Decision ID: 3842abba-b14d-491d-8f30-06af166da02b
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit dem 1. Juni 1982. Sie ist im
Administrativmassnahmen-Register nicht verzeichnet. Am Samstag, 3. Februar 2018,
17.24 Uhr, überschritt sie als Lenkerin eines Personenwagens auf der
Toggenburgerstrasse in Krummenau, Höhe Schwand, in Richtung Wattwil die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 31 km/h (nach Sicherheitsabzug). Unmittelbar
nach der Messung in Krummenau wurde ihr Fahrzeug von der Polizei angehalten,
worauf X anerkannte, dass sie aufgrund eines Überholmanövers die gesetzlich
zulässige Geschwindigkeit überschritten habe.
B.- Mit Strafbefehl vom 2. März 2018 wurde X der groben eventualvorsätzlichen
Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe
von 20 Tagessätzen zu je Fr. 70.– und einer Busse von Fr. 280.– verurteilt. Der
Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
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C.- Mit Schreiben vom 6. August 2018 leitete das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (nachfolgend: Strassenverkehrsamt) ein
Administrativmassnahmenverfahren ein und gewährte X das rechtliche Gehör, wovon
sie mit Schreiben vom 11. August 2018 Gebrauch machte. Mit Verfügung vom 7.
September 2018 entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis für die Dauer
von drei Monaten.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Schreiben vom 15. September 2018 (Datum
der Postaufgabe: 19. September 2018) Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission
mit dem sinngemässen Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und von
einem Führerausweisentzug sei abzusehen. Die Vorinstanz verzichtete am 11. Oktober
2018 auf eine Vernehmlassung.

Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 15. September 2018 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen
das Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03) ausgeschlossen ist, der
Lern- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
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unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Für
Geschwindigkeitsüberschreitungen hat das Bundesgericht im Interesse der
Rechtssicherheit genaue Limiten festgelegt, um leichte, mittelschwere und schwere
Widerhandlungen voneinander abzugrenzen. Demnach liegt ungeachtet der konkreten
Umstände objektiv eine schwere Widerhandlung vor, wenn die signalisierte oder
allgemeine Höchstgeschwindigkeit ausserorts um 30 km/h oder mehr überschritten
wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_335/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 2.2
mit Hinweis auf 1C_83/2008 vom 16. Oktober 2008 E. 2). Die schematische Abstufung
gilt auch bei einer nur kurzfristigen Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit
während des Überholens (BGer 1C_222/2008 vom 18. November 2008 E. 2.3,
6B_193/2008 vom 7. August 2008 E. 2.3). Die Vorinstanz ist dementsprechend zu
Recht von einer schweren Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
ausgegangen.
b) Die Verwaltungsbehörde darf nach ständiger Rechtsprechung von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem
Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht
beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen
Entscheid führt, oder wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den
feststehenden Tatsachen klar widerspricht (hat sie hingegen keine zusätzlichen
Beweise erhoben, hat sie sich grundsätzlich an die Würdigung des Strafrichters zu
halten) oder schliesslich wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere die Verletzung
bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (vgl. BGer 1C_523/2017 vom 20. März 2018
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E. 2.1; BGE 124 II 103 E. 1c). In der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts –
namentlich auch des Verschuldens – ist die Verwaltungsbehörde demgegenüber frei;
sie hat sich aber bezüglich des Verschuldens einer vertretbaren Ermessensausübung
des Strafrichters anzuschliessen, da nach dem Grundsatz der Einheit der
Rechtsordnung widersprüchliche Entscheide möglichst zu vermeiden sind (vgl. BGer
1C_442/2017 vom 26. April 2018 E. 2.8 mit Hinweis auf 1C_746/2013 vom 12.
Dezember 2013 E. 3.4).
Grundlage des Strafbefehls in tatsächlicher Hinsicht bildet neben dem unbestritten
gebliebenen Resultat der Geschwindigkeitsüberschreitung das Protokoll der
polizeilichen Einvernahme vom 3. Februar 2018. Darin begründete die Rekurrentin die
Geschwindigkeitsüberschreitung mit einem Überholmanöver unter Zeitdruck. Sie
akzeptierte die strafrechtliche Verurteilung (namentlich die grobe eventualvorsätzliche
Verletzung der Verkehrsregeln) und verzichtete auf eine Einsprache gegen den
Strafbefehl, der somit in Rechtskraft erwuchs. Im Administrativmassnahmenverfahren
brachte die Rekurrentin erstmals vor, während dem Überholvorgang habe der andere
Lenker plötzlich Gas gegeben. Abgesehen davon, dass dieser Einwand bereits im
Strafverfahren hätte vorgetragen werden müssen, kann sie daraus nichts zu ihren
Gunsten ableiten. Falls dem tatsächlich so gewesen sein sollte, hätte sie das
Überholmanöver abbrechen müssen (vgl. BGer 6B_447/2018 vom 20. Juni 2018 E. 2).
Namentlich schafft ein Überholmanöver keine Situation, die es der Fahrzeuglenkerin
erlauben würde, sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten. Hinzu
kommt, dass der andere Fahrzeuglenker gemäss den Angaben der Rekurrentin mit
knapp 70 km/h gefahren sei, weshalb sie mit einer erheblichen
Geschwindigkeitsüberschreitung rechnen musste, selbst wenn dieser während des
Überholvorgangs nicht beschleunigt hätte (vgl. BGer 6B_283/2011 vom 3. November
2011 E. 1.4 und 6B_50/2013 vom 4. April 2013 E. 1.4; Ph. Weissenberger, Kommentar
Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl. 2015, Art. 32 SVG N 18).
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c) Zusammenfassend ist die Geschwindigkeitsübertretung um 31 km/h ausserorts
unbestritten, weshalb nach ständiger Rechtsprechung der Tatbestand einer schweren
Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG erfüllt ist.
3.- a) Bei der Festsetzung der Entzugsdauer sind gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen. Die Mindestentzugsdauer darf
jedoch nicht unterschritten werden. Nach einer schweren Widerhandlung wird der
Führerausweis für mindestens drei Monate entzogen (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG).
b) Die Rekurrentin macht mit Verweis auf Ihre Stellungnahme vom 11. August 2018
zusammengefasst geltend, sie habe die erlaubte Höchstgeschwindigkeit aufgrund
eines Überholmanövers unter Zeitdruck überschritten. Auf der übersichtlichen und
trockenen Fahrbahn habe keine konkrete Gefahr für die Sicherheit anderer
Verkehrsteilnehmer bestanden. Weiter beruft sich die Rekurrentin auf ihren ungetrübten
automobilistischen Leumund, indem sie erklärt, sie habe sich seit dem Erwerb ihres
Führerausweises vor 36 Jahren im Strassenverkehr stets vernünftig verhalten.
Schliesslich sei sie als Putzfrau sehr dringend auf ein Fahrzeug angewiesen und fürchte
um ihre finanzielle Existenz im Falle eines Führerausweisentzuges.
c) Gestützt auf Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG setzte die Vorinstanz die Dauer der
Massnahme auf drei Monate, und damit auf die Mindestentzugsdauer fest. Die starre
Mindestentzugsdauer von drei Monaten bei einer schweren Widerhandlung darf nach
der Rechtsprechung unter keinen Umständen unterschritten werden (vgl. BGE 135 II
334, 132 II 234 E. 2.3; BGer 1C_585/2008 vom 14. Mai 2009 E. 2.1 mit Hinweisen). Mit
dem Verbot der Unterschreitung der gesetzlichen Mindestentzugsdauern gemäss Art.
16 Abs. 3 letzter Satz SVG bezweckte der Gesetzgeber "eine einheitlichere und
strengere Ahndung von schweren und wiederholten Widerhandlungen gegen
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Strassenverkehrsvorschriften" (Botschaft vom 31. März 1999 zur Änderung des
Strassenverkehrsgesetzes, BBl 1999 4485). Somit sollen die besonderen Umstände
des Einzelfalls, namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden,
der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein
Motorfahrzeug zu führen, von den Strassenverkehrsämtern und Gerichten nur bis zur
gesetzlich vorgeschriebenen Mindestentzugsdauer berücksichtigt werden
(vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 16 SVG N 33).
Aus diesem Grund können die von der Rekurrentin geltend gemachten Einwände nicht
berücksichtigt werden. Auch wenn die Rekurrentin aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit
und finanziellen Verhältnisse stärker betroffen ist, als es bei den Nachteilen, die ein
Führerausweisentzug mit sich bringt, gewöhnlich der Fall ist und von einer erhöhten
Massnahmeempfindlichkeit auszugehen ist, darf die Mindestentzugsdauer nicht
unterschritten werden (vgl. BGE 132 II 234 E. 3.2 für einen selbständig erwerbenden
Taxichauffeur). Auch ein ungetrübter automobilistischer Leumund vermag eine
Unterschreitung der Mindestentzugsdauer nicht zu rechtfertigen (vgl. BGer
1C_309/2014 vom 21. Januar 2015 E. 4.2). Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass
mit Hinblick auf die gegebene Geschwindigkeitsüberschreitung auch bei guter Sicht
und trockener Fahrbahn von einer erhöhten abstrakten Gefahr für die
Verkehrssicherheit auszugehen ist und die Rekurrentin mindestens grobfahrlässig
handelte, was für die Annahme einer schweren Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG genügt. Die angefochtene Verfügung ist dementsprechend auch hinsichtlich
der Entzugsdauer von drei Monaten nicht zu beanstanden. Der Rekurs ist folglich
abzuweisen.
4.- Die Vorinstanz ordnete in Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung an, dass die
Rekurrentin den Führerausweis und allfällige vorhandene weitere Ausweise bis
spätestens am 7. Dezember 2018 abzugeben habe. Hierbei handelt es sich um eine
vollstreckungsrechtliche Anordnung, die separat verfügt werden müsste. Darauf ist
nicht weiter einzugehen, denn der Abgabetermin (7. Dezember 2018) ist bereits
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vorüber, weshalb besagte Anordnung zufolge Gegenstandslosigkeit aufzuheben ist. Die
Vorinstanz wird einen neuen Abgabetermin festlegen müssen. Allerdings hätte Ziffer 2
der angefochtenen Verfügung aufgehoben werden müssen, wenn die Abgabefrist nicht
bereits abgelaufen wäre. Dies ist bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
5.- Die Kosten des Rekursverfahrens haben die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Sie sind der Rekurrentin zu
vier Fünfteln und dem Staat zu einem Fünftel aufzuerlegen. Denn einerseits unterliegt
die Rekurrentin in der Hauptsache und andererseits hat die Vorinstanz die materielle
Verfügung (Führerausweisentzug) in unzulässiger Weise mit einer Vollzugsanordnung
(Abgabetermin des Ausweises) kombiniert. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.–
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist mit dem Kostenanteil der Rekurrentin in der
Höhe von Fr. 960.– zu verrechnen. Der Rest des Kostenvorschusses von Fr. 240.– ist
der Rekurrentin zurückzuerstatten.