Decision ID: 68773c24-b51c-5126-83ed-5ee6c00fe3b5
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X fuhr am 20. Oktober 2009 mit einem Personenwagen auf der D-Strasse in S in
Richtung T-Strasse. Dabei überschritt sie um 11.23 Uhr die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h um 19 km/h. Eine Viertelstunde später, um 11.38
Uhr, überschritt sie diese gleichenorts erneut um 18 km/h – diesmal jedoch in
entgegengesetzter Fahrtrichtung. Sie wurde dafür nach eigenen Angaben zu einer
Busse von Fr. 1'000.-- verurteilt (act. 7/4).
B.- Mit Verfügung vom 7. April 2010 entzog ihr das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen den Führerausweis wegen wiederholter leichter
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften (Tatmehrheit) für die Dauer von
einem Monat.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 21. April 2010 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, der Entzug des Führerausweises sei
aufzuheben und durch eine Verwarnung zu ersetzen und die auferlegten
Verfahrenskosten seien von Fr. 300.-- auf Fr. 150.-- zu reduzieren, alles unter Kosten
und Entschädigungsfolgen. Auf die Ausführungen zur Begründung wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Die Vorinstanz verzichtete am 18. Mai
2010 auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 21. April 2010 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
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mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird
dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf
genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine
mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a
SVG). Von einer mittelschweren Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn
nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer
schweren Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
3.- Die Rekurrentin bestreitet nicht, am 20. Oktober 2009 die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h auf der D-Strasse in S innert 15 Minuten zweimal
überschritten zu haben; das erste Mal in Richtung T-Strasse um 19 km/h und das
zweite Mal in Richtung S-Strasse um 18 km/h. Damit hat sie das Signal "Tempo-30-
Zone" im Sinn von Art. 22a der Signalisationsverordnung (SR 741.21, abgekürzt: SSV)
missachtet und Art. 27 Abs. 1 SVG, wonach Signale und Markierungen zu befolgen
sind und den allgemeinen Regeln vorgehen, verletzt. Ohne Belang ist der Hinweis der
Rekurrentin, sie habe die früher geltende Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h nicht
verletzt (act. 2/4). Das Signal "Tempo-30-Zone" ist im Gegensatz zu den übrigen
runden Geschwindigkeitssignalisationen durch seine grossformatige, rechteckige
Ausgestaltung entsprechend auffällig (vgl. Anhang 2 zur SSV, 2.59.1; Urteil des
Bundesgerichts 6B_808/2007 vom 15. April 2008, E. 2.3). Zudem sind die Übergänge
vom übrigen Strassennetz in die Tempo-30-Zone deutlich erkennbar. Die Ein- und
Ausfahrten der Zone sind durch eine kontrastreiche Gestaltung so zu verdeutlichen,
dass die Wirkung eines Tores entsteht (vgl. Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über die
Tempo-30-Zonen und die Begegnungszonen, SR 741.213.3). Weder aus den Akten
noch aus den Vorbringen im Rekurs ergeben sich konkrete Hinweise auf eine
mangelhafte Signalisation der Tempo-30-Zone. Im Übrigen ist davon auszugehen, dass
die Rekurrentin ihren Sohn an diesem Tag nicht zum ersten Mal aus der Spielgruppe
abholte und ortskundig war. Damit sind keine nachvollziehbaren Gründe ersichtlich,
aus denen sich die Rekurrentin im Geltungsbereich der allgemeinen
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h wähnen durfte.
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4.- Zur Sanktionierung von Geschwindigkeitsüberschreitungen hat die Rechtsprechung
im Interesse der rechtsgleichen Behandlung Grenzwerte festgelegt. Danach ist nach
Bundesgerichtspraxis eine leichte Widerhandlung im Sinne von Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG gegeben, wenn die Geschwindigkeitsüberschreitung nur leicht über den
Widerhandlungen nach Anhang I der Ordnungsbussenverordnung (SR 741.031,
abgekürzt: OBV) liegt (BGE 128 II 86 E. 2). Dies bedeutet eine Überschreitung der
zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts um 16 bis 20 km/h (Heimgartner/
Schönknecht, Administrativmassnahmen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen nach
bisherigem und neuem Recht – Eine Übersicht, in: René Schaffhauser (Hrsg.), Jahrbuch
zum Strassenverkehrsrecht, 2005, S. 233). Die Vorinstanz hat demnach zu Recht
festgestellt, dass die beiden Geschwindigkeitsüberschreitungen von 19 km/h und 18
km/h leichte Widerhandlungen im Sinne von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG darstellen, zumal
nichts vorgebracht wurde, was auf ein erhöhtes Verschulden oder eine grosse
Gefährdung schliessen liesse (vgl. BGE 124 II 97 E. 2c).
5.- Zu klären bleibt, welche Administrativmassnahmen diese Verstösse nach sich
ziehen.
a) Bei einer leichten Widerhandlung wird gemäss Art. 16a Abs. 2 SVG der
Führerausweis für mindestens einen Monat entzogen, wenn in den vorangegangenen
zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere Administrativmassnahme
verfügt wurde; andernfalls ist die fehlbare Person zu verwarnen (Art. 16a Abs. 3 SVG).
Die Vorinstanz bestätigt, dass der Leumund der Rekurrentin ungetrübt ist (act. 7/5). Ein
Führerausweisentzug kann demnach nicht auf Art. 16a Abs. 2 SVG abgestützt werden.
b) Die Vorinstanz geht davon aus, dass die beiden Überschreitungen der signalisierten
Höchstgeschwindigkeit im Lichte von Art. 49 des Schweizerisches Strafgesetzbuches
(SR 311.0, abgekürzt: StGB) zu betrachten und aufgrund der Tatmehrheit mit einem
Ausweisentzug von einem Monat zu ahnden seien (act. 7/5). Die Rekurrentin hält eine
analoge Anwendung von Art. 49 StGB demgegenüber für ausgeschlossen. Art. 16a
Abs. 2 SVG sei diesbezüglich klar und ein Entzug nicht zulässig. Weder sei der Ausweis
bereits einmal entzogen worden noch liege eine Administrativmassnahme vor. Die zwei
Übertretungen hätten sich innert 15 Minuten ereignet. Da in der Zwischenzeit keine
Verwarnung erfolgt sei, könne keine Rede von einer Wiederholungstat sein (act. 2/4).
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aa) Nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist ein Täter, welcher durch eine oder mehrere
Handlungen die Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, für die
schwerste Straftat zu bestrafen; die Strafe ist angemessen zu erhöhen, jedoch darf das
Höchstmass der angedrohten Strafe maximal um die Hälfte erhöht werden und das
gesetzliche Höchstmass ist zu beachten (BGE 120 Ib 54 E. 2a). Art. 49 StGB ist analog
anzuwenden, wenn mehrere administrativrechtliche Führerausweisentzugsgründe nach
Art. 16 Abs. 3 und 4 SVG vorliegen (BSK Strafrecht I-Ackermann, Art. 49 N 40; Urteil
des Bundesgerichts 6A.74/2005 vom 15. März 2006, E. 5.3). Folglich ist nicht für jede
Verkehrsregelverletzung eine einzelne Massnahme anzuordnen. Vielmehr ist die für die
schwerere Verletzung verfügte Massnahme angemessen zu verschärfen, um so zu
einer Gesamtstrafe zu gelangen, welche allen Verfehlungen Rechnung trägt (Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Januar 1999 in Sachen M.B., S. 4). Da im strafrechtlichen
Geltungsbereich von Art. 49 Abs. 1 StGB das Gericht in jedem Fall an das gesetzliche
Höchstmass einer Strafart gebunden ist (BSK Strafrecht I-Ackermann, Art. 49 N 50;
Urteil des Bundesgerichts 6S.270/2006 vom 5. September 2006, E. 5.2), die Erhöhung
der Strafe mithin nicht zu einer schärferen Strafart führen darf, ist es nicht zulässig, im
analogen Anwendungsbereich der strassenverkehrsrechtlichen
Administrativmassnahmen zwei, je mit einer Verwarnung zu ahndende
Widerhandlungen mit einem Entzug des Führerausweises zu sanktionieren. Gegen eine
solche Änderung der Massnahmeart spricht im Übrigen auch Art. 16a SVG selbst, nach
dessen klarem Wortlaut ein Entzug des Führerausweises anstelle einer Verwarnung
einzig dann möglich ist, wenn in den zwei, einer leichten Widerhandlung
vorangegangenen Jahren der Ausweis bereits entzogen war oder eine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde. Der Rekurs ist aber auch noch aus einem
anderen Grund gutzuheissen.
bb) Art. 49 Abs. 1 StGB gelangt nicht zur Anwendung, wenn die verschiedenen
Handlungen als natürliche Handlungseinheit und folglich als eine Tat zu betrachten sind
(Trechsel/Noll, Schweizerisches Strafrecht AT I, 5. Aufl. 1998, S. 279 f.). Eine strafbare
Handlung im Sinne einer natürlichen Handlungseinheit liegt dann vor, wenn das
gesamte, auf einem einheitlichen Willensakt (einheitliches Ziel, einmaliger Entschluss)
beruhende Tätigwerden des Täters kraft eines engen räumlichen und zeitlichen Zusam
menhangs der Einzelakte bei natürlicher Betrachtungsweise objektiv noch als ein
einheitliches, zusammenhängendes Geschehen erscheint (BGE 118 IV 91 E. 4a mit
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Hinweisen). Die Rekurrentin hat die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerhalb von 15
Minuten zweimal überschritten, als sie ihren Sohn aus der Spielgruppe in S-R abholte
und sicherstellen wollte, vor der Rückkehr ihrer Tochter (1. Klasse) aus der Schule
wieder zu Hause zu sein. Dieser Sachverhalt wird von der Vorinstanz nicht bestritten
(act. 7/5). Die Rekurrentin weist in den identischen Aussagen zu den beiden
Übertretungsanzeigen darauf hin, die zwei Übertretungen stünden in direktem
Zusammenhang (act. 7/1 und 7/2). Die Fahrt vom Wohnort der Rekurrentin bis ins
Zentrum von S-R dauert ca. 11 Minuten (Distanz 2.85 km), davon ca. 9 Minuten
(Distanz 1.72 km) bis zum Standort des Verkehrsüberwachungsgerätes (vgl.
www.ch.map24.com neues Fenster). Sie passierte dieses um 11.23 Uhr auf dem
Hinweg und um 11.38 Uhr auf dem Rückweg, so dass sie aufgrund ihrer glaubhaften
Schilderung des Handlungsablaufes um ca. 11.47 Uhr wieder zu Hause angekommen
sein dürfte, um ihre Tochter in Empfang zu nehmen. Die Rekurrentin wählte sowohl für
die Hin- als auch für die Rückfahrt den kürzesten und schnellsten Weg. Nur so war es
möglich, ihre Geschwindigkeit zweimal am gleichen Punkt zu erfassen. Die kurze
Verweildauer im R-Quartier (ca. 10 Minuten) lässt darauf schliessen, dass sie nur den
Sohn abholte und nicht noch anderes erledigte. Die beiden Überschreitungen
geschahen folglich in einem sowohl zeitlich als auch räumlich sehr eng begrenzten
Zusammenhang mit dem einheitlichen Ziel, den Sohn rechtzeitig vor der Rückkehr der
Tochter nach Hause zu bringen. Es ist davon auszugehen, dass dieses Ziel den
Entschluss prägte, möglichst schnell zu fahren und das überhöhte Tempo während der
Hin- und Rückfahrt aufrechtzuerhalten. Der innerlich verspürte zeitliche Druck
reduzierte sich offensichtlich auf dem Rückweg nicht; die gemessenen
Geschwindigkeiten differierten nur um 1 km/h. Somit ist es wahrscheinlich, dass die
gesamte Fahrt von dem ursprünglich gefassten, einmaligen Entschluss, rechtzeitig
wieder zu Hause zu sein, dominiert wurde. Wenn die beiden
Geschwindigkeitsüberschreitungen in einem derart klar erkennbaren, sehr engen
Zusammenhang stehen, sind sie als Teilstücke eines Ganzen zu betrachten (vgl. Ph.
Weissenberger, Die Zumessung des Warnungsentzugs von Führerausweisen nach der
neueren Praxis des Bundesgerichts, SJZ 1999, 516; Urteil des Bundesgerichts 6S.
134/1998 vom 2. Juli 1998). Hinzu kommt, dass sie gleichartig und gegen dasselbe
Rechtsgut, nämlich die Verkehrssicherheit, gerichtet sind (vgl. KGE ZS vom 6. Februar
2007 i.S. Staatsanwaltschaft gegen S.M. und T.Y; BGE 120 IV 6 E. 2b). Folglich ist von
http://www.ch.map24.com/ http://www.ch.map24.com/
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einer natürlichen Handlungseinheit auszugehen, welche die Anwendung von Art. 49
StGB ausschliesst. Wie es sich verhalten würde, wenn die beiden Fahrten zeitlich
weiter auseinander lägen, kann offen bleiben.
Dementsprechend handelt es sich bei den beiden Überschreitungen von 19 km/h und
18 km/h um eine einfache Tatbegehung. Sie sind insgesamt als leichte Widerhandlung
im Sinn von Art. 16a SVG zu qualifizieren. Für einen Entzug des Führerausweises
gemäss Art. 16a Abs. 2 SVG fehlt die gesetzliche Grundlage, da der Rekurrentin in den
vergangenen zwei Jahren weder der Ausweis entzogen war noch eine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde (act. 7/5); deshalb ist eine Verwarnung gemäss
Art. 16a Abs. 3 SVG auszusprechen.
c) Im Weiteren ist zu prüfen, ob zusätzlich zur Verwarnung Verkehrsunterricht im Sinn
von Art. 40 Abs. 3 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen
zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt VZV) anzuordnen ist, wie es die Vorinstanz
als Alternative zum Führerausweisentzug in Betracht gezogen hat (act. 7/3).
Gemäss Art. 40 Abs. 3 VZV können u.a. Motorfahrzeugführer zum Verkehrsunterricht
aufgeboten werden, die wiederholt in verkehrsgefährdender Weise gegen
Verkehrsregeln verstossen haben. Eine wiederholte Verkehrsregelübertretung im Sinne
von Art. 25 Abs. 3 lit. e SVG liegt schon dann vor, wenn der Betroffene in den letzten
Jahren zweimal Verkehrsregeln übertreten hat (BGE 116 1b 256 E. 1). Nachdem
feststeht, dass es sich um eine einfache Tatbegehung handelt, kann nicht von einem
wiederholten Verstoss gegen die Verkehrsregeln gesprochen werden. Aus diesem
Grund ist kein Verkehrsunterricht anzuordnen.
6.- Ziff. 206.02.1 des Verkehrsgebührentarifs (sGS 718.1) sieht im Fall eines
Ausweisentzugs einen Gebührenrahmen von Fr. 100.-- bis Fr. 800.-- vor. Für eine
Verwarnung liegt dieser bei Fr. 70.-- bis Fr. 250.--.
Die Vorinstanz bezifferte die Verfahrenskosten auf Fr. 300.-- und bewegte sich damit in
der für den Entzug von Führerausweisen vorgesehenen Bandbreite. Nachdem nun aber
feststeht, dass die beiden Überschreitungen als leichte Widerhandlung im Sinne von
Art. 16a Abs. 1 SVG zu betrachten sind, müssen auch die Verfahrenskosten
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entsprechend reduziert werden. Besteht für die Gebühr ein Mindest- und ein
Höchstansatz, so ist sie innerhalb dieses Rahmens nach dem Wert und der Bedeutung
der Amtshandlung, dem Zeit- und Arbeitsaufwand und der erforderlichen Sachkenntnis
zu bemessen (Art. 11 der Verordnung über Kosten und Entschädigungen im
Verwaltungsverfahren, sGS 821.1, abgekürzt Verwaltungsgebührenverordnung). Die
beiden Überschreitungen lassen sich nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
schematisch behandeln, da keine weiteren Gefährdungs- oder Verschuldenselemente
zu berücksichtigen sind. Insofern stellen sich keine erhöhten Anforderungen an den
Zeit- und Arbeitsaufwand oder die Sachkenntnis. Eine gewisse Komplexität erhält der
Fall allerdings durch die Frage der Tateinheit beziehungsweise Tatmehrheit. Es ist
deshalb angebracht, die von der Rekurrentin zu bezahlenden Kosten für das
vorinstanzliche Verfahren auf Fr. 150.-- festzulegen.
7.- Dementsprechend ist der Rekurs gutzuheissen. Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 des
Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, der
Rekurrentin den Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang hat die Rekurrentin Anspruch auf volle Entschädigung
der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP und Art. 98 VRP; GVP 1983 Nr. 56),
soweit diese aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und angemessen
erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Im Rekursverfahren war der Beizug eines
Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Das
Honorar ist daher ermessensweise festzusetzen. Unter Berücksichtigung des
Aktenumfangs sowie des Aufwands für die Rekurseingabe erscheint ein Honorar von
Fr. 1'200.-- als angemessen (vgl. Art. 19 und Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung
für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt: HonO). Hinzu kommen
die Barauslagen von pauschal 4% (Fr. 48.--; Art. 28 HonO) und die Mehrwertsteuer
von 7,6% (Fr. 94.85; Art. 29 HonO), was einen Gesamtbetrag von Fr. 1'342.85 ergibt;
kostenpflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).
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