Decision ID: 117be157-4bf7-4344-989c-5327299b6cfd
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- R Z, welcher am 27. Februar 1998 verstarb, war Eigentümer des Grundstücks
Nr. 1252 in A, bestehend aus 1'266 m Gebäudegrundfläche, Hofraum und
Umschwung mit dem Mehrfamilienhaus Nr. 1621. Er hinterliess als einzige Erben seine
Ehefrau Q Z und neun Kinder, welche die Erbschaft angetreten und das Grundstück
übernommen haben. Q Z verstarb am 21. April 2009, worauf die Eigentumsverhältnisse
der Liegenschaft neu geregelt worden sind. Die jetzigen Eigentümer des Grundstücks
Nr. 1252 sind X Y-Z, U V-Z und S T-Z sowie P Z und N O-Z.
B.- W und X Y-Z deklarierten für die Steuerperiode 2010 ein steuerbares Einkommen
von Fr. 109'690.--, ohne steuerbares Vermögen, unter Berücksichtigung ihres
Einfamilienhauses in A als einzige Liegenschaft. Sowohl U V-Z (wohnhaft in B FL) als
auch S T-Z (wohnhaft in C FL) gaben im Liegenschaftenformular des Kantons
St. Gallen das Grundstück Nr. 1252 mit einem Steuerwert von Fr. 1'240'688.-- an,
wobei ihnen je ein Anteil von 3/14 zukomme. Zudem deklarierten beide im
Zusammenhang mit dem Grundstück Mietzinse von Fr. 88'157.-- und Unterhalts- und
Verwaltungskosten von Fr. 34'647.--.
Die Veranlagungsbehörde nahm in der Folge beim Ehepaar Y-Z, U V-Z und S T-Z
diverse Korrekturen vor und berücksichtigte insbesondere bei allen im Zusammenhang
mit dem Grundstück Nr. 1252 beim Einkommen die Miet- und Hypothekarzinsen sowie
die Kosten für den Gebäudeunterhalt und beim Vermögen den Steuerwert des
Grundstücks, das Liegenschaftskonto und die Hypothekarschuld jeweils anteilsmässig.
Die gegen die Veranlagungen erhobenen Einsprachen hiess das kantonale Steueramt
am 9. März 2012 teilweise gut.
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.- Gegen die Einspracheentscheide erhoben W und X Y-Z (Beschwerdeführer 1), U V-
Z (Beschwerdeführer 2) und S T-Z (Beschwerdeführer 3) mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 11. April 2012 Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen seien die Einspracheentscheide vom 9. März 2012 aufzuheben
und die Steuerveranlagungen im Sinne der Einsprache vorzunehmen. Die Vorinstanz
beantragte mit Vernehmlassung vom 24. Mai 2012 unter Hinweis auf den
angefochtenen Entscheid die Abweisung der Beschwerde. Die Eidgenössische
Steuerverwaltung hat stillschweigend auf eine Vernehmlassung verzichtet.

Auf die Erwägungen der angefochtenen Einspracheentscheide und die Ausführungen
der Beschwerdeführer wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- a) Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Gemäss Art. 10 Abs.
1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (SR 642.11, abgekürzt: DBG)
wird das Einkommen von Erbengemeinschaften den einzelnen Erben und dasjenige
von einfachen Gesellschaften den einzelnen Teilhabern anteilmässig zugerechnet.
Weder die Erbengemeinschaft noch die einfache Gesellschaft sind somit
Steuersubjekt. Weiter ist jeder Ehegatte in ungetrennter Ehe ein eigenes Steuersubjekt.
Dennoch dürfen sie nicht getrennt veranlagt werden, denn jeder Ehegatte ist für das
gesamte eheliche Vermögen steuerpflichtig (vgl. Art. 9 Abs. 1 DBG). Die in ungetrennter
Ehe lebenden Ehegatten bilden im Veranlagungs- und Rechtsmittelverfahren daher eine
Gemeinschaft. Vorausgesetzt für die gemeinsame Veranlagung von Ehegatten wird,
dass kumulativ beide Ehegatten in der Schweiz kraft persönlicher oder wirtschaftlicher
Zugehörigkeit subjektiv steuerpflichtig sind und in rechtlich und tatsächlich
ungetrennter Ehe leben (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum
DBG, 2. Aufl. 2009, N 2 zu Art. 113 DBG). Die Befugnis der Beschwerdeführer 1, 2 und
3 zur Beschwerdeerhebung ist daher gegeben.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
b) Vorliegend geht es um die Ermittlung des vermögens- und einkommensrechtlichen
Anteils der Beschwerdeführer am Grundstück Nr. 1252. Es rechtfertigt sich daher, aus
Zweckmässigkeitsgründen die Verfahren der Beschwerdeführer in einem einzigen
Verfahren zu vereinigen (vgl. Zweifel/Casanova, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht
- Direkte Steuern, 2008, § 6 N 12).
c) Die Beschwerde vom 11. April 2012 ist rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllt in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 140 Abs. 2
DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS
815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.- In der Beschwerde ist die steuerrechtliche Behandlung des Grundstücks Nr. 1252
umstritten.
a) Die Vorinstanz führt im Einspracheentscheid aus, die Liegenschaft Nr. 1252 befinde
sich als Erbengemeinschaft im Gesamteigentum der Erben, weshalb eine
quotenmässige Aufteilung der Liegenschaftserträge und Aufwendungen vorzunehmen
sei. Betreffend den monatlichen Zahlungen an P Z sei anzunehmen, dass es sich dabei
entweder um Ausgleichszahlungen wegen früherer Erbvorbezüge der Miterben oder um
ein Vermächtnis zulasten des Nachlassvermögens handle. Solche Leistungen seien
jedoch nicht vom Einkommen absetzbar. Da dadurch aber eine
Vermögensschmälerung stattfinde, sei ein anteilsmässiger Schuldenabzug
gerechtfertigt. Weiter begründe die Liegenschaft nicht Geschäfts-, sondern
Privatvermögen, weshalb eine Verlustverrechnung ausgeschlossen sei. Aus dem
gleichen Grund sei auch eine Reservebildung zwecks Erneuerungsfonds nicht möglich.
Ausserdem seien die Veranlagungen des Steuerjahres 2009 rechtskräftig.
Die Beschwerdeführer stellen sich hingegen auf den Standpunkt, die Liegenschaft
Nr. 1252 befinde sich nicht im Gesamt-, sondern im Miteigentum der einzelnen
Steuerpflichtigen. Es liege keine Erbengemeinschaft vor. Es sei vielmehr von einer
einfachen Gesellschaft auszugehen. Es sei ihnen deshalb freigestellt, wie sie den
jährlichen Reingewinn aus der Liegenschaftsverwaltung untereinander aufteilen. Die
vermögens- und ertragsmässigen Anteile der Gesellschafter richteten sich nach der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bilanz der Gesellschaft bzw. nach der Buchhaltung. Ausserdem habe die
Liegenschaftsrechnung im Jahr 2009 aufgrund umfangreicher
Renovationsaufwendungen einen Reinverlust ausgewiesen. Den Steuerpflichtigen sei
die Möglichkeit einzuräumen, eine entsprechende Verlustverrechnung im Jahr 2010
vorzunehmen. Zumindest sei ihnen zu bewilligen, zulasten der Liegenschaftsrechnung
2010 jährliche Rückstellungen von 10 % der Mieteinnahmen zu bilden, um damit einen
Renovationsfonds zu schaffen. Schliesslich seien die Beschwerdeführer erbrechtlich
verpflichtet, aus den Erträgen der Liegenschaft verwandtenunterstützungsmässig P Z
monatlich eine Rente von Fr. 1'200.-- zu bezahlen, bis dieser das 65. Altersjahr erreicht
habe. Da es sich nicht um Erbrückzahlungen handle, sei diese Rentenverpflichtung
zulasten des Liegenschaftsergebnisses zum Abzug zuzulassen.
b) Zunächst ist zu klären, ob das Grundstück Nr. 1252 Gesamt- oder Miteigentum der
Beschwerdeführer darstellt.
aa) Beerben mehrere Erben den Erblasser, so besteht unter ihnen, bis die Erbschaft
geteilt wird, eine Gemeinschaft aller Rechte und Pflichten (Art. 602 Abs. 1 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, abgekürzt: ZGB). Die Erben werden
Gesamteigentümer der Erbschaftsgegenstände und verfügen unter Vorbehalt der
vertraglichen oder gesetzlichen Vertretungs- und Verwaltungsbefugnisse über die
Rechte der Erbschaft gemeinsam (Art. 602 Abs. 2 ZGB). Wird nicht der gesamte
Nachlass geteilt bzw. werden nur einzelne Mitglieder aus der Gemeinschaft entlassen,
spricht man von einer partiellen Erbteilung unter Fortsetzung der Erbengemeinschaft.
Ob eine blosse Fortsetzung der Erbengemeinschaft oder eine Absicht vorliegt, die
Erbengemeinschaft in eine einfache Gesellschaft umzuwandeln, muss durch Auslegung
der getroffenen Vereinbarung bestimmt werden. Die Fortsetzung der
Erbengemeinschaft wird dabei gegenüber der Umwandlung vermutet. Der Übergang
der Erbengemeinschaft in eine andere rechtliche Gemeinschaft bedarf stets einer –
wenn auch bei formlosen Gründungen stillschweigenden – Vereinbarung unter den
Erben (vgl. Th. Weibel, in: Abt/Weibel, Praxiskommentar Erbrecht, 2. Aufl. 2011, N 47 ff.
zu Art. 602 ZGB und N 5 zu Art. 634 ZGB; AJP 10/96 S. 1284).
Der Eintrag des Eigentums im Grundbuch enthält nach Art. 94 Abs. 1 der
Grundbuchverordnung (SR 211.432.1, abgekürzt GBV) unter anderem die Bezeichnung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
des Eigentümers, das Eintragungsdatum und den Erwerbsgrund. Bei Miteigentum wird
der Anteil jedes Miteigentümers durch den entsprechenden Zusatz ("zu 1⁄2", "zu 1⁄3"
usw.) zum Namen jedes Miteigentümers angegeben. Bei Gesamteigentum ist das
Rechtsverhältnis anzugeben, das die Gemeinschaft oder Gesellschaft begründet
(Art. 96 Abs. 1 und 3 GBV). Den Angaben des Grundbuchs kommt die in Art. 9 Abs. 1
ZGB angeordnete verstärkte Beweiskraft zu, d.h. diese Angaben haben die Vermutung
der Richtigkeit für sich. Die Unrichtigkeit der im Grundbuch enthaltenen Angabe über
das zwischen den Gesamteigentümern bestehende Gemeinschaftsverhältnis kann sich
unter anderem daraus ergeben, dass die Gesamteigentümer das zwischen ihnen
bestehende Gesamthandverhältnis nachträglich durch ein anderes Verhältnis ersetzt
haben. Aus Gründen der Rechtssicherheit sind – auch wenn kein Eigentumswechsel
stattfindet – eine öffentlichen Beurkundung und die Eintragung ins Grundbuch nötig.
Entbehrlich ist die öffentliche Beurkundung (nicht aber die Eintragung im Grundbuch)
im Falle, dass auf dem Wege der Erbteilung Gesamteigentum in Miteigentum
umgewandelt wird (vgl. BGE 96 II 325 E. 6 lit. b und c).
bb) Im Mai 2010 meldeten die Beschwerdeführer sowie die übrigen zu diesem
Zeitpunkt am
Grundstück berechtigten Eigentümer die Abtretung der Erbteile an die Miterben an. Im
Vertrag wurde dabei unter "Weitere Vertragsbestimmungen" festgehalten, dass das
Eigentum am Grundstück Nr. 1252 neu auf "Z R, Erbengemeinschaft (...)
Gesamteigentum" laute, worauf die einzelnen Eigentümer aufgezählt und in Klammern
jeweils ihr Quotenanspruch aufgeführt wurde. In der entsprechenden
Handänderungsanzeige vom 25. Mai 2010 wird als Eigentumsverhältnis
Gesamteigentum angegeben, ohne Aufzählung der auf die einzelnen Eigentümer
entfallenden Quoten. Aufgrund der erhöhten Glaubwürdigkeit des Grundbuches ist
daher davon auszugehen, dass das Grundstück Nr. 1252 im Gesamteigentum der
Beschwerdeführer sowie von P Z und N O-Z steht. Stünde die Liegenschaft im
Miteigentum, hätte eine Anpassung des Grundbucheintrags erfolgen müssen.
Ausserdem konnten die Beschwerdeführer keine Belege vorlegen, welche das
Gegenteil beweisen würden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass sich kein anderes Ergebnis
ergäbe, wenn von einer einfachen Gesellschaft auszugehen wäre. Denn bei dieser
besteht die gesetzliche Vermutung, dass das Gesellschaftsvermögen im
Gesamteigentum der beteiligten Gesellschafter steht (vgl. Art. 544 Abs. 1 des
Obligationenrechts, SR 220, abgekürzt: OR). Zwar können die Gesellschafter von der
Vermutung der Gesamthandschaft abweichen und – im Gesellschaftsvertrag – an ihrer
Stelle Miteigentum vereinbaren (vgl. J. Wichtermann, in: Honsell/Vogt/Geiser,
Zivilgesetzbuch II, 4. Aufl. 2011, N 24 zu Art. 652 ZGB). Aber auch hier muss die
Umwandlung von Gesamt- in Miteigentum zwingend im Grundbuch eingetragen
werden (vgl. H. Laim, in: Honsell/Vogt/Geiser, a.a.O., N 27 zu Art. 656 ZGB).
cc) Zusammenfassend ist damit im Folgenden davon auszugehen, dass das
Grundstück Nr. 1252 im Gesamteigentum der Beschwerdeführer und zwei weiterer
Eigentümer steht.
c) Nach Art. 10 Abs. 1 DBG werden Einkommen und Vermögen der Erbengemeinschaft
den einzelnen Erben nach deren Berechtigung an der Erbengemeinschaft anteilsmässig
zugerechnet. Diese Regelung ist zwingend und kann nicht durch anders lautende
Abmachungen der Erben geändert werden. Die Berechtigung an der Erbschaft (Quoten)
ergibt sich in der Regel aus der letztwilligen Verfügung und bei deren Fehlen aus der
gesetzlichen Erbfolge. Weichen die Erbberechtigten in einem späteren
Erbteilungsvertrag von den testamentarischen oder gesetzlichen Anteilen ab, so richtet
sich die Besteuerung bis zum Teilungszeitpunkt grundsätzlich nach der
testamentarischen oder gesetzlichen und nicht nach der vertraglichen Berechtigung
(vgl. Schorno/Ursprung, in: Klöti-Weber/Siegrist/Weber, Kommentar zum Aargauer
Steuergesetz, Band 1, 3. Aufl. 2009, N 5 und 7 zum inhaltlich gleichlautenden § 10
[Abs. 1]). Das Steuergesetz geht dabei über die Tatsache hinweg, dass es bei
Gesamteigentum streng genommen keine Anteile gibt, indem sich das Recht eines
jeden auf die ganze Sache richtet. Die Besteuerung nach Anteilen verhindert jedoch,
dass derselbe Vermögensgegenstand mehrfach erfasst wird (vgl. GVP 1986 Nr. 31;
Wichtermann, a.a.O., N 43 zu Art. 652 ZGB; Haab/Simonius/Scherrer/Zobl, Zürcher
Kommentar, Bd. IV/1, 1977, N 40 zu Art. 652-654 ZGB).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aa) Jeder Erbe kann seinen Erbanteil veräussern (vgl. Art. 635 ZGB). Dabei erwirbt der
Zessionar des Erbanteils, der bereits Miterbe ist, nicht bloss einen Anspruch auf das
Teilungsergebnis, sondern tritt in die Stellung des Zedenten ein, der seinerseits aus der
Erbengemeinschaft ausscheidet (Tuor/Schnyder/Schmid/Rumo-Jungo, Das
schweizerische Zivilgesetzbuch, 13. Aufl. 2009, § 85 N 9 und 14). Mit Vertrag vom
19. Mai 2010 traten zwei der sieben Miterben ihren Erbanteil an der Erbengemeinschaft
zu gleichen Teilen an die Beschwerdeführer 1, 2 und 3 sowie an N O-Z ab. Zuvor waren
die Miterben zu je einem Siebtel an der Erbschaft beteiligt. Durch die Abtretung
wuchsen der Erbanteil der in der Erbengemeinschaft verbleibenden Beschwerdeführer
und derjenige von N O-Z auf drei Vierzehntel an. Der Quotenanspruch von P Z verblieb
bei einem Siebtel.
bb) Gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. a DBG sind alle Einkünfte aus Vermietung, Verpachtung,
Nutzniessung oder sonstiger Nutzung steuerbar. Die Mietzinseinnahmen belaufen sich
aufgrund der Erfolgsrechnung im Jahr 2010 auf Fr. 132'907.-- (Fr. 44'060.-- bis Mai
2010, Fr. 88'847.-- ab Juni 2010), welche beim Einkommen der Beschwerdeführer
anteilsmässig aufzurechnen sind. Bis Mai 2010 waren die Beschwerdeführer zu je
einem Siebtel, d.h. mit Fr. 6'294.-- an den Einnahmen beteiligt. Ab Juni 2010 beträgt
der Anteil sodann Fr. 19'038.--. Insgesamt sind folglich bei allen Beschwerdeführern
beim Einkommen anstelle von Fr. 24'063.-- jeweils Fr. 25'332.-- aufzurechnen.
Als Gesamteigentümer der Erbschaftsgegenstände können die Mitglieder der
Erbengemeinschaft nur gemeinsam über die Rechte der Erbschaft verfügen (vgl.
Art. 602 Abs. 2 ZGB). Die gemeinsame Wahrnehmung der Verfügungs- und
Verwaltungsbefugnisse durch sämtliche Erben erheischt grundsätzlich stets
Einstimmigkeit. Sämtliche Rechtsgeschäfte, aber auch jedes faktische Handeln, das
Erbschaftsgegenstände betrifft, bedürfen einer Einigung sowie des gemeinsamen
Vorgehens sämtlicher Erben. Das Einstimmigkeitserfordernis kann nicht durch
erblasserische Verfügung wegbedungen werden (vgl. Weibel, a.a.O., N 21 und 23 zu
Art. 602 ZGB). Die Mutter der Geschwister Z konnte daher in ihrem Testament
gegenüber den übrigen Mitgliedern der Erbengemeinschaft keine verbindlichen
Auflagen treffen oder Vermächtnisse ausrichten, weshalb dem Standpunkt der
Vorinstanz, wonach es sich bei den monatlichen Zahlungen an P Z von Fr. 1'200.-- um
Ausgleichszahlungen aufgrund früherer Erbvorbezüge oder um ein Vermächtnis zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Lasten des Nachlassvermögens handelt, nicht gefolgt werden kann. Die
Beschwerdeführer kamen jedoch freiwillig dem Willen ihrer Mutter nach. Eine
Gewinnverteilungsregelung im Sinn von Art. 533 Abs. 1 OR liegt dabei nicht vor, da –
wie bereits ausgeführt – die Beschwerdeführer eine Erbengemeinschaft und nicht eine
einfache Gesellschaft bilden. Unter welchem Titel die Zuwendungen an P Z zu
subsumieren sind, kann schliesslich offen bleiben, da lediglich die in Art. 33 und 33a
DBG aufgezählten allgemeinen Abzüge von den Einkünften abgezogen werden können.
Insbesondere berechtigen Leistungen in Erfüllung anderer familienrechtlicher
Unterhalts- oder Unterstützungspflichten nicht zum Abzug (Art. 33 Abs. 1 lit. c letzter
Satzteil DBG). Ob allenfalls bei der Vermögensbesteuerung ein Abzug vorzunehmen ist,
ist im Rekursverfahren betreffend Kantons- und Gemeindesteuern zu prüfen (vgl.
VRKE-I/1-2012/78).
Schliesslich kann weder eine Verrechnung des Verlustes aus dem Jahr 2009
berücksichtigt noch ein Abzug für Reservebildung "Erneuerungsfonds" von 10 % der
Mieteinnahmen für das Jahr 2010 gewährt werden, da es sich vorliegend um Vermögen
einer Erbengemeinschaft und dementsprechend nicht um Geschäftsvermögen handelt.
cc) Das Total der Einnahmen ist unbestrittenermassen um die Hypothekarzinsen zu
reduzieren (vgl. Art. 33 Abs. 1 lit. a DBG). Hinsichtlich der Zinsfälligkeit ging die
Vorinstanz mangels Angaben von einer halbjährlichen Zinspflicht aus. Obwohl im Jahr
2009 eine vierteljährliche Zinspflicht (16. Januar, 27. April, 27. Juli und 26. Oktober
2009) bestand, kann diese nicht für das Jahr 2010 übernommen werden. Aufgrund der
Akten scheint die Laufzeit der damaligen Hypothek bis 30. April 2009 befristet gewesen
zu sein, weshalb für das Jahr 2010 zugunsten der Beschwerdeführer von einer
halbjährlichen Zinspflicht auszugehen ist. Der abzugsfähige Betrag beträgt demnach je
Fr. 1'379.--.
An Liegenschaftsunterhalt fielen im Jahr 2010 Kosten im Umfang von insgesamt
Fr. 39'549.-- an, welche nach Art. 32 Abs. 2 DBG abgezogen werden können. Auch
hier sind die Aufwendungen anteilsmässig auf die Beschwerdeführer zu verlegen. Bis
Mai 2010 beliefen sich die Unterhaltskosten auf Fr. 18'268.-- bzw. auf je Fr. 2'610.--.
Danach beträgt die Quote der Beschwerdeführer drei Vierzehntel von Fr. 21'281.--,
mithin Fr. 4'560.--. Zu berücksichtigen sind somit jeweils total Fr. 7'170.--.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
d) Zusammenfassend ergäbe sich für die Beschwerdeführer 1 unter Berücksichtigung
der korrigierten Mietzinserträge von Fr. 25'332.--, der Hypothekarzinsen von
Fr. 1'379.-- und der Unterhaltskosten für die Liegenschaft Nr. 1252 von Fr. 7'170.-- ein
steuerbares Einkommen für 2010 von Fr. 113'700.--. Die Beschwerdeführerin 2 wäre
für die direkte Bundessteuer 2010 mit einem satzbestimmenden Einkommen von
Fr. 150'700.-- zu veranlagen und die Beschwerdeführerin 3 mit einem solchen von
Fr. 148'900.--. Aufgrund der geringen Differenz rechtfertigt sich jedoch eine reformatio
in peius nicht.
Die Beschwerden sind daher abzuweisen. Die Angelegenheit ist betreffend den
Beschwerdeführerinnen 2 und 3 zu neuer Steuerausscheidung mit dem Fürstentum
Liechtenstein an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Verfahrens den
Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 900.-- ist angemessen (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG i.V.m. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 900.-- ist zu
verrechnen.