Decision ID: a12aff02-10f9-58ff-9475-ee549448e6eb
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1963 geborene
X._
war bei der
Y._
,
Z._
,
als Bau
arbeiter angestellt
und
in dieser Funktion
bei der Suva unfallversichert
, als er gemäss Unfallmeldung vom 1
2.
September 2006 tags zuvor rund zwei Meter von einer Leiter zu Boden (gewachsenes Terrain)
gefallen war
.
Er verspürte Schmerzen im Rücken sowie an der Schulter
(
Urk.
7/
1). Die Suva leitete daraufhin insbeson
dere Abklärungen in erwerblicher sowie medizinischer Hinsicht in die Wege und erbrachte die gesetzlich
en
Versicher
u
ngsleistungen. Nach kreisärztlicher Unter
suchung des Versicherten vom 8. Oktober 2008 (
Urk.
7/99) sprach die Suva ihm mit Verfügung vom 26. Januar
2009 (
Urk.
7/121) eine Invalidenrente gestützt auf eine ermittelte Erwerbsunfähigkeit von 18 % sowie eine Integritätsentschädigung gestützt auf eine ermittelte Integritätseinbusse von 5 % zu.
Im Rahmen des
Ein
spracheverfahrens
gingen weitere medizinische Berichte ein, so dass die Suva nach neuerlicher Rücksprache mit dem Kreisarzt (
Urk.
7/140) ihre Verfügung vom 26. Januar 2009
infolge verfrühten Fallabsch
l
usses
mit Schreiben vom 19. Au
gust 2009 (
Urk.
7/
141) vollumfänglich zurücknahm.
Per 30. April 2009 war das Arbeitsverhältnis des
Versicherten
aufgelöst
worden (
Urk.
7/145).
Nach kreisärztlicher Untersuchung vom 9. Juni 2010 (
Urk.
7/168)
sprach die Suva dem Versicherten mit Verfügung
vom
1. November 2010 (
Urk.
7/175) wiederum eine Invalidenrente gestützt auf eine ermittelte Erwerbsunfähigkeit von 18 % sowie eine Integritätsentschädigung gestützt auf eine ermittelte Integritätsein
busse von 5 % zu.
Die hiergegen erhobene Einsprache führte zu weiteren Abklä
rungen.
Mit Schreiben vom 10. August 2011 (
Urk.
7/198) wurde auch die Verfü
gung vom 1. November 2010 infolge verfrühten Fallabschlusses zurückgenom
men.
1.2
Nach
der Einholung
weitere
r
kreisärztliche
r
Stellu
ngnahmen (
Urk.
7/202 f.,
7/211)
sprach die Suva
X._
m
it Ve
rfügung vom 30. März 2012 (Urk.
7/221)
mit Wirkung ab
1.
April 2012
eine Invalidenrente gestützt auf eine ermittelte Erwerbsunfähigkeit von 17 % sowie eine Integritätsentschädigung ge
stützt auf eine ermittelte Integritätseinbusse von 5 % zu.
Die hiergegen erhobene Einsprache (
Urk.
7/222, 7/225) wurde nach
dem Eingang der Entscheide im inva
lidenver
sicherungsrechtlichen Verfahren
(
Urk.
7/247)
mit
Einspracheentscheid
vom 22. November 2017 (
Urk.
2) teilweise gut
geheissen
und
der
Invaliditätsgrad neu auf 18 % fest
gesetzt
. Im Übrigen wies
die Suva
die Einsprache ab.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
der Suva erhob der Versicherte mit Eingabe vom 4. Januar 2018 Beschwerde
(
Urk.
1)
und stellte folgende Anträge (S. 2):
«1.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
der Suva, Referenz-Nr.
«...»
, Schaden-Nr.
«...»
, vom 22. November 2017 betreffend Versiche
rungsleistungen UVG sei aufzuheben.
2.
Es sei die Angelegenheit zur Durchführung weiterer medizinischer Abklä
rungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Insbesondere sei der Beschwerdeführer polydisziplinär begutachten zu lassen.
3.
Dem Beschwerdeführer seien ab dem 1. April 2012 rückwirkend und bis zum Erreichen des medizinischen Endzustands die gesetzlichen Versiche
rungsleistungen, insbesondere Unfalltaggelder und Heilbehandlungen, zu gewähren.
4.
Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen.
5.
Es sei dem Beschwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche
Verbeiständung
in der Person der Unterzeichnenden zu gewähren.
6.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerdegegne
rin.»
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Februar 2018 (
Urk.
6) beantragte die Beschwer
degegnerin die Abweisung der Beschwerde (S. 2).
Am 17. April 2018 reichte der Beschwerdeführer die Unterlagen zu seiner prozessualen Bedürftigkeit zu den Ak
ten (
Urk.
10-12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversic
he
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
1
1. September 2006
ereignet
(Urk.
7/
1
)
, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1
.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
an
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Er
folg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges
also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.
4
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozial
versicherungsrechts, ATSG
), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenan
spruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine nam
hafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen da
hin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
vom 22. Novem
ber 2017 (
Urk.
2) damit, dass hinsichtlich des Zumutbarkeitsprofils
betreffend die an der rechten oberen Extremität verbleibenden Unfallfolgen
auf die
beweiswer
tige
n
Beurteilung
en
von Kreisarzt
Dr.
med
.
A._
,
Facharzt
für Physikalische Medizin und Rehabilitation,
vom 9. Juni 2010
sowie 20.
November (recte:
Dezember
)
2012
(recte: 2011)
abzustellen sei.
Widersprec
hende Arztberichte wür
den weder bei den Akten liegen noch aufgezeigt
. Vielmehr sei auch mit Blick auf die Erkenntnisse aus dem
(seitens der Eidgenössischen Invalidenversicherung, IV,
eingeholten
)
B._
-Gutachten vom 24. Juni 2013
der
kreisärztliche
n
Beurteilung
zu folgen
. Betreffend die Rückenschädigungen könne aufgrund des zeitnahen Be
richts
des
H
a
usarztes
Dr.
med.
C._
vom
4. Oktober 20
06
von blossen Kontu
sionen der Lendenwirbelsäule (LWS) ausgegangen werden, die nach konstanter bundesgerichtlicher Praxis spätestens nach einem
J
ahr nach dem Unfallgesche
hen als abgeheilt zu gelten
hätten
. Eine Distorsionsverletzung der Halswirbelsäule (HWS) sei unter Hinweis auf die ärztliche Beurteilung
von
Versicherungsmedizi
ner
Dr.
med.
D._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
vom 5. August 2009 nicht ausgewiesen. Insbesondere
habe
sich in diesem Zusammenhang innerhalb der nach höchstrichterlicher Pr
a
xis er
forderlichen Latenzzeit von maximal 72 Stunden keine Schädigung der HWS nachweisen lassen, womit diese Beeinträchti
g
ungen und die damit in Zusammen
hang stehenden Beschwerden des Beschwerdeführers nicht als adäquat kausale Unfallfolgen gelten würden.
Auch das
Sozialversicherungsgericht
des Kantons
Züri
ch habe die kreisärztliche Zumutbarkeitsb
eurteilung von Dr.
A._
als nachvollziehbar qualifiziert. Dieser Entscheid sei mit Urteil des
Bundesgerichts
vom 3. Mai 2016 in Rechtskraft erwachsen
. Die psychischen Beeinträchtigungen
seien nicht als adäquat kausale Unfallfolgen zu werten
(S. 5
-8
).
Gestützt auf die Einkommenswerte der herangezogenen fünf DAP-Stellen
resul
tiere für das Jahr des Rentenbeginns 2012 ein Invalideneinkommen von Fr. 54'509.--.
Das
jäh
r
liche
Valideneinkommen
belaufe sich demgegenüber auf insgesamt Fr. 66'217.2
0.
Bei einer Gegenüberstellung dieser beiden Einkommen würde ein Invaliditätsgrad von 18 % resultieren
. Mit Verfügung vom 30. März 2012 sei dem Beschwerdeführer leidglich eine Rente von 17 % zugesprochen wor
den. In diesem Punkt sei die Einsprache somit teilweise gutzuheissen
(S. 9
11)
.
Hinsichtlich des geltend gemachten unfallbedingten
zervikogenen
Schwindels bei
zervikobrachialem
Syndrom sei festzuhalten, dass die erst einige Zeit nach dem Ereignis vom 11. September 2006 geklagten Beschwerden im Zusammenhang mit der HWS nicht als adäquate Unfallfolgen zu qualif
i
zieren seien. Das
Gleiche
gelte für die geltend gemachten nicht objektivierbaren
zervikogenen
Schädigungen, die gemäss dem
neurootologischen
Gutachten des
E._
vom 5. Juli 2011 erst viel später nach dem Unfall aufgetreten seien. Eine Arbeitsunfähigkei
t
bestehe deswegen ohnehin nicht. Auch die
B._
-Gutachter gin
gen von einer vollen
Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit aus, womit der Endzustand, der wie gesehen insbe
s
ondere im Hinblick auf ei
n
e überwi
e
gend wahrscheinliche Verbes
s
erung der Erwerbsfähigkeit hin zu interpretieren sei, da
mit schon gegeben gewesen sei, da bei einer vollen
Arbeitsfähigkeit
naturgemäss eine weitere Steigerung nicht mehr möglich sei. Damit stehe fest, dass ohne wei
teres von einem medizinischen Endzustand auszugehen sei
. Da auch keine Ein
gliederungsmassnahmen der
IV
stattfänden, seien die erforderlichen Vorausset
zungen für den Fallabschluss Ende März 2012 erfüllt gewesen
(S. 11-12).
Im Zusammenhang mit
der Beurteilung des Integritätsschadens bestehe schliess
lich keine Veranlassung, von den
medizinischen
Beurteilungen von Dr.
A._
vom 8. Oktober 2008, 9. Juni 2010 und 20. Dezember 2011 abzuweichen, da keine gegenteiligen ärztlichen Berichte bei den Akten liegen würden und
ein
spracheweise
auch nicht geltend gemacht würden
. Die betragsmässige Höhe des Integritätsschadens von 5 % entspreche beim Unfalldatum vom 11. September 2006 unbestrittenermassen einer Summe von Fr. 5'340.--
(S.
1
3
-
15).
2.2
In seiner Beschwerdeschrift vom 4. Januar 2018 (
Urk.
1)
rügte
der Beschwerde
führer
die lange Verfahrensdauer und machte
weiter
insbesondere eine Verlet
zung des Untersuchungsgrundsatzes durch die Beschwerdegegnerin geltend. Es
könne noch nicht beurteilt werden, ob der medizinische Endzustand erreicht sei und der Fallabschluss damit gerechtfertigt gewesen sei.
Der
medizinische Sachverhalt sei bis und mit Erlass des
Einspracheentscheides
zu berücksichtigen.
Vorliegend sei auf die zwingenden medizinischen Abklärungen bis zum Erlass des
Einspracheentscheides
verzichtet worden. Das Gutachten vom 24. Juni 2013 (seitens der IV in Auftrag gegebenes
B._
-Gutachten) stelle die letzte medizinische Abklärung dar. Die Beschwerdegegnerin habe ihre Sorgfalts- und Abklärungspflicht
sowie das rechtliche Gehör
verletzt, indem sie ohne Rück
frage beim Beschwerdeführer
darauf geschlossen habe, dass sich die Situation (gesundheitlich sowie erwerblich) innert
vier Jahren nicht geändert habe (S. 4).
Das
neurootologische
Gutachten des
E._
vom 5. Juli 2011 habe deutlich aufge
zeigt, dass weitere Behandlungen durchzuführen seien
, die eine Besserung des Gesundheitszustandes bewirken könnten.
Die Vornahme dieser Behandlungen sei durch die Beschwerdegegnerin in der Folge jedoch ohne jegliche Begründung verweigert worden
, insbesondere sei die psychische Problematik überhaupt nicht abgeklärt worden
(S. 5).
Das der Beschwerdegegnerin insbesondere zur Begründung ihres Entscheides die
nende
B._
-Gutachten vom 24. Juni 2013 sei erst nach dem Fallabschluss erstattet worden. Der Fallabschluss sei damit zu früh erfolgt, zu einem Zeitpunkt, in wel
chem die notwendigen Abklärungen betreffend den Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers noch gar nicht getätigt gewesen seien
(S. 5).
Hinsichtlich der psychischen Beeinträchtigungen habe die Beschwerdegegnerin die adäquate Kausalität zum Unfallereignis erstmals im angefochtenen
Ein
spracheentscheid
thematisiert. Dies stelle eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar und müsse zur Rückweisung der Sache
an
die Beschwerdegegnerin führen.
Im Zusammenhang mit
der
psychischen Problematik könne im Übrigen anhand der bislang vorhandenen Akten nicht beurteilt werden, inwiefern diese auf den Unfall zurückzuführen seien und auch nicht, in welchem Ausmass sie zu einer Arbeitsunfähigkeit führten. Das
B._
-Gutachten sei diesbezüglich nicht beweis
wertig, da
es
anhand der veralteten Überwindbarkeitsrechtsprechung erstellt wor
den sei (S.
5 f.
).
Der medizinische Sachverhalt sei somit
durch die Beschwerdegegnerin nicht aus
reichend abgeklärt worden und der Fallabschluss könne nicht vor Erstellung eines aktuellen
polydiszi
plinären Gutachtens - unter Berücksichtigung der neusten bundesgerichtlichen Rechtsprechung hinsichtlich der psychiatrischen Beschwer
den -
erfolgen
. Bis da
hin seien die gesetzlichen Versi
cherungsleistungen weiter
hin zu erbringen
(S. 6).
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Februar 2018 (
Urk.
6) nahm die Beschwerdegeg
nerin zur gerügten langen Verfahrensdauer Stellung
(S. 2 f.)
. Weiter führte sie im Wesentlichen aus, dass keine Hinweise auf eine Verschlechterung der unfallbe
dingten Schulterbeschwerden seit dem Zeitpunkt des Fallabschlusses per April 2012 bestünden. Weitere Abklärungen durch sie hätten daher nicht vorgenom
men werden müssen
(S. 3)
. Hinsichtlich des zervikalen Schwindels sei eine Un
fallkausalität gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
D._
vom 5. August 2009 aufgrund der langen Latenzzeit zwischen dem Unfall und den aufgetretenen Be
schwerden zu verneinen. Dies werde auch durch das Bundesgericht bestätigt
(S. 3)
. Die Verfügung sowie der
Einspracheentscheid
seien schliesslich gestützt auf die kreisärztlichen Beurteilungen vom 9. Juni 2010 und 20.
November (recte: Dezember)
201
2
(recte: 2011)
erfolgt. Damals seien alle medizinischen Grundla
gen, die es für den Fallabschluss gebraucht habe, vorhanden gewesen. Das Bun
desgericht habe die kreisärztliche Beurteilung ebenfalls als nachvollziehbar beur
teilt. Das
B._
-Gutachten
habe
leidglich bestätigt, was bereits im Jahre 2012 auf
grund der medizinischen Situation entschieden worden sei. Weitere Abklärungen könnten am G
esamtergeb
nis nichts mehr ändern, weshalb darauf zu
verzichten sei (S. 3 f.).
3.
3.1
Die Frage des Zeitpunkts des Fallabschlusses und damit der Notwendigkeit wei
terer Abklärungen und Behandlungen stellt sich lediglich hinsichtlich mit zum Unfallereignis (natürlich und adäquat) kausalen Beschwerden (vgl. bezüglich der natürlichen Kausalität das Urteil des Bundesgerichts 8C_892/2015 vom 29. April 2016 E. 4.1 mit Hinweis auf 8C_398/2009 vom 26. Oktober 2009 E. 4.4).
3.2
Mit Verfügung vom 3
0.
März 2012 (
Urk.
7/221) hielt die Beschwerdegegnerin fest
, dass sich im Bereiche der Wirbelsäule radiologisch keine Anhaltspunkte für Frakturen oder sonstige unfallbedingte strukturelle Läsionen ergeben hätten. Kontusionsfolgen seien als längst vollständig abgeheilt einzuschätzen. Neben den organisch bedingten Unfallfolgen beeinträchtigten psychogene Störungen
die Er
werbsfähigkeit. Für psychogene Beschwerden habe die Beschwerdegegnerin ein
zustehen, wenn sie eine natürliche und adäquate Folge eines versicherten Unfalles seien. Aufgrund der vorhandenen Unterlagen stünden die psychogenen Störun
gen nicht in einem adäquat kausalen Zusammenhang mit dem erlittenen Ereignis, weshalb diesbezügliche Leistungen entfielen. Die Beschwerdegegnerin bezeich
nete schliesslich die Beschwerden an der rechten Schulter als verbleibende Un
fallrestfolgen und beschrieb das diesbezügliche Zumutbarkeitsprofil (S. 2 f.).
In seiner Einsprache vom 15. Mai 2012 (
Urk.
7/225) wies der Beschwerdeführer einzig auf die im Gutachten des
E._
festgestellte Schwindelproblematik hin und brachte in diesem Zusammenhang vor, das
E._
beurteile die Diagnose des
zervi
kogenen
Schwindels bei
zervikobrachialem
Syndrom als mit hoher Wahrschein
lichkeit in kausalem Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 11. September 2006 stehend und empfehle in diesem
Zusammenhang weitere Abklärungen res
pektive Behandlungen.
Damit sei
der
medizinische
Endzustand noch nicht er
reicht und die Beschwerden könnten weiter austherapiert werden. Der Fallab
schluss sei daher zu früh erfolgt.
3.3
Beschwerdeweise machte der Beschwerdeführer nun wieder unfallkausale psychi
sche Beeinträchtigungen geltend und monierte eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Beschwerdegegnerin, da sie sich im
Einspracheentscheid
nicht dazu geäussert habe (
Urk.
1 S. 6). Hierzu bestand - mangels Rüge in der Einspra
che - indes keine Veranlassung. Diesbezüglich ist sodann anzumerken, dass die
rechtsprechungsgmässen
Voraussetzungen für die Annahme einer adäquaten Kausalität (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
) nicht gegeben sind. Aus
gehend von einem höchstens mittelschweren Unfall ist zu bemerken, dass sich keine
besonders dramatischen Begleitumstände oder eine besondere Eindrück
lichkeit des Unfalls finden. Der Beschwerdeführer stürzte wohl aus ca. zweiein
halb Metern zu Boden, besondere Umstände lagen aber nicht vor. Die erlittenen Verletzungen waren nicht besonders schwer oder geeignet, psychische Fehlent
wicklungen auszulösen. Die erlittene Schulterkontusion ging nicht mit
ossären
Läsionen einher; auch bei der betroffenen Lendenwirbelsäule waren keine
ossären
Läsionen zu erkennen (
Urk.
7/2). Die Ruptur der
Supraspinatussehne
(
Urk.
7/8) vermag dieses Kriterium nicht zu erfüllen. Die ärztliche Behandlung dauerte nicht ungewöhnlich lange, die Heilung erfolgte insbesondere nach der Schulteropera
tion vom 2
3.
Februar 2007 zeitgerecht (
Urk.
7/30 S. 2) und nach der
Reoperation
am 2
2.
Februar 2008 (
Urk.
7/77) wurde am
8.
Oktober 2008 (
Urk.
7/99) wieder eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit attestiert. Körper
liche Dauerschmerzen lagen nicht vor, sondern einzig belastungsabhängige (
Urk.
7/80 und
Urk.
7/99 S. 2). Eine ärztliche Fehlbehandlung ist nicht erkennbar. Auch liegt kein schwieriger Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen vor. Trotz der notwendigen
Reoperation
ist dieses Kriterium nicht gegeben, heilte doch die Schulter zeitgerecht ab. Die physisch bedingte Arbeitsunfähigkeit dauerte wohl eine gewisse Zeit, dies nicht zuletzt aufgrund der notwendigen
Reoperation
, nach knapp zwei Jahren war die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit indes
wieder hergestellt
.
Ist kein einziges der einschlägigen Kriterien gegeben, stehen allfällige psychische Folgen nicht in adäquatem Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 1
1.
Sepember
200
6.
3.4
In Bezug auf die Schulter- und Wirbelsäulenproblematik ist festzuhalten, dass in bildgebender Hinsicht keine wesentlichen pathologischen Veränderungen mehr dokumentiert und die entsprechenden Verletzungen abgeheilt sind (vgl. hierzu die Feststellungen des hiesigen Gerichtes im Urteil vom 2
8.
Januar 2016 E. 4.1 und des Bundesgerichts in jenem vom
3.
Mai 2008 E. 3 im invalidenversiche
rungsrechtlichen Verfahren;
Urk.
7/247). Eine Arthroskopie der Schulter vom 2
6.
April 2010 (
Urk.
7/162) hatte im Wesentlichen unauffällige Befunde gezeigt, was Kreisarzt
Dr.
A._
am
9.
Juni 2010 (
Urk.
7/168 S. 4) bestätigte (vgl. auch E. 5).
Über Beschwerden an der Halswirbelsäule klagte der Beschwerdeführer erst län
gere Zeit nach dem Unfall, MRI-Bilder zeigten ebenso wenig eine entsprechende Pathologie (
Urk.
7/168 S. 5) wie jene der Lendenwirbelsäule (
Urk.
7/99 S. 3).
4.
4.1
Hinsichtlich der
nunmehr im Vordergrund stehenden
Schwindelproblematik ist den Akten
im Wesentlichen
Folgendes zu entnehmen:
4.1.1
In seinem Arztzeugnis UVG vom
4.
Oktober 2006 (
Urk.
7/2) diagnostizierte
med. prakt.
C._
,
Allgemeinmedizin,
Hausarzt des Beschwerdeführers
,
einen Sturz am 11. September 2006 aus etwa 2.5 m Höhe mit Schulterkontusion rechts (Differen
zialdiagnose traumatische Bursitis,
Rotatorenmanschettenläsion
) sowie eine LWS-Kontusion mit panvertebralem Schmerzsyndrom rechts betont (S. 2). Kli
nisch sowie bildgebend untersucht wurden die LWS und die rechte Schulter (S. 1 f.).
Mit Bericht vom 13. Dezember 2006
hielt
Dr.
C._
panvertebrale Schmerzen lumbal rechts
fest
(
Urk.
7/8).
4.
1
.
2
Im Austrittsbericht der
F._
vom 9. Oktober 2007 (
Urk.
7/65) wur
den
«
Blutdruckprobleme
»
vor etwa zw
ei Jahren mit Schwindelerscheinungen fest
gehalten. Es sei
damals
eine notfallmässige Konsultation im Spital erfolgt, wobei Blutdruckwerte von etwa 160/130 gemessen worden seien, daraufhin sei eine kurzzeitige Therapie mit Antihypertonika erfolgt.
Anlässlich der
aktuellen
Be
funderhebung
lag kein
Schwindel vor (S. 4 f.).
4.
1
.
3
Im Rahmen
einer kreisärztlichen Untersuchung des Beschwerdeführers
durch Dr.
A._
vom 8. Oktober 2008 (
Urk.
7/99)
erwähnte
der Beschwerdeführer
, dass es ihm seit der zweiten Operat
ion an der rechten Schulter, d.
h. seit dem 22. Februar 2008
(
Urk.
7/77
), häufig schwindelig werde (S. 2).
4.1.4
Eine
Röntgenaufnahme der HWS
ap
/lat. vom 17. März 2009 (Urk. 7/154/7)
zeigte
unter anderem nur leichtgradige degenerative Veränderungen der unteren HWS.
Anhand einer
Magnetresonanztomographie(
MRI
)
-B
ildgebung vom 20. Mai 2009 (
Urk.
7/154/4) wurde auf ei
n
e mögliche Irritation der austretenden Nervenwur
zeln C6 und C7 geschlossen.
4.1
.
5
I
n
seinem
Bericht vom 4. Mai 2009 (
Urk.
7
/135) hielt
Dr.
med.
G._
, Facharzt
für
Chirurgie
, fest, im Moment sei der Beschwerdeführer auch sehr geplagt durch die posttraumatischen Schmerzen an der
HWS
. Bei leichter
Retrore
k
lination
des Kop
fes erzeuge er einen Schwindel und stechenden Kopfschmerz. Erst bei Normali
sierung der Kopfhaltung oder
Ventr
al
kippung
des Kopfes erholten sich der Schwindel und die Schmerzen (S. 1 f.).
4.1.6
Mit Bericht vom 5. Mai 2009 (
Urk.
7/154/8 ff.)
diagnostizierte
Dr.
med.
H._
,
Facharzt für
Neurologie,
neben einem sensiblen,
zerviko-radikulären
C8-Ausfall rechts den Verdacht auf einen gutartigen Lagerungsschwindel (S. 1). Der Neuro
loge führte aus, der Beschwerdeführer habe am 11. September 2006 einen 3-Me
ter-Sturz mit Verletzung der rechten Schulter sowie Verletzungen an der Wirbel
säule, hauptsächlich der HWS und LWS erlitten. Gemäss eigenen Angaben habe er keine Frakturen erlitten, es sei aber zu Diskushernien gekommen. Seit diesem Unfall beklage der Beschwerdeführer ständige Lumbalgien,
Zervikalgien
, letztere mit Schmerzausstrahlungen in den Schulter-Armbereich rechts und begleitet von Einschlafgefühlen im Bereiche der
ulnaren
Handfläche rechts. Die Kraft im rech
ten Arm habe zudem abgenommen. Seit dem Unfall habe er auch nächtliche Drehschwindel, er nehme deswegen
Betaserc
, was etwas helfe. Für die Schmerzen benötige er regelmässig
Dafalgan
. Nach Erhebung des neurologischen Status hielt
Dr.
H._
zur Schwindelproblematik fest, bei den nächtlichen Drehschwindel dürfte es sich um einen gutartigen Lagerungsschwindel respektive eine
Vestibulo
pathie
handeln. Dieser Schwindel gehe auf den 3-Meter-Sturz vom 11. September 2006 zurück und sei somit traumatisch entstanden. Für die Prognose sei dies eher ungünstig, da erfahrungsgemäss die traumatisch entstandenen peripheren
Ves
tibulopathien
sich nur zögerlich und über Jahre zurückbildeten. Therapeutisch empfehle
er weiterhin
Betaserc
.
4.1.
7
In seiner Beurteilung vom 5. August 2009
(
Urk.
7/140)
führte
Dr.
D._
aus
,
die
Einschätzung
von
Dr.
G._
, wonach die HWS-Beschwerden des Beschwerdefüh
rers posttraumatisch seien, treffe nicht zu. Beim Sturz am 11. September 2006 sei lediglich die LWS im Ra
hmen einer Kontusion tangiert w
o
r
den. Die HWS-Problematik sei erst kürzlich aufgetreten.
Sie sei früher nie ärztlich
dokumentiert worden. Aufgrun
d
der enorm langen beschwerdefreien Latenzzeit von mehr als zwei Jahren könne die Unfallkausalität dieser Gesundheitspr
oblematik ausge
schlossen werden (S. 3).
4.1.8
Im Rahmen einer kreisärztlichen Untersuchung vom 9. Juni 2010
durch Dr.
A._
(
Urk.
7/168)
klagte der Beschwerdeführer über Schw
indel, insbesondere beim Bücken
(S. 3).
Bei der kl
i
nischen Untersuchung
war
die gesamte HWS auf leichtesten Druck diffus
druckdolent
, wobei die HWS-Konturen keine Auffällig
keiten des Muskel- und Sehnenreliefs respektive der Muskelkonturen zeigten
(S. 3)
.
Zusammenfassend hielt der Kreisarzt fest, im Bereich der HWS, wo der Beschwerdeführer ebenfalls Unfallfolgen sehe, seien erst im längeren Verlauf nach dem Unfallereignis Beschw
e
rden aufgetreten, zudem seien im MRI keine unfalltraumatischen Folgen gefunden worden, hier seien keine Zusammenhänge zum Unfallereignis konstruierbar (S. 5).
4.1.
9
Im
neurootologischen
Gutachten des
E._
vom 5. Juli 2011 (
Urk.
7/200)
wurde unter anderem
der Verdacht auf einen
zervikogenen
Schwindel mit phob
ischer Komponente
diagnostiziert (S. 9).
In der Beurteilung wurde festgehalten, beim 48-jährigen Beschwerdeführer, der am 11. September 2006 einen Sturz von einer Leiter aus
etwa 2-3
m Höhe mit Kontusion der rechten Schulter und der Wirbel
säule erlitten habe, bestünden seitdem Schwindelbeschwerden. Bezüglich des Er
scheinens dieser Schwindelbeschwerden besehe eine Diskrepanz zwischen den Angaben in den Akten, wo erst im Arztbericht von
Dr.
I._
(recte:
A._
) vom 8. Oktober 2008
(E. 4.1.3)
über Schwindel berichtet werde nach der
z
w
e
iten Schulteroperation vom 22. Februar 2008 und den Angaben des Be
schwerdeführers, der anlässlich der aktuellen Untersuchung angebe, schon nach der ersten Operation vom 23. Februar 20
0
7 Schwindel gehabt zu haben. Die Be
schreibung der Schwindelsymptome vom Beschwerdeführer sei zum Teil diffus. Die Spanne seiner Angabe
n erstrecke sich über ein Schwa
r
z
werden vor den Augen und Druckgefühl im Kopf bis zu Drehschwindel ohne Aussagemöglichkeit, i
n
welche Richtung dieser gehe. Differenzialdiagnostisch könne an
einen
zervi
kogenen
Schwindel mit einer ausgeprägten phobischen Komponente bei einem
Zer
v
ikobrachialsyndrom
r
e
chts gedacht werden. Allerdings sei eine solche Diag
nose sehr schwierig erfassbar. Bei gut kooperierendem Beschwerdeführer und kei
nem Verdacht auf Aggravation oder Simulation sowie bei normal ausfallenden
vestibulären Untersuchungen und
neurootologischem
Status sehe man die Ursa
che der Beschwerden im Zusammenhang mit seiner Schulter- und Nacken
problematik.
Eine eigentliche Läsion des vestibulären Systems habe nicht festge
stellt werden können. Ein gutartiger Lagerungsschwindel habe nicht bestätigt werden können. In der klinischen Untersuchung sei eine Fallneigung auf der Matte nach vorne und
nach
hinten beobachtet worden, welche man vor dem Hin
tergrund der normalen vestibulären und übrigen
neurootologischen
Untersu
chung als nicht spezifisch beurteile.
Die Diagnose des
zervikogenen
Schwindels bei
zervikobrachialem
Syndrom stehe mit hoher Wahrscheinlichkeit in kausalem Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 11. September 200
6.
Für eine um
fassende Beurteilung der rheumatologischen Beschwerden würde ein rheumato
logisches Gutachten bei einem mit HWS-Problemen erfahrenen Rheumatologen empfohlen. Falls eine Therapie auch dort nicht anschlage, könnte auch ein Ver
fahren nach
Bogduk
durchgeführt werden. Dabei handle es sich um
Lidocain
-Infiltrationen in niedriger und hoher Konzentration im Bereich der betroffenen Nerven im Nacken.
Deren
Wirksamkeit sei in der Literatur belegt. Sollte sich auch durch diese Verfahren keine relevante Verbesserung der Arbeitsfähigkei
t
errei
ch
en lassen, wäre eventuell auch
noch eine psychiatrische
Beurteilung
in Betracht zu ziehen. Aktuell sehe man allerdings keine vorrangige psychogene Ursache. Aus HNO-Sicht bestehe eine 10
0
%ige
Arbeitsfähigkeit
, zur
Arbeitsfähigkeit
auf
grund der HWS-Problematik könne man keine Stellung nehmen
(S.
9
f.).
4.1.1
0
Am 20. Dezember 2011 (
Urk.
7/211) verwies
Dr.
A._
hi
nsichtlich der Frage der Kausalität der HWS-Beschwerden zum Unfallereignis
vom 11. September 2006
auf die Beurteilung von
Dr.
D._
vom 5. A
u
gust 2009
(E. 4.1.7)
.
Er führte aus, d
er
Versicherungsmediziner
habe in seiner ärztlichen Beurteilung eine Kau
salität von HWS-
B
eschwerden
infolge des Unfalls
allein aufgrund der langen La
tenzzeit von zwei Jahr
en bis zum Auftreten von Beschw
e
r
den ei
ndeutig und un
widerruflich abgelehnt.
Dr.
D._
gelte als ausgewiesener Spezialist für solche Fragestellungen.
Er selbst (
Dr.
A._
)
werde hier nicht noch einmal dazu Stel
lung nehmen. Alleine von diesem Aspekt her müsste ein
zervikogener
Schwindel nicht weiter abgeklärt werde
n
. Nun liege aber die Stellungnahme von
Dr.
J._
vor, die gewisse Zusammenhänge konstruiere
(wahrscheinliche Kausalität, jedoch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit,
Urk.
7/202)
. Aufgrund
seiner
fehlen
den Fachkompeten
z könne er
(
Dr.
A._
)
keine weiteren differenzierenden Stellungnahmen abgeben. Hier handle es sich um ORL-/neurologische Problem
situationen.
4.2
4.2.1
Zusammenfassend ist mit Blick auf die dargelegte medizinische Aktenlage
(E. 4.1)
festzuhalten, dass der seitens
Dr.
H._
s
gehegte Verdacht auf eine neurologi
sche respektive
neurootologische
Ursache
der Schwindelproblematik
(E. 4.1.
6)
mit dem
neurootologischen
Gutach
t
en de
s
E._
vom 5. Juli 2011 (E. 4.1.9
)
bei normal ausfallenden vestibulären Untersuchungen und
blandem
neuro
oto
logische
m
Sta
tus
nicht bestätigt werden konnte. Damit waren weder D
r
.
H._
noch die Gut
achter des
E._
fachlich
kompetent, sich zur Frage der Kausalität der Schwindel
beschwerden zum Unfallereignis vom
11. September 2006
sowie zur Notwendig
keit weiterer Behandlungen
zu äussern.
Diese
Beurteilungen
müssen daher
vor
liegend
ausser Acht
bleiben
.
So
verwiesen die
E._
-
Gutachter auch
zu Recht auf
den Fachbereich Rheumatologie
.
4.2.2
Gestützt auf die medizinischen Akten
ist
sodann
überwiegend wahrscheinlich von einer
zervikogenen
respektive auf die HWS zurückzuführenden Schwindel
problematik auszugehen
.
Diesbezüglich ist dem
Erstbericht von Dr.
C._
vom 4. Oktober 2006 (E. 4.1.1)
zu entnehmen, dass e
s beim Unfallereignis zu einer Kontusion an der rechten Schulter sowie der LWS
gekommen war
.
Die HWS war nicht betroffen
.
Geklagt wurden in der Folge lumbale Schmerzen.
Schwindelbe
schwerden
machte der Beschwerdeführer
echtzeitlich erstmals
im Rahmen der Untersuchung am 4. Mai 2009
geltend
(E. 4.1.
5
).
Bildgebend
hatten
im März 2009
sodann
einzig
leichtgradige degenerative Veränderungen an der
unteren
HWS festgestellt werden
können
(E.
4.1.4
).
Mit Blick hierauf
ist die Beurteilung
von
Dr.
D._
vom 5. August 2009
(E. 4.1.
7
)
,
der
aufgrund der langen Latenzzeit zwischen dem Unfallereignis und den im Zu
sammenhang mit der HWS beklagten (Schwindel-)Beschwerden eine Unfallkau
salität verneinte,
nicht zu beanstand
en (vgl. auch E. 4.1.
8
, 4.1.1
0
).
Die
diesbezüg
lich
seitens
Dr.
A._
s
mit Stellungnahme vom 20. Dezember 2011
(E. 4.1.10)
dargelegten Unsicherheiten betreffend einen Kausalzusammenhang aus ORL-/neurologischer Sicht können
unberücksichtigt bleiben
, da die Beschwerde
problematik
mit Blick auf das
E._
-Gutachten vom 5. Juli 2011 (E. 4.1
.9
) eindeu
tig nicht
neuro
(-
oto
)logischer
Genese
ist
(vgl. E. 4.2.1).
Zusammenfassend
ist
damit fest
zu
halten, dass ein natürlicher Kausalzusammen
hang zwischen den Schwindelbeschwerden und dem Unfallereignis vom 11. Sep
tember 2006
zu verneinen ist
.
Damit ist d
ie Schwindelproblematik
bei
der Frage nach dem
Zeitpunkt des Fallabschlusses
n
icht zu berücksichtigen
(E. 3.1.2)
, womit auch weitere
Abklärungen
in diesem Zusammenhang
weder vo
rzunehmen noch abzuwarten waren respektive
sind
(
Urk.
1 S. 5 f.).
5.
Hinsichtlich
der verbleibenden
,
unbestrittenermassen unfallkausalen Schulter
problematik rechts beurteilte Kreisarzt
Dr.
A._
den medizinischen Endzu
stand am 9. Juni 2010 als erreicht (
Urk.
7/168 S. 4). Diesbezüglich liegen keinerlei
substanziierte
Beanstandungen vor.
Da auch den Akten für den Zeitraum nach der kreisärztlichen Beurteilung bis zum Erlass der Verfügung vom 30. März 2012 (
Urk.
7/221) nichts
R
elevantes zur Schulterproblematik
entnommen werden kann
, ist nicht ersichtlich,
inwiefern der Fallabschluss in diesem Zusammenhang zu früh erfolgt sein soll
.
Weiterungen hierzu
erübrigen sich daher
. Es
bleibt
jedoch darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer alleine aus dem Umstand, dass das seitens der
IV
in Auftrag gegebene Gutachten der
B._
erst später erstattet wurde, hinsichtlich der Frage des Zeitpunktes des Fallabschlusses nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. Auch eine
erneute
Begutachtung des Beschwerdeführers erübrigt sich damit in d
iesem Zusammenhang (
Urk.
1 S. 5
f.).
6.
Insgesamt ist
somit
festzuhalten, dass im Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 30. März 2012 (
Urk.
7/221) der medizinische Endzustand hinsichtlich der unfall
bedingten Schulterbeschwerden rechts erreicht war, weshalb eine Einstellung der Heilbehandlungskosten und
Taggeldleistungen erfolgen durfte
und der Invalidi
tätsgrad sowie die Integritätsentschädigung zu ermitteln waren.
Inwiefern dies
bezüglich die mit
Einspracheentscheid
vom 22. November 2017 (
Urk.
2) erfolgten Bemessungen
(S. 9 ff., S. 13 ff.)
zu beanstanden sein sollen, wird weder
substan
ziiert
noch ist dies mit Blick auf die Aktenlage ersichtlich. In diesem Zusammen
hang ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass eine Veränderung des Gesund
heitszustandes
an der rechten Schulter
bis zum Erlass des
Einspracheentscheides
weder aus den Akten hervorgeht noch im Rahmen des Beschwerdeverfahrens auf
gezeigt
respektive mit entsprechenden medizinischen Unterlagen belegt
wird
.
Das
Vorbringen, die Beschwerdegegnerin habe ihre Untersuchungspflicht verletzt, in
dem sie den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bis zum Erlass des
Ein
spracheentscheides
nicht weiter abgeklärt habe (
Urk.
1 S.
4), stellt
somit
eine
un
substanziierte
Parteibehauptung dar, welche zu keinerlei weiteren Abklärungen
Anlass gibt
.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
7.
7.1
Gemäss
§
16
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) wird einer Partei auf ihr Gesuch hin eine unentgeltliche Rechtsvertretung bestellt,
wenn sie nicht in der Lage ist, den Prozess selber zu führen, ihr die nötigen Mittel fehlen und der Prozess nicht als aussichtslos erscheint.
Mittellosigkeit im Sinne des prozessualen Armenrechts setzt voraus, dass die Ge
such stellende Person sämtliche eigenen Hilfsmittel zur Finanzierung des Pro
zesses erschöpft hat. Zu berücksichtigen ist unter anderem auch die Möglichkeit, vom Ehegatten aufgrund der ehelichen Unterhaltspflicht (
Art.
163
des
Schweize
rische
n
Zivilgesetzbuch
es,
ZGB
) einen angemessenen Prozesskostenvorschuss zu erhalten. In zweiter Linie ist zu prüfen, ob die um das Armenrecht nachsuchende Partei über eigenes Vermögen verfügt. Erst in dritter Linie ist die Gesuch stellende Person sodann auf die allgemeine eheliche Beistandspflicht zu verweisen. Die Pflicht des Staates zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung geht der Unterhaltspflicht aus Familienrecht nach; erst wenn alle diese Mittel zur Finan
zierung des Prozesses nicht ausreichen, ist die Mittellosigkeit im Sinne des pro
zessualen Armenrechts gegeben (ZR 90 Nr. 82 S. 260).
7.2
Den im Zusammenhang mit dem Formular zur Abklärung der prozessualen Be
dürftigkeit eingereichten Unterlagen ist zu entnehmen, dass der Beschwerdefüh
rer per
Ende
Dezember 2017 über Ersparnisse in der Höhe von Fr. 7'682.21 ver
fügte (
Urk.
12/12 S. 3). Seine Ehefrau verfügte
sodann
gemäss
Auszug aus ihrem Bankkonto bei der
K._
vom 27. Februar 2018 (
Urk.
12/4) per Ende Dezember 2017 über Ersparnisse von Fr. 27'322.32
(S. 1)
.
Total
belief sich das Vermö
gen der Ehegatten somit auf rund Fr.
35'00
4
.
5
0.
Dieser Betrag übersteigt den einem Ehepaar zur Verfügung stehenden Freibetrag in der Höhe von Fr. 20'000.-- um rund Fr. 15'000.--. Angesichts
dessen
ist es dem Beschwerdeführer und seiner Ehegattin zumutbar, auf die vorhandenen Bankkonten zuzugreifen, um die Ge
richts- und Anwaltskosten zu bezahlen, wobei im vorliegenden Fall keine Ge
richtskosten anfallen.