Decision ID: 126cf023-f458-446d-b48d-6b865bf4e71c
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ arbeitete seit 1985 bei der D._. AG (seit _. Juni 2011 [Datum
Tagebucheintrag im Handelsregister]: E._ ag), als Lastwagenführer (IV-act. 145-4 und
IV-act. 146). Am 18. Dezember 2000 ersuchte er die IV-Stelle des Kantons St. Gallen
wegen zusehends stärker werdenden Unterarm- und Schulterschmerzen um
Gewährung von Berufsberatung und Arbeitsvermittlung (IV-act. 145). Der behandelnde
Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeinmedizin, diagnostizierte ein chronisches
lumbovertebrales Syndrom, einen Status nach dislozierter Unterarmfraktur rechts mit
Plattenosteosynthese 1997, eine Adipositas, eine Hiatushernie mit chronischer
Refluxoesophagitis und einen Status nach Schulterluxation links mit Refixation des
Labrums am 14. Februar 1995. Der Versicherte müsse bei der aktuellen Tätigkeit als
Chauffeur schwere Lasten ein- und ausladen, was vor allem die Rückenbeschwerden
verstärke. Idealerweise würde eine leichtere leidensangepasste Tätigkeit als Chauffeur
sinnvoll sein (Bericht vom 21. März 2001, IV-act. 151-1 f.). Der IV-Arzt gelangte in der
Stellungnahme vom 30. April 2001 zur Auffassung, in der aktuellen schweren Tätigkeit
bestehe mindestens eine unmittelbar drohende Invalidität (IV-act. 152). Die IV-Stelle
wies das Gesuch um berufliche Massnahmen mit der Begründung ab, dass der
Versicherte in seiner bisherigen Tätigkeit zu 80 % und in einer leichteren
Chauffeurtätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Somit sei ihm die Ausübung seiner
Berufstätigkeit weiterhin möglich (Verfügung vom 25. Juli 2001, IV-act. 163; einen
A.a.
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dagegen zunächst erhobenen Rekurs zog der Versicherte zurück; siehe den
Abschreibungsbeschluss des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
21. Februar 2002, IV 2001/149, IV-act. 174).
Am 8. Dezember 2010 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum
Bezug von Leistungen (berufliche Massnahmen) an. Zur gesundheitlichen
Beeinträchtigung führte er aus, dass er an zunehmenden Verhärtungen und
Verklebungen des Bauchraums leide (IV-act. 175; siehe auch die ergänzenden
Angaben vom 10. Januar 2011, IV-act. 178). Dr. F._ führte zur Krankheitsgeschichte
seit 2010 aus, der Versicherte leide an einer eitrigen Orchitis rechts bei Status nach
akuter abszedierender Epidymitis rechts (mit/bei: Epidydektomie rechts am 29. Juni
2010, Semicastratio rechts am 26. Juli 2010 und postoperativ massiven
Oberbauchschmerzen) und an einer gastro-ösophagealen Refluxerkrankung bei
grosser axialer Hiatushernie. Vom 25. Juni 2010 bis 2. Januar 2011 sei der Versicherte
vollständig arbeitsunfähig gewesen. Die Arbeitsaufnahme mit einem 50%igen Pensum
in einer neuen Tätigkeit (bei der bisherigen Arbeitgeberin) sei ab 3. Januar 2011
vorgesehen (IV-act. 181). Am 17. Februar 2011 kündigte die Arbeitgeberin das
Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten auf den 31. Mai 2011. Zur Begründung gab sie
an, aufgrund der «Gesamtumstände» sei eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr
möglich (fremd-act. 3-1). Gleichentags informierte der Versicherte die IV-Stelle
telefonisch über die Kündigung und führte aus, dass die Arbeitgeberin ihn aufgrund
seines gesundheitlichen Zustands nicht mehr als Lastkraftwagenfahrer einsetzen
könne. Eine andere Tätigkeit hätten sie ihm nicht anbieten können (IV-act. 182). In der
an die Personalvorsorgestiftung B._ gerichteten Austrittsmeldung vom 3. Mai 2011
bejahte die Arbeitgeberin, dass der Versicherte erwerbsunfähig sei (act. G 1.6).
A.b.
In der auf Zuweisung von Dr. F._ am 9. März 2011 erfolgten konsiliarischen
psychiatrischen Beurteilung hatte Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, eine Anpassungsstörung mit gereizten Gefühlen diagnostiziert
(ICD-10: F43.23). Differenzialdiagnostisch hatte er eine Somatisierungsstörung (ICD-10:
F45.0) und eine Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10:
F62.80) erwähnt und war von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen (IV-
act. 201-6 ff.). Die medizinischen Sachverständigen der interdisziplinären Sprechstunde
am Kantonsspital St. Gallen (KSSG) diagnostizierten u.a. ein chronisches
A.c.
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Schmerzsyndrom, abdominelle Schmerzen und einen Status nach abszedierender
Epididymitis rechts (Bericht vom 10. Mai 2011; IV-act. 201). Am 21. November 2011
berichteten die medizinischen Sachverständigen der Klinik H._ über die dort vom
26. Mai bis 16. November 2011 erfolgte stationäre Behandlung des Versicherten. Sie
diagnostizierten u.a. Anpassungsstörungen mit vorwiegender Störung anderer Gefühle
(ICD-10: F43.23) und psychologische Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei anderenorts
klassifizierten Krankheiten (ICD-10: F54). Sie hielten den Versicherten weiterhin für
arbeitsunfähig (IV-act. 212). Der RAD-Arzt Dr. med. I._, Facharzt für Arbeitsmedizin,
äusserte sich am 28. Dezember 2011 kritisch zur Beurteilung der Klinik H._ (IV-
act. 216).
Die behandelnde Dr. med. J._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
vertrat im Bericht vom 13. März 2012 die Auffassung, dass dem Versicherten derzeit
eine Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt nicht zumutbar sei. Es bestehe seit
mindestens 2011 eine konstant verminderte Leistungsfähigkeit (fremd-act. 5-1 f.). Die
seit 16. Januar 2012 in der (psychiatrischen) Tagesklinik K._ behandelnde Oberärztin
med. pract. L._ bescheinigte dem Versicherten für die Tätigkeit als
Lastwagenchauffeur eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die Frage nach der
Arbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten könne erst nach einem
Arbeitsversuch im geschützten Rahmen beantwortet werden (Bericht vom 24. Mai
2012, IV-act. 232).
A.d.
Im Auftrag der IV-Stelle erstatteten die Sachverständigen der MEDAS
Zentralschweiz am 23. August 2013 ein polydisziplinäres (allgemeininternistisches,
rheumatologisches, urologisches, psychiatrisches und neuropsychologisches)
Gutachten. Darin diagnostizierten sie als Leiden, welche die zumutbare Arbeitsfähigkeit
wesentlich einschränken würden: eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
(ADHS), Mischtyp, mit Persistenz im Erwachsenenalter (ICD-10: F90.00), mit
akzentuierten Persönlichkeitszügen und chronischer Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren, und einen Residualzustand mit Minderbelastbarkeit der
rechten unteren Extremität, bei kongenitalen Missbildungen, Hypoplasie von Bein und
Fuss, und leichter medialer Lisfranc-Arthrose sowie arthrotischen Veränderungen
intermetatarsal I/II. Als «Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert» diagnostizierten sie: eine Adipositas
A.e.
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«simplex» mit Hiatushernie mit chronischer Refluxoesophagitis (behandelt) und
Lebersteatose (CT 11/2010); eine arterielle Hypertonie, wahrscheinlich «essentiell», seit
2011 behandelt; einen primären Hypogonadismus, unter Substitution mit Nebido gut
eingestellt, bei Atrophie des linken Hodens nach Mumps-Orchitis und Status nach
Semicastratio rechts nach eitrig-abszedierender Orchitis 2010; ein intermittierendes,
leichtes lumbales Schmerzsyndrom und eine diskrete Impingementsymptomatik im
Schulterbereich rechts. Für die zuletzt ausgeübte schwere Arbeit als
Lastwagenchauffeur mit manuellem Auf- und Abladen schätzten die MEDAS-
Sachverständigen, vornehmlich aus rheumatologischen, weniger aus psychiatrischen
Gründen, die Arbeitsfähigkeit auf 0 %. Für körperlich leichte und mittelschwere
Verweistätigkeiten (auch als Chauffeur, aber ohne Auf- und Abladen und ohne
Reinigung von Ladenflächen) bestehe eine aufgrund der psychiatrischen Befunde
limitierte Arbeitsfähigkeit von 60 %. Zum mutmasslichen Beginn der reduzierten
Arbeitsfähigkeit führten die MEDAS-Sachverständigen aus: «Aus rheumatologisch-
somatischer Sichtweise seit mindestens Mai 2011, aus derjenigen des Psychiaters
wahrscheinlich schon früher, freilich mit der Unmöglichkeit, dies genauer zu
beziffern» (IV-act. 253, insbesondere IV-act. 253-24 ff.). Nach einer nicht näher
dokumentierten Rücksprache mit dem RAD-Arzt Dr. med. M._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, vertrat die RAD-Ärztin Dr. med. N._, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin, die Ansicht, der psychiatrische Teil des MEDAS-Gutachtens
sei nicht überzeugend und es sei bezogen auf leidensangepasste
(Chauffeur-)Tätigkeiten ab Mai 2011 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit des
Versicherten auszugehen (Stellungnahme vom 6. Dezember 2013, IV-act. 257).
Auf der Grundlage einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
(Chauffeur-)Tätigkeiten ermittelte die IV-Stelle einen 10%igen Invaliditätsgrad und wies
das Rentengesuch des Versicherten mit Verfügung vom 16. April 2014 ab (IV-act. 275).
Die dagegen erhobene Beschwerde des Versicherten vom 27. Mai 2014 (IV-
act. 280-2 ff.) hiess das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 7. April 2016,
IV 2014/286, teilweise gut. Es hob die angefochtene Verfügung auf, wies die Sache an
die IV-Stelle zurück und verpflichtete sie, den psychiatrischen MEDAS-Gutachter
zunächst mit der Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. N._ zu konfrontieren. Bei
A.f.
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allfälligem Fortbestehen von Zweifeln am psychiatrischen Teil des MEDAS-Gutachtens
habe sie eine neuerliche psychiatrische Begutachtung anzuordnen (IV-act. 292).
Die IV-Stelle holte in der Folge bei den behandelnden medizinischen
Fachpersonen weitere Berichte ein (siehe etwa den Bericht von Dr. med. O._,
Fachärztin für Allgemeinmedizin vom 6. Juli 2016, IV-act. 302-1 ff., oder von Dr. J._
vom 14. September 2016, IV-act. 316). Eine am 22. September 2016 in der Klinik für
Neurologie am KSSG durchgeführte psychologische Untersuchung ergab, dass aus
rein neuropsychologischer Sicht aufgrund des unauffälligen kognitiven Leistungsprofils
«rein inhaltlich» von keiner Einschränkung der arbeitsbezogenen Leistungsfähigkeit
auszugehen sei (Bericht vom 26. September 2016, IV-act. 321). Der zwischenzeitlich
behandelnde med. pract. P._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
berichtete am 31. Januar 2017, der Versicherte leide an einer seit einigen Jahren
bestehenden Dysthymie (ICD-10: F34.1). Aufgrund einer verminderten Belastbarkeit
und eines reduzierten Durchhaltewillens gehe er davon aus, dass der Versicherte schon
längere Zeit in der bisherigen wie auch in einer adaptierten Tätigkeit zu 20 % in der
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Als Einschränkungen nannte er «verminderte
Belastbarkeit, fehlender Durchhaltewillen, Krankenrolle» (IV-act. 327).
A.g.
Vom 8. bis 13. Mai 2017 wurde der Versicherte wegen einer paraoesophagealen
Typ III Riesenhernie mit Herniation von 2/3 des Magens in der Klinik für Allgemein-,
Viszeral-, Endokrin- und Transplantationschirurgie am KSSG stationär behandelt. Dort
wurde eine laparoskopische Reposition, Kruroraphie und Fundoplikatio nach Toupé
und Thoraxdrainageneinlage rechts durchgeführt (Bericht vom 29. Mai 2017, IV-
act. 345-3 f.). Am 10. August 2017 musste sich der Versicherte erneut einem
operativen Eingriff am Magen unterziehen (Revisionslaparoskopie, aufwändige
Adhäsiolyse, Magenreposition, dorsale und anterolaterale Hiatoplastik und
rechtsseitige Fundophrenicopexie, Neuanlage der [linksseitig gelösten] Toupet-
Manschette links und anteriore axiale zweifache Corporopexie; Operationsbericht vom
11. August 2017, IV-act. 393). In der Folge kam es zu einer progredienten
Verschlechterung der Lungenfunktion mit beidseitigen gefangenen Ergussformationen
unter Ausbilden einer beidseitigen Unterlappenatelektase, weshalb der Versicherte am
20. August 2017 notfallmässig beidseits thorakotomiert wurde (Operations-Kurzbericht
vom 21. August 2017, IV-act. 392). Vom 21. August bis 3. Oktober 2017 war der
A.h.
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Versicherte zur weiteren Behandlung im KSSG hospitalisiert. Die dort tätigen
medizinischen Sachverständigen diagnostizierten u.a. ein Pleuraempyem beidseits am
20. August 2017, ein schweres ARDS am 20. August 2017 und eine critical illness
Myopathie (IV-act. 369). Der Hospitalisation im KSSG folgte vom 3. bis 31. Oktober
2017 eine stationäre Behandlung in den Kliniken Valens (Austrittsbericht vom
17. November 2017, IV-act. 367-6 ff.).
Dr. O._ berichtete am 20. März 2018, der Versicherte habe seit Jahren unter
abdominalen Schmerzen gelitten, und verwies dabei auf die Beurteilung des KSSG
vom 10. Mai 2011 (siehe hierzu IV-act. 201). Seit der ersten Magenreposition habe sich
sein Allgemeinzustand progredient verschlechtert (IV-act. 410).
A.i.
Am 19. Juli 2018 beantwortete der psychiatrische MEDAS-Gutachter die
Rückfragen der IV-Stelle vom 3. Juli 2018 (IV-act. 413) und hielt an seiner bisherigen
Arbeitsfähigkeitsschätzung fest (IV-act. 417). Der RAD-Arzt med. pract. Q._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt die Beurteilung des psychiatrischen MEDAS-
Gutachters nicht für überzeugend (Stellungnahme vom 27. Juli 2018, IV-act. 418; siehe
auch die Stellungnahme vom 11. Oktober 2018, IV-act. 430-5).
A.j.
Im Auftrag der IV-Stelle erstatteten die Sachverständigen der BEGAZ GmbH,
Binningen, am 13. März 2019 ein polydisziplinäres (allgemeininternistisches,
pneumologisches, oto-rhino-laryngologisches, rheumatologisches, kardiologisches,
psychiatrisches, chirurgisches, urologisches, neurologisches und
neuropsychologisches) Gutachten. Als relevante Diagnosen, die sich auf die
Arbeitsfähigkeit auswirken würden, diagnostizierten sie: 1. ein Pleuraempyem beidseits
am 20. August 2017; 2. eine intermittierende Schwindelsymptomatik (ICD-10: H82);
3. eine verminderte Belastbarkeit der rechten unteren Extremität; 4. ein
intermittierendes lumbales Schmerzsyndrom; 5. chronische belastungsabhängige
Unterarmschmerzen rechts; 6. eine leicht eingeschränkte linksventrikuläre Dysfunktion
unklarer Ätiologie; 7. eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4);
8. eine Dysthymia (ICD-10: F34.1); 9. einen Status nach zweimaliger Versorgung einer
Zwerchfellhernie 2017 und 10. intermittierende Gang- und Gleichgewichtsstörungen
unklarer Ätiologie (ICD-10: R26.8). Für leidensangepasste Chauffeurtätigkeiten
bescheinigten die medizinischen Fachpersonen der BEGAZ seit Mai 2011 aufgrund der
A.k.
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Einschränkungen am Bewegungsapparat und ab 2011 auch aus psychiatrischer Sicht
eine (nicht additive) 20%ige Arbeitsunfähigkeit. Im Jahr 2017 habe (aus
viszeralchirurgischer und teilweise pneumologischer Sicht) eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten bestanden. Im Zeitraum von Januar bis
Ende Juni 2018 habe ein sukzessiver Anstieg der Arbeitsfähigkeit stattgefunden. Seit
«Juni 2018» (IV-act. 454-21 und -22) bzw. Juli 2018 (IV-act. 462-12) verfüge der
Versicherte über eine 60%ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf eine leidensangepasste
Chauffeurtätigkeit bzw. auf andere leidensangepasste Tätigkeiten (IV-act. 454,
insbesondere S. 19 ff.).
Der RAD-Arzt Q._ vertrat die Auffassung, aus versicherungsmedizinischer Sicht
könne auf das BEGAZ-Gutachten abgestellt werden. Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bezogen auf die angestammte Tätigkeit (als Chauffeur mit Be- und Entladen von
Stückgut sowie Reinigen des Lastwagens) sowie die 60%ige Arbeitsfähigkeit bezogen
auf leidensangepasste Tätigkeiten könnten übernommen werden. Bezüglich des
retrospektiven Verlaufs der Arbeitsfähigkeit könne dem Gutachten ebenfalls gefolgt
werden. Das heisse, dass seit 2011 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit vorgelegen habe. Von 2011 bis 2016 habe lediglich eine 20%ige
Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit bestanden. 2017 sei es aus chirurgischen
und pneumologischen Gründen zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auch in einer
adaptierten Tätigkeit gekommen. Von Januar bis Juni 2018 sei es zu einer
schrittweisen Verbesserung der Arbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste
Tätigkeiten auf 60 % gekommen. Seit «Juli 2018» bestehe durchgängig eine 60%ige
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten (Stellungnahme vom 4. April 2019, IV-
act. 468).
A.l.
Gestützt auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der BEGAZ-Sachverständigen
sprach die IV-Stelle dem Versicherten in der Verfügung vom 21. August 2019 eine
ganze Rente für die Dauer vom 1. Januar 2017 bis 30. September 2018 (IV-act. 489)
und in der Verfügung vom 26. September 2019 ab 1. Oktober 2018 eine Viertelsrente
zu (IV-act. 491). Die dagegen erhobene Beschwerde vom 19. September 2019 wies
das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 3. Dezember 2020, IV 2019/257, ab (act.
G 12.1).
A.m.
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B.
Die mit der administrativen Verwaltung der Personalvorsorgestiftung B._
beauftragte R._ AG hielt im Schreiben vom 26. Januar 2021 an ihrer am
28. Dezember 2019 geäusserten Auffassung fest, dass die Arbeitsunfähigkeit, die den
Anspruch auf eine Invalidenrente der Invalidenversicherung begründet habe, erst nach
dem Austritt aus der Personalvorsorgestiftung B._ eingetreten sei. Somit habe der
Versicherte dieser gegenüber keinen Anspruch auf eine Invalidenrente (act. G 1.9 und
act. G 1.13).
A.n.
Am 10. Februar 2021 erhob der Versicherte Klage gegen die
Personalvorsorgestiftung B._ und beantragte, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm
die gesetzlichen und reglementarischen Invalidenleistungen, insbesondere eine
Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 % für die Zeit vom
1. Januar 2017 bis 30. September 2019 und basierend auf einem Invaliditätsgrad von
45 % ab 1. Oktober 2019 auszurichten, zuzüglich Zins zu 5 % ab Klageeinreichung,
wobei die Sache zur Rentenberechnung an die Beklagte zu überweisen sei; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor,
dass die Beklagte an die den IV-Rentenverfügungen zugrundeliegenden
Feststellungen, insbesondere an die Festlegung des Beginns der Wartefrist auf (Mai)
2011, gebunden sei. Die während des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten
eingetretene Arbeitsunfähigkeit habe zur von der IV-Stelle ermittelten Invalidität geführt.
Zwischen der während des Vorsorgeverhältnisses eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und
der Invalidität bestehe ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang (act. G 1).
B.a.
Die Beklagte beantragte in der Klageantwort vom 19. Mai 2021 die
vollumfängliche Abweisung der Klage; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie
machte geltend, der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit sei für die
Rentenleistungspflicht der IV-Stelle nicht von Bedeutung gewesen, weshalb sie (die
Beklagte) nicht an deren diesbezügliche Feststellungen gebunden sei. Entgegen der
Auffassung des Klägers erscheine der Eintritt der Arbeitsunfähigkeit während des
Vorsorgeverhältnisses nicht ausgewiesen. Selbst wenn anzunehmen wäre, dass
während des Vorsorgeverhältnisses eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer und/
oder rheumatologischer Sicht eingetreten wäre, wäre der sachliche Konnex zu
B.b.
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Erwägungen
1.
Nach Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) bezeichnet jeder Kanton als letzte kantonale
Instanz ein Gericht, das über Streitigkeiten zwischen Vorsorgeeinrichtungen,
Arbeitgebern und Anspruchsberechtigten entscheidet. Gerichtsstand ist der
schweizerische Sitz oder Wohnsitz der beklagten Partei oder der Ort des Betriebs, bei
verneinen. Die der Rentenzusprache durch die IV-Stelle zugrundeliegende Invalidität sei
auf eine gesamtmedizinisch wesentliche Verschlechterung nach operativen Eingriffen
im Jahr 2017 zurückzuführen. Dabei stünden die neu eingetretenen pulmonalen
Beschwerden im Vordergrund. Ausserdem sei der zeitliche Konnex unterbrochen, falls
angenommen würde, es sei ursprünglich eine relevante Arbeitsunfähigkeit während des
Vorsorgeverhältnisses eingetreten. Die im BEGAZ-Gutachten aus psychiatrischer Sicht
seit dem Jahr 2011 durchgehend bescheinigte Arbeitsunfähigkeit sei für das
vorliegende Verfahren nicht relevant, da während des Vorsorgeverhältnisses keine
Dysthymie eingetreten sei. Ausserdem hätte eine Arbeitsunfähigkeit im Rahmen einer
ordentlichen Indikatorenprüfung verneint werden müssen. Die allfälligen
rheumatologischen Beschwerden hätten keine durchgehende Arbeitsunfähigkeit
auslösen können. So ergebe sich aus dem Gutachten der MEDAS Zentralschweiz,
dass der Kläger aus somatischer Sicht über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten verfügt habe. Selbst wenn hypothetisch ein sachlicher
und zeitlicher Konnex teilweise bejaht würde, so hätte sie (die Beklagte) höchstens eine
20%ige Arbeitsunfähigkeit zu vertreten, die nicht zu einem rentenbegründenden
Invaliditätsgrad von 40 % führen würde. Schliesslich wies die Beklagte im Fall einer
bejahten Leistungspflicht darauf hin, dass eine allfällige Rentenleistung u.a. mit
allfälligen unfallversicherungsrechtlichen Ansprüchen zu koordinieren wäre. Hierfür
seien die Akten der Unfallversicherung beizuziehen (act. G 7).
In der Replik vom 6. August 2021 hielt der Kläger unverändert an der Klage und
deren Begründung fest (act. G 12).
B.c.
Die Beklagte hielt ihrerseits unverändert an der beantragten Klageabweisung fest
(act. G 18).
B.d.
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dem die versicherte Person angestellt war (Art. 73 Abs. 3 BVG). Die Beklagte hat ihren
Sitz gemäss Eintrag im kantonalen Handelsregister in S._. Für Klagen nach Art. 73
BVG ist im Kanton St. Gallen das Versicherungsgericht zuständig und es findet das
öffentlich-rechtliche Klageverfahren Anwendung (Art. 65 Abs. 1 lit. e des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Damit ist die sachliche, örtliche
und funktionelle Zuständigkeit des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
gegeben. Auf die Klage ist einzutreten.
2.
Streitig und zu prüfen ist der vom Kläger gegenüber der Beklagten geltend gemachte
Anspruch auf eine Invalidenrente.
bis
Nach Art. 23 lit. a BVG haben Personen Anspruch auf Invalidenleistungen, die im
Sinn der Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren.
Entscheidend im Rahmen von Art. 23 BVG ist einzig der Eintritt der relevanten
Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Mass
daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versicherteneigenschaft
muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht
notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der
Invalidität. Der Wegfall der Versicherteneigenschaft bildet keinen Erlöschungsgrund.
Umgekehrt entfällt im Anwendungsbereich von Art. 23 lit. a BVG die Leistungspflicht
einer Vorsorgeeinrichtung, wenn die massgebliche Arbeitsunfähigkeit bereits vor der
Entstehung des Versicherungsverhältnisses eingetreten ist (siehe zum Ganzen das
Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_52/2018, E. 3.1 mit Hinweisen).
Tragen verschiedene Gesundheitsschädigungen zur Invalidität bei, so ist hinsichtlich
jeder Gesundheitsschädigung gesondert zu prüfen, ob die jeweilige Arbeitsunfähigkeit
während der Dauer des Versicherungsverhältnisses mit der Vorsorgeeinrichtung
eingetreten ist (BGE 138 V 409 Regeste b; E. 6).
2.1.
Für die Bestimmung der Leistungszuständigkeit ist eine erhebliche und dauerhafte
Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich massgebend. Diese muss mindestens 20 % betragen (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 2.1 mit Hinweisen). Der Anspruch
auf Invalidenleistungen setzt einen engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang
zwischen der während des andauernden Vorsorgeverhältnisses (einschliesslich der
2.2.
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3.
Die Leistungspflicht der Beklagten hängt nach den vorstehenden Ausführungen
(E. 2.1 f.) davon ab, ob vor der Beendigung des Vorsorgeverhältnisses (unter
Berücksichtigung der einmonatigen Nachdeckungsfrist gemäss Art. 10 Abs. 3 BVG) die
zur späteren Invalidität führende Arbeitsunfähigkeit in einem Umfang von mindestens
20 % eingetreten war und die Arbeitsunfähigkeit seither ohne wesentlichen Unterbruch
angedauert hat. Aufgrund der Auflösung des Arbeitsverhältnisses auf den 31. Mai 2011
Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) bestehenden Arbeitsunfähigkeit und der
allenfalls erst später eingetretenen Invalidität voraus. Der sachliche Konnex ist
gegeben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat, im
Wesentlichen derselbe ist, wie er der Erwerbsunfähigkeit zugrunde liegt. Die Annahme
eines engen zeitlichen Zusammenhangs setzt voraus, dass die versicherte Person nach
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, nicht während
längerer Zeit wieder arbeitsfähig war (BGE 134 V 22 E. 3.2 und E. 3.2.1). Bei der
Prüfung dieser Fragen sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalls zu
berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische
Beurteilung durch die medizinische Fachperson sowie die Beweggründe, welche die
versicherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit
veranlasst haben (siehe zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018,
9C_100/2018, E. 2.2 mit Hinweisen). Zu den für die Beurteilung des zeitlichen
Konnexes relevanten Umständen zählen ausserdem die in der Arbeitswelt nach aussen
in Erscheinung tretenden Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass eine versicherte
Person über längere Zeit hinweg als voll vermittlungsfähige Stellensuchende Taggelder
der Arbeitslosenversicherung bezieht. Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche
Bedeutung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 4.1.2 mit Hinweisen). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung bedarf es zum rechtsgenüglichen Nachweis einer
berufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen nicht
zwingend einer echtzeitlich attestierten Arbeitsunfähigkeit. Eine zuverlässige
Einschätzung des zeitlichen Zusammenhangs ist nur möglich, wenn die Entwicklung
gesamthaft betrachtet wird; wobei die Frage, ob eine nachhaltige Wiederherstellung
der Arbeitsfähigkeit möglich war, auch im Licht von erst später gewonnenen
Erkenntnissen zu beurteilen ist (siehe zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom
21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 4.2.2 mit Hinweisen). Eine Unterbrechung des
zeitlichen Konnexes ist dann anzunehmen, wenn während mehr als dreier Monate eine
Arbeitsfähigkeit von über 80 % in einer angepassten Erwerbstätigkeit gegeben ist
(Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 2.2 mit Hinweisen).
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(fremd-act. 3-1) und der Nachdeckungsfrist endete das vorliegend zu beurteilende
Vorsorgeverhältnis am 30. Juni 2011.
Entgegen der Sichtweise des Klägers besteht bei der vorliegenden
berufsvorsorgerechtlichen Leistungsprüfung im Sinn der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 437 E. 2.2) keine Bindung an allfällige Feststellungen
der IV-Stelle zum Eintritt der Arbeitsunfähigkeit und dem weiteren Verlauf der
Arbeitsunfähigkeit bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten bis 31. Dezember 2016.
Die Bindungswirkung einer Verfügung der Invalidenversicherung für eine Einrichtung
der beruflichen Vorsorge vermag sich nämlich nicht auf Feststellungen zu erstrecken,
die für die Festlegung des Anspruchs auf eine Rente der Invalidenversicherung nicht
entscheidend waren. So ist der von der IV-Stelle ermittelte Invaliditätsgrad bis zum
31. Dezember 2016 für die Vorsorgeeinrichtung nicht bindend, wenn er die gesetzliche
Mindestgrenze von 40 % (Art. 28 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20]) nicht erreicht, weil in diesem unterhalb der Erheblichkeitsschwelle
liegenden Bereich für die Organe der Invalidenversicherung keine Veranlassung
besteht, eine genaue Bestimmung des Invaliditätsgrads vorzunehmen (Urteile des
Bundesgerichts vom 30. März 2009, 9C_8/2009, E. 3.2 mit Hinweisen, und vom
12. November 2015, 9C_115/2015, E. 4.1). Diese fehlende Bindung an eine nicht
rentenbegründende Invaliditätsgradbemessung der Invalidenversicherung ist auch vor
dem Hintergrund dessen überzeugend, dass erst dann ein Rechtsschutzinteresse an
einer gerichtlichen Korrektur eines Invaliditätsgrads besteht, wenn diese rentenwirksam
ist, worauf die Beklagte zutreffend hinweist (act. G 7, Rz 30). Mit dem Antrag, der von
der Invalidenversicherung auf unter 40 % festgelegte Invaliditätsgrad sei auf 0 % zu
senken, kann die Berufsvorsorgeeinrichtung eine das Rentengesuch abweisende
Verfügung der IV-Stelle nicht anfechten, ist doch der in beiden Fällen nicht
rentenbegründende Invaliditätsgrad nur Begründungselement und ändert sich dadurch
das Dispositiv nicht (Entscheid des Versicherungsgerichts vom 28. Juni 2016,
BV 2014/2, E. 2.2). Dies bedeutet, dass es der Vorsorgeeinrichtung an der Beschwer
und damit an der Legitimation zum Beschreiten des Rechtswegs gegen die IV-
Rentenverfügung fehlt.
3.1.
Nachfolgend wird frei geprüft, ob die Beklagte für eine somatisch bedingte
Invalidität eine Leistungspflicht trifft.
3.2.
Bis auf die rheumatologische BEGAZ-Gutachterin bescheinigten sämtliche
übrigen somatischen BEGAZ-Sachverständigen im von den Sachverständigen der
MEDAS Zentralschweiz beurteilten Zeitraum keine (dauerhafte) Arbeitsunfähigkeit
3.2.1.
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bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten (IV-act. 458-10, IV-act. 459-17 f., IV-
act. 461-9 ff., IV-act. 462-12 und IV-act. 463-10 f.). Die von der Beurteilung des
rheumatologischen MEDAS-Gutachters abweichende retrospektive
Arbeitsfähigkeitsschätzung der rheumatologischen BEGAZ-Gutachterin erfolgte
ausdrücklich als «andere Beurteilung des gleichen medizinischen Sachverhaltes wie
2013» (IV-act. 464-13; siehe auch die Ausführungen in IV-act. 464-18:
Zusammengefasst habe sich das klinische Bild im Vergleich zur rheumatologischen
Begutachtung im Jahr 2013 nicht wesentlich verändert, die Gewichtung der einzelnen
Probleme am Bewegungsapparat werde «etwas anders» vorgenommen). Sie entspringt
folglich nicht objektiven Gesichtspunkten, sondern allein dem Interpretationsermessen
bei der Beurteilung des Pausenbedarfs. Die abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung
begründete die rheumatologische BEGAZ-Gutachterin einerseits mit einer anderen
Gewichtung der Auswirkungen der «intermittierenden lumbalen Schmerzen»,
andererseits mit den vom Kläger geschilderten Unterarmschmerzen rechts (IV-
act. 464-28). Diese Argumentation ist nicht geeignet, eine im Vergleich zur Beurteilung
des rheumatologischen MEDAS-Gutachters überzeugendere Einschätzung zu
begründen oder diese in Zweifel zu ziehen. Vielmehr dürfte die durch die
rheumatologische BEGAZ-Gutachterin erfolgte Umschreibung der lumbalen
Schmerzen als «intermittierend», also als zeitweise (aussetzend), stossweise oder
zwischenzeitlich nachlassend (siehe Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch,
267. Auflage, 2017, S. 883), gegen eine retrospektiv konstant vorhandene
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten sprechen. Die
Unterarmschmerzen rechts waren ausserdem rheumatologisch «nicht umfänglich» zu
erklären, wie die rheumatologische BEGAZ-Gutachterin selbst einräumte (IV-
act. 464-28 unten). Bereits die medizinischen Fachpersonen des KSSG
charakterisierten im – von der rheumatologischen BEGAZ-Gutachterin bei der
retrospektiven Verlaufsbeurteilung als massgeblich betrachteten (IV-act. 464-13) –
Bericht vom 10. Mai 2011 die Schmerzen als «sehr diffus und teils widersprüchlich» (IV-
act. 201-2 unten) bzw. «sehr wechselhaft» (IV-act. 201-2 oben). Im Übrigen hielten sie
lediglich Schmerzangaben thorakal, jedoch nicht lumbal fest. Hinzu kommt, dass
Dr. O._ im Bericht vom 6. Juli 2016 den Diagnosen, die den Bewegungsapparat des
Klägers betrafen, ebenfalls keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimass (IV-
act. 302; vgl. auch die RAD-Stellungnahme vom 15. August 2016, IV-act. 303).
Insgesamt scheint die mehrjährige retrospektive Beurteilung der rheumatologischen
BEGAZ-Gutachterin in einer blossen zeitlichen Ausdehnung ihrer aktuellen
Arbeitsfähigkeitsschätzung aufzugehen und daher nicht plausibel zu sein.
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Demgegenüber begründete der rheumatologische MEDAS-Gutachter
überzeugend und im Einklang mit den Angaben des Klägers, dass die in den
rheumatologischen Fachbereich fallenden Leiden bewegungs- und
belastungsabhängig waren (IV-act. 253-54 unten; IV-act. 253-55 Mitte, IV-act. 255-56
oben und Mitte) und deshalb im Rahmen einer ideal leidensangepassten Tätigkeit keine
quantitative Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bestand (IV-act. 253-57 Mitte). Daher
und weil sich diese Einschätzung auch besser mit der damaligen Einschätzung
behandelnder medizinischer Fachpersonen vereinbaren lässt (siehe vorstehende
E. 3.2.1), erscheint sie jedenfalls zum damaligen Zeitpunkt als schlüssiger als die mit
grosser zeitlicher Distanz später ergangene retrospektive Beurteilung der
rheumatologischen BEGAZ-Gutachterin.
3.2.2.
Dass das Versicherungsgericht im Entscheid vom 3. Dezember 2020,
IV 2019/257, E. 4.6, integral die Beweiskraft des BEGAZ-Gutachtens, einschliesslich
der darin bejahten retrospektiven Beurteilung bejahte, spricht für sich allein betrachtet
nicht gegen die Beweiskraft der Beurteilung des rheumatologischen MEDAS-
Gutachters. Denn die Ausführungen des Versicherungsgerichts erfolgten hauptsächlich
mit Blick auf die Bestätigung des von der IV-Stelle ermittelten
Arbeitsunfähigkeitsverlaufs, soweit er überhaupt für einen Rentenanspruch als relevant
in Betracht fiel. Eine vertiefte Prüfung bzw. Würdigung des Arbeitsunfähigkeitsverlaufs
unter dem Aspekt des zeitlichen Konnexes nahm es für die Zeit bis zum 31. Dezember
2016 nicht vor. Deshalb und weil im berufsvorsorgerechtlichen Verfahren keine
Bindung an den im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren als blosses
Begründungselement angenommenen Arbeitsfähigkeitsverlauf bis zum 31. Dezember
2016 besteht (siehe vorstehende E. 3.1), vermag der Kläger aus dem Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 3. Dezember 2020, IV 2019/257, im vorliegenden
berufsvorsorgerechtlichen Prozess nichts Präjudizierendes zu seinen Gunsten
abzuleiten. Im Übrigen gelangte das Versicherungsgericht im Entscheid vom 7. April
2016, IV 2014/286, E. 2.1, zur Auffassung, dass die – vom Kläger damals unbestritten
gebliebene – Beurteilung der somatischen Sachverständigen der MEDAS
Zentralschweiz, die keine Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
bescheinigten (IV-act. 253-26), umfassend, nachvollziehbar und widerspruchsfrei,
mithin beweiskräftig sei (IV-act. 292-8).
3.2.3.
Insgesamt ist damit aus somatischer Sicht davon auszugehen, dass zumindest
der zeitliche Konnex zwischen einer allenfalls während des Vorsorgeverhältnisses bei
der Beklagten eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der späteren im
3.2.4.
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invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren ermittelten rentenbegründen Invalidität
unterbrochen wurde.
Zu prüfen bleibt damit ein Rentenanspruch des Klägers gegenüber der Beklagten
für eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit bzw. Invalidität.
3.3.
Der RAD-Arzt Q._ hat sich in der Stellungnahme vom 27. Juli 2018 eingehend
mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen MEDAS-Gutachters
auseinandergesetzt und schlüssig Zweifel daran beschrieben (IV-act. 418). Darauf ist zu
verweisen. Ausserdem legte auch der psychiatrische BEGAZ-Gutachter plausibel dar,
dass die Beurteilung des psychiatrischen MEDAS-Gutachters nicht nachvollziehbar ist
(IV-act. 460-17; siehe auch E. 4.1 des Entscheids des Versicherungsgerichts vom
3. Dezember 2020, IV 2019/257, act. G 12.1). Auf die Einschätzung des psychiatrischen
MEDAS-Gutachters kann daher zur Beurteilung eines Rentenanspruchs des Klägers
nicht abgestellt werden.
3.3.1.
Der psychiatrische BEGAZ-Gutachter ist zur Auffassung gelangt, dass sowohl im
Zeitpunkt der Begutachtung als auch retrospektiv eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit des
Klägers bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten anzunehmen sei (IV-act. 460-19).
Diese Einschätzung enthält eine Ressourcen- und Konsistenzbeurteilung (IV-
act. 460-18). Sie erfüllt die Anforderungen an beweiskräftige Gutachten (siehe hierzu
BGE 125 V 352 E. 3a), jedenfalls im Umfang, in dem sie eine rentenbegründende
Arbeitsunfähigkeit bzw. eine über 20 % liegende Arbeitsunfähigkeit bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten aus psychiatrischer Sicht verneint (siehe im Übrigen
auch das neuropsychologische Teilgutachten vom 25. Februar 2019, worin ein
kognitiver Normalbefund festgestellt worden war, IV-act. 456). Mangels
Entscheidrelevanz kann schliesslich offenbleiben, ob mit der Beklagten (siehe deren
Ausführungen in act. G 7, Rz 34.2.2) in Abweichung von der Beurteilung des
psychiatrischen BEGAZ-Gutachters von einer 100%igen bzw. zumindest über 80 %
liegenden Arbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen ist.
Denn so oder anders führt eine allenfalls in den Versicherungsschutz der Beklagten
fallende psychisch bedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten offensichtlich nicht zu einem rentenbegründenden
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % (siehe hierzu die Bestimmung Ziff. 4.1.2.a. des
Vorsorgereglements der Beklagten in der ab 1. Januar 2013 gültigen Fassung bzw. in
der ab 1. Januar 2011 gültigen Fassung), wie sich aus den von der IV-Stelle zutreffend
ermittelten Grundlagen für den Einkommensvergleich ergibt (siehe IV-act. 473-4 und
IV-act. 472).
3.3.2.
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4.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Klage vollumfänglich abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Ausgangsgemäss hat der
Kläger keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die obsiegende Beklagte hat als
Vorsorgeeinrichtung keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, da die
Prozessführung des Klägers weder als mutwillig noch als leichtsinnig zu bezeichnen ist
(BGE 128 V 323).