Decision ID: 068309b2-b4ba-516c-8bd7-909f7c3515a3
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 14. November 2014 bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen an (IV-act. 1). Sie hatte zuletzt als Produktionsmitarbeiterin in der
B._ AG in einem Pensum von 80 % gearbeitet (IV-act. 1 S. 4 und 9 S. 1 f.). Seit dem
21. Juli 2014 war sie zunächst durch Dr. med. C._, Allgemeinmedizin FMH, und
später durch med. pract. D._, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, zu
100 % krankgeschrieben worden (IV-act. 9 S. 3; act. G 4.2-1 S. 8 ff.). Die Arbeitgeberin
hatte das Arbeitsverhältnis per _ 2014 gekündigt, wobei es unter Einhaltung der
Sperrfrist auf das Ende des Jahres 2014 aufgelöst worden war (IV-act. 9 S. 1 und 23
S. 2).
A.a.
Am 3. Februar 2015 führte ein Eingliederungsverantwortlicher der IV-Stelle ein
Assessmentgespräch mit der Versicherten durch. Im entsprechenden
Assessmentprotokoll hielt der Eingliederungsverantwortliche fest, dass die Versicherte
angegeben habe, sich wieder eine Arbeit als Allrounderin, wie sie diese zuletzt
innegehabt habe, vorstellen zu können. Im Bereich Verkauf habe die Versicherte eine
Berufsausbildung gemacht, jedoch fürchte sie, dem Stress und den Begegnungen mit
vielen Menschen, die eine Stelle als Verkäuferin mit sich bringen würde, nicht mehr
gewachsen zu sein. Die Versicherte habe angegeben, vorerst stabil und gesund
werden und sodann wieder zu 80 % in eine Arbeit einsteigen zu wollen. Gleichzeitig
hielt der Eingliederungsverantwortliche fest, die Versicherte sei motiviert, die psychisch
belastenden Ereignisse zu verarbeiten und dann wieder mit einem Pensum von 60-80
% ins Erwerbsleben zurückzukehren. Weiter führte er aus, dass er im
A.b.
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Assessmentgespräch auf eine dünnhäutige, belastete, aktuell selbstunsichere
Versicherte mit starken Gefühlsschwankungen gestossen sei, die beim Ansprechen auf
belastende Situationen mehrfach geweint habe. Der psychische Gesundheitszustand
sei noch fragil. Es sei ein Rehabilitationsaufenthalt geplant (IV-act. 23).
Am 19. März 2015 wurde die Versicherte im Auftrag ihrer
Krankentaggeldversicherung durch Dr. med. E._, Spezialärztin FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, zertifizierte medizinische Gutachterin SIM, untersucht (act. G
4.2-4). In ihrem Gutachten vom 31. März 2015 nannte Dr. E._ als Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, derzeit
schwere Episode ohne psychotische Symptome, und als Diagnose ohne Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit Probleme im Zusammenhang mit negativen Kindheitserlebnissen,
einschliesslich sexuellem Missbrauch (act. G 4.2-4 S. 7). Weiter kam Dr. E._ zum
Schluss, dass die Versicherte aus psychiatrischer Sicht sowohl in ihrem angestammten
Beruf als auch in einer behinderungsangepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig
sei. Die Prognose für das Wiedererlangen der vollen Arbeitsfähigkeit sei gut. Es sei
davon auszugehen, dass die Versicherte in rund drei Monaten eine Teilarbeitsfähigkeit
und in weiteren sechs Monaten eine Arbeitsfähigkeit von 100 % erlangen könne (act. G
4.2-4 S. 9).
A.c.
Vom 20. April bis 17. Juli 2015 hielt sich die Versicherte stationär im
psychiatrischen Zentrum F._ auf. Im Austrittsbericht vom 22. Juli 2015 hielt die
behandelnde Ärztin fest, dass die Versicherte bei zunehmender Stimmungsreduktion
mit ausgeprägten Schlafstörungen, innerer Unruhe und Anspannung auf Zuweisung
von med. pract. D._ freiwillig in das psychiatrische Zentrum eingetreten sei. Als
Diagnosen nannte die behandelnde Ärztin eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, sowie eine
posttraumatische Belastungsstörung. Vom 20. April bis 31. Juli 2015 bestehe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 30). In einem Bericht an die IV-Stelle vom 15.
Januar 2016 hielt die behandelnde Ärztin des psychiatrischen Zentrums F._ fest,
dass die Versicherte vom 3. August bis 17. Dezember 2015 bei ihr in der ambulanten
Tagesklinik behandelt worden sei. Nach Austritt aus der Tagesklinik sei die ambulante
Behandlung bei med. pract. D._ fortgesetzt worden. Als Diagnosen nannte sie eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, sowie eine
A.d.
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posttraumatische Belastungsstörung. In der bisherigen Tätigkeit sei die Versicherte
vom 1. November bis 31. Dezember 2015 zu 80 % arbeitsunfähig gewesen (IV-act. 46
S. 1 ff.). Inwiefern dabei zusätzlich eine verminderte Leistungsfähigkeit bestanden
habe, könne aktuell nicht beurteilt werden. Die aktuelle Arbeitsfähigkeit in einer ideal
adaptierten Tätigkeit werde auf 40 % geschätzt (IV-act. 46 S. 7).
Am 28. Januar 2016 unterzeichnete die Versicherte einen Eingliederungsplan der
IV mit dem Ziel des Erhalts des zwischenzeitlich angetretenen Arbeitsplatzes als
Büromitarbeiterin bei _ in Homeoffice (IV-act. 52; vgl. ferner IV-act. 64 S. 1 f.). Mit
Mitteilung vom 11. Februar 2016 gewährte die IV-Stelle der Versicherten Beratung und
Unterstützung beim Erhalt des derzeitigen Arbeitsplatzes (IV-act. 53). Am 26. April 2016
hielt eine Eingliederungsverantwortliche der IV fest, dass die Versicherte ihr am selben
Tag telefonisch mitgeteilt habe, dass sie ihr Pensum von 20 % (verteilt auf mehrere
Tage pro Woche) nicht steigern könne. Med. pract. D._ schreibe sie weiterhin zu 80
% arbeitsunfähig. Aufgrund dieser Informationen kam die
Eingliederungsverantwortliche zum Schluss, dass eine Klärung der medizinisch-
theoretischen Arbeitsfähigkeit angezeigt sei (IV-act. 55).
A.e.
In einem Bericht an die IV-Stelle vom 28. August 2016 gab med. pract. D._ an,
dass sich die Versicherte seit dem 12. Oktober 2014 bei ihm in ambulanter Behandlung
befinde. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte med. pract.
D._ eine rezidivierende depressive Störung, leicht bis mittelgradig (bestehend seit 10
Jahren), sowie eine posttraumatische Belastungsstörung. Weiter führte med. pract.
D._ aus, die Versicherte habe als Kind eine schwere Traumatisierung erlebt, die sie in
ihrer Lebensqualität phasenweise stark beeinträchtige. Bei Behandlungsbeginn sei die
Depression schwer ausgeprägt gewesen. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Produktionsmitarbeiterin sei die Versicherte dauerhaft zu 50 % arbeitsunfähig. Für eine
Tätigkeit mit einem ruhigen Umfeld und mit Toleranz gegenüber der Tagesverfassung
der Versicherten betrage die Arbeitsfähigkeit ebenfalls 50 %, jedoch sei eine
Steigerung der Präsenzzeit auf maximal 70 bis 80 % denkbar. Aktuell könne mit einer
Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit im Betrieb _ in einem Umfang von 20 bis
30 % gerechnet werden. Wenn eine dauerhafte Teilzeittätigkeit im Betrieb _
ausgeübt werden könne, wäre viel erreicht. Weitere Wiedereingliederungsmassnahmen
seien wenig zielführend (IV-act. 66).
A.f.
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Am 24. November 2016 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle durch Dr.
med. G._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zertifizierte
medizinische Gutachterin SIM, psychiatrisch untersucht (IV-act. 77 S. 3; vgl. ferner IV-
act. 69 ff.). In ihrem Gutachten vom 6. Dezember 2016 (vgl. IV-act. 77 S. 1) nannte sie
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine posttraumatische
Belastungsstörung (DSM V 309.81). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit gab sie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
(ICD-10: F33.4), an (IV-act. 77 S. 29). Für die bisherige Tätigkeit attestierte Dr. G._
der Versicherten seit dem 21. Juli 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 77
S. 29 f.). In einer adaptierten Tätigkeit bestehe seit dem 1. September 2016, nach dem
vollständigen Remittieren der schweren depressiven Episode, eine Arbeitsfähigkeit von
50 % bezogen auf ein Vollpensum. Als ideal adaptierte Tätigkeiten seien solche
anzusehen, die dem Ausbildungsstand der Versicherten entsprächen und bei denen die
Versicherte in einem wohlwollenden, verständnisvollen Arbeitsumfeld arbeiten könne.
Zudem sollten geregelte Arbeitszeiten und eine gleichbleibende Arbeitsbelastung
bestehen, um die Stress- und Frustrationstoleranz sowie die emotionale Belastbarkeit
gering halten zu können. Arbeiten mit zu engem zwischenmenschlichem Kontakt seien
als eher ungünstig zu betrachten. Auch seien ungeregelte Arbeitszeiten, häufige
Überstunden, Schichtarbeiten sowie Wochenend- und Nachtarbeiten ungünstig. Eine
psychotherapeutische Behandlung finde seit 2003 mit längeren Unterbrechungen statt.
Seit 2013 befinde sich die Versicherte konstant in psychotherapeutischer Behandlung,
durch welche sich die depressive Symptomatik vollständig zurückgebildet habe. Die
antidepressive Pharmakotherapie zur Unterstützung der Symptomkontrolle sollte
nochmals überdacht und evaluiert werden. Die Behandlung der posttraumatischen
Belastungsstörung habe bisher nur im Rahmen der ambulanten psychotherapeutischen
Behandlung und der stationären Aufenthalte stattgefunden. Eine spezifische,
traumafokussierte Therapie im Sinne einer kognitiv-behavioralen Therapie könnte sich
günstig auf das stark ausgeprägte Vermeidungsverhalten auswirken. Durch die
medizinische Behandlung sei mittelfristig aber nicht mit einer Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit zu rechnen (IV-act. 77 S. 30).
A.g.
Der regionale ärztliche Dienst (RAD) hielt am 13. Dezember 2016 fest, dass das
psychiatrische Gutachten von Dr. G._ formal und inhaltlich den Konventionen,
A.h.
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welche man an ein medizinisches Gutachten stellen dürfe, entspreche. Im Längsschnitt
sei von einem stabilen Gesundheitszustand auszugehen. Die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit betrage 0 % ab dem 21. Juli 2014. In einer adaptierten
Tätigkeit sei ab dem 1. September 2016 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Eine Therapieauflage im Sinne einer administrativ angeordneten
Schadenminderungspflicht sei aus medizinisch-theoretischer Sicht in der vorliegenden
Konstellation bei bereits erfolgter ambulanter, tagesklinischer und stationärer
psychiatrischer Behandlung und laufender ambulanter Behandlung nicht
empfehlenswert bzw. nicht zielführend. Allgemein sei aus versicherungspsychiatrischer
Sicht auf den Grundsatz "Behandlung nach Massgabe des Behandlers" zu verweisen
(IV-act. 78).
Mit Mitteilung vom 10. März 2017 informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber,
dass das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen abgewiesen werde, da die
Versicherte gemäss den Abklärungen der Eingliederungsberaterin aktuell als
Selbständige arbeite (gemeint als Putzhilfe in geringem Pensum; vgl. dazu IV-act. 79 ff.)
und sich lediglich in beschränktem Masse arbeitsfähig fühle (IV-act. 86).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 24. März 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 0 % in Aussicht. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass die Versicherte zuletzt in einem
Teilzeitpensum erwerbstätig gewesen sei und sie mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit im Gesundheitsfall im selben Ausmass arbeiten würde, weshalb sie
als Teilerwerbstätige zu qualifizieren sei. Die medizinische Abklärung habe ergeben,
dass sie in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit aus medizinischer Sicht zu 50 %
arbeitsunfähig sei. Gemäss der geltenden Rechtsprechung des Bundesgerichts stelle
die bei der Versicherten diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung jedoch
keinen plausibel nachvollziehbaren Gesundheitsschaden mit invalidisierendem
Schweregrad dar. Für die Haushaltstätigkeiten bestehe mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ebenfalls keine relevante Einschränkung. Folglich resultiere kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad (IV-act. 89).
A.j.
Gegen diesen Vorbescheid wandte die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwältin lic. iur. R. Schmid, St. Gallen, am 16. Mai 2017 ein, dass auf
A.k.
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Veranlassung der IV-Stelle ein psychiatrisches Fachgutachten erstellt worden sei. Die
Gutachterin sei zum Schluss gekommen, dass in der angestammten Tätigkeit eine
mittel- bzw. langfristige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 100 % und in einer
ideal adaptierten Tätigkeit ein Restleistungsvermögen von 50 % bestehe. Der RAD
habe die gutachterlichen Schlussfolgerungen bestätigt. Warum der zuständige
Sachbearbeiter der IV-Stelle trotz des klaren medizinischen Befundes das Vorliegen
eines invalidisierenden Gesundheitszustandes als nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit begründet sehe, sei unerklärlich. Auch habe der Sachbearbeiter der
IV-Stelle sie zu Unrecht als Teilerwerbstätige mit einem Haushaltspensum von 20 %
eingestuft. Sie habe nach ihrer Scheidung eine Erwerbstätigkeit von 80 %
aufgenommen, obschon ihre Tochter damals noch in Ausbildung gewesen sei und bei
ihr zu Hause gewohnt habe. Nach dem Lehrabschluss sei die Tochter nämlich fast _
Jahre lang arbeitslos gewesen, weshalb als Mutter ein grosser Betreuungsaufwand
bestanden habe. Seit _ gehe die Tochter einer vollen Erwerbstätigkeit nach und per
_ habe sie eine eigene Wohnung bezogen. Heute würde sie, die Versicherte, einer
Tätigkeit in einem Pensum von 100 % nachgehen, wenn sie gesund wäre. Sie habe
nichts anderes ausgesagt und es habe auch nie eine Haushaltsabklärung bei ihr
stattgefunden. Seit Herbst 2016 arbeite sie an drei verschiedenen Stellen als Putzhilfe
und schöpfe damit ihre Restarbeitsfähigkeit vollumfänglich aus (IV-act. 93).
Nach dem Einholen einer Stellungnahme des Rechtsdienstes (vgl. IV-act. 94) stellte
die IV-Stelle der Versicherten mit Schreiben vom 2. Juni 2017 das Festhalten am
bisherigen Entscheid in Aussicht (IV-act. 95).
A.l.
Mit Schreiben vom 27. Juni 2017 beanstandete die anwaltlich vertretene
Versicherte, dass ihr Einwand vom 16. Mai 2017 lediglich dem Rechtsdienst, nicht
jedoch dem RAD vorgelegt worden sei. Die IV-Stelle habe die medizinische Beurteilung
in einer unzulässigen Weise durch eine juristische Beurteilung ersetzt. Es gehe nicht an,
dass sich die Juristen über die Beurteilungen der selber beauftragen Gutachterstellen
und des RAD hinwegsetzten, um aus juristischer Sicht einen medizinischen Sachverhalt
zu beurteilen. Der Vollständigkeit wegen sei zu erwähnen, dass ein Obergutachten erst
im gerichtlichen Verfahren zulässig wäre. Es gehe nicht an, dass die IV-Stelle nur
ärztliche Gutachten akzeptiere, die ihrer Meinung entsprächen, in anderen Fällen aber
eine anderslautende juristische Beurteilung vornehme oder ein weiteres Gutachten in
A.m.
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B.

Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat.
2.
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
Auftrag gebe. Sie beantrage, dass auf die eindeutigen ärztlichen Berichte abgestellt
und ihr eine Invalidenrente zugesprochen werde (IV-act. 96).
Nach der Einholung einer weiteren Stellungnahme des Rechtsdienstes (vgl. IV-
act. 97) verfügte die IV-Stelle am 11. Juli 2017 die Abweisung des Rentenbegehrens im
Sinne des Vorbescheids (IV-act. 98).
A.n.
Gegen diese Verfügung erhob die weiterhin anwaltlich vertretene Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 14. September 2017 Beschwerde. Darin
beantragte sie, die Verfügung vom 11. Juli 2017 sei aufzuheben und ihr sei ab dem 1.
Juli 2015 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 1).
B.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 9. November 2017 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
B.b.
In ihrer Replik vom 7. Dezember 2017 hielt die Beschwerdeführerin an dem in der
Beschwerde gestellten Rechtsbegehren unverändert fest (act. G 6).
B.c.
Mit Schreiben vom 18. Dezember 2017 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
die Erstattung einer Duplik und hielt an dem in der Beschwerdeantwort gestellten
Antrag vollumfänglich fest (act. G 8).
B.d.
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mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität ist bei im Gesundheitsfall Vollzeiterwerbstätigen
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Wenn eine versicherte Person auch ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht voll, sondern nur teilerwerbstätig gewesen wäre, ist
der Invaliditätsgrad gemäss der langjährigen Praxis des Bundesgerichts nicht anhand
eines reinen Einkommensvergleichs (vgl. Art. 16 ATSG), sondern anhand der
sogenannten gemischten Methode zu berechnen. Hierbei ist der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG; BGE 141 V
21 E. 3.2). Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder
als nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten
Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. April 2019, 8C_820/2018, E. 3.2).
3.
Zunächst ist demnach zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin als Valide im
Zeitpunkt des Rentenbeginns überwiegend wahrscheinlich vollzeit- oder
teilzeiterwerbstätig gewesen wäre. Je nachdem kommt gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine andere Methode der Invaliditätsbemessung
zur Anwendung (vgl. E. 2). Die Anmeldung der Beschwerdeführerin hinsichtlich
beruflicher Massnahmen und Rentenleistungen ist bei der IV-Stelle am 14. November
2014 eingegangen (vgl. IV-act. 1). Der frühestmögliche Beginn eines allfälligen
Rentenanspruchs im Sinne von Art. 29 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 IVG fiele somit auf den 1.
Mai 2015. In diesem Zeitpunkt war das Wartejahr nach Art. 28 Abs. 1 IVG allerdings
3.1.
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noch nicht verstrichen gewesen, da die Arbeitsunfähigkeit erst ab 21. Juli 2014
ausgewiesen ist (vgl. IV-act. 9 S. 3, 77 S. 30 und 78 S. 3; act. G 4.2-1 S. 8 ff.). Der
frühestmögliche Rentenbeginn fällt demnach auf den 1. Juli 2015. Entscheidend für die
Wahl der Methode der Invaliditätsbemessung ist somit, ob die Beschwerdeführerin im
fiktiven Gesundheitsfall ab Juli 2015 überwiegend wahrscheinlich voll- oder
teilzeiterwerbstätig gewesen wäre.
Die Beschwerdeführerin hat ihre Arbeitsstelle bei der B._ AG im Jahr 2014 aus
wirtschaftlichen Gründen verloren (IV-act. 9 S. 1). Demnach kann aus dem Umstand,
dass die Beschwerdeführerin vor der IV-Anmeldung zuletzt in einem Pensum von 80 %
gearbeitet hat (vgl. IV-act. 9 S. 2), entgegen der Behauptung der Beschwerdegegnerin
(vgl. act. G 4 S. 4), nicht darauf geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall weiterhin in einem Pensum von 80 % gearbeitet hätte. Vielmehr hätte
die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall eine neue Stelle suchen müssen und eine
Vollzeitstelle antreten können. Es gibt keine Gründe, die zum damaligen Zeitpunkt
gegen die Aufnahme einer Vollzeiterwerbstätigkeit gesprochen hätten, zumal
anzunehmen ist, dass die Kinder der Beschwerdeführerin aufgrund ihres Alters schon
selbständig gewesen sind (zum Alter der Kinder vgl. IV-act. 1 S. 2). Aufgrund ihrer
finanziellen Verhältnisse ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
gezwungen gewesen wäre, eine Tätigkeit in einem Pensum von 100 % zu suchen. Die
Beschwerdeführerin hat in ihrer Beschwerde denn auch zum Ausdruck gebracht, dass
sie spätestens im Hinblick auf die Berufstätigkeit und den Auszug ihrer Tochter wieder
in einem Pensum von 100 % hätte arbeiten wollen (act. G 1 S. 5). Demnach ist
anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall spätestens ab Herbst
2016 wieder eine Stelle in einem Pensum von 100 % gesucht hätte, sodass die
gemischte Methode höchstens für die Rentenberechnung bis Herbst 2016 Anwendung
finden könnte. Wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen werden, hat bis August
2016 aber ohnehin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden (vgl. E. 4.3), sodass
die Wahl der Berechnungsmethode für diesen Zeitraum nicht entscheidend ist. Die
Beschwerdegegnerin hat sich sodann nicht dazu veranlasst gesehen, eine
Haushaltsabklärung durchzuführen oder die Beschwerdeführerin konkret nach ihrem
hypothetischen Pensum im Gesundheitsfall zu fragen. Der im Assessmentprotokoll
vom 3. Februar 2015 festgehaltene subjektive Eindruck des
Eingliederungsverantwortlichen der Beschwerdegegnerin, wonach die
Beschwerdeführerin motiviert sei, wieder einem Arbeitspensum von 60-80 %
nachzugehen (vgl. IV-act. 23 S. 3), stellt keine Aussage der Beschwerdeführerin dar.
Die im gleichen Protokoll festgehaltene Feststellung des
Eingliederungsverantwortlichen, dass die Versicherte vorerst stabil und gesund werden
3.2.
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4.
und dann wieder zu 80 % in eine Arbeit einsteigen wolle (IV-act. 23 S. 2), kann
ebenfalls nicht als Aussage über das hypothetische Pensum im Gesundheitsfall
gedeutet werden. Denn aus dem Protokoll ist nicht ersichtlich, in welchem
Zusammenhang und gestützt auf welche Frage die Beschwerdeführerin diese Aussage
getätigt haben soll. Auch eine Dokumentation der genauen Antwort bzw. Aussage der
Beschwerdeführerin liegt nicht vor. Angesichts der langjährigen Krankheitsentwicklung
ist es für die Beschwerdeführerin im Assessmentgespräch vom 3. Februar 2015
vermutlich ohnehin nur schwer vorstellbar gewesen, wie das Pensum bei
uneingeschränkter Gesundheit und voller Belastbarkeit konkret aussehen könnte. Dazu
kommt, dass der Eingliederungsverantwortliche die Beschwerdeführerin im Rahmen
des Assessmentprotokolls als dünnhäutige, belastete, aktuell selbstunsichere Frau mit
starken Gefühlsschwankungen, die im Abklärungsgespräch mehrfach geweint habe,
beschrieben hat. Der Eingliederungsverantwortliche hat den psychischen
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin als fragil wahrgenommen (vgl. IV-act. 23
S. 3), sodass diese erst recht nicht auf den ohnehin fraglichen Angaben behaftet
werden kann. Schliesslich widersprechen sich die Angaben im Assessmentprotokoll
(vgl. IV-act. 23 S. 2, wo der Wunsch nach einem Wiedereinstieg in ein Pensum von 80
% festgehalten worden ist, und S. 3, wo das Wunschpensum mit 60-80 % angegeben
wird). Nach dem Gesagten ist aufgrund der vorliegenden Aktenlage mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin, deren einzige
Einnahmequelle das eigene Erwerbseinkommen zu sein scheint, im Gesundheitsfall
nach der Kündigung ihrer Arbeitsstelle bei der B._ AG eine Stelle in einem Pensum
von 100 % angetreten bzw. gesucht hätte. Folglich hat die Berechnung des
Invaliditätsgrades anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu erfolgen (vgl. E. 2).
Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades anhand eines Einkommensvergleichs ist
zunächst zu prüfen, ob der Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht (zum
Beweismass siehe BGE 138 V 221 E. 6 und Urteil des Bundesgerichts vom 2. August
2017, 8C_128/2017, E. 2).
4.1.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Aussagen eine
4.2.
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wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen einer
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4; vgl. ferner BGE 115 V
134 E. 2). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis).
Zur Abklärung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin hat die
Beschwerdegegnerin bei Dr. G._ ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben
(vgl. IV-act. 77 S. 1 und 3). Dr. G._ ist gestützt auf ihre eigenen Untersuchungen
sowie die bisherige Aktenlage und unter Berücksichtigung der vom Bundesgericht
definierten Standardindikatoren zum Schluss gekommen, dass die gesundheitlichen
Leiden der Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine mittelfristige
oder langfristige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 100 % begründeten (IV-act. 77
S. 29). Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestehe mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit seit dem 21. Juli 2014. In einer adaptierten Tätigkeit
bestehe ab dem 1. September 2016, nach dem Remittieren der schweren depressiven
Episode eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bezogen auf ein Vollzeitpensum (IV-act. 70
S. 30). Das Gutachten beruht auf eigenständigen Abklärungen und ist für die streitigen
Belange umfassend. Die medizinischen Vorakten und die von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden sind berücksichtigt worden (vgl. IV-act. 77). Die bescheinigte
Arbeitsfähigkeit leuchtet sodann in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge
und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Insbesondere stimmt die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Grundsatz auch mit derjenigen von med. pract.
D._ überein, welcher die Beschwerdeführerin seit Jahren behandelt (vgl. IV-act. 77
S. 31). Überdies leuchtet auch die Einschätzung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit im
Zeitraum Juli 2014 bis August 2016 ein, da die Beschwerdeführerin in dieser Zeit
gemäss ihren eigenen Aussagen einen psychischen Zusammenbruch erlitten hat
(vgl. IV-act. 23 S. 2) und in dieser Zeit auch eine dreimonatige stationäre sowie
viereinhalbmonatige tagesklinische Behandlung dokumentiert sind (vgl. IV-act. 30 und
46). Im Austrittsbericht des psychiatrischen Zentrums F._ wurde der
Beschwerdeführerin für die Dauer des Aufenthaltes vom 20. April bis 31. Juli 2015
sodann auch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (IV-act. 30). Zudem hat Dr.
E._ die Beschwerdeführerin bereits am 31. März 2015 als zu 100% arbeitsunfähig
4.3.
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befunden (act. G 4.2-4). Die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet im
Kontext der weiteren medizinischen Akten somit ein.
Weiter gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass Dr. G._ objektiv wesentliche
Punkte nicht berücksichtigt hätte. Vielmehr ist ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung
nachvollziehbar begründet und schlüssig. Auch die Beschwerdeführerin erachtet die
Einschätzung von Dr. G._ als beweiskräftig (act. G 1 S. 2 ff.). Die
Beschwerdegegnerin spricht dem Gutachten grundsätzlich ebenfalls Beweiswert zu
(vgl. act. G 4 S. 9), jedoch stellt sie unter Hinweis auf rechtliche Überlegungen nicht auf
die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ab. Sie ist der Ansicht, dass unter
Berücksichtigung der vom Bundesgericht aufgestellten Standardindikatoren weder eine
gesundheitliche Beeinträchtigung von erheblichem Schwergrad noch funktionelle
Auswirkungen in Beruf oder Erwerb objektiv nachgewiesen seien, weshalb von der
gutachterlich festgestellten Arbeitsfähigkeit abgewichen werden könne, ohne dass das
Gutachten seinen Beweiswert verlieren würde (act. G 4 S. 9; vgl. ferner act. G 4 S. 5
ff.). Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene juristische Prüfung der
Arbeitsunfähigkeit anhand der vom Bundesgericht definierten Standardindikatoren
überzeugt nicht. Das strukturierte Beweisverfahren soll nämlich keine von den
medizinischen Einschätzungen losgelöste juristische Parallelüberprüfung ermöglichen.
Vielmehr ist die Idee des strukturierten Beweisverfahrens, dass sich sowohl die
medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit an den normativen Vorgaben zu orientieren haben.
Kommt der Rechtsanwender nach der Beweiswürdigung zum Schluss, ein Gutachten
erfülle sowohl die mit BGE 141 V 281 definierten versicherungsmedizinischen
Massstäbe als auch die allgemeinen rechtlichen Beweisanforderungen, ist es
grundsätzlich als beweiskräftig anzusehen und die darin enthaltene Schätzung der
Arbeitsfähigkeit somit zu übernehmen (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juni 2018,
9C_194/2018, E. 4.1 mit Hinweisen). Wie bereits erwähnt, hat Dr. G._ in ihrer
Beurteilung auf einschlägige Standardindikatoren Bezug genommen (vgl. dazu
insbesondere IV-act. 77 S. 28 f. und S. 24 f.). Ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet
sodann in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge ein. Auch die Diagnose
der posttraumatischen Belastungsstörung, welche die Gutachterin nach Remission der
rezidivierenden depressiven Störung als ursächlich für die ab September 2016
bestehende Arbeitsunfähigkeit betrachtet hat, kann im Gesamtkontext hinreichend
nachvollzogen werden. Dass diagnostisch gewisse Unsicherheiten bestehen, hat die
Gutachterin offengelegt. So hat sie sich etwa mit dem "nicht wirklich" erfüllten
Kriterium der Zeit befasst (IV-act. 77 S. 26). Sie hat erklärt, dass und weshalb sie auf
die Klassifikation des DSM V, also auf das "Diagnostic and Statistical Manual of Mental
4.4.
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5.
Disorders" ausgewichen ist. Berücksichtigt man die erhobenen Befunde, die im
Kontext der übrigen medizinischen Akten plausibel sind, so kann das Ausmass auch
der verbleibenden Einschränkung von 50 % ab Herbst 2016 nachvollzogen werden
(vgl. im Übrigen zur bundesgerichtlichen Praxis, wonach in jedem Einzelfall die
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unabhängig von der diagnostischen Einordnung
eines Leidens ausgewiesen sein muss, BGE 143 V 409 E. 4.2.1 sowie den Entscheid
8C_59/2019 vom 17. Mai 2019, E. 5.1). Ferner hat die Gutachterin die Angaben der
Beschwerdeführerin durchaus auch kritisch hinterfragt, so etwa den sehr stark
ausgeprägten Leidensdruck, den sie sich nur teilweise hat erklären können (IV-act. 77
S. 24). Es ist also nicht davon auszugehen, dass sie sich von der tiefen
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin bezüglich der beruflichen
Leistungsfähigkeit hat beeinflussen lassen. Die Beschwerdegegnerin hat das
Gutachten ebenso wie die Beschwerdeführerin als beweiskräftig eingestuft (vgl. act. G
1 S. 2 ff. und 4 S. 9). Auch der RAD hat die Einschätzung von Dr. G._ als
beweiskräftig beurteilt (IV-act. 78). Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass
entsprechend der gutachterlichen Einschätzung davon auszugehen ist, dass bei der
Beschwerdeführerin im Zeitraum vom 21. Juli 2014 bis 31. August 2016 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit und ab dem 1. September 2016 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit vorgelegen hat (vgl. IV-act. 77 S. 29 f.).
Ausgehend von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung bleiben die
erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei ist der
Invaliditätsgrad anhand eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. E. 2 und 3).
Entscheidend für den Einkommensvergleich sind grundsätzlich die Verhältnisse im
Zeitpunkt des Beginns des Rentenanspruchs (vgl. BGE 129 V 222). Für den
Einkommensvergleich massgebend ist somit das Jahr 2015 (vgl. E. 3.1).
5.1.
Für das Valideneinkommen ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG;
BGE 135 V 59 E. 3.1 und 139 V 30 E. 3.3.2, je mit Hinweisen). Da die
Beschwerdeführerin ihre Stelle bei der B._ AG aus wirtschaftlichen Gründen verloren
hat (vgl. IV-act. 9 S. 1), ist davon auszugehen, dass sie im Jahr 2015 eine neue Stelle
im Hilfsarbeiterbereich gesucht hätte. Zwar hat die Beschwerdeführerin einen
Lehrabschluss im Bereich Verkauf (vgl. IV-act. 1 S. 4), doch hat sie schon längere Zeit
nicht mehr auf diesem Gebiet gearbeitet (vgl. IV-act. 9). Auch hat sie, soweit
5.2.
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aktenkundig, nicht den Wunsch geäussert, im Gesundheitsfall wieder im Verkauf tätig
zu sein. Deshalb ist anzunehmen, dass sie im Rahmen ihrer Validenkarriere eine Stelle
im Hilfsarbeiterbereich angenommen hätte, zumal die Löhne im Detailhandelsbereich
auch nicht höher sind. Demnach kann für das Valideneinkommen auf die Tabelle TA 1
der schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2014 des Bundesamtes für Statistik
abgestellt werden, wobei dieses Einkommen entsprechend der
Nominallohnentwicklung auf das Jahr 2015 zu indexieren ist. Ausgehend vom
Zentralwert der im Kompetenzniveau 1 beschäftigten Frauen und unter
Berücksichtigung einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden ergibt sich
demnach bei einem Arbeitspensum von 100 % ein Valideneinkommen von Fr. 54'055.--
(vgl. Anhang 2 der IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe
2019).
Eine Tätigkeit in der Produktion oder im Verkauf ist der Beschwerdeführerin
aufgrund des gutachterlich definierten Arbeitsprofils nicht mehr zumutbar (vgl. IV-
act. 77 S. 30). Für die Bemessung des Invalidenlohns ist daher ebenfalls auf den
Hilfsarbeiterlohn der LSE 2014 (hochindexiert auf das Jahr 2015 und angepasst an eine
wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden) abzustellen. Folglich resultiert ein
Invalideneinkommen von Fr. 54'055.-- für ein Pensum von 100 % (vgl. Anhang 2 der
IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019).
5.3.
Da vorliegend sowohl hinsichtlich des hypothetischen Valideneinkommens als
auch bezüglich des Invalideneinkommens derselbe Tätigkeitsbereich und derselbe
Lohn zugrunde zu legen sind, kann der Einkommensvergleich anhand eines
sogenannten Prozentvergleichs vorgenommen werden. Dabei entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung
eines Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75). Gründe, die einen Abzug vom
Tabellenlohn erforderlich machen würden, sind vorliegend nicht ersichtlich. Umstände
wie eine geringere Flexibilität in den Arbeitseinsätzen sind nämlich bereits durch die
gutachterlich attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit abgegolten worden (vgl. IV-act. 77
S. 30). Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 0 %, wie er im Zeitraum vom 21. Juli 2014
bis 31. August 2016 vorgelegen hat (vgl. E. 4.3), resultiert folglich ein Invaliditätsgrad
von 100 % und somit ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wobei der
Rentenanspruch erst ab 1. Juli 2015 zu laufen beginnt (vgl. E. 3.1). Bei einem
Arbeitsfähigkeitsgrad von 50 % resultiert ein Invaliditätsgrad von 50 % (= 100 % x
50 %) und somit ein Anspruch auf eine halbe Rente. Ab dem 1. September 2016 hätte
die Beschwerdeführerin somit einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente, wobei
unter Berücksichtigung der Übergangsfrist von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die
5.4.
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6.