Decision ID: 156ef7ea-4005-4094-8ee2-bdc3af048eef
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin reichte zusammen mit ihrem Sohn W. am 27. Sep-
tember 2017 in der Schweiz ein Asylgesuch ein. Am 9. Oktober 2017 fand
die Befragung zur Person (BzP) statt. Am 13. November 2018 folgte die
vertiefte Anhörung zu den Asylgründen durch das SEM.
Zu ihrem persönlichen Hintergrund brachte die Beschwerdeführerin im We-
sentlichen vor, sie sei chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie und
stamme aus dem Dorf B._ (phon.), Gemeinde C._ (phon.),
Bezirk D._, Präfektur E._, Autonome Region Tibet, Volksre-
publik (VR) China. Sie sei seit dem Jahr 20(...) mit K. verheiratet, der sich
in der Schweiz aufhalte. Sie habe zwei Söhne, wobei der Jüngere zusam-
men mit ihrer Mutter in Nepal lebe. Ein Bruder sei im Tibet im Heimatdorf
wohnhaft, ihr zweiter Bruder sei unbekannten Aufenthalts. Sie habe nie die
Schule besucht oder einen Beruf erlernt. Vor ihrer Heirat habe sie mit ihrer
Mutter Teppiche gewoben und nach der Heirat den Haushalt geführt und
sich um ihre Kinder gekümmert.
Zur Begründung ihres Asylgesuches machte sie zur Hauptsache geltend,
sie habe ihr Heimatland wegen der Probleme ihres Ehemannes verlassen.
Dieser habe ein paar Personen beherbergt, weswegen er Schwierigkeiten
mit den chinesischen Behörden bekommen habe. Nachdem ihr Ehegatte
das Heimatland verlassen habe, sei sie zuhause von den chinesischen Be-
hörden aufgesucht worden. Diese hätten sich nach dem Aufenthaltsort ih-
res Mannes erkundigt, das Haus durchsucht und sie herumgeschupst. Im
Jahr 2015 habe sie ihre beiden Söhne nach Nepal geschickt. Kurz darauf
sei sie wiederum von chinesischen Behörden zu Hause aufgesucht und
nach dem Aufenthaltsort ihrer Söhne / ihres Mannes gefragt worden. Im
Juli 2016 sei sie mit ihrer Mutter über den Grenzort F._ aus der VR
China nach Nepal ausgereist. Am 10. September 2017 sei sie mit ihrem
älteren Sohn W. von Nepal in die Türkei geflogen. Von dort seien sie über
mehrere Länder in die Schweiz gelangt.
B.
Der von der Beschwerdeführerin als Ehegatte bezeichnete K. hatte am (...)
in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht und wurde mit Verfügung der
Vorinstanz vom (...) als Flüchtling vorläufig aufgenommen. Ein Gesuch von
K. um Familiennachzug ist nicht aktenkundig.
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C.
Mit Schreiben vom 21. Oktober 2019 beantragte K. für die Beschwerdefüh-
rerin und den gemeinsamen Sohn W. den Einbezug in seine Flüchtlingsei-
genschaft beziehungsweise in die vorläufige Aufnahme.
D.
Mit Schreiben vom 5. Dezember 2019 gewährte das SEM der Beschwer-
deführerin und K. das rechtliche Gehör zu diesem Gesuch. Die Sendung
wurde von der Post mit dem Vermerk «nicht abgeholt» an das SEM retour-
niert.
E.
Mit Schreiben vom 3. Januar 2020 gewährte das SEM der Beschwerdefüh-
rerin (und ihrem Sohn) das rechtliche Gehör zum länderspezifischen Teil
ihrer Anhörungen. Die Beschwerdeführerin liess sich innert Frist mit Stel-
lungnahme vom 14. Januar 2020 dazu vernehmen.
F.
F.a Mit Verfügung vom 28. Januar 2020 stellte das SEM fest, die Be-
schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asyl-
gesuch ab und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz sowie deren
Vollzug an, wobei es den Wegweisungsvollzug in die Volksrepublik China
ausschloss.
F.b Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, die Beschwerdeführerin
habe ihr Asylgesuch mit den politischen Aktivitäten ihres Ehegatten und
dessen Ausreise aus der VR China begründet. Das Asylgesuch ihres Ehe-
mannes sei mit der Begründung abgelehnt worden, seine geltend gemach-
ten politischen Aktivitäten und die in diesem Zusammenhang angegebene
Verfolgung seien unglaubhaft. Da die tibetische Ethnie ihres Ehegatten
nicht in Zweifel gezogen worden sei, sei er gemäss der damaligen Asylpra-
xis (BVGE 2009/29) als Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufgenommen
worden. Sodann habe die Beschwerdeführerin zu ihren Gesuchsvorbrin-
gen nur oberflächliche und vage Angaben gemacht, obwohl sie an der An-
hörung wiederholt aufgefordert worden sei, detailliert zu erzählen. Ihre
Schilderungen vermittelten keinen erlebnisgeprägten Eindruck. Trotz Auf-
forderung, über die geltend gemachten Behördenbesuche detailliert zu be-
richten, habe die Beschwerdeführerin lediglich vorgebracht, die Soldaten
hätten jeweils nach ihrem Ehegatten gefragt, das Haus durchsucht und sie
dabei herumgeschupst. Auf Nachfragen sei sie nicht eingegangen und
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habe nur das bereits Gesagte wiederholt. Es sei ihr daher nicht gelungen,
ihre Ausreisegründe glaubhaft zu machen.
F.c Ebenfalls sei ihre geltend gemachte Ausreise aus der VR China als
unglaubhaft zu würdigen. Über den Reiseweg von ihrem Heimatdorf bis
nach Nepal habe sie keine detaillierten und erlebnisgeprägten Angaben
machen können. Für eine Person, die ihre Heimatregion zum erstem Mal
verlassen habe und ins Ausland gereist sei, würden ihre Schilderungen
nicht den Eindruck von persönlichen Erlebnissen oder persönlicher Betrof-
fenheit vermitteln (SEM-Akten B19, S. 23–25; B6, S. 8–9) – im Gegensatz
zur Schilderung ihrer Reise von der Türkei nach Griechenland (SEM-Akte
B6, S. 8). Die Beschwerdeführerin habe angegeben, die VR China im Juli
2016 über den Grenzort F._ verlassen zu haben. Sie sei trotz mehr-
facher Nachfrage weder in der Lage gewesen, die Autofahrt nach
F._ noch die Ortschaft selbst näher zu beschreiben, und sei auf die
diesbezüglichen Fragen ausgewichen. Sie habe auch nichts dazu sagen
können, wo oder bei wem sie in F._ Unterkunft bezogen habe
(SEM-Akte B19, S. 23–24). Sie habe angegeben, ihre beiden Söhne seien
bereits ein Jahr zuvor nach G._, Nepal gereist (SEM-Akte B6, S. 8).
Ihr jüngerer Sohn und ihre Mutter seien nach wie vor dort wohnhaft (SEM-
Akte B19, S. 5). Als sie in der Anhörung auf die Erdbeben im Jahr (...) in
den Regionen (...) G._ angesprochen worden sei, in deren Folge
namentlich (...) F._ und (...) G._ erhebliche Schäden ge-
nommen hätten, habe sie nur gemeint, nichts davon zu wissen (SEM-Akte
B19, S. 24–25). Dies könne nicht nachvollzogen werden. Es erhärte statt-
dessen den Eindruck, dass ihre Vorbringen über die angebliche Ausreise
aus der VR China im Juli 2016 und der längere Aufenthalt ihrer Söhne in
G._ (seit 2015) nicht glaubhaft seien. Laut Auskunft der Schweizer
Botschaft in Kathmandu vom April 2018 sei (...). Ein ungesehener Zutritt in
diese Gegend sei seither nicht mehr möglich. Ausserdem sei auch jene
Region, welche die Beschwerdeführerin als ihre Herkunftsregion angege-
ben und wo sie angeblich von Geburt bis zur Ausreise gelebt habe, erheb-
lich von den erwähnten Erdbeben betroffen gewesen. Dass sie davon
nichts mitbekommen haben wolle (SEM-Akte B19, S. 24–25), spreche
ebenfalls dafür, dass ihre Angaben zu ihrer Herkunft und Lebenssituation
nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprächen. Im rechtlichen Gehör
vom 14. Januar 2020 habe sie eingewandt, sie sei noch nie zuvor gereist,
weswegen sie nervös gewesen sei. Ausserdem sei sie immer im Dunkeln
unterwegs gewesen und der Schlepper habe sich um alles gekümmert.
Dieser habe von F._ gesprochen, weshalb sie das in der Anhörung
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so wiedergegeben habe (SEM-Akte B27, S. 1). Diese Erklärung vermöge
indessen nicht zu überzeugen.
Aufgrund von Zweifeln an den Angaben der Beschwerdeführerin zur Sozi-
alisierung seien ihr im Rahmen der Anhörung zusätzlich Fragen zu länder-
spezifischem Wissen und zum Alltag im Tibet gestellt worden. Es wäre zu
erwarten gewesen, dass sie detaillierte und präzise Angaben über ihre Her-
kunftsregion hätte machen können. Stattdessen habe sie kaum etwas dar-
über zu sagen gewusst. Sie habe widersprüchliche Angaben zu ihren
Wohnorten gemacht. In der BzP habe sie als ihre letzte Adresse im Hei-
matstaat das Dorf B._ angegeben und dazu erwähnt, dass sie vor
der Abreise ihres Ehegattens mit ihm in der Gemeinde «C._» (pho-
netisch, die korrekte Schreibweise sei H._) gewohnt habe (SEM-
Akte B6, S. 5). Demgegenüber habe sie in der Anhörung zuerst gesagt, sie
habe immer im Dorf B._ gewohnt, ebenso auch ihr Ehegatte (SEM-
Akte B19, F47, 50). Auf wiederholte Nachfrage hin habe sie dann aber vor-
gebracht, sie habe mit ihrem Ehegatten in dessen Heimatdorf D._
gewohnt, wo dieser immer gelebt habe (SEM-Akte B19, S. 6–7). Entgegen
ihrer Angabe liege D._ jedoch nicht in der Gemeinde H._.
Es handle sich um zwei voneinander unabhängige Gemeinden (SEM-Ak-
ten B6, S. 5; B19, S. 12). An anderer Stelle habe sie angegeben, sie habe
nach der Heirat (2002) bis im Jahr 2009 oder 2010 in D._ gewohnt.
Kurz darauf habe sie bestätigt, dass sie bis zur Ausreise im Jahr 2016 in
D._ gewohnt habe (SEM-Akte B19, F63–65). Später habe sie wie-
derum angeführt, sie habe nach der Heirat bis zur Ausreise in der Ge-
meinde «C._» gelebt (SEM-Akte B19, S. 12).
Weiter sei sie in der Anhörung mehrmals aufgefordert worden, über ihr Dorf
B._ und dessen Umgebung zu erzählen. Dabei falle auf, dass sie
zunächst Gegenfragen gestellt habe, obwohl die Fragen einfach und ver-
ständlich formuliert worden seien (SEM-Akte B19, S. 6). Auf wiederholte
Nachfrage hin sei sie ausgewichen, indem sie ihre Familienmitglieder auf-
gezählt habe (SEM-Akte B19, S. 8). Auf die Frage nach geografischen Ge-
gebenheiten in der Umgebung von B._ habe sie einen See und ein
Gewässer genannt und präzisiert, dass sich diese nicht in B._, son-
dern in D._ befänden. Kurz darauf habe sie dann aber gesagt, dass
diese doch in B._ seien und das Gewässer in der Mitte des Dorfes
fliesse (SEM-Akte B19, S. 8). Es sei offensichtlich, dass sie sich in ihrer
angeblichen Herkunftsregion nicht auskenne. Nach Bergen und Pässen in
der Umgebung gefragt, habe sie nur gemeint, es gebe eine Bergkette,
ohne aber Näheres dazu auszuführen. Auf eine entsprechende Nachfrage
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sei sie nicht eingegangen (SEM-Akte B19, S. 8). Im späteren Verlauf der
Anhörung sei ihr nochmals die Möglichkeit gegeben worden, Namen von
Bergen oder Bergketten zu nennen. Sie habe stattdessen vier Pässe ge-
nannt («La» heisse auf Tibetisch «Pass», was sie selbst auch bestätigt
habe [SEM-Akte B19, F82]). Ihre Antworten auf die Fragen zur geografi-
schen Lokalisierung der von ihr genannten Pässe hätten aber offenbart,
dass sie sich nicht auskenne (SEM-Akte B19, F81–86). Ihre Ahnungslosig-
keit habe sie damit begründet, sie sei immer zu Hause geblieben (SEM-
Akte B19, S. 7–8). Damit gelinge es ihr jedoch nicht, die Zweifel über ihre
angebliche Sozialisierung in der angegebenen Herkunftsregion aus dem
Weg zu räumen. Es könne nicht nachvollzogen werden, dass eine Person
nach einem Aufenthalt von (...) Jahren keine präziseren Angaben über ihre
angebliche Herkunftsregion machen könne.
Im rechtlichen Gehör vom 14. Januar 2020 habe sie eingewandt, sie würde
nicht einsehen, worin die Widersprüche bestünden. In der tibetischen Spra-
che gebe es keinen Unterschied zwischen Pass und Berg, beides werde
als «Ri» bezeichnet (SEM-Akte B27). Ihre Erklärungsversuche würden in-
des nicht überzeugen. Sie habe an der Anhörung bestätigt, dass «La» auf
Tibetisch «Pass» heisse (SEM-Akte B19, F82). Angenommen, sie hätte
tatsächlich in B._ und in D._ gelebt, wäre von ihr auch zu
erwarten gewesen, dass sie diese beiden Ortschaften geografisch und ad-
ministrativ hätte korrekt einordnen können. Dies sei jedoch nicht der Fall
gewesen. Zur Distanz habe sie lediglich vage gemeint, die Fahrt könne
eine halbe Stunde dauern und zu Fuss sei es etwas länger. Sie habe zwar
einige Ortschaften nennen können, die sie auf der Fahrt von B._
nach D._ passiert habe, davon ein unmittelbares Nachbardorf. Ihr
Aussageverhalten vermittle aber klar den Eindruck, dass sie die richtige
Antwort nicht kenne (SEM-Akte B19, F58). Tatsächlich dauere die Fahrt
rund eine Stunde und die von ihr genannten Ortschaften lägen nicht auf
der Fahrtstrecke. Dass sie sich in der örtlichen Geografie ihrer angeblichen
Herkunftsregion nicht auskenne, zeige sich auch darin, dass sie im späte-
ren Verlauf der Anhörung auf einmal gesagt habe, B._ und
D._ seien dasselbe. Kurz darauf habe sie dann wiederum gemeint,
es handle sich um zwei Ortschaften, die einander gegenüberlägen (SEM-
Akte B19, S. 8–9). Beide Angaben würden nicht den Tatsachen entspre-
chen. Weiter habe sie die administrative Gliederung ihres Herkunftsdorfes
B._ in der BzP wie folgt genannt: Dorf B._, Gemeinde
C._, Bezirk I._, Präfektur E._ (SEM-Akte B6, S. 3
und 5). Dies sei bis auf das Dorf und die Gemeinde falsch: Die Gemeinde
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«C._» liege im Kreis J._ und im Bezirk E._. Im Wei-
teren habe sie angegeben, die Ortschaften B._ und D._
würden im selben Bezirk liegen (SEM-Akte B19, F80). Auch diese Aussage
zur administrativen Einheit sei falsch.
Anlässlich des rechtlichen Gehörs habe sie zwar ihre Falschangaben zu
den administrativen Einheiten korrigieren können (SEM-Akte B27). Dies
vermöge aber das Gesamtergebnis der Einschätzung des SEM nicht um-
zustossen, zumal ihr die korrekten Antworten offenbart worden seien
(SEM-Akte B26, S. 3).
Bei der Aufforderung, über die Gemeinde C._ möglichst viel zu er-
zählen, habe sie erklärt, sie habe das Haus während der Jahre, die sie dort
gelebt habe, nie verlassen. Deshalb könne sie nichts erzählen (SEM-Akte
B19, S. 12). Diese Erklärung erscheine wenig plausibel.
Aufgrund der lückenhaften, äusserst unsubstanziierten und teils falschen
Angaben erscheine es offensichtlich nicht glaubhaft, dass die Beschwer-
deführerin bis im Juli 2016 in der von ihr angegebenen Herkunftsregion in
der VR China gelebt habe und dort sozialisiert worden sei. Vielmehr sei
davon auszugehen, dass sie sich vor ihrer Ankunft in der Schweiz in einem
anderen Staat aufgehalten habe, mutmasslich in einer exiltibetischen
Diaspora in Nepal oder in Indien.
Die Anhörung sei in Zentral-Tibetisch durchgeführt worden (SEM-Akte B19,
S. 29). Ihr Einwand im rechtlichen Gehör, der Dolmetscher habe Kham-
Dialekt gesprochen, greife daher ins Leere. Auch ihr Vorbringen, sie habe
sich an der Anhörung geschämt, bei Unklarheiten nachzufragen, über-
zeuge nicht, zumal sie bei Unklarheiten nachgefragt und auch Gegenfra-
gen gestellt habe. Angesichts der offensichtlichen Unzulänglichkeit ihrer
Angaben zur angeblichen Herkunft beziehungsweise zur letzten Aufent-
haltsregion habe in Anlehnung an die aktuelle Rechtsprechung kein Anlass
bestanden, weitere Abklärungen zu treffen, etwa mittels eines Sprach- und
Herkunftsgutachtens. Vielmehr könne mit genügender Sicherheit darauf
geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin ihre Aufenthaltsorte vor
der Ankunft in der Schweiz zu verschleiern versucht habe, wozu auch ihre
nicht nachvollziehbaren Angaben über den Reiseweg beitragen würden.
Weiter hätten weder sie noch ihre Familienangehörigen in der Schweiz
(Ehegatte und Sohn) rechtsgenügliche Identitätspapiere zu den Akten ge-
reicht.
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Wie erwähnt sei es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, ihre Herkunft
aus der VR China sowie ihre Asylgründe glaubhaft darzulegen. Vielmehr
sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie vor
ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der VR China, sondern in der exiltibe-
tischen Diaspora gelebt habe. Da sie keine konkreten, glaubhaften Hin-
weise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert habe,
komme das SEM zum Schluss, dass keine flüchtlings- oder wegweisungs-
beachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthalts-
ort bestünden (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.8 ff.). Zusammenfassend sei fest-
zuhalten, dass die Beschwerdeführerin keine Verfolgung im Sinne von
Art. 3 AsylG (SR 142.31) nachweisen oder zumindest glaubhaft habe ma-
chen und sie deshalb nicht als Flüchtling anerkannt werden könne.
F.d Nachdem die tatsächliche Herkunft der Beschwerdeführerin nicht fest-
stehe und vermutungsweise davon auszugehen sei, dass keine Gründe
gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestünden, könne
die Frage, ob sie ihre familiären Beziehungen in einem anderen Staat leben
könne und damit besondere Umstände einem Einbezug in die Flüchtlings-
eigenschaft des Ehemannes entgegenstehen würden, nicht geklärt wer-
den. Die Rechtsfolge davon sei die Ablehnung des Gesuchs um Einbezug
in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehegattens. Die Asyldossiers ihrer Fa-
milienangehörigen würden zu keiner anderen Einschätzung führen.
F.e Weiter werde ein Wegweisungsvollzug in die VR China ausgeschlos-
sen. Eine grobe Verletzung der Mitwirkungspflicht könne aber den Vollzug
einer Wegweisung nicht verhindern, wenn ein Asylgesuchsteller, wie vor-
liegend, eine sinnvolle Prüfung der wahren Herkunft verunmögliche. Die
Beschwerdeführerin habe die Folgen ihrer unglaubhaften Identitätsanga-
ben und der Unglaubhaftigkeit ihres Sachverhaltsvortrags zu tragen, indem
vermutungsweise davon auszugehen sei, es stünden einem Vollzug an
den bisherigen Aufenthaltsort keine Hindernisse entgegen.
Die vorläufige Aufnahme eines Familienmitglieds führe zwar in der Regel
zur vorläufigen Aufnahme weiterer Familienmitglieder. Art. 44 AsylG sei
aber nicht anwendbar, wenn die familiären Beziehungen im Heimat- oder
Herkunftsstaat der nichtverfolgten Person gelebt werden könnten und
keine Vollzugshindernisse der Wegweisung in diesen Staat im Wege stün-
den (vgl. BVGE 2014/13 E. 8.1.). Diese Fragen könnten vorliegend, wie
oben erwähnt, nicht geklärt werden. Vermutungsweise sei davon auszuge-
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hen, dass keine Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufent-
haltsort bestünden. Folglich könne sich die Beschwerdeführerin nicht auf
Art. 44 AsylG berufen.
Der Wegweisungsvollzug sei auch als möglich zu bezeichnen.
F.f Es stehe dem Ehegatten der Beschwerdeführerin schliesslich frei, ein
Gesuch um Familiennachzug bei der zuständigen kantonalen Behörde ein-
zureichen.
G.
Mit separater Verfügung des SEM vom (...) wurde der damals minderjäh-
rige Sohn der Beschwerdeführerin in die Flüchtlingseigenschaft und vor-
läufige Aufnahme seines Vaters K. einbezogen.
H.
H.a Mit Rechtsmitteleingabe vom 27. Februar 2020 beantragte die Be-
schwerdeführerin durch ihre Rechtsvertretung, die (sie betreffende) Verfü-
gung des SEM vom 28. Januar 2020 sei aufzuheben und die Vorinstanz
sei anzuweisen, sie aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen als
Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei die Beschwerdesache
zur vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und
erneuten Prüfung an die Vorinstanz zurückzuweisen und in diesem Rah-
men eine Herkunftsanalyse durchzuführen. Subeventualiter sei die Vor-
instanz anzuweisen, sie in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes
einzubeziehen und in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Subsubeventu-
aliter sei die Vorinstanz anzuweisen, sie vorläufig aufzunehmen (Art. 44
AsylG).
In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurden die Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie der Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt.
Mit der Beschwerde wurden ein Bericht der Schweizerischen Flüchtlings-
hilfe (SFH) vom 2. Dezember 2015, ein Ausschnitt aus Google Maps, Ar-
beitsunterlagen den Ehemann betreffend, eine Fürsorgebestätigung vom
11. Februar 2020 sowie eine Honorarnote der Rechtsvertretung vom
27. Februar 2020 zu den Akten gereicht.
H.b Zur Begründung brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor,
besonders stossend am Entscheid der Vorinstanz sei, dass sie eine Verfü-
gung mit Wegweisungsvollzug erhalte, während ihr Sohn in die vorläufige
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Aufnahme und den Flüchtlingsstatus seines Vaters einbezogen werde. Un-
ter anderem die tibetische Herkunft ihres Ehemannes sei von der Vor-
instanz nicht in Zweifel gezogen worden, ansonsten er in der Schweiz nicht
als Flüchtling vorläufig aufgenommen worden wäre. Warum die Vorinstanz
bei ihr zu einer anderen Einschätzung gelange, sei nicht nachvollziehbar.
Bei Betrachtung der Asylakten des Ehemanns falle auf, dass er angegeben
habe, mit einer Frau namens D. verheiratet zu sein und unter anderem ei-
nen Sohn namens W. zu haben. Zudem habe er erklärt, zusammen mit
seiner Familie bis zu seiner Ausreise im Juli 2010 gemeinsam in K._
gewohnt zu haben (SEM-A7, S. 4 f.). Sie und ihr Ehemann hätten überein-
stimmende Angaben zu ihren Wohnorten, zu den Familienmitgliedern oder
zu den Asylgründen gemacht. Sie habe glaubhaft machen können, die
Ehefrau von K. und somit in der VR China, Tibet, sozialisiert worden zu
sein. Werde ihrem Ehemann seine Herkunft geglaubt, so müsse dies auch
für sie gelten.
Die Vorinstanz habe nicht berücksichtigt, dass sie aus einfachen Verhält-
nissen stamme, über keine Schulbildung verfüge und sich im Tibet in einem
kleinen Bewegungsradius und sozialem Umfeld bewegt habe. Namentlich
ihr Alltagswissen zur Herkunftsregion sei daher nicht gross. Erschwerend
komme hinzu, dass sie offensichtlich nicht gewohnt sei, über sich zu spre-
chen und ihre Vorbringen anschaulich zu schildern. Sie habe an der Anhö-
rung wiederholt undeutlich oder in abgehackten Sätzen mit teils wenig Sinn
gesprochen und Rückfragen gestellt. Der Dolmetscher habe sie mehrmals
nicht verstanden. Dies sei auch von der Hilfswerksvertretung angemerkt
worden. Sodann habe sie durchaus Angaben zur Region (ein Gewässer
und See, Pässe, Dörfer) machen können, welche nur von einer Person
wiedergegeben würden, welche in der Region gelebt habe. Die Vorinstanz
habe lediglich diejenigen Faktoren berücksichtigt, welche gegen sie sprä-
chen und daraus ableitend ihre Vorbringen als unglaubhaft abgetan. Ferner
habe die Vorinstanz über das reduzierte Beweismass hinweggesehen, in-
dem sie die Anforderungen an die Glaubhaftmachung nach Art. 7 AsylG zu
hoch angesetzt habe. Weiter sei festzustellen, dass die Vorinstanz sie
durch missverständliche, immer wiederkehrende und irreführende (wenn
nicht gar falsche) Fragen bezüglich ihrer Wohnorte aus dem Konzept ge-
bracht habe (vgl. Hinweise Beschwerde S. 8). Dies lasse auf eine vorein-
genommene Haltung der Vorinstanz schliessen. Insgesamt seien ihre Aus-
sagen zur Herkunft sowie zur Sozialisierung in der VR China als überwie-
gend glaubhaft zu betrachten. Den Einwänden der Vorinstanz hinsichtlich
ihres Reisewegs nach Nepal sei entgegenzuhalten, dass sie ihre Ausreise
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weder selber organisiert habe noch für die Ausreise oder die Route verant-
wortlich gewesen sei. Wie sie bereits angegeben habe, sei die erste
Etappe von ihrem Bruder organisiert worden, anschliessend habe ein
Sherpa beziehungsweise Schlepper die Führung übernommen. Sodann
sei ihr lediglich gesagt worden, sie würden über F._ reisen, was sie
so wiedergegeben habe. Ihre Angaben würden aufzeigen, dass sie prak-
tisch nicht in die Planung involviert gewesen sei. Dieses Bild passe zu ih-
rem Hinweis, dass sie sich meist im Haus aufgehalten habe und nicht ge-
wohnt sei, über ihre Anliegen zu sprechen, ferner über einen geringen Bil-
dungsstand verfüge. Die Vorinstanz habe weiter nicht berücksichtigt, dass
ihre Ausführungen durchaus Realkennzeichen enthielten (SEM-Akte B6
S. 8). Darüber hinaus habe sie die Chronologie der Ereignisse wiederge-
ben und sie in zeitlich-räumlichen Zusammenhang stellen können. Mithin
habe sie die illegale Ausreise aus der VR China glaubhaft machen können.
Nach Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2009/29)
liefen Tibeter, die aus der VR China ausgereist seien, Gefahr, als separa-
tistisch gesinnte Oppositionelle zu gelten und deswegen bei einer Rück-
kehr asylrelevant verfolgt zu werden. Somit würden auch bei ihr, wie bei
ihrem Ehemann, subjektive Nachfluchtgründe vorliegen. Sie sei als Flücht-
ling anzuerkennen und vorläufig aufzunehmen.
H.c Zum Eventualbegehren hinsichtlich einer Rückweisung an die Vor-
instanz sei auf ein Leiturteil des Bundesverwaltungsgerichts zu verweisen,
wonach die Vorinstanz gewisse Mindeststandards einzuhalten habe, wenn
sie sich auf eine amtsinterne Evaluation des Alltagswissens beschränke,
damit dem Anspruch auf rechtliches Gehör entsprochen werde
(BVGE 2015/10 E. 5.2.2.1 bis 5.2.2.4). Vorliegend habe die Vorinstanz im
rechtlichen Gehör vom 3. Januar 2020 sowie in der angefochtenen Verfü-
gung als Quellen zur Lokalisierung der genannten Ortschaften auf Google
Maps und Wikipedia verwiesen. Wikipedia eigne sich zwar für den Einstieg
in ein Thema, sei aber grundsätzlich keine zitierfähige Quelle (gem. Urteil
des BVGer E-5846/2014 vom 4. August 2015 E. 6.3.1). Weiter könne eine
zielführende Suche nach den von einer asylsuchenden Person angegebe-
nen geographischen Punkten alleine mittels des genannten Kartenmateri-
als (wikimap.org, google.maps, tibetmap.org) im Tibet-Kontext aus ver-
schiedenen Gründen schwierig sein. Namentlich Orte oder Flüsse hätten
häufig einen tibetischen und einen chinesischen Namen. Sollte der von ei-
ner asylsuchenden Person genannte Name nicht mit dem in den konsul-
tierten Karten verwendeten Namen übereinstimmen, bleibe die ge-
wünschte Lokalisierung in der Regel erfolglos. Für eine seriöse Suche nach
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den von einer asylsuchenden Person angegebenen geographischen Punk-
ten dürfte mithin der Beizug einer orts- und allenfalls gar sprachkundigen
Person unumgänglich sein (a.a.O. E. 6.3.1). Es liege somit vorliegend eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs vor.
H.d Bezüglich des Eventualbegehrens um Einbezug in die Flüchtlingsei-
genschaft gestützt auf Art. 51 AsylG sei zunächst darauf hinzuweisen, dass
es sich beim Versäumnis der Wahrnehmung des vom SEM gewährten
rechtlichen Gehörs nicht um fehlenden Mitwirkungswillen handle. Wahr-
scheinlich sei die Abholungseinladung zwischen zugesandte Post ge-
rutscht und im Altpapier gelandet. Keinesfalls habe sie jedoch die Stellung-
nahme verweigern oder sich nicht äussern wollen. Deshalb lege sie ihre
Gründe nun dar. Sie sei im Tibet sozialisiert worden und habe bis zu ihrer
Ausreise dort gelebt. Eine andere Staatszugehörigkeit habe sie nicht. Vo-
raussetzung für die Annahme eines „besonderen Umstandes" wegen un-
terschiedlicher Staatsangehörigkeit der Ehegatten sei, dass der einzube-
ziehende Ehepartner eine andere Staatsangehörigkeit als der anerkannte
Flüchtling innehabe. Hierzu halte das SEM lediglich fest, dass sie ihre Her-
kunft und Sozialisierung im Tibet nicht habe glaubhaft machen können und
sich eine nähere Überprüfung ihrer Staatsangehörigkeit als unmöglich er-
wiesen habe. Als Zwischenresultat sei demnach festzuhalten, dass in ih-
rem Fall die Staatsangehörigkeit nicht geklärt worden respektive unbe-
kannt geblieben sei. Diesbezüglich sei auf BVGE 2014/12 zu verweisen.
Das Gericht halte darin fest, dass es unter gewissen Voraussetzungen
möglich sei, die entsprechende Staatsangehörigkeit zu erwerben. Es
müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass ein grosser Teil der in
Indien oder Nepal lebenden Exil-TibeterInnen keine neue Staatsangehö-
rigkeit erworben hätten (vgl. Beschwerde S. 13 f.). Sodann sei festzustel-
len, dass die Beweislast für das Bestehen «besonderer Umstände» zufolge
ihres Ausnahmecharakters bei der Behörde liege, selbst wenn eine Mitwir-
kungspflichtverletzung vorliege. Der Ansicht der Vorinstanz, wonach sie die
Folgen der Beweislosigkeit zu tragen habe und nicht zu ihren Gunsten da-
von ausgegangen werden könne, es bestünden keine „besonderen Um-
stände", könne nicht gefolgt werden. Die Annahme von „besonderen Um-
ständen" sei eine Ausnahmeklausel. Sollte das Bundesverwaltungsgericht
von einer Mitwirkungspflichtverletzung ausgehen, so sei diese nicht derart
zu gewichten, dass diese ihr auch in Bezug auf die Frage des Einbezugs
in die Flüchtlingseigenschaft des Ehepartners erneut angelastet werden
dürfe (vgl. Urteil des BVGer E-5669/2016 vom 18. Januar 2019). Wie auf-
gezeigt, sei die chinesische Staatsangehörigkeit in ihrem Fall mangels Al-
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ternativen wahrscheinlicher als die nepalesische oder die indische Staats-
angehörigkeit. Ferner sei die tibetische Herkunft unbestritten. Daher sei es
angezeigt, das Vorliegen von „besonderen Umständen" zu verneinen.
Dementsprechend sei sie in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes
einzubeziehen und in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.
Sollte das Gericht aber von einer unterschiedlichen Staatsangehörigkeit
ausgehen respektive ihr die Beweislosigkeit anlasten, so sei zu untersu-
chen, ob es ihrer Familie zumutbar sei, sich gegebenenfalls im Heimatland
des nicht verfolgten Familienmitgliedes niederzulassen. Der Ehemann und
der gemeinsame Sohn seien von der angefochtenen Verfügung mitbetrof-
fen. Da ein Nichterteilen der vorläufigen Aufnahme zur Trennung der Fami-
lie führen würde, seien deren Interessen und das Recht auf ein gemeinsa-
mes Familienleben zu berücksichtigen. Dies habe die Vorinstanz unterlas-
sen. Die vorgebrachte Mitwirkungspflichtverletzung entbinde die Vor-
instanz nicht davon, diese zusätzlichen Abklärungen durchzuführen. Es sei
angezeigt, den Ehemann/Kindsvater in die ihn und sein Kind mitbetref-
fende Sachverhaltsermittlung miteinzubeziehen (BVGE 2014/13 E. 8.1).
Somit sei festzuhalten, dass der rechtserhebliche Sachverhalt ungenügend
festgestellt und das rechtliche Gehör und die Begründungspflicht verletzt
worden seien. Deshalb sei die Sache zur vollständigen und richtigen Sach-
verhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
H.e Zum weiteren Eventualbegehren bezüglich der Erteilung der vorläufi-
gen Aufnahme (Art. 44 AsylG) sowie den zu berücksichtigenden Grundsatz
der Einheit der Familie sei festzuhalten, dass die vorläufige Aufnahme des
einen Familienmitglieds grundsätzlich zur vorläufigen Aufnahme weiterer
Familienmitglieder führe. Ausnahmen von diesem Grundsatz seien – in
analoger Anwendung der Rechtsprechung zu Art. 51 Abs. 1 AsylG – vom
SEM zu begründen und nachzuweisen. Eine unterschiedliche Staatsange-
hörigkeit könne eine solche Ausnahme begründen. Wie bereits ausgeführt,
sei in ihrem Fall die chinesische Staatsangehörigkeit wahrscheinlicher als
eine andere Staatsangehörigkeit. Folglich sei es angezeigt, bei der Beur-
teilung der Frage des Einbezuges in die vorläufige Aufnahme ihres Ehe-
mannes von ihrer chinesischen Staatsangehörigkeit auszugehen und das
Vorliegen eines Ausnahmetatbestandes zu verneinen. Demnach sei sie ge-
stützt auf Art. 44 AsylG in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.
Des Weiteren sei auch bezüglich Art. 44 AsylG eine Zumutbarkeitsprüfung
vorzunehmen und hierfür die von der Verfügung nicht direkt betroffenen
Familienmitglieder (ihr Ehemann und ihr Kind) anzuhören. Dies habe die
E-1173/2020
Seite 14
Vorinstanz (wie oben erwähnt) unterlassen und damit das rechtliche Gehör
der nicht direkt betroffenen Familienmitglieder verletzt.
I.
Am 4. März 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde vom 27. Februar 2020.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 19. März 2020 wurde festgehalten, auf die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und um Beiordnung einer amt-
lichen Rechtsverbeiständung werde zu einem späteren Zeitpunkt einge-
gangen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde aktuell verzich-
tet. Ferner wurde das SEM um Einreichung einer Vernehmlassung ersucht.
K.
Mit Vernehmlassung vom 25. März 2020 führte das SEM aus, in der Be-
schwerdeschrift werde die Praxis des SEM kritisiert, wonach die Beschwer-
deführerin trotz nachgewiesener familiärer Verbindung nicht in die Flücht-
lingseigenschaft ihres Ehegattens einbezogen werde. Dabei werde ein Ur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts genannt, wonach die Beweislast für
das Vorliegen besonderer Umstände beim SEM liege. Hierzu sei auf zwei
neuere Gerichtsurteile (D-3339/2018 vom 18. Februar 2019 E. 4.3.3 und
E-1442/2018 vom 9. Mai 2019 E. 6.) zu verweisen, welche die vorliegend
angewandte Praxis vollumfänglich stützten.
Im Übrigen – insbesondere was die Glaubhaftigkeitsprüfung der von der
Beschwerdeführerin geltend gemachten Vorbringen anbelange – werde
auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen, an denen
vollumfänglich festhalten werde.
L.
Mit Instruktionsverfügung vom 30. März 2020 wurde der Beschwerde-
führerin Gelegenheit zur Einreichung einer Replik eingeräumt.
M.
Mit Replik vom 14. April 2020 führte die Beschwerdeführerin aus, gegen
die Ansicht der Vorinstanz, ihre Praxis stünde mit der Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts in Einklang, seien Einwendungen anzubrin-
gen. Der erste von der Vorinstanz aufgeführte Entscheid beziehe sich auf
eine Konstellation, in der die betroffene Person in grober Weise ihre Iden-
tität und Herkunft zu verschleiern versucht habe – mithin einen anderen
E-1173/2020
Seite 15
Sachverhalt. Zum weiter erwähnten Urteil sei auszuführen, dass die (dor-
tige) Beschwerdeführerin über einen Aufenthaltsbewilligung B verfüge und
die Abweisung ihrer Beschwerde keine Wegweisung aus der Schweiz und
auch keine Trennung der Familie zur Folge gehabt habe.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so auch vorliegend, endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
E-1173/2020
Seite 16
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin rügt in verschiedener Hinsicht die Verletzung
des rechtlichen Gehörs sowie die unzureichende Sachverhaltsfeststellung
durch die Vorinstanz. Diese formellen Rügen sind vorab zu beurteilen.
3.2 Die Vorinstanz hat einerseits die Pflicht, für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 12 VwVG
i.V.m. Art. 6 AsylG) und hierzu alle für das Verfahren rechtlich relevanten
Umstände abzuklären sowie ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen.
Dabei hat sie alle sach- und entscheidwesentlichen Tatsachen und Ergeb-
nisse in den Akten festzuhalten (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 m.w.H.). Ande-
rerseits ergibt sich aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2
BV) das Recht der Parteien auf vorgängige Äusserung und Anhörung, wel-
ches den Betroffenen Einfluss auf die Ermittlung des wesentlichen Sach-
verhalts sichert, sowie die Pflicht der Behörde, die Vorbringen der Parteien
sorgfältig und ernsthaft zu prüfen sowie in der Entscheidfindung zu berück-
sichtigen. Unerlässliches Gegenstück dazu bildet die Pflicht der Parteien,
an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 8 AsylG).
3.3
3.3.1 Hinsichtlich des (ersten) Eventualbegehrens, die Beschwerdesache
sei zur vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes
und erneuten Prüfung an die Vorinstanz zurückzuweisen und in diesem
Rahmen eine Herkunftsanalyse durchzuführen, wird in der Beschwerde auf
BVGE 2015/10 verwiesen und geltend gemacht, die Vorinstanz habe ge-
wisse Mindestvorgaben einzuhalten, wenn sie sich auf eine amtsinterne
Evaluation des Alltagswissens beschränke, damit dem Anspruch auf recht-
liches Gehör entsprochen werde.
3.3.2 Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, dass angesichts der
offensichtlichen Unzulänglichkeiten der Angaben zur angeblichen Herkunft
und letzten Aufenthaltsregion der Beschwerdeführerin kein Anlass bestan-
den habe, weitere Abklärungen, namentlich ein Sprach- und Herkunftsgut-
achten, vorzunehmen. Aufgrund der Erkenntnisse aus den Anhörungen
könne mit genügender Sicherheit darauf geschlossen werden, dass die Be-
schwerdeführerin ihre Aufenthaltsorte vor der Ankunft in der Schweiz zu
verschleiern versuchte habe. Die geltend gemachte Herkunft sowie Staats-
angehörigkeit würden somit als nicht gesichert gelten.
3.3.3 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass weder der Gesetzgeber noch die
Rechtsprechung des Gerichts eine Pflicht zur Erstellung von Herkunfts-
E-1173/2020
Seite 17
und/oder Sprachgutachten für die Abklärung des rechtlich relevanten
Sachverhalts vorsieht. Vielmehr hat das Gericht im unter BVGE 2015/10
publizierten Urteil festgestellt, dass die Abklärung des Länder- und Alltags-
wissens von Asylsuchenden auch im Rahmen der eingehenden Anhörung
durch den jeweiligen Mitarbeitenden des SEM stattfinden kann, sofern den
Akten vergleichbare Informationen entnommen werden können, wie sie
aus einem Bericht einer durchgeführten Lingua-Analyse oder einer Lingua-
Alltagswissensevaluation hervorgehen (vgl. a.a.O. E. 5). Sind gewisse Min-
deststandards betreffend die Gewährung des rechtlichen Gehörs respek-
tive die Untersuchungspflicht der Vorinstanz erfüllt, untersteht die Methode
der Herkunftsabklärung Asylsuchender tibetischer Ethnie im Rahmen der
Anhörung durch eine(n) Mitarbeiter/-in der Vorinstanz, als Beweismittel der
im gesamten Verwaltungs- und Verwaltungsbeschwerdeverfahren gültigen
freien Beweiswürdigung. Sind die Mindeststandards nicht erfüllt, ist der vo-
rinstanzliche Entscheid in der Regel aufzuheben und die Sache zur korrek-
ten Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. Davon ausgenommen sind Fälle, in denen die Vorbringen der
asylsuchenden Person – aufgrund gänzlich fehlender Plausibilität, Sub-
stanz oder inhaltlicher Stimmigkeit – derart haltlos sind, dass deren Beur-
teilung keiner weiteren fachlichen Abklärung mehr bedarf (vgl. a.a.O. E.
5.2.3 m.w.H., u.a. Urteil des BVGer E-1737/2015 vom 21. Januar 2016
E. 6).
3.3.4 Zunächst ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin nicht an-
schaulich darlegt, inwiefern die Vorinstanz die in BVGE 2015/10 erwähnten
Mindeststandards nicht erfüllt, damit das rechtliche Gehör verletzt habe
und deshalb eine Herkunftsanalyse durchzuführen sei. Sie führt einzig auf,
die von der Vorinstanz genannten Quellen (Wikipedia sowie google.maps)
seien zur Lokalisierung von Ortschaften grundsätzlich nicht zitierfähig. In-
wiefern dies in ihrem Fall zu einem Nachteil respektive einem falschen Er-
gebnis geführt habe, zeigt sie aber nicht auf (sie zitiert in der Beschwerde-
schrift selbst google.maps). Die Vorinstanz hat zudem nicht ausgeführt, ein
von der Beschwerdeführerin genannter Name würde nicht mit dem in den
konsultierten Karten verwendeten Namen übereinstimmen oder sei auf den
Karten nicht zu finden. Hinzu kommt, dass die Vorinstanz auch weitere die
angebliche Herkunftsregion betreffende Quellen genannt hat (vgl. Verfü-
gung S. 5).
3.3.5 Weiter geht aus den Akten hervor, dass der Beschwerdeführerin viele
Fragen hinsichtlich ihrer geltend gemachten Herkunftsregion, der geltend
E-1173/2020
Seite 18
gemachten Sozialisierung im Tibet, ihrem Alltag, ihrem persönlichen Wer-
degang, ihrer familiären Situation sowie ihrer Ausreise gestellt wurden, sie
dazu aber auffällig wenig zu berichten wusste. Dies wurde ihr von der Vor-
instanz während der Anhörung sowie im Rahmen der Gewährung des
rechtlichen Gehörs dargetan, wozu sie sich hat äussern können. Ferner
hat die Vorinstanz soweit möglich aufgezeigt, welche Antworten zu erwar-
ten gewesen wären, und eine Würdigung der wenigen Angaben der Be-
schwerdeführerin vorgenommen (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.2.2).
3.3.6 Die Einschätzung der Vorinstanz, die Vorbringen der Beschwerdefüh-
rerin bezüglich ihrer geltend gemachten Herkunft seien offensichtlich un-
zulänglich, kann aufgrund ihrer substanzlosen Ausführungen und mangel-
haften Angaben sowie der fehlenden Identitätspapiere gestützt werden.
Bereits an der BzP vermochte die Beschwerdeführerin einige Fragen ihre
angebliche Heimat betreffend nicht zu beantworten (SEM-Akte B6, S. 7, 9).
Auch an der Anhörung ist sie bei vielen Fragen in Bezug auf ihre Länder-
kenntnisse und ihr Alltagswissen ausgewichen oder hat unsubstantiierte
Angaben gemacht (u.a. SEM-Akte B19 F34, 43 f., 45 ff., 57 f., 66–86, 97,
F105 f., 109 f., 115–123, 127–129, 131–141, 147–153). Als Erklärung für
ihr weitgehend fehlendes Wissen gab sie jeweils an, sie sei nicht aus dem
Haus gegangen. Doch auch wenn sich jemand in einem kleinen Radius
bewegt, erscheint es als gänzlich lebensfremd, dass eine verheiratete Per-
son mit zwei Kindern ohne Angabe von Gründen Jahrzehnte lang ihr Haus
nicht verlässt und praktisch nichts über das alltägliche Leben in einem ti-
betischen Dorf (Schulsystem, Ortsbeschrieb, Gegend etc.) erzählen kann.
Angesichts der Substanzarmut und Unplausibilität der Vorbringen der Be-
schwerdeführerin ist die Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen, dass
die Beurteilung des Orts der Sozialisierung der Beschwerdeführerin keiner
weiteren fachlichen Abklärungen mehr bedarf. Hinzu kommt, dass die Vor-
instanz die Beschwerdeführerin namentlich im Rahmen der Anhörung im-
mer wieder auf ihr unzureichendes diesbezügliches Wissen sowie auf Un-
gereimtheiten hinwies, diese jedoch keine plausiblen Erklärungen liefern
konnte. Eine Gehörsverletzung ist mithin nicht zu erblicken. Das Begehren
um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Durchführung einer Her-
kunftsanalyse ist abzuweisen.
3.4 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, das Nichterteilen der vorläu-
figen Aufnahme führe zur Trennung der Familie, weshalb deren Recht auf
ein gemeinsames Familienleben zu berücksichtigen sei (nach Art. 51 sowie
E-1173/2020
Seite 19
Art. 44 AsylG). Dies habe die Vorinstanz unterlassen und damit die Gewäh-
rung des rechtlichen Gehörs verletzt respektive den Sachverhalt nicht voll-
ständig abgeklärt.
Die Vorinstanz ist zum Schluss gekommen, dass die tatsächliche Herkunft
der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer unglaubhaften Identitäts- und
Sachverhaltsangaben sowie ihrer Mitwirkungspflichtverletzung nicht fest-
stehe. Auch die geltend gemachte Sozialisierung sei unglaubhaft. Eine
Prüfung der Drittstaatenklausel oder der Flüchtlingseigenschaft in Bezug
auf den effektiven Heimatstaat werde damit verunmöglicht. Ferner könne
auch nicht geklärt werden, ob die familiären Beziehungen in ihrem Heimat-
oder einem Drittstaat gelebt werden könnten und damit besondere Um-
stände, die gegen einen Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft bezie-
hungsweise die vorläufige Aufnahme sprächen, vorlägen. Vermutungs-
weise sei davon auszugehen, es stünden einer Rückkehr an den bisheri-
gen Aufenthaltsort keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen
Gründe sowie keine Vollzugshindernisse entgegen (BVGE 2014/12 E. 5.8–
E. 5.10). Die Rechtsfolge sei die Ablehnung eines Anspruchs nach Art. 51
oder Art. 44 AsylG (vgl. dazu auch nachfolgend). Folgerichtig hat die Vor-
instanz keine weiteren Abklärungen (in Bezug auf die Familienmitglieder)
getroffen. Aus dieser Vorgehensweise lässt sich nicht auf eine Verletzung
von Verfahrenspflichten schliessen. Die Vorinstanz hat ausführlich begrün-
det, warum sie zu dieser rechtlichen Würdigung gelangt ist. Zudem hat sie
auf die allenfalls vorhandene Möglichkeit eines Gesuchs um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung hingewiesen (vgl. Verfügung S. 11 E. 4; Urteil des
BVGer D-3339/2018 vom 18. Februar 2019 E. 4.5). Entgegen der Darle-
gung der Beschwerdeführerin hat das Nichterteilen der vorläufigen Auf-
nahme nicht zwingend eine Trennung vom Ehemann zur Folge. Der ent-
sprechende Vorwurf der Verletzung des rechtlichen Gehörs respektive der
unzureichenden Sachverhaltsfeststellung ist somit nicht zu hören.
3.5 Die formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegrün-
det. Der Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neube-
urteilung ist abzuweisen.
4.
4.1 In materieller Hinsicht ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin
kein Asyl begehrt, sondern die vorläufige Aufnahme als Flüchtling aufgrund
subjektiver Nachfluchtgründe. Eventualiter sei sie in die Flüchtlingseigen-
E-1173/2020
Seite 20
schaft ihres Ehemannes einzubeziehen und in der Schweiz vorläufig auf-
zunehmen. Entsprechend ist auf ihre von der Vorinstanz als unglaubhaft
eingestuften Asylvorbringen nicht weiter einzugehen.
4.2 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in
dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-
schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Die Flüchtlingseigenschaft ist nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu
machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhanden-
sein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft
sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig be-
gründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen
oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt
werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch seine Ausreise aus dem Heimat-
oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine
Gefährdungssituation erst geschaffen worden sei, macht sogenannte sub-
jektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive
Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von
Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des
Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich
gesetzt wurden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Stattdessen werden Perso-
nen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen
können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen.
5.
5.1 Gemäss BVGE 2014/12 ist bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre
wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon
auszugehen, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen
Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestehen.
Die Abklärungspflicht der Asylbehörden findet ihre Grenze an der Mitwir-
kungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmöglicht eine tibetische
asylsuchende Person durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Ab-
klärung, welchen effektiven Status sie namentlich in Nepal respektive in
E-1173/2020
Seite 21
Indien innehat – also ob sie über eine Aufenthaltsberechtigung in einem
dieser Länder oder gar über deren Staatsangehörigkeit verfügt −, kann na-
mentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c
AsylG stattfinden. Weiter wird durch die Verheimlichung der wahren Her-
kunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person
in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12
E. 5.9 f.).
5.2 Die Identität der Beschwerdeführerin steht aufgrund der Aktenlage
nicht fest. Weder sie noch ihre Familienmitglieder haben während des ge-
samten Asylverfahrens Identitätspapiere oder andere Dokumente einge-
reicht, welche Rückschlüsse auf ihre Herkunft oder Identität ermöglichen
würden. Auch wird nicht dargelegt, es sei versucht worden, entsprechende
Unterlagen zu beschaffen. Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin
habe sie ihre im Jahr 2013 oder 2014 erstmals ausgestellte Identitätskarte
auf der Flucht weggeworfen (SEM-Akte B6 S. 6 f.). Diese Angabe hinsicht-
lich Ausstellung der Identitätskarte vermag zu erstaunen, zumal Identitäts-
papiere für chinesische Staatsangehörige über 16 Jahren obligatorisch
sind (vgl. Urteil des BVGer E-1968/2019 vom 17. November 2020 E. 6.4.4
m.w.H.) und die Beschwerdeführerin nicht überzeugend darlegt, weshalb
sie genau zum genannten Zeitpunkt erstmals eine Identitätskarte hätte be-
antragen sollen. Weiter vermochte die Beschwerdeführerin nicht verständ-
lich darzulegen, über welche weiteren Dokumente (Familienbüchlein, Ehe-
schein, Geburtsregistrierung etc.) sie verfügt habe (SEM-Akten B6 S. 7,
B19 F154 ff., 169–189, 267). Das fehlende Beibringen von Identitätsnach-
weisen ohne plausible Begründung stellt eine Verletzung der Mitwirkungs-
pflicht gemäss Art. 8 AsylG dar.
5.3 Sodann teilt das Gericht die Auffassung der Vorinstanz, die Beschwer-
deführerin habe ihre angebliche Herkunft aus dem Tibet und Sozialisierung
in der VR China nicht glaubhaft machen können, mithin ihre Herkunft be-
ziehungsweise ihren letzten Aufenthaltsort zu verschleiern versucht. Dies-
bezüglich kann auf die ausführlichen Angaben der Vorinstanz verwiesen
werden (vgl. Sachverhalt Bst. F.c). Dass sie keine Chinesisch-Kenntnisse
hat und weder sie noch ihr Sohn die Schule besucht hätten, spricht nicht a
priori gegen eine Herkunft aus dem Tibet. Allerdings fehlt es der Beschwer-
deführerin an grundlegendem Wissen zum Schulwesen (SEM-Akte B19
F96 ff., 104 ff.), das auch unter der Annahme, sie hätte nie eine Schule
besucht, angesichts der Dauer ihres angeblichen Aufenthalts im Tibet und
des Schulbesuchs der zwei Kinder ihres Ehemannes aus erster Ehe, die
E-1173/2020
Seite 22
bis zur Ausreise des Mannes bei ihnen gelebt hätten, sowie der schulpflich-
tigen Nachbarskinder, mit denen ihr Sohn gespielt habe, zu erwarten ge-
wesen wäre (vgl. Urteil E-1968/2019 E. 6.4.3). Weder ihren Geburtsort
noch den Ort, in dem sie mit ihrem Ehemann gelebt habe, oder die jewei-
lige Umgebung vermochte sie zudem anschaulich zu beschreiben (vgl. be-
reits oben E. 3.3.6, u.a. SEM-Akte B19 F66 ff., 115 ff., 260 ff.). Ihre weni-
gen Angaben hierzu im Rahmen der Anhörung, welche einer entsprechen-
den Karte entnommen werden können, deuten, entgegen der Darlegung in
der Beschwerdeschrift, nicht darauf hin, dass sie selber in der Region ge-
lebt habe (vgl. Beschwerde S. 7). Persönlich wahrgenommene Merkmale
der Dörfer oder der Umgebung sind (auch auf Beschwerdeebene) ausge-
blieben. Entgegen der Ansicht in der Beschwerdeschrift ist nicht zu erken-
nen, inwiefern die Vorinstanz die Beschwerdeführerin mit missverständli-
chen respektive irreführenden Fragen hinsichtlich ihrer Wohnorte verwirrt
haben könnte. Vielmehr sind die vielen Fragen aufgrund der widersprüch-
lichen Angaben der Beschwerdeführerin notwendig gewesen, um zu klä-
ren, wo sie nach eigenen Angaben gelebt habe (vgl. auch Rückfragen,
SEM-Akte B19 F254 ff.). Auch unter Berücksichtigung ihrer fehlenden
Schulbildung und der Annahme, sie habe sich nur in einem sehr kleinen
Radius bewegt, wäre zu erwarten gewesen, dass die Beschwerdeführerin
die ihr gestellten Fragen detaillierter, substantiierter und insbesondere mit
persönlicher Färbung und erlebnisgeprägt hätte beantworten können be-
ziehungsweise von sich aus mehr berichtet hätte. Die Durchsicht der BzP
zeigt, dass sie zu ausführlicheren Schilderungen in der Lage gewesen
wäre (SEM-Akte B6 S. 8). Die Aussage, sie habe das Haus nie verlassen
und ihre Kinder hätten ihr nichts vom Dorf erzählt (u.a. SEM-Akte B19
F118–123), erscheint angesichts ihres Alters und der Tatsache, dass sie
sich über mehrere Jahre als alleinerziehende Frau um ihre Kinder geküm-
mert habe, lebensfremd und unplausibel sowie nicht zutreffend. Zumindest
hat sie an der BzP erklärt, für die Ausstellung ihrer Identitätskarte habe sie
in ein Büro gehen müssen, wo man sie fotografiert und nach ihrem Namen
gefragt habe (SEM-Akte B6 S. 7). Zudem habe sie sich mit ihren Nachbarn
draussen unterhalten (SEM-Akte B19 F191 f.). Mithin hat sie ihr Zuhause
doch verlassen und hätte beispielsweise den Weg zum oder dieses Büro
sowie ein in Erinnerung gebliebenes Merkmal hinsichtlich der Nachbarn
oder der Häuser in der Nachbarschaft beschreiben können. Weiter hat die
Beschwerdeführerin auch die Fragen zu ihrem Alltag völlig oberflächlich
und ohne persönliche Färbung beantwortet (SEM-Akte B19 F131–135).
Insgesamt ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin die aufgrund ih-
E-1173/2020
Seite 23
res angeblichen Aufenthalts von über (...) Jahren in der behaupteten Her-
kunftsregion zu erwartenden länderkundlichen Kenntnisse offensichtlich
nicht darzutun vermochte.
5.4 Ferner rechtfertigen sich auch erhebliche Zweifel an der Darstellung
der Beschwerdeführerin betreffend ihre illegale Ausreise aus der VR China.
Zunächst hat sie nicht angegeben können, wann ihre Söhne ausgereist
seien respektive wann sie den Tibet verlassen habe (SEM-Akte B19
F197 ff.). Ihre Schilderungen zu den Umständen ihrer Ausreise waren so-
dann oberflächlich und detailarm. Auch wenn sie die Ausreise nicht selbst
organisiert habe, wären dennoch erlebnisgeprägte Angaben dazu zu er-
warten gewesen, gerade weil sie angegeben hat, vorher noch nie gereist
zu sein. Zwar weist die an der BzP abgegebene Beschreibung der Reise
ein paar Realkennzeichen auf (SEM-Akte B6 S. 8 f.), wie von der Be-
schwerdeführerin festgehalten. Die erwähnten Begebenheiten könnten
sich aber überall zugetragen haben (über einen Berg, über einen Fluss, ein
Seil um den Bauch, auf der anderen Seite des Flusses die Grenze etc.)
und stimmen nicht gänzlich mit den Angaben an der Anhörung überein
(SEM-Akte B19 F196). Dass sie über die Fahrt zur Grenze oder ihren Auf-
enthalt im Grenzort F._ nicht berichten könne, weil sie geschlafen
habe beziehungsweise es dunkel oder sie stets im Haus gewesen sei, ist
wenig überzeugend (SEM-Akte B19 F233–236). Auch vermochte sie die
ihr gestellten Fragen nicht zu beantworten und wusste nichts über das Erd-
beben, welches den betroffenen Grenzort sowie die Zufahrtswege teilweise
zerstört habe (SEM-Akte B19 F237 ff.). Insgesamt sind ihre Angaben zur
Ausreise vage, ausweichend und auffallend unsubstantiiert ausgefallen, so
dass ihre diesbezüglichen Schilderungen ebenfalls nicht überzeugen.
5.5 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass aufgrund der unzureichen-
den und oberflächlichen Ausführungen der Beschwerdeführerin ihre ange-
gebene Herkunft und ihr Aufenthaltsort vor der Einreise in die Schweiz nicht
geglaubt werden können. Aufgrund der fehlenden Identitätspapiere und der
fraglichen Angaben hierzu steht auch ihre geltend gemachte Staatsange-
hörigkeit und Identität nicht fest. Daran vermag der Hinweis in der Be-
schwerdeschrift, die chinesische Staatsangehörigkeit sei in ihrem Fall am
wahrscheinlichsten, nichts zu ändern. Ihr Verhalten stellt sodann eine Ver-
letzung der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) dar. Durch die
Verletzung dieser Pflicht verunmöglicht die Beschwerdeführerin die Abklä-
rung, welchen effektiven Status sie im Staat ihres vormaligen Aufenthalts
hatte. Wie von der Vorinstanz zutreffend aufgezeigt, besteht Anlass zur
Vermutung, dass sie vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der VR China,
E-1173/2020
Seite 24
sondern in einer exil-tibetischen Diaspora gelebt hat. Bei Personen tibeti-
scher Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, ist
vermutungsweise davon auszugehen, dass keine flüchtlings- oder wegwei-
sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Auf-
enthaltsort bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10 und 6). Bei dieser Aus-
gangslage ist der Argumentation, es seien ihr wegen ihrer illegalen Aus-
reise aus der VR China subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54
AsylG zuzubilligen, jede Grundlage entzogen. Aus dem Hinweis, ihrem
Ehemann sei die tibetische Herkunft geglaubt worden, was auch für sie
gelten müsse, kann die Beschwerdeführerin sodann nichts zu ihren Guns-
ten ableiten. Entgegen ihrer Ansicht ist ihr Ehemann in Anwendung der da-
maligen Asylpraxis (vgl. BVGE 2009/29, wonach davon ausgegangen
wurde, dass illegal ausgereiste Asylsuchende tibetischer Ethnie unabhän-
gig von der zeitlichen Dauer ihres Auslandaufenthaltes bei einer Rückkehr
nach China der oppositionellen politisch-religiösen Anschauungen ver-
dächtigt würden und aus diesem Grund mit Verfolgung im flüchtlingsrele-
vanten Sinn zu rechnen hätten) aufgrund seiner tibetischen Ethnie und der
angenommenen illegalen Ausreise aus China, ohne Prüfung der tatsächli-
chen Herkunft, in der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenommen wor-
den.
5.6 Demzufolge hat die Vorinstanz die originäre Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführerin aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe zu Recht ver-
neint.
6.
6.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen
ebenfalls als Flüchtlinge anerkannt, wenn keine besonderen Umstände da-
gegensprechen. Diese Bestimmung ist auch dann anwendbar, wenn die in
der Schweiz als Flüchtling anerkannte Person lediglich vorläufig aufge-
nommen wurde und sich das einzubeziehende Familienmitglied in der
Schweiz aufhält (vgl. BVGE 2019 VI/8 E. 4.1).
6.2 Dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 51 Abs. 1 AsylG
entgegenstehende besondere Umstände sind gemäss Rechtsprechung
unter anderem anzunehmen, wenn die in die Flüchtlingseigenschaft einzu-
beziehende Person eine andere Staatsangehörigkeit besitzt als die als
Flüchtling anerkannte Person. Sofern es den Asylbehörden aber aufgrund
täuschender oder unsubstantiierter Angaben nicht möglich ist, eine glaub-
haft gemachte Herkunft festzustellen, kann auch nicht überprüft werden,
ob sich die Familie der um Einbezug ersuchenden Person in einem Staat
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niederlassen könnte, dessen Staatsangehörigkeit diese allenfalls besitzt.
Eine solche Art der Mitwirkungspflichtverletzung, welche es den schweize-
rischen Asylbehörden verunmöglicht, eine entsprechende Prüfung vorzu-
nehmen, stellt einen besonderen Umstand im Sinne von Art. 51 Abs. 1
AsylG dar, welcher der Familienzusammenführung entgegensteht (vgl. u.a.
Urteil des BVGer E-1472/2019 vom 15. März 2022 E. 9.3 m.H. auf
BVGE 2020 VI/6 E. 9.10).
6.3 Die Beschwerdeführerin und ihr als Flüchtling vorläufig aufgenomme-
ner Ehemann (sowie der gemeinsame, mittlerweile volljährige Sohn) leben
zusammen, nachdem sie sich in der Schweiz nach einer rund (...) (örtli-
chen) Trennung wiedervereint haben. Das Bestehen einer Familie im Zeit-
punkt des Asylentscheids wurde von der Vorinstanz nicht in Zweifel gezo-
gen.
6.4 Wie oben dargelegt, besteht vorliegend Grund zur Annahme, dass die
Beschwerdeführerin ihre Herkunft sowie ihren Aufenthaltsort vor der Ein-
reise in die Schweiz zu verschleiern versucht. Ihre Ausführungen haben
sich als unsubstantiiert, wenig plausibel und ausweichend erwiesen. Wei-
ter hat sie keine Identitätspapiere oder andere Beweismittel zum Beleg ih-
rer Staatsangehörigkeit zu den Akten gereicht, und es sind auch keine Be-
mühungen zum Erhalt solcher Dokumente aktenkundig. Ihre Herkunft so-
wie ihre Staatsangehörigkeit stehen somit nicht fest. Das Gericht gelangt
in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass sie ihrer Mitwir-
kungspflicht gemäss Art. 8 AsylG nicht ausreichend nachgekommen ist.
Hierdurch hat sie eine Prüfung verunmöglicht, ob sich ihre Familie in einem
Staat niederlassen könnte, dessen Staatsangehörigkeit sie allenfalls be-
sitzt, womit besondere, der Gewährung der Flüchtlingseigenschaft gemäss
Art. 51 Abs. 1 AsylG entgegenstehende Umstände gegeben sind. Die Fol-
gen der Verletzung der Mitwirkungspflicht hat die Beschwerdeführerin zu
tragen (vgl. u.a. Urteile E-1472/2019 E. 9.4.3, D-3339/2018 E. 4.3.3, 4.4).
Auf die Frage, ob eine Niederlassung der Familie in einem anderen Staat
zumutbar wäre, ist daher – entgegen der Ansicht in der Beschwerdeschrift
– nicht einzugehen (vgl. Urteil des BVGer E-5398/2018 vom 2. November
2020 E. 6.5 f.).
6.5 Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Voraussetzungen für einen Ein-
bezug der Beschwerdeführerin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Mannes
als nicht gegeben erachtet und einen derivativen Anspruch gemäss Art. 51
Abs. 1 AsylG abgelehnt.
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7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Wegweisung wird unter anderem dann nicht verfügt, wenn die asyl-
suchende Person im Besitze einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlas-
sungsbewilligung ist (Art. 32 Bst. a AsylV 1) oder ein grundsätzlicher An-
spruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung besteht, wobei die kanto-
nale Ausländerbehörde zuständig ist, über den Anspruch konkret zu befin-
den (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 sowie Entscheide und Mitteilungen der
[vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006
Nr. 23 E. 3.2 und 2001 Nr. 21 E. 9). Ist die asylsuchende Person nicht im
Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung, ist im
Asyl- und Wegweisungsverfahren daher vorfrageweise zu prüfen, ob die
betroffene Person sich auf einen grundsätzlichen Anspruch auf Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung berufen kann (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 10).
7.3 Das SEM hat im vorliegenden Verfahren einen Anspruch der Be-
schwerdeführerin gestützt auf Art. 44 AsylG (Grundsatz der Einheit der Fa-
milie) verneint.
7.4 Wie oben dargelegt, ist ein derivativer Erwerb der Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG zu verneinen, weil ein besonderer
Umstand vorliegt. Dieser Umstand ist ebenso wesentlich für die Beurtei-
lung eines Anspruchs gemäss Art. 44 AsylG. Eine Prüfung, ob das Fami-
lienleben mit ihrem Ehemann (ihr Sohn ist volljährig) in einem anderen
Staat gelebt werden kann, kann vorliegend nicht durchgeführt werden, zu-
mal die tatsächliche Herkunft und Staatsangehörigkeit der Beschwerdefüh-
rerin offenbleibt und von einer relevanten Mitwirkungspflichtverletzung aus-
zugehen ist. Dies hat zur Folge, dass sich die Beschwerdeführerin nicht
auf Art. 44 AsylG berufen kann (vgl. u.a. Urteil E-1472/2019 E. 10.4–10.6).
7.5 Die Beschwerdeführerin verfügt mithin weder über eine Bewilligung
noch einen selbständigen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Weg-
weisung wurde von der Vorinstanz somit zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
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nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungs-
vollzugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungs-
pflicht findet, wie bereits vorstehend ausgeführt, ihre Grenzen an der Mit-
wirkungspflicht der Beschwerdeführerin gemäss Art. 8 AsylG. Bei einer
Verschleierung der tatsächlichen Herkunft kann es nicht Sache der Behör-
den sein, nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypotheti-
schen Herkunftsländern zu forschen. Die Beschwerdeführerin hat die Fol-
gen ihrer fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als seitens der Asylbe-
hörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts gegen eine
Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10
und E. 6).
8.3 Es obliegt der Beschwerdeführerin, die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.4 Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass es der Beschwerdeführerin
und ihrem Ehemann freisteht, den Familiennachzug nach den ausländer-
rechtlichen Bestimmungen anzustrengen (Art. 85 Abs. 7 AIG), wobei die
entsprechenden Nachzugsvoraussetzungen vorzuliegen haben (vgl. Hin-
weis in der Verfügung S. 11; u.a. Urteil des BVGer E-6947/2019 vom
21. Februar 2022 E. 6.4).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
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10.1 Bei diesem Verfahrensausgang wären die Kosten grundsätzlich der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nach dem oben
Gesagten waren ihre Begehren jedoch nicht als aussichtslos einzustufen.
Ferner ist aufgrund der Akten (Fürsorgebestätigung vom 11. Februar 2020
sowie fehlender Eintrag hinsichtlich einer Erwerbstätigkeit im Zentralen
Migrationsinformationssystem) von der Bedürftigkeit der Beschwerdefüh-
rerin auszugehen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist daher gutzuheissen und
auf die Erhebung von Verfahrenskosten ist zu verzichten.
10.2 Ebenfalls ist das Gesuch um Beiordnung der rubrizierten Rechtsver-
tretung als amtliche Rechtsbeiständin gutzuheissen. Ihr ist daher ein amt-
liches Honorar für die notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfah-
ren auszurichten. Die Rechtsvertretung hat eine Honorarnote vom 27. Feb-
ruar 2020 eingereicht (15.5 Stunden zu einem Stundenansatz von
Fr. 150.–). Der zeitlich angegebene Aufwand erscheint nicht als angemes-
sen und ist entsprechend zu kürzen. Unter Berücksichtigung der Replik
vom 14. April 2020 sowie der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl.
Art. 12 i.V.m. Art. 8–11 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]) ist der Rechtsbeiständin zu Lasten des Gerichts ein amtli-
ches Honorar von Fr. 1’616.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag)
auszurichten.
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