Decision ID: b25b5eb8-6964-4a25-a560-ac2c36d4498a
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 23.03.2017 Art. 28 IVG. Rentenanspruch. Würdigung Gerichtsgutachten. Anspruch auf eine ganze Rente (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. März 2017, IV 2016/60). Entscheid vom 23. März 2017 Besetzung Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Marie Löhrer und Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiber Philipp Geertsen Geschäftsnr. IV 2016/60 Parteien A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Leo Sigg, c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten 1 Fächer, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 28. September 2011 zum Bezug von IV-Leistungen an, sie
sei seit 4. Februar 2011 gesundheitlich eingeschränkt (IV-act. 1). Im Austrittsbericht der
Psychiatrischen Klinik B._ vom 4. Oktober 2011 berichteten die dort vom 11. August
bis 30. September 2011 behandelnden medizinischen Fachpersonen, die Versicherte
leide an einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10:
F32.30). Sie sei wegen Suizidalität "per FFE" eingewiesen worden. Es sei der vierte
Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik B._. Man gehe von einer affektiven
Grunderkrankung aus (wie bipolare Störung oder emotional instabile
Persönlichkeitsstörung). Erstmals sei sie vom 14. Februar bis 4. Mai 2011 hospitalisiert
gewesen. Sie sei am 4. Februar 2011 aus einem Fenster im 2. Stock gestürzt. Man sei
damals von einer schweren depressiven Episode ausgegangen (IV-act. 19; zu den
somatischen Folgen des Fenstersturzes vgl. den Bericht der Klinik für Orthopädische
Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen vom 28. April 2011, IV-act. 20). In der Mitteilung
vom 25. Juni 2012 wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch der Versicherten (berufliche
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Massnahmen und Rentenleistungen) ab. Zur Begründung gab sie an, die Versicherte
sei auf dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) angemeldet für ein Pensum
von 60%. Ausserdem besuche sie montags und mittwochs einen Kurs als
Sachbearbeiterin. Sie habe bereits eine neue Arbeitsstelle in Aussicht und wünsche
zurzeit keine Unterstützung durch die Invalidenversicherung (IV-act. 46).
A.b Am 15. Februar 2013 machte die Versicherte erneut einen Leistungsanspruch bei
der Invalidenversicherung geltend, die gesundheitliche Beeinträchtigung bestehe seit 4.
Februar 2011 (IV-act. 50). Sie legte der Anmeldung u.a. ein ärztliches Zeugnis der
Psychiatrischen Klinik B._ vom 14. November 2012 betreffend die dort am 18.
August 2012 aufgenommene stationäre Behandlung bei (IV-act. 51-3). Die IV-Stelle
nahm das Gesuch als Wiederanmeldung entgegen und trat darauf nicht ein, da die
Versicherte nicht glaubhaft dargelegt habe, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse
seit der letzten "Verfügung" wesentlich verändert hätten (Verfügung vom 25. März
2013, IV-act. 59).
A.c Im als "Begründung für eine neue IV-Anmeldung betreffend Verschlechterung
meines Gesundheitszustandes seit Aug. 2012" bezeichneten Schreiben vom 23. Mai
2013 äusserte sich die Versicherte zum zurückliegenden Krankheitsverlauf (IV-act. 61;
zum neuerlich ausgefüllten Anmeldeformular siehe IV-act. 60). Dem Schreiben legte sie
verschiedene Arztberichte bei (Austrittsbericht der Psychiatrischen Dienste C._ vom
7. September 2012 betreffend die nach einem Suizidversuch erfolgte stationäre
Behandlung vom 2. bis 14. August 2012, IV-act. 64; Austrittsbericht der
Psychiatrischen Klinik B._ vom 23. November 2012 bezüglich der vom 18. August bis
23. November 2012 erfolgten Hospitalisation, IV-act. 65-1 ff.; Bericht der Psychiatrie-
Dienste Süd vom 13. März 2013 betreffend die tagesklinische Behandlung im
Psychiatrie-Zentrum D._ vom 26. November 2012 bis 6. März 2013, IV-act. 65-5 f.;
zur dort anschliessend erfolgten ambulanten Behandlung siehe den Bericht vom 22.
Mai 2013, IV-act. 63).
A.d Am 16./22. Oktober 2013 vereinbarte die Versicherte mit der IV-Stelle einen
Eingliederungsplan, der zunächst ein durch das RAV organisiertes Praktikum bei der
Gemeinde E._ mit einem Pensum bis zu 80% vorsah (IV-act. 80). In der Mitteilung
vom 5. November 2013 gewährte die IV-Stelle Beratung und Unterstützung bei der
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Stellensuche (IV-act. 82; vgl. zum Praktikum IV-act. 86-2 f.). In der Mitteilung vom 5.
März 2014 schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung ab und wies das Gesuch um
berufliche Massnahmen ab. Als Begründung gab sie an, die Versicherte habe eine
Anstellung im kaufmännischen Bereich mit einem 40%igen Pensum gefunden.
Möglicherweise könne dieses zu einem späteren Zeitpunkt erhöht werden. Weitere
berufliche Massnahmen seien nicht notwendig (IV-act. 88).
A.e Auf Nachfrage der IV-Stelle hin teilte Dr. med. F._, Oberarzt im Psychiatrie-
Zentrum D._ mit, die Versicherte sei bei ihm zuletzt am 6. November 2013 in
psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung gewesen. Zum damaligen Zeitpunkt
hätte sich ein deutlicher psychischer und auch sozialer Stabilisierungsprozess
abgezeichnet. Die Versicherte habe sich subjektiv sehr wohl gefühlt (Schreiben vom 12.
Mai 2014, IV-act. 98). Am 22. Mai 2014 erhielt die IV-Stelle die Mitteilung, dass die
Versicherte seit 20. Mai 2014 wieder in stationärer Behandlung in der Psychiatrischen
Klinik B._ sei. Die Dauer des Aufenthalts sei noch offen (IV-act. 99 f.). Am 14. Juni
2014 trat die Versicherte aus der Psychiatrischen Klinik B._ aus. Die dort
behandelnden medizinischen Fachpersonen erwähnten im Austrittsbericht vom 20.
Juni 2014 als Diagnosen: eine schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome (ICD-10: F32.2), einen dissoziativen Stupor (ICD-10: F44.2) und eine
emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Borderline Typ (ICD-10: F60.31). Die
Zuweisung sei notfallmässig wegen Selbstgefährdung und nach einem Suizidversuch
erfolgt. Die Versicherte sei apathisch und mutistisch gewesen. Bei Austritt
bescheinigten die medizinischen Fachpersonen der Versicherten eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 102).
A.f Dr. med. F._ gab im Bericht vom 30. Dezember 2014 an, der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit Mai 2013 verschlechtert. Die
Änderung der Diagnose (rezidivierende depressive Störung mit jeweils schweren
Episoden, vor dem Hintergrund einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit
emotional-instabilen, ängstlichen und abhängigen Persönlichkeitsanteilen) beziehe sich
auf die Verlaufsform der schweren Depression, die mittlerweile sicher als chronifiziert
zu beurteilen sei. Die rezidivierenden schweren depressiven Episoden seien
unterbrochen von kurzen nicht gänzlich remittierten Phasen gewesen. Die Versicherte
verfüge über Ressourcen im kaufmännischen, kreativen und handwerklichen
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Wirkungsbereich. Anforderungen des ersten Arbeitsmarkts könne sie nicht
entsprechen. Die Versicherte sei motiviert, selbstständig erwerbend zu sein und
kompetente Arbeitsleistungen zu erbringen. Am Arbeitsplatz wiederhole sich jeweils,
dass sie dem geforderten Leistungsdruck am ersten Arbeitsmarkt bezüglich Tempo,
Exaktheit und Komplexität anfänglich noch knapp, im weiteren Verlauf aber nicht
standhalten könne und in eine zunehmende Überforderung gerate. Die Versicherte sei
nicht in der Lage, ihre Leistungsfähigkeit (kognitiv, emotional, sozial) ausreichend
differenziert und realistisch wahrzunehmen sowie adäquat einzuschätzen. Auch seien
Fähigkeiten wie z.B. Frustration zu tolerieren oder Kritik entgegenzunehmen deutlich
reduziert. Diese werden als sehr kränkend und beschämend erlebt, selbstdestruktiv
verarbeitet, einhergehend mit sehr hohem innerem Stresserleben, vernachlässigter
Selbstfürsorge und sozialem Rückzug, mündend in psychischer Dekompensation,
häufig einhergehend mit psychotischem Erleben, Selbstverletzung und Suizidalität.
Eine Tätigkeit im geschützten Rahmen wäre sinnvoll und therapeutisch sehr erwünscht.
Günstig wäre ein Pensum von max. 50% (IV-act. 112).
A.g Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die
Versicherte am 13. Februar 2015 an, wenn sie gesund wäre, würde sie mit einem
Pensum von 100% erwerbstätig sein (IV-act. 113).
A.h Die Versicherte wurde am 29. April 2015 im Auftrag der IV-Stelle von Dr. med.
G._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. Der Gutachter
diagnostizierte ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4). Eine Arbeitsunfähigkeit lasse sich
damit nicht mehr begründen. Mehrheitlich werde bereits während der Klinikaufenthalte
eine gute Remission der Symptomatik beschrieben, sodass eine 100%ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit eigentlich nur für die Dauer der stationären
Klinikaufenthalte gerechtfertigt erscheine (Gutachten vom 23. Juni 2015, IV-act. 120).
RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt die
gutachterliche Beurteilung für schlüssig und nachvollziehbar (Stellungnahme vom 6.
Juli 2015, IV-act. 121).
A.i Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit stellte die IV-Stelle der
Versicherten mit Vorbescheid vom 10. Juli 2015 die Abweisung des
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Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 124). Dagegen erhob die Versicherte am 11.
September 2015 Einwand (IV-act. 128). In der Stellungnahme vom 14. Oktober 2015
äusserte sich Dr. F._ zum Gutachten von Dr. G._ und brachte dagegen
verschiedene Mängel vor. In den vergangenen 5 Jahren habe keine 100%ige
Arbeitsfähigkeit mehr erreicht werden können. Die Arbeitsfähigkeit habe zwischen 20%
und 40% gelegen und habe trotz massiver Eingliederungsmassnahmen nur kurz auf
80% gesteigert werden können, bevor es zu einer neuerlichen depressiven
Dekompensation gekommen sei (IV-act. 131). RAD-Arzt Dr. H._ erblickte in den
Ausführungen von Dr. F._ keinen Grund, um von der gutachterlichen Beurteilung
abzuweichen (Stellungnahme vom 29. Dezember 2015, IV-act. 134). Am 25. Januar
2016 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens. Bei der Ermittlung
des Invaliditätsgrads qualifizierte sie die Versicherte als zu 80% Erwerbstätige und zu
20% als im Haushalt Tätige (IV-act. 135).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 25. Januar 2016 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 23. Februar 2016. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache einer
Invalidenrente. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Wesentlichen bringt sie vor, sie wäre im
hypothetischen Gesundheitsfall zu 100% erwerbstätig und die gutachterliche
Beurteilung sei nicht beweiskräftig (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 23. März 2016
die Abweisung der Beschwerde. Sie hält am Standpunkt fest, dass die gutachterliche
Beurteilung beweiskräftig und gestützt darauf davon auszugehen sei, dass die
Beschwerdeführerin über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit verfüge. Es sei der
Beschwerdeführerin allerdings zuzustimmen, dass sie sowohl anlässlich der
Begutachtung als auch im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend
Erwerbstätigkeit/Haushalt angegeben habe, "im Erwerbsfall" zu 100% einer Arbeit
nachzugehen. Dies ändere jedoch nichts bezüglich des Rentenanspruchs (act. G 4).
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B.c Mit Präsidialentscheid vom 6. April 2016 wird dem Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 6).
B.d In der Replik vom 20. April 2016 hält die Beschwerdeführerin unverändert an ihren
Anträgen fest (act. G 8).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat am 3. Mai 2016 auf eine begründete Duplik verzichtet
(act. G 10).
B.f Nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Parteien (siehe act. G 13 f.) hat
das Versicherungsgericht am 13. Oktober 2016 Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, mit der Erstellung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens
beauftragt. Am 9. Januar 2017 ist die Beschwerdeführerin von Dr. I._ untersucht
worden. Im Gerichtsgutachten vom 31. Januar 2017 diagnostiziert er eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0) mit vorwiegend Borderline- und ängstlich
vermeidenden Persönlichkeitsanteilen und eine rezidivierende depressive Störung,
mittel- bis schwergradig (ICD-10: F33.1/F33.2). Die Beschwerdeführerin sei zum
jetzigen Zeitpunkt auf dem ersten Arbeitsmarkt als nicht arbeitsfähig einzustufen. Aus
gutachterlicher Sicht bestehe zumindest seit der letzten Hospitalisation ab Mai 2014
eine durchgängige 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 17).
B.g Die Beschwerdeführerin teilt am 8. Februar 2017 ihre Auffassung mit, dass das
Gerichtsgutachten beweiskräftig sei und vollumfänglich darauf abgestellt werden
könne (act. G 19). Die Beschwerdegegnerin hat die Frist für eine Stellungnahme (act. G
18) unbenützt verstreichen lassen.

Erwägungen
1
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
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1.1 Zu beachten ist vorweg, dass über das ursprüngliche Leistungsgesuch der
Beschwerdeführerin vom 28. September 2011 (IV-act. 1) bislang noch gar nicht
rechtskräftig entschieden worden ist. Zwar wurde dieses Gesuch in der Mitteilung vom
25. Juni 2012 abgewiesen (IV-act. 46). Eine Leistungsabweisung die - wie vorliegend -
zu Unrecht nicht in Verfügungsform gekleidet wurde (vgl. Art. 49 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR
830.1], Art. 51 Abs. 1 ATSG, Art. 58 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] und Art. 74ter der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]), wird allerdings frühestens nach Ablauf eines
Jahres für die versicherte Person verbindlich (vgl. BGE 134 V 145, insbesondere S. 150
ff. E. 5.2 ff.). Die Beschwerdeführerin ist noch einige Monate vor Ablauf dieser Frist am
15. Februar 2013 mit einem Leistungsbegehren an die Beschwerdegegnerin gelangt.
Wie bereits in der Anmeldung vom 28. September 2011 (IV-act. 1-4 unten) gab sie an,
die gesundheitliche Beeinträchtigung bestehe seit 4. Februar 2011 (IV-act. 50-5 oben).
Hinweise darauf, dass die damals nicht rechtskundig vertretene Beschwerdeführerin
aufgrund einer Veränderung des Sachverhalts lediglich ein neues Leistungsgesuch zu
stellen beabsichtigt hat, ergeben sich nicht aus den Akten. Sie reagierte denn auch
nicht auf das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 20. Februar 2013 (IV-act. 55),
worin sie aufgefordert worden war, eine relevante Veränderung des Sachverhalts
glaubhaft zu machen. Im späteren Verfahren ging die Beschwerdeführerin sodann
weiterhin davon aus, dass Gegenstand der Leistungsprüfung der Krankheitsverlauf seit
dem Jahr 2011 bildet (Schreiben vom 11. September 2015; IV-act. 128). Unter diesen
Umständen ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin mit der Eingabe vom
15. Februar 2013 rechtzeitig ihr Nichteinverständnis mit der formwidrig erlassenen
Leistungsabweisung vom 25. Juni 2012 erklärt und nicht einzig eine Neuanmeldung
beabsichtigt hat. Die Leistungsabweisung vom 25. Juni 2012 hat damit gegenüber der
Beschwerdeführerin bislang keine Verbindlichkeit bzw. Rechtskraft erlangt. Erst mit der
vorliegend angefochtenen Verfügung vom 25. Januar 2016 hat die
Beschwerdegegnerin erstmals formrichtig über das Leistungsgesuch vom 28.
September 2011 befunden. Von der Rechtskraft der Nichteintretensverfügung vom 25.
März 2013 (IV-act. 59) wird einzig das Nichteintreten auf eine Neuanmeldung, nicht
jedoch die Abweisung des ursprünglichen Leistungsgesuchs vom 28. September 2011
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erfasst. Gegenstand der richterlichen Überprüfung bildet daher vorliegend das
Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin vom 28. September 2011.
1.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
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gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a). Bezüglich Gerichtsgutachten ist anzufügen, dass das Gericht "nicht ohne
zwingende Gründe" von den Einschätzungen der medizinischen Experten abweicht.
Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat diesbezüglich erwogen, der
Meinung der von einem Gericht ernannten Experten komme bei der Beweiswürdigung
vermutungsweise hohes Gewicht zu (BGE 135 V 469 f. E. 4.4 mit Hinweisen).
2.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob das Gerichtsgutachten vom 31. Januar 2017
eine beweiskräftige Grundlage für die Beurteilung des Rentenanspruchs bildet.
2.1 Die Parteien haben keine Mängel an der gerichtsgutachterlichen Beurteilung
vorgebracht.
2.2 Bei der Würdigung des Gerichtsgutachtens fällt ins Gewicht, dass es auf
eigenständigen gründlichen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange
umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und die von der
Beschwerdeführerin geklagten Leiden berücksichtigt und gewürdigt. Die darin
vorgenommene Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein.
Sie beruht auf einer umfassenden Konsistenz-, Plausibilitäts- und Ressourcenprüfung
(vgl. insbesondere act. G 17, S. 37 ff. und S. 42 ff.) im Sinn von Art. 7 Abs. 2 ATSG. Dr.
I._ hat ausführlich und schlüssig dargelegt, weshalb die Beurteilung durch den
Vorgutachter Dr. G._ nicht überzeugt (act. G 17, S. 41 f.). Insbesondere zeigte er
nachvollziehbar auf, weshalb die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin bis Februar
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2011 nur geringgradig auffällig gewesen sei, nicht gegen das Vorliegen einer
Persönlichkeitsstörung spreche. Denn Persönlichkeitsstörungen könnten durchaus
durch äussere Faktoren lange Zeit stabilisiert sein, und zum Teil durch weniger
einschneidende Erlebnisse, wie die Geburt eines Kindes, erstmalig deutlich aktiviert
werden, was dann zu oftmals schwergradigen und häufig zu kaum beherrschenden
Dekompensationen führe (act. G 17, S. 41 unten). Weiter bestehen keine Anhaltspunkte
dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Aus
medizinischer Sicht ist deshalb gestützt auf das Gerichtsgutachten davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin spätestens seit Mai 2014 vollständig arbeitsunfähig ist
(act. G 17, S. 49 oben). Bezüglich der davor liegenden Zeit führte der Gerichtsgutachter
aus, die Persönlichkeitsstörung sei bis nach der Geburt der Tochter (_. September
2008, IV-act. 1-2) weitgehend kompensiert gewesen. In der Folge sei es zu einer
zunehmenden Dekompensation und (am 4. Februar 2011, act. G 17, S. 21) zu einem
ersten schwerwiegenden Suizidversuch gekommen. Im weiteren Verlauf sei die
Beschwerdeführerin durchwegs nicht mehr arbeitsfähig gewesen für ihre angestammte
Tätigkeit. Einzelne Arbeitsversuche hätten bereits nach kurzer Zeit wieder sistiert
werden müssen (act. G 17, S. 48 f.). Gestützt auf die retrospektiven
gerichtsgutachterlichen Ausführungen und die aktenkundigen Hinweise auf eine seit 4.
Februar 2011 bestehende 50 bis grösstenteils 100%ige Arbeitsunfähigkeit (siehe etwa
IV-act. 1-3, IV-act. 3-1, Fremdact. 1-5, Fremd-act. 1-8 ff., IV-act. 23-4, IV-act. 25-2, IV-
act. 51-4 und IV-act. 63-2 mit Ausführungen zum sehr instabilen Krankheitsverlauf; vgl.
auch IV-act. 112) ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin seit Februar 2011 über keine länger dauernde, verwertbare
Teilarbeitsfähigkeit mehr verfügt hat.
3.
Des Weiteren ist der Invaliditätsgrad festzulegen.
3.1 Aus den Akten ergibt sich mit aller Klarheit, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde (IV-act. 113-5; act.
G 1, "Rz 9", S. 7; IV-act. 120-28), was von der Beschwerdegegnerin zunächst nicht in
Frage gestellt (IV-act. 114-1, -2 und -3), allerdings im Vorbescheid vom 10. Juli 2015
(IV-act. 124) bzw. in der angefochtenen Verfügung (IV-act. 135) ohne plausible
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Begründung anders beurteilt worden ist. Die Beschwerdegegnerin geht denn auch in
der Beschwerdeantwort von einer hypothetischen 100%igen Erwerbstätigkeit der
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall aus (act. G 4, III Rz 2). Damit ist die
Beschwerdeführerin auch nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 133 V
504; kritisch hierzu mit Blick auf Art. 8 Abs. 3 ATSG UELI KIESER, ATSG-Kommentar,
3. Auflage, Zürich 2015, Rz 41 zu Art. 8) als vollzeitlich Erwerbstätige zu qualifizieren
und der Invaliditätsgrad nach der Methode des Einkommensvergleichs zu bestimmen
(Art. 16 ATSG).
3.2 Ausgehend von einer grundsätzlich vollständigen Arbeitsunfähigkeit (siehe
vorstehende E. 2.2 am Schluss) beträgt der Invaliditätsgrad 100%, weshalb die
Bestimmung der Vergleichseinkommen offen bleiben kann. Unter Berücksichtigung der
6-monatigen Frist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG hat die Beschwerdeführerin mit Wirkung
ab 1. März 2012 Anspruch auf eine ganze Rente. Dr. I._ hielt die Prognose "im
jetzigen Zeitpunkt" für ungünstig. Allerdings wertete er "als günstig", dass die
Beschwerdeführerin sich in den letzten beiden Jahren in ihrer Behandlung deutlich
habe öffnen können, regelmässig in Behandlung gehe, die verordneten Medikamente
einnehme, und es zwar noch zu autoaggressiven Handlungen gekommen sei, diese
aber nicht mehr derartig schwerwiegend gewesen seien, als dass es noch einmal zu
einer Hospitalisation gekommen wäre (act. G 17, S. 50). Dieser - wenn auch
zurückhaltend - zuversichtlichen Prognose und dem noch relativ jungen Alter der
Beschwerdeführerin wird die Beschwerdegegnerin mit einem zeitnahen
Revisionstermin Rechnung zu tragen haben. Dabei wird der Akzent nebst der
Abklärung des Verlaufs auf die Frage des Wiedereingliederungspotenzials zu setzen
sein.
4.
4.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 25. Januar 2016
aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. März 2012 eine ganze
Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistungen im Sinn
der Erwägungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
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4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Aufgrund der Einholung eines
Gerichtsgutachtens und des damit verbundenen Zusatzaufwands erscheint eine
Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als
angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.3 Die Kosten des Gerichtsgutachtens von insgesamt Fr. 4'180.-- (act. G 17.1) hat die
Beschwerdegegnerin zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).
4.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im Regelfall
wird in IV-Streitigkeiten eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.--
zugesprochen. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint wegen des im Zusammenhang
mit dem Gerichtsgutachten verbundenen Mehraufwands eine Parteientschädigung Fr.
4'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Bei diesem
Ausgang erübrigt sich die Festsetzung einer Entschädigung aus der gewährten
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.