Decision ID: a67a7f3c-04bb-5ec5-85af-f941fc7d6fe8
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
J._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Storchenegger, Rorschacher Strasse 107,
9000 St. Gallen,
gegen
Basler Versicherungs-Gesellschaft, Aeschengraben 21,
Postfach, 4002 Basel,
Beschwerdegegnerin,
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St.Galler Gerichte
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Krauter, S-E-K Advokaten, Dorfstrasse 21,
8356 Ettenhausen TG,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1971 geborene J._ erlangte nach einer 3-jährigen Lehre am 17. April 1991
das Fähigkeitszeugnis als Maurer (act. 5/144). In der Folge war er bei verschiedenen
Arbeitgebern als Maurer tätig (act. 5/142, 145-147). Am 2. Juli 1997 erwarb er das
Diplom als Baupolier (act. 5/149) und arbeitete in der Folge vom 27. Oktober 1997 bis
31. Dezember 1999 bei der A._ als Baupolier (act. 7/118).
A.b Vom 1. Juni 2000 bis 31. Mai 2001 arbeitete J._ vollzeitlich als
Serviceangestellter im B._ (vgl. Unfallmeldung vom 2. August 2000 [act. 2/74] und
Lohnbestätigung vom 11. April 2002) und war aufgrund dieser Tätigkeit bei der Basler
Versicherungsgesellschaft (nachfolgend: Basler) gegen die Folgen von Unfällen
versichert. Gemäss seinem Bewerbungsdossier (act. 5/139) sowie der
Arbeitsbestätigung vom 9. April 2003 (act. 7/129) hatte J._ bereits vor dem 1. Juni
2000 im B._ gearbeitet (ab 1. März 1999 bzw. Januar 2000), offenbar jedoch nur
aushilfsweise (vgl. dazu act. 9/118). Am 25. Juni 2001, d.h. innerhalb der 30-tägigen
Nachdeckungsfrist, stiess der Versicherte beim Velofahren mit einer Inlineskaterin
zusammen und zog sich dabei eine OSG-Trimalleolar-Luxationsfraktur am linken Fuss
zu, die am 3. Juli 2001 im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) operativ versorgt werden
musste (act. 2/74, 3/45, 3/51, 8/1). Vom 6. bis 24. August 2001 hätte der Versicherte
einen militärischen Wiederholungskurs (WK) absolvieren müssen (act. 5/39), konnte
dieser Pflicht jedoch infolge des Unfalls nicht nachkommen. Nachdem sich eine
posttraumatische OSG-Arthrose verbunden mit Schmerzen und einer
Bewegungseinschränkung sowie eine anhaltende 100%-ige Arbeitsunfähigkeit
entwickelt hatte (act. 3/1 ff., 4/1-17, act. 6/1 ff.), meldete sich der Versicherte am 26.
April 2002 bei der IV-Stelle des Kantons Thurgau zum Bezug von
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Versicherungsleistungen an (act. 7/133-138). Mit Verfügung vom 4. Juli 2003 erteilte die
IV-Stelle Kostengutsprache für eine Umschulung zum Technischen Kaufmann mit
eidgenössischem Fachausweis (act. 7/46). Der Versicherte absolvierte diese
Ausbildung im Zeitraum vom April 2003 bis Oktober 2004 und schloss sie erfolgreich
ab (act. 5/152, 5/154, 7/1). Ab August 2005 arbeitete er bei der C._ auf
Stundenlohnbasis (act. 5/95) und ab dem 1. Dezember 2005 bis Ende Juli 2007 in einer
festen Anstellung (act. 2/7 f.). Dafür wurde anfänglich ein Bruttomonatslohn von Fr.
5'200.-- vereinbart (act. 2/7 f., act. 5/84-90). Dieser erhöhte sich ab August 2006 auf Fr.
5'400.-- (act. 5/83) und ab Januar 2007 auf Fr. 5'500.-- (act. 5/78). Arbeitsvertraglich
war ausserdem ein 13. Monatslohn vereinbart (act. 2/7 f.). Per Ende Juli 2007 wurde
das Arbeitsverhältnis aufgelöst. Inzwischen hatte die Basler dem Rechtsvertreter des
Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. M. Storchenegger, St. Gallen, im Rahmen des
rechtlichen Gehörs mit Schreiben vom 30. Oktober 2006 mitgeteilt, dass sie nach der
Umschulung zum Technischen Kaufmann mit eidgenössischem Fachausweis und
Festanstellung bei der C._ per 1. Dezember 2005 gemäss entsprechendem
Arbeitsvertrag von einem Invalideneinkommen von Fr. 67'600.-- ausgehe. Unmittelbar
vor dem Unfall bzw. sicher seit dem 1. Juni 2000 sei der Versicherte im B._ als
Serviceangestellter sowie Geschäftsführer-Stellvertreter angestellt gewesen, und habe
dabei einen Verdienst von monatlich Fr. 3'000.-- erzielt. Es lägen keine konkreten
Anhaltspunkte dafür vor, dass der Versicherte wieder in seine frühere Tätigkeit als
Baupolier zurückgekehrt wäre, weshalb für die Bestimmung des Valideneinkommens
von einer Tätigkeit im Gastgewerbe auszugehen sei. Gemäss Landes-
Gesamtarbeitsvertrag (L-GAV) des Gastgewerbes habe ein Mitarbeiter mit Berufslehre
oder gleichwertiger Ausbildung im Jahr 2005 einen Monatslohn von Fr. 3'560.-- erzielt.
Es sei damit von einem Valideneinkommen von Fr. 46'280.-- (13 x Fr. 3'560.--)
auszugehen. Aus der Gegenüberstellung von Invaliden- und Valideneinkommen ergebe
sich keine Erwerbseinbusse, die Anspruch auf eine Invalidenrente auslösen würde.
Hingegen könnten dem Versicherten aufgrund eines massgebenden Jahresverdienstes
von Fr. 106'800.-- sowie eines Integritätsschadens von 30% eine
Integritätsentschädigung von Fr. 32'040.--, die Übernahme weiterer
Heilbehandlungskosten im Zusammenhang mit dem Unfall vom 25. Juni 2001 sowie
der Kosten eines Paars MBT-Schuhe pro Jahr abzüglich Selbstbehalt zugesichert
werden (act. 5/170). Mit Schreiben vom 17. November 2006 teilte der Rechtsvertreter
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des Versicherten der Basler mit, dass die Höhe der Integritätsentschädigung akzeptiert,
die Aberkennung einer unfallbedingten Erwerbseinbusse hingegen abgelehnt werde
und mindestens zwei Paar MBT-Schuhe pro Jahr beantragt würden. Nach weiteren
Briefwechseln mit dem Rechtsvertreter des Versicherten (act. 5/113, 5/114-116,
5/118f., 5/125f.) erliess die Basler am 19. Juli 2007 eine Verfügung im Sinn ihres
Schreibens vom 30. Oktober 2006 (act. 5/106-110).
B.
Die gegen diese Verfügung von Rechtsanwalt Storchenegger für den Versicherten am
13. September 2007 erhobene Einsprache mit den Anträgen, dem Einsprecher sei
rückwirkend auf den 1. November 2004 eine Invalidenrente nach Massgabe des
jeweiligen Invaliditätsgrads zuzusprechen und ein Betrag von Fr. 1'095.-- für bisher
seitens der Unfallversicherung nicht erstattete Auslagen zur Anschaffung von MBT-
Schuhen anzuweisen (act. 5/7-23), wies die Basler mit Entscheid vom 18. März 2008
ab (act. 5/1-4).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte durch seinen
Rechtsanwalt mit Eingabe vom 14. April 2008 Beschwerde erheben und beantragen, es
sei ihm rückwirkend ab 1. November 2004 eine Invalidenrente nach Massgabe des
jeweiligen Invaliditätsgrads zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wird im Wesentlichen geltend
gemacht, der Beschwerdeführer habe im ganzen Abklärungsverfahren der
Unfallversicherung unbeirrt darauf hingewiesen, dass die Absicht bestanden habe, im
Sommer 2001 zunächst den WK zu absolvieren und sich aus diesem heraus oder
unmittelbar danach eine geeignete Stelle im angestammten Beruf als Maurerpolier zu
suchen. Seine Tätigkeit im Gastgewerbe sei lediglich von vorübergehender Dauer
gewesen. Die Anforderungen an den Nachweis eines Wiedereinstiegs in den
angestammten Beruf (Maurerpolier), für welche Tätigkeit er die notwendigen Ausweise
seit 1999 besessen habe, würden völlig überdehnt, wenn wie bei einer beruflichen
Weiterentwicklung oder einem beruflichen Aufstieg der Nachweis konkreter Schritte
wie Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums, Ablegen von Prüfungen usw. verlangt
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werde. Bei der Berechnung des Valideneinkommens sei vom hypothetischen Lohn
eines Baupoliers auszugehen.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 23. Mai 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Dass der Beschwerdeführer nach dem WK im August
2001 wieder eine Stelle als Baupolier gesucht und angenommen hätte, stelle eine reine
Parteibehauptung und damit eine blosse Hypothese dar, die darauf abziele, ein
höheres Valideneinkommen geltend zu machen und dadurch eine Invalidenrente zu
erwirken. Bis dato seien vom Beschwerdeführer weder konkrete Stellenbewerbungen
noch Absagen oder gar ein Arbeitsvertrag ins Recht gelegt worden. Auch der
Wiedereinstieg in eine früher ausgeübte Tätigkeit müsse mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erstellt sein. Bei einem gewünschten Stellenantritt am 27. August 2001 hätte er bereits
im Juni 2001 erste Bewerbungen einreichen müssen, da er sich während des WKs im
August 2001 kaum intensiv darum hätte kümmern können. Vor diesem Hintergrund sei
von einem Valideneinkommen im Rahmen einer Tätigkeit im Gastgewerbe auszugehen.
Eine solche Tätigkeit habe der Beschwerdeführer vor dem Unfall während mindestens
eineinhalb Jahren ausgeübt.
C.c Mit Replik vom 17. Juni 2008 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
unverändert an seinem Antrag und seinen Standpunkten fest. Mit Duplik vom 16. Juli
2008 erneuerte auch die Beschwerdegegnerin ihren Antrag auf Abweisung der
Beschwerde. - Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den
Inhalt der weiteren Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitig und materiell zu prüfen ist vorliegend die Höhe des Invaliditätsgrads bzw. des
Rentenanspruchs des Beschwerdeführers. Die Beschwerdegegnerin wies im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 18. März 2008 einen Anspruch auf eine
Invalidenrente der Unfallversicherung vollumfänglich ab. Der Rechtsvertreter des
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Beschwerdeführers verlangt diesbezüglich die Aufhebung des Einspracheentscheids,
wobei er vorab das von der Beschwerdegegnerin für die Bestimmung des
Invaliditätsgrads im Einspracheverfahren angenommene Valideneinkommen von Fr.
46'280.-- für eine Tätigkeit im Gastgewerbe rügt. Dem Einkommensvergleich sei - wie
von der Invalidenversicherung gemacht - ein hypothetisches Valideneinkommen als
Baupolier zugrunde zu legen.
2.
2.1 Das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) hat in BGE 131 V 362 festgehalten
und in BGE 133 V 549 bestätigt, dass die Invaliditätsschätzung der
Invalidenversicherung bzw. das hierbei ermittelte Validen- und Invalideneinkommen
gegenüber dem Unfallversicherer keine Bindungswirkung entfaltet.
2.2 Nach Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) besteht Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn der Versicherte infolge
eines Unfalls zu mindestens 10% invalid ist. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
2.3 Der Wortlaut von Art. 16 ATSG bringt klar zum Ausdruck, dass es sich beim Vali
deneinkommen um eine hypothetische Grösse handelt. Es ist nicht nach dem zur Zeit
des Unfalls aktuellen Verdienst zu fragen; vielmehr ist entscheidend, was die
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versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt, d.h. im Zeitpunkt des Rentenbeginns,
ohne versicherte gesundheitliche Beeinträchtigung bei sonst gleichen Verhältnissen
wahrscheinlich verdienen würde. Bei der Ermittlung des Valideneinkommens stellt sich
zunächst die Frage, welche Tätigkeit die versicherte Person ohne Unfall ausüben
würde. Ist die massgebende Tätigkeit für das Valideneinkommen bestimmt, bleibt die
Frage nach dessen Grösse. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu
erfolgen. Bei der Beurteilung, was die versicherte Person ohne versicherte
Gesundheitsschädigung beruflich-erwerblich erreicht hätte, ist von der empirischen
Erfahrung auszugehen, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre, insbesondere wenn sie der Ausbildung der versicherten
Person entspricht und/oder diese diese Tätigkeit über längere Zeit hin ausgeübt hat, so
dass sich die Orientierungsdaten der beruflichen Entwicklung im Alltag verfestigt
haben. Ausnahmen, d.h. abweichende bzw. zu erwartende berufliche Entwicklungen,
müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein. Berufliche Umstellungen
sind dann zu berücksichtigen, wenn sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eingetreten
wären. Für die Annahme eines geltend gemachten Berufswechsels wird verlangt, dass
konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person ihre Tätigkeit
tatsächlich gewechselt hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Die
Voraussetzungen können etwa gegeben sein, wenn die Tätigkeit zur Zeit des Unfalls
nur vorübergehend oder unfreiwillig gewählt wurde. Eine Rückkehr zum gelernten Beruf
anzunehmen ist gerechtfertigt, solange noch eine gewisse Bindung zu bejahen ist, so
dass eine reale Rückkehrmöglichkeit besteht. Sie ist eher als unwahrscheinlich zu
betrachten, wenn der Weggang von der beruflichen Tätigkeit einige Zeit zurückliegt und
die konkreten Umstände ein Zurück nicht ohne weiteres erwarten lassen (Peter Omlin,
Die Invalidität in der obligatorischen Unfallversicherung, Diss. Freiburg 1995, S. 168 ff.).
2.4 Mit Blick auf die Frage nach der massgebenden Tätigkeit rechtfertigt es sich, den
Begriff des Verlustes der Erwerbsmöglichkeiten heranzuziehen, der ein Element der in
Art. 7 ATSG definierten Erwerbsunfähigkeit bildet. Art. 7 ATSG weist Bezüge zu Art. 8
Abs. 1 und Art. 16 ATSG auf. Art. 8 ATSG umschreibt unter direkter Bezugnahme auf
die in Art. 7 ATSG enthaltene Definition der Erwerbsunfähigkeit die Invalidität und
Art. 16 ATSG ordnet die Bestimmung des Invaliditätsgrads. Letzterer ist, wie bereits
erwähnt, durch einen Einkommensvergleich bzw. durch einen Vergleich des
Valideneinkommens mit dem Invalideneinkommen zu ermitteln (Ueli Kieser, ATSG-
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Kommentar, S. 93 N 2 zu Art. 7; S. 156 N 6 zu Art. 16). Insofern ist auch das
Valideneinkommen insbesondere unter Berücksichtigung des in Art. 7 ATSG
angeführten Elements des Verlustes der Erwerbsmöglichkeiten festzulegen. Die
Erwerbsmöglichkeiten sind "die der versicherten Person zustehenden subjektiven
Möglichkeiten, eine Erwerbstätigkeit auszuüben [...]. Damit ist massgebend, in
welchem Ausmass die versicherte Person Fähigkeiten aufweist, im Hinblick auf die
Erzielung von Gütern tätig zu sein [...]. Dazu zählen gesundheitliche Aspekte, der
Ausbildungsstand, die Erfahrung, das Alter und weitere vergleichbare Kriterien" (Kieser,
a.a.O., S. 97 N 14 f. zu Art. 7). Es geht hier also nicht um das konkrete, im Zeitpunkt
des Unfalls aktuelle Erwerbsverhalten, sondern um die Erwerbsmöglichkeiten auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt unter Einbezug aller Kenntnisse, Erfahrungen und
Fähigkeiten (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29.
August 2007 i/S P. C. [IV 2007/155]).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer verunfallte am 25. Juni 2001. Vor dem Unfall war er
längstens vom Januar 2000 bis 31. Mai 2001, d.h. während knapp eineinhalb Jahren,
vollzeitlich als Serviceangestellter und stellvertretender Geschäftsführer im B._ bzw.
im Gastgewerbe tätig. Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, dass
der Beschwerdeführer ohne Unfall auch in Zukunft weiter im Gastgewerbe tätig
gewesen wäre und knüpft damit an der empirischen Erfahrung an, dass im Regelfall die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Der
Beschwerdeführer wendet demgegenüber ein, dass er in Zukunft ohne Unfall wieder
zum erlernten Beruf als Maurerpolier zurückgekehrt wäre. - Aufgrund der
nachfolgenden Erwägungen ist nach Meinung des Gerichts im Fall des
Beschwerdeführers bei der Bemessung des Valideneinkommens eine Rückkehr in den
erlernten Beruf zu berücksichtigen. Massgebend erscheinen dabei seine Biographie
und seine Erwerbsmöglichkeiten, gegenüber denen die empirische Vermutung, dass
eine versicherte Person die vor dem Unfall ausgeübte Tätigkeit in Zukunft ohne Unfall
weiter ausgeübt hätte, eindeutig in den Hintergrund tritt.
3.2 Der Zeitraum von eineinhalb Jahren, während dem der Beschwerdeführer im
Gastgewerbe und damit nicht in dem von ihm effektiv erlernten Beruf tätig gewesen ist,
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kann zwar nicht als sehr kurz bezeichnet werden, einer langjährigen Berufsabwesenheit
kommt er dennoch in keiner Weise gleich. Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt des
Unfalls erst 34 Jahre alt. In diesem Alter bei einer knapp eineinhalbjährigen beruflichen
Abwesenheit bereits von einer Verfestigung der beruflichen Entwicklung zu sprechen,
erscheint unrealistisch. Der Beschwerdeführer erlangte im Jahr 1991 den
Fähigkeitsausweis als Maurer und im Jahr 1997 das Diplom als Baupolier. Vor der
Aufnahme der Tätigkeit im B._ im Januar bzw. Juni 2000 war er während rund acht
Jahren durchgehend als Maurer bzw. Baupolier tätig und verfügt damit - wenn auch
noch nicht als Baupolier - über eine mehrjährige Berufserfahrung im Baugewerbe. Die
in den Akten liegenden Arbeitszeugnisse belegen sodann einen befähigten
Baufachmann. Bei dieser Sachlage ist trotz des knapp eineinhalbjährigen
Berufswechsels davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer durchaus die
Möglichkeit gehabt hätte, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt jederzeit wieder eine
Stelle als Baupolier zu bekommen bzw. in seine angestammte Tätigkeit
zurückzukehren. Dies gilt insbesondere auch deshalb, weil der angestammte Beruf des
Beschwerdeführers keiner ausgesprochen schnellen Wandlung unterliegt und die
knapp eineinhalbjährige Abwesenheit die früher erworbenen Berufskenntnisse nicht
wertlos werden liess. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer als Maurer eine weitere
Ausbildung als Baupolier absolvierte und auch im Rahmen der Umschulung durch die
Invalidenversicherung mit Erfolg eine qualifizierte Ausbildung als Technischer
Kaufmann durchlief, macht im übrigen deutlich, dass es sich bei ihm um eine beruflich
flexible Person handelt. Mit Rücksicht hierauf sind die Erwerbsmöglichkeiten des
Beschwerdeführers trotz der eineinhalbjährigen Berufsabwesenheit nicht durch die
zwischenzeitlich ausgeübte Tätigkeit im Gastgewerbe, sondern durch den erlernten –
und offenkundig besser entschädigten - Beruf des Baupoliers zu bestimmen. Die
Ermittlung des Valideneinkommens hat sich entsprechend nach dieser Tätigkeit zu
richten.
3.3 Der Umstand, dass der Beschwerdeführer im Anschluss an seine Tätigkeit im
B._ ab 26. Juni 2001 wieder eine Stelle im Gastgewerbe, d.h. im Gasthaus D._
antreten wollte, vermag diese Beurteilung nicht zu erschüttern. Der Beschwerdeführer
räumt zwar ein, er habe nach langjähriger Tätigkeit auf dem Bau einmal etwas völlig
anderes machen wollen. Auch eine weitere Anstellung im Gastgewerbe hätte jedoch
die Erwerbsmöglichkeiten des Beschwerdeführers als Baupolier nicht eingeschränkt.
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Im Übrigen erscheint es aufgrund der Akten auch nicht überwiegend wahrscheinlich,
dass die Entwicklung hin zur Tätigkeit im Gastgewerbe einem ausdrücklich geplanten
Berufswechsel entsprach. Die letzte Tätigkeit des Beschwerdeführers als Baupolier bei
der A._ endete am 31. Dezember 1999 nicht auf seinen Wunsch, sondern infolge
Betriebsschliessung der Arbeitgeberin (act. 7/121, 128). Im Anschluss daran wurde ihm
die Stelle im B._ angeboten, wo infolge krankheitsbedingten Ausfalls einer
Mitarbeiterin eine Vertretung gesucht wurde (act. 7/101). Das Arbeitsverhältnis wurde
auf Wunsch des Beschwerdeführers per 31. Mai 2001 wieder aufgelöst (act. 7/115,
129). Am 6. August 2001 hätte der Beschwerdeführer sodann in den WK einrücken
müssen (act. 5/39), während dem keine berufliche Tätigkeit ausgeübt werden kann. Bis
dahin verblieben ihm nur zwei Monate. Die aus dem Umstand, dass er in dieser Zeit
keine Bewerbungen als Baupolier veranlasste, gezogene Schlussfolgerung der
Beschwerdegegnerin, eine Rückkehr in die angestammte Tätigkeit sei damit
unwahrscheinlich gewesen, vermag nicht zu überzeugen. Per 26. Juni 2001, d.h. 1
Monat vor dem WK, bot sich dem Beschwerdeführer kurzfristig die Gelegenheit einer
Anstellung im Gasthaus D._. Laut Schreiben des Arbeitgebers vom 28. August 2001
(act. 5/34) handelte es sich dabei wiederum um eine Aushilfsstelle infolge einer
personellen Notlage. Die berufliche Flexibilität, die er mit den Stellenantritten im
Gastgewerbe gezeigt hat, darf ihm nicht so ohne Weiteres einfach zur Last gelegt
werden. Das Schreiben des Arbeitgebers vom 28. August 2001 entkräftet im Übrigen
auch den Einwand der Beschwerdegegnerin, wonach es sich beim Schreiben des
gleichen Arbeitgebers vom 22. Juni 2005 (act. 5/138) nicht um eine echtzeitlich
ausgestellte Bestätigung handle. Gegenüber der Beschwerdegegnerin äusserte der
Beschwerdeführer zudem am 15. Januar 2002, dass er nur aushilfsweise als
Servicefachangestellter gearbeitet habe. Eigentlich sei der Einsatz im B._ nicht so
lange geplant gewesen, das Jahr habe sich dann aber einfach so ergeben (act. 2/64).
Der Umstand, dass sich der Beschwerdeführer nicht zum Bezug von Leistungen der
Arbeitslosenversicherung angemeldet und die Stelle im Gastgewerbe im Sinn eines
Zwischenverdienstes angetreten hat, erscheint schliesslich in seiner Lebenssituation
(34 Jahre alt, unverheiratet, keine Kinder) nicht aussergewöhnlich.
3.4 Zusammenfassend gilt es damit festzuhalten, dass für die Bestimmung des
Invaliditätsgrads von einem Valideneinkommen entsprechend der Tätigkeit als
Baupolier auszugehen ist. Für die abschliessende Durchführung des
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Einkommensvergleichs auf dieser Basis ist die Streitsache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.
4.1 Klärend ist in diesem Zusammenhang vorweg zu nehmen, dass für die in Art. 18
Abs. 2 UVG vorgesehene Gegenüberstellung von Validen- und Invalideneinkommen die
hypothetischen Erwerbseinkommen im Zeitpunkt des Beginns eines allfälligen
Rentenanspruchs massgebend sind. Bevor der Unfallversicherer über einen
Leistungsanspruch befindet, muss er indessen prüfen, ob allenfalls in der dem
Rentenbeginn folgenden Zeit bis zum Erlass des Einspracheentscheids (18. März 2008;
vgl. dazu BGE 132 V 393 E. 2.1, 129 V 222 und 128 V 174 [übersetzt in Pra 2003 Nr.
62, 309] je mit Hinweisen) eine erhebliche Veränderung der hypothetischen
Bezugsgrössen eingetreten ist. Gegebenenfalls hat er vor seinem Entscheid einen
weiteren Einkommensvergleich durchzuführen. Der Rentenanspruch entsteht, wenn
von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes des Versicherten mehr erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind (Art. 19
Abs. 1 UVG). - Im Oktober 2004 hat der Beschwerdeführer die ihm von der IV
finanzierte Umschulung zum Technischen Kaufmann mit eidgenössischem
Fähigkeitsausweis erfolgreich abgeschlossen (act. 5/154). Der Rentenanspruch
gegenüber der Beschwerdegegnerin ist damit am 1. November 2004 entstanden. In
diesem Zeitpunkt hatte der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz nicht mehr im Kanton
Thurgau, sondern im Kanton St. Gallen (act. 7/100). Bei der Bemessung des
Valideneinkommens ist deshalb auf den Lohn, welcher der Beschwerdeführer im Jahr
2004 im Kanton St. Gallen - ausserhalb der Stadt St. Gallen - als Baupolier hätte
erzielen können, abzustellen. Die Verfahrensparteien gehen sodann bis zum Erlass des
angefochtenen Einspracheentscheids übereinstimmend von einem jährlichen
Nominallohnwachstum von 1.5 % aus.
4.2 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ -
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die
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ihm verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das
Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint,
gilt grundsätzlich der von ihr tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist das
Invalideneinkommen, wie bereits erwähnt, eine hypothetische Grösse, zu deren
Festlegung nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne beigezogen werden können (BGE
126 V 75; Kieser, a.a.O., Art. 16 Rz. 13 f.). - Während des im vorliegenden Fall zu
prüfenden Zeitraums (1. November 2004 bis 18. März 2008) war der Beschwerdeführer
überwiegend, d.h. von August 2005 bis Juli 2007, als Mitarbeiter AVOR/Stellvertreter
Einkauf bei der C._ angestellt (act. 5/71-95, act. 2/7 f.). Angesichts dieses Umstands
erscheint es angemessen, bei der Berechnung des Invalideneinkommens auch für die
kurzen Zeiträume, in denen er nicht bei der C._ tätig war (1. November 2004 bis Juli
2005, August 2007 bis 18. März 2008), hypothetisch auf das dort tatsächlich erzielte
Einkommen im Sinn einer zumutbaren Erwerbstätigkeit abzustellen. Der
Beschwerdeführer war bei der C._ von August bis November 2005 auf
Stundenlohnbasis (Stundenlohnansatz = Fr. 29.05) und ab dem 1. Dezember 2005 bis
Ende Juli 2007 in einer festen Anstellung tätig (act. 5/92-95, act. 2/ 7 f.). Auf
Stundenlohnbasis erzielte er ein durchschnittliches Monatseinkommen von rund Fr.
4'890.-- (act. 5/92-95). Demgegenüber betrug der Monatslohn während der festen
Anstellung anfänglich Fr. 5'200.-- (act. 2/7, act. 5/84-91), von August bis Dezember
2006 Fr. 5'400.-- (act. 5/79-83) und ab Januar 2007 Fr. 5'500.-- (act. 71-78). Insgesamt
betrachtet bzw. angesichts der zeitlichen Verhältnisse rechtfertigt es sich, das
Invalideneinkommen auch von August bis November 2005 basierend auf den während
der festen Anstellung ausbezahlten Monatslöhnen im Sinn von zumutbaren
Monatslöhnen zu berechnen.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 18. März 2008 gutzuheissen und die Angelegenheit zur
abschliessenden der Invaliditätsbemessung und Rentenfestsetzung im Sinn der
Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Gerichtskosten sind keine
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zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat der Beschwerdeführer bei diesem
Verfahrensausgang Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Diese ist
wie in gleichartigen Verfahren ohne mündliche Verhandlung auf pauschal Fr. 4'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Eine höhere
Entschädigung erscheint nicht ausgewiesen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG