Decision ID: 80ac57ae-49c4-57d0-915e-ad82811a6c65
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juli 2010 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe eine Berufslehre zum Bau-
Schreiner absolviert und arbeite aktuell als Monteur. Die Arbeitgeberin berichtete (IV-
act. 11), sie beschäftige den Versicherten seit dem November 2008 als Monteur und als
Allrounder. Sie wisse nichts von einer Gesundheitsbeeinträchtigung. Der Lohn betrage
seit dem Januar 2009 71’500 Franken. Gemäss einem Auszug aus dem individuellen
AHV-Beitragskonto waren für das Jahr 2009 Beiträge auf einem Einkommen von
79’061 Franken bezahlt worden (IV-act. 7). Am 9. August 2010 teilte Dr. med. B._ Dr.
med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) telefonisch mit (IV-act.
18), der Versicherte leide an einer Discushernie L4/5, an einer Discushernie L3/4 sowie
an Discushernien C4–7. Zudem lägen Hinweise für ein radiculäres lumbales
Reizsyndrom vor. Bislang habe keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit attestiert werden
müssen. Längerfristig werde die aktuelle körperlich schwere Tätigkeit dem Versicherten
nicht mehr zumutbar sein. Der Versicherte könne aber körperlich leichte,
rückenadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt ausführen. Der Neurochirurg Dr. med.
D._ berichtete am 8. November 2010 (IV-act. 21), der Versicherte leide an einem
chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndrom bei einer kleinen medianen
Discushernie L4/5, an einem chronischen cervicospondylogenen Schmerzsyndrom bei
einer leichten Discopathie C5/6 und C6/7 sowie an einer wahrscheinlich äthylisch
bedingten sensiblen Polyneuropathie. Es liege keine medizinisch begründete
Arbeitsunfähigkeit vor. Im April 2011 erfuhr die IV-Stelle, dass der Versicherte seinen
letzten Arbeitsplatz verloren hatte (IV-act. 22). Der Rheumatologe Dr. med. E._ hielt
am 14. April 2011 fest (IV-act. 32–11 ff.), die zuletzt ausgeübte Tätigkeit könne dem
Versicherten nur schon aufgrund der mittlerweile nachgewiesenen Osteoporose nicht
mehr zugemutet werden. Körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere,
wechselbelastende Tätigkeiten seien dagegen uneingeschränkt zumutbar. Die Klinik für
Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen hatte in einer Untersuchung vom 28.
Dezember 2010 keine Polyneuropathie nachweisen können (IV-act. 32–7 ff.). Am 24.
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Oktober 2011 konnte der Versicherte eine Arbeitsstelle in einem Pensum von 25
Prozent antreten (IV-act. 40). Er gab der Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle
an, er führe leichte Tätigkeiten wie das Fahren von Rasenmäher und
Schneeräumungsfahrzeugen sowie leichte Reinigungsarbeiten aus (IV-act. 41). Mit
einer Verfügung vom 13. Februar 2012 schloss die IV-Stelle die beruflichen
Massnahmen ab (IV-act. 47). Mit einer weiteren Verfügung vom 13. Juni 2012 wies die
IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades ab (IV-act. 60). Nachdem der Versicherte gegen diese Verfügung eine
Beschwerde erhoben und im Beschwerdeverfahren diverse medizinische Berichte als
Beweismittel eingereicht hatte (IV-act. 63 ff.), empfahl die RAD-Ärztin Dr. C._ die
Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen, insbesondere die Einholung eines
polydisziplinären Gutachtens (IV-act. 87), weshalb die IV-Stelle mit einer Verfügung
vom 14. November 2012 ihre Verfügung vom 13. Juni 2012 widerrief (IV-act. 91).
A.b Am 27. November 2012 berichtete Dr. med. F._ über einen Status nach einem
subacromialen Impingement-Syndrom bei einer beidseitigen Bursitis subacromialis (IV-
act. 96–3 f.). Bereits am 14. September 2012 hatte Dr. med. G._ berichtet (IV-act. 97–
4 ff.), der Versicherte leide an einem chronischen lumbalbetonten
Panvertebralsyndrom, an einer Periarthritis humero-scapularis beidseits, an
beidseitigen chronischen Knieschmerzen, an einem Glaukom rechts bei einer
anamnestischen Blindheit links sowie an einer Osteoporose. Angesichts der
Dekonditionierung und der multiplen Beschwerden des Bewegungsapparates seien
dem Versicherten schwere und mittelschwere Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Eine
leichte, adaptierte Tätigkeit sei zu etwa 50–60 Prozent zumutbar. Im Auftrag der IV-
Stelle erstattete die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Interlaken Unterseen
GmbH am 20. August 2013 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 115). Die
Sachverständigen führten aus, der Versicherte leide an einem als chronisch
therapieresistent erlebten Lumbovertebralsyndrom, an funktionalen Restbeschwerden
rund sieben Monate nach einer arthroskopischen subacromialen Bursektomie und
Acromioplastik rechts, an einer dokumentierten Osteoporose sowie – ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit – an einer Alkoholabhängigkeit, an einem Vitamin B12- und
Vitamin D-Mangel, an einer Amblyopie links, an einem Glaukom rechts und an einer
milden Hypolaktasie. Körperlich schwere und körperlich mittelschwere bis schwere
Tätigkeiten seien dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Die aktuell ausgeübte
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Tätigkeit als Mitarbeiter im Bereich Unterhalt sei ihm nur noch im Umfang von etwa 50
Prozent zumutbar. Für körperlich leichte Tätigkeiten bestehe dagegen eine
Leistungsfähigkeit von 80 Prozent; die Einschränkung resultiere aus einem vermehrten
Pausenbedarf. Diese Arbeitsfähigkeit bestehe seit dem April 2010. Im Zusammenhang
mit der Schulteroperation sei für die Dauer von maximal drei bis vier Monaten von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Die RAD-Ärztin Dr. C._ erachtete das
Gutachten als überzeugend (IV-act. 116).
A.c Mit einem Vorbescheid vom 20. September 2013 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit (IV-act. 119), dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens
vorsehe. Zur Begründung führte sie aus, dass er in der angestammten Tätigkeit ohne
eine Gesundheitsbeeinträchtigung unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
ein Erwerbseinkommen von 73’053 Franken erzielt hätte. Gemäss den Ergebnissen der
Lohnstrukturerhebung könne er unter Berücksichtigung der Leistungseinbusse von 20
Prozent ein Einkommen von 49’421 Franken erzielen. Aus dem Vergleich dieser beiden
Einkommen resultiere ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 32 Prozent.
Am 28. Oktober 2013 liess der Versicherte einwenden (IV-act. 122), aufgrund der
früheren medizinischen Berichte müsse von einer Arbeitsfähigkeit von lediglich noch
50–60 Prozent für leichte Tätigkeiten ausgegangen werden. Die Sachverständigen der
MEDAS Interlaken hätten sich mit den entsprechenden medizinischen Vorakten
ungenügend auseinandergesetzt. Bereits im Jahr 2009 habe der Versicherte einen
Jahreslohn von 79’061 Franken erhalten. Das Valideneinkommen sei folglich zu tief
angesetzt worden. Bei der Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens müsse ein Tabellenlohnabzug von mindestens zehn Prozent
gewährt werden. Weiter sei zu prüfen, ob dem Versicherten berufliche Massnahmen
gewährt werden könnten. Mit einer Verfügung vom 30. Oktober 2013 wies die IV-Stelle
das Rentenbegehren ab (IV-act. 123). Bezugnehmend auf die Eingabe des Versicherten
vom 28. Oktober 2013 führte sie aus, in medizinischer Hinsicht sei auf das Gutachten
der MEDAS Interlaken abzustellen. Ein Tabellenlohnabzug sei nicht angezeigt, da der
Versicherte seine Restarbeitsfähigkeit ganztags verwerten könne und nur zusätzliche
Pausen benötige. Die frühere Arbeitgeberin habe einen Jahreslohn von 71’500 Franken
angegeben. Darauf sei abzustellen.
B.
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B.a Am 2. Dezember 2013 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung
der Verfügung vom 30. Oktober 2013, die Zusprache einer halben Invalidenrente
spätestens ab dem 1. April 2011 und eventualiter die Rückweisung der Sache an die
IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur Durchführung weiterer
Abklärungen. Zur Begründung führte er aus, die aktuelle Tätigkeit als
Unterhaltsmitarbeiter sei eine leidensadaptierte Tätigkeit. Da sie dem
Beschwerdeführer gemäss dem Gutachten der MEDAS Interlaken zu 50 Prozent
zumutbar sei, müsse von einer Restarbeitsfähigkeit von 50 Prozent für
leidensadaptierte Tätigkeiten ausgegangen werden. Der Hausarzt habe in einem
Bericht vom 12. November 2013 ebenfalls eine maximale Arbeitsfähigkeit von 50
Prozent für leidensadaptierte Tätigkeiten angegeben (act. G 1.1.3). Folglich liege ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent vor, weshalb der Beschwerdeführer ab
dem 1. April 2011 einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente habe. Das
Valideneinkommen sei falsch bemessen worden, denn der Beschwerdeführer habe
bereits im Jahr 2009 einen Lohn von 79’061 Franken erhalten. Bei der Berechnung des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens sei ein Tabellenlohnabzug von
mindestens zehn Prozent zu berücksichtigen. Am 14. Januar 2014 liess der
Beschwerdeführer einen Bericht des Neurochirurgen Dr. D._ vom 3. Dezember 2013
nachreichen (act. G 4), in dem über eine deutliche Osteochondrose und über mittel- bis
höhergradige ossär und discogen bedingte foraminale Einengungen berichtet worden
war (act. G 4.1.1). Am 10. Februar 2014 liess er ein Schreiben der Kliniken Valens
nachreichen, laut dem für den 24. Februar 2014 eine ausführliche Untersuchung
geplant war (act. G 6).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. Februar 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung führte sie aus, es sei kein Grund ersichtlich,
weshalb nicht auf die Angabe der früheren Arbeitgeberin zur Lohnhöhe im Jahr 2009
hätte abgestellt werden sollen. Ein Abzug vom Tabellenlohn sei nicht gerechtfertigt. Der
Invaliditätsgrad sei korrekt berechnet worden.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 24. März 2014 an seinen Anträgen festhalten (act.
G 10). Er führte aus, auch die Kliniken Valens hätten in ihrem Bericht vom 28. Februar
2014 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert. Interdisziplinär sei ein
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vermehrter Pausenbedarf von bis zu zwei Stunden pro Tag als notwendig erachtet
worden, was einer Einschränkung von 25 Prozent entspreche. Die aktuell ausgeübte
Tätigkeit des Beschwerdeführers sei als gut angepasst bezeichnet worden. Dem
beigelegten Bericht der Kliniken Valens vom 28. Februar 2014 (act. G 10.1) liess sich
entnehmen, dass der Beschwerdeführer aktuell aus rein somatisch-rheumatologischer
Sicht für eine behinderungsadaptierte Tätigkeit als zu mindestens 50 Prozent
arbeitsfähig erachtet worden war. Die Ärzte hatten festgehalten, dass durch ein
gezieltes Aufbautraining und eine Verbesserung der muskulären Stabilisationsfähigkeit
eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit erzielt werden könne, sodass der
Beschwerdeführer dann in der Lage sein werde, eine leichte, wechselbelastende
Tätigkeit ganztags mit vermehrten Pausen auszuüben. Der zusätzliche Pausenbedarf
liege bei eineinhalb bis maximal zwei Stunden pro Tag.
B.d Die Beschwerdegegnerin wies am 25. April 2014 darauf hin (act. G 12), dass die
Beurteilung der Kliniken Valens mit jener der MEDAS Interlaken weitgehend
übereinstimme. Sie hielt an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest.
B.e Der Beschwerdeführer liess das Versicherungsgericht am 5. Januar 2015 auf eine
Erhöhung seines Arbeitspensums auf 50 Prozent hinweisen (act. G 14). Am 2. April
2015 liess er einen radiologischen Bericht einreichen, in dem auf eine Osteoporose im
Bereich der Hüfte und auf eine Osteopenie im Vorderarm hingewiesen worden war (act.
G 16).

Erwägungen
1.
Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während mindestens eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Für die Bemessung der Invalidität
wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
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Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
dem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer hat zwar eine Berufslehre zum Bau-Schreiner
abgeschlossen, aber diesen Beruf bereits kurz nach dem Abschluss dieser Ausbildung
aufgegeben und mehrheitlich als Monteur in einem Glas herstellenden Betrieb
gearbeitet. Zuletzt ist er als Monteur und als Allrounder tätig gewesen. Seine damalige
Arbeitgeberin hat einen Jahreslohn von 71’500 Franken angegeben, der IK-Auszug
weist aber für 2009 ein beitragspflichtiges Einkommen von 79’061 Franken aus.
Obwohl der Beschwerdeführer vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung auf diesen
Widerspruch zwischen der Angabe der Arbeitgeberin und dem von dieser effektiv
ausbezahlten Lohn hingewiesen hat, hat die Beschwerdegegnerin diesbezüglich keine
weiteren Abklärungen getätigt. In dieser Situation wäre es erforderlich gewesen, die
damalige Arbeitgeberin nach dem Grund dieser Diskrepanz zu fragen und sie
nötigenfalls aufzufordern, die Lohnabrechnungen für das Jahr 2009 einzureichen. Da
die Beschwerdegegnerin dies versäumt hat, lässt sich aufgrund der Akten die Frage,
welcher der beiden Löhne für die Bemessung des Valideneinkommens massgebend
ist, nicht beantworten. Diesbezüglich liegt also eine Verletzung der
Untersuchungspflicht vor (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Allerdings ist der zuletzt erzielte Lohn
nur eine Hilfsgrösse bei der Ermittlung des Valideneinkommens, denn dieses entspricht
nicht zwingend dem zuletzt effektiv erzielten Einkommen. Massgebend ist vielmehr das
Einkommen, das der Erwerbsfähigkeit der versicherten Person vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und damit der Arbeitsunfähigkeit entspricht. Unter dem
Begriff der Erwerbsfähigkeit wird die erwerbliche Leistungsfähigkeit der versicherten
Person ohne eine Gesundheitsbeeinträchtigung verstanden. Im Rahmen eines
„vorläufigen“ Einkommensvergleiches zur Prüfung der Frage, ob eine berufliche
Eingliederungspflicht besteht, lässt sich das Valideneinkommen aber auch ohne die
Angaben der damaligen Arbeitgeberin und ohne die IK-verbuchten Einkommen
ermitteln. Der Beschwerdeführer ist ein ausgebildeter Bau-Schreiner und verfügt über
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eine langjährige Erfahrung im Bereich der Glasmontage (vgl. IV-act. 115–22 f.).
Während den elf Jahren, die er in der Glasverarbeitungsbranche gearbeitet hat, hat er
sich die Kenntnisse und Fähigkeiten eines ausgebildeten Monteurs in der
Glasverarbeitungsbranche angeeignet. Er hätte also sowohl den Lohn eines
ausgebildeten Bau-Schreiners als auch den Lohn eines ausgebildeten Monteurs
erzielen können. Gemäss der Lohnstrukturerhebung 2008 hat ein Berufsmann im
(übergeordneten; Total der Branchen 15–37) herstellenden Gewerbe einen leicht
höheren Lohn als ein Berufsmann im Baugewerbe (Branche 45) erhalten. Dies spricht
dafür, dass sich der Beschwerdeführer längerfristig weiterhin als Monteur und nicht
wieder als Bau-Schreiner betätigt hätte. Für die Ermittlung des „vorläufigen“
Valideneinkommens ist folglich von einer Validenkarriere als Monteur auszugehen. Der
Medianwert der Löhne für Tätigkeiten im Anforderungsniveau 3 in den Branchen 15–37
hat im Jahr 2008 6’031 Franken pro Monat betragen (vgl. Bundesamt für Statistik,
Lohnstrukturerhebung 2008, TA1). Unter Berücksichtigung der Nominallohnerhöhung
von 2,4 Prozent (vgl. Bundesamt für Statistik, Lohnentwicklung 2009, T 1.1.05) und der
betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,2 Stunden im Jahr 2009
(verarbeitendes Gewerbe) ergibt sich ein Jahreslohn und damit ein Valideneinkommen
von 76’332 Franken (Stand 2009).
2.2 Laut dem überzeugenden Gutachten der MEDAS Interlaken können dem
Beschwerdeführer Montagetätigkeiten wie auch eine Tätigkeit als Bau-Schreiner nicht
mehr zugemutet werden. Ohne eine Umschulung müsste der Beschwerdeführer also
eine behinderungsadaptierte Hilfsarbeit ausüben, das heisst er könnte nur noch einen
Hilfsarbeiterlohn erzielen. Der Medianwert der Hilfsarbeiterlöhne in der Schweiz hat
sich im Jahr 2008 auf 4’806 Franken pro Monat belaufen (bei einer standardisierten
Wochenarbeitszeit von 40 Stunden; Lohnstrukturerhebung 2008, TA1). Unter
Berücksichtigung einer statistischen Wochenarbeitszeit von 41,6 Stunden und der
Nominallohnerhöhung von 2,1 Prozent (Lohnentwicklung 2009, T1.1.05) entspricht dies
einem Jahreslohn 2009 von 61’238 Franken. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 20
Prozent und bei einem Tabellenlohnabzug (vgl. BGE 126 V 75) von zehn Prozent
ergäbe sich bei einer Invalidenkarriere als Hilfsarbeiter ein „vorläufiges“
Invalideneinkommen von 44’092 Franken. Die ohne eine berufliche Eingliederung
drohende Erwerbseinbusse betrüge also – ausgehend von einem Valideneinkommen
von 76’332 Franken – 32’240 Franken, was einer Erwerbseinbusse von (abgerundet) 42
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Prozent entspräche. Würde man sich also damit abfinden, dass der Beschwerdeführer,
seinem Wunsch entsprechend, nicht mehr beruflich eingegliedert würde, bestünde ein
Anspruch auf eine Viertelsrente. Kann der Beschwerdeführer aber dazu gebracht
werden, einen qualifizierten neuen Beruf zu erlernen, in dem er einen Lohn erzielen
kann, der annähernd dem „vorläufigen“ Valideneinkommen entsprechen wird, so wird
die Erwerbseinbusse auf jeden Fall weit geringer ausfallen, womit der „definitive“
Invaliditätsgrad weit weniger als 40 Prozent betragen wird. Bei dieser Sachlage kann
der Beschwerdeführer nicht „definitiv“ rentenbegründend invalid sein, denn ein
Rentenanspruch kann gemäss dem Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG erst bestehen, wenn die
Erwerbsfähigkeit nicht mehr durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder
hergestellt, erhalten oder verbessert werden kann (Grundsatz der Eingliederung vor
Rente; vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Vorbemerkungen, N 81 ff.).
Zusammenfassend weist sich die angefochtene Verfügung schon deshalb als
rechtswidrig, weil ihr ein „definitiver“ Invaliditätsgrad von weniger als 40 Prozent
zugrunde liegt.
2.3 Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Arbeitsvermittlung
gewährt, die sie dann mit einer Verfügung vom 13. Februar 2012 abgeschlossen hat,
da der Beschwerdeführer zwischenzeitlich eine Arbeitsstelle gefunden hatte. Eine
Umschulung hat nicht ernsthaft zur Diskussion gestanden und hat entsprechend auch
nicht zum Gegenstand der Verfügung vom 13. Februar 2012 gehört. Die
Eingliederungsverantwortliche hatte dem Beschwerdeführer gegenüber nur die
Möglichkeit einer Berufsberatung und einer Umschulung erwähnt, diesbezüglich aber
nichts unternommen, nachdem dieser angegeben hatte, er sehe sich aus schulischen
Gründen nicht in der Lage, eine Umschulung zu absolvieren. Folglich ist bislang eine
eigentliche berufliche Eingliederung noch gar nicht geprüft worden.
2.4 Das Desinteresse des Beschwerdeführers an einer Berufsberatung und an einer
Umschulung könnte bei einem reinen Umschulungsanspruch als ein wirksamer Verzicht
auf eine berufliche Eingliederung qualifiziert werden. Da der „vorläufige“
Einkommensvergleich aber zeigt, dass eine potentiell einen Anspruch auf eine
Invalidenrente begründende Erwerbseinbusse von wenigstens 40% besteht, dürfte das
Verhalten des Beschwerdeführers als – unzulässige – Verweigerung einer
Schadenminderungs- bzw. Eingliederungspflicht zu qualifizieren sein. Die
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Beschwerdegegnerin hätte also eine qualifizierte berufliche Eingliederung prüfen
müssen, die den Beschwerdeführer in die Lage versetzt hätte, wieder ein Einkommen
zu erzielen, das annähernd dem Valideneinkommen entsprochen, auf jeden Fall aber
die Erwerbseinbusse deutlich unter 40 Prozent gesenkt hätte. Die angefochtene
Verfügung erweist sich deshalb nicht nur im Hinblick auf das Ergebnis des (von der
Beschwerdegegnerin als „definitiv“ verstandenen, richtigerweise aber „vorläufigen“)
Einkommensvergleichs, sondern vor allem auch im Hinblick auf die Erfüllung des
Grundsatzes der Eingliederung vor Rente als rechtswidrig. Die Beschwerdegegnerin
wird das Verwaltungsverfahren wieder aufnehmen und eine qualifizierte berufliche
Eingliederung des Beschwerdeführers prüfen und gegebenenfalls durchführen müssen.
Anschliessend wird sie erneut einen „definitiven“ Einkommensvergleich durchzuführen
und gestützt darauf über das Rentengesuch des Beschwerdeführers zu verfügen
haben. Im Sinne eines obiter dictum sei darauf hingewiesen, dass die
Beschwerdegegnerin, sollte der Beschwerdeführer darauf beharren, dass er kein
Interesse an einer beruflichen Eingliederung habe, wohl den Art. 21 Abs. 4 ATSG zur
Anwendung bringen müsste. Eine qualifizierte berufliche Eingliederung (Umschulung)
wäre nämlich als zumutbar zu betrachten, auch wenn der Beschwerdeführer dafür
seine Arbeitsstelle aufgeben müsste. Die angefochtene Verfügung ist somit aufzuheben
und die Sache ist zur Weiterführung des Verwaltungsverfahrens an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
Rechtsprechungsgemäss gilt die Rückweisung einer Sache an die Verwaltung
hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen als vollständiges Obsiegen der
Beschwerde führenden Partei. Die gemäss dem Art. 69 Abs. 1 IVG zu erhebenden
und angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken
festzusetzenden Gerichtskosten sind folglich der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss von
600 Franken zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine
Parteientschädigung auszurichten, die angesichts des durchschnittlichen
Vertretungsaufwandes auf 3’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festgesetzt wird.