Decision ID: dddc73b2-3d10-4421-88c2-1ca0995c941d
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1959 und zuletzt tätig als Reinigungskraft, meldete
sich am 5. Juni 2015 (Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 6/4). Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen. Nach durchgeführtem Vor
be
scheidverfahren (Vorbescheid vom 12. April 2016, Urk. 6/24) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 23. Mai 2016 ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 2. Juni 2016 Beschwerde und beantragte
sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Ausrichtung ein
er Invalidenrente (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 21. Juli 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 6/1-26), was der Beschwerdeführerin am 26. Juli 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt dafür, dass die Beschwerdeführerin seit dem
15. Januar 2015 in ihrer Tätigkeit als Putzfrau und Raumpflegerin einge
sc
hränkt gewesen sei. Seit dem 2. Dezember 2015 sei sie in ihrer bisherigen Tätigkeit im bisherigen Pensum wieder arbeitsfähig. Damit hätten die gesundheitlichen Ein
schränkungen nur vorübergehend bestanden und die einjährige Wartezeit sei
nicht erfüllt worden, womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (Urk. 2
und Urk. 5).
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber vor, dass sie seit dem 15. Januar 2015 dreimal operiert worden sei und seitdem nicht mehr habe arbeiten können (Urk. 1).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
3.
Die medizinische Aktenlage stellt sich folgendermassen dar:
3.1
Dr. med. Y._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnos
tizierte in seinem Bericht vom 30. September 2015 eine ausgeprägte chronische Obstipation bei Morbus Hirschsprung mit Status nach mehrmaliger Darmope
ration, bestehend seit mindestens 1990, mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit (Urk. 6/19). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit notierte er eine Adipositas permagna. Er attestierte der Beschwerdeführerin eine voll
umfängliche Arbeitsunfähigkeit seit 1990 aufgrund der körperlich und geistig deut
li
chen Einschränkung wegen den starken Bauchschmerzen und einer An
passungs
störung. Sie sei infolgedessen schmerzbedingt unkonzentriert.
3.2
Die Ärzte der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie des Z._ diagnostizierten in ihrem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht vom 16. Januar 2016 einen adulten Morbus Hirschsprung bei Status nach Sigmaresektion 1990 (Pristina) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/22). Im gestützt auf ihre Sprechstunde vom 2. Dezember 2015 verfassten Bericht halten die Klinikärzte keine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6) fest; sie halten die bisherige Tätigkeit bei unver
minderter Leistungsfähigkeit für zumutbar, wobei als Einschränkungen aus
schliesslich eine Stuhlinkontinenz vermerkt wird. Es könne ab dem 2. Dezember 2015 mit der vollen Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit gerechnet werden.
3.3
Die Beschwerdeführerin reichte im Rahmen des Beschwerdeverfahrens noch den Bericht von Dr. med. A._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 15. Juni 2016 ein (Urk. 3/3). Darin notierte er als Hauptdiagnosen einen adulten Morbus Hirschsprung und depressive Episoden. Die Beschwerdeführerin sei seit September 2015 in seiner hausärztlichen Betreuung. Seither komme sie
in regemässigen Abständen in seine Sprechstunde, hauptsächlich wegen Magen
darm- sowie urogenitalen Beschwerden mit rezidivierenden Bauchkoliken und Harnwegsinfekten. Aktuell im Vordergrund stehe auch ein Rezidiv der Kolon
pouch-Vaginalen Fistel mit rezidivierenden Harnwegsinfekten. Dies belaste die Beschwerdeführerin auch psychisch stark. Ein Fisteldébridement am 2. Oktober 2015 habe nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Es bestehe noch eine ope
rative Möglichkeit zum Verschluss dieser Fistel, welche aber mit Anlage einer doppelläufigen Ileostomie (künstlicher Ausgang) einhergehe. Über diese Inter
vention habe sie sich bis jetzt noch nicht entscheiden können. Sie meine, falls die Beschwerden so weiter dauern, würde sie eher einer operativen Sanierung zustimmen. Aktuell nehme sie regelmässig Medikamente gegen Schmerzen und für die Stuhlregulierung bei rezidivierenden Verstopfungen und Diarrhoen im Wechsel im Rahmen der Grundkrankheit (Urk. 3/3).
Gleichzeitig zum Einreichen des Berichtes vom 15. Juni 2016 legte die Be
schwer
deführerin ihrer Beschwerde noch zwei Arbeitsunfähigkeitszeugnisse von Dr. A._ vom 14. und 24. Dezember 2015 bei, worin ihr vom 1. Dezember 2015 bis zum 22. Januar 2016 eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (Urk. 3/1-2).
4.
4.1
Gestützt auf den Bericht der Fachärzte des Z._ ist mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit davon auszugehen, dass spätestens seit Anfang Dezember 2015 keine Arbeitsunfähigkeit mehr besteht, was insbesondere auch mit Blick auf den Bericht vom 2. Dezember 2015 nachvollziehbar und schlüssig ist: Die Fachärzte notierten, dass sich ein guter klinischer Verlauf zeige. Der Beschwerdeführerin zufolge sei die derzeitige Symptomatik tolerabel. Es bestehe eine Möglichkeit einer Operation zum Verschluss der Fistel, welche aber mit Anlage einer doppel
läufigen Ileostomie einhergehe. Aktuell sei sie gegenüber einer weiteren Opera
tion aber eher ablehnend eingestellt (Urk. 8/22/7).
4.2
An dieser Einschätzung vermögen die weiteren im Recht liegenden Arztberichte nichts zu ändern:
Auf den Bericht von Dr. Y._ kann nicht abgestellt werden, da die von ihm
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit 1990 sowohl aufgrund der Erwerbs
biographie der Beschwerdeführerin (vgl. IK-Auszug vom 4. September 2015, Urk. 6/17) als auch ohne weitere echtzeitlichen Berichte nicht nachvollziehbar ist.
Auch der Bericht von Dr.
A._
und seine Arbeitsfähigkeitszeugnisse vermö
gen
keine über den 2. Dezember 2015 hinausgehende rentenbegründende Arbeits
un
fähigkeit zu begründen. Weder aus den Arbeitsunfähigkeitszeugnissen noch aus dem Bericht vom 15. Juni 2016 geht hervor, wie und ob die gestellten Diag
nosen einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zeitigen. Des Weiteren geht aus dem Bericht vom 15. Juni 2016 nicht hervor, ob und in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin noch eingeschränkt ist. Es fehlen auch Befunde, anhand welcher die Diagnose der depressiven Episode überprüft bzw. nachvollzogen werden könnte, beziehungsweise eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu
min
dest als glaubhaft gemacht betrachtet werden könnte. Ausserdem sind depressive Episoden definitionsgemäss vorübergehender Natur und haben des
halb, zumindest wenn sie leicht bis mittelschwer sind, gemäss der bundesge
richtlichen Rechtsprechung in der Regel keine invalidisierende Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 5.2).
4.3
Gemäss Angaben auf der Anmeldung (Urk. 6/4/4) und den Angaben der ehe
maligen Arbeitgeber (Urk. 6/14) war die Beschwerdeführerin seit Januar 2015 in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Ob sie seither ununterbrochen arbeitsun
fähig gewesen ist kann offen bleiben, da ab dem 2. Dezember 2015 wieder von einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit auszugehen ist. Somit wurde die ein
jäh
rige Wartezeit nicht erfüllt und die Beschwerdegegnerin wies das Leistungs
be
gehren zu Recht ab. Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens und die Beschwerde ist vollumfänglich abzuweisen.
5.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Besc
hwerdeverfahren vor dem kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des
gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 400.-- festzusetzen und
der
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.