Decision ID: 702869af-6c14-4fae-b007-1dbf344b70b2
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Der 1989 geborene Beschwerdeführer meldete sich nach vorgängiger An-
meldung zur Früherfassung am 3. Januar 2016 aufgrund chronischer Mi-
gräne erstmals zum Bezug von Leistungen (berufliche Integration, Rente)
der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegeg-
nerin sprach dem Beschwerdeführer daraufhin berufliche Massnahmen in
Form einer Berufsberatung und einer Abklärung der beruflichen Eingliede-
rungsmöglichkeiten zu. Nachdem dieser im August 2016 eine Lehre als
Koch begonnen hatte, schloss sie – unter Hinweis darauf, dass die fragliche
Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht für ihn geeignet sei – mit Ver-
fügung vom 15. September 2016 sowohl die Berufsberatung als auch das
Verfahren an sich ab.
Am 17. Januar 2018 stellte der Beschwerdeführer bei der Beschwerdegeg-
nerin erneut ein Gesuch um Leistungen, worauf die Beschwerdegegnerin
mit Verfügung vom 16. Mai 2018 nicht eintrat.
1.2.
Am 3. Juli 2018 meldete sich der Beschwerdeführer wiederum bei der Be-
schwerdegegnerin zum Leistungsbezug an. Die Beschwerdegegnerin tä-
tigte in der Folge medizinische und berufliche Abklärungen und wies das
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers daraufhin mit Verfügung vom
11. Juli 2019 ab. Diese Verfügung wurde auf dessen Beschwerde hin mit
Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau VBE.2019.600 vom
24. März 2020 aufgehoben und die Sache zur Vornahme von weiteren Ab-
klärungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückge-
wiesen.
Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), Veran-
lassung einer bidisziplinären (psychiatrisch-neurologischen) Begutachtung
durch die RehaClinic C. (Gutachten vom 13. Dezember 2020) und Einho-
lung einer ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom 6. Juli 2021
verneinte die Beschwerdegegnerin nach durchgeführtem Vorbescheidver-
fahren einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom
8. Dezember 2021.
2.
2.1.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 12. Januar 2022
fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge:
- 3 -
"1. Es sei die Verfügung vom 8. Dezember 2021 aufzuheben und die  zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine  gemäss IVG zu bezahlen.
2. Unter o/e-Kostenfolge."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 9. Februar 2022 beantragte der Beschwerdegeg-
ner die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit Verfügung vom 10. Februar 2022 lud die Instruktionsrichterin die beruf-
liche Vorsorgeeinrichtung des Beschwerdeführers zum Verfahren bei.
Diese teilte mit Schreiben vom 14. Februar 2022 ihren Verzicht auf eine
Stellungnahme mit.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Die Beschwerdegegnerin begründete die am 8. Dezember 2021 verfügte
Abweisung des Rentenbegehrens im Wesentlichen damit, dass der Be-
schwerdeführer in der angestammten Tätigkeit lediglich zu 25 % arbeitsun-
fähig sei (Vernehmlassungsbeilage [VB 140 S. 1]).
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber im Wesentlichen auf den
Standpunkt, es könne nicht auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung des neuro-
logischen Gutachters der RehaClinic C. abgestellt werden. Um sein effektiv
vorhandenes Leistungsvermögen zuverlässig beurteilen zu können, sei ein
Gerichtsgutachten einzuholen (Beschwerde S. 7 ff.).
1.2.
Streitig und zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin einen Ren-
tenanspruch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 8. Dezember
2021 zu Recht verneint hat.
2.
2.1.
Am 1. Januar 2022 trat das revidierte IVG in Kraft (Weiterentwicklung der
IV [WEIV]). Die angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022.
Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des
zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1
S. 213; 129 V 354 E. 1 S. 365 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen
- 4 -
des IVG und diejenigen der IVV sowie des ATSG in der bis 31. Dezember
2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar.
2.2.
Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind
(Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder län-
gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperli-
chen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumut-
barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge-
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor-
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge-
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig-
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.
3.1.
3.1.1.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in medizinischer Hinsicht im Wesent-
lichen auf das in Nachachtung des Urteils des hiesigen Versicherungsge-
richts VBE.2019.600 vom 24. März 2020 (VB 75) eingeholte psychiatrisch-
neurologische Gutachten der RehaClinic C. vom 13. Dezember 2020. Da-
rin wurden aus psychiatrischer Sicht keine Diagnosen gestellt. Aus neuro-
logischer Sicht wurden eine Migräne ohne Aura (IHS-Classification ICHD-
3: 1.1), ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz durch mehrere Me-
dikamentenklassen, nicht Einzelübergebrauch (IHS-Classification ICHD-
3: 8.2.6), und ein chronischer Spannungskopfschmerz mit perikranieller
Spannung (IHS-Classification ICHD-3: 2.3.1) diagnostiziert, welche sich
auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten (VB 125.1 S. 8).
Aus neurologischer Sicht habe im Begutachtungszeitpunkt der Medika-
mentenübergebrauchskopfschmerz im Vordergrund der Behandlungsop-
tionen gestanden. Aus therapeutischer Sicht empfehle sich ein Weglassen
der Analgetika im Sinne eines Medikamentenentzugs und danach ein dif-
ferenzierter Einsatz der Analgetika (VB 125.1 S. 8). Es sei davon eine Ver-
besserung der Kopfschmerzsymptomatik zu erwarten. Berücksichtige man
die Angaben in den Akten und Unterlagen, dann sei der Beschwerdeführer
wegen der initial bestehenden Migräne an bis zu fünf Tagen arbeitsunfähig
gewesen. Eine darüber hinaus gehende Arbeitsunfähigkeit habe sich im
- 5 -
Begutachtungszeitpunkt isoliert aufgrund der Migränesymptomatik oder
des Spannungskopfschmerzes nicht feststellen lassen. Vielmehr habe ein
Mischbild mit der im Vordergrund stehenden Medikamentenüberge-
brauchssymptomatik, welche behandelbar sei, bestanden (VB 125.1 S. 9).
Berücksichtige man die Ausprägung der Schmerzsymptomatik nach dem
stationären Medikamentenentzug in der Vergangenheit, bleibe festzustel-
len, dass es im Begutachtungszeitpunkt keine Anhaltspunkte dafür gebe,
dass der Beschwerdeführer nach einem erneuten Medikamentenentzug als
Plattenleger, Logistiker, Koch oder in einer angepassten Tätigkeit an mehr
als fünf Arbeitstagen pro Monat arbeitsunfähig wäre (VB 125.1 S. 11).
Diese Arbeitsunfähigkeit von 25 % entspreche den Auswirkungen einer
schwer ausgeprägten Migräne (VB 125.1 S. 11) und bestehe mindestens
seit Mai 2018 (VB 125.4 S. 42).
3.1.2.
Nachdem der Beschwerdeführer im Einwandverfahren vorgebracht hatte,
dass auch die Beeinträchtigungen infolge des Medikamentenüberge-
brauchs bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigen seien
(VB 129 S. 2), hielt der neurologische Gutachter auf Rückfrage der Be-
schwerdegegnerin (VB 133) hin diesbezüglich in seiner Stellungnahme
vom 6. Juli 2021 fest, weil der Anteil der durch Analgetika induzierten Kopf-
schmerzen nicht als dauerhaft angesehen werden könne, sei die zu erwar-
tende Besserung der Schmerzsituation nach einem Analgetikaentzug bei
der Bemessung der arbeitsplatzbezogenen Leistungsfähigkeit berücksich-
tigt worden (VB 134 S. 5).
3.2.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Si-
tuation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). Den von Ver-
sicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG (vgl. VB 111) eingehol-
ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-
nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-
tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353).
3.3.
Die Beurteilung der Gutachter der RehaClinic C. (Gutachten vom 13. De-
zember 2020, ergänzende gutachterliche Stellungnahme vom 6. Juli 2021)
- 6 -
wird den von der Rechtsprechung formulierten Anforderungen an eine be-
weiskräftige medizinische Stellungnahme (vgl. E. 3.2. hiervor) gerecht. Das
Gutachten ist in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) erstellt worden (vgl.
VB 125.1 S. 14 ff.; 125.4 S. 7), gibt die subjektiven Angaben des Be-
schwerdeführers ausführlich wieder (vgl. VB 125.1 S. 7; 125.3 S. 7 ff.;
125.4 S. 21), beruht auf allseitigen Untersuchungen der beteiligten Fach-
disziplinen (vgl. VB 125.3 S. 12 ff.; 125.4 S. 28), und die Gutachter setzten
sich im Anschluss an die Herleitung der Diagnosen eingehend mit den sub-
jektiven Beschwerdeangaben und den medizinischen Akten auseinander
(vgl. VB 125.1 S. 8 ff.; 125.3 S. 14 ff.; 125.4 S. 31). Das Gutachten ist in
der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizini-
schen Situation nachvollziehbar und damit grundsätzlich geeignet, den Be-
weis für den anspruchserheblichen medizinischen Sachverhalt zu erbrin-
gen.
4.
4.1.
4.1.1.
Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, die Kopfschmerzen
infolge des Medikamentenübergebrauchs seien bei der Beurteilung der Ar-
beitsfähigkeit zu berücksichtigen, ansonsten "über die Hintertür der versi-
cherungsmedizinischen Beurteilung die Überwindbarkeitsrechtsprechung
wieder eingeführt" würde. Eine Besserung sei erst zu berücksichtigen,
wenn diese effektiv eintrete (Beschwerde S. 7).
4.1.2.
Der neurologische Gutachter diagnostizierte (nebst einer Migräne ohne
Aura und einem chronischen Spannungskopfschmerz mit perikranieller
Spannung) einen Medikamentenübergebrauch und nicht etwa einen Medi-
kamentenmissbrauch oder ein Abhängigkeitssyndrom. Dass die gutachter-
liche Beurteilung in diagnostischer Hinsicht unzutreffend wäre, wurde vom
Beschwerdeführer – nach Lage der Akten zur Recht – nicht geltend ge-
macht. Bei der vom Gutachter verwendeten ICHD-3 Klassifikation von
Kopfschmerzerkrankungen (Version 2018; englische Originalversion:
https://ichd-3.org/wp-content/uploads/2018/01/The-International-Classifi-
cation-of-Headache-Disorders-3rd-Edition-2018.pdf; zuletzt besucht am
1. Juni 2022) handelt es sich um ein internationales Klassifikationssystem,
das zur Diagnosestellung bei Kopfschmerzen geeignet ist
(vgl. 8C_792/2009 vom 1. Februar 2010 E. 6.5). Gemäss ICHD-3 vs. ICD-
10 NA Code (https://ichd-3.org/wp-content/uploads/2016/08/ICHD-3-Code-
vs-ICD-10-NA-Code.pdf, zuletzt besucht am 1. Juni 2022) sind sämtliche
vom neurologischen Gutachter gestellten und nach ICHD-3 klassifizierten
Diagnosen im ICD-10 im 6. Kapitel (Krankheiten des Nervensystems [G00-
G99]) klassifiziert (vgl. Angaben zu ICHD-3 Code 1.1 auf S. 1, ICHD-3
Code 2.3.1 auf S. 2 und ICHD-3 Code 8.2.6 auf S. 8).
- 7 -
4.1.3.
Angesichts der Natur der diagnostizierten Gesundheitsstörungen findet die
bundesgerichtliche Rechtsprechung betreffend die (lediglich) bei sämtli-
chen psychischen Störungen, einschliesslich primärer Abhängigkeitser-
krankungen, durchzuführende indikatorenbasierte Beurteilung der Arbeits-
fähigkeit, entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers (Beschwerde
S. 8), keine Anwendung (vgl. BGE 145 V 215 E. 2.1 S. 217 f.). Ein struktu-
riertes Beweisverfahren ist somit nicht durchzuführen (BGE 145 V 215
E. 6.2 S. 227 e contrario). Angesichts der Tatsache, dass die durch den
Medikamentenübergebrauch bedingten Kopfschmerzen bei einem – unbe-
strittenermassen zumutbaren – Weglassen der Analgetika (und anschlies-
sendem differenzierten Einsatz der Analgetika) entfiele (VB 125.1 S. 8), ist,
wie dies der neurologische Gutachter in seiner Stellungnahme vom 6. Juli
2021 ausdrücklich und einleuchtend festhielt (VB 134 S. 5), nicht von einer
dadurch bedingten dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszu-
gehen. Der Gutachter hat die Beschwerden infolge des Medikamenten-
übergebrauchs bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit somit zu Recht aus-
geklammert. Da die Ausserachtlassung der erwähnten Beschwerden bei
der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung – auch wenn der Gutachter auf Inkonsis-
tenzen hinsichtlich der vom Beschwerdeführer angegebenen und der tat-
sächlich durchgeführten Therapien hinwies (VB 125.1 S. 10) – nach dem
Gesagten nicht aufgrund von Inkonsistenzen im Verhalten des Beschwer-
deführers erfolgte, erübrigen sich Ausführungen zu den diesbezüglichen
Vorbringen des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde S. 10).
4.2.
Der Beschwerdeführer beanstandet weiter, der neurologische Gutachter
habe sich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit "in der Vergangenheit
und der Zukunft" einzig auf die Einschätzung von Dr. med. I. gestützt, die
aus dem Jahr 2015 stamme und nicht aktuell sei (Beschwerde S. 7).
Dem neurologischen Gutachter lagen indes sowohl die Befunde seiner ei-
genen am 1. Dezember 2020 durchgeführten, fundierten Untersuchung als
auch sämtliche wesentlichen Arztberichte und die Röntgenbilder des Schä-
dels vom 6. Mai 2014 vor (VB 125.1 S. 14 ff., VB 125.4 S. 4 und S. 29 f.).
Dass er sich betreffend die Arbeits(un)fähigkeit im Verlauf bis zur Begut-
achtung auf frühere Berichte anderer Ärzte stützte, liegt in der Natur der
Sache und ist nicht zu beanstanden. Zu beachten ist diesbezüglich, dass
entscheidend ist, dass der Gutachter über das vollständige medizinische
Dossier verfügt und seine Beurteilung in Kenntnis der Unterlagen abgege-
ben hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_651/2017 vom 19. Juni 2018
E. 4.4; 9C_212/2015 vom 9. Juni 2015 E. 4). Vorliegend ging der Gutachter
gestützt auf die medizinischen Vorakten von einer Zunahme der Beschwer-
desymptomatik nach Dezember 2015 (VB 125.4 S. 32 f.) und von 2017 ne-
ben der Migräne aufgetretenen analgetikainduzierten täglichen Kopf-
- 8 -
schmerzen aus (VB 125.4 S. 32 f.). Den Verlauf der gesundheitlichen Be-
schwerden berücksichtigte der Gutachter auch, als er eine Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit aufgrund ausschliesslich der Migränesymptomatik und des
Spannungskopfschmerzes vornahm und prüfte, welche funktionellen Ein-
schränkungen – im Zeitpunkt der Begutachtung und im Verlauf bis dahin –
aus diesen beiden Diagnosen resultierten (VB 125.4 S. 35). Dass der Gut-
achter sich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Verlauf nur auf eine
im Jahr 2015 ergangene Einschätzung von Dr. med. I. gestützt hätte, ist
demnach unzutreffend. Die Ausklammerung der Auswirkungen der Be-
schwerden aufgrund des Medikamentenübergebrauchs erfolgte, wie be-
reits dargelegt (vgl. E. 4.1.3. hiervor), zu Recht.
4.3.
Weiter bemängelt der Beschwerdeführer, die RAD-Beurteilung vom
13. September 2021, wonach auf das Gutachten abzustellen sei, sei nicht
nachvollziehbar, zumal der RAD in der Beurteilung vom 10. Juni 2021 seine
im Einwandverfahren vorgebrachte Kritik verstanden zu haben schien (Be-
schwerde S. 9).
Der RAD-Arzt Dr. med. H. war in seiner Beurteilung vom 10. Juni 2021 im
Wesentlichen zum Schluss gekommen, eine versicherungsmedizinische
Beurteilung könne noch nicht erfolgen, und hatte empfohlen, die Einwände
des Beschwerdeführers den Gutachtern vorzulegen (VB 132 S. 2). Die Be-
schwerdegegnerin holte daraufhin eine ergänzende Stellungnahme des
neurologischen Gutachters ein (vgl. BGE 136 V 133 E. 5.4 S. 116) und
legte diese wiederum dem RAD-Arzt zur Prüfung vor (VB 135). Dieser be-
fand anschliessend, dass die Feststellungen der Gutachter "sachlich fun-
diert und nachvollziehbar" und deren Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ein-
leuchtend seien; auf das Gutachten könne dementsprechend abgestellt
werden (VB 136 S. 3). Ein Widerspruch in den beiden Stellungnahmen des
RAD-Arztes ist nicht zu sehen, zumal die Beurteilung der Gutachter nach
dem Gesagten vom RAD-Arzt am 13. September 2021 zu Recht als be-
weiskräftig gewertet wurde.
4.4.
4.4.1.
Zusammenfassend sind damit weder den Ausführungen des Beschwerde-
führers (vgl. BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f. mit Hinweis; UELI KIESER,
ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 87 zu Art. 61 ATSG) noch den medi-
zinischen Akten Hinweise zu entnehmen, welche Zweifel an der gutachter-
lichen Beurteilung zu begründen vermögen (Beweisgrad der überwiegen-
den Wahrscheinlichkeit, vgl. BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit Hinweis auf
BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181). Der medizinische Sachverhalt erweist sich
vor diesem Hintergrund als vollständig abgeklärt. Auf weitere Abklärungen,
insbesondere auf die Einholung eines Gerichtsgutachtens (vgl. Be-
schwerde S. 10), wird in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet, da von
- 9 -
solchen keine entscheidrelevanten weiteren Erkenntnisse zu erwarten sind
(vgl. BGE 127 V 491 E. 1b S. 494 mit Hinweisen; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27
E. 4).
4.4.2.
Angesichts der 75%igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers (auch) in
den bisherigen Tätigkeiten hat die Beschwerdegegnerin dessen Rentenan-
spruch zu Recht verneint.
5.
5.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrens-
ausgang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
5.3.
Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61
lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als So-
zialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch
auf Parteientschädigung zu.