Decision ID: cc5c73db-ac72-5009-b8e0-7a2cdf85a5a0
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ beantragte am 7. Mai 2018 eine Ergänzungsleistung für sich und ihren
Ehemann B._ (act. G 3.2.16). Sie selbst bezog gestützt auf eine Verfügung der IV-
Stelle vom 10. Juni 2016 eine halbe Rente der Invalidenversicherung bei einem
Invaliditätsgrad von 50 Prozent (nicht nummeriertes Aktenstück in act. G 3.1). Ihr
Ehemann litt seit Jahren an einer Multiplen Sklerose und war seit einem (ersten)
epileptischen Anfall im Juli 2014 schwerstgradig pflegebedürftig (vgl. act. G 3.2.37–1
f.), weshalb er seit Juli 2015 eine Entschädigung bei einer Hilflosigkeit schweren
Grades bezog (vgl. act. G 3.2.34). Der EL-Ansprecherin war im September 2016 von
der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde das gesetzliche
Vertretungsrecht im Sinn und Umfang des Art. 374 ZGB für ihren Ehemann eingeräumt
worden (vgl. act. G 3.2.33). Die EL-Durchführungsstelle hatte zwei frühere
Anmeldungen zum Bezug von Ergänzungsleistungen mit Verfügungen vom 13.
September 2014 (act. G 3.3.71) und vom 15. November 2015 (act. G 3.2.45) mangels
eines anspruchsbegründenden Ausgabenüberschusses abgewiesen. In einem
Begleitschreiben zur neuen Anmeldung vom 7. Mai 2018 beantragte die EL-
Ansprecherin (EL-act. 23), dass ihr kein hypothetisches Erwerbseinkommen
angerechnet werde. Zur Begründung führte sie aus, sie müsse ihren Ehemann rund um
die Uhr betreuen und sie könne deshalb kein höheres Erwerbseinkommen als jenes
erzielen, das sie mit ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit generiere. Zudem beantrage
sie die Berücksichtigung der höheren Mietkosten für eine rollstuhlgängige Wohnung, da
ihr Ehemann auf einen Rollstuhl angewiesen sei.
A.a.
Ein Sachbearbeiter der EL-Durchführungsstelle notierte im September 2018 (act.
G 3.2.8), für den Ehemann sei bei der Anspruchsberechnung keine kantonale
A.b.
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Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung zu
berücksichtigen, da dieser über die gemeinsame Einrichtung KVG versichert sei. Die
EL-Ansprecherin bezahle ihre Sozialversicherungsbeiträge im Zusammenhang mit ihrer
selbständigen Erwerbstätigkeit, weshalb keine Nichterwerbstätigenbeiträge zu
berücksichtigen seien. Die Diätpauschale könne nicht angerechnet werden, weil die
Mehrkosten für die Sondenernährung des Ehemannes von Dritten getragen würden.
Das Ehepaar bewohne eine Eigentumswohnung mit einem Verkehrswert von 596’000
Franken und einem Eigenmietwert von 22’440 Franken. Die Mietkostenerhöhung dürfe
gemäss der Wegleitung nur für Mietwohnungen berücksichtigt werden. Das Ehepaar
habe eine Garage zur Wohnung gekauft, die einen Verkehrswert von 31’000 Franken
und einen Eigenmietwert von 1’560 Franken habe. In den letzten Jahren habe sich das
Sparvermögen des Ehepaars stark vermindert, was aber auf die Tatsache
zurückzuführen sei, dass die Ehegatten keine Ergänzungsleistung hätten beziehen
können. Mit ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit habe die EL-Ansprecherin im Jahr
2016 ein Einkommen von 1’438 Franken und im Jahr 2017 ein solches von 1’026
Franken erzielt; für das Jahr 2018 habe sie ein beitragspflichtiges Einkommen von
10’300 Franken gemeldet. Aktuell sei ein Rentenerhöhungsgesuch der EL-Ansprecherin
hängig; ein Arzt des IV-internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) habe eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes als plausibel qualifiziert. Die EL-
Ansprecherin erhalte zurzeit eine Rente der Invalidenversicherung von 968 Franken pro
Monat und eine Rente aus der beruflichen Vorsorge von 9’165 Franken pro Jahr.
Zusätzlich erhalte sie eine Lebensversicherungsrente von 6’000 Franken pro Jahr. Der
Ehemann habe nie in der Schweiz gearbeitet. Er erhalte keine Schweizer Renten. Aus
seinem Herkunftsland flössen ihm eine Lebensversicherungsrente und eine
Invalidenrente zu, deren Gesamtbetrag sich im Jahr 2017 auf 13’398 Franken belaufen
habe. Die Frage nach der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der
EL-Ansprecherin müsse nicht beantwortet werden, weil auch ohne die Anrechnung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens ein Einnahmenüberschuss resultiere.
Bei der Anspruchsberechnung (act. G 3.2.6) berücksichtigte die EL-
Durchführungsstelle die kantonale Durchschnittsprämie für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung der EL-Ansprecherin, die Hypothekarzinsen und die
Gebäudeunterhaltspauschale, die Lebensbedarfspauschale für ein Ehepaar sowie den
A.c.
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gesetzlichen Maximalbetrag von 15’000 Franken für die Mietkosten (Eigenmietwert und
Nebenkostenpauschale) als Ausgaben, was ein Ausgabentotal von 62’687 Franken
ergab. Weil nach Abzug der Schulden und der gesetzlichen Freibeträge kein
anrechenbares Vermögen resultierte, rechnete die EL-Durchführungsstelle keinen
Vermögensverzehr an. Als Einnahmen berücksichtigte sie die Einkünfte aus der
selbständigen Erwerbstätigkeit von 1’026 Franken pro Jahr, ein hypothetisches
Erwerbseinkommen von 19’290 Franken, die Renten der EL-Ansprecherin
(Invalidenversicherung, berufliche Vorsorge und Lebensversicherung), die Renten des
Ehemannes, Sparzinsen sowie den Eigenmietwert der Wohnung und der Garage. Das
ergab ein Einnahmentotal von 76’776 Franken. Mit einer Verfügung vom 5. September
2018 wies die EL-Durchführungsstelle das Leistungsbegehren mangels eines
anspruchsbegründenden Ausgabenüberschusses ab (act. G 3.2.7).
Am 4. Oktober 2018 erhob die EL-Ansprecherin eine Einsprache gegen die
Verfügung vom 5. September 2018 (act. G 3.1.10). Sie beantragte die Berechnung der
Ergänzungsleistung ohne die Berücksichtigung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens. Zur Begründung führte sie aus, die Betreuung ihres Ehemannes
verunmögliche die Ausübung einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit. Ein
Sachbearbeiter der EL-Durchführungsstelle notierte im Dezember 2018 (act. G 3.1.7),
es sei nicht einzusehen, weshalb der Mietkostenzuschlag für eine rollstuhlgängige
Wohnung nur bei Miet-, nicht aber bei Eigentumswohnungen berücksichtigt werden
sollte. Bei diesem Zuschlag handle es sich wesensmässig um behinderungsbedingte
Mehrkosten, die an sich unter den Art. 14 ELG fallen müssten. Sie fielen unabhängig
davon im selben Umfang an, ob ein EL-Bezüger in einer Mietwohnung oder in einer
Eigentumswohnung lebe. Angesichts der Betreuungssituation könne der EL-
Ansprecherin die Aufnahme einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit tatsächlich nicht
zugemutet werden. Folglich sei kein hypothetisches Erwerbseinkommen zu
berücksichtigen. Allerdings müsse die Hilflosenentschädigung des Ehemannes als
Erwerbseinkommen der EL-Ansprecherin angerechnet werden. Mit einem Entscheid
vom 7. Januar 2019 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (act. G 3.1.6).
Zur Begründung führte sie an, dass auch bei Berücksichtigung des
Mietkostenzuschlags und ohne Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
ein Einnahmenüberschuss resultiere. Dem beigelegten Berechnungsblatt liess sich
A.d.
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B.
entnehmen (act. G 3.1.4), dass die EL-Durchführungsstelle nun einen Mietzins von
18’600 Franken berücksichtigt und kein hypothetisches Erwerbseinkommen mehr
angerechnet hatte. Allerdings hatte sie zusätzlich zu den Einkünften der EL-
Ansprecherin aus der selbständigen Erwerbstätigkeit von jährlich 1’026 Franken ein
Erwerbseinkommen von 22’560 Franken berücksichtigt, was der
Hilflosenentschädigung des Ehemannes entsprach. Die Anspruchsberechnung hatte
einen Einnahmenüberschuss von 12’669 Franken ergeben.
Am 1. Februar 2019 erhob die EL-Ansprecherin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 7. Januar
2019 (act. G 1). Sie beantragte die Zusprache einer ohne die Berücksichtigung der
Hilflosenentschädigung berechneten Ergänzungsleistung. Zur Begründung führte sie
aus, sie benötige die Hilflosenentschädigung nicht für die Pflege und Betreuung,
sondern zur Deckung von vielfältigen Materialkosten, die aufgrund der
Pflegebedürftigkeit des Ehemannes anfielen.
B.a.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte
am 20. Februar 2019 unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen
Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.b.
Am 2. Juni 2020 informierte die Beschwerdegegnerin das Versicherungsgericht
darüber, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin am 29. Mai 2020 verstorben war
(act. G 5).
B.c.
Das Versicherungsgericht forderte die Beschwerdegegnerin am 10. Juli 2020 auf
anzugeben, weshalb sie bei der Anspruchsberechnung jeweils keine
Krankenkassenprämie für den Ehemann der Beschwerdeführerin berücksichtigt habe
(act. G 6). Die Beschwerdegegnerin antwortete am 14. Juli 2020 (act. G 7 und G 7.1),
der Ehemann der Beschwerdeführerin sei in seinem Herkunftsland grundversichert
gewesen und er habe weder im Herkunftsland noch in der Schweiz
Krankenkassenprämien bezahlen müssen. Die in der Schweiz in Anspruch
genommenen Krankenkassenleistungen seien jeweils durch die „Gemeinsame
B.d.
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Erwägungen
1.
Im Einspracheverfahren ist eine Verfügung auf ihre Rechtmässigkeit zu prüfen
gewesen, mit der die Beschwerdegegnerin ein Gesuch der Beschwerdeführerin um die
Zusprache einer Ergänzungsleistung abgewiesen hatte. Wie ein Sachbearbeiter der
Beschwerdegegnerin im Dezember 2018 zu Recht festgehalten hat, ist deshalb im
Einspracheverfahren unter Einbezug aller möglichen Ausgaben- und
Einnahmenpositionen zu prüfen gewesen, ob die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann
in der Zeit nach der Anmeldung zum Leistungsbezug im Mai 2018 einen
(gemeinsamen) Anspruch auf eine Ergänzungsleistung gehabt haben. Da dieses
Beschwerdeverfahren die Überprüfung des angefochtenen Einspracheentscheides auf
dessen Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des
vorangegangenen Einspracheverfahrens entsprechen, weshalb auch in diesem
Verfahren unter Einbezug aller möglichen Ausgaben- und Einnahmenpositionen zu
prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann ab Mai 2018 einen Anspruch
auf eine Ergänzungsleistung gehabt haben.
2.
Einrichtung KVG“ übernommen worden. Die Beschwerdeführerin nahm dazu keine
Stellung.
Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann haben die persönlichen
Anspruchsvoraussetzungen des Art. 4 ELG erfüllt. Gemäss dem Art. 9 Abs. 2 ELG hat
ein gemeinsamer Anspruch des Ehepaars auf eine Ergänzungsleistung bestanden. Da
die Anmeldung im Mai 2018 eingereicht worden ist und da kein Anwendungsfall des
Art. 12 Abs. 2 ELG vorgelegen hat, ist ein EL-Anspruch für die Zeit ab dem 1. Mai 2018
zu prüfen.
2.1.
Als Ausgaben sind die Lebensbedarfspauschale für ein Ehepaar (Art. 10 Abs. 1 lit.
a Ziff. 2 ELG) von 28’935 Franken für die Zeit ab Mai 2018 und von 29’175 Franken für
die Zeit ab Januar 2019, die kantonale Durchschnittsprämie für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung (nur) der Beschwerdeführerin von 5’412 Franken ab Mai
2018 beziehungsweise von 5’520 Franken ab Januar 2019 (weil der Ehemann keine
Krankenkassenprämien hat bezahlen müssen) sowie die Wohnkosten zu
berücksichtigen. Weil das Ehepaar eine Eigentumswohnung bewohnt hat, sind als
Wohnkosten unter anderem die Hypothekarzinsen und eine Pauschale für den
2.2.
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Gebäudeunterhalt anzurechnen. Die Zinsen für die beiden Festhypotheken haben sich
auf 8’540 Franken pro Jahr belaufen (act. G 3.3.98–1 ff.). Der amtlich geschätzte
Mietwert der Wohnung und des Abstellplatzes hat sich auf 22’440 + 1’560 = 24’000
Franken belaufen (act. G 3.1.61), weshalb die Pauschale für die
Gebäudeunterhaltskosten in Anwendung des Art. 16 Abs. 1 ELV in Verbindung mit dem
Art. 44 Abs. 4 des St. Galler Steuergesetzes und dem Art. 29 Abs. 1 der St. Galler
Steuerverordnung auf 20 Prozent dieses Betrages, also auf 4’800 Franken festzusetzen
ist. Laut dem Art. 16a ELV ist zusätzlich eine Nebenkostenpauschale von 1’680
Franken als Ausgabe zu berücksichtigen. Entgegen der von der Beschwerdegegnerin
vertretenen Auffassung sieht der Art. 10 ELG in der aktuell gültigen Fassung keine
Anrechnung des Eigenmietwertes der Eigentumswohnung vor, weshalb bei einer
richtigen Interpretation dieser Gesetzesbestimmung kein Eigenmietwert als Ausgabe zu
berücksichtigen ist (vgl. E. 2.4). Das ergibt ein Ausgabentotal von 49’367 Franken für
die Zeit ab Mai 2018 und ein solches von 49’715 Franken für die Zeit ab Januar 2019.
Als Einnahmen haben dem Ehepaar verschiedene Rentenleistungen zur Verfügung
gestanden: Die Beschwerdeführerin hat eine Rente der Invalidenversicherung, eine
Rente aus der beruflichen Vorsorge und eine Rente aus der gebundenen Vorsorge
bezogen; der Ehemann hat zwei Renten aus seinem Herkunftsland erhalten. Der
Gesamtbetrag der Rentenleistungen hat sich auf 40’179 Franken belaufen. Das
Sparvermögen hat einen geringfügigen Vermögensertrag von 53 Franken abgeworfen,
hat aber zusammen mit dem Grundeigentum nach Abzug der Schulden und des
massgebenden Freibetrages keinen Vermögensverzehr erlaubt, der als (fiktive)
Einnahme anzurechnen gewesen wäre. Der Art. 11 ELG bietet entgegen der von der
Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung keine gesetzliche Grundlage für die
Anrechnung eines Eigenmietwertes als (fiktive) Einnahme. Darauf wird in der
nachfolgenden E. 2.4 näher eingegangen. Der Ehemann hat eine
Hilflosenentschädigung bei einer Hilflosigkeit schweren Grades bezogen. Diese
Hilflosenentschädigung darf gemäss dem Art. 11 Abs. 3 lit. d ELG und dem Art. 11
Abs. 4 ELG in Verbindung mit dem Art. 15b ELV e contrario grundsätzlich nicht als
Einnahme angerechnet werden. Die Beschwerdegegnerin hat allerdings zu Recht
darauf hingewiesen, dass die Hilflosenentschädigung bezweckt, (pauschal) die Pflege
und Betreuung einer hilflosen Person durch eine Drittperson zu vergüten. Eine einen
Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung auslösende Hilflosigkeit liegt vor, wenn eine
versicherte Person nicht in der Lage ist, ihren Alltag selbständig zu bewältigen
respektive wenn eine versicherte Person infolge einer Gesundheitsbeeinträchtigung auf
Dienstleistungen beziehungsweise Hilfeleistungen von Dritten bei der Bewältigung der
grundlegenden Alltagsverrichtungen angewiesen ist. Die Beschwerdeführerin hat zwar
2.3.
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darauf hingewiesen, dass sie mit der Hilflosenentschädigung kaum sämtliche
Materialkosten decken könne, die im Zusammenhang mit der Pflege und Betreuung
des Ehemannes anfielen, aber das ändert nichts am gesetzlichen Sinn und Zweck der
Hilflosenentschädigung, der darin besteht, die Kosten der von einer Drittperson
erbrachten Hilfeleistungen zu entschädigen. Die Hilflosenentschädigung ist also
ausschliesslich zur Deckung der Kosten für Dienstleistungen (Pflege und Betreuung
respektive Hilfeleistungen) und nicht zur Deckung von Materialkosten konzipiert. Diese
enge Zweckgebundenheit der Hilflosenentschädigung ist auch der Grund dafür, dass
eine Hilflosenentschädigung bei einer EL-Anspruchsberechnung nicht als Einnahme
berücksichtigt werden darf, denn die Hilflosenentschädigung bezweckt ausschliesslich
die Vergütung von Hilfeleistungen, dient also nicht der Bestreitung des alltäglichen
Lebensbedarfs. Darauf hat das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bereits in
einem Urteil vom 7. Juli 2009 (EL 2009/5) hingewiesen. Allerdings hat das
Versicherungsgericht damals nicht bedacht, dass es Fälle geben kann, in denen zwar
nicht die Hilflosenentschädigung an sich, aber deren Betrag als Einnahme anzurechnen
ist. Wenn der Ehemann der Beschwerdeführerin eine Drittperson mit der Hilfe bei
seinen alltäglichen Lebensverrichtungen beauftragt hätte, hätte er dieser Drittperson
(wohl im Umfang seiner Hilflosenentschädigung) einen Lohn für die Hilfeleistungen
bezahlen müssen. Hätte die helfende Drittperson eine Ergänzungsleistung bezogen,
hätte sie sich diesen Lohn bei der Berechnung ihres eigenen Anspruchs auf
Ergänzungsleistungen als Einnahme anrechnen lassen müssen. Diese Anrechnung
hätte offensichtlich nicht gegen den Art. 11 Abs. 3 lit. d ELG verstossen, weil es sich
bei dieser Einnahmenposition nicht um eine der hilflosen Person zustehenden
Hilflosenentschädigung, sondern um ein Erwerbseinkommen der helfenden Drittperson
gehandelt hätte. Nichts anderes hätte gegolten, wenn die Beschwerdeführerin nicht
ihren Ehemann, sondern einen anderen Bezüger einer Entschädigung bei einer
Hilflosigkeit schweren Grades betreut und gepflegt hätte, denn das ihr vom anderen,
hilflosen Bezüger einer Ergänzungsleistung im Betrag der Hilflosenentschädigung
ausgerichtete Entgelt für die erbrachten Hilfeleistungen hätte in diesem Fall offenkundig
nur ein Lohn für die erbrachte Arbeitsleistung sein können, der bei der Berechnung der
eigenen Ergänzungsleistung der Beschwerdeführerin selbstverständlich gestützt auf
den Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG als Erwerbseinkommen hätte angerechnet werden
müssen. Angesichts der notwendigerweise rein wirtschaftlichen Sichtweise des ELG
darf es keine Rolle spielen, ob ein EL-Bezüger – oder wie hier eine EL-Ansprecherin –
den eigenen Ehegatten oder einen Dritten betreut und pflegt; ebenso darf es eine Rolle
spielen, ob eine hilflose Person Hilfeleistungen vom eigenen Ehegatten oder von einem
Dritten in Anspruch nimmt. Die vom Versicherungsgericht im erwähnten Urteil vom 7.
Juli 2009 (EL 2009/5) vertretene Auffassung, dass der Betrag der
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Hilflosenentschädigung dann nicht als Erwerbseinkommen angerechnet werden dürfe,
wenn die Hilfeleistungen vom eigenen Ehegatten erbracht würden, führt folglich zu
einer durch nichts zu rechtfertigenden Ungleichbehandlung. Dieser Auffassung folgend
müssten die Hilfeleistungen nämlich aus EL-rechtlicher Sicht als wirtschaftlich wertlos
qualifiziert werden, wenn sie vom eigenen Ehegatten erbracht werden. Der Bezüger der
Hilflosenentschädigung müsste diese nicht für die von der Hilflosenentschädigung
bezweckte Finanzierung von Hilfeleistungen aufwenden, weil er ja kostenlose
Hilfeleistungen erhalten würde, das heisst er könnte die Hilflosenentschädigung als
eine Art (nicht anrechenbare) „Genugtuung“ für sich behalten. Dieses Resultat lässt
sich mit dem (EL-rechtlich massgebenden) Sinn und Zweck der Hilflosenentschädigung
nicht vereinbaren, weshalb an der im Urteil vom 7. Juni 2009 (EL 2009/5) vertretenen
Auffassung nicht länger festgehalten werden kann. Da die Beschwerdeführerin ihrem
hilflosen Ehemann die nötigen Hilfeleistungen erbracht hat, muss sie mit ihm
konkludent einen Arbeitsvertrag abgeschlossen haben, in dem ein Jahreslohn von
22’560 Franken vereinbart worden ist. Folglich ist es richtig gewesen, ihr bei der EL-
Anspruchsberechnung den Betrag der Hilflosenentschädigung als Erwerbseinkommen
anzurechnen. Da die zuständige AHV-Ausgleichskasse auf diesem Erwerbseinkommen
keine Sozialversicherungsbeiträge erhoben hat, so dass der Beschwerdeführerin im
hier massgebenden Zeitraum die gesamte Hilflosenentschädigung als Nettolohn zur
Verfügung gestanden hat, ist es korrekt gewesen, den gesamten Betrag der
Hilflosenentschädigung bei der EL-Anspruchsberechnung als Erwerbseinkommen zu
berücksichtigen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in der Anrechnung des
Betrages der Hilflosenentschädigung als Erwerbseinkommen kein Verstoss gegen den
Art. 11 Abs. 3 lit. d ELG zu erblicken ist, weil keine Hilflosenentschädigung, sondern
gestützt auf den Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG ein – betragsmässig identisches –
Erwerbseinkommen angerechnet worden ist. Für die Zeit ab Mai 2018 ist deshalb ein
Erwerbseinkommen der Beschwerdeführerin von 22’560 Franken und für die Zeit ab
Januar 2019 ein solches von 22’752 Franken als Einnahme zu berücksichtigen. Unter
Berücksichtigung der sogenannten „Privilegierung“ gemäss dem Art. 11 Abs. 1 lit. a
ELG ist aber nur ein Teilbetrag von 14’724 Franken beziehungsweise von 14’852
Franken anzurechnen. Damit ergibt sich ein Einnahmentotal von 62’792 Franken für die
Zeit ab Mai 2018 beziehungsweise von 62’984 Franken für die Zeit ab Januar 2019.
Dieses Einnahmentotal übersteigt das Ausgabentotal von 49’367 Franken respektive
von 49’715 Franken deutlich, weshalb für den gesamten hier massgebenden Zeitraum
kein anspruchsbegründender Ausgabenüberschuss bestanden hat. Die Frage, ob die
Beschwerdeführerin gestützt auf den Art. 14 ELG einen Anspruch auf die Vergütung
der von ihr geltend gemachten Mehrkosten im Zusammenhang mit der Pflege und
Betreuung des Ehemannes gehabt hat, gehört nicht zum Gegenstand dieses
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