Decision ID: 67d799aa-26b8-46fc-9118-9907a6c96346
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde vom 7. Dezember 2015 bis 21. Januar 2016 in der Tagesklinik am
Psychiatrischen Zentrum B._ wegen einer mittelgradigen depressiven Episode ohne
somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10) und eines Verdachts auf eine emotional
instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typ (ICD-10: F60.31) behandelt
(Austrittsbericht vom 20. Mai 2016, IV-act. 12-3 ff). Sie meldete sich am 10. August
2016 zum Bezug von Leistungen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
Der behandelnde Dipl. Psych. C._, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP,
berichtete am 31. August 2016, die Versicherte leide an einer komplexen
posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), DD: Verdacht auf emotional
instabile Persönlichkeitsstörung: Borderline Typ (ICD-10: F60.31), und an einer
rezidivierenden mittelgradigen depressiven Störung, gegenwärtig teilremittiert (ICD-10:
F33.1). Die jahrelang durch die Adoptivmutter ausgeübte körperliche Gewalt führe zu
akuten panischen Zuständen und psychosomatischen Reaktionen im Sinn eines
posttraumatischen Wiedererlebens. Diese würden zum wiederholten Mal den Einstieg
in die Arbeitswelt verhindern. Auslöser seien meist erlebte Zurückweisungen, vor allem
von nahen weiblichen Personen im privaten Bereich oder von weiblichen Vorgesetzten
im Arbeitsbereich. Kennzeichnend seien ausserdem wiederkehrende depressive
Episoden als Folge langer erlebter Belastung (IV-act. 12).
A.a.
Die RAD-Ärztin med. pract. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
vertrat in der Stellungnahme vom 19. September 2016 die Ansicht, medizinisch-
theoretisch sei bei der Versicherten ein Eingliederungspotential erkennbar bzw. es
könne eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % steigerbar auf ein volles Pensum
A.b.
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angenommen werden. Bei der Stellensuche benötige die Versicherte Hilfe und
Unterstützung. Für sie geeignet seien Tätigkeiten mit begrenzter Arbeitsverdichtung,
festgelegtem Verantwortungsbereich, überschaubaren Abläufen und eindeutigen
Kommunikationsregeln (IV-act. 16). Da die Versicherte am 3. Oktober 2016 angab, eine
tagesklinische Behandlung in der Psychiatrischen Klinik E._ aufgenommen zu haben
(IV-act. 21), wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche Eingliederungsmassnahmen
mit Mitteilung vom 3. Oktober 2016 ab (IV-act. 22).
Der seit 29. August 2016 behandelnde Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, führte im Bericht vom 1. Dezember 2016 aus, bei der Versicherten
bestehe seit Jahren eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1). Er
empfahl zur Erreichung einer 60 bis 80%igen Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf
als G._ eine stufenweise Wiedereingliederung mit einem anfänglichen Pensum von
50 % (IV-act. 26). Im Austrittsbericht vom 14. Dezember 2016 führte der in der
Tagesklinik an der Psychiatrischen Klinik E._ behandelnde Dr. med. H._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, bezüglich der vom 26. September bis 9. Dezember
2016 erfolgten Behandlung der Versicherten aus, der Behandlungsverlauf sei
gekennzeichnet gewesen durch eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen den sehr
hohen eigenen Ansprüchen und der bestehenden Realität im Sinn tatsächlich
vorhandener Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit mit daraus resultierender massiver
Überforderung, die sich in Form immer wieder erfolgender Absenzen gezeigt hätten.
Weder eine therapeutische Beziehung im Einzelkontakt noch der Beginn der geplanten
Gruppentherapien seien möglich gewesen. Dr. H._ diagnostizierte eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung (mit ängstlich-abhängigen und impulsiven Zügen; ICD-10:
F61.0) sowie eine mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom
(ICD-10: F32.10) und bescheinigte der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(IV-act. 33).
A.c.
Dr. F._ berichtete am 30. März 2017, die Versicherte hätte Mitte Februar 2017
eine 50%ige Erwerbstätigkeit als Verkäuferin in einem Süsswarengeschäft
aufgenommen. Nach gutem Beginn hätten eine zunehmende Instabilität mit Zunahme
der Symptomatik der posttraumatischen Belastungsstörung und zwischenmenschliche
Probleme zur Überforderung mit anschliessender Kündigung der Anstellung durch die
Versicherte geführt. Er empfahl im Rahmen eines Arbeitsversuchs eine
A.d.
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niederschwellige Belastungserprobung im gelernten Beruf als G._ (beginnend mit
20 bis 30 %; IV-act. 41). Gestützt auf die gemeinsame Zielvereinbarung vom 13. bzw.
21. Juni 2017 (IV-act. 52) erteilte die IV-Stelle am 27. Juni 2017 eine Kostengutsprache
für ein Aufbautraining vom 12. Juni bis 11. Dezember 2017 in einem Hotelbetrieb (IV-
act. 54, zum Taggeldanspruch während des Aufbautrainings siehe IV-act. 55). Im
Zwischenbericht vom 2. August 2017 führten die mit der Integrationsmassnahme
betrauten Personen aus, die Versicherte führe ihre Aufgaben mit Freude aus und
schätze einen angenehmen Umgang. Sie verstehe sich mit der Mehrheit der Personen,
die sie umgeben würden, unterhalte sich mit allen und pflege neue Kontakte. Eine
Person habe sie an ihre persönlichen Grenzen gebracht. Die Versicherte habe die
Situation und Auswirkungen zu Beginn reflektieren sowie eigene Interpretationen und
Tatsachen unterscheiden können. Innerhalb von wenigen Tagen habe diese
Wahrnehmung abgenommen. Es sei zu Schuldzuweisungen gekommen. Die
Versicherte habe erkannt, dass sie diese Situation an ihre Grenzen bringe. Sie habe
das so kommunizieren können und selber einen Lösungsvorschlag gebracht (IV-
act. 62). Am 30. Oktober 2017 hielt die Beraterin Berufliche Integration der IV-Stelle
fest, während der letzten Wochen habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten
verschlechtert. Sie weise immer wieder Absenzen auf. Am 19. Oktober 2017 sei sie
zum letzten Mal zur Arbeit erschienen. Seither sei sie krankgeschrieben, weshalb die
Massnahme per 20. Oktober 2017 abgebrochen werde (IV-act. 74; zum Abbruch der
beruflichen Massnahmen siehe auch die Mitteilung vom 30. Oktober 2017, IV-act. 75,
sowie den Schlussbericht über die Integrationsmassnahme vom 3. November 2017, IV-
act. 79).
Dr. F._ gab im Verlaufsbericht vom 2. November 2017 an, es hätte sich ein stark
wechselhafter Verlauf des Gesundheitszustands der Versicherten gezeigt. Bis auf
weiteres (d.h. Monate und Jahre) sei selbst eine niederprozentige Arbeitsfähigkeit im
ersten Arbeitsmarkt nicht gegeben (IV-act. 76). Mit Mitteilung vom 5. Dezember 2017
wies die IV-Stelle das Gesuch um weitere berufliche Massnahmen ab, da der
Versicherten solche wegen ihres Gesundheitszustands nicht möglich seien (IV-act. 83).
A.e.
In der Stellungnahme vom 2. März 2018 empfahl die RAD-Ärztin D._ eine
vertiefte medizinische Abklärung der Versicherten. Es sei nicht ganz klar, ob die vom
behandelnden Psychiater bescheinigte Arbeitsunfähigkeit krankheitsbedingt erklärt
A.f.
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werden könne oder ob auch motivationale Gründe eine gewisse Rolle spielen würden
(IV-act. 88).
Der seit November 2016 behandelnde Dr. med. I._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, bescheinigte der Versicherten sowohl bezogen auf die bisherige
Tätigkeit als auch eine «einfachste Tätigkeit» eine Arbeitsfähigkeit von ca. 2 bis
4 Stunden täglich. Sie sei überhaupt nicht belastbar. Zudem bestehe eine «allgemeine
Intelligenzminderung» (IV-act. 93).
A.g.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 9. Juli 2018 durch Prof. Dr. med.
J._, Facharzt u.a. für Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch begutachtet. Er
stellte folgende «Psychiatrische Diagnosen mit / ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit»:
eine paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.0); eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig remittiert, im Verlauf bis mittelgradig (ICD-10: F33.4/F33.1); eine
Panikstörung (ICD-10: F41.0) sowie Probleme durch negative Kindheitserlebnisse
(ICD-10: Z61). Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus, gesamthaft gesehen hätten die
«handicapierenden» Fähigkeitsstörungen im beruflichen Kontext einen vorwiegend
qualitativen Charakter. In allen Tätigkeiten, in denen zwischenmenschliche Kontakte
gefordert seien, sei die Versicherte stark «gehandicapiert» (so sei z.B. der Pflegeberuf
oder der Beruf der Kindererzieherin denkbar ungeeignet), während eine weitgehende
Einsetzbarkeit in Tätigkeiten vorliege, die mit geringen oder sehr oberflächlichen
zwischenmenschlichen Kontakten auskommen würden (z.B. Kurierfahrerin). Selbst im
erlernten Beruf könne unter bestimmten Bedingungen eine Arbeitsfähigkeit gegeben
sein, wenn die Versicherte ein wohlwollendes Arbeitsumfeld mit geringer hierarchischer
Strukturierung und nur sporadischen / oberflächlichen Kundenkontakten antreffe. Das
Störungsbild liege seit der Kindheit / Jugendzeit vor und sei unter der Akkumulation
erschwerender Umweltfaktoren im beruflichen Kontext apparent mit dem Antritt der
ersten Arbeitsstelle auf dem erlernten Beruf der G._ im Oktober 2015. Seither
bestünden die Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit. Er empfehle eine Intensivierung
der Behandlung auf einer Abteilung einer psychiatrischen Einrichtung mit
störungsspezifischem Behandlungskonzept für Persönlichkeitsstörungen mit hernach
tagesklinischer und ambulanter Weiterführung der Behandlung. Aus medizinischer
Sicht sei eine derartige Behandlung der Versicherten zumutbar, die im (teil-)stationären
Setting ca. 3 Monate umfassen werde und eine insgesamt einjährig ambulante
A.h.
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Nachbehandlungszeit erfordere. Es sei zu erwarten, dass sich unter einer derartigen
störungsspezifischen Behandlung die Auswirkungen der Störung zurückbilden würden.
Es bestehe bei den insgesamt guten Voraussetzungen berechtigter Grund zur
Annahme, dass eine 80%ige bis 100%ige Arbeitsfähigkeit hierunter innerhalb eines
Jahres in zuletzt ausgeübter und in leidensangepasster Tätigkeit zu erzielen sein werde.
In allen Tätigkeiten, in denen zwischenmenschliche Kontakte gefordert seien, bestehe
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Für Tätigkeiten, die mit geringen oder sehr
oberflächlichen zwischenmenschlichen Kontakten verbunden seien, verfüge die
Versicherte über eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Die Einschränkung des Rendements in
adaptierten Tätigkeiten beruhe auf der verminderten Belastbarkeit und
Durchhaltefähigkeit. Die zumutbare Arbeitsfähigkeit hänge im angestammten Beruf
dabei sehr von den konkreten Arbeitsbedingungen ab. Umso selbstbestimmter die
Versicherte arbeiten könne und je weniger zwischenmenschliche Kontakte «angetroffen
werden», desto höher werde die Arbeitsfähigkeit (bis 80 % bezogen auf ein
Vollpensum). Unter ungünstigen Bedingungen liege die Arbeitsfähigkeit bei 20 %.
Motivationale «krankheitsferne» Auswirkungen könne er nicht erkennen (Gutachten
vom 11. Juli 2018, IV-act. 99, insbesondere IV-act. 99-75, IV-act. 99-78 und IV-
act. 99-81 f.).
Die RAD-Ärztin D._ führte zur gutachterlichen Beurteilung aus, dass sie die
versicherungsmedizinischen Anforderungen erfülle. Sie empfahl, das Gutachten
Dr. F._ zuzustellen und ihn verschiedene Fragen beantworten zu lassen
(Stellungnahme vom 20. Juli 2018, IV-act. 105). In der Antwort vom 7. August 2018
führte dieser aus, dass er die diagnostische Einschätzung von Prof. J._ nicht teile. Zu
den gutachterlich vorgeschlagenen Therapien bemerkte er, dass diese nicht zielführend
seien. Nur wenn die Alltagsfähigkeit eingeschränkt sei, sollte eine Intensivierung
stattfinden. In der Regel benötige es langjährige Behandlungen, d.h. die Annahme,
dass sich durch eine Intensivierung eine schnellere Besserung im Hinblick auf die
Arbeitsfähigkeit ergebe, werde sich nicht erfüllen. Die von Prof. J._ bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigte 80%ige Arbeitsfähigkeit hielt er nicht für
nachvollziehbar (IV-act. 101). Die IV-Stelle konfrontierte daraufhin Prof. J._ mit der
Einschätzung von Dr. F._ (Schreiben vom 4. September 2018, IV-act. 102). Jener
führte in der Stellungnahme vom 11. Oktober 2018 aus, aus dem «problematischen
A.i.
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Verhalten [der Versicherten] im Arbeitstraining kann logischerweise nicht darauf
geschlossen werden, dass nur eine AF auf dem 2. AM vorliegt, dann wäre Simulation
Tür und Tor geöffnet». Er gehe davon aus, dass das verbliebene positive Leistungsbild
der Versicherten allenfalls einem Nischenarbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt
entspreche. Prof. J._ betonte, dass er über keine berufsberatende Ausbildung
verfüge und damit keine Präjudizierung vornehmen wolle. Zum Bericht von Dr. F._
müsse er «als Faktum» anmerken, dass die Arbeitsfähigkeit unter dessen Therapie
kontinuierlich abgenommen habe. Er könne verstehen, dass der Kollege an seinen
Diagnosen festhalten und «gerne die Versicherte noch lange Zeit weiterbehandeln
möchte». Jedoch sei es die originäre gutachterliche Aufgabe, die Diagnosen und die
Behandlung kritisch zu hinterfragen. Prof. J._ sah keinen Grund, seine Beurteilung
«zu Lasten einer eminenzbasierten Meinung» zu ändern (IV-act. 103). Das
Antwortschreiben von Prof. J._ bezeichnete die RAD-Ärztin D._ aus
versicherungsmedizinischer Sicht als «unbefriedigend». Eine Intensivierung der
Behandlung könne nachvollzogen werden, aber eine stationäre Massnahme bei der
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung «grundsätzlich eher» nicht, ausser die
Versicherte sei zum Beispiel depressiv dekompensiert (Stellungnahme vom
8. November 2018, IV-act. 105).
Aus berufsspezifischer Sicht gelangte die IV-Stelle zur Auffassung, dass das
gutachterlich beschriebene Anforderungsprofil objektiv betrachtet in einer geeigneten
Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt realisierbar sei. Es spreche nichts dagegen,
dass die Versicherte zum Beispiel als Kurierfahrerin im attestierten Umfang von 80 %
tätig sein könne. Hier gebe es in der Regel männliche Vorgesetzte und der
zwischenmenschliche Kontakt sei oberflächlich. In der Stellensuche sei die Versicherte
aus der Sicht der Eingliederungsberatung eingeschränkt (Besprechungsprotokoll vom
12. März 2019, IV-act. 107; zur Einschränkung in der Stellensuche bzw. zum
Schreibfehler im Protokoll vom 12. März 2019 siehe IV-act. 108-1 unten).
A.j.
Auf der Grundlage einer 80%igen Restarbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten ermittelte die IV-Stelle einen 16%igen Invaliditätsgrad und stellte der
Versicherten mit Vorbescheid vom 12. März 2019 die Abweisung des Rentengesuchs in
Aussicht (Vorbescheid vom 12. März 2019, IV-act. 111). Dagegen erhob die Versicherte
am 12. April 2019 Einwand, bemängelte die gutachterliche Beurteilung u.a. hinsichtlich
A.k.
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B.
der diagnostischen Schlussfolgerungen und wies darauf hin, dass sie seit Anfang
dieser Woche im Rahmen von 50 % beim K._ arbeite (IV-act. 116). Die RAD-Ärztin
D._ äusserte sich am 24. Juni 2019 zum Einwand. Es sei eine akademische Frage,
um welche diagnostische Klassifikation es sich handle. Prof. J._ und Dr. F._ hätten
ähnliche Symptome beschrieben, diesen aber unterschiedliche Diagnosen zugeordnet.
Aus der Sicht des RAD sei die gutachterliche Beurteilung nachvollziehbar und es könne
weiterhin darauf abgestellt werden. Weitere medizinische Abklärungen würden sich
erübrigen (IV-act. 118). Am 28. Juni 2019 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des
Rentengesuchs (IV-act. 119).
Gegen die Verfügung vom 28. Juni 2019 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 30. August 2019. Die Beschwerdeführerin beantragt darin deren Aufhebung und
die Rückweisung der Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung bringt sie im
Wesentlichen vor, dass die gutachterliche Beurteilung mangelhaft sei. Zudem sei der
Gutachter wirtschaftlich von der Beschwerdegegnerin abhängig. Die
Beschwerdeführerin bestreitet, im ersten Arbeitsmarkt noch über eine Arbeitsfähigkeit
zu verfügen. Zudem nenne der Gutachter als Voraussetzung für die von ihm
bescheinigte Arbeitsfähigkeit die erfolgreiche Durchführung der von ihm empfohlenen
Therapie. Somit stehe fest, dass ihre Arbeitsfähigkeit noch gar nicht abschliessend
geklärt sei (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 24. Oktober
2019 die Abweisung der Beschwerde. Sie hält die gutachterliche Beurteilung des
Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit für beweiskräftig. Die in der Abteilung
Berufliche Integration tätige Spezialistin habe die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin schlüssig bejaht (act. G 3).
B.b.
Am 30. Oktober 2019 bewilligt die Präsidentin das Gesuch der
Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das
Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 4).
B.c.
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In der Replik vom 20. November 2019 hält die Beschwerdeführerin unverändert an
der Beschwerde fest (act. G 6).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine Duplik (act. G 8).B.e.
Nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Parteien (siehe Schreiben des
Versicherungsgerichts vom 7. Juli 2021; act. G 10) beauftragt das Versicherungsgericht
am 28. Juli 2021 Dr. med. L._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, asim
Begutachtung, mit der Erstattung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens (act. G 15).
B.f.
Am 17. Januar 2022 erstattet Dr. L._ das psychiatrische Gerichtsgutachten. Er
diagnostiziert als Krankheiten, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten, eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0), eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4), und eine Essstörung. Sowohl für die
angestammte Tätigkeit als G._ als auch eine andere optimal leidensangepasste
Tätigkeit bescheinigt Dr. L._ der Beschwerdeführerin in einem optimal angepassten
Arbeitsumfeld (mit wohlwollender Führung und weitgehender Vermeidung von
interpersonellen Konflikten sowie Möglichkeit der Berücksichtigung phasenweiser
Einschränkung der Durchhaltefähigkeit aufgrund der rezidivierend depressiven Störung)
eine 60%ige Arbeitsfähigkeit. Dabei lässt er die Frage offen, ob dieses Profil nur im
geschützten Arbeitsmarkt erreicht werden könne. Die Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit bestehe spätestens seit dem Beginn der tagesklinischen Behandlung
vom 7. Dezember 2015. Während der tagesklinischen Behandlungen vom 7. Dezember
2015 bis 21. Januar 2016 und vom 26. September bis 9. Dezember 2016 habe eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Bis Ende 2018 habe aufgrund der
zusätzlichen Beeinträchtigungen durch das depressive Leiden eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit bestanden. Seit Januar 2019 sei von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen (act. G 23, insbesondere S. 19 und S. 25 ff.).
B.g.
Am 26. Januar 2022 äussert sich die Beschwerdegegnerin zum
Gerichtsgutachten. Ohne fremdanamnestische Angaben lägen nur die subjektiven
Aussagen der Beschwerdeführerin vor. Das Einholen von fremdanamnestischen
Angaben sei verweigert worden. Eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
durch den Gerichtsgutachter sei somit nicht möglich, was den Beweiswert seiner
B.h.
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Beurteilung schmälere. Des Weiteren führe der Gerichtsgutachter aus, dass er die
motivationale Komponente nicht vom Krankheitswert trennen könne. Aus der Sicht der
Beschwerdegegnerin könne daher zur Bestimmung der Arbeitsfähigkeit nicht auf die
Erfahrungen abgestellt werden, die sich aus der Integrationsmassnahme beim K._
ergeben hätten. Der Gerichtsgutachter könne die Arbeitsfähigkeit somit nicht «final»
quantifizieren und die Persönlichkeitsstörung nicht näher spezifizieren. Auf dem ersten
Arbeitsmarkt würden Nischenarbeitsplätze existieren, die den qualitativen
Anforderungen für eine leidensangepasste Tätigkeit entsprechen würden (act. G 25).
Mit der Stellungnahme vom 10. März 2022 lässt die Beschwerdeführerin einen
Bericht des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes der Luzerner Psychiatrie vom
28. November 2006 über die vom 9. Dezember 2004 bis 25. Januar 2006 dauernde
Abklärung und Behandlung einreichen (act. G 29.1). Damit würden sich ihre
Schilderungen plausibilisieren und objektivieren lassen. Entgegen der Sichtweise der
Beschwerdegegnerin habe der Gerichtsgutachter sehr wohl fremdanamnestische
Angaben einbezogen. Bezüglich einer möglichen Kontaktaufnahme des
Gerichtsgutachters mit ihrem Partner liege offenbar ein Missverständnis vor. Sie habe
das Gutachtensinstitut telefonisch orientiert, dass ihr Partner bereit wäre, Auskunft zu
erteilen, und sie einen entsprechenden Telefontermin benötige. Danach habe sie nichts
mehr vom Gutachtensinstitut gehört. Die Beschwerdeführerin beantragt, dass der
Gerichtsgutachter zusätzliche fremdanamnestische Angaben bei ihrem Partner einhole.
Ausserdem macht sie geltend, dass die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit auf dem
ersten Arbeitsmarkt nicht realistisch sei (act. G 29).
B.i.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer weiteren Eingabe vom 18. März 2022,
dass der Gerichtsgutachter weitere fremdanamnestische Informationen einhole und
zum von der Beschwerdeführerin eingereichten Bericht vom 28. November 2006
Stellung nehme (act. G 31).
B.j.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
Am 1. Januar 2022 trat das revidierte Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) in Kraft. Die vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem
1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und
des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1) sind
daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) sowie des Bundesgesetz über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in der bis
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts
vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2).
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Eine rentenbegründende Invalidität im Sinn von
Art. 8 Abs. 1 ATSG liegt bereits dann vor, wenn die Erfordernisse von Art. 28 Abs. 1
lit. b und lit. c IVG erfüllt sind. Ein dauerhafter Abschluss der medizinischen
Behandlung bzw. der medizinischen Eingliederung ist für die Entstehung des
Rentenanspruchs nicht vorausgesetzt (Entscheide des Versicherungsgerichts vom
23. September 2019, IV 2016/328, E. 2.2, und vom 5. November 2020, IV 2018/360,
E. 4.2).
1.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=01.01.2022&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=weiv+ivg&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-V-210%3Ade&number_of_ranks=0#page210
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/20
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Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16
ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Dieser legt fest, dass für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen) in Beziehung gesetzt wird zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
1.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die medizinische und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die
Auskünfte medizinischer Sachverständiger eine wichtige Grundlage für die Beurteilung
der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Bezüglich
Gerichtsgutachten gilt es nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts allerdings zu
beachten, dass das Gericht «nicht ohne zwingende Gründe» von den Einschätzungen
der medizinischen Sachverständigen abweichen dürfe. Auch der Europäische
Gerichtshof für Menschenrechte hat diesbezüglich erwogen, der Meinung der von
1.5.
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2.
Zunächst ist zu prüfen, ob der Sachverhalt mit dem Gerichtsgutachten von Dr. L._
vom 17. Januar 2022 nunmehr spruchreif abgeklärt ist (zu den Mängeln des
Administrativgutachtens von Prof. J._ siehe act. G 10).
einem Gericht ernannten Sachverständigen komme bei der Beweiswürdigung
vermutungsweise hohes Gewicht zu (BGE 135 V 469 f. E. 4.4 mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin bemängelt am Gerichtsgutachten, dass nur die
subjektiven Aussagen der Beschwerdeführerin berücksichtigt worden seien und keine
fremdanamnestischen Angaben vorgelegen hätten (act. G 25).
2.1.
Vorab gilt es zu beachten, dass im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung
die klinische Untersuchung in Kenntnis der Anamnese entscheidend ist. Eine
Fremdanamnese und (schriftliche oder mündliche) Auskünfte der behandelnden
medizinischen Fachpersonen sind häufig wünschenswert, aber nicht zwingend
erforderlich. Anfragen bei behandelnden medizinischen Fachpersonen sind u.a.
wertvoll, wenn sie erweiterte Auskünfte über Persönlichkeit und Compliance der zu
explorierenden versicherten Person erwarten lassen. Die Notwendigkeit der Einholung
solcher Fremdanamnesen ist in erster Linie eine Frage des medizinischen Ermessens.
Auch aus den Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der
Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie vom 16. Juni 2016
ergibt sich in dieser Hinsicht nichts anderes (siehe zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts vom 14. Oktober 2019, 8C_318/2019, E. 4.2.2.1 mit Hinweisen).
2.1.1.
Die Kritik der Beschwerdegegnerin erweist sich schon deshalb als unzutreffend,
als der Gerichtsgutachter bei seiner Beurteilung verschiedene Drittangaben (u.a.
Berichte über die Integrationsmassnahmen und Arbeitsprogramme, siehe etwa act.
G 23, S. 20, S. 28 unten und S. 29) berücksichtigte (insbesondere auch bei der
Konsistenzprüfung, act. G 23, S. 24, und bei der Motivation, S. 30 Mitte) und teilweise
selbst einholte (zu den von ihm eingeholten, detailliert wiedergegebenen telefonischen
Auskünften von [ehemals] behandelnden Psychiatern siehe act. G 23, S. 18).
2.1.2.
Von Bedeutung ist ausserdem, dass der Gerichtsgutachter sorgfältig und
einlässlich begründete, weshalb eine weitergehende Fremdanamnese vorliegend
verzichtbar war (act. G 23, S. 22 und S. 23 Mitte). Der von ihm vertretene Standpunkt,
mit der eigenen Untersuchung sowie den Akten, den fremdanamnestischen Angaben
früherer Behandler und den Erfahrungen aus der Integrationsmassnahme und der
2.1.3.
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Beschäftigung im K._ könne dennoch gemäss gutachterlicher Bewertung mit sehr
hoher Sicherheit gefolgert werden, dass die Diagnosekriterien für die spezifische
Persönlichkeitsstörung erfüllt seien (act. G 23, S. 22 oben), leuchtet deshalb ein.
Zudem berücksichtigte er auch die objektiven Befunde, die Folge von
Selbstverletzungen seien und für eine emotionale Instabilität sprechen würden (act.
G 23, S. 23 oben). Die Beschwerdegegnerin zeigt denn auch nicht konkret auf,
inwiefern die gerichtsgutachterlichen Schlussfolgerungen und
Arbeitsfähigkeitsschätzung auf einer diesbezüglich unzureichenden Grundlage beruhen
sollen.
Gegen die Notwendigkeit weiterer fremdanamnestischer Angaben spricht
schliesslich auch, dass die vom Gerichtsgutachter berücksichtigten
eigenanamnestischen Hinweise auf frühere Verhaltensauffälligkeiten (act. G 23, S. 22),
die er im Rahmen der Begutachtung nicht (restlos) zu klären vermocht habe (act. G 23,
S. 24 Mitte), ihre Bestätigung im nachträglich eingereichten, die schweren
Verhaltensprobleme der Beschwerdeführerin beurteilenden Bericht des Kinder- und
Jugendpsychiatrischen Dienstes, Luzerner Psychiatrie, vom 28. November 2006 finden,
worin eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und
Sozialverhalten (ICD-10: F43.25) diagnostiziert worden war (act. G 29.1).
2.1.4.
Entgegen der Sichtweise der Beschwerdegegnerin (act. G 25) kann keine Rede
davon sein, dass der objektive Befund während der Exploration durch den
Gerichtsgutachter überwiegend unauffällig gewesen sei. So erhob er Störungen im
Beziehungsverhalten, im Gefühlsleben und im Schlafverhalten (act. G 23, S. 16). Er
berücksichtigte zudem Auffälligkeiten auf der Persönlichkeitsachse (act. G 23, S. 17
Mitte). Auffälligkeiten im Interaktionsverhalten konnten auch während der
Begutachtung beobachtet werden (act. G 23, S. 21). Die Folgen von
Selbstverletzungshandlungen wurden bereits erwähnt (siehe vorstehende E. 2.1.3
sowie act. G 23, S. 13 unten und S. 16 oben).
2.2.
Des Weiteren bringt die Beschwerdegegnerin vor, der Gerichtsgutachter habe die
motivationale Komponente nicht vom Krankheitswert trennen können (act. G 25).
Dieser Betrachtungsweise kann nicht gefolgt werden. Der Gerichtsgutachter legte im
Rahmen einer sämtliche Anforderungen an beweiskräftige Gutachten erfüllenden
Gerichtsexpertise (siehe nachstehende E. 2.5) überzeugend dar, welche
krankheitsbedingten Störungen bestehen (siehe etwa die einlässliche Darstellung der
Funktionsstörungen in act. G 23, S. 25 ff.). Daran ändert nichts, dass er im Rahmen der
ausführlichen Beurteilung der Konsistenz u.a. anmerkte, es bleibe unklar, welche
Motivation bei der Beschwerdeführerin vorliege, fremdanamnestische Angaben im
2.3.
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privaten Bereich zu verunmöglichen (act. G 23, S. 24; siehe auch zur nicht
abschliessenden Klärung der Mitbeteiligung motivationaler Gründe act. G 23, S. 29
oben). Das Kenntlichmachen der Unsicherheit bei der Einschätzung dieses Aspekts
spricht vielmehr für die Sorgfältigkeit des Gerichtsgutachtens. Hinzu kommt, dass der
Gerichtsgutachter lediglich keine Beurteilung abzugeben vermochte, welche das
Beweismass der an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit erreichen würde. So
führte er aus, dass er im Gegensatz zu Prof. J._, der keine motivationalen
krankheitsfernen Auswirkungen zu erkennen vermocht habe, die Abgrenzung von
krankheitsbedingten und motivationalen Faktoren «nicht in dieser Bestimmtheit
beantworten» könne. Dennoch schloss er sich der Beurteilung des Vorgutachters
jedenfalls insoweit an, als er aufgrund der Unterlagen ebenfalls eine
Persönlichkeitsstörung von Krankheitswert, welche die Arbeitsfähigkeit einschränke,
abzugrenzen vermochte. Lediglich den Anteil motivationaler Aspekte vermochte er
«nicht mit Sicherheit» zu beurteilen (act. G 23, S. 30). Im Sozialversicherungsrecht ist
allerdings nicht der Sicherheitsbeweis, sondern der Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit massgebend (siehe etwa Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juni
2018, 8C_909/2017, E. 9).
Schliesslich bemängelt die Beschwerdegegnerin, der Gerichtsgutachter habe die
Arbeitsfähigkeit nicht final quantifiziert und die Persönlichkeitsstörung nicht näher
spezifiziert (act. G 25). Dieses Vorbringen vermag keinen Mangel am Gerichtsgutachten
zu begründen. Zunächst bleibt unklar, was die Beschwerdegegnerin mit der
Bezeichnung «nicht final quantifiziert» zum Ausdruck bringen bzw. was genau sie damit
kritisieren möchte. Das Gerichtsgutachten enthält eine plausible und abschliessende
quantitative Einschätzung der Arbeitsfähigkeit und des Arbeitsfähigkeitsverlaufs bis zur
gutachterlichen Untersuchung (act. G 23, S. 27 f.; siehe auch nachstehende E. 2.5),
ohne eine Sicherheit vorzugeben (siehe hierzu act. G 23, S. 27 oben), die es bei der
Beurteilung von Persönlichkeitsstörungen von der Natur der Sache her nicht geben
kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. November 2007, I 961/06, E. 3.1). Die
Beschwerdegegnerin benennt denn auch daran keine konkreten Lücken oder
Vagheiten. Da es sich bei der Frage nach der Verwertbarkeit einer Restarbeitsfähigkeit
auf dem ersten Arbeitsmarkt ohnehin nicht um eine in den medizinischen Sachverstand
fallende Thematik handelt (siehe etwa Urteil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2020,
8C_30/2020, E. 4.2 mit Hinweis u.a. auf BGE 140 V 195 f. E. 3.2), vermögen die
diesbezüglich mit Vorbehalten versehenen Ausführungen des Gerichtsgutachters (act.
G 23, S. 27 Mitte) von vorneherein keinen wesentlichen Mangel an der
gerichtsgutachterlichen Beurteilung des Krankheitsbilds und der dadurch verursachten
Funktionsstörungen zu begründen. Der Gerichtsgutachter erfasste das Störungsbild als
2.4.
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3.
In einem weiteren Schritt ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob
die vom Gerichtsgutachter bescheinigten Restarbeitsfähigkeiten auf dem ersten
Arbeitsmarkt überhaupt verwertbar sind.
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0). Es ist weder ersichtlich noch von
der Beschwerdegegnerin konkret dargelegt worden, inwiefern diese Diagnose nicht
hinreichend bestimmt wäre, bzw. worin der von ihr geltend gemachte
Spezifikationsbedarf bestehen könnte.
Bei der Würdigung der gerichtsgutachterlichen Beurteilung fällt ins Gewicht, dass
sie auf eigenständigen, eingehenden Abklärungen beruht und für die streitigen Belange
umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Die von
der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden wurden berücksichtigt und – u.a. im
Rahmen einer Konsistenz- und Ressourcenprüfung – gewürdigt. Es bestehen keine
Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht oder unzutreffend
berücksichtigt worden wären. Gestützt auf die gerichtsgutachterliche Beurteilung ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von folgenden Arbeitsunfähigkeiten bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen: 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit Dezember
2015 bis 31. Dezember 2018 aufgrund der Persönlichkeitsstörung und der damals
zusätzlichen Beeinträchtigung aufgrund des depressiven Leidens sowie ab 1. Januar
2019 (infolge Wegfalls der depressiv bedingten Beeinträchtigung) 40%ige
Arbeitsunfähigkeit. Daneben wurde für die Dauer der tagesklinischen Behandlungen
jeweils eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, die aber für den Rentenanspruch
nicht relevant ist, da sie die Zeit vor dem frühest möglichen Rentenbeginn beschlägt
und ferner jeweils weniger als 3 Monate angedauert hatte (act. G 23, S. 28). Vor diesem
Hintergrund erübrigen sich weitere Abklärungen, wie sie von den Parteien beantragt
werden (act. G 29, S. 2, und act. G 31).
2.5.
Der für die Bestimmung der Invalidität massgebende ausgeglichene Arbeitsmarkt
umfasst verschiedenste Tätigkeiten, was die beruflichen und intellektuellen
Voraussetzungen wie auch den körperlichen Einsatz anbelangt. Dabei ist nicht von
realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen, sondern nur von Tätigkeiten, die
unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des
Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und
Verdienstaussichten sind jedoch keine übermässigen Anforderungen zu stellen. Der
ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also
Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen gesundheitlich beeinträchtigte Personen mit
3.1.
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4.
einem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin rechnen
können (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020, E. 5.3. mit
Hinweisen).
Der Gerichtsgutachter führte bezüglich der qualitativen Anforderungen an eine
leidensangepasste Tätigkeit aus, dass die Beschwerdeführerin an einem Arbeitsplatz
eine wohlwollende Führung benötige und der Arbeitsplatz so ausgestaltet sein müsse,
dass interpersonelle Konflikte weitgehend vermieden werden könnten. Weiter müsse
am Arbeitsplatz dem Umstand Rechnung getragen werden, dass es aufgrund der
rezidivierenden depressiven Störung, die aktuell nicht phasenprophylaktisch
medikamentös behandelt werde, zu phasenweisen Einschränkungen der
Durchhaltefähigkeit kommen könne (act. G 23, S. 27). Die Durchhaltefähigkeit ist aktuell
nicht beeinträchtigt (act. G 23, S. 26 Mitte; zur Durchhaltefähigkeit im Rahmen der
Integrationsmassnahmen siehe auch act. G 23, S. 24 unten). Die gerichtsgutachterlich
festgestellten qualitativen Einschränkungen begründen nicht die Annahme, dass der
ausgeglichene Arbeitsmarkt keine entsprechenden leidensangepassten
(Nischen-)Arbeitsplätze beinhalten würde. Dabei erscheint mit Blick auf das Vermeiden
von interpersonellen Konflikten auch die frühere berufsspezifische Einschätzung, dass
auf dem ersten Arbeitsmarkt Stellen mit geringen und sehr oberflächlichen
zwischenmenschlichen Kontakten bestehen (IV-act. 107), plausibel. Das Bundesgericht
erkannte bei vergleichbaren qualitativen Anforderungen an einen Arbeitsplatz
(wohlwollende Umgebung mit nicht allzu grossem Leistungsdruck) und bei einem
vergleichbaren Leidensbild (u.a. kombinierte Persönlichkeitsstörung mittelgradigen
Ausmasses), dass von einer wirtschaftlich verwertbaren Restarbeitsfähigkeit
ausgegangen werden könne (Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2021,
8C_170/2021, E. 5.1.2.1, worin zusätzlich zu den genannten qualitativen
Anforderungen auch ein Ausschluss von Teamarbeit und Kundenkontakt zu beurteilen
war; siehe auch Urteil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020, E. 5.3). Unter
diesen Umständen ist auch im Fall der Beschwerdeführerin mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ihre Restarbeitsfähigkeit von 50 % bzw.
60 % (siehe vorstehende E. 2.5) auf dem ausgeglichenen ersten Arbeitsmarkt
verwertbar ist, zumal sie auch – bei Beachtung der qualitativen Einschränkungen – in
der angestammten Tätigkeit als G._ verwertet werden könnte (act. G 23, S. 25 oben
und S. 27, Antwort zur 3. Fragestellung). Es steht der Beschwerdeführerin im Übrigen
frei, sich bei der Beschwerdegegnerin zur Prüfung von weiteren beruflichen
Massnahmen, insbesondere Arbeitsvermittlung, zu melden.
3.2.
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Zu prüfen bleiben die aufgrund der gerichtsgutachterlich bescheinigten
Arbeitsunfähigkeiten im Rahmen eines Einkommensvergleichs resultierenden
Invaliditätsgrade. Ein allfälliger Anspruch auf eine Rente entsteht in Nachachtung von
Art. 29 Abs. 1 IVG vorliegend am 1. Februar 2017 (6 Monate nach der Anmeldung vom
10. August 2016, IV-act. 1).
Aus dem individuellen Konto der Beschwerdeführerin geht hervor, dass die
Beschwerdeführerin erheblich schwankende Einkommen erzielte und im Erwerbsleben
nie konstant Fuss zu fassen vermochte. So erzielte sie einerseits im Jahr 2012 ein
Einkommen von insgesamt Fr. 83'568.-- (Fr. 76'626.-- + Fr. 6'942.--), andererseits
wurden in den übrigen Jahren bei weitem tiefere Verdienste im individuellen Konto
eingetragen (IV-act. 8). Vor diesem Hintergrund vermögen die im individuellen Konto
ausgewiesenen Einkommen keine verlässliche Grundlage für die Bestimmung des
Valideneinkommens zu bilden. Auch für die Bestimmung des Invalideneinkommens
kann aus den tatsächlichen Verhältnissen nichts Zuverlässiges abgeleitet werden.
Insgesamt erscheint es daher sachgerecht, dass der Invaliditätsgrad im Rahmen eines
Prozentvergleichs ermittelt wird (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juli 2012,
9C_406/2011, E. 6.4; siehe zum Prozentvergleich etwa Urteil des Bundesgerichts vom
6. April 2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen), zumal die Verwertung der
Restarbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit nicht ausgeschlossen ist (siehe
vorstehende E. 3.2 am Schluss).
4.1.
Zu klären ist damit noch die Frage nach der Gewährung und allfälligen Höhe eines
Tabellenlohnabzugs. Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne
herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen
des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre,
Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welche nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Der höchstzulässige Abzug
beträgt 25 % (BGE 126 V 75).
4.2.
Die krankheitsbedingt zu beachtenden qualitativen Einschränkungen der Arbeits
fähigkeit (siehe vorstehende E. 3.2) der Beschwerdeführerin schränken das Spektrum
der möglichen Tätigkeiten stark ein. Insbesondere bezieht sich das Wohlwollen seitens
der vorgesetzten Person auf verschiedene Defizite, die für eine Tätigkeit wesentlich
sind (Einhaltung von Regeln und Routinen bei Druck beeinträchtigt, act. G 23, S. 25
unten; geringe Introspektionsfähigkeit und dadurch Beeinträchtigung der Flexibilität
und Umstellungsfähigkeit; schwankende Entscheidungs-, Urteils- und
Durchhaltefähigkeit, act. G 23, S. 26 Mitte; schwankende Beeinträchtigung der
Kontaktfähigkeit zu Dritten und beeinträchtigte Gruppenfähigkeit, act. G 23, S. 26
4.3.
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5.
unten). Dieses Wohlwollen und die Gewährleistung eines leidensangepassten
Arbeitsprofils ist für den Arbeitgeber bzw. die vorgesetzte Person mit einem
anspruchsvollen permanenten Beobachtungs- und Handlungsprozess verbunden, der
aus ökonomischer Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einen erheblich
lohnwirksamen Nachteil begründet. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung erblickt
denn auch zu Recht in der Notwendigkeit eines wohlwollenden Arbeitsklimas einen
Abzugsgrund (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Juni 2018, 9C_363/2017, E. 3.1 und
E. 4.3). Vorliegend erscheint insgesamt ein Abzug von 10 % angemessen.
Für die Dauer ab dem frühest möglichen Rentenbeginn am 1. Februar 2017 bis
zum 31. Dezember 2018 ist von einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit auszugehen. Damit
beträgt der Invaliditätsgrad 55 % (50 % + [50 % x 10 %]). Die gesundheitliche
Verbesserung beginnt am 1. Januar 2019 und die dreimonatige Übergangsfrist von
Art. 88a Abs. 1 IVV endet am 31. März 2019. Deshalb hat die Beschwerdeführerin bis
zum 31. März 2019 Anspruch auf eine halbe Rente. Hernach, ab 1. April 2019, führt die
(verbesserte) Restarbeitsfähigkeit von 60 % bzw. die 40%ige Arbeitsunfähigkeit zu
einem 46%igen Invaliditätsgrad ([40 % + [60 % x 10 %]) bzw. begründet einen
Anspruch auf eine Viertelsrente.
4.4.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung vom 28. Juni
2019 aufzuheben und der Beschwerdeführerin ab 1. Februar 2017 bis 31. März 2019
eine halbe und ab 1. April 2019 eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung und
Ausrichtung der Rentenleistungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit mit Rücksicht auf das
erforderliche Gerichtsgutachten und den weiteren Schriftenwechsel als angemessen.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Daran ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin
(sinngemäss) die Ausrichtung einer ganzen Rente infolge Unverwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit (act. G 29, Rz 4) beantragte (vgl. betreffend quantitative
Überklagung das Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2016, 9C_288/2015, E. 4.2).
5.2.
bis
Die Kosten des psychiatrischen Gerichtsgutachtens von insgesamt Fr. 4'641.40
(act. G 23.1) hat die Beschwerdegegnerin vollumfänglich zu tragen (Entscheid des
5.3.
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