Decision ID: 303df9e3-59d5-57ae-803e-9e6bb995f292
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein iranischer Staatsbürger kurdischer Ethnie, ge-
langte eigenen Angaben zufolge über die Türkei am 15. Oktober 2017 in
die Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum
(EVZ) B._ um Asyl nachsuchte. Am 25. Oktober 2017 wurde er
nach einem Transfer ins EVZ Chiasso zu seiner Person, zum Reiseweg
sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person
[BzP]) und am 27. Juni 2019 eingehend angehört.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend,
er habe sich während der letzten Jahre mehr und mehr vom Islam distan-
ziert und bezeichne sich seit ungefähr dem Jahr 2009 als Atheist. Der Sohn
eines Nachbarn namens C._ arbeite für die Regierung und habe
ihn angezeigt, er habe ihm dies selber mitgeteilt. Er sei deshalb einmal
verhaftet worden, man habe ihn aber am nächsten Tag wieder freigelassen,
da er versprochen habe, zum Islam zurückzukehren. Als die Nachbarn er-
fahren hätten, dass er Atheist sei, hätten sie ihn vertrieben. Auch seine ei-
gene Familie habe ihn verstossen, mit Ausnahme seiner Mutter. Im Jahr
2014 habe er sich aufgrund des Drucks seitens seiner Ehefrau und ihres
Vaters scheiden lassen. Sein Schwiegervater habe ihn angezeigt. Später
sei er vier oder fünf Mal von Mitarbeitern des Geheimdienstes festgenom-
men und während zwei bis drei Tagen festgehalten worden. Man habe von
ihm verlangt, zum Islam zurückzukehren, aber er habe sich geweigert. Er
sei bei diesen Festnahmen geschlagen und bedroht worden. Die letzte Ver-
haftung habe drei Monate vor seiner Ausreise stattgefunden. In D._
habe er sich mit einer Frau angefreundet und diese vom Atheismus über-
zeugt. Mit ihr sei er nach wie vor befreundet. In der Folge habe deren Fa-
milie nach ihm gesucht und bei seinem Bruder nach ihm gefragt. Dies habe
ihn in Angst um seine Sicherheit versetzt. Er werde auch heute noch be-
droht. Über Facebook habe er eine andere Frau kennengelernt, die verhei-
ratet gewesen sei. Ihr Ehemann habe von dem Kontakt erfahren und er
(der Beschwerdeführer) habe später gehört, dass eine Frau mit dem glei-
chen Vornamen getötet worden sei. Er sei ferner mehrere Male in seiner
Wohnung von Salafisten gesucht worden. Bei ihm zu Hause habe man
mehrere verbotene Bücher, darunter jenes von Mariwan Halabjaee, gefun-
den und beschlagnahmt. Er sei aufgrund dieser Bücher festgenommen,
nach zwei Tagen aber wieder freigelassen worden. Er fürchte, zum Tode
verurteilt zu werden aufgrund dieser Bücher beziehungsweise da er Atheist
sei. Im Iran sei es nicht erlaubt, die eigene Religion aufzugeben. Der
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Hauptgrund seiner Ausreise sei schliesslich gewesen, dass ein Cousin ihn
darüber informiert habe, sein Name stehe auf einer Liste der Behörden und
dies bedeute, dass er bald verhaftet werde. Zwei Tage, nachdem er diese
Information erhalten habe, habe er sein Heimatland verlassen und sei über
die Türkei in die Schweiz gereist.
In der Schweiz sei er für die Organisation Ex-Muslim aktiv. Diese Organi-
sation habe er schon früher gekannt, vor seiner Einreise in die Schweiz
habe er aber keinen Kontakt gehabt.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine Melli-Karte, seine
Shenasname und sein Scheidungsurteil (alles in Kopie) ein. Ferner reichte
er ein Beitrittsformular sowie eine Bestätigung der Organisation Ex-Muslim
ein und gab eine Web-Adresse an, wo von ihm geschriebene Artikel publi-
ziert würden. Schliesslich reichte er eine Bestätigung eines in der Schweiz
besuchten Kurses ein.
B.
Mit Verfügung vom 20. Januar 2020 – eröffnet am 22. Januar 2020 – stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug an. Die vorinstanzliche Verfügung wurde in
französischer Sprache erlassen, mit Ausnahme des Dispositivs, das in
Deutsch erfolgte.
C.
Mit Eingabe vom 25. Januar 2019 (recte: 2020) zeigte ein Rechtsvertreter
der Vorinstanz unter Einreichung einer Vollmacht sein Mandat an und be-
antragte, die vorinstanzliche Verfügung sei als nichtig zu erklären und eine
neue Verfügung in deutscher Sprache zu erlassen. Andernfalls sei eine
rechtsmittelfähige Verfügung zu erlassen.
D.
Am 31. Januar 2020 lehnte das SEM dieses Gesuch ab.
E.
Mit Eingabe vom 19. Februar 2020 reichte der Beschwerdeführer, han-
delnd durch einen neuen Rechtsvertreter, gegen die vorinstanzliche Verfü-
gung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein und beantragte die
Aufhebung derselben, die Gutheissung des Asylgesuchs, eventualiter die
Anordnung der vorläufigen Aufnahme sowie in prozessualer Hinsicht die
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Herstellung der aufschiebenden Wirkung sowie die Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung.
F.
Am 26. Februar 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestäti-
gung vom 21. Februar 2020 zu den Akten.
G.
Mit Instruktionsverfügung vom 3. März 2020 stellte die Instruktionsrichterin
den legalen Aufenthalt des Beschwerdeführers während des Verfahrens
fest. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses.
H.
Am 29. März 2020 reichte der Beschwerdeführer ein Schreiben der
(...) vom 8. März 2020 zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor dem die beschwerdeführende Person
Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine
solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor,
weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine asylsuchende Per-
son erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder
wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von
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Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit subjektiven Nachfluchtgrün-
den erhalten gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge
vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 und 2009/29 E. 5.1).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet die französische Sprache ihrer Verfügung bei
einem Wohnsitz des Beschwerdeführers im Kanton E._ damit, in
der Regel würden Verfügungen in der Landessprache des Wohnsitzes des
Beschwerdeführers erlassen, gemäss Art. 16 Abs. 3 AsylG seien Ausnah-
men aber möglich. Vorliegend sei ein solche Ausnahme gemacht worden,
da dies für eine effiziente und fristgerechte Gesuchserledigung erforderlich
sei. Aufgrund der grossen Anzahl an Asylgesuchen in den Jahren 2015 und
2016 seien viele Gesuche mit Eingangsdatum vor dem 1. März 2019 beim
SEM hängig, Ende August 2019 habe deren Zahl ungefähr 8'000 betragen.
Da die Eingänge nun wieder zurückgegangen seien, habe das Eidgenös-
sische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) dem SEM Frist bis Herbst
2020 gesetzt, um diese altrechtlichen Verfahren zu erledigen. Da diese Ge-
suche nicht proportional auf die drei Sprachregionen verteilt seien, erlasse
das SEM in solchen Fällen Entscheide in französischer oder Italienischer
Sprache in Verfahren von Asylsuchenden mit Wohnsitz in deutschsprachi-
gen Kantonen. Diese Massnahme werde nur provisorisch, bis zur Erledi-
gung der altrechtlichen Verfahren im Herbst 2020, angewandt. Das Dispo-
sitiv fasse die Verfügung zusammen und werde für das bessere Verständ-
nis auf Deutsch übersetzt.
Die Abweisung des Asylgesuchs begründet das SEM im Wesentlichen da-
mit, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an
die Glaubhaftmachung nicht genügen. So seien seine Aussagen im Laufe
des Verfahrens nicht konstant ausgefallen und es seien verschiedene Wi-
dersprüche zwischen BzP und Anhörung aufgefallen, beispielsweise be-
treffend Zeitpunkt der geltend gemachten Festnahmen. Seine Erklärungs-
versuche anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs diesbezüglich
seien nicht überzeugend gewesen. Ferner habe er anlässlich der BzP aus-
gesagt, er habe keine Probleme mit Dritten gehabt, lediglich mit den Be-
hörden, bei der Anhörung habe er aber von Problemen mit den Nachbarn
sowie auch mit den Familienmitgliedern der beiden Frauen berichtet, nach-
dem diese ihr Verhalten betreffend ihre Religion geändert hätten. Ebenfalls
gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen spreche, dass der Beschwerde-
führer den zentralen Grund für seine Ausreise, nämlich die Information,
dass er auf einer Liste von Personen figuriere, die festgenommen werden
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sollten, bei der BzP mit keinem Wort erwähnt habe. In Bezug auf die Be-
schlagnahmung von verbotenen Büchern sei festzuhalten, dass er in der
Folge festgenommen, nach zwei oder drei Tagen aber wieder freigelassen
worden sei. Soweit er geltend mache, aufgrund der beschlagnahmten
Bücher die Todesstrafe zu befürchten, widerspreche dies der allgemeinen
Logik. Im Weiteren würden seine Schilderungen allgemein und detailarm
ausfallen. Die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend seine Prob-
leme und antireligiösen Aktivitäten im Heimatland seien somit unglaubhaft.
Es sei weiter zu prüfen, ob sein Verhalten nach seiner Ausreise aus dem
Iran im Falle einer Rückkehr dorthin zu einer Gefährdung führen könnte,
mit anderen Worten, ob der Beschwerdeführer aufgrund von subjektiven
Nachfluchtgründen als Flüchtling anzuerkennen sei. Betreffend seine Ab-
wendung vom Islam sei zu sagen, dass der Islam im Iran die Staatsreligion
sei und Nichtmuslime eine Art Bürger zweiter Klasse seien. In diesem
Sinne könnten sie Opfer von Schikanen werden, allerdings sei nicht von
einem Ausmass auszugehen, welches asylrelevant wäre. In Bezug auf
seine Aktivitäten für die Organisation Ex-Muslim sei festzustellen, dass die
von ihm geltend gemachten Aktivitäten, namentlich die Publikation von Ar-
tikeln auf der Website dieser Organisation, ebenfalls nicht genügen wür-
den, um eine Furcht vor asylrelevanter Verfolgung im Falle einer Rückkehr
zu begründen. Auch die eingereichten Beweismittel würden an dieser Ein-
schätzung nichts ändern. Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingsei-
genschaft somit nicht, weshalb sein Asylgesuch abgewiesen werde.
5.2 Dem wurde in der Beschwerde im Wesentlichen entgegengehalten,
beim Beschwerdeführer handle es sich um einen Atheisten und als solcher
werde er im Iran gleich behandelt wie die Konvertiten. Da es aus religiöser
Sicht möglich sei, zum Islam zurückzukehren, würde jeweils zuerst ver-
sucht, Atheisten und Konvertiten unter Druck zu setzen, dies zu tun. Der
Islam vertrete eine primitiv-aggressive Weltanschauung, weshalb breite
Schichten der Bevölkerung auf der Suche nach einer neuen Religion seien.
Dass sich Betroffene wie der Beschwerdeführer mit dem jeweils Gewählten
– meistens sei dies das Christentum, eine Minderheit werde Atheist – nicht
besonders gut auskennen würden, sei zu erwarten. Man müsse bei Asyl-
suchenden mit Konversion als Asylgrund den Bildungsgrad und die gesell-
schaftliche Zugehörigkeit berücksichtigen. Die Bekämpfungsmethoden der
Behörden seien zu Beginn Prügel und später Schlimmeres. Diese Mass-
nahmen würden den Flüchtlingsbegriff klar erfüllen. Betreffend die vom
SEM angeführten Widersprüche sei festzuhalten, dass die vom Beschwer-
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deführer geschilderten Festnahmen und Freilassungen die übliche Be-
handlung in solchen Fällen darstelle. Mit Schikane solle die betroffene Per-
son zur Vernunft gebracht werden. Aufgrund des technischen Fortschrittes
und der Sensibilität der Weltöffentlichkeit würden die Staatsorgane nicht
mehr so brutal vorgehen wie vor vierzig Jahren. Die Freilassung des Be-
schwerdeführers sei keineswegs unüblich. Fakt sei, dass die Bedrohung
mit der Zeit immer intensiver werde, falls man den Behörden nicht nach-
gebe. Betreffend den Vorwurf, Vorbringen seien nachgeschoben, sei fest-
zuhalten, dass es sich bei der Erstbefragung um eine kurze Befragung
handle, bei welcher der Beschwerdeführer aufgefordert worden sei, sich
kurz zu fassen und auf das Wichtigste zu beschränken. Man könne deshalb
nicht von nachgeschobenen Vorbringen sprechen. Zum Schluss sei darauf
hinzuweisen, dass die Organisation Ex-Muslim von den iranischen Sicher-
heitsagenten observiert werde. Der Beschwerdeführer habe mehrere Arti-
kel auf deren Website veröffentlicht, weshalb davon auszugehen sei, dass
er im Falle einer Rückkehr in den Iran bedroht sei. Hinzu komme, dass er
dort seine Weltanschauung nicht kundtun könne. Mit der Beschwerde wur-
den diverse Beweismittel in Aussicht gestellt.
5.3 Im Schreiben der (...) wird bestätigt, dass der Beschwerdeführer im
Iran politisch aktiv gewesen sei und geheime Aktivitäten für die Organisa-
tion (...) (dies sei die kurdische Organisation der Kommunistischen Partei
Irans) ausgeführt habe. Als dies bekannt geworden sei, habe er das Land
im Jahr 2020 verlassen müssen. Die iranischen Behörden würden jeden
verfolgen, der für (...) oder die Kommunistische Partei Irans tätig sei, so
auch den Beschwerdeführer.
6.
6.1 Im Folgenden ist als erstes zu klären, ob die Abweichung des SEM vom
Grundsatz, Verfügungen in der am Wohnsitz des Beschwerdeführers ge-
sprochenen Sprache zu verfassen, vorliegend die Verfahrensrechte des
Beschwerdeführers verletzt hat.
6.2 Der Beschwerdeführer hat sein Asylgesuch am 15. Oktober 2017 ge-
stellt. Massgeblich ist daher – wie bereits festgestellt (E. 1.3) – das zu die-
sem Zeitpunkt geltende Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen
zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
6.3 Gemäss aArt. 16 Abs. 2 AsylG (in der Fassung Stand 1. Oktober 2016)
werden Verfügungen oder Zwischenverfügungen des SEM in der Sprache
eröffnet, die am Wohnort der Asylsuchenden Amtssprache ist. Das SEM
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kann gemäss Abs. 3 ausnahmsweise davon abweichen, wenn die asylsu-
chende Person oder deren Rechtsvertreterin oder Rechtsvertreter einer
anderen Amtssprache mächtig ist (Bst. a); dies unter Berücksichtigung der
Gesuchseingänge oder der Personalsituation vorübergehend für eine effi-
ziente und fristgerechte Gesuchserledigung erforderlich ist (Bst. b); die
asylsuchende Person in einem Empfangs- und Verfahrenszentrum direkt
angehört und einem Kanton mit einer anderen Amtssprache zugewiesen
wird (Bst. c). Diese Bestimmung war mit der Asylgesetzrevision am 1. Feb-
ruar 2014 in das Asylgesetz aufgenommen worden. Bis zu diesem Zeit-
punkt waren die Bestimmungen zu einer möglichen Abweichung der Wohn-
sitzregel auf Verordnungsstufe (aArt. 4 der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) geregelt.
6.4 Die vormalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) hat sich
mit dieser Verordnungsbestimmung zur Verfahrenssprache und deren
Rechtmässigkeit auseinandergesetzt. In einem Grundsatzentscheid (Ent-
scheide und Mitteilungen der ARK [EMARK 2004 Nr. 29]), hielt sie fest, es
sei in der Regel dem Grundsatz Rechnung zu tragen, dass die Verfügung
in der Sprache erlassen werde, die am Wohnsitz der asylsuchenden Per-
son Amtssprache sei. Die vom Gesetzgeber vorgesehenen Ausnahmen
seien begrenzt durch das Recht auf wirksame Beschwerde und einen fai-
ren Prozess (Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 13 EMRK). Eine Verfügung könne
ausnahmsweise in einer anderen Amtssprache ergehen, wenn gleichzeitig
im Gegenzug geeignete Korrektiv-Massnahmen getroffen würden, die das
Recht auf eine wirksame Beschwerde und auf einen fairen Prozess ge-
währleisten. Eine der möglichen Korrektiv-Massnahmen bestehe in der
mündlichen Übersetzung der ergangenen Verfügung durch die Vorinstanz
in eine der beschwerdeführenden Person verständliche Sprache. Soweit
die Vorinstanz keine geeigneten Korrektiv-Massnahmen ergriffen habe und
auch im Beschwerdeverfahren das Versäumnis nicht nachhole, obwohl aus
der Beschwerdeschrift ersichtlich sei, dass die Partei den Entscheid nicht
genügend verstanden habe, sei die angefochtene Verfügung grundsätzlich
zu kassieren, sofern der Beschwerdeführer nicht von einem professionel-
len Rechtvertreter vertreten werde. Die Kassation der angefochtenen Ver-
fügung einzig aus dem Grund, dass die Regeln betreffend die anzuwen-
dende Verfahrenssprache verletzt wurden, komme demgegenüber grund-
sätzlich nicht in Frage, wenn die beschwerdeführende Person im Be-
schwerdeverfahren von einem professionellen Rechtsvertreter vertreten
werde. Die Vorinstanz könne in einem solchen Fall zur Leistung einer Ent-
schädigung verpflichtet werden für allfällige nützliche Auslagen, die der un-
terliegenden Partei entstünden, um diesen Mangel zu beheben (E. 7 ff.).
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6.5 Die Anwendung dieser Rechtsprechung rechtfertigt sich vorliegend
nach wie vor, zumal die Verordnungsbestimmungen zum 1. Februar 2014
wortgetreu in den vorliegend anwendbaren aArt. 16 Abs. 2 Bst. b AsylG
übernommen wurden. Die mit der jüngsten Asylgesetzesrevision vorge-
nommene Neuformulierung von Art. 16 AsylG bildet vorliegend nicht Ge-
genstand der Betrachtung.
6.6 Der Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz im Kanton E._ in
einem Gebiet, das der deutschen Amtssprache untersteht (vgl. ...). Es
wäre mithin der Erlass einer Verfügung in deutscher Sprache die Regel
gewesen. Das SEM beruft sich in der Begründung seiner materiellen Ver-
fügung auf eine Situation, die es in Anwendung von aArt. 16 Abs. 2 Bst. b
AsylG rechtfertige, die Verfügung ausnahmsweise in einer anderen als der
am Wohnort gesprochenen Sprache, vorliegend in der französischen Spra-
che, zu erlassen. Weiter wurde festgehalten, dass es sich um eine vorüber-
gehende Massnahme handle, die dem zügigen Abbau der bei der Vo-
rinstanz noch pendenten altrechtlichen Verfahren diene. Als Korrektiv-
massnahme wurden das Dispositiv der Verfügung sowie die Rechtsmittel-
belehrung in deutscher Sprache ausgefertigt. Eine Übersetzung der Verfü-
gung erfolgte nicht.
Ob das vom SEM gewählte Vorgehen, namentlich die gewählte Korrektiv-
massnahme, generell als ausreichend anzusehen ist, um den in Art 29a BV
und Art. 13 EMRK garantierten Anspruch auf effektiven gerichtlichen
Rechtsschutz genügend Rechnung zu tragen, kann vorliegend offenblei-
ben. Es ist in diesem Zusammenhang aber auf die Botschaft zur Änderung
des Asylgesetzes vom 26. Mai 2010, BBl 2010 4456, 4487 zu verweisen,
in welcher der Bundesrat zur Implementierung der Vorschriften zur Verfah-
renssprache aus aArt. 4 AsylV1 in aArt. 16 AsylG Folgendes formulierte:
"Es ist weiterhin gewährleistet, dass die Betroffenen nach Erhalt einer Ver-
fügung oder Zwischenverfügung ihre Verfahrensrechte wahrnehmen kön-
nen. So stellt das BFM in der Praxis bereits heute auf Verlangen der Be-
troffenen sicher, dass eine Übersetzung in die am Wohnort gesprochene
Sprache vorgenommen wird, wenn ein Asylentscheid ausnahmsweise in
einer anderen Amtssprache eröffnet wurde." Im vorliegenden Verfahren
wurde sodann um Übersetzung der Verfügung ersucht, was allerdings vom
SEM abgelehnt wurde. Zur Begründung wurde lediglich dargelegt, es seien
mit dem Erlassen des Dispositivs in deutscher Sprache angemessene Kor-
rektiv-Massnahmen getroffen worden sowie ein dies stützendes Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts (E-5885/2019 vom 21. November 2019) ange-
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führt. Inwiefern dieses Vorgehen der Vorinstanz mit der zitierten Praxis so-
wie den Aussagen der weiter oben genannten Botschaft des Bundesrates
vereinbar ist, bleibt fraglich, im Hinblick auf die folgende Erwägung wird
aber auf eine nähere Auseinandersetzung mit dieser Frage verzichtet.
6.7 Dem Beschwerdeführer war es vorliegend möglich, einen Rechtsver-
treter zu mandatieren und mit dessen Hilfe eine rechtsgenügliche Be-
schwerde einzureichen, welche Begehren und deren Begründung beinhal-
tet sowie durch den Rechtsvertreter unterzeichnet wurde (vgl. Art. 52 Abs.
1 VwVG). Die Beschwerdeerhebung erfolgte fristgerecht. Der Beschwer-
deführer respektive dessen Rechtsvertretung hat denn auch keine kon-
krete Verletzung von Verfahrensrechten geltend gemacht. Eine Aufhebung
der vorinstanzlichen Verfügung oder anderweitige Instruktionsmassnah-
men gebieten sich daher vorliegend nicht.
7.
7.1 Was die Asylvorbringen des Beschwerdeführers anbelangt, ist in einem
ersten Schritt zu prüfen, ob die geltend gemachten Nachteile im Heimat-
land (Vorfluchtgründe) eine asylrelevante Verfolgung für ihn zu begründen
vermögen beziehungsweise ob er die behauptete Verfolgung glaubhaft
darzulegen vermochte.
7.1.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht
zum Schluss, dass die Einschätzung des SEM, wonach die Vorflucht-
gründe des Beschwerdeführers nicht glaubhaft gemacht worden seien, zu-
treffend ist. Auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung kann zur
Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden. So teilt das Gericht
die Einschätzung der Vorinstanz, dass die Ausführungen des Beschwerde-
führers allgemein und wenig detailliert bleiben. Ebenfalls beizupflichten ist
dem SEM darin, dass verschiedene Widersprüche in seinen Aussagen auf-
fallen, so zum Beispiel betreffend Zeitpunkt der geltend gemachten Fest-
nahmen und betreffend seine angeblichen Probleme mit den Nachbarn und
den Familienmitgliedern der beiden über soziale Medien mit ihm befreun-
deten Frauen. Insbesondere nicht nachvollziehbar ist sodann die Tatsache,
dass er seinen primären Ausreisegrund, nämlich die Information, dass er
auf einer Liste von Personen figuriere, die festgenommen werden sollten,
bei der BzP nicht erwähnt hat. Die vom SEM dargelegten Zweifel an der
Glaubhaftigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers sind
berechtigt und werden durch die Ausführungen in der Beschwerde nicht
aufgelöst. Ferner lässt das auf Beschwerdeebene eingereichte Schreiben
der (...) zusätzliche Bedenken betreffend Glaubhaftigkeit der Vorbringen
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Seite 12
des Beschwerdeführers aufkommen. So hat dieser bis zur Einreichung des
genannten Beweismittels nie geltend gemacht, er hätte sich an geheimen
politischen Aktivitäten für die Sache der Kurden beteiligt und werde des-
halb verfolgt. Ferner hat er sein Heimatland nicht wie im Schreiben erwähnt
im Jahr 2020, sondern bereits im Jahr 2017 verlassen. Gesamthaft sind die
Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend seine Probleme und antire-
ligiösen Aktivitäten im Heimatland als unglaubhaft zu beurteilen.
7.1.2 Zwar kann dem Beschwerdeführer geglaubt werden, dass er sich tat-
sächlich vom Islam abgewandt hat, schliesslich bezeichnete er sich kon-
stant seit seiner Einreise in die Schweiz als Atheist (vgl. act. A1). Allerdings
kann aufgrund der obigen Erwägungen davon ausgegangen werden, dass
dieser Abfall vom Islam nicht allgemein bekannt war und für den Beschwer-
deführer keine asylrelevanten Nachteile zur Folge hatte.
7.1.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im
Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Heimatland keine asylrelevante Verfol-
gung glaubhaft machen konnte und die Flüchtlingseigenschaft nicht er-
füllte.
7.2 In einem zweiten Schritt ist zu prüfen, ob sein Verhalten nach der Aus-
reise, namentlich sein Kontakt zur Organisation Ex-Muslim und weitere –
exilpolitische – Aktivitäten, Grund für eine begründete Furcht vor Verfol-
gung bieten könnte. Mithin werden in diesem Kontext sogenannte subjek-
tive Nachfluchtgründe geltend gemacht.
7.2.1 Auch in Bezug auf den Abfall vom Islam und die atheistische Über-
zeugung des Beschwerdeführers kommt das Gericht zum Schluss, dass
den vorinstanzlichen Erwägungen zuzustimmen ist, auf die verwiesen wer-
den kann. An dieser Stelle ist anzumerken, dass gemäss Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts die diskrete und private Glaubensaus-
übung im Iran auch ausserhalb des Islam grundsätzlich möglich ist. Eine
Verfolgung durch den iranischen Staat kommt erst dann zum Tragen, wenn
der Glaubenswechsel aufgrund einer missionierenden Tätigkeit bekannt
wird und zugleich Aktivitäten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den
Staat angesehen werden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3). Hinsichtlich der athe-
istischen Überzeugung des Beschwerdeführers ist anzuführen, dass – unter
Verweis auf die vorstehenden Ausführungen zur Unglaubhaftigkeit seiner
Vorfluchtgründe – nicht davon ausgegangen werden kann, dies sei in casu
dem heimatlichen Umfeld des Beschwerdeführers zur Kenntnis gelangt. Von
einer aktiven, fast missionierende Züge annehmenden Glaubensausübung
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beziehungsweise Atheismus kann jedenfalls im Falle des Beschwerdefüh-
rers – zumal entsprechende Vorbringen nicht glaubhaft gemacht wurden –
nicht die Rede sein. Aufgrund der geltend gemachten Aktivitäten für den
Verein Ex-Muslim sowie der Veröffentlichung von religionskritischen Arti-
keln kann nicht davon ausgegangen werden, dass dem Beschwerdeführer
bei einer Rückkehr begründete Furcht vor Verfolgung drohen würde. Das
Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung davon aus,
dass die iranischen Behörden politische Aktivitäten ihrer Staatsbürger im
Ausland überwachen und erfassen (vgl. dazu Referenzurteil D-830/2016
vom 20. Juli 2016). Es bleibt jedoch im Einzelfall zu prüfen, ob die exilpoli-
tischen Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im asylrechtlichen Sinn
nach sich ziehen. Bei dieser Prüfung ist davon auszugehen, dass sich die
iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren,
die über die massentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen exil-
politischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vor-
genommen haben, welche die jeweilige Person aus der Masse der mit dem
Regime Unzufriedenen herausstechen und als ernsthaften und gefährli-
chen Regimegegner erscheinen lassen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). Die
Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung in zutreffender Weise fest,
dass der Beschwerdeführer mit der Veröffentlichung einiger Artikel und ei-
ner Fotografie im Internet keinen Bekanntheitsgrad erreicht, bei dem ange-
nommen werden müsste, dass die iranischen Behörden auf ihn aufmerk-
sam geworden wären beziehungsweise darüber hinaus in ihm eine Person
sehen, die das politische System gefährden könnte. In der Beschwerde-
schrift wird dem nichts Stichhaltiges entgegengesetzt. Auch eine allfällige
Mitgliedschaft bei oder Nähe zu der (...) vermag an dieser Einschätzung
nichts zu ändern.
7.2.2 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer keine
subjektiven Nachfluchtgründe glaubhaft gemacht hat.
7.3 Das SEM hat somit insgesamt zu Recht das Vorliegen einer asylrele-
vanten Verfolgungsgefahr verneint, dem Beschwerdeführer folgerichtig die
Flüchtlingseigenschaft nicht zuerkannt und das Asylgesuch abgelehnt. We-
der die Vorbringen in der Beschwerde noch die eingereichten Beweismittel
vermögen an dieser Einschätzung etwas zu ändern.
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8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
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9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 Im Iran herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situation
allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumutbar
wäre (statt vieler Urteil des BVGer D-6447/2017 vom 18. Januar 2018 E.
6.4.1). Auch sprechen keine individuellen Gründe gegen einen Wegwei-
sungsvollzug. So verfügt der junge und gesunde Beschwerdeführer mit 12-
jähriger Schulbildung und Berufserfahrung im Verkauf mit seinen Eltern
und Geschwistern über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz, auf des-
sen Hilfe er – sofern notwendig – bei seiner Wiedereingliederung zählen
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kann. Auf Beschwerdeebene wird dem nichts Stichhaltiges entgegenge-
stellt. Der Vollzug der Wegweisung ist zumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer er-
suchte um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von
Art. 65 Abs. 1 VwVG. Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel
verfügt, wird auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten be-
freit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1
VwVG). Wie mit Zwischenverfügung vom 3. März 2020 festgestellt, ist die
eingereichte Beschwerde nicht als zum vornherein aussichtslos zu erach-
ten und aufgrund der eingereichten Fürsorgebestätigung von der Bedürf-
tigkeit des Beschwerdeführers auszugehen, weshalb das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG gutgeheissen wurde.
(Dispositiv nächste Seite)
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