Decision ID: b409971d-08cb-4851-abb1-9ecd3549a26b
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erliess gegen die Beschuldigte am
28. Mai 2019 folgenden Strafbefehl:
Sachverhalt:
Fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst (Art. 222 Abs. 1 StGB)
Die Beschuldigte hat fahrlässig, d.h. aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit, zum Schaden eines andern oder unter Herbeiführung einer Gemeingefahr eine Feuersbrunst verursacht.
Begangen: Ort: Q., Y.gasse [...] Zeit: Montag, 21.01.2019, 12.00 bis 12.15 Uhr Zivilklägerin: B. Sachschaden: CHF 21'900.00
Vorgehen: Die Beschuldigte stellte eine Herdplatte beim Verlassen der Wohnung nicht ab. Die dadurch entstandene Hitzeentwicklung entzündete das angrenzende Holz der Küchenkombination. Die ausgerückte Feuerwehr konnte den Brand löschen. Die Küche musste aufgrund möglicher Brandherde teilweise herausgerissen werden. Durch den Brand entstand am ein Sachschaden in der Höhe von CHF 21'900.00.
Jedermann hat im Umgang mit Wärme, Licht und anderen Energiearten die notwenige Vorsicht walten zu lassen, um Brände zu verhindern (§ 2 Abs. 1 BSG und § 1 Abs. 1 lit. a BSV). Die Brandschutzrichtlinie 12-15 der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) sieht unter Ziff. 2 Abs. 1 vor, dass mit Feuer und offenen Flammen, Wärme, Elektrizität und anderen Energiearten, feuer- oder explosionsartigen Stoffen sowie mit , Apparaten usw. so umzugehen ist, dass keine Brände oder Explosionen verursacht werden oder entstehen können. Gemäss Ziff. 3.2 Abs. 13 der erwähnten Richtlinie müssen elektrische Energieverbraucher aller Art, wie Wärmeapparate, Motoren, Leuchten, Küchengeräte usw. so aufgestellt, eingebaut, betrieben und unterhalten werden, dass für brennbare Gebäudeteile oder andere Gegenstände keine Entzündungsgefahr besteht.
Der Beschuldigten muss aufgrund der gesamten Umstände der Vorwurf gemacht werden, dass sie die Herdplatte nicht abstellte. Es ist allgemein bekannt, dass eine nicht abgestellte Herdplatte durch die entstehende Hitze ein Feuer entfachen kann. Für die Beschuldigte war deshalb voraussehbar, dass sich mittels der Hitzeentwicklung der Herdplatte ein Feuer entfachen und auf umliegende Gegenstände übergreifen kann. Die Beschuldigte kam der Sorgfaltspflicht nicht nach, dass eine Herdplatte nach Gebrauch abzustellen ist. Das Feuer wäre deshalb bei pflichtgemässer Vorsicht durch die Beschuldigte vermeidbar gewesen, indem sie die Herdplatte nach Gebrauch abgestellt hätte.
Dieses Verhalten ist strafbar gemäss:
Dem vorgenannten Gesetzartikel sowie Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB i.V.m. Art. 106 StGB, Art. 44 StGB und Art. 47 StGB
- 3 -
Die Beschuldigte wird verurteilt zu:
1. Einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 30.00, bedingt aufgeschoben bei einer
Probezeit von 2 Jahren.
2. Einer Busse von CHF 300.00. Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
3. Den Kosten - Strafbefehlsgebühr CHF 900.00
Rechnungsbetrag CHF 1'200.00
Über Auslagen, die nach Erlass des vorliegenden Strafbefehls eingehen, wird separat verfügt.
4. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
5. Das Urteil wird im Strafregister eingetragen.
6. Die Schadenersatzforderung in der Höhe von CHF 6'042.50 folgender Zivilpartei wird
auf den Zivilweg verwiesen: - B.
1.2.
Gegen diesen ihr am 6. Juni 2019 zugestellten Strafbefehl erhob die
Beschuldigte am 7. Juni 2019 Einsprache. Die Staatsanwaltschaft hielt in
der Folge am Strafbefehl fest und überwies diesen samt den Akten zur
Durchführung des Hauptverfahrens an das Bezirksgericht Lenzburg.
2.
2.1.
Am 9. März 2020 fand die Hauptverhandlung vor dem Präsidenten des
Bezirksgerichts Lenzburg statt. Gleichentags erkannte der Gerichtspräsi-
dent:
1. Die Beschuldigte ist schuldig des fahrlässigen Verursachens einer Feuersbrunst gemäss Art. 222 Abs. 1 StGB.
2. 2.1 Gestützt auf Art. 54 StGB wird von einer Bestrafung abgesehen.
2.2. Die Verurteilung wegen fahrlässigen Verursachens einer Feuersbrunst gemäss Art. 222 Abs. 1 StGB wird zufolge Strafbefreiung im Strafregister nicht eingetragen (Art. 366 Abs. 2 lit. a StGB).
3. Die Forderung der Zivilklägerin, B., wird zufolge Rückzug der Adhäsionsklage von der Kontrolle abgeschrieben.
- 4 -
4. Die Beschuldigte hat die Verfahrenskosten, bestehend aus einer Staatsgebühr von CHF 1'200.00 sowie den Auslagen von CHF 47.70 insgesamt CHF 1'247.70, zu bezahlen.
5. Die Beschuldigte hat die Anklagegebühr von CHF 900.00 zu bezahlen.
6. Die Gerichtskasse Lenzburg wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger der Beschuldigten MLaw Lukas Fischer, [...] die richterlich auf CHF 3'888.85 (inkl. MwSt. von CHF 278.05) festgesetzte Entschädigung auszurichten.
Die dem amtlichen Verteidiger ausgerichtete Entschädigung kann zu einem späteren Zeitpunkt von der kostenfälligen Beschuldigten zurückgefordert werden, sofern es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).
2.2.
Gegen dieses ihr am 25. März 2020 im Dispositiv zugestellte Urteil meldete
die Beschuldigte am 6. April 2020 Berufung an. Das begründete Urteil
wurde ihr am 19. Januar 2021 zugestellt.
3.
3.1.
Am 8. Februar 2021 reichte die Beschuldigte die Berufungserklärung mit
folgenden Anträgen ein:
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg, Präsidium des Strafgerichts, vom 09.03.2020 sei in den Ziffern 1 bis 6 aufzuheben und es sie wie folgt neu zu entscheiden:
1. Der [recte: die] Beschuldigte wird von Schuld und Strafe freigesprochen.
2.
Die Forderung der Zivilklägerin, B., wird zufolge Rückzug der Adhäsionsklage von der Kontrolle abgeschrieben.
3. Die Verfahrenskosten gehen vollumfänglich auf die Staatskasse.
4. Die Gerichtskasse Lenzburg wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger der Beschuldigten eine Entschädigung in der Höhe von CHF 3'888.85 (inkl. MwSt. von CHF 278.05) zu bezahlen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu Lasten des Staates.
3.2.
Die Beschuldigte reichte am 31. März 2021 die Berufungsbegründung ein.
- 5 -
3.3.
Mit Berufungsantwort vom 15. April 2021 beantragte die Staatsanwaltschaft
unter Verweis auf die vorinstanzlichen Erwägungen die vollumfängliche
Abweisung der Berufung der Beschuldigten.
3.4.
Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 21. Januar 2022 wurden die
Beschuldigte und der Kommandant der Feuerwehr Q., C., als Zeuge
befragt. Im Anschluss an die Berufungsverhandlung beschloss das
Obergericht, das Beweisverfahren wieder zu eröffnen und einen
zusätzlichen Zeugen einzuvernehmen.
3.5.
Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 8. Februar 2022 wurde D.,
Mitglied der Feuerwehr Q., als weiterer Zeuge befragt.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Die Beschuldigte hat mit Berufung den Schuldspruch wegen fahrlässiger
Verursachung einer Feuersbrunst gemäss Art. 221 Abs. 1 StGB sowie
damit einhergehend die Kosten- und Entschädigungsfolgen angefochten.
Nicht angefochten sind die Abschreibung der Zivilforderung der B. zufolge
Rückzugs der Zivilklage sowie die Höhe der dem amtlichen Verteidiger
zugesprochenen Entschädigung. Diese Punkte sind in Rechtskraft
erwachsen und mithin nicht erneut zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.
2.1.
Die Vorinstanz hat die Beschuldigte wegen fahrlässiger Verursachung
einer Feuersbrunst gemäss Art. 222 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen, in
Anwendung von Art. 54 StGB indessen von einer Bestrafung Umgang
genommen. Die Beschuldigte beantragt einen Freispruch.
2.2.
2.2.1.
Die Beschuldigte rügt zunächst eine Verletzung des Anklagegrundsatzes.
Es werde ihr in der Anklage vorgeworfen, die Herdplatte nach Gebrauch
nicht abgestellt zu haben. Es werde indessen angegeben, dass die
Verfehlung am 21. Januar 2019, um 12:00 bis 12:15 Uhr stattgefunden
habe, was gar nicht sein könne, da sie in diesem Zeitpunkt gar nicht zu
Hause gewesen sei. Sie habe die Herdplatte am Abend des 20. Januar
2019 das letzte Mal eingeschaltet und gemäss unangefochtener
Feststellung der Vorinstanz auch ausgeschaltet. Vom Anklagevorwurf,
dass sie die Herdplatte am Abend des 20. Januar 2019 nicht ausgeschaltet
- 6 -
haben soll, sei sie entsprechend ausgegangen. Die Vorinstanz habe
indessen ausgeführt, dass sich vielmehr die Frage stelle, ob sie den Herd
am Morgen «unbewusst, etwa mit dem Gesäss» bestätigt habe. Eine
solche Sorgfaltspflichtverletzung sei weder angeklagt, noch ergebe sich
dies aus den Akten. Indem die Vorinstanz zeitlich als auch in Bezug auf die
Art der Tathandlung vom Anklagesachverhalt abweiche, verletze sie den
Immutabilitätsgrundsatz.
2.3.
Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1
und 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und nunmehr in Art. 9 Abs. 1 StPO
festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den
Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage
hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem
Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver
und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt
das Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der angeschuldig-
ten Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Infor-
mationsfunktion). Die Anklageschrift bezeichnet u.a. möglichst kurz, aber
genau, die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit
Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung
(Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO; Urteil des Bundesgerichts 6B_748/2017 vom
30. Mai 2018 E. 2.2 mit Hinweisen). Solange für die beschuldigte Person
klar ist, welcher Sachverhalt ihr vorgeworfen wird, kann auch eine
fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu führen, dass es zu keinem
Schuldspruch kommen darf. Die nähere Begründung der Anklage erfolgt
an Schranken; es ist Sache des Gerichts, den Sachverhalt verbindlich
festzustellen. Das Gericht ist an den in der Anklage umschriebenen
Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche Würdigung
gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO; Urteil des Bundesgerichts 6B_941/2018
vom 6. März 2019 E. 1.2.1 mit Hinweisen).
2.3.1.
Gemäss Anklage soll die Beschuldigte am 21. Januar 2019 die Herdplatte
beim Verlassen ihrer Wohnung an der Y.gasse [...] in Q. nicht abgestellt
haben, worauf sich durch die daraus entstandene Hitzeentwicklung das
angrenzende Holz der Küchenkombination entzündet habe. Die
ausgerückte Feuerwehr habe den Brand löschen können, wobei die Küche
aufgrund möglicher Brandherde habe herausgerissen werden müssen. Es
sei dabei ein Sachschaden von Fr. 21'900.00 entstanden. Es sei allgemein
bekannt, dass eine nicht abgestellte Herdplatte durch die entstehende
Hitze ein Feuer entfachen könne. Für die Beschuldigte sei deshalb
voraussehbar gewesen, dass sich mittels der Hitzeentwicklung der
Herdplatte ein Feuer entfachen und auf umliegende Gegenstände
übergreifen könne. Die Beschuldigte sei ihrer Sorgfaltspflicht, dass eine
Herdplatte nach Gebrauch abzustellen sei, nicht nachgekommen. Das
- 7 -
Feuer sei deshalb bei pflichtgemässer Vorsicht durch die Beschuldigte
vermeidbar gewesen, indem sie die Herdplatte nach Gebrauch abgestellt
hätte.
2.3.2.
Entgegen der Darstellung der Beschuldigten erscheint der Anklage-
grundsatz vorliegend nicht verletzt. Gestützt auf die Anklage musste die
Beschuldigte wissen, was ihr vorgeworfen wird, zumal die ihr vorgeworfene
Sorgfaltspflichtverletzung – das Nichtabstellen ihrer Herdplatte vor dem
Verlassen ihrer Wohnung am 21. Januar 2019 – räumlich und zeitlich klar
eingeordnet wird. Daran ändert auch nichts, dass in der Anklage als Tatzeit
die Feststellung des Brandes um ca. 12:00 Uhr und nicht der Zeitpunkt des
Verlassens der Wohnung durch die Beschuldigte genannt wird. Der
Beschuldigten ist beizupflichten, dass die Anklage ihr vorwirft, die
Herdplatte «nach Gebrauch» nicht abgestellt zu haben. Entgegen ihrer
Darstellung lässt sich der Anklage indessen nicht entnehmen, dass der
letzte Gebrauch der Herdplatte am Abend des 20. Januar 2019
stattgefunden haben soll. Dabei handelt es sich um eine Feststellung der
Vorinstanz (siehe vorinstanzliches Urteil, E. 6.6). Gleiches gilt für die
Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach davon auszugehen sei, dass die
Beschuldigte den Herd am Morgen des 21. Januar 2019 wohl unabsichtlich
mit dem Gesäss eingeschaltet habe (vorinstanzliches Urteil, E. 6.6). Soweit
die Beschuldigte die durch die Vorinstanz getroffene Sachverhalts-
feststellungen beanstandet, ist im Rahmen der obergerichtlichen Sach-
verhaltserstellung zu überprüfen, ob sich die Schlussfolgerungen der
Vorinstanz aufrechterhalten lassen. Der Anklagegrundsatz ist hiervon nicht
berührt.
2.3.3.
Gestützt auf den in der Anklage definierten Vorwurf ist somit zu prüfen, ob
sich die Beschuldigte einer fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst
im Sinne von Art. 222 Abs. 1 StGB schuldig gemacht hat, indem sie die
Herdplatte am 21. Januar 2019 vor dem Verlassen ihrer Wohnung nicht
abgestellt hat.
3.
3.1.
Wer fahrlässig zum Schaden eines andern oder unter Herbeiführung einer
Gemeingefahr eine Feuersbrunst verursacht, wird gemäss Art. 222 Abs. 1
StGB mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Die
Rechtsprechung versteht unter dem Begriff der Feuersbrunst einen Brand,
der vom Urheber nicht mehr selber bezwungen werden kann und
deswegen eine gewisse Erheblichkeit aufweist, wobei jeweils der konkreten
Situation, den allgemeinen Kenntnissen und den verfügbaren Mitteln des
Verursachers Rechnung zu tragen ist. Eine offene Flamme wird hingegen
- 8 -
nicht vorausgesetzt (ROELLI, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl.
2019, N. 7 f. zu Art. 221 StGB).
Fahrlässig begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Folge seines
Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf
nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter
die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen
persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Ein
Schuldspruch wegen fahrlässiger Tatbegehung setzt somit voraus, dass
der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat.
Sorgfaltswidrig ist ein Verhalten, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat
aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit
bewirkte Gefährdung hätte erkennen können und müssen und wenn er
zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Das Mass
der im Einzelfall zu beachtenden Sorgfalt richtet sich, wo besondere, der
Unfallverhütung und der Sicherheit dienende Normen ein bestimmtes
Verhalten gebieten, in erster Linie nach diesen Vorschriften. Fehlen solche,
kann auf analoge Regeln privater oder halbprivater Vereinigungen
abgestellt werden, sofern diese allgemein anerkannt sind. Dies schliesst
nicht aus, dass der Vorwurf der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine
Rechtsgrundsätze, wie etwa den allgemeinen Gefahrensatz, gestützt
werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1163/2016 vom 21. April 2017
E. 5.2; BGE 143 IV 138 E. 2.1; 135 IV 56 E. 2.1).
3.2.
3.2.1.
Die Beschuldigte hat stets bestritten, den Herd am Morgen des 21. Januar
2019 benutzt zu haben. Sie machte geltend, am Vorabend Spaghetti
gekocht und den Herd danach ausgeschaltet zu haben. Am Morgen des
21. Januar 2019 habe sie vor dem Verlassen der Wohnung lediglich noch
den Rest der kalten Spaghetti aus der Pfanne gekratzt und gegessen (act.
23 f. Fragen 32 f. und 36 f.; act. 82; Protokoll Berufungsverhandlung vom
21. Januar 2022, S. 5 f.). Die Aussagen der Beschuldigten sind in dieser
Hinsicht grundsätzlich konstant ausgefallen. Sie lassen sich mit dem
übrigen Beweisergebnis indessen nicht in Übereinstimmung bringen.
Am 21. Januar 2019 um 12:19 Uhr meldete E., Eigentümer der
Liegenschaft an der Y.gasse [...] in Q., dass Rauch aus einer Wohnung im
3. oder 4. Stock kommen würde. Die Feuerwehr wurde unmittelbar
aufgeboten, welche bei Eintreffen der Polizei bereits mit den Löscharbeiten
beschäftigt war (act. 15 f.). Als Ursache des Brandes konnte eine nicht
abgestellte Herdplatte in der Wohnung der Beschuldigten eruiert werden.
Gemäss dem Fachbericht der Kantonspolizei Aargau vom 18. Februar
2019 konnte von den erstintervenierten Feuerwehrkräften in Erfahrung
gebracht werden, dass der linke Drehschalter des Herds eingeschaltet
gewesen sei. Die Unterseite der vorderen Kochplatte wies überdies ein
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auffälliges Spurenbild auf. Im näheren Umfeld der Platte waren die
Metallteile braun gefärbt und hoben sich dadurch deutlich von der Farbe
der hinteren Platte ab. Zudem waren Anlauffarben zu erkennen, welche
durch starke thermische Belastung entstanden waren. Auf der rechten
Seite wies die Trennwand des Unterschrankes im Bereich der vorderen
Herdplatte einen markanten Ausbrand auf. Von der Brandherdzone
ausgehend waren die Brandschäden zur rechten Seite hin abnehmend
(act. 28 f.). Als Brandursache wurde folglich eruiert, dass die eingeschaltete
Herdplatte die Pressspanplatte und die aus Holz bestehenden Unterbauten
in Brand gesetzt hatte. Die Kochplatte sei über längere Zeit eingeschaltet
gewesen und die entstehende Hitze habe aufgrund der Konstruktion nicht
abgeführt werden können. Die Hitze habe sich unter der Küchenabdeckung
gestaut und in der Folge dürfte sich die Zwischenwand im oberen
Stirnbereich entzündet haben, was zu deren Ausbrand geführt habe
(act. 29).
Soweit die Beschuldigte das Ergebnis des Brandermittlungsberichts in
Frage stellt, vermag dies nicht zu überzeugen. Die im Fachbericht
wiedergegebenen Aussagen der Feuerwehrkräfte, wonach die Herdplatte
eingeschaltet gewesen sei, konnten im Rahmen des Berufungsverfahrens
verifiziert werden. Der als Zeuge befragte Feuerwehrmann D. bestätigte im
Zuge der Berufungsverhandlung vom 8. Februar 2022, dass die Herdplatte
in der Wohnung der Beschuldigten eingeschaltet gewesen sei. Die Türe zur
Wohnung sei verschlossen gewesen, weshalb sie diese hätten aufbrechen
müssen. Es habe in der Wohnung dichter Rauch gehabt, weshalb er ein
Fenster eingeschlagen habe, damit der Rauch abziehen und er sich Sicht
habe verschaffen können. Schliesslich habe er den Herd, welcher
eingeschaltet gewesen sei, ausgeschaltet. Dies habe er über Funk dem
Einsatzleiter mitgeteilt. Später habe er auch den Brandermittler
dahingehend informiert, dass er die Position des Herdschalters verändert
habe. Er sei sich zu 100 % sicher, dass der Herdschalter an gewesen sei.
Auf welcher Stufe genau, könne er indessen nicht mehr sagen. Ebenso
wenig könne er sich noch daran erinnern, ob eine Pfanne auf dem Herd
gestanden habe (Protokoll Berufungsverhandlung vom 8. Februar 2022,
S. 2 ff.). Die Aussagen des Zeugen D. sind klar und differenziert
ausgefallen. Sie werden überdies durch die Aussagen des ebenfalls als
Zeugen befragten Kommandanten der Feuerwehr Q., C., gestützt, welcher
bestätigte, dass D. ihm mitgeteilt habe, dass er die Herdplatte
ausgeschaltet habe (Protokoll Berufungsverhandlung vom 21. Januar
2022, S. 3 f.). Gründe, weshalb der Zeuge D. unwahre Angaben zu Lasten
der Beschuldigten machen würde, sich keine ersichtlich, steht er zu dieser
doch in keinerlei Beziehung (Protokoll Berufungsverhandlung vom
8. Februar 2022, S. 2). Entsprechend ist auf seine Aussagen abzustellen
und kann damit als erstellt erachtet werden, dass die Herdplatte in der
Wohnung der Beschuldigten eingeschaltet gewesen ist. Damit ist auch
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nicht zu beanstanden, dass sich der Brandermittlungsbericht auf diese
Tatsache stützt.
Entgegen der Darstellung der Beschuldigten lassen sich dem Fachbericht
auch keine widersprüchlichen Angaben entnehmen. Denn entgegen ihrer
Annahme wird der Begriff «Einsatzkräfte» für die aufgebotenen Einsatz-
kräfte der Polizei verwendet und ist damit nicht die erstintervenierende
Feuerwehr gemeint. Dass somit nicht von Seiten der Feuerwehr, sondern
vielmehr von Seiten der Polizei zunächst gemutmasst wurde, dass Asche
im Abfalleimer als Brandursache in Frage käme, findet auch Stütze in den
Aussagen des Zeugen D.. Denn dieser gab an, mit dem Brandermittler nur
über den Herdschalter gesprochen zu haben. Asche im Abfalleimer sei kein
Thema gewesen. Er wisse auch nicht, wer diese Aussagen gegenüber dem
Brandermittler gemacht haben könnte (Protokoll der Berufungs-
verhandlung vom 8. Februar 2022, S. 4). Dass Asche im Abfalleimer
Ursache des Brandes gewesen sein könnte, konnte in Anbetracht des
intakten Abfalleimers auch klar wiederlegt werden. Die Tatsache, dass die
Herdplatte nicht ausgeschaltet wurde, stimmt sodann auch mit dem übrigen
Beweisergebnis, insbesondere den Brandspuren (Verfärbung der
betroffenen Herdplatte, Anlauffarben), überein. Der Brandermittler stützte
seine Schlussfolgerungen hinsichtlich der Brandursache entsprechend
nicht einzig auf die Aussagen der Feuerwehr, sondern führte aus, dass
«das angetroffene Spurenbild, die Aussagen der intervenierenden
Feuerwehr sowie die durchgeführte Untersuchung» aufgezeigt habe, dass
eine eingeschaltete Herdplatte zum Brand geführt habe (act. 29). Es
bestehen sodann keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass ein technischer
Defekt zum Brand geführt haben könnte. Entsprechend erweist sich der
Brandermittlungsbericht hinsichtlich der Brandursache als klar und
überzeugend, weshalb auf diesen abzustellen ist.
3.2.2.
Die Vorinstanz hat gestützt auf die Aussagen der Beschuldigten, wonach
sie den Herd am Morgen des 21. Januar 2019 nicht benutzt haben will,
darauf geschlossen, dass diese den Herd am besagten Morgen wohl
unabsichtlich mit dem Gesäss betätigt hat (vorinstanzliches Urteil, E. 6.6).
Die Beschuldigte rügt diese vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung zu
recht, befinden sich für diese Tatvariante doch keine genügenden Hinweise
in den Akten, zumal die Beschuldigte anlässlich der Befragung im Rahmen
der vorinstanzlichen Hauptverhandlung betont hat, dass die Drehknöpfe
des Herds schwer zu bedienen seien und diese Möglichkeit deshalb
kategorisch ausgeschlossen hat (act. 82). Soweit sich die Vorinstanz aber
dennoch auf diese Variante festlegt, legt sie der Sachverhaltsfeststellung
ihre eigenen Vermutungen zu Grunde, welche sich beweismässig nicht
stützen lassen.
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3.2.3.
Dies führt indessen nicht dazu, dass die Beschuldigte vorliegend
freizusprechen wäre. Gemäss den verbindlichen Feststellungen des
Fachberichts führte eine nicht abgestellte Herdplatte zum Brand. Die
Beschuldigte hat im Rahmen der Strafuntersuchung bestätigt, am Morgen
des 21. Januar 2019 als letzte Person die Wohnung verlassen und die Türe
hinter sich verschlossen zu haben. Zudem machte sie geltend, über ihre
beiden Wohnungsschlüssel verfügt zu haben. Einen habe sie an besagtem
Tag auf sich getragen, der andere habe sich in der Wohnung befunden
(act. 21 Fragen 12 ff.; act. 82; Protokoll Berufungsverhandlung vom
21. Januar 2022, S. 5). Dass eine andere Person als die Beschuldigte die
Herdplatte angelassen haben könnte, erscheint mithin ausgeschlossen.
Entsprechendes wird von der Beschuldigten auch gar nicht behauptet.
Sofern die Beschuldigte mithin geltend macht, sie habe die Herdplatte am
Morgen des 21. Januar 2019 nicht eingeschaltet, steht dies im Widerspruch
zum durch den Brandermittlungsbericht erstellten Beweisergebnis und ist
mithin als Schutzbehauptung zu werten. Die Beschuldigte zeigte sich
anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung zwar überzeugt, den
Herd am Morgen des 21. Januar 2019 nicht verwendet zu haben.
Anlässlich der Strafuntersuchung hatte sie in dieser Hinsicht hingegen noch
Unsicherheiten gezeigt, zumal sie auf den Vorhalt, wonach der Verdacht
bestehe, dass sie vergessen habe, die Herdplatte abzustellen, Folgendes
geantwortet hatte: «Unmöglich. Weil ich die am Morgen gar nicht
einschaltete. Es sei denn.... Nein. Ne. Ne.»; act. 24 Frage 39). Darüber
hinaus hat sie im Zuge des Berufungsverfahrens Angaben gemacht,
welche im Widerspruch zu den Untersuchungsakten stehen. So machte sie
anlässlich der Berufungsverhandlung vom 21. Januar 2022 erstmals
geltend, die kalten Spaghetti am Morgen des 21. Januar 2019 neben ihrem
Schlafplatz gegessen zu haben. Sie habe am Abend des 20. Januar 2019
eigentlich zwei Mal gegessen. Zunächst habe sie die Spaghetti in einen
Teller gemacht und diese dann am Boden neben ihrem Schlafplatz
gegessen. Danach habe sie die bereits abgekühlte Pfanne geholt und dann
direkt daraus nochmals ein wenig Spaghetti gegessen. Am Morgen habe
sie dann direkt von ihrem Schlafplatz aus die Resten herausgekratzt. Es
könne daher nicht sein, dass sie den Herdschalter am 21. Januar 2019
unabsichtlich mit dem Gesäss betätigt habe, da sie sich an diesem Morgen
gar nicht in der Nähe des Herds aufgehalten habe (Protokoll Berufungs-
verhandlung vom 21. Januar 2022, S. 6 f.).
Auf den sich in den Akten befindlichen Fotos ist jedoch ersichtlich, dass
sich die schwarze Pfanne, welche die Beschuldigte gemäss eigenen
Angaben zum Kochen der Spaghetti verwendet hat (act. 24 Frage 36), im
Zeitpunkt des Brandes unmittelbar neben dem Kochfeld befand (act. 34).
Wird den Angaben der Beschuldigten gefolgt, wonach sie am Morgen vor
dem Verlassen der Wohnung noch die Resten der Spaghetti gegessen hat,
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muss sie sich also zwingend zum Kochfeld begeben haben, um die Pfanne
dort abzustellen. Somit kann ihre anlässlich der Berufungsverhandlung
vom 21. Januar 2022 gemachte Aussage, dass sie sich am Morgen gar
nicht in der Nähe des Herds aufgehalten habe, nicht zutreffen. Ihr
Aussagen sind demnach als Schutzbehauptungen zu werten.
In einer Gesamtbetrachtung muss folglich darauf geschlossen werden,
dass die Beschuldigte die Herdplatte am Morgen des 21. Januar 2019 wie
in der Anklage wiedergegeben beim Verlassen der Wohnung nicht
ordnungsgemäss ausgeschaltet hat, was folglich zum Brand führte. Dass
mangels Angaben der Beschuldigten – welche die Tat bestreitet – nicht
mehr genau eruiert werden kann, aus welchen Gründen sie die Herdplatte
eingeschaltet hat, ändert an dieser Schlussfolgerung nichts. Dass sich eine
andere Person als die Beschuldigte für den Brand verantwortlich zeichnen
könnte, erscheint gestützt auf die Ergebnisse des Fachberichts und ihre
eigenen Angaben, wonach sie als letzte die Wohnung verlassen und die
Türe hinter sich verschlossen habe, als ausgeschlossen.
3.3.
Der vorinstanzliche Schuldspruch ist unter den gegebenen Umständen
damit nicht zu beanstanden.
Nach Abs. 2 Ziff. 1 der VKF Brandschutzrichtlinie, Brandverhütung und
obligatorisches Brandschutz, 12-15 de, hat jeder mit Feuer und offenen
Flammen, Wärme, Elektrizität und anderen Energiearten, feuer- oder
explosionsgefährlichen Stoffen sowie mit Maschinen, Apparaten usw. so
umzugehen, dass keine Brände oder Explosionen verursacht werden oder
entstehen können. Dieser Sorgfaltspflicht ist die Beschuldigte nicht
nachgekommen, indem sie ihren Herd beim Verlassen ihrer Wohnung nicht
abgestellt hat, was schlussendlich zum Brand führte. Mithin ist eine
Sorgfaltspflichtverletzung ihrerseits zu bejahen.
Die Folgen der Sorgfaltspflichtverletzung waren für sie denn auch
erkennbar wie auch vermeidbar. So entspricht es der allgemeinen
Lebenserfahrung, dass das Anlassen einer Herdplatte zu einer grossen
Hitzeentwicklung führt, welche insbesondere bei einer alten Küchen-
konstruktion wie der vorliegenden zu einem Brand führen kann. Die
Beschuldigte war sich der Risiken mit Blick auf das Alter ihrer Küche zudem
bewusst, zumal sie geltend machte, aus Vorsicht für gewöhnlich eigentlich
auf zwei anderen Herdplatten zu kochen. Sie hatte im Laufe der
Strafuntersuchung auch ausgeführt, bereits einmal ihren Vermieter
gebeten zu haben, zu überprüfen, ob der Herd wirklich ausgeschaltet sei,
nachdem sie einmal auf den originalen Herdplatten gekocht habe (vgl.
act. 23 Fragen 33 f.). Der Brand wäre sodann ohne weiteres vermeidbar
gewesen, wenn die Beschuldigte die Herdplatte bei Verlassen ihrer
Wohnung pflichtgemäss ausgeschaltet hätte. Entsprechend ist auch nicht
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von Bedeutung, dass das Alter und die Beschaffenheit den Brand gemäss
dem Brandermittlungsbericht den Brand zusätzlich begünstigt haben
könnten (act. 30). Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz
aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers
beziehungsweise eines Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als
Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden
musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und
unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle anderen
mitverursachenden Faktoren – namentlich das Verhalten des Angeschul-
digten – in den Hintergrund drängen (BGE 135 IV 56 E. 2.1 mit Hinweisen).
Dies ist vorliegend nicht der Fall, zumal es ohne die Sorgfalts-
pflichtverletzung der Beschuldigten gar nicht erst zu einer relevanten
Hitzeentwicklung gekommen wäre, welche in der Folge zum Brand führte.
Durch die Hitze der angelassenen Herdplatte entwickelte sich ein Brand,
welcher den Einsatz der Feuerwehr notwendig machte. Auch wenn es
ausweislich der Akten zu keinen grossen offenen Flammen kam, zeugt das
Schadbild von einem nicht unerheblichen Ausmass des Brandes (act. 32
ff.). Aufgrund von vorhandenen Brandnestern mussten durch die
Feuerwehr sodann einzelne Elemente der Küchenkombination heraus-
gerissen werden (act. 16). Gestützt auf diese Umstände muss somit darauf
geschlossen werden, dass der Brand von der Beschuldigten selber nicht
hätte bezwungen werden können. Das Vorliegen einer Feuersbrunst ist
mithin zu bejahen. Aufgrund des Brandes entstand an der Mietwohnung,
welche sich im Eigentum von E. befindet, ein Sachschaden von
Fr. 21'900.00 (act. 12). Damit ist die Voraussetzung der Schadenszufügung
zu Lasten eines Dritten ebenfalls erfüllt.
Der vorinstanzliche Schuldspruch ist nach dem Gesagten zu bestätigen.
4.
4.1.
Die Vorinstanz hat im Rahmen der Strafzumessung Art. 54 StGB
angewandt und von einer Strafe Umgang genommen.
Gemäss Art. 54 StGB sieht das Gericht von einer Bestrafung ab, wenn der
Täter durch die unmittelbaren Folgen seiner Tat so schwer betroffen ist,
dass eine Strafe unangemessen wäre. Ob dies der Fall ist, ist unter dem
Aspekt sämtlicher Strafzwecke zu entscheiden. Unmittelbare Betroffenheit
kann auch bei einem Vermögensschaden vorliegen, z.B. beim Abrennen
des eigenen Heims bei ungenügender Versicherung (TRECHSEL/KELLER, in:
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2021, N. 2 f.
zu Art. 54 StGB).
Die Beschuldigte hat durch den Brand gemäss eigenen Angaben beinahe
ihren gesamten Besitz verloren. Sie habe gewisse Bücher noch retten
- 14 -
können, die meisten der restlichen Sachen, so z.B. ihre Kleider, habe sie
aber nicht mehr gebrauchen können, diese seien verfärbt bzw. verbrannt
gewesen (act. 84). Die Beschuldigte verfügt zudem über keine
Hausratsversicherung (act. 84). Sie erscheint mithin in persönlicher wie
auch finanzieller Hinsicht – insbesondere auch aufgrund ihrer angespann-
ten finanziellen Lage (vgl. act. 22 Fragen 22 ff.; act. 80) – durch die Tat
schwer betroffen. Demgegenüber erscheint ihr Verschulden noch als leicht.
Die Vorinstanz hat damit Art. 54 StGB zu Recht angewandt, was
entsprechend zu bestätigen ist.
4.2.
Aufgrund der Anwendung von Art. 54 StGB erfolgt keine Eintragung im
Strafregister (Art. 366 Abs. 2 lit. a StGB e contrario).
5.
5.1.
Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Berufung der
Beschuldigten ist abzuweisen, weshalb sie die Kosten des obergericht-
lichen Verfahrens zu tragen hat. Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 2'000.00
(§ 18 Abs. 1 VKD; exkl. Auslagen) festzusetzen.
5.2.
Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten ist aus der Staatskasse zu
entschädigen (Art. 135 Abs. 1 und 2 StPO i.V.m. § 9 AnwT). Er machte mit
Kostennoten vom 21. Januar 2022 und 8. Februar 2022 einen Aufwand von
gesamthaft 18.5 Stunden à Fr. 200.00 sowie Auslagen von Fr. 199.50 und
die gesetzliche Mehrwertsteuer, gesamthaft somit Fr. 4'199.80 geltend.
Dies erweist sich grundsätzlich als angemessen. Einzig der von ihm für die
Berufungsverhandlung vom 21. Januar 2022 auf 3.5 Stunden geschätzte
Aufwand ist auf die effektive Dauer der Verhandlung von 2.25 Stunden
(1.5 Stunden zzgl. 45 Min. Reisezeit für Hin- und Rückweg) zu korrigieren.
Der zu entschädigende Aufwand beträgt damit 17.25 Stunden. Die
Obergerichtskasse ist demnach anzuweisen, ihm eine Entschädigung von
gerundet Fr. 3'900.00 auszurichten.
Diese Entschädigung ist von der Beschuldigten zurückzufordern, sobald es
ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).
Die Beschuldigte hat zudem dem amtlichen Verteidiger die Differenz
zwischen der amtlichen Entschädigung (Stundenansatz Fr. 200.00) und
dem vollen Honorar (Stundenansatz Fr. 220.00), zuzüglich der auf dieser
Differenz geschuldeten Mehrwertsteuer, zu erstatten, d.h. gerundet insge-
samt Fr. 375.00 (inkl. Mehrwertsteuer), sobald es ihre wirtschaftlichen
Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO).
- 15 -
6.
6.1.
Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO). Die Beschuldigte wird verurteilt und hat mithin die Kosten
des erstinstanzlichen Verfahrens zu tragen (Art. 426 Abs. 1 StPO), womit
die vorinstanzliche Kostenauferlegung zu bestätigen ist.
6.2.
Die dem amtlichen Verteidiger der Beschuldigten für das erstinstanzliche
Verfahren zugesprochene Entschädigung von Fr. 3'888.85 ist im
Berufungsverfahren unangefochten geblieben und somit keiner Über-
prüfung zugänglich (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom
28. Januar 2019 E. 2).
Die Entschädigung ist von der Beschuldigten zurückzufordern, sobald es
ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).
Die Beschuldigte hat zudem dem amtlichen Verteidiger die Differenz
zwischen der amtlichen Entschädigung (Stundenansatz Fr. 200.00) und
dem vollen Honorar (Stundenansatz Fr. 220.00), zuzüglich der auf dieser
Differenz geschuldeten Mehrwertsteuer, zu erstatten, d.h. gerundet
insgesamt Fr. 350.00 (inkl. Mehrwertsteuer), sobald es ihre wirtschaftlichen
Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO).