Decision ID: 3b1cbd10-533a-43b9-822f-b69fb4f891a8
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y., geboren 1983, und B.Y., geboren 1968, heirateten am 30. November 2011 in T.
Ihre beiden gemeinsamen Kinder C.Y., geboren 2006, und D.Y., geboren 2007, stehen
unter gemeinsamer elterlicher Sorge. Wegen eingeschränkter Erziehungsfähigkeit
entzog das damalige Vormundschaftsamt St. Gallen (neu: Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde KESB Region St. Gallen) A.Y. und B.Y. am 14. Juni 2012
die Obhut über ihre gemeinsamen Kinder. C.Y. und D.Y. wurden auf Kosten der
Politischen Gemeinde St. Gallen in einer Pflegefamilie in L. fremdplatziert und
verbeiständet. Am 31. Juli 2012 zog A.Y. nach M. (Politische Gemeinde N.). B.Y. zog in
der Folge nach O. (Politische Gemeinde P.). Mit Entscheid des Kreisgerichts St. Gallen
vom 31. Juli 2013 wurde die Ehe geschieden und B.Y. rückwirkend ab 1. August 2012
zur Zahlung von Unterhaltsbeiträgen (bis Ende Fremdplatzierung monatlich CHF 500
pro Kind) zu Gunsten seiner Kinder verpflichtet. Dieser Entscheid wurde am
5./6. August 2013 rechtskräftig und vollstreckbar. Mit Beschluss der KESB Region St.
Gallen vom 13. August 2013 wurden C.Y. und D.Y. zu ihrer Grossmutter (K.S.) nach St.
Gallen umplatziert, wo sie sich bereits seit dem 11. August 2013 aufhielten
(act. 9/7/1/1-4).
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B. Am 20. August 2013 ersuchten die Sozialen Dienste der Politischen Gemeinde St.
Gallen anstelle von C.Y. und D.Y. bei der Politischen Gemeinde X. um
Alimentenbevorschussung für den Zeitraum von Mai bis Juli 2013 und um Inkassohilfe
für den Zeitraum von August 2012 bis April 2013. Mit Verfügung vom 18. Dezember
2013 wies der Gemeinderat X. das Gesuch ab (act. 9/1.1 und act. 9/7/1). Dagegen
rekurrierte die Politische Gemeinde St. Gallen am 14. Januar 2014 beim
Versicherungsgericht (act. 9/1). Mit Entscheid vom 28. Januar 2015 wies das
Versicherungsgericht den Rekurs ab (act. 2). Es begründete seinen Entscheid damit,
dass die örtliche Zuständigkeit für die Alimentenbevorschussung und die Inkassohilfe
lediglich den zivilrechtlichen Wohnsitz zum Zeitpunkt der Gesuchstellung voraussetze.
Der zivilrechtliche Wohnsitz müsse nicht zusätzlich während des gesamten Zeitraums
erfüllt sein, für den die Alimentenbevorschussung oder die Inkassohilfe in Anspruch
genommen werde bzw. in Anspruch genommen werden könne. Dafür sprächen
hauptsächlich verfahrensökonomische Gründe. Ziehe ein Kind um, wäre es bzw. der
zur Entgegennahme des Beitrags befugte Elternteil in Konstellationen, wie sie im
vorliegenden Fall gegeben seien, gezwungen, bei zwei Gemeinden gleichzeitig ein
Gesuch um Inkassohilfe und Bevorschussung einzureichen. Für ein solch
doppelspuriges Vorgehen spreche weder der Wortlaut des Gesetzes noch sei
ersichtlich, dass der Gesetzgeber diese Erschwernis bezweckt habe. Die Regelung von
Art. 9 der Vollzugsverordnung zum Gesetz über Inkassohilfe und Vorschüsse für
Unterhaltsbeiträge (sGS 911.511, VV GIVU) sei auch auf Fälle anzuwenden, in denen
bei Gesuchseinreichung ein neuer Wohnsitz vorliege und für drei rückliegende Monate
Alimentenbevorschussung beantragt werde. Die Zuständigkeit der Politischen
Gemeinde X. habe mit dem Wegzug der Kinder geendet. Die einmal begründete
örtliche Zuständigkeit der neuen Wohnsitzgemeinde habe auch für die
Geltendmachung allfälliger rückwirkender Alimente Bestand. Gleiches gelte auch für
die Inkassohilfe.
C. Gegen den Entscheid des Versicherungsgerichtes (Vorinstanz) vom 28. Januar 2015
(expediert am 19. Februar 2015) erhob die Politische Gemeinde St. Gallen
(Beschwerdeführerin) am 4. März 2015 Beschwerde beim Verwaltungsgericht (act. 1).
Am 30. März 2015 ergänzte sie ihre Beschwerde mit einer Begründung und dem
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Rechtsbegehren, in Gutheissung der Beschwerde sei der angefochtene Entscheid
unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und die Politische Gemeinde X.
(Beschwerdegegnerin) zu verpflichten, die Alimentenbevorschussung der Kinder C.Y.
und D.Y. im Zeitraum vom 1. Mai 2013 bis 31. Juli 2013 auszurichten und für die im
Zeitraum vom 1. August 2012 bis 30. April 2013 ausstehenden Alimente Inkassohilfe zu
leisten. Überdies sei festzustellen, dass sich die zeitlich exakt auf die Dauer des
zivilrechtlichen Wohnsitzes der anspruchsberechtigten Person begrenzte Zuständigkeit
der Gemeinden für die Alimentenbevorschussung und die Inkassohilfe ausschliesslich
auf die während dieser Zeit fällig werdenden Alimente beziehe (act. 5). Mit
Stellungnahme vom 1. Mai 2015 (act. 11) beantragte die Beschwerdegegnerin, die
Beschwerde sei unter Kostenfolge abzuweisen.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge

und die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeeingabe vom 4. März 2015 (act. 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt
zusammen mit der Ergänzung vom 30. März 2015 (act. 5) formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 und 2 VRP). Die Beschwerdebefugnis setzt ein eigenes schutzwürdiges
Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids voraus (vgl.
Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP und zum Grundsatz der Einheit des
Verfahrens Art. 111 Abs. 1 sowie Art. 89 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht,
Bundesgerichtsgesetz; SR 173.110, BGG).
Gemäss Art. 289 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) geht
der Anspruch auf Unterhalt, den das Kind gegenüber seinen Eltern hat, mit allen
Rechten auf das Gemeinwesen über, wenn dieses für den Unterhalt des Kindes
aufkommt (gesetzliche Subrogation im Sinne von Art. 166 des Bundesgesetzes
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betreffend die Ergänzung des ZGB, Fünfter Teil: Obligationenrecht, SR 220, OR, vgl.
hierzu BGE 137 III 193 E. 2.1 und BGer 5P.193/2003 vom 23. Juli 2003 E. 1.1.2, und
zur Inkassovollmacht und Abtretung unabhängig von Unterstützungsleistungen des
Gemeinwesens Art. 6 des Gesetzes über Inkassohilfe und Vorschüsse für
Unterhaltsbeiträge, sGS 911.51, GIVU). Der Unterhaltsanspruch des Gemeinwesens
kommt beispielsweise dann zum Tragen, wenn der zivilrechtliche Wohnsitz des mit der
elterlichen Sorge betrauten Elternteils bei einer Fremdplatzierung des Kindes nicht
identisch ist mit dem Unterstützungswohnsitz des Kindes (vgl. hierzu Art. 3 Abs. 2 des
Sozialhilfegesetzes, sGS 381.1, SHG, in Verbindung mit Art. 7 Abs. 3 lit. c des
Bundesgesetzes über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger,
Zuständigkeitsgesetz; SR 851.1, ZUG, und VerwGE B 2014/5 vom 24. März 2015 E. 2,
www.gerichte.sg.ch, siehe auch BGE 141 V 255 E. 2.2, allerdings in Bezug auf Art. 21
Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung, SR 831.30, ELG). Dementsprechend schreibt Art. 5 lit. d VV
GIVU in Verbindung mit Art. 289 Abs. 2 ZGB vor, dass das Gemeinwesen in diesem
Fall zur Einreichung eines Gesuchs um Bevorschussung berechtigt ist (vgl. Bericht des
Departements für Inneres und Militär zum Entwurf eines II. Nachtrags zur VV GIVU vom
17. Mai 2001 Ziff. 3/3). Gleiches muss auch für ein Gesuch um Inkassohilfe gemäss Art.
290 ZGB in Verbindung Art. 1 Abs. 1 GIVU gelten (vgl. hierzu C. Hegnauer, in: Berner
Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Band II/2/2/1, Bern 1997, Art. 290 N 11
ff.). Im konkreten Fall ist erstellt (vgl. Schreiben des Sozialamtes vom 26. Juni 2012,
act. 9/7/4), dass die Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 9 in Verbindung mit Art. 10
Abs. 1 SHG für die Kosten der Fremdplatzierung von C.Y. und D.Y. in L. (Politische
Gemeinde X.) ab 14. Juni 2012 bis 31. Juli 2013 aufkam und der rückwirkende
Unterhaltsanspruch von C.Y. und D.Y. im Zeitraum vom 1. August 2012 bis 31. Juli
2013 damit auf sie übergegangen ist. Auch wird nicht bestritten, dass sich der
zivilrechtliche Wohnsitz (Art. 25 Abs. 1 ZGB) von C.Y. und D.Y. vom 1. August 2012 bis
31. Juli 2013 in X. befand (vgl. Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom
1. Mai 2015, act. 11, S. 6 f. Ziff. 2.4). Demzufolge war die unterstützungspflichtige
Beschwerdeführerin berechtigt, bei der Beschwerdegegnerin ein Gesuch um
rückwirkende Bevorschussung und Inkassohilfe im Sinne von Art. 5 lit. d VV GIVU in
Verbindung mit Art. 289 Abs. 2 ZGB zu stellen, obschon sich aus den Akten keine
Anhaltspunkte für ein entsprechendes Gesuch des Beistands von C.Y. und D.Y.
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zuhanden der Beschwerdeführerin ergeben (vgl. Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB in
Verbindung mit Art. 5 lit. b VV GIVU) und sich sowohl der zivilrechtliche Wohnsitz als
auch der Unterstützungswohnsitz von C.Y. und D.Y. zum Zeitpunkt der
Gesuchseinreichung am 20. August 2013 in St. Gallen befand. Als Gesuchstellerin tritt
die Beschwerdeführerin nicht hoheitlich, sondern ohne Entscheidungsbefugnis auf. In
dieser Konstellation ist sie gleich wie ein Bürger zu behandeln und ihr die
Beschwerdebefugnis nach Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP zuzugestehen.
Offen bleiben kann bei diesem Ergebnis, ob sie vorliegend auch in spezifischer,
schutzwürdiger Weise in der Wahrnehmung einer hoheitlichen Aufgabe betroffen wird
(vgl. BGer 2C_20/2016 vom 8. April 2016 E. 2.2 mit Hinweisen auf BGE 141 II 161 E.
2.1-2.3, BGer 8C_918/2014 vom 27. Januar 2015 E. 3.2.2.1, BGE 140 V 328 E. 4.1 und
BGE 138 II 506 E. 2.1.1, sowie M. Pflüger, Die Legitimation des Gemeinwesens zur
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, Zürich/St. Gallen 2013, N 315
ff.) und ihr lediglich mit Verweis auf das Kriterium der Verfügungskompetenz die
Berufung auf Art. 64 in Verbindung mit 45 Abs. 2 VRP zu versagen wäre (vgl. VerwGE
B 2014/166 vom 17. Dezember 2015 E. 1 und VerwGE B 2014/169 vom 28. Mai 2015
E. 1 je mit Hinweis auf GVP 1992 Nr. 43, www.gerichte.sg.ch, kritisch: Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, N 456 f.). Auf die
Beschwerde ist somit grundsätzlich einzutreten.
Nicht einzutreten ist auf das Feststellungsbegehren der Beschwerdeführerin. Ihre
Interessen werden dadurch gewahrt, dass nachfolgend – im Rahmen eines
gestaltenden Verwaltungsgerichtsentscheides – die strittige Zuständigkeit für die
Alimentenbevorschussung und die Inkassohilfe überprüft wird. Damit fehlt es ihr an
dem für einen Feststellungsentscheid notwendigen schutzwürdigen Interesse (vgl. zur
Subsidiarität des Feststellungsanspruchs VerwGE B 2014/41-45 vom 25. August 2015
E. 1.3 mit Hinweisen und VerwGE B 2011/177 vom 29. August 2012 E. 2.5.1,
www.gerichte.sg.ch).
2. Im hier zu beurteilenden Fall ist nicht umstritten, dass sich der zivilrechtliche
Wohnsitz (Art. 25 Abs. 1 ZGB) von C.Y. und D.Y. im Zeitraum vom 1. August 2012 bis
31. Juli 2013 in X. und ab 1. August 2013 in St. Gallen befand. Auch steht fest, dass die
ausstehenden Unterhaltsbeiträge für den Zeitraum vom 1. August 2012 bis 31. Juli
2013 mit Rechtskraft des Scheidungsurteils vom 31. Juli 2013 (act. 9/7/1/1) am 5./6.
http://www.gerichte.sg.ch
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August 2013 entstanden, fällig und vollstreckbar wurden. Damit bestand für C.Y. und
D.Y. gemäss Art. 290 ZGB in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GIVU seit dem 5./6. August
2013 rückwirkend ab 1. August 2012 Anspruch auf gesetzliche Inkassohilfe für
ausstehende Unterhaltsbeiträge. Zu untersuchen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin
für die Beurteilung des Gesuchs um Alimentenbevorschussung und Inkassohilfe örtlich
zuständig war und der Beschwerdeführerin, auf welche der Unterhaltsanspruch von
C.Y. und D.Y. übergangen ist (vgl. E. 1 hiervor), im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung
am 20. August 2013 ein Anspruch auf Bevorschussung der im Zeitraum vom 1. Mai bis
31. Juli 2013 ausstehenden Unterhaltsbeiträge zustand.
3. Hinsichtlich der örtlichen Zuständigkeit stellt sich die Beschwerdeführerin auf den
Standpunkt (act. 5, S. 3 ff. Ziff. IV), gemäss Art. 5 Abs. 1 GIVU würden sowohl inner-
als auch interkantonal Unterhaltsbeiträge, die fällig geworden seien, nur für denjenigen
Zeitraum bevorschusst, in welchem sich der zivilrechtliche Wohnsitz des
anspruchsberechtigten Kindes in der betroffenen Gemeinde befunden habe. Ebenso
werde gemäss Art. 1 Abs. 2 GIVU das Inkasso für ausstehende Alimente gehandhabt.
Eine Ausweitung der Zuständigkeit auf die Bevorschussung und das Inkasso von
Unterhaltsbeiträgen, die in einem Zeitraum fällig geworden seien, in welchem sich der
zivilrechtliche Wohnsitz des anspruchsberechtigten Kindes nicht in der betroffenen
Gemeinde befunden habe, sei vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Da die Kinder im
vorliegenden Fall fremdplatziert seien und die für die Kostenregelung zuständige
Gemeinde selbst ein Gesuch um Alimentenbevorschussung und Inkassohilfe bei der
ehemaligen Wohnsitzgemeinde gestellt habe, könne nicht von doppelspurigem
Vorgehen oder einer Erschwernis für das Kind bzw. den sorgeberechtigten Elternteil die
Rede sein. Ohnehin könne einem anspruchsberechtigten Kind im Hinblick darauf, dass
die jeweils zuständige Gemeinde es fachlich unterstütze, zugemutet werden, in zwei
Gemeinden ein Gesuch um Alimentenbevorschussung und Inkassohilfe zu stellen. Art.
9 Abs. 1 VV GIVU beziehe sich nur auf künftige, nach dem Wechsel des zivilrechtlichen
Wohnsitzes des anspruchsberechtigten Kinds fällig werdende Alimente.
3.1. Zuständig für die Inkassohilfe resp. die Bevorschussung ist gemäss Art. 1 Abs. 2
bzw. Art. 5 Abs. 1 GIVU die politische Gemeinde am zivilrechtlichen Wohnsitz des
Kindes. Nicht geregelt ist darin, welche politische Gemeinde im Falle eines
Wohnsitzwechsels (rückwirkend) für die Inkassohilfe resp. die Bevorschussung
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zuständig sein soll. Art. 10 GIVU, wonach der Regierungsrat durch Verordnung
Vorschriften über das Verfahren erlässt, kann aber entnommen werden, dass es der
Kantonsrat dem Verordnungsgeber überliess, die örtliche Zuständigkeit genauer zu
regeln (vgl. zur Auslegung und Lückenfüllung VerwGE B 2014/171 vom 25. Februar
2016 E. 2.3 mit zahlreichen Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung,
www.gerichte.sg.ch). Nach dem Willen des Verordnungsgebers endet die
Vorschusspflicht und Inkassovollmacht der bisherigen Wohnsitzgemeinde, wenn der
zivilrechtliche Wohnsitz des anspruchsberechtigten Kindes verlegt wird (Art. 9 Abs. 1
VV GIVU). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (vgl.
Beschwerdeergänzung vom 30. März 2015, act. 5, S. 4 Ziff. IV/3) besteht kein Anlass,
den Wortlaut dieser Bestimmung dahingehend restriktiv auszulegen, als sie lediglich
auf die Änderung der Zuständigkeit durch Wohnsitzwechsel bei laufender
Bevorschussung und Inkassohilfe anzuwenden wäre, auch wenn sich Art. 9 Abs. 2 VV
GIVU lediglich auf diesen Fall beziehen kann. Vielmehr ist mit der Vorinstanz (act. 2, S.
6 E. 2.3) davon auszugehen, dass nach den allgemeinen Regeln der
Gesetzesauslegung (vgl. hierzu VerwGE B 2015/32 vom 19. Juli 2016 E. 4.7.1 mit
Hinweisen, www.gerichte.sg.ch) nichts dagegen spricht, Art. 9 Abs. 1 VV GIVU auch in
denjenigen Fällen anzuwenden, in welchen nach einem Wohnsitzwechsel um
rückwirkende Bevorschussung und Inkassohilfe ersucht wird. Auch in diesem Fall
endet somit die örtliche Zuständigkeit der bisherigen Wohnsitzgemeinde mit dem
Wegzug des anspruchsberechtigten Kindes.
3.2. Hinzu kommt im konkreten Fall, dass die rückwirkend festgesetzten
Unterhaltsbeiträge erst nach dem Wohnsitzwechsel von C.Y. und D.Y. entstanden
sowie fällig und vollstreckbar geworden sind. Wenn die Zuständigkeit einer politischen
Gemeinde gemäss der Darstellung der Beschwerdeführerin (vgl. act. 5, S. 4 f. Ziff. IV/1
und 3) voraussetzen würde, dass einerseits das Erfordernis des zivilrechtlichen
Wohnsitzes während des gesamten Zeitraums der Alimentenbevorschussung oder
Inkassohilfe – und nicht nur im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung – erfüllt sein müsste
und andererseits die ausstehenden Unterhaltsbeiträge während des Wohnsitzes des
anspruchsberechtigten Kindes in der betreffenden Gemeinde fällig geworden sein
müssten, bestände in Konstellationen wie der vorliegenden die Gefahr, dass die
betroffenen Gemeinden versucht sein könnten, sich unter Verweis auf eine dieser
Voraussetzungen der gesetzlich vorgesehenen Leistungspflicht (Art. 1 Abs. 1 und Art. 2
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Abs. 1 und Abs. 2 Ziff. 2 GIVU) zu entziehen (negativer Kompetenzkonflikt) und damit
gar keine Ansprüche des Kindes bestünden. Zudem widerspricht das letztgenannte
Kriterium der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts, wonach es entgegen dem
Wortlaut von Art. 2 Abs. 2 Ziff. 2 GIVU genügt, wenn das Erfordernis der Fälligkeit auch
für die zurückliegenden Monatsbetreffnisse erst im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung
erfüllt ist (vgl. hierzu VerwGE B 5/1998 vom 4. Juni 1998 E. 2c/cc a.E., insbesondere
den Passus „die das Gesetz zulässt“, in: GVP 1998 Nr. 46).
3.3. Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz mit der
Beschwerdegegnerin in Erwägung 2.3 f. des angefochtenen Entscheides (act. 2, S. 6 f.)
zum Schluss gelangte, dass die einmal begründete örtliche Zuständigkeit der
Beschwerdeführerin für die Bevorschussung resp. die Inkassohilfe auch für die
rückwirkend geltend gemachten ausstehenden Alimente Bestand hat und die
Beschwerdeführerin damit rückwirkend im Zeitraum vom 1. Mai bis 31. Juli 2013 für die
Bevorschussung und im Zeitraum vom 1. August 2012 bis 30. April 2013 für die
Inkassohilfe örtlich zuständig war. Daran vermag im Übrigen nichts zu ändern, dass in
anderen Kantonen bisweilen kein Anspruch auf rückwirkende Bevorschussung
bestehen mag (vgl. act. 5, S. 5 Ziff. IV/4 Abs. 6 f.). Allfällige daraus resultierende
finanzielle Vor- oder Nachteile beim Wohnsitzwechsel sind angesichts des nach wie vor
geltenden Grundprinzips des föderalen Staatsaufbaus (vgl. Art. 3, Art. 42 ff. und Art.
122 Abs. 1 BV in Verbindung mit Art. 6 und Art. 293 Abs. 2 ZGB und BGE 137 III 193 E.
3.4 mit Hinweis auf BGE 106 II 283 E. 3 sowie BGer 1P.254/2002 vom 6.
November 2002 E. 4.1 f. mit Hinweisen) von den Beteiligten hinzunehmen. Des
Weiteren räumt die Beschwerdeführerin selbst ein (act. 5, S. 5 Ziff. IV/4 Abs. 3), dass
die neue Wohnsitzgemeinde in Konstellationen wie der vorliegenden das Inkasso
rückwirkend übernimmt. Darüber hinaus tut nichts zur Sache, ob einem
anspruchsberechtigten Kind zugemutet werden könnte, in zwei Gemeinden ein Gesuch
um Alimentenbevorschussung und Inkassohilfe zu stellen.
4. Hinsichtlich der Anspruchsvoraussetzungen macht die Beschwerdegegnerin in ihrer
Stellungnahme vom 1. Mai 2015 (act. 11, S. 4 ff. Ziff. 2.3) geltend, vor Rechtskraft des
Scheidungsurteils am 5./6. August 2013 habe für den Vater noch keine Pflicht zur
Bezahlung der im Scheidungsurteil festgesetzten Unterhaltsbeiträge bestanden. Erst
ab diesem Zeitpunkt sei es möglich gewesen, angemessene Inkassoversuche
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durchzuführen. Solche seien aber bisher unterblieben, weshalb kein Anspruch auf die
von der Beschwerdeführerin geltend gemachte rückwirkende
Alimentenbevorschussung gegeben sei. Ausserdem komme eine rückwirkende
Ausrichtung von Vorschüssen für die letzten drei Monate vor der Anmeldung nur in
Frage, wenn schon vor Beginn dieser Dreimonatsfrist ein vollstreckbares Urteil oder ein
vollstreckbarer Unterhaltsvertrag gemäss Art. 287 ZGB vorhanden gewesen sei.
4.1. Massgebend für die Ausrichtung von Vorschüssen für den Unterhalt der Kinder ist
das öffentliche Recht der Kantone (vgl. Art. 6 Abs. 1 und Art. 293 Abs. 2 ZGB sowie
VerwGE B 5/1998 vom 4. Juni 1998 E. 2c/aa, a.a.O. und E. 3.3 hiervor). Im Kanton St.
Gallen setzt ein Anspruch auf Vorschüsse für elterliche Unterhaltsbeiträge zum einen
voraus, dass der zu bevorschussende Unterhaltsbeitrag in einem vollstreckbaren Urteil
oder in einem Unterhaltsvertrag nach Art. 287 ZGB festgesetzt ist (Art. 2 Abs. 2 lit. a
GIVU, vgl. zur Bindung der Alimentenbevorschussungsstelle an rechtskräftige
Unterhaltstitel ZVW 2006 S. 147 ff.). Demnach sieht das GIVU nicht vor, dass im Sinn
einer vorsorglichen Massnahme Alimente bevorschusst werden können, bevor
feststeht, ob und in welchem Umfang diese geschuldet sind (vgl. VerwGE B 5/1998
vom 4. Juni 1998 E. 2c/cc, a.a.O., und zum vorsorglichen Unterhalt Art. 303 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO). Zum
anderen setzt Art. 2 Abs. 1 lit. b GIVU voraus, dass die Unterhaltsbeiträge trotz
angemessener Inkassoversuche nicht rechtzeitig eingehen. Gemäss Art. 3 VV GIVU
sind angemessene Inkassoversuche namentlich die Inanspruchnahme der gesetzlichen
Inkassohilfe (lit. a), die schriftliche Zahlungsaufforderung (lit. b), die Anhebung der
Betreibung (lit. c) oder die Eingabe der Forderung im Konkurs des Schuldners (lit. d).
Nach Art. 2 Abs. 2 GIVU werden Unterhaltsbeiträge bevorschusst, die ab Beginn des
Monats fällig werden, in dem die Anmeldung des Anspruchs erfolgt (Ziff. 1) oder in den
letzten drei Monaten vor Anmeldung des Anspruchs fällig geworden sind (Ziff. 2). Wie
bereits unter E. 3.2 hiervor ausgeführt, genügt es entgegen dem Wortlaut von Art. 2
Abs. 2 Ziff. 2 GIVU und trotz gegenteiliger Auffassung der Beschwerdegegnerin, wenn
das Erfordernis der Fälligkeit auch für die zurückliegenden Monatsbetreffnisse erst im
Zeitpunkt der Gesuchseinreichung erfüllt ist (vgl. hierzu auch E. 2.2 des angefochtenen
Entscheides, act. 2, S. 5 f., und Vernehmlassung der Vorinstanz vom 15. April 2015,
act. 8, S. 2).
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4.2. Im konkreten Fall kann der Beschwerdeführerin nicht zum Nachteil gereichen, dass
sie bis zur Rechtskraft des Scheidungsurteils vom 31. Juli 2013 am 5./6. August 2013
keine Inkassoversuche durchgeführt hat, zumal sie vom Kreisgericht St. Gallen offenbar
angewiesen wurde, keinen Elternbeitrag für die Dauer der Platzierung festzulegen (act.
9/7/1). Nach Rechtskraft des Scheidungsurteils am 5./6. August 2013 hat sie zwar bei
der Beschwerdegegnerin am 20. August 2013 (act. 9/7/1) um Inkassohilfe für C.Y.
(damals sieben Jahre alt) und D.Y. (damals sechs Jahre alt) im Sinne von Art. 3
lit. a VV GIVU ersucht. Sie tat dies jedoch ausdrücklich lediglich für die im Zeitraum
vom 1. August 2012 bis 30. April 2013 ausstehenden Unterhaltsbeiträge. Damit fehlt es
vorliegend hinsichtlich der im Zeitraum vom 1. Mai bis 31. Juli 2013 ausstehenden
Unterhaltsbeiträge an der Inanspruchnahme der gesetzlichen Inkassohilfe. Überdies
bestehen keine Anhaltspunkte für anderweitige Inkassoversuche der
Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 2 Abs. 1 lit. b GIVU in Verbindung mit
Art. 3 VV GIVU bezüglich der im Zeitraum vom 1. Mai bis 31. Juli 2013 ausstehenden
Unterhaltsbeiträge. Solche werden von ihr denn auch nicht dargetan. Vielmehr räumt
sie in ihrem Gesuch vom 20. August 2013 selbst ein, dass durch sie – abgesehen von
ihrem Gesuch vom 20. August 2013 – nach Rechtskraft des Scheidungsurteils vom
31. Juli 2013 am 5./6. August 2013 und der am 13. August 2013 von der KESB Region
St. Gallen verfügten Umplatzierung von C.Y. und D.Y. nach St. Gallen keine
Inkassobemühungen erfolgt seien. Ebenfalls nicht aktenkundig sind sodann allfällige
Inkassoversuche des Beistands oder der Mutter von C.Y. und D.Y., auf welche sich die
Beschwerdeführerin allenfalls berufen könnte. Darüber hinaus bestand für die
Beschwerdegegnerin nach Eingang des Gesuchs am 20. August 2013 keine Pflicht, die
Beschwerdeführerin zur Durchführung von Inkassoversuchen anzuhalten (vgl.
demgegenüber Rekursergänzung vom 27. Januar 2014, S. 3 Ziff. 2, act. 9/3). Der
Beschwerdeführerin, auf welche der Unterhaltsanspruch von C.Y. und D.Y. übergangen
ist (vgl. E. 1 hiervor), steht somit ungeachtet des vollstreckbaren Scheidungsurteils vom
31. Juli 2013 (act. 9/7/1/1, vgl. Art. 2 Abs. 1 lit. a GIVU) für den Zeitraum vom
1. Mai 2013 bis 31. Juli 2013 mangels angemessener Inkassoversuche kein Anspruch
auf Bevorschussung der ausstehenden Unterhaltsbeiträge für C.Y. und D.Y. zu. Auch
aus diesem Grund hat die Vorinstanz den Rekurs im Ergebnis zu Recht abgewiesen.
5. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen
ist, soweit darauf eingetreten wird. Dem Verfahrensausgang entsprechend trägt die
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Beschwerdeführerin die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 1500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung wird nicht verzichtet (Art. 95
Abs. 3 VRP). Die Entscheidgebühr wird mit dem geleisteten Kostenvorschuss in
gleicher Höhe verrechnet.
Die Beschwerdegegnerin war weder berufsmässig vertreten noch belegt und
begründet sie zu entschädigende Auslagen. Soweit ihr Rechtsbegehren – „unter
Kostenfolge“ – einen Antrag auf ausseramtliche Entschädigung mitenthalten sollte,
kann ihr deshalb weder eine Partei- noch eine Umtriebsentschädigung zugesprochen
werden (vgl. 98 VRP in Verbindung mit Art. 95 Abs. 3 ZPO, sowie VerwGE K 2014/2
vom 25. Februar 2016 E. 4 mit Hinweis auf VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014
E. 4 f., www.gerichte.sg.ch). Damit erübrigt sich vorliegend auch die Frage, ob der
Beschwerdegegnerin überhaupt ein Anspruch auf die Entschädigung ausseramtlicher
Kosten zustehen würde (vgl. VerwGE B 2014/203 vom 25. Mai 2016 E. 5.2 mit
Hinweisen).