Decision ID: 56417ec8-b5b7-4921-a6be-1aab2984302c
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 16. Dezember 2004 gegen A. ein  Ermittlungsverfahren wegen passiver Bestechung (Art. 315 aStGB bzw. Art. 322quater StGB) sowie wegen ungetreuer  (Art. 314 StGB [act. 5.1]). Mit Verfügung vom 11. März 2005 wurden die Ermittlungen auf den Tatbestand des Amtsmissbrauchs (Art. 312 StGB) ausgedehnt (act. 5.2). A. wird verdächtigt, als Konsul der Schweizer  in der Hauptstadt von Z. bewusst Visa an Staatsbürger von Z.  zu haben, ohne dass dafür die erforderlichen Voraussetzungen  gewesen wären.
B. Mit Beschwerde vom 13. September 2005 beantragte A. bei der  des Bundesstrafgerichts, es sei die Bundesanwaltschaft , ihn abschliessend einzuvernehmen, ihm hernach die  Akteneinsicht zu gewähren und die Ermittlungen anschliessend  einzustellen oder beim zuständigen eidgenössischen  die Voruntersuchung zu beantragen, unter Kosten- und  (act. 5.3). Mit Entscheid vom 5. Dezember 2005 (TPF BB.2005.105) wies die Beschwerdekammer die Beschwerde ab, soweit darauf einzutreten war.
C. Mit Beschwerde vom 24. Juli 2007 beantragt A. bei der I. Beschwerde-
kammer des Bundesstrafgerichts, es sei die Bundesanwaltschaft , innert kurzer, gerichtlich zu bestimmender Frist die Ermittlungen , indem das Verfahren entweder eingestellt oder an den  Untersuchungsrichter überwiesen und die Voruntersuchung  werde, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. 1).
D. Die Bundesanwaltschaft schliesst in ihrer Beschwerdeantwort vom 16. Au-
gust 2007 auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde, soweit darauf  sei (act. 5).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird,  erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.
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Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gegen Amtshandlungen und wegen Säumnis des Bundesanwalts ist die
Beschwerde nach den Verfahrensvorschriften der Art. 214 – Art. 219 BStP an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zulässig (Art. 105bis
Abs. 2 sowie Art. 28 Abs. 1 lit. a SGG). Die Beschwerde steht den Parteien und einem jeden zu, der durch eine Verfügung oder durch die Säumnis des Bundesanwalts einen ungerechtfertigten Nachteil erleidet (Art. 214 Abs. 2 BStP).
1.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Beschwerdegegnerin habe die
Einstellung des Verfahrens oder den Antrag auf Eröffnung der  über Gebühr hinausgezögert, obschon sie zum Tätigwerden  gewesen wäre (Rechtsverzögerung). Insofern ist er durch die  gemachte allfällige Säumnis beschwert und daher zur Beschwerde . Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Bei Beschwerden wegen Säumnis hat die Beschwerdekammer nur zu ent-
scheiden, ob die Beschwerdegegnerin die Grenze des zulässigen  überschritten hat (vgl. zum Ganzen TPF BB.2005.105 vom 5.  2005 E. 2.1). Säumnis ist nicht schon gegeben, wenn über ein  von Verfahrensbeteiligten nicht entschieden wird, sondern erst dann, wenn hätte entschieden werden müssen, mit dem Unterbleiben der  die Grenzen des zulässigen Ermessens also überschritten sind (vgl. TPF BB.2005.4 vom 27. April 2005 E. 2). Die Kognition der  ist dementsprechend auf Rechtsverletzungen und damit im  des Ermessens auf qualifizierte Ermessensfehler wie , -unterschreitung und –missbrauch beschränkt (TPF BB.2005.105 vom 5. Dezember 2005 E. 2.2).
2. 2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Beschwerdegegnerin ermittle seit
Mitte Dezember 2004 gegen ihn. Der Verfahrensabschluss sei ihm bereits auf Ende März 2006 in Aussicht gestellt worden. Diese zeitliche Vorgabe sei bei weitem überschritten worden. Die Beschwerdegegnerin habe auch dadurch eine Rechtsverzögerung begangen, indem sie seit Januar 2007, ausser wiederholten Abweisungen von Akteneinsichtsbegehren und , keine eigentlichen Untersuchungshandlungen mehr  habe.
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2.2 Gemäss Art. 29 Abs. 1 BV hat jede Person Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist. Eine Rechtsverzögerung liegt vor, wenn sich die  zwar bereit zeigt, den Fall zu behandeln, den Entscheid aber nicht innerhalb der Zeit fällt, die nach der Natur der Sache und nach der  der Umstände noch als angemessen erscheint (BGE 125 V 188, 191 f. E. 2a; 117 Ia 193, 197, E. 1c; 107 Ib 160, 164 E. 3b; 103 V 190, 194 f. E. 3c; HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, S. 17 N. 6; TPF BB.2005.105 vom 5. Dezember 2005 E. 3.1). Ob und ab welchem Zeitpunkt allenfalls eine Rechtsverzögerung vorliegt, kann weder für das Strafverfahren allgemein noch für das  Ermittlungsverfahren nach Bundesstrafprozessordnung im Einzelnen mittels einer Regel definiert werden, sondern ist für jedes  Verfahren aufgrund der Gesamtheit der relevanten Umstände des  Verfahrens zu bestimmen (TPF BB.2005.105 vom 5. Dezember 2005 E. 3.1). Der Bundesstrafprozessordnung können keine klaren  entnommen werden, in welchem Zeitpunkt bzw. in welchem  die Übergabe des Verfahrens vom gerichtspolizeilichen  in die Voruntersuchung zu erfolgen hat (vgl. TPF BB.2005.4 vom 27. April 2005 E. 3.2; TPF BB.2004.14 vom 14. Februar 2005 E. 4.1). In der Literatur wird die Auffassung vertreten, der Bundesanwaltschaft  bei der zeitlichen Ausgestaltung ein weites Ermessen zugestanden (BÄNZIGER/LEIMGRUBER, Das neue Engagement des Bundes in der , Bern 2001, N. 245). Dies erlaubt es ihr grundsätzlich auch, das Ermittlungsverfahren bis in die Nähe der Anklagereife voranzutreiben.
3. 3.1 Die Beschwerdegegnerin hat aus prozesstaktischen Gründen im Wesentli-
chen lediglich diejenigen Strafakten eingereicht, in welche der  bereits im Rahmen des Verfahrens TPF BB.2005.105 vom 5.  2005 Einsicht nahm (vgl. act. 8.1 und act. 9). Die Feststellung einer allfälligen Rechtsverzögerung ist deshalb aufgrund der eingereichten  kaum möglich. Vorliegend ist somit vielmehr anhand der Beschwerde vom 24. Juli 2007 (act. 1) sowie der Beschwerdeantwort vom 16. August 2007 (act. 5) zu prüfen, ob allenfalls eine unzulässige Rechtsverzögerung vorliegt (vgl. dazu act. 11, wonach nach Ansicht des Beschwerdeführers durch die Verweigerung der Akteneinsicht das vorliegende Verfahren zur reinen Glaubensfrage werde).
3.2 Der Beschwerdeführer begründet seine Rechtsverzögerungsbeschwerde
unter anderem mit dem Argument, ihm sei von der Beschwerdegegnerin der Verfahrensabschluss zum ersten Mal bereits auf Ende März 2006 in
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Aussicht gestellt worden. Indem diese Zusicherung nicht eingehalten  sei, liege eine unzulässige Verfahrensverzögerung vor. Dem Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 21. November 2005 (act. 5.4) ist zu , sie rechne „ohne besondere Vorkommnisse“ mit der Überweisung des Verfahrens an das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt bis zum Frühjahr 2006. Dadurch hat sie beim Beschwerdeführer den berechtigten Eindruck erweckt, das Ermittlungsverfahren sei bald abgeschlossen.  ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdegegnerin bei der zeitlichen Ausgestaltung des Verfahrens über einen weiten Ermessensspielraum  (vgl. E. 3.1), auf welchen sie im Übrigen mit der Formulierung „ohne besondere Vorkommnisse“ indirekt hingewiesen hat. Insofern kann der  aus dem Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 21.  2005 nichts Definitives zu seinen Gunsten ableiten.
3.3 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die Beschwerdegegnerin sei aus-
ser der Ermittlungshandlung vom 17. Januar 2007 (Edition von ) und einigen Abweisungen von Akteneinsichtsbegehren und Beweisanträgen untätig geblieben, ist festzustellen, dass sich bei lediglich einer angeordneten Ermittlungsmassnahme in rund neun Monaten  die Frage nach einer allfälligen Rechtsverzögerung stellen kann.  bei komplexen Verfahren mit internationalem Bezug - wie vorliegend - ist aber zu beachten, dass es ohne weiteres längere Ermittlungsphasen ohne Ergebnisse geben kann, besonders wenn Rechtshilfeersuchen  werden, welche unweigerlich zu Verfahrensverzögerungen führen. Für die Qualität der Ermittlungen ist aber ohnehin vor allem entscheidend, ob diese ergebnisorientiert und innerhalb vernünftiger Zeit durchgeführt werden, und es kann nicht ausschliesslich um die Quantität der  Massnahmen gehen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann deshalb aus dem Umstand, dass die letzte angeordnete  rund neun Monate zurückliegt, nicht zwangsläufig geschlossen werden, dass die Beschwerdegegnerin untätig war und damit eine  vorliegt. Bei der Feststellung einer allfälligen  ist vielmehr eine gesamthafte Betrachtungsweise der Ermittlungen vorzunehmen. Laut der Beschwerdegegnerin gestalteten sich die  in Anbetracht der Thematik (Erteilung von Visa gegen geldwerte Leistungen) und aufgrund des Aussageverhaltens des Beschwerdeführers äusserst aufwendig. Es seien deshalb seit Anbeginn des Verfahrens im  zwei Personen zu 100% mit den Ermittlungen beschäftigt. Laut  sei die Bundeskriminalpolizei (nachfolgend „BKP“) nach wie vor unter Hochdruck mit dem Verfahren beschäftigt. Es werde eine  und qualifizierte Aufarbeitung der Akten vorgenommen. Aufgrund  Zusicherungen seitens der Beschwerdegegnerin kann davon ausge-
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gangen werden, dass die Ermittlungen zielstrebig und effizient  werden. Die Tätigkeiten der BKP sind im Übrigen als  zu betrachten, selbst wenn zur Zeit nicht sämtliche Ergebnisse dem Beschwerdeführer vorliegen. Der Vorwurf des Beschwerdeführers, die  sei untätig, ist somit unzutreffend. Der  vom 16. August 2007 ist zudem zu entnehmen, dass seit Februar 2007 zwei Mitarbeiter der BKP mit dem Schlussbericht beschäftigt seien. Die Mitarbeiter der BKP hätten exaktes Detailwissen und seien daran,  im Schlussbericht aufzuarbeiten und einzubringen. Eine Person sei mit speziellen Fragekomplexen (Finanzgebaren, Reiseverhalten etc.) . Die Beschwerdegegnerin legt nachvollziehbar dar, dass es aufgrund der Komplexität und dem internationalen Bezug des Falles (Erteilung von Visa gegen geldwerte Leistungen etc.) gerechtfertigt sei, dass die  der BKP ihr Fach- und Detailwissen optimal und nutzbringend in den Schlussbericht einbringen könnten, um dadurch dem zuständigen  Untersuchungsrichter die Voruntersuchung zu erleichtern.  Schlussfolgerung erscheint plausibel. Das Vorgehen der  macht insofern auch aus prozessökonomischen Gründen  Sinn. In Anbetracht dieser Umstände kann somit nicht die  gezogen werden, die Beschwerdegegnerin habe das Verfahren in unzulässiger Art und Weise verzögert und damit die Grenze des zulässigen Ermessens überschritten. Eine Säumnis bzw. Rechtsverzögerung im Sinne von Art. 105bis Abs. 2 BStP liegt somit nicht vor.
4. Die Beschwerdegegnerin hat vorbehaltlos zugesichert (act. 5), dass der Schlussbericht der BKP im Oktober 2007 vorliegen werde. Ohne  Vorkommnisse ist deshalb davon auszugehen, dass dieser Termin  wird und die Beschwerdegegnerin das gerichtspolizeiliche  unmittelbar anschliessend im Sinne des  gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK abschliesst, sei es durch eine  oder durch die Beantragung der Voruntersuchung beim zuständigen Eidgenössischen Untersuchungsrichter.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
5. 5.1 Die Gerichtskasse ist anzuweisen, dem amtlichen Verteidiger für das vor-
liegende Verfahren eine Entschädigung von Fr. 500.-- (inkl. Auslagen und MWST) zu bezahlen. Dieser Betrag ist der Gerichtskasse vom  zurückzuerstatten.
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5.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die  zu tragen (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG), wobei die Gerichtsgebühr auf Fr. 1'500.-- festgesetzt wird (Art. 3 des  über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht vom 11. Februar 2004, SR. 173.711.32), unter Anrechung des geleisteten  in gleicher Höhe.
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