Decision ID: 486968e1-3182-48bd-892e-c2468ac6f1f7
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Am 12. September 2018 meldete sich A._ (nachfolgend: Versicherte) zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung an. Als gesundheitliche Beeinträchtigung
nannte sie Schmerzen an beiden Hüftgelenken und Oberschenkeln beim Laufen, Sitzen
und Schlafen seit einem Unfall vom 16. September 2014. Sie gab an, als Raumpflegerin
tätig zu sein (IV-act. 2).
A.a.
Nach ersten Abklärungen (IV-act. 5 ff.) verneinte die IV-Stelle mit Mitteilung vom
22. Oktober 2018 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen, da die Versicherte sich
subjektiv nicht eingliederungsfähig fühlte (IV-act. 26).
A.b.
Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 29. November 2018 stellte
Dr. med. B._, Facharzt für Chirurgie, speziell Unfallchirurgie, folgende Diagnosen:
primär Hämatome und Serome am Trochanter major und Glutealregionen bds.,
nachfolgend Bursitis trochanterica bds., mehrfach punktiert und infiltriert; Bursektomie
links am 17. Juni 2015; Weichgewebeexploration rechts am 14. Oktober 2015;
Dekompression Nervus cutaneus femoris lateralis links am 21. August 2017, Neurolyse
Nervus cutaneus femoris lateralis rechts am 30. Januar 2018; aktuell therapieresistent
fortbestehende Hyperästhesie Nervus cutaneus femoris lateralis bds. und
Narbenregion trochantär bds. (Suva-act. 310-5). Aus den objektivierbaren
Nervenschmerzen resultiere, auch wenn nur die Sensibilität dauerhaft geschädigt sei,
eine Funktions-, Belastungs- und Gebrauchseinschränkung im Bereich des Beckens
A.c.
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und der unteren Extremitäten. Für den allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit (Suva-act. 310-6).
Mit Bericht vom 6. Mai 2019 beschrieb der behandelnde Facharzt Dr. med. C._,
Facharzt für Handchirurgie und Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie,
Restbeschwerden bei Druck im Bereiche des Nervus cutaneus femoris lateralis rechts
und unklare Beschwerden im Bereiche der Trochanteren bds. Dr. med. D._, Facharzt
für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, welcher die
Versicherte wegen der Beschwerden im Bereich der Trochanteren behandle, habe von
chirurgischer Seite keine Therapievorschläge machen können (IV-act. 35). Nachdem
die IV-Stelle Dr. D._ aufgefordert hatte, einen aktuellen Arztbericht einzureichen, liess
dieser mitteilen, die Versicherte sei letztmals im September 2018 bei ihm in
Behandlung gewesen. Damals hatte Dr. D._ festgehalten, eine weitere Diagnostik
oder Therapie mache keinen Sinn (vgl. IV-act. 50-2).
A.d.
Am 27. Juni 2019 erlitt die Versicherte eine metatarsale V-Fraktur am Fuss rechts,
welche konservativ behandelt wurde (vgl. IV-act. 40-2 f.). Der behandelnde Facharzt
Dr. med. E._, hielt mit Arztbericht vom 3. September 2019 fest, die Versicherte sei im
Alltagsschuh schmerzfrei unterwegs (IV-act. 56). Mit Bericht vom 21. Oktober 2019
teilte er auf Nachfrage der IV-Stelle mit, er habe die Versicherte ausschliesslich wegen
der Metatarsal-V-Schaftfraktur behandelt. Diese sei geheilt und Einschränkungen seien
dadurch nicht zu erwarten (IV-act. 54-3).
A.e.
Mit Bericht vom 25. September 2019 hielt Dr. C._ fest, die Neurolysen hätten
gewirkt (IV-act. 47).
A.f.
Im Herbst/Winter 2019/2020 nahm die Versicherte über das RAV an einem
Einsatzprogramm der Z._ teil (vgl. Suva-act. 321 f.).
A.g.
Mit Stellungnahme vom 7. November 2019 führte der Regionale ärztliche Dienst
(RAD) aus, die im Rahmen der kreisärztlichen Untersuchung vom 29. November 2018
formulierten Adaptionskriterien könnten nach der nun auch rechts erfolgreichen
Leistennervenoperation deutlich gelockert werden. Adaptierte Tätigkeiten seien in
einem Pensum von 100 % zumutbar. In Anbetracht der langen Abwesenheit vom
Arbeitsmarkt solle der berufliche Einstieg schrittweise erfolgen (IV-act. 57).
A.h.
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B.
Mit Vorbescheid vom 2. Dezember 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung ihres Rentenbegehrens in Aussicht. Zur Begründung führten sie an, die
Behandlung der Neuralgien beider Leistennerven sowie beider Hüftgelenke sei bei
subjektiver Beschwerdefreiheit bzw. klinisch unauffälligem Befund abgeschlossen.
Nach Behandlung der Mittelfussfraktur rechts bestehe eine abgeschlossene
Konsolidation ohne Einschränkungen im Alltag. Somit liege aus
versicherungsmedizinischer Sicht kein IV-relevanter Gesundheitsschaden vor, womit
von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde und im Haushalt ebenfalls keine
relevante Einschränkung vorliege (IV-act. 61). Gegen diesen Vorbescheid erhob die
Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Michael B. Graf, am 22. Januar 2020
Einwand. Sie machte insbesondere geltend, der medizinische Sachverhalt sei
ungenügend abgeklärt worden und der Einsatz bei der Z._ habe gezeigt, dass sie
nicht voll arbeitsfähig sei (IV-act. 64).
A.i.
Nach Durchführung eines zweiten Vorbescheidverfahrens (IV-act. 74 ff.) und einer
interdisziplinären Fallbesprechung (IV-act. 78) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom 26. Juni 2020 ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus,
aus versicherungsmedizinischer Sicht sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Der medizinische Sachverhalt sei hinreichend abgeklärt worden. Im Rahmen des
Einsatzprogramms bei der Z._ sei keine Beurteilung der Leistungsfähigkeit erfolgt
und eine Leistungssteigerung sei nicht versucht worden. Bei einer insgesamt
unerheblichen Befundlage seien aus medizinischer und juristischer Sicht keine weiteren
Abklärungen angezeigt (IV-act. 79).
A.j.
Gegen diese Verfügung erhebt die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin),
nun vertreten durch Rechtsanwalt Ronald Pedergnana, am 31. August 2020
Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) sei aufzuheben und ihr sei eine halbe Invalidenrente
zuzusprechen. Eventualiter sei eine interdisziplinäre Begutachtung anzuordnen. Ihr sei
die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zuzugestehen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung
bringt sie vor, die Z._-Berichte würden eine reduzierte Leistungsfähigkeit aufzeigen.
B.a.
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Sie habe eine hohe Leistungsbereitschaft. Ihr Problem seien die Schmerzen, welche
dazu geführt hätten, dass sie ihren Beruf habe aufgeben müssen. Wären diese
Schmerzen nicht, könnte sie 100 % leisten (act. G1). Am 5. Oktober 2020 reicht die
Beschwerdeführerin Unterlagen zur Prüfung der unentgeltlichen Rechtspflege ein
(act. G4).
Mit Beschwerdeantwort vom 28. Oktober 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie führt im Wesentlichen aus, der Bericht des
Hausarztes der Beschwerdeführerin vom 24. April 2020 divergiere stark von der
Einschätzung des RAD, ohne dass aufgezeigt werde, inwiefern die Einschätzung des
RAD unzutreffend sein sollte. Dieser Bericht sei damit nicht geeignet, auch nur geringe
Zweifel an der Schlüssigkeit der RAD-Beurteilung zu wecken. Wegen der
unerheblichen Befundlage sei eine gutachterliche Abklärung des medizinischen
Sachverhalts nicht nötig. Vielmehr könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
festgestellt werden, dass die Beschwerdeführerin zumindest in einer adaptierten
Tätigkeit mindestens seit der kreisärztlichen Untersuchung vom 29. November 2018
voll arbeitsfähig sei. Da sie sich am 12. September 2018 zum Leistungsbezug
angemeldet habe, komme somit auch kein befristeter Rentenanspruch in Frage. Der
Bericht der Z._ gebe keinen Anlass zu einer anderen Einschätzung (act. G5).
B.b.
Am 3. November 2020 teilt das Versicherungsgericht der Beschwerdeführerin mit,
dass eine wirtschaftliche Notwendigkeit der unentgeltlichen Rechtspflege nicht
ausgewiesen sei. Ohne Gegenbericht innert Frist werde davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin mit der formlosen Erledigung des Gesuchs um unentgeltliche
Rechtspflege einverstanden sei, und ein Kostenvorschuss verlangt (act. G6). Am
10. Dezember 2020 fordert das Gericht einen Kostenvorschuss von Fr. 600.-- von der
Beschwerdeführerin (act. G11), welchen sie am 14. Dezember 2020 bezahlt.
B.c.
Mit Replik vom 3. Dezember 2020 bringt die Beschwerdeführerin vor, sie könne
keine berufliche Tätigkeit mehr ausüben. Wie schon das Kantonsspital St. Gallen
(nachfolgend: KSSG) gehe auch Dr. med. F._, Psychiatrie und Psychotherapie, Klinik
G._, von einer psychiatrischen Begleiterkrankung aus. Der RAD habe mit
Stellungnahme vom 7. November 2019 festgehalten, ein schrittweiser Einstieg ins
Arbeitsleben solle nun versucht werden, vorerst mit einem 50%-Pensum. Zu diesem
B.d.
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Zeitpunkt sei der Z._-Bericht von einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit bei einer
Belastung von 50 % ausgegangen. Die Beschwerdeführerin hätte deshalb zumindest
Anspruch auf eine vorübergehende Rente. Zudem sei völlig unklar, wie die
Leistungsfähigkeit unter Berücksichtigung der Entwicklung bis zum
Verfügungszeitpunkt ausgesehen habe. Die kreisärztliche Beurteilung habe nur die
Unfallfolgen berücksichtigt. Die Beschwerdegegnerin müsse dagegen auch die
psychiatrischen Diagnosen berücksichtigen (act. G8). Am 4. Dezember 2020 ergänzt
die Beschwerdeführerin, der behandelnde Hausarzt Dr. med. H._, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin, halte zur Leistungsfähigkeit fest, diese sei schmerzbedingt
sehr eingeschränkt. Die Schmerzen würden sich abhängig von der Belastung
verstärken, während häufiger Positionswechsel wie Sitzen oder kurzzeitiges Abliegen
Linderung verschafften. Tätigkeiten mit gebeugtem Oberkörper oder Heben von
Gewichten über ca. 8 kg seien nicht möglich. Die Leistungsfähigkeit in optimal
angepasster Tätigkeit könne bei maximal 50 % liegen. Diese Einschätzung Dr. H._s
entspreche der Einschätzung der Z._ (act. G9).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 16. Dezember 2020 auf eine Duplik
(act. G12).
B.e.
Am 20. Juli 2021 reicht die Beschwerdeführerin ein von ihr in Auftrag gegebenes
orthopädisches Privatgutachten von Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädie und
Unfallchirurgie, ein. Wie diesem Gutachten zu entnehmen sei, sei sie in jeglicher
Tätigkeit in der Berufsausübung eingeschränkt. Gemäss Gutachten könne sie zwar in
einer optimal angepassten Tätigkeit 70 % arbeiten, nur gebe es eine solche Tätigkeit
für sie nicht. Sie sei 5_ Jahre alt, habe Dauerschmerzen und seit 2016 nicht mehr
gearbeitet. Zu den orthopädischen Einschränkungen komme eine psychiatrische
Erkrankung dazu. Die Kosten für das orthopädische Gutachten seien der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (act. G14).
B.f.
Mit Stellungnahme vom 18. August 2021 hält die Beschwerdegegnerin unter
Verweis auf die RAD-Stellungnahme vom 11. August 2021 (act. G17.1) am Antrag auf
Abweisung der Beschwerde fest. Das von der Beschwerdeführerin eingereichte
orthopädische Gutachten erfülle die Anforderungen der Rechtsprechung an ein
B.g.
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beweiskräftiges Gutachten nicht. Es sei nicht geeignet, um Zweifel an der
versicherungsinternen medizinischen Einschätzung zu wecken (act. G17).
Mit Stellungnahme vom 7. September 2021 macht die Beschwerdeführerin
geltend, die Beschwerdegegnerin stütze sich nicht auf eigene Untersuchungen,
sondern auf einen Bericht des Kreisarztes der Suva, der im Zeitpunkt der Verfügung
vom 26. Juni 2020 eineinhalb Jahre alt gewesen und ohnehin mängelbehaftet sei. Die
für die Einschätzung der Leistungsfähigkeit ebenfalls relevante Metatarsale-Fraktur im
Fuss links sei in der Beurteilung der Suva nicht enthalten. Noch immer finde sich eine
leichte Schwellung am Fussrücken. Die Beschwerdeführerin habe am 11. Juni 2019
wegen ihrer Hüftbeschwerden operiert werden müssen. Die Suva habe dies
fälschlicherweise über den Unfall vom 27. Juni 2019 statt über jenen vom
26. September 2014 abgerechnet. Allenfalls müsse zusätzlich eine neurologische
Beurteilung erfolgen, der Fall könne aber anhand des orthopädischen Gutachtens
beurteilt und eine Rente zugesprochen werden (act. G21).
B.h.
Am 14. September 2021 (Postaufgabe) reicht die Beschwerdeführerin die
Rechnungen für die orthopädische Begutachtung sowie die ergänzende Stellungnahme
Dr. I._s sowie eine Rechnung von Dr. H._ ein (act. G25).
B.i.
Mit Stellungnahme vom 20. September 2021 macht die Beschwerdegegnerin
geltend, sie habe den Sachverhalt genügend abgeklärt. Das orthopädische
Parteigutachten von Dr. I._ sei zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts zum
Verfügungszeitpunkt weder nötig noch geeignet. Demnach sei die Auferlegung der
durch den Beizug von Dr. I._ entstandenen Kosten an die Beschwerdegegnerin nicht
gerechtfertigt (act. G27).
B.j.
Mit einer weiteren Ergänzung vom 6. Januar 2022 teilt die Beschwerdeführerin mit,
die Suva sei auf ihren Entscheid zurückgekommen, weil der Unfall von 2014 im Jahr
2019 eine Operation zur Folge gehabt habe. Wie weit dieser Rückfall wiederum
Leistungen der Suva zur Folge haben werde, stehe in den Sternen (act. G29).
B.k.
Mit Stellungnahme vom 28. Januar 2022 führt die Beschwerdegegnerin aus, es sei
nicht ersichtlich, inwiefern das Schreiben der Suva vom 17. Dezember 2021 und die
kreisärztliche Stellungnahme vom 10. November 2021 Zweifel an der bisherigen
B.l.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/23
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Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie den
Inhalt der übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Einschätzung des RAD wecken sollten. Die Suva habe lediglich nachträglich die
Kausalität zwischen der Operation vom 11. Juni 2019 und dem Unfall vom
16. September 2014 bejaht. Die Operation vom 11. Juni 2019 sei dem RAD bekannt
gewesen und dieser habe dessen Auswirkungen gewürdigt. So habe der RAD in seiner
Stellungnahme vom 23. Juli 2019, noch vor Kenntnis der bereits durchgeführten
Operation vom 11. Juni 2019, ausgeführt, eine erneute Operation des Leistennervs
rechts würde, einen unkomplizierten Verlauf vorausgesetzt, eine lediglich
vorübergehende Arbeitsunfähigkeit begründen. Den Einschränkungen wegen der
Nervenschmerzen bds. würde im Rahmen der Adaptionskriterien Rechnung getragen.
In der nächsten Stellungnahme vom 18. Oktober 2019 habe der RAD dann
festgehalten, dass wegen Restbeschwerden im Bereich eines Leistennervs rechts am
11. Juni 2019 eine erneute Neurolyse durchgeführt worden sei. Gemäss Arztzeugnis
von Dr. C._ sei auch diese Operation erfolgreich gewesen, sodass nun von Seiten
der Leistenschmerzen bds. keine Restbeschwerden mehr bestünden. Damit sei der
Neurolyse vom 11. Juni 2019 zu Recht keine IV-relevante Auswirkung zugesprochen
worden (act. G33).
Mit Eingabe vom 10. Februar 2022 reicht die Beschwerdeführerin einen weiteren
Bericht von Dr. H._ ein (act. G35.2) und führt aus, natürlich sei es ärgerlich für die
Beschwerdegegnerin, wenn sie die Sache in die Abklärung zurücknehmen müsse. Es
zeige aber auch keine Grösse, bei einer offensichtlich irrigen eigenen
Sachverhaltsdarstellung darauf zu beharren, einen Gerichtsentscheid herbeizuführen.
Die Beschwerdeführerin wäre jedoch auch mit einem vom Gericht in Auftrag
gegebenen Gutachten beim asim in Basel oder bei der estimed in Zug einverstanden
(act. G35).
B.m.
Am 22. April 2022 reicht die Beschwerdeführerin die mit Eingabe vom 6. Januar
2022 ins Recht gelegten Beilagen erneut ein und ersucht um baldigen Entscheid
(act. G37).
B.n.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/23
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Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. Weil in zeitlicher Hinsicht
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben, und weil ferner das
Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis
zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 26. Juni 2020) eingetretenen
Sachverhalt abstellt, sind im vorliegenden Fall die bis zum 31. Dezember 2021 gültig
gewesenen materiellen Bestimmungen anwendbar (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit
Hinweisen). Nachfolgend werden sie daher in dieser Fassung zitiert.
1.1.
Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/23
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Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
1.4.
Die urteilenden Instanzen haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (Art. 61 lit. c ATSG; BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
1.5.
Der RAD steht der IV-Stelle für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen
des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Er legt die für die Invalidenversicherung mass
gebende funktionelle Leistungsfähigkeit der versicherten Person für die Ausübung einer
zumutbaren Erwerbstätigkeit oder einer Tätigkeit im Aufgabenbereich fest. Er ist in
seinem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (vgl. Art. 59 IVG). Nicht
zwingend erforderlich ist, dass die versicherte Person vom RAD untersucht wird. Der
RAD führt für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des
Leistungsanspruchs nur bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen durch. In den
übrigen Fällen stützt er seine Beurteilung auf die vorhandenen ärztlichen Unterlagen ab
(Urteil des Bundesgerichts vom 19. Januar 2011, 9C_689/2010, E. 3.1.3; Art. 49 IVV).
1.6.
Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden
werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen
auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (Urteil des Bundesgerichts vom 4. November 2021, 9C_127/2021,
E. 2.2.2; BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen).
1.7.
Aus dem Grundsatz der Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Person,
mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von
der versicherten Person eingereichten Beweismittel stammen regelmässig von
behandelnden medizinischen Fachpersonen, die in einem auftragsrechtlichen
1.8.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/23
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Verhältnis zur versicherten Person stehen. Da sich die behandelnden Ärztinnen und
Ärzte in erster Linie auf die Behandlung konzentrieren, verfolgen deren Berichte nicht
den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche
erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustands und erfüllen deshalb
kaum je die von der Rechtsprechung verlangten materiellen Anforderungen an ein
Gutachten. Aus diesen Gründen und aufgrund der vom Bundesgericht postulierten
Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zugunsten ihrer Patienten aussagen, wird im
Streitfall eine direkte Leistungszusprache einzig gestützt auf die Angaben der
behandelnden medizinischen Fachpersonen kaum je in Frage kommen. Dies befreit
das Gericht indessen nicht von seiner Pflicht zu einer korrekten Beweiswürdigung, bei
der auch die von der versicherten Person aufgelegten Berichte mitzuberücksichtigen
sind. Diese sind daraufhin zu prüfen, ob sie auch nur geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Feststellungen versicherungsinterner Ärztinnen
und Ärzte wecken. Wird die Schlüssigkeit der Feststellungen der versicherungsinternen
Fachpersonen durch einen nachvollziehbaren Bericht eines behandelnden Arztes in
Zweifel gezogen, so genügt deshalb der pauschale Hinweis auf dessen
auftragsrechtliche Stellung nicht, um solche Zweifel auszuräumen. Damit die
versicherte Person eine vernünftige Chance hat, ihre Sache dem Gericht zu
unterbreiten, ohne gegenüber dem Versicherungsträger klar benachteiligt zu sein, darf
bei Bestand solcher Zweifel nicht aufgrund der von der versicherten Person
aufgelegten Berichte einerseits und der versicherungsinternen medizinischen Berichte
andererseits eine abschliessende Beweiswürdigung vorgenommen werden. Um solche
Zweifel auszuräumen, wird das Gericht vielmehr entweder ein Gerichtsgutachten
anzuordnen oder die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen haben, damit
dieser im Verfahren nach Art. 44 ATSG eine Begutachtung veranlasst (BGE 135 V 465
E. 4.5 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 4. November 2021, 9C_127/2021, E. 2.2.2).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz (Art. 61 lit. c ATSG).
Verwaltung und Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen.
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 61
N 107). Sind von zusätzlichen Abklärungen keine entscheidrelevanten Ergebnisse zu
1.9.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/23
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2.
erwarten, darf das Gericht darauf verzichten. Dies verstösst weder gegen den
Untersuchungsgrundsatz noch gegen den Grundsatz der Waffengleichheit oder den
Anspruch auf rechtliches Gehör bzw. Beweisabnahme (antizipierte Beweiswürdigung,
vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3; Urteile des Bundesgerichts vom 10. Januar 2022,
8C_657/2021, E. 5.4, und vom 14. Mai 2019, 8C_102/2019, E. 5.6).
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.10.
Da die Beschwerdeführerin sich am 12. September 2018 bei der
Beschwerdegegnerin anmeldete, konnte ein allfälliger Rentenanspruch frühestens per
1. März 2019 entstehen (Ablauf der sechsmonatigen Karenzfrist, Art. 29 Abs. 1 IVG).
Für das vorliegende Verfahren relevant ist deshalb lediglich, ob die Beschwerdeführerin
zwischen dem 1. März 2019 (Ablauf der Karenzfrist am 12. März 2019) und dem
26. Juni 2020 (Erlass der angefochtenen Verfügung) das Wartejahr gemäss Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG erfüllt hatte und danach zu mindestens 40 % invalid war (vgl. Art. 28
Abs. 1 lit. c IVG).
2.1.
Dr. B._ setzte sich anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom
29. November 2018 ausführlich mit den geltend gemachten Schmerzen der
Beschwerdeführerin auseinander und gelangte zum Ergebnis, dass eine schmerzhafte
Überempfindlichkeit der Operationsgebiete bds. trochantär gegeben war. Die
Sensibilität sei mit Überempfindlichkeit dauerhaft geschädigt, woraus eine Funktions-,
Belastungs- und Gebrauchseinschränkung im Bereich des Beckens und der unteren
Extremitäten resultiere. Diese führte gemäss Dr. B._ indes nicht zu einer quantitativen
Reduktion der Arbeitsfähigkeit, sondern lediglich zu den Leiden angepassten
qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit (vgl. Suva-act. 310-5 f.). Dr. B._
berücksichtigte für seine Beurteilung die bis zu jenem Zeitpunkt vorliegenden
medizinischen Vorakten. Seine Ausführungen erscheinen wohlbegründet und
nachvollziehbar.
2.2.
Gestützt auf die damalige Aktenlage, namentlich die kreisärztliche Beurteilung,
hielt der RAD am 23. Juli 2019 fest, unabhängig von einer erneuten Operation im
Bereich des Leistennervs rechts werde der Gesundheitszustand aus Sicht des RAD als
stabil eingeschätzt. Die erneute Operation des Leistennervs rechts bedinge – einen
unkomplizierten postoperativen Verlauf vorausgesetzt – eine lediglich vorübergehende
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/23
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3.
Arbeitsunfähigkeit. Den Einschränkungen durch die Nervenschmerzen bds. werde im
Rahmen der Adaptionskriterien Rechnung getragen. In der Tätigkeit als Reinigungskraft
bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In einer adaptierten Tätigkeit gemäss den
Adaptionskriterien des Kreisarztes bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (IV-act. 37).
Mit Stellungnahme vom 7. November 2019 führte der RAD aus, die Behandlung
der Neuralgien beider Leistennerven sowie beider Hüftgelenke sei bei subjektiver
Beschwerdefreiheit bzw. klinisch unauffälligem Befund abgeschlossen. Somit liege kein
IV-relevanter Gesundheitsschaden vor. Die im Rahmen der kreisärztlichen
Untersuchung vom 29. November 2018 formulierten Adaptionskriterien könnten nach
nun auch rechts erfolgreichen Leistennervenoperation deutlich gelockert werden.
Demnach seien leichte körperliche Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne längere
Zwangshaltungen für den Rücken, ohne häufiges Hocken, Kauern, Knien,
Treppensteigen, Arbeiten auf Leitern oder Gerüsten in einem Pensum von 100 %
zumutbar. In Anbetracht der langen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt solle der berufliche
Einstieg schrittweise erfolgen, anfangs in einem ca. 50%-Pensum (IV-act. 57).
2.4.
Gestützt hierauf wies die Beschwerdegegnerin das Gesuch um Rentenleistungen
ab. Nach der kreisärztlichen Untersuchung gingen diverse Arztberichte ein. Die
Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, ihr Gesundheitszustand sei
unzureichend abgeklärt worden. Im Fragebogen zur Rentenabklärung vom 12. März
2019 nannte sie lediglich die Dres. H._, C._ und D._ als behandelnde Ärzte,
(wobei sie angab, Dr. H._ ca. zweimal pro Monat zu besuchen und zuletzt im Juli
2018 an einer Therapie teilgenommen zu haben; vgl. IV-act. 30; vgl. auch Suva-
act. 310-4, Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der kreisärztlichen
Untersuchung, wonach sie keine Therapien mehr mache, da diese nur schmerzhaft
seien und nur Dafalgan bei Bedarf einnehme, alle anderen Schmerzmittel hätten keine
Besserung erbracht). Demnach ist vorliegend zu prüfen, ob der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin spruchreif abgeklärt wurde.
2.5.
3.1.
Mit Bericht vom 26. April 2019 gab der Hausarzt Dr. H._ gegenüber der
Beschwerdegegnerin an, die Beschwerdeführerin leide an einem persistierenden
ausgeprägten Schmerzsyndrom und Bewegungseinschränkungen beider Hüften.
Wegen Wirkungslosigkeit bestehe derzeit keine Medikation. Einer Eingliederung
würden Schmerzen, eine Bewegungseinschränkung der Hüftgelenke und fehlende
3.1.1.
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Ressourcen im Wege stehen (IV-act. 33). Dr. H._ führte im Bericht vom 24. April 2020
aus, der Zustand sei unverändert. Die Therapiemöglichkeiten seien ausgeschöpft. Die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin betrage in einer angepassten Tätigkeit zeitlich
maximal 30-40 % und die Leistungsfähigkeit sei schmerzbedingt um 50 % reduziert
(IV-act. 72).
In dem im Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht vom 7. Juli 2020 äussert
Dr. H._, die Beschwerdeführerin stehe seit 2009 in seiner hausärztlichen Behandlung.
Alle krankheits- und unfallbedingten Episoden hätten einen dem jeweiligen
Krankheitsbild adäquaten Verlauf gezeigt. Die Beschwerdeführerin habe sich stets um
rasche Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess bemüht. Das Beschwerdebild nach
dem Unfall vom 16. September 2014 sei völlig anders verlaufen. Die Beschwerden
aufgrund der Weichteilverletzung würden persistieren. Dass die Behandlung mit
Antidepressiva und schmerzmodulierenden Medikamenten wegen Wirkungslosigkeit
eingestellt worden sei, deute seiner Ansicht nach auf einen somatischen Ursprung der
Schmerzen. Die Beschwerdeführerin habe alle Therapiemassnahmen gewissenhaft
befolgt und sei immer wieder zu einem Arbeitsversuch bereit gewesen. Ihre
Leistungsfähigkeit sei schmerzbedingt sehr eingeschränkt. Er habe die
Beschwerdeführerin Ende April 2020 zur schmerzmodulierenden Behandlung an die
Klinik G._ überwiesen, um wenigstens den Umgang mit den bestehenden Schmerzen
zu verbessern. Die Behandlung könne pandemiebedingt allerdings erst jetzt realisiert
werden. Eine Besserung erscheine wenig wahrscheinlich. Dr. B._ "schwadroniere"
fast ausschliesslich über Hüftgelenksverletzungen, obwohl die Schädigung in den
Nerv- und Weichteilverletzungen bestehe. Er erwähne nur die Nervschädigung, lasse
aber alle anderen Weichteilschädigungen ausser Acht, einschliesslich der Frage eines
iatrogenen Schadens und der konsekutiven chronischen Schmerzstörung. Die
Leistungsfähigkeit in optimal behinderungsangepasster Tätigkeit könne bei maximal
50 % liegen, wenn häufige Positionswechsel möglich seien sowie Tätigkeiten mit
gebeugtem Oberkörper oder langem Stehen vermieden würden (act. G35.2).
3.1.2.
Dr. H._ führte demnach keine Therapien durch und verschrieb (abgesehen von
Dafalgan nach Bedarf) keine Medikation. Er objektivierte die Schmerzangaben, welche
die Beschwerdeführerin ihm gegenüber offenbar machte, nicht durch nachvollziehbare
klinische oder bildgebende Befunde. Die Diagnosen (Schmerzsyndrom/Bewegungsein
schränkung Hüfte) und seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
sind folglich nicht überzeugend begründet, sodass für das vorliegende Verfahren nicht
darauf abgestellt werden kann. Daran ändert nichts, dass bis zum Unfall vom
16. September 2014 bei der Beschwerdeführerin stets adäquate Krankheitsverläufe
3.1.3.
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auftraten. Daraus, dass die antidepressive und schmerzmodulierende Medikation
offenbar nicht die gewünschte Wirkung bei der Beschwerdeführerin erreichte, kann
entgegen der Ansicht von Dr. H._ nicht abgeleitet werden, die Schmerzen seien
somatischen Ursprungs, zumal Dr. H._ keine somatische Ursache für das von der
Beschwerdeführerin geltend gemachte Ausmass der Schmerzen darlegen konnte.
Soweit Dr. H._ in seinem Bericht vom 7. Juli 2020 kritisiert, Dr. B._ habe fast
ausschliesslich über Hüftgelenksverletzungen "schwadroniert", kann ihm nicht gefolgt
werden. Dr. B._ hat sich nämlich auch ausführlich zu den Bursitiden,
Narbenschmerzen, Nervenschmerzen und der schmerzhaften Hyperempfindlichkeit
und Hyperästhesie geäussert (vgl. insbesondere Suva-act. 310-5 f.). Somit sind die
Angaben des Hausarztes nicht geeignet, auch nur geringe Zweifel an der Einschätzung
des RAD zu wecken.
3.2.
Dem Arztbericht von Dr. C._ vom 6. Mai 2019 in Verbindung mit früheren
Einträgen in die Krankengeschichte, lässt sich entnehmen, dass bei der
Beschwerdeführerin im Bereich des Nervus cutaneus femoris lateralis links im
Nachgang zur Operation vom 22. August 2017 (Dekompression, Suva-act. 160-8)
Beschwerdefreiheit erzielt werden konnte, während durch die Operation vom
30. Januar 2018 (Neurolyse rechts, Suva-act. 177) die Beschwerden im Bereich des
Nervus cutaneus femoris lateralis rechts insofern verbessert werden konnten, als kein
Ruheschmerz mehr, sondern nur noch Restbeschwerden bei Druck bestanden. Die
Schmerzen in der Region der Trochanteren betreffend äusserte Dr. C._, deren
Ursachen seien ihm nicht klar. Er hatte die Beschwerdeführerin zu diesbezüglichen
Abklärungen an Dr. D._ verwiesen (vgl. IV-act. 35 i.V.m. IV-act. 8-12 f.).
3.2.1.
Dr. C._ stellte nach der kreisärztlichen Begutachtung keine neuen Diagnosen
und erhob auch keine neuen Befunde. Er hielt im Wesentlichen fest, die
Beschwerdeführerin habe einfach Schmerzen (vgl. hierzu insbesondere IV-act. 8-12),
ohne die Schmerzangaben der Beschwerdeführerin indes weitergehender als Dr. B._
zu objektivieren. Es ist deshalb mit dem RAD davon auszugehen, dass die Schmerzen
der Beschwerdeführerin im Bereich des Nervus cutaneus femoris lateralis bds.
jedenfalls seit November 2018 (kreisärztliche Untersuchung) keine Arbeitsunfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit zur Folge hatten.
3.2.2.
Am 11. Juni 2019 führte Dr. C._ eine erneute Neurolyse des Nervus cutaneus
femoris lateralis rechts durch (IV-act. 40-4). Mit Arztbericht vom 25. September 2019
stellte er fest, bezüglich Kompressionsneuropathien im Bereich beider Cutanei femoris
3.2.3.
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habe die Beschwerdeführerin bei ihm in der Behandlung gestanden. Die Neurolysen
hätten gewirkt (IV-act. 47). Demnach hatte Dr. C._ die Behandlung der
Beschwerdeführerin zu jenem Zeitpunkt abgeschlossen. Nachdem somit im September
2019 im Bereich beider Leistennerven Beschwerdefreiheit hatte erzielt werden können,
kann daraus spätestens ab jenem Zeitpunkt ohnehin keine Arbeitsunfähigkeit mehr
abgeleitet werden.
Zwischen der Neurolyse vom 11. Juni 2019 und dem Bericht Dr. C._s vom
25. September 2019, aus welchem der Abschluss der Behandlung hervorgeht, sind
knapp dreieinhalb Monate vergangen, sodass die Operation überwiegend
wahrscheinlich keine über mindestens drei Monate andauernde stabile vollständige
Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatte. Die Einschätzung des RAD, wonach bei
unkompliziertem postoperativen Verlauf durch die erneute Operation des Leistennervs
lediglich vorübergehend eine Arbeitsunfähigkeit eintrete (IV-act. 37-3), war folglich
korrekt. Demnach konnten diese Behandlung unabhängig davon, ob die übrigen
Voraussetzungen erfüllt waren oder nicht, keinen Anspruch auf eine befristete Rente
auslösen (vgl. hierzu Art. 88a Abs. 2 IVV). Die von Dr. C._ behandelten Beschwerden
im Bereich beider Nervi cutanei femoris lateralis hatten somit keine rentenrelevante
Arbeitsunfähigkeit zur Folge.
3.2.4.
3.3.
Betreffend Beschwerden im Bereich der Trochanteren überwies Dr. C._ die
Beschwerdeführerin an Dr. D._. Dieser stellte im Bericht vom 13. November 2018
fest, alle bisherigen Behandlungen durch Dr. C._ und ihn hätten die Beschwerden
der Beschwerdeführerin nicht wirklich wesentlich verbessert. Seines Erachtens mache
eine weitere Diagnostik oder Therapie im Augenblick keinen Sinn. Man scheine einen
Endzustand erreicht zu haben.
3.3.1.
Dr. D._ stellte keine eigenen Diagnosen, sondern wies lediglich auf einen
Status nach Neurolyse Nervus cutaneus femoris lateralis rechts vom 30. Januar 2018
mit Rezidiv hin (vgl. IV-act. 50-2). Erfreulicherweise konnte Dr. C._ danach, wie
voranstehend dargelegt, betreffend Leistennerven noch eine Besserung bei der
Beschwerdeführerin erzielen. Betreffend Schmerzen im Bereich der Trochanteren ist
jedoch festzuhalten, dass Dr. D._ hierfür keine Ursache fand und die Behandlung
abschloss. Er stellte mithin insbesondere gerade keine orthopädischen Diagnosen,
welche eine Bewegungseinschränkung oder ein Schmerzgeschehen erklären würden.
Somit sind seine Ausführungen nicht geeignet, auch nur geringe Zweifel an der
Einschätzung des RAD zu wecken.
3.3.2.
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4.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, bei der Einschätzung der Arbeits
fähigkeit sei zu Unrecht nicht berücksichtigt worden, dass sie am 27. Juni 2019 eine
metatarsale V-Fraktur am Fuss rechts erlitten habe (vgl. act. G21), kann ihr nicht gefolgt
werden. Denn bereits einen Monat nach diesem Unfall zeigte sich bei nur
angedeutetem Hämatom im Bereich des Rückfusses ein sehr erfreulicher Verlauf mit
praktisch beschwerdefreier Beschwerdeführerin (vgl. act. G21.3). Schon Anfang
September 2019 war die Beschwerdeführerin im Alltagsschuh wieder schmerzfrei
unterwegs (vgl. IV-act. 56). Dr. E._ hielt auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin im
Oktober 2019 fest, die Fraktur sei geheilt und Einschränkungen durch sie nicht zu
erwarten (IV-act. 54-3; vgl. auch IV-act. 58, Bericht vom 5. November 2019, mit
welchem Dr. E._ noch einmal bestätigte, dass keine Einschränkungen für die Zukunft
zu erwarten seien). Auch wenn, wie die Beschwerdeführerin gestützt auf die
Untersuchung Dr. I._s geltend macht, eine diskrete Schwellung am Fussrücken
verblieben ist (vgl. act. G21), wirkt sich diese als solche nicht auf die Arbeitsfähigkeit
aus.
3.4.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, wie schon das KSSG gehe auch Dr. F._ von
einer psychiatrischen Begleiterkrankung aus (act. G8).
4.1.
Soweit aus den Akten ersichtlich, besuchte die Beschwerdeführerin nur einmal am
21. Dezember 2016 die ambulante Sprechstunde der Klinik für Psychosomatik des
KSSG. Anlässlich dieser Sprechstunde gab sie an, sie sei nie psychisch krank gewesen
und habe noch nie einen Psychiater oder Psychologen konsultiert. Sie sehe ihre
Erkrankung auch nicht als psychisch (vgl. Suva-act. 319-12). Zwar wurde seitens des
KSSG eine Behandlung mit Cymbalta empfohlen (vgl. Suva-act. 319-13). In den Akten
findet sich indes kein Hinweis darauf, dass diese Behandlung durchgeführt oder die
Beschwerdeführerin erneut in der ambulanten Sprechstunde der Klinik für
Psychosomatik vorstellig geworden wäre.
4.2.
Unklar ist, in welchem Umfang der Ärzteschaft der Klinik für Psychosomatik die
medizinischen Vorakten bekannt waren und ob die Diagnose dementsprechend unter
Berücksichtigung der Gesamtsituation erging. Auch wenn die anlässlich der
erstmaligen Sprechstunde gestellte Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit
körperlichen und psychischen Faktoren in der Folge teilweise auch von anderen
Behandlern aufgeführt wurde, blieb die Beschwerdeführerin, soweit aus den Akten
ersichtlich, ohne entsprechende Behandlung und es wurden keine vertieften
Abklärungen in diesem Bereich vorgenommen. Namentlich äusserten weder Dr. C._
4.3.
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noch Dr. D._, dass eine psychiatrische Erkrankung berücksichtigt werden müsste.
Die Diagnose scheint demnach für die weitere Behandlung zumindest von den
Fachärzten verworfen worden zu sein. Dr. H._ macht mit dem erst am Ende des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens eingereichten Bericht vom 7. Juli 2020
(act. G35.2) geltend, er habe die Beschwerdeführerin zur schmerzmodulierenden
Behandlung an die Klinik G._ überwiesen. Dies geschah mithin erst rund fünfeinhalb
Jahre nach dem Unfallereignis (16. September 2014) und die Therapie dort wurde vor
Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 26. Juni 2020 noch nicht
aufgenommen (vgl. dazu E. 4.5 nachstehend).
Auffallend ist zudem, dass die Schmerzstörung Ende 2016 zu einer Zeit
diagnostiziert wurde, in welcher die Beschwerdeführerin für eine längere Periode keine
Taggelder der Suva bezog (vgl. hierzu Suva-act. 244). Selbst wenn sich die Diagnose
durch weitere medizinische Akten bestätigen liesse, würde sie also offenbar die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, die nach eigenen Angaben im Jahr 2016 zu
60 % arbeitete und parallel den Haushalt für eine fünfköpfige Familie führte (vgl. hierzu
Suva-act. 319-12), nicht beeinträchtigen.
4.4.
Die Diagnose des KSSG wurde denn auch nicht von Dr. F._, Klinik G._,
übernommen. Dieser stellte in seinem Bericht vom 28. August 2020 (mithin nach Erlass
der Verfügung vom 26. Juni 2020, IV-act. 79) im Sinne einer vorläufigen Beurteilung
vielmehr die Diagnose einer stressbedingten/reaktiven (schmerzbedingten)
generalisierten Angststörung (IV-act. 80-3). Wiederum erfolgte diese Beurteilung bereits
nach einem einzigen Gespräch mit der Beschwerdeführerin zwei Tage vor der
Berichterstattung. Dr. F._ hielt denn auch transparent fest, dass es sich lediglich um
eine vorläufige Beurteilung handle. Zudem ist unklar, inwiefern Dr. F._ mit der
Krankengeschichte der Beschwerdeführerin zu jenem Zeitpunkt bereits vertraut war.
Zwar empfahl er die Einleitung einer Gesprächstherapie und die Aufnahme einer
Medikation mit Zoldorm und Solian (IV-act. 80-3). Angesichts dessen, dass die
Beschwerdeführerin mit der Replik vom 3. Dezember 2020 (act. G8) lediglich den
Bericht Dr. F._s vom 28. August 2020 einreichte, jedoch weder zu diesem noch zu
einem späteren Zeitpunkt weitere Unterlagen über eine allfällige psychiatrische
Erkrankung, ist anzunehmen, dass die von Dr. F._ vorgeschlagene Behandlung in der
Folge nicht aufgenommen wurde. Dementsprechend finden sich denn auch in den
Dr. I._ zur Verfügung gestellten Akten keine neueren psychiatrischen Akten (vgl.
act. G14.1, S. 8) und kein Hinweis auf eine psychiatrische Medikation (lediglich
Dafalgan ein bis zweimal pro Tag bei Bedarf, vgl. act. G14.1, S. 11). Daran vermag die
Aussage Dr. H._s anlässlich seines Berichts vom 7. Juli 2020, wonach die
4.5.
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5.
Behandlung in der Klinik G._ pandemiebedingt erst verzögert habe aufgenommen
werden können, nichts zu ändern. Denn zwischen der Überweisung Dr. H._s vom
April 2020 und dem Abschluss des Schriftenwechsels im vorliegenden Verfahren sind
rund zwei Jahre vergangen, sodass auch mit Blick auf die Covid-19-Epidemie nicht von
einer blossen Verzögerung der Aufnahme der Therapie ausgegangen werden kann,
zumal die Beschwerdeführerin noch bis Februar 2022 laufend Arztberichte eingereicht
hat.
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdeführerin lediglich im Dezember 2016 und
im August 2020 je eine Sprechstunde bei der Klinik für Psychosomatik am KSSG bzw.
bei Dr. F._ besucht, sich jedoch nie einer psychiatrischen Behandlung unterzogen.
Eine rentenrelevante psychiatrische Begleiterkrankung erscheint daher nicht
überwiegend wahrscheinlich, sodass die Berichte der Klinik für Psychosomatik am
KSSG und von Dr. F._ keine auch nur geringen Zweifel an der
Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD zu wecken vermögen.
4.6.
Die Beschwerdeführerin liess ein orthopädisches Parteigutachten durch Dr. I._
erstellen, welches vom 6. Juli 2021 datiert (act. G14.1). Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung geniesst ein Privatgutachten als Parteigutachten
nicht den gleichen Rang wie ein vom Gericht oder Sozialversicherungsträger nach dem
vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten. Es gibt auch keinen Anspruch
der versicherten Person, abschliessend nach einem Parteigutachten beurteilt zu
werden, genauso wenig wie die rechtsanwendenden Behörden ein solches allein mit
Blick auf diese Eigenschaft unbeachtet lassen dürfen (Urteil des Bundesgerichts vom
7. August 2018, 8C_200/2018, E. 6.2 mit Hinweisen).
5.1.
Das orthopädische Parteigutachten wurde vorliegend nicht in Kenntnis der
vollständigen medizinischen Vorakten erstellt. Auch wenn Dr. I._ diesbezüglich später
ausführte, die Bereitstellung weiterer Aktenunterlagen ergebe keine Änderung seiner
Beurteilung, wirkt sich die Unvollständigkeit der zur Verfügung gestellten Vorgeschichte
negativ auf den Beweiswert des Gutachtens aus, zumal Dr. I._ sich als Folge davon
nicht fachlich vertieft mit der divergierenden Meinung des Kreisarztes und des RAD
auseinandersetzte. Hinzu tritt, dass der Privatgutachter die Schmerzen der
Beschwerdeführerin nicht mittels Bildgebung objektivieren, mithin keine somatische
Ursache dafür aufzeigen konnte. Wenngleich er sich auf seinen klinischen
Untersuchungsbefund beruft, stützte er sich im Endeffekt doch lediglich auf die
subjektiven Schmerzangaben der Beschwerdeführerin, die ihm glaubhaft erschienen
5.2.
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(vgl. act. G14.1). Indem Dr. I._ eine Veränderung der Schmerzsymptomatik beschrieb
(ohne jedoch medizinische Ursachen hierfür aufzeigen zu können), ist zudem fraglich,
ob überhaupt noch der gleiche Gesundheitszustand vorlag wie zum Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung. Eine allfällige Veränderung des Gesundheitszustands seit
Verfügungserlass dürfte für das vorliegende Verfahren nicht berücksichtigt werden.
Vielmehr wäre eine Verschlechterung des Gesundheitszustands nach Erlass der
angefochtenen Verfügung im Rahmen einer Neuanmeldung geltend zu machen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 14. November 2018, 8C_562/2018, E. 3.2).
Bei den von Dr. I._ gestellten Diagnosen fällt sodann auf, dass weitgehend der
Zustand nach Behandlungen aufgeführt (Z.n. Bursektomie, Nervendekompression,
Neurolyse) und eine Verdachtsdiagnose (V.a. Rezidiv-Kompressionsneuropathie)
genannt wird. Als einzige aktuelle Hauptdiagnose wird ein Schmerzsyndrom genannt,
ohne dass jedoch die Ursachen der Schmerzen nachvollziehbar dargelegt werden.
Namentlich hat der orthopädische Privatgutachter kein organisch-orthopädisches
Korrelat hierfür beschrieben (vgl. act. G14.1, S. 17 f. und S. 20 f.). Dr. I._ vertritt
sodann die Auffassung, dass die Einschränkung der Leistungsfähigkeit ausschliesslich
Folge des Unfalls vom 16. September 2014 ist (act. G14.1, S. 22). Wird dieser Ansicht
gefolgt, so verfängt das Argument der Beschwerdeführerin, bei der kreisärztlichen
Untersuchung seien nur die Unfallfolgen berücksichtigt worden, wohingegen im IV-
Verfahren weitere gesundheitliche Einschränkungen zu beachten seien (vgl. act. G8)
nicht. Die Unfallfolgen einschliesslich der von der Beschwerdeführerin geltend
gemachten Schmerzen wurden von Dr. B._ in der kreisärztlichen Beurteilung
ausführlich gewürdigt und einleuchtend beurteilt.
5.3.
Nicht nachvollziehbar ist sodann die Einschätzung Dr. I._s betreffend die
Leistungsfähigkeit von bloss 40 % im Aufgabenbereich Haushalt. Zwar listete er
verschiedene Tätigkeiten im Haushalt auf und hielt fest, ob die Beschwerdeführerin in
diesen Tätigkeiten leicht, mittel oder schwer eingeschränkt sei (vgl. act. G14.1, S. 23 f.).
Da die Beschwerdeführerin in der Zeiteinteilung und Organisation des Haushalts frei ist,
sind die weitgehenden Einschränkungen jedoch wenig einleuchtend, zumal Dr. I._
sämtliche gesundheitlichen Einschränkungen auf den Unfall aus dem Jahr 2014
zurückführte, die Beschwerdeführerin im Dezember 2016 noch angegeben hatte, den
Haushalt selbständig zu erledigen (vgl. Suva-act. 319-12) und sich die gesundheitliche
Problematik seither zwar etwas gewandelt hat, die Beschwerden aber nach wie vor die
gleichen Bereiche betrafen (Hüfte/Leistengegend).
5.4.
Zusammenfassend ergeben sich aus der Privatbegutachtung keine wesentlichen
neuen Erkenntnisse über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin vor bzw.
5.5.
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6.
bis zum Verfügungszeitpunkt, sodass auf die Einschätzung des RAD abgestellt werden
kann.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die von Dr. I._ vertretene
Arbeitsfähigkeitsschätzung von 70 % sei aufgrund ihres Alters und langen Abwesenheit
vom Arbeitsmarkt nicht verwertbar (vgl. act. G14) ist darauf hinzuweisen, dass für die
Verwertung der (Rest-)Arbeitsfähigkeit der hypothetisch ausgeglichene Arbeitsmarkt
massgebend ist (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach der Rechtsprechung handelt es sich dabei
um einen theoretischen und abstrakten Begriff, der dazu dient, den Leistungsbereich
der Invalidenversicherung von demjenigen der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen.
Der Begriff umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem
Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen
Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen
offenhält und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und
intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (Urteil
des Bundesgerichts vom 2. Dezember 2020, 8C_416/2020, E. 4; BGE 110 V 273 E. 4b;
ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b). Mit Blick auf die Massgeblichkeit des theoretisch
ausgeglichenen Arbeitsmarktes ist eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht
leichthin anzunehmen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. November 2014,
9C_485/2014, E. 3.3.1). Hilfsarbeiten werden auf dem hypothetisch ausgeglichenen
Arbeitsmarkt grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt (Urteil des Bundesgerichts
vom 29. Juni 2018, 9C_862/2017, E. 3.3.3 mit Hinweis). Angesichts der strengen
Bundesgerichtspraxis sind die Hürden für die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
auch bei älteren Arbeitnehmenden hoch (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
30. Dezember 2015, 9C_847/2015, E. 4; zur Rechtsprechung des Bundesgerichtes vgl.
auch Entscheid des Versicherungsgerichts vom 7. Dezember 2017, IV 2015/384,
E. 3.3.2). Das Alter der Beschwerdeführerin führt deshalb vorliegend ebenso wenig zu
einer Unverwertbarkeit ihrer Arbeitsfähigkeit wie ihre jahrelange Abwesenheit vom
Arbeitsmarkt.
5.6.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, aus den Z._-Berichten vom
29. November 2019 und 14. Februar 2020 gehe hervor, dass sie trotz hoher Motivation
ihre Arbeitsfähigkeit nicht über 50 % habe steigern können. Dem kann nicht gefolgt
werden. Die Beschwerdeführerin wurde nicht von der Beschwerdegegnerin, sondern
vom RAV dem Einsatzprogramm der Z._ zugewiesen. Ziel dieses Einsatzes war nicht
die Abklärung des Gesundheitszustands oder die Steigerung der Leistungsfähigkeit. Es
erfolgte denn auch keine medizinische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Seitens der
6.1.
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7.
Programmleitung wurde lediglich vermerkt, die Beschwerdeführerin jammere nie,
äussere aber, permanent unter Schmerzen zu leiden. Die Beschwerdeführerin fehlte nie
("keine einzige Absenz") und konnte nebst dem Einsatzprogramm bei der Z._ auch
noch die Sprachschule J._ zweimal wöchentlich besuchen (vgl. zum Ganzen Suva-
act. 321 f.). Insgesamt lässt sich aus den Beurteilungsbögen der Z._ (Suva-act. 231
f.) somit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ableiten. Im Übrigen äusserte auch
Dr. I._, es sei aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar, dass eine Steigerung
des Arbeitspensums bei der Z._ nicht möglich gewesen sein solle, denn die
Beschwerdeführerin habe dort eine adaptierte Tätigkeit ausgeübt. Sie habe versichert,
dass sie die Arbeiten bei der Z._ uneingeschränkt habe verrichten können
(act. G14.1, S. 23).
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, auch der RAD habe eine
Arbeitsaufnahme im Umfang von 50 % empfohlen, sodass zumindest eine befristete
Rente zu sprechen sei (act. G8), ist ihr entgegenzuhalten, dass der RAD einen
schrittweisen beruflichen Einstieg nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern wegen
des IV-fremden Grunds der langen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt empfahl (vgl. IV-
act. 57). Daraus kann kein Anspruch auf befristete Rente abgeleitet werden.
6.2.
Wie sich aus den voranstehenden Ausführungen ergibt und wie auch die
Beschwerdegegnerin korrekt dargelegt hat (vgl. act. G33), wurde die Operation vom
11. Juni 2019 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin
durchaus berücksichtigt. Auf welchen Unfall der Beschwerdeführerin sie
zurückzuführen ist, ist für das invalidenversicherungsrechtliche Verfahren nicht weiter
von Belang.
6.3.
Die Beschwerdeführerin bringt immer wieder vor, sie leide unter Dauerschmerzen,
welche ihr eine Erwerbstätigkeit verunmöglichen würden. Gestützt auf die
voranstehenden Erwägungen ist an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich
festzuhalten, dass es sich bei den Schmerzangaben der Beschwerdeführerin um ihre
subjektive Schilderung handelt. Den geltend gemachten Schmerzen konnte weder ein
somatisches noch ein psychisches Korrelat gegenübergestellt werden und eine
therapeutische oder medikamentöse Behandlung findet nicht statt.
6.4.
Nach dem Gesagten vermögen die Berichte der behandelnden Arztpersonen und
das orthopädische Privatgutachten Dr. I._s keine auch nur geringen Zweifel an der
medizinischen Einschätzung des RAD zu wecken. Eine Veränderung des
Gesundheitszustands ist nicht ausgewiesen. Von neuerlichen medizinischen
7.1.
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