Decision ID: acddd5ce-affc-4082-a6cb-4261f8cf2fad
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1986, absolvierte an der Universität
Z._
ein Studium der Rechtswissenschaft, welches er im März 2010 mit dem Masterdiplom erfolgreich abschloss (
Urk.
12/3/5). Per
1.
April 2010 trat er eine
bis 3
1.
März
2013 befristete Stelle
als Assistent
am Lehrstuhl
von Prof.
Dr.
A._
an der Uni
versität
B._
zu einem Pensum von 50 % an (
Urk.
2/1
/1-2
) und war damit bei der Vorsorgestiftung
Y._
in der beruflichen Vorsorge versichert (
Urk.
9/1-2).
Am
3.
April 2013 verlängerte die Universität
B._
dieses Arbeitsverhältnis bis zum 3
1.
März 2014 (
Urk.
2/1/3).
Wegen einer Depression mit Störung von Antriebs- und Konzentrationsfähigkeit und verminderter intellektueller Leistungs
fähigkeit
meldete er sich am 1
8.
Juni 2013 (Datum des Posteingangs) bei der Inva
liden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/4). Die Sozialver
siche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm diverse Abklärungen in medi
zinischer und erwerblicher Hinsicht vor, unter anderem holte sie
ein
psychia
trische
s
Gutachten
bei
PD
Dr.
med.
C._
, Spezialarzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom
9.
Juni 2014 ein (
Urk.
12/37).
Mit Verfügung vom 1
0.
Juni 2015 sprach die IV-Stelle
X._
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 85
%
mit Wirkung ab dem
1.
Dezember 2013 eine ganze Invalidenrente zu (
Urk.
12/50,
Urk.
12/57
-59
). Dabei ging sie unter anderem davon aus, dass der Versicherte seit April 2010 in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränk
t sei, die Rente aber infolge der erst im Juni 2013 erfolgten Anmeldung erst ab dem
1.
Dezember 2013 ausgerichtet werden könne (
Urk.
7/50). Die Verfügung eröff
nete die IV-Stelle auch der Vorsorgestiftung
Y._
(
Urk.
7/59). Die Vorsorge
stif
tung
Y._
teilte
X._
in der Folge mit, dass sie keine Inva
liden
leistungen ausrichten werde, da seine Arbeitsfähigkeit bereits zu Beginn des Vor
sorgeverhältnisses am
1.
April 2010 erheblich eingeschränkt gewesen sei (
Urk.
9/20).
2.
Am 1
8.
März 2017 erhob
X._
gegen die Vorsorgestiftung
Y._
Klage mit folgendem Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2):
«1.
Die Beklagte sei
zu verpflichten, dem Kläger aus dem Vorsorgeverhältnis
eine Invalidenrente in Höhe von CHF 1'761.75 pro Monat nebst Zinsen in
Höhe von 5
%
von der Klageeinreichung auszurichten (Spezifikation
Inva
lidenrente gemäss
Y._
Versicherungsausweis vom 01.01.2015
ge
mäss Beilage 2).
2.
Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger auf den Invalidenleistungen
einen Verzugszins von 5
%
spätestens ab dem Zeitpunkt der
Klage
einreichung zu bezahlen.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der gesetzlichen
Mehrwertsteuer) zulasten der
Beklagten.»
Die Beklagte beantragte mit Klageantwort vom 3
0.
Mai 2017 durch Rechtsanwalt Daniel Hoffet die Abweisung der Klage (
Urk.
8). Mit Verfügung vom
6.
Juni 2017 (
Urk.
10) wurden die Akten der Invalidenversicherung beigezogen (
Urk.
11, Urk. 12/1-89). Der Kläger reichte keine Replik ein, was der Beklagten am 15. November 2017 mitgeteilt wurde (
Urk.
15).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidenleistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge werden von
der-
jenigen
Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher der Ansprecher bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, angeschlossen war (
Art.
23
lit
. a des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG]). Die Leistungspflicht setzt ei
nen engen sachlichen und zeit
li
chen Zusammenhang zwischen der
während der Dauer des Vorsorgever
hältnis
ses (einschliesslich der Nachdeckungsfrist nach
Art.
10
Abs.
3 BVG) be
stan
de
nen Arbeitsunfähigkeit (Einbusse an funktio
nellem Leistungsvermögen im bishe
rigen Beruf von zumindest 20 Prozent; BGE 136 V 65 E. 3.1 S. 68; 134 V 20 E. 3.2.2 S. 23; SVR 2008 BVG Nr. 34 S. 143 E. 2.3 mit Hinweisen, 9C_127/2008) und der allenfalls erst später eingetretenen Invalidität voraus (BGE 130 V 270 E.
4.1 S. 275).
1.2
Der sachliche Konnex ist gegeben, wenn der
Gesundheitsschaden, der zur Ar
beitsunfähigkeit geführt hat, im Wesentlichen der gleiche ist wie derjenige, auf welchem die Erwerbsunfähigkeit beruht (BGE 134 V 20 E. 3.2 S. 22).
1.3
Die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs setzt voraus, dass die
ver
-sicherte
Person nach Eintritt der Arbeitsunfä
higkeit, deren Ursache zur Inva
lidi
tät geführt hat, nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig war. Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles zu berück
sichtigen, namentlich die Art des Gesu
ndheitsschadens, dessen prognos
ti
sche Beur
teilung durch den Arzt sowie di
e Beweggründe, welche die versi
cherte Person zur Wiederaufnahme oder Nic
htwiederaufnahme der Arbeit ver
anlasst haben. Zu den für die Beurteilung des zeitli
chen Konnexes relevanten Umstän
den zählen auch die in der Arbeitswelt
nach aussen in Erscheinung tre
tenden Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass ein Versicherter über längere Zeit hinweg als voll vermittlungsfähiger St
ellensuchender Taggelder der Ar
beitslo
sen
versicherung
bezieht. Allerdings kann solchen
Zeiten nicht die gleiche Bedeu
tung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit. Mit
Be
zug auf die Dauer der den zeitlichen Konnex unterbrechenden Arbeitsfähigkeit kann die Regel von
Art.
88a
Abs.
1 der Ver
ordnung über die Invalidenversi
cherung (IVV) als Richtschnur gelten. Nach dieser Best
immung ist eine anspruchsbeeinfluss
ende Verb
esserung der Erwerbs
fähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Mona
te gedauert hat und voraussichtlich weiterhin an
dauern wird. Bestand während mindestens dr
ei Monaten wieder volle Arbeits
fähigkeit und erschien gestützt
darauf eine dauerhafte Wiederer
langung der Erwerbsfähig
keit als objektiv wahrsch
einlich, stellt dies ein gewich
tiges Indiz für eine Unter
brechung des zeitlichen Zusam
menhangs dar. Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als
dreimonatige Tätigkeit als Ein
gliederungsve
rsuch zu werten ist oder massge
blich auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte und eine dauerh
afte Wiedereingliederung unwahrschein
lich war (BGE 134 V 20 E. 3.2.1 S. 22 mit Hinweisen).
Diese Grundsätze gelten sinngemäss auch, wenn eine Vorsorgeeinrichtung ihre Leistungspflicht mit der Begründung vern
einen will, eine berufsvorsorge
recht-
lich
bedeutsame Arbeitsunfähigkeit habe bereits
vor Beginn des
Vorsorgever-hält
niss
es
bestanden und ohne wesentliche Unterbr
echung bis zum Beginn der Versiche
rungsdeckung angedauert (Urteil 9C_273/2012 vom 2
0.
November 2012 E. 4.1.2 mit Hinweis).
1.4
Es wird zwar in der Regel, aber nicht in jedem Fall, zwingend eine echtzeitlich ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit zum
recht
sgenüglichen
Nachweis einer be
rufs
vorsorgerechtlich relevanten Einb
usse an funktionellem Leistungs
vermö
gen verlangt (vgl. Bundesger
ichtsurteile 8C_195/2009 vom 2.
September 2009 E. 5 und 9C_96/2008 vom 1
1.
Juni 2008 E.
3.2.2). Immerhin
reichen nachträgliche An
nahmen und spekulative Überlegungen, wie
etwa eine erst nach Jahren rück
wirkend festgelegte medizini
sch-theoretische Arbeitsunfähigkeit nicht aus (Bun
des
ger
ichtsurteil 9C_368/2008 vom 11.
September 2008 E. 2 mit Hinweisen). Die gesundheitliche Beeinträchtigung muss sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirken oder ausgewirkt haben; die Einbuss
e an funktionellem Leistungs
ver
mögen muss mit anderen Worten arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten sein, etwa durch einen Abfall der Lei
stungen mit entsprechender Fest
stellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte aus dem Rahmen fallende ge
sund
heitlich bedingte Arbeitsausfälle (SVR 2008 BVG Nr. 34 S. 143 [9C_127/2008 E.
2.3]; SVR 2008 IV Nr. 11 S. 32 [I 687/06 E. 5.1]; Bun
desge
richtsurteil 9C_362/2012 vom
6.
Juni 2012 E. 5.2.1 mit Hinweis).
1.5
Aus der engen Verbindung zwischen de
m Recht auf eine Rente der Invaliden
versi
cherung und demjenigen auf ein
e Invalidenleistung nach BVG er
gibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 271 E. 2a, 120 V 108 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des
Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer
gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 311 E. 1 in
fine
). Dies
e Konzeption fusst auf der Über
legung, die Organe der (obligatorischen) beruf
lichen Vorsorge von eigenen auf
wändigen Abklä
rung
en freizustellen, und gilt nur bezüg
lich Feststellungen und Beurtei
lungen der IV-Organe, welche im invali
denversicherungsrechtlichen Ver
fahren für die Festle
gung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 4 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sa
chverhaltes durch die Vor
sorgeein
richtung bzw. das Berufs
vorsorgegeric
ht zur Folge (Urteil des Bundes
gerichts in Sachen R. vom 2
3.
Febru
ar 2010, 9C_49/2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
Art.
73
ter
IVV) ein
bezogen und ihr die
Rentenverfü-gung
formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesge
richts in Sachen S. vom 16.
Juni 20
10, 9C_81/2010, E. 3.1, mit Hin
weisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG) zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen
der Vorsor
ge
ein
richtungen
, ist die IV-rechtliche Festset
zung de
s Invaliditätsgrades (grund
sätz
lich,
mass
lich
und zeitlich) berufsvorsor
gerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 273 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsr
echtliche Be
trach
tungs
weise ab, muss sich die versicherte
Person diese entgegenhalten las
sen, soweit diese für die Festlegung des Anspru
chs auf eine Invalidenrente ent
schei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung de
r Aktenlage ergibt, dass die In
va
liditäts
bemessung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.
2.1
Der Kläger führt zur Begründung seiner Klage aus, er sei während seines Studiums der Rechtswissenschaft an der Universität
Z._
mehrheitlich arbeitstätig ge
wesen. Anfang 2010 habe er das Studium abgeschlossen und per
1.
April 2010 die Assistenzstelle am Lehrstuhl von Prof.
Dr.
A._
an der Universität
B._
angetreten. Zu Beginn seiner Anstellung hätten sich nur wenige Depressions
symptome wie z.B. konstante Müdigkeit oder Konzentrations- und Gedächtnis
störungen bemerkbar gemacht. Diese vereinzelten Defizite habe er aber mit seinem breiten juristischen Wissen und seiner überdurchschnittlichen Intelligenz ausgleichen können. Die Lehrstuhlarbeit habe er angemessen erledigen könne
n
und Prof.
Dr.
A._
sei mit seiner Arbeit zufrieden gewesen. Neben seiner Anstellung bei der Universität
B._
sei er ausserdem seiner Dissertationsarbeit nachge
gangen.
Erst ab dem Frühjahr 2012 habe er vermehrt unter seiner Krank
heit gelitten und habe massive Nebenwirkungen aufgrund von 18 Elektrokrampf
therapien gehabt, welc
he
er im ersten Quartal 2011 erhalten habe. Ab diesem Zeitpunkt könne von einer Art geschütztem Arbeitsplatz an der Universität
B._
ausgegangen werden.
Die massgebliche Arbeitsunfähigkeit sei damit während dem Versicherungsverhältnis mit der Beklagten eingetreten
. Der Kläger habe nach einem klärenden Gespräch mit Prof.
Dr.
A._
im
November 2010 teilweise andere
Aufgaben als jene der übrigen Assistenten übernommen, allerdings habe es sich dabei um ebenbürtige Lehrstuhlarbeiten gehandelt. Es seien oft eher etwas unattraktive und wenig begehrte Arbeiten gewesen, welche aber dennoch zum normalen Pflichtenheft der Assistenten gehörten wie Recherchieren und allge
meine Sekretariatsarbeiten (
Urk.
1).
2.2
Demgegenüber führt die Beklagte
aus, im Rahmen des IV-Verfahrens sei die
gesundheitliche Situation des Klägers im Detail abgeklärt worden. Diese Abklä
rungen hätten ergeben, dass der Kläger bei Antritt seiner Arbeitsstelle als Assi
stent an der Universität
B._
unter schweren Depressionen gelitten habe, die sich konkret auf seine Leistungs- und Arbeitsfähigkeit ausgewirkt hätten. Vor seinem Stellenantritt habe der Kläger lediglich juristische Hilfstätigkeiten mit stark reduziertem Arbeitspensum ausgeführt, weshalb daraus nicht geschlossen werden könne, dass er Ende 2009/Anfang 2010 voll arbeitsfähig gewesen sei. Der Kläger stelle seine Arbeitsfähigkeit in seiner Klage wesentlich positiver dar, als es wirklich gewesen sei und seine Ausführungen stünden im Widerspruch zur Beurteilung seiner Arbeitsfähigkeit im IV-Verfahren, welche auf seinen eigenen Angaben basierten. Auch dem Kläger selber sei klar gewesen, dass er keine volle Arbeitsleistung habe erbringen können, woran auch das wohlwollende Arbeits
zeugnis von Prof.
Dr.
A._
nichts ändern könne.
Dieser
habe Verständnis für die schwierige Situation des Klägers gezeigt und sein weiteres berufliches Fort
kommen nicht behindern wollen (
Urk.
8
).
3.
3.1
Anlässlich des Standortgesprächs mit de
r
Sachbearbeiter
in
der IV-Stelle vom 10.
Juli 2013
(
Urk.
12/10)
gab der Kläger an, er
arbeite als Assistent an einem Lehr
stuhl für Strafrecht. Seine Aufgaben bestünden i
m Kopieren, Telefonate entgegen
nehmen und Mails beantworten. Grundsätzlich wären seine Hauptauf
gaben Lehre und Forschung, Korrigieren von Prüfungen der Studenten sowie die Erteilung von Übungen. Dies könne er aber wegen seines Gesundheitszustandes nicht mehr machen. Das Arbeitspensum von 50
%
habe er so gewählt, weil er während den anderen 50
%
an seiner Doktorarbeit habe arbeiten wollen. Er habe einen sehr verständnisvollen Chef, der seinen ursprünglich bis zum 3
1.
März 2013 befristeten Arbeitsvertrag sogar noch um ein Jahr verlängert habe. Warum sein Chef das gemacht habe, wisse er nicht. Bevor dieser von seiner Krankheit gewusst habe, bzw. anfangs 2010, habe der Kläger sogar einen Verweis erhalten, weil er die Leistung nicht erbracht habe. Nachdem er aber offen mit seinem Chef ge
sprochen habe, sei dieser sehr verstä
ndni
svoll gewesen. Prof.
Dr.
A._
sei
ihm sehr entgegen gekommen mit der Arbeit. Er mache grundsätzlich nur noch ganz einfache Arbeiten.
3.2
Gemäss dem Bericht der behandelnden Psychiaterin Prof.
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
8.
November 2013 (
Urk.
12/17) befindet sich der Kläger seit dem 1
5.
September 2009 bei ihr in Behandlung. Es bestehe seit ca. Januar 2009 eine rezidivierende schwere Depres
sion (ICD-10 F33.2). Der Kläger sei durch mehrere Psychiater behandelt worden.
Die schwere depressive Symptomatik äussere sich in ausgeprägten Konzentra
tions
störungen und Ängsten. Der Kläger sei mit allen in der Schweiz erhältlichen Antidepressiva ohne Erfolg behandelt worden, auch eine Elektrokrampftherapie habe keine Besserung gebracht. Am 2
5.
Januar 2013 sei ein
Vagusnervstimulator
eingesetzt worden, dessen Wirkung noch nicht beurteilt werden könne. Der Kläger sei seit dem
1.
April 2010 nur noch zu 50
%
arbeitsfähig. Eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit sei zurzeit nicht möglich.
3.3
La
ut dem psychiatrischen Gutachten
von PD
Dr.
med.
C._
, Spezialarzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
9.
Juni 2014 (
Urk.
12/37)
besteht beim Kläger eine schwere
chronische und therapieresistente
Depression
mit invalidi
siere
ndem Charakter (ICD-10 F32.2)
. Erstmals in der Zeit zwischen 2008 und 2009 sei ohne erkennbare Ursache ein Zustand von
Unglücklichkeit
, Weinerlichkeit,
Energiemangel, Freudlosigkeit und starken Schlafstörungen eingetreten. Der Appetit
habe sich vermindert und es sei zu einem Gewichts
verlust gekommen.
Der Kläger habe eine starke innere Unruhe und ein Gefühl der Verlangsamung erlebt. Die Symptomatik sei somit am Ende der Studienzeit aufgetreten, nach Ansicht des Klägers aber vom erstbehandelnden Psychiater nicht richtig einge
schätzt worden. Deutlich ausgeprägt sei die Symptomatik beim Stellenantritt am
1.
April 2010 gewesen. So sei die Konzentration schlecht gewesen, was sich auf die Arbeit klar negativ ausgewirkt habe. Der Kläger habe negative Gedanken und Angst gehabt, seine Stelle zu verlieren. Ebenso seien häufig zum Teil intensive Suizidgedanken vorgekommen. Die Arbeitssituation habe sich infolge besonderer Bedingungen in spezieller Weise entwickelt. Der Kläger sei nicht krankge
schrie
ben oder entlassen worden, sondern es seien ihm nach Kenntnisnahme seiner depressiven Erkrankung sehr leichte Tätigkeiten zugewiesen worden, welche eigent
lich mit seiner Anstellung nur bedingt etwas zu tun gehabt hätten (Papier nachfüllen, Listen schreiben,
u.ä.
).
Für den Kläger sei es wichtig gewesen, dass er weiterhin im Institut habe tätig sein können. Dies sei
dank
eines
ausser
ordent
-
lichen
Entgegenkommens seines Chefs möglich gewesen. Diese Situation habe schon ab Anstellungsbeginn im April 2010 begonnen. Der Professor habe ihm im Unwissen über seine Depression einige Monate nach Anstellungsbeginn wegen ungenügender Leistung einen Verweis erteilt. Im Jahr 2011 habe sich die Depres
sion weiter verschlechtert und es sei zu einem Suizidversuch gekommen. Im weiteren Verlauf seien gewisse Schwankungen der Depressionsschwere bei ge
samt
haft gleich schwerem Bild aufgetreten, ohne substantiellen Effekt auf die Arbeitsfähigkeit und das gesamte Funktionsniveau.
Sein Zustand habe sich trotz intensiver Behandlung geringfügig bis gar nicht verbessert. Seine Arbeitsstelle sei nach den üblichen drei Jahren noch um ein Jahr verlängert worden bis sie am 3
1.
März 2014 ausgelaufen sei.
Trotz seiner Erkrankung sei es dem Kläger gelungen, seine 50%-Assistenten
stelle an der Universität
B._
zu halten. Es hätten sich jedoch von Anfang an depressionsbedingte Einschränkungen gezeigt, welche ein effizientes Arbeiten verunmöglicht hätten. Die Depression und die Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten sich in der Folge verstärkt. Infolge des Entgegenkommens des vorgesetzten Professors habe er seine Stelle behalten können, er habe aber nur noch einfache, nicht seiner Anstellung entsprechende
Arbeiten verrichtet. Mit seiner Dissertation sei er nicht genügend voran ge
kommen. Genau genommen
habe
der Kläger seit April 2010 bis heute unter nicht regulären Bedingungen des freien Arbeitsmarktes, sondern denen eines ge
schützten Arbeitsplatzes
gearbeitet
.
Dass er überhaupt eine Leistung vollbracht habe, hänge auch mit seinem noch in der Depression bestehenden Willen zusammen, etwas Sinnvolles zu leisten, wobei gleichzeitig auf die stark vermin
derte Effizienz infolge Konzentrations-,
Auf
fassungs
- und anderen Störungen hinzuweisen sei.
Wolle man die Arbeitsfähigkeit des Klägers beurteilen, so liege die realistisch anzunehmende obere
Limite
bei 10 bis 20
%
. Dies gelte sicher für die Zeit ab 201
2.
Es könnte sein, dass zu Beginn seiner Anstellung die Arbeits
fähigkeit etwas höher, aber auch nie über 50
%
gelegen sei.
Gründe für die schwere Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit seien neben der Einengung auf das depressive Geschehen Störungen der Konzentration und der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses, die Verlangsamung und die erhöhte Erschöpfbarkeit sowie der Antriebsmangel, zudem die anderen in der neuropsychologischen Untersuchung festgestellten Störungen. Der Kläger sei zu 80 bis 90
%
arbeitsunfähig, für seine Tätigkeit als Assistent und auch für andere Tätigkeiten. An dieser Feststellung ändere auch nichts, wenn der Kläger bis zum 3
1.
März 2014 einen 50%-Lohn be
zogen habe und in den nächsten sechs Monaten oder sogar noch länger bezieh
en werde.
Falle diese nicht der regulären Arbeitsleistung entsprechende Vergü
tung
weg, sollte die reale Arbeitsunfähigkeit von 80 bis 90
%
zum Tragen kommen.
3.4
Laut dem Abklärungsbericht über die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt vom 2
3.
Januar 2015 (
Urk.
12/44) gab der Kläger gegenüber der Abklärungsperson der Invalidenversicherung an, er habe nach Abschluss seines Studiums im Jahre 2010 versucht, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und seine Doktorarbeit zu schreiben. Dies sei aber wegen seinen gesundheitlichen Pro
blemen von Anfang an schwierig gewesen. Die von seinem Arbeitgeber eigentlich verlangte Leistung in der Tätigkeit als Assistent für Strafrecht zu 50
%
habe er gar nie ausschöpfen können. Er habe immer wieder Einbrüche erlitten. Es fehle ihm an Energie, Belastbarkeit usw. Es sei ein ständiges Auf und Ab. Es gebe Tage,
an denen es ihm
besser gehe
und er erleide immer wieder Rückschläge, nach de
nen dann während 1 bis 2 Wochen gar nichts mehr gehen würde. Auch für die Erstellung einer guten Doktorarbeit habe ihm stets die Energie gefehlt, weshalb er dafür überdurchschnittlich lange gebraucht habe. Sie sei nun zwar fertig, die Qualität habe aber sicher wegen seinen Beeinträchtigungen gelitten. Ohne Behin
derun
g dauere die Erstellung einer Doktorarbeit durchschnittlich 2 Jahre, er wäre somit bereits im Laufe des Jahres 2
012 damit fertig geworden. Sein
weiterer Plan wäre gewesen, weiterhin auf dem Gebiet des Strafrechts tätig zu bleiben und das Anwaltspatent zu erwerben. Zu Beginn seiner Tätigkeit an der Universität
B._
sei sein Arbeitgeber (Prof.
Dr.
A._
) sehr unzufrieden gewesen.
Er habe die ihm übertragenen Arbeiten nicht wie verlangt erledigen können. Manchmal sei einfach gar nichts mehr gegangen. Nebenwirkungen seien gewesen, dass er gezittert habe und Schübe aufgetreten seien. In einem solchen gesundheitlichen Zustand habe er einfach keine vernünftige Arbeitsleistung erbringen können. Sein Chef und er hätten sich dann aber ausgesprochen und
Prof.
Dr.
A._
habe sich sehr verständnisvoll gezeigt.
Es seien ihm wirklich nur noch leichte und einfache Arbeiten übertragen worden, die mit den vereinbarten Anstellungs
bedingungen nicht mehr übereingestimmt hätten. Trotzdem sei das Arbeits
pen
sum und der Lohn unverändert belassen worden. Dies sei vom Arbeitgeber sehr grosszügig gewesen und er habe wie in einem geschützten Rahmen arbeiten können. Das Arbeitsverhältnis sei sogar noch um ein Jahr verlängert worden, per Ende Januar 2015 werde es aber nun endgültig aufgelöst.
4.
4.1
Streitig ist,
ob beim Kläger bereits vor Beginn des Vorsorgeverhältnisse
s
mit der Beklagten am
1.
April 2010 eine relevante Arbeitsunfähigkeit eingetreten ist oder die Arbeitsfähigkeit erst im Laufe des Vorsorgeverhältnisses abgenommen hat.
Die IV-Stelle ging davon aus, dass der Kläger seit April 2010 erheblich in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Nachdem sich der Kläger jedoch erst am 18. Juni 2013 zum Leistungsbezug angemeldet hatte, konnte ihm frühestens ab
dem
1.
Dezember 2013 eine Invalidenrente ausgerichtet werden
(
Art.
29
Abs.
1 IV
G)
. Die genaue Festlegung des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit erwies sich mit
hin im invaliden
versicherungsrechtlichen Verfahren für den Beginn des Renten
anspruchs nicht als
relevant
. Es kommt dem Entscheid der Invaliden
versicherung damit in diesem Punkt im berufsvorsorgerechtlichen Verfahren keine Bindungs
wirkung zu.
4.2
Sowohl die behandelnde Ärztin Prof.
Dr.
D._
als auch der von der IV-Stelle als Gutachter eingesetzte PD
Dr.
C._
attestieren dem Kläger eine Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit ab dem
1.
April 2010 und somit ab Beginn des Arbeits
verhältnisses mit der Universität
B._
bzw. des Vorsorge
verhältnisses mit der Beklagten. Es ist zwar festzuhalten, dass keine echtzeitliche Bescheinigung einer Arbeitsunfähigkeit vorliegt, bei Prof.
Dr.
D._
hat sich der Kläger aber bereits seit September 2009 in Behandlung befunden, womit ihre rückwirkende Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit auf eigenen Beobachtungen und nicht bloss auf speku
lativen Annahmen beruht.
Soweit der Kläger geltend macht, dass es ihm kaum möglich gewesen wäre, mit einer schweren Depression sein Studium erfolgreich abzuschlies
sen, ist festzuhal
ten, dass
von Prof.
Dr.
D._
bereits zu jenem Zeitpunkt eine schwere Depres
sion diagnostiziert und dem Kläger deshalb eine erhebliche
Dosis
an Psycho
phar
maka verschrieben wurde
. Dass der Kläger sein Studium trotzdem abschliessen konnte, spricht nicht gegen eine schwere Depression und der Beschwerdeführer selber macht denn auch geltend, er habe Defizite bezüglich seiner psychischen Leistungsfähigkeit mit seinem breiten juristischen Wissen und seiner überdurch
schnittlichen Intelligenz ausgleichen können (
Urk.
1 S. 4).
Zu dieser Einschätzung gelangte auch
Dr.
med.
E._
, stellvertretender Chefarzt der
F._
in seinem Schreiben an Prof.
Dr.
D._
vom 2
5.
Oktober 2010 (
Urk.
12/13/37), wo er festhielt, der Kläger müsse über eine überdurch
schnitt
liche Intelligenz verfügen, dass es ihm trotz seiner Krankheit möglich
gewesen sei, eine Matura und ein
Jurisprudenzstudium
erfolgreich abzu
schliessen
.
4.3
D
er Umstand, dass der Kläger auch nach dem
1.
April 2010 noch vollwertige Leistungen im juristischen Bereich erb
ringen konnte,
vermag
eine voll
e
Arb
eits
fähigkeit nicht zu belegen und ist vereinbar mit der Einschätzung von
Dr.
C._
, wonach der Kläger nach wie vor zu 10 bis 20
%
arbeitsfähig ist und die Arbeits
fähigkeit im April 2010 etwas höher, aber nie über 50
%
gelegen haben dürfte (
Urk.
12/37/14). Die
Darstellung des Klägers, dass erst im Frühjahr 2012 erheb
liche Einschränkungen in seiner Arbeitsfähigkeit eingetreten seien
(
Urk.
1 S. 5)
, widerspricht seinen eigenen Angaben im IV-Verfahren, wonach er schon im Jahr 2010 von Prof.
Dr.
A._
wegen ungenügender Leistungen einen Verweis erhal
ten habe.
Soweit der Kläger in der Klage geltend macht, er sei auch nach Kenntnisnahme seiner Krankheit von seinem Vorgesetzten mit Arbeiten betraut worden, welche zwar etwas unattraktiv gewesen seien, aber zum normalen Pflichtenheft eines Assistenten gehörten (
Urk.
1 S.
8), widerspricht er seinen eigenen Angaben gegen
über der IV-Stelle vom 1
0.
Juli 2013 (
Urk.
12/10)
und vom 2
3.
Januar 2015 (Urk. 12/44)
, wo er ausführte, nach dem Gespräch mit seinem Chef habe er grund
sätzlich nur noch leichte Arbeiten ausführen müssen wie Kopieren, Telefonate entgegen nehmen und Mails beantworten. Er hat mithin vor allem
Aufgaben ausgeführt, welche zwar durchaus auch zum Pflichtenheft eines Assistenten ge
hören, bei welchen es sich aber nicht um die Kernaufgaben einer juristischen Tätigkeit handelte.
Laut dem
Arbeitszeugnis von Prof.
Dr.
A._
vom 2
3.
März 2014 (
Urk.
2/5) ist der Kläger vom
1.
April 2010 bis zum 3
1.
März 2014 mit einem Beschäftigungs
grad von 50
%
als wissenschaftlicher Assistent tätig gewesen.
Das Arbeitszeugnis zählt sodann alle Arbeiten auf, welche der Kläger während dieser Zeit als Assi
stent verrichtet hat. Es sagt hingegen nichts darüber, dass der Kläger gesund
heitsbedingt diesen Arbeiten nur in geringem Umfang nachgehen konnte und dem Kläger ein geschützter Arbeitsplatz geboten wurde, was unstrittig zumindest während eines grösseren Teils des Arbeitsverhältnisses der Fall war.
Es wird sodann im Arbeitszeugnis festgehalten, dass der Kläger die ihm übertragenen Auf
gaben korrekt und termingerecht zur Zufriedenheit seines Vorgesetzten erle
digte. Die Qualität seiner Arbeit war somit laut dem Arbeitszeugnis genügend und über die Quantität enthält es keine
konkreten
Angaben.
Die Formulierung «Er zeigte Fleiss» ist sodann in einem Arbeitszeugnis in der Regel eher negativ zu verstehen, da sie darauf hindeutet, dass der betreffende Arbeitnehmer sich zwar grosse Mühe gegeben hat, seine Arbeits
leistung jedoch
trotzdem
ungenügend gewesen ist. Das Arbeitszeugnis vermag damit nicht zu belegen, dass
der Kläger nicht schon zu Beginn seines Arbeitsverhältnisses in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist.
4.4
Insgesamt ist damit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Kläger bereits zu Beginn des Vorsorgeverhältnisses mit der Beklagten erheblich in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist. Dies führt zur Verneinung der Leistungspflicht der Beklagten und zur Abweisung der Klage.
5.
Da § 33 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) in Verbindung mit Art. 73 Abs. 2 BVG ein in der Regel kostenloses Verfahren garantiert und dem unterliegenden Kläger keine mut
willige oder leichtsin
nige Prozessführung vorzuwerfen ist (e
contrario
§ 33 Abs. 2
GSVGer
), sind keine Gerichtskosten zu erheben.