Decision ID: cf7f467d-536e-5fac-ae1b-93c372d7a58b
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
SWICA Krankenversicherung AG, Rechtsdienst, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,
Beschwerdeführerin,
und
B._,
Beigeladener,
vertreten durch seine Mutter,
gegen
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St.Galler Gerichte
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
medizinische Massnahmen iS B._
Sachverhalt:
A.
A.a B._ (Jahrgang 1999) wurde am 15. September 2008 (Posteingang am 2. Februar
2009) von seiner Mutter zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
angemeldet. Er leide an einem POS seit Geburt (IV-act. 1). Dr. med. A._, Facharzt für
Kinder und Jugendliche FMH, berichtete der IV-Stelle des Kantons St. Gallen am
25. Februar 2009, er habe beim Versicherten am 31. Juli 2008 die Diagnose eines
juvenilen organischen Psychosyndroms (POS) gestellt. Seit Kindergartenstart seien die
Arbeitsgeschwindigkeit und die Konzentration stark eingeschränkt. Es liege ein
Geburtsgebrechen nach Ziff. 404 vor. Der Versicherte sei das jüngste von vier Kindern.
Sein Vater sei zwei Jahre zuvor bei einem Unfall gestorben. Seither werde er von seiner
verwitweten Mutter aufgezogen. Trotz durchschnittlicher Intelligenz hätten die
Schulleistungen stagniert. Bereits im Kindergarten habe er zunächst
physiotherapeutische und später ergotherapeutische Unterstützung erhalten. Zudem
sei Logopädie erforderlich gewesen. Sowohl im Kindergarten wie in der ersten und
zweiten Klasse habe der Versicherte heilpädagogische Unterstützung bekommen (IV-
act. 7).
A.b Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) Ostschweiz nahm am 20. Mai 2009 zum
Arztbericht von Dr. A._ Stellung. Aus diesem Arztbericht seien die Störungen von
Affektivität und/oder Kontaktverhalten und die Störungen des Erfassens nicht
ausreichend gut nachvollziehbar. Sodann könnten die bereits seit Besuch des
Kindergartens durchgeführten Therapien nicht als POS-spezifische Therapien
betrachtet werden, da zu diesem Zeitpunkt die Diagnose noch nicht gestellt worden
sei. Die POS-spezifische Behandlung müsse jedoch mit bereits gestellter Diagnose vor
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Vollendung des neunten Altersjahrs erfolgt sein. Daher seien die Zusprachekriterien für
medizinische Massnahmen für das Geburtsgebrechen Ziff. 404 nicht gegeben (IV-act.
12).
A.c Mit Vorbescheid vom 22. Mai 2009 stellte die IV-Stelle die Abweisung der
Kostengutsprache für medizinische Massnahmen in Aussicht (IV-act. 14). Gegen diesen
Vorbescheid liessen die Mutter des Versicherten und sein behandelnder Arzt am
15. Juni 2009 einwenden, bereits die Ergotherapie vom 7. Februar 2006 bis 4. März
2008 sei wegen Kardinalsymptomen eines POS nötig gewesen. Neben den
Symptomen einer Entwicklungsstörung der Motorik (die als Komorbidität zu
Geburtsgebrechen 404 anzusehen sei) habe ein Therapieschwerpunkt in der
Verbesserung der taktilkinästhetischen und visuell-räumlichen Wahrnehmung sowie in
der Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer bestanden. Damit seien drei
Kardinalsymptome eines POS erfüllt (IV-act. 18). Auch die SWICA
Gesundheitsorganisation (SWICA) wandte am 18. Juni 2009 ein, aus ärztlicher Sicht
seien Teilleistungsstörungen beim Versicherten vor dem neunten Altersjahr
ausgewiesen. Obwohl der RAD diese Diagnose ablehne, seien weitere Abklärungen
unterlassen worden. Die Ergotherapie gelte als POS-spezifische Behandlung und sei
bereits im Kindergarten durchgeführt worden. Somit habe die Behandlung vor dem
neunten Altersjahr begonnen (IV-act. 19).
A.d Der RAD führte in seiner Stellungnahme vom 6. August 2009 aus, man habe auf
weitere Abklärungen verzichtet, da gemäss den vorliegenden Unterlagen die
formaljuristischen Anspruchskriterien hinsichtlich des Therapiebeginns nicht erfüllt
seien. Die Behandlung müsse mit bereits gestellter Diagnose vor dem neunten
Altersjahr beginnen (IV-act. 20). Mit Verfügung vom 13. August 2009 verweigerte die IV-
Stelle die Kostengutsprache für medizinische Massnahmen (IV-act. 21).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde der SWICA vom 4. November
2009 (Poststempel: 5. November 2009). Die Beschwerdeführerin beantragt die
Aufhebung der Verfügung vom 13. August 2009. Es sei festzustellen, dass das
Geburtsgebrechen Ziff. 404 GgV ausgewiesen und die Beschwerdegegnerin zu
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verpflichten sei, für die entsprechenden Kosten aufzukommen. Eventualiter sei die
Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die
angefochtene Verfügung sei der Beschwerdeführerin trotz ihrem Einwand gegen den
Vorbescheid vom 22. Mai 2009 nicht eröffnet worden. Erst als sich die
Beschwerdeführerin anlässlich einer Besprechung mit der Beschwerdegegnerin am
20. Oktober 2009 nach dem Verfahren erkundigt habe, habe sie Kenntnis von der
Verfügung vom 13. August 2009 erhalten. Demnach beginne die 30-tägige
Beschwerdefrist erst mit dieser Übergabe zu laufen und sei vorliegend gewahrt. Die
Beschwerdegegnerin habe den Anspruch des Versicherten auf medizinische
Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 (Art. 13 IVG) abgelehnt.
Die Untersuchung durch Dr. A._ habe klar gezeigt, dass der Versicherte in der
Affektivität und der Kontaktfähigkeit sowie im Erfassen beeinträchtigt sei. So habe Dr.
A._ angegeben, der Versicherte habe ein geringes Selbstwertgefühl, gebe rasch auf,
habe Angst vor ungewohnten Situationen und sei sowohl in der Schule wie zu Hause
sehr unruhig. Mit der Umsetzung von Neugelerntem habe der Versicherte Mühe und die
Rechtschreibefähigkeiten lägen deutlich unter der Altersnorm. Sodann bestünden
Einschränkungen in der räumlichen Orientierung und graphomotorische Probleme, so
dass Schwächen im mathematischen Bereich gegeben seien. Die Kriterien eines POS
seien damit klar erfüllt. Wollte die Beschwerdegegnerin hier Leistungen ablehnen, habe
sie weitere Abklärungen zu treffen. Der Versicherte habe bereits seit dem
Kindergartenalter physiotherapeutische und ergotherapeutische Unterstützung sowie
aufgrund der Sprachschwierigkeiten logopädische und heilpädagogische
Unterstützung erhalten. Die Ergotherapie sei nach Dr. A._ als POS-spezifische
Therapie zu betrachten. Deshalb seien die Voraussetzungen der Behandlung vor dem
neunten Altersjahr erfüllt (G act. 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 28. Dezember 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerde sei rechtzeitig
erfolgt. Zwar habe Dr. A._ die POS Diagnose am 31. Juli 2008 und somit vor
Vollendung des neunten Altersjahrs gestellt. Gemäss Stellungnahme des RAD vom
20. Mai 2009 belegten die im Arztbericht von Dr. A._ aufgeführten Befunde nicht,
dass beim Versicherten ein POS vorliege. Weil die Behandlung des POS nicht vor
Vollendung des neunten Altersjahrs erfolgt sei, seien keine weiteren Abklärungen
unternommen worden. Es genüge nicht, im Nachhinein eine Ergotherapie als
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erforderliche Behandlung eines POS zu bezeichnen, wenn das POS erst fünf Monate
nach Beendigung der Ergotherapie diagnostiziert worden sei. Sodann sei das zitierte
Bundesgerichtsurteil vorliegend nicht massgeblich. Der Versicherte habe somit keinen
Anspruch auf medizinische Massnahmen (G act. 4).
B.c Die Beschwerdeführerin verzichtet am 12. Januar 2010 auf eine Replik (G act. 6).
B.d Am 14. Januar 2010 wird die Mutter des Versicherten zum Gerichtsverfahren
beigeladen (G act. 7). Sie lässt sich innert Frist nicht vernehmen (G act. 8).

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdeführerin hat ihre Beschwerde erst am 5. November 2009 erhoben,
obwohl die Verfügung bereits am 13. August 2009 ergangen war. Sie gibt an, die
Verfügung sei ihr nicht eröffnet worden. Die Beschwerdegegnerin bestreitet dies nicht.
Da gemäss dem gestützt auf Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) anwendbaren Art. 38 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021) den Parteien aus
einer mangelhaften Eröffnung kein Nachteil erwachsen darf, gilt die Beschwerde als
rechtzeitig erhoben und es ist darauf einzutreten.
2.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 127 V
466, Erw. 1; 132 V 215, Erw. 3.1.1), und die IV-Anmeldung vom 15. September 2008
am 2. Februar 2009 bei der Beschwerdegegnerin eingegangen ist, sind vorliegend die
seit 1. Januar 2008 gültigen materiellen Bestimmungen anzuwenden.
3.
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3.1 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch
des Versicherten auf medizinische Massnahmen zur Behandlung des
Geburtsgebrechens Ziff. 404 (Art. 13 des Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20]) abgelehnt. Nach der Rechtsprechung ist in Fällen, da Versicherten
bis zum vollendeten 20. Altersjahr nicht gestützt auf Art. 13 IVG medizinische
Massnahmen gewährt werden können, auch zu prüfen, ob dies gestützt auf Art. 12 IVG
möglich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1. Dezember 2005 i/S M. [I 309/05] E.
2.3.1). Eine solche Prüfung hat die Beschwerdegegnerin bisher unterlassen, so dass
Anfechtungsgegenstand einzig der Anspruch des Versicherten auf medizinische
Massnahmen gemäss Art. 13 IVG bildet.
3.2 Nach Art. 13 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch
auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 ATSG) notwendigen
medizinischen Massnahmen (Abs. 1). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für
welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn
das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (Abs. 2). Gemäss Art. 1 der
Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV) gelten als Geburtsgebrechen im Sinn von
Art. 13 IVG solche Gebrechen, die bei vollendeter Geburt bestehen. Der Zeitpunkt, in
dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (Abs. 1). Die
Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang der GgV aufgeführt (Abs. 2).
3.3 Ziff. 404 GgV Anhang umschreibt als Geburtsgebrechen kongenitale Hirnstörungen
mit vorwiegend psychischen und kognitiven Symptomen bei normaler Intelligenz
(kongenitales infantiles Psychosyndrom, kongenitales hirndiffuses psychoorganisches
Syndrom, kongenitales hirnlokales Psychosyndrom), sofern sie mit bereits gestellter
Diagnose als solche vor Vollendung des neunten Altersjahres behandelt worden sind
(kongenitale Oligophrenie ist ausschliesslich als Ziff. 403 zu behandeln). Von
Bedeutung ist nicht nur, ob ein POS als solches vorliegt, sondern auch, ob es
angeboren (kongenital) ist. Nach der konstanten Rechtsprechung beruhen die in der
Ziff. 404 genannten Voraussetzungen auf der medizinisch begründeten und empirisch
belegten Annahme, dass das Gebrechen vor Vollendung des neunten Altersjahres
diagnostiziert und behandelt wird, wenn es angeboren ist (vgl. BGE 122 V 120 E. 3a/cc
und dd). Bei den Kriterien der rechtzeitig vor dem neunten Altersjahr gestellten
Diagnose und dem rechtzeitigen Behandlungsbeginn handelt es sich um
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Anspruchsvoraussetzungen. Fehlende rechtzeitige Diagnose und Behandlung schaffen
die unwiderlegbare Rechtsvermutung, dass es sich nicht um ein angeborenes POS
handelt (BGE 122 V 122 f. E. 3c/bb; Urteil des Bundesgerichts vom 19. August 2004 i/S
S. [I 508/03] und vom 14. Januar 2008 i/S E. [8C_300/07]).
3.4 Die Diagnose des POS ist von Dr. A._ am 31. Juli 2008 und somit rechtzeitig
gestellt worden (IV-act. 7). Dr. A._ hat erklärt, eine spezifische POS-Behandlung habe
bereits im Kindergarten stattgefunden, nämlich in Form von Ergotherapie vom Februar
2006 bis März 2008 (IV-act. 18). Diese vor dem neunten Lebensjahr unternommene
Behandlung kann allerdings nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht als
die rechtliche Voraussetzung erfüllende Behandlung betrachtet werden. Denn nach der
Rechtsprechung müssen die zu behandelnden Leiden "bereits" diagnostiziert worden
sein und müssen die Leiden "als solche" (eines POS) behandelt werden. Solange eine
Diagnose (POS) fehlt, werden die entsprechenden Störungen wohl allenfalls behandelt,
sind aber noch nicht als solche eines kongenitalen POS diagnostiziert und fallen daher
noch nicht unter die Leistungspflicht der IV gemäss Ziff. 404 GgV Anhang (Urteil des
Bundesgerichts vom 19. August 2004 i/S S. [I 508/03]). Dieser auf dem Wortlaut
beruhenden Auslegung wird auch der Charakter des kongenitalen POS gerecht. Das
POS ist ein komplexes Leiden. Damit die Voraussetzungen für dessen Diagnose erfüllt
sind, müssen kumulativ eine Reihe von Symptomen nachgewiesen sein (BGE 122 V
117 neues Fenster E. 2f; Rz 404.5 KSME): Störungen des Verhaltens im Sinne
krankhafter Beeinträchtigungen der Affektivität oder der Kontaktfähigkeit, des
Antriebes, des Erfassens (perzeptive, kognitive oder Wahrnehmungsstörungen), der
Konzentrations- sowie der Merkfähigkeit. Bei allen diesen Symptomen handelt es sich
um nicht leicht fass- und messbare Elemente. Obwohl sie zu einem Geburtsgebrechen
gehören können, treten sie nicht schon bei Säuglingen, sondern erst in den
nachfolgenden Lebensjahren in unterschiedlicher Schwere und zu unterschiedlichen
Zeitspannen auf. In vielen Fällen, in welchen schliesslich ein POS diagnostiziert wird,
sind anfänglich nur einzelne der genannten Symptome augenfällig und führen bereits
zu Behandlungen, welche mangels ausdrücklicher POS-Diagnose von der
Krankenkasse oder gegebenenfalls von der IV, jedoch nicht unter Ziff. 404 GgV
Anhang, übernommen werden. Solange die Symptomatik nicht eine minimale Schwere
erreicht, fällt sie (noch) nicht unter die erwähnte Ziffer. Vielmehr ist davon auszugehen,
dass die vor der Diagnosestellung aufgetretenen Leiden im Sinne von Art. 13 Abs. 2
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Satz 2 IVG noch von geringfügiger Bedeutung und daher von IV-Leistungen - jedenfalls
gemäss Ziff. 404 GgV Anhang - ausgeschlossen sind (vgl. BGE 129 V 87 neues Fenster
E. 5.1 in fine, Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 2008 i/S. E. [8C_300/2007] E.
2; Ulrich Meyer, Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl. 2010, S.
164). Die von der Beschwerdeführerin zitierte Rechtsprechung (I 9/05) ist im
vorliegenden Fall nicht massgebend. Vorliegend ist die POS-Diagnose nicht während
einer laufenden Ergotherapie gestellt worden. Sodann ist die nach der
Diagnosestellung eingeleitete Ergotherapie erst nach Vollendung des neunten
Altersjahrs begonnen worden. Leistungen nach Art. 13 IVG sind somit vorliegend
ausgeschlossen. Insofern ist die Beschwerde abzuweisen.
3.5 Da eine Kostenübernahme nach Art. 13 IVG nicht in Frage kommt, bleibt ein
allfälliger Anspruch des Versicherten gemäss Art. 12 IVG zu prüfen. Nach diesem
Artikel und Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201) haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf
medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern
unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich
gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor
wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren (Abs. 1). Die Einschränkung "bis zum
vollendeten 20. Altersjahr" wurde bei im Übrigen unverändertem Wortlaut mit der 5. IV-
Revision auf den 1. Januar 2008 eingefügt. Die Rechtsprechung hat zum bisher
gültigen aArt. 12 IVG betreffend minderjährige versicherte Personen stets eine
Ausnahme gemacht. Denn nach Art. 8 Abs. 2 ATSG gelten nichterwerbstätige
Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr als invalid, wenn die Beeinträchtigung
ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit voraussichtlich eine ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird. Deshalb konnten medizinische
Vorkehren nach Art. 12 IVG bei Jugendlichen schon dann überwiegend der beruflichen
Eingliederung dienen und trotz des einstweilen noch labilen Leidenscharakters von der
IV übernommen werden, wenn dadurch eine Heilung des Defekts oder ein sonstwie
stabilisierter Zustand erreicht werden konnte, wodurch die Berufsbildung oder die
Erwerbsfähigkeit oder beide verbessert oder bewahrt werden konnten (vgl. etwa BGE
105 V 20). Die entsprechenden Kosten werden bei Minderjährigen also von der
Invalidenversicherung getragen, wenn das Leiden mit hinreichender Wahrscheinlichkeit
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zu einem schwer korrigierbaren, die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit erheblich
behindernden stabilen pathologischen Zustand führen würde (AHI 2000 S. 64 E. 1;
BGE 105 V 20; ZAK 1981 S. 548 E. 3a). Eine medizinische Massnahme kann einzig
dann nicht im Rahmen von Art. 12 IVG übernommen werden, wenn eine
Dauerbehandlung im Sinn einer zeitlich unbegrenzte Therapie erforderlich ist (vgl.
Ulrich Meyer, a.a.O., S. 134). An dieser Rechtsprechung ist auch nach der 5. IV-
Revision festzuhalten, da eine Verschärfung dieser Praxis vom Gesetzgeber klar nicht
gewünscht war (vgl. Aussagen der Nationalrätinnen Fehr und Teuscher, Protokoll des
Parlaments 05.052, S. 32 f.).
3.6 Das Bundesgericht hat noch vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision Urteile gefällt, in
denen die IV die Behandlung eines nicht angeborenen POS unter Art. 12 i.V.m. Art. 5
Abs. 2 IVG und Art. 8 Abs. 2 ATSG zu übernehmen oder die Sache näher abzuklären
hatte (Urteile vom 16. Mai 2003 i/S. M. [I 16/03] und vom 16. August 2002 i/S. F.
[I 653/01]; vgl. auch Urteile vom 14. April 2005 i/S. A. [I 577/04] mit Hinweisen und vom
6. Februar 2007 i/S. D. [I 508/06]). So ist auch Ergotherapie zur Behandlung eines POS
bereits zugesprochen worden (etwa im Urteil vom 6. Dezember 2006 [I 223/06]). Die
Beschwerdegegnerin hat nicht geprüft, ob die Übernahme der Kosten für die
beantragte medizinische Massnahme unter dem Titel von Art. 12 IVG in Frage kommt,
obwohl sie dazu verpflichtet gewesen wäre. Aus den Akten ist nicht erkennbar, ob und
gegebenenfalls wie sich die gesundheitliche Störung des Versicherten auf die
zukünftige Erwerbsfähigkeit auswirken wird. Damit lässt sich auch nicht beurteilen, ob
ohne die Ergotherapie eine Heilung mit Defekt oder ein sonstwie stabilisierter Zustand
einzutreten droht, der die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt.
Ebenso wenig ist bekannt, ob die anbegehrte Massnahme geeignet und notwendig ist,
einem derartigen Defekt vorzubeugen, und ob es sich um eine zeitlich begrenzte
Vorkehr handelt. Da somit noch nicht rechtsgenüglich erstellt ist, dass keine
Massnahmen gemäss Art. 12 IVG in Betracht kommen, hat die Beschwerdegegnerin
die entsprechenden notwendigen Abklärungen nachzuholen.
4.
4.1 Vor diesem Hintergrund ist die Verfügung vom 13. August 2009 bei teilweiser
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin
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zurückzuweisen, damit diese einen Anspruch des Versicherten auf medizinische
Massnahmen nach Art. 12 IVG nach Vornahme der notwendigen Abklärungen
überprüfe und darüber neu verfüge.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 Erw. 5a). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Da sie gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. b des st. gallischen
Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (sGS 350.1) Teil der Sozialversicherungsanstalt und damit Teil
einer selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt ist, kommt Art. 95 Abs. 3 VRP/SG
(Befreiung von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten) nicht zur Anwendung (vgl.
Urs Peter Cavelti/Thomas Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen -
dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., 2003, Rz 792). Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Der Krankenversicherung ist der geleistete Kostenvorschuss
zurückzuerstatten. Die obsiegende Krankenversicherung hat als mit öffentlich-
rechtlichen Aufgaben betraute Organisation keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (BGE 126 V 149 E. 4a).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG