Decision ID: 1cd53d6b-2185-439f-b81d-5b600716373a
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Drohung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes des Bezirkes Horgen vom 6. Juni 2012 (GG120011)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 28. März 2012
(Urk. 26) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB,
− der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB.
2. Vom Vorwurf der Drohung bezüglich der Kurzmitteilung (SMS) Nr. 8 sowie
vom Vorwurf der mehrfachen Beschimpfung bezüglich der Kurzmitteilungen
(SMS) Nrn. 6 und 7 wird die Beschuldigte freigesprochen.
3. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 120.–, wovon 88 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
5. Für die Dauer der Probezeit wird der Beschuldigten die Weisung erteilt, in
keiner Weise mit der Geschädigten B._ Kontakt aufzunehmen oder
durch Drittpersonen aufnehmen zu lassen.
6. Es wird vorgemerkt, dass die Beschuldigte die Schadenersatzforderung der
Privatklägerin B._ im Betrag von Fr. 630.– anerkannt hat.
Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Schadener-
satz von Fr. 135.– zu bezahlen.
- 3 -
7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 17'025.90 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 13'212.75 amtliche Verteidigung.
Die Kosten, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden
der Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden
auf die Staatskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die Höhe der Kosten der amtlichen
Verteidigung wird separat entschieden.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 63)
1. Auf den Anklagepunkt der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art.
177 Abs. 1 StGB sei nicht einzutreten.
2. Die unrechtmässig erhobenen Fremdauskünfte im Gutachten vom 22.
Dezember 2011 (Urk. 1/11/8 Ziff. 2.4, S. 28-31) sind gemäss Art. 141
Abs. 5 StPO sofort aus den Strafakten zu entfernen bzw. nach rechts-
kräftigem Abschluss dieses Verfahren zu vernichten.
3. Die Beschuldigte sei mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessät-
zen à Fr. 50.– zu bestrafen.
4. Die erstandene Untersuchungshaft von 88 Tagen sei an die Strafe an-
zurechnen.
Es sei festzustellen, dass die Beschuldigte mit der erstandenen Haft ih-
re Strafe bereits vollständig verbüsst hat. Demgemäss sei auch keine
Probezeit anzusetzen und von einer Weisung abzusehen.
- 4 -
5. Der Beschuldigten sei für die erlittene Überhaft eine Genugtuung in der
Höhe von Fr. 5'800.– auszurichten.
6. Die Beschuldigte anerkennt die Zivilforderung der Geschädigten,
B._, in der Höhe von Fr. 765.– (Urk. 1/16/4 sowie Urk. 1/34). Zu-
dem sei festzustellen, dass die Beschuldigte der Geschädigten diesen
Betrag bezahlt hat.
7. Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens, inkl. der Kosten Untersu-
chung und der amtlichen Verteidigung, seien der Beschuldigten propor-
tional aufzuerlegen, d.h. 2/5 der Kosten seien der Beschuldigten zu
überbinden, 3/5 seien auf die Staatskasse zu nehmen. Die Kostentra-
gung im vorliegenden Verfahren sei gemäss Art. 428 StPO vorzuneh-
men.
8. Im Übrigen sei das bezirksgerichtliche Urteil zu bestätigen.
b) Der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis:
(schriftlich, Urk. 58)
Kein Antrag.
_
- 5 -

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-
richts Horgen – Einzelgericht in Strafsachen – vom 6. Juni 2012 liess die Be-
schuldigte mit Eingabe ihrer amtlichen Verteidigerin vom 7. Juni 2012 rechtzeitig
Berufung anmelden (Urk. 43). Nach Erhalt des begründeten Urteils am 10. Sep-
tember 2012 (Urk. 51/1) reichte die Verteidigerin mit Eingabe vom 20. September
2012 fristgerecht die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO ein
(Urk. 54). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Anschlussberufung (Urk. 58).
Die Privatklägerin liess sich nicht vernehmen.
2. Gemäss Art. 402 i.V.m. Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des angefoch-
tenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Mit Berufungserklärung vom
20. September 2012 (Urk. 54) anerkannte die Beschuldigte explizit:
– die vorinstanzliche Verurteilung betreffend der mehrfachen Drohung
(SMS Nr. 1, 5 und 11 gemäss Anklageschrift vom 28. März 2012),
– den vorinstanzlichen Freispruch betreffend der Kurzmitteilung (SMS)
Nr. 8 sowie
– die im ersten Absatz von Dispositivziffer 6 festgehaltene Vormerknah-
me der Anerkennung der Schadenersatzforderung der Privatklägerin
B._ durch sie im Umfang von Fr. 630.–.
Es ist deshalb vorab festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem
Umfang (Dispositivziffer 1, Alinea 1; Dispositivziffer 2 teilweise (Freispruch vom
Vorwurf der Drohung bezüglich Kurzmitteilung [SMS] Nr. 8) sowie Dispositivziffer
6, 1. Absatz, in Rechtskraft erwachsen ist.
- 6 -
Im Übrigen ficht die Beschuldigte das vorinstanzliche Urteil umfassend an.
Ihre Berufung richtet sich "u.a. gegen die Strafzumessung, die daraus resultieren-
de Entschädigung für die erlittene Überhaft, gegen die Ansetzung einer Probezeit
bzw. Erteilung einer Weisung sowie auch gegen die Nichtentfernung der durch
den Gutachter unrechtmässig erhobenen Fremdauskünfte aus den Strafakten"
(Urk. 54 S. 2). Zudem sei auf den Anklagevorwurf der mehrfachen Beschimpfung
im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB nicht einzutreten.
II. Prozessuales
1. Strafantrag
1.1. Die Verteidigung stellt den Antrag, auf den Anklagevorwurf der mehrfa-
chen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB sei mangels gültigem
Strafantrag nicht einzutreten. Sie begründet dies damit, dass weder aus dem
Strafantragsformular (Urk. 5), noch aus dem Polizeirapport (Urk.1-4), noch aus
der polizeilichen Einvernahme der Privatklägerin vom 3. Juni 2011 (Urk. 7) her-
vorgehe, dass die Privatklägerin Strafantrag wegen Beschimpfung gestellt habe
(Urk 39 S. 2 f.; Urk. 63 S. 2 ff.).
1.2. Die Verteidigung hatte dieselbe Rüge schon vor Vorinstanz erhoben.
Diese führte zu den formellen und materiellen Voraussetzungen des Strafantra-
ges das Wesentliche aus und stellte in überzeugender Weise fest, dass auch be-
züglich der Bestrafung wegen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB ein gül-
tiger Strafantrag vorliegt. Auf die entsprechenden erstinstanzlichen Erwägungen
kann deshalb verwiesen werden (Urk. 53 S. 5 f. Ziff. 1; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu-
sammenfassend und ergänzend ist das Folgende festzuhalten:
In der Regel bringt der Strafantragsteller einen bestimmten Sachverhalt zur
Anzeige. Es ist nicht seine Aufgabe, den Sachverhalt rechtlich zu qualifizieren.
Die rechtliche Würdigung obliegt den Strafbehörden. Bringt ein Rechtsunkundiger
einen Sachverhalt zur Anzeige, so wünscht er damit, dass eine Bestrafung eintre-
te (BGE 115 IV 1 E. 2a, mit Hinweisen). Die Antragserklärung des Antragsstellers
- 7 -
muss deshalb keine rechtliche Würdigung enthalten. Eine fehlende, unvollständi-
ge oder falsche rechtliche Qualifikation ist unbeachtlich. Erforderlich ist lediglich,
dass das Tatgeschehen dargestellt ist, auf das sich der Antrag bezieht (BSK-
Strafrecht I-Riedo, Art. 30 N 40; Riedo, Der Strafantrag, Diss. Fribourg 2004,
S. 400 f., 543). Gemäss Art. 304 StPO kann der Strafantrag bei der Polizei (und
anderen Strafverfolgungsbehörden) schriftlich eingereicht oder mündlich zu Pro-
tokoll gegeben werden.
Anlässlich ihrer polizeilichen Einvernahme vom 3. Juni 2011 gab die Privat-
klägerin zuerst mündlich zu Protokoll, dass sie Strafantrag gegen die Beschuldig-
te stelle und unterzeichnete unmittelbar darauf ein vom einvernehmenden Poli-
zeibeamten C._ ausgefülltes Strafantragsformular (Urk. 7 S. 9: "Ja ich stelle
Strafantrag gegen A._. [PN: Die Geschädigte unterzeichnet einen entspre-
chenden Strafantrag]"; Urk. 5). Im Rahmen dieser Einvernahme gab die Privatklä-
gerin vorgängig sämtliche inkriminierten Kurzmitteilungen (SMS) mit ihrem ge-
nauen Wortlaut zur Anzeige und machte detaillierte Aussagen zu ihrer Beziehung
zur Beschuldigten, zu den Hintergründen der Kurzmitteilungen und zu ihrer Inter-
pretation hiervon. Die unter diesen Umständen abgegebene Strafantragserklä-
rung der rechtsunkundigen Privatklägerin ist als sachlich unbeschränkt zu be-
trachten und genügt deshalb für sämtliche Straftatbestände, die sich aus den in
der Einvernahme festgehaltenen Sachverhalten ergeben. Dass der Polizeibeamte
C._ anlässlich der Einvernahme sowie auf dem Antragsformular bereits zwei
Tatbestände benannte, denjenigen der Beschimpfung aber nicht erwähnte (Urk. 7
S. 9; Urk. 5), vermag daran nichts zu ändern. Ob diese vorläufig abgegebene
rechtliche Qualifikation des Polizeibeamten zutreffend und umfassend war, konnte
und musste nicht durch die rechtsunkundige Privatklägerin beurteilt werden; diese
Aufgabe obliegt den Strafverfolgungsbehörden.
1.3. Auf die Anklage betreffend mehrfacher Beschimpfung im Sinne von
Art. 177 Abs. 1 StGB ist daher einzutreten.
- 8 -
2. Fremdauskünfte im Gutachten
2.1. Wie schon vor Vorinstanz beantragt die Verteidigung auch im Beru-
fungsverfahren, dass die im Gutachten vom 22. Dezember 2011 enthaltenen
Fremdauskünfte (Urk. 11/8, S. 28 ff.) – der Privatklägerin, von D._ (den
ehemaligen Psychotherapeuten der Beschuldigten) und von E._ (den ehe-
maligen Lebenspartner der Beschuldigten) – in Anwendung von Art. 141 Abs. 5
StPO aus den Strafakten zu entfernen und nach rechtskräftigem Abschluss des
Verfahrens zu vernichten seien, da diese unrechtmässig erhoben worden seien.
Sie begründet dies damit, dass derartige Beweiserhebungen der Staatsanwalt-
schaft vorbehalten seien, welche sich an die entsprechenden Formvorschriften zu
halten und Teilnahme- und Verteidigungsrechte zur Wahrung des rechtlichen Ge-
hörs zu berücksichtigen habe. Aus dem Gutachtensauftrag gehe nicht hervor,
dass der Gutachter zu solchen Fremdauskünften befugt gewesen sei (Urk. 39 S.
1 Ziff. 2 und S. 4 f. Ziff. 8 f.; Urk. 63 S. 4 ff.).
2.2. Gemäss Art. 185 Abs. 4 StPO kann die sachverständige Person einfa-
che Erhebungen, die mit dem Auftrag in engem Zusammenhang stehen, selber
vornehmen und zu diesem Zweck Personen aufbieten. Dem Erfordernis des en-
gen Zusammenhangs ist Genüge getan, wenn es sich um fachspezifische Erhe-
bungen handelt (BSK StPO-Heer, Art. 185 N 28). Solche eigene Erhebungen des
Gutachters sind somit auf gutachterspezifische Fragen beschränkt (Schmid, StPO
Praxiskommentar, Art. 185 N 7). In der Literatur umstritten ist die Frage, ob dafür
eine Ermächtigung notwendig ist oder nicht. Gemäss Niklaus Schmid (StPO Pra-
xiskommentar, Art. 158 N 8) sind solche Erhebungen nur mit Zustimmung der
Verfahrensleitung der auftraggebenden Strafbehörde zulässig, wobei diese Er-
mächtigung im Regelfall Bestandteil des Gutachtensauftrags bildet. Anderer Auf-
fassung ist Marianne Heer (BSK StPO-Heer, Art. 185 N 23), welcher die Vo-
rinstanz folgte. Die Frage kann indessen offen bleiben.
Entgegen den Ausführungen der Verteidigung geht aus dem Gutachtensauf-
trag vom 10. Juni 2011 klar hervor, dass die Staatsanwaltschaft den Gutachter
zur Einholung von Fremdauskünften – insbesondere bei vorbehandelnden Ärztin-
- 9 -
nen und Ärzten (Urk. 11/1 S. 4, 1. und 2. Textabschnitt), aber auch allgemein bei
Drittpersonen (a.a.O., 3. Textabschnitt) – explizit ermächtigt und ihm auch Anwei-
sungen erteilt hatte, unter Einhaltung welcher Vorschriften er diesbezüglich vor-
zugehen hatte. Der Gutachter erhielt somit eine rechtsgenügende Ermächtigung
und Instruktion und war demnach befugt, telefonische Auskünfte bei der Privat-
klägerin, dem ehemaligen Psychotherapeuten sowie dem ehemaligen Lebens-
partner der Beschuldigten einzuholen. Wie schon die Vorinstanz festhielt, be-
schränken sich die gutachterlichen Telefongespräche mit den genannten Drittper-
sonen auf fachspezifische Umfeldabklärungen: Der Psychotherapeut D._,
der die Beschuldigte zusammen mit der Privatklägerin betreut hatte, machte An-
gaben zur Diagnostik und zum Gesundheitszustand der Beschuldigten seit ihrem
Studium (Urk. 11/8 S. 28 f.). Die Privatklägerin bestätigte die diagnostische Ein-
schätzung von D._ und berichtete von Ereignissen und Hintergründen im Zu-
sammenhang mit den letzten, dem Versand der inkriminierten Kurzmitteilungen
(SMS) vorangehenden Therapiesitzungen (Urk. 11/8 S. 29 f.). Der ehemalige Le-
benspartner E._ beschrieb schliesslich seine eigene Wahrnehmung der Be-
schuldigten (Urk. 11/8 S. 30). Es handelt sich somit insgesamt um die Einholung
von Informationen zur Komplettierung der Grundlagen für die psychiatrische Di-
agnose des Gutachters. Zur Ermittlung des eingeklagten Sachverhalts – welcher
durch das Geständnis der Beschuldigten sowie das übrige Untersuchungsergeb-
nis ohnehin bereits erstellt war – tragen diese Fremdauskünfte nichts bei, weshalb
sie von vornherein nicht als unzulässige, der Staatsanwaltschaft vorbehaltene
Beweiserhebungen qualifiziert werden können. Das rechtliche Gehör der Be-
schuldigten wurde, wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat (Urk. 53 S. 8),
gewahrt, indem sie Gelegenheit hatte, zum Gutachten Stellung zu nehmen. Wes-
halb eine derartige Gewährung des rechtlichen Gehörs, wie dies die Verteidigung
geltend macht (Urk. 63 S. 6), nicht genügen sollte, ist nicht ersichtlich. Hinzu
kommt (wie bereits die Vorinstanz ausgeführt hat und nachfolgend auch wieder zu
zeigen ist), dass auf diese im Gutachten enthaltenen Fremdauskünfte weder bei
der rechtlichen Würdigung noch bei der Strafzumessung abzustellen ist.
Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 63 S. 6) steht einer Ver-
wertbarkeit dieser gutachterlichen Fremdauskünfte auch unter dem Gesichtswin-
- 10 -
kel allfälliger Zeugnisverweigerungsrechte nichts entgegen. Gemäss Art. 177 Abs.
3 StPO – welcher im Rahmen von Art. 185 Abs. 5 StPO sinngemäss zu gelten hat
(vgl. Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 185 N 13) – ist die einzuvernehmende
Person auf ihre Zeugnisverweigerungsrechte aufmerksam zu machen, sobald
solche Rechte aufgrund der Befragung und der Akten erkennbar sind. Die Beleh-
rung über die Zeugnisverweigerungsrechte ist somit kein Gültigkeitserfordernis
schlechthin. Die Belehrung gilt erst dann als Gültigkeitserfordernis, wenn der ein-
vernommenen Person ein Zeugnisverweigerungsrecht zustand, auf das sie nicht
aufmerksam gemacht wurde und sie sich nachträglich darauf beruft (BSK StPO-
Kerner, Art. 177 N 14). Dass den drei vom Gutachter befragten Personen ein
Zeugnisverweigerungsrecht zugestanden hätte, wurde von diesen nachträglich
nicht geltend gemacht und ist auch nicht ersichtlich. Insbesondere etwa stand
D._ und B._ als nichtärztliche Psychotherapeuten (Psychologen) kein
Zeugnisverweigerungsrecht aufgrund eines Berufsgeheimnisses zu (vgl. BSK
StPO-Vest/Horber Art. 171 N 7) und besass E._ als ehemaliger Lebens-
partner der Beschuldigten kein Zeugnisverweigerungsrecht aufgrund persönlicher
Beziehungen (vgl. BSK StPO-Vest/Horber Art. 168 N 7).
Zusammenfassend sind die von der Verteidigung monierten Fremdauskünfte
im Gutachten deshalb als zulässige einfache Erhebungen im Sinne von Art. 185
Abs. 4 StPO zu qualifizieren. Es handelt sich somit nicht um unverwertbare Be-
weise im Sinne von Art. 141 Abs. 5 StPO, weshalb sie nicht aus den Akten zu ent-
fernen oder gar zu vernichten sind.
Schliesslich ist die Kritik der Verteidigung am Gutachter, dieser habe die
durch die Geschädigte über die Beschuldigte gestellte Diagnose im Gutachten
übernommen, anstatt aus eigener Erkenntnis als Sachverständiger Diagnose zu
stellen (Urk. 63 S. 7), nicht zu hören. Dieser evaluierte zwar zunächst die Diagno-
sen der bisher mit der Beschuldigten befassten Fachpersonen, liess dann aber ab
S. 44 des Gutachtens eine ausführliche eigene Beurteilung folgen.
- 11 -
III. Sachverhalt
1. Gemäss dem für das Berufungsverfahren noch relevanten Teil der An-
klageschrift vom 28. März 2012 wird der Beschuldigten vorgeworfen, dass diese
an die Privatklägerin die Kurzmitteilungen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 9 und 10 versandt
habe, obwohl ihr bewusst gewesen sei, dass die darin verwendeten Bezeichnun-
gen "Hure" (SMS Nr. 1 und 3), "Sau" (SMS Nr. 1), "Fotze" (SMS Nr. 2, 4, 9 und
10), "Null" (SMS Nr. 3, 4 und 5), "Hund" (SMS Nr. 6) sowie "Sauhund" (SMS Nr.
7) der Privatklägerin gegenüber verachtend wirkten (Urk. 26 S. 2).
2. Die Beschuldigte ist geständig, die betreffenden Kurzmitteilungen (SMS)
an die Privatklägerin versandt zu haben (Urk. 6/1 S. 5; Urk. 6/2 S. 2; Urk.6/5
S. 2 ff. und S. 10 f.; Urk. 38 S. 3 ff.; Urk. 62 S. 2). Ihr Geständnis deckt sich mit
dem übrigen Untersuchungsergebnis, weshalb der in der Anklageschrift festgehal-
tene äussere Sachverhalt erstellt ist. Bezüglich ihrer inneren Einstellung räumte
die Beschuldigte in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 20. März 2012
ein, dass die von ihr versendeten Kraftausdrücke ("Hure", "Sau", "Fotze" und
"Null") "extrem", "sehr frech" und "schlimm" seien, und dass diese für den Adres-
saten beleidigend wirken könnten, machte allerdings auch geltend, dass ihr das
erst rückblickend, nicht aber bei der Versendung der SMS klar gewesen sei (Urk.
6/5 S. 3 f.). Hinsichtlich der Kurzmitteilungen (SMS) Nr. 6 und 7 machte die Be-
schuldigte konstant und glaubhaft geltend, dass diese nicht für die Privatklägerin,
sondern für ihren ehemaligen Lebenspartner, E._, bestimmt gewesen seien
und sie wohl zu wenig geschaut habe, an welche Nummer sie diese sende (Urk.
6/2 S. 2; Urk. 6/5 S. 4 f.; Urk. 62 S. 3). Auch der Inhalt dieser beiden Kurzmittei-
lungen spricht für die Version der Beschuldigten, weshalb im Folgenden davon
auszugehen ist.
- 12 -
IV. Rechtliche Würdigung
1. Der Beschimpfung nach Art. 177 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer
jemanden in anderer Weise (als durch üble Nachrede oder Verleumdung) durch
Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in seiner Ehre angreift. Die Vor-
instanz hat die objektiven und subjektiven Tatbestandselemente der Beschimp-
fung zutreffend dargelegt, weshalb zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen
darauf verwiesen werden kann (Urk. 53 S. 13 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Hinsichtlich der Kurzmitteilungen (SMS) Nrn. 6 und 7 ist wie dargelegt
von der Darstellung der Beschuldigten auszugehen, wonach diese nicht für die
Privatklägerin, sondern für ihren ehemaligen Lebenspartner, E._, bestimmt
gewesen seien und sie wohl zu wenig geschaut habe, an welche Nummer sie
diese sende (Urk. 6/2 S. 2, Urk. 6/5 S. 4 f.; Urk. 62 S. 3). Die Vorinstanz hat des-
halb das Verhalten der Beschuldigten zu Recht unter den Prämissen des Sach-
verhaltsirrtums gemäss Art. 13 StGB geprüft. Die Beschuldigte wollte E._
beschimpfen, traf aber die Privatklägerin. Bezüglich der getroffenen Person fehlt
es somit am Vorsatz der Beschuldigten, bezüglich der anvisierten Person am Er-
folg. Nach der herrschenden Lehre liegt in einem solchen Fall Versuch in Konkur-
renz mit fahrlässiger Verletzung vor (Trechsel-Geth, in Trechsel/Pieth (Hrsg.),
StGB PK, 2. Aufl., Art. 13 N 9). Da seitens E._ kein Strafantrag vorliegt, die
fahrlässige Beschimpfung nicht strafbar ist (vgl. Art. 12 Abs. 1 StGB) und einer
Verurteilung darüber hinaus das Verschlechterungsverbot entgegenstehen würde,
ist die Beschuldigte, wie schon vor Vorinstanz, bezüglich dieser beiden Kurzmit-
teilungen vom Vorwurf der Beschimpfung freizusprechen.
3. Hingegen erfüllt die Beschuldigte bezüglich der Kurzmitteilungen (SMS)
Nrn. 1-5 und 9-10 sowohl den objektiven wie auch den subjektiven Tatbestand
der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB, wobei vorab vollumfänglich
auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden kann (Urk. 53
S. 13 f.). Indem die Beschuldigte die Privatklägerin mit den Formalinjurien "Hure"
(SMS Nr. 1 und 3), "Sau" (SMS Nr. 1), "Fotze" (SMS Nr. 2, 4, 9 und 10) und "Null"
(SMS Nr. 3, 4 und 5) betitelte, beleidigte sie diese objektiv in herabsetzender,
- 13 -
ehrverletzender Weise. Dabei ist offensichtlich, dass sie in subjektiver Hinsicht die
Ehrenrührigkeit der von ihr benutzten Verbalinjurien zumindest in Kauf nahm, da
sie die betreffenden Kurzmitteilungen bewusst und gewollt an die Privatklägerin
versandte. Ihre Ausführungen vor der Staatsanwaltschaft, wonach sie sich der be-
leidigenden Wirkung ihrer Worte bei der Versendung der SMS nicht klar gewesen
sei bzw. in solchen Situationen kein Mensch mehr überlege, wie solche Worte auf
jemanden wirken würden (Urk. 6/5 S. 4), vermögen den Eventualvorsatz nicht in
Frage zu stellen. Vielmehr zeigen sie bloss, dass sie sich aufgrund ihres aufge-
wühlten Gemütszustands zu diesen gewollten Beleidigungen hinreissen liess, oh-
ne sich hiezu weitere Gedanken zu machen – wie das bei Beschimpfungen mit-
tels Kraftausdrücken meistens der Fall ist. Gegen den Eventualvorsatz der Be-
schuldigten spricht auch nicht, dass ihre Einsichtsfähigkeit im Moment des
Schreibens der SMS moderat eingeschränkt war (Urk. 11/8 S. 52, 58), da die
Frage der Einsicht in das Unrecht einer Tat vom Gegenstand des Vorsatzes zu
trennen ist (vgl. BSK Strafrecht I-Bommer/Dittmann, Art. 19 N 19).
4. Die Beschuldigte ist demnach überdies der mehrfachen Beschimpfung im
Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB bezüglich der Kurzmitteilungen (SMS) Nrn. 1-5
sowie Nrn. 9-10 schuldig zu sprechen. Bezüglich der Kurzmitteilungen (SMS) Nrn.
6 und 7 ist sie vom entsprechenden Vorwurf freizusprechen.
V. Sanktion
1. Strafzumessung:
1.1. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze und Regeln der Straf-
zumessung grundsätzlich zutreffend dargelegt. Bei der Bestimmung des Straf-
rahmens ist sie zutreffend von der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB als
schwerste von der Beschuldigten begangene Straftat ausgegangen. Weiter hat
sie strafschärfend im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB die Deliktsmehrheit und die
mehrfache Tatbegehung berücksichtigt, womit der erweiterte Strafrahmen sich auf
Freiheitsstrafe bis 4 1⁄2 Jahren erstreckt. Dies ist insofern zu korrigieren, als der
erweiterte Strafrahmen nur in Ausnahmefällen anwendbar ist; in der Regel sind
- 14 -
Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe – entgegen der Ansicht der Verteidi-
gung (Urk. 63 S. 8) – innerhalb des ordentlichen Strafrahmens, dies dann aber
zwingend, straferhöhend bzw. strafmindernd zu berücksichtigen (Schwarzeneg-
ger/Hug/Jositsch, Strafrecht II, Strafen und Massnahmen, 8. Aufl., Zürich 2007,
S. 74; BGE 136 IV 55 E. 5.8), wie das die Vorinstanz bezüglich des Strafmilde-
rungsgrundes der verminderten Schuldfähigkeit richtig gesehen hat (vgl. Urk. 53
S. 17 Ziff. 2.3). Ein solcher Ausnahmefall ist vorliegend nicht gegeben. Angesichts
des engen Zusammenhangs zwischen den einzelnen Delikten rechtfertigt es sich,
im vorliegenden Fall von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. z.B. Bun-
desgerichtsurteile 6B_579/2008, E.4.2.2, vom 20. Mai 2009 oder 6.B_218/2010,
E. 2.1, vom 8. Juni 2010) abzuweichen und nicht für die schwerste Tat eine Ein-
satzstrafe und anschliessend unter Berücksichtigung der übrigen Delikte in An-
wendung des Asperationsprinzips eine Gesamtstrafe festzulegen, sondern alle
Delikte gemeinsam zu beurteilen. Die einzelnen Strafzumessungsgründe wurden
von der Vorinstanz zutreffend aufgeführt und gewürdigt. Zur Vermeidung unnöti-
ger Wiederholungen kann deshalb vorab auf die entsprechenden Ausführungen
im erstinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 59 S. 16-20). Zusammenfas-
send und ergänzend ist das Folgende festzuhalten:
1.2. Die Beschuldigte schrieb der Privatklägerin am 2. Juni 2011, 19.31 Uhr,
die Kurzmitteilung: "Du Hure! Ich warte morgen mit dem Messer auf dich und an-
schliessend bringe ich deine tochter um du sau!". Rund eine Dreiviertelstunde
später schrieb sie ihr: "Hast soeben endgültig dein Todesurteil unterschrieben,
Null". Am 3. Juni 2011, 13.33 Uhr, drohte sie der Privatklägerin ein drittes Mal,
und zwar mit der Nachricht: "Du wirst heut noch verrecken!" Die Vorinstanz hat zu
Recht festgehalten, dass diese drastischen Drohungen eine beträchtliche objekti-
ve Tatschwere aufweisen. Die Beschuldigte bedrohte die Privatklägerin mit ihrem
Tod und mit dem Tod ihrer Tochter. Die Privatklägerin hatte nicht nur um ihr Le-
ben zu fürchten, was für sich allein schon eine massive Beeinträchtigung des Si-
cherheitsgefühls eines Opfers darstellt, sondern zusätzlich um das ihrer Tochter,
was zusätzlich besonders schwer wiegt. Die angedrohten Beeinträchtigungen
richteten sich gegen Leib und Leben und damit gegen die höchsten Rechtsgüter
unserer Rechtsordnung. Die Privatklägerin wurde durch die Drohungen der Be-
- 15 -
schuldigten in Angst und Schrecken versetzt (Urk. 7 S. 7 f. Ziff. 29), womit der Er-
folg eingetreten ist, was auch von der Verteidigung anerkannt wird (Urk. 39 S. 12
Ziff. 9). Den Ausführungen der Verteidigung (a.a.O. S. 12 f.; Urk. 63 S. 9), dass
der Erfolgsunwert dieser Drohungen geringer einzuschätzen sei, als wenn sie ge-
genüber einer nicht psychologisch geschulten Person geäussert worden wären,
da die Privatklägerin als Therapeutin die psychische Nöte der Beschuldigten ge-
kannt habe und deshalb nicht ernsthaft damit habe rechnen können, dass sie tat-
sächlich bereit sein würde, diese Todesdrohungen wahrzumachen, kann nicht ge-
folgt werden. Aus den Aussagen der Privatklägerin geht hervor, dass sie gerade
aufgrund ihrer Kenntnisse des psychischen Zustandes der Beschuldigten dieser
zutraute, dass sie die Drohungen wahrmachen könnte (Urk. 7 S. 8 Ziff. 31; vgl. in
diesem Zusammenhang die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz in Urk. 53
S. 11 letzter Abschnitt), wobei es nicht darauf ankommt, ob diese Einschätzung
damals zutreffend war bzw. ob der Gutachter nachträglich die Ausführungsgefahr
der Todesdrohungen als gering beurteilte (Urk. 11/8 S. 59). Weiter hat schon die
Vorinstanz darauf hingewiesen, dass sich die Drohungen hinsichtlich der Tataus-
führung und des Tatzeitpunkts entgegen der Ansicht der Verteidigung recht konk-
ret gestalteten: Die Beschuldigte schrieb am ersten Tag, sie würde am Folgetag
mit einem Messer auf die Privatklägerin warten und an diesem Folgetag, dass
diese heute noch "verrecken" werde. Hinzu kommen die mehrfachen, äusserst
vulgären Beschimpfungen, welche die Beschuldigte zusammen mit und zwischen
den einzelnen Todesdrohungen an die Privatklägerin schrieb. Diese vermochten
die Privatklägerin nicht nur in ihrem Ehrgefühl zu verletzen, sondern waren auf-
grund ihres scharfen Tons und ihrer zeitlichen Nähe zu den Drohungen auch ge-
eignet, das Sicherheitsgefühl der Privatklägerin noch zusätzlich zu beeinträchti-
gen. Die Vorinstanz hat deshalb zusammenfassend die objektive Tatschwere ins-
gesamt zu Recht als hoch qualifiziert. Allein aufgrund dieses objektiv schweren
Verschuldens der Beschuldigten erscheint für die mehrfachen Drohungen und
Beschimpfungen eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen angemessen.
1.3. In Bezug auf das subjektive Verschulden ist zu berücksichtigen, dass
der Beschuldigten aufgrund eines wahnhaften Erlebens im Rahmen einer psycho-
tischen Depression im Gutachten vom 22. Dezember 2011 eine mittelgradig ver-
- 16 -
minderte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB attestiert wurde (Urk.
11/8 S. 58 f.). Zu weit geht allerdings die Verteidigung mit ihrer Ansicht (Urk. 39
S. 13 Ziff. 11), dass sich die Beschuldigte im Zeitpunkt des Versendens der
Kurzmitteilungen (überhaupt) nicht mehr unter Kontrolle gehabt habe bzw. keine
Möglichkeit mehr gehabt habe, anders zu handeln. Gemäss den Ausführungen
des Gutachters ist eine vollständige Aufhebung sowohl der Einsichts- als auch der
Steuerungsfähigkeit auszuschliessen bzw. war erstere nur moderat und letztere
lediglich mittelgradig eingeschränkt. Dass die Beschuldigte mit Eventualvorsatz
gehandelt hat, vermag sie nicht wesentlich zu entlasten, musste sie aufgrund der
Schwere der Drohungen und Beschimpfungen doch ernsthaft damit rechnen,
dass die Privatklägerin dadurch verängstigt und beleidigt würde. Verschuldenser-
höhend ins Gewicht fällt sodann, dass die Beschuldigte kein für Dritte auch nur im
Ansatz nachvollziehbares Motiv für die schweren Drohungen und die wüsten Be-
schimpfungen vorzuweisen vermag. Weiter hat die Vorinstanz zutreffend festge-
halten, dass entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 39 S. 14 Ziff. 14, Urk. 63
S. 9) nicht von einer affektiven Kurzschlusshandlung ausgegangen werden kann,
nachdem die Beschuldigte das Versenden bedrohlicher und beschimpfender
Kurzmitteilungen auch noch am Folgetag fortsetzte. Zusammenfassend hat die
Vorinstanz das subjektive Verschulden der Beschuldigten insbesondere aufgrund
der mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit grundsätzlich zu Recht als leicht
qualifiziert und das Gesamtverschulden der Beschuldigten insgesamt als nicht
mehr leicht bezeichnet. Die subjektive Verschuldensseite rechtfertigt aufgrund der
erheblich ins Gewicht fallenden mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit eine
Reduktion der aufgrund der objektiven Tatschwere angemessenen Strafe um
rund 90 Tagessätze.
1.4. Bezüglich des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse der Be-
schuldigten kann auf die vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden (Urk.
59 S. 19). Ergänzend ist festzuhalten, dass die Beschuldigte seit Ende Dezember
auf Stellensuche ist, nachdem ihre letzte Arbeitsstelle befristet war. Seither lebt
sie vom Ersparten, da sie sich bei der Arbeitslosenkasse nicht angemeldet hat
(Urk. 62 S. 1 f.). Strafzumessungsrelevante Faktoren sind in der Biographie der
Beschuldigten nicht zu erblicken. Insbesondere wirkt sich die Vorstrafenlosigkeit
- 17 -
der Beschuldigten entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 39 S. 13) nicht
strafmindernd aus (BGE 136 IV 1). Strafmindernd zu berücksichtigen ist, dass
sich die Beschuldigte von Anfang an geständig, kooperativ und einsichtig zeigte.
Zu berücksichtigen ist allerdings auch, dass ein Abstreiten der Taten angesichts
der gesicherten Kurzmitteilungen (SMS) wenig Sinn gemacht hätte, weshalb das
Geständnis und die Kooperation der Beschuldigten zwar deutlich, entgegen der
Ansicht der Verteidigung (Urk. 39 S. 12 Ziff. 7) aber nicht stark strafmindernd zu
veranschlagen sind. Positiv zu vermerken ist, dass sie seit ihrer Haftentlassung
das auferlegte Kontaktverbot zur Privatklägerin eingehalten und sich der ange-
ordneten ambulanten Therapie unterzogen hat (Urk. 38 S. 6; Urk. 39 S. 15 f., vgl.
Urk. 12/12 und 12/14; Urk. 62 S. 3 und 4); da sie hiezu verpflichtet war und für
den Missachtungsfall mit der Bestrafung mit Busse nach Art. 292 StGB zu rech-
nen hatte, wirkt sich dies allerdings nur unwesentlich strafmindernd aus. Zuguns-
ten der Beschuldigten ist weiter zu berücksichtigen, dass sie die Schadenersatz-
forderung der Privatklägerin inzwischen vollständig bezahlt hat (vgl. Urk. 62 S. 4;
Urk. 63 S. 10 und 12 f., Urk. 64) und damit tätige Reue im Sinne von Art. 48 lit. d
StGB gezeigt hat. Entgegen der Ansicht der Verteidigung rechtfertigt die gut-
achterlich diagnostizierte psychische Störung der Beschuldigten schon deshalb
keine Berücksichtigung unter dem Titel der Strafempfindlichkeit aus gesundheitli-
chen Gründen (vgl. dazu BSK Strafrecht I-Wiprächtiger Art. 47 N 117), da vorlie-
gend ein freiheitsentziehender Strafvollzug nicht zur Diskussion steht. Insgesamt
rechtfertigen die Täterkomponenten eine Strafreduktion von 30 Tagen.
1.5. In Anbetracht aller relevanter Umstände erscheint somit die von der
Vorinstanz ausgesprochene Geldstrafe als etwas zu hoch, bzw. erweist sich eine
solche in der Höhe von 60 Tagessätzen als angemessen.
1.6. Angesichts der momentanen Arbeitslosigkeit der Beschuldigten
(Urk. 62 S. 1 f.) – bzw. ausgehend von einer (hypothetischen, der Beschuldigten
grundsätzlich zustehenden) monatlichen Arbeitslosenentschädigung in der Höhe
von 70 % ihres letzten Einkommens von rund Fr. 5'100.– (inkl. 13. Monatslohn;
Urk. 59/1 und 59/4) und unter Berücksichtigung von (geschätzten) Fr. 400.– mo-
natliche Krankenkassenprämien, Fr. 300.– monatliche Verkehrskosten (General-
- 18 -
abonnement) sowie einer geschätzten monatlichen Steuerlast von Fr. 500.– –
erscheint ein Tagessatz von Fr. 80.– angemessen.
1.7. Der Verzicht der Vorinstanz auf die Verhängung der von der von der
Staatsanwaltschaft mit Anklageschrift vom 28. März 2012 zusätzlich beantragten
Busse ist heute nur schon aufgrund des Verschlechterungsverbots zu bestätigen.
1.8. Die Beschuldigte ist somit mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 80.– zu bestrafen. Dabei sind ihr 88 Tagessätze als durch Haft erstanden an-
zurechnen, wobei zur Begründung auf die ausführlichen Erwägungen der Vor-
instanz verwiesen werden kann (Urk. 53 S. 20 Ziff. 6). Demnach ist festzuhalten,
dass diese Geldstrafe bereits vollständig als durch Haft geleistet gilt (zur Genug-
tuung wegen Überhaft nachstehend Ziff. VII.2.).
2. Strafvollzug
Zu bestätigen ist weiter die erstinstanzliche Anordnung des bedingten Straf-
vollzugs, welcher auch von der Verteidigung nicht beanstandet wird (Urk. 39 S. 15
Ziff. 24 und S. 17. Ziff. 29; Urk. 63 S. 10), weshalb diesbezüglich wiederum auf
die zutreffenden Ausführungen im erstinstanzlichen Urteil verwiesen werden kann
(Urk. 53 S. 21).
Auch die von der Vorinstanz angesetzte Probezeit von 2 Jahren ist zu bestä-
tigen (Urk. 53 S. 21 f.). Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 39 S. 15
Ziff. 24 und Urk. 54 S. 2; Urk. 63 S. S. 10) wird die Verhängung einer Probezeit
nicht hinfällig, wenn die bedingte Strafe durch Haft bereits erstanden ist. Das Ge-
setz verpflichtet das Gericht zwingend, dem bedingt Verurteilten eine Probezeit zu
bemessen, denn dieser muss die Gewährung des bedingten Strafvollzugs auch
nach dem Zeitpunkt des Strafurteils rechtfertigen (vgl. BSK Strafrecht I-
Schneider/Garré Art. 44 N 1).
3. Massnahmen
Die Vorinstanz hat weiter mit zutreffender Begründung ausgeführt, dass die
Anordnung einer ambulanten Massnahme vorliegend nicht angezeigt ist, da dies
- 19 -
eine ungünstige Prognose voraussetzen würde, welche unter dem Titel des be-
dingten Strafvollzugs aber gerade zu verneinen war (Urk. 53 S. 22 f.; vgl. auch
BGE 135 IV 180 E. 2.3; sowie Urteile des Bundesgerichts 6B_342/2010 vom
9.7.2010 E. 3.5.2; 6B_141/2009 vom 24.9.2009 E. 1). Weitere Ausführungen hie-
zu erübrigen sich, nachdem die Vorinstanz mit diesem Entscheid den vorinstanz-
lichen Ausführungen der Verteidigung gefolgt war (Urk. 39 S. 16 f.), diese den
Entscheid dann zwar mit Berufungserklärung vom 20. September 2012 implizit
angefochten hatte (Urk. 54 S. 2), dies an der Berufungsverhandlung aber nicht
mehr thematisierte.
4. Weisung betreffend Kontaktverbot
4.1. Die Vorinstanz erteilte der Beschuldigten in Anwendung von Art. 94
StGB die Weisung, während der Probezeit in keiner Weise Kontakt zur Privatklä-
gerin aufzunehmen oder durch Dritte aufnehmen zu lassen. Mit Berufungserklä-
rung vom 20. September 2012 sowie mit Plädoyer vom 5. Februar 2013 hat die
Verteidigung die Erteilung dieser Weisung explizit angefochten (Urk. 54 S. 2; Urk.
63 S. 12 Ziff. G.). Die Vorinstanz hat indes mit überzeugender Begründung erör-
tert, dass ein solches Kontaktverbot im Interesse der Beschuldigten liegt (Urk. 53
S. 23 f.). Die Weisung wahrt auch die Verhältnismässigkeit, zumal die Beschuldig-
te anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung erklärt hatte, dass sie sich
mit einem solchen Kontaktverbot abfinden könne (Urk. 38 S. 8) und auch vor dem
Berufungsgericht erklärte, dass sie sich weiterhin daran halten werde, auf keine
Weise mit der Privatklägerin in Kontakt zu treten (Urk. 62 S. 4). Die vorinstanzli-
che Weisung betreffend Kontaktverbot ist deshalb heute zu bestätigen.
VI. Zivilansprüche
1. Wie bereits erwähnt, hat die Beschuldigte den von der Privatklägerin gel-
tend gemachten Schaden von Fr. 630.– (für die Telefongespräche mit der Polizei
und der Staatsanwaltschaft sowie das Überbringen und Abholen ihres Mobiltele-
fons bei der Kantonspolizei ..., vgl. Urk. 16/4) vor Vorinstanz anerkannt und im
Rahmen des Berufungsverfahrens auch die erstinstanzliche Vormerknahme die-
- 20 -
ser Anerkennung explizit anerkannt (Urk. 54 S. 2), womit die vorinstanzliche Re-
gelung des Zivilpunktes in diesem Umfang bereits in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Wie bereits vor Vorinstanz verlangte die Verteidigung indes auch im
Rahmen ihrer Berufungserklärung vom 20. September 2012, dass die von der
Privatklägerin darüber hinaus geltend gemachte Schadenersatzforderung von
Fr. 135.– für die telefonischen Auskünfte dem Gutachter gegenüber (Urk. 34) ab-
zuweisen bzw. eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen sei (Urk. 39 S. 1 Ziff. 8;
Urk. 54 S. 2). Zur Begründung führt sie sinngemäss aus, dass diese Kosten nicht
anerkannt würden, da der Gutachter dieses Telefongespräch unrechtmässig ge-
führt habe (Urk. 39 S. 20). Mit ihrem Plädoyer vom 5. Februar 2013 teilte die Ver-
teidigerin dem Berufungsgericht mit, dass die Beschuldigte inzwischen (per
27. Juli 2012) ohne Wissen der Verteidigung den gesamten Betrag von Fr. 765.–
an die Privatklägerin bezahlt habe, wovon Vormerk zu nehmen sei, und belegt
dies mittels eines Kontoauszuges (Urk. 63 S. 12 f.; Urk. 64 S. 2). Die Verteidigerin
führte weiter aus, dass die Beschuldigte diese Zahlung "unpräjudiziell" geleistet
habe und "streng formell-rechtlich gesehen" der Staat diese Fr. 135.– bezahlen
müsste, da dieser Schaden der Privatklägerin durch unrechtmässig erhobene
Fremdauskünfte seitens des Gutachters resultierte (Urk. 63 S. 13).
Die Vorinstanz hat indes mit ausführlichen und zutreffenden Erwägungen
festgehalten, dass die Voraussetzungen der Schadenersatzpflicht der Beschuldig-
ten auch bezüglich dieser Forderung der Privatklägerin in der Höhe von Fr. 135.–
erfüllt sind. Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen kann auf diese Erwägun-
gen vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 53 S. 24 ff.). Ergänzend ist festzuhal-
ten, dass es sich beim Telefongespräch des Gutachters mit der Privatklägerin
entgegen der Auffassung der Verteidigung um ein rechtmässiges Explorationsge-
spräch gehandelt hatte (vgl. oben Ziff. II.2.), weshalb der der Privatklägerin in die-
sem Zusammenhang entstandene Schaden (in der Form entgangenen Gewinns)
weder von dieser noch vom Staat zu tragen ist, sondern eben von der Beschuldig-
ten, welche diesen widerrechtlich, kausal und schuldhaft verursacht hat.
3. Die Beschuldigte ist deshalb auch in zweiter Instanz zu verpflichten, der
Privatklägerin nebst der anerkannten Schadenersatzforderung weiteren Scha-
- 21 -
denersatz von Fr. 135.– zu bezahlen. Sodann ist davon Vormerk zu nehmen,
dass die Beschuldigte die Schadenersatzforderung der Privatklägerin von insge-
samt Fr. 765.– vollumfänglich bezahlt hat.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kostendis-
positiv (Ziffer 7) zu bestätigen. Sodann sind die Kosten des zweitinstanzlichen
Verfahrens, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, der Beschul-
digten zu zwei Dritteln aufzuerlegen und zu einem Drittel auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu
nehmen, vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
2. Die Beschuldigte ist heute mit einer bedingten Geldstrafe von 60 Ta-
gessätzen zu bestrafen. Sie war während 88 Tagen inhaftiert und hat demnach 28
Tage Überhaft erlitten, wofür ihr eine Genugtuung zuzusprechen ist (Art. 431 Abs.
2 StPO). Die Verteidigung verlangt sinngemäss eine Genugtuung von Fr. 100.–
pro Tag erlittener Überhaft (vgl. Anträge 3 - 5 in Urk. 63 S. 1; sowie Urk. 63 S. 11
mit Verweis auf Urk. 39 S. 20). Ausgehend von diesem Tagesansatz, der sich als
angemessen erweist, ist der Beschuldigten demnach eine Genugtuung von
Fr. 2'800.– zuzusprechen.