Decision ID: c52fe7a0-7e8e-56fe-8633-5cc1eae715d4
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980,
war seit dem
1.
August 2015 bei der
Y._
als Bodenleger angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (
Urk.
8/1, 8/146/3 f
.). Am 1
3.
April 2017 schlug er seinen linken Fuss stark an einem Trottoir an (
Urk.
8/1), worauf im Rahmen einer Konsultation vom 1
7.
April 2017 im Spital
Z._
eine Vorfusskontusion mit Verdacht auf ein tiefes Hämatom diagnostiziert wurde (
Urk.
8/3).
Die Suva erteilte Kostengutsprache für die not
wendige Spitalbehandlung (
Urk.
8/4).
Nachdem radiologische Untersuchungen vom 1
0.
Januar 2018 insbesondere
Ermüdungsfrakturen der Basis der
Os
metatarsale
3 und 4 links gezeigt hatten (
Urk.
8/7), wurde der Suva am 25.
Januar 2018 ein Rückfall gemeldet (
Urk.
8/6).
Die
se
erbrachte die gesetzlichen Leistungen in Bezug auf Heilbehandlung und Taggelder (vgl.
Urk.
8/32, 8/39 und 8/54/2).
Darüber hinaus holte sie unter ande
rem die Akten der Invalidenversicherung (
Urk.
8/59, 8/61) sowie mehrere kreis
ärztliche Stellungnahmen ein (
Urk.
8/48, 8/72
,
8/89
und 8/134
).
Mit Schreiben vom
3.
Oktober 2019 wurde die Suva von der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
darüber orientiert, dass beim Versicherten
und dessen Arbeitgeber
der Verdacht auf Schwarzarbeit bestehe (
Urk.
8/136)
.
In diesem Zusammenhang nahm die Suva sodann weitere Abklärungen vor (
Urk.
8/137 ff., 8/145, 8/152 f., 8/155, 8/158, 8/161 und 8/167 f.).
Ferner holte sie
weitere medi
zinische Unterlagen ein (Urk. 8/150 f., 8/163, 8/170, 8/172 und 8/
176). Mit Schreiben vom 2
7.
Februar 2020 orientierte sie den Versicherten über die sofor
tige Sistierung der Taggeldleistungen und gewährte ihm das rechtliche Gehör (
Urk.
8/177). Auf dessen Ersuchen (
Urk.
8/191) erliess die Suva am 1. April 2020 eine
entsprechende Verfügung, wobei sie einer allfällig dagegen erhobenen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzog (
Urk.
8/192 =
Urk.
2).
Die dagegen vom Versicherten am
7.
April 2020 erhobene Einsprache (
Urk.
8/193 =
Urk.
1) übermittelte die Suva mit Schreiben vom 2
8.
April 2020 zuständigkeitshalber an das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich (
Urk.
8/
199
=
Urk.
4
).
Zudem trat sie auf diese Einsprache mit Entscheid vom 2
0.
Mai 2020 nicht ein (Urk. 8/219). Zuvor hatte
sie
m
it Verfügung vom 2
9.
April 2020 vom Versicherten Taggeldleistungen im Gesamtbetrag von
Fr.
131'293.80
mit der Begründung
zurück
gefordert
, da
ss
diese unrechtmässig bezogen worden seien (
Urk.
8/200).
Dagegen
hatte
der Krankenversicherer des Versicherten am
8.
Mai 2020 Einspra
che
erhoben
(
Urk.
8/213).
2.
In der von der Suva
als Beschwerde qualifizierten und an das Sozialversiche
rungsgericht übermittelten Einsprache
vom
7.
April 2020 beantragte
X._
, vertreten durch R
echtsanwalt Bernhard
Zollinger
,
die angefochtene Verfügung
vom
1.
April 2020
sei aufzuheben. Die Taggelder seien weiterhin auszurichten, eventualiter bis zum
Zeitpunkt des
Erlass
es
der angefochtenen Verfügung. Des Weiteren sei ihm in der Person von Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
ein unent
geltlicher Rechtsvertreter zu bestellen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
8.
Juni 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Mit Eingabe vom 1
4.
September 2020 zog der Beschwerdeführer das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung zurück (
Urk.
11). Mit Verfügung vom 16.
September 2020 wurde ihm die Beschwerdeantwort zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 54 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) sind Verfügungen und
Einspracheentscheide
voll
streckbar, wenn sie nicht mehr durch Einsprache oder Beschwerde angefochten werden können (
lit
. a), wenn sie zwar noch angefochten werden können, die zulässige Einsprache oder Beschwerde aber keine aufschiebende Wirkung hat (
lit
. b) oder wenn einer Einsprache oder Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen wird (
lit
. c).
1.2
Nach Art. 11 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozial
ver
si
cherungsrechts (ATSV) hat die Einsprache aufschiebende Wirkung, ausser wenn einer Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid
von Gesetzes wegen keine auf
schiebende Wirkung zukommt (
lit
. a), der Versicherer die aufschiebende Wir
kung in seiner Verfügung entzogen hat (
lit
. b) oder die Verfügung eine Rechts
folge hat, deren Wirkung nicht
aufschiebbar
ist (
lit
. c). Der Versicherer kann auf Antrag oder von sich aus die aufschiebende Wirkung entziehen oder die mit der Verfü
gung entzogene aufschiebende Wirkung wiederherstellen. Über diesen Antrag ist unverzüglich zu entscheiden (Art. 11 Abs. 2 ATSV).
1.3
Aufschiebende Wirkung bedeutet, dass die im Dispositiv angeordnete Rechtsfolge vorläufig nicht eintritt, sondern gehemmt wird. Der
Suspensiveffekt
verhindert, dass Verfügungen, die Rechte oder Pflichten feststellen, begründen, ändern oder
aufheben, Geltung erhalten. Gegenstand der aufschiebenden Wirkung können nur positive Verfügungen sein, d.h. solche, die eine Pflicht auferlegen oder einem Gesuch stattgeben (BGE 126 V 407, 124 V 82 E. 1a). Negative Verfügungen, mit
denen ein Begehren um Feststellung, Begründung, Änderung oder Aufhebung von
Rechten oder Pflichten abgelehnt wird, wie namentlich leistungs
verwei
gernde Anordnungen, sind der aufschiebenden Wirkung nicht zugänglich (BGE
126
V
407, 123 V 39 E. 3, 117 V 185 E. 1b mit Hinweisen). Denn mit solchen Verfü
gun
gen wird nichts angeordnet, was der Vollstreckung bedürfte und deren Auf
schub überhaupt zugänglich wäre (
vgl.
zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts U 115/06 vom 24. Juli 2007 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
1.
April 2020 (
Urk.
2) hielt die Beschwer
degegnerin zusammengefasst fest, dass sie derzeit prüfe, ob sie dem Beschwerde
führer zu Recht Leistungen ausrichte. Sollte dem nicht so sein, bestünde für sie die Gefahr der
Uneinbringlichkeit
der zu Unrecht ausgerichteten Leistungen. Die
ses Verlustrisiko sei rechtsprechungsgemäss höher zu gewichten als eine vorüber
gehende finanzielle Notlage der versicherten Person. Gestützt auf
Art.
55
Abs.
1 ATSG in Verbindung mit
Art.
56
des Bundesgesetzes über das Verwaltungsver
fahren (
VwVG
)
würden daher sämtliche Taggeldleistungen weiterhin sistiert. Einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung werde die aufschiebende Wirkung entzogen.
2.2
In seiner Beschwerdeschrift vom
7.
April 2020 brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, die verfügte sofortige Einstellung der Taggeldleistungen im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs verstosse gegen
Art.
54 ATSG. Die Taggelder
zumindest die vor dem 1. April 2020 fälligen
Betreffnisse
seien folglich weiterhin auszurichten. Nach
Art.
25
Abs.
1 ATSG seien zudem gutgläu
big empfangene Leistungen nicht zurückzuerstatten, wenn eine grosse Härte
vor
liege
. Auch eine allfällige vorsorgliche Verrechnung wäre daher unzulässig (
Urk.
1 S. 3 f.).
2.3
Die Beschwerdegegnerin
vertrat
in ihrer Beschwerdeantwort vom
8.
Juni 2020
den Standpunkt
, dass die provisorische Einstellung der T
aggeldleistungen per 27.
Februar 2020 rechtens sei. Bei der vorsorglichen Einstellung der Taggelder im laufenden Schadenfall handle es sich um eine vorsorgliche Massnahme, welche gemäss herrschender Lehre auch im Verwaltungsverfahren angeordnet werden könne. Deren Anordnung setze voraus, dass ein wichtiger oder besonderer Grund
vorliege, ein überwiegendes Interesse der Verwaltung bestehe und dass die Mass
nahme verhältnismässig sei. Dem Beschwerdeführer sei mit Schreiben vom 2
7.
Februar 2020 mitgeteilt worden, es bestehe der dringende Verdacht, dass ihm aufgrund falscher Angaben zu Unrecht Taggeldleistungen erbracht worden seien, weshalb auch eine Rückforderung geprüft und am 2
9.
April 2020 schliesslich im Betrag von
Fr.
131'293.80 verfügt worden sei. Es bestehe somit im Zeitpunkt der Anordnung der vorsorglichen Massnahme in Form der vorübergehenden Einstel
lung der Taggeldleistungen ein erhebliches Risiko der
Uneinbringlichkeit
der zu Unrecht ausgerichteten Taggelder. Dieses sei gemäss bundesgerichtlicher Praxis in aller Regel höher zu gewichten als die finanziellen Interessen der versicherten Person. Die vorübergehende Einstellung der Taggelder ab Kenntnis der die Rück
forderung begründenden Umstände bis zum Erlass der entsprechenden Verfügung erweise sich zudem als verhältnismässig. Die Anordnung der vorsorglichen Mass
nahme am 2
7.
Februar 2020 sei folglich nicht zu beanstanden, woran auch nichts zu ändern vermöge, dass diese dem Beschwerdeführer zunächst formlos mitgeteilt worden und schliesslich auf dessen Ersuchen hin verfügt worden sei (
Urk.
7 S. 3).
3
.
Der Beschwerdeführer vertritt die Auffassung, dass die angefochtene Verfügung nicht vollstreckbar sei
,
und beantragt die
sofortige Weitera
usrichtung der Tag
geldleistungen auch nach dem 2
7.
Februar 2020 (
Urk.
1). Sinngemäss ersucht er
somit
darum, die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen, welche die Beschwerdegegnerin verfügungsweise entzogen hatte (
Urk.
2).
Es stellt sich
in diesem Kontext
jedoch
die Frage, ob die verfügte
Einstellung der Taggeld
leistungen
der aufschiebenden Wirkung überhaupt zugänglich ist, was davon abhängt, ob der Verfügung
positiver oder negativer
Charakter zukommt
(vgl. vor
stehende E.
1.3).
In einem Grundsatzentscheid vom 2
9.
November 2006 hat das Bundesgericht den Taggeldern der Unfallversicherung den Dauerleistungscharakter abgesprochen und sie als vorübergehende Leistung eingestuft (BGE 133 V 57), was im Zusam
menhang mit dem einstweiligen Rechtsschutz für die negative Natur der Taggeld
einstellung spricht (Kobel, in: Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich,
2.
Auflage 2009, N 24 zu
§
17).
Es bestehen somit gute Gründe, die Taggeldeinstellung als nur vorsorglichen Massnahmen offenstehender Ent
scheid aufzufassen. Zu diesem Schluss gelangte denn auch die Beschwerdegeg
nerin
implizit
in ihrer Beschwerd
eantwort vom
8.
Juni 2020 (Urk.
7 S. 3). Ergän
zend bleibt
allerdings
anzumerken, dass das Bundesgericht mit Blick darauf, dass für den Entzug der aufschiebenden Wirkung und für die Anordnung einer ent
sprechenden positiven vorsorglichen Massnahmen die gleichen Grundsätze mass
gebend sind (BGE 117 V 185 E. 2b; Kobel, a.a.O., N 31 zu
§
17), auch schon entschieden hat, dass die sofortige Einstellung beziehungsweise Reduktion von Taggeldleistungen der Unfallversicherung im Rechtsmittelverfahren sowohl unter dem Titel der aufschiebenden Wirkung als auch unter demjenigen der vorsorgli
chen Massnahmen zu schützen sei, ohne einer der beiden Betrachtungsweisen den Vorzug zu geben (Urteile
des Bundesgerichts
U 21/02 vom 1
1.
Dezember 2002 E. 5.2 und U 75/04 vom 16.
April 2004 E. 2).
4
.
4
.1
Bei der Anordnung vorsorglicher Massnahmen wie auch bei der Beurteilung, ob dem Rechtsmittel gegen einen Entscheid die aufschiebende Wirkung zu gewähren beziehungsweise zu entziehen ist, hat die darüber zu befindende Behörde nach der Rechtsprechung zu prüfen, ob die Gründe, die für die sofortige Vollstreckbar
keit des Entscheids sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung angeführt werden können. Dabei steht ihr ein gewisser Beurteilungsspiel
raum zu, wobei sie im Allgemeinen ihren Entscheid auf den Sachverhalt stützen wird, der sich aus den vorhandenen Akten ergibt, ohne zeitraubende weitere Erhebungen anzustellen. Bei der Abwägung der Gründe für und gegen die sofor
tige Vollstreckbarkeit können rechtsprechungsgemäss auch die Aussichten auf den Ausgang des Verfahrens in der Hauptsache ins Gewicht fallen; sie müssen allerdings eindeutig sein (BGE 124 V 82 E. 6a, 117 V 185 E. 2b, je mit Hinweisen).
Bei der Abwägung der Gründe für und gegen eine einstweilige Sistierung der Taggeldleistungen steht dem Interesse der Versicherung, eine Rückforderung wegen der damit verbundenen administrativen Erschwernisse und der Gefahr der
Uneinbringlichkeit
nach Möglichkeit zu vermeiden, das Interesse der versicherten Person gegenüber, während der Dauer des Verfahrens den Lebensunterhalt ohne entsprechende Versicherungsleistungen bestreiten zu müssen. Für den Fall, dass die Erfolgsaussichten der versicherten Person im Hauptverfahren nicht eindeutig positiv sind, wird das Interesse der Verwaltung beziehungsweise der Versicherung an der Vermeidung administrativer Umtriebe und Verhinderung von Rückforde
rungsausfällen regelmässig höher gewichtet als dasjenige der versicherten Person an der Sicherstellung ihres Lebensunterhaltes während des von der Einstellung der Taggeldzahlungen erfassten Zeitraumes (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_110/2008 vom
7.
Mai 2008 E. 2.3 und I 426/05 vom
8.
August 2005 E. 2.3).
4
.
2
4.2.1
Vor diesem Hintergrund ist
im Rahmen einer summarischen Prüfung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_276/2007 vom 2
0.
November 2007 E. 3.3)
eine Abschät
zung der Erfolgschancen im Hauptprozess betreffend
Weiterausrichtung respek
tive
Rückforderung von Taggeldleistungen
vorzunehmen.
4.2.2
Die angefochtene
Verfügung (
Urk.
2)
beinhaltet
keine eigentliche Begründung
für die
anhaltende Sistierung
der Taggelder. Diese ergibt sich jedoch aus dem diesem Entscheid vorangegangenen Schreiben vom 27. Februar 202
0.
Darin verwies die Beschwerdegegnerin auf den Umstand, dass der Beschwerdeführer trotz nach dem Unfallereignis geltend gemachter Arbeitsunfähigkeit während verschiedener Zeit
räume einer Er
werbstätigkeit nachgegangen sei, ohne
jedoch
entsprechend Mel
dung zu erstatten (
Urk.
8/177).
Hierfür sind d
en Akten
in der Tat gewichtige
Indizien
zu entnehmen
.
So ergaben die nach Eingang der Verdachtsmeldung auf Schwarzarbeit (
Urk.
8/136) getätigten Abklärungen, dass der Beschwerdeführer
ab November 2018
nicht nur an einzelnen
Tagen für die
Y._
tätig war. Bei anderen Arbeitgebern ging er
in den Jahren 2017 bis 2019 zudem
im Security-Bereich
Erwerbst
ätigkeiten nach, wobei er regelmässig rund 50 Stunden pro Monat
und an einzelnen Tagen über sieben Stunden
im Einsatz
war
(vgl.
Urk.
8/146, 8/155/1, 8/
158, 8/161, 8/166 sowie die zusammenfassende Übersicht in
Urk.
8/167 f.).
Vor diesem Hintergrund
hegte
die Beschwerdegegnerin
zu Recht den dringenden Verdacht, dass
der Beschwerdeführer unrechtmässig Taggeldleis
tungen bezog
en haben könnte
.
Nur schon in Anbetracht dieser Gegebenheiten kann nicht mit
der praxisgemäss geforderten grossen
Wahrscheinlichkeit festste
hen, dass der Beschwerdeführer im Hauptprozess eindeutig obsiegen würde. Dies muss
im Übrigen
umso mehr
unter Berücksichtigung der kreisärztlichen Beurtei
lung von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 1
8.
Februar 2020 gelten, welcher rückblickend zur Auffas
sung gelangte, dass
durch die mit dem Unfallereignis vom 1
3.
April 2017 zusam
menhängenden Prellungs- und Stauchungsfolgen maximal für sechs Wochen eine Arbeitsunfähigkeit
für die angestammte Tätigkeit als Bodenleger bestanden ha
be
und der Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht zu zusätzlichen strukturellen Läsionen geführt habe
(
Urk.
8/172/
14 f.).
Daran vermag
entgegen der Sichtweise
des Beschwerdeführers
(
Stellungnahme vom
2
0.
April 2020,
Urk.
8/197/2) auch nichts zu ändern, dass
Dr.
A._
selbst keine klinische Untersuchung vornahm. Rechtsprechungsgemäss können auch versicherungsin
terne Aktenbeurteilungen eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrund
lage darstellen (BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_183/2020 vom 2
2.
April 2020 E. 4.1).
4.
2.
3
Zu prüfen bleibt
, ob sich die von der Beschwerdeg
egnerin verfügte sofortige Sis
ti
erung der Taggeldleistungen
auch
als verhältnismässig erweist.
In Nachachtung d
er zitierten
Rechtsprechung
(vorstehende E. 4.2.1)
ist das Interesse des Beschwer
deführers an der Weiterausrichtung der Versicherungsleistungen
niedriger
zu gewichten als das öffentliche Interesse der Beschwerdegegnerin an der Vermei
dung einer allfällige
n uneinbringlichen Rückforderung, zumal angesichts des Umstands, dass der Beschwerdeführer gemäss
seinen
eigenen
Angaben
vo
m April 2020
weder ein Erwerbseinkommen erzielt noch Leistungen von der Arbeitslo
senkasse
ausgerichtet erhält (vgl. Urk.
8/197/3), die
erhebliche
Gefahr eines Rück
forderungsausfalls besteht. Im Weiteren ist kein milderes Mittel ersichtlich, wel
ches den Eintritt dieses nicht leicht wiedergutzumachenden Nachteils zu verhin
dern vermöchte. Zusammenfassend ist die von der Beschwerdegegnerin per 2
7.
Februar 2020 verfügte Sistierung der Taggeldleistungen
daher
auch mit Blick auf den Verhältnismässigkeitsgrundsatz
nicht zu beanstanden.
5
.
Soweit der Beschwerdeführer im Übrigen auf
seine finanziellen Verhältnisse
und damit einhergehend auf
die Frage des Vorliegens einer grossen Härte
Bezug nimmt (
Urk.
1 S. 4,
Urk.
8/197/3), betrifft dies
eine Voraussetzung des
allfälligen Erlasses der am 29.
April 2020 von der Beschwerdegegnerin verfügten Rückfor
derung (Urk. 8/200; vgl.
Art.
25
Abs.
1 Satz 2 ATSG). Gleiches gilt hinsichtlich der ebenfalls von ihm thematisierten Frage, ob
er die Taggeldleistungen gutgläu
big bezogen hat. Im vorliegenden Verfahren sind diese beiden Gesichtspunkte nicht von Relevanz,
da einzig zu klären war, ob die Beschwerdegegnerin
befugt war,
die Taggeldleistungen
bis auf Weiteres
zu
sistieren
. Die Erlassfrage wird überdies erst zu prüfen sein, wenn die Rechtsbeständigkeit der Rückerstattungs
forderung feststeht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_747/2018 vom 1
2.
März 2019 E. 1.2 mit Hinweisen).
6
.
Nach dem Gesagten erweist sich die angefochtene Verfügung vom
1.
April 2020 (
Urk.
2) als rechtens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.