Decision ID: cea4a3d9-969c-4f66-895f-378d2667f3fa
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend grobe Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Andelfingen, Einzelgericht, vom 28. November 2017 (GG170007)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 23. Juni 2017 (Urk. 18)
ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 35 S. 16 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der groben Verletzung der Verkehrsregeln
im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a
Abs. 1 VRV und Art. 22 Abs. 1 SSV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu
Fr. 110.– (entsprechend Fr. 1'100.–) sowie mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-
gesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'200.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 2'200.– Total
6. Die Kosten der Untersuchung (Fr. 1'000.–) und des gerichtlichen Verfahrens
(Fr. 1'200.–), insgesamt Fr. 2'200.–, werden dem Beschuldigten auferlegt.
7. Es werden keine Entschädigungen zugesprochen.
8. (Mitteilungen.)
9. (Rechtsmittel.)"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 38 S. 2; Urk. 52 S. 1)
1. Freispruch des Beschuldigten vom Vorwurf der groben Verkehrs-
regelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung
mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 1 VRV und Art. 22 Abs. 1
SSV (Dispositiv Ziffer 1 des angefochtenen Urteils).
2. Schuldspruch wegen einfacher Verkehrsregelverletzung im Sinne
von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG,
Art. 4a Abs. 1 VRV und Art. 22 Abs. 1 SSV (Dispositiv Ziffer 1 des
angefochtenen Urteils).
3. Bestrafung mit einer angemessenen Übertretungsbusse (Disposi-
tiv Ziffern 2, 3 und 4 des angefochtenen Urteils).
4. Ausgangsgemässe Kosten- und Entschädigungserledigung nach
richterlichem Ermessen (Dispositiv Ziffern 5, 6 und 7 des ange-
fochtenen Urteils).
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 43)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Mit eingangs im Dispositiv wiedergegebenem Urteil der Vorinstanz vom
28. November 2017 wurde der Beschuldigte der groben Verletzung der Verkehrs-
regeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG,
Art. 4a Abs. 1 VRV und Art. 22 Abs. 1 SSV schuldig gesprochen und mit einer
Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 110.– sowie mit einer Busse von Fr. 300.–
bestraft. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens von ge-
samthaft Fr. 2'200.– wurden dem Beschuldigten auferlegt. Entschädigungen
wurden keine zugesprochen (Urk. 35 S. 16 ff.).
1.2. Gegen diesen Entscheid liess der Beschuldigte durch seinen Verteidiger
mit Schreiben vom 1. Dezember 2017 innert gesetzlicher Frist Berufung anmel-
den (Urk. 28). Das begründete Urteil wurde dem Beschuldigten sowie der Staats-
anwaltschaft Zürich-Sihl je am 23. Januar 2018 zugestellt (Urk. 32/1-2). Die Be-
rufungserklärung des Beschuldigten wurde fristgerecht am 12. Februar 2018 er-
stattet (Urk. 38). Mit Präsidialverfügung vom 14. Februar 2018 wurde der Staats-
anwaltschaft eine Kopie der Berufungserklärung zugestellt und Frist angesetzt zur
Erklärung, ob Anschlussberufung erhoben werde oder um begründet Nichteintre-
ten auf die Berufung zu verlangen. Der Beschuldigte wurde gleichzeitig aufgefor-
dert, das ihm zugestellte Datenerfassungsblatt auszufüllen sowie verschiedene
Unterlagen zu seinen finanziellen Verhältnissen einzureichen (Urk. 41). Mit
Schreiben vom 19. Februar 2018 teilte die Staatsanwaltschaft mit, sie verzichte
auf Anschlussberufung und beantrage die Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils (Urk. 43). Der Beschuldigte reichte am 11. April 2018 nach einmaliger Frist-
erstreckung das Datenerfassungsblatt und einen Teil der verlangten Unterlagen
ein (Urk. 44, 46, 48/1-2). Bereits am 2. Februar 2018 war überdies ein aktueller
Strafregisterauszug über den Beschuldigten eingeholt worden (Urk. 37), welcher
mit dem bereits bei den Akten liegenden (Urk. 14) inhaltlich übereinstimmt.
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1.3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Beglei-
tung seines erbetenen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. X._ (Prot. II S. 4).
Beweisanträge wurden im Berufungsverfahren nicht gestellt (Urk. 38, Prot. II
S. 5 f.).
2. Umfang der Berufung
Die Verteidigung beantragt, der vorinstanzliche Schuldspruch wegen grober Ver-
letzung der Verkehrsregeln sei aufzuheben, und der Beschuldigte sei lediglich der
einfachen Verkehrsregelverletzung schuldig zu sprechen, unter Bestrafung mit
einer angemessenen Übertretungsbusse (Dispositivziffern 1-4). Weiter beantragt
sie die ausgangsgemässe Kosten- und Entschädigungserledigung nach richter-
lichem Ermessen (Dispositivziffern 5-7). Mithin ist das gesamte vorinstanzliche
Urteil angefochten und umfassend zu überprüfen.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird in der Anklage zusammengefasst vorgeworfen, am
14. Oktober 2016 um ca. 18:49 Uhr, auf der B._-strasse, Höhe C._,
D._, in Kenntnis der signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h an-
lässlich eines Überholmanövers seinen Personenwagen Mercedes-Benz TG ...
zumindest eventualvorsätzlich mit einer Geschwindigkeit von mindestens
111 km/h (nach Abzug der Sicherheitsmarge) gelenkt zu haben. Dadurch habe er
eine nicht bestimmbare Vielzahl von Verkehrsteilnehmern, welche mit einem sol-
chen Fahrverhalten nicht rechneten oder hätten rechnen müssen, zumindest abs-
trakt in Gefahr gebracht, hätte er doch aufgrund des drastisch verlängerten
Bremsweges bei einer überraschend auftretenden Situation nicht mehr rechtzeitig
reagieren und abbremsen können, was er zumindest billigend in Kauf genommen
habe (Urk. 18 S. 2).
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2. Standpunkt des Beschuldigten und Erstellung des Sachverhalts
2.1. Der Beschuldigte anerkannte von Beginn weg und auch heute wieder, sein
Fahrzeug zum fraglichen Zeitpunkt am betreffenden Ort mit der ihm zur Last ge-
legten rechtlich relevanten Geschwindigkeit gelenkt zu haben (Urk. 5 S. 2; Urk. 11
S. 3; Urk. 24 S. 2; Urk. 51 S. 5). Die gemessene Fahrgeschwindigkeit von
117 km/h folgt aus den Fotografien der Geschwindigkeitsmessung (Urk. 6) sowie
der Beilage zur Strafanzeige (Urk. 2). Abzüglich des Sicherheitsabzugs gemäss
Art. 8 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 Verordnung des ASTRA vom 22. Mai 2008 zur Strassen-
verkehrskontrollverordnung von 6 km/h für Radargeräte ergibt dies die dem Be-
schuldigten in der Anklage vorgeworfene und von diesem anerkannte mass-
gebende Geschwindigkeit von 111 km/h. Der Beschuldigte bestätigte zudem,
dass die Strecke mit 80 km/h signalisiert ist (Urk. 11 S. 3). Sein Wissen um die
dort geltende allgemeine Höchstgeschwindigkeit ist damit erstellt und wird zu
Recht auch von der Verteidigung nicht in Abrede gestellt.
2.2. Dem Beschuldigten war es stets wichtig zu betonen, dass es zur Ge-
schwindigkeitsüberschreitung während eines Überholmanövers kam, nachdem
der zu überholende Fahrzeuglenker sein Fahrzeug während des Überholvorgangs
unvermittelt beschleunigt hatte. Er habe sich gewissermassen in einer Notsitua-
tion befunden, da der Weg zurück, d.h. der Abbruch des Überholvorgangs
schlechter gewesen wäre. Dies bekräftigte er auch anlässlich der heutigen Beru-
fungsverhandlung (Urk. 51 S. 4). Daraus leitet die Verteidigung – wie bereits vor
Vorinstanz – ab, dass der subjektive Tatbestand der groben Verkehrsregelverlet-
zung nicht erfüllt sei (Urk. 52 S. 3 ff.; Urk. 25 S. 4 ff.). Auf die genauen Umstände
der Geschwindigkeitsüberschreitung wird nachfolgend im Rahmen der rechtlichen
Würdigung einzugehen sein.
2.3. Vor Vorinstanz wandte der Beschuldigte ausserdem ein, nicht gesehen zu
haben, dass es 111 km/h seien (Urk. 24 S. 2). Damit zog er nicht die Korrektheit
der Geschwindigkeitsmessung in Zweifel, sondern stellte – wenn überhaupt – sein
Wissen und Wollen im Tatzeitpunkt bezüglich der gefahrenen Geschwindigkeit in
Frage. Allerdings war sich der Beschuldigte eigenen Angaben zufolge bewusst,
dass er sein Überholmanöver nicht mit der gleichen Geschwindigkeit abschlies-
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sen konnte, als der andere Lenker, ungefähr auf Höhe des Wagens des Beschul-
digten, auf einmal beschleunigte (Urk. 11 S. 2). Der Beschuldigte räumte ausser-
dem ein, währenddessen nicht auf den Tacho geschaut (Urk. 11 S. 5; Urk. 51
S. 4) und "durchgezogen" zu haben (Urk. 11 S. 6), um das Überholmanöver zu
Ende zu führen. Er habe sich gedacht: "Nur weg von dem" (Urk. 51 S. 4). Daraus
ergibt sich, dass der Beschuldigte in Kauf nahm, seinen Wagen mit der schliess-
lich erreichten Geschwindigkeit zu lenken. Der Anklagesachverhalt ist damit
rechtsgenügend erstellt, wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. 35
S. 4 f.).
III. Rechtliche Würdigung
1. Objektiver Tatbestand
1.1. Nach Art. 90 Abs. 2 SVG macht sich strafbar, wer durch grobe Verletzung
der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung begeht in ob-
jektiver Hinsicht ungeachtet der konkreten Umstände eine grobe Verkehrsregel-
verletzung, wer die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf Strassen ausserorts um
30 km/h oder mehr überschreitet (BGE 124 II 259, E. 2c; 121 IV 230, E. 2c).
1.2. Mit Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit um netto
31 km/h auf der fraglichen Strecke erfüllte der Beschuldigte den objektiven Tat-
bestand der groben Verkehrsregelverletzung, was auch von der Verteidigung
letztlich anerkannt wird (Urk. 25 S. 3; Urk. 52 S. 2 f.). Die Vorinstanz hat in diesem
Zusammenhang zutreffend darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte durch die
massive Geschwindigkeitsüberschreitung eine hohe abstrakte Unfallgefahr schuf,
da es ihm bei diesem Tempo und dem dadurch stark verlängerten Bremsweg
nicht mehr möglich gewesen wäre, einem plötzlich auftretenden Hindernis auszu-
weichen (Urk. 35 S. 6). Zudem dürfen sich Verkehrsteilnehmer darauf verlassen,
dass sich andere in etwa an die Geschwindigkeitsvorschriften halten. Das Unfall-
risiko wird bei Geschwindigkeitsüberschreitungen deshalb nicht nur durch die
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höhere kinetische Energie, sondern auch durch den Überraschungseffekt für
Dritte erhöht.
2. Subjektiver Tatbestand
2.1. In subjektiver Hinsicht setzt der Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG ein
rücksichtloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten voraus. Die
Rücksichtslosigkeit ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ausnahms-
weise zu verneinen, wenn besondere Umstände vorliegen, die das Verhalten
subjektiv in einem milderen Licht erscheinen lassen (Urteil des Bundesgerichts
6B_50/2013 vom 4. April 2013, E. 1.3, m.H.).
2.2. Wie schon vor Vorinstanz ist der Beschuldigte auch im Berufungsverfahren
der Ansicht, dass ihm weder ein rücksichtsloses noch krass verkehrswidriges
Verhalten vorgeworfen werden könne (Urk. 52 S. 8 ff.; Urk. 25 S. 4 f.). Nachdem
er während geraumer Zeit hinter einem Personenwagen hergefahren sei, der
ausserorts lediglich mit einer Geschwindigkeit von ca. 50-70 km/h unterwegs
gewesen sei, habe er sich entschlossen, auf der langen und übersichtlichen Ge-
raden zwischen D._ und E._, nachdem es dort keinerlei Gegenverkehr
oder anderen Verkehr gehabt habe, das andere Fahrzeug zu überholen. Als er
sich neben bzw. mit seiner Fahrposition bereits vor dem zu überholenden Fahr-
zeug befunden habe, habe dieses plötzlich und unerwartet begonnen, seine Ge-
schwindigkeit markant zu erhöhen und habe erst wieder gebremst, als man sich
der Geschwindigkeitsmessstelle genähert habe, was er damals aber nicht ge-
wusst habe. Durch das völlig unerwartete, sinnlose und klar rechtswidrige Fahr-
verhalten des zu überholenden Fahrzeuges sei er verständlicherweise von einer
Sekunde auf die andere in eine Stresssituation geraten. Er habe innert kürzester
Zeit entscheiden müssen, ob er nun abbremsen und sein Überholmanöver abbre-
chen oder dieses zu Ende führen solle. In der kurzen zur Verfügung stehenden
Zeit habe er sich spontan zur Flucht nach vorne entschlossen, denn er habe es in
nachvollziehbarer Weise als zu heikel und gefährlich erachtet, in dieser Situation
auf die Bremse zu gehen, zumal er das zu überholende Fahrzeug bereits zum
grössten Teil passiert gehabt habe. In einer solchen Situation nicht ebenfalls ab-
zubremsen, sondern reflexartig sich für das Abschliessen des angefangenen
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Überholmanövers zu entschliessen, könne ihm nicht verübelt und allerhöchstens
als pflichtwidrig unachtsames, jedoch nicht als rücksichtsloses Verhalten angelas-
tet werden (Urk. 25 S. 4 ff.; Urk. 51 S. 4 ff.; Urk. 52 S. 3 ff.).
2.3. Die Vorinstanz ist zwar der Darstellung des Beschuldigten gefolgt, wonach
dieser aufgrund des Verhaltens des Lenkers des zu überholenden Fahrzeugs zur
vorliegenden Geschwindigkeitsüberschreitung veranlasst worden sei, ist aber in
subjektiver Hinsicht gleichwohl von einem qualifizierten Verschulden ausge-
gangen. Sie hat erwogen, die Unberechenbarkeit der Situation aufgrund des nicht
einschätzbaren Verhaltens des anderen Fahrzeuglenkers (Beschleunigen, Ab-
bremsen) hätte den Beschuldigten dazu veranlassen sollen, das Überholmanöver
sofort abzubrechen und auf diese Weise Platz zwischen sich und dem verkehrs-
gefährdenden Fahrzeug zu schaffen. Wäre er seiner Obliegenheit nachgekom-
men, während des Überholmanövers die hinter ihm liegende Strecke über den
Rückspiegel zu überschauen und den Tacho zu kontrollieren, hätte er feststellen
müssen, dass ein Abbruch des Überholmanövers möglich und geboten gewesen
wäre. Die geltend gemachte individuelle Drucksituation mit der Flucht nach vorne
hat die Vorinstanz mit Blick auf die Aussage des Beschuldigten, der Überhol-
vorgang habe ca. 30 Sekunden gedauert, als nicht glaubhaft zurückgewiesen und
den vorgebrachten Zustand des Beschuldigten mit einem Blindflug ohne Mög-
lichkeit, adäquat zu reagieren, verglichen. Zudem ist sie unter Hinweis auf die
Sonnenuntergangszeit um ca. 18:30 Uhr am fraglichen Tag von einer erheblichen
tageszeitbedingten Beeinträchtigung der Sicht ausgegangen, was die Anforde-
rungen an die Reaktionsfähigkeit des Beschuldigten, insbesondere während des
Überholmanövers zusätzlich erhöht habe (Urk. 35 S. 8 f.).
2.4. Der vorinstanzlichen Beurteilung ist im Ergebnis zuzustimmen. Der Be-
schuldigte war dem zu überholenden Fahrzeug, welches ausserorts mit einer
Geschwindigkeit von ca. 50-60 km/h bzw. ca. 50-70 km/h unterwegs und nach
Wahrnehmung des Beschuldigten "geschlichen" war (Urk. 24 S. 3), während ge-
raumer Zeit gefolgt, als sich ihm auf der gerade verlaufenden Strecke zwischen
D._ und E._ die Gelegenheit zum Überholen bot. Gemäss seinen Aus-
sagen dachte der Beschuldigte, dass er, wenn dieses Fahrzeug so langsam fah-
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ren wolle, da gut überholen könne, ohne zu schnell zu fahren (Urk. 11 S. 2;
Urk. 24 S. 3; Urk. 51 S. 4). In der Folge fing er mit dem Überholmanöver an. Nach
seiner insoweit gleichbleibenden Darstellung begann das zu überholende Fahr-
zeug erst dann unvermittelt zu beschleunigen, als er sich bereits neben diesem
auf Türhöhe bzw. etwas vor diesem, praktisch auf gleicher Höhe auf der Gegen-
fahrbahn befand (Urk. 11 S. 2; Urk. 24 S. 3, 6; Urk. 51 S. 4). Daraus ergibt sich,
dass bis zu diesem Moment die Geschwindigkeit beider Fahrzeuge innerhalb
bzw. auf Seiten des Beschuldigten höchstens geringfügig über der signalisierten
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h gelegen haben kann, jedenfalls weit unter der
schliesslich beim Beschuldigten gegen Ende des Überholvorgangs unter Berück-
sichtigung des Sicherheitsabzugs erreichten 111 km/h. Der Beschuldigte erhöhte
mithin seine Geschwindigkeit (erst) massiv, als der Lenker des zu überholenden
Fahrzeugs zu beschleunigen begann. Das räumt der Beschuldigte indirekt selber
ein, wenn er ausführt, er habe dann sein Überholmanöver nicht mehr mit der
gleichen Geschwindigkeit abschliessen können; er habe irgendwann entscheiden
müssen, gehe er retour oder vorwärts (Urk. 11 S. 2; Urk. 51 S. 4 und S. 6). Spä-
testens in jenem Zeitpunkt hätte der Beschuldigte den Überholvorgang abbrechen
müssen. Dass der andere Fahrzeuglenker seinerseits in Verletzung von Art. 35
Abs. 7 Satz 2 SVG pflichtwidrig und unvermittelt zu beschleunigen begann, be-
rechtigte den Beschuldigten nicht zur massiven Geschwindigkeitsüberschreitung,
wie das Bundesgericht in mehreren anderen Fällen klargestellt hat (BGE 96 I 766,
E. 7; Urteil 6A.2006 vom 27. Februar 2006, E. 3; Urteil 6B_50/2013 vom 4. April
2013, E. 1.5). Dem zuletzt erwähnten und bereits weiter vorne zitierten Entscheid
lag im Übrigen eine Geschwindigkeitsüberschreitung von ebenfalls netto 31 km/h
zugrunde, die ein Fahrzeuglenker auf derselben Strecke, jedoch aus der Gegen-
richtung herkommend, bei optimalen Strassen- und Lichtverhältnissen ebenfalls
während eines Überholmanövers begangen hatte. Der zu überholende Fahrzeug-
lenker hatte dort zwar unabhängig vom Überholmanöver seine Geschwindigkeit
aufgrund der weggefallenen Geschwindigkeitsbeschränkung am Ortsende
E._ auf die erlaubten 80 km/h erhöht. Das Bundesgericht qualifizierte das
Verhalten des dortigen Beschwerdeführers in subjektiver Hinsicht jedoch selbst
für den Fall als rücksichtslos, dass der andere Fahrzeuglenker pflichtwidrig wäh-
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rend des Überholmanövers zu beschleunigen begonnen hätte, und es bestätigte
den Schuldspruch der Kammer wegen grober Verkehrsregelverletzung (E. 1.5
und 1.6). Die während des Überholvorgangs in Verletzung der Verkehrsregeln
erfolgte Beschleunigung des anderen Fahrzeugs stellt daher auch nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung keinen besonderen Umstand dar, der das
Fehlverhalten des Beschuldigten relativieren könnte. Vielmehr hätte dieser das
Überholmanöver abbrechen müssen, als ihm bewusst wurde, dass er es nur unter
erheblicher Missachtung der Höchstgeschwindigkeit würde abschliessen können
(vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts 6B_193/2008 vom 7. August 2008, E. 2.3;
6B_283/2011 vom 3. November 2011, E. 1.4). An dieser höchstrichterlichen
Rechtsprechung ändert auch eine von der Verteidigung beigebrachte Ein-
stellungsverfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 28. Februar 2012
betreffend eine andere Fahrzeuglenkerin (Urk. 15/7) nichts.
2.5. Das Handeln des Beschuldigten wäre vor diesem Hintergrund einzig dann
nicht als rücksichtlos zu werten, wenn ihn die konkreten Umstände am Abbruch
des Überholmanövers gehindert hätten (BGE 96 I 766, E. 7). Davon kann hier
keine Rede sein. Entgegen der Verteidigung leuchtet nicht ein, weshalb das Be-
tätigen der Bremse zwecks Abbrechen des Überholmanövers in der damaligen
Situation zu heikel und gefährlich gewesen wäre. Die Strecke war übersichtlich
und gerade. Vor dem Überholvorgang hatte sich der Beschuldigte davon über-
zeugt, dass weder von vorne noch von hinten andere Fahrzeuge nahten (Urk. 24
S. 4, 7; Urk. 11 S. 3; Urk. 51 S. 4). Er hätte genug Zeit gehabt, um noch einmal in
den Rückspiegel zu schauen, sich zurückfallen zu lassen und wieder hinter dem
anderen Fahrzeuglenker einzureihen. Der Beschuldigte behauptet nicht, dass sich
in der Zwischenzeit von hinten Fahrzeuge genähert hätten, welche ihm ein ge-
fahrloses Einschwenken auf die rechte Fahrbahn verunmöglicht oder dieses Vor-
haben auch nur in Frage gestellt hätten. Wie er selber einräumt, schaute er wäh-
rend des Überholvorgangs gar nicht in den Rückspiegel (Urk. 24 S. 6, 8; Urk. 51
S. 4). Bei dieser Sachlage geht auch die harsche Kritik der Verteidigung an der
Argumentation im bundesgerichtlichen Entscheid 6A.4/2006 vom 27. Februar
2006 an der Sache vorbei. Ob ein Fahrzeuglenker auf der Überholspur die dicht
hinter ihm fahrenden Fahrzeuge durch mehrmaliges kurzes Antippen der Brem-
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sen vorwarnen könnte, dass er das Überholmanöver abbrechen will, ist bei der
hier ganz anderen Verkehrslage nicht relevant.
2.6. Wenn die Verteidigung einwendet, der Beschuldigte habe den Weg zurück
als länger und viel zu heikel qualifiziert, zumal er das andere Fahrzeug bereits
zum grössten Teil überholt gehabt habe, ist ihr entgegen zu halten, dass sich der
Beschuldigte gemäss seinen Aussagen auf Türhöhe bzw. etwas vor dem zu
überholenden Fahrzeug, praktisch auf gleicher Höhe auf der Gegenfahrbahn be-
fand, als dieses unvermittelt zu beschleunigen begann. Hätte der Beschuldigte,
als er letzteres bemerkte, gebremst anstatt seinerseits zu beschleunigen, hätte
sich die Distanz zwischen den beiden Fahrzeugen rasch vergrössern lassen, so
dass der Weg zurück kürzer und nicht länger gewesen wäre. Dies entspricht der
allgemeinen automobilistischen Lebenserfahrung und musste auch dem Beschul-
digtem bekannt sein.
2.7. An all dem ändert auch nichts, dass der andere Fahrzeuglenker kurz vor
der Geschwindigkeitsmessstelle plötzlich wieder abgebremst haben soll. Der
Beschuldigte erhöhte seine Geschwindigkeit, als das andere Fahrzeug während
des Überholvorgangs unvermittelt zu beschleunigen begann (s. vorne). Den Ent-
schluss, das Überholmanöver fortzusetzen und nicht abzubrechen, fasste er
somit, bevor der andere Automobilist wieder abbremste. Dies steht auch mit sei-
ner weiteren Aussage im Einklang, wonach er die Überholgeschwindigkeit bereits
ungefähr erreicht gehabt habe, als der andere gebremst habe (Urk. 24 S. 7). In
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme schilderte er anschaulich, dass es eine
Spontanentscheidung gewesen sei; er habe dann einfach überholt, und dann ha-
be es schon geblitzt. Der andere sei noch auf die Bremse. Eventuell habe dieser
dies absichtlich gemacht, aber er – der Beschuldigte – wolle niemandem etwas in
die Schuhe schieben (Urk. 11 S. 2). Entgegen den teils anderslautenden Behaup-
tungen des Beschuldigten vor Vorinstanz lässt sich seine massive Geschwindig-
keitsüberschreitung daher nicht mit dem plötzlichen Abbremsen des anderen
Fahrzeuglenkers erklären. Ohnehin wäre nach dem Bremsmanöver des anderen
keine weitere Geschwindigkeitserhöhung notwendig gewesen, hätte doch der
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Beschuldigte dann mit gleichbleibender Geschwindigkeit wieder auf die rechte
Fahrbahn wechseln können.
2.8. Mit der Vorinstanz ist auch die von der Verteidigung geltend gemachte
überraschende Stresssituation für den Beschuldigten zu verneinen. Auf die von
diesem in der vorinstanzlichen Befragung genannte Dauer des Überholmanövers
wird zwar nur mit Vorsicht abzustellen sein – in 30 Sekunden hätte der Beschul-
digte mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h rund 666 Meter und mit einer sol-
chen von 100 km/h rund 833 Meter zurückgelegt – doch zeigt seine gefühls-
mässige Schätzung, dass sich der Überholvorgang aus seiner Sicht jedenfalls
nicht nur in Sekunden abgespielt haben kann. Dazu passt, dass er dem Vorder-
richter erklärte, es sei für ihn "nicht unbedingt" ein zügiges Überholmanöver ge-
wesen (Urk. 24 S. 5). Von einer "völlig unerwartet entstandenen Situation, welche
unter erforderlicher Berücksichtigung des Vertrauensprinzips in keiner Weise vor-
hersehbar gewesen ist, Herrn A._ völlig unvermittelt und überraschend in ei-
ne äusserst heikle Situation gebracht hat, wo er plötzlich nicht mehr wusste, wie
ihm geschah" (Urk. 52 S. 6) – wie dies die Verteidigung anlässlich der heutigen
Berufungsverhandlung schilderte – kann gewiss nicht gesprochen werden. So er-
scheint es keineswegs aussergewöhnlich, dass ein Autofahrer, welcher auf einer
kurvigen Strecke zuvor mit vermindertem Tempo gefahren ist, bis zur erlaubten
Höchstgeschwindigkeit beschleunigt, sobald er auf eine lange Gerade kommt.
Dass der Beschuldigte in dieser Situation "reflexartig und instinktiv" gehandelt
habe, indem er den Weg nach vorne wählte und das Überholmanöver fortsetzte,
ist nicht nachvollziehbar. Immerhin muss er sein Fahrzeug von den 80 km/h, mit
welchen er das Überholmanöver ausführen wollte (Urk. 51 S. 4), noch einmal
massiv beschleunigt haben, so dass er schliesslich die gemessene Geschwindig-
keit von 111 km/h erreichen konnte.
2.9. Die Argumentation der Verteidigung des Beschuldigten anlässlich der Be-
rufungsverhandlung, wonach das Fehlverhalten des Beschuldigten nicht als grob-
fahrlässig bzw. rücksichtslos, sondern nur als möglicherweise suboptimale Reak-
tion in einer Stressituation qualifiziert werden könne (Urk. 52 S. 11 f.), ist nicht
stichhaltig. Im Zusammenhang mit den von ihm zitierten Bundesgerichtsentschei-
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den verkennt der Verteidiger sodann, dass bei einem Überholmanöver die Gefah-
rensituation grundsätzlich durch den Überholenden heraufbeschwört wird, die Si-
tuation somit grundlegend anders ist, als wenn ein Tier unvermittelt die Fahrbahn
überquert oder ein Fahrzeug überraschend einbiegt.
3. Fazit
Besondere Umstände, die das Verhalten des Beschuldigten subjektiv in einem
milderen Licht erscheinen lassen, sind bei dieser Sachlage nicht auszumachen,
und der vorinstanzliche Schuldspruch ist zu bestätigen. Dass dieses Verhalten
nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts rechtlich als rücksichtslos zu quali-
fizieren ist, bedeutet hingegen nicht, dass das Gericht dem Beschuldigten unter-
stellt, er sei per se ein rücksichtsloser Mensch (vgl. Urk. 51 S. 6). Zu präzisieren
ist, dass der Beschuldigte der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne
von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV und Art. 22 Abs. 1 SSV schuldig zu sprechen ist.
IV. Strafe und Vollzug
1. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln
1.1. Art. 90 Abs. 2 SVG sieht als Sanktion Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder Geldstrafe vor. Während nach dem zum Tatzeitpunkt geltenden Recht die
Geldstrafe von einem bis zu 360 Tagessätzen reichte, beträgt nach dem revidier-
ten und seit 1. Januar 2018 in Kraft stehenden Art. 34 Abs. 1 StGB die Geldstrafe
mindestens drei und höchstens 180 Tagessätze und ein Tagessatz beträgt neu in
der Regel mindestens Fr. 30.–. Weiter wurde die Mindestdauer der Freiheitsstrafe
auf drei Tage herabgesetzt (Art. 40 Abs. 1 nStGB). Das neue Recht ist für den
Beschuldigten nicht milder, weshalb sich der Strafrahmen nach bisherigem Recht
bestimmt (Art. 2 Abs. 1 und 2 StGB).
1.2. Die Staatsanwaltschaft hat eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu
Fr. 100.– sowie eine Busse von Fr. 400.– beantragt (Urk. 18 S. 4). Die Verteidi-
gung hat im Berufungsverfahren keinen Eventualantrag zum Strafmass für den
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Fall einer Schuldigsprechung wegen grober Verkehrsregelverletzung gestellt
(Urk. 52 S. 1).
1.3. Es liegen weder Strafschäfungs- noch Strafmilderungsgründe vor. Im Er-
gebnis bleibt es demnach beim ordentlichen Strafrahmen.
1.4. Die Vorinstanz hat die Grundsätze zur Strafzumessung ausführlich und
korrekt dargestellt (Urk. 35 S. 10 f.). Zwecks Vermeidung von Wiederholungen
kann darauf verwiesen werden.
2. Konkrete Strafzumessung
2.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer bedingt auf 2 Jahre aufge-
schobenen Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 110.– sowie einer (unbeding-
ten) Busse von Fr. 300.– bestraft. Das ist im Ergebnis angemessen. Die Erwä-
gungen der Vorinstanz dazu sind jedoch in mancher Hinsicht widersprüchlich
ausgefallen, worauf nachfolgend einzugehen ist.
2.2. Tatkomponente
2.2.1. Zunächst geht die Vorinstanz von einer "mittleren" objektiven Tatschwere
aus (Urk. 35 S. 11), was bei einem Strafrahmen von bis zu 3 Jahren Freiheits-
strafe auch unter grosszügiger Berücksichtigung einer "geringen" Relativierung
durch die subjektiven Aspekte offensichtlich nicht zu einer Einsatzstrafe von
10 Tagessätzen führen kann (Urk. 35 S. 12). Indessen liegt die Vorinstanz mit ih-
rer Verschuldensbewertung falsch, weil sie dabei sie ausser Acht gelassen hat,
dass die ernstliche Gefährdung der Sicherheit anderer bereits Tatbestandsmerk-
mal der groben Verletzung von Verkehrsregeln ist. Zwar können sich auch dies-
bezüglich für die Strafzumessung relevante Unterschiede ergeben, da das Aus-
mass der Gefährdung ebenfalls eine Rolle spielt. Vorliegend hat der Beschuldigte
die für die Qualifikation als grobe Verkehrsregelverletzung massgebende untere
Geschwindigkeitsgrenze jedoch nur geringfügig und während verhältnismässig
kurzer Zeit überschritten, und er hat die Tat bei guten Strassen- und Witterungs-
bedingungen sowie bei geringem Verkehrsaufkommen begangen. Allerdings hat
sich der Beschuldigte im Tatzeitpunkt auf der Gegenfahrbahn befunden, was das
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Gefährdungsmoment etwas erhöhte. Dennoch ist die objektive Tatschwere als
leicht zu bezeichnen und es ist vorliegend sicher nur eine Strafe im untersten
Bereich des Strafrahmens angebracht.
2.2.2. In subjektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die vom
Beschuldigten verursachte Gefährdung nicht sein eigentliches Handlungsziel dar-
stellte. Er wollte das begonnene Überholmanöver beenden und nahm die erreich-
te hohe Geschwindigkeit und die dadurch bewirkte Gefährdung anderer Verkehrs-
teilnehmer in Kauf. Dass er sich gegen den Abbruch des Überholvorgangs ent-
schied, als der andere Fahrzeuglenker unvermittelt beschleunigte, ist zwar bis zu
einem gewissen Grad nachvollziehbar, vermag sein Verhalten aber dennoch nicht
zu entschuldigen. Er war nicht in Eile und hätte das Überholmanöver ohne Weite-
res abbrechen können. Da die grobe Verkehrsregelverletzung auch fahrlässig
begangen werden kann, hat die Vorinstanz das eventualvorsätzliche Handeln
zutreffend nur geringfügig verschuldensrelativierend gewertet.
2.2.3. Insgesamt ist von einem leichten Tatverschulden auszugehen und die
Einsatzstrafe ist auf 12 Tagessätze anzusetzen.
2.3. Täterkomponente
2.3.1. Aus dem zivilen Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des mittler-
weile 70-jährigen Beschuldigten ergibt sich nichts für die Strafzumessung Rele-
vantes. Sein einwandfreier strafrechtlicher und automobilistischer Leumund wirkt
sich entgegen der Ansicht der Vorinstanz bei der Strafzumessung neutral aus
(BGE 136 IV 1). Der Beschuldigte hat den Tatvorwurf in objektiver Hinsicht zwar
von Anfang an eingestanden. Echte Reue und Einsicht sind allerdings nicht zu er-
kennen. Sein Geständnis kann daher kaum strafmindernd berücksichtigt werden.
2.4. Zwischenfazit
2.4.1. Entsprechend ist zwar zutreffend, dass sich die Täterkomponenten straf-
zumessungsneutral auswirken (Urk. 35 S. 13). Wiederum widersprüchlich und
nicht nachvollziehbar ist es indessen, wenn die Vorinstanz auf S. 13 unter
"Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe" eine Geldstrafe von
10 Tagessätzen als angemessen erachtet und auf S. 14 schliesst, es sei "unter
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Berücksichtigung sämtlicher massgebender Strafzumessungsgründe" ange-
messen, den Beschuldigten mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen sowie einer
(Verbindungs-) Busse von Fr. 300.– zu bestrafen. Bekanntlich müssen die ausge-
sprochenen Sanktionen in ihrer Summe schuldangemessen sein (BGE 134 IV 53,
E. 5.2). Dass die Vorinstanz alleine die Geldstrafe von 10 Tagessätzen als "unter
Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe" angemessen erachtet,
darf mithin nicht zum Nennwert genommen werden.
2.4.2. Und schliesslich ist zwar ebenso gerechtfertigt, dass die Vorinstanz neben
der Geldstrafe überhaupt eine Verbindungsbusse ausgesprochen hat. Warum sie
das tut, begründet sie jedoch nicht. "Da im vorliegenden Fall eine bedingte Geld-
strafe auszusprechen ist, kann dem Beschuldigten zusätzlich eine Busse auf-
erlegt werden" (Urk. 34 S. 13) genügt als Begründung offensichtlich nicht. Es ist
indessen zu beachten, dass mit der Verbindungsbusse einerseits die Schnitt-
stellenproblematik zwischen der unbedingten Busse für Übertretungen und der
bedingten Geldstrafe für Vergehen entschärft werden soll; sie hat insoweit nach
Auffassung des Bundesgerichts auch eine generalpräventive Funktion. Die unbe-
dingte Verbindungsgeldstrafe bzw. Busse trägt andererseits dazu bei, das unter
spezial- und generalpräventiven Gesichtspunkten eher geringe Drohpotential der
bedingten Geldstrafe zu erhöhen. Sie kommt daher insbesondere in Betracht,
wenn dem Täter zusätzlich zur bedingten Grundstrafe ein sofort spürbarer Denk-
zettel verpasst werden soll; die Verbindungsstrafe hat damit auch eine spezial-
präventive Bedeutung. Die Strafkombination darf aber nicht zu einer Straferhö-
hung führen oder eine zusätzliche Strafe ermöglichen (BGE 134 IV 60 E. 7.3.2).
Bestimmt es das Gesetz nicht anders, beträgt der Höchstbetrag einer Busse
Fr. 10'000.– (Art. 106 Abs. 2 StGB). Bei der Verbindungsbusse nach Art. 42
Abs. 4 StGB ist allerdings zu beachten, dass sich der Anteil der Verbindungs-
busse an der gesamten Strafe maximal auf einen Fünftel belaufen darf. Ab-
weichungen von dieser Regel sind jedoch im Bereich tiefer Strafen zulässig, um
sicherzustellen, dass der Verbindungsstrafe nicht eine lediglich symbolische Be-
deutung zukommt (BGE 135 IV 188 E. 3.4.4., BGE 134 IV 1).
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2.4.3. Angesichts des vorerwähnten Strafrahmens, unter Würdigung der genann-
ten Strafzumessungsgründe und gestützt auf die obgenannten Eckwerte erscheint
eine Geldstrafe von 12 Tagessätzen als dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten angemessen.
2.5. Tagessatzhöhe
Während sich gemäss Art. 34 Abs. 1 StGB die Anzahl Tagessätze nach dem
Verschulden des Täters bemisst, richtet sich die Höhe des Tagessatzes nach den
persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Ur-
teils, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen
Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34
Abs. 2 StGB). Die Vorinstanz hat die Höhe des Tagessatzes auf Fr. 110.– festge-
legt, was von der Verteidigung nicht beanstandet wurde. Eine genauere Beurtei-
lung der finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten könnte aber wegen der
dürftig eingereichten Unterlagen (Urk. 46, Urk. 48/1-2) und den schwammigen
Auskünften anlässlich der Berufungsverhandlung (Urk. 51 S. 2 f.) ohnehin kaum
vorgenommen werden.
2.6. Vollzug, Verbindungsbusse und Ersatzfreiheitsstrafe
2.6.1. Zu Recht hat die Vorinstanz dem Beschuldigten hinsichtlich der Geldstrafe
den bedingten Strafvollzug unter Ansetzung der minimalen Probezeit von
2 Jahren gewährt.
2.6.2. Angesichts des Umstandes, dass vorliegend eine Schnittstellenproblematik
zwischen unbedingter Busse für Übertretungen und bedingter Geldstrafe für ein
Vergehen besteht, erscheint es im vorliegenden Fall angezeigt eine Verbindungs-
busse auszufällen wobei deren Höhe bei Fr. 300.– zu belassen ist. Infolgedessen
ist die schuldangemessene Anzahl Tagessätze auf 10 zu reduzieren. Die Busse
ist zu bezahlen. Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung ist eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 3 Tagen festzusetzen.
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2.7. Fazit
Der Beschuldigte ist somit mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 110.–
sowie mit einer Busse von Fr. 300.– zu bestrafen. Bei schuldhafter Nichtbezah-
lung der Busse tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kosten- und
Entschädigungsdispositiv (Ziffern 5-7) zu bestätigen.
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf
Fr. 3'000.– festzusetzen.
3. Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen
vollumfänglich. Demgemäss sind ihm die Kosten des Berufungsverfahrens voll-
umfänglich aufzuerlegen. Entschädigungen sind keine zuzusprechen.