Decision ID: 9c7d7062-6031-5db7-a4fa-0fdd9d2e33a3
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision
Sachverhalt:
A.
B._ (Jg. 1947) meldete sich am 15. September 2002 zum Bezug einer Invalidenrente
an. Dr. med. A._ berichtete der IV-Stelle am 9. Dezember 2002, der Versicherte leide
an einer reaktiven und Erschöpfungsdepression, an einer Hypertonie bei einer
Nierenarterienstenose und an einer Niereninsuffizienz. Durch schwere berufliche
Belastungen sei es zu einer schweren depressiven Entwicklung gekommen. Trotz einer
Dilatierung der Abgangsstenose an der linken Niere seien die Hypertonie und die
Niereninsuffizienz unverändert geblieben. Der Versicherte sei bis auf weiteres in einer
körperlich leichten Erwerbstätigkeit zu 50% arbeitsunfähig. Am 10. Januar 2003 führte
der Versicherte gegenüber der IV-Stelle aus, 1999 habe er einen Niereninfarkt gehabt.
Er sei damals C._ in D._ gewesen. Die Bezüge in den Jahren 1999 und 2000 hätten
sich auf brutto ca. Fr. 145'000.- belaufen. Im Jahr 2001 sei er wegen depressiver
Störungen und wegen weiteren Beschwerden arbeitsunfähig geworden. Im März 2001
habe er eine Aushilfsstelle bei der Gemeinde E._ angetreten. Ende Juli 2001 habe er
diese Tätigkeit wieder aufgeben müssen. Er sei mehrere Male arbeitsunfähig gewesen.
Dann habe er versucht, "auf gleicher Basis ein Treuhandbüro aufzubauen". Er habe
genügend Aufträge gehabt, diese aber krankheitsbedingt nur zum Teil ausführen
können. 2002 habe er mit dieser Tätigkeit brutto Fr. 35'000.- verdient. Die Gemeinde
D._ als ehemalige Arbeitgeberin teilte am 18. Februar 2003 mit, der Versicherte
würde aktuell Fr. 111'800.- verdienen.
B.
Am 28. Oktober 2003 erfolgte eine Abklärung an Ort und Stelle. Im Abklärungsbericht
vom 15. Dezember 2003 wurde festgehalten, der Versicherte habe abgegeben, nach so
vielen Jahren als C._ sei eine Anstellung mit fixen Rahmenbedingungen und
Vorgaben nicht mehr denkbar gewesen. Deshalb habe er eine selbständige
Erwerbstätigkeit als Treuhänder aufgenommen. Dabei bestehe allerdings eine tiefe
Belastungsgrenze. Konzentriertes Arbeiten sei noch für vier bis fünf Stunden täglich,
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meist am Vormittag, möglich. Die Abklärungsperson empfahl eine spezialärztliche
Abklärung des psychischen Leidens. Der Psychiater Dr. med. F._ berichtete in
seinem Gutachten vom 23. Juni 2004, der Versicherte leide an einer chronischen
mittelgradigen bis schweren depressiven Episode bei leistungsorientierter
Persönlichkeit und an einer Alkohol- und Tranquilizerabhängigkeit. Auf der psychisch-
geistigen Ebene fänden sich: hohe Kränkbarkeit, mangelhafte Konfliktfähigkeit,
Reizbarkeit, Neigung zu depressiven Krisen, mangelhaftes Selbstwertgefühl und
ausgeprägte Ängste, depressionsbedingte Antriebslosigkeit, rasche Ermüdbarkeit,
süchtiger Tranquilizer- und Alkoholkonsum. Auf der körperlichen Ebene sei eine
ausgeprägte Müdigkeit festzustellen, die teils durch eine leichte Herzinsuffizienz und
teils durch eine Somatisierung der psychischen Problematik begründet sei. Diese
Beeinträchtigungen hätten schwere Konzentrationsstörungen, eine rasche
Ermüdbarkeit, Insuffizienzgefühle und Versagensängste zur Folge. Es komme zu einem
Rückzugs- und Schonverhalten mit langen Ruhepausen. Die bisherige Tätigkeit als
selbständiger Treuhänder sei noch zu 50% möglich. Diese Tätigkeit sei der
psychischen Störung am besten angepasst, denn der Versicherte sei dadurch von
eventuellen Konflikten mit Vorgesetzten entlastet, die er aufgrund seiner hohen
Kränkbarkeit nicht adäquat verarbeiten könnte. Die IV-Stelle verglich ein
Valideneinkommen von Fr. 121'000.- als "Verwaltungsangestellter" mit einem
Invalideneinkommen von Fr. 60'500.- als selbständiger Treuhänder und ermittelte so
einen Invaliditätsgrad von 50%. Mit einer Verfügung vom 6. September 2004 sprach sie
dem Versicherten rückwirkend ab November 2001 eine halbe Invalidenrente zu.
C.
Die IV-Stelle stellte dem Versicherten am 17. Juli 2007 einen Fragebogen für die
Rentenrevision zu. Darin gab der Versicherte am 25. Juli 2007 an, seine Krankheit habe
sich seit Herbst 2006 verschlimmert. Er habe vermehrt starke psychische Störungen/
Depressionen. Seine Arbeitsunfähigkeit betrage ca. 75%. Dr. med. A._ berichtete der
IV-Stelle am 4. August 2007, der Gesundheitszustand des Versicherten sei stationär.
Die zumutbare Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Erwerbstätigkeit betrage vier
Stunden pro Tag. Bei längerem Belasten träten schwere Erschöpfungszustände auf.
Das G._ berichtete am 21. September 2007, der Gesundheitszustand des
Versicherten sei stationär. Der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven
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Episode, gegenwärtig leichte Episode, an einem Alkoholabhängigkeitssyndrom
(gegenwärtig abstinent), an einer Sedativabhängigkeit (ständiger Gebrauch) und an
akzentuierten Persönlichkeitszügen. Seit dem 5. April 2007 werde der Versicherte
ambulant psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelt. Es sei zu einer Verbesserung
der depressiven Stimmungslage gekommen. Der Versicherte klage aber immer noch
über eine verminderte Belastbarkeit mit erhöhter Ermüdbarkeit und
Konzentrationsschwierigkeiten. Ausserdem sei der Versicherte reizbar, in hohem Masse
kränkbar und er grüble über nicht verarbeitete Kränkungen. Sein Selbstwertgefühl sei
erheblich gestört. Der Tranquilizerkonsum sei moderat. Am 15. Oktober 2007
korrigierte Dr. med. A._ seine Angaben, indem er die Arbeitsunfähigkeit des
Versicherten wegen einer Verstärkung der depressiven Symptomatik neu mit 70%
bezifferte. Die IV-Stelle ersuchte das G._ am 3. Dezember 2007, diverse
Zusatzfragen zum Arztbericht zu beantworten. Dieses antwortete am 7. Januar 2008
auf die Frage, ob die vom Hausarzt angegebene Verstärkung der depressiven
Symptomatik bestätigt werden könne, die depressive Symptomatik habe sich seit dem
Behandlungsbeginn am 5. April 2007 hinsichtlich der Stimmungslage verbessert. Der
Versicherte könne sich wieder freuen und er sei weniger reizbar und grüblerisch. In
bezug auf die erhöhte Ermüdbarkeit und auf das ausgeprägte Erholungsbedürfnis
zeichne sich keine Verbesserung ab. Auf die Frage, wie sich die psychische Situation
im Vergleich zum Gutachten von Dr. med. F._ aus dem Jahr 2004 entwickelt habe,
wurde ausgeführt, es zeige sich eine positive Entwicklung hinsichtlich der
Selbstwertproblematik. Dies gehe einher mit weniger Reiz- und Kränkbarkeit und einer
besseren Konfliktfähigkeit bei insgesamt ausgeglichenerer Stimmungslage, die auch
von der Alkoholabstinenz beeinflusst werde. Der Versicherte klage weiterhin über eine
rasche Ermüdbarkeit bei geringen Belastungen, die lange Ruhepausen nötig mache.
Als angestellter Treuhänder sei der Versicherte zu ca. 50% arbeitsfähig. Bei dem
nunmehr siebenjährigen Verlauf könne nicht mehr mit einer Verbesserung gerechnet
werden.
D.
Der zuständige Sachbearbeiter der IV-Stelle hielt in einer internen Notiz am 28. Januar
2008 fest, es bestehe dieselbe Grundlage wie im Jahr 2004. Sollte von Herbst 2006 bis
Frühjahr 2007 eine markante Verschlechterung bestanden haben, so könne dies wegen
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einer verspäteten Anmeldung im "Revisionsverfahren 1.7.2007" nicht rentenwirksam
sein. Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 31. Januar 2008 mit, dass weiterhin ein
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 50% bestehe.
Der Versicherte verlangte den Erlass einer anfechtbaren Verfügung. Mit einem
Vorbescheid vom 7. Mai 2008 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung
seines "Erhöhungsgesuches" an, da bei einem Valideneinkommen von Fr. 128'055.-
und einem Invalideneinkommen von Fr. 64'028.- ein Invaliditätsgrad von 50%
resultiere. Das G._ habe nämlich eine Arbeitsfähigkeit von 50% ohne
Leistungseinbusse attestiert. Am 23. Juni 2008 erging die angekündigte
Abweisungsverfügung.
E.
Der Versicherte erhob am 22. Juli/21. August 2008 Beschwerde mit dem Antrag, der
Invaliditätsgrad sei auf minimal 70% festzusetzen und es sei ihm eine ganze
Invalidenrente zuzusprechen. Zur Begründung führte der Versicherte an, Dr. med. A._
habe die Arbeitsunfähigkeit nach oben korrigiert, weil er die psychischen Probleme
kenne, die sich stark verschlechtert hätten. Weiter machte der Versicherte geltend, er
suche das G._ erst auf, seit es ihm bedeutend schlechter gehe. Das G._ könne
sich deshalb nicht zur Frage äussern, wie sein Fall früher gewesen sei.
F.
Die IV-Stelle beantragte am 29. Oktober 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, der Vergleich des Gutachtens von Dr. med. F._ mit dem Bericht des
G._ zeige, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten nicht verschlechtert
habe. Der Hausarzt habe nicht erläutert, inwiefern sich die Symptome verstärkt hätten
und wie sich dies auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Der Versicherte habe erst im April
2007 die ärztliche Hilfe des G._ in Anspruch genommen. Aus dessen Bericht ergebe
sich nicht, dass sich die Symptome im Herbst 2006 verstärkt hätten.
G.
Der Versicherte wandte am 17. November 2008 ein, sein Hausarzt Dr. med. A._ habe
bereits 2006 festgestellt, dass sich der Gesundheitszustand in den letzten Jahren
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verschlechtert habe. Warum Dr. med. A._ zuerst falsche Angaben gemacht habe, sei
nicht bekannt, könne ihm, dem Versicherten, aber nicht angelastet werden. Es sei
bekannt, dass depressive Störungen Schwankungen unterlägen. Das G._ könne für
die Zeit vor dem Behandlungsbeginn am 5. April 2007 keine Auskunft geben. Es sei
erst beansprucht worden, als die wesentliche Verschlechterung bereits vorgelegen
habe. Die Verschlechterung habe sich schleichend eingestellt. Vor kurzem habe er sich
stationär behandeln lassen müssen.
H.
Die IV-Stelle verzichtete am 15. Dezember 2008 auf eine Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG ist eine Invalidenrente für die Zukunft zu erhöhen,
herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad erheblich ändert.
Interpretiert man diese Gesetzesbestimmung nur nach ihrem Wortlaut, beschränkt sich
die Revision auf einen Vergleich des aktuell ermittelten Invaliditätsgrades mit dem der
ursprünglichen Rentenverfügung oder der letzten Revisionsverfügung zugrunde
gelegten Invaliditätsgrad. Eine derart dem Wortlaut verhaftete Interpretation des Art. 17
Abs. 1 ATSG ignoriert den Sinn und Zweck dieser Norm. Das Korrekturinstrument der
Revision ist dazu bestimmt, rechtskräftig zugesprochene, laufende Invalidenrenten
einer nachträglichen Änderung des anspruchsbegründenden Sachverhalts anzupassen.
Solange der Sachverhalt unverändert andauert, verhindert der in der formellen
Rechtskraft der ursprünglichen Rentenverfügung oder der letzten Revisionsverfügung
umgesetzte Anspruch des Rentners auf Vertrauensschutz/subjektive Rechtssicherheit
die Herabsetzung oder Aufhebung der Rente. Umgekehrt verhindert die auch
zugunsten der Verwaltung wirkende, in der formellen Rechtskraft der Verfügung
verankerte Rechtssicherheit, dass ohne eine Veränderung des
anspruchsbegründenden Sachverhalts eine Heraufsetzung der laufenden
Invalidenrente erfolgen muss. Beschränkt sich die Revision auf einen Vergleich des
damaligen mit dem aktuell ermittelten Invaliditätsgrad, ist es möglich, dass eine
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Anpassung der laufenden Invalidenrente vorgenommen werden muss, obwohl sich
nicht der relevante Sachverhalt, sondern nur beispielsweise die Ermessensausübung in
bezug auf die Höhe des sogenannten "Leidensabzuges" verändert hat. Fehlt es an
einer nachträglichen relevanten Sachverhaltsveränderung, so kann die Anwendung von
Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht der Anpassung der laufenden Invalidenrente, sondern nur
der - voraussetzungslosen - Korrektur der ursprünglichen Rentenzusprache oder der
letzten Revision für die Zukunft dienen. Das ist aber offensichtlich nicht der Sinn und
Zweck des Korrekturinstruments 'Revision' (vgl. das Urteil des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 6. August 2008, IV 2007/119). Das bedeutet, dass sich Art.
17 Abs. 1 ATSG nicht auf den reinen Vergleich des damaligen mit dem aktuellen
Invaliditätsgrad beschränken darf.
2.
Die Beantwortung der Frage, ob diese Differenz zwischen dem damaligen und dem
aktuell ermittelten Invaliditätsgrad tatsächlich auf eine seither eingetretene
Sachverhaltsveränderung zurückzuführen sei, setzt in einem ersten Schritt einen
Vergleich des damaligen Gesundheitszustandes des Rentners (qualitative und
quantitative Arbeitsfähigkeit) mit dem aktuellen Gesundheitszustand voraus. Ergibt
dieser Vergleich, dass keine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes
eingetreten ist, muss das Revisionsverfahren mangels erheblicher
Sachverhaltsveränderung bereits nach dem ersten Verfahrensschritt mit der
Feststellung abgeschlossen werden, die laufende Rente werde unverändert weiter
ausgerichtet. Erfolgte in dieser Situation nämlich in einem zweiten Schritt ein aktueller
Einkommensvergleich und anschliessend ein Vergleich der Invaliditätsgrade, so könnte
eine Differenz zum vornherein keine Revision der laufenden Rente rechtfertigen, weil sie
nicht auf eine massgebende Sachverhaltsveränderung, sondern auf irgendwelche
andere, irrelevante Faktoren zurückzuführen wäre. Ergibt sich allerdings aus dem
Vergleich zwischen der damaligen und der aktuellen gesundheitlichen Situation eine
erhebliche Veränderung, so muss in einem zweiten Schritt eine aktuelle
Invaliditätsbemessung erfolgen, damit die Invaliditätsgrade verglichen werden können.
Bevor dieser Vergleich vorgenommen werden kann, muss aber im Detail geklärt
werden, wie die damalige Invaliditätsbemessung erfolgt ist. Nur so lässt sich nämlich
verhindern, dass andere Umstände als die Veränderung der gesundheitlichen Situation
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(also der Arbeitsfähigkeit) in die Revision einfliessen, dass also beispielsweise eine
andere Ermessensausübung bei der Einschätzung des sogenannten "Leidensabzuges"
die Auswirkung der gesundheitlichen Veränderung auf den Invaliditätsgrad verstärkt,
vermindert oder sogar vollständig kompensiert. Unterbleibt diese Untersuchung der
damaligen Invaliditätsbemessung, droht die Gefahr einer Vermengung von Revision
und - unzulässiger - voraussetzungsloser Korrektur der früheren Verfügung ex nunc.
Weist die damalige Invaliditätsbemessung einen Fehler auf, so darf dieser Fehler im
Revisionsverfahren auf keinen Fall korrigiert werden. Will die Verwaltung den Fehler
korrigieren, so kann das nur im Rahmen der prozessualen Revision (Art. 53 Abs. 1
ATSG) oder der Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) der ursprünglichen
Rentenzusprache bzw. der letzten Revisionsverfügung erfolgen. Eine im Rahmen eines
Revisionsverfahrens erfolgende Korrektur eines Fehlers in der früheren
Invaliditätsbemessung lässt sich weder unter Art. 17 Abs. 1 ATSG noch unter Art. 53
Abs. 1 oder 2 ATSG subsumieren (zur Unzulässigkeit der sogenannten
Wiedererwägung ex nunc vgl. Ralph Jöhl, Zur Praxis der substituierten Begründung der
Wiedererwägung bei zu Unrecht ergangenen Anpassungsverfügungen, AJP 2004, S.
1001 ff.).
3.
Die Zusprache einer halben Invalidenrente beruhte auf übereinstimmenden
Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr. med. A._ und Dr. med. F._. Dr. med. A._
hatte am 9. Dezember 2002 eine reaktive und Erschöpfungsdepression, eine
Hypertonie und eine Niereninsuffizienz angegeben. Dr. med. F._ hatte am 23. Juni
2004 ergänzend ausgeführt, der Beschwerdeführer leide an einer chronischen
mittelgradigen bis schweren depressiven Episode. Dabei bestünden folgende
Symptome: hohe Kränkbarkeit, mangelhafte Konfliktfähigkeit, hohe Reizbarkeit,
Neigung zu depressiven Krisen, mangelhaftes Selbstwertgefühl sowie ausgeprägte
Ängste. Dazu komme eine ausgeprägte Müdigkeit, die teils somatisch und teils durch
eine Somatisierung der psychischen Problematik bedingt sei. Gestützt auf die
übereinstimmend auf 50% geschätzte Arbeitsfähigkeit war die halbe Rente
zugesprochen worden. In seinem im Rentenrevisionsverfahren eingereichten Bericht
vom 4. August 2007 hat Dr. med. A._ angegeben, der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers sei stationär, zumutbar sei eine Erwerbstätigkeit während vier
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Stunden pro Tag. In diesem Bericht ist also weder eine Veränderung der früher
gestellten Diagnose noch ein Anstieg der Arbeitsunfähigkeit angegeben worden. Das
G._ hat am 21. September 2007 nur eine rezidivierende depressive Episode,
gegenwärtig leichte Episode, angegeben. Es hat darauf hingewiesen, dass sich die
depressive Stimmungslage gebessert habe. Letzteres hat sich nicht auf die Situation
im Zeitpunkt der Rentenzusprache, sondern auf die Situation im Zeitpunkt des
Behandlungsbeginns am 5. April 2007 bezogen. Es handelt sich also nicht um ein Indiz
für eine revisionsrechtlich relevante Verbesserung des psychischen
Gesundheitszustandes seit der Rentenzusprache, sondern nur um einen Beleg für eine
– irrelevante – Besserung seit dem letzten Behandlungsbeginn. Die angegebene
Diagnose hat sich seit 2004 nicht verändert. Auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung
entspricht derjenigen des Jahres 2004. Der Beschwerdeführer hat zwar zu Recht
darauf hingewiesen, dass das G._ seine gesundheitliche Situation erst seit dem
Behandlungsbeginn aus eigener Anschauung kenne. Er hat aber übersehen, dass das
G._ durch die früher erstellten Berichte und das Gutachten so weit über die damalige
gesundheitliche Situation informiert gewesen ist, dass es grundsätzlich in der Lage
gewesen ist, den aktuellen Zustand mit dem Zustand bei der Rentenzusprache zu
vergleichen. Dazu hat sich das G._ allerdings nicht explizit geäussert. Hätte es eine
anhaltende erhebliche Verschlechterung gegenüber der Situation bei der
Rentenzusprache festgestellt, so hätte das G._ sicherlich auf diesen Umstand
aufmerksam gemacht. Bei der vom Beschwerdeführer angegebenen Veränderung seit
dem Behandlungsbeginn muss es sich also um eine vorübergehende, durch die
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung wieder behobene Verschlechterung
gehandelt haben. Diese vorübergehende Verschlechterung hat, unabhängig davon ob
es sich um eine von Amtes wegen oder durch ein Begehren eingeleitetes
Revisionsverfahren handelt, keine Bedeutung, da eine allfällige Anpassung auf keinen
Fall auf den Zeitpunkt des Eintritts der vorübergehenden Verschlechterung erfolgen
könnte (Art. 88bis Abs. 1 lit. a bzw. b IVV). Dr. med. A._ hat seine Berichtskorrektur
vom 15. Oktober 2007 (Arbeitsunfähigkeit 70%) nur durch eine Verstärkung der
Symptome der Depression und nicht durch eine qualitative Veränderung der
Gesundheitsbeeinträchtigung des Beschwerdeführers begründet. Er hat gleichzeitig auf
den Therapieerfolg des G._ hingewiesen. Das kann nur so interpretiert werden, dass
Dr. med. A._ sich auf die vorübergehende Verschlechterung bezogen hat, die 2006
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eingetreten und durch die Behandlung im G._ wieder behoben worden ist. Seine in
der Berichtskorrektur angegebene Arbeitsunfähigkeit von 70% vermag deshalb zum
vornherein keine revisionsrechtlich relevante Sachverhaltsveränderung zu belegen, die
eine Erhöhung der laufenden halben auf eine ganze Rente erlauben würde. In den dem
Gericht vorliegenden Akten fehlt somit der Nachweis einer erheblichen Veränderung
des Arbeitsfähigkeitsgrades. Von zusätzlichen medizinischen Abklärungen zu der vom
Beschwerdeführer behaupteten anhaltenden Erhöhung des Arbeitsunfähigkeitsgrades
ist kein anderes Resultat zu erwarten, so dass in antizipierender Beweiswürdigung auf
weitere Untersuchungshandlungen verzichtet wird. Fehlt es mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit an einer leistungserheblichen nachträglichen Veränderung des
Arbeitsunfähigkeitsgrades, muss ein Einkommensvergleich nach dem oben
Ausgeführten unterbleiben, denn ein von dem 2004 ermittelten Invaliditätsgrad
abweichendes Resultat könnte keine Rentenrevision rechtfertigen. Die
Beschwerdegegnerin hat somit im Ergebnis zu Recht einen Revisionsbedarf verneint.
4.
Entsprechend den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Der
vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführer hat die Gerichtskosten zu tragen.
Diese bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Der
konkrete Verfahrensaufwand erweist sich als durchschnittlich, so dass praxisgemäss
eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu erheben ist. Diese Gebühr ist durch den vom
Beschwerdeführer in gleicher Höhe geleisteten Vorschuss gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG