Decision ID: a97b0188-09f4-4636-91af-f53915af01fe
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 28.07.2017 Art. 43 Abs. 1 ATSG. Art. 59 Abs. 2bis IVG. Art. 49 Abs. 1 IVV. Art. 72bis IVV. Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen. Ermessensspielraum des Versicherungsträgers. Die IV-Stelle hat ihr Ermessen nicht rechtsfehlerhaft ausgeübt, indem sie aufgrund der beklagten Nacken-, Kopf-, Wirbelsäulen- und Schulterschmerzen sowie der geltend gemachten psychischen Beeinträchtigung eine polydisziplinäre Begutachtung angeordnet hat. Abweisung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Juli 2017, IV 2016/343).
Entscheid Versicherungsgericht, 28.07.2017
Entscheid vom 28. Juli 2017
Besetzung
Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Michaela
Machleidt Lehmann; Gerichtsschreiberin Lea Hilzinger
Geschäftsnr.
IV 2016/343
Parteien
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Ronald Pedergnana,
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Rorschacher Strasse 21, Postfach 27, 9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
medizinische Abklärung (Begutachtung; poly- oder bidisziplinär)
Sachverhalt
A.
A._ meldete sich erstmals im März/April 2008 bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Am 23. April 2008 wurde er im
Auftrag der Krankentaggeldversicherung durch Dr. med. B._, Psychiatrie und
Psychotherapie, begutachtet (KV-act. 3). Dr. B._ gab keine psychiatrische Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an. Die Klinik Valens berichtete der IV-Stelle am
7. Mai 2008, dass der Versicherte an einem chronischen zervikozephalen Syndrom und
an einer posttraumatischen Belastungsstörung mit/bei depressiver Symptomatik leide
(IV-act. 24). Für die bisherige Tätigkeit wie auch für andere wechselbelastende
mittelschwere Tätigkeiten bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Dr. med.
C._, Innere Medizin, gab in seinem Bericht vom 1. August 2008 die folgenden
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an:
• Schwerer Autounfall mit Frontalkollision, Totalschaden am 27. Mai 2007
- anschliessend chronisches zervikozephales Schmerzsyndrom, therapieresistent
- MRI 3. September 2007: Diskrete Bandscheibenprotrusion C6/7, keine spinale
oder radikuläre Kompression
- keine fokalneurologischen Defizite (Neurologe Dr. D._ 4.12.2007)
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- depressive Entwicklung.
Dr. C._ bescheinigte dem Versicherten in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Metall-
Lackierer ab dem 27. Mai 2007 eine volle Arbeitsunfähigkeit. Mit Verfügung vom 14.
September 2009 wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem IV-Grad von 8 % mit
der Begründung ab, dass der Versicherte in einer leidensadaptierten Tätigkeit voll
arbeitsfähig sei (IV-act. 59). Die dagegen erhobene Beschwerde wies das
Versicherungsgericht am 31. Oktober 2011 ab (IV 2009/371, IV-act. 82). Dieser
Entscheid erwuchs in Rechtskraft (vgl. IV-act. 88).
B.
B.a Im September/Oktober 2013 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle
zum Bezug von Leistungen an (IV-act. 97). Er gab an, an ständigen Schulter- und
Nackenschmerzen, an Schmerzen in der ganzen Wirbelsäule, an einer Depression und
an Magen-Darm-Problemen zu leiden. Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeinmedizin,
erklärte am 6. November 2013, dass eine neue IV-Beurteilung sinnvoll wäre (IV-act.
101). Er nannte die folgenden Diagnosen:
• Geringgradige Osteochrondrose mit begleitender Spondylose C5/6 und C6/7
• Diskusprotrusion C6/7 mit mässiger Einengung des Neuroforamens links
• Foramestenose beidseits mit Linksbetonung C6/7
• chronische Cervicalgie
• Status nach HSW-Distorsionstrauma 2007
• diskrete Atheromatose im Carotisströmungsgebiet bds.
• mässige Akromioklavikulararthrose
• cvRF: Dyslipoproteinämie, Adipositas
• rezidivierende mittelgradige depressive Episoden.
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Laut einem Bericht des F._ war der Versicherte am 28. Januar 2013 wegen
Thoraxschmerzen kardial abgeklärt worden (IV-act. 101-2). Dr. med. med. G._,
Kardiologie, hatte sich die Schmerzen aus kardialer Sicht nicht erklären können. Er
hatte keinen Hinweis für eine koronar-ischämische Herzkrankheit gefunden und das
Herz als strukturell normal bezeichnet. Als kardiovaskuläre Risikofaktoren hatte er eine
gemischte Dyslipoproteinämie und eine Adipositas Klasse 1 genannt.
B.b Mit Vorbescheid vom 26. November 2013 (IV-act. 111) kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten an, dass auf das Gesuch für berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen nicht eingetreten werde, da er nicht glaubhaft dargelegt habe, dass
sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung wesentlich verändert
hätten. Dr. med. H._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, bat die IV-Stelle
am 18. Dezember 2013, das Leistungsbegehren des Versicherten noch einmal zu
überprüfen (IV-act. 112). Der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom. Momentan sei
er in einem geschützten Rahmen maximal zu 50 % arbeitsfähig.
B.c Am 19. Mai 2014 eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten, dass sie die Kosten für
ein Belastbarkeitstraining vom 7. April bis 4. Juli 2014 in I._ übernehme und dass
diese Mitteilung den Vorbescheid vom 26. November 2013 ersetze (IV-act. 127). Die
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 21. Juli 2014, dass die
beruflichen Eingliederungsmassnahmen aufgrund fehlender Motivation und subjektiver
Krankheitsüberzeugung abgeschlossen würden (IV-act. 138-3 f.).
B.d Mit Verfügung vom 17. März 2015 (IV-act. 155) eröffnete die IV-Stelle dem
Versicherten, dass auf sein Leistungsbegehren nicht eingetreten werde, da er nicht
glaubhaft dargelegt habe, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten
Verfügung wesentlich verändert hätten. Dagegen erhob der Versicherte Beschwerde
(IV-act. 157). Das Beschwerdeverfahren wurde am 23. Juni 2015 abgeschrieben, da die
IV-Stelle die angefochtene Verfügung am 17. Juni 2015 widerrufen hatte (IV-act. 168).
B.e Mit Vorbescheid vom 19. Januar 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten bei
einem IV-Grad von 4.5 % die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht, da sich der
Gesundheitszustand seit der letzten Rentenabweisung nicht geändert habe (IV-act.
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178). Am 8. März 2016 verfügte sie im Sinne des Vorbescheids (IV-act. 182). Gegen
diese Verfügung liess der Versicherte Beschwerde erheben (IV-act. 202). Das
Beschwerdeverfahren wurde am 24. August 2016 abgeschrieben, da die IV-Stelle die
Verfügung vom 8. März 2016 am 1. Juli 2016 widerrufen hatte (IV-act. 215).
B.f Am 26. Juli 2016 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter des Versicherten mit (IV-
act. 220), dass sie eine umfassende medizinische Untersuchung (Allgemeine Innere
Medizin, Rheumatologie, Kardiologie, Neurologie, Psychiatrie) als notwendig erachte.
Der Rechtsvertreter des Versicherten wendete am 9. August 2016 dagegen ein (IV-act.
221), dass ein polydisziplinäres Gutachten nicht nötig sei. Zudem führe ein solches
nicht zur Klärung der Situation, da der psychiatrische Gutachter im Rahmen eines
polydisziplinären Gutachtens − wegen der schlechten Bezahlung − so wenig Zeit habe,
dass es regelmässig lediglich Zufall sei, wenn dessen Diagnose und die festgestellten
Einschränkungen der tatsächlichen Leistungsfähigkeit zuträfen. Der Rechtsvertreter
beantragte eine bidisziplinäre Begutachtung bei Dr. med. J._, Facharzt
Neurochirurgie, und Dr. med. K._, Facharzt Psychiatrie. Für den Fall, dass die IV-
Stelle an der polydisziplinären Begutachtung festhalten sollte, bat der Rechtsvertreter
um den Erlass einer Zwischenverfügung.
B.g RAD-Psychiater Dr. med. L._ notierte am 2. September 2016 (IV-act. 226), dass
die Einwände des Rechtsvertreters nicht fachlicher, sondern taktischer Natur seien.
Eine Reduktion der Fachdisziplinen würde das Risiko erhöhen, dem Vorwurf ausgesetzt
zu sein, den medizinischen Sachverhalt nicht ausreichend abgeklärt zu haben. Nur eine
polydisziplinäre Begutachtung könne Auskunft über den aktuellen Zustand aller
beklagten Beschwerdebilder und deren gegenseitige Beeinflussung geben. An der
polydisziplinären Begutachtung werde festgehalten.
B.h Mit Verfügung vom 2. September 2016 eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten,
dass an der Durchführung einer polydisziplinären Begutachtung festgehalten werde (IV-
act. 227). Zur Begründung führte sie aus, dass gemäss dem RAD nur eine
polydisziplinäre Begutachtung Auskunft über den aktuellen Zustand aller beklagten
Beschwerden geben könne.
C.
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C.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
6. Oktober 2016 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Durchführung eines bidisziplinären
(neurochirurgischen/ psychiatrischen) anstelle eines polydisziplinären Gutachtens.
Zudem stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Zur Begründung der
Beschwerde verwies er auf seine Stellungnahme vom 9. August 2016. Ergänzend
machte er geltend, dass die hauptsächliche Gesundheitsbeeinträchtigung des
Beschwerdeführers in einem chronischen zerviko-zephalen Syndrom und in
psychischen Beschwerden bestehe. Aus diesem Grund sei nur ein bidisziplinäres
(neurochirurgisches und psychiatrisches) Gutachten erforderlich. Weitere
"Spezialistengutachten" würden nur überflüssige Kosten verursachen und zu Lasten
einer sorgfältigen Prüfung des eigentlichen Problems gehen. In einem multidisziplinären
Gutachten habe der einzelne Gutachter ein Kostendach von Fr. 1'500.--. Ein Psychiater
sollte also in dieser "Pauschale" das Aktenstudium, die Exploration, die
Fremdanamnesen, die Diagnose und die Beantwortung der Fragen unterbringen, wobei
lege artis zwei Gespräche notwendig wären. Für Fr. 1'500.-- könne das aber kein
Psychiater auf der Welt, sofern eine Diagnose von Relevanz vorhanden sei. Das
Bundesamt für Sozialversicherungen wisse das und kenne dieses Problem. Es halte die
IV-Stellen aber dennoch an, diese Praxis aufrecht zu erhalten, weil dann
erfahrungsgemäss keine Diagnosen von Relevanz gestellt werden könnten.
C.b Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 28. Oktober 2016
die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus,
rechtsprechungsgemäss bestünden zwar keine festen Kriterien zur allgemeingültigen
Abgrenzung der Anwendungsfelder der verschiedenen Kategorien von Expertisen, da
die grosse Vielfalt von Begutachtungssituationen Flexibilität erfordere. Eine
umfassende administrative Erstbegutachtung sei jedoch regelmässig polydisziplinär
anzulegen. Eine polydisziplinäre Begutachtung sei auch dann einzuholen, wenn der
Gesundheitsschaden zwar bloss als auf eine oder zwei medizinische Disziplinen
fokussiert erscheine, die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik aber noch nicht
vollends gesichert sei. In begründeten Fällen könne von einer polydisziplinären
Begutachtung abgesehen und eine mono- oder bidisziplinäre Begutachtung
durchgeführt werden, sofern die medizinische Situation offenkundig ausschliesslich ein
oder zwei Fachgebiete beschlage. Allerdings dürften in diesen Fällen weder weitere
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interdisziplinäre Bezüge notwendig sein noch dürfe ein besonderer
arbeitsmedizinischer bzw. eingliederungsbezogener Klärungsbedarf bestehen. Diese
Voraussetzungen seien vor allem bei Verlaufsbegutachtungen erfüllt. Das Gericht habe
sich im Entscheid vom 31. Oktober 2011 zwar auf mehrere fachärztliche Berichte,
jedoch nicht auf ein umfassendes Gutachten gestützt. In dem aufgrund der
Neuanmeldung vom Oktober 2013 eingeleiteten Abklärungsverfahren sei zusätzlich
zum bekannten Zustandsbild eines chronischen Zervikalsyndroms nach HWS-
Verletzung aus fachärztlich psychiatrischer Sicht das Vorliegen einer depressiven
Erkrankung postuliert worden. In dieser Situation hätten die bisherigen medizinischen
Unterlagen keine zuverlässige Beurteilung von Diagnosen und Arbeitsunfähigkeit im
Lichte der geänderten Rechtsprechung zu den psychosomatischen Beschwerdebildern
erlaubt. Allein deswegen sowie in Anbetracht der Umstände, dass die Beschaffenheit
der Gesundheitsproblematik des Beschwerdeführers nicht vollends gesichert erscheine
und dass bisher kein umfassendes polydisziplinäres Gutachten eingeholt worden sei,
sei die Durchführung einer polydisziplinären Begutachtung zweifellos erforderlich und
angezeigt.
C.c Am 15. November 2016 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 11).
C.d In seiner Replik vom 7. Dezember 2016 machte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers ergänzend geltend (act. G 12), eine bidisziplinäre Begutachtung
biete eher Gewähr für einen wirklichen Austausch zwischen den Gutachtern. Es sei
nicht einzusehen, wie mit dem Einbezug weiterer Disziplinen ein Erkenntnisgewinn zu
verzeichnen wäre.
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 14).

Erwägungen
1.
Anfechtungsgegenstand ist im vorliegenden Fall die Verfügung vom 2. September
2016, mit der die Beschwerdegegnerin an einer polydisziplinären Begutachtung des
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Beschwerdeführers festgehalten hat. Bei der Anordnung, eine Expertise einzuholen,
handelt es sich um eine Zwischenverfügung, welche bei Bejahung des nicht wieder
gutzumachenden Nachteils unter Erhebung aller gesetzlich vorgesehenen Rügen
rechtlicher und tatsächlicher Natur angefochten werden kann (Art. 52 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR
830.1; Art. 46 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren, VwVG, SR
172.021; vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7 mit Hinweisen). Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat geltend gemacht, dass im Rahmen einer polydisziplinären
Begutachtung eine lege artis durchgeführte psychiatrische Begutachtung aufgrund des
tiefen Kostendachs nicht möglich sei. Würde sich der Vorwurf des Rechtsvertreters
bewahrheiten, wäre das (noch zu erstellende) psychiatrische Teilgutachten von
Vornherein nicht beweiskräftig. Die mit medizinischen Untersuchungen einhergehenden
Belastungen bedeuten einen erheblichen Eingriff in die physische oder psychische
Integrität der begutachteten Person (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Der Beschwerdeführer
hat somit ein schutzwürdiges Interesse daran, sich nicht zum Vornherein
beweisuntauglichen medizinischen Begutachtungen unterziehen zu müssen. Da die
Voraussetzung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils also erfüllt ist, ist auf die
Beschwerde einzutreten.
2.
2.1 Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen, wobei
es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen
Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt dem
Versicherungsträger ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit,
Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zu (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Oktober 2011, 9C_1037/2010 E. 5.1). Das Gericht darf sein
Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen des Versicherungsträgers
setzen (vgl. BGE 126 V 75 E. 6 mit Hinweisen). Etwas anderes gilt, wenn der
Versicherungsträger sein Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt, also überschritten,
unterschritten oder missbraucht hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2012,
8C_38/2012 E. 1.1).
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2.2 Die regionalen ärztlichen Dienste stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der
medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die
für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle
Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit
im Aufgabenbereich auszuüben (Art. 59 Abs. 2bis Sätze 1 und 2 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Die geeigneten Prüfmethoden können
sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen
Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Art. 49 Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung, IVV, SR 831.201). Hält der RAD nach Kenntnisnahme der
ärztlichen Berichte eine medizinische Begutachtung für nötig, so führt er diese
entweder nach Artikel 49 Absatz 2 IVV selbst durch oder er gibt der IV-Stelle eine
entsprechende Empfehlung unter Nennung der erforderlichen Fachdisziplinen ab. Die
IV-Stelle gibt entsprechend ein mono-, bi- oder polydisziplinäres Gutachten in Auftrag
(Rz. 2074 des Kreisschreibens über das Verfahren in der Invalidenversicherung, KSVI,
gültig ab 1. Januar 2016).
2.3 Aus den Akten geht hervor, dass anlässlich einer interdisziplinären Besprechung
vom 30. Juni 2016, an welcher RAD-Arzt Dr. med. M._, Facharzt für Innere Medizin,
Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, RAD-Psychiater Dr.
L._, ein Rechtsdienstmitarbeiter und die zuständige IV-Sachbearbeiterin
teilgenommen haben, gemeinsam entschieden worden ist, dass im vorliegenden Fall
eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig ist (IV-act. 211). Dieses Vorgehen steht
in Einklang mit den zitierten Gesetzesbestimmungen und Weisungen und erscheint
sachgerecht, da die Fachärzte des RAD über das für die Festsetzung der Disziplinen
notwendige medizinische Fachwissen verfügen. Im Vordergrund stehen im
vorliegenden Fall Nacken- und Kopfschmerzen; der Beschwerdeführer beklagt aber
auch Schulterschmerzen und Schmerzen in der ganzen Wirbelsäule (siehe z.B. IV-act.
97). Eine neurologische und eine rheumatologische Begutachtung erscheinen
angesichts der beklagten Beschwerden am Bewegungsapparat sowie der
Kopfschmerzen als sinnvoll. Aufgrund des geltend gemachten depressiven Leidens ist
die Notwendigkeit einer psychiatrischen Exploration vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers zu Recht nicht bestritten worden. Eine Begutachtung in den
Disziplinen Neurologie, Rheumatologie und Psychiatrie schliesst eine lediglich
bidisziplinäre Begutachtung bereits aus (vgl. Art. 72bis IVV). Die Beschwerdegegnerin
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hat somit zu Recht eine polydisziplinäre Begutachtung angeordnet. Ist ein
polydisziplinäres Gutachten angezeigt, sind die Allgemeine/Innere Medizin immer
vertreten (Rz. 2075 KSVI). Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer bei der
Wiederanmeldung Magen-Darm-Probleme angegeben hat. Vor diesem Hintergrund
erscheint auch eine allgemein-internistische Begutachtung als angezeigt. Des Weiteren
hat die Beschwerdegegnerin eine Untersuchung in der Fachdisziplin Kardiologie als
notwendig erachtet. Soweit ersichtlich leidet der Beschwerdeführer nicht an
kardiologischen, also das Herz oder den Kreislauf betreffenden Beschwerden. Bei einer
kardialen Abklärung am 28. Januar 2013 sind die Thoraxschmerzen nämlich als nicht
anginös, sondern als wahrscheinlich muskuloskelettal eingestuft worden. Hinweise für
eine konorar-ischämische Herzkrankheit sind damals nicht gefunden worden. Der
Kardiologe hat lediglich kardiovaskuläre Risikofaktoren im Sinne einer gemischten
Dyslipoproteinämie und einer Adipositas Klasse I festgestellt. Aus den im Recht
liegenden Akten lässt sich also nicht ohne weiteres entnehmen, dass ein Bedarf nach
einer kardiologischen Abklärung bestünde. Angesichts der Tatsache, dass auch ohne
kardiologische Untersuchung eine polydisziplinäre Begutachtung durchzuführen ist,
kann die Frage, ob eine kardiologische Untersuchung notwendig ist, jedoch offen
gelassen werden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall die
Durchführung einer polydisziplinären Begutachtung als sachgerecht erscheint.
2.4 Der Rechtsvertreter hat gegen eine polydisziplinäre Begutachtung hauptsächlich
eingewendet, dass eine lege artis durchgeführte psychiatrische Untersuchung im
Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung wegen der zu tiefen vertraglichen
Vergütungsansätze nicht möglich sei; den psychiatrischen Fachpersonen stünde für die
Begutachtung zu wenig Zeit zur Verfügung. Folgte man der Argumentation des
Rechtsvertreters, würde dies bedeuten, dass alle psychiatrischen Teilgutachten, die je
im Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung durchgeführt worden sind, nicht
beweiskräftig wären. Zudem müsste die Vereinbarung des Bundesamtes für
Sozialversicherungen (BSV) mit den jeweiligen Gutachterstellen (MEDAS) als fehlerhaft
beurteilt werden. Der Rechtsvertreter hat diese schwerwiegenden, nicht nur an die
Beschwerdegegnerin, sondern auch an das BSV und das Kollektiv der psychiatrischen
Gutachter gerichteten Vorwürfe in keiner Art und Weise belegt. Auch sonst sind keine
Hinweise dafür ersichtlich, dass die im Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung
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erstellten psychiatrischen Teilgutachten systematisch mangelhaft wären. Die Vorwürfe
des Rechtsvertreters erweisen sich daher als haltlos.
2.5 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
3.
3.1 Bei Streitigkeiten betreffend die Anordnung einer Begutachtung im
Verwaltungsverfahren sind keine Gerichtskosten zu erheben, da es sich nicht um eine
Streitigkeit betreffend "IV-Leistungen" handelt und daher die Kostenregelung nach Art.
69 Abs. 1bis IVG keine Anwendung findet (Art. 61 lit. a ATSG).
3.2 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Honorarnote
eingereicht. Sein Aufwand ist im vorliegenden Verfahren massiv unterdurchschnittlich
gewesen. Einerseits hat sich das Verfahren auf die Frage beschränkt, ob eine poly-
oder eine bidisziplinäre Begutachtung durchzuführen ist. Andererseits hat der
Rechtsvertreter den Beschwerdeführer bereits im Verfahren IV 2016/99 betreffend
Rentenleistungen vertreten und ist somit mit den Akten des Verwaltungsverfahrens
umfassend vertraut gewesen. Im vorliegenden Fall rechtfertigt sich daher eine
pauschale Entschädigung von Fr. 1'000.--. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31
Abs. 3 AnwG). Somit entschädigt der Staat den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers mit Fr. 800.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
3.3 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt wurde, ist zur
Rückerstattung der Parteientschädigung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist
(Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1]).