Decision ID: 22da2869-9453-4c90-9217-70645ffcaae8
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons
St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur AHV
Sachverhalt:
A.
A.a B._ (Jg. 194_) bezog seit Jahren eine Ergänzungsleistung zu ihrer Altersrente.
Bei der Berechnung dieser Ergänzungsleistung hatte die EL-Durchführungsstelle auf
der Einnahmenseite einen Eigenmietwert der selbstbewohnten Liegenschaft von
30’000 Franken und auf der Ausgabenseite die Summe aus den Hypothekarzinsen und
den pauschalen Gebäudeunterhaltskosten, beschränkt auf den Betrag des Eigen
mietwerts (also 30’000 Franken), sowie wiederum – als „Bruttomiete“ – den Eigen
mietwert, dort allerdings beschränkt auf einen gesetzlichen Höchstbetrag von 15’000
Franken plus – kantonalrechtlich – 5’000 Franken, berücksichtigt (act. G 3.2, 58). Dieser
Eigenmietwert beruhte auf einer amtlichen Schätzung aus dem Jahr 2000 (act. G 3.2,
55). Am 3. September 2009 wurde dem Ehemann der Bezügerin mitgeteilt, dass der
Eigenmietwert neu 32’520 Franken betrage. Im Gegensatz zur früheren Schätzung war
der Eigenmietwert nun aufgeschlüsselt: Einfamilienhaus 27’100 Franken, Garage 1’800
Franken, Einzimmerwohnung 3’520 Franken und Schopf null Franken (act. G 3.2, 26).
Der Hypothekarzins hatte sich inzwischen erheblich verringert (act. G 3.2, 19). Die
Veränderung des Wertes des Grundstücks hatte eine Erhöhung der (pauschalen)
Gebäudeunterhaltskosten zur Folge. Bei der Anspruchsberechnung ab Oktober 2010
berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle auf der Ausgabenseite einen
Liegenschaftsaufwand von 22’346 Franken (Hypothekarzins 15’162 Franken und
Gebäudeunterhalt 7’184 Franken) und einen Eigenmietwert von nach wie vor 20’000
Franken (bundesrechtlich 15’000 Franken und kantonalrechtlich zusätzlich 5’000
Franken). Auf der Einnahmenseite wies die Anspruchsberechnung den gesamten
Eigenmietwert von 32’520 Franken aus (act. G 3.2, 14–18). Der Ehemann der Bezügerin
wandte am 7. März 2012 sinngemäss ein (act. G 3,2, 13), die Anspruchsberechnung sei
falsch, da auf der Ausgabenseite nur ein Teil des Eigenmietwertes angerechnet werde,
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während auf der Einnahmenseite der gesamte Eigenmietwert Berücksichtigung finde.
Er erhob am 25. März 2012 Einsprache (act. G 3.2, 3). Darin machte er geltend, es sei
unverständlich, dass auf der Einnahmenseite ein fiktiver Eigenmietwert angerechnet
werde, der entsprechende Wert auf der Ausgabenseite aber nicht vorkomme. Die EL-
Durchführungsstelle wies diese für die Bezügerin erhobene Einsprache am 3. Mai 2012
ab (act. G 3.2, nicht nummeriertes Aktenstück). Sie führte zur Begründung aus, der
Mietzinsabzug stehe auch Personen zu, die in der ihnen gehörenden Wohnung lebten.
Dieser Mietzinsabzug sei durch Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 ELG auf 15’000 Franken
jährlich beschränkt. Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG seien Einkünfte aus
unbeweglichem Vermögen als Einnahmen anzurechnen. Dazu gehöre auch der
Eigenmietwert. Dieser betrage vorliegend 32’520 Franken.
A.b Bereits am 13. Januar 2012 hatte der Ehemann der Bezügerin selbst eine An
meldung zum Bezug einer Ergänzungsleistung eingereicht (act. G 3.1, 20), da er im Mai
2012 das 65. Altersjahr vollendete und damit ab 1. Juni 2012 anstelle der Bezügerin
einen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung zur Altersrente begründete. Bei der
Anspruchsberechnung ab Juni 2012 berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle wieder
auf der Ausgabenseite neben den Hypothekarzinsen und den (pauschalen)
Gebäudeunterhaltskosten von zusammen 20’709 Franken einen Eigenmietwert von
20’000 Franken (15’000 Franken bundesrechtlich und 5’000 Franken kantonalrechtlich)
und auf der Ausgabenseite einen Eigenmietwert von 32’520 Franken (act. G 3.1, 17).
Daraus resultierten eine ordentliche Ergänzungsleistung von 738 Franken monatlich
und eine (kantonalrechtliche) ausserordentliche Ergänzungsleistung von 417 Franken
monatlich. Die entsprechende Verfügung erging am 29. Juni 2012 (act. G 3.1, 16). Der
Bezüger erhob am 29. August 2012 Einsprache gegen diese Verfügung (act. G 3.1, 13).
Er machte wieder geltend, dass es unverständlich sei, warum auf der Einnahmenseite
ein fiktiver Eigenmietwert berücksichtigt werde, der auf der Ausgabenseite nicht
vorkomme. Als Wohnungsmieter erhielte er eine um bis zu 1’000 Franken höhere
Ergänzungsleistung. Mit den erhaltenen 680 Franken könne er unmöglich die
Aufwendungen für das Wohnen bezahlen. Die EL-Durchführungsstelle erkundigte sich
am 31. Oktober 2012 nach der Quelle der Einnahmen von 680 Franken monatlich (act.
G 3.1, 11). Sie vermutete, dass es sich dabei um die Einnahmen aus der Vermietung
der Einzimmerwohnung handeln könnte. Mit einer Verfügung vom 27. Dezember 2012
passte sie gestützt auf die angefochtene Verfügung vom 29. Juni 2012 ausgerichtete
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Ergänzungsleistung der Erhöhung der beiden Altersrenten und der beiden
Prämienpauschalen der Krankenversicherung jeweils per 1. Januar 2013 an (act. G 3.1,
9 f.). Die in der Einsprache gegen die Verfügung vom 29. Juni 2012 gerügten
Einnahmen- und Ausgabenpositionen blieben unverändert. Der Bezüger teilte der EL-
Durchführungsstelle am 16. Februar 2013 mit (act. G 3.1, 2), er habe gemeint, dass er
von der EL-Durchführungsstelle nur 680 Franken monatlich als Beitrag für das
„Logieren“ erhalte. Die Eigentumswohnung sei nur ein zu einem Zimmer mit WC
umgebauter Kellerraum mit einem einzigen, vergitterten Fenster auf der Nordseite.
Dieses Zimmer könne nicht vermietet werden. Er nütze es als Abstellraum. In der
„Stellungnahme Fachbereich“ wurde am 28. Februar 2013 u.a. festgehalten (act. G 3.1,
1), es hätte auf der Ausgabenseite nur der Eigenmietwert für die Wohnliegenschaft von
27’200 Franken angerechnet werden dürfen. Da das Maximum von 20’000 Franken
aber auch so überschritten wäre, hätte eine Korrektur keinen Einfluss auf den
Anspruch. Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache am 18. März 2013 ab (act.
G 1.1). Sie ging von einem Ertrag aus unbeweglichem Vermögen von 32’520 Franken
aus, dem sie Wohnausgaben von 15’000 Franken (und zusätzlich 5’000 Franken in der
Anspruchsberechnung für die ausserordentliche kantonalrechtliche
Ergänzungsleistung) gegenüberstellte.
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Bezüger am 29. April 2013
(Postaufgabe) Beschwerde (act. G 1). Er machte geltend, in der Anspruchsberechnung
müssten zwei Positionen gestrichen werden, auf der Ausgabenseite „das
Wohneigentum von 20’000 Franken“ und auf der Einnahmenseite „die
Liegenschaftserträge von 32’520 Franken“. Beide Positionen seien nämlich „Phantasie-
Produkte“ ohne Realitätsbezug. Der Eigenmietwert bringe keinen einzigen Franken ein.
Bei einer Vermietung könnte der entsprechende Betrag nicht realisiert werden, denn
das 60-jährige Einfamilienhaus habe einen sehr grossen Renovationsbedarf und
verursache massive Unterhaltskosten. Nur weil seine Ehefrau und er mit wenig Komfort
zufrieden seien und weil sie beide den grössten Teil des Unterhalts selber bestreiten
würden, kämen sie mit ca. 21’000 Franken pro Jahr für das „Logieren“ durch. Eine
Mietwohnung würde mindestens gleich viel kosten.
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. Mai 2013 die Abweisung der Be
schwerde (act. G 3).

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG sind Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen als
Einnahmen anzurechnen. Einkünfte sind das, was an Geld einkommt (vgl. Wahrig,
Deutsches Wörterbuch, herausgegeben von Renate Wahrig-Burfeind, Neuausgabe
2006). Grammatikalisch betrachtet deckt Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG also die Anrechnung
eines fiktiven Einkommens in der Form des Eigenmietwerts einer Liegenschaft nicht ab.
Es fehlt der konkrete Geldfluss, der mit dem Wort Einkünfte gemeint ist. Die
Entstehungsgeschichte des Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG spricht ebenfalls gegen die
Anrechnung eines Eigenmietwertes als Einnahme, denn das frühere Recht der
ausserordentlichen Altersrenten mit Einkommensgrenzen ordnete die Anrechnung des
Eigenmietwertes als Einnahme nur aus einer Besonderheit der Definition der
anerkannten Ausgaben heraus an, die es im Recht der Ergänzungsleistungen nicht gibt
(vgl. Ralph Jöhl, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Ulrich Meyer [Hrsg.],
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., S.
1701 Fn. 311). Systematisch betrachtet kann die Frage einer allfälligen Anrechnung
eines Eigenmietwertes gestützt auf Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG nur unter Einbezug des Art.
10 Abs. 1 lit. b ELG beantwortet werden. Laut dieser Bestimmung gehört der Mietzins
einer Wohnung zu den anerkannten Ausgaben. Wie beim Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG gilt
auch hier, dass der Gesetzeswortlaut die Anrechnung eines Eigenmietwerts nicht
abdeckt: Ein Eigenmietwert ist kein Mietzins, ja er ist nicht einmal – bei einer rein
wirtschaftlichen Betrachtungsweise – ein wirtschaftlicher Nachteil im Sinne einer
Aufwandposition (während der Eigenmietwert auf der Einnahmenseite wenigstens noch
als ökonomischer Vorteil aufgefasst werden kann). Die Anrechnung eines
Eigenmietwertes als Mietzins würde also eine Auslegung gegen den klaren Wortlaut
und damit die Ausfüllung einer (unechten) Gesetzeslücke voraussetzen. Trotzdem
müsste, wenn ein Eigenmietwert als Einnahme gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG
angerechnet würde, derselbe Eigenmietwert als Mietzins auf der Ausgabenseite der
Anspruchsberechnung erscheinen, um eine Ungleichbehandlung der Personen, die ihre
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eigene Liegenschaft bewohnen, gegenüber den Mietern zu vermeiden. In Art. 10 Abs. 1
lit. b ELG müsste also eine Gesetzeslücke angenommen und ausgefüllt werden, um
eine dem klaren Wortlaut und der Entstehungsgeschichte widersprechende
Interpretation des Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG zu erlauben. Auch das Ergebnis der
systematischen Auslegung spricht also gegen die Anrechnung eines Eigenmietwerts
als Einnahme.
1.2 Bei der teleologischen Interpretation des Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG gilt es zu be
achten, dass ein Eigenmietwert, wenn er als Einnahme angerechnet wird, so hoch sein
kann, dass er sowohl den fiktiven Mietzins (der zwar gleich hoch, aber gemäss Art. 10
Abs. 1 lit. b Ziff. 1 oder 2 ELG auf 13’200 Franken bzw. 15’000 Franken beschränkt
wäre) als auch die Summe aus den Gebäudeunterhaltskosten und den Hypothekarzins
gemäss Art. 10 Abs. 3 lit. b ELG abdeckt, so dass aus diesen drei Positionen (Art. 11
Abs. 1 lit. b, Art. 10 Abs. 1 lit. b und Art. 10 Abs. 3 lit. b ELG) gesamthaft betrachtet
kein Abzug bzw. allenfalls sogar ein Einnahmenüberschuss resultiert. Damit wird der
eigentliche Sinn der Anrechnung eines Eigenmietwerts als Ertrag aus unbeweglichem
Vermögen und gleichzeitig als Mietzins, nämlich die Gleichstellung von Personen, die
in der eigenen Liegenschaft wohnen, mit den Mietern, in ihr Gegenteil verkehrt. Bei
einem das gesetzliche Mietzinsmaximum und die Summe aus den
Gebäudeunterhaltskosten und den Hypothekarzinsen übersteigenden Eigenmietwert
hat der EL-Ansprecher nämlich gar keine Möglichkeit, seine für das Grundbedürfnis
des Wohnens effektiv anfallenden Kosten, nämlich die Gebäudeunterhaltskosten und
die Hypothekarzinsen, in die Anspruchsberechnung einfliessen zu lassen und damit
durch die Ergänzungsleistung (wenigstens teilweise) gedeckt zu sehen. Im Gegenteil
werden ihm sogar noch im Ausmass des das Mietzinsmaximum und die Summe aus
den Gebäudeunterhaltskosten und den Hypothekarzins übersteigenden
Eigenmietwertes fiktive Einnahmen angerechnet, d.h. es wird ihm unterstellt, dass er
mit der Befriedigung seines Grundbedürfnisses des Wohnens sogar noch Geld
verdiene. Das bedeutet, dass dieser EL-Ansprecher einen Teil des zur Deckung der
übrigen Lebenshaltungskosten bestimmten allgemeinen Lebensbedarfs (Art. 10 Abs. 1
lit. a ELG) – entgegen dem eindeutigen Willen des Gesetzgebers – opfern muss, um
weiterhin in seiner Liegenschaft wohnen zu können. Der aus der entsprechenden
Anspruchsberechnung resultierende Betrag der Ergänzungsleistung kann deshalb nicht
ausreichen, um den Existenzbedarf des EL-Ansprechers zu decken. Das würde indirekt
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auch dem mit dem Art. 11 Abs. 1 lit. c zweiter Halbsatz ELG (dem erhöhten
Vermögensfreibetrag für selbstbewohnte Liegenschaften) verfolgten Zweck
zuwiderlaufen, den EL-Bezügern ein möglichst langes Verbleiben in der eigenen
Liegenschaft zu ermöglichen. Zusammengefasst ist festzustellen, dass auch die
teleologische Auslegung gegen die Anrechnung des Eigenmietwertes als Einnahme aus
unbeweglichem Vermögen – und damit notwendigerweise auch gegen die gleichzeitige
Anrechnung als fiktive Mietzinsausgabe – spricht. Das Ergebnis einer umfassenden
Interpretation zwingt demnach dazu, den Wortlaut insbesondere des Art. 11 Abs. 1 lit.
b ELG ernst zu nehmen und einem EL-Ansprecher, der in seiner eigenen Liegenschaft
wohnt, nur die effektiv anfallenden Wohnkosten, nämlich die Hypothekarzinsen und die
Gebäudeunterhaltskosten, als Ausgaben anzurechnen, d.h. den Eigenmietwert bei der
Anspruchsberechnung weder als fiktive Einnahme noch als fiktive Ausgabe zu
berücksichtigen (vgl. Ralph Jöhl, a.a.O., S. 1701 Rz 96).
1.3 Ist die selbstbewohnte Liegenschaft nicht mit einer Hypothek belastet oder ist die
Hypothek so niedrig, dass nur bescheidene Zinsen zu entrichten sind, besteht auch nur
ein bescheidener Bedarf nach einer (anteiligen) Ergänzungsleistung zur Deckung der
Wohnkosten. Hat ein EL-Ansprecher hohe Hypothekarzinsen zu entrichten, sind u.U.
gestützt auf Art. 10 Abs. 3 lit. b ELG Wohnkosten in einem Betrag abzugsfähig, der die
gesetzliche Grenze für den Mietzinsabzug (Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 oder 2 ELG)
überschreitet. Sollte dies (trotz des grundsätzlichen Zieles, den EL-Bezügern ein
möglichst langes Verbleiben in ihrer eigenen Liegenschaft zu ermöglichen) als
unzulässige Bevorzugung gegenüber den EL-Ansprechern, die zur Miete wohnen,
betrachtet werden, so ist es Sache des Gesetzgebers, den Art. 10 Abs. 3 lit. b ELG so
zu ergänzen, dass auch die Summe aus den Gebäudeunterhaltskosten und den
Hypothekarzinsen auf einen bestimmten Maximalabzug beschränkt sind. Die mögliche
Ungleichbehandlung von EL-Bezügern in der eigenen Liegenschaft und EL-Bezügern in
einer Mietwohnung ist nämlich nicht so erheblich, dass von einer
ausfüllungsbedürftigen Lücke in Art. 10 Abs. 3 lit. b ELG auszugehen wäre.
Zusammenfassend erweist sich die in den Rz 3433.02 und 3236.01 WEL dargelegte
Praxis als gesetzwidrig. Im vorliegenden Fall ist weder der Eigenmietwert als Einnahme
noch das gesetzliche Mietzinsmaximum als Ausgabe anzurechnen.
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2. Die Anrechnung eines Eigenmietwertes als fiktive Einnahme aus unbeweglichem
Vermögen (und damit notwendigerweise auch als fiktive Mietzinsausgabe) könnte sich
auch auf Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG stützen. Es könnte also argumentiert werden, wer in
der eigenen Liegenschaft wohne, die einen Eigenmietwert aufweise, der höher sei als
das abzugsfähige Mietzinsmaximum, verzichte auf Einkünfte aus unbeweglichem
Vermögen, wenn er seine Liegenschaft nicht mindestens zum Eigenmietwert vermiete
und selbst in eine Wohnung ziehe, deren Miete nicht über dem abzugsfähigen
Maximalbetrag liege. Objektiv betrachtet liegt in einer solchen Situation tatsächlich ein
Einnahmenverzicht vor, denn in aller Regel ist es durchaus möglich, eine Liegenschaft
zu einem Betrag zu vermieten, der wenigstens dem Eigenmietwert entspricht.
Erfahrungsgemäss liegen die amtlich geschätzten Eigenmietwerte nämlich unter dem
effektiv erzielbaren Mietertrag. Von einem Verzicht auf Einnahmen i.S. von Art. 11 Abs.
1 lit. g ELG kann allerdings nur ausgegangen werden, wenn die Erzielung der fraglichen
Einnahmen nicht nur möglich, sondern auch zumutbar ist. Diese Voraussetzung dürfte
kaum je erfüllt sein, denn zum einen ist es, wie oben bereits erwähnt, das (in der
Erhöhung des Vermögensfreibetrages bei einer selbstbewohnten Liegenschaft
augenfällig gewordene) Bestreben des Gesetzgebers, den EL-Bezügerin ein möglichst
langes Verbleiben in der eigenen Liegenschaft zu ermöglichen. Zum andern entspricht
es einer langjährigen Praxis, bei der Annahme eines Verzichts im Zusammenhang mit
dem Wohnen sehr zurückhaltend zu sein. Soweit überblickbar hat die Rechtsprechung
noch nie die Frage aufgeworfen, ob ein Verzicht (mit umgekehrten Vorzeichen) vorliege,
wenn ein EL-Bezüger in einer Wohnung lebe, deren Mietzins 13’200 bzw. 15'000 (oder
mehr) Franken beträgt, obwohl er auch eine (geeignete und zumutbare) Wohnung
finden könnte, deren Mietzins deutlich unter 13’200 bzw. 15’000 Franken läge. Recht
sprechungsgemäss ist eine Lebensführungskontrolle in EL-Verfahren möglichst zu
vermeiden. Gleiches muss daher gelten, wenn ein EL-Bezüger in der eigenen
Liegenschaft wohnt, deren Eigenmietwert nach Abzug der Gebäudeunterhaltskosten
und der Hypothekarzinsen so hoch ist, dass er über dem massgebenden maximalen
Mietzinsabzug liegt. Im Normalfall kann darin also kein Verzicht i.S. von Art. 11 Abs. 1
lit. g ELG erblickt werden. Ob von einem Verzicht auszugehen wäre, wenn der
Eigenmietwert nach dem Abzug der Gebäudeunterhaltskosten und der
Hypothekarzinsen das massgebende Maximum des Mietzinsabzuges ganz erheblich
übersteigen würde, kann offen bleiben, denn dies trifft auf den vorliegenden
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Sachverhalt offensichtlich nicht zu. Deshalb ist es dem Beschwerdeführer und seiner in
die Anspruchsberechnung einbezogenen Ehefrau nicht zumutbar, die eigene
Liegenschaft zu vermieten und in eine Mietwohnung zu ziehen, deren Mietzins maximal
15’000 Franken beträgt. Die Anrechnung fiktiver Einnahmen im Betrag des
Eigenmietwertes von 32’520 Franken und eines fiktiven Mietzinses von 15’000 Franken
lässt sich also auch nicht mit der Annahme eines Verzichts gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g
ELG rechtfertigen.
3. Kommt im vorliegenden Fall die oben dargelegte Interpretation der
massgebenden Bestimmungen des eidgenössischen und des st. gallischen ELG zur
Anwendung, so hat dies eine Praxisänderung zur Folge. Nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung setzt eine Praxisänderung wichtige Gründe voraus. Sie lässt sich mit
der Rechtssicherheit grundsätzlich nur vereinbaren, wenn die neue Auslegung bzw.
Praxis besserer Erkenntnis der ratio legis, veränderten äusseren Verhältnissen oder
gewandelten Rechtsanschauungen entspricht (vgl. etwa BGE 134 V 72 ff., E. 3.3 m.H.).
Eine Praxisänderung muss sich auf ernsthafte sachliche Gründe stützen, die - vor allem
im Interesse der Rechtssicherheit - umso gewichtiger sein müssen, je länger die als
falsch erachtete Rechtsanwendung gehandhabt worden ist (vgl. BGE 136 III 6, E. 3).
Die oben dargelegte Interpretation der Art. 10 Abs. 1 lit. b und 11 Abs. 1 lit. b ELG
entspringt nicht nur einer besseren Erkenntnis der ratio legis, sondern trägt auch den
veränderten äusseren Verhältnissen Rechnung. In der Vergangenheit waren die
Hypothekarzinsen weit höher als im hier massgebenden Zeitraum. Deshalb bestand ein
relatives Gleichgewicht zwischen dem Eigenmietwert und dem Betrag der zu
bezahlenden Hypothekarzinsen. Die Anrechnung des Eigenmietwertes hatte deshalb
eine "Netto-Ausgabe" zur Folge. Bei den aktuellen tiefen Hypothekarzinsen hingegen
zeigt sich die Unzulässigkeit der Anrechnung des Eigenmietwerts deutlich, indem statt
der früheren "Netto-Ausgabe" eine u.U. beträchtliche "Netto- Einnahme" resultiert,
womit der Eigenheimbewohner erheblich schlechter gestellt ist als der Mieter. Die
veränderten Verhältnisse zusammen mit der besseren Erkenntnis der ratio legis
zwingen dazu, die Praxis zu ändern, auch wenn die bisherige Praxis schon Jahrzehnte
Bestand gehabt hat. Im vorliegenden Fall ist deshalb auf das oben dargelegte Ergebnis
der Interpretation der massgebenden Gesetzesbestimmungen abzustellen, d.h. der
Eigenmietwert des Beschwerdeführers ist weder auf der Ausgaben- noch auf der
Einnahmenseite der Anspruchsberechnung zu berücksichtigen.
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4. Die korrekte Berechnung des bundesrechtlichen Leistungsanspruchs ab 1. Juni
2012 beinhaltet auf der Ausgabenseite die Prämienpauschalen für die
Krankenversicherung von 8’856 Franken, die Hypothekarzinsen von 14’205 Franken,
die Gebäudeunterhaltskosten von 6’504 Franken und den Lebensunterhalt für ein
Ehepaar von 28’575 Franken, auf der Einnahmenseite die Renten von 37’068 Franken
und den Ertrag des beweglichen Vermögens von 58 Franken. Anerkannten Ausgaben
von insgesamt 58’140 Franken stehen also anrechenbare Einnahmen von total 37’126
Franken gegenüber. Der Ausgabenüberschuss beträgt somit 21’014 Franken. Das
entspricht einem monatlichen Leistungsanspruch von 1’751 Franken.
5. Gemäss dem st. gallischen Ergänzungsleistungsgesetz (sGS 351.1) wird zur Er
mittlung eines allfälligen Anspruchs auf eine ausserordentliche Ergänzungsleistung
kantonalen Rechts „zusätzlich der um einen Drittel erhöhte Betrag für Mietzinsen nach
Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziffern 1 und 2 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen
angerechnet“. Das Wort „zusätzlich“ belegt, dass diese rein kantonalrechtliche
Ausgabenposition nur abzugsfähig ist, falls im Einzelfall ein bundesrechtlicher
Mietzinsabzug erfolgt. Wenn diese Bestimmung für Personen, die in der eigenen
Liegenschaft wohnen und deshalb nur die Gebäudeunterhaltskosten und die
Hypothekarzinsen, aber keinen Mietzins abziehen können, ihrem Wortlaut nach keinen
Abzug für die Wohnkosten zulässt, dann spricht dies nicht gegen die oben dargelegte
Auslegung des Bundesrechts, sondern allenfalls für eine unzureichende gesetzliche
Regelung im kantonalen Recht. Es stellt sich also die Frage, ob das kantonale Recht
eine ausfüllungsbedürftige Lücke aufweist. Diese Frage ist zu verneinen, denn die
Regelung des Art. 6 ELG/SG ist nur dazu bestimmt gewesen, eine als zu tief
qualifizierte bundesrechtliche Beschränkung des abzugsfähigen Mietzinses zu
„korrigieren“. Da Personen, die in ihrer eigenen Liegenschaft wohnen, ihre
Gebäudeunterhaltskosten und ihre Hypothekarzinsen bis zur Höhe des
Eigenmietwertes abziehen können, werden diese effektiven Wohnkosten praktisch
immer in einem erheblich über dem (bundesrechtlichen) Mietzinsmaximum liegenden
Betrag abzugsfähig sein. Deshalb besteht kaum je ein Bedarf nach einer „Korrektur“
der Abzugsbeschränkung auf den Betrag des Eigenmietwertes. Der Art. 6 ELG/SG
weist also keine Lücke auf, die durch die Anwendung dieser Bestimmung auch auf
Personen, die in ihrer eigenen Liegenschaft wohnen und deshalb keinen Mietzins
abziehen können, ausgefüllt werden müsste. Im vorliegenden Fall ist bei der Be
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messung des kantonalrechtlichen Leistungsanspruchs also kein Abzug von 5’000
Franken zu machen. Damit hat der Beschwerdeführer ab 1. Juni 2012 keinen Anspruch
auf eine ausserordentliche Ergänzungsleistung.
6. Demnach ist dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Juni 2012 eine monatliche
ordentliche Ergänzungsleistung von 1’751 Franken zuzusprechen. Hingegen besteht ab
demselben Zeitpunkt kein Anspruch auf eine ausserordentliche Ergänzungsleistung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP