Decision ID: 02914922-0a5c-5e77-aa48-06e47ff11368
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der eigenen Angaben zufolge aus der Volkrepublik China (Tibet) stam-
mende Beschwerdeführer (geb. [...]) reiste am 16. Mai 2011 in die Schweiz
ein, wo er gleichentags um Asyl ersuchte. Mit Verfügung vom 22. August
2014 stellte das Bundesamt für Migration (BFM, heute: Staatssekretariat
für Migration) fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft
erfülle, es lehnte sein Asylgesuch jedoch ab und ordnete die Wegweisung
aus der Schweiz an. Mit gleichem Entscheid wurde er wegen Unzulässig-
keit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen.
B.
B.a Am 11. September 2017 wandte sich der Beschwerdeführer mit einem
als «Begehren um Familiennachzug» bezeichneten Schreiben an das SEM
und erkundigte sich, wie vorzugehen sei, um C._ (geb. [...]) und
D._ (geb. [...]) in die Schweiz holen zu können. Seine mit ihm nach
Brauch verheiratete Ehefrau habe in Tibet, wo sie nach wie vor ansässig
sei, wieder geheiratet. Ende Juli 2017 habe er erfahren, dass die beiden
jüngeren seiner drei Kinder über Nepal nach Indien hätten flüchten können.
Dort hielten sie sich zurzeit, ohne irgendwelche Papiere, bei Bekannten in
Delhi auf, seien auf sich selber gestellt und hätten keine Möglichkeit, eine
Schule zu besuchen. Die Vorinstanz leitete die Eingabe als Familiennach-
zugsgesuch an das Migrationsamt des Kantons Basel-Stadt weiter (Akten
der Vorinstanz [SEM act.] B1 und B2).
B.b Die kantonale Migrationsbehörde übermittelte das Gesuch am 14. De-
zember 2017 wieder dem SEM. Hierbei hielt sie u.a. fest, dass die Vater-
schaft des Gesuchstellers nicht belegt sei und dessen Einkommen nicht
ausreiche, um für drei Personen aufzukommen (SEM act. B3).
B.c Mit Schreiben vom 10. Januar 2018 informierte die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer über die Voraussetzungen für den Familiennachzug. Des
Weiteren wies sie ihn unter Bezugnahme auf sein Asylverfahren darauf hin,
dass er widersprüchliche Angaben zu seinen Kindern gemacht habe und
forderte ihn u.a. auf nachzuweisen, dass er über das alleinige Sorge- und
Obhutsrecht für die Kinder verfüge bzw. die Kindsmutter mit dem Nachzug
der Kinder in die Schweiz einverstanden sei (SEM act. B5). Am 31. Januar
2018 reichte der Beschwerdeführer einen Teil der verlangten Unterlagen
(hauptsächlich Belege zu den finanziellen Verhältnissen) ein und äusserte
sich zu den ihm vorgehaltenen Widersprüchen. Ferner erklärte er, dass es
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schwierig sei, mit der Kindsmutter in Verbindung zu treten, er es aber ver-
suchen werde (SEM act. B6).
B.d Am 12. Februar 2018 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, wel-
che Unterlagen fehlten. Bei dieser Gelegenheit hob das Staatssekretariat
hervor, dass die Einwilligungserklärung der Mutter oder der Nachweis,
dass er über das alleinige Sorge- und Obhutsrecht verfüge, für die Bewilli-
gung des Familiennachzugs zwingend seien (SEM act. B7). Der Beschwer-
deführer legte mit Eingabe vom 24. Februar 2018 daraufhin weitere Unter-
lagen (Mietvertrag, Übersicht über Krankenkassenprämien) vor. Ergän-
zend führte er aus, seine beiden Kinder seien in Delhi auf sich selber ge-
stellt und hätten keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen (SEM
act. B8).
B.e Mit Schreiben vom 9. April 2018 wiederholte die Vorinstanz, dass die
Voraussetzungen für einen Familiennachzug nicht erfüllt seien. Konkret
verlangte sie vom Beschwerdeführer, nebst dem Einverständnis des Ver-
mieters zur Benutzung der Wohnung durch drei Personen, wiederum den
Nachweis, dass er das alleinige Sorge- und Obhutsrecht für die nachzuzie-
henden Kinder inne habe bzw. die Mutter damit einverstanden sei, wenn
die Kinder bei ihm in der Schweiz leben und aufwachsen würden. Sobald
die fehlenden Unterlagen eingegangen seien, werde das SEM das Gesuch
dem Migrationsamt des Kantons Basel-Stadt nochmals zur Stellungnahme
unterbreiten (SEM act. B9).
B.f Am 27. Mai 2018 reichte der Beschwerdeführer eine entsprechende
Bestätigung des Vermieters ein. In Bezug auf das Erfordernis der Einwilli-
gungserklärung fügte er an, es sei ihm trotz intensiver Bemühungen nicht
möglich gewesen, eine solche zu erhalten. Eine zu direkte Kontaktauf-
nahme zur Kindsmutter erweise sich als viel zu gefährlich. Zudem habe er
keine Anhaltspunkte, wo er sie finden könnte. Für ihn sei klar, dass die
Mutter die beiden Kinder unter Gefahr über Nepal nach Indien geschickt
habe, damit er auf sie aufpasse. Seit Sommer 2017 warteten sie sehnlichst
darauf, zu ihm kommen zu dürfen. Ihre Bleibe in Delhi erscheine inzwi-
schen auch sehr unsicher. Seine Bekannten, welche zu den Kindern
schauten, möchten die Verantwortung allmählich abtreten (SEM act. B11).
C.
Mit Verfügung vom 23. August 2018 wies die Vorinstanz das Gesuch um
Familiennachzug und Einbezug in die vorläufige Aufnahme zu Gunsten von
C._ und D._ ab (SEM act. B13).
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Seite 4
D.
Mit Eingabe vom 24. September 2018 gelangte der Beschwerdeführer –
innerhalb der Rechtsmittelfrist – an das SEM und schilderte in Bezug auf
den Familiennachzug nochmals seine Anliegen (Akten des Bundesverwal-
tungsgerichts [BVGer act.] 1). Die Vorinstanz leitete das Schreiben in der
Folge an das Bundesverwaltungsgericht weiter (BVGer act. 2).
Mit Zwischenverfügung vom 5. Oktober 2018 forderte das Bundesverwal-
tungsgericht den Beschwerdeführer auf, bis zum 17. Oktober 2018 ein
Rechtsbegehren zu stellen (BVGer act. 4).
Am 17. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Beschwerdever-
besserung nach. Darin beantragte er die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Gutheissung des Familiennachzugsgesuchs und die Ertei-
lung der Einreisebewilligungen an seine beiden jüngeren Kinder; eventua-
liter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen.
Der Beschwerdeverbesserung lagen eine Bestätigung des Internats
«X._» vom 15. Oktober 2018, zwei eingescannte Fotos der Kinder
sowie die Antwort auf eine Anfrage bezüglich Abstammungsgutachten bei
(BVGer act. 5).
E.
In seiner Vernehmlassung vom 22. November 2018 spricht sich das SEM,
unter Erläuterung der bisher genannten Gründe, für die Abweisung der Be-
schwerde aus (BVGer act. 8).
F.
Replikweise hält der Beschwerdeführer am 22. Dezember 2028 an seinen
Begehren fest.
Die Replik war mit einem Foto ergänzt, das laut Darstellung des Beschwer-
deführers von einem Besuch im November 2018 bei seinen Kindern im In-
ternat in Indien stammt (BVGer act. 10).
G.
Die unterzeichnende Richterin hat anfangs Dezember 2018 die Instruktion
des vorliegenden Verfahrens übernommen, nachdem der ursprünglich zu-
ständige Richter aus dem Gericht ausgetreten ist.
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Seite 5
H.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen
Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer der in Art. 33 VGG auf-
geführten Behörden erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen
des SEM betreffend Familienzusammenführung im Sinn von Art. 85 Abs. 7
AuG. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl.
Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 3 BGG).
2.
Am 1. Januar 2019 hat das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer vom 16. Dezember 2005 eine Teilrevision und Namensände-
rung erfahren (Änderung des AuG vom 16. Dezember 2016, AS 2018
3171). Parallel dazu sind entsprechende Anpassungen der Verordnung
über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE [SR 142.201],
AS 2018 3173) in Kraft getreten. Eine gesetzliche Übergangsregelung
fehlt, weshalb aufgrund allgemeiner Grundsätze über das anwendbare
Recht entschieden werden muss. Mangels vorherrschenden öffentlichen
Interesses an einer unmittelbaren Anwendung der neuen Bestimmungen
ist vorliegend das AuG in seiner bis zum 31. Dezember 2018 geltenden
Fassung massgebend. Dasselbe gilt für die VZAE, die ebenfalls in der bis
dahin geltenden Version zitiert wird (vgl. Urteil des BVGer F-3709/2017
vom 14. Januar 2019 E. 2.4 m.H.).
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3.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes sowie – falls nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-
dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus
anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen.
Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-
scheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2).
4.
Gemäss Art. 85 Abs. 7 AuG können Ehegatten und ledige Kinder unter
18 Jahren von in der Schweiz vorläufig aufgenommenen Personen und
vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen frühestens drei Jahre nach Anord-
nung der vorläufigen Aufnahme nachgezogen und in diese eingeschlossen
werden. Voraussetzung dafür ist, dass sie zusammenwohnen (Bst. a),
dass eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist (Bst. b) und dass die
Familie nicht auf Sozialhilfe angewiesen ist (Bst. c). Diese Bestimmung
wird in materieller Hinsicht in Art. 74 VZAE konkretisiert. Gemäss dessen
Abs. 3 ist ein Familiennachzugsgesuch innerhalb von fünf Jahren zu stel-
len, sobald die zeitlichen Voraussetzungen gemäss Art. 85 Abs. 7 AuG er-
füllt sind; geht es um den Nachzug von Kindern im Alter von über zwölf Jah-
ren, muss das Gesuch innerhalb von zwölf Monaten nach diesem Zeitpunkt
eingereicht werden. Ein nachträglicher Familiennachzug ist nur aus wichti-
gen familiären Gründen möglich (Art. 74 Abs. 4 VZAE). Der besonderen
Situation vorläufig aufgenommener Flüchtlinge ist beim Entscheid über das
Familiennachzugsgesuch Rechnung zu tragen (Art. 74 Abs. 5 VZAE).
5.
5.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die zeitlichen Voraussetzungen von
Art. 85 Abs. 7 AuG und Art. 74 VZAE für den Familiennachzug erfüllt sind.
Betreffend den Einbezug der beiden jüngeren Kinder des Beschwerdefüh-
rers in die vorläufige Aufnahme ist hingegen strittig, ob deren Einreise in
die Schweiz dem Willen des anderen Elternteils – vorliegend der Mutter –
entspricht. Der nachziehende Elternteil muss aus familienrechtlichen Grün-
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den über das Sorge- beziehungsweise Obhutsrecht über das nachzuzie-
hende minderjährige Kind verfügen (BGE 137 I 284 E. 2.3.1 m.H.; Urteil
des BVGer E-638/2013 vom 16. Juli 2013 S. 8). Ist der nachziehende Ge-
suchsteller nicht alleiniger Inhaber der elterlichen Sorge, ist seitens der mit-
inhabenden Person eine Einwilligungserklärung einzuholen, die belegt,
dass letztere mit dem Nachzug einverstanden ist. Dadurch soll verhindert
werden, dass ein minderjähriges Kind einer sorgeberechtigten Person ge-
gen deren Willen entzogen wird (vgl. den Straftatbestand des Entziehens
von Minderjährigen in Art. 220 StGB sowie die internationalen Verpflichtun-
gen der Schweiz auf Basis des Haager Übereinkommens vom 25. Oktober
1980 über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung
[SR 0.211. 230.02]).
5.2 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung unter Hinweis auf
die Mitwirkungspflicht von Art. 13 VwVG einleitend aus, der Beschwerde-
führer habe mit Blick auf die bestehenden Sorge- und Obhutsrechte den
vollen Beweis zu erbringen. Eine der zwingenden Voraussetzungen, um
den Familiennachzug bewilligen zu können, bestehe im rechtsgenüglichen
Nachweis, dass er in Bezug auf C._ und D._ über das allei-
nige Sorge- und Obhutsrecht verfüge beziehungsweise dass die Mutter der
Kinder damit einverstanden sei, dass sie künftig bei ihm in der Schweiz leb-
ten. Diesen Beweis sei er schuldig geblieben. Der Beschwerdeführer habe
seine Familie eigenen Angaben zufolge am 13. Dezember 2010 verlassen,
weshalb angenommen werden könne, dass die elterliche Sorge zufolge
definitiver Ausreise auf die Kindsmutter übergegangen sei. Wer genau der-
zeit die gesetzliche Vertretung der nachzuziehenden Kinder inne habe, sei
ungeklärt. Aus dem Umstand, dass diese angeblich ohne elterliche Beglei-
tung nach Indien gereist seien und sich seither bei Bekannten aufhielten,
lasse sich nicht automatisch auf einen Verzicht der Mutter auf ihr Sorge-
recht schliessen. Wie schon im Asylverfahren drängten sich im Übrigen
auch in diesem Verfahren erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt der Vor-
bringen des Beschwerdeführers auf. Dies gelte etwa mit Blick auf die be-
hauptete Flucht der Teenager aus Tibet via Nepal nach Indien, das Negie-
ren von seitherigen Kontakten zur Kindsmutter und die angebliche Un-
kenntnis von deren Aufenthaltsort. Als wenig aufschlussreich und wider-
sprüchlich erwiesen sich ferner seine Darstellung der Bemühungen um Er-
halt der Einwilligungserklärung, zum Status der Kindsmutter sowie die
Schilderung des Verhältnisses zur zurückgebliebenen Familie. Ob ein Fa-
miliennachzug dem Kindeswohl entspräche, erscheine aufgrund dessen
äusserst fraglich. Ungeklärt präsentiere sich vor diesem Hintergrund über-
dies die Frage, woher der Beschwerdeführer überhaupt wisse, dass sich
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die Kinder in Indien aufhielten. Dass er gerade mal einen Monat vor Ablauf
der dreijährigen Wartefrist für die Einreichung des Gesuchs um Familien-
nachzug von deren Flucht und Aufenthaltsort erfahren habe, wirke nach
alldem ebenso konstruiert wie die restlichen Vorbringen. Damit bleibe für
das SEM vollkommen im Dunkeln, wo, bei wem und unter welchen rechtli-
chen Verhältnissen sich die Kinder momentan aufhielten und zuvor aufge-
halten hätten. Mangels Nachweises, dass die elterliche Sorge bezüglich
der minderjährigen Teenager von behördlicher Seite offiziell dem Be-
schwerdeführer zugesprochen worden sei, lasse sich auch das Kindeswohl
im Sinne von Art. 3 Abs. 1 der UNO-Kinderrechtskonvention vom 20. No-
vember 1989 (KRK, SR 0.107) nicht beurteilen. Die gesetzlichen Voraus-
setzungen von Art. 85 Abs. 7 AuG seien deshalb nicht erfüllt.
In der Vernehmlassung vom 22. November 2018 listet das Staatssekreta-
riat zusätzliche Widersprüche auf und wirft dem Beschwerdeführer vor, ver-
sucht zu haben, die Behörden durch Falschangaben zu täuschen.
5.3 Der Beschwerdeführer seinerseits gibt an, in der Vergangenheit einige
Male nach Indien gereist zu sein, um Neuigkeiten über die Familie in Er-
fahrung zu bringen. Hierbei habe er u.a. einen Händler gebeten, nach sei-
ner Frau im Dorf Y._ Ausschau zu halten. Auf diesem Kanal habe
er in der Folge erfahren, dass seine Frau und die Kinder wohlauf seien.
Erstere habe mit einem Mann aus dem Dorf inzwischen eine neue Familie
gegründet und wünsche, dass er C._ und D._ in Obhut
nehme. Dieser Händler sei es auch gewesen, welcher die beiden auf Bitte
der Mutter nach Indien mitgenommen habe, wo sie schlussendlich in einer
tibetischen Internatsschule untergekommen seien. Seither habe er mit der
Kindsmutter keinen Kontakt mehr aufnehmen und so auch kein schriftli-
ches Einverständnis von ihr einholen können. Da dieser Weg wohl definitiv
aussichtslos sei, habe der Beschwerdeführer das «X._» um eine
Bestätigung gebeten. Daraus gehe u.a. hervor, dass es für das Wohl der
Kinder wichtig wäre, wenn sie beim Vater in der Schweiz leben könnten,
was auch deren Wunsch entspreche. Er werde im November 2018 für ei-
nen Monat nach Indien reisen, um die erforderlichen Unterlagen erhältlich
zu machen.
In der Replik vom 22. Dezember 2018 ergänzt der Beschwerdeführer unter
Vorlage eines Fotos, die Kinder, welche er im November 2018 im Internat
besucht habe, seien dort wohlauf, möchten aber baldmöglichst zu ihm
kommen. Der Händler, welcher die Kinder seinerzeit ins Heim gebracht
habe, sei in Indien nicht mehr auffindbar gewesen. Auch von seiner Ex-
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Gattin habe er weder Nachrichten noch wisse er, wo sie sich zurzeit be-
finde. Es sei ihm deshalb unmöglich, von ihr eine Unterschrift zu bekom-
men, die besage, dass er die Kinder in Schweiz holen könne. Die Schullei-
tung werde die Verantwortung für die Kinder übernehmen, solange er sie
nicht in die Schweiz holen könne.
6.
6.1 Familiennachzugsverfahren gemäss Art. 85 Abs. 7 AuG folgen mangels
spezialgesetzlicher Regelung dem VwVG und den allgemeinen Grundsät-
zen des Verwaltungsverfahrensrechts. Für das Vorliegen einer Tatsache ist
daher, vorbehältlich hier nicht relevanter Sonderregelungen, grundsätzlich
der volle Beweis zu erbringen. Gelingt der Beweis nicht, so geht die Be-
weislosigkeit nach der üblichen Beweislastregel zu Lasten dessen, der aus
der Tatsache Rechte ableitet (Art. 8 ZGB). Es gilt sodann der Untersu-
chungsgrundsatz, der die Verantwortung für die Ermittlung des Sachver-
halts der Behörde auferlegt (Art. 12 VwVG). Der Untersuchungsgrundsatz
wird relativiert durch die Pflicht der Partei, an der Ermittlung des Sachver-
halts mitzuwirken. Die Mitwirkungspflicht kommt unter anderem in Verfah-
ren zum Tragen, die auf Begehren der Partei eingeleitet werden (Art. 13
Abs. 1 Bst. a VwVG), und gilt namentlich für Tatsachen, welche die Partei
besser kennt als die Behörde bzw. welche die Behörde ohne Mitwirkung
der Partei gar nicht oder nur mit übermässigem Aufwand ermitteln kann
(vgl. BGE 130 II 449 E. 6.6.1 und BGE 128 II 139 E. 2b). In Anbetracht der
angestrebten Verhinderung eines Entzugs von Minderjährigen (siehe
hierzu E. 5.1 weiter vorne) ist der Nachweis über die alleinige elterliche
Sorge respektive die Einverständniserklärung der Mutter – nicht zuletzt im
Interesse des Kindeswohls – auch im vorliegenden Fall unabdingbar.
6.2 Der Beschwerdeführer gab im Asylverfahren an, er habe die Familie
am 13. Dezember 2010 verlassen. Seine drei Kinder und die Ehefrau seien
im Tibet geblieben (SEM act. A4 und A12). Die Ausreise von C._ und
D._, der zwei jüngeren dieser Kinder, erfolgte einige Jahre später
(siehe dazu eingehender E. 6.3 – 6.7 hiernach). Aufgrund dessen kann an-
genommen werden, dass die elterliche Sorge zufolge definitiver Ausreise
des Vaters auf die Kindsmutter übergegangen ist. Dies entspräche auch
dem üblichen Lauf der Dinge, wonach die elterliche Sorge in solchen Kons-
tellationen auf den mit den Kindern im Heimatland verbliebenen Elternteil
übergeht (vgl. etwa Urteile des BVGer F-2860/2018 vom 5. Dezember
2019 E. 6.4 oder E-638/2013 vom 16. Juli 2013 S. 8). Wie eben dargetan,
obliegt dem Beschwerdeführer im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht der
Nachweis, dass er ungeachtet der beschriebenen Ausgangslage alleiniger
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Inhaber der elterlichen Sorge blieb oder dass die Mutter mit dem Nachzug
der beiden jüngeren Kinder in die Schweiz einverstanden ist. Er hat, wie im
Folgenden aufzuzeigen sein wird, weder das eine noch das andere nach-
gewiesen.
6.3 Die Ausführungen des Beschwerdeführers im Rahmen des Asylverfah-
rens wurden bereits im unangefochten gebliebenen Asylentscheid vom
22. August 2014 in verschiedener Hinsicht als unglaubhaft erachtet. Dies
hatte zur Folge, dass er zwar als Flüchtling anerkannt, sein Asylgesuch
jedoch abgelehnt und er aus der Schweiz weggewiesen wurde, wobei die
Vorinstanz wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige
Aufnahme anordnete (siehe Sachverhalt Bst. A). Das Bundesverwaltungs-
gericht teilt die vorinstanzliche Auffassung, wonach dies analog für seine
Äusserungen im Verfahren um Familiennachzug gilt. Widersprüchlich dar-
gestellt werden vorweg die Umstände der Ausreise der Kinder aus ihrem
Heimatland. So gab der Beschwerdeführer hierzu anfänglich (im Septem-
ber 2017 bzw. Januar 2018) an, er habe im Juli 2017 erfahren, dass die
Kinder über Nepal nach Indien hätten flüchten können (SEM act. B1 und
B6). Mit Eingabe vom 27. Mai 2018 ergänzte er, für ihn sei klar, dass die
Kindsmutter sie auf diese gefährliche Reise nach Indien geschickt habe,
damit er auf sie aufpasse (SEM act. B11). In der vorsorglichen Eingabe
vom 24. September 2018 liess er demgegenüber verlauten, die zwei jün-
geren Kinder seien in diesem Sommer (also 2018) einem Händlerfreund
anvertraut worden, mit der Bitte, die beiden über Nepal nach Delhi zu be-
gleiten und ihren Vater ausfindig zu machen oder sie in einem Internat der
tibetischen Exilregierung unterzubringen (BVGer act. 1). Auch in der Be-
schwerdeverbesserung ist nicht mehr von Flucht sondern davon die Rede,
besagter Händler habe die Kinder auf Bitte der Ehefrau des Beschwerde-
führers nach Indien mitgenommen. Zeitlich wird dieses Vorkommnis nun
wieder im Sommer 2017 angesiedelt (BVGer act. 5). Angesichts der unkla-
ren Umstände der Ausreise von C._ und D._ aus China
kann nicht automatisch daraus geschlossen werden, dass die Mutter auf
ihr Sorgerecht verzichtet hat.
6.4 Erhebliche Zweifel ergeben sich sodann aus der Darstellung des Be-
schwerdeführers zum seitherigen Aufenthalt der Kinder in Indien. In diesem
Zusammenhang behauptete er im erstinstanzlichen Verfahren wiederholt,
die Kinder weilten ohne irgendwelche Papiere in Delhi bei Bekannten. Sie
seien dort auf sich selber gestellt und hätten keine Möglichkeit, eine Schule
zu besuchen (SEM act. B1, B6 und B8). Am 27. Mai 2018 präzisierte der
Beschwerdeführer, die Kinder seien im Sommer 2017 nach Indien gelangt
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Seite 11
und fügte hinzu, ihre Bleibe in Delhi sei unsicher und seine Bekannten
«möchten auch so langsam die Verantwortung nicht mehr übernehmen»
(SEM act. B11). Auf Beschwerdeebene präsentierte er eine völlig neue
Sachverhaltsvariante. Demnach hielten sich die Kinder nach ihrer Ankunft
in Indien (Sommer 2017 bzw. Sommer 2018) vorerst in einer tibetischen
Schule in Delhi auf. Inzwischen seien sie in einem Internat im nordindi-
schen Z._ untergebracht, wo sie auch zur Schule gehen könnten
(siehe BVGer act. 1, 5 und 10). Der als Beschwerdeverbesserung entge-
gengenommenen Eingabe vom 17. Oktober 2018 lag eine Bestätigung je-
nes Instituts («X._») vom 15. Oktober 2018 bei. Laut dem einge-
reichten Beleg sind die Kinder dort seit dem 10. Juli 2017 als «residential
students» eingeschrieben. Das SEM hat den Beschwerdeführer in der Ver-
nehmlassung auf die Widersprüche zu seinen früheren Aussagen aufmerk-
sam gemacht; er hat sich diesbezüglich jedoch nicht geäussert. Ausser-
dem erweckt die Bestätigung, da sie stellenweise wörtlich die jetzigen
Schilderungen des Vaters wiedergibt, den Eindruck, zielgerichtet im Hin-
blick auf die Bewilligung des Familiennachzugs angefertigt worden zu sein.
Mit den entsprechenden Ausführungen vermag der Beschwerdeführer
denn nicht glaubhaft darzulegen, dass die Kindsmutter mit einem Nachzug
der Kinder zum Vater in die Schweiz einverstanden ist.
6.5 Nicht anders verhält es sich mit der behaupteten Unmöglichkeit, mit der
Ehefrau in Kontakt zu treten, um das verlangte Einverständnis einzuholen.
Wohl gab der Beschwerdeführer im Asylverfahren zu Protokoll, seit seiner
Ausreise aus China keinerlei Kontakte zu seiner Familie gehabt zu haben
(SEM act. A12). Zumindest bezogen auf die Ehefrau hielt er auch im erst-
instanzlichen Verfahren an dieser Darstellung fest, letztmals mit Schreiben
vom 27. Mai 2018, als er erklärte, eine direkte Kontaktaufnahme zu ihr er-
weise sich als viel zu gefährlich. Zudem habe er keine Anhaltspunkte, wo
er die Kindsmutter finden könne (SEM act. B11). Anders schilderte er die-
sen Sachverhalt auf Beschwerdeebene. Demnach sei er einige Male nach
Indien gereist, in der Hoffnung, über Händler oder Flüchtlinge Neuigkeiten
über seine Familie zu erhalten. Einen tibetischen Händler, der in seiner
Herkunftsregion tätig sei, habe er dann gebeten, im Dorf Y._ nach
seiner Frau Ausschau zu halten. Solcherart habe er erfahren, dass Frau
und Kinder wohlauf seien und die (nach Brauch mit ihm verheiratete)
Kindsmutter mit einem Mann aus besagtem Ort eine neue Familie gegrün-
det habe. Dieser Händler sei es denn auch gewesen, welcher die Kinder
zwecks Unterbringung in einem Internat nach Indien mitgenommen habe
(BVGer act. 1). Im Verlaufe des Rechtsmittelverfahrens ergänzte er ohne
nähere Erläuterung, dass er ab Sommer 2017 keinen Kontakt zur Mutter
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Seite 12
der Kinder mehr habe aufnehmen können und kündigte an, anfangs No-
vember 2018 für einen Monat nach Indien zu reisen, um zusätzliche Be-
weismittel zu organisieren (BVGer act. 5). Mit Replik vom 22. Dezember
2018 schliesslich bestätigte er, die beiden Kinder besucht zu haben. Bei
dieser Gelegenheit fügte er an, der Händler sei in Indien nicht auffindbar
gewesen. Ausser einem Foto der Kinder reichte er keine weiteren Unterla-
gen nach (BVGer act. 10). Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass keine
dieser Sachverhaltsversionen erklärt, warum eine Kontaktaufnahme zur
Kindsmutter nicht bzw. nicht mehr möglich sein soll.
6.6 Ein weiteres Unglaubhaftigkeitselement ist in diesem Zusammenhang
darin zu erblicken, dass der Beschwerdeführer im Asylverfahren aussagte,
in Y._ aufgewachsen zu sein, einem Dorf im Tibet mit etwa fünfzehn
Familien (SEM act. A12, S. 3); es handelt sich also um einen kleinen Ort,
in welchem sich alle kennen. Die wie erwähnt nach Brauch mit ihm verhei-
ratete Frau soll ebenfalls von dort stammen. Mit ihr, welche in jenem Ort
Land besitze, habe er bis zur Ausreise zusammengelebt (SEM act. A4).
Davon ausgehend, dass diese Angaben stimmen, entbehrt die Behauptung
des Beschwerdeführers, er habe keine Anhaltspunkte, wo er seine Gattin
finden könnte, jeglicher Grundlage. Im Nachhinein räumte er ein, es sei
ihm gelungen, über einen Händler Kontakt zu ihr herzustellen. Gemäss
Eingabe vom 24. September 2018 wohne die Frau immer noch im selben
Dorf. Daraus ist zu schliessen, dass eine Kontaktaufnahme zur Kindsmut-
ter möglich und eine Nachrichtenübermittlung durch Dritte grundsätzlich
durchführbar ist. Eine Zeitlang hat dies eigener Darstellung zufolge funkti-
oniert. Warum die Kontaktaufnahme seit Sommer 2017 plötzlich nicht mehr
möglich sein soll, wie dies in den Eingaben vom 17. Oktober 2018 und
22. Dezember 2018 nunmehr geltend gemacht wird, bleibt vor diesem Hin-
tergrund unerfindlich. Auch die replikweise vorgetragene Behauptung, der
Händler sei nicht mehr erreichbar, erweist sich im dargelegten Kontext als
blosse Ausflucht. Abgesehen davon hat das Internet selbst im Tibet [intern:
laut Duden «der Tibet»] inzwischen vielerorts Eingang in die Haushalte ge-
funden. Der Beschwerdeführer vermag mithin keine plausiblen Gründe zu
nennen, weshalb eine Wiederherstellung des Kontakts nicht möglich und
eine Einwilligungserklärung nicht erhältlich zu machen war.
6.7 Nicht schlüssig zu erklären vermag der Beschwerdeführer schliesslich
sein Verhältnis zu den nachzuziehenden Kindern. Schenkt man seinen
Aussagen im Asylverfahren Glauben, hatte er nach seiner Ausreise aus
seinem Heimatland jahrelang keinerlei Kontakt zur Familie. Jedenfalls von
seiner Ausreise im Dezember 2010 bis zur asylrechtlichen Anhörung vom
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2. Oktober 2013 hat er hierzu auch keine Versuche unternommen, was mit
Blick auf den Fortbestand der Beziehung zwischen Vater und Kindern unter
dem Aspekt des Kindeswohls Fragen aufwirft (zum Ganzen siehe SEM
act. 12, S. 13/14). Vor dem dargelegten Hintergrund erscheint seine Wand-
lung im Familiennachzugsverfahren mit dem damit einhergehenden, plötz-
lich erwachten Interesse an C._ und D._ wenig überzeu-
gend. Wohl äusserte er in diesem Verfahren mehrmals den Wunsch, in der
Schweiz für die Kinder sorgen zu wollen, was laut Beschwerdeverbesse-
rung vom 17. August 2018 auch dem Wunsch der Kinder entspreche. In
der Bestätigung des «X._» ist davon die Rede, die beiden warteten
sehnlichst («eagerly») darauf, mit ihrem Vater hierzulande zu leben. Wie
an anderer Stelle erläutert (siehe E. 6.4 hiervor), wirkt die fragliche Bestä-
tigung allerdings kaum echt und ist als nachträgliche Anpassung der Sach-
verhaltsschilderung zu werten. Überdies ändert diese nichts daran, dass
keine Einwilligungserklärung der Mutter vorliegt. Allfällige Aussagen der
Kinder über den Wunsch, bei welchem Elternteil sie leben möchten, ver-
mögen eine formelle Einverständniserklärung der Mutter nicht zu ersetzen
(siehe dazu F-2860/2018 E. 6.6). Dasselbe gilt hinsichtlich der in der vor-
liegenden Form wenig aussagekräftigen Fotos. Entsprechend hat der Be-
schwerdeführer die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen.
6.8 Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass die beiden jünge-
ren Kinder des Beschwerdeführers aufgrund der fehlenden Einverständ-
niserklärung der Kindsmutter nicht in die vorläufige Aufnahme miteinbezo-
gen werden können, da eine formelle Nachzugsvoraussetzung im Sinne
von Art. 85 Abs. 7 AuG fehlt. Es kann deshalb offengelassen werden, ob
die Voraussetzungen von Art. 85 Abs. 7 Bst. a – c AuG erfüllt sind. Auch
die vom Beschwerdeführer angebotene DNA-Analyse erweist sich bei die-
ser Sachlage als nicht notwendig.
7.
Zu prüfen bleibt, ob sich die obige Argumentation mit dem Recht auf Fami-
lienleben gemäss Art. 8 EMRK vereinbaren lässt.
7.1 Art. 8 Ziff. 1 EMRK garantiert den Schutz des Familienlebens, welches
in erster Linie die Kernfamilie, das heisst die Gemeinschaft der Ehegatten
mit ihren minderjährigen Kindern, umfasst. Die Garantie kann verletzt sein,
wenn einer ausländischen Person, deren Familienangehörige in der
Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das Familienleben
vereitelt wird. Das in Art. 8 EMRK beziehungsweise Art. 13 BV geschützte
Recht ist berührt, wenn eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre
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Beziehung einer gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt
wird, ohne dass es dieser möglich beziehungsweise zumutbar wäre, ihr
Familienleben im Heimatstaat oder allenfalls in einem Drittstaat zu pflegen.
Die Beziehung zu Familienmitgliedern ausserhalb der Kernfamilie fällt nur
bei einer besonderen Nähe oder einem besonderen Abhängigkeitsverhält-
nis unter den erweiterten Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK (vgl. zum
Ganzen BGE 144 II 1 E. 6.1; 144 I 266 E. 3.3). Soweit Kinder betroffen
sind, ist dem Kindeswohl im Sinne einer Leitmaxime eine gewichtige Be-
deutung zuzumessen, wobei auch wiederum die einzelfallspezifischen Um-
stände, namentlich das Alter, die Situation im Heimatstaat und die Abhän-
gigkeit zu den Eltern, massgeblich sind (vgl. Art. 3 Abs. 1 und Art. 8 Abs. 1
KRK). Der Umstand allein, dass das Kind in einem Staat eine bessere Aus-
ganglage hat, reicht selbstredend nicht (vgl. BGE 139 I 330 E. 2.2 f.; die in
BVGE 2017 VII/4 nicht publizierte E. 7.1 des Urteils F-2043/2015 vom
26. Juli 2017, insb. zur Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte; Urteil des BGer 2C_1062/2018 vom 27. Mai 2019 E. 2.4
unter Bezugnahme auf das EGMR-Urteil El Ghatet gegen Schweiz vom
8. November 2016 [Nr. 56971/10]).
7.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können sich auch Per-
sonen auf Art. 8 EMRK berufen, die kein gefestigtes Aufenthaltsrecht ha-
ben, deren Anwesenheit in der Schweiz jedoch faktisch als Realität hinge-
nommen wird beziehungsweise aus objektiven Gründen hingenommen
werden muss (vgl. Urteil des BGer 2C_360/2016 vom 31. Januar 2017 E.
5.2 m.H.; BVGE 2017 VII/4 E. 6.2 m.H.). Bei anerkannten Flüchtlingen, de-
nen die vorläufige Aufnahme gewährt wurde, ist in der Regel von einem
faktischen Aufenthaltsrecht auszugehen (vgl. BVGE 2017 VII/4 E. 6.3
m.H.). Die EMRK verschafft jedoch keinen absoluten Anspruch auf Einreise
und Aufenthalt. Ebenso wenig verschafft sie ein Recht darauf, den für das
Familienleben am geeignetsten erscheinenden Ort zu wählen, oder auf die
Erteilung eines bestimmten Aufenthaltstitels. Vielmehr erweist sich eine
aufenthaltsbeendende oder aufenthaltsverweigernde, im Schutz- und An-
wendungsbereich von Art. 8 EMRK liegende Massnahme als zulässig,
wenn sie gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck im Sinn von
Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht und zu dessen Realisierung in einer demo-
kratischen Gesellschaft notwendig erscheint (vgl. BGE 143 I 21 E. 5.1
m.H.).
7.3 Aufgrund seiner Anerkennung als vorläufig aufgenommener Flüchtling
sowie angesichts der Tatsache, dass mit einer Aufhebung dieses Status in
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absehbarer Zukunft nicht zu rechnen ist, kann im Fall des Beschwerdefüh-
rers ein faktisches Aufenthaltsrecht angenommen werden. Zudem gehör-
ten seine beiden jüngeren Kinder zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung
zur Kernfamilie im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 8 Ziff. 1 EMRK. Dem-
entsprechend sind die öffentlichen Interessen an einer restriktiven Einwan-
derungspolitik den privaten Interessen des Beschwerdeführers am Fami-
liennachzug gegenüber zu stellen.
7.4 Vorliegend macht der Beschwerdeführer das private Interesse geltend,
die familiäre Beziehung zu den beiden jüngeren Kindern nunmehr in der
Schweiz zu leben. Aufgrund seiner Flüchtlingseigenschaft kann er sein Fa-
milienleben nicht im angegebenen Herkunftsland China pflegen (vgl. etwa
Urteil des BVGer F-5088/2016 vom 13. Juni 2019 E. 7.6.1). Relativiert wird
das private Interesse aber durch den Umstand, dass der Beschwerdefüh-
rer sein Heimatland gemäss eigenen Angaben im Dezember 2010 verliess
(SEM act. A4). Erst durch die illegale Ausreise, die angesichts des rechts-
kräftig abgewiesenen Asylgesuchs als freiwillig erfolgt gilt, schuf er subjek-
tive Nachfluchtgründe (vgl. Asylentscheid vom 22. August 2014 [nicht in
Aktenverzeichnis aufgenommenes Aktenstück]). Mit der Entscheidung zur
Ausreise nahm er eine langfristige Trennung von der Familie in Kauf, und
er konnte nicht mit einem uneingeschränkten Familiennachzug rechnen.
Insbesondere bei Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe verstösst es
nicht gegen Art. 8 Ziff. 1 EMRK, die Einreise von Familienmitgliedern von
gewissen Bedingungen abhängig zu machen (vgl. dazu F-2860/2018
E. 7.5 und F-5088/2016 E. 7.6.2 oder Urteil des BVGer F-7893/2016 vom
16. Juli 2018 E. 7.4). Mit Blick auf die heutige Verbreitung moderner Kom-
munikationsmittel gibt es sodann Möglichkeiten, die persönliche Situation
mildernde Kontakte zu pflegen, und es steht dem Beschwerdeführer offen,
seine Kinder in Indien zu besuchen sowie ihnen aus der Schweiz die not-
wendige finanzielle Unterstützung für ihre Unterkunft und Ausbildung zu-
kommen zu lassen. Wie sich dem Sachverhalt entnehmen lässt, hat er
ihnen im November 2018 im Internat im Norden Indiens einen Besuch ab-
gestattet (siehe Sachverhalt Bst. F und E. 5.3 weiter vorne). Unter dem
Blickwinkel des Kindeswohls nicht ausser Acht zu lassen gilt es ferner, dass
der Beschwerdeführer zu seinen Kindern während rund sieben Jahren
(nämlich von 2010 bis 2017) keine Kontakte unterhielt und diese ange-
sichts ihres Alters (19 Jahre beziehungsweise 16 Jahre) hierzulande auf
Integrationsschwierigkeiten stossen dürften. Angesichts der grossen tibeti-
schen Diaspora in Nordindien, deren Anwesenheit wenn auch nicht zwin-
gend legalisiert, so doch wenigstens geduldet wird, darf darüber hinaus
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angenommen werden, dass die Kinder sich dort schulisch wie sozial in ei-
nem adäquaten Rahmen bewegen können. Aufgrund der Akten sind sie an
ihrem jetzigen Aufenthaltsort auf jeden Fall nicht auf sich alleine gestellt.
7.5 Angesichts der aufgezeigten Möglichkeit, das Familienleben aus-
serhalb der Schweiz oder mittels Einsatzes moderner Kommunikationsmit-
tel zu pflegen, und der aufgrund der Ausreise in Kauf genommenen lang-
fristigen Trennung von seiner Familie überwiegt vorliegend im Rahmen ei-
ner Gesamtwürdigung das öffentliche Interesse an einer restriktiven Ein-
wanderungspolitik und der Verweigerung des Familiennachzugs.
7.6 Nach dem Gesagten erweist sich die Verweigerung des Familiennach-
zugs gestützt auf Art. 85 Abs. 7 AuG sowie unter Berücksichtigung von
Art. 8 EMRK und KRK als rechtmässig.
8.
Die vorinstanzliche Verfügung ist demnach zu Recht ergangen. Es gelingt
dem Beschwerdeführer nicht darzutun, inwiefern sie Bundesrecht verletzt,
den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt
oder unangemessen ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist folglich abzu-
weisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 ff. des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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