Decision ID: 3b3661b7-5ddc-405a-bed6-d6250c9777a3
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Edwin Bigger, Rechtsagent, Sonnenbühlstrasse 3, 9200 Gossau,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Erlass der EL-Rückerstattung
Sachverhalt:
A.
A.a S._ (Jahrgang 1930) meldete sich am 1. Juli 2002 zum Bezug von
Ergänzungsleistungen (EL) zur AHV-Rente an. Als Einnahmen gab er seine monatliche
AHV-Rente im Betrag von Fr. 1'632.-- an. Unter der Rubrik 'Andere Versicherungen'
führte er den Betrag von Fr. 293.20 an und notierte dazu "Bank A._/Einmaleinlage".
Zudem fügte er unter Zinsen den Betrag von Fr. 1'744.-- an. Er wohne in einem Alters-
und Pflegeheim (EL-act. 73). Mit Verfügung vom 22. August 2002 sprach die EL-
Durchführungsstelle dem Versicherten zu seiner AHV-Rente mit Wirkung ab 1. März
2002 eine monatliche EL von Fr. 586.-- zu. Dabei berücksichtigte sie bei den
Einnahmen einen Vermögensverzehr von Fr. 8'433.--, die jährliche AHV-Rente von Fr.
19'584.-- sowie die Zinsen von Fr. 1'744.-- (EL-act. 72). Die EL wurde alljährlich unter
anderem an veränderte Heimtaxen angepasst.
A.b Anfangs des Jahrs 2005 wurden die Einkommens- und Vermögensverhältnisse des
Versicherten überprüft (EL-act. 62 und 60). Mit Verfügung vom 14. April 2005 wurde die
EL auf Fr. 1'853.-- monatlich erhöht (EL-act. 61). Die EL wurde laufend an die höheren
Heimtaxen, an die veränderten Zinseinnahmen sowie an das verringerte Vermögen
angepasst.
A.c Im Frühling 2008 wurde erneut eine periodische Überprüfung der EL durchgeführt.
Am 5. Mai 2008 gab der Versicherte an, er beziehe eine AHV-Rente von insgesamt
Fr. 21'000.--, eine BVG-Rente von Fr. 3'518.40 sowie Leistungen der Krankenkasse an
Heimkosten von Fr. 4'562.--. Dazu kämen die Zinsen aus Sparguthaben von Fr. 332.25
(EL-act. 48). In der Beilage reichte er die Bestätigung der B._ über die Ausrichtung
einer Rente von Fr. 293.20 pro Monat im Jahr 2008 ein (EL-act. 49-7/15). Die EL-
Durchführungsstelle teilte dem Versicherten am 10. September 2008 mit, die
Überprüfung habe ergeben, dass weiterhin EL in der bisherigen Höhe ausgerichtet
werden könnten (EL-act. 47).
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A.d Der Heimleiter stellte der zuständigen Vormundschaftsbehörde am Wohnsitz des
Versicherten am 4. Februar 2009 den Antrag auf Prüfung von
Erwachsenenschutzmassnahmen, weil der Versicherte Unterstützung betreffend seine
finanziellen Angelegenheiten benötige (EL-act. 41). Mit Ernennungsurkunde vom
13. Mai 2009 wurde für den Versicherten eine Beistandschaft errichtet (EL-act. 5).
A.e Im Mutationsformular vom 8. Juli 2009 führte die zuständige AHV-Zweigstelle die
Rente der B._ unter Renten und Pensionen auf (EL-act. 28). Im Telefongespräch vom
8. Juli 2009 wies die Sachbearbeiterin der AHV-Zweigstelle die EL-Durchführungsstelle
auf die Rente der B._ hin, die nicht in der EL-Berechnung berücksichtigt worden war
(EL-act. 23).
A.f Mit Verfügung vom 16. Juli 2009 forderte die EL-Durchführungsstelle vom
Versicherten EL im Betrag von Fr. 16'371.-- zurück. Der Versicherte habe die seit
Jahren an ihn ausbezahlte Rente der B._ erst in der EL-Revision vom Mai 2008
deklariert. Die EL sei deshalb rückwirkend ab 1. August 2004 (Verjährungsfrist fünf
Jahre) neu zu berechnen und die zuviel ausbezahlten EL seien zurückzufordern (EL-act.
22). Am 11. August 2009 liess der Versicherte durch seinen Beistand um Erlass der
Rückforderung ersuchen. Die Rechtmässigkeit der Forderung werde nicht bestritten
(EL- act. 10).
A.g Nach Eintritt der Rechtskraft der Rückforderungsverfügung vom 16. Juli 2009 wies
die EL-Durchführungsstelle mit Verfügung vom 2. Oktober 2009 das Erlassgesuch ab.
Der gute Glaube liege beim Versicherten nicht vor (EL-act. 6). Dagegen liess der
Versicherte durch seinen Beistand am 4. November 2009 Einsprache erheben (EL-act.
3).
A.h Mit Einspracheentscheid vom 12. Januar 2010 wies die EL-Durchführungsstelle
das Erlassgesuch ab. Anlässlich der periodischen Überprüfung im Mai 2008 sei der
Verwaltung erstmals bekannt gegeben worden, dass bei der B._-Versicherung eine
Rente bestehe. Irrtümlicherweise sei die Rente in der Folge nicht in die Berechnung
miteinbezogen worden. Jeder EL-Bezüger habe jedoch im Rahmen seiner
Sorgfaltspflicht seinen Teil zur richtigen Verfügung beizutragen, indem er diese nach
Erlass rudimentär prüfe und allfällige Unstimmigkeiten melde. Dass die Rente bei der
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erstmaligen Zusprache und den im Verlauf der Jahre erfolgten Mutationen nicht
berücksichtigt worden sei, hätte dem Versicherten beziehungsweise dessen Vertreter
auffallen müssen. Der gute Glaube könne deshalb im vorliegenden Fall nicht bejaht
werden (G act. 1.1).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid liess der Versicherte, vertreten durch seinen Beistand, am
10. Februar 2010 (Postaufgabe 11. Februar 2010) Beschwerde erheben. Er beantragte
die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 12. Januar 2010 und das Absehen von
der Rückforderung der EL im Betrag von Fr. 16'371.--. Eventualiter sei der Entscheid
aufzuheben und der beantragte vollständige Erlass der Rückerstattungsforderung von
Fr. 16'371.-- sei zu gewähren. Subeventualiter sei der angefochtene Entscheid
aufzuheben und der Erlass der Rückforderung für den Zeitraum vom 1. Mai 2008 bis
31. Juli 2009 im Betrag von Fr. 4'101.80 zu gewähren. Mit Verfügungen vom 16. Juli
2009 habe die Beschwerdegegnerin die noch nicht verjährte, zu Unrecht ausgerichtete
EL ab 1. August 2004 zurückgefordert. Der Beistand habe nach Eingang der
Rückforderungsverfügung mit dem zuständigen Sachbearbeiter der
Beschwerdegegnerin telefoniert und sich darüber beschwert, dass die
Beschwerdegegnerin trotz Kenntnis über die monatliche Rente seit Mai 2008 mehr als
ein Jahr untätig geblieben sei. Der Sachbearbeiter habe ihm erklärt, er könne ein
Erlassgesuch für den Verbeiständeten stellen. Er habe es jedoch unterlassen, den
Beistand darauf hinzuweisen, dass die implizit erhobene Verjährungseinrede nur mittels
Einsprache hätte erhoben werden können. Innerhalb der Einsprachefrist sei ein
Erlassgesuch inklusive Verjährungseinrede gestellt worden. Aufgrund der mangelhaften
Aufklärung habe es der Beistand unterlassen, gleichzeitig auch Einsprache wegen
Verwirkung der Rückforderung zu erheben und die Rückforderungsverfügung sei in
Rechtskraft erwachsen. Die Beschwerdegegnerin könne wegen Verletzung der
Aufklärungs- beziehungsweise Beratungspflicht die unrechtmässig ausgerichteten EL
nicht zurückfordern. Infolge der Pflichtverletzung der Beschwerdegegnerin sei die
Verjährungseinrede zuzulassen und der Versicherte so zu stellen, wie wenn die
Aufklärung und Beratung korrekt erfolgt wären. Betreffend das Erlassgesuch liege guter
Glaube vor. Der Beschwerdeführer habe die Monatsrente der B._-Versicherung bei
der Anmeldung nicht verschwiegen, sondern unter der Rubrik 'Leistungen anderer
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Versicherungen' angeführt. Der Hinweis Einmaleinlage sei zwar falsch gewesen, aber
weder absichtlich noch grobfahrlässig, sondern irrtümlich erfolgt. Die
Beschwerdegegnerin hätte bei zumutbarer Abklärung des Sachverhalts diesen Irrtum
leicht erkennen können. Dass der Beschwerdeführer, der unter Altersgebrechen leide
und mit administrativen Angelegenheiten überfordert sei, diesen Fehler nicht erkannt
habe, könne ihm nicht zum Nachteil gereichen. Selbst wenn bis zur Deklaration im April
2008 der gute Glauben nicht gegeben wäre, sei dieser ab Mai 2008 zu bejahen. Die
Rückforderung sei deshalb zu erlassen. Schliesslich sei auch die Voraussetzung einer
grossen Härte erfüllt (G act. 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 29. April 2010
unter Verweis auf den Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde.
Ergänzend wies die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass die Rüge betreffend
Verjährung in einem Einspracheverfahren hätte geltend gemacht werden müssen und
vorliegend nicht gehört werden könne (G act. 7).
B.c In der Replik vom 6. Mai 2010 (Postaufgabe 10. Mai 2010) hielt der
Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest. Auf die weiteren Ausführungen wird, soweit

entscheidrelevant, in den Erwägungen eingegangen (G act. 9).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 28. Mai 2010 auf eine Duplik (G act. 11).
Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und im vorliegenden Verfahren zu beurteilen ist, ob dem Beschwerdeführer
die Rückforderung von Fr. 16'371.-- zu erlassen ist. Über Bestand und Höhe der
Rückforderung selbst wurde bereits rechtskräftig entschieden. Ob die
Rückforderungsverfügung rechtzeitig ergangen ist, kann aufgrund der formellen
Rechtskraft vorliegend nicht überprüft werden, weshalb auf die entsprechenden
Anträge nicht eingetreten werden kann.
1.2 Doch selbst wenn eine mangelhafte Aufklärung und eine gültige Einsprache gegen
die Rückforderungsverfügung vorliegen würden, wäre im Hinblick auf die
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Rechtsprechung des Bundesgerichts von einer fristwahrenden Eröffnung der
Rückforderungsverfügung auszugehen. Das Bundesgericht gesteht der Verwaltung
nämlich regelmässig eine Prüfdauer von mindestens zwei Monaten nach Kenntnis
eines Rückforderungstatbestandes zu, bevor die einjährige Frist zu laufen beginnt (vgl.
Urteile des Bundesgerichts vom 28. Mai 2010 i/S. K und A. [9C_1010/2009] E. 3.4 mit
weiteren Hinweisen, und vom 8. Oktober 2002 i/S. T. [P 41/00] E. 5.3). Der
Revisionsfragebogen ist am 22. Mai 2008 bei der SVA eingegangen. Zur Überprüfung
und zur weiteren Abklärung sind zwei Monate zuzugestehen. Die einjährige Frist hat
somit nicht vor Ende Juli 2008 zu laufen begonnen. Die Rückforderungsverfügung vom
16. Juli 2009 war damit noch gerade fristwahrend.
2.
2.1 Das Prinzip des Vertrauensschutzes kann der Rückforderung einer zu Unrecht
erbrachten Leistung entgegen stehen, was den Gesetzgeber veranlasst hat, den Erlass
einer solchen Rückforderung vorzusehen, wenn der Empfang der Leistung gutgläubig
erfolgt ist. So ist in Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1); Art. 4 f. der Verordnung über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV; SR 830.11) festgehalten, dass,
wer die unrechtmässigen Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, sie nicht
zurückerstatten muss, wenn eine grosse Härte vorliegt. Die Rückerstattung kann nur
erlassen werden, wenn die beiden Voraussetzungen des gutgläubigen Empfangs und
der grossen Härte der Rückerstattung kumulativ erfüllt sind (vgl. etwa Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, Rz. 28 zu Art. 25 ATSG). Diese Kriterien sind in einer
reichhaltigen Rechtsprechung konkretisiert worden. Der Bezüger unrechtmässiger
Leistungen darf sich nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben
Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Der Erlass der Rückforderung ist daher zu
verweigern, wenn der Leistungsbezüger die nach den Umständen gebotene zumutbare
Aufmerksamkeit nicht beachtet oder seine Meldepflicht hinsichtlich Änderungen in den
massgebenden Verhältnissen in grober Weise verletzt hat (BGE 102 V 245 mit
Hinweisen). Der Versicherte, der sich auf den guten Glauben beruft, darf seine Melde-
und Auskunftspflicht somit nicht in grober Weise verletzt haben; eine bloss leichte
Verletzung der Sorgfalts- und Aufmerksamkeitspflicht schliesst hingegen den Begriff
des guten Glaubens nicht aus (BGE 110 V 176; ZAK 1985, 63; I 622/05 vom 14. August
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2006, Erw. 3.1). Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn jemand das ausser Acht lässt, was
jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als
beachtlich hätte einleuchten müssen (BGE 110 V 176).
2.2 Die Verletzung der Melde- oder Auskunftspflicht ist eine zwar häufige, aber nicht
die einzige Form eines schuldhaften Verhaltens, das die Berufung auf den guten
Glauben ausschliesst. In Betracht fällt z.B. auch die Unterlassung, sich bei der
Verwaltung (nach der Rechtmässigkeit der Auszahlung) zu erkundigen (vgl. ARV 1998
Nr. 41, 234). Zwar kann von einem Bezugsberechtigten in der Regel nicht erwartet
werden, dass er die EL-Berechnung vollständig nachzuvollziehen vermag. Um sich
nicht dem Vorwurf einer Sorgfaltspflichtverletzung auszusetzen, muss es grundsätzlich
genügen, dass er die Berechnungsblätter, die den EL-Verfügungen beigelegt sind, im
Rahmen seiner individuellen Möglichkeiten auf offensichtliche Fehler hin kontrolliert. In
diesem Umfang besteht eine Prüfungspflicht. Als Beispiel eines ohne weiteres zu
erkennenden Fehlers, dessen Nichtmeldung einen gutgläubigen Leistungsbezug
ausschliesst, ist etwa die Anrechnung von zu hohen Krankenkassenprämien zu nennen.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat beispielsweise die Tatsachen,
dass EL-Bezüger nicht bemerkt hatten, dass eine um Fr. 21.- pro Tag zu hohe
Tagestaxe angerechnet oder eine IV-Zusatzrente oder eine Lebensversicherungs- oder
Leibrente nicht berücksichtigt worden war, als groben Verstoss gegen die
Sorgfaltspflicht gewertet (vgl. Entscheide des Versicherungsgerichts vom 22. Mai 2001
[EL 1998/28]; vom 12. Februar 2004 [EL 2003/26]; vom 13. März 2006 [EL 2005/22];
vom 12. März 2008 [EL 2008/1] sowie vom 4. September 2008 [EL 2008/16]).
2.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe seine Meldepflicht nicht verletzt und
die EL in gutem Glauben entgegengenommen. Er habe die Rente der B._ in der
Anmeldung für EL angegeben und irrtümlicherweise mit "Einmaleinlage" bezeichnet,
was jedoch nur als leichtfahrlässig zu bezeichnen sei (G act. 1). In der Anmeldung vom
1. Juli 2002 hat der Beschwerdeführer, mit Hilfe einer Drittperson, die Frage betreffend
den Erhalt einer Leistung einer anderen Versicherung mit "ja" angekreuzt und dazu den
Betrag von Fr. 293.20 sowie "Bank A._/Einmaleinlage" notiert (EL-act. 73). Einen
Bankbeleg oder Beleg der B._-Versicherung über die Leibrente hat er nicht beigelegt.
Den monatlichen Rentenbetrag hat er aber korrekt angegeben und die Tatsache des
Bezugs einer Rente einer anderen Versicherung mit "ja" angekreuzt. Eine Einmaleinlage
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deutet denn auch lediglich auf die Finanzierungsform der Leibrente hin. Unter diesen
Umständen kann nicht von einer Meldepflichtverletzung ausgegangen werden.
Unklarheiten zur Leistungshöhe hätte die Beschwerdegegnerin leicht untersuchen und
beseitigen können. Auch aus den anlässlich der Überprüfung der
Vermögensverhältnisse am 24. März 2005 eingereichten Bankunterlagen hätte die
monatlich ausgerichtete Rente der B._ erkannt werden können (vgl. EL-act. 62-5/10).
Schliesslich hat der Beschwerdeführer im Fragebogen zur Revision der EL im 2008 die
Rente der B._ klar deklariert und belegt (EL-act. 48 und 49-7/15). Somit liegt keine
Meldepflichtverletzung vor.
2.4 Der Beschwerdeführer hat jedoch nicht nur eine Meldepflicht, sondern auch eine
Prüfungspflicht. Seit 1. Februar 1996 bezieht er monatlich eine Leibrente der B._ von
Fr. 293.20 (EL-act. 49-8/15). Diese Komplementärrente entspricht einer Zunahme des
monatlich verfügbaren Einkommens von dieser Höhe. Der Beschwerdeführer bezog
seit 1. März 2002 EL in der Höhe von Fr. 586.-- (Verfügung vom 22. August 2002, EL-
act. 72). Das zusätzlich verfügbare Einkommen von Fr. 293.20 ist dem
Beschwerdeführer allenfalls tatsächlich nicht aufgefallen. Zudem trifft zu, dass die EL-
Berechnung für juristische Laien möglicherweise nicht in allen Einzelheiten
nachvollziehbar ist. Verschiedene Positionen sind jedoch nicht schwer zu überprüfen.
So ist auf der Einnahmeseite die AHV/IV-Rente der ersten Säule klar zu erkennen. In
der Zeile darunter werden Einkommen aus 'anderen Renten oder Pensionen aller Art'
aufgeführt. Der Beschwerdeführer muss sich also entgegenhalten lassen, die zu den
EL-Verfügungen gehörenden Berechnungsblätter nicht mit der erforderlichen Sorgfalt
überprüft zu haben. Es hätte ihm auch ohne besondere (juristische) Kenntnisse und
ohne grösseren Aufwand auffallen müssen, dass die Rente der B._ in der
ursprünglichen EL-Zusprache und allen folgenden Revisionsverfügungen unter der
Rubrik 'andere Renten oder Pensionen aller Art' nicht berücksichtigt worden war. Es ist
zudem davon auszugehen, dass ihm im Rahmen der Verfügung der AHV-Rente das
von der Informationsstelle AHV/IV in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für
Sozialversicherungen herausgegebene Merkblatt 'Ergänzungsleistungen zur AHV und
IV' abgegeben worden war. Diesem ist zu entnehmen, dass Renten anderer
Versicherungen voll als Einkommen angerechnet werden (Ziff. 8 auf S. 4). Dieser
Hinweis schliesst den guten Glauben beim später übersetzten EL-Bezug meist aus.
Eine abweichende Beurteilung kommt nur in Frage, wenn besondere Umstände
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vorliegen. Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich geltend, er leide unter
Altersgebrechen und sei in administrativen und finanziellen Angelegenheiten
überfordert. Er habe den Fehler der Beschwerdegegnerin daher nicht erkennen können
(G act. 1). Für den Beschwerdeführer wurde mit Ernennungsurkunde vom 13. Mai 2009
eine Beistandschaft errichtet. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist erstellt, dass der
Beschwerdeführer seine administrativen und finanziellen Angelegenheiten nicht mehr
selbständig bewältigen konnte. Sodann ist bekannt, dass der Beschwerdeführer ab
Oktober 2007 pflegebedürftig war. Er hatte nämlich gemäss BESA-Einstufung einen
Pflegezuschlag gemäss Stufe 1a zusätzlich zur Heimtaxe (nur Kost und Logis) zu
bezahlen (vgl. EL act. 54-2/4). Darüber hinaus ist jedoch kein Nachweis erbracht
worden, dass der Beschwerdeführer bereits bei der Anmeldung zum EL-Bezug im Juli
2002 seine eigenen Angelegenheiten nicht mehr hätte regeln können. Zwar hat er sich
die Anmeldung durch eine Drittperson ausfüllen lassen, ebenso den 2008 zugestellten
Fragebogen zur Revision der EL. Diese Hilfestellung durch Dritte entbindet den
Beschwerdeführer jedoch nicht von seiner Pflicht, die EL-Verfügung und das
betreffende Berechnungsblatt bei Erhalt kursorisch zu überprüfen und allenfalls auch
eine Drittperson dazu um Hilfe zu bitten, wie er dies bei der Anmeldung gemacht hat.
Dann hätte er oder seine "Vertretung" bei zumutbarer Sorgfalt auch ohne juristische
Kenntnisse den Fehler erkennen können und erkennen müssen. Der Beschwerdeführer
hat ab März 2002 übersetzte EL somit nicht in gutem Glauben entgegengenommen.
Weil er die ihm obliegende Prüfungspflicht in grober Weise verletzt hat, muss ihm der
gute Glaube im Sinn von Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG abgesprochen werden.
2.5 Schliesslich hat der Beschwerdeführer mit der Deklaration der Rente der B._ im
Fragebogen zur periodischen Überprüfung der EL im Mai 2008 den guten Glauben
nicht wiedererlangt. Denn der Beschwerdeführer hat immer noch wissen müssen, dass
die Rente bei den Einkünften hätte berücksichtigt werden müssen. Er hat aber auch die
darauffolgende Anpassungsverfügung nicht kontrolliert oder kontrollieren lassen. So ist
dieses Datum höchstens für die Geltendmachung der Rückforderung innert Jahresfrist
relevant (Art. 25 Abs. 2 ATSG), was hier, wie erläutert, nicht zu überprüfen ist. Kann
sich der Beschwerdeführer nicht auf seinen guten Glauben beim Bezug der EL berufen,
so kann dahingestellt bleiben, ob die Erlassvoraussetzung der grossen Härte erfüllt
wäre. Die Beschwerdegegnerin hat das Erlassgesuch zu Recht abgelehnt.
3.
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Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben. Für das Beschwerdeverfahren ist
dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu bewilligen und
Rechtsagent Edwin Bigger ist als Vertreter einzusetzen. Der Staat ist zu verpflichten, für
die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers aufzukommen. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass dem unentgeltlichen Rechtsbeistand lediglich ein um 20%
reduziertes Honorar zusteht (vgl. Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70).
Dieses bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit
des Prozesses (Art. 61 lit. g Satz 2 ATSG). Unter Berücksichtigung dieser Kriterien
erweist sich vorliegend eine Parteientschädigung von Fr. 2'500.-- als angemessen.
Gekürzt um 20% beträgt sie Fr. 2'000.--. Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse es
gestatten, kann der Beschwerdeführer jedoch zur Nachzahlung der vom Staat
übernommenen Kosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs.
2 VRP/SG).