Decision ID: 7efd9c49-1905-4e32-8ee1-f947bb6898cd
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 30. Oktober 2015 (CG100027-K)
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Rechtsbegehren:
"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger Fr. 560'000.– zu zahlen, unter Vorbehalt der Vornahme einer Klageänderung bis nach Durchführung eines allfälligen Beweisverfahrens - zuzüglich Schadenszins zu jeweils 5% auf  Fr. 112.20 ab 2. Juni 2000 (Besuchskosten)
 Fr. 460.60 ab 27. September 2000 (Besuchskosten)  Fr. 263.20 ab 30. Juni 2001 (Besuchskosten)
 Fr. 15'708.50 ab 17. März 2006 (AVH/IV-Beiträge)  Fr. 58'701.35 ab 22. Juni 2007 (Erwerbsausfall)  Fr. 40'100.80 ab 6. September 2001 (Haushaltschaden)
 Fr. 57'029.50 ab 9. September 2006 (Haushaltschaden)  Fr. 8'865.85 ab 30. November 2010 (Haushaltschaden)
 Fr. 67'284.– vom 26. Mai 2000 bis 15. Juli 2003 (Genugtuung)  Fr. 45'924.– vom 16. Juli 2003 bis 15. Dezember 2003 (Genugtuung)  Fr. 35'244.– ab 16. Dezember 2003 (Genugtuung)
 Fr. 16'624.20 ab 5. November 2005 (vorprozessuale Anwaltskosten)
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (Letztere zuzüglich MWSt.) zu Lasten der Beklagten."
Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 30. Oktober 2015:
"1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 43'900.– die Barauslagen betragen:
Fr. 825.– Übersetzer
Fr. 1'000.– Zeugen
3. Die Gerichtskosten werden dem Kläger auferlegt und mit den geleisteten Vorschüssen der Parteien von je Fr. 5'000.– verrechnet. Der Fehlbetrag von Fr. 35'725.– wird vom Kläger nachgefordert.
4. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung von Fr. 49'200.– (zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Zudem hat er der
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Beklagten den von ihr geleisteten Vorschuss im Betrag von Fr. 5'000.– zu ersetzen.
5. [Mitteilungen]
6. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge:
des Klägers und Berufungsklägers (Urk. 120 S. 2):
"1. In Gutheissung der Berufung sei das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 30. Oktober 2015 aufzuheben, und die Beklagte sei zu verpflichten, A._ Fr. 219'477.03 zu zahlen; zuzüglich Schadenszins zu jeweils 5% auf
• Fr. 40'672.83 ab 5. September 2009 (Erwerbsschaden);
• Fr. 67'284.- vom 26. Mai 2000 bis 15. Juli 2003 (Genugtuung);
• Fr. 45'924.- vom 16. Juli 2003 bis 15. Dezember 2003 (Genugtuung);
• Fr. 35'244.- ab 16. Dezember 2003 (Genugtuung);
• Fr. 16'624.20 ab 5. November 2005 (vorprozessuale Anwaltskosten). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sei neu über die erstinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen zu .
2. Eventualiter sei das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 30. Oktober 2015 aufzuheben, und die Vorinstanz sei , im Sinne der Erwägungen neu über die Klage von A._ zu urteilen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (Letztere zuzüglich MWSt.) zu Lasten der Beklagten."
der Beklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 126 S. 2):
"Es sei die Klage und die Berufung in allen Teilen abzuweisen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MwSt.) zu Lasten des Berufungsklägers."
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Dispositiv-Ziff. 1 des Beschlusses der Berufungsinstanz vom 11. Januar 2016 (Urk. 125):
"Es wird vorgemerkt, dass Dispositiv-Ziff. 1 des Urteils des  Winterthur vom 30. Oktober 2015 insoweit in Rechtskraft  ist, als die Klage in dem die Summe von Fr. 219'477.03 (nebst den im Berufungsantrag erwähnten Zinsen) übersteigenden  abgewiesen worden ist."
Inhaltsverzeichnis
1. Sachverhalt...................................................................................................................... 4 2. Prozessverlauf ................................................................................................................ 6 3. Prozessuales: Allgemeines ........................................................................................... 7 4. Zum vorinstanzlichen Beweisverfahren ....................................................................10 5. Natürlicher Kausalzusammenhang............................................................................12 6. Rechnungstag ...............................................................................................................23 7. Schaden .........................................................................................................................24 8. Genugtuung ...................................................................................................................30 9. Rückweisung; Kosten- und Entschädigungsfolgen .................................................31 10. Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege vom 1. Juni 2016....31

Erwägungen:
1. Sachverhalt
1.1. Der Kläger wurde im Jahre 1959 in ... (Kosovo) geboren, besuchte die dor-
tigen Schulen und nach seinen Angaben auch das Gymnasium; anschliessend
soll er mit dem Geschichtsstudium begonnen haben. Vom Jahre 1981 an kam er
jeweils als Saisonnier in die Schweiz und war an verschiedenen Arbeitsstellen tä-
tig, wobei er allerdings 1987 während eines ganzen Jahres in seiner Heimat den
Militärdienst absolvierte (Urk. 2 S. 8). In den Jahren 1988 bis 1996 war er bei ver-
schiedenen Baufirmen (C._ in ... SG, D._ in ..., E._ in ... ZH und
F._ in ... ZH) als Kranführer tätig. Im Jahr 1996 erlitt der Kläger einen Unfall,
weil er auf Eis ausrutschte, und war dann einige Zeit nicht arbeitsfähig. Im Febru-
ar 1997 kündigte die damalige Arbeitgeberin, die Firma F._, das Arbeitsver-
hältnis. Ab diesem Zeitpunkt war der Kläger bis September 1999 arbeitslos und
bezog Taggelder der Arbeitslosenversicherung. In dieser Zeit nahm er einen Zwi-
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schenverdienst bei der ...-Fabrik G._ in Wallisellen an. Per 30. September
1999 trat der Kläger bei der H._ AG in Kloten eine feste Stelle als Frachtmit-
arbeiter am Flughafen Zürich an (vgl. Urk. 121 S. 20 f. mit Hinweis auf
Urk. 4/5/10).
Im Jahre 1985 heiratete der Kläger im Kosovo die im Jahre 1956 geborene
I._. Seine Ehefrau blieb in den ersten Ehejahren im Kosovo. Am 18. Dezem-
ber 1988 kam der Sohn J._ zur Welt (Prot. I S. 199). Nachdem sich der Klä-
ger in der Schweiz niedergelassen hatte, zog er im Jahre 1994 die Familie nach
(Urk. 2 S. 10; Prot. I S. 154).
1.2. Am 26. Mai 2000, ca. 13.30 Uhr, fuhren drei Personenwagen hintereinan-
der auf der Landvogt-Waser-Strasse in Winterthur stadtauswärts: An erster Stelle
fuhr K._ mit einem Personenwagen Renault 5 (erste Inverkehrsetzung Mai
1988), an zweiter Stelle der Kläger mit dem Personenwagen Opel Corsa A 14i
(erste Inverkehrsetzung Januar 1990) und an dritter Stelle L._ mit dem Per-
sonenwagen Renault Espace (erste Inverkehrsetzung März 1998) (vgl. Urk. 4/1).
Unmittelbar nach der Kreuzung Landvogt-Waser-Strasse / Hinterdorfstrasse
führt ein Fussgängerstreifen über die Landvogt-Waser-Strasse. Der Fussgänger-
streifen ist in der Strassenmitte mit einer Fussgängerinsel versehen, auf welcher
das Signal 4.11 "Standort eines Fussgängerstreifens" steht. Als sich das vorders-
te von K._ gesteuerte Fahrzeug dem Fussgängerstreifen näherte, wartete
der Fussgänger M._ auf der Fussgängerinsel und wollte die Landvogt-
Waser-Strasse – aus der Sicht der erwähnten Fahrzeugkolonne von links nach
rechts – überqueren. Um dem Fussgänger den Vortritt zu lassen, hielt K._ ihr
Fahrzeug an. Der Kläger, der das zweite herannahende Fahrzeug führte, hielt
sein Fahrzeug ebenfalls an. Dagegen gelang es der Lenkerin des dritten Fahr-
zeuges, L._, nicht, ihr Fahrzeug rechtzeitig abzubremsen. Sie fuhr auf das
vom Kläger gesteuerte Fahrzeug auf, welches seinerseits in das vorderste von
K._ gesteuerte Fahrzeug hineingeschoben wurde. Das Fahrzeug des Klä-
gers erlitt einen Totalschaden und musste abgeschleppt werden.
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1.3. Der Kläger stellt sich auf den Standpunkt, er habe durch den Unfall wegen
einer HWS-Distorsion einen Gesundheitsschaden erlitten. Er verweist in diesem
Zusammenhang auf verschiedene ärztliche Berichte, die bei den eingereichten
SUVA-Akten liegen (Urk. 2 S. 14 ff. mit Hinweisen auf insbesondere Urk. 4/5/1-
12). Mit Beschluss vom 28. August 2003 setzte die IV-Stelle des Kantons Zürich
rückwirkend ab 26. Mai 2001 eine unbefristete 100%ige Invalidenrente fest
(Urk. 4/6/1), worauf für die Zeit ab 1. Mai 2001 Invalidenrenten und Zusatzrenten
erbracht wurden (vgl. Urk. 4/6/3-7). Allerdings nahm die Sozialversicherungsan-
stalt des Kantons Zürich (IV-Stelle) gestützt auf das bei den Akten liegende inter-
disziplinäre ...-Gutachten des N._ vom 5. Juni 2010 (Urk. 82) mit Verfügung
vom 5. November 2010 eine Rentenrevision vor und stellte die Rente per Ende
2010 ein, und zwar wegen eines die Rente ausschliessenden Invaliditätsgrades
von 10%. Mit Urteilen vom 30. Januar 2012 kam das Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich indessen zum Schluss, dass sich der Gesundheitszustand
des Klägers nicht gebessert habe und dass ihm über den 31. Dezember 2010
hinaus eine volle Invalidenrente zustehe (Urk. 42/16 und 42/17). Allerdings hob
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (IV-Stelle) mit Verfügung vom
8. November 2012 die Rente per 1. Januar 2013 gestützt auf die Schlussbestim-
mung der 6. IV-Revision vom 18. März 2011 wiederum auf (Urk. 66/22/1-2). Diese
Verfügung ist rechtskräftig. Seit dem 1. Januar 2013 erhält der Kläger mithin keine
IV-Rente mehr.
1.4. Der Kläger nimmt die Beklagte als Versicherer des Unfall verursachenden
Fahrzeuges gestützt auf Art. 65 Abs. 1 SVG in Anspruch.
2. Prozessverlauf
2.1. Im vorinstanzlichen Verfahren fanden die folgenden wesentlichen Prozess-
handlungen statt:
- Klageschrift des Klägers vom 30. Juni 2010 durch den Kläger (Urk. 2); - Klageantwortschrift der Beklagten vom 13. Dezember 2010 (Urk. 18); - Replikschrift des Klägers vom 26. April 2011 (Urk. 250);
- Duplikschrift der Beklagten vom 30. September 2011 (Urk. 35);
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- Verfügung Vorinstanz vom 10. April 2012 betreffend Noven (Urk. 45);
- Stellungnahme Kläger vom 3. Mai 2012 (Urk. 48); - Stellungnahme Beklagte vom 25. Juni 2012 (Urk. 53);
- Beweisauflagebeschluss vom 4. Februar 2013 (Urk. 54); - Beweisabnahmebeschluss vom 24. Januar 2014 (Urk. 67); - persönliche Befragung des Klägers (24. November 2014, Prot. I S. 122-
153); - Vernehmung der Zeugin I._ (24. November 2014, Prot. I S. 154-187);
- Vernehmung des Zeugen J._ (1. Dezember 2014, Prot. I S. );
- Vernehmung des Zeugen Dr. med. O._ (1. Dezember 2014, Prot. I S. 211-218);
- Vernehmung des Zeugen Dr. med. P._ (1. Dezember 2014, Prot. I S. 218-248);
- Urteil der Vorinstanz vom 30. Oktober 2015 (Urk. 121).
2.2. Gegen das ihm am 12. November 2015 zugestellte vorinstanzliche Urteil
(vgl. Urk. 117) erhob der Kläger rechtzeitig Berufung. Im Rahmen des Berufungs-
verfahrens erstatten die Parteien die folgenden Rechtsschriften:
- Berufungsschrift des Klägers vom 14. Dezember 2015 (Urk. 120);
- Berufungsantwort der Beklagten vom 12. Februar 2016 (Urk. 126); - Berufungsreplik des Klägers vom 18. März 2016 (Urk. 129); - Berufungsduplik der Beklagten vom 3. Mai 2016 (Urk. 133);
3. Prozessuales: Allgemeines
3.1. Teilrechtskraft. Der Kläger hat mit seinem Rechtsbegehren einen Klagebe-
trag von Fr. 560'000.00 anhängig gemacht. Nach der Abweisung der Klage durch
die Vorinstanz hält der Kläger mit seiner Berufung im Umfange von Fr. 219'477.03
nebst Zinsen fest. Damit ist das vorinstanzliche Urteil insoweit in Rechtskraft er-
wachsen, als mit ihm die Klage in dem den Berufungsantrag übersteigenden Um-
fang abgewiesen wurde (vgl. Art. 315 Abs. 1 ZPO).
Im Streite liegen daher noch die folgenden Beträge (nebst Zinsen):
- "aufgelaufener Erwerbsschaden bis Rechnungstag": Fr. 40'672.83 (Urk. 120 S. 31 f.);
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- "ungedeckter künftiger Erwerbsschaden": Fr. 126'936.00 (Urk. 120 S. 33);
- "vorprozessuale Anwaltskosten": Fr. 16'624.20 (Urk. 120 S. 47); - Zins zu 5% auf Fr. 67'284.00 zwischen 26. Mai 2000 und 15. Juli 2003
(Urk. 120 S. 44); - Zins zu 5% auf Fr. 45'924.00 zwischen 16. Juli 2003 und 15. Dezember
2003 (Urk. 120 S. 44).
3.2. Anwendbares Prozessrecht. Die Klage wurde am 30. Juni 2010 anhängig
gemacht, mithin vor dem am 1. Januar 2011 erfolgten Inkrafttreten der schweize-
rischen ZPO. Für das vorinstanzliche Verfahren ist daher das zürcherische Pro-
zessrecht massgebend (Art. 404 Abs. 1 ZPO). Da das angefochtene Urteil den
Parteien am 11. bzw. 12. November 2015 eröffnet wurde (Urk. 117), ist auf das
Rechtsmittelverfahren vor der Berufungsinstanz die schweizerische ZPO an-
wendbar (Art. 405 Abs. 1 ZPO). Soweit sich im Rahmen der Überprüfung des vo-
rinstanzlichen Entscheids prozessrechtliche Fragen stellen, wird daher zu prüfen
sein, ob die Vorinstanz die für ihr Verfahren massgeblichen Vorschriften des zür-
cherischen Prozessrechts richtig angewandt hat (BGE 138 I 1 E. 2.1; BGer
5A_330/2013 vom 24. September 2013, E. 2.2).
3.3. Aktenschluss und Novenrecht. Da für das vorinstanzliche Verfahren das
zürcherische Prozessrecht massgebend ist, beurteilt sich die Frage, wann der Ak-
tenschluss eingetreten ist, auch nach diesem Recht. Demgegenüber beurteilt sich
die Frage, ob im Berufungsverfahren Noven vorgetragen werden können, nach
Art. 317 ZPO.
Nach zürcherischem Prozessrecht war den Parteien Gelegenheit zu geben,
sich im Rahmen des Verfahrens zweimal zur Sache zu äussern, nämlich mit der
Klage und der Klageantwort bzw. mit der Replik und der Duplik (§§ 126-127
ZPO/ZH). Mit Anträgen zur Sache, Tatsachenbehauptungen, Einreden und Be-
streitungen sind die Parteien ausgeschlossen, wenn sie sie nicht mit ihrem letzten
Vortrag oder ihrer letzten Rechtsschrift vorgebracht haben (§ 114 ZPO/ZH). Mit
dieser letzten Rechtsschrift tritt nach zürcherischem Prozessrecht der Akten-
schluss ein. Tatsächliche Vorbringen, die nach diesem Aktenschluss erfolgen,
sind nur dann zulässig, wenn eine der Ausnahmebestimmungen von § 115
ZPO/ZH gegeben ist. Mit ihrer Verfügung vom 10. April 2012 hat die Vorinstanz
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auf ein ganz bestimmtes Novum hingewiesen (Urk. 45). In der Folge nahmen die
Parteien am 3. Mai bzw. am 25. Juni 2012 dazu Stellung (Urk. 48 und 53).
3.4. Begründung der Berufung. Nach Art. 311 Abs. 1 ZPO muss die Berufung
eine Begründung enthalten. Begründen im Sinne der genannten Vorschrift bedeu-
tet aufzeigen, inwiefern der angefochtene Entscheid als fehlerhaft erachtet wird.
Dieser Anforderung genügt ein Berufungskläger nicht, wenn er lediglich auf seine
vor erster Instanz vorgetragenen Vorbringen verweist, sich mit Hinweisen auf
frühere Prozesshandlungen zufrieden gibt oder den angefochtenen Entscheid in
allgemeiner Weise kritisiert. Die Begründung muss hinreichend genau und ein-
deutig sein, um von der Berufungsinstanz mühelos verstanden werden zu kön-
nen. Dies setzt voraus, dass der Berufungskläger im Einzelnen die vorinstanzli-
chen Erwägungen bezeichnet, die er anficht, sich mit diesen argumentativ ausei-
nandersetzt und die Aktenstücke nennt, auf denen seine Kritik beruht. Das vorin-
stanzliche Verfahren wird nicht einfach fortgeführt oder wiederholt (BGE 138 III
374 E. 4.3.1 S. 375; BGer 4A_382/2015 vom 4. Januar 2016, E. 11.3.1). Der Be-
rufungskläger hat mittels klarer und sauberer Verweisungen auf die Ausführungen
vor der Vorinstanz zu zeigen, wo er die massgebenden Behauptungen, Erklärun-
gen, Bestreitungen und Einreden erhoben hat. Es ist nämlich nicht Sache der
Rechtsmittelinstanz, die Akten und die Rechtsschriften der Vorinstanz zu durch-
forsten, um festzustellen, was welche Partei wo ausgeführt hat. Damit ist gesagt,
dass die Berufungsschrift weder eine pauschale Verweisung auf die bei der Vorin-
stanz eingereichten Rechtsschriften noch eine neuerliche Darstellung der Sach-
oder Rechtslage enthalten darf, welche nicht darauf eingeht, was vor der Vorin-
stanz vorgebracht worden ist. Pauschale Verweisungen auf die vor der Vorinstanz
eingebrachten Rechtsschriften sind namentlich dann unzulässig, wenn sich die
Vorinstanz mit den Ausführungen des Berufungsklägers auseinandergesetzt hat.
Entsprechendes gilt auch für die Berufungsantwort (BGer 4A_580/2015 vom
11.4.2016, E. 2.2., zur Publikation bestimmt).
Unter dem Titel "B. Sachverhalt" stellt der Kläger auf den Seiten 6 bis 17
seiner Berufungsschrift den Sachverhalt unter Hinweis auf die Akten neu dar
(Urk. 120 Rz 12 - 50), ohne dass er dies mit Sachverhaltsrügen gegenüber dem
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angefochtenen Urteil verbindet. Dass solche Vorbringen im Sinne von Art. 317
Abs. 1 ZPO novenrechtlich zulässig sein sollen, tut der Kläger mit der Berufung
nicht dar. Damit sind diese Vorbringen unbeachtlich. Entscheidend sind einzig die
im erstinstanzlichen Verfahren vor Aktenschluss vorgetragenen Tatsachenbe-
hauptungen und die prozessrechtskonform gestellten Beweisanträge. Sachver-
haltsrügen wären mit der Berufung mit konkreten Hinweisen auf die erstinstanzli-
chen Parteivorträge zu begründen. Das tut der Kläger aber nicht.
4. Zum vorinstanzlichen Beweisverfahren
4.1. Das vorinstanzliche Beweisverfahren richtete sich nach zürcherischem
Prozessrecht und ist daher auch nach diesem Prozessrecht zu beurteilen. Am
4. Februar 2013 erliess die Vorinstanz im Sinne von § 136 ZPO/ZH einen 65 Be-
weissätze umfassenden Beweisauflagebeschluss, enthaltend auch eine Reihe
von Unterbeweisätzen und Gegenbeweissätzen (Urk. 54). Am 6. bzw. 21. Mai
2013 erstatteten die Parteien ihre Beweisantretungsschriften gemäss § 137
ZPO/ZH. Die Beweisantretungsschrift des Klägers umfasst 38 Seiten, jene der
Beklagten 158 Seiten (Urk. 63 und 65). Hierauf erliess die Vorinstanz am 24. Ja-
nuar 2014 den Beweisabnahmebeschluss im Sinne von § 140 ZPO/ZH (Urk. 67).
Dort hatte die Vorinstanz gemäss § 140 ZPO/ZH die "zugelassenen Beweismittel"
zu bezeichnen und "die für die Abnahme der Beweise nötigen Anordnungen" zu
treffen. Dieser Beweisabnahmebeschluss umfasst 100 Seiten. Mit diesem pro-
zessleitenden Entscheid wurde minutiös die Vernehmung sehr vieler Zeugen, die
Einholung verschiedener Gutachten und die Berücksichtigung der von den Partei-
en als Beweismittel genannten Aktenstücke angeordnet. Im erwähnten Be-
weisabnahmebeschluss hielt die Vorinstanz fest, dass nichts gegen das von der
Beklagten vorgeschlagene Vorgehen im Beweisverfahren spreche: Zunächst
werde ein erstes unfallanalytisches und biomechanisches Gutachten sowie weite-
re medizinische Akten betreffend den Kläger eingeholt und erst dann werde ein
zweites interdisziplinäres Gutachten eingeholt. Das Gericht beabsichtige, zu-
nächst die Beweise zum Unfallgeschehen abzunehmen und erst dann das erste
Gutachten in Auftrag zu geben. Die Parteien würden vom Gericht "ohnehin" fort-
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laufend über die weiteren Schritte im Beweisverfahren orientiert werden (Urk. 67
S. 4 f.).
4.1.1. Trotz dieses in Aussicht gestellten Vorgehens kam es in der Folge einzig zu
den folgenden Beweismassnahmen der Vorinstanz:
- 24. November 2014: persönliche Befragung des Klägers (Prot. I S. );
- 24. November 2014: Vernehmung der Zeugin I._ (Ehefrau des ; Prot. I S. 154-187):
- 1. Dezember 2014: Vernehmung des Zeugen J._ (Sohn des Klägers; Prot. I S. 188-211);
- 1. Dezember 2014: Vernehmung des Zeugen Dr. O._ (behandelnder Arzt; Prot. I 211-218);
- 1. Dezember 2014: Vernehmung des Zeugen Dr. P._ (Hausarzt des Klägers; Prot. 188-248).
4.1.2. Mit Verfügung vom 10. Februar 2015 setzte die Vorinstanz den Parteien
Frist, um "zum bisherigen Beweisergebnis" Stellung zu nehmen (Urk. 103). Das
taten der Kläger mit Schriftsatz vom 29. Juni 2015 (Urk. 114) und die Beklagte mit
Schriftsatz vom 15. Juni 2015 (Urk. 111).
4.2. An seine Beweisbeschlüsse ist das Gericht zwar nicht gebunden, aber es
hat jede Änderung zu begründen (§ 143 ZPO/ZH). Für die Parteien ist das von
Belang, weil sie wissen müssen, welches die vom Gericht als rechtserheblich an-
gesehenen Beweisthemen sind, zu denen sie "nach durchgeführtem Beweisver-
fahren" im Sinne von § 147 ZPO/ZH werden Stellung nehmen können. Ohne nä-
here Begründung ist die Vorinstanz mit dem angefochtenen Urteil nur auf ganz
wenige der mit dem Beweisabnahmebeschluss vom 24. Januar 2014 zugelasse-
nen Beweismittel überhaupt eingegangen. Das ist mit der zürcherischen Prozess-
ordnung nicht in Einklang zu bringen. Es stellt sich daher die Frage, welchen Sinn
die umfangreichen vorinstanzlichen Beweisbeschlüsse und deren Beweissätze
haben sollen, wenn sie im Urteil schliesslich im Rahmen der Beweiswürdigung
nicht einmal erwähnt und damit praktisch zur Seite geschoben werden. Sollte das
Gericht im Laufe des Verfahrens zum Schlusse kommen, dass seine früheren
Beweisbeschlüsse nicht praktikabel sind, weil sie z.B. zu sehr in die Einzelheiten
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gehen, dann wären sie im Sinne von § 143 ZPO/ZH vor dem Urteil zu korrigieren.
Ein solches Vorgehen wäre hier denkbar, denn die Beweisbeschlüsse sind derart
detailliert, dass die Gefahr besteht, dass sie das Verfahren erschweren, anstatt es
zu vereinfachen.
Für das Beweisverfahren massgebend bleiben so oder anders die von den
Parteien rechtzeitig und prozessrechtskonform bezeichneten Beweismittel. In ei-
nem Fall wie dem vorliegenden ist es sinnvoll, bei der Beweisabnahme stufenwei-
se vorzugehen, wie das die Vorinstanz mit ihrem Beweisabnahmebeschluss noch
in Aussicht gestellt hatte (Urk. 67 S. 3 f.). Denkbar ist es aber auch, dass sich im
Laufe des Verfahrens ergibt, dass auf die Abnahme gewisser Beweismittel ver-
zichtet werden kann, weil andere in der Zwischenzeit abgenommene Beweismittel
bereits eine abschliessende Beweiswürdigng erlauben. Das trifft namentlich dann
zu, wenn z.B. über den Unfallhergang und die durch ihn verursachten gesundheit-
lichen Beeinträchtigungen taugliche Gutachten vorliegen. In solchen Fällen ist es
z.B. denkbar auf Zeugenbefragungen zum gleichen Beweisthema zu verzichten.
Nicht zulässig ist es aber, prozessrechtskonform gestellte und mit dem Be-
weisabnahmebeschluss berücksichtigte Beweisanträge im Urteil ohne Begrün-
dung zu übergehen.
5. Natürlicher Kausalzusammenhang
5.1. Ausgangspunkt. Im angefochtenen Urteil setzt sich die Vorinstanz lediglich
mit dem natürlichen Kausalzusammenhang auseinander, indem sie diesen – na-
mentlich gestützt auf die Zeugenaussagen des ersten behandelnden Arztes und
des Hausarztes – ohne weiteres als gegeben erachtete (Urk. 121 S. 12-15). Die
Vorinstanz weist auf die technische Unfallanalyse der Arbeitsgruppe für Biome-
chanik vom 12. Januar 2006 hin, wo für Delta-v ein Wert von 10,5 bis 15 km/h
Stunde errechnet worden sei. Der Kläger zweifle diesen Wert an, wogegen die
Beklagte der Auffassung sei, dass der natürliche Kausalzusammenhang wegen
des geringen Delta-v zu verneinen sei (Urk. 121 S. 12 mit Hinweis auf Urk. 4/8
S. 2, Urk. 2 S. 12 f. und Urk. 18 S. 7 ff.). Auf die Prüfung, ob ein adäquater Kau-
salzusammenhang gegeben sei, verzichtete die Vorinstanz in der Folge, weil sie
das Vorhandensein eines Schadens verneinte (Urk. 121 S.15, 42 f.), meint aber,
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dass das Vorliegen eines adäquaten Kausalzusammenhangs "mehr als fraglich"
sei. Das bei den Akten liegende ...-Gutachten (Urk. 82) verneine nämlich den
adäquaten Kausalzusammenhang (Urk. 121 S. 44). Auf letzteres kann es indes-
sen von vornherein nicht ankommen, ist doch die Frage des Vorliegens eines
adäquaten Kausalzusammenhangs eine Rechtsfrage, die nicht von den Experten,
sondern allein vom Gericht zu beantworten sein wird, und zwar erst, nachdem der
natürliche Kausalzusammenhang feststeht.
Der natürliche Kausalzusammenhang ist dagegen eine Tatfrage. In den Er-
wägungen ihres im Sinne von § 136 ZPO/ZH erlassenen Beweisauflageschlusses
vom 4. Februar 2013 hielt die Vorinstanz fest, dass der Kläger zu beweisen habe,
"dass er im Sinne der natürlichen Kausalität durch den Unfall vom 26. Mai 2000
verletzt" worden sei (Urk. 54 S. 2). In der Folge hielt die Vorinstanz in den Be-
weissätzen 8-15 ihres Beweisauflagebeschlusses die vom Kläger zu beweisen-
den Elemente des Unfallherganges fest. Und alsdann hielt sie in den Beweissät-
zen 7 sowie 16-34 die vom Kläger zu beweisenden Elemente seiner gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen fest. Dem Kläger auferlegte die Vorinstanz den Beweis
für seine Behauptungen zum Unfallgeschehen (Beweissatz 64), zu seinem Ge-
sundheitszustand vor dem Unfall (Beweissätze 54-59), zu seiner Arbeitsfähigkeit
vor dem Unfall (Beweissätze 60-63) sowie zu seinem Gesundheitszustand nach
dem Unfall (Beweissatz 65). In ihrem Beweisabnahmebeschluss (Urk. 67) listete
die Vorinstanz die hier interessierenden Beweismittel zu den Beweissätzen 7-34
und 54-65 über 66 Seiten in kleiner Schrift (Arial 10) auf (Urk. 67 S. 14-55 und
S. 74-97). In der Folge ordnete sie im Zusammenhang zu verschiedenen Be-
weissätzen ein "unfalltechnisches und biomechanisches Gutachten" bzw. ein "in-
terdisziplinäres medizinisches Gutachten" an (Urk. 67 passim). Zu all diesen an-
geordneten Beweisabnahmen ist es aber in der Folge nicht gekommen.
5.2. Natürlicher Kausalzusammenhang (Allgemeines). Ein natürlicher Kausal-
zusammenhang ist gegeben, wenn das schadensstiftende Verhalten eine not-
wendige Bedingung (conditio sine qua non) für den eingetretenen Schaden ist
(BGE 132 III 715 E. 2.2 S. 718; 128 III 180 E. 2d S. 184 mit Hinweisen), d.h. wenn
das fragliche Verhalten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch der ein-
- 14 -
getretene Erfolg entfiele bzw. nicht als in gleicher Weise bzw. zur gleichen Zeit als
eingetreten gedacht werden könnte. Entsprechend dieser Umschreibung ist für
die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass der
interessierende Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher
Störungen ist; es genügt vielmehr, dass das schädigende Ereignis zusammen mit
anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der geschädigten
Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden
kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE
129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen). Soweit der Kausalzusammenhang nicht
mit wissenschaftlicher Genauigkeit nachgewiesen werden kann, genügt, dass er
als überwiegend wahrscheinlich erscheint (BGE 107 II 269 E. 1b S. 272 f.; 128 III
271 E. 2b/aa S. 275 f.; je mit Hinweisen). Dies ist zu verneinen, wenn nach den
besonderen Umständen des Falles neben den behaupteten weitere Ursachen
ebenso in Frage kommen oder sogar näher liegen (BGE 107 II 269 E. 1b S. 273;
vgl. auch BGE 130 III 321 E. 3.3 S. 325). Die Feststellung hinsichtlich des tat-
sächlichen Bestands des Schadens sowie des Kausalzusammenhangs zwischen
dem schädigenden Verhalten und dem Schaden betrifft den Sachverhalt und be-
ruht auf Beweiswürdigung (BGE 128 III 22 E. 2d und E. 2e S. 25 f., 180 E. 2d S.
184; BGer 4A_275/2013 vom 30.10.2013, E. 4 und 4.1).
5.2.1. Die sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts hat ihre Rechtsprechung
bei sog. unklaren Beschwerdebildern präzisiert und dabei festgelegt, wie die Be-
schwerdebilder beweismässig zu erheben sind. Aus den medizinischen Abklärun-
gen muss ersichtlich sein, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus
unfallbedingten Gesundheitsschäden resultieren. Abzustellen ist auf sog. Stan-
dardindikatoren im Hinblick auf den Schweregrad, die Konsistenz und die funktio-
nellen Auswirkungen der Schädigung (BGE 141 V 281 E. 6). Die Halswirbel-
Distorsion gehört zu diesen unklaren Beschwerdebildern (BGE 141 V 574, 136 V
279).
5.2.2. Gemäss BGE 117 V 359 E. 4 ist dann, wenn nach einem Unfall ein sog.
Schleudertrauma diagnostiziert wird, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass "die Ausfälle und die dadurch einge-
- 15 -
tretene teilweise Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit auf den Unfall zurückzuführen"
sind. Von den zivilrechtlichen Abteilungen des Bundesgerichts wurde diese
Rechtsprechung in dieser Weise nicht übernommen (vgl. BGer 4A_275/2013 vom
30.10.2013, E. 4). Stehen medizinische Zusammenhänge in Frage, geht es stets
um natürliche Kausalität (ULRICH MEYER, Schleudertrauma anders betrachtet, in:
Medizin und Recht, Zürich 2013, S. 297). Zur natürlichen Kausalität gehört aber
auch, dass das Unfallereignis als solches nach überwiegender Wahrscheinlichkeit
dazu geeignet war, eine Halswirbel-Distorsion zu bewirken. Beides – die Auswir-
kungen des Unfallereignisses auf den Körper sowie die Folgen der Halswirbel-
Distorsion – sind rechtserhebliche Tatsachen, die wenn sie streitig sind, im Be-
weisverfahren erhärtet werden müssen.
5.2.3. Für das Vorliegen des natürlichen Kausalzusammenhanges trägt der An-
sprecher die Beweislast (Art. 8 ZGB), wobei das reduzierte Beweismass der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist. Hinsichtlich dieser natürlichen
Kausalität ergibt sich aus dem angefochtenen Urteil und den Rechtsschriften des
Berufungsverfahrens Folgendes:
5.3. Natürlicher Kausalzusammenhang: Vorinstanzliches Urteil; zweitinstanzli-
che Parteivorträge.
5.3.1. Die Vorinstanz stellt auf die bei den Akten liegende Unfallanalyse der Ar-
beitsgruppe für Biomechanik vom 12. Januar 2006 ab, die von einem Delta-v-
Wert von 10,5 bis 15 km/h ausgeht (Urk. 121 S. 12 mit Hinweis auf Urk. 4/8 S. 2).
Sie weist darauf hin, dass der Kläger diesen Wert anzweifle, weil der erwähnte
Bericht von einem falschen Gewicht des den Unfall verursachenden Fahrzeuges
ausgehe, während die Beklagte die natürliche Kausalität unter Hinweis auf das
geringe Delta-v verneine. Wegen der beiden aufeinander folgenden Kollisionen
mache der Kläger sodann einen sog. "Resonanzeffekt" geltend. Ohne weiteres
geht die Vorinstanz sodann in diesem Punkte von einem natürlichen Kausalzu-
sammenhang aus, weil ein "mittelschwerer oder schwerer Unfall" vorliege. Ge-
stützt auf die persönliche Befragung des Klägers kommt die Vorinstanz sodann
zum Schluss, dass allerdings kein "Resonanzeffekt" stattgefunden habe. Das
wirkt sich nach der Auffassung der Vorinstanz allerdings nicht zum Nachteil des
- 16 -
Klägers aus, weil sich nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts gar ein Wert
von Delta-v, der (deutlich) unter 10 km/h liege, die Annahme nicht ausschliesse,
dass es zu einem Schleudertrauma (mit weiteren gesundheitlichen Folgen) ge-
kommen sei (Urk. 121 S. 12 f.).
Hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen des Unfallereignisses stützt sich
die Vorinstanz einzig auf die Zeugenaussagen der von ihr vernommenen Ärzte
Dr. O._ und Dr. P._, die den Kläger seinerzeit behandelt haben. Ge-
stützt darauf schliesst die Vorinstanz aus, dass Unfälle, die der Kläger bereits in
den Jahren 1996 und 1998 erlitten habe, im Unfallzeitpunkt irgendwelche Auswir-
kungen gehabt hätten. Auch psychische Defizite seien auszuschliessen. Unter
Hinweis auf gewisse Passagen dieser Zeugenaussagen sowie gestützt auf zwei
Aktenstücke hält die Vorinstanz im angefochtenen Urteil fest, es sei "überwiegend
wahrscheinlich, dass ohne den Unfall auch die eingetretene gesundheitliche Stö-
rung entfiele". Der natürliche Kausalzusammenhang sei damit gegeben (Urk. 121
S.13-15).
5.3.2. Mit seiner Berufung erklärt der Kläger, dass er die vorinstanzlichen Erwä-
gungen zum natürlichen Kausalzusammenhang "nicht in Zweifel" ziehe. Sollte die
Beklagte aber mit der Berufung die vorinstanzlichen Schlüsse bestreiten, so sei
ein zweiter Schriftenwechsel gemäss Art. 316 Abs. 2 ZPO anzuordnen (Urk. 120
S. 22 f.). Ein solcher wurde in der Folge angeordnet.
5.3.3. Demgegenüber bestreitet die Beklagte mit ihrer Berufungsantwort nach wie
vor, dass ein natürlicher Kausalzusammenhang gegeben sei. Sowohl aus dem
Polizeirapport als auch aus der bei den Akten liegenden Unfallanalyse ergebe
sich, dass lediglich eine Bagatellkollision vorliege, dass ein Resonanzeffekt zu
verneinen sei, dass am Fahrzeug des Klägers nur ein geringfügiger Schaden ent-
standen sei und die Ehefrau des Klägers den Unfall ohne bleibende Schäden
überstanden habe (Urk. 126 Rz 26 ff., 31 ff., 40 f. und 42 ff.). Alsdann hält die Be-
klagte die bei den Akten liegende und von der SUVA eingeholte "Biomechanische
Kurzbeurteilung" vom 29. November 2001 der "Arbeitsgruppe für Unfallmechanik"
(Urk. 4/5/3) für tragfähig, weshalb sich eine "ausführliche biomechanische Beurtei-
lung" erübrige (Urk. 126 Rz 49 ff.). Die bei den Akten liegende technische Unfall-
- 17 -
analyse sei von der Vorinstanz falsch gewürdigt worden. Schliesslich werden die
gesundheitlichen Folgen des Unfalls von der Beklagten nach wie vor bestritten
und die vorinstanzlichen Erwägungen auch insoweit beanstandet (Urk. 126 Rz
61 ff.).
5.3.4. In seiner Replik anerkennt der Kläger, dass die Vorinstanz das von ihr an-
geordnete Gutachten zum Unfallhergang nicht eingeholt habe, "da sie die Frage
der natürlichen Kausalität auch ohne Gutachten bejahte". Im Übrigen bekräftigt er
noch einmal seine im vorinstanzlichen Verfahren gegenüber der im Rechte lie-
genden Unfallanalyse (Urk. 4/8) formulierten Vorbehalte. Und weiter beanstandet
der Kläger, dass die Vorinstanz das von ihr angeordnete unfalltechnische und bio-
mechanische Gutachten nicht eingeholt habe (Urk. 129 S. 9 f.). Im Übrigen sei die
Beklagte selber von einem gegebenen natürlichen (und auch adäquaten) Kausal-
zusammenhang zwischen dem Unfall und gesundheitlichen Schwierigkeiten aus-
gegangen, denn bis Juli 2003 habe die Beklagte vorbehaltlos Leistungen erbracht
(Urk. 129 S. 14). Alsdann weist der Kläger auf verschiedene Aktenstellen hin,
welche den Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und seinen gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen belegen sollen (Urk. 129 S. 15 ff.) und aus denen er das
Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges ableitet (vgl. Urk. 129
S. 19). Die natürliche Kausalität ergebe sich auch aus dem Umstand, dass die
SUVA nach wie vor eine 100%ige Unfallrente ausrichte (Urk. 129 S. 21). Mit den
Urteilen des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 30. Januar
2012 (Urk. 42/16-17) sollte die Frage der natürlichen Kausalität nach dem Dafür-
halten des Klägers "vom Tisch" sein (Urk. 129 S. 21 f.). Dem N._-Gutachten
(Urk. 82) komme in diesem Zusammenhang "keinerlei Beweiswert" zu (Urk. 129
S. 42, 44).
5.3.5. Mit ihrer Berufungsduplik hält die Beklagte an ihrer Argumentation fest
(Urk. 133 S. 13 ff. und S. 34 ff.).
5.4. Beweisverfahren. Die Vorinstanz hat die Beweise zum natürlichen Kausal-
zusammenhang gänzlich losgelöst von ihren Beweisbeschlüssen gewürdigt. Das
ist so nicht zulässig. Wenn die Vorinstanz mit dem angefochtenen Urteil ihren
- 18 -
Beweisbeschlüssen nicht mehr hätte folgen wollen, hätte sie dafür eine Begrün-
dung geben müssen (vgl. oben E. 4).
Nicht angängig ist es allerdings, mit dem Kläger aus den Urteilen des Sozi-
alversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 30. Januar 2012 (Urk. 42/16-17)
zu schliessen, dass mit ihnen die Frage des natürlichen Kausalzusammenhanges
"vom Tisch" sei (Urk. 129 S. 21 f.), denn der Zivilprozess und der Sozialversiche-
rungsprozess folgen anderen Regeln. Denkbar ist es allerdings, Beweismittel aus
Drittverfahren im Zivilprozess zu verwerten. Namentlich können nach der bundes-
gerichtlichen Rechtsprechung im Zivilprozess sog. Fremdgutachten, die von einer
anderen Behörde in Auftrag gegeben und in einem anderen Verfahren erstattet
wurden (z.B. ein im Strafverfahren eingeholtes verkehrstechnisches Gutachten
oder eine von einem Sozialversicherungsträger veranlasste medizinische Exper-
tise), als gerichtliche Gutachten im Sinne der Zivilprozessordnung berücksichtigt
werden (BGE 140 III 24 E. 3.3.1.3.). Es gibt keinen Grund, diese vom Bundesge-
richt zur ZPO entwickelte Rechtsprechung nicht auch auf das zürcherische Pro-
zessrecht anzuwenden. Im Sinne dieser Rechtsprechung ist den Parteien des Zi-
vilprozesses allerdings vor Abschluss des Verfahrens das rechtliche Gehör zu
gewähren (§ 180 1. Halbsatz ZPO/ZH), und es wird ihnen die Möglichkeit einzu-
räumen sein, sich nachträglich noch zur Person des Gutachters zu äussern
(§ 172 Abs. 2 ZPO/ZH) und Ergänzungsfragen zu stellen (§ 180 2. Halbsatz
ZPO/ZH). Unter diesen Voraussetzungen sind im Zivilprozess Fremdgutachten
ebenso beweistauglich, wie die vom Zivilrichter selber eingeholten Gutachten. Es
versteht sich von selbst, dass auch Fremdgutachten der freien Beweiswürdigung
unterliegen (§ 148 Satz 1 ZPO/ZH) und dass ein neues Gutachten zu denselben
Gutachterfragen angeordnet werden kann, wenn die Feststellungen und Schluss-
folgerungen eines Fremdgutachtens einer kritischen Würdigung nicht standhalten
(§ 181 Abs. 2 ZPO/ZH). Beim gegenwärtigen Aktenstand kann nach dem Gesag-
ten auf das ...-Gutachten nicht abgestellt werden, weil die Parteien nicht aufgefor-
dert wurden, sich im Sinne der §§ 172 Abs. 2 und 180 ZPO/ZH dazu zu äussern.
Das wird im weiteren Verfahrensverlauf entweder nachzuholen oder es wird ein
neues Gutachten anzuordnen sein.
- 19 -
5.5. Natürlicher Kausalzusammenhang: Unfallhergang. Der Ablauf eines Ver-
kehrsunfalles stellt einen hochkomplexen physikalischen Vorgang dar, der sich in
Sekundenbruchteilen ereignet und nur schwer rekonstruiert werden kann. Die
Feststellung und die Würdigung der massgeblichen Tatsachen bedarf des Fach-
wissens, das einem Gericht in aller Regel abgeht. Es lag daher nahe, dass die
Vorinstanz mit ihrem Beweisabnahmebeschluss vom 24. Januar 2014 zu ver-
schiedenen Beweissätzen unter anderem ein "unfalltechnisches und biomechani-
sches Gutachten" anordnete (Urk. 67 zu den Beweissätzen 8, 9, 11, 12, 14, 15,
17, 18, 29, 30, 33, 34, 35, 54, 64). Ein solches Gutachten wurde in der Folge aber
nicht eingeholt.
5.5.1. Im obergerichtlichen Verfahren lässt der Kläger seinen Einwand fallen, dass
es anlässlich des Unfalles vom 26. Mai 2000 zu einem sog. Resonanzeffekt ge-
kommen sei (Urk. 129 S. 11). Die Parteien gehen sodann gestützt auf die bei den
Akten liegende "technische Unfallanalyse" (Urk. 4/8) übereinstimmend davon aus,
dass das Delta-v der ersten Kollision 10,5 bis 15,5 km/h betragen habe (Urk. 126
Rz 15.5 und Urk. 129 S. 3).
5.5.2. Die Parteien stufen die biomechanischen Auswirkungen des Unfalles gänz-
lich unterschiedlich ein:
5.5.2.1. Der Kläger geht vor Obergericht nach wie vor von einem heftigen Aufprall
aus (Urk. 129 S. 14), wofür er sich namentlich auf die bei den Akten liegende und
an die SUVA gerichtete "Biomechanische Kurzbeurteilung" stützt (Urk. 129 S. 6
mit Hinweis auf Urk. 4/5/3). Er verweist auch darauf, dass er mit seiner Replik vor
Vorinstanz auf die Widersprüche zwischen der "Biomechanischen Kurzbeurtei-
lung" (Urk. 4/5/3) und der "technischen Unfallanalyse" (Urk. 4/8) hingewiesen ha-
be (Urk. 129 S. 9). Gleiches gelte für seine mit der erstinstanzlichen Replik aufge-
stellten Behauptungen betreffend die Fahrzeuggewichte (Urk. 129 S. 9). Auch da-
zu habe die Vorinstanz ein Gutachten angeordnet, aber nicht eingeholt (Urk. 129
S. 8). Die Auffahrkollision vom 26. Mai 2000 stelle nicht den biomechanischen
Normalfall dar (Urk. 126 Rz 49), denn die Folgen des Unfalls hätten ihn wegen
seiner Konstitution weit stärker getroffen, als man dies hätte im "Normalfall" er-
warten müssen (Urk. 25 S. 5, 37, Urk. 129 S. 10, 11).
- 20 -
5.5.2.2. Demgegenüber hält die Beklagte nach wie vor daran fest, dass der Unfall
vom 26. Mai 2000 als "harmloser Bagatellunfall" (so Urk. 18 S.14; Urk. 126 Rz
22 ff.; Urk. 133 Rz 29, 53, 102) zu werten sei. Die bei den Akten liegende "Biome-
chanische Kurzbeurteilung" (Urk. 4/5/3), welche "eine Abweichung vom Normal-
fall" bescheinige, sei nicht beweiskräftig (Urk. 126 Rz 49 ff. und Urk. 133 Rz 170).
5.5.3. Die zwischen den Parteien strittigen Fragen hat die Vorinstanz mit den Be-
weissätzen 8-15 zum Gegenstand ihres Beweisauflagebeschlusses gemacht
(Urk. 54 S. 5). Im Sinne des Gesagten wird sie die Beweise dazu noch abzuneh-
men haben. Im Vordergrund wird das in Aussicht genommene Gutachten stehen;
liegt dieses einmal vor, ist es nicht undenkbar, auf weitere Beweisabnahmen zu
verzichten.
5.6. Natürlicher Kausalzusammenhang: Gesundheitliche Folgen des Unfalles.
5.6.1. Um die gesundheitlichen Folgen einer HWS-Distorsion im gerichtlichen
Beweisverfahren zu erfassen, ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
ein polydisziplinäres Gutachten das Beweismittel der ersten Wahl. Das Bundes-
gericht bezeichnet für solche Fälle polydisziplinäre Gutachten nicht nur als taug-
lich, sondern als "zentral". Demgegenüber betont es, dass einfache medizinische
Stellungnahmen wie Arztzeugnisse und medizinische Fachberichte beweisrecht-
lich blosse Parteigutachten seien, welche den Parteivorbringen zuzurechnen sei-
en und nicht als eigentliche Beweismittel gelten könnten (BGE 140 III 16 E. 2.5).
Gleiches muss für Zeugenaussagen von behandelnden Ärzten gelten, soweit die-
se Aussagen sich nicht strikt auf selber Wahrgenommenes beschränken. Beizu-
fügen ist, dass das Zeugnis fachkundiger Personen im Sinne von § 165 Ziff. 3
ZPO/ZH (bzw. Art. 175 ZPO) für eine derartig essenzielle Beweisfrage, wie sie
hier in Frage steht, von vornherein nicht in Frage kommen kann; das Institut ist
nämlich für einfache und überschaubare Fälle gedacht (vgl. ZK-WEIBEL/WALZ,
Art. 175 ZPO N 8; BSK ZPO-GUYAN, Art. 175 N 1 f.; MÜLLER, DIKE-Komm-ZPO,
Art. 175 N 10). Eine derartige einfache Fragestellung scheidet hier aus. Wird ein
polydisziplinäres Gutachten angeordnet, können sich die Parteien vorgängig na-
mentlich zu den Fachdisziplinen und zur Auswahl der Gutachter äussern. Der
Entscheid liegt aber beim Gericht (BGE 140 III 24 E. 3.3.4.).
- 21 -
5.6.2. Mit ihrem Beweisabnahmebeschluss vom 24. Januar 2014 hat die Vorin-
stanz zu verschiedenen Beweissätzen (unter anderem) ein "interdisziplinäres me-
dizinisches Gutachten" angeordnet (Urk. 67 zu den Beweissätzen 6, 17, 18, 20,
21, 22, 23, 27, 28, 29, 30, 32, 33, 34, 35, 44, 52, 54, 55, 56, 57, 59, 60, 61, 62,
63, 64). Zu allen Beweissätzen, zu denen sie die Einholung eines "interdisziplinä-
ren medizinischen Gutachtens" anordnete, erwähnte die Vorinstanz im Be-
weisabnahmebeschluss auch das Beweismittel "Polydisziplinäres Gutachten des
N._ (N._) vom 5. Juni 2010", welches Gutachten als Urk. 82 bei den Ak-
ten liegt.
5.6.3. Die Beklagte stellt sich vor Obergericht auf den Standpunkt, dass das bei
den Akten liegende ...-Gutachten (Urk. 82) beweistauglich sei. Die seit 16. Juli
2003 nur bruchstückhaft vorhandene medizinische Dokumentation könne durch
ein weiteres interdisziplinäres Gutachten nicht nachgeholt werden, denn den
Sachverständigen würde sich eine identische Aktenlage präsentieren, wie sie
schon den Gutachtern des N._ im Jahr 2010 vorgelegen sei. Im Rahmen ei-
nes weiteren interdisziplinären Gutachtens könnten deshalb lediglich die Untersu-
chungen wiederholt werden, welche schon die Sachverständigen des N._
durchgeführt hätten. Da durch ein weiteres interdisziplinäres Gutachten keine
neuen medizinischen Erkenntnisse zu erwarten seien, könne darauf in antizipier-
ter Beweiswürdigung verzichtet werden (Urk. 126 Rz 123).
Ob das in Frage stehende Fremdgutachten ein neues gerichtliches Gutach-
ten überflüssig zu machen vermöchte, wenn im Sinne des oben Dargelegten (vgl.
oben E. 5.4.) gemäss BGE 140 III 24 E. 3.3.1.3 vorgegangen wird, ist hier nicht zu
entscheiden. Auf jeden Fall müsste dieses aus dem Jahre 2010 stammende Gut-
achten aktualisiert werden. Im bisherigen Verfahrensverlauf konnten sich die Par-
teien jedenfalls im Sinne von BGE 140 III 24 E. 3.3.1.3 weder zu den Personen
der Sachverständigen äussern noch hatten sie Gelegenheit, Ergänzungsfragen zu
beantragen. Die Frage, ob dieses Gutachten beweistauglich ist und sich aus die-
sem Grunde ein weiteres gerichtliches Gutachten erübrigt, kann auf Grund der
derzeitigen unvollständigen Aktenlage jedenfalls nicht beurteilt werden. Das wird
das Sachgericht gegebenenfalls nach der Ergänzung des Gutachtens beurteilen
- 22 -
müssen. Der Kläger wirft mit der Berufung allerdings einmal mehr die Frage auf,
ob es sich beim fraglichen ...-Gutachten nicht um ein illegal beschafftes Beweis-
mittel handeln könnte, weil es nicht von ihm, sondern von der Beklagten ins Recht
gelegt worden sei (vgl. Urk. 120 S. 39 f., Urk. 129 S. 4; vgl. auch Schreiben der
Beklagten an die Vorinstanz, Urk. 81). Der Vorwurf ist haltlos. Bereits mit der Dup-
lik hat die Beklagte dem Kläger auseinandergesetzt, dass sie das Gutachten ge-
stützt auf Art. 47 Abs. 1 lit. d ATSG erhalten hat, wurde ihr doch seitens der SUVA
und der IV der Regress angekündigt (vgl. Urk. 126 Rz 259; Urk. 36/1-2). Mit sei-
ner Berufungsreplik nimmt er diesen Vorwurf im Ergebnis – zu Recht – zurück
(Urk. 129 S. 42).
5.6.4. Wie schon vor Vorinstanz bestreitet die Beklagte auch vor Obergericht,
dass zwischen dem Auffahrunfall und den gesundheitlichen Beschwerden ein na-
türlicher Kausalzusammenhang bestehe (vgl. Urk. 126 Rz 73, Urk. 133 Rz 85 ff.).
Der Kläger verweist demgegenüber auf die Zeugenaussagen des behandelnden
Arztes Dr. O._ (Urk. 120 S. 19, Urk. 129 S. 6 ff.; vgl. Prot. I S. 212 ff.). Dieser
hatte vor Vorinstanz nach 141⁄2 Jahren als Zeuge über die Untersuchung auszu-
sagen, die er nach dem Unfall vorgenommen hatte; an den Kläger vermochte er
sich nicht mehr zu erinnern. Im Computer habe er gesehen, dass der Kläger "bei
uns gewesen ist". Die Akten seien nach zehn Jahren vernichtet worden, und
"mehr weiss ich nicht" (Prot. I S. 212). Die Aussagen eines solchen Zeugen sind
von vornherein nicht beweistauglich. Auch die Zeugenaussagen des Hausarztes
Dr. P._ können (Prot. I S. 218 ff.), soweit es um die Beurteilung des medizi-
nischen Zustandes des Klägers und nicht um die Schilderung bestimmter, vom
Zeugen erlebter Vorfälle geht, ein neutrales Gerichtsgutachten nicht ersetzen,
denn solche Beurteilungen haben beweismässig keine andere Qualität als ein
Arztzeugnis (vgl. dazu BGE 140 III 16 E. 2.5). Dass ein solches Gutachten die
vorhandenen medizinischen Akten einzubeziehen hat, versteht sich demgegen-
über von selbst.
5.6.5. Auch im Zusammenhang mit den gesundheitlichen Folgen des Unfalles gilt
das Gleiche, was oben zum Unfallhergang ausgeführt wurde: Die Vorinstanz wird
grundsätzlich anhand ihres Beweisabnahmebeschlusses das Beweisverfahren
- 23 -
durchführen müssen. Auch hier wird sie stufenweise vorgehen können. Zentrales
Beweismittel wird ein neues polydisziplinäres Gutachten sein, wenn nicht das bei
den Akten liegende ...-Gutachten so ergänzt wird, dass es im Sinne von BGE 140
III 24 E. 3.3.1.3 als gerichtliches Gutachten angesehen werden kann und ihm da-
her entsprechende Beweiskraft zukommt. Liegt einmal ein beweistaugliches Gut-
achten vor, ist es sehr wohl möglich, dass auf die Abnahme gewisser weiterer
Beweise in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden kann. Das ist aber
eine Frage, die vom Sachgericht später zu entscheiden und im Urteil einlässlich
zu begründen sein wird.
6. Rechnungstag
6.1. Der Kläger machte in seiner Klageschrift vom 30. Juni 2010 geltend, dass
der Rechnungstag der Urteilstag sei. Weil aber noch nicht feststehe, wann das
angerufene Gericht über die Klage entscheiden werde, bestimme er – der Kläger
– den 31. Mai 2011 zum Urteilstag (Urk. 120 S. 27 mit Hinweis Urk. 2 S. 45). In
der Folge ging die Vorinstanz bei der Schadensberechnung von dem vom Kläger
genannten Rechnungstag aus (vgl. Urk. 121 S. 23, 24, 25, 26, 28).
6.2. Mit der Berufung beanstandet der Kläger das vorinstanzliche Vorgehen.
Nach Lehre und Rechtsprechung entspreche der Rechnungstag dem Urteilstag.
Die Vorinstanz hätte als Rechnungstag ihren Urteilstag, nämlich den 30. Oktober
2015 wählen müssen. Zwischen dem von der Vorinstanz gewählten Rechnungs-
tag und dem Urteilstag sei weiterer Schaden entstanden, der hätte berücksichtigt
werden müssen (Urk. 120 S. 27). Und weiter argumentiert der Kläger, dass sein
letzter Lohn gestützt auf die Nominallohnentwicklung gemäss den Publikationen
des Bundesamtes für Statistik aufzurechnen sei (Urk. 120 S. 28). Die Beklagte
weist diese Sichtweise des Klägers zurück (Urk. 126 Rz 267 ff.).
6.3. Die Schadensberechnung wird in der Tat von der Frage, was als bisheriger
und was als künftiger Schaden zu bewerten ist, entscheidend beeinflusst. Indes-
sen stellen auch statistische Werte Tatsachen dar, die unter der Herrschaft des
Verhandlungsgrundsatzes, von dem dieser Prozess bereits vor Vorinstanz ge-
mäss § 54 Abs. 1 ZPO/ZH beherrscht war, von den Parteien durch Tatsachenbe-
- 24 -
hauptungen in den Prozess einzuführen sind. Das gilt auch dann, wenn es sich
bei ihnen um offenkundige Tatsachen im Sinne von Art. 151 ZPO bzw. von § 133
Satz 2 ZPO/ZH handelt. Es wäre daher Sache des Klägers gewesen, im vorin-
stanzlichen Verfahren unter Inanspruchnahme des Novenrechtes gemäss
ZPO/ZH auf derartige Tatsachen hinzuweisen, die sich durch die lange Prozess-
dauer ergeben haben. Das hätte dazu geführt, dass sich auch die Gegenpartei
mit derartigen Überlegungen des Klägers hätte auseinandersetzen können. Sol-
ches hat der Kläger vor Vorinstanz indessen nicht getan, sondern trägt seine
neuen tatsächlichen Überlegungen erstmals im Berufungsverfahren vor. Dabei ist
von Belang, dass der Kläger seinerzeit selber den 31. Mai 2011 zum Rechnungs-
tag "bestimmt" hat. Er liess nach dem 31. Mai 2011 in der Folge die Zeit bis zum
Urteil vom 30. Oktober 2015 verstreichen, ohne dass er seine Überlegungen be-
treffend aktualisierte Berechnungsweise des Schadens je ins Verfahren einge-
bracht hätte. Damit ist es ihm aber gemäss Art. 317 Abs.1 ZPO auch verwehrt,
derartige tatsächliche Überlegungen ins Berufungsverfahren einzuführen, denn
bei zumutbarer Sorgfalt hätte er dies schon längst im vorinstanzlichen Verfahren
tun können und nach dem auch im Prozessrecht gültigen allgemeinen Grundsatz
von Treu und Glauben (vgl. § 50 Abs. 1 ZPO/ZH und Art. 52 ZPO) auch tun müs-
sen. Bei dem von der Vorinstanz angenommenen Rechnungstag vom 31. Mai
2011 muss es daher sein Bewenden haben.
7. Schaden
7.1. Positionen. Die Vorinstanz hat auf der ganzen Linie das Vorhandensein ei-
nes Schadens verneint. Vor Obergericht hält der Kläger noch an drei Positionen
fest: am Erwerbsschaden, an der Genugtuung (einschliesslich Zinsen) sowie an
den vorprozessualen Anwaltskosten.
7.2. Personenschaden.
7.2.1. Allgemeines. Der Kläger hält vor Obergericht nicht mehr an seinem Stand-
punkt fest, dass er ohne Unfall per 1. Januar 2001 eine Stelle als Kranführer hätte
antreten können (vgl. Urk. 121 S. 21-23). Vielmehr folgt er der Vorinstanz darin,
dass für die Schadensberechnung sein zuletzt bei der H._ AG in ... erzieltes
- 25 -
Einkommen als Grundlage dienen kann (Urk. 120 S. 28). Davon wird im weiteren
Verfahrensverlauf auszugehen sein.
7.2.2. Bisheriger Erwerbsschaden (bis Rechnungstag 31. Mai 2011).
7.2.3. Bisheriger (d.h. bis 31. Mai 2011) Erwerbsausfall (Urk. 120 S. 28 f.). Die
Vorinstanz berechnete den Erwerbsschaden des Klägers für die Zeit zwischen
dem Unfall und dem Rechnungstag vom 31. Mai 2011 auf Fr. 588'483.85. Sie tat
das auf Grund der Vorbringen der Parteien im erstinstanzlichen Verfahren
(Urk. 121 S. 25- f.). Mit seiner Berufung möchte der Kläger diese Berechnung auf
eine neue Grundlage stellen. Das ist nicht nur unzulässig, weil er – entgegen sei-
nen erstinstanzlichen Vorbringen – von einem andern Rechnungstag ausgeht,
sondern macht auch die Rügen des Klägers gegenüber dem erstinstanzlichen Ur-
teil in diesem Punkte nur schwer überprüfbar. Nicht durchdringen kann der Kläger
jedenfalls mit jenen Vorbringen, mit denen er die Berechnung der Teuerung auf
eine andere Grundlage stellen will, als dies die Vorinstanz getan hat. Die Vo-
rinstanz hält fest, dass der Kläger im Verfahren vor der Vorinstanz die Berücksich-
tigung einer Reallohnentwicklung bis zum Rechnungstag von 0,68% verlangt ha-
be, und die Vorinstanz hat dem Rechnung getragen (Urk. 121 S. 23 unten). Der
Kläger beanstandet das mit der Berufung und meint, dass die hypothetische Real-
lohnentwicklung bei der Kapitalisierungsrechnung zu berücksichtigen sei
(Urk. 120 S. 28). Was er damit sagen will, ist schwer zu ergründen; jedenfalls hat
sich die Vorinstanz auf vorinstanzliche Behauptungen des Klägers berufen, die
mit der Berufung nicht widerlegt werden. Auch die Hinweise des Klägers in der
Berufung auf die Teuerung der Jahre 2001 bis 2014 sind tatsächliche Vorbringen.
Der Kläger tut nicht dar, dass die Vorinstanz in diesem Zusammenhang seine
erstinstanzlichen Behauptungen übergangen hätte. Und wenn sie dies nicht getan
hat, dann sind diese Vorbringen der Berufung im Sinne von Art. 317 Abs. 1 ZPO
unzulässig.
Unter dem Titel Kinderzulagen korrigiert der Kläger mit der Berufung den
von der Vorinstanz für die Zeit vom 1. Januar 2000 bis 31. Dezember 2004 einge-
setzten Betrag von Fr. 10'440.00 zu seinen Lasten auf Fr. 8'640.00 (Urk. 121
S. 25 und Urk. 120 S. 29). Das ist zu berücksichtigen. Bis zum Rechnungstag
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vom 31. Mai 2011 ergibt sich damit ein Erwerbsschaden von Fr. 586'683.85
(= Fr. 31'331.35 + Fr. 546'712.50 + Fr. 8'640.00).
7.2.3.1. Bisherige (d.h. bis 31. Mai 2011) Sozialversicherungsleistungen. Es kön-
nen aus prozessualen Gründen nur jene Berufungsvorbringen interessieren, wel-
che den Zeitraum bis zum Rechnungstag vom 31. Mai 2011 betreffen. Die Vor-
instanz ging für diesen Zeitraum von Leistungen der Sozialversicherungen von
Fr. 603'102.85 aus. Dazu rechnet sie Zahlungen der Beklagten von Fr. 35'034.80.
Der Kläger korrigiert diese Berechnungen der Vorinstanz mit der Berufung ledig-
lich zu seinen Lasten, indem er vorträgt, dass er von der IV für den Zeitraum von
Januar bis Mai Fr. 110.00 mehr erhalten habe, als von der Vorinstanz berücksich-
tigt (Urk. 120 S. 30 f.). Damit ist nicht von Fr. 638'137.85 anrechenbaren Leistun-
gen auszugehen, wie das die Vorinstanz getan hat (Urk. 121 S. 25 unten), son-
dern von solchen im Betrage von Fr. 638'247.85.
7.2.3.2. Saldo. Einem Erwerbsausfall von Fr. 586'683.85 stehen mithin Bezüge
des Klägers von Fr. 638'247.85 gegenüber. Damit ergibt sich ein negativer Saldo
zu Lasten des Klägers von Fr. 51'564.00.
7.2.4. Künftiger Erwerbsschaden (ab Rechnungstag 31. Mai 2011 bis zur Pensio-
nierung).
7.2.4.1. Die Vorinstanz hielt fest, dass dem Kläger bis zum Pensionierungsalter
ein Erwerbsausfall von Fr. 551'899.75 entstehe. Und gemäss des Klägers eige-
nen Berechnungen werde er in dieser Zeit eine kapitalisierte IV-Rente von
Fr. 552'324.20 beziehen (Urk. 121 S. 26). Bei dieser Berechnungsweise ergibt
sich auch hier ein Saldo zu Lasten des Klägers. An und für sich beanstandet der
Kläger diese vorinstanzlichen Ausführungen nicht. Er weist einzig auf seine No-
venvorbringen in der Beweisantretung hin, welche die Vorinstanz übersehen habe
(Urk. 120 S. 32). Die Beklagte nahm mit der Berufungsantwort dazu Stellung
(Urk. 126 Rz 130 und Rz 274-278).
7.2.4.2. Mit seiner Beweisantretungsschrift vom 21. Mai 2013 legte der Kläger die
Verfügung vom 8. November 2012 (Urk. 66/22/1) vor, aus der sich ergibt, dass die
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Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (IV-Stelle) die Invalidenrente auf-
gehoben hat, und zwar gestützt auf die Schlussbestimmungen der IVG-Änderung
vom 18. März 2011 (6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket) bezüglich der
"Überprüfung der Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndroma-
len Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen
wurden" (Urk. 66/22/1). Und mit einer weiteren vom Kläger gleichzeitig vorgeleg-
ten Verfügung vom 8. Januar 2013 (Urk. 66/22/2) verfügte die Sozialversiche-
rungsanstalt, dass an der Rentenaufhebung festgehalten werde, da sich der Klä-
ger an angebotenen Eingliederungsmassnahmen nicht beteiligt habe. Mit Disposi-
tiv-Ziff. V des Beweisabnahmebeschlusses vom 24. Januar 2014 wurde der Be-
klagten Frist angesetzt um zu diesen Noven Stellung zu nehmen (Urk. 67 S. 97).
In der Folge nahm die Beklagte mit Eingabe vom 17. März 2014 Stellung (Urk. 73
S. 4-6).
7.2.4.3. Die Aufhebung einer IV-Rente ist für die Berechnung des Schadens ein
wesentlicher Faktor. Die vom Kläger mit der Beweisantretungsschrift neu aufge-
stellten Behauptungen und die dazu gleichzeitig als Beweismittel vorgelegten Ver-
fügungen der IV-Stelle waren gestützt auf § 115 Ziff. 1 und 2 ZPO/ZH ohne weite-
res zulässig. Sie hätten daher von der Vorinstanz behandelt werden müssen.
7.2.4.4. Für die Schadensberechnung spielt die IV-Rente und ihre Höhe durchaus
eine Rolle (vgl. dazu die auch von der Beklagten nicht angefochtenen vorinstanz-
lichen Erwägungen, Urk. 121 S. 25 f.). Was die Beklagte dagegen vorbringt, ist
haltlos. Aktenwidrig ist zunächst der Vorwurf der Beklagten, der Kläger habe nur
die erste und die letzte Seite der Verfügung der Sozialversicherungsanstalt vom
8. November 2012 ins Recht gelegt (Urk. 123 Rz 130), denn bei den Akten liegt
eine vollständige drei Seiten umfassende Verfügung (vgl. Urk. 66/22/1). Abwegig
ist sodann die Argumentation der Beklagten, der Kläger wolle sie für den Wegfall
seiner IV-Rente haftbar machen (Urk. 126 Rz 274). Mit ihrer Berufungsduplik an-
erkennt sie nun allerdings ausdrücklich, dass die IV-Rente des Klägers per 1. Ja-
nuar 2013 weggefallen ist (Urk. 133 Rz 132). Gegenstand dieses Prozesses ist
unter anderem die Frage, ob die Beklagte für den Erwerbsausfall des Klägers haf-
tet. Sollte sie dies tun, dann wären eben die Renten der IV auf den Erwerbsausfall
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anzurechnen. Auf deren Höhe kommt es daher sehr wohl an: Je höher die IV-
Rente, desto geringer wird ein allfälliger Ersatzanspruch ausfallen, der dem Klä-
ger zustehen sollte. Für den Fall, dass sich ergeben sollte, dass die Beklagte für
den Erwerbsausfall des Klägers haftet, wäre dem Umstand, dass der Kläger seit
dem 1. Januar 2013 keine IV-Renten mehr zustehen, daher durchaus Rechnung
zu tragen.
7.2.4.5. Ins gleiche Kapitel gehört der vom Kläger mit seiner Beweisantretung
thematisierte sog. "Rentenverkürzungsschaden". Auch das ist ein gemäss § 115
Ziff. 1 und 2 ZPO/ZH zulässiges Novum: In seiner Beweisantretungsschrift ver-
weist der Kläger auf Art. 33bis Abs. 1 AHVG, nach welcher Bestimmung AHV-
Renten, die eine IV-Rente ablösen, nach den für eine Berechnung von Invaliden-
renten massgebenden Grundlagen berechnet werden, "wenn dies für den Berech-
tigten vorteilhafter ist". Da die IV-Rente des Klägers per 1. Januar 2013 weggefal-
len ist, wirkt sich daher das Privileg von Art. 33bis Abs. 1 AHVG nicht mehr zu sei-
nen Gunsten aus. Die Beklagte hält dieser Argumentation des Klägers jedenfalls
nichts Substantielles entgegen (Urk. 73 Rz 17 und Urk. 126 Rz 277). Für die Be-
rechnung des Rentenverkürzungsschadens bedarf es versicherungsmathemati-
scher Kenntnisse (vgl. zur Berechnung des Rentenverkürzungsschadens: FELL-
MANN/KOTTMANN, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Bern 2012, Rz 1920 ff.). Dem
in diesem Zusammenhang mit der Beweisantretung gestellten Beweisantrag auf
Einholung eines Gerichtsgutachtens (Urk. 65 S. 5; vgl. auch Urk. 120 S. 32) wird
zu entsprechen sein, wenn sich ergeben sollte, dass die Beklagte für den Er-
werbsausfall des Klägers haftet. Hinzuweisen ist allerdings darauf, dass der Klä-
ger diesen Betrag nicht zusätzlich geltend macht, sondern diese Position einzig
zur alternativen Begründung seiner Forderung verwendet (Urk. 120 S. 35).
7.3. Vorprozessuale Anwaltskosten. Die Vorinstanz verweist auf die Klage-
schrift und auf die Replikschrift des Klägers (Urk. 121 S. 41 mit Hinweis auf Urk. 2
S. 69 f. und Urk. 25 S. 62). Mit der Klageschrift verlangte der Kläger unter diesem
Titel die Berücksichtigung einer Position von Fr. 16'624.50 (umfassend
Fr. 15'000.00 Honorar, zuzüglich 3% Spesenpauschale und Mehrwertsteuer).
Diese Auslagen sollen dem Kläger im Zusammenhang mit der Wahrnehmung
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seiner Ansprüche gegenüber der SUVA und der IV entstanden sein. Mit seiner
Klageschrift hatte der Kläger in Aussicht gestellt, dass er die angerufene Instanz
über diese Auslagen anlässlich des zweiten Schriftenwechsels dokumentieren
werde (Urk. 2 S. 69 f.). Dennoch lieferte der Kläger mit seiner Replik keine derar-
tige Dokumentation, sondern beschränkte sich darauf, den von der Beklagten mit
der Klageantwort erhobenen Einwand (vgl. Urk. 18 Rz 279) zu bestreiten, dass es
bei seiner Auseinandersetzung mit den Sozialversicherern um blosse Ermes-
sensdifferenzen gegangen sei (Urk. 25 S. 62). Über den weiteren Einwand der
Beklagten, die geltend gemachten Anwaltskosten seien weder substantiiert noch
bewiesen (Urk. 18 Rz 280), ging der Kläger mit seiner Replik aber hinweg.
Indem die Vorinstanz diese Schadensposition mangels Substantiierung un-
berücksichtigt liess, erteilte sie dem Kläger die richtige Antwort. Es sei dazu auf
die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen (Urk. 121 S. 42). Was
der Kläger mit der Berufung dazu vorträgt (Urk. 120 S. 47 f.; vgl. auch Urk. 129
S. 45), vermag die vorinstanzliche Anschauung nicht zu entkräften. Aktenwidrig ist
seine Haltung, die Beklagte habe diese Position vor Vorinstanz gar nicht bestrit-
ten, denn im Vorbringen, dass die geltend gemachten Anwaltskosten nicht sub-
stantiiert seien (Urk. 18 Rz 280), liegt sehr wohl eine Bestreitung. Mit seiner Kla-
geschrift hatte das der Kläger auch noch so gesehen, hatte er doch dort für den
zweiten Schriftenwechsel in Aussicht gestellt, das Gericht "über diese Kosten zu
dokumentieren". Geliefert hat er diese Dokumentation in der Folge aber nicht.
Damit bleibt es bei Behauptungen, die bereits im Ansatz nicht genügen: Der Klä-
ger äusserte sich nicht dazu, welcher Anwalt, wann wieviel Zeit und zu welchen
konkreten Zwecken aufgewendet haben soll. Unzutreffend ist daher auch die vom
Kläger mit der Berufung gegenüber der Vorinstanz erhobene Rüge (Urk. 120
S. 47 f.), dass sie diese Fragen mit dem Beweisauflagebeschluss nicht zum Be-
weis verstellt habe. Bei der geschilderten Behauptungslage war es ihr gar nicht
möglich, konkrete Tatsachen zum Beweis zu verstellen. Die Position wurde bis
Aktenschluss nicht begründet.
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8. Genugtuung
8.1. Der Kläger verlangt gestützt auf Art. 62 Abs. 1 SVG in Verbindung mit
Art. 47 OR eine Genugtuung von insgesamt Fr. 67'284.00, auf die er sich die von
der SUVA geleistete Integritätsentschädigung von Fr. 32'040.00 anrechnen lässt,
so dass er netto noch Fr. 35'244.00 fordert. Den Schadenszins von 5% auf dem
Betrag von Fr. 67'284.00 verlangt er seit dem Unfalldatum, d.h. seit dem 26. Mai
2000, wobei er diesen Zins ab dem 16. Dezember 2003 in Berücksichtigung der
Zahlung der Integritätsentschädigung durch die SUVA nur noch auf dem Betrage
von Fr. 35'244.00 fordert. Die Vorinstanz hielt mit dem angefochtenen Urteil eine
Genugtuung von Fr. 25'000.00 für angemessen. Da die Integritätsentschädigung
der SUVA von Fr. 32'040.00 zu berücksichtigen war, ergab sich unter diesem Titel
kein Saldo zu Gunsten des Klägers.
Vor Obergericht hält der Kläger an seinem Rechtsbegehren fest. Er wirft der
Vorinstanz vor, die massgeblichen Kriterien für die Bemessung der Genugtuung
verkannt zu haben (Urk. 120 S. 35-48) . Namentlich spiele das Verschulden der
Unfallverursacherin keine Rolle, da es um eine Kausalhaftung gehe; dagegen
übersehe die Vorinstanz, dass den Kläger am Unfall kein Verschulden treffe. Wei-
ter stelle sich die Frage, ob das ...-Gutachten Urk. 82 nicht illegal beschafft wor-
den sei (S. 39 f.). Die Beklagte bestreitet indessen auch in diesem Zusammen-
hang den Kausalzusammenhang und widersetzt sich daher der Genugtuungsfor-
derung des Klägers (Urk. 126 Rz 13, 66, 355). Und mit ihrem Eventualstandpunkt
hält sie dafür, dass die Genugtuungsforderung durch die Integritätsentschädigung
der SUVA bereits abgegolten sei (Urk. 126 Rz 362).
8.2. Art. 62 SVG verweist für die Frage der Genugtuung auf Art. 47 OR. Ge-
mäss dieser Bestimmung kann der Richter bei Körperverletzung unter Würdigung
der besonderen Umstände der verletzten Person eine angemessene Geldsumme
als Genugtuung zusprechen. Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlitte-
ne seelische Unbill. Ihre Bemessung richtet sich im Wesentlichen nach der Art
und Schwere der Verletzung, der Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die
Persönlichkeit des Betroffenen, dem Grad des Verschuldens des Haftpflichtigen,
einem allfälligen Selbstverschulden des Geschädigten, sowie der Aussicht auf
- 31 -
Linderung des Schmerzes durch die Zahlung eines Geldbetrags (BGE 141 III 97
E. 11.2; BGer 6B_857/2015 vom 21. März 2016 E., 3.2).
Eine Genugtuung gemäss Art. 47 OR ist indessen keine selbständige Haf-
tungsnorm, sondern setzt voraus, dass der Schadenverursacher auf Grund einer
andern Gesetzesbestimmung aus Verschulden oder kausal haftet (BK-Brehm,
Art. 49 OR N 13). Damit kommt eine Genugtuung nur dann in Frage, wenn die
seelische Unbill die natürliche und auch adäquate Folge einer Körperverletzung
ist (ZK-LANDOLT, Art. 47 OR N 5). Auch diese Frage lässt sich ohne Beweisverfah-
ren nicht beantworten. Damit kann die Sache auch in dieser Hinsicht erst nach
der Durchführung des Beweisverfahrens beurteilt werden, das die Vorinstanz mit
ihren Beweisbeschlüssen angeordnet hat.
9. Rückweisung; Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1. Nach dem Gesagten wird der Sachverhalt in wesentlichen Teilen zu ergän-
zen sein, weshalb es sich rechtfertigt, in Anwendung von Art. 318 Abs. 1 lit. c
Ziff. 1 ZPO das angefochtene Urteil, soweit es noch nicht in Rechtskraft erwach-
sen ist, aufzuheben und die Sache zur Ergänzung des Verfahrens im Sinne der
Erwägungen und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen.
9.2. Im Sinne von Art. 104 Abs. 4 ZPO rechtfertigt es sich, die Verteilung der
Prozesskosten (Gerichtskosten und Parteientschädigung) dieses Berufungsver-
fahrens dem neuen Entscheid der Vorinstanz zu überlassen.
10. Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege vom 1. Juni 2016
10.1. Mit Beschluss vom 11. Januar 2016 (Urk. 125) hat die Kammer ein erstes
Armenrechtsgesuch des Klägers abgewiesen. Mit Eingabe vom 1. Juni 2016
(Urk. 135) stellt der Kläger nun ein erneutes Armenrechtsgesuch. Seinem Armen-
rechtsgesuch legt er eine Abtretungserklärung zu Gunsten des Kantons Zürich
hinsichtlich seiner Ansprüche gegen die Rechtsschutzversicherung bei
(Urk. 137/12).
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10.2. Mit dem heutigen Entscheid wird auf jegliche Kostenverteilung verzichtet.
Wenn der Kläger mit Gerichtskosten und Parteientschädigungen an die Gegen-
partei belastet werden sollte, dann müsste das durch den neuen Endentscheid
des Bezirksgerichts geschehen. Bezüglich des vorliegenden Berufungsverfahrens
ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gegenstandslos:
Für das zweite erstinstanzliche Verfahren wird der Kläger gegebenenfalls ein
neues Gesuch stellen müssen (Art. 119 Abs. 5 ZPO e contrario). Da die Vor-
instanz mit ihrem Endentscheid hinsichtlich dieses Berufungsverfahrens auch
über die endgültige Verlegung der Gerichtskosten befinden wird, würde ein allfäl-
liges neues Armenrechtsgesuch des Klägers auch diese Kostenverlegung erfas-
sen. Schliesslich ist festzuhalten, dass dem Kläger nach seinem neuesten Armen-
rechtsgesuch vom 1. Juni 2016 im Berufungsverfahren keine neuen Anwalts-
kosten entstanden sind.