Decision ID: 1368aa53-a065-43f2-bf26-13bcd0ff195b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1992,
besuchte
die Prim
a
rschule
teils
in der Schweiz (Sonderklasse)
, teils in
der
Y._
und absolvierte
einige Semester
der
Z._
in
A._
(
Urk.
7/1/2-4
und
6-8
,
Urk.
7/102/11
).
V
on
Februar 2009
bis Januar 2010
war er
bei den Sozialen Ein
richtungen und Betrieben der Stadt Zürich
im
B._
tätig
(
Urk.
7/7/8
,
Urk.
7/49
). Auf Empfehlung
desselben
(
Urk.
7/1/10) meldete ihn seine Mutter
im
April 2009
zur
berufliche
n
Eingliederung
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle)
,
an (
Urk.
7/
2).
Die
se
holte
neben einem hausärztlichen Bericht (
Urk.
7/8/5) einen solchen
beim
C._
ein
, der
Anpassungsstörung
en
(
F43.2
)
,
eine a
typische familiäre Situation
(
Z60.1
)
sowie
eine
niedrige Intelligenz (
ICD-10, multiaxial K/J, Achse 3
)
diagnostizierte
(Urk.
7/7/6).
So
dann organisierte
die IV-Stelle
für den Versicherten Schnupper
wochen
(
Urk.
7/13
-14
,
Urk.
7/18
)
und
l
eistete
Kostengutsprache für ein Beru
fs
vorbereitungssemester
ab Februar 2010
(
Urk.
7/16)
sowie
die Mehrkosten einer
zweijährigen Attestlehre
zum
Logistiker EBA
ab August 2010 bei
der
Stiftung
D._
(
Urk.
7/21
,
V
ertrag
Urk.
7/29)
.
Aufgrund der vom Versicherten gezeigten Leistungen
(
Urk.
7/32-33,
Urk.
7/40-41,
Urk.
7/45)
ergriff die Stiftung
Förder
massnahmen
(
Urk.
7/46/2).
Indessen bestand der Versicherte die Abschlussprü
fung im April 2012
nicht (
Urk.
7/53)
.
Überdies klagte
er
ab
Sommer 2011
vermehrt
über
Bein- und Rückensc
hmerzen
(
Urk.
7/45/3, 7/45/9).
M
edizinische
Abklärungen
im Sommer 201
2
ergaben
ein chronisches lumboradikuläres Reizsyndrom
rechts
mit intraforaminaler Diskus
hernie L5/S
1
und
Neurokompression L5
sowie
mit Myotendinosen im
rechten
Bein
(
Urk.
7/54
/1-5
).
Infolgedessen
stellte
d
er
die IV-Stelle beratende
Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
den
Arbeitsbereich Logistik
in Frage
(
Urk.
7/55). In A
nbe
tracht dessen
liess
die IV-Stelle
den Versicherten
im
E._
beruflich abklären
(
Urk.
7/70).
Dieses empfahl
weitere medi
zinische Abklärungen
und
gegebenenfalls einen Abschluss zum
Praktiker
P
rA
Logistik
nach I
NSOS
(
Nationaler Branchenverband der Institutionen für Men
schen mit Behin
derung
,
Urk.
7/70/7-8).
Dem entsprach die
IV-Stelle
mit
e
rneu
ter
Kosten
gut
sprache für
eine
erstmalige Ausbildung
während drei Monaten
im Frühjahr 2013
(
Urk.
7/
83
,
V
ertrag
Urk.
7/81
).
Im Juni 2013 schloss der Versi
cherte d
as Qualifikationsverfahren PrA
sc
h
liesslich
mit
knapp bis
mehrheitlich erfüllten Anforderungen ab
(
Urk.
7/87/13-23,
Urk.
7/87/1-10
).
Seither
arbeitet er im geschützten Rahmen und verpackt
Besteck
zu einem Stundenlohn von Fr.
3.
--
(
Urk.
7/92
, 7/102/11
).
1.2
Im Zusammenhang mit den
ob
erwähnten beruflichen Abklärungen und Mass
nahmen bezog der Versicherte von 2010 bis 2013 verschiedentlich ein kleines Taggeld (
Urk.
7/17, 7/19, 7/25, 7/30-31, 7/34-39, 7/73, 7/76-77, 7/86).
Mit Abschluss
derselben
kündigte
die IV-Stelle
ihm
eine Rentenprüfung
an
(Urk.
7/88). Sie holte einen Auszug aus dem Individuellen Konto (
Urk.
7/90) sowie
einen Bericht beim Hausarzt (
Urk.
7/94/1-7) ein und gab ein psychiatri
sches Gutachten bei
Dr.
med.
F._
in Auftrag (
Urk.
7/97).
Im
Gutachten vom
3.
Juli 2014
attestierte
dieser
dem Versicherten eine 100%
Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten. Dabei berücksichtigte er neben der „somatischen Vor
geschichte“
eine
einfache
Aufmerksamkeits
-Hyperaktivitätsstörung (ADHS, ICD
10: F90.0
)
und Höhenangst
(
Urk.
7/102
/17
und 20). Das Gutachten
wurde vom RAD
für vollständig und schlüssig befunden (
Urk.
7/103/3)
, weshalb die IV-Stelle
dem Versicherten
mit Vorbescheid vom 10.
Juli 2014 eine Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht stellte (Urk.
7/104). Dagegen erhob die Gemeinde
P._
, Sozialdienst, Einwand (
Urk.
7/110).
Nach interner Rück
sprache mit
G._
, welcher
die Diagnose
ADHS als
blosse
Ver
dachtsdiagnose qualifizierte
(
Urk.
7/116/1)
,
verneinte die IV-Stelle
mit Ver
fügung vom
2
4.
Februar 2015
einen
Rentenanspruch (
Urk.
7/117).
2.
Gegen diesen Entscheid
erhob die Gemeinde
P._
am 2
7.
März 2015 Beschwerde.
Sie
beantragte, den Versicherten zum Prozess beizuladen und
ihm
eine Rente
rückwirkend
ab 1.
April 2010
zuzusprechen
(
Urk.
1
S. 1 und Rz 82
).
In der Beschwerdeantwort vom 1
2.
Mai 2015 schloss die IV-Stelle auf teilweise Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung zur weiter
e
n Abklä
rung
der somatischen Beschwerden
(
Urk.
6).
Dagegen wehrte sich
die Gemeinde
in der
Replik vom
5.
August 2015
und beantragte
auf die Berichte der berufli
chen Integration abzustellen
,
eventualiter
ein
Gerichtsgutachten
einzuholen
(
Urk.
12).
In der Folge verzichtete die IV-Stelle auf
eine Duplik
(Urk.
16)
. D
er anschliessend mit Verfügung vom 2
8.
August 2015 zum Prozess beigeladene Versicherte
liess die ihm angesetzte Frist zur Stellungnahme ungenutzt verstrei
chen (
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworde
n wäre (vgl. dazu
BGE 130 V 343 E. 3.4.2).
Für den Fall, dass eine versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden berufli
chen Kenntnisse erwerben oder eine begonnene berufliche Ausbildung nicht abschliessen konnte, enthält
Art.
26
der Verordnung über die Invaliden
ver
si
cherung (IVV)
Sondervorschriften für die Festlegung des Validen
ein
kommens.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können,
sind
Verwaltung
und Gericht
e
auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Aus
künfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitige
n Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam
nese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 134 V 231 E.
5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung,
es
liege keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vor
. Die
dargestellten Einschränkungen würden keinen langdauernd
en Gesundheitsschaden begrün
den.
Zum Gutachten hielt sie fest, darin
seien
sämtliche Berichte der beruflichen Massnahmen
berücksichtigt worden
. Die Verdachtsdiagnose ADHS, die bei einer Ausbildung sicherlich Auswirkungen habe, genüge
indessen nicht für eine Rentenzusprache
(
Urk.
2).
In der Beschwerdeantwort anerkannte
sie
hingegen
einen
Abklärungsbedarf bezüglich der körperlichen Beschwerden und bean
tragte in diesem Sinne eine Rückweisung der Sache an sie (
Urk.
6).
2.2
Die Beschwerdeführer
in
wies
zunächst
auf
den
schwierigen
Werdegang des Versi
cherten hin.
Sie machte
geltend,
die
Eingliederungsfachleute
hätten
trotz gute
r
Motivation
nur eine geringe Leistungsfähigkeit festgestellt
und eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt a
ls kaum möglich erachte
t
(
Urk.
1 Rz
8
21,
24-30
und 59
)
. In Anbetracht dessen
sei
en die Schlussfolgerungen im
Gut
achten
nicht nachvollziehbar
(
Urk.
1
Rz 43
und
48 f.).
Ferner
fehle es
diesem
a
n einer Auseinandersetzung
mit abweichenden früheren Beurteilungen
der
psy
chischen und geistigen Einschränkungen (
Urk.
1 Rz 40-42 und
50-54)
.
Überdies seien d
ie
somatischen Beschwerden unbeachtet geblieben (
Urk.
1 Rz 21 und 58)
.
Endlich
sei
eine Restarbeitsfähigkeit nicht verwertbar, da die
hierfür
benötigten Arbeitsbedingungen
zu kosten- und personalintensiv seien
(
Urk.
1 Rz 62-64).
Andernfalls rechtfertige sich ein maximaler Abzug von 25
%
beim Invaliden
einkommen
,
das
d
em
nach
Art.
26 IVV festzulegenden hypothetischen
Validen
e
inkommen
gegenüberzustellen sei (
Urk.
1 Rz 69-78).
In der Replik argumen
tierte die Beschwerdeführerin, b
ei der festgestellten niedrigen Inte
lligenz
, d
e
r
diagnostizierten
ADHS
sowie
aufgrund
der Einschätzung der zahl
reichen
Ein
gliederungsf
achpersonen sei erwiesen
, dass zumindest vorerst nur
eine Arbeits
fähigkeit im geschützten Rahmen
bestehe
. Weitere Abklärungen seien unnötig und da
her
unzumutbar. Andernfalls sei auf Kosten der Beschwerde
gegnerin ein Gerichtsgutachten einzuholen (
Urk.
12).
3.
3.1
In den Akten finden sich neben
einigen
Leistungsausweisen des Versicherten
haupt
sächlich Berichte
von Fachleuten, die mit dessen Eingliederung bzw. Aus
bildung betraut waren. Nichtsdestotrotz
hängt es
– entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin –
in erster Linie vom Beweiswert des Gutachtens
vom 3.
Juli 2014
sowie der übrigen medizinischen Unterlagen
ab, ob ohne weitere Abklärungen über den
Rentenanspruch entschieden werden kann
.
3.2
Wie das Bundesgericht mehrfach und auch jüngst
– in Präzisierung der unter
E.
1.3 dargelegten Rechtsprechung –
hervor
gehoben hat
, ist
d
ie Frage nach den
einer versicherten Person
noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten: Die
arbeits
me
dizinische - Aufgabe der Ärzte besteht darin, sich dazu zu äussern, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen oder geistigen Funk
tionen leidens
bedingt eingeschränkt ist. Die Fachleute der Berufsberatung dage
gen haben sich darüber auszusprechen, welche konkreten beruflichen Tätigkei
ten auf
g
rund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage kommen, wobei unter Umständen entsprechende Rückfragen beim Arzt erforderlich s
ind (vgl. Urteil des Bundes
gerichts I
936/2005 vom
2.
April 2007 E. 3.3, bestätigt in den Urteilen 9C_401/2014 vom 2
6.
November 2014 E. 4.2 und 9C_396/2014 vom 1
5.
April 2015 E. 5.4).
Dabei ist zu berücksichtigen, dass
die
psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen
kann
. Sie eröffnet dem begutachten
den Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (vgl. die Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Versicherungspsy
chiatrie für die Begutachtung psychischer Störungen, in: SAeZ 2004 S. 1050 f.).
Um die Beweiskraft der Begutachtung herabzusetzen, bedarf es daher objektiv feststellbarer Gesichtspunkte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen.
Demgegenüber geht es nicht an, e
ine
medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise
stets
in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärun
gen zu nehmen,
allein weil
die
mit der Behandlung beauftragten
Ärzte zu
einer
unterschiedlichen Einschätzung gelangen
oder anlässlich einer beruflichen Abklärung eine
von der medizinisch-theoretisch festgelegten Arbeitsfähigkeit erheblich abweichende, tatsächlich gezeigte Leistung
festgestellt wurde
(vgl. Urteile des Bundesgerichts I_676/2005 vom 13.
März 2006 E. 2.4 und I_936/2005 vom
2.
April 2007 E. 3.3).
3.3
Aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht entscheidend ist also, ob die festge
stellten kognitiven Defizite nachvollziehbar und überzeugend durch ein medizi
nisch-diagnostisch fassbares Leiden mit Krankheitswert erklärbar sind, das mit Blick auf Schweregrad, Dauer und Intensität zugleich als eine die Arbeitsfähig
keit beeinträchtigende Krankheit im gesetzlichen Sinne gelten kan
n (Urteil des Bundesgerichts 9F_
9/2007 vom 1
5.
September 2008 E. 4.2.4.3).
4.
4.1
Im Gutachten vom
3.
Juli 2014 wurde
vorab
der test
psychologische Befund
wiedergegeben
.
Die Psychologin lic. phil.
H._
hatte mit dem Versicherten einen
Aufmerksamkeits- und Belastungstest D2, ein
en
Wechsler Intelligenztest für Erwachsene (WIE) sowie ein
en
M
atrizen-Test SPM
durchgeführt (Urk.
7/102/15)
.
Der
Versicherte weise
ein unterdurchschnittliches Tempo bei durchschnittlich vielen Fehlern auf. Die Konzentrationsleistung habe eher im unteren Normbe
reich gelegen. Im Vergleich mit der altersgleichen Normstichprobe sei der Test unaufmerksam/unkonzentriert bearbeitet wo
rden.
Die Konzentration habe nach zwei Minuten nachgegeben, doch
40 Sekunden später
habe sich der Versicherte
wieder
konzentrieren und die Leistung der ersten bearbeiteten Zeilen bis zum Schluss erbringen können, was auf Ausdauer hinweise.
Der
Verbal-IQ
bei
79
liege
im grenzwertigen Bereich. Er stehe
stellvertretend für erworbenes Wissen, das schlussfolgernde verbale Denken und die Aufmerksamkeit für sprachliche Inhalte.
Im Durchschnittsbereich liege der
Handlungs-IQ
bei
9
4.
Dieser
umfasse die Flüssigkeit des schlussfolgernden Denkens, die räumliche Wahrnehmung, die Aufmerksamkeit für Details und die visuo-motorische Integration.
Die
Indexwerte Arbeitsgeschwindigkeit (Fähigkeit, visuelle Informationen möglichst schnell zu verarbeiten
), Arbeitsgedächtnis (Fähigkeit, Informationen zu erfassen,
kurzzeitig
zu merken
und
bearbeiten
) und Sprachverständnis
würden
im unter
durchschnittlichen Bereich liegen.
Zusammenfassend liege d
er Gesamt-IQ von 84 im unterdurchschnittlichen Bereich
. Hinweise
auf eine Intelligenzminderung nach ICD-10
g
e
be es keine.
Bei
den
Indexwerte
n
würden sich Defizite in den sprachlichen, verbalen Fähigkeiten zeigen
, die wahrschei
nlich als beeinträchtigend erlebt
würden
. Es beste
he
aber die Möglichkeit, dass der Versicherte diese mit anderen kognitiven Fähigkeiten kompensiere. Eine Arbeitsfähigkeit bei optimal angepasster Tätigkeit sei anzu
nehmen (
Urk.
7/102/15-16).
4.2
Der Gutachter
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
schlussfolgerte
,
es bestehe keine Intellige
nzminderung mit Krankheitswert.
Den reduzierten Verbal-IQ könne man über den Bildungsweg und die sozialen Pro
bleme nachvollziehen (Schul-
/
Sprachwechsel, wenig gebildetes Elternhaus).
Der Versicherte habe jedoch sowohl in der Testung im
C._
als auch durch die Psychologin
H._
und ebenso in seiner klinischen Untersuchung Mängel in der Konzentration- und Ausdaueraufmerksamkeit gezeigt. Insg
esamt stehe also eine Aufmerksamkeitsschwäche im Vordergrund, keine pathologische Intelli
genzminderung. Der Versicherte habe angegeben, einmalig Ritalin vor einer Prüfung genommen zu haben, wodurch er sich besser habe konzentrieren kön
nen. Bei monotonen Tätigkeiten schweife er schnell ab. Er sei ein „sensation seeker“, spiele stundenlang und sei gerne auf der Strasse unterwegs. Es müsse einfach immer etwas gehen. Der Versicherte sei offenbar schon in der Schule hyperaktiv gewesen (Herumzappeln und Verlassen der Klasse unter einem Vor
wand, um sich bewegen zu können). Er beschreibe Probleme in der Selbstorga
nisation (Steuerklärung, Rechnungen), Impulsivität (Ausflippen) und eine ver
stärkte emotionale Amplitude (ohne Nachteile im Alltag). In den Vorakten werde
zudem
mehrfach über erhöhte Ablenkbarkeit berichtet.
Der Gutachter
stellte daher folgende Diagnosen mit „möglicher“ Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
einfache Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung (ICD-10: F90.0) seit Kindheit, keine Intelligenzminderung (Gesamt-IQ 84) und 2.
Höhenangst (
Urk.
7/102/17)
.
4.3
Zur Leistungsfähigkeit
des Versicherten
führte
der Gutachter
aus,
dieser
arbeite vollschichtig im geschützten Rahmen und wirke eher unter- als überfordert. Er schliesse Freizeitaktivitäten an die Arbeit an und es gehe ihm gut.
Aufgrund der Intelligenz lasse sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Selbst Menschen mit deutlich niedrigerem IQ könnten in der Regel einer Arbeit im ersten Arbeitsmarkt nachgehen. Für eine Tätigkeit als Logistiker scheine der Versicherte wenig motiviert, doch seien auch hier keine Einschränkungen erkennbar. Aus der beschriebenen ADHS-Problematik könnten sich je nach Tätigkeit
zwar
Einschränkungen ergebe
n. Im angestrebten Beruf als Se
c
uritas
würden sich diese jedoch auf die Ausbildung
(Aneignung des entsprechenden
Fachwissens)
beschränken, da die Tätigkeit selb
st
wenig anspruchsvoll und mit viel Bewegung (z.B. Rundgänge
im Objektschutz) verbunden sei.
Zusammenfassend sei in optimal angepassten Tätigkeiten jetzt schon eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben.
Diese
könnte sich aber durch eine ADHS-Therapie (Stimulanzien) noch verbessern. Unter Ritalin
sollte
der Versicherte konzen
triert
er
bzw. weniger ablenkbar sein, weniger Fehler machen, auch kognitiv anspruchsvollere Aufgaben lösen und sich theoretische Kenntnisse schneller aneignen können.
Die Berufswahl
Se
c
uritas
sei z.B.
mit einem
Praktikum und
bei Bewährung mit
eine
r
Ausbildung
zu unterstützen
. Al
lenfalls
sei hier eine interinstitutionelle Zusammenarbeit sinnvoll. Die
„m
utmassliche
“
Arbeits
f
ähig
keit nach Durchführung dieser Massnahmen betrage 100
%
(
Urk.
7/102/19)
.
Auf explizite Frage nach der Arbeitsfähigkeit als ungelernte Hilfskraft in der freien Wirtschaft
bestätigte
der Gutachter
nochmals, diese betrage 100
%
.
Zum erfragten Belastungsprofil führte er aus, z
umutbar seien alle körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten repetitiver Natur, kognitiv wenig anspruchsvoll, mit gewisser Toleranz gegenüber Leichtsinnsfehlern. Denkbar wären Tätigkeiten in der industriellen Fertigun
g, als Se
c
uritas, als
Chauffeur
oder dergleichen
. Aufgrund der somatischen Vorgeschic
hte eher ungünstig seien rücken
be
lastende körperlich schwere Tätigkeiten. Aufgrund der Höhenangst seien Arbei
ten auf Kränen oder Gerüsten ungeeignet (
Urk.
7/102/24).
5.
5.1
Es
fällt auf, dass es sich um ein psychiatrisches Gutachten handelt, beim Belastungsprofil jedoch
auch
somatische
Beschwerden
b
erücksichtigt wu
rden, die der Gutachter mangels entsprechender
Spezial
kenntnis
se
nicht
ausreichend
selbst zu beurteilen verm
ochte
.
D
as vom RAD-Arzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
nach Vorliegen der
ersten Arztberichte am 2
9.
August 2012 erstellte Belastungsprofil
ist denn auch
wesentlich eingeschränkter (rückenschonendes Arbeiten, leichte Lastenhebung bis max. 10 kg, keine nach vorne geneigten Arbeiten oder solche über Kopf).
Er
empfahl da
mals
eine schrittweise Steigerung des Arbeitspensums beginnend mit 50
%
und
wies auf eine mögliche Besserung
hin. Ferner
sah er einen möglichen
psychosomatischen Zusammenhan
g mit Überforderungssituationen
(
Urk.
7/55).
Dr.
med.
J._
, Facharzt
für Physikalische Medizinisch und Rehabilitation sowie Rheumatologie, diagnostizierte
im März 2013
als letzter Spezialarzt
anhand klinischer und radiologischer Befunde ein
chronisches lumbospondylo
genes mit
möglichem I
ntermittieren L5-Reizsyndrom rechts bei Spondyloly
se/
listhe
sis
und
leichter skoliotischer Feh
l
haltung
sowie
rezessaler Stenose L5 rechts.
Er
hielt fest, der aktuelle Funktionszustand sei als gut zu bezeichnen, Hinweise auf eine wesentliche Chronifizierung oder Sym
ptomaus
weitung be
stünden nicht.
Er empfahl ein physiotherapeutisch begleitetes Auf
bautraining im Rahmen einer medizinischen Trainingstherapie
während drei bis sechs Monaten.
Zum
Belastungsprofil
äusserte er sich nicht
, ebenso wenig attestierte er dem Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit
–
wohl
mitunter
auf
grund der
laufenden
Ausbildung
(
Urk.
7/94/8-9).
Ferner rezeptierte d
er Hausarzt
noch
Ende 2013 Schmerzmedikamente (
Urk.
7/94/5).
Einerseits war der jüngste medizinische Bericht für die degenerative Erkrankung bei Erlass der angefochtenen Verfügung also bereits zwei Jahre alt. Andererseits fehlt in den Akten ein Belastungsprofil, erstellt von einem Facharzt anhand aktueller Befunde nach Durchführung der empfohlenen Massnahmen.
Es ist daher der Beschwerdegegnerin beizupflichten, dass im Zusammenhang mit den Rückenbeschwerden ein weiterer Abklärungsbedarf besteht (vgl.
Urk.
6).
5.2
D
er
aktuell
ermittelte Gesamt-I
ntelligenzquotient (I
Q
)
von 84
ist alsdann
geringfü
gig
höher
als der Gesamt-IQ von 81, den die Testung mittels Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Kinder IV (HAWIK-IV) im Jahr 2009 durch d
en
C._
ergab (vgl.
Urk.
7/7/8).
Die Abweichung ist
vernachlässigbar
in Anbe
tracht dessen, dass im
Klassifikationssystems DSM-IV-TR ein Messfehler von ca.
fünf Punkten
– abhängig vom Test –
berücksichtigt
wird
(vgl.
Henning Sass et al, Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, DSM-IV-TR, Göttingen 2003, S.
73
f.
).
Indessen
gilt – wie von der Beschwerdeführerin
selbst
dargelegt
(
Urk.
1 Rz 39) – eine durch geringe Intelligenz verursachte Erwerbsunfähigkeit
nach der
bundes
gerichtlichen
Rechtsprechung
in der Regel nur dann als gesundheitlich verur
sacht, wenn die Intelligenz im medizinische Sinne vermindert ist, mithin der IQ weniger als 70 beträgt. Nicht als gesundheitliche Beeinträchtigung im Sinne von
Art.
7
Abs.
2 ATSG gi
lt
in der Regel eine Intelligenz im unteren Normalbe
reich
, d.h. ein
IQ
zwischen
70
und
84
(
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_108/201
4 vom 2
4.
September 2014 E. 2.2
mit
Hinweisen). Dementsprechend
verneinte
das
Bundesgericht
mit
Urteil 9C_664/2009 vom
6.
November 2009
den Rentenanspruch eines Versicherten
mit einem IQ von 74, wobei es seiner Beurteilung
das
gebräuchliche
Klassifikationssystem ICD-10
zugrunde
legte. Dieses teilt
Intelligenzminderungen in leichte (IQ 69 bis 50), mittelgradige
(IQ
49 bis 35)
, schwere
(IQ 34 bis 20)
und schwerste
(IQ weniger als 20)
Fäll
e
ein
(ICD-10: F70
bis
F73)
, wobei d
ie
Mehrzahl
der
in den oberen Bereichen der leichten Intelligenzminderung
Eingestuften
noch
für eine Arbeit anlernbar
ist
, die eher praktische als schulische Fähigkeiten, einschliesslich ungelernter oder
angelernter Handarbeit, verlangt (vgl.
Weltgesundheitsorganisation
[WHO]
, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Kli
nisch-diagnostische Leitlinien, Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.],
9.
Aufl.
2014, S.
310
).
Die Einteilung der geistigen Beh
inderungen gemäss DMS-IV-TR ist dieselbe unter Berücksichtigung von Messfehlern
.
Es wird ebenfalls
angemerkt
, dass
Personen mit leichter geistiger Behinderung gewöhnlich die sozialen und beruflichen Fertigkeiten erwerben, um für sich selbst zu sorgen
(vgl.
Henning Sass et al, Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, DSM-IV-TR, Göttingen 2003, S.
73 und 75
).
Nichts zu Gunsten des Versicherten kann
ferner
aus der
dannzumal vom
C._
gestellten
Diagnose „ICD-10, multiaxial K/J, Achse 3: Niedrige Intelligenz (4)“ abgeleitet werden. Das
dabei angewendete
Multiaxiale Klassifikationsschema für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters
ist eine Weiterentwicklung des ICD-10 Schemas und umfasst folgende Achsen:
I.
klinisch-psychiatrisches Syndrom, II. umschriebene Entwicklungsstörung, III
.
Intelligenzniveau, IV. somatisch
e
Erkrankungen, V. abnorme
psychosoziale Umstände und VI. g
lobale Beurteilung des psychosozialen Funktionsniveaus.
I
nso
weit
ist der Beschwerde
führerin beizupflichten
(
Urk.
12 Rz 88 f.
,
Urk.
13
)
. In Ergänzung dazu ist
a
ber
zu betonen,
dass
die
vorliegend interessierende III. Achse
auf der
ob
erwähnte
n
ICD-10 Einteilung
für den Bereich IQ < 70
basiert und diese
bloss
um
vier Intel
ligenzniveaus
im
darüber liegenden
Bereich
(IQ
>
69)
ergänzt: niedrige Intelli
genz (IQ 70 bis 84), Normvariante (IQ 85 bis 114), hohe
Intelligenz
(IQ 115 bis 129) und sehr hohe Intelligenz (IQ über 129).
Die festgestellte „niedrige Intelli
genz“ ist daher nicht mit einer invalidisierenden Intelligenzminderung im Sinne des ICD-10 gleichzusetzen.
Zusammenfassend ist e
ine
geringe Intelligenz als invalidisierender Gesundheits
schaden
aufgrund
der Testerg
ebnisse von 2009 und 2014
selbst
unter Berück
sichtigung von Messfehlern
definitiv auszuschliessen
.
Es ist sogar
möglich
, dass
der Versicherte
– in Anbetracht
der neu gestellten Diagnose ADHS
– sein Potenz
ial bisher noch nicht vollständig ausschöpfen konnte
(vgl. Rossi, ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Informationen aus der Praxis für Betroffene,
Angehörige und Fach
personen, S.
165, abrufbar unter www.adhs.ch)
.
Eine Ausnahme vom Regel
fall, wie sie die Beschwerdeführerin fordert (
Urk.
1 Rz. 39-44), ist denkbar, wenn die festgestellte Intelligenz
im unteren Normbereich
die erwerblichen Auswirkungen eines anderen invalidenversicherungsrechtlich anerkannten Lei
dens negativ beeinflusst
.
Dies ist nachfolgend zu prüfen.
5.3
Gemäss Gutachten
steht
im Vordergrund
ei
ne hyperkinetische Störung, konkret
eine
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F
90.0).
Die Begriffe Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstör
ung
, definiert nach dem DSM-V der American Psychiatric Association
, und hyperkinetische Störungen
, definiert nach der ICD-10 der WHO, beschreiben ein länger dauerndes und situationsübergreifend auftretendes psychiatrisches Störungsbild mit einer Kern
symptomatik von Unaufmerksamkeit, motorischer Unruhe und Impulsivität, deren Ausmass nicht dem Alter, Entwicklungsstand und der Intelligenz des Betroffenen entspricht und zu klinisch bedeutsamen funktionellen Beeinträchti
gungen in mehreren Lebensbereichen, z.B. im familiären, schulischen oder beruflichen Alltag, führt.
Es handelt sich um eine Entwicklungsstörung, die in der Kindheit in Erscheinung tritt und über das Jugendalter hinaus oftmals
i
m Erwachsenenleben
– mit teil
s
veränderter Symptomatik –
fortbesteht.
D
ie in der ICD-10 und dem DSM-V aufgeführten diagnostischen Kriterien
wurden
für die Störung bei Kindern und Jugendlichen entwickelt
,
bilden
aber
auch Grundlage für die Diagnose bei Erwachsenen (vgl. Retz/Davydenko/Kröher/Retz-Junginger: Transition der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) vom Jugend- ins Erwachsenenalter, in: Kinderärztliche Praxis 2014 S.
3
36
ff.;
Banaschewski/Döpfner,
Aufmerksam
keits
defizit-/Hyperaktivitätsstörung: Stö
rungsbild und Klassifikation, in: Kinder
ärztliche Praxis 2014 S. 286
ff.
;
W
HO
, Internationale Klassifikation psy
chischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Kli
nisch-diagnostische Leitlinien, Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.],
9.
Aufl.
2014, S.
358 f.
).
Die Beschwerdegegnerin machte wenig differenziert geltend, diese Diagnose beeinflusse zwar „sicherlich“ die Ausbildung, begründe aber keinen Rentenan
spruch. Festzuhalten ist, dass d
as Bundesgericht ein
e Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit durch ADHS im Erwachsenenalter bisher – soweit ersichtlich – nur
von vornherein
ausschloss
, wenn
die versicherte Person
vor der Diagnose
stellung effektiv
längere Zeit einer Erwerbstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nachgehen konnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_454/2013 vom 2
9.
Oktober 2013 E. 4.2).
Ein solcher Fall liegt hier nicht vor.
Der Gutachter stellte als erster
und einziger
beim Versicherten
die Diagnose A
DHS
.
Der
C._
diagnostizierte im Jahr 2009
neben der geringen Intelligenz nur eine
Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2)
und
eine atypische familiäre Situ
ation (ICD-10: Z60.1). Erster
e
fällt nun bereits aufgrund des Zeitkriteriums aus
ser Betracht (vgl.
WHO
, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, Dilling/Mom
bour/Schmidt [Hrsg.],
9.
Aufl.
2014, S.
209 f.) und l
etztere ist
e
ine sogenannte Z-Kodierung
, die zur
K
lassifizierung von Umständen vorgesehen
ist
, die den
Gesundheitszustand einer Person
zwar
beeinflussen, an sich aber keine Krank
heit oder Schädigung sind
. Eine solche Belastung fällt
nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens
(vgl. Urteil des Bundesge
richts
I
514/06 vom 2
5.
Mai 2007 E. 2.2.2.2).
Infolgedessen
wäre vom Gutachter eine besonders
detaillierte
ADHS-
Abklärung zu erwarten gewesen.
Dazu gehört hätten
beispielsweise
ergänzende Gespräche
mit Angehörigen
und dem aktu
ellen Arbeitsumfeld, die
Verwendung
standardisierter Checklisten und Frageb
ö
gen
sowie eine sorgfältige Familienanamnese und Differenzialdiagnostik
. Letzterer kommt
gerade bei einer Problematik wie der ADHS, deren Kernsymp
tome auch bei sehr vielen weiteren psychischen und neurologischen Störungen vorkommen können, gross
e
Bedeutung zu
(
vgl.
Rossi,
a.a.O.
,
S. 36 f.
;
Urteil des Bundesgerichts 9C_785/2011 E. 5.1
und 5.2
; vgl. auch
Ausschlusskriterium E
des DMS-V
).
Indessen
fielen
die Anamnese
, die Erörterung der subjektiven Beschwerden sowie
die
Erhebung
der
objektiven Befunde
im Gutachten
sehr
knapp
aus
(vgl.
Urk.
7/102/11-15)
,
so
dass
– der Beschwerdegegnerin
folgend
(
Urk.
2) –
von einer
Verdachtsdiagnose
auszugehen ist
.
Der Gutachter äusserte sich dement
sprechend auch nicht weiter zum Schweregrad der ADHS. Vielmehr räumte er selbst ein
, dass man nun üblicherweise die adhs-typischen Auslenkungen in den Bereichen Hyperaktivität, Aufmerksamkeit, Selbstorganisation, emotionale Schwankungen und Impulsivität durch standardisierte Fragebögen (Wender-Reimherr-Interview) und Rückfragen bei den Eltern abklären würde. Beim Ver
sicherten verspreche er sich davon aber wenig zusätzlichen diagnostischen Gewinn, da dieser nicht sehr differenziert berichten könne und die alkohol
kranke Mutter hier wahrscheinlich ebenfalls Mühe haben dürfte (
Urk.
7/102/17).
Weitere
Abklärungen
sind
aber
nicht bereits deshalb verzichtbar
, w
eil sie sich
als schwierig erweisen könnten
.
So ist es b
ei
einem Aufmerksamkeitsdefizit und
Hyperaktivität nicht in gleiche
r
W
eise wie etwa bei einer Depression
mit vermin
derter Belastbarkeit
einleuchtend, dass jemand am Arbeitsplatz eher unterfordert
wirkt
,
nur
weil es ihm
gut geht und er viel in seiner Freizeit unternimmt
(vgl.
Urk.
7/102/19)
.
5.4
Zur letztlich massgebenden Arbeitsfähigkeit machte der Gutachter verschiedene
Angaben. Er
attestierte
dem Versicherten eine volle Arbeitsfähigkeit
erstens
in „optimal angepassten“ Tätigkeiten (
Urk.
7/102/19)
, zweitens
für körperliche leichte bis mittelschwere ungelernte Hilfstätigkeiten repetitiver Natur, kognitiv wenig anspruchsvoll, mit gewisse
r
Toleranz gegenüber Leichtsinnsfehlern
(Urk.
7/102/20) und drittens
explizit
als Logistiker
, Chauffeur
oder Se
c
uritas, wobei
er
Schwierigkeiten bei der Aneignung des entsprechenden Fachwissens einräumte
und eine inter
in
stitutionelle Zusammenarbeit als allenfalls sinnvoll
erachtete
(
Urk.
7/102/19)
.
Ferner
bemerkte er, die Arbeitsfähigkeit lasse sich durch eine ADHS-Therapie noch verbessern. Dann wären auch kognitiv anspruchs
vollere Tätigkeiten mit geringerer Fehlerto
leranz möglich
. Im Zusam
men
hang mit den medizinischen und beruflichen Massnahmen sprach er sodann von einer „mutmasslichen“ Arbeitsfähigkeit von 100
%
(
Urk.
7/102/19).
Vorab
ist festzuhalten, dass keine
aktuell
verwertbare Arbeitsfähigkeit
in einer Tätigkeit
besteht, wenn
eine Person
die
se
an sich ausüben kann, aber nicht klar ist, ob
sie sich d
as dafür
erforderliche Fachwissen aneignen kann
bzw.
dazu
Eingliederungsmassnahmen notwendig sind
.
Dasselbe gilt für eine
mutmasslich
e
Arbeitsfähigkeit
nach Durchführung von Massnahmen.
Weiter wurde im Gut
achten nicht erörtert, ob das unterdurchschnittliche Arbeitstempo in de
r
Testung letztlich zu einer Einbusse der Leistungsfähigkeit
zufolge zeitlichem Mehrauf
wand
führt
.
Immerhin wurde
bereits in der ersten Testung
auf die
deutlich ein
geschränkte Arbeitsgeschwindigkeit
hingewiesen
(
Urk.
7/7/8 und 7/7/10) und auch in der k
linischen Untersuchung
stellte der Gutachter
eine
, wenn auch
minimale Verlangsamung im formalen Denken fest.
Das
angeführte
Belastungs
profil beruht
zudem
nicht
nur
auf
IQ-bedingten Einschränkungen
.
Es berück
sichtigt
zusätzlich
körperliche Einschränkungen und gesundheitlich bedingte
kognitive Defizite, di
e sich unter adäquater Therapie
in nicht bekanntem Aus
mass
verringern lassen
sollen
. D
abei ist zu beachten, dass das
Bundesgericht einen Anspruch auf
die
Übernahme der Behandlung mit Ritalin bei hyperkine
tischen Störungen im Sinne einer medizinischen Massnahme nach
Art.
12 IVG wiederholt abgelehnt
hat
. Zur Begründung führte es
jeweils
aus,
es stehe eine Therapie von unbeschränkter Dauer oder zumindest über eine längere Zeit hin
weg in Frage, wobei sich über den damit erreichbaren Erfolg keine zuverlässige Prognose stellen lasse, weil klinisch oder wissenschaftlich sichere Faktoren, welche für individuelle Patienten eine Vorhersage erlauben würden, nicht exi
stierten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_725/2011 vom 2
3.
Mai 2012 E.
3.4 mit diversen Hinweisen). Auch Rossi, a.a.O., S. 22 weist darauf hin, dass die medi
kamentöse Behandlung bei Erwachsenen (nur) in rund 50
%
der Fälle erfolgreich sei und se
hr abgestimmt zu erfolgen habe.
Demnach
i
st es für die Invaliditätsbemessung unabdingbar,
bei bestätigter ADHS-Dia
gno
se
zunächst einen Behandlungsversuch durchzuführen und
letzt
lich mit Blick auf das eingeschränkte Belastungsprofil die Einkommens- bzw. Prozentz
ahlen
zu ermitteln. Auf letzteres
kann auch nicht unter Berufung auf Praktikabilität und Verhältnismässigkeit des Verwaltu
ngsaufwandes verzichtet werden.
Die massgebenden Zahlen sind in den Akten festzuhalten, damit die versicherte Person in Erfahrung bringen kann, aufgrund welcher erwerblichen Annahmen die Verwaltung auf einen bestimmte
n Invaliditätsgrad erkannt hat
(vgl. Meyer/Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich/Basel/Genf 2014,
Art.
28a N 207 mit Hinweisen auf BGE 114 V 301 E. 3 und ZAK 1961 S. 84)
.
Vorliegend finden sich weder i
m angefochtenen Ent
scheid (
Urk.
2)
noch
den Feststellungsblättern zum Vorbescheid (
Urk.
7/116)
oder
Einwand (
Urk.
7/103)
entsprechende
Angaben. Der RAD-Arzt
Dr.
med. Wüst, Facharzt für Allgemeinmedizin, hielt
einzig
fest, die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und angepassten Tätigkeit betrage 0
%
(
Urk.
7/103/3)
. Dies
lässt keine
rlei Rückschlüsse
auf das Validen- oder
Invalideneinkommen zu
und ist
letztlich
nicht
nachvollziehbar
, nachdem gutachtlich ein
eingeschränkte
s
Belastungsprofil
festgestellt
wurde
und im Laufe der Attestlehre
körperliche
Beschwerden
hinzutraten
, aufgrund welcher d
er RAD-Arzt
Dr.
I._
die Eig
nung der
Tätigkeit als Logistiker in Frage stellte
(vgl.
Urk.
7/55)
.
5.5
Zu bedenken gilt es überdies, dass e
ine unbehandelte ADHS
durch die Sympto
ma
tik selbst sowie deren Folgen (Selbstwertprobleme, Frustration, Aggressionen etc.)
häufig
mit Problemverhalten in Schule,
Beruf,
Familie und Freizeit ein
her
geht
. Die ADHS führt zu Lernstörungen, erwartungswidrigen schulischen Minder
leistungen und
kann
in einigen Fällen auch in delinquente
m
Verhalten
münden
. Später kann eine ADHS Suchterkrankungen, Depressionen, Angst
störungen und andere Beziehungs- und Verhaltensstörungen hervorrufen (vgl. Rossi, a.a.O., S. 20
, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_917/2011 vom 2
8.
März 2012 E. 3.2
).
Der Versicherte hat
ein gewisses
Potenz
ial für Suchterkrankungen bereits
an den Tag gelegt
(Urk.
7/10
2
/12). Ausserdem kann der in den Akten doku
men
tierte schwierige schulische und berufliche Werdegang
(vgl.
Urk.
7/1, 7/32
33, 7/40-41, 7/46/2, 7/53, 7/70, 7/87/1-10 und 13-23)
bei Verdacht auf ADHS
in Kombination mit den bisher ermittelten IQ- und I
n
dexwerten
(vgl. E.
4.1,
Urk.
7/7/10 ff.
)
wohl nicht
einzig auf
psychosoziale Umstände wie
Schul
wech
sel, Zweisprachigkeit und wenig gebildetes Eltern
h
aus
zurückgeführt
wer
den
(vgl. E. 4.2)
.
Der Gutachter hielt den
n
auch
au
sdrücklich
fest, wenn es dem Ver
sicherten gelinge, eine
Stelle zu finden, die zu
seinen Interessen, Fähig
keiten und Einsch
ränkungen passe bzw. wenn er durch eine Stimulanzien
behandlung hilfreich unterstützt werden könne, sei die Prognose gut. Wenn nicht, dann habe er ein erhöhtes Risiko für Sekundärfolgen d
er ADHS wie Drogen, Krimina
lität und psychische Störungen (
vgl.
Urk.
7/102/20).
Bei
ihren
bisherigen
Eingliederungsbemühungen trug die Beschwerdegegnerin
diesen Aspekten
zu wenig
Rechnung.
Aus dem Gutachten geht zumindest deut
lich hervor
, dass
sich
die
Einschränkungen nicht
nur aus dem IQ ergeben und
unter adäquater Behandlung allenfalls verbessert werden können
(
Urk.
7/102/19). Es ist daher fragwürdig, o
b die
beruflichen
Möglichkeiten des Versicherten mi
t dem Abschluss zum
Praktiker
P
rA
Logistik
nach INSOS
bereits
aus
ge
schöpft sind.
Der
C._
prognostizierte
im Jahr 2009 bei ähnlichen Tester
gebnissen
ohne Berücksichtigung einer ADHS
, eine adäquate berufliche Ein
gliederung sei mit einige
r Wahrscheinlichkeit erfolgreich
(
Urk.
7/7/8).
E
ine Leistungssteigerung durch die Einnahme von Ritalin
und weitere unterstützende Therapien
erscheint
zudem aufgrund de
r
Angaben des Versicherten
prüfenswert
(
Urk.
7/102/14).
Ist sein aktueller Bildungsstand
aber
mitunter durch eine erst jetzt erkannte, bisher ungenügend behandelte
Erkrankung
verursacht
, die gemäss Gutachter auch
künftig
die Ausbildung zu einer geeigneten Tätigkeit erschwert (vgl.
Urk.
7/102/19)
, was von der Beschwerdegegnerin
übrigens nicht in Abrede gestellt wird
(vgl. E. 2.1)
, bedarf
es aufgrund dieser
neuen E
rkennt
nisse einer weiteren
Prüfung von Eingliederungsmassnahmen.
6
.
6.1
Zusammengefasst
überzeugen das Gutachten vom
3.
Juli 2014 und die von der Beschwerdegegnerin daraus gezogenen
Schlussfolgerungen
nicht. Das Gutach
ten gibt
vielmehr
Anlass
zu weiteren
umfassenden
medizinischen Abklärungen
(nicht nur hinsichtlich der somatischen Beschwerden)
,
allenf
alls der Auferle
gung einer Schadenminderungspflicht in Form einer
Behandlung
und –
abhän
gig
von deren Erfolg
–
neuen
Eingliederungsmassnahmen.
Ebenso sind erwerb
liche Abklärungen vorzunehmen.
Da die notwendigen Abklärungen
somit
grundsätzlicher Natur
und
voraussichtlich mit einem Behandlungsversuch
sowie
weiteren Eingliederungs
massnahmen
zu kombinieren sind, fällt ein Gerichtsgut
achten ausser Betracht. D
ie Sache
ist folglich
gestützt auf
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen
und die Beschwerde
ist
in diesem Sinne gutzuheissen.
6.2
Im Übrigen
wird die Beschwerdegegnerin zu beachten haben,
dass ein (allenfalls befristeter) Rentenanspruch
trotz
des Grundsatzes „Eingliederung vor Rente“
auch
entstehen kann, wenn die Möglichkeiten der beruflichen Eingliederung noch nicht ausgeschöpft sind, aber keine beruflichen Massnahmen laufen oder angeordnet sind
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_892/2011 vom 2
1.
Sep
tember 2012 E. 3.3.1). So hielt das Bundesgericht in seinem Urteil 9C_186/2009 vom 2
9.
Juni 2009 E. 3.3 die Prüfung des Rentenanspruchs mit
tels Ein
kommens
vergleich für angezeigt, als bei einer versicherten Person, die aufgrund ihrer psychischen Gesundheit bisher keine berufliche Ausbildung absolvieren konnte, trotz voller Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten die geplanten Ein
gliederungsmassnahmen invaliditätsbedingt nicht durchgeführt werden
konnten.
Die
vorliegende
Situation
könnte
vergleichbar
sein
. Der Abschluss
als
Praktiker Logistik
nach INSOS
orientiert sich speziell an den indi
viduellen Fähigkeiten von Jugendlichen, die der zweijährigen Attestausbildung (EBA) wegen einer Lern- oder Leistungsbeeinträchtigung (noch) nicht gewach
sen sind
(vgl.
www.insos.ch/
praktische
-ausbildung)
,
weshalb damit keine zureichenden beruflichen Kenntnisse
für den ersten Arbeitsmarkt
erworben werden
.
Der Versicherte nahm dementsprechend auch
umgehend
eine Arbeit
im geschützten Rahmen
auf
(
Urk.
1 Rz 72 f.).
Ob noch weitere Eingliederungsmass
nahmen geboten sind, werden die Abklärungen zeigen.
Anzumerken bleibt, dass di
e Bestimmung von
Art.
26 IVV
nicht grundsätzlich aus
schliesst
, dass zur Berechnung des Valideneinkommens auf das Einkommen eines bestimmten Berufs abgestellt wird. Vorausgesetzt sind aber eindeutige Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beein
trächtigung den betreffenden Beruf erlernt hätte.
In einem ähnlichen Fall wie dem vorliegenden, liess das Bundesgericht die Frage des anrechenbaren Vali
deneinkommens explizit offen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_820/2012 vom
1.
Mai 2013 E. 3.1
mit Hinweisen
, 3.2 und 3.4).
Die Beschwerdegegnerin wird daher gegebenenfalls die Umstände
näher
zu klären und die Festlegung des Valideneinkommens
eingehend zu
begründen haben.
7
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Ob
siegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen sind.
Die Beschwerdeführerin verlangt implizit eine Parteientschädigung (
Urk.
1 Rz
84). Nach § 34
Abs.
1 GSVGer hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Keine Prozessentschädigung steht demgegenüber in der Regel dem Gemeinwesen zu
(
§
34
Abs.
2 GSVGer). So hat das Bundes
gericht entschieden, dass kein Anspruch auf Prozessentschädigung besteht, wenn eine Institution der öffentlichen Sozialhilfe eine obsiegende ver
sicherte Person vertritt. Die Institution nehme öffentliche Aufgaben wahr und die finan
ziellen Mittel dazu stammten aus der öffentlichen Hand (vgl. BGE 126 V 11). Angesichts der Begründung muss dies auch gelten, wenn eine entspre
chende Institution wie vorliegend selbst Beschwerde führt. Darüber hinaus han
delt es sich
angesichts der
wenigen medizinischen Unterlagen
ohnehin nicht um
einen komplizierten Sachverhalt, der einen unüblich hohen Arbeitsaufwand erforderte und damit eine Prozessentschädigung recht
fer
tigen würde
(vgl. BGE 110 V 132 E. 4d).