Decision ID: cf8cb268-9931-5366-89c0-8d90426f91fa
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch MLaw Nathalie Zurbriggen, c/o Rechtsanwalt Michael B. Graf,
St. Leonhard-Strasse 20, Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a B._ meldete sich am 12. Februar 2008 zum Bezug von Rentenleistungen an. In
der Anmeldung brachte er vor, an einem beidseitigen Tinnitus, einem Burnout-
Syndrom, drei "Menière-Attacken" (2005, 2006, 2007) sowie an einer
Quecksilberunverträglichkeit zu leiden (act. G 5.1).
A.b Am 18. und 20. August 2008 wurde der Versicherte in der MEDAS Ostschweiz
polydisziplinär (internistisch-psychiatrisch) begutachtet. Die Experten stellten im
Gutachten vom 2. Oktober 2008 folgende Diagnosen mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit: Schwindel unklarer Genese seit 2005 (DD persistierender
phobischer Schwankschwindel nach wahrscheinlich organisch bedingtem
Drehschwindel) sowie ein Lungeninfiltrat Mittellappen rechts. Ohne wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestünden eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung, ein persistierender Tinnitus mit Einschlafstörung, eine
vordiagnostizierte hypertrophe AC-Arthrose links sowie ein Status nach
Amalgamplombenersatz und mehreren Ausleitungsbehandlungen. Aus psychiatrischer
Sicht sei der Versicherte sowohl für die angestammte Lehrtätigkeit wie auch für
sämtliche andere Tätigkeiten zu 100% arbeitsfähig. Auch aus somatischer Sicht könne
keine relevante Arbeitsunfähigkeit objektiviert werden. Allerdings bestehe bis zur
Remission des interkurrenten (Ende Juli 2008 aufgetretenen, act. G 5.55-18)
Lungeninfiltrats eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die angestammte sowie für andere
Tätigkeiten (act. G 5.55).
A.c Der behandelnde Dr. med. A._, Facharzt FMH für Innere Medizin, berichtete am
21. November 2008 (Datum Posteingang bei der IV-Stelle), dass die Lungenerkrankung
seit ungefähr drei bis vier Wochen ausgeheilt sei (act. G 5.60).
A.d Im Vorbescheid vom 10. Dezember 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, einen Rentenanspruch zu verneinen. Zur Begründung führte sie aus, dass er
in der angestammten sowie in einer leidensangepassten Tätigkeit über eine 100%ige
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Arbeitsfähigkeit verfüge und von einem Invaliditätsgrad von 0% auszugehen sei (act.
G 5.63).
A.e Dagegen erhob der Versicherte am 27. Januar 2009 Einwand. Er beantragte die
Ausrichtung einer IV-Rente und die Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen.
Den Beweiswert des MEDAS-Gutachtens stellte er in Frage (act. G 5.69).
A.f Nachdem der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der IV-Stelle zu den medizinischen
Einwänden des Versicherten Stellung genommen hatte (Stellungnahme vom 3. Februar
2009, act. G 5.70), verfügte die IV-Stelle am 3. Februar 2009 entsprechend dem
Vorbescheid vom 10. Dezember 2008 (act. G 5.71).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 3. Februar 2009 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 9. März 2009. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge die Ausrichtung einer "vollen" Invalidenrente. Eventualiter seien
weitere medizinische Abklärungen durchzuführen. Er führt aus, dass er zurzeit im
Betrieb seines Schwagers bei einem monatlichen Bruttolohn "von gut" Fr. 1'000.--
arbeite. Diese Stelle ermögliche ihm eine flexible Arbeitszeitgestaltung. Gegen die
gutachterliche Beurteilung wendet er ein, dass darin die Quecksilberunverträglichkeit
und eine durch Blei verursachte Vergiftung nicht geprüft worden seien. Diese seien
ärztlicherseits ausgewiesen. Ferner seien zahlreiche Symptome sowie die
medizinischen Vorakten nicht genügend berücksichtigt worden. Eingehende
toxikologische Untersuchungen seien zu Unrecht unterblieben. Bei der Bestimmung
des Invalideneinkommens sei von einer 40%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen und ein
Leidensabzug von 25% vorzunehmen. Daraus resultiere ein Invaliditätsgrad von 70%
(act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 22. April 2009
die Beschwerdeabweisung. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass der schlüssigen
gut-achterlichen Beurteilung voller Beweiswert zukomme. Insbesondere hätten die
Gutachter sowohl die Quecksilberunverträglichkeit wie auch eine mögliche
Bleivergiftung abgeklärt. Gemäss gutachterlicher Einschätzung verfüge der
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Beschwerdeführer für die angestammte Lehrtätigkeit über eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit. Er erleide daher keine invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse und habe
keinen Anspruch auf Rentenleistungen (act. G 5).
B.c In der Replik vom 26. Mai 2009 hält der Beschwerdeführer unverändert an den
gestellten Anträgen fest und wiederholt im Wesentlichen die Rügen gegen die MEDAS-
Begutachtung und den von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen
Einkommensvergleich (act. G 8). Ergänzend reicht er weitere ärztliche Zeugnisse der
behandelnden Ärzte ein (act. G 8.1 f.).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 10).
B.e Mit Eingabe vom 24. August 2010 reicht der Beschwerdeführer einen "ärztlichen
Befundbericht" von Prof. Dr. C._, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (act.
G 13.1 ff.), sowie ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis von Dr. A._ vom 2. August 2010 ein
(act. G 13.5). Prof. Dr. C._ habe einen Morbus Menière links und einen Verdacht auf
Morbus Menière rechts diagnostiziert. Des Weiteren weist der Beschwerdeführer
darauf hin, dass er nach wie vor stark an gesundheitlichen Beeinträchtigungen leide
und ihm vom behandelnden Dr. A._ eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt
werde (act. G 13).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
3. Februar 2009 (act. G 5.71) ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der mit
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Blick auf die seit Januar 2007 bescheinigte Arbeitsunfähigkeit (act. G 5.9) vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
2.
Zwischen den Parteien ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Rentenleistungen
streitig.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
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Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der medizinischen Fachpersonen ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz (vgl. Art. 43
Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der Versicherungsträger bzw. im
Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen
abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein.
Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben zusätzliche Abklärungen
stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus
den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53
E. 4a am Schluss).
3.
Die Beschwerdegegnerin legte der angefochtenen Verfügung vom 3. Februar 2009 die
medizinische Einschätzung der MEDAS zugrunde, wonach der Beschwerdeführer
sowohl für die angestammte Lehrtätigkeit wie auch für andere leidensangepasste
Tätigkeiten über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit verfüge (act. G 5.71). Der
Beschwerdeführer bringt gegen die Aussagekraft des MEDAS-Gutachtens
verschiedene - nachfolgend zu prüfende - Einwände vor (vgl. act. G 1).
3.1 Vorweg bringt der Beschwerdeführer gegen das MEDAS-Gutachten vor, dass keine
genügenden Untersuchungen betreffend die Quecksilberunverträglichkeit sowie eine
mögliche Bleivergiftung vorgenommen worden seien (act. G 1, Rz 15 und G 8, Rz 5).
Ferner seien auch nicht sämtliche der zahlreichen Symptome berücksichtigt worden
(act. G 1, Rz 16). Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend erwogen hat (act. G 5,
Rz 2.1), sind diese Einwände nicht stichhaltig. Denn die Amalgamplomben wurden
entfernt, und nach der Durchführung von mehreren Quecksilberausleitungen ging
selbst Dr. med. D._, FMH, praktische Ärztin, Akupunktur, traditionelle chinesische
Medizin ASA, für die Zeit ab 25. Februar 2008 nicht mehr von einer Beeinträchtigung
der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Quecksilberunverträglichkeit aus (vgl. hierzu act.
G 5.10-1). Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Haaranalyse vom 20. Juni
2007 der Quecksilbergehalt am unteren Ende des Referenzbereichs - und sogar am
unteren Ende der Messgrösse "moderat" - lag (act. G 1.7). Es bestand damit für die
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Gutachter kein Anlass für weitere Abklärungen. Ferner haben die Experten bezüglich
der möglichen Bleivergiftung Laboruntersuchungen vorgenommen. Deren Resultate
ergaben einen unproblematischen Bleigehalt (act. G 5.55-21; zur Beweistauglichkeit
einer Blutanalyse zur Beurteilung von Blei-Intoxikationen vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 23. April 2008, 8C_611/07, E. 4). Gegen die Begutachtung spricht auch nicht, dass
die Haaranalyse vom 20. Juni 2007 eine über dem Referenzbereich liegende
Bleikonzentration ergeben hat (act. G 1.7). Die Haaranalyse ergab einen Messwert von
3.93, der nur leicht über dem Referenzbereich (0 bis 3.3) bzw. über der Messgrösse
"moderat" lag. Es ist daher nicht ersichtlich, inwiefern der am 20. Juni 2007 leicht über
dem Referenzbereich liegende Bleiwert - der bei der späteren Blutuntersuchung im
August 2008 überdies nicht mehr erhöht war - zu einer invalidisierenden Wirkung
führen sollte. Dies umso weniger als keine entsprechenden invalidisierenden
Beeinträchtigungen aus den Akten, insbesondere aus der Haaranalyse selbst,
hervorgehen. Den Gutachtern kann daher und mit Blick auf ihre umfassende, in
Kenntnis der Vorakten ergangene Beurteilung insgesamt nicht der Vorwurf gemacht
werden, sie hätten nicht sämtliche Symptome berücksichtigt, zumal der
Beschwerdeführer auch nicht darlegt, welche für die Beurteilung der
Restleistungsfähigkeit relevanten Symptome ausser Acht gelassen sein sollen. Den
Gutachtern war im Übrigen auch der Autounfall des Jahres 2003 bekannt, der - im
Einklang mit der gesamten medizinischen Aktenlage - zu keinen relevanten
Verletzungen geführt hat (act. G 5.55-2).
3.2 Der Beschwerdeführer wendet gegen die gutachterliche Beurteilung weiter ein,
dass sich die Experten "von Vornherein nur auf ein psychisches Leiden" fokussiert
hätten (act. G 1, Rz 15). Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Das Gutachten
stützt sich auf eine interdisziplinäre Begutachtung, eingehende Untersuchungen vor
allem auch bezüglich somatischer Erkrankungen sowie die gesamte Voraktenlage. Es
ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür und es wird auch vom Beschwerdeführer nicht
substanziiert dargelegt, dass die Experten vorschnell und einseitig psychische Leiden
in den Vordergrund gestellt hätten.
3.3 Zum nicht näher begründeten Vorwurf, die Gutachter hätten sich nicht genügend
mit den Vorakten auseinandergesetzt, erübrigen sich eingehende Weiterungen (act.
G 1. Rz 18), da sich im Gutachten eine umfassende Darstellung der Vorakten und von
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deren Inhalten findet (act. G 5.55-4 ff.), die schliesslich auch Eingang in die
zusammenfassende Beurteilung gefunden haben (act. G 5.55-17 ff.).
3.4 Der Beschwerdeführer führt weiter aus, dass das Gutachten widersprüchlich sei.
Auf der einen Seite werde nicht auf Dr. D._s Diagnose eingegangen, auf der anderen
Seite werde trotzdem auf die von ihr attestierte Arbeitsfähigkeit verwiesen (act. G 1,
Rz 18). Vorab ist klarzustellen, dass die Gutachter die von Dr. D._ gemachten
Angaben lediglich diskutierten, nicht jedoch zu ihrer eigenen Auffassung machten (act.
G 5.55-20 f.). Wie die Beschwerdegegnerin bereits in diesem Zusammenhang richtig
bemerkt hat (act. G 5, Rz 2.3), gingen die Gutachter weiter davon aus, dass sich die
Schwindelsymptomatik des Beschwerdeführers dahingehend auswirkt, dass ihm das
Begehen von ungesicherten Baustellen, Gerüsten oder Leitern mit Absturzgefahr nicht
mehr zumutbar sei (act. G 5.55-21). Diese qualitative Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit erklärt, dass der Schwindel unklarer Genese als Diagnose mit
(qualitativer) Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit aufgeführt ist.
3.5
3.5.1 Soweit der Beschwerdeführer die Beweistauglichkeit des MEDAS-Gutachtens
durch die Einschätzungen der behandelnden medizinischen Fachpersonen erschüttert
sieht, ist darauf hinzuweisen, dass ein den Beweisanforderungen grundsätzlich
genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a und b) - wie das
vorliegende MEDAS-Gutachten - rechtsprechungsgemäss nicht in Frage gestellt
werden kann, wenn und sobald die behandelnden Ärzte nachher zu einer
unterschiedlichen Beurteilung gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden
Auffassungen festhalten, sofern keine objektiv feststellbaren Gesichtspunkte
vorgebracht werden, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und
die geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 13. März 2006, I 676/05, E. 2.4).
3.5.2 Solche Gesichtspunkte ergeben sich vorliegend nicht aus den Berichten der
behandelnden medizinischen Fachpersonen. Insbesondere sind die ärztlichen
Stellungnahmen von Dr. A._ vom 2. März 2009 und 2. August 2010 nicht geeignet,
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das MEDAS-Gutachten in Frage zu stellen. Zum einen setzt er sich nicht mit den
gutachterlichen Einschätzungen auseinander und legt nicht begründet dar, inwiefern
diese unzutreffend seien, zum anderen beruht seine Einschätzung - bei Fehlen von
objektivierbaren Ursachen - im Wesentlichen auf den subjektiven Patientenangaben
(Der Beschwerdeführer "schildert für mich glaubhaft, dass er sehr stark unter seinem
Schwindel leidet.", G 1.8 und G 13.5). Dasselbe gilt für den ärztlichen Bericht von
Dr. med. E._, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen-, Halsheilkunde, Hals- und
Gesichtschirurgie, vom 15. April 2009, worin keine Ursache für die angegebene
Schwindelproblematik benannt werden konnte, sich beim ORL-Status normale
Befunde zeigten und keine Ausführungen zur Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers gemacht werden (act. G 8.10).
3.5.3 Auch der "Ärztliche Befundbericht" von Prof. Dr. C._ vom 20. Juli 2010 setzt
sich weder mit dem MEDAS-Gutachten noch mit den übrigen bestehenden
medizinischen Vorakten auseinander. Ferner enthält er keinerlei Angaben zur
Restleistungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Die von Prof. Dr. C._ vorgenommene
Befunderhebung brachte im Wesentlichen keine auffälligen Befunde zu Tage (act.
G 13.1). Die von ihm gestellte Diagnose Morbus Menière links sowie Verdacht auf
Morbus Menière rechts steht im Gegensatz zu dem vom Beschwerdeführer
eingereichten Bericht von Dr. E._ vom 15. April 2009, der - einhergehend mit den
Ergebnissen der Vestibularis-Abklärung der HNO-Klinik des KSSG vom 19. Mai 2008
(act. G 5.55-11) - die Diagnose eines Morbus Menière begründet anzweifelte (act.
G 8.10). Selbst wenn diese Diagnose zuträfe, so wäre vorliegend kein weiterer
Abklärungsbedarf gegeben. Denn die MEDAS-Gutachter bezogen die
Schwindelproblematik und die sich daraus ergebenden Beeinträchtigungen in ihre
Beurteilung mit ein. Sie hielten bei der Umschreibung einer zumutbaren Tätigkeit fest,
dass das Begehen von ungesicherten Baustellen, Gerüsten oder Leitern mit
Absturzgefahr nicht mehr zumutbar sei (act. G 5.55-21). Diese Umschreibung ist mit
den Einschränkungen bei Morbus Menière vereinbar (vgl. hierzu W. Nie-meyer,
Erkrankungen von Ohren, Nase und Hals, in: H. H. Marx [Hrsg.], Medizinische
Begutachtung, 6. Auflage, Stuttgart 1992, S. 506: Menière-Kranke dürfen nicht an
Arbeitsplätzen eingesetzt werden, wo die Schwindelattacken sie selbst oder ihre
Umgebung gefährden. Wer unter ständigen oder anfallsweise auftretenden
Schwindelzuständen leidet, ist zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet.), weshalb
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die exakte Diagnose des Schwindelleidens, dessen Auswirkungen bereits gutachterlich
gewürdigt worden sind, letztlich offen gelassen werden kann.
3.6 Nach dem Gesagten kann zur Beurteilung des Rentenanspruchs des
Beschwerdeführers auf das interdisziplinäre, auf eingehenden Untersuchungen
beruhende, in Kenntnis und Würdigung der Vorakten ergangene MEDAS-Gutachten
abgestellt werden. Gestützt darauf ist der Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht
für die bisherige Lehrtätigkeit sowie für andere leidensangepasste Tätigkeiten zu 100%
arbeitsfähig (act. G 5.55-21 f.). Ein weiterer medizinischer Abklärungsbedarf besteht
nicht, zumal keine Gründe ersichtlich sind, die der Verwertbarkeit der
Leistungsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit entgegen stehen könnten. Der
Beschwerdeführer verwertet denn auch seine Leistungsfähigkeit seit 1. Dezember 2008
- wenn auch nur in einem Umfang von 2 x 2.5 Stunden pro Tag - als Hilfsarbeiter (act.
G 1.5), wobei zweifelhaft ist, ob diese Arbeit einer leidensangepassten Tätigkeit
entspricht.
4.
Zu prüfen bleiben damit die erwerblichen Auswirkungen der gutachterlich
bescheinigten 100%igen Arbeitsfähigkeit.
4.1 Mit den Parteien kann für den Einkommensvergleich von einem Valideneinkommen
für das Jahr 2008 von Fr. 97'908.-- ausgegangen werden. Umstritten ist das
Invalideneinkommen. Die Beschwerdegegnerin legte dem Invalideneinkommen den
gleichen Verdienst wie beim Valideneinkommen von Fr. 97'908.-- zugrunde (act.
G 5.71). Der Beschwerdeführer beanstandet die betragliche Grundlage von
Fr. 97'908.-- grundsätzlich nicht. Er stellt sich aber auf den Standpunkt, dass zur
Bestimmung des Invalideneinkommens diese Summe an die von ihm geltend
gemachte Restarbeitsfähigkeit von 40% angepasst werden müsse, was ein
Invalideneinkommen von Fr. 39'163.-- ergäbe. Unter Berücksichtigung eines
Leidensabzuges von 25% hält er ein Invalideneinkommen von Fr. 29'372.-- für
zutreffend (Fr. 39'163.-- x 0.75).
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4.2 Als Invalideneinkommen ist derjenige Verdienst zu berücksichtigen, der durch eine
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielt werden könnte. Der
von einer invaliden versicherten Person tatsächlich erzielte Verdienst bildet, für sich
alleine betrachtet, grundsätzlich kein genügendes Kriterium für die Bestimmung der
Erwerbsunfähigkeit und damit des Invaliditätsgrades. Das Mass der tatsächlichen
Erwerbseinbusse stimmt mit dem Umfang der Invalidität vielmehr nur dann überein,
wenn - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse eine Bezugnahme auf den
allgemeinen Arbeitsmarkt praktisch erübrigen, wenn die versicherte Person eine
Tätigkeit ausübt, bei der anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit
in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und wenn das Einkommen aus der
Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint (Urteil des EVG vom
26. September 2006, I 385/06, E. 7.2.2.1 mit Hinweisen).
4.3 Das vom Beschwerdeführer ausgeübte Pensum beträgt etwas mehr als 50% eines
Vollzeitpensums (2 x 2.5 Stunden pro Tag - als Hilfsarbeiter in einem
landwirtschaftlichen Betrieb, act. G 1.5). Gestützt auf die gutachterliche Beurteilung der
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers (act. G 5.55) sind aus rechtlicher Sicht keine
Gründe dafür ersichtlich, dass die psychischen und physischen Ressourcen dem
Beschwerdeführer nicht erlaubten, trotz seines Leidens eine leidensadaptierte Tätigkeit
im Rahmen eines 100%igen Pensums auszuüben. Mit Blick auf ein ihm zumutbares
Pensum von 100% für leidensadaptierte Tätigkeiten steht fest, dass der
Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit nicht in zumutbarer Weise voll
ausschöpft. Das tatsächlich noch erzielte Einkommen bildet daher bereits aus diesem
Grund beim Einkommensvergleich keine taugliche Grundlage für das
Invalideneinkommen. Es ist daher auf die LSE-Tabellenlöhne abzustellen.
4.4 Da die angestammte Lehrtätigkeit des Beschwerdeführers eine leidensangepasste
Tätigkeit darstellt (act. G 5.55), rechtfertigt es sich, auf die Tabelle TA1,
Durchschnittslöhne des Bereichs "Unterrichtswesen", mindestens Niveau 3 (Berufs-
und Fachkenntnisse vorausgesetzt), abzustellen. Der entsprechende Monatslohn für
eine 40-Stunden-woche betrug im Jahr 2008 für Männer Fr. 6'829.--. Angepasst an
eine betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41.6 Stunden ergibt sich ein Einkommen
von Fr. 7'102.--, was einem Jahreseinkommen von Fr. 85'226.-- entspricht.
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4.5 Bei der Bestimmung des Invalideneinkommens erachtet der Beschwerdeführer die
Gewährung des höchstzulässigen Abzuges von 25% für gerechtfertigt (act. G 1). Die
Fragen, ob sich vorliegend ein Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt und
bejahendenfalls in welcher Höhe, können offen gelassen werden. Denn selbst wenn
dem Beschwerdeführer der höchstzulässige Abzug von 25% gewährt würde, resultierte
ein Invalideneinkommen von Fr. 63'920.-- (Fr. 85'226.-- x 0.75), eine Erwerbseinbusse
von Fr. 33'988.-- (Fr. 97'908.-- - Fr. 63'920.--) und ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von gerundet 35% ([Fr. 33'988.-- / Fr. 97'908.--] x 100).
5.
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch des
Beschwerdeführers zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Der von ihm geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist daran
anzurechnen. Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Der Beschwerdeführer bezahlt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--. Der von ihm
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird daran angerechnet.
bis
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