Decision ID: 09674494-5a08-5e80-8bc8-55a0eaf27400
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Mai 2006 unter Hinweis auf eine Erschöpfungsdepression
erstmals bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das Ärztliche
Begutachtungsinstitut (ABI) im April 2008 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 33).
Die Gutachter hielten im Wesentlichen fest, beim Versicherten bestünden mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit histrionischen und
ängstlich-vermeidenden Anteilen (ICD-10 F60.4/60.6) sowie ein chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik (M54.5). Sie
attestierten sowohl in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Aussendienst eines
Reinigungsmittelherstellers sowie in der Cannabis-Produktion als auch in jeder anderen
körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit im Sinne
einer ganztägigen Präsenz mit einem um 20% verminderten Rendement aus
psychischen Gründen (IV-act. 33-17 ff.). Gestützt auf diese Beurteilung verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 16. März 2009 einen Rentenanspruch des Versicherten (IV-
act. 47). Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.b Im Juli 2014 ersuchte der Versicherte unter Hinweis auf eine schwere Depression
sowie starke Schmerzen im Lendenbereich und der HWS erneut um IV-Leistungen (IV-
act. 50). Seiner Anmeldung legte er u.a. ein ärztliches Zeugnis seines behandelnden
Psychiaters Dr. med. B._ bei (IV-act. 51 f.). Mit Vorbescheid vom 3. Oktober 2014
stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, auf das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen mangels Glaubhaftmachung einer
wesentlichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse nicht einzutreten (IV-act. 63).
Daraufhin erstattete Dr. B._ der IV-Stelle einen Arztbericht, in welchem er die
Diagnosen einer andauernden Persönlichkeitsänderung (F62.8) mit ausgeprägter
Negativsymptomatik, Passivität und Kontaktarmut im Sinne einer Schizotypie (F21),
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mit somatischen Symptomen
(F33.2) auf dem Boden einer anhaltenden psychosozialen Belastung, sowie einer
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somatoformen Schmerzstörung (F45.4) stellte und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestierte (IV-act. 66). Am 16. Januar 2015 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt das
Nichteintreten auf das Leistungsbegehren (IV-act. 72).
A.c Am 21. Januar 2015 berichtete Dr. B._ der IV-Stelle unter Beilage einer E-Mail
des Versicherten, dass dieser ihn über einen mittelfristig geplanten Suizid informiert
habe (IV-act. 75). Mit Verfügung vom 24. Februar 2015 widerrief die IV-Stelle ihre
Verfügung vom 16. Januar 2015 und trat auf das Leistungsbegehren des Versicherten
ein (vgl. IV-act. 73). Gleichentags notierte der Regionale Ärztliche Dienst (RAD), dass
zur genaueren Einschätzung der Arbeitsfähigkeit eine psychiatrische Begutachtung
notwendig sei (IV-act. 80).
A.d Im Juni 2015 wurde der Versicherte von Dr. med. C._ psychiatrisch begutachtet
und von dipl.-psych. D._ neuropsychologisch abgeklärt (IV-act. 88 f.). Dipl.-psych.
D._ berichtete am 30. Juni 2015, dass die neuropsychologische Abklärung bis auf
leicht reduzierte Leistungen in der Reaktionsgeschwindigkeit sowie der verbalen
Ideenproduktion und der Konzepterkennung entsprechend den für die Testergebnisse
relevanten Einflussfaktoren angepassten Referenzwerten (Alter, Geschlecht und
Bildung) ein unauffälliges, normgerechtes Leistungsprofil ergeben habe. Somit könnten
die neuropsychologischen Leistungen gesamthaft betrachtet zum Zeitpunkt der
Untersuchung als unauffällig eingestuft werden (IV-act. 88-11). Dr. C._ hielt im
psychiatrischen Gutachten vom 7. August 2015 fest, dass beim Versicherten eine
Dysthymie (F34.1) bestehe, welche keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe (IV-act.
89-33). Der Sachverständige berichtete, dass sich im Rahmen der Untersuchung
keinerlei Hinweise für das Vorliegen einer organischen, einschliesslich einer
symptomatischen psychischen Störung, einer Störung durch psychotrope Substanzen,
einer Schizophrenie oder einer schizotypen oder wahnhaften Störung gefunden hätten.
Abgesehen davon, dass der Versicherte über eine depressive Verstimmung geklagt
habe, dass er sich nach eigenen Angaben zurückziehe und wenig soziale Kontakte
pflege und dass er sich selber nicht in der Lage sehe, eine Tätigkeit auszuüben, fänden
sich keine Auffälligkeiten. Vorliegend sei deshalb von einer chronischen depressiven
Verstimmung im Sinne einer Dysthymie auszugehen. Im Weiteren fänden sich keine
Hinweise für das Vorliegen einer neurotischen, einer Belastungs- oder einer
somatoformen Störung (IV-act. 89-36 ff.). Auch in der neuropsychologischen Abklärung
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habe sich ein überwiegend unauffälliges Leistungsbild gezeigt, sodass sich keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht begründen lasse. Dr.
C._ setzte sich im Weiteren mit der Krankheitsentwicklung des Versicherten
auseinander und nahm zu den früheren psychiatrischen Beurteilungen Stellung. Er hielt
insbesondere fest, dass die Diskrepanz zwischen dem diskreten Beschwerdebild und
der Einschätzung des Versicherten, nicht mehr arbeitsfähig zu sein, seit 2004 bestehe.
Der behandelnde Psychiater übernehme die subjektive Einschätzung des Versicherten
und begründe sie mit sehr unterschiedlichen Diagnosen, welche aber weitgehend nicht
plausibel seien. Die Selbsteinschätzung des Versicherten spreche gegen eine
Wiedereingliederung. Erschwerend komme hinzu, dass der Versicherte in seiner
Einschätzung vom behandelnden Psychiater unterstützt werde. Der Versicherte gehe
gar so weit, seiner Einschätzung mit dem Hinweis Nachdruck zu verleihen, dass er mit
Exit aus dem Leben scheiden würde, wenn die IV-Stelle seine Einschätzung nicht
anerkenne. In dieser Situation seien Wiedereingliederungsmassnahmen wenig
aussichtsreich (IV-act. 89-42 ff.).
A.e Der RAD notierte am 27. August 2015, dass aufgrund der Konsistenz und der
Kongruenz der psychiatrischen und neuropsychologischen Beurteilungen bzw. der
unabhängigen Bestätigung der Beurteilungen untereinander auf das Endergebnis des
Gutachtens von Dr. C._ abgestellt werden könne (IV-act. 90).
A.f Mit Vorbescheid vom 17. September 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Begehrens um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen in
Aussicht. Zur Begründung führte sie an, dass weder aus psychiatrischer noch aus
neuropsychologischer Sicht eine medizinisch objektivierbare Störung mit einem
relevanten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestehe. Somit liege kein
Gesundheitsschaden vor, der die Arbeitsfähigkeit einschränke (IV-act. 93). Mit
Verfügung vom 2. November 2015 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren aus den
im Vorbescheid angegebenen Gründen ab (IV-act. 96).
B.
B.a Dagegen erhob der Versicherte am 1. Dezember 2015 Beschwerde mit dem
sinngemässen Antrag, dass eine unabhängige und objektive Begutachtung durch einen
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Facharzt der FMH durchzuführen sei. Der Gutachter dürfe nicht „auf der Lohnliste der
Versicherung“ stehen. Das psychiatrische Gutachten sei nicht neutral, sondern unwahr
und parteiisch. Er leide seit vielen Jahren an schweren Depressionen und eine Tätigkeit
in der freien Marktwirtschaft sei ihm nicht möglich. Auch die neurologische Abklärung
sei unbrauchbar (act. G 1). Am 16. Dezember 2015 ersuchte der Beschwerdeführer
telefonisch um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. act. G 3).
B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 15. Februar 2016 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie machte geltend, die
neuropsychologische Untersuchung habe dazu gedient, die psychometrisch
quantifizierbaren kognitiven und psychischen Leistungen zu prüfen. Die Testergebnisse
seien als valide betrachtet worden, da weder Hinweise auf bewusstseinsferne noch
bewusstseinsnahe Verdeutlichungstendenzen vorgelegen hätten. Der
Beschwerdeführer bringe keine stichhaltigen Gründe vor, weshalb auf das
psychiatrische Gutachten nicht abgestellt werden könne. Das Gutachten sei von einem
qualifizierten Facharzt erstellt worden und die Berichte der behandelnden Ärzte hätten
alle Eingang in das Gutachten gefunden. Dr. C._ nehme zu den von Dr. B._
gestellten Diagnosen ausführlich Stellung. Dass ein Gutachter Aufträge von der IV
erhalte, genüge für die Annahme einer fehlenden Unabhängigkeit und Objektivität nicht
(act. G 6).
B.c Am 17. Februar 2016 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für das Beschwerdeverfahren (act. G
7).
B.d In der Replik vom 18. März 2016 hielt der Beschwerdeführer an seinem Antrag auf
eine unabhängige Begutachtung fest (act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete
ihrerseits auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act. G 11).

Erwägungen
1.
1.1 Der Beschwerdeführer hat im Mai 2006 erstmals bei der Beschwerdegegnerin um
IV-Leistungen ersucht. Nachdem dieses Gesuch im März 2009 rechtskräftig
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abgewiesen worden ist, hat er sich im Juli 2014 erneut zum Leistungsbezug
angemeldet. Diese Neu- bzw. Wiederanmeldung unterscheidet sich von einer
erstmaligen Anmeldung lediglich dadurch, dass für ihre materielle Prüfung eine
wesentliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse glaubhaft gemacht werden
muss (Art. 87 Abs. 3 IVV). Der RAD hat aufgrund der Berichte des behandelnden
Psychiaters, welcher u.a. auf mögliche Suizidabsichten des Beschwerdeführers
hingewiesen hat, zu Recht eine anspruchserhebliche Veränderung des
Gesundheitszustandes als glaubhaft erachtet (vgl. IV-act. 80). Die Beschwerdegegnerin
ist somit zu Recht auf die Neuanmeldung vom Juli 2014 eingetreten.
1.2 Die Beschwerdegegnerin hat den Rentenanspruch des Beschwerdeführers
umfassend geprüft und die Abweisung des Leistungsbegehrens damit begründet, dass
kein Gesundheitsschaden vorliege, der die Arbeitsfähigkeit einschränke. Damit ist sie
der vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen als ständige Praxis
angewendeten Rechtsaufassung gefolgt, gemäss welcher der Versicherungsträger, tritt
er auf die Neuanmeldung ein, das neue Gesuch materiell wie eine erstmalige
Anmeldung umfassend zu prüfen hat. Mit einer Neu- bzw. Wiederanmeldung wird
nämlich nicht eine Anpassung einer laufenden, formell rechtskräftig zugesprochenen
Dauerleistung - und somit eine Revision im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG –
angestrebt. Vielmehr zielt die erneute Anmeldung auf eine (erstmalige) Zusprache von
Versicherungsleistungen ab. Art. 29 Abs. 1 ATSG unterscheidet weder nach seinem
Wortlaut noch nach seinem Sinn und Zweck zwischen erstmaligen Anmeldungen und
Neuanmeldungen. Diese Bestimmung muss notwendigerweise weit interpretiert
werden, denn es ist generell die Aufgabe des Verwaltungsverfahrensrechts, möglichst
allen Personen die Leistungen zu verschaffen, auf die sie materiell-rechtlich einen
Anspruch haben. Dies geht der formellen Rechtskraft einer früheren Abweisung eines
Leistungsbegehrens vor und zwingt den Sozialversicherungsträger, auch eine
Neuanmeldung materiell zu prüfen. Mit dieser Interpretation des Art. 29 Abs. 1 ATSG
deckt sich der Umstand, dass mit einer formell rechtskräftigen Leistungszusprache ein
schutzwürdiges Interesse des Bezügers an der Verbindlichkeit dieser Zusprache
begründet wird, während mit der rechtskräftigen Abweisung eines Leistungsgesuches
naturgemäss kein schutzwürdiges Interesse am Bestand dieser Entscheidung entsteht.
Deshalb ist die uneingeschränkte Anwendung des Art. 29 Abs. 1 ATSG auch auf
Neuanmeldungen aus vertrauensschutzrechtlicher Sicht völlig unproblematisch. Ein
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öffentliches Interesse an der Bindung an eine frühere rechtskräftige Abweisung eines
Leistungsgesuches und damit an einem Ausschluss der Neuanmeldungen von der
Anwendbarkeit des Art. 29 Abs. 1 ATSG ist nicht erkennbar, zumal dies dem Ziel der
Ausrichtung von Sozialversicherungsleistungen an alle Berechtigten und damit dem
Gleichbehandlungs- und dem Gesetzmässigkeitsgrundsatz zuwiderlaufen würde.
Warum Personen, deren Leistungsgesuch früher formell rechtskräftig abgewiesen
worden ist, so lange vom Leistungsbezug ausgeschlossen sein sollten, bis sich die der
Abweisung zugrunde liegende Sachverhaltsprognose im Gefolge einer nachträglichen
Sachverhaltsveränderung ex nunc als unrichtig erweist, ist demnach nicht einzusehen.
Die analoge Anwendung des Art. 17 ATSG auf Neuanmeldungen ist gesetzwidrig, weil
weder diese Bestimmung noch der Art. 29 Abs. 1 ATSG eine entsprechende
ausfüllungsbedürftige Gesetzeslücke aufweisen. Der Art. 87 Abs. 3 IVV widerspricht
diesem Interpretationsergebnis nicht, denn er dient ausschliesslich dem Zweck, die
Erledigung repetitiver Neuanmeldungen gestützt auf Art. 29 Abs. 1 ATSG zu
vereinfachen (vgl. vorstehend E. 1.1). Die Beschwerdegegnerin hat das
Leistungsgesuch des Beschwerdeführers deshalb zu Recht umfassend geprüft.
2.
2.1 Mit Verfügung vom 2. November 2015 hat die Beschwerdegegnerin nicht nur einen
Rentenanspruch, sondern auch einen Anspruch auf berufliche Massnahmen verneint.
Der Beschwerdeführer hat in seiner Beschwerdeschrift vom 1. Dezember 2015
sinngemäss die Ablehnung seines Rentengesuchs gerügt, indem er geltend gemacht
hat, dass er nicht arbeitsfähig sei. Bezüglich der Verneinung eines Anspruchs auf
berufliche Massnahmen ist die Verfügung nicht angefochten worden. Damit ist dieser
Verfügungsteil unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens bildet somit einzig die Frage, ob der Beschwerdeführer einen
Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.2 Einen Rentenanspruch haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können,
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid
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sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäss
Art. 28a Abs. 1 des IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.3 Um das Invalideneinkommen zu bestimmen und damit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
adaptierten Tätigkeit im Verfügungszeitpunkt feststehen.
2.3.1 Zur Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit hat die
Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer durch Dr. C._ psychiatrisch
begutachten lassen. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers vermag die
Tatsache, dass Dr. C._ für seine Gutachtenstätigkeit von der Beschwerdegegnerin
entschädigt wird, dessen Objektivität und Neutralität nicht per se in Frage zu stellen.
Der Gutachter hat denn auch keinen Anlass, sich versichertenfeindlich zu verhalten;
weder die Zahl seiner Begutachtungsaufträge noch die Vergütung der
Gutachtenstätigkeit hängen vom Ergebnis der Begutachtung ab. Aus den Akten
ergeben sich sodann keine Hinweise, dass die vorliegende psychiatrische
Begutachtung durch sachfremde, d.h. durch nicht medizinische Aspekte beeinflusst
worden wäre. Die vom Beschwerdeführer pauschal erhobenen Vorwürfe betreffend die
angeblich fehlende Objektivität und Neutralität von Dr. C._ sind haltlos. Fehl geht
auch die auf eine ungenügende fachliche Qualifikation des Gutachters abzielende
Rüge, dass Dr. C._ „nicht einmal Mitglied der FMH“ sei. Dr. C._ verfügt als
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie über die für eine psychiatrische
Begutachtung notwendigen Fachkenntnisse. Im Übrigen ist ein FMH-Titel – über
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welchen der Gutachter entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers übrigens
nachweislich verfügt – für eine Gutachtertätigkeit gar nicht erforderlich (vgl. dazu Urteil
des Bundesgerichtes vom 26. Januar 2010, 9C_736/2009 E. 2.1).
2.3.2 Dr. C._ hat sich mit den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden
auseinandergesetzt und detaillierte objektive Befunde erhoben. Er hat seine Diagnose
schlüssig begründet und eine überzeugende und nachvollziehbare
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Dr. C._ hat plausibel dargelegt, weshalb
beim Beschwerdeführer eine Dysthymie besteht und weshalb diese keinen Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit zeitigt. Er hat insbesondere festgehalten, dass sich im Rahmen der
Untersuchung keinerlei Hinweise für das Vorliegen einer organischen, einschliesslich
einer symptomatischen psychischen Störung, einer Störung durch psychotrope
Substanzen, einer Schizophrenie oder einer schizotypen oder wahnhaften Störung
gefunden hätten. Dabei hat er sich ausführlich mit den psychiatrischen Vorakten und
insbesondere mit der Einschätzung des behandelnden Psychiaters auseinandergesetzt.
Er hat ausgeführt, dass Dr. B._ im Oktober 2014 unter anderem eine Schizotypie
(F21) diagnostiziert habe. Es fänden sich jedoch abgesehen davon, dass der
Beschwerdeführer über eine depressive Verstimmung geklagt habe, dass er sich nach
seinen Angaben zurückziehe und wenige soziale Kontakte pflege und dass er sich
selber nicht in der Lage sehe, eine Tätigkeit auszuüben, keine Auffälligkeiten. Auch
wenn Dr. B._ dies anders sehe, zeige der Beschwerdeführer kein seltsames,
exzentrisches oder eigentümliches Verhalten in der Erscheinung und keine
Glaubensinhalte, welche im Widerspruch zu subkulturellen Normen stünden. Immerhin
habe der Beschwerdeführer jahrelang erfolgreich als Parapsychologe gearbeitet,
sodass man davon ausgehen müsse, dass die Fähigkeiten, die sich der
Beschwerdeführer zuschreibe, subkulturellen Normen entsprächen. Misstrauen oder
paranoide Ideen seien ebenfalls nicht vorhanden. Das einzige Kriterium, das auf eine
Schizotypie zutreffe, seien die wenigen sozialen Bezüge bzw. die Tendenz zum
sozialen Rückzug. Im Weiteren müssten bei einer solchen Störung auch bei der
neuropsychologischen Untersuchung deutliche Auffälligkeiten vorhanden sein. Dies sei
jedoch nicht der Fall gewesen; die kognitive Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
liege objektiv gesehen grösstenteils im durchschnittlichen Bereich. Damit hat Dr. C._
nachvollziehbar dargelegt, dass insgesamt nicht vom Vorliegen einer Schizophrenie
oder einer schizotypen oder wahnhaften Störung auszugehen ist. Dr. C._ hat weiter
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festgehalten, der Beschwerdeführer habe zwar gewisse depressive Symptome
beschrieben. Diese seien jedoch nicht derart ausgeprägt gewesen, dass die Diagnose
einer depressiven Episode in Frage gekommen wäre. Bei einer euthymen bis höchstens
leicht zum depressiven Pol hin verschobenen Grundstimmung mit einer
uneingeschränkten affektiven Schwingungsbreite und 12 Punkten in der Hamilton
Depressionsskala habe keine eigentliche depressive Störung diagnostiziert werden
können. Hinsichtlich der bereits im Jahr 2006 diagnostizierten Anpassungsstörung mit
längerer depressiver Reaktion hat Dr. C._ zudem angemerkt, dass die
entsprechenden Kriterien bereits damals nicht erfüllt gewesen seien und dass bereits
im damaligen Zeitpunkt die Diagnose einer Dysthymie hätte gestellt werden müssen.
Seither habe sich der Zustand laut den Angaben des Beschwerdeführers nicht
verändert, sodass vorliegend von einer chronischen depressiven Verstimmung im
Sinne einer Dysthymie auszugehen sei. Im Weiteren haben sich gemäss der
überzeugenden Schlussfolgerung des Gutachters keine Hinweise auf das Vorliegen
einer neurotischen, einer Belastung- oder einer somatoformen Störung gefunden. Dr.
C._ hat angegeben, dass der Beschwerdeführer zwar über Schmerzen geklagt habe,
dass es sich dabei jedoch zumindest im Zeitpunkt der aktuellen Untersuchung nicht
um die vorherrschende Beschwerde gehandelt habe. Bezüglich der im ABI-Gutachten
im Jahr 2008 diagnostizierten kombinierten Persönlichkeitsstörung hat Dr. C._
zudem schlüssig festgehalten, dass sich diese bereits während der Ausbildung hätte
einschränkend auswirken müssen, was gegen das Vorliegen einer solchen Störung
spreche (IV-act. 89-36 ff.).
2.3.3 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers vermag die abweichende
Einschätzung von Dr. B._ die einleuchtenden gutachterlichen Schlussfolgerungen
nicht in Frage zu stellen. Dabei gilt es zu beachten, dass der behandelnde und der
begutachtende Psychiater aufgrund der unterschiedlichen Natur von Behandlungs- und
Begutachtungsauftrag meist zu abweichenden Beurteilungen der psychischen
Beeinträchtigungen und den sich daraus ergebenden Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit gelangen. Vorliegend hat Dr. C._ schlüssig aufgezeigt, dass
zwischen der Einschätzung des Beschwerdeführers und den lediglich leichtgradigen
psychiatrischen Befunden eine Diskrepanz besteht, und dass Dr. B._ - diese
Diskrepanz ignorierend - die Überzeugung des Beschwerdeführers, nicht arbeitsfähig
zu sein, übernimmt. Es habe den Anschein, dass Dr. B._ immer gravierendere
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Diagnosen stelle, um seiner Einschätzung gegenüber der Beschwerdegegnerin
Nachdruck zu verleihen. Eine hohe emotionale Beteiligung sei spürbar (IV-act. 89-42).
Tatsächlich entsteht der Eindruck, dass sich der behandelnde Psychiater bei der
Befunderhebung im Wesentlichen auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers
gestützt und dabei nicht kritisch hinterfragt hat, ob diese der Wahrheit entsprechen.
Dies ist vor dem Hintergrund des oben erwähnten Behandlungsauftrages zwar
grundsätzlich nachvollziehbar; aufgrund der fehlenden Objektivität vermag die
Beurteilung von Dr. B._ die Überzeugungskraft der Einschätzung von Dr. C._
jedoch nicht zu erschüttern.
2.3.4 Zusammenfassend steht gestützt das überzeugende psychiatrische Gutachten
von Dr. C._ mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer
an keiner die Arbeitsfähigkeit einschränkenden psychischen Störung leidet. Die
gutachterlichen Ausführungen überzeugen im Weiteren auch mit Blick auf die
neuropsychologische Abklärung, welche ein im Wesentlichen unauffälliges,
normgerechtes Leistungsprofil ergeben hat. Anzumerken bleibt, dass der RAD das
Gutachten unter Hinweis auf die Konsistenz und Kongruenz der psychiatrischen und
neuropsychologischen Beurteilungen ebenfalls als schlüssig qualifiziert hat (vgl. IV-act.
90). Damit hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Invalidenrente und die
Beschwerdegegnerin hat das Rentengesuch zu Recht abgewiesen.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist diese dem unterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist der Beschwerdeführer von der
Bezahlung zu befreien. Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde,
ist zur Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist
(Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP).
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