Decision ID: 136da271-4bc3-5266-a096-12e8d70eb282
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ legte im März 2016 den schriftlichen Teil der Anwaltsprüfung zum zweiten Mal ab. Sie erzielte in den drei schriftlichen Prüfungen die Noten 5 (Staats-, Verwaltungs- oder Steuerrecht), 4 (Strafrecht) und 2 (Nationales und internationales Privatrecht mit Einschluss des - und Konkursrechts sowie der Schiedsgerichtsbarkeit), was einen Notendurchschnitt von 3,67 ergab. Mit Notenblatt vom 17. Mai 2016 eröffnete ihr die Anwaltsprüfungskommission, sie habe den schriftlichen Teil der Anwaltsprüfung nicht bestanden und werde deshalb nicht zum mündlichen Teil der Prüfung zugelassen.
B.
Am 24. Mai 2016 ersuchte A._ um Zulassung zu einer . Die Anwaltsprüfungskommission trat mit Verfügung vom 30. Mai 2016 auf ihr Gesuch nicht ein und verwies sie auf den ordentlichen Rechtsmittelweg.
Am 20. Juni 2016 hat A._ Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit folgenden Rechtsbegehren erhoben:
«1. Der Prüfungsentscheid vom 17. Mai 2016 der bernischen  sei aufzuheben, die Note im Fach nationales und internationales Privatrecht auf eine 3 anzuheben und die schriftliche Prüfung als bestanden zu erklären.
Eventualiter: Der Beschwerdeführerin sei Gelegenheit zu geben, die schriftliche Prüfung im Fach nationales und internationales Recht zu wiederholen.
Subeventualiter: Der Beschwerdeführerin sei Gelegenheit zu geben, die schriftlichen Prüfungen in allen drei Prüfungsfächern nochmals zu wiederholen.
2. Die Beschwerdeführerin sei zu den mündlichen Prüfungen  bzw. einzuladen.
3. Der Beschwerde sei ausdrücklich die aufschiebende Wirkung zu .
4. Der Gesuchstellerin sei für das vorliegende Verfahren das Recht der unentgeltlichen Rechtspflege zu gewähren.»
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 24.01.2017, Nr. 100.2016.180U, Seite 3
Der Abteilungspräsident hat am 22. Juni 2016 das Gesuch um  Wirkung in ein solches um Erlass von vorsorglichen Massnahmen umgedeutet und dieses abgewiesen.
Mit Vernehmlassung vom 9. August 2016 beantragt die  die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege enthält sie sich eines Antrags. A._ hat sich nicht mehr vernehmen lassen.

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 6 Abs. 1 des Kantonalen  vom 28. März 2006 [KAG; BSG 168.11]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch die  Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Auf die form- und fristgerechte Beschwerde ist einzutreten.
1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG; vgl. auch Art. 6 Abs. 2 KAG). Soweit es um die Beurteilung von Prüfungsleistungen geht, auferlegt es sich im Rahmen der Rechtskontrolle praxisgemäss eine gewisse , weil es wesentliche Sachumstände nicht genügend namhaft machen kann, um sie gleich kompetent zu würdigen wie die verfügende Instanz. Es beschränkt sich darauf zu untersuchen, ob die  dem vorgeschriebenen Prüfungsgegenstand entspricht, die  (Nachvollziehbarkeit) des konkreten Bewertungsvorgangs  ist und ob sich die Prüfungsbehörde bei der Begründung der  von sachlichen Überlegungen hat leiten lassen. Diese Zu-
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 24.01.2017, Nr. 100.2016.180U, Seite 4
rückhaltung auferlegt sich das Verwaltungsgericht auch dann, wenn es – wie etwa bei juristischen Prüfungen – aufgrund seiner Fachkenntnisse zu einer weitergehenden Überprüfung befähigt wäre. Steht nicht die konkrete Bewertung einer Prüfungsleistung in Frage, sondern ist die Auslegung und Anwendung von Rechtssätzen strittig oder werden Verfahrensmängel , prüft das Verwaltungsgericht die erhobenen Einwendungen im  seiner gesetzlichen Kognition (Rechtskontrolle) uneingeschränkt (vgl. BVR 2012 S. 152 E. 1.2, 2011 S. 324 E. 4.2; BGE 136 I 229 E. 5.4.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 80 N. 3, Art. 66 N. 4).
2.
2.1 Die bernische Anwaltsprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil; Kandidatinnen und Kandidaten, die den  Teil bestanden haben, werden zum mündlichen Teil zugelassen (Art. 10 Abs. 1 der Verordnung vom 25. Oktober 2006 über die  [APV; BSG 168.221.1]). Die Prüfung wird von einer  durchgeführt, die auch über das Bestehen der Prüfung entscheidet (Art. 3 Abs. 1 KAG). Die Prüfungsleistungen werden nach einer Notenskala von 1-6 mit einer Abstufung nach halben Noten bewertet, wobei für  Prüfungsleistungen Noten von 4 bis 6 vergeben werden (6 = ; 5,5 = sehr gut; 5 = gut; 4,5 = befriedigend; 4 = ausreichend), während ungenügende Leistungen mit Noten zwischen 1 und 3,5 zu  sind (Art. 16 Abs. 1 und 2 APV). Nach Abschluss des schriftlichen bzw. mündlichen Teils stellt das Sekretariat der  die Noten der einzelnen Fächer zusammen. Die Noten werden auf Vorschlag der prüfenden Expertinnen und Experten durch die  festgesetzt (Art. 17 APV). Der schriftliche Teil ist , wenn der Notendurchschnitt mindestens 4,0 beträgt und nicht mehr als eine ungenügende Note vorliegt (Art. 16 Abs. 3 APV).
2.2 Die Beschwerdeführerin hat im schriftlichen Teil der Anwaltsprüfung einen Durchschnitt von 3,67 erreicht und damit diesen nicht bestanden (vorne Bst. A). Da sie im zweiten Versuch erfolglos war, ist die ordentliche
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Wiederholungsmöglichkeit nach Art. 20 Abs. 1 APV ausgeschöpft. Soweit die Beschwerdeführerin ihre Anträge mit Rechtsfehlern im Prüfungsablauf begründet, lassen sich solche praxisgemäss nur mit der Wiederholung der Prüfung im Sinn ihres Eventualbegehrens beheben. Eine nachträgliche Aufwertung der Prüfungsleistung wegen persönlicher Beeinträchtigungen hingegen wäre unzulässig (BVR 2012 S. 326 E. 5.2; VGE 2012/471 vom 24.6.2013 E. 4.2 mit Hinweisen, 2012/412 vom 18.6.2013 E. 3.2.2; Niehues/Fischer/Jeremias, Prüfungsrecht, 6. Aufl., 2014, Rz. 249 ff., 253, 257). Die mit Hauptbegehren angestrebte Rechtsfolge (Anhebung der Note und Erklärung des Bestehens der Prüfung) kann die Beschwerdeführerin einzig mit Rügen zur Bewertung ihrer Leistung in der Privatrechtsprüfung erreichen.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst einen Verfahrensfehler im Ablauf der Privatrechtsprüfung. Sie erblickt im Umstand, dass das  (BGG) nicht als Hilfsmittel abgegeben worden ist, einen Verfahrensmangel. Das BGG sei für die Bestimmung der sachlichen  massgebend gewesen und nicht als Hilfsmittel aufgeführte Gesetze seien unzulässig. Das Fehlen des BGG habe sie aus der Fassung gebracht und sie habe eine «Angstattacke» erlitten. Durch das fehlende Gesetz sei der geordnete Verfahrensablauf kausal gestört worden ( S. 5 und 6).
3.2 Die Anwaltsprüfungskommission ist für die Durchführung der  zuständig (Art. 3 Abs. 1 KAG). Der Regierungsrat regelt durch Verordnung Gegenstand und Durchführung der Prüfung (Art. 4 Bst. c KAG). Gemäss Art. 14 Abs. 1 APV bestimmt die Verfasserin oder der  der Prüfungsaufgabe die zulässigen Hilfsmittel. Nähere , wie die Prüfung auszugestalten ist, enthält die APV nicht. Die  fällt daher in das pflichtgemässe Ermessen der Expertinnen und Experten, die sich dabei an den Grundprinzipien des Verwaltungsrechts, wie das Gebot der Gleichbehandlung sowie das Willkürverbot, zu halten
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haben (BVR 2010 S. 49 E. 3.1). Bei der Privatrechtsprüfung wurde das BGG nicht als Hilfsmittel abgegeben (act. 5 Rz. 13; act. 5A Nr. 1.1 S. 4).