Decision ID: 92ca5b79-ce05-4e1e-acea-b8ba711ec411
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
Allgeme
ine Pensionskasse der
Z._
(im Folgenden: APK) ist eine Stif
tung mit dem Zweck, die berufliche Vorsorge für das Personal der ehemaligen
Z._
und ihrer Tochtergesellschaften durchzuführen. Nach dem Zusam
menbruch der
A._
bzw. der
Z._
traten zwischen Oktober 2001 und Dezember 2003 praktisch alle aktiven Versicherten aus der Pensionskasse aus. Der Stiftungsrat der AP
K
stellte in der Folge fest, dass die Voraussetzungen für eine Teilliquidation erfüllt sind, worauf er eine solche per 31. Dezember 2003 beschloss.
Im "Bericht über die Teilliquidation per 31. Dezember 2003" vom 23./29. Sep
tember 2004 wurden die freien Mittel und deren Aufteilung auf die aktiven Versicherten und die Rentenbezüger bestimmt. Der Anteil der Rentner sollte in der APK verbleiben und nicht individuell aufgeteilt oder ausbezahlt werden. Für die aktiven Versicherten wurde vorgesehen, den Anteil der kollektiv Übertreten
den kollektiv und jenen der individuell Übertretenden individuell an die neue Einrichtung zu übertragen.
Im Sinne eines Verteilungsschlüssels wurde festge
legt, dass
der Anspruch auf freie Mittel
8,33
%
der per Austrittsdatum
berech
neten Freizügigkeitsleistung beträgt.
Mit Beschlü
ss
en
vom 23. September 2004
resp. 26. Mai 2005
genehmigte der Stiftungsrat diesen Verteilplan.
Das Amt für berufliche Vorsorge und Stiftungen des Kantons Zürich (Aufsichts
behörde) stellte mit Verfügung vom 1
2.
Oktober 2005 fest, dass eine
Teilliqui
da
tion
vorliege und die Berechnung der freien Mittel erfolgt sei, und es geneh
mig
te den Verteilungsplan gemäss den Stiftungsratsbeschlüssen vom 23. September 2004/26. Mai 2005.
Weiter wurde festgehalten, dass der Verteilungsplan erst nach Eintritt der Rechtskraft vo
llzogen werden dürfe (
Urk.
2/6).
Diese Verfügung wurde
letztinstanzlich
durch das Bundesgericht mit Urteil vom 8. Februar 2010 vollumfänglich bestätigt (Verfahren 9C_756/2009, 9C_757/2009, 9C_758/2009, 9C_759/2009, 9C_760/2009).
2.
Bereits am 28. November 2005 hatten die APK und die
Personalvorsorge
Y._
(im Folgenden:
B._
)
, einer der übernehmenden
Vorsorge
einrichtungen
, eine „Vereinbarung über die kollektive Übertragung der freien Mittel aus der Teilliquidation per 31.12.2003“ geschlossen. Darin
wurde
unter anderem festgehalten, dass die freien Mittel kollektiv übertragen werden und dass sich die übernehmende Stiftung verpflichtet, die wohlerworbenen Rechte der Versicherten durch die entsprechende Verwendung des Betrages zu wahren (
Urk.
10/2).
Nachdem mit Urteil des Bundesgerichts vom 8. Februar 2010 die Teilliquidation
der
APK
resp.
der Verteilplan
rechtskräftig genehmigt
war,
beschloss der
Stif
tungsrat
der
B._
am 11
. Mai 2010
,
die freien Mittel im Umfang von
8,33
%
der relevanten Freizügigkeitsleistung
individualisiert auszu
zahl
en und im restlichen Umfang als Wertschwankungsreserven kollektiv in der Stiftung zu behalten (vgl.
Urk.
10/3).
3.
X._
war bei der
Y._
an
gestellt
und dadurch zunächst bei der
APK
und nach deren Teilliquidation bei der
B._
berufsvorsorgeversichert
gewesen
. Per 31. Oktober 2004 wurde er pensioni
ert. Seither bezieht er eine Altersrente der
B._
.
Sein Rentenanspruch berechnet sich aufgrund des bei der
B._
per 31. Oktober 2004
geäufneten
Altersgu
thabens. Den massgeblichen Teil
dieses Guthabens machte die
von der APK per 31. Dezember 2012 überwiesene
Freizügigkeitsleistung
im Betrag von
Fr.
813‘134.45 aus
(
Urk.
2/3)
.
Gestützt auf den Beschluss des Stiftungsrates der
B._
vom
10. Mai 2010 erhielt
X._
,
wie alle übrigen von der APK übergetretenen Mit
glieder, am 15. Juni 2010 von der
B._
die Mitteilung, zusätzlich zur per Ende 2002 überwiesenen Freizügigkeitsleistung erhalte jedes Mitglied weitere 8,33
%
des damaligen Betrags
auf sein Konto gutgeschrieben oder ausbezahlt. Den indivi
duellen Anspruch von
X._
berechnete die
B._
auf
Fr.
67‘734.10. Diese Summe wurde ihm als Einmalzahlung überwiesen. Seine Rente veränderte sich ni
cht.
Die Leistung der
B._
erfolgte aus kollektiv über
tragenen Mitteln der APK (
Urk.
2/4).
Daraufhin erhob
X._
am 18. November 2011 beim Amt für berufliche Vorsorge und Stiftungen des Kantons Zürich Aufsichtsbeschwerde gegen die
B._
. Darin beanstandete er insbesondere, dass
die Auszahlung der freien Mittel lediglich
8,33
%
statt 9,1
%
der Freizügigkeitsleistung
betragen hab
e
(
Urk.
10/4
)
.
Das Amt beurteilte im Entscheid vom 18. Januar 2011 das Vorgehen des Stiftungsrates der
B._
als rechtens (
Urk.
2/9
, vgl. auch
Urk.
10/5-7
).
4.
Mit Eingabe vom 1. Juli 2013 liess
X._
beim
Sozialversiche
rungsgericht
des Kantons Zürich Klage gegen die
B._
erheben
und beantragen, die Beklagte sei zu verpflichten, dem Altersguthaben des Klägers den Betrag von
Fr.
8‘700.-- gutzuschrieben und gestützt darauf die Höhe der Rente neu festzulegen, zuzüglich 3
%
Zins seit 30. April 2010 bis 31. Dezember 2011 und 2,5
%
Zins seit 1. Januar 201
2.
Eventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von
Fr.
8‘700.-- auszuzahlen, zuzüglich 3
%
Zins seit 30. April 2010 bis 31. Dezember 2011 und 2,5
%
Zins seit 1. Januar 2012 (
Urk.
1 S. 2). Die
B._
schloss in der Klageantwort vom 1. Oktober 2013 auf Abweisung der Klage (
Urk.
9 S. 2). Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (
Urk.
14,
Urk.
21).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Klage in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das
Sozi
alversicherungsgericht
).
1.2
Die Teilliquidation wurde auf den Stichtag 31. Dezember 2003 beschlossen. Anwendbar ist daher
Art.
23 des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (FZG, in der bis Ende 2004 gültig gewesenen Fassung). Nach
Abs.
1 dieser Bestimmung besteht bei einer Teil- oder Gesamtliquidation der Vorsorgeeinrichtung neben dem An
spruch auf die Austrittsleistung ein individueller oder kollektiver Ansp
ruch auf freie Mittel (Satz 1).
Darüber, ob die Voraussetzungen für eine Teil- oder Gesamtliquidation erfüllt sind, entscheidet die Aufsichtsbehörde, welche gege
benenfalls den von der Vorsorgeeinrichtung erstellten Verteilungsplan zu ge
nehmigen hat (Sätze 2 und 3).
1.
3
Nach der zu
Art.
23
Abs.
1 FZG
(in der bis 31. Dezember 2004 gültig gewesenen Fassung)
ergangenen Rechtsprechung entsteht mit der rechtskräftigen Geneh
migung des Verteilungsplans ein Anspruch auf den entsprechenden Anteil an den freien Mitteln (SVR 2009 BVG
Nr. 33 S. 124
).
Dies bedingt, dass der Ver
teilungsplan die den Versicherten zustehenden Mittel hinreichend genau fest
legt. Er muss freilich nicht die den einzelnen Destinatären zustehenden Beträge zahlenmässig festlegen, wohl aber den Gesamtbetrag der zur Verteilung gelan
genden freien Mittel sowie einen Verteilschlüssel, sodass die einzelnen Beträge im Wesentlichen bestimmt werden können (SVR 2006 BVG Nr. 3
3 S. 127
)
. Es ist somit zulässig, dass der Verteilungsplan bloss die Kriterien oder Bedingungen enthält, unter denen die einzelnen Versicherten einen entsprechenden Anspruch haben. Ob diese Kriterien oder Bedingungen im konkreten Fall erfüllt sind, ist alsdann nicht im Rahmen der Beschwerde ge
gen den Verteilungspla
n
nach
Art.
74 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters
-
, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) von der Aufsichtsbehörde
, sondern als Frage des Voll
zugs b
zw. der Umsetzung dieses Planes
im Streitfall im Verfahren nach
Art.
73
BVG
vom Berufsvorsorgegericht
zu beurteilen (SVR 2005 BVG Nr. 19 S. 6
3, Bundesgerichtsurteil 9C_756/2009
vom 8. Februar 2010
E.
6.6.1).
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob der Kläger einen Anspruch auf eine indi
viduelle Auszahlung weiterer freier
Mittel
aus der Teilliquidation der
APK
hat.
Die Be
klagte hatte aus der Teilliquidation der
APK
nachträglich
nicht
8,33
%
, sondern 9,40
%
zusätzlich zu den früheren kollektiv übertragenen Mitteln erhalten. Der Kläger fordert daher eine individuelle Gutschrift dieser 9,40
%
statt der 8,33
%
der ursprünglichen Freizügigkeitsleistung. Die Differenz von 1,07
%
entspricht dem Betrag von
Fr.
8‘700.--.
3.
3.1
Gestützt auf den Verteilplan vom
23. September 2004/26. Mai 2005 und der damit inhaltlich übereinstimmenden Übernahmevereinbarung zwischen der
APK
und
der
B._
vom 28. November 2005 wurden die freien Mittel aus der
Teilli
quidation
der
APK
der
B._
kollektiv überwiesen.
Gemäss Verteilplan erhielt
en die übernehmenden Stiftungen
an freien Mitteln 8,33
%
der teilnahmeberech
tigten individuellen Freizügigkeitsleistungen. In der Übernahmevereinbarung wurde davon ausgegangen, dass dies
er Prozentsatz
Fr.
15‘
706‘
548.60 entspricht
, w
elcher Betrag
sich nachträglich aber
als zu niedrig erwies
(
Urk.
2/6 S. 5 f.,
Urk.
10/2
-3
).
3.2
Da der
Verteilplan vom 2
3.
September 2004/2
6.
Mai 2005
bei Übertritt der Ver
sicherten
in
eine andere Vorsorgeeinrichtung
(
u
.a. zur
Y._
)
die
kollek
tive Überweisung der freien Mittel vorsieht
(
Urk.
2/6 S. 5 f.)
,
steht fest, dass
kein
Anspruch auf eine individuelle Auszahlung der freien Mittel
besteht
, geschwei
ge denn
ein
solche
r
im Umfang von 9,40
%
der individuellen
Freizügigkeits
leistung
.
Im
Verteilplan wurde der
Verteilschlüssel
auf 8,33
%
der per
Austritts
datum
berechneten Freizügigkeitsleistung
festgelegt
(
Urk.
2/6 S. 5).
Davon ist
im Rahmen der
richterlichen Überprüfung der
Umsetzung
dieses Plans
auszuge
hen.
D
aran ändert nichts, d
ass
der
B._
in d
er Folge 1,07
%
mehr an freien Mitteln überwiesen wurden als ursprünglich vorgesehen
.
3.3
Obschon weder der Verteilplan noch die Übernahmevereinbarung einen An
spruch auf
eine
individuelle Gutschrift des Anteils an den freien Mitteln auslö
sen, gewährte der Stiftungsrat der
B._
mit Beschluss vom 1
1.
Mai 2010 eine
(teilweise) individuelle Verteilung dieser Mittel.
Dabei handelt es sich um eine freiwillige Leistung losgelöst von einem direkt-anspruchsbe
gründenden
Leis
tungs
verhältnis
.
Streitigkeiten bei
solchen
Ermessensleistungen sind auf dem
Ver
w
altungsrechtsweg nach
Art.
74 BVG geltend zu machen (BGE 130 V 80 E.
3.3.3). Hie
r
für ist das Berufsvorsorgegericht nicht zuständi
g. Der Kläger war
zunächst
denn auch
an das Amt für berufliche Vorsorge und Stiftungen des Kantons Zürich gelangt, welches
keinen Anlass sah, das
Vorgehen des
Stif
tungsrates
der
B._
zu beanstanden (
Urk.
2/9).
3.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Verteilungsplan, soweit er für den Kläger relevant ist, keinen Anspruch auf eine individuelle Verteilung der freien Mittel vorsieht. Dementsprechend kann eine solche im Rahmen d
es Vollzugs dieses Plans
auch nicht gefordert werden. Dies führt zur Abweisung der
Klage
.
4.
Art.
73
Abs.
2 BVG schliesst einen Anspruch der obsiegenden Versicherungs-
trägerinnen
auf eine Prozessentschädigung zwar nicht aus. Indes werden den Trägern der beruflichen Vorsorge gemäss BVG beziehungsweise den mit
öffent
lichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in Anlehnung an die Rechtsprechung zu
Art.
159
Abs.
2 des bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege (
Bundesrechts
pflegegesetz
/OG) praxisgemäss keine Parteientschädigungen zugesprochen. Es besteht kein Grund, vorliegend - trotz des entsprechenden Antrags der Beklag
ten – anders zu verfahren (vgl. BGE 128 V 133 E. 5b, 126 V 150 E. 4a, 118 V 169 E. 7 und 117 V 349 E. 8, mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 125 E. 5b und 320 E. 1a und b sowie 112 V 356 E. 6).