Decision ID: 74938ab9-5fea-5039-9ed6-175d9f9c6424
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ T.N., geboren 1968, ist Staatsangehöriger von Sri Lanka. Er reiste 1989 illegal in die
Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Dieses wurde mit Verfügung vom 31. Mai 1990
abgewiesen. Der Gesuchsteller erhob gegen den ablehnenden Entscheid Beschwerde
bei der Schweizerischen Asylrekurskommission. 1996 verfügte das Bundesamt für
Flüchtlinge die vorläufige Aufnahme. T.N. ist in St. Gallen wohnhaft. Am 18. März 2004
erteilte ihm das Ausländeramt eine Aufenthaltsbewilligung aus humanitären Gründen.
Am 20. Januar 2005 beantragte die srilankische Staatsangehörige M. K., geboren
1971, bei der Schweizer Botschaft in Colombo ein Visum für die Einreise in die Schweiz
zwecks Vorbereitung der Heirat mit ihrem Verlobten T. N. und dem anschliessenden
Verbleib beim Ehemann.
Mit Verfügung vom 5. April 2005 wies das Ausländeramt das Gesuch von M. K. ab. Zur
Begründung führte es im wesentlichen aus, die Vorbereitung der Heirat könne einen
wichtigen Grund für die Erteilung einer befristeten Aufenthaltsbewilligung darstellen,
wenn mit einer Heirat innert vernünftiger Frist zu rechnen sei und die allgemeinen
Voraussetzungen für einen Familiennachzug als gegeben erscheinen würden.
Vorliegend fehlten aber die für eine Eheschliessung erforderlichen Dokumente, und die
finanziellen Mittel für den Familiennachzug seien nicht ausreichend, zumal T. N.
vollumfänglich vom Sozialamt unterstützt werde.
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B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob T. N. durch seine Rechtsvertreterin
Rekurs beim Justiz- und Polizeidepartement. Zur Begründung machte er im
wesentlichen geltend, er sei vor Erlass der angefochtenen Verfügung nicht angehört
worden. Die Vorbereitung der Heirat sei ein wichtiger Grund für eine
Aufenthaltsbewilligung an nicht erwerbstätige Ausländer. Dabei werde in der Praxis
eine befristete Bewilligung erteilt, sofern glaubhaft gemacht sei, dass innert einiger
Monate mit der Papierbeschaffung und der Heirat gerechnet werden könne. Er sei
seinen Pflichten zur Besorgung der Papiere vollumfänglich nachgekommen und habe
die erforderlichen Dokumente eingereicht. Es fehle einzig noch der positive
Prüfungsentscheid des Zivilstandsamts, welcher in wenigen Monaten vorliegen sollte.
Im weiteren verfüge er mit der eigenen Zweizimmerwohnung über angemessenen
Wohnraum. Aus gesundheitlichen Gründen (Folgen einer Kinderlähmung) sei er auf die
Unterstützung seiner in der Schweiz lebenden Verwandten und Bezugspersonen
dringend angewiesen. Sein Aufenthalt erscheine gefestigt. Wegen eines
schwerwiegenden Gesundheitsschadens könne er nicht arbeiten und werde
vollumfänglich von der Sozialhilfe unterstützt. Seine zukünftige Ehefrau würde der
Allgemeinheit finanziell nicht zur Last fallen, weil drei Brüder und ein Neffe
vollumfänglich für sie aufkämen. Aufgrund seines Gesundheitszustands und der
Tatsache, dass alle Verwandten in der Schweiz lebten, sei eine Heirat im Ausland nicht
zumutbar. Wegen seiner Behinderung komme ihm ein verstärktes Recht auf
Gemeinschaft zu.
Das Justiz- und Polizeidepartement wies den Rekurs mit Entscheid vom 6. März 2006
ab. Es liess die Frage einer Verletzung des rechtlichen Gehörs offen und hielt fest, ein
allfälliger Verfahrensmangel wäre im Rekursverfahren geheilt worden. Weiter erwog es,
als Inhaber einer Jahresaufenthaltsbewilligung könne sich der Beschwerdeführer weder
auf einen Staatsvertrag noch auf eine gesetzliche Bestimmung für einen Anspruch auf
Familiennachzug berufen. Im übrigen seien die Voraussetzungen für den
Familiennachzug nicht gegeben. Der Gesuchsteller verfüge nicht über genügend
finanzielle Mittel für den Unterhalt der Familie. Die Zusicherungen der Brüder und des
Neffen, ihn zu unterstützen, könnten vom allfällig betroffenen Gemeinwesen nicht
durchgesetzt werden. Sodann überzeuge es nicht, dass die Heirat im Ausland
unzumutbar sei. Soweit ersichtlich sei die Verlobte des Rekurrenten noch nie in der
Schweiz gewesen, was nahelege, dass der Rekurrent in seiner Heimat gewesen und
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mithin reisefähig sei. Im übrigen sei nicht ersichtlich, inwiefern eine Diskriminierung des
behinderten Rekurrenten bestehe. Der Familiennachzug werde wegen fehlender
finanzieller Mittel und nicht wegen der Behinderung verweigert. Auch eine indirekte
Diskriminierung sei nicht ersichtlich. Im übrigen lägen Aufenthalt und Einreise
ausserhalb des Geltungsbereichs des Bundesgesetzes über die Beseitigung von
Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen.
C./ Mit Eingabe vom 20. März 2006 erhob T. N. durch seine Rechtsvertreterin
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid sei
aufzuheben und die Angelegenheit sei zur Erteilung einer Einreise- bzw.
Aufenthaltsbewilligung zwecks Vorbereitung der Heirat für M. K. an das Ausländeramt
zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird unter
anderem vorgebracht, der Beschwerdeführer leide seit der Kindheit an den Folgen
einer Kinderlähmung. 1989 habe er sich zudem schwer verletzt, als er sich bei einem
Wohnungsbrand mit einem Sprung aus dem Fenster habe retten müssen. Aufgrund
seiner gesundheitlichen Beschwerden könne er keiner Arbeit nachgehen. Er sei zur Zeit
vollumfänglich auf die Unterstützung der Sozialhilfe angewiesen. Sein Gesuch um IV-
Leistungen sei wegen Nichterfüllens der einjährigen Beitragsdauer abgewiesen worden.
Im Juli 2005 habe er ein Gesuch um ausserordentliche Ergänzungsleistungen gestellt.
Vor drei Jahren habe er M. K. kennengelernt. Er habe seine Verlobte noch nie
persönlich getroffen, kenne sie aber aus zahlreichen Fotos, Videos, Telefonaten und
Briefen. Sie pflegten regen Kontakt. Die Vorbereitung der Eheschliessung sei ein
wichtiger Grund, nichterwerbstätigen Ausländern eine Aufenthaltsbewilligung zu
erteilen. Die Verweigerung der Aufenthalts- bzw. Einreisebewilligung verstosse gegen
das Recht auf Heirat bzw. die Ehefreiheit gemäss Art. 12 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK). Ausserdem stelle der
angefochtene Entscheid eine indirekte Diskriminierung dar. Auf die weiteren Vorbringen
in der Beschwerde wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 3. April 2006 auf Abweisung der
Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
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1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 20. März 2006 wurde
rechtzeitig eingereicht und entspricht formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die zuständige Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt und Niederlassung.
a) Ist ein Ausländer im Besitz einer Niederlassungsbewilligung, so hat sein Ehegatte
Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, solange die
Ehegatten zusammenwohnen (Art. 17 Abs. 2 ANAG). Demgegenüber räumt das Gesetz
Ausländern mit einer Aufenthaltsbewilligung keinen Rechtsanspruch auf
Familiennachzug ein (BGE 122 I 46). Die Verwaltungsbehörden haben daher bei
Familiennachzugsbegehren von Personen mit Aufenthaltsbewilligung nach
pflichtgemässem Ermessen zu entscheiden, wobei insbesondere die geistigen und
wirtschaftlichen Interessen sowie der Grad der Ueberfremdung des Landes zu
berücksichtigen sind (Art. 16 ANAG und Art. 8 Abs. 1 der Vollziehungsverordnung zum
ANAG, SR 142.201).
b) Art. 36 der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (SR 823.21,
abgekürzt BVO) bestimmt, dass anderen nicht erwerbstätigen Ausländern
Aufenthaltsbewilligungen erteilt werden können, wenn wichtige Gründe es gebieten.
Der Begriff "andere" bezieht sich auf Art. 31 ff. BVO, worin die Erteilung von
Aufenthaltsbewilligungen an Schüler, Studenten, Rentner und Pflegekinder sowie für
Aufenthalte für medizinische Behandlungen geregelt werden. Zur Vorbereitung einer
Heirat mit einem Schweizer oder mit einem in der Schweiz lebenden ausländischen
Staatsangehörigen kann ebenfalls eine befristete Bewilligung nach Art. 36 BVO erteilt
werden, sofern mit einer Heirat innert vernünftiger Frist zu rechnen ist und die übrigen
Voraussetzungen für einen Familiennachzug als erfüllt erscheinen (Uebersax/ Münch/
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Geiser/Arnold [Hrsg.], Ausländerrecht, Basel 2002, Rz 5.142 mit Hinweis auf Ziff. 556.3
der Weisungen des Bundesamts für Migration).
Weitere Voraussetzungen für die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Art. 36
BVO sind eine angemessene Wohnung, ein gefestigtes Aufenthaltsrecht und
hinreichende finanzielle Mittel des Gesuchstellers. Art. 37 BVO bestimmt, dass die
Kantone die Zulassung von nicht erwerbstätigen Ausländern an strengere
Voraussetzungen knüpfen können. Aus der BVO können ausserdem keine
Rechtsansprüche auf Erteilung von Bewilligungen abgeleitet werden, welche nicht im
Gesetz im formellen Sinn verankert sind (BGE 130 II 284).
c) Die Vorinstanz erwog, die erforderlichen Papiere für die Heirat würden nach rund
einem Jahr seit der Einreichung des Gesuchs offenbar immer noch fehlen. Eine
gefälschte Geburtsurkunde habe zu Verzögerungen geführt. Deshalb habe - aus
heutiger Sicht - im Zeitpunkt des Gesuchs nicht von einer vernünftigen Frist bis zur
Heirat ausgegangen werden können.
Dagegen wendet der Beschwerdeführer ein, es sei nicht der Sachverhalt bei der
Gesuchseinreichung massgebend, sondern derjenige im Zeitpunkt des
Rekursentscheids. Der Beschwerdeführer und seine Verlobte würden sobald als
möglich, d.h. sobald sie über alle nötigen Dokumente verfügen würden, heiraten.
Festzuhalten bleibt, dass die Vorinstanz das Fehlen der erforderlichen Papiere nicht als
ausschlaggebend für die Verweigerung der Bewilligung betrachtet hat. Es lässt sich
jedenfalls nicht bestreiten, dass die erforderlichen Papiere rund ein Jahr nach
Einreichung des Gesuchs um Erteilung einer Einreise- und Aufenthaltsbewilligung noch
ausstehend waren. An dieser Tatsache ändert der Umstand nichts, dass der
Sachverhalt im Zeitpunkt des Rekursentscheids massgebend ist und die Vorinstanz ein
allfälliges Vorhandensein der erforderlichen Papiere im Zeitpunkt ihres Entscheids hätte
berücksichtigen müssen. Dieser Umstand ist aber wie erwähnt im Streitfall nicht
ausschlaggebend, weshalb auf weitere Erörterungen zu verzichten ist.
d) Fest steht, dass der Beschwerdeführer aufgrund einer schwerwiegenden
gesundheitlichen Beeinträchtigung keiner Erwerbstätigkeit nachgeht und
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vollumfänglich von der Sozialhilfe unterstützt wird. Die Erklärungen seiner drei Brüder
und eines Neffen, für allfällige finanzielle Aufwendungen der Verlobten vollständig
aufzukommen, können nach der ständigen Praxis des Verwaltungsgerichts nicht als
Vorhandensein genügender finanzieller Mittel für den Unterhalt der Familie im Sinn von
Art. 39 Abs. 1 lit. c BVO anerkannt werden. Das Verwaltungsgericht erwog, eine
Garantieerklärung könne rechtlich insofern nicht bindend sein, als ein derartiges
Dauerschuldverhältnis nicht unkündbar ausgestaltet werden könne. Daher dürften
finanzielle Zusagen von Verwandten nur dann berücksichtigt werden, wenn sie im
Rahmen der Verwandtenunterstützungspflicht gemäss Art. 328 Abs. 1 ZGB
eingefordert werden können (vgl. VerwGE vom 13. Dezember 2001 i.S. K.P. und
VerwGE vom 19. März 2002 i.S. N.M. mit Hinweis auf P. Kottusch, Zur rechtlichen
Regelung des Familiennachzugs von Ausländern, in: ZBl 90/1989 S. 338; vgl. weiter
VerwGE vom 19. Februar 2004 i.S. R.I., vom 6. Mai 2003 i.S. N.I. und vom 23. April
2003 i.S. A.S.). Diese Erklärungen der Verwandten sind gegenüber dem Gemeinwesen
rechtlich nicht verpflichtend, und das Gemeinwesen hätte keine Möglichkeit,
gegenüber den Verwandten allfällige Leistungen durchzusetzen.
Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, er habe ein Gesuch um
Ergänzungsleistungen eingereicht und dürfe gemäss telefonischer Auskunft der
zuständigen Stelle guter Hoffnung sein, dereinst unabhängig von der Sozialhilfe leben
zu können. Diese Ausführungen vermögen am Umstand, dass der Beschwerdeführer
aufgrund seiner Erwerbsunfähigkeit auch inskünftig vollumfänglich der öffentlichen
Wohlfahrt zur Last fällt, nichts zu ändern.
e) Der Beschwerdeführer rügt ausserdem, der angefochtene Entscheid stelle eine
indirekte Diskriminierung dar und verstosse somit gegen Art. 8 Abs. 2 der
Schweizerischen Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV). Diese Rüge ist im Lichte
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 126 II 392 ff.) unbegründet. Dem
Beschwerdeführer wurde die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung für seine Verlobte
nicht wegen seiner Behinderung verweigert, sondern wegen seiner fehlenden
finanziellen Mittel bzw. wegen seiner Sozialhilfeabhängigkeit. Eine Behinderung stellt
überdies nicht notwendigerweise eine Erwerbsunfähigkeit dar. Die Erwerbsunfähigkeit
gründet unter anderem auch darin, dass der Beschwerdeführer offenbar keine
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spezifischen Fähigkeiten aufweist, welche ihn ungeachtet seiner körperlichen
Beeinträchtigung zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit befähigen würden.
f) Der Beschwerdeführer macht schliesslich geltend, es liege ein Verstoss gegen das
Recht auf Heirat bzw. die Ehefreiheit gemäss Art. 12 EMRK vor. Nach dieser
Bestimmung haben Männer und Frauen mit Erreichen des heiratsfähigen Alters gemäss
den einschlägigen nationalen Gesetzen das Recht, eine Ehe einzugehen und eine
Familie zu gründen. Im vorliegenden Fall wird dem Beschwerdeführer nicht der
Eheschluss bzw. die Gründung einer Familie untersagt. Vielmehr wurde seiner Braut die
Einreise und der dauernde Aufenthalt in der Schweiz verweigert. Art. 12 EMRK
verschafft einem ausländischen Staatsangehörigen keinen Rechtsanspruch auf Einreise
und Aufenthalt in der Schweiz, und überdies kann daraus auch kein Rechtsanspruch
eines an einer Behinderung leidenden Ausländers auf Familiennachzug abgeleitet
werden. Hinzu kommt, dass Art. 12 EMRK einen Vorbehalt des nationalen
Gesetzesrechts enthält. Dieser umfasst unter anderem auch materielle Bedingungen,
unter anderem die Geltung des Ordre public (M.E. Villiger, Handbuch der Europäischen
Menschenrechtskonvention, 2. Aufl., Zürich 1999, Rz. 645).
Der Beschwerdeführer hat in der Beschwerde erstmals ausgeführt, er habe seine
Verlobte noch nie gesehen. Er habe sie vor drei Jahren kennengelernt. Er kenne sie aus
zahlreichen Fotos, Videos, Telefonaten und Briefen. Sie pflegten regen Kontakt.
Art. 14 BV gewährleistet das Recht auf Ehe und Familie. Das Recht auf Ehe ist ein
Individualrecht, das die Freiheit jeder Person schützt, im heiratsfähigen Alter zu
heiraten, und es verbietet gleichzeitig Zwangsheiraten. Aus dem verfassungsmässigen
Recht auf Ehe und Familie wird die Ehefreiheit abgeleitet. Diese ist ein
höchstpersönliches Recht (vgl. Ruth Reusser, St. Galler Kommentar zu Art. 14 BV, Rz.
12). Dem Recht auf Eheschliessung als höchstpersönliches Individualrecht widerspricht
es, wenn ein Mann eine Frau heiratet, die er noch nie persönlich getroffen bzw. kennen
gelernt hat. Eine solche Heirat missachtet den höchstpersönlichen Charakter des
Rechts auf Ehe und lässt die Frau als Objekt von Fremdbestimmung erscheinen.
Prägendes Merkmal der Eheschliessung ist der freie Wille der Brautleute und das
Fehlen jeglichen Zwangs, eine im Grundsatz auf lebenslange Bindung angelegte
Lebensgemeinschaft einzugehen. Heiratet ein Mann eine Frau, die er vorher nie
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persönlich getroffen hat, so widerspricht dies dem Verständnis der Ehe als einer auf
dem freien Willen zweier gleichberechtigter Personen beruhenden Gemeinschaft. Das
Ansinnen des Beschwerdeführers verletzt die Würde der Frau und das
Persönlichkeitsrecht von M. K. und verstösst gegen den Ordre public, womit die
Berufung auf Art. 12 EMRK unzulässig ist.
g) Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Verweigerung der Einreise
und des Aufenthalts von M. K. weder Rechtsnormen noch allgemeine
Rechtsgrundsätze verletzt oder auf einem Missbrauch bzw. einer Ueberschreitung des
Ermessens beruht. Folglich ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
3./ Der Beschwerdeführer hat ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung gestellt. Diesem Gesuch ist nicht stattzugeben, da die
Beschwerde aufgrund des Verstosses gegen den Ordre Public als aussichtslos
beurteilt werden muss (Art. 99 Abs. 1 und 2 VRP in Verbindung mit Art. 281 Abs. 2 lit. a
des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2, abgekürzt ZPG; Art. 29 Abs. 3 BV). Nachdem die
Beschwerde als unbegründet abzuweisen ist, gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Gebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Auf
die Erhebung ist wegen voraussichtlicher Uneinbringlichkeit zu verzichten (Art. 97 VRP).
Im weiteren ist dem Beschwerdeführer auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
zu verweigern (Art. 99 Abs. 1 und 2 VRP in Verbindung mit Art. 281 Abs. 2 lit. a ZPG;
Art. 29 Abs. 3 BV), weshalb kein Kostenersatz zuzusprechen ist.