Decision ID: 21aa59cf-3ba0-4b1f-a7b4-046029c4aca1
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 15. August 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe keine berufliche Ausbildung
absolviert, sondern nur die obligatorische Grundschule besucht. Zuletzt habe sie als
„Allrounderin“ in einem Selbstbedienungsrestaurant gearbeitet. Das Pensum sei
schwankend gewesen. Sie habe ein bis drei Tage pro Woche (20–60 Prozent)
gearbeitet. Der Hausarzt Dr. med. B._ berichtete am 9. September 2008 (IV-act. 16–1
f.), die Versicherte leide an einem Status nach multiplen operativen Eingriffen bei einer
Adipositas per magna mit einem „Magenbanding“ im Jahr 1999, mit (unter anderem)
einer „Bridenlösung“ im Jahr 2000, mit einem erneuten operativen Eingriff im März
2008 und mit einer für Ende September 2008 geplanten Netzimplantation bei einer
Bauchwandhernie. Insgesamt liege eine sehr komplexe Situation vor. Zudem sei eine
mediale Meniskusläsion links aufgetreten. Seit Frühling 2008 sei die Versicherte
aufgrund rezidivierend auftretender Abdominalschmerzen vollständig arbeitsunfähig.
Der Gesundheitszustand sei instabil. Die Klinik für Chirurgie des Kantonsspitals St.
Gallen hatte in einem Austrittsbericht vom 19. März 2008 betreffend eine stationäre
Behandlung im Zeitraum vom 5. März 2008 bis zum 15. März 2008 berichtet (IV-act.
16–52 ff.), der Versicherten sei nach einem sekundären Gewichtsanstieg bei einem
Status nach einer Super-Superobesitas, nach einem distalen Hybrid-Magenbypass in
Kombination mit einem Schwedenband im Jahr 1999, nach einer Laparotomie und
Bridenlösung im Jahr 2000 und nach der Entfernung des Schwedenbandes im Jahr
2005 ein neuer Magenbypass eingesetzt worden. Die Versicherte leide unter anderem
auch an einem Schlafapnoesyndrom, an einer Refluxerkrankung und an einem
depressiven Zustandsbild. Sie habe postoperativ zunächst drei Tage intensiv-
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medizinisch überwacht werden müssen. Anschliessend sei der Verlauf
komplikationslos gewesen. Die Klinik C._ berichtete am 20. September 2008 (IV-act.
19), die Versicherte leide an einer medialen Meniskopathie am linken Knie mit einer
beginnenden Gonarthrose sowie an einer beginnenden Gonarthrose rechts. Für
längeres Stehen oder Gehen bestehe eine verminderte Belastbarkeit. Je nach Aktivität
der Kniebeschwerden sei der Versicherten eine Erwerbstätigkeit während vier bis acht
Stunden pro Tag zumutbar. Am 13. Oktober 2008 berichtete die Klinik für Chirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 24–11 f.), am 30. September 2008 habe eine
Bauchdecken- und Narbenhernienplastik durchgeführt werden müssen. Hierfür habe
sich die Versicherte vom 29. September 2008 bis zum 11. Oktober 2008 stationär in
der Klinik aufgehalten. Der Verlauf sei im Wesentlichen komplikationslos gewesen.
A.b Die frühere Arbeitgeberin teilte am 26. November 2008 mit (IV-act. 27), die
Versicherte sei im Stundenlohn angestellt gewesen. Dieser habe inkl. Ferien- und
Feiertagsentschädigung und 13. Monatslohn 24.89 Franken betragen. Die
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 23. Juli 2009 (IV-act. 53), sie
habe am 25. Juni 2009 ein Assessmentgespräch mit der Versicherten durchgeführt.
Diese habe angegeben, sie würde bei erhaltener Gesundheit zu 100 Prozent arbeiten,
wenn ihre drei Kinder (Jahrgänge 199_, 199_ und 200_) gut versorgt wären. Aktuell
befinde sich ihr Gesundheitszustand aber in einem ständigen Auf und Ab. Sie sei
permanent müde und leide häufig unter Schwindel. Trotzdem sei sie daran interessiert,
sich beruflich – in einem Pensum von 50 Prozent – wieder eingliedern zu lassen. Die
Eingliederungsverantwortliche hielt fest, dass die Wiedereingliederung bei einem
angestrebten Pensum von 50 Prozent in Zusammenarbeit mit den Organen der
Arbeitslosenversicherung erfolgen solle. Das zuständige regionale
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) wies die Versicherte am 11. März 2010 an (IV-act.
57), im Zeitraum vom 15. März 2010 bis zum 21. Mai 2010 ein Einsatzprogramm zu
absolvieren. Bei diesem Programm handelte es sich um eine
Beschäftigungsmassnahme mit einem Pensum von 50 Prozent. Am 8. April 2010
berichtete Dr. B._ (IV-act. 62), der Allgemeinzustand der Versicherten habe sich
deutlich verschlechtert. Im Vordergrund stehe dabei eine allgemeine
Überforderungssituation. Die Versicherte werde deswegen im Psychiatrie-Zentrum
D._ behandelt. Dieses berichtete am 5. Mai 2010 (IV-act. 64), die Versicherte leide an
einer mittelgradigen depressiven Episode ohne somatisches Syndrom sowie an
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akzentuierten Persönlichkeitszügen. Die beiden älteren Kinder der Versicherten seien
verhaltensauffällig respektive litten an geistigen Defiziten. Die Versicherte selbst
berichte vor allem über eine starke Müdigkeit und Vergesslichkeit. Sie könne sich an
viele Daten und Ereignisse nicht mehr genau erinnern. Der Arbeitsfähigkeitsgrad sei
schwankend. Unter optimalen Bedingungen wäre wohl ein Pensum von etwa 40–50
Prozent zumutbar. Im Einsatzprogramm liege das Pensum aktuell bei 30 Prozent. An
eine Steigerung dieses Pensums sei derzeit aber nicht zu denken. Am 9. Juni 2010
notierte die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle (IV-act. 72), die zuständigen
Betreuungspersonen des Einsatzprogramms hätten die effektive Arbeitsleistung der
Versicherten auf etwa 50 Prozent einer durchschnittlichen Arbeitsleistung geschätzt,
was bedeute, dass die Versicherte gesamthaft lediglich eine Arbeitsleistung von 15
Prozent(= 50% × 30%) erbracht habe. Zurzeit kämen vor diesem Hintergrund keine
weiterenberuflichen Massnahmen in Frage.
A.c Nachdem das Psychiatrie-Zentrum D._ am 29. Juli 2010 (IV-act. 79) und am 9.
Dezember 2010 (IV-act. 82) berichtet hatte, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten liege
weiterhin bei 40 Prozent, empfahl Dr. med. E._ vom IV-internen regionalen ärztlichen
Dienst (RAD) am 4. April 2011 eine medizinische Begutachtung (IV-act. 88). Am 7. April
2011 beauftragte die IV-Stelle die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz
mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens (IV-act. 92). Dieses wurde am 21.
Oktober 2011 erstattet (IV-act. 98). Die Sachverständigen führten aus, in
orthopädischer Hinsicht leide die Versicherte an einer Spondylose im thoraco-lumbalen
Übergang, an einer Spondylarthrose der Lendenwirbelsäule sowie an einer
beginnenden Gonarthrose beidseits. Aufgrund der erhobenen Befunde sei die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit nicht mehr uneingeschränkt, sondern lediglich noch zu 50 Prozent
zumutbar. In psychiatrischer Hinsicht liege eine Somatisierungsstörung auf dem Boden
einer histrionischen Persönlichkeitsstörung und bei einem Intelligenzquotienten im
unteren Bereich der Norm vor. Ausserdem bestünden erhebliche psychosoziale
Belastungen, die zum gesamten psychopathologischen Zustandsbild beitrügen. Zwar
seien leichte bis mittelschwere depressive Episoden aktenkundig. Aktuell sei die
Versicherte aber nicht depressiv. Die Kriterien zur Diagnose der vom Psychiatrie-
Zentrum E._ erwähnten Aktivitäts- und Auf¬merksamkeitsstörung seien nicht erfüllt.
Rechtsprechungsgemäss seien weder die Somatisierungsstörung noch die
histrionische Persönlichkeitsstörung „invalidisierend“. Angesichts der unbefriedigenden
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Behandlungsergebnisse bei einem Status nach Magenbandoperation mit
Komplikationen und einem Dumpingsyndrom sei von einer Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit um 20 Prozent auszugehen. Körperlich adaptierte Tätigkeiten seien der
Versicherten also aus psychiatrischer Sicht zu 80 Prozent zumutbar. Polydisziplinär
(unter Berücksichtigung der Ergebnisse der internistischen Untersuchung) sei von einer
Arbeitsunfähigkeit von 70 Prozent für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit und von einer um
40 Prozent eingeschränkten Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten ab Ende
September 2008 auszugehen. Vor September 2008 sei die Versicherte im Rahmen der
medizinischen Abklärungen und der operativen Interventionen teilweise vollständig
arbeitsunfähig gewesen. Am 18. November 2011 ersuchte die IV-Stelle die
Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz (IV-act. 100), den die vom psychiatrischen
Sachverständigen Dr. med. F._ angegebene Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent
übersteigenden Anteil der aus polydisziplinärer Sicht attestierten Arbeitsunfähigkeit von
40 Prozent überzeugend zu begründen. Zudem sei die Frage zu beantworten, ob die
letztlich wohl neurologisch begründete (zusätzliche) Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent
nicht durch ein neurologisches Consiliargutachten zu untermauern sei. Die
Sachverständigen antworteten am 20. Januar 2012 (IV-act. 102), die letztlich
unbefriedigenden Ergebnisse der multiplen Eingriffe am Verdauungstrakt wirkten sich
nicht nur auf die psychische, sondern auch auf die körperliche Leistungsfähigkeit aus.
Gesamthaft sei die Einschränkung auf etwa 40 Prozent zu beziffern. Der internistische
Sachverständige sei auch Facharzt für Neurologie. Er habe keine Notwendigkeit für
eine zusätzliche neurologische Untersuchung gesehen. Der RAD-Arzt Dr. E._ notierte
am 22. Februar 2012 (IV-act. 103), er habe das Dossier eingehend mit dem RAD-Arzt
Dr. med. G._ besprochen. Sie seien beide zur Auffassung gelangt, dass auf das
MEDAS-Gutachten abzustellen und von einer Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent
auszugehen sei.
A.d Am 18. Oktober 2012 führte die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt der
Versicherten durch (IV-act. 123–1 ff.). In ihrem Bericht hielt die Abklärungsperson der
IV-Stelle fest, die Versicherte wäre ohne gesundheitliche Einschränkungen zu 70
Prozent erwerbstätig. Sie habe angegeben, dass sie als alleinerziehende Mutter auf ein
entsprechendes Einkommen angewiesen sei. Die restlichen 30 Prozent würde sie für
die Hausarbeiten einsetzen. Auf dem Bericht wurde handschriftlich ausgeführt, das
Pensum läge bei 80 Prozent. Dieser Hinweis dürfte wohl vom Beistand der Versicherten
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stammen. Der Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte (IV-act. 123–7 ff.), diese Angabe sei
überzeugend, da die Versicherte sozialhilfebedürftig sei. Die Einschränkung im
Haushalt betrage 34,5 Prozent. Für den Erwerbsbereich sei von einer Einschränkung
von 21 Prozent auszugehen, da die Versicherte bei erhaltener Gesundheit zu 80
Prozent erwerbstätig wäre und ihr eine Erwerbstätigkeit von 60 Prozent zumutbar sei.
Das Valideneinkommen entspreche dem zuletzt erzielten, auf ein Pensum von 80
Prozent hochgerechneten und an die Nominallohnentwicklung angepassten Lohn; das
Invalideneinkommen sei anhand der Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik
regelmässig durchgeführten Lohnstrukturerhebung zu ermitteln. Unter
Berücksichtigung der Gewichtung der beiden Tätigkeitsbereiche (Haushalt, Erwerb)
ergebe sich ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 23,8 Prozent. Mit einem
Vorbescheid vom 16. November 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie
die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe (IV-act. 126). Dagegen liess diese am 4.
Januar 2013 einwenden (IV-act. 131–1 ff.), die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz stehe in einem krassen Gegensatz zu den
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der seit Jahren behandelnden Ärzte, die eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert hätten. Das Vorliegen einer Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung sei bereits im Oktober 2011 neurologisch bestätigt worden.
Die von Dr. F._ gestellte Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sei falsch. Das
Gutachten der MEDAS Ostschweiz sei mittlerweile eineinhalb Jahre alt und damit
überholt. Die Versicherte habe einen Anspruch auf eine ganze Rente. Die einzelnen
Aufgabenbereiche bezüglich der Einschränkung im Haushalt hätten gewichtet werden
müssen. Die Vergleichseinkommen seien nicht nachvollziehbar. Für die Berechnung
des Invalideneinkommens hätte nicht von einem vollen Pensum, sondern nur von
einem Pensum von 80 Prozent ausgegangen werden dürfen. Der Eingabe lag eine
Stellungnahme des Psychiatrie-Zentrums H._ vom 31. Dezember 2012 bei (IV-act.
131–6 f.), in der ausgeführt worden war, die Versicherte leide an einer mittelgradigen
depressiven Episode und an einer Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung. Die von Dr.
F._ gestellte neue Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sei nicht hinreichend
begründet. In der Regel setze die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung eine längere
Beobachtungszeit und den Einbezug testpsychologischer Verfahren voraus. Keiner der
behandelnden Fachärzte habe je eine Veranlassung gesehen, das Vorliegen einer
Persönlichkeitsstörung zu diskutieren. Die behandelnden Ärzte des Psychiatrie-
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Zentrums hätten der Versicherten bis Ende Mai 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
Prozent und ab Juni 2011 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die
Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz nahmen am 20. März 2013 Stellung zur
Kritik an ihrem Gutachten (IV-act. 136). Sie führten aus, Dr. F._ habe seine Diagnosen
(Somatisierungsstörung und Persönlichkeitsstörung) ausführlich und überzeugend
begründet. Er weise „alle unbegründeten Vorwürfe hierzu vehement“ zurück. Die
deutlich ausgeprägten Störungen des Antriebes und der Aufmerksamkeit seien aus
psychiatrischer Sicht unspezifisch beziehungsweise nicht pathognomonisch für eine
Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung. Die Befunde liessen sich ebenso gut einer
histrionischen Persönlichkeitsstörung zuordnen. Die Diagnose einer Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung sei erstmals gestellt worden, als die Versicherte schon 43
Jahre alt gewesen sei. Bis zu diesem Zeitpunkt sei diese aber arbeitsfähig gewesen.
Anamnestisch liege kein Hinweis auf das Vorhandensein einer solchen Störung
während der Kindheit oder der Jugendzeit vor, weshalb die Kriterien für diese Diagnose
nicht erfüllt seien. Im Zeitpunkt der Untersuchung hätten keine Hinweise auf eine
depressive Störung vorgelegen. Zu beachten sei schliesslich, dass das Zustandsbild
von diversen psychosozialen Belastungsfaktoren beeinflusst sei. Der RAD-Arzt Dr.
G._ notierte am 5. April 2013, dass auf das Gutachten derMEDAS Ostschweiz
abzustellen sei (IV-act. 137). Der Sachbearbeiter der IV-Stelle, der die
Haushaltsabklärung durchgeführt hatte, nahm am 8. April 2013 (IV-act. 138) Stellung zu
den Einwänden der Versicherten betreffend die Ergebnisse der Haushaltsabklärung
und die Berechnung des Invaliditätsgrades. Er hielt fest, die Versicherte sei zwar
grundsätzlich in der Lage gewesen, zuverlässige Angaben zu ihren Einschränkungen zu
machen. Da sie aber erst kürzlich in ein älteres, relativ grosses Einfamilienhaus
eingezogen sei, habe sie sich nicht imstande gesehen, den Zeitbedarf für die einzelnen
Hausarbeiten anzugeben, weshalb auf eine Gewichtung der verschiedenen
Aufgabenbereiche verzichtet worden sei. Die Berechnung der Vergleichseinkommen sei
nachvollziehbar dokumentiert worden und korrekt. Mit einer Verfügung vom 8. April
2013 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 139).
B.
B.a Am 21. Mai 2013 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 8. April 2013 erheben (act. G 1). Ihr
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Rechtsvertreter beantragte die Zusprache einer ganzen Rente mit Wirkung ab dem 1.
März 2009. Zur Begründung führte er aus, die behandelnden Fachärzte hätten das
Gutachten der MEDAS Ostschweiz, auf das die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) abgestellt habe, „in selten vorzufindender Deutlichkeit“ kritisiert.
Sie hätten die Diagnosestellung als unsorgfältig und die Arbeitsfähigkeitsschätzung als
unzutreffend bezeichnet. Das Gutachten sei aber ohnehin schon veraltet, denn es sei
vor mehr als zwei Jahren erstellt worden. Die Stellungnahme der MEDAS Ostschweiz
vom 20. März 2013 habe die erheblichen Widersprüche zwischen deren Gutachten und
den Berichten der behandelnden Ärzte nicht ausräumen können. Allenfalls müsse ein
Obergutachten eingeholt werden. Der von der Beschwerdegegnerin durchgeführte
Einkommensvergleich sei ebenfalls nicht korrekt. Die einzelnen Aufgabenbereiche im
Haushalt hätten gewichtet werden müssen. Die Vergleichseinkommen seien nicht
nachvollziehbar ermittelt worden und falsch. Bei der Berechnung des
Invalideneinkommens hätte von einem Pensum von 80 Prozent ausgegangen werden
müssen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. Juni 2013 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten der MEDAS
Ostschweiz sei überzeugend, weshalb für die Ermittlung der Invalidität darauf
abzustellen sei. Die Haushaltsabklärung sei korrekt durchgeführt worden. Die
Vergleichseinkommen seien nachvollziehbar und richtig ermittelt worden. Gesamthaft
resultiere kein rentenbegründender Invaliditätsgrad.
B.c Am 25. Juni 2013 bewilligte die Verfahrensleitung die unentgeltliche Rechtspflege
(act. G 4).
B.d Die Beschwerdeführerin liess am 6. September 2013 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 8) und einen Verlaufsbericht des Psychiatrie-Zentrums H._ vom 3. September
2013 einreichen (act. G 8.1.1). Die behandelnden Ärzte hatten darin ausgeführt, dass
die Beschwerdeführerin seit dem Behandlungsbeginn im Mai 2011 engmaschig betreut
worden sei. Während dieses Zeitraums sei sie anhaltend depressiv und nie arbeitsfähig
gewesen. Anhaltspunkte für eine Persönlichkeitsstörung seien nicht festgestellt
worden. Eine psychologische Testung habe bestätigt, dass keine
Persönlichkeitsstörung vorliege. Es überrasche nicht, dass die Aktivitäts- und
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Aufmerksamkeitsstörung nicht früher festgestellt worden sei, da solche Störungen in
den 70er Jahren nur selten diagnostiziert worden seien. Ein MRI vom 19. August 2013
habe einen auffälligen Befund, nämlich eine unregelmässig begrenzte juxcortical
beziehungsweise subcortival in der rechten Insula gelegene Läsion mit einer möglichen
Infiltration des dortigen Cortex, ohne ein Begleitödem bei einer vorderhand unklaren
Dignität, gezeigt. Die ausgeprägte, therapieresistente Lethargie und die kognitiven
Defizite der Beschwerdeführerin könnten also möglicherweise hirnorganisch bedingt
sein. Diesbezüglich seien weitere Abklärungen indiziert. Die Beschwerdegegnerin
verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 10).
B.e Am 9. November 2015 teilte das Versicherungsgericht den Parteien mit (act. G 18),
dass es angesichts der erheblichen Diskrepanzen zwischen den Angaben der
behandelnden Fachärzte und jenen der Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz die
Einholung eines Gerichtsgutachtens vorsehe. Es räumte den Parteien die Möglichkeit
zur Stellungnahme zur vorgesehenen Begutachtung durch Dr. med. I._ und zur
Einreichung von allfälligen Ergänzungsfragen ein. Die Parteien nahmen keine Stellung,
weshalb Dr. I._ am 8. Dezember 2015 mit der Begutachtung der Beschwerdeführerin
beauftragt wurde (act. G 19).
B.f Am 15. Juni 2016 erstattete Dr. I._ das in Auftrag gegebene Gerichtsgutachten
(act. G 25). Sie hatte nebst den bei den Akten der Beschwerdegegnerin liegenden
medizinischen Berichten weitere Berichte berücksichtigt, nämlich einen Bericht über
eine neuropsychologische Testung im August 2010, laut dem die Beschwerdeführerin
an einem ADHS und an einer leichten Intelligenzminderung litt, einen Bericht über eine
neuropsychologische Untersuchung in der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St.
Gallen vom 24. Oktober 2011, laut dem die Beschwerdeführerin an einer leichten bis
mittelschweren kognitiven Funktionsstörung und insbesondere an schweren
Beeinträchtigungen desAntriebs und der Aufmerksamkeit litt, einen Verlaufsbericht des
Psychiatrie-Zentrums H._ vom 3. September 2013, in dem als Diagnosen eine
mittelgradige bis schwere depressive Episode, differentialdiagnostisch eine organische
affektive Störung und eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung erwähnt
worden waren, einen Bericht über ein craniales CT vom 7. Februar 2014, laut dem das
Hirnparenchym altersentsprechend unauffällig war, sowie einen Bericht der Klinik für
Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen vom 21. August 2015, laut dem ein
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Verdacht auf eine Teleangiektasie rechts bestand. Zudem hatte Dr. I._ telefonisch
Angaben des behandelnden Oberarztes des Psychiatrie-Zentrums H._ eingeholt. In
ihrem Gutachten führte sie aus, die zusätzlich zur psychiatrischen Begutachtung
durchgeführte neuropsychologische Untersuchung habe eine leichte
Intelligenzminderung ergeben. Die Testergebnisse hätten im Wesentlichen mit jenen
von früheren neuropsychologischen Untersuchungen übereingestimmt. Wie bereits im
Oktober 2011 festgestellt worden sei, leide die Beschwerdeführerin an einer leichten
bis mittelschweren Funktionsstörung mit einer ausgeprägten Beeinträchtigung der
Belastbarkeit. Entgegen der früheren Einschätzung seien die Kriterien für eine leichte
Intelligenzminderung erfüllt. Gesamthaft liege der Intelligenzquotient bei 60 Punkten.
Die familiäre Häufung mit der ebenfalls betroffenen älteren Tochter mit leichter
Intelligenzminderung und dem Sohn mit Lernschwierigkeiten stütze das Ergebnis einer
leichten Intelligenzminderung. Die Mehrzahl der in den oberen Leistungsbereichen der
Intelligenzminderung eingestuften Menschen könne ein überwiegend eigenständiges
Leben führen und sei mit Unterstützung und Anpassung für eine praktische Tätigkeit
anlernbar. In einer geschützten Umgebung oder in Lebenswelten, die weniger an
sprachlichen Kulturtechniken orientiert seien, gelinge in der Regel eine tragende soziale
und berufliche Integration. Emotionale und soziale Schwierigkeiten und deren
Bewältigung seien bei leicht Intelligenzgeminderten denen von Menschen mit normaler
Intelligenz näher als denen von Menschen mit einer mittel- oder schwergradigen
Intelligenzminderung. Die Prävalenzrate für eine psychische Erkrankung sei aber drei-
bis viermal so hoch wie bei der Allgemeinbevölkerung. Bei einer comorbid vorliegenden
psychischen Störung sei eine psychosoziale Begleitung in der Regel unabdingbar, da
Menschen mit einer leichten Intelligenzminderung häufig über deutlich weniger
Ressourcen und tragende Bewältigungsstrategien verfügten. Die Beschwerdeführerin
sei mit ihren reduzierten intellektuellen Ressourcen bei einem wahrscheinlich zusätzlich
vorbestehenden Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), den
aktuellen kognitiven Defiziten mit psycho-reaktiven Verhaltensmustern und der
ausgeprägten Belastbarkeitsminderung für eine berufliche Tätigkeit zum aktuellen
Zeitpunkt erheblich eingeschränkt. Länger als über einen Zeitraum von maximal einer
Stunde sei sie nicht belastbar. In psychiatrischer Hinsicht liege ein komplexes
Beschwerdebild vor, das nicht allein einer einzelnen Diagnose zugeordnet werden
könne. Im Kern lägen eine hohe Impulsivität und eine deutliche Stimmungslabilität vor,
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wobei auffalle, dass sich die Beschwerdeführerin in die jeweiligen emotionalen
Zustände hineinzusteigern scheine und diese innerlich aus eigener Kraft kaum
beiseiteschieben könne. Zudem sei die Stimmung insgesamt gedrückt. Die
Planungsfähigkeit, das Selbstwertgefühl und die Konzentrationsfähigkeit seien
schlecht, was vor allem bei längerer Belastung zutage trete. Es liege eine vermehrte
Erschöpfbarkeit mit Müdigkeit und Energieverlust vor, die mit einer deutlich spürbaren
Zunahme der emotionalen Instabilität im zeitlichen Verlauf einhergehe. Es bestehe ein
sozialer Rückzug. Die Beschwerdeführerin sei bereits in ihrer Entwicklung stark durch
ihre niedrige Intelligenz geprägt gewesen, wobei ihr Umfeld keinerlei Förderung bereit
gehalten habe. Durch die begrenzten intellektuellen Ressourcen sei sie in vielen
Situationen nicht in der Lage, diese vollumfänglich zu verstehen. Eine erhöhte
Sensitivität in Bezug auf eine erwartete Ungeduld anderer, die eigene Überzeugung,
eine Situation nicht meistern zu können, erneut unterlegen zu sein, etwas nicht zu
verstehen oder nicht zu können, entspreche der Erfahrung der Beschwerdeführerin in
einer sie überfordernden Umwelt. Auf der anderen Seite sei das Intelligenzniveau noch
so hoch, dass sich die Beschwerdeführerin ihrer Mängel bewusst sei und daran leide.
Die durch die eingeschränkten intellektuellen Ressourcen bedingten
Verhaltensauffälligkeiten verwöben sich mit Auffälligkeiten der Persönlichkeit zu einem
klinisch nicht trennbaren Gemisch. Der Notwendigkeit folgend, das klinische Bild in
Kategorien des ICD-10 abzubilden, seien die auffälligen Verhaltensweisen einerseits als
leichte Intelligenzminderung mit deutlicher Verhaltensstörung (F 70.1) und andererseits
als eine comorbide Persönlichkeitsstörung mit vor allem erhöhter Impulsivität (F 60.30)
zu beschreiben. Zudem leide die Beschwerdeführerin an einer leichten chronischen
depressiven Episode (F 33.0). Mangels hinreichender Angaben zu allfälligen
Symptomen in der Kindheit und angesichts der Einflüsse der andern Diagnosen, die
das klinische Bild bereits ausreichend erklärten, könne das Vorliegen eines ADHS nicht
sicher bestätigt werden. Allerdings sei nicht auszuschliessen, dass die
Beschwerdeführerin an einem ADHS leide. Angesichts der vielfältigen
Beeinträchtigungen und unter Berücksichtigung der verbliebenen Ressourcen sei die
Beschwerdeführerin nicht mehr als etwa eineinhalb Stunden belastbar, was einer
Arbeitsfähigkeit von weniger als 20 Prozent entspreche. Für eine optimal
leidensadaptierte Tätigkeit sei von einer Arbeitsfähigkeit von weniger als 25 Prozent
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auszugehen. Dies gelte auch für den Haushalt. Die gesundheitlichen Einschränkungen
bestünden etwa in diesem Ausmass seit März 2008.
B.g Die Beschwerdegegnerin machte am 24. Juni 2016 geltend (act. G 27), Dr. I._
stütze ihre pessimistische Arbeitsfähigkeitsschätzung vor allem auf psychiatrische
Testungen und die neuropsychologische Untersuchung, was
invalidenversicherungsrechtlich nicht zulässig sei. Die erheblichen psychosozialen
Belastungsfaktoren seien nicht ausgeklammert worden. Zudem fehle eine
Auseinandersetzung mit der erheblich abweichenden Arbeitsfähigkeitsschätzung der
MEDAS Ostschweiz. Da deren Sachverständige die Beschwerdeführerin auch
körperlich untersucht hätten, sei weiterhin der Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS
Ostschweiz „der Vorzug“ zu geben. Die Beschwerdeführerin nahm keine Stellung.

Erwägungen
1.
Die Beschwerdeführerin ist zwar verbeiständet, aber nur in der Form einer
Begleitbeistandschaft im Sinne des Art. 393 ZGB, mit der ihre Handlungs- und damit
auch ihre Prozessführungsfähigkeit nicht beschränkt ist (vgl. act. G 11.1). Die
Beiständin der Beschwerdeführerin hat am 22. August 2016 telefonisch bestätigt, dass
eine Beschränkung der Handlungsfähigkeit in der Ernennungsurkunde explizit erwähnt
worden wäre; die Beschwerdeführerin sei uneingeschränkt handlungsfähig (act. G 31).
Somit ist auf ihre Beschwerde einzutreten.
2.
Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat einen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Für die Bemessung der Invalidität einer
erwerbstätig gewesenen versicherten Person wird das Erwerbseinkommen, das diese
nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der
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medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in
Beziehung zu dem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie
gesund wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Die Invalidität einer nicht
erwerbstätigen versicherten Person, die im Aufgabenbereich tätig gewesen ist und der
die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird nicht anhand
eines Einkommensvergleichs, sondern ausgehend davon bemessen, in welchem Mass
die versicherte Person unfähig ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs.
2 IVG). Ist die versicherte Person teilweise erwerbstätig und teilweise im
Aufgabenbereich tätig gewesen, wird die Invalidität für beide Bereiche je nach der
dafür massgebenden Methode bemessen; die Ergebnisse werden im Verhältnis zum
Anteil des jeweiligen Bereichs am Gesamtpensum gewichtet und addiert (Art. 28a Abs.
3 IVG).
3.
Das Bundesgericht stellt für die so genannte Qualifikation – erwerbstätig, im
Aufgabenbereich tätig oder je teilweise tätig – entgegen dem diesbezüglich klaren
Wortlaut des Art. 28a Abs. 2 IVG, des Art. 5 Abs. 1 IVG und des Art. 8 Abs. 3 ATSG in
konstanter Rechtsprechung nicht darauf ab, in welchem Umfang einer versicherten
Person die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann, sondern erachtet
vielmehr als massgebend, in welchem Umfang die versicherte Person hypothetisch
„überwiegend wahrscheinlich“ (womit nur „am ehesten“ gemeint sein kann, da sich
Hypothesen und Fiktionen nicht beweisen lassen) erwerbstätig wäre, wenn sie gesund
geblieben wäre (statt vieler: BGE 125 V 146). Diese Auffassung widerspricht dem
dokumentierten Willen des Gesetzgebers und vermag nicht zu überzeugen (vgl. den
Entscheid IV 2014/125 des Versicherungsgerichtes vom 24. Mai 2016, mit zahlreichen
Hinweisen auf die Materialien), was vorliegend aber letztlich deshalb irrelevant ist, weil
sowohl die gesetzeskonforme als auch die vom Bundesgericht vorgegebene Methode
zur Bestimmung der so genannten Qualifikation zum selben Ergebnis führen. Bei guter
Gesundheit wäre der Beschwerdeführerin eine vollzeitige Erwerbstätigkeit zuzumuten,
da die Fremdbetreuung des im Jahr 2008 noch einzig betreuungsdürftigen jüngsten
Kindes sichergestellt gewesen wäre und da die Beschwerdeführerin als allein
erziehende Mutter verpflichtet gewesen wäre, den Lebensbedarf aus eigener Kraft zu
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decken. Die Alimente des Kindsvaters (die vom Sozialamt bevorschusst werden
müssen) belaufen sich nämlich nur auf 1’663 Franken pro Monat für alle drei Kinder
zusammen. Mit Blick auf ihr Lohnniveau hätte die Beschwerdeführerin nur in einem
Vollpensum ein Erwerbseinkommen erzielen können, das es ihr erlaubt hätte, ihre
Familie aus eigener Kraft zu versorgen. Bei einer gesetzeskonformen Interpretation
muss die Beschwerdeführerin folglich als hypothetisch Vollerwerbstätige qualifiziert
werden. Gemäss der Methode des Bundesgerichtes ist massgebend, wie sich die
Beschwerdeführerin am ehesten verhalten hätte, wenn sie uneingeschränkt
erwerbsfähig wäre. Die Beschwerdeführerin hat zunächst angegeben, sie wäre
vollzeitig erwerbstätig, wie sich dem Protokoll zum Assessmentgespräch vom 23. Juli
2009 (IV-act. 53) entnehmen lässt. Im Rahmen der Haushaltsabklärung vom 18.
Oktober 2012 hat die Beschwerdeführerin dann angegeben, sie wäre nur zu 70 Prozent
erwerbstätig; ihr Beistand hat später präzisiert, dass die Beschwerdeführerin zu 80
Prozent erwerbstätig wäre (IV-act. 123). Laut der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
gilt die Maxime, dass die „Aussage der ersten Stunde“ bei divergierenden Angaben in
der Regel die zuverlässigste Angabe sei (vgl. z.B. das Urteil des Bundesgerichtes
9C_837/2012 vom 28. Oktober 2013, E. 4.4). Vorliegend müsste dieser Maxime folgend
also von einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit ausgegangen werden. Da weder im
Protokoll zum Assessmentgespräch vom 23. Juli 2009 noch im Bericht zur
Haushaltsabklärung vom 18. Oktober 2012 die Fragen und die Antworten im Wortlaut
festgehalten sind, ist zwar nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt, wie die Beschwerdeführerin genau zur Frage des
Erwerbspensums im hypothetischen „Gesundheitsfall“ Stellung genommen und ob sie
diese Frage überhaupt richtig verstanden hat. Dennoch würde es die oben erwähnte
Maxime auch dann erlauben, den so genannten Status der Beschwerdeführerin
festzulegen, wenn der bundesgerichtlichen Methode gefolgt würde, da kein Anlass
besteht, die Angabe der Beschwerdeführerin im Assessmentgespräch vom 23. Juli
2009 in Frage zu stellen, und da der Beschwerdeführerin angesichts der prekären
finanziellen Situation wohl auch gar keine andere Möglichkeit als die Aufnahme einer
vollzeitigen Erwerbstätigkeit geblieben wäre, wie sich auch der Stellungnahme des
Sachbearbeiters zum Haushaltabklärungsbericht sinngemäss entnehmen lässt, der die
Angabe eines höheren hypothetischen Pensums ohne weiteres übernommen hat.
Zusammenfassend ist die Beschwerdeführerin demnach als hypothetisch
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Vollerwerbstätige zu qualifizieren, weshalb die Invalidität anhand eines
Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG) und nicht anhand der
gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) zu bemessen ist.
4.
4.1 Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens spielt
die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit eine massgebende Rolle. Zu dieser haben
sich diverse behandelnde Ärzte, die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz und
schliesslich Dr. I._ im Rahmen eines Gerichtsgutachtens geäussert. Den Berichten
der Klinik für Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen lässt sich entnehmen, dass nach
früheren Eingriffe am Magen-Darm-Trakt um die Jahrtausendwende weitere Eingriffe
zur Behebung von Komplikationen notwendig gewesen sind. Gesamthaft erwecken die
Berichte den Eindruck, dass die Situation trotz der korrigierenden Eingriffe somatisch
teilweise unbefriedigend geblieben sein könnte. Darauf ist der internistische
Sachverständige der MEDAS Ostschweiz ausführlich eingegangen. Er hat ausgeführt,
die Gesamtsituation stelle sich nicht nur aus psychiatrischer Sicht, sondern auch aus
somatischer Sicht als unbefriedigend dar. Die Beschwerdeführerin leide an Krämpfen
und Schmerzen, die ihre Arbeitsfähigkeit beeinträchtigten. Diese Ausführungen sind
nachvollziehbar und überzeugend. Ein Widerspruch zu den Berichten der Klinik für
Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (die allerdings keine
Arbeitsfähigkeitsschätzungen enthalten) ist nicht ersichtlich, weshalb gesamthaft mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass auch die korrigierenden
Eingriffe im Jahr 2008 die Beschwerden im Verdauungstrakt und im Bauchbereich nicht
vollständig haben beseitigen können und dass diese Beschwerden die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin selbst in ideal leidensadaptierten Tätigkeiten beeinträchtigen.
Bezüglich der Kniebeschwerden haben die Klinik C._ und der orthopädische
Sachverständige der MEDAS Ostschweiz übereinstimmend und nachvollziehbar
festgehalten, dass diese die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer ideal
leidensadaptierten Tätigkeit nicht wesentlich beeinflussten. Auch diese Ausführungen
vermögen zu überzeugen, weshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen ist, dass die Kniebeschwerden nur das Spektrum der leidensadaptierten
Tätigkeiten einschränken, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin abgesehen
davon aber nicht beeinträchtigen. Schliesslich hat eine bildgebende Abklärung im
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Februar 2014 ergeben, dass hirnorganisch kein Befund vorliegt, der die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin beeinträchtigen würde.
4.2 Obwohl bereits in den Berichten der Klinik für Chirurgie des Kantonsspitals St.
Gallen teilweise auf ein depressives Zustandsbild hingewiesen worden war, ist erst im
Zusammenhang mit einer während eines Eingliederungsversuchs aufgetretenen
Überforderungssituation im April 2010 (vgl. IV-act. 62) eine psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung eingeleitet worden. Die Beschwerdeführerin ist
zunächst vom Psychiatrie-Zentrum D._ und – nach einem Wohnungswechsel –
anschliessend vom Psychiatrie-Zentrum H._ behandelt worden. Die behandelnden
Ärzte haben durchgehend eine mittelgradig ausgeprägte depressive Störung
diagnostiziert. Zunächst haben sie noch ein Arbeitspensum von 30 Prozent respektive
– in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit – von 40–50 Prozent als zumutbar erachtet.
Ab Juni 2011 haben die behandelnden Fachärzte die Beschwerdeführerin dann aber
als vollständig arbeitsunfähig qualifiziert. Diagnostisch haben sie auf akzentuierte
Persönlichkeitszüge und auf ein ADHS hingewiesen. Der Sachverständige Dr. F._ ist
dagegen zum Schluss gelangt, dass die Beschwerdeführerin an keiner relevanten
depressiven Störung leide, sondern dass eine Somatisierungsstörung und eine
Persönlichkeitsstörung vorlägen, die sich beide – rechtsprechungsgemäss – nicht auf
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkten. Seinem Teilgutachten lässt
sich entnehmen, dass er die Glaubwürdigkeit der Angaben der Beschwerdeführerin
zumindest teilweise in Zweifel gezogen haben dürfte, denn er hat auf eine
Dramatisierung und auf eine Theatralik hingewiesen. Bezüglich der depressiven
Störung hat er sich auf den Standpunkt gestellt, eine solche könne zwar vorgelegen
haben, sei in der klinischen Untersuchung aber jedenfalls nicht (mehr) nachweisbar
gewesen. Aus psychiatrischer Sicht sei unter Berücksichtigung der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur eine leichte Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten zu attestieren, die ihren Grund in einer
psychischen Fehlverarbeitung der Komplikationen nach den wiederholten operativen
Eingriffen finde. Das Psychiatrie-Zentrum H._ hat die Diagnosen und die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. F._ am 31. Dezember 2012 kritisiert. Die
behandelnden Fachärzte haben darauf hingewiesen, dass die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung als unsorgfältig bezeichnet werden müsse, weil sie nicht auf
einer langfristigen Beobachtung beruhe und nicht testpsychologisch bestätigt worden
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sei. Im Rahmen der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung habe sich nie
die Frage nach dem Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung gestellt. Diese überzeugend
begründete Kritik weckt erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit des Teilgutachtens
von Dr. F._. Dessen pauschale Zurückweisung der angeblich unbegründeten
Vorwürfe vermag diese Zweifel nicht auszuräumen, sondern verstärkt eher noch den
Eindruck einer unsorgfältigen Diagnosestellung. Die behandelnden Fachärzte haben
auch darauf hingewiesen, dass sich der Schweregrad der von ihnen diagnostizierten
depressiven Störung im Verlauf der engmaschigen Behandlung nicht verändert habe.
Der Umstand, dass Dr. F._ keine depressive Störung diagnostiziert hat, während die
behandelnden Fachärzte eine mittelgradige depressive Störung diagnostiziert haben,
kann folglich nicht mit einer wesentlichen Veränderung des relevanten Sachverhaltes
erklärt werden. Vielmehr ist darin eine widersprüchliche Beurteilung ein und desselben
Sachverhaltes zu erblicken. Die Diskrepanz dürfte zwar zumindest teilweise darauf
zurückzuführen sein, dass Dr. F._ versucht hat, die Einflüsse der psychosozialen
Belastungsfaktoren auszublenden, und dass er an der Glaubwürdigkeit der Angaben
der Beschwerdeführerin gezweifelt haben dürfte. Dies rechtfertigt es aber nicht, die
abweichende Diagnosestellung der behandelnden Fachärzte als unzutreffend zu
qualifizieren. Für einen medizinischen Laien erscheint keine der beiden diagnostischen
Einschätzungen als wesentlich überzeugender, weshalb weder das Gutachten der
MEDAS Ostschweiz noch die Berichte der Psychiatrie-Zentren D._ und H._ den
relevanten Sachverhalt mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu belegen vermögen. In ihrem Gerichtsgutachten hat Dr. I._
ausgeführt, es liege ein komplexes Beschwerdebild vor. Im Ergebnis hat sie – in
Übereinstimmung mit den behandelnden Fachärzten und einem neuropsychologischen
Bericht vom Oktober 2011 – eine depressive Störung und neuropsychologische
Funktionsstörungen diagnostiziert. Die depressive Störung hat sie allerdings nur als
leichtgradig bezeichnet. Bezüglich der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin hat sie
dagegen die von Dr. F._ gestellte Diagnose einer Persönlichkeitsstörung bestätigt.
Schliesslich hat sie zusätzlich eine leichte Intelligenzminderung bei einem
Intelligenzquotienten von etwa 60 Punkten diagnostiziert. Diese Diagnosen hat Dr. I._
ausführlich und überzeugend begründet hergeleitet. Entgegen der Behauptung der
Beschwerdegegnerin hat sie nicht nur auf die Ergebnisse der verschiedenen Tests
abgestellt, sondern auch massgeblich den in der klinischen Untersuchung erhobenen
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objektiven Befund in ihre Beurteilung mit einbezogen. Auch wenn Dr. I._ nicht explizit
zu den teilweise abweichenden Beurteilungen von Dr. F._ und den behandelnden
Fachärzten Stellung genommen hat (wozu sie vom Gericht auch gar nicht aufgefordert
worden war), lässt sich ihrer ausführlichen, nachvollziehbaren und überzeugenden
Begründung entnehmen, aus welchen Gründen sie zu teilweise abweichenden
Diagnosen gelangt ist. Da aus dem Gerichtsgutachten klar hervorgeht, dass Dr. I._
die früheren Beurteilungen bekannt gewesen sind und dass sie diese bei ihrer
Beurteilung berücksichtigt hat, schadet die fehlende explizite Bezugnahme auf die
einzelnen Abweichungen nicht. Mit anderen Worten lässt sich der Begründung ihrer
eigenen Schlussfolgerungen auch entnehmen, weshalb sie Dr. F._ und den
behandelnden Fachärzten teilweise nicht gefolgt ist. Jedenfalls ist kein Grund
ersichtlich, der Zweifel an den von Dr. I._ gestellten Diagnosen wecken würde.
4.3 Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. I._ orientiert sich offensichtlich
wesentlich am Verhalten der Beschwerdeführerin während der psychiatrischen
Exploration und während der neuropsychologischen Untersuchung, denn Dr. I._ hat
ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin nach eineinhalb Stunden jeweils an den
Grenzen ihrer Belastbarkeit angelangt sei. Dies habe sich in einem spürbaren
Konzentrationsverlust und in einer Unfähigkeit, an der jeweiligen Untersuchung sinnvoll
weiter mitzuarbeiten, gezeigt. In ihrem Gutachten hat Dr. I._ ihre diesbezüglich
erhobenen objektiven Befunde anschaulich geschildert. Zudem hat sie explizit darauf
hingewiesen, dass mehrere Verfahren zur Beschwerdevalidierung angewandt worden
seien, die allesamt eine zuverlässige Mitarbeit der Beschwerdeführerin ergeben hätten.
Vor diesem Hintergrund besteht kein Anlass daran zu zweifeln, dass die
Beschwerdeführerin objektiv nicht in der Lage gewesen wäre, ein Gespräch zu führen,
das länger als eineinhalb Stunden gedauert hätte. Dies deckt sich im Übrigen auch mit
den während des vom RAV organisierten Einsatzprogramms gewonnenen
Erkenntnissen. Ganz offensichtlich ist die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, jene
Ausdauer an den Tag zu legen, die nötig wäre, um einer Tätigkeit während mehr als
eineinhalb Stunden nachzugehen. Dies muss auch in Bezug auf einfachste repetitive
Tätigkeiten gelten, denn weder im Einsatzprogramm noch während der psychiatrischen
Exploration sind nennenswerte Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit der
Beschwerdeführerin gestellt worden. Es sind keine – auch noch so einfache –
Tätigkeiten denkbar, die ohne ein Mindestmass an Konzentration verrichtet werden
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könnten. Wie sich im Rahmen der Begutachtung durch Dr. I._ gezeigt hat, kann sich
die Beschwerdeführerin während einer Pause nicht so weit regenerieren, dass sie
danach weiter arbeiten könnte. In ihrem Gerichtsgutachten hat sich Dr. I._ ausführlich
mit den Beeinträchtigungen und den Ressourcen der Beschwerdeführerin
auseinandergesetzt, wie dies vom Bundesgericht neuerdings – völlig zu Recht –
verlangt wird (vgl. BGE 141 V 281). Sie hat anschaulich und überzeugend dargelegt,
dass von der Beschwerdeführerin aufgrund des Zusammenspiels der verschiedenen
Aspekte ihres komplexen Beschwerdebildes selbst in einer ideal leidensadaptierten
Tätigkeit keine Arbeitsleistung erwartet werden kann, die auch nur dem Viertel einer
normalen Arbeitsleistung entsprechen würde. Weshalb die Arbeitsfähigkeit, wie die
Beschwerdegegnerin behauptet, höher sein sollte, wenn die psychosozialen
Belastungsfaktoren ausgeblendet würden, ist nicht ersichtlich. Die von Dr. I._
attestierte Arbeitsunfähigkeit ist ausschliesslich medizinisch begründet und weist
keinen Bezug zu den aktenkundigen psychosozialen Belastungsfaktoren auf. Zudem ist
darauf hinzuweisen, dass diese Belastungsfaktoren selbst wohl grösstenteils auf die
krankheitsbedingte Unfähigkeit der Beschwerdeführerin, sich in ihrem Umfeld
respektive im Alltag zurecht zu finden, zurückzuführen sind. Wie Dr. I._ überzeugend
aufgezeigt hat, befindet sich die Beschwerdeführerin in einer ständigen
Überforderungssituation, da sie krankheitsbedingt nicht in der Lage ist, ihr Leben gleich
wie eine gesunde Person zu meistern. Die Kritik der Beschwerdegegnerin ist folglich
nicht geeignet, wesentliche Zweifel an der Überzeugungskraft des Gerichtsgutachtens
zu wecken. Andere Gründe, die Zweifel am Gutachten wecken würden, sind nicht
ersichtlich. Gesamthaft ist deshalb durch das Gerichtsgutachten vom 15. Juni 2016 mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt, dass die
Beschwerdeführerin mindestens seit März 2008 selbst in ideal leidensadaptierten
Tätigkeiten zu mehr als 75 Prozent arbeitsunfähig ist.
4.4 Die Intelligenzminderung, die Persönlichkeitsstörung und das mögliche ADHS
dürften die Beschwerdeführerin daran gehindert haben, überhaupt erst eine
Validenkarriere einzuschlagen. Eine Frühinvalidität im Sinne des Art. 26 IVV ist
allerdings nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegt. Da bezüglich des massgebenden Zeitraums (Kindheit und
Jugend der Beschwerdeführerin) keine aussagekräftigen Akten vorhanden sein dürften,
ist in antizipierender Beweiswürdigung von einer Beweislosigkeit bezüglich des
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Vorliegens einer Frühinvalidität auszugehen, deren Folgen die Beschwerdeführerin zu
tragen hat. Folglich ist von einer Validenkarriere als durchschnittlich entlöhnte
Hilfsarbeiterin auszugehen. Die Invalidenkarriere besteht in der Verrichtung einer ideal
leidensadaptierten Hilfsarbeit. Der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens entspricht folglich dem Valideneinkommen, weshalb der Betrag
rein mathematisch keine Rolle spielen kann. Der Invaliditätsgrad ist mit anderen Worten
anhand eines so genannten Prozentvergleichs zu berechnen, das heisst er entspricht
dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen Abzug vom Tabellenlohn
von maximal 25 Prozent (vgl. BGE 126 V 75). Bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von
mehr als 75 Prozent besteht gemäss dem Art. 28 Abs. 2 IVG schon ohne die
Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges (der angesichts der gesamten Umstände
wohl bei etwa 15 Prozent liegen dürfte) ein Anspruch auf eine ganze Rente.
4.5 Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass auch die Anwendung der
so genannten gemischten Methode zum selben Ergebnis führen würde: Bei einem
hypothetischen Erwerbspensum von 80 Prozent betrüge die Einschränkung im
Erwerbsbereich unter Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges von 15 Prozent
mehr als 73,44 Prozent (= [0,8 – 0,25 × 0,85] ÷ 0,8) beziehungsweise – mit 80 Prozent
gewichtet – mehr als 58,75 Prozent. Die Einschränkung im Aufgabenbereich betrüge
mehr als 75 Prozent respektive – mit 20 Prozent gewichtet – mehr als 15 Prozent.
Gesamthaft läge der Invaliditätsgrad also bei mehr als 73,75 Prozent, womit ebenfalls
ein Anspruch auf eine ganze Rente bestünde.
5.
Weil sich die Beschwerdeführerin im August 2008 zum Leistungsbezug angemeldet
hat, hätte der Rentenanspruch gemäss dem Art. 29 Abs. 1 IVG bereits am 1. Februar
2009 entstehen können. Das so genannte Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) ist aber
erst am 1. März 2009 erfüllt gewesen, da sich eine relevante Arbeitsunfähigkeit vor
März 2008 nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegen lässt. Die Beschwerdeführerin hat deshalb ab dem 1. März
2009 einen Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Die Sache ist zur
Festsetzung der Rentenbeträge an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Ausgangsgemäss hat die unterliegende Beschwerdegegnerin die Kosten für das
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Gerichtsverfahren, die angesichts des überdurchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf
900 Franken festzusetzen sind, und die Kosten für das Gerichtsgutachten von 8’952.60
Franken (vgl. act. G 29) zu bezahlen und der Beschwerdeführerin eine dem
überdurchschnittlichen Vertretungsaufwand entsprechende Parteientschädigung von
4’000 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.