Decision ID: 3625afbc-4cdd-4a4c-a3da-d9c1ea232910
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christoph Anwander, Bahnhofstrasse 21,
Postfach 21, 9101 Herisau,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im Juni 1993 zum Leistungsbezug bei der
Invalidenversicherung an (IV-act. 4). Nach Durchführung von medizinischen und
erwerblichen Abklärungen (vgl. IV-act. 30, 39) eröffnete die IV-Stelle des Kantons St.
Gallen der Versicherten mit Verfügung vom 22. Januar 1997, das Leistungsbegehren
(berufliche Massnahmen, Rente) werde abgewiesen (IV-act. 42). Diese Verfügung
erwuchs in Rechtskraft.
A.b Am 19. November 2007 meldete sich die Versicherte erneut zum IV-
Leistungsbezug an (IV-act. 44). Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, hatte im
Bericht vom 17. August 2007 eine depressive Episode mit multiplen
psychosomatischen Symptomen und belastender Familiensituation diagnostiziert. Die
Versicherte leide an Migräne, Refluxoesophagitis, funktionellen Bauchbeschwerden,
Beinszen und Schlafstörungen (IV-act. 54-9/23). Nach Durchführung von medizinischen
Abklärungen stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 24. Oktober 2008 die Abweisung
des Rentengesuchs in Aussicht. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 55'200.-- und
einem Invalideneinkommen von Fr. 38'274.-- (basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von
75 %) resultiere ein Invaliditätsgrad von 31 % (IV-act. 85). Nachdem die Versicherte
hiergegen Einwände hatte vorbringen lassen (IV-act. 90) und der RAD hierzu Stellung
genommen hatte (IV-act. 92), verfügte die IV-Stelle am 5. Januar 2009 im Sinn des
Vorbescheides (IV-act. 93).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt lic. iur. Ch. Anwander-Walser für die
Versicherte mit Eingabe vom 4. Februar 2009 Beschwerde mit den Anträgen, die
Verfügung sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei eine ganze Rente
auszurichten. Eventuell sei die Streitsache zur Neubeurteilung an die
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Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung legte der Rechtsvertreter unter
anderem dar, bei der Beschwerdeführerin lägen somatische Beschwerden vor. So leide
sie schon jahrelang unter einer gastroösophagealen Refluxkrankheit und einer
klassischen Migräne mit Aura sowie Spannungstyp-Kopfschmerzen. Sodann würden
die verschiedenen Gutachten psychiatrischer Natur eindeutig beweisen, dass die
Beschwerdeführerin bereits seit Jahren unter verschiedenen psychiatrischen
Krankheiten massiv leide. Die Gutachten würden zudem belegen, dass sich die
psychischen Leiden auf die Arbeitsfähigkeit nachteilig auswirken würden. Ein sozialer
Rückzug in allen Belangen des Lebens liege ebenfalls vor. Sie befinde sich seit Jahren
in ständiger ärztlicher Behandlung. Alle bisherigen ärztlichen Bemühungen hätten
jedoch keinen Erfolg gebracht. Dabei sei die Beschwerdeführerin bemüht gewesen,
sich in den Arbeitsprozess zu integrieren. Auch ein "aggravatorisches Verhalten" liege
nicht vor. Es bleibe unverständlich, wie die Medas in ihrem Gutachten vom 18. August
2008 trotzdem zum Ergebnis gelange, die psychischen Leiden seien aus IV-rechtlicher
Sicht nicht von Bedeutung. Unverständlich sei auch, wieso sich die Medas nicht auf
medizinische Sachverhalte beschränke, sondern auch noch eine rechtliche Würdigung
abgebe. Bei korrekter Würdigung der Kriterien stehe fest, dass die Beschwerdeführerin
nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfüge,
was ihr den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess verunmögliche. Sie sei vor allem
nicht damit einverstanden, dass sich ihr Einkommen mit Behinderung auf Fr. 38'274.--
belaufen solle. Es sei auch das psychische Leiden zu berücksichtigen und der IV-Grad
neu zu berechnen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 30. März 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie unter
anderem aus, nachdem die Beschwerdeführerin bereits 1996 von der Medas als zu 75
% arbeitsfähig beurteilt worden sei, IV-Leistungen rechtskräftig abgewiesen worden
seien und die Medas-Begutachtung im Jahr 2008 keine grössere Arbeitsunfähigkeit
ergeben habe, bestehe nach wie vor kein Anspruch auf IV-Leistungen. Dass die
Beschwerdeführerin aufgrund von IV-fremden Faktoren keiner Erwerbstätigkeit mehr
nachgehe, sei nicht massgebend. Es sei auf das Medas-Gutachten abzustellen.
B.c Mit Replik vom 19. Mai 2009 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seinen Standpunkt. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine
Duplik.
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Erwägungen:
1.
1.1 In materiell-rechtlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der
Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids bzw. im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 127 V 467
Erw. 1, 126 V 136 Erw. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung erging am 5.
Januar 2009, wobei im Wesentlichen ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, ist für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen
und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur
4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; seit 1. Januar 2007: sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom
7. Juni 2006 [I 428/04] Erw. 1). Diese übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen keine
materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der
Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende
2007 gültig gewesenen Rechtslage brachte. Nachfolgend werden die seit 1. Januar
2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
1.2 Streitig ist vorliegend, ob bei der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der
Neuanmeldung vom 19. November 2007, auf welche die Beschwerdegegnerin eintrat
und das Gesuch materiell prüfte, eine rentenbegründende Invalidität vorliegt. Ebenso
wie bei einer Rentenrevision nach Art. 17 ATSG setzt auch eine Rentenzusprechung
aufgrund einer Neuanmeldung nach vorangegangener Ablehnung eines Rentengesuchs
gemäss Art. 87 Abs. 4 IVV in Verbindung mit Abs. 3 dieser Bestimmung voraus, dass
seit der letzten rechtskräftigen Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des
Anspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108 Erw. 5, 130 V 71
Erw. 3.2.3), eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, welche zu
einem höheren Invaliditätsgrad führt, der nunmehr einen Rentenanspruch begründet
(BGE 133 V 108 Erw. 5). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung
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der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird nach Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Bei Teilerwerbstätigen (bzw. bei Personen, die ohne die
Behinderung teilerwerbstätig wären) bemisst sich die Invalidität für den
nichterwerblichen Teil nach der Einschränkung im bisherigen Aufgabenbereich
(sogenannte 'gemischte Methode', Art. 27 i.V.m. Art. 27 IVV).
2.
2.1 Eine Medas-Begutachtung der Beschwerdeführerin vom Februar/März 1996
ergab gemäss Bericht vom 22. Juli 1996 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die
Diagnosen einer Migräne mit Aura, von Spannungstyp-Kopfschmerzen, zum Teil
wahrscheinlich analgetikabedingt sowie eines komplexen somato-psychischen
Krankheitsbildes. Als Nebendiagnosen ohne wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit wurden ein Schmerzmittelabusus, anamnestisch der Verdacht auf
Erythema nodosum, ein Urininfekt sowie eine leichte Hypercholesterinämie aufgeführt.
Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, welche durch den Neurologen und den
Psychiater festgehalten würden, sei gering und überschneide sich in dem Sinn, dass
zum Teil die gleichen Leiden (Cephalea) beurteilt würden. Bei sonst normaler
Untersuchung werde die gesamte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf 25 %
beziffert. Dies beziehe sich sowohl auf die bisherigen Tätigkeiten als auch auf
Verweistätigkeiten (IV-act. 30). In einem Bericht vom 27. November 1996 vermerkte der
Berufsberater der IV-Stelle unter anderem, die stützende Eingliederungsarbeit, die von
der Medas vorgeschlagen werde, sei mangels Kooperation und offensichtlicher
Leidensfixierung seitens der Beschwerdeführerin nicht durchführbar.
Eingliederungsbemühungen seien unter diesen Umständen nicht erfolgversprechend
(IV-act. 39).
bis
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2.2 Dr. med. C._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, kam in einem Gutachten
zuhanden der Krankentaggeldversicherung vom 5. September 2007 zum Schluss, die
Beschwerdeführerin leide an einem psychosomatischen Syndrom mit chronisch-
depressiver Verstimmung und Fatigue-Symptomatik bei ausgeprägter psychosozialer
Belastungssituation (familiäre Überlastung und ständige Bedrohung durch die Familie
des Kindsvaters, Streitfall um das zweite Kind mit Schikane und Bedrohung). Im
Vordergrund stünden schwere gastroösophagale Dyskinesien mit Refluxösophagitis
und profusem Erbrechen, auch im Zusammenhang mit zunehmenden klassischen
Migräne-Attacken. Sodann bestünden gastrointestinale Dyskinesien mit Colon irritabile
im Zusammenhang mit dem psychosomatischen Syndrom sowie eine unklare
episodische Infektneigung im Bereiche Haut, Hautanhangsgebilde, Urogenitaltrakt und
unterem Respirationstrakt. Bis zur weiteren Abklärung und einer multimodalen
Behandlungsstrategie sei die Patientin weiterhin arbeitsunfähig, da ihre energetischen
Reserven keine weitere Belastung zulassen würden. Er (der Arzt) denke, dass
spätestens nach einem Jahr eine 50 %ige Anstellung (als Kauffrau) begonnen werden
könne (IV-act. 54-16/23ff, 58-9/17ff). In einem Bericht vom 3. November 2007
zuhanden der Krankentaggeldversicherung führte der die Beschwerdeführerin seit
September 2007 behandelnde Arzt Dr. med. D._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, unter anderem aus, bei der Beschwerdeführerin bestehe eine
mittelschwere bis schwere depressive Episode mit somatischem Syndrom. Zur Zeit sei
die Beschwerdeführerin nur im Stand, für sich und ihre Kinder zu schauen und den
Haushalt zu besorgen. Eine weitere Arbeitsfähigkeit sei nicht gegeben. Er denke, dass
spätestens nach einem Jahr eine 50 %-Anstellung begonnen werden sollte (IV-act.
54-4/23, 58-7/17f). Der Hausarzt Dr. B._ bescheinigte im Bericht vom 13. Dezember
2007 eine volle Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin vom 18. Dezember 2006 bis
anhin. Die gesundheitliche Störung zeige sich durch sehr rasche Erschöpfung,
Abdominalschmerzen und rasche Überforderung. Die Patientin habe den bisherigen
Arbeitsplatz krankheitshalber verloren. Nach (gastroenterologischer) Abklärung und
Behandlung sowie Beruhigung der familiären Situation könnte die Beschwerdeführerin
teilzeitlich Büroarbeiten oder Servicearbeiten erledigen. Zur Zeit sei sie höchstens
20-30 % leistungsfähig (IV-act. 58-1/17ff).
Im Bericht vom 26. Januar 2008 bestätigte Dr. D._ unter anderem, dass die seit
mehreren Jahren bestehende ausgeprägte Somatisierungsstörung (mit Auswirkung auf
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die Arbeitsfähigkeit) sich seit einem Jahr verschlechtert habe. Die Beschwerdeführerin
sei seit 18. Dezember 2006 (Gutachten Dr. C._) arbeitsunfähig. Sie stehe bei ihm seit
dem 8. September 2007 in Behandlung. Er sehe zur Zeit keine adaptierte Tätigkeit (IV-
act. 60). Am 20. Februar 2008 bescheinigte die ehemalige Arbeitgeberin, dass das
Arbeitsverhältnis (Beschäftigungsgrad von 100 %) wegen langanhaltender
Abwesenheit der Beschwerdeführerin aufgelöst worden sei (IV-act. 63). Eine
Untersuchung durch die RAD-Ärztin Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, ergab gemäss Bericht vom 17. März 2008 die Diagnosen einer
Somatisierungsstörung, von Problemen in Bezug auf den engeren Familienkreis und
einen Verdacht auf schädlichen Gebrauch von nichtabhängigkeitserzeugenden
Substanzen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe neben der Somatisierungsstörung in
der aktuellen Untersuchung keine schwerwiegende psychiatrische Komorbidität. Die
Beschwerdeführerin erfülle auch nicht die Zusatzkriterien, um eine Willensanspannung
zur Überwindung der Erkrankung verneinen zu können. Somit liege grundsätzlich aus
psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor; die
Eingliederungsfähigkeit sei ab sofort gegeben. Zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
aus somatischer Sicht sei eine polydisziplinäre Begutachtung oder RAD-Untersuchung
empfehlenswert. Der Konsum der diversen Schmerzmittel sei dringend
überprüfenswert (IV-act. 67). Im MEDAS-Gutachten vom 18. August 2008 wurden die
Hauptdiagnosen (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) einer gastroösophagealen
Refluxkrankheit sowie eine Migräne mit Aura und Cephalea vom Spannungstyp
(Differentialdiagnose: zusätzlich analgetikainduzierte Cephalea) angeführt. Als
Nebendiagnosen (ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) wurden eine
somatoforme autonome Funktionsstörung des oberen und unteren
Gastrointestinaltrakts, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, eine
rezidivierende depressive Störung, eine Persönlichkeit mit histrionischen, passiv-
aggressiven und paranoiden Zügen, gastrointestinale Dyskinesien (Colon irritabile), ein
leichtes Cervikovertebralsyndrom, ein Nikotinabusus, ein anamnestisch mögliches
rezidivierendes Erythema nodosum, eine anamnestisch leichte Hypercholesterinämie,
anamnestisch rezidivierende Harnwegsinfekte sowie ein Status nach Myomexzision
(ca. 1999), Probe-Exzision Unterschenkel links (1992), Verbrühungen am Oberkörper
und Arm links (1976), eine Rissquetschwunde am Kinn sowie anamnestisch eine
Handgelenkskontusion sowie dreimalige Zehenfraktur vermerkt. Weder aus
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somatischer noch aus psychiatrischer Sicht sei eine über die im MEDAS-Gutachten
vom 22. Juli 1996 attestierte Einschränkung von 25 % hinausgehende
Arbeitsunfähigkeit sowohl in der zuletzt ausgeführten Tätigkeit als auch in
Verweistätigkeiten nachvollziehbar. Im Vordergrund stünden die somatoforme
autonome Funktionsstörung und die anhaltende somatoforme Schmerzstörung, welche
zwar Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrisch-therapeutischer Sicht
hätten, nicht aber aus IV-rechtlicher Sicht gemäss BGE 130 V 352. Aus psychiatrischer
Sicht bestehe eine gewisse Diskrepanz zwischen den objektivierbaren Befunden und
dem zu diagnostizierenden Syndrom. Der psychiatrische Konsiliarius habe keine
schwerwiegende psychiatrische Komorbidität oder eine schwere psychiatrische
Erkrankung bzw. schwere Persönlichkeitsstörung diagnostizieren können. Er könne die
durch den behandelnden Psychiater und den Hausarzt attestierten
Arbeitsunfähigkeiten nicht nachvollziehen. Die rezidivierende depressive Störung sei
nach Ansicht des psychiatrischen Konsiliarius auf die psychosoziale
Belastungssituation zurückzuführen, weshalb eine schwere psychiatrische
Komorbidität nicht vorliege. Die psychosozialen Belastungsfaktoren würden die
depressiven Reaktionen nicht als eigenständige Erkrankung erscheinen lassen. Eine
psychiatrische Therapie werde im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit infolge des fixierten
Krankheitsverständnisses der Beschwerdeführerin als nicht erfolgversprechend
erachtet. Berufliche Massnahmen seien nicht zu empfehlen, da die Prognosen von
längerfristigen Rehabilitationsbemühungen infolge des Krankheitsverständnisses der
Beschwerdeführerin und der momentanen psychosozialen Belastungssituation
schlecht seien (IV-act. 81-16/29).
3.
3.1 Hinsichtlich Berufstätigkeit der Beschwerdeführerin in den Jahren von 1997
(Rentenablehnung) bis 2007 (Neuanmeldung bei der Invalidenversicherung) sind die
Jahre 1997 bis 2002 nicht dokumentiert. Aus den Akten ergibt sich, dass die
Beschwerdeführerin ab 2002 als Selbständigerwerbende ein Restaurant betrieb. Nach
der Geburt der zweiten Tochter (2003) bezog sie nach ihren Angaben
Sozialhilfeleistungen. Vom 1. November 2006 bis 31. Januar 2007 war sie als
Sekretariatsmitarbeiterin in einer Privatunternehmung tätig. Die Arbeitgeberin hatte das
Arbeitsverhältnis wegen krankheitsbedingter Absenzen gekündigt. Seither war die
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Beschwerdeführerin nicht mehr berufstätig (IV-act. 52-1/3, 60-3/9, 63-2/14, 81-3/29).
Aufgrund der medizinischen Berichte ist davon auszugehen (IV-act. 58-1/17, 63), dass
sich ihre gesundheitliche Situation seit der Medas-Begutachtung 1996 eher
verschlechterte. Streitig ist der Umfang der Verschlechterung bzw. die Frage, ob sich
seit der erstmaligen Rentenablehnung (Verfügung vom 22. Januar 1997) eine
rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit ergab. Zu prüfen sind dabei die Verhältnisse bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung (5. Januar 2009). Der im Medas-Gutachten
1996 auf 25 % geschätzten Arbeitsunfähigkeit lagen die Diagnosen einer Migräne mit
Aura, von Spannungstyp-Kopfschmerzen und eines komplexen somato-psychischen
Krankheitsbildes zugrunde (IV-act. 30). Für die von ihm ab 18. Dezember 2006
bescheinigte volle Arbeitsunfähigkeit stützte sich der Hausarzt Dr. B._ auf die
Diagnosen (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) einer mittelschweren bis schweren
Depression mit somatischem Syndrom (seit Mitte 2006 bestehend), von massiven
gastro-oesophagealen Dyskinesien mit Reflux-oesophagitis (seit Herbst 2006
bestehend), eines Colon irritabile (seit 2004 bestehend), einer Migräne mit Aura (seit der
Pubertät) und von Harnwegsinfekten (seit ca. 1990 bestehend; IV-act. 58-1/17). Hierbei
bezog er sich implizit auch auf spezialärztliche Befunde des Internisten Dr. C._ und
des Psychiaters Dr. D._, welche unter anderem ein psychosomatisches Syndrom mit
chronisch-depressiver Verstimmung (Bericht vom 5. September 2007; IV-act.
54-16/23ff) bzw. eine mittelschwere bis schwere depressive Episode mit somatischem
Syndrom und eine seit mehreren Jahren bestehende und seit einem Jahr
verschlechterte Somatisierungsstörung (Berichte vom 3. November 2007 und 26.
Januar 2008; IV-act. 54-4/23, 60) bescheinigten. Sowohl Dr. C._ als auch Dr. D._
verneinten in den Berichtszeitpunkten eine Arbeitsfähigkeit, erachteten jedoch
mittelfristig eine 50 %ige Tätigkeit als realisierbar. Auch die RAD-Ärztin Dr. E._
erachtete eine Somatisierungsstörung als gegeben, wobei sie diese als überwindbar
einschätzte (IV-act. 67). Im Medas-Gutachten 2008 wurden unter anderem eine
somatoforme Schmerzstörung und eine rezidivierende depressive Störung lediglich als
Nebendiagnosen (ohne wesentliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) aufgeführt. Die
aus ihrer Sicht seit 1996 unveränderte Arbeitsunfähigkeit von 25 % in allen Tätigkeiten
begründeten die Medas-Gutachter mit Hinweis auf die Refluxkrankheit, die Migräne mit
Aura und Cephalea vom Spannungstyp (IV-act. 81).
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3.2 Die geschilderte Aktenlage zeigt insgesamt, dass neben den langjährigen
psychosomatischen Gesundheitsproblemen bei der Beschwerdeführerin nunmehr auch
eigentliche psychiatrische Befunde (somatoforme Schmerzstörung, rezidivierende
depressive Störung wechselnden Ausmasses) zur Diskussion stehen, welche im
Zeitpunkt der Rentenablehnung im Jahr 1997 noch nicht vorlagen. Ein psychischer
Gesundheitsschaden führt nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit, als angenommen
werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten
Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 50 Erw. 1.2 mit Hinweisen).
Wie jede andere psychische Beeinträchtigung begründet eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung - wie sie bei der Beschwerdeführerin diagnostiziert wurde - als solche
noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung
überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und
konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar
machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den
Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt,
entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die
Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung
und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, wie chronische
körperliche Begleiterkrankungen, ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit
unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung, ein
sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht
mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch
aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die
Krankheit"), das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder
stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz
kooperativer Haltung der versicherten Person (BGE 130 V 352 Erw. 2.2.3). Je mehr
dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde
darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare
Willensanstrengung zu verneinen (Ulrich Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der
Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, in: Schmerz und
Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 77).
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3.3 Der psychiatrische Konsiliararzt der Medas verneinte - bei Vorliegen einer aus
psychiatrisch therapeutischer Sicht an sich arbeitsunfähigkeitsbegründenden
somatoformen autonomen Funktionsstörung bzw. einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung - eine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung
und Dauer. Er verneinte eine daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit aus "IV-
rechtlicher" Sicht (Verweis auf die einschlägige Rechtsprechung), wobei er festhielt, es
sei gut nachfühlbar, dass sich die Beschwerdeführerin zeitweise richtig krank fühle und
ausserstande sei, neben der Kinderbetreuung noch einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen. Eine mindestens teilweise Arbeitsunfähigkeit, wie sie Dr. C._ und Dr.
D._ attestiert hätten, sei effektiv vorhanden. Das Problem bestehe darin, dass
aufgrund der Rechtsprechung mit den psychosomatischen Diagnosen keine
Arbeitsunfähigkeit mehr begründet werden könne und dass hier überwiegend
versicherungsfremde psychosoziale Belastungsfaktoren im Spiel seien, welche die
depressiven Reaktionen nicht als eigenständige Krankheit erscheinen lassen würden.
Dementsprechend verneinte er eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit durch die
rezidivierende depressive Störung (aktuell mittelschweren Ausmasses mit somatischem
Syndrom) sowie deren Charakter als eigenständige Krankheit mit Hinweis auf
versicherungsfremde Belastungsfaktoren (IV-act. 81-27/29f).
3.4 Depressive Stimmungslagen sind nach der Rechtsprechung in der Regel
(reaktive) Begleiterscheinungen einer somatoformen Schmerzstörung (bzw. Ausdruck
und Begleitsymptome des Schmerzgeschehens) und können keine selbstständige, vom
Schmerzsyndrom losgelöste psychische Komorbidität darstellen (vgl. BGE 130 V 358
Erw. 3.3.1). Es kann aber auch sein, dass sie sich aufgrund ihres Schweregrades von
einer somatoformen Störung unterscheiden lassen (Urteil des EVG i/S D. vom 20. April
2004 [I 805/04] E. 5.2.1). Es stellt sich damit die Frage, inwiefern konkret eine
unabhängig von der somatoformen Schmerzstörung bestehende Depression zu
bejahen ist. Hierbei ist von Bedeutung, dass die psychiatrische Exploration von der
Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem
begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum,
innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich,
zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Daher
und unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und
Abklärungsauftrag (BGE 124 I 175 Erw. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001 [I 506/00])
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kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets
dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die
behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an
solchen vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält
es sich hingegen, wenn die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte
vorbringen, welche im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben
und die geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des EVG
vom 13. März 2006 [I 676/05] Erw. 2.4).
3.5 Bei der rezidivierenden depressiven Störung der Beschwerdeführerin handelt es
sich, wie die geschilderte Aktenlage zeigt, um ein mehrjähriges, im Zeitverlauf von
mittelschwer bis schwer schwankendes Geschehen (vgl. vorstehende Erw. 3.1), wobei
der psychiatrische Konsiliararzt der Medas das depressive Zustandsbild (wegen der
Verdeutlichungstendenz) zum grössten Teil auf die psychosoziale Belastungssituation
mit familiären Zwistigkeiten und materiellen Zukunftsängsten zurückführte.
Diesbezüglich ist vorab festzuhalten, dass der Hinweis auf belastende psychosoziale
Faktoren für sich allein nicht genügt, um eine ausnahmsweise invalidisierende Wirkung
des psychogenen Teils des Schmerzleidens auszuschliessen, ist doch eine
gesamthafte Prüfung der Sachlage nach den von der Rechtsprechung formulierten
Kriterien vorzunehmen (BGE 131 V 49 und 130 V 352; Urteil des Bundesgerichts vom
30. Juni 2008 i/S M. [9C_25/2008] Erw. 3.2). Bei der IV-rechtlichen Beurteilung der
invalidisierenden Wirkung anhaltender somatoformer Schmerzstörungen oder sonstiger
vergleichbarer pathogenetisch (ätiologisch) unklarer syndromaler Zustände darf sodann
nicht unbesehen auf die ärztlichen - selbst die gutachterlich attestierten -
Einschätzungen abgestellt werden, zumal der Invaliditätsbegriff rechtlicher Natur ist
(Art. 8 ATSG) ist und nicht zwingend mit dem medizinischen Krankheits- oder
Invaliditätsverständnis übereinstimmt. Vielmehr hat die rechtsanwendende Behörde
zunächst die - aufgrund der medizinischen Aktenlage zu beantwortende - Frage zu
prüfen, ob und inwieweit bei der versicherten Person nebst der diagnostizierten, allein
nicht invalidisierenden anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zusätzliche
psychische Beeinträchtigungen im Sinn des rechtsprechungsgemässen
Kriterienkatalogs vorliegen, welche einer adäquaten Schmerzbewältigung objektiv
entgegenstehen. Die weitere Frage, ob eine allenfalls festgestellte psychische
Komorbidität hinreichend erheblich ist und/oder einzelne oder mehrere der
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festgestellten weiteren Kriterien in genügender Intensität und Konstanz vorliegen, um
gesamthaft den Schluss auf eine nicht mit zumutbarer Willensanstrengung
überwindbare Schmerzstörung und somit auf eine invalidisierende
Gesundheitsschädigung zu gestatten, ist rechtlicher Art. Ihre abschliessende
Beantwortung obliegt damit nicht den Ärztinnen und Ärzten, sondern den
rechtsanwendenden Behörden (Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2008 i/S
K. [9C_820/2008] Erw. 4.1 mit Hinweisen). Wenn es an der erforderlichen Erheblichkeit
der Schwere, Ausprägung und Dauer der Komorbidität fehlt, ist nach der
Rechtsprechung eine invalidisierende Wirkung der Gesundheitsschädigung nicht
gegeben, selbst wenn eine mittelschwere depressive Episode als selbständiges, von
der somatoformen Schmerzstörung losgelöstes Leiden vorliegt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 4. August 2010 i/S B. [8C_144/2010] Erw. 3.5).
3.6 Ärztliche Behandlungsmassnahmen ab 2006 führten bei der Beschwerdeführerin
nicht zu positiven Ergebnissen, und sie stand im Zeitpunkt der Medas-Begutachtung
2008 nach wie vor in psychiatrischer Behandlung (IV-act. 81-3/29f, 81-5/29ff), wobei
die Gutachter eine gastroösophageale Refluxkrankheit sowie eine klassische Migräne
mit Aura und Spannungstyp-Kopfschmerzen bejahen. Anhaltspunkte für einen
mehrjährigen, chronifizierten Krankheitsverlauf mit weitgehend unveränderter
Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung lassen sich somit mit Bezug auf die
Schmerzproblematik der Beschwerdeführerin nicht in Abrede stellen, auch wenn dieser
Verlauf für Somatisierungsstörungen als "diagnosespezifisch" (ICD-10: F45.0/F.45.1;
Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2007 [I 937/06] Erw. 4.3) erachtet wird.
Ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens lässt sich den Akten demgegenüber
nicht entnehmen, auch wenn erhebliche soziale (familiäre) Schwierigkeiten vorliegen
(vgl. IV-act. 81-20/29, 81-27/29) und die Beschwerdeführerin sich zu einem gewissen
Grad von ihrem Freundeskreis isoliert hat (IV-act. 54-3/23).
Gestützt auf die von ihm gemachten Feststellungen und derjenigen der RAD-
Gutachterin verneinte der Medas-Gutachter eine selbstständige, vom Schmerzsyndrom
losgelöste psychische Komorbidität aufgrund der rezidivierenden Depression. Der
Medas-Psychiater schätzte einerseits die im Begutachtungszeitpunkt mittelschwere
depressive Störung medizinisch-theoretisch als variabel bis reversibel ein (IV-act.
81-28/29), hielt andererseits prognostisch dennoch fest, dass eine weitere
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Chronifizierung der Schmerzen und des depressiven Zustandes zu erwarten sei (IV-act.
81 -29/29, 81-16/29). Von einer blossen Episode kann angesichts des mehrjährigen, im
Begutachtungszeitpunkt und auch später andauernden Verlaufs und der erwähnten
Prognose nicht gesprochen werden, so dass sich auch das Vorliegen eines gefestigten,
nicht mehr angehbaren innerseelischen Verlaufs (missglückte, psychisch aber
entlastende Konfliktbewältigung) und damit eine selbständige, vom Schmerzsyndrom
losgelöste psychische Erkrankung nicht ohne Weiteres ausschliessen lässt.
Chronifizierung und Therapieresistenz sind bei der Beurteilung der Frage, ob ein
Schmerzsyndrom mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sei,
mitentscheidende Faktoren (vgl. BGE 131 V 49 mit Hinweisen und Urteil des
Bundesgerichts vom 23. Mai 2008 i/S M. [9C_136/2008] Erw. 4). Therapeutische
Massnahmen erachtete der Medas-Psychiater - wenn auch wegen des fixierten
Krankheitsverständnisses der Beschwerdeführerin - als nicht erfolgversprechend (IV-
act. 81-29/2). Im Weiteren ins Gewicht fällt, dass sich die Einschätzungen des
behandelnden Psychiaters und Dr. C._ einerseits und jene des psychiatrischen
Medas-Gutachters anderseits in der Beurteilung der Leistungsfähigkeit insofern nicht
widersprechen, als auch letzterer eine teilweise Arbeitsunfähigkeit als effektiv
vorhanden erachtete und sogar ausdrücklich auf die Attestierungen (einer 50 %igen
Arbeitsfähigkeit) von Dr. C._ und Dr. D._ verwies (IV-act. 81-28/29). Allein der
Hinweis des Medas-Gutachters auf Rechtsprechung und psychosoziale
Belastungsfaktoren vermag unter den dargelegten Umständen die gänzliche
Verneinung einer psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit aufgrund der
mittelschweren rezidivierenden depressiven Störung nicht überzeugend zu begründen.
Wenn die Medas-Gutachter im Konsens die durch den behandelnden Psychiater und
den Hausarzt attestierte Arbeitsunfähigkeit als nicht nachvollziehbar erachteten (IV-act.
81-16/29), so erscheint dies nicht zureichend begründet und widerspricht insofern der
Beurteilung ihres Konsiliar-Psychiaters, als dieser wie erwähnt eine teilweise
Arbeitsunfähigkeit in dem von Dr. D._ und Dr. C._ bescheinigten Sinn als effektiv
vorhanden erkannte (IV-act. 81-28/29).
Einem Gutachten kommt rechtsprechungsgemäss schon dann kein voller Beweiswert
zu, wenn Indizien gegen seine Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht feststehen,
dass das Gutachten effektiv nicht den Tatsachen entspricht, was nicht mit
medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden nicht beurteilen können und dürfen
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(Urteil des EVG vom 16. Oktober 2002, I 779/01, E. 4.2). Vorliegend bildet die
psychiatrische Beurteilung des Medas-Gutachtens, auf welche sich das
Gesamtgutachten im Wesentlichen stützt, keine genügend aussagekräftige Grundlage
zur Beurteilung des Rentenanspruchs. Anderseits kann jedoch auch nicht unbesehen
auf die früheren Beurteilungen von Dr. D._ und Dr. C._ abgestellt werden, zumal sie
die gesundheitliche Situation nicht bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
abdecken und sich auch lediglich prognostisch zur zumutbaren Arbeitsfähigkeit
äusserten. Nach dem Gesagten ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie eine erneute psychiatrische Begutachtung vornehme. Der zu
beauftragende Experte wird dabei die gesamte bislang ergangene medizinische
Aktenlage einzubeziehen und danach die Frage nach der verbliebenen
Restleistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu beantworten haben.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Verfügung vom 5. Januar 2009 in
teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache zur Anordnung
erneuter medizinischer (psychiatrischer) Abklärungen und
zu neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 Erw. 6.1). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb die
gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Bei diesem Verfahrensausgang
hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g
ATSG). Es erscheint gerechtfertigt, der Beschwerdeführerin - wie in vergleichbaren
Verfahren üblich - eine Pauschalentschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
bis
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