Decision ID: dc0ddf37-926f-4f8e-841c-386deb2feecc
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1971 geborene
X._
war seit dem
23. April 2018 bei der
Y._
AG
als IT Security Analyst
angestellt (Urk. 2/3) und über seine Arbeitgeberin bei der
SWICA Krankenversicherung AG
(nachfolgend: SWICA)
im Rahmen einer kollektiven Krankentaggeldversicherung gemäss dem
Bundesgesetz über den Ver
sicherungs
vertrag (
Versicherungsvertragsgesetz;
VVG) taggeldversichert (
Urk. 12/149
).
Mit
Krankmeldung vom
1. Oktober 2018
(Urk. 12/2) meldete die Arbeit
geberin der
SWICA
, dass der Versicherte seit
5. September 2018
krankheitsbedingt
vollständig
arbeitsunfähig sei.
Im An
schluss an
die
telefonische Erstabklärung vom 3. Oktober 2018 (Urk. 12/6)
holte die
SWICA
zur Klärung
ihre
r
Leistungs
pflicht
Arztberichte ein (Urk. 12/18
und 12/35
)
und
richtete Taggelder aus (Urk.
2/17 und
12/
137
).
Das
Arbeitsverhältnis
zwischen
dem Versicherten
und der
Y._
AG wurde
per 31. Okto
ber 2018
aufgelöst
(
Urk. 12/51
).
Infolge einer Anmeldung des Versicherten bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 6. Februar 2018 (Urk. 12/51) stellte die
SWICA
einen An
trag auf Verrechnung ihrer Krankentaggeldleistungen mit allfälligen Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 12/55).
Mit Schreiben vom 21. März 2019 (Urk. 12/63) sowie vom 17. Juni 2019 (Urk. 12/84) holte die
SWICA
sodann
weitere Arztbericht
e
ein (Urk. 12/74 und 12/
88
)
und
veranlasste
eine
vertrauensärztlich
e
Untersuchung des Versicherten
;
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH
,
erstattete
seine
psychiatrische Kurzbeurteilung am 26. August 2019 (Urk. 12/112).
1.2
Mit Schreiben vom 26. August 2019 (Urk. 12/107) teilte die
SWICA
dem Ver
si
cherten mit, die medizinische Beurteilung habe
ergeben
, dass er
per
sofort wieder zu 100 % arbeitsfähig sei
; aus diesem Grund bestehe
ab 9. September 2019 kein Anspruch auf Krankentaggelder
mehr
.
Nachdem die
SWICA
Dr.
Z._
einen weiteren Arztbericht vom 20. Oktober 2019 (Urk. 12/125)
vorgelegt hatte, hielt sie
gestützt auf dessen Stellungnahme
(Urk. 12/130)
mit Schreiben vom 4. November 2019 (Urk. 12/127) an der
Einstel
lung der Taggelder
per 8. September 2019
fest.
2.
2.1
Mit
Eingabe vom 8. Oktober 2020
erhob der Versicherte Klage gegen die SWICA und beantragte,
die Beklagte sei zu verpflichten, ihm für die Zeitspanne vom 9. September 2019
bis zum 30. September 2020 Krankentag
gelder in der Höhe von Fr. 83'808.
--
zuzüglich 5 % Zins seit 21. März 202
0 (mittlerer Verfall) zu bezahl
en, unter Vorbehalt des Nachklagerechts
und unter Kosten- und Entschä
digungsfolgen zu Lasten der Beklagten
.
In prozessualer Hin
sicht beantragte
er
die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung sowie die
Bestellung von Rechts
anwältin Nicole Schneider als unentgeltliche Rechtsver
treterin
(Urk. 1)
.
Mit Ein
gabe vom 3
. November 2020 reichte
die Rechtsvertreterin des Klägers
sodann
das
Formular
zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit
samt Beilagen zu den Akten (Urk. 6, 7/1-8 und 8).
Mit Eingabe vom
10. Dezember 2020 beantragte der Rechtsdienst der SWICA die
Abweisung der Klage unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Klägers (Urk. 11)
und reichte die Akten ein (Urk. 12/1-149)
.
Mangels
rechtsgültig unte
rzeichneter
Klageantwort
reichte die Beklagte in Nachachtung der Verfügung vom 29. Januar 2021 (Urk. 13) mit Eingabe vom 4. Februar 2021 eine
Vertre
tungsv
ollmacht
zu den Akten
und ermächtigte
lic
.
iur
.
A._
zur Vertretung
der SWICA Krankenversicherung AG sowie der SWICA Versiche
rungen AG
(Urk. 15 und 16)
.
2.2
Vorgängig der am 4. März 2021 durchgeführten Instruktionsverhandlung (Urk. 14)
reichte der Kläger mit Eingabe vom 2. März 2021 weitere Unterlagen zu den Akten (Urk. 22, 23/20-21)
, welche der Beklagten zu Beginn der Instruktions
verhandlung übergeben wurden (Prot. S. 3)
.
A
nlässlich der Instruktionsverhand
lung konnte zwischen den Parteien keine vergleichsweise Einigung erzielt werden
(Prot.
S.
3
)
.
Am 4. März 2021
verfügte das hiesige Gericht,
dass die Akten der Invalidenver
sicherung in Sachen des Klägers beigezogen werden (Urk. 24). Die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, stellte dem Gericht die ent
spre
chenden Akten mit Schreiben vom 16. März 2021 zu (Urk. 25, 26/1-
72
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss Art. 2 Abs. 2 Satz 2 des Bundesgesetzes betreffend die Auf
sicht über die soziale Krankenversicherung (Krankenversicherungsaufsichts
gesetz [KVAG]) dem VVG und sind privatrechtlicher Natur (BGE 138 III 2 E. 1.1). Kollek
tive Kranken
taggeld
versicherungen werden vom Bundesgericht wie alle weiteren
Tag
geld
versicherungen in ständiger Praxis unter den Begriff der Zusatz
versi
cherung zur sozialen Krankenversicherung subsumiert (BGE 142 V 448 E. 4.1).
1.
2
Die Kantone können gestützt auf Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für Streitig
keiten über den Anspruch aus einer Zusatzversicherung sachlich zuständig ist. Im
Kanton Zürich liegt diese Zuständigkeit beim Sozialversicherungsgericht (§ 2 Abs. 2
lit
. b
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
GSVGer
; vgl. auch BGE 138 III 2 E. 1.2.2).
Die für das Sozialversicherungsgericht verbindliche Regelung der örtlichen Zuständigkeit im Bereich der Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversi
cherung findet sich in Art. 32 ZPO. Demnach ist bei Streitigkeiten aus Konsu
menten
verträgen
, worunter regelmässig auch Streitigkeiten aus Versicherungs
verträgen fallen (
Urteil des Bundesgerichts 4A_695/2011 vom 18. Januar 2012 E. 3.1
),
das Gericht am Wohnsitz oder Sitz einer der Parteien zuständig (Art. 32 Abs. 1
lit
. a ZPO).
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage ist unstrittig gegeben
(
vgl. Urk. 1 S. 3; Urk. 11 S.
11
)
.
1.
3
Das Verfahren richtet sich nach der ZPO, wobei nach Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO das vereinfachte Verfahren zur Anwendung gelangt und die Klage direkt – mithin ohne vorgängiges Schlichtungsverfahren – beim Gericht anhängig zu machen ist (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6).
Nach Art. 247 Abs. 2
lit
. a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO untersteht die Streitigkeit der Untersuchungsmaxime. Danach stellt das Gericht den Sach
verhalt von Amtes wegen fest. Nach dem Willen des Gesetzgebers ist das Gericht im Rahmen der sozialen Untersuchungsmaxime gemäss Art. 247 Abs. 2
lit
. a ZPO allerdings nur einer erhöhten Fragepflicht unterworfen (vgl. Art. 247 Abs. 1 ZPO). Wie unter der Verhandlungsmaxime müssen die Parteien folglich selbst den Stoff beschaffen; das Gericht kommt ihnen lediglich mit spezifischen Fragen zur Hilfe, damit die erforderlichen Behauptungen und die entsprechenden Beweismittel
genau aufgezählt werden, es ermittelt jedoch nicht aus eigenem Antrieb. Ist eine Partei durch einen Anwalt vertreten, kann und muss sich das Gericht ihr gegen
über wie bei der Geltung der Verhandlungsmaxime zurückhalten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_702/2016 vom 23. März 2017 E. 3.1 mit Hinweis auf BGE 141 III 569 E. 2.3.1-2.3.3 und die dortigen Verweise).
Im Übrigen gelten die Bestimmungen der ZPO für das ordentliche Verfahren sinn
gemäss für das vereinfachte Verfahren, soweit die ZPO für letzteres nichts
anderes
bestimmt (Art. 219 ZPO).
1.4
1.4.1
N
ach Art. 8 des Schweizerisches Zivilgesetzbuches (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Dem
nach
hat die Partei, die einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, wäh
rend die Beweislast für die rechtsaufhebenden
respektive
rechtsvernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet.
1.4.2
Im Rahmen des Versicherungsvertrages hat somit der Anspruchsberechtigte die Tatsachen zur Begründung des Versicherungsanspruchs (Art. 39 VVG) zu behaup
ten und zu beweisen. Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen in diesem Bereich indessen regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist, geniesst der Anspruchsberechtigte insofern eine Beweiserleichterung, als er nur eine über
wiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Anspruchs darzutun hat (Urteil des Bundesgerichts 4A_85/2017 vom 4. September 2017 E.
2.3 mit Hinweis auf BGE 141 III 241 E.
3). Dem Versicherer steht
sodann
das Recht auf Gegenbeweis zu
;
f
ür dessen Gelingen ist nur erforderlich, dass der Hauptbeweis erschüttert wird (Urteil des Bundesgerichts 4A_592/2015
vom 18. März 2016 mit Hinweisen
).
1.4.3
Nach diesen Grundsätzen sind konkret der Eintritt des Versicherungsfall
e
s wie auch der Umfang des Anspruchs vom Anspruchsberechtigten zu beweisen. Den Versicherer trifft demgegenüber die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglich vorgesehenen Leistung berechtigen oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unver
bindlich machen (BGE 141 III 241 E.
3.1; 130 III 321 E.
3.1; Urteil des Bundes
gerichts 4A_432/2015 vom 8. Februar 2016 E.
2.1). Daran ändert nichts, dass der
Versicherer zunächst Taggelder ausbezahlt hat. Macht dieser geltend, die Umstände hätten sich geändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig, so
hat die versicherte Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und daher Anspruch auf Taggelder hat. Im Falle der Beweislosigkeit trägt mithin nicht der Versicherer, sondern die versicherte Person die Beweislast (Urteile des Bundes
gerichts 4A_246/2015 vom 17. August 2015 E.
2.2; 4A_243/2017 vom 30. Juni 2017 E.
3.2.2). Der Versicherer kann den Gegenbeweis antreten, etwa indem er die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit nachweist; dabei handelt es sich jedoch nicht um einen von ihm zu erbringenden Hauptbeweis (Urteil des Bundesgerichts 4A_66/2017 vom 14. Juli 2017 E.
3.2).
1.4.4
Nach Art. 168 Abs. 1 ZPO sind als Beweismittel zulässig: Zeugnis (
lit
.
a), Urkunde (
lit
. b
), Augenschein (
lit
.
c), Gutachten (
lit
.
d), schriftliche Auskunft (
lit
.
e) sowie Parteibefragung und Beweisaussage (
lit
.
f). Diese Aufzählung ist abschliessend; im Zivilprozessrecht besteht insofern ein
numerus
clausus der Beweismittel, vor
behalten bleiben nach Art. 168 Abs. 2 ZPO lediglich die Bestimmungen über Kinder
belange in familienrechtlichen Angelegenheiten (BGE 141 III 433 E. 2.5.1). Art. 168 Abs. 1
lit
.
d ZPO lässt einzig vom Gericht eingeholte Gutachten als Beweismittel zu. Privatgutachten sind zwar zulässig, aber nicht als Beweismittel, sondern nur als Parteibehauptungen (BGE 141 III 433 E. 2.5.2)
,
was auch für Berichte von Fachärzten, welche die Taggeldversicherer beraten, gilt (Urteil des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 23. März 2017 E. 3.2 am Ende).
2.
2.1
Es ist vorliegend unbestritten, dass der Kläger aufgrund der von seiner ehema
ligen Arbeitgeberin, der
Y._
AG, mit der Beklagten abgeschlos
senen Krankentaggeldversicherung (Kollektivvertrags-Nr.
...
) gemäss den Angaben im Datenblatt zur Police (Urk. 12/149 S. 2) und den Allgemeinen Ver
sicherungsbedingungen (AVB), Ausgabe 2012 (Urk.
12
/
148
), für ein Taggeld
ver
-
sichert
war (Urk. 1 S.
10
; Urk.
11
S.
2
). Ebenfalls unbestritten ist, dass die Beklagte – nach Ablauf der vereinbarten Wartefrist von
90
Tagen – im Zeitraum vom
4
.
Dezember
2018 bis
8
.
September
201
9
, mithin während
279
Tagen, Tag
geldleistungen erbracht hat (Urk.
12
/
137
S.
3
).
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beklagte die Krankentaggeldleistungen per
8
. September 2019
zu Recht eingestellt hat oder ob sie dem Kläger weitere Kran
kentaggelder von insgesamt
Fr. 83'808.-- zuzüglich 5 % Zins seit 21. März 2020 (mittlerer Verfall)
zu bezahlen hat (Urk. 1 S. 2; Urk.
11
S. 2).
2.2
Der Kläger machte im Wesentlichen geltend
, den ins Recht gelegten Akten könne entnommen werden, dass er an einer Suchtproblematik leide. So sei bei ihm ein Abhän
gigkeitssyndrom durch Kokain, durch Alkohol und durch Tabak sowie eine
rezidivierende depressive Störung,
ab Oktober 2019 remittiert
, diagnostiziert worden. Auch der Vertrauensarzt der Beklagten habe ihm eine Kokain- und Alko
holabhängigkeit attestiert. Folglich seien von mehreren Fachärzten überein
stimmend und schlüssig zwei Abhängigkeitserkrankungen nach dem anerkann
ten Klassifikationssystem ICD-10 diagnostiziert worden, weshalb die Beklagte bis 8. September 2019 Taggeldleistungen erbracht habe.
Bis heute befinde er sich in ambulanter psychiatrischer Behandlung, seit Frühling 2020 in einem tages
kli
nischen Setting, weshalb eine Krankheit im Sinne von Art. 7 Abs. 1 AVB aus
ge
wiesen sei.
Auch habe, entgegen der Ansicht Dr.
Z._
s, der Konsum nega
tive Konsequenzen auf sein Berufsleben gehabt, weshalb sich seine jewei
ligen Arbeitgeber aufgrund von erheblichen Fehlzeiten, Unzuverlässigkeit und Leis
tungs
abnahme von ihm getrennt hätten.
Ferner
sei nicht nachvollziehbar, weshalb Dr.
Z._
von einem wirksam umgesetzten reduzierten Alkoholkon
sum spreche, wo doch die Berichte der behandelnden Ärzte aufzeigten, dass eine Reduktion des Alkoholkonsums einzig im vollstationären Setting habe erreicht werden können.
D
ie Ausführungen Dr.
Z._
s
hinsichtlich des Kokainkon
sums
seien ebenfalls
widersprüchlich, zumal er einerseits festhalte, es sei auch im stationären Rahmen zu Rückfällen gekommen, gleichzeitig aber ausführe, die direk
ten Konsumrestriktionen seien durchgehend wirksam gewesen.
Schliesslich sei die Feststellung Dr.
Z._
s, dass keine relevanten Funktionsstörungen vor
handen seien, aktenwidrig, zumal die im Rahmen des von Oktober 2018 bis Januar 2019 dauernden stationären Aufenthaltes durchgeführte neuropsycho
logische Untersuchung erste Folgeschäden des langjährigen Konsums wie leichte kognitive Defizite sowie Konfabulations- und Intrusionstendenzen offenbart habe.
Indem Dr.
Z._
weiter
festhalte, es liege ein langjähriges Abhängig
keits
syndrom vor, gleichzeitig aber ausführe, dass auf den Konsum verzichtet werden könne, verhalte er sich widersprüchlich
, da die fehlende Kontrolle über den Konsum dem Krankheitsbild eines Abhängigkeitssyndroms immanent sei.
Weil die psychiatrische Kurzbeurteilung Dr.
Z._
s folglich widersprüchlich, nicht schlüssig und nicht nachvollziehbar sei, misslinge der Beklagten der Beweis der wiedererlangten Arbeitsfähigkeit; vielmehr sei davon auszugehen, dass er weiter
hin arbeitsunfähig sei, was mehrere Berichte der behandelnden Ärzte belegen würden
.
Aus diesem Grund habe
er Anspruch auf weitere 451 Taggelder
, wovon er vorliegend 388 geltend mache
(Urk. 1).
2.3
Die Beklagte hielt demgegenüber dafür,
auf die Berichte der
Klinik B._
vom 6. November 2018 und vom 25. Juni 2019 sowie der
Klinik C._
vom 9. Januar 2019, vom 25. April 2019 und vom 30. August 2019 könne abgestellt werden,
da sie umfassend und die Schlussfolgerungen begründet und nachvoll
ziehbar seien.
All diese Berichte würden dem Kläger eine positive Prognose aus
stellen und eine Wiedereingliederung ins Berufsleben empfehlen
, jedoch weder
Auf
merksamkeits
- und Auffassungsstörungen noch Konzentrationsstörungen, formale und inhaltliche Denkstörungen oder Sinnestäuschungen und Verfol
gungs
ängste diagnostizieren.
Die zeitnahe Wiedereingliederung sei umso besser nachvollziehbar, da aus dem Lebenslauf des Klägers hervorgehe, dass er trotz langjähriger Drogenabhängigkeit stets in der Lage gewesen sei, einer Arbeit nach
zugehen
; seine letzte Tätigkeit habe er denn auch nicht aufgrund der Sucht ver
loren, sondern aufgrund beruflicher Überforderung angesichts des neuen Tätig
keits
gebietes sowie des grossen Druckes
. Die von Dr.
Z._
diagnostizierte Kokain-
und Alko
holabhängigkeit decke sich mit den erwähnten Berichten, eine Depression habe
zudem
nicht mehr festgestellt werden können. Hinsichtlich des
Cravings
habe der Kläger anlässlich der Exploration explizit ausgeführt, es sei ihm möglich, dieses aktiv zu überwinden und angenehmeren Aktivitäten nach
zu
gehen
; die diesbezügliche prinzipielle Fähigkeit, sich regelkonform zu verhal
ten und externen Vorgaben zu folgen, sei durch die Drogenabstinenz
in der
C._
bestätigt
worden
.
Vor diesem Hintergrund könne auf die psychiatrische Kurzbeurteilung abgestellt werden, nicht hingegen auf den Bericht der
p
sychia
t
rischen
K
linik
D._
vom 20. Oktober 2019, in welchem ent
gegen sämtlichen vorherigen Berichten
und einzig gestützt auf die Aussagen des Klägers
eine Wiedereingliederung verneint worden sei.
Angesichts des verbesser
ten Gesundheitszustandes des Klägers, der Tatsache, dass er seit 20 Jahren unter einer Drogensucht leide, jedoch stets einer Arbeit habe nachgehen können, und weil weder eine Funktionsstörung noch eine geistige Beeinträchtigung hätten festgestellt werden können, sei von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszu
gehen, weshalb die Einstellung der Taggeldzahlungen per 8. September 2019 zu Recht erfolgt sei
(Urk. 11).
3.
3.1
Zwischen den Parteien im Wesentlichen umstritten ist die Arbeitsfähigkeit des Klägers
und damit die Leistungspflicht der Beklagten nach dem 8. September 201
9.
Für die behauptete Arbeitsunfähigkeit stützte sich der Kläger auf die folgenden Akten:
3
.1.1
Im Arztbericht der
Klinik B._
vom 6. November 2018 (Urk. 12/18)
führten
Dr. med.
E._
und Dr. med.
F._
als
Diag
nosen
psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain: Abhängigkeits
syn
drom (ICD-10: F14.2), psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhän
gig
keitssyndrom
(ICD-10: F10.2), psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F17.2), eine rezidivierende de
pres
sive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, einen sonstigen und nicht näher bezeichnete
n
Strabismus
concomitans
(ICD-10: H50.4) sowie Gicht: Knö
chel und Fuss (Fusswurzel, Mittelfuss, Zehen, Sprunggelenk, sonstige Gelenke des Fusses; ICD-10: M10.07
)
auf.
Dr
es
.
E._
und
F._
hielten fest, dass sämtliche psychiatrischen Diagnosen die Arbeitsfähigkeit beeinflussen würden, der Entzug jedoch problem
los verlaufen sei.
Der Kläger habe sich angepasst und kooperativ verhalten, leide an keinen Aufmerksamkeits- und Auffassungsstörungen, Konzentrationsstörun
gen, formalen oder inhaltlichen Denkstörungen, Sinnestäuschungen oder Verfol
gungsängsten.
Im Affekt wirke er
dysthym
, die emotionale Schwingungsfähigkeit sei reduziert, sozialer Rückzug und Interessenverlust seien vorhanden.
Bei Auf
rechterhaltung der Abstinenz und Verbesserung der depressiven Symptomatik bestehe die Option einer stufenweisen Wiedereingliederung ins Berufsleben.
3.1.2
Dr. med.
G._
führte im Arztbericht der
Klinik C._
vom 9. Januar 2019 (Urk. 12/35)
unter den Diagnosen psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F14.2), gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung, psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F10.2), gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung, psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhän
gigkeitssyndrom (ICD-10: F17.2), aktuell konsumierend, eine Gicht: Knöchel und Fuss (Fusswurzel, Mittelfuss, Zehen, Sprunggelenk, sonstige Gelenke des Fusses; ICD-10: M10.07
)
, eine Fettleber (fettige Degeneration; ICD-10: K
76.0), anderenorts nicht klassi
fiziert
,
sowie eine alkoholische Fettleber (ICD-10: K70.0) auf.
Er
hielt fest, der Kläger
befinde
sich bereits im Prozess der Besserung des Allge
mein- und des psychischen Zustandes, bei Aufrechterhaltung der Alkoholabsti
nenz sowie fortlaufend ambulanter psychotherapeutischer Behandlung sei die Prog
nose günstig. Es empfehle sich sehr wahrscheinlich ein Wiedereinstieg mit einer Teilarbeitsfähigkeit.
Ergänzend hielt
H._
,
MSc
, Neuropsychologin, im Bericht über die neu
ro
psychologische Untersuchung des Klägers vom 8. Januar 2019 (Urk. 2/18) fest, die beim Kläger erhobenen Befunde sprächen für eine minimale neuropsycho
logische Störung mit primär leichten Auffälligkeiten im Gedächtnis sowie in Exe
kutivfunktionen und einer erhöhten Stör- und Fehleranfälligkeit. Die Defizite
würden gut zu den zu erwartenden Folgeschäden nach langjährigem Suchtmit
tel
missbrauch passen, auch wenn die aktuelle affektive Verfassung des Klägers die Befunde leicht überlagert haben könnte.
3.1.3
Die
unter E. 3.1.2 genannten
Diagnosen hielten
auch
Dr. med.
I._
und
J._
, Psychotherapeut, im Arztbericht der
Klinik C._
vom 25. April 2019 (Urk. 12/74) fest und ergänzten diese um einen Status nach drei Rippen
brüchen im Urlaub. Sie
führten aus, in psychopathologischer Hinsicht seien Konzentration, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Auffassung unauffällig, es lägen keine inhaltlichen Denkstörungen oder Sinnestäuschungen vor. Sie
bestä
tigten die positive Prognose unter gefestigter Abstinenz und mit längerfristiger psychotherapeutischer Begleitung und führten aus, es spreche nichts gegen die Rückkehr in die bisherige Tätigkeit bei einem anfänglichen Pensum von 40-50 %, welches unter therapeutischer Behandlung zu steigern wäre.
3.1.4
Dr.
F._
und
K._
, klinische Psychologin,
bestätigten
im Arztbe
richt
der
Klinik B._
vom 25. Juni 2019 (Urk. 12/88) die unter E. 3.1.1 aufgeführten Diagnosen
und hielten
fest,
gegenwärtig liege Alkoholabstinenz vor und bei der rezidivierenden
depressiven
Störung handle es sich um eine gegen
wärtig leichte Episode.
Sie führten aus, bei Remission der depressiven Symptome und Einhalten der Abstinenz sei von
einem zeitnahen Wiedererlangen der voll
ständigen Arbeits
fähigkeit auszugehen.
3.1.5
Dem Schlussbericht der
Klinik C._
vom 30. August 2019
(Urk. 2/10)
sind dieselben wie unter E. 3.1.2 aufgeführten Diagnosen zu entnehmen.
J._
und Dr.
I._
hielten fest, bezüglich Kokain- un
d Alkoholkonsum liege eine insta
bile Abstinenz vor, und ergänzten die gestellten Diagnosen um eine rezidi
vie
rende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode.
Die behandelnden Thera
peuten führten aus,
infolge des Therapieabbruches habe ein geordneter psycho
pathologischer Befund nicht erhoben werden können. Z
wischen dem vom Kläger angegebenen Ziel der Struktureinhaltung und dem beobachteten Ver
halten habe sich
jedoch
eine deutliche Diskrepanz gezeigt. Die Vorstellung von einem Leben ohne Kokain erscheine ihm wenig attraktiv, ohne die Wirkung des Kokains leide er unter starkem Antriebsmangel und fehlender Motivation. Er plane, eine Voll
zeitstelle zu finden und bis dahin vollständig krankgeschrieben zu bleiben, die Aufgabe dieses Planes zugunsten einer langsam steigenden Belas
tung habe er abgelehnt. Es sei zu mehreren Konsumereignissen und schliesslich zum Kontakt
abbruch gekommen. Aus diesem Grund werde eine schadenmin
dernde Ziel
set
zung für das Konsumverhalten sowie eine gestufte berufliche Wie
dereinglie
derung in geschütztem Rahmen empfohlen.
3.1.6
Dr. med.
L._
und Dr. med.
M._
führten im Arztbericht der
D._
vom 20. Oktober 2019 (Urk. 12/125)
als
Diagnosen
psychische und Verhal
tensstörungen durch Kokain, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F14.2), psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F10.21), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4), eine alkoholische Fettleber (ICD-10: K70.0) sowie idio
pathische Gicht (ICD-10: M10.07) auf.
Dr
es
.
L._
und
M._
hielten fest,
der Kläger habe ab seiner Anstellung im Jahr
2006
alle Arbeitsstellen aufgrund des Konsums verloren. Es könnten erste kogni
tive Folgeschäden aufgrund des langjährigen Konsums im Sinne von Beeinträch
tigungen des Gedächtnisses sowie Konfabulations- und Intrusionstendenzen objektiviert werden. Trotz intensiver Therapie und hoher Motivation gelinge es ihm nicht, das Konsummuster anhaltend zu verändern. Ohne Konsum leide der Kläger unter starkem Antriebsmangel und fehlender Motivation, weshalb sich die vor
liegende Einschätzung mit derjenigen der
Klinik C._
vom 30. August 2019, wonach eine schadenmindernde Zielsetzung für das Konsumverhalten und eine gestufte berufliche Wiedereingliederung im geschützten Rahmen empfohlen werde, decke. Im ersten Arbeitsmarkt wäre der Kläger zurzeit keinem Arbeitgeber zumutbar, auch wenn er unbedingt wieder arbeiten wolle.
Selbst
wenn es in gewissen Bereichen zu Verbesserungen gekommen sei, lasse sich die positive Beur
teilung von Dr.
Z._
durch die vorhandenen Befunde nicht belegen und seien die Folgen der Abhängigkeit weiterhin stark funktionseinschränkend.
3.1.7
Dem Arztbericht
der
Klinik C._
vom 21. Dezember 2020
zuhanden der IV-Stelle
(Urk. 23/21)
sind
als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
andere spezifische Persönlichkeitsstörungen: Narzisstische Persönlichkeitsstö
rung (2020; ICD-10: F60.80), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.00), sowie psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F14.2) zu entnehmen.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führten Dr. med.
N._
und
lic.phil
.
O._
psychische und Verhaltens
stö
rungen durch Alkohol: schädlicher Gebrauch (ICD-10: F10.1), psychische und Ver
haltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F17.2), eine alkoholische
Steatohepatitis
sowie idiopathische Gicht auf.
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit hielten die behandelnden Therapeuten fest, der Kläger habe durchaus Potential, verfüge über langjährige Berufserfahrung und zeige sich sehr motiviert für den Wiedereintritt in die Arbeitswelt. Ein zusätzlicher günstiger Faktor sei die Stabilisierung des Konsums auf tiefem Niveau sowie die
allgemein psychische Stabilisierung während der letzten Monate.
Bis zu welchem Grad eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit oder ob eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt möglich sei, bleibe zurzeit noch unklar
; durch den erfreu
lichen Verlauf und die hohe Motivation bestehe vorsichtiger Optimismus, was die Ein
gliederung in den ersten Arbeitsmarkt betreffe
.
3.1.
8
Schliesslich
stützte sich der Kläger auf
diverse Arbeitsunfähigkeitszeugnisse
für den Zeitraum von September 2018 bis
Dezember 2020
(Urk. 2/4
, 2/15
, 23/20
)
.
3.2
3.2.1
Die Beklagte machte demgegenüber von ihrem Recht Gebrauch, die Angaben der behandelnden Ärzte in Frage zu stellen und eigene Abklärungen zu tätigen (Art. 22 Abs. 1 AVB)
,
um
damit den
vom Kläger zu erbringenden Hauptbeweis seiner Arbeitsunfähigkeit zu erschüttern versuchen (vgl. vorstehend E. 1.4.2 f.),
indem
sie eine vertrauensärztliche Untersuchung des Klägers durch
Dr.
Z._
veranlasste.
Dieser
hielt in der psychiatrischen Kurzbeurteilung vom 26. August 2019 (Urk. 12/112)
fest, der Kläger wirke im Auftreten aktiv, agil und sthenisch, impo
niere mit überdurchschnittlich guten, an
Manipulativität
grenzenden sozialen Fertigkeiten, auch passe er sein Antwortverhalten kontinuierlich den nonverbalen Reaktionen des Untersuchenden an, was den Eindruck der
Manipulativität
zusätz
lich verstärke. Formalgedanklich sei er geordnet, kohärent, kognitiv-mnestisch subjektiv und bei detaillierter Prüfung nicht defizitär. Die subjektive Grund
stim
mung werde als intakt, die Antriebslage als unbeeinträchtigt geschildert. A
ls Diag
nosen
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
hielt Dr.
Z._
eine Kokainabhängigkeit (ICD-10: F14.2) und eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10: F10.2) fest
(S.
7
)
und führte aus,
diese Vordiagnosen seien gutachterlich zu bestä
tigen.
Bis zur Intensivierung des Konsums im Jahr 2018 habe der Kokain- und Alkoholkonsum den Verlauf der Arbeitskarriere des Klägers nicht nennenswert beeinträchtigt, was dadurch bestätigt werde, dass bis im September 2019 nur eine,
inzwischen viele Jahre zurückliegende suchttherapeutische Intervention von wenigen Wochen Dauer stattgefunden habe. Der Kläger schildere keine persis
tie
renden psychischen Beschwerden.
Im Rahmen der Suchtbehandlung in der
Klinik C._
habe der Kläger seinen Alkoholkonsum stark reduzieren können, was durch die im Rahmen der Exploration durchgeführte laborchemische Unter
su
chung bestätigt werde. Hinsichtlich des Kokain-Konsums sei es im stationären Rahmen zu Rückfällen gekommen, welche indes deutlich seltener vorgekommen seien als im ambulanten Rahmen. Zurzeit nehme der Kläger keine allgemein-psychiatrische oder suchtspezifische Behandlung wahr, da er beabsichtige, sich
in ambulante Suchttherapie zu begeben
, welche er als eine Art «
magic
bullet
» wahrnehme, was angesichts der Anamnese und des aktuellen Befundes als reali
tätsfern anzusehen sei. Hingegen seien Massnahmen zur direkten Konsumrestrik
tion durchgehen
d
wirksam gewesen. Es sei evident, dass der Kläger zwar vermin
dert bereit sei, sich regel- und vorgabenkonform zu verhalten, allerdings erreiche dies nicht das Ausmass einer klinisch relevanten Dissozialität und trete fast aus
schliesslich im Kontext der
substanzeninduzierten
Störung auf. Er schildere aus
drücklich, dass es ihm wesentlich besser als zu Beginn der Behandlung möglich sei, das
Craving
zu überwinden, auf den Konsum zu verzichten und diversen Akti
vitäten nachzugehen, weshalb das Vorliegen von relevanten Funktionsein
schränkungen zu verneinen sei. Dem Kläger könne uneingeschränkt zugemutet werden, auf den Konsum von psychoaktiven Substanzen zu verzichten, auch sei seine prinzipielle Fähigkeit, sich regelkonform zu verhalten und externen Vor
ga
ben zu folgen, als uneingeschränkt zu beurteilen
(S. 6 f.)
.
Die bisherigen sucht
the
rapeutischen Interventionen hätten zu einer Verringerung des Alkoholkon
sums und zu einer konsekutiven Verbesserung der somatischen Gesundheit geführt,
auch die Intensität des Kokainkonsums habe, wenn auch in geringem Aus
mass, reduziert werden können. Die Prognose sei im Falle einer konsequenten Durchführung der auf Konsumrestriktion gerichteten und sonstigen psycho
so
zialen Massnahmen als verhalten gut zu stellen (S. 8).
3.2.2
In seiner Stellungnahme
vom 3. November 2019 (Urk. 12/130)
zum
Arztb
ericht der
D._
(vgl. E. 3.1.6) hielt Dr.
Z._
fest,
darin
sei überwiegend bis aus
schliesslich auf die Angaben des Klägers abgestützt worden, ohne dass eine nach
vollziehbare Darstellung relevanter, objektivierbarer Funktionsdefizite enthalten sei. Die primäre Funktionsfähigkeit des Klägers werde als hoch eingeschätzt, dem Umstand, dass zwischen 2003 und 2018 keine suchttherapeutische Intervention von gebotener Intensität stattgefunden habe, sei
indes
weder bei der Therapie
planung noch bei der Ressourceneinschätzung
Rechnung getragen
worden, was auch für den Umstand gelte, dass der Kläger im Jahr 2006/2007 eine schwer
wie
gende psychosoziale Situation insbesondere durch Verminderung des Kokain-Konsums habe bewältigen können
und sich nun in einer ähnlichen Situation befinde.
Auch sei die Angabe, der Kläger sei während des Aufenthaltes in der
Klinik C._
nicht abstinent gewesen, zu undifferenziert, zumal der Konsum nicht in der Klinik, sondern an den Wochenenden im Heimurlaub stattgefunden habe.
Schliesslich seien die Ausführungen zum Umgang mit Kokain widersprüch
lich, werde doch einerseits von konsumvermindernden Auflagen und andererseits von der Befürwortung des Konsums aufgrund von Beschwerden über Antriebs- und Motivationsmangel gesprochen. Es stehe ausser Zweifel, dass sich der an
hal
tende
Konsum negativ auf die psychische Gesundheit und die Lebenser
wartung des Klägers auswirke. Indes werde im Arztbericht festgehalten, dass es zu Verbes
serungen gekommen sei und der Kläger unbedingt wieder die Arbeit aufnehmen wolle.
4.
4.1
Zu prüfen ist
folglich
, ob der Kläger mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit den Beweis für die von ihm behauptete Arbeitsunfähigkeit in der strittigen Periode erbringen kann (
vgl.
E. 1.
4.3
)
. Den ärztlichen Beurteilungen, auf die sich beide beru
f
en, kommt dabei der Stellenwert von Parteibehauptungen zu (
vgl.
E. 1.
4.4
).
4.2
F
estzuhalten
ist
, dass sowohl
in
den vom Kläger aufgelegten Berichten als auch von Dr.
Z._
eine Kokain- und Alko
holabhängigkeit bestätigt wurde
. Unei
nigkeit besteht indes
über die Auswirkungen dieser Diagnosen auf die Arbeits
fähigkeit des Klägers
ab 8. September 201
9.
Während der Kläger eine vollstän
dige Arbeits
un
fähigkeit geltend macht
e (vgl. E. 2.2)
, verneinte die Beklagte mit Verweis auf Dr.
Z._
einen Einfluss dieser Diagnosen auf die Arbeitsfähig
keit des Klägers (vgl. E. 2.3).
4.3
In dieser Hinsicht ist mit der Beklagten (vgl. E. 2.3)
zunächst
festzuhalten, dass sich der Gesundheitszustand des Klägers
im fraglichen Zeitraum
verbessert hat, was nicht nur der Kläger selbst mit Blick auf die mittlerweile remittierte Depres
sion bestätigte (Urk. 12/112 S. 6) und festhielt, es sei ihm gelungen, eine Tages
struktur zu schaffen, er gehe ins Fitness, besuche Sportveranstaltungen und pflege aktiv soziale Kontakte (Urk. 12/112 S. 2 f.). Auch die Berichte der
D._
(vgl. E. 3.1.6) sowie der
Klinik C._
(vgl. E. 3.1.2 und E. 3.1.7) belegen eine gesundheitliche Verbesserung, wobei die
C._
bereits im Januar 2019 von einer Verbesserung des Allgemein- und psychischen Gesundheitszustandes berichtete und dies im Dezember 2020 bestätigte
, was zumindest Zweifel an der vom Kläger behaupteten vollständigen
Arbeitsunfähigkeit
weckt
.
4.
4
Dasselbe gilt auch für die vom Kläger behaupteten Funktionseinschränkungen (vgl. E. 2.2), welche zwar im Bericht der
D._
festgehalten, jedoch nicht näher begründet werden. Auch wenn
H._
im Rahmen der neuropsycholo
gischen Untersuchungen im Januar 2019 eine «minimale neuropsychologische Störung» feststellte (vgl. E. 3.1.2), wies sie explizit darauf hin, dass diese Defizite
auch von der damaligen affektiven Verfassung des Klägers überlagert sein könnten. Damit übereinstimmend hielten bereits
Dr
es
.
E._
und
F._
(vgl.
E. 3.1.1) fest, der Kläger leide an keinen Aufmerksamkeits- und Auffas
sungsstörungen,
Konzentrationsstörungen, formalen oder inhaltlichen Denk
stö
rungen, Sinnestäuschungen oder Verfolgungsängsten, was sowohl von Dr.
G._
(vgl. Urk. 12/35) als auch von Dr.
I._
und
J._
bestätigt wurde (vgl. Urk. 12/74 und 2/10). Vor dem Hintergrund, dass einzig im Bericht der
D._
über
Funktionseinschränkungen
berichtet wurde
, ohne diese jedoch zu
belegen, dass in sämtlichen anderen Berichten hingegen von unauffälligen Befunden ausgegangen
wurde
und auch
H._
nicht ausschliessen konnte, dass die von ihr festgestellten Defizit
e nicht
zumindest leicht
überlagert wurden, vermag der Kläger
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bestehende Funk
tionseinschränkungen
nachzuweisen
,
welche sich negativ auf seine Arbeitsfähig
keit
auswirken, wovon im
Übrigen auch Dr.
Z._
ausging
(vgl. E. 3.2.1).
Dies gilt umso mehr, als der Bericht der
D._
, welchen Dr.
L._
und Dr.
M._
auf Bitten des Klägers zuhanden der Beklagten erstellten (vgl.
Urk. 12/
122
)
, im
Lichte der auch im zivilprozessualen Bereich massgeblichen Erfahrungstatsache, wonach Hausärzte und behandelnde
(Spezial)
ä
rzte
mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati
enten aussagen (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 23. März 2017 E. 4.2; ferner BGE 125 V 351
; Urteil des Bundesgerichts I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4
), zu würd
ige
n ist.
4.
5
Ebenso wenig ist überwiegend wahrscheinlich
nach
gewiesen, dass der Kokain-Konsum des Klägers relevante Auswirkungen auf sein bisheriges Berufsleben hatte. Wie von der Beklagten dargelegt (vgl. E. 2.3) und von Dr.
Z._
aus
geführt (vgl. E. 3.2.1), ist dem Lebenslauf des Klägers (Urk. 12/51 S. 11-17) zu entnehmen, dass es ihm – mit Ausnahme seiner letzten Arbeitsstelle bei der
Y._
AG – trotz des Konsums möglich gewesen war, seine letzten Arbeitsstellen während gut sechs, vier und acht Jahren zu behalten respektive nach einem Wechsel jeweils direkt wieder eine neue Arbeitsstelle zu finden. Auch ist aus den Arbeitszeugnissen ersichtlich, dass der Kläger jederzeit qualitativ gute Leistungen erbrachte, selbständig, zuverlässig, belastbar und ausdauernd war und die jeweiligen Arbeitsstellen entweder aus eigenem Wunsch oder infolge einer Restrukturierung verliess (Urk. 12/51 S. 19-25). Schliesslich berichtete der Kläger selbst davon, dass er bei seinem letzten Arbeitgeber von Anfang an stark unter Druck gesetzt worden sei. Er sei in einem neuen Tätigkeitsgebiet eingesetzt worden und habe eine Arbeitsmenge zu bewältigen gehabt, welche zuvor von drei Personen bewältigt worden sei. Er habe «je weiter umso mehr und schneller arbeiten müssen», weshalb er nicht mehr habe arbeiten können und der Konsum zugenommen habe (Urk. 12/112 S. 4 und Urk. 12/125 S. 4)
.
Damit
ist
indes
gerade nicht überwiegend wahrscheinlich nach
ge
wi
e
sen
, dass
die Arbeitsun
fähigkeit
des Klägers
durch den Konsum herbeigeführt worden war
;
vielmehr führte der
Druck am Arbeitsplatz
zu
r
Arbeitsunfähigkeit
, was wiederum zu einem erhöhten Konsum geführt hatte. Nach dem Gesagten vermag der Kläger jedenfalls nicht überwiegend wahrscheinlich nachzuweisen, dass sein Konsum relevante Aus
wir
kungen auf sein Berufsleben hatte
(
und hat
)
.
4.
6
Soweit
der Kläger behauptet, die Ausführungen Dr.
Z._
s hinsichtlich des Alkohol- und Kokainkonsums seien widersprüchlich (vgl. E. 2.2), kann ihm
eben
falls
nicht gefolgt werden. Der Kläger führte im Rahmen der Exploration zunächst selber aus, seit seinem Austritt aus der stationären Behandlung im März 2019 mit Ausnahme weniger Rückfälle keinen Alkohol mehr
zu konsumieren
(Urk. 12/112 S. 3). Dr.
Z._
hielt diesbezüglich fest, der Kläger habe im Verlaufe der Behandlungen seinen Alkoholkonsum reduzieren können, was die laborche
mische Untersuchung bestätigt habe (vgl. E. 3.2.1). Diese wies
in den sieben Tagen vor der Untersuchung
einen täglichen Alkoholkonsum von etwas weniger als einer Flasche Wein aus (Urk. 12/112 S. 8), weshalb im Vergleich mit der vom Kläger angegebenen Menge von fünf bis sieben Litern Bier pro Tag (Urk. 12/112 S. 3; Urk. 12/125 S. 4) ohne weiteres von einer Reduktion gesprochen werden kann. Auch konnte eine geringe Reduktion des Kokainkonsums erzielt werden, was der Kläger gegenüber Dr.
Z._
bestätigte, indem er festhielt, er konsu
miere aktuell zwei bis drei Gramm pro Tag (Urk. 12/112 S. 3; vgl. auch Urk. 12/125 S. 5), dies im Vergleich zu einem früheren höheren Konsum von
bis zu
fünf Gramm
pro Tag
(Urk. 12/125 S. 3 f.). Soweit Dr.
Z._
in diesem Zusammen
hang ausführte, es sei dem Kläger zuzumuten, auf den Konsum zu verzichten (vgl. E. 3.2.1), ist festzuhalten, dass er sich
dabei
explizit auf die Aus
sa
gen des Klägers bezog, welcher angab, es bereits mehrere Male trotz
Cravings
geschafft zu haben, auf den Konsum ganz zu verzichten, und es ihm wesentlich besser als zu Beginn der Behandlung möglich sei, das
Craving
aktiv zu über
winden und angenehmeren Aktivitäten nachzugehen (Urk. 12/112 S. 4 und 7)
, was
darauf schliessen
lässt
, dass es dem Kläger unter Aufbringung der entspre
chenden Motivation zumindest nicht unmöglich wäre, auf den Konsum zu ver
zichten. Dies gilt umso mehr, als er gegenüber Dr.
I._
und
J._
angab, die Vorstellung von einem Leben ohne Kokain erscheine ihm wenig attrak
tiv und er plane, eine Vollzeitstelle zu finden, bis dahin aber vollständig krankgeschrieben zu bleiben (vgl. E. 3.1.5), und im Rahmen der Exploration
durch Dr.
Z._
ausführte, sich in Zeiten geringen Konsums als gesund empfunden zu haben (vgl. Urk. 12/112 S. 4).
4.
7
Wie die Beklagte
weiter
zu Recht festhielt (vgl. E. 2.3), kann
sowohl
den Berichten
der
Klinik B._
als auch
der
Klinik C._
(vgl. E. 3.1.1-3.1.4 und E. 3.1.7) eine positive Prognose hinsichtlich der Wiedereingliederung des Klägers
in den ersten Arbeitsmarkt
entnommen werden
,
welche
auch von Dr.
Z._
bestätigt wurde (vgl. E. 3.2.1).
Der diesen Auffassungen
widersprechende
Bericht der
D._
(vgl. E. 3.1.6)
vermag daran nichts zu ändern
,
zumal
i
n diesem
Bericht
im Rahmen der Beurteilung und Prognose
überwiegend
auf die persönliche und psychiatrische Anamnese verwiesen
wird
, welche auf den rein subjektiven Angaben des Klägers basiert
, wie auch Dr.
Z._
zutreffend feststellte (vgl.
E.
3.2.2)
.
4.
8
Soweit der Kläger schliesslich auf diverse Arbeitsunfähigkeitszeugnisse
verweist
, ist festzuhalten, dass
diese
zwar den massgeblichen Zeitpunkt betreffen, die Zeug
nisse jedoch
jeglicher Begründung entbehren, mithin ihnen
weder Befunde noch Diagnosen zu entnehmen sind, welche eine Überprüfung dieser
Einschätzungen erlauben würden, weshalb sie die klägerische Sachverhaltsdarstellung nicht über
wiegend wahrscheinlich nachzuweisen vermögen.
4.
9
Zusammenfassend ist
dem Kläger der Nachweis für die seitens der Beklagten hin
reichend substantiiert bestrittene Arbeitsunfähigkeit ab
9
. September 2019
miss
lungen
, da er gestützt auf die vorstehend unter E.
3.1.1
-
3.1.8
aufgeführten Berichte eine Arbeitsunfähigkeit ab 9. September 2019 nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen vermochte
.
Da es als unwahrscheinlich erscheint, dass die vorhandene, echtzeitliche Akten
lage eine taugliche Grundlage bilden würde, auf der ein Gutachter rückwirkend für den relevanten Zeitraum auf eine anspruchsbegründende Arbeitsunfähigkeit schliessen könnte,
ist von der vom Kläger bean
tragten Einholung eines Gerichts
gutachtens (vgl. Urk. 1 S. 20) abzusehen (anti
zipierte Beweiswürdigung, vgl. BGE 143 III 297 E. 9.3.2; 134 I 140 E. 5.3;
Urteile des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 23. März 2017 E. 4.1; 4A_626/2015 vom 24. Mai 2016 E. 2.4
;
4A_445/2016 vom 16. Februar 2017 E. 4.3).
Nach dem Gesagten ist die Klage abzuweisen.
5
.
5
.1
Das Verfahren ist kostenlos
(Art. 114
lit
. e ZPO
i.V.m
. § 33 Abs. 1
GSVGer
)
.
Diese Bestimmung betrifft indes nur die Gerichtskosten, nicht jedoch die Partei
entschä
digung an die Gegenpartei
(in BGE 137 III 47
nicht
publizierte E.
2.1 des Urteils des Bundesgerichtes 4A_194/2010
vom 17. November 2010).
5
.2
Die Beklagte beantragte die Zusprechung einer Parteientschädigung (Urk. 11 S. 2).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat auch der obsiegende Versiche
rungsträger Anspruch auf eine Parteientschädigung, sofern er durch einen ex
ter
nen Rechtsanwalt vertreten ist (in BGE 137 III 47 nicht publizierte E. 2.2.1 des Urteils des Bundesgerichts 4A_194/2010 vom 17. November 2010).
Die Beklagte war im vorliegenden Verfahren nicht
durch einen externen Rechts
anwalt
vertreten, weshalb
sie
keine
n Anspruch auf
Parteientschädigung
hat
.
5
.3
5
.3.1
Der Kläger beantragte die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Bestellung von Rechtsanwältin Nicole Schneider als unentgeltliche Rechtsver
treterin
(Urk. 1 S. 2)
.
5
.3.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Ver
bei
stän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbe
gehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet) beträcht
lich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finan
ziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen
).
Vorliegend hätte dem anwaltlich vertretenen Kläger in Anbetracht des
vorstehend
unter E. 4
Ausgeführten
klar sein müssen, dass seine Gewinnchancen ex ante betrachtet als beträchtlich geringer als die Verlustgefahren
einzustufen sind. Mit
hin
ist davon auszugehen, dass
er
,
würde er
über die nötigen finanziellen Mittel verfüg
en
, sich angesichts dieser Sachlage gegen das Führen des vor
lie
genden Prozesses
entschlossen hätte
, weshalb die Klage als offensichtlich aus
sichtslos anzu
sehen ist
.
5
.3.3
In Anbetracht der Kostenlosigkeit des Verfahrens erweist sich der Antrag auf unentgeltliche Prozessführung als gegenstandslos.