Decision ID: d927cac0-1e5d-56c1-9cc9-4460759d23c1
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis der Kategorie B am 8. August 2008. Während
laufender Probezeit verursachte er wegen nicht angepasster Geschwindigkeit einen
Verkehrsunfall, weshalb ihm der Führerausweis mit Verfügung vom 28. Mai 2009 für
einen Monat entzogen und die Probezeit um ein Jahr verlängert wurde. Am 5. Januar
2018 verwarnte das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt X, nachdem er am 8. Juni
2017 ein Fahrzeug in angetrunkenem Zustand gelenkt hatte (mit einer
Atemalkoholkonzentration von 0,39 mg/l bzw. einer Blutalkoholkonzentration [BAK] von
0,78 Gewichtspromille).
B.- Am Abend des 18. August 2018 war X als Lenker eines Personenwagens
unterwegs. In einer Rechtskurve kollidierte er zufolge unangepasster Geschwindigkeit
mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. Die Atem-Alkoholprobe ergab einen Wert
von 0,85 mg/l, was einer BAK von 1,70 Gewichtspromille entspricht. X anerkannte den
gemessenen Wert. Die Polizei nahm ihm den Führerausweis an Ort und Stelle ab. Mit
Strafbefehl vom 19. Dezember 2018 wurde X wegen Fahrens in angetrunkenem
Zustand (qualifizierte Blutalkoholkonzentration) und Verletzung der Verkehrsregeln
(Nichtanpassen der Geschwindigkeit) zu einer bedingten Geldstrafe von
90 Tagessätzen zu je Fr. 100.– und einer Busse von Fr. 2'000.– verurteilt. Der
Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen erhielt Kenntnis
von diesem Vorfall. Es stellte X am 30. August 2018 eine verkehrsmedizinische
Untersuchung in Aussicht und verbot ihm das Führen von Motorfahrzeugen vorsorglich
ab sofort. Mit Verfügung vom 25. September 2018 ordnete es die verkehrsmedizinische
Untersuchung beim Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen
(abgekürzt: IRM) an. Dieser unterzog sich X am 4. März 2019. Das
verkehrsmedizinische Gutachten vom 8. April 2019 hielt fest, bei X sei von einer in der
Vergangenheit bestehenden verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchsproblematik
auszugehen. Konkrete Anhaltspunkte für eine Alkoholabhängigkeit fänden sich nicht.
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Die Fahreignung könne aus verkehrsmedizinischer Sicht bei Einhaltung einer
Alkoholabstinenz befürwortet werden.
Mit Verfügung vom 2. Mai 2019 hob das Strassenverkehrsamt daraufhin den
vorsorglichen Führerausweisentzug auf und erteilte X den Führerausweis unter den
nachfolgenden Auflagen wieder (Ziffer 4):
"a) Sie haben die vollständige, kontrollierte Alkoholabstinenz einzuhalten.
b) Die Auflagenkontrolle inklusive Haaranalyse erfolgt alle 6 Monate. [...]
c) Die Alkoholabstinenz beinhaltet selbstverständlich auch eine Alkohol-
Fahrabstinenz,
welche mit Code 05.08 ebenfalls in Ihren Führerausweis eingetragen wird.
d) Diese Auflagen haben auf unbestimmte Zeit Gültigkeit und werden mit Code 101 in
Ihren
Führerausweis eingetragen. Eine Aufhebung der Abstinenzkontrolle kann frühestens
in
2 Jahren geprüft werden.
e) Bei Missachtung der Auflagen haben Sie [...] mit dem Entzug des Führerausweises
–
allenfalls auf unbestimmte Zeit – zu rechnen."
D.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 2. Mai 2019 liess X am
17. Mai 2019 durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (abgekürzt: VRK) erheben mit
dem Antrag, Ziffer 4 der Verfügung sei aufzuheben und auf die Anordnung von
Auflagen sei zu verzichten; eventualiter sei der Rekurrent zu verpflichten, einen
risikoarmen und sozialverträglichen Alkoholkonsum einzuhalten, wobei eine Aufhebung
nach der ersten Haaranalyse im September 2019 geprüft werden könne; unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Mit Schreiben vom 7. Juni 2019 verzichtete das Strassenverkehrsamt auf eine
Vernehmlassung zum Rekurs. Am 14. Juni 2019 sistierte der Verfahrensleiter das
Rekursverfahren bis zum Ergebnis der Haaranalyse vom September 2019. Mit
Schreiben vom 15. Oktober 2019 reichte der Rekurrent das Ergebnis der Haaranalyse
vom 23. September 2019 ein. In den Haaren konnte kein Ethylglucuronid (EtG, ein
Abbauprodukt von Alkohol) festgestellt werden. Das Rekursverfahren wurde
fortgesetzt. Die Vorinstanz nahm zum Ergebnis der Haaranalyse keine Stellung. Am
11. November 2019 reichte der Rechtsvertreter seine Honorarnote ein.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 17. Mai 2019 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- In formeller Hinsicht rügt der Rekurrent eine Verletzung des rechtlichen Gehörs im
vorinstanzlichen Verfahren.
a) Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) gewährt den Parteien
Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus leitet das Bundesgericht in ständiger
Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen und Entscheide zu
begründen (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3, 133 I 270 E. 3.1, 129 I 232 E. 3.2). Als
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz, dass die
Behörde die Vorbringen der vom Entscheid oder der Verfügung in ihrer Rechtsstellung
Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt und ihren Entscheid oder
ihre Verfügung vor diesem Hintergrund begründet (vgl. G. Steinmann, St. Galler
Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 49 zu Art. 29 BV). Der von einem Entscheid oder einer
Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass er den
Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III
439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
bis
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Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1071). Dies ist nur möglich, wenn sowohl der
Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids
oder der Verfügung ein Bild machen können; in diesem Sinne müssen wenigstens kurz
die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf
welche sich ihr Entscheid oder ihre Verfügung stützt. Allerdings bedeutet dies nicht,
dass sich die Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem
rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid oder die Verfügung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I
270 E. 3.1; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 1071). Umfang und Dichte der
Begründung richten sich generell nach den Umständen (Steinmann, a.a.O., N 49 zu
Art. 29 BV). Ist die Sachlage klar und sind die anwendbaren Normen bestimmt, kann
ein Hinweis auf diese Rechtsnormen genügen, während ein weiter Spielraum der
Behörde – aufgrund von Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine
Vielzahl von in Betracht fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche
Begründung gebieten (BGE 112 Ia 110 E. 2b, 104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., N 49
zu Art. 29 BV; Tschannen/Zimmerli, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 29
N 13). Die Begründungspflicht, welche aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör im
Sinn von Art. 29 Abs. 2 BV fliesst, hat der st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in
Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP ausdrücklich festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die
Verfügung unter anderem die Gründe enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen B 2009/211 vom 18. März 2010
E. 2.1, im Internet abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch).
b) Die den Rekurrenten im vorinstanzlichen Verfahren vertretende
Rechtsschutzversicherung reichte mit Schreiben vom 30. April 2019 eine ausführliche
Stellungnahme zur in Aussicht gestellten Alkoholabstinenzauflage für die Dauer von
mindestens zwei Jahren ein. Darin zweifelte sie mit Verweis auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung die Schlüssigkeit des verkehrsmedizinischen Gutachtens an, worauf
die Vorinstanz abzustellen gedachte.
Die Vorinstanz führte dazu in der angefochtenen Verfügung aus, das Gutachten des
IRM vom 8. April 2018 erscheine in allen Teilen schlüssig und widerspreche der
Aktenlage nicht. Dieser pauschale Hinweis ersetzt eine eigene Würdigung des
Gutachtens, die durchaus kurz ausfallen kann, nicht. Damit verletzte die Vorinstanz den
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Anspruch des Rekurrenten auf rechtliches Gehör. Auf die Rückweisung der
Angelegenheit an die Vorinstanz zu neuer Verfügung ist aber zu verzichten, da die
Gehörsverletzung im vorliegenden Rekursverfahren geheilt werden kann. Das Gericht
verfügt über volle Überprüfungsbefugnis (Art. 46 Abs. 1 VRP). Der Umstand, dass die
Vorinstanz die angefochtene Verfügung nicht hinreichend begründete, ist jedoch bei
der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
3.- Umstritten ist vorliegend, ob die Vorinstanz den Führerausweis des Rekurrenten zu
Recht mit der Auflage einer vollständigen, kontrollierten Alkoholabstinenz für
mindestens zwei Jahre versah.
a) Der Rekurrent macht geltend, auf das Gutachten des IRM könne nicht abgestellt
werden. Er sei in den letzten Jahren nicht betrunken, sondern höchstens angetrunken
gewesen. Den Vorfall vom 18. August 2018 habe er nicht bagatellisiert und die
Abstinenz seither problemlos eingehalten. Angesichts seiner glaubwürdigen und
laboranalytisch bestätigten Aussagen sei es nicht nachvollziehbar, dass die
Gutachterin von einem missbräuchlichen Konsum in der Vergangenheit ausgehe. Nicht
zutreffend sei, dass er mehrfach bewiesen habe, Fahren und Trinken nicht trennen zu
können. Er fahre seit über elf Jahren Auto. In dieser Zeit habe es zwei Vorfälle gegeben,
wovon der erste mit 0,78 Gewichtspromille eine Übertretung und der zweite angesichts
der damaligen emotional schwierigen Situation erklär-, wenn auch nicht entschuldbar
gewesen sei. Dies sei im Gutachten nicht berücksichtigt worden. Die Schlussfolgerung,
dass bei ihm in der Vergangenheit ein verkehrsrelevanter Alkoholmissbrauch
bestanden habe, sei völlig unbegründet. Schliesslich seien die Auflagen auch nicht
verhältnismässig, habe er doch mittlerweile bereits ein Jahr Abstinenz eingehalten, was
einen starken Eingriff in seine Persönlichkeitsrechte darstelle.
b) aa) Motorfahrzeugführer müssen über Fahreignung verfügen (Art. 14 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01; abgekürzt: SVG). Dies erfüllt, wer unter anderem
frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von Motorfahrzeugen beeinträchtigt
(Art. 14 Abs. 2 lit. c SVG), wie beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und
Arzneimittelabhängigkeit. Die Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht, wenn die
betroffene Person regelmässig so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit
vermindert wird und sie diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den
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eigenen Willen nicht zu überwinden oder zu kontrollieren vermag. Auf eine fehlende
Fahreignung darf geschlossen werden, wenn die Person nicht mehr in der Lage ist,
Alkoholkonsum und Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die
naheliegende Gefahr besteht, dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten
Strassenverkehr teilnimmt. Die Person muss mithin in einem Mass abhängig sein, dass
sie mehr als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich in einem Zustand ans
Steuer eines Fahrzeuges zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet
(Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_701/2017 vom 14. Mai 2018 E. 2.2).
Aus besonderen Gründen können Führerausweise befristet, beschränkt oder mit
Auflagen verbunden werden. Dies ist nicht nur bei der Ausweiserteilung, sondern auch
in einem späteren Zeitpunkt möglich, um Schwächen hinsichtlich der Fahrtauglichkeit
zu kompensieren. Solche Auflagen zur Fahrberechtigung sind somit im Rahmen der
Verhältnismässigkeit stets zulässig, wenn sie der Verkehrssicherheit dienen und mit
dem Wesen der Fahrerlaubnis im Einklang stehen (Ph. Weissenberger,
Administrativrechtliche Massnahmen bei Alkohol- und Drogengefährdung, in: Jahrbuch
zum Strassenverkehrsrecht 2004, St. Gallen 2004, S. 134). Die Anordnung von
Auflagen kommt dann in Frage, wenn der Lenker die gesetzlichen Anforderungen an
die Fahreignung bei Einhaltung bestimmter Massnahmen erfüllt; ein Entzugsgrund nach
Art. 16 SVG muss dabei nicht gegeben sein. Erforderlich ist, dass sich die Fahreignung
nur mit dieser Massnahme aufrechterhalten lässt (BGE 131 II 248 E. 6.3). Zudem
müssen die Auflagen erfüll- und kontrollierbar sein (R. Schaffhauser, Grundriss des
schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I: Grundlagen, Verkehrszulassung und
Verkehrsregeln, Bern 2002, S. 164). Dass ein Fahrzeuglenker zum Missbrauch von
Substanzen, welche die Fahrfähigkeit beeinträchtigen, neigt, stellt einen besonderen
Grund dar, der Auflagen rechtfertigt (vgl. BGE 131 II 248 E. 6.3 zum
Alkoholmissbrauch). Personen, die zwar nicht alkoholsüchtig, aber nachweislich in
erheblichem Ausmass suchtgefährdet sind, kann der Führerausweis deshalb unter
einer Abstinenzauflage erteilt werden (Weissenberger, a.a.O., S. 134 f.).
bb) Das verkehrsmedizinische Gutachten unterliegt der freien richterlichen
Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 VRP). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kommt ärztlichen Gutachten Beweiswert zu,
sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
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widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 123
V 331 E. 1c). In Sachfragen weicht der Richter nur aus triftigen Gründen von einer
gerichtlichen Expertise ab. Er prüft, ob sich auf Grund der übrigen Beweismittel und
der Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der
gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Erscheint ihm die Schlüssigkeit eines
Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat er nötigenfalls ergänzende
Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben (vgl. BGE 133 III 385 mit weiteren
Hinweisen). Hinsichtlich des Beweiswertes eines verkehrsmedizinischen Gutachtens ist
entscheidend, ob es auf umfassenden verkehrsmedizinischen Abklärungen beruht, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wurde, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen des Experten auf einer schlüssigen, nachvollziehbaren und in
sich geschlossenen Begründung beruhen (vgl. BGer 1C_7/2017 vom 10. Mai 2017
E. 3.5 mit Verweis auf BGE 125 V 351 E. 3a). Ob ein Gericht die in einem Gutachten
enthaltenen Erörterungen für überzeugend hält, ist eine Frage der Beweiswürdigung
(BGer 1C_320/2017 vom 9. Januar 2018 E. 2.3).
c) Der Rekurrent lenkte am 18. August 2018 unbestrittenermassen ein Fahrzeug mit
einer BAK von mindestens 1,70 Gewichtspromille. Deswegen hatte er sich einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung zu unterziehen. Das verkehrsmedizinische
Gutachten des IRM vom 8. April 2019 stützt sich auf die Vorgeschichte gemäss Akten,
die verkehrsmedizinische Untersuchung und die Resultate der Laboruntersuchungen
(act. 9/51 ff.). Entgegen der Angabe im Gutachten wurden keine Fremdauskünfte
eingeholt.
Die Verkehrsmedizinerin befragte den Rekurrenten zu den bisherigen
strassenverkehrsrechtlich relevanten Vorfällen, insbesondere zu den zwei
Trunkenheitsfahrten. Dieser gab an, beim ersten Mal im Juni 2017 sei er an einer
Vorstandssitzung des Fussballclubs gewesen. Auch das zweite Ereignis vom August
2018 habe im Zusammenhang mit Fussball gestanden. Damals habe er gerade seinen
Job gewechselt und seine langjährige Freundin habe sich von ihm getrennt. Es sei ihm
alles zu viel geworden und er habe deswegen an einem Vereinsturnier zu viel Bier
getrunken. Das Ganze sei ein wirklich dummer Fehler gewesen. Er habe bei Fahrantritt
gespürt, dass er zu viel getrunken gehabt habe. Es sei gefährlich, in alkoholisiertem
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Zustand zu fahren. Er habe aus seinen Fehlern gelernt, es werde nicht wieder
vorkommen.
Der Rekurrent gab zu seinem Alkoholkonsum an, er lebe abstinent, seit er erfahren
habe, dass er sich verkehrsmedizinisch untersuchen lassen müsse. Die Einhaltung der
Abstinenz sei für ihn überhaupt nicht schwierig gewesen, er habe keine
Entzugssymptome gehabt, weder Medikamente noch ärztliche Unterstützung oder
Suchtberatung benötigt. Auch im Ausgang habe er problemlos auf Alkohol verzichten
können. Ab und zu habe er ein alkoholfreies Bier getrunken. Mit dem Alkoholkonsum
habe er im Militär begonnen. Er habe immer nur Bier getrunken, jedoch nicht täglich,
sondern stets im Ausgang und in Gesellschaft. Er habe noch nie so viel getrunken,
dass er ein Blackout oder Erinnerungslücken gehabt habe. Einen richtigen Rausch
kenne er nicht. Im Alter zwischen 18 und 20 Jahren sei er vielleicht zweimal im Monat
betrunken gewesen. In den letzten Jahren sei er nur gelegentlich angetrunken
gewesen, wobei er früher öfters mehr getrunken habe, als er sich vorgenommen habe.
Er habe nie Entzugssymptome oder ein grosses Verlangen nach Alkohol gehabt. Nur
an jenem Tag im August 2018 habe er aus Ärger und Frust so viel getrunken. Er werde
vorerst abstinent bleiben und es künftig mit dem Alkohol nicht mehr so übertreiben. Er
sehe die Vorteile der Abstinenz; er habe vier Kilogramm abgenommen.
Die körperliche Untersuchung ergab keine Hinweise auf einen übermässigen
Alkoholkonsum. Auch der psychische Befund war durchwegs unauffällig. Das
Urinscreening auf gängige Drogen und Arzneimittel fiel negativ aus. Dem Rekurrenten
wurden Kopfhaare in einer Länge von 6,5 cm entnommen und in zwei Segmente
(0-2 cm ab Kopfhaut, 2-4 cm ab Kopfhaut) aufgeteilt. In beiden Haarproben konnte
kein EtG nachgewiesen werden.
In ihrer Beurteilung fasste die Gutachterin die erhobenen Befunde nochmals zusammen
und hielt zusätzlich fest, dass der Rekurrent Einsicht in sein Fehlverhalten zeige und die
Vorfälle nicht bagatellisiere. Sie kam zum Schluss, dass bei ihm vom Vorliegen eines in
der Vergangenheit bestehenden, verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs ausgegangen
werden müsse. Konkrete Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Alkoholabhängigkeit
fänden sich nicht. Der Rekurrent habe mehrfach gezeigt, dass er den Konsum von
Alkohol und das Lenken eines Motorfahrzeugs nicht strikt habe trennen können. Mit
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der Einhaltung einer Alkoholabstinenz habe er zumindest geeignete Schritte
unternommen, um die Problematik anzugehen, und die Konsumverhaltensänderung sei
laboranalytisch nachvollziehbar. Zur Senkung des FiaZ-Rückfallrisikos und zur weiteren
Verlaufsbeobachtung sei vorerst die Einhaltung einer Alkoholabstinenz zu fordern. Mit
dieser Auflage könne die Fahreignung befürwortet werden.
d) Innerhalb von etwas mehr als einem Jahr war der Rekurrent zweimal in
alkoholisiertem Zustand als Lenker eines Motorfahrzeugs unterwegs. Das erste Mal
betrug die Blutalkoholkonzentration mindestens 0,78, beim zweiten Mal
1,70 Gewichtspromille. Beim ersten Vorfall handelte es sich um eine leichte
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften, die mit einer Verwarnung
geahndet wurde. Zutreffend ist, dass jene Massnahme den Rekurrenten nicht von einer
weiteren Trunkenheitsfahrt abzuhalten vermochte. Zu beachten sind indessen die vom
Rekurrenten geschilderten, speziellen Umstände beim Vorfall vom 18. August 2018. Er
befand sich damals in einer schwierigen Lebensphase. Die langjährige Beziehung zu
seiner Freundin war in die Brüche gegangen, er hatte eben erst eine neue Arbeitsstelle
angetreten und es plagten ihn finanzielle Probleme. Es lag damit eine ausserordentliche
Belastungssituation vor, die an jenem Tag zum erhöhten Alkoholkonsum führte.
Hinweise darauf, dass die Belastungssituation bereits seit längerem anhielt und der
Rekurrent in jener Zeit regelmässig zu viel Alkohol trank, ergeben sich weder aus dem
Gutachten noch aus den Akten. Der vom Rekurrenten beschriebene Alkoholkonsum –
im Ausgang, nach dem Fussballtraining oder am Freitagabend nach Arbeitsschluss ein
bis zwei Bier à 0,5 l – kann sodann nicht als übermässig bezeichnet werden. Die
Gutachterin ging nicht näher darauf ein, insbesondere bezeichnete sie die früheren
Konsumgewohnheiten des Rekurrenten nicht als problematisch oder über der
gesellschaftlichen Norm liegend. Dass die Angaben des Rekurrenten wohl zutrafen,
zeigt sich auch daran, dass er nach dem Vorfall problemlos auf Alkohol verzichten
konnte, wie die anlässlich der Begutachtung untersuchte Haarprobe, in der kein EtG
nachgewiesen werden konnte, belegt. Die forensisch-toxikologische Haaranalyse auf
EtG ist eine in der verkehrsmedizinischen Begutachtung eingesetzte, beweiskräftige
Analysemethode, die vom Bundesgericht anerkannt wird und direkten Aufschluss über
den Alkoholkonsum gibt (vgl. BGE 140 II 334 E. 3). Werte von unter 7 pg/mg liefern
keinen Hinweis für einen regelmässigen relevanten Alkoholkonsum und selbst Werte
zwischen 7 und 30 pg/mg sprechen lediglich für einen moderaten bzw.
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sozialverträglichen Alkoholkonsum (vgl. Schweizerische Gesellschaft für
Rechtsmedizin, Arbeitsgruppe Haaranalytik, Bestimmung von Ethylglucuronid [EtG] in
Haarproben, Version 2017, Ziff. 6.2; BGE 140 II 334 E. 7). Hinzu kommt, dass der
Rekurrent sein Fehlverhalten nicht bagatellisierte, sondern sich einsichtig zeigte und die
richtigen Schlüsse daraus zog. Abgesehen von den beiden Fahrten in angetrunkenem
Zustand fiel das Gutachten durchwegs positiv aus. Unter Berücksichtigung der
erwähnten Faktoren ist deshalb davon auszugehen, dass der Alkoholkonsum des
Rekurrenten bis auf das Ausnahmeereignis vom 18. August 2018 moderat bzw.
sozialverträglich war. Trotz der zahlreichen positiv erwähnten Faktoren stellt das
Gutachten beim Rekurrenten ohne nachvollziehbare Begründung einen
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch in der Vergangenheit fest, ohne allerdings den
Zeitpunkt in der Vergangenheit näher zu definieren. Da es für den Zeitraum des Vorfalls
im August 2018 kein Resultat einer Haaranalyse gibt, kann der Nachweis, dass der
Rekurrent damals übermässig Alkohol konsumierte und bei ihm somit ein
Alkoholmissbrauch vorlag, nicht erbracht werden. Im massgebenden Zeitpunkt der
Begutachtung attestierte die Verkehrsmedizinerin dem Rekurrenten keinen
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch.
e) Zu prüfen ist, ob die Fahreignung des Rekurrenten gestützt auf das Gutachten des
IRM nur unter der verfügten Auflage der Alkoholtotalabstinenz für zwei Jahre gegeben
ist oder ob dafür allenfalls auch weniger einschneidende Auflagen genügen. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung stellt die Neigung zum Alkoholmissbrauch einen
Grund dar, der Auflagen rechtfertigt. Die Fahreignung solcher Lenker bedarf der
besonderen Kontrolle. Daran vermag der Umstand nichts zu ändern, dass ein Lenker
grundsätzlich über die Fahreignung verfügt, weil keine Alkoholsucht im medizinischen
Sinne besteht (vgl. BGer 6A.51/2004 vom 19. April 2005 E. 6.3).
Zur weiteren Stabilisierung der Konsumverhaltensänderung sowie zur Senkung des
FiaZ-Rückfallrisikos erachtete die Gutachterin die Fahreignung des Rekurrenten
vorderhand nur unter der Auflage einer Alkoholtotalabstinenz als gegeben. Diese
Auflage sei während zwei Jahren einzuhalten; bei weiterhin günstigem Verlauf sei nach
der zweiten Abstinenzkontrolluntersuchung die Lockerung in eine Alkoholfahrabstinenz
möglich (act. 9/57).
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Obschon im Gutachten also bei gutem Verlauf nach einem Jahr die Lockerung in eine
Fahrabstinenz empfohlen wurde, verfügte die Vorinstanz in Ziffer 2 lit. d eine
Alkoholtotalabstinenz für mindestens zwei Jahre. Damit wich sie ohne nähere
Begründung und damit in unzulässiger Weise von der gutachterlichen Empfehlung ab.
Zudem zeigt der Rekurrent mit seiner Abstinenz, welche nachweislich seit beinahe
einem Jahr anhält (vgl. die negativen Resultate der Haaranalysen vom 4. März und
23. September 2019), dass er seinen Alkoholkonsum kontrollieren konnte. Unter diesen
Umständen erweist sich die umfassende und einschneidende Auflage der
Alkoholtotalabstinenz nicht länger als verhältnismässig.
Anders als im vom Rekurrenten erwähnten Urteil 1C_320/2017 vom 9. Januar 2018, in
dem das Bundesgericht die Auflagen gänzlich aufhob, liegt für den Ereigniszeitpunkt im
August 2018 keine negative Haaranalyse vor. Zudem beging der Rekurrent nicht nur
eine einmalige Trunkenheitsfahrt, sondern er fuhr innerhalb von 14 Monaten zweimal in
alkoholisiertem Zustand, was zumindest im damaligen Zeitpunkt doch auf eine Neigung
zum Alkoholmissbrauch hindeuten konnte. Dafür spricht auch, dass er den Polizisten
trotz hoher Alkoholisierung nur wegen des Alkoholgeruchs aufgefallen war und
ansonsten einen normalen Eindruck hinterliess (act. 9/21). Eine ersatzlose Aufhebung
der Alkoholabstinenz lässt sich vor diesem Hintergrund nicht rechtfertigen. Es erscheint
angebracht, dass für den Rekurrenten eine Alkohol-Fahrabstinenz für ein weiteres Jahr,
bis 23. September 2020, gilt. Hält er diese bis dahin ein, ist die Fahrabstinenz ohne
weitere verkehrsmedizinische Untersuchung und Haaranalyse aufzuheben.
f) Zusammenfassend erweist sich die von der Vorinstanz verfügte Auflage einer
vollständigen, kontrollierten Alkoholabstinenz für mindestens zwei Jahre als
unverhältnismässig. Angesichts der persönlichen Verhältnisse des Rekurrenten, seiner
Konsumgewohnheiten, seiner Aufarbeitung des Vorfalls sowie seiner einjährigen
Alkoholabstinenz ist davon auszugehen, dass der verfügte viermonatige
Warnungsentzug zusammen mit der Auflage einer Fahrabstinenz für die Dauer eines
Jahres ihn künftig zuverlässig von weiteren Trunkenheitsfahrten abzuhalten vermag.
Folglich sind lit. a und b der Ziffer 4 der Verfügung vom 2. Mai 2019 aufzuheben. Die
entsprechenden Einträge im Führerausweis (lit. d) sind zu Lasten des Staates
anzupassen, wobei die Auflage der Alkoholfahrabstinenz bis am 23. September 2020
gilt. Dies entspricht einer teilweisen Gutheissung des Rekurses.
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4.- a) In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Kosten, die ein Beteiligter
durch Trölerei, anderes ungehöriges Verhalten oder durch Verletzung wesentlicher
Verfahrensvorschriften veranlasst, gehen zu seinen Lasten (Art. 95 Abs. 2 VRP).
Einerseits verletzte die Vorinstanz den Anspruch des Rekurrenten auf rechtliches
Gehör, anderseits ist der Rekurs in der Sache teilweise gutzuheissen. Die amtlichen
Kosten sind dem Staat daher zu drei Vierteln und dem Rekurrenten zu einem Viertel
aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von
Fr. 1'200.– ist zu verrechnen und dem Rekurrenten im Restbetrag von Fr. 900.–
zurückzuerstatten.
b) Der Rekurrent hat gemäss Art. 98 Abs. 2 und Art. 98 VRP Anspruch auf eine
Entschädigung der ausseramtlichen Kosten, soweit diese als notwendig und
angemessen erscheinen. Der Beizug eines Rechtsvertreters war im vorliegenden
Rekursverfahren geboten. Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das
Honorar als Pauschale ausgerichtet. Es beträgt zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.–
(Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung; sGS 963.75; abgekürzt HonO). Innerhalb
dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich
nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeiten des Falles und den
wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO). Mit Kostennote
vom 11. November 2019 macht der Rechtsvertreter ein Honorar von Fr. 2'697.50
geltend, was einem Aufwand von knapp elf Stunden entspricht (act. 15/2) und
angesichts der sich stellenden Fragen in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht sowie
des durchschnittlichen Aktenumfangs und der schriftlichen Eingaben noch als
angemessen erscheint. Entsprechend der Verlegung der amtlichen Kosten hat der
Rekurrent Anspruch auf die Hälfte der Entschädigung, somit Fr. 1'348.75 (Art. 98
Abs. 1 VRP). Hinzu kommen Fr. 53.95 Barauslagen (4 % von Fr. 1'348.75; Art. 28
Abs. 1 HonO) und Fr. 108.– Mehrwertsteuer (7,7 % von Fr. 1'402.70; Art. 29 HonO);
entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrsamt).