Decision ID: a3596ede-ffaa-40b5-831a-1477b01cbc38
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
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Inhaltsübersicht Sachverhalt und Verfahren................................................................................................... 3 A. Sachverhaltsübersicht .................................................................................................. 3
a. Parteien und ihre Stellung ........................................................................................ 3 b. Prozessgegenstand .................................................................................................. 4
B. Prozessverlauf .............................................................................................................. 4 a. Klageeinleitung ......................................................................................................... 4 b. Wesentliche Verfahrensschritte................................................................................ 4
Erwägungen .......................................................................................................................... 5 1. Formelles ...................................................................................................................... 5
1.1. Zuständigkeit......................................................................................................... 5 1.2. Klageänderung ..................................................................................................... 5 1.3. Unbezifferte Forderungsklage .............................................................................. 6
2. Unbestrittener Sachverhalt ........................................................................................... 8 3. Haftung aus aktienrechtlicher Verantwortlichkeit ......................................................... 9
3.1. Vorbemerkung ...................................................................................................... 9 3.2. Grundsatz ............................................................................................................. 9 3.3. Klägerin, Klagelegitimation ................................................................................. 10 3.4. Beklagter, Organeigenschaft .............................................................................. 10 3.5. Behauptungs- und Beweislast ............................................................................ 10 3.6. Verwirkungsfrist nach Art. 758 Abs. 2 OR.......................................................... 11
4. Pflichtverletzung ......................................................................................................... 11 4.1. Allgemein ............................................................................................................ 11 4.2. Verwaltungsratsbeschlüsse hinsichtlich der Vergütungen des Beklagten ........ 11
4.2.1. Parteibehauptungen ......................................................................................... 11 4.2.2. Festlegung der Vergütungen mit der Genehmigung der Budgets................... 13 4.2.3. Keine Notwendigkeit einer zusätzlichen Beschlussfassung ............................ 15 4.2.4. Fazit .................................................................................................................. 17
4.3. Zulässigkeit von Zustimmungserfordernissen.................................................... 17 4.3.1. Parteibehauptungen ......................................................................................... 17 4.3.2. Qualifikation von Ziff. 3.6.3 des Organisationsreglements als Zustimmungserfordernis ............................................................................................. 18 4.3.3. Beschlussfassung des Verwaltungsrats .......................................................... 19 4.3.4. Unvereinbarkeit mit dem Kopfstimmprinzip bzw. Gleichbehandlungsgrundsatz .................................................................................................................................... 21 4.3.5. Unübertragbare und unentziehbare Aufgaben des Verwaltungsrates ............ 23 4.3.6. Fazit .................................................................................................................. 24
4.4. Vergütungen unterhalb von EUR 200'000.– ...................................................... 24 4.4.1. Parteistandpunkte............................................................................................. 24 4.4.2. Auslegungsgrundsätze ..................................................................................... 25 4.4.3. Auslegung ......................................................................................................... 26 4.4.4. Höhe der Vergütungen des Beklagten im Jahr 2013 und 2014 ...................... 27
4.5. Fazit .................................................................................................................... 28 5. Ergebnis ...................................................................................................................... 29 6. Kosten- und Entschädigungsfolgen ........................................................................... 29
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ursprüngliches Rechtsbegehren
(act. 1 S. 2)
"1. Es sei der Beklagte zu verpflichten, der C._ Holding AG, , CHF 31'200.– zuzüglich Zins zu 5% seit 10. April 2013 zu bezahlen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des ."
abgeändertes Rechtsbegehren
(act. 21 S. 2)
"1. Es sei der Beklagte zu verpflichten, der C._ Holding AG, , CHF 107'600.– zuzüglich Zins zu 5% seit 10. Oktober 2013 zu bezahlen.
2. Es sei der Beklagte zu verpflichten, der C._ Holding AG, , einen noch zu beziffernden Betrag, mindestens aber CHF 17'600.–, zuzüglich Zins zu 5% zu bezahlen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten des Beklagten."
Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien und ihre Stellung
Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in ... und bezweckt den Erwerb
und die Verwaltung von Beteiligungen an Unternehmen aller Art sowie die Täti-
gung und Verwaltung von Finanzanlagen. Sie ist seit dem 5. Juli 2010 Aktionärin
der nicht börsenkotierten C._ Holding AG und hält gegenwärtig 8.39% des
Aktienkapitals (act. 3/2; act. 1 Rz. 5; act. 14 Rz. 12).
Die C._ Holding AG, zuvor firmierend als C1._ AG, hat ihren Sitz in Zü-
rich und ist im Handel mit CO2-Zertifikaten tätig (act. 3/3; act. 14 Rz. 16).
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Der Beklagte ist seit 1. Dezember 2006 Mitglied und seit 27. August 2010 Vize-
präsident des Verwaltungsrates der C._ Holding AG. Er übt zugleich die
Funktion des CEO aus (act. 1 Rz. 6).
b. Prozessgegenstand
Die Klägerin erhebt als Aktionärin Verantwortlichkeitsklage nach Art. 754 OR ge-
gen den Beklagten als Verwaltungsrat und CEO der C._ Holding AG. Sie
wirft dem Beklagten vor, ohne die erforderliche Zustimmung des Verwaltungsrats
unrechtmässig Vergütungen bezogen zu haben und macht geltend, dass dadurch
der C._ Holding AG ein Schaden entstanden sei. Ihre Klage geht auf Leis-
tung dieses Schadens an die Gesellschaft (Art. 756 OR).
B. Prozessverlauf
a. Klageeinleitung
Am 26. Juni 2014 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin ihre Klageschrift beim
Handelsgericht Zürich ein (act. 1).
b. Wesentliche Verfahrensschritte
Den ihr mit Verfügung vom 30. Juni 2014 (act. 5) auferlegten Vorschuss für die
Gerichtskosten leistete die Klägerin fristgemäss (act. 11). Mit Verfügung vom
26. August 2014 wurde dem Beklagten Frist zur Klageantwort angesetzt (act. 12).
Die fristgerecht eingereichte Klageantwort vom 27. Oktober 2014 wurde der Klä-
gerin mit Verfügung vom 30. Oktober 2014 zugestellt (act. 16). Mit Eingabe vom
7. November 2014 teilte die Klägerin mit, dass ihrerseits keine Vergleichsbereit-
schaft bestehe, woraufhin der Klägerin mit Verfügung vom 10. November 2014
Frist zur Erstattung der Replik angesetzt wurde (act. 18; act. 19). Nach Eingang
der Replik vom 27. Januar 2015 (act. 21) wurde dem Beklagten mit Verfügung
vom 30. Januar 2015 Frist zur Duplik angesetzt (act. 23). Diese wurde mit Einga-
be vom 20. April 2015 eingereicht (act. 25). Daraufhin reichten die Parteien un-
aufgefordert weitere Stellungnahmen ein (act. 29; act. 30; act. 32; act. 34). Auf die
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Durchführung einer Hauptverhandlung haben die Parteien verzichtet (act. 38;
act. 39).

Erwägungen
1. Formelles
1.1. Zuständigkeit
Die vorliegende Klage hat Verantwortlichkeitsansprüche der Klägerin als
Aktionärin gegen den Beklagten als Verwaltungsrat und CEO der C._
Holding AG zum Gegenstand. Für Streitigkeiten aus dem Recht der
Handelsgesellschaften und Genossenschaften ist das Handelsgericht gemäss
Art. 6 Abs. 4 lit. b ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG sachlich zuständig, sofern der
Streitwert wie vorliegend mehr als CHF 30'000.– beträgt. Da der Beklagte seinen
Wohnsitz im Kanton Zürich hat, ist das Handelsgericht auch örtlich zuständig
(Art. 40 ZPO).
1.2. Klageänderung
Die Klägerin erhöht replicando ihre Forderung und verlangt zusätzlich die Rücker-
stattung der Vergütungen betreffend das Geschäftsjahr 2013 / 2014 (act. 21
Rz. 13).
Eine Klageänderung ist nach Art. 227 Abs. 1 ZPO zulässig, wenn der geänderte
oder neue Anspruch nach der gleichen Verfahrensart zu beurteilen ist und mit
dem bisherigen Anspruch in einem sachlichen Zusammenhang steht (lit. a) oder
die Gegenpartei zustimmt (lit. b). Der Sachzusammenhang ist zu bejahen, wenn
die beiden prozessualen Ansprüche dem gleichen oder einem benachbarten Le-
benssachverhalt entstammen (DANIEL WILLISEGGER, in: Basler Kommentar
Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 2013, N. 29 zu Art. 227 ZPO).
Der Beklagte hat keine Einwände gegen die Klageänderung, womit von seiner
Zustimmung auszugehen ist (act. 25 Rz. 42 f.). Unabhängig von seiner Zustim-
mung wären die Voraussetzungen einer Klageänderung erfüllt, da die neuen An-
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sprüche nach der gleichen Verfahrensart zu beurteilen und die streitgegenständli-
chen Lohnbezüge des Beklagten allesamt bei der gleichen Gesellschaft erfolgt
sind und damit auf demselben Lebenssachverhalt beruhen.
1.3. Unbezifferte Forderungsklage
Die Klägerin erhebt in der Replik hinsichtlich des variablen Lohnanteils des Jahres
2013 eine unbezifferte Forderungsklage (Rechtsbegehren 2, act. 21. Rz. 16 ff.).
Sie begründet dies damit, dass sie vergeblich versucht habe, die Lohnabrechnun-
gen des Beklagten erhältlich zu machen und verweist dazu auf zwei Anfragen ih-
res entsandten Verwaltungsrats X1._ an D._ (Verwaltungsrat und CFO),
welche vom 20. und 23. Januar 2015 datieren (act. 21 Rz. 8; act. 22/13-15).
Gemäss Art. 85 Abs. 1 ZPO kann die klagende Partei eine unbezifferte Forde-
rungsklage erheben, wenn es ihr unmöglich oder unzumutbar ist, ihre Forderung
bereits zu Beginn des Prozesses zu beziffern. Die Unmöglichkeit oder Unzumut-
barkeit der Bezifferung ist jedoch nicht leichthin anzunehmen. Es ist der klagen-
den Partei in der Regel zumutbar, die zur wenigstens ungefähren Bestimmung
der Forderungshöhe notwendigen Unterlagen und Informationen vorprozessual zu
sammeln. Sie hat glaubhaft zu machen, dass eine Unmöglichkeit oder Unzumut-
barkeit vorliegt (KARL SPÜHLER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Zivilpro-
zessordnung, 2. Aufl. 2013, N. 5 f. zu Art. 85 ZPO).
Der klägerische Rechtsvertreter X1._ ist vorliegend Verwaltungsratsmitglied
der C._ Holding AG und wurde von der Klägerin in den Verwaltungsrat ent-
sandt (vgl. Ziff. 2 hernach). Als Mitglied des Verwaltungsrates kann er nach Art.
715a Abs. 1 OR Auskunft über alle Angelegenheiten der Gesellschaft verlangen.
Nach Art. 715a Abs. 2 OR sind alle Mitglieder des Verwaltungsrates sowie die mit
der Geschäftsführung betrauten Personen zur Auskunft verpflichtet. Art. 715a
Abs. 3 OR sieht vor, dass ausserhalb der Sitzungen jedes Mitglied von den mit
der Geschäftsführung betrauten Personen Auskunft über den Geschäftsgang und
mit Ermächtigung des Präsidenten auch über einzelne Geschäfte verlangen kann.
Soweit für die Erfüllung einer Aufgabe erforderlich, kann jedes Mitglied dem Prä-
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sidenten beantragen, dass ihm Bücher und Akten vorgelegt werden (Art. 715a
Abs. 4 OR).
Vorliegend stellte der klägerische Rechtsvertreter und Verwaltungsrat X1._
sein erstes Auskunftsgesuch hinsichtlich der Lohnbezüge des Beklagten am
20. Januar 2015 (act. 22/13), 7 Tage vor Fristablauf zur Einreichung der Replik
am 27. Januar 2015 (act. 19). Das Auskunftsgesuch richtete sich an D._
(act. 22/13-15), der CFO und Verwaltungsratsmitglied der C._ Holding AG ist
(act. 3/3; act. 14 Rz. 159). Am 28. Januar 2015 wurde das Auskunftsgesuch be-
antwortet (act. 26/6).
Weshalb das Auskunftsgesuch erst 7 Tage vor Ablauf der Replikfrist gestellt wur-
de, legt die Klägerin nicht näher dar und ist auch nicht leicht verständlich. Dass
Auskunftsgesuche nicht sofort beantwortet werden können und dem Auskunfts-
pflichtigen eine gewisse Frist zur Informationsbeschaffung eingeräumt werden
muss, ist evident. Abgesehen davon richtete sich das Auskunftsgesuch nicht an
den Präsidenten des Verwaltungsrates (E._; act. 3/3), obwohl es der Er-
mächtigung des Präsidenten bedarf, um ausserhalb der Sitzung über einzelne
Geschäfte Auskunft sowie um Einsicht in Bücher und Akten zu erhalten. Weist der
Präsident ein Auskunftsgesuch nämlich ab, so entscheidet daraufhin der Verwal-
tungsrat (Art. 715a Abs. 5 OR). Als Verwaltungsrat besteht kein Anspruch, sofort
und jederzeit von einem beliebigen Verwaltungsratsmitglied bzw. von Geschäfts-
leitungsmitgliedern ausserhalb von Verwaltungsratssitzungen Auskunft über
Lohnbezüge zu erhalten.
Die Unmöglichkeit bzw. Unzumutbarkeit zur Bezifferung hat die Klägerin damit
nicht hinreichend dargetan; sie wäre in gewissem Sinne auch selbst verschuldet,
da es dem delegierten Verwaltungsrat X1._ zumutbar gewesen wäre, seinen
Informationsanspruch mit der (rechtzeitigen) Einreichung eines Auskunftsgesuchs
beim Verwaltungsratspräsidenten durchzusetzen zu versuchen.
Die Voraussetzungen für eine unbezifferte Forderungsklage liegen somit nicht
vor, weshalb auf das abgeänderte Rechtsbegehren Ziff. 2 nicht einzutreten ist.
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Ohnehin wäre dem abgeänderten Rechtsbegehren Ziff. 2 auch materiell kein Er-
folg beschieden (vgl. Ziff. 4.4.4 hernach).
2. Unbestrittener Sachverhalt
Die Klägerin schloss anlässlich ihres Investments bei der C._ Holding AG am
29. Juni 2010 einen Aktionärbindungsvertrag ab; insbesondere auch mit dem Be-
klagten, der als Gründungspartner in der C._ Holding AG als geschäftsfüh-
render Verwaltungsrat tätig ist. Im Aktionärbindungsvertrag hat sich die Klägerin
in ihrer Funktion als Investorin das Recht ausbedungen, ein Mitglied des Verwal-
tungsrats zu bestimmen. Das von ihr delegierte Verwaltungsratsmitglied wird als
"B Director" bezeichnet (act. 3/8 S. 10 Ziff. 4.2). In Ziff. 7.2 des Aktionärbindungs-
vertrags wird hinsichtlich der Vergütungskompetenz des Verwaltungsrats nachfol-
gende Regelung getroffen, worin für gewisse Angelegenheiten die Zustimmung
der "B Directors" vorgesehen ist (act. 3/8 S. 14 f.):
"7.2 Board Reserved Matters - limitations on management No action shall be taken or resolution passed by the Board or the Subsidiary Board in respect of the following matters ("Board Reserved Matters"), without the consent of the majority of the Directors present at the relevant Board Meeting and the consent of both B Directors: [...] 7.2.3 the appointment, removal and conditions of employment and any changes there-
to of the chief executive officer of the Company or the Subsidiary; 7.2.4 the appointment, discharge, remuneration and conditions of employment and
any changes thereto of any employee of any Group Company whose aggregate gross annual earnings are equal to or in excess of EUR 200,000;
[...]"
Im Organisationsreglement der C._ Holding AG wird in Ziff. 3.6.2 festgehal-
ten, dass der Verwaltungsrat grundsätzlich mit der Mehrheit der abgegebenen
Stimmen entscheidet (act. 3/7 S. 6). Weiter sieht das Organisationsreglement
(entsprechend der Regelung im Aktionärbindungsvertrag) als Ausnahme dazu
vor, dass zusätzlich zu diesem Mehrheitsentscheid die in Ziff. 3.6.3 aufgezählten
Angelegenheiten der Zustimmung der "B Directors" bedürfen. Die streitgegen-
ständlichen Bestimmungen lauten wie folgt (act. 3/7 S. 6):
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"3.6 Quorum, Resolutions and Consultation [...] 3.6.3 The following resolutions shall be deemed passed when adopted by the majority of the Members of the Board present and with the consent of both B Directors ("Board Reserved matters"): [...] c) the appointment, removal and conditions of employment and any changes there-
to of the chief executive officer of the Company or the Subsidiary; d) the appointment, discharge, remuneration and conditions of employment and
any changes thereto of any employee of any Group Company whose aggregate gross annual earnings are equal to or in excess of EUR 200,000;
[...]"
Zunächst wurde F._ von der Klägerin als "B Director" in den Verwaltungsrat
entsandt. Daraufhin übernahm im Jahr 2012 der klägerische Rechtsvertreter
X1._ diese Funktion. Eine weitere Investorin, die G._ Limited, welche
ebenfalls berechtigt war, einen "B Director" zu bestimmen, verkaufte ihre Aktien-
anteile im Dezember 2012, weshalb seither nur noch der "B Director" der Klägerin
im Verwaltungsrat Einsitz nimmt. Die Klägerin führte anlässlich ihres Investments
im Jahr 2010 bei der C._ Holding AG eine Due Diligence Prüfung durch, bei
welcher ein Bruttomonatslohn des Beklagten von CHF 8'800.– festgestellt wurde.
Im streitgegenständlichen Zeitraum (Januar 2013 bis Juni 2014) bezog der Be-
klagte einen Bruttomonatslohn von CHF 14'000.– zuzüglich Boni (act. 1 Rz. 5 ff.;
act. 14 Rz. 13 ff. und 125 ff.).
3. Haftung aus aktienrechtlicher Verantwortlichkeit
3.1. Vorbemerkung
Im vorliegenden Verfahren sind nur Ansprüche aus aktienrechtlicher Verantwort-
lichkeit zu prüfen. Nicht Gegenstand des Verfahren sind Ansprüche aus einer all-
fälligen Verletzung des Aktionärbindungsvertrags vom 29. Juni 2010 (act. 3/8).
3.2. Grundsatz
Die Mitglieder des Verwaltungsrates und alle mit der Geschäftsführung oder mit
der Liquidation befassten Personen sind sowohl der Gesellschaft als auch den
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einzelnen Aktionären und Gesellschaftsgläubigern für den Schaden verantwort-
lich, den sie durch absichtliche oder fahrlässige Verletzung ihrer Pflichten verur-
sachen (Art. 754 Abs. 1 OR). Die Voraussetzungen einer Haftung aus aktienrecht-
licher Verantwortlichkeit sind demnach das Vorliegen eines Schadens, einer
Pflichtverletzung, des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwi-
schen Schaden und Pflichtverletzung sowie eines Verschuldens.
3.3. Klägerin, Klagelegitimation
Die Klägerin als mittelbar geschädigte Aktionärin ist nach Art. 756 Abs. 1 OR legi-
timiert, den der Gesellschaft versursachten Schaden als Prozessstandschafterin
einzuklagen (DIETER GERICKE / STEFAN WALLER, in: Basler Kommentar, Obligatio-
nenrecht II, 4. Aufl. 2012, N. 13 zu Art. 756 OR). Der Anspruch geht auf Leistung
an die Gesellschaft.
3.4. Beklagter, Organeigenschaft
Unbestrittenermassen kommt dem Beklagten als CEO und Vizepräsident des
Verwaltungsrates der C._ Holding AG Organeigenschaft zu, womit er passiv-
legitimiert ist.
3.5. Behauptungs- und Beweislast
Die Klägerin trägt die Behauptungs- und Beweislast für den Schaden, die Pflicht-
widrigkeit und den Kausalzusammenhang (PETER BÖCKLI, Schweizer Aktienrecht,
4. Aufl. 2009, § 18 N. 136 f.; vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_410/2011 vom
11. Juli 2012 E. 3.1). Hinsichtlich des Verschuldens ist in der Lehre umstritten, ob
das Verschulden ebenfalls von der Klägerin behauptet und bewiesen werden
muss oder vermutet wird und dem Organ die Exkulpation offen steht. Die prakti-
sche Bedeutung dieser Kontroverse ist gering, da bei einem objektivierten Sorg-
faltsmassstab subjektive Entlastungsgründe kaum je eine nennenswerte Rolle
spielen (vgl. zur Kontroverse DIETER GERICKE / STEFAN WALLER, a.a.O., N. 35 zu
Art. 754 OR).
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3.6. Verwirkungsfrist nach Art. 758 Abs. 2 OR
Verantwortlichkeitsklagen müssen von den Aktionären, die dem Entlastungsbe-
schluss der Generalversammlung nicht zugestimmt haben, gemäss Art. 758
Abs. 2 OR innerhalb von sechs Monaten nach der Generalversammlung erhoben
werden (DIETER GERICKE / STEFAN WALLER, a.a.O., N. 9 zu Art. 758 OR). Die or-
dentliche Generalversammlung für das verkürzte Geschäftsjahr 2013 (Januar bis
Juni 2013) fand am 27. Dezember 2013 statt, wobei die Klägerin unbestrittener-
massen der Entlastung nicht zugestimmt hatte (act. 21 Rz. 6; act. 25 Rz. 36). Die
Klage wurde am 26. Juni 2014 und damit innerhalb der Verwirkungsfrist rechts-
hängig gemacht (act. 1).
4. Pflichtverletzung
4.1. Allgemein
Die Verantwortlichkeit einer Organperson nach Art. 754 OR setzt die absichtliche
oder fahrlässige Verletzung ihrer Pflichten voraus. Zu den Pflichten des Verwal-
tungsrats gehört zunächst die Führung der Geschäfte nach Art. 716 Abs. 2 OR.
Die unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben sind in Art. 716a OR aufge-
führt. Sodann gilt die Sorgfalts- und Treuepflicht gemäss Art. 717 Abs. 1 OR. Eine
Pflichtverletzung liegt schliesslich dann vor, wenn der Gesellschaft unrechtmässig
Vermögenswerte zu eigenem Nutzen entzogen werden (PETER FORSTMOSER, Die
aktienrechtliche Verantwortlichkeit, 1987, N. 781 ff.), was es nachfolgend zu prü-
fen gilt.
4.2. Verwaltungsratsbeschlüsse hinsichtlich der Vergütungen des Beklagten
4.2.1. Parteibehauptungen
Die Klägerin wirft dem Beklagten vor, eine Pflichtverletzung begangen zu haben,
indem er verglichen mit dem anlässlich der Due Diligence offengelegten Lohn oh-
ne erforderlichen Verwaltungsratsbeschluss und insbesondere ohne Zustimmung
des "B Directors" höhere Vergütungen bezogen habe. Sie macht die über den Be-
trag von CHF 8'800.– hinausgehenden Vergütungen für das verkürzte Geschäfts-
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jahr 2013 (Januar 2013 bis Juni 2013) und für das Geschäftsjahr 2013 / 2014 (Juli
2013 bis Juni 2014) als Schaden der Gesellschaft geltend. Ausgehend vom Brut-
tomonatslohn von CHF 14'000.– resultiere so eine Differenz von CHF 5'200.– zu
den offengelegten CHF 8'800.–, was für das verkürzte Geschäftsjahr 2013 einem
Gesamtschaden von CHF 31'200.– (CHF 5'200.– x 6) entspreche. Für das Ge-
schäftsjahr 2013 / 2014 ergebe dies CHF 62'400.– (12 x CHF 5'200.–), wobei der
13. Monatslohn von CHF 14'000.– dazukomme. Zuzüglich des variablen Lohnan-
teils (Bonus) für das Jahr 2013 von mindestens CHF 17'600.– würden unrecht-
mässige Lohnbezüge von mindestens 125'200.– resultieren, welche der Gesell-
schaft als Schaden entstanden seien (act. 1 Rz. 28 ff.; act. 21 Rz. 3 ff. und 186
ff.).
Zur Begründung der Unrechtmässigkeit der beklagtischen Vergütungen macht die
Klägerin zunächst geltend, dass kein Verwaltungsratsbeschluss für die Lohnerhö-
hungen vorliege. Damit fehle es an einer vertraglichen Vereinbarung für die ge-
währten Lohnerhöhungen und Boni, womit diese ohne Rechtsgrundlage erfolgt
seien; der Beklagte habe gleich doppelt gegen seine Pflichten verstossen, näm-
lich durch pflichtwidriges Nichteinschreiten gegen die unrechtmässigen Lohnzah-
lungen und durch pflichtwidrige Annahme derselbigen. Schliesslich hätten die
Jahresrechnungen und Budgets jeweils nur Globalpositionen zu den Löhnen ent-
halten, so dass eine Überprüfung der Löhne des Beklagten nicht möglich gewe-
sen sei (act. 1 Rz. 9, 14 ff. und 34 ff.; act. 21 Rz. 36, 94, 108, 122 und 163).
Der Beklagte stellt nicht in Abrede, einen Bruttomonatslohn von CHF 14'000.–
während des streitgegenständlichen Zeitraums bezogen zu haben. Die einzelnen
Saläre hätten dem Verwaltungsrat der C._ Holding AG anlässlich der Ge-
nehmigung des Budgets 2013 und des Budgets 2013 / 2014 vorgelegen. Zwar
habe der von der Klägerin delegierte Verwaltungsrat X1._ der Budgetposition
"Saläre" nicht zugestimmt, dennoch seien die Budgets mit Mehrheitsbeschluss
genehmigt worden. Auch seien die Jahresrechnungen – mit einer Gegenstimme
von X1._ – vom Verwaltungsrat genehmigt worden, dies in Kenntnis des Sa-
lärs des Beklagten. Eine Genehmigung des Salärs des Beklagten sei schliesslich
auch in der Genehmigung der Jahresrechnungen 2013 und 2013 / 2014 durch die
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Generalversammlungen vom 27. Dezember 2013 und vom 27. Oktober 2014 zu
erblicken. Es sei üblich gewesen, im Zuge des finanziellen Reportings und des
Budgetprozesses jeweils Saläranpassungen vorzunehmen. Allerdings sei darauf
verzichtet worden, diese Saläranpassungen jeweils explizit in förmliche und
schriftliche Verwaltungsratsbeschlüsse zu fassen (act. 14 Rz. 22, 37, 99 ff. und
140 ff.; act. 25 Rz. 37, 52, 62, 81, 98 f., 166 und 199).
4.2.2. Festlegung der Vergütungen mit der Genehmigung der Budgets
Zunächst ist die strittige Frage zu prüfen, ob hinsichtlich der streitgegenständli-
chen Vergütungen des verkürzten Geschäftsjahrs 2013 und des Geschäftsjahrs
2013 / 2014 überhaupt Verwaltungsratsbeschlüsse vorliegen oder nicht.
4.2.2.1. Genehmigung Budget 2013
An der Verwaltungsratssitzung vom 14. Juni 2013 wurde das Budget für das Jahr
2013 verabschiedet. Bestandteil des Budgets war eine Lohnliste mit den individu-
ellen Salären der Mitarbeiter der C._ Holding AG, woraus auch die budgetier-
ten Vergütungen des Beklagten ersichtlich sind (act. 15/83).
Aus dem Protokoll der Verwaltungsratssitzung vom 14. Juni 2013 geht hervor,
dass unter Traktandum 6 eine Diskussion über das Budget 2013 stattfand
(act. 15/82 S. 5 f.: "Final 2013 budget discussion and sign-off"), anlässlich welcher
Verwaltungsrat D._ die Frage aufwarf, ob die übrigen Verwaltungsräte zur
Sitzungsvorbereitung die detaillierten Saläre angeschaut hätten (act. 15/82 S. 5:
"May I ask who of the board members looked into the details of the salaries in
preparation of the board meetings?"), worauf die Verwaltungsräte H._ und
I._ antworteten, dass sie jeweils die detaillierten Saläre anschauen würden.
Der von der Klägerin delegierte Verwaltungsrat X1._ führte dazu aus, dass
die Saläre Bestandteil des Budgets seien (act. 15/82 S. 5: "Salaries are part of the
budget. [...] Therefore I cannot sign of the salaries.").
Aus diesen Äusserungen erhellt, dass die individuellen Saläre dem Budget beila-
gen und auch im Verwaltungsrat diskutiert und zur Kenntnis genommen wurden.
Wie aus dem Protokoll zu entnehmen ist, wurde das Budget schliesslich verab-
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schiedet, wobei X1._ als einziger Verwaltungsrat den budgetierten Salären
nicht zustimmte (act. 15/82 S. 6).
Aus der Lohnliste geht hervor, dass für den Beklagten eine "Base compensation"
von EUR 138'868.– und ein Bonus von EUR 59'899.– budgetiert wurden, was ei-
ner "Total compensation" von EUR 198'767.– entsprach. In einer weiteren Spalte
werden die "Total costs" der beklagtischen Vergütungen mit EUR 234'004.– auf-
geführt. Die "Total costs" weisen die Gesamtlohnkosten der Gesellschaft auf, wie
dies auf Seite 2 der Lohnliste erläutert wird (act. 15/83 S. 2; "Total costs = costs of
the company incl. social insurance"). Die budgetierte "Total compensation" ent-
sprach, abgesehen von einer geringfügigen Differenz, welche auf den applizierten
Wechselkurs CHF/EUR zurückzuführen ist (act. 25 Rz. 23), auch den effektiv be-
zogenen Vergütungen des Beklagten von EUR 199'690.– (vgl. Ziff. 4.4.4 her-
nach).
4.2.2.2. Genehmigung Budget 2014
An der Verwaltungsratssitzung vom 4. Dezember 2013 wurde unter Traktandum 5
über das Budget 2014 beraten. Dabei gab X1._ zu Protokoll, dass er die
Vergütung des Beklagten nicht akzeptieren könne (act. 15/84 S. 5: "I cannot ac-
cept the CEO salary, which is shown in the salary list."). Sodann wurde das
Budget 2014 verabschiedet, wobei X1._ seine Zustimmung hinsichtlich der
Vergütung des Beklagten verweigerte. Auch daraus erhellt, dass eine Lohnliste
mit den individuellen Löhnen Bestandteil des Budgets war und vom Verwaltungs-
rat zur Kenntnis genommen wurde.
Aus der von der Klägerin ins Recht gelegten Lohnliste für das Jahr 2014 geht her-
vor (act. 22/12), dass für den Beklagten ein Betrag von EUR 228'935.– budgetiert
wurde. Diesem stehen effektive Vergütungen des Beklagten von EUR 197'591.–
(vgl. Ziff. 4.4.4 hernach) gegenüber. Es ist demnach mit dem Beklagten davon
auszugehen, dass der Betrag von EUR 228'935.– die Gesamtlohnkosten aus-
weist (act. 25 Rz. 21 ff.) und nicht wie die Klägerin behauptet, den effektiven Aus-
zahlungsbetrag (act. 21 Rz. 7). Andernfalls wäre der vom Beklagten ins Recht ge-
legte Lohnausweis unrichtig, was die Klägerin jedoch nicht behauptet (vgl.
- 15 -
Ziff. 4.4.4 hernach). Jedenfalls kann festgehalten werden, dass auch die beklagti-
schen Vergütungen für das Jahr 2014 im Budget festgelegt wurden. Der dem Be-
klagten ausbezahlte Betrag von EUR 197'591.– zuzüglich 15 % Arbeitgeberbei-
träge (act. 25 Rz. 23) entspricht – abgesehen von einer geringfügigen Währungs-
differenz durch den applizierten CHF/EUR Wechselkurs – den im Budget festge-
legten Gesamtlohnkosten von EUR 228'935.–.
4.2.2.3. Fazit
Da jeweils eine Lohnliste mit der individuellen Vergütung des Beklagten Bestand-
teil des Budgets war, haben die streitgegenständlichen Vergütungen eine Grund-
lage in den Budgetbeschlüssen des Verwaltungsrats. Fraglich ist indes, ob die
Lohnerhöhungen und Boni des Beklagten dem Verwaltungsrat zusätzlich zur
förmlichen Genehmigung hätten unterbreitet werden müssen, wie die Klägerin
geltend macht. Dies ist nachfolgend zu erörtern.
4.2.3. Keine Notwendigkeit einer zusätzlichen Beschlussfassung
Gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 2 OR hat der Verwaltungsrat seine Organisation
und Arbeitsweise selbst zu regeln, wobei ihm diesbezüglich die gesetzliche Ord-
nung einen grossen Spielraum lässt. Grundsätzlich besteht kein Formerfordernis,
doch werden die Grundlagen regelmässig in einem Organisationsreglement ver-
ankert (PETER FORSTMOSER, Organisation und Organisationsreglement der Akti-
engesellschaft, 2011, § 8 N. 31 f. und 34). Hinsichtlich der Beschlussfassung des
Verwaltungsrats hält Art. 713 Abs. 1 OR fest, dass Beschlüsse mit der Mehrheit
der abgegebenen Stimmen gefasst werden und dem Vorsitzenden vorbehältlich
einer abweichenden statutarischen Regelung der Stichentscheid zukommt.
Art. 713 Abs. 2 OR sieht weiter die Möglichkeit der Beschlussfassung auf dem
Zirkulationsweg vor, Art. 713 Abs. 3 OR regelt die Protokollpflicht. Die genaue Art
und Weise, wie der Verwaltungsrat seine Beschlüsse zu fassen hat, legt Art. 713
OR indes nicht fest.
Art. 15 der Statuten (act. 3/6 S. 6) und Ziff. 3.4.9 des Organisationsreglements der
C._ Holding AG (act. 3/7 S. 4) bestimmen lediglich, dass Beschlüsse auf
- 16 -
dem Zirkularweg und per Telefonkonferenz zulässig sind. Darüber hinaus beste-
hen keine weiteren formellen statutarische oder reglementarische Bestimmungen
über die Art und Weise der Beschlussfassung bzw. über die Willensbildung im
Verwaltungsrat, sondern nur materielle Regelungen hinsichtlich der Gültigkeit der
Beschlussfassung.
Dass die Festlegung der Saläre über den Budgetprozess stattfand und die Vergü-
tungen des Beklagten nicht Gegenstand eines zusätzlichen Verwaltungsratsbe-
schlusses waren, ist somit nicht zu beanstanden, wenn diese Vorgehensweise
der vorliegend (stillschweigend) festgelegten Organisation und Arbeitsweise des
Verwaltungsrats entspricht. Die Klägerin behauptet nicht, dass je eine andere
Vorgehensweise zur Festlegung der Saläre angewandt worden wäre; solches ist
auch den ins Recht gelegten Verwaltungsratsprotokollen nicht zu entnehmen.
Insbesondere wurden auch Salärerhöhungen auf dem Wege des Budgetprozes-
ses durchgeführt. So war beispielsweise die Salärerhöhung des Beklagten von
CHF 8'800.– auf CHF 9'800.– an der Verwaltungsratssitzung vom 10. Januar
2010 anlässlich der Budgetgenehmigung 2011 explizit in der beiliegenden Lohn-
liste aufgeführt (act. 15/35b). Es kann diesbezüglich somit von gesellschaftsinter-
nem Gewohnheitsrecht bzw. einer ergänzenden Observanz ausgegangen wer-
den, deren Zulässigkeit im Gegensatz zur derogierenden Observanz unproblema-
tisch ist (PETER FORSTMOSER / ARTHUR MEIER-HAYOZ / PETER NOBEL, a.a.O., § 12
N. 7 ff.). Eine derogierende Observanz liegt hier aber nicht vor, da keine entge-
genstehende gesetzliche, statutarische oder reglementarische Vorschriften be-
stehen. Die Feststellung der Klägerin, dass eine derogierende Observanz unzu-
lässig sei, bezieht sich denn auch nicht auf die Salärfestlegung über den Budget-
prozess, sondern auf die Zulässigkeit von Zustimmungserfordernissen (act. 21
Rz. 140; zu den Zustimmungserfordernissen vgl. Ziff. 4.3 hernach).
Entscheidend ist letztlich, dass die Vergütungen des Beklagten Gegenstand der
Willensbildung des Verwaltungsrats waren, was aus den entsprechenden Diskus-
sionen zum Budget erhellt (vgl. Ziff. 4.2.2 hiervor). Eine zusätzliche "förmliche"
Genehmigung der beklagtischen Vergütungen war damit nicht erforderlich.
- 17 -
Ergänzend ist zu bemerken, dass der Verwaltungsrat auch nicht gehalten war, de-
tailliertere Bestimmungen über die Beschlussfassung im Organisationsreglement
zu erlassen. Naturgemäss kann die Arbeitsweise eines Verwaltungsrats nicht bis
ins letzte Detail im Organisationsreglement festgelegt werden, zumal dies gar
nicht praktikabel wäre. Deshalb besteht auch Raum für auslegende oder ergän-
zende Observanzen.
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass entgegen der beklagtischen Auffassung
in der Verabschiedung der Jahresrechnungen durch den Verwaltungsrat und
durch die Generalversammlung keine Genehmigung der Vergütungen erblickt
werden kann, da die einzelnen Vergütungen nicht individuell ausgewiesen werden
(act. 15/38; act. 15/58; act. 15/85; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
6S.415/2006 vom 19. März 2007 E. 6.3).
4.2.4. Fazit
Somit ist festzuhalten, das die streitgegenständlichen Vergütungen des Beklagten
im Rahmen der Budgetverabschiedung festgelegt wurden. Damit besteht eine
Grundlage für die ausbezahlten Vergütungen in den entsprechenden Beschlüssen
des Verwaltungsrats. Ob diese Beschlüsse hinsichtlich der Vergütungen auch oh-
ne Zustimmung des "B Directors" X1._ gültig zustande gekommen sind, ist
nachfolgend zu beurteilen.
4.3. Zulässigkeit von Zustimmungserfordernissen
4.3.1. Parteibehauptungen
Die Unrechtmässigkeit der in Frage stehenden Lohnerhöhungen begründet die
Klägerin schliesslich auch damit, dass die "vetoberechtigten B Directors" in keiner
Art und Weise ihre zwingend erforderliche Zustimmung abgegeben hätten. Die
dennoch vorgenommenen Lohnerhöhungen (einschliesslich Boni) würden damit
gegen Ziff. 3.6.3 lit. c des Organisationsreglements der C._ Holding AG
verstossen. Mangels qualifiziertem Verwaltungsratsbeschluss könne somit über-
haupt keine rechtsgültige Willenserklärung der Gesellschaft zur Gewährung von
Lohnerhöhungen an den Beklagten vorliegen. Bestimmungen im Organisations-
- 18 -
reglement, wonach für bestimmte Geschäfte die Zustimmung gewisser Verwal-
tungsräte eingeholt werden müsse, seien zulässig, da es sich um kein Mehrfach-
stimmrecht, sondern um ein Beschlussquorum handle, mithin um eine mildere
Form des Einstimmigkeitsprinzips (act. 1 Rz. 14 ff. und 33 ff.; act. 21 Rz. 5, 7,
20 ff., 46 ff., 65, 71 und 142).
Der Beklagte bestreitet nicht, dass keine Zustimmung des von der Klägerin in den
Verwaltungsrat der C._ Holding AG entsandten "B Directors" X1._ vor-
liegt. Eine reglementarische Bestimmung, wonach nur bestimmten Personen im
Verwaltungsrat das Recht zukomme, positive Beschlüsse zu verhindern, sei je-
doch ungültig und widerspreche dem Kopfstimmprinzip und dem Gleichbehand-
lungsgrundsatz. Die Klägerin könne sich zur Begründung ihrer Klage somit nicht
auf ein "Vetorecht ad personam", welches lediglich einem individuell bestimmten
Mitglied des Verwaltungsrates zustehen soll, berufen. Das "Veto" von X1._
anlässlich der Budgetgenehmigung führe daher nicht zur Widerrechtlichkeit der
vom Beklagten bezogenen Vergütungen, weshalb auch keine Pflichtverletzung
vorliegen könne (act. 14 Rz. 99, 110 ff. und 162; act. 25 Rz. 63, 79, 82 ff. und
197).
4.3.2. Qualifikation von Ziff. 3.6.3 des Organisationsreglements als Zustimmungs-
erfordernis
Die streitgegenständlichen Bestimmungen von Ziff. 3.6.3 des Organisationsreg-
lements (act. 3/7 S. 6) sind in Ziff. 2. hiervor wiedergegeben. Sie legen fest, dass
eine Beschlussfassung hinsichtlich der aufgeführten Geschäfte nur möglich ist,
wenn die Verwaltungsräte der Investoren ("B Directors") ihre Zustimmung ("with
the consent") abgeben. Demgemäss können die "B Directors" entgegen einer
Mehrheit der Verwaltungsratsmitglieder die Beschlussfassung verhindern. Dabei
handelt es sich nicht – wie von den Parteien verschiedentlich erwähnt wird – um
ein Vetorecht, mit dem ein Beschluss im Nachhinein kassiert wird, sondern um ein
Zustimmungserfordernis der "B Directors" bzw. einer Gruppe bestimmter Verwal-
tungsratsmitglieder, mit dem verhindert wird, dass der Verwaltungsrat positiv Be-
schluss fassen kann. Prozedural mag es wohl einen Unterschied zwischen Zu-
stimmungserfordernis und Vetorecht geben (STEFAN KNOBLOCH, Joint Ventures:
- 19 -
Vertrags- und gesellschaftsrechtliche Gestaltungsmöglichkeiten, in: GesKR 2013,
S. 562 Fn. 100). Hinsichtlich der hier zu beurteilenden Frage, ob Ziff. 3.6.3 des
Organisationsreglements mit dem Kopfstimmprinzip bzw. mit dem Gleichbehand-
lungsgrundsatz vereinbar ist (vgl. Ziff. 4.3.4 hernach), kommt es dagegen auf die
Ausgestaltung als Vetorecht oder als Zustimmungserfordernis nicht an, da im Er-
gebnis beide Varianten zu einer "Verhinderung" eines rechtsgültigen Beschlusses
führen. Deshalb können nachfolgend auch die Literaturmeinungen herangezogen
werden, die sich nur zu den Vetorechten äussern, zumal die soeben beschriebe-
ne Differenzierung in der Literatur nicht immer vorgenommen wird.
4.3.3. Beschlussfassung des Verwaltungsrats
Art. 713 Abs. 1 OR sieht vor, dass der Verwaltungsrat seine Beschlüsse mit der
Mehrheit der abgegebenen Stimmen fasst. Obwohl dies aus dem Wortlaut von
Art. 713 Abs. 1 OR nicht ohne Weiteres hervorgeht, wird die Bestimmung von der
einhelligen Literatur als dispositiv erachtet (MARTIN WERNLI/MARCO A. RIZZI, in:
Basler Kommentar, Obligationenrecht, 4. Aufl. 2012, N. 8 zu Art. 713 OR). Es
werden indes zur Zulässigkeit von Zustimmungserfordernissen (bzw. von Veto-
rechten) aller Verwaltungsräte (Einstimmigkeitserfordernis) oder nur von einzel-
nen Mitgliedern oder Gruppen von ihnen unterschiedliche Ansichten vertreten.
WALDBURGER hält aus Sicht des Gleichbehandlungsgrundsatzes spezifische Zu-
stimmungserfordernisse bzw. entsprechende Vetorechte einzelner Mitglieder oder
Gruppen von Verwaltungsräten für gänzlich unzulässig. Das Vetorecht setze sich
stets über den Willen der Mehrheit hinweg, was mit dem Kern des Gleichbehand-
lungsgrundsatzes unvereinbar sei. Er anerkennt, dass in der Praxis oft ein gestei-
gertes Bedürfnis für entsprechende Bestimmungen bestehe, weist jedoch auf die
Möglichkeit hin, einen Aktionärbindungsvertrag abzuschliessen, welcher die Ge-
sellschaft selbst nicht binde und die einzelnen Verwaltungsratsmitglieder in ihrer
organschaftlichen Funktion auch nicht von ihrer Verantwortlichkeit sowohl für die
grundsätzliche Entscheidungsfähigkeit des Gremiums als auch für den Inhalt der
entsprechenden Entscheide enthebe (MARTIN WALDBURGER, Die Gleichbehand-
lung von Mitgliedern des Verwaltungsrates, Diss. 2002, S. 191). Ebenso weist
BÖCKLI auf die Problematik zu strenger Quorumsvorschriften hin. Seiner Ansicht
- 20 -
nach ist unhaltbar, dass als Folge eines allgemein geltenden qualifizierten Mehr-
heitserfordernisses eine Minderheit des Verwaltungsrates ständig darüber be-
stimmt, was die Gesellschaft nicht tun soll, wobei weder sie als Minderheit noch
die Mehrheit des Verwaltungsrates ihrerseits darüber bestimmen könne, was die
Gesellschaft tun sollte. Deshalb hält er das Einstimmigkeitserfordernis bzw. das
Vetorecht jedes Verwaltungsratsmitglieds für unstatthaft (PETER BÖCKLI, a.a.O,
§ 13 N. 121a f.). Gegen die Zulässigkeit von Vetorechten bzw. Einstimmigkeits-
vorschriften äussert sich schliesslich TRIGO TRINDADE mit dem Hinweis, dass diese
einem verbotenen Mehrstimmrecht gleichkommen würden (RITA TRIGO TRINDADE,
Le conseil d'administration de la société anonyme, Diss. 1996, S. 141).
Differenzierend hält FORSTMOSER fest, dass aus dem Kopfstimmprinzip das Verbot
resultiere, individuell bestimmten Verwaltungsratsmitgliedern ein Recht zu geben,
positive Beschlüsse zu verhindern. Demgegenüber erachtet er es für zulässig,
durch Einführung des Einstimmigkeitserfordernisses jedem Verwaltungsratsmit-
glied, jedoch nicht spezifisch einzelnen von ihnen, ein Vetorecht einzuräumen
(PETER FORSTMOSER, Organisation und Organisationsreglement der Aktiengesell-
schaft, 2011, § 11 N. 84).
WERNLI / RIZZI postulieren, dass es dem Verwaltungsrat überlassen sein müsse,
ob er die Beschlussfassung mit einem Einstimmigkeitserfordernis einschränken
will (MARTIN WERNLI / MARCO A. RIZZI, a.a.O., N. 8 zu Art. 713). Einige Autoren
nehmen eine Differenzierung betreffend die Gesellschaftsgrösse vor. So weist
BÜRGI darauf hin, dass die generelle Unzulässigkeit von Vetorechten bei Kleinge-
sellschaften, wo der Verwaltungsrat eventuell von einer einzigen Persönlichkeit
beherrscht wird, nicht allen Umständen gerecht wird (WOLFHART BÜRGI, Zürcher
Kommentar, 1969, N. 10 zu aArt. 716 OR). TANNER erachtet das Einstimmigkeits-
prinzip für wichtige Beschlüsse bei kleinen Gesellschaften als sinnvoll (BRIGITTE
TANNER, Quoren für die Beschlussfassung in der Aktiengesellschaft, Diss. 1987,
S. 338 f.). Ebenso befürwortet KRNETA die Zulässigkeit des Einstimmigkeitsprin-
zips bei kleinen Gesellschaften für gewisse ausserordentliche Entscheide, beson-
ders wenn die verschiedenen Aktionäre durch einen Aktionärbindungsvertrag ge-
bunden sind (GEORG KRNETA, Praxiskommentar Verwaltungsrat, 2. Aufl. 2005, N.
- 21 -
772 ff.). Allerdings äussern sich die letztgenannten Autoren nicht zur Zulässigkeit
spezifischer Zustimmungserfordernisse / Vetorechte einzelner Mitglieder oder
Gruppen von Verwaltungsräten.
Die Klägerin stützt sich für ihre Rechtsauffassung auf BÜRGI / MOSKRIC. Gemäss
diesen Autoren kann eine (gesellschaftsrechtliche) Strukturierungsmassnahme
eines SPV (Special Purpose Vehicle) darin bestehen, dass in den Verwaltungsrat
ein unabhängiger Vertreter gewählt wird, welcher für gewisse, zentrale Geschäfte
seine Zustimmung abgeben muss (JOHANNES A. BÜRGI / ELISABETH MOSKRIC, As-
set-Backed Securisation in der Schweiz, Kapitalmarkttransaktionen VIII, EIZ Band
Nr. 144, 2014, S. 181). Diese Autoren äussern sich dazu jedoch nur beiläufig. Ei-
ne Auseinandersetzung in Bezug auf die Problematik der Vereinbarkeit mit dem
Kopfstimmprinzip und dem Gleichbehandlungsgrundsatz findet nicht statt, inso-
fern lässt sich aus dieser Lehrmeinung nichts zugunsten der klägerischen
Rechtsauffassung ableiten.
Es geht vorliegend lediglich um die Beurteilung eines Zustimmungserfordernisses
einer bestimmten Gruppe von Verwaltungsräten ("B Directors") für gewisse Sach-
geschäfte. Zur Zulässigkeit spezifischer Zustimmungserfordernisse bzw. Veto-
rechte einzelner Mitglieder oder Gruppen äussern sich FORSTMOSER und WALD-
BURGER explizit und lehnen deren Zulässigkeit unter Hinweis auf das Kopfstimm-
prinzip und den Gleichbehandlungsgrundsatz ab.
4.3.4. Unvereinbarkeit mit dem Kopfstimmprinzip bzw. Gleichbehandlungsgrund-
satz
Aus dem Kopfstimmprinzip ergibt sich, dass jeder Verwaltungsrat nur eine Stim-
me besitzt. Ein Mehr- oder Pluralstimmrecht einzelner Mitglieder ist unzulässig.
Dabei handelt es sich um einen zwingenden Grundsatz, eine statutarische oder
reglementarische Verankerung eines Pluralstimmrechts ist unzulässig. Das Kopf-
stimmprinzip ergibt sich aus der Gleichberechtigung aller Verwaltungsratsmitglie-
der sowie aus ihrer gleichgelagerten Verantwortlichkeit (statt vieler PETER FORST-
MOSER, Organisation und Organisationsreglement der Aktiengesellschaft, 2011,
§ 11 N. 83). Dies entspricht auch der Rechtsprechung des Bundesgerichts. So
- 22 -
führte es in BGE 71 I 188 E. 5 aus, dass in einem demokratischen Rechtsstaat
grundsätzlich die Prinzipien der Gleichberechtigung und des Mehrheitsentscheids
gelten würden. Die Gleichberechtigung bestehe aber nur, wenn jeder Verwal-
tungsrat über die gleiche Stimmkraft verfüge.
Genau dem stehen die vorliegenden Bestimmungen des Organisationsreglements
entgegen. Es wird eine Differenzierung zwischen den Nein-Stimmen/Enthaltungen
der "B Directors" und denjenigen der übrigen Verwaltungsratsmitgliedern getrof-
fen, was mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz nicht vereinbar ist. Faktisch verfü-
gen damit nicht alle Verwaltungsratsmitglieder über die gleiche Stimmkraft, was
auch im Widerspruch zum Kopfstimmprinzip steht. Hinsichtlich der Nein-
Stimmen/Enthaltungen geht das Zustimmungserfordernis gar weiter als das Plu-
ralstimmrecht; beim Pluralstimmrecht besteht zumindest die (theoretische) Mög-
lichkeit, überstimmt zu werden, was beim Zustimmungserfordernis nicht denkbar
ist.
Weiter ist zu berücksichtigen, dass Verwaltungsräte aufgrund ihrer persönlichen
Eigenschaften und beruflichen Fähigkeiten gewählt werden. Sie sind nur dem Ge-
sellschaftsinteresse verpflichtet, was sich auch entsprechend in ihrer Verantwort-
lichkeit niederschlägt. Formell unterstehen sie in ihrer Rechtsstellung keinen un-
terschiedlichen Haftungsvoraussetzungen, womit es zunächst keine "Zwei-
Klassen-Gesellschaft" im Verwaltungsrat gibt. Im Falle eines Versagens sollen die
einzelnen Mitglieder auch der Gesellschaft gegenüber dafür gerade stehen müs-
sen, ohne sich völlig auf ihre Rolle als "Statisten" berufen zu können (WALDBUR-
GER, a.a.O., S. 43 und 89 f.). Auch diese Überlegungen erhellen, dass die streit-
gegenständlichen Bestimmungen im Organisationsreglement mit dem Gleichbe-
handlungsgrundsatz unvereinbar sind.
Zwar sieht das Gesetz selber Ausnahmen vom Kopfstimmprinzip und dem
Gleichbehandlungsgrundsatz vor, so beim Stichentscheid des Vorsitzenden
(Art. 713 Abs. 1 OR). Diese Ausnahme ist vom Gesetzgeber jedoch ausdrücklich
vorgesehen und dient der Erhaltung der Entscheidungsfähigkeit des Verwaltungs-
rates (WALDBURGER, a.a.O., S. 181). Demgegenüber hat die streitgegenständliche
- 23 -
Regelung im Organisationsreglement einen ganz anderen Hintergrund. Sie be-
zweckt letztlich die Durchsetzung eines Aktionärbindungsvertrages.
Auch bei der Bildung von Verwaltungsratsausschüssen gemäss Art. 716a Abs. 2
OR mag es zur Ungleichbehandlung von einzelnen Mitgliedern kommen. Aus-
schüsse bezwecken jedoch eine zweckmässige Arbeitsteilung und Strukturierung
des Verwaltungsrates. Sie führen zu einer erwünschten Entlastung des Gesamt-
gremiums (KATJA ROTH PELLANDA, Organisation des Verwaltungsrates, Diss.
2007, S. 298 ff.) und haben keine Beeinträchtigung der Entscheidungsfähigkeit
des Verwaltungsrates zur Folge, da sie jederzeit wieder umgebildet werden kön-
nen (Art. 726 Abs. 1 OR; Art. 716a Abs. 1 OR).
Indes besteht – worauf WALDBURGER zu Recht hinweist – ein praktisches Bedürf-
nis für Zustimmungvorbehalte bzw. für Vetorechte. Diesem Bedürfnis kann in die-
sem Fall mit dem Abschluss eines Aktionärbindungsvertrages jedoch ohne Weite-
res nachgelebt werden. Zwar wird durch einen Aktionärbindungsvertrag die Ge-
sellschaft nicht gebunden und die Rechtsdurchsetzung mag dadurch allenfalls er-
schwert sein. Dies stellt jedoch keinen ausreichenden Grund dar, um vom Kopf-
stimmprinzip und dem Gleichbehandlungsgrundsatz abzuweichen, zumal ausrei-
chende Möglichkeiten zur Durchsetzung von Aktionärbindungsverträgen bestehen
(z.B. vorsorgliche Massnahmen oder Konventionalstrafen). So ist auch der Sach-
verhaltsdarstellung des von der Klägerin zitierten BGE 133 III 133 das Vorliegen
eines Aktionärbindungsvertrages zu entnehmen, welcher ein Vetorecht zugunsten
gewisser Verwaltungsratsmitgliedern vorsieht. Entgegen der Klägerin ergibt sich
die Zulässigkeit reglementarischer Vetorechte jedoch nicht aus diesem Entscheid.
Er befasst sich mit der Sonderprüfung nach Art. 697a ff. OR. Mit keinem Wort wird
auf die vorliegende Problematik eingegangen, was auch nicht weiter erstaunlich
ist, da die Vereinbarung von Vetorechten in Aktionärbindungsverträgen ohnehin
unproblematisch ist.
4.3.5. Unübertragbare und unentziehbare Aufgaben des Verwaltungsrates
- 24 -
Des Weiteren ist zu beachten, dass gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 4 OR die Er-
nennung und Abberufung der mit der Geschäftsführung und der Vertretung be-
trauten Personen zu den unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben des
Verwaltungsrates gehört. Eine Delegation dieser Aufgaben an eines seiner Mit-
glieder oder gar an Dritte ist ausgeschlossen (PETER FORSTMOSER, Organisation
und Organisationsreglement der Aktiengesellschaft, 2011, § 8 N. 41). Diese Auf-
gaben sind dem Verwaltungsrat als Gesamtorgan unübertragbar und unentzieh-
bar zugewiesen. Mit der Einführung dieser Bestimmung sollte den blossen "Aus-
hängeschild-Verwaltungsräten" ein Ende bereitet werden (PETER FORSTMOSER /
ARTHUR MEIER-HAYOZ / PETER NOBEL, a.a.O., § 30 N. 29). Damit nicht zu vereinba-
ren ist das im Organisationsreglement festgelegte Zustimmungserfordernis zu-
gunsten der "B Directors" für die Ernennung und Abberufung des CEO ("the ap-
pointment, removal and conditions of employment of the ceo"); es stellt einen un-
zulässigen Eingriff in die unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben dar, da
die diesbezüglichen Entscheidungen faktisch nicht mehr vom Verwaltungsrat als
Gesamtorgan getroffen werden können. Auch aus diesem Grund erweist sich
Ziff. 3.6.3 lit. c des Organisationsreglements als unzulässig.
4.3.6. Fazit
Das Zustimmungserfordernis der "B Directors" in Ziff. 3.6.3 des Organisationsreg-
lements ist mit dem Kopfstimmprinzip und dem Gleichbehandlungsgrundsatz in
diesem Fall unvereinbar und stellt überdies einen unzulässigen Eingriff in die un-
übertragbaren und unentziehbaren Aufgaben des Verwaltungsrates dar. Die Be-
schlüsse hinsichtlich der beklagtischen Vergütungen sind damit gültig zustande
gekommen und bedurften nicht der Zustimmung des "B Directors" X1._.
4.4. Vergütungen unterhalb von EUR 200'000.–
Selbst wenn von der rechtlichen Zulässigkeit des vorliegenden Zustimmungser-
fordernisses ausgegangen würde, wäre keine Zustimmung des "B Directors"
X1._ erforderlich gewesen, was die nachfolgenden Ausführungen erhellen.
4.4.1. Parteistandpunkte
- 25 -
Die Klägerin führt aus, dass Ziff. 3.6.3 lit. c des Organisationsreglements eine
Spezialvorschrift im Verhältnis zu Ziff. 3.6.3 lit. d sei und nur für den CEO der Ge-
sellschaft gelte. Daraus ergebe sich, dass alle Änderungen der Anstellungsbedin-
gungen des CEO, wozu insbesondere die streitgegenständlichen Lohnerhöhun-
gen zählen, die Zustimmung des "B Directors" benötigen würden. Insbesondere
fielen auch Boni als variable Lohnbestandteile unter diese Bestimmung. Konkret
werde die Lohnsumme vom Begriff "conditions of employment" von Ziff. 3.6.3 lit. c
erfasst. Zu diesem Resultat führe die Auslegung nach dem Vertrauensprinzip
(act. 1 Rz. 10 und 33; act. 21 Rz. 39 ff., 80 und 135). Selbst wenn man der Argu-
mentation des Beklagten folgen würde und von der Anwendbarkeit von Ziff. 3.6.3
lit. d ausginge, wäre die darin vorgesehene Grenze von EUR 200'000.– über-
schritten worden, da dem Beklagten im Kalenderjahr 2013 mindestens
EUR 243'367.– ausbezahlt worden seien. Damit hätte der "B Director" seine Zu-
stimmung ebenfalls abgeben müssen (act. 21 Rz. 9 und 25).
Demgegenüber bringt der Beklagte vor, die bezogenen Vergütungen würden nicht
von Ziff. 3.6.3 lit. c des Organisationsreglements erfasst. Vielmehr gelte die in
Ziff. 3.6.3 lit. d festgesetzte Grenze von jährlich EUR 200'000.– bezüglich sämtli-
cher Mitarbeiter und diene der Vermeidung von Lohnexzessen. Die "conditions of
employment" des Beklagten seien seit jeher unverändert geblieben. Diese Ausle-
gung sei der Klägerin klar gewesen und ergebe sich aus der Entstehungsge-
schichte des Organisationsreglements und aus der geübten Praxis. Das Organi-
sationsreglement sei nicht nach Vertragsgrundsätzen, sondern analog zu einem
Rechtssatz auszulegen. Da der Beklagte auch nie mehr als EUR 200'000.– pro
Jahr bezogen habe, liege kein Anwendungsfall von Ziff. 3.6.3 lit. d vor (act. 14
Rz. 51, 103, 106 und 139; act. 25 Rz. 20 ff., 38, 50, 69 ff., 123 und 130).
4.4.2. Auslegungsgrundsätze
Organisationsreglemente sind analog zu einem Rechtssatz auszulegen, wenn sie
wie vorliegend als Orientierungsmittel für die Geschäftsleitung bzw. für Dritte die-
nen (ROLF WATTER / KATJA ROTH PELLANDA, in: Basler Kommentar, Obligationen-
recht II, 4. Aufl. 2012, N. 26 zu Art. 716b OR). Ziel der Auslegung eines Rechts-
satzes ist die Ermittlung des Sinngehalts der Norm. Auszugehen ist vom Wortlaut,
- 26 -
doch kann dieser nicht allein massgebend sein. Besonders wenn der Text unklar
ist oder verschiedene Deutungen zulässt, muss nach seiner wahren Tragweite
gesucht werden unter Berücksichtigung der weiteren Auslegungselemente, wie
namentlich der Entstehungsgeschichte der Norm und ihrem Zweck. Wichtig ist
auch die Bedeutung, die der Norm im Kontext mit anderen Bestimmungen zu-
kommt (BGE 124 II 372 E. 5).
4.4.3. Auslegung
Fraglich ist, ob die Höhe der Vergütungen des Beklagten bzw. des CEO unter
Ziff. 3.6.3 lit. c des Organisationsreglements zu subsumieren wäre und damit in
jedem Fall der Zustimmung des "B Directors" bedürfte oder aber erst dann, wenn
sie jährlich EUR 200'000.– oder mehr betragen würde und damit von Ziff. 3.6.3
lit. d erfasst wäre.
Ziff. 3.6.3 lit. c erklärt "the appointment, removal and conditions of employment"
des CEO für zustimmungsbedürftig. Der Begriff "conditions of employment" ist
isoliert betrachtet mehrdeutig und lässt Raum für die Interpretationsvarianten bei-
der Parteien. Aufschluss zur Auslegung gibt indes Ziff. 3.6.3 lit. d., worin festge-
halten wird, dass "the appointment, discharge, remuneration and conditions of
employment" eines jeden Mitarbeiters, welcher gleich oder mehr als jährlich
EUR 200'000.– verdient, zustimmungsbedürftig sind. In Ziff. 3.6.3 lit. d wird also
zusätzlich der Begriff "remuneration" bzw. Vergütung verwendet, welcher in
Ziff. 3.6.3 lit. c dagegen nicht erwähnt wird. Somit ergibt sich aus dem Kontext von
lit. c und lit. d, dass unter "conditions of employment" nicht die Höhe der Vergü-
tung zu verstehen ist. Andernfalls würde es keinen Sinn ergeben, in Ziff. 3.6.3
lit. d noch zusätzlich den Begriff "remuneration" einzufügen. Damit spricht der
Wortlaut klar für die Auslegungsvariante des Beklagten, wonach die Höhe der
Vergütung des CEO unter Ziff. 3.6.3 lit. d zu subsumieren ist. Aber auch teleologi-
sche Überlegungen sprechen für diese Lösung: Die getroffene Regelung dient
augenscheinlich den Interessen der Investoren. Es soll ihnen die Möglichkeit ein-
geräumt werden, mit ihren delegierten Verwaltungsräten übermässige Lohnbezü-
ge zu verhindern. Angesichts dessen ergibt es keinen Sinn, dass die Vergütung
des CEO, welche unterhalb von EUR 200'000.– liegt, mit einem Zustimmungser-
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fordernis strengeren Abänderungsvoraussetzungen unterliegen sollte, als die
Vergütungen aller anderen Mitarbeitern. Vielmehr erscheint die Differenzierung
zwischen "conditions of employment" und "remuneration" sachgerecht, da die
Vergütungshöhe regelmässigen (von Erfolgsfaktoren abhängigen) Anpassungen
unterliegt, ohne dass eine Änderung der übrigen Vertragsbedingungen vorge-
nommen wird. Entgegen der Klägerin ist nicht naheliegend (act. 21 Rz. 42), dass
die Regelung dem Schutz vor ungerechtfertigten Lohnsenkungen dient, um zu
vermeiden, dass ein fähiger CEO von den übrigen Verwaltungsratsmitgliedern
dadurch "vergrault" wird. Dass von den offerierten Zeugen zur Entstehungsge-
schichte noch zuverlässige Erkenntnisse gewonnen werden könnten (act. 14
Rz. 29 ff.), ist angesichts des Zeitablaufs nicht anzunehmen. Zudem ergibt sich
ein eindeutiges Auslegungsergebnis.
Selbst wenn man mit der Klägerin davon ausginge, dass die Vergütungen des
CEO von Ziff. 3.6.3 lit. c erfasst wären, müsste die Formulierung "any employee"
in Ziff. 3.6.3 lit. d so verstanden werden, dass auch für die Vergütungen des CEO
ein Schwellenwert von EUR 200'000.– gelten würde. Andernfalls wären die Ver-
gütungen des CEO in Ziff. 3.6.3 lit. d – unter systematischen Gesichtspunkten –
wohl erwähnt und explizit ausgeschlossen worden.
Damit ergäbe die Auslegung von Ziff. 3.6.3 lit. c und d des Organisationsregle-
ments, dass die Vergütungen des CEO bzw. des Beklagten nicht zustimmungs-
bedürftig wären, sofern sie nicht gleich oder mehr als jährlich EUR 200'000.– be-
trügen.
4.4.4. Höhe der Vergütungen des Beklagten im Jahr 2013 und 2014
Für das Jahr 2013 wird im Lohnausweis des Beklagten ein Bruttolohn von
CHF 250'577.– (inkl. Bonus) ausgewiesen (act. 26/1). Abzüglich der Kinderzula-
gen für 2 Kinder im Betrag von CHF 4'800.– (act. 25 Rz. 19) resultiert ein effekti-
ver Bruttolohn von CHF 245'777.–. Umgerechnet mit dem Jahresdurchschnitts-
kurs CHF/EUR von 1.230793 (act. 26/2), welcher von der Klägerin nicht bean-
standet wird (act. 29 Ziff. 5 ff.), resultiert ein effektiver Bruttolohn von
EUR 199'690.– für das Jahr 2013.
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Im Lohnausweis 2014 ist ein Bruttolohn von CHF 244'800.– (inkl. Bonus) ersicht-
lich (act. 26/3). Abzüglich der Kinderzulagen von CHF 4'800.– resultiert ein effek-
tiver Bruttolohn von CHF 240'000.–. Umgerechnet mit dem Jahresdurchschnitts-
kurs CHF/EUR von 1.214629 (act. 26/4) resultiert ein effektiver Bruttolohn von
EUR 197'591.– für das Jahr 2014.
Daraus erhellt, dass die Vergütungen des Beklagten in den Jahren 2013 und
2014 unterhalb von EUR 200'000.– lagen und somit ohnehin nicht zustimmungs-
bedürftig gewesen wären.
Zum Einwand der Klägerin, wonach die Lohnausweise des Beklagten nur die ef-
fektiven Zahlungen belegen würden, möglicherweise aber noch weitere Lohnan-
sprüche bzw. Boni bestünden (act. 29 Rz. 6), ist festzuhalten, dass sie, die Kläge-
rin, die Unrichtigkeit der Lohnausweise nicht behauptet. Somit ist davon auszuge-
hen, dass die Lohnausweise die effektiv ausbezahlten Vergütungen ausweisen.
Es kann indes nur auf diese ankommen, da der effektive Bruttojahreslohn mass-
gebend ist (Ziff. 3.6.3 lit. d des Organisationsreglements [act. 3/7 S. 6]: "aggregate
gross annual earnings"). Auch bringt die Klägerin keine substantiierten Ausfüh-
rungen zum Auszahlungszeitpunkt von Boni bei der C._ Holding AG vor. Oh-
nehin ist auf die bezüglich des variablen Lohnbestandteils 2013 erhobene unbe-
zifferte Forderungsklage nicht einzutreten (vgl. Ziff. 1.3 hiervor). Folglich erübrigt
sich auch das Editionsbegehren der Klägerin bezüglich den Lohnabrechnungen
des Beklagten (act. 1 Rz. 7; act. 21 Rz. 81).
4.5. Fazit
Die streitgegenständlichen Vergütungen des Beklagten basieren auf rechtsgülti-
gen Verwaltungsratsbeschlüssen. Damit bestand eine Grundlage für die Vergü-
tungen des Beklagten, womit eine Verantwortlichkeit bereits mangels einer
Pflichtverletzung ausscheidet, weshalb sich die Prüfung der weiteren Haftungsvo-
raussetzungen erübrigt. Dennoch ist mit Blick auf die Kausalität ergänzend zu
bemerken, dass diese von der Klägerin nicht hinreichend substantiiert wurde
(act. 1 Rz. 38). Es wäre bei der Kausalität wohl mit zu berücksichtigen, dass sich
die Vergütungen des Beklagten als CEO im Rahmen des Marktüblichen bewegt
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haben: Einerseits betrug der Monatslohn des CFO ebenfalls CHF 14'000.–. Ande-
rerseits ist die C._ Holding international tätig und beschäftigt über 100 Mitar-
beiter (act. 14 Rz. 17). Der CEO eines Konkurrenzunternehmens bezog im Jahr
2013 sogar Vergütungen in der Grössenordnung von EUR 611'000.– (act. 14 Rz.
60; act. 21 Rz. 189). Weiterungen dazu erübrigen sich jedoch.
5. Ergebnis
Da dem Beklagten keine Pflichtverletzung vorgeworfen werden kann, ist die Klage
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Ob der Beklagte gegen Bestimmungen
des Aktionärbindungsvertrags verstossen hat, braucht in diesem Verfahren nicht
entschieden zu werden, weshalb dem vorliegenden Ergebnis auch keine präjudi-
zierende Wirkung im Hinblick auf eine allfällige spätere Beurteilung von vertragli-
chen Ansprüchen zukommt.
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
6.1. Die Prozesskosten, bestehend aus Gerichtskosten und Parteientschädi-
gung, werden nach der allgemeinen Kostenregelung der Klägerin als unterliegen-
de Partei auferlegt (Art. 106 Abs. 1 i.V.m. Art. 105 ZPO). Mit der vorliegenden
Verantwortlichkeitsklage wurden primär die Interessen der Klägerin als Investorin
bei der C._ Holding AG verfolgt. Letztlich wurden die Durchsetzung des Akti-
onärbindungsvertrags und damit die Förderung von Sonderinteressen der Kläge-
rin bezweckt. Dies rechtfertigt es nicht, von der allgemeinen Kostenregelung ab-
zuweichen und der C._ Holding AG als Gesellschaft die Kosten aufzuerle-
gen, wobei fraglich ist, ob Art. 107 ZPO in der aktuellen Fassung dazu überhaupt
eine genügende Grundlage böte, was jedoch offen gelassen werden kann (vgl.
zur Problematik DIETER GERICKE / STEFAN WALLER, a.a.O., N. 14 ff. zu Art. 756
OR).
6.2. Die Höhe der Entscheidgebühr bestimmt sich nach der Gebührenverord-
nung des Obergerichts vom 8. September 2010 (Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1
GOG), während die Höhe der Parteientschädigung gemäss der Verordnung über
die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 festzusetzen ist (Art. 96 ZPO i.V.m.
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§ 48 Abs. 1 lit. c und Abs. 2 des Anwaltsgesetzes vom 17. November 2003). So-
wohl die Entscheidgebühr als auch die Parteientschädigung richten sich in erster
Linie nach dem Streitwert bzw. nach dem Streitinteresse (§ 2 Abs. 1 lit. a GebV
OG; § 2 Abs. 1 lit. a AnwGebV).
6.3. Der Streitwert wird gemäss Art. 91 Abs. 1 ZPO durch das Rechtsbegehren
bestimmt, wobei Zinsen und Kosten des laufenden Verfahrens nicht hinzugerech-
net werden. Vorliegend beträgt er CHF 125'200.– (CHF 107'600.– zuzüglich
CHF 17'600.–).
6.4. Die in Anwendung von § 4 GebV OG ermittelte Entscheidgebühr ist auf
CHF 14'500.– festzusetzen und aus dem Kostenvorschuss der Klägerin zu bezie-
hen. Die Klägerin ist zu verpflichten, dem Beklagten eine Parteientschädigung zu
bezahlen, welche in Anwendung von § 4 Abs. 1 und § 11 Abs. 1 AnwGebV auf
CHF 18'500.– festzusetzen ist.
Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Klage wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
2. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf CHF 14'500.–.
3. Die Kosten werden der Klägerin auferlegt; der von ihr geleistete Kostenvor-
schuss wird zur teilweisen Kostendeckung herangezogen.
4. Die Klägerin wird verpflichtet, dem Beklagten eine Parteientschädigung von
CHF 18'500.– zu bezahlen.
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien.
6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art.
113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 und
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90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streitwert
beträgt CHF 125'200.–.