Decision ID: d65c3b0c-b070-44ee-ab86-7f37ee22660e
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1969, ist
ausgebildete Mezzosopranistin
und
seit
der Saison 1998/1999 Ensemble
mitglied des
Y._
. Damit ist sie bei der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG (nac
hfolgend: Zürich) obligatorisch
gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert.
Bei
der Vorstellung
der Oper
"
Z._
" am
5.
Januar 2000,
bei der
X._
in
der
Rolle
der Schankwirtin
einen Grill bedienen musste,
fing ihr synthetisches Kostü
m Feuer. Die Versicherte erlitt schwere, meist zweit- bis
drittgradige
Brandverletzungen
an
Dekolleté
, linker Schulter, beiden Armen und am Rücken
im Umfang von 16 % der Körperoberfläche.
Die Wundflächen wurden mehrfach chirurgisch behandelt, wobei auch Haut
t
ransplantate vom rechten Oberschenkel verwendet wurden. Während eines Jahres musste die Versicherte konsequent
Kompressi
onsanzüge
tragen
. Die Verbrennung
en
führten zu sichtbaren bleibenden Nar
benbildungen
(vgl.
Berichte
der Klinik für Wiederherstellungschirurgie des
A._
vom 7.
Februar
2000 [
Urk.
10/M5
]
und
vom 2
5.
April 2001 [Urk. 10/
M
18
]
).
Zudem
entwickelte sie aufgrund des Unfallereignisses eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine depressive Symptomatik, woran sie bis heute leidet (vgl.
Bericht von
Dr. med. B._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, v
om 2
2.
Januar 2001 [Urk. 10/M16
]
sowie
die psychiatri
schen Gutac
hten vom 1
1.
Februar 2009 [Urk.
10/
M54 S. 44 f.
]
und vom 2
3.
Mai 2012 [Urk. 10/M121 S. 58 f.]).
Die
Zürich übernahm die Heilungskosten und richtete Taggelder aus.
Arbeitsunfähigkeiten wurden
attestiert
seitens des
A._
vom 5.
Januar bis
1.
August 2000 (Urk. 10/M13-14) und
sei
tens der
C._
vom
2
3.
September bis 1
5.
November 2002
(freiwilliger stationärer Aufenthalt;
Urk. 10/M24).
Eine weitere
längere
Arbeits
unfähigkeit
attestierte
die
behandelnde Psychiaterin ab April 2010 für drei Monate
für
die Arbeit am
Y._
(
10/M86-10/M88 und Urk. 10/M121
; vgl. auch Bericht vom 2
4.
Dezember 2011, Urk. 10/M111
).
Ein halbes Jahr n
ach dem Unfall erneuerte das
Y._
den Arbeitsvertrag mit der Versicherten zunächst für fünf Jahre (Urk. 3/2-3) dann ab der Saison 2003/04 für zwölf Jahre bis zur Saison 2014/15 (Urk. 3/4).
I
m w
eiteren
Verlauf
liess die Zürich zwei polydisziplinäre Gutachten erstellen (
D._
vom
1
3.
Februar 2009 [Urk. 10/M54
] und
E._
vom
3.
August 2012 [Urk. 10/M121]).
Mit
Verfügung vom 1
2.
April 2013 (Urk. 10/251) stellte die Zürich die Heilbehandlung per 3
1.
März 2013 ein, ver
neinte den Anspruch auf eine Invalidenrente und richtete eine
Integritätsent
schädigung
von Fr.
48'060.--
,
entsprechend einer
Integritäts
einbusse
von 45 %
,
aus.
Die dagegen erhobene Einsprache (Urk. 10/257) wies die Zürich mit Ent
scheid vom 1
2.
August 2014 ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen liess
X._
mit Eingabe vom 1
2.
September 2014 (Urk. 1) Beschwerde erheben und beantragen, die Sache sei zu
weiterer
Abklärung und
neuem
Entscheid, namentlich
zur
Zus
prache
einer Rente, Übernahme weiterer Behandlungskosten sowie einer auf 70 %
erhöhten
Integritätsentschädigung zurückzuweisen. Zudem sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die Kosten für die Abklärungen der beruflichen Situation durch
F._
im Betrag von Fr. 6'359.15 zu erstatten.
Mit Beschwerdeantwort vom
5.
Januar 2015 ersuchte die Beschwerdegegnerin um Abweisung der Beschwerde (Urk. 9; der Beschwerdeführerin zugestellt am 7. Januar 2015, Urk. 11). Hierzu liess sich die Beschwerdeführerin am 2
9.
Januar 2015 unaufgefordert nochmals vernehmen.
3.
Bei zwei weiteren Unfälle
n
in den Jahren 1999 und 2005 mit HWS-Distorsion (Sturz und Auffahrunfall) stellte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen mit unangefochten gebliebenen Verfügungen vom 1
3.
November 2012 ein (vgl. Urk. 10/242 und Urk. 2 S. 2).
4
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
10
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolg
e des Unfalles zu mindestens 10 % (Art.
8
des Allgemeinen Teils des
Sozialversiche
rungsrechts
, ATSG
) invalid, so hat sie Anspruc
h auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs.
1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwar
tet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversi
cherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (
Art.
19
Abs.
1 UVG).
1.2
Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes des Versicher
ten zu verstehen ist, umschreibt das Gesetz nicht näher. Mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstätigen Personen aus
gerichtet ist (vgl. etwa
Art.
1a
und
Art.
4 UVG), wird sich dies namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstel
lung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt, bestimmen. Dabei verdeutlicht die Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (
BGE 134 V 10
9 E. 4.3 mit weiteren Hinweisen)
.
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad aufgrund eines
Einkom
mensvergleichs
zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das
die versi
cherte Person nach Ein
tritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbsein
kommen
, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (
Art.
16 ATSG). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothet
ischen Erwerbseinkommen ziffern
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bes
timmen lässt. Insoweit die frag
li
chen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schä
tzen und die so gewonnenen Annä
herungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schät
zung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässi
gen Fest
legung von Annäherungswerten be
stehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne
Invalidität erziel
bare hypothe
tische Erwerbseinkom
men ist alsdann mit 100 % zu be
werten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend
klei
neren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (so genannter Prozentvergleich; BGE 128 V 29 E. 1, 114 V 310 E. 3a mit Hinweisen; AHI 2000 S. 309 E. 1a mit Hinweisen).
2
.
Die Beschwerdegegnerin beschränkte im angefochtenen Entscheid den Streitge
genstand auf die Frage des Anspruchs auf eine Invalidenrente und auf die Höhe der Integritätsentschädigung, da die Verfügung vom 1
2.
April 2013 in Bezug auf die Einstellung der Taggelder und der Heilungskosten
einspracheweise
nicht angefochten worden und dah
er in Rechtskraft erwachsen sei (Urk. 2 S. 3).
Diese Sichtweise wird von der Beschwerdeführerin nicht bestritten, wie aus ihrem
Rechtsbegehren hervorgeht. Darin verlangt sie explizit
die
Zusprache
einer Invalidenrente und bestätigt damit, dass sie selber keine relevante Besserung des Gesundheitszustande
s
mehr erwartet.
Ihr Rechtsbegehren ist demnach mit der Beschwerdegegnerin
(vgl. Urk. 2 S. 3)
so auszul
egen, dass sie
(lediglich) die Übernahme weiterer Behandlungskosten im Rahmen von Art. 21 Abs. 1
lit
. c UVG verlangt
. Diese
Bestimmung
bezieht
sich auf
Personen, welche bereits eine Rente beziehen, aber noch erwerbsfähig sind
, also einen Invaliditätsgrad zwi
schen 10 % und weniger als 100 % aufweisen. Sind die Voraussetzungen des Art. 21 Abs. 1 UVG nicht erfüllt (namentlich bei voller Erwerbsfähigkeit) hat der Unfallversicherer keine Heilbehandlung mehr zu übernehmen, an dessen Stelle tritt der obligatorische Krankenversicherer (BGE 140 V 130 E. 2.2-2.3 mit wei
teren Hinweisen).
3
.
3
.1
Die Parteien sind sich
nicht einig darü
b
er, ob die im Zeitpunkt der
Leistungsein
stellung
im April 2013 effektiv ausgeübte Tätigkeit am
Y._
einem
leistungsgerecht
entlöhnte
n
100 %-Pensum für eine Sängerin entspricht
oder ob es sich dabei um ein aus gesundheitlichen Gründen
reduziertes Pensum handelt
.
Die Beschwerdegegnerin vertritt die Auffassung, spätestens seit der Saison 2011/12 sei die Beschwerdeführerin wieder voll arbeitsfähig, da sie ihren ver
traglichen Verpflichtungen gegenüber dem
Y._
vollumfänglich nachge
kommen sei. Es sei deshalb aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse davon aus
zugehen, dass
s
ie keine Erwerbseinbusse erleide
,
womit
kein Anspruch auf eine Invali
denrente bestehe (Urk. 2 S. 5;
vgl. auch Verfügung vom 1
2.
April 2014, Urk. 10/251 S. 3 f.). Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend, auf
grund der Entwicklung ihres Arbeitsverhältnisses mit dem
Y._
sei
von einem Soziallohn
auszugeh
en. Normalerweise führe die Reduktion der
Arbeits
pflicht
auch zu einer Reduktion des Lohnes
, bei ihr sei indessen
genau
das Gegenteil der Fall
(Urk. 1 S. 5 f.).
3
.2
Nach der Rechtsprechung ist für die Festsetzung des Invalideneinkommens pri
mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstä
tigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Das Abstellen auf den tatsächli
chen Verdienst ist als Regel zu betrachten. Von dieser Regel kann zwar unter anderem dann abgewichen werden, wenn - wie hier von der Beschwerdeführe
rin geltend gemacht - Soziallohn v
orliegt. Denn nach
Art.
25 Abs. 1
lit
.
b
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
, in Verbindung mit Art. 16 ATSG)
gehören Lohnbestandteile, für die der Arbeitnehmer nachgewiesener
massen wegen beschränkter Arbeitsfähigkeit keine Gegenleistung erbringen kann, nicht zu dem für die Invaliditätsbemessung massgebenden
Erwerbsein
kommen
. Praxisgemäss sind an den Nachweis von Soziallohn indessen strenge Anforderungen zu stellen, da vom Grundsatz ausgegangen werden muss, dass ausbezahlte Löhne normalerweise das Äquivalent einer ents
prechenden Arbeitsleistung sind.
Als Indiz für eine freiwillige Sozialleistung fallen insbe
sondere verwandtschaftliche Beziehungen zur versicherten Person oder eine lange Dauer des A
rbeitsverhältnisses in Betracht.
Bei der richterlichen Würdi
gung von Arbeitgeberbescheinigungen ist auch zu bedenken, dass Arbeitgebe
rinnen und Arbeitgeber ein eigenes Interesse daran haben können, die Bezah
lung von Soziallohn zu behaupten (Urteil des Bundesgerichts 8C_320/2012 vom 1
1.
September 2012 E. 4.1 mit
zahlreichen
weiteren Hinweisen).
3
.3
3
.3.1
Die Anwendung dieser Grundsätze fü
hrt zu folgenden Feststellungen:
Im Zeit
punkt des Unfalles verfügte die Beschwerdeführerin über einen seit dem 1.
August 1998 gültigen Dreijahresvertrag mit dem
Y._
, worin eine Gage von Fr. 50'700.-- brutto pro Spielzeit
ohne
Vorstellungslimite
vereinbart war (Urk. 3/1).
Kurz nach dem Unfall, a
m 1
1.
Juli 2000
,
erhielt
die Beschwerdefüh
rerin einen neuen Vertrag über fünf Jahre bis zur Saison 2004/2005
, der eine Gagenerhöhung auf Fr.
80'000.-- pro Spielzeit bei sonst unveränderten Bedin
gungen vorsah (Urk. 3/2). Am 2
5.
Oktober 2000 wurde der Vertrag mit einem Zusatz ergänzt, in welchem der Beschwerdeführerin die Möglichkeit eingeräumt wurde, sich mit dem
Y._
über die Engagements/Rollen und die Anzahl Aufführungen abzusprechen, welche sie nach Massgabe ihres Zustandes über
nehmen könne. Für die Spielzeiten 2000/01 und 2001/02 wurde eine
Limite
von
45 Vorstellungen vorgesehen. Zudem erhielt sie die Möglichkeit, neben dem Engagement am
Y._
auch ihre externe Konzert- und Gastspieltätigkeit "in angemessenem Rahmen" auszubauen (Urk. 3/3).
Dieser Vertrag wurde am 7. April 2004 wiederum ersetzt durch einen für die Spielzeiten 2003/04 bis 2014/15 abgeschlossenen Vertrag mit einer Gage von
Fr.
106'000.--, einem Limit von 25 Aufführungen pro Spielzeit und einem Übersinghonorar ab der 26. Vorstellung von 1/25 brutto der Jahresgage. Bezahlte Gasturlaube nach Absprache blieben vertraglich
möglich
(Urk. 3/4).
Im Zeitpunkt des angefochte
nen Entscheides kam die Beschwerdeführerin auf eine Jahresgage von mindes
tens Fr. 142'865.80 (
Fr.
130'865.80 im Jahr 2010 plus zwei Lohnerhöhungen zu Fr. 6'000.-- per
1.
August 2011 und
1.
August 2013
(vgl. Urk. 10/166).
3
.3.2
Der Zusatzvertrag vom 1
1.
Juli 2000 (Urk. 3/3) weist klar darauf hin, dass das
Y._
der physischen und psychischen Situation der Beschwerdeführerin nach dem Brandunfall Rechnung trug, indem ihr neu eine limitierte
Vorstel
lungsverpflichtung
eingeräumt wurde. Über die Gründe für die noch viel wei
tergehende vertragliche Besserstellung
ab der Saison 2003/04 mit einer
Limit
e
von nur noch 25 Vorstellungen, verbunden mit einer weiteren erheblichen Lohnerhöhung lässt sich den Akten direkt nichts entnehmen. Immerhin räumt das
Y._
in der Stellungnahme vom 1
4.
März 2013
e
in, eine
Limite
hätten nur aussergewöhnlich gute und international begehrte Sängerinnen, was selbst
verständlich nichts mit einer gesundheitlichen Einschränkung zu tun habe. Der Vertrag mit der Beschwerdeführerin wird vom
Y._
selber hinsichtlich der Gage, der tiefen
Limite
und der Laufdauer von 12 Jahren als absolut ausserge
wöhnlich und einmalig bezeichnet
(vgl. Urk. 10/249)
. Wenn man nun in Betracht zieht, dass die zwar als gute Sängerin, aber nicht als Ausnahmetalent
mit der Chance auf eine grosse internationale Karriere bezeichnete Beschwer
deführerin
gemäss Angaben des
Y._
ohne den Unfall heute eine Gage von
Fr.
80'000
.-
-
bis Fr. 9
0'000
.--
Franken ohne
Limite
und ohne die Möglich
keit von Gastauftritten hätte, erscheint die Annahme einer gewissen
Soziallohn
komponente
nicht abwegig. Die Beschwerdegegnerin hat dies wohl auch erkannt,
versucht den
Einwand aber dadurch zu
entkräften
, dass selbst bei Annahme eines Soziallohnes eine allfällige Kürzung zu keine
r
rentenrelevanten Einschränkung der Erwerbsfähigkeit führen würde (Urk. 2 S. 5).
3
.3.3
Dem kann so nicht
ohne
Weiteres
beigepflichtet werden, denn es ble
iben zu viele Fragen offen. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Beschwerdeführe
rin
heute
dieselbe Gage wie ohne Unfall
hätte, bliebe immer noch die
Lim
ite
von 25 Aufführungen, welche
einer unlimitierten Aufführungsverpflichtung gegenüberzustellen wäre. Hinzu kommen die Gagen aus externen Engagements, welche bei der Einkommensberechnung zu
berücksichtigen
sind. Die
Beschwer
degegnerin
kommt nicht umhin, unter Zugrundelegung einer realistischen
Kar
riere
e
ntwicklung
ein
Valideneinkommen
festzulegen.
Dabei wird sie abzuklären haben, welcher Lohn eine vergleichbare Mezzosopranistin mit derselben berufli
chen Ausbildung und Erfahrung, insbesondere mit vergleichbarem Talent und Startbedingungen, das heisst erstmaligem festem Engagement 1998 mit anfangs 30 und entsprechender Einstufung, im Alter der Beschwerdeführerin im Zeit
punkt des Fallabschlusses am
Y._
, allenfalls einem vergleichbaren Opernhaus, (durchschnittlich) verdient.
Nach dem Gesagten kann das
Invaliden
einkommen
nicht dem effektiven Verdienst gleichg
e
setzt werden
, fehlt es doch für die aussergewöhnlich hohe Gage an einer plausiblen Begründung. Wie hoch diese unter Berücksichtigung der - zumindest aus Sicht der Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen
-
limitie
rten Aufführungsverpflichtung
wäre, hat die Beschwerdegegnerin ebenfalls festzulegen. Da das letzte psychiatrische Gut
achten des
E._
nunmehr über dreieinhalb Jahre zurückliegt, drängt sich eine erneute psychiatrische Begutachtung auf, welche sich spezifisch mit der Leis
tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin als Opernsängerin unter Berücksichti
gung sämtlicher mit diesem Beruf zusammenhängenden Belastungen (Proben,
neue Rollen erarbeiten, Vorstellungen
etc
) befasst. Für eine allenfalls reduzierte psychische Belastbarkeit wäre der natürliche und adäquate Kausalzusammen
hang zum Unfall vom
5.
Januar 2000 zu beurteilen.
Danach hat die
Beschwer
degegnerin
erneut über den Rentena
n
spruch zu entscheiden.
4
.
4
.1
Weiter beantragt die Beschwerdeführerin die Erhöhung der
Integritätsentschädi
gung
aufgrund einer Integritätseinbusse von 70 %.
Es sei von einer mittel
schweren psychischen Störung auszugehen, welche mit einem
Integritätsscha
den
von 50
%
zu veranschlagen sei. Zudem sei ein Integritätsschaden von 10 % für die Folgen des Unfalle
s
im Jahr 1999 nicht berücksichtigt worden (Urk. 1 S. 8).
4
.2
Was den Unfall im Jahr 1999 anbelangt, so dieser Fall nach der Aktenlage rechts
kräftig erledigt (vgl. Urk. 10/242 und Urk. 2 S. 2). Selbst wenn dem nicht so sein sollte, wie die Beschwerdeführerin behauptet (Urk. 1 S. 9 oben), so bil
den Ansprüche aus diesem Ereignis nicht Streitgegenstand des vorliegend angefochtenen Entscheides. Auf das entsprechende Begehren um eine
Integri
tätsentschädigung
für die Folgen des Unfalles 1999
ist
daher
nicht einzutreten.
4
.3
4
.3.1
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dau
ernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten
Jahresverdiens
tes
nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwe
re des
Integritätsscha
dens
abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während d
es ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhän
gig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlini
e
n des Anhanges
3.
Fallen mehrere körperliche oder geistige
Integri
tätsschäden
aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die
Integri
tätsentschädigung
nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
4.3.2
Die Medizinische Abteilung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) hat in Weiterentwicklung der
bundesrätlichen
Skala weitere
Bemes
sungsgrundlagen
in tabellarischer Form (sog. Feinraster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff.
1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Prozentsatz des
Integri
tätsschadens
für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthal
ten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116
V
156 E. 3a).
4.4
U
nbestritten ist der Integritätsschaden
für die Verbrennungsnarben der Haut von 20
%
(Urk. 2 S. 6; vgl. Urk. 10/M58 S.60 und 10/M121 S. 53).
4
.5
Der psychiatrische Experte des
E._
diagnostizierte eine posttraumatische Belastungsreaktion (F43.1), eine rezidivierende depressive Störung, derzeit leichte Episode (F33.0) und eine
somatoforme
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41; Urk. 10/121 S. 64). Die Beurteilung des Integritätsschadens wurde im Rahmen der Gesamtbeurteilung vorgenommen
(Urk. 10/121 S. 53). Dazu führten die Gutachter aus, die unfallbedingte psychi
sche Störung sei allgegenwärtig und überschreite das zu erwartende Ausmass von Life Events merklich, das Ausmass der Störung werde als mittelschwer ein
geschätzt und betrag
e
gemäss SUVA-Tabelle 19 25 %.
Diese Einschätzung ist
nicht widerspruchsfrei
. Gemäss
S
UVA
-Tabelle
19 beträgt der Integritätsschaden für eine mi
ttelschwere psychische Störung
50 %. Die
Störung ist u.a. gekenn
zeichnet durch eine reduzierte Arbeitsfähigkeit (vgl. Erläuterungen in Suva-Tabelle 19
). Wohl attestierte der psychiatrische Experte des
E._
der Beschwerdeführerin eine um 25 % reduzierte Arbeitsfähigkeit (was mit der Ein
schätzung als mittelschwere psychische Störung vereinbar ist), doch fehlt
dann die
Begründung, weshalb der Integritätsschaden
trotz
mittelschwerer Störung und
reduzierter Arbeitsfähigkeit
nicht mit 50 %, sondern mit 25 % (entspre
chend
dem Rahmen für eine leichte bis mittelschwere psychische
Störung
)
ver
anschlagt wurde.
Wie vorstehend dargelegt (vgl. E.
2.3) ist unklar, wie hoch die Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin als Opernsängerin effektiv ist. Da die Arbeitsfähigkeit als einer der Beurteilungsfaktoren in die Schätzung des
Integ
ritätsschadens
einfliesst,
kann aufgrund der vorliegenden Aktenlage auch
der psychisch bedingte Integritätsschaden
nicht abschliessend beurteilt werden
.
Die Sache ist deshalb auch in diesem Punkt an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen.
5
.
Die Beschwerdeführerin
engagierte
im Jahr 2009 die Firma
G._
für eine Laufbahnberatung. Die dabei angefallenen Kosten von Fr. 6'359.15 möchte sie von der Beschwerdegegnerin
zurückerstattet haben
mit der Begrün
dung, die Beschwerdegegnerin habe keine diesbezüglichen Anstrengungen getätigt, weshalb sie eigene Abklärungen habe unternehmen müssen (Urk. 1 S. 9). Aus den eingereichten Unterlagen (Urk. 3/6-11) geht indessen nich
t
s her
vor, was zur Klärung der vorstehend erörterten offenen Fragen beitragen könnte.
Abgesehen davon wäre ein derartiges Coaching mit der
Beschwerde
gegnerin
abzusprechen gewesen. Die Beschwerdegegnerin hat diese Kosten nicht zu übernehmen.
6
.
Dieser Ausgang des Verfahrens ist rechtsprechung
sgemäss als vollständiges Obsie
gen der Beschwerdeführerin
zu werten
(BGE 137 V 57 E. 2.2)
, weshalb die Beschwerdegegnerin zu verpflichten ist,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozess
entschädigung
auszurichten
. Die Entschädigung
ist
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens
zu
bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
)
und auf Fr.
2'4
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
)
festzulegen
.