Decision ID: 937583c7-6e38-561f-a2ab-619aa8785dd7
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Boris Züst, Bahnhofstrasse 14,
9430 St. Margrethen SG,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, Jahrgang 19_, meldete sich im Juni 2007 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an. Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen nahm Abklärungen
vor und verneinte mit Verfügung vom 12. Februar 2008 den Anspruch auf eine
Invalidenrente (IV-act. 36). Eine dagegen erhobene Beschwerde hiess das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid IV 2008/160 vom
4. November 2009 gut und wies die Sache im Sinn der Erwägungen zur Vornahme
weiterer Abklärungen und anschliessender Neuverfügung über den Rentenanspruch an
die IV-Stelle zurück. Der medizinische Sachverhalt betreffend linksseitige
Thoraxschmerzen sei noch nicht hinreichend erhoben (IV-act. 49).
A.b In einem Sprechstundenbericht der Klinik für Chirurgie des Kantonsspitals
St. Gallen vom 25. Februar 2008 wurde eine MRT-Untersuchung der rechten Leiste
und des Thorax erwähnt. Im Bereich des Thorax hätten sich degenerative
Veränderungen des AC-Gelenks und beider Sterno-Clavicular-Gelenke bei im Übrigen
unauffälligen Befunden ergeben (IV-act. 59-3 f.). Im März und April 2008
stattgefundene Konsultationen am Institut für Anästhesiologie des KSSG ergaben das
Bestehen eines deutlich chronifizierten, mittlerweile auch disseminierten, neuropathisch
unterhaltenen Schmerzsyndroms. Von interventionellen Massnahmen im Sinn einer
Stellatum-Blockade und/oder Interkostal-Blockade wurde in einem Bericht vom
15. April 2008 abgeraten (IV-act. 60). Am 2. Dezember 2009 untersuchte Dr. med.
B._, Facharzt FMH für Herzleiden und Innere Medizin, den Versicherten.
Dopplerechokardiographisch finde sich ein dilatierter, generalisiert vermindert
beweglicher linker Ventrikel mit symmetrischer Hypertrophie als Ausdruck einer
hypertensiven Kardiopathie mit diastolischer und systolischer Funktionsstörung (IV-
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act. 63-38). Am 8./9. März 2010 führte Dr. B._ ein 24-Stunden-EKG durch, das keine
neuen Erkenntnisse brachte (IV-act. 63-36).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle begutachtete die Ärztliche Begutachtungsinstitut GmbH
(ABI), Basel, den Versicherten am 23. März 2010 polydisziplinär (internistisch/
allgemeinmedizinisch, psychiatrisch und orthopädisch). Im Gutachten vom 12. Juli
2010 werden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnosen dilatative hypertensive
Kardiopathie, chronische Schulterschmerzen der adominanten linken Seite, Status
nach offener mehrfragmentärer Fraktur des Mittelfingerendglieds links am 24.
September 2005 und chronische ventrale Knieschmerzen beidseits genannt. Ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beständen eine Schmerzverarbeitungsstörung, eine
Adipositas und eine arterielle Hypertonie. Die angestammte Tätigkeit als Maurer sowie
jede körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeit seien dem Versicherten nicht mehr
zuzumuten. Für körperlich leichte Tätigkeiten unter Wechselbelastung bestehe
hingegen aus rein orthopädischer Sicht eine zeitlich und leistungsmässig
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit, sofern das Heben und Tragen von Lasten über zehn
Kilogramm dabei vermieden werden könnten (IV-act. 63).
A.d Gestützt auf dieses Gutachten stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit
Vorbescheid vom 6. September 2010 bei einem Invaliditätsgrad von 15% die
Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht (IV-act. 67). Am 15. Oktober 2010
verfügte sie dementsprechend (IV-act. 68). Auf Beschwerde des Versicherten hin (IV-
act. 69, 77-2 ff.) widerrief die IV-Stelle die Verfügung am 11. April 2011 und kündigte
weitere Abklärungen an (IV-act. 86). Das Gerichtsverfahren wurde daraufhin am 18. Mai
2011 abgeschrieben (IV-act. 93). In einem "Triage-Protokoll nach Grundsatzentscheid"
vom 26. Mai 2011 wurde unter anderem festgehalten, die Verfügung sei widerrufen
worden, weil nie abschliessend zu beruflichen Massnahmen Stellung genommen
worden sei. Der Versicherte habe lediglich Anspruch auf Arbeitsvermittlung (IV-act. 94).
Am 16. Juni 2011 fand eine Besprechung der zuständigen IV-
Eingliederungsverantwortlichen mit dem Versicherten statt. Im Verlaufsprotokoll vom
17. Juni 2011 wurde festgehalten, der Versicherte wünsche von der IV eine Rente. Er
fühle sich subjektiv nicht arbeitsfähig. Berufliche Massnahmen seien somit nicht
angezeigt (IV-act. 100-2). Am 5. August 2001 (richtig: 2011) teilte die IV-Stelle dem
Versicherten folglich mit, das kein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe (IV-
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act. 102). Mit einem Vorbescheid vom 16. November 2011 kündigte sie die erneute
Verneinung des Rentenanspruchs bei einem Invaliditätsgrad von 14% an (IV-act. 106).
A.e Am 16. Dezember 2011 ging der IV-Stelle in der Beilage einer Neuanmeldung des
Versicherten (IV-act. 107) ein Bericht von Dr. med. C._, Facharzt für Kardiologie und
Innere Medizin, vom 13. Dezember 2011 zu. Darin nennt dieser die Diagnose dilatative
Kardiomyopathie mit ausgeprägt reduzierter linksventrikulärer Pumpfunktion. Aufgrund
des Befundes mit der resultierend deutlich reduzierten Belastbarkeit halte er eine
Invalidisierung für unumgänglich. Der Befund sollte engmaschig kardiologisch
kontrolliert werden. Er bitte um Wiedervorstellung in vier bis sechs Monaten (IV-
act. 110). Die IV-Stelle unterbreitete diesen Bericht ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD; IV-act. 113) und teilte dem Rechtsvertreter des Versicherten am 7. Februar 2012
mit, sie gedenke nach wie vor, einen Rentenanspruch zu verneinen (IV-act. 114). Am
28. März 2012 verfügte die IV-Stelle die Rentenablehnung (IV-act. 118). Nach Eingang
eines Einwands des Versicherten vom 27. März 2012, in dem dieser insbesondere das
ABI-Gutachten als unvollständig kritisierte (IV-act. 117), widerrief die IV-Stelle diese
Verfügung am 30. März 2012 (IV-act. 119), holte eine weitere Stellungnahme beim RAD
ein (IV-act. 120) und verfügte am 12. Juni 2012 nach entsprechendem Vorbescheid
vom 24. April 2012 (IV-act. 123) die Rentenablehnung (IV-act. 124).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 12. Juni 2012 liess der Versicherte am 13. Juli 2012
Beschwerde erheben. Sein Rechtsvertreter beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen die Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer
Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 50%. Eventualiter sei
vom Versicherungsgericht ein neues polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben,
subeventualiter sei die Angelegenheit zur Ergänzung des Sachverhalts an die IV-Stelle
zurückzuweisen. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu
bewilligen. Die Beschwerdegegnerin und das Versicherungsgericht hätten in den
Jahren 2009 bzw. 2010 eine polydisziplinäre Begutachtung unter Beizug eines
Kardiologen empfohlen bzw. in Auftrag gegeben. Die ABI-Begutachtung sei ohne
Beizug eines Kardiologen erfolgt. Die Herzproblematik werde im Gutachten nur
oberflächlich behandelt und stehe der Auffassung des Kardiologen Dr. C._ entgegen,
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der klar von einer Arbeitsunfähigkeit ausgehe. Im Weiteren werde den mittlerweile
schon über zwei Jahre alten Feststellungen des Gutachters durch die zeitlich neueren
Feststellungen des Kardiologen Dr. C._ widersprochen. Auch die psychiatrische
Begutachtung sei wegen der schlechten Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers
unzureichend. Eine Restarbeitsfähigkeit des mittlerweile fast 59 Jahre alten
Beschwerdeführers mit schlechten Deutschkenntnissen und fehlender schulischer
Ausbildung sowie einem nicht mehr einsetzbaren Finger der linken Hand sei nicht
gegeben. Die Beschwerdegegnerin lasse denn auch völlig offen, welche
Verweistätigkeiten es für den Beschwerdeführer aufgrund seiner erheblichen
gesundheitlichen Defizite überhaupt noch geben könnte. Im Weiteren werde eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs gerügt. Das Eingliederungsgespräch vom 16. Juni
2011 sei ohne Einbezug des Rechtsvertreters erfolgt. Auch sei diesem die Auswahl der
Gutachter nie mitgeteilt worden (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 17. August 2012 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Der internistische Gutachter des
ABI sei in der Lage gewesen, die Auswirkungen des kardiologischen Leidens des
Beschwerdeführers zu beurteilen. Dem ABI hätten die kurz zuvor von Dr. B._
erhobenen Befunde vorgelegen. Diese machten es nachvollziehbar, dass der
Beschwerdeführer nur noch körperlich leichte Tätigkeiten ausüben könne. Der RAD
halte zudem fest, dass die von Dr. C._ genannte Diagnose bereits bekannt gewesen
sei. Es sei von einem stationären Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
auszugehen. Im Übrigen sei die psychiatrische Untersuchung beim ABI im Beisein
eines Dolmetschers durchgeführt worden. Es gebe keine Hinweise, dass der
Beschwerdeführer vom ABI in psychiatrischer Hinsicht nicht kompetent untersucht
worden sei (act. G 4).
B.c Der Beschwerdeführer liess das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege am
20. August 2012 zurückziehen (act. G 5) und verzichtete am 5. Oktober 2012 auf die
auf die Einreichung einer Replik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
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1.1 Im vorliegenden Verfahren ist über den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente zu befinden. Über die Anmeldung vom Juni 2007 wurde bis anhin nicht
rechtskräftig entschieden.
1.2 Am 5. August 2011 hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des
Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen verneint. Der Beschwerdeführer hat
dies akzeptiert, ohne eine rechtsmittelfähige Verfügung zu verlangen. Die
entsprechende Mitteilung ist daher in Rechtskraft erwachsen. Auf die beruflichen
Massnahmen ist folglich nicht weiter einzugehen. Soweit der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers im vorliegenden Verfahren eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
im Zusammenhang mit dem Eingliederungsgespräch vom 16. Juni 2011 rügt, das der
Mitteilung vom 5. August 2011 zugrunde liegt, ist darauf mangels
Anfechtungsgegenstands nicht weiter einzugehen.
1.3 In formeller Hinsicht rügt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers weiter, ihm
sei die Auswahl der Gutachter nicht mitgeteilt worden. Die Mitteilung vom 17. März
2010, wonach eine Begutachtung beim ABI durchgeführt werde (IV-act. 58), wurde
dem Rechtsvertreter zugestellt. Das Aufgebot des ABI vom 25. Mai 2010, das die
Namen der beteiligten Teilgutachter beinhaltet, wurde offenbar nur dem
Beschwerdeführer direkt und nicht auch seinem Rechtsvertreter zugestellt (vgl. IV-
act. 62). Daraus kann der Beschwerdeführer nachträglich jedoch nichts zu seinen
Gunsten ableiten. Insbesondere kann wegen dieses formellen Mangels nicht auf eine
Beweisuntauglichkeit des Gutachtens geschlossen werden, zumal der Rechtsvertreter
nach Kenntnis über die Gutachter gegenüber der Beschwerdegegnerin zu keinem
Zeitpunkt Einwände erhob und auch im vorliegenden Gerichtsverfahren keinerlei
Ausstandsgründe benennt.
2.
2.1 Die rechtlichen Grundlagen für den Anspruch auf eine Invalidenrente wurden
bereits im Entscheid IV 2008/160 wiedergegeben. Darauf wird verwiesen. Materiell-
rechtlich haben betreffend den Rentenanspruch weder die im Jahr 2008 in Kraft
getretene 5. IV-Revision noch die im Jahr 2012 in Kraft getretene Revision 6a
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Änderungen gebracht (abgesehen vom Rentenbeginn, vgl. Art. 29 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]).
2.2 Der Beschwerdeführer stellt sich sinngemäss auf den Standpunkt, die
Beschwerdegegnerin habe dem Rückweisungsurteil des Versicherungsgerichts nicht
hinreichend nachgelebt, indem sie ihre medizinischen Abklärungen ohne Beizug eines
kardiologischen Gutachters abgeschlossen habe. Im Gerichtsentscheid vom
4. November 2009 war bemängelt worden, dass die diagnostischen Möglichkeiten in
Bezug auf die vom Beschwerdeführer geklagten linksseitigen Thoraxschmerzen nicht
ausgeschöpft worden seien, obwohl von den behandelnden Ärzten weiterer
Abklärungsbedarf erkannt worden sei. Auch war als zu wenig nachvollziehbar beurteilt
worden, weshalb keine psychiatrische Abklärung des Beschwerdeführers
vorgenommen worden war. Das Gericht empfahl eine polydisziplinäre Begutachtung
unter Beizug eines Kardiologen und wies die Angelegenheit "im Sinn der Erwägungen"
zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurück. In diesem Urteil kann
aufgrund dieser Formulierungen keine zwingend verbindliche Verpflichtung der IV-
Stelle gesehen werden, einen Kardiologen zur Arbeitsfähigkeitsschätzung beizuziehen.
Bei der Erteilung des Begutachtungsauftrags ans ABI hielt der RAD bzw. die IV-Stelle
zwar fest, es sei ein Kardiologe beizuziehen (IV-act. 57; 61). Diesbezüglich nahm der
RAD jedoch keine eigene Notwendigkeitsbeurteilung vor, sondern es wurde nur auf
den Entscheid des Versicherungsgerichts verwiesen. Eine verbindliche Anordnung des
Beizugs eines Kardiologen kann darin folglich nicht erblickt werden (zur Aufgabe des
RAD, eine Einordnung vorzunehmen, welche Fachdisziplinen an einer Begutachtung zu
beteiligen sind, vgl. die Bundesgerichtsurteile 9C_656/2012 vom 11. Dezember 2013,
E. 3.2; 9C_474/2013 vom 20. Februar 2014, E. 5.2.1). Damit oblag es der
Gutachterstelle, aufgrund der konkreten Fragestellung und der erforderlichen
Untersuchungen Art und Umfang der Fachdisziplinen festzulegen (Bundesgerichtsurteil
9C_474/2013, E. 5.2.1 m.w.H.; vgl. auch das Bundesgerichtsurteil 8C_124/2008 vom
17. Oktober 2008, E. 6.3.1). Nachfolgend ist dementsprechend zu prüfen, ob der
Entscheid des ABI, keinen Kardiologen zur Begutachtung beizuziehen, als vertretbar zu
betrachten ist.
2.3 Die ABI-Gutachter hielten fest, da der Beschwerdeführer noch im März 2010 von
Dr. B._ umfassend abgeklärt worden sei, habe man auf die Durchführung
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wiederholter kardiologischer Untersuchungen verzichtet. Dopplerechokardiologisch sei
im Dezember 2009 ein dilatierter Ventrikel mit symmetrischer Hypertrophie als
Ausdruck einer hypertensiven Kardiopathie mit diastolischer und systolischer
Funktionsstörung gefunden worden. Im 24-Stunden-EKG hätten sich Salven von
ventrikulären Tachykardien bis 8 Schläge mit Kammerfrequenz bis 188 pro Minute
gezeigt. Im Belastungs-EKG vom 2. Dezember 2009 habe der Explorand 100 Watt
erreicht, wobei die Belastung wegen Ermüdung habe abgebrochen werden müssen.
Sowohl klinisch als auch elektrokardiographisch habe sich eine negative Ergometrie
gezeigt, das EKG sei bis auf supraventrikuläre Extrasystolen unauffällig gewesen (S. 24
des Gutachtens). Die Gutachter haben der von Dr. B._ festgestellten Kardiopathie
insofern Auswirkungen auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit zuerkannt, als sie die
angestammte Tätigkeit auf dem Bau insbesondere deswegen als nicht mehr möglich
bezeichneten. Für leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten konnten sie
daraus jedoch keine Einschränkung ableiten. Den Berichten von Dr. B._ lassen sich
keine Hinweise darauf entnehmen, dass diese Beurteilung unzutreffend sein könnte. Im
Dezember 2009 hielt Dr. B._ fest, er wolle das Holter-EKG in drei Monaten
wiederholen. Dabei strebte er offenbar bessere Therapieempfehlungen an. Sein Bericht
vom 9. März 2010 enthält denn auch – wiederum – Empfehlungen zur medikamentösen
Behandlung des Herzleidens sowie die Empfehlung einer erneuten Echokardiographie
und eines Holter-EKG Ende 2010 (IV-act. 63-36). Auf eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit in einer körperlich wenig belastenden Tätigkeit lassen die
Ausführungen von Dr. B._ nicht schliessen.
2.4 Die zuständige Ärztin des RAD wies in ihrer Stellungnahme vom 9. März 2011
nachvollziehbar darauf hin, dass sich auch aus dem vom Beschwerdeführer
beschriebenen Tagesablauf keine Anhaltspunkte für Einschränkungen in Bezug auf
körperlich leicht belastende Aktivitäten ergäben (IV-act. 83). Der Beschwerdeführer
hatte gegenüber dem fallführenden ABI-Gutachter festgehalten, bei Wetterwechsel,
vermehrter Müdigkeit und bei schnellen Bewegungen im Schultergelenk links unter
ziehenden Schmerzen im Bereich der Schulter ventral und dorsal zu leiden. Zudem
hatte er über seit vier Jahren konstant vorhandene Beschwerden beim Bergaufgehen
oder nach Steigen von bereits zwei bis drei Treppenstufen berichtet. Er bekomme dann
Mühe beim Atmen, zudem präkordial links stechende Schmerzen, die nach Sistieren
der körperlichen Belastung innerhalb von Sekunden wieder aufhörten. Ausserdem
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komme es anstrengungsunabhängig zum Teil zu Episoden mit sekundenweise
anhaltendem, schnellem Herzschlag. Vor allem beim Bücken komme es zu einem
ungerichteten Schwindel, weswegen er auch schon gestürzt sei, verletzt habe er sich
aber aufgrund der Stürze noch nie (S. 12). Gegenüber dem begutachtenden Psychiater
hatte der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den Herzbeschwerden lediglich
angegeben, keine längeren Strecken gehen zu können und seit dem Unfall unter
Atemnot zu leiden (S. 13). Dass bei einer körperlich nicht oder nur wenig belastenden
Tätigkeit ohne Aufwärtsgehen, Treppensteigen oder Bücken Beschwerden auftreten,
hat der Beschwerdeführer folglich nicht geltend gemacht. Hingegen hatte er erwähnt,
neben dem täglichen kleinen Einkauf zu Fuss normalerweise eine bis anderthalb
Stunden täglich spazieren zu gehen (S. 12). Insgesamt erscheinen die objektiven
Schlussfolgerungen der Gutachter begründet und sind nachvollziehbar. Zudem lassen
sie sich gut in Einklang bringen mit den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers.
Hinweise darauf, dass wesentliche Elemente unberücksichtigt geblieben oder deren
Auswirkungen falsch eingeschätzt worden wären, liegen nicht vor.
2.5 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beruft sich auf die Beurteilung des
Kardiologen Dr. C._, der in seinem Schreiben vom 13. Dezember 2011 aufgrund des
Befundes mit der resultierend deutlich reduzierten Belastbarkeit eine Invalidisierung als
unumgänglich bezeichnet hat. Dr. C._ hat nicht erläutert, was er unter dem von ihm
verwendeten Begriff der "Invalidisierung" versteht. Invalidität ist ein juristischer Begriff,
der in Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) definiert ist und für dessen Bemessung es
je nach der Gebotenheit des Einzelfalls verschiedene Methoden gibt (vgl. Art. 16 ATSG,
Art. 28a IVG, Art. 25 ff. der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR
831.201]). Die medizinische Fachperson trägt in Bezug auf die Erhebung des relevanten
Sachverhalts indirekt zum Ergebnis der Invaliditätsbemessung bei, indem sie sich
insbesondere zur für die Bemessung relevanten Arbeitsfähigkeit einer versicherten
Person äussert. Direkte Einschätzungen darüber, ob eine Invalidität vorliegt oder nicht,
sind ihr jedoch nicht möglich. Angaben zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
und beispielsweise eine Umschreibung von ihm noch möglichen Tätigkeiten liefert
Dr. C._ – der auch nicht entsprechend angefragt wurde – nicht. Der RAD wies am
6. Februar 2012 nachvollziehbar darauf hin, dass Dr. C._ keine anderen Befunde
erhoben hat als Dr. B._ (IV-act. 113). Im Oktober 2008 mass Dr. B._ im
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Echokardiogramm eine Auswurfleistung des Herzens (linksventrikuläre
Ejektionsfraktion; LVEF) von 34% (IV-act. 63-30), im Dezember 2009 von 38% (IV-
act. 63-40). Dr. C._ erhob im Dezember 2011 eine LVEF von ca. 35%. Die
Auswurfleistung des Herzens des Beschwerdeführers hat sich demnach nicht
verschlechtert. Dass Dr. B._ eine "minime" Mitralklappeninsuffizienz erwähnte und
Dr. C._ diese als "leichtgradig" bzw. "gering" bezeichnete, lässt nicht den Schluss
auf eine relevante Verschlechterung zu. Eine Relaxationsstörung des linken Ventrikels
erkannten beide Kardiologen. Hinweise auf eine relevante Verschlechterung des
Herzleidens seit der Beurteilung durch das ABI liegen folglich nicht vor.
2.6 Die übrigen erkannten Leiden des Beschwerdeführers, insbesondere die
Schulterschmerzen links, die beidseitigen Knieschmerzen und der Zustand des linken
Mittelfingers, bringen nachvollziehbarerweise gewisse Einschränkungen mit sich. Eine
Begründung dafür, dass neben den qualitativen Einschränkungen, die die Gutachter
bei der Umschreibung einer angepassten Verweistätigkeit berücksichtigt haben, auch
quantitative Einschränkungen verbunden wären, findet sich in den Akten jedoch nicht.
Soweit der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers behauptet, die psychiatrische
Untersuchung sei wegen dessen schlechter Deutschkenntnisse unzureichend
gewesen, kann dieser Sichtweise nicht gefolgt werden. Die psychiatrische Exploration
fand unter Beizug einer Dolmetscherin statt (S. 14 des Gutachtens). Hinweise auf
Verständigungsschwierigkeiten oder sprachliche Missverständnisse liegen keine vor
und werden vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers denn auch nicht substantiiert
geltend gemacht. Die übrige Aktenlage, insbesondere auch die Berichte der
behandelnden Ärzte, lässt nicht auf eine die Arbeitsfähigkeit relevant beeinträchtigende
psychische Problematik schliessen. Darauf ist folglich nicht näher einzugehen.
2.7 Zusammenfassend ist auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI abzustellen. Wie
dargelegt, ergeben sich verschiedene Einschränkungen in qualitativer Hinsicht. In
quantitativer Hinsicht ist der Beschwerdeführer aus polydisziplinärer Sicht jedoch für
eine den Beschwerden optimal angepasste leichte bis intermittierend mittelschwere
Tätigkeit nicht eingeschränkt. Bei diesem Ergebnis kann die exakte
Invaliditätsbemessung unterbleiben, zumal der Beschwerdeführer vor Eintritt des
Gesundheitsschadens in etwa den statistischen Durchschnittslohn männlicher
Hilfsarbeiter gemäss der schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) erzielte (vgl. den
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IK-Auszug in IV-act. 8), jedenfalls aber nicht von einem klar überdurchschnittlichen
Valideneinkommen auszugehen ist. Selbst bei Gewährung eines Abzugs vom
Tabellenlohn erreicht sein Invaliditätsgrad daher das rentenbegründende Ausmass von
40% nicht.
3.
3.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen die Verfügung
vom 12. Juni 2012 abzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-
erscheint als angemessen. Sie ist dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Der von ihm geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist anzurechnen. Ein
Anspruch auf eine Parteientschädigung besteht ausgangsgemäss nicht.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP