Decision ID: 8a2791fa-acb6-52f7-85c2-a12af31525db
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie
aus B._, Nordprovinz, verliess sein Heimatland gemäss eigenen
Angaben am (...) Oktober 2013 auf dem Luftweg und gelangte via Malaysia
und Tokio nach [Dublin-Staat] Am 12. Oktober 2016 reiste er von dort in die
Schweiz ein und suchte gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszent-
rum (EVZ) C._ um Asyl nach.
B.
B.a Der Beschwerdeführer wurde im Rahmen der Befragung zur Person
(BzP) am 24. Oktober 2016 zu seiner Person, dem Reiseweg und summa-
risch zu einen Asylgründen befragt. Mit Verfügung vom 19. Dezember 2016
trat das SEM auf sein Asylgesuch nicht ein und wies ihn nach [Dublin-Staat]
als zuständigen Dublin-Mitgliedstaat weg. Am 18. Januar 2017 wurde er
vom Kanton (...) als verschwunden gemeldet.
B.b Am 22. Juni 2018 meldete er sich wieder bei den zuständigen kanto-
nalen Behörden an und erklärte, er habe sich zwischenzeitlich in [Dublin-
Staat] aufgehalten. Nachdem [Dublin-Staat] eine Rückübernahme ab-
lehnte, wurde er am 11. Juli 2018 ins nationale Asylverfahren aufgenom-
men. Die [Asylakten des Dublin-Staats] wurden vom SEM beigezogen (vgl.
A33/15).
B.c Am 24. September 2019 fand eine vertiefte Anhörung zu den Flucht-
gründen statt. Dabei machte er geltend, er habe zuerst in D._ gelebt
und dort die Schule besucht. Er habe dann als Landwirt auf seinem eige-
nen Land und später als Maler, Kokosnussverkäufer und als Fischer gear-
beitet. Seine Familie sei wohlhabend. In D._ habe er wie andere
die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) unterstützen müssen, indem er
ihnen Essen gegeben habe, zu Meetings gegangen sei und bei Anlässen
geholfen habe. Vor allem die Familie [von L._] sei bei den LTTE
aktiv gewesen. Im Jahre 1999 sei er nach E._ gezogen, wobei er
auch einige Zeit in F._ gewohnt habe, weil dort eine reiche Tante
seiner Frau gelebt habe. Im März 2007 sei er zusammen mit [nahen Ver-
wandten L._ und M._] in F._ in eine Militäraktion der
Armee geraten und dabei am (...) verletzt worden. L._ und
M._ hätten entkommen können, während er selbst in ein Spital in
E._ gebracht worden sei. Dort sei er mehrfach vom Criminal Inves-
tigation Department (CID) zu seinen LTTE-Kontakten verhört worden. Auf-
grund eines Arrangements [naher Verwandter N._] mit einem Arzt
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des Spitals habe er jedoch in ein gemietetes Zimmer ausserhalb des Spi-
tals transferiert werden können, wo er für drei beziehungsweise vier Mo-
nate untergebracht worden sei. Die nachfolgenden Jahre habe er sich in
einem Wohnheim in G._ versteckt gehalten, wo (...) Priester gewe-
sen sei. Während dieser Zeit sei er immer wieder vom CID zu Hause ge-
sucht worden. Nach Ende des Krieges habe er erfahren, dass L._
und M._ in der Schlussphase des Krieges umgekommen seien.
Im September 2013 hätten in Sri Lanka Wahlen stattgefunden, wobei er
einen Politiker der Tamil National Alliance (TNA) unterstützt habe, indem er
Plakate aufgeklebt und bei Veranstaltungen geholfen habe. Während den
Wahlen seien Verhaftungen verboten gewesen, weshalb er in dieser Zeit
bei N._ habe leben können. Kurz nach den Wahlen habe er indes-
sen wieder fliehen müssen, weil Angehörige des CID bei ihm zu Hause
nach ihm gesucht hätten. N._ habe daraufhin seine Ausreise mit
Hilfe eines Schleppers organisiert. Nach seiner Ausreise habe er erfahren,
dass er in Sri Lanka wiederholt vom CID gesucht worden sei. In [Dublin-
Staat] sei sein Asylgesuch mehrfach abgelehnt worden, weshalb er in die
Schweiz gekommen sei.
B.d Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er seine Identitätskarte, ausge-
stellt am (...) 2003, seine Geburtsurkunde, ausgestellt am (...) 2012, ein
sri-lankisches Arztzeugnis vom (...) 2007 im Original sowie die mit Datum
vom (...) beglaubigte Kopie der Todesbescheinigung [von L._ und
M._] zu den Akten.
C.
Mit Schreiben vom 6. April 2020 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit,
es hätten sich aus dem Vergleich der Anhörungen vor den [Behörden des
Dublin-Staats] und den Schweizer Behörden Widersprüche ergeben und
gewährte ihm dazu das rechtliche Gehör.
D.
Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des rechtlichen Gehörs am
30. April 2020 eine Stellungnahme ein, in der er im Wesentlichen geltend
machte, die Wiedersprüche seien das Ergebnis einer unzureichenden An-
hörung durch die [Behörden des Dublin-Staats].
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Seite 4
E.
Mit Verfügung vom 8. Mai 2020 – eröffnet am 12. Mai 2020 – verneinte das
SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asyl-
gesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den
Wegweisungsvollzug an.
F.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner
bevollmächtigten Rechtsvertreterin vom 9. Juni 2020 beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde. Darin beantragte er, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben, ihm sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzu-
lässigkeit und oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-
stellen und die vorläufige Aufnahme zu verfügen sowie subeventualiter die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessu-
aler Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiord-
nung der Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin.
Der Beschwerde wurde ein autorenloser Bericht «Gotabaya Rajapaksa’s
Präsidentschaft – Menschenrechte unter Beschuss» vom 16. Januar 2020
beigelegt.
G.
Am 11. Juni 2020 bestätigte die Instruktionsrichterin den Eingang der Be-
schwerde beim Gericht und hielt dabei fest, der Beschwerdeführer könne
den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.
H.
Mit ergänzender Eingabe vom 17. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer
je ein Foto von ihm mit einer Narbe am (...) und an (...) nach.
I.
Auf den Inhalt der vorinstanzlichen Verfügung und der Beschwerdeschrift
wird – soweit für den Entscheid wesentlich – in den nachstehenden Erwä-
gungen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(SR 142.31; AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bishe-
rige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die Beschwerde führende
Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine sol-
che Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, wes-
halb das Bundesverwaltungsgericht vorliegend endgültig entscheidet.
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
daher einzutreten.
1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.5 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
3.
In der Beschwerdeschrift wird beantragt, angesichts der bisher verschwie-
genen LTTE-Tätigkeit des Beschwerdeführers als Kämpfer sei eine er-
neute Anhörung anzusetzen (Beschwerde S. 11 und 21). Damit wird sinn-
gemäss eine unvollständige Sachverhaltserstellung gerügt. Formelle Rü-
gen sind vorab zu prüfen, da sie sich allenfalls dazu eignen, eine Kassation
der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2;
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
3.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG).
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden
(vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043).
3.2 Eine Durchsicht des Anhörungsprotokolls zeigt, dass der Beschwerde-
führer eingehend befragt wurde und ihm ausreichend Zeit eingeräumt
wurde, sich zu den einzelnen Punkten zu äussern. Die Frage nach weiteren
LTTE-Tätigkeiten hat er verneint (vgl. A27/18 F80) und die Frage, ob er
alles Wesentliche für sein Asylgesuch vorbringen konnte mehrfach bejaht
(a.a.O. F117 und F128). Aus dem Anhörungsprotokoll wird sodann nicht
ersichtlich, dass er gewisse Sachverhaltselemente nicht hätte vorbringen
können. Zwar werden auf Beschwerdeebene Sachverhaltselemente vor-
getragen, die in der Anhörung nicht zur Sprache gekommen waren
(vgl. E. 4.4.2). Indessen entsteht vor dem Hintergrund der unglaubhaften
und unsubstanziierten Aussagen des Beschwerdeführers (vgl. dazu unten
E. 5) und seiner untauglichen Rechtfertigungsversuche für seine nachträg-
lichen Vorbringen (vgl. E. 4.4.1) der bleibende Eindruck, dass seine angeb-
liche Tätigkeit als LTTE-Kämpfer ergänzt wurde, um seiner Asylbegrün-
dung im Nachhinein asylrelevante Substanz zu verleihen. Somit vermögen
die auf Beschwerdeebene ergänzten Elemente die Annahme, dass der
Sachverhalt anlässlich der Anhörung rechtsgenüglich abgeklärt wurde,
nicht umzustossen. Die Rüge der unvollständigen Sachverhaltserstellung
erweist sich damit als unbegründet. Der Antrag, der Beschwerdeführer sei
erneut anzuhören, ist abzuweisen.
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3.3 Es besteht daher keine Veranlassung, die Verfügung aus formellen
Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Das entsprechende Rechtsbegehren ist abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden weiter konkretisiert.
Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11
E. 5.1; 2010/57 E. 2.3.).
4.3 Das SEM betrachtete die geltend gemachten Vorfluchtgründe des Be-
schwerdeführers als unglaubhaft. Er habe sich zu seinen persönlichen Ver-
hältnissen, dem Lebenslauf und seiner Verfolgung widersprüchlich geäus-
sert. So habe er an der Erstbefragung von drei, an der Anhörung von acht
Geschwistern gesprochen. An der Erstbefragung habe er angegeben, ab
dem Jahre 2003 für vier Jahre in [Ausland] gelebt zu haben, während er an
der Anhörung angegeben habe, immer in Sri Lanka gelebt zu haben. Zu
Beginn der Anhörung habe er zu Protokoll gebracht, von Geburt bis zur
Ausreise immer in E._ gelebt, sodann aber angegeben, von 2008
bis 2013 bei einem Priester in G._ gewohnt zu haben. An der im
[Verfahren des Dublin-Staats] erfolgten Anhörung wiederum habe er vor-
gebracht, sich ab 2007 jahrelang im Wald in H._ versteckt zu ha-
ben. An der Erstbefragung habe er sodann weder den Wahlkampf im Jahre
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2013 noch die Folgen erwähnt, hingegen an der Anhörung vorgebracht,
politisch aktiv gewesen zu sein. An der Erstbefragung habe er des Weite-
ren erklärt, im Jahre 2013 aus Sri Lanka ausgereist zu sein, weil ihn dieser
Priester nicht mehr habe beherbergen können, während er an der Anhö-
rung angegeben habe, vor seiner Ausreise bei N._ gewesen zu
sein. Es sei ihm schliesslich nicht gelungen, diese Widersprüchlichkeiten
aufzulösen. Zudem widersprächen wesentliche Punkte seiner Geschichte
der allgemeinen Lebenserfahrung oder der Logik des Handelns. So seien
seine angeblichen TNA-Tätigkeiten als auch die so leicht gelungene Flucht
vor dem CID zu bezweifeln. Nicht logisch sei zudem, dass N._ ihm
erst Jahre nach seiner Flucht aus dem Spital von der Suche der Behörden
nach ihm erzählt haben soll.
Der eingereichten Todesurkunde sowie dem Spitalbericht seiner Verlet-
zung von 2007 liessen sich auch keine Hinweise auf eine aktuelle Verfol-
gung entnehmen. Zwar sei der Tod seiner Angehörigen bedauerlich, er in-
diziere indessen keine aktuelle Verfolgung. Ebenso wenig liesse sich an-
hand seiner Verletzung auf eine Verfolgung seitens der sri-lankischen Be-
hörden schliessen. Schliesslich sei auch eine begründete Furcht vor künf-
tigen Verfolgungsmassnahmen zu verneinen, zumal keine Risikofaktoren
im Sinne der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung vorlägen.
Seine Tätigkeit für die LTTE sei als niederschwellig zu bezeichnen und
gehe nicht über das hinaus, was die übrige Bevölkerung für die LTTE getan
habe. Auch die angebliche Unterstützung der LTTE durch die Verwandten
von L._ vermöge keine begründete Furcht indizieren.
4.4
4.4.1 Diesen Erwägungen hält der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmit-
teleingabe zunächst entgegen, es würden im Rahmen dieses Beschwer-
deverfahrens neue Tatsachen ans Licht gebracht, die die Annahme, er
werde künftig keiner asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt, widerlege. Er
habe bisher verschwiegen, dass er LTTE-Kämpfer gewesen sei. Er wisse,
dass er wohl auch in der Schweiz durch Spione oder Überläufer der tami-
lischen Diaspora verraten werden könnte. Zudem hätten ihm Freunde ge-
raten, nicht seine gesamten Tätigkeiten bei den LTTE offenzulegen, an-
sonsten er allenfalls als asylunwürdig betrachtet werden könne. Es sei so-
mit nachvollziehbar, dass er dies vorher unterlassen habe. Als nicht
Rechtskundiger habe er nicht wissen können, dass das Verschweigen sol-
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cher Tatsachen ihm mehr Schaden als Nutzen bringen würde. Er habe be-
fürchtet, dass eine wichtige Information nach Sri Lanka geraten und seine
Familie erneuter Repression ausgesetzt werden könnte. Es sei möglich,
dass der sri-lankische Staat ihm eine ranghöhere Rolle bei den LTTE un-
terstelle, da bei langem Verschweigen einer LTTE-Tätigkeit oft darauf ge-
schlossen werde. Dies hätte schwerwiegende Konsequenzen für ihn. Als
ihm indessen der negative Entscheid zugestellt worden sei, sei ihm be-
wusst geworden, dass er nichts zu verlieren habe und es wagen müsse,
diese Elemente den Behörden preiszugeben. Daher seien diese neuen Tat-
sachen trotz verspäteten Vorbringens zu beachten.
4.4.2 In der Beschwerdeschrift wird die gesamte Verfolgungsgeschichte
nochmals eingehend dargelegt und mit an der Anhörung vor dem SEM
noch nicht vorgebrachten Elementen ergänzt. Sein in [europäischer Staat
J._] weilender [Verwandter] habe Probleme mit dem indischen Mi-
litär und die beiden in der [europäischer Staat K._] lebenden [Ver-
wandte] seien beide bei den LTTE gewesen. Er selbst sei zwischen 1987
und 1999, während 12 Jahren, LTTE-Mitglied gewesen, sei als Kämpfer
eingesetzt und sei bei einem Gefecht im Jahre 1999 von einer Bombe (...)
verletzt worden. Er verfüge über spezifisches Wissen betreffend seine
Truppe und sein Ausbildungscamp. Aufgrund der heute noch sichtbaren
Narbe auf der linken Brust-/Bauchseite habe das CID ihm anlässlich des
Vorfalls im Jahre 2007 eine LTTE-Mitgliedschaft unterstellt. Nur knapp
habe er dem CID aus dem Spital entfliehen und sich bis ins Jahr 2013 ver-
steckt halten können. Als dann ein White-Van bei N._ aufgetaucht
sei, habe er die Flucht ergriffen. Solche «White-Van-Abductions» seien in
mehreren-Berichten von Non-Governmental-Organisations (NGOs) doku-
mentiert worden. Somit reihe sich diese Begebenheit in ein Verfolgungs-
muster ein, welches in Sri Lanka bekannt sei. Der gegenüber dem Be-
schwerdeführer geäusserte Verdacht vonseiten der CID-Beamten weise
daraufhin, dass ihm asylrelevante Verfolgung drohe. Das entsprechende
Foto- und Videomaterial habe N._ aus Angst vor Verfolgung ver-
brannt, als der Beschwerdeführer vom CID aktiv gesucht worden sei.
Er erfülle somit gleich mehrere wichtige Risikofaktoren gemäss bundesver-
waltungsgerichtlicher Rechtsprechung. Als ehemaliger LTTE-Kämpfer mit
sichtbaren Narben drohe ihm bei einer Rückkehr eine asylrelevante Verfol-
gung. Diese Annahme würde durch den aktuellen Regierungswechsel und
die damit einhergehende Zunahme der Repression bestätigt. Dass sich be-
züglich Repression nichts verbessert habe, zeige auch der jüngste Eclat
im Zusammenhang mit der Angestellten der Schweizerischen Botschaft,
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die ebenfalls von einem White Van entführt worden sei. Die Bedrohung des
Beschwerdeführers durch den White Van habe die Flucht des Beschwer-
deführers kausal ausgelöst. Da die Bedrohung zudem von staatlichen Be-
hörden ausgegangen sei, sei auch eine innerstaatliche Fluchtalternative
ausgeschlossen.
4.4.3 Betreffend die von der Vorinstanz erwogene Unglaubhaftigkeit sei
vorab festzuhalten, dass widersprüchliche Aussagen zwischen Erstbefra-
gung und Anhörung nicht derart stark zu gewichten seien. Gemäss dem
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) sei ein solcher Fo-
kus konventionswidrig. Die Widersprüchlichkeiten seien erklärbar; so habe
er vier Geschwister in Sri Lanka, zwei in [europäischer Staat J._]
und zwei in [europäischer Staat K._]. Nach seiner Flucht vor dem
CID habe er sich an verschiedenen Orten versteckt gehalten, so auch im
Dschungel von H._ in der Nähe von E._ und I._, wo
der Priester gewesen sei. Soweit die Vorinstanz behaupte, es sei wider-
sprüchlich, dass er vor seiner Ausreise bei N._ gewesen sei und
gleichzeitig ausgesagt habe, er habe vom Priester in G._ nicht mehr
beherbergt werden können, sei dem Folgendes entgegen zu halten: An der
Befragung sei klar geworden, dass er nach seiner Genesung N._
habe besuchen wollen, zumal es ein sicherer Moment während des Wahl-
kampfes gewesen sei. Erst als er dort gesucht worden sei, sei er sich be-
wusst geworden, dass das Verfolgungsinteresse ihm gegenüber weiterbe-
standen habe, weswegen er die Flucht ergriffen habe. Dass er den Wahl-
kampf an der Erstbefragung nicht erwähnt habe, liege daran, dass er davon
ausgegangen sei, die Dokumente von [Dublin-Staat] würden ins Schweizer
Asylverfahren miteinbezogen. Dass er die Frage nach einer politischen Tä-
tigkeit mit «Nein» beantwortet habe, liege daran, dass er nur PolitikerInnen
als politisch tätig betrachte und das Plakataufhängen nicht als politische
Tätigkeit sehe. Der vorinstanzliche Vorwurf, es sei unlogisch, dass er so
einfach dem CID habe entfliehen können, entbehre jeglicher argumentati-
ven Grundlage und sei daher nicht überzeugend. Somit sei es ihm sehr
wohl gelungen, seine Verfolgung glaubhaft zu machen.
4.4.4 Im Zusammenhang mit einer allfälligen Asylunwürdigkeit sei sodann
festzuhalten, dass er bereits sehr jung rekrutiert worden sei, wobei fraglich
sei, inwiefern er überhaupt freiwillig für die LTTE gekämpft habe oder viel-
mehr zwangsrekrutiert worden sei. Seit seinem Ausscheiden habe er zu-
dem keine Kontakte mehr zu den LTTE gepflegt und sich bei politischen
Belangen – abgesehen von Unterstützungsleistungen für die TNA – zu-
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rückgehalten. Unter Berücksichtigung seiner familiären Situation könne da-
von ausgegangen werden, dass er höchstwahrscheinlich keine weiteren
Straftaten begehen werde. Es seien daher einige Elemente erkennbar, die
auch unter Berücksichtigung des Verhältnismässigkeitsprinzips gegen eine
Asylunwürdigkeit sprächen.
5.
5.1 Das Gericht schliesst sich den Erwägungen des SEM vollumfänglich
an.
5.1.1 Die Vorinstanz hat zunächst zutreffend die zahlreichen, den Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers innewohnenden Widersprüchlichkeiten be-
leuchtet. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann an dieser Stelle da-
rauf verwiesen werden (vgl. oben E. 4.3.1). Die diesbezüglich erhobenen
Rechtfertigungen in der Beschwerdeschrift (vgl. oben E. 4.4.3) vermögen
diese Unstimmigkeiten nicht aufzulösen. Auch wenn die verschiedenen An-
gaben über die Anzahl seiner Geschwister vielleicht tatsächlich auf Ver-
ständnisschwierigkeiten beruhen, lassen sich weder die divergierenden
Ortsangaben seiner Verstecke noch seine unterschiedlichen Angaben über
die Umstände vor seiner Ausreise schlüssig erklären. Ebenso wenig wird
ersichtlich, weshalb er die TNA-Tätigkeiten erst an der Anhörung vorge-
bracht hat. Dass er davon ausgegangen sei, die [Asylakten des Dublin-
Staats] würden im hiesigen Verfahren beigezogen, vermag angesichts der
Tatsache, dass ihm [Dublin-Staat] gemäss seinen eigenen Angaben mehr-
fach nicht geglaubt habe, nicht überzeugen. Vielmehr wäre diesbezüglich
zu erwarten, dass er versuchen würde, die Begebenheiten im Schweizeri-
schen Asylverfahren (nochmals) ausführlich darzulegen.
Die Unglaubhaftigkeit seiner Angaben wird auch – wie sich nachfolgend
ergibt und entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers, wonach unzuläs-
sigerweise primär auf Widersprüchlichkeiten abgestellt werde – durch die
teilweise fehlende innere Kohärenz seiner Erzählungen untermauert. Zwar
ist nicht von Vornherein in Abrede zu stellen, dass er im Jahre 2007 in eine
Militäraktion geraten ist und anschliessend hospitalisiert wurde, zumal
seine diesbezüglichen Ausführungen fliessend wirken und einen gewissen
Detailreichtum aufweisen (vgl. A27 F62 ff.). Indessen enthalten auch diese
Vorbringen Ungereimtheiten. Beispielsweise spricht er anlässlich der An-
hörung von einer Schussverletzung (vgl. a.a.O. F62), behauptet aber in
seiner Beschwerdeschrift, die Narben stammten von einer Bombe (vgl. Be-
schwerdeschrift S. 14). Sodann entbehren sowohl die Schilderungen zu
den Behelligungen durch das CID als auch zur Flucht aus dem Spital der
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notwendigen Stimmigkeit. Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, gab er vor
den [Behörden des Dublin-Staats] an, nach seiner Verletzung im Spital
nicht verhört worden zu sein, während er an der Schweizerischen Anhö-
rung das Gegenteil behauptete (vgl. A33 S. 7 und A27 F63 ff.). Weiter er-
scheint seltsam, dass er angesichts seiner behaupteten Angst vor Behelli-
gungen, die ihn angeblich dazu veranlasste, sich jahrelang zu verstecken,
für die TNA erneut politisch tätig geworden sein will. Auch leuchtet nicht
ein, warum er die entsprechende Frage, ob er politisch tätig war, an der
Erstbefragung verneint hatte. Zudem legt er in keiner Weise seine inneren
Beweggründe für sein politisches Engagement dar.
Warum er sich nach sechs Jahren, in denen er sich versteckt haben will
(2007 bis 2013), plötzlich sicher fühlte, erscheint trotz des «Verhaftungs-
verbots» nicht nachvollziehbar. Sodann wirkt auch das Vorbingen, ein
White Van sei vor dem Haus N._ vorgefahren, konstruiert, zumal er
in keiner Weise veranschaulicht, warum die Behörden erst nach sechs Jah-
ren bei N._ nach ihm gesucht haben sollen. Der entsprechende ex-
plizite Hinweis auf Beschwerdeebene, wonach dieses Ereignis kausal für
seine Ausreise gewesen sein soll, erweist sich vor dem Hintergrund des
Erwogenen als wenig überzeugend. Unbehelflich ist sodann das Vorbrin-
gen, N._ habe alle Beweismittel verbrannt.
5.1.2 Seine auf Beschwerdeebene formulierten Sachverhaltsergänzungen
vermögen nicht nachträglich die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen herzu-
stellen, zumal es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, darzulegen, wes-
halb er erst auf Beschwerdeebene seine angeblichen LTTE-Verbindungen
offengelegt hat. So überzeugt bereits die Erklärung, er sei sich als Rechts-
unkundiger der Nachteile des Verschweigens von gewissen Sachverhalts-
elementen nicht bewusst gewesen (vgl. oben E. 4.4.1), nicht, zumal er zu
Beginn der Befragungen auf seine Wahrheits- und Mitwirkungspflicht sowie
die Verschwiegenheitspflicht der Anwesenden ausdrücklich hingewiesen
worden war. Da er – insbesondere, nachdem ihm die [Behörden des Dub-
lin-Staats] nicht geglaubt hatten – alles Interesse daran hatte, eine Verfol-
gung glaubhaft zu machen, ist es nicht nachvollziehbar, dass er den Kern
der Asylgeschichte verschwiegen haben soll. Ferner vermag nicht zu über-
zeugen, dass ihn die angebliche Angst, Informationen könnten von der
Schweiz aus an die sri-lankischen Behörden weitergeleitet werden, von der
Offenlegung seiner wahren Asylgründe abgehalten haben sollte, zumal er
anlässlich der Anhörung keinerlei dahingehende Bemerkungen machte
und ja bewusst die Schweiz um Asyl ersuchte. Schliesslich wirkt auch der
angebliche Ratschlag seiner Freunde (ungeachtet der Tatsache, dass ihn
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ein solcher nicht von seiner Wahrheitspflicht entbindet) konstruiert, zumal
die Schweiz die grösste tamilische Diaspora beherbergt und somit davon
auszugehen ist, dass seine Freunde über die Schweizer Asylpraxis infor-
miert sind. Insgesamt vermögen seine auf Beschwerdeebene vorgebrach-
ten Erklärungen für seine verspäteten Vorbringen nicht die Vermutung um-
zustossen, dass er damit lediglich versucht, seinen Asylgründen im Nach-
hinein asylrelevante Substanz zu verleihen. Dessen ungeachtet sind die
Ausführungen in der Beschwerdeschrift zu seinen angeblichen Tätigkeiten
als LTTE-Kämpfer unpräzise und in keiner Weise durch Beweismittel un-
termauert. Der Beschwerdeführer muss sich deshalb auf seinen ursprüng-
lichen Aussagen behaften lassen. Die Sachverhaltsergänzungen (vgl.
oben E. 4.4) sind als nachgeschoben und daher insgesamt als unglaubhaft
zu qualifizieren.
5.1.3 Diese Einschätzung vermögen die eingereichten Beweismittel nicht
umzustossen (vgl. oben Bst. B.d). Diesbezüglich ist zur Vermeidung von
Wiederholungen vollumfänglich auf die entsprechenden zutreffenden Er-
wägungen der Vorinstanz zu verweisen (vgl. oben E. 4.3). Die geltend ge-
machten Narben wurden vom Beschwerdeführer schliesslich mit nachge-
reichten Fotos dokumentiert (vgl. oben Bst. F), indessen lassen diese al-
leine – insbesondere vor dem Hintergrund seiner zahlreichen unglaubhaf-
ten Aussagen – ebenfalls nicht auf eine asylrelevante Verfolgung schlies-
sen.
5.1.4 Die Vorinstanz hat demnach zu Recht festgestellt, dass es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, das Bestehen einer begründeten Furcht
vor Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden im Zeitpunkt seiner Aus-
reise glaubhaft zu machen. Vor diesem Hintergrund erübrigt es sich, auf
die Ausführungen des Beschwerdeführers betreffend Asylunwürdigkeit ein-
zugehen (vgl. oben E. 4.4.4).
5.2 Zu prüfen bleibt, ob ihm im Zeitpunkt einer Rückkehr ernsthafte Nach-
teile drohen würden.
5.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri
Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der
Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer
ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien
(vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Ri-
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Seite 14
sikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaf-
tung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei han-
delt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintli-
chen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teil-
nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um das Vorlie-
gen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicher-
weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin-
dung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren). Einem gestei-
gerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausser-
dem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri
Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt
werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM)
nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben
(sog. schwach risikobegründende Faktoren). Diese Rechtsprechung gilt
auch unter Berücksichtigung der seitherigen politischen Entwicklung in Sri
Lanka und wird in den neusten Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts
bestätigt.
5.2.2 Wie bereits ausgeführt, konnte der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt
der Ausreise keine Verfolgung oder Verfolgungsfurcht glaubhaft machen.
Er weist sodann kein politisches Profil, insbesondere kein LTTE-Profil auf,
welches bei den sri-lankischen Behörden zu der Einschätzung führen
könnte, dass er den tamilischen Separatismus wiederaufleben lassen
könnte und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährdet. Mit Blick auf die
Risikofaktoren sind in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Na-
men in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" vermerkt sind
und deren Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen
Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder ver-
muteten Verbindung zu den LTTE enthält. Entsprechendes gilt auch für sri-
lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt ha-
ben. Beide Risikofaktoren sind vorliegend zu verneinen. Alleine aus der ta-
milischen Ethnie und der längeren Landesabwesenheit kann der Be-
schwerdeführer ebenfalls keine Gefährdung ableiten. Zu den vorgebrach-
ten Körpernarben ist festzuhalten, dass diese für sich alleine aufgrund ih-
res Charakters als schwache Risikofaktoren auch keine Verfolgung auslö-
sen, zumal sie nicht gut erkennbar sind. Es ist insgesamt nicht davon aus-
zugehen, dass ihm im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen.
5.2.3 Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Prä-
sidenten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka
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kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; <https://www.
theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-raja-
paksa-premadas-count-continues >, abgerufen am 15. September 2020).
Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehemaligen
Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war,
Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen
Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zu-
dem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegs-
verbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen
(vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020).
Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda
zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa,
in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja-
paksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche
Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. < https://www.aninews.
in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-ra-
japksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/ >, abgerufen am
15. September 2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minderheiten
befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwa-
chung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen
und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen
(vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt
Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya
Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl.
NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020).
5.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri
Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und be-
rücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen
Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefähr-
dungslage auszugehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil
ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren
(vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri
Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt
es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-
gen besteht. Diesbezüglich konnte der Beschwerdeführer nichts Konkretes
geltend machen. Dem vom Beschwerdeführer eingereichten Bericht der
https://www/
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Rechtsvertreterin zur Menschenrechtslage (vgl. oben Bst. D) und betref-
fend der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Entführung der
Schweizerischen Botschaftsangestellten mit einem White-Van fehlt es
ebenfalls an persönlichem Bezug.
5.3 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, das
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigen-
schaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs.
1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-
linge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwendbar. Die
Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver-
fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV;
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
7.2 Der Vollzug der Wegweisung durch eine Rückschaffung nach Sri Lanka
ist unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig, weil der Beschwerde-
führer – wie zuvor dargelegt – dort keinen Nachteilen im Sinne von
Art. 3 AsylG ausgesetzt wäre. Aus den Vorbringen des Beschwerdeführers
ergeben sich ausserdem auch keine konkreten und gewichtigen Anhalts-
punkte für die Annahme, dass er im Falle einer Ausschaffung nach Sri
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Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbo-
tenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. Entscheidungen und
Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001
Nr. 16 S. 122, 2001 Nr. 17 S. 130 f.; aus der Praxis des EGMR etwa die
Urteile i.S. Bensaid, Rep. 2001-I, S. 303, sowie i.S. Saadi vom 28. Februar
2008 [Grosse Kammer], Beschwerde Nr. 37201/06, Ziff. 124 ff., jeweils
m.w.N.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt
den Wegweisungsvollzug nach Einschätzung des Bundesverwaltungsge-
richts nicht als unzulässig erscheinen (BVGE 2011/24 E. 10.4). Ebenso hat
der EGMR wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen
sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung, son-
dern dass jeweils im Einzelfall eine Risikoeinschätzung vorzunehmen sei
(vgl. Urteil R.J. gegen [Dublin-Staat] vom 19. September 2013, Be-
schwerde Nr. 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Vorbringen des Be-
schwerdeführers noch in anderweitiger Hinsicht ergeben sich konkrete An-
haltspunkte dafür, dass er im Falle einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer gemäss der EMRK oder der FoK
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre.
7.3 Somit besteht kein Grund zur Annahme, die allgemeinen politischen
Entwicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf den
Beschwerdeführer auswirken (wie oben unter E. 5.2.3 dargelegt). Der Voll-
zug der Wegweisung ist somit sowohl im Sinne der asylgesetzlichen als
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den
LTTE ist im Mai 2009 beendet worden. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder
Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Der Wegweisungsvollzug in
die Nordprovinz ist zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumut-
barkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen Beziehungsnet-
zes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsitua-
tion) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer vom 15. Juli 2016
E-1866/2015 E. 13.).
7.5 Die Vorinstanz ist in ihrer Erkenntnis zu stützen, wonach beim Be-
schwerdeführer eine individuelle Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
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gegeben ist. Der aus B._, Nordprovinz, stammende Beschwerde-
führer hat den grössten Teil seines Lebens dort verbracht und angeblich
auch in G._ ebenfalls in der Nordprovinz gelebt. Gemäss seinen
Angaben stammt er aus einer wohlhabenden Familie und hat sich stets
beruflich betätigt, sei es als Fischer, Maler oder Kokosnussverkäufer. Sei-
nen Angaben zufolge lebt N._ im eigenen Haus, womit davon aus-
zugehen ist, dass er bei einer Rückkehr ein tragfähiges Beziehungsnetz
vorfindet und wieder bei [Verwandter N._] wohnen kann. Schliess-
lich sind auch keine vollzugshindernden gesundheitlichen Beschwerden
aktenkundig.
7.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
7.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung (vgl. Art. 65 Abs.
1 und 2 VwVG) sind unbesehen der finanziellen Verhältnisse des Be-
schwerdeführers abzuweisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehen-
den Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist und es daher an einer
gesetzlichen Voraussetzung für deren Gewährung fehlt.
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