Decision ID: 3c36154f-8f4b-4842-9d61-065f3724ba3d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im vereinfachten Verfahren am Bezirksgericht Dielsdorf vom 15. März 2017 (FV160049-D)
- 2 -
Rechtsbegehren: (Urk. 1 S. 2)
"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerschaft Euro 12'287.47, eventualiter Gegenwert in Schweizer Franken nebst 5 % Zins seit 20. Juni 2014 zu bezahlen.
2. In der Betreibung Nr. 1 der Klägerschaft gegen die Beklagte sei im Umfang von Ziff. 1 dieser Klageschrift der Rechtsvorschlag zu beseitigen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ."
Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 15. März 2017: (Urk. 20 = Urk. 23)
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 2'400.– festgesetzt.
3. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Entscheidgebühr für das Beru-
fungsverfahren (Geschäfts-Nr. NP160014-O) auf Fr. 2'200.– festgesetzt
wurde und der Kläger hierfür einen entsprechenden Kostenvorschuss an die
Berufungsinstanz geleistet hat.
4. Die erst- und zweitinstanzlichen Gerichtskosten gemäss Ziffer 2 und 3 hier-
vor werden dem Kläger auferlegt und aus den von ihm geleisteten Vor-
schüssen bezogen.
5. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten für das erstinstanzliche Verfahren
sowie für das Berufungsverfahren eine Parteientschädigung von Fr. 5'200.–
(zzgl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
6. [Mitteilungssatz]
7./8. [Rechtsmittelbelehrung]
- 3 -
Berufungsanträge des Klägers: (Urk. 22 S. 2)
"1. Das Urteil des Einzelgerichtes vom 15. März 2017 (Geschäfts-Nr. FV160049-D/U/B-3/ke) sei aufzuheben und es seien die klägerischen erstinstanzlichen Anträge gutzuheissen, nämlich: a) Die Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Berufungsklägerin
[recte: dem Berufungskläger] Euro 12'287.47, eventualiter  in Schweizer Franken nebst 5 % Zins seit 20. Juni 2014 zu bezahlen.
b) In der Betreibung Nr. 1 der Klägerschaft gegen die Beklagte sei im Umfang von Ziff. 1 lit. a dieser Berufungsschrift der  zu beseitigen.
c) Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der .
2. Eventualiter sei die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens an die  zurückzuweisen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der .
4. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei für dieses Berufungsverfahren auf eine erneute Bevorschussung zu verzichten, da die Vorinstanz die  gemäss letztem Beschluss des Obergerichtes des Kanton Zürich vom 2. August 2016 schlichtweg nicht umgesetzt hat und im letzten Berufungsverfahren bereits ein Vorschuss geleistet wurde."

Erwägungen:
I.
1. Die Beklagte und Berufungsbeklagte (fortan: Beklagte) bot am Flugha-
fen Zürich ein sogenanntes "Valet Parking" an. Der Kläger und Berufungskläger
(fortan: Kläger) nahm in der Zeit vom 12. bis 20. Juni 2014 die Dienstleistung der
Beklagten in Anspruch. Bei der Rückgabe seines Personenwagens stellte der
Kläger einen Schaden an diesem fest, für welchen er die Beklagte verantwortlich
machte. Nach Gesprächen zwischen dem Kläger und Mitarbeitern der Beklagten
sowie diverser Korrespondenz lehnte die Beklagte schliesslich ihre Haftung ab
und machte geltend, der Schaden sei nicht von ihr verursacht worden bzw. sei
vorbestehend gewesen. Schliesslich leitete der Kläger die Betreibung ein und
- 4 -
machte auf den Rechtsvorschlag der Beklagten hin am Bezirksgericht Dielsdorf
am 20. März 2015 eine Schadenersatzklage über EUR 12'287.47 anhängig
(Urk. 1 und 3/1). Mit Urteil vom 29. Januar 2016 wies das Einzelgericht am Be-
zirksgericht Dielsdorf (fortan: Vorinstanz) die Klage mangels rechtsgenügender
Substantiierung des Schadens ab (Urk. 16; Geschäfts-Nr.: FV150020-D).
2. Nachdem der Kläger gegen diesen ersten Entscheid der Vorinstanz
Berufung erhoben hatte, hob die erkennende Kammer das angefochtene Urteil
mit Beschluss vom 2. August 2016 auf und wies die Sache zur Ergänzung des
Verfahrens – insbesondere zur Durchführung eines Beweisverfahrens – und zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (Urk. 18; Geschäfts-Nr.: NP160014-
O).
3. Ohne weitere Beweise abzunehmen, wies die Vorinstanz mit Urteil vom
15. März 2017 die Klage – mit einer anderen rechtlichen Begründung – erneut ab
(Urk. 20 = Urk. 23; Geschäfts-Nr.: FV160049-D).
4. Mit Eingabe vom 29. Mai 2017 erhob der Kläger gegen das zweite Ur-
teil der Vorinstanz rechtzeitig Berufung und stellte die eingangs wiedergegebenen
Anträge (Urk. 22 S. 2). Der mit Verfügung vom 12. Juni 2017 (Urk. 25) eingefor-
derte Kostenvorschuss von Fr. 2'200.– leistete der Kläger fristgerecht (Urk. 26).
Mit Schreiben vom 24. Juli 2017 wurden die Parteien zur Vergleichsverhandlung
auf den 25. August 2017 vorgeladen (Urk. 28), anlässlich welcher keine Einigung
erzielt werden konnte (Prot. S. 5). Mit Schreiben vom 4. September 2017 erklärte
der damalige Rechtsvertreter der Beklagten, lic. iur. Y._, dass auch im
Nachgang zur Vergleichsverhandlung keine Einigung habe gefunden werden
können (Urk. 30). Nachdem die Vergleichsbemühungen damit endgültig geschei-
tert waren, wurde der Beklagten mit Verfügung vom 8. September 2017 Frist zur
Erstattung der Berufungsantwort angesetzt (Urk. 31). Mit Schreiben vom 18. Sep-
tember 2017 teilte Rechtsanwalt Y._ dem Gericht mit, dass er sein Mandat
mit sofortiger Wirkung niedergelegt und die Beklagte mit E-Mail vom
14. September 2017 über die laufende Eingabefrist für die Berufungsantwort un-
terrichtet habe (Urk. 32). Die Frist zur Erstattung der Berufungsantwort lief am
16. Oktober 2017 ab (Urk. 31), wobei sich die Beklagte nicht vernehmen liess.
- 5 -
Der Konkursrichter des Bezirksgerichts Dielsdorf eröffnete mit Urteil vom
30. November 2017 den Konkurs über die Beklagte (Urk. 34 f.). Mit Beschluss
(bei der Bezeichnung "Verfügung" im Rubrum handelt es sich um einen offen-
sichtlichen Verschrieb) vom 14. Dezember 2017 wurden die Konkurseröffnung
vorgemerkt und das Verfahren in Anwendung von Art. 207 SchKG und Art. 126
ZPO sistiert sowie die Akten dem Konkursamt Niederglatt zugestellt (Urk. 36). Mit
Schreiben vom 11. Dezember 2019 teilte das Konkursamt Niederglatt mit, dass
das Konkursverfahren mit Urteil des Konkursrichters vom 7. November 2019
mangels Aktiven eingestellt worden sei und dass nach den entsprechenden Pub-
likationen kein Gläubiger die Durchführung des Konkursverfahrens verlangt und
für die Kosten Sicherheit geleistet habe, weshalb das Verfahren definitiv seit dem
3. Dezember 2019 im Sinne von Art. 230 SchKG mangels Aktiven eingestellt sei
(Urk. 42). Mit Verfügung vom 19. Dezember 2019 wurde das vorliegende Verfah-
ren wieder aufgenommen (Urk. 43 Dispositiv-Ziffer 1) und den Parteien Frist an-
gesetzt, um zu erklären, ob noch ein Interesse an der Weiterführung des Beru-
fungsverfahrens bestehe bzw. ob gegen die (umgehende) Abschreibung des Ver-
fahrens zufolge Gegenstandslosigkeit Einwände erhoben würden (Dispositiv-
Ziffer 2). Der Beklagten konnte die Verfügung nicht zugestellt werden (Urk. 44).
Die Zustellung an die (einzige) Gesellschafterin und Geschäftsführerin der Be-
klagten mit Einzelunterschrift, C._, scheiterte an deren Wegzug (ohne weite-
re Angaben) nach Italien (Urk. 45). Der Kläger liess sich mit Eingabe vom
13. Januar 2020 vernehmen. Er erklärte, es bestehe von ihm aufgrund der Ein-
stellung des Konkurses über die Beklagte mangels Aktiven kein Interesse an der
Weiterführung des Verfahrens und dieses sei unter Vorbehalt der effektiv erfolg-
ten Löschung der Beklagten im Handelsregister als gegenstandslos abzuschrei-
ben (Urk. 46). Gemäss Schweizerischem Handelsamtsblatt (SHAB) wurde die
Beklagte am 18. Februar 2020 im Handelsregister gelöscht (Urk. 47).
II.
1. Wird das Konkursverfahren gemäss Art. 230 SchKG mangels Aktiven
eingestellt, wird die Gesellschaft nach Ablauf einer dreimonatigen Frist von Amtes
wegen gelöscht, es sei denn, es werde innerhalb von drei Monaten ein begründe-
- 6 -
ter Einspruch gegen die Löschung erhoben (Art. 159 Abs. 5 lit. a HRegV). Mit der
Löschung im Handelsregister verlor vorliegend die Beklagte ihre Parteifähigkeit.
Das Berufungsverfahren ist infolge der genannten Umstände als gegenstandslos
geworden abzuschreiben (Art. 242 ZPO).
2.1. Der Kläger beantragt, es sei ihm unter Berücksichtigung der von ihm
bisher geleisteten Gerichtskostenvorschüsse von insgesamt Fr. 7'200.– (ein-
schliesslich der Kosten des Friedensrichteramtes) der genannte Betrag vollum-
fänglich, eventualiter teilweise, zurückzuerstatten. Dabei sei zu berücksichtigen,
dass das Schlichtungsgesuch bereits am 6. Januar 2015 eingereicht worden sei.
Die Tatsache, dass die Vorinstanz entgegen dem Rückweisungsentscheid des
Obergerichts vom 2. August 2016 keine Ergänzung des Verfahrens vorgenom-
men, sondern am 15. März 2017 direkt einen neuen Entscheid erlassen habe, sei
besonders stossend und stelle einen Verstoss der vorinstanzlichen Bindung an
den Rückweisungsentscheid dar. Mutmasslich hätte daher auch im zweiten Beru-
fungsverfahren der erstinstanzliche Entscheid wiederum aufgehoben werden
müssen, womit sich die Vorinstanz bereits ein drittes Mal mit der Angelegenheit
hätte befassen müssen. Er sei daher der Auffassung, dass die Schwelle zu einer
Justizpanne im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung überschritten sei.
Das hier im Prinzip anwendbare vereinfachte Verfahren habe über fünf Jahre ge-
dauert. Er habe aufgrund der finanziellen Situation der Beklagten und wegen de-
ren Löschung aus dem Handelsregister keine Aussicht auf Ersatz des entstande-
nen Schadens. Er habe zudem die Parteikosten für die Führung des Verfahrens
zu tragen. Wäre das Verfahren speditiv und ohne unnötige Umwege durchgeführt
worden, hätte er wohl Aussicht auf Befriedigung seiner Forderung und auf Erstat-
tung der Prozesskosten durch die Beklagte gehabt (Urk. 46).
2.2. Gemäss Art. 107 Abs. 1 lit. e ZPO kann das Gericht von den Vertei-
lungsgrundsätzen in Art. 106 ZPO abweichen und die Prozesskosten nach Er-
messen verteilen, wenn das Verfahren als gegenstandslos abgeschrieben wird
und das Gesetz nichts anderes vorsieht. Dabei ist für die Kostenverlegung je nach
Lage des Einzelfalls zu berücksichtigen, welche Partei Anlass zur Klage gegeben
hat, welches der mutmassliche Prozessausgang gewesen wäre, bei welcher Par-
- 7 -
tei die Gründe eingetreten sind, die zur Gegenstandslosigkeit des Prozesses ge-
führt haben, und welche Partei unnötigerweise Kosten verursacht hat. Dabei darf
sich das Gericht nach der Rechtsprechung nicht auf ein einzelnes dieser Kriterien
versteifen. Vielmehr hat es im Rahmen seines Ermessensentscheids sämtliche
Kriterien zu berücksichtigen. Je nach Sachlage ist allerdings anerkannt, dass vor-
ab auf einzelne Kriterien – z.B. den mutmasslichen Prozessausgang – abgestellt
werden kann. Ist der Grund für die Gegenstandslosigkeit des Prozesses dem
Verhalten einer Partei zuzuschreiben, sind die Kosten in der Regel dieser Partei
aufzuerlegen. Fällt dagegen das Rechtsschutzinteresse am Verfahren aus einem
Grund dahin, den keine der Parteien zu vertreten hat, wird regelmässig zu prüfen
sein, welche Partei materiell im Unrecht war, d.h. es ist auf den mutmasslichen
Prozessausgang abzustellen. Dabei geht es nicht darum, die Prozessaussichten
im Einzelnen zu prüfen und dadurch weitere Umtriebe zu verursachen. Vielmehr
soll es bei einer knappen, summarischen Beurteilung der Aktenlage sein Bewen-
den haben. Auf dem Weg über den Kostenentscheid soll nicht ein materielles Ur-
teil gefällt werden (BGE 142 V 551 E. 8.2; BGer 5A_78/2018 vom 14. Mai 2018,
E. 2.3.1). Lässt sich der mutmassliche Ausgang des Verfahrens nicht ohne Weite-
res feststellen, ist auf allgemeine prozessrechtliche Kriterien zurückzugreifen. Da-
nach wird in erster Linie jene Partei kosten- und entschädigungspflichtig, die das
gegenstandslos gewordene Verfahren veranlasst hat oder bei der die Gründe
eingetreten sind, die zur Gegenstandslosigkeit des Verfahrens geführt haben
(BGer 4A_364/2014 vom 18. September 2014, E. 3, m.H.; BK ZPO I-Sterchi,
Art. 107 N 18; Urwyler/Grütter, DIKE-Komm-ZPO, Art. 107 N 8).
Zudem kann das Gericht Gerichtskosten, die weder eine Partei noch Dritte
veranlasst haben, aus Billigkeitsgründen dem Kanton auferlegen (Art. 107 Abs. 2
ZPO). Gerichtskosten sind dem Kanton bei pflichtgemässer Ermessensausübung
dann zu überbinden, wenn sie ausschliesslich durch klar fehlerhafte und kosten-
wirksame Handlungen oder Entscheidungen von Angestellten oder Mitgliedern
richterlicher Behörden verursacht worden sind (BSK ZPO-Rüegg, Art. 107 N 11).
Zu denken ist dabei insbesondere an Fälle von "Justizpannen" (BGer
5A_104/2012 vom 11. Mai 2012, E. 4.4.2.). Ein Anspruch auf eine solche Auferle-
gung der Kosten an den Kanton besteht jedoch nicht (Jenny, in: Sutter-
- 8 -
Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 107 N 25). Grundsätzlich
kann das Gericht gestützt auf Art. 107 Abs. 2 ZPO den Kanton nur mit Gerichts-
kosten, nicht aber mit Parteikosten belasten (Urwyler/Grütter, DIKE-Komm-ZPO,
Art. 107 N 13; BSK ZPO-Rüegg, Art. 107 N 11; BGE 140 III 385 E. 4.1.).
2.3. Weist die Berufungsinstanz die Sache gestützt auf Art. 318 Abs. 1 lit. c
ZPO an die Vorinstanz zurück, ist diese bei der Fällung ihres neuen Entscheides
– in Abweichung vom Grundsatz, wonach Gerichte unabhängig und keinen Wei-
sungen unterworfen sind – an den Rückweisungsentscheid gebunden. Diese Bin-
dungswirkung erstreckt sich sowohl auf das Dispositiv als auch auf die Erwägun-
gen einschliesslich dasjenige, was darin in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht
stillschweigend vorausgesetzt wird (Reetz/Hilber, in: Sutter-Somm/Hasen-
böhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 318 N 40, m.H.). Auch rechtliche Würdi-
gungen sind grundsätzlich für die Vorinstanz verbindlich, es sei denn, dass auf-
grund des ergänzten Sachverhalts eine neue Würdigung vorzunehmen sei
(Steininger, DIKE-Komm-ZPO, Art. 318 N 9; BK ZPO II-Sterchi, Art. 318 N 14).
Insofern wird der Beurteilungsspielraum der Erstinstanz durch den tatsächlichen
und rechtlichen Rahmen des Rückweisungsentscheids eingegrenzt. Missachtet
die Vorinstanz das Dispositiv oder die Erwägungen des Rückweisungsentscheids
der Rechtsmittelinstanz bzw. befolgt sie die darin ausgesprochenen Weisungen
nicht, so stellt dies einen (neuen) Berufungsgrund dar. Die Berufungsinstanz hat
diesfalls – d.h. wenn sie ein zweites Mal angerufen wird – zu prüfen, ob die erste
Instanz den Rückweisungsentscheid befolgt bzw. richtig umgesetzt hat
(Reetz/Hilber, a.a.O., Art. 318 N 44 m.H.).
Vorliegend ist dem Rückweisungsentscheid vom 2. August 2016 ausdrück-
lich zu entnehmen, dass die Vorinstanz den Sachverhalt noch nicht vollständig
erstellt hatte. Aus diesem Grund wurde die Sache an die Vorinstanz zurückgewie-
sen, "welche den Sachverhalt zu erstellen und sich dazu mit den form- und frist-
gerecht bezeichneten Beweismitteln auseinanderzusetzen und sie abzunehmen
haben wird, soweit sie rechtserhebliche streitige Tatsachen betreffen. Dazu wird
sie eine Beweisverfügung im Sinne von Art. 154 ZPO erlassen müssen." (Urk. 18
E. II.5.2). Aus diesen Erwägungen geht eindeutig hervor, dass die erkennende
- 9 -
Kammer der Auffassung war, dass das Verfahren noch nicht spruchreif sei und
deshalb ergänzt werden müsse (vgl. auch Urk. 18 Dispositivziffer 2 [recte: 1]).
Wäre das Verfahren bereits spruchreif gewesen, hätte die Berufungsinstanz die
Sache nicht an die Vorinstanz zurückweisen müssen, sondern selbst einen (neu-
en) Entscheid fällen können (Art. 318 Abs. 1 lit. a und b). Somit hat sich die Vorin-
stanz mit ihrer Auffassung, wonach die Sache spruchreif sei (Urk. 23 E. I.3), über
die rechtliche Beurteilung im Rückweisungsentscheid hinweggesetzt und das Ver-
fahren bzw. den Sachverhalt – entgegen der klaren Anweisung der Rechtsmittel-
instanz – nicht ergänzt und auch kein formelles Beweisverfahren durchgeführt.
Damit hielt sich die Vorinstanz nicht an die verbindlichen Vorgaben im Rückwei-
sungsbeschluss vom 2. August 2016 und die Berufung wäre in diesem Punkt gut-
zuheissen gewesen.
2.4. Da das vorliegende Verfahren zufolge Gegenstandslosigkeit vor der
Durchführung des Beweisverfahrens abzuschreiben ist, liefert das Kriterium des
mutmasslichen Obsiegens bzw. Unterliegens keine Anhaltspunkte für die Kosten-
auferlegung (s. E. 2.2. oben). Beim aktuellen Verfahrensstand stehen lediglich
Parteibehauptungen im Raume, aufgrund derer der Ausgang des Prozesses offen
ist. Die weiteren zur Kostenauferlegung relevanten Kriterien präsentieren sich wie
folgt: Der Kläger hat das gegenstandslos gewordene Verfahren veranlasst und bei
der Beklagten sind die Gründe eingetreten, die zur Gegenstandslosigkeit des Ver-
fahrens geführt haben. Dies würde es grundsätzlich rechtfertigen, die Kosten der
erst- und zweitinstanzlichen Verfahren den Parteien je hälftig aufzuerlegen und
die Parteientschädigungen wettzuschlagen.
Vorliegend befolgte die Vorinstanz den Rückweisungsbeschluss der erken-
nenden Kammer vom 2. August 2016 nach dem oben Ausgeführten offensichtlich
nicht. Diese Fehlerhaftigkeit des vorinstanzlichen Vorgehens soll nicht zu Lasten
der Parteien bzw. des Klägers gehen. Es rechtfertigt sich somit, die Gerichtskos-
ten für das zweite Berufungsverfahren auf die Staatskasse zu nehmen und die
Entscheidgebühr ausser Ansatz fallen zu lassen (Art. 107 Abs. 2 ZPO; vgl. BK
ZPO I-Sterchi, Art. 107 N 26a f.). Dem Kläger ist der diesbezüglich geleistete Kos-
tenvorschuss von Fr. 2'200.– (Urk. 26) zurückzuerstatten. Eine Parteientschädi-
- 10 -
gung durch den Staat ist für das vorliegende Berufungsverfahren jedoch nicht zu
bezahlen; es fehlt sowohl an einer gesetzlichen Grundlage (BGE 140 III 385
E. 4.1) als auch an einem entsprechenden Antrag.
Die erstinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen sind mitangefoch-
ten und im Übrigen von Gesetzes wegen neu zu fassen (vgl. Art. 318 Abs. 3
ZPO). Selbst wenn die Vorinstanz korrekt verfahren wäre, hätte der Kläger die
Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens und die Kosten des ersten Berufungsver-
fahrens in der vorliegenden Konstellation auch tragen müssen. Bei Durchführung
eines Beweisverfahrens wäre nämlich der (zweite) erstinstanzliche Entscheid
nicht vor der Konkurseröffnung ergangen. Der Kläger, der einen Prozess einleitet,
trägt zudem generell das Prozessrisiko, eben auch dann, wenn die Gegenpartei in
Konkurs fällt. Wäre die Beklagte noch existent, wäre das Verfahren ein zweites
Mal an die Vorinstanz zurückzuweisen und die Kosten (einschliesslich derjenigen
des ersten Berufungsverfahrens) würden später ausgangsgemäss verlegt. Nach-
dem die Beklagte jedoch nicht mehr existiert, hat sich beim Kläger das Prozessri-
siko realisiert. Dem Kläger sind somit die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens
und die Kosten des ersten Berufungsverfahrens aufzuerlegen und mit seinen Kos-
tenvorschüssen (Fr. 2'400.– und Fr. 2'200.–) zu verrechnen. Die Kosten des
Schlichtungsverfahrens im Umfang von Fr. 400.– sind aus dem selben Grund
durch den Kläger zu tragen. Diesbezüglich ist mit vorliegendem Entscheid nichts
zu regeln, da es der Kläger war, welcher diese Kosten zu bezahlen hatte
(Urk. 3/1). Schliesslich sind unter den gegebenen Umständen weder für das erst-
noch für das erste zweitinstanzliche Verfahren Parteientschädigungen zuzuspre-
chen.