Decision ID: 40945c8f-7f44-5806-9559-a9fb7e851375
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 3. November 2014 bei der Gemeinde Roggwil
(BE) ein Baugesuch ein für den Neubau eines Mehrfamilienhauses auf Parzelle Roggwil
(BE) Grundbuchblatt Nr. F._. Die Parzelle liegt in der Dorfzone DII und grenzt an
eine Baugruppe des kantonalen Bauinventars (Baugruppe L._ ) Gegen das
Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit
Gesamtentscheid vom 2. September 2015 erteilte das Regierungsstatthalteramt
Oberaargau die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 1. Oktober 2015 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung des Gesamtentscheides vom 2. September 2015 und die Rückweisung an die
Vorinstanz mit verbindlicher Weisung zur weiteren Bearbeitung. Eventuell sei der
Gesamtentscheid vom 2. September 2015 aufzuheben und dem Bauprojekt in der heute
vorliegenden Form und unter Berücksichtigung des heute vorliegenden
Baugesuchsdossiers der Bauabschlag zu erteilen. Dabei machen sie geltend, das
Bauvorhaben ordne sich nicht in das umliegende Ortsbild ein und sei daher aus
ästhetischer und denkmalpflegerischer Sicht nicht bewilligungsfähig. Die Vorinstanz habe
es unterlassen, die notwendigen Fachberichte dazu einzuholen. Zudem bestünden
Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit der Hauszufahrt, die Wärmepumpe führe zu
unakzeptablen Immissionen und die ausgewiesenen Kinderspielflächen seien ungeeignet
und könnten nicht berücksichtigt werden.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte einen
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Regierungsstatthalteramt
beantragt mit Schreiben vom 30. Oktober 2015 die Abweisung der Beschwerde, soweit
darauf eingetreten werden kann. Gleiches beantragt der Beschwerdegegner mit
Beschwerdeantwort vom 2. November 2015 und die Gemeinde mit Stellungnahme vom 4.
November 2015.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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4. Auf Aufforderung des Rechtsamts reichte das beco einen Fachbericht zur
Lärmbelastung der geplanten Luft-Wasser-Wärmepumpe ein und beantwortete danach
Zusatzfragen des Rechtsamts mit einer weiteren Stellungnahme. Weiter ging die
Gemeinde mit Stellungnahme vom 14. Dezember 2015 auf Fragen des Rechtsamts im
Zusammenhang mit der Fassadenfarbe ein. Vom Beschwerdegegner wurde schliesslich
ein Plan mit dem Wendemanöver / den Schleppkurven für den Besucherparkplatz an der
Nordwestfassade eingeholt. Die Parteien erhielten Gelegenheit, Schlussbemerkungen
einzureichen.
5. Auf die Rechtsschriften und die Berichte des beco wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 10 KoG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren
Einsprache abgewiesen wurde, sind Eigentümer der benachbarten Parzellen Roggwil (BE)
Grundbuchblatt Nr. G._ (Beschwerdeführer 1) und Nr. H._
(Beschwerdeführende 2 und 3). Sie sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Die Beschwerde ist innert der
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1 BauG) und enthält einen Antrag und
eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG4). Auf die form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist damit grundsätzlich einzutreten.
b) Die Einsprecher sind nach Art. 40 Abs. 2 BauG nur im Rahmen ihrer
Einsprachegründe beschwerdebefugt, weshalb neue Rügen im Beschwerdeverfahren
grundsätzlich nicht mehr vorgebracht werden können. Das Geltendmachen von nicht
bereits in der Einsprache erhobenen Rügen bewirkt eine unzulässige Erweiterung des
Streitgegenstandes. Davon ausgenommen sind Rügen betreffend eine Verletzung von
Bundesrecht, Völkerrecht oder von kantonalen verfassungsmässigen Rechten, die gemäss
Art. 95 ff. BGG5 auch noch vor Bundesgericht erstmals erhoben werden könnten (vgl. Art.
111 Abs. 3 BGG). Die Verletzung von kantonalem oder kommunalem Recht gehört jedoch
nicht dazu, diesbezüglich gilt die Beschränkung der Rügegründe nach Art. 40 Abs. 2 BauG
weiterhin.6
Die Beschwerdeführenden rügen in ihrer Beschwerde erstmals, die für den
Aufenthaltsbereich und den Kinderspielplatz vorgesehene Fläche im östlichen Teil der
Parzelle sei ungeeignet und genüge den qualitativen Anforderungen nicht. Die Vorinstanz
und die Gemeinde weisen darauf hin, dass diese Rüge erstmals im
Baubeschwerdeverfahren vorgebracht wurde, weshalb nicht darauf einzutreten sei.
In ihrer Einsprache haben die Beschwerdeführenden weder explizit eine Verletzung der
Vorgaben für Kinderspielplätze und Aufenthaltsbereiche geltend gemacht noch diese
Themenbereiche angesprochen. Da die Bestimmungen zu den Kinderspielplätzen und
Aufenthaltsbereichen kantonales Recht betreffen (Art. 15 BauG, Art. 42 ff. BauV7), kann
deren Verletzung nicht erst im Beschwerdeverfahren gerügt werden. Die Rüge ist daher
verspätet, so dass darauf nicht einzutreten ist.
Die BVE kann das Bauvorhaben aber von Amtes wegen prüfen und den Entscheid
abändern, wenn er erhebliche Mängel aufweist (Art. 40 Abs. 3 BauG). Entgegen der
4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 5 Bundesgesetz vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) 6 BVR 2015 S. 15 E. 1.4; VGE 2010/90 vom 1. November 2010, E. 2.3 und 2.5; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40/41 N. 9a. 7 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1).
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Ansicht der Beschwerdeführenden sind keine erheblichen Mängel erkennbar, welche ein
Aufgreifen dieser Thematik von Amtes wegen rechtfertigen könnte. So ist beim
umstrittenen Bauvorhaben sowohl ein Kinderspielplatz als auch eine Aufenthaltsfläche
vorgesehen. Das Gefälle im östlichen Bereich der Parzelle schliesst eine Nutzung dieses
Bereichs als Kinderspielplatz nicht grundsätzlich aus.
2. Ortsbildschutz
a) Die Beschwerdeführenden rügen, das überdimensionierte Bauvorhaben wirke als
Fremdkörper im Quartier und beeinträchtige die angrenzende Schutzzone stark. Das
Quartierbild sei geprägt von den historischen Riegelbauten des Bergquartiers sowie
kleineren, schlicht gehaltenen Einfamilien- und Doppeleinfamilienhäusern. Charakteristisch
für die angrenzende Baugruppe sei eine lockere Bebauung, welche viel Raum für
Nutzgärten und schöne Aussenräume zulasse. Zudem lasse sich die gewählte
Fassadenfarbe "Apricot" in keiner Weise mit dem kleinbäuerlichen Charakter des
unmittelbar angrenzenden Bergquartiers vereinbaren. Es sei ein Fachbericht bei der
kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) einzuholen.
Der Beschwerdegegner ist der Ansicht, das Bauvorhaben füge sich bezogen auf die
Stellung, die Volumetrie und die Dachform in die umliegende bestehende Bebauung ein.
Die baupolizeilichen Masse würden eingehalten. Im Quartier befänden sich bereits heute
auch Mehrfamilienhäuser. Der Charakter des Quartiers habe sich längst vom
kleinstrukturierten, kleinbäuerlichen Erscheinungsbild zu einem durchmischten, vorwiegend
mit Wohnbauten durchsetzten Quartier gewandelt. Die gewählte Fassadenfarbe sei nicht
ortsfremd; so weise etwa das Gebäude des Beschwerdeführers 1 und weitere Gebäude im
Quartier eine ähnliche Farbe auf. Die Gemeinde führt aus, bei Neubauvorhaben
ausserhalb des Ortsbildschutzgebiets liege die Zuständigkeit zur Beurteilung ästhetischer
Belange bei der Gemeinde. Die Bau- und Betriebskommission erachte das Bauvorhaben
als ortsbildverträglich.
b) Laut Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten und Anlagen die Landschaften, Orts- und
Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Diese Vorschrift stellt die „ästhetische Generalklausel“
im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar. Eine Beeinträchtigung liegt vor,
wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden Überbauung schafft, der
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erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften erlassen, die über die
kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften müssen, um
selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die Anordnungen des
kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders formulieren.8
Das Baureglement der Gemeinde Roggwil (GBR9) enthält folgende Bestimmungen zur
Gestaltung von Bauten und Anlagen: Nach Art. 21 GBR sind Bauten und Anlagen
hinsichtlich ihrer Gesamterscheinung, Lage, Proportionen, Dach- und Fassadengestaltung,
Material- und Farbwahl so auszubilden, dass sie einen positiven Beitrag zur Erscheinung
des Orts- und Landschaftsbildes leisten. Weiter ist die Umgebung von Bauten und Anlagen
so zu gestalten, dass sich eine gute Einordnung in die Landschaft und Siedlung ergibt
sowie attraktive und ortsbildgerechte Aussenräume entstehen (Art. 29 Abs. 1 GBR). In der
Dorfzone ist für Massstab und Bauvolumen grundsätzlich der Charakter der Umgebung zu
übernehmen. Neu- und Umbauten sind so zu gestalten, dass sie sich massstäblich und
architektonisch in die bauliche Umgebung einfügen (Art. 35 Abs. 2 GBR). Bei der
Umgebungsgestaltung ist dem Quartiercharakter und insbesondere dem Strassenraum mit
dem Vorland Rechnung zu tragen (Art. 35 Abs. 4 GBR).
Diese Bestimmungen gehen weiter als Art. 9 Abs. 1 BauG; ihnen kommt daher
selbständige Bedeutung zu. Bei ihrer Auslegung und Anwendung kann sich die Gemeinde
zudem auf die Gemeindeautonomie berufen. Es ist somit vorab Sache der Gemeinde, zu
bestimmen, wie sie ihre Ästhetikvorschriften verstanden haben will. Die BVE als
Rechtsmittelinstanz hat nur zu prüfen, ob die Auslegung durch die Gemeinde rechtlich
haltbar ist.10
Gestützt auf Vorschriften des allgemeinen Ortsbild- und Landschaftsschutzes dürfen in der
Regel Art oder Mass der nach der Zonenordnung zulässigen Nutzung nicht eingeschränkt
werden.11
8 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen. 9 Baureglement der Gemeinde Roggwil (BE) vom 16. Oktober 2006, genehmigt durch das AGR am 22. Oktober 2007. 10 VGE 22887 vom 21.08.2007, E. 4.3, mit Hinweisen. 11 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 15.
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c) Das geplante Mehrfamilienhaus mit vier Wohneinheiten weist eine Grundfläche von
20 x 12 m auf. Es verfügt über ein Unter-, ein Erd-, ein Ober- sowie ein Dachgeschoss.
Insgesamt sind sieben Parkplätze geplant, wovon vier gedeckt sind und sich weitere drei
auf dem Vorplatz befinden. Abgesehen vom grösseren Zufahrts- und Vorplatzbereich ist
die Umgebung des Hauses auf der Bauparzelle als Rasen- bzw. Grünfläche vorgesehen;
im östlichen Teil der Parzelle ist eine Spielplatzfläche geplant. Das Bauvorhaben ist mit
einem Satteldach aus Ziegeln in der Farbe anthrazit ausgestaltet. Nach den Angaben im
Baugesuch sollten die verputzten Fassaden in beige gestrichen werden. Aus dem
Amtsbericht der Gemeinde vom 16. März 201512 geht jedoch hervor, dass sich der
Beschwerdegegner für die Farbe apricot entschied, bei der Gemeinde ein entsprechendes
Farbmuster einreichte (Apricot, Granol, Farbnummer 24143, analog Mehrfamilienhaus
I._strasse 14) und die Gemeinde bei der Beurteilung von diesem Farbton ausging.
Dieser Farbton ist damit auch für die vorliegende Beurteilung relevant; da er jedoch im
Widerspruch zu den Angaben im Baugesuch steht, ist der Entscheid von Amtes wegen mit
dem massgebenden Farbton der Fassaden zu ergänzen.
d) Es ist zu prüfen, ob sich das geplante Bauvorhaben gut in das bestehende
Siedlungs- und Landschaftsbild einordnet und sich damit in die bauliche Umgebung
einfügt. Die Bauparzelle befindet sich in keinem Ortsbildschutzgebiet nach Art. 53 GBR,
grenzt jedoch nordwestlich unmittelbar an die als Ortsbildschutzgebiet ausgeschiedene
Baugruppe L._ an. Gemäss dem kantonalen Bauinventar handelt es sich bei
dieser Baugruppe um ein altes Quartier, das den ursprünglichen kleinbäuerlichen
Charakter weitgehend bewahrt hat, wobei die meisten Bauten nach Südosten ausgerichtet
sind und es sich dabei fast ausschliesslich um Riegbauten handelt, die im 19. Jahrhundert
errichtet worden sind. Die Bebauung ist gemäss Inventartext locker und lässt viel Raum für
Nutzgärten und schöne Aussenräume. In der Nähe des Bauvorhabens befindet sich einzig
ein erhaltenswertes Gebäude, nämlich das Wohnhaus mit Scheune am J._weg
18. Das erhaltenswerte Haus am J._weg 16 dagegen wurde abgebrochen und
durch einen Neubau ersetzt.
Wie das Orthofoto13 und der Ortsplan14 in den Akten zeigen, weisen die Häuser in der
Umgebung des umstrittenen Bauvorhabens sehr unterschiedliche Dimensionen und
12 Vorakten, pag. 110. 13 Beilage 1 Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin vom 2. November 2015.
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Grundrisse auf. Neben der vorherrschenden Dachform des Satteldachs verfügen
verschiedene Häuser auch über Krüppelwalmdächer und teilweise auch über grössere
oder kleinere Dachaufbauten. Die Anordnung der Gebäude wirkt zufällig; die Gebäude in
der Umgebung – und damit auch im angrenzenden Schutzgebiet – weisen keine
einheitliche Firstrichtung auf. Aus der Fotodokumentation der Gemeinde15 geht zudem
hervor, dass auch hinsichtlich der Farb- und Materialwahl sehr grosse Unterschiede
bestehen. Die Fassadenfarben variieren zwischen braun, weiss, grau, hellgelb,
orange/apricot und rosa; an Materialien finden sich Holzverkleidungen, Sichtbetonelemente
und Verputz.
e) Die Gebäude in der Umgebung des Bauvorhabens – sowohl diejenigen innerhalb als
auch diejenigen ausserhalb der angrenzenden Baugruppe L._ – weisen nicht nur
unterschiedliche Grundrisse auf, sie unterscheiden sich auch hinsichtlich Volumetrie, Farbe
und Material. Auch innerhalb der Baugruppe befinden sich nicht mehr "fast ausschliesslich
Riegbauten", wie aus dem Inventartext hervorgeht. Vielmehr finden sich auch dort
verschiedene andere Gebäudearten, wie die Fotos der Gemeinde belegen (vgl.
insbesondere das neue Wohnhaus am J._weg 16 und damit in der Nähe der
Bauparzelle).16 Eine einheitliche Gebäudetypologie besteht offensichtlich nicht. Das
Siedlungsbild in der Umgebung der Bauparzelle ist damit als heterogen zu
charakterisieren. Auch wenn die Bauparzelle an ein Ortsbildschutzgebiet grenzt, liegt das
Bauvorhaben nicht in einer besonders sensiblen Umgebung. Es kann unter diesen
Umständen nicht gesagt werden, dass sich das Bauvorhaben nicht gut in die bauliche
Umgebung einfügt. Die Grösse des geplanten Mehrfamilienhauses ist vergleichbar mit
diversen Häusern in der unmittelbaren Umgebung17; es hält zudem die baupolizeilichen
Masse ein. Massstab und Bauvolumen entsprechen damit dem Charakter der Umgebung
(Art. 35 Abs. 3 GBR). Das Satteldach entspricht der vorherrschenden Dachform im
Quartier. Die Fassadenfarbe "apricot" ist vergleichbar mit dem Farbton des Hauses des
14 Plan "J._weg 13, nähere Umgebung", eingereicht von der Gemeinde mit der Stellungnahme vom 14. Dezember 2015. 15 Fotodossier der näheren Umgebung, eingereicht von der Gemeinde mit der Stellungnahme vom 14. Dezember 2015. 16 Fotodossier der näheren Umgebung, eingereicht von der Gemeinde mit der Stellungnahme vom 14. Dezember 2015, Fotos Nrn. 1-3, 12. 17 vgl. auch Plan "Volumen im Quartier", Beilage 3 der Beschwerdeantwort des Beschwerdegegners vom 2. November 2015.
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Beschwerdeführers 1 am J._weg 15a18, fällt aufgrund der verschiedenen Farbtöne
in der Umgebung nicht besonders auf und wirkt sich entsprechend auch nicht störend aus.
Die verputzte Fassade ist im Erscheinungsbild der Umgebung gang und gäbe. Auch
architektonisch passt das Bauobjekt daher gut in das Umgebungsbild. Gemäss dem
Umgebungsplan sind neben der grösseren Grünfläche mit Spielplatz im östlichen Teil der
Parzelle um das ganze Haus weitere Grünflächen vorgesehen. Damit wird auch in Bezug
auf die Umgebung eine gute Einordnung erreicht. Von einem Fremdkörper im Quartier, wie
dies die Beschwerdeführenden vorbringen, kann keine Rede sein. Das Mehrfamilienhaus
fügt sich vielmehr gut in das Umgebungsbild ein. Die Bauparzelle selber befindet sich nicht
im Ortsbildschutzgebiet, weshalb die Vorgaben von Art. 53 GBR zu den
Ortsbildschutzgebieten vorliegend nicht direkt anwendbar sind. Trotzdem kann festgestellt
werden, dass der Neubau die angrenzende Baugruppe nicht beeinträchtigt und auf deren
Schutzobjekte angemessen Rücksicht nimmt (Art. 53 Abs. 2 GBR). Unter dem Aspekt des
Quartier- und Ortsbildschutzes ist das projektierte Vorhaben – der Ansicht der Gemeinde
folgend – nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist in diesem Punkt unbegründet.
f) Die BVE stellt den Sachverhalt im Rahmen des Verfahrensgegenstands von Amtes
wegen fest. Dabei bestimmt sie Art und Umfang der Ermittlungen der rechtserheblichen
Sachumstände, ohne dass sie an die Beweisanträge der Parteien gebunden ist (Art. 18
Abs. 1 und 2 VRPG). Ihr steht bei der Erhebung und Abnahme von Beweisen ein weiter
Ermessensspielraum zu.19 Vorliegend vermitteln die vorhandenen Pläne, Fotos und
Beschreibungen ein anschauliches Bild der Situation. Der Sachverhalt ergibt sich mit
genügender Klarheit aus den Akten. Dazu kommt, dass sich das Vorhaben trotz der Nähe
zur Baugruppe L._ in einer ästhetisch durchschnittlichen Umgebung und damit
nicht in einem sensiblen Umfeld befindet. Unter diesen Umständen konnte auf den Beizug
der OLK verzichtet werden. Der entsprechende Beweisantrag der Beschwerdeführenden
ist abzuweisen.
3. Denkmalpflege
18 Fotodossier der näheren Umgebung, eingereicht von der Gemeinde mit der Stellungnahme vom 14. Dezember 2015, Foto Nr. 9. 19 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 18 N. 8 mit Hinweisen.
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a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, südwestlich auf der gegenüberliegenden
Wegseite stünden in unmittelbarer Nähe der Bauparzelle zwei erhaltenswerte
Baudenkmäler (J._weg 16 und 18). Beide seien, wie für das Bergquartier üblich,
von einer grosszügigen Wiesenfläche umgeben. Das wuchtige Mehrfamilienhaus dagegen
sprenge optisch offenkundig die Platzverhältnisse der betreffenden Parzelle und nehme auf
die in nächster Nähe im Ortsbildschutzperimeter gelegenen Baudenkmäler zu wenig
Rücksicht. Die bestehenden denkmalpflegerischen Einwände bedürften einer vertieften
Auseinandersetzung, zu welcher die zuständige Fachbehörde beizuziehen sei.
Der Beschwerdegegner weist darauf hin, dass das erhaltenswerte Gebäude am
J._weg 16 mit Zustimmung der Denkmalpflege abgebrochen und durch einen
Neubau ersetzt worden sei. Sein Grundstück sei rechtskräftig der Dorfzone II zugewiesen;
dabei handle es sich um eine Bauzone und nicht um eine Parkzone.
b) Wie der Beschwerdegegner richtig festhält, wurde das erhaltenswerte Gebäude am
J._weg 16 mit Zustimmung der Denkmalpflege abgebrochen.20 In unmittelbarer
Nähe ist damit einzig das Haus am J._weg 18 als erhaltenswertes Baudenkmal
eingestuft. Gemäss Kurzbeschrieb auf dem Inventarblatt handelt es sich bei diesem
Wohnhaus mit Scheune aus dem 19. Jahrhundert um eine braun gestrichene
Riegkonstruktion auf massivem Sockel, welche über ein geknicktes, weit ausladendes
Vollwalmdach verfügt. Das klassizistisch anmutende, gepflegte Gebäude wirke weiter
durch sein grosses Volumen; es sei von Wiesen umgeben und werde von zwei Tannen
flankiert. Es stehe von der Strasse leicht zurückversetzt und es handle sich um einen für
das Bergquartier eher unüblichen Bautypus.
Das Gebäude am J._weg 18 unterliegt dem Schutz von Art. 10b BauG. Gemäss
Absatz 1 dieser Bestimmung dürfen Baudenkmäler durch Veränderungen in ihrer
Umgebung nicht beeinträchtigt werden. Das ist nicht absolut zu verstehen und heisst nicht,
dass die Umgebung überhaupt nicht verändert werden darf. Eine Veränderung soll aber
auf das Baudenkmal grösstmögliche Rücksicht nehmen und dieses nicht wesentlich
beeinträchtigen. Was das im konkreten Fall heisst, hängt vom Schutzbedarf des
Baudenkmals und seiner Stellung in der Umgebung einerseits und dem Interesse der
Veränderung dieser Umgebung andererseits ab.21
20 vgl. Fachbericht Denkmalpflege vom 6. Juli 2012, Beilage 6 Beschwerdeantwort des Beschwerdegegners vom 2. November 2015. 21 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 10a-10f N. 7.
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c) Betreffen Baubewilligungsverfahren schützenswerte und erhaltenswerte
Baudenkmäler, die Bestandteil einer im Bauinventar aufgenommenen Baugruppe sind, ist
die zuständige kantonale Fachstelle in jedem Fall in das Verfahren einzubeziehen (Art. 10c
Abs. 1 BauG, so auch Art. 52 Abs. 2 GBR). Art. 22 Abs. 3 BewD22 präzisiert, dass die
kantonale Fachstelle beizuziehen ist, wenn ein Bauvorhaben ein solches Objekt oder die
Umgebung eines solchen Objekts betrifft.
Dies ist hier nicht der Fall. Vorliegend handelt es sich um einen Neubau, weshalb das
umstrittene Bauvorhaben selber kein Baudenkmal betrifft. Zwar bestand auf der
Bauparzelle bereits ein Wohnhaus, dieses wurde jedoch bereits im Jahr 2014 abgerissen.
Dazu kommt, dass es sich auch bei diesem ursprünglichen Gebäude auf der Parzelle des
Beschwerdegegners nicht um ein geschütztes Objekt gehandelt hat. Die Denkmalpflege
wäre daher höchstens dann zwingend beizuziehen, wenn ein Bauvorhaben die Umgebung
eines Baudenkmals in einer Baugruppe betrifft. Dabei lässt sich ein zwingender Beizug der
Fachstelle nur rechtfertigen, wenn das Bauvorhaben in unmittelbarer Nähe des
Baudenkmals liegt und damit ein direkter Bezug zwischen diesen Objekten besteht. Hier
jedoch befindet sich das erhaltenswerte Gebäude am J._weg 18 nicht unmittelbar
neben dem projektierten Bauvorhaben. Die Entfernung zwischen den beiden Häusern
beträgt rund 50 m; die beiden Parzellen haben keinen Berührungspunkt. Dazwischen
befindet sich zudem der J._weg. Das geschützte Gebäude am J._weg 18
liegt schliesslich nicht direkt am J._weg, sondern ist von diesem Weg rund 25 m
zurückversetzt. Aus diesem Grund musste die Vorinstanz die kantonale Denkmalpflege
nicht zwingend in das Verfahren einbeziehen.
d) Eine Beeinträchtigung des erhaltenswerten Gebäudes am J._weg 18 durch
das umstrittene Bauvorhaben ist zu verneinen. So befindet sich das Bauprojekt nicht in
unmittelbarer Nähe dieses Baudenkmals (vgl. E. 3c). Die beiden Parzellen grenzen nicht
direkt aneinander an und sowohl das Haus am J._weg 18 als auch das geplante
Mehrfamilienhaus des Beschwerdegegners befinden sich auf ihrer Parzelle in etwas
zurückversetzter Lage. Das Bauvorhaben weist zwar eine etwas grössere Grundfläche auf
als das bisherige, inzwischen abgebrochene Wohnhaus auf dieser Parzelle. Es befindet
sich jedoch in ähnlicher Lage. Dazu ist auch im vorliegenden Kontext zu beachten, dass
sich die Bauparzelle selber nicht in der Baugruppe L._ befindet. Das
22 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
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Beeinträchtigungsverbot von Art. 10b BauG geht zudem nicht mit einem absoluten
Veränderungsverbot in der Umgebung des Baudenkmals einher (vgl. E. 3b). Insgesamt ist
nicht erkennbar, inwiefern das geplante Gebäude einen negativen Einfluss auf das
erhaltenswerte Haus am J._weg 18 haben sollte. Die Beschwerdeführenden
bringen einzig vor, das Bauvorhaben nehme aufgrund seiner Grösse keine Rücksicht auf
das Baudenkmal. Wieso jedoch das Bauobjekt, welches die Vorgaben der Zonenordnung
einhält, das erhaltenswerte Gebäude am J._weg 18 unzulässig beeinträchtigen
sollte, wird von ihnen nicht näher begründet. Einzig aufgrund der Grösse des
Bauvorhabens, welche als nicht quartierunüblich eingestuft wird (vgl. E. 2e), kann nicht von
einer wesentlichen Beeinträchtigung gesprochen werden. Auch diese Rüge der
Beschwerdeführenden erweist sich als unbegründet. Auf das Einholen eines Fachberichts
der kantonalen Denkmalpflege kann verzichtet werden (vgl. E. 2f und 3c); der
entsprechende Beweisantrag ist abzuweisen.
4. Verkehrssicherheit
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Verhältnisse auf dem Vorplatz seien so eng,
dass verschiedene Sicherheitsbedenken bestünden. Die von der Bauherrschaft in den
Plänen eingetragenen Schleppkurven würden nicht belegen, dass von allen Parkplätzen
problemlos gewendet werden könne; die eingetragenen Wendemanöver würden nur auf
dem Papier funktionieren. Es sei abzusehen, dass Fahrzeuge mangels tatsächlicher
Wendemöglichkeit rückwärts aus der Einfahrt auf die Strasse fahren müssten. Zudem
befürchten die Beschwerdeführenden aufgrund der knappen Platzverhältnisse
Konfliktsituationen zwischen den Fahrzeugen und Fussgängern sowie Velos, da der
Zugang zum Haupteingang auch über den Vorplatz führt.
Aus Sicht der Gemeinde und der Vorinstanz erlauben die Abmessungen und Geometrien
des Vorplatzes problemlose Wendemanöver auf dem Grundstück. Die Sicherheit der
Strasse und des Verkehrs werde nicht gefährdet. Der Beschwerdegegner weist zudem
darauf hin, dass bei der Ausfahrt auf den J._weg die geltenden Sichtweiten
eingehalten würden. Es sei zu beachten, dass es sich ausschliesslich um ein privates
Grundstück und um eine private Nutzung handle. Bezogen auf den öffentlichen Raum
entstehe keine Gefährdung.
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b) Mit dem umstrittenen Bauvorhaben wird ein neuer Strassenanschluss auf den
J._weg (Gemeindestrasse) erstellt. Im Vergleich zum inzwischen abgerissenen
Haus auf der Bauparzelle geht mit dem geplanten Mehrfamilienhaus mit vier Wohnungen
zudem eine gesteigerte Nutzung des Strassenanschlusses einher. Daher ist eine
Strassenanschlussbewilligung der Gemeinde erforderlich (Art. 85 Abs. 1 SG23). In
koordinierten Verfahren wie dem vorliegenden wird die Strassenanschlussbewilligung
Bestandteil des Gesamtentscheides und ist im Dispositiv des Entscheides zu nennen (Art.
9 Abs. 2 Bst. a KoG). Die notwendige Strassenanschlussbewilligung der Gemeinde wurde
vorliegend im vorinstanzlichen Verfahren weder erteilt noch im Dispositiv des
angefochtenen Entscheids aufgenommen.
c) Voraussetzung für eine Strassenanschlussbewilligung ist, dass die Zu- und
Wegfahrten die öffentliche Strasse nicht beeinträchtigen (vgl. dazu Art. 73 Abs. 1 SG und
Art. 21 Abs. 1 BauG in Verbindung mit Art. 57 BauV). Die Verkehrssicherheit muss damit
gewährleistet sein. Zur Beurteilung der Frage, ob ein Strassenanschluss verkehrssicher ist,
können die einschlägigen Normen des Schweizerischen Verbands der Strassen- und
Verkehrsfachleute (VSS) herangezogen werden.24 Voraussetzung für einen sicheren
Strassenanschluss sind nach der Norm VSS SN 640 050 (Grundstückzufahrten) vorab die
Ein- und Ausfahrt in Vorwärtsrichtung sowie ausreichend grosse Sichtfelder.25
d) Vorliegend beurteilte die Gemeinde die Verkehrssicherheit beim neuen
Strassenanschluss im vorinstanzlichen Verfahren. So führte sie aus, die Bau- und
Betriebskommission erachte die Platzverhältnisse (Vorplatz, Zufahrt) als genügend, um
Fahrzeuge wenden zu können und vorwärts in den J._weg einzufahren. Die
Verkehrssicherheit sei gewährleistet.26 Diese Beurteilung bestätigte sie im
Beschwerdeverfahren.
Der Beschwerdegegner reichte für jeden der sieben Parkplätze einen Plan mit den
eingetragenen Wendemanövern ein.27 Auch wenn die Platzverhältnisse auf dem privaten
23 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11). 24 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 21 N. 7. 25 VSS SN 640 050, Tabelle 2. 26 Stellungnahme der Gemeinde vom 24. April 2015, Vorakten pag. 190. 27 Pläne Wendemanöver A-E vom 14. Juli 2015, eingereicht im vorinstanzlichen Verfahren, sowie Plan Wendemanöver F vom 10. Dezember 2015, eingereicht im Beschwerdeverfahren.
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Vorplatz teilweise etwas knapp sind, so sind die in diesen Plänen eingetragenen
Schleppkurven und Wendemanöver plausibel und damit machbar. Zu berücksichtigen ist
dabei auch, dass die vier gedeckten Parkfelder mit Breiten zwischen 2.70 m und 3 m relativ
breit sind. Der Beschwerdegegner belegt mit diesen Plänen, dass genügend Platz
vorhanden ist, um mit den Fahrzeugen aus sämtlichen Parkfeldern auf dem eigenen
Vorplatz zu wenden. Es sind damit keine weiteren Manöver auf dem J._weg
erforderlich. Die Beschwerdeführenden dagegen legen nicht näher dar, wieso diese
Wendemanöver auf dem Vorplatz trotz der teilweise etwas engen Verhältnisse nicht
funktionieren sollten.
Weiter sind auch die Sichtfelder bei der Ausfahrt auf den J._weg ausreichend.
Gemäss der Norm VSS SN 640 273a muss die Knotensichtweite bei einer zulässigen
Geschwindigkeit von 50 km/h – wie dies auf dem J._weg der Fall ist – mindestens
50 m betragen.28 Gemäss dem Umgebungsplan hält das freie Sichtfeld vorliegend
beidseitig diese Vorgabe ein, was auch von den Beschwerdeführenden nicht bestritten
wird.
Insgesamt kann damit der Einschätzung der Gemeinde, wonach die Verkehrssicherheit im
Bereich des Strassenanschlusses gewährleistet ist, gefolgt werden. Auf eine zusätzliche
Fachbeurteilung durch das kantonale Tiefbauamt konnte unter diesen Umständen
verzichtet werden. Der entsprechende Beweisantrag der Beschwerdeführenden wird
abgewiesen.
e) Damit steht fest, dass die Strassenanschlussbewilligung zwar erteilt werden kann,
dies jedoch im vorinstanzlichen Verfahren zu Unrecht unterblieben ist. Indem es das
Regierungsstatthalteramt unterliess, bei der Gemeinde die notwendige
Strassenanschlussbewilligung gemäss Art. 85 Abs. 1 SG einzuholen, lastet dem
vorinstanzlichen Baubewilligungsverfahren somit ein formeller Mangel an.
Zwar ist die BVE befugt, ein bei ihr hängiges Baubewilligungsverfahren von Amtes wegen
aufzuheben, wenn wesentliche Verfahrensgrundsätze derart verletzt sind, dass die richtige
Beurteilung unmöglich oder wesentlich erschwert wird (Art. 40 Abs. 1 VRPG). Dies ist
jedoch vorliegend nicht angezeigt. So soll nicht jeder Verfahrensfehler zur Kassation
28 VSS SN 640 273a Ziff. 12, insbesondere Tabelle 1
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führen. Es muss sich um gravierende Mängel handeln, welche die richtige Beurteilung
ausschliessen oder wesentlich erschweren. Ausgeschlossen ist die korrekte
Entscheidfindung z.B. dann, wenn die Justizbehörde Versäumtes nicht nachholen kann. So
verhält es sich insbesondere, wenn sie nicht die gleiche Überprüfungsbefugnis hat wie die
Vorinstanz und die Verfahrensfehler den weiteren Entscheidspielraum der Vorinstanz
beschlagen. Weniger wichtige prozessuale Mängel soll die Rechtsmittelbehörde aus
prozessökonomischen Gründen heilen.29
Vorliegend hat die Vorinstanz zwar einen formellen Fehler begangen, indem sie von der
Gemeinde keine Strassenanschlussbewilligung eingeholt hat. Dieser Mangel hat aber nicht
zur Folge, dass die richtige Beurteilung ausgeschlossen wäre oder wesentlich erschwert
würde. So hat die Gemeinde – wie ausgeführt (E. 4d.) – die Verkehrssicherheit beim neuen
Strassenanschluss beurteilt und bejaht. Im Rechtsmittelverfahren hat sie diese
Einschätzung mit Stellungnahme vom 4. November 2015 nochmals bestätigt. Damit ist
klar, dass die Gemeinde – bei korrektem Verfahrensablauf – die notwendige
Strassenanschlussbewilligung erteilt hätte. Weiter hatten die Beschwerdeführenden im
vorinstanzlichen Verfahren Kenntnis von dieser Beurteilung der Gemeinde und konnten
hierzu Stellung nehmen. Unter diesen Umständen macht es aus prozessökonomischer
Sicht keinen Sinn, das Verfahren von Amtes wegen aufzuheben und an die Vorinstanz
zurückzuweisen, nur um die fehlende Bewilligung einzuholen. Die Rückweisung würde
einen unnötigen prozessualen Leerlauf darstellen. Dazu kommt, dass der BVE als
Beschwerdeinstanz die volle Überprüfungsbefugnis zukommt (Art. 40 Abs. 3 BauG) und
der Mangel mit dem vorliegenden Entscheid geheilt werden kann, indem die
Strassenanschlussbewilligung noch erteilt wird.
f) Auch auf dem Vorplatz selber muss gestützt auf Art. 21 Abs. 1 BauG sowie Art. 57
BauV die Sicherheit der Benutzenden gewährleistet sein. Dass dies vorliegend nicht der
Fall wäre, vermögen die Beschwerdeführenden nicht überzeugend darzulegen. Dass der
private Vorplatz sowohl als Zufahrts- und Manövrierbereich für Autos benutzt wird als auch
als Zugang zum Gebäude für Fussgänger und Velofahrende dient, ist nicht unüblich und
bedeutet nicht automatisch, dass die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Vorliegend
besteht im südlichen Bereich des Vorplatzes auf Höhe des Eingangs des Wohnhauses ein
Streifen, welcher durch die Wendemanöver der Autos wenig beeinträchtigt ist und so durch
29 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 40 N. 5.
RA Nr. 110/2015/132 16
die Fussgänger und Velofahrenden ohne grössere Konflikte genutzt werden kann. Weiter
handelt es sich um ein Haus mit nur vier Wohnungen, so dass Konfliktsituationen zwischen
den Benutzenden ohnehin nicht allzu oft vorkommen sollten. Zudem ist der Platz von allen
Seiten gut überblickbar. Von einer Gefährdung der Sicherheit der Vorplatznutzenden ist
daher nicht auszugehen. Die Beschwerde ist auch in diesem Punkt abzuweisen.
5. Wärmepumpe
a) Die Beschwerdeführenden bringen weiter vor, die geplante Luftwasserwärmepumpe
im Technikraum befinde sich am denkbar ungünstigsten Standort; sie sei genau auf die
Nachbarliegenschaft ausgerichtet, welche auf dieser Seite über Schlafzimmer verfüge. Der
geringe Abstand zwischen der Entlüftung der Wärmepumpe und der Nachbarliegenschaft
führe zu unakzeptablen Immissionen. Um diese zu vermeiden, sei die Heizung anders zu
platzieren und die Entlüftung der Wärmepumpe nicht gegen die betreffende Liegenschaft
hin zu installieren. Dies gelte mit Blick auf das Vorsorgeprinzip selbst dann, wenn die
Pumpe die Immissionsgrenzwerte einhalten sollte.
b) Bei der geplanten Wärmepumpe handelt es sich um eine ortsfeste Anlage im Sinne
von Art. 7 Abs. 2 USG30 und Art. 2 Abs. 1 LSV31, bei deren Betrieb Lärm verursacht wird.
Gemäss Art. 11 Abs. 1 und 2 USG sind Einwirkungen auf die Umwelt durch Massnahmen
an der Quelle zu begrenzen, und zwar im Rahmen der Vorsorge unabhängig von der
bestehenden Umweltbelastung so weit, als dies technisch und betrieblich möglich und
wirtschaftlich tragbar ist. Diesem Vorsorgeprinzip liegt der Gedanke der Prävention
zugrunde. Aus dem Vorsorgeprinzip lässt sich jedoch nicht ableiten, von einer Anlage
Betroffene hätten überhaupt keine Belastungen hinzunehmen. Soweit die Entstehung
bestimmter Emissionen nicht verhindert werden kann, dienen die gestützt auf das
Vorsorgeprinzip zu ergreifenden Massnahmen dazu, Mensch und Umwelt gegen die
Einwirkungen abzuschirmen. Das Vorsorgeprinzip hat somit hinsichtlich der Einwirkungen
nicht zwingend eliminierenden Charakter, doch leistet es jedenfalls einen Beitrag zu deren
Begrenzung.32 Die Massnahmen, die gestützt auf dieses Prinzip verfügt werden, müssen
verhältnismässig sein.33
30 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01). 31 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41). 32 BGE 124 II 517 E. 4a.
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Nach Art. 25 Abs. 1 USG dürfen ortsfeste Anlagen nur errichtet werden, wenn die durch
diese Anlagen allein erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte in der Umgebung
nicht überschreiten. Beim Lärmschutz bilden diese Planungswerte bereits ein Element des
vorsorglichen Immissionsschutzes (Art. 23 USG). Sind die Planungswerte eingehalten,
rechtfertigen sich zusätzliche emissionsbegrenzende Massnahmen deshalb nur, wenn mit
relativ geringem Aufwand eine wesentliche zusätzliche Reduktion der Emissionen erreicht
werden kann.34 Für bestimmte Anlagen, so auch für Wärmepumpen, wird die Forderung
nach zusätzlichen emissionsbegrenzenden Massnahmen mit einem Vorsorgewert
konkretisiert, der strenger ist als die Planungswerte. Die Liegenschaften der
Beschwerdeführenden und des Beschwerdegegners befinden sich in der Dorfzone II.
Damit gilt für sie die Empfindlichkeitsstufe (ES) III (Art. 43 Abs. 1 GBR). Der Vorsorgewert
beco für Wärmepumpen in der hier betroffenen ES III beträgt während der akustischen
Tageszeit (07.00 - 19.00 Uhr) 45 dB(A) und während der Nachtzeit (19.00 - 07.00 Uhr)
35 dB(A).35 Diese Werte gelten bezüglich der nächsten lärmempfindlichen Räume (Räume
in Wohnungen, ausgenommen Küchen ohne Wohnanteil, Sanitärräume und Abstellräume)
und werden in der Mitte des offenen Fensters ermittelt (Art. 39 Abs. 1 LSV).
c) Das Bauprojekt sieht im Technikraum des Untergeschosses eine Luft-Wasser-
Wärmepumpe vor. Die Zu- und Fortluftkanäle münden in Fassadenöffnungen mit
schallgedämmten Wetterschutzgittern auf der Nordwest- und der Nordostfassade des
Gebäudes.36 Gemäss dem vom Beschwerdegegner im vorinstanzlichen Verfahren
eingereichten Lärmschutznachweis weist der gewählte Typ der Wärmepumpe einen
Schallleistungspegel von 61 dB(a) auf.
d) Das Rechtsamt der BVE hat beim beco einen Fachbericht zur Lärmbelastung der
geplanten Luft-Wasser-Wärmepumpe eingeholt (Fachbericht vom 8. Dezember 2015) und
eine ergänzende Stellungnahme zur Beantwortung zusätzlicher Fragen verlangt
(Stellungnahme vom 19. Januar 2016).
33 BGE 127 II 306 E. 8. 34 BGE 127 II 306 E. 8. 35http://www.vol.be.ch/vol/de/index/luft/laerm.assetref/dam/documents/VOL/BECO/de/Wirtschaft/Industrie_Gew erbe/beco-wirtschaft-industrie-gewerbe-laerm-einzelanlagen_DE.pdf. 36 Vgl. Plan "Grundrisse" vom 15. Juli 2015, Ansicht Untergeschoss sowie Plan "Ansichten" vom 15. Juli 2016, Ansicht Nordost und Nordwest.
http://www.vol.be.ch/vol/de/index/luft/laerm.assetref/dam/documents/VOL/BECO/de/Wirtschaft/Industrie_Gewerbe/beco-wirtschaft-industrie-gewerbe-laerm-einzelanlagen_DE.pdf http://www.vol.be.ch/vol/de/index/luft/laerm.assetref/dam/documents/VOL/BECO/de/Wirtschaft/Industrie_Gewerbe/beco-wirtschaft-industrie-gewerbe-laerm-einzelanlagen_DE.pdf
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Hinsichtlich der Lärmbelastung in der Nachbarschaft ortet das beco den nächsten
relevanten Immissionsort in der Umgebung an der Südwestfassade des Reihenhauses
K._ 4c (Miteigentum der Beschwerdeführenden 2 und 3) und damit in einer
Entfernung von knapp 16 m von der Fassadenöffnung der Wärmepumpe an der
Nordostfassade. Die Berechnungen der Fachstelle ergeben einen Schalldruckpegel von 26
dB(A) am Empfangsort. Damit könne der Vorsorgewert während der Nachtzeit von 35
dB(A) der ES III eingehalten werden.
Die BVE sieht keinen Grund, die plausiblen Berechnungen des beco in Frage zu stellen
bzw. von deren Einschätzung abzuweichen, zumal der nächtliche Vorsorgewert am nächst
gelegenen, relevanten Immissionsort deutlich eingehalten wird. Dazu kommt, dass gemäss
den Ausführungen des beco weitere Schalldämpfer, welche für die Einhaltung der
Grenzwerte im Gebäude notwendig sind (vgl. nachfolgend, E. 5f), bei der Berechnung noch
nicht berücksichtigt sind.
Die geplante Wärmepumpe des Beschwerdegegners hält die Vorsorgewerte des beco in
der Umgebung ein und entspricht damit den gesetzlichen Bestimmungen. Entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführenden ist daher weder bei der Liegenschaft am K._ 4c
noch bei sonst einer Liegenschaft in der Umgebung von übermässigen Lärmimmissionen
durch die geplante Wärmepumpe auszugehen.
Gemäss den Ausführungen des beco im Fachbericht vom 8. Dezember 2015 wird der
Vorsorge gemäss Art. 11 Abs. 2 USG bereits genügend Rechnung getragen, wenn die
Vorsorgewerte eingehalten werden. Auch die Umplatzierung der Wärmepumpe mit anderer
Ausrichtung der Entlüftung – wie dies von den Beschwerdeführenden gefordert wird – kann
somit der Ansicht der Fachstelle folgend nicht verlangt werden.
e) Die Beschwerdeführenden bringen einzig vor, die Wärmepumpe führe zu
übermässigen Lärmimmissionen bei den Nachbarliegenschaften. Den Ausführungen des
beco folgend sind die massgebenden Lärmgrenzwerte für die Wärmepumpe allerdings
auch beim projektierten Mehrfamilienhaus selber einzuhalten. Gleich oberhalb der
nordostseitigen Entlüftungsöffnung der Wärmepumpe ist ein Fenster eines
lärmempfindlichen Raumes geplant. Die Distanz zwischen der Fassadenöffnung bis zur
Mitte dieses Fensters beträgt rund 2.5 m. Nach Einschätzung des beco können die
Vorsorgewerte bei diesem Fenster nur eingehalten werden, wenn erhebliche
Schallschutzmassnahmen ergriffen werden. Es sei ein Kanalschalldämpfer anzubringen.
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Mit einem solchen sei keine feste Schallreduktion gegeben; der Schalldämpfer müsse
entsprechend ausgelegt (gebaut) werden, um eine Reduktion von 5 dB, 10 dB(A) etc. zu
erreichen. Vorliegend empfiehlt das beco einen Schalldämpfer im Luftkanal gegen die
Nordostfassade mit einer Dämpfung von 15 dB(A), um bezüglich der Einhaltung der
Vorsorgewerte auf der sicheren Seite zu sein (ergänzende Stellungnahme vom 19. Januar
2016).
Baubewilligungen können mit Bedingungen oder Auflagen verknüpft werden (Art. 29 Abs. 2
und Art. 38 Abs. 3 BauG). Auflagen sind Pflichten, die mit einer Baubewilligung verbunden
sind. Die Nichterfüllung einer Auflage berührt die Geltung der Baubewilligung nicht, kann
aber baupolizeiliche Massnahmen – insbesondere die Ersatzvornahme – und Bestrafung
nach sich ziehen.37 Die Bedingungen und Auflagen müssen in einem engen sachlichen
Zusammenhang zur erteilten Bau- oder Ausnahmebewilligung stehen und verhältnismässig
sein. Verhältnismässig ist eine Nebenbestimmung nur dann, wenn sie zum Erreichen des
angestrebten Ziels erforderlich, geeignet und für den Bauherrn zumutbar ist.38
Entsprechend den Ausführungen des beco ist es zur Einhaltung der Vorsorgewerte im
eigenen Gebäude angezeigt, den Luftkanal der Wärmepumpe mit Ausgang auf der
Nordostfassade mit einem Schalldämpfer auszustatten, welcher auf eine Dämpfung von 15
dB(A) ausgelegt ist. Der vorinstanzliche Entscheid ist von Amtes wegen mit einer
entsprechenden Auflage zu ergänzen. Diese ist zum Erreichen des damit angestrebten
Ziels – Einhaltung der Vorsorgewerte im eigenen Gebäude – erforderlich, geeignet und für
den Beschwerdegegner ohne weiteres zumutbar.
6. Kosten
a) Insgesamt ist damit die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden
kann. Der Entscheid des Regierungsstatthalteramts ist zu bestätigen. Zudem ist der vor-
instanzliche Entscheid von Amtes wegen mit zwei Auflagen zu ergänzen und es ist die
Strassenanschlussbewilligung zu erteilen.
37 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 29 N. 1. 38 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 38-39 N. 15a.
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b) Damit gelten die Beschwerdeführenden als unterliegend. Die Ergänzungen mit zwei
Auflagen sowie die Erteilung der Strassenanschlussbewilligung haben keinen Einfluss auf
die Kostenverlegung, da diese von Amtes wegen erfolgt sind und von den
Beschwerdeführenden nicht verlangt wurden. Sie haben damit die Verfahrenskosten
vollumfänglich zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 2'000.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV39).
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder die Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen
als gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch
die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand; bei aufwendigen Verfahren kann
die Verwaltungsjustizbehörde Privaten, die ihren Prozess selber geführt haben, eine
angemessene Parteientschädigung und Auslagenersatz zuerkennen (Art. 104 Abs. 1 und 2
VRPG).
Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 VRPG). Der Beschwerdegegner beantragt
mit Schreiben vom 26. Februar 2016 zwar eine Parteientschädigung. Die Einreichung
seiner Eingaben habe ihn zeitlich stark beansprucht und er habe rechtliche Hilfe in
Anspruch nehmen müssen. Auch nicht anwaltlich vertretenen Parteien kann unter
bestimmten Voraussetzungen eine Parteientschädigung zuerkannt werden. Ein solcher
Ersatz wird jedoch nur ausnahmsweise und mit grosser Zurückhaltung ausgesprochen. Er
ist auf aufwendige Verfahren beschränkt, in denen die beteiligten Privatpersonen durch
erheblichen persönlichen Aufwand wesentlich zur Entscheidfindung beigetragen haben.40
Das vorliegende Verfahren war nicht besonders aufwändig und das Verfassen der
Eingaben hat dem Beschwerdegegner keinen grösseren Aufwand verursacht, als es in
einem Beschwerdeverfahren üblich und zumutbar ist. Der Antrag des Beschwerdegegners
auf Zusprechung einer Parteientschädigung wird daher abgewiesen.
39 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 40 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 104 N 2
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