Decision ID: f711fc1a-d489-50c0-91f1-826bdbb85418
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ leidet an einer angeborenen hochgradigen Sehstörung (septooptische
Dysplasie mit okulärem Nystagmus und sekundärem Strabismus convergens rechts mit
Schielamblyopie rechts, Astigmatismus myopicus simplex beidseits;
Geburtsgebrechen [GG] Ziff. 423) sowie an einem Wachstumshormon- und ACTH-
Mangel (GG Ziff. 462; IV-act. 45-3, 186-5, 254). Im September 2005 wurde er von
seinem Vater erstmals zum Bezug einer Hilflosenentschädigung angemeldet (IV-act.
49). Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen wies das Gesuch mit der Begründung, dass
der Versicherte im Vergleich zu einem gleichaltrigen, nicht behinderten Kind lediglich in
der Lebensverrichtung Essen regelmässige und erhebliche Hilfe benötige, ab
(Verfügung vom 28. Februar 2006, IV-act. 68). Im Juni/Juli 2008 reichten die Eltern des
Versicherten die nächste Anmeldung zum Bezug einer Hilflosenentschädigung ein (IV-
act. 83). Mit Verfügung vom 6. Februar 2009 (IV-act. 122) sprach die IV-Stelle dem
Versicherten ab 1. Juli 2007 eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades zu. Zur
Begründung hielt sie fest, dass der Versicherte im Vergleich zu einem gleichaltrigen,
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nicht behinderten Kind in den Lebensverrichtungen An- und Auskleiden, Essen,
Verrichtung der Notdurft und Fortbewegung auf regelmässige und erhebliche Hilfe
angewiesen sei. Die Hilflosigkeit bei der Körperpflege und die
Überwachungsbedürftigkeit könnten frühestens nach der Vollendung des 6.
Altersjahres geprüft werden.
A.b Nachdem der Versicherte im August 2009 das 6. Altersjahr vollendet hatte, leitete
die IV-Stelle im November 2009 ein Revisionsverfahren ein (IV-act. 130, 134). Die
Abklärungsperson der IV-Stelle hielt im Bericht vom 28. September 2010 über eine
Abklärung an Ort und Stelle vom 18. August 2010 (IV-act. 148, 150) fest, dass der
Versicherte hauptsächlich aufgrund seiner Sehbehinderung auf Hilfe angewiesen sei.
Nebst einer Essstörung bestünden keine körperlichen oder geistigen Einschränkungen,
welche die Selbständigkeit in den einzelnen Verrichtungen beeinträchtigten. Die
Abklärungsperson kam zum Schluss, dass weiterhin eine mittelschwere Hilflosigkeit
bestehe; der Versicherte sei in den Verrichtungen Fortbewegung und Essen hilflos und
bedürfe einer ständigen persönlichen Überwachung. Am 7. Oktober 2010 teilte die IV-
Stelle dem Versicherten mit, dass er weiterhin Anspruch auf die bisherige
Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit habe (IV-act. 152).
A.c Am 8. August 2012 leitete die IV-Stelle das nächste Revisionsverfahren ein (IV-act.
178). Der Vater des Versicherten gab im Fragebogen vom 20. August 2012 an (IV-act.
179), dass der Gesundheitszustand des Versicherten gleich geblieben sei. Am 27.
Februar 2013 fand erneut eine Abklärung an Ort und Stelle statt (Bericht vom 5. April
2013, IV-act. 199). Die Abklärungsperson hielt fest, dass der Versicherte beim An- und
Auskleiden (Schuhe schnüren, Reissverschlüsse bedienen, Gürtel schliessen/öffnen,
Innen- und Aussenseite von Kleidungsstücken erkennen, Kleider im Schrank finden,
Brille putzen) und bei der Körperpflege (Fingernägel schneiden, Kontrolle, ob
Duschmittel/ Shampoo vollständig ausgespült ist) auf Hilfe angewiesen sei. Da die
Hilfestellungen auf die Sehbehinderung zurückzuführen seien, würden sie im Rahmen
des "Sonderfalls" berücksichtigt. Im Bereich "Essen" sei der Versicherte nicht als hilflos
zu betrachten, da es Sehbehinderten grundsätzlich möglich sei, den korrekten Umgang
mit Messer und Gabel zu erlernen. Dass der Versicherte für das Einnehmen der
Mahlzeiten lange benötige, hänge teilweise mit seiner Sehbehinderung bzw. der bisher
fehlenden Schulung im Umgang mit Messer und Gabel zusammen; dies werde im
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Rahmen des Sonderfalls berücksichtigt. Ein erhöhter Zeitaufwand bei einzelnen
Verrichtungen sei grundsätzlich nicht als Hilflosigkeit zu werten und könne deshalb
nicht berücksichtigt werden. Die Überwachungsbedürftigkeit sei weiterhin
ausgewiesen. Die Abklärungsperson beantragte, die Hilflosenentschädigung auf eine
Entschädigung im Sonderfall (leichte Hilflosigkeit) zu reduzieren.
A.d Mit Vorbescheid vom 8. April 2013 (IV-act. 202) kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten an, dass er ab 1. Juli 2013 lediglich noch einen Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung leichten Grades im Sonderfall haben werde. Zur Begründung
hielt sie fest, dass der Versicherte wegen seiner Sehbehinderung auf kleinere
Hilfestellungen in den Alltagsverrichtungen angewiesen sei. Diese Hilfeleistungen
könnten aber nicht als erheblich und regelmässig betrachtet werden, weshalb sie keine
Hilflosigkeit begründeten. Der Versicherte benötige jedoch regelmässige und
erhebliche Hilfe bei der Pflege von gesellschaftlichen Kontakten und er müsse
persönlich überwacht werden. Der zeitliche Mehraufwand liege bei zwei Stunden und
24 Minuten pro Tag. Dagegen liess der Rechtsvertreter des Versicherten am 13. Mai
2013 einwenden (IV-act. 203), dass sich der Sonderfall Sehbehinderung ausdrücklich
nicht auf die anderen fünf Lebensverrichtungen beziehe. Die IV-Stelle hätte also auch
prüfen müssen, ob in den einzelnen Lebensverrichtungen wegen der Sehbehinderung
eine erhebliche Hilfe notwendig sei. Der Versicherte sei in den Bereichen An- und
Auskleiden, Essen, Körperpflege und Notdurft auf erhebliche Hilfe angewiesen. Er
erfülle somit weiterhin die Voraussetzungen für eine Entschädigung wegen einer
Hilflosigkeit mittleren Grades.
A.e Die Lehrerin des Versicherten teilte der IV-Stelle am 5. Juni 2013 telefonisch mit
(IV-act. 209), dass der Versicherte noch keine Schnürsenkel binden könne. Beim Essen
würden den Unterstufenkindern lediglich ganz grosse und harte Fleischstücke
zerkleinert. Der Versicherte sei etwas heikel, was die Speisen angehe. Dies habe aber
bestimmt nichts mit seiner Sehverminderung zu tun. Am 5. Juli 2013 teilte die IV-Stelle
dem Rechtsvertreter des Versicherten mit (IV-act. 217), dass der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung wegen der erhobenen Einwände noch einmal geprüft worden
sei. Gemäss den Abklärungen lägen trotz gewisser Fortschritte keine Änderungen vor,
welche den bisherigen Anspruch beeinflussen würden. Der Versicherte habe deshalb
weiterhin Anspruch auf die bisherige Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit. Die
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nächste Revision finde per 1. Januar 2015 statt. Es könne davon ausgegangen werden,
dass der Versicherte inskünftig in den alltäglichen Verrichtungen An- und Auskleiden
und Körperpflege eine Eigenständigkeit erlangen werden.
B.
B.a Am 3. Februar 2015 leitete die IV-Stelle das nächste Revisionsverfahren ein (IV-
act. 242). Der Vater gab im Fragebogen vom 22. Februar 2015 an (IV-act. 243), dass
der Gesundheitszustand des Versicherten gleich geblieben sei. Der Versicherte sei in
allen sechs Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf Hilfe
angewiesen. Zudem benötige er tagsüber und nachts dauernde medizinisch-
pflegerische Hilfe und persönliche Überwachung. Dr. med. B._, Spezialarzt FMH für
Pädiatrie, berichtete der IV-Stelle am 10. Juni 2015 (IV-act. 152-5), dass der Versicherte
trotz seiner schweren Krankheit in den letzten Jahren stabil geblieben sei und sich
normal entwickelt habe. In den alltäglichen Lebensverrichtungen sei er teilweise
selbständig, durch die fast komplette Blindheit aber stark handicapiert. Wie die Eltern
ausgeführt hätten, benötige er zu Hause bei der Kleiderwahl und beim Anziehen Hilfe.
Zudem müsse er auf auswärtigen Toiletten begleitet werden.
B.b Am 30. September 2015 fand eine weitere Abklärung an Ort und Stelle statt
(Bericht vom 18. November 2015, IV-act. 259). Der 12-jährige Versicherte war zum
Erstaunen der Abklärungsperson nicht anwesend. Die Abklärungsperson merkte an,
dass sie den Versicherten gerne selber gesehen hätte, um einen eigenen Eindruck von
ihm zu erhalten und ihn selber zum einen oder anderen zu befragen. Unter den
"Allgemeinen Angaben" hielt sie fest, dass dem Versicherten wenig Zeit für
Freizeitbeschäftigungen und für blindenspezifische Förderungsmassnahmen (O+M-
Training, Braillezeilenschulung) bleibe, weil er viel Zeit für die Bewältigung des
Schulstoffs aufwenden müsse. Wegen des ausgefüllten Schulalltags in der nicht
blindenspezifischen Schule fehle dem Versicherten die Energie, um
Kompensationsstrategien für den Alltag entwickeln zu können. So sei es ihm bis heute
nicht möglich, die Schuhe selber zu binden. Das O+M-Training werde nur dann
durchgeführt, wenn ein Weg ganz gezielt eingeübt werden solle. Den Schulweg könne
der Versicherte noch nicht alleine bewältigen. Bezüglich der Hilflosigkeit in den
einzelnen Verrichtungen gaben die Eltern an, dass die Mutter die Kleider täglich in der
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richtigen Reihenfolge bereitlege. Sie richte auch die Ersatzkleidung für die Schule. Der
Versicherte könne die Kleider selber nicht verlässlich aus dem Schrank nehmen. Die
gerichteten Kleider könne er in aller Regel selber anziehen. Ein Kontrollblick, ob er alles
richtig angezogen habe, sei aber nötig. Bei einzelnen Kleidungsstücken, z.B. beim
Anziehen der Socken und dem Binden der Schuhe, sei der Versicherte weiterhin auf
Hilfe angewiesen. Bezüglich des Essens hielten die Eltern fest, dass der Versicherte die
Gabel und das Messer nicht zielgerichtet führen könne, da er nicht sehe, wo er die
Gabel einstechen und wo er schneiden müsse. Er benötige mehr Zeit zum Essen als
andere Kinder seines Alters. Es müsse ihm erklärt werden, was es zu Essen gebe.
Zudem benötige er bei der Nahrungsaufnahme regelmässig eine motivierende
Unterstützung. Auch bei der Zahnreinigung werde dem Versicherten weiterhin
geholfen. Die Zahnpaste werde auf die Zahnbürste gegeben. Die Endreinigung
übernehme oft die Mutter. Der Versicherte könne das Duschmittel selber nicht
verlässlich dosieren. Zudem müsse überprüft werden, ob er gut abgeduscht sei. Nach
dem Schulsport dusche der Versicherte selbständig, wobei er dabei wohl kein
Duschmittel einsetze. An Orten, wo er sich bestens auskenne, sei es dem Versicherten
in der Regel möglich, selber auf die Toilette zu gehen. Die Reinigung übernehme er
selbständig, obschon ihm eine gründliche Reinigung nicht immer gelinge. Auch die
Endreinigung der WC-Schüssel sei schwierig für ihn, weil er nicht sehe, ob eine
Notwendigkeit dafür bestehe. Auf fremden Toiletten müsse vorab die Sauberkeit
geprüft und dem Versicherten gezeigt werden, wo sich das Toilettenpapier und die
Seife befänden und wie der Wasserhahn funktioniere etc. Bei der Fortbewegung im
Freien werde der Versicherte in aller Regel weiterhin begleitet. Er könne sich im Freien
nicht selbständig bewegen und erst wenige einstudierte Wege mit dem
Blindenlangstock gehen. Für die Pflege gesellschaftlicher Kontakte sei er auf
Begleitung angewiesen, da er den Blindenlangstock nicht verlässlich einsetzen könne.
Weiter müssten die Eltern dem Versicherten täglich eine Hormonspritze sowie
Kortisontabletten verabreichen. Der Versicherte benötige auch eine ständige
persönliche Überwachung. Zwar könne er sich in der Wohnung schon eine Zeit alleine
beschäftigen oder Hausaufgaben erledigen; er müsse aber wissen, dass er nicht alleine
zu Hause sei. Die Eltern zeigten sich mit dem Inhalt des Gesprächsprotokolls nicht
vollständig einverstanden: Sie merkten an, dass der Versicherte die
blindenspezifischen Fördermassnahmen absolviere. Es könne nicht gesagt werden,
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dass ihm wegen des ausgefüllten Schulalltags die Energie fehle, um
Kompensationsstrategien für den Alltag zu entwickeln. Beim Ankleiden sei er teilweise
auf Hilfe angewiesen. Zudem müsse ihm die Brille geputzt werden. Teilweise müsse
ihm die Nahrung zerkleinert und zum Mund geführt werden. Auch beim Waschen und
Baden/Duschen sei der Versicherte auf Hilfe angewiesen. Ausserdem müssten ihm die
Fingernägel geschnitten werden. Weiter benötige der Versicherte Hilfe bei der
Körperreinigung/Überprüfung der Reinlichkeit nach dem Verrichten der Notdurft. Die
Eltern hielten abschliessend fest, dass sie den von der Abklärungsperson aufgeführten
Mehraufwand als sehr gering erachteten. Der Aufwand habe sich seit der letzten
Abklärung vergrössert; der Versicherte benötige noch mehr Begleitung und Hilfe. Die
Abklärungsperson notierte abschliessend, dass der Versicherte gemäss den Eltern "da
und dort" noch Unterstützung benötige. Da er bereits 12 Jahre alt sei, könne man
davon ausgehen, dass er sich Kompensationsstrategien hätte erarbeiten können.
Gemäss den Eltern fehle im schulischen Stress die Zeit, um andere Dinge (alltägliche
Sachen) zu erlernen. Wäre der Versicherte in einer spezifischen Blindenschule, könnte
er die Schuhe womöglich selber binden. Ihres Erachtens (siehe auch letzte Abklärung)
sei nur ein Anspruch im Sonderfall infolge der hochgradigen Sehschwäche
ausgewiesen.
B.c Anlässlich eines telefonischen Gesprächs vom 1. Dezember 2015 erklärte die
Lehrerin des Versicherten gegenüber der Abklärungsperson der IV-Stelle (IV-act. 260),
dass sich der Versicherte beim Schulsport − allenfalls mal dank Handreichungen von
Mitschülern − selbständig umziehen könne. Am Mittagstisch benötige er jeweils sehr
lange. Zum Essen setze er das Besteck jedoch sinngemäss ein. Bei Bedarf leisteten die
Praktikanten Hilfestellung. Letzteres gelte auch für die Zahnreinigung nach dem
Mittagessen. Der Versicherte suche die Toilette selbständig auf. Diesbezüglich
bestünden keine speziellen Abmachungen oder eine Begleitung. Die Mutter bringe den
Versicherten oft zur Schule und hole ihn wieder ab. Nach einem Klassenlager und nach
einem Tagesausflug habe er den Nachhauseweg vom Bahnhof aber auch schon selber
gemeistert.
B.d Mit Vorbescheid vom 7. Dezember 2015 (IV-act. 262) stellte die IV-Stelle dem
Versicherten in Aussicht, dass er ab dem 1. April 2016 lediglich noch Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung leichten Grades im Sonderfall habe. Zur Begründung hielt sie
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fest, bei der Abklärung an Ort und Stelle sei oft erwähnt worden, dass der Versicherte
wegen der schulischen Belastung keine Zeit für andere Aktivitäten (Freizeit,
Förderunterricht) habe. Dass ihm die Eltern die Brille reinigten und die Fingernägel
schnitten, sei vorliegend nicht von Relevanz. Die Rückfrage bei der Schule habe
ergeben, dass der Versicherte sehr wohl selbständig unterwegs sein könne. In der
Gesamtschau habe der Versicherte eine grössere Selbständigkeit erlangt. Er benötige
lediglich noch in den Bereichen Fortbewegung und Pflege gesellschaftlicher Kontakte
vermehrte Unterstützung. Dagegen liess der Versicherte am 25. Januar 2016 durch
seinen Rechtsvertreter einwenden (IV-act. 266), dass die IV-Stelle die gleichen
Argumente angeführt habe wie im Vorbescheid vom 8. April 2013. Der Vorbescheid sei
damals korrigiert worden. Das aktuelle Revisionsverfahren habe erneut ergeben, dass
keine wesentlichen Veränderungen bezüglich der Hilflosigkeit eingetreten seien. Dr.
B._ habe bestätigt, dass der Versicherte zu Hause immer noch Hilfe bei der
Kleiderwahl und beim Anziehen sowie beim Besuch von auswärtigen Toiletten
benötige. Vor allem die Bereiche An- und Auskleiden, Körperpflege und Fortbewegung
fänden nur zu einem sehr kleinen Teil in der Schule statt, weshalb die Lehrerin die
Hilflosigkeit in diesen Verrichtungen nur teilweise beurteilen könne. Weil in der Schule
die richtige Reinigung nach der Verrichtung der Notdurft in der Regel nicht kontrolliert
werde, seien die diesbezüglichen Aussagen der Lehrerin ebenfalls wenig
aussagekräftig. Da der Versicherte zumindest in den Bereichen An- und Auskleiden
sowie beim Verrichten der Notdurft, möglicherweise aber auch in den Bereichen Essen
und Körperpflege, auf erhebliche Hilfe angewiesen sei, stehe ihm weiterhin eine
Hilflosenentschädigung mittleren Grades zu.
B.e Eine telefonische Rückfrage beim C._ der D._ vom 23. Februar 2016 ergab (IV-
act. 268), dass dieser den Versicherten seit Mai 2015 einmal wöchentlich treffe. In der
Schule arbeite der Versicherte ausschliesslich visuell. Er nutze den Blindenlangstock
täglich und könne bekannte Wege inzwischen selber meistern. Den Schulweg habe er
dank des E._ einstudiert. Er habe schöne Fortschritte erreichen können. Kognitiv
bestünden keine Beeinträchtigungen. Der C._ befürwortete den möglichen Übertritt
ins Untergymnasium.
B.f Dr. med. F._ vom RAD notierte am 6. April 2016 (IV-act. 269), dass die
medizinischen Zusprachekriterien für eine Hilflosenentschädigung im Sonderfall wegen
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einer hochgradigen Sehschwäche klar ausgewiesen seien. Darüber hinaus zeige der
Versicherte offenbar eine weitgehend altersentsprechende "normale" körperliche und
kognitive Entwicklung. Er besuche seit dem Kindergarten eine zweisprachige
Privattagesschule und sei mit individuellen Hilfsmitteln und vermehrtem Zeitaufwand in
der Lage, den Schulstoff wie die nichtbehinderten Klassenkameraden zu bewältigen.
Aus versicherungsmedizinischer Sicht erscheine es möglich und zumutbar, dass der
inzwischen 12.5-jährige, normal intelligente Versicherte trotz seiner Sehbehinderung
unter Benützung blindenspezifischer Förderungsmassnahmen alltägliche Verrichtungen
wie z.B. das Ankleiden, insbesondere auch das Anziehen von Socken, das Schuhe
binden, das Benützen von Besteck und das Verrichten der Notdurft weitgehend
selbständig ohne regelmässige und erhebliche Dritthilfe bewerkstellige. Gelegentlich
erforderliche Hilfestellungen wie die Auswahl geeigneter Kleider oder die anfängliche
Begleitung bei unvertrauten neuen Wegstrecken stellten keine regelmässige und
erhebliche Dritthilfe dar.
B.g Am 12. April 2016 (IV-act. 271) verfügte die IV-Stelle im Sinne des Vorbescheides,
dass der Versicherte per 1. Juni 2016 lediglich noch Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung leichten Grades im Sonderfall habe. Zum Einwand hielt sie fest,
dass der Versicherte die Anwendung von geeigneten Hilfsmitteln und im Zuge der
Schadenminderungspflicht bei zunehmendem Alter Kompensationsstrategien erlernen
könne. Zudem gab sie die Stellungnahme des RAD vom 6. April 2016 wieder.
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
18. Mai 2016 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Auf¬hebung der Verfügung und die Weiterausrichtung einer Hilflosenentschädigung
mittleren Grades. Er machte geltend, dass eine Verbesserung der Selbständigkeit in
den einzelnen Lebensverrichtungen nicht ausreichend dokumentiert sei. Die IV-Stelle
(Beschwerdegegnerin) habe sich für die Verbesserung der Selbständigkeit
ausschliesslich auf die Aussagen der Schule bezogen. Diese würden bestritten. Am 15.
Juni 2016 brachte er ergänzend vor (act. G 3), im Abklärungsbericht sei aufgeführt
worden, dass keine wesentlichen Veränderungen bezüglich der Hilflosigkeit eingetreten
seien. Zudem sei unberücksichtigt geblieben, dass sich der Beschwerdeführer in der
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Schule anders verhalte und die dortige Überprüfung der verschiedenen
Lebensverrichtungen weitaus distanzierter vorgenommen werde als zuhause.
Insbesondere in den Bereichen Essen und Verrichten der Notdurft erfolge in der Schule
keine aktive Überprüfung. Da der Beschwerdeführer neben dem Sonderfall
Sehbehinderung nach wie vor in mindestens zwei zusätzlichen Lebensverrichtungen
eingeschränkt sei, habe er weiterhin Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung
mittleren Grades. Grundsätzlich sei auch eine Überwachungsbedürftigkeit
ausgewiesen. Selbst wenn die Hilflosigkeit in den einzelnen Lebensverrichtungen
verneint würde, hätte der Beschwerdeführer in Kombination mit dem Sonderfall
Sehbehinderung einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades. Die
Aufzählungen in der Verordnung hätten keinen abschliessenden Charakter, weshalb
eine solche Kombination möglich sein müsse. Die Zumutbarkeit setze sowohl der
Schadenminderungspflicht wie auch der Mitwirkungspflicht Grenzen. Der Umstand,
dass der Beschwerdeführer mit zunehmendem Alter Kompensationsstrategien erlernen
könne, reiche nicht aus, um eine Schadenminderungspflicht anzunehmen.
C.b Die zuständige Sachbearbeiterin des Fachbereichs Hilflosenentschädigung notierte
am 19. Juli 2016 (IV-act. 283), dass es dem Beschwerdeführer trotz des grossen
schulischen Aufwandes möglich sein sollte, die Selbständigkeit in den Verrichtungen
massiv zu steigern. Ihrer Meinung nach sei die Aufzählung in Art. 37 Abs. 2 IVV
abschliessend, d.h. die Kombination des Sonderfalls und der Überwachung ergebe
nicht eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades.
C.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 6. September 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie aus, die an der Tagesschule
gemachten Erfahrungen zeigten, dass es dem Beschwerdeführer möglich sei, die
erlernten Kompensationsstrategien weiter zu entwickeln und zu verfeinern. Der Bericht
von Dr. B._ vom 10. Juni 2015, in welchem im Übrigen ausschliesslich auf die
Angaben der Eltern Bezug genommen werde, stehe den Ausführungen des RAD vom
6. April 2016 nicht entgegen.
C.d Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete auf eine Replik (act. G 7).

Erwägungen
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1.
Eine formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung wird von Amtes wegen oder
auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde
liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat (Art. 17 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR
830.1). Der Beschwerdeführer bezieht seit dem 1. Juli 2007 eine
Hilflosenentschädigung mittleren Grades. Mit den Mitteilungen vom 7. Oktober 2010
und vom 5. Juli 2013 hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch des
Beschwerdeführers unverändert bestätigt. Mit der angefochtenen Revisionsverfügung
vom 12. April 2016 hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eröffnet, dass
ihm ab dem 1. Juni 2016 lediglich noch eine Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit
leichten Grades im Sonderfall zustehe. Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob die
Beschwerdegegnerin die Hilflosenentschädigung zu Recht herabgesetzt hat. Da die
Anspruchsberechtigung des Beschwerdeführers zuletzt im Jahr 2012/2013 materiell
überprüft worden ist, ist zu klären, ob sich der Sachverhalt zwischen dem 5. Juli 2013
(Datum der Mitteilung, IV-act. 217) und dem 12. April 2016 anspruchsrelevant verändert
hat.
2.
2.1 Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos
sind, haben nach Art. 42 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Als
hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 ATSG). Die massgebenden alltäglichen Lebensverrichtungen betreffen
sechs Bereiche: Ankleiden/Auskleiden, Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Essen,
Körperpflege, Verrichten der Notdurft und Fortbewegung (Rz. 8010 des
Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH,
Stand 1. März 2016). Für die Hilfsbedürftigkeit in einer Lebensverrichtung mit mehreren
Teilfunktionen genügt es, wenn die versicherte Person bei einer dieser Teilfunktionen
regelmässig in erheblicher Weise auf Hilfe angewiesen ist (vgl. Rz. 8011 KSIH).
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2.2 Gemäss Art. 42 Abs. 2 IVG ist zu unterschieden zwischen schwerer,
mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit. Bei Minderjährigen gilt die Hilflosigkeit als
mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den
meisten (mindestens vier; siehe Rz. 8009 KSIH) alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a) oder in
mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise
auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen
Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 2 lit. a und b IVV; lit. c gilt nur für volljährige
versicherte Personen, siehe Art. 42bis Abs. 5 IVG und Art. 38 Abs. 1 IVV). Eine leichte
Hilflosigkeit liegt vor, wenn die minderjährige versicherte Person trotz der Abgabe von
Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist, einer dauernden persönlichen
Überwachung bedarf oder wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines
schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher
Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann (Art. 37 Abs. 3 IVV; lit.
c gilt nur für volljährige versicherte Personen, siehe Art. 42bis Abs. 5 IVG und Art. 38
Abs. 1 IVV). Bei Minderjährigen ist nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher
Überwachung im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters zu
berücksichtigen.
2.3 Bei der Beurteilung der Hilflosigkeit einer versicherten Person ist deren
Schadenminderungspflicht zu berücksichtigen (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar,
3. Auflage, Zürich 2015, N 8 zu Art. 9). Bei der Schadenminderungspflicht handelt sich
um einen allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind die Auswirkungen des
Gesundheitsschadens auf die Einsatzfähigkeit durch geeignete organisatorische
Massnahmen und die Mithilfe der Familienangehörigen möglichst zu mildern (BGE 141
V 642 E. 4.3.2). Die versicherte Person sei namentlich verpflichtet, geeignete und
zumutbare Massnahmen zu treffen, um ihre Selbständigkeit zu erhalten oder
wiederherzustellen (z.B. der Behinderung angepasste Kleidung − Klettverschluss bei
Schuhen für einarmige Personen − Hilfsmittel, Hilfsvorrichtungen). Unterlasse sie dies,
so könne die entsprechende Hilfe bei der Bemessung der Hilflosigkeit nicht
berücksichtigt werden (Rz. 8085 und 8087 KSIH). Die verlangte Mithilfe der
Familienangehörigen gehe zwar weiter als die ohne Gesundheitsschaden üblicherweise
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zu erwartende Unterstützung, jedoch dürfe den Familienangehörigen keine
unverhältnismässige Belastung entstehen. Gehe es um die Mitarbeit von
Familienangehörigen, sei stets danach zu fragen, wie sich eine vernünftige
Familiengemeinschaft einrichten würde, sofern keine Versicherungsleistungen zu
erwarten wären (BGE 141 V 642 E. 4.3.2; Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von
Ulrich Meyer und Marco Reichmuth, 3. Auflage, Zürich 2014, N 10 zu Art. 42-42ter).
Soweit die Schadenminderungspflicht auch eine Pflicht der Familienangehörigen
beinhalten solle, der versicherten Person bei den alltäglichen Lebensverrichtungen zu
helfen, kann der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht gefolgt werden: Das
versicherte Gut in der Hilflosenentschädigung ist die Selbständigkeit einer versicherten
Person bei den alltäglichen Lebensverrichtungen. Die allfällige Hilfe von
Familienangehörigen vermag den Verlust bzw. die Beeinträchtigung der Selbständigkeit
bei den alltäglichen Lebensverrichtungen nicht zu beseitigen bzw. zu verringern, selbst
wenn die versicherte Person durch die Hilfe in der Lage ist, die alltäglichen
Lebensverrichtungen zu bewältigen. Entscheidend ist ausschliesslich die Fähigkeit der
versicherten Person selbst, bei den alltäglichen Lebensverrichtungen selbständig zu
sein. Den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung begründet also bereits die
Beeinträchtigung des versicherten Gutes. Demnach ist es irrelevant, in welcher
Umgebung sich die versicherte Person aufhält respektive ob und gegebenenfalls wer
der versicherten Person Hilfe leistet (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. November
2014, 8C_225/2014 E. 8.3.2; vgl. Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 1. Dezember 2014, AHV-H 2014/1 E. 2.5 und vom 2. Dezember 2016, IV
2014/350 E. 2.2.1).
3.
3.1 Unbestritten und erwiesen ist, dass es sich bei der hochgradigen Sehstörung des
Beschwerdeführers um eine schwere Sinnesschädigung im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit.
d IVV handelt, die bereits für sich allein einen Anspruch auf eine Entschädigung wegen
einer Hilflosigkeit leichten Grades im Sonderfall auslöst. Da es sich bei der Pflege
gesellschaftlicher Kontakte um eine Teilfunktion der alltäglichen Verrichtung
"Fortbewegung" handelt (Rz. 8022 KSIH), ist die Hilflosigkeit in dieser Verrichtung
ausgewiesen.
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3.2 Die Eltern des Beschwerdeführers haben zusätzlich geltend gemacht, dass der
Beschwerdeführer wegen seiner Erkrankung in den alltäglichen Lebensverrichtungen
des An- und Auskleidens, des Essens, der Körperpflege und des Verrichtens der
Notdurft regelmässig und in erheblicher Weise (weiterhin) auf Hilfe angewiesen sei.
3.2.1 Bezüglich des Bereichs des An- und Auskleidens haben die Eltern ausgeführt,
dass dem Beschwerdeführer die Kleider in der richtigen Reihenfolge bereitgelegt und
ihm die Ersatzkleider für die Schule gerichtet werden müssten. Bei einzelnen
Kleidungsstücken (z.B. Socken, Schuhe binden) benötige er beim Anziehen noch Hilfe.
Zudem bedürfe es jeweils eines Kontrollblickes, ob er alle Kleider richtig angezogen
habe. Ausserdem müsse ihm die Brille geputzt werden. Der Beschwerdeführer leidet an
einer hochgradigen Sehschwäche. Weitere körperliche oder geistige Einschränkungen
bestehen nicht (IV-act. 148-2, 269-2). Trotz seiner schweren Sehbehinderung ist der
Beschwerdeführer in der Lage gewesen, eine private, nicht auf seine Sehbehinderung
ausgerichtete Tagesschule zu besuchen. Im Jahr 2016 ist sogar der Übertritt ins
Untergymnasium in Betracht gezogen worden. Angesichts seiner schulischen
Leistungen muss davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer über eine
tendenziell überdurchschnittliche Intelligenz verfügt. Vor diesem Hintergrund ist nicht
nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer bis heute nicht in der Lage sein soll,
die Socken alleine anzuziehen und die Schnürsenkel der Schuhe zu binden. Zumindest
ist mit der Abklärungsperson davon auszugehen, dass es dem (im
Verfügungszeitpunkt) 12-jährigen Beschwerdeführer trotz seiner schweren
Sehbehinderung möglich und zumutbar gewesen wäre, diese alltäglichen
Verrichtungen zu erlernen. Auch die Aussage der Eltern, dass der Beschwerdeführer
nicht in der Lage sei, die Kleider selbst verlässlich aus dem Schrank zu nehmen,
überzeugt nicht. Der Beschwerdeführer kennt seine Kleider. Zudem ist es ihm
zumutbar, sich einzuprägen, wie die Kleidungsstücke im Schrank angeordnet sind. Da
der Beschwerdeführer nicht vollständig erblindet ist, müsste er zumindest die Farbe
der jeweiligen Kleidungsstücke erkennen, wenn er diese nahe genug vor die Augen
hält. Es spricht also nichts dagegen, dass der Beschwerdeführer in der Lage ist,
selbständig passende Kleidung aus dem Schrank zu nehmen und diese in der richtigen
Reihenfolge anzuziehen. Auch Kontrollblicke der Eltern erscheinen nicht als notwendig:
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Beispielsweise kann der Beschwerdeführer beim Ankleiden mittels der Hände
(Tastsinn) überprüfen, ob er die Kleider richtig angezogen hat, indem er sich an
Etiketten und Nähten orientiert. Dem Beschwerdeführer ist es angesichts seines Alters
und seiner intellektuellen Fähigkeiten schliesslich auch zumutbar, ab und zu daran zu
denken, die Brille zu putzen und diese Verrichtung selbständig vorzunehmen. Demnach
ist der Beschwerdeführer beim An- und Auskleiden − unter Berücksichtigung seiner
Schadenminderungspflicht − mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf
regelmässige und erhebliche Hilfe angewiesen. Diese Einschätzung ist von der RAD-
Ärztin Dr. F._ am 6. April 2016 aus medizinischer Sicht bestätigt worden. Die
divergierenden Aussagen der Eltern anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle vom 30.
September 2015 sind darauf zurückzuführen, dass die Eltern dem Beschwerdeführer −
im Sinne einer Tendenz zur Überbehütung − gewisse alltägliche Verrichtungen
abnehmen oder bei deren Ausübung Hilfestellung leisten, obwohl der
Beschwerdeführer diese Verrichtungen durchaus selbständig − wenn auch
möglicherweise mit etwas mehr Zeitaufwand als ein nicht behindertes gleichaltriges
Kind − erledigen könnte.
3.2.2 Die Eltern haben anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle vom 30.
September 2015 geschildert, dass der Beschwerdeführer das Besteck weiterhin nur
rudimentär einsetzen könne. Er könne die Gabel und das Messer nicht zielgerichtet
führen. Teilweise müsse ihm die Nahrung zerkleinert werden. Neben den Erklärungen,
was es zu essen gebe, müsse der Beschwerdeführer regelmässig zum Weiteressen
motiviert werden. Teilweise müsse ihm die Nahrung auch zum Mund geführt werden.
Mit der Abklärungsperson und der RAD-Ärztin Dr. F._ ist davon auszugehen, dass es
dem Beschwerdeführer zumutbar gewesen wäre, den richtigen Umgang mit dem
Besteck zu erlernen. Härtere Speisen wie Fleisch, die zerkleinert werden müssen,
stehen in der Regel nicht täglich, sondern lediglich gelegentlich auf dem Speiseplan.
Eine Hilfe ist jedoch nur regelmässig, wenn sie die versicherte Person täglich benötigt
oder eventuell täglich nötig hat (Rz. 8025 KSIH). Die Hilfe beim Zerkleinern von Speisen
kann daher nicht als regelmässig qualifiziert werden. Des Weiteren ist nicht
nachvollziehbar, weshalb der inzwischen 12-jährige, tendenziell überdurchschnittlich
intelligente Beschwerdeführer aufgrund seiner Sehbehinderung (immer noch) auf eine
motivierende Unterstützung beim Essen angewiesen sein sollte. Noch weniger leuchtet
ein, weshalb die Eltern dem Beschwerdeführer aufgrund seiner Sehbehinderung
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teilweise das Essen sollen eingeben müssen; diese Behauptung wird zudem dadurch
widerlegt, dass der Beschwerdeführer in der Schule in der Lage ist, selbständig zu
essen bzw. dort höchstens beim Zerkleinern harter Speisen auf Hilfe angewiesen ist.
Auch hier kommt also wieder die Tendenz der Eltern zur Überbehütung zum Ausdruck.
Die Notwendigkeit, dem Beschwerdeführer zu erklären, was es zu essen gibt, generiert
keinen (oder höchstens einen vernachlässigbaren) zeitlichen Mehraufwand. Die
Beschwerdegegnerin hat demnach eine Hilflosigkeit in der Verrichtung des Essens zu
Recht verneint.
3.2.3 Bezüglich der Körperpflege haben die Eltern geltend gemacht, dass dem
Beschwerdeführer die Zahnpaste auf die Zahnbürste gegeben werden müsse. Um eine
gründliche Reinigung zu gewährleisten, übernehme die Mutter oft die Endreinigung.
Der Beschwerdeführer schaffe es nicht, das Duschmittel selber verlässlich zu dosieren.
Weiter könne er nicht überprüfen, ob er gut abgeduscht sei. Ausserdem müssten ihm
die Fingernägel geschnitten werden. Auch im Bereich der Körperpflege ist eine
Hilflosigkeit nicht ausgewiesen: Bereits anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle vom
27. Februar 2013 hatte die Abklärungsperson darauf hingewiesen, dass die Dosierung
des Duschmittels mittels eines Seifenspenders vereinfacht werden könne (IV-act.
199-5). Ob der Beschwerdeführer das Shampoo/Duschmittel gut aus- resp. abgespült
hat, kann er − wie dies zuweilen auch nicht behinderte Personen oder Personen mit
einer weniger schweren Sehschwäche/Brillenträger machen − problemlos mit seinen
Händen überprüfen. Schliesslich leuchtet auch nicht ein, weshalb der
Beschwerdeführer aufgrund seiner Sehbehinderung nicht in der Lage sein soll, die
Zahnpaste zu dosieren und seine Zähne gründlich zu reinigen. Sollte der
Beschwerdeführer im Verfügungszeitpunkt tatsächlich noch auf Hilfe bei der
Körperpflege angewiesen gewesen sein, wäre es ihm zumutbar gewesen, die
erforderlichen Kompensationsstrategien zu erlernen, um die Körperpflege selbständig
vorzunehmen. Bezüglich der Fingernägel ist anzumerken, dass diese lediglich etwa
einmal pro Woche geschnitten werden müssen, weshalb die Hilfe nicht als regelmässig
bezeichnet werden kann. Mit der Abklärungsperson und der RAD-Ärztin Dr. F._ ist
daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei der Körperpflege nicht auf
regelmässige und erhebliche Hilfe angewiesen ist.
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3.2.4 Die Eltern des Beschwerdeführers haben die Hilflosigkeit bei der Verrichtung
der Notdurft damit begründet, dass die Reinlichkeit des Beschwerdeführers nach dem
Stuhlgang überprüft werden müsse. Zudem müsse er auf fremde Toiletten begleitet
werden, da er nicht sehen könne, ob die Toilette sauber ist, wo sich das
Toilettenpapier, die Handseife etc. befinden und um im Anschluss die Sauberkeit der
Toilette zu überprüfen. Gemäss der Auskunft der Lehrerin sucht der Beschwerdeführer
die Toilette in der Tagesschule selbständig auf. Nach der allgemeinen Lebenserfahrung
ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer Hautreizungen o.ä. entwickelt hätte,
wenn ihm in der Schule, wo er den ganzen Tag verbringt, keine gründliche Reinigung
gelingen würde (siehe www.gastromed.ch/analhygiene.html, besucht am 5. September
2017). Hierfür bestehen jedoch keinerlei Anhaltspunkte. Zwar ist die Körperreinigung
nach dem Stuhlgang aufgrund der Sehbehinderung für den Beschwerdeführer
sicherlich etwas aufwändiger bzw. zeitintensiver als für eine nicht behinderte Person.
Aufgrund seiner Altersreife ist aber davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in
der Lage ist, eine gründliche Reinigung selbständig vorzunehmen. Dass er an fremden
Orten auf Hilfe beim Toilettengang angewiesen ist, ist nachvollziehbar. Hierbei handelt
es sich jedoch nicht um eine regelmässig notwendige Hilfestellung, weshalb sie bei der
Ermittlung der Hilflosigkeit nicht berücksichtigt werden kann. Mit der Abklärungsperson
und der RAD-Ärztin Dr. F._ ist deshalb davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer auch bei der Verrichtung der Notdurft nicht auf regelmässige und
erhebliche Hilfe angewiesen ist.
3.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass lediglich in der Verrichtung
Fortbewegung/ Pflege gesellschaftlicher Kontakte eine Hilflosigkeit ausgewiesen ist. Da
der Beschwerdeführer nur in einer (und nicht in zwei) alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig und in erheblicher Weise auf Hilfe angewiesen ist, hätte er auch keinen
Anspruch auf eine Entschädigung wegen einer mittelschweren Hilflosigkeit, wenn er auf
eine dauernde persönliche Überwachung angewiesen wäre (Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV).
Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die Aufzählung in Art.
37 Abs. 2 IVV abschliessend ist, d.h. dass entgegen der Meinung des Rechtsvertreters
des Beschwerdeführers die Kombination der Überwachungsbedürftigkeit mit dem
Sonderfall nach Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV keine Entschädigung wegen mittelschwerer
Hilflosigkeit begründet. Der Vollständigkeit halber ist trotzdem anzumerken, dass die
Notwendigkeit einer dauernden persönlichen Überwachung im vorliegenden Fall nicht
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ausgewiesen ist: Einerseits stellt sich die Frage, ob es dem 12-jährigen
Beschwerdeführer nicht möglich wäre, den Bedarf nach zusätzlichen Kortison-
Tabletten in Stresssituationen selber zu erkennen und die Tabletten selbständig
einzunehmen. Andererseits überzeugt die Aussage der Eltern, dass der
Beschwerdeführer nicht einmal für kurze Zeit alleine zu Hause gelassen werden könne,
nicht. Sie steht insbesondere in Widerspruch zu den Angaben des C._ der D._ und
der Lehrerin der Tagesschule: Der Beschwerdeführer ist zwischenzeitlich nämlich sogar
in der Lage, bekannte Wege wie den Schulweg oder den Weg vom Bahnhof nach
Hause selber zu meistern. Somit entsteht wiederum der Eindruck einer Überbehütung.
3.4 Bei der letzten materiellen Überprüfung des Leistungsanspruchs, welche mit der
Mitteilung vom 5. Juli 2013 abgeschlossen worden ist, ist weiterhin eine Hilflosigkeit in
den Verrichtungen An- und Auskleiden, Körperpflege und Essen sowie eine
Überwachungsbedürftigkeit bestätigt worden (vgl. IV-act. 215). Bereits in der
damaligen Mitteilung ist der Beschwerdeführer darauf hingewiesen worden, dass es
ihm zumutbar sei, inskünftig in den alltäglichen Lebensverrichtungen mehr
Selbständigkeit zu erlangen. Die Situation seit der letzten materiellen Überprüfung hat
sich also insoweit verändert, als es dem Beschwerdeführer im Zeitraum Juli 2013 bis
April 2016 (Verfügungszeitpunkt) zumutbar gewesen wäre, mithilfe von
Kompensationsstrategien in den alltäglichen Lebensverrichtungen − mit Ausnahme der
Fortbewegung im Freien/Pflege gesellschaftlicher Kontakte − eine Selbständigkeit zu
erreichen. Somit ist ein Revisionsgrund gegeben. Die Beschwerdegegnerin hat die
Hilflosenentschädigung gestützt auf Art. 37 Abs. 2 lit. d IVV i.V.m. Art. 88bis Abs. 2 lit. a
IVV zu Recht per 1. Juni 2016 von mittelschwer auf leicht herabgesetzt.
3.5 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
4.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
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Die Gerichtsgebühr ist durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.--
gedeckt. Der Beschwerdeführer hat bei diesem Verfahrensausgang keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).