Decision ID: bb0aee75-9a93-55e3-9f33-3c81efa96575
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1948, erhielt ab Februar 2012 ergänzend zu ihrer AHV-Altersrente Zusatzleistungen ausgerichtet
und Krankheitskosten
erstattet (vgl.
Urk.
6/68 f.,
Urk.
6/81,
Urk.
6/
114,
Urk.
6/150,
Urk.
6/172
/1
). Mit Verfü
gungen vom
27.
Oktober 2015 forderte die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, Zusatzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend: Durchführungsstelle), von
X._
zuviel
bezogene Zusatzleistungen in der Höhe von
Fr.
24‘794.-- und Krankheits- und Behinderungskosten in der Höhe von
Fr.
3‘860.25 zurück (
Urk.
6/22
, Urk. 6/26).
Die Rückforderungsentscheide blie
ben unangefochten.
X._
wandte sich in der Folge an den Ombudsmann des Kantons Zürich (vgl.
Urk.
6/14). Diesen orientierte die Durchführungsstelle mit Schreiben vom 3
0.
November 2015 über die Gründe für die Rückforderung (
Urk.
6/13).
Sodann
erläuterte
die Durchführungsstelle
X._
anlässlich eines persönlichen Gesprächs
auch mündlich die Sachlage
und schlug eine monat
liche Ratenzahlung vor (vgl.
Urk.
6/12
; vgl. auch
Urk.
6/11
). Am 1
4.
Dezember 2015 stellte
X._
ein Erlassgesuch (Urk. 6/10
/1-2
), welches sie am 2
7.
Dezember 2015 ergänzte (Urk. 6/10
/3-4
).
Mit Verfügung vom 20.
Januar 2016 wies die Durchführungsstelle das Erlassgesuch ab (Urk. 6/9). Die von
X._
dagegen erhobene Einsprache (Urk. 6/8) wies die Durchfüh
rungsstelle mit
Einspracheentscheid
vom
4.
März 2016 ab (Urk. 2 =
Urk.
6/2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
4.
März 2
016 erhob
X._
am 25.
März 2016 Beschwerde und beantragte sinngemäss, ihr Erlassgesuch sei gutzuheissen (Urk. 1). Die Durchführungsstelle beantragte in der Beschwerde
antwort vom 1
3.
April 2016 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind
gestützt auf
Art.
25
Abs.
1
Satz 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 des Bundesgesetzes über Ergänzungs
leistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG)
zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt
(
Art.
25
Abs.
1 Satz 2 ATSG)
.
Die beiden Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein.
Ein gutgläubiger Bezug einer Sozialversicherungsleistung liegt vor, wenn das Bewusstsein über den unrechtmässigen Leistungsbezug fehlt, sofern dieses Feh
len aus objektiver Betrachtungsweise unter den konkret gegebenen Umständen entschuldbar ist. Der gute Glaube, dessen Vorhandensein zu vermuten ist, besteht insbesondere dann, wenn sich die empfangende Person keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht hat. Es ist zu unterscheiden zwischen dem guten Glauben als fehlendem Unrechtsbewusstsein und der Frage, ob sich jemand unter den gegebenen Umständen auf den guten Glauben berufen kann und ob er bei zumutbarer Aufmerksamkeit den entsprechenden Rechtsmangel hätte erkennen sollen
und müssen
.
Ob eine versicherte Person gutgläubig ist, muss in jedem Einzelfall gestützt auf die konkreten Umstände abgeklärt werden (vgl.
zum Ganzen
Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Aufl., Zürich 2015,
Art.
25
Rz
47 ff. mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich auf den Standpunkt, ü
ber die Meldepflicht sei die Beschwerdeführerin orientiert gewesen. Im Rahmen der
periodischen Überprüfung sei s
ie aufgefordert worden
,
genau und detailliert über ihre finan
ziellen Verhältnisse Auskunft zu geben. Die Hinweise über die Meldepflicht seien auch in den der Beschwerdeführerin zugestellten Verfügungen über die Zusatzleistungen enthalten gewesen.
Die Aufnahme der
Erwerbstätigkeit
als „Nanny“ und das mit dieser Tätigkeit erzielte monatliche Einkommen sei zwei
felsohne eine meldepflichtige Tatsache
. Dies zu erkennen setz
e keine besonde
ren rechtlichen Kenntnisse voraus. Der Pflicht zur korrekten Meldung des erzielten Einkommens sei die Beschwerdeführerin nicht nachgekommen. Es liege mithin eine Meldepflichtverletzung vor, was es verbiete, von einem gut
gläubigen Bezug der Ergänzungsleistungen auszugehen. Bei dieser Sachlage entfalle die Prüfung, ob die Rückzahlung für die Beschwerdeführerin eine grosse Härte darstelle (Urk. 2 S. 2,
Urk.
5).
2.2
Die Beschwerdeführerin macht geltend,
seit
dem Jahr 2012
beziehe sie eine
AHV-Altersrente. Da sie keine Altersleistungen der
2.
Säule erhalte, habe sie Ergänzungsleistungen beantragt. Zu diesem Zeitpunkt habe sie nicht gearbeitet. Ab Juli 2012 habe sie
dann
das Kleinkind einer Familie in Zürich betreut. Dafür habe sie Geld bekommen und dieses weder der Durchführungsstelle noch der Steuerbehörde mitgeteilt. Damit habe sie jedoch niemanden schädigen wollen. Vielmehr sei sie der Überzeugung gewesen,
dies nicht
melden zu
müssen, weil sie pensioniert sei. Einen Erlass habe man seitens der Beschwerdegegnerin
abgelehnt, obschon sie in einem persönlichen Gespräch mit Vertretern der Beschwerdegegnerin beteuert habe, unwissend gewesen
zu sein
.
Dies treffe effektiv zu
,
dennoch
sei ihr kein Glaube geschenkt worden (Urk. 1 S. 1).
3.
3.1
Über die Rückforde
rung wurde rechtskräftig entschie
den
(Urk. 6/23, Urk. 6/26)
. Diese ist
somit nicht
(mehr) Gegenstand der gerichtlichen Beurteilung, was von der Beschwerdeführerin zu Recht auch nicht geltend g
emacht wird. Zu beurtei
len ist das Erlassgesuch der Beschwerdeführerin (Urk.
6/10/1-4
). Erste Erlass
voraussetzung ist das Vorliegen des guten Glaubens beim Bezug der z
urückzu
erstattenden Leistungen.
3.2
Auf die im Gesetz ausdrücklich verankerte Meldepflicht (
Art.
31 ATSG) wurde die Beschwerdeführerin in den verschiedenen Leistungsverfügungen respektive den dazugehörigen Berechnungsblättern explizit und ausführlich hingewiesen
. Namentlich hervorzuheben
sind die
Hinweise auf die Meldepflicht bei Auf
nahme oder Aufgabe einer Erwerbstätigkeit respektive
bei einer
Änderung des Einkommens
.
Ebenfalls
hingewiesen wurde die Beschwerdeführerin in den Leistungsentscheiden auch auf die Folgen der Missachtung der Meldepflicht
(vgl.
Urk.
6/81/2
f.
,
Urk.
6/114/2 f.,
Urk.
6/
150/2 f.
,
Urk.
6/172/2
).
Nicht
nur
die Leistungsverfügungen enthalten explizite Hinweise auf die Meldepflicht und die Unterlassungsfolgen. Entsprechende Hinweise enthalten auch die der Beschwer
deführerin
im Zusammenhang mit der periodischen Anspruchsprüfung
abgege
benen
Formulare und Unterlagen
(vgl.
Urk.
6/52
,
Urk.
6/139
).
3.3
Die Aufnahme einer unbefristeten Erwerbstätigkeit
im Lauf des Jahres 2012
mit einem nicht unerheblichen monatlichen Einkommen
von knapp
Fr.
3‘900.-- (vgl.
Urk.
6/10)
stellt
klarerweise
eine meldepflichtige Tatsache dar. Dass die Beschwerdeführerin trotz der
wiederholten
expliziten Hinweise auf die Melde
pflicht
bereits bei der ersten Leistungszusprechung im August 2012
jener
nicht nachkam, lässt sich nicht anders als zumindest grobfahrlässig bezeichnen.
Aus objektiver Sicht ist die geltend gemachte Unwissenheit bezüglich der Melde
pflicht (Urk. 1 S. 2,
Urk.
6/3/1 f.,
Urk.
6/19) nicht nachvollziehbar.
Die Beschwerde
führerin wurde von der Beschwerdegegnerin wiederholt
ausdrück
lich
darauf hingewiesen,
was ihr bei der von ihr zu erwartenden Aufmerksam
keit nicht entgangen sein kann
.
Anhaltspunkte, die Beschwerdeführerin sei ins
besondere aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage gewesen, ihrer Mel
depflicht nachkommen zu können, fehlen sodann.
3.4
Bei der gegebenen Sachlage kann
sich die Beschwerdeführerin
nicht
auf ihre Unwissenheit und damit den
gute
n
Glaube
n
beim B
ezug der Leistungen
berufen
.
Ein gutgläubiger Bezug liegt klarerweise nicht vor.
Damit ist eine
der kumulativ erforderlichen Erlassvoraussetzungen nicht erfüllt und dem Gesuch kann nicht stattgegeben werden. Dem
nachvollziehbaren
Standpunkt, die Angelegenheit sei in erster Linie nicht unter juristischen, sondern unter menschlichen Gesichts
punkten zu beurteilen
(Urk. 1 S. 2
)
, kann nicht gefolgt werden. Weder der Beschwerdegegnerin noch dem Gericht ist es - insbesondere
unter dem Gesichtswinkel
der Rechtsgleichheit - erlaubt
,
im Gesetz
nicht vorgesehene Entscheidungskriterien zu berücksichtigen.
Der Hinweis
der Beschwerdeführerin, sie sei nicht nur mit einer Rückforderung von bezogenen Ergänzungsleistungen konfrontiert, sondern sie habe auch Prämienverbilligungen der Krankenkasse
zurückzuerstatten und
Nachsteuern
zu bezahlen
(Urk.
1 S.
1; vgl. auch
Urk.
3), betrifft sodann nicht
den Aspekt
des guten Glaubens, sondern
denjenigen
der grossen Härte. Wie bereits erwähnt
,
ist diese Erlassvoraussetzung vorliegend
jedoch
nicht zu prüfen, da es an einem gutgläubigen Bezug von Zusatzleistungen mangelt.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Entscheid der Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden und daher die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.