Decision ID: fa550bed-cb61-43c1-9ae2-16a6ae498249
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963,
ist verheiratet und verfügt über eine Ausbildung als
medizinische Laborantin sowie als diplomierte praktische Psychologin (Urk. 6/
1/1 f., 6/1/8, 6/3
). Zuletzt arbeitete sie als Sachbearbeiterin bei der
Y._
sowie selbständig als diplomierte praktische Psychologin (Urk.
6/
12, 6/
15
, 6/114
).
Am
9
. Februar 2006 meldete sie
sich unter Hinweis auf
ein
Burn
-
out,
auf
Erschöpfungsdepression
en
sowie Panikattacken bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungs
bezug an (Urk. 6/2
).
In der Folge tätigte
die IV-Stelle
erwerbliche und medizi
nische Abklärungen, wobei sie insbesondere
am 13. November 2007 eine Haus
halta
bklärung durchführte, womit die Qualifikation einer 100%igen Erwerbs
tätigkeit im Gesundheitsfall
(50 % angestellt und 50 % selbständig erwerbend)
festgelegt wurde (Urk. 6/19),
und
bei Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag
gab (Expertise vom 19. Mai 2008;
Urk. 6/23).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(vgl. Urk. 6/33, 6/34), sprach die IV-Stelle der Versicherten
mit Verfügung vom 5. November 2008 mit Wirkung ab 1. Dezember 2006 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (Urk. 6/41).
1.2
Im Rahmen dreier Rentenrevisionsverfahren bestätigte die IV-Stelle den Renten
anspruch der Versicherten mit Mitteilung
en
vom 13. Juli 2010
(Urk. 6/51
), 20. Dezember 2011 (Urk. 6/70
)
und 22. Juni 2015 (Urk. 6/94
).
1.3
Mit Schreiben vom 24. Juni 2015
lud
die IV-Stelle
die
Versicherte
zu
ein
em
Standortgespräch über ihre berufliche Situation ein
(
Urk. 6/
96
) und
gewährte ihr zunächst Kostengutsprache für ein Bela
s
tbarkeitstraining (Urk. 6/99) sowie ein Aufbautraining (Urk. 6/
105). Mit Schreiben vom 4. Mai 2016 teilte sie der Ver
sicherten mit, dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes das Aufbautraining habe abgebrochen werden müssen, die beruflichen Eingliederungsmassnahmen abzu
schliessen seien und der Rent
enanspruch geprüft werde (Urk. 6/109
).
Im Zuge
des
weiteren
von Amtes wegen durchgeführten Rentenrevisionsverfahrens ab Mai 2016
holte die IV-Stelle
nebst dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, Urk. 6/114),
bei den behandelnden Ärzten B
erichte ein (Urk. 6/100, 6/101,
6/117, 6/120) und liess die Versicherte
von Dr. med.
A._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, sowie Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neu
rologie
,
bidisziplinär
begutachten (Urk. 6/126, 6/128).
In der Folge
nahm der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) am
30
. Januar 2017
Stellung (Urk. 6/
130/4 ff.
).
Mit Vorbescheid vom 10. Februar 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Aufhebung der Rente auf Ende des
der Zustellung der Verfügung folgenden Monats in Aussicht (Urk. 6/132), wogegen jene
am 13. März 2017 (Urk. 6/138) sowie ergänzend am 18. April 2017 (Urk. 6/143) unter Beilage eines
Berichtes von Dr. med.
C._
, Fachärztin FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie
(Urk. 6/142)
,
Einwand erhob
.
In dies
em Zusammenhang veranlasste die IV-Stelle
nach
einer
Stellungnahme des RAD vom 19. Mai 2017
(Urk. 6/161/3)
die Beant
wortung von Rückfragen zum psychiatrischen Gutachten von Dr.
B._
vom
14. Januar 2017
(Urk. 6/147). Nachdem der Versicherten das rechtliche Gehör gewährt worden war (Urk. 6/148)
und
diese erneut Stellung
genommen hatte
(Urk. 6/149)
, reichte sie mit Schreiben vom 15. September 2017 die von der IV-Stelle verlangten Berichte des
D._
ein (Urk. 6/153-155). In der Folge
legte die IV-Stelle die vorgenannten Berichte Dr.
B._
vor und ersuchte erneut um Beantwortung von Rückfragen (Urk. 6/156-
157). Nachdem der Versicherten
das
rechtliche Gehör gewährt worden war (vgl. Urk. 6/158)
und diese mit Schreiben vom 7. November 2017 abermals Stellung
genommen hatte
(Urk. 6/159)
,
verfügte
die IV-Stelle
am 17. November 2017
im angekündigten Sinne, wobei sie einer allfällig dagegen erhobenen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzog (Urk. 6/160 = Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 27. Dezember 2017 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung vom 17. November 2017 sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle be
antragte mit ihrer Beschwer
deantwort vom 1. Februar 2018 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Versicherten mit Verfügung vom 2. Februar 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Mit
Eingabe
vom
2. April 2019 (Urk. 8) reichte der Vertreter der Versicherten einen weiteren Arztbericht von Dr. med.
E._
, Facharzt FMH für Neurologie,
ein und bean
trag
t
e, dass dieser zu den Akten genommen und bei der Beweiswürdigung berücksichtigt werde (Urk. 9)
. Schliesslich gewährte das Gericht
der Beschwerde
gegnerin
mit Verfügung vom 4. April 2019 das rechtliche Gehör (Urk. 10)
,
wobei
die IV-Stelle mit Schreiben vom 18. April 2019
auf eine Stellungnahme
verzich
tete (Urk. 11). Darüber wurde die Versicherte in Kenntnis gesetzt (Urk. 12).
Auf
die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
achtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
1.4.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die
gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4.4
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält
(BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im kon
kreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
1.5
Hin
sichtlich des Beweiswertes einer
ärztlichen
Beurteilung
ist entscheidend, ob d
i
e
se
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin vertrat in der angefochtenen Verfügung vom 17. November 2017 (Urk. 2) zusammengefasst den Standpunkt, die im Januar 2017 durchgeführte rheumatologische und
psychiatrische
Begutachtung lasse
im Vergleich zur Situation im Jahre 2008
auf eine Besserung des Gesundheitszustan
des der Versicherten schliessen.
In psychiatrischer Hinsicht würden keine Befunde vorliegen und auch in somatischer Hinsicht habe die verminderte Belastbarkeit keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Sachbearbeiterin
bei der Y._
und in der Tätigkeit
als Psychologin mit eigener Praxis
zur Folge, womit der Versicherten die angestammte
n
Tätigkeit
en
uneinge
schränkt zumutbar sei
en
, weshalb k
ein Rentenanspruch mehr bestehe (S. 1 f.).
Zu den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Einwänden
brachte
die Beschwerdegegnerin vor,
sämtliche im
Einwandverfahren
eingereichten Unterla
gen seien dem RAD zur Prüfung und Stellungnahme vorgelegt worden
,
welcher in der Stellungnahme vom 3
0.
Januar 2017 darauf Bezug genommen und diese entkräftet habe
(S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin beanstandete in ihrer Beschwerdeschrift vom 27. Dezem
ber 2017 (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin habe die falsche Vergleichsbasis bestimmt.
Es
stelle sich aus revisionsrechtlicher Sicht gar nicht die Frage, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Vergleich zur Situatio
n im Jahre 2008 verändert habe. Dies deshalb, weil die Beschwerdegegnerin seit der ursprünglichen Rentenverfügung vom 5. November 2008 in drei Revisionsver
fahren den Rentenanspruch materiell geprüft habe, wobei sie jeweils den Sach
verhalt rechtskonform abgeklärt und die erhobenen Beweise umfassend gewür
digt habe. Die Beschwerdegegnerin hätte aufgrund dieser Sach- und Rechtslage im Revisionsverfahren, welches am 8. April 2015 eröffnet und mit der nun ange
fochtenen Verfügung abgeschlossen worden sei, prüfen müssen, ob seit der Mitteilung vom 22. Juni 2015 eine revisionsbegründete Tatsachenänderung ein
getreten sei. Dies habe die Beschwerdegegnerin versäumt, weshalb nur schon aus diesem Grund die angefoc
htene Verfügung aufzuheben sei
.
Des Weiteren
habe
sich die Besc
hwerdegegnerin für den Nachweis
, dass sich der Gesundheitszustand
der Versicherten
zwischenzeitlich deutlich verbessert
habe
, auf das Gutachten von Dr.
B._
sowie dessen Ergänzung
gestützt
. Dr.
B._
beschreibe gar keine Verbesserung des Gesundheitszustandes
,
indem er auf Seite 89 seines Gutachtens selber ausgeführt habe, dass das Störungsbild im Vergleich zum Referenzzeit
punkt – damit sei die Situation zur Zeit der
Rentenzusprache
im Jahre 2008 gemeint –
unverändert geblieben sei und weiterhin der Erschöpfungszustand mit ausgeprägter Müdigkeit im Vordergrund stehe. Lediglich die Bewertung des Störungsbildes der Beschwerdeführerin habe indes in den letzten Jahren von Untersucher zu Untersucher gewechselt. Dr.
B._
bringe eine neue
These
vor
, indem er behaupte, das Störungsbild der Erschöpfung
habe keinen psychiat
rischen
,
sondern einen somatischen
Hintergrund (
Urk.
1 S. 9 ff.
).
3.
3.1
Als Vergleichsbasis für die Beu
rteilung der Frage, ob bis zum A
bschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invali
ditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommenver
gleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkun
gen des Gesundheitszustands
) beruht
(BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_297/2016 vom 7. April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152;). Dabei kann auch Basis eine
Mitteilung
sein nach Art. 74
ter
lit
. f und Art. 74
quater
Abs. 1 IVV, mit der eine Revision von Amtes wegen abgeschlossen wurde mit der Feststellung, es sei keine Änderung der Ver
hältnisse eingetreten (Urteil des Bundesgerichts 9C_143/2017 vom 7. Juni 2017 E. 3.1).
Die Rente der Beschwerdeführerin wurde, wie sie in ihrer Beschwerde
schrift betonte, bereits mehrmals revidiert. Es stellt sich daher zunächst die Frage nach dem massgeblichen Referenzzeitpunkt für die Prüfung e
ines Revisionsgrun
des nach Art.
17 ATSG.
3.2
3.2.1
Die formlose Mitteilung vom 13. Juli 2010, mit der die ganze Rente erstmals
revisionsweise
bestätigt wurde (Urk. 6/51), beruhte auf
Berichten
der behandeln
den Ärztinnen
der Beschwerdeführerin
,
Dr. med.
F._
, Fachärztin FMH für
Allgemeine Medizin
, und
Dr. med.
G._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizi
n, sowie
auf
der psychiatris
chen Untersuchung
durch RAD-Arzt Dr. med.
H._
, Facharzt FMH für Neurologie und Psy
chiatrie und Psychotherapie
(Urk. 6/46, 6/47
, 6/49/3 ff.
).
Weil sowohl Dr.
F._
als auch Dr.
G._
von einem Rückgang der depressiven Symptomatik berichteten (vgl. Urk. 6/46/5, 6/47/2), veranlasste der RAD für die Beschwerde
führerin eine psychiatrische Untersuchung bei RAD-Arzt Dr.
H._
, welche am 7. Juli 2010
durchgeführt wurde
(Urk. 6/49/3 ff.).
Dabei
erfolgte eine rechtskon
forme Abklärung des medizinischen Sachverhaltes mit entsprechender Unter
suchung
und
Befunderhebung, Diagnosestellung und Einschätzung der Arbeits
fähigkeit (vgl. Urk. 6/49/
3 ff.)
, weshalb die gestützt darauf ergangene formlose Mitteilung
vom 13. Juli 2010
prinzipiell als Ausgangspunkt für die Prüfung eines materiellen Revis
ionsgrundes geeignet erscheint.
3.2.2
Im nachfolgenden Revisionsverfahren, abgeschlossen mit formloser Mitteilung vom 20. Dezember 2011 (Urk. 6/70), holte die IV-Stelle Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte
Dr. med.
I._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr.
G._
(
Urk. 6/61, 6/6
2
), die Jahresbeschlüsse der Beschwerdeführerin aus ihrer Praxis als praktische Psychologin (Urk. 6/58/8-10) sowie einen IK-Auszug (Urk. 6/60) ein.
Weil die medizinische Sachlage gemäss Stellungnahme des RAD unk
lar erschien (vgl. Urk. 6/68/2
f.), beauftragte die IV-Stelle die Psychiaterin Dr. med.
J._
, Fachärztin FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie, sowie den Rheumatologen Dr. med.
K._
, Facharzt FMH für physikalische Medizin und Rehabilitation und Rheumatologie, mit der
Durchführung
eine
r
bidisziplinären
Begutachtung
(Urk. 6/67).
D
er
RAD
nahm
am
19. Dezember 2011 zum Gutachten
Stellung (Urk. 6/
68/4 f.
).
Weil das Gutachten von Dr.
J._
sowie Dr.
K._
auf einer rechtkonformen Sach
verhaltsabklärung mit entsprechender Untersuchung bzw. Befunderhebung, Diagnosestellung und Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beruhte
(vgl. Urk. 6/67/3 ff.)
, erscheint auch die gestützt darauf e
rgangene formlose Mitteilung vom
20. Dezember 2011 als Ausgangspunkt für die Prüfung eines materiellen
Revisionsgrundes als geeignet.
3.2.3
Das dritte Revisionsverfahren, abgeschlossen mit der letzten formlosen Mitteilung vom 22. Juni 2015 (Urk. 6/94), wurde im Dezember 2012 eröffnet
(vgl.
Urk. 6/93/1).
Nachdem mit der Versicherten am 27. August 2013 ein Standortgespräch dur
chgeführt worden war (Urk. 6/79/
2 ff.), sprach die IV-Stelle
m
it Verfügung vom 5. September 2013 eine Beratung und Begleitung im Sinne eines Job-Coachings zu (Urk. 6/78).
Die Abklärungen während dieser Zeit erga
ben, dass sich die Beschwerdeführerin auf ihre Selbständigkeit konzentrieren
wollte
(vgl. Urk. 6/81/4 f.), weshalb die Beratung und Begleitung mit Verfügung vom 20. Februar 2014 (Urk. 6/82) abgeschlossen wurde.
Die Mitteilung vom 22. Juni 2015 beruhte schliesslich auf den Berichten der behandelnden Ärzte Dr.
I._
und Dr.
G._
(Urk. 6/71, 6/73, 6/74, 6/88)
, dem Austrittsbe
richt der
RehaClinic
L._
aufgrund des stationären Aufenthaltes der Beschwerdeführerin vom 25. Februar 2014 bis 11. April 2014
von Dr.
med.
M._
, Fachärztin FMA für Psychiatrie und Psychotherapie
(Urk. 6/89
)
sowie der Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. med.
N._
vom 8. April 2015 (Urk. 6/93/3).
Während in den Berichten von Dr.
I._
vom 12. Januar 2013 und 17. Februar 2013 (Urk. 6/71, 6/74)
und Dr.
G._
vom 28. Januar 2013 (Urk. 6/73)
damalige aktuelle Befunde fehl
t
en (Urk. 6/71, 6/73,
6/74/2),
ä
us
serte
sich der Austrittsbericht der
RehaClinic
L._
im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit
nur
dahingehend, dass der Beschwerdeführerin für den Klinikau
fenthalt eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (Urk. 6/89/11). Zur Frage der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätig
keit führte
Dr.
M._
hingegen
lediglich aus, dass der Beschwerdeführerin ihre bisherige Tätigkeit zwar grundsätzlich zumutbar sei, gegenwärtig jedoch in sehr reduziertem Ausmass, so dass eine sinnvolle Berufstätigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt nicht möglich sei. Aktuell sei eine Tätigkeit mit hohen Anforde
rungen an Konzentration
und kognitive
n
Funktionen ungefähr ein bis drei Stun
den pro Tag möglich. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei bei Fortsetzung der psychologischen und medikamentösen Behandlung und mit einem geeigneten beruflichen Training durchaus realistisch (Urk. 6/89/7 f.).
Schliesslich
beschreibt Dr.
I._
in ihrem Bericht vom 26. September 2014 zwar den V
erlauf seit Februar 2013
und attestierte sowohl in der bisherigen als auch in einer angepass
ten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von geschätzt 10-20 %
, aus ihrem Bericht geht jedoch nicht einmal hervor,
wann
die Beschwerdeführerin
zuletzt
von ihr u
nter
sucht wurde (vgl. Urk. 6/88).
Die Beschwerdegegnerin verzichtete
in der Folge
auf we
itere Abklärungen und legte
die
vorgenannten
Ber
ichte dem RAD zur Stellung
nahme
vor. Mangels eigener Befunderhebung
beziehungsweise Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
mit Bezug auf die bekannten invalidisierenden Leiden bildeten diese Berichte indessen keine genügende Grundlage für eine Aktenbeurteilung. Der RAD bestätigte denn auch
in seiner Stellungnahme vom 8. April 2015
keinen tatsächlich abgeklärten, sondern explizit einen
aufgrund der im Austrittsbericht der
RehaClinic
L._
gestellten Diagnosen ausgewiesenen Gesundheitszu
stand,
d
er die Arbeitsfähigkeit
einschränken könne (Urk. 6/93/3).
Die Rentenbe
stätigung vom 22. Juni 2015 stellt daher keine
taugliche Vergleichsbasis dar.
3.
2.4
Zusammenfassend erfolgte in den bisherigen Revisionen somit zuletzt mit form
loser Mitteilung vom 20. Dezember 2011 eine rechtskonforme Abklärung
des medizinischen Sachverhaltes mit entsprechender Untersuchung
beziehungsweise
Befunderhebung, Diagnosestellung und Einschätzung der Arbeitsfähigkeit.
Für die Beantwortung der Frage nach einer anspruchsrelevanten Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen ist deshalb der gesamte Zeitraum zwischen dem 20. Dezember 2011 un
d
dem
17. November 2017 massgebend.
3.3
Der rentenbestätigenden Mitteilung vom 20. Dezember 2011 lag in medizinischer Hinsicht das
bidisziplinäre
Gutachten von Dr.
J._
und Dr.
K._
vom 9. Nov
ember 2011 zugrunde,
in welchem folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wurden
(Urk. 6/67/21)
:
-
rezidivierende, schwere depressive Episode 2006, noch nicht remittiert (ICD-10: F32.2)
-
akzentuierte abhängige und narzisstische Persönlichkeitszüge (ICD-1
0
: Z73.1)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter (Urk. 6/67/
21):
-
Status nach
lumboradikulärem
Reizsyndrom S1 rechts im Januar 2010 bei kleiner
mediolateraler
Diskushernie L5/S1 rechts im MRI vom 21. Mai 2010
-
r
ezidivierendes
lumb
ospondylogenes
Syndrom rechts mit
Beckenkamm
tendinosen
rechts bei
Osteochondrose
L5/S1 und minimen
Spond
ylarth
rosen
der mittleren und unteren Lendenwirbelsäule (LWS)
-
leichtes
zervikospondylogenes
Syndrom mit
myofaszialen
Veränderungen okzipital und im Ber
ei
che der
Trapeziusmuskulatur
beidseits
-
femoropatellares
Schmerzsyndrom links bei Status nach Unfall mit Luxa
tion der Patella und Arthroskopie 2001
-
Dekonditionierung
-
Status nach Sinusitiden mit operativen Vorgehen 2008
-
Endometriose
mit operativer Sanierung 1992
-
chronische Migräne ohne Aura
-
Status nach Osteomyelitis linke Ferse im Alter von elf Jahren
Der psychiatrischen Untersuchung durch Dr.
J._
ist im Wese
ntlichen zu entnehmen, dass bereits die Kindheit der Versicherten durch Ängstlichkeit und Neigung zur Depressivität beider Eltern belastet gewesen sei. Schon als Kind
hätten Erkrankungen bestanden, die zum Teil dem psychosomatischen Formen
kreis hätten zugeordnet werden können. Aufgrund der früh eigenen Ängstlich
keit, der hohen Empathie gegenüber Bedürfnissen anderer, dem Erreichen von Wertschätzung durch Übernahme von Verantwortung und der Leistung unter Verzicht auf angemessenes Realisieren und sogar Wahrnehmen eigener Bedürf
nisse hätten sich abhängige, aber auch narzisstische Persönlichkeitszüge ent
wickelt, welche sich in Scham und Wertlosigkeitsgefühlen zeigen
würden, wenn die Anerkennung ausbleibe beziehungsweise die Leistung nicht gelinge. So sei es bei der Versicherten als junge Frau zu einer ersten depressiven Episode nach einer Beziehungstrennung gekommen. In beruflicher Hinsicht zeige sich diese Persön
lichkeitsentwicklung durch hohen Einsatz und Leistungsbereitschaft, Unterord
nung unter Bedürfnisse der Vorgesetzten und wenig Abgrenzung gegenüber der Zuteilung von Aufgaben. Ausgehend von Schlafstörungen habe sich unter diesen Umständen eine schwere depressive Episode mit Suizidalität entwickelt, welche stationär
habe
behandelt werden müsse
n
.
Es falle auf, dass sich die Versicherte bezüglich affektiver Symptome besser wahrnehme beziehungsweise darstelle, als dies von ihr als Gutachterin beurteilt werde. Als Grund hierfür nehme sie die
nar
zisstischen Züge an, aber auch die Neigung, eigene Gefühle weniger gut wahrzu
nehmen, dafür mit Symptomen im physischen Bereich,
vor allem auch Erschöp
fung zu reagieren. Eine zwischenzeitlich diagnostizierte Panikstörung könne im Rahmen der depressiven Erkrankung vorkommen, sei aber nach Absetzen der Medikation remittiert geblieben. Unter den durchgeführten Behandlungen (anti
depressive Medikation und Psychotherapie) und den eigenen Bemühungen, Akti
vitäten aufzubauen, sei subjektiv und anhand der berichteten möglichen Aktivi
täten eine langsame Verbesserung zu konstatieren.
Sie beurteile die Erschöpfung im Rahmen einer protrahiert verlaufenden schweren depressiven Episode, deren Verlauf durch die Persönlichkeit der Versicherten mitgeprägt sei. Die Prognose sei als durchaus günstig einzuschätzen, aufgrund des bisherigen Verlaufs sei aber mit mindestens einem Jahr zur rechnen. Eine erneute antidepressive M
edikation sei empfehlenswert und die Psychotherapie sei weiterzuführen. Die Arbeitsfähig
keit sei aufgrund
d
er noch nicht remittierten Depression mit Erschöpfung redu
ziert und liege bei ungefähr 30 %. Eine genau
e
zeitliche Festlegung, seit wann dies gelte, sei kaum möglich. Aufgrund der Angaben der Versicherten sie dies seit circa Juni 2011 der Fall (Urk. 6/67/15 f.)
Anlässlich der rheumatologischen Begutachtung
hielt
Dr.
K._
in seiner Teil
expertise fest,
das
lumboradikuläre
Reizsyndrom L5/S1 rechts, welche
s
im Jahr 2010 begonnen habe, sei mittlerweile praktisch vollständig abgeklungen
.
Es bestehe noch ein leichtes
lumbospondylogenes
Syndrom vor allem rechts mit
Beckenkammtendinosen
rechts bei
Osteochondrose
L5/S1 und minimen
Spon
dylarthrosen
der mittleren und unteren LWS. Daneben bestehe ein leichtes
femoropatellares
Schmerzsyndrom links bei Status nach Unfall mit Luxation der Kniescheibe und
arthroskopischer
Versorg
ung 200
1.
Zudem k
lage die Versicherte über eine allgemeine Muskelverspannung und eine verminderte Leistungsfähig
keit. Diese sei durch den Erschöpfungszustand während der Depression entstan
den und zeige sich heute noch im Rahmen einer
Dekonditionierung
. So könne die Versicherte nicht länger als drei Minuten den Crosstrainer benützen.
Therapeu
tisch stehe die Bekämpfung der
Dekonditionierung
mit regelmässigem Training und Steigerung der Zeit auf dem Crosstrainer im Vordergrund. Aus rein rheuma
tologischer Sicht sei die Versicherte sowohl als Büroangestellte als auch als prak
t
ische Psychologin in wechselnd
gehender, stehender und sitzender Position seit längerer Zeit vollständig arbeitsfähig. Aufgrund der Diskushernie L5/S1 rechts sei die Arbeitsfähigkeit möglicherweise anfangs 2010 während mehreren Monaten 50 % reduziert gewesen (Urk. 6/67/
20).
3.4
3.
4
.1
Im hier zu beurteilenden Revisionsverfahren ordnete die IV-Stelle
am 2. Juli 2015
zunächst die Durchführung
eines Standortgespräches mit der Versicherten an und gewährte ihr Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining (Urk. 6/99) sowie ein Aufbautraining (Urk. 6/105). Nachdem die beruflichen Eingliederungsmass
nahmen abgeschlossen
worden war
en
(Urk. 6/109), holte sie bei den behandelnden Ärzten
Dr.
G._
,
Dr.
I._
und
Dr.
med.
O._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
P._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin,
Berichte ein (Urk. 6/100, 6/101,
6/11
3,
6/117, 6/120).
3.4
.2
In
der Folge
veranlasste
die IV-Stelle
ein
bidisziplinäres
(psychiatrisch und
inter
ni
s
t
isch-
rheumatologisch
es
) Gutachten bei
Dr.
B._
sowie
Dr.
A._
,
in welchem folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wurden (Urk. 6/126
/93
):
-
verminderte Belastbarkeit und Beschwerden der LWS bei
-
leichten bis mässigen degenerativen Veränderungen,
synovialer
Zyste des Facettengelenks L4/L5 links, flacher
Protrusion
L4/L5 mit begin
nender
recessaler
Kompression der Nervenwurzel L5 links sowie kleiner
mediolateraler
Diskushernie L5/S1 recht
s
mit minimaler Dislokation der Nervenwurzel S1 rechts und leichter bis mässiger Spinalkanalste
nose L4/L5 (MRI vom Januar 2017)
-
ohne
radikuläre
Zeichen
-
v
erminderte Bel
astbarkeit des linken Knies bei
-
kongenitaler Dysplasie der
Patellagleitlager
(Wib
erg 3/4) und Status nach Patella
-Luxati
o
n links 2001 mit
arthroskopischer
Behandlung im Februar 2002
bei
-
leichter bis mässiger
Femoropatellar
-Arthrose ohne signifikante Gonarthrose und intakten Kniebinnenstrukturen (MRI und Röntgen vom Januar 2016)
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte
n
die Gutachter (Urk. 6/126/90, 6/128/102):
-
langanhaltender Zustand mit ungeklärter schwerer Erschöpfungssymp
tomatik bei Status nach anhaltender Depression
/ Differentialdiagnose
:
Ch
ronic
fatigue
Syndrom (CFS) / Differentialdiagnose
:
andere somatische Erkrankung
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4)
-
Bewegungsstörun
g als
tardive
Spätdyskinesie
/ Differentialdiagnose:
Tic Störung (ICD-10: F95)
-
ausgedehnte chronische Schmerzen
-
Hypercholesterinämie (7.0 mmol/l)
-
chronisches Lymphödem beider Beine (Erstdiagnose 1985)
-
leichte zystische Veränderungen im distalen
Radioulnar
-Gelenk links ohne eindeutige
Sklerosierungen
(Röntgen vom September 2015)
-
Lactose-Intoleranz (Erstdiagnose 2008)
-
Status nach Osteomyelitis der linken Ferse (etwa 1974)
Dr.
B._
führte
in seinem
psychiatrischen Teilgutachten
vom 14. Januar 2017
aus, dass keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden
(Urk. 6/126/90)
.
Psychopathologisch sei die Versicherte bis auf die Erschöpfungs
gefühle und die angegebenen Schmerzen unauffällig.
Insbesondere würden keine affektiven Symptome mehr im Sinne einer Depression bestehen. Bezüglich der Persönlichkeit scheine eine Nachreifung stattgefunden zu haben. Aufgrund seines klinischen Eindrucks dränge sich bei fehlenden
maladaptativen
Kognitionen beziehungsweise regelrechter Krankheitsverarbeitung nicht das Vorliegen einer somatoformen (Schmerz)-störung auf. Auch die Differentialdiagnose einer Neurasthenie halte er für klinisch nicht überzeugend, da die Versicherte nach
weislich bemüht gewesen sei, eine berufliche Leistung zu erbringen und im klinischen Eindruck nicht jenem
neurasthener
Menschen entspreche.
Jedoch spreche sein
eminenzbasierter
klinischer Eindruck von der Versicherten eher für das Vorlie
gen einer somatischen Störung
, wobei das differentialdiagnostische Spektrum der möglichen Störungsbilder bei der Versicherten durch einen Wandel der Symptomatik in den letzten Jahren vor allem in das neurologische und rheu
matologische Fachgebiet gekennzeichnet sei
(Urk. 6/126/88 f.).
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sehe er die Erschöpfungsproblematik als weiterhin führendes Handicap an.
Diesbezüglich sei das
Störungsbild im Ver
gleich zum
Referenzzeitpunkt – gemeint ist die Situation zur Zeit der
Rentenzu
sprache
im Jahre 2008 – als unverändert zu bezeichnen.
Das Erschöpfungssyn
drom sei keinem psychischen Störungsbild zuzuordnen
, weswegen er von einem gebesserten psychischen Gesundheitszustand ausgehe. Zu betonen sei, dass keine Selbstlimitation, keine Aggravation und keine Simulation vorliegen würde
n
, die das Erschöpfungssyndrom erklären könnte. Es sei von einem somatischen Hintergrund der Beschwerden der Versicherten auszugehen.
Aus psychiatrischer Sicht liege daher keine mittel- und langfristige Arbeitsunfähigkeit von 20 % und
mehr bei der Versi
c
herten vor (Urk. 6/126/89 ff.).
Dr.
A._
äusserte sich
in ihrem
internistisch-
rheumatologischen Teilgutach
ten
vom 14. Januar 2017
dahingehend, dass die Versicherte über Schmerzen im ganzen Körper geklagt habe. Zudem sei sie erschöpft und schlafe schlecht, wes
halb sie nur wenige Stunden in ihrer psychologischen Praxis arbeiten könne.
Zusammenfassend bestünden bei der Versicherten teils angeborene, teils erwor
be
ne strukturelle Befunde im Berei
ch des linken Knies und der LWS, die ihre Leistungsfähigkeit einschränke.
Die strukturellen Befunde seien jedoch nicht besonders gravierend und würden das Ausmass der Beschwerden nur teilweise erklären
(Urk. 6/128/94)
.
Aus rheumatologischer Sicht gebe es keine Ursache für die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit. Die Beschwerdeführerin sei sowohl für ihre angestammte Tätigkeit als selbständige Psychologin beziehungsweise als Büroangestellte als auch in einer
anderen
angepassten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig.
Eine
angepasste Tätigkeit müsse LWS- und Knie-schonend sein, wobei die Versicherte mit Lasten bis zu
zehn Kilogramm
ha
ntieren könne (Urk. 6/128/105).
3.4
.3
Mit Vorbescheid vom 10. Februar 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Aufhebung der Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats in Aussicht (Urk. 6/132), wogegen jene am 13. März 2017 (Urk. 6/138) sowie ergänzend am 13. April 2017 (Urk. 6/140) und am 18. April 2017 (Urk. 6/143) unter Beilage eines Berichtes von Dr.
C._
(Urk. 6/142) Einwand erhob. Im Bericht
führte Dr.
C._
im Wesentlichen aus, die Versicherte befinde sich
bei ihr
seit
dem 6. Januar 2017 in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Differenzen zwischen dem von ihr erhobenen Befund und demjeni
gen von Dr.
B._
gebe es vor allem in der Beschreibung der Persönlichkeit der Versicherten. Seit Ende März 2017 fühle sich die Patientin wieder schlechter, sei unter Druck, sei weinerlicher und sehe keine Perspektive mehr. Obwohl die schwere depressive Episode seit einigen Jahren nicht mehr vorhanden sei, könne sie aufgrund ihrer psychischen und körperlichen Beschwerden, vor allem der wiederholt erwähnten Erschöpfung, weiterhin nicht mehr als
die
bis jetzt ange
gebenen 20 % arbeiten.
Das im Jahr 2016 durchgeführte Arbeitstraining sei
gescheitert, als sie gerade einmal vier Stunden pro Woche gearbeitet habe. Sie sei dabei zunehmend als mehr erschöpft und durch die Schmerzen geplagt erlebt worden (Urk. 6/142).
3.4
.4
Die IV-Stelle veranlasste danach unter anderem die Beantwortung von Rück
fragen zum
psychiatrischen Gutachten von Dr.
B._
vom 14. Januar 2017
(Urk. 6/147). Darin
kommt Dr.
B._
zum Schluss, dass Dr.
C._
zusam
menfassend zu einer anderen Einschätzung desselben medizinischen Sachverhalts gelange. Die dabei vorgebrachten Störungsbilder würden isoliert in der Kranken
geschichte der Versicherten stehen, weshalb eine Zusatzdiagnostik unbegründet
sei. Aufgrund der vorgebrachten Einwände sehe er daher keine Veranlassung die von ihm in seinem Gutachten gemachten Schlussfolgerungen abzuändern (Urk. 6/147/2 f.).
3.4
.5
Gemäss der von der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 15. September 2017 eingereichten Berichte
n
des
D._
(Urk. 6/15
4
-155)
ergebe die neuropsychologische Untersuchung der Versicherten neben den vorbekannten unwillkürlichen Zuckungen und schleuderhaften Bewegungen vordergründig eine verminderte Grundaktivierung und weitere
attentionale
Beeinträchtigungen sowie im Bereich der Exekutivfunktionen leichte Defizite.
Sämtliche weiteren geprüften Hirnfunktionen seien intakt. Die Beschwerdeführerin wirke im klini
schen Eindruck belastet und angespannt, sei aber voll kooperativ und normal leistungsorientiert. Die anamnestisch geschilderte Erschöpfungssymptomatik erweise sich im altersvergleich in der Selbsteinstufung als schwerwiegend ausge
prägt und sei auch im Verlauf der Untersuchung ersichtlich.
Die Ätiologie der beschriebenen kognitiven Auffälligkeiten bleibe unklar. Aus neuropsycholo
gischer Sicht seien die Beschwerden jedoch
primär im Rahmen der psychosozialen Belastung (aktuelle Trennung vom Ehemann, Auflösung der eigenen Praxis, unklare IV-Rente) zu interpretieren. Hinsichtlich therapeutischer Massnahmen
sei eine weiterhin regelmässig psychotherapeutische Anbindung klar indiziert.
In Zusammenschau mit dem unauffälligen MRI-Befund
vom 13. Juli 2017 erscheine eine hirnorganische Ursache der neuropsychologischen Defizite im Aufmerksam
keitsbereich unwahrscheinlich (Urk. 6/155/4).
3.4
.6
In der Folge legte die IV-Stelle die vorgenannten Berichte Dr.
B._
vor und ersuchte erneut um Beantwor
tung von Rückfragen (Urk. 6/156
).
Dr.
B._
führte diesbezüglich zusammenfassend aus, dass die durchgeführte neurops
y
cho
logische Untersuchung seine Aussage stütze und er aufgrund der vorgebrachten Einwände keine Veranlassung sehe, die von ihm in seinem Gutachten gemachten Schlussfolgerungen abzuändern (Urk. 6/157/2).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die der Versicherten erst
mals mit Verfügung vom
5. November 2008 (Urk. 6/41
) zugesprochene ganze Rente der Invalidenversicherung zu Recht aufgehoben hat. In diesem Zusammen
hang ist zunächst zu prüfen, ob ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG vorliegt. Die Beschwerdegegnerin erachtete einen solchen gestützt auf das
bidisziplinäre
Gutachten
vom
14. Januar 2017
(Urk.
6/126, 6/128)
als gegeben, da sich der Gesundheitszustand der Versicherten gebessert habe (vgl. Urk. 2).
Die
aktuelle
Expertise beruht auf umfassenden
psychiatrischen
und internistisch-
rheumatologischen
Abklärungen und wurde in detaillierter Kenntnis der Vorak
ten
erstellt (Urk. 6/126
/5 ff.,
6/128/6
ff.). Die Versicherte konnte gegenüber den Gutachtern ihre aktuellen Beschwerden schildern und wurde von diesen jeweils eingehend befragt. Sie konnte sich insbesondere auch zu verschiedenen Themen
bereichen wie dem beruflichen Werdegang und dem gewöhnlichen Tagesablauf äussern (Urk.
6/126/71
ff.,
6/126/79
ff.,
6/128/81
ff. und
6/128/93
ff.). Die geklagten Leiden fanden darüber hinaus im Rahmen der Feststellung der Diag
nosen Berücksichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dargelegt und erläutert wurden (Urk.
6/126/88
ff.,
6/128/95 ff
.). Soweit möglich erfolgte ausserdem
eine Auseina
ndersetzung mit vorangegangenen
ärztlichen Beurteilungen (Urk.
6/126/78
f.
, 6/126/85 ff.
,
6/128/97, 6/128/105
). Gesamthaft erfüllt das
bidisziplinäre
Gutachten somit die formellen Kriterien für eine beweiswerte medizinische Expertise (
vgl. E.
1.5).
4.2
Dr.
B._
führte im psychiatrisc
hen Teilgutachten aus, dass der aktuelle psychopathologische Befund weitgehend unauffällig sei und insbesondere keine affektiven Symptome mehr im Sinne einer Depression bestehen würden (Urk. 6/126/89).
Zwar ging die Beschwerdegegnerin – wie die Beschwerdeführerin richtig geltend macht (vgl. Urk. 1 S. 9) – von einer falschen Vergleichsbasis aus, indem sie eine Verbesserung des Gesundheitszustandes im Vergleich zur
Renten
zusprache
im Jahre 2008 begründet
e (vgl. Urk. 2 S. 1
f.), doch
ist eine Verbesse
rung des Gesundheitszustandes auch im Vergleich zur Bestätigung der Rente mit Mitteilung vom 20. Dezember 2011 (Urk. 6/70) zu bejahen. Während
Dr.
J._
in
ihrem
psychiatrischen Teilgutachten
vom
9. November 2011
von einer aufgrund
d
er noch nicht
remittierten Depression mit Erschöpfung von einer 30%igen Arbeitsfähigkeit aus
ging
(
vgl.
Urk.
6/67/16
),
ergab die Explo
ration durch Dr.
B._
in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 14. Januar 2017
einen psychopathologisch
weitgehend unauffälligen Befund, weshalb er
eine mittel-
und langfristige Arbeitsunfähi
gkeit von 20 % und mehr vernein
t
e (Urk. 6/126/9
1
).
4.3
Nach dem Gesagten liegt ein Revisionsgrund vor, da sich der psychische
Gesund
heitszustand seit
der Mitteilung vom
20. Dezember 2011
wesentlich gebessert hat. Es handelt sich nicht um eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Sachverhalts.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht,
dass insbesondere auf die Beurtei
lung von Dr.
B._
nicht abgestellt werden könne (vgl. Urk. 1 S. 12 ff.), kann ihr nicht beigepflichtet werden.
Zum einen ist es zwar richtig, dass Dr.
B._
in seinem Teilgutachten von einem in Bezug auf die Erschöpfungsproblematik im Vergleich zum Zeitpunkt der
Rentenzusprache
unverände
rten Störungsbild aus
ging
,
gleichzeitig
begründete er
aber
einen psychopathologisch weitgehend unauffälligen Befund, bei welchem insbesondere keine affektiven Symptome mehr im Sinne einer Depression
feststellbar waren
(vgl. Urk. 6/126/89).
Dabei handelt es sich nicht um eine lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts, weshalb eine Verbesserung des Gesundheitszustandes zu bejahen ist.
Im Übrigen ist unerheblich, dass
Dr.
B._
in seinem Gutachten davon ausgeht, dass die Kriterien für eine schwere Depression bereits im Jahre 2011 nicht mehr erfüllt gewesen seien (vgl. Urk. 1 S. 13), da die Rente für diesen Zeitpunkt gestützt auf das Gutachten von Dr.
J._
mit
Mitteilung vom 20. Dezember 2011
bestätigt wurde
. Erst dieser Zeitpunkt ist
für die Prüfung eines materielle
n Revisionsgrundes entschei
dend
.
Weiter ist die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtlic
he
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten ist denn auch nicht stets in Frage zu stellen, wenn die behandelnden Arztpersonen
oder
Therapiekräfte zu anderslau
tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 29. Oktober 2014 E. 7.2 mit Hin
weisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/
06];)
.
Eben solche Aspekte sind im konkreten Fall ni
cht ersichtlich.
Darüber hinaus
verfügte Dr.
B._
über detaillierte Kenntnis der vorangegangenen ärztlichen Einschät
zu
n
gen und zog
diese in
s
eine
Beurteilung mit
ein (vgl. E. 4.1).
Mangels
ent
sprechender objektiver Befunde
lässt sich die von Dr.
C._
attestierte 20%ige Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehen (vgl. Urk. 6/142). Darüber hinaus geht aus
dem Bericht des
D._
, Klinik für Neurologie, vom 23. August 2017 hervor, dass die Beschwerden aus neuropsychologischer Sicht primär
durch psychosoziale
–
und damit
invaliditätsfremde -
Belastung
sfaktoren
(Trennung vo
m
Ehemann,
Auflösung der eigenen Praxis, unklare IV-Rente) geprägt sind, wobei
die behandelnden Ärzte nicht dazu Stellung nahmen, inwiefern eine von dieser Belastungssituation verselbständigte psychische Störung mit Auswirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vorliegt.
In diesem Kontext ist zudem anzumerken, dass die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen nur solange auf den tatsächlichen Leidensdruck hinweist, als das betreffende Verhal
ten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.2).
Gesamthaft vermögen die beiden
erwähnten Berichte jedenfalls die Beweiskraft des psychiatrischen Teilgutachtens nicht in Frage zu stellen.
4.3
In somatischer Hinsicht kann ohne Weiteres auf die überzeugende Schlussfolge
rung von Dr.
A._
in ihrem internistisch-rheumatologischen Teilgutachten abgestellt werden, wonach die Versicherte ihre angestammte Tätigkeit als selb
ständige Psychologin respektive Büroangestellte uneingeschränkt ausüben kann. Als ebenso schlüssig erweist sich in Anbetracht der erhobenen Befunde sowie der gestellten Diagnosen die Einschätzung, dass eine leidensangepasste Tätigkeit
LWS- und
k
nieschonend sein müsse
, wobei die Versicherte mit Lasten bis zu
zehn Kilogramm
hantieren k
ann
(Urk. 6/128/105).
Die Parteien zweifeln diese Beurtei
lung nicht an, weshalb sich Weiterungen
dazu
erübrigen.
5.
5.
1
Ob die von Dr.
B._
attestierte Arbeitsunfähigkeit von weniger als 20 % überzeugt, ist anhand des vom
Bundesgericht für sämtliche psychischen Leiden für anwendbar erklärten
strukturierten Beweisverfahren
gemäss BGE 141 V 281 zu prüfen (
vgl. oben E.
1.4).
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist dabei sinn
gemäss wie in BGE 137 V 210 (betreffend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutachtung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren nach altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweis
wert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bun
desrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
).
5.2
5.2.1
Zum Komplex «Gesundheitsschädigung»
(BGE 142 V 281 E. 4.3.1)
ist zunächst festzuhalten, dass Dr.
B._
die depressive Symptomatik als gegenwärtig
remittiert eingestuft hat (Urk. 6/126/89 f.), was in Anbetracht der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde schlüssig erscheint (vgl. be
reits E.
4.2).
Die Ver
sicherte sei in ihrer Schwingungsfähigkeit nicht eingeschränkt.
Lediglich bei berührenden Themen bestehe
eine
Affektinkonsistenz. Sie habe während der Untersuchung mehrfach lachen können und
sich rege am Gespräch beteiligt.
Während des über zweistündigen Untersuchs seien keine Störungen des Kurz
- oder Langzeitgedächtnisses objektivierbar gewesen. Die Aufmerksamkeit und die Konzentration hätten gut geha
lten werden können, ein Abfall
sei mit zunehmen
der Dauer der Exploration jedoch gegeben.
Der formale Gedankengang sei in Kohärenz und Stringenz ungestört. Es bestehe keine Einengung des inhaltlichen Denkens, kein Gedankenkreisen und keine Fixierung auf die Schmerzen oder sonstigen Beschwerden. Sonstige Hinweise für Wahn, Sinnestäuschung sowie Ich-Störung im Sinne von Gedankeneingebung, -ausarbeitung oder –
beeinflus
sung
,
Derealisation
und Depersonalisationen würden sich nicht eruieren lassen. Die Freudfähigkeit und die Interessen der Explorandin seien nicht eingeschränkt und der Antrieb nicht gemindert (Urk. 6/126/
82 ff.). Der psychiatrische Befund deutet damit nicht auf eine schwerwiegende psychische Erkrankung hin.
Im Weiteren ist i
n Bezug auf den Indikator «Behandlungs- und Eingliederungs
resistenz» mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass keine Therapieresistenz der depressiven Störung vorliegt.
Dr.
B._
hielt diesbezüg
lich lediglich fest, dass die Versicherte einmal monatlich in psychotherapeutischer Behandlung sei (vgl. Urk. 6/126/81).
Hinsichtlich des
Indikators «Komorbiditäten»
(BGE 142 V 281 E. 4.3.1.3)
ist anzumerken, dass keine psychische Begleiterkrankung vorliegt.
A
uch
eine funk
tionell relevante körperliche Begleiterkrankung
als ressourc
enhemmende
r
Faktor
liegt nicht vor
. In Anbetracht der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde erscheint es unwahrscheinlich, dass eine ressourcenhemmende Wechselwirkung vorliegt.
5.
2.2
In Bezug auf
die im Komplex «Persönlichkeit»
(BGE 141 V 281 E. 4.3.2) zu prü
fenden Merkmale (Persönlichkeitsentwick
l
ung
und –
struktur
, grundlegende psy
chische Funktion) ist dem Gutachten von Dr.
B._
zu entnehmen, dass
eine Nachreifung stattgefunden hat und die Versicherte keine pathologische Störung oder Persönlichkeitsakzentuierung aufweist. Bei fehlenden
maladaptati
ven
Kognitionen beziehungsweise regelrechter Krankheitsverarbeitung gehe er
zudem nicht von einer somatofor
men (Schmerz)-störung aus (Urk. 6/126/89). In Bezug auf die von Dr.
C._
diagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung (vgl. Urk. 6/142/1) führte er aus,
dass eine Persönlichkeitsstörung seit der Kind
heit und Jugend bestehen mü
sse (Urk. 6/147/2). Hinweise auf psychische Störun
gen
in der
Kindheit oder Jugend ergä
ben sich aus den Akten jedoch nicht. Obwohl im Elternhaus finanzielle Probleme dominierend gewesen seien, es viel Streit in der Familie gegeben habe, ihr Bruder behindert sei und sie schon als Kind das Gefühl entwickelt habe, für die Familie Verantwor
t
ung übernehmen zu müssen, hat die Versicherte physische,
psychische sowie sexuelle Traumatisierungen in der Kindheit verneint. Im Weiteren hielt Dr.
B._
fest, dass die Beschwerde
führerin eine
gute Schülerin
gewesen und gerne zur Schule gegangen sei. Zudem ergibt sich aus ihrem schulischen Werdegang, dass sie
i
m jungen Erwachsenen
alter ohne Schwierigkeiten erwerbstätig
geworden war
und seit 2005 sogar selbst
ständig erwerbstätig
ist
(vgl. Urk. 6/126/72 ff.)
.
A
uch a
ngesichts dieser Angaben erweist sich
die
von Dr.
C._
vom 14. April 2017
diagnostizierte
kom
binierte Persönlichkeitsstörung
a
ls widersprüchlich (Urk. 6/142
).
Anzumerken ist in die
sem Zusammenhang sodann, dass
sowohl Dr.
Z._
als auch
Dr.
J._
zwar akzentuierte abhängige und narzisstische Persönlichkeitszüge diagnostizier
te
n
(ICD-10: Z73.1; Urk.
6/23/37,
6/67/21), diese Diagnose
allerdings
eine Z-Dia
gnose dar
stell
en
,
welche
für sich allein
keinen rechtserheblichen Gesundheits
schaden zu begründen v
ermögen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_558/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 4.2.4 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1
)
.
Die Beschwerdeführerin
verfügt zudem über Ressourcen.
So spricht sie selber davon, dass im Jahr 2011 eine wesentliche
B
esserung
eingetreten
sei. Sie spüre Fort
schritte, könne wieder wesentlich mehr machen und sei gelassener, was die Zukunftsperspektiven anbelange (Urk. 6/126/79). Auch
die Zeit in ihrer Praxis
beschreibt sie
als Ressource, die ihr
guttue
(Urk. 6/126/81). Ausserdem
stehe sie morgens um 09:15 Uhr auf, gehe nach dem Frühstück in die Physiotherapie oder ins Pilates, erledige die Hausarbeit und bereite das Mittagessen zu.
Nachdem ihr Mann mit ihr gegessen habe, räume sie die Küche auf und lege sich für ungefähr eine bis zwei Stunden hin. Am Nachmittag habe sie manchmal einen oder zwei Termine. Am Abend sei sie meistens wieder zu Hause und schaue fern bis sie gegen 23:00 bis 23:30 Uhr ins Bett gehe (Urk. 6/126/80).
5.2
.
3
Zum Komplex «Sozialer Kontext»
(BGE 141 V 281 E. 4.3.
3
)
geht aus dem psychi
atrischen Gutachten hervor, dass die Beschwerdeführerin seit
1990 verheiratet ist. Die Beziehung habe sich jedoch in den letzten Jahren verschlechtert. Nach den Angaben der Beschwerdeführerin kümmere sich ihr Ehemann kaum um sie, wes
halb sie die Ehe teilweise als bedro
ht sehe (Urk. 6/126/73).
Obwohl
sich die Beschwerdeführer
in nun gemäss dem Bericht des
D._
, Klinik für Neurologie, vom 23. August 2017 in Trennung befindet (Urk. 6/155/4), bleibt anzumerken, dass sie über ein soziales Netzwerk verfügt. So führte sie im Gutachten von Dr.
B._
aus, dass sie sich in den letzten zwei bis drei Jahren bewusst um den Wiederaufbau ihres sozialen Netzwerks gekümmert habe und sie Kontakt zu
guten Kollegen und Kolleginnen habe (Urk. 6/126/74
, 6/126/88
).
Das soziale Netzwerk der Beschwerdeführerin hält mithin für sie mobilisierende Ressourcen bereit.
5.2
.
4
Zur Kategorie «Konsistenz» (BGE 141 V 281 E. 4.4) ist schliesslich festzuhalten, dass angesichts der Alltagstätigkeit
en der Versicherten (vgl. E. 5.2
.
2
hievor
) nicht von einer
«
gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
»
gesprochen werden kann.
Was den «
behand
lungs
- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck» angeht, ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Beschwerdeführerin gemäss dem im Rahmen des
Einwandverfahrens
eingereichten Bericht von Dr.
C._
lediglich alle drei bis fünf Wochen in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung ist (Urk. 6/142/1), was gegen einen erheblichen Leidensdruck spricht.
Ausse
rdem gab die Beschwerdeführerin gemäss Bericht von Dr.
C._
an, seit Monaten keine antidepressive Medikation mehr einzunehmen
(Urk. 6/
142/2).
5.
2
.
5
Zusammenfassend ergibt sich aus der detaillierten Prüfung der Standardindi
katoren und deren Gesamtwürdigung, dass die Beschwerdeführerin bei Ausschöp
fung ihrer vorhandenen Ressourcen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in der Lage ist, ihre angestammte Tätigkeit als selbständige Psychologin beziehungs
weise als Büroangestellte
ohne nennenswerte Einschränkung
zu verrichten. Angesichts des nicht erheblichen
funktionellen Schweregrades der diagnostizier
ten Gesundheitsschädigung, der vorhandenen persönlichen und sozialen Ressour
cen, der fehlenden Behandlungsresistenz und dem Fehlen eines erheblichen Leidensdrucks ist die Einschätzung von Dr.
B._
in seinem Gutachten gestützt auf das strukturierte Beweisverfahren nicht zu beanstanden. Insgesamt kommt dem
psychiatrischen Teilgutachten von Dr.
B._
somit die
nötige Beweiskraft zu (vgl. E.
1.
5
).
5.
3
Hinsichtlich
des
Bericht
s von Dr.
E._
vom 29. März 2019 (Urk. 9)
ist fest
zuhalten, dass aus rechtlicher Sicht grundsätzlich
der
Sachverhalt bis zum
Erlass
der
angefochtenen
Verfügung massgebend ist.
So
dann
wird
im Bericht von Dr.
E._
lediglich die Verdachtsdiagnose einer
mitochondri
alen
Cytopathie
als Ursache für die psychiatrische Symptomatik (mentale Erschöpfung und körperliche Leistungsabnahme) gestellt
(Urk. 9 S. 2 f.)
.
Gemäss Laborbericht wird aufgrund der Befunde zur weiteren Abklärung eine genetische Untersuchung im Muskel empfohlen (Urk. 9 S. 4).
Ausserdem
attes
tierte
er
der
Beschwerdeführerin aus neurologischer Sicht zwar
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 9 S. 3)
, äusserte sich jedoch
nicht zum zeitlichen Rahmen derselben beziehungsweise ob diese Arbeits
un
fähigkeit bereits vor Ver
fügungserlass bestanden ha
t
.
Der Sachverhalt ist demnach nicht hinreichend
geklärt.
Eine allfällige Verschlechterung
des Gesundheitszustandes nach Verfü
gungserlass wäre im Rahmen einer N
euanmeldung zu berücksichtigen.
5.4
Zusammenfassend besteht kein Anlass, um von der nachvollziehbaren, schlüssi
gen Beurteilung
der
Arbeitsfähigkeit gemäss dem Gutachten von Dr.
B._
und Dr.
A._
abzuweichen
,
wonach die
Beschwerdeführerin spätestens seit der psychiatrischen Untersuchung am 12. Januar 2017 ihre angestammte Tätig
keit als selbständige Psychologin respektive Büroangestellte uneingeschränkt ausüben kann.
Die angefochtene Verfügung vom 17. November 2017 (Urk. 2) erweist sich damit als korrekt. Infolge des gebesserten psychischen Gesundheits
zustandes hat die Beschwerdegegnerin die ganze Rente der Versicherten zu Recht auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats aufgehoben (vgl.
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV). Folglich ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Partei kostenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfah
rensaufwand und unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1‘
000.--) ermessensweise auf Fr. 8
00.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.