Decision ID: 008ed4e1-6feb-49eb-a5e1-9e9e79c4638d
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Arbeitsgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 31. Oktober 2013 (AH130124-L)
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Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2):
"1. Es sei die Beklagte zur Zahlung von CHF 7'838.55 brutto sowie von CHF 4'303.55 netto, je nebst Zins zu 5% seit dem 4. Mai 2013 zu verurteilen.
2. Unter Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zu Lasten der Beklagten."
Urteil des Arbeitsgerichtes Zürich, 4. Abteilung, Einzelrichter, vom 31. Oktober 2013 (Urk. 17 S. 11 f.):
"1. In Gutheissung der Klage wird die Beklagte verpflichtet, der  Fr. 10'931.85 netto nebst Zins zu 5 % seit 4. Mai 2013 zu bezahlen.
2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin eine Prozessentschä-
digung von Fr. 2'940.– (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 4. [Mitteilungssatz] 5. [Rechtsmittelbelehrung]"
Berufungsanträge:
der Beklagten und Berufungsklägerin (Urk. 16 S. 2):
"Es seien das Dispositiv des Urteils des Arbeitsgerichts Zürich vom 31. Oktober 2013 wie folgt aufzuheben: - Ziffer 1 im Betrag von CHF 9'181.85 zuzüglich Zins zu 5% seit
4. Mai 2013 und - Ziffer 3 vollständig; unter Entschädigungsfolge zu Lasten der Berufungsbeklagten; die  fallen ausser Ansatz."
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der Klägerin und Berufungsbeklagten (Urk. 19 S. 2):
"1. Es sei die Berufung der Beklagten vollumfänglich abzuweisen und das erstinstanzliche Urteil des Arbeitsgerichts Zürich, 4. , vom 31. Oktober 2013 (AH130124-L), zu bestätigen.
2. Unter Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zu Lasten der Beklagten."

Erwägungen:
I.
1.1. Die Beklagte und Berufungsklägerin (fortan Beklagte) betreibt in Zürich
ein Yoga Studio. Die Klägerin und Berufungsbeklagte (fortan Klägerin) arbeitete
ab dem 1. März 2011 im Stundenlohn auf Abruf am Front Desk dieses Studios
(Urk. 4/2). Der vereinbarte Stundenlohn betrug ab August 2012 Fr. 28.– brutto
(inkl. 8,33 % Ferienentschädigung; Urk. 4/4/9).
1.2. Der Front Desk wird von 08.30 Uhr bis (mindestens) 12.00 Uhr sowie ab
16.30 Uhr von einem Mitarbeiter betreut (Urk. 12/3). Am 1. Mai 2013 war die Klä-
gerin in der ersten Schicht eingeteilt. Um 11.50 Uhr kaufte eine Kundin bei ihr ein
Jahresabonnement zum (reduzierten) Preis von Fr. 1'750.–. Die Kundin bezahlte
in bar. Die Klägerin erfasste das Jahresabonnement im Kundenadministrations-
system "Mindbody" und stellte der Kundin eine Quittung aus (Urk. 4/5). Die Bu-
chung erfolgte in der Rubrik "Payment Method" unter "Other" anstatt unter "Cash".
Dieses falsche Vorgehen hatte zur Folge, dass die Buchung im Kundenadminist-
rationssystem nicht als Barzahlung ausgewiesen wurde (Urk. 10 S. 2 f.; Urk. 11
S. 2 f.; Prot. Vi S. 10 und 15). Die Klägerin kassierte die Fr. 1'750.– bei der Kun-
din ein und legte das Geld, gemäss eigener Sachdarstellung, in die Kasse. Dabei
unterliess sie es, die Bareinnahme im Kassensystem zu erfassen. Gemäss eige-
ner Sachdarstellung geschah dies, da sie gleichzeitig mit der Kundin und einer
Yogalehrerin in ein Gespräch vertieft und dadurch abgelenkt war (Urk. 10 S. 3).
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Da das Kundenadministrations- und das Kassensystem voneinander getrennt
sind, müssen Zahlungen in beiden Systemen erfasst werden (Urk. 11 S. 2 f.).
Um 12.07 Uhr druckte die Klägerin den Kassenbericht aus, welcher lediglich Bar-
einnahmen von Fr. 81.– auswies (Urk. 4/6). Die Klägerin vermerkte die Barein-
nahmen von Fr. 81.–, gemäss eigener Sachdarstellung, nachdem sie sich ein
Stockwerk höher zur Toilette begeben hatte, kurz vor 12.30 Uhr auf dem "Kas-
senübergabe-Übernahmeprotokoll" (fortan Übergabeprotokoll), indem sie einen
Kassenstock von Fr. 495.50 visierte (Übernahmebetrag von Fr. 414.50, Überga-
bebetrag von Fr. 495.50; Urk. 4/7). Entgegen den Weisungen zählte die Klägerin
den Kassenbestand nicht mehr nach (Urk. 10 S. 3).
1.3. Am nächsten Tag, dem 2. Mai 2013, fielen den beiden Geschäftsführern
der Beklagten, C._ und D._, die Differenzen zwischen dem "Mindbody"
System, dem Kassenbeleg und dem Kassenprotokoll auf. Angeblich wurde dabei
auch das Fehlen der eingenommenen Fr. 1'750.– in der Kasse festgestellt (Urk.
11 S. 5).
1.4. Als die Klägerin am 3. Mai 2013 zur Arbeit erschien, wurde sie von den
Geschäftsführern zur Rede gestellt. Im Anschluss an dieses Gespräch wurde ihr
fristlos gekündigt (Urk. 11 S. 5). Mit Schreiben vom selben Datum bestätigte die
Beklagte der Klägerin die fristlose Kündigung. Als Kündigungsgrund wurde neben
dem Vorwurf der Entwendung auch "ein extrem fahrlässiger Umgang mit Geld"
genannt (Urk. 4/3). Der Klägerin wurden in der Folge vom Aprillohn unter dem
Vermerk "Fehlender Betrag in der Kasse am 1.5.13" Fr. 1'750.– abgezogen (Urk.
4/4/1).
2. Mit Eingabe vom 19. Juli 2013 und der Klagebewilligung des Friedensrich-
teramtes der Stadt Zürich, Kreise ..., vom 3. Juli 2013 hob die Klägerin vor Vo-
rinstanz eine Klage mit dem eingangs erwähnten Begehren an (Urk. 1; Urk. 3).
Betreffend den Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens ist auf die Erwägungen
der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 17 S. 3 f.). Mit Urteil vom 31. Oktober 2013
sprach die Vorinstanz der Klägerin Fr. 10'931.85 netto nebst Zins zu 5 % seit dem
4. Mai 2013 zu (Urk. 17 S. 11, Urteil Dispositivziffer 1). Mit gleichentags ergange-
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ner Verfügung wurde das Verfahren im Umfang von Fr. 177.90 brutto zuzüglich
Zinsen (eingeklagte Ferienentschädigung März 2013) als durch Anerkennung er-
ledigt abgeschrieben (Urk. 17 S. 11, Verfügung Dispositivziffer 1). Gegen das Ur-
teil der Vorinstanz hat die Beklagte fristgerecht Berufung erhoben (Urk. 14/2; Urk.
16). Die Berufungsantwort datiert vom 17. Januar 2014 (Urk. 19). Sie wurde der
Beklagten zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 20).
3. Gemäss Art. 311 Abs. 1 ZPO muss die Berufung eine Begründung enthal-
ten. Dies bedeutet, dass sich der Berufungskläger substanziiert mit den angefoch-
tenen Urteilserwägungen auseinandersetzt und im Einzelnen aufzeigt, worin eine
unrichtige Rechtsanwendung oder eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts
(Art. 310 ZPO) liegt. Es genügt nicht, wenn der Berufungskläger bloss den vor
Vorinstanz eingenommenen Rechtsstandpunkt wiederholt oder gar lediglich auf
die Rechtsschriften in den Vorakten verweist. Vielmehr muss er die als fehlerhaft
erachteten Erwägungen der Vorinstanz zum Ausgangspunkt seiner Kritik machen.
Die Berufungsinstanz ist nicht verpflichtet, den angefochtenen Entscheid von sich
aus auf alle denkbaren Mängel zu untersuchen, es sei denn, diese träten offen zu
Tage (BGE 138 III 374, 375 E. 4.3.1; CAN 2012 Nr. 75 S. 206 f. sowie – mit weite-
ren Hinweisen – Seiler, Die Berufung nach ZPO, Basel 2013, N 893 ff., insb.
N 896; Hohl, Procédure civil II, Bern 2010, N 2405 f.; Reetz/Theiler, in: Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Komm., N 36 zu Art. 311 ZPO; ZPO-
Rechtsmittel-Kunz, N 92 zu Art. 311 ZPO; CPC-Jeandin, N 3 zu Art. 311 CPC). Im
Ergebnis bedeutet dies, dass die Berufungsbegründung mit den entsprechenden
Rügen grundsätzlich den Umfang der Prüfungsbefugnis und der Prüfungspflicht
der Berufungsinstanz umschreibt. Die Berufungsinstanz kann die gerügten Män-
gel frei und unbeschränkt überprüfen und sie muss sie auch überprüfen
(Reetz/Hilber, a.a.O., Art. 310 N 5 f.). Dabei ist sie aufgrund der umfassenden
Überprüfungsbefugnis nicht an die mit den Rügen vorgebrachten Argumente oder
an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden, sie kann die Rügen auch mit ab-
weichenden Erwägungen gutheissen oder abweisen.
4. Die Berufung hemmt die Rechtskraft und die Vollstreckbarkeit des ange-
fochtenen Entscheids im Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Die Beklagte
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anerkennt in der Berufung die eingeklagte Forderung in der Höhe von Fr. 1'750.–
netto zuzüglich Zins von 5 % ab dem 4. Mai 2013 (Abzug angeblich fehlender
Betrag in der Kasse beim Aprillohn; Urk. 16 S. 2, Rechtsbegehren und S. 9). Da-
mit ist das erstinstanzliche Urteil, insoweit die Vorinstanz die Klage im Umfang
Fr. 1'750.– netto zuzüglich Zins von 5 % ab dem 4. Mai 2013 gutgeheissen hat,
am 20. Januar 2014 (Eingang der Berufungsantwort) in Rechtskraft erwachsen;
dies ist vorzumerken. Mithin ist im Berufungsverfahren noch über die Rechtmäs-
sigkeit der fristlosen Kündigung sowie allfällige finanzielle Folgen aus einer
ungerechtfertigterweise ausgesprochenen Kündigung zu entscheiden (Urk. 17
S. 4 ff.).
II.
1. Nach Art. 337 OR kann der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer das Ar-
beitsverhältnis aus wichtigen Gründen jederzeit fristlos auflösen (Abs. 1). Als
wichtiger Grund gilt namentlich jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem
Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses
nicht mehr zugemutet werden darf (Abs. 2). Nach der Rechtsprechung zu Art. 337
OR ist eine fristlose Entlassung nur bei besonders schweren Verfehlungen des
Arbeitnehmers gerechtfertigt. Diese müssen einerseits objektiv geeignet sein, die
für das Arbeitsverhältnis wesentliche Vertrauensgrundlage zu zerstören oder zu-
mindest so tief greifend zu erschüttern, dass dem Arbeitgeber die Fortsetzung des
Vertrags nicht mehr zuzumuten ist, und anderseits auch tatsächlich zu einer der-
artigen Zerstörung oder Erschütterung des gegenseitigen Vertrauens geführt ha-
ben. Sind die Verfehlungen weniger schwerwiegend, so müssen sie trotz Verwar-
nung wiederholt vorgekommen sein. Ob die dem Arbeitnehmer vorgeworfene
Pflichtverletzung die erforderliche Schwere erreicht, lässt sich nicht allgemein sa-
gen, sondern hängt von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab. Über das
Vorhandensein eines wichtigen Grundes zur fristlosen Entlassung entscheidet
das Gericht nach seinem Ermessen (Art. 337 Abs. 3 OR; vgl. zum Ganzen Urteil
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des Bundesgerichts 4A_685/2011 vom 24. Mai 2012 E. 4 mit Hinweisen). Die
Beweis- und damit auch die Behauptungslast für das Vorliegen der Tatsachen,
aus welchen die Berechtigung zur ausserordentlichen Kündigung abgeleitet wird,
obliegt jener Partei, welche die Kündigung erklärt hat; vorliegend damit der Be-
klagten. Wird dieser Beweis nicht erbracht, ist die ausserordentliche Kündigung
ungerechtfertigt.
2. Die Beklagte wirft der Klägerin auch im Berufungsverfahren einerseits ein
strafbares Verhalten (Urk. 16 S. 4 ff.) und andererseits diverse Treuepflichtverlet-
zungen, welche gesamthaft gesehen eine fristlose Entlassung rechtfertigen wür-
den (Urk. 16 S. 6 ff.), vor.
3.1. Betreffend die nach Literatur und Rechtsprechung massgebenden
Voraussetzungen dafür, dass bei einer durch den Arbeitnehmer begangenen
strafbaren Handlung berechtigterweise eine fristlose Kündigung durch den Arbeit-
geber ausgesprochen werden darf, kann auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 16 S. 5 E. 4.2.2). Ergänzend sei angeführt,
dass schon recht geringfügige Taten zur Rechtfertigung der fristlosen Kündigung
genügen, wenn Opfer der strafbaren Handlungen der Arbeitgeber selber, dessen
Kunden oder andere Mitarbeiter sind (BGE 130 III 28 E. 4.1).
3.2. Die Vorinstanz erwog, da die Beklagte davon ausgehe, ein Diebstahl
könne der Klägerin nicht nachgewiesen werden, werde der Diebstahlsvorwurf im
Prozess nicht mehr aufrecht erhalten. Jedenfalls seien die diesbezüglichen Vor-
bringen nicht weiter substanziiert und könnten deshalb auch nicht zum Beweis
verstellt werden (Urk. 17 S. 6). Mit diesen Erwägungen setzt sich die Beklagte in
ihrer Berufungsbegründung nicht auseinander. Sie wurden somit nicht gerügt und
haben, da sie nicht offensichtlich mangelhaft sind, Bestand. Folglich ist bei den
nachfolgenden Erwägungen davon auszugehen, dass der Klägerin eine Entwen-
dung der Fr. 1'750.– aus der Kasse nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden
kann.
3.3.1. Die Beklagte macht nun aber, wie bereits vor Vorinstanz (Prot. Vi
S. 10; Urk. 11 S. 7), geltend, die Klägerin habe, wenn die Fr. 1'750.–, wie von ihr
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behauptet, noch in der Kasse gewesen wären, im Übergabeprotokoll einen fal-
schen Bestand, nämlich nur Fr. 495.50 anstatt die sich zu diesem Zeitpunkt tat-
sächlich in der Kasse befindlichen Fr. 2'245.50 (Fr. 1'750.– plus Fr. 495.50), be-
stätigt. Dieses Vorgehen stelle eine Falschbeurkundung und damit eine strafbare
Handlung dar (Urk. 16 S. 4). Die Vorinstanz hat das Vorliegen einer Falschbeur-
kundung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB mit der Begründung abgewie-
sen, diese setze in objektiver Hinsicht voraus, dass eine rechtlich erhebliche Tat-
sache unrichtig beurkundet werde. Die Falschbeurkundung erfordere nach der
Rechtsprechung eine qualifizierte schriftliche Lüge. Eine solche werde nur ange-
nommen, wenn der Urkunde eine erhöhte Glaubwürdigkeit zukomme und ihr des-
halb besonderes Vertrauen entgegengebracht werde. Eine erhöhte Glaubwürdig-
keit sei dann gegeben, wenn allgemein gültige objektive Garantien die Wahrheit
der Erklärung gewährleisteten, was insbesondere im Hinblick auf die kaufmänni-
sche Buchführung und ihre Bestandteile zu bejahen sei. Es sei nicht ersichtlich,
dass dem Übergabeprotokoll eine erhöhte Glaubwürdigkeit zukomme. Das werde
von der Beklagten auch nicht behauptet. Ein Vertrauen auf die Richtigkeit des
Übergabeprotokolls sei daher strafrechtlich nicht geschützt (Urk. 17 S. 6 mit Ver-
weis auf die einschlägige bundesgerichtliche Rechtsprechung). Diese Erwägun-
gen stellt die Beklagte in der Berufung in Abrede (Urk. 16 S. 4 f.).
3.3.2. Zu Recht macht die Klägerin in der Berufungsantwort in diesem Zu-
sammenhang geltend, der Straftatbestand der Falschbeurkundung verlange wei-
tere objektive und subjektive Tatbestandselemente als die Urkundenqualität des
Übernahmeprotokolls. So werde insbesondere eine Schädigungsabsicht zum ei-
genen oder fremden Vorteil verlangt (Urk. 19 S. 4).
Der Täter muss bei einer Falschbeurkundung in der Absicht handeln, jemand am
Vermögen oder anderen Rechten zu schädigen oder sich oder einem andern ei-
nen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Dabei
muss sich bei der Schädigungsabsicht die angestrebte Benachteiligung gegen
fremdes Vermögen oder fremde Rechte, insbesondere Persönlichkeitsrechte,
richten. Das Handeln in Vorteilsabsicht muss sich nicht auf einen Vorteil vermö-
gensrechtlicher Natur richten. Es genügt jede Besserstellung, sei sie vermögens-
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rechtlicher oder sonstiger Natur. Der Vorteil kann auch bei einem Dritten beab-
sichtigt sein (zum Ganzen: BSK StGB-Boog, Art. 251 N 185 ff.).
Die Beklagte legt weder vor erster noch vor zweiter Instanz dar, welche Schädi-
gungs- oder Vorteilsabsicht die Klägerin damit verfolgt haben soll, dass sie, als
sie das Übergabeprotokoll ausfüllte, anstatt die sich effektiv in der Kasse befindli-
chen Fr. 2'245.50 nur Fr. 495.50 auf dem Protokoll vermerkte. Worin diese Ab-
sicht hätte liegen sollen, ist nicht ersichtlich. Dass die Klägerin mit diesem Vorge-
hen einer Drittperson zu einem unrechtmässigen Vorteil verhelfen wollte, wird
nicht geltend gemacht. Eine Falschbeurkundung liegt damit nicht vor. Bei diesem
Ergebnis muss auf die Ausführungen der Beklagten zur Urkundenqualität des
Übergabeprotokolls nicht mehr weiter eingegangen werden (Urk. 16 S. 4 f.). Offen
bleiben kann sodann, ob die Beklagte der Klägerin genügend substanziiert ein
vorsätzliches und nicht bloss fahrlässiges Handeln beim Ausfüllen des Übernah-
meprotokolls respektive der Nichtzählung des Kassenbestandes vorwirft (Urk. 19
S. 5).
3.4. Insoweit die Beklagte sich in der Berufung auf die Rechtsprechung zur
Verdachtskündigung berufen will, ist darauf hinzuweisen, dass die Beklagte in
keiner Art und Weise substanziiert darlegt, inwieweit die Klägerin die Aufklärung
der angeblichen Entwendung der Fr. 1'750.– illoyal behindert haben soll oder in-
wieweit sie selbst die zumutbaren Abklärungen zur Erhärtung dieses Tatbestan-
des vorgenommen hat (Urk. 16 S. 6 mit Hinweisen). Die Tatsache allein, dass die
Klägerin anlässlich des Gespräches am 3. Mai 2013, im Nachgang zu welchem
ihr fristlos gekündigt wurde, nur behauptete, die Fr. 1'750.– in die Kasse gelegt zu
haben, aber ansonsten schwieg (Urk. 11 S. 5) respektive immer wieder nur zuge-
geben habe, "was sie zugeben musste" (Prot. Vi. S. 16), vermag kein illoyales
Verhalten zu begründen. Zudem legt die Beklagte nicht dar, was für Abklärungen
sie nebst der Befragung der Klägerin noch getroffen hat, um die Sache zu erhel-
len. Nur am Rande sei erwähnt, dass nach Lehre und Rechtsprechung im Falle
einer Verdachtskündigung der Lohnanspruch des Arbeitnehmers bis zum Ablauf
der ordentlichen Kündigungsfrist gewahrt bleibt, so dass die Frage nur mit Bezug
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auf eine allfällige Entschädigung nach Art. 337c Abs. 3 OR relevant werden könn-
te (Urteil des Bundesgerichts 4A_507/2010 vom 2. Dezember 2010 E. 3.5).
3.5.1. Im Weiteren beruft sich die Beklagte zur Rechtfertigung der fristlosen
Kündigung auf die folgenden Treue- und Sorgfaltspflichtverletzungen der Klägerin
(Urk. 11 S. 6; Urk. 16 S. 8):
− falsche Erfassung der erfolgten Barzahlung von Fr. 1'750.– im Kun-
densystem (nicht als Bargeschäft),
− keine Erfassung der Barzahlung von Fr. 1'750.– im Kassensystem,
− keine korrekte Kassenabrechnung,
− keine Erfassung der erfolgten Barzahlung von Fr. 1'750.– im Überga-
beprotokoll und
− keine Auszählung des Kassenbestandes.
Zusätzlich habe es die Klägerin unterlassen, eine nachträgliche Buchung vorzu-
nehmen, obwohl sie Gelegenheit dazu gehabt hätte (Urk. 11 S. 5; Urk. 16 S. 8).
Die Beklagte ist der Auffassung, diese Pflichtverletzungen würden, entgegen der
Ansicht der Vorinstanz (Urk. 17 S. 6 ff.), genügend schwer wiegen, um eine frist-
lose Kündigung zu rechtfertigen (Urk. 16 S. 8). Da sich aus den Ausführungen der
Beklagten in der Berufungsbegründung genügend substanziiert ergibt, dass sie
geltend machen will, die Kombination der von ihr angeführten Pflichtverletzungen
würde für eine fristlose Kündigung genügen (Urk. 16 S. 4 ff.), damit sinngemäss
gerügt wird, Art. 337 OR sei von der Vorinstanz falsch angewendet worden, ist die
Berufung in diesem Punkt nicht, wie von der Klägerin beantragt (Urk. 19 S. 9 f.),
mangels rechtsgenügender Begründung abzuweisen.
3.5.2. Vorab sei an dieser Stelle nochmals in Erinnerung gerufen, dass der
Klägerin eine Entwendung der Fr. 1'750.– aus der Kasse nicht nachgewiesen
werden kann. Es ist damit davon auszugehen, dass die Fr. 1'750.– von ihr in die
Kasse gelegt wurden und darin verblieben. Unbestritten ist nun, dass die Klägerin
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die Fr. 1'750.– im Kundenadministrationssystem in der Rubrik "Payment Method"
unter "Other" anstatt "Cash" verbuchte (Urk. 10 S. 2; Urk. 16 S. 3). Diese Verfeh-
lung allein vermag hingegen keine fristlose Entlassung zu rechtfertigen. Die Be-
antwortung der Frage, ob eine Barbezahlung in dieser Höhe, welche von beiden
Parteien als ungewöhnlich bezeichnet wird, nun die Fehlbuchung eher nachvoll-
ziehbar macht, wie von der Vorinstanz angeführt (Urk. 17 S. 7), oder "gerade [...]
erstaunlich" erscheinen lässt, worauf sich die Beklagte beruft (Urk. 16 S. 7), kann
offen bleiben.
Unbestritten ist im Weiteren, dass die Klägerin die Barzahlung von Fr. 1'750.–
nicht im Kassensystem erfasste (Urk. 10 S. 3; Urk 16 S. 3). Auch diese Verfeh-
lung vermag allein betrachtet, wovon wohl auch die Beklagte ausgeht (Urk. 16
S. 8), keine fristlose Entlassung zu rechtfertigen. Ebenso verhält es sich mit der
Tatsache, dass die Klägerin am 3. Mai 2013 keine korrekte "Nachbuchung" vor-
genommen hat (Urk. 11 S. 5; Urk. 16 S. 8). Die Gründe, welche zu diesen Fehlern
führten, die Klägerin selbst gab an, die Buchung unterlassen zu haben, weil sie
gleichzeitig mit einer Yogalehrerin und der Kundin in ein Gespräch vertieft und
dadurch abgelenkt gewesen sei (Urk. 10 S. 3), können offen bleiben. Dass die
Klägerin in der Folge auch keine korrekte Kassenabrechnung (im Sinne des Kas-
senberichts, Urk. 4/6, Urk. 11 S. 3) erstellt hat, ist, was von der Beklagten nicht
bestritten wird (Urk. 16 S. 7), ein "unmittelbarer Folgefehler der unterbliebenen Er-
fassung der Barzahlung im Kassensystem" (Urk. 17 S. 7).
Im Weiteren zählte nun aber die Klägerin bei Schichtende auch die Kasse nicht
nach, was dazu führte, dass sie die erfolgte Barzahlung von Fr. 1'750.– nicht im
Übergabeprotokoll erfasste, da sie die im Kassenbericht aufgeführten Bareinnah-
men von Fr. 81.– unbesehen, ohne den tatsächlichen Kassenbestand zu überprü-
fen, ins Übergabeprotokoll übertrug (Urk. 4/6 und 4/7). Die Vorinstanz bezeichne-
te auch diese zusätzlichen Pflichtverletzungen als Folgefehler der unterlassenen
Erfassung der Barzahlung im Kassensystem. Zu Recht weist die Beklagte in der
Berufung darauf hin, dass der Kassenbestand immer ausgezählt werden müsse.
Dieses Fehlverhalten sei damit kein Folgefehler (Urk. 16 S. 7 f.). Gleich verhält es
sich mit dem unbesehenen Eintrag der Fr. 495.50 ins Übergabeprotokoll. Hinge-
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gen können auch diese Pflichtverletzungen für sich allein betrachtet, zumindest
ohne vorherige Abmahnung, eine fristlose Entlassung nicht rechtfertigen.
3.5.3. Zu prüfen bleibt jedoch, ob die Verletzungen gesamthaft betrachtet
zur Aussprechung einer fristlosen Entlassung genügen. Die Beklagte berief sich
denn vor Vorinstanz darauf, das gesamte Verhalten der Klägerin, insbesondere
die Nichtauszählung der Kasse und die unbesehene Übertragung der Fr. 495.50
ins Übergabeprotokoll, hätten dazu geführt, dass die "Sachverhaltsermittlung" (mit
Bezug darauf, wann und von wem das Geld entwendet worden sei) wesentlich er-
schwert worden sei. Hierfür sei die Klägerin verantwortlich (Prot. Vi S. 15 f.). Dem
kann nicht gefolgt werden. Zwar darf nicht übersehen werden, dass die Verfeh-
lungen der Klägerin gesamthaft betrachtet nicht mehr leicht wiegen und durchaus
den Eindruck erwecken können, sie seien so geplant gewesen, um eine Entwen-
dung der Fr. 1'750.– zu decken respektive zu ermöglichen. Dennoch wiegen sie
einerseits nicht derart schwer im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung,
dass eine einmalige Kumulation der Verfehlungen bei der bis dahin einen unbe-
scholtenen Leumund aufweisenden und nicht abgemahnten Klägerin dazu führen
würde, dass der Beklagten als ultimo ratio nur noch die fristlose Entlassung ge-
blieben und ihr eine Fortführung des Arbeitsverhältnisses um weitere zwei Monate
nicht mehr zuzumuten gewesen wäre. In diesem Zusammenhang darf, entgegen
den Ausführungen der Beklagten in der Berufung (Urk. 16 S. 8) und mit der Vor-
instanz (Urk. 17 S. 8), durchaus berücksichtigt werden, dass der nach der Schicht
der Klägerin die Kasse übernehmende E._ den Kassenbestand, entgegen
der Weisungen der Beklagten, auch nicht zählte und das Übernahmeprotokoll
nicht ausfüllte (Prot. Vi S. 7; Urk. 10 S. 4 f.). Dieses Fehlverhalten hat die Aufklä-
rung des Vorfalles des angeblichen Verschwindens der Fr. 1'750.– ebenfalls er-
schwert und ist nicht der Klägerin anzulasten. Andererseits wurde bereits ausge-
führt, dass eine von der Beklagten ausgesprochene Verdachtskündigung nicht ge-
rechtfertigt gewesen wäre (vgl. vorangehend II. Ziffer 3.4.).
3.6. Aufgrund der vorangehenden Erwägungen ist davon auszugehen, dass
keine wichtigen Gründe vorlagen, welche die Entlassung der Klägerin rechtferti-
gen würden. Die fristlose Entlassung erfolgte ungerechtfertigt.
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4.1. Die Vorinstanz sprach der Klägerin Lohn von Mai bis Juli 2013 von brut-
to Fr. 7'660.65 respektive netto Fr. 7'181.85 nebst Zins zu 5 % ab dem 4. Mai
2013 zu. Dies wurde in der Berufung nicht beanstandet. Es kann auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 17 S. 8 E. 4.3.1. f.
und S. 10 E. 4.4.).
4.2.1. Weiter erkannte die Vorinstanz auf eine Strafzahlung gemäss Art.
337c Abs. 3 OR von Fr. 2'000.– netto (Urk. 17 S. 9 f.), was bei einem durch-
schnittlichen Monatslohn von Fr. 2'553.55 brutto knapp einem Nettomonatslohn
entspricht.
4.2.2. Die Beklagte macht geltend, eine Pönale sei nicht geschuldet, weil der
Klägerin ein erhebliches Selbstverschulden angelastet werden müsse und sie
durch ihr Verhalten eine Aufklärung des Diebstahls der Fr. 1'750.– verhindert ha-
be. Ausserdem sei zu berücksichtigen, dass sie, die Beklagte, aufgrund des Ver-
haltens der Klägerin einen berechtigten Verdacht gehabt habe, diese habe sich
unrechtmässig verhalten (Urk.11 S. 7; Urk. 16 S. 9 f.).
4.2.3. Was die allgemeinen Erwägungen zu den Voraussetzungen gemäss
Literatur und Rechtsprechung für die Zusprechung einer Strafzahlung nach Art.
337c Abs. 3 OR betrifft, ist auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu
verweisen (Urk. 16 S. 5 E. 4.3.3.).
4.2.4. Bei der Strafzahlung ist das Mitverschulden des Arbeitnehmers zu be-
rücksichtigen (Streiff/von Kaenel/Rudolph, Praxiskommentar Arbeitsvertrag,
7. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2012, N 8 zu Art. 337c OR). Die Vorinstanz hat "re-
duzierend" berücksichtigt, dass die Klägerin im Vorfeld der Kündigung "Pflichtver-
letzungen beging, welche durchaus zu einer Abmahnung berechtigt hätten" (Urk.
17 S. 10). Sie hat damit dem Selbstverschulden der Klägerin Rechnung getragen
und die Pönale auf unter einen Nettomonatslohn festgesetzt. Dies ist nicht zu be-
anstanden. Im Weiteren kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 17 S. 10 E. 4.3.4.). Inwieweit die Klägerin, abgesehen
von dem gemäss Beklagter der fristlosen Entlassung vorangehenden Gespräch,
dessen Ablauf und Inhalt einerseits ungenügend substanziiert und andererseits
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umstritten ist (Prot. Vi S. 5, S. 13 und S. 15 f.; Urk. 10 S. 2; Urk. 11 S. 5), die Auf-
klärung der Entwendung der Fr. 1'750.– im Nachgang zur fristlosen Entlassung
durch welche Handlungen verhindert haben soll, legt die Beklagte nicht dar. Dass
vorliegend die Voraussetzungen erfüllt wären, welche gemäss bundesgerichtli-
cher Rechtsprechung bei einer ausgesprochenen Verdachtskündigung die Ver-
weigerung der Zusprechung einer Strafzahlung zuliessen, wurde bereits verneint
(vgl. II Ziffer 3.4.). Die Berufung ist in diesem Punkt abzuweisen.
4.2.5. Die der Klägerin von der Vorinstanz zugesprochene Strafzahlung in
der Höhe von Fr. 2'000.– netto nebst 5 % Zins ab dem 4. Mai 2013 ist zu bestäti-
gen.
4.3. Entsprechend ist die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin Fr. 9'181.85
netto (Fr. 7'181.85 plus Fr. 2'000.–) nebst Zins zu 5 % ab dem 4. Mai 2013 zu be-
zahlen.
III.
1. Da der Streitwert des vorliegenden Verfahrens unter Fr. 30'000.– brutto
liegt, werden weder für das erst- noch das zweitinstanzliche Verfahren Kosten er-
hoben (Art. 114 lit. c ZPO).
2. Die Beklagte wird für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren entschä-
digungspflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die von der Vorinstanz festgesetzte Ent-
schädigung von Fr. 2'722.– zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer, mithin (gerundet)
Fr. 2'940.– (Urk. 17 S. 11 und 12, Dispositivziffer 3), ist zu bestätigen. Für das
zweitinstanzliche Verfahren ist von einem Streitwert von Fr. 9'660.65 (Fr. 7'660.65
plus Fr. 2'000.–) auszugehen. Die Klägerin obsiegt vollumfänglich. Gestützt auf
die §§ 4 Abs. 1 sowie 13 Abs. 1 und 2 AnwGebV erscheint es angemessen, der
Klägerin eine Parteientschädigung von Fr. 1'200.– zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer,
mithin Fr. 1'296.– zuzusprechen.
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