Decision ID: a1a0218b-7f57-5d42-a8bb-592e4da54173
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin Denise Wüst, MLaw, c/o Schwager Mätzler Schneider
Rechtsanwälte, Poststrasse 23, 9001 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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vertreten durch Fürsprecherin Dr. iur. Marianne Sonder, Rossimattstrasse 17,
3074 Muri b. Bern,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ absolvierte im Malergeschäft B._ eine Berufslehre als Malerin und war
dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen
Unfälle versichert (UV-act. 1, 12). Am Abend des 31. Oktober 2007 wurde sie als
Beifahrerin in einem Personenwagen verletzt, als dessen Lenker bei einem
Ausweichmanöver auf einer Nebenstrasse ausserorts die Kontrolle verlor, das Fahrzeug
zweimal über die Strasse schleuderte und auf der Fahrerseite mit einem Baum
kollidierte (UV-act. 5, 11 f., 25). Die Versicherte erlitt eine kurze Bewusstseinsstörung
und klagte über Kopfschmerzen und starke Schmerzen im Bereich der
Lendenwirbelsäule (LWS). Auf der Notfallstation des Kantonsspitals St. Gallen, wohin
sie mit der Ambulanz überführt worden war, wurden ein Beschleunigungstrauma der
Halswirbelsäule (HWS), eine LWS-Kontusion sowie eine Commotio cerebri
diagnostiziert. Beim Röntgen zeigten sich keine Frakturen, der neurologische Befund
war unauffällig (UV-act. 2 f., 6). Die Patientin wurde noch am gleichen Abend in
Begleitung der Eltern nach Hause entlassen (UV-act. 6). Die ambulante medizinische
Betreuung der Versicherten erfolgte durch ihren Hausarzt, Dr. med. C._, Facharzt
FMH für Allgemeine Innere Medizin, sowie Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Allgemeine Innere Medizin mit Fähigkeitsausweis Manuelle Medizin (SAMM) (UV-act.
16 f.). Die Versicherte wurde ab dem Unfall bzw. ab 1. November 2007 100%
arbeitsunfähig geschrieben; ab dem 9. Januar 2008 galt sie als 50% arbeitsfähig. Die
Berufsschule konnte sie ohne Unterbruch weiterhin besuchen (vgl. UV-act. 2, 11 f.,
16 f., 21). Am 6. Februar 2008 erfolgte eine ambulante neurologische Untersuchung an
der Rehaklinik E._, bei der eine wahrscheinliche leichte traumatische Hirnverletzung
(MTBI) beim Unfall vom 31. Oktober 2007 diagnostiziert und aufgrund welcher die
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Indikation für eine stationäre Neurorehabilitation gestellt wurde (UV-act. 27 f., 32).
Diese fand vom 12. März bis 23. April 2008 in E._ statt. Anschliessend arbeitete die
Versicherte wiederum 50% zur Angewöhnung an die Arbeit bis zu den
Lehrabschlussprüfungen Mitte Juni 2008 (UV-act. 36, 38). Sie bestand die
Abschlussprüfung, musste aber kurz darauf die Arbeit zu 100% niederlegen (UV-act.
44, 47, 49). Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilungskosten und Tag
gelder).
A.b Anlässlich der Besprechung im Lehrbetrieb vom 22. Mai 2008 war die Versicherte
angehalten worden, sich bei der Invalidenversicherung (IV) anzumelden (UV-act. 38).
Diese gewährte ihr in der Folge Berufsberatung sowie die Abklärung der beruflichen
Eingliederungsmöglichkeiten (UV-act. 43, 47, 50 f.). Später wurden die Massnahmen
der IV durch eine Berufs- und Laufbahnberatung durch die F._ abgelöst (UV-act. 55,
59 f., 70 ff., 79).
A.c Vom 25. März bis 8. April 2009 weilte die Versicherte zu einer stationären
Abklärung erneut in der Rehaklinik E._ (UV-act. 99, 106). Ihre Arbeitsfähigkeit wurde
dort aus psychiatrischer Sicht mit 50% eingeschätzt; aus somatisch-organischer Sicht
wurden mittelschwere Arbeiten ganztags zumutbar erachtet (UV-act. 110). Durch
Dr. med. G._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie waren anlässlich der
psychiatrischen Abklärung vom 31. März 2009 eine posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) festgestellt und dringend eine psychotherapeutische
Behandlung empfohlen worden (UV-act. 110, Bericht vom 15. Mai 2009). Diese wurde
durch Dr. phil. H._, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP und Traumatherapie
DeGPT, durchgeführt (UV-act. 117, 138, 171, 189). Auf Antrag der Psychotherapeutin,
Kostengutsprache für ein Jahr zu erteilen, wurde diese von der Suva bis auf weiteres
gewährt (UV-act. 117 f.). Im Bericht vom 13. Februar 2010 fragte Dr. H._ die
Unfallversicherung an, ob sie die Psychotherapie der Versicherten bis zum Abschluss
der erfolgreichen Umschulung zur technischen Kauffrau unterstütze. Darauf reagierte
die Suva nicht (UV-act. 171). Auch im Bericht vom 24. Mai 2010 wies die Therapeutin
darauf hin, dass die Versicherte auf die Psychotherapie angewiesen sei, um die
Umschulung weiterhin zu unterstützen (UV-act. 189). Anlässlich der telefonischen
Besprechung vom 3. August 2010 mit der zuständigen Sachbearbeiterin der Suva
berichtete die Versicherte über die Weiterführung der Psychotherapie (UV-act. 193). Als
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bei Dr. H._ ein weiterer ausführlicher Bericht über die Psychotherapie nachgefragt
wurde, antwortete diese am 7. Oktober 2010, die Therapie habe nur bis zu den
Sommerferien 2010 gedauert, weshalb nicht mehr berichtet werden könne als im Mai
2010 (UV-act. 198; letztmals 30. Juni 2010 gemäss UV-act. 201). Die Nachfrage der
Psychotherapeutin, ob sie die Versicherte aktiv angehen solle und die Suva weiterhin
die Therapiekosten übernehmen werde, wurde am 3. November 2010 negativ
beantwortet (UV-act. 201).
A.d Auf Kosten der IV besuchte die Versicherte ab 26. Oktober 2009 bis 31. März 2010
eine berufliche Abklärung bei der Z._ (UV-act. 143). Am 1. April 2010 begann sie an
der gleichen Schule eine Ausbildung zur technischen Kauffrau. Kostengutsprachen der
IV für diese Ausbildung finden sich in den Akten für das Sommersemester 2010 und
das Wintersemester 2010/2011 (UV-act. 184, 206; letzeres als Repetitionssemester).
Da die Versicherte im Herbst 2010 die Prüfungen nicht bestand, wurde die
Vereinbarung mit ihr geändert und eine Unterstützung durch die IV bis Herbst 2011
vorgesehen (vgl. UV-act. 200).
A.e Am 26. November 2010 nahm Kreisarzt Dr. med. I._, Facharzt FMH für Chirurgie,
speziell Allgemein- und Unfallchirurgie, St. Gallen, schriftlich zu den Fragen der
Administration nach dem Andauern der Unfallfolgen, der Kausalität sowie den
möglichen Auswirkungen von allfälligen weiteren ärztlichen Behandlungen Stellung
(UV-act. 205). Er kam zum Schluss, dass diese Fragen weitgehend bereits durch den
Bericht der Ärzte an der Rehaklinik E._ vom 15. Mai 2009 (UV-act. 110) beantwortet
seien. Betreffend die organische Komponente sei keine namhafte Besserung mehr zu
erwarten und der medizinische Endzustand anzunehmen. Mit Verfügung vom
20. Dezember 2010 (UV-act. 211) hielt die Suva daraufhin fest, die aktuellen
Beschwerden seien organisch nicht hinreichend nachweisbar und ihre Adäquanz zum
Unfallereignis müsse verneint werden. Die Versicherungsleistungen wurden daher per
31. Dezember 2010 eingestellt.
B.
Die Versicherte beauftragte Rechtsanwältin MLaw Denise Wüst, St. Gallen, mit ihrer
Vertretung und liess gegen die Verfügung der Suva vom 20. Dezember 2010 am
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26. Januar 2011 bzw. 15. Februar 2011 Einsprache erheben (UV-act. 217, 222). Mit
Entscheid vom 1. März 2011 wies die Suva die Einsprache der Versicherten ab.
C.
C.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 20. März 2011 mit den Anträgen auf
Aufhebung des Einspracheentscheids vom 1. März 2011 und Zusprechung der
gesetzlichen Leistungen der Unfallversicherung ab wann rechtens, eventualiter auf
Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur formgerechten Durchführung des
Beweisverfahrens, Einholung eines polydisziplinären Gutachtens und neuem Entscheid
in der Sache. Weiter wird die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde beantragt; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wird angeführt, die Beschwerdegegnerin sei
ihrer Abklärungspflicht nicht in genügender Weise nachgekommen und habe ihren
Entscheid nicht auf aktuelle ärztliche Berichte gestützt, besonders nicht die Psyche
betreffend. Für den Zeitpunkt der Leistungseinstellung sei nicht dargetan, dass von
einer weiteren ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung mehr erwartet werden
könne. Die Leistungseinstellung sei daher zu früh erfolgt. Entgegen der Beurteilung
durch die Beschwerdegegnerin sei von einem schweren Unfall auszugehen. Auf jeden
Fall seien mehrere Adäquanzkriterien erfüllt und die Adäquanz müsste auch für einen
mittelschweren Unfall bejaht werden.
C.b Die Suva lässt sich im Beschwerdeverfahren durch Rechtsanwältin Dr. iur.
Marianne Sonder, Muri, vertreten. Mit Beschwerdeantwort vom 15. Juni 2011 beantragt
diese die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie an,
die Abklärungen der Suva genügten sehr wohl. Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung
sei von einer Weiterführung der ärztlichen Behandlung nachgewiesenermassen keine
namhafte Besserung mehr zu erwarten gewesen, weshalb dieser
rechtsprechungskonform gewählt worden sei. Es könne sich nur um einen
mittelschweren Unfall gehandelt haben; das Bundesgericht habe weit
schwerwiegendere Ereignisse noch in diese Kategorie eingeordnet. Die Kriterien zur
Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs seien nicht in gehäufter Zahl und
massgebender Intensität vorhanden, weshalb dieser verneint und die Beschwerde
abgewiesen werden müsse.
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C.c Mit Replik vom 11. Juli 2011 weist die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
darauf hin, dass die Beschwerdegegnerin die Beweislast dafür trage, dass der
medizinische Endzustand erreicht sei. Die Eingliederungsmassnahmen der IV fänden
ausschliesslich aufgrund der Unfallfolgen statt und seien zum Zeitpunkt der
Leistungseinstellung noch nicht abgeschlossen gewesen. Vielmehr habe die IV mit
Verfügung vom Frühling 2011 deren Verlängerung um ein halbes Jahr zugestanden.
C.d In der Replik vom 25. August 2011 liess die Beschwerdegegnerin festhalten, die
Beschwerdeführerin verkenne die Rechts- und Beweisthematik. Es sei ausgewiesen,
dass von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung mehr
erreicht werden könne. Die Mehrkosten für die Erstausbildung zur technischen Kauffrau
seien von der IV bis 2. Oktober 2010 übernommen worden (UV-act. 143, 184). Die
beruflichen Abklärungen der IV seien am 1. Oktober 2008 abgeschlossen worden, da
sie sich für die Beratung durch die F._ entschieden hatte. Physikalisch-medizinisch
seien der Versicherten mittelschwere Arbeiten ganztags zumutbar (UV-act. 110) und
den Akten sei nicht zu entnehmen, dass die Eignung als Malerin unfallkausal nicht mehr
gegeben sein solle.
D.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften, sowie den Inhalt der übrigen
Akten wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
näher eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht ihre Leistungspflicht für
die Folgen des Unfalls vom 31. Oktober 2007 per 31. Dezember 2010 eingestellt hat.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die
rechtlichen Grundlagen für die Leistungspflicht der obligatorischen Unfallversicherung
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zutreffend dargelegt (E. 1). Dasselbe gilt für die Grundsätze der Adäquanzprüfung
(E. 4.a, 4.c). Darauf kann verwiesen werden.
2.2 Zu ergänzen ist, dass der Zeitpunkt für eine allfällige Leistungseinstellung nach der
Rechtsprechung dann erreicht ist, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung
keine namhafte Besserung mehr erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (BGE 134 V
109 E. 3 und 4 S. 112 ff., Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 2010, 8C_146/2010,
E. 4.2).
2.3 Zu ergänzen ist ferner, dass hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts
entscheidend ist, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind.
Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich
weder dessen Herkunft noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Den Berichten versicherungsinterner Ärzte kann rechtsprechungsgemäss
gleichfalls Beweiswert beigemessen werden, sofern sie schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien
gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311). Soll ein
Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so
sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen
ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen mittels unabhängiger
Begutachtung vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 in fine mit Hinweis; in Plädoyer
2/2010 S. 54 zusammengefasstes Urteil 8C_439/2009 vom 25. November 2009 E. 4.4).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin lässt die Einstellung der Versicherungsleistungen per Ende
2010 betreffend beider Voraussetzungen als verfrüht rügen. Zum einen hält sie fest, ihr
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Bedarf nach weiteren ärztlichen Leistungen sei per Ende 2010 nicht gestützt auf
aktuelle Berichte beurteilt worden. Kreisarzt Dr. I._ habe sie nicht untersucht,
sondern lediglich aufgrund der Akten Stellung genommen (UV-act. 205). Dabei habe er
sich lediglich auf die organisch fassbaren Unfallfolgen bezogen, dazu auf die
interdisziplinäre Stellungnahme vom 15. Mai 2009 (UV-act. 110) verwiesen und
aufgrund des Zeitablaufs eine Re-Evaluation empfohlen. Weder sei diese durchgeführt
worden, noch sei die weitere Behandlungsbedürftigkeit ihrer anerkanntermassen
unfallkausalen posttraumatischen Belastungsstörung in irgendwelcher Form abgeklärt
worden.
3.1.1 Es trifft zu, dass nach der interdisziplinären stationären Abklärung der Unfall
folgen vom 25. März bis 8. April 2009 in der Rehaklinik E._ keine umfassende
persönliche Untersuchung der Beschwerdeführerin mehr stattfand. Der jüngste
Zwischenbericht des Hausarztes, der in den Akten vorhanden ist, datiert vom
17. Februar 2010 (UV-act. 172). Die Stellungnahme des Kreisarztes vom 26. November
2010 stützte sich lediglich auf die Akten. Dr. I._ verwies aufgrund des Zeitintervalls
von rund eineinhalb Jahren selbst auf eine Re-Evaluation bei der ehemaligen
begutachtenden Stelle. Sein Bericht vom 26. November 2010 genügt den dargestellten
Anforderungen an eine beweiskräftige ärztliche Beurteilung (E. 2.3) klar nicht.
3.1.2 Zur unbestrittenermassen unfallbedingten psychischen
Gesundheitsbeeinträchtigung der Beschwerdeführerin liegen neben dem
psychiatrischen Gutachten, das Dr. G._ am 15. Mai 2009 verfasste und in welchem
er die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-10 (F43.1)
erstmals stellte (Teil von UV-act. 110), das Kostengutsprache-Gesuch sowie
Verlaufsberichte von Dr. H._ vom Juni 2009, 24. September 2009, 13. Februar 2010
und 24. Mai 2010 vor (UV-act. 117, 138, 171, 189). Zwar hatte die Psychotherapeutin
ihre Patientin am 30. Juni 2010 letztmals gesehen und ihr Gesuch um
Kostengutsprache nicht explizit verlängert, nachdem die Beschwerdegegnerin auf ihre
Anträge, die Psychotherapie während der Dauer der Umschulung weiterzuführen, vom
13. Februar 2010 und 24. Mai 2010 nicht eingegangen war (UV-act. 171, 189). Daraus
lässt sich aber nicht ohne weitere Abklärung, insbesondere nicht ohne Beurteilung
durch eine psychiatrische Fachperson, schliessen, dass von der Weiterführung der
Psychotherapie keine namhafte Besserung mehr zu erwarten war.
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3.1.3 Die Rechtsprechung hält zwar fest, dass eine namhafte Besserung nicht nur
möglich, sondern nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad
überwiegend wahrscheinlich sein muss (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juli 2010,
8C_346/2010, E. 2.2 mit Hinweisen). Zur Beurteilung dieser Tatsachen sind jedoch
aktuelle fachmedizinische Stellungnahmen erforderlich, welche betreffend die
Beschwerdeführerin fehlen. Zur Einholung derselben - vorzugsweise bei
anstaltsfremden und bisher noch nicht mit der Angelegenheit befassten Fachpersonen
- wird die Streitsache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
3.2 Von der Beschwerdeführerin wird weiter gerügt, dass im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung ihre IV-Umschulung noch angedauert habe und somit die zweite
Voraussetzung für das Erreichen des Endzustands bzw. für die Prüfung des adäquaten
Kausalzusammenhangs der weiterhin vorhandenen Gesundheitsbeeinträchtigungen
zum Unfallereignis ebenfalls nicht erfüllt sei. In seiner Rechtsprechung hat das
Bundesgericht festgehalten, dass der Fallabschluss durch die Unfallversicherung nicht
zur Unzeit erfolge, wenn die IV noch nicht über allfällige Eingliederungsmassnahmen
befunden habe, eine weitere ärztliche Behandlung aber keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands mehr erwarten liesse (Urteil vom 1. April 2009, 8C_304/2008,
E. 3.1). Als zulässig hat das Bundesgericht auch den Fallabschluss beurteilt, der
erfolgte, als noch Eingliederungsmassnahmen liefen, die aufgrund vorbestandener und
damit unfallfremder gesundheitlicher Schädigungen veranlasst worden waren (Urteil
vom 22. Februar 2011, 8C_67/2011, E. 2.2). Beide Urteile beschlagen jedoch andere
Tatbestände als den vorliegend zu beurteilenden: Mit der Besprechung vom 16. Juni
2009 und den folgenden Abklärungen (UV-act. 119 ff.) stand fest, dass die
Beschwerdeführerin zur Kauffrau umgeschult werde, weil sie unfallbedingt die Tätigkeit
als Malerin nicht mehr ausüben konnte. Die früher geäusserten Zweifel der
Beschwerdegegnerin, dass die Umschulung unfallbedingt nötig sei (vgl. UV-act. 55),
wurden damit zumindest implizit beseitigt. Mit IV-Beschluss vom 15. Oktober 2009
wurde der Beschwerdeführerin eine berufliche Abklärung bei der Z._ ab 26. Oktober
2009 bis 31. März 2010 gewährt (UV-act. 143). Für die Zeit vom 1. August bis
25. Oktober 2009 erhielt sie ein Wartezeit-Taggeld (UV-act. 156). Ab 1. April 2010
begann sie ebenfalls auf Kosten der IV an der Z._ eine Ausbildung zur technischen
Kauffrau (vgl. Kostengutsprachen für das Sommersemester 2010 und das
Wintersemester 2010/2011, UV-act. 184, 206). Da die Versicherte im Herbst 2010 die
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Prüfungen nicht bestand, wurde die Vereinbarung mit ihr geändert und eine
Unterstützung durch die IV bis Herbst 2011 vorgesehen (vgl. UV-act. 200). - Im
Zeitpunkt der Leistungseinstellung durch die Beschwerdegegnerin per 31. Dezember
2010 liefen somit die Eingliederungsmassnahmen der IV weiter, weshalb dieser
Zeitpunkt im Licht von Gesetz und Rechtsprechung (Art. 19 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20], BGE 134 V 113 f.
E. 4.1 mit Hinweisen und Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2009, 8C_304/2008,
E. 3.1) zu früh gewählt war.
3.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass per 31. Dezember 2010 der Zeitpunkt für
die Adäquanzprüfung und Leistungseinstellung noch nicht erreicht war. Es fehlte
sowohl der genügende Nachweis, dass die weitere ärztliche Behandlung keine
namhafte Besserung mehr erwarten liess als auch der Abschluss der
Eingliederungsmassnahmen der IV. Den Abschluss der Eingliederungsmassnahmen hat
die Beschwerdegegnerin durch entsprechende Unterlagen (der IV) zu dokumentieren.
Für den Nachweis, dass von einer ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung
mehr zu erwarten war, hat sie fachärztliche Berichte einzuholen, vorzugsweise bei
anstaltsfremden Fachpersonen (vgl. E. 3.1.3).
3.4 Soweit die Beschwerdegegnerin dem Standpunkt der Beschwerdeführerin
entgegnen lässt, die IV habe die Mehrkosten der Ausbildung zur technischen Kauffrau
nur bis 2. Oktober 2010 übernommen und ihre beruflichen Abklärungen seien am
1. Oktober 2008, mit der Übernahme der weiteren Beratung durch die F._ eingestellt
worden, treffen diese Rügen nicht zu. In den Akten der Beschwerdegegnerin ist die
Übernahme der Umschulungskosten bis mindestens 2. April 2011 durch eine
schriftliche Kostengutsprache der IV (vom 1. Dezember 2010; UV-act. 206)
dokumentiert und es liegen keine Anhaltspunkte vor, dass die telefonischen Auskünfte
des IV-Berufsberaters gegenüber der Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin,
wonach die Unterstützung durch die IV bis Herbst 2011 andauern würde, unzutreffend
wären (vgl. UV-act. 200); zumal schon die Offerte der Z._ vom 25. Juni 2009 von
einer Dauer der Ausbildung zur technischen Kauffrau bis 16. Oktober 2011
ausgegangen war (UV-act. 121). Es trifft weiter nicht zu, dass die beruflichen
Abklärungen der IV per 1. Oktober 2008 abgeschlossen worden waren. Sie wurden
lediglich sistiert, als im übereinstimmenden Auftrag der involvierten Versicherungen die
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F._ die Berufs- und Laufbahnberatung übernahm (vgl. UV-act. 55 f., 60) und die
Beschwerdegegnerin dafür Kostengutsprache erteilte (vgl. UV-act. 65 f.). Ab Juni 2009
wurde die Beratung durch die IV wieder aktiviert und in der Folge diejenige durch die
F._ abgeschlossen (im Herbst 2009 vgl. UV-act. 119 f., 122 f., 131, 133 ff., 141).
4.
Wie vorstehend (E. 3) dargelegt, ist die Adäquanzprüfung gegenüber der
Beschwerdeführerin verfrüht vorgenommen worden. Die Beschwerde vom 30. März
2011 ist daher teilweise gutzuheissen und der Einspracheentscheid vom 1. März 2011
aufzuheben. Bei dieser Ausgangslage ist die Richtigkeit der Adäquanzprüfung im
vorliegenden Verfahren nicht zu überprüfen.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 1. März 2011 teilweise gutzuheissen und die Angelegenheit
zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Hingegen hat die
Beschwerdeführerin bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine
Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts (Art. 61 lit. g ATSG). Eine
Entschädigung von pauschal Fr. 4'000.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)
erscheint angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird dahingehend gutgeheissen, dass der Einspracheentscheid
vom 1. März 2011 aufgehoben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinn
der Erwägungen und anschliessender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen wird.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
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3. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin mit pauschal Fr. 4'000.-- zu
entschädigen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 03.04.2012 Art. 6, Art. 19 Abs. 1 UVG: Zeitpunkt für die Prüfung der Adäquanz und Einstellung der Leistungen noch nicht erreicht: Eingliederungsmassnahmen der IV liefen im Einstellungszeitpunkt noch. Beschwerdegegnerin hat nicht rechtsgenüglich nachgewiesen, dass von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte Besserung mehr zu erwarten ist (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. April 2012, UV 2011/25).
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