Decision ID: 50086137-69d9-4dd1-8831-d6791a9deb94
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach 29,
8887 Mels,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 15. August 2011 wegen Fersen-Schmerzen und einer
Depression zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Die Versicherte arbeitete
zuletzt vom 8. November 2010 bis 9. Mai 2011 (letzter effektiver Arbeitstag: 31.
Dezember 2010) als Produktionsmitarbeiterin Verpackung bei der B._ AG (IV-act. 6).
A.b Im Bericht der Klinik für Chirurgie und Orthopädie, Spital C._, vom 28. Februar
2011 wurde ein Fersensporn beidseits, aktuell links symptomatisch, diagnostiziert. Es
wurde eine Stosswellen-Therapie bei Dr. med. D._, FMH Physikalische Medizin und
Rehabilitation, Manuelle Medizin, empfohlen (IV-act. 12-4). Im Arztbericht vom 21. März
2011 gab Dr. D._ an, dass sie die Versicherte schon 2007 wegen den gleichen
Beschwerden behandelt habe. Nach lokalen Infiltrationen sei es zu einer Besserung
gekommen. Die Versicherte habe eine erneute Therapie mit Infiltration nicht gewünscht
und eine Stosswellentherapie habe nicht durchgeführt werden können, da sie auch die
minimale Energie nicht ertragen habe (IV-act. 11). Anlässlich des Telefongesprächs
zwischen dem RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt für innere Medizin FMH, und Dr.
D._ vom 23. August 2011 gab diese bei den Diagnosen zusätzlich zur Fascitis
plantaris links ein Impingement der linken Schulter (deutlich gebessert nach einer
Infiltrationstherapie) an. Bezüglich der Fersenschmerzen attestierte sie der Versicherten
eine Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen stehenden Tätigkeit als Packerin. In einer
wechselbelastenden, vorwiegend im Sitzen ausgeübten Tätigkeit sei die Versicherte ab
dem 15. September 2011 in einem 50%igen, im Verlauf von zwei bis drei Monaten
steigerbaren Pensum wieder arbeitsfähig (IV-act. 12).
A.c Im Arztbericht vom 6. Januar 2012 diagnostizierte med. prakt. F._, Assistenzarzt,
Psychiatrie-Zentrum G._, eine mittelgradige bis schwere depressive Episode
(ICD-10: F33.11), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie
den Verdacht auf eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1) und attestierte eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% für sämtliche Tätigkeiten seit Behandlungsbeginn am 30.
August 2011 (IV-act. 21).
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A.d Im Verlaufsbericht vom 17. Januar 2012 attestierte Dr. D._ der Versicherten eine
Arbeitsfähigkeit von 100% für sitzende Tätigkeiten (IV-act. 22). Im undatierten
Arztbericht (Eingang bei der IV-Stelle: 6. März 2012) diagnostizierte Dr. med. H._,
Facharzt für Allgemeine Medizin FMH einen deprimierten Verstimmungszustand mit
häufigen Panikattacken, eine arterielle Hypertonie mit hypertensiver Entgleisung und
Diabetes mellitus Typ II. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er
eine somatoforme Angststörung. Er attestierte der Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit
von 100% (IV-act. 27).
A.e Am 2. März 2012 erfolgte eine notfallmässige Selbstvorstellung der Versicherten
im Spital C._ bei Blutdruckentgleisung und thorakalen Schmerzen. Auf dem Notfall
sei es zu einer spontanen Normalisierung des Blutdruckes gekommen und nach
einmaliger Gabe von 20 Tropfen Novalgin hätten sich die Beschwerden gebessert. Die
Versicherte habe eine arterielle Blutgasanalyse und eine stationäre Überwachung zur
Abklärung abgelehnt und sei gegen den ärztlichen Rat entlassen worden (IV-act. 29-4
ff.).
A.f Im Verlaufsbericht vom 6. Juli 2012 berichtete Dr. H._ über eine Verschlechterung
des Gesundheitszustands und führte die somatoforme Angststörung neu als Diagnose
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auf (IV-act. 29). Im Verlaufsbericht vom 16. August
2012 berichtete med. prakt. F._ von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes
(leichtgradige Stabilisierung im Sinn einer Stimmungsaufhellung) bei unveränderter
Diagnose. Er attestierte der Versicherten weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100%
(IV-act. 31).
A.g Im von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen polydisziplinären Gutachten des Swiss
Medical Assessment and Business-Center vom 23. Januar 2013 (SMAB-Gutachten)
diagnostizierten die Experten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte bis
mittelschwere depressive Episode (ICD-10: F32.1), ein generalisiertes
Weichteilschmerzsyndrom mit Dekonditionierung und eine Plantarfaszitis bei plantarem
Fersensporn links. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie eine
Diabetes mellitus Typ 2, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10:
F45.4), eine arterielle Hypertonie, eine Osteopenie sowie Übergewicht. In der
bisherigen Tätigkeit attestierten die Experten der Versicherten eine Arbeitsfähigkeit von
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0%. Eine Verweistätigkeit (leichte und mittelschwere körperliche Arbeiten einfacher
geistiger Art mit geringen Verantwortungsbereichen ohne besonderen Zeitdruck und
ohne Nachtarbeitsbedingungen) könne die Versicherte 8.5 Stunden täglich mit 30%
Minderung der Leistungsfähigkeit ausüben, es bestehe somit eine Arbeitsfähigkeit in
der Grössenordnung von 70% (IV-act. 41). Der RAD-Arzt Dr. E._ beurteilte das
SMAB-Gutachten als umfassend, kohärent und widerspruchsfrei. Die im Konsens
zwischen den beteiligten Fachspezialisten ausgearbeitete Beurteilung werde klar
ersichtlich und die Schlussfolgerungen hinsichtlich der IV-relevanten Fragen könnten
plausibel nachvollzogen werden (Aktennotiz vom 31. Januar 2013, IV-act. 42).
A.h Mit Vorbescheid vom 11. Februar 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit
von 70% resultiere anhand des durchgeführten Einkommensvergleichs ein
Invaliditätsgrad von 27% (IV-act. 45).
A.i Mit Einwand vom 5. April 2013 machte die Versicherte geltend, dass das SMAB-
Gutachten sowohl bei der Diagnosestellung als auch bei der Beurteilung der Arbeits
fähigkeit den Angaben des Psychiatriezentrums G._ diametral widerspreche (IV-act.
51). Im nachgereichten Befundbericht vom 5. April 2013 führte med. prakt. F._ aus,
dass die Versicherte weiterhin die diagnostischen Kriterien für das Vorliegen einer
schweren depressiven Episode erfülle. Bei der Durchsicht des psychiatrischen Teils der
Begutachtung seien wesentliche Mängel aufgefallen. Es sei der Eindruck entstanden,
dass weder sorgfältig noch systematisch gearbeitet worden sei und dass klar definierte
Regeln zur Diagnosefindung nicht eingehalten worden seien. Zudem sei die
diagnostizierte Panikstörung derart ausgeprägt, dass eine eigenständige Diagnose mit
Krankheitswert vorliege und die Symptome nicht als Bestandteil der Depression zu
subsumieren seien (IV-act. 54).
A.j In einer Stellungnahme vom 29. April 2013 äusserten sich die Experten der SMAB
zu den Vorwürfen dahingehend, dass die Befunderhebung nach den Standards des
psychiatrischen Fachgebietes erhoben und entsprechend AMDP dokumentiert worden
seien. Wenn die behandelnden Ärzte von einer schweren depressiven Episode
ausgingen, so würden sie sich offenbar im Wesentlichen auf die subjektiven
Beschwerden der versicherten Person stützen und würden es jedoch unterlassen,
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diese auf der Befundebene zu verifizieren. Sie gelangten daher – fehlerhaft – zu einer
gravierenderen Einschätzung des Schweregrades der psychischen Störung.
Hinsichtlich der Panikstörung sei festzuhalten, dass der ICD-10 klar feststelle, dass die
Panikstörung nicht als Hauptdiagnose verwendet werden solle, wenn die betroffene
Person bei Beginn der Panikattacken an einer depressiven Störung leide.
Zusammenfassend lasse sich festhalten, dass sich aus der Kritik der behandelnden
Ärzte an dem vorliegenden Gutachten keine neuen Aspekte ergeben würden, welche
eine Abänderung der gutachterlichen Einschätzung begründen könnten (IV-act. 57).
Dieser Beurteilung schloss sich RAD-Arzt. Dr. E._ an (IV-act. 58).
A.k Mit Verfügung vom 21. Mai 2013 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
entsprechend dem Vorbescheid ab (IV-act. 59).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 19. Juni 2013. Die Beschwerdeführerin beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolge die Aufhebung der Verfügung vom 21. Mai 2013 und die
Zusprechung einer Invalidenrente ab Januar 2012. Sie begründet dies im Wesentlichen
damit, dass nicht auf die Beurteilung des SMAB-Gutachtens abgestellt werden könne,
sondern die Angaben des Psychiatrie-Zentrums G._ medizinisch massgebend seien,
wonach eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestehe. Allenfalls sei die Frage der
psychiatrischen Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit von einem
neutralen Gutachter zu klären. Zudem sei beim Einkommensvergleich ein
Leidensabzug vorzunehmen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 23. August 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Insgesamt vermöge der Bericht des Psychiatrie-
Zentrums G._ nicht, am Gutachten Zweifel zu wecken oder gar die Angaben im
Gutachten zu widerlegen und selbst zu überzeugen. In Bezug auf die Angaben der
Behandler sei festzuhalten, dass diese in erster Linie als Therapeuten agieren würden
und ihre Stellungnahmen dadurch geprägt seien. Es könne ohne weiteres auf das
SMAB-Gutachten abgestellt werden. Zudem sei das im Gutachten diagnostizierte
generalisierte Weichteilschmerzsyndrom unter der Rechtsprechung zur Fibromyalgie
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und somit unter den Grundsätzen der somatoformen Schmerzstörung zu würdigen. Die
leichte depressive Episode erfülle das Kriterium der psychiatrischen Komorbidität von
erheblicher Schwere und Dauer nicht. Auch die Foerster-Kriterien seien nicht hin
reichend erfüllt. Aufgrund der aktuell geltenden Rechtsprechung müsse daher das
Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens verneint werden und die
Verfügung sei im Ergebnis zu schützen (act. G 3).
B.c Mit Replik vom 19. September 2013 hält die Beschwerdegegnerin unverändert an
ihrer Beschwerde fest (act. G 8). Der Replik war ein Schreiben des Psychiatrie-
Zentrums G._ beigelegt, in welchem erneut verschiedene Mängel am SMAB-
Gutachten geltend gemacht und dessen Beweistauglichkeit in Frage gestellt wurde
(act. G 8.1). Die Beschwerdeführerin verzichtete am 14. Oktober 2013 auf die
Einreichung einer Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Die Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
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wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.4 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb).
3.
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3.1 Vorab ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine rechts
genügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt. Die
Beschwerdegegnerin stützt sich in medizinischer Sicht in der angefochtenen Verfügung
vom 21. Mai 2013 auf das SMAB-Gutachten vom 23. Januar 2013 (IV-act. 41) und auf
die Stellungnahme des SMAB vom 29. April 2013 (IV-act. 57). Die Beschwerdeführerin
hält den psychiatrischen Teil des Gutachtens aus verschiedenen Gründen für
mangelhaft (act. G 1 und G 8) und stützt sich dabei vor allem auf die Ausführungen des
Psychiatrie-Zentrums G._ (act. G 1.4 und 8.1).
3.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass das SMAB-Gutachten in der Ein
leitung des psychiatrischen Teils bereits in der Eingangsformulierung suggeriere, dass
die Beschwerdeführerin eine Simulantin sei, dabei sei der Gutachter nicht in der Lage,
sein subjektives Urteil durch objektive Untersuchungsbefunde zu belegen. Zudem
sollte die Beurteilung, inwieweit ein auffälliges Gangbild auf körperliche Beschwerden
zurückzuführen sei, einem orthopädisch fachärztlichen Kollegen überlassen werden.
Damit dokumentiere der Gutachter, dass es ihm weniger um die Wahrheitsfindung als
um die Kundenpflege gehe, um auch zukünftig vom Auftraggeber profizieren zu können
(act. G 8, S. 2 und G 8.1, S. 1).
3.2.1 Der psychiatrische Gutachter hält unter dem Punkt Beobachtungen im Verhalten
der versicherten Person folgendes fest: "Die Versicherte verbringt eine kurze Wartezeit
in der Wartezone sitzend, in sich zusammengesunken, den Blick auf den Boden
gerichtet. Beim Aufruf zur Exploration erhebt sich die Versicherte sehr zögernd,
stöhnend. Mit skurril wirkendem Gangbild, welches eine Entlastung der Fersen und des
Rückens dokumentieren soll, folgt die Versicherte ins Untersuchungszimmer. Die
Versicherte nimmt sodann auf dem Besucherstuhl Platz, nimmt dabei aber sofort
wieder eine schlaffe Schonhaltung ein, welche sie im Verlauf der Exploration mehrfach
verändert" (IV-act. 41-10).
3.2.2 Die Verhaltensbeobachtung gehört zum Kernstück einer psychiatrischen
Begutachtung (vgl. Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für
Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung psychischer Störungen, in:
Schweizerische Ärztezeitung, 2004; 85: Nr. 20, S. 1050). Es ist nicht ersichtlich,
weshalb die Ausführungen des psychiatrischen Gutachters zum Verhalten der
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Beschwerdeführerin vor der eigentlichen Untersuchung den Beweiswert des
Gutachtens schmälern sollten, zumal er – entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführerin – keine Rückschlüsse über die körperlichen Beschwerden
vornimmt.
3.3 Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, dass die Abklärungen im psychiatrischen
Teil des SMAB-Gutachtens weder sorgfältig noch systematisch erfolgt und klar
definierte Regeln zur Diagnosefindung nicht eingehalten worden seien (act. G 1, S. 6 f.
und G 1.4, S. 2). Der Gutachter erfasse bei seiner Anamneseerhebung eine
Symptomatik, welche die Diagnose einer schweren Depression nahelege, ohne
allerdings diese Symptomatik anhand der diagnostischen Leitlinien auszuwerten. Wenn
diese Auswertung richtig wäre, sei die Diagnose einer schweren Depression zwingend.
Die diagnostischen Kriterien nach ICD-10 würden im gesamten Gutachten mit keinem
Wort erwähnt, was ebenfalls den Verdacht nahelege, dass dem Gutachter vor allem
daran gelegen gewesen sei, eine vorgefasste Diagnose wortreich zu untermauern (act.
G 8, S. 2 f. und G 8.1, S. 1).
3.3.1 Wie die Gutachter in der Stellungnahme vom 29. April 2013 erklärten (vgl. IV-act.
57-2), wurde die Befunderhebung entsprechend AMDP dokumentiert. Aus dem
Gutachten ergeben sich keine Anhaltspunkte, dass die Anamnese- und die Befunder
hebung nicht sorgfältig und systematisch erfolgt sei.
3.3.2 Bei der Befunderhebung im SMAB-Gutachten sind einige Abweichungen zur
Befunderhebung des behandelnden Psychiaters feststellbar. So hält der behandelnde
Psychiater fest, dass die Aufmerksamkeit, die Konzentration sowie das
Selbstwertgefühlt herabgesetzt bzw. vermindert seien (IV-act. 54-1 und 21-3).
Demgegenüber wird im SMAB-Gutachten festgehalten, dass die Beschwerdeführerin
das Explorationsgeschehen durchaus aufmerksam und attent verfolge. Das
Konzentrationsvermögen sei durchaus erhalten, sie nehme die gestellten Fragen auf,
könne sich den jeweiligen Gesprächsinhalten widmen, verharre aber dabei stets in
einer klagsam-jammernden Grundhaltung. Vor diesem Hintergrund sei die Fähigkeit der
Beschwerdeführerin, sich auf wechselnde Gesprächsthemen rasch einzurichten viskös,
die höheren kognitiven Leistungen wie problemlösendes Denken und Handeln seien
nur schlicht differenziert (IV-act. 41-11). Weiter hält der behandelnde Psychiater fest,
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dass eine deutliche Antriebsminderung vorliege (IV-act. 54-1, 31-1 und 21-3).
Demgegenüber wird im SMAB-Gutachten ausgeführt, dass die Willenskräfte durchaus
zielgerichtet und strukturiert seien, die Beschwerdeführerin verfolge spürbar
durchgehend das Ziel, ihr Leiden ausdrucksvoll und kraftvoll darzustellen. Die
Antriebslage sei ausreichend erhalten. Ambivalenz oder Ambitendenz liege nicht vor
(IV-act. 41-11). Der behandelnde Psychiater berichtet zudem über einen Verlust von
Freude und Interesse sowie ein ausgeprägtes Rückzugsverhalten (IV-act. 54-1 und
31-1). Im SMAB-Gutachten wird demgegenüber festgehalten, dass die Fähigkeit
Freude zu empfinden reduziert sei, es bestehe ein partieller Interessenverlust, jedoch
kein vollständiges Erlöschen von Interessen. Immerhin nehme die Beschwerdeführerin
doch interessiert Anteil am familiären Werdegang und Schicksal und sei auch nicht
sozial vollkommen zurückgezogen (IV-act. 41-12). Entgegen dem behandelnden
Psychiater (vgl. IV-act. 54-1 f., und 21-3) wird im SMAB-Gutachten auch festgehalten,
dass keine Suizidalität vorliege (IV-act. 41-12).
3.3.3 Aufgrund dieser Unterschiede in der Befunderhebung ist die im SMAB-Gutachten
gestellte Diagnose einer leichten bis mittelschweren depressiven Episode (ICD-10: F
32.1) nachvollziehbar. Diesbezüglich ist auch zu berücksichtigen, dass der
behandelnde Psychiater im Arztbericht vom 6. Januar 2012 unter anderem eine mittel-
gradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F33.11) diagnostizierte. Obwohl er
sowohl im Verlaufsbericht vom 16. August 2012 eine Verbesserung des
Gesundheitszustandes geltend machte und von einer leichtgradigen Stabilisierung im
Sinne einer Stimmungsaufhellung berichtete als auch im Befundbericht vom 5. April
2013 eine leichte Stabilisierung der Beschwerdeführerin erwähnte, stellte er in diesen
beiden Berichten die Diagnose einer schweren depressiven Episode (ICD-10: F33.2).
Diese Verschlechterung in der Diagnose trotz der ausgeführten gesundheitlichen
Verbesserung bzw. Stabilisierung ist, im Gegensatz zur gutachterlichen Diagnose, nicht
nachvollziehbar.
3.4 Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, dass die diagnostizierte Panikstörung
derart ausgeprägt sei, dass eine klare Co-Morbidität bestehe und die Symptome nicht
als Bestandteil der Depression zu subsumieren seien (act. G 1, S. 6 und G 1.4, S. 2). Im
SMAB-Gutachten sei die Panikstörung nur am Rande erwähnt worden, obwohl sie
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mehrfach zu notfallmässigen Hospitalisationen der Beschwerdeführerin geführt habe
(act. G 8, S. 3 und G 8.1, S. 2).
3.4.1 Im SMAB-Gutachten wird unter der Würdigung der Arztberichte festgehalten,
dass weder eine generalisierte Angststörung noch eine Panikstörung ohne
Agoraphobie bestehe, weil die Angstsymptome in engem Zusammenhang mit einer
depressiven Episode aufgetreten seien, so dass die von der Beschwerdeführerin
geschilderten Ängste unter das depressive Krankheitsbild zu subsumieren seien (IV-
act. 41-17). Wie die Gutachter in der Stellungnahme vom 29. April 2013 festhalten (IV-
act. 57-2), soll die Panikstörung nicht als Hauptdiagnose verwendet werden, wenn der
Betroffene bei Beginn der Panikattacken an einer depressiven Störung leidet. Unter
diesen Umständen sind die Panikattacken wahrscheinlich sekundäre Folge der
Depression (vgl. H. Dilling/H.J. Frey-berger [Hrsg.], Taschenführer zur ICD-10-
Klassifikation psychischer Störungen, 7. Aufl. Bern 2014). Vor diesem Hintergrund
hätten die Gutachter auf die Diagnose der Panikstörung als gesonderte Diagnose
verzichtet (IV-act. 57-2).
3.4.2 Die Begründung der Gutachter, dass eine Panikstörung nicht als Hauptdiagnose
zu verwenden sei, wenn die betroffene Person bei Beginn der Panikattacken an einer
depressiven Störung leidet, überzeugt. Die anderslautende Meinung des behandelnden
Arztes vermag deshalb keine Zweifel an der gutachterlichen Beurteilung zu wecken.
3.5 Bezüglich der Kritik des behandelnden Psychiaters am SMAB-Gutachten gilt es
zudem zu berücksichtigen, dass rechtsprechungsgemäss unter Beachtung der
Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag es nicht angehen
kann, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
medizinischen Fachpersonen nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen
oder an solchen vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten.
Anders verhält es sich hingegen, wenn die behandelnden medizinischen Fachpersonen
objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt geblieben und die geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu
führen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts] vom 13. März 2006, I 676/05, E. 2.4 mit
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Hinweisen). Weiter ist zu beachten, dass – behandelnde und begutachtende –
Psychiater, die mit der gleichen Person als Patientin oder Explorandin in verschiedenen
Zeitpunkten und Situationen konfrontiert, zu unterschiedlichen Beurteilungen der
psychischen Beeinträchtigungen und – invalidenversicherungsrechtlich entscheidend –
deren Schweregrades mitsamt den sich daraus ergebenden Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit gelangen können. Diese in der Natur der Sache begründete,
weitgehend fehlende Validierbarkeit ("Reliabilität") psychiatrischer Diagnosen kann
nicht automatisch zu Beweisweiterungen bei sich widersprechenden psychiatrischen
Berichten und Expertisen führen, wenn die gutachtliche Einschätzung die
Anforderungen an beweiskräftige Gutachten erfüllt (Urteil des Bundesgerichts vom 29.
September 2009, 9C_661/09, E. 3.2).
3.6 Zusammenfassend bestehen keine Zweifel an dem auf umfassenden
Untersuchungen beruhenden, in Kenntnis der vollständigen Aktenlage und in
Berücksichtigung des gesamten Leidensbildes ergangenen, nachvollziehbaren SMAB-
Gutachten vom 23. Januar 2013. Auch aus den Einwänden des behandelnden
Psychiaters und der Beschwerdeführerin ergeben sich weder objektiven
Gesichtspunkte, welche im Gutachten ausser Acht gelassen worden wären, noch
konkrete Indizien, welche gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen würden.
Gestützt darauf ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin für adaptierte
Arbeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt 70% arbeitsfähig ist. Es besteht kein
Bedarf für die Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen.
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass beim Einkommensvergleich ein
Leidensabzug hätte vorgenommen werden müssen. Die Leistungseinbusse von 30%
werde im SMAB-Gutachten nicht näher umschrieben. Zudem seien ihr nicht sämtliche
leichten und mittelschweren körperlichen Arbeiten möglich. Vielmehr müssten die
Arbeiten einfacher geistiger Art mit geringen Verantwortungsbereichen ohne
besonderen Zeitdruck und ohne Nachtarbeitsbedingungen sein. Ein durchschnittliches
Einkommen könne damit nicht erzielt werden (act. G 1, S. 7).
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4.2 Im SMAB-Gutachten wird festgehalten, dass die Beschwerdeführerin in der Lage
sei, leichte und mittelschwere körperliche Arbeiten einfacher geistiger Art mit geringen
Verantwortungsbereichen ohne besonderen Zeitdruck, ohne Nachtarbeitsbedingungen
zu verrichten. Solche Verweistätigkeiten könne sie 8.5 Stunden täglich bei einer
Minderung der Leistungsfähigkeit um 30% ausüben (IV-act. 41-17).
4.3 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung rechtfertigt der Umstand, dass
die versicherte Person zwar ganztags arbeitsfähig, hierzu aber nur reduziert
leistungsfähig ist, grundsätzlich keinen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 28. Januar 2014, 9C_796/2013, E. 3.1.2, Urteil des
Bundesgerichts vom 16. August 2012, E. 3.2, je mit Hinweisen).
4.4 Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich
leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Sind hingegen
leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar, ist allein deswegen auch bei
eingeschränkter Leistungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt, weil der
Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4 bereits eine Vielzahl von leichten und
mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember
2009, 9C_722/2009, E. 3.3 mit Hinweisen).
4.5 Die Einschränkung auf Tätigkeiten ohne besonderen Zeitdruck und ohne Nacht
arbeitsbedingungen rechtfertigt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ebenfalls
keinen Tabellenlohnabzug (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2015,
8C_693/2014, E. 4.2.2 mit Hinweisen). Die Voraussetzung von Tätigkeiten einfacher
geistiger Art mit geringen Verantwortungsbereichen schränkt die Einsatzmöglichkeiten
im niedrigsten Anforderungsniveau zudem auch nicht weiter ein.
4.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorliegend die Voraussetzungen für einen
Tabellenlohnabzug nicht erfüllt sind. Damit bleibt es beim in der angefochtenen
Verfügung vorgenommenen Einkommensvergleich und somit bei einem nicht renten
begründenden Invaliditätsgrad von 27%.
5.
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Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vom 19. Juni 2013 abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600 ist ihr daran anzurechnen.
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP