Decision ID: 7efba0e7-eecd-4cf6-bdf5-fdc0b4458bf5
Year: 2021
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erlangte am 20. Juni 2008 (ein erstes Mal) den Führerausweis auf Probe für die
Fahrzeugkategorie B. Das Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen entzog diesen
am 28. April 2009 für drei Monate und verlängerte die Probezeit um ein Jahr nach einer
schweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften vom 6. August 2008
(Überholen trotz Gegenverkehrs und Überfahren einer Sicherheitslinie). Am 12. Februar
2010 verursachte X wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs einen Verkehrsunfall, was
am 6. Mai 2010 zur Annullierung des Führerausweises auf Probe führte. In der Folge
verzögerte sich die Erteilung eines neuen Lernfahrausweises um ein Jahr bis 6. Mai
2012, weil X am 3. Januar 2011 ein Fahrzeug gelenkt hatte, ohne im Besitz eines
Führerausweises zu sein. Aus verkehrspsychologischer Sicht wurde die Fahreignung
des X im Gutachten vom 23. April 2012 zunächst insbesondere wegen fehlender
Aufarbeitung der begangenen Widerhandlungen und einer Bagatellisierungstendenz
verneint, dann aber nach dem Besuch einer Psychotherapie während acht Stunden in
einem weiteren Gutachten vom 26. November 2012 bejaht. Das Strassenverkehrsamt
stellte am 7. Dezember 2012 einen neuen Lernfahrausweis für die Kategorie B aus.
Nach bestandener praktischer Prüfung wurde am 25. Februar 2013 (nochmals) der
Führerausweis auf Probe erteilt.
B.- Am 5. August 2017 fuhr X auf der Autobahn A3 in Zürich mit einem Personenwagen
auf der Überholspur einem zivilen Polizeifahrzeug auf und leuchtete kurz zweimal mit
der Lichthupe auf. Die Polizisten wechselten auf die Normalspur, liessen X vorbeiziehen
und folgten diesem für eine Nachfahrmessung auf der Überholspur. Die
Spitzengeschwindigkeit während der Nachfahrt betrug ca. 165 km/h. Nachdem X zwei
Fahrzeuge überholt hatte, wechselte er wieder auf die Normalspur, wo er ohne
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ersichtlichen Grund von ca. 160 km/h auf 135 km/h abbremste und zweimal die
Warnblinklichter aufleuchten liess. In jenem Zeitpunkt befand sich das zivile
Polizeifahrzeug wenige Meter hinter X auf der Überholspur. Es überholte diesen und
forderte ihn bei der Ausfahrt Wädenswil auf, ihm zu folgen. Die Polizisten gingen davon
aus, dass X aufgrund seines Verhaltens zu einem Rennen habe auffordern wollen. Sie
stellten deshalb dessen Mobiltelefon vorläufig sicher. Bei der anschliessenden
Sichtung der Mobiltelefondaten im Strafverfahren wurden verschiedene Videos mit
insgesamt 14, teils sehr schweren Verstössen gegen das Strassenverkehrsgesetz in
der Zeit zwischen 6. März 2015 und 2. August 2017 vorgefunden. Die Aufnahmen
wurden von Beifahrern oder X selbst erstellt. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich,
2. Abteilung, vom 11. Dezember 2019 wurde X der mehrfachen qualifiziert groben
Verletzung der Verkehrsregeln, der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln
sowie der mehrfachen Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen und zu einer
bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten sowie einer Busse von Fr. 3'000.– verurteilt.
Das Gericht verbot ihm zudem mittels Weisung, während zwei Jahren Motorfahrzeuge
der Kategorie B zu lenken. Das Strafurteil erwuchs, soweit aus den Akten ersichtlich,
unangefochten in Rechtskraft.
C.- Mit Zwischenverfügung vom 10. Februar 2020 ordnete das Strassenverkehrsamt
des Kantons St. Gallen eine verkehrspsychologische Untersuchung an und forderte X
auf, bei einem verkehrspsychologischen Institut innert vierzig Tagen einen
Untersuchungstermin zu vereinbaren und diesen bekanntzugeben. Am 14. April 2020
stellte es einen Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit und eine Sperrfrist in
Aussicht, weil sich X der verkehrspsychologischen Untersuchung noch nicht
unterzogen und auch keinen Termin bekanntgegeben hatte. Die db concept,
psychologische Diagnostik und Beratung, teilte am 16. April 2020 mit, dass sich X zur
verkehrspsychologischen Begutachtung angemeldet habe. Die Untersuchung fand am
2. Juni 2020 statt. Im Gutachten vom 23. Juni 2020 wurde die Fahreignung aus
verkehrspsychologischer Sicht bejaht.
D.- Am 11. August 2020 informierte das Strassenverkehrsamt X, dass der
Führerausweis aufgrund der Verkehrsregelverletzungen gemäss Urteil des
Bezirksgerichts Zürich vom 11. Dezember 2019 für mindestens zwei Jahre zu entziehen
sei. Mit Eingabe vom 2. September 2020 nahm der Rechtsvertreter zum vorgesehenen
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Führerausweisentzug Stellung und erklärte, dass sein Mandant mit einem
Führerausweisentzug von zwei Jahren einverstanden sei. Da er sich an das richterliche
Verbot, während zwei Jahren ein Motorfahrzeug der Kategorie B zu lenken, gehalten
habe, sei der Führerausweisentzug ab Dezember 2019 zu verfügen. Am 9. September
2020 schickte der Rechtsvertreter dem Strassenverkehrsamt den Führerausweis des X
zum Vollzug des Führerausweisentzugs ein. Das Strassenverkehrsamt teilte X daraufhin
am 17. September 2020 telefonisch mit, es sei eine deutlich längere Entzugsdauer als
zwei Jahre vorgesehen. Dazu nahm der Rechtsvertreter am 21. September 2020
nochmals schriftlich Stellung. Mit Verfügung vom 24. September 2020 entzog das
Strassenverkehrsamt den Führerausweis für die Dauer von 38 Monaten. Der
Vollzugsbeginn wurde auf 11. Dezember 2019 festgesetzt und das Vollzugsende auf
10. Februar 2023.
E.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 24. September 2020 erhob X
mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 6. Oktober 2020 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Er beantragte, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ein Führerausweisentzug vom 11.
Dezember 2019 bis und mit 11. Dezember 2021 anzuordnen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Im Schreiben vom 7. Oktober 2020 wies der Verfahrensleiter den
Rechtsvertreter darauf hin, dass dem Rekurs zwar aufschiebende Wirkung zukomme,
jedoch eine zweijährige Führerausweisentzugsdauer vom 11. Dezember 2019 bis
11. Dezember 2021 anerkannt werde, weshalb ohne Gegenbericht davon ausgegangen
werde, der Führerausweis solle während des Rekursverfahrens entzogen bleiben. Der
Rechtsvertreter reagierte darauf nicht. Das Strassenverkehrsamt verzichtete am 26.
Oktober 2020 auf eine Vernehmlassung zum Rekurs.

Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 6. Oktober 2020 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
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inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekursverfahren ist nicht umstritten, dass der Rekurrent mehrere
Führerausweisentzugsgründe verwirklicht hat.
a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Gemäss Art. 16a Abs. 4 SVG wird in besonders leichten Fällen auf jegliche Massnahme
verzichtet. Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von
Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt
(Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren Widerhandlung ist immer dann
auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten und nicht alle
qualifizierenden Bestandteile einer schweren Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft,
in: BBl 1999 S. 4487). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine
ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist
die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine qualifiziert schwere
Widerhandlung liegt vor, wenn durch vorsätzliche Verletzung elementarer
Verkehrsregeln das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern
bestand, namentlich durch besonders krasse Missachtung der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit, waghalsiges Überholen oder Teilnahme an einem nicht
bewilligten Rennen mit Motorfahrzeugen (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG).
b) Signale und Markierungen sind zu befolgen und gehen den allgemeinen Regeln vor
(Art. 27 Abs. 1 SVG). Nach Art. 4a Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11,
abgekürzt: VRV) beträgt die allgemeine Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge unter
günstigen Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen in Ortschaften 50 km/h (lit. a),
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ausserhalb von Ortschaften, ausgenommen auf Autostrassen und Autobahnen 80 km/h
(lit. b), auf Autostrassen 100 km/h (lit. c) und auf Autobahnen 120 km/h (lit. d).
Abweichende signalisierte Höchstgeschwindigkeiten gehen den allgemeinen
Höchstgeschwindigkeiten vor (Art. 4a Abs. 5 VRV).
c) Zur Sanktionierung von Geschwindigkeitsüberschreitungen hat die Rechtsprechung
im Interesse der rechtsgleichen Behandlung Grenzwerte festgelegt. Danach liegt nach
bundesgerichtlicher Praxis ungeachtet der konkreten Umstände objektiv eine schwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG vor, wenn die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit innerorts um 25 km/h oder mehr, ausserorts um 30 km/h oder
mehr und auf Autobahnen um 35 km/h oder mehr überschritten wird (BGE 132 II 234 E.
3.1.; Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 16c SVG N 6).
Eine mittelschwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG begeht, wer
die signalisierte Höchstgeschwindigkeit innerorts um 21-24 km/h, ausserorts um 26-29
km/h und auf Autobahnen um 31-34 km/h überschreitet. Eine einfache Widerhandlung
liegt vor, wenn die signalisierte Höchstgeschwindigkeit innerorts um 16-20 km/h,
ausserorts um 21-25 km/h und auf Autobahnen um 26-30 km/h überschritten wird.
Besonders leicht ist die Widerhandlung bei einer Überschreitung der signalisierten
Höchstgeschwindigkeit innerorts um 1-15 km/h, ausserorts um 1-20 km/h und auf
Autobahnen um 1-25 km/h (Weissenberger, a.a.O., Vorbemerkungen zu Art. 16a-c SVG
N 14).
Im Weiteren ist zu berücksichtigen, dass eine (strafrechtliche) grobe
Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG der (administrativrechtlichen)
schweren Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG entspricht. Demgegenüber
erfasst die Strafbestimmung der einfachen Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90
Abs. 1 SVG administrativrechtlich leichte und mittelschwere Widerhandlungen
gleichermassen (BGE 135 II 138 E. 2.4). Das straf- und das administrativrechtliche
Sanktionensystem sind insoweit nicht deckungsgleich (Urteil des Bundesgerichts
[BGer] 1C_259/2011 vom 27. September 2011 E. 3.4 und 1C_282/2011 vom 27.
September 2011 E. 2.4).
d) Der Rekurrent bestreitet nicht, die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h
auf der Autobahn insgesamt sieben Mal (am 6. März 2015 in Thalwil um 56 km/h, am
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6. April 2015 in Pfäffikon SZ um 47,9 km/h, am 16. Juni 2016 in Richterswil um 50,6
km/h, am 23. Januar 2017 in Altendorf um 42,5 km/h, am 2. August 2017 in Freienbach
um 74 km/h und gleichentags in Altendorf ebenfalls um 74 km/h sowie am 5. August
2017 in Zürich um 40 km/h [allesamt schwere Widerhandlungen gemäss Art. 16c
Abs. 1 lit. a SVG]), die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h innerorts zwei Mal
(am 25. Januar 2017 in Lachen um 18 km/h [leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a
Abs. 1 lit. a SVG] und am 26. Januar 2017 in Jona um 27 km/h [schwere
Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG]) sowie die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ausserorts ebenso zwei Mal (am 16. Februar 2017
in Horgenberg um 17,7 km/h [besonders leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 4
SVG] und am 10. März 2017 in Illnau um 46,5 km/h [schwere Widerhandlung gemäss
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG]) überschritten zu haben. Ebenfalls unbestritten ist, dass er
am 13. März 2017 auf der Autobahn in Baar zuerst Fahrtrichtung Luzern (13.08 Uhr)
und anschliessend Fahrtrichtung Sihlbrugg (13.14 Uhr) an zwei Beschleunigungsrennen
teilnahm und das Fahrzeug auf Geschwindigkeiten von 196,7 km/h (nach Abzug einer
Messtoleranz von 26,3 km/h) und 186,8 km/h (nach Abzug einer Messtoleranz von
26 km/h) beschleunigte. Im Strafverfahren erging für diese beiden nicht bewilligten
Rennen ein Schuldspruch wegen qualifiziert grober Verkehrsregelverletzung gemäss
Art. 90 Abs. 3 SVG. Namentlich wurde er nicht auch wegen einer besonders krassen
Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit verurteilt. Entgegen der
Auffassung der Vorinstanz besteht kein Anlass, von der strafrechtlichen Beurteilung
abzuweichen; denn aus dem Polizeirapport ergibt sich, dass an den fraglichen
Autobahnabschnitten in Baar die allgemeine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h galt
(act. 9/204). Bei der Bemessung der Entzugsdauer wird aber erschwerend zu
berücksichtigen sein, dass die Grenze zur besonders krassen
Geschwindigkeitsüberschreitung nur knapp nicht erreicht wurde (vgl. Anklage der
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. September 2019 zu den einzelnen
Verkehrsdelikten, act. 9/388 ff.).
3.- Im Rekursverfahren ist die Entzugsdauer umstritten. Die Vorinstanz hält 38 Monate
für angemessen, der Rekurrent 24 Monate (2 Jahre).
a) Gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG sind bei der Festsetzung der Dauer des
Führerausweisentzugs die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die
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Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Diese Zumessungsfaktoren sind gesamthaft zu würdigen und die Entzugsdauer ist im
Einzelfall so festzusetzen, dass die mit der Massnahme beabsichtigte erzieherische und
präventive Wirkung am besten erreicht wird. Bei der Bemessung der Entzugsdauer
kommt der Behörde ein weiter Ermessensspielraum zu (Weissenberger, a.a.O., Art. 16
SVG N 27). Insbesondere liegt es im vorinstanzlichen Ermessen, in welchem Umfang
sie die verschiedenen Zumessungsfaktoren berücksichtigt. Wird eine Entzugsdauer
angefochten, muss die Rechtsmittelinstanz – gleich wie bei der Strafzumessung in
einem Strafverfahren – prüfen, ob die Vorinstanz die gesetzlichen
Mindestentzugsdauern eingehalten hat, von rechtlich nicht massgebenden Kriterien
ausgegangen ist oder wesentliche Gesichtspunkte ausser Acht gelassen
beziehungsweise in Überschreitung oder Missbrauch ihres Ermessens falsch gewichtet
hat (vgl. BGer 6B_853/2013 vom 20. November 2014 E. 2.3 mit Hinweis auf BGE 136 IV
55 E. 5.6). Die Überprüfung der Angemessenheit der Entzugsdauer ist nur möglich,
wenn dargelegt wird, wie die einzelnen Zumessungskriterien gewichtet werden. Dies
hat die Vorinstanz nicht getan. In der angefochtenen Verfügung wurden verschiedene
Zumessungskriterien zwar erwähnt. Eine blosse Aufzählung genügt aber nicht.
Insbesondere ist damit weder für den Rekurrenten noch das Gericht nachvollziehbar,
weshalb die Vorinstanz eine Entzugsdauer von 38 Monaten als angemessen erachtet.
b) Das rechtliche Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 15 Abs. 1 VRP)
verlangt, dass die Behörde die wesentlichen Punkte nennt, die für ihre Verfügung
relevant waren. Die Begründungspflicht ist ein wesentlicher Bestandteil des Anspruchs
auf rechtliches Gehör und führt letztlich dazu, dass die Bemessung der Entzugsdauer
nachvollziehbar ist (vgl. BGer 6B_401/2015 vom 16. Juli 2015 E. 1.1 mit Hinweisen).
Die Vorinstanz ist ihrer Begründungspflicht ungenügend nachgekommen, weil sie die
einzelnen Zumessungskriterien nicht gewichtet hat. Auf die Rückweisung der
Angelegenheit an die Vorinstanz zu neuer Verfügung ist zu verzichten, da die
Gehörsverletzung im vorliegenden Rekursverfahren geheilt werden kann. Das Gericht
verfügt über volle Überprüfungsbefugnis (Art. 46 Abs. 1 VRP). Der Umstand, dass die
Vorinstanz das rechtliche Gehör des Rekurrenten verletzt hat, wird jedoch bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen sein. Dem Rekurrenten blieb für die Überprüfung
der Angemessenheit der langen Entzugsdauer nur der Weg über einen Rekurs.
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c) Der Rekurrent hat mehrere Führerausweisentzugsgründe erfüllt. In einem solchen
Fall ist Art. 49 Abs. 1 StGB (SR 311.0) analog anzuwenden. Nach dieser Bestimmung
ist ein Täter, welcher durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, für die schwerste Straftat zu bestrafen und die
Strafe angemessen zu erhöhen (BGer 6A.74/2005 vom 15. März 2006 E. 5.3; BSK
StGB-Ackermann, 4. Aufl. 2019, Art. 49 N 40; BSK SVG-Rütsche, Basel 2014, Art. 16
N 134, E. 5.3; Weissenberger, a.a.O., Vorbemerkungen zu Art. 16 ff. SVG N 14).
Folglich ist nicht für jede Verkehrsregelverletzung eine einzelne Massnahme
anzuordnen. Vielmehr ist die für die schwerste Verletzung verfügte Massnahme
angemessen zu verschärfen, um so zu einer Gesamtmassnahme zu gelangen, welche
allen Verfehlungen Rechnung trägt (BGer 6B_164/2012 vom 7. Juni 2012 E. 3). Die
Ausfällung einer Gesamtmassnahme ändert aber nichts daran, dass der Täter in einem
solchen Fall mehrere Führerausweisentzugsgründe verwirklicht hat. Insoweit ist die
Ziffer 1 des Rechtsspruchs, worin nur die qualifiziert schwere Widerhandlung erwähnt
wird, unvollständig und mit den mehrfachen schweren Widerhandlungen, der leichten
Widerhandlung sowie der besonders leichten Widerhandlung zu ergänzen.
Ausgangspunkt für die Bemessung der Entzugsdauer ist demzufolge die Teilnahme an
den beiden nicht bewilligten Rennen vom 13. März 2017. Von den begangenen
Widerhandlungen sind diese Verfehlungen am strengsten zu ahnden. Die
Mindestentzugsdauer, die weder aus beruflichen noch aus persönlichen Gründen
unterschritten werden darf, beträgt zwei Jahre (Art. 16c Abs. 2 lit. a und Art. 16
Abs. 3 SVG). Im Strafverfahren wurde der Rekurrent wegen mehrfacher qualifiziert
grober Verkehrsregelverletzung schuldig gesprochen. Mithin wurde kein einheitlicher
Willensentschluss für beide Fahrten angenommen, was zur Nichtanwendung des
Art. 49 Abs. 1 StGB geführt hätte (vgl. BSK StGB-Ackermann, a.a.O., Art. 49 N 30). Es
besteht kein Anlass, von dieser rechtlichen Beurteilung abzuweichen, zumal die beiden
Teilnehmer die Autobahn nach dem ersten Rennen verlassen mussten, um nachher ein
zweites Rennen in die andere Richtung zu starten. Aufgrund der engen zeitlichen
Abfolge der beiden Rennen – diese lagen nur sechs Minuten auseinander – wirkt sich
die Tatmehrheit indessen weniger massnahmeerhöhend aus, wie wenn die beiden
Rennen an verschiedenen Tagen stattgefunden hätten. Zu berücksichtigen ist im
Weiteren, dass dem Rekurrenten während beiden Fahrten eigentliche Tempoexzesse
vorzuwerfen sind. Er beschleunigte jeweils so stark, dass er in unmittelbare Nähe zur
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Grenze der krassen Geschwindigkeitsüberschreitung gemäss Art. 90 Abs. 4 lit. d SVG
gelangte. Entsprechend schwer wiegt das Verschulden und sehr gross war die
Gefährdung. Beides führt zu einer Erhöhung der Massnahme um zehn Monate auf 34
Monate.
Der Rekurrent beging in der Zeit zwischen 6. März 2015 und 5. August 2017 zusätzlich
neun schwere Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, und zwar im
Wesentlichen Geschwindigkeitsüberschreitungen, die sich hauptsächlich auf der
Autobahn (7 Fälle) sowie je einmal im Ausserorts- (Überschreitung von 46 km/h) und
Innerortsbereich (Überschreitung von 27 km/h) zugetragen hatten. Die
Geschwindigkeitsüberschreitungen auf der Autobahn lagen grossmehrheitlich
zwischen 40 und 56 km/h. Am 2. August 2017 überschritt er nachts innerhalb einer
Minute die Geschwindigkeit zweimal um jeweils 74 km/h und kam damit der Grenze
zum Rasertatbestand gemäss Art. 90 Abs. 4 lit. d SVG (Überschreitung von 80 km/h)
sehr nahe. Auch bei diesen Verfehlungen wiegt das Verschulden schwer und die
Gefährdung der übrigen Verkehrsteilnehmer war bereits aus objektiven Gründen
ernsthaft. Dementsprechend ist die Entzugsdauer für diese zusätzlichen
Widerhandlungen spürbar zu erhöhen, und zwar um zwölf Monate auf 46 Monate. Die
leichte Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften vom 25. Januar 2017
und die besonders leichte Widerhandlung vom 16. Februar 2017 wirken sich
demgegenüber auf die Entzugsdauer nicht massnahmeerhöhend aus.
d) Zu prüfen bleibt, ob es massnahmemindernde Umstände gibt. In diesem
Zusammenhang macht der Rekurrent eine berufliche Angewiesenheit auf den
Führerausweis geltend. Zudem habe er seit Ende 2017 keine Strassenverkehrsdelikte
mehr begangen und sämtliche Delikte im Strafverfahren umgehend zugegeben. Im
Folgenden ist darauf einzugehen.
aa) Der Rekurrent trägt vor, für das Einzelunternehmen seiner Brüder beruflich tätig zu
sein. Er bringe Fahrzeuge zu den Kunden oder hole diese bei den Kunden ab. Zudem
habe er einen Arbeitsvertrag mit A als Aussendienstmitarbeiter abgeschlossen. Bis am
31. Dezember 2021 könne er diese Anstellung ohne Fahrzeug ausüben. Sollte er nach
diesem Datum weiterhin nicht mit dem Fahrzeug unterwegs sein dürfen, könne die
Kündigung drohen.
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Fahrzeuglenker, die berufsmässig auf den Einsatz eines Motorfahrzeugs angewiesen
sind, werden wegen der grösseren Massnahmeempfindlichkeit in der Regel schon
durch eine kürzere Entzugsdauer wirksam von weiteren Widerhandlungen abgehalten.
Einem solchen Lenker soll der Führerausweis deshalb weniger lange entzogen werden
als einem, der sein Fahrzeug beruflich nicht benötigt, selbst, wenn beide
Fahrzeuglenker das gleiche Verschulden trifft (vgl. dazu BGE 123 II 572 E. 2c). Ein
gewisser organisatorischer, zeitlicher oder finanzieller Mehraufwand ist aber Folge
eines jeden Entzugs des Führerausweises und deshalb hinzunehmen, ohne dass dies
eine massnahmemindernde Berücksichtigung rechtfertigen würde (vgl. BGer 6A.
31/2004 vom 6. August 2004 E. 1.4; Entscheid der VRK [VRKE] IV-2013/123 vom
9. Januar 2014 E. 6c, im Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort
unter Rechtsprechung).
Der Rekurrent ist kein Berufschauffeur, der sein Einkommen mit dem Erbringen von
Fahrdiensten erzielt und für den ein Führerausweisentzug ein materielles Fahrverbot
bedeuten würde. Aufgrund der Tätigkeit im Unternehmen seiner Brüder, wo er
Fahrzeuge zu Kunden bringt oder Fahrzeuge bei Kunden abholt, sowie der Anstellung
als Aussendienstmitarbeiter ist er aber doch mehr von einem Führerausweisentzug
betroffen als ein Fahrzeuglenker, der bei einem Fahrverbot problemlos auf den
öffentlichen Verkehr umsteigen könnte. Insgesamt liegt damit eine leicht erhöhte
Massnahmeempfindlichkeit vor, die zu einer Reduktion der Massnahmedauer um rund
zehn Prozent führt, das heisst um rund fünf Monate auf 41 Monate.
bb) Gleich wie im Strafrecht kann auch bei Warnungsentzügen ein Geständnis
massnahmemindernd berücksichtigt werden; denn ein solches kann darauf schliessen
lassen, dass der fehlbare Fahrzeuglenker das Unrecht seiner Taten eingesehen hat. Der
Grad der Minderung hängt davon ab, in welchem Stadium das Geständnis abgelegt
wurde (BSK StGB I-Wiprächtiger/Keller, Art. 47 N 170 f.). Entgegen den Ausführungen
im Rekurs war der Rekurrent nicht umgehend geständig (act. 1 S. 3 N 5). Gegenüber
der Polizei war er in elf Fällen nicht geständig und je in einem Fall teilgeständig und
geständig. Erst während der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme anerkannte er die
einzelnen Tatvorwürfe (act. 9/195). Zu berücksichtigen ist auch, dass die Beweislage
aufgrund des sichergestellten Videomaterials einigermassen erdrückend war.
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Insgesamt führt das Geständnis damit nicht zu einer maximalen Minderung, sondern zu
einer Reduktion von rund drei Monaten, so dass die Entzugsdauer 38 Monate beträgt.
cc) Daran ändern auch die weiteren Einwände des Rekurrenten nichts. Der Umstand,
dass seit Ende 2017 keine weiteren Widerhandlungen gegen
Strassenverkehrsvorschriften mehr zur Anklage gelangten, führt nicht dazu, dass eine
Entzugsdauer über die Mindestentzugsdauer hinaus grundsätzlich unverhältnismässig
wäre. Das Bundesgericht hielt mehrmals fest, dass ein Entzug des Führerausweises
durch den Zeitablauf nicht seiner erzieherischen Wirkung beraubt werde (BGE 135 II
334 E. 2.3; BGer 1C_575/2017 vom 3. April 2018 E. 3.5 und 1C_542/2016 vom 15.
März 2017 E. 2.8). Selbst bei einer Zeitspanne von mehr als neun Jahren seit der
Verkehrsregelverletzung hielt es dafür, dass eine erzieherische Wirkung des
Führerausweisentzugs weiterhin nicht ausgeschlossen werden könne (BGer
1C_190/2018 vom 21. August 2018 E. 5.1 f.). Etwas anderes ergibt sich aus dem im
Rekurs zitierten BGE 129 I 312 nicht; abgesehen davon ist dieser Entscheid nicht
einschlägig, denn darin ging es unter anderem um den postmortalen
Persönlichkeitsschutz.
Im Rekurs werden Elemente des Warnungs- und des Sicherungsentzugsverfahrens
vermischt. So etwa, wenn grundsätzlich für die Herausgabe des Führerausweises
gesprochen wird, weil die Fahreignung aus verkehrspsychologischer Sicht bejaht
worden sei. Im Warnungsentzugsverfahren geht es im Wesentlichen darum, einen
Fahrzeuglenker, der schuldhaft gegen Strassenverkehrsvorschriften verstossen hat, mit
einem befristeten Fahrverbot zu sanktionieren. Die Frage der Fahreignung, worüber
verfügt, wer das Mindestalter erreicht hat (Art. 14 Abs. 2 lit. a SVG), die erforderliche
körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen von
Motorfahrzeugen hat (lit. b), frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen beeinträchtigt (lit. c) und nach seinem bisherigen Verhalten Gewähr
bietet, als Motorfahrzeugführer die Vorschriften zu beachten und auf die Mitmenschen
Rücksicht zu nehmen (lit. d), steht bei einem Warnungsentzug nicht zur Diskussion.
Nach der gesetzlichen Ordnung sind von einem Warnungsentzug betroffene
Fahrzeuglenker grundsätzlich fahrgeeignet, weshalb von diesen auch keine Gefahr für
die übrigen Verkehrsteilnehmer ausgeht. Im Weiteren ist zu berücksichtigen, dass ein
Warnungsentzug eine der Strafe zwar ähnliche, von dieser aber unabhängige
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Verwaltungsmassnahme mit präventivem Charakter ist. Trotz dieser besonderen Natur
handelt es sich um einen Entscheid über die Stichhaltigkeit einer strafrechtlichen
Anklage, weshalb in diesen Verfahren auch die Verfahrensgarantien gemäss Art. 6 Ziff.
1 und 2 EMRK gelten (BGE 133 II E. 4.2, BGer 1C_160/2020 vom 11. September 2020
E. 3.2). Es trifft also nicht zu, wenn im Rekurs ausgeführt wird, dass ein
Warnungsentzug keinen strafenden Charakter haben dürfe (act. 1 S.4 N 10).
Aus dem Umstand, dass dem Rekurrenten im Strafurteil vom 11. Dezember 2019
verboten wurde, während zwei Jahren ein Motorfahrzeug zu lenken, kann dieser
ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten. Dieses Fahrverbot wurde nicht gestützt
auf Art. 67e StGB erlassen. Nach dieser Bestimmung kann das Gericht neben einer
Strafe oder einer Massnahme nach den Artikeln 59 bis 64 StGB den Entzug des
Lernfahr- oder Führerausweises für die Dauer von einem Monat bis zu fünf Jahren
anordnen, wenn der Täter ein Motorfahrzeug zur Begehung eines Verbrechens oder
Vergehens verwendet hat und Wiederholungsgefahr besteht. Vielmehr geht aus dem
Strafurteil hervor, dass das Fahrverbot im Sinn einer richterlichen Weisung gemäss
Art. 44 Abs. 2 und Art. 94 StGB erging, die gegenüber einem zu einer bedingten Strafe
Verurteilten erlassen werden kann und der Resozialisierung dient (BSK StGB I-Arquint
Hill/Heimgartner, Art. 67e N 7 ff.). Eine solche Weisung stellt keine Strafe dar. Im
Übrigen hat die Vorinstanz den Zeitpunkt des Beginns des Führerausweisentzugs auf
den 11. Dezember 2019 gelegt. Faktisch rechnet sie damit das richterliche Fahrverbot
an den Warnungsentzug an, weshalb auf allfällige Abgrenzungsschwierigkeiten
zwischen einem Warnungsentzug gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG und einem richterlichen
Fahrverbot gemäss Art. 44 Abs. 2 und Art. 94 StGB nicht weiter einzugehen ist (vgl.
dazu BSK StGB-Imperatori, Art. 94 N 15). Auf jeden Fall schliesst ein richterliches
Fahrverbot die Anordnung eines Warnungsentzugs nicht aus. Auch deshalb ist nicht
ersichtlich, inwiefern dem Rekurrenten aufgrund der richterlichen Weisung im Hinblick
auf das Warnungsentzugsverfahren ein Nachteil entstanden sein soll.
Schliesslich hat auch der Umstand, dass die Fahreignung des Rekurrenten im
Gutachten vom 23. Juni 2020 aus verkehrspsychologischer Sicht bejaht wurde (act.
9/460 ff. [469]), keinen Einfluss auf die Entzugsdauer. Dass sich der Rekurrent während
rund drei Jahren keine Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften hat
zu Schulden kommen lassen, war – aufgrund der Vorgeschichte – überhaupt erst
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Voraussetzung, damit das Gutachten positiv ausfallen konnte. Insbesondere hielt die
Annullierung des ersten Führerausweises auf Probe den Rekurrenten nicht davon ab,
bereits während der Probezeit des zweiten Führerausweises massivst gegen die
Strassenverkehrsvorschriften zu verstossen. Dass er nach dem Auffliegen keine
weiteren Widerhandlungen begangen hat, stellt eine Selbstverständlichkeit dar und ist
deshalb nicht mit einer zusätzlichen Reduktion der Entzugsdauer zu honorieren.
4.- a) Zusammenfassend ist der Führerausweis des Rekurrenten wegen mehrfacher
qualifiziert schwerer Widerhandlungen, mehrfacher schwerer Widerhandlungen, leichter
Widerhandlung und besonders leichter Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für 38 Monate zu entziehen.
b) Das VRP unterscheidet zwischen dem Erkenntnis- und dem
Vollstreckungsverfahren. Die Sachverfügung als Ergebnis des Erkenntnisverfahrens
regelt den Bestand und den Umfang öffentlicher Rechte und Pflichten. Im separaten,
vom Erkenntnisverfahren abgetrennten Vollstreckungsverfahren, erfolgt die
Durchsetzung der Sachverfügung. Die Sachverfügung geht somit dem
Vollstreckungsverfahren voraus (Art. 101 VRP; VRKE IV-2020/108 vom 17. Dezember
2020 E. 2d; PK VRP/SG-Looser, Zürich/St. Gallen 2020, Vor Art. 101-107 N 1). Dessen
ungeachtet hat die Vorinstanz bereits in der Sachverfügung den Vollzugsbeginn und
das -ende festgelegt. Dies ist gesetzwidrig und deshalb aufzuheben. Es genügt, davon
Vormerk zu nehmen, dass der Führerausweis des Rekurrenten seit dem 9. September
2020 mit Wirkung seit 11. Dezember 2019 bei der Vorinstanz deponiert ist.
5.- Die vorinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 650.– (Gebühr) wurden nicht
angefochten. Dementsprechend bleibt Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung
unverändert.
6.- a) Bei diesem Verfahrensausgang wären die amtlichen Kosten dem Rekurrenten zu
vier Fünfteln und dem Staat zu einem Fünftel aufzuerlegen. Der Rekurrent obsiegt zwar
hinsichtlich der unzulässigen Vermischung des Erkenntnis- und des
Vollstreckungsverfahrens durch die Vorinstanz, unterliegt aber, was eindeutig mehr ins
Gewicht fällt, mit der beantragten Reduktion der Entzugsdauer (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Zufolge Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch die Vorinstanz sind die
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amtlichen Kosten jedoch vollständig vom Staat zu tragen (vgl. Art. 95 Abs. 2 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist dem
Rekurrenten zurückzuerstatten.
b) Aufgrund der präjudizierend wirkenden Verlegung der amtlichen Kosten hat der
Rekurrent Anspruch auf Entschädigung seiner Parteikosten, soweit diese aufgrund der
Rechts- und Sachlage als notwendig und angemessen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP).
Im Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistands geboten. Der
Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht, weshalb das Honorar nach
Ermessen festzulegen ist. In Verfahren vor der VRK beträgt das Honorar pauschal
zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung, sGS
963.75, abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der notwendigen
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO). Umstritten war allein die Entzugsdauer. Der
Rechtsvertreter muss sich zwar auch in einem solchen Fall mit den Widerhandlungen
auseinandersetzen, dies aber nur im Hinblick auf die Frage der angemessenen
Massnahmedauer, was zu einem geringeren Aufwand führt. Der Aktenumfang liegt im
Vergleich zu anderen Fällen zwar über dem Durchschnitt. Zu berücksichtigen ist
jedoch, dass die gleichen Akten teilweise mehrfach vorkommen. Unter diesen
Umständen erscheint ein Honorar von Fr. 2'000.– als angemessen. Hinzuzuzählen sind
die Barauslagen von Fr. 80.– (4 % von Fr. 2'000.–, Art. 28 Abs. 1 HonO) und die
Mehrwertsteuer von Fr. 160.15 (7,7 % von Fr. 2'080.–, Art. 29 HonO). Die
ausseramtliche Entschädigung beträgt damit insgesamt Fr. 2'240.15; kostenpflichtig ist
der Staat (Strassenverkehrsamt).