Decision ID: a9a536e6-9dda-4e45-b486-e45ea9168747
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1955, erlitt am
1.
April 1997 einen Snowboardunfall. In dessen Nachgang erkrankte sie an einer
somatoformen
Schmerzstörung, einer Persönlichkeitsstörung sowie einer mittelschweren depressiven Episode und be
zieht deswegen seit
1.
April 2000 eine halbe und seit
1.
Juli 2005 eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Dies ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit bis April 2005 von 40-45
%
, von Mai 2005 bis August 2012 von 20
%
und einer seitherigen vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit (vgl. hierzu: Urteil des Bundes
gerichts 8C_142/2014 vom 2
2.
Oktober 2014,
Urk.
15).
1.2
Im Rahmen ihrer (damaligen) Restarbeitsfähigkeit war
die Beschwerdeführerin
ab
1.
Januar 2011 in einem Pensum von 20
%
auf ihrem
erl
ernten Beruf als Buchhalterin bei der
Y._
GmbH beschäftigt und damit bei der AXA Versicherungen AG gegen Unfälle versichert. Diese Anstellung wurde ihr per 3
1.
Januar 2013 gekündigt. Nach dem Austritt liess die Versicherte durch die Arbeitgeberin der AXA am 2
2.
April 2013 ein Unfallereignis vom 2
7.
Dezember 2012 melden, zu welchem Zeitpunkt die Versicherte in gekündigtem Arbeitsver
hältnis gestanden und (seit 1
4.
August 2012) krankheitsbedingt vollumfänglich arbeitsunfähig gewesen war. Der Unfallhergang wurde in dem Sinne beschrie
ben, dass die Versicherte a
n
ihrem Geburtstag „ausgeschlipft“ und flach hinge
fallen sei; dabei seien die Arme unter den Körper zu liegen gekommen und sie habe beide Daumen verstaucht (
Urk.
12/A1).
Die AXA trat auf den Schaden ein und gewährte Heilbehandlung sowie Taggeld. Am 2
7.
August 2013 (
Urk.
12/A9) teile die AXA der Versicherten die geplante Einstellung der Leistungen per diesen Tag mit unter dem Hinweis, der Unfall habe zu einer vorübergehenden Verschlechterung der Vorzustände geführt, der Status quo sine sei
acht Monate nach dem Unfall erreicht worden. Hiergegen opponierte die Versicherte
am
3.
September 2013 (
Urk.
12/A11), worauf die AXA mit Verfügung vom 1
5.
November 2013 (
Urk.
12/A16) - unter Verlänge
rung der Frist bis zur Terminierung von acht auf zwölf Monate - die Leistungen per 2
6.
Dezember 2013 einstellte. Die dagegen am
6.
Dezember 2013 (
Urk.
12/A18) erhobene Einsprache wies die AXA mit Entscheid vom 2
0.
Juni 2014 (
Urk.
2) ab.
2.
Hiergegen erhob
X._
am 1
8.
August 2014 Beschwerde mit dem
Rechts
begehren
um weitere Ausrichtung der gesetzlichen Versicherungsleistun
gen, insbesondere Heilungskosten und Taggeld. Sie bestritt namentlich, dass die immer noch vorhandenen Beschwerden an den Händen auf einen
krankheitsbe
dingten
Vorzustand zurückzuführen seien; die unfallbedingten Beschwerden seien noch nicht abgeheilt, die Behandlungsdauer von nur zwölf Monaten sei zu kurz und könne nicht als angemessen betrachtet werden (
Urk.
1 S. 1 und S. 4). Am 2
9.
September 2014 (
Urk.
7) legte sie einen neuen Arztbericht von
Dr.
med.
Z._
, Orthopädische Chirurgie und Handchirurgie FMH, vom 2
6.
Septem
ber
2014 (
Urk.
8) auf. Die AXA ersuchte am 2
4.
Oktober 2014 (
Urk.
11) um Ab
wei
sung der Beschwerde, was der Versicherten am 2
8.
Oktober 2014 (
Urk.
14) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht nahm von Amtes wegen das
Bundes
ge
richtsurteil
8C_142/2014 vom 22. Oktober 2014 in Sachen der Beschwerde
führerin als Urk. 15 zu den Akten.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
10
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10
%
(
Art.
8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG) invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invali
den
rente (
Art.
18
Abs.
1
UVG
).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
–
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand,
wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber der
jenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krank
haften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Be
weis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000
Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänz
lich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entspre
chende Beweislast
–
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
–
nicht bei der versicherten Per
son, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten
massge
bend
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E.
2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des
S
tatus quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der
S
tatus quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfa
llversicherer gestützt auf Art. 36 Abs.
1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die
Heilbehandlungskosten
nach Art.
10 UVG fallen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_637/20
13 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.4
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zu
verlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die be
fragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
ach
terin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/
ee
, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Der – nach seinen Angaben am
9.
Januar 2013
, nach jenen der Beschwerde
führerin am
2
7.
Dezember 2012
(
Urk.
1 S. 2) - erstbehandelnde
Dr.
A._
, Allgemeine Medizin FMH, beschrieb im Bericht vom
4.
Mai 2013 (
Urk.
13/M1a) eine ausgeprägte Schwellung des gesamten rechten ersten Strahles mit
Druck
dolenzen
über dem
Metacarpophalangealgelenk
und des A1
-R
ingbandes. Er
v
er
wies auf den Vorzustand eines Status nach Snowboardunfall am
1.
April 1997 mit Kontusionen der Halswirbel- und Brustwirbelsäule samt Commotio
spinalis
sowie eines chronischen
cervico-cephalen
und
cervico
-brachialen
Schmerzsyn
droms
links bei
anankastischer
Persönlichkeits- und
Somatisie
rungsstörung
. Als
Diagnose nannte er eine posttraumatische Tendovaginitis
ste
nosans
Flexor
pollicis
longus
rechts, eine posttraumatische Aktivierung MCP-I-Arthrose rechts, einen Status nach
ossärem
Skidaumen links (
oligosymptoma
tisch
) sowie einen Sturz auf beide Hände am 2
7.
Dezember 201
2.
2.2
2.2.1
Dr.
med.
B._
, Leitender Arzt Chirurgie am Spital
C._
, übernahm in sei
nem Bericht vom 2
9.
April 2013 (
Urk.
13/M2) betreffend Erstuntersuchung vom 2
6.
April 2013 die vom Hausarzt gestellte Diagnose. Er verwies auf die initial nicht weiter stattgehabte ärztliche Beurteilung und die Überweisung seitens des Hausarztes aufgrund persistierender und aufflammender Schmerzen.
In der dynamischen Durchleuchtung sah er keine wesentlichen posttraumati
sche
n Veränderungen im Bereich des
Matacarpophalangeal
-Gelenks rechtsseitig bei
Rhizarthrose
Stadium II-III rechts. Er beschrieb eine deutliche
Subchondral
-Skle
rose im Sinne der degenerativen Veränderungen am
Metac
a
rpophalangeal
-Gelenk rechts. Linksseitig finde sich im Bereich der
ulnaren
Basis der
Grund
pha
lanx
ein kleines
ossäres
Fragment im Sinne eines Status nach
ossärem
Skidau
men
bei ebenfalls leichten degenerativen Veränderungen im Gelenk.
Zu den Sonographie-Ergebnissen führte
Dr.
B._
aus, über dem rechtsseiti
gen
Metacarpophalangeal
-Gelenk zeige sich eine ausgeprägte Ergussbildung des Gelenks mit Unregelmässigkeiten der
chondralen
Bedeckung des
Metacarpale
köpfchens
sowie eine deutliche Verdickung der Kollateralbänder ohne
Kontinu
itätunterbrechung
.
Palmarseitig
bestehe eine ausgeprägte Gewebe-Vermehrung im Sinne der posttraumatischen Tendovaginitis. Linksseitig finde sich nur eine ger
ingfügige Ergussbildung im
Meta
carpophalangeal
-Gelenk bei radial intaktem Kollateralband.
Ulnar
finde sich der Status nach
ossärem
Abriss des
Kollateral
bandes
, welches aber ebenfalls in Kontinuität stehe und dynamisch stabil er
scheine.
Palmarseitig
zeige sich eine unauffällige Situation des Beugekanals.
In seiner Beurteilung hielt
Dr.
B._
fest, in der Zusammenschau finde sich ein Status nach Trauma beider Daumen, links ein Status nach
ossärem
Ski
daumen
, welcher spontan ausgeheilt sei ohne Instabilität. Rechts finde sich eine ausgeprägte posttraumatische Entzündungs-Reaktion des Gelenks und der Seh
nenscheide der Flexor
pollicis
longus
-Sehne, welche aktuell mit Depot-Ste
roi
de
n infiltriert worden sei.
2.2.2
In den nachfolgenden Verlaufsberichten verwies
Dr.
B._
(beziehungsweise
Dr.
med.
D._
, Leitender Arzt Neurologie am Spital
C._
) auf weitere Infiltrationen und die (konservative) Therapie mit Salbe (
Urk.
13/M3-M5), Fort
schritte im Verlauf bei Fehlen von Schädigungszeichen im Rahmen der
elektro
physiologischen
, neurologischen Beurteilung (
Urk.
13/M6) sowie
auf
Fühlstö
rungen der
ulnaren
drei Finger (ohne elektrodiagnostische Schädigungszeichen,
Urk.
13/M7).
2.3
2.3.1
Der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin,
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH Chirurgie, Intensivmedizin, befand am 2
1.
August 2013 (
Urk.
13/M11) die aktu
ellen Beschwerden/Therapien sowie eine allfällige Operation nur teilweise als mit dem Unfallereignis
vom 27. Dezember 2012
in einem Kausalzusammenhang stehend. Er führte aus, die Aktivierung der MCP-I-Arthrose und eventuell die Tendovaginitis
stenosans
Strahl 1 rechts seien überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall zurückzufüh
ren. Der Unfall habe hier zu einer vorübergehenden
Verschlechterung geführt, der Status quo sine dürfte aber nach acht Monaten erreicht sein.
Die Problematik mit den Sehnenknoten im Strahl 1-3 sei vorbestehend und nicht
Unfallfolge. Diese Tendovaginitis
stenosans
-Probleme der Strahlen 1-3 ver
schlech
terten sich möglicherweise wieder. Die Behandlung werde wohl wei
ter
gehen, aber nicht mehr unfallbedingt. Eine allfällige Operation sei nicht
un
fall
bedingt
. Die Sensibilitätsstörungen im
Medianus
- und
Ulnarisgebiet
seien nicht Unfallfolge (Carpaltunnelsyndrom [CTS] beziehungsweise „Loge-de-
Guyon
“-Syn
drom).
2.3.2
Am
9.
Oktober 2013 (
Urk.
13/M12) verlängerte
Dr.
E._
die Frist zur Termi
nierung von acht auf zwölf Monate und führte aus, die Folgen der
Handverlet
zung
könnten wirklich ein Jahr lang spürbar sein. Wenn der Hausarzt einen Vorzustand ohne Beschwerden in den Händen beschreibe (vgl.
Urk.
13/M9), habe er bezüglich symptomatischer Vorzustände Recht. Es gebe jedoch auch asymptomatische Vorzustände wie hier z.B. Venenknoten in den Beugesehnen 1-3 rechts, welche bisher offensichtlich noch nicht zu Schmerzen geführt hätten, oder enge Verhältnisse im Carpaltunnel. Ebenso sei die Arthrose des
Metacarpophalangealgelenks
I sicher vorbestehend, wenn auch vor dem Unfall noch nicht symptomatisch. Der Unfall habe zu Gewebeschäden im Bereich der
rechten Hand geführt, durch entsprechende Veränderungen wie Ödeme etc. seie
n
vorbestehende Zustände symptomatisch geworden. Die durch den Unfall hervor
gerufenen Schädigungen hätten jedoch eine natürliche Heilungstendenz, die teil
weise sehr lang dauern könne.
Beschwerden, die mehr als ein Jahr nach dem Unfall immer noch persistierten, seien jedoch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die vorbestehenden Zustände (Sehnenknoten, Arthrose des MCP-I rechts und enger Carpaltunnel) zu
rückzuführen. Diese anatomischen Vorzustände hätten mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit auch ohne das Unfallereignis vom 2
7.
Dezember 2012 zu den heutigen Beschwerden geführt.
2.4
Im weiteren Verlauf beschrieb
Dr.
B._
am 1
2.
Dezember 2013 (
Urk.
13/M15
) eine wechselhafte Entwicklung im Bereich des r
echten Daumens mit immer wieder
kehrenden Schmerzen über dem
palmaren
MP-Gelenk. Neu träten ähnli
che Beschwerden auch am linken Daumen auf.
Am 2
6.
Februar 2014 (
Urk.
13/M16) berichtete er dann über eine (von der Be
schwerdeführerin geschilderte) langsam zunehmende Besserung der
Gesamtsitu
ation
mit langsam vermehrter Ansteuerbarkeit der beiden Daumen mit aber noch deutlicher
Belastungslimite
. Zuletzt diagnostizierte
Dr.
B._
eine chronische Tendovaginitis
stenosans
A1-Ringband Daumen rechts und Strahl
2
und
3
rechts sowie Daumen links, eine posttraumatische Aktivierung MCP-I-Ar
throse rechts, eine
oligosymptomatische
Reizung Loge-de-
Guyon
und
Car
pal
tunnel
rechts, ein
oligosymptomatisches
ulnocarpales
Impingement
rechts bei Status nach
ossärem
Skidaumen links sowie bei Status nach Sturz auf beide Hände am 2
7.
Dezember 2012.
2.5
Dr.
med.
F._
, Spezialarzt FMH Chirurgie, beratender Arzt der
Beschwerde
gegnerin
, erachtete mit Bericht vom 1
0.
Juni 2014 (
Urk.
13/M17) die Beurtei
lung von
Dr.
E._
als nachvollziehbar und hielt fest, mit Sicherheit habe als Vorzustand bereits eine rechtsseitige
Rhizarthrose
bestanden, möglicherweise bis anhin asymptomatisch, aber durch das Unfallereignis aktiviert. Eine frische strukturelle Schädigung, die mit dem Unfall in Zusammenhang gebracht werden könne, lasse sich nicht objektivieren. Es handle sich somit um eine Aktivierung einer vorbestehenden
Rhizarthrose
mit temporärer Verschlimmerung während maximal eines Jahres. Es bleibe auch zu bemerken, dass
Rhizarthrosen
ohne zusätzliches Unfallereignis praktisch immer kurz- bis mittelfristig aus eigener Dynamik heraus symptomatisch und behandlungsbedürftig würden.
Bereits im ersten Bericht des
Dr.
A._
werde als Diagnose zudem eine posttraumatische Tendovaginitis
stenosans
der Flexor
pollicis
longus
-Sehne rechts angegeben. Eine sofort
stenosierende
Sehnenveränderung aufgrund eines Unfallereignisses werde praktisch nie gesehen, sei unfallkausal äusserst un
wahr
scheinlich und basiere viel eher auf vorbestehenden Engnissen der Seh
nen
scheiden im Ringbandbereich. Dass im vorliegenden Fall mit zeitlichem Ab
stand ebensolche Veränderungen an den Fingern II und III aufgetreten seien, spreche für ein klar degeneratives krankhaftes Geschehen und könne nicht als
Unfall
folge
gewertet werden. Typischerweise sei eine solche Symptomatik zwi
schen
zeitlich auch links aufgetreten, was die Vermutung einer krankhaft dege
nera
tiven Veränderung bestärke. An der linken Hand sei es offenbar zu einem knöchernen Ausriss des
ulnaren
Seitenbandes im MP-Gelenkbereich gekommen, wobei dieser Zustand gemäss handchirurgischer Beurteilung bei guter Stabilität abgeheilt sei.
Dr.
F._
fasste zusammen, unfallbedingt seien die zwischenzeitlich ausge
heilte
ulnare
Seitenbandverletzung am MP-I-Gelenk links sowie die Aktivierung einer
vorbestehenden
Rhizarthrose
rechts, die erfahrungsgemäss über mehrere Monate bis hin zu einem Jahr Beschwerden verursachen könne. Darüberhinaus
gehende diesbezügliche Beschwerden lägen aber in der normalen Biologie dieses Vorzustandes, der praktisch immer im Verlauf der Zeit aus eigener Dynamik heraus symptomatisch werde. Die aktuell noch vorliegenden Beschwerden, ins
besondere von Seiten der
stenosierenden
Beugesehnen I bis III rechts und I links im A1-Bereich sowie die möglicherweise notwendige Weiterbehandlung der
Rhizarthrose
seien unfallkausal nicht mehr ausgewiesen. Der Status quo sine sei spätestens ein Jahr nach dem Unfallereignis erreicht.
2.6
Dr.
Z._
, welcher die Beschwerdeführerin am 2
2.
September 2014 im Rah
men einer Zweitmeinung in seiner handchirurgischen Sprechstunde untersucht
hatte, diagnostizierte im Bericht vom 2
6.
September 2014 (
Urk.
8) ein chroni
sches
posttraumatisches Schmerzsyndrom der Hände beidseits (insbesondere der
Dau
menstrahlen
beidseits bei Status nach ausgedehntem Hyperextensionstraum
a
m 2
7.
Dezember 2012). Er verwies auf die verschiedenen Therapieversuche, wobei sich die Beschwerdesituation eher verschlechtert habe. Auf den aktuellen Rönt
genbildern sah er im Bereich der Langfinger einen unauffälligen Gelenk
status sowie weite Daumensattelgelenke. Auffallend sei lediglich eine Auszie
hung im Bereich der
ulnaren
Basis des MP-I-Gelenkes am Ansatz des
ulnaren
Kollateral
bandes
.
Dr.
Z._
führte aus, es handle sich um eine ausgeprägte
Schmerzproblema
tik
und auch um ein Hyperextensionstrauma beziehungsweise eine Distorsion der Hände beidseits vom 2
7.
Dezember 201
2.
Klinisch finde sich nur eine leichte Reizung der Beugesehnenscheide im Ber
eich des A1-Ringbandes und ein
Status nach verheilter
ulnarer
ossärer
Kollateralbandverletzung. Er beschr
ie
b eine Ver
letzung des Gesamtsystems und letztendlich eine
Schmerzverarbei
tungsstörung
aufgrund eine
s
unfallkausalen Geschehens. Letztendlich finde er keine
wirk
lichen
degenerativen Veränderungen, die für die Beschwerden ur
sächlich sein könnten. Auch die milde Reizung des A1-Ringbandes sei nur für einen gewissen Teil der Beschwerdeproblematik zuständig. Er empfahl eine Er
gotherapie zur Schmerztherapie und riet von operativen sowie
infiltrativen
Massnahmen ab, da hierdurch die Schmerzsituation eher noch verschlechtert werde. Er sei davon überzeugt, dass die Beschwerden im Rahmen des Unfalles hervorgerufen worden
seien und auch heute noch durch den Unfall bestünden. Im Verlauf der kommen
den zwölf Monate sollte eine deutliche Verbesserung der Schmerzsituation mög
lich sein.
3.
3.1
Aufgrund der Akten steht fest, dass die Beschwerdeführerin nach ihrem Unfall vom 1
2.
Dezember 2012 an Beschwerden an beiden Daumen litt, während län
gerer Zeit in therapeutischer Behandlung war und sich der Verlauf durchzogen gestaltete. In objektivierbarer Hinsicht förderte die dynamische Durchleuchtung – als Unfallfolge - einzig ein kleines
ossäres
Fragment im Sinne eines Status nach
ossärem
Skidaumen (Läsion des
ulnaren
Seitenbandes des
Daumengrund
gelenkes
) links zu Tage. Die übrigen Befunde wurden als eindeutig degenerativ bedingt beschrieben (
Rhizarthrose
Stadium II-III,
Subchondral
-Sklerose). Die Sonographie bestätigte den Status nach
ossärem
Abriss des Kollateralbandes, welches indes stabil erschien. Ansonsten zeigte sich (rechts) eine Ergussbildung des Gelenks mit Unregelmässigkeiten der
chondralen
Bedeckung des
Metacar
paleköpfchens
sowie eine deutliche Verdickung der Kollateralbänder sowie
palmarseitig
eine ausgeprägte Gewebe-Vermehrung im Sinne der posttraumati
schen Tendovaginitis.
3.2
Die unfallbedingte Läsion des
ulnaren
Seitenbandes des Daumengrundgelenkes auf der linken Seite heilte schon bald ab, wobei eine gute Stabilität zurückblieb (E. 2.2.1 und E. 2.5). Die linke Seite bereitete der Beschwerdeführerin denn auch bald keine erheblichen Probleme mehr, vielmehr traten die Beschwerden auf der rechten Seite in den Vordergrund.
3.3
Zur rechten Handseite ist vorwegzuschicken, dass im Zeitpunkt des Unfalls ein erheblicher Vorzustand bestand. So zeigte sich in den spezialärztlichen Untersu
chungen vorweg eine
Rhizarthrose
Stadium II-III rechts (E.
2.2.1). Dass sich diese
unfallbedingt innert kürzester Zeit entwickelt haben sollte, wurde von keinem Arzt und auch nicht von der Beschwerdeführerin vorgebracht. Im Ge
genteil bestätigte
Dr.
F._
explizit den entsprechenden Vorzustand und ver
neinte das Vorliegen einer frischen strukturellen Schädigung (E. 2.5). Weiter zeigte sich eine
Subchondral
-Sklerose, welche von den Ärzten ebenfalls als
vor
bestehend
(in Sinne von degenerativen Veränderungen am
Metacarpopha
langeal-Gelenk
) interpretiert wurde (E. 2.2.1). Damit verbleibt als auf den Unfall zurückzu
führende objektivierbare Beeinträchtigung die
palmarseitige
ausge
prägte Gewebe-
Vermehrung im Sinne einer posttraumatischen Tendovaginitis (E. 2.2.1).
Der beratende Arzt
Dr.
E._
ersah sodann eine Aktivierung der MCP-I-Arth
rose und eventuell der Tendovaginitis
stenosans
Strahl 1 und befand
,
dies
sei
als auf den Unfall zurückzuführen. In objektivierbarer Hinsicht zeigte sich in Bezug auf die drei betroffenen Finger indes keine über die Vorzustände hinaus
gehende Pathologie. Im Gegenteil konnte keine frische strukturelle Schädigung,
die mit dem Unfall in Zusammenhang gebracht werden kann, objektiviert werden
(E. 2.5).
Die Hauptproblematik an der rechten Hand wurde von den Ärzten in der Tendo
vaginitis
stenosans
erblickt, wobei hierzu nachvollziehbar dargelegt und weder von einem beteiligten Arzt noch von der Beschwerdeführerin in Abrede gestellt wurde, dass die Problematik mit den Sehnenknoten im Strahl 1-3 vorbestehend und nicht Unfallfolge war (E. 2.3.1). Auch spricht die zeitliche Nähe (am selben Tag beziehungsweise nach knapp zwei Wochen erhobener Befund durch den erstuntersuchenden
Dr.
A._
, E.
2.1) des Auftretens einer Tendovaginitis gegen eine Unfallkausalität, was
Dr.
F._
nachvollziehbar darlegte (E.
2.5). Auch die Arthrose des
Metacarpophalangealgelenks
I und der enge Carpaltunnel erscheinen als nicht durch den Unfall hervorgerufen (E. 2.3.2).
3.4
Sämtliche Ärzte sind sich darin einig, dass der Unfall vom 2
7.
Dezember 2012 zu einer Aktivierung des Vorzustandes geführt hat. In diesem Sinne ging vor
weg
Dr.
E._
davon aus, dass die Verletzung zu während eines Jahres spür
baren Schmerzen führen könne (E. 2.3.2), was
Dr.
F._
bestätigte (E. 2.5). Eine widersprechende ärztliche Einschätzung findet sich in den Akten nicht.
3.5
Soweit die Beschwerdeführerin einen Vorzustand in Frage stellt (
Urk.
1 S. 2) ist darauf hinzuweisen, dass die beteiligten Ärzte einhellig von einem solchen aus
gingen und dies auch ohne ältere bildgebende Untersuchungsresultate nachvoll
ziehbar zu begründen vermochten. So ist namentlich in Bezug auf die diagnos
tizierte
Rhizarthrose
Stadium II-III rechts nicht ersichtlich, inwiefern sich diese innerhalb kürzester Zeit nach einem Unfall entwickeln könnte. Auch die übri
gen geschilderten Vorzustände wurden schlüssig als solche
gefasst
.
Dass der knöcherne Ausriss des
ulnaren
Seitenbandes noch nicht abgeheilt sein sollte (
Urk.
1 S. 2 f.), ergibt sich nicht aus den Akten. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Schmerzen verspürt, genügt jedenfalls nicht zur Annahme einer dauerhaften (kausalen) Behandlungsbedürftigkeit. So bestätigte zuletzt
Dr.
Z._
einen Status nach verheilter
ulnarer
ossärer
Kollateral
bandverletzung
und ist keinem (jüngeren) Untersuchungsbefund zu entnehmen, dass weiterhin eine pathologische Situation vorliegt.
Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich – unter Hinweis auf die Ausführun
gen von
Dr.
A._
(
Urk.
13/M9) - darauf hinweist, dass sie vor dem Sturz keine Schmerzen in den Händen gehabt habe (
Urk.
1 S. 3), erschöpft sich diese Argumentation in der Figur „
post
hoc ergo
propter
hoc“
, bei der eine Schädi
gung bereits deshalb als durch einen Unfall verursacht erachtet wird, weil sie nach diesem aufgetreten ist. Dies genügt indes
rechtsprechungsgemäss
nicht für die Annahme eines Kausalzusammenhangs (BGE 119 V 341 f. E. 2b/
bb
).
Nicht zu beanstanden ist sodann, dass die beratenden Ärzte der
Beschwerde
gegnerin
keine persönliche Untersuchung der Beschwerdeführerin vorgenom
men haben (vgl. den entsprechenden Vorhalt,
Urk.
1 S. 4). Dass sich die Berichte der
Dres
.
E._
und
F._
in der Würdigung der Aktenlage und in medizini
schen Erläuterungen erschöpft, schmälert den Beweiswert ihrer aussagekräftigen und anschaulichen Ausführungen nicht. Denn nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine reine Aktenbeurteilung beziehungsweise ein reines
Ak
tengutachten
nicht an sich als unzuverlässig zu beurteilen. Dem reinen Akten
gutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts 8C_908/2012
vom 29. Mai 2013 E. 4.2.1 mit Hinweis). Dies ist vorliegend der Fall.
3.6
Damit bleibt es bei der Feststellung, dass die von der Beschwerdeführerin ge
klag
ten Beschwerden spätestens nach einem Jahr nicht mehr in kausalem Zu
sammenhang zum Unfallgeschehen vom 2
7.
Dezember 2012 standen. Diese – auf die
Dres
.
E._
und
F._
abstellende
- Schlussfolgerung steht im Ein
klang mit der übrigen Aktenlage, widerspricht doch kein behandelnder Arzt (substantiiert) und zeigen auch die bildgebenden Untersuchungsresultate ein eindeutiges Bild. So ergaben diese lediglich diskrete Befunde und namentlich keine Pathologie, welche die geklagten Beschwerden in diesem Ausmass erklä
ren konnten (keine
Sacphoidfraktur
,
Urk.
13/M6; keine elektrodiagnostischen Schädigungszeichen,
Urk.
13/M7; unauffälliger Röntgenbefund,
Urk.
8). Im Ge
genteil wurde zuletzt auf das Schmerzsyndrom verwiesen und eine
Schmerzver
arbeitungsstörung
genannt (
Urk.
8). Dies vermag in der Tat nicht zu erstaunen bei einer Versicherten, welche aufgrund einer
somatoformen
Schmerzstörung seit Jahren vollumfänglich berentet ist. In der Unfallversicherung ist indes der Nachweis der Kausalität für die Leistungspflicht nötig, und die ist vorliegend nach Ablauf eines Jahres nach dem Unfall nicht mehr gegeben. Es liegen keine objektivierbaren Untersuchungsresultate vor, welche einen solchen Zusammen
hang darlegen.
4.
Bei fehlender Kausalität und abgeschlossener Heilbehandlung (in Bezug auf die unfallkausalen Folgen) hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu Recht per 2
6.
Dezember 2013 eingestellt. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.