Decision ID: 014c48b1-0499-5fca-9e02-7abe9b65552c
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
U._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Rosenbergstrasse 51, Postfach 1121,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Die aus der Türkei stammende U._ meldete sich am 4. Dezember 2006 zum
Bezug einer Invalidenrente an. Sie gab an, am 4. März 1995 in die Schweiz eingereist
zu sein. Aufgrund einer chronischen Schmerzstörung, chronischer Rückenschmerzen,
Schmerzexazerbation und einer reaktiven Depression sei sie nicht mehr arbeitsfähig.
Die Behinderung bestehe schon seit 1994 (IV-act. 1). Auf Anfrage der IV-Stelle
bezeichnete Dr. med. A._ die Versicherte am 6. Februar 2007 ab 2003 für 100%
arbeitsunfähig. Gestützt auf die Resultate der Klinik Gais vom 3. Juli 2006 (IV-act.
12/16) schrieb sie, die Versicherte leide an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung, posttraumatischen Belastungsstörung und rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig sei es eine mittelgradige Episode. Diese diagnostizierten
Krankheiten bestünden seit 1995 (IV-act. 12/1). Am 31. Oktober 2005 und am 20.
September 2006 wurden im Kantonsspital St. Gallen entsprechende Befunde erhoben
(chronische Schmerzstörung und eine reaktive Depression, posttraumatische
Belastungsstörung als Differentialdiagnose; IV-act. 12/8, 12/6). Bereits am 9. April 2005
wurde die Versicherte notfallmässig in der Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen
hospitalisiert wegen exazerbiertem Lumbovertebralsyndrom mit pseudoradikulärer
Ausstrahlung. Die Diagnose lautete auf lumboradikuläres Schmerzsyndrom beidseits
mit/bei chronischer Rückenschmerzanamnese seit 21⁄2 Jahren (IV-act. 28/1f.).
A.b Am 12. Dezember 2007 unterzog sich die Versicherte einer Untersuchung des IV-
internen Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD). In rheumatologischer Hinsicht wirke
sich ein generalisiertes Schmerzsyndrom des Bewegungsapparates auf die
Arbeitsfähigkeit aus, so Dr. med. B._, Facharzt für Rheumatologie. Psychiatrisch sei
gemäss Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, eine
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung sowie eine somatoforme
Schmerzstörung zu berücksichtigen (IV-act. 30/4, 30/11). Der Gesundheitszustand der
Versicherten sei bei der Einreise in die Schweiz mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
psychisch beeinträchtigt gewesen, so dass aufgrund der geschilderten Symptome
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einer bereits damals ausgeprägten posttraumatischen Belastungsstörung eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% bestanden habe. Eine genaue Einschätzung
sei aber retrospektiv nicht möglich (IV-act. 30/11f.). In angestammter und adaptierter
Tätigkeit sei die Versicherte seit 2003 zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 30/13).
A.c Mit Schreiben vom 4. Februar 2008 machte Rechtsanwalt Daniel Küng der IV-
Stelle bekannt, er vertrete nun die Interessen der Versicherten (IV-act. 35). Er
widersprach mit Schreiben vom 19. Februar 2008 der Auffassung der IV-Stelle, zum
Zeitpunkt der Einreise habe eine 40%-ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Er könne sich
beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Schlafstörungen der Versicherten nach
dem Tod ihres Sohnes eine genügliche Begründung für die 40%ige Arbeitsunfähigkeit
darstellten. Es sei überhaupt nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass
im Jahre 1995 eine posttraumatische Belastungsstörung vorgelegen habe, wodurch die
Versicherte in ihrer Arbeitsfähigkeit zu mindestens 40% eingeschränkt gewesen sei.
Dass sie sogar in der Lage gewesen sei, Krankheitsvertretungen zu übernehmen und
kurzfristig Einsätze anzutreten, zeige, dass die Versicherte nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt gewesen sei. Sie sei im Arbeitszeugnis als fröhliche Mitarbeiterin
beschrieben worden, sei demnach in der Lage gewesen, selbst bei Bestehen einer
posttraumatischen Belas-tungsstörung, diese zu kompensieren (IV-act. 38).
B.
Am 20. März 2008 resp. 17. April 2008 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Leis-
tungsbegehrens. Die Schweiz habe mit Angehörigen der Türkei kein
Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen. Bei der Einreise in die Schweiz sei die
Versicherte zu mindestens 40% erwerbsunfähig gewesen (IV-act. 44, 48).
C.
C.a Mit Schreiben vom 22. April 2008 erhebt der Rechtsvertreter der Versicherten
Beschwerde mit dem Begehren, die Verfügung vom 20. März 2008 sei aufzuheben, der
Beschwerdeführerin sei spätestens ab Dezember 2005 eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen, und es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Da die
Invalidität der Beschwerdeführerin zum heutigen Zeitpunkt unbestritten sei, obliege es
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der Beschwerdegegnerin, den Ausschlussgrund einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit zum
Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz im Jahre 1995 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zu belegen. Im Bericht der RAD-Untersuchung werde zwar die
40%-ige Arbeitsunfähigkeit behauptet, jedoch ohne die erforderlichen Angaben über
verbliebene Leistungsmöglichkeiten und Einschränkungen zu machen. Im Weiteren
seien die Ausführungen in der Stellungnahme zum Vorbescheid vom 22. Januar 2008
zu beachten (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 2. Juni 2008 beantragt die SVA St. Gallen die
Abweisung der Beschwerde. Es sei diejenige Partei beweisbelastet, die aus einem
bestimmten Sachverhalt Ansprüche ableite. Das gelte auch für die hier vorliegende
negative Tatsache. Dass bei der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Einreise eine
posttraumatische Belastungsstörung bestanden habe, werde durch die Arztberichte
bestätigt. Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie
bereits zum Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz an der Krankheit gelitten habe. Die
der Beschwerdeführerin attestierte andauernde Persönlichkeitsstörung habe sich
allmählich aus der posttraumatischen Belastungsstörung entwickelt, weshalb die im
Jahr 2003 festgestellte Vollinvalidität keinen neuen Versicherungsfall darstelle, sondern
Folge einer Verschlimmerung der ursprünglichen Gesundheitsbeeinträchtigung sei (act.
G 5).
C.c Mit Schreiben vom 2. Juni 2008 bewilligt das Versicherungsgericht die
unentgeltliche Prozessführung der Beschwerdeführerin (act. G 7).
D.
D.a Mit Replik vom 3. Juni 2008 widerspricht der Rechtsvertreter den Ausführungen
der Beschwerdegegnerin. Sie trage die Beweislast der behaupteten, bei der Einreise
bestehenden Invalidität von 40%, denn der Regelfall bestehe darin, dass jemand
gesund sei (act. G 8).
D.b Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 9. Juni 2008 auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
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Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V
215 E. 3.1.1, Urteil 8C_589/2007 vom 14. April 2008, E. 3) sind die bis zum
31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Gemäss Fürsprecher Daniel Küng ergebe
sich aus den Akten des Ausländeramts des Kantons St. Gallen, dass der
Beschwerdeführerin bei ihrer Einreise vom Bundesamt für Flüchtlinge Asyl gewährt
worden sei (act. G1, S.5). Auf die Beschwerdeführerin ist somit der Bundesbeschluss
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und Staatenlosen in der Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (FlüB; SR 831.131.11) anwendbar, wodurch
sie unter gleichen Voraussetzungen wie Schweizer Bürger Anspruch auf ordentliche
Renten der Invalidenversicherung hat (Art. 1 Abs. 1 FlüB). Somit müssen sie bei Eintritt
der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet haben (Art. 36
Abs. 1 IVG; vgl. hiezu IV-act. 6). Sofern jedoch eine Person bei ihrer erstmaligen
Einreise in die Schweiz bereits 40% invalid ist, ist der rentenspezifische
Versicherungsfall eingetreten, bevor die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sein
konnten (Urteil des Bundesgerichts vom 30. Mai 2006, i.S. S., I 76/05).
3.
Unbestritten und vielfach ärztlich bestätigt, auch bei adaptierten Tätigkeiten, ist die
volle Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Verfügung. Zu
prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
aufgrund einer bei der Einreise im Jahre 1995 in die Schweiz vorbestehenden,
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rentenausschliessenden Invalidität zu Recht abgelehnt hat. Die Beschwerdeführerin
stellt diesen von der Beschwerdegegnerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
angenommenen Sachverhalt in Abrede.
3.1 Dr. A._ berichtete am 6. Februar 2007, die Beschwerdeführerin habe im Rahmen
der Anamnese (zwischen 1. Januar 2005 und 18. Dezember 2006) geschildert, sie habe
als Kurdin in der Türkei grosse Probleme gehabt und traumatische Ereignisse erlebt.
Seither leide sie an posttraumatischen Belastungsstörungen. Seit ihr damals ältester
Sohn im politischen Krieg umgekommen sei, befände sie sich in einer psychisch
desolaten Verfassung (todunglücklich; IV-act. 12/2). Während der Hospitalisation im
Kantonsspital St. Gallen vom 19. bis 26. Oktober 2005 habe die Beschwerdeführerin
über traumatische Erfahrungen gesprochen, die sie 11 Jahre zuvor als Kurdin in der
Türkei erlebt habe (IV-act. 12/8). Beim Klinikaufenthalt in Gais vom 20. April 2006 bis
12. Mai 2006 wurde festgehalten, die Familie der Beschwerdeführerin habe grosse
Probleme wegen ihrer kurdischen Abstammung gehabt und habe einige traumatische
Ereignisse (Überfälle durch die Armee, Gefangenschaft der Beschwerdeführerin und
deren Ehemanns, Tötung des ältesten Sohnes) erlebt, weswegen die
Beschwerdeführerin seit 11 Jahren unter posttraumatischer Belastungsstörung leide
(IV-act. 12/16). Die Beschwerdegegnerin erhob in ihrer Haushaltsabklärungsbericht
gemäss Bericht vom 7. August 2007, die Beschwerdeführerin erzähle von den
traumatischen Erlebnissen in ihrem Heimatland, von psychischen Verletzungen, die sie
nicht überwinden könne (IV-act. 18/8). Bei der RAD-Untersuchung vom 12. Dezember
2007 erwähnte die Beschwerdeführerin, seit dem Tod ihres Sohnes vor 13 Jahren
könne sie nicht mehr regelrecht schlafen. Sie erwachte beim kleinsten Geräusch, habe
Albträume vom Tod ihres Sohnes, zucke bei jedem lauteren Geräusch angstvoll
zusammen und schlafe nur noch stundenweise (IV-act. 30/7). Sie sei vor 13 Jahren
zusammen mit ihrer Familie als kurdisch stämmige Türkin gefangen genommen und
gefoltert worden. Der damals 14-jährige, älteste Sohn sei vor ihren Augen erschossen
worden. Retrospektiv, anhand der Angaben der Versicherten, diagnostizierte Dr. C._
bei der Beschwerdeführerin eine akute Belastungsreaktion, welche dann in eine
posttraumatische Belastungsstörung übergegangen sei. Sechs Monate nach dem
traumatischen Ereignis sei sie mit ihrem Ehemann und den überlebenden beiden
Kindern in die Schweiz eingereist (IV-act. 30/11).
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3.2 In mehreren ärztlichen Berichten werden einheitlich ein belastendes Szenarium in
der Türkei und eine sich daraus entwickelte posttraumatische Belastungsstörung
geschildert. Dass eine solche heute vorliegt, ist den Akten entsprechend schlüssig
nachvollziehbar und erscheint als überwiegend wahrscheinlich. Das Ausmass dieser
Störung zum Zeitpunkt der Einreise ist jedoch rückblickend nur schwer feststellbar.
Dies in erster Linie deshalb, da aus dieser Zeit keine ärztlichen Berichte vorliegen. Dr.
C._ bestätigte in ihrem Bericht die Schwierigkeit einer retrospektiven Einschätzung,
da die Beschwerdeführerin damals als Hausfrau und Mutter die ersten Jahre im
eigenen Haushalt tätig gewesen sei und eine psychiatrische Diagnostik und
Behandlung erst viel später stattgefunden habe. Dr. C._ bezifferte die damalige
Arbeitsunfähigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf mindestens 40% (IV-act.
30/11ff.). Für den Beschwerdeführer ist diese Einschätzung unbegründet und eine
blosse Behauptung (act. G 1, S.7). Tatsächlich schliesst der RAD allein aus dem
(mutmasslichen) Bestehen einer posttraumatischen Belastungsstörung, die
Arbeitsfähigkeit sei bei der Einreise zu mindestens 40% eingeschränkt gewesen (IV-
act. 30/13). Die Beschwerdegegnerin führt diesbezüglich aus, die Beschwerdeführerin
sage zu Recht, dass aus dieser Diagnose nicht direkt auf eine Arbeitsunfähigkeit
geschlossen werden dürfe. Vielmehr seien die damaligen Umstände zu
berücksichtigen, die für oder gegen eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
sprächen. Von ausschlaggebender Bedeutung sei, ob und in welchem Umfang die
Beschwerdeführerin damals einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Aus den
bescheidenen jährlichen Lohnbeiträgen könne nicht abgeleitet werden, die
Beschwerdeführerin sei nicht zu mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen (act. G 5, S.
4).
3.3 Die Beschwerdegegnerin liefert allerdings keine Begründung, weshalb die
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erreicht
worden sei. In Berücksichtigung, dass die beiden Söhne bei der Einreise im Jahr 1995
neun- und knapp fünfjährig gewesen sind und auf entsprechende Pflege und
Betreuung angewiesen waren, dass die Beschwerdeführerin verheiratet und für die
Führung des Haushaltes zuständig war und in Berücksichtigung der damals
bestehenden sprachlichen Defizite erscheint es plausibel, dass die Beschwerdeführerin
in den ersten Jahren nicht berufstätig war. Für die erste Zeit nach der Einreise ist die
Beschwerdeführerin ausschliesslich im Aufgabenbereich Haushalt tätig gewesen.
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Entsprechend ist sie als Hausfrau zu qualifizieren. Erst 1997, als vermutungsweise ihr
jüngster Sohn eingeschult wurde, ging sie nebst der Kinderbetreuung und
Haushaltsführung einem Nebenverdienst nach. Dass sie nebenbei im Alters- und
Pflegeheim D._ zwischen 1997 und 1998 infolge Krankheits- und Ferienvertretung
einen kleinen Verdienst erwirtschaftete (IV-act. 6, 38), deutet auf eine Flexibilität in
ihrem Zeitmanagement hin, was zumindest als Indiz für eine erhaltene oder nur minim
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit zu werten ist. Weitere Hinweise, dass sie zur
Hauptsache im Aufgabenbereich tätig und entsprechend vor 2003 nicht (wesentlich) in
der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war, ergeben sich aus dem am 9. Juli 2007 von der
Beschwerdeführerin ausgefüllten Fragebogen der IV-Stelle. Die Einschränkungen im
Haushalt bestünden seit zwei Jahren, vor der Krankheit habe sie, mit Hilfe des
Ehemannes, alles selber gemacht (IV-act. 15/9). Betreffend einer ausserhäuslichen
Tätigkeit führte sie im Abklärungsbericht Haushalt vom 20. Juli 2007 weiter aus, sie
habe vorgehabt, im Jahre 2003 intensiv eine Arbeitsstelle zu suchen. Der jüngere Sohn
sei damals in die Realschule eingetreten, weshalb die Verpflichtungen zu Hause kleiner
geworden seien. Die Krankheit habe die Aufnahme einer ausserhäuslichen
Beschäftigung jedoch verunmöglicht (IV-act. 18/3). Der Vater der Beschwerdeführerin
äusserte sich bei der Abklärung am 12. Dezember 2007 durch den RAD dahingehend,
dass seine Tochter seit drei bis vier Jahren schwer krank sei. Seit dem Tod ihrer Mutter
vor zehn Monaten gehe gar nichts mehr (IV-act. 30/10). Soweit bestehen
Anhaltspunkte, dass die Beschwerdeführerin nicht schon vor 2003 in ihrer
Arbeitsfähigkeit bzw. in der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich Haushalt zu betätigen,
wesentlich eingeschränkt war. Die Beschwerdeführerin selbst erwähnte bei gleicher
Abklärung, seit dem Tod ihres damals ältesten Sohnes werde sie ständig von den
Erinnerungen eingeholt, die Schreckhaftigkeit und die Schlafstörungen hätten sich
seither nicht gebessert (IV-act. 30/8). Keine signifikanten Hinweise, wie sich die bei der
Einreise mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon bestehende posttraumatische
Belastungsstörung quantitativ ausgewirkt haben soll, liefert der Bericht des
Kantonsspital St. Gallen, wenn angeführt wird, seit den traumatischen Erfahrungen vor
elf Jahren leide die Beschwerdeführerin an einem kontinuierlichen Gedankenkreisen mit
allgemeiner Schwäche (IV-act. 12/8), so kann aufgrund solcher Symptome und
Feststellungen eine (bedeutsame) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in
Aufgabenbereich oder Berufsfähigkeit keineswegs angenommen werden. Zwar ist eine
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leistungsrelevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit insgesamt nicht mit absoluter
Gewissheit auszuschliessen. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist jedoch vom
Eintritt der Versicherungsfalles Jahre nach der Einreise1995 auszugehen.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 20. März 2008 resp. 17. April 2008 gutzuheissen und
die Sache ist zur neuen Verfügung über Beginn und Höhe des Rentenanspruchs der
Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Die vollumfänglich unterliegende Beschwerdegegnerin hat auch für die
Gerichtskosten aufzukommen. Diese betragen zwischen Fr. 200.- und Fr. 1000.-. Sie
bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser rechtfertigt
eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang ist in Bezug auf die Kosten von einem
vollumfänglichen Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen. Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb für die Vertretungskosten der Beschwerdeführerin
aufzukommen. Diese bemessen sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung dieser
Kriterien erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 2500.- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG