Decision ID: 59a7deb5-37e8-4cc8-9b77-99d0109be8dc
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._ Pensionskasse,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
und
H._,
Beigeladene,
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vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Schilliger, procap, Schweizerischer
Invaliden-Verband, Froburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,
betreffend
Rente für H._
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1948 geborene H._ meldete sich am 15./17. Oktober 2001 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich Berufsberatung,
Umschulung und Arbeitsvermittlung. Sie sei zuletzt bis August 2001 im Gastgewerbe
(Service) tätig gewesen. Die Behinderung (Arthrose beider Füsse) bestehe seit Oktober
2000; Schmerzen habe sie bereits seit ca. fünf Jahren.
A.b In einer Arbeitgeberbescheinigung vom 8. Dezember 2001 wurde angegeben, die
Versicherte sei vom 1. April 1991 bis 31. Oktober 2000 vollzeitlich im Service angestellt
gewesen. Das Arbeitsverhältnis sei nach einem Handgelenksbruch im gegenseitigen
Einvernehmen aufgelöst worden. Der letzte Arbeitstag sei der 24. März 2000 gewesen.
A.c Der Arzt B._ hatte am 28. November 2001 berichtet, die Versicherte leide
anamnestisch seit Jahren an wechselnden und zeitweise invalidisierenden
Mittelfussbeschwerden beidseits. Aufgrund der Beschwerden käme nur noch eine
sitzende Tätigkeit in Frage. Es sollte eine fachärztliche Untersuchung mit
Behandlungsvorschlag veranlasst werden. Er werde die Versicherte an die Schulthess
Klinik weisen. In einem Verlaufsbericht vom 26. Juli 2002 gab der Arzt an, seit einer
Arthrodese am 10. April 2002 habe ein erfreulich guter Verlauf stattgefunden. Vom
9. April bis 2. Juli 2002 sei die Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig gewesen, seither
sei sie als Servicefachangestellte zu 50 % arbeitsfähig. Längere Belastungen seien
indessen noch nicht möglich. Gegenwärtig könne demnach mit beruflichen
Massnahmen noch zugewartet werden. Am 3. September 2002 erklärte er, neu seien
auch Knieschmerzen beidseits aufgetreten. Die Arbeitsfähigkeit von 50 % lasse sich
gegenwärtig nicht steigern. Die Versicherte sollte eine leichtere Arbeit mit weniger
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Hektik und in Wechselbelastung - teils im Stehen, teils im Sitzen zu verrichten -
annehmen können. Ergänzend teilte der Arzt auf Anfrage am 19. September 2002 mit,
die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Arbeit betrage durchaus 100 %. Einzig in
vorwiegend stehender Position zu verrichtende Tätigkeiten kämen nicht in Frage.
A.d Der IV-Eingliederungsberater berichtete am 18. Dezember 2002, die Versicherte
habe eine Stelle zu 50 % gefunden und sei zu 50 % arbeitslos gemeldet. Sie suche
eine vollzeitliche Anstellung im Raum C._.
A.e Mit Verfügung vom 16. April 2003 wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des
Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch bei einem Invaliditätsgrad von 5 % ab.
B.
B.a Am 7./10. Mai 2004 gelangte die Versicherte mit einer neuen Anmeldung an die
Invalidenversicherung. Sie beantragte Umschulung und eine Rente. Zuerst habe eine
Fussarthrose vorgelegen, nach einer Operation sei es in beiden Kniegelenken und
Hüften beim Arbeiten im Stehen zu Problemen gekommen. Die Behinderung bestehe
seit 1997.
B.b Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeinmedizin, gab im Arztbericht vom 18. Mai
2004 (act. 26) bekannt, als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit lägen
vor (erstens) chronisch rezidivierende Schmerzen im Mittelfuss links bei/mit St. n.
Lisfranc Arthrodese 2/3 am 10.04.2002, St. n. Metallentfernung am 06.08.2003,
Überlastungsschmerzen Mittelfuss rechts, (zweitens) eine chronische Depression bei
chronisch rezidivierenden Fussschmerzen links, finanziellen und sozialen Problemen,
(drittens) eine residuelle Funktionseinschränkung im linken Handgelenk bei/mit St. n.
Osteosynthese einer distalen Radiusfraktur links 2000, St. n. Metallentfernung und
Tenoarthrolyse Handgelenk am 25.08.2000, (viertens) eine beginnende Gonarthrose
bds. und (fünftens) eine beginnende Coxarthrose rechts. Die Versicherte sei in den
letzten Monaten arbeitslos gewesen. Im Januar habe sie eine Servicearbeit nach einem
halben Tag schmerzbedingt abbrechen müssen. Seit dem 5. April 2004 arbeite sie an
zweieinhalb Stunden pro Tag in einer Reinigung, müsse diese Arbeit aber wegen der
Schmerzen wohl auch bald aufgeben. Zurzeit sei sie nicht arbeitsunfähig geschrieben.
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Sie sei aber nach seiner Auffassung bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Nicht nur
die bisherige Arbeit, sondern auch andere Tätigkeiten seien der Versicherten nicht
zumutbar. Auch bei wechselbelastender Arbeit träten zuviel Beschwerden auf.
B.c Gemäss einer Arbeitgeberbescheinigung vom 23. Juni 2004 war die Versicherte
vom 1. April 2003 bis 30. Juni 2003 vollzeitlich als Kassiererin in einer Raststätte tätig
gewesen. Der Arbeitgeber habe das Arbeitsverhältnis aufgelöst, weil die Versicherte mit
den ihr anvertrauten Aufgaben überfordert gewesen sei.
B.d Dr. med. E._, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation, erklärte in
ihrem Arztbericht vom 20. August 2004 (act. 35), es lägen vor ein lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits, eine Femoropatellar-Arthrose beidseits, beidseitige
Überlastungsbeschwerden im Mittelfuss bei St. n. Lisfranc-Arthrodese am 10.04.02
links und Metallentfernung am 06.08.03 und Überlastungsschmerz reaktiv rechts,
sowie eine depressive Störung bei schwieriger psycho-sozialer Konstellation.
Körperlich schwere Arbeiten könne die Versicherte nicht durchführen. Eine im Sitzen zu
verrichtende Arbeit wäre ihr (zur Besserung der gesamthaften Situation) zu 50 % (vier
Stunden pro Tag) bei voller Belastung zumutbar. Der Grund, weshalb sie (die Ärztin) die
Versicherte dennoch voll arbeitsfähig geschrieben habe, liege im Umstand, dass diese
finanziell dringend auf die Unterstützung durch das RAV angewiesen sei. Die
Versicherte leide bereits seit der ersten Fussoperation an Schmerzen im Bereich der
Beine, nach der Schraubenentfernung hätten die Beschwerden zugenommen. Genaue
Daten zur Arbeitsunfähigkeit von wenigstens 20 % seien nicht bekannt. Wegen der
zunehmenden depressiven Problematik habe sie die Versicherte an die Fachstelle für
Sozialpsychiatrie und Psychotherapie gewiesen. Gegenwärtig sei die Versicherte
arbeitslos und erledige lediglich einige Male pro Woche ca. drei Stunden lang
Reinigungsarbeiten.
B.e Die Invalidenversicherung veranlasste eine psychiatrische Abklärung bei der
genannten Fachstelle, wo sich die Versicherte bis dahin nicht in Behandlung begeben
hatte. Die Fachstelle gab in ihrem Gutachten vom 7. April 2005 (act. 44) bekannt, es
liege als Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig
depressive Episode, bestehend seit September 2004, vor. Zuvor hätten seit dem
Verlust des Arbeitsplatzes in der Raststätte im Sommer 2003 depressive Symptome
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leichteren Ausmasses bestanden. Eine Arbeit im Reinigungsdienst oder im Service sei
der Versicherten noch zu etwa zwei bis zweieinhalb Stunden pro Tag zumutbar, wenn
Pausen möglich seien. Dabei bestehe wegen des Pausenbedarfs eine auf 75 %
verminderte Leistungsfähigkeit. Beides seien allerdings keine angepassten Tätigkeiten.
Leichte wechselnd belastende Tätigkeiten seien im gleichen Rahmen zumutbar, mit
allenfalls leichter Steigerungsmöglichkeit nach Besserung der depressiven
Symptomatik. Es sei in somatischer Hinsicht eine Operation geplant (wohl wegen eines
Diskusprolapses). Gemäss dem Bericht von B._ bestehe die Arbeitsunfähigkeit von
20 % oder mehr seit September 2002. Die depressive Symptomatik bestehe als
limitierender Faktor mindestens seit Sommer 2003 mit massiver Verstärkung seit
September 2004. Mit ihren beiden Reinigungs-Arbeitsstellen (eine seit April 2004, die
andere seit Februar 2005) sei sie überlastet.
B.f In einem Arztbericht vom 13. Mai 2005 gab die Klinik für Neurochirurgie am
Kantonsspital St. Gallen (Dr. med. F._, act. 48) an, es bestünden ein cranial
intraspinal und rezessal sequestrierter Diskusprolaps LWK3/4 rechts mit
Wurzelkompressionssyndrom L3 rechts und progredienter Parese 15.3.2005, ein St. n.
rechtsseitiger Fensterungsdekompression mit Hemifacettektomie und Nukleotomie
LWK3/4, sowie Sequesterotomie (25.3.05), und Verdacht auf Coxarthrose rechts und
Gonarthrose rechts. Die gesundheitliche Störung wirke sich bei der bisherigen Tätigkeit
nur unwesentlich aus; diese sei noch an viereinhalb Stunden pro Tag zumutbar. Andere
Tätigkeiten, nämlich solche die körperlich wenig belastend seien, kein Heben und
Tragen schwerer Gegenstände erforderten und die Möglichkeit zur raschen
"Lagewechselposition" böten, seien ihr uneingeschränkt zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit
könne in Teilzeit mit voller Leistung, aber nicht ganztags mit reduzierter Leistung
erbracht werden. Ohne das Heben und Tragen schwerer Lasten und bei geeignetem
Arbeitsgerät sei die Teilzeitarbeit von viereinhalb Stunden täglich als Raumpflegerin
durchaus zumutbar. In ihrem abendlichen Teilzeitberuf als Raumpflegerin sei sie in ihrer
Arbeitsfähigkeit seit dem 9. Mai 2005 zu 20 % eingeschränkt.
B.g Dr. E._ gab im Arztbericht vom 31. Mai 2005 (act. 50) an, die Versicherte sei vom
21. Juni 2004 bis 8. März 2005 zu 50 % und anschliessend bis zum 28. April 2005 zu
100 % arbeitsunfähig gewesen und sei nun seither zu 25 % (recte wohl: 75 %)
arbeitsunfähig. Die bisherige Arbeit sei ihr nicht mehr zumutbar. Eine leichte körperliche
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Arbeit mit der Möglichkeit zum Körperlagewechsel zwischen Sitzen, Gehen und Stehen
komme im Rahmen von ca. zwei Stunden pro Tag in Frage. Es sei bei der Beurteilung
auf die Not der Versicherten Rücksicht zu nehmen, die trotz ihrer ärztlichen
Empfehlung immer wieder gearbeitet habe, und zwar in einem den Körper
schädigenden Ausmass. Bei negativem Entscheid sei mit einer psychischen
Dekompensation zu rechnen.
B.h Nach Auffassung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der
Invalidenversicherung (Dr. med. G._) vom 14. Juni 2005 war auf eine auf 75 %
reduzierte Leistung von zweieinviertel Stunden täglich gemäss der Fachstelle
abzustellen. Am 24. Juni 2005 hielt Dr. G._ dafür, es sei als Diagnose noch eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, zu erwähnen,
denn die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit werde am meisten durch die
psychiatrische Erkrankung begründet.
B.i Mit Verfügung vom 29. Juni 2005 wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des
Kantons St. Gallen das Gesuch der Versicherten um berufliche Massnahmen ab.
Solche Massnahmen seien zurzeit nicht möglich. Gleichzeitig teilte sie ihr mit, sie habe
bei einem Invaliditätsgrad von 85 % Anspruch auf eine ganze Rente ab 1. Juli 2004.
Seit dem 1. Juli 2003 arbeite sie krankheitsbedingt nicht mehr. Am 21. November 2005
erging die entsprechende Rentenverfügung.
B.j Die A._ Pensionskasse erhob gegen diese Verfügung am 6. Januar 2006
("vorsorglich") Einsprache. In der Begründung vom 16. Januar 2006 beantragte die
Pensionskasse, die Verfügung sei aufzuheben und es sei der Beginn der zur Invalidität
führenden Arbeitsunfähigkeit genau abzuklären und neu festzusetzen; eventualiter
seien weitere medizinische Abklärungen (eine interdisziplinäre Begutachtung) über den
Beginn und die Diagnose zu treffen. Während der Zeit ihrer Versicherungsdeckung
(1. April 1991 bis 31. August 2001 und 1. April 2003 bis 30. Juni 2003) sei die
Versicherte einzig wegen der Handgelenksfraktur (vom 24. März bis 31. Oktober 2000)
arbeitsunfähig gewesen. Sie habe in der Zeit vom 6. September 2001 bis 31. Mai 2005
wiederholt auf der Basis einer Vermittlungsfähigkeit von 100 %
Arbeitslosenentschädigung beansprucht und teilweise im Zwischenverdienst
gearbeitet. Beim Arbeitsverhältnis vom 1. April bis 30. Juni 2003 habe es sich um einen
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Arbeitsversuch gehandelt. Die Versicherte sei überfordert gewesen. Die Arbeitsfähigkeit
sei schon damals eingeschränkt gewesen. Die Rente sei wegen des Gebrechenscodes
736.91 gewährt worden. Nach Auffassung des RAD sei die Arbeitsunfähigkeit am
meisten durch die psychiatrische Erkrankung begründet. Bezüglich der Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und deren Beginn lägen unterschiedliche, sich
teils widersprechende Aussagen vor. Die Diskushernienoperation sei ausserdem erst
im März 2005 erfolgt. Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit, die zur Invalidität geführt
habe, müsse daher abgeklärt werden.
B.k Die Versicherte liess mit Eingabe vom 20. April 2006 die Abweisung der Einsprache
beantragen. Sie leide an verschiedenen gesundheitlichen Einschränkungen, was die
Festsetzung des Beginns erschwere. Ausschlaggebend für die Rente sei jedoch die
psychische Einschränkung. Die Beschwerden an Füssen, Knie und Hüfte würden eine
wechselbelastende Tätigkeit zulassen. Es handle sich teilweise um Beschwerden, die
wieder verheilt seien. Die dadurch verursachten kurzfristigen Arbeitsunfähigkeiten seien
unbeachtlich. Auf die von der Arbeitslosenversicherung festgestellte
Vermittlungsfähigkeit könne nicht abgestellt werden. Das Gutachten der Fachstelle sei
widerspruchsfrei und überzeugend. Es sei zu berücksichtigen, dass vier Monate vor
Beginn der Arbeitsunfähigkeit eine Ablehnung eines Rentenanspruchs erfolgt sei. Eine
neue, zeitlich noch weiter weg liegende medizinische Abklärung werde kaum neue
Erkenntnisse bringen können. Eine interdisziplinäre Abklärung sei nicht erforderlich,
weil bereits infolge der psychischen Behinderung eine ganze Rente zugesprochen
werden könne.
B.l Die Pensionskasse erklärte am 6. Juli 2006, falls auf den Bericht der Fachstelle
abzustellen sei, müsse berücksichtigt werden, dass nicht klar geworden sei, inwiefern
die schwierige finanzielle und soziale Situation Anteil an der Depression habe. Wenn
die psychische Einschränkung ausschlaggebend sei, so liege der relevante
Arbeitsunfähigkeitsbeginn im September 2004. Denn die mittelgradig depressive
Episode bestehe nach dem Arztbericht seit jenem Zeitpunkt, während zuvor lediglich
depressive Symptome leichteren Ausmasses bestanden hätten, die keine Invalidität
begründet hätten.
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B.mMit Entscheid vom 10. Juli 2006 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen die Einsprache ab. Für die
Invalidenversicherung sei nicht von Bedeutung, aufgrund welcher Diagnose eine
Person zu wie viel Prozent arbeitsunfähig sei. Die Arbeitsunfähigkeit sei vielmehr
gesamthaft festzulegen. Die Versicherte leide bereits seit 1988 an psychischen
Beschwerden. Diese hätten sich während ihrer Anstellung als Kassiererin in der
Raststätte akzentuiert, weshalb ihr die Stelle in der Probezeit auf den 30. Juni 2003
gekündigt worden sei. Es habe sich nicht um einen Arbeitsversuch gehandelt. Nach
dem Gutachten sei ab jenem Zeitpunkt - spätestens ab Sommer 2003 - von einer
invalidisierenden depressiven Symptomatik auszugehen. Bis Juni 2003 sei die
Versicherte - wenn auch mit Mühe - imstande gewesen, ohne Absenzen zu arbeiten. Es
sei nicht ersichtlich, inwiefern die psychiatrische Begutachtung nicht schlüssig sein
sollte. Weitere Abklärungen seien nicht erforderlich. Der Anspruchsbeginn sei zu Recht
auf den 1. Juli 2004 festgesetzt worden.
C.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde der A._
Pensionskasse vom 18. August 2006 mit dem Antrag, der angefochtene
Einspracheentscheid sei aufzuheben und der Invaliditätsgrad und der Wartezeitbeginn
seien nach einer erneuten Begutachtung neu festzulegen. Nach den Unterlagen der
Kantonalen Arbeitslosenkasse I._ habe die Versicherte vom 1. Juli 2003 bis zum
31. August 2003 bei 100 % Vermittlungsfähigkeit Arbeitslosentaggelder bezogen. Auch
in den Jahren 2002 und 2003 hätten lange Phasen von Arbeitslosigkeit mit voller
Vermittlungsfähigkeit bestanden. Das sei ein wichtiges Indiz für das Vorliegen von
Arbeitsfähigkeit. Bis zum 16. April 2003 (Abweisung eines Rentenanspruchs) und auch
noch im Juli 2003 habe keine relevante Arbeitsunfähigkeit bestanden. Gemäss dem
Gutachten der Fachstelle habe eine Verschlimmerung des Leidens ab September 2004
stattgefunden, Symptome leichten Ausmasses sollten danach seit Sommer 2003
bestanden haben. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass es sich um
Symptome gehandelt habe, die eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % zur Folge
gehabt hätten. Die Beschwerdegegnerin habe dies aber unbesehen angenommen. Den
Bericht von Dr. E._ habe sie nicht berücksichtigt. Die Beurteilung der Fachstelle sei
ausserdem nachträglich erfolgt; ein Arztbericht mit einem Arbeitsunfähigkeitsattest aus
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der betreffenden Zeit sei nicht vorhanden. Die Beschwerdegegnerin habe sich nicht mit
den unterschiedlichen Angaben der Ärzte auseinandergesetzt. Es sei nicht klar, in
welchem Ausmass die Versicherte wegen der angespannten finanziellen und
schwierigen psychosozialen Situation als arbeitsunfähig betrachtet werde. Eine
Differenzierung zwischen sozialen und gesundheitlich bedingten Einschränkungen sei
im Gutachten nicht vorgenommen worden. Die Beschwerdegegnerin habe eine solche
zu Unrecht auch nicht verlangt, obwohl sie zur Ausscheidung invaliditätsfremder
Gesichtspunkte notwendig gewesen wäre. Im Übrigen betreibe die Versicherte keine
Schadenminderung (Psychotherapie) und sei dazu auch nicht aufgefordert worden. Die
Sachverhaltsabklärung sei unvollständig und die vorliegenden Berichte seien zu
Unrecht als taugliche Beweismittel gewürdigt worden.
D.
Die Versicherte ist am 22. August 2006 beigeladen worden.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 25. August 2006 Abweisung der Beschwerde

beantragt und auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen.
F.
Die Versicherte lässt sich - vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Schilliger,
procap - am 10. Oktober 2006 vernehmen. Ihr Rechtsvertreter beantragt
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde, Bestätigung des Einspracheentscheids
und Zusprechung einer angemessenen Parteientschädigung an die Versicherte nach
Massgabe des ordentlichen Honoraransatzes. Psychische Einschränkungen begännen
schleichend und für den Versicherten selber nur schwer erkennbar. Dass zwischen
dem relevanten Beginn der Arbeitsunfähigkeit einerseits und der Vermittlungsfähigkeit
gemäss der Arbeitslosenversicherung anderseits eine gewisse "Überschneidung" -
betreffend im Wesentlichen die Zeit von Juli/August 2003 - bestehe, sei deshalb nicht
weiter widersprüchlich. Ebenso wenig die Annahme der Beschwerdegegnerin, denn die
Arbeitslosenversicherung prüfe die Arbeits- und Vermittlungsfähigkeit nicht im gleichen
Ausmass wie sie. Es sei nachvollziehbar, dass der Verlust der Arbeitsstelle im Jahr
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2003 letztlich zu dem IV-relevanten Durchbruch des psychischen Leidens geführt habe.
Das Gutachten sei schlüssig. Eine neuerliche Begutachtung sei wenig sinnvoll,
förderlich und aufschlussreich.
Erwägungen:
1.
1.1 Da ein Sachverhalt zu beurteilen ist, wie er sich bis zum Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids am 10. Juli 2006 entwickelt hat, sind vorliegend die am 1. Januar
2008 in Kraft getretenen gesetzlichen Änderungen nicht anwendbar.
1.2 Mit dem angefochtenen Entscheid hat die Beschwerdegegnerin die Einsprache
gegen die Verfügung abgewiesen, mit welcher sie der Versicherten mit Wirkung ab dem
1. Juli 2004 eine ganze Rente zugesprochen hatte. Strittig sind der Beginn der
Wartezeit und der Invaliditätsgrad.
1.3 Das Rechtsmittel der Beschwerdeführerin erfüllt die von der Rechtsprechung
benannten Voraussetzungen der Beschwerdelegitimation (vgl. Entscheide des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 6. Juni 2006, I 22/05, vom 3. Mai 2006, I
821/04, und vom 21. April 2006, I 349/05). Auf die Beschwerde ist daher im Grundsatz
einzutreten.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG in der bis zum 31. Dezember 2003 gültig gewesenen
Fassung besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu zwei Dritteln, derjenige auf eine halbe Rente, wenn sie
wenigstens zur Hälfte invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 40 % vor, so
besteht Anspruch auf eine Viertelsrente oder, sofern ein Härtefall gegeben ist, auf eine
halbe Rente (Art. 28 Abs. 1 IVG). Nach Art. 28 Abs. 1 IVG in der vom 1. Januar 2004
bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung besteht der Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem
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Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs
auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG).
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder länger dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Der Eintritt des Rentenfalls wird durch Art. 29
Abs. 1 IVG geregelt. Der Rentenanspruch entsteht frühestens in dem Zeitpunkt, in dem
die versicherte Person mindestens zu 40 % bleibend erwerbsunfähig (Art. 7 ATSG)
geworden ist (lit. a) oder während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war (lit. b).
Bei der Versicherten liegt ein labiles Leiden vor; sie hat daher unbestrittenermassen
das Wartejahr zu bestehen.
2.3 Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte
Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29
IVV; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März 2004,
I 19/04). Auch vor der Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind zu
berücksichtigen (ZAK 1966 S. 58; BGE 117 V 26 E. 3b; BGE 121 V 264; Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S C. vom 2. März 2000 [I 307/99]).
2.4 Unter Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG ist die durch den
Gesundheitsschaden bedingte qualitative und/oder quantitative Einbusse an
funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu
verstehen (BGE 130 V 99 E. 3.2). Für die Eröffnung der einjährigen Wartezeit (vgl. BGE
96 V 34) muss die Arbeitsunfähigkeit ein gewisses Mass erreichen, sie muss erheblich
sein. Nach der Gerichtspraxis ist eine Verminderung des funktionellen
Leistungsvermögens im bisherigen Beruf von mindestens 20 % vorausgesetzt
(Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S A. vom 21. Juli 2005,
I 816/04; AHI 1998 S. 124 E. 3c; vgl. auch BGE 129 V 419 unten; SVR 1998 IV Nr. 7,
27; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März 2004, I
19/04). Im Rahmen des Art. 29 Abs. 1 IVG nicht anwendbar ist nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts der Grundsatz, dass bei langdauernder
Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf - oder sobald klar wird, dass die
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Wiederaufnahme der bisher ausgeübten Tätigkeit nicht mehr in Frage kommt - nach
Ablauf einer gewissen Übergangsfrist auch zumutbare Tätigkeiten in einem andern
Beruf zu berücksichtigen sind. Bei der Anwendung dieser Bestimmung ist
ausschliesslich die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zu betrachten
(Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom 23. Oktober 2003,
I 392/02).
3.
3.1 Aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen, dass die Versicherte im Jahr 2000
(weniger als ein Jahr lang) arbeitsunfähig war (vgl. act. 70 ff.). Im November 2001 kam
für sie nach Angaben von B._ nur noch Arbeit in Frage, die im Sitzen verrichtet
werden konnte, eine Tätigkeit in ihrer bisherigen Tätigkeit im Service somit nicht mehr,
später immer noch lediglich teilweise. Da allerdings aufgrund der ärztlichen Angaben
vom 19. September 2002 davon auszugehen ist, dass in einer angepassten Tätigkeit
(wo wohl keine schlechtere Bezahlung als in der bisherigen zu erwarten war) volle
Arbeitsfähigkeit bestand, können die Einzelheiten von Dauer und Ausmass der
Arbeitsunfähigkeit offen bleiben, denn es kam mangels einer Erwerbsunfähigkeit von
mindestens 40 % vorderhand nicht zum Erreichen der beiden kumulativen
Erfordernisse des Beginns eines Rentenanspruchs. Mit der Verfügung vom 16. April
2003 wurde denn auch ein Anspruch formell rechtskräftig abgewiesen.
3.2 Für die Zeit ab der formell rechtskräftigen Abweisung der Ansprüche der
Versicherten unter Annahme eines Invaliditätsgrades von 5 % am 16. April 2003 gibt
es, wie die Beschwerdeführerin zu Recht darlegt, keine zeitgerechten ärztlichen Atteste
zur Arbeitsfähigkeit, und zwar bis zum 18. Mai 2004. Nach den dannzumaligen
Angaben von Dr. D._ bestand bei der Versicherten damals (bei den hauptsächlichen
Diagnosen von Schmerzen im Mittelfuss links, einer chronischen Depression, einer
Funktionseinschränkung im linken Handgelenk und einer beginnenden Gonarthrose)
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Der Arzt erklärte unter anderem, im Januar 2004
habe eine Servicearbeit schmerzbedingt abgebrochen werden müssen. Die Angaben
zum zeitlichen Verlauf der medizinischen Arbeitsunfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten
sind vorliegend ebenfalls knapp. Nach den Schilderungen von Dr. E._ kann davon
ausgegangen werden, dass eine Zunahme der Beschwerden in der Zeit nach der
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Schraubenentfernung stattgefunden hat, somit ab August 2003. Die Fachstelle
berichtete, seit September 2004 liege eine rezidivierende depressive Störung vor.
Zuvor habe bereits 1988 eine depressive Episode schweren Ausmasses mit
psychotischen Symptomen bestanden und es sei auch in den Folgejahren immer
wieder zu depressiven Episoden gekommen. Seit dem Verlust des Arbeitsplatzes in der
Raststätte im Sommer 2003 (act. 44-8/14; d.h. seit Juli 2003) bzw. seit mindestens
September 2003 (act. 44-10/14) hätten depressive Symptome bestanden, die seit
mindestens Sommer 2003 einen (sc. die Arbeitsfähigkeit) limitierenden Faktor
dargestellt hätten. Eine massive Verstärkung sei ab September 2004 eingetreten
(act. 44-12/14). Für die Zeit ab September 2004 ist nach der medizinischen
Einschätzung der Fachstelle, auf die abgestellt werden kann, von einer
Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von rund 80 % (Leistungsfähigkeit von 75 %
bezogen auf rund 25 % zeitliche Arbeitstätigkeit) auszugehen. Die Einschätzung einer
tieferen Arbeitsunfähigkeit von Dr. E._ vom 31. Mai 2005 hat angesichts der
grösseren psychisch bedingten Einschränkung zurückzutreten. Die
Beschwerdegegnerin hat mit ihrer Rentenzusprache bei diesen Gegebenheiten
angenommen, dass bei der Versicherten nach dem Verlust der Anstellung ab Juli 2003
erstmals eine Arbeitsunfähigkeit in so erheblichem Ausmass eingetreten war, dass im
Juli 2004 ein Wartejahr mit einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von mindestens
70 % abgelaufen ist, und dass bei Beendigung der Wartezeit eine Erwerbsunfähigkeit
von mindestens 70 % bestand. Diese Annahme erscheint beweismässig unter den
gegebenen Umständen als zutreffend, nachdem von ergänzenden Abklärungen
naturgemäss nicht mehr und nicht präzisierend plausiblere Erkenntnisse erwartet
werden können.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG, vgl. Rechtslage vor der
Änderung des IVG vom 16. Dezember 2005, lit. b der betreffenden
Übergangsbestimmungen).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
4.3 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen werden (vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1).
Rechtsprechungsgemäss kann auch eine beigeladene Person - da sie Parteistellung
erwirbt (vgl. Christian Zünd, Kommentar zum Gesetz über das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, Zürich 1993, Diss. Zürich 1999, § 13
N24, vgl. auch § 34 N 4) - Anspruch auf eine Parteientschädigung erheben (vgl. SVR
2002 IV Nr. 5 und SVR 1995 AHV Nr. 70; a.M. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, N 97 zu
Art. 61 ATSG). Es rechtfertigt sich, da die beigeladene Versicherte mit ihrem Antrag
obsiegt hat, ihr eine Parteientschädigung von ermessensweise Fr. 2'000.-- zulasten der
unterliegenden Beschwerdeführerin zuzusprechen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht