Decision ID: 453552b0-2b79-4e2c-869a-75e6ab74c043
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Barbara Wyler, Zürcherstrasse 191,
Postfach 1011, 8501 Frauenfeld,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1962, meldete sich am 28. Dezember 2007 zum Bezug einer
Rente der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an, nachdem
er am 19. November 2006 einen Verkehrsunfall erlitten hatte (IV-act. 1 ff.).
A.b Der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. B._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, erstattete am 18. Februar 2008 einen Arztbericht, in welchem er eine
vorwiegend sensible Irritation des Nervus ulnaris mit Kompression im Bereich des
Sulcus ulnaris beidseits, einen Status nach Autounfall mit Frontalkollision am
19. November 2006 mit Distorsionstrauma der Halswirbelsäule und Rissquetschwunde,
degenerative cervicale Veränderungen sowie eine Hemicranie rechts (posttraumatisch
bedingt) diagnostizierte und ab Unfalldatum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (mit einer
Episode 50%iger Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum vom 19. Februar 2007 bis
20. März 2007) attestierte (IV-act. 19).
A.c Am 28. Februar 2008 liess die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva)
der IV-Stelle die Akten im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 19. November
2006 zugehen. Diesen lässt sich im Wesentlichen entnehmen, dass die
erstbehandelnden Ärzte des Spitals Wil lediglich eine kleine Rissquetschwunde an der
Stirn bei insbesondere unauffälligen neurologischen Befunden festgestellt und
behandelt hatten (IV-act. 24–146), dass Dr. B._ am 3. Januar 2007 über Schmerzen
im Nacken- und Schulterbereich sowie eine geplante MRI-Untersuchung der
Halswirbelsäule berichtet hatte (IV-act. 24–115), dass anlässlich der MRI-Untersuchung
der Halswirbelsäule vom 9. Januar 2007 eine diskrete ödemartige Signalstörung auf der
Höhe von C5 und minim auch auf der Höhe von C6 bei ansonsten unauffälligem
Befund festgestellt worden war (IV-act. 24–112), dass der Versicherte im Februar 2007
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zwei Arbeitsversuche unternommen, aber sogleich wieder abgebrochen hatte (IV-
act. 24–106 f.), dass ebenfalls im Februar 2007 erstmals starke Kopfschmerzen
aufgetreten waren (IV-act. 24–98 f. und 24–106 f.), dass eine cranio-cerebrale MRI-
Untersuchung vom 13. März 2007 altersentsprechend normale Befunde ergeben hatte
(IV-act. 24–100), dass der Kreisarzt-Stellvertreter Dr. med. C._ am 18. April 2007
ausgeführt hatte, Hemicranien oder einschiessende migräneartigen Kopfschmerzen
nach Schädelkontusionen seien bekannte Folgeerscheinungen (IV-act. 24–97), dass die
Ärzte der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen in einem Bericht vom
4. Juni 2007 die Arbeitsfähigkeit lediglich für körperlich schwere und stereotype
Tätigkeiten mit insbesondere starrer Kopf- und Rumpfhaltung als eingeschränkt
angesehen hatten (IV-act. 24–72 f.), dass die Ärzte der Rehaklinik Bellikon im
Austrittsbericht vom 24. September 2007 betreffend die stationäre Behandlung vom
4. Juli 2007 bis 30. August 2007 eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten wie
auch in jeder adaptierten Tätigkeit ohne Heben von Lasten über 15 Kilogramm als
zumutbar erachtet und das Vorliegen einer psychiatrischen Störung mit Krankheitswert
verneint hatten (IV-act. 24–39 ff.), dass der Versicherte in der Folge die Vereinbarung
betreffend Wiederaufnahme der Arbeit nicht eingehalten hatte (vgl. etwa IV-act. 24–27),
dass anlässlich einer weiteren MRI-Untersuchung der Halswirbelsäule vom
20. November 2007 keine posttraumatischen Skelett- oder Medullaveränderungen
festgestellt worden waren (IV-act. 24–25), dass Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Neurologie, in einem Bericht vom 18. Januar 2008 bei Diagnose einer vorwiegend
sensiblen Irritation des Nervus ulnaris mit Kompression im Bereich des Sulcus ulnaris,
Status nach Autounfall und degenerativen cervicalen Veränderungen in geringem
Ausmass ohne focal neurologische Ausfälle keine wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit attestiert hatte (IV-act. 24–16 ff.), dass Dr. med. E._, Facharzt FMH
für Chirurgie, nach durchgeführter kreisärztlicher Untersuchung vom 20. Februar 2008
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr attestiert hatte (IV-act. 24–8 ff.) und
dass die Suva mit Verfügung vom 28. Februar 2008 ihre Leistungen per 21. Februar
2008 eingestellt hatte (IV-act. 24–4 f.).
A.d Am 3. April 2008 gab Dr. med. F._, Facharzt FMH für Arbeitsmedizin, vom IV-
internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) eine Aktenbeurteilung ab. Er diagnostizierte
ein myofasciales Schmerzsyndrom des Nackens, ein Schmerzsyndrom des Kopfes und
des Rückens, eine Irritation des Nervus ulnaris sowie einen Status nach Autounfall am
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19. November 2006 mit frontaler Rissquetschwunde, Kreuzbeinprellung und
Brustkorbprellung und führte aus, zusammenfassend könne aufgrund der Akten davon
ausgegangen werden, dass keine unfallfremden Störungen vorlägen, die eine relevante
und anhaltende Arbeitsunfähigkeit verursachen würden, weshalb vollumfänglich „auf
den Beschluss der Suva abgestellt“ werden könne, wonach ab dem 21. Februar 2008
in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit eine vollumfängliche
Arbeitsfähigkeit gegeben sei (IV-act. 29).
A.e Am 10. April 2008 teilte die IV-Stelle mit, dass keine beruflichen Massnahmen
angezeigt seien (IV-act. 32). Mit Vorbescheid vom 11. April 2008 teilte die IV-Stelle mit,
dass die Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 34).
A.f Dagegen liess der Versicherte am 13. Mai 2008 Einwand erheben bzw. die
Vornahme weiterer Abklärungen oder die Zusprache einer angemessenen
Invalidenrente beantragen. Zur Begründung wurde ausgeführt, aufgrund der von
Dr. B._ gestellten Diagnosen sei eine erhebliche, unfallbedingte Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit ausgewiesen. Vor dem Unfall sei der Versicherte stets gesund
gewesen; seit dem Unfall sei er dauernd in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Er
habe diverse Arbeitsversuche unternommen, die aber alle gescheitert seien; das
Arbeitsverhältnis sei zwischenzeitlich gekündigt worden. Die Kopfschmerzen seien
sowohl von den Ärzten der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen als auch
vom Kreisarzt-Stellvertreter Dr. C._ als posttraumatisch qualifiziert worden. Das MRI
der Halswirbelsäule vom 20. November 2007 belege krankheitswertige Befunde. Auch
Dr. D._ habe krankheitswertige Befunde festgestellt. Insgesamt erweise sich der
Sachverhalt aber als ungenügend abgeklärt; insbesondere habe die IV-Stelle, soweit
ersichtlich, keine eigenen Abklärungen vorgenommen. Zu prüfen seien schliesslich
auch berufliche Massnahmen (IV-act. 38–1 ff.). Dem Einwand lag unter anderem eine
Kopie der Einsprache vom 16. April 2008 gegen die Verfügung der Suva vom
28. Februar 2008 bei (IV-act. 38–24 ff.). Gleichentags liess der Versicherte auch
Einwand gegen die Mitteilung vom 10. April 2008 betreffend berufliche Massnahmen
erheben (IV-act. 39–1 ff.).
A.g Am 2. Juli 2008 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid vom 11. April 2008 (IV-
act. 42).
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B.
B.a Dagegen richtet sich die am 1. September 2008 erhobene Beschwerde, mit der
die Rückweisung zu weiteren medizinischen Abklärungen (insbesondere
polydisziplinärer Begutachtung) sowie die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen
(insbesondere Invalidenrente, allenfalls berufliche Massnahmen) beantragt werden. Zur
Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdeführer leide unter
Gesundheitsbeeinträchtigungen, die auf den Verkehrsunfall vom 19. November 2006
zurückzuführen seien. Die Suva habe zwar die Einsprache vom 16. April 2008 mit
Entscheid vom 30. Mai 2008 abgewiesen, doch habe der Beschwerdeführer am
30. Juni 2008 Beschwerde gegen den Einspracheentscheid erhoben. Es rechtfertige
sich, die Akten des Beschwerdeverfahrens betreffend Leistungen der Suva beizuziehen
und allenfalls dieses Verfahren bis zum Abschluss jenes Verfahrens zu sistieren. Die
Beschwerdegegnerin habe sodann keinerlei eigene Abklärungen vorgenommen, was
nicht angehe, zumal der Invaliditätsbegriff im Invalidenversicherungsrecht nicht
derselbe sei wie derjenige im Unfallversicherungsrecht (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer
Beschwerdeantwort vom 7. Oktober 2008 führte sie zur Begründung im Wesentlichen
aus, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei bereits hinreichend abgeklärt
worden. Aus den Berichten der Rehaklinik Bellikon und von Dr. D._ wie auch aus
dem Bericht über die kreisärztliche Untersuchung gehe klar hervor, dass der
Beschwerdeführer in seiner Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt sei. Dass die
Abklärungen durch die Suva und nicht durch die Beschwerdegegnerin veranlasst
worden seien, sei unerheblich (act. G 5).
B.c Am 4. November 2008 sistierte das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
das vorliegende Verfahren bis zur rechtskräftigen Erledigung der parallelen Streitsache
betreffend Leistungen der Unfallversicherung (act. G 6). Nachdem die Abteilung III des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid der Suva vom 30. Mai 2008 mit Entscheid UV 2008/71 vom
2. August 2010 abgewiesen hatte und dieser unangefochten in Rechtskraft erwachsen
war, wurde die Sistierung am 5. Oktober 2010 aufgehoben (act. G 7).
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B.d Am 18. November 2010 liess der Beschwerdeführer die Replik erstatten. An den
Anträgen gemäss Beschwerde vom 1. September 2008 wurde vollumfänglich
festgehalten. Zur Begründung wurde ergänzend ausgeführt, er habe zwischenzeitlich
die Arbeit an anderer Stelle wieder aufgenommen, doch sei dies mit entsprechenden
Beschwerden verbunden. Dies ändere nichts daran, dass die Beschwerdegegnerin
eigene Abklärungen vorzunehmen habe. Ausserdem sei dem Beschwerdeführer für den
Zeitraum vom 21. Februar 2008 (Leistungseinstellung durch die Suva) bis zum
17. September 2010 eine befristete ganze Invalidenrente zuzusprechen. Schliesslich
seien berufliche Massnahmen zu prüfen (act. G 11).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 13).
B.f Am 26. April 2011 liess der Beschwerdeführer Stellung zu den bei der Suva
eingeholten Akten nehmen und einen Kurzbericht von Dr. med. G._, Fachärztin FMH
für Neurologie, vom 4. Mai 2010 einreichen, in welchem ein posttraumatisches,
anhaltendes, chronifiziertes cervicocephales und cervicobrachiales Schmerzsyndrom
rechts, Ellbogenstauchungszeichen mit Schmerzen im linken Unterarm, ein
posttraumatischer migräniformer Kopfschmerz, eine gebesserte posttraumatische
Insomnie sowie anamnestisch anhaltende neuropsychologische Defizite diagnostiziert
worden waren (act. G 25 und G 25.1).
B.g Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine weitere Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin hat zur Beurteilung des Rentengesuchs des
Beschwerdeführers die (umfangreichen) Akten der Suva beigezogen und eine
Aktenbeurteilung durch einen Facharzt des RAD eingeholt. Der Beschwerdeführer lässt
insbesondere rügen, diese Abklärungen seien nicht ausreichend; die
Beschwerdegegnerin hätte vielmehr eigene Abklärungen vornehmen müssen, da „der
Invaliditätsbegriff der Invalidenversicherung und der Unfallversicherung (...) nicht
deckungsgleich“ sei (vgl. act. G 1).
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1.2 Die Begriffe der Arbeitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität wie
auch die Bemessung des Invaliditätsgrades vollzeitlich erwerbstätiger Versicherter sind
im Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) definiert (Art. 6–8 und 16 ATSG). Da das ATSG die Koordination des
Sozialversicherungsrechts unter anderem durch einheitliche Begriffsdefinitionen
bezweckt (Art. 1 lit. a ATSG), folgt daraus, dass die genannten Begriffe grundsätzlich
zweigübergreifend bzw. einheitlich zu verstehen sind. Nach dem Willen des
Gesetzgebers soll grundsätzlich im Bereich der Invalidenversicherung z.B. unter
„Invalidität“ nicht etwas anderes verstanden werden als im Bereich der
Unfallversicherung; andernfalls wäre die Definition nicht ins ATSG aufgenommen
worden. Indessen weisen die erwähnten Begriffe, gerade derjenige der Invalidität,
wiewohl sie grundsätzlich zweigübergreifend bzw. einheitlich zu verstehen sind,
gewisse zweigspezifische Besonderheiten auf. So wird beispielsweise im Bereich der
Unfallversicherung nur denjenigen Beeinträchtigungen Rechnung getragen, die auf ein
bestimmtes versichertes Ereignis zurückzuführen sind und sich auf eine bestimmte
versicherte Tätigkeit auswirken. Krankheitsbedingte Beeinträchtigungen werden mithin
in der Regel nicht berücksichtigt (vgl. aber Art. 36 Abs. 2 Satz 2 des Bundesgesetzes
über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]), ebenso wenig wie Beeinträchtigungen
im Aufgabenbereich. Eine Vereinheitlichung der Sozialversicherungen ist angesichts
dessen zwar nicht möglich, wohl aber eine Koordination (vgl. BBl 1999 4540). Soweit
möglich, sollen – sofern nicht zweigspezifischen Besonderheiten Rechnung zu tragen
ist – unterschiedliche Festlegungen gerade des Invaliditätsgrades vermieden werden
(vgl. BGE 133 V 549 E. 6.1 S. 553 mit Hinweisen). Daraus folgt weiter, dass zwar jeder
Sozialversicherungsträger den Invaliditätsgrad autonom zu bestimmen hat, sich aber
Vorarbeiten anderer Zweige zunutze machen kann, was besonders angebracht ist, wo
bei gleichen Rechtsgrundlagen ein identischer Sachverhalt gegeben ist; der
Sozialversicherungsträger darf dann auf zusätzliche Abklärungen verzichten, wenn
identische Verhältnisse den Invaliditätsgrad bestimmen und der Sachverhalt
ausreichend abgeklärt ist (Franz Schlauri, Koordinationsfragen in der
Unfallversicherung – de lege lata und ferenda, SZS 3/2008, S. 234 f.).
2.
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2.1 Im Bereich der Invalidenversicherung wie auch im Bereich der Unfallversicherung
ist für die Ermittlung des Invaliditätsgrades in erster Linie ausschlaggebend, inwiefern
die versicherte Person medizinisch-theoretisch in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt
ist. Diesbezüglich bestehen keine Unterschiede zwischen den beiden Zweigen.
Spezifischen Besonderheiten ist erst dann allenfalls Rechnung zu tragen, wenn eine
Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist.
2.2 Vorliegend ergaben die medizinischen Abklärungen der Suva Folgendes: Der
Beschwerdeführer zog sich anlässlich des Unfalls vom 19. November 2006 eine
Rissquetschwunde an der Stirn sowie eine Thorax- und eine Sacrumkontusion zu;
später beklagte er Nacken- und Schulterschmerzen sowie – zwischen Februar und
Sommer 2007 – Kopfschmerzen und, ab Mai 2007, Durchschlafstörungen wegen
Verspannungen im Nacken. Die Nacken- und Schulterbeschwerden wurden noch
anlässlich der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 20. Februar 2008 beklagt;
klinisch wurden Druckdolenzen und Bewegungseinschränkungen im Nacken- und
Schulterbereich festgestellt. Schliesslich stellte Dr. D._ Sensibilitätsstörungen mit
Irritationen des Nervus ulnaris beidseits fest. Abgesehen von den erwähnten
Sensibilitätsstörungen wurden über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung durch die
Suva hinaus keine klar ausgewiesenen organischen Befunde im Sinn nachweisbarer
struktureller Veränderungen erhoben; namentlich fielen die bildgebenden
Untersuchungen unauffällig bzw. altersentsprechend normal aus. Diese Ergebnisse
wurden auch nicht durch die zahlreichen vom Beschwerdeführer im
Beschwerdeverfahren betreffend Leistungen der Unfallversicherung eingereichten
nachträglichen medizinischen Berichte widerlegt (vgl. zum Ganzen den Entscheid
UV 2008/71 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 2. August 2010,
E. 2 und 3). Die von Dr. D._ festgestellten Sensibilitätsstörungen wurden als die
Arbeitsfähigkeit nicht wesentlich einschränkend beschrieben (IV-act. 24–18). Ein
psychosomatisches Consilium fiel schliesslich unauffällig aus (IV-act. 24–45 ff.).
2.3 Gestützt auf diese Ergebnisse hat das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen in der parallelen Streitsache betreffend Leistungen der Unfallversicherung nicht
nur den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und allfälligen
Beschwerden über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung hinaus, sondern vielmehr
bereits das Vorliegen objektivierbarer unfallkausaler organischer Befunde im Sinn
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nachweisbarer struktureller Schädigungen wie auch eines Distorsionstraumas der
Halswirbelsäule oder eines Schädel-Hirn-Traumas verneint (Entscheid UV 2008/71 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 2. August 2010). Ebenfalls gestützt
auf diese Ergebnisse hat der RAD-Arzt Dr. F._ ausgeführt, es lägen überhaupt keine,
mithin auch keine unfallfremden, Störungen vor, die eine relevante und anhaltende
Arbeitsunfähigkeit verursachen würden (IV-act. 29).
2.4 Es besteht kein Anlass, von diesen Beurteilungen abzuweichen. Das Vorliegen
allfälliger unfallversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsbeeinträchtigungen wurde
im erwähnten Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen mit
ausführlicher Begründung bereits aus medizinischer Sicht verneint; weitere, lediglich
invalidenversicherungsrechtlich relevante Gesundheitsbeeinträchtigungen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind ebenfalls nicht ausgewiesen. Es ist nicht
ersichtlich, weshalb weitere, „eigene“ Abklärungen der Beschwerdegegnerin zu
anderen Ergebnissen hätten führen sollen. Sie durfte daher in antizipierter
Beweiswürdigung (vgl. etwa BGE 122 V 157 E. 1d S. 162) darauf verzichten. Insofern
ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden.
3.
3.1 Die angefochtene Verfügung vom 2. Juli 2008 entspricht wortwörtlich dem
Vorbescheid vom 11. April 2008. Die Beschwerdegegnerin ist auf die Einwände des
Beschwerdeführers mit keinem Wort eingegangen. Damit hat sie den Anspruch auf
rechtliches Gehör (Art. 42 ATSG) verletzt (vgl. BGE 124 V 180).
3.2 Beim Anspruch auf rechtliches Gehör handelt es sich um eine
Verfahrensvorschrift. Da das Verfahrensrecht vornehmlich dem Zweck der korrekten
Anwendung des materiellen Rechts dient, kann zur Verfahrensbeschleunigung eine
Verletzung einer verfahrensrechtlichen Vorschrift ignoriert werden, wenn gewährleistet
ist, dass das materielle Recht trotzdem korrekt angewendet wird. Da eine
Beschleunigung des Verfahrens einzig im Interesse der versicherten Person liegen
kann, hat diese selbst darüber zu entscheiden, ob sie die Korrektur der
Rechtswidrigkeit wünscht oder nicht (vgl. den Entscheid IV 2008/511 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Januar 2011, E. 1.3).
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3.3 Der Beschwerdeführer hat die Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht gerügt,
sondern vielmehr (abgesehen von in diesem Zusammenhang nicht interessierenden
verfahrensrechtlichen Anträgen) einzig Anträge in der Sache selbst gestellt. Damit hat
er dem Willen Ausdruck verliehen, die Verletzung des rechtlichen Gehörs zugunsten
einer beförderlichen materiellen Behandlung zu ignorieren. Die Sache ist deshalb nicht
an die Beschwerdegegnerin zur Behebung der Verletzung des rechtlichen Gehörs
zurückzuweisen. Es rechtfertigt sich zudem vorliegend auch nicht, der Verletzung des
rechtlichen Gehörs bei der Verlegung der Kosten Rechnung zu tragen, da der
Beschwerdeführer auch bei korrekter Begründung der angefochtenen Verfügung mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit Beschwerde erhoben und deren Aufhebung aus
materiellen Gründen beantragt hätte.
4.
4.1 Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Dem Beschwerdeführer wurde am 5. Oktober 2010 die unentgeltliche
Prozessführung (unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche Rechtsverbeiständung)
bewilligt. Wenn es seine wirtschaftlichen Verhältnisse gestatten, kann er jedoch zur
Nachzahlung der Gerichtskosten und der Auslagen für die Vertretung verpflichtet
werden (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m.
Art. 288 Abs. 1 der Zivilprozessordnung des Kantons St. Gallen [ZPO/SG] i.V.m. Art. 99
Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
4.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1’000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dem unterliegenden Beschwerdeführer
sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge
unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
4.4 Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat sodann grundsätzlich Anspruch
auf Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach
der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). In einem Fall mit mittlerem
bis
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Aufwand und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine Pauschalentschädigung von
Fr. 3’500.-- ausgerichtet. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat eine
Honorarnote über gesamthaft Fr. 7’086.-- eingereicht (act. G 15 und G 27). Da der
vorliegende Fall indessen nicht als überdurchschnittlich aufwendig zu qualifizieren ist,
rechtfertigt sich in der vorliegenden Sache, die Entschädigung auf pauschal Fr. 3’500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
4.5 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers aufzukommen. Die
entsprechende Entschädigung ist gemäss Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes (AnwG;
sGS 963.70) um einen Fünftel zu kürzen. Somit hat der Staat die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers mit Fr. 2’800.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP