Decision ID: d36e711e-0107-50d5-ab27-74305c1671c8
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1987
,
ist Mutter eines 2014
geborenen Sohnes (
Urk.
7/2/1) und war zuletzt von Januar 2011 bis Januar 2015 bei der
Y._
als Verkaufs-, Kunden- und Bildungsberaterin tätig, wobei der letzte Arbeitstag der
1.
Oktober 2014 war (
Urk.
7/ 20).
Sie
meldete sich unter Hinweis auf psychische B
eschwerden am
14. Januar 2015
bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk.
7/10
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
Krankentaggeldversicherung
bei (Urk.
7/16
, Urk. 7/50-52
) und holte bei
Dr.
med. Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein
Gutachten ein, das am 30. Juni 2016
erstattet wurde (Urk.
7/55
/1-54
).
Aufgrund dieses Gutach
tens forderte die IV-Stelle die Versicherte mit
Schreiben vom 20. September 2016 auf, die psychotherapeutischen und psychopharmakolo
gischen Behandlungen zu intensivieren
. Gleichzeitig teilte sie der Versicherten mit, dass die Abklärungen nach Abschluss der erwähnten Massnahmen wieder
aufgenommen würden
(Urk. 7/68).
Mit E-Mail vom 17. Januar 2017 teilte die Versicherte mit, die aufer
legte Massnahme sei inzwischen beendet respektive in gegenseitigem Einver
nehmen aller Beteiligten vorzeitig abgebrochen worden (Urk. 7/88).
Nach durchgefüh
rtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/96
; Urk.
7/100
) verneinte d
ie IV-Stelle mit Verfügung vom 7. März 2018 einen Rentenanspruch (Urk. 7/108
= Urk.
2
/1
).
1.2
Am 13. April 2018 (vgl. Aktenverzeichnis der Urk. 7/1-114) ging bei der IV-Stelle die von der Versicherten ausgefüllte Anmeldung für eine
Hilflosenentschädigung
ein (Urk. 7/113).
2.
Die Versicherte erhob am
13. April 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
7. März 2018
(
Urk.
2
/1
) und beantragte
im Wesentlichen
, diese sei aufzuheben und es sei ihr
ab dem 2. Oktober 2014 eine ganze Rente zuzusprechen und der Antrag auf
Hilflosenentschädigung
sei rückwirkend per 1. Dezember 2014 zu bewilligen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk.
1 S.
1 Ziff. 1-3+7
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
22. Mai 2018
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
25. Mai 2018
zur Kenntnis gebracht (Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinwe
isen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1
.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2
/1
) davon aus,
gemäss den medizinischen Akten könne der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin durch die mit Schreiben vom 20. September 2016 auferleg
ten Massnahmen wesentlich verbessert werden. Die therapeutischen Behand
lungsressourcen habe die Beschwerdeführerin nicht konsequent ausgeschöpft und damit ihre Mitwirkungspflicht verletzt (S. 2 oben). Die aktuelle Dekompensation der Persönlichkeitsstörung sei durch psychosoziale Belastungsfaktoren ausgelöst worden und werde dadurch unterhalten. Aufgrund der fehlenden Inanspruch
nahme der empfohlenen Intensivierung der psychiatrischen und psychopharma
kologischen Behandlung lasse sich die Schwere des Krankheitsgeschehens aus der diagnoserelevanten Ätiologie und Pathogenese nicht plausibilisieren. Auch der Leidensdruck sei als fraglich zu bezeichnen. Ausserdem verfüge die Beschwerde
führerin über eine Reihe von positiven Ressourcen. Bei gesamthafter Betrachtung über alle massgeblichen Indikatoren hinweg sei jedenfalls eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur Anerkennung einer Invalidität führen könne, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Die Folgen der Beweislosigkeit habe die Beschwerdeführerin zu tragen (S. 2 unten).
2.2
Demgegenüber stellt
e
sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf den Standpunkt (Urk. 1), sie schöpfe die ihr möglichen und zumutbaren Therapiemög
lichkeiten aus
, weshalb sie ihre M
itwirkungspflicht nicht verletzt habe (S. 6 ff.).
Weiter seien ihre gesundheitlichen Beschwerden nicht psychosozial bedingt. Diese bestünden schon seit früher Kindheit (S. 8 unten). S
odann sei sie im th
eoretischen G
esundheitsfall als zu 100 % Erwerbstätige zu qualifizieren (S. 9).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Am 3. Februar 2015 erfolgte im Auftrag der Krankentaggeldversicherung eine Kurzbegutachtung bei Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Urk. 7/52). Seit mehreren Jahren komme es zu wiederholten Auseinandersetzungen mit dem Vorgesetzten der Beschwerdeführerin, welcher diese im Hinblick auf ihre Arbeitsleistung kritisiere
. Der Konflikt sei mit dem Beginn der Schwangerschaft im Herbst 2013 eskaliert. Nachdem ihr Sohn im April 2014 geboren wurde, habe sie die berufliche Tätigkeit als Kauffrau (Homeoffice) im September 2014 in einem Pensum von 60 % wiederaufgenommen. Es sei zu erneuten Auseinandersetzungen mit dem Vorgesetzten gekommen. Am 2. Oktober 2014 sei die Krankmeldung erfolgt. Seitens der Beschwerdeführerin sei das Arbeitsverhältnis im November 2014 auf Ende Januar 2015 gekündigt worden (S. 1 Ziff. 1).
Während der Schwangerschaft und nach der Geburt des Sohnes seien die Konflikte mit dem Vorgesetzten in einen regelrechten Telefon
terror ausgeartet, dem sich die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben nicht gewachsen gefühlt habe
. Sie
klage
über Unruhezustände, wiederkehrende Ängste und Schlafstörungen
(Ziff. 2).
Prof.
A._
führte aus, durch die anhaltenden Konflikte mit dem Vorgesetzten sei die Beschwerdeführerin einer krankheitswertigen psychosozialen Belastungs
situation ausgesetzt worden, die vor dem Hintergrund einer bestehenden emo
tionalen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.31) das aktuelle angstorientierte Beschwerdebild ausgelöst und verschärft habe (S. 2 Ziff. 7).
Aktuell bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 30 % eines Pensums von 100 % in angestammter Tätigkeit als Kauffrau. Ab April 2015 sei das das Pensum auf 60 % (entsprechend dem zuletzt geleisteten Pensum) zu steigern (Ziff. 5).
3.2
Seit dem 24. Oktober 2014 befindet sich die Beschwerdeführerin bei
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, in Behandlung (Bericht vom 27. Februar 2015, Urk. 7/19/2-10 S. 1 Ziff. 1.2). Die Beschwerde
führerin habe in den letzten Jahren zahlreiche Arbeitsstellen aufgrund von zwischenmenschlichen Konflikten, Spannungen, Depressionen und Ängsten ver
loren. Vor der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit sei sie fast Alleiner
nährerin der Familie (seit zwei Jahren mit dem aus Kenia stammenden Ehemann verheiratet)
gewesen
und habe seit 2011 via Homeoffice Vollzeit in der Verwal
tung eines Online-Bildungsportals gearbeitet. Dank der Arbeit von zu Hause
aus
habe die Beschwerdeführerin zwischenmenschliche Probleme bis zu Beginn des berichteten
(siehe S. 2 f.)
Mobbings durch ihren Vorgesetzten weitestgehend ver
meiden respektive zumindest verkraften können, was zuvor immer wieder zu Kündigungen geführt habe
(S. 2 f. Ziff. 1.4)
.
Die krankheitsbedingte aktuelle finanzielle und soziale Situation belaste die Familie und insbesondere die Beschwerdeführerin in starker Art und Weise, so
dass die vorhandenen Ängste unter
anderem deswegen stetig zunehmen und so für einen unerträglichen täglichen inneren Druck sorgen würden. Auch die depressive Störung verstärke sich zunehmend. Es g
e
be Tage, da könne die Beschwerdeführerin nur unter grössten Schwierigkeiten ihr Bett verlassen. Innere Leere, grosse Ängste, Verzweiflung und völlige Antriebslosigkeit würden die Beschwerdeführerin schwer belasten (S. 3 Mitte).
Dr.
B._
hielt fest, die Beschwerdeführerin könne für ihren Sohn zwar nachweis
lich innerhalb der Wohnung sorgen, brauche jedoch Unterstützung, um diese ver
lassen zu können. Früher se
i ihr Ehemann eine grosse Stütz
e gewesen, er sei nun wegen seiner Vollzeitarbeitsstelle nicht mehr so oft verfügbar. Daher arbeite die Beschwerdeführerin seit Dezember
mit der psychiatrischen Spitex, Frau
C._
, zusammen, die sie zwei
-
bis drei
m
al wöchentlich besuche. Unter anderem würden Expositionstrainings durchgeführt und sie werde zudem im Haushalt unterstützt, da die Beschwerdeführerin an gewissen Tagen nicht in der Lage sei, die Haushaltsarbeiten zu erledigen (S. 3 unten).
Derzeit werde eine integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung durchgeführt.
Dr.
B._
sehe die Beschwerdeführerin 14-täglich. Gleichzeitig habe sie wöchentliche psychotherapeutische Gespräche bei Frau
D._
, Psychologin im
E._
. Daneben erhalte sie zwei- bis dreimal wöchent
lich Besuch von der psychiatrischen Spitex. Hinsichtlich Pharmakotherapie sei die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer eigenen ungünstigen Erfahrungen mit Antidepressiva und Benzodiazepinen und solchen ihrer schwer kranken Eltern, mit wiederholten Tablettenintoxikationen, inzwischen sehr skeptisch. Im Verlauf sei eine Einstellung auf
Deprivita
im Dezember wegen Nebenwirkungen bei gleichzeitiger Einnahme einer Antikonzeption gescheitert. Ein erneuter
pharma
kotherapeutischer
Versuch
sei nach der Einführung einer verträglichen Antikon
zeption geplant
. Als Unruhereserve stehe der Beschwerdeführerin aktuell
Temesta
zur Verfügung, welche sie im äussersten Notfall bereit sei einzunehmen
(S. 6 Ziff. 1.5).
Aktuell sei die Beschwerdeführerin weiterhin schwer depressiv und habe eine Angsterkra
nkung von invalidisierendem Aus
mass.
Sie
sei nicht mehr belastbar, alles bringe sie aus der Bahn.
Bei einem kürzlich alleine unternommenen Expo
sitionstraining habe sie eine Panikattacke erlitten. Sie habe zwei Tage gebraucht, um sich zu erholen. Über das Internet habe sie selbst eine 20 %-Stelle als Texterin mit Homeoffice-Anstellung gefunden. Sie habe grösste Schwierigkeiten gehabt, zum Vorstellungsgespräch hinzugehen und dieses Gespräch durchzustehen. Weil sie dem Druck nicht mehr standgehalten habe, habe sie vorzeitig nach Hause gehen müssen. Die Stelle habe sie aber dennoch bekommen. Leider sei sie inzwi
schen wieder gekündigt worden, da sie als ungelernte Texterin ein umfassendes Coaching gebraucht hätte, für welches die Firma keine Zeit gehabt hätte
(S. 6 f.)
.
Dr.
B._
äusserte die Vermutung, die verminderte Konzentrationsfähigkeit und die Depressivität der Beschwerdeführerin hätten verhindert, dass sie die Erwartungen des Arbeitgebers hätte erfüllen können (S. 9 Ziff. 1.9).
In der ps
y
chometrischen Untersuchung mit der
Hospitality
Anxiety
und Depressions-
Scale
(HADS), wo Werte über 10 Punkte als pathologisch gelten wür
den, habe die Beschwerdeführerin mit 16 Punkten im Angstscore und mit gar 18 Punkten im Depressionsscore hochpathologische Resultate gezeigt (S. 6 f.).
Dr.
B._
stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1):
-
mittelgradige bis schwere depressive Episode bei rezidivierender depressi
ver Störung (ICD-10 F 33.1, DD ICD-10 F32.1) sei Kindheit, akut seit Oktober 2014
-
schwere Angsterkrankung mit Agoraphobie (ICD-10 F40.0), sozialer Phobie (ICD-10 F40.1) mit Panikstörung (ICD-10 F41.0) und vermutlich auch generalisierter Angststörung (ICD-10 F41.1) seit Oktober 2014
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3) bei anamnesti
scher Multitraumatisierung, selbstverletzendem Verhalten,
anemnestisch
Essproblematik und Status nach mehreren Suizidversuchen
; Differential
diagnose (DD): ängstlich-(vermeidende) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6) sei Kindheit
Auf die Frage, welche körperlichen, geistigen und psychischen Einschränkungen bestehen würden, antwortete
Dr.
B._
folgendermassen (S. 8 Ziff. 1.7): Die Beschwerdeführerin sei depressiv, verletzlich, dünnhäutig, nicht belastbar, habe eine verminderte Konzentration, sei vergesslich, die Belastbarkeit und Leistungs
fähigkeit sei dadurch deutlich herabgesetzt. Die vorhandenen Ängste hätten über
handgenommen. Die Beschwerdeführerin leide an plötzlich auftretenden Angst- und Panikanfällen unter starken Ängsten vor anderen Menschen. Sie könne ihre Wohnung alleine nicht verlassen, in Menschenmengen reagiere sie mit Agora
phobie, das heisse, es komme zu heftigen Angstanfällen, worauf sie den Ort fluchtartig verlassen müsse. Der einzige Ort, wo sie sich einigermassen sicher fühle, sei in ihrer Wohnung. Der Aktionsradius sei als stark eingeschränkt. Im Weiteren habe die Beschwerdeführerin grosse Probleme im zwischenmenschli
chen Bereich. Sie sei gegenüber anderen Menschen sehr empfindlich, verletzlich, fühle sich schnell angegriffen, reagiere mit starken Emotionen, kleine Vorfälle würden sie aus der Fassung bringen und könnten sie noch tagelang absorbieren, so dass sie nicht mehr schlafen und arbeiten könne. Die zwischenmenschlichen Beziehungen entwickeln sich schnell sehr konflikthaft. Anamnestisch habe dies immer wieder zu Konflikten mit Kündigung der Arbeitsstelle geführt.
Eine Homeoffice-Tätigkeit könnte die Beschwerdeführerin aktuell vermutlich im Umfang von 20 % bewältigen
. Eine stark verminderte Leistungsfähigkeit würde aktuell kein höheres Pensum ermöglichen.
3.3
Mit undatiertem Bericht (Urk. 7/24/1-6) - letzte Kontrolle vom 29. September 2015 (vgl. S. 2 Mitte und Ziff. 3.1) - beschrieb
Dr.
B._
ausführlich den erhobe
nen Befund vom 29. September 2015 (Ziff. 1.3
) und berichtete über einen gesamthaft stationären Gesundheitszustand (Ziff. 1.1; vgl. auch die unveränder
ten Diagnosen, Ziff. 1.2).
Die Beschwerdeführerin benötige weite
r
hin einen deut
lich im Pensum reduzierten Nischenarbeitsplatz mit Homeoffice-Setting, in welchem sie eigenverantwortlich, mit freier Zeiteinteilung ihrer Kräfte und ihrer Verfassung entsprechend arbeiten könne. Die zwischenmenschlichen Kontakte seien dabei auf ein Minimum zu beschränken. Die Aufmerksamkeitsspanne und die Konzentrationsfähigkeit sei dabei sehr beschränkt und sie müsse immer wieder Pausen machen können. Es sei unverändert ein Pensum von 20 % zumut
bar in einer solchen Tätigkeit (Ziff. 2.1).
3.4
Im am 22. Oktober 2015 erstatteten Bericht (Urk. 7/26) führte
C._
, Psychiatrische Spitex, aus, sie unterstütze die Beschwerdeführerin seit mehr als einem Jahr jeweils zweimal wöchentlich für drei Stunden. Die Beschwerdeführe
rin sei aufgrund ihrer starken Ängste vor Menschen auf Unterstützung und Begleitung bei sämtlichen Aktivitäten und Besorgungen ausserhalb ihrer Wohnung angewiesen. Alleine sei sie dazu nicht in der Lage. Die Beschwerde
führerin sei sehr bemüht um Fortschritte im begleiteten Expositionstraining. Dennoch seien sofort nach Verlassen der Wohnung eine grosse innere Unruhe, Unsicherheit und deutliche Stresssymptome bei der Beschwerdeführerin erkenn
bar. Schnell fühle sie sich von den Menschen bedrängt, belästigt, verletzt oder zusätzlich gestresst, woraus regelmässig Panikattacken resultieren würden. Diese seien jeweils nur mit psychologischer unmittelbarer Unterstützung abzufedern. Aus diesem Grund meide sie es weitestgehend, alleine die Wohnung zu verlassen. Nach einem schlechten Erlebnis habe die Beschwerdeführerin teilweise für einige Zeit sogar mit Begleitung zu viel Angst, sich vor die Türe zu wagen. Durch die frühe und über Jahre hinweg andauernde schädigende Prägung seien bei der Beschwerdeführerin schwere T
r
aumatisierungen erkennbar, welche sich mit jedem Negativerlebnis verstärken und die vorhandenen Ängste, Depressionen sowie die soziale Phobie fördern
würden (S. 1 oben).
Frau
C._
beschreibt den Eindruck, den die Beschwerdeführerin in ihr erwecke, wie folgt: Hochsensible, ängstliche, oftmals traurig und nachdenklich wirkende, sozial zurückgezogene, junge, intelligente Frau mit geringem Selbstwertgefühl, starkem Gerechtigkeitssinn und hohen Anforderungen an ihre Person. Zudem falle die emotionale Instabilität und Unruhe auf, welche sich auch immer wieder stark auf ihre Antriebs- und Konzentrationsfähigkeit auswirke. Die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin sei deutlich eingeschränkt.
Dies zeige sich darin, dass auf
kleine Fortschritte eine deutliche Verschlechterung der Symptomatik folge, sobald die Beschwerdeführerin mit einer belastenden/neuen Situation konfron
tiert werde. Zeitweise sei sie auch innerhalb der Wohnung stark in ihren Mög
lichkeiten eingeschränkt, so dass sie beispielsweise Unterstützung im Haushalt entweder von ihrem Ehemann oder durch die Spitex benötige (S. 1 unten).
Wenn die Beschwerdeführerin Druck, Stress oder Ungerechtigkeiten empfinde, könne dies Panikattacken auslösen. All dies nehme sie sichtlich mit und sie benötige längere Zeit, um sich davon zu erholen. Solche Erlebnisse würden sie tagelang nicht mehr loslassen und sie ins Dauergrübeln verfallen lassen. Zeit
weise sei sie vergesslich, habe Schlafprobleme und leide tageweise auch unter Kopf-, Brust- oder ungewöhnlichen Unterleibsschmerzen (S. 1 f.).
Die Belastungen der Beschwerdeführerin seien riesig. Neben ihrer eigenen Erkran
kung sei die finanzielle Situation seit ihrem krankheitsbedingten Jobverlust prekär, da das Einkommen des Ehemannes deutlich unter dem Existenzminimum liege. Zudem belaste die häufige arbeitsbedingte Abwesenheit des Ehemannes die Beschwerdeführerin zusätzlich, zumal er ihr zuvor eine wichtige Unterstützung in der Bewältigung des Alltages gewesen sei. Die Beschwerdeführerin sei sehr bemüht, aus ihrer Situation und ihrer schweren psychischen Krankheit täglich das Beste zu machen. Die Unfähigkeit zum Umsetzen von Vorhaben (beispiels
weise alleine mit ihrem Sohn einen Spaziergang zu machen), würden immer wieder Schuldgefühle auslösen, welche die Beschwerdeführerin zusätzlich schwer belasten würden (S. 2).
3.5
Dr.
B._
berichtete am 18. April 2016 (Urk. 7/43),
die
Beschwerdeführerin
habe sich ausserplanmässig bei ihm vorgestellt. Es
sei im Zusammenhang
mit der angekündigten Begutachtung bei
Dr.
Z._
eine starke Zustandsverschlechte
rung festzustellen
(S. 1). Der letzte Bericht vom Oktober 2015 (vgl. vorstehend E. 3.3) sei hinsichtlich den erhobenen Befunden,
der
Wiedergabe des Zustand
s
bildes und der abgeleiteten Diagnosen grundsätzlich nach wie vor gültig.
Positiv sei zu vermerken, dass sich die Beschwerdeführerin erstmals in ihrer Geschichte bei Frau
D._
sehr intensiv auf einen psychotherapeutischen Prozess ein
lassen könne und begonnen habe, über die schambesetzten erlittenen Ver
letzungen und Ängste (jahrlanges Mobbing, Demütigungen, sexueller Miss
brauch) zu sprechen und sich damit auseinanderzusetzen.
Dies wirke sich positiv auf die nächsten Beziehungen zu ihrem Sohn und ihrem Ehemann aus. Hinsicht
lich der Verbesserung der Arbeitsfähigkeit hätten hingegen kaum Fortschritte erreicht werden können durch die Therapie. Sie seien aber aufgrund der Schwere und Art des Falles und der gegeb
e
nen existenzbedrohenden Umstände zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht zu erwarten gewesen
(S. 3 Mitte).
Weiter hielt
Dr.
B._
bezüglich
Psychopharmakatherapie
fest, er halte bei der vorliegenden Problematik und den schlechten Erfahrungen, die die Beschwerde
führerin gemacht habe, die Indikation für Psychopharmaka ganz grundsätzlich als nicht (mehr) oder kaum gegeben an (S. 3 oben).
In Übereinstimmung mit Frau
D._
halte er die anberaumte Begutachtung weder für notwendig noch für
die Beschwerdeführerin zumutbar
.
Der Fall sei bereits sehr umfassend und genau dokumentiert und es gebe Meinungen von zwei eigentlich unabhängig voneinander agierenden Fachpersonen mit fundierten Kenntnissen, die die Schwere des Falles gleich einschätzen würden
.
Dr.
B._
machte geltend, a
ufgrund der traumatisch erlebten Begutachtung vom letzten Jahr und der aktuell bevorstehenden weiteren Begutachtung, welche die Beschwerdeführerin bereits im Vorfeld destabilisiert
habe
und die seit bald zwei Jahren bestehenden übermässigen Angst vor Menschen und Situationen aus
serhalb der schützenden Wohnung
verstärke,
sehe er eine weitere gutachterliche Untersuchung bei einer fremden Person als unzumutbar, unnötig und für den Therapieverlauf sogar schädlich an
(
S. 3
unten).
3.6
Am 30. Juni 2016 erstattete
Dr.
Z._
ein psychiatrisches Gutachten (Urk. 7/55/1-54). Die Beschwerdeführerin sei zusammen mit ihrer psychiatrischen
Spitexbetreuerin
angereist. Der Beschwerdeführerin sei im Vorfeld zugesichert worden, dass diese die erste Viertel- bis halbe Stunde dabei sein dürfe (S. 36 oben). An der Praxistüre weiche die Beschwerdeführerin kurz zurück und wirke leicht verängstigt, erma
n
ne sich aber gleich und lasse sich nach einer ersten Toilettenpause adäquat auf das Gespräch ein. Dabei werde zu keinem Zeitpunkt Unsicherheit oder Zögern ersichtlich
. Sie durchleuchte sehr genau und sehr gut selbststrukturiert und detailliert ihre Herkunftsgeschichte, schildere ihre aktuelle Situation und auch diverse Etappen ihrer Partnerschaften. Emotional wirke die Beschwerdeführerin auch beim Thematisieren schwieriger Inhalte gefasst, selten würden ihr die Tränen in den Augen stehen. Dies dann auch themenadäquat nachvollziehbar, wobei sie sich gleich wieder fasse. Sorgfältig begründe sie auch vielschichtige Komplikationen, und so lange sie
hierbei
nicht unterbrochen werden beziehungsweise ihr die Kontrolle über den Gesprächsverlauf gewährt werde und man empathisch in ihren -
logorr
h
oischen
und in hohem Tempo ver
mittelten - Gesprächsfluss mitgehe, sei der affektive Rapport auch angenehm und gut. Es sei aber durchaus auch unterschwellig stets eine wachsame Grundhaltung spürbar, die Beschwerdeführer
in
beobachte haarscharf die Auswirkung ihrer W
orte
, prüfe kritisch die Reaktionen der Gutachterin, reagiere auch mehrmals in spürbarer Art leicht gereizt und gekränkt oder subtil auch in der Interaktion die Gutachterin auf die Probe stellend und entwertend. Sie ble
i
be dabei aber doch absolut korrekt, höflich und situationsangepasst. Insgesamt dauere die Explora
tion
unüblich lange
drei Stunden (nur mit einer kurzen Toilettenpause), wobei auf die bemerkenswerte Konzentrationsleistung der Beschwerdeführerin hinzu
weisen sei. Nach Dreiviertelstunden
werde
die
Spitexbetreuerin
gebeten, den Explorationsraum zu verlassen,
Änderungen
des Verhaltens der Beschwerde
führerin seien hernach nicht ersichtlich. Erst in der letzten Dreiviertelstunde, in welcher die Arbeitsanamnese und diesbezügliche Einschränkungen, schliesslich auch die Selbsteinschätzung und Eigenbegründung der Arbeitsunfähigkeit thematisiert würden, wechselt das zuvor angenehme Gesprächsklima. Die Beschwerdeführerin bekunde nun, nicht in der Lage zu sein, die Probleme an den verschiedenen Arbeitsstellen «zu analysieren»
(S. 36).
Regelrecht gereizt und nun vorwurfsvoll reagiere die Beschwerdeführerin auf die Frage, wie die IV ihr helfen könne, und in welchem
Ausmass
sie im Alltag und in der Arbeit eingeschränkt sei. Da, wo dem Vorgutachter vorgeworfen worden sei, sich nicht genügend
lange
und tiefgehend mit ihr befasst zu haben, komme nun der Vorwurf an die Gutach
terin, sie habe die Beschwerdeführerin dazu gebracht, «das Intimste und meine ganze Lebensgeschichte» offenzulegen
, «wo ich nicht mal weiss, wie es interpre
tiert wird». Die Intelligenz der Beschwerdeführerin bewege sich klinisch betrachtet im sicher gut durchschnittlichen Bereich. Sie sei sprachlich sehr wortgewandt. Bei nunmehr 1.5-jähriger Psychotherapieerfahrung sei ihr Diskurs auch mit psycho
therapeutischem Jargon durchspickt. Hier befremde allerdings eine Gesprächs
sequenz, in welcher die Beschwerdeführerin bekunde, nicht zu wissen, woran sie leide, und dankbar zu sein, wenn die Gutachterin sie aufkläre. Es entstehe der Eindruck, dass die Beschwerdeführerin trotz Psychotherapie noch nicht viel Ein
sicht in ihre eigene Pathologie habe (S. 37 oben).
Unter dem Titel «Diagnose und Beurteilung» (vgl. Ziff. 4 S. 39 ff.) führte die Gut
achterin
unter anderem
aus, dem geschilderten - im Einzelnen ausführlich dar
gelegten - psychopathologischen
syndromalen
Erscheinungsbild liege eine zentralstehende Störung des Selbstbildes zugrunde mit Selbstablehnung,
S
elbst
hass, Scham und Insuffizienzgefühlen. Das Gesamtbild der dokumentierten psychischen Fehlentwicklung und die gutachterlichen Beobachtungen (Psycho
status) lasse aktuell, wie schon von den behandelnden Fachpersonen aufgezeich
net - auf eine stru
kturelle Persönlichkeitsstörung
auf
Borderline
Strukturniveau, insbesondere vom narzisstischen, ängstlich-vermeidenden sowie emotional instabilen Typus schliessen. Aus psychodynamischer Sicht beruhe diese Persön
lichkeitsstörung auf einer basalen Grundstörung der frühen Individuationsent
wicklung, und sei mit der Abwehr von Verlassenheitsängsten durch Spaltung und Projektion verbunden (S. 44 oben).
Die vollständige psychiatrische Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
lautet gemäss
Dr.
Z._
folgendermassen
(S. 46 Ziff. 5.1)
:
-
dekompensierte
kombinierte Persönlichkeitsstörung, auf
Borderline
Struk
turniveau, vom emotional instabilen, narzi
s
stischen und ängstlich-ver
meidenden Typus (ICD-10 F60.31; F60.8, F60.6) mit
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01)
-
Soziophobie (ICD-10 F40.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht- bis mittelg
ra
dige Episode (ICD-10 F33.0/1)
bei
-
Problemen mit Bezug auf Berufstätigkeit oder Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56)
-
Problemen mit Bezug auf die Wohnbedingungen und wirtschaftlichen Verhältnisse (ICD-10 Z59)
-
Arbeits- und versicherungsrechtlichen Problemen (ICD-10 Z65.3)
Die Schwere der Psychopathologie sei aktuell mit einer nur niedrigprozentigen Tätigkeit in der freien Wirtschaft à 30 %
und ausschliesslich in einer angepassten (KV-)Tätigkeit im Homeoffice zu vereinbaren (S. 45 Mitte). Rückwirkend sei vom 2. Oktober 2014 bis 31.
Januar
2015 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit und ab 1. Februar 2015 (Zeitpunkt Arbeitsversuch als Texterin; vgl. S. 42 unten) von einer noch 70%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Die letzte Tätigkeit im Homeoffice-Bereich sei als optimal der Behinderung angepasst zu bezeichnen, da die Beschwerdeführerin dort von den sozialen Interaktionen mit einem Team und von der Kontinuität der Selbstbehauptung beziehungsweise von Bereichen
,
in denen sie hochgradige Defizite aufweise, verschont werde
. Die therapeutischen Bemühungen hätten bis anhin auf das Leiden und die Arbeitsfähigkeit keinen Einfluss nehmen können. Es sei aber auf keineswegs ausgeschöpfte therapeuti
sche Optionen hinzuweisen
(S. 47 Ziff. 6.1; vgl. auch zu den die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Funktionseinschränkungen Ziff. 6.2)
.
Hinsichtlich therapeutische
Massnahmen bemerkte die Gutachterin, es sei frag
lich, ob die psychiatrische Pflegefachfrau der Spitex für die Expositionstrainings genügend ausgebildet sei. Psychopharmakologisch werde trotz erheblichen psychischen Leiden ungenügend behandelt. Die geltend gemachte Unwirksamkeit der Versuche mit Antidepressiva sei aufgru
nd der Aktenlage eindeutig zu re
lati
vieren. In Wirklichkeit sei offenb
ar nur 2003 genügend lang
(drei Monate) mit einem «SSRI»
(selektive Serotonin-
Reuptake
-Inhibitor)
allerdings in fraglich genügender Dosierung behandelt worden. Dann sei das Medikament «wegen Unwirksamkeit» abgesetzt worden. Ansonsten liessen sich 2003 und 2010 nur Hinweise für die (kurze?) Verschr
eibung von
Trizyklika
finden, in
jedem Fall auch in unzureichender Dosis. Sodann sei noch ein Johanniskrautpräparat - als ohne
hin zu wenig potentes Medikament bei der geschilderten Schwere der Angst- und Depressionssymptomatik - im Jahr 2015 kurz eingesetzt und wegen unklarer Unverträglichkeit in Kombination mit einem Kontrazeptivum abgesetzt worden (S. 49 Ziff. 7).
Psychopharmakologisch sei dabei eine sehr breite - im Einzelnen näher genannt
e
- Reihe an therapeutischen Optionen
offen unter anderem für die Behandlung der Angststörung, der emotionalen Labilität sowie der Depressions
problematik.
Zudem habe zu keinem Zeitpunkt eine persönlichkeitsstörungsfo
kussierte Behandlung stattgefunden, und seien diesbezüglich weder die teilsta
tionären und ambulanten Einzel- und Gruppenangebote, noch die teilstationären und stationären psychiatrischen Behandlungsmassnahmen ausgeschöpft worden. Zumindest der Besuch einiger Angebote einer spezialisierten Tagesklinik und/oder einer psychotherapeutischen
Skillsgruppe
würden angebracht ersche
i
nen und seien indiziert, um der
Beschwerdeführerin aus ihrer aktuellen Regression und Stagnation zu helfen (S. 50 oben).
Es erscheine sinnvoll, zur Steigerung der Behandlungsmotivation intensivierte Behandlungsmassnahmen inklusive einer der Beschwerdeführerin absolut zumut
baren und vor allem hinsichtlich der arbeitsmedizinischen Prognose sinnvollen und aussichtsreichen psychopharmakologischen Behandlung als Schadenminde
rungspflicht aufzuerlegen
(S. 50 Mitte).
Im Rahmen der Konsistenzprüfung wies die Gutachterin darauf hin, es gebe keine Widersprüche zwischen Selbstschilderung und fremdanamnestischen Informa
tionen (vorliegend Behandlungsberichte). Sodann weise
d
ie
Beschwerdeführerin
erhebliche Einschränkungen auf vielen zentralen Ebenen (Arbeit, soziale Beziehungen, Wohnen, Freizeitbedürfnisse, Ausbau von Interessen)
auf
. Das Aus
mass der geschilderten Beschwerden würde nur teilweise mit der Intensität der bisher in Anspruch genommenen therapeutischen Hilfe übereinstimmen. Insbe
sondere die psychopharmakologischen Optionen würden von der Beschwerde
führerin bisher nicht benützt. Sie habe Angst vor Abhängigkeit/Sucht und dürfte diesbezüglich auch zu wenig über die Möglichkeiten der psychopharmakologi
schen Behandlung aufgeklärt sein. Die subjektive Beschwerdeschilderung decke sich in genügen
d
em Mass mit dem objektiv aktuell erhobenen psychopathologi
schen Querschnittbefund
, auch wenn die Beschwerdeführerin ihre Beschwerden zum Teil doch recht
appellativ
und akzentuiert vortrage.
Zusammenfassend sei aus psychiatrischer Sicht aufgrund der Konsistenzprüfung von einem genügend objektivierbaren arbeitsmedizinisch relevanten Leiden auszugehen
(S. 52 f. Ziff. 11).
Es würden keine erheblichen diagnostischen oder arbeitsmedizinischen Diskre
panzen vorliegen: Auch aktuell sei die Einschätzung einer 30%igen Arbeitsfähig
keit von Prof.
A._
gültig. Das Ausmass des Vermeidungsverhaltens und der Agora- und Soziophobie s
cheine
aber unterschätzt worden zu sein, wodurch zusammen mit der Tatsache der psychiatrisch-psychopharmakologisch ungenü
genden Behandlung sich seine Prognose (60 % arbeitsfähig zwei Monate nach Untersuchungsdatum) als zu optimistisch erwiesen habe. Der behandelnde Psychiater
Dr.
B._
stelle in seinem Arztberichten dieselben Diagnosen, erscheine mit seiner Annahme einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit aber allzu negativ und zu wenig auf die Ressourcen der Beschwerdeführerin Rücksicht nehmend (S. 53 Ziff. 12).
3.7
Mit Bericht vom 7. Juli 2016 (Urk.
7/64
) berichtete
Dr.
B._
zu
Handen
der Krankentaggeldversicherung über ein weitgehend unverändertes Zustandsbild der Beschwerdeführerin (S. 1 ff. Ziff. 1 ff.). Das Therapiesetting werde wie bisher weitergeführt (S. 3 Ziff. 5).
3.8
Am 18. Oktober 2016 (Urk.
7/78
) erstattete D._
, Psychotherapeutin ASP,
einen von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie,
E._
,
mitunterzeichneten
Bericht über den Therapieverlauf seit Oktober 2014 (vgl. S. 1 f).
Der Fokus der psychotherapeutischen Arbeit beruhe hauptsächlich auf den aktuellen Herausforderungen im Alltag. Auf die
Biografie
arbeit
könne nur sehr begrenzt eingegangen werden. Es wäre sicherlich förder
lich, diese vertiefter wahrzunehmen, doch sei dies in der fortwährend aufge
wühlten und emotional instabilen Situation unverantwortlich. Die wiederholten Aufforderungen an die Beschwerdeführerin, ihre multiplen Einschränkungen nach aussen hin rechtfertigen zu müssen, würden bewirken, dass die schweren Ängste, inneren Anspannungen und pathologischen Verhaltensmuster im Vor
dergrund stehen würden und die Arbeit daran regelmässig einen Rückschritt erfahre. Dies schränke den psychotherapeutischen Prozess erheblich ein (S. 2 oben).
Frau
D._
führte aus, sie erlebe die Beschwerdeführerin als eine sehr intelli
gente, aktiv mitdenkende
, kooperative Frau
, was zu einer Fehleinschätzung ihres wahren inneren emotionalen Zustands und ihrer Fähigkeiten verleiten könne. Die Beschwerdeführerin habe sich von Anbeginn der Therapie ernsthaft dafür einge
setzt, sich den anstehenden Herausforderungen zu stellen und an sich selber und ihren zum Teil massiven Ängsten zu arbeiten. Sie habe keine einzige Therapie
sitzung versäumt, sei pünktlich, motiviert und aufrichtig. Die Beschwerdeführerin habe sich mit fortwährender Anstrengung ihren inneren Verhaltensmustern widersetzt und sich ein von Vertrauen geprägtes Hilfsnetzwerk aufgebaut.
Hin
sichtlich des schweren Krankheitsverlaufs und der Multitraumatisierung gelte es, diese Leistung zu würdigen (S. 3 «Beurteilung und Prognose»). Zum aktuellen Zeitpunkt fühle sich die Beschwerdeführerin von den äusseren Umständen und den Auflagen der Beschwerdegegnerin sehr stark in die Enge getrieben, unver
standen und nicht ernstgenommen, was die Suizidalität erhöhe (S. 3 Mitte).
Der Auflage intensivierten Expositionstrainings könne unter Umständen in der
G._
Folge geleistet werden. Zu einer Reise auf weitere Distanzen sehe sie die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, so die Psychologin. Betreffend die Einnahme von Medikamenten habe die Beschwerdeführerin schwierige Erfahrungen hinter sich. Es sei auf die Berichte von
Dr.
B._
zu verweisen (S. 3 f.).
Bei der Beschwerdeführerin könne nicht von einer Heilung ausgegangen werden. Vielmehr bedürfe es einer kontinuierlichen psychotherapeutischen Begleitung zur Prävention, Unterstützung und Stabilisierung. Entsprechend seien die Auflagen zum jetzigen Zeitpunkt kontraproduktiv und zu sistieren (S. 4). Im momentanen Zustand sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsunfähig (S. 3 unten).
3.9
Dr.
B._
nahm mit Bericht vom 20. Oktober 2016 erneut ausführlich Stellung zur Situation der Beschwerdeführerin und insbesondere der auferlegten Mitwir
kungspflicht (Urk.
7/79/1-7
). Er habe als behandelnder Arzt grösste Bedenken, ob die vorgesehenen Massnahmen bei diesem komplexen Fall sinnvoll seien und aufgrund des Zustandes im vorgesehenen Ausmass überhaupt durchgeführt werden könnten. Bereits in den vergangenen zwei bis drei Wochen habe sich der Zustand der Beschwerdeführerin erheblich verschlechtert. Sie wisse nicht mehr ein und aus, sei verstärkt depressiv, es komme zu Selbstver
letzungsimpulsen und sie beschäftige sich mit Suizidgedanken, sodass ein eigentliches Krisen- und Not
fallinterventionsprogramm unter Einbezug der
H._
habe eingerichtet werden müssen (S. 1).
Sie sei noch längst nicht stabil (S. 6 Mitte).
Das Mittel der Wahl sei bei einer Persönlichkeitsstörung eigentlich die Psycho
therapie.
D
iese sei laufend und auf die
Bedürfnisse der Beschwerdeführe
r
i
n angepasst. Hierbei sei die Störungsspezifität gar nicht der Schwerpunkt. Die Stärkung der Beschwerdeführerin und die Mutter-Kind-Beziehung hätten Vor
rang.
Ein Expositionstraining könne sehr wohl durch eine sehr erfahrene, spezialisierte Psychiatriepflegefachperson wie Frau
C._
durchgeführt werden, wenn diese von einem Facharzt und einer ausgebildeten Psychotherapeutin
supervidiert
sei wie im vorliegenden Fall. Dazu komme, dass auf dem Land die spezialisierten Therapeutinnen und Therapeuten ganz einfach fehlen würden (S. 2 unten).
Aufgrund der Reise- und Gruppenunfähigkeit sei die Beschwerdeführerin gar nicht in der Lage, ohne Begleitung an weiter entfernte Orte wie die eventuell in Frage kommenden Tageskliniken in
I._
oder Zürich zu fahren und dort alleine in Gruppen mit fremden Menschen teilzunehmen
. Unter dem Druck der angekündigten Auflage habe sich die Beschwerdeführerin bereits aus Eigen
initiative in der lokalen Tagesklinik in der
H._
vor
gestellt. Ob dadurch für die Beschwerdeführerin ein zusätzlicher, nicht
bewältig
barer
Stress entstehe,
sei
offen. Ihrer Schadenminderungspflicht komme die Beschwerdeführerin übrigens auch nach, wenn sie jeweils ihren Ehemann zu einem Deutschkurs bringe und in der Wartezeit dort ganz bewusst versuche, ihre Ängste unter fremden Menschen auszuhalten (S. 4 oben).
Die Psychopharmakotherapie sei bei dieser Beschwerdeführerin eine besonders heikle Sache, da schon sehr viel erfolglos probiert worden sei und sie auf Medi
kamente starke Unverträglichkeitserscheinungen gehabt habe mit Notfall
konsul
tationen und sogar Spitalaufenthalten
(S. 4 Mitte).
Dr.
B._
führte bisherige pharmakologische Versuche sowie bekannte Medikamentenunver
träglichkeiten sowie eigene Therapieversuche mit gezieltem Einsatz von milden Psychophar
maka, um die Compliance zu erhalten, auf (S. 5
f.
).
Mit dem gegenwärtigen Setting mit Psychotherapie, Spitex und psychiatrischen Konsultationen sei die Beschwerdeführerin bereits an d
ie
Grenze ihrer Belastbar
keit angelangt (S. 6 unten).
3.10
Am 9. November 2016 nahm
Dr.
Z._
zu den schriftlichen Reaktionen von Frau
D._
und
Dr.
B._
im Zusammenhang mit der erlassenen Aufforderung zur Behandlungsoptimierung Stellung (Urk.
7/84
).
Dr.
Z._
führte aus, auf
grund des Berichts von Frau
D._
habe sich bestätigt, dass letztere eine stützende Gesprächstherapie hauptsächlich mit Fokus auf die aktuellen Heraus
forderungen im Alltag durchführe. Die im Gutachten genannte störungsorientier
ten und
manual
-unterstützten, nachweislich bei der genannten Persönlichkeits
störung sehr wirksame
n
Behandlungsmethoden seien bisher nicht angewandt worden. Sowohl Frau
D._
wie auch
Dr.
B._
hätten wenig Bereitschaft und Verständnis für eine Behandlungsoptimierung gezeigt (S. 2 oben).
Die ängstlich-unsichere Beschwerdeführerin werde sich kaum auf eine psychopharmakologi
sche Behandlung einlassen, wenn sie vom verschreibenden Arzt in ihrer Angst bestätigt werde, dass die Therapie - so
Dr.
B._
- eine «Gefährdung für Leib und Leben» darstellen würde. Auch erscheine es seitens des Psychiaters wenig kon
struktiv, die Beschwerdeführerin in ihrem Empfinden zu bestätigen, dass es ihr nicht zugemutet werden könne, sich für den Besuch einer
Skillsgruppe
oder Tagesklinik mit störungsfokussiertem Therapieprogramm nach Zürich oder
I._
zu begeben (S. 2 f.).
Dr.
Z._
gab an, sie halte es nach wie vor für sinnvoll und zumutbar, an den empfohlene intensivierten Behandlungsmassnahmen festzuhalten (S. 3).
3.11
Vom 13. Oktober bis 30. November 2016 (letzte Kontrolle 7. November 2016) fand die ambulante Behandlung im
E._
statt (undatierter Bericht von
J._
und
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie, Urk.
7/93
)
, welche die Beschwerdeführerin aufgrund der ihr auferlegten Behandlungsmassnahmen zur Verbesserung des Gesundheits
zustandes (vgl.
Urk. 7/68) in Angriff nahm
.
Sie habe an drei Therapiesitzungen und einem Standortgespräch teilgenommen, Die Ther
a
piegruppen hätten sich als nicht geeignet oder als zu grosse Belastung für die Beschwerdeführerin dargestellt
. Es scheine nicht angezeigt, ein gruppentherapeutisches Programm mit der Beschwerdeführerin durchzuführen
(Ziff.
1.4). Es hätten grosse Ängste, ein ver
mindertes Selbstwertgefühl und Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Hand
lungsvorgaben bestanden (Ziff. 1.7). Die Behandlung sei per 30. November 2016 beendet worden und es sei die Fortführung der einzeltherapeutischen Behandlung zu empfehlen (Ziff. 1.5). Für die Behandlungsdauer wurde der Beschwerdeführe
rin von den Fachpersonen des
E._
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Ziff. 1.6). Die Frage, ob sich die Einschränkungen durch medizinische Massnahmen vermindern liessen, wurde verneint (Ziff. 1.8).
3.12
Mit Schreiben vom 24. August 2017 (Urk. 7/99/2-4)
respektiven
25. August 2017 (Urk. 7/99/5-7) nahmen Frau
D._
respektive
Dr.
B._
im Rahmen des
Vor
bescheidverfahrens
nochmals Stellung zur auferlegten Therapieintensivierung sowie zum ablehnenden Vorbescheid der Beschwerdegegnerin.
4.
4.1
Aufgrund der aufliegenden medizinischen Akten ist
bei der Beschwerdeführerin
eine fachärztlich festgestellte psychiatrische Krankheit
ausgewiesen.
D
ie beauf
tra
gte Gutachterin diagnostizierte
eine
dekompensierte
kombinierte
Per
sönlich
keitsstörung auf
Borderline
Strukturniveau, vom emotional instabilen, narzissti
schen und ängstlich-vermeidenden Typus mit
Sozio- und Agoraphobie mit Panik
attacken sowie einer
rezidivierende
n
depressive
n Störung
. Die Diagnosen
des behandelnden Psychiaters (vorstehend E. 3.2-3, 3.5) und
der behandelnden Psychologin (vorstehend E. 3.8) stimmen damit weitgehend überein und auch die diagnostische Einschätzung im Rahmen der Kurzbeurteilung durch Prof.
A._
steht jener der Gutachterin nicht entgegen (vgl. vorstehend E. 3.1).
4.2
Die Beschwerdegegnerin
stellte das Vorliegen eines psychischen Gesundheits
schadens zwar nicht in Abrede. Sie stellte sich jedoch auf den Standpunkt, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin könne durch die mit Schreiben vom 20. September 2016 auferlegten Massnahmen wesentlich verbessert werden. Sie habe ihre therapeutischen Behandlungsressourcen nicht konsequent ausgeschöpft und habe damit ihre Mitwirkungspflicht verletzt. Sie leide an keiner schweren psychischen Störung, die nicht mehr behandelbar wäre. Ausserdem stünden psychosoziale Belastungsfaktoren im Vordergrund (Urk. 2/1 S. 2 oben). Die aktuelle Dekompensation der Persönlichkeitsstörung sei durch psychosoziale Belastungsfaktoren ausgelöst worden und werde dadurch unterhalten. Aufgrund der fehlenden Inanspruchnahme der empfohlenen Intensivierung der psychiatri
schen und psychopharmakologischen Behandlung lasse sich die Schwere des Krankheitsgeschehens aus der diagnoserelevanten Ätiologie und Pathogenese nicht plausibilisieren. Auch der Leidensdruck sei als fraglich zu bezeichnen. Aus
serdem verfüge die Beschwerdeführerin über eine Reihe von positiven Ressour
cen. Bei gesamthafter Betrachtung aller mass
geblichen Indikatoren sei eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchs
grundlage, welche zur Anerkennung einer Invalidität führen könne, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen (S. 2 unten).
4.3
Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzu
kehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Schaden
minde
rungspflicht (vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b), wobei jedoch von der versicherten Person nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Berück
sichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzel
falles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen auf Lehre und Recht
sprechung; ZAK 1989 S. 214 E. 1c). Als Ausdruck der allgemeinen Schadenmin
derungspflicht geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur Selbsteingliederung zu unternehmen, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzlichen Ein
gliederungsanspruch vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
Für die Beantwortung der Frage nach der Zumutbarkeit der Behandlung oder Eingliederungsmassnahme im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG kann auf die zu Art. 31
Abs.
1 IVG in der bis 3
1.
Dezember 2002 gültig gewesenen Fassung ergangene Rechtsprechung verwiesen werden, da sich diesbezüglich mit dem neuen Recht nichts geändert hat (vgl. auch SVR 2007 IV Nr. 34 S. 121, E. 3.1, I
744/06; Urteile des Bundesgerichts I 1068/06 vom 3
1.
August 2007 E. 2.2 und I 824/06 vom 13. März 2007 E. 3.1.1). Danach sind die gesamten persönlichen Ver
hältnisse, namentlich die berufliche und soziale Stellung der versicherten Person, zu berücksichtigen. Massgebend ist aber das objektiv Zumutbare, nicht die sub
jektive Wertung des Versicherten (ZAK 1982 S. 495, E. 3; Urteil des Bundesge
richts I 105/93 vom 11. März 1994 E. 2a; Meyer-Blaser, Zum Ver
hältnismässig
keitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht,
Diss
. Bern 1985, S. 189). Die gesetzliche Vorgabe, wonach Massnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, nicht zumutbar sind, bedeutet nicht, dass eine Vorkehr, die keine solche Gefahr darstellt, automatisch zumutbar ist (ZAK 1985 S. 326, E. 1;
Kieser
, a.a.O., N 60 zu Art. 21; Meyer-Blaser, a.a.O., S. 138 f.); sie weist aber doch darauf hin, dass nur Gründe von einer gewissen Schwere zur Unzumutbar
keit führen. Die Zumutbarkeit ist sodann in Relation einerseits zur Tragweite der Massnahme, andererseits zur Bedeutung der in Frage stehenden Leistung zu beurteilen. Insbesondere bei medizinischen Massnahmen, die einen starken Ein
griff in die persönliche Integrität der versicherten Person darstellen können, ist an die Zumutbarkeit kein strenger Massstab anzulegen (ZAK 1985 S. 325 f., E. 1). Umgekehrt ist die Zumutbarkeit eher zu bejahen, wenn die fragliche Massnahme unbedenklich ist (RKUV 1995 Nr. U 213 S. 68 f., E. 2b). Sodann sind die Anfor
derungen an die Schadenminderungspflicht dort strenger, wo eine erhöhte Inan
spruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht, namentlich wenn der Ver
zicht auf schadenmindernde Vorkehren Renten
leistungen auslöst (BGE 113 V 22 E. 4d.; SVR 2007 IV Nr. 34 S. 121, E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_128/2007 vom 14. Januar 2008 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.4
Der Standpunkt der Beschwerdegegnerin, die Beschwerdeführerin habe ihre Mit
wirkungspflicht verletzt,
kann
aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bestätigt werden. Dr.
Z._
äusserte sich nicht dazu, welche Auswirkungen eine intensivierte therapeutische und medikamentöse Behandlung auf die Arbeitsfähigkeit hat. Sie erachtete intensivierte Behandlungsmassnahmen als «sinnvoll» und bezeichnete eine psychopharmakologische Behandlung ausserdem als «aussichtsreich» (Urk. 7/55/50 Mitte).
Die behandelnden Fachpersonen,
Dr.
B._
und Frau
D._
, stellten die Zumutbarkeit der therapeutischen und medikamentösen Behandlungs
massnahmen überhaupt in Frage und erachteten diese als weitestge
hend nicht gegeben (vorstehend E. 3.8-9). Aufgrund der Erkrankung der Beschwerdeführerin und den damit verbundenen multiplen Problematiken und Auswirkungen auf ihren Alltag ist das fachliche Helfernetzwerk (Psychiater, Psychologin, psychiatrische Spitex) sicherlich ein wichtiger Gewinn
und
Halt
, was
die behandelnden Fachpersonen
betonen
.
Allerdings ist
nicht auszu
schliessen
, dass die
se
gerade aufgrund dieses bestehenden Vertrauens
ver
hältnisses die von der Gutachterin vorgeschlagenen Therapiemassnahmen nicht forcieren oder gar durchsetzen
(können)
. Daher kann hinsichtlich der Frage der Zumutbarkeit auch nicht ohne Weiteres auf die Behandler abgestellt werden.
In dieser Hinsicht ist der Hinweis der Gutachterin, die Beschwerdeführerin befinde sich im Rahmen dieses Helfernetzwerkes in einer Regression und Stagnation, nachvollziehbar, wenngleich damit die Bedeutung des eingerichteten Helfer
netz
werkes nicht geschmälert und dessen Notwendigkeit für die Beschwerde
führerin nicht in Abrede gestellt werden soll.
Weiter ist e
ine Ablehnung gegenüber
einer
psychopharmakologische
n
Behandlung aufgrund der Vorgeschichte der Beschwerde
führerin mit Hinweisen auf Unverträglichkeiten und Suchter
krankungen ihrer Eltern verständlich. Dennoch ist bisher unklar, ob krankheits
bedingte Gründe
dagegen
sprechen
, zumal das medikamentöse Potential gemäss
Dr.
Z._
noch nicht ausgeschöpft ist
.
Des Weiteren ist d
er Bericht des
E._
, in welchem im Rahmen der Behandlungsintensivierung ein Versuch mit der Teilnahme an einer Gruppen
the
rapie erfolgte und fehlschlug (vgl. vorstehend E. 3.11), zumindest als Hinweis zu werten, dass aufgrund de
s
psychischen Zustandes diese Therapie
massnahme
möglicherweise
nicht durchführbar war.
Gerade auch aufgrund dieser tatsächlich in Angriff genommenen neuen therapeutischen Behandlung, nebst der Wahr
nehmung ihres bestehenden Behandlungssettings bei
Dr.
B._
und Frau
D._
sowie den Expositionstrainings mit Frau
C._
, kann der Beschwerde
führerin nicht
ohne genauere Abklärung der Gründe
v
orgeworfen werden, sie habe ihre Mitwirkungspflicht verletzt. Es ist seit der Auferlegung der Schaden
minderungspflicht nicht aktenkundig
belegt, dass sich die Beschwerdeführerin einer verordneten medikamentösen Therapie verweigert hat.
Es fehlt im Gegenzug allerdings auch ein Hinweis, dass die Beschwerdeführerin in dieser Hinsicht Bereitschaft zeigte, sich auf eine medikamentöse Therapie einzulassen. Die Beschwerdegegnerin nahm betreffend psychopharmakologischer Behandlungs
aufnahme keine weiteren Abklärungen vor und erkundigte sich vor Erlass der angefochtenen Verfügung weder bei der Beschwerdeführerin noch bei den Behandlern über den diesbezüglichen Verlauf.
Der
- wenn auch
fehlgeschlagene
-
Intensivierungsversuch in psychotherapeutischer Hinsicht zeigt immerhin die
grundsätzliche
Offenheit der Beschwerdeführerin,
bei
einer Steigerung der
Behandlungsm
assnahmen mitzuwirken.
Bei der Begutachtung durch
Dr.
Z._
hat sich im Übrigen gezeigt, dass die Beschwerdeführerin fähig ist, sich auf eine ihr unbekannte Fachperson einzulassen und ihre Einschränkungen während mehrerer Stunden zu schildern. Ohne genauere Abklärung der Therapie
fähigkeit - medikamentös, stationär oder teilstationär - ist nicht prüfbar, ob der Beschwerdeführerin die Behandlung zumutbar ist. Ebenfalls ist bislang unklar, ob eine solche Behandlung lediglich den
status
quo sichert oder aber eine relevante Verbesserung der Arbeitsfähigkeit bewirken kann.
4.5
Die Begutachtung bei
Dr.
Z._
fand am 29. Juni 2016 (vgl. Urk. 7/55/2 oben) - mithin ein Jahr und acht Monate vor der vorliegend angefochtenen Verfü
gung
statt. Der Bericht des
E._
wurde der Gutachterin nicht mehr vorgelegt zur Stellungnahme. Es erfolgte lediglich eine interne Besprechung unter anderem mit einem psychiatrischen Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), worin festgehalten wurde, die Beschwerdeführerin habe die ambulante Therapie im
E._
nach drei Terminen abgebrochen. Sie habe ihre the
rapeutischen Behandlungsmassnahmen nicht genutzt und es sei nicht nachvoll
ziehbar mitgeteilt worden, warum sie die Behandlungen abgebrochen habe (Fest
stellungsblatt vom 5. Juli 2017
, Besprechung vom 12. April 2017, Urk. 7/94/11). Diese Feststellung ist zumindest soweit tatsachenwidrig, als im ärztlichen Bericht des
E._
festgehalten wurde, die Gruppentherapie sei
für die Beschwerdeführerin
eine zu grosse Belastung gewesen und sei mangels Eignung per 30. November 2016 beendet worden. Es wurde die Fortführung der einzel
therapeutischen Behandlung empfohlen (vorstehend E. 3.11). Vor dem Hinter
grund dieses
(fehlgeschlagenen)
Intensivierungsversuches hätte eine erneute Stellungnahme bei der Gutachterin eingeholt werden müssen.
Aufgrund des über eineinhalb Jahre zurückliegenden Gutachtens und der zwi
schenzeitlichen Rechtsprechungsänderung (vgl. vorstehend E. 1.
2
f.
) wäre
ohne
hin
eine Verlaufsbegutachtung
sowie
Reevaluation
der aufzuerlegenden Behand
lungsmassnahmen
durchzuführen
gewesen.
Im vorliegenden Gutachten nahm
Dr.
Z._
zwar eine Konsistenzprüfung vor und kam darin zum Schluss, dass aus psychiatrischer Sicht von einem genügend objektivierbaren arbeits
medizinisch relevanten Leiden auszugehen sei (vorstehend E. 3.6). Eine schlüssige Beurteilung der übrigen massgeblichen Indikatoren - insbesondere des funktionellen Schweregrades - erlaubt das Gutachten
allerdings
nicht.
Das Gericht vermag des
halb die Prüfung der Standardindikatoren nicht selbst durchzuführen (vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts 8C_154/2018 vom 13.
Dezember 2018).
In diesem Zusammenhang ist fraglich, inwieweit die von Dr.
Z._
genannten Z-Diag
nosen, welche rechtsprechungsgemäss
keinen rechtserheblichen Gesundheits
schaden darstellen (Urteil des Bundesgerichtes 9C_894/2015 vom 25. April 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1 mit weiteren Hin
weisen), in die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung miteinflossen.
4.
6
Es bleibt schliesslich noch
auf die von der Beschwerdegegnerin aufgeworfene Thematik
der psychosozialen Faktoren einzugehen.
J
e stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterschei
dende Befunde zu umfassen hat. Solche von der soziokulturellen Belastungs
situation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unab
dingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die Ärzte dagegen im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
Im vorliegenden Fall liegen nebst der krankheitswertigen Störung sicherlich psychosozialen Faktoren vor.
Die Persönlichkeitsstörung ist jedoch nach Ein
schätzung der Gutachterin auf eine Grundstörung der frühen Individuationsent
wicklung zurückzuführen (vorstehend E. 3.6). Eine gewisse Mitursächlichkeit psychosozialer Faktoren für die eingetretene Dekompensation der Störung mag zutreffend sein.
Die Dekompensation
als durch psychosoziale Faktoren ausgelöst und dadurch unterhalten
zu bezeichnen und ihr damit eine invalidenversiche
rungsrechtliche Relevanz abzusprechen,
wie es die Beschwerdegegnerin tat (Urk. 2/1 S. 2 unten), ist aufgrund der fachärztlich festgestellten
Befunde,
der
bekannten
diagnostizierten Störung
sowie der zuvor genannten Rechtsprechung im Zusammenhang mit psychosozialen Faktoren nicht vertretbar.
4.7
Nach dem Gesagten ist betreffend die auferlegten Behandlungsmassnahmen einerseits fraglich, ob und wenn ja, in welchem Umfang diese aus fachpsychiatri
scher Sicht Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeitseinschränkung der Beschwerde
führerin hätten. Die bisher von der Gutachterin als «sinnvoll und aussichtsreich» bezeichneten Behandlungsoptionen lassen somit Fragen bezüglich der Erheblich
keit der damit erzielbaren Verbesserung der gesundheitlichen Einschränkungen offen. Sodann kann nicht abschliessend beurteilt werden, ob krankheitsbedingte Gründe vorliegen, welche gegen die auferlegten Behandlungsmassnahmen sprechen und sich diese somit für die Beschwerdeführerin als unzumutbar erwei
sen würden.
Sodann sind die Auswirkung
en
des ausgewiesenen Gesundheitsschadens auf
grund der genannten Mängel im Gutachten (vorstehend E. 4.
5
) unklar.
Entgegen der Vorbringen der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
1 S. 9) ging die Beschwerde
gegnerin ebenfalls von einer 100%igen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall aus
Urk.
7/107/5
), dieser Punkt bedarf keiner Klärung.
4.8
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Vorliegend wurde der Sachverhalt ungenügend abgeklärt.
Die angefochtene Ver
fügung vom 7. März 2018 (Urk. 2/1) ist daher aufzuheben und die Sache zur Durchführung einer psychiatrischen Begutachtung unter Berücksichtigung und in Auseinandersetzung der bisherigen medizinischen Akten und insbesondere der massgeblichen Indikatoren
sowie zur Beantwortung der Fra
s
ge der Zumutbarkeit von Therapieoptionen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zuvor hat die Beschwerdegegnerin bei allen zwischenzeitlich und aktuell involvierten Fachper
sonen einen aktuellen Bericht zum Verlauf und zur aktuellen Situation einzuho
len.
Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
5
.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvor
aussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Ein
spracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Die Anmeldung zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung
ging
am 13. April 2018 und somit nach Erlass der vorliegend strittigen Verfügung
bei der Beschwerde
gegnerin ein
.
Der Anspruch auf
eine
Hilflosenentschädigung
bildet vorliegend nicht Anfechtungsgegenstand der Verfügung vom
7
.
März 201
8.
Soweit die Beschwerdeführerin daher
einen Antrag im Zusammenhang mit der beantragten
Hilflosenentschädigung
stellt (vgl. Urk. 1 S. 1 Ziff. 7)
, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
6
.
6.1
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend erweist sich der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Urk.
1 S.
1 Ziff. 3
) als gegenstandlos.
6.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.