Decision ID: b0de974c-bb7b-4733-9ad3-7a5a4539097d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1962 geborene
X._
war vom 1. März 2007 bis am 30. Juni 2008 als Sachbearbeiterin bei der
Y._
AG angestellt und dadurch bei der Migros-Pensionskasse berufsvorsorgeversichert. Ab dem 1. Juli 2008 arbeitete sie auf der Gemeindeverwaltung
Z._
, wodurch sie bei der BVG-Sammelstiftung Swiss Life berufsvorsorgeversichert war. Dieses Arbeitsverhältnis wurde noch während der Probezeit per 24. Juli
2008 von der Arbeitgeberin gekündigt
.
Am 18.
Mai 2009 meldete sich
X._
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an.
M
it Beschluss
vom 4. Juni 2010 hielt die IV-Stelle fest, dass
X._
mit Wirkung ab 1. August
2009 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe, wobei die Leistungen aufgrund verspäteter Anmel
dung erst mit Wirkung ab 1. November 2009 auszurichten seien (
Urk.
9/
3
).
Am 24. Februar 2013 erhob
X._
Klage gegen die BVG-Samme
l
stiftung Swiss Life und beantragte die Ausrichtung von reglementarischen Ren
tenleistungen als Vorleistung. Nachdem die Migros-Pensionskasse zum Verfahren beigeladen worden war, verpflichtete das hiesige Gericht mit Urteil vom 27. April 2015
(BV.2013.00014
)
die BVG
Sammelstiftung Swiss Life,
X._
mit Wirkung ab 1. August 2009 eine volle Invalidenrente im Umfang der obliga
to
rischen Mindestleistungen der beruflichen Vorsorge als Vorleistung auszurichten
, wobei
X._
auf die
Rentenbetreffnisse
für die Monate September 2012 bis Oktober 2013 zufolge Zession keinen Anspruch habe. Das Bundesgericht hiess die von der BVG
Sammelstiftung Swiss Life dagegen erhobene Beschwerde mit
Urteil vom 11. Dezember 2015 (9C_425/2015) teilweise gut, hob das Urteil
des hiesigen Gerichts vom 27. April 2015 auf und wies die Sache an das hiesige Ge
richt zurück, damit es prüfe, ob
X._
grundsätzlich Anspruch auf Invalidenleistungen der beruflichen Vorsorge nach Art. 23
lit
. a des Bundes
ge
setzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) habe, und hernach über die Vorleistungspflicht der BVG
Sammelstiftung Swiss Life neu entscheide. Das hiesige Gericht stellte daraufhin mit Urteil vom 5. Febru
ar 2016 (
BV.2015.00087,
Urk.
2/1) in teilweiser Gutheissung der Klage fest, dass
X._
mit Wirkung ab 1. November 2009 Anspruch auf eine
volle Invalidenrente im Umfang der obligatorischen Mindestleistungen der beruf
lichen Vorsorge als Vorleistung der BVG
Sammelstiftung Swiss Life habe. Auf die
Rentenbetreffnisse
für die Monate September 2012 bis Oktober 2013 habe
X._
zufolge Zession keinen Anspruch. Dieses Urteil erwuchs un
angefochten in Rechtskraft.
Die BVG
Sammelstiftung Swiss Life erhob am 15. April 2016 beim hiesigen Ge
richt Klage gegen die Migros-Pensionskasse und
X._
und bean
tragte, es sei
festzustellen, dass die Migros-Pensionskasse bezüglich der Invalidi
tät von
X._
im Sinne von Art. 23 BVG leistungspflichtig
sei
. Mit Urteil vom 2
3.
August 2017 (
BV.2016.00030,
Urk.
2/2) verpflichtete das hiesige Gericht die Migros-Pensionskasse, der BVG
Sammelstiftung Swiss Life die an
X._
mit Wirkung ab
1.
November 2009 erbrachten Vorleistun
gen zurückzuerstatten. Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Mit Schreiben vom
3.
Mai 2018 (
Urk.
9/5) teilte die Migros-Pensionskasse
X._
unter Beilage einer Leistungs
ab
rech
n
ung, einer Nachzahlungsauf
stellung und Überentschädigungsberechnung
en
mit, dass sie mit Wirkung ab
1.
November 2009 eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
ausrichten werde. In der Folge richtete die Migros-Pensionskasse wie angekündigt Rentenleistungen aus. Mit Schreiben vom 2
6.
November 2018 wandte sich
X._
an die Migros-Pensionskasse und beantragte, die rückwirkend ausbezahl
t
en Rentenleistungen seien
zu
5
%
zu verzinsen. Die Migros-Pensions
kasse lehnte mit Schreiben vom
7.
Dezember 2018 (
Urk.
2/3) die Ausrichtung von Verzugszinsen ab.
2.
Mit Eingabe vom 1
2.
Dezember 2018 (
Urk.
1
/1+2
) erhob
X._
Klage gegen die Migros-Pensionskasse und beantragte, es sei die Beklagte zu ver
pflichten, Verzugszinsen von 5
%
ab
1.
November 2009 auf den verspätet ausge
richteten Leistungen
sowie eine Entschädigung für den ihr durch die verspäteten Zahlungen erstandenen Schaden
zu bezahlen. Die Beklagte beantragte mit Kla
geantwort vom 2
1.
Februar 2019 (
Urk.
8) die Abweisung der Klage, was der Klä
gerin mit Verfügung vom
5.
März 2019 angezeigt wurde (Urk.
10).
Mit Eingabe vom 2
9.
März 2019 (
Urk.
11) ersuchte die Klägerin um Gewährung einer Frist
verlängerung für die Einreichung einer Stellungnahme. Mit Schreiben vom
8.
April 2019 (
Urk.
12) wies das Gericht
die Klägerin
darauf hin, dass keine Frist am Laufen sei, weshalb auch keine Fristverlängerung möglich sei. Am 1
8.
April 2019 reichte die Klägerin eine Stellungnahme ein (
Urk.
13)
, mit welcher sie eine Anpassung der Rente an die Preisentwicklung beantragte und geltend machte, sie habe die Beklagte betrieben, womit diese in Verzug sei
. Mit Verfügung vom
6.
Mai 2019 (
Urk.
16) wurde der Beklagten Frist angesetzt, um zum Vorbringen der Klägerin, sie habe die Beklagte betrieben, Stellung zu nehmen. Gleichzeitig wurde der Beklagten aufgegeben, die in den Jahren 2007 bis 2011 anwendbaren
Vorsorgereglemente
einzureichen. Die Beklagte nahm am
4.
Juli 2019 (
Urk.
19) unter Beilage der
einverlangten
Reglemente (
Urk.
20/1-2) Stellung. Der Klägerin wurde daraufhin mit Verfügung vom
9.
Juli 2019 Frist angesetzt, um zur Eingabe
der Beklagten vom
4.
Juli 2019 Stellung zu nehmen. Die Beklagte liess sich mit Stellungnahme vom 1
6.
Oktober 2019
vernehmen
(
Urk.
24 und
Urk.
26).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beklagte auf den der Klägerin mit Wirkung ab
1.
November 2009 auszurichtenden Leistungen Verzugszinsen in Höhe von 5
%
zu bezahlen hat
, ob die Klägerin Anspruch auf eine
Entschädigung aufgrund ver
späteter Leistung durch die Beklagte
hat und ob die Rentenleistungen der Preis
entwicklung anzupassen sind.
2.
2.1
Im Privatrecht gilt eine generelle Verzugszinspflicht, sobald der Schuldner in Ver
zug ist (
Art.
104
des Obligationenrechts,
OR). Analog zum Privatrecht gilt im Ver
waltungsrecht als allgemeiner Rechtsgrundsatz, dass der Schuldner Verzugszins zu bezahlen hat, wenn er mit der Zahlung in Verzug ist, sofern das Gesetz nichts
anderes
vorsieht. Im Sozialversicherungsrecht hat allerdings vor dem Inkrafttre
ten des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die Rechtsprechung eine Verzugszinspflicht grundsätzlich verneint, wenn sie nicht gesetzlich vorgesehen war. Mit der Bestimmung des
Art.
26 ATSG (wel
cher im Bereich der beruflichen Vorsorge nicht gilt) ist für bestimmte Fälle eine Verzugszinspflicht statuiert worden. Die Rechtsprechung hat daraus geschlossen, dass in den anderen, im Gesetz nicht genannten Fällen, keine Verzugszinspflicht besteht.
Im Berufsvorsorgerecht werden Verzugszinsen sowohl im Leistungs- als auch im Beitragsbereich im Falle fehlender statutarischer Grundlage gestützt auf
Art.
104
Abs.
1 OR zugelassen. Diese Sonderstellung ist weniger als eigentliche Ausnahme von der dargelegten Rechtsprechung, wonach auf dem Gebiet der Sozialversiche
rung grundsätzlich ohne gesetzliche Grundlage keine Verzugszinsen geschuldet sind, sondern in erster Linie vor dem Hintergrund der Entwicklung des betreffen
den Rechtszweiges zu verstehen. Denn die Gewährung von Verzugszinsen war im Bereich der beruflichen Vorsorge seit jeher aufgrund der vorsorgevertraglichen
Entstehung des Versicherungsverhältnisses und der damit anwendbaren allge
meinen Bestimmung des Obligationenrechts die Regel, und es hat diese Ordnung durch das geltende BVG keine Änderung erfahren (BGE 145 V 18 E. 4 mit zahl
reichen Hinweisen).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird eine dem OR analoge Verzugs
zinspflicht in der beruflichen Vorsorge mit dem Bestehen eines vertraglichen Ver
hältnisses zwisch
en der versicherten Person respektive
der angeschlossenen Ar
beitgeberin oder dem angeschlossenen Arbeitgeber und der Vorsorgeeinrichtung begründet. Entscheidend dabei ist, dass die Versicherten auch im obligatorischen Bereich durch einen
Innominatvertrag
an die Vorsorgeeinrichtung gebunden sind und daher in erster Linie das Reglement sowie in zweiter Linie der allgemeine Teil des OR für die Frage nach dem Verzugszins massgebend sind (
BGE 145 V 18 E 5.2.1
).
2.2
Gemäss
Art.
105
Abs.
1
OR
hat ei
n Schuldner, der mit der Zahlung von Zinsen oder mit der Entrichtung von Renten oder mit der Zahlung einer geschenkten Summe im Verzuge ist, erst vom Tage der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an Verzugszinse zu bezahlen.
Während die Reglemente 2005 und 2008 der Beklagten (
Urk.
20/2) keine Bestimmungen zu Verzugszinsen ent
halten, wird
in
Art.
19
Abs.
2 des Reglement
s
2012
der Beklagten
(
Urk.
9/6)
ge
reg
el
t, dass bei Rentenzahlungen Verzugszinsen ab Anhebung einer Betreibung oder Einreichu
ng einer Klage geschuldet sind. Verzugszinsen auf Rentenleistun
gen sind somit sowohl gemäss dispositiver gesetzlicher Regelung wie auch ge
mäss dem Reglement 2012 der Beklagten erst mit Anhebung der Betreibung oder Erhebung
einer
Klage geschuldet.
Es liegen k
einerlei Anhaltspunkte dafür vor
, dass die Klägerin die ab
1.
November 2009 geschuldeten Rentenleistungen vor ihrer Entrichtung in Betreibung gesetzt hätte.
Vielmehr hat die Beklagte in ihrer Stellungnahme vom 1
6.
Oktober 2019 (
Urk.
26) bestätigt, dass sie entgegen ihrer Behauptung in der Stellungnahme vom
1
8.
April 2019 (
Urk.
13
) keine Betreibung gegen die Beklagte eingeleitet hat.
Eine Klage betreffend Vorsorgeleistungen reichte die Klägerin zwar beim hiesigen Gericht ein, doch war diese nicht gegen die Beklagte, sondern gegen die der BVG
Sammelstiftung Swiss Life gerichtet. Darüber hinaus war sie auf Vor
leis
tungen gerichtet, welche nicht zu verzinsen sind (vgl. Urteil des hiesigen Gerichts BV.2015.00087 E. 2.
5
).
Die Klägerin hat somit keinen Anspruch auf Verzugszin
sen.
3.
3.1
Soweit die Klägerin e
ine Entschädigung für Kosten verlangt, welche ihr aufgrund der verspäteten Zahlung der Beklagten angefallen seien, ist die Klage ohne Wei
teres abzuweisen.
Da – wie eben dargelegt – sich die Beklagte mit ihren Leistun
gen nicht in Verzug befand,
besteht weder eine gesetzliche
(vgl.
Art.
106 OR) noch eine
regl
ementarische Grundlage für einen Entschädigung
sanspruch. Dar
über hinaus hat sich die
Beklagte
auch nicht
widerrechtlich oder vertragswidrig verhalten.
3.2
Hinsichtlich der mit Stellungnahme vom
1
8.
April
2019 geltend gemachten An
passung
der Rentenleistungen
an die Preisentwicklung ist die Klägerin darauf hinzuweisen, dass gemäss
Art.
36
Abs.
1 BVG
zwar
Invalidenrente
n
, deren Lauf
zeit drei Jahre überschritten hat, bis zum Erreichen des or
dentlichen Rentenalters nach An
ordnung des Bundesrates der Preisentwicklung angepasst werden. Diese Regelung gilt jedoch nur für die obligatorische Vorsorge, währenddessen im wei
tergehenden Bereich der beruflichen Vorsorge von Gesetzes wegen keine Ver
pflichtung zur Anpassung der Invalidenrenten an die Preisentwicklung besteht (vgl. Stauffer/
Cardinaux
[Hrsg.]
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozial
versicherungsrecht, Die berufliche Vorsorge,
4
.
Auflage,
Art.
36
BVG
mit Hinwei
sen).
Nachdem die Leistung
en der Beklagten die gesetzlichen Mindestleistungen übersteigen
(vgl.
Urk.
9/5,
Urk.
14/4;
Art.
24 in Verbindung mit
Art.
16 in Ver
bindung mit
Art.
14
Abs.
2 BVG)
, hat die Klägerin keinen Anspruch auf eine An
passung
der
Rentenleis
tu
ngen
an die Preisentwicklung.
4.
Nach dem Gesagten
erweist sich die Klage als unbegründet
und ist abzuweisen.