Decision ID: e703d72a-4d4f-4a5d-91de-65bbeb174be9
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Beim
im Jahr
2005 geborene
n
X._
wurde
eine einfache Akti
vitäts- und Auf
merksamkeitsstörung
(ADHS)
, eine Entwicklungsstörung des Sprechens oder der Sprache sowie eine stereotype Bewegungsstörung
diagnos
tiziert
(Urk. 8/5). Nach durchlaufenem Kindergarten besuchte er ab Sommer 2012 die Privatschule
A._
; die Anmeldung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug erfolgte am 2
3.
Januar 2012 (Urk. 8/2). Mit Mitteilung vom 2
7.
September 2013 erteilte die IV-Stelle Kosten
gutsprache für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 404 (Urk. 8/10). Weitere Kostengutsprachen erfolg
ten mit Mitteilungen vom 1
5.
Februar 2018 (
Urk.
8/16 f.).
1.2
Am 1
2.
Mai 2020 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle an und be
an
tragte Massnahmen für die berufliche Eingliederung (
Urk.
8/18). Mit Vorbe
scheid vom 2
4.
Juni 2020 stellte die IV-Stelle in Aussicht, keine Kostengutsprache für Berufsberatung zu gewähren (
Urk.
8/26) und hielt an diese
m
Entscheid
mit Verfügung vom 2
7.
Januar 2021 fest (
Urk.
8/48 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin des Versicherten am
1.
März 2021 Beschwerde und beantragte, es sei Kostengutsprache für die Berufsberatung sowie die erstmalige berufliche Ausbildung zu gewähren, ev
entualiter sei ein medizinisches
Gutachten einzuholen; unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
April 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Replik vom
1.
Juni 2021 hielt die Vertreterin des Beschwerdeführers an den beschwerdeweise gestellten Anträgen fest (
Urk.
10); die Beschwerdegegnerin
erklärte
in der Folge
auf das Einreichen einer Duplik zu verzichten
(
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben ge
mäss Art. 8
Abs. 1
IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2 lit. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (lit. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (lit. a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige b
e
ruf
liche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (lit. d).
1.2
Gemäss
Art.
15 IVG haben Versicherte, die infolge Invalidität in der Berufswahl oder in der Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit behindert sind, Anspruch auf Berufsberatung. Der Leistungsanspruch setzt voraus, dass die versicherte Person an sich zur Berufswahl oder zur beruflichen Neuorientierung fähig ist, infolge ihres Gesundheitszustandes aber darin behindert ist, weil die Kenntnisse über Neigungen, berufliche Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht ausreichen, um einen der Behinderung angepassten Beruf wählen zu können (ZAK 1977 S. 191 E. 2; Urteil des Bundesgerichts I 431/99 vom 1
5.
Februar 2000). In Betracht fällt jede körperliche oder psychische Beeinträchtigung, die den Kreis der für die versi
cherte Person nach ihrer Eignung und Neigung möglichen Berufe oder Betä
ti
gun
gen einengt oder die Ausübung der bisherigen Aufgabe unzumutbar macht. Aus
geschlossen sind geringste Behinderungen, die keine nennenswerte Beein
träch
ti
gung zur Folge haben und deshalb die Inanspruchnahme der Invaliden
versiche
rung nicht rechtfertigen (BGE 114 V 29 E. 1a mit Hinweisen).
1.3
Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wes
entlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5 Abs. 1
der
Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV)
die berufliche Grundbildung nach dem Be
rufs
bildungsgesetz (BBG) sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
Unter erstmaliger beruflicher Ausbildung im Sinne von
Art.
16
Abs.
1 IVG ist die gezielte und planmässige Förderung in beruflicher Hinsicht zu verstehen, mit anderen Worten, der systematische Erwerb oder die Vermittlung spezifischer beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten (AHI 2002 S. 176 E. 3b.aa mit Hinweis). Als derartige Ausbildung gelten Massnahmen erst dann, wenn sie nach getrof
fe
ner Berufswahl zur Vorbereitung auf die eigentliche Berufsausbildung notwen
dig werden. Die schulischen Vorkehrungen müssen abgeschlossen, die Berufswahl getroffen und die vorgesehenen Massnahmen als integrierende Bestandteile des Berufszieles formuliert worden sein. Vorbereitende Massnahmen fallen dann unter
Art.
16 IVG, wenn sie nach getroffener Berufswahl als gezielte Vorbereitung auf die eigentliche Berufsausbildung notwendig werden. Nicht zur erstmaligen beruflichen Ausbildung gehören Zwischenjahre, die der Förderung der Berufs
wahl
reife, der Berufsfindung, dem Ausfüllen schulischer Lücken und der För
de
rung des Arbeitsverhaltens dienen (Urteil des Bundesgerichts I 485/01 vom 1
5.
Mai 2002 m.w.H.)
.
Als invalid im Sinne von
Art.
16 IVG gilt, wer aus gesundheitlichen Gründen bei einer seinen Fähigkeiten entsprechenden Ausbildung erhebliche Mehrkosten auf sich nehmen muss. Bezüglich psychischer Beeinträchtigungen sind die von der Rechtsprechung zum invalidisierenden geistigen oder Gesundheitsschaden (
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
7 und 8
Abs.
1 ATSG) entwickelten Grund
s
ätze auch im Bereich des
Art.
16 IVG massgeblich; dabei ist jedoch nicht die Erwerbstätigkeit, sondern der beabsichtigte Ausbildungsgang mit seinen spezifi
schen Anforderungen Bezugspunkt (BGE 114 V 29 E. 1b in fine mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 16. März 2006 E. 3.2.2). Sodann ist es unerheblich, ob die versicherte Person bei Erlass der Verwaltungsverfügung an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden leidet. Denn es kommt im Rahmen von
Art.
4
Abs.
1 IVG (in Verbindung mit
Art.
7 und 8
Abs.
1 ATSG), von seinem ausdrücklichen Wortlaut wie von der Systematik der Invalidenversicherung als final konzipierte Erwerbsausfallversicherung (AHI 1999 S. 79) her, nicht auf die Gleichzeitigkeit (Kontemporalität), sondern auf die Kausalität von Gesundheits
schaden und Erwerbsunfähigkeit an (BGE 126 V 461 E. 2 in fine, AHI 2003 S. 158
E. 2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene V
erfügung damit, dass beim
Beschwerdeführer
aktuell keine Hinweise auf einen invalidisierenden Ge
sund
heitsschaden vorliegen würden. Aus pädaudiologischer Sicht bestehe keine Not
wendigkeit für Massnahmen nach
Art.
16 IVG, zudem sei der Beschwer
deführer aktuell frei von einer einfachen ADHS-Störung, da die Therapie erfolg
reich ge
wesen sei (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin des Beschwerdeführers im W
esentlichen geltend, dass ihr Mandant nach wie vor an einer Aktivitäts- und Aufmerksam
keitsstörung leide und in diesem Zusammenhang Anspruch auf Berufsberatung und eine erstmalige Ausbildung habe (Ur. 1 S. 4). So sei der Beschwerdeführer mit der Berufswahl überfordert und die Symptomatik der Aufmerksamkeits
stö
rung sei nach wie vor deutlich vorhanden
(
S. 7). Er benötige kleinschrittige An
weisungen bei deutlichem schulischem Rückstand; weiter sei in den Bereichen Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit von deutlichen Schwächen auszugehen. Die
B._
würde für den Beschwerdeführer ein optima
les Setting bieten, die Kosten für ein Berufsvorbereitungsjahr würden sich auf rund
Fr.
40'000.--, diejenigen für eine zweijährige Lehre zum Holzarbeiter EBA auf rund
Fr.
50'000.-- belaufen (S. 8). Eventualiter sei eine Abklärung des ADHS vor
zunehmen, die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
pä
d
audiologische Abklärung schiesse am Ziel vorbei (S. 9).
2.3
Im Rahmen der Beschwerdeantwort vom 2
6.
April 2021 führte die Beschwerde
gegnerin weiter aus, dass der Beschwerdeführer noch in der obligatorischen Schul
zeit stehe und eine Berufsberatung erst nach Beendigung der Schulzeit anzugehen sei. Auch habe der Beschwerdeführer noch keine konkrete berufliche Ausbil
dungsstätte angetreten, sodass die leistungsspezifische Invalidität
für die erst
ma
lige berufliche Ausbildung
im Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 2
7.
Januar 2021 noch nicht eingetreten sei (
Urk.
6).
2.4
Im Rahmen der Replik vom
1.
Juni 2021 führte die Vertreterin des Be
schwer
de
führers aus, dass ein Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbe
reitung auf die berufliche Eingliederung sowie auf Massnahmen beruflicher Art frühes
tens im Zeitpunkt der Geltendmachung entstehe. Die Betrachtungsweise der Beschwerdegegnerin würde auch jedem Sinn und Zweck des Gesetzes wider
spre
chen, da eine Ausbildung im Vorfeld geplant werden und die Finanzieru
ng gewährleistet sein mü
ss
e
(
Urk.
10 S. 3).
3.
3.1
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Kinder- und Jugendmedizin, diagnostizierte in seinem Bericht vom
5.
Februar 2018 ein ADHS. Der Beschwerdeführer leide seit Schulbeginn an
einer
Konzentrationsstörung und
unter
mangelnder Impuls
kon
trolle und werde derzeit ergotherapeutisch behandelt. Aktuell zeichne sich ab, dass er eine IV-Lehrstelle brauche (
Urk.
8/15).
3.2
Dr.
phil.
D._
, Fachpsychologe FSP, führte in seinem schulpsychologischen Be
richt vom 2
2.
Mai 2018 aus, dass der Beschwerdeführer an sich sorgfältig, jedoch langsam und schleppend arbeite. Sein Eigenantrieb sei eher schwach, er wirke leicht träge. In der Schule mache er mit und gebe sich Mühe
;
seine Fortschritte bezüglich der Selbststeuerung und der Impulskontrolle seien langsam und müss
ten zäh erarbeitet werden. Es brauche meist Druck von aussen, damit Fort
schritte geschehen würden (
Urk.
8/24/21). Die erneute Abklärung habe bestätigen kön
nen, dass die kognitiven Fähigkeiten insgesamt im Durchschnittsbereich lie
gen würden. Seine Defizite würden im Kurzzeitgedächtnis, beim Arbeitstempo und in den Bereichen Selbststeuerung und Impulskontrolle liegen. Zurückzu
führen seien diese Defizite zum grössten Teil auf die vorhandene Aufmerk
sam
keitsstörung. Im Bereich Selbststeuerung und Impulskontrolle hätten langsame Fortschritte erzielt werden können. Solche Fortschritte und nachhaltigen Lerner
folge in den Haupt
fächern seien für den Beschwerdeführer nur bei enger Be
gleitung und in einer kleinen Lerngruppe möglich. Ein Sonderschulbedarf sei deshalb weiterhin gege
ben; sie würden einen Übertritt in die Kleinklasse Ober
stufe der
A._
in
E._
empfehlen (Urk.
8/24/22).
3.3
In der Zeit vom 1
1.
Juli bis 1
7.
September 2020 konnte der Beschwerdeführer einmal wöchentlich ein Jobtraining im «
F._
» in
E._
absolvieren. Die für den Arbeitseinsatz verantwortliche Fachperson äussert
e
sich dahingehend, dass der Beschwerdeführer sehr hilfsbereit, bei den Arbeitstätig
keiten nicht wählerisch, flexibel und sympathisch gewesen sei. Zudem sei er mit allen Mitarbeitern gut zurechtgekommen. Bezüglich der Selbständigkeit benötige er starke Unterstüt
zung beim Ausführen von Aufträgen. Wenn man ihm nicht sofort einen Auftrag gebe, wisse er nicht was machen und schaue den anderen Mitarbeitern zu. Er benötige klare Anweisungen. Das schrittweise Vorzeigen eines Arbeitsauftrages helfe beim Verständnis und der anschliessenden Umsetzung. Repetitive Aufgaben würden dem Beschwerdeführer Sicherheit geben (
Urk.
8/
29/9).
3.4
In seinem Bericht vom
1
7.
September 2020 hielt
Dr.
D._
fest, dass durch den
Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst (
KJPD
)
am
5.
März 2012 die folgenden Diagnosen gestellt worden seien:
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0); erfüllte Kriterien für ein
Geburtsgebrechen
404 (POS)
-
Sonstige Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache (ICD-10 F80.0)
-
Insgesamt durchschnittliches Intelligenzniveau
Aufgrund einer massiven Aufmerksamkeitsstörung in Kombination mit einer
expressiven Sprachentwicklungsstörung habe der Beschwerdeführer anfangs trotz
Sonderschulung kaum schulische Fortschritte erzielt. D
ank therapeutis
cher und pädagogischer M
assnahmen habe bei ihm mit der Zeit eine immer noch an
dau
ernde positive Entwicklung stattgefunden. Es bestehe aber immer noch ein deut
licher schulischer Rückstand bei Defiziten in der persönlichen Reife und bei der Fähigkeit selbständig zu arbeiten. Damit er sich auch weiterhin positiv ent
wickeln könne und damit ein Einstieg in der Berufswelt möglich sei, benötige der Beschwerdeführer weiterhin ein Umfeld, in welchem er unter direkter Anleitung und Betreuung kleinschrittig lernen könne (
Urk.
8/29
/
2).
3.5
In der Zeit vom 1
4.
bis. 1
8.
September 2020 konnte der Beschwerdeführer bei der «palme» Fachstelle Ausbildung und Integration eine Schnupperlehre in den Be
reichen Schreinerei (2 Tage) und Logistik (3 Tage) absolvieren.
Die für den Bericht vom 2
4.
September 2020 verantwortliche Fachperson hielt dabei fest, dass der Beschwerdeführer pü
nktlich und gepflegt zur Arbeit erschienen
sei
. Sein Interesse für die beiden Berufe sei jedoch kaum spürbar gewesen. Er habe handwerkliches Geschick gezeigt, benötige jedoch klare Anweisungen und man müsse ihm die Aufgaben Schritt für Schritt erklären; die Aufträge dürften nicht zu komplex sein. Genaues Zuhören und die Ausführung der Aufträge würden ihm schwer fallen. Der Beschwerdeführer sch
eine
sehr in seiner eigenen Welt zu sein. Die Reife für einen Ausbildungsstart im 2021 hätten sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erkennen können.
Sie würden noch weitere Schnuppereinsätze empfehlen, um noch verschiedene Berufe kennenzulernen; den geschützten Rahmen würden sie als angezeigt erachten (
Urk.
8/41).
4.
4.1
Bezüglich der Berufsberatung
ist
ein Anspruch auf Leistungen ohne weiteres aus
gewiesen. So wird der Beschwerdeführer aufgrund seiner ADHS-Erkrankung seit der ersten Klasse in einem Sonderschulsetting betreut. Weiter ist dem Stand
ort
gespräch vom
9.
Januar 2020 zu entnehmen, dass der Einschätzung über Inte
resse, Neigung und mögliche Schwierigkeiten im Rahmen der Berufssuche grosse
Beachtung geschenkt werden soll. Dabei sei der Beschwerdeführer bei der Wer
tung
seiner persönlichen Gefühle und Einschätzungen auf Unterstützung ange
wiesen. Wichtig sei dabei, dass die Anforderungen dem Arbeits- und Ent
wicklungstempo des Beschwerdeführers angepasst würden (
Urk.
8/24/2).
Die von der Beschwerdegegnerin erstmals im Rahmen der Beschwerdeantwort aus
geführte Begründung, dass entsprechende Ansprüche während der obligato
ri
schen Schulzeit noch nicht entstehen können, vermag nicht zu überzeugen. So wies die Vertreterin des Beschwerdeführers zu Recht auf
Art.
10
Abs.
1 IVG hin, wonach entsprechende Ansprüche rechtzeitig zu stellen sind; zudem ist
allgemein bekannt
, dass die Auseinandersetzung mit der Berufswahl sowie die Stellensuche im achten Schuljahr erfolgt. Eine entsprechende Unterstützung und Hilfestellung muss demnach gerade in dieser Zeit erfolgen. Wollte man entsprechende Mass
nahmen erst nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit gewähren, würde dies eine erhebliche Ungleichbehandlung mit den Regelschülern nach sich ziehen, welche die Stellensuche zumeist in der ersten Hälfte des neunten Schuljahres abgeschlossen haben. Zudem ist bei von Invalidität bedrohten Versicherten eine rechtzeitige Planung umso wichtiger, da ohnehin mit Mehraufwand zu rechnen ist.
4.2
Bezüglich
des Anspruchs auf
eine
erstmalige
berufliche
Ausbildung ist anzu
mer
ken, dass
ein solcher im Rahmen der angefochtenen Verfügung
ebenfalls mit ver
neint wurde; gemäss der
Begründung
der Verfügung
bestand bei Fehlen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens kein Anspruch auf die beantragten beruf
lichen Massnahmen.
Durch die vorliegenden medizinischen und schulpsycho
lo
gischen Akten ist aber ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer an einem ADHS leidet, welches ihn im Rahmen seiner schulischen und beruflichen Leistungs
fähigkeit nach wie vor deutlich beeinträchtigt. Dass er dabei wohl auf einen geschützten Ausbildungsplatz angewiesen sein wird, entspricht der Einschätzung aller
bisher
involvierter Fachpersonen. So hielt
Dr.
C._
bereits in seinem Bericht vom
5.
Februar 2018
dafür
, dass der Beschwerdeführer eine IV-Lehrstelle brau
chen werde (
Urk.
8/15
/2
2). Im schulischen Standortgespräch vom
9.
Januar 2020 wies der Klassenlehrer darauf hin, dass dem Beschwerdeführer in ausge
wählten Betrieben und Institutionen die Möglichkeit geboten werde, konkrete und zukunftsweisende Erfahrungen im geschützten Arbeitsrahmen zu machen (Urk. 8/24/3); die Notwen
d
igkeit eines geschützten Rahmens ergibt sich
auch
aus Sicht
von Psychologe
Dr.
D._
sowie
der Schule (
Urk.
8/29/2,
Urk.
8/29
/
4). Ein solcher wird zudem auch nach durchlaufener Schnupperlehre als angezeigt erachtet, bei noch nicht gegebener Reife für einen Ausbildungsstart im Jahr 2021 (
Urk.
8/41
/1
; vgl. auch
Urk.
3/5 S. 1
).
Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass die geschuldete Berufsberatung bereits im Hinblick auf einen geschützten Lehrstellenplatz erfolgen wird.
4.3
Zusammenfassend ist demnach ein Anspruch auf Berufsberatung gegeben.
Über
den
Anspruch auf erstmalige berufliche Ausbildung wird die Beschwerdegegnerin nach abgeschlossener Berufsberatung
erneut
zu befinden habe
n
, wobei aufgrund der
bisher
vorliegenden Akten davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer auf einen geschützten Ausbildungsplatz angewiesen sein wird
, womit Mehrkosten
zu erwarten sind
.
Die Beschwerde ist damit in diesem Sinne teilweise gutzuheissen
und die ange
fochtene Verfügung ist aufzuheben.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von
Art.
61 lit. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf
Fr.
2’0
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.