Decision ID: 5c742801-730a-4fa5-ab2d-25df573c1a06
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1985 geborene
X._
meldete sich
unter Hinweis auf psychische Probleme
erstmals
am
3. Mai 2013 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an
(Urk. 7/1).
Nachdem der Versicherte anlässlich des Erstgesprächs am 12. September 20
13
mitgeteilt hatte, momentan bestehe kein Unterstützungsbedarf seitens der Invali
denversicherung
und er eine Bedenkzeit bis Mitte Dezember 2013
hatte
verstrei
chen
lassen
(Urk. 7/15 S. 1 und S.
3 ff.
),
wurde von der Verwaltung
am 19. Februar 2014 der Abschluss der Eingliederungsmassnahmen verfügt (Urk. 7/16). Mit Ver
fügung vom 1. Apr
il 2014 verneinte die IV-Stelle
zudem den Anspruch auf Rentenleistungen (Urk. 7/20).
1.2
Am 18. Februar 2019 meldete sich der Versicherte
unter Hinweis auf ADHS sowie eine Depression
erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 7/23).
Zur Klärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse zog die IV-Stelle
nebst den
Buch
haltungsabschlüsse
n
der
Firma des Versicherten, der
Y._
,
(Urk. 7/26, 7/28 und 7/30) einen Auszug aus dem individuellen Konto bei (Urk. 7/31) und holte einen Bericht von der leitenden Ärztin
Z._, i
ntegrierte Psychiatrie
A._
, vom 28. Mai 2019 ein (Urk. 7/33). Zusätzlich führte sie am
30. Januar 2020
eine Abklärung vor Ort durch
(Abklärungsbericht für
Selb
ständigerwerbende
vom 31. Januar 2020 [Urk.
7/46]). Mit Vorbescheid vom 24.
März 2020 (Urk. 7/49) stellte die Verwaltung die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht. Daran hielt sie – auf Einwand
des Versicherten
hin (Urk.
7/54) – mit Verfügung vom 30. Juni 2020 fest (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 31. August 2020 Beschwerde und beantragte, ihm sei ab 1. August 2019 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen
(Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 11. November 2020 schloss die Ver
waltung auf Abweisung der
Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer mit Gerichtsverfügung vom 17. November 2020 zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8). Am 18. Januar 2021 reichte er sodann eine Replik ein (Urk. 12). Die Beschwer
degegnerin wiederum verzichtete auf eine Duplik hierzu (Urk. 15).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
A
TSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung [
IVG
]
in der seit 1. Januar 2004 geltenden Fassung).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Rentenablehnung
– unter Hinweis auf die Beurteilung der im Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD) der IV-Stelle tätigen Dr. med.
B._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
–
damit,
dem
Beschwerdeführ
er sei die angestammte Arbeit
als selbständig
erwerbender Sicherheitstechniker seit circa 2013 zu 50 % zumutbar.
Als Hilfsarbeiter in einer angepassten Tätigkeit sei er in einem Pensum von 100 % arbeitsfähig.
Die RAD
Ärztin verfüge einerseits als Fachärztin für Psychotherapie und Psychiatrie
über die notwendigen fachlichen Qualifikationen. Keine Zweifel bestünden anderer
seits an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit ihrer beiden Stellungnahmen vom 16. Dezember 2019 und 8. Juni 2020.
Unter Berücksichtigung eines leidens
bedingten Abzugs von 10 % betrage das Invalideneinkommen Fr. 64'462.40. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 65'820.-- ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 2 %, weshalb kein Rentenanspruch bestehe (Urk. 2
und Urk. 6
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
das von der RAD-Ärztin formulierte Belastungsprofil werde seinen gesundheitlichen Beschwerden nicht gerecht. Es berücksichtige insbesondere nicht, dass eine angepasste Tätigkeit in einem Angestelltenverhältnis im Vollpensum wegen des Kontaktes zu Vorgesetzten und Mitarbeitenden aufgrund der sich vor allem bei zunehmender Arbeitstätigkeit zeigenden Unfähigkeit, mit anderen Menschen der Situation angepasst und adäquat zu interagieren und seiner Schwierigkeit, Anweisungen von Dritten zu befolgen, von vornherein ausgeschlossen sei. Zudem seien Hilfsarbeiten oft einfach, repetitiv und eher langweilig. Angesichts des bei ihm stark ausgeprägten ADHS
stelle dies ein grosses Problem dar, denn es sei
ihm
unmöglich, seine Konzentration und seinen Fokus lange aufrecht zu erhalten
(Urk. 1 S. 8 und Urk. 12 S. 3 ff.)
. Dass er nicht in der Lage sei, über längere Zeit in einem Angestelltenverhältnis zu bestehen, sei aktenkundig.
Ihm sei es lediglich in einer selbständigen Tätigkeit gelungen, länger als ein Jahr derselben beruf
lichen Beschäftigung nachzugehen. Es sei sodann illusorisch zu glauben, dass sich mit dem von der Ärztin
Z._
(wohl:
der
RAD-Ärztin) umschriebenen Belastungsprofil auf dem ausgeglichenen Arbei
tsmarkt eine Stelle finden werde
. In Übereinstimmung mit der Einschätzung der Ärztin
Z._
sei er in einer angepassten Tätigkeit zu maxima
l 50 % arbeitsfähig (Urk. 1 S. 9 f
.). Bei der Bestimmung des Valideneinkommens verkenne die Beschwerdegegnerin sodann, dass er noch nie eine Arbeitstätigkeit ausgeübt habe, ohne dabei gesundheitlich beeinträchtigt gewesen zu sein.
Da er handwerklich geschickt sei und eine Lehre zum
Mechapraktiker
abgeschlossen habe, sei für die Bestimmung des Validen
einkommens von den Tabellenlöhnen nach L
SE auszugehen, und zwar von Fr.
74'241.--. Unter Berücksichtigung eines Invalideneinkommens von Fr. 26'392.-- resultiere ein Invaliditätsgrad von 64.5 %, weshalb ihm eine Dreiviertelsrente auszurichten sei (Urk. 1 S. 10 f.).
3.
Vorab ist
zu bemerken
, dass die Beschwerdegegnerin das erste Leistungsgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 1. April 2014
einzig unter Hinweis auf seine fehlende Mitwirkung
abgewiesen hat (Urk. 7/20). Damit hat sie weder
eine materielle Beurteilung der invalidisierenden Wirkung des Gesundheits
schadens noch eine Prüfung des Invaliditätsgrads vorgenommen. Folglich ist das neuerliche Leistungsgesuch des Beschwerdeführers vom Februar 2019 nicht unter dem – eingeschränkten – Blickwinkel der Revision zu prüfen. Es ist
vielmehr
wie eine erstmalige Anmeldung zu behandeln.
4.
4.1
Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
berichtete in seinem an die Ärztin
Z._
gerichteten Schreiben vom 22. Dezember 2018 über den Abschluss der bei ihm erfolgten Behandlung. Er diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.4) und eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0; Erstdiagnose 2012). Der Beschwerdeführer stehe seit Ende 2012 mit einigen Unterbrüchen wegen rezidivierenden Depressionen und ADHS in seiner Behandlung.
Auf eine Behandlung mit
Methylphenidat
habe er sich aber über Jahre nicht einlassen können. Im Jahr 2013 habe er die Medikation bereits nach einigen Wochen abgesetzt. Unter
Venlafaxin
140 mg/Tag sei damals die depressive Symptomatik mehrheitlich remittiert. Nach einer mehr als zweijährigen Behandlungspause habe sich der Versicherte im Dezember 2017 erneut gemeldet. Unter
Concerta
2x18
mg/Tag sei es zu einer deutlichen Verbesserung der Belastbarkeit und der Konzentrationsfähigkeit gekommen und es habe eine Reduktion der emotionalen Labilität stattgefunden. Der Beschwerdeführer habe aber eine erhebliche Müdig
keit und Appetitminderung verspürt. Der Umstellungsversuch auf
Focalin
habe keine Verbesserung gebracht, sodass die Behandlung mit
Concerta
fortgesetzt worden sei. Bei der erneut im Herbst 2018 aufgetretenen leichten bis mittel
gradigen depressiven Episode sei ergänzend
Wellbutrin
150 mg/Tag
mit gutem Erfolg eingesetzt worden
(Urk. 7/21/3-4).
4.2
Die den Beschwerdeführer seit anfangs 2019 behandelnde
Är
z
tin
Z._
berich
tete am 27. Februar 2019 von einer schwerwiegenden ADHS-Symptomatik, die eine engmaschige psychotherapeutische Begleitung sowie eine medikamentöse Behandlung mit
Concerta
(aktuell 36 mg/
Tag
) und
Wellbutrin
(aktuell 300 mg/Tag
) erfordere (Urk. 7/21
/1-2
).
4.3
Die
nämliche Ärztin
stellte in ihrem Bericht vom 28. Mai 2019 (Urk. 7/33) folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3):
-
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
-
rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
Den sich in Abklärung befindlichen Kopfsch
merzen mass sie
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bei (S. 3).
Sie schilderte, der Beschwerdeführer fühle sich gedämpft, antriebsgemindert und empfinde wenig Freude, Lust und Motivation. Es bestünden Ein- und Durch
schlafstörungen und ein
Grübelzwang
mit pessimistischen Zukunftsgedanken. Hinweise auf psychotisches Erleben und manische Phasen würden sich keine finden. Es bestünden Zukunftsängste und finanzielle Sorgen. Panikattacken seien früher vorhanden gewesen. Beim Beschwerdeführer liege aus psychiatrischer Sicht eine bis in die Kindheit zurückliegende Problematik vor. 2012 habe er seine schwer an Depression erkrankte Schwester betreut. Dies habe erneut zu einer psychischen Belastung und Destabilisierung geführt.
Er
leide seit 2012 unter Antriebsprobleme
n, depressiver Stimmungslage, Angstzuständen und Über
forderung. Nach Einnahme des Antidepressivums
Venlafaxin
hätten sich die depressive Symptomatik, nicht jedoch die ADHS bedingten Schwierigkeiten gebessert. Die behandelnde Ärztin führte weiter aus, eine Leistungsfähigkeit von aktuell drei Stunden am Tag sehe sie aktuell als gegeben. Bei einem regelmässigen Fortführen der Arbeitstätigkeit könne diese sicher
gesteigert werden. Die grössten Schwierigkeiten
sehe sie nicht darin
, die Arbeitsfähigkeit wieder auf sechs bis sieben Stunden pro Tag zu steigern, sondern die notwendige Konzentration, Belastbarkeit und Organisationsfähigkeit für die administrativen Tätigkeiten auf
zubringen. Für den admin
istrativen Bereich halte sie den Versicherten
für fast ko
mplett arbeitsunfähig. Da der administrative Teil jedoch nicht 100 % seiner Arbeitstätigkeit ausmache, sondern vermutlich etwa 25 % der Arbeitszeit betrage, könne man sagen, dass eine
etwa 70-75%ige Arbeitsfähigkeit für nicht admi
nistrative Tätigkeiten bestehe
(S. 3 f.).
Die Funktionseinschränkungen des Beschwerdeführers würden sich vorwiegend
auf den administrativen, planeri
schen und exekutiven Bereich beziehen. Es sei zu massiven Auswirkungen auf die bisherige Arbeit seit Jahren gekommen. In den Phasen, in denen zusätzlich depressive Episoden bestünden, würden die Schwierigkeiten noch
aggraviert
. Teilweise sei er so erschöpft, dass er am Wochenende durchgehend schlafe. Dies sei insofern problematisch, da er dann Betreuungsaufgaben für die Tochter
nach
kommen müsse (S. 5). Zur Frage der Arbeitsfähigkeit führte
die Ärztin
Z._
zusammenfassend aus, die bisherige Tätigkeit sei an drei bis vier Stunden pro Tag zumutbar. Nicht beantworten könne sie die Frage nach der Arbeitsfähigkeit in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit (S. 5).
4.4
Die Ärztin
Z._
besuchte den Versicherten am 11. und 12. September 2019 an seinem Arbeitsplatz und verfasste darüber einen Bericht
(Urk. 7/40)
. Darin gab sie
an, der Beschwerdeführer sei aufgrund der angeborenen ADHS-Erkrankung
nur vermindert in der Lage, administrativen Arbeiten nachzukommen.
Sie gehe davon aus, dass er dies im Vergleich zu einer nicht erkrankten Person nur in einem Umfang von 20 % tun
könne. Körperliche Arbeiten könne er im Vergleich zu einer nicht erkrankten Person zu 80 % ausführen.
Er benötige regelmässige Pausen und brauche zur Durchführung der Arbeit mehr Zeit. Durch
das Vergessen von Dingen müsse er diese später nachholen, was ebenfalls zu mehr zeitlichen und stressauslösenden Zuständen führe. Beide Tätigkeiten seien jedoch für eine Arbeit als Selbständiger unabdingbar, so dass sie von einer insgesamt 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgehe.
Er sei kurzfristig in der Lage, deutlich mehr als 50 % zu arbeiten. Dies habe jedoch zu einem mehrtägigen Arbeitsausfall aufgrund kompletter Erschöpfung geführt.
Auch bei Nichtbeachtung der Pausenzeiten oder unregelmässigen Arbeitszeiten komme es bereits nach einem Tag zu den oben beschriebenen Erschöpfungszuständen. Die Erholungszeit betrage drei bis fünf Tage, was wiederum zu Problemen im Terminplan der zu erledigenden Arbeiten führe. Das Unfallrisiko schätze sie besonders in diesen Phasen als erhöht ein. Der Beschwerdeführer sei nur mit Hilfe im administrativen Bereich durch seine Part
nerin in der Lage, seine Arbeit auszuführen. Diese sei jedoch auch berufstätig und durch die Doppelbelastung an der Grenze ihrer Belastbarkeit.
Prognostisch schätze sie die verminderte Arbeitsfähigkeit als dauerhaft ein. Eine Verbesserung könnte durch eine Teilrente erreich
t
werden, damit der Versicherte weniger Auf
träge annehmen müsse und für diese meh
r Zeit einplanen könne. E
r
wäre
dadurch in der Lage, die Arbeiten mit dem Einhalten von Pausen korrekt durchzuführen und dauerhaft arbeitsfähig zu bleiben. Aktuell laste ein enormer finanzieller und emotionaler Druck auf ihm, der zu Selbstzweifeln und Selbstvorwürfen führe.
Sie erlebe ihn als sehr engag
iert, um alles in seiner Macht S
tehende zu tun, um seine Arbeitsfähigkeit zu verbessern und zu erhalten. Die medizinischen Mittel seien medikamentös und psychotherapeutisch ausgeschöpft (S. 2 f.).
4.5
Die im
RAD
tätige Dr
.
B._
diagnostizierte am 16. Dezember 2019 mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0).
Die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
, teilremittiert
(
ICD
10F33.2;
A._
28. Mai 2019)
, beurteilte sie
ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Sie schilderte
, eine Arbeitstätigkeit mit
einem angenehmen und ruhigen Arbeitsklima
und der Möglichkeit
,
sich bei hoher Anspannung kurz zurückzuziehen, mit regelmässigen Pausen und Gelegenheit zum Rückzug, mit regelmässigen Arbeitszeiten ohne Schichtdienst und mögli
chst wenig Publikums
verkehr sei
leidensgerecht. Aufgaben mit hohen Anforderungen an das Konzen
trationsvermögen und administrative Tätigkeiten sollten
vermieden werden.
In der bisherigen Tätigkeit als selbständiger Sicherheitstechniker bestehe seit circa
2013 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
In einer dem Belastungsprofil angepassten Arbeit bestehe keine Arbeitsunfähigkeit.
Zusammenfassend gab sie an, der Beschwerdeführer leide unter einer ADHS und einer rezidivierenden Depression. Nach Angaben seines Psychiaters Dr.
C._
habe
sich die Symptomatik der ADHS unter Einstellung auf ein entsprechendes Medikament bereits deutlich verbessert. Trotz Nebenwirkungen könne der Versicherte die handwerklichen und technischen Tätigkeiten in seinem Beruf durchführen.
Hilfebedarf bestehe weiter
hin bei den administrativen Arbeiten
. Unter der entsprechenden antidepressiven Medikation h
ätten – so Dr.
C._
am 22.
Dezember 2018 – die Phasen der rezidivierenden Depression jeweils remittiert. Daher sei auch in der aktuellen Phase mit einer Remission zu rechnen. Im Verlaufsbericht vom 28. Mai 2019 werde im Befund eine teilremittierte schwere Depression
beschrieben, aber eine schwere depressive Episode attestiert. Ansonsten seien die medizinischen Unter
lagen konsistent (Urk. 7/48/3-5).
4.6
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
gab die Fachärztin
Z._
eine Stellung
nahme zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ab. Ihrem Bericht vom 10. Mai 2020 kann entnommen werden, dass
sie seine
Arbeitsfähigkeit als selbständiger Sicherheitstechniker weiterhin als maximal 50 % gegeben sieht.
In einer optimal angepassten
Tätigkeit als Hilfsarbeiter bestehe
keine Arbeitsfähigkeit,
die über 50
% hinausgeh
e. Sie befürchte sogar, dass im Angestelltenverhältnis die Arbeits
leistung schlechter werde. Das Belastungsprofil müsste so aussehen, dass der Ver
sicherte seine Arbeit weiterhin selbständig gestalten und sich Pausen und Arbeitszeiten, insbesondere bei schwierigen Aufgaben mit hohem Störfaktor, selber einteilen könne. Schwierige unfallträch
tige Aufgaben müssten
d
elegiert werden kö
nnen. Der Beschwerdeführer dürf
e nicht auf Teamarbeit oder Arbeit mit Vorgesetzten angewiesen sein. Er müsste sich den Kundenkontakt selber ein
teilen können respektive keinen Kundenkontakt haben. Eine Schichtarbeit sei aufgrund der einzunehmenden Medikation nich
t möglich. Die Arbeit müsste seinen
Fähigkeiten und Interessen entsprechen, da bei ADHS die Konzentration nur schwer aufrechterhalte
n werden könne. Der Versicherte
möchte seinem Beruf weiter nachgehen. Dies sei jedoch nur in einem Pensum von etwa 50 % und mit Hilfe durch externe Personen bei der Administration möglich (Urk. 7/53).
4.7
RAD-Ärztin
B._
berichtete am
8. Juni 2020, das von der Fa
chärztin
Z._
im Mai 2020 formulierte Belastungsprofil entspreche weitgehend dem von ihr in der Stellungnahme vom 16. Dezember 2019 beschriebenen. Erstere halte
sodann
ein Angestelltenverhältnis für den Beschwerdeführer für nicht optimal, da es ihm schwerfalle, sich an vorgegebene Regeln oder festgeschriebene Pausen zu halten
und sie Schwierigkeiten sehe, im Angestelltenverhältnis beson
ders gefährliche Arbeiten zu delegieren oder zu besonderen Zeiten ohne externe Störquellen zu erledigen.
Sie wiederum sei der Ansicht, dass an einem leidens
angepassten Arbeitsplatz Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an das Konzen
trationsvermögen, insbesondere gefährliche Tätigkeiten, ganz gemieden werden sollten. Insgesamt sollte eine ruhige Arbeitsumgebung bestehen. Der Beschwer
deführer sollte daher an einem optimalen Arbeitsplatz erst gar keine unfall
trächtigen oder besonders schwierigen Aufgaben mit hohem Störfaktor bearbeiten.
Für eine selbständige Tätigkeit seien administrative und körperliche Arbeiten unabdingbar. Aus diesem Grund könne bei der aktuellen selbständigen Tätigkeit des Versicherten von keiner optimal angepassten Tätigkeit ausgegangen werden. Es sei davon auszugehen, dass bei Wegfall der administrativen Tätig
keiten und unter zusätzlich optimierten Arbeitsbedingungen eine Arbeitsfähigkeit von mehr als 80 % resultiere (Urk. 7/56/2-4).
5.
5.1
Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer in seiner bis
herigen Tätigkeit als selbständiger Sicherheitstechniker zu 50 % arbeitsfähig ist.
Was die
Arbeitsfäh
igkeit in einer Verweistätigkeit
betrifft, geht der
Beschwerde
führer
von einer solchen von 50 % aus, während die Beschwerdegegnerin
die Ausübung einer adaptierten Arbeit
unter Hinweis auf
die Stellungnahmen der RAD-Ärztin
B._
vom 16. Dezember 2019 und 8. Juni 2020
zu 100 % für zumutbar hält.
Diesbezüglich ist dem Beschwer
deführer zuzustimmen (Urk. 1 S.
6), dass auf das
Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden
kann
, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
Vorliegend fällt indes ins Gewicht, dass
aus dem Bericht der behandelnden
Fach
ärztin
Z._
vom 13. September 2019 h
ervor
geht
, dass dem Beschwerdeführer eine körperliche Tätigkeit zu 80 % möglich ist (Urk. 7/40 S. 2)
. Im Einklang damit steht, dass die nämliche Ärztin
bereits
am 28. Mai 2019 aus
ge
führt
hatte
, dass sie in einer Steigerung des Arbeitspensum
s
auf sechs bis sieben Stunden am Tag keine grosse Schwierigkeit sehe; diese liege vielmehr darin, die notwendige Konzentration, Belastbarkeit und Organisationsfähigkeit für die administrativen Tätigkeiten aufzubringen
. Die Funktionseinschränkungen würden sich daher
vorwiegend auf den administrativen, planerischen und exekutiven Bereich bezie
hen (Urk. 7/33 S. 4).
Daran ändert
auch ihre im Rahmen des
Einwandverfahrens
am 10. Mai 2020 abgegebenen Beurteilung
(Urk. 7/53)
nichts. Denn die von ihr in einer adaptierten Tätigkeit noch auf 50 % veranschlagte Arbeitsfähigkeit ist nicht weiter begründet.
Zudem betrifft das von ihr formulierte Belastungsprofil
im Wesentlichen die Gestaltung des Arbeitsumfelds und beschreibt keine Ein
schränkung des fu
nktionellen Leistungsvermögens, was vorliegend
eine
um
wei
tere
30 %
reduzierte Arbeitsfähigkeit erklären könnte
.
Hinzu kommt,
dass d
er
ausgeglichene Arbeitsmarkt
gekennzeichnet
ist
durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachf
rage nach Arbeitskräften und
einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf
weist.
Das gilt sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes
. Der a
us
geglichene Arbeitsmarkt
umfasst
auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeit
gebers rechnen können
.
Von
einer Arbeitsgelegenheit kann einzig
dort nicht
mehr
gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum vor
neherein als ausgeschlossen erscheint (
Urteil
des Bundesgerichtes 8C_434/2017 vom 3. Januar 2018 E. 7.2.1
mit weiteren
Hinweis
en
)
.
Für die Invaliditäts
bemessung ist nicht massgebend, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleich
gewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitsplätzen bestünde (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 4.3.2 mit Hin
weis; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014, Rn 132 zu Art.
28a
).
Mit Blick auf das
von der behandelnden
Ärztin
Z._
beschriebene Zumutbar
keitsprofil
und im Lichte der dargelegten Grundsätze kann
somit – entgegen den entsprechenden Ausführungen des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 9) –
nicht gesagt werden,
dass ihm eine zumutbare Tätigkeit
ohne administrative Aufgaben
nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt und das Finden einer ihm möglichen Stelle von vornherein als ausgeschlossen erscheint.
5.2
Aus den Berichten der
Fachärztin
Z._
geht hervor, dass sie eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit – insbesondere im administrativen Bereich – im
Wesentlichen aufgrund der ADHS-Erkrankung und nicht der depressiven Episo
den wegen bescheinigt. So
ging sie
auch
in ihrem Bericht vom 28. Mai 2019 selbst
bei diagnostizierter schwerer depressiver E
pisode (ohne psychotische Sympto
me)
von einer 70-75%ige
n
Arbeitsfähigkeit für nicht administrative Tätigkeiten aus (Urk. 7/33 S. 3 f.).
Eine weitergehende Ei
nschränkung des funk
tionellen Leistungsvermögens
kann damit aufgrund der depressiven Sympto
matik nicht angenommen werden.
5.3
Nach dem Gesagten ist dem Beschwerdeführer eine adaptierte Tätigkeit mit einem Pensum von mindestens 80 % zumutbar.
Daran ändert auch die Beurteilung durch die Abklärungsperson vor Ort nicht
s
,
welche von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausging und die angestammte Tätigkeit als optimal angepasst erachtete. V
orlie
gend
ist
den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen (vgl.
hiezu
auch Urteil des Bundesgericht 9C_185/2016 E. 4.1 mit weiterem Hinweis)
, zumal die erwähnte Einschätzung vorweg auf einer bruchstückhaften Interpretation einzelner ärztlicher Berichte basiert und wesentliche Aspekte ausblendet
. Im Ein
klang damit steht,
dass
jene
selbst eine abschliessende Beurteilung der Arbeits
fähigkeit in einer leidensangepassten Arbeit dem RAD überliess (Urk. 7/46 S. 9).
Ob
dem Versicherten
eine Verweistätigkeit auch vollschichtig möglich ist, wie es die RAD-Ärztin annimmt,
braucht
– wie nachfolgend zu zeigen ist –
nicht abschliessend geklärt zu werden:
5.4
Da
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Sicherheitstechniker nur eine Arbeits
fähigkeit von 50 % besteht und der Beschwerdeführer damit seine ihm verblie
bene Arbeitsfähigkeit nicht in zumutbarer Weise voll ausschöpft,
kann für die Ermittlung des Invalideneinkommens nicht auf den 2019 erzielten Gewinn von circa Fr. 25'000.-- abgestellt werden (vgl.
1 S. 11 und
Urk. 7/46 S. 7 f.). Vielmehr
rechtfertigt es sich, das Invalideneinkommen gestützt auf Tabellenlöhne zu ermitteln.
Ob jenen
das
Kompetenzniveau 1 – wie es der Beschwerdeführer fordert (Urk. 1 S. 11) – oder 2 – wie es die Beschwerdegegnerin annimmt (Urk. 7/47) – zugrunde zu legen ist
, kann
offen bleiben
. Denn selbst wenn auf ein Invaliden
einkommen von Fr. 70'595.-- (U
rk. 1 S. 11
, Wert für den Sektor «Produktion», LSE 2018, Tabelle TA1
) respektive von Fr.
56'476
.--
in einem Pensum von 80 % abgestellt und diesem ein – wie ebenfalls vom
Beschwerdeführer gewünschtes – Valideneinkommen von Fr. 74'241.-- (
Urk.
1 S. 11) gegenübergestellt wird,
resul
tiert ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 24 %.
Stellte man auf das Total der Löhne für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art ab, ergäbe sich bei einem Ausgangswert von Fr. 5'417.-- ein Invalideneinkommen von Fr.
54’694.--
(Fr. 5'417.-- 40 x 41.7 [Betriebsübliche Arbeitszeit 2019, Tabelle T 03.02.03.01.04.01
] :
101.5 x 102.4 [Nominallohnindex
Männer 2016-2019, Tabelle T1.1.15
] x 0.8 [
Pensumsanpassung
])
. Dies ergäbe einen Invaliditätsgrad von 26 %.
Am Ergebnis würde auch ein zusätzlich auf dem Invalideneinkommen gewährter leidensbedingte
r Abzug von 10 % nichts ändern, wobei eine psychisch bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter
und Arbeitskollegen
nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigenständiger Abzugsgrund anerkannt werden
kann
, ebenso wenig etwa das Risiko von vermehrten gesundheitlichen Absenzen, ein grösserer Betreuungsaufwand oder weniger Flexibilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinderung eines Mitarbeiters anbetrifft (Urteil des Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 29. Mai 2018 E. 3.4.2 mit weiteren Hinweisen).
6.
Zusammenfassend ist
damit
festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden ist. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.
-- festzulegen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).