Decision ID: eab174dc-0302-514f-a526-d12ed7e32a08
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
E._,
Beschwerdeführer,
gegen
UNIA Arbeitslosenkasse, Sektion St. Gallen, Teufenerstrasse 8, Postfach 2163,
9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Arbeitslosenentschädigung (arbeitgeberähnliche Stellung)
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Sachverhalt:
A.
A.a E._, Inhaber der im Handelsregister eingetragenen Einzelunternehmung A._ ,
stand der Einzelunternehmung B._ im Rahmen eines befristeten Arbeitsverhältnisses
vom 1. Juli 2008 bis 30. Juni 2009 als "Berater und Mitarbeiter" zur Verfügung (act. G
10.2). Am 3. Februar 2009 meldete sich der Versicherte bei der
Arbeitslosenversicherung zum Leistungsbezug ab 1. Juli 2009 an (act. G 5.1/1.1).
A.b Mit Verfügung vom 17. August 2009 lehnte die Unia Arbeitslosenkasse St. Gallen
(nachfolgend: Arbeitslosenkasse) einen Anspruch des Versicherten auf
Arbeitslosenentschädigung ab. Diesen Entscheid begründete sie damit, dass der
Versicherte die Entscheide der Einzelunternehmung A._ aufgrund seiner
Organstellung weiterhin bestimme resp. massgebend beeinflussen könne, damit eine
arbeitgeberähnliche Stellung einnehme und folglich vom Bezug von
Arbeitslosenentschädigung ausgeschlossen sei (act. G 5.1/2.1).
B.
B.a Am 12. September 2009 erhob der Versicherte gegen diese Verfügung Einsprache
und beantragte sinngemäss die Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung ab 1. Juli
2008. Er stellte sich auf den Standpunkt, dass die A._ lediglich aus rechtlichen
Gründen weiterbestehe. Momentan sei sie ohne Geschäftstätigkeit und Personal. Die
mobilen Geschäftsteile habe er per 1. Juli 2008 an die Einzelunternehmung B._
verkauft. Von 1. Juli 2008 bis 30. Juni 2009 sei er in der Folge bei B._ als Teilzeit-
Mitarbeiter angestellt gewesen, "um die Produktion und Administration einzuführen".
Im Übrigen habe er selbständig gearbeitet. Seit dem 1. August 2009 gehe er einer
Teilerwerbstätigkeit bei der C._ mit einem Pensum von 50% nach. Für die restlichen
50 Stellenprozent sei er noch auf Stellensuche (act. G 5.1/3).
B.b Mit Entscheid vom 16. September 2009 lehnte die Arbeitslosenkasse die
Einsprache des Versicherten ab. Die Begründung entspricht derjenigen in der
Verfügung vom 17. August 2009 (act. G 5.1/4).
C.
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C.a Gegen den Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin richtet sich die von
E._ mit Schreiben vom 12./25. Oktober 2009 beim Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen erhobene Beschwerde. Darin beantragt der Beschwerdeführer die
Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung ab 1. Juli 2009. Die Begründung
entspricht der bereits in der Einsprache vorgebrachten, ergänzt durch die Anmerkung,
dass eine Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit im Hinblick auf den Verkauf des
Mobiliars und der Geschäftsräume nicht denkbar sei (act. G 3).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 23. November 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Begründung entspricht
derjenigen in der Verfügung vom 17. August 2009 (act. G 5).
C.c Am 17. Dezember 2009 äussert sich der Beschwerdeführer replicando sinngemäss
dahingehend, es könne nicht sein, dass einem Einzelunternehmer nach Verkauf des
Geschäftsinventars die Arbeitslosenentschädigung lediglich aufgrund des
Handelsregistereintrags verwehrt würde. Wäre dies so, wäre man als
Einzelunternehmer gezwungen, die Unternehmung aus dem Handelsregister löschen zu
lassen und - im Falle einer Wiederaufnahme derselben Geschäftstätigkeit - wieder neu
zu gründen, was mit einem Imageverlust verbunden sei (act. G 7).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf das Einreichen einer Duplik (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 In BGE 123 V 234 ff. und seither in mehreren Entscheiden hat das Eidgenössische
Versicherungsgericht (EVG; ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts) entschieden, dass Art. 31 Abs. 3 lit. c des Bundesgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR
837.0), wonach arbeitgeberähnliche Personen und deren mitarbeitende Ehegatten vom
Bezug von Kurzarbeitsentschädigung ausgeschlossen sind, grundsätzlich auch im
Bereich der Arbeitslosenentschädigung nach Art. 8 ff. AVIG Anwendung findet. So sei
eine Person mit arbeitgeberähnlicher Stellung nur dann zum Bezug von
Arbeitslosenentschädigung berechtigt, wenn sie aus dem Betrieb definitiv ausscheide,
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sei dies, weil der Betrieb definitiv geschlossen werde, sei dies, weil sie - obwohl der
Betrieb weitergeführt werde - mit der Kündigung endgültig auch jene Eigenschaft
verliere, derentwegen sie aufgrund von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG vom Anspruch auf
Kurzarbeitsentschädigung ausgenommen wäre. Behalte die Person nach der
Entlassung hingegen ihre arbeitgeberähnliche Stellung im Betrieb und könne sie
dadurch die Entscheidungen des Arbeitgebers weiterhin bestimmen oder massgeblich
beeinflussen, bestehe kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Hintergrund
dieser Rechtsprechung ist der Umstand, dass arbeitgeberähnliche Personen - hätten
sie in einer solchen Konstellation Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung - ihren
fehlenden Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung ohne Weiteres zu umgehen
vermöchten, indem sie sich selber kündigen und nach dem Bezug von
Arbeitslosenentschädigung sich selber wieder in derselben Unternehmung anstellen
könnten. Könnten sie in der Zwischenzeit Arbeitslosenentschädigung beziehen, wäre
einer Umgehung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG Tür und Tor geöffnet. Im Übrigen will die
höchstrichterliche Rechtsprechung nicht nur dem ausgewiesenen Missbrauch als
solchem begegnen, sondern bereits dem Risiko eines solchen, das der Ausrichtung
von Arbeitslosenentschädigung an arbeitgeberähnliche Personen bzw. an ihre
mitarbeitenden Ehegatten inhärent ist, entgegentreten (Urteil des Bundesgerichts vom
28. November 2008, 8C_722/2008).
1.2 Der Beschwerdeführer führte während mehrerer Jahre die Bäckerei A._ als
Selbständigerwerbender. Per 1. Juli 2008 veräusserte er die mobilen Geschäftsteile an
B._, der die Bäckerei ebenfalls als Einzelunternehmung weiterführte. Ungeachtet der
Veräusserung blieb der Beschwerdeführer weiterhin als Inhaber der A._ im
Handelsregister eingetragen. Als Grund für die unterbliebene Löschung gab er in der
Replik vom 17. Dezember 2009 an, die im Falle einer Wiederaufnahme der Geschäfte
erforderliche Neugründung wäre mit einem entsprechenden Imageverlust verbunden
(act. G 7). Nach der Veräusserung stand der Beschwerdeführer während eines Jahres
als Berater resp. - stellt man auf die vom Beschwerdeführer selbst ausgestellte
Arbeitgeberbescheinigung vom 2. Februar 2009 ab - als stellvertretender
Geschäftsführer der neuen Einzelfirma zur Verfügung. Gemäss Arbeitsvertrag vom
26. Mai 2008 stellte sich der Beschwerdeführer insgesamt 600 Stunden zur Verfügung.
Arbeitsbeginn und Arbeitsende sollten durch den Arbeitgeber nach Bedarf separat
geregelt werden. Ob bzw. in welchem Umfang der Arbeitgeber Arbeitsstunden
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abgerufen hat, ist offen. Ausgehend von einer 42 Stundenwoche und einem
Ferienanspruch von vier Wochen würden 600 Arbeitsstunden einem Jahrespensum von
rund 30% entsprechen. Als Monatslohn war ein Betrag von brutto Fr. 5'000.--
abgemacht (act. G 10.2). Die nicht abgerufene Zeit bzw. die restliche Zeit arbeitete der
Beschwerdeführer nach eigenen Angaben selbständig (act. G 3.2). Diese gesamten
Umstände lassen keinen eigentlichen Statuswechsel erkennen. Vielmehr wird aus dem
Verhalten des Beschwerdeführers und den von ihm im Anschluss an die Veräusserung
ausgeübten Tätigkeiten deutlich, dass er die selbständige Erwerbstätigkeit nicht
aufgegeben hat. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht erkannte, bestand deshalb die
arbeitgeberähnliche Stellung des Beschwerdeführers in der A._ weiter (BGE 123 V
234 E. 7b/bb). Damit ist der Beschwerdeführer grundsätzlich vom Bezug von
Arbeitslosenentschädigung ausgeschlossen.
1.3 Unter diesen Umständen kann offen bleiben, ob der Beschwerdeführer die übrigen
Voraussetzungen für den Bezug von Arbeitslosenentschädigung überhaupt erfüllt hätte.
In dieser Hinsicht wäre insbesondere im Hinblick auf die Weiterführung einer
selbständigen Erwerbstätigkeit die Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers zu
prüfen. Ferner würde sich die Frage stellen, ob er ab August 2008 überhaupt einen
anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat, zumal er mit der Tätigkeit in der B._
höchstens eine 30%-Stelle verloren, ab August 2008 aber bereits wieder eine 50%-
Tätigkeit bei der C._ aufgenommen hat. Da der Beschwerdeführer im Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung zudem erklärte, eine volle Erwerbstätigkeit ausüben zu
wollen, er während der Rahmenfrist für die Beitragszeit aber lediglich Beiträge für ein
30%-Pensum entrichtete, wäre sein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung auch
unter dem Aspekt der Beitragszeit zumindest fraglich.
2.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).