Decision ID: 3c358bbb-fcb1-436c-b79a-a7d524ce8c42
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Mit Baubescheid vom C._ erteilte der Vorsteher des Departements
Bau Planung Umwelt (BPU) der Gemeinde B._ die Bewilligung für
eine wärmetechnische Fassadensanierung, den Anbau eines
Wintergartens auf der Südseite sowie den Neubau einer Garage auf der
Südwestseite an D._, alles auf dem Grundstück Nr. F._ am
E._ in B._. Gleichzeitig wurde die Installation einer Heizung mit
Luft-Wasser-Wärmepumpe bewilligt.
2. Am 31. Oktober 2017 hiess der Gemeinderat eine am 15. Juni 2017
dagegen erhobene Beschwerde von A._ gut und erklärte den
Baubescheid vom C._ in Bezug auf die Luft-Wasser-Wärmepumpe
für nichtig. Die Nichtigkeit wurde im Wesentlichen damit begründet, dass
die Luft-Wasser-Wärmepumpe weder aus den Bauplänen noch aus der
Publikation im Amtsblatt vom G._ hervorgegangen sei.
3. In der Folge reichte D._ am 19. November 2017 ein
Projektänderungsgesuch für die Montage einer Luft-Wasser-
Wärmepumpe ein. Die dagegen erhobene Baueinsprache von A._
vom 20. Dezember 2017 (Poststempel) wies der Gemeinderat am 8. Mai
2018 ab und genehmigte das Baugesuch.
4. Nach Installation der Luft-Wasser-Wärmepumpe gelangten A._
wiederholt an D._ und beschwerten sich über die durch die Luft-
Wasser-Wärmepumpe verursachten Lärm- und Kaltluftimmissionen auf ihr
Grundstück. Daraufhin begannen D._ am 18. Juli 2019 mit der
Errichtung einer Holzwand.
5. Mit E-Mail vom 12. September 2019 gelangten A._ an das
Bausekretariat der Gemeinde B._ und brachten vor, dass sie in
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Zukunft keine Emissionen von der Luft-Wasser-Wärmepumpe in Form von
Luftwirbeln und Kälte mehr dulden würden. In seiner Antwort vom
16. September 2019 hielt das Bausekretariat fest, dass die Luft-Wasser-
Wärmepumpe im Mai 2018 rechtmässig vom Gemeinderat bewilligt und
keine Beschwerde beim Verwaltungsgericht erhoben worden sei.
Gleichentags wiesen A._ darauf hin, dass die erstellte Holzwand
umgehend zurückzubauen sei.
6. Mit Baugesuch vom 26. September 2019 beantragte D._ die
(nachträgliche) Bewilligung für die bereits erstellte Holzwand.
7. Dagegen erhoben A._ am 23. Oktober 2019 Einsprache. Sie
brachten im Wesentlichen vor, dass die Holzwand den vorgeschriebenen
Grenzabstand nicht einhalte. Die Holzwand sei mindestens 195 cm gross
und müsse daher einen Grenzabstand von mindestens 45 cm bis 60 cm
einhalten. Zudem sei diese ästhetisch unzumutbar und es handle sich
nicht um eine Einfriedung, sondern um einen Erweiterungsbau zur Luft-
Wasser-Wärmepumpe.
8. In seiner Stellungnahme vom 1. November 2019 beantragte D._ die
Abweisung der Beschwerde sowie die Erteilung der (nachträglichen)
Baubewilligung für die erstellte Holzwand. Der erforderliche Grenzabstand
werde eingehalten und die Wand sei visuell nicht unzumutbar. Die
Erstellung sei insbesondere als Reaktion auf die Reklamationen der
Nachbarn erfolgt.
9. Der Gemeinderat wies die Einsprache am 17. Dezember 2019, mitgeteilt
am 13. Januar 2020, ab, soweit er überhaupt darauf eintrat, und erteilte
die Baubewilligung. Weiter behielt er sich die Durchführung eines
Baubusseverfahrens für die Ausführung des Bauvorhabens ohne
Baubewilligung vor.
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10. Am 12. Februar 2020 gelangten A._ (nachfolgend Beschwerdeführer)
mit Beschwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie
beantragten die Aufhebung der Ziff. 1.1 des angefochtenen Entscheids
und die Bewilligung zur Errichtung einer freistehenden Holzwand zu
verweigern. Eventualiter sei D._ die Bewilligung unter Auflage zu
erteilen, die gesetzlich vorgesehenen Grenzabstände einzuhalten. Weiter
beantragten sie die Aufhebung der Ziffer 1.2 des angefochtenen
Entscheids; den Beschwerdeführern seien keine Kosten des
vorinstanzlichen Verfahrens aufzuerlegen. Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Vorinstanz. Begründend führten sie im
Wesentlichen aus, dass die Holzpalisade die gesetzlichen
Mindestabstände unterschreiten würde. An der höchsten Stelle weise sie
eine Höhe von 208 cm auf, an der zweithöchsten Stelle eine Höhe von
205 cm. Einfriedungen wie Zäune, Mauern und Holzwände dürften nur bis
zu einer Höhe von 1.5 m ab dem massgebenden Terrain an die Grenze
gestellt werden. Höhere Einfriedungen seien um das Mass der Mehrhöhe
zurückzuversetzen, jedoch maximal um 2.5 m. An der höchsten Stelle
werde aber lediglich ein Grenzabstand von 39.5 cm und an der
zweithöchsten Stelle ein solcher von 35.5 cm eingehalten. Der
Grenzabstand werde somit um 18.5 cm bzw. 19.5 cm unterschritten. Die
Feststellungen der Vorinstanz, wonach der Bretterverschlag die Höhe von
1.90 m nicht überschreite und einen Grenzabstand von 40 cm einhalte, sei
daher qualifiziert falsch. Zudem sei die Bretterwand auch aus ästhetischer
Sicht eine Zumutung. Aufgrund der Unterschreitung der Mindestabstände
hätte der Bretterverschlag, welcher bereits illegal erstellt worden sei, nicht
bewilligt werden dürfen. Die Erhebung der Beschwerde sei daher
gerechtfertigt gewesen und die Auferlegung der Kosten an die
Beschwerdeführer unrechtmässig. Zwei Tage nach Eröffnung des
Baubescheids hätten die Beschwerdegegner die Holzpalisade
zurückgebaut. Diese würde nun einen Grenzabstand von 40-43.5 cm
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einhalten. Indes hätten die Beschwerdegegner zusätzliches Terrain
aufgeschüttet, um den Grenzabstand einzuhalten, was ebenfalls
unzulässig sei. Durch dieses Vorgehen würden die Beschwerdeführer
selbst anerkennen, dass die von ihnen errichtete Bretterpalisade nicht
gesetzeskonform gewesen sei.
11. Mit Vernehmlassung vom 9. April 2020 beantragte die Gemeinde B._
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde,
unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdeführer. Begründend führte sie im Wesentlichen aus, dass im
Rahmen des Baubewilligungsverfahrens die eingereichten Pläne
überprüft und bewilligt werden würden. Die in der Beschwerde gemachten
Höhenangaben und Abstände der Holzwand seien weder amtlich noch
würden diese überhaupt verifiziert werden können. Sollte sich bei der
Baukontrolle bzw. Bauabnahme eine Abweichung von den Plänen
ergeben, werde die Baubehörde dannzumal die notwendigen
Massnahmen in die Wege leiten. Weiter habe der Gemeinderat bei der
Frage der Ästhetik der besagten Holzwand sein Ermessen nicht
überschritten, da ein Verstoss gegen die Ästhetikvorschriften nicht
ersichtlich sei. Das Baugrundstück befinde sich nicht in einer Zone, für die
im Baugesetz besonders strenge Gestaltungsvorschriften bestünden.
Somit sei keine "optimale", sondern bloss eine "gute" Gesamtwirkung
erforderlich. Die Holzwand habe vor allem den Zweck zu erfüllen, die
gerügten Immissionen auf das Nachbargrundstück zu verhindern. Die
Holzwand ordne sich entsprechend gut in die Landschaft bzw. in das
Gelände ein und werde von den Bepflanzungen des
beschwerdeführerischen Grundstücks weitgehend abgedeckt. Die
Auferlegung der Kosten an die Beschwerdeführer sei gerechtfertigt
gewesen. Sie verweise dazu auf die Ausführungen im Baubescheid.
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12. Mit Beschwerdeantwort vom 17. April 2020 beantragten D._
(nachfolgend Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdeführer. Im
vorliegenden Beschwerdeverfahren gehe es nicht um die konkrete
Ausführung der Einfriedung. Zur Diskussion stehe die Einfriedung gemäss
Auflageakten mit einer Höhe von 1.90 m und einem Grenzabstand von 40
cm. Indem die Beschwerdeführer eine Unterschreitung des
Grenzabstands um 19.5 cm und die Nichteinhaltung der zulässigen Höhe
reklamierten, würden sie das relevante Verfahren verkennen. Vorliegend
gehe es ausschliesslich um die Bewilligung für die nachgesuchte
Ausführung einer Einfriedung und nicht um die Abnahme des konkret
Erstellten. Erst wenn eine Abnahme zeigen würde, dass die bewilligte
Höhe respektive der entsprechende Grenzabstand nicht eingehalten
wären und eine verlangte Korrektur nicht umgesetzt würde, könnten die
Beschwerdeführer allenfalls die nun vorgebrachten Reklamationen
vorbringen.
13. Mit Replik vom 1. Mai 2020 äusserten sich die Beschwerdeführer erneut
zur Frage der Ästhetik. Weiter brachten sie insbesondere vor, dass der
Verweis auf die Baukontrolle bzw. Bauabnahme zu kurz greife. Da
vorliegend eine illegale Baute erstellt worden sei und nachträglich Pläne
eingereicht worden seien, sei es Sache der Baubehörde dies zu
kontrollieren. Das Verhalten der Beschwerdegegner sei krass
missbräuchlich und verdiene keinen Rechtsschutz.
14. Am 19. Mai 2021 führte das Gericht in Anwesenheit der Parteien einen
Augenschein durch. Mit Datum vom 30. Juni 2021 reichten die
Beschwerdeführer eine Stellungnahme zum Augenscheinprotokoll vom
19. Mai 2020 ein.
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Auf das Ergebnis des Augenscheins sowie die weiteren Ausführungen der
Parteien in ihren Rechtsschriften und die eingereichten Beweismittel wird,
soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das
Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Gemeinden,
soweit diese nicht bei einer anderen Instanz angefochten werden können
oder nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind.
Angefochten ist vorliegend der Baubescheid der Gemeinde B._ vom
17. Dezember 2019, mitgeteilt am 13. Januar 2020, mit welchem die
Beschwerdegegnerin die Einsprache der Beschwerdeführer abwies und
die (nachträgliche) Baubewilligung für den Neubau einer Einfriedung
erteilte. Dieser Entscheid ist weder endgültig noch kann er bei einer
anderen Instanz angefochten werden. Folglich stellt er ein taugliches
Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden dar. Als Adressaten des angefochtenen Entscheids
sind die Beschwerdeführer berührt und weisen ein schutzwürdiges
Interesse an dessen Aufhebung bzw. Änderung auf (Art. 50 Abs. 1 VRG).
Auf die zudem frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl. Art.
52 Abs. 1 sowie Art. 38 Abs. 1 und 2 VRG) ist somit einzutreten.
2. Die Kontrollbefugnis des Verwaltungsgerichts bezieht sich gemäss Art. 51
Abs. 1 VRG auf Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung oder
Missbrauch des Ermessens (lit. a) sowie auf unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (lit. b).
Bezüglich der Kognition des Verwaltungsgerichts gilt es festzuhalten, dass
die Bündner Gemeinden in weiten Bereichen des Bauwesens und der
Raumplanung autonom sind (BGE 128 I 3 E.2b, BGE 118 Ia 446 E.3c;
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Urteile des Verwaltungsgerichts [VGU] R 14 98 vom 10. Februar 2015
E.3a und R 11 07 vom 21. Juni 2011 E.2.a), d.h. in Bezug auf all jene
Fragen, die im kantonalen Gesetz nicht abschliessend geregelt sind und
bei denen den Gemeinden eine relativ erhebliche Gestaltungsfreiheit
zusteht, stellen die Vorschriften der kommunalen Bauordnungen
autonomes Gemeinderecht dar. Bei deren Anwendung und Auslegung
auferlegt sich das Verwaltungsgericht Zurückhaltung, dies ganz
besonders, wenn ästhetische, nämlich die Ortsbildpflege und das
kommunale Stil- und Geschmacksempfinden betreffende, sowie örtliche
Verhältnisse zu würdigen sind. Dies gilt gerade dort, wo die Natur der
Streitsache Schwierigkeiten bereiten kann, etwa bei der Frage, ob sich ein
Bauteil in die bauliche Umgebung einfüge oder das Ortsbild nicht
beeinträchtige, und wo im besonderen Masse örtliche Verhältnisse zu
würdigen sind (VGU R 14 98 vom 10. Februar 2015 E.3.a). Die Gemeinden
sind in der Regel besser in der Lage, die Bau- und Ortsbildgeschichte, ihre
Absichten in der Ortsbildpflege und das kommunale Stil- und
Geschmacksempfinden zu berücksichtigen. Dabei kann aber nicht allein
der Geschmack der Baubehörde dafür massgebend sein, was
architektonisch gut gestaltet ist oder sich an die landschaftliche und
bauliche Umgebung anpasst; dies lässt sich vernünftigerweise nur nach
allgemeingültigen architektonischen und objektivierbaren Kriterien
beurteilen (zum Ganzen BGE 128 I 3 E.2b, BGE 118 Ia 446 E.3c;
VGU R 14 98 vom 10. Februar 2015 E.3a, R 11 109 vom 27. März 2012
E.1, R 11 7 vom 21. Juni 2011 E.2.a und R 03 8 vom 10. April 2003 E.1a;
PVG 1994 Nr. 19).
3.1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Verfahren ist der Baubescheid der
Beschwerdegegnerin vom 17. Dezember 2019. Streitig ist, ob die
Vorinstanz die Einsprache zu Recht abgewiesen und der Bauherrschaft
die nachgesuchte Baubewilligung zu Recht erteilt hat. Zu prüfen ist dabei
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insbesondere, inwiefern das dem vorliegenden Verfahren
zugrundeliegende Bauvorhaben die Abstands- sowie Ästhetikvorschriften
von Art. 76 Abs. 4 bzw. Art. 73 Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes für den
Kanton Graubünden (KRG; BR 801.100) einhält.
3.2. Streitgegenstand ist somit nach zutreffender Auffassung der
Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner einzig die Frage, ob die
Baubewilligung unter Berücksichtigung des eingereichten Baugesuchs zu
Recht erteilt worden ist; trifft dies zu, dann ist auch der angefochtene
Einspracheentscheid korrekt ergangen. Nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens ist dagegen die Frage einer allfälligen
Verpflichtung der Bauherrschaft zur Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustandes. Dasselbe gilt für die Ausfällung einer Busse. Diese beiden
Aspekte sind jeweils Gegenstand eigener, spezieller Verfahren und
können nach den klaren gesetzlichen Vorgaben (Art. 94 KRG zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes, Art. 95 KRG zur Busse)
nicht weiter thematisiert werden. Soweit die Beschwerdeführer eine
Diskrepanz zwischen den bewilligten Plänen und der in Tat und Wahrheit
erstellten Holzwand rügen, kann daher darauf nicht weiter eingegangen
werden.
4.1. Die beschwerdegegnerische Holzwand wurde von der Vorinstanz als
Einfriedung im Sinne von Art. 76 Abs. 4 KRG qualifiziert. Diese
Qualifikation ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren unbestritten
geblieben und erweist sich mit Blick auf die verwaltungsgerichtliche
Rechtsprechung auch als korrekt (vgl. dazu eingehend VGU R 10 112 vom
5. April 2011 E.3).
4.2. Art. 76 Abs. 4 KRG besagt, dass Einfriedungen und Zäune bis zu einer
Höhe von 1.5 m ab dem massgebenden Terrain an die Grenze gestellt
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werden dürfen. Höhere Einfriedungen müssen um das Mass der
Mehrhöhe, jedoch um maximal 2.5 m zurückversetzt werden.
4.3. Gemäss den von den Beschwerdegegnern im Baubewilligungsverfahren
eingereichten Plänen weist die Holzwand an der höchsten Stelle eine
Höhe von 1.90 m auf und hält dabei durchgehend einen Grenzabstand von
40 cm ein. Folglich liegt kein Verstoss gegen die Abstandsvorschriften vor.
Sollte bei der Bauabnahme jedoch festgestellt werden, dass die Holzwand
in unzulässigerweise von den bewilligten Plänen abweicht, wird die
Beschwerdegegnerin ein entsprechendes Wiederherstellungsverfahren
einleiten müssen.
5.1. Weiter rügen die Beschwerdeführer eine Verletzung der
Ästhetikvorschriften von Art. 73 Abs. 1 KRG. Gemäss dieser Bestimmung
sind Siedlungen, Bauten und Anlagen nach den Regeln der Baukunst so
zu gestalten und einzuordnen, dass mit der Umgebung und der Landschaft
eine gute Gesamtwirkung entsteht. Mit dem Wort "gut" wird
rechtsprechungsgemäss zum Ausdruck gebracht, dass die Anforderungen
trotz der positiven Ausgestaltung der Generalklausel nicht allzu hoch
angesetzt werden dürfen, wie dies der Fall wäre, wenn eine "optimale"
Gesamtwirkung verlangt wird. Die Frage ob eine gute Gesamtwirkung
erzielt wird, ist im Einzelfall anhand der konkreten Verhältnisse zu prüfen
(vgl. Botschaft der Regierung Heft Nr. 3/2004-2005, S. 343; Urteil des
Bundesgerichts 1C_434/2012 vom 28. März 2013 E.3.1 ff. m.H.). Dies
bedeutet aber auch nicht, dass sich ein Bauvorhaben nur an den in
unmittelbarer Nachbarschaft zur Bauparzelle gelegenen Bauten zu
orientieren hat. Vielmehr gilt es, einen solchen Bau im Rahmen einer
parzellenübergreifenden, gebietsbezogenen Betrachtung auf die gute
Gesamtwirkung mit der Umgebung und der Landschaft hin zu überprüfen
(VGU R 06 7 vom 7. April 2006 E.2.c). Für das streitberufene Gericht steht
damit fest, dass die Bestimmungen betreffend gestalterische Einordnung
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einer Baute ins zeitlich gewachsene Orts- und Landschaftsbild
naturgemäss einen relativ weiten Ermessensspielraum der
Baubewilligungsbehörden mit sich bringt, da diese mit dem jeweils
vorherrschenden Baustil, der historischen Bau- und Ortsentwicklung sowie
den architektonischen Gepflogenheiten und Besonderheiten in ihrer
Gemeinde einschliesslich ganzer Talschaft am besten vertraut sind. Nach
gefestigter Rechtsprechung auferlegt sich das Verwaltungsgericht bei der
einzelfallbezogenen Überprüfung von Fragen der Ästhetik und Gestaltung
selbst eine gewisse Zurückhaltung, was bedeutet, dass es nur aus ganz
triftigen Gründen bzw. nicht ohne Not in das beträchtliche Ermessen der
lokalen Baubehörden eingreift, was im Ergebnis auf eine weniger strenge
Willkürprüfung hinausläuft (vgl. VGU R 17 44 vom 2. Dezember 2019
E.21.2, R 17 37 vom 6. März 2018 E.3.f, R 16 35 vom 4. November 2016
E.2d; vgl. ferner Urteile des Bundesgerichts 1C_116/2018 vom 26.
Oktober 2018 E.4.4, 1C_5/2016 vom 18. Mai 2016 E.5.3, 1C_92/2015 vom
18. November 2015 E.3.1.3, 1C_629/2013 vom 5. Mai 2014 E.7.1,
1C_434/2012 vom 28. März 2013 E.3 und E.3.2 f.).
5.2.1. Im Urteil VGU R 09 77 vom 17. November 2009 hatte sich das
Verwaltungsgericht mit einer Holzwand von 18 m Länge
auseinanderzusetzen. Diese Holzwand sollte in der Wohnzone W1 der
Gemeinde B._ zu stehen kommen, für die das Baugesetz keine
besonderen Regelungen bezüglich der Gestaltung von Bauten und
Anlagen vorsieht. Das Gesetz erforderte somit keine "optimale", sondern
lediglich eine "gute" Gesamtwirkung. Das Verwaltungsgericht schützte die
von der Gemeinde B._ erteilte Baubewilligung insbesondere
aufgrund der im Quartier vorherrschenden Heterogenität der Bauweise.
Aus diesem Grund könne für zukünftige Bauvorhaben keine einheitliche
Überbauungsart und keine bestimmte Einfriedung verlangt werden (vgl.
VGU R 09 77 vom 17. November 2009 E.3c).
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5.2.2. Die vorliegend zu beurteilende Holzwand befindet sich auf dem
Grundstück Nr. F._ in der Wohnzone W2 der Gemeinde B._, für
die das Baugesetz ebenfalls keine besonderen Regelungen bezüglich der
Gestaltung von Bauten und Anlagen vorsieht. Damit wird auch für diese
Holzwand lediglich eine "gute" und keine "optimale" Gesamtwirkung
verlangt. Das Verwaltungsgericht konnte sich anlässlich des
Augenscheins vom 19. Mai 2021 vor Ort ein Bild von der Holzwand und
der in der Umgebung vorherrschenden Einfriedungen machen. Dabei
konnte festgestellt werden, dass im von den Parteien bewohnten Quartier
unterschiedliche Zäune und Einfriedungen vorhanden sind. Von einer
einheitlichen Gestaltung kann daher nicht gesprochen werden. Aufgrund
dieser Heterogenität kann keine einheitliche Gestaltung der Einfriedungen
verlangt werden. Wie die Fotoaufnahmen zeigen, weist die Holzwand
zudem einen ähnlichen Farbton wie die dahinterliegende Holzfassade der
beschwerdegegnerischen Liegenschaft auf, sodass durchaus ein
harmonisches Gesamtbild entsteht. Hinzu kommt, dass die Holzwand eher
klein dimensioniert ist und teilweise von Bepflanzungen verdeckt wird. Die
Holzwand erfüllt damit die Anforderungen an eine "gute" Gesamtwirkung,
sodass die Beschwerdegegnerin ihr Ermessen nicht überschritt, als sie die
Holzwand bewilligte.
6.1. Die Gemeinde B._ hat in ihrem Einspracheentscheid vom 17.
Dezember 2019 die Verfahrenskosten den Beschwerdeführern auferlegt.
Sie erwog dabei, die Baueinsprache habe sich mit Blick auf die
Vorgeschichte und die Auskünfte des Bausekretariates als aussichtslos
und geradezu trölerisch erwiesen. Zudem werde mit der Holzwand der
Luftzug und damit die behauptete Kälteeinwirkung erheblich reduziert oder
sogar ganz unterbrochen.
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6.2. Die Beschwerdeführer bringen dagegen vor, dass die Holzwand illegal
erstellt worden sei. Es sei daher ihr gutes Recht gewesen, die Einhaltung
der Bauvorschriften zu verlangen.
6.3. Gemäss Art. 96 Abs. 2 KRG (in der seit 1. April 2019 gültigen
rechtsprechungskonformen Fassung; vgl. dazu Urteil des
Verwaltungsgerichts R 20 43 vom 1. September 2020 E.2 m.w.H. sowie
BGE 143 II 467) überbinden die Gemeinden die sich aus der Behandlung
von Einsprachen ergebenden Kosten den Einsprechenden nur, wenn die
Einsprache offensichtlich unzulässig oder offensichtlich unbegründet ist
(Satz 2). Diesfalls können die Einsprechenden ausserdem zur Leistung
einer angemessenen ausseramtlichen Entschädigung an die
Gesuchstellenden verpflichtet werden (Art. 96 Abs. 2 Satz 3 KRG).
6.4. Den Ausführungen der Beschwerdegegnerin kann nicht gefolgt werden.
Unbestritten ist, dass die Holzwand ohne Baubewilligung erstellt wurde.
Dies rechtfertigte bereits für sich allein eine Intervention der
Beschwerdeführer bei der Baubehörde. Darüber hinaus ist zwischen den
Parteien strittig, ob die bereits erstellte Holzwand tatsächlich die geltenden
Abstandsvorschriften einhält. Auch wenn diese Frage nicht im
vorliegenden Verfahren zu klären ist, führt dies nicht zur offensichtlichen
Unzulässigkeit oder offensichtlichen Unbegründetheit der Einsprache. Die
Beschwerdeführer rügten zudem eine Verletzung der Ästhetikvorschriften.
Dabei handelt es sich zwar um eine subjektive Beurteilung der Holzwand
durch die Beschwerdeführer, vorliegend erscheint es aber nicht
offensichtlich unbegründet, wenn sich die Beschwerdeführer gegen eine
ihnen unliebsame Holzwand zur Wehr setzen, welche an ihren Garten
angrenzt und mutmasslich die Bauvorschriften verletzt. Die Einsprache
kann daher nicht als trölerisch oder rechtsmissbräuchlich bezeichnet
werden, sodass eine Auferlegung der Kosten des Einspracheverfahrens
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unzulässig war. Der Baubescheid der Gemeinde B._ ist daher im
Kostenpunkt aufzuheben.
7. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die effektive
Einhaltung der Abstandsvorschriften nicht im vorliegenden Verfahren,
sondern erst im Rahmen Bauabnahme zu überprüfen ist. Bei Verletzung
dieser Vorschriften wird die Beschwerdegegnerin ein
Wiederherstellungsverfahren durchzuführen haben. Zudem liegt auch
keine Verletzung der Ästhetivorschriften vor, sodass die Bewilligung der
Holzwand zu Recht erfolgte. In diesem Punkt ist die Beschwerde
abzuweisen. Gleichzeitig ist die Beschwerde im Kostenpunkt
gutzuheissen, da die Einsprache der Beschwerdeführer nicht als
rechtsmissbräuchlich oder trölerisch bezeichnet werden kann. Eine
Auferlegung der Verfahrenskosten war damit nicht zulässig. Ziffer 1.2 des
angefochtenen Baubescheids vom 17. Dezember 2019 ist daher
entsprechend aufzuheben.
8.1. Gemäss Art. 73 Abs. 1 VRG sind die Verfahrenskosten in der Regel durch
die unterliegende Partei zu tragen. Zudem wird diese in der Regel
verpflichtet, der obsiegenden Partei die durch den Rechtsstreit
verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen (Art. 78 Abs. 1 VRG).
8.2. Vorliegend wird die Staatsgebühr im Rahmen von Art. 75 Abs. 2 VRG auf
CHF 1'500.00 festgesetzt. Die Beschwerdeführer haben im Kostenpunkt
teilweise obsiegt. Dies gilt es bei der Kostenverteilung entsprechend zu
berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es sich, den
Beschwerdeführern vier Fünftel und der Beschwerdegegnerin einen
Fünftel der Gerichtskosten aufzuerlegen.
8.3. Die Beschwerdeführer haben den anwaltlich vertretenen
Beschwerdegegnern zudem die durch den Rechtsstreit verursachten
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notwendigen Kosten zu ersetzen (vgl. Art. 78 Abs. 1 VRG).
Ausgangspunkt ist dabei die Honorarnote des Rechtsanwalts der
Beschwerdegegner vom 27. Mai 2021 in der Höhe von CHF 4'012.45
(bestehend aus: Arbeits-/Zeitaufwand 13.5 Std. à CHF 270.00 [CHF
3'645.00] plus Barauslagen [CHF 80.60] und 7.7 % MWST [CHF 286.85]).
Diese Honorarnote ist noch zu kürzen, da keine Honorarvereinbarung im
Sinne von Art. 4 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung [HV]; BR
310.250) eingereicht wurde und somit der übliche Stundenansatz von CHF
240.00 gemäss Art. 3 Abs. 1 HV zur Anwendung kommt. Die entsprechend
korrigierte Honorarnote ergibt CHF 3'576.30 (Arbeits-/Zeitaufwand 13.5
Std. à CHF 240.00 [CHF 3'240.00] plus Barauslagen [CHF 80.60] und 7.7
% MWST [CHF 255.70]). In diesem Umfang haben die Beschwerdeführer
die Beschwerdegegner aussergerichtlich zu entschädigen (vgl.
Praxisänderung vom 5. September 2017, vgl. dazu Urteile des VGU U 16
92, S 17 15 und R 18 17).