Decision ID: 8e0f528c-7d8f-5a12-8572-1d69687daefd
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezog seit längerem eine halbe Rente der Invalidenversicherung (EL-
act. 30-6). Im September 2019 meldete er sich zum Bezug von Ergänzungsleistungen
an (EL-act. 26). Im Anmeldeformular gab er an, dass er bei der B._ arbeite und
monatlich Fr. 2'000.-- brutto verdiene. Seine Ehefrau, C._ gab an, dass sie bis im
Jahr 2010 bei der D._ AG gearbeitet habe. In den letzten Monaten habe sie sich nicht
um eine Arbeitsstelle bemüht. Der Versicherte reichte unter anderem eine Mitteilung
der AHV-Ausgleichskasse E._ vom 20. Dezember 2018 betreffend die ab 1. Januar
2019 auszurichtende Invalidenrente von Fr. 577.-- (EL-act. 30-6), eine Bestätigung des
Unfallversicherers vom 9. Januar 2018 betreffend eine im Jahr 2017 ausgerichtete
Invalidenrente von Fr. 23'076.-- (EL-act. 27), Lohnabrechnungen der B._ betreffend
die Monate Mai bis September 2019 (EL-act. 30), einen Mietvertrag vom 8. Oktober
2015 (EL-act. 31), Saldoausweise von zwei Bankkonti (EL-act. 28) sowie die
Versicherungspolicen für die obligatorische Krankenpflegeversicherung für ihn und
seine Ehefrau ab 1. Januar 2019 (EL-act. 32) ein.
A.a.
Die EL-Durchführungsstelle stellte am 17. Oktober 2019 mehrere Rückfragen und
bat den Versicherten um die Einreichung von weiteren Unterlagen (EL-act. 20). Unter
anderem fragte sie, weshalb es dem Versicherten nicht möglich sei, mit dem Zug zur
Arbeit zu fahren. Zur Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Versicherten hielt sie fest, dass
die Ehefrau seit dem Jahr 2010 keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen sei. Im
A.b.
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Jahr 2013 sei ihr Gesuch um eine Invalidenrente abgewiesen worden. Sie fragte, ob
sich der Gesundheitszustand der Ehefrau seither verbessert respektive verschlechtert
habe und bat um die Einreichung eines Berichts, falls sich der Gesundheitszustand
verschlechtert haben sollte. Im Weiteren hielt sie fest, dass der Ehefrau eine
Schadenminderungspflicht obliege, weshalb sie alles ihr Zumutbare tun müsse, um den
Schaden zu mindern. Aus diesem Grund habe die EL-Durchführungsstelle die
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau zu prüfen. Um
einer Anrechnung zu entgehen, seien getätigte Arbeitsbemühungen vorzuweisen. Der
Versicherte reichte am 20. November 2019 Bankkontoauszüge ab 1. Januar 2019 bis
31. Oktober 2019 ein (EL-act. 17). Er gab an, dass er auf ein Fahrzeug angewiesen sei,
da er nicht schwer tragen könne und zweimal pro Monat eine Kontrolle beim Hausarzt
habe. Mit dem Fahrzeug sei der Ausfall an der Arbeitsstelle um einiges tiefer. Von der
Bushaltestelle bis zu seiner Arbeitsstelle sei es ein Stück Fussweg, was seine
Verletzung und die Müdigkeit im Bein verschlechtern würde. Da er auf ein Fahrzeug
angewiesen sei, würde die Fahrt mit dem Zug oder Bus nur Mehrkosten bedeuten.
Richtig sei, dass das Gesuch seiner Ehefrau um eine Invalidenrente im Jahr 2013
abgelehnt worden sei. Seither gehe es ihr nicht besser. Der Gesundheitszustand sei
derselbe geblieben. Es seien immer noch Arztbesuche und Therapien nötig. Nach dem
ablehnenden IV-Entscheid habe sie sich beim RAV melden müssen. Sie habe, leider
erfolglos, zwei Jahre lang intensiv nach einer Arbeit gesucht. Zurzeit tätige sie
telefonische Bewerbungen, da jede Bewerbung mit Kosten verbunden sei. Sie werde
meistens nach dem Grund des Ausfalls gefragt und sei bis jetzt immer direkt abgelehnt
worden. Am 11. Dezember 2019 teilte er mit, auf welche Stellen sich seine Ehefrau in
der letzten Zeit telefonisch beworben habe (EL-act. 14).
Mit einer Verfügung vom 24. Dezember 2019 wies die EL-Durchführungsstelle das
Gesuch um Ergänzungsleistungen ab 1. September 2019 ab (EL-act. 9). In der
Anspruchsberechnung berücksichtigte sie für die Zeit ab 1. September 2019 bis
31. Dezember 2019 als anerkannte Ausgaben einen Betrag für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung von Fr. 11'040.-- (zweimal Fr. 5'520.--), den Maximalbetrag
für den Mietzins von Fr. 15'000.-- und einen Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf
von Fr. 29'175.--. Als anrechenbare Einnahmen berücksichtigte sie ein Einkommen des
Versicherten aus der Tätigkeit bei der B._ von Fr. 25'540.-- abzüglich
A.c.
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Sozialversicherungsbeiträge von Fr. 3'967.-- sowie Berufsauslagen von Fr. 4'680.--,
netto also von Fr. 16'893.--, und ein hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau
des Versicherten von Fr. 32'312.--, was zusammen, abzüglich den Freibetrag von
Fr. 1'500.--, ein anrechenbares Einkommen von Fr. 47'705.-- ergab, wovon zwei Drittel,
also Fr. 31'803.--, angerechnet wurden, eine Invalidenrente der AHV/IV von Fr. 6'924.--
und eine Invalidenrente der Unfallversicherung von Fr. 23'076.--. Das Vermögen,
bestehend aus einem Bankkontoguthaben von Fr. 2'879.-- und einem Fahrzeug im
Wert von Fr. 2'320.--, befand sich unter der Freibetragsgrenze. Bei anerkannten
Ausgaben von Fr. 55'215.-- und anrechenbaren Einnahmen von Fr. 61'803.-- resultierte
ein Einnahmenüberschuss von Fr. 6'588.--. Für die Zeit ab 1. Januar 2020
berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle als Betrag für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung Fr. 11'160.-- (zweimal Fr. 5'580.--). Die weiteren
Einnahmen- und Ausgabenpositionen blieben unverändert. Bei anerkannten Ausgaben
von Fr. 55'335.-- und anrechenbaren Einnahmen von Fr. 61'803.-- resultierte ein
Einnahmenüberschuss von Fr. 6'468.-- (vgl. die Berechnungsblätter, EL-act. 10). Zur
Begründung gab sie an, dass sie beim Erwerbseinkommen aus dem Jahr 2018 das
Dienstaltersgeschenk von Fr. 2'000.-- abgezogen und entsprechend die Beiträge
reduziert habe. Die Gewinnungskosten habe sie der Steuerveranlagung 2018
entnommen. Die Ehefrau des Versicherten habe sich aufgrund der
Schadenminderungspflicht mit einem Erwerbseinkommen an den
Lebenshaltungskosten zu beteiligen. Da sie kein Erwerbseinkommen erziele und keine
nachweisbaren Arbeitsbemühungen tätige, werde ihr ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet. Dieses würde ihr nicht angerechnet, wenn sie trotz
ernsthaften, aktiven und gezielten Arbeitsbemühungen keine Stelle finden würde. Sie
habe sich pro Monat mindestens auf sechs Stellen schriftlich zu bewerben. Davon
müssten mindestens vier Bewerbungen auf ausgeschriebene, tatsächlich freie Stellen
erfolgen. Ein vollständiges Bewerbungsdossier bestehe aus einem positiven und
individuellen Bewerbungsschreiben, aus dem Erfahrungen und Stärken hervorgingen,
einem Lebenslauf mit Foto und (sofern vorhanden) Arbeitszeugnisse/
Arbeitsbestätigungen. Bei der Berechnung des hypothetischen Erwerbseinkommens
stützte sich die EL-Durchführungsstelle auf einen durchschnittlichen
Hilfsarbeiterinnenlohn im Jahr 2017 gemäss der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamts für Statistik von Fr. 54'783.--, machte davon einen Abzug "10%
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Grossregion Ostschweiz", was Fr. 49'304.-- ergab, zog davon "30% Gesundheit,
Absenz Arbeitsmarkt" ab, was ein hypothetisches Erwerbseinkommen von
Fr. 34'512.80 brutto ergab, und zog davon 6.375% Sozialversicherungsbeiträge ab,
woraus ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 32'312.60 netto resultierte (EL-
act. 12). Im Blatt "hypothetisches Einkommen" hielt sie zudem fest, dass die Ehefrau
des Versicherten gemäss der IV-Grad-Ermittlung zu 50% im Erwerb und zu 50% im
Haushalt tätig gewesen sei. Im Erwerb sei sie nicht und im Haushalt zu 30%
eingeschränkt gewesen. Aufgrund der langen Absenz vom Arbeitsmarkt und den
gesundheitlichen Leiden sei von einem 70%-Pensum auszugehen.
Am 21. Januar 2020 erhob der Versicherte eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 24. Dezember 2019 (EL-act. 6). Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und den Verzicht auf die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens seiner Ehefrau. Er machte geltend, die EL-Durchführungsstelle
missachte die Praxis des Bundesgerichts. Gemäss BGE 142 V 12 müsse die Behörde
über die Stellensuchpflicht orientieren. Er verlange, dass das hypothetische
Erwerbseinkommen seiner Ehefrau nicht angerechnet werde. Die EL-
Durchführungsstelle habe ihn im Dezember (gemeint wohl: Dezember 2019) erstmals
darüber informiert, dass die Arbeitsbemühungen schriftlich nachgewiesen werden
müssten. Somit hätten er und seine Ehefrau die Stellensuche im Dezember 2019 und
Januar 2020 schriftlich festgehalten und die Formvorschriften eingehalten. Er reichte
eine Übersicht der ab 30. Dezember 2019 bis 19. Januar 2020 getätigten
Arbeitsbemühungen seiner Ehefrau, einen Lebenslauf seiner Ehefrau, ein
Bewerbungsschreiben vom 19. Dezember 2020 (richtig wohl: 19. Januar 2020, vgl. den
damit korrespondierenden Eintrag in der Übersicht der getätigten Arbeitsbemühungen)
und eine Absage vom 20. Januar 2020 auf eine Bewerbung vom Vortag ein (EL-act. 8).
A.d.
Mit einem Entscheid vom 14. April 2020 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (EL-act. 3). Zur Begründung gab sie an, soweit der Versicherte geltend
mache, die angefochtene Verfügung missachte die Praxis des Bundesgerichts gemäss
BGE 142 V 12, interpretiere er diesen Leitentscheid nicht korrekt. Nicht nur der EL-
Ansprecher, sondern auch die im gemeinsamen Haushalt lebende Ehegattin sei
verpflichtet, alles Zumutbare vorzukehren, um den Existenzbedarf soweit als möglich,
also auch durch ein möglichst hohes Erwerbseinkommen, selber finanzieren zu
A.e.
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können. Zwar sei der Ehegattin eines EL-Ansprechers allenfalls eine realistische
Übergangsfrist für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zuzugestehen. Habe dem
Ehegatten hinsichtlich eines absehbaren künftigen EL-Bezugs im Vorfeld genügend
Zeit zur Verfügung gestanden, sich erwerblich einzugliedern, könne von der
Einräumung einer solchen Übergangsfrist jedoch abgesehen werden (vgl. BGE 142 V
12, E. 5). Ein solcher Sachverhalt liege hier vor. Der Versicherte und dessen Ehefrau
hätten bereits einige Zeit vor der Einreichung der EL-Anmeldung realisieren müssen,
dass auch die Ehefrau mit einem Verdienst aus einer Erwerbstätigkeit an die Einkünfte
des Ehepaares beizutragen habe, um damit den Existenzbedarf sichern zu können.
Nachdem ihr Gesuch um eine Invalidenrente abgewiesen worden sei (Verfügung vom
19. März 2013), habe sich die Ehefrau angeblich mit der Unterstützung des RAV
während zwei Jahren intensiv, aber erfolglos um eine Arbeit bemüht. Offenbar sei sich
der Versicherte schon damals bewusst gewesen, dass seine Ehefrau einen Anteil zur
Sicherung des ehelichen Existenzbedarfs beizutragen habe. Vor diesem Hintergrund
und aufgrund der Tatsache, dass die Ehefrau vor dem Jahr 2010 erwerbstätig gewesen
sei, könne ihr keine Übergangsfrist zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit eingeräumt
werden. Bei fehlenden Hinweisen auf eine relevante Veränderung des
Gesundheitszustands der Ehefrau seit der Abweisung ihres Rentenbegehrens sei von
der im IV-Verfahren festgestellten 100%igen Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten
auszugehen. Die Ehefrau hätte sich nach der Beendigung der Unterstützung durch das
RAV weiterhin intensiv um eine Arbeitsstelle bemühen müssen. Dabei hätte sie sich in
erster Linie mittels schriftlicher Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen bewerben
müssen. Nach den Angaben des Versicherten habe sich die Ehefrau zuletzt per Telefon
auf Stelleninserate beworben. Damit seien diese Bewerbungen klar ungenügend und
wohl zum Vornherein aussichtslos gewesen. Die nach dem Erhalt der Verfügung vom
24. Dezember 2019 getätigten Arbeitsbemühungen seien für die vorliegend zu
beurteilende Frage nicht relevant. Massgebend sei, dass sich die Ehefrau unmittelbar
vor der EL-Anmeldung unzureichend um eine Arbeitsstelle beworben habe. Ihr sei zu
Recht ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet worden. Die Höhe des
hypothetischen Erwerbseinkommens habe der Versicherte nicht beanstandet.
Anzumerken sei, dass die EL-Durchführungsstelle mit einem 30%igen Abzug vom
statistischen Durchschnittseinkommen den Konkurrenznachteilen auf dem Stellenmarkt
aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigungen und dem fortgeschrittenen Alter der
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B.
Ehefrau sehr grosszügig Rechnung getragen habe, dies aber im Rahmen des ihr
zustehenden Ermessens liege. Die angefochtene Verfügung sei rechtmässig.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob am 15. Mai 2020 eine
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid (act. G 1). Er stellte die folgenden
Anträge: 1. Der Einspracheentscheid vom 14. April 2020 sei aufzuheben und es seien
alle Ergänzungsleistungen ungekürzt seit der Antragstellung vom September 2019
auszuzahlen, 2. Auf Art. 6 EMRK werde nicht verzichtet, 3. Der Sachverhalt sei weiter
abzuklären, 4. Subeventuell sei die Sache an die "Vi" zurückzuweisen, 5. Die Vorinstanz
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei anzuweisen, ihm monatlich ein Meldeblatt
"über die beworbenen Stellen" zuzustellen, 6. Unter Kosten und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung machte er geltend, bei niedrig qualifizierten Personen dürften nicht zu
hohe Anforderungen an eine Bewerbung gestellt werden. Bei Arbeiten mit geringen
Anforderungen sei vielmehr die Probezeit entscheidend und nicht, ob man sich
mündlich bewerbe. Er bestreite, dass Reinigungsunternehmen schriftliche
Bewerbungen bevorzugten, denn was nütze eine vermeintlich perfekte schriftliche
Bewerbung, wenn nicht sauber geputzt werde. Seine Ehefrau habe mehr Anstellungen
mit mündlichen als mit schriftlichen Bewerbungen erzielt. Er stelle deshalb das
Begehren, es sei gerichtlich festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht
nur auf schriftlichen Bewerbungen nach der Verfügung vom 24. Dezember 2019
beharre. Er bestreite auch, dass ein Foto in der Bewerbung zwingend sei. Seine
Ehefrau habe ein Recht am eigenen Bild. Bei älteren und eher ungünstig aussehenden
Personen sei ein Bild zudem eher ein Nachteil, denn diese würden wegen ihres
Aussehens oft schon am Anfang "von der Stelle ausgeschlossen", obwohl sie sehr
exakte Arbeit leisten würden. Er stelle deshalb das Begehren, es sei gerichtlich
festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht auf Bewerbungen mit Foto
nach der Verfügung vom 24. Dezember 2019 beharre. Der Hinweis auf die schriftliche
Bewerbungspflicht, der erst im Endentscheid gemacht worden sei, verletze die
Beratungspflicht nach Art. 27 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1). Es gehe nicht an, erst im Endentscheid
darauf hinzuweisen, wie die Bewerbungen hätten sein sollen. Das sei missbräuchlich
und verletze Art. 9 der Bundesverfassung (BV, SR 101). Die Beschwerdegegnerin habe
B.a.
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unter Hinweis auf BGE 142 V 12 angeführt, auf die Übergangsfrist sei zu verzichten.
Dies werde bestritten. Er bestreite, dass dieser Fall (gemeint wohl: Der BGE 142 V 12
zugrundeliegende Sachverhalt) "in subjektiver Hinsicht" herangezogen werden könne,
denn der Bildungsstand und die Englischkenntnisse der Betroffenen seien in diesem
Fall gut gewesen, was bei ihm nicht der Fall sei. Die Beschwerdegegnerin konstruiere
in unzulässiger Weise, dass er sich um die Sicherung des Existenzbedarfs "offenbar
bewusst gewesen sein muss". Dies werde bestritten. Der Hinweis auf das RAV
überzeuge nicht. Er selber sei nicht beim RAV gewesen und habe keine Kenntnisse
über das damalige Verfahren. Der Hinweis, er habe gewusst, dass seine Frau schon
einmal gearbeitet habe, überzeuge aber auch aus anderen Gründen nicht: Wolle eine
Versicherung eine Leistung kürzen, müsse nach Art. 21 Abs. 4 ATSG eine schriftliche
Mahnung mit Bedenkzeit erfolgen. Dies sei vorliegend nicht erfolgt. Erst ab dem Erhalt
der erstinstanzlichen Verfügung Ende Dezember 2019 habe er um die schriftliche
Bewerbungspflicht gewusst. Seine Ehefrau habe diese sorgfältig wahrgenommen (vgl.
die Auflistung in der Beschwerdeschrift betreffend die ab 30. Dezember 2019 bis
14. Mai 2020 getätigten Arbeitsbemühungen). Erschreckend sei die Auffassung der
Beschwerdegegnerin, dass sich seine Ehefrau sogar vor der Anmeldung hätte
bewerben sollen. Das verletze die Wirtschaftsfreiheit; diese verlange keine
Zwangsarbeit. Zudem könne ein Ehepartner gar nicht wissen, ob und wann der
Ehepartner die Anmeldung vornehme. Er erachte es als rechtsstaatlich bedenklich,
wenn die Arbeitsfähigkeit seiner Ehefrau nur aus dem IV-Verfahren kopiert werde. Der
Sachverhalt könne sich seit dem Jahr 2013 geändert haben. Er möchte abgeklärt
haben, ob bei seiner Ehefrau Dissimulation vorliege. Er habe den Verdacht, dass seine
Ehefrau ihm gegenüber einen vermeintlich besseren Gesundheitszustand angebe, als
er wirklich vorliege. Weiter gelte es zu berücksichtigen, dass er im IV-Verfahren seiner
Ehefrau nicht Partei gewesen sei und ihm in diesem Verfahren das rechtliche Gehör
nicht zugestanden habe. Er habe auch kein Rechtsmittel ergreifen können. Er verlange
deshalb die ungekürzte Auszahlung der Ergänzungsleistungen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 4. Juni 2020 unter Verweis auf die
Erwägungen im Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.b.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bat den Beschwerdeführer am
9. Juni 2020 um eine schriftliche Mitteilung dazu, ob er sinngemäss eine mündliche
B.c.
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Verhandlung beantragt habe (act. G 4). Es gab ihm zudem die Gelegenheit zur
Akteneinsicht und gegebenenfalls zu einer schriftlichen Stellungnahme.
Der Beschwerdeführer teilte am 24. Juni 2020 mit, dass er keine mündliche
Verhandlung beantrage (act. G 5). Im Weiteren brachte er vor, es gelte zur Kenntnis zu
nehmen, dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerde gar nicht in Frage stelle.
B.d.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bat die Beschwerdegegnerin am
15. Juli 2021 um die Einreichung der IV-Akten der Ehefrau des Beschwerdeführers (act.
G 8). Diese gingen am 19. August 2021 samt Fremdakten ein (act. G 9). Die IV-Stelle
hatte mit einer Verfügung vom 19. März 2013, die unangefochten in Rechtskraft
erwachsen war, das Gesuch um eine Invalidenrente abgewiesen (act. G 9.1.85). Zur
Begründung hatte sie angegeben, die Ehefrau des Beschwerdeführers sei als zu 50%
im Haushalt und als zu 50% im Erwerb tätig zu qualifizieren. In der angestammten
Tätigkeit als Reinigungsangestellte bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit.
Körperlich leicht belastende Tätigkeiten in wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen
gehend, sitzend, stehend und ohne höhergradige Kniebelastungen durch grössere
Geh- und Stehpensen sowie Gehen in unebenem Gelände oder auf Treppen seien ihr
weiterhin vollumfänglich zumutbar. Die Tätigkeit als Hausfrau werde ebenfalls als
zumutbar erachtet. Die Abklärung an Ort und Stelle zur Tätigkeit im Haushalt habe
ergeben, dass unter Berücksichtigung einer Schadenminderungs- und
Mitwirkungspflicht der im gleichen Haushalt wohnenden Familienangehörigen eine
Einschränkung von 30% resultiere. In medizinischer Hinsicht hatte die IV-Stelle ihre
Verfügung auf ein bidisziplinäres (rheumatologisches und psychiatrisches) Gutachten
vom 7. Dezember 2012 gestützt (act. G 9.1.73). Die Gutachter hatten als Diagnosen mit
einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein panvertebrales Schmerzsyndrom (mit/bei
einer Wirbelsäulenfehlhaltung/-fehlform, degenerativen Veränderungen der LWS und
lumbospondylogenen Beschwerden links mit/bei ausgeprägtem myofaszialem
Triggerpunktsyndrom gluteal links, möglicher Wurzelbeeinträchtigung L5 bei einer
foraminalen Diskushernie, bislang ohne eine Besserung auf zweimalige PRT L5 links 01
und 03/2011), eine Periarhtropathia genu links bei genu valgum (mit einer deutlichen
Meniskopathie medial und einer Chondropathie des medialen Femurkondylus [MRI
07/2008]) und einen Verdacht auf eine Symptomausweitung bei einer psychosozialen
Situation (IV-berenteter Ehemann und sekundärer Krankheitsgewinn mit unter anderem
B.e.
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Erwägungen
1.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Aus
gaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen. Die anerkannten Ausgaben sowie
die anrechenbaren Einnahmen von Ehegatten werden zusammengerechnet (Art. 9
Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über die Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung in der bis 31. Dezember 2020 gültig
gewesenen Fassung, aELG). Die anerkannten Ausgaben sind in Art. 10 aELG geregelt,
die anrechenbaren Einnahmen in Art. 11 aELG. Da eine erstmalige Leistungszusprache
strittig ist, muss – anders als insbesondere in einem Revisionsverfahren nach Art. 17
Abs. 2 ATSG – die gesamte Anspruchsberechnung auf ihre Rechtmässigkeit geprüft
werden, um dem Untersuchungsgrundsatz und dem Prinzip der Rechtsanwendung von
Amtes wegen Rechnung zu tragen.
2.
Entlastung von der Berufs- wie von der Hausarbeit durch die Schwiegertochter)
angegeben. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen gab dem
Beschwerdeführer am 23. August 2021 die Gelegenheit zur Akteneinsicht und zur
Einreichung einer allfälligen Stellungnahme bis 6. September 2021 (act. G 10). Der
Beschwerdeführer teilte am 3. September 2021 mit (act. G 11), dass er keine Einsicht in
die IV-Akten benötige. Er reichte eine Kopie eines Schreibens vom gleichen Tag an die
Beschwerdegegnerin ein, worin er über einen Wohnungswechsel per 15. März 2021
informierte und geltend machte, die Stellensuche seiner Ehefrau könne bis Januar 2020
zurückverfolgt werden. Er reichte eine Übersicht der Arbeitsbemühungen seiner
Ehefrau für die Zeit ab 30. Dezember 2019 bis 17. August 2021 und den neuen
Mietvertrag ein.
Als Einnahmen werden Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden
ist, angerechnet. Die Erwerbseinkünfte werden zu zwei Dritteln angerechnet, soweit sie
bei Ehepaaren Fr. 1'500.-- übersteigen (Art. 11 Abs. 1 lit. g i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. a
aELG). Ein Einkommensverzicht liegt vor, wenn eine EL-beanspruchende oder eine in
die Anspruchsberechnung mit einbezogene Person von der Ausübung einer ihr
möglichen und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht. Diese Regelung beruht auf der
EL-spezifischen Schadenminderungspflicht, welche darin besteht, dass eine EL-
2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/23
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beanspruchende oder eine in die Anspruchsberechnung mit einbezogene Person ihren
Existenzbedarf soweit möglich und zumutbar aus eigener Kraft zu finanzieren hat. Die
Suche nach einer geeigneten offenen Arbeitsstelle ist daher nichts anderes als die
notwendige Vorstufe zur Erfüllung der Schadenminderungspflicht in der Form der
Erzielung eines Erwerbseinkommens (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 31. Oktober 2018, EL 2017/47, E. 2.1 f.). Bei der Anrechnung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens wird also einer Verletzung der
Schadenminderungspflicht Rechnung getragen (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. Mai 2020, EL 2018/36, E. 2.1).
Art. 11 Abs. 1 lit. g aELG stellt somit eine EL-spezifische Sanktionsnorm bei einer
Verletzung der EL-spezifischen Schadenminderungspflicht dar. Auf die Anrechnung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens ist zu verzichten, wenn eine EL-
beanspruchende oder eine in die Anspruchsberechnung mit einbezogene Person trotz
ernsthafter Arbeitsbemühungen keine Stelle findet, die Arbeitslosigkeit also nicht
selbstverschuldet ist. Diese Voraussetzung ist unter anderem dann erfüllt, wenn
qualitativ und quantitativ ausreichende, aber erfolglose Stellenbemühungen
nachgewiesen sind (vgl. Rz. 3424.07 der Wegleitung des Bundesamtes für
Sozialversicherungen über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, WEL, Stand
1. Januar 2019). Die Schadenminderungspflicht in der Form der Pflicht zur
Stellensuche ist nicht abmahnungsbedürftig, denn es versteht sich von selbst, dass
eine arbeitsfähige, aber arbeitslose Person, deren Einnahmen den Existenzbedarf nicht
zu decken vermögen, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen hat, um mit einem
Erwerbseinkommen als zusätzliche Einnahmenquelle ihren Existenzbedarf bzw. bei
einem Ehepaar den gemeinsamen Existenzbedarf aus eigener Kraft zu decken (vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. März 2021, EL
2019/51, E. 2.3). Art. 21 Abs. 4 ATSG, laut dem eine Kürzung oder Verweigerung von
Leistungen bei einer Verletzung der Schadenminderungspflicht im Zusammenhang mit
einer zumutbaren Behandlung oder einer Eingliederung in das Erwerbsleben der
Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens bedarf, ist bei der Anwendung
von Art. 11 Abs. 1 lit. g aELG nicht anwendbar (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
vom 9. Januar 2020, 9C_251/2019, E. 8.2, m.w.H.).
2.2.
Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat bis zum Jahr 2010 in einem 50%-
Pensum in der Reinigung gearbeitet. Die Abklärungen im Verfahren betreffend die
Zusprache einer Invalidenrente, das mit einer Verfügung vom 19. März 2013
abgeschlossen worden ist, haben ergeben, dass ihr diese Tätigkeit nicht mehr
2.2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/23
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zumutbar gewesen ist. Körperlich leicht belastende Tätigkeiten in
wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen (gehend, sitzend, stehend), ohne
höhergradige Kniebelastungen durch grössere Geh- und Stehpensen sowie ohne das
Gehen in unebenem Gelände oder auf Treppen sind ihr dagegen vollständig zumutbar
gewesen (act. G 9.1.73, 9.1.85). Die Ehefrau des Beschwerdeführers ist also in
behinderungsadaptierten Tätigkeiten überwiegend wahrscheinlich vollständig
arbeitsfähig gewesen. Der Beschwerdeführer hat am 20. November 2019 angegeben,
der Gesundheitszustand seiner Ehefrau sei seit der ablehnenden IV-Verfügung vom
19. März 2013 gleichgeblieben. In der Beschwerde vom 15. Mai 2020 hat er
demgegenüber geltend gemacht, dass sich der Sachverhalt seit dem Jahr 2013
verändert haben könnte. Es sei abzuklären, ob seine Ehefrau dissimuliere. Er habe den
Verdacht, dass seine Ehefrau ihm gegenüber einen vermeintlich besseren
Gesundheitszustand angebe, als er wirklich vorliege. Der Beschwerdeführer hat nicht
substantiiert, worauf er seinen Verdacht gestützt hat. Anhaltspunkte dafür, dass sich
der Gesundheitszustand seiner Ehefrau verschlechtert hätte, bestehen nicht.
Insbesondere hat der Beschwerdeführer keinen Arztbericht eingereicht, der einen
verschlechterten Gesundheitszustand belegen würde, obwohl die Beschwerdegegnerin
ihn am 17. Oktober 2019 darum gebeten hatte für den Fall, dass sich der
Gesundheitszustand seiner Ehefrau verschlechtert haben sollte. Gestützt auf seine
ursprüngliche Angabe vom 20. November 2019 ist deshalb davon auszugehen, dass
der Gesundheitszustand seiner Ehefrau mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit dem
19. März 2013 gleichgeblieben, die Ehefrau also in einer leidensadaptierten Tätigkeit
vollständig arbeitsfähig gewesen ist. Es ist ihr deshalb möglich und zumutbar gewesen,
als Hilfsarbeiterin ein Erwerbseinkommen zu erzielen. Betreuungspflichten, die der
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit entgegenstehen könnten, hat die Ehefrau des
Beschwerdeführers nicht, denn ihre Kinder sind alle erwachsen.
Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat kein Erwerbseinkommen erzielt. Im
Folgenden ist deshalb zu prüfen, ob infolge von ernsthaften, aber erfolglosen Arbeits
bemühungen auf die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens zu
verzichten ist. Da der Anspruch auf Ergänzungsleistungen ab 1. September 2019 zu
prüfen ist, hätte sich die Ehefrau des Beschwerdeführers im Juli 2019 um eine Stelle
bemühen müssen, denn wären ihre Arbeitsbemühungen erfolgreich gewesen, hätte sie
ab 1. August 2019 eine Stelle gehabt und Ende August 2019 einen Lohn ausbezahlt
erhalten, mit dem sie ab 1. September 2019 einen Beitrag zur Deckung des
gemeinsamen Existenzbedarfs hätte leisten können. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers ist die Pflicht zur Stellensuche nicht abmahnungsbedürftig (vgl.
2.2.2.
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E. 2.1), das heisst es hat keiner Aufforderung durch die Beschwerdegegnerin bedurft,
dass sich die Ehefrau des Beschwerdeführers (auch bereits vor der Anmeldung zum
Bezug von Ergänzungsleistungen) um eine Arbeitsstelle zu bemühen habe. Das
Vorbringen des Beschwerdeführers, die Pflicht zur Stellensuche verletze die
Wirtschaftsfreiheit, ist nicht stichhaltig. Die Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV) hat die
privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit als Schutzobjekt, schützt also den Einzelnen
insbesondere in seiner Freiheit, eine privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit auszuüben
(statt vieler Ulrich Häfelin/Walter Haller/Helen Keller/Daniela Thurnherr,
Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 9. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2016, N 632 ff.). Die
Pflicht zur Stellensuche als Vorstufe der Erfüllung der EL-spezifischen Schaden
minderungspflicht stellt keinen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit dar, da ein EL-
Ansprecher oder dessen Ehegatte aufgrund dieser Pflicht offensichtlich nicht an der
Ausübung einer privatwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit gehindert wird. Zum Vorbringen
des Beschwerdeführers, die Auffassung der Beschwerdegegnerin, dass sich seine
Ehefrau schon vor der EL-Anmeldung hätte bewerben müssen, sei erschreckend,
zumal ein Ehepartner nicht wissen könne, ob und wann der andere Ehepartner eine EL-
Anmeldung vornehme, ist festzuhalten, dass die Pflicht zur Stellensuche bereits vor
einer EL-Anmeldung besteht, nämlich sobald der Existenzbedarf durch die
tatsächlichen Einnahmen nicht mehr gedeckt ist, ein Bedarf nach
Ergänzungsleistungen also absehbar ist. Im Übrigen hat die Ehefrau des
Beschwerdeführers die EL-Anmeldung unterzeichnet, sie hat also zweifellos Kenntnis
von der Anmeldung gehabt. Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat sich in der Zeit vor
dem 30. Dezember 2019 ausschliesslich telefonisch beworben. Der Beschwerdeführer
hat am 11. Dezember 2019 mitgeteilt, auf welche Stellen sich seine Ehefrau "in letzter
Zeit" beworben habe. Er hat neun Stellen aufgelistet. Der genaue Zeitraum, in welchem
seine Ehefrau diese Arbeitsbemühungen getätigt hat, ist offen. Am 17. Oktober 2019
hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer auf die Schadenminderungspflicht
seiner Ehefrau hingewiesen. Sollten sich diese Arbeitsbemühungen auf die Zeit ab Juli
2019 bis 11. Dezember 2019 bezogen haben, sind sie mit durchschnittlich rund zwei
Bewerbungen pro Monat quantitativ ungenügend gewesen. Selbst wenn diese
Arbeitsbemühungen erst nach dem Erhalt des Schreibens vom 17. Oktober 2019
getätigt worden sind, sind sie quantitativ ungenügend gewesen, denn eine Person, die
sich ernsthaft um eine Arbeitsstelle bemüht, tätigt mehr als vier bis fünf telefonische
Bewerbungen in einem Monat. Sollten diese Telefonate ausschliesslich im November
2019 oder im Dezember 2019 erfolgt sein, wären sie für den betreffenden Monat
quantitativ wohl ausreichend gewesen. Nach der allgemeinen Lebenserfahrung
entspricht es aber auch bei der Besetzung von Stellen für Hilfsarbeiterinnen dem
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üblichen Vorgehen, sich schriftlich zu bewerben, denn Nachweise zur Berufserfahrung
einer stellensuchenden Person und zu ihren Stärken und Schwächen sind auch bei der
Besetzung von Stellen für Personen ohne eine Berufsausbildung relevant. Eine
schriftliche Bewerbung erlaubt einem Arbeitgeber zudem, in Ruhe einen ersten
vertieften Eindruck über eine stellensuchende Person zu gewinnen, was bei einer
telefonischen Bewerbung nicht möglich ist. Die Erfolgsaussichten sind bei einer
schriftlichen Bewerbung daher als deutlich besser zu bewerten als bei einer
telefonischen Bewerbung. Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, bei Stellen mit
geringen Anforderungen sei die Probezeit entscheidend und nicht, ob man sich
mündlich oder schriftlich bewerbe. Er hat dabei übersehen, dass eine Probezeit eine
erfolgreiche Stellenbewerbung voraussetzt, dass also zunächst die "Hürde" einer
Anstellung überwunden werden muss. Im Weiteren hat er gerügt, der Hinweis auf die
schriftliche Bewerbungspflicht, der erst in der Verfügung vom 24. Dezember 2019
gemacht worden sei, verletze die Beratungspflicht nach Art. 27 ATSG und sei
missbräuchlich gemäss Art. 9 BV. Gemäss Art. 27 Abs. 1 ATSG sind die
Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen Sozialversicherungen
verpflichtet, im Rahmen ihres Zuständigkeitsbereichs die interessierten Personen über
ihre Rechte und Pflichten aufzuklären. Diese Aufklärungspflicht hat zum Zweck, einer
leistungsbeanspruchenden Person Klarheit über die Rechte und Pflichten zu
verschaffen, insbesondere über diejenigen Rechtsfolgen, die noch nicht bekannt sind
bzw. die nicht zu erwarten sind. Die Information kann durch Broschüren, Merkblätter
oder Wegleitungen erfolgen (Ueli Kieser, Kommentar ATSG, 4. Auflage, Zürich/Basel/
Genf 2020, Art. 27 N 16). Es handelt sich also um eine allgemeine Aufklärungspflicht
und nicht um einen individuell durchsetzbaren Anspruch (vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts vom 5. März 2009, 9C_1005/2008, E. 3.2.1). Art. 27 Abs. 2 ATSG
statuiert einen Anspruch jeder Person auf grundsätzlich unentgeltliche Beratung über
ihre Rechte und Pflichten. Diese Beratungspflicht bezweckt, eine versicherte Person in
die Lage zu versetzen, sich so zu verhalten, dass eine den gesetzgeberischen Zielen
des betreffenden Erlasses entsprechende Rechtsfolge eintritt. Der Versicherungsträger
hat namentlich dann eine Beratungspflicht, wenn ein Verhalten der versicherten Person
eine der Voraussetzungen eines Leistungsanspruchs gefährden kann (BGE 132 V 479,
E. 4.3). Damit der Versicherungsträger eine Beratungspflicht hat, muss jedoch ein
hinreichender Anlass zur Information gegeben sein. Eine Beratung über Informationen,
die als allgemein bekannt vorausgesetzt werden dürfen, wird davon nicht erfasst (Urteil
des Bundesgerichts vom 5. März 2009, 9C_1005/2008, E. 3.2.2). Es ist allgemein
bekannt, dass Bewerbungen, sollen sie Erfolg haben, schriftlich erfolgen müssen und
zwar auch auf Stellen für Personen ohne eine Berufsausbildung. Zu berücksichtigen ist
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auch, dass die Pflicht zur Stellensuche bereits vor der Anmeldung zum Leistungsbezug
besteht, eine Beratung nach Art. 27 Abs. 2 ATSG durch die Beschwerdegegnerin also
unmöglich ist. Eine Verletzung von Art. 27 Abs. 1 und 2 ATSG ist damit zu verneinen.
Ebenso ist eine Verletzung von Art. 9 BV zu verneinen, denn ein
rechtsmissbräuchliches Verhalten liegt insbesondere dann vor, wenn ein Rechtsinstitut
zweckwidrig zur Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses
Rechtsinstitut nicht schützen will (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, a.a.O., N 820). Ein
solches Verhalten der Beschwerdegegnerin liegt nicht vor. In Bezug auf die Nachweise
zu den Arbeitsbemühungen ab 30. Dezember 2019 ist festzuhalten, dass nach der
ständigen Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen nur der
Sachverhalt bis zum Erlass der dem angefochtenen Einspracheentscheid
zugrundeliegenden Verfügung, vorliegend also bis zum 24. Dezember 2019, zu
überprüfen ist. Dies steht in einem bewussten Widerspruch zur bundesgerichtlichen
Rechtsprechung, laut der bei der Erhebung einer Einsprache das Verwaltungsverfahren
erst durch den Einspracheentscheid abgeschlossen wird, welcher die ursprüngliche
Verfügung ersetzt. Für eine spätere richterliche Beurteilung sollen demnach die
tatsächlichen Verhältnisse bis zum Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheides
massgebend sein (BGE 131 V 411, E. 2.1.2.1). Dieser Auffassung kann nicht gefolgt
werden, denn die Nichtanwendung des Art. 49 Abs. 1 ATSG, laut dem über Leistungen,
Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene
Person nicht einverstanden ist, der Versicherungsträger schriftlich Verfügungen zu
erlassen hat, lässt sich mit der (vermeintlichen) Vermeidung unnötigen
Verfahrensaufwandes nicht begründen. Hinzu kommt, dass es sich bei der Einsprache
um ein förmliches Rechtsmittel handelt, mit dem eine Verfügung bei der verfügenden
Verwaltungsbehörde zwecks Neuüberprüfung angefochten werden kann (Ulrich
Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Auflage, Zürich/
St. Gallen 2020, N 1194; BGE 131 V 411, E. 2.1.2.1). Mit einem Rechtsmittel kann ein
gerichtlicher oder behördlicher Entscheid (hier: Verfügung) auf seine Rechtmässigkeit
hin überprüft werden. Der Streitgegenstand wird somit durch den Inhalt des
angefochtenen Entscheids definiert. Mit der Einsprache kann folglich nur angefochten
werden, was Gegenstand der angefochtenen Verfügung gewesen ist (Hansjörg Seiler,
Rechtsfragen des Einspracheverfahrens in der Sozialversicherung [Art. 52 ATSG], in:
René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2007,
S. 80). Die zukünftige Sachverhaltsentwicklung, das heisst die Zeit zwischen dem
Erlass der einspracheweise angefochtenen Verfügung und dem Erlass des
Einspracheentscheides, gehört daher nicht zum Streitgegenstand. Gegen eine
Ausdehnung des Streitgegenstandes in zeitlicher Hinsicht sprechen auch weitere
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Gründe: Würde die zukünftige Sachverhaltsentwicklung zum Streitgegenstand
gehören, könnte die Beschwerdegegnerin den Streitgegenstand beliebig vergrössern,
indem sie mit dem Erlass des Einspracheentscheids möglichst lange zuwarten würde.
Durch die Ausdehnung des Streitgegenstands würde der Einsprache erhebenden
Person zudem die Möglichkeit genommen, gegen die Erhebung und die Würdigung
des Sachverhalts im Zeitraum zwischen dem Verfügungserlass und dem
Einspracheentscheid Einsprache zu erheben (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 2. März 2015, EL 2012/37, E. 2). Ausserdem müssten alle
Verfügungen, die seit der einspracheweise angefochtenen Verfügung und bis zum
Einspracheentscheid ergangen sind, als nichtig qualifiziert werden. Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass die bundesgerichtliche Auffassung, laut der im
Einspracheentscheid die Verhältnisse bis zum Erlass des Einspracheentscheides zu
berücksichtigen seien, zwar im Einzelfall effizient sein mag. Es geht aber nicht an, mit
einer rein verfahrensökonomischen Begründung den EL-beanspruchenden und -
beziehenden Personen den gesetzlich vorgesehenen Rechtsmittelweg zu beschneiden
(vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Februar 2018,
EL 2016/55, E. 1.2). Die ab 30. Dezember 2019 getätigten Arbeitsbemühungen gehören
deshalb nicht zum Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
Anzufügen bleibt, dass bei einer EL-Anspruchsberechnung ohne Berücksichtigung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau des Beschwerdeführers der
Ausgabenüberschuss nicht so gross gewesen ist, dass die Ehefrau einer
Vollerwerbstätigkeit hätte nachgehen müssen, um die Schadenminderungspflicht
vollumfänglich zu erfüllen. Sie hätte deshalb auch in einer in einem Teilpensum
ausgeübten leidensadaptierten Hilfsarbeiterinnentätigkeit ein Einkommen erzielen
können, mit dem der gemeinsame Existenzbedarf gedeckt gewesen wäre. Ihr hat
deshalb nicht nur der (reale) Arbeitsmarkt für Hilfsarbeiten mit einem Vollpensum,
sondern auch derjenige für Teilzeitstellen zur Verfügung gestanden, was ihre Chancen
auf eine Stelle erhöht hat.
Der Beschwerdeführer hat sinngemäss geltend gemacht, seiner Ehefrau sei eine
Übergangsfrist zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit respektive zur Aufnahme von
Bemühungen zur Stellensuche zu gewähren. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung fällt die Gewährung einer Übergangsfrist ausser Betracht, wenn dem
Ehegatten eines EL-Ansprechers mit Blick auf einen absehbaren künftigen EL-Bezug
im Vorfeld genügend Zeit zur Verfügung gestanden hat, um sich erwerblich
einzugliedern (BGE 142 V 12, E. 5.4, m.w.H.). Vorliegend ist davon auszugehen, dass
die Einnahmen des Beschwerdeführers schon während einer längeren Zeit vor der
2.2.3.
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Anmeldung zum Leistungsbezug im September 2019 nicht mehr ausgereicht haben,
um den gemeinsamen Existenzbedarf zu decken. Die Einnahmen des
Beschwerdeführers aus der Erwerbstätigkeit bei der B._, der Invalidenrente der AHV/
IV und der Invalidenrente der Unfallversicherung haben im Jahr 2018 nämlich total nur
Fr. 53'203.-- betragen (EL-act. 25) und damit den Existenzbedarf für das Jahr 2018 von
Fr. 54'759.-- – ausgehend von einem Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf von
Fr. 28'935.-- (vgl. Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 aELG in der bis 31. Dezember 2018 gültig
gewesenen Fassung), dem Maximalbetrag für den Mietzins von Fr. 15'000.-- und dem
Betrag für die obligatorische Krankenpflegeversicherung von zweimal Fr. 5'412.-- (vgl.
Verordnung des EDI vom 1. November 2017 über die Durchschnittsprämien 2018 der
Krankenpflegeversicherung für die Berechnung der Ergänzungsleistungen,
SR 831.309.1) – selbst bei einer vollen Anrechnung des Einkommens des
Beschwerdeführers aus der Erwerbstätigkeit bei der B._ um rund Fr. 1'500.-- nicht
gedeckt. Rechnet man die Berufsauslagen als Gewinnungskosten hinzu, ist der nicht
gedeckte Anteil des Existenzbedarfs noch höher. Für den Beschwerdeführer und seine
Ehefrau ist es deshalb absehbar gewesen, dass eine Anmeldung zum Bezug von
Ergänzungsleistungen nötig sein würde, falls sie keine zusätzliche Einnahmenquelle
fänden. Da die Ehefrau seit dem Jahr 2010 nicht mehr gearbeitet und seit der
ablehnenden IV-Verfügung vom 19. März 2013 gewusst hat, dass sie in einer
leidensadaptierten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig ist, und sie sich im Anschluss
daran mit der Unterstützung des RAV während zwei Jahren erfolglos um eine
Arbeitsstelle bemüht hat, hat ihr genügend Zeit zur Verfügung gestanden, eine
Arbeitsstelle zu finden. Die Gewährung einer Übergangsfrist ist deshalb nicht nötig
gewesen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Ehefrau des
Beschwerdeführers im relevanten Zeitraum ab Juli 2019 bis 24. Dezember 2019 weder
qualitativ noch quantitativ ausreichend beworben hat. Sie hat sich damit nicht ernsthaft
um eine Arbeitsstelle bemüht und ist selbstverschuldet arbeitslos gewesen. Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht ein hypothetisches Erwerbseinkommen
angerechnet.
2.2.4.
Zu prüfen bleibt die Höhe des hypothetischen Erwerbseinkommens.2.3.
Die Ehefrau des Beschwerdeführers ist in einer leidensadaptierten Hilfsarbeit
uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen. Grundsätzlich wäre deshalb ein hypothetisches
Erwerbseinkommen in der Höhe eines durchschnittlichen Einkommens einer
Hilfsarbeiterin gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik für das
2.3.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/23
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Jahr 2019 (zu prüfen ist der EL-Anspruch ab 1. September 2019) anzurechnen. Davon
wäre ein 10%iger Abzug vorzunehmen, da die Löhne in der Grossregion Ostschweiz
rund 10% tiefer sind als die statistischen Durchschnittslöhne in der Schweiz.
Ausserdem wäre ein Abzug von insgesamt 9% für die Sozialversicherungsbeiträge an
die AHV, die IV, die EO, die Nichtberufsunfallversicherung und die berufliche Vorsorge
vorzunehmen. Ein sogenannter Tabellenlohnabzug wäre hingegen nicht nötig, da die
Ehefrau des Beschwerdeführers bei einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer
leidensadaptierten Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Hilfsarbeiterin
offensichtlich keinen Lohnnachteil erleiden würde. Eine lange Abwesenheit vom
Arbeitsmarkt würde ebenfalls keinen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen, denn es ist
statistisch nicht erstellt, dass eine längere Abwesenheit vom Arbeitsmarkt,
insbesondere bei Stellen für Personen ohne eine Berufsausbildung, zu einem tieferen
Lohn führt. Die exakte Höhe des hypothetischen Erwerbseinkommens kann jedoch
offenbleiben. Der Ausgabenüberschuss bei einer EL-Anspruchsberechnung ohne eine
Berücksichtigung des hypothetischen Erwerbseinkommens ist nämlich nicht so gross
gewesen, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers einer Vollerwerbstätigkeit hätte
nachgehen müssen (vgl. die Berechnungen der Beschwerdegegnerin, die auf einem
zusätzlichen Abzug von 30% vom statistischen Durchschnittseinkommen beruhen und
bei denen dennoch ein Einnahmenüberschuss von Fr. 6'588.-- ab 1. September 2019
bis 31. Dezember 2019 und von Fr. 6'468.-- ab 1. Januar 2020 resultiert hat, EL-
act. 10-12). Die Schadenminderungspflicht hat deshalb nur in dem Umfang bestanden,
als die Ehefrau des Beschwerdeführers mit einem Erwerbseinkommen den
gemeinsamen Existenzbedarf exakt hätte decken können. Das hypothetische
Erwerbseinkommen ist also in der Höhe anzurechnen, bei der kein
Ausgabenüberschuss resultiert.
Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass die
Beschwerdegegnerin bei der Ermittlung des von ihr angerechneten hypothetischen
Erwerbseinkommens der Ehefrau des Beschwerdeführers einen Abzug "30%
Gesundheit, Absenz Arbeitsmarkt" vorgenommen hat, obwohl sie gleichzeitig
festgehalten hat, die Ehefrau sei gemäss den IV-Akten im Erwerb nicht eingeschränkt,
so dass von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde müsste.
Angesichts der langen Absenz vom Arbeitsmarkt und der gesundheitlichen Leiden
rechtfertige es sich aber, nur von einem 70%-Pensum auszugehen (EL-act. 12). Die
einzige gesetzmässige, dem Wortlaut aber widersprechende Interpretation dieser
Aussage der Beschwerdegegnerin kann darin bestehen, dass damit ein
Tabellenlohnabzug von 30% hat gewährt werden sollen. Im angefochtenen
2.3.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/23
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3.
Zu prüfen bleibt, ob die weiteren von der Beschwerdegegnerin berücksichtigten
Ausgaben- und Einnahmenpositionen korrekt gewesen sind.
Einspracheentscheid ist die Beschwerdegegnerin denn auch von einem
Tabellenlohnabzug ausgegangen, indem sie festgehalten hat, mit dem 30%igen Abzug
vom statistischen Durchschnittseinkommen sei dem augenfälligen Konkurrenznachteil
auf dem Stellenmarkt als Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigungen und des
fortgeschrittenen Alters der Ehefrau grosszügig Rechnung getragen worden (E. 3.6 des
Einspracheentscheids vom 14. April 2020). Ein Tabellenlohnabzug ist allerdings, wie
oben dargelegt, nicht angebracht.
Der Beschwerdeführer hat beantragt, es sei gerichtlich festzustellen, dass die
Beschwerdegegnerin zu Unrecht auf schriftlichen Bewerbungen nach der Verfügung
vom 24. Dezember 2019 und auf Bewerbungen mit Foto nach der Verfügung vom
24. Dezember 2019 beharre. Die Beschwerdegegnerin hat diese Vorgaben zu den
Arbeitsbemühungen der Ehefrau des Beschwerdeführers in die Begründung der
Verfügung vom 24. Dezember 2019 integriert, mit der sie den EL-Anspruch des
Beschwerdeführers abgewiesen hat. Diese Vorgaben haben aber nur der Information
des Beschwerdeführers gedient. Selbst wenn sie als Zwischenverfügung im
Verwaltungsverfahren zu qualifizieren wären, wären sie hier nicht auf ihre
Rechtmässigkeit zu prüfen, da sie offensichtlich keinen nicht wiedergutzumachenden
Nachteil bewirken könnten (zur Prozessvoraussetzung des nicht
wiedergutzumachenden Nachteils bei der Anfechtung einer Zwischenverfügung vgl.
BGE 124 V 87, E. 4; Kieser, a.a.O., Art. 56 N 19 ff.). Der Beschwerdeführer könnte seine
Rügen nämlich bei einer Anfechtung eines allfälligen Endendscheids, mit welchem die
Beschwerdegegnerin über einen EL-Anspruch nach dem 24. Dezember 2019
entscheiden würde, erneut vorbringen. Auf diese Beschwerdebegehren ist deshalb
nicht einzutreten. Im Weiteren hat der Beschwerdeführer beantragt, die
Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, ihm monatlich ein Meldeblatt "über die
beworbenen Stellen" zuzustellen. Eine gesetzliche Grundlage, welche die
Beschwerdegegnerin verpflichten würde, dem Beschwerdeführer monatlich ein
entsprechendes Meldeblatt zuzustellen, ist nicht ersichtlich. Dieses Begehren ist im
Übrigen gar nicht justiziabel, weshalb auf es nicht einzutreten ist.
2.4.
Gemäss Art. 10 Abs. 3 lit. d aELG wird als Ausgabe die regionale
Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung anerkannt. Der
Beschwerdeführer und seine Ehefrau wohnen in F._ und damit in der
3.1.
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Prämienregion 1 des Kantons St. Gallen (vgl. Verordnung des EDI über die
Prämienregionen, SR 832.106). Die Durchschnittsprämie für diese Prämienregion hat
im Jahr 2019 Fr. 5'520.-- und im Jahr 2020 Fr. 5'580.-- betragen (vgl. Verordnung des
EDI vom 18. Oktober 2018 über die Durchschnittsprämien 2019 der
Krankenpflegeversicherung für die Berechnung der Ergänzungsleistungen sowie
Verordnung des EDI vom 30. Oktober 2019 über die Durchschnittsprämien 2020 der
Krankenpflegeversicherung für die Berechnung der Ergänzungsleistungen,
SR 831.309.1). Der von der Beschwerdegegnerin berücksichtigte Betrag von zweimal
Fr. 5'520.-- in der EL-Anspruchsberechnung ab 1. September 2019 und von zweimal
Fr. 5'580.-- in der EL-Anspruchsberechnung ab 1. Januar 2020 ist damit korrekt
gewesen.
Der Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf hat gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. a aELG
Fr. 29'175.-- betragen und ist damit ebenfalls korrekt gewesen.
3.2.
Als jährlicher Höchstbetrag für den Mietzins einer Wohnung und die damit
zusammenhängenden Nebenkosten werden bei Ehepaaren Fr. 15'000.-- anerkannt
(Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 aELG). Der Mietzins für die vom Beschwerdeführer und
seiner Ehefrau damals bewohnten Wohnung hat Fr. 1'680.-- (inklusive Heiz- und
Nebenkosten) betragen (EL-act. 31). Die Nebenkosten für TV/Kabelfernsehen sind darin
enthalten gewesen. Die Beschwerdegegnerin hat einen Abzug für TV von Fr. 20.--
vorgenommen, da diese Kosten durch den Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf
abgedeckt sind. An sich wäre jedoch abzuklären gewesen, wie hoch diese Kosten
tatsächlich gewesen sind. Da aber die jährlichen Wohnkosten von Fr. 20'160.-- den
Höchstbetrag von Fr. 15'000.-- weit überschritten haben, hat die Beschwerdegegnerin
auf diese Abklärung verzichten können. Die Beschwerdegegnerin hat damit zu Recht
den Höchstbetrag von Fr. 15'000.-- berücksichtigt.
3.3.
Das Vermögen hat aus einem Bankkontoguthaben per 31. Dezember 2018 von
Fr. 2'879.-- und aus einem Fahrzeug im Wert von Fr. 2'320.-- bestanden. Die
Beschwerdegegnerin hat den Betrag für das Fahrzeug aus der Steuerveranlagung des
Kantons St. Gallen für die Kantons- und Gemeindesteuern 2018 übernommen. Da das
anrechenbare Vermögen weit unter der Freibetragsgrenze von Fr. 60'000.-- (vgl. Art. 11
Abs. 1 lit. c aELG) gewesen ist, kann offengelassen werden, ob dieser Betrag für das
Fahrzeug korrekt gewesen ist. Ein Vermögensertrag ist nicht angefallen.
3.4.
Die Invalidenrente der AHV/IV von Fr. 6'924.-- und die Invalidenrente der
Unfallversicherung von Fr. 23'076.-- als anrechenbare Einnahmen gemäss Art. 11
Abs. 1 lit. d ELG sind ebenfalls korrekt gewesen (vgl. EL-act. 17, 27, 30-6).
3.5.
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Als Einnahmen werden zwei Drittel der Erwerbseinkünfte angerechnet, soweit sie
bei Ehepaaren Fr. 1'500.-- übersteigen (Art. 11 Abs. 1 lit. a aELG). Der
Beschwerdeführer hat bei der B._ in den Monaten Mai bis August 2019 einen
Monatslohn brutto von Fr. 2'000.-- bzw. abzüglich der Sozialversicherungsbeiträge
einen Monatslohn netto von Fr. 1'690.-- erzielt (EL-act. 30). In der EL-
Anspruchsberechnung ist deshalb für die Zeit ab 1. September 2019 bis 31. Dezember
2019 ein Jahreslohn von Fr. 20'280.-- (Fr. 1'690.-- x 12) zu berücksichtigen. Die
Beschwerdegegnerin hat als Gewinnungskosten Berufsauslagen von Fr. 4'680.-- (Fr.
1'600.-- als Mehrkosten der Verpflegung und Fr. 3'080.-- für die Benutzung des
eigenen Fahrzeugs für den Arbeitsweg) in Abzug gebracht. Sie hat diese Beträge der
Steuerveranlagung des Kantons St. Gallen für die Kantons- und Gemeindesteuern
2018 entnommen. Gewinnungskosten werden bis zur Höhe des
Bruttoerwerbseinkommens als Ausgaben anerkannt (Art. 10 Abs. 3 lit. a ELG). Aufgrund
der überzeugenden Angaben des Beschwerdeführers, dass das Zurücklegen des
Arbeitsweges mit den öffentlichen Verkehrsmitteln seine gesundheitlichen
Beschwerden am Bein verschlechtern würde, ist die Berücksichtigung der Kosten für
die Benutzung des eigenen Fahrzeugs nicht zu beanstanden. Gemäss Rz 3423.03 f.
WEL richtet sich die Kilometerentschädigung bei den Kosten eines privaten Fahrzeugs
nach den Berufsabzügen der direkten Bundessteuer. Die Kilometerentschädigung
beträgt bei der direkten Bundessteuer gleich wie bei der Kantons- und Gemeindesteuer
(bei einem Arbeitsweg bis 7'500 Kilometer im Jahr) Fr. 0.70 (Art. 3 und 5 sowie
Anhang 2 der Verordnung des EFD über den Abzug der Berufskosten unselbstständig
Erwerbstätiger bei der direkten Bundessteuer, Berufskostenverordnung, SR 642.118.1;
St. Galler Steuerbuch 39 Nr. 3). Die Auslagen für die Benutzung des eigenen Fahrzeugs
von Fr. 3'080.-- beruhen also auf einer Kilometerentschädigung von Fr. 0.70. Es ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass damit die tatsächlich
entstandenen Fahrkosten zwischen dem Wohn- und dem Arbeitsort berücksichtigt
worden sind. Die Höhe des in Abzug gebrachten Betrags ist deshalb nicht zu
beanstanden. Die Mehrkosten der Verpflegung von Fr. 1'600.-- entsprechen dem
Betrag gemäss Art. 3 Berufskostenverordnung und sind ebenfalls nicht zu
beanstanden. Die Gewinnungskosten betragen damit Fr. 4'680.--. Dies ergibt ein
Einkommen des Beschwerdeführers aus der Erwerbstätigkeit bei der B._ von netto
Fr. 15'600.--. Sollte der Beschwerdeführer im Dezember 2019 einen 13. Monatslohn
ausbezahlt erhalten haben, wäre sein Einkommen in der EL-Anspruchsberechnung für
den Monat Januar 2020 leicht höher. Dies kann aber offengelassen werden. Da das
hypothetische Erwerbseinkommen der Ehefrau des Beschwerdeführers nämlich exakt
in der Höhe anzurechnen ist, dass in der EL-Anspruchsberechnung kein
3.6.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 22/23
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4.
Der angefochtene Einspracheentscheid vom 14. April 2020 ist im Ergebnis also korrekt
gewesen. Die Beschwerdegegnerin wird jedoch prüfen, ob die Einreichung der ab
30. Dezember 2019 getätigten Arbeitsbemühungen der Ehefrau des
Beschwerdeführers am 21. Januar 2020 und am 3. September 2021 als Neuanmeldung
entgegenzunehmen sind.
5.