Decision ID: 36f7367f-263f-4e6d-8db8-adffb4858e80
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
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1. Die 1969 geborene A._ ist gelernte Erzieherin für behinderte Kinder
und arbeitete zuletzt als Servicefachangestellte bei der B._ GmbH. Ihr
behandelnder Neurologe, Dr. med. C._, diagnostizierte in seinem
Bericht vom 6. Februar 2003 eine Multiple Sklerose und bescheinigte eine
seit Oktober 2002 bestehende Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Er wies eine
bleibende Einschränkung von mindestens 50 % seit August 2002 aus. Mit
Verfügung vom 21. April 2004 sprach die IV-Stelle des Kantons
Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) A._ bei einem Invaliditätsgrad
von 50 % eine halbe Invalidenrente ab dem 1. August 2003 zu, wobei sie
das Valideneinkommen gestützt auf das Einkommen als
Servicefachangestellte ermittelte. Dieser Entscheid erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
2. Am 28. Februar 2007 und 14. Mai 2012 teilte die IV-Stelle A._ jeweils
im Rahmen von Rentenrevisionsverfahren mit, dass sie weiterhin Anspruch
auf die bisherige Invalidenrente habe. Während Dr. med. C._ mit
Bericht vom 27. Juni 2006 bzw. 22. August 2006 ausgewiesen hatte, dass
eine behindertengerechte Tätigkeit zu 50 % möglich sein soll, schloss der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD) Ostschweiz (RAD-Arzt Hein) am 9.
November 2006 auf eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit.
3. Im Mai 2017 wurde wiederum ein Revisionsverfahren eingeleitet. Im
Revisionsfragebogen gab A._ neben einer Verschlechterung des
Gesundheitszustandes an, seit 2007 Mutter zu sein. Ihr Hausarzt, Dr. med.
D._, wies mit Bericht vom 22. Mai 2017 eine schubförmig progrediente
Multiple Sklerose sowie eine schwere depressive Episode ohne
psychotische Symptome aus. Letztere Diagnose wurde ihr anlässlich einer
zweitägigen stationären Behandlung in der Klinik Beverin gestellt und stand
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im Zusammenhang mit dem Verkauf ihres Hauses, was für A._ eine
Belastungssituation darstellte. In ihrem RAD-Abklärungsbericht vom 6.
Februar 2018 diagnostizierte Dr. med. E._, Fachärztin für Neurologie,
eine sekundär chronisch progrediente Multiple Sklerose und wies eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer adaptierten Tätigkeit aus.
4. In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine Abklärung vor Ort, welche am 7.
März 2019 durchgeführt wurde. Dabei gab A._ an, ohne
Gesundheitsschaden ab dem 1. Januar 2011 zu 50 % als
Sozialmitarbeiterin erwerbstätig zu sein. Insgesamt wurde für den Zeitraum
ab 1. Januar 2018 keine Einschränkung im Haushalt festgestellt.
5. Mit Vorbescheid vom 20. März 2019 kündigte die IV-Stelle A._ die
rückwirkende Aufhebung der Invalidenrente wegen einer
Meldepflichtverletzung per 30. November 2007 an, woraufhin diese
Einwand erhob.
6. Am 9. April 2019 und 4. Juni 2019 berichteten die Dres. med. C._ und
F._, Leitender Arzt und Leiter Neurologie, von einer Verschlechterung
der diagnostizierten Multiplen Sklerose bei progredienter Paraspastik bzw.
klinisch neurokognitiver Beteiligung.
7. In der Folge liess die IV-Stelle A._ bei der Begutachtungsstelle asim
des Universitätsspitals Basel polydisziplinär begutachten (Fachdisziplinen:
Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Neuropsychologie sowie
Psychiatrie und Psychotherapie mit Explorationen im September und
Oktober 2019). In dem am 20. Dezember 2019 erstatteten Gutachten
diagnostizierten die Gutachterinnen und Gutachter in der
Konsensbeurteilung eine Multiple Sklerose mit sekundär progredientem
Verlauf mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sowie eine rezidivierende
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depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10:
F33.0), und ein Status nach posttraumatischer Belastungsstörung (ICD-10:
F43.1) ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Sie hielten fest, der
Gesundheitszustand sei aus neurologischer Sicht nicht stabil, sondern
durch die sekundäre Progression mit einem zwar langsamen, aber stetigen
Fortschreiten der körperlichen Behinderung mit aktuell spastisch-
ataktischer Gangstörung gekennzeichnet. Die Gutachterinnen und
Gutachter erachteten A._ in ihrer bisherigen Tätigkeit zu 100 %
arbeitsunfähig, indes in adaptieren Tätigkeiten (d.h. körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten mit einfachen, seriell auszuführenden,
weitgehend überlernten Arbeiten) zu 30 % arbeitsfähig.
8. Mit Vorbescheid vom 15. Januar 2020 stellte die IV-Stelle A._ die
rückwirkende Aufhebung der bisherigen Invalidenrente per 30. November
2007 infolge Meldepflichtverletzung wegen der unterlassenen Meldung der
Geburt ihres Sohnes am 6. November 2007 in Aussicht. Sie errechnete
sowohl gestützt auf einen Betätigungsvergleich ab der Geburt im
November 2007 als auch in Anwendung der gemischten Methode gemäss
alter Berechnungsmethode ab 1. Januar 2011 bzw. neuer
Berechnungsmethode ab 1. Januar 2018, jeweils mit einer Gewichtung des
Erwerbsbereichs zu 50 % und einer Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
von 50 % bis zum 28. Mai 2019 bzw. 30 % ab dem 29. Mai 2019, einen
rentenausschliessenden Invaliditätsgrad.
9. Dagegen liess A._ am 17. Februar 2020 Einwand erheben. Mit
Verfügung vom 21. Februar 2020 entschied die IV-Stelle wie
vorbeschieden und hob die bisherige halbe Invalidenrente rückwirkend per
30. November 2007 auf.
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10. Mit Beschwerde vom 20. April 2020 an das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden beantragte A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) neben der Aufhebung der angefochtenen Verfügung,
ihr sei eine ganze, allenfalls eine Dreiviertelsrente ab dem 1. Januar 2018
zuzusprechen. Dabei reichte sie eine neurologische Beurteilung von Dr.
med. F._ vom 16. April 2020 ein.
11. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer
Vernehmlassung vom 5. Mai 2020 auf Abweisung der Beschwerde. Sie
verwies zur Begründung primär auf ihre Verfügung vom 21. Februar 2020
und ergänzte diese punktuell.
12. Die Beschwerdeführerin replizierte bei unveränderten Rechtsbegehren am
8. Juni 2020 und vertiefte ihren Standpunkt.
13. Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 16. Juni 2020 ebenfalls
an ihren Anträgen fest und nahm zur Replik der Beschwerdeführerin
Stellung.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
auf die angefochtene Verfügung wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden vom 21. Februar 2020. Eine solche Anordnung,
die laut Bundesrecht der Beschwerde an das Versicherungsgericht am Ort
der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungsgericht des
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Kantons Graubünden als das örtlich und sachlich zuständige
Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m.
Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formelle und
materielle Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin von der
angefochtenen Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist
somit zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59
ATSG). Die Beschwerde wurde ausserdem frist- und formgerecht
eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 39
Abs. 1 ATSG sowie Art. 61 lit. b ATSG; vgl. auch die vom 21. März 2020
bis zum 19. April 2020 in Kraft gewesene Verordnung über den Stillstand
der Fristen in Zivil- und Verwaltungsverfahren zur Aufrechterhaltung der
Justiz im Zusammenhang mit dem Coronavirus). Darauf ist somit
einzutreten.
2. Streitgegenstand bildet der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Zu
prüfen ist, ob die revisionsweise rückwirkende Aufhebung der bisherigen
halben Invalidenrente per 30. November 2007 rechtmässig erfolgt ist.
3.1. Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede
(wesentliche) Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit
Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit
den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist daher nicht nur
bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern
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auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an
sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben
oder eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt
(vgl. BGE 144 I 103 E.2.1, 130 V 343 E.3.5; Urteil des Bundesgerichts
9C_297/2016 vom 7. April 2017 E.2.1, nicht publ. in: BGE 143 V 77, aber
in: SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152; MEYER/REICHMUTH, in: STAUFFER/CARDIN-
AUX [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
[IVG], 3. Aufl., Zürich 2014, Art. 30-31 Rz. 21 ff.). Demgegenüber ist die
lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich
gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich
(vgl. BGE 141 V 9 E.2.3 mit Hinweisen; MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 30-
31 Rz. 51 ff.).
3.2. Dass mit der Geburt des Sohnes der Beschwerdeführerin am 6. November
2007 und dem damit verbundenen, unbestrittenen, rein familiär bedingten
Statuswechsel von "Vollerwerbstätigkeit" zu "Nichterwerbstätigkeit" (vgl.
Haushaltsabklärungsbericht vom 8./19. März 2019
[beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 106 S. 3]) ein Revisionsgrund
vorliegt, wird von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht in Abrede gestellt.
Gestützt auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) vom 2. Februar 2016 (Verfahren 7186/09; Di
Trizio gegen Schweiz) passte das Bundesgericht seine Rechtsprechung in
mehreren Entscheiden an. In BGE 143 I 50 E.4.1 und 4.2 sowie BGE 143
I 60 E.3.3.4 entschied es insbesondere, dass zwecks Herstellung eines
konventionskonformen Zustandes in derartigen Konstellationen, in welchen
allein familiäre Gründe (die Geburt von Kindern und die damit
einhergehende Reduktion des Erwerbspensums) für einen Statuswechsel
von vollerwerbstätig zu teilerwerbstätig mit Aufgabenbereich sprechen,
fortan auf die (alleine darauf beruhende) revisionsweise Aufhebung oder
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Herabsetzung der Invalidenrente im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG zu
verzichten sei (vgl. auch IV-Rundschreiben Nr. 355 des Bundesamts für
Sozialversicherungen vom 31. Oktober 2016, aufgehoben per 1. Januar
2018). Dabei anerkannte es, dass auch weit zurückliegende Verfahren
davon erfasst würden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2017 vom
22. Dezember 2017 E.4.2.2). Hingegen wurde der Wechsel hin zu nicht
erwerbstätig vom Bundesgericht namentlich mangels Erschwernissen
hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familienleben und Wahrnehmung
beruflicher Interessen nicht als vom Schutzbereich von Art. 8 in Verbindung
mit Art. 14 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) erfasst beurteilt (vgl. BGE 144 I 28
E.4.5 f.). Insofern stellt die im vorliegenden Fall unbestrittene Aufgabe einer
ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit aufgrund des mit der Geburt des
Sohnes im November 2007 einhergehenden Betreuungsaufwandes einen
anerkannten Rückkommenstitel dar. Dass die Beschwerdeführerin in der
Folge angab, ab dem 1. Januar 2011 in einem 50%-Pensum ausserhause
tätig zu sein (vgl. Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" [Bg-act. 105] und Haushaltsabklärungsbericht vom 8./19.
März 2019 [Bg-act. 106 S. 3]), womit im Ergebnis aus familiären Gründen
(insbesondere die Aufnahme einer Teilerwerbstätigkeit infolge Reduktion
des Betreuungsaufwandes) ein Statuswechsel von nicht erwerbstätig zu
teilerwerbstätig erfolgt ist (trotz BGE 144 I 21), ist in revisionsrechtlicher
Hinsicht nicht relevant, da damit mangels bestehendem Rentenanspruch
keine Herabsetzung bzw. Aufhebung einer Invalidenrente einherging.
3.3. Ebenfalls unbestritten sind die medizinischen Grundlagen und die damit
verbundene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, wonach die
Beschwerdeführerin bis zum 28. Mai 2019 zu 50 % bzw. ab dem 29. Mai
2019 zu 30 % in einer adaptierten Tätigkeit arbeitsfähig ist, sowie die
Anwendung der gemischten Methode zur Invaliditätsbemessung. Uneins
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sind sich die Parteien hinsichtlich folgender Punkte: Gewichtung des
Erwerbbereichs im Gesundheitsfall, Bemessung des Valideneinkommens,
Einschränkung im Haushaltsbereich, Zeitpunkt der Rentenaufhebung.
4.1. Zunächst ist auf die Gewichtung des Erwerbbereichs im Gesundheitsfall
näher einzugehen, wobei hier – aufgrund des Rechtsbegehrens der
Beschwerdeführerin – die Umstände ab dem 1. Januar 2018 zu würdigen
sind. Während die Beschwerdegegnerin den Erwerbsbereich gestützt auf
die Abklärungen vor Ort für diesen Zeitraum mit 50 % veranschlagt, bringt
die Beschwerdeführerin vor, sie würde ohne gesundheitliche
Einschränkungen zu 100 % erwerbstätig sein.
4.2. Die Methode der Invaliditätsbemessung im (hypothetischen)
Gesundheitsfall richtet sich praxisgemäss danach, welche Tätigkeit die
versicherte Person im Zeitpunkt der massgebenden Rentenverfügung
ausüben würde, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Die für die
Methodenwahl entscheidende Statusfrage (vollzeitliche, teilzeitliche
Erwerbstätigkeit oder Nichterwerbstätigkeit bzw. Tätigkeit in anerkanntem
Aufgabenbereich) beurteilt sich danach, was die versicherte Person bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitlichen
Beeinträchtigungen bestünden. Entscheidend ist also nicht, welches
Ausmass an Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall zumutbar wäre, sondern
in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Insbesondere bei
im Haushalt tätigen Versicherten sind die persönlichen, familiären, sozialen
und erwerblichen Verhältnisse sowie allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen
Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und
Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie
sie sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung entwickelt haben,
wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten
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(Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist. Die zwangsläufig
hypothetischen Beurteilungen (des Geschehensablaufes), die auch
hypothetische Willensentscheidungen der versicherten Person
berücksichtigen, sind wesensgemäss keiner direkten Beweisführung
zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien sowie allenfalls
Schlussfolgerung auf Basis der allgemeinen Lebenserfahrung abgeleitet
werden. Dabei kann auch auf die Beweisregel hingewiesen werden,
wonach Aussagen der ersten Stunde in der Regel beweistauglicher sind
als spätere Aussagen, welche von nachträglichen Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (vgl.
BGE 144 I 28 E.2.3 f., 141 V 15 E.3.1, 137 V 334 E.3.2; Urteile des
Bundesgerichts 9C_161/2019 vom 28. Juni 2019 E.5.2 f. und 5.4.3,
8C_145/2018 vom 8. August 2018 E.5.1, 9C_671/2017 vom 12. Juli 2018
E.3.3.1, 9C_92/2018 vom 12. April 2018 E.2.1 mit Hinweis auf BGE 133 V
504 E.3.3). Mithin sind für die Beantwortung der Statusfrage im
Gesundheitsfall verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, wozu neben
dem Vorgenannten und der finanziellen Notwendigkeit namentlich auch die
Erwerbskarriere zu zählen ist. Die in jedem Fall hypothetische Frage nach
dem (Erwerbs-)Status einer versicherten Person – unter Berücksichtigung
der sich bis zum Verfügungserlass verwirklichten Gegebenheiten – ist also
aufgrund einer umfassenden Betrachtungsweise zu beurteilen (vgl. Urteil
des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 19 63 vom 7. Juli
2020 E.3.4).
4.3. Die Beschwerdeführerin stützte sich bei ihrer Gewichtung des
Erwerbbereichs zu 100 % auf ihre anlässlich der asim-Begutachtung
gemachten Aussagen ab. Dem allgemeininternistischen Teilgutachten ist
diesbezüglich die Angabe zu entnehmen, dass sie sich oft fragen würde,
was sie machen könnte. Eigentlich würde sie gerne arbeiten. Wenn sie
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nicht krank wäre, würde sie in einem 100%-Pensum arbeiten. Ihr Sohn sei
bald zwölf Jahre alt. Sie wisse aber nicht, was sie noch machen könne.
Gerne würde sie wieder etwas mit Kindern arbeiten, denn die Arbeit damals
an der International School habe ihr gefallen und sei für sie gut machbar
gewesen. Sie könne sich vorstellen, morgens zwei bis drei Stunden an ca.
drei bis vier Tagen pro Woche zu arbeiten, wobei jeder Tag anders sei.
Manchmal gehe es ihr so schlecht, dass sie gar nicht gehen könne (vgl.
Bg-act. 137 S. 30). In ihrer Beschwerde führte die Beschwerdeführerin
zudem aus, ihre Aussage anlässlich der Abklärung vor Ort, wonach sie im
Gesundheitsfalle einer 50%igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde, sei
dahingehend zu verstehen, dass sie sich gar nicht habe vorstellen können,
wie es wäre, wenn sie ohne gesundheitliche Schädigung sein würde. Sie
sei damals von der Fragestellung überrumpelt worden. Inzwischen habe
sie sich überlegt, was sie tun würde, wäre sie gesund. Auf ihrem erlernten
Beruf wäre wohl nur eine 100%ige Arbeitsbeschäftigung möglich; sie sei
auch früher einer solchen nachgegangen. Ihr heute über zwölfjähriger
Sohn bedürfe keiner dauernden Unterstützung mehr und könnte zu Hause
vom Vater betreut werden. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
habe sie ihr Rechtsvertreter in ihren Aussagen nie beeinflusst.
4.4. Diesen Vorbringen ist kein Erfolg beschieden. Zwar ist zugunsten der
Beschwerdeführerin zu würdigen, dass ihr Sohn im Verfügungszeitpunkt
bereits zwölf Jahre alt war und deshalb weniger Betreuungsaufwand
benötigte. Dass ihr Ehemann jedoch die verbleibenden
Betreuungsaufgaben bei einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit der
Beschwerdeführerin übernehmen könnte, erscheint aufgrund dessen
eigener Erwerbstätigkeit – auch bei einer flexiblen Ausgestaltung als
Selbständigerwerbstätiger – fraglich. Zudem geht auch der behandelnde
Neurologe, Dr. med. F._, in der von der Beschwerdeführerin
eingereichten neurologischen Beurteilung vom 16. April 2020 aufgrund
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deren Äusserungen davon aus, die Beschwerdeführerin würde mit dem
Grösserwerden ihres Sohnes mindestens wieder einer teilweisen
Arbeitstätigkeit ausser Hause nachgehen (vgl. beschwerdeführerische
Akten [Bf-act.] 1 S. 2). Vor allem ist aber nicht ersichtlich und wird auch
nicht dargetan, inwiefern sich die Situation zwischen der
allgemeininternistischen Exploration am 3. September 2019 und jener, wie
sie sich anlässlich der Haushaltsabklärung am 7. März 2019 präsentierte,
verändert haben soll, so dass die Beweggründe der Beschwerdeführerin
für die Abweichung der anlässlich der Begutachtung gemachten Angabe
(vollzeitliche Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle) von ihrer früheren
Aussage (ohne gesundheitliche Einschränkungen zu 50 % als
Sozialmitarbeiterin tätig zu sein) nachvollzogen werden könnten. Der Sohn
war im Begutachtungszeitpunkt nur unwesentlich älter als anlässlich der
Haushaltsabklärung und auch die eheliche Rollenverteilung mit dem
selbständig erwerbstätigen Ehemann wird sich nicht massgeblich
verändert haben. Ferner erscheint die Aussage anlässlich der
allgemeininternistischen Begutachtung, im Gesundheitsfalle in einem
100%-Pensum zu arbeiten, lediglich beiläufig gemacht worden zu sein, ist
sie doch eingebettet in Überlegungen zur Invalidenkarriere (vgl. genauer
Wortlaut der Aussage oben) und wurde sie anlässlich der anderen
gutachterlichen Explorationen nicht mehr wiederholt (vgl. insbesondere
Rubrik "Zukunftsvorstellungen" im psychiatrischen und neurologischen
Teilgutachten [Bg-act. 137 S. 40 und S. 53]). Da anlässlich der
Begutachtung insbesondere keine neuen oder anderen Argumente für die
geltend gemachte 100%ige hypothetische Erwerbstätigkeit vorgebracht
worden sind, ist entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht
auszuschliessen, dass sie von nachträglichen Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein könnten (so war
die Beschwerdeführerin denn auch ab Mitte August 2019 anwaltlich
vertreten [vgl. Bg-act. 132]). Dies lässt die im Rahmen der
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Haushaltsabklärung am 7. März 2019 (vgl. Bg-act. 106 S. 3) und auf dem
gleichentags ausgefüllten Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" (vgl. Bg-act. 105) gemachten Angaben im Sinne von
Aussagen der ersten Stunde als glaubwürdiger erscheinen. Anhaltspunkte
dafür, dass die Beschwerdeführerin diese Angaben nicht korrekt hätte
machen können, sind nicht ersichtlich (vgl. dazu auch die Ausführungen in
Erwägung 7.3 zu den kognitiven Beeinträchtigungen und zum sprachlichen
Verständnis der Beschwerdeführerin).
4.5. Ausserdem geht aus den Akten zur bisherigen Erwerbskarriere der
Beschwerdeführerin vor Eintritt des Gesundheitsschadens hervor, dass
sie, nachdem sie die Volksschule in H._ absolviert hatte, sich in
beruflicher Hinsicht von 1988 bis 1992 zur Erzieherin für behinderte Kinder
ausbilden liess. Im Jahr 1999 ist sie in die Schweiz eingereist. Seit April
2001 war sie bei der B._ GmbH als Servicefachangestellte tätig, bevor
im Sommer 2002 gesundheitliche Einschränkungen eingetreten sind (vgl.
insbesondere rechtskräftige Verfügung vom 21. April 2004 [Bg-act. 33], vgl.
ferner IV-Anmeldung vom 5. Januar 2003 [Bg-act. 3],
Arbeitgeberfragebogen vom 14. Februar 2003 [Bg-act. 14] und vom 10. Juli
2006 [Bg-act. 50] und Erstgespräch vom 18. Dezember 2003 [Bg-act. 24]).
Zwar lässt sich aus dem Arbeitgeberbericht vom 14. Februar 2003
schliessen, dass sie – damals noch kinderlos – in einem 100%-Pensum bei
der B._ GmbH gearbeitet hat (vgl. Bg-act. 14). Dass sie – wie sie
vorbringt – aber auch früher einer 100%igen Arbeitsbeschäftigung
nachgegangen sei bzw. in ihrem erlernten Beruf wohl nur eine solche
möglich sei, wird weder von ihr belegt noch erscheint eine vollzeitliche
Erwerbstätigkeit als Erzieherin zwingend. Vielmehr gab die
Beschwerdeführerin selbst an, sie habe nie behauptet, zu 100 % gearbeitet
zu haben (vgl. E-Mail vom 26. März 2019 [Bg-act. 113]). Ferner weisen die
aktenkundigen Angaben erhebliche Lücken in der beruflichen
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Erwerbskarriere auf, wobei insbesondere nicht klar ist, was und in welchem
Pensum sie zwischen dem "Abschluss" ihrer Ausbildung im Jahr 1992 und
der Einreise in die Schweiz im Jahr 1999 gearbeitet hat. Diesbezüglich sind
vielmehr (verschiedene) Auslandaufenthalte aktenkundig (vgl. RAD-
Abklärungsbericht vom 6. Februar 2018 [Bg-act. 97 S. 2],
allgemeininternistisches Teilgutachten [Bg-act. 137 S. 26 und S. 30] und
psychiatrisches Teilgutachten [Bg-act. 137 S. 36]). Für diesen Zeitraum
lässt sich einzig aus dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug)
schliessen, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 1995 ein Einkommen von
CHF 24'750.-- bei der G._ erwirtschaftet hat (vgl. Bg-act. 75). Ferner
geht daraus hervor, dass die Beschwerdeführerin in den Jahren 1999 und
2000 nicht erwerbstätig war (vgl. z.B. Bg-act. 66). Insgesamt ist ihre
Aussage, auch früher einer 100%igen Arbeitsbeschäftigung nachgegangen
zu sein, insoweit zu relativieren. Schliesslich spricht angesichts der
selbständigen Erwerbstätigkeit des Ehemannes als Antiquitätenhändler
bzw. früher in der Immobilienbranche (vgl. allgemeininternistisches
Teilgutachten [Bg-act. 137 S. 29], psychiatrisches Teilgutachten [Bg-act.
137 S. 37], Bericht von Dr. med. F._ vom 4. Juni 2019 [Bg-act. 117]
und Haushaltsabklärungsbericht vom 8./19. März 2019 [Bg-act. 106 S. 5])
auch die fehlende finanzielle Notwendigkeit gegen eine 100%ige
Arbeitstätigkeit der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfalle (vgl. auch die
Aussage der Beschwerdeführerin anlässlich der allgemeininternistischen
Exploration am 3. September 2019, wonach es nicht so schlimm sei, wenn
die bisherige Invalidenrente wegfallen würde [Bg-act. 137 S. 26]).
4.6. In Würdigung der gesamten Sachlage ist somit entgegen der Auffassung
der Beschwerdeführerin überwiegend wahrscheinlich, dass sie im
Gesundheitsfall einer teilzeitlichen Erwerbstätigkeit im Umfang von 50 %
nachgehen würde und daneben zu 50 % im anerkannten Aufgabenbereich
tätig wäre.
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5.1. Ferner bemängelt die Beschwerdeführerin die Bemessung des
Valideneinkommens und macht geltend, dieses sei gestützt auf ihre
Tätigkeit als Kleinkindererzieherin zu berechnen, wobei dies ca. CHF
80'000.-- betragen würde. Denn sie hätte sicherlich früher oder später
wieder auf ihrem erlernten Beruf gearbeitet. Demgegenüber stellte die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung auf das vor Eintritt
des Gesundheitsschadens im Jahre 2002 als Servicefachangestellte
erziele Jahreseinkommen ab, welches – aufgerechnet auf ein 100%-
Pensum ab dem 1. Januar 2018 – einen Betrag von CHF 68'341.-- ergab.
5.2. Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die
versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns
überwiegend wahrscheinlich als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Die
Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Da nach
empirischer Erfahrung in der Regel ohne gesundheitliche Beeinträchtigung
die bisherige Tätigkeit weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für
die Bestimmung des Valideneinkommens grundsätzlich der letzte vor
Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und
der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst. Ausnahmen
müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. BGE 139
V 28 E.3.3.2, 135 V 58 E.3.1, 134 V 322 E.4.1).
5.3. Vorliegend ging die Beschwerdeführerin vor Eintritt der durch die Multiple
Sklerose bedingte Einschränkung in ihrer Arbeitsfähigkeit im Sommer/
Herbst 2002 einer 100%igen Arbeitstätigkeit als Servicefachangestellte im
Betrieb ihres Ehemannes nach und verdiente dabei CHF 57'990.-- (vgl.
insbesondere Arbeitgeberfragebogen vom 14. Februar 2003 [Bg-act. 14]),
was per 2019 aufindexiert ein Valideneinkommen von CHF 68'341.35
ergibt (vgl. Bg-act. 29, 54, 108 und 139). Obwohl ihr ihre Tätigkeit als
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Erzieherin behinderter Kinder gut gefallen hat bzw. ihr diese sehr lag (vgl.
RAD-Abklärungsbericht vom 6. Februar 2018 [Bg-act. 97 S. 3] und
Zusammenfassung der Krankengeschichte PDGR vom 2. Mai 2017 [Bg-
act. 86 S. 3]), finden sich entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
keine Anhaltspunkte dafür, dass sie früher oder später wieder in diesen
Beruf zurückgekehrt wäre. Ein solcher Wechsel erscheint auch nicht
überwiegend wahrscheinlich, geht aus den Akten doch hervor, dass sie ihre
Ausbildung als Erzieherin für behinderte Kinder in England nicht
abgeschlossen hat und in der Schweiz dafür eines zusätzlichen Diploms
bedürfte (vgl. asim-Gutachten vom 20. Dezember 2019 [Bg-act. 137 S. 4],
Haushaltsabklärungsbericht vom 8./19. März 2019 [Bg-act. 106 S. 2], RAD-
Abklärungsbericht vom 6. Februar 2018 [Bg-act. 97 S. 2]). Insofern ist nicht
zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin auf das als
Servicefachangestellte erzielte Jahreseinkommen abgestellt hat. Dies gilt
umso mehr, als auch in der rechtskräftigen Verfügung vom 21. April 2004
das Valideneinkommen gestützt auf den als Servicefachangestellte
erwirtschafteten Verdienst berechnet worden war (vgl. Bg-act. 33).
6.1. Im Weiteren ist die unter den Parteien umstrittene Einschränkung im
Haushalt zu prüfen. Die Beschwerdeführerin macht gestützt auf die
Stellungnahme von Dr. med. F._ vom 16. April 2020 geltend, es
bestehe eine Einschränkung von mindestens 50 % im Haushaltsbereich,
wobei diese Einschätzung die Schadenminderungspflicht berücksichtige.
6.2. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades können Berichte und Auskünfte
verlangt, Gutachten eingeholt, Abklärungen an Ort und Stelle
vorgenommen sowie Spezialisten der öffentlichen oder privaten
Invalidenhilfe beigezogen werden (vgl. Art. 69 Abs. 2 Satz 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Die zu
eruierende Einschränkung in einem anerkannten Aufgabenbereich im
- 17 -
Sinne von Art. 7 Abs. 2 IVG bzw. die konkreten Auswirkungen eines
Gesundheitsschadens sind im nichterwerblichen Bereich grundsätzlich
durch eine Abklärung vor Ort festzustellen. Die Abklärung erstreckt sich
dabei auch auf den zumutbaren Umfang der Mithilfe von
Familienangehörigen. Für den Beweiswert eines derartigen
Abklärungsberichts ist wesentlich, dass er von einer qualifizierten Person
in Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der sich aus
den medizinischen Diagnosen ergebenen Beeinträchtigungen und
Behinderungen verfasst wird. Der Bericht muss plausibel, begründet und
angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und
in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_295/2018 vom 26. Juli 2018 E.4.1 f.,
9C_373/2017 vom 6. September 2017 E.3; MEYER/ REICHMUTH, a.a.O., Art.
28a Rz. 174).
6.3. Die Beschwerdegegnerin stellte auf den Haushaltsabklärungsbericht vom
8./19. März 2019 ab. Dieser genügt den hiervor umschriebenen
Erfordernissen bezüglich Plausibilität, Begründetheit sowie Detailliertheit
und wurde in Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse bzw. der
sich aus den medizinischen Diagnosen ergebenen Beeinträchtigungen
erstellt. Auch sind keine Gründe ersichtlich, welche an der Kompetenz der
mit der Beschwerdeführerin befassten Abklärungsperson zweifeln liessen.
Letztere nahm für den Zeitraum ab 1. Januar 2018 zu jedem einzelnen
Aufgabenbereich Stellung und führt aus, welche Verrichtungen von der
Beschwerdeführerin ausgeführt werden können bzw. worin sie
invaliditätsbedingt eingeschränkt ist und welche zumutbare Mithilfe vom
Ehemann geleistet werden kann (vgl. Bg-act. 106 S. 7). Die von der
Abklärungsperson gezogenen Schlussfolgerungen wurden von den asim-
Gutachterinnen und Gutachter gewürdigt und aus neurologischer Sicht für
nachvollziehbar erachtet (vgl. asim-Gutachten vom 20. Dezember 2019
- 18 -
[Bg-act. 137 S. 10 f.] und neurologisches Teilgutachten [Bg-act. 137 S. 62
f.]; Anmerkung durch das Gericht: Die asim-Gutachterinnen und Gutachter
nahmen zwar Bezug auf die bis zum 31. Dezember 2017 gezogenen
Schlussfolgerungen der Abklärungsperson [d.h. Bg-act. 106 S. 6]; diese
stimmen indes im Wesentlichen mit jenen ab dem 1. Januar 2018 überein).
6.4. In der von der Beschwerdeführerin beigebrachten neurologischen
Beurteilung vom 16. April 2020 führte Dr. med. F._ zu den
Einschränkungen im Haushalt aus, diese seien für ihn auf Basis der
neurologischen klinischen Befunde sowie des teilweise intensiven
Betreuungsbedarfs der Beschwerdeführerin plausibel anzunehmen.
Komplexe, körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten wie z.B. Fensterreinigung
seien nicht möglich. Die Beschwerdeführerin könne auch keine Tätigkeiten
ausüben, bei welchen sie auf einen Tritt oder eine Leiter gehen müsse,
etwa zum Reinigen oder für einfache Reperaturarbeiten (z.B. Wechsel von
Glühbirnen). Aufgaben wie Bügeln könne sie nur in Etappen von ca. 15
Minuten absolvieren. Länger könne sie nicht stehen. Beim Tragen von
Gegenständen wie etwa dem Wassereimer ermüde sie schnell. Sie sehe
ihre Gewichtslimite für wiederholte körperliche Aufgaben bei ca. fünf
Kilogramm Gewicht. Das Staubsaugen mit einem leichten Gerät könne sie
genauso absolvieren wie die Reinigung von Oberflächen in einer
einigermassen ergonomischen Arbeitshöhe. Die Beschwerdeführerin
werde auch bei Tätigkeiten wie dem Transport von Nahrungsmitteln und
Haushaltswaren vom Ehemann unterstützt, welcher sie auch zum
Einkaufen begleite (vgl. Bf-act. 1).
6.5. Wenn nun die Beschwerdeführerin gestützt auf diese Ausführungen ihres
behandelnden Neurologen geltend macht, es bestehe auch in Kenntnis der
Schadenminderungspflicht eine Einschränkung von mindestens 50 % im
Haushaltsbereich, kann ihr nicht gefolgt werden. Denn bei genauer
- 19 -
Betrachtung wurden die von Dr. med. F._ aufgeführten, gesundheitlich
bedingten Beeinträchtigungen bereits im Haushaltsabklärungsbericht
festgestellt und unter Berücksichtigung der zumutbaren Mithilfe des
Ehemannes gewürdigt. So wurde von der Abklärungsperson namentlich
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin z.B. beim Fensterputzen vom
Ehemann unterstützt werde, wobei diese Mithilfe im Rahmen der
zumutbaren Schadenminderung erfasst werde. Auch wies die
Abklärungsperson aus, dass die Beschwerdeführerin neben
Reinigungsarbeiten auch das Bügeln etappenweise (mit Pausen nach
jeweils 10 bis 15 Minuten) erledige. Dass die Beschwerdeführerin beim
Tragen schwerer Gegenstände, namentlich von Einkaufstaschen,
Unterstützung von ihrem Ehemann bzw. Sohn benötigt, wurde ebenfalls als
zumutbar erachtet (vgl. Bg-act. 106 S. 7). Hinzu kommt, dass im asim-
Gutachten vom 20. Dezember 2019 mit Blick auf die sensomotorische
Tetrasymptomatik festgehalten wurde, dass Zwangshaltungen der Arme,
das repetitive Heben/Tragen/Stossen von Gewichten von mehr als fünf
Kilogramm und repetitive bimanuelle Tätigkeiten zu einer erhöhten
motorischen Ermüdbarkeit und einer damit assoziierten motorischen
Schwäche im Kontext mit der motorischen Fatigue im Bereich der oberen
Extremitäten führten, so dass die Greif-/ Halte-/Tragsicherheit
transportierter Gegenstände reduziert sei. Zusätzlich bestehe im Bereich
der dominanten rechten Hand nachweislich eine Feinmotorikstörung, die
additiv zu einer Reduktion der Griff- und Haltesicherheit der Hände führe.
Insbesondere Arbeiten mit erhöhten koordinativen bzw. feinmotorischen
Anforderungen könnten daher nicht ausgeführt werden (vgl. Bg-act. 137 S.
6 f., vgl. auch neurologisches Teilgutachten [Bg-act. 137 S. 59 f.]). Die
sensomotorische Tetrasymptomatik bestehe zudem aus einer
beinbetonten Schwäche im Bereich der unteren Extremitäten bei
beidseitigem, aktuell leicht linksbetontem Absinken im
Beinvorhalteversuch. Die Gleichgewichtsstörung sei überwiegend
- 20 -
wahrscheinlich auf eine sensible Ataxie bei namhafter
Tiefensensibilitätsstörung im Bereich der unteren Extremitäten
zurückzuführen. Beim Gehen zeige sich eine spastisch-ataktische
Gangstörung (vgl. Bg-act. 137 S. 5, vgl. auch neurologisches Teilgutachten
[Bg-act. 137 S. 58 f.]). Wenn nun die asim-Gutachterinnen und Gutachter
die von der Haushaltsabklärungsperson gezogenen Schlussfolgerungen
als nachvollziehbar erachteten, taten sie dies in Kenntnis der vorerwähnten
– auch von Dr. med. F._ und der Beschwerdeführerin selbst
beschriebenen (vgl. dazu allgemeininternistisches Teilgutachten [Bg-act.
137 S. 28]) – invaliditätsbedingten Einschränkungen, die sich auch bei
Tätigkeiten im Haushaltsbereich äussern. Zudem ist zu berücksichtigen,
dass im Bereich der Haushaltsführung der Mitwirkungs- und
Schadenminderungspflicht grosses Gewicht zukommt. Lebt die versicherte
Person mit Angehörigen im gleichen Haushalt, kann von diesen Hilfe im
Haushalt verlangt werden, und zwar in einem Mass, das über das im
Gesundheitsfalle üblicherweise zu Erwartende hinausgeht. Vielmehr stellt
sich die Frage, wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einstellen
würde, wenn keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären (vgl. BGE
130 V 504 E.4.2; Urteil des Bundesgerichts I 1013/06 vom 9. November
2007 E.7.2). Daher ist der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass
diejenigen Haushaltsarbeiten, welche die Beschwerdeführerin nicht mehr
erledigen kann, von ihrem Ehemann übernommen werden können, ohne
dass dadurch – auch neben dessen Berufstätigkeit, die er sich als
Selbständigerwerbstätiger ohnehin relativ flexibel einteilen kann
(insbesondere Homeoffice, vgl. neuropsychologisches Teilgutachten [Bg-
act. 137 S. 70]) – eine nicht mehr tragbare Belastung entstünde.
6.6. Demnach ist nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin ab dem
1. Januar 2018 insgesamt von keiner Einschränkung im Haushalt ausging.
- 21 -
7.1. Streitig ist schliesslich der Zeitpunkt der Rentenaufhebung. Die
Beschwerdeführerin stellt sich dabei auf den Standpunkt, ihr Ehemann
bzw. dessen Firma B._ GmbH habe die Familienausgleichskasse über
die Geburt des Sohnes informiert. Diese hätte insbesondere gestützt auf
Art. 31 Abs. 2 ATSG (Meldepflicht der an der Durchführung der
Sozialversicherung beteiligten Stellen) die Beschwerdegegnerin darüber
orientieren müssen. Sie sei sich nicht bewusst gewesen, dass die Geburt
ihres Sohnes eine Änderung in den Leistungen der Invalidenversicherung
hätte bewirken können. Die Geburt eines Kindes werde in Art. 77 IVV bzw.
Art. 31 ATSG nicht aufgeführt. Ausserdem führte Dr. med. F._ in
seinem Bericht vom 16. April 2020 aus, er führe die Konsultationen und die
schriftliche Korrespondenz mit der Beschwerdeführerin auf Englisch.
Inwiefern auch sprachliche Barrieren neben kognitiven Störungen dazu
geführt hätten, dass sie die Geburt ihres Sohnes nicht gemeldet habe,
könne nicht abschliessend beurteilt werden (vgl. Bf-act. 1 S. 1).
7.2. Die Herabsetzung oder Aufhebung der Renten erfolgt gemäss Art. 88bis
Abs. 2 lit. a IVV frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats an. Sie erfolgt rückwirkend ab Eintritt der für
den Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu
Unrecht erwirkt hat oder der ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht
nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der
Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die
Weiterausrichtung der Leistung war (Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV). Gemäss
Art. 77 IVV haben der Berechtigte oder sein gesetzlicher Vertreter sowie
Behörden oder Dritte, denen die Leistung zukommt, jede für den
Leistungsanspruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche des
Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit, des Zustands
der Hilflosigkeit, des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwandes oder
Hilfebedarfs, des für den Ansatz der Hilflosenentschädigung und des
- 22 -
Assistenzbeitrages massgebenden Aufenthaltsortes sowie der
persönlichen und gegebenenfalls der wirtschaftlichen Verhältnisse des
Versicherten unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen (vgl. auch Art. 31 Abs.
1 ATSG). Für den Tatbestand der Meldepflichtverletzung ist ein
schuldhaftes Fehlverhalten erforderlich, wobei nach ständiger
Rechtsprechung bereits eine leichte Fahrlässigkeit genügt (vgl. BGE 118 V
214 E.2a; Urteile des Bundesgerichts 9C_338/2015 vom 12. November
2015 E.2, 9C_226/2011 vom 15. Juli 2011 E.4.2.1, nicht publ. in: BGE 137
V 369, aber in: SVR 2012 IV Nr. 12 S. 61).
7.3. Im vorliegenden Fall wurde die Beschwerdeführerin mehrfach darauf
aufmerksam gemacht, dass jede Änderung in persönlichen oder
wirtschaftlichen Verhältnissen, welche den Leistungsanspruch
beeinflussen könne, unverzüglich der Beschwerdegegnerin mitzuteilen sei,
wobei dies insbesondere notwendig sei bei Geburten (vgl. rechtskräftige
Verfügung vom 21. April 2004 [Bg-act. 33 S. 3 f.], Mitteilung vom 28.
Februar 2007 [Bg-act. 56] und Mitteilung vom 14. Mai 2012 [Bg-act. 79],
vgl. ferner die generelle Meldepflicht in den Verfügungen vom 17. Mai 2006
[Bg-act. 44 S. 4] und vom 13. November 2013 [Bg-act. 80 S. 3]). Insofern
erweist sich die Berufung auf Art. 31 ATSG und Art. 77 IVV, welche in
genereller Weise auf die für den Leistungsanspruch wesentliche
Änderungen in den massgebenden Verhältnissen verweisen, als
unbehelflich, erscheint es doch ohnehin naheliegender, dass sich die
Beschwerdeführerin direkt aus den an sie adressierten Schreiben über ihre
Meldepflicht in Kenntnis setzt, anstatt diese im Gesetz bzw. in einer
Verordnung nachzuschlagen. Dass bei der aus H._ stammenden
Beschwerdeführerin sprachliche Barrieren bestünden, welche sie daran
hindern würden, den Umfang ihrer Meldepflicht zu verstehen, überzeugt
nicht, spricht und versteht sie doch nachweislich sehr gut deutsch (vgl.
Haushaltsabklärungsbericht vom 8./19. März 2019 [Bg-act. 106 S. 8], asim-
- 23 -
Gutachten vom 20. Dezember 2019 [Bg-act. 137 S. 7] und speziell
allgemeininternistisches Teilgutachten [Bg-act. 137 S. 31] bzw.
psychiatrisches Teilgutachten [Bg-act. 137 S. 40 und S. 44], vgl. ferner
Email vom 26. März 2019 [Bg-act. 113] und vom 7. April 2019 [Bg-act.
110]). Daher ist davon auszugehen, dass sie in der Lage war, die einfach
verständliche Pflicht, die Geburt eines Kindes der Beschwerdegegnerin zu
melden, zu erkennen und entsprechend zu handeln. Dies ist auch aufgrund
ihrer kognitiven Fähigkeiten – insbesondere ihrer guten Intelligenz (vgl.
neuropsychologisches Teilgutachten [Bg-act. 137 S. 77 und S. 85]) –
anzunehmen, denn die gutachterlich festgestellten Defizite beschlagen
nicht das Sprachverständnis bzw. das Verstehen von Instruktionen und
dessen Umsetzung (vgl. neuropsychologisches Teilgutachten [Bg-act. 137
S. 76]), sondern zeigten sich namentlich bei tempoabhängigen Aufgaben
zur Erfassung der Reaktions- und Flexibilitätsleistung insbesondere bei
den exekutiven Funktionen, die mit den erhobenen, MS-spezifischen
kognitiven Kennwerten übereinstimmten, beim verbal-auditiven und visuell
räumlichen Arbeitsgedächtnis oder bei der selektiven Aufmerksamkeit (vgl.
neuropsychologisches Teilgutachten [Bg-act. 137 S. 85]).
7.4. Ferner weist die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hin, dass sich eine
Leistungsbezügerin rechtsprechungsgemäss ihrer gesetzlichen
Meldepflicht nicht mit der Begründung entziehen kann, eine mit ihr (bzw.
ihrem Ehemann) befasste andere Behörde – vorliegend die
Familienausgleichskasse – hätte eine ihr bekannte Änderung (der
persönlichen Verhältnisse wie die Geburt eines Kindes) der
Beschwerdegegnerin mitteilen resp. diese hätte sich von sich aus die
Informationen dort beschaffen müssen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_834/2010 vom 2. Dezember 2010 E.2.2 mit Hinweisen). Insofern
erfüllte die Beschwerdeführerin mit der – ohnehin durch ihren Ehemann
vorgenommenen – Anmeldung zum Bezug von Familienzulagen bei der
- 24 -
Familienausgleichskasse die ihr obliegende Meldepflicht gegenüber der
Beschwerdegegnerin nicht. Abgesehen davon bringt die
Beschwerdegegnerin vor, dass die Familienausgleichskasse nicht wusste
bzw. nicht wissen konnte, dass die Ehefrau des Bezügers von
Familienzulagen eine Invalidenrente bezieht, was von der
Beschwerdeführerin nicht bestritten wird. Indem die Beschwerdeführerin
die Geburt ihres Sohnes am 6. November 2007 trotz mehrmaligem, auch
für sie verständlichen Hinweis darauf, dass dies eine für den
Leistungsanspruch wesentliche, meldungspflichtige Änderung darstellt, der
Beschwerdegegnerin nicht mitgeteilt hat, und die Geburt erst im Rahmen
des im Mai 2017 eingeleiteten Revisionsverfahrens erwähnte, hat sie das
Mindestmass an Aufmerksamkeit, das nach den konkreten Umständen und
nach ihren persönlichen Verhältnissen geboten war, nicht aufgewendet. Ihr
Verhalten ist somit als fahrlässig einzustufen. Die Beschwerdegegnerin war
demnach berechtigt, die bisherige halbe Invalidenrente rückwirkend
aufzuheben.
7.5. Hinsichtlich des Rückforderungsanspruchs, über welchen gemäss der
Beschwerdegegnerin erst noch in einer separaten Verfügung befunden
wird, sind die in Art. 25 Abs. 2 ATSG verankerten Verwirkungsfristen zu
beachten. Nach der absoluten Verwirkungsfrist können mit fristwahrendem
Verwaltungsakt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_580/2018 vom 9.
Januar 2019 E.4.3.5, 8C_718/2016 vom 21. August 2017 E.5.3,
8C_699/2010 vom 8. Februar 2011 E.2) nur diejenigen unrechtmässig
bezogenen Leistungen zurückgefordert werden, die in den fünf
vorangegangenen Jahren ausgerichtet wurden (vgl. DORMANN, in:
FRÉSARD-FELLAY/KLETT/LEUZINGER [Hrsg.], Basler Kommentar, Allgemeiner
Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020, Rz. 62 zu Art. 25; Urteil
des Bundesgerichts 9C_148/2020 vom 2. Juli 2020 E.2.2). Dies anerkennt
die Beschwerdegegnerin denn auch in ihrer Duplik.
- 25 -
8. Zum Invaliditätsgrad gilt Folgendes: Bei dem auf ein 100%-Pensum
hochgerechneten Valideneinkommen von CHF 68'341.35 und einem
unbestritten gebliebenen Invalideneinkommen von CHF 27'950.30 bis zum
28. Mai 2019 (LSE 2016, TA1, Kompetenzniveau 1, weiblich, 50%ige
Einschränkung im Erwerbsbereich, aufindexiert und umgerechnet auf eine
durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden [CHF 4'363.--
x 12 : 40 x 41.7 x 0.5 x 1.003995 x 1.01 x 1.01 ]) bzw. von CHF 16'770.20
ab dem 29. Mai 2019 (LSE 2016, TA1, Kompetenzniveau 1, weiblich,
70%ige Einschränkung im Erwerbsbereich aufgrund einer Arbeitsfähigkeit
von 30 % in adaptierter Tätigkeit gemäss asim-Gutachten vom 20.
Dezember 2019 [Bg-act. 137 S. 8] und Bericht von Dr. med. F._ vom
4. Juni 2019 [Bg-act. 117], vgl. RAD-Abschlussbeurteilung von Dr. med.
E._ [Bg-act. 145 S. 17], aufindexiert und umgerechnet auf eine
durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden [CHF 4'363.-
- x 12 : 40 x 41.7 x 0.3 x 1.003995 x 1.01 x 1.01]) resultiert bei einer
Einbusse von 59.1 % bzw. 75.46 % und einem Erwerbsanteil von 50 % ein
gewichteter Teilinvaliditätsgrad von 29.55 % (59.1 % x 0.5) bzw. 37.73 %
(75.46 % x 0.5), welcher zusammen mit jenem im Bereich Haushalt von
0 % (50 % x 0 infolge fehlender Einschränkung) ein Gesamtinvaliditätsgrad
von gerundet 30 % bzw. 38 % ergibt. Damit besteht in Übereinstimmung
mit der Beschwerdegegnerin ab dem 1. Januar 2018 kein Anspruch auf
eine Invalidenrente (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG).
9. Die angefochtene Verfügung vom 21. Februar 2020 erweist sich somit als
rechtens, was zu ihrer Bestätigung und zur Abweisung der dagegen
erhobenen Beschwerde vom 20. April 2020 führt.
10. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen
- 26 -
aus der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher
Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesgerichtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest. Diese sind gemäss Art. 73 Abs. 1 VRG von der unterliegenden
Beschwerdeführerin zu tragen. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin
steht kein Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG
e contrario).
- 27 -