Decision ID: b791a7dc-7f44-415f-93f9-d57a53f05f4d
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1968 geborene
X._
arbeitete seit September 1999 als
Elektro
monteur
bei der
Y._
AG
in
Z._
(Urk.
11
/
7,
Urk.
11
/
16
).
A
m 30.
Dezember 2006
erlitt er einen Skiunfall
(Urk.
11/7, Urk.
11
/14/2)
. Dabei zog er sich
eine Hirnerschütterung, eine
Gesichtsschädelkontusion rechts,
eine Fraktur der fün
f
ten Rippe rechts und eine kleine
Leberläsio
n
zu
(Urk. 11/
3/150
)
.
Der Unfallversicherer, die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA)
,
erbrachte die gesetzlichen Leistungen und schloss den Fall mit Verfügung vom
1.
Dezember 2009 (
Urk.
11/3/9-11) per
3.
Juli 2009 ab unter Einstellung der Leistungen mit der Begründung, es lägen nur mehr krankheitsbedingte Beein
trächtigungen vor.
Am 1
0.
Januar 2010
(Urk.
11/7)
meldete
X._
sich
nach erfolg
ter Früh
erfas
sung
(Urk. 11/1)
zum Bezug von Leistungen
der
In
va
li
den
versicherung an
.
Diese zog die Akten des
Unfallversi
cherers (Urk.
11
/
3
) und des Kranken
tag
geld
versicherers (Urk. 11/14, Urk. 11/32)
sowie einen Auszug aus dem individue
llen
Konto (Urk.
11/15
) bei und holte
Auskünfte der
Arbeit
geberin
(Urk.
11
/1
6
) sowie
medizinische Berichte
(Urk.
11
/
18
,
Urk. 11/21
, Urk. 11/26-
28
)
ein. Sodann ordnete die IV-Stelle eine medizi
nische Abklärung durch die MEDAS
A._
,
B._
,
an (
poly
disziplinä
res Gutachten vom 1
0.
Februar 2011, Urk. 11/34
).
Mit Vor
bescheid vom
16
. Ju
ni
201
1
(Urk. 1
1
/
41
) stellte die IV
-
Stelle dem Ver
sicherten die Abweisung des Leistungsbegehren
s
in Aussicht. Nach Prüfung der Ein
wände des Versicherten vom
2
5.
Juli (Urk. 11/44
),
vom
5.
September
(Urk. 1
1
/
50
-51
)
und
vom
1.
November 2011 (Urk. 11/53)
forderte die IV-Stelle die
A._
-Gutachter auf, zu
diesen
Stellung
zu nehmen (Stellungnahme vom 31.
Januar 2012, Urk.
11/56).
Am
8
.
März 2012 (Urk. 11/57) wurde de
m
Versi
cherte
n
Gelegenheit gegeben
, sich zu den
getätigten
Abklärungen zu äussern. Am 8.
Juni 2012 (Urk. 11/65) nahmen lic. phil.
C._
, Psychologin Tageskli
nik, und
Dr.
med.
D._
, Oberärztin Tagesklinik,
E._
,
zu den Fragen der Rechtsvertretung Stellung
.
So
dann erhob der Versicherte mit Eingaben vom 2
1.
Juni,
2
3.
August 2012 respektive 27.
September 2012 (Urk. 11/67-69, Urk. 11/73-74) weitere Ein
wände.
Ferner führte d
ie IV-Stelle verschiedene Standortgespräche hinsichtlich der beruflichen Situation durch (Urk. 11/80-81). In der Folge holte sie weitere medi
zinische Berichte ein (Urk. 11/
84-8). Am
5.
Februar 2013 (Urk. 11/87)
gewährte
sie de
m
Versicherte
n
diesbezüglich erneut die Möglichkeit
zur Stellungnahme
.
Nach Prüfung der
Ein
gabe
des Versicherten vom
5. Februar 2013 (Urk. 11/87
89)
verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom
3
0.
April 2013
(Urk. 2) einen Rentenanspruch
.
Am
6.
Juni
2013 (Urk. 11/107
)
teilte
sie
ihm ferner
mit, dass ihm Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch
F._
gewährt werde.
2.
Gegen die Verfügung vom 3
0.
April 2013 erhob
der Versicherte am 3. Juni 2013 (Urk. 1) Beschwerde und bean
tragte, die angefoch
tene
Verfügung sei auf
zu
he
ben und die Angelegenheit zur weiteren medizinischen Abklärung an die Beschwerde
gegnerin zurück
zu
weisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung.
Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
August
2013 (Urk. 10) schloss die IV-Stelle auf Abweisung
der Beschwerde
.
Am 2
0.
August 2013 (Urk. 12)
wurde dem Gesuch des
Be
schwerde
führ
er
s
um Be
willigung
der unent
gelt
lichen Prozessführung entsprochen
und
ihm
die Beschwerde
antwort vom 1
4.
August 2013 zur Kenntnis gebracht.
Mit Eingabe vom 1
0.
September 2013 (Urk. 14) reichte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen ein (Urk. 15/2-3). Am
2.
Oktober 2013 (Urk.
18) verzichtete
die
B
eschwerdegegnerin
auf eine Stellungnahme
dazu
, was dem Be
schwerde
führer am
4.
Oktober 2013 (Urk. 19)
mitgeteilt
wurde.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den nach
fol
gen
den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf
eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine Drei
viertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversi
cherung [IVG]
).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist ent
scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf all
seitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Ex
pertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerde
gegnerin
hielt in der angefochtenen Verfügung
vom 30. April 2013 (Urk. 2
)
dafür, dass beim Beschwerdeführer aufgrund eines seit 2010 bestehenden psychischen Leidens eine 20%ige Einschränkung der Arbeits
fähig
keit sowohl in der angestammten Tätigkeit als Elektromonteur im Aussendienst als auch für jede andere körperlich leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätig
keit bestehe. Weil der Invaliditätsgrad unter 40
%
liege, bestehe kein
Ren
ten
anspruch.
2.2
Diesen Entscheid liess der Beschwerdeführer unter ver
schiedenen Aspekten rü
gen (Urk. 1) und
äusserte Kritik am
A._
-Gutachten. Ins
besondere führte er
a
us, das Gutachten
sei weder
umfassend noch sei
en die Schlussfolgerungen nach
voll
ziehbar
(S.
5
unten)
.
Es sei nach wie vor unklar, an w
e
lchen somatischen und psy
chischen Beeinträchtigungen er tatsächlich leide und wie sich diese auf seine Arbeits
fähigkeit auswirkten
. Deshalb sei
die Angelegenheit an die Beschwerde
ge
gnerin zurückzuweisen, damit diese erneut ein polydisziplinäres Gut
achten (rheuma
tologisch, neurologisch, psychiatrisch, neuropsychologisch und internistisch) veranlasse.
3.
3.
1
Am
7.
Juli 2009 (Urk. 11/3/57
-72
) erstattete
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neuro
lo
gie FMH, zertifizierter medizinischer Gutachter, auf Veranlassung des Un
fall
ver
sicherers ein neurologisches Gutachten mit interdisziplinärer Beurtei
l
ung unter Berücksichtigung des n
europsyc
hologischen Gutachtens des
H._
am
I._
vom 2
9.
Juni 200
9.
Darin nannte er ge
stützt auf die Akten
lage und
die
klinisch-neurologischen und neuropsycho
logischen Unter
suchungen
als neurologische Diagnosen einen Skisturz am 3
0.
Dezember 2006 mit leichter traumatischer Hirnverletzung (MTBI) der Kategorie 1 nach EFNS-Kriterien, neuropsychologische Funktions
störungen betreffend Impuls
kontrolle und Interferenzanfälligkeit, bislang un
klarer ätiologischer Zu
ordnung, dif
fe
rential
diagnostisch unfallkausal im Rahmen einer möglichen orbito-fron
talen be
ziehungsweise ventro-medialen Läsion, differential
diagnostisch im Rahmen einer psychischen Komorbidität, differential
diagnostisch persönlich
keits
be
dingt, und einen Verdacht auf
ein
Ulnaris
rinnen
syn
drom rechts (unfall
fremd
, S. 13
).
Dr.
G._
hielt fest
(S. 14)
, die nachzuweisenden neuropsychologischen Funk
tions
störungen seien möglicherweise, aber nicht überwiegend wahrschein
lich unfall
kausal. Ebenfalls möglich wären eine anhand einer ergänzenden ver
siche
rungs
psy
chiatrischen Untersuchung zu klärende psychische Komorbidität oder auch Per
sönlich
keitsfaktoren. Zum Ausschluss subtilerer, allenfalls post
trauma
tischer Ver
änderungen frontaler Hirnstrukturen wäre eine ergänzende Magnet
reso
nanz
tomographie (MRI) mit hämosiderinsensitiven T2*-Sequenzen unter besonderer Berücksichtigung der orbito-frontalen, ventro-medialen und sub
kortikalen Regionen notwendig. Bei diesbezüglichen unauffälligen Befunden sollte eine ergänzende ver
sicherungs
psy
chiatrische Untersuchung erfolgen. Die er
hobene Fremd
anam
nese mit zwei unklaren Bewusstseinsstörungen sollte dar
über hinaus Anlass zu einer EEG-Untersuchung im Hinblick auf ein
e
Anfalls
er
krankung und eine kardiologische Abklärung im Hinblick auf kardiogene oder ander
weitige Synkopen geben.
3.
2
In Ergänzung zu seinem neurologisc
hen Gutachten vom
7.
Juli 2009
hielt Dr.
G._
am
1.
September 2009 (Urk. 11/3/20-21) nach weitere
n
Abklärungen in ab
schliessender Weise fest, die nachzuweisenden psy
cholo
gischen Funktions
störungen seien bei fehlendem Nachweis einer strukturellen traumatischen Läsion in der Bildgebung mit dem Grad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit nicht als unfallkausal im Sinne einer hirn
organischen Störung zu beurteilen.
3.
3
Am 1
7.
November 2009 (Urk. 11/14/11, Urk. 11/14/5-6) führte
Dr.
med.
J._
, praktizierender Arzt,
zu Händen der
Arbeitgeberin sowie des Kran
ken
taggeldversicherers
fest
, es bestehe weiterhin eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit
seit
3.
Juli 200
9.
Eine sitzende und stehende Arbeit auf dem Boden könne der Beschwerdeführer uneingeschränkt ausführen. Für die rechte Schulter und den rechten Arm solle eine Kraftanstrengung, die fünf bis zehn Kilo
gramm über
steige, nicht gemacht werden. Wegen Gleich
gewichts
störungen und Schwin
delattacken sei ein Einsatz auf Leitern und kleinen Podesten wegen Sturzgefahr ausgeschlossen. Gewichtheben mit beiden Armen sei bis zu einem Gewicht von 10 kg in angemessenem Rahmen möglich. Organisatorische Arbeiten wie
sie
der Beschwerdeführer früher am PC für In
stal
lationen gemacht habe, seien unein
geschränkt möglich.
3.
4
Dr.
phil.
K._
, Neuropsycho
loge, Klinik für Neurologie,
L._
, äusserte im Bericht vom
1
9.
Mai 2010 (Urk. 11/84/11-13
) einen Verdacht auf ein Sulcus ulnaris-Syndrom rechts und nannte folgende Diagno
sen:
-
chronifiziertes Zerviko
vertebral
syndrom rechts,
-
Bursitis subacromialis/subdeltoidea
-
Status nach einem Skisturz am 3
0.
Dezember 2006 mit/bei unter ande
rem
-
commotio cerebri, Gesichts
schädelkontusion rechts, Rippenfraktur Costa 5 ve
n
trolateral rechts
-
Schädel-Computertomographie n
ativ vom 3
0.
Dezember 2006,
L._
: Aus
schluss einer frischen intrakraniellen Blutung, im Wesentlichen alters
ent
sprechende supra- und infratentorielle Hirn
paren
chym
struk
turen, keine Kalot
ten
fraktur
-
Schädel-Magnetresonanztomographie nativ und kontrast
mittel
ver
stärk
t vom 1
5.
Februar 2007 (extern): k
ein Nachweis post
traumati
scher Ver
änderungen, insbesondere kein raumforderndes Hämatom oder axonale Scher
ver
letzungen.
In seiner Beurteilung führte er aus
(S. 3)
, die neuropsychologische Verlaufs
unter
suchung habe insgesamt hirnlokalisatorisch unspezifische, von leicht bis schwer reichende kognitive Minderleistungen in fast allen der geprüften Berei
che er
geben. Einzig bei mehreren Exekutivfunktionen (verbale und figurale Ideen
produktion, Interferenzanfälligkeit) fänden sich
normgerechte Befunde. Verglichen mit der Voruntersuchung vom 2
9.
November 20
07
sei eine deutliche Verschlechterung des kognitiven Leistungsvermögens feststellbar. Aufgrund
dieser Progredienz, der unauffälligen bildgeben
den
Befunde (Computer- und
Magnet
resonanztomographie) sowie des unspezifischen Leistungsprofils seien die kognitiven Schwierigkeiten kaum im Rahmen eines hirnorganischen Korre
lates interpretierbar. Am
ehesten sei von einem unspezifischen leistungs
min
dernden Effekt der anamnestisch beschriebenen Schmerz-, Depressions- und
Fatigue
symptomatik auszugehen. Für das weitere Prozedere stehe deshalb die Fort
führung der offenbar bereits begonnenen psychiatrisch-psycho
thera
peuti
schen Betreuung im Vordergrund. Aus neuropsychologischer Sicht seien die Voraussetzungen für die Fahreignung momentan nicht gegeben, da die mit
unter schweren Minderleistungen auch mehrere verkehrsrelevante Bereiche (zum Beispiel selektive und geteilte Aufmerksamkeit) umfassten. Basierend auf dem jetzigen Leistungsvermögen gingen sie vorerst von einer Arbeits
un
fähig
keit von 100
%
aus. Es sei aber durchaus vorstellbar, dass die erwähnte psy
chi
atrisch-psychotherapeutische Betreuung mittelfristig günstigere Voraus
setzungen für Arbeitsfähigkeit (und Fahreignung) schaffen könnte.
3.
5
Am 1
9.
Juni 2010 (Urk. 11/21, Urk. 11/14/5-6, Urk. 11/14/11)
nannte
Dr.
J._
als Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
unklare Gedächtnis- und Konzentrationsstör
ungen (differentialdiagnostisch
eine frontale Dysfunktion nach einer Commotio cerebri in neurologischer und psy
chiatrischer Abklärung) seit
3.
Juni 2007, chronische Schmerzen im rechten Schulterbereich, ein thorakospondylogenes Syndrom seit Januar 2007 und einen Verdacht auf eine reaktive und larvierte Depression seit
3.
Juni 2009 und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
vom
3.
Juli 2009 bis 1
4.
März 2010 und von 100
%
ab
1
5.
März 2010.
Dr.
J._
hielt fest, die Belastung der rechten Schulter und der Brust
wirbel
säule sei leicht eingeschränkt. Ferner seien das Konzentrations- und Auf
fassungsvermögen reduziert. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht noch zu 50
%
zumutbar. Nach dem Unfall im Dezember 2006 habe ab 10. April 2007 wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit und ab 3. Juli 2009 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bis auf weiteres bestanden. Körperlich bestünden nur geringe Ein
schränkungen, die im bisherigen Beruf auf längere Sicht keine redu
zierte Arbeits
fähigkeit bedingten sollten, wenn mittlere und schwere Belastun
gen vermieden würden, was realisierbar sein könnte. Im Moment bestehe bis zur Bes
serung der gestörten Konzentration und psychischen Lage eine temporäre Ein
schränkung. Es sei zu versuchen, den Beschwerdeführer rasch zu integrieren.
3.
6
Im Bericht
vom
9.
Juli 2010 (Urk. 11/28
, vgl. Urk. 11/22/
1-2, Urk. 11/18/6
)
hiel
ten
Dr.
med.
M._
, Oberarzt, und
Dr.
med.
N._
, Assistenzarzt, Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin,
L._
,
folgende Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
Chronifiziertes C
ervikovertebralsyndrom rechts sowie Schulter-Arm-Syn
drom rechts
einen Verdacht auf rezidivierende Blockwirbelbildung H
alswirbelsäule (HWS) und obere Brustwirbelsäule (BWS)
muskuläre Dysbalance mit ausgeprägten Tendomyogelosen im Bereich der humeroskapulären Muskulatur
Wirbelsäulen-Fehlhaltung bei leicht rechtskonvexer BWS-Skoliose
Magnetresonanz
-Arthrographie Schulter rechts
2.
Juni 2009; Bursitis, keine Ruptur der Rotatorenmanschette
Ultraschall Juni 2010: Bursitis subacromialis/subdeltoidea
Status nach Skisturz am 3
0.
Dezember 2006
Commotio cerebri, Gesichtsschädelkontusion rechts, Rippenfraktur Costa 5 ventrolateral rechts
CCT nativ 3
0.
Dezember 2006: normal
Schädel-MRI 1
5.
Februar 2007: normal
n
europsychologische Untersuchung 1
9.
Mai 2010 (USZ): Hirnlokalisa
to
risch unspezifische, von leicht bis schwer reichende kognitive Min
der
leistungen in fast allen der geprüften Bereiche. Momentan ist die Fahreignung nicht gegeben
Thoracic-outlet-Syndrom beidseits
Die Ärzte der Rheumaklinik führten aus, aus rein rheumatologischer Sicht be
s
tehe eine
100%ige Arbeitsfähigkeit mit einer aktuellen Limitierung bei Arbei
ten oberhalb der Schulterhöhe. Sollte die Beantwortung der Fragen bezüg
lich der beruflichen Einschränkungen gewünscht sein, dann empfählen sie ein Arbeits
assessment zur Objektivierung der funktionellen Belastbarkeit. In
wie
weit eine Arbeitsunfähigkeit aus neurologischer oder psychiatrischer Sichte be
stehe, könnten sie nicht beurteilen.
3.
7
Im psychiatrischen Gutachten vom
7.
Dezember 2010 (Urk. 11/32/2-10) zu Hän
den des Krankentaggeldversicherers nannte
Dr.
med.
O._
, Spezialarzt FMH, Psychiatrie und Psychotherapie,
gestützt auf die psychiatrische Abklärung am
7.
September 2010
als Hauptdiagnosen eine leichte kognitive Störung gemäss ICD-10 F06.7 und eine mittelgradige depressive Episode gemäss ICD-10 F32.1
(
S. 7
). Als Nebendiagnose
führte
er eine somatoforme Schmerzstörung
auf
(ICD
10 F45.4
; S. 7
)
.
Dr.
O._
hielt fest (S. 6
Ziff.
3), die neurokognitive Beeinträchtigung verun
mög
liche derzeit eine Wiedereingliederung an einem Arbeitsplatz
,
zum Beispiel im Be
reich Installation, Technik, aber auch in einer alternativen Tätigkeit. Die neuro
kognitive Be
einträchtigung werde verursacht
respektive überlagert durch eine depressive Symptomatik, aber auch durch eine zuletzt sich einstellende an
haltende somatoforme Schmerzstörung. Die Arbeitsunfähigkeit werde derzeit durch die erwähnte kognitive Beeinträchtigung, aber auch durch die psychische Problematik, ohne dass auf ein hirnorganisches Korrelat hingewiesen werden kön
ne, welches allenfalls unfallbedingt sei
,
begründet.
Er gehe davon aus (S. 8 f.
Ziff.
9), dass ohne Mitwirkung der Invalidenversiche
rung mit einem geeigneten Arbeitsprogramm eine berufliche Wiedereingliede
rung derzeitig nicht möglich sein werde.
Die neuropsychologischen Funktionsstörungen seien am
ehesten durch die psy
chischen K
omorbiditäten im Sinne einer mittelgradigen depressiven Störung und einer andauernden somatoformen Schmerzstörung zu erklären. Ob früher psychische Auffälligkeiten bestanden hätten, sei ihm nicht bekannt. Ausser den b
elastenden Folgen des Skiunfall
s vom 3
0.
Dezember 2006, welche eine ungünstige psychische Entwicklung des Beschwerdeführers begünstigt hätten, gebe es keine Hinweise für das Bestehen psychischer Auffälligkeiten
wie
zum Beispiel einer Persönlichkeitsstörung, w
elche vor dem Skiunfall vom 30.
De
zember 2006 bestanden haben könnten (S. 9 Ziff 11).
3.
8
Die
A._
-Gutachter nannten am 1
0.
Februar 2011 (Urk. 11/34/2-22) nach inter
nistisch-allgemeinmedizinischen, psychiatrischen und neurologischen Unter
su
chungen als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte depres
sive Episode (ICD-10 F32.0
; S. 18
Ziff.
5.1
). Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit führten sie funktionelle neuropsychologische Störungen (ICD
10 R41.3), einen Status nach einem Skiunfall mit leichter traumatischer Hirn
ver
letzung vom 3
0.
Dezember 2006 (ICD-10 S06.0) und ein panvertebrales Schmerz
syndrom mit multifokalen Schmerzen an den Armen (ICD-10 M53.80
; S. 18
Ziff.
5.2
) an.
In ihrer Gesamtbeurteilung hielten sie fest (S. 19
Ziff.
6.2 ff.), der Be
schwerde
führer habe an
läss
lich der Untersuchungen verschiedene, etwas diffus geschil
derte körperliche Be
schwerden angegeben, welche seit dem Unfall vom 3
0.
Februar
(richtig: Dezember)
2006 bestünden. Im Vordergrund der Beschwer
den seien aber die Kon
zentrationsfähigkeit und Vergesslichkeit gestanden. In der neuro
logischen Unter
suchung hätten im Neuro
status keine pathologischen Be
funde er
hoben wer
den können. Die vom Beschwerdeführer geschilderten Druck
schmerzen und die Sensibilitätsstörung an der rechten Hand entsprächen nicht einem organisch-pathologischen Kor
relat. Die neuropsychologischen Ein
schränkungen seien diffus gewesen. Die bei den früheren neuro
psy
cholo
gischen Unter
suchungen festgestellten Defizite könnten bei unauffälligen MRI-Befunden organisch nicht erklärt werden. Auch die Verschlechterung der neurologischen Be
funde zwischen 2007 und 2010 sowie die kognitive Minderleistung in fast allen geprüften Bereichen sprächen gegen eine hirnorganische Ursache. Aus neuro
logischer Sicht sei der Be
schwerde
führer in der Arbeitsfähigkeit für
die ange
stammte Tätigkeit wie
auch
für
eine andere körperlich leichte bis mittel
schwere, wechselbelastende Tätigkeit nicht eingeschränkt.
Anlässlich der psychiatrischen Untersuchung sei eine leichte depressive Episode diagnostiziert worden. Die Konzentrations- und Gedächtnisstörungen seien bei der psychiatrischen Untersuchung auch aufgefallen, seien aber nicht in allen Bereichen konstant vorhanden gewesen. Aufgrund der leichten depressiven Symptomatik sei die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht um 20
%
eingeschränkt.
Im internistischen Status hätten keine weiteren pathologischen Befunde erhoben werden können. Aus internistischer und anderweitiger somatischer Sicht sei die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers nicht eingeschränkt.
Aus polydisziplinärer Sicht sei der Beschwerdeführer für die angestammte Tätig
keit als Elektromonteur im Aussendienst wie auch für jede andere körper
lich leichte bis mittelschwere, wechselbelastendende Tätigkeit
zu 80
%
arbeits- und leistungsfähig,
in e
inem ganztägigen Pensum
.
Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen ihrer Feststellungen durch das psychische Leiden könne ab Behandlungsbeginn beim Psychiater
Dr.
P._
im Juni 2010 bestätigt werden (S. 19
Ziff.
6.3).
Zusammenfassend sei der Beschwerdeführer für die angestammte Tätigkeit als Elektro
monteur im Aussendienst wie auch für eine andere körperlich leichte bis mit
tel
schwere, wechselbelastende Tätigkeit
bei vollschichtiger Präsenz
zu 80
%
arbeits- und leistungsfähig
(S. 21
Ziff.
6.8).
3.
9
Im Bericht vom 1
9.
Oktober 2011 (Urk. 11/52
/1-2; teilstationäre psychiatrische Be
hand
lung vom
9.
Mai bis 2
6.
August 2011
, vgl. dazu auch Austrittsbericht vom 2
1.
Oktober 2011
,
Urk. 11/85/8-12
) führten lic. phil.
C._
und Dr.
D._
,
E._
, aus, sie seien mit den im
A._
Gut
achten gestellten Diagnosen nicht einverstanden. Entgegen der Ein
schätzung der
A._
-Gutachter sähen sie die Arbeits- und Leistungsfähigkeit aus psychiatri
scher Sicht unter den von den
A._
-Gutachtern angenommenen 80
%. Während des teilstationären Aufent
haltes hätten sich deutliche kognitive Ein
schränkungen im Bereich der Auf
merk
samkeits
fokussierung, des verbalen und visuellen episodischen Ge
dächt
nisses und der exekutiven Funktionen gezeigt. Aufgrund dieser Ein
schränkungen habe sich teilweise ein kontinuierliches Arbeiten an ver
schiedenen Themen als schwierig erwiesen. Zudem habe sich der Be
schwerde
führer beispielsweise bei raschem Sprechtempo relativ schnell über
fordert. Die klare Tagesstrukturierung sowie die in einem therapeutischen Set
ting vor
handene Geduld hätten dem Beschwerdeführer im Umgang mit diesen Ein
schränkungen geholfen. Auch habe er seine kognitive Leistungs
fähig
keit leicht ver
bessern können. In einem Umfeld, in dem eine rasche Auf
fas
sungs
gabe sowie soziale Fertigkeiten und eine hohe Konzentrations- und Auf
merk
sam
keits
fähigkeit gefordert seien, wäre der Beschwerdeführer deutlich über
fordert, was mit einer erneuten Verschlechterung seiner psychischen Befind
lichkeit ein
her
gehen könnte. Das Auftreten von Perseverationen und Konfabulationen in ver
schiedenen Tests der neuropsychologischen Testung sowie das im tages
kli
nischen Alltag beobachtete, leicht enthemmte Verhalten des Be
schwerde
führers, seien am ehesten mit einer Beeinträchtigung der exekutiven Funktionen (Fron
tal
hirnfunktionen) vereinbar. Das neuropsychologische Ausfallprofil sei mit der Commotio cerebri vom 30.
Dezember 2006, der Schmerzsymptomatik und der Depression gut vereinbar, allein durch die psychiatrische Erkrankung wären die kognitiven Beeinträchtigungen nicht erklärbar. Eine Aggravation der neuro
psy
chologischen kognitiven Einschränkungen sei allerdings nicht auszu
schlies
sen, wenngleich eher unwahrscheinlich.
3.
1
0
Mit Stellungnahme vom 3
1.
Januar 2012 (Urk. 11/56) führten
Dr.
med.
Q._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
R._
, Ärztliche Leitung, des
A._
,
bezüglich des fachärztlichen Berichtes des
E._
aus, in diesem Bericht sei implizit darauf hingewiesen worden, dass eine Symptom
validierung nicht durchgeführt worden sei. Aufgrund der durchgeführten neuro
psychologischen Tests könne eine psychoorganische Störung nicht diagnosti
ziert werden. Entsprechend finde sich in diesem Bericht auch keine
solche psychoorganische Diagnose
. Im
A._
-Gutachten sei ins
besondere auch darauf hingewiesen worden, dass ohne das Vorliegen eines somatischen Korrelates die Diagnose einer psychoorganischen Störung nicht ge
stellt werden könne. Leider finde sich auch keine psychopathologische Be
fund
er
hebung, so dass nicht beurteilt werden könne, ob die Diagnose einer mittel
gradigen depressiven Epi
sode zutreffe. Im
A._
-Gutachten sei eine leichte de
pres
sive Episode aufgeführt und es sei auch begründet worden, warum damals diese Diagnose habe gestellt werden müssen. Ebenfalls sei begründet wor
den, warum die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht habe gestellt werden können. Ob sich zwischenzeitlich die Symptomatik zu einer mittelgradigen depressiven Episode verschlechtert habe, könne auf
grund des vorliegenden Berichtes nicht mit Sicherheit gesagt werden. Der Be
richt des
E._
könne somit das
A._
-Gutachten nicht wider
legen; an diesem sei auch weiterhin fest
zuhalten.
3.
1
1
Am
8.
Juni 2012
(Urk. 3=Urk. 11/65)
führten
lic. phil.
C._
und Dr.
D._
erneut
aus, bei der neuropsychologischen Testung hätten sich kognitive Beeinträchtigungen im Bereich der Aufmerksamkeitsfunktionen des ver
balen und visuellen episodischen Gedächtnisses und der exekutiven Funkti
onen fin
den lassen. Das Auftreten von Perseverationen und Kon
fabulationen in ver
schiedenen Tests sowie das in der Tagesklinik beobachtete leicht enthemmte
Verhalten seien ebenfalls am ehesten mit einer Be
ein
trächtigung der exekutiven Funktionen (Frontalhirnfunktion) vereinbar.
Hinsichtlich des psychopathologischen
Befunde
s
der genannten Diagnose einer mittel
gradigen depressiven Episode hielten sie fest, der Beschwerdeführer habe während des teilstationären Aufenthaltes beziehungsweise bei der Aufnahme unter starken Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie auf
g
rund der kognitiven Einschränkungen unter Durchschlafstörungen gelitten. Weiter habe er unter einem geringen Selbstwertgefühl, ebenfalls aufgrund der Kon
zentrations- und Aufmerksamkeits- sowie Gedächtnisstörungen, die ihm das Ge
fühl gegeben h
ätt
en, weniger wert zu sein, gelitten. Aufgrund der Trennung von seiner derzeitigen Ehefrau habe er jedenfalls unter einem verminderten Selbst
wertgefühl gelitten. Dazu kämen eine depressive Stim
mungs
lage
mit Rat
losigkeit und dysphorischer Stimmung. Teilweise sei der Be
schwerdeführer auch klagsam. Es bestehe auch eine Grübelneigung. Der Be
schwerde
führer
leide unter einer stark erhöhten Ermüdbarkeit bei nur geringer An
strengung sowie unter Antriebslosigkeit. Aufgrund dieser genannten Symptome bestünden Einschrän
kungen in der Belastungs- sowie Leistungs
fähig
keit.
Im
A._
-Gutachten habe keine Begründung für das Nichtvorliegen einer an
halten
den somatoformen Schmerzstörung erkannt werden können. Der Beschwer
de
führer leide
seit dem Skiunfall
unter andauernden s
chweren und quälenden Schmerzen
, womit das Zeitkriterium von sechs Monaten erfüllt wäre. Eine starke emotionale Belastung bestehe aufgrund der schweren Konflikte in der Familie bezüglich der Rollenaufteilung sowie aufgrund der Integration in der Schweiz. Zudem bestünden Konflikte mit der Ehefrau sowie mit den Töch
tern bezüglich der Erziehung der nicht leiblichen Töchter, die eine grosse Belastung darstellten. Auch sei die finanzielle Situation bereits vor dem Unfall schwierig gewesen, unter anderem aufgrund von Integration und Ausbildung
beziehungsweise Arbeitslosigkeit der beiden Töchter. Im Jahr 2007 habe dann der Skiunfall stattgefunden, danach hätten die Kon
flikte zuhause beziehungs
weise in der Familie stetig zugenommen. Die Kriterien für die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung seien erfüllt.
3.
1
2
Dr.
med.
S._
, Oberarzt,
und
pract. med.
T._
, Assistenzärztin, sowie Dr.
ph
il.
U._
, Neuropsychologin
,
L._
, Klinik für Neurologie,
hielten im Bericht
vom 2
4.
Januar 2013 (Urk. 15/2
=Urk. 11/89/3-6)
folgende Diagnosen fest:
-
Persistierende kognitive Defizite seit Commotio am 3
0.
Dezember 2006
cMRI vom 2
4.
August 2012: regelrechte Rinden-Mark-Dif
feren
zierung, kein Hinweis auf Blutung, Ischämie, Raum
forderungen, be
kannter Nebenbef
und einer Teleangiektasie param
edian links in der Basis der Pons ohne Nachweis einer Dynamik im Verlauf seit 2007
Intermittierende Kribbelparästhesien im Nervus ulnaris Inner
vations
ge
biet durch Druck auf das Schulterblatt rechts ausgelöst sowie subjektive Schwäche des rechten Armes
am ehesten somatoform, Differentialdiagnose: Im Rahmen degenerati
ver HWS-Veränderungen (siehe Diagnose 3)
ENMG 2011: keine Hinweise für eine Nervus ulnaris-Reizung
Chronisches zervikovertebrales Schmerzsyndrom mit spondylogener Kom
po
nente rechts
Beginn nach dem Unfall vom 3
0.
Dezember 2006
intermittierend segmentale Dysfunktion HWS (Limitierte HWS- und BWS [Th4-6]-Rotation rechts)
intermittierende Wirbelsäulen-Fehlhaltung bei leicht rechtskonvexer BWS-Skoliose
MRI HWS
3.
Dezember 2010: Diskusdegeneration HWK 5 bis 7, Osteo
diskal bedingte foraminale Stenose HWK 5/6 links mit Kom
pression der Radix C6 (klinisch beides nicht relevant)
r
adiologisch regelrechtes Alignement in HWS-Funktionsaufnahmen (März 2011)
Mittelgradige depressive Episode mit ausgeprägtem somatischem Syn
drom
In ihrer Beurteilung führten die Fachpersonen aus, es hätten sich kognitive Min
der
leistungen in nahezu allen geprüften Bereichen, insbesondere im Bereich der Aufmerksamkeits-, Exekutiv- und mnestischen Funktionen gezeigt. Auch beim Sprechen und Lesen seien Schwierigkeiten ersichtlich, wobei unklar bleibe, welche Rolle die Fremdsprachigkeit dabei spiele. Die Wahrnehmungs- und Hand
lungs
funktionen seien normal.
Im Vergle
ich zur Voruntersuchung vom 19.
Mai 2010 sei eine weitere Ver
schlechterung des kognitiven Leistungs
ver
mö
gens in den meisten Bereichen fest
stellbar. Einzig bezüglich der verbal-episodi
schen Gedächtnisfunktion und der Fehleranfälligkeit bei den Aufgaben zur selektiven Aufmerksamkeit seien leichte Verbesserungen erkennbar. Die Defizite seien insgesamt hirn
lokalisatorisch unspezifisch, sodass ein zugrunde liegendes strukturelles Korrelat unwahrscheinlich sei. Entsprechend zeige sich im Schädel-MRI vom 1
5.
Februar 2007 ein unauffälliger Befund. Die kognitiven Defizite seien überwiegend Folge einer psychiatrischen Ursache sowie der Schmerz
symptomatik, welche entgegen der subjektiven Einschätzung des Beschwerde
führers im Hinblick auf den gedrückten Affekt, das deutlich redu
zierte Selbst
wertgefühl verbunden mit inneren Konflikten und die erschwerte soziale Interaktion, nicht überwunden erscheine.
3.1
3
Dr.
med.
P._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte
im Bericht vom
1.
Februar 2013 (Urk. 11/
85/1-6
, vgl. dazu
Urk. 11/86,
Urk. 11/27
)
als Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeits
fähigkeit kognitive Beein
trächti
gungen unklarer Ätiologie (Aufmerk
sam
keits
funktion, verbales und visuelles
episodisches Ge
dächtnis, exekutive Funktionen). Als Diagnosen ohne Aus
wir
kungen auf die Arbeits
fähigkeit nannte er eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), re
mittiert, bestehend seit mindestens Beginn 2010, wahr
schein
lich schon früher auf
grund der anam
nestischen Angaben.
Dr.
P._
hielt fest, dass beim Beschwerdeführer Konzentrations- und Gedächtnis
störungen bestünden.
Weil der Beschwerdeführer schon länger nicht mehr arbeite, könne
nicht beurteilt werden
, wie sich diese
konkret bei der Arbeit auswirkten.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit. Da in mehreren neuropsychologischen Untersuchungen neuro
psy
chologische Auffälligkeiten erhoben worden und diese gegenwärtig nicht mehr erklärbar seien, solle den Gründen durch andere Fach
richtungen nach
gegangen werden (zum Beispiel Neurologie).
3.
1
4
Am
7.
Februar 2013
(Urk. 11/88/5-8
, vgl. dazu auch
Urk. 11/33/1-3,
Urk. 11/52/3-4,
Urk. 11/89/1-2
) nannten
Dr.
med.
V._
, Oberarzt, und Dr.
med.
W._
, Assistenzärztin,
Rheumaklinik,
L._
, folgende Diagnosen mit Aus
wir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Chronisches cervicovertebrales Schmerzsyndrom mit spondylogener Kom
po
nente rechts
Beginn nach Unfall vom 3
0.
Dezember 2006
intermittierend segmentale Dysfunktion der Halswirbelsäule (limi
tierte HWS- und BWS
[Th4-6]-Rotation rechts)
intermittierende Wirbelsäulen-Fehlhaltung bei leicht rechtskonvexer BWS-Skoliose
MRI HWS
3.
Dezember 2010:
Diskusdegeneration HWK 5 bis
7
osteo
diskal bedingte foraminale Stenose HWK 5/6 links mit Kom
pression der Radix C6 (klinisch beides nicht relevant)
r
adiologisch regelrechtes Alignement in HWS-Funktionsaufnahmen (März/2011)
-
Intermittierende Kribbelparästhesien im Nervus ulnaris Inner
vations
ge
biet rechts mit/bei
durch Druck auf das Schulterblatt rechts respektive Provokation der costovertebralen Lücke ausgelöst
Schwäche Arm rechts (durch Neurologen nicht objektivierbar, Hyper
re
flexie Ar
m
links
,
RPR/BSR)
d
ifferentialdiagnostisch im Rahmen degenerativer HWS
Verände
rungen (siehe Diagnose 1)
ENMG 2011: keine Hinweise für Nervus ulnaris-Reizung
Verlaufs-MRI und neurologische Abschlussbeurteilung ausstehend
-
Chronisches thorakolumbovertebrales Schmerzsyndrom
Extensions- und Lordosierungsfehlstellung thorakal, lokalisierte HWS/BWS-Über
gangskyphosierung
s
egmentale Hypo
mobilität nach Th6-Th10 links, Th9-L2 rechts, L3/L4 und L4/L5, Konvergenzstörung links
radiologisch keine wesentliche Degeneration (März 2011)
-
Thorakoscapuläre Dysbalance rechts mit Schulter-/Arm-Syndrom
MR-Arthrographie Schulter rechts
2.
Juni 2009; Bursitis, keine Ruptur der Rotatorenmanschette
Ultraschall 2
3.
Juni 2010 und
1.
März 2011:
m
ögliche leichte Bursitis sub
acromialis/subdeltoidea rechts
ENMG März 2011: Klinisch und elektrophysiologisch keine Hinweise für eine Nervus ulnaris-Reizung
Ultraschall am 2
6.
September 2012: ansatznahe kleine Verkalkung der Supra
spinatussehne rechts, leichte Bursitis beidseits diskret
rechts mehr als links, leichte AC-Gelenksarthrose beidseits
-
Leicht bis schwer reichende kognitive Minderleistungen
am ehesten im Rahmen der Schmerz-, Depressions- und Fatigue
symp
tomatik erklärt, bisher kein hirnorganisches Korrelat
neuro
psychologisch
e Abklärung im Mai 2010: hi
r
n
lokalisatorisch un
spe
zifische, von leicht bis schwer reichende kognitive Minder
leistun
gen in fast allen der geprüften Bereiche, deutliche Ver
schlechter
ung des kognitiven Leistungsvermögens im Vergleich zu November 2007
aktuelle neuropsychologische Verlaufsbeurteilung ausstehend
-
Mittelgradig depressive Episode mit ausgeprägtem somatischem Syn
drom
-
Status nach Skisturz am 3
0.
Dezember 2006
Commotio cerebri, Gesich
t
s
schädelkontusion rechts, Rippenfraktur Costa 5 ventrolateral rechts
CCT nativ am 3
0.
Dezember 2006: normal
Schädel-MRI vom 1
5.
Februar 2007: normal
Dr.
V._
und
Dr.
W._
hielten fest,
anlässlich des stationären Aufenthaltes im März 2011 sei für eine leichte bis mittelschwere Arbeit rheumatologisch-the
oretisch eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
festgelegt worden. Anlässlich der letzten Konsultation vom Dezember 2012 hätten sich weiterhin auf die Wirbel
säule und die Arme betonte Schmerzen gezeigt, bei denen von einer Beschwer
deakkumul
ation im Tagesverlauf und somit einer Leistungsminderung von min
desten 20
%
sowie einer Einschränkung bezüglich Arbeit mit Ge
wichten über 10
kg sowie Arbeiten in Zwangspositionen auszugehen sei. Für eine detaillier
tere Beurteilung sollte eine Evaluation der funktionellen Leistungs
fähigkeit (EFL) durchgeführt werden. Bezüglich Einschränkung der Arbeits
fähigkeit aus neuro
logischen und psychiatrischen Gründen könnten sie nicht Stellung nehmen. Die muskuloskelettalen Beschwerden seien mit einem regelmässig durch
geführten Trainingsprogramm zur Rumpfstabilisation be
ein
fluss
bar. Ob eine volle Leis
tungsfähigkeit erreicht werden könne, sei zurzeit nicht beur
teilbar.
Aufgrund des komplexen Beschwerdebildes mit aktuell laufender neuro
psy
cho
logischer/neurologischer Abklärung sowie w
ie
derholt psy
chi
atrischer Be
hand
lung sei für die Festlegung der Arbeitsfähigkeit ein inter
dis
zi
plinäres Gutachten zur Berücksichtigung sämtlicher Aspekte notwendig.
4
.
4
.1
4.1.1
Aus den vorliegenden medizinischen Akten geht hervor, dass bei
m
Be
schwer
de
führer
sowohl somatische als auch psychische
Beeinträchtigungen
be
stehen.
Vorwegzuschicken ist, dass f
ür die
Frage, ob beziehungsweise inwieweit der Beschwerdeführer
deswegen in
seinem
Leistungsvermögen einge
schränkt ist,
in zeitlicher Hinsicht jedenfalls
bis zum Begutachtungszeitpunkt
vom
15.
De
zember 2010 (Urk. 11/34 S. 1)
auf das
polydisziplinäre
Gut
achten vom
10.
Februar 2011
(E. 3.
8
) und die ergänzenden Stellung
nah
me
vom
3
1.
Januar 2012
(E. 3.
10
) abgestellt
wer
den
kann
, da dieses
den praxisgemässen Anforde
rungen an
eine beweiskräftige medizinische Ent
scheidungsgrundlage
entspricht
(E.
1.
3
)
:
Das
vorliegende
Gutachten basiert auf allseiti
gen Untersuchungen in
internistisch-allgemeinmedizinischer, psychiatrischer und neurologischer Hin
sicht,
be
rück
sichtigt
die geklagten Beschwerden
und setzt sich mit diesen sowie
mit
dem Verhalten des
Be
schwerde
führe
rs
auseinander. Auch wurde es in Kenntnis
und in Auseinan
dersetzung mit den
wesentlichen Vorakten erstattet
und
leuchtet in der Darlegung der medi
zi
nischen Zustände und Zusammen
hänge ein.
D
ie
Schluss
fol
gerung, wonach d
e
r
Be
schwerdeführer
un
ter Berück
sichtigung der psy
chischen und somatischen Ein
schränkungen
in seiner bis
herigen Tätigkeit als Elektromonteur im Aussendienst wie auch für jede andere körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit zu 80
%
arbeits- und leistungsfähig
ist, ist begründet und nachvollziehbar
.
4
.
1.
2
Was das
zeitlich frühere
Gutachten vom
7.
Juli 2009 (E
. 3.1)
samt
Ergänzung vom 1.
September 2009 (E. 3.2)
von
Dr.
G._
anbelangt
,
so bestätigt
dieser
die neurologischen Schluss
fol
gerungen des
A._
-Gutachtens insofern, als er
bereits damals
keine
strukturellen traumatischen Läsionen in der Bildgebung
hat
nachweisen können.
Dass die kognitiven Schwierigkeiten kaum im Rahmen eines hirnorganischen Korrelates interpretierbar seien, konstatierte auch der Neuropsychologe
Dr.
K._
in seinem Be
richt vom 1
9.
Mai 2010 (E. 3.4).
Sowohl
Dr.
G._
als auch
Dr.
K._
machten aber keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers; ihre Berichte waren insofern für die streitigen Belange nicht umfassend.
4.1.3
Die Ärzte der Rheumaklinik und des Institutes für Physikalische Medizin des
L._
untermauern zwar di
e Beurteilung der
A._
-Gutachter
hinsichtlich der Arbeits
fähigkeit aus rheumatologischer Sicht
ebenfalls
,
indem sie eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (mit aktueller Limitierung bei Arbeiten oberhalb der Schulter
höhe attestierten (E. 3.6),
aber in nicht abschliessender Weise
,
da sie für die Beantwortung der Fragen bezüglich be
ruf
licher Einschränkungen zur Objekti
vierung der funktionellen Belastbarkeit ein Arbeitsassessment empfahlen
.
4.1.4
Bezüglich der vor der Begutachtung durch das
A._
ergangenen
Berichte
des behandelnden
Dr.
J._
vom 1
7.
November 2009 (E. 3.3) und 1
9.
Juni 2010 (E. 3.5) ist festzuhalten, dass
seine
Einschätzung
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge
aufgrund der ge
schilderten
diskret
en
Befunde
nicht
nachvollzogen werden k
ann
.
Hinzu kommt, dass die
im Bericht vom 19.
Juni 2010 gemachten Angaben zur Arbeitsfähigkeit
ab Mitte März 2010
widersprüchlich
sind
.
Dr.
J._
konnte auch bezüglich neurologischer
und psy
chiatrische
r
Diagnosen
- sie betreffen nicht
sein
an
ge
stammtes Fach
ge
biet
als praktizierender Arzt
- nur auf weitere Abklärungen verweisen.
Im Übrigen darf und soll das Gericht in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen
und Hausärzten, der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
4.1.5
Was die Beurteilung von
Dr.
O._
(E. 3.7)
anbelangt, wonach der Be
schwerde
führer vordergründig durch die neurokognitive Beeinträchtigung generell zu 100
%
arbeitsunfähig sein soll, ist
ebenfalls
mit den
A._
-Gutachtern festzuhal
ten (Urk. 11/34/2-22 S. 14
Ziff.
4.1.10), dass insbesondere die Diagnose einer leichten kognitiven Störung gemäss ICD-10 F06.7
, welche Kategorie Krank
heitsbilder erfasst, die ursächlich mit einer Hirnfunktionsstörung im Zusam
menhang stehen,
bei vorliegend
fehlendem somatischen Korrelat
nicht über
zeugt
.
Zusammenfassend vermögen die
oben
erwähnten Berichte die Beurteilung der
A._
-
Gutachter
nicht in Zweifel zu ziehen.
4
.
2
4.2.1
Zu prüfen gilt
weiter, ob
die
medizinische Situation des Beschwerdeführers nach der Begutachtung bis zum Erlass der Verfügung am 3
0.
April 2013 gleich geblieben ist
beziehungsweise ob die nachher ergangen
en
Berichte an der Be
ur
teilung durch die
A._
-Gutachter etwas zu ändern vermögen
:
4
.
2
.
2
Was die Berichte
der Fachpersonen des
E._
(E. 3.9,
E. 3.11, vgl. dazu auch Urk. 11/85/8-12)
anbelangt
, so
überzeugen
die
darin ge
zogenen
Schl
ussfolgerungen nicht und
sind in sich widersprüchlich
.
Mit den
A._
Gut
achtern (E. 3.10) ist nämlich davon auszugehen, dass eine psy
cho
orga
nische Störung
allein
aufgrund
von
neuropsychologischen Tests nicht diagnos
tiziert werden k
ann
,
und auch in den
von den
Fachpersonen des
E._
erwähnten Diagnosen
ist
keine psy
cho
organi
sche Diagnose aufgeführt worden
, obwohl
sie
das Auftreten von Pe
rseverationen
und Kon
fabulationen
sowie das im Alltag oft be
obachtete leicht enthemmte Verhalten
„
am ehesten
“
mit
eine
r
Beeinträchtigung der exekutiven Hirnfunktion vereinbar sahen.
Ferner passt der psychopathologische Be
fund
(Urk. 11/85/8-12 S. 4
, vgl. dazu auch E.
3.11
)
nicht zur genannten Diagnose einer mittel
gradigen depressiven Episode. Hin
zu kommt, dass dem Bericht
vom 19.
Oktober 2011 (E.
3.9) ebenfalls keine ab
schliessende Beur
teilung der Arbeits
fähigkeit zu entnehmen ist, hielten die Fach
personen des
E._
einzig eine
unter der durch die
A._
Gutachter
attestierte Arbeits- und Leistungs
fähigkeit von 80
%
fest. Bezüglich der genannten Diagnose einer
an
haltende
n
somato
forme
n
Schmerz
störung
ist ferner anzu
merken, dass diese
rechtsprechungsgemäss
grund
sätzlich
als über
windbar
gilt und eine aus
nahms
weise Unüber
windbarkeit vorliegend nicht gegeben wäre
(zum
G
anzen siehe etwa BGE 130 V 352,
BGE
131 V 49 E.
1.2,
BGE
139 V 547 E. 3 ff.)
.
Bemerkens
werter
weise kon
statierten die
selben
Fachpersonen im Bericht vom 19.
Oktober 2011 (E. 3.9) auch, dass eine Aggravation der neuro
psycho
logi
schen kognitiven Ein
schränkungen nicht auszuschliessen, wenngleich aber eher un
wahr
scheinlich sei.
4
.
2
.
3
Bezüglich der neuropsychologischen
Testungen (E. 3.
12, vgl. dazu auch 3.
11
)
ist generell anzufügen, dass diese die gutachterlichen Bemühungen nicht
zu
ersetzen
vermögen
, sondern einzig einen Zusatzbefund darstellen, der in die
(gerichtliche)
Gesamtbeurteilung
einzubeziehen ist.
Generell kann einem test
mässigen Er
fassen der Psycho
patho
logie im Rahmen der psychiatrischen Exploration näm
lich nur ergänzende Funktion beigemessen werden; ausschlag
gebend bleibt die klinische Unter
suchung mit Anamneseerhebung, Symptomer
fassung und Ver
haltens
beobachtung (Urteil des Bundesgerichts 9C_44/2007 vom 7. April 2008 E. 3.2 mit Hinweisen).
Im Übrigen hält der Bericht vom 2
4.
Januar 2013 (E. 3.12) eben
falls fest, dass die Defizite insgesamt hirnlok
ali
satorisch unspezifisch seien, so
dass ein zugrunde liegendes strukturelles Korre
lat unwahrscheinlich sei und sich auf der Magnetresonanztomographie des Schädels vom 1
5.
Februar 2007 ein
unauffällige
r
Befund
gezeigt habe.
4
.
2
.
4
Auch
der
- neueste, in den Akten liegende -
Bericht vom
7.
Februar
2013
(E. 3.14) der Ärzte der Rheumaklinik des
L._
vermag an der Beurteilung de
r
A._
-Gutachter nichts zu ändern, da sie ihre Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
nicht in abschliessender Weise
ab
gaben
,
empfahlen
sie
doch
für eine detaillier
tere Beurteilung
eine
EFL
und
für die Festlegung der Arbeitsfähigkeit ein inter
dis
zi
plinäres Gutachten
. Dass sie vom
A._
-Gutachten vom 1
0.
Februar 2011 und der ergänzenden Stellungnahme vom 3
1.
Januar 2012 (oben E.
3.8
und
3.10) Kenntnis hatten, ist zu
bezweifeln,
kann dem Bericht
doch kein Hinweis darauf bzw. keine Auseinandersetzung damit
entnommen werden
, was angesichts der Sachlage aber erwartet werden müsste.
4
.
2
.
5
Schliesslich vermag auch der Bericht vom
1.
Februar 2013 (E. 3.13) nichts an der Einschätzung durch die
A._
-Gutachter zu ändern,
konnte
doch
selbst der be
han
deln
d
e
Dr.
P._
aus psy
chiatrischer Sicht keine Einschränkung der
Arbe
its
fähig
keit konstatieren;
die depressive Störung erachtete
er als voll
ständig remit
tiert. D
eshalb
hätten
auch d
ie ein
gesetzten Antidepressiva
aus
ge
schlichen wer
den können. Jedenfalls finden sich in diesem Bericht keine Hin
weise dafür, dass sich die gesundheitliche Situation im Vergleich zum
A._
-Gutachten
ver
schlechtert
haben soll
te
.
4
.
3
4
.
3
.1
Der Beschwerdeführer
machte geltend
(Urk. 1 S. 7)
,
seine Arbeitsfähigkeit sei
aufgrund der Beschwerden im Nacken und Schultern mit Ausstrahlungen in den rechten Arm
in rheuma
tologischer Hinsicht
mehr eingeschränkt als im Gutach
ten
angenommen
und verwies auf den
Bericht
der Ärzte der Rheumaklinik am Institut für physikalische Medizin des
L._
vom
9.
Juli 2010
, wonach Arbeiten über Schulterhöhe nicht mehr zumutbar seien.
Als Elektromonteur müsse er näm
lich oft Arbeiten über Schulterhöhe ausführen. In Bezug auf diesen Kritik
punkt ist festzuhalten, dass
die vom Beschwerdeführer geschilderten Druck
schmer
zen und die Sensiblitätsstörungen an der rechten Han
d
keinem
orga
nisch-pathologischen Korrelat haben zugeordnet werden können (Urk. 11/34/2
22
S. 19
Ziff.
6.2); objektivierbare Zeichen einer peripher-neuro
genen Läsion oder eine radikuläre Ursache h
a
tten sich nicht finden lassen (S. 17
Ziff.
4.2.4).
Aufgrund der gemachten Befunde ist
auch hier
die Beurteilung der
A._
-Gut
achter nicht zu beanstanden, berücksichtigten sie
doch die
geklagten Arm- und Schulterbeschwerden
in
ihrer
Beur
teilung, taxierten die darauf basierenden Diagnose eines panvertebralen Schmerzsyndroms mit multifokalen Schmerzen an den Armen aber als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
4
.
3
.2
Soweit der Beschwerdeführer vorbrachte
(Urk. 1 S. 7 f.)
, m
it Ausnahme
der
A._
Gutachter
seien
sämtliche behandelnde
n
und be
gutachtende
n
Ärzte davon aus
gegangen
, dass
er
vorab aufgrund der bei ihm vor
handenen neuropsycholo
gischen Beein
trächtigungen in seiner Arbeitsfähigkeit einge
schränkt
und ihm
dem
ent
sprechend auch von
Dr.
K._
des
L._
im Be
richt vom 1
0.
März 2010
die
Fahreignung abgesprochen
worden sei, ist festzuhalten,
dass
gemäss
A._
-Gutachter
die angegebenen neuro
psychologischen Ein
schränkungen kei
nem organischen somatisch
en Kor
relat zugeordnet werden ko
nnten und die Konzentrations- und Gedächtnis
störungen
demgemäss
als funktionell und ohne klinische Relevanz einzustufen
waren
(Urk. 11/34/2-22 S. 19 f.
Ziff.
6.4)
.
Ferner wiesen
diese auch
darauf hin, dass anlässlich der psy
chiatrischen Untersuchung deutliche Inkonsistenzen festgestellt w
urden
.
4
.
3
.3
Der Beschwerdeführer macht weiter geltend
(Urk. 1 S. 11)
, dass der Sachverhalt auch in psy
chi
atrischer Hinsicht nur ungenügend abgeklärt worden sei. Insbe
sondere monierte er, dass
aus dem
A._
-Gutachten unter
dem Titel psy
chi
atri
sche Beur
teilung hervorgehe, dass die Konzentrations- und Gedächtnisstörun
gen aus neuro
logischer Sicht zu b
eur
teilen seien, im Rahmen dies
e
r
Beurteilung
aber dann fest
gestellt w
orden sei
, dass
sie
n
icht organisch begründet seien,
weshalb
erneut die Frage zu beantworten gewesen
wäre
, ob
sie also
nicht doch im psychiatrischen Kontext, sprich im Rahmen der depressiven Er
krankung, zu berücksichtigen gewesen wären.
In Bezug auf diesen Kritikpunkt ist
anzuführen
,
dass der Umstand, dass
die kogni
tiven Einschränkungen in der neuro
psychologischen Testung am
L._
im Jahr 2010 als hirnlokal unspezifisch beurteilt worden
sind
,
für
die
A._
-Gutachter
aus psychiatrischer Sicht (Urk. 11/34/2
22 S. 14 f.
Ziff.
4.1.8)
ein Hinweis
dafür
war
, dass diese durch Konzentrationsstörungen im Rahmen der Depression bedingt sein könnten und zusätzlich subjektiv ver
stärkt würden, worauf wiederum die erwähnten Inkonsistenzen hingewiesen hätten.
Mit
der attestierten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
aus psychiat
rischer Sicht
wurden diese in der Folge angemessen berücksichtigt
.
4
.
3
.
4
Schliesslich kann der Beschwerdeführer auch aus den ins Recht gelegten Berich
ten vom 2
3.
Mai 2012 (
Urk.
11/68/1-3
) und 2
8.
August 2013 (
Urk. 15/3
) nichts zu seinen Gunsten ableiten, da es sich dabei nicht um Beurt
eilungen von
m
edi
zi
nischen
Fachpersonen
handelt
.
4
.4
Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass auf das
A._
-Gutachten ab
zu
stell
en
und der medizinische Sachverhalt als dahingehend er
stellt zu betrachten ist, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Elektro
monteur im Aussendienst wie auch für jede andere körperlich leichte und mit
telschwere, wechselbelastende Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig ist.
Weitere medizinische Abklärungen, wie sie vom Beschwerdeführer beantragt wurden, sind
bei dieser Sachlage
nicht angezeigt.
5
.
Was die erwerbliche Seite angeht, so besteht bei einer Ar
beitsfähigkeit von 80 % in
der angestammten Tätigkeit als Elektromonteur sowie in
angepasster Tätigkeit kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
Da sowohl für die Ermittlung des Validen
-
als auch des Invalideneinkommens die
selben
Tabellenlöhne heran
zuziehen sind, entspricht der Invaliditätsgrad mithin der eingeschränkten
Leis
tungsfähigkeit
von 20 %.
6
.
Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zu
legen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), auf Fr.
1‘0
00.-- anzusetzen und ausga
ngsgemäss dem
Beschwerdeführer
aufzuerlegen,
werden
jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse
genommen
(Urk. 12).