Decision ID: d303962b-f5ca-5004-94c2-55884c5cf6d4
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Evelyne Angehrn, Oberer Graben 44,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision (Einstellung Rente)
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 30. Januar/18. Februar 2004 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an und beantragte namentlich Berufsberatung und
Arbeitsvermittlung. Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin,
diagnostizierte im Arztbericht vom 11. März 2004 ein chronifiziertes
lumbospondylogenes Syndrom links und eine chronische Bronchitis bei Nikotinabusus.
Der Versicherte sei seit dem 4. November 2002 zu 100 % arbeitsunfähig. Die Arbeit als
E._monteur mit Heben schwerer Lasten komme nicht mehr in Frage. Eine Arbeit, die
den Rücken wenig belaste, sei dem Versicherten vier Stunden täglich zumutbar (IV-
act. 9-1 bis 4). Das Medizinische Zentrum Römerhof (MZR) hielt im Gutachten vom
10. Juni 2005 folgende (Haupt-)Diagnosen fest: chronifiziertes lumbovertebrales
Schmerzsyndrom bei Chondrose L5/S1 mit Symptomausweitung, anhaltende
somatoforme Schmerzstörung und leichte depressive Episode ohne somatisches
Syndrom. Für körperliche Schwerarbeit sei der Versicherte wegen seiner Konstitution
nicht geeignet. Leichtere Arbeiten in wechselnden Positionen seien dem Versicherten
zu 70 % möglich. Die diesbezügliche Verminderung der Arbeitsfähigkeit beruhe auf den
psychiatrischen Befunden und der daraus resultierenden verminderten Belastbarkeit
(IV-act. 26). Nachdem gegen eine rentenablehnende Verfügung vom 11. August 2005
Einsprache erhoben worden und ein Bericht von Dr. C._, Facharzt für
Anästhesiologie, vom 15. Dezember 2005 (IV-act. 54) eingereicht worden war und das
MZR am 3. Mai 2006 (IV-act. 63) Ergänzungsfragen beantwortet hatte, hiess die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen die Einsprache am
2. November 2006 teilweise gut (IV-act. 78). Ab dem 1. Juli 2004 habe der Versicherte
bei einem Invaliditätsgrad von 41 % Anspruch auf eine Viertelsrente, ab dem 1. August
2006 dann auf eine ganze Rente gemäss Art. 43 Abs. 1 IVG (als Witwer der
geschiedenen Gattin). In der Berechnung des Invaliditätsgrades wurde weiterhin von
einer Arbeitsunfähigkeit von 30 % ausgegangen, doch wurde beim
Invalideneinkommen neu ein Abzug von 15 % (statt von 10 %) gewährt. Mit Urteil vom
18. April 2008 (IV-act. 122) hob das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen den
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Einspracheentscheid insofern auf, als es den Beginn der Viertelsrente auf den
1. November 2003 vorverlegte. (Die entsprechenden IV-Verfügungen ergingen später
am 23. April 2009; IV-act. 156.)
B.
B.a Am 30. März 2009 (IV-act. 145) wurde die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
darum ersucht, im Rahmen der Verwaltungshilfe für die Belange der
Ergänzungsleistungen eine medizinische Verlaufsbegutachtung in Auftrag zu geben.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hatte in einem EL-Urteil vom
22. Januar 2009 (IV-act. 144) festgehalten, eine Bindung an das Ergebnis der
Invaliditätsbemessung durch die IV bestehe bei der EL-Festsetzung eines allfällig
erzielbaren Erwerbseinkommens zumindest für die Zeit etwa ab Sommer 2005 nicht. Es
fehle eine ausreichend verlässliche Arbeitsfähigkeitsschätzung. Eine Verschlechterung
der psychischen Situation seit der Begutachtung erscheine möglich. Die Kantonale
Psychiatrische Klinik hatte am 5. März 2007 (IV-act. 130-3 ff.) nach einem stationären
Aufenthalt des Versicherten vom 27. November bis 22. Dezember 2006 und vom
9. Januar bis 1. März 2007 von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode, einer Störung durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom,
gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung, und von Schmerzen im
Bewegungsapparat nach Unfällen und Überbeanspruchung des Körpers auf dem
Hintergrund einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus
bei gering organisiertem Strukturniveau, berichtet. Dr. C._ hatte den Versicherten in
einem Bericht an dessen damalige Rechtsvertreterin vom 1. Juli 2008 (IV-act. 130-1 f.)
für zu 100 % arbeitsunfähig gehalten.
B.b Die IV-Stelle stellte dem Versicherten am 30. März 2009 einen Fragebogen für die
Revision der Rente zu. Dieser erklärte am 21. April 2009, sein Gesundheitszustand
habe sich seit dem Tod seines Vaters verschlimmert. Er sei immer noch zu 100 %
arbeitsunfähig.
B.c D._, Praktischer Arzt, gab im Verlaufsbericht vom 19. Mai 2009 (IV-act. 149)
bekannt, der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich verschlechtert, die
Diagnose hingegen nicht. Die Schmerzen seien stärker geworden. Es bestünden
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Schmerzen und eine Bewegungseinschränkung der Arme beidseits (Ellbogen) und der
Versicherte gebe auch Schmerzen in der linken Thoraxseite an.
B.d Dr. C._ erklärte in einem Bericht vom 7. August 2009 (IV-act. 161), der
Gesundheitszustand des Versicherten sei insgesamt stationär, weiterhin instabil, wenn
auch tendenziell eine gewisse psychische Stabilisierung eingetreten zu sein scheine. Es
erwüchsen aus seinem Verhalten (Arztrechnungen nicht eingereicht) Zweifel an der
Fähigkeit, eine regelmässige Tätigkeit aufzunehmen. Berufliche Massnahmen schienen
nicht angezeigt, allenfalls ein Arbeitsversuch in geschütztem Rahmen mit zunächst
maximal 30 % Arbeitsfähigkeit.
B.e Im Gutachten des MZR vom 24. April 2010 (IV-act. 164-46 ff.) wurde festgehalten,
eine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestehe nicht. Ohne Einfluss seien
(im Wesentlichen) ein chronisches, zunehmend generalisiertes panvertebrales
Schmerzsyndrom, eine chronische Raucherbronchitis, eine
Benzodiazepinabhängigkeit, ein Status nach Alkoholabhängigkeit, Probleme in
Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit, Probleme in Verbindung mit
Wohnbedingungen und ökonomischen Verhältnissen und Probleme in der Beziehung
zur Partnerin. Der Versicherte sei weder aus internistischer noch aus rheumatologischer
oder psychiatrischer Sicht in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Rein somatisch
gesehen habe auch früher keine Einschränkung bestanden; die Arbeitsunfähigkeit für
körperliche Schwerarbeit aufgrund der Konstitution sei IV-fremd. Aktuell sei keine
psychiatrische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mehr zu stellen, so dass
von einer Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands auszugehen sei.
B.f Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle ermittelte aus einem
Einkommensvergleich (Valideneinkommen Fr. 67'066.--, Invalideneinkommen
Fr. 59'979.--) einen Invaliditätsgrad von 10.57 % (IV-act. 167). Mit Vorbescheid vom
18. Mai 2010 (IV-act. 169 f.) stellte sie dem Versicherten eine Einstellung der Rente in
Aussicht.
B.g Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers wandte am 6. Juli 2010 (IV-act. 180)
ein, das Gutachten vom April 2010 berücksichtige das EL-Urteil sowie die Berichte der
Psychiatrischen Klinik vom März 2007 und von Dr. C._ vom Juli 2008 nicht. Diese
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Arztberichte hätten eine Verschlechterung des psychischen Zustands belegt. Die
psychiatrische Begutachtung sei, wie einer Stellungnahme von Dr. C._ vom 3. Juli
2010 zu entnehmen sei, unter irregulären Umständen (hochdosierte Medikation des
Versicherten) erfolgt. Die Beurteilung stelle eine andere Einschätzung des im
Rentenverfügungszeitpunkt festgestellten Sachverhalts dar. Es sei, falls nicht auf die
Berichte von Dr. C._ und der Psychiatrischen Klinik abgestellt werde, ein
psychiatrisches Obergutachten angezeigt. Gemäss einem Bericht von D._ vom
27. Mai 2010 habe sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit der
Begutachtung verschlechtert.
B.h Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung befürwortete am
14. Juli 2010 ein Abstellen auf das Gutachten.
B.i Mit Verfügung vom 15. Juli 2010 (IV-act. 182) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen die Rente des Versicherten
auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein und entzog einer
Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur. Evelyne Angehrn für
den Betroffenen am 14. September 2010 erhobene Beschwerde. Die Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben,
eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, und der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Die
Einstellung der Rente basiere auf dem Gutachten vom April 2010, das schwerwiegende
Mängel aufweise, und sei daher nicht gerechtfertigt. Der Austrittsbericht der
Psychiatrischen Klinik und der Arztbericht von Dr. C._ vom Juli 2008, damit also auch
die wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers,
seien nicht berücksichtigt worden. Es verlange ausserdem nach einer eingehenden
Würdigung, dass die schwerwiegende Pathologie, welche in der Klinik anfangs 2007
festgestellt worden sei, sich anscheinend aufgelöst habe. Dr. C._ sei entgegen der
Auffassung des RAD in der Lage, die psychiatrische Begutachtung zu beurteilen. Im
Übrigen habe der RAD-Arzt selber keine psychiatrische Facharztausbildung; seine
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Stellungnahme genüge nicht. Die Feststellung im psychiatrischen Gutachten vom April
2010 beruhe nicht auf einer Veränderung des Gesundheitszustands, sondern auf einer
anderen Einschätzung. Die Gutachterin habe betont, nach heutigen
versicherungsmedizinischen Kriterien liege keine somatoforme Schmerzstörung vor, da
früher wie damals eine Symptomausweitung mit demonstrativer Schmerzbekundung
und einem ganz erheblichen bewusstseinsnahen Faktor bestehe. Gleichzeitig schliesse
die Gutachterin bei im Wesentlichen gleichen Symptomen wie 2005 eine leichte reaktiv
bedingte depressive Begleitsymptomatik nicht aus, jedoch nicht im Sinne einer
psychiatrischen Diagnose. Sollte eine wesentliche Veränderung des
Gesundheitszustands nicht ausgeschlossen werden können, sei ein psychiatrisches
Obergutachten durch eine unabhängige Fachperson (nicht eine Ergänzung des MZR-
Gutachtens) zu veranlassen. Dass dem Antrag um Beizug der EL-Beschwerdeakten im
Anhörungsverfahren nicht gefolgt worden sei, komme einer Verletzung des rechtlichen
Gehörs gleich. Die plötzliche Einstellung der Rentenzahlungen bringe den
Beschwerdeführer aus dem finanziellen Gleichgewicht, habe er doch kein Einkommen
und werde bis zum Abschluss des Verfahrens auf Sozialhilfe angewiesen sein.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 21. Oktober 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde und des Gesuchs um Wiederherstellung deren
aufschiebender Wirkung. Erster zeitlicher Referenzzeitpunkt bilde der 2. November
2006 (Einspracheentscheid), während die Verfügung vom 23. April 2009 einzig den
Anspruchsbeginn korrigiert habe. Mit der somatoformen Schmerzstörung habe eine
Diagnose vorgelegen, auf welche die im Jahr 2004 dazu entwickelte Rechtsprechung
Anwendung finde. Aus gegenwärtiger Sicht wäre mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob
die Arbeitsunfähigkeit auch im Licht der für eine Unüberwindlichkeit massgebenden
Kriterien als solche standhalte. Gemäss einer Auskunft des RAD vom 31. März 2006
habe eine Komorbidität in einer leichten depressiven Episode bestanden. Diese habe
jedoch, selbst wenn sie als selbständiges, von der somatoformen Schmerzstörung
losgelöstes Leiden zu betrachten wäre, nicht die erforderliche Schwere, Ausprägung
und Dauer erreicht, so dass sich die invalidisierende Wirkung der somatoformen
Schmerzstörung aus weiteren diesbezüglich relevanten Kriterien hätte ergeben
müssen. Diese seien indessen nicht hinreichend gehäuft und ausgeprägt erfüllt
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gewesen. Es hätte somit kein Grund für die Annahme einer psychisch begründeten
Arbeitsunfähigkeit bestanden. Zu prüfen sei indessen nicht eine Wiedererwägung,
sondern eine allfällige Veränderung. Nach den plausiblen Ausführungen des
Gutachtens vom April 2010 sei keine wesentliche Veränderung in der somatischen
Situation eingetreten. Die begutachtende Psychiaterin lege dar, es sei nicht mehr von
einer affektiven Erkrankung auszugehen. Dass ihr der Bericht der Psychiatrischen Klinik
und der EL-Gerichtsentscheid nicht vorgelegen habe, vermöge die Beweiskraft nicht zu
schmälern, zumal (gemäss Bundesgerichtsurteil 8C_924/08) nicht verlangt werden
könne, dass den begutachtenden Ärzten stets sämtliche bei irgendeiner Versicherung
oder irgendeiner medizinischen Fachperson allenfalls vorhandenen Akten vorliegen
müssten. Es werde im Verlaufsgutachten eine erhebliche Verbesserung des
psychischen Zustands seit der Rentenzusprechung überzeugend begründet. Der
Klinikaufenthalt von rund drei Monaten Dauer zu Beginn des Jahres 2007 stehe dem
nicht entgegen, denn es habe sich um eine vorübergehende Verschlechterung
gehandelt, die auf eine damals zugespitzte Beziehungskrise zurückzuführen gewesen
sei. Die Anpassung sei nicht zu beanstanden. Da der Ausgang des Verfahrens in der
Hauptsache eindeutig sei und ihr Interesse höher zu gewichten sei als jenes des
Beschwerdeführers, sei das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung abzuweisen.
E.
Mit Replik vom 29. November 2010 beanstandete die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers, trotz der Vorgabe, für die Ergänzungsleistungen nur eine
psychiatrische Begutachtung durchführen zu lassen, habe die Beschwerdegegnerin ein
IV-Revisionsverfahren eingeleitet und eine polydisziplinäre Begutachtung veranlasst.
Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, dass dem Beschwerdeführer gar nie eine
Rente hätte zugesprochen werden dürfen, widerspreche ihrer weiteren Behauptung,
dass sich dessen Gesundheitszustand revisionsbegründend verändert habe. Wie sollte
ein Gesundheitszustand, der angeblich nie so beeinträchtigend gewesen sei, einen
Rentenanspruch auszulösen, sich auch rentenrelevant verbessern. Eine
Wiedererwägung wäre hier nicht zulässig, denn die damalige Beurteilung könne
gegenwärtig nicht als zweifellos unrichtig bezeichnet werden. Sowohl vor der
Präzisierung der Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung im Jahr 2004 wie
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danach habe dieses Leiden zur Zusprechung oder zur Abweisung eines
Rentenanspruch führen können. Das Gutachten sei schon deshalb unvollständig und
nicht beweiskräftig, weil es diejenigen Arztberichte nicht berücksichtigt habe, welche
das Versicherungsgericht dazu veranlasst hätten, eine Begutachtung anzuordnen.
Wenn die Beschwerdegegnerin von einer vorübergehenden Verschlechterung ausgehe,
übersehe sie die in der Klinik gestellten Diagnosen. In der Klinik sei man davon
ausgegangen, dass eine stationäre Psychotherapie angezeigt gewesen wäre. Der
Beschwerdeführer könne sich wieder melden, wenn er den Therapieauftrag formulieren
könne. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit einer starken
psychischen Beeinträchtigung aus der Klinik ausgetreten sei. Der psychiatrisch
behandelnde Arzt habe am 7. August 2009 von unveränderten Diagnosen geschrieben.
Die psychiatrische Gutachterin habe diesen Bericht falsch gewürdigt, weil sie in
Unkenntnis der zwischenzeitlichen Verschlechterung angenommen habe, der Arzt
beziehe sich auf die Erstbegutachtung 2005. Es stelle sich ausserdem die Frage, ob
eine zuverlässige Begutachtung aufgrund des Zustands des Beschwerdeführers
überhaupt möglich gewesen sei. Obwohl berichtet worden sei, der Beschwerdeführer
sei kurz vor dem Gespräch schlafend im Sessel des Warteraums vorgefunden worden
und habe angegeben, drei Tabletten Temesta eingenommen zu haben, sei er als wach
und voll orientiert eingeschätzt worden. Das Gutachten werfe Fragen zur Diagnose
einer Benzodiazepin-Abhängigkeit auf und halte fest, diese wirke sich auf die
Arbeitsfähigkeit nicht aus. Das sei schwer nachvollziehbar. Die Schlussfolgerungen der
Gutachterin seien insgesamt fehlerhaft und nicht plausibel. Aus dem Gutachten gehe
nicht hervor, inwiefern sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
tatsächlich verändert habe. Es lägen weder andere Symptome vor noch werde
aufgezeigt, inwiefern eine Verbesserung erfolgt sei. Einerseits liege also keine
Verbesserung des Gesundheitszustands vor, anderseits habe die Beschwerdegegnerin
den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Die Beschwerdegegnerin hätte der
Gutachterstelle den EL-Entscheid und alle Arztberichte zur Verfügung stellen können.
F.
Die Beschwerdegegnerin hat am 14./16. Dezember 2010 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.

Erwägungen:
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1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine ganze Rente anpassungsweise eingestellt.
1.2 Bevor eine Rente revisionsweise aufgehoben werden kann, musste die
Beschwerdegegnerin prüfen, ob die Verwertbarkeit der wiedererlangten
Arbeitsfähigkeit auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt gegeben sei oder ob es hierzu
vorerst beruflicher Massnahmen bedürfe (vgl. Bundesgerichtsentscheid i/S S. vom
28. April 2008, 9C_720/07). Sowohl die Rentenfrage als auch die Frage eines allfälligen
Anspruchs auf berufliche Massnahmen bilden vorliegend demnach
Anfechtungsgegenstand.
1.3 Mit dem Entscheid in der Sache erübrigt sich eine förmliche Behandlung des
beschwerdeweise gestellten Antrags auf Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde; dieser wird hinfällig.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin
für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt nach der Rechtsprechung jede wesentliche
Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und
damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Eine bloss
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes
stellt dagegen praxisgemäss keine revisionsbegründende Änderung dar (BGE 112 V
372 E. 2b; SVR 1996 IV Nr. 70 S. 203). Ob eine revisionsbegründende Änderung
eingetreten ist, beurteilt sich nach einer neuen Rechtsprechung durch Vergleich des
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Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten (der versicherten Person eröffneten)
rechtskräftigen Verfügung bestand, welche auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in
den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108),
mit demjenigen zur Zeit der streitigen Neubeurteilung (BGE 130 V 351 E. 3.5.2; BGE
125 V 369 E. 2).
3.
Bei Erlass des gerichtlich beurteilten, die Rente (bei einem Invaliditätsgrad von 41 %)
zusprechenden Einspracheentscheids im November 2006 stellte die
Beschwerdegegnerin auf das Ergebnis des Gutachtens vom Juni 2005 (mit
ergänzender Auskunft vom Mai 2006) ab. Danach bestand in angepassten leichteren
Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 70 %.
4.
4.1 Bei der Begutachtung vom April 2010 ergab sich keine die Arbeitsfähigkeit
einschränkende Diagnose mehr, weder in somatischer noch in psychiatrischer Hinsicht.
Was die früher aufgrund der Konstitution des Beschwerdeführers bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit für körperliche Schwerarbeit betreffe, so sei diese IV-fremd. Das
lumbovertebrale Schmerzsyndrom - im Übrigen inzwischen als zunehmend
generalisierend panvertebral eingestuft - wird entsprechend lediglich noch als
Nebendiagnose aufgenommen. Die erwähnte Konstitution ist allerdings nicht ohne
weiteres als IV-fremd auszublenden, auch nicht deshalb, weil sie durch Therapie
(künftig) behebbar wäre (vgl. IV-act. 164-68); ist einem Versicherten infolge eines
Gesundheitsschadens die Fähigkeit benommen, im Normalmass Arbeit zu leisten, liegt
Arbeitsunfähigkeit vor. Es scheint sich hierbei überdies um eine andere Einschätzung
des weitgehend unveränderten Sachverhalts zu handeln. Noch vor der ersten
Begutachtung, nämlich am 31. Juli 2003 (IV-act. 9-9), hatte das Departement Innere
Medizin am Kantonsspital St. Gallen im Übrigen offenbar noch mit einer
Arbeitsunfähigkeit wegen des Schmerzsyndroms, das zu Schmerzausweitung und
Dekonditionierung geführt habe, gerechnet, die therapeutisch angegangen werden
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müsse. Hinweise auf eine relevante Veränderung des somatischen Zustands im hier
massgeblichen Zeitraum ergeben sich aus dem Gutachten von April 2010, das sich
unter anderem auf neue bildgebende Erhebungen stützte, nicht. Übereinstimmend
wurde in beiden Gutachten angegeben, es bestehe eine auffallende Diskrepanz
zwischen den objektivierbaren klinischen und radiologischen Befunden und den
demonstrierten Beschwerden und Schmerzen. 2005 war von einem zweifellos ganz
erheblichen bewusstseinsnahen Faktor die Rede, was auch im jüngeren Gutachten
übernommen wurde.
4.2 Unter psychiatrischem Aspekt wurde im Gutachten von April 2010 als
Nebendiagnose unter anderem eine Benzodiazepinabhängigkeit bezeichnet, während
2005 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine leichte depressive
Episode ohne somatisches Syndrom erhoben worden waren. Der Beschwerdeführer
nehme drei bis fünf Temesta (à 2.5 mg) ein (ohne dieses Medikament beginne er zu
zittern), ausserdem nach seinen Angaben vier Trittico (à 100 mg), wobei aber gemäss
der Spiegelmessung von einer Nichteinnahme auszugehen sei. Von einer affektiven
Erkrankung könne nicht mehr ausgegangen werden. Eine leichte reaktiv bedingte
depressive Begleitsymptomatik (auch bedingt durch die Suchtmittelabhängigkeit) sei
aufgrund der psychosozialen belastenden Faktoren vorhanden, allerdings nicht im
Sinne einer psychiatrischen Diagnose oder Erkrankung. Eine somatoforme
Schmerzstörung liege nach aktuellen versicherungsmedizinischen Kriterien nicht vor,
zumal nach wie vor eine Symptomausweitung mit demonstrativer Schmerzbekundung
und erheblichem bewusstseinsnahem Faktor anzunehmen sei. Eine deutliche
Selbstlimitierung spreche völlig gegen die bei einer somatoformen Schmerzstörung
vorhandene unbewusste Konfliktproblematik. Es sei kein wirklicher Leidensdruck
spürbar. Die Hauptbeschwerden erstreckten sich auf IV-fremde psychosoziale
Faktoren.
4.3 Diese Beschreibung enthält nebst Elementen, welche eine andere medizinische
Einschätzung des früheren Zustands bedeuten, auch den Hinweis auf eine
Veränderung im Zeitablauf, nämlich durch Wegfall der affektiven Erkrankung. Die
Ausführungen erscheinen nicht unplausibel. Indessen fragt sich, ob das
Ausserachtlassen als IV-fremd bezeichneter Faktoren und der Abhängigkeit
gerechtfertigt ist. Massgeblich ist für die Invalidenversicherung allein, ob ein
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rentenbegründender Gesundheitsschaden vorliege, der eine voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit bewirken kann (vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG).
Welches wiederum dessen Ursache ist, ist nicht von Bedeutung.
4.4 Es ist zu berücksichtigen, dass den Gutachtern nach der Aktenlage die Berichte
der Psychiatrischen Klinik vom 5. März 2007 und von Dr. C._ vom 1. Juli 2008 (und
das sich damit auseinandersetzende EL-Urteil) nicht zur Verfügung standen. Diese
Berichte liessen annehmen, dass es nach der ersten Begutachtung zu einer zumindest
vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführers kam, erfolgte doch ein längerer Klinikaufenthalt. Nicht ausgewiesen
ist anhand dieser beiden Berichte allerdings eine anhaltende Verschlechterung. Da für
die Belange der Invalidenversicherung (aufgrund des Anspruchs des
Beschwerdeführers als Witwer auf eine ganze Rente) eine allfällige andauernde
Verschlechterung nicht von Bedeutung ist, könnte argumentiert werden, es genüge,
wenn das jüngere Gutachten die aktuelle Sachlage zuverlässig erfasst habe, und die
Kenntnis der Berichte über eine vergangene Verschlechterung sei unter den konkreten
Verhältnissen nicht geradezu unabdingbar. Allerdings wäre hier dennoch eine
Auseinandersetzung mit den Berichten erforderlich gewesen, und zwar weil in der Klinik
unter anderem eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus
bei gering organisiertem Strukturniveau festgestellt worden war, welche Diagnose (in
Bezug auf einen möglichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) bis anhin nie diskutiert
wurde.
4.5 Des Weiteren lassen sich gewisse Zweifel daran nicht ausräumen, ob der
Beschwerdeführer sich bei der psychiatrischen Exploration in einem ausreichend
begutachtungsfähigen Zustand befand. Dr. C._ stellt dies in seiner Stellungnahme
vom 3. Juli 2010 in Abrede. Die Gutachterin beschrieb als objektiven Befund unter
anderem, dass der Beschwerdeführer kurz vor dem Gespräch schlafend im Sessel des
Warteraums vorgefunden worden sei und bei der Nennung seines Namens
hochgeschreckt sei. Er habe während der gesamten Exploration dysphorisch - gereizt,
deutlich lustlos und unmotiviert - gewirkt, immer wieder nachfragend "bitte?", so als ob
er nicht verstanden hätte. Auf Befragen habe er angegeben, schon drei Tabletten
Temesta eingenommen zu haben. Möglicherweise nicke er immer wieder leicht ein und
verpasse deshalb jedes Mal den Anschluss im Gespräch. Insgesamt sei er wach und
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voll orientiert gewesen. Auffassung, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis seien
nicht beeinträchtigt, allenfalls durch die dysphorische Stimmung überlagert gewesen.
Auch die Schwingungsfähigkeit sei dadurch leicht eingeschränkt gewesen. Zu
berücksichtigen ist, dass der Beschwerdeführer nach seinen Angaben an solche Dosen
des eingenommenen Medikaments offenbar gewohnt ist und dass die Gutachterin die
entsprechende Situation erfasste. Dennoch ist nicht auszuschliessen, dass sich aus
dieser Begutachtungssituation eine unzutreffende Einschätzung ergeben haben könnte.
4.6 Was ferner Schlussfolgerungen aus Serumspiegelmessungen betrifft, wie eine im
zweiten Gutachten gemacht wurde, so sind sie - nach gerichtlicher Erfahrung - nur mit
besonderer Vorsicht zu ziehen, da der Blutspiegel aus individuellen Gründen (etwa
infolge von unterschiedlicher Resorption oder Non-Responder-Einflüssen) offenbar um
bis zu einem Faktor 20 variieren kann (so jedenfalls J. John Mann, Drug Therapy, The
Medical Management of Depression, in New England Journal of Medicine, October 27,
2005, 1829).
4.7 Ein Vergleich der jeweils gutachterlich erhobenen psychiatrischen Befunde deutet
auf eine gewisse Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
zwischen 2005 und 2010 hin. Auch Dr. C._ beschreibt im Bericht vom 7. August
2009, es scheine tendenziell eine gewisse psychische Stabilisierung eingetreten zu
sein. Während er nicht erst für die Zeit während des allfälligen Anpassungszeitraums,
sondern schon für jene vor der ersten Begutachtung von voller Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers ausgegangen ist, hielt er (im August 2009) erstmals eine
Arbeitsfähigkeit von 30 % in geschütztem Rahmen für möglich. Aufgrund der
vorhandenen Akten lässt sich dies allerdings aufgrund der Gesamtheit der erwähnten
Unschlüssigkeiten nicht mit genügender Zuverlässigkeit belegen. Die
Beschwerdegegnerin wird daher eine ergänzende medizinische Abklärung (bei einer
anderen Gutachterstelle) zu veranlassen haben. Wie das Bundesgericht in dem in Pra
99 (2010) Nr. 12 veröffentlichten Entscheid i/S G. vom 1. Mai 2009 (9C_1009/08)
festgehalten hat, stellt die Rechtsprechung gemäss BGE 130 V 352 im Übrigen keinen
hinreichenden Grund für den Widerruf von Renten, welche in einem früheren Zeitpunkt
gestützt auf in formelle Rechtskraft erwachsene Verfügungen gewährt worden sind,
unter dem Titel der Anpassung an geänderte rechtliche Grundlagen dar (vgl. auch BGE
135 V 201).
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5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 15. Juli 2010 teilweise zu schützen. Die Sache ist zu
ergänzenden medizinischen Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu
entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Eine Rückweisung zur weiteren Abklärung der Streitsache und anschliessender
neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin stellt praxisgemäss aus prozessualer
Sicht in Bezug auf die Kosten ein vollständiges Obsiegen dar (vgl. SVR 1995 IV Nr. 51
S. 143; ZAK 1987 S. 266 E. 5a). Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin
rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft
aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Es rechtfertigt sich, eine Entscheidgebühr
von Fr. 600.-- zu erheben. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem
Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
5.3 Der Beschwerdeführer hat bei diesem Ausgang des Verfahrens Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Die Entschädigung ist auf
Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP