapie sinnvoll, um das Schonverhalten zu reduzieren und die Lebensqualität zu stei
gern (Urk. 6/55/38-39 Ziff. 6.8).
Als Komorbidität ist die axiale Spondylarthritis zu erwähnen.
Bezüglich Persönlichkeit wurden die wiederholt traumatischen Erfahrungen mit wiederkehrenden Gefühlen von Ohnmacht und Hilflosigkeit als wichtige Fakto
ren bezeichnet, welche auf den Antrieb, die Motivation und das Selbstwertge
fühl einen beträchtlich hemmenden Einfluss ausüben und so das Ausmass ein
zelner Fähigkeitseinschränkungen, etwa das Durchhaltevermögen, erheblich mitbestimmen würden (Urk. 6/55/35 Ziff. 6.4). Die Beschwerdeführerin wirke im Kontakt höflich, aber distanziert (Urk. 6/55/30 Ziff. 4.1).
Betreffend den sozialen Kontext ist bekannt, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Ehemann und den zwei Kindern zusammenlebt und im Tagesablauf zumindest einige Aktivitäten im Zusammenhang mit der Versorgung der Kinder und teilweiser Versorgung des Haushalts zeigt (Urk. 6/55/26 Ziff. 3.3 unten). Über soziale Beziehungen ausserhalb der Familie gab die Beschwerdeführerin im Rahmen der Begutachtung keine Auskunft (Urk. 6/55/27 Ziff. 3.4).
Zu prüfen bleibt der Aspekt der Konsistenz. Bei der internen Konsistenzprüfung war die Beschwerdeschilderung der Versicherten konstant, klar und einigermas
sen präzise (Urk. 6/55/35 Ziff. 6.5 unten). Bei der externen Konsistenzprüfung stimmte die Selbstschilderung mit den Informationen der Akten überein. Die subjektive Schilderung der Beschwerden war konsistent zum objektiven psychi
schen Querschnittsbefund und das behauptete aktuelle Leidensausmass war für den Gutachter anhand des geschilderten Leidensdrucks gut nachvollziehbar. Insgesamt konnte der Gutachter aufgrund einer weitgehend unauffälligen Kon
sistenzprüfung aus psychiatrischer Sicht ohne erhebliche Zweifel auf die subjek
tiven Beschwerdeklagen der Beschwerdeführerin abstellen (Urk. 6/55/36 oben). Die Beschwerdeführerin steht in regelmässiger psychiatrischer Behandlung, sie besucht zwei- bis dreimal monatlich eine Einzeltherapie und erhält einmal monatlich psychiatrische Betreuung und medikamentöse Therapie (vgl. E. 3.4). Der psychiatrische Gutachter fand zwischen dem Ausmass der geschilderten Beschwerden und der Intensität der bisherigen Inanspruchnahme therapeuti
scher Hilfe zwar einen gewissen Widerspruch (Urk. 6/55/36 oben), wie er jedoch selber festhielt, ist es grundsätzlich Sache des behandelnden Psychiaters, ob die Psychotherapie zu intensivieren ist (vgl. Michael E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrecht
sprechung, in Riemer-Kafka/Hürzeler, Das indikatorenorientierte Abklärungs
verfahren, Zürich/Basel/Genf 2017, S. 145).
Bezüglich allfällig bestehender psychosozialer Faktoren hielt der psychiatrische Gutachter auf entsprechende Nachfrage der Beschwerdegegnerin zudem aus
drücklich fest, psychosoziale Faktoren könnten zwar eine verstärkende Wirkung respektive auch eine auslösende Wirkung bei der Entwicklung des depressiven Krankheitsbildes beigemessen werden, und sicherlich würden sie sich derzeit auch eher ungünstig auf die Bewältigung der Erkrankung auswirken. Dennoch handle es sich um ein eigenständiges psychiatrisches Krankheitsbild, welches klar von psychosozialen Faktoren abgegrenzt werden könne (Urk. 6/55/7 Ziff. 1).
5.4
Die abschliessende Würdigung des Beschwerdebildes anhand der Standard
indikatoren ergibt, dass auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, wie sie sich aus dem Y._-Gutachten ergibt, abgestellt werden kann. Entsprechend besteht in der angestammten Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit sowie in angepassten Tätigkeiten eine solche von 50 %.
Was den Beginn der Einschränkungen betrifft, setzten die Gutachter diesen auf das Datum des Gutachtens, mithin Juni 2016, fest. Nachdem sich jedoch sowohl aus den vorliegenden medizinischen Akten als auch aus dem Gutachten seit der Arbeitsaufgabe im September 2014 ein weitgehend stationärer Verlauf ergibt, ist der Beginn der Arbeitsunfähigkeit auf diesen Zeitpunkt festzusetzen.
6.
Was sodann die somatischen Beschwerden betrifft, leidet die Beschwerde
führerin gemäss den übereinstimmenden medizinischen Akten an einer axialen Spondyloarthritis (E. 3.1-2, E. 3.4-6). Der rheumatologische Gutachter postu
lierte eine verminderte Belastbarkeit der Wirbelsäule und hielt körperlich schwere Arbeiten und auch mehr als nur punktuell mittelschwere Arbeiten für nicht mehr zumutbar. Für die angestammte Tätigkeit als Reinigungs
mit
arbeiterin besteht damit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In einer leichten Ver
weistätigkeit unter Vermeidung von schwereren Belastungen der Wirbelsäule sei die Beschwerdeführerin in Phasen niedriger Entzündungsaktivität aus rheu
mato
logischer Sicht vollständig arbeitsfähig. Es sei jedoch darauf zu achten, dass keine schwereren Lasten gehoben werden müssten und dass rücken
belastende Zwangshaltungen vermieden werden könnten. Eine wechselbelasten
de Tätigkeit sei zu bevorzugen (Urk. 6/55/47 unten).
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, dass in Phasen von erhöhter Ent
zündungsaktivität aus rheumatologischer Sicht wohl zumindest teilweise eine Arbeitsunfähigkeit bestehen müsse (E. 2.2), erübrigen sich weitere Abklärungen, nachdem bereits aus psychiatrischer Sicht von einer 50%igen Arbeitsunfähig
keit auszugehen ist (vgl. vorstehend E. 5.4). Eine darüber hinaus gehende Arbeitsunfähigkeit ist nicht überwiegend wahrscheinlich.
7.
7.1
Es bleibt die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen der bestehenden Ein
schränkungen mittels Einkommensvergleich.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
7.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Valideneinkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Vor Eintritt des Gesundheitsschadens war die Beschwerdeführerin zuletzt in einem Pensum von 100 % als Reinigungsmitarbeiterin tätig (Urk. 6/26 Ziff. 2.7 und 2.9) und erzielte damit im Jahre 2014 ein Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 3'700.-- monatlich, mithin gemäss den Angaben im Arbeitgeberbericht Fr. 44'400.-- pro Jahr (vgl. Urk. 6/26 Ziff. 2.11). Unter Berücksichtigung der Nominallohnerhöhung (Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939 = 100], Stand 2014: 2673, Stand 2015: 2686;
www.bfs.admin.ch
, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten, Lohnentwicklung) ergibt dies für das Jahr 2015 ein Valideneinkommen von rund Fr. 44’616.-- (Fr. 44'400.-- : 2673 x 2686).
7.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Recht
sprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE
139 V 592
E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1,
126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten ver
öffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.2; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.8.1 und BGE
133 V 545 E. 7.1). Der
Beizug der
Lohnstatistik erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkre
ten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (
vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3,
135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, IVG, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtspre
chung).
In der LSE 2012 erfolgten vielfältige Anpassungen der erhobenen Daten an die entsprechenden Reglemente der Europäischen Union (EU). Neu wird darunter nun nach Berufen (Skill Levels) differenziert statt nach den bisherigen Anforde
rungsniveaus 1 bis 4 der Stelle. Das Bundesgericht hat in BGE 142 V 178 E.
2.5.3
festgestellt, dass das statistische Einkommen nach TA1 Kompetenz
niveau 1 der LSE 2012 bei den Männern gegenüber dem Tabellen
lohn nach TA1 Anforderungsniveau 4 der LSE 2010 ein Plus von 6,3 Prozent, bei den Frauen ein Minus von 2,7 Prozent und beim Total ein Plus von 5,4 Prozent zeige, was nicht mit der Lohnentwicklung von 2010 bis 2012 übereinstimmt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_343/2016 vom 12. September 2016 E. 6). Es hat erkannt, dass die LSE 2012 im Rahmen einer erstmaligen Invaliditätsbemessung (Art. 28 ff. IVG) und im Neuanmeldungsverfahren nach vorausgegangener rechts
kräftiger Ablehnung oder nach Aufhebung der Invalidenrente sowie grund
sätzlich auch im Revisionsverfahren (mit Entstehung des potentiellen oder Ver
änderung des laufenden Rentenanspruchs im Jahr 2012 oder später) zur Festle
gung der Vergleichseinkommen nach Art. 16 ATSG dennoch grundsätzlich als Beweis geeignet ist (
BGE 142 V 178
E. 2.5.7 und E. 2.5.8.1;
vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_343/2016 vom 12. September 2016 E. 6 und 9C_369/2016 vom
6.
September 2016 E. 2.1). Laufende, gestützt auf die LSE 2010 rechtskräf
tig zugesprochene Invalidenrenten dürfen aber nicht allein aufgrund der Tabellenlohnwerte gemäss LSE 2012 in Revision gezogen werden (BGE 142 V 178 E. 2.5.7 und 2.5.8.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_277/2016 vom 20. Juli 2016
E. 4.2)
.
Gemäss Bundesgericht dürfen für die Invaliditätsbemessung – zumindest bis auf Weiteres – nur die (unter anderem)
nach
dem Kompetenzniveau differenzierten TA1-Tabellen der LSE 2012 verwendet werden, hingegen nicht die TA1 b
Tabellen (BGE 142 V 178 E. 2.5.7).
Die Beschwerdeführerin absolvierte die Primarschule in der Türkei, schloss im Weiteren jedoch keine Berufsausbildung ab (Urk. 6/16 Ziff. 5.2-3). Sie arbeitete einige Jahre als Stanzerin (vgl. Urk. 6/12/1), bevor sie zuletzt als Reinigungs
mitarbeiterin tätig war (Urk. 6/26 Ziff. 2.7). Das Invalideneinkommen ist daher gestützt auf den standardisierten Durchschnittslohn in sämtlichen Zweigen des privaten Sektors zu bestimmen und es ist vom mittleren Lohn für Frauen, die einfache und repetitive Arbeiten ausführen, auszugehen. Dieser belief sich im Jahre 2012 auf Fr. 4'112.-- monatlich (LSE 2012, Tabelle TA1, Total, Niveau 1), mithin Fr. 49'344.-- im Jahr (Fr. 4'112.—x 12). Unter Berücksichtigung einer
durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden
(betriebs
übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total;
www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten)
sowie der Nominal
lohnerhöhung (Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939 = 100], Stand 2012: 2630, Stand 2015: 2686
; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten, Lohnentwicklung)
ergibt dies für das Jahr 2015 ein Einkommen von rund Fr. 52‘536.-- (Fr. 49‘344.-- : 40 x 41.7 : 2630 x 2686). Nachdem der Beschwerdeführerin auch in einer leidens
ange
passten Tätigkeit lediglich ein Pensum von 50 % zugemutet werden kann, beträgt das Invalideneinkommen Fr. 26‘268.-- (Fr. 52‘536.-- x 0.5).
7.4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allen
falls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäf
tigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können
(BGE 124 V 321 E.
3b/aa). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten
(BGE 126 V 75 E.
5b/aa). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Wür
digung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.
2; 134 V 322 E.
5.2 und
126 V 75 E.
5b/bb-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungs
fähigkeit eingeschränkt ist
(BGE 126 V 75 E.
5a/bb). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit ent
haltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung des
selben Gesichtspunkts führen dür
fen (Urteile des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E.
3.1
mit Hinweisen
).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V
71 E.
5.2 und 126 V 75 E.
6).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E.
3.2 und
8C_808/2013 vom 14.
Februar 2014 E.
7.1.1 mit Hinweisen).
Der Beschwerdeführerin können aus rheumatologischen Gründen lediglich noch körperlich leichte Tätigkeiten ohne rückenbelastende Zwangshaltungen zuge
mutet werden, wobei aus psychiatrischen Gründen nur noch ein Pensum von 50 % möglich ist und die Beschwerdeführerin zusätzlich bezüglich Antrieb, Motivation, Durchhaltevermögen sowie Konzentration und Gedächtnis einge
schränkt ist. Insgesamt erscheint damit ein Abzug von 10 % den Gegebenheiten des vorliegenden Falles angemessen.
7.5
Unter Berücksichtigung eines Abzuges von 10 % (vorstehend 7.4) beträgt das Invalideneinkommen somit Fr. 23'641.-- (vorstehend E. 7.3; Fr. 26'268.-- x 0.9). Bei einem Valideneinkommen von Fr. 44'616.-- (vorstehend E. 7.2) ergibt sich eine Einkommenseinbusse von Fr. 20’975.--, was einem Invaliditätsgrad von 47 % entspricht.
Damit hat die Beschwerdeführerin nach Ablauf des Wartejahres, mithin ab 1. Sep
tember 2015, Anspruch auf eine Viertelsrente. Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
8.
8.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Partei Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädi
gung von Fr. 1'600.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemessen.