Decision ID: 3ff7ac4c-c1b3-524d-ba73-000d5c448561
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 9. Mai 2018 in der Schweiz um Asyl
nach.
B.
Mit Verfügung vom 27. April 2020 lehnte das SEM das Asylgesuch ab und
ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
C.
Die dagegen am 29. Mai 2020 erhobene Beschwerde wies das Bundes-
verwaltungsgericht mit Urteil D-2811/2020 vom 15. Juli 2020 ab.
II.
D.
D.a Am 6. April 2021 gelangte der Beschwerdeführer – handelnd durch
seinen am 27. August 2020 neu mandatierten Rechtsvertreter – mit einer
als «Asylgesuch» bezeichneten Eingabe wiederum an das SEM und er-
suchte um die Gewährung von Asyl, eventualiter um die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme.
D.b Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, im ersten Asyl-
verfahren seine wahren Fluchtgründe verschwiegen zu haben. So habe er
damals nicht erwähnt, dass er vom 6. April 2009 bis am 26. April 2011 für
die Firma «(...)» in B._ als «(...)» tätig gewesen sei. In dieser Funk-
tion habe er für verschiedene Firmen die Buchhaltung erledigt; im Zeitraum
von Februar 2010 bis Februar 2011 unter anderem für die Nichtregierungs-
organisation (NGO) «(...)». Letztere sei von C._ – einem heutigen
Minister und Führer der paramilitärischen Gruppierung Eelam People’s De-
mocratic Party (EPDP) – geführt worden. Während seiner Tätigkeit als (...)
für die besagte NGO habe er eine Liste von Adressen von tamilischen Ge-
schäftsleuten entdeckt, bei welchen ein Datum sowie ein Geldbetrag ver-
merkt gewesen sei. Ihm sei sofort klar gewesen, dass es sich dabei um
Schutzgeldzahlungen an die EPDP handeln müsse. Sein Freund
D._ habe sich damals für Informationen über C._ interes-
siert, weshalb er jenem die Adressliste auf einen USB-Stick kopiert und
ausgehändigt habe. Er nehme an, dass D._ die Daten einige Jahre
später weitergeleitet habe, um die Korruption von C._ offenzulegen.
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Als Folge davon sei D._ im August 2016 durch Mitglieder der EPDP
entführt und getötet worden. Sollte D._ seinen Namen nicht unter
Folter an die EPDP weitergegeben haben, so sei die EPDP wohl durch
Nachforschungen dahintergekommen, dass er die Daten entwendet habe.
Aus diesem Grund hätten ihn zwei Mitglieder der EPDP Ende Juli 2017
entführen wollen. Die EPDP sei im Norden und Osten Sri Lankas aktiv und
gehe gewaltsam gegen Gegner vor, wobei nicht von einer Schutzwilligkeit
des sri-lankischen Staates auszugehen sei. Die obgenannten Sachverhalt-
selemente habe er den Schweizer Asylbehörden gegenüber bis anhin ver-
schwiegen, weil er sich in Sri Lanka durch die Weitergabe von vertraulichen
Daten strafbar gemacht habe.
Sodann habe ihm seine Familie erst nach Erhalt des negativen Asylent-
scheides mitgeteilt, dass sich Mitglieder der EPDP nach seiner Ausreise im
August 2017 zweimal hintereinander nach seinem Verbleib erkundigt hät-
ten, weshalb sein (...) am 25. August 2017 eine Anzeige bei der «Human
Rights Commission of Sri Lanka» erstattet habe. Die Suche halte nach wie
vor an; so seien Mitglieder der EPDP im September 2020 und zuletzt im
Januar 2021 bei seiner Familie zu Hause erschienen.
D.c Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er folgende Beweismittel zu
den Akten:
- Schreiben der Firma «(...)» an die NGO «(...)» vom 20. Januar 2010
betreffend die Tätigkeit des Beschwerdeführers als (...);
- Unterlagen im Zusammenhang mit der Anzeige seines (...) bei der
«Human Rights Commission of Sri Lanka» (Anzeige vom 25. August
2017, Empfangsbestätigung vom 28. August 2017 sowie Vorladung
vom 6. September 2017);
- vom Dorfvorsteher beglaubigtes Schreiben seines (...) vom 4. April
2021 betreffend die Erkundigungen nach dem Beschwerdeführer im
September 2020 und im Januar 2021;
- diverse Länderberichte und Medienartikel betreffend die politische und
menschenrechtliche Situation in Sri Lanka sowie die Aktivitäten der
EPDP (datiert vom 3. Oktober 2019, 1. Januar 2020, 18./20. Juni 2020,
25. Juli 2020, 12. August 2020, 3./6. November 2020, 27. Januar 2021
und 4. April 2021).
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Seite 4
E.
Das SEM setzte den Vollzug der Wegweisung mit Zwischenverfügung vom
13. April 2021 einstweilen aus.
F.
Das SEM nahm die Eingabe vom 6. April 2021 als qualifiziertes Wiederer-
wägungsgesuch entgegen, wies dieses mit Verfügung vom 31. Mai 2021
(eröffnet am 8. Juni 2021) ab und stellte die Rechtskraft und Vollstreckbar-
keit seiner Verfügung vom 27. April 2020 fest. Ferner erhob es eine Gebühr
von Fr. 600.– und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine auf-
schiebende Wirkung zukomme.
G.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seines
Rechtsvertreters vom 8. Juni 2021 (vorab per Fax) beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde. Darin beantragte er unter anderem, ihm sei der
Spruchkörper bekanntzugeben und mitzuteilen, ob dieser zufällig ausge-
wählt worden sei. Andernfalls seien die objektiven Kriterien anzugeben,
nach welchen die Gerichtspersonen ausgewählt worden seien. Zudem er-
suchte er um Anordnung vollzugshemmender vorsorglicher Massnahmen
und um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde.
Im Weiteren stellte er die Nachreichung einer ausführlichen Beschwerde-
ergänzung sowie eine allfällige Korrektur der Beschwerdeanträge inner-
halb der noch laufenden Beschwerdefrist in Aussicht.
H.
Am 8. Juni 2021 setzte das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der
Wegweisung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2021 gab der Instruktionsrichter dem
Beschwerdeführer den voraussichtlichen Spruchkörper des Beschwerde-
verfahrens bekannt. Zudem wurde der Beschwerdeführer – unter Andro-
hung des Nichteintretens im Säumnisfall – aufgefordert, bis zum 25. Juni
2021 einen Kostenvorschuss von Fr. 1‘500.– zu leisten.
J.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 14. Juni 2021 ersuchte der Be-
schwerdeführer um Erstreckung der Frist zur Bezahlung des einverlangten
Kostenvorschusses bis zum 8. Juli 2021. Zur Begründung brachte er vor,
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dass die ordentliche Beschwerdefrist bis am 8. Juli 2021 andauere und die
Beschwerde einzig infolge der Beantragung von vorsorglichen Massnah-
men vor deren Ablauf eingereicht worden sei.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 17. Juni 2021 wies der Instruktionsrichter das
entsprechende Fristerstreckungsgesuch – unter Hinweis auf das Fehlen
von zureichenden Gründen gemäss Art. 22 Abs. 2 VwVG – ab und hielt am
Dispositiv der Verfügung vom 10. Juni 2021 vollumfänglich fest.
L.
Mit Eingabe vom 25. Juni 2021 ersuchte der Beschwerdeführer – unter
Beilage einer Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 17. Juni 2021 – um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive wiedererwä-
gungsweisen Verzichts auf die Erhebung des Kostenvorschusses.
M.
Mit Eingabe vom 8. Juli 2021 (Datum des Poststempels) reichte der Be-
schwerdeführer die in Aussicht gestellte Beschwerdeergänzung innerhalb
der laufenden Beschwerdefrist nach. Darin beantragte er, die angefoch-
tene Verfügung sei wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge-
hör, eventualiter wegen Verletzung der Begründungspflicht sowie eventua-
liter zur Feststellung des richtigen und vollständigen rechtserheblichen
Sachverhalts aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Eventualiter sei ihm unter Aufhebung der ange-
fochtenen Verfügung und Feststellung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu
gewähren. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und
die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht erneuerte er sei-
nen Antrag auf Bestätigung der zufälligen Zusammensetzung des Spruch-
körpers und ergänzte diesen dahingehend, dass ihm Einsicht in die Datei
der Software des Gerichts zu gewähren sei, mit welcher diese Auswahl
vorgenommen worden sei, und es sei offenzulegen, wer diese Auswahl ge-
troffen habe.
Als Beweismittel reichte er einen Bericht des «Immigration and Refugee
Board of Canada» betreffend die paramilitärische Gruppierung EPDP vom
8. Februar 2012 ins Recht.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet
des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsad-
ressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 6
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachstehend aufgezeigt –
als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG),
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2021 wurde dem Beschwerdefüh-
rer die Zusammensetzung des Spruchkörpers bekannt gegeben. Im Übri-
gen ist zu bestätigen, dass der Spruchkörper im Auftrag des Abteilungsprä-
sidiums durch eine Kanzleiperson gemäss Art. 31 Abs. 3 sowie Art. 32
Abs. 1 des Geschäftsreglements für das Bundesverwaltungsgericht vom
17. April 2008 (VGR, SR 173.320.1) unter Berücksichtigung objektiver Kri-
terien generiert wurde. Manuelle Anpassungen wurden vorliegend nicht
vorgenommen.
4.2 Gemäss Art. 26 Abs. 1 VwVG haben die Partei oder ihr Vertreter An-
spruch darauf, in ihrer Sache folgende Akten einzusehen: Eingaben von
Parteien und Vernehmlassungen von Behörden (Bst. a), alle als Beweis-
mittel dienenden Aktenstücke (Bst. b) und Niederschriften eröffneter Verfü-
gungen (Bst. c). Die Software, mit welcher das Bundesverwaltungsgericht
den Spruchkörper bestimmt, welcher die bei ihm eingereichten Rechtsmit-
tel beurteilt, ist als solche keine das konkrete Verfahren betreffende Akte,
in die Einsicht gewährt werden könnte. Der im Rechtsbegehren mitenthal-
tene Antrag, es sei Einsicht in die Datei der Software zu gewähren, mit der
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die Bestimmung des Spruchkörpers vorgenommen worden sei, ist daher
abzuweisen.
5.
5.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen (Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör inklusive der Begründungspflicht so-
wie unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts) erhoben. Sie sind vorab zu beurteilen, da sie gegebenenfalls
geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken
(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38).
5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und ak-
tenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt
wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsma-
xime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für
die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl.
dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundes-
gesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16).
5.3 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe die neu vorgebrachte
Gefährdung pauschal als unglaubhaft taxiert und sich mit keinem Wort über
die neue Ländersituation geäussert, womit sie den Anspruch auf rechtli-
ches Gehör beziehungsweise die Begründungspflicht verletzt und den
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig festgestellt
habe.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Seite 8
Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar und
hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen sie sich
leiten liess. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung hat
sie sich mit sämtlichen neuen Vorbringen auseinandergesetzt und ist zum
Schluss gekommen, dass der Beschwerdeführer aus seinen diesbezügli-
chen Vorbringen keine Gefährdung in Sri Lanka abzuleiten vermöge. Allein
aus dem Umstand, dass die Vorinstanz die im Gesuch neu geltend ge-
machten Sachvorbringen nicht so beurteilt wie vom Beschwerdeführer ge-
wünscht, lässt weder auf eine Verletzung des rechtlichen Gehörs respek-
tive der Begründungspflicht, noch auf eine unrichtige und unvollständige
Sachverhaltsfeststellung schliessen. Vielmehr handelt es sich dabei um
eine materielle Frage. Schliesslich zeigt die ausführliche Beschwerdeein-
gabe deutlich auf, dass eine sachgerechte Anfechtung des Entscheids der
Vorinstanz ohne Weiteres möglich war.
5.4 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfü-
gung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren sind abzuweisen.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer stellt für den Fall einer materiellen Beurteilung
seiner Beschwerde folgende Beweisanträge: Die Vorinstanz sei anzuwei-
sen, eine tatsächliche, konkrete und umfassende Auseinandersetzung mit
den eingereichten Beweismitteln vorzunehmen und er sei erneut anzuhö-
ren oder es sei ein Beweisverfahren durchzuführen.
6.2 Aufgrund des vollständig festgestellten Sachverhalts und der bereits
hinreichend erfolgten Würdigung der eingereichten Beweismittel durch die
Vorinstanz ist der entsprechende Antrag in der Beschwerde mangels Not-
wendigkeit abzuweisen. Der Antrag auf erneute Anhörung des Beschwer-
deführers ist ebenfalls abzulehnen, da der rechtserhebliche Sachverhalt
hinreichend festgestellt ist und im Beschwerdeverfahren Ergänzungen und
Berichtigungen gemacht sowie ein weiteres Beweismittel nachgereicht
werden konnten.
7.
Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich geregelt
(vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM innert
30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich und
begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren nach den
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revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG (Art. 111b
Abs. 1 AsylG).
In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-
gesuch die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-
fochten blieb oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blos-
sen Prozessentscheid abgeschlossen wurde, können auch Revisions-
gründe (im Sinne von Art. 66 VwVG) einen Anspruch auf Wiedererwägung
begründen (sog. «qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch», vgl. dazu
BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H. sowie EMARK 2003 Nr. 17 E. 2.a). Darüber
hinaus sind auch Revisionsgründe, welche sich auf Beweismittel abstüt-
zen, welche erst nach Abschluss eines Beschwerdeverfahrens entstanden
sind und vorbestandene Tatsachen belegen sollen, stets unter dem Titel
der Wiedererwägung bei der Vorinstanz einzubringen, da solche neu ent-
standenen Beweismittel keine Grundlage für ein Revisionsverfahren vor
dem Bundesverwaltungsgericht darstellen können (vgl. Art. 45 VGG i.V.m.
Art. 123 Abs. 2 Bst. a [letzter Satz] BGG; BVGE 2013/22).
Erhebliche Tatsachen, von der die Partei erst nach Ergehen eines rechts-
kräftigen materiellen Beschwerdeentscheides erfährt, welche sich jedoch
bereits vor dessen Ergehen verwirklichten (sog. unechte Noven) sind dem-
gegenüber einer Wiedererwägung nicht zugänglich, sondern mittels Revi-
sion geltend zu machen (vgl. Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 Abs. 1 Bst. a
BGG). Gleiches gilt für entscheidende Beweismittel, die bereits vor dem
rechtskräftigen Beschwerdeentscheid entstanden sind, die die Partei je-
doch erst danach auffindet. Solche Tatsachen beziehungsweise Beweis-
mittel bilden zudem auch dann einen Revisionsgrund im Sinne von Art. 123
Abs. 2 Bst. a BGG, wenn sie in früheren Verfahren nicht beigebracht wer-
den konnten, weil sie der gesuchstellenden Person damals nicht bekannt
waren beziehungsweise trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt sein
konnten oder deren Geltendmachung oder Beibringung aus entschuldba-
ren Gründen nicht möglich war (vgl. BGE 134 III 47 E. 2.1; ANDRÉ MO-
SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht, Handbücher für die Anwaltspraxis, Band X, Basel
2013, Rz. 5.47).
8.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in ma-
terieller Hinsicht zum Schluss, dass die Vorinstanz (im Ergebnis) zutreffend
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Seite 10
das Bestehen von Wiedererwägungsgründen verneint und zu Recht an der
ursprünglichen Verfügung festgehalten hat. Die Ausführungen auf Be-
schwerdeebene und das eingereichte Beweismittel führen zu keiner ande-
ren Betrachtungsweise.
8.2 Vorab ist festzuhalten, dass das Schreiben der Firma «(...)» an die
NGO «(...)» vom 20. Januar 2010, die Unterlagen im Zusammenhang mit
der Anzeige des (...) des Beschwerdeführers bei der «Human Rights Com-
mission of Sri Lanka» aus dem Jahr 2017 sowie die Länderberichte und
Medienartikel vom 3. Oktober 2019, 1. Januar 2020 und 18./20. Juni 2020
(vgl. Prozessgeschichte, Bst. D.c) – entgegen den Ausführungen der Vo-
rinstanz – der qualifizierten Wiedererwägung nicht zugänglich sind.
Die besagten Beweismittel haben bereits zum Zeitpunkt des materiellen
Urteils des Bundesverwaltungsgerichts D-2811/2020 vom 15. Juli 2020 Be-
stand gehabt, weshalb diese ausschliesslich Gegenstand eines Revisions-
verfahrens beim Bundesverwaltungsgericht bilden könnten. Dasselbe gilt
im Übrigen für den auf Beschwerdeebene eingereichten Länderbericht
vom 8. Februar 2012 (vgl. Prozessgeschichte, Bst. M.). Durch die (umfas-
sende) Prüfung der Vorinstanz sind dem Beschwerdeführer allerdings
keine Rechtsnachteile entstanden. Es bleibt ihm unbenommen, mit den
entsprechenden Beweismitteln ein form- und fristgerechtes Revisionsge-
such beim Bundesverwaltungsgericht zu stellen, wobei wohl sämtliche der
geltend gemachten Tatsachen bereits im ordentlichen Asylverfahren hätten
geltend gemacht werden können und insbesondere das Verschweigen der
wahren Fluchtgründe infolge der Verletzung von strafrechtlichen Normen
keinen Entlastungsgrund darstellen dürfte. Entsprechend ist auf die in die-
sem Zusammenhang erfolgten Erwägungen der Vorinstanz und des Be-
schwerdeführers nicht weiter einzugehen.
8.3 Was die nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2811/2020
vom 15. Juli 2020 entstandenen Beweismittel, namentlich das vom Dorf-
vorsteher beglaubigte Schreiben des (...) des Beschwerdeführers vom
4. April 2021 sowie die Länderberichte und Medienartikel vom 25. Juli
2020, 12. August 2020, 3./6. November 2020, 27. Januar 2021 und 4. April
2021 (vgl. Prozessgeschichte, Bst. D.c) angelangt, hat das SEM diese zu
Recht unter dem Blickwinkel des Wiedererwägungsgesuchs entgegenge-
nommen und geprüft.
D-2685/2021
Seite 11
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, das vom Dorfvorsteher be-
glaubigte Schreiben des (...) des Beschwerdeführers vom 4. April 2021 be-
lege unter anderem eine vorbestandene Tatsache (Verfolgung durch die
EPDP), ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzuhalten, dass es
sich bei einem solchen Schriftstück erfahrungsgemäss um ein Gefällig-
keitsschreiben handelt, dem kaum ein Beweiswert zukommt. Abgesehen
davon gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, damit eine flüchtlingsrecht-
liche Gefährdung glaubhaft zu machen. Laut dem betroffenen Schreiben
hätten sich im September 2020 und im Januar 2021 erneut unbekannte
Personen nach ihm erkundigt. Entgegen den Vorbringen des Beschwerde-
führers wird darin die angebliche Verfolgung durch die EPDP mit keinem
Wort erwähnt. Darüber hinaus erscheint es auch wenig plausibel, dass ihn
unbekannte Personen vier Jahre nach seiner Ausreise aus dem Heimat-
land und kurze Zeit nach Erhalt des negativen Asylentscheides erneut ge-
sucht haben sollen. Angesichts obiger Erwägungen ist mit der Vorinstanz
einig zu gehen, dass der Beschwerdeführer auch aus den diversen Län-
derberichten und Medienartikeln betreffend die politische und menschen-
rechtliche Situation in Sri Lanka sowie die Aktivitäten der EPDP, welche in
keinem Zusammenhang mit seiner Person stehen, nichts zu seinen Guns-
ten abzuleiten vermag.
8.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das SEM das Vorliegen einer
wiedererwägungsrechtlich relevanten Veränderung der Sachlage zu Recht
verneint hat.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass sich die angefochtene Verfügung
– vorbehältlich E. 8.2 – als rechtmässig erweist und die Beschwerde abzu-
weisen ist.
Der am 8. Juni 2021 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Ur-
teil dahin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist ge-
genstandslos geworden.
10.
10.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der vorstehenden Erwä-
gungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten haben.
Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gege-
ben, weshalb das Gesuch ungeachtet der ausgewiesenen Mittellosigkeit
abzuweisen ist.
D-2685/2021
Seite 12
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss auf
insgesamt Fr. 1’500.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das wiedererwägungsweise
gestellte Gesuch um Verzicht auf die Erhebung des Kostenvorschusses ist
mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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