Decision ID: aa4606aa-01f4-4bc9-8752-63c56cc0a4f5
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Y._
, Dipl. Architekt ETH, war als Inhaber eines Architekturbüros selbstän
dig erwerbstätig und der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Aus
gleichskasse, angeschlossen (vgl. Urk.
14/
1 ff.). Er verstarb am 25. Oktober 2010 (Urk.
14/2
). Seine Erbin ist
X._
(vgl. Urk.
14/
47/2
). Mit Steuer
meldung vom
4. Februar 2014
meldete das Kantonale Steueramt Zürich der Aus
gleichs
kasse ein von
Y._
im Steuerjahr 2010 erzieltes Ein
kom
men aus selb
ständiger Erwerbstätigkeit von Fr. 110‘444.-- sowie ein im Betrieb inves
tiertes Eigenkapital von Fr. 520‘705.-- (Urk.
14/
22/
1). Ge
stützt darauf setzte die Aus
gleichs
kasse die persönlichen Bei
träge für die selbständige Er
werbstätigkeit von
Y._
im Beitragsjahr 2010 mit der an
X._
adres
sier
ten Nach
tragsverfügung vom 14. März 2014 aufgrund eines bei
trags
pflich
tigen Ein
kommens von Fr. 111‘600.-- auf Fr. 10‘920.-- (inkl. Ver
waltungs
kosten) fest (Urk.
14/
24
). Dagegen liess
X._
am 23. April 2014 Ein
sprache erhe
ben (Urk.
14/
27)
. Hernach holte die Ausgleichskasse beim Kantonalen Steueramt
Zürich weitere Auskünfte ein (Urk.
14/
36
, Urk.
14/
38
, Urk.
14/
46
).
X._
liess sich sodann mit Eingaben vom 23. April und 13. Mai 2015 ver
nehmen (Urk.
14/
44
, Urk.
14/
48
). Mit
Einsprachee
ntscheid vom 13. Mai 2015 wies die Aus
gleichskasse die Einsprache ab (
Urk. 14/50
).
Hier
gegen
führte
X._
am 29. Mai 2015 Beschwerde
beim Sozialversicherungsgericht (
Urk.
14/51/1-6). Mit Urteil
AB.2015.00027
vom 1
1.
November 2016 erwog der Einzelrichter
unter Hinweis auf das in BGE 141 V 433 publizierte Urteil des Bundesgerichts vom
11.
August 2015
, dass
die Ausgleichskasse
bei der Festsetzung der persönlichen Bei
träge vom ge
mel
deten Einkommen zuerst de
n
Zins auf dem im Betrieb investier
ten Eigenkapital
hätte
abziehen
müs
se
n
(
Urk.
14/54/6)
. Deswegen hob er den angefochtenen Einsprache
entscheid
vom 13. Mai 2015
in teilweiser Gutheis
sung der Beschwerde auf und wie
s die Sache zur Neuberechnung der Beiträge im Sinne der Erwägungen an die Ausgleichskasse zurück. Im Übrigen wies er die Be
schwerde ab (
Urk.
14/54/7).
Gegen dieses Urteil erhob
X._
am 2
0.
Dezem
ber 2016 Beschwerde beim Bundesgericht (
Urk.
14/55/2-
10), worauf das Bundesgericht m
it Urteil
9C_855/2016
vom 1
1.
Januar 2017
nicht
ein
trat (
Urk.
14/56).
1.2
In der Folge erliess die Ausgleichskasse am 1
4.
März 2017 eine neue Nachtrags
verfügung, mit welcher sie
- gestützt auf das in Nachachtung des Urteils vom
11.
November
2016 neu berechnete beitragspflichtige Einkommen von Fr.
110’500
.-- - die für das Jahr 2010 von
Y._
geschuldeten persönlichen Beiträge einschliesslich Verwaltungskosten auf
total Fr. 10'812.60 festsetzte
(
Urk.
14/
61
).
Dagegen liess
X._
am 2
4.
März 2017 Einsprache
erheben (
Urk.
14/66), welche die Ausgleichskasse mit Ein
spracheentscheid vom 3
1.
August
2017 abwies (
Urk.
6).
2.
Dagegen erhob
X._
am
2.
Oktober Beschwerde beim Bundesgericht.
Mit Urteil 9C_696/2017 vom 18. Oktober 2017
trat
das Bundesgericht
auf
diese Beschwerde
nicht ein und überwies die Eingabe der Beschwerdeführerin vom
2.
Oktober 2017 zur weiteren Behandlung an das Sozialversicherungsgericht (
Urk.
1).
Das Sozialversicherungsgericht holte m
it Verfügung vom 1
5.
November 2017 eine Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin und die Kassenakten ein (
Urk.
12). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
Dezember
2017
Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
13, unter Beilage der Kassenakten [
Urk.
14
/1-79]), was der Beschwerdeführerin am 1
4.
Dezember 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
15).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt
(
Urk.
6,
Urk.
14/61)
, fällt die Beur
teilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zu
ständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
ge
richt).
2.
2.1
Mit Urteil AB.2015.00027 vom 1
1.
November 2016 hob d
er Einzelrichter
in teil
weiser
Gutheissung der Beschwerde
der Beschwerdeführerin vom 29.
Mai 2015
de
n
Einspracheentscheid der
Beschwerde
gegnerin vom 13. Mai 2015 auf und wies die Sache zur Neuberechnung der Beiträge im Sinne
der Erwägungen
-
Abzug des Zines auf dem im Betrieb investierten Eigenkapital vor der Wiederauf
rechnung der AHV/IV/EO-Beiträge (Urk.
14/54/6)
-
an die
Beschwerdegegnerin
zurück. Im Übri
gen w
urde
die Beschwerde
abgewiesen
(Urk.
14/54)
.
Streitpunkt im damaligen wie im jetzt vorliegenden Beschwerdeverfahren war und ist das der Beitragsverfügung
zugrundliegende selbständige Erwerbseinkommen von
Y._
. Konkret bean
tragte die Beschwerdeführerin, dass der nach dem Tod von
Y._
ange
fallene Verlust aus der Liquidation seines Architekturbüros, ausgeführt durch die Beschwerdeführerin, mit dem bis zu seinem Tod am 25. Oktober 2010 erzielten Erwerbseinkommen aus selbständi
ger Tätigkeit verrechnet wird (U
rk. 14/54/4-5). Diesem Vorbringen war der Einzelrichter nicht gefolgt (vgl. dazu die E. 4.2-4.3 und Dispositiv Ziffer 1 Satz 2 [«Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen»] des Urteils vom 11. November 2016).
2.2
Auch wenn Rückweisungsentscheide das Verfahren nicht abschliessen, werden sie dennoch wie Endentscheide behandelt, falls der unteren Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wird, kein Entscheidungsspielraum mehr verbleibt und die Rückweisung nur noch der rechnerischen Umsetzung des oberinstanzlich An
ge
ordneten dient (vgl. BGE 140 V 321 E. 3.2 S. 325 mit Hinweis).
Die Erwägungen in einem gerichtlichen Rückweisungsentscheid, auf die im Dis
po
sitiv verwiesen wird, nehmen bei Nichtanfechtung an der formellen Rechtskraft des Entscheids teil und sind für die Behörde, an die zurückgewiesen wird, ver
bindlich. Gleiches gilt für die Instanz, die den Rückweisungsentscheid gefällt hat, falls die Sache an diese erneut weitergezogen wird (BGE 135 III 334 E. 2 S. 335). Die Rechtskraftwirkung - und damit Verbindlichkeit - des Rückweisungs
ent
schei
des steht aber immer unter dem Vorbehalt, dass sich nicht aus dem Rückwei
sungsverfahren neue Tatsachen oder Beweismittel im Sinne der prozessualen Revision ergeben, welche dessen sachverhaltliche Grundlage erschüttern (
Urteil des Bundesgerichts 8C_454/2013 vom 24. September 2013 E. 6.1 mit Hinweisen
).
2.3
Mit Urteil vom 11. November 2016 wurde die Beschwerdegegnerin verpflichtet, Erwägung 4.4 rechnerisch umzusetzen. Das reine Erwerbseinkommen sowie die Höhe des Eigenkapitals wurden mit diesem Urteil grundsätzlich festgesetzt. Revi
sionsrechtlich neue Tatsachen oder Beweismittel wurden nicht geltend gemacht und liegen auch nicht vor. Eine andere Beurteilung der Frage, ob nach dem Tod realisierte Verluste beim im letzten Jahr vor dem Tod erzielten Erwerbsein
kommen zu berücksichtigen sind, ist aufgrund der oben dargelegten Rechtspre
chung (E. 2.2) der hiesigen Instanz verwehrt. Diesbezüglich ist auf die Beschwerde daher nicht einzutreten. Die einzig zu beurteilende rechnerische Seite, das
sind
einerseits die Umrechnung des reinen Erwerbseinkommens unter Abzug des Eige
n
kapitalzinses und Aufrechnung der persönlichen Beiträge zum beitrags
pflichten Erwerbseinkommens und andererseits die Festsetzung der darauf geschul
deten Beiträge 2010, gibt zu keiner Beanstandung Anlass und wird zu Recht auch nicht gerügt. Diesbezüglich ist die Beschwerde abzuweisen.
3.
3.1
Mit Urteil vom 11. Januar 2017 trat das Bundesgericht auf die Beschwerde der Beschwerdeführerin nicht ein. Ist ein Rückweisungsentscheid vor Bundesgericht nicht anfechtbar, bleibt die Möglichkeit, im Anschluss an den aufgrund des Rückweisungsentscheids neu ergehenden Endentscheid an das Bundesgericht zu gelangen (Art. 93 Abs. 3 BGG; BGE 142 II 363 E. 1.1; Urteile des Bundesgerichts 2C_676/2018 vom 22. August 2018 E. 2.3 und 9C_159/2017 vom 21. März 2017). Ob und inwieweit dies auch hier (noch) möglich sein wird, obliegt der Beurteilung des Bundesgerichts. Aufgrund des Umstandes, dass das Bundesgericht die Haupt
frage des beitragspflichtigen Substrats bis jetzt noch nicht materiellrechtlich beurteilt hat, insbesondere auf die Beschwerde vom 2. Oktober 2017 gegen den Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 31. August 2017 ebenfalls nicht eintrat (Urteil 9C_696/2017 vom 18. Oktober 2017), ist vorliegend
-
trotz der Ansicht der hiesigen Instanz, dass letztlich eine res iudicata vorliegt,
-
auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin zur Höhe des beitragspflichtigen Erwerbs
ein
kommens einzugehen und die Beurteilung im formell rechtskräftigen einzel
richterlichen Entscheid vom 11. November 2016 kurz zu wiederholen
, um eine sachgerechte Anfechtung zu ermöglichen
.
3
.2
Den Vorbringen der Beschwerdeführerin
zum Abzug des Liquidationsverlusts
in ihrer Eingabe vom
2.
Oktober 2017 (
Urk.
2) ist
kurz
folgendes entgegenzuhalten:
Ent
gegen ihrer Darstellung (
Urk.
2 S. 5
-6
), trifft es nicht zu, dass die Steuer
be
hörde den Liquidationsverlust mit dem zuvor erzielten Erwerbseinkom
men «zu
sam
men
genommen» hat.
Wohl mag es
sein
, dass die Steuerbehörde den
in der
Zeit der Liquidation des Architekturbüros durch die Beschwerdeführerin
, das heisst
nach dem Tod von
Y._
am 2
5.
Oktober 2010 bis zum 3
1.
Dezember 2010, ent
standenen
Geschäftsverlust von
Fr.
40'210
.--
beim steuerbaren Einkom
men der Beschwerde
führerin selbst zum Abzug zu
gelassen ha
t
(vgl. die diesbezüg
lichen Vorbringen der Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom 2
3.
April 2015 [
Urk.
14/44/2]).
Dies spricht aber gerade dagegen, dass die Steuerbehörde beim v
orliegend
zu beurteilenden
Einkommen
aus selbständiger Erwerbstätigkeit
von
Y._
von
1.
Januar 2010 bis 25.
Oktober 2010
ebenfalls
denselben Geschäftsverlust in die Steuereinschätzun
g
zur Verrechnung brachte
. Ansonsten hätten sie bei zwei verschiedenen Steuersubjekten mit zwei verschiedenen steuer
baren Ein
kommen
zweier Steuerperioden
einen Abzug für denselben Geschäfts
verlust berücksichtig
t.
Wie im Urteil des Einzelrichters AB.2015.00027 vom 1
1.
November 2016
überdies
fest
gehalten
wurde
, hat die Beschwerde
füh
rerin im Steuerveranlagungsverfahren nicht geltend gemacht, dass der Liquidationsverlust sich auf das Ein
kommen von
Y._
im massgebenden Zeitraum ausgewirkt habe und daher zu berück
sichtigen sei (
Urk.
14/54/5).
Nach Art. 9 Abs. 2 lit. c AHVG sind eingetretene und verbuchte Geschäftsverluste zwar verrechenbar. Darunter sind gemäss Art. 18 Abs.
1
bis
AHVV jedoch nur Verluste zu verstehen, die im jeweiligen und dem unmittelbar vorangegangenen Beitragsjahr eingetreten und verbucht worden sind. Auf zukünftige Liquidationsverluste ist diese Be
stim
mung nicht anwendbar.
Um Wiederholungen zu vermeiden, wird an dieser Stelle auf die Erwägungen in jenem Urteil verwiesen
(
Urk.
14/54/5-7)
.
Auch in Kenntnis der Vorbringen der Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom
2.
Oktober 2017 (
Urk.
2) ist bezüglich der geltend ge
machten Verrechnung mit dem Liquidations
verlust nicht anders als
im
Urteil
AB.2015.00027
vom 1
1.
November 2016 zu entscheiden
(vgl. E. 2.2)
.
Die Beschwerde der Beschwerdeführerin
vom
2.
Oktober 2017 (
Urk.
2) ist daher abzuweisen
, soweit darauf einzutreten ist (E. 2.3)
.