Decision ID: d05ac820-cb51-45c9-8d7b-c6e740dadf10
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Anweisung an Schuldner
Berufung gegen ein Urteil und eine Verfügung des Einzelgerichts im  Verfahren am Bezirksgericht Uster vom 2. Mai 2012 (EF120006)
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Rechtsbegehren:
"1. Es sei gemäss Ziffer 2 des (vor Bezirksgericht Uster mit Verfügung vom 6. September 2007) abgeschlossenen Vergleichs der Arbeitgeber des Beklagten umgehend bzw. superprovisorisch anzuweisen, den  von insgesamt Fr. 3'100.-- direkt an die Klägerin .
2. Es sei den Klägern 1 und 2 die unentgeltliche Prozessführung sowie  unentgeltliche Rechtsbeiständin in der Person der Unterzeichneten zu gewähren.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beklagten."
Verfügung und Urteil des Bezirksgerichts Uster:
Verfügung:
1. Das Gesuch der Kläger um unentgeltliche Rechtspflege wird .
2. [Schriftliche Mitteilung.]
3. [Beschwerdefrist 10 Tage, ohne Stillstand.]
Urteil:
1. Das klägerische Gesuch um Anweisung an die Schuldner wird .
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 500.--.
3. Die Kosten werden den Klägern je zur Hälfte und unter solidarischer Haftung für die gesamten Kosten auferlegt.
4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.
5. [Schriftliche Mitteilung.]
6. [Berufungsfrist 10 Tage, ohne Stillstand.]
Berufungsanträge:
"1. Dispositivziffer 1, 2, 3 und 4 der Verfügung [recte: des Urteils] des  Uster vom 2. Mai 2012 seien aufzuheben und unter  des rechtskräftigen Urteils des Bezirksgerichtes Uster vom 6. September 2007 sei gemäss Ziffer 2 des abgeschlossenen Vergleiches der Arbeitgeber des Rekursgegners [recte: Berufungsbeklagten] umge-
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hend bzw. superprovisorisch anzuweisen, den Unterhaltsbeitrag  rechtskräftigem Scheidungsurteil vom 3. Oktober 2006 (Ziffer 1 der genehmigten Vereinbarung über die Scheidungsfolgen vom 7.  2006) im Betrag von insgesamt Fr. 3'100.-- direkt an die  [recte: Berufungsklägerin 1] (Kontonr. ...) auszuzahlen.
2. Es sei den Rekurrenten [recte: Berufungsklägern] 1 und 2 die  Prozessführung sowie eine unentgeltliche Rechtsbeiständin in der Person der Unterzeichneten zu gewähren.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des  [recte: Berufungsbeklagten]."

Erwägungen:
1. a) Mit Eingabe vom 27. April 2012 stellten die Kläger bei der Vo-
rinstanz das eingangs aufgeführte Rechtsbegehren (Urk. 1). Eine Stellungnahme
des Beklagten wurde nicht eingeholt. Die Vorinstanz wies am 2. Mai 2012 sowohl
das Armenrechtsgesuch der Kläger wie auch deren Klage ab (Urk. 7, Dispositive
oben wiedergegeben).
b) Hiergegen haben die Kläger am 18. Mai 2012 fristgerecht Berufung mit
den vorstehend genannten Berufungsanträgen erhoben (Urk. 6 S. 2).
c) Mit dem vorliegenden Endentscheid wird, da einer allfälligen bundesge-
richtlichen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukäme, das Massnahme-
gesuch der Kläger gegenstandslos.
d) Da sich die Berufung sogleich als unbegründet erweist, kann auch im
Berufungsverfahren auf die Einholung einer Stellungnahme der Gegenpartei ver-
zichtet werden (Art. 312 Abs. 1 ZPO).
2. Mit der Berufung können unrichtige Rechtsanwendung und unrichtige
Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Der Beru-
fungsentscheid ist zu begründen (Art. 318 Abs. 2 ZPO in Verbindung mit Art. 112
BGG), wobei die Begründung kurz ausfallen darf, wenn der angefochtene Ent-
scheid bestätigt wird (Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommen-
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tar zur schweizerischen Zivilprozessordnung, N. 54 zu Art. 318 ZPO); insbeson-
dere ist es zulässig, auf die Begründung des zu bestätigenden erstinstanzlichen
Entscheides zu verweisen (BGE 126 III 353 Erw.1 mit Hinweisen).
3. Die Vorinstanz erwog, die Kläger hätten vorgebracht, dass die Parteien
eine Vereinbarung getroffen hätten, wonach die Klägerin 1 sofort zur Beantragung
einer Anweisung an den jeweiligen Arbeitgeber des Beklagten befugt sei, wenn
eine Unterhaltszahlung nicht fristgemäss erfolge, und aus dem Schreiben des Be-
klagten vom 27. März 2012 sei ersichtlich, dass der Beklagte die Unterhaltsbei-
träge ohne Rechtsgrundlage gekürzt habe. Aus jenem Schreiben ergebe sich
aber lediglich, dass der Beklagte die Unterhaltsbeiträge der Klägerin 1 persönlich
von Fr. 2'400.-- auf Fr. 1'210.-- kürzen wolle, womit nicht dargetan sei, inwiefern
der Beklagte seiner Unterhaltspflicht gegenüber dem Kläger 2 nicht nachgekom-
men sei. Dementsprechend sei das Gesuch betreffend den Kläger 2 offensichtlich
unbegründet; betreffend die Klägerin 1 sie die Vernachlässigung der Erfüllung der
Unterhaltspflicht dagegen glaubhaft gemacht (Urk. 7 S. 3).
Die Vorinstanz erwog sodann, bei der Festsetzung des Anweisungsbetrages
sei das betreibungsrechtliche Existenzminimum des Schuldners zu respektieren.
Aufgrund der von den Klägern eingereichten Unterlagen würde mit einer Anwei-
sung von mehr als dem seit März 2012 bezahlten Betrag von Fr. 1'210.-- in das
Existenzminimum des Beklagten eingegriffen, weshalb eine solche unzulässig
wäre. Dass der Beklagte diese Fr. 1'210.-- nicht bezahlt hätte, sei nicht behauptet
worden (Urk. 7 S. 3 f.).
4. Die Kläger machen dagegen berufungsweise geltend, sie würden um
Rechtsschutz in klaren Fällen (Art. 257 ZPO) ersuchen. Die Vorinstanz verkenne,
dass über die Voraussetzungen, wann bzw. ob eine Anweisung an den Arbeitge-
ber stattfinden könne, eine Verhandlung bereits im September 2007 stattgefunden
habe und es vorliegend nur noch um die Vollstreckung jenes rechtskräftigen Ur-
teils gehe. Gegenstand der gerichtlichen Prüfung sei demnach einzig, ob der Be-
klagte pünktlich und den vollen Betrag bezahlt habe oder nicht. Ob dem Schuld-
ner das betreibungsrechtliche Existenzminimum zu belassen sei oder nicht, sei
nicht im vorliegenden Verfahren zu prüfen, sondern im Verfahren auf Abänderung
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des Scheidungsurteils (in welchem auf den 5. Juli 2012 zur Verhandlung vorgela-
den sei; FP120013). Vorliegend sei der Sachverhalt liquid und die Rechtslage
klar, weshalb ihrem Gesuch zu entsprechen sei (Urk. 6 S. 3 ff.)
5. a) Die Anweisung an die Schuldner im Sinne von Art. 132 Abs. 1,
Art. 177 und Art. 291 ZGB ist eine privilegierte Zwangsvollstreckungsmassnahme
sui generis (BGE 110 II 9 Erw. 1), über welche im summarischen Verfahren zu
entscheiden ist (Art. 271 lit. a und lit. i, Art. 302 Abs. 1 lit. c ZPO). Die darum er-
suchende Partei hat in ihrem Gesuch die Voraussetzungen darzutun, d.h. alle nö-
tigen Tatsachenbehauptungen aufzustellen (Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuen-
berger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, N 6 ff. zu
Art. 252 ZPO). Die Kläger machen zwar geltend, vorliegend sei lediglich die Ver-
fügung vom 6. September 2007 zu vollstrecken, wonach die Klägerin 1 sofort zur
Beantragung der Schuldneranweisung berechtigt sei, wenn eine Unterhaltszah-
lung nicht fristgemäss erfolge (vgl. Urk. 3/1 S. 2). Gleichwohl handelt es sich beim
darauf gestützten Verfahren um ein solches auf Anweisung der Schuldner (so
schon die Bezeichnung der Kläger selbst in ihrem Gesuch, Urk. 1), freilich mit der
Besonderheit, dass entgegen der dafür im Allgemeinen vorausgesetzten mehrfa-
chen Säumnis mit Unterhaltszahlungen bereits eine einzige genügen soll.
b) Bei der Festsetzung von Unterhaltsbeiträgen ist nach gefestigter bun-
desgerichtlicher Praxis ein Eingriff in das Existenzminimum des Unterhaltsschuld-
ners unzulässig (BGE 127 III 68 Erw. 2.c). Von diesem Verfahren auf Festsetzung
von Unterhaltsbeiträgen ist allerdings das Verfahren auf Vollstreckung derselben,
wozu auch die Schuldneranweisung gehört, klar zu trennen. Das Bundesgericht
weist bezüglich der Schuldneranweisung explizit auf seine Praxis zur Lohnpfän-
dung gemäss Art. 93 SchKG hin, wonach sich der für Unterhaltsbeiträge betrie-
bene Schuldner, dessen Einkommen den Notbedarf einschliesslich der für den
Unterhalt des Gläubigers nötigen Alimente nicht deckt, einen Eingriff in sein Exis-
tenzminimum gefallen lassen muss (BGE 123 III 332). Dieser ist so zu bemessen,
dass Gläubiger und Schuldner sich im gleichen Verhältnis einschränken müssen;
Voraussetzung für einen solchen Eingriff ist damit auch, dass das Existenzmini-
mum des Alimentengläubigers – bei fehlender Alimentenleistung – nicht gedeckt
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ist (BGE 111 III 13 Erw. 5.d, BGE 110 II 9 Erw. 4, je mit Hinweisen). Das mit der
Schuldneranweisung befasste Gericht darf sich zwar nicht erneut mit dem (bereits
beurteilten) Sachverhalt, der zum Unterhaltsentscheid geführt hatte, befassen, hat
aber gleichwohl die grundlegenden Persönlichkeitsrechte des Unterhaltsschuld-
ners zu beachten; im Rahmen der Schuldneranweisung darf dann nicht in das
Existenzminimum des Unterhaltsschuldners eingegriffen werden, wenn sich des-
sen wirtschaftliche Lage seit Erlass des Unterhaltsentscheids verschlechtert hat
(BGE 5A_578/2011 v. 11.1.2012, Erw. 2.1, mit Hinw.).
c) Nach den Ausführungen der Kläger selbst ist vorliegend aber genau
ein solcher Fall zu beurteilen, indem nach den Darlegungen der Kläger in ihrem
erstinstanzlichen Gesuch sich die finanziellen Verhältnisse des Beklagten, der of-
fenbar bereits ein Abänderungsverfahren eingeleitet hat (Urk. 6 S. 5), seit Erlass
der Verfügung vom 6. September 2007 verschlechtert hatten (vgl. die von den
Klägern ohne Bestreitung eingereichte Urk. 3/2: "Wie du [...] weißt, verdiene ich
ab März 2012 nur noch CH 6'000.00"). Die tragende Erwägung der Vorinstanz,
dass bei einer Anweisung über den seit März 2012 bezahlten Betrag von
Fr. 1'210.-- hinaus (als Unterhaltsbeitrag an die Klägerin 1 persönlich) in das Exis-
tenzminimum des Beklagten eingegriffen würde, blieb im Beschwerdeverfahren
ungerügt (Urk. 7 S. 3 f.). Dies rechtfertigt nach der dargelegten höchstrichterlichen
Praxis, einen Eingriff in das Existenzminimum des Beklagten abzulehnen. Der
angefochtene vorinstanzliche Entscheid, welcher das beklagtische Existenzmini-
mum gewahrt hat, erweist sich damit als korrekt und die dagegen gerichtete Beru-
fung als unbegründet.
6. Bei dieser Sachlage ist auch die erstinstanzliche Kosten- und Entschä-
digungsregelung zu bestätigen. Die erstinstanzliche Abweisung des Gesuchs der
Kläger um unentgeltliche Rechtspflege wurde von diesen nicht angefochten (vgl.
die eingangs aufgeführten Berufungsanträge).
7. a) Die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens sind ausgangsge-
mäss den Klägern aufzuerlegen, je zur Hälfte und unter solidarischer Haftbarkeit
(Art. 106 Abs. 1 und Abs. 3 ZPO).
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b) Die Kläger haben auch für das Berufungsverfahren ein Gesuch um un-
entgeltliche Rechtspflege gestellt (Urk. 6 S. 2). Dieses ist jedoch zufolge Aus-
sichtslosigkeit der Berufung (vgl. vorstehende Erwägungen) abzuweisen (Art. 117
lit. b ZPO).
c) Dem Beklagten ist mangels relevanter Umtriebe im Berufungsverfahren
keine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 95 Abs. 3 ZPO).
d) Die Kläger und die Vorinstanz haben sich zum Streitwert nicht geäus-
sert (da die Vorinstanz als Rechtsmittel die Berufung belehrt hat, muss sie von ei-
nem Streitwert von mindestens Fr. 10'000.-- ausgegangen sein; Art. 308 Abs. 2
ZPO). Ausgehend vom umstrittenen Teil der (anzuweisenden) Unterhaltsbeiträge
von Fr. 1'190.-- (Fr. 3'100.-- ./. Fr. 1'910.--) und des Umstandes, dass eine Anwei-
sung an die Schuldner grundsätzlich unbefristet wirkt, resultiert ein Streitwert von
jedenfalls über Fr. 30'000.--.