Decision ID: 023e37bc-443b-5769-aa01-9de9760ff11d
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ stellte am 26. Juni 2015 (Datum Postaufgabe) bei der Arbeitslosenkasse des
Kantons St. Gallen (nachfolgend: Arbeitslosenkasse oder Kasse) einen Antrag auf
Insolvenzentschädigung für entgangene Lohnzahlungen für die Monate November
2014 bis Januar 2015 von je Fr. 1'440.-- zuzüglich Anteil am 13. Monatslohn von je
Fr. 120.--. Zudem beantragte sie, es sei ihr ein Ferienanteil von Fr. 120.-- für den
Januar 2015 sowie der Anteil am 13. Monatslohn für den Oktober 2014 von ebenfalls
Fr. 120.-- zu entschädigen. Über ihre Arbeitgeberin, die C._ AG, sei am 1. Juni 2015
der Konkurs eröffnet worden. Das Arbeitsverhältnis habe vom 1. Mai 2014 bis zum
31. Januar 2015 gedauert; der letzte Arbeitstag sei der 30. Januar 2015 gewesen. In
der Zeit vom 22. September 2014 bis zum 22. Dezember 2014 habe sie wegen
Mutterschaft nicht gearbeitet (act. G 3.1/121 ff.).
A.a.
Auf entsprechende Aufforderungen der Arbeitslosenkasse vom 29. Juni 2015 und
vom 10. Juli 2015 reichte die Versicherte am 6. Juli 2015 (Eingangsstempel
Arbeitslosenkasse) und am 21. Juli 2015 weitere Unterlagen betreffend das
Arbeitsverhältnis ein (act. G 3.1/86 - 119). Am 24. Juli 2015 stellte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (abgekürzt: SVA) der
Arbeitslosenkasse einen IK-Auszug für das Jahr 2014 zu (act. G 3.1/83). Nachdem der
Vertreter von A._ am 8. Januar 2016 eine Rechtsverweigerungsbeschwerde beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen eingereicht hatte und nachdem die
Arbeitslosenkasse mit Schreiben vom 12. Januar 2016 und 11. Februar 2016 noch eine
"EO-Bescheinigung", einen Geburtsschein für das Kind, Belege, dass die
Gesuchstellerin effektiv vom 23. Dezember 2014 bis zum 31. Januar 2015 gearbeitet
A.b.
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habe, sowie das im Arbeitsvertrag erwähnte Arbeitsreglement verlangt hatte, wies die
Arbeitslosenkasse den Antrag auf Insolvenzentschädigung mit Verfügung vom 14. April
2016 ab. Wenn die Mutterschaftsentschädigung nicht von der Arbeitgeberin beantragt
werde, könne und müsse die Arbeitnehmerin jene selber beantragen. Die
Antragstellerin könne nicht von der Arbeitgeberin Lohnfortzahlung beanspruchen, wenn
sie ihre Ansprüche auf Mutterschaftstaggelder nicht geltend gemacht habe, um danach
Insolvenzentschädigung für ausstehenden Lohn zu beantragen. Darum bestehe bis
zum 28. Dezember 2014 kein Anspruch auf Insolvenzentschädigung. Dass die
Versicherte vom 23. Dezember 2014 bis zum 31. Januar 2015 wieder gearbeitet hätte,
sei sodann nicht glaubhaft dargelegt worden. Im Übrigen sei die am 29. Dezember
2014 von der Arbeitgeberin während der Sperrfrist ausgesprochene Kündigung nichtig
gewesen (act. G 3.1/32 ff., 56 und 77).
Auf Grund des mittlerweile erfolgten Verfügungserlasses und des dadurch
entfallenen Rechtsschutzinteresses schrieb das hiesige Versicherungsgericht die
Rechtsverweigerungsbeschwerde - soweit darauf einzutreten war - mit Entscheid vom
21. April 2016 ab (act. G 3.1/14 ff.).
A.c.
Am 18. April 2016 erhob die Versicherte gegen die Verfügung vom 14. April 2016
Einsprache. Der Versicherten sei von der Arbeitgeberin bis Ende Oktober 2014, also
bereits während des Mutterschaftsurlaubs, Lohnfortzahlung geleistet worden. Jene
habe deshalb davon ausgehen dürfen, die Arbeitgeberin oder später das Konkursamt
forderten die Mutterschaftstaggelder ein. Die Kasse müsse sodann zeitgerecht
entscheiden, ob sie in das Verfahren eintrete und die Ansprüche der Versicherten
übernehme und dürfe nicht einfach zuwarten. Wäre die Versicherte, wenn auch
widerrechtlich, darauf hingewiesen worden, dass sie die Mutterschaftsentschädigung
selber beantragen müsse, hätte sie dies wahrscheinlich getan. Im Weiteren sei aus der
Arbeitsbestätigung der Arbeitgeberin vom 14. Januar 2015 (act. G 3.1/90) ersichtlich,
dass die Einsprecherin bis 31. Januar 2015 gearbeitet habe. Im Kündigungsschreiben
vom 29. Dezember 2014 (act. G 3.1/111) und in der genannten Arbeitsbestätigung sei
auch nichts über ein Fernbleiben der Einsprecherin vermerkt. Der Anspruch bis
31. Januar 2015 sei damit - sinngemäss - zumindest glaubhaft gemacht, womit der
Einsprecherin zeitnah eine Teilzahlung von 70 % auszurichten gewesen wäre. Erst
danach sei die konkrete Berechnung durchzuführen (act. G 3.1/20).
A.d.
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B.
Mit Entscheid vom 5. August 2020 wies die Kasse die Einsprache ab. Für den
Zeitraum vom 23. Dezember 2014 bis zum 31. Januar 2015 sei die Lohnforderung nicht
glaubhaft gemacht worden. Fehle es an geeigneten Belegen oder glaubhaften
Auskünften und Bestätigungen, liege Beweislosigkeit vor und der Anspruch sei
abzulehnen. Im Weiteren treffe nicht zu, dass der Anspruch auf
Mutterschaftsentschädigung durch die Arbeitslosenkasse geltend zu machen sei. Diese
Anmeldung sei durch die Arbeitgeberin oder durch die Arbeitnehmerin vorzunehmen.
Unterlasse sie dies und verzichte sie auf die ihr zustehenden Leistungen, könne sie
diese nicht bei der Insolvenzentschädigung beantragen. Der Einsprecherin sei seit dem
24. Juli 2015 bekannt gewesen, dass bis dahin keine Anmeldung erfolgt sei.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt habe sie somit auch gewusst, dass sie eine
Anmeldung einreichen müsse (act. G 3.1/6 ff.).
A.e.
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 12. August
2020 mit dem Antrag auf dessen Aufhebung. Alsdann sei der Beschwerdeführerin eine
vom Gericht festzulegende Insolvenzentschädigung zu entrichten. Im Weiteren sei der
Beschwerdeführerin ein vom Gericht festgesetzter Verzugszins für die lange Wartezeit
auszurichten, sowohl für die Insolvenzentschädigung als auch für die
Mutterschaftsentschädigung. Sodann sei der Beschwerdeführerin ein vom Gericht
festgesetzter Schadenersatz für ihre Arbeitsaufwände sowie eine Genugtuung für die
ehrverletzenden Worte, die amtliche Untätigkeit sowie die unzumutbare
Verfahrensdauer zuzusprechen. Schliesslich seien die Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Zur Begründung wird
vorgebracht, die Beschwerdeführerin sei nie aufgefordert worden, selber einen Antrag
auf Mutterschaftsentschädigung zu stellen. Kurz vor Eintritt der Verjährung habe sie
gezwungenermassen die Arbeit der Kasse übernommen und einen Antrag eingereicht.
Es sei der puren Kulanz der Sozialversicherungsanstalt zu verdanken, dass der Antrag
der Beschwerdeführerin angenommen worden sei. Ihr Vertreter habe durch den
unzumutbaren Schriftverkehr, die mehrmaligen identischen Forderungen, welchen
jeweils nachgekommen worden sei, den Kontaktversuchen und den Recherchen über
70 Stunden Arbeit investiert. Hinzu kämen hunderte Blätter an Kopien und
Drucksachen (act. G 1).
B.a.
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C.
Mit Schreiben vom 11. März 2021 macht das Versicherungsgericht die
Beschwerdeführerin auf eine drohende Schlechterstellung im Verhältnis zur
Abrechnung vom 2. September 2020 und die Möglichkeit eines Rückzuges der
Beschwerde aufmerksam (act. G 6). Mit E-Mail vom 13. April 2021 hält ihr Vertreter an
der Beschwerde fest (act. G 7).

Erwägungen
1.
Mit Abrechnung vom 2. September 2020 richtete die Kasse der
Beschwerdeführerin eine Teilzahlung (70 %) in Höhe von 1'197.65 aus. Dabei
berücksichtigte sie den Lohn vom 29. Dezember 2014 bis zum 31. Januar 2015 sowie
den auf diesen Zeitraum entfallenden Anteil am 13. Monatslohn. Eine
Ferienentschädigung berücksichtigte sie dagegen nicht, da sie den Anspruch nicht für
ausgewiesen hielt (act. G 3.2).
B.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 7. September 2020 beantragt die Kasse die
Abweisung der Beschwerde, soweit den Anträgen mit der Abrechnung vom
2. September 2020 nicht entsprochen worden sei. Im Übrigen werde die
Leistungspflicht abgelehnt, da die Beschwerdeführerin bis zum 28. Dezember 2014
Anspruch auf Mutterschaftsentschädigung gehabt habe (act. G 3).
B.c.
Vorliegend beantragt die Beschwerdeführerin eine "durch das Gericht zu
bestimmende" Insolvenzentschädigung. Im Antrag auf Insolvenzentschädigung machte
sie den ausstehenden Lohn für die Monate November 2014 bis Januar 2015 geltend,
zuzüglich den Anteil am 13. Monatslohn. Im Weiteren beantragte sie den Anteil am
13. Monatslohn für den Oktober 2014 sowie die Ferienentschädigung für den Januar
2015 (act. G 3.1/122). Wie sich aus den Akten ergibt, erhielt die Beschwerdeführerin in
der Zwischenzeit die Mutterschaftsentschädigung für 98 Tage (22. September 2014 bis
28. Dezember 2014) in Höhe von Fr. 3'822.-- netto, basierend auf ihrem
Bruttomonatslohn von Fr. 1'440.-- zuzüglich Anteil am 13. Monatslohn von Fr. 120.--,
somit auf einem Taggeld von Fr. 41.60 (Fr. 1'560.-- : 30 x 80 % [act. G 1.1]). Entgegen
der Ansicht ihres Vertreters erfolgte diese Zahlung nicht ohne Rechtsgrundlage aus
1.1.
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2.
Beitragspflichtige Arbeitnehmende von Arbeitgebern, die in der Schweiz der
Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmende beschäftigen,
haben unter anderem Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihren
Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen
zustehen (Art. 51 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Die
Insolvenzentschädigung deckt die Lohnforderungen für höchstens die letzten vier
Monate des Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag
nach Art. 3 Abs. 2 AVIG. Als Lohn gelten auch die geschuldeten Zulagen (Art. 52 Abs. 1
AVIG).
"purer Kulanz" der Sozialversicherungsanstalt (Beschwerde S. 2 unten [act. G 1]),
sondern weil die Beschwerdeführerin den Antrag vom 21. September 2019 noch
rechtzeitig innert der fünfjährigen Verwirkungsfrist nach Ablauf der entschädigten
Periode (im Fall der Beschwerdeführerin also bis 28. Dezember 2019) eingereicht hat
(vgl. Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende
und bei Mutterschaft [SR 834.1; abgekürzt: EOG]). Nur der Vollständigkeit halber sei
noch erwähnt, dass es durchaus Aufgabe der Beschwerdeführerin war, den Antrag auf
Mutterschaftsentschädigung - zumindest ab November 2014 - selber einzureichen,
haben doch die leistungsberechtigten Personen ihren Anspruch bei der zuständigen
Ausgleichskasse geltend zu machen (Art. 17 Abs. 1 EOG).
Im Weiteren richtete die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin lite
pendente mit Abrechnung vom 2. September 2020 eine Teilzahlung der
Insolvenzentschädigung (70 %) in Höhe von Fr. 1'197.65 aus. Dabei berücksichtigte sie
den Zeitraum vom 29. Dezember 2014 bis zum 31. Dezember 2015 und ging von einem
Bruttomonatslohn von Fr. 1'440.-- und einem Anteil am 13. Monatslohn von Fr. 120.--
pro Monat aus (act. G 3.2). Nachdem die Beschwerdegegnerin damit den
(sinngemässen [vgl. etwa handschriftliche Bemerkungen im angefochtenen
Einspracheentscheid S. 3 [act. G 1.1]]) Anträgen der Beschwerdeführerin nicht
vollumfänglich nachgekommen ist, ist die Abrechnung vom 2. September 2020
lediglich als Antrag an das Gericht anzusehen (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
4. Aufl., Art. 53 N 90). Zu prüfen bleiben somit die Fragen, ob die Beschwerdeführerin
Anspruch auf die Übernahme der Differenz zwischen der Mutterschaftsentschädigung
und dem vollen Lohn durch die Insolvenzentschädigung sowie auf die weiteren
beantragten, mit dieser Abrechnung noch nicht entschädigten Lohnbetreffnisse hat.
1.2.
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3.
Vorliegend ist aus dem Arbeitsvertrag nicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin
während des Mutterschaftsurlaubs Anspruch auf die weitere Ausrichtung des vollen
Lohns - oder sonstiger, über die gesetzliche Regelung der Mutterschaftsentschädigung
hinausgehender Ansprüche - gehabt hätte (act. G 3.1/110). Demzufolge ist davon
auszugehen, dass ihr während des Mutterschaftsurlaubs nur die
Mutterschaftsentschädigung der Erwerbsersatzordnung zugestanden hätte, ersetzt
doch bei fehlender anderweitiger Abrede die Mutterschaftsentschädigung die
Lohnfortzahlungspflicht der Arbeitgeberin (U. Streiff/A. von Kaenel/R. Rudolph,
Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319 - 362 OR, 7. Aufl., N16 zu Art. 324a/b;
F. Fischer/R. M. Müller, Der Arbeitsvertrag, 4. Aufl., S. 51 Rz 38 und S. 166 Rz 38; Th.
Geiser/R. Müller/K. Pärli, Arbeitsrecht in der Schweiz, 4. Aufl., Rz 1050). Daran vermag
nichts zu ändern, dass ihr die Arbeitgeberin bis Oktober 2014 tatsächlich den vollen
Lohn ausgerichtet hatte (vgl. Kontoauszug vom 30. September 2015, wonach sie auch
im September und Oktober 2014 noch den normalen Nettolohn von Fr. 1'337.05
überwiesen bekam [act. G 3.1/103 ff.]. Somit ist festzustellen, dass die Lohnansprüche
der Beschwerdeführerin für den November 2014 vollständig und für den Dezember
2014 bis zum 28. durch die Mutterschaftsentschädigung (die auch den Anteil am
13. Monatslohn enthielt) abgegolten sind. Vom 29. Dezember 2014 bis zum 31. Januar
2015 bestehen dagegen offene Lohnforderungen, wovon nunmehr auch die
Beschwerdegegnerin ausgeht (vgl. Teilauszahlung vom 2. September 2020). Diese
belaufen sich für den Dezember 2014 auf Fr. 150.95 ([Fr. 1'440.-- + Fr. 120.--] : 31 x 3)
und für den Januar 2015 auf Fr. 1'560.-- (Fr. 1'440.-- + Fr. 120.--). Demgegenüber sind
Entschädigungen für noch nicht bezogene Ferien - ausser bei hier nicht zutreffenden
Ausnahmen (Ferien mit Ferienlohnzuschlag abgegolten) - nicht von der
Insolvenzentschädigung erfasst (Thomas Nussbaumer, Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl., N 620, mit Hinweis auf
BGE 137 V 96 E. 6.3.1 und 6.4). Die Beschwerdeführerin hat damit grundsätzlich
entschädigungsfähige Lohnansprüche in Höhe von Fr. 1'710.95 (Fr. 150.95 +
Fr. 1'560.--), wie auch die Beschwerdegegnerin in ihrer provisorischen Abrechnung
vom 2. September 2020 feststellte. Davon in Abzug zu bringen sind allerdings die von
ihr vereinnahmten (vgl. act. G 1.1), tatsächlich jedoch der Arbeitgeberin zustehenden
Taggelder der Mutterschaftsversicherung für den Zeitraum vom 22. September 2014
bis zum 31. Oktober 2014 (40 Tage), da die Beschwerdeführerin in diesem Zeitraum
unbestrittenermassen den vollen Lohn erhalten hatte (vgl. Art. 17 Abs. 1 lit. b EOG,
wonach die Arbeitgeberin antragsberechtigt ist, wenn sie der leistungsberechtigten
Person während der Dauer des Anspruchs einen Lohn ausrichtet), abzüglich den für die
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Monate September und Oktober 2014 noch nicht erhaltenen Anteil am 13. Monatslohn.
Demzufolge verringert sich ihre offene Lohnforderung gegen die Arbeitgeberin um
Fr. 1'424.-- ([40 x Fr. 41.60] - [2 x Fr. 120.--]). Per Saldo bestehen damit durch die
Insolvenzentschädigung zu vergütende Lohnforderungen von Fr. 286.95 (Fr. 1'710.95 -
Fr. 1'424.--).
4.
Sodann verlangt die Beschwerdeführerin, es sei ihr sowohl für die
Insolvenzentschädigung als auch für die Mutterschaftsentschädigung ein Verzugszins
für die lange Wartezeit auszurichten. Ein Verzugszins ist geschuldet, wenn die
versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich nachgekommen ist, nach
Ablauf von 24 Monaten seit der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate
nach dessen Geltendmachung (Art. 26 Abs. 2 ATSG; vgl. dazu auch Kieser; a.a.O., Art.
26 N 46 ff.).
4.1.
Vorliegend musste die Beschwerdegegnerin zwar mehrere Male weitere
Unterlagen verlangen. Die Beschwerdeführerin oder ihr Vertreter reagierten aber jeweils
innert kurzer Zeit, um das Verlangte nachzuliefern. Die Gründe für die Verzögerungen
im Verwaltungsverfahren lagen teilweise in Missverständnissen, aber auch darin
begründet, dass die geforderten Unterlagen gar nicht existierten. Zudem verlangte die
Beschwerdegegnerin immer wieder neue Angaben oder Beweismittel. Jedenfalls kann
nicht gesagt werden, das Verhalten der Beschwerdeführerin sei alleine kausal für die
Verzögerungen im Verwaltungsverfahren. Dies gilt umso mehr für das
Einspracheverfahren. Dafür, dass dieses ohne ersichtlichen Grund mehr als vier Jahre
dauerte, ist alleine die Beschwerdegegnerin verantwortlich, wie diese auch selber
einräumt (vgl. Entschuldigungen der Leiterin des Amtes für Wirtschaft und Arbeit, in
welcher Personalwechsel für die Verzögerung genannt werden [genaues Datum aus
Mailverkehr nicht ersichtlich, offenbar vom Juli 2020]) und des Leiters der
Arbeitslosenkasse vom 6. August 2020 [act. G 1.1 [im Dossier der Beschwerdegegnerin
nicht enthalten]]). Es erscheint damit gerechtfertigt, der Beschwerdeführerin
Verzugszinsen zuzusprechen. Der Anspruch auf Insolvenzentschädigung entsteht,
wenn zum Zeitpunkt der Konkurseröffnung offene Lohnforderungen bestehen (Art. 51
Abs. 1 lit. a AVIG). Dies war am 1. Juni 2015 der Fall (vgl. Online-
Handelsregisterauszug des Kantons Wallis). Die Leistungen der
Insolvenzentschädigung sind somit - nachdem die 12-Monatsfrist nach Anmeldung des
Anspruchs vom 26. Juni 2015 ebenfalls abgelaufen ist - ab 1. Juni 2017 zu verzinsen.
Der Zinsenlauf endet mit der provisorischen Leistungsausrichtung vom 2. September
2020 und beträgt somit 1'172 Tage (2017: 7 Mte. x 30 Tage; 2018 und 2019: 2 x 360
4.2.
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5.
5.1Nachdem die Beschwerdeführerin eine durch das Gericht festzulegende
Insolvenzentschädigung beantragt, ist die Beschwerde gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin eine Insolvenzentschädigung von Fr. 286.95 zuzüglich Verzugszins
von Fr. 46.70 zuzusprechen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG
Tage; 2020: 8 Mte. x 30 Tage + 2 Tage). Der Zinssatz beträgt 5 Prozent (Art. 7 Abs. 1
der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [SR 830.11;
abgekürzt: ATSV]). Der Verzugszins für die Insolvenzentschädigung beträgt mithin
Fr. 46.70 (Fr. 286.95 x 5 % x 1'172 : 360). Demgegenüber bildet die
Mutterschaftsentschädigung nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens, sodass
hier nicht über einen Verzugszins betreffend diese Leistung zu entscheiden ist. Auf das
entsprechende Begehren kann demnach nicht eingetreten werden. Immerhin kann aber
gesagt werden, dass die Voraussetzungen dafür ohnehin nicht gegeben sind, nachdem
die Beschwerdeführerin den Antrag auf Mutterschaftsentschädigung am
21. September 2019 gestellt und die Leistungen am 29. Juni 2020 erhalten hat (act.
G 1.1). Im Übrigen sollen der Beschwerdeführerin bereits im Juli 2015 die
Anmeldeunterlagen für die Mutterschaftsentschädigung direkt von der SVA zugestellt
worden sein (Aktennotiz vom 28. Juli 2015 [act. G 3.1/79]). Zudem hat die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin in der Verfügung vom 14. April 2016
explizit auf ihr Antragsrecht auf Mutterschaftsentschädigung hingewiesen (act.
G 3.1/27). Es trifft somit nicht zu, dass die Beschwerdeführerin nie zur Anmeldung der
Mutterschaftsentschädigung aufgefordert worden wäre. Weshalb sie damit bis im
September 2019 zugewartet hat, ist daher nicht nachvollziehbar.
Im Weiteren verlangt die Beschwerdeführerin eine Genugtuung für die
ehrverletzenden Worte, die gesetzeswidrige amtliche Untätigkeit und die unzumutbare
Dauer des Verfahrens. Gegenstand des angefochtenen Einspracheentscheids war
einzig die Frage der Insolvenzentschädigung. Auf den Antrag um Zusprache einer
Genugtuung ist daher mangels Anfechtungsgegenstands nicht einzutreten. Gemäss
Art. 78 Abs. 4 ATSG in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Verantwortlichkeit des Bundes sowie seiner Behördemitglieder und Beamten
(Verantwortlichkeitsgesetz, VG, SR 170.32) wäre zudem eine Genugtuung nur bei
Vorliegen einer Persönlichkeitsverletzung und nur geschuldet, sofern den Beamten ein
Verschulden trifft, die Schwere der Verletzung es rechtfertigt und diese nicht anders
wiedergutgemacht worden ist. Ob diese Voraussetzungen vorliegend erfüllt sind,
erscheint fraglich, ist jedoch mangels Anfechtungsgegenstand nicht im vorliegenden
Beschwerdeverfahren zu beantworten.
4.3.
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in der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen, für das vorliegende Verfahren gemäss
Art. 83 ATSG noch anwendbaren Fassung).
5.2Im Weiteren beantragt die Beschwerdeführerin einen Ersatz der Arbeits- und
allgemeinen Aufwände ihres Vertreters. Eine solche wird bei in eigener Sache geführten
Verfahren bzw. bei einer nicht berufsmässig erfolgenden Vertretung nur bei Vorliegen
besonderer Umstände gewährt. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind
komplizierte Verhältnisse mit einem hohen Streitwert vorausgesetzt, die für die
Interessenwahrung einen hohen Arbeitsaufwand erforderlich machen, der den Rahmen
dessen überschreitet, was der einzelne üblicher- und zumutbarerweise nebenbei zur
Besorgung der persönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat (BGE 110 V 134
E. 4d; Kieser, a.a.O., Art. 61 N 217). Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht
erfüllt. Zwar musste die Beschwerdeführerin diverse Male weitere Akten einreichen
oder Stellung nehmen. Indessen ist der Umfang der Ausführungen Ihres Vertreters
zumindest teilweise als zu ausführlich anzusehen, sodass diesbezüglich von einem
unnötigen - und damit nicht entschädigungsfähigen - Aufwand auszugehen ist. Das
Erfordernis des hohen Streitwerts ist zudem klar nicht erfüllt, zumal es der
Beschwerdeführerin offen gestanden hätte, die Mutterschaftsentschädigung wesentlich
früher zu beantragen, womit sie bereits weitgehend befriedigt gewesen wäre. Nach Art.
98 Abs. 3 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1) werden
sodann für das Verwaltungs- bzw. Einspracheverfahren ohnehin in der Regel keine
ausseramtlichen Kosten zugesprochen.