Decision ID: 2ff80e27-3c07-58b0-aefd-cb56329b2fd4
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1986 geborene X._
meldete sich unter Hinweis auf eine
seit 21. Mai 2017 bestehende
unfallbedingte
Arbeitsunfähigkeit
am
9. Oktober 2017
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leis
tungen der Invalidenversicherung an (Urk. 13/2).
Die IV-Stelle zog die Akten des Krankentaggeld
- sowie des Unfall
versicherers bei (Urk. 13/3
, 13/5
, 13/12
, 13/19
)
und teilte dem Versicherten
am 28. Februar 2018
mit, dass keine Eingliederungs
massnahmen möglich seien (Urk. 13/17)
.
Mit Schreiben vom 12. Juli 2018 auf
erlegte die IV-Stelle dem Versicherten die Pflicht zur Durchführung eines Ent
zuges von Cannabis
und Opioiden sowie zu einer sechsmonatigen Abstinenz von Cannabis, Opioiden,
Benzodiazepinen und Alkohol
mit anschliessender Haar
ana
lyse (Urk. 13/23).
In der Folge tätigte die IV-Stelle medizinische Abklärungen (Urk. 13/34, 13/50
, 13/55, 13/56
, 13/69
, 13/85
)
und veranlasste eine
psy
chiatri
sche und orthopädische
Begutachtung des Versicherten (Urk. 13/60
, 13/67
);
die medizinische Abklärungsstelle
Y._
erstattete das Gut
achten
, datierend vom
11. September 2019
, am 27. September 2019
(Urk. 13/71
; Beantwortung der Rückfragen vom 25. Oktober 2019, Urk. 13/79
).
Mit Schreiben vom 27. Februar 2020 auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten im Hinblick auf zukünftige Leistungsansprüche die Pflicht zur Inanspruchnahme einer psychosomatisch-psychotherapeutischen Behandlung, zu einem begleiten
den Ausschleichen und Sistieren der Opiat-Schmerzmedikation sowie zu einer regelmässigen Kontrolle der antidepressiven Medikation und einer schrittweisen Reduktion
derselben
(Urk. 13/93).
Nach durchgeführten
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 27. Februar 2020 [Urk. 13/95]; vom Versicherten eingereichte medizinische Berichte [Urk. 13/103, 13/108]; Einwand vom 19. Mai 2020
[Urk. 13/113]
) lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 18. Juni 2020 das Leis
tungs
gesuch des Versicherten
ab
(Urk. 2 [= Urk. 13/118])
.
M
it Verfügung vom 23. Juni 2020
lehnte die IV-Stelle sodann
das Gesuch
des Versicherten
um un
entgeltlichen Rechtsbeistand ab (Urk. 13/121).
2.
Gegen die Verfügung vom 18. Juni 2020 (Urk. 2) erhob der Versicherte mit Ein
gabe vom 21. August 2020 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Ver
fügung sei aufzuheben und
es sei
ihm
unter Berücksichtigung eines leidens
be
dingten
Abzuges von 15 %
ab April 2018 eine ganze Invalidenrente auszurichten, eventualiter sei ein
bidisziplinäres
Obergutachten in Auftrag zu geben und ge
stützt darauf der Invaliditätsgrad neu zu ermitteln, unter Kosten- und Ent
schä
digungsfolge
n
. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unent
gelt
lichen Rechtspflege unter amtlicher
Verbeiständung
durch
Advokat
Ferhat Kizilkaya sowie den Verzicht auf Leistung eines Kostenvorschusses (Urk. 1).
Mit Eingabe vom 13. September 2020 reichte der Beschwerdeführer so
dann das For
mular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit zu den Akten (Urk. 7-9)
. Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 2. November 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 12), worüber der Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom 4. November 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 14).
Mit Schrei
ben vom
12. November 2020 reichte d
er Rechtsvertreter des Beschwer
deführers seine
Hono
rar
note zu den Akten und ersuchte zugleich um Frist
ansetzung
zur Einreichung
einer
Replik (Urk. 15
, 16
)
, woraufhin ihm mit Schreiben vom
18. November 2020 mitgeteilt wurde, dass
er eine solche umgehend und ohne vorheriges Gesuch um Fristansetzung einreichen könne, weshalb sich die Anset
zung einer Frist vor
lie
gend als unnötig erweise (Urk. 17).
In der Folge verzichtete der Beschwerdeführer auf das Einreichen einer weiteren Eingabe.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesge
setzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art.
28 Abs.
1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vor
akten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, und ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen, zur Ab
klärung der Leistungspflicht seien medizinische Berichte bei den behandelnden Ärzten eingeholt, die Akten de
s
Krankentaggeldversicher
ers
beigezogen und eine medizinische Begutachtung veranlasst worden. Der Unfall vom 21. Mai 2017 habe zu
einer
bloss
wenige Wochen dauernden Arbeitsunfähigkeit
geführt, eine volle Arbeitsfähigkeit aus chirurgisch-orthopädischer Sicht sei bereits in dem durch den Krankentaggeldversicherer veranlassten Gutachten vom Mai 2018 aus
gewiesen worden, was die Gutachter der
Y._
bestätigt hätten. Aus psy
chiatrischer Sicht habe aufgrund der Suchtproblematik eine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen, weshalb eine Schadenminderungspflicht auferlegt worden sei; weder im Zeitpunkt der Begutachtung noch im Drogenscreening oder in der Haarprobe vom April 2019 seien Hinweise auf einen illegalen Substanzgebrauch nachge
wie
sen worden, weshalb nicht von einer länger dauernden, invalidisierenden Sucht
problematik auszugehen und folglich von der diesbezüglichen Einschätzung des Gutachtens der
Y._
abzuweichen sei. Aufgrund der im Gutachten
diagnostizierten somatoformen Schmerzstörung liege eine Leistungsminderung von 20 % vor, die attestierten akzentuierten Persönlichkeitszüge stellten gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hingegen keine invalidenversicherungs
rechtlich relevante Krankheit dar. Die im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
auf
gelegten Berichte zeigten, dass kein eindeutiges Korrelat für die beklagten Be
schwerden vorliege, weshalb das Zustandsbild im Gutachten der
Y._
zutreffend als somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert
worden sei
und mit einer Minderung der Leistungsfähigkeit von 20 % einhergehe. Die Voraus
setzun
gen für eine
Rentenzusprache
seien folglich nicht erfüllt (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer argumentierte demgegenüber,
seine vo
n
17. Mai 2017 bis mindestens 30. Juni 2020 attestierte Arbeitsunfähigkeit aus orthopädischer Sicht sei von diversen Spezialisten festgestellt worden
, weshalb das diesbezügliche Gut
achten in Frage gestellt werde. Dass die orthopädischen Beschwerden keine Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben sollten, wirke befremdlich und un
glaubhaft
; in Abweichung vom orthopädischen Gutachten sei folglich von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit seit Mai 2017 bis frühestens Juni 2020 auszu
gehen
.
Zudem leide er
an psychischen Krankheiten und
sei
gemäss Bericht der
Z._
GmbH
seit Mai 2018 vollständig arbeits
un
fähig
, was auch der Gutachter bestätige.
Dem psychiatrischen Gutachten sei zu ent
neh
men, dass von einer aktuellen psychiatrischen Arbeitsunfähigkeit ausge
gangen
worden sei, weshalb aus psychiatrischer Sicht seit Mai 2018 bis 11. Septem
ber 2019
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit, ab 12. September 2019 von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Er er
fülle folglich die Voraus
setzungen von Art. 28 IVG, weshalb er Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Da er nachweislich an diversen Beschwerden ortho
pädischer und psychiatrischer Natur leide und seit 2017 nicht mehr arbeitstätig sei, über keine Berufsausbildung, wenig Arbeitserfahrung in der Schweiz sowie über mangelnde Deutschkenntnisse verfüge, erscheine ein leidensbedingter Ab
zug von 15 % als angemessen. Da
schliesslich das orthopädische Gutachten
in den Schlussfolgerungen nicht kon
gru
ent mit den Berichten der behandelnden Ärzte sei und folglich
nicht den bun
des
gerichtlichen Anforderungen entspreche, sei
eventualiter ein Obergutach
ten in Auftrag zu geben. Auf das psychiatrische Gutachten sei hingegen abzustützen (Urk. 1).
3.
3.1
3.1.1
Die
IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) im Wesent
lichen
auf das Gutachten der
Y._
vom 11. September 2019 (Urk. 13/7
1). Dr. med. univ. A._
, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappar
ates, und Dr. med. B._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5):
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.40)
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter die folgenden fest:
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, schädlicher Gebrauch (ICD-10: F11.1), iatrogen bedingt
-
Zustand nach pathologischem Spielen (ICD-10: F63.0)
-
Spondylolyse
L5 (Unterbrechung der knöchernen Verbindung im Bereich der Gelenkfortsätze) an der Lendenwirbelsäule (ICD-10: M43.06)
-
Röntgen September 2019: keine Instabilität, leichte bis punktuell mode
rate Degeneration
-
Aktuell September 2019: keine lokalen Beschwerden, keine
radikuläre
Ausstrahlung
-
MRI LWS August 2017 und CT August 2018: bilaterale
Spondylolyse
L5, leichte Bandscheibenvorwölbungen ohne neuronale Kompression
-
Leichte Abnützung der Zwischenwirbelgelenke an der Halswirbelsäule C4-Th1 (ICD-10: M47.83)
-
Röntgen September 2019: altersentsprechend unauffällig ohne An
zeichen für eine Instabilität
-
Aktuell September 2019: keine objektivierbaren funktionellen Ein
schränkungen oder Anzeichen einer lokalen Reizung, kein Hinweis auf eine
radikuläre
Symptomatik
-
MRI August 2017 und Dezember 2018: beginnende Abnutzung der Zwischenwirbelgelenke C4-Th1 mit einer leichten Bandscheibenvor
wölbung ohne Hinweis auf eine neuronale Kompression
-
Bandscheibenvorfall Th7/8 mit Kontakt zum Rückenmark und beginnende Abnützung des Wirbel-Rippengelenks Th7 (ICD-10: M51.3 und M47.84)
-
Röntgen September 2019: altersentsprechend unauffällig
-
Aktuell September 2019: kein Hinweis auf eine lokale Reizung, kein Hinweis auf eine
radikuläre
Symptomatik
-
MRI August 2017 und Dezember 2018:
Bandscheibenprotrusion
mit Kontakt zum Rückenmark Th7/8, ansonsten altersentsprechend un
auffällig
-
Zustand nach einer
arthroskopischen
Operation am Kniegelenk rechts vor ungefähr vier Jahren (anamnestisch mit Entfernung eines freien Gelenk
körpers; ICD-10: M23.4)
-
Aktuell September 2019: der Eingriff ist folgenlos abgeheilt und es bestehen keine lokalen Beschwerden oder Einschränkungen
3.1.2
In der
Konsensbeurteilung führten die Gutachter aus, aus psychiatrischer Sicht seien eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie eine akzentuierte Per
sönlichkeitsstruktur mit narzisstischen Zügen festgestellt worden. Aufgrund der Ausprägung der Symptomatik bestehe eine nachvollziehbare Einschränkung in allen Teilbereichen
des Lebens, weshalb auch die Leistungsfähigkeit in beruflicher Hinsicht leicht gemindert sei. Angesichts der drohenden
Chronifizierung
seien die empfohlenen Therapiemassnahmen möglichst rasch und umfassend umzusetzen, da ansonsten eine zunehmende Verschlechterung der Leistungsfähigkeit zu er
warten sei. Hinweise auf einen fortgesetzten Konsum von
Cannabinoiden
, Kokain oder Alkohol hätten sich nicht gezeigt und auch im Drogenscreening hätten sich keine Hinweise auf illegale Substanzen gefunden;
zudem
seien die Haarproben im April 2019, bis auf die verordnete Schmerzmedikation, negativ gewesen
(S. 5)
.
Aus orthopädischer/
traumatologischer
Sicht hätten sich in der klinischen Explo
ration altersentsprechend unauffällige Befunde ohne Hinweis auf objektivierbare funktionelle Einschränkungen oder Beschwerden gezeigt. Das angegebene Aus
mass der Schmerzen könne weder nachvollzogen noch bestätigt werden. Die Symptomatik werde somit in Zusammenhang mit der von psychiatrischer Seite festgestellten somatoformen Schmerzstörung gesehen. Die in der umfassenden Bildgebung nachgewiesenen leichten bis punktuell moderaten Abnützungen an der Wirbelsäule stünden aufgrund der fehlenden entsprechenden Klinik aus orthopädischer/
traumatologischer
Sicht nicht in Zusammenhang mit den be
klagten Beschwerden respektive den subjektiv empfundenen Einschränkungen. Es handle sich folglich um bildgebende Zufallsbefunde, weshalb derzeit keine Indikation für operative Eingriffe respektive
interventionelle
Massnahmen be
stehe. Aus orthopädischer/
traumatologischer
Sicht könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im zuletzt ausgeübten Beruf oder in einer angepassten Tätig
keit festgestellt werden
(S. 5)
.
3.1.3
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
attestierten
die Gutachter
dem Beschwerdeführer sowohl in der bisherigen Tätigkeit
als Coiffeur
als auch in einer angepassten Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit respektive eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit und führten aus, die generelle, leichte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei eine Folge der psychiatrischen Diagnosen (S. 7).
Ergänzend führten die Gutachter
im Rahmen der Rückfragen
am 25. Oktober 2019
(Urk. 13/79)
aus
, nach dem Unfall am 21. Mai 2017 habe für zwei Wochen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen
.
Anschliessend könne die von internistischer Seite her ausgestellte Arbeitsunfähigkeit aus orthopädischer/
trau
matologischer
Sicht nicht mehr nachvollzogen respektive bestätigt werden.
A
us psychiatrischer Sicht
sei
eine retrospektive Einschätzung angesichts der geringen fachspezifischen Aktenlage bloss eingeschränkt möglich, es sei jedoch
seit der erstmaligen fachpsychiatrischen Einschätzung im Vorgutachten des Krankentag
geldversicherers
vom 15. Mai 2018
(
vgl. Urk. 13/
19 S. 3-50
) bis 10. September 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
anzunehmen, zumal zwischenzeitlich keine weiteren psychiatrischen Einschätzungen stattgefunden hätten
.
Die ange
stammte Tätigkeit
als Coiffeur
entspreche dabei zugleich einer angepassten Tätig
keit.
3.
2
Nach Erstattung des Gutachtens
hielt
Dr. med. C._
, Facharzt für Neurochirurgie,
Neurochirurgie Klinik D._
,
im ambulanten Sprech
stundenbericht vom 20. Januar 2020 (Urk. 13/85)
zuhanden des
behandelnden
Arztes des Beschwerdeführers
folgende Diagnosen fest:
-
Chronifiziertes
cerviko-thorakovertebrales
sowie beidseitiges
cerviko
spondylogenes
und
cervikocephales
Schmerzsyndrom nach Kontusion vom 21. Mai 2017
-
Leichtes Schädel-Hirn-Trauma mit RQW Kinn rechts,
Monokel
hämatom
, Schulter- und Hüftschmerzen
-
Mischintoxikation mit Alkohol, THC und Kokain
-
PET/MR März 2019: gering aktivierte
Costotransversalarthrose
Th7 beidseits, kleine links paramediane bis
rezessale
Diskushernie Th7/8 mit
Myelonkontakt
, erhöhter Knochenumbau im
osteochondralen
Übergang erste Rippe beidseits, kein pathologischer Knochenumbau
-
MRI HWS und BWS Dezember 2018: fortgeschrittene Facettengelenks
arthrose
cervical
betont HWS 6/7 beidseits,
Diskusprotrusion
BWK 7/8 mit Kompression des linksseitigen
Myelons
-
Neurologische Untersuchung Februar 2019: klinisch und elektrophysio
logisch keine Hinweise auf eine Myelopathie
Dr.
C._
führte aus, es best
eh
e weiterhin ein erheblicher,
chronifizierter
Schmerzzustand insbesondere im Bereich der oberen HWS
kraniocervi
c
al
, aber auch bei tiefer Palpation am Hals rechts. Es würden täglich mehrere Analgetika, Antidepressiva und zusätzlich Schlafmedikation eingenommen bei möglicher
weise psychosomatischer Belastungssituation. Zusätzliche Therapien würden der
zeit keine durchgeführt, auch keine Psychotherapie. Aus neurochirurgischer Sicht liege derzeit keine Indikation für ein operatives Vorgehen vor.
Ergänzend hielt Dr.
C._
im Sprechstundenbericht vom 28. Februar 2020 (Urk. 13/103) fest, im interdisziplinären Konsens werde kein eindeutiges Korrelat
für die Beschwerdesymptomatik des Beschwerdeführers gesehen. Eine Option w
äre
eine rheumatologische
Bestandesaufnahme
und gegebenenfalls eine sta
tio
näre rheumatologische Rehabilitationstherapie mit psychosomatischer Beglei
tung. We
i
tere neurochirurgische Verlaufskontrollen seien nicht vorgesehen.
4.
4.1
Strittig und zu prüfen
ist
, ob
die
IV-Stelle zu Recht
von einer 80%igen Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers in angestammter wie ange
passter Tätigkeit aus
ging und einen Leistungsanspruch verneinte.
4.2
Das
bidisziplinäre
Gutachten vom September 2019 (vgl. E. 3.1) beruht auf all
seitigen Unter
suchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben, beant
wortet sämtliche
Fra
gen,
insbesondere auch die Rückfragen vom Oktober 2019,
erscheint in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge als einleuchtend und begründet die Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer Weise.
Folglich erfüllt es die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise (vgl. E. 1.
3
),
weshalb grund
sätzlich darauf abzustellen ist.
Daran vermögen weder die Sprechstundenberichte von Dr.
C._
(vgl. E. 3.2) noch das ärztliche Zeugnis von Dr.
E._
(vgl.
Urk. 13/108
) etwas zu ändern
, zumal die Gutachter in Kenntnis der von Dr.
C._
und Dr.
E._
aufgeführten Diagnosen (vgl. Urk. 13/71 S. 11) und nach ausführlicher
eigener
Befunder
he
bung (Urk. 13/71 S. 14-18) festhielten, im Rahmen der klinischen Exploration hätten sich altersentsprechend unauffällige Befunde ohne Hinweise auf objekti
vierbare funktionelle Einschränkungen gezeigt, weshalb das angegebene Aus
mass der Schmerzen weder nachvollzogen noch bestätigt werden könne
und
die Symptomatik folglich in Zusammenhang mit der von psychiatrischer Seite fest
gestellten somatoformen Schmerzstörung gesehen werde
(vgl. E. 3.1.2)
. Die Gut
achter attestierten aus orthopädisch
er
/
traumatologischer
Sicht dement
sprechend eine
vollständige
Arbeitsfähigkeit
, wovon auch die Gutachter de
s vom Kranken
taggeldversicherer
veranlassten Gutachten
s
ausg
e
g
ang
en
waren
, zumal diese im Mai 2018 eine
bloss
sechswöchige Arbeitsunfähigkeit
im Anschluss an den Unfall
vom 21. Mai 2017
attestiert
,
ab Juli 2017
jedoch
eine
vollständige Arbeits
fähig
keit
in angestammter wie angepasster Tätigkeit
fest
geha
lten
hatten
(vgl. Urk. 13/19
S. 46 f.
).
Dr.
C._
äusserte sich demgegenüber
zwar
nicht zur Arbeits
fähig
keit, hielt jedoch fest, dass zur Beschwerdesymptomatik
im inter
disziplinären Konsens
k
ein eindeutiges Korrelat
bestehe
, wodurch er die Ausfüh
rungen der Gutachter
der
Y._
nachgerade
bestätigt
e.
Entsprechend vermögen die vorstehend erwähnten Berichte das Gutachten aus somatischer Sicht nicht in Zweifel zu ziehen
, was umso mehr gilt, als die von Dr.
E._
vor
gebrachte reak
tive Depression infolge des unterbrochenen Schlafes fachfremd diagnostiziert wurde
.
Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang vorbringt, das ortho
pä
dische Gutachten sei nicht beweiskräftig, da die Schlussfolgerungen der Gut
ach
ter nicht kongruent mit den anderen Arztberichten seien (vgl. Urk. 1 S. 5 f.),
ver
mag er
mithin
nicht durchzudringen und
ist
überdies
auf die
Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass
behandelnde Ärzte
mitunter im Hinblick auf ihre auf
t
rags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5
;
125 V 351 E.
3b/cc).
4.3
4.3.1
Was den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers anbelangt, so anerkennt dieser, ab September 2019 zwar über eine Arbeitsfähigkeit in Höhe von 80 % zu verfügen, er beanstandet indessen, dass die Beschwerdegegnerin von der Einschätzung der Gutachter, wonach von Mai 2018 bis September 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe, abgewichen ist (
Urk.
1 S. 6).
4.3.2
Handelt es sich um psychische Erkrankungen wie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden oder um eine depressive Störung, so sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit grund
sätzlich systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren wie auch von Kompensa
tionspotentialen (Ressourcen) – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungs
vermögen einzuschätzen (BGE 145 V 361 E. 3.1).
Aus Gründen der Verhältnis
mässigkeit kann
indes
dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist
(BGE 143 V 409 E. 4.5.3; BGE 143 V 418 E.
7.1
)
.
4.3.3
Vorliegend
äusserten sich die Gutachter nachvollziehbar zu den von der Recht
sprechung definierten Standardindikatoren
, stellten
die Diagnose
n
eine
r
somato
forme
n
Schmerzstörung und akzentuierte
r
Persönlichkeitszüge,
bezogen bei ihrer Einschätzung
sowohl die per
sönlichen, familiären als auch sozialen Aktivitäten mit
ein (Urk.
13
/
71 S. 24 f.
)
und
äusserten sich
hinsichtlich der therapeutischen Bemühungen (
Urk.
13
/
71 S. 25
) sowie zur Konsistenz (
Urk.
13
/
71 S. 2
6
),
weshalb
ihre Arbeitsunfähigkeitseinschätzung auch unter Beachtung der massgebenden Indikatoren hinreichend nachvollziehbar begründet ist. Mithin ist auf die von den
Gutachtern
attestierte Arbeitsunfähigkeit
von 20 %
abzustellen
.
Dies ist – wie vorstehend dargelegt (E. 4.3.1) – nicht
weiter
strittig.
4.3.
4
Nicht überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen ist demgegenüber die von den Gutachtern
rückwirkend
attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit des Be
schwer
deführers aus psychiatrischer Sicht im Zeitraum
von 15. Mai 2018 bis 10. Septem
ber 201
9.
In diesem Zusammenhang
hielten die Gutachter im Rahmen der Be
antwortung der Rückfragen ausdrücklich fest, die rückwirkende Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei angesichts der geringen fachspezi
fischen Aktenlage bloss eingeschränkt möglich (
vgl. E. 3.1.3
)
.
Dies vermag dem
Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit offenkundig nicht zu genü
ge
n. Hinzu kommt, dass
weder Behandlungsresistenz noch ein erheblicher Leidens
druck ausgewiesen
sind
(
Urk. 13/71 S. 25 und S. 27
; Urk. 13/19 S. 19
)
.
Sodann
ging die psychiatrische Gut
achterin
im Gutachten vom Mai 2018 aufgrund der Mini-ICF-App
zuvor
von einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit
aus
,
sie
erhob
indes bloss wenig ausgeprägte objek
tivierbare Befunde (Urk. 13/19 S. 20-26)
.
Da
rüber hinaus
traten
im Rahmen der Begutachtung
zahlreiche Diskrepanzen
zu
Tage, während die psychiatrische Gut
achterin insbesondere von einem weitge
hend
intakten psychosozialen Funktions
niveau bei der Alltagsbewältigung berichtete (Urk. 13/19 S. 31).
Die von ihr mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt
e
Diagnose der Suchterkrankung (
Cannabinoide
;
Urk. 13/19 S. 31
)
liess sich
im Rahmen der Begutachtung durch die
Y._
mangels
Kon
sum
s
nicht be
stätigen
(Urk. 13/71 S. 28; vgl. auch Urk. 13/55, wonach bereits im Zeitraum vor der Begutachtung, zwischen September 2018 und Februar 2019, keine Anhalts
punkte mehr für
einen
gewohnheitsmässigen Cannabis-Kon
sum vorlagen)
, was darauf schliessen lässt, dass der Beschwerdeführer
den Kon
sum
ohne Weiteres zu beenden verm
ochte
. Angesichts der Aktenlage
sowie auch im Hinblick auf den be
weisrechtlich entscheidenden verhaltensbezogenen Aspekt der Konsistenz (BGE
141 V 281 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15.
März
2018 E.
7.4)
lässt sich
die von den Gutachtern der
Y._
rückwirkend be
scheinigte vollständige Arbeitsunfähigkeit des Be
schwerdeführers
nicht
aufrecht erhalten
.
4
.
4
Da die vorhandenen medizinischen Akten eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
erlauben, sind von
medizinischen
Weite
rungen
keine
entscheidrelevanten
neuen
Erkenntnisse
zu erwarten.
Die
vom Be
schwerdeführer
eventualiter beantragte
Einholung eines
bidisziplinären
Ober
gut
achtens
(Urk. 1 S. 2, S. 7)
ist
deshalb nicht erforderlich (antizipierte Bewe
is
würdigung, BGE
136 I 229 E.
5.3 mit Hinweisen
).
4
.
5
Zusammenfassend
ist
–
mit der IV-Stelle
–
von einer
seit
Anfang
Juni 2017 be
stehenden
,
ununterbrochenen
80%igen Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers in angestammter wie angepasster Tätigkeit
auszugehen
(vgl. E.
2.1
)
.
5
.
5
.1
Es bleibt zu prüfen, wie sich diese Arbeitsfähigkeit in erwerblicher Hinsicht aus
wirkt.
5
.2
Bei erwerbs
tätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausge
glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbs
einkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
über
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2; 128 V 29 E. 1).
5
.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom
mensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1;
134 V 322 E. 4.1).
Ob der Beschwerdeführer bei guter Gesundheit unverändert beim bisherigen Arbeit
geber tätig wäre und das im IK-Auszug dokumentierte Einkommen erzielte, lässt sich gestützt auf die vorliegende Aktenlage nicht abschliessend feststellen;
ein Arbeitgeberbericht ist denn auch nicht aktenkundig (vgl. dazu etwa Urk. 13/19
S.
16, wonach seine Vorgesetzte ihn entlassen und ihm gesagt haben soll, er verdiene zu viel). Ungeachtet dessen lässt sich ein Rentenanspruch nicht be
grün
den, auch wenn für das
Valideneinkommen
auf den im letzten Beschäftigungsjahr erzielten Lohn abgestellt wird.
Dem Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-
Auszug) vom 11. Juni 2018 (Urk. 13/22) ist zu entnehmen, dass der Beschwer
deführer im Jahr 2016 einen effektiven Jahreslohn von Fr. 80'634.
--
erzielte
(vgl. auch
Urk.
13/3
S.
11)
.
Angepasst an die Nominallohn
entwicklung bis ins mass
geb
liche Jahr 2018 (0.4 % im Jahr 2017 und 0.
6
% im Jahr 2018
,
vgl. Nominal
lohn
in
dex, Männer, Tabelle, T1.1.10, G-S
) resultiert ein
Valideneinkommen
von Fr.
81'
442
.
--
.
5
.4
Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, können zur Ermittlung des Invalideneinkommens die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhe
bun
gen (LSE) herangezogen werden. Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungs
zeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 2.2 f.).
Der Beschwerdeführer ging im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns
im Mai 2018
(
aktenkundige Arbeitsunfähigkeit seit 21. Mai 2017 [Urk. 13/2], frühes
ter Rentenbeginn nach Ablauf des Wartejahres
im
Mai 2018
[Art. 29 Abs. 1 IVG]
)
keiner Erwerbstätigkeit nach, weshalb das Invalideneinkommen gestützt auf die Tabelle
nlöhne der LSE zu berechnen ist
.
A
ngesichts der bisherigen
mehrjährigen erfolgreichen
Tätigkeit des Beschwerdeführers als Coiffeur
(vgl. Urk. 13
/2 S.
5-
6
, vgl. auch Urk. 13/71 S. 12
)
und regelmässigen Weiterbildungen (vgl.
Urk.
13/19 S. 16) rechtfertigt es sich,
auf
die Tabelle LSE 2018, TA1, Kompetenzniveau
2
,
Sektor 3, Dienstleistungen,
Männer,
abzustellen
.
Unter Berücksichtigung der betriebs
üblichen Arbeitszeit im Jahr 2018 (vgl.
Bundesamt für Statistik
[BFS]
, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen
in Stunden pro Woche, Total, 2018
) ergibt sich
für das Jahr 2018 ein
Invalidene
inkommen von Fr.
52
'
762
.
--
(Fr. 5'
272.-- x
12 :
40 x 41.7 x 0.8)
.
5
.5
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst
jahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir
kun
gen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mög
licherweise nur mit unterdurch
schnitt
lichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzel
fall nach pflichtgemässem Ermessen gesamt
haft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc).
Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invaliden
einkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungs
fähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidens
bedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bun
des
gerichts 8C_805/
2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
Vorliegend rechtfertigt sich kein leidensbedingter Abzug, zumal die
Gutachter der
Y._
der generellen, bloss leichten
gesundheitlichen Einschränkung des
Beschwerdeführers bereits im Rahmen der ihm aus medizinischer
(psychia
tri
sch
er)
Sicht
zumutbaren
Arbeitsfähigkeit
hinreichend
Rechnung trugen
(vgl. E.
3.1.3
)
. Überdies sind
angeblich
mangelnde
Sprachkenntnisse
nicht
abzugsrelevant, zu
mal
der Beschwerdeführer im angestammten Beruf arbeitsfähig ist.
Ebenso wenig rechtfertigt sich schliesslich ein Abzug unter dem Aspekt der Teil
zeittätigkeit, erzielen Männern im Rahmen einer Beschäftigung im Umfang von 75 bis 89
%
gar mehr Einkommen als Männer mit einer Vollzeitbeschäftigung (
vgl. BFS, Tabelle T18 Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Beschäfti
gungs
grad, beruflicher Stellung und Geschlecht, Männer ohne Kaderfunktion, Voll
zeit [90
%
oder mehr]:
Fr.
6'144
.--, Teilzeit [75-89
%
]:
Fr.
6'476.--).
5
.6
Aus der Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen (
Valideneinkommen
Fr. 81'
442
.
--
, Invalideneinkommen
Fr. 52'762
.
--
) resultiert eine Erwerbsein
busse von Fr.
2
8
'
680
.
--
, was einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von gerun
det
35
% entspricht (vgl. E. 1.2).
6
.
Nach dem Gesagten hat die IV-Stelle
den Leistungsanspruch des Beschwerde
führers mit der angefochtenen Verfügung vom 1
8
. Juni 2020 (Urk. 2) zu Recht verneint.
Die Beschwerde erweist sich folglich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
7
.
7
.1
Der Beschwerdeführer beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege unter Bestellung von
Advokat
Ferhat Kizilkaya als unentgeltlichen Rechts
beistand (Urk. 1 S. 2).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Ver
beiständung
not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46
;
100 V 61
;
98 V 115).
Die Bedürftigkeit de
s
Beschwerdeführer
s
ist ausgewiesen (Urk.
7
,
8
); da auch die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind, ist de
m
Beschwerdeführer die unentgelt
liche Prozessführung zu bewilligen und die unentgeltliche Rechtsvertretung in der Person von
Advokat
Ferhat Kizilkaya
zu gewähren.
7
.2
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und
ausgangsgemäss de
m
Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der un
entgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men
.
7
.3
De
m
unentgeltlichen Rechtsvertreter de
s
Beschwerdeführer
s
,
Advokat
Ferhat Kizilkaya
, steht eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu.
Mit Eingabe vom 12. November 2020 reichte
Advokat
Ferhat Kizilkaya seine Honorarnote zu
den Akten (
Urk. 15 f.
). Er machte einen Aufwand von 10.60 Stunden à Fr. 220.--
und
Barauslagen von Fr. 19.60
zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7 %
geltend,
insge
samt einen Betrag von Fr. 2'532.65,
was
sich
angesichts des Umfanges der Be
schwerdeschrift sowie des Umstandes, dass er den Beschwerdeführer bereits im Verwaltungsverfahren
vertreten hatte
(Urk. 13/109
-111
),
ihm mithin die Verfah
rensakten
im Zeitpunkt der
Beschwerdeerhebung
bereits bekannt waren
(vgl. auch Urk. 13/113)
, als
überhöht erweist
. Angemessen erscheint demgegenüber ein Aufwand von
8
Stunden, weshalb
Advokat
Ferhat Kizilkaya im Umfang von
Fr. 2'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichts
kasse zu entschädigen
ist
.
7
.4
Der Beschwerdeführer wird auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hingewiesen, wonach er zur Nachzahlung der ihm erlassenen Gerichtskosten und der Kosten seiner Rechtsvertretung verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.