Decision ID: 002c08f8-2176-4377-8d4b-0af76adb5d57
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1963 und zuletzt tätig als Chauffeur bzw. in der Spedition (Fragebogen für Arbeitgebende vom 4. Januar 2018, Urk. 9/15), meldete sich am 12. Dezember 2017 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf eine mittelgradige depressive Episode, Adipositas und ein metabolisches Syn
drom bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
bezug an (Urk. 9/10). Die IV-Stelle holte den Bericht von Dr. med. Y._, Oberärztin am Sanatorium Z._, vom 8. Januar 2018 ein (Urk. 9/16) und tätigte erwerbliche Abklärungen. Mit Vorbescheid vom 12. März 2018 (Urk. 9/20) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aus
sicht, wogegen der Versicherte Einwand erhob (Einwand vom 13. April 2018, Urk. 9/26; ergänzende Einwandbegründung vom 23. April 2018, Urk. 9/29). In der Folge tätigte die IV
Stelle weitere Abklärungen und wies das Leistungs
be
gehren mit Verfügung vom 17. Juli 2018 ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 24. Juli 2018 Beschwerde und beantragte, es seien unverzüglich berufliche Massnahmen einzuleiten und durchzuführen und in medizinischer Hinsicht sei der Sachverhalt durch die Beschwerdegegnerin abzuklären. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Bestellung von Rechtsanwalt Thomas Laube als unentgeltlichen Rechtsvertreter (Urk. 1). Mit Beschwerde
ant
wort vom 6. September 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 9/1-43), was dem Beschwer
deführer am 10. September 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10). Am 18. September 2018 liess sich der Beschwerdeführer erneut vernehmen (Urk. 11), worüber die Beschwerdegegnerin in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
In der angefochtenen Verfügung hielt die Beschwerdegegnerin dafür, dass die gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers keine dauerhafte oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit begründen würden. Es bestehe gemäss fachärztlicher Beurteilung eine gute Prognose. Mit der Fortführung der richtigen Therapie und Hilfe durch eine Ernährungsberaterin bezüglich der empfohlenen Gewichtsreduktion sei er in seiner bisherigen Tätigkeit nicht einge
schränkt. Eine Invalidität im Sinne des Bundesgesetzes über die Invaliden
ver
si
che
rung (IVG) sei damit nicht ausgewiesen, womit kein Anspruch auf berufliche Massnahmen oder Rentenleistungen durch die Invalidenver
sicherung bestehe. Für die Aufnahme von beruflichen Massnahmen durch die IV-Ein
gliede
rungs
beratung seien nach Ablauf von sechs Monaten folgende Punkte zu erfüllen:
-
6 Monate Beschäftigungsprogramm im SNH, Horgen mit Pensums-Stei
gerung, um die Belastbarkeit zu testen und die Arbeitsfähigkeit zu stei
gern/stabilisieren
-
Ergotherapie (hinsichtlich Knie und Einsatzprogramm und zur Vorbe
rei
tung in den ersten Arbeitsmarkt)
-
Wahrnehmen einer Ernährungsberatung
-
Aufsuchen eines Spezialisten (Orthopäden) betreffend Knie, damit abge
klärt werden könne, ob eine Operation notwendig werde oder noch anstehe
Sofern der Beschwerdeführer dies erfülle, könne er sich nach Ablauf von sechs Monaten melden mit einem Zusatzgesuch zur Unterstützung in Form von Arbeits
vermittlung, welches dann neu geprüft werde.
1.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor (Urk. 1), dass er unter einer mittel
gradigen depressiven Episode, einer morbiden Adipositas und einer Meniskuslä
sion im Knie leide. In seiner angestammten Tätigkeit habe er aufgrund eines aus
gedehnten Risses im medialen Meniskus mit Arthrose belastungsab
hängige, starke Beschwerden und könne weder die Kupplung durchtreten noch Treppen steigen. Er sei des Weiteren über 55 Jahre alt, womit ihm eine Selbsteingliederung nicht mehr zumutbar sei, besonders nicht mit den bestehen
den Einschränkungen. Die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, den psychischen und physischen Gesundheitszustand hinreichend abzuklären, dabei bestehe eine krankheitswerte Adipositas verbunden mit einem Diabetes mellitus und arterieller Hypertonie sowie einer Hyperlipidanämie. Anlässlich der Besprechung mit der Eingliede
rungsberatung sei keine Rede von einem sechsmo
natigen Aufschub gewesen und es sei vereinbart worden, dass der Orthopäde ein genaues Belastungsprofil defi
niere. Zu einer Ergotherapie sei er bereit, was allerdings seinem Hausarzt folgend nicht sinnvoll sei. Eine Ernährungsberatung sei selbstverständlich, aber er sei als Sozialhilfeabhängiger darauf angewiesen, dass die Gemeinde diese finanziere. Es verstosse gegen Treu und Glauben, weitere und andere Bedingungen in die Ver
fügung zu packen, als man vorgängig besprochen habe.
1.3
Die Beschwerdegegnerin führte ergänzend aus (Urk. 8), dass es im Rahmen der Kündigung zu einer Depression und einer Gewichtszunahme von 40 kg gekom
men sei. Die Adipositas begründe keine Invalidität, da der Beschwerdeführer durch die Normalisierung seines Gewichtes in der Lage wäre, seine angestammte Tätigkeit wieder aufzunehmen. Die diagnostizierte mittelgradige depressive Epi
sode werde nicht adäquat und regelmässig bei einem Facharzt behandelt, so dass von einem geringen Leidensdruck und keiner invalidisierenden Erkrankung aus
zugehen sei.
1.4
Der Beschwerdeführer nahm erneut Stellung und konstatierte, dass gemäss Art. 8 IVG auch Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen bestehe, wenn lediglich eine Invalidität drohe (Urk. 11).
2.
2.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit (Abs. 1):
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2 lit. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (lit. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (lit. a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung
, Kapitalhilfe; lit. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (lit. d).
2.2
Drohende Invalidität liegt gemäss
Art.
1
novies
der Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung (
IVV
)
vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ist uner
heblich.
Erwerbsunfähigkeit
ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglich
kei
ten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich folgendermassen:
3.1
3.1.1
Dr. med. A._, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt in ihrem Bericht vom 28. September 2016 fest, dass ein Verdacht auf eine Meniskusläsion medial links vorliege. Der Beschwer
deführer habe die Arbeit am 23. September 2016 wieder aufgenommen, was sehr gut gegangen sei. Seit dem 26. September 2016 habe er wieder starke Beschwer
den. Er könne die Kupplung nicht durchtreten und auch keine Treppen steigen. Er sei vom 27. September bis zum 7. Oktober 2016 zu 50 % arbeitsunfähig (Urk. 9/34/1).
3.1.2
Nach Erstellung der MRT vom 3. Oktober 2016 führte Dr. A._ aus, dass zusammen mit Dr. med. B._, Facharzt
für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, besprochen worden sei, dass eine Umstellungs-Osteotomie den grössten Benefit bringe. Zusätzlich müsse eine Gewichtsreduktion erfolgen. Bei Bedarf könne mit Einlagen eine externe Umstellung erreicht werden. Eventuell erfolge eine Infiltration zur Schmerzlinde
rung, was eine Operation um ungefähr 3 Monate hinausschiebe. Der Beschwer
deführer erhalte eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bis auf weiteres, da Dr. B._ erst am 17. Oktober 2016 wieder aus den Ferien zurück sei. Sie habe eine Packung Vimovo und eine Verordnung für Physiotherapie abgegeben (Urk. 9/34/2).
3.1.3
Am 27. Oktober 2016 notierte Dr. A._, dass es zu keiner wesentlichen Besserung gekommen sei. Heute seien erneut die konservativen Massnahmen besprochen worden. Eine Kortison-Infiltration lehne der Beschwerdeführer auf
grund der Nebenwirkungen ab. Somit werde für den 4. November 2016 ein Paralleltermin mit Dr. B._ vereinbart. Bis dahin werde sich der Beschwer
deführer ein konservatives versus operatives Vorgehen überlegen. Leider sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in seinem Betrieb nicht möglich, so dass er bis zum 4. November 2016 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben werde (Urk. 9/34/3).
3.1.4
Dr. A._ notierte in ihrem Bericht vom 4. November 2016, dass sie dem Beschwerdeführer eine Teilprothese medial empfählen. Der Operationstermin werde auf den 29. November 2016 festgelegt. Bis dahin werde er zu 100 % arbeitsunfähig sein. Danach sei mit einem Arbeitsausfall zu 100 % zu rechnen für drei Monate (Urk. 9/36/4).
3.2
Dr. Y._ notierte in ihrem Bericht vom 8. Januar 2018 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/16):
-
Mittelgradige depressive Episode bestehend seit Sommer 2016 (ICD-10 F32.1)
-
Morbide Adipositas (BMI 44.6 kg/m
2
; ICD-10 E66.02)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielt sie folgende Diagnosen fest:
-
Metabolisches Syndrom mit/bei
-
Diabetes mellitus
-
arterielle Hyptertonie
-
Hyperlipidanämie
-
Meniskusläsion Knie
Der Beschwerdeführer sei durch den Hausarzt zur psychiatrischen Beurteilung und
Behandlung zugewiesen
worden
. Der
Beschwerdeführer berichte
, dass er wegen einem Knieproblem vor einem Jahr bei der Arbeit ausgefallen sei. Wegen der langen Fehlzeit sei ihm schlussendlich dieser Arbeitsplatz nach 13 Jahren gekündigt worden. Aus diesem Grund habe er sich im Verlauf des letzten Jahres immer mehr zuhause zurückgezogen, er sei immer depressiver geworden, habe schwere Schlafstörungen entwickelt und habe so innerhalb eines Jahres über 40
kg an Gewicht zugenommen.
Aufgrund des massiven Gewichtsz
uwachses habe er auch zunehmend somatische Beschwerden entwickelt. Er habe nun erkannt, dass dieses Frustessen kein Weg sei und möchte unbedingt wieder an Gewicht abnehmen um fitter zu werden und sich in der Lage zu finden, eine Arbeitsstelle in Angriff zu nehmen.
Psychisch sei
er
insbesondere durch die depressive Symptomatik eingeschränkt. Dies
bedinge
eine eingeschränkte Konzentration, massive Antriebsminderung und eine Tendenz zum sozi
alen Rückzug. Zusätzlich bestehe
durch das massive Übergewicht eine grosse Einschränkung der Beweglichkeit und körperlichen Belastbarkeit. Teilweise
sei er
auch durch die Beschwerden des Knies einge
schränkt.
Bezüglich der
depressiven Symptomatik bestehe
grundsätzlich eine
gute Prog
nose. Erschwerend komme
hinzu, dass
er
depressiv bedingt in kurzer Zeit en
orm viel an Gewicht zugelegt habe
. Durch die nun b
estehende morbide Adipositas sei
er enorm in seinem Aktionsradius eingeschränkt und ebenfalls in der Stellensu
che. Sollte sich an dieser Situation nicht schnell etwas ändern, könnte sich auch die depressive Symptomatik chronifizieren.
Der Beschwerdeführer habe
theoretisch regelmässige Therapiegespräche alle ein bis zwei Wochen. Durch die deutliche Einschränkung in der Fähigkeit zur Pla
nung und Strukturierung sowie i
n der Durchhaltefähigkeit, komme
es jedoch immer wieder zu Fehlzeiten, da
er
keinen Überblick habe
über seine Term
ine, respektive es nicht schaffe
diese wahrzunehmen.
Der Beschwerdeführer sei als Chauffeur seit Beginn der ambulanten Behandlung am 1
1.
Oktober 2017 vollumfänglich und bis auf weiteres arbeitsunfähig.
Aus psychiatrischer Sicht könnte der Beschwerdeführer im Verlauf die Arbeit als Chauffeur wiederaufnehmen. Aufgrund der körperlichen Verfassung sei im aktu
ellen Zustand eine Arbeit als Chauffeur im Speditionsbereich mit ständigem Ein- und Ausladen eines Autos nicht vorstellbar.
Es bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit von ca. 40 %. Der Beschwerde
führer könnte allenfalls als Chauffeur stundenweise arbeiten. Er wäre allenfalls zwei Stunden pro Tag an fünf Tagen pro Woche belastbar.
Es könnte versucht werden, durch ein intensives Rehabilitationsprogramm zur Gewichtsreduktion die Einschränkungen zu vermindern. Durch die Normali
sierung des Gewichtes wäre er in der Lage, seine angestammte Tätigkeit wieder
aufzunehmen.
3.3
Dr. B._ hielt in seinem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht vom 25. Juni 2018 fest (Urk. 9/36/3), dass sie auf den 15. Dezember 2016 vorge
habt hätten, das zur Diskussion stehende linke Knie zu operieren. Der Beschwer
deführer sei aber nicht zur Operation erschienen.
Nachdem der Beschwerdeführer sich nicht mehr gemeldet und auf Anfrage auch nicht mehr geantwortet habe, hätten sie die Behandlung abgeschlossen.
4.
4.1
Dr. Y._ diagnostizierte eine m
ittelgradige depressive Episode
mit Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit.
4.1.1
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E.
7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundes
gericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest
stellun
gen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeits
unfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funktioneller Schweregrad
»
(E. 4.3)
-
Komplex «
Gesundheitsschädigung
»
(E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «
Persönlichkeit
»
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «
Sozialer Kontext
»
(E. 4.3.3)
-
Kategorie «
Konsistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
4.1.2
Bezüglich der mittelgradigen depressiven Episode hielt Dr. Y._ fest, dass mit dem Beschwerdeführer ein intensives Rehabilitationsprogramm zur Gewichts
re
duktion versucht werden könnte. Durch Normalisierung des Gewichtes wäre er in der Lage, seine angestammte Tätigkeit wieder aufzunehmen (Urk. 7/16/4). Ob die mittelgradige depressive Episode damit überhaupt Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit zeitigt, ist zumindest fraglich.
4.1.3
Auch unter Berücksichtigung des beweisrechtlich entscheidenden Aspektes der Konsistenz ist festzuhalten, dass funktionelle Auswirkungen der mittelgradigen depressiven Episode auf die Arbeitsfähigkeit nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt sind:
Dr. Y._ behandelte den Beschwerdeführer gemäss Arztbericht vom 8. Januar 2018 seit dem 11. Oktober 2017 andauernd ambulant. Die letzte Kontrolle fand am 20. November 2017 statt – mithin mehr als einen Monat vor dem Verfassen des Berichtes. Dr. Y._ hielt diesbezüglich fest, dass der Beschwerdeführer theoretisch regelmässige Therapiegespräche alle ein bis zwei Wochen habe. Durch die deutliche Einschränkung in der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung sowie in der Durchhaltefähigkeit, komme es jedoch immer wieder zu Fehlzeiten, da er keinen Überblick über seine Termine habe, respektive es nicht schaffe, diese wahrzunehmen (Urk. 9/16/2 f.). Anlässlich des Beratungsgesprächs vom 5. Juli 2018 gab der Beschwerdeführer an, dass er einzig bei seinem Hausarzt in Behandlung sei (Urk. 9/37).
Soweit aus den Akten ersichtlich, hat damit keine längerfristige adäquate psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung stattgefunden, so dass behand
lungs
anamnestisch kein Leidensdruck ausgewiesen ist. Der beweis
rechtlich ent
scheidende Aspekt der Konsistenz ist damit zu verneinen und die mittelgradige depressive Episode führt nicht überwiegend wahrscheinlich zu einer invaliden
versicherungsrechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit.
4.2
Fettleibigkeit begründet grundsätzlich keine leistungsbegründende Invalidität, wenn sie keine körperlichen, geistigen oder psychischen Schäden bewirkt und nicht die Auswirkung von solchen Schäden ist. Hingegen muss sie unter Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten des Einzelfalles als invalidi
sierend betrachtet werden, wenn sie weder durch geeignete Behandlung noch durch zumutbare Gewichtsabnahme auf ein Mass reduziert werden kann, bei wel
chem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folgeschäden keine voraus
sichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der Erwerbsfä
higkeit beziehungsweise der Betätigung im bisherigen Aufgabenbereich zur Folge hat (ZAK 1984 S. 345 f. E. 3; Urteile des Bundesgerichts I 839/06 vom 17. August 2007 E. 4.2.3 und I 745/06 vom 21. März 2007 E. 3).
In casu ist es dem Beschwerdeführer durch geeignete Massnahmen und insbeson
dere eine zumutbare Gewichtsabnahme möglich, seine Arbeitsfähigkeit wieder zu verbessern bzw. herzustellen. Die diagnostizierte Adipositas vermag entsprechend keine Invalidität zu begründen und bedroht den Beschwerdeführer auch nicht überwiegend wahrscheinlich mit Invalidität, da nach zumutbarer Behandlung nicht mehr mit einem Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu rechnen ist (vgl. E. 2.1).
4.3
Der Beschwerdeführer brachte des Weiteren vor, dass er i
n seiner angestammten Tätigkeit aufgrund eines ausgedehnten Risses im medialen Meniskus mit Arthrose belastungsabhängige, starke Beschwerden habe und weder die Kupplung durch
treten noch Treppen steigen könne.
Eine Operation sei nicht mehr notwendig, da er, wenn das Knie nicht besonders belastet werde, schmerzfrei sei (Urk. 1).
Eine fachärztliche Behandlung des Knies findet - soweit aus den Akten ersicht
lich
seit dem Jahr 2016 nicht mehr statt (vgl. E. 3.3). Sollte er durch das geltend gemachte Knieleiden allerdings immer noch eingeschränkt sein, so wäre vorab eine medizinische Behandlung durchzuführen und danach allenfalls ein Belastungs
profil zu definieren. Entsprechend wären Eingliederungsmassnahmen noch nicht geeignet, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufga
benbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern, da vorab die medizinische Behandlung durchzuführen wäre (vgl. E. 2.1).
Sollte er durch die Meniskusläsion nicht mehr eingeschränkt sein, so hat er keine Beeinträchtigung der körperlichen Gesundheit, womit keine Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 7 Abs. 1 ATSG vorliegt und er entsprechend nicht von Invali
dität bedroht ist (vgl. E. 2.2).
4.4
Zusammenfassend ist der Beschwerdeführer weder invalid noch besteht über
wiegend wahrscheinlich eine drohende Invalidität im Sinne des Gesetzes, womit kein Anspruch auf Leistungen der Beschwerdegegnerin besteht.
Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtens und die Beschwerde ist abzuweisen.
5.
5
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzuset
zen. Ausgangsgemäss sind sie dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.
5
.2
Der vorliegende Prozess kann nicht als von vornherein aussichtslos bezeich
net werden. Des Weiteren ist der
Beschwer
deführer
bedürftig (Urk.
3/5
). Antragsge
mäss (Urk.
1) ist ihm
deshalb die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Die de
m Beschwerdeführer
auferlegten Gerichtskosten sind demnach einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Da zude
m die anwaltliche Vertretung des Beschwerdeführers geboten war, ist ihm Rechtsanwalt Thomas Laube, Zürich,
als unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen. Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht, womit - wie mit Verfügung
10. September 2018
(Urk.
10
) mitgeteilt - die Entschädigung nach Ermessen fest
zusetzen ist. Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses ist eine Entschädigung in Höhe von Fr
. 1‘1
00.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) angemessen.
Der Beschwerdeführer ist
zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichte
t sobald er dazu in der Lage ist
(§ 16 Abs. 4 des Gesetzes über d
as Sozialversiche
rungsgericht, GSVGer).
Das Gericht beschliesst,
In Bewilligung des Gesuchs vom
24. Juli 2018 wird dem
Beschwerdeführer die unent
geltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt
Thomas Laube
, Zürich, als unent
geltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt,
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Thomas Laube, Zürich,
wird mit
Fr. 1’100
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Thomas Laube
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.