Decision ID: ab5ee0df-65c2-40fd-835c-15b0f7ec6a4e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 19
57
geborene
X._
,
Inhaber
des
Velo- und Motorrad
geschäfts
«
Y._»
(
gemäss
Handelsregisteramt Zürich lediglich als Einzelfirma
Z._
registriert)
mit
angeschlossener Reparaturw
erkstatt
in
A._
,
ist der Ausgleichskasse MOBIL
als
Selbständigerwerbende
r
angeschlossen
. A
m
28.
März 2020
meldete er sich
bei der
Ausgleichskasse
MOBIL
für den Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung gestützt
auf die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit
dem
Coronavirus
(Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall) an (Urk.
17/19
). Die Aus
gleichskasse
MOBIL
verneinte mit Verfügung vom
8
.
Mai
2020 einen A
nspruch des Antragstellers auf Ausrichtung einer Erwerbsausfallentschädigung mit der Begründung, das abgerechnete Erwerbseinkommen für das Beitragsjahr 2019
liege
nicht innerhalb
der für Härtefälle geltenden Einkommensgrenze von
Fr.
10'000.-- und
Fr. 90'000.--
(Urk.
12/1
). Die am
12. Mai 2020
dagegen erho
bene Einsprache
(Urk. 17/15)
wies sie mit
Einspracheentscheid
vom
8. Juli
2020 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
3. September
2020 (Datum Post
stempel) Beschwerde und beantragte in Aufhebung des angefochtenen Entscheids vom
8. Juli
2020 die Ausrichtung einer
Corona-
Erwerbsausfallentschädigung (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom
23. Oktober
2020 schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
11
), was dem Beschwerdeführer am
29. Oktober
2020 zur
Kenntnis gebracht wurde (Urk. 13
).
Am 23. Dezember (Urk. 16) und 22. Januar 2021 (Urk. 19) vervollständigte die Beschwerdegegnerin auf Ersuchen des Gerichts ihre Aktenauflage (Urk. 17/1-19, Urk. 20/1-4).
Mit Eingabe
vom 24. Dezember 2020 (Datum Poststempel)
ersuchte die Beschwerde
gegnerin um Sistierung des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bis zum Ent
scheid des Bundesgerichts in Sachen EE.2020.00006 (Urk. 16; vgl.
hienach
E.
3.2
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Verord
nungen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohen
den schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf
[maximal] sechs Monate, vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Verwal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützen - am 20. März 2020 die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall). Die Covid-19-Verordnung Erwerbsaus
fall
wurde rückwirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt und der Geltungszeitraum bis zum 16. September 2020 befristet (Art. 11 Abs. 2). Seit Inkrafttreten hat die Verordnung mehrfach eine Änderung erfahren (namentlich am 23. April, 6. Juli, 17. September, 8. Oktober und 4. November 2020) und gilt
in geänderter Fassung
nunmehr bis zum
30. Juni 2021 (Art. 11 Abs. 5)
. Mit dem Covid-19-Gesetz vom 25. September 2020 wurde rückwirkend per 17. September 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verord
nung geschaffen (Art. 15 in Ver
bindung mit Art. 21 Abs. 3 Covid-19-Gesetz).
1.2
1.2.1
Gemäss Art. 2 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
(Stand: 6. Juli 2020)
hatten
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), die aufgrund einer Mass
nahme nach Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung 2 über Massnahmen zur Be
kämpfung des
Coronavirus
(Covid-19; Covid-19-Verordnung 2) einen Erwerbs
ausfall erlitten, Anspruch auf eine Erwerbsausfallentschädigung.
1.2.2
Nach Art. 2 Abs. 3
bis
Satz 1 der Covid-19-Verordnung Erwer
bsausfall (Stand: 6.
Juli 2020
)
sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12 ATSG anspruchs
berechtigt, wenn sie aufgrund der
bundesrätlichen
Massnahmen
zur Bekämpfung des
Coronavirus
, obwohl sie nicht zur
Schliessung
des Betriebs ver
pflichtet oder direkt vom Veranstaltungsverbot betroffen waren, einen Erwerb
sausfall erleiden und ihr für die Bemessung der Beiträge der AHV
massgebendes
Einkommen für das Jahr 2019 zwischen Fr. 10‘000.-- und Fr. 90‘000.-- liegt (sogenannte Härte
fallregelung)
; dabei gilt für die Berechnung des massgebenden Einkommens für das Jahr 2019 Artikel 5 Absatz 2 zweiter Satz sinngemäss.
1.
2
.3
Nach Art. 5 Abs. 2 Satz 2 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand: 6. Juli 2020) kann nach der Festlegung der Entschädigung eine Neuberechnung der Ent
schädigung nur vorgenommen werden, wenn eine aktuellere Steuerveranlagung bis zum 16. September 2020 der anspruchsberechtigten Person zugestellt wird und diese den Antrag zur Neuberechnung bis zu diesem Datum einreicht.
Dies
gilt sinngemäss auch für die
anspruchsvoraussetzenden
Einkommenslimiten
für die Härtefallentschädigung
.
1.
2
.4
Nach Art. 11 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienst
leis
tende, bei Mutterschaft und bei Vaters
chaft (Erwerbsersatzgesetz,
EOG
)
bildet Grundlage für die Ermittlung des durch
schnitt
lichen vordienstlichen Erwerbsein
kommens das Einkommen, von dem die Bei
träge nach dem Bundesgesetz über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG) erhoben werden. Der Bun
desrat erlässt Vorschriften über die Bemessung der Entschädigung und lässt durch
das Bundesamt für Sozialversicherungen ver
bindliche Tabellen mit aufgerun
de
te
n Beträgen aufstellen.
1.
2
.5
Gestützt auf Art. 7 Abs. 1 der Verordnung über das Erwerbsersatzgesetz (EOV) wird bei
Selbständigerwerbenden
die Entschädigung auf Grund des auf den Tag umgerechneten Erwerbseinkommens berechnet, das für den letzten vor dem Ein
rücken verfügten AHV-Beitrag massgebend war. Wird für das Jahr der Dienst
leistung später ein anderer AHV-Beitrag verfügt, so kann die Neuberechnung der Entschädigung verlangt werden.
Zu dieser Bestimmung hielt das Bundesgericht in seinem Entscheid 9C_527/2018 vom 25. Januar 2019 fest, dass die Entschädigung aufgrund des auf den Tag um
gerechneten Erwerbseinkommens berechnet wird, das für den letzten vor dem Einrücken verfügten AHV-Beitrag massgebend war. Wird für das Jahr der Dienst
leistung später ein anderer Beitrag verfügt, so kann die Neuberechnung der Ent
schädigung verlangt werden. In Bezug auf das versicherte Ereignis Mutterschaft kann für die Festlegung der Entschädigung ausschliesslich das vor der Geburt erzielte Einkommen berücksichtigt werden - sei es in der Gestalt der während eines Jahres vor der Geburt angefallenen AHV-pflichtigen Erträge oder aber der im Geburtsjahr verzeichneten und auf zwölf Monate hochgerechneten Einkünfte; der massgebende Betrachtungszeitraum darf jedenfalls keine nachgeburtlichen Einkommen erfassen. Da die definitive Bemessung der Entschädigung erst erfol
gen kann, nachdem (aufgrund der Steuermeldung) der endgültige AHV-Beitrag verfügt wurde, ist die Entschädigung gegebenenfalls zunächst einmal proviso
risch nach dem für die Akontozahlungen massgebenden Einkommen zu bemessen (E. 2.2).
1.
3
Gemäss
Rz
. 1041.3 des Kreisschreibens über die Entschädigung bei
Massnahmen
zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz (Stand: 3. Juli 2020
,
KS CE)
wird für die Ermittlung der Einkommensgrenzen (Fr. 10'000 und Fr. 90'000) bei der Härtefall-Prüfung grundsätzlich auf das Erwerbseinkommen,
welches als Grundlage für die Beitragsrechnungen 2019 (
Akontorechnungen
) her
angezogen wurde, abgestellt. Grundlage für die Bemessung der Entschädigung für
Selbständigerwerbende
bildet grundsätzlich das Erwerbseinkommen, welches im Jahr 2019 erzielt wurde (
Rz
. 1065). Basierte die festgesetzte Entschädigung auf dem Einkommen, welches für die
Akontorechnungen
2019 herangezogen wurde und wurde dieses seit der letzten definitiven Beitragsverfügung nicht an
gepasst, so ist auf Antrag auf das Einkommen der letzten definitiven Beitrags
verfügung abzustellen. Liegt zum Zeitpunkt des Antrages die definitive Steuer
veranlagung für das Jahr 2019 bereits vor, so ist diese zu berücksichtigen
. Der Antrag auf Neuberechnung resp. Revision oder Wiedererwägung muss spätestens
am 16. September 2020 bei der Ausgleichskasse eingereicht sein
(
Rz
. 1065.1). Laut
Rz
. 1068 bewirkt eine nachträgliche Anpassung des Erwerbs
einkommens infolge
der definitiven Steuermeldung für das Beitragsjahr 2019
, die nach dem 16. Septem
ber 2020 eingeht,
keine Änderung in der Entschädigung. Ebenso keine Änderung in der Höhe der Entschädigung bewirken nach dem 17. März 2020 erfolgte Anpassungen des den
Akontorechnungen
2019 zugrundeliegenden Erwerbsein
kommens (vorbehalten bleibt
Rz
. 1065.1).
1.
4
Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer Natur nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen Ge
setzesanwendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen Auf
sichtsbehörde. Solche Verwaltungsweisungen sind wohl für die Durchführungs
organe, nicht aber für die Gerichtsinstanzen verbindlich (BGE 118 V 206 E. 4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 70 E. 4a mit Hinweisen).
1.
5
Das Gesetz muss in erster Linie aus sich selbst heraus, das heisst nach dem Wort
laut, Sinn und Zweck und den ihm
zugrunde liegenden
Wertungen auf der Basis einer teleologischen Verständnismethode ausgelegt werden. Die Gesetzesaus
le
gung hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass nicht schon der Wortlaut die Norm darstellt, sondern erst das an Sachverhalten verstandene und konkretisierte Gesetz. Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung im normativen Gefüge, ausgerichtet auf ein befriedigendes Ergebnis der Ratio
legis
. Dabei befolgt das Bundesgericht einen pragmatischen Methodenpluralismus und lehnt es nament
lich ab, die einzelnen Auslegungselemente einer hierarchischen Prioritätsordnung
zu unterstellen. Die Gesetzesmaterialien können beigezogen werden, wenn sie auf
die streitige Frage eine klare Antwort geben (BGE 134 III 16 E. 3, 134 V 170 E. 4.
1, 133 III 175 E. 3.3.1).
1.
6
Das Gericht kann das Verfahren sistieren, wenn die
Zweckmässigkeit
dies ver
langt. Das Verfahren kann namentlich sistiert werden, wenn der Entscheid vom Ausgang eines anderen Verfahrens abhängig ist (§ 28
lit
. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
, in Verbindung mit Art. 126 Abs. 1 der Zivil
prozessordnung, ZPO).
Nach Art. 61
lit
. a
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
ver
sicherungsrechts
(
ATSG
)
muss das Verfahren v
or dem kantonalen Versicherungs
gericht unter anderem einfach und rasch sein.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz
ent
schädigung mit der Begründung, die Härtefallregelung
setze ein AHV-pflichtige
s
Ein
kommen zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 90'000.-
voraus
. Vorliegend ergebe sich aufgrund
der letzten,
definitive
n
Beitr
agsverfügung
aus dem Jahr 2017
ein Jahreseinkommen von Fr.
92'800.--; f
ür das Jahr 2019
seien
Akontobeiträge
für
Selbständigerwerbende
gestützt auf ein Erwerbseinkommen von Fr.
106’100
.
--
fest
gesetzt
worden.
Beide Einkommen würden die
Härtefallobergrenze
über
schreiten
. Die zwischenzeitlich am 17. Juni 2020 erlassene Beitragsverfügung 2018 komme als Bemessungsgrundlage nicht in Frage; ausserdem liege das Ein
kommen in Höhe von Fr. 107'600 ebenfalls oberhalb der
Einkommenslimite
für Härtefälle (Urk. 2).
In ihrer Beschwerdeantwort
vom 23. Oktober 2020 (Urk. 11)
führte die Beschwerdegegnerin zudem aus, bis zur Einführung der Härtefall
re
gelung
hätten Teilschliessungen – wie beim
vorliegenden
Garagen- und Zweirad
betrieb mit Werk
statt
–
nicht
berücksichtigt werden können (Urk. 17/3).
2.2
Der
Beschwerdeführer
macht
e
unter Hinweis auf den Einschätzungsentscheid des
Kantonalen Steueramtes
vom 1. September 2020
betreffend die Steuerperiode 2019
geltend
, sein steuerbares
Jahres
einkommen aus selbständigem Haupte
rwerb
2019
figuriere bei Fr. 79'053.--
und damit unterhalb der Härtefallobergrenze (Urk. 1).
3.
3.1
Die vorliegende Streiti
gkeit betrifft den Anspruch des Beschwerdeführers
auf eine Entschädigung gemäss der Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im
Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19; Covid-19-Verordnung Erwerbs
aus
fall). Gemäss Art. 1 der Covid-19-Verordnung-Erwerbsausfall sind die Bestim
mungen
des ATSG
auf die Entschädigungen gemäss dieser Verordnung anwend
bar, soweit die nachstehenden Bestimmungen nicht ausdrücklich eine Abwei
chung
vom ATSG vorsehen. Betreffend Rechtspflegeverfahren enthält die Verordnung keine Bestimmungen. Gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG ist für Beschwerden das Ver
sicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem die versicherte Per
son oder der Beschwerde führende Dritte zur Zeit der Beschwerde
erhebung Wohn
sitz hat.
Da der
Beschwerdeführer
im Kanton Zürich Wohnsitz hat, ist
das hiesige Gericht
für die Beurteilung der
vorliegenden
Beschwerde örtlich zuständig
.
3.2
In prozessualer Hinsicht ist weiter darauf hinzuweisen, dass
d
as
am Bundesgericht anhängig gemachte Beschwerde
verfahren
in Sachen E
E.2020.00006
, welchem
ein anders gelagerter
Sachverhalt
zugrunde
liegt
, kein
Sistierungsgrund für das vor
liegende Verfahren dar
stellt
.
Kommt hinzu
, dass das
vorliegende Verfahren dem Gebot der Verfahrensbeschleuni
gung zu genügen hat (vgl. E. 1.6
).
Ausserdem trat das Bundesgericht mit Urteil 9C_752/2020 vom 9. März 2021 auf die
B
eschwerde im erwähnten Fall nicht ein, weshalb das Sistierungsbegehren hinfällig geworden ist.
4
.
4.1
Die Parteien gehen übereinstimmend davon aus, dass der geltend gemachte An
spruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung unter dem Titel (teilweise
) Be
triebsschliessung
zu prüfen ist (vgl. Urk. 17/3; vgl. ausserdem das Anmel
de
formular, Urk. 17/19)
.
4
.
2
Wie dargelegt (E.
1.2.1) hatten gemäss Art. 2 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall in der bis 16. September 2020 gültig gewesenen Fassung
Selb
ständigerwerbende
, die aufgrund einer Massnahme nach Art. 6 Abs. 1 und 2 Covid-
19-Verordnung 2 einen Erwerbsausfall erlitten, Anspruch auf eine Erwerbsausfallentschädigung.
4.3
Die Covid-19-Verordnung 2 des Bundesrates trat am 13. März 2020 in Kraft. Mit ihr wurden Massnahmen gegenüber der Bevölkerung, Organisationen und Institu
tionen sowie den Kantonen zur Verminderung des Übertragungsrisikos und zur Bekämpfung des
Coronavirus
(Covid-19) angeordnet (Art. 1 der Covid-19-Verordnung 2). Zu diesem Zweck wurde die Verordnung danach fortlaufend geändert.
Per 17. März 2020 wurde die Durchführung von ö
ffentlichen oder privaten Ver
an
staltungen, einschliesslich Sportveranstaltungen und Vereinsaktivitäten ver
boten (Art. 6 Abs. 1 der
Covid
-Verordnung 2). Zudem wurden öffentlich zugän
gliche Einrichtungen für das Publikum geschlosse
n. Dies galt namentlich für Ein
kaufs
läden und Märkte
(
lit
. a)
, Restaurationsbe
triebe, Barbetriebe sowie Disko
the
ken, Nachtclubs und Erotikbetriebe, Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe, nam
entlich Museen, Bibliotheken, Kinos, Konzerthäuser, Theater, Casinos, Sport
zentren, Fit
nesszentren, Schwimmbäder, Wellnesszentren, Skigebiete, botanische und zoolo
gi
sche Gärten und Tierparks sowie Betriebe mit personenbezogenen Dienstleis
tungen mit Körperkontakt wie Coiffeure, Massagen, Tattoo-Studios und Kosmetik (Art. 6 Abs. 2 der
Covid
-Verordnung 2). Davon ausgenommen waren die in Art. 6 Abs. 3 der
Covid
-Verordnung 2 genannten Einrichtungen und Veranstaltungen, wie zum Beispiel Lebensmittelläden, soweit sie Lebensmittel oder Gegenstände für den täglichen Bedarf anboten
(
lit
. a) sowie Werkstätte
n
für Transportmittel (
lit
. i)
. Die Einrichtungen und Veranstaltungen nach Art. 6 Abs. 3 der
Covid
-Verordnung 2 mussten die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit be
treffend Hygiene und sozialer Distanz einhalten. Die Anzahl der anwesenden Personen war entsprechend zu limitieren, und Menschenansammlungen waren zu verhindern (Art. 6 Abs. 4 der
Covid
-Verordnung 2).
Die Massnahmen betreffend Betriebsschliessungen wurden vom Bundesrat in der Folge schrittweise gelockert. Ab dem 27. April 2020 wurden Bau- und Garten
fachmärkte, einschliesslich Gärtnereien und Blumenläden, Betriebe mit personen
bezoge
nen Dienstleistungen mit Körper
kontakt wie Coiffeure, Massagen, Tattoo-Studio
s und Kosmetik sowie Einrichtun
gen zur Selbstbedienung wie Solarien, Autowaschanlagen oder Blumenfelder von der Schliessung ausgenommen (Ziff. I der Verordnung vom 16. April 2020 [
Transitionsschritt
1; besonders gefährdete Arbeitnehmer/innen; Pflichten der Arbeitgeber], in Kraft seit 27. April 2020). Es folgten weitere Lockerungen, welche am 11. Mai 2020 namentlich Restaurations
betriebe (Ziffer I der Verordnung vom 8. Mai 2020 [
Transitionsschritt
2: Restau
rationsbetriebe]) und
Schulen sowie Einkaufsläden und
sportliche Aktivitäten
betrafen
(Ziff. I der Verordnung vom 29. April 2020 [
Transitionsschritt
2: Schulen und Einkaufsläden sowie Sportbereich]; vgl. Art. 6 Abs. 3
lit
.
b
bis
und Abs. 3
bis
sowie Abs. 4 der
Covid
-Verordnung 2, Stand: 11. Mai 2020), am 28. Mai 2020 Gottesdienste und andere religiöse Veranstaltungen sowie Bestattungen (vgl. Art. 6 Abs. 3
ter
der
Covid
-Verordnung 2, eingefügt durch Ziff. I der Verordnung vom 20. Mai 2020 [Gottes
dienste und andere religiöse Veranstaltungen sowie Be
stattungen], in Kraft seit 28. Mai 2020) und am
1. Juni 2020 Unterschriften
sam
m
lungen im öffentlichen Raum (vgl. Art. 6 Abs. 3
lit
. l der
Covid
-Verordnung 2;
eingefügt durch Ziff. I der Verordnung vom 27. Mai 2020 [Unterschriften
sam
mlungen], in Kraft seit 1. Juni 2020) betrafen.
Am 6. Juni 2020 hat der Bundesrat das allgemeine Veranstaltungsverbot und die Betriebsschliessungen aufgehoben. Gemäss der neuen Regelung waren insbeson
dere Veranstaltungen bis zu 300 Personen wieder erlaubt, sofern die Vorschriften gemäss Art. 6 der Covid-19-Verordnung 2 eingehalten wurden. Sämtliche öffent
lich zugängliche Einrichtungen und Betriebe waren für das Publikum wieder geöffnet, sie mussten aber über ein Schutzkonzept nach Art. 6d der Covid-19-Verordnung 2 verfügen und dieses umsetzen (Ziff. I der Verordnung vom 27. Mai 2020 [
Transitionsschritt
3: Weitere Lockerungen], in Kraft seit
6. Jun
i
2020; vgl. Art. 6a Abs. 1 der Covid-19-Verordnung 2, Stand 28. Mai 2020).
Die Covid-19-Verordnung 2 wurde schliesslich per 22. Juni 2020 aufgehoben (Art. 28 der Verordnung 3 über Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
[Covid-19], Covid-19-Verordnung 3).
4
.
4
Nach dem Gesagten ergibt sich,
dass
das Velo- und Motorradgeschäfts
d
e
s
Be
schwe
rdeführer
s
in der Zeit vom 17. März bis
1
1.
Mai
2020 gestützt auf Art. 6 Abs. 2
lit
.
a
Covid-19-Verordnung 2
zumindest
teilweise
von einer
angeordneten
Betriebsschliessung betroffen war
; davon ausgenommen war die
angeschlossene
Reparaturw
erkstatt (Art. 6 Abs. 3
lit
. i
der Covid-19-Verordnung 2
).
4.
5
Die Beschwerdegegnerin ging
sinngemäss
davon aus, dass ein Anspruch auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung gestützt auf Art. 2 Abs. 3 Covid-19-Verord
nung Erwerbsausfall in der bis am 16. September 2020 gültig gewesenen Fassung
nur bestand, wenn eine totale Betriebsschliessung
angeordnet
war beziehungs
weise
ein totaler Erwerbsausfall eingetreten war
(vgl. Urk. 17/3)
. Dies ergibt sich aus Art. 2 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall in der bis am 16. September 2020 gültig gewesenen Fassung jedoch nicht
(vgl. dazu auch E. 1.5)
, ist der Ver
ordnung doch lediglich zu entnehmen, dass ein Erwerbsausfall
eingetreten
sein muss. Ein Erwerbsausfall
kann
grundsätzlich auch vor
liegen
, wenn lediglich ein Teil
des Betriebes
von der Betriebsschliessung betroffen ist
und daher
lediglich ein Teil des Erwerbes ausbleibt. Hieran ändert auch nichts, dass Art. 5 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall in der bis 16. September 2020 gültig gewesenen Fassung, welcher die Höhe und die Bemessung der Entschädigung regelt, keine Regelung dazu enthielt, wie die Entschädigung bei teilweisem Erwerbsausfall zu bestimmen wäre. Die Beschwerdegegnerin wird daher für den Nettoerwerbsausfall
aufgrund der teilweisen Betriebsschliessung
eine Entschädigung auszurichten haben.
Des Weiteren wird die Beschwerdegegnerin zumindest für die Zeit nach Aufhe
bung der angeordneten Betriebsschliessung eine Neubeurteilung des Anspruchs gemäss Härtefallregelung vorzunehmen haben, da die Veranlagung der Direkten Bundessteuer der Periode 2019 am 1. September 2020 vorlag (vgl. Urk. 3) und mit Beschwerde vom 3. September 2020 jedenfalls noch vor dem 16. September
2020 ein entsprechender Antrag eingereicht wurde (vgl. E. 1.3 und
Rz
1065.1 KS CE
).
5
.
Zusammenfassend ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie den Anspruch de
s Be
schwerdeführers
auf
Corona-
Erwerbsersatzent
schädigung
im Sinne der Erwä
gun
gen
gestützt auf
Art. 2 Abs. 3 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
neu prüfe und hernach über den Anspruch neu entscheide.