Decision ID: f20be363-d5d2-52cb-98fc-cd480ca6475a
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision / unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 27. Februar 1997 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Dr.med. B._, Physikalische Medizin FMH, gab in
einem Gutachten vom 13. Mai 1997 folgende Diagnosen an: eine chronische
Lumboischialgie bei Osteochondrose L5/S1 und mediolateraler Diskushernie rechts L5/
S1 mit sensiblem Ausfallsyndrom der Nervenwurzel S1 rechts, ein
Cervicovertebralsyndrom bei Dysfunktion und Blockierung der oberen Halswirbelsäule,
eine Periarthropathia humeroscapularis (PHS) rechts bei Supraspinatussyndrom und
einen Status nach Unterschenkelfraktur rechts. Der Gutachter schätzte die zumutbare
Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten Tätigkeit auf 50% (IV-act. 9). In der Folge
sprach die IV-Stelle des Kantons St. Gallen mit Verfügung vom 27. November 1997 der
Versicherten eine halbe Invalidenrente ab 1. April 1997 bei einem Invaliditätsgrad von
50% zu (IV-act. 17). Die halbe Rente wurde in nachfolgenden Revisionsverfahren
bestätigt (IV-act. 26, 39, 48 und 59), wobei ab November 2000 (Revisionsgesuch)
gestützt auf eine Arbeitsunfähigkeit von 60% (IV-act. 33 und 34) von einem
Invaliditätsgrad von 59% ausgegangen wurde (Verfügung der IV-Stelle vom 22. Februar
2001, IV-act. 39).
B.
B.a Im Februar 2009 wurde bei der Versicherten ein Mammakarzinom diagnostiziert.
Es folgten am 25. Februar 2009 eine Mastektomie sowie eine Axillarevision und von
März bis August 2009 eine adjuvante Chemotherapie (IV-act. 85). Anlässlich der
Chemotherapie wurde ein Diabetes mellitus Typ II erkannt (IV-act. 81/8). Am 9., 18.
und 22. März 2009 füllte die Versicherte Formulare zum Bezug von Hilfsmitteln aus (IV-
act. 62, 64 und 65). Mit drei separaten Mitteilungen vom 25. März 2009 gewährte die
IV-Stelle einerseits die Kostengutsprache für Brustprothesen sowie Perücken und
verweigerte andererseits mit Verweis auf die Kostenpflicht der Krankenversicherung die
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Kostenübernahme für Laboruntersuchungen (IV-act. 68-71). Von September bis
Oktober 2009 erfolgte eine Nachbestrahlung. Ab November 2009 wurde eine für zehn
Jahre geplante antihormonelle Therapie eingesetzt (IV-act. 85).
B.b Die Versicherte machte mit Schreiben vom 17. Dezember 2009 eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend, wies dabei auf die
Brustkrebserkrankung hin und ersuchte die IV-Stelle um Rentenrevision (IV-act. 74).
Dr.med. C._, Allgemeine Medizin FMH, attestierte der Versicherten mit Arztzeugnis
vom 26. Januar 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% seit dem 9. Februar 2009 (IV-
act. 76) und stellte in einem Verlaufsbericht vom 27. Februar 2010 die Diagnosen eines
Diabetes mellitus Typ II und einer diabetischen Nephropathie, eines Mammakarzinoms
sowie einer reaktiven depressiven Reaktion (IV-act. 81/1-4). Prof. Dr.med. D._,
Tumor- und Brustzentrum E._, schätzte am 5. August 2010 die Versicherte aus
fachärztlich onkologischer Sicht als wieder voll arbeitsfähig. Da sich das chronische
Lumbovertebralsyndrom unter der antihormonalen Therapie eher verschlechtert als
verbessert habe, sei diesbezüglich Auskunft beim Hausarzt einzuholen (IV-act. 97).
B.c In einer Stellungnahme vom 17. August 2010 schätzte Dr.med. F._, Regionaler
Ärztlicher Dienst (RAD), eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit von 100% für die Zeit
vom 25. Februar 2009 (Operation des Mammakarzinoms) bis Ende Dezember 2009. Die
Strahlenbehandlung sei im Oktober 2009 abgeschlossen worden. Anschliessend seien
noch Hautreaktionen aufgetreten. Ab Januar 2010 bestehe wieder eine Arbeitsfähigkeit
von 50% in einer adaptierten Tätigkeit (IV-act. 98).
C.
Nachdem ein Vorbescheidsverfahren durchgeführt worden war (IV-act. 106), lehnte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 25. Januar 2011 das Revisionsgesuch ab. Ab Januar 2010
sei eine Arbeitsunfähigkeit von 50% wieder anzunehmen, womit eine Erhöhung der
Rente nicht ausgewiesen sei. Da die Versicherte diese Arbeitsfähigkeitsschätzung im
Einwand vom 3. Januar 2011 beanstande, habe die IV-Stelle das Dossier nochmals
dem RAD zur erneuten Stellungnahme vorgelegt. Der Gesundheitszustand habe sich
einerseits durch den Tumor und die nachfolgende Behandlung nur vorübergehend
verschlechtert. Im Hinblick auf eine vorübergehende Rentenerhöhung gelte das
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Leistungsbegehren deshalb als verspätet, weil die Versicherte zunächst im März 2009
nur Anmeldeformulare für Hilfsmittel eingereicht und erst im Dezember 2009 ein
Gesuch um Rentenrevision gestellt habe. Andererseits seien weder Diabetes-
Spätfolgen vorgelegen noch hätten eine psychiatrische oder eine regelmässige
antidepressive Behandlung stattgefunden (IV-act. 107).
D.
D.a Dagegen erhob Rechtsanwalt M. Bivetti, St. Gallen, für die Versicherte am
25. Februar 2011 Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung vom 25. Januar 2011
sei aufzuheben und die Invalidenrente angemessen zu erhöhen; eventuell sei die
Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Diese sei überdies anzuweisen, die Beschwerdeführerin für das
Vorbescheidsverfahren zu entschädigen oder, eventuell, über das Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Einwandverfahren zu entscheiden. Der
Beschwerdeführerin sei im vorliegenden Beschwerdeverfahren die unentgeltliche
Rechtspflege zu gewähren - alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung führt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus,
die angefochtene Verfügung berücksichtige weder die ausgewiesene Verschlechterung
der Rückenproblematik noch das Müdigkeitssyndrom aufgrund der antihormonellen
Therapie noch den Diabetes mellitus noch insbesondere das ausgeprägte Lymphödem
rechts und die reaktive depressive Reaktion. Die zusätzlichen Beschwerden hätten eine
erhebliche Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit bewirkt. Ferner sei zu bemängeln,
dass die Beschwerdegegnerin den im Einwand vom 3. Januar 2011 gestellten Antrag
auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung nicht erledigt habe (act. G 1).
D.b Am 4. April 2011 ergänzte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin die
Beschwerde. Er weist darauf hin, dass die angefochtene Verfügung sich auf eine nicht
aktenkundige Stellungnahme des RAD stütze, welche nach dem Einwand vom
3. Januar 2011 abgegeben worden sei. Entweder liege eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs vor oder die entsprechende Erwägung beruhe auf einer inexistenten
Stellungnahme. Die angefochtene Verfügung sei deshalb aufzuheben (act. G 7).
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D.c Die Beschwerdegegnerin beantragt mit der Beschwerdeantwort vom 22. Juni
2011, das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Einwandverfahren sei
infolge Gegenstandslosigkeit abzuschreiben und die Beschwerde sei in der
Hauptsache abzuweisen. Sie weist darauf hin, dass sie nachträglich mit Schreiben vom
3. Juni 2011 das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung erledigt habe,
weshalb das Versäumnis nachgeholt worden sei. Es treffe zu, dass nach dem Einwand
dem RAD kein Dossier vorgelegt und in der angefochtenen Verfügung auf die
Ausführungen im Einwand nicht näher eingegangen worden sei. Insoweit habe die
Beschwerdeführerin zu Recht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs beanstandet. Es
handle sich um eine leichte Gehörsverletzung. Diese könne durch die nachträgliche
Würdigung der Arztzeugnisse im Beschwerdeverfahren geheilt werden. Die mit dem
Einwand eingereichten Arztzeugnisse von Dr. C._ vermöchten keine erhebliche
Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu belegen (act. G 11).
D.d Am 24. Juni 2011 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren vor dem Versicherungsgericht entsprochen
(act. G 13).
D.e Mit Replik vom 6. Juli 2011 bringt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
vor, diese habe im März 2009 zwar das Formular zum Bezug von Hilfsmitteln
ausgefüllt, aber gleichzeitig Tatsachen angegeben, die für die Prüfung einer
Rentenrevision von Bedeutung seien und auf einen Abklärungsbedarf hindeuteten -
diese Tatsache lasse erklären, dass die Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren
nicht mehr behaupte, das Revisionsgesuch sei verspätet erhoben worden. Im
Vorgehen der Beschwerdegegnerin liege keine leichte, heilbare Verletzung des
rechtlichen Gehörs, zumal sie sich in der angefochtenen Verfügung auf einen offenbar
frei erfundenen RAD-Bericht beziehe. Die Behauptung, dass die Arztberichte von Dr.
C._ nicht als medizinische Grundlage taugen könnten, verkenne das herabgesetzte
Beweismass im Revisionsverfahren: Es reiche aus, eine erhebliche Verschlechterung
des Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen. Es sei nicht ersichtlich, dass die
Beurteilung von Dr. C._ lediglich auf den pessimistischen Schilderungen der
Beschwerdeführerin beruhe. Die gesundheitlichen Einschränkungen seien nachweislich
multifaktoriell bedingt, und es könne deshalb nicht allein auf den Bericht des
Tumorzentrums vom 5. August 2010 abgestellt werden, befasse sich dieser doch nur
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mit gewissen medizinischen Teilaspekten. Auf die geltend gemachten Beschwerden hin
hätten weitere umfassende Abklärungen darüber erfolgen müssen, ob die
Beschwerdeführerin in erheblichem Ausmass an einer depressiven Erkrankung leide
und inwieweit und wie lange erhebliche Einschränkungen aufgrund des Diabetes und
insbesondere der diabetischen Nephropathie bestünden (act. G 14).
D.f Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet
(act. G 16).
E.
Auf die Eingaben der Parteien und weitere Beweismittel wird - soweit erforderlich - im
Rahmen der nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Erwägungen:
1.
Nachdem die Beschwerdegegnerin am 26. Mai 2011 das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren behandelt (IV-act. 124) und die geltend
gemachte Entschädigung bezahlt hat (vgl. IV-act. 126 und act. G 11 S. 3), ist der
diesbezügliche Antrag im Beschwerdeverfahren gegenstandslos geworden. Dieser ist
somit abzuschreiben.
2.
2.1. In formeller Hinsicht rügt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine Ver
letzung des rechtlichen Gehörs, weil sich die Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung nicht mit den am 3. Januar 2011 (Einwand) eingereichten
Arztberichten von Dr. C._ auseinandergesetzt habe.
2.2. Nach der Rechtsprechung kann eine - nicht besonders schwer wiegende - Ver
letzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die
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Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den
Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 438 E. 3d/aa; vgl.
BGE 132 V 390 E. 5.1; BGE 124 V 183 E. 4a). Im Urteil 8C_793/2008 vom 13. März
2009 befasste sich das Bundesgericht mit einer Verletzung des rechtlichen Gehörs,
welche eine versicherte Person geltend machte, weil sie vor Erlass der Verfügung keine
Stellung zu einem RAD-Bericht habe nehmen können. Es erwog, der fragliche Bericht
stelle keine eigenständige fachmedizinische Einschätzung dar, sondern eine
Würdigung der vorliegenden medizinischen Akten. Die Gehörsverletzung wiege nicht
besonders schwer und könne ausnahmsweise als geheilt gelten, weil sich die
versicherte Person im kantonalen Beschwerdeverfahren noch zum RAD-Bericht habe
äussern können und das kantonale Gericht sowohl die Rechtslage als auch den
Sachverhalt frei überprüfen könne (E. 3 unter Hinweis auf BGE 132 V 370f. E. 3.1).
2.3. Vorliegend stützte sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung
(25. Januar 2011) auf die Stellungnahme des RAD vom 17. August 2010, erwähnte aber
irrtümlicherweise, dass das Dossier im Nachgang zum Einwand vom 3. Januar 2011
nochmals dem RAD zur Stellungnahme vorgelegt worden sei. Dass sich die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung überhaupt nicht mit den im
Einwand vorgebrachten Argumenten und den dazu eingereichten Arztzeugnissen
auseinandersetzte, stellt, wie auch die Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren
einräumt, eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Dass es sich dabei um eine nicht
heilbare Gehörsverletzung handelte, erscheint jedoch als fraglich. Immerhin nahm die
Beschwerdegegnerin zu den Einwendungen der Beschwerdeführerin in der
Beschwerdeantwort Stellung, worauf für diese Gelegenheit zur Gegenäusserung in der
Replik bestand. Auf die Folgen dieses formellen Mangels braucht hier jedoch nicht
abschliessend eingegangen zu werden, weil die angefochtene Verfügung, wie aus den
nachfolgenden Erwägungen hervorgeht, aus materiellen Gründen aufgehoben werden
muss. Immerhin wird dem Verfahrensmangel bei der Bemessung der
Parteientschädigung Rechnung zu tragen sein.
3.
3.1. In materiellrechtlicher Hinsicht macht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
geltend, dass diese Anspruch auf eine Erhöhung der bis anhin bezogenen halben
Invalidenrente habe.
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3.2. Gemäss Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) hat die versicherte Person Anspruch auf eine halbe Rente, wenn sie
zumindest 50% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% besteht
Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von 70% ein solcher
auf eine ganze Rente. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
andauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR
830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Die
Ermittlung des Invaliditätsgrads erfolgt anhand eines Vergleichs zwischen den
möglichen Erwerbseinkommen ohne und mit Gesundheitsschaden (Art. 16 ATSG).
3.3. Wenn sich der Invaliditätsgrad der rentenbeziehenden Person erheblich ändert,
wird die Invalidenrente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Auch jede
andere formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung wird von Amtes wegen oder
auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde
liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat (Art. 17 Abs. 2 ATSG). Eine
anspruchsbeeinflussende Änderung - zum Beispiel eine massgebliche Verbesserung
oder Verschlimmerung des Gesundheitszustandes (vgl. SVR 2004 IV Nr. 17; BGE 113 V
275 E. 1a) - ist zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei
Monate angedauert hat (Art. 88a der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV;
SR 831.201]).
3.4. Zeitlichen Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung
bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche
auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen
Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; BGE 130 V 77
E. 3.2.3). Im vorliegenden Fall ist somit der Sachverhalt, welcher der ein
Rentenerhöhungsgesuch abweisenden Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
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22. Februar 2001 (IV-act. 39) zugrunde liegt, mit dem Sachverhalt zur Zeit der streitigen
Revisionsverfügung vom 25. Januar 2011 zu vergleichen.
3.5. Wenn eine dreimonatige ununterbrochene Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit
im Sinn von Art. 88a Abs. 2 IVV vorgelegen hat, erfolgt eine Erhöhung der
Invalidenrente auf Gesuch der versicherten Person hin frühestens von dem Monat an,
in dem das Revisionsbegehren gestellt wurde (Art. 88bis Abs. 1 lit. a IVV). Das
Bundesgericht hat festgehalten, dass die Bestimmung von Art. 88a Abs. 2 IVV jener
von Art. 88bis Abs. 1 lit. a IVV vorgeht, so dass in einem Fall, in welchem die
versicherte Person die Revision verlangt, die Rente nur dann vom Anmeldemonat an
erhöht werden kann, wenn in diesem Monat die Dreimonatsfrist des Art. 88a Abs. 2
abgelaufen ist (BGE 105 V 264 E. 2). Es handelt sich dabei um eine Wartezeit (ZAK
1986, 345).
4.
Da die beantragte Erhöhung der Invalidenrente damit begründet wird, dass der
Gesundheitszustand sich verschlechtert habe, sind zunächst die medizinischen Akten
zu würdigen: Die rechtsanwendenden Behörden sind auf die Einschätzung der
medizinischen Lage durch Fachpersonen angewiesen. Aufgabe der medizinischen
Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu
nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
4.1. In der vor dem Vorbescheid abgegebenen Stellungnahme vom 17. August 2010
hatte der RAD gestützt auf die ihm damals vorgelegenen medizinischen Unterlagen
ausgeführt, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich durch das
Mammakarzinom und die nachfolgende Therapie vorübergehend verschlechtert: Es sei
von einer Arbeitsunfähigkeit von 100% in der Zeitspanne vom 25. Februar 2009 bis
31. Dezember 2009 und einer Arbeitsfähigkeit von 50% in einer adaptierten Tätigkeit
ab Januar 2010 auszugehen. Der RAD begründet überzeugend seine Einschätzung der
vorübergehend erhöhten Arbeitsunfähigkeit gestützt auf die Berichte des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) und des Tumor- und Brustzentrums E._ und weist
zudem darauf hin, dass die reaktive depressive Reaktion seit 2004 bekannt sei und
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keinen Anlass zur psychiatrischen Behandlung oder regelmässigen antidepressiven
Behandlung gegeben habe (IV-act. 98).
4.2. Die Arztberichte, auf welche der RAD abstellte, sind aussagekräftig: Gemäss
Bericht des KSSG vom 17. November 2009 wurde im Rahmen der Chemotherapie mit
zusätzlicher Verabreichung von Steroiden ein Diabetes mellitus, am ehesten vom Typ
2, diagnostiziert, der unter Steroidtherapie exazerbiert sei und habe behandelt werden
müssen. Seit Beendigung der Radiotherapie gegen Ende Oktober 2009 sei es zu einer
deutlichen Verbesserung der Blutzuckerwerte gekommen, welche nun grösstenteils im
Zielbereich liegen würden. Abgesehen von einer diabetischen Nephropathie mit einem
leicht erhöhten Albumin-Kreatinin-Quotienten würden sich keine Hinweise auf
Spätkomplikationen ergeben (IV-act. 81/7-9). Aus einem Bericht von Prof. Dr. D._
vom 31. März 2010 geht hervor, dass die Beschwerdeführerin als Nebenwirkung der im
vorherigen Jahr erfolgten Behandlung immer noch geschwächt und müde wirkte. Als
Nebenwirkung der antihormonellen Therapie bestünden Hitzewallungen und
Gelenksschmerzen. Die Abgeschlagenheit im Sinn eines Fatigue-Syndroms lasse sich
manchmal durch sportliche Betätigung verbessern. Eine ergänzende medizinische
Abklärung würde diesbezüglich vermutlich keine neuen Erkenntnisse bringen (IV-
act. 85). Gemäss Verlaufsbericht von Prof. Dr. D._ vom 5. August 2010 ist bei der
Beschwerdeführerin keine onkologisch begründete Arbeitsunfähigkeit verblieben,
nachdem die Behandlung der Krebserkrankung abgeschlossen wurde (IV-act. 97).
4.3. Die Atteste von Dr. C._ vom 10. und 20. Dezember 2010 (IV-act. 112), stellen
nur einfache, nicht näher begründete Arztzeugnisse dar; sie vermögen die
Schlussfolgerungen des RAD und der behandelnden Fachärzte nicht zu erschüttern.
Der Hausarzt kam dabei vor allem auf Diagnosen zurück, die aktenkundig waren und
gewürdigt worden waren, nämlich Mammakarzinom, Rückenschmerzen und Diabetes
mellitus. Entscheidend sind nicht die Diagnosen, sondern die konkreten Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit. Weshalb sich der Gesundheitszustand verschlechtert und
inwiefern dieser eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit von 100% zur Folge habe, erklärt
der Hausarzt nicht. Sein Verlaufsbericht vom 27. Februar 2010 bestätigt zwar die
Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit Februar 2009, bringt aber keine
medizinischen Erkenntnisse vor, welche vom RAD unerkannt geblieben wären und eine
volle Arbeitsunfähigkeit über den Abschluss der Behandlungszeit der Krebserkrankung
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Ende Dezember 2009 hinaus nachweisen würden. Im Übrigen darf und soll das Gericht
in Bezug auf Berichte von Hausärzten der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass
behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung
in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 352 E. 3a und
3cc).
4.4. Soweit sich der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin darauf beruft, dass die
versicherte Person im Revisionsverfahren den Revisionsgrund nur glaubhaft machen
muss, so dass die Atteste des Hausarztes beweisrechtlich genügten, ist seine Rüge
unbegründet: Art. 87 Abs. 2 IVV regelt mit dem herabgesetzten Beweismass
ausschliesslich die Voraussetzung für das Eintreten auf das Revisionsgesuch.
Vorliegend trat die Beschwerdegegnerin auf das Gesuch ein. Für die materielle Prüfung
der Frage aber, ob ein Anspruch auf eine höhere als die bereits zugesprochene
Leistung besteht, gilt dann der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit.
4.5. Der Sachverhalt erweist sich damit für den Gesundheitsverlauf bis zum Erlass der
Verfügung vom 25. Januar 2011 als ausreichend abgeklärt. Die Beschwerdegegnerin
hat zu Recht auf die Schlussfolgerungen des RAD vom 17. August 2010 und die dieser
Stellungnahme zugrunde liegenden Arztberichte abgestellt. Somit ist eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes in der Zeit vom 25. Februar 2009 bis
31. Dezember 2009 mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen. Für die nachfolgende Zeit ist hingegen wieder von der
Arbeitsunfähigkeit von 60% auszugehen, wie sie der Verfügung vom 22. Februar 2001,
die zur Festlegung eines Invaliditätsgrades von 59% führte, und den seither
ergangenen revisionsweisen Bestätigungen des Invaliditätsgrades zugrunde liegt. Für
die Annahme einer Arbeitsfähigkeit von 50% besteht jedoch kein Anlass, nachdem
Anhaltspunkte für eine Verbesserung des Gesundheitszustandes nicht vorliegen. Bei
einem IV-Grad von 59% hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine halbe Rente.
5.
Gestützt darauf stellt sich die Frage, ob der Beschwerdeführerin vorübergehend eine
erhöhte Invalidenrente zusteht. Dies wurde in der angefochtenen Verfügung verneint,
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mit der Begründung, dass erst verspätet am 17. Dezember 2009 ein Revisionsgesuch
gestellt worden sei. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geht hingegen von
einem Revisionsgesuch vom März 2009 aus, als diese um Gewährung von Hilfsmitteln
ersuchte.
5.1. Nach der Rechtsprechung wahrt die versicherte Person mit der Anmeldung
grundsätzlich alle ihre zu diesem Zeitpunkt gegenüber der Versicherung bestehenden
Leistungsansprüche, auch wenn sie diese im Anmeldeformular nicht ausdrücklich oder
im Einzelnen angibt. Die im Anschluss an ein Leistungsgesuch durchzuführenden
Abklärungen der Verwaltung erstrecken sich jedoch nur auf die vernünftigerweise mit
dem vorgetragenen Sachverhalt und allfälligen bisherigen oder neuen Akten in
Zusammenhang stehenden Leistungen. Wird später geltend gemacht, es bestehe noch
Anspruch auf eine andere Versicherungsleistung, so ist nach den gesamten
Umständen des Einzelfalls im Lichte von Treu und Glauben zu prüfen, ob jene frühere
ungenaue Anmeldung auch den zweiten, allenfalls später substanziierten Anspruch
umfasst. Dabei ist ein solcher Zusammenhang relativ grosszügig anzunehmen (Urteil
des Bundesgerichtes 9C_1033/2010 vom 31. März 2011 E. 2.3 mit Hinweis auf BGE
132 V 296 E. 4.3; BGE 121 V 196 f. E. 2; Urteil 8C_233/2010 vom 7. Januar 2011).
5.2. Vorliegend kann nicht von einer verspäteten Geltendmachung des
Revisionsgrundes ausgegangen werden. Zwar stellte die Beschwerdeführerin erst am
17. Dezember 2009 den formellen Antrag auf Rentenerhöhung (IV-act. 74); die
Revisionsgründe legte sie aber bereits im März 2009 dar, indem sie auf die
Krebserkrankung im Hinblick auf den Bezug von Hilfsmitteln hingewiesen hat (vgl. IV-
act. 62, 64 und 65). Wenn auch ein Anspruch auf Hilfsmittel nicht zwingend einen
höheren Rentenanspruch auslöst, so meldete die Beschwerdeführerin mit dem Gesuch
um Abgabe von Hilfsmitteln (Perücke und Brustprothese) eine Änderung in ihren
gesundheitlichen Verhältnissen, welche die Beschwerdegegnerin bereits damals als
wesentlich für den Rentenanspruch im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG hätte erkennen
können. Die von der Beschwerdeführerin bekanntgegebene Krebserkrankung gilt als
Tatsache, die erfahrungsgemäss eine zumindest vorübergehende erhebliche Änderung
des Invaliditätsgrads als naheliegend erscheinen lässt. Damals konnte die durch die
Brustkrebserkrankung bewirkte Änderung des Gesundheitszustands noch nicht
abschliessend beurteilt werden. Die Beschwerdegegnerin hätte jedoch, falls sie die
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Angaben der Beschwerdeführerin im Gesuch um Hilfsmittelabgabe als für ein
Rentenrevisionsgesuch zu unspezifisch betrachtete, im Rahmen ihrer Aufklärungs- und
Beratungspflicht (Art. 27 ATSG) die Beschwerdeführerin über die Anforderungen an
eine Rentenrevision aufklären müssen. Vor diesem Hintergrund widerspricht es dem
Gebot von Treu und Glauben, wenn die Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit
dem Zeitpunkt des Antrags auf Rentenerhöhung auf das Revisionsbegehren vom
17. Dezember 2009 abstellt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin den Revisionsgrund bereits erstmals am 9. März 2009 (IV-act. 62)
geltend gemacht hat.
5.3. Demzufolge ist bei einer Anmeldung vom 9. März 2009 eine vorübergehende
Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu berücksichtigen, die zu einer
Arbeitsunfähigkeit von 100% geführt hat. Revisionsbegründende Tatsachen sind
Veränderungen der Erwerbsfähigkeit bzw. die erwerblichen Auswirkungen der
medizinisch nachgewiesenen Arbeitsunfähigkeit. Vorliegend erübrigt sich eine genaue
Ermittlung der zu vergleichenden Einkommen als Gesunde (Valideneinkommen) und als
Invalide (Invalideneinkommen). In diesem Fall, bei dem vorübergehend keine
Restarbeitsfähigkeit vorgelegen hat, entspricht der Invaliditätsgrad ohne Weiteres dem
Grad der Arbeitsunfähigkeit. Der Beschwerdeführerin steht somit gemäss Art. 28 Abs. 2
IVG bei einem Invaliditätsgrad von 100% eine ganze Invalidenrente zu. Die Erhöhung
der Rente erfolgt vorübergehend, zumal die vollständige Arbeitsunfähigkeit vom
25. Februar 2009 bis 31. Dezember 2009 bestanden hat und ab 1. Januar 2010 wieder
die bisherige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen ist, womit Anspruch auf eine halbe Rente
besteht. Bei einer anspruchsbeeinflussenden Änderung des Invaliditätsgrads gilt nach
dem Gesagten (obenstehend Erw. 3.4) die Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 1 und 2
IVV als Wartezeit. Mithin ist die ganze Invalidenrente mit Wirkung vom 1. Juni 2009 bis
31. März 2010 zuzusprechen.
6.
6.1. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Verfügung vom 25. Januar 2011 in
teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und der Beschwerdeführerin eine
ganze Invalidenrente für die Zeitspanne vom 1. Juni 2009 bis 31. März 2010
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
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St.Galler Gerichte
zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Diese ist vollumfänglich von der unterliegenden Beschwerdegegnerin
zu tragen.
6.3. Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung für die Kosten der Rechtsvertretung (Art. 61 lit. g ATSG), wobei es
sich rechtfertigt, angesichts des teilweise Obsiegens bezüglich Rentenerhöhung, der
ausgewiesenen Verletzung des rechtlichen Gehörs und des Obsiegens bezüglich
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren eine ungekürzte
Entschädigung zuzusprechen. Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache
sowie der Schwierigkeit des Prozesses rechtfertigt es sich, diese auf pauschal Fr.
3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen. Unter diesen Umständen
erübrigt sich die Festsetzung einer Entschädigung im Rahmen der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP