Decision ID: 8c7426cb-abe8-4c47-bd42-6fe76f1bc0c7
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Das Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen (GD) erteilte X._ am
3. Oktober 2005 eine Berufsausübungsbewilligung als Zahnarzt im Kanton St. Gallen.
Nachdem beim Kantonszahnarzt und beim GD verschiedene Aufsichtsbeschwerden
von Patientinnen und Patienten gegen X._ eingegangen waren, eröffnete das GD im
Jahr 2012 ein Disziplinarverfahren. Im Dezember 2012 gab X._ die zahnärztliche
Tätigkeit im Kanton St. Gallen auf. Er verfügt heute laut Eintrag im
Medizinalberuferegister über eine Berufsausübungsbewilligung des Kantons Thurgau,
scheint aber auch im Kanton Appenzell Innerrhoden als Zahnarzt tätig zu sein.
B. Während des Disziplinarverfahrens gingen beim GD weitere Beschwerden gegen
X._ ein. Das GD führte in der Folge eine umfangreiche Untersuchung durch. Mit
Verfügung vom 28. Mai 2014 sprach es gegenüber X._ ein definitives und
uneingeschränktes Verbot der selbständigen Berufsausübung als Zahnarzt aus.
Gleichzeitig verfügte es den Entzug der am 3. Oktober 2005 erteilten
Berufsausübungsbewilligung, wobei es einer allfälligen Beschwerde hiergegen die
aufschiebende Wirkung entzog. Ferner wies es die von X._ gestellten
Ausstandsbegehren ab, auferlegte ihm eine Busse von CHF 10'000 und verpflichtete
ihn, die ihm angezeigten Schadenfälle unverzüglich der zuständigen
Berufshaftpflichtversicherung zu melden. Das GD war in der Verfügung zum Schluss
gekommen, X._ sei offensichtlich nicht in der Lage, die fachlichen Anforderungen an
die Ausübung des Zahnarztberufes zu erfüllen. Dies betreffe nicht nur
implantologische, sondern auch grundlegende konservierende sowie Arbeiten der
festsitzenden und abnehmbaren Prothetik. Er lege dabei eine Haltung an den Tag, die
mit den Berufspflichten als Zahnarzt völlig unvereinbar sei. Um eine weitere
Gefährdung des Patientenwohls auszuschliessen, sei ein definitives und umfassendes
Berufsverbot auszusprechen. Auch die Vertrauenswürdigkeit (als Voraussetzung zur
Erteilung der Berufsausübungsbewilligung) sei nicht mehr gegeben und die Bewilligung
folglich zu entziehen.
C. Gegen diese Verfügung erhob X._ am 4. Juni 2014 – vorerst summarisch begründet
– Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er ersuchte um Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung hinsichtlich des Bewilligungsentzugs und beantragte in der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Hauptsache die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung. Eventuell sei die
Angelegenheit zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Antragsgemäss erstreckte der Präsident des Verwaltungsgerichts die Frist zur
Einreichung der eigentlichen Beschwerdebegründung, zuletzt bis am 18. August 2014.
Ein weiteres Fristerstreckungsgesuch ging mit einem Tag Verspätung beim
Verwaltungsgericht ein, nachdem es die Rechtsvertreter von X._ an eine falsche
Adresse geschickt hatten.
D. Mit – vom Bundesgericht (Entscheid 2C_1180/2014 vom 11. Mai 2015) bestätigtem
– Zwischenentscheid vom 21. November 2014 wies der Präsident des
Verwaltungsgerichts das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
hinsichtlich des Entzugs der kantonalen Berufsausübungsbewilligung ab.
Mit Urteil vom 27. April 2016 (B 2014/105, www.gerichte.sg.ch) wies das
Verwaltungsgericht das Gesuch um Wiederherstellung der Frist zur Einreichung der
Beschwerdeergänzung ab und trat in der Hauptsache – mangels ausreichender
Begründung – auf die Beschwerde nicht ein. Das Bundesgericht hob dieses Urteil mit
Entscheid vom 21. März 2017 (2C_534/2016) – in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde – insofern auf, als das Verwaltungsgericht auf die Beschwerde nicht
eigetreten war. Es wies die Sache an das Verwaltungsgericht zurück, damit dieses auf
die Beschwerde eintrete und die darin enthaltenen rudimentären Vorbringen materiell
prüfe. Im Übrigen wies es die Beschwerde ab.
E. In der Folge ersuchte X._ (Beschwerdeführer) das Verwaltungsgericht um
Aufnahme eines gerichtlichen Verständigungsversuchs (act. 3). Das GD (Vorinstanz)
nahm zu diesem Ansinnen ablehnend Stellung und machte geltend, es habe Kenntnis
von weiteren Patientenbeschwerden erhalten, für die es aber örtlich nicht zuständig sei
(act. 5 f.). Der Abteilungspräsident stellte den Verfahrensbeteiligten daraufhin die
Behandlung der Beschwerde nach den Vorgaben des Bundesgerichts in Aussicht.
Innert Frist zur Einreichung einer Stellungnahme "zu den neuerlichen Vorhalten des
Gesundheitsdepartements" reichten die Vertreter des Beschwerdeführers schliesslich
am 22. Januar 2018 eine 57-seitige Eingabe ein, die der Abteilungspräsident
postwendend als weitschweifig beurteilte und zur Kürzung bzw. Beschränkung auf eine
Auseinandersetzung mit der erwähnten vorinstanzlichen Eingabe zurückwies. Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nachträgliche Eingabe könne nicht dazu dienen, nun doch noch eine
Beschwerdeergänzung einzureichen. Der Beschwerdeführer reichte in der Folge eine
stark reduzierte Stellungnahme ein. Das gleichzeitig gestellte Begehren des
Beschwerdeführers um Ansetzung einer Frist zur (erneuten) Darlegung der rechtlichen
Ausführungen vom 22. Januar 2018 wies der Abteilungspräsident am 15. Februar 2018
ab. Diese Verfügung ist rechtskräftig.
Auf die Beschwerde vom 4. Juni 2014, den angefochtenen Entscheid und die Akten ist,

soweit notwendig und erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
1.1. Die Streitsache ist an das Verwaltungsgericht zurückgewiesen worden, damit
dieses auf die Beschwerde vom 4. Juni 2014 eintrete und die darin enthaltenen
Vorbringen materiell prüfe. Zur Eintretensvoraussetzung der zureichenden
Beschwerdebegründung (Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP) führte das Bundesgericht in E. 4.3.2 des
Rückweisungsentscheids folgendes aus:
Auch wenn die Eingabe eine detaillierte Auseinandersetzung mit den einzelnen
Erwägungen der angefochtenen Verfügung vermissen lässt und vom anwaltlich
vertretenen Beschwerdeführer eine weitaus substantiiertere Beschwerdebegründung
erwartet werden durfte, geht aus der am 4. Juni 2014 eingereichten Beschwerdeschrift
dennoch in groben Zügen hervor, in welchen Punkten der Beschwerdeführer die
verhängte Massnahme als rechtswidrig kritisiert. Insbesondere lässt sich daraus
ableiten, dass er die Beweiswürdigung insofern beanstandet, als die erste Instanz auf
aufsichtsrechtliche Beschwerden abgestellt haben soll, welche vom Kantonszahnarzt
als irrelevant gewertet worden seien. Ebenso geht aus der Beschwerdeschrift hervor,
dass der Beschwerdeführer das Berufsverbot für unverhältnismässig hält, weil ihm
seiner Auffassung nach keine gravierenden Verfehlungen vorgeworfen werden könnten.
[...]
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Sachurteilsvoraussetzungen sind damit – entgegen der ursprünglichen Auffassung
des Verwaltungsgerichts – erfüllt (vgl. VerwGE B 2014/105 vom 27. April 2016,
www.gerichte.sg.ch), und auf die Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
1.2. Die Begründungspflicht ist eine prozessuale Mitwirkungspflicht des
Beschwerdeführers. Sie ist vom Rügeprinzip zu unterscheiden, welches den
Prüfungsumfang der Entscheidbehörde auf die von den Beteiligten in ihren Eingaben
vorgebrachten Einwände limitiert und das Rechtsmittelverfahren sachlich begrenzt. Das
Rügeprinzip gilt im Beschwerdeverfahren nur hinsichtlich der
Sachverhaltsfeststellungen in der angefochtenen Verfügung bzw. im angefochtenen
Entscheid, es sei denn, der Untersuchungsgrundsatz verpflichte das Gericht zu einer
Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen. Der Beschwerdeführer hat darzutun, in
welchen Punkten die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz unrichtig sein soll oder
aus welchen Gründen die Beweiswürdigung seiner Ansicht nach fehlgeht (GVP 1970
Nr. 21). Das Verwaltungsgericht ist im Allgemeinen nicht verpflichtet, von sich aus nach
Unrichtigkeiten in der Sachverhaltsfestlegung des vorinstanzlichen Entscheids zu
suchen (GVP 2001 Nr. 21; 2000 Nr. 49 mit Hinweisen). Diese Anforderungen dürfen
jedoch nicht überdehnt werden. Es genügt, wenn sich eine bestimmte Rüge
sinngemäss aus den Rechtsschriften ergibt. Demgegenüber hat die Rechtsanwendung
von Amtes wegen zu erfolgen. Die Rüge, die angefochtene Verfügung beruhe auf einer
unrichtigen Rechtsanwendung, ist unter dem Titel der Begründungspflicht zwar
geboten. Es steht dem Verwaltungsgericht jedoch frei, seinen Entscheid auch bei
fehlender Rüge mit anderen rechtlichen Erwägungen zu begründen, als die Vorinstanz
dies getan hat (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl.
2003, Rz. 924 ff. und 633 ff., je mit Hinweisen).
1.3. Bezüglich der konkreten Gewichtung des Rügeprinzips und des Prinzips der
Rechtsanwendung von Amtes verhält es sich in der Regel so, dass das Gericht von
sich aus keine Fragen erörtert, deren Relevanz aufgrund der Parteivorbringen oder der
Akten weder naheliegt noch ins Auge springt (vgl. Auer/Binder, in: Auer/Müller/
Schindler [Hrsg.], Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Kommentar,
2. Aufl. 2018, Art. 12 N 13 ff.). Geben die Parteivorbringen oder die Akten zu Zweifeln
Anlass, ob die dem vorinstanzlichen Entscheid zugrunde gelegten Tatsachen der
materiellen Wahrheit entsprechen, nimmt das Verwaltungsgericht im Allgemeinen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
weitere Untersuchungen vor bzw. veranlasst diese (vgl. Kölz/Häner/Bertschi,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 144
mit Hinweis auf Krauskopf/Emmenegger, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.],
Praxiskommentar VwVG, Art. 12 N 26).
1.4. Hinsichtlich der Ziff. 1, 2, 3 und 6 der angefochtenen Verfügung, mit denen die
Vorinstanz die Ausstandsbegehren gegen den damaligen Leiter Rechtsdienst und die
ehedem zuständige juristische Sachbearbeiterin abgewiesen, der aufsichtsrechtlichen
Beschwerde betreffend Verfahrensführung keine Folge geleistet und den
Beschwerdeführer (deklaratorisch) verpflichtet hat, die ihm angezeigten Schadenfälle
der zuständigen Berufshaftpflichtversicherung zu melden, fehlt es der Beschwerde an
konkreten Rügen bzw. einer Begründung. Diese Ziffern sind damit nicht
Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens. Dies zeigt sich auch an den zitierten
Ausführungen des Bundesgerichts. Diesbezüglich ist auf die Beschwerde nicht
einzutreten. Den in diesen Ziffern geregelten Begebenheiten kommt jedoch nur mehr
untergeordnete Bedeutung zu, nachdem sich die Beschwerde – wie noch zu zeigen ist
– in der Hauptsache als begründet erweist (vgl. E. 2 ff. hiernach).
2.
2.1. Für die privatwirtschaftliche Ausübung eines universitären Medizinalberufes in
eigener fachlicher Verantwortung bedarf es einer Bewilligung des Kantons, auf dessen
Gebiet der Medizinalberuf ausgeübt wird (Art. 34 des Bundesgesetzes über die
universitären Medizinalberufe, SR 811.11, MedBG, in der ab 1. Januar 2018 geltenden
Fassung). Vorausgesetzt wird unter anderem, dass die Person vertrauenswürdig ist
sowie physisch und psychisch Gewähr für eine einwandfreie Berufsausübung bietet
(Art. 36 Abs. 1 lit. b MedBG). Die Bewilligung wird entzogen, wenn ihre
Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind oder nachträglich Tatsachen festgestellt
werden, aufgrund derer sie hätte verweigert werden müssen (Art. 38 MedBG; hierzu
vgl. BGer 2C_853/2013 vom 17. Juni 2014 E. 5.3).
2.2. Personen, die einen universitären Medizinalberuf privatwirtschaftlich in eigener
fachlicher Verantwortung ausüben, halten sich zudem an die in Art. 40 MedBG
vorgesehenen Berufspflichten. Deren Verletzung kann durch Disziplinarmassnahmen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gemäss Art. 43 MedBG sanktioniert werden. Nach der Generalklausel von Art. 40 lit. a
MedBG üben sie ihren Beruf sorgfältig und gewissenhaft aus; sie halten sich an die
Grenzen der Kompetenzen, die sie im Rahmen der Aus-, Weiter- und Fortbildung
erworben haben (vgl. dazu BGer 2C_901/2012 vom 30. Januar 2013 E. 3.2). Die Pflicht
zur sorgfältigen und gewissenhaften Berufsausübung im Sinne von Art. 40 lit. a MedBG
ist auslegungsbedürftig. Davon erfasst ist die Sicherstellung einer qualitativ
hochstehenden und zuverlässigen medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Nach
der Lehre liegt eine disziplinarrechtlich relevante Pflichtverletzung dann vor, wenn eine
Verfehlung über ihre Auswirkungen im Einzelfall hinaus geeignet ist, das Vertrauen in
die Kompetenz und Integrität der betreffenden Medizinalperson zu beeinträchtigen.
Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn das fragliche Verhalten eine Gesinnung
offenbart, welche die vom Gesetz angestrebte hohe Qualität der medizinischen
Dienstleistungen gefährdet (W. Fellmann, in: Ayer/Kieser/Poledna/Sprumont [Hrsg.],
Kommentar Medizinalberufegesetz, Basel 2009, N 52 zu Art. 40 MedBG). Sodann ist
von Bedeutung, ob eine Medizinalperson gegen elementare Regeln der ärztlichen
Kunst verstossen hat, die jeder befähigte Arzt in der gleichen Lage und unter den
gleichen Umständen befolgt hätte. Hierbei gelten wissenschaftliche Richtlinien als
Auslegungshilfe (VerwGE B 2014/197 vom 24. August 2017 E. 9.1, www.gerichte.sg,
vgl. W. Fellmann, a.a.O., N 64 zu Art. 40 MedBG).
2.3. Art. 43 Abs. 1 MedBG sieht als Disziplinarmassnahmen neben der Verwarnung (lit.
a), dem Verweis (lit. b) und der Busse bis zu CHF 20'000 (lit. c) ein (befristetes) Verbot
der selbständigen Berufsausübung für längstens sechs Jahre (lit. d) und ein definitives
(unbefristetes) Verbot der selbständigen Berufsausübung für das ganze oder einen Teil
des Tätigkeitsspektrums (lit. e) vor (vgl. BGer 2C_410/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1;
2C_504/2014 vom 13. Januar 2015 E. 3.2 und 3.3; 2C_879/2013 vom 17. Juni 2014 E.
4.2 und 4.3). Diese Disziplinarmassnahmen knüpfen an die schuldhafte Verletzung von
Berufspflichten an. Die disziplinarische Verantwortlichkeit setzt entweder Vorsatz oder
Fahrlässigkeit voraus. An die Sorgfaltspflicht wird ein objektiver Massstab gelegt.
Verlangt wird die durchschnittliche Sorgfalt, die in guten Treuen verlangt werden darf
und muss, wobei die Disziplinarbehörde beweisbelastet ist (T. Poledna, in: Ayer/Kieser/
Poledna/Sprumont [Hrsg.], a.a.O., N 3 zu Art. 43 MedBG).
http://www.gerichte.sg/
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mit den Disziplinarmassnahmen nach Art. 43 MedBG sollen Verfehlungen im
Zusammenhang mit der selbständigen beruflichen Tätigkeit nachträglich sanktioniert
werden. Dies gilt auch für das disziplinarische Verbot der selbständigen
Berufsausübung nach Art. 43 Abs. 1 lit. d und e MedBG (BGer 2C_504/2014 vom 13.
Januar 2015 E. 3.3; 2C_879/2013 vom 17. Juni 2014 E. 4.3; 2C_853/2013 vom 17. Juni
2014 E. 5.3). Das Verbot der selbständigen Berufsausübung nach Art. 43 Abs. 1 lit. d
und e MedBG erstreckt sich auf das gesamte Gebiet der Schweiz; es setzt jede
Bewilligung zur selbständigen Berufsausübung ausser Kraft (Art. 45 MedBG). Im
Gegensatz dazu stellt der Entzug der Bewilligung zur selbständigen Berufsausübung
nach Art. 38 MedBG eine prospektive Massnahme dar, weshalb er auch als
"Sicherungsentzug" bezeichnet wird (J. F. Dumoulin, in: Ayer/Kieser/Poledna/Sprumont
[Hrsg.], Kommentar MedBG, Basel 2009, N 4 zu Art. 38 MedBG). Diese Unterscheidung
zwischen Disziplinar- und Administrativmassnahmen kommt beispielsweise auch im
Anwaltsrecht vor (BGer 2C_504/2014 vom 13. Januar 2015 E. 3.3 mit Hinweis auf BGE
137 II 425 E. 7.2).
2.4. Die Bewilligungspflicht nach Art. 34 MedBG und die Berufspflichten nach Art. 40
MedBG richten sich an Personen, welche einen universitären Medizinalberuf
selbständig ausüben. Beide Rechtsinstitute haben den Schutz der öffentlichen
Gesundheit zum Ziel. Der Inhalt der Berufspflichten überschneidet sich teilweise mit
den Voraussetzungen für die Bewilligungserteilung, indem ihnen das Element der
Vertrauenswürdigkeit implizit zugrunde gelegt ist: Durch die mehrfache und
gravierende Verletzung von Berufspflichten kann die Vertrauenswürdigkeit im Sinn von
Art. 36 Abs. 1 lit. b MedBG zerstört werden. Der Verlust der Vertrauenswürdigkeit kann
also, muss aber nicht aus der Verletzung von Berufspflichten resultieren.
Der Begriff "vertrauenswürdig" wird in der Botschaft vom 3. Dezember 2004 zum
MedBG (BBl 2005 173, Ziff. 2.6 S. 226 zu Art. 36 E-MedBG) mit "gut beleumdet bzw.
allgemein vertrauenswürdig" präzisiert. Mit dem Begriff des Leumunds ist die
Ehrenhaftigkeit der Medizinalperson angesprochen (BGer 2C_879/2013 vom 17. Juni
2014 E. 4.4). Was mit "allgemein vertrauenswürdig" gemeint ist, muss mit Blick auf den
massgeblichen Kontext, hier also die öffentliche Gesundheit, ermittelt werden. Dieser
Kontext besteht im Kern aus gesundheitspolizeilichen Anliegen, geht aber etwas weiter.
Denn der Schutzzweck des Erfordernisses der Vertrauenswürdigkeit besteht nicht nur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
im (unmittelbaren) Wohl der einzelnen Patientinnen und Patienten, sondern auch darin,
deren kollektives Vertrauen zu rechtfertigen und zu erhalten. Das für die
Vertrauenswürdigkeit relevante Verhalten ist daher nicht auf die Heilbehandlung als
solche beschränkt (BGer 2C_879/2013 vom 17. Juni 2014 E. 4.4).
2.5. An die so verstandene Vertrauenswürdigkeit sind hohe Anforderungen zu stellen
(BGer 2C_879/2013 vom 17. Juni 2014 E. 4.5; 2C_68/2009 vom 14. Juli 2009 E. 2.3).
Auch das Verhalten ausserhalb der eigentlichen Berufstätigkeit ist massgebend, soweit
dieses Rückschlüsse auf die charakterliche Eignung der betreffenden Person zulässt
(vgl. – auch in Bezug auf den Anwendungsbereich des Bundesgesetzes über die
Anwältinnen und Anwälte [BGFA, SR 935.61] – BGer 2C_165/2011 vom 24. Juni 2011
E. 6.3; 2C_860/2010 vom 2. März 2011 E. 3.2.3; 2C_68/2009 vom 14. Juli 2009 E. 7.1).
Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, muss zudem die Vertrauenswürdigkeit nicht nur
im Verhältnis des Bewilligungsinhabers zu den Patienten, sondern auch zu den
Behörden erfüllt sein (BGer 2C_389/2012 vom 12. November 2012 E. 7.1; 2C_57/2010
vom 4. Dezember 2010 E. 5.3; 2C_68/2009 vom 14. Juli 2009 E. 5; 2C_191/2008 vom
24. Juni 2008 E. 5.2; 2C_58/2008 vom 14. April 2008 E. 2.3). Im Zusammenhang mit
Medizinalberufen ist in erster Linie erforderlich, dass die Vertrauenswürdigkeit im
Verhältnis zu den Gesundheitsbehörden gegeben ist. Dagegen sind Probleme mit
anderen Behörden wie etwa Steuerämtern – vorbehältlich strafbaren Verhaltens – für
die Vertrauenswürdigkeit von geringerer Relevanz (BGer 2C_879/2013 vom 17. Juni
2014 E. 4.5; zum Ganzen vgl. BGer 2C_504/2014 vom 13. Januar 2015 E. 3.4).
3.
3.1. Die Vorinstanz begründete den Entzug der am 3. Oktober 2005 erteilten
Berufsausübungsbewilligung und das definitive, uneingeschränkte Verbot der
selbständigen Berufsausübung als Zahnarzt in einer umfangreichen Darlegung im
Wesentlichen mit dreizehn Patientenbeschwerden, die zwischen Ende 2008 und Mai
2013 – teilweise via Kantonszahnarzt, dessen bereits in anderen Verfahren mit Blick auf
die Notwendigkeit einer hinreichenden gesetzlichen Grundlage in Frage gestellte
Amtsstellung vom Verwaltungsgericht bisher offengelassen worden ist (vgl. VerwGE B
2014/197 und 2015/307 vom 24. August 2017 E. 14) und mangels entsprechender
Rügen auch im vorliegenden Fall offenbleiben kann – an sie herangetragen worden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
waren, wobei die gerügten Behandlungen teilweise noch weiter zurückliegen. Im
Einzelnen handelt es sich um die Fälle A._, B._, C._, D._, E._, F._, G._, H._,
I._., J._, K._, L._ und M._. Wie die Vorinstanz im Rahmen der Beweiswürdigung
festhielt, sei keine der von den Patientinnen und Patienten als fehlerhaft gerügten
Behandlungen lege artis erfolgt, weshalb die Berufspflicht zur sorgfältigen und
gewissenhaften Berufsausübung mehrfach verletzt worden sei. Wegen der schweren
Vorwürfe seien im Disziplinarverfahren auch die im Zeitpunkt dessen Eröffnung bereits
verjährten Fälle A._, B._, C._ und E._ zu berücksichtigen. Es zeige sich, dass der
Beschwerdeführer nicht in der Lage sei, die fachlichen Anforderungen an die Ausübung
des Zahnarztberufes zu erfüllen. Dies betreffe auch grundlegende konservierende
Arbeiten und nicht nur die Implantologie. Bestimmte Verfehlungen seien wiederholt
festgestellt worden, z.B. nicht durchgeführte Parodontitisbehandlungen, keine
Hygienephasen vor dem Einsetzen der definitiven Versorgung, ungenügende Abklärung
der bestehenden Zahnsituation, fehlende Reinigungsmöglichkeit der Versorgungen,
Überschüsse und Spalten, Zementierungsfehler und abstehende Kronenränder, zu
nahes Setzen von Implantaten oder Kieferhöhlenentzündungen nach dem Setzen von
Implantaten. Teilweise seien nicht wiedergutzumachende Schäden die Folge. Jegliche
Einsicht in das Fehlverhalten fehle, dieses sei gar während des Disziplinarverfahrens
fortgesetzt worden (z.B. im Fall M._). Aufgrund der Art, Anzahl und Schwere der
Verletzung der Berufspflichten sowie des Umstands, dass der Beschwerdeführer die
Verantwortung für misslungene Behandlungen seinen Patientinnen und Patienten
anzulasten suche, sei aufgrund der Gesamtumstände darauf zu schliessen, dass er
nicht in der Lage sei, seinen beruflichen Pflichten künftig im erforderlichen Ausmass
nachzukommen. Die Folge müsse ein definitives und umfassendes
Berufsausübungsverbot sein.
Durch die beschriebenen fachlichen Fehlleistungen sei auch die Vertrauenswürdigkeit
des Beschwerdeführers stark erschüttert. Diese sei durch sein unkooperatives
Verhalten gegenüber der Aufsichtsbehörde und haltlose Vorwürfe an deren Adresse
weiter herabgesetzt worden und insgesamt nachhaltig zerstört. Mit dem Verlust der
Vertrauenswürdigkeit seien die Bewilligungsvoraussetzungen nicht mehr erfüllt. Die
kantonale Berufsausübungsbewilligung als Zahnarzt sei dem Beschwerdeführer folglich
zu entziehen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2. In tatsächlicher Hinsicht stützte sich die Vorinstanz auf mehrere als "Gutachten"
bezeichnete Schriftstücke teils nachbehandelnder, teils von ihr oder von den Patienten
selbst mit einer "Begutachtung" beauftragter Zahnärzte.
3.2.1. Gemäss Art. 12 VRP ermittelt die Behörde oder das von ihr betraute
Verwaltungsorgan den Sachverhalt und erhebt die Beweise von Amtes wegen durch
Befragen von Beteiligten, Auskunftspersonen oder Zeugen, durch Beizug von
Urkunden, Amtsberichten und Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere
geeignete Weise (Abs. 1). Sind zur Wahrung des öffentlichen Interesses keine
besonderen Erhebungen nötig, so sind nur die von den Beteiligten angebotenen und
die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche Tatsachen aufzunehmen (Abs. 2). Dem
VRP liegt demnach – mit Einschränkungen – der Untersuchungsgrundsatz zugrunde
(vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 598), was heisst, dass die Behörde die Verantwortung
für die Feststellung der materiellen Wahrheit trägt (vgl. Auer/Binder, in: Auer/Müller/
Schindler, Kommentar VwVG, a.a.O., Art. 12 N 5). Der Aufwand zu dessen Feststellung
muss aber insgesamt verhältnismässig bleiben; je nach Art und Stadium des
Verfahrens, Strittigkeit der Sache sowie Schwere des Eingriffs der
Ermittlungshandlungen kann ein unterschiedlicher Umfang der Sachverhaltsermittlung
angezeigt sein (Auer/Binder, a.a.O., Art. 12 N 5 mit Hinweisen). Der Beizug eines
Sachverständigen kann gesetzlich vorgeschrieben sein; davon abgesehen liegt ein
solcher im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes im Ermessen der entscheidenden
Instanz. Angezeigt ist die Einholung eines Gutachtens dann, wenn der Behörde die zum
Entscheid erforderliche Sachkunde über umstrittene Tatsachen fehlt. Dies ist
regelmässig der Fall bei Fragen der Naturwissenschaften, der Technik oder – wie hier –
der Medizin (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 976 mit Hinweisen). Der Experte teilt der
Behörde aufgrund seiner Sachkunde entweder Erfahrungs- oder Wissenssätze seiner
Disziplin mit, erforscht erhebliche Tatsachen oder zieht sachliche Schlussfolgerungen
aus bereits bestehenden Tatsachen (vgl. BGE 118 Ia 144 E. 1c). Dem
Sachverständigen dürfen lediglich Fragen im Bereich der Tatsachenfeststellung und -
würdigung, jedoch keine Rechtsfragen unterbreitet werden (vgl. die mit
Einschränkungen und dem zutreffenden Hinweis auf die bisweilen schwierige
Unterscheidung versehenen Ausführungen von Auer/Binder, a.a.O., Art. 12 N 61).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2.2. Während die konkrete Beweiswürdigung eine Tat- bzw. Sachverhaltsfrage ist
(vgl. BGE 133 V 477 E. 6.1), für die nach den vorstehenden Ausführungen (E. 1.2) dem
Beschwerdeführer im verwaltungsgerichtlichen Verfahren grundsätzlich eine
Rügepflicht zukommt – eine entsprechende Rüge hat er nach Auffassung des
Bundesgerichts angebracht –, ist die Beachtung des Untersuchungsgrundsatzes und
der Beweiswürdigungsregeln eine Rechtsfrage, die das Verwaltungsgericht auch ohne
Rüge von Amtes wegen frei überprüfen kann (vgl. auch BGer 2C_504/2014 vom
13. Januar 2015 E. 2.2 mit Hinweis auf BGer 9C_751/2013 vom 6. Mai 2014 E. 4.2).
3.2.3. In Fachfragen darf die Behörde oder das Gericht nicht ohne triftige Gründe von
Gutachten abweichen und muss Abweichungen begründen. Ein Abweichen ist
zulässig, wenn die Glaubwürdigkeit des Gutachtens durch die Umstände ernsthaft
erschüttert ist. Bestehen Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens und wird dennoch
keine ergänzende Abklärung angeordnet, kann sich dies als rechtswidrig erweisen (vgl.
z.B. BGer 2C_487/2013 vom 5. September 2015 E. 2.3 ff.; BGE 132 II 257 E. 4.4.1; 130
I 337 E. 5.4.2). Die Behörde verfällt in eine willkürliche antizipierte Beweiswürdigung,
wenn sie trotz Zweifeln an der Schlüssigkeit oder Vollständigkeit des Gutachtens auf
ergänzende Abklärungen verzichtet (BGer 9C_751/2013 vom 6. Mai 2014 E. 4.3.3;
2C_487/2013 vom 5. September 2013 E. 2.1.2).
3.2.4. Für den Beweis durch Parteiaussagen, Zeugen und Sachverständige verweist
Art. 13 VRP sachgemäss auf die Vorschriften der Schweizerischen Zivilprozessordnung
(SR 272, ZPO; vgl. insbesondere die Art. 160 ff., 169 ff., 183 ff. und 192). Mit dem
(gerichtlichen) Gutachten befassen sich die Art. 183 ff. ZPO. Gutachten werden auf
Antrag der Parteien oder von Amtes wegen bei einer sachverständigen Person
eingeholt. Die Parteien sind vorgängig anzuhören (Art. 183 Abs. 1 ZPO). Art. 185 ZPO
hält fest, dass das Gericht – bzw. in sachgemässer Anwendung die Behörde – die
sachverständige Person instruiert und ihr die abzuklärenden Fragen schriftlich oder
mündlich an der Verhandlung stellt (Abs. 1). Die Behörde gibt den Parteien
Gelegenheit, sich zur Fragestellung zu äussern und Änderungs- oder
Ergänzungsanträge zu stellen (Abs. 2). Die Behörde stellt der sachverständigen Person
insbesondere auch die notwendigen Akten zur Verfügung (Abs. 3).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2.5. Mit den formellen und inhaltlichen Anforderungen an ärztliche Gutachten im
Zusammenhang mit dem Entzug der Bewilligung zur selbständigen Ausübung des
Arztberufes hat sich das Bundesgericht im bereits zitierten – ebenfalls den Kanton St.
Gallen bzw. die Vorinstanz betreffenden – Urteil 2C_504/2014 vom 13. Februar 2015
einlässlich befasst. Ein ärztliches Gutachten stellt – im Gegensatz zu einem ärztlichen
Bericht – die qualifizierte Form einer medizinischen Erhebung dar; ihm liegen
eingehende Beobachtungen und Untersuchungen eines oder mehrerer Spezialärzte zu
Grunde (L. Glanzmann-Tarnutzer, Der Beweiswert medizinischer Erhebungen im Zivil-,
Straf- und Sozialversicherungsprozess, AJP 2005 S. 73 ff., S. 74). Eine medizinische
Expertise arbeitet im Einzelnen und in für den Rechtsanwender nachvollziehbarer
Weise diejenigen Grundlagen auf, gestützt auf welche der medizinische
Sachverständige die ihm gestellten Fragen beantwortet (U. Meyer-Blaser, Rechtliche
Vorgaben an die medizinische Begutachtung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.],
Rechtsfragen der medizinischen Begutachtung in der Sozialversicherung, St. Gallen
1997, S. 9 ff., S. 23). Der ärztliche Bericht geht im Vergleich zum medizinischen
Gutachten in formeller und materieller Hinsicht weniger weit. Beweisrechtlich stellt er
eine schriftliche Auskunft des Arztes als einer fachkundigen Person dar. In materieller
Hinsicht holt der ärztliche Bericht weniger weit aus, beschränkt sich in der Regel auf
die Beantwortung der gestellten Fragen, allenfalls begleitet von einer summarischen
Begründung (Meyer-Blaser, a.a.O., S. 24).
Die auftraggebende Behörde ist verpflichtet, einen sorgfältigen und präzisen
Fragekatalog zu formulieren und diesen der sachverständigen Person vorzulegen (Art.
13 VRP in Verbindung mit Art. 185 Abs. 1 ZPO; vgl. BGer 9C_751/2013 vom 6. Mai
2014 E. 4.3.1; 2C_487/2013 vom 5. September 2013 E. 2.4.2) Die Frage, ob die von der
Untersuchung betroffene Medizinalperson das Recht hat, sich vorgängig zu den
Gutachterfragen zu äussern (vgl. BGE 138 V 318 E. 6.1; 137 V 210 E. 3.4.2.9 S), hat
das Bundesgericht offen gelassen (vgl. BGer 2C_487/2013 vom 5. September 2015 E.
2.5; bejahend D. Thurnherr, Verfahrensgrundrechte und Verwaltungshandeln, Zürich/St.
Gallen 2013, Rz. 411). Sie ist jedoch für das st. gallische Verfahrensrecht mit Blick auf
die anwendbaren zivilprozessrechtlichen Grundsätze zu bejahen (vgl. Art. 13 VRP in
Verbindung mit Art. 185 Abs. 2 ZPO).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2.6. Die Behörde muss gestützt auf eine medizinische Expertise in freier
Beweiswürdigung zur Überzeugung gelangen können, dass die darin
zusammengetragenen Fakten eine zuverlässige Beurteilung der Streitsache erlauben
(vgl. BGE 137 V 2010 E. 1.3.4; 122 V 157 E. 1c). Die im Bereich des
Sozialversicherungsrechts entwickelte Praxis zur Beweiskraft medizinischer Unterlagen
kann – mit den erforderlichen Anpassungen – auf das Disziplinar- und
Administrativverfahren übertragen werden. Entscheidend ist, ob der Bericht des
medizinischen Sachverständigen für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die beklagten Beschwerden berücksichtigt
wurden (diese stehen konkret allerdings nicht im Vordergrund), in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) beurteilt wurden, die Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation bzw. der beschwerdeführerischen
Behandlung einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). Im konkreten Fall geht es in
erster Linie darum, ob der Beschwerdeführer die zahnärztlichen Behandlungen
fachgerecht ausgeführt hat. Die medizinische Situation der Exploranden war somit
nicht um ihrer selbst willen zu untersuchen, sondern diente der Beantwortung der
Hauptfrage.
3.2.7. Im bereits mehrfach zitierten St. Galler Entscheid (BGer 2C_504/2014 vom
13. Januar 2015) bezeichnete es das Bundesgericht als "fraglich", ob zwei diese
Anforderungen nicht erfüllende, "einfache Arztberichte für eine so schwerwiegende
Massnahme wie den Entzug der Bewilligung zur selbständigen ärztlichen Tätigkeit eine
genügende Grundlage darstellen können" (E. 6.1). Es deckte auf, dass die Berichte
nicht auf allseitigen Untersuchungen beruhten und für die streitigen Belange nicht
umfassend seien, nicht in Kenntnis der Krankengeschichten erstellt (was ein
gravierender Mangel sei) sowie die Schlussfolgerungen nicht klar begründet worden
seien. Der fehlende Fragekatalog, der nachträgliche Beizug der Krankengeschichten,
die Unklarheit, welche Zähne überhaupt vom Beschwerdeführer behandelt worden
seien, die Frage, ob der Zustand der Gebisse auf die Behandlung durch den
Beschwerdeführer oder, wie dieser geltend machte, auf mangelhafte Befolgung der
ärztlichen Ratschläge seitens der Patienten zurückzuführen seien, sowie die Tatsache,
dass der Sachverständige selbst die Aussagekraft seiner Angaben erheblich relativiert,
Fehler eingeräumt, Schuldzuweisungen gegenüber dem Beschwerdeführer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zurückgenommen und ausdrücklich die Einholung eines Gutachtens an einem
universitären Zentrum empfohlen habe, liessen es willkürlich erscheinen, auf diese
Berichte abzustellen. Vielmehr hätten weitere Beweismassnahmen angeordnet werden
müssen (E. 6.5 und 6.6).
3.2.8. Bereits an dieser Stelle sei erwähnt, dass die Vorinstanz in ihrer Beweisführung
über weite Strecken der falschen Annahme verhaftet war, den Beschwerdeführer treffe
eine "Entlastungsbeweispflicht" gegenüber nicht klar bewiesenen Pflichtwidrigkeiten
(vgl. z.B. E. 3.4.3 hiernach betreffend den Vorwurf in vi. E. 7.1.3 S. 41 unten; vgl. auch
vi. E. 7.3 S. 60 unten). Eine derartige Beweislastumkehr ist indessen im medizinischen
Disziplinarrecht nicht vorgesehen. Die Folge der Beweislosigkeit trifft die
Aufsichtsbehörde.
3.3. Gegen die von der Vorinstanz als "Gutachten" bezeichneten Beweismittel brachte
der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren diverse Vorbehalte an (vgl. die
Darstellung in E. 7.2 des angefochtenen Entscheids). Im Wesentlichen machte er
geltend, diese entsprächen nicht den anerkannten fachlichen Grundsätzen. Im Fall K._
etwa habe nicht einmal die Krankengeschichte vorgelegen. Teilweise seien die
Patientinnen und Patienten nicht angehört bzw. persönlich untersucht worden. Er
selbst wäre vorher anzuhören gewesen und habe in keinem Fall Gelegenheit
bekommen, zur Fragestellung und zur Person des Gutachters Stellung zu nehmen. Er
räumte ein, dass es in manchen Fällen zwar zu Komplikationen gekommen sei, diese
seien aber nicht auf Behandlungsfehler zurückzuführen. Die Patienten seien aus rein
subjektiver Sicht nicht zufrieden gewesen, teilweise auch aus monetären Gründen. Der
unter anderem bemängelte spitze Schliff der Pfeilerzähne sei bewusst gewählt worden
und nicht per se nicht lege artis. Konkrete Pflichtverletzungen hätten ihm zudem nicht
nachgewiesen werden können.
Die Vorinstanz entgegnete im angefochtenen Entscheid, die Überzeugungskraft eines
Gutachtens sei daran zu messen, ob dieses für die streitigen Belange umfassend sei,
bei Bedarf auf eigenen Untersuchungen beruhe, die beklagten Beschwerden
berücksichtige, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchte und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet seien. Die rechtsanwendenden Behörden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
seien bei der Beweiswürdigung oft damit konfrontiert, dass die Fachbeurteilungen von
Gutachtern mit den Berichten der behandelnden Medizinalpersonen nicht
übereinstimmten. In diesen Fällen diene das neutrale Gutachten als
Entscheidgrundlage, wenn es beweiskräftig sei und keine schwerwiegenden Einwände
gegen seine Zuverlässigkeit vorlägen. Diese Grundsätze gälten auch im
Disziplinarverfahren gegen eine Medizinalperson. Es gehe nicht an, eine
anderslautende Auffassung des Betroffenen zum Anlass weiterer Abklärungen zu
nehmen bzw. am Beweiswert eines zahnmedizinischen Gutachtens grundsätzlich zu
zweifeln. Die Vorinstanz räumte zwar ein, dass die Fachbeurteilungen in den Fällen
G._, H._, K._, I._, M._ und E._ nicht alle Anforderungen an ein Gutachten
erfüllten. Das führe jedoch nicht dazu, ihnen jeglichen Beweiswert abzusprechen. Die
Vorinstanz hielt diesbezüglich pauschal (im Rahmen von drei Sätzen) fest, die
Meinungen der Fachpersonen seien unter Berücksichtigung der Aktenlage
nachvollziehbar und vermöchten die relevanten Punkte ausreichend zu belegen. Dem
Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, die Feststellungen ernsthaft in Zweifel zu
ziehen bzw. seine abweichenden Behauptungen zu belegen. Seine Behauptung, die
Kausalität zwischen Komplikation und einem Behandlungsfehler sei in keinem Fall
belegt, finde in den Akten keine Stütze. Zahlreiche und teilweise äusserst gravierende
Behandlungsfehler seien nicht nur aufgrund der Gutachten, sondern auch aufgrund
teilweise hoher Schadenersatzzahlungen (Fälle I._ und A._) erwiesen. Zudem stellte
die Vorinstanz – weitgehend unreflektiert – auf die von Z._ zugespielten Informationen
bezüglich seines Forderungsprozesses gegen den Beschwerdeführer ab. Insgesamt
kam sie zum Schluss, der Beschwerdeführer habe die Pflicht zur sorgfältigen und
gewissenhaften Berufsausübung in zahlreichen Fällen in teilweise gravierendem
Ausmass verletzt. Er habe sich nicht an die Grenzen seiner fachlichen Kompetenz
gehalten, wobei besonders die missglückten Implantatbehandlungen ins Gewicht
fielen.
3.4. Ob die Schlussfolgerungen der Vorinstanz hinsichtlich der einzelnen
Patientenbeschwerden auf zureichenden Erhebungen gründen, ist nachfolgend zu
prüfen.
3.4.1. Im Fall A._ (vi. E. 7.1.1) verfügte die Vorinstanz einzig über eine Aktennotiz des
Kantonszahnarztes über eine Beschwerde vom 4. November 2008 (act. 7/31.1). Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Behandlung war im Jahr 2002 erfolgt, und eines der gesetzten Implantate ging nach
einem Jahr verloren. In der Aktennotiz hielt der Kantonszahnarzt fest: "Zweitmeinung:
vernichtende Aussage. Gutachtung am ZUI. Arbeit nicht lege artis." Nichts hiervon ist
aktenmässig belegt. Schliesslich habe die Versicherung des Beschwerdeführers die
Revisionskosten übernommen. Von der Vorinstanz wurde auf einen Behandlungsfehler
geschlossen, weil die Haftpflichtversicherung offenbar Leistungen erbracht hatte.
Abgesehen von der per Telefongespräch beim Kantonszahnarzt deponierten
Beschwerde einer unzufriedenen Patientin wurden seitens der Aufsichtsbehörde keine
weiteren Beweise erhoben. Es wurde ein Fall als Behandlungsfehler gewürdigt, den die
Vorinstanz lediglich vom Hörensagen kannte. Dieses Vorgehen ist offensichtlich
willkürlich.
3.4.2. B._ (vi. E. 7.1.2) beschwerte sich am 14. September 2009 beim
Kantonszahnarzt über eine Rechnung des Beschwerdeführers (Aktennotiz in act.
7/31.2). Die Prothesenzähne hätten umgestellt werden müssen. Der Beschwerdeführer
habe ihr gegenüber zugegeben, dass seine Arbeit suboptimal ausgefallen sei und
offeriert, die Frontzähne umsonst neu aufzustellen. Im März 2010 erklärte der
Beschwerdeführer gegenüber dem Kantonszahnarzt, er erwarte, dass die Patientin die
Rechnung begleiche. Dieser riet ihm, er solle "auf zivilrechtlichem Wege gegen B._
vorgehen unter Kulanz für seine nicht optimale Leistung. Fall abgeschlossen." Der im
Disziplinarverfahren erneut mit diesem Sachverhalt konfrontierte Beschwerdeführer
hielt fest, es ergebe sich kein Hinweis auf eine schuldhafte Pflichtwidrigkeit seinerseits.
Die Patientin sei zunächst zufrieden nach Hause gegangen. Erst in einem späteren
Briefwechsel habe sie sich über die Ästhetik der Zähne beklagt. Es sei klar gewesen,
dass der Zahntechniker unter Zeitdruck gestanden habe und deshalb keine Topleistung
habe erbringen können. Die Vorinstanz schloss aus den Aussagen des
Beschwerdeführers, es habe als unbestritten zu gelten, dass die Behandlung nicht
zufriedenstellend gewesen sei. Seine Bewältigungsstrategie (provisorische Umstellung
der Zähne, Rücknahme der Frontzähne, Erhöhung Biss, Aufbau seitliche Zähne mit
Composit, kostenfreie Überarbeitung, neue Kunststoffzähe und Umpressung) lasse den
Schluss zu, dass die Arbeit nicht mit der erforderlichen Sorgfalt erledigt worden sei und
eine Pflichtverletzung darstelle. Dennoch sei das Honorar eingefordert und die
unbefriedigende Situation der Patientin angelastet worden. Dies sei mit einer
sorgfältigen und pflichtbewussten Berufsausübung nicht vereinbar. Entferntes
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zahngold von erheblichem Wert (CHF 560) sei einbehalten worden, ohne dass die
Patientin einverstanden gewesen wäre.
Auch in diesem Fall schloss die Vorinstanz allein gestützt auf Parteivorbringen
(mehrheitlich der nachträglich unzufriedenen Patientin) auf einen Behandlungsfehler.
Mit solchen Mitteln lässt sich ein sorgfaltspflichtwidriger Behandlungsfehler jedoch
nicht im erforderlichen Mass, d.h. strikt, beweisen. Dass weitere Beweiserhebungen
getätigt worden wären, ist nicht ersichtlich. Der vorinstanzliche Schluss lässt sich nicht
aufrechterhalten.
3.4.3. Hinsichtlich der Beschwerde von C._ (vi. E. 7.1.3) vom 23. Februar 2010 an den
Kantonszahnarzt (act. 7/31.3 und 31.4) gab die Vorinstanz zunächst den vom Patienten
geschilderten Sachverhalt ausführlich wieder. Sie liess dabei nicht unerwähnt, dass
sich C._ trotz anscheinend gravierender Vorkommnisse erneut vom Beschwerdeführer
hatte behandeln lassen (gemäss Mitteilung an den Kantonszahnarzt vom 11. März
2010). Weiter hielt die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung fest, C._ verweigere
ihr gegenüber die Untersuchung seines Falles. Entsprechend liege keine fachliche
Beurteilung der Vorwürfe des Patienten bei den Akten. Die Ausführungen des Patienten
liessen sich jedoch anhand der vom Beschwerdeführer eingereichten Röntgenbildern
nachvollziehen, und es sei auch hier von einer nicht lege artis erfolgten Behandlung
auszugehen. Ein Implantat sei zu nahe an einen anderen Zahn gesetzt worden – wie
auch im Fall I._ (vgl. E. 3.4.9 hiernach). Herausschauende Gewinde und eine zu tiefe
Bohrung würden entgegen der nicht weiter belegten Behauptung des
Beschwerdeführers für grundlegende Planungsfehler sprechen. Für einen Teil seiner
Arbeiten (insbesondere für das Implantat 44) habe der Beschwerdeführer
bezeichnenderweise kein bzw. ein reduziertes Honorar verlangt.
Die Vorinstanz nahm in diesem Fall eine fachliche Würdigung vor, ohne dass der
Patient je begutachtet worden wäre. Eigentliche Untersuchungshandlungen fanden
nicht statt. Die Vorinstanz stellte allein auf die Darstellung des sich einst
beschwerenden Patienten und die Stellungnahme des Beschwerdeführers ab, der
einen Behandlungsfehler verneinte. Der Sachverhalt ist demnach alles andere als
erstellt und kann nicht Grundlage für den von der Vorinstanz gezogenen Schluss
bilden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.4.4. Die Vorinstanz berief sich weiter auf den Fall von D._ (vi. E. 7.1.4). Diese
Patientin des Beschwerdeführers hatte sich am 27. August 2010 beim Kantonszahnarzt
über eine nicht fachgerechte Behandlung, die zunächst zum Verlust des gesetzten
Implantats wegen einer Kieferhöhlenentzündung geführt habe, beschwert. Der
Beschwerdeführer habe anschliessend eine Brücke eingesetzt, wobei er die Patientin
nicht darüber informiert habe, dass er eine Krone entferne und eine grössere Brücke
einsetze. Wegen starker Schmerzen habe die Brücke wieder entfernt und ein
abgestorbener Zahn gezogen werden müssen. Zusätzlich rügte D._ eine
Kostenüberschreitung um 30 Prozent. Nach einer Intervention des Kantonszahnarztes
beim Beschwerdeführer hatte dieser seine Honorarforderung reduziert, worauf sich
D._ zufrieden zeigte (act. 7/31.3 und 32).
Die Vorinstanz hielt zunächst zutreffend fest, die Krankengeschichte sei nicht
ordnungsgemäss geführt worden und man könne damit den Behandlungsverlauf nicht
nachvollziehen (Patientenakten in act. 7/76.3). Der Beschwerdeführer müsse sich
vorhalten lassen, dass er – angesichts der mangelhaft geführten Unterlagen – die zu
seiner Entlastung vorgebrachten Behauptungen nicht rechtsgenüglich belegen könne.
Es sei unbestritten, dass sich nach Einsetzen des Implantats eine
Kieferhöhlenentzündung gebildet habe und dieses wieder habe entfernt werden
müssen. Gleiches gelte für die in der Folge eingesetzte Brücke, die aufgrund eines
abgestorbenen Zahns wieder habe entfernt werden müssen. Ähnliches werde auch in
den Fällen I._ und F._ gerügt und deute insofern auf Behandlungsfehler hin, als die
Zahnsituation nicht richtig abgeklärt oder nicht richtig behandelt worden sei. Weil der
Beschwerdeführer auf einen Teil seines Honorars verzichtet habe, dränge sich dieser
Schluss zusätzlich auf.
Aktenkundig ist lediglich, dass sich D._ und der Beschwerdeführer über eine offene
Honorarforderung gestritten und schliesslich im Sinn der Patientin geeinigt haben. Der
Kantonszahnarzt nahm dabei die Rolle eines Vermittlers ein. Anstrengungen
aufsichtsrechtlicher Natur, den Fall im Hinblick auf eventuelle Behandlungsfehler zu
untersuchen, sind nicht ersichtlich. Die entsprechende Würdigung durch die Vorinstanz
fusst einzig auf den Darlegungen einer (vormals) mit der Rechnungsstellung
unzufriedenen Patientin. Ob ein Behandlungsfehler die Ursache für den Verlust des
Implantats war, bleibt anhand der Akten unklar. Nur weil der Fall gewisse Parallelitäten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zu anderen Patientenbeschwerden aufweist, kann ein Behandlungsfehler nicht als
(strikt) bewiesen gelten.
3.4.5. In E. 7.1.5 des angefochtenen Entscheids griff die Vorinstanz eine Anzeige von
E._ auf, die am 17. Mai bzw. 30. Juni 2011 bei ihr eingegangen war und sich auf
Behandlungen des Beschwerdeführers von Oktober bis Dezember 2004 bezog (act.
7/13 und 15). Die Patientin hatte sich bereits in den Jahren 2006 und 2008 an den
Kantonszahnarzt gewandt. Dieser hielt in seinen Akten (act. 7/31 und 31.1) fest: "(...)
beschwert sich über sehr schlechte und teure Arbeit von X._. Kronen und Brücken
seien gemäss Dr. Y._, Konstanz, unbrauchbar und müssten ersetzt werden. E._ über
ihre Situation aufgeklärt (Rechtsweg). Fall ist abgeschlossen." Das gleiche Fazit zog der
Kantonszahnarzt nach einem erneuten Vermittlungsversuch im Jahr 2008.
In ihrer Anzeige von 2011 an die Vorinstanz schilderte E._, es sei ihrem
Rechtsvertreter nicht einmal gelungen, die Haftpflichtversicherung des
Beschwerdeführers herauszufinden. Einen Zivilprozess habe sie nicht anstrengen
wollen. Aus einer der Vorinstanz eigereichten Darstellung vom 2. Mai 2009 (act. 7/15.2)
geht hervor, dass ihr der damals in der Q._-Klinik bzw. einer privaten Praxis (beide in
Appenzell Ausserrhoden) tätige Beschwerdeführer im Oktober 2004 eine Brücke in den
Oberkiefer eingesetzt habe, die aufgrund von Schmerzen wieder herausgenommen
worden sei. Ein anschliessendes Provisorium sei nach einer Woche herausgefallen. Die
wieder eingesetzte Brücke sei wiederum verloren gegangen und habe durch einen
anderen Zahnarzt erneut eingesetzt werden müssen. Schliesslich sei am 8. Oktober
2006 ein Stück der Brücke weggebrochen. Im Unterkiefer habe sie auf Anraten des
Beschwerdeführers aus optischen Gründen zwei gesunde Zähne geopfert, um eine
Viererbrücke zu erstellen. Die Brücke sei ästhetisch ungenügend gewesen. Schliesslich
seien alle vier Frontzähne überkront worden. Eine Dreierbrücke (41-43) unten rechts
habe mehrmals gemacht werden müssen, nachdem sie misslungen gewesen und
immer wieder kaputtgegangen sei. Im Oberkiefer habe ihr der Beschwerdeführer drei
Titanium-Implantate entfernt. Den notwendigen Knochenaufbau habe der
Beschwerdeführer zunächst nicht selbst machen wollen, habe sich dann aber nach
einem Wochenendkurs in Ungarn dazu in der Lage gesehen. Dies habe sie als unseriös
empfunden und die Behandlung abgebrochen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
In einem handschriftlich auf den 12. Oktober 2006 datierten Untersuchungsbericht zu
Handen von E._ hielt der nachbehandelnde Zahnarzt Y._ fest, der Zahnersatz in den
Regionen 24-27 und 41-43 müsse dringend erneuert werden. Die palatinale Hälfte des
Stützpfeilers 24 sei weggebrochen und der Zahn darunter liege frei. Weil der
Brückenpfeiler tangiert sei, müsse die gesamte Brücke 24-27 erneuert werden. Die
vermutlich adhäsiv zementierte Zirkon-Brücke 41-43 weise im Randbereich deutliche
schwarze Verfärbungen auf. Diese könnten von Randungenauigkeiten,
Zementierungsfehlern oder Randkaries herrühren. Diese Brücke müsse ebenfalls
entfernt und erneuert werden. Y._ wies ausdrücklich darauf hin, bei diesen
Informationen handle es sich nicht um ein Gutachten, sondern um
Untersuchungsergebnisse mit Therapieempfehlungen (zum Ganzen vgl. act. 7/66.1).
Die Vorinstanz hielt zunächst fest, es lägen keine Unterlagen zur Krankengeschichte
vor. Aufgrund der Aussagen der Patientin, des nachbehandelnden Zahnarztes sowie
des Beschwerdeführers selbst sei jedoch von einer nicht lege artis durchgeführten
Behandlung auszugehen. Der Umstand, dass nach zwei Jahren der Pfeilerzahn 24
weggebrochen und die Brücke gebrochen sei, stütze die (mündlich vertretene)
Auffassung des nachbehandelnden Zahnarztes, wonach auf der Brücke zu viel
Spannung gelastet habe. Auch hinsichtlich der festgestellten Verfärbungen der Brücke
sei von einer nicht lege artis durchgeführten Behandlung auszugehen, zumal sich in
den Akten keine Hinweise auf mangelnde Mundhygiene der Patientin fänden. Auf
Behandlungsfehler deute zudem hin, dass der Beschwerdeführer zahlreiche Arbeiten
nicht verrechnet habe.
Auch zu dieser Schlussfolgerung gelangte die Vorinstanz nicht anhand strikter
Beweise. Sie nahm vielmehr eine für den Beschwerdeführer nachteilige Würdigung
teilweise mehrfach kolportierter Begebenheiten vor. Auf diese Weise auf
Behandlungsfehler bzw. Sorgfaltspflichtverletzungen zu schliessen, ist unzulässig.
Bezeichnend ist, dass der Kantonszahnarzt die Beschwerden nach
Vermittlungsversuchen jeweils als "erledigt" abgelegt hat. Weitere
Untersuchungshandlungen hinsichtlich der längst vergangenen zahnmedizinischen
Behandlungen wären bereits im Zeitpunkt des Verfügungserlasses nicht mehr
zielführend gewesen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.4.6. F._ (vi. E. 7.1.6) beschwerte sich mit Aufsichtsanzeige vom 31. Oktober 2011
bei der Vorinstanz, weil eine vom Beschwerdeführer eingesetzte Zirkon-Brücke
mehrmals gebrochen sei (vgl. act. 7/20 f. und 7/31.5). Ausserdem sei eine langwierige
Wurzelbehandlung durch eine Stellvertreterin des Beschwerdeführers erfolgt. Sie habe
die Behandlung dann anderweitig fortgesetzt. Bereits am 7. November 2011 orientierte
F._ die Vorinstanz über eine voraussichtliche Einigung mit dem Beschwerdeführer, die
sie am 8. Mai 2012 als definitiv bestätigte. Gleichzeitig zog sie die
Aufsichtsbeschwerde zurück (act. 7/21 und 7/36).
Die Vorinstanz lastete dem Beschwerdeführer an, dass er die Brücke eingesetzt habe,
ohne vorher die laut Krankengeschichte überhaupt nicht behandelte fortgeschrittene
Parodontose zu sanieren. Die mangelnde Mitwirkung der Patientin – diese habe
regelmässige Dentalhygiene-Termine nicht wahrgenommen – könne nicht dazu führen,
dass sie selbst die Verantwortung für die misslungene Behandlung trage. Es sei auch in
diesem Fall von einer nicht lege artis durchgeführten Behandlung auszugehen.
Wiederum erfolgte die für den Beschwerdeführer nachteilige Beweiswürdigung
ausschliesslich anhand der von den Parteien vorgelegten Akten. Eigene Erhebungen
tätigte die Vorinstanz nicht. Das Ergebnis ist mit erheblichen Unsicherheiten belastet.
Ein strikter Beweis für eine Sorgfaltspflichtverletzung ist nicht ersichtlich. Die Vorinstanz
hätte in Anwendung der Untersuchungsmaxime weitere Beweise erheben müssen und
z.B. ohne Weiteres eine Begutachtung der Patientin anordnen können.
3.4.7. Am 22. März 2012 leitete der Kantonszahnarzt eine von G._ (vi. E. 7.1.7) gegen
den Beschwerdeführer erhobene Aufsichtsanzeige an die Vorinstanz weiter (act. 7/33
mit Beilagen, diese z.T. nicht lesbar). Sie beklagte sich über eine unklare
Rechnungsstellung; es seien Füllungen verrechnet worden, die nicht gemacht worden
seien. Der Kantonszahnarzt bestätigte dies anhand der Röntgenbilder für den Zahn 13.
Weiter sei die Füllung am Zahn 26 nicht lege artis, da sie einen grossen Überschuss
mesial aufweise. Der Beschwerdeführer hatte bereits am 12. März 2012 die Rechnung
angepasst und in Aussicht gestellt, er werde den Überstand beim nächsten Termin in
Ordnung bringen. Am 11. März 2013 stellte G._ den Rückzug ihrer Beschwerde in
Aussicht (act. 7/120 und 124).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Vorinstanz hielt fest, der Beschwerdeführer bestreite die gerügten Sachverhalte
nicht. Weil die Patientin nach der Aussage des Beschwerdeführers unter einer
verwahrlosten Zahnsituation gelitten habe, sei der Überstand der Füllung umso
problematischer. Wegen der schlechten Reinigungsmöglichkeiten sei hier ein
zusätzliches Hygieneproblem und damit ein Entzündungsrisiko für Zahnfleisch und
Knochen geschaffen worden. Letzteres ist durch nichts belegt, obwohl die Patientin
einer allfälligen Begutachtung ausdrücklich zugestimmt hatte. Es ist damit höchstens
von einem nicht weiter gravierenden Behandlungsfehler auszugehen, der vom
Beschwerdeführer wieder in Ordnung gebracht werden konnte.
3.4.8. Mit Beschwerde vom 9. Juli 2012 beklagte sich H._ (vi. E. 7.1.8) bei der
Vorinstanz über eine vom Beschwerdeführer durchgeführte Behandlung. Dieser habe
eine alte Brücke "herausgerissen" und ohne zu röntgen vorerst ein Provisorium
eingesetzt. Sie habe damals nicht gewusst, dass es auch günstigere Möglichkeiten
gebe. Auf dem erst am Schluss angefertigten Röntgenbild sei ein toter Zahn ersichtlich
geworden. In der Folge sei eine Wurzelbehandlung für CHF 1'000 gemacht worden,
obwohl sie dies abgelehnt habe (vgl. act. 7/42). In seiner Stellungnahme an die
Vorinstanz erklärte der Beschwerdeführer sein Vorgehen (act. 7/76.4/37). Das letzte
OPG vor der Behandlung sei erst zwei Jahre alt gewesen. Alle Zähne seien damals vital
gewesen. Er habe bei der Endreinigung nach Einsetzen der definitiven Brücke eine
Fistel beim Zahn 34 entdeckt. Auf dem in der Folge gemachten OPG sei ersichtlich
gewesen, dass dieser Zahn nun devital geworden sei. Weil der Patientin eine
Knieoperation bevorgestanden habe, habe er in der verbleibenden knappen Zeit keine
neue Brücke "zaubern" können. Er habe den Zahn deshalb durch eine
Wurzelbehandlung ruhig gestellt mit dem Ziel, ihn später zu extrahieren. Diese
Behandlung werde ihr nicht verrechnet. Nach der Operation werde er für sie kostenlos
eine neue Brücke anfertigen.
Am Augenschein vom 29. November 2012 ist unter anderem dieser Fall besprochen
worden (Protokoll in act. 7/95; vgl. auch E. 3.4.9 hiernach). Med. dent. R._ hat dabei
ausgeführt, lediglich der Pfeilerzahn 35 sei richtig präpariert worden, die anderen
hingegen wie "Spitzberge" zugeschliffen. Bei der Brücke 34-35-X-37 sei nach dem
definitiven Einsetzen ein Fistelgang entdeckt worden. Es sei weder ein
Anfangsröntgenbild gemacht noch eine Hygienephase durchgeführt worden. Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kronenränder 34 und 35 seien distal, d.h. von der Zahnbogenmitte weg, abstehend. In
einem halbseitigen Bericht zuhanden des Kantonszahnarztes hielt ein
nachbehandelnder Zahnarzt am 7. Dezember 2012 fest, die Kronenränder der Brücke
seien überkonturiert (act. 7/81). Zudem zeige die Brücke starke Bearbeitungsspuren
von einem Diamanten. Der Zahn 34 habe eine definitive Wurzelfüllung. Er habe die
Patientin davon überzeugt, dass die Entzündung auch mit einer guten
Wurzelkanalbehandlung abheilen könne und die Nachteile einer Pfeilerentfernung
demgegenüber gross seien. Mit dem Mikroskop habe er die Wurzelkanalbehandlung
revidieren können.
Nach Auffassung der Vorinstanz ist die Keramik-Brücke aufgrund der überkonturierten,
distal abstehenden Kronenränder sowie der massiven Einschleifung der Okklusion als
mangelhaft zu beurteilen. Mit einer Ausnahme seien die Pfeilerzähne nicht lege artis
beschliffen worden. Die fehlende Hygienephase widerspreche dem Erfordernis einer
sorgfältigen Berufsausübung. Die Wurzelbehandlung mit Einlage habe sich als
definitive Wurzelfüllung herausgestellt. Die festgestellte apikale Aufhellung lasse den
Schluss auf eine fortgeschrittene Entzündung zu, welche nicht fachgerecht behandelt
worden sei. Damit sei von einer nicht lege artis durchgeführten Wurzelbehandlung auf
einem wichtigen Pfeilerzahn auszugehen. Der Beschwerdeführer versuche in diesem
Zusammenhang in unzulässiger Weise, seine Verantwortung auf die Patientin
abzuschieben. Dies gehe aus seinen Aussagen hervor, wonach er aus finanziellen
Gründen auf ein aktuelles OPG verzichtet und die Patientin ihn über das "Eiterbüggeli"
nicht orientiert habe. Die Behandlungsausführung im vorliegenden Fall widerspreche
grundlegenden zahnmedizinischen Prinzipien und sei deshalb nicht lege artis.
Diese fachliche Würdigung der Behandlung ist für das Gericht nicht ohne weiteres
nachvollziehbar. Sie ergibt sich insbesondere nur teilweise aus den Ergebnissen des
Augenscheins (an dem die Patientin nicht anwesend war) und aus dem Kurzbericht des
nachbehandelnden Zahnarztes. Beide Beweismittel sind bereits unter formalen
Gesichtspunkten nur von mässiger Aussagekraft. Bei dieser Ausgangslage, bei der
durchaus ein begründeter Anfangsverdacht auf eine Fehlbehandlung besteht, hätte es
an der Vorinstanz gelegen, diesen durch weitere geeignete Untersuchungshandlungen
nachvollziehbar zu konkretisieren. Es ist nicht ersichtlich, dass die Vorinstanz über das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
notwendige Fachwissen verfügen würde, um aus den vorhandenen Anhaltspunkten die
zitierten Schlüsse zu ziehen.
3.4.9. Am 31. August 2012 ging die Beschwerde von I._ (vi. E. 7.1.9) über eine vom
Beschwerdeführer durchgeführte Behandlung bei der Vorinstanz ein (act. 7/51). Sein
Rechtsvertreter begründete diese mit gravierenden Sorgfaltspflichtverletzungen durch
zahlreiche Planungs- und Ausführungsfehler (act. 7/51.1). Der Beschwerde liegt ein
Privatgutachten von Dr. T._ bei (vgl. act. 7/40), der die aktuelle prothetische
Versorgung im Ober- und Unterkiefer des Patienten als mangelhaft bezeichnete (act.
7/51.2). Generell würden die Kronenränder schlecht passen, und es liessen sich viele
Überschüsse und Spalten sondieren. Im Oberkiefer weise das Porzellan an den Zähnen
15p, 16p, 11SK und 22SK Absplitterungen auf. Die Vollkeramikbrücke zwischen 11 und
24 sei bei 21 transkoronal gebrochen. Das Brückensegment im 1. Quadranten sei zu
stark beweglich, was eine instabile parodontale Situation vermuten lasse. Der
Interdentalraum zwischen 14 und 15 sei bis subgingival verblockt und nicht zu reinigen.
Im Unterkiefer befinde sich ein eigener Zahn mit Verbund-Metall-Keramik-Krone (37).
Dieser sei unbehandelt, hochgradig kariös und wahrscheinlich nicht mehr zu erhalten.
Alle Interdentalräume zwischen 34 und 43 seien bis subgingival verblockt und
wahrscheinlich nicht mehr zu erhalten. Die beiden Implantate hätten nur noch bei
einem kleinen Anteil ihrer Länge Knochenkontakt und könnten wahrscheinlich nicht
saniert werden. Diese Mängel seien alle auf Planungs- und Ausführungsfehler
zurückzuführen. Die Arbeit sei in keiner Weise lege artis, auch nicht hinsichtlich der
Zahntechnik, und müsse so rasch als möglich ersetzt werden, wobei kein einziges Teil
belassen werden könne. Mit Korrekturen könne die Situation nicht gelöst werden. Im
Oberkiefer sei ein Implantat mit Sinuslift gesetzt worden, das bereits wieder habe
entfernt werden müssen. Zurückgeblieben sei ein Infekt der Kieferhöhle, der vor einer
Neuversorgung genau abgeklärt und saniert werden müsse.
In einer Stellungnahme vom 13. September 2012 stellte der Beschwerdeführer diese
Vorhalte mehrheitlich in Abrede. Aus seiner Sicht sei lediglich das Implantat im
Unterkiefer ungenügend und hätte durch eine Nachbehandlung verbessert werden
können. Den Zahn 37 habe er schon bei der Erstkonsultation zur Extraktion empfohlen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 27/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Vorinstanz nahm die Beschwerde von I._ zum Anlass, am 29. November 2012 in
den Praxisräumlichkeiten des Beschwerdeführers einen Augenschein durchzuführen
(Protokoll in act. 7/95). Dabei sollten ausschliesslich fachmedizinische Aspekte erörtert
werden (act. 7/74). Am Augenschein nahmen der Beschwerdeführer, sein
Rechtsvertreter, U._, der Kantonszahnarzt, med. dent. R._ (als "sachverständiger
Gutachter") und die Verfahrensleiterin der Vorinstanz teil. Entgegen der Bezeichnung
als "Augenschein" (d.h. die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch
die entscheidende Instanz, vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 966) handelte es sich um ein
Fachgespräch anhand von Röntgenbildern und Modellen in Abwesenheit von I._. Der
Beschwerdeführer sah dabei ein, dass er das Implantat regio 46 – entgegen der
eigenen Planung – zu wenig tief gesetzt hatte. R._ hielt fest, die Zähne seien spitzig
präpariert und gewährleisteten keine Retentions- und Widerstandsform. Mit diesem
Vorgehen könne eine einfachere, spannungsfreie Passgenauigkeit der Brücke erreicht
werden. Der Beschwerdeführer habe einen Patienten mit teils nicht zufriedenstellender
Mundhygiene behandelt. Nach einer Arbeit im Oberkiefer für mehrere tausend Franken
sei im Unterkiefer gleich weitergemacht worden. Es habe an einer Hygienephase
gefehlt. Die wurzelbehandelten Zähne hätten in die Planung der Arbeit mit
aufgenommen werden müssen. Ein Konzept für die Versorgung des Ober- und
Unterkiefers wäre notwendig gewesen. Aufgrund der betrachteten Modelle habe der
Patient im Unterkiefer auf den Zähnen herumgebissen, was womöglich zum Bruch der
Brücke geführt habe. Vorher sei keine Bisshebung gemacht worden, um den Patienten
mittels Tragen eines Provisoriums anzugewöhnen. Die Behandlung sei nicht
standardmässig aufgegleist worden. Der Beschwerdeführer hätte intervenieren
müssen, nachdem der Patient Dentalhygieneterminen ferngeblieben sei. Es gelte:
"Keine Dentalhygiene, keine Brücke". Insgesamt sei die Behandlung von I._ weder
lege artis geplant noch ausgeführt worden.
Weiter wurden an diesem Termin zwei weitere, offenbar kurzfristig vom
Beschwerdeführer aufgebotene und mit der Behandlung zufriedene Patienten in
Augenschein genommen. Grundlegende Behandlungsfehler wurden dabei keine
festgestellt. R._ führte aus, aufgrund dieser beiden Fälle sei für ihn das Resultat im Fall
I._ nicht nachvollziehbar. Ferner kamen die Fälle G._ und H._ zur Sprache (vgl.
bereits E. 3.4.7 und 3.4.8 hiervor). Zu G._ hatte R._ anhand der Röntgenbilder keine
Bemerkungen. Zum Fall H._ führte R._ anhand der Röntgenbilder (wie bereits
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 28/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausgeführt) unter anderem aus, nur der 5er Zahn (35) sei richtig präpariert worden. Alle
anderen seien "wie Spitzberge" geschliffen und nicht lege artis.
Gestützt auf die Aussagen von Dr. T._ und med. dent. R._ ergebe sich – so die
Vorinstanz –, dass die Behandlung von I._ durch den Beschwerdeführer nicht lege
artis durchgeführt worden sei. Die Sachlage werde vom Beschwerdeführer in seiner
Eingabe vom 14. März 2014 (act. 7/172) auch nicht mehr bestritten, sondern
dahingehend bestätigt, dass der Fall I._ durch die damalige Haftpflichtversicherung
behandelt und abgeschlossen worden sei. Der Schaden habe CHF 100'000 betragen.
Die festgestellten Verfehlungen seien in diesem Fall ausserordentlich gravierend. Dazu
komme die um 25 Prozent überhöhte und nicht nachvollziehbare Honorarforderung.
In der erwähnten Stellungnahme verwies der Beschwerdeführer indes materiell auf
seine Eingabe vom 13. September 2012 (vgl. 7/172 S. 5 mit Hinweis auf act. 7/55),
worin er lediglich das Implantat im Unterkiefer als ungenügend anerkannt hatte (act.
7/55 S. 6). Weiter führte er aus, der Fall sei über die damalige Haftpflichtversicherung
erledigt worden und daher "ohnehin nur von untergeordneter Relevanz". Auch wenn
der von der Versicherung anerkannte Schaden massiv ist, ergibt sich aus dem
Augenscheinprotokoll nicht mit der notwendigen Stringenz und Deutlichkeit, aus
welchen Gründen im Einzelnen die Behandlung des Beschwerdeführers untauglich
gewesen sein soll und welche Sorgfaltspflichten konkret verletzt worden seien. Mit
anderen Worten vermag die hier durchgeführte Untersuchung – bereits aufgrund der
(beabsichtigten) Abwesenheit von I._ – ein eigentliches Gutachten nicht zu ersetzen.
Es fehlt an einer strukturierten, mit nachvollziehbaren und wissenschaftlich fundierten
Argumenten untermauerten Expertise.
3.4.10. Im Fall von J._ (vi. E. 7.1.11; Beschwerde vom 21. Januar 2013) beauftragte
die Vorinstanz Dr. med. Dr. med. dent. V._ mit der Durchführung einer Begutachtung
und stellte ihm zu diesem Zweck das Patientendossier zu (act. 7/91). Ein Fragenkatalog
wurde dem Gutachter nicht vorgelegt, und der Beschwerdeführer wurde nicht über die
bevorstehende Begutachtung in Kenntnis gesetzt. Was vorliegt, ist als ärztlicher Bericht
zu qualifizieren und erfüllt die qualifizierten Vorgaben an ein medizinisches Gutachten
nicht. Dr. V._ führte aus (act. 7/109), dass der Beschwerdeführer J._ seit dem Jahr
2007 behandelt und den gesamten Oberkiefer mit einer ausgedehnten Kronen-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 29/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Brücken-Rekonstruktion versorgt habe. Im Unterkiefer habe er regio 35 und 36 je ein
Zirkonimplantat gesetzt. Kurz nach dem Setzen sei das Implantat bei 35 wieder
entfernt worden; es sei eine Brückenversorgung mit Einbezug des Implantats regio 36
gefolgt. Zwei Jahre nach der Behandlung sei die Brücke im Oberkiefer gebrochen und
intraoral geflickt worden. An den Kronen im Oberkiefer fänden sich
Keramikabsplitterungen; teilweise seien diese bis auf das Zirkonoxidgerüst
durchgeschliffen. Die Kronenränder seien sondierbar aber dicht ohne Karies. Das
Implantat im Unterkiefer regio 36 weise eine fortgeschrittene Periimplantitis auf mit
Blutung auf Sondierung (zirkulär eine 7mm tiefe Tasche) und Eitersekretion. Im Ober-
wie auch im Unterkiefer zeige sich eine Gingivitis und chronische Parodontitis. Das
Orthopantomogramm vom 9. Januar 2013 zeige die erwähnte Kronen-
Brückenkonstruktion mit einem moderaten generalisierten Knochenabbau um die
Zähne. Das Implantat regio 36 weise einen Knocheneinbruch bis fast an den Apex des
Implantats auf. Zudem bestünden Hinweise auf eine chronische Sinusitis.
Zusammenfassend zeige sich eine in der Ästhetik mangelhafte, funktionell aber
befriedigende Versorgung im Oberkiefer. Die chronische Parodontitis sei multifaktoriell
und nur bedingt dem Beschwerdeführer anzulasten. Der frühe Verlust des Implantats in
regio 35 deute hingegen auf einen chirurgischen Behandlungsfehler hin. Die Implantate
seien zu nahe aneinandergesetzt worden, was sich an den Röntgenbildern zeige. Eine
Verbindung von natürlichen Zähnen mit Implantaten (wie im Unterkiefer) sei wenn
möglich zu vermeiden, da langfristig die Prognose weniger gut sei. Die Periimplantitis
hänge stark vom Verhalten des Patienten ab. V._ hielt zusammenfassend fest, dass
bei der Brückenversorgung im Oberkiefer technische Komplikationen aufgetreten sowie
chirurgische Fehler bei der Implantatversorgung im Unterkiefer links gemacht worden
seien und eine parodontale Behandlung / Periimplantitistherapie aus welchen Gründen
auch immer unterlassen worden sei. Die Forderung des Patienten nach einer
Neuversorgung auf Kosten des Beschwerdeführers sei nicht berechtigt. Jedoch sei es
angezeigt, dass dieser bei Reparaturarbeiten Kulanz zeige und preislich
entgegenkomme.
Die Vorinstanz schloss gestützt auf den Bericht auf keinen schwerwiegenden
Behandlungsfehler. Es werde jedoch vom Beschwerdeführer nicht bestritten, dass
auch hier nicht lege artis gearbeitet worden sei. Zudem ergebe sich, dass dieser die
Krankengeschichte lückenhaft geführt habe, was genauere Aussagen von Dr. V._ zum
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 30/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Behandlungsverlauf verunmöglicht habe. Zentral erscheint hier die Feststellung der
Vorinstanz, dass keine schwerwiegenden Behandlungsfehler vorzuwerfen sind. Dies ist
– unabhängig von der formalen und inhaltlichen Qualität der vorgenommenen
Untersuchung – nachvollziehbar. Aus dem Bericht von Dr. V._ ergibt sich im Übrigen
nicht, dass Brückenversorgungen unter Einbezug von natürlichen Zähnen und
Implantaten kategorisch abzulehnen wären. Ebenfalls ergibt sich daraus nicht, dass die
festgestellte Parodontose bzw. Periimplantitis zwingend dem Beschwerdeführer
zuzurechnen ist. Als einigermassen belegt hat jedoch zu gelten, dass ein chirurgischer
Fehler Ursache für den Verlust des Implantats in regio 35 war. Dieser Fehler war jedoch
vom Beschwerdeführer bereits wieder behoben worden (mittels Brückenversorgung).
Am 14. März 2003 teilte J._ der Vorinstanz sodann mit, die bestehenden Schmerzen –
d.h. der Grund für die Aufsichtsbeschwerde – hätten nach den zwischenzeitlich von der
Universität Zürich getroffenen Feststellungen nichts mit der Behandlung durch den
Beschwerdeführer zu tun, sondern mit einer entzündeten Wurzel (act. 7/125). Diese
Auskunft hat die Vorinstanz – soweit ersichtlich – nicht gewürdigt.
3.4.11. Am 4. Februar 2013 reichte med. dent. R._ der Vorinstanz einen als "einfache
Begutachtung" bezeichneten Bericht über die an K._ (vi. E. 7.1.12) vorgenommene
Behandlung des Beschwerdeführers ein (act. 7/94). Diese war offenbar am 18.
Dezember 2012 mit einer (nicht im Aktenverzeichnis verzeichneten) Beschwerde an die
Vorinstanz gelangt (Kopie in act. 7/119). Gegenstand der Beschwerde waren Probleme
mit dem Biss, eine Abweichung vom Kostenvoranschlag um ca. CHF 14'000, eine
Abweichung vom Behandlungsplan, Absplitterungen an der Verblendung der Brücke im
Oberkiefer, die Trennung einer Brücke im Unterkiefer sowie ständige Nachbesserungen
der Okklusion. R._ stützte seine Beurteilung auf die Aussagen von K._, die klinische
Situation und die ihm vorliegenden Modelle. Es liege konkret eine schlechte Adaption
der Ästhetik vor mit negativen Folgen auch auf die Phonetik. Die Okklusion sei sichtbar
nachretouchiert worden mit der Folge deutlich sichtbarer Schliff-Facetten. Die
Unterkieferbrücke habe wegen Schmerzen getrennt werden müssen. Wieso der
Behandlungsplan geändert worden sei – dieser habe im Oberkiefer zwei Brücken und
im Unterkiefer drei Implantate vorgesehen, tatsächlich seien jeweils durchgehende
Brücken eingesetzt worden – sei zahnmedizinisch nicht nachvollziehbar. Denn nach
den geltenden Qualitätsleitlinien seien kleinere Rekonstruktionen ausgedehnten,
verblockten Rekonstruktionen vorzuziehen, und die permanente Schienung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 31/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Verblockung ganzer Kieferbögen mittels umspannender Rekonstruktion) sei lediglich
bei stark reduzierten, aber gesunden Parodontien anzustreben. Das Behandlungsziel
sei in funktioneller biologischer, technischer und ästhetischer Hinsicht sowie auch mit
Blick auf die patientenbezogenen Rahmenbedingungen (Wünsche, finanzieller Rahmen
etc.) verfehlt worden. Die Stumpfpräparationen (spitz zulaufend ohne jegliche Friktion,
was zwar die Rekonstruktion vereinfache, aber die Lebensdauer des einzelnen
Pfeilerzahnes herabsetze) seien typisch für den Beschwerdeführer. Das Anliegen der
Patientin hinsichtlich einer metallfreien Rekonstruktion sei zwar erfüllt, aber mit
Schmerzen, Einschränkungen beim Essen und einem ästhetischen Misserfolg erkauft
worden. – Nichtsdestotrotz einigten sich der Beschwerdeführer und K._
aussergerichtlich (act. 7/108).
Die Vorinstanz hielt hierzu fest, weil der Beschwerdeführer seine Krankenakten wie
mehrfach festgestellt nur lückenhaft führe, sei nicht ersichtlich, weshalb auf die
Feststellungen von R._ nicht abzustellen wäre. Die Umstände der Behandlung würden
nicht bestritten. R._ sei immerhin Präsident der kantonalen zahnärztlichen
Begutachtungskommission. Seine Äusserungen seien ein "Indiz für eine unsorgfältige
Zahnbehandlung", auch für Laien. Bereits bekannte Feststellungen würden bestätigt,
z.B. die nicht lege artis erfolgten Stumpfpräparationen, das nachträgliche Einschleifen
der Okklusion, nicht passende Brücken, ungenügende Planung bzw. Ausführung und
eine erhebliche Kostenüberschreitung. Es liege eine nicht lege artis ausgeführte
Behandlung für CHF 49'000 vor.
Es trifft zu, dass auch im konkreten Fall Indizien für ernstzunehmende fachliche
Bedenken bestehen. Ein eigentliches Gutachten, aus dem im Einzelnen auf
sorgfaltswidrige Praxen des Beschwerdeführers nachvollziehbar geschlossen werden
könnte, liegt aber auch hier nicht vor; die Patientin war, wie sich aus dem
angefochtenen Entscheid ergibt, aus eigener Veranlassung an R._ herangetreten. Statt
weitere Untersuchungshandlungen anzuordnen, um die Indizien zu erhärten und die
Pflichtverletzungen im Einzelnen nachzuweisen, stellte die Vorinstanz ohne weiteres auf
den ärztlichen Bericht R._ ab.
3.4.12. In ähnlicher Weise verfuhr die Vorinstanz mit der Aufsichtsbeschwerde von L._
(vi. E. 7.1.13), die am 27. Februar 2013 bei ihr einging. Ohne den Beschwerdeführer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 32/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
darüber in Kenntnis zu setzen und ohne Fragen an den Gutachter zu richten, ordnete
sie eine "Begutachtung" bei Dr. med. dent. W._ an (act. 7/122 f.). Dieser berichtete am
23. März 2013 (act. 7/133), der Patient klage seit der Eingliederung einer provisorischen
Brücke in den Unterkiefer über Spannungsschmerzen und Sensibilitätsstörungen im
Bereich der Unterlippe, welche zudem zeitweilig leicht zucke. Seit der definitiven
Versorgung habe das Spannungsgefühl sogar noch zugenommen. In regio 35 habe er
eine störende Zahnlücke. Das Zahnfleisch im Unterkiefer sei schmerzhaft und blute bei
jedem Zähneputzen stark. Dr. W._ stellte das Fehlen der Zähne 38, 37, 36, 35, 31, 41,
42 und 48 im Unterkiefer fest. Zahn 36 sei durch ein Implantat versorgt und mit einer
Einzelzahnkrone versehen. Alle noch vorhandenen Zähne seien überkront. Die drei
fehlenden Schneidezähne seien durch eine achtgliedrige Brücke (34-33-32-x-x-
x-43-44) ersetzt. Die beiden Zähne 45 und 46 seien verblockt. Zahn 47 sei mit einer
Einzelzahnkrone versorgt. Zahn 47 zeige eine Wurzelkanalbehandlung mit unauffälligen
periapikalen Verhältnissen. Bei allen übrigen Zähnen seien keine
Wurzelkanalbehandlungen erfolgt; die periapikalen Verhältnisse seien unauffällig. Das
Zahnfleisch zeige starke Entzündungszeichen. Die Sondierungstiefen erreichten bukkal
Werte bis zu 7mm. Beim Zahn 46 sei es vom Sondieren zu Pusaustritt gekommen. Die
Taschenmessungen seien für den Patienten sehr schmerzhaft gewesen, weshalb auf
das Sondieren der lingualen Zahnseiten verzichtet worden sei. Die Mahlzähne im
rechten Unterkiefer (46, 47) zeigten einen horizontalen Knochenabbau. Die Krone des
Zahns 47 habe schöne Kronenränder aufgewiesen. Alle übrigen Kronenränder seien
zum Teil sehr stark abstehend, mit Passungenauigkeiten von bis zu 1.5mm. Die
biologische Breite (Abstand des Kronenrandes vom Alveolarknochen) betrage
idealerweise 2 bis 3mm, was bei den Zähnen im Unterkiefer links (32, 33, 34) stark
unterschritten werde. Die zum Teil massiv abstehenden Kronenränder und das
Unterschreiten der biologischen Breite seien die Hauptgründe für die
Zahnfleischirritationen. Die eingegliederten Rekonstruktionen verunmöglichten dem
Patienten eine adäquate Mundhygiene. Für das Zittern der Unterlippe und die
Sensibilitätsstörungen finde er keine Ursache. Zur Wiederherstellung der
Mundgesundheit sei es wahrscheinlich unumgänglich, die Rekonstruktionen zu
entfernen. Eine Neuversorgung gestalte sich aber schwierig. Nach Entfernung der
Kronen und erfolgter Parodontaltherapie (einschliesslich des Oberkiefers) könne dann
die Erhaltungswürdigkeit der einzelnen potentiellen Pfeilerzähne beurteilt werden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 33/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Angesichts der fehlenden formalen und inhaltlichen Qualitäten kann auch bei diesem
Beweismittel – entgegen der Vorinstanz – nicht von einem medizinischen Gutachten,
sondern (lediglich) von einem ärztlichen Bericht gesprochen werden. Die Vorinstanz
warf dem Beschwerdeführer anhand der Aussagen von Dr. W._ vor, L._ nicht lege
artis behandelt zu haben. Aufgrund der zum Teil massiv abstehenden Kronenränder,
des Unterschreitens der biologischen Breite sowie der nicht adäquat durchführbaren
Mundhygiene sei ihm ein nicht wiedergutzumachender Schaden an der Zahnsubstanz
entstanden. Der Beschwerdeführer hatte ausgeführt, Dr. W._ habe die geklagten
Beschwerden des Patienten nicht mit einer seiner Behandlungen in Zusammenhang
gebracht (vgl. act. 7/138 S. 12 f.). Dem Gutachten haftet tatsächlich ein schwerer
Mangel an. Dr. W._ hat seine nachvollziehbaren Aussagen zwar in Kenntnis der durch
den Beschwerdeführer aufgezeichneten Krankengeschichte bzw. aufgrund der gegen
diesen erhobenen Aufsichtsanzeige getätigt. Es geht jedoch aus dem Gutachten –
dieses ist eher eine Befundaufnahme – nicht hervor, welche der unzureichenden
Behandlungen der Beschwerdeführer vorgenommen hat. Auch in diesem Fall ist damit
der strikte Beweis für eine sorgfaltspflichtwidrige Behandlung durch den
Beschwerdeführer nicht erbracht. Es erstaunt, wie die Vorinstanz mit dem berechtigten
Hinweis des Beschwerdeführers umgegangen ist. Statt die Begutachtung (durch
gezielte Fragen) ergänzen zu lassen, wurde direkt zu einer (für den Beschwerdeführer
nachteiligen) Beweiswürdigung geschritten.
3.4.13. Schliesslich beschwerte sich am 22. Mai 2013 M._ (vi. E. 7.1.14) bei der
Vorinstanz betreffend eine vom Beschwerdeführer vorgenommene Behandlung (act.
7/140 mit Beilagen). Er beklagte sich über Komplikationen nach dem Einsetzen dreier
Implantate in den Oberkiefer, das letzte am 8. August 2012. In der Folge habe er
gelblichen Ausfluss aus der Nase gehabt, und am 1. September 2012 habe sich das
obere Implantat gelöst. Nachdem er wieder in der Schweiz gewesen sei, habe er sich in
der Praxis gemeldet. Am 22. Februar 2013 habe ihm der Praxisnachfolger (Dr. med.
dent. Z._) gesagt, er könne nichts machen, und die vormalige Behandlung sei
unverantwortlich gewesen. Er habe sich dann an einen Kieferchirurgen gewendet. Er
fühle sich "über den Tisch gezogen" und wolle sein Geld zurück. Dr. med. et med.
dent. P._, Facharzt für Kiefer- und Gesichtschirurgie, hielt in einem Bericht zuhanden
von Z._ (!) zunächst fest, die Planung der Implantate regio 26 – dieses war am 1.
September 2012 verloren gegangen – und 36 gemäss OPT vom 18. Juni 2012 sehe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 34/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vernünftig aus. Es seien genügend lange Implantate, die das Verhältnis 1:1 zwischen
Krone und Wurzellänge nicht überschritten, sowie ein ausreichend grosser Sinuslift
regio 26 vorgesehen worden. Nach dem postoperativen Bild vom 7. August 2012 habe
das Volumen und insbesondere die vertikale Augmentation im Oberkiefer links nur
einem Bruchteil der Planung entsprochen. Das Zirkonimplantat sei nur ca. 5mm tief in
den Knochen eingesetzt worden, was den statischen Anforderungen und der Planung
nicht genüge. Dasselbe Bild zeige sich im Unterkiefer beim Implantat regio 36. Bereits
auf dem Bild vom 7. August 2012 (und damit nicht lange postoperativ) sei dieses vor
allem distal durch einen Rückgang des "ossären Attachements" von über der Hälfte der
Länge gezeichnet, wohl in Folge eines periimplantären Infektes. Dazu entspreche auch
hier die eingesetzte Länge nicht einmal der Hälfte der Planung, was den statischen
Anforderungen in keiner Weise genüge. Das OPT vom 15. Februar 2013 zeige nun
bereits den Verlust des Implantats im Oberkiefer; der Knochenabbau am
Unterkieferimplantat sei weiter im Gange und damit für eine Weiterverwendung nicht
mehr brauchbar, da der Knochenabbau periimplantär bei nicht beherrschbarer Tasche
weitergehen und zum Verlust des Implantats führen werde. Zusammengefasst lasse
sich sagen, dass die Planung zwar in Ordnung gewesen sei, die Ausführung aber in
keiner Hinsicht der Planung sowie den statischen Anforderungen der Situation genüge
und deshalb nicht brauchbar gewesen bzw. nicht mehr sei. Vor diesem Hintergrund
empfahl Dr. P._, das Implantat regio 36 zu entfernen, die Situation vollständig abheilen
zu lassen und dann erneut zu beurteilen.
Der mit diesen Unterlagen konfrontierte Beschwerdeführer hielt fest, die beschriebenen
Komplikationen seien aufgrund diverser unglücklicher Umstände aufgetreten. Weil M._
im Ausland gewesen sei, habe keine Nachkontrolle stattfinden können. Entsprechend
habe auch die Eiterung nicht behandelt werden können. Zum anderen hätten es die
vorhandenen, vom Hersteller gelieferten Instrumente nicht ermöglicht, die Implantate
besser einzusetzen. Er habe mit dem Wechsel des Herstellers reagiert. Zudem bestehe
der Verdacht, dass Dr. Z._ die zivilrechtliche Streitigkeit über den Kauf der Praxis zum
Anlass genommen habe, M._ zu einer Aufsichtsbeschwerde zu motivieren. Zudem
erfülle die Begutachtung die verfahrensrechtlichen Anforderungen nicht. Später teilte
der Beschwerdeführer mit, der Patient sei nach wie vor bei ihm in Behandlung und
wolle seine Beschwerde zurückziehen (vgl. act. 7/172).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 35/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Vorinstanz gelangte in ihrer Würdigung dieser Aufsichtsbeschwerde zum Schluss,
die Behandlung sei nicht nach den Regeln der Kunst erfolgt. Daran hätte auch eine
Nachkontrolle nichts geändert. Dass der Beschwerdeführer unzweckmässige
Instrumente auch nach Feststellung von Mängeln weiterverwendet habe, lasse die
Pflichtverletzung nur noch gravierender erscheinen. Diese Ausführungen sind im
Grundsatz zutreffend. Allerdings ist die Beurteilung auch hier anhand eines ärztlichen
Berichts erfolgt, der zudem nicht von der Vorinstanz selbst, sondern von Dr. Z._ als
Kontrahent des Beschwerdeführers in einem zivilrechtlichen Streit bezüglich dessen
Praxisnachfolge in Auftrag gegeben worden ist. Hieraus direkt die erwähnten Schlüsse
abzuleiten, erscheint bei den im Raum stehenden gravierenden Vorwürfen unzulässig.
Vielmehr wäre hier Vorsicht am Platz gewesen, und die Beschwerden M._s hätten
zum Anlass genommen werden sollen, ein ärztliches Gutachten in Auftrag zu geben.
Derartige Untersuchungshandlungen sind jedoch nicht ersichtlich. Es wurde vielmehr
ohne Weiteres auf die von einem unzufriedenen Patienten eingereichten Akten
abgestellt und daraus die für den Beschwerdeführer nachteiligen Schlüsse gezogen.
Damit kann auch hier eine Sorgfaltspflichtverletzung nicht als erwiesen gelten.
3.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die vorinstanzliche Beweisführung mit
gravierenden Mängeln behaftet ist. Sie beruht – was die älteren Fälle anbelangt –
lediglich auf teilweise mehrfach kolportierten Patientenaussagen. In anderen Fällen
stellte die Vorinstanz ohne weiteres auf Partei"gutachten" ab, ohne die vom
Beschwerdeführer dagegen erhobenen Einwände einer näheren Prüfung zu
unterziehen. Wenn die Vorinstanz ein "Gutachten" in Auftrag gab, so wurde der
sachverständigen Person in keinem der Fälle ein Fragenkatalog unterbreitet. Weil
weder der Zweck der Begutachtung erläutert noch konkrete Fragen gestellt wurden,
haftet den entsprechenden Berichten von Vornherein ein gravierender Mangel an. Es
war so jedenfalls nicht zu erwarten, dass genau die sich im Zusammenhang mit der
Verletzung von Berufspflichten bzw. der fehlenden Vertrauenswürdigkeit stellenden
Fragen umfassend, konzis, wissenschaftlich fundiert und nachvollziehbar beantwortet
würden. Die Berichte beruhen nicht auf allseitigen Untersuchungen, sondern
beschränken sich im Wesentlichen auf die Beschreibung des Ist-Zustandes. Sie sind
nicht mit Erfahrungssätzen der Disziplin bzw. wissenschaftlichen Nachweisen
untermauert. Teilweise lag der sachverständigen Person nicht einmal die
Krankengeschichte vor. Die vorliegenden ärztlichen Berichte weisen zwar – im Sinne
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 36/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eines begründeten Anfangsverdachts – auf schwerwiegende Behandlungsfehler und
fachliche Defizite des Beschwerdeführers hin. Sie hätten aber von der Vorinstanz im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes zum Anlass genommen werden müssen,
weitere Beweismassnahmen anzuordnen. Dasselbe Ergebnis ergibt sich aus dem
"Augenschein" in der Praxis des Beschwerdeführers. Dass ausgerechnet der zu
begutachtende Patient abwesend war, ist schwer nachvollziehbar. Es ist unklar, welche
Erkenntnisse sich die Vorinstanz von diesem Lokaltermin erhofft hat. Dieser konnte
eine Expertise nach den ausführlich dargestellten Grundsätzen jedenfalls nicht
ersetzen. Indem keiner der dem Beschwerdeführer angelasteten Behandlungsfehler als
bewiesen gelten kann, hat die Vorinstanz Art. 43 Abs. 1, Art. 36 Abs. 1 lit. b sowie Art.
38 Abs. 1 MedBG verletzt, als sie ein disziplinarisches Berufsverbot, eine Busse und
den Entzug der Berufsausübungsbewilligung angeordnet hat. Dies führt zur Aufhebung
der Dispositiv-Ziffern 4 und 5 sowie 7-12 der angefochtenen Verfügung und zur
Rückweisung der Streitsache an die Vorinstanz gemäss nachfolgender Erwägung 4.
3.6. Die weiteren vorgeworfenen Berufspflichtverletzungen (vgl. E. 7.3, 7.4 und 8 des
angefochtenen Entscheids) erreichen von Vornherein nicht das notwendige Gewicht,
um derart einschneidende Massnahmen wie die verfügten zu begründen. Im Fall der
Lernenden, die sich über zu lange Arbeitszeiten beklagt hatte (E. 7.3), weist die
angefochtene Verfügung zudem offensichtlich ähnlich gravierende Mängel in der
Beweisführung auf wie bereits ausführlich dargelegt. Die Vorinstanz stellte auf
Parteiaussagen ab, weil sie "nicht offensichtlich widersprüchlich oder sonstwie
unglaubwürdig seien" und auferlegte dem Beschwerdeführer gewissermassen einen
Negativbeweis. Dies erscheint unzulässig. Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch der
Vorwurf, der Beschwerdeführer habe Krankengeschichten nur teilweise und lediglich
rudimentär geführt. Den entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz (in E. 7.4) ist
nichts beizufügen und es kann – anstelle von Wiederholungen – darauf in tatsächlicher
und rechtlicher Hinsicht verweisen werden. Das konkrete Gewicht dieses
Fehlverhaltens kann aber nur im Zusammenhang mit den allenfalls weiteren noch
nachweisbaren Berufspflichtverletzungen beurteilt werden, weshalb sich auch in
diesem Punkt eine Rückweisung an die Vorinstanz als notwendig erweist.
4. Die Beschwerde ist demnach im Eventualantrag begründet. Die angefochtene
Verfügung ist aufgrund der fehlenden Entscheidreife aufzuheben, soweit darauf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 37/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einzutreten ist – aufgehoben werden demnach die Ziff. 4, 5, 7, 8, 9, 10, 11 und 12 –,
und die Sache ist zur weiteren Abklärung und neuer Entscheidung an die Vorinstanz
zurückzuweisen (vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP). Gegenstand der
Abklärungen hat zunächst zu sein, ob und allenfalls welche mangelhaften
Heilbehandlungen dem Beschwerdeführer noch rechtsgenüglich nachgewiesen werden
können. Sollten Verletzungen von Berufspflichten nachgewiesen werden können, wäre
dieses fehlbare Verhalten retrospektiv mittels Disziplinarmassnahmen zu sanktionieren.
Ob für die Zukunft eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit feststellbar ist, welche
den Entzug der Bewilligung rechtfertigt, ist zusätzlich Gegenstand der
vorzunehmenden Abklärungen. Dabei ist das Schwergewicht – wie die Vorinstanz
bereits zutreffend geäussert hat (vgl. E. 11 der angefochtenen Verfügung) – ebenfalls
auf die Heilbehandlungen zu legen. Verletzungen der Berufspflichten müssen allerdings
eine gewisse Schwere aufweisen, damit sie die Vertrauenswürdigkeit grundsätzlich in
Frage stellen können (vgl. BGer 2C_504/2014 vom 13. Januar 2015 E. 7).
Die weiteren in der Verfügung (vi. E. 11.1 ff.) angeführten Tatbestände sind bezüglich
der Vertrauenswürdigkeit von Vornherein weniger gewichtig oder aber zeitlich bereits
überholt (zumal es um eine prospektive Sicherung des Polizeiguts der öffentlichen
Gesundheit geht). Für diese Beurteilung dürfte nicht mehr relevant sein, ob sich der
Beschwerdeführer vor dem Jahr 2005 fälschlicherweise als Mitglied der SSO und als
selbständiger Zahnarzt ausgegeben hat (vgl. aber E. 11.1 des angefochtenen
Entscheids). Die teilweise harsche Kritik des Beschwerdeführers bzw. seiner
Rechtsvertreter an der vorinstanzlichen Arbeitsweise (vgl. 11.3 des angefochtenen
Entscheids) entbehrte – wie dieser Entscheid zeigt – nicht jeglicher Grundlage und ist
damit nicht geeignet, die Vertrauenswürdigkeit des Beschwerdeführers zu
beeinträchtigen. Von Dr. Z._ im Rahmen eines (beabsichtigten) Forderungsprozesses
gegen den Beschwerdeführer getätigte Aussagen wertete die Vorinstanz als im
Grundsatz zutreffend und auferlegte dem Beschwerdeführer den Negativbeweis (vgl.
E. 11.6 der angefochtenen Verfügung: "Nachdem Dr. X._ nichts vorbringt, was die
Aussagen von Dr. Z._ als zweifelhaft oder gar unglaubwürdig erscheinen lassen
würde, ist auf dessen Schilderungen hinsichtlich der vorgenannten Vorwürfe
abzustellen."). Sie verkannte auch diesbezüglich die Tragweite der
Untersuchungsmaxime, der Beweiswürdigungsgrundsätze und der Beweislastregeln.
Bis heute liegt kein Urteil eines Zivilrichters vor, mit dem sich berechtigte Vorwürfe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 38/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hinsichtlich der Praxisführung erhärten liessen. Bezeichnenderweise sind sowohl die
übernehmende als auch die übernommenen Gesellschaften – die von Dr. Z._
beherrschte Z._ AG und die dem Beschwerdeführer abgekauften X._ AG und Y._
AG – im Handelsregister gelöscht, nachdem die Konkursverfahren mangels Aktiven am
7. Januar 2015 eingestellt worden waren (www.zefix.ch). Dr. Z._ verfügt über keine
Berufsausübungsbewilligung mehr (www.medregom.admin.ch).
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Vorinstanz aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 4'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 963.75). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP). Vom im Verfahren B 2014/105 geleisteten Kostenvorschuss von CHF
2'500 ist der nach dem Präsidialentscheid vom 21. November 2014 verbleibende
Restbetrag von CHF 1'500 dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
Nach Art. 98 Abs. 1 VRP besteht im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht
Anspruch auf Ersatz der ausseramtlichen Kosten, welche den am Verfahren Beteiligten
gemäss Art. 98 VRP nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt werden. Die
Vorschriften der Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272, ZPO) über die
Parteientschädigung finden sachgemäss Anwendung (Art. 98 VRP).
Der Beschwerdeführer hat im verwaltungsgerichtlichen Verfahren obsiegt, weshalb ihm
die ausseramtlichen Kosten vollumfänglich zu ersetzen sind. Gemäss Art. 22 Abs. 1
Ingress und lit. b der Honorarordnung (sGS 963.75, HonO) beträgt das Honorar in der
Verwaltungsrechtspflege vor Verwaltungsgericht pauschal CHF 1'500 bis 15'000.
Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der notwendigen
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO). Hat der Rechtsanwalt keine Honorarnote
eingereicht, werden die ausseramtlichen Kosten nach Ermessen zugesprochen (Art. 6
HonO).
Angesichts der zitierten Grundsätze – insbesondere mit Blick auf die zu bearbeitende
umfangreiche angefochtene Verfügung, die äusserst knappe Begründung der
bis
ter
http://www.medregom.admin.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 39/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerde und die nicht entschädigungsrelevanten Bemühungen im vorliegenden
Verfahren B 2017/68 und hinsichtlich des Wiederherstellungsgesuchs – erscheint eine
ausseramtliche Entschädigung für das Beschwerdeverfahren in der Höhe von
CHF 3'500 angemessen. Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer demnach mit
CHF 3'500 zuzüglich CHF 140 für Barauslagen (pauschal; Art. 28 HonO) und acht
Prozent Mehrwertsteuer (Art. 29 HonO) – die anwaltlichen Leistungen wurden vor dem
1. Januar 2018 erbracht (vgl. Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur Steuersatzänderung per
1. Januar 2018, www.estv.admin.ch) – zu entschädigen. Dass er die Entschädigung
nicht zuzüglich Mehrwertsteuer beantragt hat, schadet nicht, da der Antrag noch vor
Inkrafttreten der revidierten Honorarordnung am 1. Januar 2019 (sGS 963.75, HonO)
gestellt wurde.
Über die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens wird die Vorinstanz anlässlich ihres
erneuten Entscheids zu befinden haben.