Decision ID: a90f6bb0-3da9-5778-ae35-ed1b0cfac64d
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte mit schriftlicher Eingabe vom 4. Mai 2021 aus
dem Flughafengefängnis D._, wo er seit dem 13. April 2021 in Aus-
schaffungshaft sass, ein Asylgesuch, worauf er dem Bundesasylzentrum
(BAZ) Region Ostschweiz zugewiesen wurde. Am 18. Mai 2021 fand eine
Personalienaufnahme im BAZ statt. Am 10. Juni 2021 wurde der Be-
schwerdeführer summarisch zu seinen Asylgründen angehört, und am
30. Juni 2021 fand eine vertiefte Anhörung gemäss Art. 29 AsylG [SR
142.31] statt.
B.
B.a Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs im
Wesentlichen vor, er sei albanischer Staatsangehöriger griechisch-
orthodoxen Glaubens. Im (...) 2010 sei er in die Schweiz gereist und habe
hier mit seiner früheren Ehefrau zusammengelebt. Im (...) sei die Schei-
dung dieser Ehe erfolgt. Nachdem er im Jahr 2014 in eine Serie von Ein-
bruchdiebstählen, an welchen sein Bruder beteiligt gewesen sei, verwickelt
worden sei, sei er für die Kantonspolizei E._ sowie ab 2016 auch
für die deutsche Polizei in F._ als Informant und V-Mann tätig ge-
wesen. Unter anderem habe die deutsche Polizei im (...) dank seiner Un-
terstützung zwei albanische Drogenhändler verhaften können. Einer dieser
Männer, G._, habe nach seiner Freilassung im Jahr (...) von ihm
eine Geldsumme für die Drogenlieferung verlangt, welche bei dieser Fest-
nahme konfisziert worden sei. G._ habe deshalb zusammen mit ei-
nem Komplizen am (...) seinen in Albanien lebenden Bruder tätlich ange-
griffen. Dieser habe wegen des Vorfalls eine Anzeige bei der Polizei einge-
reicht, welche aber nichts weiter unternommen habe, weil der Vater von
G._ Mitglied der (...) sei. Anfang (...) sei er (Beschwerdeführer)
auch selber von diesem Mann telefonisch bedroht worden. Er befürchte,
dass die albanischen Kriminellen herausgefunden hätten, dass er Infor-
mant der Schweizer Polizei gewesen sei – insbesondere aufgrund (...) –
und dass sie ihn deshalb im Falle einer Rückkehr nach Albanien verfolgen
würden. Er könne keine Unterstützung von der albanischen Polizei erwar-
ten, da die meisten Behördenmitglieder und Polizisten selber "Mafia" seien.
Ausserdem hätte er in Albanien keine wirtschaftliche Lebensgrundlage
mehr. Im Übrigen sei er in der Schweiz seit 2014 wegen gesundheitlicher
Probleme in psychiatrischer Behandlung.
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B.b Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer fol-
gende Beweismittel ein:
− (...)
− Ärztliche Berichte der Psychiatrischen Dienste Spital E._ vom
27. Oktober 2020, 5. November 2020, 8. April 2021 und 25. Mai 2021
− Arztbericht von Dr. med. H._, I._ vom 2. Juli 2021
− drei Verfahrensdokumente der Staatsanwaltschaft respektive Kriminal-
polizei von J._
− zwei Fotografien seines Bruders zur Dokumentation der von diesem
erlittenen Gesichtsverletzung
− Ausdrucke von Whatsapp-Chatverlaufen mit einem schweizerischen
sowie einem deutschen Polizeibeamten
− diverse Fotografien von albanischen und rumänischen Kriminellen
− Fotografie eines Tarnausweis des Beschwerdeführers
− Fotoaufnahme von einem Banküberfall
− Kopie des Reisepasses eines albanischen Kriminellen
− Unterstützungsschreiben der Ex-Ehefrau vom 4. Januar 2021
− Bestätigungsschreiben der Freundin vom 20. Februar 2021
C.
Am 7. August 2021 wurde dem Beschwerdeführer vom SEM ein Ent-
scheidentwurf zur Stellungnahme zugestellt. Mit Eingabe seiner damaligen
Rechtsvertretung gleichen Datums reichte er eine Stellungnahme ein.
D.
Mit Verfügung vom 9. Juli 2021 (am gleichen Tag eröffnet) stellte das SEM
fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies
sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an.
E.
E.a Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 7. August 2021 er-
hob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die Verfügung der Vor-
instanz und beantragte, dieser Entscheid sei aufzuheben, es sei seine
Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren; even-
tualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeventualiter die Ange-
legenheit zwecks vollständiger Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der Beschwer-
deführer um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
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E.b Zur Stützung seiner Vorbringen wurden, nebst einer Verfügung betref-
fend die Ernennung einer Beiständin durch die Kindes- und Erwachsenen-
schutzbehörde C._ vom (...) 2021, Kopien der vorinstanzlichen Ak-
ten, ein öffentlicher Bericht des SEM über die medizinische Grundversor-
gung in Albanien vom 26. September 2018, sowie Kopien eines Strafbe-
fehls der Staatsanwaltschaft C._ vom 1. April 2021 und eines Ur-
teils des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons E._ vom
16. April 2021 eingereicht.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
9. August 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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Seite 5
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Die Gesuche des Beschwerdeführers um "Editierung" der vorinstanzlichen
Akten sowie Gewährung einer Nachfrist zur Beschwerdeergänzung sind
abzuweisen: Die Akten des SEM wurden ihm – soweit dem Akteneinsichts-
recht unterliegend − bereits von der Vorinstanz zusammen mit der ange-
fochtenen Verfügung und zusätzlich (auf ein an sie gerichtetes Aktenein-
sichtsgesuch vom 20. Juli 2021 hin) ein zweites Mal mit Zwischenverfü-
gung vom 28. Juli 2021 offengelegt. Überdies weist die Beschwerdesache
weder einen aussergewöhnlichen Umfang noch besondere rechtliche oder
sachverhaltliche Schwierigkeiten auf, welche Anlass für die Einräumung ei-
ner Frist zur Beschwerdeergänzung sein könnten (Art. 53 VwVG).
5.
5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung aus, Übergriffe
durch Dritte oder die Befürchtung solchen ausgesetzt zu sein, seien flücht-
lingsrechtlich nur dann relevant, wenn der Heimatstaat nicht schutzwillig
oder schutzunfähig sei. Der Bundesrat habe mit Beschluss vom 6. März
2009 Albanien in die Liste der verfolgungssicheren Staaten (Safe
Countries) nach Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG aufgenommen. Es könne daher
davon ausgegangen werden, dass im Falle asylrelevanter, nicht-staatlicher
Verfolgung die Betroffenen von den albanischen Polizeibehörden Schutz
erhalten könnten. Diese Regelvermutung könne zwar aufgrund konkreter
und substanzieller Hinweise umgestossen werden. Insgesamt würden sich
aus den Akten jedoch wenig konkrete Anhaltspunkte dafür ergeben, dass
der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Albanien tatsächlich von
Kriminellen bedroht würde. Seine Befürchtung, dass seine Rolle als Infor-
mant der Schweizer Polizei bekannt geworden sei, basiere auf einer
reinen, nicht substanziierten Vermutung. Seine Aussagen zu der Bedro-
hung durch G._ seien vage und wenig aussagekräftig. Es werde
nicht bezweifelt, dass der Beschwerdeführer in gewissem Ausmass mit der
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Schweizer Polizei kooperiert habe und Kontakte zu albanischen Kriminel-
len gepflegt habe, sowie dass sein Bruder in Albanien deswegen Probleme
gehabt habe. Es bestünden jedoch keine Hinweise darauf, dass die alba-
nischen Behörden ihm ihren Schutz verweigert hätten oder keine effektive
Schutzfähigkeit hätten. Dem Beschwerdeführer sei des demnach nicht ge-
lungen, die sich aus Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG ergebende Regelvermu-
tung umzustossen. Seine Vorbringen vermöchten den Anforderungen an
die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standzuhalten. Die
Ausführungen in der Stellungnahme vom 7. Juli 2021 vermöchten keine
andere Einschätzung zu rechtfertigen.
In Bezug auf die Frage des Vorliegens von Wegweisungshindernissen
führte die Vorinstanz aus, der Bundesrat habe mit Beschluss vom 25. Ok-
tober 2017 Albanien per 1. Januar 2018 als Staat bezeichnet, in den die
Rückkehr in der Regel zumutbar ist (Art. 83 Abs. 5 AIG [SR 142.20] und
Art. 18 der Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung so-
wie der Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL, SR
142.281]). Vorliegend würden sich aus den Akten keine Hinweise ergeben,
die geeignet wären, diese Regelvermutung zu widerlegen. Namentlich ver-
füge der Beschwerdeführer in Albanien über ein soziales Beziehungsnetz
und der Wiedereingliederung dürfte auch seine gute Schulausbildung so-
wie berufliche Erfahrung entgegenkommen. Betreffend die in den einge-
reichten Arztberichten diagnostizierten psychischen Probleme des Be-
schwerdeführers könne davon ausgegangen werden, dass eine adäquate
psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung in seinem Heimat-
staat verfügbar sei.
5.2 Zur Begründung seiner Beschwerde verwies der Beschwerdeführer im
Wesentlichen auf die bereits im erstinstanzlichen Verfahren vorgebrachte
Gefährdung aufgrund seiner Tätigkeit als Polizeiinformant in der Schweiz
sowie das Fehlen der Schutzfähigkeit und des Schutzwillens der albani-
schen Polizeibehörden. Im Weiteren wies er auf seine Zugehörigkeit zur
griechische-orthodoxen Minderheit sowie die schlechte wirtschaftliche
Situation in Albanien hin. Eine Behandlung seiner gesundheitlichen Prob-
leme sei in seinem Heimatstaat nur eingeschränkt möglich und er könnte
eine solche gar nicht bezahlen. Schliesslich seien auch seine familiäre Ver-
bundenheit mit der Schweiz sowie seine weitreichende Tätigkeit für die
Kantonspolizei E._ sowie seine Probleme mit dieser sowie den Mig-
rationsbehörden zu berücksichtigen.
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Seite 7
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.3 Nach Auffassung des Gerichts hat die Vorinstanz den Vorbringen des
Beschwerdeführers zu Recht die asylrechtliche Relevanz abgesprochen.
Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift vermögen an dieser Sicht-
weise nichts zu ändern:
6.3.1 Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Probleme mit albanischen
Kriminellen können schon deshalb nicht als Verfolgung im Sinne von Art. 3
AsylG qualifiziert werden, weil ein Verfolgungsmotiv im Sinne dieser Be-
stimmung nicht gegeben ist. Überdies ergeben sich aus seinen Darlegun-
gen weder stichhaltige Hinweise auf eine aktuell begründete Verfolgungs-
furcht noch auf einen fehlenden Schutzwillen der albanischen Sicherheits-
kräfte. Demnach hat das SEM zu Recht festgestellt, dass es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, die sich aus der Aufnahme Albaniens in
die Liste verfolgungssicherer Staaten gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG
ergebende Regelvermutung umzustossen. Den von ihm geschilderten
Problemen mit Angehörigen der Kantonspolizei sowie den kantonalen
Migrationsbehörden kommt im vorliegenden Verfahren, in dem aus-
schliesslich eine allfällige Gefährdung des Beschwerdeführers im Heimat-
staat zu prüfen ist, keine Relevanz zu. Dies gilt auch für die beiden Schrei-
ben der Ex-Ehefrau sowie einer Freundin, in welchen die Frage seiner In-
tegration respektive Kontakte zu einem Schweizer Polizeibeamten thema-
tisiert werden. Im Übrigen kann, um Wiederholungen zu vermeiden, auf die
zutreffenden Erwägungen in der vorinstanzlichen Verfügung verwiesen
werden.
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6.3.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfolgungs-
gefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat sein
Asylgesuch demzufolge zu Recht abgelehnt. Gründe für die eventualiter
beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz sind den Akten
ebenfalls nicht zu entnehmen.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen (vgl. auch nachfolgende E. 8.2.6. Die Wegweisung
wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4;
2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
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8.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.2.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.4 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen.
8.2.5 Eine Verletzung von Art. 6 EMRK kann im vorliegenden Asylverfah-
ren grundsätzlich nicht gerügt werden, da dieses nicht in den sachlichen
Anwendungsbereich dieser Konventionsbestimmung fällt (vgl. MEYER-
LADEWIG / NETTESHEIM / VON RAUMER [Hrsg.], EMRK, Europäische Men-
schenrechtskonvention, Handkommentar EMRK, 4. Aufl. 2017, Rz 22 zu
Art. 6; vgl. auch BVGE 2014/28 E. 11.5.1).
8.2.6 Auch mit Art. 8 EMRK haben sich die Asylbehörden im Rahmen der
Prüfung der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorliegend nicht zu be-
fassen, da ein allfälliger sich aus diese Bestimmung ergebender Anspruch
im Verfahren betreffend Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Be-
schwerdeführers bereits geprüft und vom Bundesgericht letztinstanzlich
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verneint worden ist (vgl. Urteil des BGer 2C_397/2020 vom 26. August
2020 E. 5; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-
rekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21 E. 12a und 14a).
8.2.7 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Die Vorinstanz hielt zutreffend fest, dass weder die herrschende
politische Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit eines
Vollzugs der Wegweisung nach Albanien sprechen.
8.3.2 Namentlich kann davon ausgegangen werden, dass der Beschwer-
deführer seine psychischen und physischen Krankheiten im Heimatland
adäquat wird behandeln lassen können, zumal er vor der Ausreise seinen
letzten Wohnsitz in Tirana gehabt hat und dort für seine gesundheitlichen
Probleme entsprechende medizinische Einrichtungen vorhanden sind (vgl.
hierzu: Urteil des BVGer E-6319/2018 vom 20. Januar 2021 E. 8.4
S. 15 ff.). Demnach besteht kein Grund zur Annahme, dass er bei einer
Rückkehr in Gefahr geriete, einer ernsten, raschen und unwiederbringli-
chen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes ausgesetzt zu wer-
den. Schliesslich ist zu anzumerken, dass dem Beschwerdeführer im Rah-
men der individuellen Rückkehrhilfe (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG und
Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312])
die Möglichkeit offensteht, medizinische Hilfeleistungen zu beantragen.
Zudem sind auch in der Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur
griechisch-orthodoxen Minderheit sowie den geltend gemachten wirt-
schaftlichen Problemen keine Wegweisungshindernisse zu erblicken, zu-
mal seine Ausführungen darauf schliessen lassen, dass er in seinem Hei-
matstaat über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz verfügt.
8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
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8.4 Schliesslich verfügt der Beschwerdeführer über einen gültigen Reise-
pass, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich-
nen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den
vorstehenden Erwägungen ergibt – aussichtlos waren, weshalb die
Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Der Antrag auf
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorlie-
genden Urteil gegenstandslos.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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