Decision ID: be451e87-52fb-5465-b4e3-2eec5f1cde81
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Der 1990 geborene A._ stammt aus Eritrea und reiste am 27. September 2014 in die
Schweiz ein. Zwei Tage später stellte er ein Asylgesuch. Mit Verfügung vom
16. September 2016 wies das Staatssekretariat für Migration (SEM) das Asylgesuch ab,
da A._ die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Gleichzeitig wies das SEM ihn aus der
Schweiz weg. Eine Rückkehr nach Eritrea sei ihm zumutbar (act. Migrationsamt
[nachfolgend: MA] 41 ff.). Da A._ gegen die Verfügung des SEM Beschwerde vor
Bundesverwaltungsgericht erhob, durfte er den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten (act. MA 52 ff., Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts
vom 27. Oktober 2016).
A.a.
A._ wurde am 4. Mai 2017 Vater der Tochter K._. Diese lebt zusammen mit ihrer
Mutter, G._, geboren 1995, in X._. Die Eltern sind nicht verheiratet. Die Vaterschaft
wurde von A._ am 18. September 2017 anerkannt. Die Tochter und die Mutter erfüllen
die Flüchtlingseigenschaft und verfügen über eine Aufenthaltsbewilligung.
A.b.
Mit Entscheid vom 24. September 2018 hiess das Bundesverwaltungsgericht die
Beschwerde von A._ gut, soweit die Aufhebung der angeordneten Wegweisung und
des Wegweisungsvollzugs beantragt wurde. Die Sache wurde zur Neubeurteilung an
A.c.
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das SEM (Prüfung des Gesuchs um Familienasyl, Kindsanerkennung) zurückgewiesen,
da A._ inzwischen Vater einer Tochter geworden sei. In Bezug auf die Verneinung der
originären Flüchtlingseigenschaft wurde die Beschwerde abgewiesen (act. MA 81 ff.).
Nach Vornahme weiterer Abklärungen verfügte das SEM am 5. April 2019 erneut die
Abweisung des Asylgesuchs von A._ und die Wegweisung aus der Schweiz. Dieser
könne sich nicht auf die Einheit der Familie berufen. Bereits vor der Geburt der Tochter
habe die Familiengemeinschaft keinen Bestand mehr gehabt. Es bestehe weder ein
regelmässiger Kontakt zum Kind noch leiste er finanzielle Unterstützung (act. MA 110
ff.). Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 13. Januar 2020 ab (act. MA 205 ff.).
A.d.
A._ stellte am 27. November 2019 beim Migrationsamt des Kantons St. Gallen ein
Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im umgekehrten Familiennachzug
sowie aus humanitären Gründen (act. MA 201 ff.). Am 22. Januar 2020 bestätigte das
Migrationsamt den Eingang des Schreibens und informierte A._, dass die Prüfung des
Gesuchs noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde (act. MA 232). Mit Schreiben vom
5. Februar 2020 stellte A._ ein weiteres Gesuch um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung im umgekehrten Familiennachzug (act. MA 256 ff.).
A.e.
Das Migrationsamt setzte mit Schreiben vom 31. Januar 2020 den Termin zum
Verlassen der Schweiz auf den 19. Februar 2020 fest und lud A._ zwecks
Passbeschaffung zu einem Ausreisegespräch ein (act. MA 239 f.). Am 12. Februar 2020
erliess das Migrationsamt eine Eingrenzungsverfügung. A._ dürfe das Gebiet des
Kantons St. Gallen bis zum Vollzug der Wegweisung nicht mehr verlassen (act. MA 246
f.). Anlässlich des Ausreisegesprächs vom 19. Februar 2020 erklärte A._, nicht
ausreisewillig zu sein. Er sei Vater einer Tochter und pflege regelmässigen Kontakt zu
dieser. Er wolle gerne das hängige Verfahren betreffend Familiennachzug abwarten
(act. MA 281). Mit Verfügung vom 19. Februar 2020 wurde A._ dem Ausreise- und
Nothilfezentrum Sonnenberg Vilters zum Bezug der Nothilfe zugewiesen (act. MA 258).
Er trat am selben Tag in das Zentrum ein (act. MA 284).
A.f.
Mit Verfügung vom 30. April 2020 trat das Migrationsamt nicht auf das Gesuch zur
Unterbreitung des Härtefalls ein. Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, dass
A._ die Parteistellung fehle. Im Übrigen sei es auch nicht zur Unterbreitung als
A.g.
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B.
Härtefall bereit, da A._ seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen sei. Er habe bis
jetzt kein heimatliches Reisedokument beschafft und sei seiner Pflicht zur Ausreise
nicht nachgekommen. Er verfüge über schlechte Deutschkenntnisse und sei in der
Schweiz nicht tief verwurzelt. Zu seiner Tochter bestehe keine nahe, echte und
tatsächlich gelebte familiäre Beziehung. Er sei ein junger gesunder Mann, habe in
seinem Heimatland die Schulen besucht und gearbeitet und habe dort nach wie vor
Familienmitglieder, zu welchen er Kontakt pflege. Daher sei ihm eine Rückkehr in sein
Heimatland zumutbar. Zu diesem Schluss sei auch das Bundesverwaltungsgericht
gekommen (act. MA 338 ff.). Auf den dagegen erhobenen Rekurs trat das Sicherheits-
und Justizdepartement mit Entscheid vom 22. Juni 2020 nicht ein.
Gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) vom
22. Juni 2020 reichte A._ (Beschwerdeführer) am 9. Juli 2020 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht ein. Er stellte den Antrag, dass auf die Beschwerde einzutreten,
aufschiebende Wirkung zu erteilen, die Verfügung der Vorinstanz aufzuheben und ihm
die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen sei; zudem ersuchte er um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege.
B.a.
Der Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts verzichtete mit Schreiben vom
13. Juli 2020 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte den
Beschwerdeführer davon in Kenntnis, dass der Beschwerde zwar von Gesetzes wegen
aufschiebende Wirkung zukomme, was aber nichts ändere am rechtskräftigen
Wegweisungsentscheid.
B.b.
Mit Vernehmlassung vom 10. August 2020 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der
Beschwerde und verzichtete auf ergänzende Bemerkungen.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
B.c.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
2.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressat des
angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführer
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 9. Juli 2020 rechtzeitig erhoben und
erfüllt formal wie inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist daher unter
Vorbehalt nachfolgender Ausführungen (E. 1.2 und E. 2) einzutreten.
1.1. bis
Der Beschwerdeführer ist zwar Adressat des angefochtenen Entscheids, hingegen
kommt ihm als abgewiesenem Asylbewerber mit vollstreckbarer
Wegweisungsverfügung gemäss den dem Anwendungsgebot von Art. 190 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV)
unterliegenden Bestimmungen von Art. 14 Abs. 1 und 4 des Asylgesetzes (SR 142.31,
AsylG) vor den kantonalen Behörden keine Parteistellung zu, es sei denn, es bestehe
ein Anspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung (VerwGE B 2018/134 vom
13. Dezember 2018 E. 1, B 2014/93 vom 24. März 2015 E. 1, mit weiteren Hinweisen,
BGE 137 I 128 E. 4.1).
Der Beschwerdeführer berief sich in seinen Gesuchen vom 27. November 2019 sowie
5. Februar 2020 sowohl auf eine Aufenthaltsbewilligung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG
(Härtefall) als auch auf eine Bewilligung gestützt auf den umgekehrten Familiennachzug
nach Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
0.101, EMRK). Diese beiden Gesuche sind separat zu behandeln.
1.2.
Nach Art. 14 Abs. 2 AsylG kann der Kanton mit Zustimmung des SEM einer ihm nach
diesem Gesetz zugewiesenen Person eine Aufenthaltsbewilligung erteilen, wenn sich
die ihm nach dem Asylgesetz zugewiesene Person seit fünf Jahren in der Schweiz
aufhält und wegen der fortgeschrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher
Härtefall vorliegt (Voraussetzungen gemäss Art. 14 Abs. 2 lit. a bis d AsylG). Will der
2.1.
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Kanton von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, so meldet er dies dem SEM
unverzüglich (Art. 14 Abs. 3 AsylG). Die betroffene Person hat nur beim
Zustimmungsverfahren des SEM Parteistellung (Art. 14 Abs. 4 AsylG). Das Verfahren
hinsichtlich der Härtefallbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG verläuft demnach
zweistufig (C. Hruschka, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.],
Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 8 zu Art. 14 AsylG). Dem abgewiesenen
Asylbewerber mit vollstreckbarer Wegweisungsverfügung kommt gemäss den dem
Anwendungsgebot von Art. 190 BV unterliegenden Bestimmungen von Art. 14 Abs. 1
und 4 AsylG vor den kantonalen Behörden keine Parteistellung zu, um ein
entsprechendes kantonales Verfahren in Gang zu setzen und zu durchlaufen (BGer
2D_90/2008 vom 9. September 2008 E. 2.1, 2D_137/2008 vom 12. Dezember 2008 und
2D_3/2014 vom 16. Januar 2014 E. 2; BGE 137 I 128 E. 4.1 in: Pra 2011 Nr. 72, Motion
Geschäfts-Nr. 10.4107 vom 17. Dezember 2010 eingereicht von Katharina Prelicz-
Huber: Asylverfahren. Schaffung einer Beschwerdemöglichkeit bei Härtefallgesuchen:
Ablehnung des Nationalrates am 28. September 2011, https://www.parlament.ch/de
unter: Ratsbetrieb/Suche Curia Vista, VerwGE B 2014/93 vom 24. März 2015 E. 1).
Der Beschwerdeführer ist abgewiesener Asylbewerber (Verfügung des SEM vom
16. September 2016, bestätigt durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
24. September 2018). Gegen ihn wurde die Wegweisung verfügt und eine Ausreisefrist
angesetzt (Verfügung des SEM vom 5. April 2019, bestätigt durch das Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts vom 13. Januar 2020, Ausreisefrist angesetzt mit
Verfügung des Migrationsamts des Kantons St. Gallen vom 31. Januar 2020). Als ab-
und weggewiesener Asylsuchender ohne Anspruch auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung kann der Beschwerdeführer, selbst wenn er die
Voraussetzungen als Härtefall in seiner Person als erfüllt erachtet, nicht von sich aus
einen Bewilligungsantrag nach Art. 14 Abs. 2 AsylG stellen bzw. ein entsprechendes
kantonales Verfahren in Gang setzen. Die Vorinstanz erliess daher zu Recht einen
Nichteintretensentscheid, weil dem Beschwerdeführer im kantonalen
Rechtsmittelverfahren mangels Rechtsanspruch auf Erteilung einer
(Härtefall-)Bewilligung weder von Völkerrechts noch Bundesrechtsrechts wegen, noch
gestützt auf kantonales Verfahrensrecht Parteistellung zukommt (VerwGE B 2018/134
vom 13. Dezember 2018 und B 2014/94 vom 24. März 2015). Trotz Fehlens der
Parteistellung führte das Migrationsamt materiell aus, aus welchen Gründen es dem
SEM den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Härtefall nicht unterbreitet. Es
erachtete die Integration des Beschwerdeführers sowohl aus sprachlicher als auch
wirtschaftlicher Sicht als unzureichend. Des Weiteren verfüge er über keine sehr enge
2.2.
https://www.parlament.ch/de
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3.
Beziehung zur Schweiz und sei auch seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen.
Die Integration des Beschwerdeführers sei insgesamt nicht so weit fortgeschritten, als
dass bei ihm ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegen würde. Dagegen
wendet der Beschwerdeführer nichts ein. Der angefochtene Nichteintretensentscheid
erging folglich zu Recht und auf die Beschwerde betreffend das Gesuch um Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 14 Abs. 2 AsylG ist nicht einzutreten.
Der Beschwerdeführer macht allerdings geltend, dass er sich nicht nur auf die Erteilung
einer humanitären Aufenthaltsbewilligung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG berufe, sondern
auch auf das Recht auf Familienleben nach Art. 8 EMRK. Bereits das
Bundesverwaltungsgericht hielt in seinem Urteil vom 13. Januar 2020 in E. 5.4 fest,
dass es dem Beschwerdeführer nach Ausfällung dieses Urteils unbenommen sei, bei
der zuständigen Ausländerbehörde ein Gesuch um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 8 EMRK (umgekehrter Familiennachzug)
einzureichen. Ein solches Gesuch stellte der Beschwerdeführer mit Schreiben vom
27. November 2019 mit dem Antrag, dass ihm „hauptsächlich“ eine
Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 8 EMRK zu erteilen sei, subsidiär gestützt auf
Art. 14 Abs. 2 AsylG, Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG und Art. 31 Abs. 1 VZAE (act. MA 166).
Am 5. Februar 2020 reichte der Beschwerdeführer ein weiteres Gesuch um Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung im umgekehrten Familiennachzug ein (act. MA 256 ff.).
Sowohl die Vorinstanz als auch das Migrationsamt prüften unter Verweis auf die
Ausführungen des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil vom 13. Januar 2020 E. 5.4) den
Anspruch des Beschwerdeführers auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt
auf Art. 8 EMRK. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass ein Bewilligungsanspruch
nach Art. 8 EMRK zu verneinen sei. Entsprechend habe der Rekurrent im vorliegenden
Verfahren keine Parteistellung und sei nicht zur Erhebung des Rekurses legitimiert (E.
3d).
3.1.
Dem Beschwerdeführer kommt lediglich im Verfahren um Erteilung einer humanitären
Aufenthaltsbewilligung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG keine Parteistellung zu. Hingegen
kann er ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im umgekehrten
Familiennachzug nach Art. 8 EMRK einreichen und in diesem Verfahren Parteistellung,
soweit er einen solchen Anspruch dartut, was vorliegend offenkundig der Fall ist,
einnehmen. Denn ob ein Bewilligungsanspruch tatsächlich besteht, ist praxisgemäss
eine Frage der materiellen Beurteilung und keine solche des Eintretens (BGer
3.2.
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4.
2C_488/2019 vom 4. Februar 2020 E. 1.2). Dass dem Beschwerdeführer eine
Parteistellung beim Verfahren um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im
umgekehrten Familiennachzug nach Art 8 EMRK zusteht, ergibt sich auch aus der
verfassungsmässigen Rechtsweggarantie nach Art. 29a der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV), zumal das Fehlen eines
gerichtlichen Rechtsmittels im Verfahren nach Art. 14 Abs. 2 und 4 AsylG vom
Bundesgericht bemängelt wird (BGE 137 I 128 E. 4.3.2 in Pra 100 (2011) Nr. 72).
Sowohl die Vorinstanz als auch das Migrationsamt des Kantons St. Gallen prüften die
materiellen Voraussetzungen für einen Bewilligungsanspruch gestützt auf Art. 8 EMRK
und kamen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer diese nicht erfülle. Nebst dem
Nichteintreten auf das Gesuch um humanitäre Aufenthaltsbewilligung hätte das Gesuch
des Beschwerdeführers um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im umgekehrten
Familiennachzug nach Art. 8 EMRK demnach abgewiesen werden müssen. Zwar
erweist sich der Wortlaut des Entscheiddispositivs der Vorinstanz mit einem
Nichteintreten grundsätzlich in Bezug auf die Verneinung des Bewilligungsanspruchs
nach Art. 8 EMRK als falsch, allerdings lässt sich der Entscheid anhand der
Erwägungen im Ergebnis als Abweisung interpretieren. Daher ist nachfolgend zu prüfen
ist, ob die Vorinstanz zu Recht zu diesem Ergebnis gelangte.
Art. 8 EMRK verschafft praxisgemäss keinen Anspruch auf Einreise und Aufenthalt oder
auf einen Aufenthaltstitel. Er hindert Konventionsstaaten nicht daran, die Anwesenheit
auf ihrem Staatsgebiet zu regeln und den Aufenthalt ausländischer Personen unter
Beachtung überwiegender Interessen des Familien- und Privatlebens gegebenenfalls
auch wieder zu beenden. Dennoch kann das in Art. 8 Ziff. 1 EMRK verankerte Recht
auf Achtung des Privat- und Familienlebens berührt sein, wenn einer ausländischen
Person mit in der Schweiz aufenthaltsberechtigten Familienangehörigen das
Zusammenleben verunmöglicht wird. Art. 8 EMRK ist berührt, wenn eine staatliche
Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte
familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person
beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne Weiteres möglich bzw. zumutbar wäre, ihr
Familienleben andernorts zu pflegen. Der sich hier aufhaltende Familienangehörige
muss nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung über ein gefestigtes
Anwesenheitsrecht verfügen, was praxisgemäss der Fall ist, wenn er das Schweizer
Bürgerrecht besitzt, ihm die Niederlassungsbewilligung gewährt wurde oder er über
eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, die ihrerseits auf einem gefestigten
4.1.
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Rechtsanspruch beruht. Zum geschützten Familienkreis gehört in erster Linie die
Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern
(BGE 144 II 1 E. 6.1, 130 II 281 E. 3.1). Der Anspruch auf Achtung des Privat- und
Familienlebens gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK gilt aber nicht absolut, sondern kann
rechtmässig eingeschränkt werden, wenn dies gesetzlich vorgesehen ist, einem
legitimen Zweck entspricht und zu dessen Realisierung in einer demokratischen
Gesellschaft notwendig erscheint (Art. 8 Ziff. 2 EMRK). Die Konvention verlangt, dass
die individuellen Interessen an der Erteilung bzw. am Erhalt des Anwesenheitsrechts
und der öffentlichen Interessen an dessen Verweigerung sorgfältig gegeneinander
abgewogen werden (BGE 143 I 21 E. 5.1, 142 II 35 E. 6.1).
Im Rahmen der Interessenabwägung gemäss Art. 8 EMRK gilt das Kindeswohl als ein –
wesentliches – Element unter anderen (wirtschaftliches Wohl des Landes,
Aufrechterhaltung der Ordnung, Verhütung von Straftaten, Schutz der Gesundheit oder
Moral bzw. der Rechte und Freiheiten anderer). Für sich alleine ist es jedoch nicht
ausschlaggebend. Denn aus dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes (UN-
Kinderrechtskonvention, SR 0.107, KRK) ergeben sich kein Anwesenheitsrecht in der
Schweiz bzw. keine über die Garantien von Art. 8 EMRK hinausgehenden,
eigenständigen Bewilligungsansprüche. Das Kindeswohl bzw. die Kindesinteressen
umfassen das grundlegende Bedürfnis des Kindes, in möglichst engem Kontakt mit
beiden Elternteilen aufwachsen zu können. Gemäss Art. 3 Abs. 1 KRK ist das
Kindeswohl bei allen Entscheiden vorrangig zu berücksichtigen. Gemäss Art. 9 Abs. 3
KRK achten die Vertragsstaaten zudem das Recht des von einem Elternteil getrennten
Kindes, regelmässig persönliche Beziehungen und unmittelbare Kontakte zu beiden
Elternteilen zu pflegen, soweit dies nicht dem Wohl des Kindes widerspricht (BGE 144 I
91 E. 5.2, BGer 2C_493/2018 vom 9. Dezember 2019 E. 3.3 und 2C_221/2019 vom
25. Juli 2019 E. 3.4).
4.2.
Das Verfassungs- (Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 36 Abs. 3 BV) und das Konventionsrecht
gebieten praxisgemäss, die individuellen Anliegen an der Erteilung bzw. am Erhalt des
Anwesenheitsrechts und die öffentlichen Interessen an dessen Beendigung
gegeneinander abzuwägen, wenn zumindest eine der beteiligten Personen in der
Schweiz über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt. Erforderlich ist dabei (1) eine
in affektiver und (2) in wirtschaftlicher Hinsicht besonders enge Eltern-Kind-Beziehung;
(3) der Umstand, dass diese wegen der Distanz zwischen der Schweiz und dem Staat,
in welchen die ausländische Person oder Personen mutmasslicherweise auszureisen
4.3.
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hätten, praktisch nicht aufrechterhalten werden könnte; und (4) dass sich die
ausreisepflichtige Person hier weitgehend tadellos verhalten hat. Der nicht sorge- bzw.
obhutsberechtigte ausländische Elternteil kann die familiäre Beziehung mit seinem Kind
von vornherein nur in beschränktem Rahmen pflegen, nämlich durch Ausübung des
ihm eingeräumten Besuchsrechts. Um dieses wahrnehmen zu können, ist es in der
Regel nicht erforderlich, dass der ausländische Elternteil dauerhaft im selben Land wie
das Kind lebt und dort über ein Anwesenheitsrecht verfügt. Unter dem Gesichtswinkel
des Schutzes des Anspruchs auf Familienleben (Art. 13 Abs. 1 BV sowie Art. 8 Ziff. 1
EMRK) genügt je nach den Umständen, dass der Kontakt zum Kind im Rahmen von
Kurzaufenthalten, Ferienbesuchen oder über die modernen Kommunikationsmittel vom
Ausland her wahrgenommen werden kann (BGE 144 I 91 E. 5.2, 143 I 21 E. 5.2 und
5.3, 139 I 315 E. 2.2, BGer 2C_904/2018 vom 24. April 2019 E. 2.3).
Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er seit der Geburt der Tochter eine gute
und stabile Beziehung zu ihr habe. Er könne keinen Unterhalt zahlen, weil er keine
Arbeit habe. Eine Wegweisung in sein Heimatland würde die Beziehung unterbrechen.
Er könne nicht regelmässig in die Schweiz reisen, um seine Tochter zu besuchen. Die
Tochter brauche aber die Anwesenheit beider Eltern für ihre Erziehung und die
Entwicklung.
Die Tochter, geboren am 4. Mai 2017, verfügt über ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz.
Der Beschwerdeführer ist mit der Mutter seiner Tochter nicht verheiratet und hat nie mit
der Familie zusammengewohnt. Die Tochter lebt bei der Mutter, welcher die alleinige
elterliche Sorge zusteht (act. MA 333). Seit dem 19. August 2018 nimmt der
Beschwerdeführer sein Besuchsrecht wahr, wobei bis im August 2019 von den 22
geplanten Besuchstagen zehn ausgefallen waren. Das Besuchsrecht wurde dem
Beschwerdeführer nur in geringem Ausmass eingeräumt – alle zwei Wochen begleitet
drei Stunden. Gemäss Angaben der Beiständin mache er es sehr gut, sei zuverlässig
und habe ein herzliches Verhältnis zu seiner Tochter (act. MA 333). Mangels finanzieller
Leistungsfähigkeit (Unterstützung durchs Sozialamt) kann und konnte der
Beschwerdeführer keine Unterhaltsbeiträge für seine Tochter leisten. Deshalb besteht
angesichts der Umstände – zeitlich sehr begrenztes Besuchsrecht und nur in
Begleitung sowie keine Zahlung der Unterhaltsbeiträge – trotz angeblich gutem
Verhältnis zur Tochter keine persönlich und finanziell besonders eng gelebte Beziehung
zwischen dem Beschwerdeführer und seiner minderjährigen Tochter. Nebst der
rechtsprechungsgemäss geforderten besonders engen Beziehung wird für die
Bejahung eines Bewilligungsanspruchs auch ein tadelloses Verhalten des
4.4.
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5.
Beschwerdeführers vorausgesetzt. Der Beschwerdeführer ist bei der Kantonspolizei im
Jahr 2017 und 2018 wegen Intervention im häuslichen Bereich verzeichnet. Am 17. Mai
2018 erging gegen ihn ein Strafbefehl wegen Drohung und er wurde zu einer Geldstrafe
von 20 Tagessätzen zu je CHF 30 und einer Busse von CHF 200 verurteilt (act. MA 76
f.). Damit erfüllt der Beschwerdeführer auch die Voraussetzung des tadellosen
Verhaltens nicht. Überdies ist es nicht erforderlich, dass sich der nicht
obhutsberechtigte Elternteil dauernd im gleichen Land aufhält wie das Kind. Denn
dieser kann die familiäre Beziehung zu seinem Kind zum Vornherein nur im
beschränkten Rahmen des Besuchsrechts leben. Den Anforderungen von Art. 8 EMRK
ist Genüge getan, wenn er mit seinen Kindern den Kontakt besuchsweise von seiner
Heimat aus, wobei aufgrund der Distanz gewisse Schwierigkeiten nicht abgesprochen
werden können, oder über klassische oder moderne Kommunikationsmittel
aufrechterhalten kann. Insgesamt vermag der Beschwerdeführer keine besonders
intensive affektive und wirtschaftliche Beziehung zu seiner Tochter nachzuweisen. Die
Beschwerde betreffend das Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im
umgekehrten Familiennachzug gestützt auf Art. 8 EMRK ist daher abzuweisen.
Der Beschwerdeführer stellte ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Die
unentgeltliche Rechtspflege wird gewährt, wenn der Gesuchsteller bedürftig und das
von ihm angestrebte Verfahren nicht aussichtslos ist (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung
mit Art. 117 ZPO, und Art. 29 Abs. 3 erster Satz der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft [SR 101, BV]). Als aussichtslos sind Begehren
anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die
Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können.
Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und
Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese.
Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger
Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Eine Partei soll einen Prozess, den
sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen
können, weil er sie nichts kostet. Diese vom Bundesgericht zum Begriff der
Aussichtslosigkeit gemäss Art. 29 Abs. 3 BV entwickelte Praxis ist auch für die
Auslegung von Art. 117 Ingress und lit. b ZPO zu berücksichtigen (vgl. BGE 138 III 217
E. 2.2.4 mit Hinweis).
Sowohl vom Sachverhalt als auch von der Rechtslage (bundesgerichtlich bestätigte
5.1.
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