Decision ID: ebd29736-8a5e-541a-b269-22367a300464
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X und Y Z haben eine Tochter und wohnen in einem Terrassenhaus in A, an
welchem sie gemäss Begründungserklärung vom 28. Oktober 2008 je zur Hälfte
Eigentum erworben haben. Im Jahr 2009 waren sie Eigentümer einer Wohnung sowohl
in A als auch in B. X Z ist als Geschäftsführer bei der C AG tätig, welcher er als
Verwaltungsratspräsident vorsteht. Zudem ist er einziges Verwaltungsratsmitglied der
D AG. Y Z ist ebenfalls bei der C AG angestellt und arbeitet ausserdem in einer
Kinderkrippe.
B.- Für 2009 deklarierten X und Y Z Einkünfte von Fr. 238'358.-- sowie allgemeine
Abzüge von Fr. 91'017.--. Die Veranlagungsbehörde rechnete die Pauschalspesen von
Fr. 13'000.-- zum steuerbaren Einkommen und liess nicht die tatsächlichen
Berufskosten von Fr. 6'000.--, sondern lediglich die Berufskostenpauschale zum Abzug
zu. Sodann reduzierte sie die geltend gemachten Schuldzinsen von Fr. 30'680.-- auf
Fr. 21'182.-- und nahm eine Korrektur der Krankheitskosten vor. Das steuerbare
Einkommen für die direkte Bundessteuer 2009 wurde in der Folge auf Fr. 151'900.--
festgesetzt. Die gegen diese Veranlagung erhobene Einsprache wies das kantonale
Steueramt am 31. Oktober 2011 ab.
C.- Gegen den Einspracheentscheid erhoben X und Y Z mit Eingabe vom 1. Dezember
2011 Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die geltend
gemachten Schuldzinsen seien ungekürzt vom steuerbaren Einkommen in Abzug zu
bringen. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 1. Februar 2012 die
kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführer haben
stillschweigend auf eine Stellungnahme verzichtet.
D.- Auf die weiteren Einzelheiten wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 1. Dezember 2011 ist
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rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte
Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz
über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.- Umstritten ist in der Beschwerde einzig noch, ob im Zusammenhang mit einem
Darlehen der D AG an den Beschwerdeführer im Gesamtbetrag von Fr. 811'258.--
Schuldzinsen im Umfang von Fr. 15'447.-- abgezogen werden können oder ob diese
um Fr. 9'498.-- zu reduzieren sind.
a) Die Beschwerdeführer bringen vor, die D AG habe dem Steuerpflichtigen ein
Darlehen über Fr. 811'258.-- gewährt, wobei die Gesellschaft hierfür einen Zins von
Fr. 15'447.-- erhalten habe. Von den im Jahr 2009 bezogenen Fr. 478'919.-- seien
Fr. 352'475.-- in den Ausbau einer von den Beschwerdeführern erworbenen
Stockwerkeigentumswohnung geflossen. Mit der Erhöhung der bereits seit Jahren
bestehenden Kontokorrentschuld hätten die Beschwerdeführer dokumentiert, dass
kein besonderes Schuldverhältnis für die Finanzierung des Bauprojekts eingegangen
worden sei. Damit fehle das erforderliche Merkmal, dass das Darlehen explizit der
Finanzierung eines Neubaus diene. Die Vorinstanz habe eine zivilrechtlich eine Einheit
bildende Schuld rechnerisch aufgeteilt und einen Teil dem Zweck der
Immobilienfinanzierung zugeordnet. Diese rein fiskalisch motivierte Aufteilung sei
unzulässig.
Die Vorinstanz hält dem im Wesentlichen entgegen, die Beschwerdeführer hätten ein
Darlehen bei der D AG entsprechend dem Baufortschritt ihres neu erstellten
Terrassenhauses erhöht, was eine Schaffung einer neuen Einkommensquelle sei. Es
dürfe dabei nicht darauf ankommen, ob dieser ergänzende Kredit aus administrativen
Gründen zusammen mit einem bisher existierenden Kontokorrentkredit oder separat
geführt werde. Auch anteilige Zinsen von aufgestockten Darlehen oder
Kontokorrentkrediten seien als Baukreditzinsen zu qualifizieren. Eine Beschränkung auf
ausschliesslich separate Kredite würde ein Steuerschlupfloch öffnen.
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b) Nach Art. 33 Abs. 1 lit. a DBG können private Schuldzinsen von den steuerbaren
Einkünften abgezogen werden. Der Begriff Schuldzinsen ist wirtschaftlich auszulegen.
Jedenfalls ist der Terminus unbesehen um die Form, die Bezeichnung und den
Zeitpunkt der Erbringung zu verstehen (vgl. BGE 2C_393/2008 vom 19. November
2008, E. 2.3). Das Recht der direkten Bundessteuer kennt – im Gegensatz zum
Steuergesetz des Kantons St. Gallen (Art. 45 Abs. 1 lit. a StG), wo solche Schuldzinsen
von der Abzugsfähigkeit ausgenommen sind, die als Anlagekosten gelten – eine im
Wortlaut des Gesetzestextes genannte ausdrückliche Einschränkung nicht. Nicht
abziehbar sind jedoch gemäss Art. 34 lit. d DBG die Aufwendungen für die
Anschaffung, Herstellung oder Wertvermehrung von Vermögensgegenständen. Diese in
Art. 34 lit. d DBG aufgeführten nicht abziehbaren Aufwendungen entsprechen
Anlagekosten (P. Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil, 2001, N 16 zu Art. 33 und N 24
ff. zu Art. 34; Richner/ Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl.
2009, N 16 zu Art. 33; Zigerlig/Jud, in: Zweifel/Athanas, Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, I/2a, 2. Aufl. 2008, Art. 33 N 10). Das kantonale Recht
und das Recht der direkten Bundessteuer stimmen somit in materieller Hinsicht
überein. Anlagekosten sind die Auslagen zur Schaffung einer Einkommensquelle (GVP
1996 Nr. 19 und 2001 Nr. 32). Zu den Anlagekosten gehören auch Kosten, die durch
die Erstellung einer Baute bedingt sind und damit der Schaffung bzw. Verbesserung
und nicht der Erhaltung und Sicherung einer Einkommensquelle dienen. Nach
konstanter Bundesgerichtspraxis stellen Baukreditzinsen gemäss DBG aufgrund ihres
technischen, wirtschaftlichen und zeitlichen Bezugs zum Bauprojekt mit dem Erwerb
des Gebäudes zusammenhängende Finanzierungskosten und damit nicht abziehbare
Anlagekosten dar. Als Anlagekosten sind jene Schuldzinsen zu betrachten, die
während der Erstellungsdauer der Baute, d.h. zwischen Baubeginn und Bauvollendung
anfallen (vgl. Zigerlig/Jud, a.a.O., Art. 33 N 10 mit Hinweisen und Art. 34 N 19 f. mit
Hinweisen; Agner/Jung/Steinmann, Kommentar zum Gesetz über die direkte
Bundessteuer, 1995, Art. 33 N 4).
Als Baukreditzinsen gelten also Zinsen für Darlehen, welche zur Finanzierung eines
Neubaus oder Umbaus aufgenommen werden und im Rahmen eines bestimmten
Bauprojektes für die Bezahlung der Bauhandwerker und Materiallieferanten verwendet
werden. Sie werden in der Regel nicht bezahlt, sondern auf den Baukredit
aufgerechnet. Nach Bauvollendung werden Kapital und Zinsen spätestens konsolidiert,
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d.h. in der Regel durch ein längerfristiges Hypothekardarlehen abgelöst. Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts stellen die Baukreditzinsen bis zum
Konsolidierungszeitpunkt als mit dem Bau des Gebäudes zusammenhängende
Finanzierungskosten, also Anlagekosten dar, sind daher steuerlich als Aufwendungen
für die Anschaffung oder Verbesserung von Vermögensgegenständen zu qualifizieren
und damit nicht als Schuldzinsen zum Abzug zugelassen (BGE 127 V 466 E. 3c).
c) Am 19. September 2008 leisteten die Beschwerdeführer eine erste Anzahlung für
den Wohneigentumserwerb an die E AG. Der Eintrag im Grundbuch datiert vom
16. April 2010 (vgl. act. 6/1.05). Im Jahr 2009 erfolgten sechs Zahlungen im
Zusammenhang mit dem Neubau des Terrassenhauses (vgl. act. 6/1.14), wobei diese
allesamt in Form eines Darlehens an den Beschwerdeführer vom Konto der D AG
abgebucht worden sind (vgl. act. 6/1.12). Irrelevant ist dabei, ob dem
Beschwerdeführer das Darlehen als Gesamtbetrag oder in einzelnen Tranchen
überlassen worden ist. Weiter kann auch die Bezeichnung des Darlehens keine Rolle
spielen. Bei der Beurteilung eines Vertrages sowohl nach Form als auch nach Inhalt ist
vielmehr der übereinstimmende wirkliche Wille und nicht die unrichtige Bezeichnung
oder Ausdrucksweise zu beachten (vgl. Art. 18 Abs. 1 des Obligationenrechts, SR 220).
Einzig massgebend ist der effektive Verwendungszweck im Rahmen eines konkreten
Bauprojekts. Unter den Vertragsparteien war beim Bezug der einzelnen Beträge klar,
wofür diese verwendet werden. Dementsprechend wurden diese in der von ihnen bzw.
ihrer Rechtsvertretung erstellten Aufstellung auch so aufgelistet ("Anzahlung",
"Honorar-Rechnung", "Zusatzinstallationen Elektroanlagen", "Naturstein
Wandverkleidung", "Sanitär-Arbeiten"; vgl. act. 6/1.14). Es handelt sich somit um
Baukreditzinsen für ein bzw. mehrere Darlehen, welche zur Finanzierung eines Neubaus
oder Umbaus aufgenommen und für die Bezahlung der Bauhandwerker und
Materiallieferanten beim Neubau des Terrassenhauses verwendet wurden.
Die Einwände der Beschwerdeführer sind zwar nachvollziehbar und es ist einzuräumen,
dass die Besteuerung der Schuldzinsen in der Schweizerischen Gesetzgebung nicht
einheitlich geregelt ist. So sind beispielsweise Schuldzinsen für die Anschaffung von
Konsumgütern im Gegensatz zu Baukreditzinsen abziehbar. Die Abzugsfähigkeit der
Baukreditzinsen wird deshalb im Schrifttum kontrovers behandelt (vgl. GVP 2001
Nr. 32). Die Beschwerdeführer vertreten daher mit gutem Grund die Auffassung, dass
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die herrschende Praxis zu einem unverhältnismässigem Aufwand führen kann. Im
konkreten Fall bestehen diesbezüglich jedoch keine Abgrenzungsschwierigkeiten.
Schliesslich hat das Bundesgericht in einem vergleichbar gelagerten Fall festgehalten,
dass die Erhöhung einer Hypothek auf einer Privatliegenschaft der Anschaffung bzw.
Verbesserung einer anderen Liegenschaft diene und die entsprechenden Zinsen nicht
abzugsfähige Anlagekosten darstellen (vgl. StE 1996 B 27.2 Nr. 18 E. 3c). Die
vorliegende Sachlage führt daher zum Schluss, dass die Qualifikation als nicht
abzugsfähige Aufwendungen rechtmässig ist.
d) Zusammenfassend ist die Beschwerde abzuweisen. Die Zinsberechnung der
Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Es handelt sich dabei um eine Staffelrechnung, bei
welcher die Zinsen jeweils von dem Datum einer Buchung bis zu demjenigen der
nächstfolgenden berechnet werden. Im Zusammenhang mit dem Darlehen der D AG
kann folglich lediglich ein Abzug von Fr. 5'949.-- anstelle von Fr. 15'447.-- gewährt
werden. Die privaten Schuldzinsen für das Jahr 2009 betragen demnach Fr. 21'182.--,
weshalb die Beschwerdeführer von der Vorinstanz korrekt mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 151'900.-- veranlagt wurden.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Verfahrens den
Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 600.-- ist angemessen (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG i.V.m. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zu
verrechnen.