Decision ID: ef487c06-25d4-47ae-bd02-ad4953d2d5b8
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juli 2004 zum Bezug einer Rente der Invalidenversicherung
an (IV-act. 1). Im August 2004 berichtete Dr. med. B._ von der Klinik für
orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 7), die Versicherte leide
an einem Status nach einer Discushernienoperation mit einer mikroskopischen
Sequesterektomie L4/5 rechts bei einer grossen rechtsparamedianen Discushernie
L4/5 mit einer Kompression der Wurzel L5 rechts, an mehrsegmentalen
Spinalkanalstenosen und an einer linksbetonten Beinschwäche. Als Putzfrau sei sie
vollständig arbeitsunfähig. Prognostisch sollten ihr aber leichte Tätigkeiten in Zukunft
wieder in einem Pensum von etwa 30 Prozent zumutbar sein. Bereits im Juli 2004 hatte
die Klinik Valens über einen stationären Aufenthalt im Zeitraum vom 14. Juni bis zum 3.
Juli 2004 berichtet (IV-act. 18–5 ff.). Die Ärzte hatten ausgeführt, die Versicherte leide
an einem lumbospondylogenen Syndrom. Vorerst sei von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Nach der Ausheilung der Erkrankung sei aber ein
zeitlich gestaffelter Wiedereinstieg unter der Voraussetzung von ergonomischen
Instruktionen und einer maximalen Gewichtsbelastung von zehn Kilogramm denkbar.
Im Juli 2005 berichtete die Klinik Valens (IV-act. 24), der Gesundheitszustand der
Versicherten sei mehr oder weniger stationär. Eine körperlich leichte und
wechselbelastende Tätigkeit dürfte ihr in einem Pensum von 50 Prozent zumutbar sein.
Mit einer Verfügung vom 1. November 2005 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit
Wirkung ab dem 1. Dezember 2004 eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 50
Prozent zu (IV-act. 34). Die Versicherte liess dagegen eine Einsprache erheben (IV-act.
35), zog diese dann aber wieder zurück (IV-act. 41).
A.b Im August 2008 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, einen Fragebogen zur
Überprüfung des Rentenanspruchs auszufüllen (IV-act. 47). Diese gab an, ihr
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Gesundheitszustand habe sich im Januar 2007 verschlechtert. Im Jahr 2008 sei sie nun
schon zweimal am Rücken operiert worden. Laut einem Bericht der Klinik für
orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen vom 27. August 2008 (IV-act.
50–5 f.) waren am 2. April 2008 eine ventrale Dekompression C5/6 und C6/7 mit einer
ventralen Spondylodese C5–7 und am 5. Juni 2008 eine dorsale Spondylodese L3–S1
mit einer Laminektomie L3 und L4 und einer Hemilaminektomie L5 links durchgeführt
worden. Das Ergebnis wurde als soweit erfreulich bezeichnet. Für den Fall einer
allfälligen Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit (drei Monate postoperativ) wurde auf
die Notwendigkeit häufiger Lagewechsel und auf eine Einschränkung der körperlichen
Leistungsfähigkeit für das Heben von Lasten über zehn Kilogramm hingewiesen.
Abschliessend wurde erwähnt, dass eine klinische und radiologische Kontrolle für den
Monat Juni 2009 vorgesehen sei. Der Hausarzt med. pract. C._ berichtete im
September 2008, die Versicherte sei infolge der Operation vorerst vollständig
arbeitsunfähig (IV-act. 50–1 ff.). Im Dezember 2009 berichtete die Klinik für
orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 68), 18 Monate nach der
Operation sei eine Verbesserung des Zustandes im Vergleich zu jenem vor der
Operation zu beobachten. Die Versicherte sei mit dem operativen Ergebnis allerdings
nicht zufrieden. Aktuell seien angesichts der schönen Implantatlage und der deutlichen
postoperativen Verbesserung keine weiteren Interventionen geplant. Für eine
leidensadaptierte Tätigkeit könne der Versicherten eine Arbeitsfähigkeit von etwa 30
Prozent attestiert werden. Am 14. Januar 2010 führte PD Dr. med. D._ von der Klinik
für orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen auf eine entsprechende
Nachfrage der IV-Stelle hin ergänzend aus (IV-act. 71), bei der objektivierbaren
Untersuchung habe keine wesentliche Einschränkung mehr festgestellt werden können.
Die angegebene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit finde ihre Begründung in der
subjektiven Schmerzhaftigkeit der Versicherten. Ein Arzt des IV-internen regionalen
Dienstes (RAD) notierte im Januar 2010, es sei von einer vorübergehenden
Verschlechterung im Zusammenhang mit den Operationen auszugehen (IV-act. 72). Am
22. Januar 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass weiterhin ein
unveränderter Anspruch auf eine halbe Rente bestehe (IV-act. 74).
A.c Im September 2012 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 86). Die IV-Stelle antwortete ihr (IV-
act. 87), dass sie das Gesuch als Revisionsgesuch behandeln werde. Die Versicherte
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müsse aber eine relevante Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes glaubhaft
machen. Andernfalls werde nicht auf das Gesuch eingetreten. Am 3. Oktober 2012
berichtete der Hausarzt C._ (IV-act. 90), er könne aus seiner Sicht bestätigen, dass
sich der Gesundheitszustand der Versicherten in den letzten Monaten doch deutlich
verschlechtert habe. Wiederholt sei es zu depressiven Situationen gekommen.
Zusätzlich seien vermehrt kardiale Probleme aufgetreten. Am 8. Oktober 2012
berichtete der Psychiater Dr. med. E._ (IV-act. 92), die Versicherte leide an einer
mittelgradigen bis schweren depressiven Episode sowie an einer
Persönlichkeitsveränderung bei einem chronischen Schmerzsyndrom. Am 4. Dezember
2012 notierte die RAD-Ärztin Dr. med. F._, eine relevante Veränderung des
Gesundheitszustandes sei glaubhaft (IV-act. 95). Am 8. März 2013 berichtete Dr. E._
(IV-act. 99), aus psychiatrischer Sicht erscheine eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft
als ungeeignet. Längerfristig liege eine Arbeitsunfähigkeit von etwa 60–70 Prozent vor.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Bern am
25. November 2013 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 108). Die Sachverständigen
hielten fest, die Versicherte leide an einer Belastungsdyspnoe, an einem chronischen
cervico-spondylogenen und lumbalen Schmerzsyndrom, an einer muskulären
Dysbalance sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einer chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, an einer
Hypercholesterinämie, an einer Hypertriglyceridämie, an einem
Spannungskopfschmerz, an Schulterschmerzen rechts, an Knick-/Senkfüssen
beidseits und an einer Adipositas. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Zimmermädchen
und Putzfrau sei ihr im Umfang von 80 Prozent zumutbar. Eine ideal adaptierte
Tätigkeit sei uneingeschränkt zumutbar. Der Gesundheitszustand der Versicherten
entspreche jenem, der im Untersuchungsbericht der Klinik Valens vom Dezember 2004
beschrieben worden sei. Retrospektiv könne eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent für
leidensadaptierte Tätigkeiten aber für die Jahre 2004–2009 als überwiegend
wahrscheinlich richtig qualifiziert werden. Spätestens seit der Verlaufskontrolle im
Kantonsspital St. Gallen im Juni 2009 gelte aber die aktuelle Arbeits-
fähigkeitsschätzung. Die RAD-Ärztin Dr. F._ erachtete das Gutachten als
überzeugend (IV-act. 109). Mit einer Verfügung vom 14. April 2014 hob die IV-Stelle die
laufende Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf
(IV-act. 124). Zur Begründung führte sie aus, gestützt auf das Gutachten der MEDAS
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Bern sei eine relevante Verbesserung der Arbeitsfähigkeit nach dem Abschluss der
Rehabilitation im Jahr 2009 anzunehmen. Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 80
Prozent in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit resultiere ein nicht mehr
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 16 Prozent.
A.d Mit einem Entscheid vom 15. Februar 2017 (IV 2014/256) hob das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Verfügung vom 14. April 2014 auf. Es
führte aus, beim mit der Mitteilung vom 22. Januar 2010 abgeschlossenen
Verwaltungsverfahren habe es sich entgegen der Auffassung der IV-Stelle nicht um ein
Revisionsverfahren „ohne eine umfassende materielle Würdigung“, sondern um ein
„echtes“ Revisionsverfahren gehandelt. Die IV-Stelle habe nämlich nicht nur nach
allfälligen Revisionsgründen geforscht, sondern umfassende Sachverhaltsabklärungen
getätigt, nachdem sie von einer erheblichen Sachverhaltsveränderung (den
Operationen im Jahr 2008) erfahren habe. Für die Beantwortung der Frage nach einer
weiteren wesentlichen Sachverhaltsveränderung müsse folglich der aktuelle
Sachverhalt mit jenem verglichen werden, der der Mitteilung vom 22. Januar 2010
zugrunde gelegt worden sei. Das Gutachten der MEDAS Bern belege mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, dass sich der
Sachverhalt im Zeitraum vom 22. Januar 2010 bis zum 14. April 2014 nicht wesentlich
verändert habe. Die Rente hätte folglich nicht revisionsweise aufgehoben werden
dürfen, weshalb die Verfügung vom 14. April 2014 als rechtswidrig aufzuheben sei. Die
Versicherte habe weiterhin einen unveränderten Rentenanspruch.
A.e Diesen Entscheid hob das Bundesgericht mit einem Urteil vom 6. Juli 2017 auf
(8C_185/2017). Es hielt fest, die IV-Stelle habe in jenem Revisionsverfahren, das sie im
Jahr 2008 eröffnet und mit der Mitteilung vom 22. Januar 2010 abgeschlossen habe,
den Untersuchungsgrundsatz verletzt, da sie auf die nur auf die subjektive
Schmerzschilderung der Versicherten abstellende orthopädische Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit und auf eine nicht nachvollziehbare Stellungnahme eines RAD-Arztes
abgestellt habe, statt weitere Abklärungen zu tätigen. Die Mitteilung vom 22. Januar
2010 sei folglich zweifellos unrichtig, weshalb darauf nicht „im Sinne einer
revisionsrechtlich massgeblichen Referenzgrösse“ abgestellt werden könne. Die Sache
sei an das kantonale Versicherungsgericht zurückzuweisen. Dieses habe die Frage
nach einer wesentlichen Sachverhaltsveränderung durch einen Vergleich des
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Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache bestanden
habe, mit demjenigen zur Zeit der Verfügung vom 14. April 2014 zu beantworten.

Erwägungen
1.
Laut der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. statt vieler das Urteil 9C_703/2009
vom 30. Oktober 2009, E. 2.2 f., mit Hinweisen) ist nur das Dispositiv, nicht aber die
Begründung eines Entscheides anfechtbar. Nur wenn das Dispositiv eines
Rückweisungsentscheides ausdrücklich auf die Erwägungen verweist, werden diese
zum Bestandteil des anfechtbaren Entscheides und damit für die Vorinstanz
verbindlich. Wenn im Dispositiv eines Rückweisungsentscheides dagegen nicht explizit
auf die Erwägungen verwiesen wird, ist die Vorinstanz nicht an jene gebunden. Das
Dispositiv des Urteils des Bundesgerichtes 8C_185/2017 vom 6. Juli 2017 lautet
(auszugsweise): „Der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
15. Februar 2017 wird aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen,
damit sie über die Beschwerde neu entscheide“. Das Dispositiv enthält keinen
expliziten Verweis auf die Erwägungen. Das Versicherungsgericht ist folglich gemäss
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht an die Erwägungen des
Bundesgerichtes, sondern nur an die Anweisung, einen neuen Beschwerdeentscheid
zu erlassen, gebunden. Im Lichte der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung
wäre es folglich zulässig, einen zum Entscheid IV 2014/256 vom 15. Februar 2017
identischen Beschwerdeentscheid zu erlassen. Die Beschwerdegegnerin würde diesen
aber wohl erneut anfechten und das Bundesgericht müsste dann ein weiteres Urteil
erlassen, das mit jenem vom 6. Juli 2017 identisch wäre, aber im Dispositiv die
Wendung „im Sinne der Erwägungen“ enthielte. Die Provozierung eines solchen
unnötigen Beschwerdeverfahrens vor dem Bundesgericht mit der Begründung, im
Dispositiv des Urteils 8C_185/2017 vom 6. Juli 2017 fehlten vier Worte, wäre
augenscheinlich überspitzt formalistisch. Die vorliegende Sachverhaltskonstellation
zeigt also auf, dass es entgegen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung keine
entscheidende Rolle spielen kann, ob im Dispositiv eines Entscheides explizit auf die
Erwägungen verwiesen wird. Das Dispositiv eines Gerichtsentscheides ist vielmehr
genauso auslegungsbedürftig wie jenes einer Verfügung der Verwaltung. Für die
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Auslegung muss – ob mit oder ohne ausdrücklichen Verweis im Dispositiv – die
Begründung herangezogen werden, denn dieser lassen sich in aller Regel die
Überlegungen und Motive entnehmen, von denen sich das Gericht bei seiner
Entscheidfindung hat leiten lassen. Die Begründung eines Entscheides ist mit anderen
Worten die primäre Quelle, auf die bei der Auslegung eines Dispositivs zurückgegriffen
werden muss. Der Begründung des Urteils des Bundesgerichtes 8C_185/2017 vom 6.
Juli 2017 lässt sich eindeutig entnehmen, dass das Versicherungsgericht vorliegend
den Sachverhalt im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung vom 14.
April 2014 mit jenem im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache zu vergleichen
hat (E. 5.4). Auch wenn das Dispositiv des Bundesgerichtsurteils keinen ausdrücklichen
Verweis auf die Erwägungen enthält, zwingt die sorgfältige Interpretation des
Urteilsdispositivs das Versicherungsgericht dazu, sich an diese Anweisung zu halten.
2.
Gemäss dem von der RAD-Ärztin Dr. F._ und vom Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen (vgl. den Entscheid IV 2014/256, E. 2) als überzeugend qualifizierten
Gutachten der MEDAS Bern vom 25. November 2013 ist die Beschwerdeführerin trotz
der Belastungsdyspnoe, dem chronischen cervico-spondylogenen und lumbalen
Schmerzsyndrom, der muskulären Dysbalance, der chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren, der Hypercholesterinämie, der
Hypertriglyceridämie, dem Spannungskopfschmerz, den Schulterschmerzen rechts,
den Knick-/Senkfüssen und der Adipositas spätestens seit Juni 2009 in der Lage
gewesen, eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit uneingeschränkt auszuüben. Zum
Verlauf der Arbeitsfähigkeit in den Jahren 2004–2009 enthält das Gutachten der
MEDAS Bern widersprüchliche Angaben: Einerseits haben die Sachverständigen
festgehalten, dass der von ihnen erhobene Gesundheitszustand jenem gemäss dem
Untersuchungsbericht der Klinik Valens vom Dezember 2004 entspreche; andererseits
haben sie das Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent für leidensadaptierte
Tätigkeiten als „überwiegend wahrscheinlich richtig“ qualifiziert, obwohl sie selbst
keine Arbeitsunfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten mehr attestiert haben. Dem
Gutachten der MEDAS Bern lässt sich also nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entnehmen, ob die Beschwerdeführerin im
Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache im November 2005 für ideal
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leidensadaptierte Tätigkeiten zu 50 Prozent arbeitsunfähig oder uneingeschränkt
arbeitsfähig gewesen ist. Auch die Berichte aus den Jahren 2004 und 2005 erlauben
die Beantwortung dieser Frage nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Von weiteren Abklärungen im heutigen Zeitpunkt –
mehr als zwölf Jahre später – sind in antizipierender Beweiswürdigung keine
wesentlichen neuen Erkenntnisse zu dieser Frage zu erwarten. Diesbezüglich liegt also
eine objektive Beweislosigkeit vor. Diese verunmöglicht an sich den Nachweis einer
erheblichen Sachverhaltsveränderung nach der Rentenzusprache und damit eine
revisionsweise Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung gestützt auf den Art. 17
Abs. 1 ATSG. Eine entsprechende „Revisionsresistenz“ der ursprünglichen
rentenzusprechenden Verfügung liefe aber dem Sinn und Zweck des Art. 17 Abs. 1
ATSG zuwider. Deshalb muss es bei einer objektiven Beweislosigkeit bezüglich des
Sachverhaltes im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache zulässig sein, statt
auf den damals effektiv bestehenden Sachverhalt auf jene Sachverhaltsannahme
abzustellen, die der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung zugrunde gelegt
worden ist (vgl. dazu den Entscheid IV 2015/37 vom 30. August 2017, E. 2). Vorliegend
ist also entscheidend, dass die Beschwerdegegnerin ihrer ursprünglichen
rentenzusprechenden Verfügung auf die Angabe der Klinik Valens vom Juli 2005
abgestellt hat, wonach die Beschwerdeführerin damals bis auf weiteres zu 50 Prozent
arbeitsunfähig gewesen sei. Diese Sachverhaltsannahme hat sich massgebend von
jenem medizinischen Sachverhalt unterschieden, den die Sachverständigen der
MEDAS Bern im November 2013 geschildert haben. Die Voraussetzungen für eine
revisionsweise Rentenanpassung gestützt auf den Art. 17 Abs. 1 ATSG sind folglich
erfüllt.
3.
Bei der ursprünglichen Rentenzusprache hat die Beschwerdegegnerin einen
statistischen Durchschnittslohn „unter Berücksichtigung des Minderverdienstes“ als
Valideneinkommen herangezogen (vgl. IV-act. 25–1). Dieser hat sich im Jahr 2005 auf
37'242 Franken belaufen (vgl. IV-act. 25–2). Da sich der für die Festsetzung des
Valideneinkommens massgebende Sachverhalt seit der Rentenzusprache nicht
verändert hat, muss das bei der ursprünglichen Rentenzusprache berücksichtigte
Valideneinkommen weiterhin massgebend bleiben. Allerdings ist die zwischenzeitliche
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Nominallohnentwicklung zu berücksichtigen. Der Indexstand (Basis 1993, Frauen) hat
im Jahr 2005 117,9 und im Jahr 2014 132,1 Punkte betragen. Das im Zeitpunkt der
Eröffnung der angefochtenen Verfügung massgebende Valideneinkommen hat also
41'727 Franken betragen. Für die Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens hat die Beschwerdegegnerin bei der ursprünglichen
Rentenzusprache den Betrag des Valideneinkommens als Ausgangswert für das
Invalideneinkommen berücksichtigt. Sie hat keinen Abzug vom Tabellenlohn
vorgenommen. Angesichts der Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent hat sich ein
Invalideneinkommen ergeben, das genau halb so hoch wie das Valideneinkommen
gewesen ist (vgl. IV-act. 25). Da sich auch bezüglich des Ausgangswertes des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens seit der Rentenzusprache nichts
geändert hat, ist auch im vorliegenden Verfahren von einem Betrag von 41'727 Franken
auszugehen. Angesichts der uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte
Tätigkeiten rechtfertigt sich kein Abzug vom Tabellenlohn. Das zumutbarerweise
erzielbare Invalideneinkommen entspricht folglich dem Valideneinkommen. Der
Invaliditätsgrad beträgt (neu) null Prozent. Damit besteht kein Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung mehr. Die angefochtene
Verfügung erweist sich deshalb im Ergebnis als rechtmässig.
4.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs.
1bis IVG). Der Verfahrensaufwand ist als überdurchschnittlich hoch zu qualifizieren,
denn das Versicherungsgericht hat infolge der Aufhebung des ersten Entscheides und
der Rückweisung zur erneuten Entscheidung insgesamt zwei Beschwerdeentscheide
verfassen müssen. Das rechtfertigt es, die Gerichtskosten auf total 1'000 Franken
festzusetzen. Da der erste Entscheid aber gemäss dem Urteil des Bundesgerichtes
rechtswidrig gewesen ist, wäre es stossend, der Beschwerdeführerin die Kosten für
jenen Entscheid aufzuerlegen. In Anwendung des Art. 97 VRP wird deshalb von der
Erhebung von Kosten für das Beschwerdeverfahren IV 2014/256 abgesehen. Die
unterliegende Beschwerdeführerin hat folglich nur die Kosten für das Verfahren IV
2017/274 zu bezahlen, die auf 400 Franken festzusetzen sind. Diese Kosten sind durch
den von der Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken
gedeckt. Der Restbetrag von 200 Franken wird der Beschwerdeführerin
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zurückerstattet. Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.