Decision ID: 764f75c8-3fed-5b00-aafe-31806f8cfc67
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Der Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller vertrat den EL-Bezüger A._ in einem
Einspracheverfahren, das zwei EL-Verfügungen vom Dezember 2016 betraf. Die EL-
Durchführungsstelle wies das mit der Einsprache vom 25. Januar 2017 gestellte
Gesuch um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für den EL-Bezüger im
Einspracheverfahren mit einem Entscheid vom 28. Mai 2018 ab; betreffend den
strittigen EL-Anspruch hiess sie die Einsprache dagegen teilweise gut. Die
Verweigerung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren
begründete sie mit der fehlenden Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im
Einspracheverfahren (vgl. zum Ganzen den Einspracheentscheid vom 28. Mai 2018;
act. G 1.1).
B.
Am 27. Juni 2018 erhob der Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller (nachfolgend: der
Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Abweisung des Gesuchs um eine
unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren (act. G 1). Er
beantragte die Aufhebung des die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Einspracheverfahren betreffenden Teils des Einspracheentscheides vom 28. Mai 2018,
die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren
rückwirkend ab Januar 2017 sowie die Ernennung des Beschwerdeführers zum
unentgeltlichen Rechtsbeistand für das Einspracheverfahren. Zur Begründung führte er
aus, die anwaltliche Vertretung im Einspracheverfahren sei notwendig gewesen, weil
die Sach- und Rechtslage aussergewöhnlich komplex gewesen sei.
C.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 16.
Juli 2018 unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid
die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 3/4
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
Wo die Verhältnisse es erfordern, wird einer versicherten Person gemäss dem Art. 37
Abs. 4 ATSG für das Verwaltungs- respektive für das Einspracheverfahren ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. Die unentgeltliche Rechtsverbeiständung hat
sachlich nichts mit dem Versicherungsverhältnis zwischen dem
Sozialversicherungsträger und der versicherten Person zu tun. Es handelt sich dabei
vielmehr um eine besondere staatliche Leistung für das Verwaltungs- respektive
Einspracheverfahren mit einem ausgesprochenen fürsorgerechtlichen Charakter, also
um eine besondere Form von Sozialhilfe. Ihr Zweck besteht allein darin, einer
bedürftigen Person, der die finanziellen Mittel für den Beizug eines Rechtsvertreters
fehlen, gewissermassen als sozialhilferechtliche „Sachleistung“ einen staatlich
finanzierten Rechtsbeistand zur Seite zu stellen. Die Bewilligung einer unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung begründet folglich stets ein besonderes öffentlich-rechtliches
Verhältnis zwischen dem (den Staat vertretenden) Sozialversicherungsträger und dem
Rechtsbeistand, denn dessen Aufgabe besteht ja darin, im Auftrag des
Sozialversicherungsträgers eine staatliche Leistung zu erbringen. Bezüglich der
Modalitäten dieses Rechtsverhältnisses – namentlich der Höhe der Entschädigung für
die unentgeltliche Rechtsverbeiständung – ist der Rechtsbeistand
rechtsmittellegitimiert, weil sich ein entsprechender Streit um eine Frage drehen muss,
die direkt das öffentlich-rechtliche Verhältnis zwischen dem Rechtsbeistand und dem
(den Staat vertretenden) Sozialversicherungsträger betrifft. Die „grundsätzliche“ Frage,
ob die versicherte Person überhaupt einen Anspruch auf eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung hat, betrifft dagegen das Verhältnis zwischen dem
Sozialversicherungsträger und der versicherten Person, denn solange die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung nicht bewilligt worden ist, kann noch gar kein
Rechtsverhältnis zwischen dem Sozialversicherungsträger und dem Rechtsbeistand
entstanden sein, das es diesem erlauben würde, im eigenen Namen ein Rechtsmittel
gegen den Entscheid des Sozialversicherungsträgers zu ergreifen. Bezüglich der Frage,
ob ein Anspruch auf eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung bestehe, kann folglich
allein die versicherte Person rechtsmittellegitimiert sein.
2.
Der Beschwerdeführer hat im eigenen Namen Beschwerde gegen den Entscheid der
Beschwerdegegnerin erhoben, dem EL-Bezüger für das am 28. Mai 2018
abgeschlossene Einspracheverfahren keine unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 4/4
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bewilligen. Dieser Entscheid hat ausschliesslich einen umstrittenen Leistungsanspruch
des EL-Bezügers – nämlich dessen allfälligen Anspruch auf eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren – betroffen. Mangels Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren ist also noch
gar kein Rechtsverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und der
Beschwerdegegnerin entstanden, das diesen legitimiert hätte, im eigenen Namen
Beschwerde gegen den Entscheid vom 28. Mai 2018 zu führen. Auf die Beschwerde
kann folglich nicht eingetreten werden. Gerichtskosten sind gemäss dem Art. 61 lit. a
ATSG in der bis zum 31. Dezember 2020 gültigen Fassung (vgl. Art. 83 ATSG) keine zu
erheben.