Decision ID: 87a5c545-6cb5-4399-bba1-0c3519499a71
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
vorsätzliche Tötung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 8. Abteilung, vom 13. Juli 2012 (DG110272)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 6. März 2007 und
deren Berichtigung und Präzisierung vom 10. Dezember 2007 (Urk. 51/59;
Urk. 51/152), die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom
4. Oktober 2007 und die Zusatzanklageschrift der Staatsanwaltschaft
Limmattal/Albis vom 10. Dezember 2007 (Urk. 51/98; Urk. 51/153) sowie die
Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 2. September
2011 (Urk. 35) sind diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 235 S. 216 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB,
− der mehrfachen versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB,
− der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB,
− der Pornographie im Sinne von Art. 197 Ziff. 3 StGB,
− des Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung im Sinne von Art. 292 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 18 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und mit 13. Juli 2012
1'944 Tage durch Haft (Untersuchungs- und Sicherheitshaft) sowie vorzeitigen Strafantritt
erstanden sind sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.
3. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 5 Tagen.
4. Es wird die Verwahrung des Beschuldigten im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB angeordnet.
5. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der Privatklägerin
B._ von Fr. 5'278.70 zuzüglich 5 % Zins seit 9. Dezember 2005 sowie Fr. 108.–
zuzüglich 5 % Zins seit 5. Juli 2012 anerkannt hat.
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6. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung des Privatklägers
C._ von Fr. 620.– zuzüglich 5 % Zins seit 24. November 2004 sowie Fr. 535.50
zuzüglich 5 % Zins seit 12. Juli 2006 anerkannt hat.
7. Der Beschuldigte wird dem Grundsatz nach verpflichtet, der Privatklägerin D._
Schadenersatz für den im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 25. Juni 2007,
29./30. Juni 2007 sowie 30. Juni/1. Juli 2007 entstandenen Schaden zu bezahlen.
Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung im Rahmen der
bisher entstandenen Kosten der Privatklägerin D._ von Fr. 3'791.20 zuzüglich
5 % Zins seit 6. November 2007 anerkannt hat.
8. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin E._ aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen
Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Geschädigte auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
9. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Genugtuungsforderung der Privatklägerin
B._ von Fr. 40'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 10. Oktober 2004 anerkannt hat.
10. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Genugtuungsforderung des Privatklägers
C._ von Fr. 2'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 10. Oktober 2004 anerkannt hat.
11. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Genugtuungsforderung des Privatklägers
F._ von Fr. 35'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 10. Oktober 2004 anerkannt hat.
12. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Genugtuungsforderung der Privatklägerin
D._ im Rahmen von Fr. 65'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 1. Juli 2007 anerkannt hat.
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin D._ zusätzlich Fr. 35'000.–
zuzüglich 5 % Zins seit 1. Juli 2007 als Genugtuung zu bezahlen.
13. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin E._ Fr. 25'000.– zuzüglich 5 %
Zins seit 25. März 2006 als Genugtuung zu bezahlen.
14. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 6. September 2005
beschlagnahmten 27 VHS-Videokassetten, 1 Heft "Private Sex", 1 leere VHS-
Kassettenhülle sowie das Buch "Der kleine Machiavelli" werden definitiv eingezogen und
der Kantonspolizei
Zürich zur Vernichtung überlassen.
15. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 15. September 2007
beschlagnahmten 2 Videokassetten mit pornografischem Inhalt werden definitiv eingezogen
und der Kantonspolizei Zürich zur Vernichtung überlassen.
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16. Die anlässlich der Hausdurchsuchung vom 5. Juli 2007 beim Beschuldigten sichergestellten
Fr. 510.– werden definitiv beschlagnahmt und zur Deckung der Verfahrenskosten, in erster
Linie zur Deckung der Busse, verwendet.
17. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 20'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 5'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 98'242.65 Auslagen Untersuchung (WG070005)
Fr. 1'074.45 Auslagen Untersuchung
Fr. 106'735.80 amtliche Verteidigung (WG070005)
Fr. 54'568.05 amtliche Verteidigung
Fr. 1'195.55 amtliche Verteidigung
Fr. 87'815.90 unentgeltliche Rechtsbeistände Privatklägerschaft
Fr. 7'657.95 Gutachten (WG070005)
Fr. 20'870.20 Gutachten
Fr. 1'290.– Zeugenentschädigung (WG070005)
Fr. 50.25 diverse Kosten
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
18. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt, aber definitiv abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf
die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO. Die Kosten der amtlichen Verteidigung von Fr. 1'195.55 im Beschwerde-
verfahren mit Geschäfts-Nr. UP110008 werden auf die Gerichtskasse genommen.
19. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden auf die
Gerichtskasse genommen.
20. Der Privatklägerin E._ wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.
21. (Mitteilung)
22. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 282 S. 1f.)
1. Dispositiv Ziffer 1 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben, und der
Beschuldigte sei vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung im Sinne von
Art. 111 StGB ("Anklage G._"), vom Vorwurf der versuchten
vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 StGB
("Anklage E._") sowie vom Vorwurf der Freiheitsberaubung im Sinne
von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB freizusprechen.
Stattdessen sei er der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von
Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB ("Anklage D._"), der sexuellen
Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, der fahrlässigen Tötung im
Sinne von Art. 117 StGB, der mehrfachen einfachen Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB, der Unterlassung der Nothilfe im Sinne von
Art. 128 Abs. 1 StGB, der Pornographie im Sinne von Art. 197 Ziff. 3 StGB
sowie des Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung im Sinne von
Art. 292 StGB schuldig zu sprechen.
2. Dispositivziffer 2 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben, und der
Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von neun Jahren sowie einer
Busse zu bestrafen; unter Anrechnung der bisher erlittenen Haft.
3. Dispositivziffer 4 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben. Es sei von einer
Verwahrung abzusehen. Stattdessen sei im Sinne der nachfolgenden
Ausführungen eine therapeutische Massnahme anzuordnen.
4. Dispositivziffern 8 und 13 des angefochtenen Urteils seien in dem Sinne
abzuändern, als von der Anerkennung einer Genugtuungsforderung der
Privatklägerin E._ im Umfang von Fr. 7'500.-- Vormerk zu nehmen sei.
Im Übrigen sei auf die Forderung der genannten Privatklägerin nicht
einzutreten.
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5. Dispositivziffer 18 des angefochtenen Urteils sei in dem Sinne abzuändern,
als dass die Kosten aus dem Verfahren "E._" auf die Staatskasse zu
nehmen seien und dem Beschuldigten für seine Aufwendungen in diesem
Zusammenhang eine angemessene Entschädigung auszurichten sei.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 283 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei
• der mehrfachen vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB,
teilweise i.V.m. Art. 22 StGB
• der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB
• der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
• der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB
• der Pornographie Im Sinne von Art. 197 Ziff. 3 StGB
• des Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung im Sinne von
Art. 292 StGB schuldig zu sprechen.
2. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von
20 Jahren, unter Anrechnung der erstandenen Haft sowie mit einer Busse
von Fr. 500.--.
3. Der Beschuldigte sei im Sinne von Art. 64 StGB zu verwahren.
4. Das sichergestellte pornographische Material sei zu vernichten.
5. Dem Beschuldigten seien sämtliche Kosten aufzuerlegen
c) Des Vertreters der Privatklägerin E._:
(Urk. 284 S. 2)
Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen und das Urteil der Vorinstanz
zu bestätigen.
d) Des Vertreters der Privatklägerin B._:
(Prot. S. 15; sinngemäss)
Das Urteil der Vorinstanz sei zu bestätigen.
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e) Der Vertreterin der Privatklägerin D._:
(Prot. S. 16;)
1. Das erstinstanzliche Urteil sei bezüglich Dispositiv-Ziffer 1 Abs. 2 (versuchte
vorsätzliche Tötung) zu bestätigen bzw. es sei vorzumerken, dass der
Beschuldigte diesen Vorwurf heute anerkannt hat.
2. Die weiteren Vorwürfe in Bezug auf die Geschädigte D._ wurden nicht
angefochten, dies ist vorzumerken.
3. Es ist weiter vorzumerken, dass die Dispositiv-Ziffern 7, 12 und 19 in
Rechtskraft erwachsen sind.
4. Sodann sind die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung im
zweitinstanzlichen Verfahren dem Beschuldigten aufzuerlegen.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Nachdem der angefochtene erstinstanzliche Entscheid am 13. Juli 2012
ergangen ist, gelten die Bestimmungen der schweizerischen Strafprozessordnung
(Art. 448 und Art. 454 Abs. 1 StPO).
2. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
13. Juli 2012 wurde der Beschuldigte A._ anklagegemäss der vorsätzlichen
Tötung, der mehrfachen versuchten vorsätzlichen Tötung sowie weiterer Delikte
schuldig gesprochen und mit 18 Jahren Freiheitsstrafe bestraft. Zudem wurde der
Beschuldigte verwahrt (Urk. 235 S. 216). Gegen diesen Entscheid liess der
Beschuldigte durch seinen - damaligen - erbetenen sowie seinen - damaligen und
aktuellen - amtlichen Verteidiger mit Eingaben vom 18. respektive 27. Juli 2012
innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 229 und
230). Die Berufungserklärung des amtlichen Verteidigers ging ebenfalls innert
gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 236).
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Die Anklagebehörde hat mit Eingaben vom 5. respektive 14. Dezember 2012
innert Frist Anschlussberufung erhoben (Urk. 247 und 249; Art. 400 Abs. 2f. und
Art. 401 StPO). Die Rechtsvertreter/innen der Privatkläger/innen haben
ausdrücklich auf Anschlussberufung verzichtet (Urk. 245, 251-256). Mit Eingabe
vom 29. April 2013 stellte die Verteidigung im Berufungsverfahren den
Beweisergänzungsantrag, es sei der Beschuldigte hinsichtlich der
Massnahmefrage erneut fachärztlich zu begutachten. Darauf ist nachstehend
einzugehen (Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 236; Urk. 247 und 249; Urk. 270). Die
Verteidigung hat die Berufung in ihrer Berufungserklärung sowie anlässlich der
Berufungsverhandlung vom 13. Mai 2013 teilweise beschränkt (Urk. 236; Art. 399
Abs. 4 StPO; Prot. II S. 8 f. und
S. 11).
3. Im Berufungsverfahren nicht angefochten sind:
- der vorinstanzliche Schuldspruch betreffend versuchte vorsätzliche Tötung zum
Nachteil der Privatklägerin D._, betreffend sexuelle Nötigung zum Nachteil
der Privatklägerin D._, betreffend einfache Körperverletzung zum Nachteil
der Privatklägerin D._, betreffend Pornographie und betreffend
Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung (Urteilsdispositiv-Ziff. 1)
- die vorinstanzliche Vormerknahme der Anerkennung von Schadenersatz- und
Genugtuungsforderungen der Privatkläger/innen (Urteilsdispositiv-Ziff. 5, 6, 7, 9,
10, 11, 12)
- die vorinstanzliche Regelung betreffend im Untersuchungsverfahren beschlag
nahmte Gegenstände und Vermögenswerte (Urteilsdispositiv-Ziff. 14, 15, 16)
- die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Urteilsdispositiv-Ziff. 17)
- die vorinstanzliche Kostenregelung in Urteilsdispositiv-Ziff. 19 und 20.
Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 404 StPO).
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4. Vorab schliesslich noch das Folgende: Der Beschuldigte wurde im
vorangegangenen geschworenengerichtlichen Verfahren verteidigt durch ein
Mitglied des Kassationsgerichts. Im Rahmen der Anfechtung des
geschworenengerichtlichen Entscheides vor Kassationsgericht konnte der
bisherige Rechtsvertreter die
Verteidigung als Mitglied eben dieses Gerichts nicht weiterführen. Wenn das
Kassationsgericht dann als neuen amtlichen Verteidiger ausgerechnet den
(einzigen) Kanzlei-Partner des Sohnes des bisherigen Verteidigers und
Kassationsrichters bestellt hat (KG Urk. 5), ist dies in prozessualer Hinsicht und
namentlich zum Selbstverständnis der genannten Behörde betreffend seine
Unbefangenheit immerhin bemerkenswert. Der Ausgang des
kassationsgerichtlichen Verfahrens erstaunt denn auch nicht.
II. Schuldpunkt
1. Vorbemerkung: Mit den gegen den Beschuldigten erhobenen Anklagevor-
würfen betreffend die Geschädigte †G._ sowie die Privatklägerin D._
haben sich bis heute bereits drei gerichtliche Instanzen beschäftigt: Vorab das
inzwischen abgeschaffte Geschworenengericht des Kantons Zürich mit Urteil vom
18. Dezember 2007 (Urk. 51/179), im gegen diesen Entscheid angestrengten
Rechtsmittelverfahren das inzwischen ebenfalls abgeschaffte Kassationsgericht
des Kantons Zürich (2 1⁄2 Jahre später) mit Beschluss vom 28. Juni 2010
(Urk. 51/188) sowie die Vorinstanz im vorliegend angefochtenen Entscheid vom
13. Juli 2012 (Urk. 235). Sowohl die Anklagebehörde wie auch die Verteidigung
haben in ihren Ausführungen im erstinstanzlichen (bezirksgerichtlichen)
Verfahren, welches zum angefochtenen Urteil der Vorinstanz führte,
verschiedentlich auf das geschworenengerichtliche respektive das
kassationsgerichtliche Verfahren verwiesen (Urk. 169 und Urk. 187). Sämtliche
Vorbringen und Prozesshandlungen, die in diesen Verfahren deponiert und
vorgenommen wurden, können vorliegend unstrittigerweise berücksichtigt
werden. Sowohl Anklagebehörde wie auch Verteidigung führten jedoch darüber
hinaus in - jeweils - ihrem Sinne in den
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Endentscheiden der genannten Gerichte angestellte Erwägungen an; dies ist
nachvollziehbar, hat doch das Geschworenengericht gemäss den Anträgen der
Anklagebehörde entschieden und ist das Kassationsgericht - zumindest teilweise
- den Anträgen der Verteidigung gefolgt. Im vorliegenden Berufungsverfahren sind
die Erwägungen und Entscheide dieser Gerichte jedoch grundsätzlich nicht von
Interesse. Relevant ist vielmehr der in einem neuen, ordentlichen Verfahren
ergangene, heute von Anklagebehörde und Verteidigung angefochtene
erstinstanzliche Entscheid der Vorinstanz (Urk. 235). Die Vorinstanz hat sich
ausführlich und sorgfältig mit sämtlichen relevanten tatsächlichen und rechtlichen
Aspekten auseinander gesetzt. Im Berufungsverfahren stellte die Verteidigung
den
Beweisergänzungsantrag, es sei der Beschuldigte hinsichtlich der Mass-
nahmefrage erneut fachärztlich zu begutachten. Wie noch zu zeigen sein wird
wurden aber keine Beweisergänzungen durchgeführt mit Ausnahme des
Beweisverfahrens anlässlich der Berufungsverhandlung. Der Berufungsinstanz
präsentiert sich somit grundsätzlich dieselbe Beweislage und stellen sich
dieselben rechtlichen Fragen wie der Vorinstanz. Daher wird in der Begründung
des nachfolgend zu ergehenden Berufungsentscheids zur Vermeidung von
Wiederholungen zum Tatsächlichen wie auch zum Rechtlichen verschiedentlich
auf die
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden können (Art. 82 Abs. 4 StPO).
Wenn schliesslich die Verteidigung vor Vorinstanz argumentiert hat, "sie nehme
Bezug auf die geschworenengerichtlichen Ausführungen, weil sie das Gericht aus
der Gravitationswirkung befreien möchte, die darin bestehe, das
geschworenengerichtliche Argumentatorium (Zitat) zu übernehmen" (Urk. 187 S.
21), bleibt es - auch nach wiederholter Lektüre - ihr Geheimnis, was sie damit
ausdrücken wollte.
2. Anklagevorwurf der vorsätzlichen Tötung, eventualiter der fahrlässigen Tötung,
einfachen Körperverletzung sowie Unterlassung der Nothilfe zulasten der
Geschädigten †G._ (Urk. 51/59 und Urk. 51/152)
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2.1. Der äussere Anklagesachverhalt war anlässlich der Hauptverhandlung und ist
heute insoweit unbestritten, dass der Beschuldigte mit der Geschädigten
†G._ am 9. Oktober 2004 um die Mittagszeit im Hotel "H._" am ...
[Gegend] in Zürich ein Zimmer bezog, es dort zu einer Auseinandersetzung kam
und der Beschuldigte die Geschädigte im Verlauf des Nachmittags respektive des
folgenden Abends zahlreiche Male heftig schlug, was bei der Geschädigten zu
zahlreichen Hautunterblutungen, Hautabschürfungen und Quetschungen verteilt
über nahezu den gesamten Körper führte; sodann erlitt die Geschädigte einen
Milzkapselriss sowie Blutungen der Darmaufhängung, wobei der Blutverlust zu
einem akuten Herz-Kreislaufversagen und dieses zum Tod der Geschädigten
†G._ führte (Urk. 235 S. 23-30; Urk. 187 S. 9; Urk. 168 S. 6-8; Urk. 281 S. 9).
Im Sinne der Bestreitungen des Beschuldigten ist die Vorinstanz in ihrer
Beweiswürdigung zum äusseren Anklagesachverhalt einzig dahingehend von der
Anklage abgewichen, als zugunsten des Beschuldigten nicht rechtsgenügend
erstellt sei, dass er die Geschädigte †G._ auch mit den Füssen getreten
habe sowie dass ihre Verletzung an der Stirn eine Folge eines Schlags des
Beschuldigten gewesen sei (Urk. 235 S. 29f.). Dies wird auch von der
Anklagebehörde sinngemäss anerkannt (Urk. 169 S. 6). Die - unbestrittene -
vorinstanzliche Beweiswürdigung des äusseren Anklagesachverhalts ist
weitestgehend zu übernehmen. Zugunsten des Beschuldigten ist schliesslich die -
seitens der Verteidigung bestrittene (Urk. 187 S. 17f.) und von der Vorinstanz
unbehandelt gebliebene - Darstellung der Anklagebehörde, die Geschädigte sei
zum Zeitpunkt der Schläge regungslos gewesen (Urk. 169 S. 8),als nicht erstellt
zu erachten. Entsprechendes wird dem Beschuldigten im massgeblichen
Anklagesachverhalt jedoch auch nicht ausdrücklich zur Last gelegt (Urk. 51/59
und 51/152). Es kann sodann offen gelassen werden, inwieweit die Geschädigte
G._ als Folge ihrer starken Alkoholisierung zum Tatzeitpunkt reaktions-
respektive widerstandsunfähig gewesen ist. Massgebend sind die tatsächlichen
Verletzungen, die ihr der Beschuldigte beigebracht hat. Ob sie deren Zufügung
noch einen Widerstand entgegen setzen konnte, spielt letztlich keine Rolle;
verhindern konnte sie sie erstelltermassen nicht.
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Anzufügen bleibt vollständigkeitshalber das Folgende: Die Vorinstanz hat im
angefochtenen Entscheid sorgfältig das Aussageverhalten, wie es der
Beschuldigte im Laufe des langen Verfahrens an den Tag gelegt hat,
wiedergegeben (Urk. 235 S. 23ff.). Die Anklagebehörde hat im Hauptverfahren
die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten respektive die Glaubhaftigkeit seiner
Aussagen in Zweifel gezogen (Urk. 169 S. 1ff.). Zutreffend ist hiezu die
Bemerkung der Verteidigung vor Vorinstanz, dass die Beurteilung der
Glaubwürdigkeit des Beschuldigten für die - zum Schuldpunkt - noch offenen
Fragen "nicht sonderlich relevant" ist
(Urk. 187 S. 10f.): Dass Fusstritte des Beschuldigten gegen die Geschädigte nicht
erstellt sind, ergibt sich aus einer fachärztlichen Beurteilung (Urk. 235 S. 29 mit
Verweis); ob die Stirnverletzung der Geschädigten von einem Schlag herrührte,
ist nicht relevant, weil diese klarerweise für den Tod der Geschädigten nicht
kausal war.
2.2.1. Auch zur Erstellung des inneren Sachverhalts sind die Aussagen des
Beschuldigten nicht zielführend: Er hat rundweg bestritten, den Tod der
Geschädigten †G._ gewollt respektive gewusst zu haben, dass die
Geschädigte aufgrund seiner Schläge zu Tode kommen würde. Nach seiner
Überlegung zur Folge seiner Schläge gefragt, sagte er aus, er habe sich nichts
dabei gedacht (Urk. 168 S 8; Urk. 235 S. 32 mit Verweis). Anlässlich der
Berufungsverhandlung hat der Beschuldigte ausgesagt, sich nicht an den
Tatablauf erinnern zu können (Urk. 281 S. 10).
2.2.2. Die Anklagebehörde hat im Hauptverfahren argumentiert, es sei durch
zahlreiche überzeugende Zeugenaussagen erstellt, dass der Beschuldigte die
Geschädigte G._ während der Dauer der gemeinsamen Beziehung schwer
misshandelt habe, woraus bei der Geschädigten zahlreiche Verletzungen wie
Hämatome im Gesicht und am ganzen Körper, eine Kieferverletzung sowie ein
ausgeschlagener Zahn resultiert hätten. Der Beschuldigte habe den Tod der
Geschädigten G._ nicht direkt angestrebt. Dass mehrfache, massive und
gezielte Schläge gegen sensible Körperteile wie Kopf und Bauch zu tödlichen
Verletzungen führen könnten, sei jedoch banales Allgemeinwissen. Auch der
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Beschuldigte habe nicht bestritten, zumindest theoretisch von der Gefährlichkeit
solcher Verletzungen gewusst zu haben (Urk. 169 S. 3-5 und S. 7f.).
2.2.3. Die Verteidigung hat im Hauptverfahren argumentiert, der Beschuldigte sei
im Tatzeitraum schwer alkoholisiert gewesen, weshalb er in seiner
Einsichtsfähigkeit, d.h. dem Wissen um die Gefährlichkeit seiner Handlungen für
das Leben der Geschädigten, eingeschränkt gewesen sei (Urk. 187 S. 21-23).
Der allgemeinen Lebenserfahrung, dass massive Schläge zum Tod der
geschlagenen Person
führen können, habe sich beim schwer alkoholisierten Beschuldigten seine
konkrete Erfahrung gegenübergestellt: Er habe vorher schon zahlreiche Male
gleich gehandelt, was für ihn völlig konsequenzenlos geblieben sei, sowohl auf
die Verletzungen der Geschädigten wie auf seine Beziehung zur Geschädigten.
Die im Rahmen früherer Misshandlungen durch den Beschuldigten erlittenen
Verletzungen der Geschädigten G._ hätten sich "in ihrer äusseren
Erscheinungsform nicht von denjenigen unterschieden, welche der Beschuldigte
der
Geschädigten G._ am Tattag zugefügt habe. Auch das Kassationsgericht
habe erwogen, die - früheren - Verletzungsbilder gemäss den überzeugenden
Schilderungen zahlreicher Zeugen hätten sich - soweit äusserlich erkennbar -
nicht von den im Obduktionsbericht des Sachverständigen festgehaltenen
Verletzungen unterschieden. Der letztlich todesursächliche Milzriss sei sodann
"heimtückisch", weil sogar unter Umständen für einen Fachmann schwer zu
erkennen, gewesen. Zusammengefasst bedeute dies für die
Wissenskomponente, dass der alkoholbedingt in seiner Einsichtsfähigkeit
eingeschränkte Beschuldigte sich bezüglich des von ihm Angerichteten nur
Vorstellungen im Umfang seiner bisherigen
konkreten Erfahrungen gemacht habe. Zur Willenskomponente sei von einem
ungezielten, unberechenbaren und unbeabsichtigten, einzelnen Schlag mit letalen
Folgen auszugehen. Da sich das vorliegend inkriminierte Tatvorgehen für den
Beschuldigten nicht anders dargestellt habe als seine früheren Übergriffe, sei
auch von derselben Willenskomponente auszugehen. Dass der Beschuldigte den
Tod der Geschädigten G._ nicht gewollt habe, gehe schliesslich daraus
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hervor, dass er selber die Sanität verständigt und ungeduldig deren Eintreffen
erwartet habe, sowie dass er zu diesem Zeitpunkt geschockt und überaus traurig
gewesen sei und nicht versucht habe, "irgendwie aus der Sache heraus zu
kommen" (Urk. 187 S. 23ff.).
2.2.4. Die Vorinstanz hat zusammengefasst erwogen, schon aufgrund der
Medienberichterstattung über Gewalttaten und deren gravierende Auswirkungen
auf die Opfer sowie über sehr schwerwiegende Verletzungen oder gar Todesfälle
als Folge tätlicher Übergriffe sei es allgemein bekannt und als gerichtsnotorisch
zu betrachten, dass massive Faustschläge den Tod eines Menschen bewirken
könnten, dies insbesondere auch, wenn es sich um brutale Schläge in den
Unterleib, wo sich verschiedene lebenswichtige Organe befinden, handle. Die
Schläge, die der Beschuldigte der Geschädigten G._ versetzte, seien
äusserst massiv gewesen, hätten daraus doch eine Rippenfraktur, ein
Milzkapselriss, eine Blutung aus der Mesenterialwurzel, Einblutungen in der
äusseren Wandschicht des Darms sowie eine Einblutung in der linken
Nierenkapsel resultiert. Gemäss den Angaben des Gutachters bedürfe es einer
grossen Energie, einer grosse Kraft, um eine Verletzung wie den Milzkapselriss
zu verursachen. Typischerweise sehe man
solche Verletzungen bei erheblicher stumpfer Gewalteinwirkung im Strassen-
verkehr. Die Feststellungen des Gutachters liessen darauf schliessen, dass die
Gewalteinwirkung des Beschuldigten sehr massiv und brutal gewesen sei. Wer in
einer Weise hochgradig gewaltintensiv auf den Körper eines anderen einwirke
und dadurch derart gravierende, letztlich tödliche Verletzungen bewirke, welche
sonst aufgrund der damit verbundenen gewaltigen Energien typischerweise bei
Verkehrsunfällen entstehen, müsse aufgrund der Intensität der
Gewaltanwendung, wobei nicht davon auszugehen sei, dass der Beschuldigte in
der Tatnacht stärkere Gewalt als sonst für ihn üblich angewendet habe, nach der
allgemeinen Lebenserfahrung nicht nur mit sehr schwerwiegenden Verletzungen,
sondern auch mit dem Eintritt des Todes rechnen. Aus dem Umstand, dass es
früher nicht zu so gravierenden Folgen gekommen sei, könne der Beschuldigte
nichts zu
seinen Gunsten ableiten. Bei einer lebenserfahrenen Person mit
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durchschnittlicher Intelligenz dürfe vorausgesetzt werden, dass sie wisse, dass
durch massive Schläge auf den Körper tödliche Verletzungen entstehen können.
Der Beschuldigte anerkenne, dass aufgrund des Verletzungsbildes mit massiver
Gewalt auf den Körper der Geschädigten G._ eingewirkt worden sein müsse.
Damit habe auch der Beschuldigte mit der Möglichkeit rechnen müssen, dass die
brutale Gewalt, mit der er auf die Geschädigte G._ einwirkte, zu schweren
Verletzungen an ihrem Körper oder schlimmstenfalls zu ihrem Tod führen könnte.
Daran ändere entgegen der Verteidigung der Umstand, dass der Beschuldigte im
Tatzeitraum alkoholisiert gewesen sei, nichts. Der Gutachter PD Dr. med. I._
habe eine Einschränkung der Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitraum
zwar nicht ausgeschlossen, die vorhandene Einschränkung aber aufgrund dessen
Verhaltens bzw. dessen Aktivitäten in diesem Zeitraum relativiert. Da nicht von
einer gänzlichen Aufhebung der Einsichtsfähigkeit auszugehen sei, müsse dem
Beschuldigten ein entsprechendes Wissen um die potenziell tödlichen Folgen
massiver Gewaltanwendung auf den menschlichen Körper auch zum Zeitpunkt
der Schläge angerechnet werden. Dass bei den früheren Gewaltanwendungen
des Beschuldigten offenbar keine derart schwerwiegenden Verletzungen
entstanden seien, die zu lebensbedrohlichen Verletzungen oder gar zum Tod der
Geschädigten G._ geführt hätten, ändere nichts daran, dass der
Beschuldigte grundsätzlich Kenntnis davon habe haben müssen, dass
Gewaltanwendungen in der von ihm an den Tag gelegten Brutalität sehr
schwerwiegende Verletzungen oder gar den Tod zur Folge haben können. Allein
aus dem Umstand, dass seine früheren gewalttätigen Übergriffe auf die
Geschädigte G._ glücklicherweise nicht den Tod zur Folge gehabt hätten,
habe er keinesfalls schliessen dürfen, dass dies auch bei künftigen
Gewalttätigkeiten so bleiben würde. Es sei rechtsgenügend erstellt, dass der
Beschuldigte im Tatzeitraum kognitiv die Schwere seiner Übergriffe habe erfassen
können und ihm habe bewusst sein müssen, dass seine massive Gewalt letztlich
auch zum Tod der Geschädigten G._
führen könnte. Das Verhalten des Beschuldigten entspreche einer
ausserordentlich schweren Sorgfaltspflichtverletzung. Aufgrund der grossen
Anzahl und der aussergewöhnlichen Brutalität der Schläge über einen längeren
- 16 -
Zeitraum
habe sich der Beschuldigte keinesfalls darauf verlassen dürfen, dass er die ihm
körperlich klar unterlegene, durch die Dauer und Intensität der Gewaltausübung
bereits angeschlagene sowie durch den vorgängigen massiven Alkoholkonsum in
ihrer Reaktionsfähigkeit und damit in ihrer Abwehrfähigkeit beeinträchtigte
Geschädigte G._ damit nicht tödlich treffen würde. Vielmehr sei das Risiko
des Beschuldigten, dass dieses Verhalten weitab jeglicher Sorgfalt eine schwere
Körperverletzung oder gar den Tod der Geschädigten G._ zur Folge haben
würde, sehr hoch gewesen. Der Eintritt ihres Todes habe sich ihm deshalb als so
wahrscheinlich aufdrängen müssen, dass sein Verhalten nur als dessen
Inkaufnahme ausgelegt werden könne (Urk. 235 S. 30-47).
2.2.5. Die Anklagebehörde hat anlässlich der Berufungsverhandlung keine neuen
Ausführungen zum Schuldpunkt gemacht (Urk. 283).
2.2.6. Die appellierende Verteidigung hat anlässlich der Berufungsverhandlung
den Anklagevorwurf - erneut - sowie das vorinstanzliche Urteil zusammengefasst
dahingehend kritisiert, der Beschuldigte habe zum Tatzeitpunkt aufgrund seiner
Bewusstseinstrübung kein Wissen dahingehend greifbar gehabt, dass die von ihm
gegen die Geschädigte geführten Schläge zu deren Tod führen könnten. Er habe
lediglich gewusst, dass er ein Unrecht begehe. Aufgrund seiner starken
Alkoholisierung habe er jedoch die mögliche tödliche Folge seiner Schläge nicht
intellektuell erfassen können. Auch ein Erfahrungswissen habe er nicht gehabt, da
aus seinen früheren Misshandlungen der Geschädigten bei ihr nie vergleichbare
schwere Verletzungen resultiert hätten. Da der Beschuldigte in seinem Nach-
tatverhalten gezeigt habe, dass er den Tod der Geschädigten nicht gewollt habe,
sei davon auszugehen, dass dies auch zum Tatzeitpunkt so gewesen sei
(Urk. 282 S. 4-15).
2.2.7. Die entsprechende Argumentation der Verteidigung ist in allen Teilen
schlicht falsch. Dass die Verteidigung sich dabei auf die Erwägungen des
Kassationsgerichts in dessen Beschluss vom 28. Juni 2010 stützt, macht sie
weder
lebensnaher noch überzeugender (vgl. Urk. 187 S. 23f. mit Verweis auf
- 17 -
Urk. 51/188 S. 48ff.): Der Beschuldigte hat die Geschädigte G._
anerkanntermassen hart geschlagen. Dass harte Schläge gegen den Kopf oder
den Rumpf eines Menschen zu lebensgefährlichen Verletzungen führen können,
ist tatsächlich Allgemeinwissen; die Verteidigung konzediert diesbezüglich
ausdrücklich eine entsprechende "allgemeine Lebenserfahrung" (Urk. 187 S. 23).
Bei harten
Schlägen gegen den Kopf eines Opfers ist - auch gemäss aktueller bundes-
gerichtlicher Praxis - mit Hirnverletzungen respektive damit zu rechnen, dass das
Opfer stürzt und sich als Sturzfolge solche Hirnverletzungen, die zum Tod führen
können, zuzieht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. April 2011 6B_758/2010
E.4.3.2.). Bei harten Schlägen gegen den Rumpf, beispielsweise die Bauch- oder
Nierengegend, ist damit zu rechnen, dass innere Organe (z.B. Lunge, Leber,
Nieren, Milz) verletzt werden und eine lebensgefährliche innere Blutung
verursacht wird. Betreffend dieses Allgemeinwissen ist es obsolet zu mutmassen,
ob und wann ein Täter in allenfalls welcher Schule welchen Biologieunterricht
genossen hat.
Die Verteidigung macht selber - auch anlässlich der Berufungsverhandlung
(Urk. 282 S. 7 ff.) - nicht geltend, der Beschuldigte sei infolge Alkoholisierung
komplett seiner Einsichts- respektive Steuerungsfähigkeit beraubt gewesen (vgl.
Art. 19 Abs. 1 StGB). Dies deckt sich auch mit der fachärztlichen Einschätzung
(Urk. 51/49; Protokoll in Proz. Nr. WG070005 [fortan GG Prot.] S. 831ff.). Die
Verteidigung kann daher mit dem Verweis auf eine verminderte Schuldfähigkeit
das Wissen des Beschuldigten um die Gefährlichkeit seiner gewalttätigen
Handlungen nicht gänzlich wegdiskutieren. Die verminderte Schuldfähigkeit ist
vielmehr nachfolgend Gegenstand der Strafzumessung.
Der Beschuldigte hatte die Geschädigte G._ bereits vor dem Tattag
wiederholt verprügelt, was bei der Geschädigten zu äusseren Verletzungen
namentlich in Form von Hämatomen am ganzen Körper führte. Aus der Tatsache,
dass sich diese Verletzungsbilder äusserlich nicht von demjenigen des Tattages
unterschieden, kann entgegen der Verteidigung natürlich nicht gefolgert werden,
der Beschuldigte habe die Geschädigte G._ am Tattag nicht härter
- 18 -
geschlagen als bei den früheren Übergriffen. Es ist davon auszugehen, dass es
bei den früheren Übergriffen bei äusserlichen Verletzungen geblieben ist; eine
Hospitalisierung oder notärztliche Behandlung war offenbar nie zwingend
notwendig respektive
erfolgte nie. Am Tattag erlitt die Geschädigte erstelltermassen jedoch auch
massive innere Verletzungen (Milzkapselriss, Blutungen der Darmaufhängung),
welche zu ihrem Tod führten und welche nur die Folge eines oder mehrerer
massiven Schlages resp. Schläge sein konnten (Urk. 235 S. 24 und S. 28f. mit
Verweisen). Dies indiziert zumindest stark, dass der Beschuldigte die
Geschädigte G._ am Tattag eben sehr wohl härter, massiver geschlagen hat
als bei
früheren Übergriffen. Gemäss der Verteidigung kehrte die Geschädigte G._
nach früheren Übergriffen "regelmässig nach Minuten oder spätestens Stunden"
zum Beschuldigten zurück (Urk. 51/161 S. 30). Nach dem inkriminierten Übergriff
war sie jedoch "nach wenigen Minuten bis maximal einer halben Stunde"
(Urk. 187 S. 17) tot! Wenn der Beschuldigte aber am Tattag die Geschädigte
G._ noch härter als früher geschlagen hat, hat er dies auch bemerkt und er
war sich somit der Gefahr, dass die Geschädigte schwerer verletzt wird als bei
früheren Übergriffen, zwingend bewusst. Aber selbst wenn der Beschuldigte die
Geschädigte G._ am Tattag mit genau derselben Intensität geschlagen hat,
wie früher, würde ihn dies nicht entlasten: Am Tattag hat der Beschuldigte der
Geschädigten G._ mindestens einen derart harten Schlag gegen den Körper
versetzt, dass bei dieser ein inneres Organ verletzt wurde und sie als Folge davon
innerlich verblutete. Wenn der Beschuldigte die Geschädigte G._ tatsächlich
früher schon derart hart gegen den Körper geschlagen hat, hätte diese tödliche
Folge schon bei einem früheren Übergriff eintreten können und es beruht einzig
auf Zufall, dass dies nicht geschehen ist. Der Beschuldigte wusste - wie jeder
Durchschnittsbürger -, dass sehr harte Schläge gegen den Körper eines
Menschen zu inneren, letztlich tödlichen Verletzungen führen können. Dies
wusste er schon beim ersten, bei sämtlichen weiteren und folglich auch beim
letzten, inkriminierten Übergriff. Wenn der Beschuldigte tatsächlich immer mit
derselben Intensität zugeschlagen hat, trifft in erschreckender Weise die
- 19 -
Mutmassung der als Zeugin befragten Hotelangestellten J._ zu, wonach das
Hotelpersonal, welches die Misshandlungen mitbekommen hatte, davon
ausgegangen sei, dass der Beschuldigte die Geschädigte einmal totschlagen
werde; es sei fast voraussehbar gewesen (Urk. 169 S. 4 mit Verweis auf das GG
Prot. S. 354). Wird davon ausgegangen, der Beschuldigte habe immer mit
derselben Härte zugeschlagen, war somit lediglich offen, welcher der zahlreichen
Übergriffe einen
letalen Ausgang nehmen würde.
Dass die inneren Verletzungen der Geschädigten G._ für den Beschuldigten
nicht sichtbar und somit nicht erkennbar waren, geht schliesslich am Haupt-
Anklagevorwurf vorbei: Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, die Geschädigte
geschlagen und im Zeitpunkt des Zuschlagens in Kauf genommen zu haben, sie
damit zu töten. Lediglich eventualiter wird ihm (im Sinne einer Unterlassung der
Nothilfe gemäss Art. 128 StGB) vorgeworfen, die Geschädigte verletzt, dies auch
bemerkt, ihr dann aber nicht geholfen zu haben. Letzteres ist vorliegend - beim
nachfolgenden Ergebnis zum Haupt-Anklagepunkt - nicht zu prüfen.
Demnach war beim Beschuldigten zum Zeitpunkt, als er massiv und hart gegen
den Rumpf der Geschädigten G._ schlug, das Wissen, dass ein einziger
oder mehrere solcher Schläge zu einer letztlich tödlichen inneren Verletzung der
Geschädigten führen können, vorhanden.
Dass der Beschuldigte die Geschädigte mit einem harten Schlag gegen sensible
Bereiche des Rumpfes willentlich tödlich verletzen wollte, wird ihm nicht
vorgeworfen. Wer jedoch weiss, dass ein massiver Schlag auf einen solchen
Bereich tödlich enden kann, und trotzdem schlägt, nimmt eine lebensgefährliche
und
allenfalls tödliche Verletzung des Opfers aber in Kauf. Dass der letztlich letale
Schlag unbeabsichtigt erfolgt ist, ist falsch: Der Beschuldigte hat bewusst und
bewusst hart zugeschlagen. Dass der Beschuldigte gezielt auf den sensiblen
Bereich der Milz geschlagen hat, ist mit der Verteidigung nicht erstellt. Wer jedoch
derart zahlreich über den ganzen Körper eines Opfers verteilt einschlägt, nimmt
dabei auch in Kauf, dass einer oder mehrere dieser Schläge sensible Körper-
- 20 -
bereiche treffen. Dass der Beschuldigte schliesslich die Sanität gerufen, diese
ungeduldig erwartet und nicht versucht hat, sich davon zu machen, sowie dass er
nach der Tat geschockt und traurig war, indiziert mit der Verteidigung, dass er den
Tod der Geschädigten G._ nicht gewollt hat. Dies alles steht jedoch dem
zwingenden Schluss, dass er tödliche Folgen für die Geschädigte G._, wenn
auch nicht gewollt, so aber doch in Kauf genommen hat, nicht entgegen.
2.2.8. Insgesamt ist auch der innere Sachverhalt gemäss dem Hauptanklage-
vorwurf (Urk. 51/59) dahingehend erstellt, dass der Beschuldigte willentlich und
wissentlich massiv mit den Händen auf die Geschädigte G._ einschlug und
dabei die Verursachung einer letztlich tödlichen Verletzung in Kauf genommen
hat. Wenn das Kassationsgericht mit Beschluss vom 28. Juni 2010 das -
zumindest grundsätzlich - auf derselben Einschätzung basierende Urteil des
Geschworenengerichts vom 18. Dezember 2007 (Urk. 51/179 S. 79) aufgehoben
hat, ist es mit seiner diesbezüglichen, lebensfremden Begründung (Urk. 51/188
S. 50f.)
seinerseits in Willkür verfallen.
2.3. Mithin hat der Beschuldigte zulasten der Geschädigten G._ den
objektiven wie den subjektiven Tatbestand (letzteren eventualvorsätzlich, Art. 12
Abs. 2 StGB; BGE 137 IV 1 E. 4.2.3. mit Verweisen) der vorsätzlichen Tötung im
Sinne von Art. 111 StGB erfüllt und ist in Bestätigung des angefochtenen
Entscheides schuldig zu sprechen (vgl. Urk. 235 S. 139-143; Art. 82 Abs. 4
StPO).
3. Anklagevorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung zulasten der Privat-
klägerin D._ (Urk. 51/98)
3.1. Der äussere Anklagesachverhalt war bereits anlässlich der
Hauptverhandlung insoweit unbestritten, dass der Beschuldigte einerseits in der
Nacht vom 29. auf den 30. Juni 2007 im Verlauf eines zunächst verbalen Streits
zahlreiche Male mit Faustschlägen auf den Rücken, den Kopf, die Beine, die
Arme und die Brust der Privatklägerin D._, welche seitlich zusammengerollt
auf dem Bett lag, eingeschlagen hat und das Opfer dabei mehrere Rippenbrüche
- 21 -
und Wirbelkörperfrakturen, eine Nierenlazeration, einen Pneumothorax,
zahlreiche Hautunterblutungen am gesamten Körper und auch am Kopf sowie
eine Zerreissung des Augapfels des rechten Auges mit daraus resultierender
Erblindung dieses Auges erlitten hat (Urk. 51/97/36 S. 3; Urk. 168 S. 8ff.; Urk. 187
S. 29; Urk. 231 S. 11).
Die Vorinstanz hat vorab wiederum die Aussagen des Beschuldigten sowie auch
diejenigen der Privatklägerin D._ ausführlich wiedergegeben, worauf zu ver-
weisen ist (Urk. 235 S. 48 und S. 53f.). Im Sinne der Bestreitungen des
Beschuldigten ist die Vorinstanz in ihrer darauf folgenden Beweiswürdigung zum
äusseren Anklagesachverhalt einzig dahingehend von der Anklage abgewichen,
dass nicht rechtsgenügend erstellt sei, dass der Beschuldigte die Privatklägerin
mit den
Füssen getreten habe, dass die Privatklägerin als Folge der Schläge ohnmächtig
geworden sei sowie, dass die Hautabschürfungen am Rücken der Privatklägerin
durch Schläge des Beschuldigten verursacht worden seien (Urk. 235 S. 62f.).
Die - unbestrittene - vorinstanzliche Beweiswürdigung des äusseren Anklage-
sachverhalts ist auch heute ohne Weiteres zu übernehmen.
3.2. Zum inneren Sachverhalt wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, die
Privatklägerin D._ willentlich und wissentlich lebensgefährlich mit massiver
Gewalt gegen den Körper verletzt und ihr Augenorgan mit bleibendem Schaden
zerstört zu haben. Zudem habe er gewusst, dass solche Schläge auf den Körper
eines Menschen den Tod zur Folge haben können, was er zumindest in Kauf
genommen habe (Urk. 51/97/36 S. 3). Die Anklagebehörde hat anlässlich der
Hauptverhandlung ausgeführt, der Beschuldigte habe schon allein aufgrund der
tödlichen Verletzungen, welche die Geschädigte G._ erlitten habe, gewusst,
was solche Gewalt, wie er sie gegen die Privatklägerin D._ ausgeübt habe,
bei einem menschlichen Körper verursachen könne. Dennoch habe er die
Privatklägerin D._ wissentlich und willentlich körperlich massivst malträtiert
(Urk. 169 S. 12).
- 22 -
3.3. Nachdem die Verteidigung im Hauptverfahren den inneren Anklagesach-
verhalt noch bestritten hat (Urk. 187 S. 30ff.), die Vorinstanz ihrer Argumentation
jedoch in keiner Weise gefolgt ist (Urk. 235 S. 63-71), haben anlässlich der
Berufungsverhandlung nun Beschuldigter und Verteidigung den Tatvorwurf
insgesamt und ohne Weiteres anerkannt (Urk. 282 S. 15; Urk. 281 S. 9 und S.
11). Dies ist immerhin insoweit bemerkenswert, als der - vorstehend erstellte -
innere Sachverhalt im Anklagepunkt betreffend die Geschädigte G._ mit in
wesentlichen Teilen derselben, betreffend die Privatklägerin D._ nun
aufgegebenen
Begründung nach wie vor bestritten wird. Der Beschuldigte gab auf
entsprechende Frage an der Berufungsverhandlung an, er anerkenne den
Vorwurf, mit dem Eintritt des Todes der Privatklägerin D._ gerechnet zu
haben, weil er diese im Vergleich viel härter geschlagen habe als die Geschädigte
G._ (Urk. 282
S. 11). Dies ist in zweifacher Hinsicht nicht nachvollziehbar: Einmal unterscheiden
sich die Verletzungen, die die Geschädigte G._ und die Privatklägerin
D._ davon getragen haben im Wesentlichen nicht, ausser dass die
Geschädigte G._ an ihren inneren Verletzungen (Milzkapselriss und
Blutungen der Darmaufhängung) gestorben ist und bei der Privatklägerin D._
ihre Nierenverletzung zwar lebensgefährlich war, jedoch mehr oder weniger
zufälliger- und jedenfalls glücklicherweise nicht zum Tod geführt hat. Der
Privatklägerin D._ hat der Beschuldigte sodann ein Auge zerstört, was
namentlich angesichts der zahlreichen Verletzungen der Geschädigten G._
auch im Kopf- und Halsbereich jedoch nicht heisst, dass der Beschuldigte die
Privatklägerin D._ deutlich härter geschlagen hat als die Geschädigte
G._. Die Aussage des Beschuldigten erstaunt sodann und insbesondere
auch daher, weil er sich ja gemäss konstanten eigenen Angaben weder an den
Tatablauf betreffend die Geschädigte G._ noch an jenen betreffend die
Privatklägerin D._ will erinnern können.
4. Anklagevorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung sowie der
Freiheitsberaubung zum Nachteil der Privatklägerin E._ (Urk. 35)
- 23 -
4.1. Dem Beschuldigten wird in diesem Punkt zusammengefasst vorgeworfen, am
Morgen des 25. März 2006 in seiner Wohnung aus Eifersucht die bei ihm
weilende Privatklägerin E._ während ein bis zwei Stunden am Verlassen der
Wohnung gehindert und mit den Fäusten gegen Kopf und Oberkörper geschlagen
zu haben. Anschliessend habe er die Privatklägerin aufs Sofa gestossen, sich
rittlings auf sie gesetzt und ihr unter Einsatz seines ganzen Körpergewichts ein
Kissen aufs Gesicht gedrückt und erst von ihr abgelassen, als ihr Körper erschlafft
und ihre Arme abgesackt seien. Durch das Auf-das-Gesicht-Drücken des Kissens
habe die Privatklägerin keine Luft mehr bekommen; die Schläge hätten zu
zahlreichen Prellungen und Blutergüssen am ganzen Körper der Privatklägerin
geführt. Der Beschuldigte habe um das Risiko des Erstickens der Privatklägerin
gewusst und dies zumindest in Kauf genommen (Urk. 35).
Nur vollständigkeitshalber ist zu erwähnen, dass dieser dritte Anklagepunkt durch
die Anklagebehörde als Nachtragsanklage nach Durchführung und Abschluss der
geschworenen- respektive kassationsgerichtlichen Verfahren in den Prozess
eingebracht wurde und daher durch die Vorinstanz erstmals beurteilt wurde.
4.2. Im Hauptverfahren hat der (zu diesem Anklagepunkt erbetene, nicht mit dem
amtlichen Verteidiger identische) Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. Y._,
ausführlichst geltend gemacht, das Anklageprinzip sei verletzt, da der Anklage-
sacherhalt "völlig unklar bzw. in sich widersprüchlich" sei. Es sei nicht klar,
inwieweit die Anklagebehörde davon ausgehe, der Beschuldigte habe der
Privatklägerin E._ durch das Auf-das-Gesicht-Drücken eines Kissens, das
Sich-auf-den-Oberkörper-Setzen oder eine Kombination von beidem das Atmen
verunmöglicht und in welchem Zusammenhang die aufgelisteten Verletzungen
der Privatklägerin dazu stehen sollen (Urk. 188 S. 4ff.).
Bereits die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, dass die entsprechende Rüge
der Verteidigung unbegründet ist (Urk. 235 S. 20f.): Gemäss Anklageschrift habe
der Beschuldigte gewusst, dass durch das Drücken eines Kissens auf das
Gesicht der Privatklägerin dieser die Atmung verunmöglicht werde und dies zu
ihrem Erstickungstod führen kann, was er auch in Kauf genommen habe. Durch
ein Aufsitzen auf ihren Brustkorb sei dies - lediglich - noch verstärkt worden
- 24 -
(Urk. 35 S. 4). Dem Beschuldigten ist bei dieser Art der Anklageschilderung ohne
Weiteres klar, welcher Tatvorwurf ihm gemacht wird (zum Anklageprinzip vgl.
Entscheid des Bundesgerichts 6B_389/2010 E. 1.3.1.).
Wenn die Verteidigung weiter anführte, weder ein Aufsitzen auf den Brustkorb der
Privatklägerin (mangels entsprechender Verletzungsspuren) noch ein
Verunmöglichen der Atmung durch Aufdrücken des Kissens (mangels
entsprechender
objektiver Anhaltspunkte) seien erstellt (Urk. 188 S. 6-11), ist dies eine Frage der
- nachfolgenden - Beweiswürdigung. Bezeichnenderweise hat die bisherige -
betreffend diesen Anklagepunkt nun neue - amtliche Verteidigung im
Berufungsverfahren die Rüge der Verletzung des Anklageprinzips nicht mehr
substantiiert vorgebracht (Urk. 282 S. 15f.).
4.3.1. Der Beschuldigte hat anlässlich der Hauptverhandlung eingestanden, die
Privatklägerin mit den Fäusten geschlagen und damit die fraglichen Verletzungen
verursacht zu haben. Er habe sie jedoch nicht eingesperrt, vielmehr habe sie
entgegen seinem Willen nicht gehen wollen. Er habe sie erst geschlagen, als sie
auf ihn losgegangen sei. Er habe sie nicht auf das Sofa gestossen, habe sich
nicht auf sie gesetzt und ihr auch kein Kissen auf das Gesicht gedrückt (Urk. 168
S. 15ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung sagte der Beschuldigte im selben
Sinne aus. Weshalb die Privatklägerin E._ die Unwahrheit erzähle, wisse er
nicht (Urk. 281 S. 13).
4.3.2. Die Vorinstanz hat vorab die Aussagen des Beschuldigten sowie diejenigen
der Privatklägerin E._ ausführlich wiedergegeben, worauf zu verweisen ist
(Urk. 235 S. 89-91, S. 95ff. und S. 102ff. mit den entsprechenden Verweisen). Im
Anschluss hat sie zusammengefasst erwogen, die Aussagen der Privatklägerin
E._ seien aufgrund ihrer Konstanz entgegen der Argumentation der
Verteidigung in den wesentlichen Punkten überzeugend. Erinnerungslücken habe
sie
offen eingestanden; der Vorfall sei sodann rund vier Jahre vor den Einvernahmen
erfolgt, was Erinnerungslücken auch erkläre. Die Privatklägerin habe den
Beschuldigten in ihren Aussagen nicht übermässig belastet und eher zurück-
- 25 -
haltend ausgesagt. Der von der Privatklägerin E._ hinsichtlich der
körperlichen Übergriffe geltend gemachte Tathergang entspreche sodann auch
den aktenkundigen medizinischen Berichten. Die Privatklägerin habe konstant,
gleichbleibend und damit grundsätzlich widerspruchsfrei wie auch detailliert
ausgesagt; einzeln vorhandene Abweichungen würden nicht das Kerngeschehen
betreffen. Die Beschreibungen der Privatklägerin wirkten eindrücklich,
authentisch,
anschaulich und seien damit glaubhaft. Dass die Privatklägerin das Geschilderte
erfunden habe, sei unwahrscheinlich. Die Privatklägerin habe sodann im Rahmen
der Einvernahmen bei der Schilderung der Übergriffe des Beschuldigten starke
psychische Belastung gezeigt, betreffend welche nicht anzunehmen sei, dass
sie vorgetäuscht worden seien. Auch der damalige Psychotherapeut der
Privatklägerin habe als Zeuge eine gravierende psychische Belastung der
Privatklägerin im Zusammenhang mit den Einvernahmen bestätigt. Dass die
Privatklägerin nach der Tat vier Jahre gewartet habe, bis sie Anzeige erstattet
habe, sei - auch gemäss den Aussagen der Zeugin K._, der leitenden Ärztin
im Ambulatorium ... Klinik -, damit plausibel erklärbar, dass die Privatklägerin von
den weiteren Übergriffen des Beschuldigten erfahren habe und habe verhindern
wollen, dass noch weitere Opfer zu Schaden kämen. Zusammenfassend seien
die Aussagen der Privatklägerin E._ - mit einer Divergenz einzelne Details
betreffend -
konstant und widerspruchsfrei. Sie würden einen erstaunlichen Detaillierungsgrad
aufweisen und insbesondere aufgrund der authentisch geschilderten und während
den Einvernahmen offensichtlich zu Tage getretenen körperlichen und
psychischen Stresssymptome als durchwegs glaubhaft erscheinen. Sodann
würden die Darstellungen der Privatklägerin durch die Aussagen der als Zeugen
einvernommenen Drittpersonen L._, des damaligen Partners der
Privatklägerin, der Ärztin K._ sowie des Psychotherapeuten M._ (wie sie
die Vorinstanz ebenfalls detailliert zitiert hat; Urk. 235 S. 124ff.) untermauert (Urk.
235 S. 100f.;
S. 115ff. ). Die Einwände des Beschuldigten gegen die Aussagen der Privat-
klägerin taxierte die Vorinstanz hingegen als nicht stichhaltig (Urk. 235 S. 114f.).
- 26 -
Gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin E._ sowie gestützt
auf die glaubhaften Aussagen der einvernommenen Zeugen L._, K._
sowie M._ sei der Anklagesachverhalt bezüglich des versuchten Erstickens
mit dem Kissen daher rechtsgenügend erstellt mit der einzigen Einschränkung,
dass nicht erstellt sei, dass der Beschuldigte der Privatklägerin rittlings (im Sinne
eines sog. Burkings) auf den Oberkörper gesessen sei (Urk. 235 S. 129).
4.3.3. Die lediglich betreffend den Sanktionspunkt anschlussappellierende
Anklagebehörde hat sich im Berufungsverfahren zu diesem Anklagepunkt nicht
geäussert (Urk. 283).
4.3.4. Im Berufungsverfahren hat die appellierende amtliche Verteidigung
einerseits die Glaubwürdigkeit der den Beschuldigten in diesem Anklagepunkt be-
lastenden Personen in Zweifel gezogen und andererseits Ungereimtheiten in den
Aussagen dieser Personen zuerst zum Tatkomplex der Freiheitsberaubung
herausgearbeitet, um daraus nachher auf deren fehlende Überzeugungskraft
auch im Tatkomplex der versuchten Tötung zu schliessen (Urk. 282 S. 15ff.). Mit
der
Verteidigung konnten die Zeugen L._ (der Partner der Privatklägerin E._
zum Tatzeitpunkt) sowie die K._ (eine die Privatklägerin E._ be-
handelnde Ärztin der ... Klinik) natürlich nur Schilderungen der Privatklägerin
E._ wiedergeben, waren sie doch zum fraglichen Zeitpunkt nicht am Tatort
anwesend (Urk. 282 S. 17). Entgegen der Verteidigung heisst dies jedoch nicht,
dass deren Aussagen keinerlei Beweiswert hätten: Wenn diese die Aussagen der
Privatklägerin stützen und untermauern - wie dies vorliegend zutrifft -, sind sie
selbstverständlich von Bedeutung. Der Zeuge L._ wurde über vier Jahre
nach der mutmasslichen Tat und den entsprechenden Schilderungen der
Privatklägerin durch die Behörden befragt. Zu diesem Zeitpunkt war die
Beziehung mit der Privatklägerin E._ bereits aufgelöst. Ein Motiv für eine
Falschbelastung des Zeugen zulasten des Beschuldigten ist nicht ersichtlich.
Seine Glaubwürdigkeit ist nicht tangiert. Mit Sicherheit ist jedoch der lange
Zeitablauf bei der Wiedergabe von Einzelheiten in seinen Aussagen zu
berücksichtigen. Bei der K._ als behandelnder Ärztin der Privatklägerin ist
- 27 -
ebenfalls keinerlei Motiv ersichtlich, weshalb sie den Beschuldigten zu Unrecht
belasten sollte. Dies gilt schliesslich auch betreffend die Privatklägerin E._
selber: Ihre Anzeige erfolgte knapp vier Jahre nach dem Vorfall und zu einem
Zeitpunkt, als der Beschuldigte durch das Geschworenengericht wegen zweier
weiterer Tötungsdelikte mit einer hohen Freiheitsstrafe belegt und zudem
verwahrt worden war (und bevor das Kassationsgericht diesen Entscheid
aufgehoben hat). Selbst wenn die Privatklägerin den Beschuldigten einfach aus
Boshaftigkeit hätten schädigten wollen - wofür es keinerlei Anzeichen gibt - hätte
sie dafür keinen Anlass mehr gehabt. Die Hypothese, das Motiv für eine
Falschbelastung des Beschuldigten durch die Privatklägerin liege allenfalls darin,
dass sie durch die anerkanntermassen erlittenen Schläge belastet und nach
Kenntnisnahme der Vorfälle mit D._ gewahr worden sei, was alles hätte
passieren können (Urk. 282 S. 33), entbehrt jeglicher Lebensnähe.
4.3.5. Wenn bereits die erbetene Verteidigung vor Vorinstanz argumentiert hat
(und die amtliche Verteidigung im Berufungsverfahren dies sinngemäss
wiederholt, Urk. 282. S. 18ff.), die Schilderungen der Privatklägerin seien "nicht
sehr konsistent, irritierend und widersprüchlich" (Urk. 188 S. 12f.), ist
vollumfänglich auf die in allen Teilen zutreffende Beweiswürdigung der Vorinstanz
zu verweisen: Die Aussagen der Privatklägerin sind detailliert, im Kerngeschehen
widerspruchsfrei, wirken erlebt und sind damit glaubhaft. Ob sich der Beschuldigte
genau auf den Brustkorb der Privatklägerin gesetzt hat, kann mit der Vorinstanz
letztlich
offen bleiben. Aufgrund der - auch - diesbezüglich überzeugenden Schilderungen
der Privatklägerin ist zweifelsfrei erstellt, dass der Beschuldigte sich auf die auf
dem Sofa liegende Privatklägerin gesetzt und sie damit fixiert hat und gleichzeitig
unter Einsatz seines Körpergewichts das fragliche Kissen auf ihr Gesicht gedrückt
hat. Ob das Auf-sie-Setzen des Beschuldigten die Privatklägerin zusätzlich in der
Atmung behindert hat, ist nicht entscheidend: Gemäss Anklageformulierung war
schon das Drücken des Kissens auf das Gesicht der Privatklägerin geeignet,
ihre Atmung bis zum Ersticken zu unterbinden. Dass der Beschuldigte ihr das
Kissen auf das Gesicht gedrückt und ihr damit die Luftzufuhr unterbunden hat, ist
wiederum gestützt auf die überzeugenden Aussagen der Privatklägerin erstellt.
- 28 -
Dass für die erlittene Atemnot der Privatklägerin "keine objektiven Anhaltspunkte"
vorliegen, schliesst eine solche entgegen der Verteidigung keinesfalls aus
(vgl. auch Urk. 282. S. 32). Wenn die amtliche Verteidigung im
Berufungsverfahren Unstimmigkeiten in den Aussagen des Zeugen L._
sowie der Privatklägerin E._ zu Nebensächlichkeiten herausarbeitet, ist dies
unbehelflich: Wie erwähnt sagte der Zeuge rund vier Jahre nach dem Vorfall und
dem Zeitpunkt aus, als er durch die Privatklägerin Informationen über den
Übergriff erhalten hat. Wenn sich in dieser Zeit Verwechslungen in
Nebensächlichkeiten einschleichen oder solche vergessen werden, ist dies
schlicht normal. So wird durch Unstimmigkeiten in den Aussagen des Zeugen
L._ entgegen der Verteidigung auch nicht die Glaubhaftigkeit der
Schilderungen der Privatklägerin E._ tangiert. Hinzu kommt, dass für die
Privatklägerin E._ mit Sicherheit der eigentliche körperliche Übergriff zentral
war und sich im Gedächtnis festsetzte. Dauer und genaue Umstände zur Art und
Weise, wie sie in der Wohnung des Beschuldigten festgehalten wurde, waren für
sie über die Jahre bis zu ihren Aussagen mit Sicherheit in den Hintergrund
gerückt. Aus entsprechenden Unsicherheiten oder Unstimmigkeiten betreffend
diesen Tatkomplex wird ihre im Kerngehalt glaubhafte Schilderung des tätlichen
Angriffs des Beschuldigten nicht in Zweifel gezogen. Nicht zu unterschlagen ist
sodann, dass das inkriminierte Verhalten des Beschuldigten in keiner Weise
wesensfremd war und grosse Parallelen zu den weiteren Anklagepunkten
aufweist: Die Privatklägerin wollte die Wohnung des Beschuldigten verlassen, um
zu einem anderen Mann zu gehen, was der Beschuldigte offensichtlich - und
einmal mehr - als nicht tolerierbare Zurückweisung empfand und die
Privatklägerin dafür disziplinieren wollte. Er gibt auch heute zu, die Privatklägerin
zum Tatzeitpunkt geschlagen zu haben (Urk. 281 S. 13 ). Während er früher noch
- völlig unglaubhaft - geltend machte, er sei von der Privatklägerin angegriffen
worden (Urk. 168 S. 17), konnte er anlässlich der Berufungsverhandlung
überhaupt keinen Grund für seine Schläge gegen die Privatklägerin E._ mehr
ins Feld führen (Urk. 281 S. 13). Die amtliche Verteidigung hat anlässlich der
Berufungsverhandlung schliesslich geltend gemacht, der Beschuldigte habe der
Privatklägerin E._ gar nicht bis zum Eintreten einer Atemnot ein Kissen auf
- 29 -
das Gesicht gedrückt, da die Privatklägerin selber zugegeben habe, sie habe
diese Atemnot lediglich vorgespielt und ihren Körper willentlich erschlaffen lassen
(Urk. 282 S. 27ff.). Der Einwand ist unbegründet: Die Privatklägerin hat
nachvollziehbar
geschildert, sie sei kurz vor dem Bewusstseinsverlust gewesen und habe
gedacht, es sei fertig; sie sei teilweise am Übertreten gewesen; sie habe gedacht,
sie sei in einer Übertrittsphase; die Dauer des Kissen-auf-das-Gesicht-Drückens
sei ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen (Urk. 235 S. 104ff. mit Verweisen).
Angesichts dieser anschaulichen Schilderung der tatsächlich erlittenen Atemnot
der Privatklägerin ist die Darstellung der Verteidigung, die Privatklägerin E._
habe ihre körperlichen Reaktionen auf die Luftknappheit lediglich vorgespielt,
nicht überzeugend. Ferner ist auch die Spekulation, über wie viele Sekunden der
Beschuldigte der Privatklägerin E._ das Kissen auf das Gesicht gedrückt
haben mag (Urk. 282 S. 29f.), unwesentlich und geht an der Sache vorbei. Dass
ein Mensch nicht mehr genügend Luft zum Überleben einatmen kann, wenn ihm
gewaltsam über eine gewisse Dauer ein grosses Kissen auf das Gesicht gedrückt
wird, ist - zum Subjektiven - einmal mehr grundlegendstes Allgemeinwissen - was
die Verteidigung im Berufungsverfahren ausdrücklich anerkennt, Urk. 282 S. 29 -,
über welches auch der Beschuldigte im Tatzeitpunkt verfügte (vgl. dazu Urk. 235
S. 137-139). Wenn er in diesem Wissen oder vielmehr trotz dieses Wissens das
Kissen auf ihr Gesicht gedrückt hat, bis die Privatklägerin erschlaffte, die Arme
absacken liess und keine Körperreaktionen mehr zeigte, hat er ihren Tod durch
Ersticken mindestens in Kauf genommen. Der äussere wie der innere Anklage-
sachverhalt sind damit rechtsgenügend erstellt. Die Argumentation der
Verteidigung, das Nachtatverhalten des Beschuldigten (Weinen, "oh-nein"-
Stöhnen,
Niedersinken) schliesse eine Tötungsabsicht des Beschuldigten aus (Urk. 282.
S. 31), trifft schliesslich allenfalls (aber auch diesbezüglich nicht mit Sicherheit)
auf ein direkt-vorsätzliches, willentliches Handeln des Täters zu: Dass ein Täter
einen Taterfolg lediglich in Kauf nimmt und, wenn dieser dann eintritt, darüber
nachher nicht erfreut ist, ist absolut möglich und auch nachfühlbar. Es ist sogar
ohne Weiteres möglich, dass ein Täter einen Taterfolg will, nach dessen Eintritt
- 30 -
jedoch bestürzt ist und die Sache gerne ungeschehen machen würde. Aus dem
Nachtatverhalten kann der Beschuldigte - wie bereits im Tatkomplex G._ -
hinsichtlich des Subjektiven nichts zu seinen Gunsten ableiten.
4.4. Damit hat der Beschuldigte auch betreffend die Privatklägerin E._
eventualvorsätzlich im Sinne von Art. 111 StGB gehandelt. Da die Privatklägerin
E._ überlebte, blieb es auch hier beim Versuch einer vorsätzlichen Tötung.
Der angefochtene Schuldspruch ist auch in diesem Punkt zu bestätigen.
4.5. Freiheitsberaubung
4.5.1. Den Anklagevorwurf, die Privatklägerin E._ gehindert zu haben, seine
Wohnung zu verlassen, hat der Beschuldigte im bisherigen Verfahren zuerst
sinngemäss eingestanden (vgl. Verweise in Urk. 168 S. 19), anschliessend jedoch
- wie auch anlässlich der Berufungsverhandlung - bestritten (vgl. Urk. 235 S. 130f.
mit Verweisen; Urk. 168 S. 16f.; Urk. 281 S. 13).
4.5.2. Die - damalige, erbetene - Verteidigung hat vor Vorinstanz argumentiert, die
massgeblichen Aussagen der Privatklägerin seien widersprüchlich, was die
amtliche Verteidigung im Berufungsverfahren sinngemäss wiederholt (Urk. 188
S. 12f.;Urk. 282 S. 18ff.).
4.5.3. Die Vorinstanz hat vorab die Aussagen der Privatklägerin E._, wie
diese sie in der Untersuchung deponiert hat, ausführlich zitiert (Urk. 235 S. 131-
134) und anschliessend zusammengefasst erwogen, die Privatklägerin E._
habe das Kerngeschehen konstant, gleichbleibend und in sich schlüssig
geschildert. Das Kerngeschehen betreffend liessen sich in den Aussagen der
Privatklägerin E._ kaum Widersprüche ausmachen; einzelne Divergenzen im
Aussageverhalten würden allesamt nicht den Kernsachverhalt betreffen. Dass die
Aussagen der Privatklägerin E._ bezüglich solcher Details unterschiedlich
und nicht
stereotyp ausgefallen seien, könne angesichts der erheblichen zeitlichen
Differenz zwischen dem Vorfall und den erfolgten Einvernahmen nicht erstaunen,
sondern spreche vielmehr für deren Glaubhaftigkeit. Sodann habe es sich um ein
- 31 -
dynamisches Geschehen gehandelt, welches sich in einer emotional
aufgewühlten Stimmung zugetragen und in dessen Verlauf der Beschuldigte
gegenüber der
Privatklägerin E._ massive körperliche Übergriffe ausgeübt habe. In
Berücksichtigung dieser besonderen Umstände sei es durchaus nachvollziehbar,
dass sich die Privatklägerin E._ nicht mehr übereinstimmend an sämtliche
Details
erinnern könne. Die Aussagen der Privatklägerin E._ würden zudem auch
durch die Aussagen der Zeugen L._ und K._ untermauert,
gemäss welchen die Privatklägerin E._ ihnen gegenüber ausgeführt habe,
vom Beschuldigten anlässlich des Vorfalls in dessen Wohnung festgehalten
worden zu sein. Gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin
E._ im Kerngeschehen sowie gestützt auf die glaubhaften Aussagen der
einvernommenen Zeugen L._ und K._ sei der Anklagesachverhalt
bezüglich des Festgehaltenwerdens gegen den Willen der Privatklägerin E._
rechtsgenügend erstellt mit der Einschränkung, dass aufgrund der diesbezüglich
uneinheitlichen Aussagen der Privatklägerin zugunsten des Beschuldigten von
einer Deliktsdauer von lediglich einer halben Stunde auszugehen sei (Urk. 235 S.
134-137).
4.5.4. Der vorinstanzlichen, sorgfältigen und ausführlichen Beweiswürdigung ist
nichts hinzuzufügen; diese ist vielmehr mit dem zitierten Resultat und unter
Verweis auf die vorstehende Beweiswürdigung zum Tatvorwurf der versuchten
vorsätzlichen Tötung zulasten der Privatklägerin E._ zu übernehmen.
4.6. Die entsprechende rechtliche Würdigung der Vorinstanz (Urk. 235 S. 148ff.)
ist zutreffend und bedarf keiner Ergänzungen. Der angefochtene Schuldspruch ist
auch in diesem Punkt zu bestätigen.
- 32 -
III. Sanktion
1.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten in Abgeltung der anklagegemässen
Verurteilung wegen vollendeter vorsätzlicher Tötung, mehrfacher versuchter
vorsätzlicher Tötung, sexueller Nötigung sowie weiterer Delikte mit 18 Jahren
Freiheitsstrafe sowie einer Busse von Fr. 500.-- bestraft (Urk. 235 S. 216). Das
Geschworenengericht des Kantons Zürich hatte den Beschuldigten mit Urteil vom
18. Dezember 2007 für die anklagegemässe Verurteilung betreffend jene
Anklagepunkte, die die Geschädigte G._ sowie die Privatklägerin (damals
noch Geschädigte) D._ betreffen, mit 13 Jahren Freiheitsstrafe sowie einer
Busse von Fr. 500.-- bestraft (Urk. 51/179). Die Vorinstanz hatte zusätzlich die
zulasten der Privatklägerin E._ begangenen Delikte zu sanktionieren.
1.2. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten beantragte im Hauptverfahren
eine Bestrafung mit maximal sechs Jahren Freiheitsstrafe, wobei sie jedoch von
einer komplett anderen, milderen rechtlichen Würdigung ausging als Anklage-
behörde und Vorinstanz (Urk. 187 S. 36). Für den Fall einer anklagegemässen
Verurteilung wurde eine Freiheitsstrafe von acht Jahren beantragt; Letzteres blieb
gänzlich unbegründet (Urk. 187 S. 36). Im Berufungsverfahren wiederholte die
appellierende Verteidigung ursprünglich noch ihren im Hauptverfahren gestellten
(Haupt-)Antrag (Urk. 236 S. 3), verlangte dann aber an der Berufungsverhandlung
- in Anerkennung eines Vorwurfs der versuchten Tötung - ein Strafmass von neun
Jahren Freiheitsstrafe (Urk. 282 S. 34ff.). Die anschlussappellierende Anklage-
behörde beantragte im Berufungsverfahren ein Strafmass von 20 Jahren
(Urk. 283 S. 1).
1.3. Die Vorinstanz hat sich im angefochtenen Entscheid ausführlich und
zutreffend zum anwendbaren Recht, der Bemessung des Strafrahmens unter
Berücksichtigung des Strafmilderungsgrundes der verminderten Schuldfähigkeit
sowie der Strafschärfungsgründe der Tatmehrheit wie der teilweisen mehrfachen
Tatbegehung, den allgemeinen Grundsätzen der Strafzumessung sowie des
Verbots der reformatio in peius betreffend die bereits vom Geschworenengericht
sanktionierten Delikte geäussert (Urk. 235 S. 156-160). Diese Erwägungen sind
- 33 -
zur Vermeidung von Wiederholungen ohne Weiteres zu übernehmen. Der
Einwand der Anklagebehörde, es liege betreffend die bereits durch das
Geschworenengericht sanktionierten Taten kein Fall einer reformatio in peius vor
(Urk. 283 S. 3), trifft nicht zu: Das geschworenengerichtliche Urteil wurde einzig
vom Beschuldigten angefochten. Nach Ansicht der Anklagebehörde hätte es
damit beim
geschworenengerichtlichen Strafmass sein Bewenden haben sollen. Hätte nach
erfolgter Aufhebung des geschworenengerichtlichen Urteils durch dass
Kassationsgericht anstelle des Bezirksgerichts und jetzt in zweiter Instanz des
Obergerichts erneut das Geschworenengericht über die Tatkomplexe G._
und D._ geurteilt, wäre dieses diskussionslos an sein Strafmass im
aufgehobenen Entscheid gebunden gewesen. Dass die Sache nach der
Aufhebung des
geschworenengerichtlichen Urteils durch das Kassationsgericht an das
Bezirksgericht zur Behandlung ging, lag einzig daran, dass das
Geschworenengericht
inzwischen abgeschafft worden war. Aus dieser politischen Entwicklung kann dem
Beschuldigten kein Rechtsnachteil erwachsen.
2.1. Zur Tatkomponente betreffend die vorsätzliche Tötung der Geschädigten
G._ und dort zur objektiven Tatschwere hat die Vorinstanz zusammengefasst
erwogen, das bei der Geschädigten festgestellte Verletzungsbild zeige, dass der
Beschuldigte ihr während längerer Zeit in brutaler Weise und mit grösster
Heftigkeit zahlreiche Schläge von Kopf bis Fuss versetzt habe, was von einer
beträchtlichen Gewaltbereitschaft zeuge. Der Beschuldigte habe über einen
längeren Zeitraum von mehreren Stunden Gewalt gegen die Geschädigte
G._ angewendet und sie dadurch gequält. Obwohl er mit den Händen
zugeschlagen und sich
keiner gefährlichen Gegenstände oder Waffen bedient habe, habe er mit seinem
Vorgehen eine sehr hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt. Das objektive
Tatverschulden sei als sehr schwer zu qualifizieren, wovon auch die Verteidigung
ausgehe (Urk. 235 S. 160f.).
- 34 -
Diese Erwägungen sind grundsätzlich zutreffend mit folgenden Korrekturen: Da
der Beschuldigte über Stunden äusserst heftig auf die Geschädigte G._
eingeschlagen hat, ist nicht nur von einer beträchtlichen, sondern von einer
äusserst grossen Gewaltbereitschaft auszugehen. Wenn die Vorinstanz sich
darüber
auslässt, inwiefern die Geschädigte G._ widerstandsunfähig gewesen sei,
handelt es sich dabei - mit Verweis auf die diesbezügliche, vorstehend zitierte
fachärztliche Meinung (vgl. Erw. 2.2.4.) - um eine Mutmassung. Dass die
Geschädigte als Folge der Schläge starke Schmerzen empfunden hat, ist aber
wohl zutreffend. Der Beschuldigte hat in der Tat eine sehr hohe kriminelle Energie
gezeigt. Die objektive Tatschwere wiegt mit Sicherheit schwer. Dass auch die
Verteidigung davon ausgehe, trifft jedoch nicht zu: Die entsprechende Bemerkung
machte die Verteidigung mit Bezug auf ihre eigene - unzutreffende - Qualifikation
der fahrlässigen Tötung (Urk. 187 S. 34; vgl. Urk. 282 S. 34).
2.2. Zur subjektiven Tatschwere der Tötung der Geschädigten G._ hat die
Vorinstanz erwogen, der Beschuldigte habe die Tat nicht geplant und mit
Eventualvorsatz gehandelt. Das Tatmotiv habe gemäss Gutachter in einer
aktuellen Eifersuchtsproblematik sowie in einer Unzufriedenheit des
Beschuldigten darüber, dass die Geschädigte nicht "gespurt" habe, bestanden.
Die Tat des Beschuldigten gegenüber der Geschädigten G._ sei somit
egoistisch motiviert gewesen. Er habe sich nicht im Geringsten um ihr Befinden
gekümmert, nachdem er ihr die zahlreichen Schläge versetzt hatte. Mit seinem
Vorgehen habe der Beschuldigte eine erstaunliche Gleichgültigkeit gegenüber
dem menschlichen Leben manifestiert (Urk. 235 S. 161f.). Dies alles ist ohne
Weiteres zutreffend.
Im Weiteren hat die Vorinstanz die durch den Facharzt Dr. med. I._ über
mehrere Begutachtungen erstellte Diagnose einer Alkoholabhängigkeit vom Typ
des Intoxikationstrinkens, der alkoholischen Wesensänderung, der
Persönlichkeitsstörung mit histrionischen, dissozialen und emotional-instabilen
Elementen und der Charakterneurose zitiert und als Folge dieser pathologischen
Befunde in Verbindung mit einer zu vermutenden hohen Alkoholisierung des
- 35 -
Beschuldigten im Tatzeitraum vom 3.12 Gewichtspromillen Blutalkoholgehalt eine
Verminderung der Schuldfähigkeit in hohem Grade angenommen (Urk. 235 S.
162-167). Die Wiedergabe der Darlegungen des Gutachters ist korrekt, ebenso
deren Einschätzung als nachvollziehbar und begründet und auch der daraus
gezogene Schluss betreffend die Schuldfähigkeit: Auch der Gutachter attestierte
dem
Beschuldigten schwere psychische Störungen in tataktueller Kombination mit
einem toxischen Effekt des Alkohols, was bei einem sog. leichten Rausch zu einer
in mittlerem Grade verminderten Steuerungsfähigkeit, bei einem sog. mittestarken
Rausch zu einer Verminderung der Steuerungsfähigkeit in mittlerem bis hohem
Grade geführt habe. Ausgehend von einer starken toxischen Wirkung in
Kombination mit der Wesensänderung und bei Annahme einer stark
ausgeprägten
Amnesie habe eine Verminderung der Schuldfähigkeit in hohem Grade resultiert
(Urk. 235 S. 164f. mit Verweisen).
Mit der Vorinstanz wird die grosse objektive Tatschwere durch die subjektiven
Elemente gemildert, weshalb das Verschulden insgesamt als erheblich zu
qualifizieren ist. Wenn die Vorinstanz auf dieser Basis innerhalb des weiten Straf-
rahmens mit Blick auf die für sämtliche zu beurteilenden Delikte auszufällende
Gesamtstrafe für die eventualvorsätzliche Tötung der Geschädigten G._ eine
Einsatzstrafe von 7 Jahren Freiheitsstrafe bemessen hat, erscheint dies
angemessen.
2.3. Zur Tatkomponente betreffend die versuchte vorsätzliche Tötung der
Privatklägerin D._ und dort zur objektiven Tatschwere hat die Vorinstanz
zusammengefasst erwogen, der Beschuldigte habe auch der Privatklägerin
D._ am ganzen Körper bis zur ihrer Regungslosigkeit massive Schläge in
grosser Anzahl versetzt und dadurch erneut eine sehr grosse Gewaltbereitschaft
an den Tag
gelegt. Dies obwohl er bereits aus dem Verfahren betreffend seine
Gewalttätigkeiten gegenüber G._ aus eigener Erfahrung gewusst habe, wie
gefährlich heftige Schläge sein können. Die Privatklägerin D._ sei zwar an
- 36 -
den
heftigen Gewalttätigkeiten des Beschuldigten und den daraus resultierenden
inneren Verletzung nicht gestorben, dies sei jedoch einzig einem glücklichen
Umstand zuzuschreiben. Der tatbestandsmässige Erfolg habe zum Tatzeitpunkt
sehr nahe gelegen. Sodann habe der Beschuldigte der Privatklägerin D._ mit
seinen Schlägen ins Gesicht den rechten Augapfel zerrissen, was die Erblindung
ihres rechten Auges, mithin eine ausserordentlich schwere und das weitere Leben
massiv einschränkende bleibende Beeinträchtigung zur Folge gehabt habe. Auch
bei der Privatklägerin D._ würden die festgestellten Verletzungen von der
enormen Gewaltbereitschaft des Beschuldigten zeugen. Die Privatklägerin
D._ habe durch die gewalttätigen Übergriffe grosse Schmerzen erlitten und
während langer Zeit leiden müssen. Nach Beendigung der tätlichen Übergriffe
habe der Beschuldigte eine ärztliche Behandlung der Privatklägerin verhindert
und sie während mehrerer Tage in ihrem schmerzhaften und gesundheitlich stark
beeinträchtigten Zustand ausharren lassen. Wiederum habe der Beschuldigte mit
sehr hoher krimineller Energie gehandelt. Das objektive Tatverschulden wiege
auch bezüglich der Gewalttätigkeiten gegenüber der Privatklägerin D._ sehr
schwer, wie dies auch von der Verteidigung anerkannt werde (Urk. 235 S. 168f.
und S. 171). Diese Erwägungen der Vorinstanz sind fast vollumfänglich korrekt
und zu übernehmen. Zum Schmerzempfinden der Privatklägerin D._ hat die
Vorinstanz hier zurecht auf die überzeugenden Aussagen der Privatklägerin
abgestellt. Dass der Beschuldigte die Privatklägerin nach vollendeter Tat noch
sexuell genötigt hat, ist nachstehend - und nicht doppelt - zu berücksichtigen. Die
objektive Tatschwere wiegt mit Sicherheit hoch; dass die Verteidigung dies
konzediert habe, trifft wiederum nicht zu: Die entsprechende Bemerkung machte
die Verteidigung hinsichtlich der sexuellen Nötigung sowie ihrer - wiederum
falschen, inzwischen aufgegebenen - rechtlichen Qualifikation der Tat als
einfache Körperverletzung (Urk. 187 S. 34; Urk. 282 S. 15). Wenn der
Beschuldigte angesichts der Tatsache, dass sich seine Übergriffe gegen die
Privatklägerin D._ über mehrere Nächte hinzogen, tatsächlich entlastend für
sich in Anspruch nehmen will, er habe die Privatklägerin versorgt und sei ihrem
Befinden nicht komplett gleichgültig gegenüber gestanden (Urk. 282 S. 37),
- 37 -
widerspricht dies diametral den Schilderungen der Privatklägerin D._ und
zeigt die krasse Verzerrung der Wirklichkeit durch den Beschuldigten.
2.4. Zur subjektiven Tatschwere der versuchten Tötung der Privatklägerin
D._ hat die Vorinstanz erwogen, der Beschuldigte habe die Tat nicht geplant
und nicht mit direktem Vorsatz gehandelt. Das Tatmotiv liege darin, dass der
Beschuldigte der Privatklägerin D._ ein Verhältnis mit N._ vorgeworfen
habe, was egoistisch sei. Überaus egoistisch erscheine zudem sein Verhalten am
folgenden Tag, als er aus Angst, die Privatklägerin D._ würde ihn als
Urheber ihrer Verletzungen bezeichnen, ihr trotz ihrer schweren Verletzungen
eine ärztliche Behandlung vorenthalten habe (Urk. 235 S. 169). Dies ist
uneingeschränkt zu übernehmen. Unter erneutem Verweis auf die Ausführungen
des fachärztlichen Gutachters hat die Vorinstanz sodann eine in mittlerem Grad
verminderte Schuldfähigkeit angenommen (Urk. 235 S. 170f. mit Verweisen), was
ebenfalls überzeugt.
Auch hier relativiert die subjektive Tatschwere die objektive Tatschwere, weshalb
das Tatverschulden als mindestens erheblich zu qualifizieren ist.
2.5. Auch was die Vorinstanz zum Verschulden des Beschuldigten betreffend die
sexuelle Nötigung der Privatklägerin D._ erwogen hat, ist uneingeschränkt zu
übernehmen: Der Beschuldigte führte der Privatklägerin D._ gegen deren
Willen verschiedene Gegenstände von jeweils erheblicher Grösse in den After
und befahl ihr, nackt auf allen Vieren durch die Wohnung zu kriechen. Damit hat
er ihr grosse Schmerzen zugefügt, ihr sexuelles Selbstbestimmungsrecht
missachtet und sie schwer erniedrigt. Verschuldensmässig sehr schwer wiegt,
dass der Beschuldigte die Privatklägerin D._ zu den eingeklagten sexuellen
Handlungen nötigte, nachdem er in der vorangegangenen Nacht brutal auf sie
eingeschlagen und ihr die in der Anklageschrift vom 4. Oktober 2007
umschriebenen Verletzungen zugefügt hatte. Dass er ihr die Duldung der
erwähnten sexuellen Handlungen abnötigte, obwohl sie sehr schwer verletzt war -
sie verlor sogar ein Auge - und unter Schmerzen litt, zeigt seine grosse
Verachtung ihr gegenüber. Die objektive Tatschwere wiegt daher sehr schwer. In
subjektiver Hinsicht stellte der Beschuldigte mit seinem Vorgehen seine sexuellen
- 38 -
Bedürfnisse weit über das Befinden der bereits schwer beeinträchtigten
Privatklägerin D._ und er nutzte ihre Hilflosigkeit rücksichtslos, brutal und
egoistisch aus. Er behandelte sie wie ein
Objekt und handelte absolut menschenverachtend. Die wiederum mit Verweis auf
die gutachterliche Beurteilung eingeschränkte Schuldfähigkeit des Beschuldigten
relativiert das Verschulden zwar in gewisser Weise, dieses wiegt jedoch immer
noch mindestens erheblich (Urk. 235 S. 171f.). Auf diesen Punkt zutreffend ist im
übrigen die bereits vorstehend zitierte Feststellung der Vorinstanz, dass der
amtliche Verteidiger ausdrücklich ein schweres Verschulden des Beschuldigten
anerkannt hat (Urk. 187 S. 34 unten; vgl. den dazu widersprüchlichen Einwand
der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung; Urk. 282 S. 37).
2.6. Die Vorinstanz hat in der Folge für die versuchte (eventual-)vorsätzliche
Tötung sowie die sexuelle Nötigung der Privatklägerin D._ eine Erhöhung
der vorstehend ermittelten Einsatzstrafe um sieben Jahre bemessen und diese in
Abgeltung der verschuldensmässig noch leicht wiegenden (zusätzlichen) ein-
fachen Körperverletzung (einzelner Faustschlag auf das Auge der Privatklägerin)
sowie des Besitzes verbotener Pornografie nochmals um 3 Monate erhöht
(Urk. 235 S. 172f.). Letzteres erscheint zwar milde, ist jedoch insgesamt ebenfalls
als angemessen zu übernehmen.
3. In der Folge hat die Vorinstanz sehr ausführlich und detailliert die
Täterkomponente der bisher beurteilten Delikte abgehandelt. Zum Werdegang
und den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ist auf die entsprechende
Darstellung im angefochtenen Entscheid zu verweisen (Urk. 235 S. 174-178).
Anlässlich der Berufungsverhandlung hat der Beschuldigte zur Aktualisierung
ausgeführt, dass er in der Strafanstalt .... untergebracht sei und dort versucht
habe, einen Therapieplatz zu erhalten. Er müsse aktuell aufgrund von
gesundheitlichen Beschwerden diverse Medikamente einnehmen, könne aber
arbeiten. Er habe bis vor kurzem in der Schreinerei gearbeitet und arbeite nun in
einem Atelier an der Stichsage. Er unterhalte aus dem Gefängnis aus zu seiner
Mutter, seinem Bruder, seiner Schwester in Deutschland und zwei Freunden
- 39 -
Kontakt. Zu seinen
drei Kindern habe er keinen Kontakt. ( Urk. 281 S. 2 ff.). Mit der Vorinstanz wirken
sich die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten bei der Strafzumessung
neutral aus. Er weist keine erhöhte Strafempfindlichkeit auf. Die - nicht ein-
schlägigen - Vorstrafen des Beschuldigten wirken sich merklich straferhöhend aus
(vgl. Auflistung in Urk. 235 S. 179 mit Verweisen); gegenüber dem Zeitpunkt der
Ausfällung des vorinstanzlichen Urteils sind jedoch lediglich noch drei Vorstrafen
im Strafregister verzeichnet (Urk. 239; Urk. 25/2; Art. 369 Abs. 7 StGB). Deutlich
straferhöhend wirken sich die (eventual-)vorsätzliche Tötung der Geschädigten
G._ während der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 30. Juni 2004
angeordneten stationären Massnahme und die Delikte gegenüber der
Privatklägerin D._ während der bei der bedingten Entlassung aus dieser
Massnahme angesetzten einjährigen Probezeit aus wie auch die Delikte
gegenüber der Privatklägerin D._ während des laufenden Strafverfahrens
und nach erlittener Untersuchungshaft (vgl. Urk. 235 S. 180). Der Beschuldigte ist
im äusseren Anklagesachverhalt grundsätzlich sowie betreffend die Privatklägerin
D._ heute uneingeschränkt geständig, bestreitet jedoch nach wie vor den
inneren Sachverhalt
betreffend zwei der am schwersten wiegenden Delikte der vollendeten sowie
einer versuchten (eventualvorsätzlichen) Tötung. Dem Beschuldigten ist daher
zurecht unter dem Titel Nachtatverhalten sein (Teil-)Geständnis nur reduziert
strafmindernd anzurechnen (Urk. 235 S. 180f.). Daran ändert im übrigen auch das
im Berufungsverfahren, nach sechs Jahren Verfahrensdauer nachgeschobene
Geständnis betreffend die Privatklägerin D._ nichts Substantielles. Wenn die
Vorinstanz dem Beschuldigten die lange Verfahrensdauer (unter deutlicher
Verneinung einer Verletzung des Beschleunigungsgebots) sowie die vor-
prozessuale Berichterstattung durch die Medien (ohne eine mediale Vorver-
urteilung anzunehmen) strafmindernd angerechnet hat (Urk. 235 S. 182), ist dies
wohlwollend, wird jedoch auch seitens der Anklagebehörde nicht bemängelt
(Urk. 283 S. 12) und kann daher als noch angemessen übernommen werden.
4. Abschliessend hat die Vorinstanz erwogen, in Berücksichtigung der Täter-
komponente wäre die nach der Beurteilung der Tatkomponente festgesetzte
- 40 -
hypothetische Einsatzstrafe von 14 Jahren und 3 Monaten Freiheitsstrafe
eigentlich zu erhöhen, in Nachachtung das Verbots der reformatio in peius könne
jedoch die vom Geschworenengericht für dieselben Delikte ausgesprochene
Freiheitsstrafe von 13 Jahren nicht überschritten werden (Urk. 235 S. 182). Dem
ist nichts hinzuzufügen. Entgegen der appellierenden Verteidigung und der
anschlussappellierenden Anklagebehörde (Urk. 283 S. 3f.) ist die vorinstanzliche
Strafzumessung bis hierher nicht zu beanstanden.
5.1. Zur Tatkomponente betreffend die versuchte vorsätzliche Tötung sowie die
Freiheitsberaubung der Privatklägerin E._ und dort zur objektiven
Tatschwere hat die Vorinstanz zusammengefasst erwogen, der Beschuldigte
habe der Privatklägerin E._ zahlreiche Schläge versetzt, welche
oberflächliche Verletzungen verursacht und eine sehr grosse Gewaltbereitschaft
des Beschuldigten belegt hätten. Diese gehe auch daraus hervor, dass der
Beschuldigte die Privatklägerin E._ unter Einsatz seines ganzen
Körpergewichts bewegungsunfähig gemacht sowie ihr ein Kissen auf das Gesicht
gedrückt und ihr die Luftzufuhr so lange unterbunden habe, bis ihr Körper
erschlafft sei. Damit habe der Beschuldigte die Privatklägerin E._ in grosse
Todesangst versetzt. Die Freiheitsberaubung erscheine mit einer Dauer von etwa
einer halben Stunde noch nicht übermässig lang. Dennoch habe der Beschuldigte
mit seinem Vorgehen die Bewegungsfreiheit der Privatklägerin E._ verletzt.
Insgesamt wiege das objektive Tatverschulden bezüglich der versuchten
vorsätzlichen Tötung und der Freiheits-beraubung schwer (Urk. 235 S. 183f.).
Diese Erwägungen sind grundsätzlich richtig, bedürfen jedoch noch der
Präzisierung: Vorab wiegt die objektive Tatschwere betreffend die
Freiheitsberaubung im Rahmen des Möglichen noch leicht. Die massiven Schläge
gegen Kopf und Oberkörper, die der Beschuldigte der Privatklägerin E._
versetzte und die auch zu - minder gravierenden - Verletzungen führten, waren
weder geeignet noch dazu gedacht, bei der Privatklägerin zu einer Todesfolge zu
führen, noch wurde
Solches seitens des Beschuldigten in Kauf genommen. Diese Schläge sind somit
vom eigentlichen tatbeständlichen Vorgehen, dem Fixieren der Privatklägerin und
- 41 -
Abschneiden der Luftzufuhr durch den Beschuldigten, separat zu betrachten.
Richtig ist jedoch die Feststellung der Vorinstanz, dass der Beschuldigte damit
eine grosse Gewaltbereitschaft gezeigt hat. Dass die eigentliche Tathandlung
nicht zum Tod der Privatklägerin geführt hat, ist einzig einem glücklichen Zufall zu
verdanken: Gemäss der überzeugenden Schilderung der Privatklägerin war das
Tatvorgehen des Beschuldigten nicht nur geeignet, bei ihr Todesangst auszu-
lösen, sondern ihr auch tatsächlich die lebensnotwendige Luftzufuhr
abzuschneiden, was bei ihr ohne Weiteres hätte zum Erstickungstod führen
können. Sie
zeigte denn auch entsprechende körperliche Reaktionen, indem ihr Körper die
Kraft verlor und erschlaffte. Erst zu diesem Zeitpunkt liess der Beschuldigte von
der Privatklägerin ab. Ob die Privatklägerin zu diesem Zeitpunkt noch am Leben
sein würde, war aus der Sicht des Beschuldigten eigentlich dem Zufall über-
lassen. Wenn der Beschuldigte gemäss der glaubhaften Schilderung der
Privatklägerin zum Zeitpunkt, als ihr Körper erschlaffte und er von ihr abliess, über
sein Handeln erschrocken war, "oh, nein" sagte und das Kissen auf dem Gesicht
der reglosen Privatklägerin liegen liess, indiziert dies sogar, dass er in diesem
Moment davon ausging, die Privatklägerin sei gestorben. Die Tatsache, dass es
beim Tötungsversuch blieb, reduziert die objektive Tatschwere damit nicht
wesentlich. Die Vorinstanz hat dies richtig erkannt, aber fälschlicherweise unter
der subjektiven Tatschwere abgehandelt (Urk. 235 S. 184f.). Der Beschuldigte hat
auch gegenüber der Privatklägerin E._ seine äusserst hohe kriminelle
Energie manifestiert. Die objektive Tatschwere wiegt mit der Vorinstanz eigentlich
schwer.
5.2. Zur subjektiven Tatschwere hat die Vorinstanz zudem erwogen, der
Beschuldigte habe die versuchte vorsätzliche Tötung nicht geplant und mit
Eventualvorsatz gehandelt. Das Tatmotiv sei Eifersucht und damit egoistisch
gewesen. Zu Gunsten des Beschuldigten sei tatzeitaktuell von einer spürbaren
Alkoholisierung und dementsprechend einer leicht verminderten Schuldfähigkeit
des Beschuldigten auszugehen. Das objektiv sehr schwere Verschulden werde
durch die subjektiv zu berücksichtigenden Aspekte merklich reduziert und sei
insgesamt erheblich (Urk. 235 S. 184f.). Diese Erwägungen sind grundsätzlich
- 42 -
zutreffend und einzig in zwei Punkten zu ergänzen: Einmal hat der Beschuldigte
die Freiheitsberaubung direktvorsätzlich begangen und auch dabei seine
egoistische, selbstherrliche
Haltung demonstriert. Sodann hat er anlässlich der Berufungsverhandlung
dezidiert ausgesagt, er sei zum Tatzeitpunkt nicht alkoholisiert gewesen (Urk. 281
S. 15) Ein Verminderung seiner Schuldfähigkeit lässt sich daher höchstens mit
den ihm attestierten Persönlichkeitsstörungen begründen.
5.3. Wenn die Vorinstanz dem Beschuldigten seine persönlichen Verhältnisse an
dieser Stelle (wenn auch nur marginal) strafmindernd angerechnet hat (Urk. 235
S. 185f.), steht dies im Widerspruch zur Strafzumessung betreffend die Delikte
zulasten der Geschädigten G._ und der Privatklägerin D._ und ist mit
der konkreten Erwägung auch inhaltlich nicht überzeugend: Es ist nicht einsehbar,
weshalb die Tatsache, dass der Beschuldigte zwischen der Kultur seines
Herkunftslandes und der westlichen Kultur hin- und hergerissen war, zu einer
Strafminderung führen soll. Ein nachfühlbarer Nachteil ist ihm in seiner
Lebensführung daraus nicht erwachsen. Der Beschuldigte unterscheidet sich
dies-
bezüglich auch nicht von sämtlichen anderen Straftätern mit
Migrationshintergrund. Zur Strafempfindlichkeit, den Vorstrafen, dem Delinquieren
während
laufender Probezeit und pendentem Strafverfahren, der Zeitdauer seit der Tat-
verübung sowie der Medienberichterstattung gilt das vorstehend Erwogene (vgl.
Urk. 235 S. 186f.). Der Beschuldigte bestreitet sowohl die eigentliche versuchte
Tötung wie auch die Freiheitsberaubung. Er ist daher im Wesentlichen unge-
ständig und kann folglich -entgegen der Vorinstanz - auch keinerlei Einsicht und
Reue für sich reklamieren.
5.4. Die Vorinstanz hat die für die zulasten der Geschädigten G._ und der
Privatklägerin D._ begangenen Delikte bemessene Einsatzstrafe von 13
Jahren Freiheitsstrafe in Abgeltung der zulasten der Privatklägerin E._
begangenen Delikte um fünf Jahre erhöht, was zu einer Gesamtstrafe von 18
Jahren Freiheitsstrafe führte (Urk. 235 S. 187). Dies erscheint angesichts der
- 43 -
Tatsache, dass der Beschuldigte bei der Tatverübung zulasten der Privatklägerin
E._ in seiner Schuldfähigkeit weniger stark eingeschränkt war als bei den
übrigen Delikten insofern als zu milde, als für die versuchte, eventualvorsätzliche
Tötung (inklusive Freiheitsberaubung) eine Sanktion von rund sieben Jahren
Freiheitsstrafe als angemessen erscheint. Daher ist der Beschuldigte - auch in
Nachachtung des
Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB - insgesamt mit 19 Jahren
Freiheitsstrafe zu bestrafen.
5.5. Der Anrechnung der bisher erstandenen Haft sowie des vorzeitigen
Strafvollzugs steht nichts entgegen (Art. 51 StGB). 5.6. Ein (teil-)bedingter
Strafvollzug steht vorliegend weder objektiv (Sanktionshöhe) noch subjektiv
(Massnahmebedürftigkeit des Beschuldigten) zur Diskussion.
6. Die vorinstanzlich ausgefällte Busse von Fr. 500.-- und die diesbezüglich
angeordnete Ersatzfreiheitsstrafe werden im Berufungsverfahren von keiner Seite
substantiiert angefochten und sind ohne Weiteres zu bestätigen.
7.1. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid gegen den Beschuldigten
eine Verwahrung im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB ausgesprochen (Urk. 235
S. 216). Bereits das Geschworenengericht hatte in seinem Urteil vom 18.
Dezember 2007 den Beschuldigten verwahrt (Urk. 51/179). Die Anklagebehörde
beantragt im Berufungsverfahren, die Verwahrungsanordnung sei zu bestätigen
(Urk. 283 S. 13ff.). Die appellierende Verteidigung stellt sich auf den Standpunkt,
es sei von einer Verwahrung abzusehen. Nachdem seitens des Beschuldigten im
Hauptverfahren noch die Anordnung einer stationären Massnahme gemäss
Art. 59 und 60 StGB beantragt wurde, wird nun im Berufungsverfahren verlangt,
es sei "grundsätzlich eine Freiheitsstrafe unter gleichzeitiger Anordnung einer
vollzugsbegleitenden ambulanten Therapie in Betracht zu ziehen" (Urk. 189;
Urk. 236; Urk. 282 S. 56). In diesem Zusammenhang ging bei der Kammer am
30. April 2013 eine Eingabe der amtlichen Verteidigung ein mit dem Beweis-
ergänzungsantrag, es sei eine Zweitbegutachtung anzuordnen, verbunden mit
dem Antrag auf Verschiebung der Berufungsverhandlung (Urk. 270).
- 44 -
Vorab ist dieses Vorgehen der Verteidigung zu rügen: Der Gutachter Dr. med.
I._ ist im vorliegenden Verfahren seit 2007, somit seit sechs Jahren, aktiv;
der heutige amtliche Verteidiger seit vier Jahren. Weder vor Kassationsgericht
noch vor Vorinstanz wurden die Ausführungen des Gutachters durch die
Verteidigung inhaltlich bemängelt. Der Verteidiger plädierte anlässlich der
Hauptverhandlung vielmehr, "die Gutachten und die dazugehörenden
Ausführungen des Gutachters sollen im Folgenden die Grundlage sein für die
Beantwortung der (sich stellenden) Fragen", "die Gutachten müssen zur
Anordnung einer stationären Massnahme gemäss Art. 59 in Kombination mit Art.
60 StGB führen" (Urk. 189 S. 4). Mit keinem Wort wurde inhaltliche Kritik an den
Ausführungen von Dr.med. I._ geübt. 3⁄4 Jahre später und ganze acht
Arbeitstage vor der zweitinstanzlichen Berufungsverhandlung teilt die
Verteidigung nun plötzlich sinngemäss mit, alles in den letzten sechs Jahren vom
Gutachter I._ Fabrizierte sei insgesamt untauglich, um über den
Prozessgegenstand entscheiden zu können. In der Berufungserklärung der
Verteidigung vom November 2012 wurde noch mitgeteilt, dass "vorderhand auf
Beweisanträge verzichtet wird" (Urk. 236; vgl. Art. 399 Abs. 3 lit. c StPO), obwohl
die von ihr nun aufgeworfene Problematik der Verteidigung schon zu diesem
Zeitpunkt bekannt sein musste.
7.2. Der Beschuldigte hat die vorliegend zu beurteilenden Taten in den Jahren
2004 bis 2007 und damit vor Inkrafttreten des neuen Massnahmerechts im Jahr
2008 begangen. Die Vorinstanz hat zum anwendbaren Recht vorab erwogen,
dass in Nachachtung des Grundsatzes der Anwendbarkeit der lex mitior (Art. 2
Abs. 2 StGB) vorliegend - grundsätzlich - eine neurechtliche Verwahrung nach
Art. 64 Abs. 1 StGB, nicht jedoch eine lebenslange Verwahrung nach Art. 64
Abs. 1bis StGB angeordnet werden kann (Urk. 235 S. 188-190). Keine der
Parteien hat dem weder im Haupt- noch im Berufungsverfahren widersprochen
(Urk. 182 und 189; Urk. 282 und 283).
7.3. In der Folge hat die Vorinstanz die theoretischen Grundsätze zur Anordnung
einer stationären respektive ambulanten Massnahme wie auch einer Verwahrung
angeführt, worauf verwiesen werden kann (Urk. 235 S. S. 190f. ; S. 196; S. 201).
- 45 -
Vorab ist festzuhalten, dass der Beschuldigte gemäss den vorstehenden
Erwägungen und entgegen der Argumentation der Verteidigung zur rechtlichen
Würdigung eine vollendete und zwei versuchte vorsätzliche Tötungen begangen
hat und damit die objektive Voraussetzung der Anordnung einer Verwahrung
gemäss Art. 64 Abs. 1 StGB ohne Weiteres erfüllt ist.
7.4. Bei der Prüfung der Anordnung einer Massnahme nach den Art. 59-61, 63
und 64 StGB stützt sich das Gericht auf eine sachverständige Begutachtung
(Art. 56 Abs. 3 StGB). Bei den Akten sind die folgenden Begutachtungsresultate:
- Gutachten von PD Dr. med. I._ vom 12. November 2006 (Urk. 51/49), in
Auftrag gegeben nach den Taten des Beschuldigten zulasten der Geschädigten
G._
- zweites Gutachten von PD Dr. med. I._ vom 22. Oktober 2007
(Urk. 51/110), in Auftrag gegeben nach den Taten des Beschuldigten zulasten
der Privatklägerin D._
- Aussagen des Gutachters PD Dr. med. I._, wie er sie als Sachver-
ständiger Ende des Jahres 2007 im Rahmen des Geschworenengerichts-
prozesses gemacht hat (Urk. GG Prot. S. 816ff.)
- Ergänzungsgutachten von PD Dr. med. I._ vom 4. Juni 2012
(Urk. 134)
- Schriftliche Antworten von PD Dr. med. I._ vom 10. Juli 2012
(Urk. 176 und Urk. 177) auf ihm vorgängig durch das Gericht schriftlich ge-
stellte Fragen
- Aussagen des Gutachters PD Dr. med. I._, wie er sie als Zeuge im
Rahmen des vorinstanzlichen Hauptverfahrens am 12. Juli 2012 gemacht hat
(Urk. 214 [von der Vorinstanz irrtümlicherweise als Urk. 212 zitiert] S. 4).
Die Vorinstanz hat diese diversen Einschätzungen des Facharztes ausführlich
wiedergegeben (Urk. 235 S. 192-195 mit Verweis auf S. 163-166; S. 198;
S. 200f.). Im Wesentlichen hat sie den Gutachter wie folgt zitiert:
- 46 -
Der Gutachter habe beim Beschuldigten ein Alkoholabhängigkeitssyndrom vom
Typ des Intoxikationstrinkens diagnostiziert, wobei sein Trinkverhalten von einem
sog. Kontrollverlust (Gamma-Typus) gekennzeichnet sei. Ferner habe der
Gutachter beim Beschuldigten eine alkoholische Wesensveränderung festgestellt.
Weiter sei dem Beschuldigten die Diagnose einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung zu stellen. Schliesslich sei beim Beschuldigten auch eine
neurotische Persönlichkeitsstörung im Sinne einer Charakterneurose zu
erkennen. Gemäss Gutachter seien die psychischen Störungen beim
Beschuldigten so stark ausgeprägt, dass sie als erheblich einzustufen seien. In
seinem Ergänzungsgutachten vom 4. Juni 2012 habe der Gutachter die in seinem
Gutachten vom 22. Oktober 2007 gestellte Diagnose der Alkoholabhängigkeit
vom Typ des Intoxikationstrinkens, der alkoholischen Wesensänderung, der
Persönlichkeitsstörung mit
histrionischen, dissozialen und emotional-instabilen Elementen und der
Charakterneurose bestätigt. Der Gutachter gehe davon aus, dass zwischen den
schweren psychischen Störungen des Beschuldigten und den Taten ein kausaler
Zusammenhang bestehe. Bezogen auf die Einschätzung der Rückfallgefahr sei
gemäss Gutachter keine Änderung an der in den früheren Gutachten und vor
Geschworenengericht geäusserten sehr negativen Prognose vorzunehmen. Es
bestehe weiterhin eine Rückfallgefahr in erheblichem Ausmass (Urk. 235 S. 163-
166 mit Verweisen) dahingehend, dass der Beschuldigte in Rauschzuständen
seine Aggressionen nicht kontrollieren könne und sich zu aggressiven, impulsiven
und gewalttätigen Handlungen hinreissen lasse. Insofern sei die Legalprognose
als äusserst ungünstig einzustufen, wenn es nicht gelinge, ein Abstinenzverhalten
sicherzustellen. Gemäss Gutachter sei aus rein medizinischer Sicht betrachtet die
Anordnung einer Massnahme, welche die Abstinenz sicherstelle, unerlässlich, um
weiteres Unheil zu verhüten. Auch im Ergänzungsgutachten werde an der sehr
negativen Prognose des Beschuldigten keine Änderung vorgenommen. Auch
nach langer Abstinenz und Rückbildung der Wesensänderung bestehe eine
Rückfallgefahr von erheblichem Ausmass. Grundsätzlich verlange jede der drei
diagnostizierten Störungen "Alkoholabhängigkeit", "Persönlichkeitsstörung" und
"Charakterneurose" nach einer psychotherapeutischen Behandlung. Angesichts
- 47 -
der fatalen Folgen, die die Rückfälle beim Beschuldigten immer wieder gezeitigt
hätten, sei die Einhaltung der Abstinenz bei ihm ein striktes Erfordernis. Diese
Abstinenz sei extramural nicht garantiert. Schon bei Beurlaubungen bzw. bei einer
Entlassung sei die Rückfallverhinderung keineswegs garantiert und könne, wie
dies der Verlauf der Alkoholabhängigkeit beim Beschuldigten gezeigt habe, nicht
in erforderlicher Art und Weise gesichert werden. Die Fähigkeit des Beschuldigten
zur Dissimulation erhöhe die Gefahr, dass er von der Umgebung unbemerkt
wieder in eine Trinkphase gerate. Ausserdem habe sich der Beschuldigte
unverlässlich gezeigt, wenn es um die Einhaltung therapeutischer Auflagen
gegangen sei. Da der Beschuldigte zu komplizierten Räuschen neige, habe in
Bezug auf die Abstinenz das Gebot der Nulltoleranz zu gelten. Die "lückenlose"
Abstinenz
ausserhalb des Haftregimes mit der gebotenen Sicherheit könne höchstens durch
eine Vergällungskur gewährleistet werden. Allerdings sei seitens des
Beschuldigten kooperatives Verhalten nötig, da er die Abgabestelle zur Einnahme
des
Antabus regelmässig aufsuchen müsse. Der Beschuldigte habe sich bisher durch
eine large und laxe Haltung in der Kooperation mit therapeutischen Einrichtungen
ausgezeichnet, weshalb in dieser Hinsicht besondere Vorsicht anzubringen sei.
Gemäss Ansicht des Gutachters solle der Beschuldigte ausserhalb der Haft-
situation ohne die Installierung dieser "inneren Mauer" nicht herumlaufen. Für die
Behandlung der Persönlichkeitsstörung und der Charakterneurose seien
spezifische psychotherapeutische Psychotherapieverfahren angebracht. Beim
Beschuldigten wäre ein nochmaliger Aufenthalt in einer Suchtklinik durchaus
vertretbar, wenn sein schwerer Alkoholismus nicht mit der Gefahr verheerender
Gewaltausbrüche verbunden wäre, weshalb diese Möglichkeit aus den erwähnten
Gründen nicht in Betracht falle. Grundsätzlich könne der Erfolg einer Behandlung
nicht
völlig ausgeschlossen werden. Bei der Einleitung einer Behandlung der
Persönlichkeitsstörung und der Charakterneurose liege eine erfolgreiche
Behandlung im Bereiche einer realistischen Erwartung. Der Beschuldigte habe die
bisherigen
- 48 -
Behandlungen zwar wegen ungenügender Kooperation und Ernsthaftigkeit sowie
aus krankeitsimmanenten Gründen nicht erfolgreich abschliessen können, dies
bedeute aber nicht, dass eine Behandlung nicht erfolgreich abgeschlossen
werden könne. Allerdings sei auch ein Rückfall in den Alkoholismus, die
Verstrickung in eine Beziehung vom alten Muster und ein Kontrollverlust mit
aggressiven Ausbrüchen in bekannter Manier nicht auszuschliessen.
Zusammenfassend sei gemäss Gutachter zum heutigen Zeitpunkt eine
Behandlung nach Art. 59 StGB oder eine intensive ambulante Behandlung nicht
völlig chancenlos. Gemäss den gutachterischen Ausführungen vom Juli 2012
würden konstitutionell begründete Persönlichkeitsstörungen allgemein als
schwierig behandelbar gelten, mit eher beschränkten Erfolgsaussichten.
Ausserdem spreche das Scheitern mehrerer Bemühungen für die Hartnäckigkeit
der Störung und verdüstere die
Erfolgsaussichten. Werde mit der therapeutischen Massnahme zur Behandlung
der Persönlichkeitsstörung und der Charakterneurose die Erwartung verbunden,
der Beschuldigte werde aufgrund des Therapieerfolges keinen Rückfall in die
Alkoholsucht erleiden, so sei wegen des extrem hohen Gefährlichkeitsgrades der
Rauschzustände des Beschuldigten von ungenügenden Erfolgsaussichten
auszugehen. Es bestehe zwar die Möglichkeit, dass der Beschuldigte seine Ein-
stellung erfolgreich wandeln und zur dauerhaften Abstinenz motiviert werden
könne, allerdings sei diese Aussicht völlig ungewiss. Aus diesen Gründen sei
unabhängig davon, welche Massnahme angewendet werde bzw. wo die
Behandlung durchgeführt werde, aus psychiatrischer Sicht extramural immer eine
engmaschig kontrollierte Antabusbehandlung dringend notwendig, damit der
Alkoholkonsum blockiert sei. Es gäbe keine Möglichkeit, dem Beschuldigten in
Freiheit zu verbieten, eine neurotische Beziehung mit altruistischen Motiven
einzugehen
respektive Frauenkontakt zu haben (Urk. 235 S. 192-195).
7.5. Vorab ist vorzumerken, dass die Verteidigung die Einschätzungen des
Gutachters hinsichtlich der beim Beschuldigten diagnostizierten, multiplen
psychischen Krankheiten anerkennt, wie auch dahingehend, dass die zu
beurteilenden Delikte mit diesen Anomalien in kausalem Zusammenhang stehen
- 49 -
und dass im unbehandelten oder nicht erfolgreich behandelten Zustand eine hohe
Rückfallgefahr besteht, d.h. aktuell eine schlechte Legalprognose zu stellen ist.
Es ist nicht nur die Behandlungsbedürftigkeit des Beschuldigten unbestritten, es
sind auch die vorstehend zitierten Voraussetzungen der Anordnung einer
Verwahrung gemäss Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB erstellt (Urk. 189 S. 5; S. 8; Urk.
282 S. 43). Strittig ist mithin einzig, ob der Rückfallgefahr des Beschuldigten mit
einer
therapeutischen Massnahme ausreichend begegnet werden kann oder ob es
dazu einer Verwahrung bedarf (vgl. Urk. 189 S. 8). Wenn die Verteidigung sich
vor Vorinstanz über weite Strecken ihrer Ausführungen kritisch mit den dies-
bezüglichen Erwägungen des Geschworenengerichts auseinander gesetzt hat,
interessiert dies schliesslich vorliegend - wie bereits eingangs erwogen - nicht
(vgl. Urk. 189 S. 10ff.).
Im gesamten bisherigen, langjährigen Verfahren über mehrere Instanzen inklusive
bezirksgerichtlichem Hauptverfahren ging die Verteidigung zudem - wie schon
vorstehend erwogen - davon aus, dass die zitierten Ausführungen des Gutachters
auch die Grundlage für die Beantwortung der Frage nach einer stationären
Massnahme respektive einer Verwahrung des Beschuldigten zu bilden haben
(Urk. 189 S. 4). Dass die zuletzt im Juli 2012 aktualisierten Einschätzungen des
Gutachters schlüssig und vollständig sind sowie auch heute die nötige Aktualität
aufweisen, wird erst seit der Eingabe vom 29. April 2013 bestritten (Urk. 270).
7.6. Mit den Darlegungen des Gutachters hat die Vorinstanz sich in den
Erwägungen des angefochtenen Entscheides zusammengefasst wie folgt
auseinander gesetzt:
Gemäss dem psychiatrischen Gutachter PD Dr. med. I._ sei die
konstitutionell bedingte Persönlichkeitsstörung des Beschuldigten nur schwer
therapierbar. Die Aussicht einer Therapie sei völlig ungewiss. Die lange Dauer der
unbehandelten Persönlichkeitsstörung führe jedenfalls zu einer längeren
Therapiedauer. Die Behandlung der Persönlichkeitsstörung führe zu
ungenügenden Erfolgsaussichten betreffend die Rückfälle in die Alkoholsucht, da
von einem extrem
- 50 -
hohen Gefährlichkeitsgrad der Rauschzustände des Beschuldigten auszugehen
sei. Der Erfolg einer Behandlung sei zwar nicht völlig ausgeschlossen, sondern
liege im Bereich einer realistischen Erwartung; andererseits sei ein Misserfolg
nicht auszuschliessen. Gemäss Gutachter bestehe zwar die vage Hoffnung, dass
eine Besserung des Zustandes des Beschuldigten eintreten könne, aber er
attestiere ihm keine realistischen Aussichten auf einen Erfolg bzw. keine hin-
reichende Wahrscheinlichkeit, dass sich die Gefahr weiterer Straftaten im Sinne
der - diesbezüglich massgebenden - bundesgerichtlichen Rechtsprechung innert
fünf Jahren deutlich verringern werde. Bisherige Therapien hätten "nur" den
Alkohol zum Thema gehabt und seien selbst diesbezüglich gescheitert. Sodann
habe der Beschuldigte die Therapeuten über seine jeweiligen brisanten Probleme
tendenziell im Ungewissen gelassen. Die Einschätzung des Gutachters spreche
eindeutig gegen eine stationäre Therapie. Der mit einer stationären Massnahme
zwecks Suchtbehandlung nach Art. 60 StGB verbundene Freiheitsentzug könne
sodann im Falle der Verlängerung der Massnahme und einer Rückversetzung
nach einer bedingten Entlassung die Höchstdauer von sechs Jahren nicht
überschreiten (Art. 60 Abs. 4 StGB). Der Beschuldigte bedürfe nach Einschätzung
des Gutachters einer lebenslänglichen Abstinenz bzw. der lebenslänglichen
Einnahme von Antabus. Letzteres könne nach Abschluss einer stationären
Massnahme im Rahmen einer ambulanten Antabus-Behandlung nur während der
Dauer der bei der bedingten Entlassung angesetzten Probezeit angeordnet und
schon gar nicht sichergestellt werden, da der Beschuldigte sich der Behandlung
durch Untertauchen entziehen könnte. Insgesamt könne weder eine ambulante
Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB angeordnet werden noch weise eine
stationäre Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB bzw. Art. 60 StGB genügende
Erfolgsaussichten auf. Da die durch einen Rückfall gefährdeten Rechtsgüter zu
wertvoll
seien, sei der Beschuldigte im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB zu verwahren
(Urk. 235 S. 198-202).
7.7. Anlässlich der Berufungsverhandlung hat die Verteidigung einerseits die
Äusserungen des Gutachters angeführt und diese interpretierend die Anordnung
einer Massnahme verlangt: So habe der Gutachter ausgeführt, grundsätzlich sei
- 51 -
eine erfolgreiche Psychotherapie geeignet, die Rückfallgefahr in den
Alkoholrausch und damit in die Delinquenz zu vermindern. Die Frage, ob eine
erfolgreiche Therapie deliktspräventive Wirkung hätte, habe der Gutachter mit
"Eindeutig ja" beantwortet. Die Verteidigung verkürzte die zitierten Ausführungen
dann zur Behauptung, der Gutachter habe die Frage, ob eine Psychotherapie
deliktspräventiv wirke, eindeutig bejaht (Urk. 282 S. 44-47). Diese Interpretation
ist ohne
Weiteres aktenwidrig: Der Gutachter hat nicht ausgeführt, eine Psychotherapie
wirke deliktspräventiv, sondern eine erfolgreiche. Die entsprechende
Pauschalisierung, der Gutachter spreche sich "grundsätzlich" oder "in der
Tendenz" für eine Therapie unabhängig ihrer Erfolgsaussichten aus, ist falsch.
Die Frage, inwieweit der Gutachter einer Therapie tatsächlich Erfolgsaussichten
zubilligt, wird nachstehend behandelt.
Andererseits macht die Verteidigung heute geltend, die Ausführungen von
Dr.med. I._ seien insgesamt ungenügend, um über die Frage, ob eine
Verwahrung nach Art. 64 Abs. 1 StGB anzuordnen sei, entscheiden zu können.
Sie
verlangt diesbezüglich beweisergänzend eine neue Begutachtung des
Beschuldigten. Zur Untermauerung ihrer Argumentation hat die Verteidigung mit
ihrer Eingabe vom 29. April 2013 eine durch sie beim Psychiater Dr.med.
O._ in Auftrag gegebene Beurteilung der gutachterlichen Aussagen von
Dr.med. I._ eingereicht. Dr.med. O._ hat weder den Beschuldigten
exploriert, noch standen ihm die Verfahrensakten zur Verfügung. Sein ihm durch
die Verteidigung erteilter Auftrag bestand offenbar einzig darin, die Resultate der
Begutachtungen von Dr. I._ in formaler Hinsicht zu beurteilen. Dies hat er
denn auch getan (Urk. 272). Unter Verweis darauf hat die Verteidigung anlässlich
der Berufungsverhandlung geltend gemacht, "ob ein psychiatrisches Gutachten
mangelhaft ist oder nicht, beurteilt das Gericht regelmässig auch unter Beizug
psychiatrischen Fachwissens" (Urk. 282 S. 49). Dies ist schlicht falsch: Das
Gericht ist aufgrund der normativen gesetzlichen Regelung in Art. 56 Abs. 3 StGB
- 52 -
gehalten, für den Entscheid über die Anordnung einer Massnahme - auch - nach
Art. 64 StGB eine sachverständige, d.h. fachärztliche Begutachtung einzuholen.
Gestützt auf diese Expertenmeinung dann die massgebliche gesetzliche
Bestimmung anzuwenden, ist die Kompetenz des Gerichts, genau gleich wie über
die Frage zu entscheiden, ob die vorliegende Expertenmeinung dazu formal und
inhaltlich ausreichend ist. Dieser Entscheid ist durch das Gericht nicht an einen
weiteren Sachverständigen zu delegieren.
Wenn seitens der Verteidigung dem Gutachter I._ sodann zumindest sinn-
gemäss vorgeworfen wird, seine verschiedenen Beurteilungen seien
widersprüchlich, ist dem das Folgende entgegen zu halten: Das erste Gutachten
erstattete Dr.med. I._ nach der Tat zum Nachteil der Geschädigten G._,
als die Taten zum Nachteil der Privatklägerin E._ noch nicht bekannt und
diejenigen zum Nachteil der Privatklägerin D._ noch gar nicht begangen
waren. Das zweite Gutachten erstattete er dann nach den Taten zum Nachteil der
Privatklägerin D._ und ebenfalls noch in Unkenntnis der Taten zum Nachteil
der Privatklägerin E._. Die aktuelleren Beurteilungen erfolgten schliesslich in
Kenntnis und vor dem Hintergrund sämtlicher heute zu beurteilender Taten. Dass
diese unterschiedlichen Vorgaben sich auch im Inhalt der jeweiligen Gutachten
niedergeschlagen haben, liegt auf der Hand und lässt nicht auf eine inkonsistente
Beurteilung des Beschuldigten durch den Gutachter schliessen.
7.8. Die Verteidigung beantragte im Hauptverfahren, der Alkoholismus des
Beschuldigten sei mit einer stationären Massnahme nach Art. 60 StGB zu
behandeln, die verbleibenden Pathologien seien mit einer stationären
Massnahme für psychisch schwer Gestörte im Sinne von Art. 59 StGB
anzugehen. Nach Ansicht des Gutachters sei die Alkoholabhängigkeit des
Beschuldigten durch eine konsequent auf Abstinenz orientierte Behandlung
grundsätzlich therapierbar; für die Behandlung der Persönlichkeitsstörungen und
der Charakterneurose des
Beschuldigten bestünden diverse Psychotherapieverfahren, welche eine Chance
bergen würden, dass eine erhebliche Besserung des zu behandelnden Leidens
allenfalls bis hin zur Heilung erreicht werden könne (Urk. 235 S. 196ff. mit
- 53 -
Verweisen auf Urk. 189). Anlässlich der Berufungsverhandlung legte sich die
Verteidigung nicht mehr konkret fest: Es seien beim Beschuldigten die Voraus-
setzungen einer strafvollzugsbegleitenden ambulanten Massnahme im Sinne von
Art. 63 (i.V.m. Art. 59 und 60 StGB) gegeben. Ihren Antrag betreffend die
anzuordnende Massnahme hat die Verteidigung offenbar deshalb geändert, da -
wie sie anführt - an eine strafvollzugsbegleitende Massnahme weniger hohe
Anforderungen an den Erfolg geknüpft würden, als an eine stationäre Behandlung
nach Art. 59 StGB (gemäss welchem eine deutliche Senkung der Rückfallgefahr
verlangt werde) (Urk. 282 S. 57).
Diese Argumentation veranlasst dazu, an dieser Stelle die bundesgerichtliche
Praxis zu Art. 64 Abs. 1 StGB zu wiederholen:
Das Gericht ordnet die Verwahrung an, wenn der Täter einen Mord, eine vor-
sätzliche Tötung, eine schwere Körperverletzung, eine Vergewaltigung, einen
Raub, eine Geiselnahme, eine Brandstiftung, eine Gefährdung des Lebens oder
eine andere mit einer Höchststrafe von fünf oder mehr Jahren bedrohte Tat
begangen hat, durch die er die physische, psychische oder sexuelle Integrität
einer andern Person schwer beeinträchtigt hat oder beeinträchtigen wollte (Art. 64
Abs. 1 StGB), und wenn auf Grund einer anhaltenden oder langdauernden
psychischen Störung von erheblicher Schwere, mit der die Tat in Zusammenhang
stand, ernsthaft zu erwarten ist, dass der Täter weitere Taten dieser Art begeht
und die Anordnung einer Massnahme nach Art. 59 StGB (stationäre
therapeutische Massnahme) keinen Erfolg verspricht (Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB)
(Urteil des Bundesgerichts 6B_315/2012 vom 21. Dezember 2012 E. 1.3.)
Die seitens der Verteidigung nun neu ins Spiel gebrachte strafvollzugsbegleitende
ambulante Massnahme kann gemäss klarem Wortlaut des zitierten Bundes-
gerichtsentscheides gar nicht dazu führen, dass von einer Verwahrung abge-
sehen werden könnte. Hinzu kommt, dass aufgrund der äussersten Schwere
sowohl der Suchtkrankheit wie auch der Persönlichkeitsstörungen des
Beschuldigten nicht im Ernst davon ausgegangen werden kann, diesen wäre
(unabhängig von der Dauer der Behandlung) lediglich mit einer ambulanten
Behandlung im Strafvollzug beizukommen.
- 54 -
Somit bleibt abschliessend die Frage, ob sämtliche Darlegungen des Gutachters
Dr.med. I._ ausreichend ausführlich und klar sind zur Beantwortung der
Frage, ob die hinreichende Wahrscheinlichkeit besteht, dass durch eine stationäre
therapeutische Massnahme über die Dauer von fünf Jahren die Gefahr von
weiteren mit der psychischen Störung in Zusammenhang stehenden Straftaten im
Sinne von Art. 64 StGB deutlich verringert wird (BGE 134 IV 315 E. 5).
Die Diagnose der Alkoholabhängigkeit vom Typ des Intoxikationstrinkens,
der kombinierten Persönlichkeitsstörung sowie der Charakterneurose ist
(unbestrittenermassen) nach wie vor gegeben. Mit der Verteidigung und gestützt
auf die Ausführungen des Gutachters ist davon auszugehen, dass infolge der
mittlerweile mehrjährigen, erzwungenen Alkoholabstinenz des Beschuldigten eine
alkoho-lische Wesensänderung aktuell nicht mehr vorliegt (Urk. 176/1 S. 2 und
Urk. 177; Urk. 189 S. 5f.). Der Gutachter geht davon aus, dass die Erfolgsaussicht
für eine Therapie zur Behandlung der Persönlichkeitsstörung und der
Charakterneurose dahingehend, dass dadurch Rückfälle in die Alkoholsucht
vermieden werden
können, ungenügend sei (Urk. 177). Die Aussicht, ob der Beschuldigte
therapeutisch zu einer Dauerabstinenz motiviert werden könne, sei völlig
ungewiss
(Urk. 177; Urk. 134 S. 77ff.). Daher sei extramural (d.h. nach Abschluss jed-
welcher stationärer Behandlung respektive Entlassung aus dem Strafvollzug) dem
Beschuldigten lebenslang der Alkoholkonsum durch die Abgabe von Antabus zu
vergällen (Urk. 177; GG Prot. S. 875). Die Verteidigung hat vor Vorinstanz die
Ausführungen des Gutachters zitiert und diesen dahingehend nicht wider-
sprochen, dass die Alkoholabhängigkeit - lediglich - "grundsätzlich" therapierbar
und eine Erfolgsaussicht für eine Psychotherapierung der Persönlichkeitsstörung
sowie der Charakterneurose des Beschuldigten nicht garantiert seien, wobei die
Persönlichkeitsstörung als sehr schwer behandelbar zu gelten hat (Urk. 189
S. 8f.).
Die Problematik des Beschuldigten liegt in der Kombination einerseits der Alko-
holkrankheit mit starker Neigung zu "komplizierten Räuschen" respektive
- 55 -
"Rauschzuständen mit extrem hohem Gefährlichkeitsgrad" (Urk. 177) und seinen
weiteren psychischen Störungen. Die Alkoholkrankheit wurde in der
Vergangenheit mehrfach erfolglos therapeutisch angegangen. Immerhin
bemerkenswert ist dabei, dass der Beschuldigte es gegenüber seinen bisherigen
Therapeutinnen an Kooperation missen liess; die Verteidigung bestreitet
diesbezüglich eine eigentliche Therapieunwilligkeit nicht ausdrücklich (Urk. 189 S.
21). Anlässlich der
Berufungsverhandlung hat der Beschuldigte selber freimütig eingestanden, dass
er die bisherigen Therapien seiner Alkoholsucht nicht Ernst genommen habe
(Urk. 281 S. 4). Wenn der Gutachter für den Beschuldigten immer wieder und
dezidiert eine lebenslange Alkohol-Vergällung verlangt, stellt er ihm damit
hinsichtlich der Behandelbarkeit seiner Sucht die denkbar schlechteste
Erfolgsprognose.
Hinsichtlich der Persönlichkeitsstörungen und der Charakterneurose des
Beschuldigten erfolgten in der Tat noch keine Therapieversuche. Dies bedeutet
aber entgegen der Verteidigung nicht, dass auch dieser Weg - entgegen den
diesbezüglichen (keinesfalls positiven) Erfolgsprognosen des Gutachters - zuerst
ausgeschöpft werden müsste (Urk. 282 S. 54). Dass sich im familiären
Hintergrund des Beschuldigten (für diesen behaupteterweise günstige)
Änderungen
ergeben haben, vermag daran allein nichts zu ändern. Der Gutachter hat ent-
gegen der Interpretation der Verteidigung lediglich angeführt, dass eine
erfolgreich verlaufene Therapie delikspräventiv wirke (was offensichtlich auf der
Hand liegt). Daraus ist entgegen der Verteidigung nicht zu folgern, der Gutachter
propagiere eine Therapierung des Beschuldigten respektive räume einer solchen
hohe Erfolgschancen ein. Zur entscheidenden Frage, ob eine Therapie erfolgreich
(d.h. auch erfolgreich im Sinne der zitierten bundesgerichtlichen Vorgabe)
verlaufen würde, stellt sich der Gutachter vielmehr skeptisch (Urk. 177). Eine
Behandlung nach Art. 59 StGB beurteilt der Gutachter gerade einmal als "nicht
völlig chancenlos" (Urk. 134 S. 83).
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Der Beschuldigte hat in der Vergangenheit als Folge der fatalen Kombination
seines krankhaften Alkoholmissbrauchs und seiner psychischen Störungen
einmal eine Frau eventualvorsätzlich getötet. In zwei weiteren Fällen hat er dies
betreffend zwei weitere Frauen immerhin versucht; eines der Opfer wurde zudem
massiv sexuell genötigt und erlitt eine bleibende gravierende körperliche
Behinderung. Ein Behandlungserfolg betreffend seine psychischen Störungen ist
wohl nicht kategorisch ausgeschlossen, jedoch auch nicht mehr als allenfalls
realistisch, wobei eher eine Besserung als eine vollständige Heilung im Bereich
des Erwartbaren liegt (Urk. 176/1 S. 2 und S. 4 mit Verweisen; Urk. 177). Den
Begriff "Besserung" konkretisiert der Gutachter mit "keine deutliche Heilung"
(Urk. 180/1), was gerade gegen eine deutliche Verbesserung in Sinne der
bundesgerichtlichen Terminologie spricht. Betreffend den Alkoholmissbrauch,
welcher beim Beschuldigten zu verheerenden Folgen führen kann, postuliert der
Gutachter eine lebenslange Vergällung. Eine solche kann nach der Beendigung
einer stationären Massnahme respektive nach Entlassung aus dem Strafvollzug
nicht mit letzter Sicherheit installiert werden, namentlich da der Beschuldigte auch
schon in der Vergangenheit im Massnahmevollzug unkooperativ respektive
unzuverlässig war. Dass er extramural, wie der Gutachter sich ausdrückt, wieder
Beziehungen zu Frauen eingeht, welche aufgrund der psychischen Krankheit des
Beschuldigten, deren erfolgreiche Behandelbarkeit alles andere als garantiert ist,
einen unheilvollen Gang nehmen, kann schliesslich nicht unterbunden werden.
Mithin verbleibt einerseits angesichts der kombinierten Sucht- und weiteren
psychischen Problematik des Beschuldigten ein erhebliches Restrisiko, dass
allfällige Therapien scheitern und sich Delikte in der Schwere der vorliegend zu
beurteilenden wiederholen könnten. Andererseits kann gestützt auf die
Beurteilungen des fachärztlichen Gutachters heute zudem nicht davon
ausgegangen werden, eine stationäre therapeutische Behandlung würde innert
der nächsten fünf Jahre mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einer deutlichen
Verringerung der Gefahr weiterer schwerer Straftaten führen (vgl. BGE 134 IV
315, E. 3.4. und 3.5.). Eine im Sinne der höchstrichterlichen Praxis zu Art. 64 Abs.
1 lit. b StGB
erfolgversprechende Therapierbarkeit ist mit der Vorinstanz sowie der
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Anklagebehörde und entgegen der Verteidigung daher zu verneinen. Die
angefochtene Verwahrung des Beschuldigten ist zu bestätigen.
IV. Zivilforderungen der Privatklägerin E._
1. Die Verteidigung ficht im Berufungsverfahren hinsichtlich der Zivilansprüche
der PrivatklägerInnen einzig die Zivilforderungen der Privatklägerin E._ an
(Urk. 236 S. 3; Urk. 282 S. 4).
2. Betreffend die Schadenersatzforderung der Privatklägerin E._ hat der
erbetene Verteidiger vor Vorinstanz konsequenterweise ein Nichteintreten
beantragt, da er betreffend diesen Tatvorwurf einen Freispruch beantragte.
Weitere Ausführungen wurden nicht gemacht (Urk. 188 S. 3 und 14).
Vorliegend ergeht in diesem Punkt in Bestätigung des angefochtenen
Entscheides und entgegen sowohl der früheren erbetenen wie der neuen
amtlichen
Verteidigung eine anklagegemässe Verurteilung, weshalb auch die vorinstanz-
liche Regelung des Schadenersatzanspruchs ohne Weiteres zu bestätigen ist
(Urk. 235 S. 204).
3. Gleiches gilt für die Regelung des Genugtuungsbegehrens: Der Beschuldigte
wird entgegen seinem Antrag auch in diesem Anklagepunkt vollumfänglich
schuldig gesprochen. Die Ausführungen der Vorinstanz zur Angemessenheit des
beantragten Umfangs der Genugtuung sind zutreffend (Urk. 235 S. 211-213,
Art. 84 Abs. 4 StPO).
V. Kosten
1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenregelung - entgegen der
Argumentation der Verteidigung zur Kostenauflage betreffend die Privatklägerin
E._ (Urk. 282 S. 58 f.)- zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
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2. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist auf Fr. 6'000.-- anzusetzen.
3. Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen
vollumfänglich. Daher sind ihm auch die Kosten dieses Verfahrens, exklusive
Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der Vertretung der PrivatklägerInnen,
vollumfänglich aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO), mit Verweis auf die
vorinstanzliche Kostenregelung jedoch sofort definitiv abzuschreiben (Urk. 235 S.
214). Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der Vertretung der
PrivatklägerInnen sind auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Vom Vorbehalt einer Rückforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO ist abzusehen.