Decision ID: 4ac26b79-fc90-5fc6-9673-88e2fa4c9997
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin), eine eritreische Staatsan-
gehörige tigrinischer Ethnie, verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben
zufolge im Dezember 2015 zu Fuss in Richtung Sudan. Nach einem mehr-
monatigen Aufenthalt in Khartum reiste sie über Libyen und Italien weiter
und gelangte am 8. August 2016 in die Schweiz, wo sie gleichentags im
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._ um Asyl nachsuchte.
Daraufhin wurde sie am 24. August 2018 im Rahmen einer Befragung zur
Person (BzP) zu ihren persönlichen Umständen, dem Reiseweg sowie
summarisch zu den Gründen für ihr Asylgesuch befragt. Am 10. Januar
2018 hörte sie das SEM einlässlich zu ihren Asylgründen an.
B.
B.a Dabei machte die Beschwerdeführerin geltend, sie stamme aus
D._ (Subzoba D._, Zoba E._) und habe dort die
Schule bis zur 11. Klasse besucht. Sie habe mit ihrer Mutter und ihrer
Schwester zusammengelebt, da ihr Vater im Jahr (...) verstorben sei. Das
12. Schuljahr habe sie in Sawa absolviert. Danach habe sie für etwa fünf
Monate nach Hause zurückkehren können, bevor sie erneut nach Sawa
habe gehen müssen. Sie sei davon ausgegangen, dass sie dort eine Aus-
bildung werde machen können. Stattdessen sei sie als Soldatin eingesetzt
und in Sawa stationiert worden. In der Folge habe sie fünf Jahre gedient.
Sie sei vor allem in der (...) tätig gewesen und habe (...) müssen. Das
Leben in Sawa sei sehr bitter gewesen und es habe viele Probleme gege-
ben. Sie habe während den ganzen fünf Jahren nur zwei- respektive drei-
mal Urlaub erhalten und ihre Familie besuchen können. Die Frauen seien
zudem ständig von Männern bedrängt worden. Ihr Vorgesetzter F._
habe auch mehrmals versucht, sie zu vergewaltigen; sie habe ihn aber je-
weils durch lautes Schreien abwehren können. Schliesslich habe sie von
der ganzen Situation genug gehabt und ausreisen wollen. Zusammen mit
ihrer Arbeitskollegin G._ und deren Freund habe sie im (...) 2014
versucht, von Sawa zu fliehen. Am nächsten Morgen seien sie jedoch von
Soldaten aufgegriffen und für zwei Wochen im Gefängnis H._ fest-
gehalten worden. Danach habe man sie nach I._, ein Gefängnis in
Sawa, gebracht, wo sie für rund ein Jahr inhaftiert worden sei. Das Leben
dort sei schrecklich gewesen. Um die Notdurft zu verrichten, hätten sie je-
weils nach draussen gehen können, wobei sie männliche Soldaten – die
stets in der Nähe geblieben seien – begleitet hätten. Nach einiger Zeit habe
sie den Wächter, der für diese Begleitung zuständig gewesen sei, besser
D-417/2020
Seite 3
kennengelernt. Sie habe ihm Geld angeboten, wenn er ihr helfe, zu fliehen.
Er sei einverstanden gewesen und habe sie schliesslich eines Abends aus
dem Zimmer geholt mit der Begründung, sie müsse Zwangsarbeit leisten.
Zusammen mit ihm sowie ihrer Freundin G._ habe sie sich zu Fuss
auf die Reise in Richtung Sudan begeben. Am vierten Tag seien sie dort
angekommen und der Wächter habe sie zu einem Ort namens J._
gebracht, wo er einen Freund gehabt habe. Von dort aus habe sie ihre
Tante angerufen und gebeten, das versprochene Geld zu bezahlen, was
diese auch getan habe. In Khartum hätten sich ihre Wege dann getrennt.
B.b Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin ihre Identitätskarte im
Original ein.
B.c Am (...) brachte die Beschwerdeführerin in der Schweiz ihre Tochter
B._ zur Welt.
C.
Mit Verfügung vom 18. Dezember 2019 – eröffnet am 20. Dezember 2019 –
stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerinnen erfüllten die Flüchtlings-
eigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung
aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 20. Januar 2020 erhoben die Beschwerdeführerinnen –
handelnd durch ihre Rechtsvertreterin – beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde gegen diesen Entscheid. Sie beantragten die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung, die Anerkennung ihrer Flüchtlingseigenschaft
und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Sache zur erneuten Prü-
fung von Wegweisungsvollzugshindernissen (Grundsatz der Einheit der
Familie) an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht er-
suchten sie um unentgeltliche Prozessführung, Beiordnung der unterzeich-
nenden Juristin als amtliche Rechtsbeiständin sowie Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses. Als Beschwerdebeilagen wurden – neben
einer Vollmacht, der angefochtenen Verfügung sowie einer Sozialhilfebe-
stätigung – eine Ausweiskopie von K._, Hochzeitsfotos von diesem
und der Beschwerdeführerin (Eheschliessung nach Brauch), ein Schreiben
von L._ vom 15. Januar 2020 und ein Schreiben des Zivilstands-
kreises M._ vom 6. Januar 2020 zu den Akten gereicht.
E.
Der Instruktionsrichter stellte mit Verfügung vom 28. Januar 2020 fest, die
D-417/2020
Seite 4
Beschwerdeführerinnen dürften den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess er das Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses und ordnete den Beschwerdeführerinnen lic. iur. Ariane Burkhardt als
amtliche Rechtsbeiständin bei.
F.
K._, der Lebenspartner respektive nach Brauch angetraute Ehe-
mann der Beschwerdeführerin, liess dem Gericht ein Schreiben (datiert mit
Januar 2020; Eingang beim Bundesverwaltungsgericht am 5. Februar
2020) zukommen, in welchem er erklärte, es sei sein Wunsch und seine
Absicht, die Beschwerdeführerinnen in seine Flüchtlingseigenschaft und
seinen Asylstatus einzubeziehen.
G.
Das SEM liess sich mit Schreiben vom 14. Februar 2020 vernehmen, wo-
bei es an seinem Entscheid und den Erwägungen vollumfänglich festhielt.
Die Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführerinnen am 17. Februar
2020 zur Kenntnisnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
D-417/2020
Seite 5
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM führte in seiner Verfügung aus, es sei nicht glaubhaft, dass
die Beschwerdeführerin nach dem 12. Schuljahr einen fünfjährigen Dienst-
einsatz als Soldatin in Sawa geleistet habe. Ihre Aussagen zu dieser Zeit
seien äusserst knapp gehalten, obwohl sie ausdrücklich aufgefordert wor-
den sei, detaillierter zu erzählen. Aufgrund ihrer oberflächlichen Angaben
sei nicht nachvollziehbar, was sie in diesen fünf Jahren gemacht habe. Die
Antworten auf konkretisierende Fragen in diesem Zusammenhang seien
D-417/2020
Seite 6
einsilbig ausgefallen und hätten sich meist auf wenige Worte beschränkt.
Ihre Schilderungen hätten auch übersteigert negativ gewirkt. Namentlich
habe sie ausgesagt, sie habe während ihrer Dienstzeit fast ununterbrochen
während 24 Stunden arbeiten müssen und nur manchmal ein bis zwei
Stunden schlafen können. Dies könne jedoch nicht geglaubt werden.
Ebenso habe sie Probleme mit einem Vorgesetzten erwähnt und zuerst
angegeben, dieser habe sie sehr oft vergewaltigt. Auf die Frage hin, ob sich
die Misshandlungen auf die gesamten fünf Jahre Dienst erstreckt hätten,
habe sie ihre Aussage sogleich zurückgenommen und erklärt, der Mann
habe rund fünf Mal versucht, sie zu vergewaltigen; sie habe ihn aber durch
lautes Schreien abwehren können. Es ergebe sich der Eindruck eines
übersteigert dargestellten, konstruierten und letztlich nicht glaubhaften
Sachvortrags. Auch die erste gescheiterte Flucht aus Sawa sei von der Be-
schwerdeführerin äusserst unsubstanziiert geschildert worden und sie
habe trotz mehrfachen Aufforderungen keine konkretisierenden Angaben
machen können. Dasselbe gelte für den rund einjährigen Gefängnisaufent-
halt, den sie nur sehr rudimentär beschrieben habe. Insgesamt wiesen ihre
Aussagen nicht die Qualität auf, welche zu erwarten gewesen wäre, wenn
sie die geltend gemachten Ereignisse tatsächlich erlebt hätte. Schliesslich
habe sich die Beschwerdeführerin auch unterschiedlich zu den Umständen
ihrer Flucht geäussert. So habe sie bei der BzP angegeben, sie sei mit ihrer
Freundin G._ und deren Freund bei der ersten Ausreise erwischt
und inhaftiert worden. Sie hätten es dann ein zweites Mal versucht – der
Freund der Freundin habe den Weg gekannt – und dieses Mal sei die Aus-
reise geglückt. Der Freund von G._ habe in N._ einen Mann
gekannt, der sie nach Khartum gebracht habe. Anlässlich der Anhörung
habe sie die Ausreise gänzlich anders geschildert, indem sie angegeben
habe, ein Gefängniswärter habe ihr zur Flucht sowie zur Ausreise verhol-
fen. Zusammenfassend hielten die Vorbringen der Beschwerdeführerin zu
ihrer Dienstzeit, zum Fluchtversuch und der anschliessenden Haft sowie
zur Ausreise aus Eritrea den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss
Art. 7 AsylG nicht stand. Sie erfülle daher die Flüchtlingseigenschaft nicht
und ihr Asylgesuch sei abzuweisen.
Weiter ordnete die Vorinstanz die Wegweisung an und erachtete deren
Vollzug als zulässig, zumutbar und möglich. Es liessen sich den Akten
keine konkreten Hinweise dafür entnehmen, dass der Beschwerdeführerin
bei einer Rückkehr nach Eritrea mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine
unmenschliche Behandlung oder Strafe im Sinne von Art. 3 EMRK drohe.
Zudem verunmögliche sie es dem SEM durch ihre unglaubhaften Angaben,
zu prüfen, ob ein tatsächliches und unmittelbares Risiko einer Verletzung
D-417/2020
Seite 7
von Art. 4 EMRK bestehe. Es könne beispielsweise nicht ausgeschlossen
werden, dass sie vom eritreischen Nationaldienst suspendiert oder entlas-
sen worden sei oder diesen bereits ordentlich abgeschlossen habe. Der
Vollständigkeit halber sei anzumerken, dass gemäss der Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts selbst eine glaubhaft gemachte drohende
Einberufung in den eritreischen Nationaldienst dem Wegweisungsvollzug
nicht entgegenstünde. Ebenso ergäben sich aus den Akten keine individu-
ellen Gründe oder besonderen Umstände, welche auf eine Existenzbedro-
hung schliessen und den Vollzug der Wegweisung unzumutbar erscheinen
lassen würden. Der Umstand, dass sie in der Schweiz eine Tochter gebo-
ren habe, spreche ebenfalls nicht gegen den Wegweisungsvollzug. Das
Kind sei noch sehr klein und es sei für dieses zumutbar, mit der Mutter ins
Heimatland zurückzukehren.
4.2 In der Beschwerdeschrift wurde einleitend der Sachverhalt dargelegt
und ergänzt, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz K._, ih-
ren heutigen Partner, kennengelernt habe. Dabei handle es sich um einen
Landsmann, welcher in der Schweiz als anerkannter Flüchtling mit Asylsta-
tus lebe. Das Paar habe sich Anfang 2019 religiös trauen lassen und die
gemeinsame Tochter sei im (...) zur Welt gekommen.
Die Vorinstanz habe vorliegend ihre Pflicht zu einer unvoreingenommenen
Gesamtwürdigung der Aussagen der Beschwerdeführerin verletzt, indem
sie mit keinem Wort auf die zahlreichen für die Glaubhaftigkeit sprechen-
den Elemente eingegangen sei. Zum Aussageverhalten sei grundsätzlich
anzumerken, dass sowohl der Hilfswerkvertretung (HWV) bei der Anhö-
rung als auch der Rechtsvertreterin bei der Besprechung die starre, ver-
krampfte Körperhaltung der Beschwerdeführerin aufgefallen sei. Sie habe
auch eher kühl gewirkt sowie kurze, etwas schroffe und mit fester Stimme
vorgetragene Antworten gegeben. Bei der Rechtsvertreterin habe dies den
Eindruck entstehen lassen, als setze sich die Beschwerdeführerin eine
Maske auf, um die Kontrolle zu behalten und nicht von ihren Emotionen
überwältigt zu werden. Die starre Körperhaltung und das vermeintlich kühle
Auftreten an der Anhörung deuteten darauf hin, dass sie unter grosser psy-
chischer Anspannung gestanden habe und es ihr schwergefallen sei, über
ihre Erlebnisse zu berichten. Mit offenen Fragen sei sie bisweilen überfor-
dert gewesen, während sie auf gezielte, kurze Fragen präzise und klar ge-
antwortet habe.
Die Beschwerdeführerin habe sowohl bei der BzP als auch bei der Anhö-
rung geschildert, dass sie davon ausgegangen sei, bei ihrer Rückkehr nach
D-417/2020
Seite 8
Sawa werde sie eine Ausbildung absolvieren können. Die aus ihren Aus-
sagen herauszuhörende Enttäuschung, als sie erfahren habe, dass dies
nicht der Fall sei, sei als Realkennzeichen zu werten. Auch weitere Anga-
ben dazu, was der erzwungene Militärdienst für ihr Leben bedeutet habe –
sexuelle Belästigungen durch den Vorgesetzten und verweigerte Urlaubs-
gesuche selbst als ihre Mutter krank gewesen sei oder als sie habe heira-
ten wollen – zeugten von einer hohen persönlichen Betroffenheit. Die Vor-
instanz werfe ihr vor, sie habe sich hinsichtlich des Umstands, ob ihr Vor-
gesetzter sie vergewaltigt habe, widersprüchlich geäussert. Dazu sei fest-
zuhalten, dass sie übereinstimmend dargelegt habe, sie sei von diesem
sexuell belästigt worden, habe ihn aber jeweils zurückgewiesen. Die pro-
tokollierte Antwort, wonach sie oft vergewaltigt worden sei, mache im Ge-
samtkontext wenig Sinn. Es sei offensichtlich, dass es sich nicht um einen
Widerspruch, sondern schlicht um ein sprachliches Missverständnis
handle, welches auch umgehend aufgelöst worden sei. Dafür spreche
auch der Umstand, dass sie mehrmals erwähnt habe, sie habe sich ihrem
Vorgesetzten stets verweigert und sei daher mit zusätzlichen Nachtwach-
diensten bestraft worden. Dies korrespondiere mit ihren Angaben anläss-
lich der Anhörung, wonach sie kaum Erholungszeit gehabt habe, weil sie
nach dem nächtlichen Wachdienst praktisch ohne Pause wieder ihren
Dienst in der (...) habe antreten müssen. Indem die Vorinstanz diese Aus-
sage wortwörtlich auslege, werde sie der Beschwerdeführerin offensicht-
lich nicht gerecht. Sie habe damit zum Ausdruck bringen wollen, dass es
keine Freizeit gegeben habe und sie sich als Soldatin rund um die Uhr habe
zur Verfügung halten müssen. Der Vorwurf des SEM, ihre Schilderung der
Dienstzeit mache einen übersteigert negativen Eindruck, entbehre daher
jeder Grundlage. Zudem seien der Beschwerdeführerin nur relativ wenige
Fragen zu ihrem fünfjährigen Militärdienst gestellt worden, was auch die
HWV angemerkt habe.
Sodann treffe es zu, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin zu ihrem
ersten Fluchtversuch kurz ausgefallen seien. Es sei jedoch zu berücksich-
tigen, dass sie kaum je mit jemandem über ihre Erlebnisse in Eritrea ge-
sprochen habe, weshalb es ihr schwergefallen sei, dies bei der Anhörung
nun erstmals ausführlich zu tun. Sodann sei es als Realkennzeichen zu
werten, dass die Beschwerdeführerin spontan geschildert habe, bei der
Festnahme sei ihnen befohlen worden, die Schuhe auszuziehen, bevor
man sie gefesselt und mitgenommen habe. Dieses Detail wirke lebensnah,
da auf diesem Weg wohl verhindert werden sollte, dass sie erneut einen
Fluchtversuch unternähmen. Weiter habe sie ausführlich dargelegt, dass
sie am selben Abend ins Gefängnis H._ gebracht worden sei. Sie
D-417/2020
Seite 9
habe auch die zwei Wochen Haft dort präzise beschrieben, welche sie als
schrecklich empfunden habe. Es sei ihr und den anderen Inhaftierten sehr
schlecht gegangen, sie hätten Hunger gelitten und die Zelle nur einmal täg-
lich zur Verrichtung der Notdurft verlassen dürfen. Die Frage nach einer
Beschreibung des Gefängnisses I._ habe die Beschwerdeführerin
zwar nur knapp beantwortet, indem sie ausgeführt habe, das Zimmer habe
ein Dach aus Blech gehabt und sie seien acht Frauen darin gewesen. Die
Vorinstanz habe zur Haft in I._ aber gerade einmal sieben weitere
Fragen gestellt. Auf entsprechende Nachfragen der Rechtsvertreterin zum
Alltag während der Haft habe sie ihre Erfahrungen demgegenüber detail-
reich und in anschaulichen Bildern darlegen können.
Hinsichtlich der von der Vorinstanz erwähnten Widersprüche bei der Schil-
derung der Flucht aus Eritrea sei festzuhalten, dass die BzP einen summa-
rischen Charakter habe und die Angaben der Gesuchsteller dabei mitunter
zusammengefasst und nicht immer wortgetreu abgebildet würden. Die Be-
schwerdeführerin habe bei ihrer BzP zuerst den gescheiterten Fluchtver-
such und anschliessend die geglückte illegale Ausreise geschildert. Sie
könne sich heute nicht mehr daran erinnern, wie es im Kontext der erfolg-
reichen Ausreise zur protokollierten Aussage gekommen sei, der Freund
ihrer Freundin habe den Weg gekannt. Möglicherweise habe sie davon ge-
sprochen, dass "er" den Weg gekannt habe – ohne zu präzisieren, wer
damit gemeint sei. Dieser einzige vermeintliche Widerspruch, welcher ver-
mutlich auf ein Missverständnis bei der Übersetzung zurückzuführen sei,
sei in Relation zu setzen zu ihrer zwar kurzen, aber nachvollziehbaren
Schilderung der illegalen Ausreise an der Anhörung.
Eine Gesamtschau aller für und gegen die Glaubhaftigkeit sprechenden
Elemente lasse erkennen, dass die Ausführungen der Beschwerdeführerin
zwar zum Teil knapp, aber dennoch präzise, kohärent, nachvollziehbar und
mit Realkennzeichen versehen seien. Die Vorinstanz habe jedoch einzig
jene Indizien berücksichtigt, welche mutmasslich gegen die Glaubhaftigkeit
sprächen. Insgesamt sei eindeutig zu erkennen, dass die Schilderungen
viele für die Glaubhaftigkeit sprechende Elemente enthielten.
Die Beschwerdeführerin habe somit glaubhaft machen können, dass sie
während fünf Jahren in Sawa Militärdienst geleistet habe. Im Jahr 2014 sei
sie desertiert und beim Versuch der illegalen Ausreise festgenommen wor-
den, weshalb sie ein Jahr im Gefängnis I._ inhaftiert worden sei.
Anschliessend sei ihr die Flucht sowie die Ausreise aus Eritrea gelungen.
D-417/2020
Seite 10
Damit habe sie sich nicht nur der Haftstrafe, sondern auch der Weiterfüh-
rung des Militärdienstes entzogen. Bei einer Rückkehr müsste sie daher
befürchten, als Deserteurin hart bestraft zu werden und ernsthafte Nach-
teile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu erleiden. Sie erfülle daher die
Flüchtlingseigenschaft und es sei ihr Asyl zu gewähren.
Zum Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz wurde
ausgeführt, das SEM habe gemäss Art. 44 AsylG bei der Ablehnung eines
Asylgesuchs den Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksichtigen.
Bestehe bei der betroffenen Person ein Aufenthaltsrecht oder könne ein
solches potenziell in Anspruch genommen werden, dürfe keine Wegwei-
sung verfügt werden. Die Beschwerdeführerin habe mit K._ die Ehe
nach Brauch geschlossen und mit diesem eine gemeinsame Tochter. Sie
halte sich wenn immer möglich am Wohnsitz ihres Partners auf, welcher
sich an der Pflege und Betreuung der Tochter beteilige. Der zuständige
Sozialarbeiter der Beschwerdeführerin, L._, bestätige dies in sei-
nem Schreiben vom 15. Januar 2020. Das Verfahren zur Vaterschaftsan-
erkennung sei zurzeit noch hängig und das Paar werde schnellstmöglich
die notwendigen Schritte für ein Ehevorbereitungsverfahren in die Wege
leiten. K._ beabsichtige, nach erfolgter Vaterschaftsanerkennung
sowie nach der zivilrechtlichen Eheschliessung ein Gesuch um Einbezug
der Beschwerdeführerinnen in seine Flüchtlingseigenschaft und seinen
Asylstatus zu stellen. Aufgrund der gelebten Vater-Kind-Beziehung habe
die Tochter – nach erfolgter Vaterschaftsanerkennung – zweifelsohne ei-
nen Anspruch auf Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters, was
es der Beschwerdeführerin wiederum ermöglichen würde, bei der zustän-
digen kantonalen Behörde gestützt auf das Recht auf Achtung des Privat-
und Familienlebens ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
zu stellen. Auch wenn die Vaterschaftsanerkennung zurzeit noch nicht vor-
liege, sei absehbar, dass diese Situation in Kürze eintreffe. Vor diesem Hin-
tergrund rechtfertige sich eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
zur vertieften Prüfung von Wegweisungsvollzugshindernissen, unter Be-
rücksichtigung des Grundsatzes der Einheit der Familie sowie des Rechts
auf Achtung des Privat- und Familienlebens.
5.
5.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen ei-
nes Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft ge-
macht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie
D-417/2020
Seite 11
aber überwiegend für wahr hält. Eine wesentliche Voraussetzung für die
Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb-
nisse betreffende, substanziierte, weitgehend widerspruchsfreie und kon-
krete Schilderung der Vorkommnisse, welche bei objektiver Betrachtung
plausibel erscheint. Von unglaubhaften Ausführungen ist dagegen bei
wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen
Vorbringen auszugehen. Entscheidend ist, ob bei einer Gesamtbeurteilung
die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Be-
schwerdeführenden sprechen, überwiegen oder nicht. Demgegenüber
reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt eines Vor-
bringens zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Umstände we-
sentliche Elemente gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-
chen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2013/11 E. 5.1). Die Beiziehung
des Protokolls der BzP im Sinne einer Gegenüberstellung mit den in der
ausführlichen Anhörung protokollierten Aussagen ist dabei grundsätzlich
zulässig. Den Angaben im ersten Protokoll kommt angesichts des summa-
rischen Charakters dieser Befragung für die Beurteilung der Glaubhaf-
tigkeit der Asylgründe aber nur ein beschränkter Beweiswert zu. Unter-
schiedliche Angaben dürfen und müssen jedoch mitberücksichtigt werden,
wenn klare Aussagen in der BzP in wesentlichen Punkten von den späteren
Ausführungen diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder
Befürchtungen, die später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht
zumindest ansatzweise in der BzP erwähnt werden (vgl. Urteil des BVGer
D-4320/2017 vom 26. Oktober 2017 E. 5.3 m.H.).
5.2 Es ist festzuhalten, dass die Angaben der Beschwerdeführerin durch-
wegs wenig vertieft ausgefallen sind und es ihnen über weite Strecken an
Substanz fehlt. Diesbezüglich kann zur Vermeidung von Wiederholungen
auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl.
Ziff. II der angefochtenen Verfügung). Auch in der Beschwerdeschrift wird
nicht bestritten, dass die Schilderungen der Beschwerdeführerin oft knapp
sind. Tatsächlich war sie nicht in der Lage, ihren Alltag als Soldatin in Sawa,
ihre missglückte Flucht sowie die rund einjährige Haft in I._ detail-
liert zu beschreiben. Während der Anhörung wurde sie an verschiedenen
Stellen gebeten, präzisierende Ausführungen zu machen, nachdem sich
ihre Angaben jeweils auf wenige Sätze beschränkt hatten (vgl. A17, F125,
F165, F168). Sie wurde nicht nur explizit darauf hingewiesen, wie wichtig
es sei, ausführlich zu antworten (vgl. A17, F175), die in diesem Zusam-
menhang gestellten Fragen waren teilweise auch sehr konkret und gezielt.
Dennoch blieb die Beschwerdeführerin bei ihren Antworten – die selten
mehr als zwei oder drei Sätze umfassten – stets einsilbig und machte kaum
D-417/2020
Seite 12
präzisierende Angaben. Zwar erscheint es durchaus verständlich, dass sie
bei der Anhörung unter einer gewissen psychischen Anspannung stand,
was sich in einer starren Körperhaltung und einer kühl wirkenden Art aus-
gedrückt habe. Nicht nachvollziehbar ist jedoch, dass dies dazu geführt
haben soll, dass sie trotz konkreten Nachfragen und mehrfachen Aufforde-
rungen, ihre Erlebnisse detailliert zu schildern, nur derart oberflächliche An-
gaben machte.
5.3
5.3.1 Sodann führte die Beschwerdeführerin während der Anhörung aus,
dass das Leben in Sawa für die Frauen nicht aushaltbar gewesen sei und
die Männer oft versucht hätten, sie zu vergewaltigen. Daraufhin wurde sie
gefragt, ob sie persönlich vergewaltigt, belästigt oder angegriffen worden
sei. Sie antwortete, dass sie sehr oft von ihrem Vorgesetzten, dem Briga-
deführer, vergewaltigt worden sei. Die Vergewaltigungen hätten begonnen,
sobald sie dort eingesetzt worden sei (vgl. A17, F84 ff.). Kurz darauf er-
klärte sie, ihr Vorgesetzter F._ habe zwar etwa fünf Mal versucht,
sie zu vergewaltigen. Sie habe dies aber nie zugelassen und sich durch
lautes Schreien gewehrt (vgl. A17, F88 ff.). Daraufhin erkundigte sich die
Befragerin, ob es allenfalls zu einem Missverständnis gekommen sei, da
unmittelbar zuvor die Aussage aufgenommen worden sei, dass sie tatsäch-
lich und sehr oft vergewaltigt worden sei. Die Beschwerdeführerin führte
hierzu aus, sie habe vorher allgemein über die Situation gesprochen und
es sei in ihrem Fall beim Versuch geblieben, weil sie sich jeweils gewehrt
und laut geschrien habe (vgl. A17, F92). Diese Erklärung ist jedoch nicht
überzeugend, zumal die betreffende Frage ausdrücklich auf die persönli-
che Situation der Beschwerdeführerin abzielte (vgl. A17, F85). Zu erwäh-
nen ist auch, dass sie davon sprach, von ihrem Vorgesetzten, dem Briga-
deführer, bedrängt worden zu sein, welcher F._ geheissen habe.
Später erklärte sie in einem anderen Zusammenhang, F._ sei nicht
Brigadeführer, sondern Bataillonsführer gewesen (vgl. A17, F124). Es ist
daher festzuhalten, dass ihre Angaben zu den geltend gemachten sexuel-
len Belästigungen – und damit zu einem zentralen Punkt – nicht als kohä-
rent angesehen werden können.
5.3.2 Zur Aussage der Beschwerdeführerin, sie habe praktisch 24 Stunden
gearbeitet und manchmal nur ein bis zwei Stunden geschlafen (vgl. A17,
F135 ff.), ist anzumerken, dass diese offensichtlich nicht wörtlich zu neh-
men ist. Vielmehr dürfte sie mit ihren diesbezüglichen Ausführungen ge-
meint haben, dass sie kaum freie Zeit zur Verfügung gehabt habe, zumal
sie auch noch ihre Wäsche und andere persönlichen Dinge habe erledigen
D-417/2020
Seite 13
müssen. Es kann daraus folglich nicht abgeleitet werden, die Beschwerde-
führerin stelle ihre angebliche Dienstzeit übersteigert negativ dar und be-
haupte, sie habe während fünf Jahren oft mit ein bis zwei Stunden Schlaf
auskommen müssen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Beschrei-
bung ihrer Dienstzeit als äusserst unsubstanziiert angesehen werden
muss. In der Beschwerdeschrift wurde kritisiert, die Vorinstanz habe nur
relativ wenige und oberflächliche Fragen zum Militärdienst gestellt, anhand
derer es nicht möglich gewesen sei, einen sich über fünf Jahre erstrecken-
den, traumatischen Lebensabschnitt abzubilden. Eine Durchsicht des An-
hörungsprotokolls ergibt jedoch, dass das SEM der Beschwerdeführerin
zahlreiche Fragen zu ihrem Dienst gestellt hat, auf welche sie aber durch-
wegs mit knappen, substanzlosen Antworten reagierte (vgl. A17, insb.
F83 ff. und F125 ff.).
5.3.3 Bei der Frage nach den Gründen, die sie zur Flucht bewogen hätten,
erwähnte die Beschwerdeführerin jeweils gleich zu Beginn, dass ihr wäh-
rend der Dienstzeit kaum Urlaub gewährt worden sei (vgl. A5, Ziff. 7.01 und
A17, F83). Dies würde darauf schliessen lassen, dass es sich bei diesem
Umstand um ein für sie sehr wichtiges Sachverhaltselement gehandelt hat.
Dennoch äusserte sie sich hinsichtlich ihrer Urlaube widersprüchlich, in-
dem sie bei der BzP angab, sie habe nur zwei Mal Urlaub erhalten, wäh-
rend sie anlässlich der Anhörung von drei Urlauben sprach (vgl. A5,
Ziff. 7.01 und A17, F133). Angesichts der Bedeutung, welche die Be-
schwerdeführerin dem Umstand beimass, dass ihr nur selten Urlaub ge-
währt worden sei, sind diese unterschiedlichen Angaben schwer nachvoll-
ziehbar. Es erstaunt auch, dass sie sich nur noch an den Urlaub erinnern
konnte, der ihr beim Tod ihres Vaters gewährt worden sei, nicht aber an die
anderen beiden Urlaube (vgl. A17, F134). Einerseits handelt es sich um
eine sehr geringe Zahl von Urlauben, an die sich eine Person problemlos
erinnern können sollte. Andrerseits wäre zu erwarten gewesen, dass sich
die Beschwerdeführerin, welcher eigenen Angaben zufolge nur viel zu sel-
ten Urlaub gewährt worden sei, wenigstens an die zwei oder drei Fälle er-
innern könnte, in welchen sie habe nach Hause gehen können.
5.3.4 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass die Aussagen der Be-
schwerdeführerin zu ihrer Dienstzeit nicht nur einen sehr geringen Detail-
lierungsgrad, sondern auch mehrere Ungereimtheiten aufweisen.
5.4
5.4.1 In der Beschwerdeschrift wurde ausgeführt, es treffe zu, dass die Ant-
wort der Beschwerdeführerin auf die Aufforderung, mehr über ihren ersten
D-417/2020
Seite 14
Fluchtversuch zu erzählen, kurz ausgefallen sei. Sie scheine mit offen for-
mulierten Fragen überfordert gewesen zu sein, habe aber auf entspre-
chende Nachfragen relativ kurz, jedoch präzise und nachvollziehbar geant-
wortet. Die Vorinstanz habe zudem mehrere Realkennzeichen unberück-
sichtigt gelassen.
5.4.2 Die Ausführungen der Beschwerdeführerin in diesem Zusammen-
hang beschränken sich im Wesentlichen darauf, dass sie mit ihrer Arbeits-
kollegin und deren Freund um acht Uhr abends aufgebrochen und am
nächsten Morgen etwa um sechs Uhr bei einer Rast in der Nähe eines
Flusses von drei Soldaten aufgegriffen worden sei (vgl. A17, F140 ff. und
F167 ff.). Zwar kann der Umstand, dass sie erwähnt, bei der Festnahme
hätten sie die Schuhe ausziehen müssen (vgl. A17, F147), als Realkenn-
zeichen gewertet werden, da es sich dabei um ein zusätzliches, für das
Kerngeschehen unwesentliches Detail handelt. Dies allein vermag jedoch
nicht dazu zu führen, dass die ansonsten substanzlose Schilderung des
Fluchtversuchs, welcher sich auch kaum weitere Realkennzeichen entneh-
men lassen, als glaubhaft einzustufen wäre.
5.4.3 Des Weiteren erklärte die Beschwerdeführerin bei der BzP ausdrück-
lich, sie sei zusammen mit einer Freundin und deren Freund aus Sawa
geflohen. Nachdem sie erwischt und inhaftiert worden seien, hätten sie es
ein zweites Mal versucht, wobei der Freund ihrer Freundin den Weg ge-
kannt habe. Nach vier Tagen seien sie in N._ angekommen (vgl.
A5, Ziff. 5.02). Diese Ausführungen lassen klar darauf schliessen, dass die
Beschwerdeführerin die beiden Fluchtversuche mit denselben Personen
unternommen hat. Demgegenüber schilderte sie anlässlich der Anhörung,
dass sie einem Gefängniswächter Geld angeboten habe, wenn er ihr zur
Flucht verhelfe (vgl. A17, F184). Sie sei mit diesem drei Tage und drei
Nächte unterwegs gewesen, bevor sie im Sudan angekommen seien. Dort
seien sie zu einem Ort namens J._ gegangen, wo ein Freund von
ihm sie zu sich geholt habe. Auf die Frage, mit wem zusammen sie geflo-
hen sei, antwortete sie zuerst, nur der Wächter und sie seien gegangen.
Als sich die Befragerin nach G._ erkundigte, erklärte die Beschwer-
deführerin, diese sei auch mitgekommen (vgl. A17, F187 ff.). Entgegen der
in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung handelt es sich bei diesen
unterschiedlichen Darstellungen nicht nur um einen vermeintlichen Wider-
spruch, der vermutlich auf ein Missverständnis bei der Übersetzung zu-
rückzuführen sei. Einerseits finden sich in den Akten keinerlei Anhalts-
punkte für ein allfälliges Missverständnis. Andrerseits handelt es sich bei
D-417/2020
Seite 15
dem Umstand, mit welchen Personen die Beschwerdeführerin aus der Haft
und aus Eritrea geflohen ist, um ein sehr wichtiges Sachverhaltselement.
5.5 Ebenso wenig substanziiert wie die anderen Geschehnisse schilderte
die Beschwerdeführerin ihre angeblich rund einjährige Haft in I._
(vgl. A17, F165 f. sowie F175 ff.). Auf Beschwerdeebene wird nun geltend
gemacht, dass sie gegenüber der Rechtsvertreterin ihren Alltag detailreich
und in anschaulichen Bildern habe schildern können. Zutreffend ist, dass
sich in der Beschwerdeeingabe eine deutlich präzisere Beschreibung der
Zeit im Gefängnis findet (vgl. Beschwerdeschrift S. 9 f.). Umso mehr stellt
sich jedoch die Frage, weshalb die Beschwerdeführerin diese Umstände,
welche sich auf den Alltag in I._ und ihre Wahrnehmung desselben
beziehen, nicht bereits in der Anhörung dargelegt hat. Bei dieser wurde sie
vom SEM ausdrücklich um eine Beschreibung der Zeit in I._ gebe-
ten und die gestellten Fragen zielten genau darauf ab, mehr über den dor-
tigen Alltag zu erfahren. Die Beschwerdeführerin war jedoch nicht in der
Lage, dahingehende Ausführungen zu machen. Vor diesem Hintergrund
erscheinen die Präzisierungen auf Beschwerdeebene als nachgeschoben
und sind nicht geeignet, die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen zu untermau-
ern.
5.6 Sodann erstaunt, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der BzP bei
der Frage nach ihrer Schul- und Ausbildung ausführte, sie habe die Schule
bis zur 11. Klasse besucht und nie gearbeitet. Auf die Frage, wer für ihren
Lebensunterhalt aufgekommen sei, gab sie an, dass sie zu Hause bei ihrer
Mutter gelebt habe (vgl. A5, Ziff. 1.17.04 f.). Als letzten Wohnort in Eritrea
nannte sie D._, wo sie seit ihrer Geburt gelebt habe. Sie habe dort
mit ihrer Mutter und ihrer Schwester zusammengelebt, da ihr Vater verstor-
ben sei (vgl. A5, Ziff. 2.01 f.). Demgegenüber gab sie unmittelbar darauf
bei den Ausführungen zu den Gesuchsgründen an, sie habe das 12. Schul-
jahr in Sawa besucht und anschliessend dort fünf Jahre als Soldatin dienen
müssen, wobei sie in der (...) gearbeitet habe (vgl. A5, Ziff. 7.01). Würde
dies zutreffen, hätte die Beschwerdeführerin seit (...) nicht mehr in
D._ gelebt und – da ihr Vater im Jahr (...) verstorben sei – auch nie
nur mit ihrer Mutter und Schwester zusammengelebt.
5.7 Wenig überzeugend sind auch die Angaben der Beschwerdeführerin
zu ihrer Identitätskarte. Bei der BzP im August 2016 gab sie zu Protokoll,
dass sich das Original im Sudan befinde (vgl. A5, Ziff. 4.03). Als sie bei der
Anhörung die Identitätskarte einreichte, führte sie aus, ihre Schwester
habe ihr diese aus Eritrea geschickt (vgl. A17, F4 f.). Mit ihrer Aussage von
D-417/2020
Seite 16
der BzP konfrontiert, erklärte sie, die Identitätskarte sei zuerst in Eritrea
gewesen und dann in den Sudan geschickt worden zu einer Person, die
sie nicht kenne (vgl. A17, F6 f.). Kürzlich – im November 2017 – habe sie
nun eine Freundin von ihr in die Schweiz geschickt (vgl. A17, F9 ff.). Die
diesbezüglichen Angaben der Beschwerdeführerin erscheinen auswei-
chend und erwecken den Anschein, als passe sie diese fortlaufend an. Es
ist nicht ersichtlich, weshalb die Identitätskarte im Jahr 2016 in den Sudan
geschickt worden sein soll – notabene zu einer Person, welche die Be-
schwerdeführerin nicht kennt – und schliesslich erst Ende 2017 über eine
Freundin in die Schweiz weitergeleitet worden sei. Ihre Aussagen in die-
sem Zusammenhang vermitteln den Eindruck, als wolle sie die Umstände,
unter denen sie die Identitätskarte erhalten hat, verschleiern.
5.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorliegend die Elemente, wel-
che gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin
sprechen, überwiegen. Ihre Ausführungen sind detailarm, weisen äusserst
wenig Substanz auf und enthalten verschiedene Ungereimtheiten. Die
spärlich vorhandenen Realkennzeichen lassen ebenfalls nicht darauf
schliessen, dass die Beschwerdeführerin von eigenen Erlebnissen erzählt.
Es ist daher nicht glaubhaft, dass sie rund fünf Jahre in Sawa Militärdienst
geleistet hat, bei einem Fluchtversuch festgenommen wurde und nach ei-
nem Jahr in Haft schliesslich erfolgreich aus Eritrea ausreiste.
6.
6.1 Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea unverhältnismäs-
sig streng bestraft, da sie von den eritreischen Behörden als Ausdruck der
Regimefeindlichkeit aufgefasst werden. Die Furcht vor einer Bestrafung
wegen Dienstverweigerung oder Desertion ist dann begründet, wenn die
betroffene Person in einem konkreten Kontakt zu den Militärbehörden
stand. Ein solcher Kontakt ist regelmässig anzunehmen, wenn jemand im
aktiven Dienst war und desertierte. In diesem Fall droht grundsätzlich nicht
allein eine Haftstrafe, sondern eine Inhaftierung unter unmenschlichen Be-
dingungen und Folter, wobei Deserteure regelmässig der Willkür ihrer Vor-
gesetzten ausgesetzt sind. Demzufolge sind Personen, die begründete
Furcht haben, einer solchen Bestrafung ausgesetzt zu werden, als Flücht-
linge im Sinne von Art. 3 AsylG anzuerkennen (vgl. zum Ganzen
EMARK 2006 Nr. 3; in jüngerer Zeit beispielsweise bestätigt im Urteil des
BVGer E-4203/2018 vom 1. April 2020 E. 6.2).
D-417/2020
Seite 17
Nachdem die Vorbringen der Beschwerdeführerin als unglaubhaft zu qua-
lifizieren sind, ist nicht davon auszugehen, dass sie vor ihrer Ausreise de-
sertierte, festgenommen wurde und später aus der Haft geflohen ist. Sie
fällt daher nicht in die Kategorie von Deserteuren und Dienstverweigerern,
welche nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts den
Flüchtlingsstatus zugesprochen erhalten.
6.2 In seiner früheren Rechtsprechung ging das Bundesverwaltungsgericht
davon aus, dass bei einer illegalen Ausreise aus Eritrea im Falle einer
Rückkehr die Gefahr einer flüchtlingsrechtlich relevanten Bestrafung be-
stehe. Im Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil pu-
bliziert) kam das Gericht jedoch zum Schluss, dass die bisherige Praxis
nicht mehr aufrechterhalten werden könne und die illegale Ausreise allein
zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht ausreiche. Es bedürfe
hierzu vielmehr zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welche einen Beschwer-
deführer in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person
erscheinen liessen und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten
Verfolgungsgefahr führen könnten (vgl. Urteil des BVGer D-7898/2015 vom
30. Januar 2017 E. 5.1).
Aufgrund dieser Praxisänderung kann auf weitere Ausführungen zur gel-
tend gemachten illegalen Ausreise der Beschwerdeführerin verzichtet wer-
den. Den Akten lassen sich keine konkreten Hinweise auf relevante zusätz-
liche Anknüpfungspunkte für eine Schärfung ihres Profils entnehmen und
ihre Angaben zu den Ereignissen vor der Ausreise sind als unglaubhaft ein-
zustufen. Es bestehen somit keine Anhaltspunkte für eine drohende Verfol-
gung infolge der vorgebrachten illegalen Ausreise.
6.3 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerinnen
nichts vorgebracht haben, das geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das SEM hat ihre
Asylgesuche somit zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführerinnen verfügen nicht über eine ausländerrechtli-
che Niederlassungs- oder Aufenthaltsbewilligung. In der Beschwerdeschrift
D-417/2020
Seite 18
wurde jedoch geltend gemacht, dass B._ nach erfolgter Vater-
schaftsanerkennung durch K._ einen Rechtsanspruch auf Einbe-
zug in dessen Flüchtlingseigenschaft und Asylstatus habe. Der Status der
Tochter werde es der Beschwerdeführerin wiederum ermöglichen, bei der
zuständigen kantonalen Ausländerbehörde abgeleitet aus dem Recht auf
Achtung des Privat- und Familienlebens ein Gesuch um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung zu stellen. Das Verfahren zur Anerkennung der Va-
terschaft sei eingeleitet und es würden schnellstmöglich die notwendigen
Schritte für ein Ehevorbereitungsverfahren anhand genommen. Dem Ge-
richt liegt auch eine Erklärung von K._ vor, wonach er beabsichtige,
bei den zuständigen Behörden ein Gesuch um Einbezug der Beschwerde-
führerinnen in seine Flüchtlingseigenschaft und seinen Asylstatus zu stel-
len.
7.3 In Art. 14 Abs. 1 AsylG wird der sogenannte Grundsatz des Vorrangs
des Asylverfahrens (gegenüber ausländerrechtlichen Verfahren) festge-
setzt. Demnach kann eine asylsuchende Person ab Einreichung des Asyl-
gesuches bis zur Ausreise nach einer rechtskräftig angeordneten Wegwei-
sung, nach einem Rückzug des Asylgesuches oder bis zur Anordnung ei-
ner Ersatzmassnahme bei nicht durchführbarem Vollzug kein Verfahren um
Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung einleiten, aus-
ser es bestehe ein Anspruch auf deren Erteilung. Ist dies der Fall, geht die
Zuständigkeit, die Wegweisung aus der Schweiz zu verfügen, von den
Asylbehörden auf die kantonale Ausländerbehörde über, welche über die
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu befinden hat (vgl. zum Ganzen
BVGE 2013/37 E. 4.4 S. 579 f. und EMARK 2001 Nr. 21 E. 8d S. 175 f.).
Somit ist im Asyl- und Wegweisungsverfahren mit Blick auf die mögliche
Zuständigkeit der kantonalen Ausländerbehörde vorfrageweise zu prüfen,
ob die asylsuchende Person sich im Sinne von Art. 14 Abs. 1 AsylG auf
einen grundsätzlichen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
berufen kann. Als Anspruchsgrundlage kommt dabei insbesondere Art. 8
EMRK in Betracht, wobei diesbezüglich die bundesgerichtliche Rechtspre-
chung massgeblich ist. Diese besagt, dass Ausländerinnen und Auslän-
dern gestützt auf den in Art. 8 EMRK und Art. 13 BV gewährleisteten
Schutz des Familienlebens ein potenzieller Anspruch auf Aufenthalt in der
Schweiz erwächst, wenn intakte und tatsächlich gelebte Familienbande zu
nahen Verwandten (sogenannte Kernfamilie) bestehen, die über ein gefes-
tigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfügen. Letzteres ist der Fall,
wenn der oder die sich in der Schweiz aufhaltende Angehörige das Schwei-
zer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung besitzt oder über
D-417/2020
Seite 19
eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, die ihrerseits auf einem gefestigten
Rechtsanspruch beruht (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1 m.H.). Die im Asylver-
fahren angeordnete Wegweisung wird demzufolge praxisgemäss aufgeho-
ben, wenn ein potenzieller Anspruch gestützt auf Art. 8 EMRK vorfrage-
weise bejaht wird, die betroffene Person an die zuständige kantonale Aus-
länderbehörde ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ge-
richtet hat sowie dieses Gesuch noch hängig ist (vgl. BVGE 2013/37
E. 4.4.2.2).
7.4 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung setzt die Berufung
auf einen Bewilligungsanspruch nach Art. 8 EMRK bei nicht verheirateten
Paaren voraus, dass die Beziehung der Konkubinatspartner genügend
nahe, echt und tatsächlich gelebt wird beziehungsweise bezüglich Art und
Stabilität in ihrer Substanz einer Ehe gleichkommt. Dabei ist wesentlich, ob
die Partner in einem gemeinsamen Haushalt leben; zudem ist der Natur
und Länge ihrer Beziehung sowie ihrem Interesse und ihrer Bindung anei-
nander, etwa durch Kinder oder andere Umstände wie die Übernahme von
wechselseitiger Verantwortung, Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des Bun-
desgerichts 2C_880/2017 vom 3. Mai 2018 E. 3.1 f. m.w.H.). Während lau-
fendem Asylverfahren sind dabei erhöhte Anforderungen zu stellen und der
Bewilligungsanspruch muss „offensichtlich“ erscheinen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 2A.8/2005 vom 30. Juni 2005 E. 3.1).
7.5
7.5.1 Da die Beschwerdeführerin und ihr Partner nicht verheiratet sind und
gemäss den Akten die Vaterschaftsanerkennung der im (...) geborenen
Tochter noch nicht abgeschlossen ist, fällt zum heutigen Zeitpunkt als
Grundlage für den Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung al-
lein Art. 8 EMRK in Betracht.
7.5.2 Die Beschwerdeführerin und K._ sind eigenen Angaben zu-
folge seit dem Jahr 2018 ein Paar und haben im (...) nach Brauch gehei-
ratet. Trotzdem ist nicht aktenkundig, dass bislang ein Ehevorbereitungs-
verfahren eingeleitet worden wäre. Auf Beschwerdeebene wurde diesbe-
züglich dargelegt, eine Vorsprache auf dem Zivilstandsamt habe ergeben,
dass es an den erforderlichen Papieren fehle. Nach erfolgter Aufklärung
über die vorhandenen rechtlichen Möglichkeiten hätten sie vor, nun die not-
wendigen Schritte in die Wege zu leiten. Es wurden jedoch keinerlei Belege
dafür eingereicht, dass zwischenzeitlich ein entsprechendes Verfahren
hängig wäre. Sodann wohnen die Beschwerdeführerinnen nicht mit
K._ zusammen und es besteht kein gemeinsamer Haushalt.
D-417/2020
Seite 20
Ebenso wenig ist ersichtlich, dass ein Kantonswechselgesuch anhängig
gemacht worden wäre, um ein Zusammenleben zu ermöglichen. Vor die-
sem Hintergrund kann offensichtlich nicht von einem stabilen Konkubinat
ausgegangen werden, welches in seiner Substanz einer Ehe gleichkommt.
Daran ändert auch der Umstand nichts, dass das Paar mittlerweile ein ge-
meinsames Kind hat. Zwar wird in der Beschwerdeschrift vorgebracht,
dass sich der Partner an der Pflege und Betreuung der Tochter beteilige
und sich verantwortungsvoll um die Familie kümmere. Es wird jedoch nicht
präzisiert, worin diese Beteiligung an der Betreuung bestehe, wobei zumin-
dest fraglich ist, in welchem Ausmass eine solche angesichts der unter-
schiedlichen Wohnsitze überhaupt möglich ist. Es wird auch nicht konkret
dargelegt, inwiefern der Partner Verantwortung übernehme. Insbesondere
ist nicht ersichtlich, dass er seine Familie auch finanziell unterstützen
würde. Der Umstand, dass sich die Beschwerdeführerinnen eigenen Anga-
ben zufolge wenn immer möglich am Wohnsitz des Partners aufhalten,
reicht noch nicht aus, um von einer genügend nahen, echten und tatsäch-
lich gelebten Beziehung auszugehen, aus welcher sich ein offensichtlicher
Bewilligungsanspruch gestützt auf Art. 8 EMRK ableiten liesse. Ergänzend
ist festzuhalten, dass weder in der Beschwerdeschrift geltend gemacht wird
noch aus den Akten ersichtlich ist, dass bei den zuständigen kantonalen
Behörden ein Verfahren um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung einge-
leitet worden wäre. Dies wäre jedoch Voraussetzung für die Aufhebung der
Wegweisung durch das Gericht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.5.2).
7.5.3 Daraus folgt, dass die Beschwerdeführerinnen zum jetzigen Zeit-
punkt keinen Anspruch auf dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz gestützt
auf Art. 8 EMRK geltend zu machen vermögen. Die Vorinstanz hat daher
die Wegweisung zu Recht angeordnet.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass daran auch der potenzielle
Anspruch auf eine Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Vorbereitung des
Eheschlusses nichts zu ändern vermag. Bei dieser handelt es sich um eine
rein provisorische und zeitlich begrenzte Massnahme, wobei die Beurtei-
lung der Voraussetzungen Sache der fremdenpolizeilichen Behörden ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_880/2017 vom 3. Mai 2018 E. 4.2 f.
m.w.H.). Der Beschwerdeführerin ist es jedoch unbenommen, ein entspre-
chendes Gesuch bei den hierfür zuständigen kantonalen Behörden zu stel-
len (vgl. Urteil des BVGer D-6304/2018 vom 12. Dezember 2018).
D-417/2020
Seite 21
8.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Wegweisungsvollzugshindernisse sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2, m.w.H.).
9.
9.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin,
dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Refoulement-Verbots nur Per-
sonen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be-
schwerdeführerinnen nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt
sich deshalb vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrecht-
lichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 und
4 EMRK).
9.2
9.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Urteil E-5022/2017 vom
10. Juli 2018 (als Referenzurteil publiziert) mit der Frage befasst, ob der
Vollzug der Wegweisung auch angesichts einer drohenden Einziehung in
den eritreischen Nationaldienst als zulässig und zumutbar qualifiziert wer-
den könne. Das Gericht hat die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im
genannten Urteil sowohl unter dem Gesichtspunkt des Zwangsarbeitsver-
bots (Art. 4 Abs. 2 EMRK) als auch unter jenem des Verbots der Folter und
D-417/2020
Seite 22
der unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung (Art. 3 EMRK) ge-
prüft.
9.2.2 Nach einer umfassenden Analyse der verfügbaren Quellen gelangte
das Gericht im genannten Urteil in tatsächlicher Hinsicht zum Ergebnis,
dass die Bemessung der Dienstdauer und die Gewährung von Urlauben
im eritreischen Nationaldienst für die Einzelperson kaum vorhersehbar
seien. Die durchschnittliche Dienstdauer lasse sich nicht genau beziffern;
es sei jedoch davon auszugehen, dass sie zwischen fünf und zehn Jahre
betrage und in Einzelfällen darüber hinausgehen könne. Die Lebensbedin-
gungen gestalteten sich sowohl in der Grundausbildung als auch im militä-
rischen und im zivilen Nationaldienst schwierig. Bei letzterem sei dies ins-
besondere deshalb der Fall, weil Verpflegung und Unterkunft nicht immer
zur Verfügung gestellt würden und der Nationaldienstsold – trotz einzelner
Verbesserungen in jüngster Zeit – kaum ausreiche, um den Lebensunter-
halt zu decken. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass es im eritreischen
Nationaldienst – insbesondere in der Grundausbildung und im militärischen
Dienst – zu Misshandlungen und sexuellen Übergriffen komme (vgl. zum
Ganzen Urteil des BVGer E-5022/2017, a.a.O., E. 6.1.5.2).
9.2.3 In rechtlicher Hinsicht führte das Bundesverwaltungsgericht aus,
Art. 4 Abs. 2 EMRK stehe dem Wegweisungsvollzug nur dann entgegen,
wenn das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung des Zwangsarbeits-
verbots anzunehmen wäre. Der im eritreischen Nationaldienst effektiv zu
befürchtende Nachteil, auf unabsehbare Zeit eine niedrig entlöhnte Arbeit
für den Staat ausführen zu müssen, sei zwar als unverhältnismässige Last
zu qualifizieren. Der Nachteil beraube jedoch Art. 4 Abs. 2 EMRK nicht sei-
nes essenziellen Gehalts, weshalb insofern keine flagrante Verletzung an-
zunehmen sei (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer E-5022/2017, a.a.O.,
E. 6.1.5.2).
9.2.4 Mit Blick auf Art. 3 EMRK müsste ferner das ernsthafte Risiko ("real
risk") nachgewiesen werden, dass den Betroffenen im Fall einer Rück-
schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl.
EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar
2008, Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Diesbezüglich führte das Bun-
desverwaltungsgericht aus, dass keine hinreichenden Belege dafür exis-
tieren, dass Misshandlungen und sexuelle Übergriffe im Nationaldienst der-
art flächendeckend stattfänden, dass jede Dienstleistende und jeder
Dienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche
D-417/2020
Seite 23
Übergriffe zu erleiden. Es bestehe daher kein ernsthaftes Risiko einer Ver-
letzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Einziehung in den eritreischen Na-
tionaldienst (vgl. Urteil des BVGer E-5022/2017a.a.O., E. 6.1.6).
9.2.5 Vorliegend ist aufgrund der unglaubhaften Angaben der Beschwer-
deführerin unklar, ob respektive in welchem Umfang sie in Eritrea National-
dienst geleistet hat. Selbst wenn jedoch davon auszugehen wäre, dass sie
ihrer Dienstpflicht bislang nicht nachgekommen ist und ihr bei einer Rück-
kehr die Einziehung in den Nationaldienst drohen würde, ist nicht anzuneh-
men, dass deswegen ein tatsächliches und unmittelbares Risiko einer zu-
künftigen Verletzung von Art. 3 und Art. 4 Abs. 2 EMRK besteht. Weitere
Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs er-
geben sich weder aus den Akten noch aus der Beschwerdeschrift. Der Voll-
zug der Wegweisung erweist sich damit im Falle einer freiwilligen Rückkehr
sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als
zulässig.
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 Im bereits zitierten Koordinationsentscheid E-5022/2017 vom
10. Juli 2018 kam das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die
drohende Einziehung in den Nationaldienst nicht zur Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs führe (a.a.O., E. 6.2.3-6.2.5). Eine allfällige Einzie-
hung der Beschwerdeführerin in den Nationaldienst bei einer (freiwilligen)
Rückkehr nach Eritrea lässt damit den Wegweisungsvollzug nicht unzu-
mutbar erscheinen.
9.3.3 In seinem Urteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 (als Referenzur-
teil publiziert) hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass in Eritrea nicht
von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt be-
ziehungsweise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs ausgegangen werden könne. In jüngster Zeit hätten sich die Lebens-
bedingungen in einigen Bereichen verbessert. Zwar sei die wirtschaftliche
Lage nach wie vor schwierig; die medizinische Grundversorgung, die Er-
nährungssituation, der Zugang zu Wasser und zur Bildung hätten sich aber
D-417/2020
Seite 24
stabilisiert. Der Krieg sei seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder
religiöse Konflikte seien nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen seien an dieser
Stelle auch die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein
Grossteil der Bevölkerung profitiere. Angesichts der schwierigen allgemei-
nen Lage des Landes müsse jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer
Existenzbedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände
vorliegen würden. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung
seien begünstigende individuelle Faktoren jedoch nicht mehr zwingende
Voraussetzung für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Refe-
renzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.).
9.3.4 Vorliegend sind keine individuellen Gründe ersichtlich, welche die
Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Eritrea unzumutbar erscheinen
liessen. Es handelt sich bei ihr um eine junge Frau, welche die Schule min-
destens bis zur elften Klasse besucht hat (vgl. A5, Ziff. 1.17.04) und an
keinen aktenkundigen gesundheitlichen Problemen leidet. Zudem verfügt
sie über ein familiäres Beziehungsnetz, das sie nötigenfalls bei der Wie-
dereingliederung in Eritrea unterstützen könnte. In ihrer Heimat leben ne-
ben ihrer Mutter auch ein Bruder und eine Schwester (vgl. A17, F31 ff.).
Eine weitere Schwester wohnt in der Schweiz. Zudem hat sie eine Tante in
O._, welche sowohl ihre Flucht finanziert als auch ihre Mutter immer
unterstützt hat (vgl. A5, Ziff. 5.02 und A17, F75). Besondere Umstände,
aufgrund derer davon ausgegangen werden müsste, dass die Beschwer-
deführerin bei einer Rückkehr in eine existenzbedrohende Situation gera-
ten würde, sind keine ersichtlich. Im Zusammenhang mit der Tochter führte
das SEM zutreffend aus, dass diese erst (...) alt sei. In diesem sehr jungen
Alter steht das Kindeswohl einem Vollzug der Wegweisung zusammen mit
der Mutter nicht entgegen.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zumut-
bar.
9.3.5 In der Beschwerdeschrift wurde schliesslich geltend gemacht, die Be-
schwerdeführerinnen könnten sich aufgrund ihrer Beziehung zu K._
auf ihr Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens berufen, weshalb
sich eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vertieften Prüfung
von Wegweisungsvollzugshindernissen rechtfertige.
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass im vorliegenden Verfahren aus-
schliesslich – in Anwendung der asylrechtlichen Bestimmungen – die all-
fälligen Voraussetzungen einer Ersatzmassnahme im Sinne von Art. 44
D-417/2020
Seite 25
AsylG i.V. m. Art. 83 Abs. 1–4 AIG zu prüfen sind. Im Rahmen dieser Ge-
setzesnormen können die Beschwerdeführerinnen aus dem Umstand der
möglicherweise bevorstehen Vaterschaftsanerkennung sowie der beab-
sichtigten Einleitung eines Ehevorbereitungsverfahrens nichts für sich ab-
leiten. Die Beurteilung, ob ihnen allenfalls gestützt auf anderweitige recht-
liche Anspruchsgrundlagen eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen sei,
liegt in der alleinigen Zuständigkeit der fremdenpolizeilichen Behörden.
Wie oben dargelegt wurde (vgl. E. 7), vermögen die Beschwerdeführerin-
nen zum heutigen Zeitpunkt keinen aus Art. 8 EMRK abgeleiteten Bewilli-
gungsanspruch geltend zu machen. Ein allfälliges Gesuch um Erteilung ei-
ner Kurzaufenthaltsbewilligung während des Ehevorbereitungsverfahrens
wäre bei den zuständigen kantonalen Behörden zu stellen.
Vor diesem Hintergrund erscheint eine Rückweisung der Sache an die Vo-
rinstanz zur Prüfung von Wegweisungsvollzugshindernissen nicht ange-
zeigt.
9.4 Sodann ist darauf hinzuweisen, dass derzeit die zwangsweise Rück-
führung nach Eritrea zwar generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der
freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Un-
möglichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG ent-
gegen. Es obliegt daher der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat.
Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht
(Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen
ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es besteht keine Veranlassung, die Sache an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
D-417/2020
Seite 26
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da jedoch das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG mit Instruktionsverfügung vom 28. Januar 2020 gutgeheis-
sen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
12. Mit derselben Verfügung wurde auch das Gesuch um unentgeltliche
Verbeiständung gutgeheissen und den Beschwerdeführerinnen lic. iur. Ari-
ane Burkhardt als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Die Rechtsver-
treterin hat keine Kostennote eingereicht, weshalb das amtliche Honorar
aufgrund der Akten zu bestimmen ist. Unter Berücksichtigung der massge-
blichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) ist das amtliche Honorar auf insge-
samt Fr. 800.– (inklusive Auslagen) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
D-417/2020
Seite 27