Decision ID: 507d8f65-a5f5-5e85-bcf3-4763d4550d63
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Am 16. Januar 2013 stellten A. und B.Q., Rapperswil-Jona, beim Amt für
Mittelschulen das Gesuch, ihr Sohn R.Q. sei der Kantonsschule Ausserschwyz in
Pfäffikon zuzuweisen, vorausgesetzt er bestehe im März 2013 die Aufnahmeprüfung an
der Kantonsschule Wattwil und an der Kantonsschule Ausserschwyz würden
Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Das Gesuch wurde im Wesentlichen damit
begründet, die Nähe zwischen dem Wohnort des Schülers und Pfäffikon habe eine
Zeitersparnis von rund 80 Minuten je Tag zur Folge. Sodann sei R.Q. ein ambitionierter
Tennisspieler und die Tennisinfrastruktur befinde sich im Raum Zürichsee. Weiter
hätten auch sie selber die Kantonsschule Ausserschwyz besucht, weshalb eine Affinität
zu dieser Schule bestehe.
Am 17. April 2013 lehnte es das Bildungsdepartement ab, dem Gesuch zu entsprechen
und wies R.Q. der Kantonsschule Wattwil zu. Der Entscheid wird damit begründet, die
Voraussetzung gemäss Art. 84bis lit. e des Mittelschulgesetzes (sGS 215.1, abgekürzt
MSG) sei nicht erfüllt. Wenn den acht Gesuchen um Zuweisung an die Kantonsschule
Pfäffikon, die rechtsgleich zu behandeln seien, entsprochen würde, wäre eine
zweckmässige Führung der Klassen mit Schwerpunktfach "Wirtschaft und Recht" an
der Kantonsschule Wattwil nicht mehr gewährleistet.
B./ Am 3. Mai 2013 erhoben A. und B.Q. gegen den Entscheid des
Bildungsdepartements vom 17. April 2013 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie
stellten die Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und dem
Gesuch um Zuweisung ihres Sohnes an die Kantonsschule Ausserschwyz sei zu
entsprechen, alles unter Kostenfolgen zu Lasten der Staatskasse. Zur Begründung wird
im Wesentlichen geltend gemacht, es treffe nicht zu, dass die Zuweisung von R.Q. an
die Kantonsschule Pfäffikon die zweckmässige Weiterführung von zwei Klassen mit
Schwerpunktfach "Wirtschaft und Recht" an der Kantonsschule Wattwil
verunmögliche. Sodann sei das Bildungsdepartement nicht entsprechend dem
Rechtsgleichheitsgebot vorgegangen und habe einen Kollektiventscheid gefällt. Die
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acht Gesuche, so auch das Gesuch betreffend ihren Sohn, seien nicht im Hinblick auf
die konkreten Verhältnisse, die ihnen zugrunde liegen, geprüft worden.
Das Bildungsdepartement nahm am 27. Mai 2013 Stellung und beantragte, die
Beschwerde sei abzuweisen. A. und B.Q. machten am 18. Juni 2013 von der
Möglichkeit Gebrauch, sich zur Stellungnahme des Bildungsdepartements vom 27. Mai
2013 zu äussern.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Gemäss Art. 84bis MSG kann der Staat das Schulgeld für den Besuch
ausserkantonaler staatlicher Mittelschulen im Grenzgebiet ganz oder teilweise
übernehmen, wenn verschiedene konkret umschriebene Voraussetzungen erfüllt sind.
Dazu gehört, dass der Schülerbestand die zweckmässige Weiterführung bestehender
Abteilungen der staatlichen Mittelschule gewährleistet (Art. 84bis lit. e MSG). Bei Art.
84bis MSG handelt es sich um eine "Kann-Bestimmung". Dies bedeutet, dass die
Behörden über einen erheblichen Ermessenspielraum verfügen bzw. dass auch dann
kein Anspruch auf Übernahme von Schulgeldern besteht, wenn die in Art. 84bis MSG
statuierten Voraussetzungen erfüllt sind. Weiter sieht Art. 4bis MSG die Möglichkeit vor,
dass das zuständige Departement zur Bildung ausgeglichener Klassen oder zur
angemessenen räumlichen Auslastung, somit im öffentlichen Interesse, Schülerinnen
und Schüler den Kantonsschulen zuteilen kann.
Die Kantone Schwyz und St. Gallen haben im Jahr 1989 die Interkantonale
Vereinbarung über den Besuch der Kantonsschule Pfäffikon durch Schüler aus dem
Kanton St. Gallen (sGS 215.352, abgekürzt Vereinbarung) abgeschlossen. Nach Art. 2
der Vereinbarung sind Schüler aus dem Kanton St. Gallen beitragsberechtigt, wenn
verschiedene konkret umschriebene Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehörten die
Anforderungen nach Art. 84bis lit. e MSG (Art. 2 Abs. 1 lit. a der Vereinbarung). Strittig
ist einzig, ob dies der Fall ist bzw. ob der Schülerbestand die zweckmässige
Weiterführung bestehender Abteilungen an der Kantonsschule Wattwil gewährleistet.
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3. Die Bildung von Klassen mit zweckmässiger Grösse an einer Mittelschule anhand
der konkreten Schülerzahlen und des jeweils von einzelnen Schülerinnen und Schülern
gewünschten Schwerpunktfachs ist eine komplexe organisatorische Angelegenheit.
Wie die Vorinstanz in ihrer Stellungnahme vom 27. Mai 2013 ausführt, werden nach
Bekanntgabe der Resultate der Aufnahmeprüfungen Klassen mit ausgeglichenen
Beständen gebildet, was es erforderlich machen kann, dass Schülerinnen und Schüler
einer anderen als der gewünschten Kantonsschule zugewiesen werden oder aber ein
anderes als das gewünschte Schwerpunktfach wählen müssen. So mussten gemäss
Angaben der Vorinstanz im Jahr 2013 rund 110 Schülerinnen und Schüler entweder
den Schulort oder das Schwerpunktfach wechseln. Wie die Vorinstanz erläutert,
werden Klassen im Kanton St. Gallen nach Schwerpunktfächern gebildet, was
sachgerecht ist, auch wenn es dazu führen kann, dass, je nach Wahl des
Schwerpunktfachs, Zu- und Wegteilungen vorgenommen werden müssen. Ebenfalls
nicht zu beanstanden ist, dass die Vorinstanz Klassen mit einem Bestand von 25
Schülerinnen und Schülern anstrebt und dass sie es ablehnt, dass Klassen mit weniger
als 18 Schülerinnen und Schülern geführt werden. In diesem Fall erfolgen Zu- bzw.
Wegteilungen oder es werden "Schwerpunkt-Halbklassen" gebildet, was aber
voraussetzt, dass eine andere Halbklasse zur Verfügung steht. Letzteres ist gemäss
Angaben der Vorinstanz in der Stellungnahme vom 27. Mai 2013 an der Kantonsschule
Wattwil nicht der Fall.
4. Unbestritten ist, dass an der Kantonsschule Wattwil 43 Schülerinnen und Schüler die
Prüfung bestanden haben, die das Schwerpunktfach "Wirtschaft und Recht" belegen
möchten. Dazu gehört auch R.Q. Die Verfahrensbeteiligten stimmen überein, dass auf
dieser Grundlage zwei Klassen mit angemessener bzw. ausgeglichener Grösse gebildet
werden können, auch wenn der aus organisatorischer Sicht optimale Klassenbestand
von 25 Schülerinnen und Schülern nicht erreicht werden kann.
In diesem Zusammenhang fällt in Betracht, dass nicht nur für R.Q., sondern für weitere
sieben dieser Schülerinnen und Schüler das Gesuch gestellt worden ist, sie seien der
Kantonsschule Pfäffikon zuzuweisen, und nicht nur R.Q., sondern alle diese
Schülerinnen und Schüler die Zuweisungsvoraussetzungen mit Ausnahme von
Art. 84bis lit. e MSG erfüllen. Die Vorinstanz hat erwogen, die acht Schülerinnen und
Schüler seien nicht beitragsberechtigt, weil ihre Zuweisung an die Kantonschule
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Pfäffikon zu unausgeglichenen Klassenbeständen an der Kantonsschule Wattwil führen
würde. Sie begründet dies damit, es müssten zwei Klassen mit 18 bzw. 17
Schülerinnen und Schülern gebildet werden und die langjährige Erfahrung zeige, dass
jeweils rund 10 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Schule nach der Probezeit
verlassen würden, weshalb der Bestand je Klasse voraussichtlich noch tiefer, auf 15 bis
16 Schülerinnen und Schüler, sinken würde. Demzufolge werde die aus
organisatorischer und finanzieller Sicht kritische minimale Klassengrösse
unterschritten.
Diese Argumentation ist sachgerecht. Einerseits besteht ein erhebliches öffentliches
Interesse daran, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler das Schwerpunktfach,
für das sie sich entschieden haben, auch belegen können und dass sie nicht in eine
andere Mittelschule weggeteilt werden müssen. Andererseits liegt es im öffentlichen
Interesse, an einer konkreten Mittelschule eine Klassenstruktur bilden zu können, die
unter Einbezug verschiedener Eventualitäten, so auch der Verringerung des
Klassenbestands insbesondere nach der Probezeit, längerfristig Bestand hat. Wie
ausgeführt, darf die Vorinstanz in diesem Zusammenhang von einem optimalen
Klassenbestand von 25 Schülerinnen und Schülern ausgehen. Entgegen der
Auffassung der Beschwerdeführer darf sie zudem in die Beurteilung einbeziehen, dass
Kleinklassen sowie Klassen mit Unterbeständen aus finanzpolitischer Sicht zu
vermeiden sind. In einem Fall wie dem vorliegenden, wo die Schülerzahl mit
Schwerpunktfach "Wirtschaft und Recht" nicht bei 50, sondern bei 43 liegt, und eine
weitere Reduktion des Bestandes zu zwei unzweckmässigen Kleinstklassen führen
würde, ist die Voraussetzung nach Art. 2 Abs. 1 lit. a der Vereinbarung somit
grundsätzlich nicht erfüllt, weshalb Gesuche um Zuweisung an eine andere
Mittelschule, die aus persönlichen Gründen bevorzugt würde, ohne individuelle Prüfung
im Einzelfall abgewiesen werden dürfen. Denkbar ist einzig, dass einem Gesuch
entsprochen wird, weil zwingende Gründe vorab gesundheitlicher Natur die Zuweisung
einer Schülerin oder eines Schülers an eine andere Mittelschule erforderlich machen.
Die Tatsache, dass sich die Trainings- und Therapieinfrastruktur eines Schülers, der in
Rapperswil-Jona wohnt und ambitioniert Tennis spielt, im Grossraum Zürich befindet,
vermag demgegenüber seine Zuweisung an die Kantonsschule Pfäffikon unter den
gegebenen konkreten Umständen bezüglich des Schülerbestands nicht zu
rechtfertigen, zumal R.Q. nicht als Ausnahmetalent im Sinn von Art. 2 lit. b der
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Interkantonalen Vereinbarung für Schulen mit spezifisch strukturierten Angeboten für
Hochbegabte, dem der Kanton St. Gallen beigetreten ist (sGS 211.83), gilt. Wie rund
400 weitere Tennistalente ist er Inhaber einer "Swiss Olympic Talent Card Lokal" (vgl.
www.swissolympic. ch) und nicht einer "Swiss Olympic Talent Card International oder
National", mit welchen die Förderungswürdigkeit nachgewiesen werden muss (RB
Nr. 636 vom 28. September 2004).
5. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht