Decision ID: 1c636d57-f806-4eff-b93d-6e95bff16914
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Vergewaltigung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 3. Juli 2019 (DG190121)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 25. April 2019
(Urk. 20) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 48 S. 40 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte B._ wird freigesprochen.
2. Die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin A._ werden
abgewiesen.
3. Die folgenden sichergestellten und beim Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich
unter der ES-Nummer 18-02706 lagernden biologischen Spuren der Privatklägerin werden
eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zur Vernichtung
überlassen:
− Abstrich Vulva, SpurID/IRM: s18-07241
− Abstrich Vagina, SpurID/IRM: s18-07242
− Abstrich Zervix, SpurID/IRM: s18-07243
− Abstrich Anus, SpurID/IRM: s18-07244
− Abstrich Rectum, SpurID/IRM: s18-07245
− Abstrich Mund, SpurID/IRM: s18-07245
− Abstrich Hals rechts, SpurID/IRM: s18-07247
− Abstrich Hals links, SpurID/IRM: s18-07248
− Abstrich Schulter links, SpurID/IRM: s18-07249
− Abstrich Dekolletée, SpurID/IRM: s18-07250
− Abstrich Brust rechts, SpurID/IRM: s18-07251
− Abstrich Brust links, SpurID/IRM: s18-07252
− Abstrich Oberarm rechts, SpurID/IRM: s18-07253
− Abstrich Oberarm links, SpurID/IRM: s18-07254
− Abstrich Oberschenkelinnenseite rechts, SpurID/IRM: s18-07255
− Abstrich Oberschenkelinnenseite links, SpurID/IRM: s18-07256
− Fingernagelschmutz rechts, SpurID/IRM: s18-07257
− Fingernagelschmutz links, SpurID/IRM: s18-07258
− Speichel, SpurID/IRM: s18-07259
− WSA, SpurID/IRM: s18-07260
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− Ausgekämmte Schamhaare, SpurID/IRM: s18-07261
4. Die sichergestellte und beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenznummer
K180729-030 / 73324057 lagernde IRM-Fotografie (Asservat-Nr. A011'713'932) wird ein-
gezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zur Vernichtung
überlassen.
5. Die folgenden sichergestellten und beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenz-
nummer K180729-030 / 73324057 lagernden Kleider werden der Privatklägerin nach Eintritt
der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben oder nach unbenutztem Ablauf einer
dreimonatigen Frist von der Lagerbehörde vernichtet:
− Damenhose, Asservat-Nr. A011'713'987
− Damenbluse, Asservat-Nr. A011'713'998
− Damenunterwäsche, Asservat-Nr. A011'714'004
6. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'000.– Gebühr Vorverfahren
Fr. 1'147.05 Gutachten
Fr. 2'010.65 Gutachten
Fr. 9'527.35 unentgeltliche Vertretung Privatklägerin
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten des Verfahrens, inklusive derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der
Privatklägerschaft, werden auf die Gerichtskasse genommen.
8. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 26'280.95 (inkl. MwSt.) für die
anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
9. [Mitteilungen]
10. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 79)
1. Die Berufung der Privatklägerin sei abzuweisen und das Urteil der
Vorinstanz vollumfänglich zu bestätigen.
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2. Meinem Mandaten sei für das Berufungsverfahren eine Entschädigung
für die Kosten seiner Verteidigung zuzusprechen.
3. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 54; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Rechtsvertretung der Privatklägerin A._:
(Urk. 77)
1. Ziffer 1 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der Beschuldigte
sowie Berufungsbeklagte sei der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen.
2. Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und
- der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin sowie Beru-
fungsklägerin eine Genugtuung von Fr. 15'000.– zuzüglich Zins von 5
% seit dem 29. Juli 2018 zu bezahlen, und
- es sei festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatkläge-
rin grundsätzlich aus den Tathandlungen gemäss Anklage schadener-
satzpflichtig ist und es sei vorzumerken, dass die spätere Geltendma-
chung einer Schadenersatzforderung vorbehalten bleibt.
3. Ziffer 7 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und die Kosten des
erstinstanzlichen Verfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens inklusive Kosten der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung der Privatklägerin seien dem Beschuldigten aufzuer-
legen.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Hinsichtlich des Verfahrensverlaufs bis zum Abschluss des erstinstanzlichen
Prozesses kann auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid des Bezirks-
gerichts Zürich, 2. Abteilung, vom 3. Juli 2018 verwiesen werden (Urk. 48 S. 4 f.).
Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil sprach die Vorinstanz den Beschuldigten
vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Die Zivilforderungen der Privatklägerin
wurden abgewiesen, die Kosten des Verfahrens auf die Gerichtskasse genom-
men und dem Beschuldigten eine Prozessentschädigung von Fr. 26'280.95 zuge-
sprochen (Urk. 48 S. 40 ff.).
2. Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 15) liess die Privatklägerin
rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 44). Am 27. August 2019 versandte die
Vorinstanz das begründete Urteil an die Parteien (Urk. 47/1-3) und übermittelte in
der Folge die Anmeldung der Berufung zusammen mit den Akten dem Oberge-
richt.
3. Am 17. September 2019 reichte die Privatklägerin der erkennenden Kammer
rechtzeitig die schriftliche Berufungserklärung ein (Urk. 50). Die Staatsanwalt-
schaft Zürich-Limmat (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) verzichtete auf
Anschlussberufung (Urk. 54). Der Beschuldigte liess sich innert Frist nicht ver-
nehmen.
4. Am 28. August 2020 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 26. Novem-
ber 2020 vorgeladen (Urk. 57). Die heutige Berufungsverhandlung fand in Anwe-
senheit der Privatklägerin und ihrer unentgeltlichen Rechtsvertreterin, des Vertre-
ters der Staatsanwaltschaft sowie des Beschuldigten und seines erbetenen Ver-
teidigers statt (Prot. II S. 7).
II. Prozessuales
1.1. Die Privatklägerin verlangt im Berufungsprozess einen Schuldspruch und
infolgedessen die Zusprechung von Schadenersatz dem Grundsatze nach sowie
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eine Genugtuung in Höhe von Fr. 15'000.–. Ihre Berufung richtet sich gegen die
Dispositivziffern 1 (Freispruch), 2 (Abweisung der Zivilforderung der Privatkläge-
rin), 6 (Gerichtsgebühr), 7 (Kostenauflage) und auch 8 (Entschädigung des Be-
schuldigten) (Urk. 77 S. 1; Prot. II S. 9).
1.2. Gemäss Art. 402 StPO wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils im
Umfang der Anfechtung gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft nur die ange-
fochtenen Punkte des erstinstanzlichen Entscheids (Art. 404 Abs. 1 StPO). Aus-
gehend von den Berufungsanträgen der Privatklägerin ist festzuhalten, dass mit
Schuld- und Strafpunkt sowie Zivilpunkt auch das Kostendispositiv inkl. erstin-
stanzliche Kostenfestsetzung und die Entschädigung des Beschuldigten vollum-
fänglich angefochten sind. Demgegenüber blieben die Dispositivziffern 3, 4 und 5
(Asservate und Sicherstellungen) unangefochten. Hinsichtlich der zuletzt genann-
ten Punkte ist daher vorab mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzli-
che Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.
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2. Zu Recht hat bereits die Vorinstanz darauf hingewiesen, dass C._ aus-
schliesslich als polizeiliche Auskunftsperson befragt wurde, wobei weder der Be-
schuldigte noch dessen Verteidiger anwesend waren (vgl. Urk. 11 S. 1 e.c.). Ent-
sprechend könnte gegebenenfalls auf die anlässlich dieser Befragung deponierte
Aussagen nicht zum Nachteil des Beschuldigten abgestellt werden (vgl. Urk. 48 S.
9 f.).
Darüber hinaus wurden – wie bereits vorinstanzlich festgestellt (Urk. 48 S. 8 ff.) –
sämtliche Beweismittel, insbesondere sämtliche Einvernahmen der Privatklägerin
und des Beschuldigten, korrekt abgenommen und können ohne Einschränkung
verwertet werden.
3. Die Privatklägerin wurde, wie bereits in der Untersuchung, anlässlich der
Hauptverhandlung vor Vorinstanz ausführlich befragt und die Einvernahme mittels
Ton- und Bildträger festgehalten (vgl. Urk. 34 und 35). Vor diesem Hintergrund
kann auf eine neuerliche Einvernahme der Privatklägerin anlässlich der Beru-
fungsverhandlung verzichtet werden.
4. Beweisanträge wurden von keiner Seite gestellt (Prot. II S. 9). Die Strafsa-
che erweist sich als spruchreif, wobei bereits an dieser Stelle darauf hinzuweisen
ist, dass sich das urteilende Gericht nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich
auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss
(BGE 143 III 65 E. 5.2). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren
Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
III. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird in der Anklage vorgeworfen, am Sonntag, 29. Juli 2019,
zwischen 04.30 Uhr und 04.45 Uhr, zusammen mit der Privatklägerin und
C._ mit einem Uber-Taxi an seinen Wohnort an der D._-strasse in ...
Zürich gefahren zu sein. In der Wohnung hätten die genannten Personen zu-
nächst im Wohnzimmer alkoholische Getränke zu sich genommen. Nachdem
C._ nach kurzer Zeit auf dem Sofa eingeschlafen sei, hätten sich der
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Beschuldigte und die Privatklägerin in das Schlafzimmer des Beschuldigten be-
geben, wo sie sich auf das Bett des Beschuldigten gelegt hätten. Der Beschuldig-
te habe in der Folge begonnen, an den Jeansshorts der Privatklägerin, welche sie
noch angehabt habe, zu ziehen und habe versucht, der Privatklägerin die Shorts
auszuziehen, worauf diese mit den Worten "stop it" zu verstehen gegeben habe,
dass sie dies nicht wolle. Gleichzeitig habe die Privatklägerin versucht, den
Beschuldigten von sich weg zu drücken, was ihr aber nicht gelungen sei, da der
Beschuldigte zu schwer gewesen sei. Es sei dem Beschuldigten letztlich gelun-
gen, ihr die Kleider (Jeansshorts, Unterwäsche, T-Shirt und BH) auf nicht mehr
nachvollziehbare Weise auszuziehen, obwohl sich die Privatklägerin mit Händen
und Füssen dagegen gewehrt habe. Danach habe der Beschuldigte seine Finger
in die Vagina der Privatklägerin eingeführt. Sodann habe er sich kurz abgewen-
det, um eine Kondom über seinen Penis zu streifen, wobei es der Privatklägerin
gelungen sei, ihre Unterhose wieder anzuziehen. Der Beschuldigte habe ihr die
Unterhose wieder ausgezogen und sei vaginal in sie eingedrungen. Da sich die
Privatklägerin abermals dagegen gewehrt habe, insbesondere, indem sie den Be-
schuldigten mit den Beinen umschlungen und zur Seite gedreht habe, sei der Pe-
nis des Beschuldigten aus der Vagina der Privatklägerin gerutscht. Der Beschul-
digte habe die Privatklägerin daraufhin wieder auf den Rücken gedreht und sei
erneut vaginal in die eingedrungen und habe gegen ihren Willen den Ge-
schlechtsverkehr mit ihr vollzogen. Während des Aktes habe er sie aufgefordert,
ihn anzuschauen ("look at me"). Da die Privatklägerin dieser Aufforderung nicht
nachgekommen sei, habe der Beschuldigte ihren Kiefer gepackt und ihren Kopf
zu sich gedreht. Dabei habe er seinen Arm auf ihren Hals abgestützt, wodurch die
Privatklägerin nicht mehr gut habe atmen können. Ab diesem Zeitpunkt habe sich
die Privatklägerin nicht mehr gewehrt und habe den Geschlechtsverkehr über sich
ergehen lassen (Urk. 20 S. 2).
2. Erstellung Sachverhalt
2.1 Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte bestätigte in der Berufungsverhandlung – wie bereits im erst-
instanzlichen Verfahren – den in der Anklage beschriebenen Handlungsablauf vor
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dem sexuellen Akt und anerkannte zudem von Beginn weg, in der fraglichen
Nacht in seiner Wohnung den Beischlaf mit der Privatklägerin vollzogen zu haben.
Der Geschlechtsverkehr sei aber einvernehmlich gewesen (Urk. 8 S. 2, Urk. 9 S.
2, S. 9 f., Urk. 10 S. 9 ff., Urk. 36 S. 10, S. 18 ff., Urk. 76 S. 6 und S. 8 f.). Der re-
levante Sachverhalt ist demzufolge zu erstellen.
2.2 Allgemeine Grundsätze
2.2.1 Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es
nach seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Untersuchungsakten ge-
schöpften Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen
unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der
angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten günstigeren
Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO).
Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, ist zu unterschei-
den zwischen der allgemeinen Glaubwürdigkeit der Aussageperson und der
Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen. Der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer
Person kommt allerdings eher untergeordnete Bedeutung zu. In erster Linie ist
nicht auf die prozessuale Stellung der Beteiligten abzustellen, sondern auf den
materiellen Gehalt ihrer Aussagen. Bei der Abklärung des Wahrheitsgehalts von
Aussagen hat sich die sogenannte Aussageanalyse durchgesetzt. Nach deren
empirischem Ausgangspunkt erfordern wahre und falsche Schilderungen unter-
schiedliche geistige Leistungen. Überprüft wird dabei in erster Linie die Hypothe-
se, ob die aussagende Person unter Berücksichtigung der Umstände, der intellek-
tuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne rea-
len Erlebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Wei-
se vorgenommen, dass eine Aussage durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente
Qualitätsmerkmale, sogenannte Realkennzeichen) und Bewertung der Entste-
hungsgeschichte sowie des Aussageverhaltens auf Fehlerquellen überprüft und
die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert werden. Bei der
Glaubhaftigkeitsbewertung ist immer davon auszugehen, dass die Aussage auch
nicht realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass diese Unwahrhypo-
these (Nullhypothese) mit den erhobenen Fakten nicht mehr in Übereinstimmung
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stehen kann, so wird sie verworfen. Es gilt dann die Alternativhypothese, dass die
Aussage wahr sei (BGE 133 I 33 E. 4.3; 129 I 49 E. 5.; je mit Hinweisen). Zu ach-
ten ist inhaltlich auf Strukturbrüche innerhalb einer Aussage, auf Über- oder Un-
tertreibungen, auch auf Widersprüche, vor allem aber auf das Vorhandensein ei-
ner hinreichenden Zahl von Realitätskriterien und das Fehlen von Lügensignalen
(BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, 3. Aufl., 2007, S. 68
ff. und S. 72 ff.).
2.2.2 Gemäss dem in Art. 32 Abs. 1 BV und in Art. 10 Abs. 1 StPO verankerten
Grundsatz "in dubio pro reo" (im Zweifel für den Beschuldigten) ist bis zum ge-
setzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass die wegen einer strafbaren
Handlung beschuldigte Person unschuldig ist (BGE 137 IV 219 E. 7.3; BGE 127 I
38 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts Nr. 6B_617/2013 vom 4. April 2014, E. 1.2;
PRA 2002 Nr. 2 S. 4 f.). Ein Schuldspruch darf mit anderen Worten nie auf blosser
Wahrscheinlichkeit beruhen, sondern darf nur erfolgen, wenn die Schuld des
Beschuldigten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist, das heisst Beweise dafür
vorliegen, dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten objektiv und subjektiv den
ihm zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Von diesen Grundsätzen
darf auch nicht abgewichen werden mit der Begründung, dass sich das Opfer ei-
ner Straftat manchmal in einem eigentlichen Beweisnotstand befindet, weshalb es
in solchen Fällen ausreiche, wenn die Sachdarstellung des Opfers zumindest
nicht unglaubhaft wirke. Das heisst umgekehrt nicht, dass bei einer Aussage ge-
gen Aussage Situation stets ein Freispruch zu ergehen hat. Die Qualität der Aus-
sagen muss aber in solchen Fällen bei einem Schuldspruch deutliche Unterschie-
de aufweisen in dem Sinne, dass die Validität der Aussage des Opfers sehr hoch
ist und/oder jene der Aussagen des Beschuldigten sehr tief.
3. Beweismittel
Beim vorliegenden Anklagevorwurf handelt es sich um ein klassisches "Vierau-
gen" - Delikt. Zur Erstellung des Anklagesachverhalts stehen daher primär die
Aussagen der Privatklägerin (Urk. 5, Urk. 6 und deren Videoaufzeichnung Urk. 7,
Urk. 34 und deren Videoaufzeichnung Urk. 35) und diejenigen des Beschuldigten
(Urk. 8, Urk. 9, Urk. 10, Urk. 36, Urk. 76) im Vordergrund. Ferner liegen die Aus-
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sagen der Auskunftsperson C._ (Urk. 11), ein pharmakologisch-
toxikologisches Gutachten vom 20. September 2018 (Urk. 12/4), ein Gutachten
zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin vom 23. Oktober 2019 (Urk.
12/5), ein
DNA-Gutachten vom 7. November 2018 (Urk. 12/7), jeweils mit Beilagen, erstellt
durch das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich, ein vorläufiger Aus-
trittbericht der psychiatrischen Universitätsklinik vom 23. Oktober 2018 (Beilage
zu Urk. 6), ärztliche Berichte von psychcentral, Zentrum für Psychiatrie und Psy-
chotherapie vom 21. Mai 2019 und 25. Juni 2019 (Urk. 30 bzw. Urk. 39/2) sowie
ein Bericht der Frauenberatung sexuelle Gewalt Zürich vom 27. Juni 2018
(Urk. 39/1) bei den Akten. Darüber hinaus liegen die Auswertungen des Forensi-
schen Instituts Zürich zur Spurensicherung (Urk. 12/2 und 12/3) sowie diverse
Screenshots von WhatsApp-Verläufen auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin
und Facebook-Messenger-Nachrichten (Urk. 4 sowie Beilagen zu Urk. 6) vor. Da-
rauf kann grundsätzlich – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – vorab
verwiesen werden (Urk. 48 S. 9 ff.).
4. Beweiswürdigung
4.1 Vorweg gilt festzuhalten, dass sich die Vorinstanz differenziert, genau und
eingehend mit den Deposition der Privatklägerin, des Beschuldigten und den
weiteren Beweismitteln, insbesondere den Gutachten des IRM sowie dem Bericht
der Frauenberatung sexuelle Gewalt Zürich, auseinander gesetzt hat. Sie gab die
Aussagen der Privatklägerin und des Beschuldigten korrekt wieder und würdigte
diese sowie die Glaubhaftigkeit der genannten Parteien zutreffend. Darauf kann
vorab grundsätzlich verwiesen werden (Urk. 48 S. 11 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO).
Ergänzend bzw. teilweise präzisierend ist Folgendes festzuhalten:
4.2.1 Mit der Vorinstanz ist zunächst festzustellen, dass hinsichtlich der Vor-
geschichte, namentlich dem Kennenlernen, der Uber-Fahrt an den Wohnort des
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Beschuldigten, dem kurzen Umtrunk daselbst sowie dem darauffolgenden
Einschlafen von C._ und dem zu Bett Gehen der Privatklägerin und des Be-
schuldigten in dessen Schlafzimmer, ferner auch hinsichtlich des alkoholisierten
Zustandes sowohl der beiden Männer als auch der Privatklägerin, im Grundsatz
übereinstimmende, glaubhafte Aussagen der Privatklägerin, des Beschuldigten
und C._ vorliegen, womit diese grundsätzlich als rechtsgenügend erstellt er-
achtet werden kann.
4.2.2 Die wenigen eruierbaren Diskrepanzen in den Aussagen zur Vorgeschichte
betreffen zum Einen die Frage, mit wem die Privatklägerin mehr gesprochen habe
und was genau im Wohnzimmer besprochen worden war. Der diesbezügliche
Schluss der Vorinstanz, dass die Aussagen von C._, die Privatklägerin habe
am meisten mit dem Beschuldigten gesprochen, überzeuge, da die Privatklägerin
im Taxi hinten neben dem Beschuldigten gesessen sei und C._ relativ
schnell in der Wohnung des Beschuldigten eingeschlafen sei (Urk. 48 S. 15), ist
überzeugend. Dies unter dem Hinweis, dass weder die anderslautenden Aussa-
gen der Privatklägerin (sie habe mehr mit C._ gesprochen, vgl. Urk. 5 S. 7)
noch diejenigen des Beschuldigten (es sei etwa ausgeglichen gewesen, vgl. Urk.
9 S. 4) deshalb als bewusst falsch zu werten wären. Vielmehr scheint es dem
Umstand geschuldet, dass sämtliche Protagonisten dannzumal alkoholisiert und
aufgrund der durchfeierten Nacht wohl auch übermüdet waren. Zu Recht wies die
Vorinstanz auch darauf hin, dass die Privatklägerin nicht in der Lage gewesen
war, den Beschuldigten zu identifizieren (vgl. Urk. 2 S. 4, Urk. 6 S. 29), was nahe-
legt, dass sie auch hinsichtlich des hauptsächlichen Gesprächspartners am fragli-
chen Morgen die beiden Männer verwechselt haben könnte (vgl. Urk. 48 S. 15).
4.2.3 Soweit die Privatklägerin sodann darauf hinwies, sie habe den beiden Män-
ner mehrfach gesagt, dass sie "nichts von ihnen wolle" (Urk. 5 S. 8, Urk. 6 S. 7 f.,
Urk. 34 S. 18 ff.), während der Beschuldigte erklärte, die Privatklägerin habe
gesagt, bisexuell zu sein und eher auf Frauen zu stehen (Urk. 9 S. 4, Urk. 10 S. 5,
Urk. 36 S. 10, S. 14) ist zunächst wesentlich, dass sich die beiden Aussagen
gegenseitig nicht ausschliessen. Zudem sind sie vom Kerngehalt zumindest da-
hingehend kongruent, dass von Seiten der Privatklägerin das Thema des sexuel-
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len Interesses am Beschuldigten bzw. an C._ offensichtlich angeschnitten
wurde, wobei die Privatklägerin ein solches – zumindest sinngemäss – verneinte.
4.2.4 Schliesslich wies die Vorinstanz zu Recht darauf hin, dass allfällige Unter-
schiede in den Aussagen betreffend die Frage, ob die Beschuldigte schon von
Anfang an mit den Männern in die Wohnung fahren wollte und ob hinsichtlich der
Frage, wo sie nächtigen solle, vom Beschuldigten zunächst angeboten worden
sei, sie könne im Gästezimmer schlafen, letztlich nicht relevant sind. Wesentlich
und auch von der Privatklägerin unzweifelhaft eingeräumt ist, dass sie freiwillig in
die Wohnung des Beschuldigten mitging, um dort noch etwas zu trinken, und dass
sie in der Folge auch aus freien Stücken entschied, im gleichen Bett wie der Be-
schuldigte zu schlafen (vgl. Urk. 6 S. 7, Urk. 34 S. 13, S. 19).
4.3.1 In Bezug auf das Kerngeschehen bzw. den eigentlichen Anklagevorwurf
stimmt der Beschuldigte – wie ausgeführt – einzig dahingehend mit der Privat-
klägerin überein, dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen sei (Urk. 8 S. 2,
Urk. 9 S. 2, S. 9 f., Urk. 10 S. 9 ff., Urk. 36 S. 10, S. 18 ff., Urk. 76 S. 6 und S. 8
f.). Den Vorwurf der Vergewaltigung bestritt der Beschuldigte durchwegs (Urk. 9
S. 9, Urk. 10 S. 12 ff., Urk. 36 S. 18 ff.; Urk. 76 und Urk. 79). Im Einzelnen schil-
derte der Beschuldigte konstant einen einvernehmlichen One-Night-Stand, wel-
cher mit Kuscheln und intimen Berührungen der Vagina der Privatklägerin begon-
nen habe, sodann, nachdem er ein Kondom geholt habe, in Geschlechtsverkehr
in "Missionarsstellung" gemündet und schliesslich in dem Moment geendet habe,
in welchem die Privatklägerin "stop" gesagt habe (Urk. 9 S. 9 ff, Urk. 10 S. 12 ff.,
Urk. 36 S. 10, S. 18 ff.; Urk. 76 S. 6 und S. 8 f.). Der Beschuldigte bestritt dezi-
diert, dass sich die Privatklägerin, wie von ihr gleichbleibend ausgeführt, gegen
die sexuellen Handlungen und den Geschlechtsverkehr gewehrt habe (Urk. 9 S.
7, S. 9, Urk. 10 S. 12, Urk. 36 S. 19 f., S. 23; Urk. 76 S. 8 f.). Ebenso widersprach
er ihren Ausführungen, dass er Gewalt angewendet habe oder auch nur ein Un-
wohlsein bei der Privatklägerin bemerkt habe (Urk. 9 S. S. 7, S.9, , Urk. 10 S. 12,
Urk. 36 S. 19 f., S. 23, Urk. 76 S. 8 f.). In eklatantem Widerspruch dazu stehen die
Aussagen der Privatklägerin, welche zu Protokoll gab, gegen ihren Willen vom
Beschuldigten ausgezogen und zum Beischlaf gezwungen worden zu sein (Urk. 5
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S. 8 ff., Urk. 6 S. 9 ff., S. 17 ff., S. 32, Urk. 34 S. 22 ff.), wobei sie sich sowohl ge-
gen das Ausziehen, als auch gegen den darauffolgenden Geschlechtsverkehr
massiv körperlich und verbal gewehrt habe, indem sie sich abgedreht, den Be-
schuldigten weggestossen, ihn mit den Beinen gekickt und mehrere Male "stop"
gesagt habe (Urk. 5 S. 8, S 10 ff., Urk. 6 S. 9 ff. S. 17 ff., S. 32, Urk. 34 S. 21 ff.).
4.3.2 Die Vorinstanz hat überzeugend dargelegt, dass die Depositionen sowohl
des Beschuldigten als auch der Privatklägerin hinsichtlich der Wahrnehmung der
intimen Handlungen und des Geschlechtsverkehrs sowie auch in Bezug auf die
Geschehnisse im Vorfeld bzw. unmittelbaren Nachgang dazu frei von auffälligen
Brüchen oder gar Lügensignalen sind (Urk. 48 S. 25, S. 28). Sie wirken sowohl
beim Beschuldigten als auch bei der Privatklägerin als insgesamt authentisch.
4.3.3 Hinsichtlich der Aussagen des Beschuldigten erscheint dabei – wie bereits
die Vorinstanz zu Recht feststellte – wesentlich, dass der Beschuldigte auf kriti-
sche Nachfrage hin stets überzeugende und realistische Präzisierungen anzufü-
gen vermochte, so beispielsweise, wenn er auf entsprechende Nachfrage erklär-
te, er sei nicht "gekommen", da er damit Mühe habe, wenn er getrunken habe
(Urk. 9 S. 11, Urk. 10 S. 15). Zudem fällt auf, dass der Beschuldigte in keiner Art
und Weise übertriebene Schilderungen betreffend die Einvernehmlichkeit des Ge-
schlechtsverkehrs oder der gemeinsam verbrachten Nacht zu Protokoll gab, was
durchaus naheliegend erschiene, hätte er sich einer erfundenen Geschichte be-
dienen wollen. So räumte der Beschuldigte beispielsweise sofort ein, dass die Ini-
tiative hinsichtlich der Annäherungen von ihm gekommen sei, dass er den aktive-
ren Part gespielt habe (Urk. 9 S. 7, Urk. 10 S. 11; Urk. 76 S. 7), und er räumte zu-
dem auch ein, dass es durchaus einen Punkt gegeben habe, an welchem die Pri-
vatklägerin offenbar keine weiteren sexuellen Handlungen mehr gewollt habe und
sie "stop" gesagt habe (Urk. 9 S. 11 f., Urk. 10 S. 10, S. 15, Urk. 36 S. 20), wobei
er dann sofort aufgehört habe (Urk. 76 S. 6). Als gewichtig erscheint in diesem
Zusammenhang mit der Verteidigung (Urk. 79 S. 2) insbesondere auch, dass der
Beschuldigte sich – anfänglich vorgeladen als nicht beschuldigte Auskunftsperson
– ungezwungen bzw. sogar ungefragt, aus freien Stücken dahingehend äusserte,
mit der Privatklägerin Sex gehabt zu haben (Urk. 8 S. 2) und damit überhaupt erst
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als möglicher Täter ins Blickfeld der Untersuchungsbehörden geriet. Diese Um-
stände sprechen grundsätzlich durchaus für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen.
4.3.4 Indessen sind auch die belastenden Aussagen der Privatklägerin im We-
sentlichen konstant, in sich geschlossen und widerspruchsfrei. Es sind keinerlei
Anhaltspunkte im Aussageverhalten auszumachen, dass sie den Beschuldigten
zu Unrecht oder übermässig hätte belasten wollen, vielmehr wirken die Depositio-
nen insgesamt zurückhaltend, die Privatklägerin lastet dem Beschuldigten weder
ausgeprägte Gewalttätigkeit vor, noch sind Anhaltspunkte gegeben, dass sie ihr
eigenes Verhalten beschönigen möchte. So verneinte sie, bedroht oder geschla-
gen worden zu sein (Urk. 5 S. 11, Urk. 6 S. 18 S. 19, Urk. 34 S. 22, S. 27) und
räumte ein, freiwillig beim Beschuldigten im Bett übernachtet zu haben (Urk. 5 S.
8, Urk. 6 S. 8, Urk. 34 S. 18 ff.). Schliesslich gab die Privatklägerin auch Wissens-
lücken zu, so zum Beispiel, dass sie nicht mehr genau wisse, ob sie während dem
Geschlechtsverkehr den BH noch angehabt habe (Urk. 6 S. 19 f.), und bestätigte
durchaus auch Aussagen des Beschuldigten als möglich oder richtig, welche aus
ihrer Sicht zunächst nicht geschildert wurden, etwa den Umstand, dass der
Beschuldigte ihr im Bett ein Glas Wasser angeboten habe und gefragt habe, ob
alles ok sei (Urk. 6 S. 32, Urk. 34 S. 29). Die Aussagen der Privatklägerin enthal-
ten aber auch zahlreiche spezielle Details, welche zu aussergewöhnlich erschei-
nen, als das sie in einer konstruierten, erfundenen Schilderung Platz finden wür-
den. Als solchermassen spezielles Detail erscheint zunächst die Schilderung,
dass sie zwischenzeitlich die bereits ausgezogene Unterhose wieder habe anzie-
hen können und sodann vom Beschuldigten ein zweites Mal ausgezogen worden
sei (Urk. 5 S. 11, Urk. 6 S. 9, Urk. 34 S. 26). Auch die Schilderungen, wie sie sich
am Schluss in die Decke eingerollt habe (Urk. 5 S. 12, Urk. 34 S. 30) bzw. an-
fänglich die Decke zwischen sich und den Beschuldigten geschoben habe (Urk. 5
S. 8,), stellen Details dar, welche als zu spezifisch erscheinen, als dass sie erfun-
den sein könnten. Darüber hinaus ist den Ausführungen der Geschädigtenvertre-
terin zu folgen, dass kein Motiv für falsche Belastungen ersichtlich ist (vgl. Prot. I
S. 12): Der Beschuldigte und die Privatklägerin kannten sich gemäss überein-
stimmenden Aussagen nicht. Zudem war die Privatklägerin erwachsen, lebte al-
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lein und ohne feste Beziehung. Vor diesem Hintergrund bestand etwa keinerlei
Notwendigkeit, einen One-Night-Stand bzw. Seitensprung zu verheimlichen.
Schliesslich zeugt auch der aktenkundige Chatverkehr der Privatklägerin mit einer
Freundin, geführt nur wenige Stunden nach dem Verlassen der Wohnung des
Beschuldigten, von den widrigen Gefühlen der Klägerin hinsichtlich des Erlebten:
"[...] ha när so halbe sex mit em einte gha aber hami würkli voll gwehrt u versu-
echt wegzcho und bi denn halt woni wegcho bi chleider gschnappet u use grennt
[...]" (Urk. 6 Anhang). Im weiteren hat bereits die Vorinstanz detailliert und folge-
richtig dargelegt, wie die Privatklägerin im Rahmen des Chats mit sich hadert,
sich nicht genügend gewehrt zu haben, andererseits jedoch bereits damals
schrieb :"[...] Aber ha jetzt eh scho gseit i zeig si aa du i meine nächhär bini ja
würkli sehr sehr offensichtlich am versueche wegzcho gsi das chönd si jetzt würkli
nid irgendwie falsch verstande ha [...]" (Urk. 6 Anhang).
An dieser Stelle ist aber auch darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin ihrer
Freundin an anderer Stelle schrieb, sie sei in der Wohnung mit zwei Männern am
"schlägle" gewesen und sie habe eigentlich bereits im Taxi weggewollt - beides
Schilderungen, welche die Privatklägerin anlässlich der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung nicht aufrecht erhielt bzw. explizit als falsch korrigierte (Urk. 34 S.
33).
Auch wenn sich diesbezüglich kein Hinweis auf eine Falschaussage hinsichtlich
der im Verfahren stets konstant und ausschliesslich auf den Beschuldigten bezo-
genen Vorwürfe ableiten lässt, erscheint die Diskrepanz zu den späteren Schilde-
rungen dennoch augenfällig und lässt sich nicht allein damit erklären, dass die
Nachrichten "schnell, schnell" getippt wurden bzw. ein einfacher Schreibfehler
vorliege (so die Privatklägerin anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung,
vgl. Urk. 34 S. 33 und vor Berufungsinstanz Urk. 77 S. 13). Es ist darauf nachfol-
gend unter Ziff. 4.4.5 zurückzukommen.
Jedenfalls nicht gegen die Glaubhaftigkeit der belastenden Aussagen der Privat-
klägerin spricht im Weiteren – wie durch die Vorinstanz korrekt darlegt – die im
Protokoll der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 20. Dezember 2018
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festgehaltene Präzisierung der Privatklägerin, sie habe wohl eine Slipeinlage in
der Unterhose gehabt, indessen seien ihre Menstruationstage fast gänzlich vo-
rüber gewesen, ansonsten sie keinen Sex gehabt hätte (vgl. Urk. 6 S. 32). Wie
sich aus der Videoaufnahme besagter Einvernahme zweifelfrei ergibt, wurde die-
se Aussage falsch interpretiert und entsprechend missverständlich protokolliert.
Die mündliche Aussage der Privatklägerin zielte offensichtlich darauf, dass sie im
entsprechenden Zustand – d.h. in der Zeit, als sie noch ein wenig geblutet habe –
ganz generell keinen Sex gewollt hätte und markiert damit eine Verstärkung der
Aussage, dass sie mit dem Beschuldigten keinesfalls einvernehmlich Sex hätte
haben wollen.
Insgesamt ist den Schlussfolgerungen der Vorinstanz, welche die Aussagen der
Privatklägerin als authentisch und grundsätzlich widerspruchsfrei würdigte und
von einem realen Erlebnishintergrund ausging, zu folgen. Einzig die vorerwähnten
Abweichungen der Handlungsschilderungen in den Whats App Nachrichten,
beinhaltend die Schilderungen von zwei Tätern und Gegenwehr bereits im Taxi
und im Wohnzimmer, lassen sich mit den Aussagen nicht gänzlich in Einklang
bringen. Insgesamt ist aber mit der Vorinstanz von glaubhaften Depositionen aus-
zugehen.
4.4.1 Vor dem Hintergrund, dass entsprechend keiner der beiden unterschiedlich
geschilderten Versionen der massgeblichen Geschehnisse eine offenkundige vor-
oder nachrangige Glaubhaftigkeit attestiert werden kann, kommt der Würdigung
von ergänzenden Tatumständen sowie weiteren Beweismitteln entscheidende
Bedeutung zu:
4.4.2 In diesem Zusammenhang hat die Vorinstanz berechtigterweise auf den
Umstand hingewiesen, dass während der fraglichen Tatzeit in der Wohnung des
Beschuldigten an jenem Morgen nebst dem Beschuldigten und der Privatklägerin
auch C._ sowie zusätzlich ein belgisches Paar übernachtet haben. Bei einer
Vergewaltigung hätte der Beschuldigte zwingend in Kauf nehmen müssen, dass
diese Personen Zeugen der Tat geworden wären, hätte er doch zumindest damit
rechnen müssen, dass sein Opfer unter Umständen schreien oder sich sehr laut
zur Wehr setzten würde und seine Gäste daher aufwachen würden. Die Vo-
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rinstanz schloss zu Recht, dass dieser Umstand die Darstellung des
Beschuldigten, der Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich erfolgt, stützt
(vgl. Urk. 48 S. 26).
4.4.3 Als weiteres entlastendes Beweiselement ist der Umstand zu werten, dass
die von der Privatklägerin anlässlich ihres Aufenthaltes in der Wohnung des Be-
schuldigten getragenen Kleider keinerlei Beschädigungen aufwiesen (Urk. 12/3
e.c.). Dieser Umstand spricht gegen ein gewaltsames Entkleiden der Privatkläge-
rin. Folgte man diesbezüglich den Aussagen der Privatklägerin, welche sich mit
Händen und Füssen gegen das Ausziehen zumindest der Shorts und der Unter-
wäsche gewehrt haben will (vgl. Urk. 5 S. 8 f., Urk. 6 S. 18 Urk. 34 S. 23), wäre zu
erwarten gewesen, dass die Kleidung entsprechende Spuren, wie beispielweise
Risse oder fehlende Knöpfe, aufgewiesen hätte. Dem war jedoch nicht so.
4.4.4 Was das Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin durch
das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 23. Oktober 2018 anbe-
langt, hat die Vorinstanz korrekt festgestellt, dass dessen Ergebnisse die Tatvor-
würfe weder stützen noch widerlegen. Die festgestellten Verletzungen, namentlich
Einrisse an der Schleimhaut der hinteren Kommissur der Vulva, Blutergüsse an
der rechten Halsseite, am Dekolleté links sowie an der linken Schulterrückseite,
ferner Hautrötungen an der linken Schulterrückseite sowie an der rechten Ober-
schenkelinnenseite (Urk. 12/5 S. 4) sind sowohl mit den Schilderungen der Privat-
klägerin vereinbar, könnten aber ebenso im Rahmen eines einvernehmlichen Ge-
schlechtsaktes, wie vom Beschuldigten geschildert, entstanden sein.
4.4.5 Hinsichtlich des vorgenannten Umstandes, dass die die Privatklägerin in ih-
ren WhatsApp Nachrichten von zwei Tätern schrieb und zudem bereits von Ab-
wehr im Taxi bzw. im Wohnzimmer des Beschuldigten schrieb, was sie selbst
nachträglich als falsch darstellte, ist festzuhalten, dass anhand dieser Schilderung
zumindest die Frage und damit auch der (Rest-)Zweifel im Raum steht, ob sich
die von der Privatklägerin subjektiv wahrgenommenen und entsprechend geschil-
derten Übergriffe effektiv objektiv realisierten bzw. inwieweit sich die Ablehnung
und Abwehr der Privatklägerin äusserlich in dem Ausmass in konkreten Handlun-
gen manifestierte, wie es der inneren Wahrnehmung der Privatklägerin entsprach.
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4.5 Die Vorinstanz schloss angesichts der vorstehend dargestellten und analy-
sierten Beweislage überzeugend, dass die Privatklägerin in der fraglichen Nacht
bzw. den Morgenstunden des 29. Juli 2018 mit Sicherheit etwas erlebte, das nicht
ihrem eigentlichen Willen entsprach. Dem ist, insbesondere unter Berücksichti-
gung des Umstandes, dass die Privatklägerin in der Folge psychologischer Unter-
stützung bedurfte und ihr von ihren Psychotherapeuten (E._ und Dr. med.
F._) eine posttraumatische Belastungsstörung attestiert wurde (Urk. 39/2 S.
2), beizupflichten. Indessen sprechen aber, wie vorstehend dargetan und bereits
durch die Vorinstanz mit Fug festgestellt, auch gewichtige Indizien für den Wahr-
heitsgehalt der Aussagen des Beschuldigten. Stellt man die zu Protokoll gegeben
Versionen gegenüber, so erscheint letztlich jene des Beschuldigten nicht weniger
glaubhaft als jene der Privatklägerin. Keinesfalls könnte gesagt, werden, dass jeg-
liche vernünftige Zweifel bezüglich der Verwirklichung des Anklagesachverhaltes
ausgeschlossen seien. Und selbst wenn man von dessen objektiver
Verwirklichung ausginge, bliebe jedenfalls nicht zweifelsfrei erwiesen, dass der
Beschuldigte erkannte, dass die Privatklägerin den Geschlechtsverkehr nicht
vollziehen wollte.
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5. Fazit
Vor diesem Hintergrund kann weder in objektiver noch in subjektiver Hinsicht
rechtsgenügend erstellt werden, dass der Beschuldigte die Privatklägerin im Sin-
ne der Anklage zum Geschlechtsverkehr gezwungen hat.
Der Beschuldigte ist damit nach dem Grundsatz in dubio pro reo freizusprechen.
IV. Zivilansprüche
1. Die Privatklägerin macht im Berufungsverfahren einen Genugtuungsan-
spruch in Höhe von Fr. 15'000.– zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 29. Juli 2018 gel-
tend und beantragt darüber hinaus die Feststellung einer grundsätzlichen Scha-
denersatzpflicht (Urk. 77 S. 17 f.).
2. Gestützt auf das vorstehende Ergebnis zum Schuldpunkt besteht mangels
festgestellten unerlaubten Handelns des Beschuldigten keine Rechtsgrundlage für
die Zusprechung der von der Privatklägerin geltend gemachten Zivilforderungen
(Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO). Diese sind entsprechend abzuweisen.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Da es im Berufungsverfahren beim vorinstanzlichen Freispruch bleibt, ist
das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv gemäss Dispositivzif-
fern 6, 7 und 8 des angefochtenen Entscheids ausgangsgemäss zu bestätigen
(Art. 426 Abs. 1 StPO).
2.1 Die Privatklägerin unterliegt mit ihren Anträgen vollumfänglich. Da ihr die
unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde (Urk. 16/4), hat sie die Kosten ihrer
unentgeltlichen Rechtsvertretung für das Berufungsverfahren einstweilen nicht zu
tragen. Sie werden auf die Gerichtskasse genommen, unter Vorbehalt der Rück-
forderung nach Art. 135 Abs. 4 und Art. 138 Abs. 1 StPO (vgl. dazu BGE 143
IV 154 E. 2.3.5).
2.2 Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin macht ein Honorar
von Fr. 4'312.40 geltend (Urk. 78), was ausgewiesen und angemessen ist. Zu-
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sätzlich ist der Aufwand für die Berufungsverhandlung und eine Nachbespre-
chung, d.h. insgesamt 4 1⁄2 Stunden an Fr. 200.– zzgl. MwSt., zu erstatten, wes-
halb die unentgeltliche Rechtsvertreterin mit insgesamt Fr. 5'378.65 zu entschädi-
gen ist.
2.3 Der Beschuldigte macht für die Aufwendungen und Barauslagen seines erbetenen Verteidigers im Berufungsverfahren insgesamt Fr. 9'867.30 geltend (Urk. 80). Das geltend gemachte Honorar erweist sich als ausgewiesen und angemessen. Da lediglich die Privatklägerin gegen den vorinstanzlichen  Berufung erhob, ist die unterliegende Privatklägerin im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechungen zu verpflichten, dem Beschuldigten eine Prozessentschädigung von Fr. 9'867.30 für anwaltliche Verteidigung zu leisten (BGE 141 IV 476). Dies gilt unabhängig davon, ob der Privatklägerin die  Rechtspflege gewährt wurde.
Weitergehende Entschädigungen oder eine Genugtuung wird seitens des  nicht geltend gemacht.