Decision ID: 28e4d098-74c4-4fb7-8326-94bc10eb5190
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970 und ohne erlernten Beruf, meldete sich am 11. Juni 2012 unter Hinweis auf einen fehlenden Daumen an der rechten Hand, Depressionen und starke Migräne erstmals bei der Sozialversicherungsangstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/8).
Die IV-Stelle tätigte Abklärungen in medizinischer Hinsicht und veranlasste eine psychia
trisch
e
Begutachtung (
Urk.
8/17). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk. 8/19,
Urk. 8/24
) verneinte sie mit Verfügung vom 1
3.
Mai 2013 (
Urk.
8/26) den Anspruch auf eine Invalidenrente.
Diese Verfügung blieb unangefochten.
1.2
Mit Gesuch vom 2
9.
Oktober 2018 (
Urk.
8/28) meldete sich der Versicherte unter Beilage eines Arztberichts (
Urk.
8/27) erneut zum Leistungsbezug an.
Mit Vorbe
scheid vom 2
8.
November 2018 (
Urk.
8/39) teil
t
e die IV-Stelle dem Versicherten mit,
sie sehe vor,
nicht auf das neue Leistungsbegehren einzutreten.
Nach erfolgten Einwänden (
Urk.
8/40 und
Urk.
8/44) trat die IV-Stelle
schliesslich
auf das Gesuch ein, tätigte weitere Abklärungen in medizini
s
cher Hinsicht und teilte mit einem neuen Vorbescheid vom
5.
Dezember 2019 (
Urk.
8/54) mit, dass kein Anspruch auf IV-Leistungen bestehe. Nach erneuten Einwänden (
Urk.
8/55 und
Urk.
8/59) unter Beilage eines neuen Arztberichtes (
Urk.
8/57) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
4.
Januar 2020 (
Urk.
2)
schliesslich
den Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.
Dagegen erhob der Versicherte
am 2
0.
Februar 2020 (
Urk.
1) Beschwerde und beantragte, die angefo
chtene Verfügung sei aufzuheben und
eventualiter sei die Sache zu ergänzenden medizinischen Abklärungen und zum Neuentscheid be
treffend Anspruch auf eine Invalidenrente an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen (S. 2).
In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um un
entgeltliche Prozessführung.
Mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
März 2020 (
Urk.
7) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Be
schwerdeführer
am 1
2.
Mai 2020 (
Urk.
9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung übe
r die Invalidenversicherung [IVV]
), so ist im Beschwerde
ver
fah
ren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch rele
vante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verwei
gert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Inva
lidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.
3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 24. Januar 2020 (
Urk.
2) damit, dass
sich die medizinische Situation nicht verändert habe. Der Beschwerdeführer befinde sich weiterhin nicht in fachärztlicher psychia
trischer Behandlung. Es sei davon auszugehen, dass sich die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers verbessern werde, wenn er sich in fachärztliche psychiatrische Behandlung begebe.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), er
sei
nachweislich in konsequenter ärztlicher Behandlung und
erfülle
seine Mit
wirkungspflicht voll und ganz. Seitens der Beschwerdegegnerin sei
auch keine Auflage der Schadenminderungspflicht
erfolgt
. Der Gesundheitszustand habe sich seit der letzten Verfügung im Jahr 2013 massiv verschlechtert und es sei ihm aufgrund seines Gesundheitszustands nicht mehr möglich, einer Tagesstruktur zu folgen, wie zum Beispiel der Teilnahme an einem Arbeitsprogramm. Seit September 2017 sei es ihm zudem auch nicht mehr möglich die
niederschwelligsten
Aufgaben zu übernehmen. Im Gegensatz zur letzten IV-Abklärung
i
m Jahr 2013 sei die psychisch kritische Situation nicht psychosozial bedingt, diese habe sich in den letzten Jahren nachweislich stabilisieren können.
Aus psychiatrischer/psychologischer Sicht sei eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten, welche berücksichtigt werden müsse (S. 4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand de
s Beschwerdeführers
im Zeitraum zwischen dem Erlass der Verfügung vom
1
3.
Mai 2013 (
Urk.
8/26)
bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
2
4.
Januar 2020
in ei
ner für den Rentenanspruch rele
vanten Weise verschlechtert hat.
3.
3.1
3.1.1
Im Bericht vom 2
4.
Juli 2012 (
Urk.
8/11/7-9) hielt
der vom Hausarzt, med. pract.
Z._
delegierte Psychotherapeut
A._
folgende Diagnosen fest (S. 1):
-
F33.10, gegenwärtige mittelgradige bis schwere depressive Episode mit somatischen Symptomen
-
F43.22, Anpassungsstörung mit langer depressiver Reaktion und Angst
-
F51.5, Albträume, Schlafstörungen
-
Wetterempfindlichkeit
Er
führte aus, der Beschwerdeführer befinde sich seit sieben Jahren bei ver
schiedenen Psychotherapeuten in Behandlung, wobei er
ihn
seit Juli 2008 zwei
mal monatlich
b
ehandl
e
. Durch die Tatsache, dass er nur eine vorläufige Auf
ent
haltsbewilligung erhalten habe, sei er massiv belastet. Der Verlust seines rechten Daumens bilde eine noch grössere Einschränkung und erzeuge starke Minder
wertig
keitsgefühle. Der Beschwerdeführer sei verunsichert und fühle sich nicht frei. Die ständige Unsicherheit wirke sich psychisch destabilisierend aus und wiederhole die Traumata von Kontrolle, Verfolgung und Folterung
(S. 2)
.
Er fühle sich innerlich und äusserlich heimatlos und leide unter dem Gefühl nirgendwo auf sicherem Boden zu stehen. Ausserdem leide er unter Vergesslichkeit und Kon
zentrationsmangel. Wie beim Verlauf eines Migräneanfalls lebe er in der Dunkel
heit, zurückgezogen und isoliert (S. 3).
3.1.2
Im psychiatrisch-psychotherapeutischen Gutachten vom 2
8.
Februar
2013 (Urk.
8/17) nannte
Dr.
med.
B._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie FMH, die Diagnose einer Dysthymia gemäss ICD-10 F34.1
, welche sich als Reaktion auf psychosoziale Faktoren entwickelt
habe
(S. 6
und 13
).
Eine Dys
thymia führe im Fall des Beschwerdeführers aus rein medizinischer Sicht nicht zu einer Minderung der Arbeitsfähigkeit (für jede Art von Tätigkeit, inklusive Arbeiten im Haushalt). Gründe für eine Unzumutbarkeit einer Willensan
stren
gung zur Überwindung der objektiv gar nicht bis sehr gering ausgeprägten
Defizite könnten aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht nicht attestiert werden (S. 10).
Dr.
B._
empfahl eine Anpassung der Psychopharmakotherapie und eine unangekündigte, unregelmässige Kontrolle der verordneten Medikamente. Es sei aus ärztlicher Sicht notwendig und sinnvoll, Kontrollen der Blutspiegel der ver
ordneten Medikamente alle sechs bis acht Wochen durchzuführen, da es unter anderem zu Interaktionen zwischen allfällig verordneten Medikamenten kommen könne. Auch sollten die Medikamente in einer therapeutisch wirksamen Dosie
rung verabreicht werden, um eine Verbesserung des Gesundheitszustandes zu ermöglichen. Die breite Palette psychopharmakologischer Möglichkeiten sei kon
se
quent auszuschöpfen und auch Augmentations- und/oder Hochdosisstrategien seien zu evaluieren. Zudem empfahl er eine Kontrolle der Testosteronwerte und eine allfällige medikamentöse Behandlung, da auch bei erniedrigten Testosteron
blutspiegeln depressive Symptome entstehen respektive verstärkt werden könnten (S. 10 f.).
In Bezug auf berufliche Massnahmen gab
Dr.
B._
an, diese seien aus psy
chiatrisch-psychotherapeutischer Sicht aussichtsreich, zumutbar und könnten den therapeutischen Prozess positiv beeinflussen. Jedoch würden diese zum jetzi
gen Zeitpunkt auf einen nicht motivierten Beschwerdeführer treffen. Die vielfäl
tigen psychosozialen Faktoren würden deutlich gegen eine Motivation zur beruf
lichen Reintegration und zur Überwindung der
dysthymen
Verstimmung wirken, wobei der Beschwerdeführer in dieser Haltung von Fachpersonen unterstützt werde (S. 11).
Zum Bericht
des Psychotherapeuten
A._
(vgl. E. 3.1.1 hiervor) hielt Dr.
B._
fest,
dass es sich dabei um keinen fachärztlich psychiatrisch-psy
cho
therapeutischen Bericht handle. Die Diagnosen würden mit Bezug zum Klassi
fikationssystem weder differenziert beschrieben oder diskutiert werden. Die ob
jek
tiven psychopathologischen Befunde seien sehr spärlich. Zudem seien die Diagnosen F33.10 und F43.22 widersprüchlich, nachdem sie sich gemäss ICD-10 gegenseitig ausschliessen würden. Auch die freie Formulierung zu F33.10 sei
unklar. Das Postulat der Arbeitsunfähigkeit sei somit nicht nachvollziehbar
(S. 12
).
3.2
3.2.1
In dem vom Beschwerdeführer eingereichten Arztbericht vom
6.
Mai 2019 (Urk. 8/51/7-8) hielt
der behandelnde Hausarzt
med. pract.
Z._
folgende Diag
nosen fest (S. 2):
-
Mittelschwere depressive Episode, teilweise schwere depressive Episode mit somatischen Symptomen und Albträumen
-
Emotionale Persönlichkeitsinstabilität
-
Anpassungsstörung was das Alltägliche angeht
-
Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
Zudem gab er an, der Beschwerdeführer befinde sich einmal im Monat in seiner hausärztlichen Kontrolle und regelmässig alle zwei Wochen in der delegierten Psychotherapie bei Herrn
A._
.
Er sei seit 2010 bis auf W
eiteres für die angestammte und auch für leicht angepasste Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsfähig (S. 1).
Beim Beschwerdeführer herrsche eine bedrückte Stimmung, innerliche Unruhe, Angespanntheit, Interessenlosigkeit, sozialer Rückzug, kein Selbstver
trauen, keine Selbstsicherheit, Antriebslosigkeit und vermehrte Schlafbedürftig
keit. Es sei keine geeignete Tagesstruktur vorhanden, er fühle sich nicht frei und habe eine Lärmunverträglichkeit sowie Wutanfälle. Er habe eine Anpassungs
störung für alltägliche Aktivitäten in Bezug auf das Familienleben, für Familien
probleme und suche immer die Flucht in sein Zimmer. Wenn der Beschwerde
füh
rer vergesse seine Medikamente
einzunehmen, gerate er in Selbstmord
gedanken (S. 2).
3.2.2
Med. pract.
Z._
hielt in einem weiteren Bericht vom 1
7.
Dezember 2019 (Urk. 8/57) folgende Diagnosen fest (S. 1):
-
Mittelschwere depressive Episode
-
Teilweise schwere depressive Episode mit somatischen Träumen und Alpträumen
-
Emotionale Persönlichkeitsinstabilität
-
Anpassungsstörung was das Alltägliche angeht
-
Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
Zudem gab er an, der Beschwerdeführer
sei
für jegliche Arbeitstätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig. Bei seinem früheren Bericht sei es zu einem Fehler gekommen und er habe fälschlicherweise eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Die Prog
nose sei aufgrund des langfristigen depressiven Zustands sei
t
2001 ungünstig. Die Unsicherheit und das wenige Selbstvertrauen würden die Prognose schlechter machen. Aus diesem Grund sei der Beschwerdeführer langfristig auf eine psy
chotherapeutische Betreuung und Psychopharmaka angewiesen.
4.
4.1
Hinsichtlich der gesundheitlichen Veränderung sind unter anderem die Arztbe
richte von med. pract.
Z._
vom 2
4.
Juli 2012 (
nur vom delegierten
Psycho
therapeuten
A._
visiert
vgl. E. 3.1.1 hiervor) und 1
7.
Dezember 2019 (vgl.
E.
3.2.2 hiervor) sowie das Gutachten von
Dr.
B._
vom
2
8.
Februar 2013 (vgl.
E. 3.1.2 hiervor) zu vergleichen. Die im Bericht von med. pract.
Z._
aufge
führten Diagnosen im Jahr 201
2 weichen kaum von den in seinen
aktuellen Bericht
en
gestellten Diagnosen ab.
So hat er bereits 2012 eine mittelgradige bis schwere depressive Episode mit somatischen Symptomen sowie eine Anpas
sungs
störung diagnostiziert. Zudem hält er
in seinem Bericht vom 17. Dezember 2019
ausdrücklich fest, der depressive Zustand bestehe bereits seit 2001 (
Urk.
8/57)
, womit eine Verschlechterung hinsichtlich des depressiven Zustandsbilds wenig nachvollziehbar erscheint
. Auch hinsichtlich der Medikamenteneinnahme ist keine Veränderung erkennbar. Med. pract.
Z._
gibt dazu an, der Beschwerde
führer habe früher
verschiedene
Antidepressiva
und stimmungsstabilisierende Medikamente
eingenommen, aufgrund der geringen Wirkung jedoch wieder abgesetzt. Das Medikament
Escitalopram
40mg
nehme er bereits seit 2008 (
Urk.
8/51/7). Eine Erhöhung der Dosis oder
eine diesbezügliche
Medikamenten
anpassung hat seit der letzten rentenabweisenden Verfügung somit nicht statt
gefunden.
Vielmehr ist es seitens des Beschwerdeführers zu einer Absetzung der Medikamente gekommen.
Auch die 14-tägigen Abstände der Psychotherapie sprechen nicht für eine Verschlechterung des Gesundheitszustands respektive einen erhöhten Leidensdruck, wäre doch bei den durch den Beschwerdeführer geschilderten Beschwerden und
de
m
geltend gemachten
Zustand eine Intensi
vierung der Therapie zu erwarten. Somit ist
bei der unveränderten bzw. verrin
gerten Medikamenteneinnahme und dem aktuellen Behandlungsrhythmus be
hand
lungsanamnestisch von einem unverändert geringen Leidensdruck auszu
gehen.
Wie bereits
Dr.
B._
in seinem Gutachten (vgl. E. 3.1.2 hiervor) festgehalten hat, handelte es sich bereits beim
oben erwähnten
Bericht von
A._
(vgl. E. 3.1.1 hiervor) um keinen fachärztlich psychiatrisch-psychotherapeutischen Be
richt. Dies trifft sodann auch auf den aktuellen Bericht von med. pract.
Z._
zu.
Auch aktuell wurden die
Diagnosen mit Bezug zum Klassifikationssystem weder differenziert beschrieben
noch
diskutiert.
Obwohl
Dr.
B._
in seinem Gutachten erklärte, die
Diagnosen F33.10 und F43.22
seien
widersprüchlich,
da
sie sich gemäss ICD-10 g
egenseitig ausschliessen würden, führte med. pract.
Z._
die Diagnose
n
der depressiven Episode sowie der Anpassungsstörung erneut auf (
E. 3.2.2 hiervor
).
Das Krankheitsattest stützt sich
somit
einzig auf die Aussage d
ieses behandelnden Arzt
es, welcher dem Beschwerdeführer seit jeher eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit attestiert hat. Objektivierbare Belege für eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit finden sich hingegen nicht.
Neu hinzugekommen ist schliesslich die Diagnose eines
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms. Med. pract.
Z._
macht in seinen Berichten jedoch keinerlei
Angaben, auf welchen Untersuchungen diese Diagnose beruht oder ob der Be
schwerdeführer diesbezüglich in Behandlung steht. Insbesondere kann dem Be
richt nicht entnommen werden, ob und welche funktionellen Auswirkungen die Diagnose
für
den Beschwerdeführer
haben soll
.
Eine bestimmte Gesundheits
schädigung muss mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorliegen, damit sie einen Anspruch auf Leistungen der Sozialversicherung begründen kann. Darüber hinaus wäre erforderlich, dass ein festgestellter Gesundheitsschaden weitere Heil
behandlungen erforderlich machen, und/oder dass er die versicherte Person in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigen würde (vgl.
Urteil des Bundesgerichts
vom
5.
Februar 2020 8C_693/2019 E. 5.2.2). Das blosse Nennen einer Diagnose ohne weitere Ausführungen oder Abklärungen und ohne Hinweis auf die funktio
nelle Einschränkung lässt somit nicht auf eine
rentenrelevante
Veränderung des Gesundheitszustands schliessen.
4.2
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass beim Beschwerdeführer eine Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit der letztmaligen Rentenverneinung nicht ausgewiesen ist. Die behauptete vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit stützt sich einzig auf die Angaben
des
behandelnden
Arztes
, welche
r
dem Beschwerdeführer seit jeher eine vollumfängliche Arbe
itsunfähigkeit attestiert hat
. Objektivier
bare Belege für eine invalidenrechtlich relevante Veränderung des Gesundheits
zu
standes finden sich hingegen nicht.
4.3
E
ine anspruchsrelev
ante gesundheitliche Verschlech
terung im hier
massgebenden
Beurteilungszeitraum
ist
demnach
nicht erstellt und von weite
ren Abklärungen ist in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d und 136 I 229 E. 5.3) kein anderes Ergebnis zu erwarten.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin als rech
tens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer beantragte die unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2). Die Voraussetzungen dafür sind gegeben (vgl. Urk. 1 S. 2 und Urk. 3/5), weshalb diese zu gewähren ist.
5.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie de
m Beschwerdeführer aufzuerlegen
, infolge Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (E. 5.1) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen
.
Das Gericht
beschliesst:
In Bewilligung des Gesuches vom 20. Februar 2020 wird dem Beschwerdeführer die unent
geltliche Prozessführung gewährt.