Decision ID: de8dbba1-dcd6-49ff-a209-ebc7ebace1cc
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Anfechtung ausserordentliche Kündigung
Berufung gegen ein Urteil des Mietgerichtes des Bezirksgerichtes Uster vom 3. Mai 2017 (MB160001)
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Rechtsbegehren: (act. 1, S. 2)
"1. Es sei festzustellen, dass die ausserordentliche Kündigung des  vom 11.09.2015 auf den 31. Oktober 2015 unwirksam ist.
2. Eventualiter sei die ausserordentliche Kündigung des Beklagten vom 11.09.2015 auf den 31. Oktober 2015 ungültig zu erklären.
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Beklagten."
Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Mietgericht, vom 3. Mai 2017:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 12'500.– festgesetzt.
3. Die Kosten werden der Klägerin auferlegt und mit dem von ihr geleisteten Vor-
schuss verrechnet.
4. Die Klägerin wird verpflichtet, dem Beklagten eine Parteientschädigung von
Fr. 26'309.– (Mehrwertsteuer inbegriffen) zu bezahlen. (5./6. Mitteilung / Rechtsmittel.)
Berufungsanträge:
der Klägerin und Berufungsklägerin (act. 50 S. 2):
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Uster / Mietgericht (Geschäfts-Nr.
MB160001), dat. 03.05.2017, aufzuheben, und es sei die Klage vom 03.03.2016 mit dem Rechtsbegehren gutzuheissen, wonach:
a) festzustellen sei, dass die ausserordentliche Kündigung des Beklagten vom 11.09.2015 auf den 31. Oktober 2015 unwirksam sei;
b) eventualiter die ausserordentliche Kündigung des Beklagten vom 11. 09.2015 auf den 31. Oktober 2015 ungültig zu erklären sei.
2. Eventualiter sei das Verfahren zwecks Durchführung des Beweisverfahrens und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuern zulasten des Berufungsbeklagten.
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des Beklagten und Berufungsbeklagten (act. 60 S. 2):
Es sei die Berufung vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist, und es sei demgemäss das Urteil des Mietgerichtes des Bezirksgerichts Uster vom 3. Mai 2017 (Geschäfts-Nr.: MB160001-I) zu bestätigen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwehrtsteuer) zu Lasten der Klägerin und Berufungsklägerin.

Erwägungen:
I. (Übersicht zum Sachverhalt/Prozessgeschichte)
1. - 1.1 Die Klägerin, die A._ AG, wurde im Juni 2010 gegründet und be-
zweckt den Betrieb von Restaurants und Barlokalen. Seit ihrer Gründung hat sie
ihren Sitz an der C._-Str 1 in D._ [Ortschaft] und ist E._ das einzige
Mitglied des Verwaltungsrates mit Einzelunterschriftsberechtigung (vgl. act. 64/2
[Handelsregisterauszug] bzw. act. 4/3). B._, der Beklagte, ist Inhaber der im
Handelsregister eingetragenen Einzelunternehmung "B._, Hotel Restaurant
F._", deren Zweck im "Hotel und Restaurationsbetrieb" liegt (vgl. act. 64/2
[Handelsregisterauszug] bzw. act. 4/4). Er betreibt in der Liegenschaft "F._"
an der C._-Str 1 sowie in der Nachbarliegenschaft C._-Str 2 in D._
das gleichnamige Hotel (vgl. auch act. 1 S. 4 Ziff. 4.4).
1.2 Mit einem auf den 31. Mai 2010 datierten Vertrag mietete die A._ AG,
vertreten durch E._, von B._ "Restaurant / Bar"(act. 4/2 S. 2) in der Lie-
genschaft Hotel F._ an der C._-Str 1 in D._. Das Mietobjekt um-
fasst gemäss Vertrag neben Kellerräumen im UG ein Restaurationslokal mit Kü-
che im EG, ferner das Zimmer Nr. 16 im OG sowie im Aussenbereich eine Gar-
tenwirtschaft bzw. Terrasse von ca. 140 m2. Überdies wurden Mitbenutzungsrech-
te der A._ AG an Parkplätzen sowie Mitbenutzungsrechte beider Parteien
am Treppenhaus und WC-Anlagen in der Liegenschaft vereinbart. In den Art. 9.1
bis 9.3 des Vertrages trafen die Parteien Regelungen zum vertragsgemässen
Gebrauch, zu "Anbringungen" des Mieters im Aussenbereich und zu Erneuerun-
gen und Änderungen (vgl. a.a.O., S. 13), die sie mit einer Regelung in Art. 36 des
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Vertrages wie folgt ergänzten (vgl. a.a.O., S. 22 [im Original ist der Text in Lettern
abgefasst]):
"Küchengeräte, Mobiliar, Kühlzelle-Raum, Keller, Beschattungssystem Terasse, Elektroinstallationen, sämtliches Gross + Kleininventar bleiben im Besitz der A._ AG. Allfällige Umbauten im Restaurant gehen zu Lasten des Mieters ohne  des Vermieters. Es besteht keine Rückbaupflicht. Verkauf von  frei. Es bestehen keine Bierverträge" (vgl. a.a.O., S. 22).
Der Mietbeginn wurde auf den 1. Juni 2010 angesetzt, und es wurde eine
feste Vertragsdauer von fünf Jahren vereinbart (Mietende per 31. Mai 2015). Der
A._ AG wurden sodann zwei Optionen auf Vertragsverlängerung um je fünf
Jahre eingeräumt (Mietenden per 31. Mai 2020 bzw. per 31. Mai 2015). Der Miet-
zins wurde grundsätzlich auf Fr. 36'000.- pro Jahr fixiert, entsprechend Fr. 3'000.-
pro Monat; Nebenkostenzahlungen wurden keine vereinbart. Ab Mietbeginn bis
Ende Mai 2012 war zwecks Abgeltung einer Restzahlung für Inventar von total
Fr. 24'000.- jährlich ein Mietzins von Fr. 48'000.- zu zahlen (vgl. act. 4/2 S. 3 ff.).
Ende September 2014 übte die Klägerin ihre Option auf Vertragsverlänge-
rung bis Ende Mai 2020 aus (vgl. act. 4/5).
1.3 Unbestrittenermassen kam es zwischen den Parteien mit der Zeit zu Differen-
zen, so u.a. um die Parkplatzbenützung, um Kühlcontainer der Klägerin auf der
Hoffläche, um den Standort eines Grüncontainers, um Holz-Beigen der Klägerin
und aussen von der Klägerin angebrachte Klimageräte. Zu Konfliktpunkten wur-
den sodann die Entfernung der Reklametafel "Hotel Restaurant F._" durch
die Klägerin, die Einlassung des Briefkastens ins Mauerwerk durch die Klägerin
sowie endlich der von der Klägerin 2015 veranlasste Anstrich der Fassade der
Liegenschaft bis zur Höhe des ersten Stockwerks in einer von der übrigen Fassa-
denfarbe abweichenden Farbe, der ohne Einwilligung des Beklagten (und gegen
den der Klägerin bekannten Willen des Beklagten; vgl. act. 43 S. 4: Dies ist der
Grund ...) ausgeführte wurde, und zwar während der Ferienabwesenheit des Be-
klagten.
Unstrittig ist ebenso, dass der Beklagte die Klägerin mit Schreiben vom
31. Juli 2015 wegen Vertragsverletzungen, namentlich wegen des Fassadenan-
strichs anmahnte und ihr Frist bis Ende August 2015 ansetzte, um den rechtmäs-
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sigen Zustand wieder herzustellen. Für den Fall, dass die Klägerin dem nicht
nachkomme und allenfalls neue oder gleichartige Pflichtverletzungen begehe,
drohte ihr der Beklagte die Kündigung des Mietverhältnisses an (vgl. act. 16/1).
Unbestrittenermassen kam die Klägerin den Aufforderungen des Beklagten nicht
nach; der Beklagte kündigte daher das Mietverhältnis unter Verwendung des amt-
lich genehmigten Formulars am 11. September 2015 auf Ende Oktober 2015 (vgl.
act. 16/11). In einem Begleitschreiben begründete er seine Kündigung zudem
(vgl. act. 16/12; vgl. auch act. 4/7).
Unstrittig ist schliesslich bzw. darf aufgrund der Akten als erstellt gelten,
dass der von der Klägerin veranlasste Anstrich der Fassade einer baurechtlichen
Bewilligung bedurft hätte, eine solche nicht eingeholt worden war und der Beklag-
te als Grundeigentümer von der Gemeinde deshalb angehalten wurde, ein Farb-
konzept für die Fassade zur Bewilligung vorzulegen, das er nach Erhalt der Bewil-
ligung auf seine Kosten umzusetzen hatte (vgl. dazu act. 16/2 - 3, act. 45/14 - 18).
Diese Umsetzung erfolgte gegen Ende 2016 und kostete rund Fr. 35'000.- (vgl.
act. 44/19 - 20).
2. - 2.1 Die Klägerin focht die Kündigung bei der Schlichtungsbehörde des Bezir-
kes Uster an und machte die Klage anhängig. Im Wesentlichen beantragte sie die
Feststellung der Unwirksamkeit der Kündigung vom 11. September 2015, eventu-
aliter die Ungültigerklärung dieser Kündigung. Mit Beschluss vom 25. Januar 2016
stellte die Schlichtungsbehörde ihr die Klagebewilligung aus (vgl. act. 9/1).
2.2 Die Klägerin gelangte daraufhin mit einem Schriftsatz, der auf den 3. März
2016 datiert ist und eine schriftliche Klagebegründung (vgl. act. 1) umfasste, an
das Mietgericht Uster. Nach Bereinigung von Unklarheiten und nachdem die Klä-
gerin den Kostenvorschuss i.S. des Art. 98 ZPO geleistet hatte, holte das Mietge-
richt vom Beklagten eine Klageantwort ein (vgl. act. 13) und stellte diese hernach
der Klägerin zu. Am 27. September 2016 fanden Vergleichsgespräche statt, die
letztlich ergebnislos blieben (vgl. Vi-Prot. S. 7 f., act. 26 [Widerruf]). Am 3. Mai
2017 fand die Hauptverhandlung statt (vgl. Vi-Prot. S. 11 - 37 sowie act. 43 - 45),
in der teilweise auch Vorträge zu einem weiteren Verfahren (MD150002-I) entge-
gengenommen wurden (vgl. Vi-Prot. S. 33 ff. und dazu auch S. 11). Im Anschluss
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an ihre Vorträge erklärten die Parteien jeweils, sie hätten ihre Beweismittel ab-
schliessend bezeichnet (vgl. Vi-Prot. S. 12 und 32) und verzichteten auf Schluss-
vorträge (vgl. Vi-Prot. S. 33). Im Anschluss an die Verhandlung fällte das Mietge-
richt sein Urteil (act. 49 [= act. 46 = act. 51]) und wies die Klage ab. Dieses Urteil
wurde den Parteien mit Zustellung vom 16. Juni 2017 schriftlich und begründet
eröffnet (vgl. 47).
Für weitere Einzelheiten zum mietgerichtlichen Verfahren kann auf die aus-
führliche Prozessgeschichte im Urteil vom 3. Mai 2017 verwiesen werden (vgl.
act. 49 S. 2 - 4).
3. Die Klägerin liess mit Schriftsatz vom 16. August 2017 (vgl. act. 50 - 53) recht-
zeitig die Berufung erheben. Sie leistete sodann den ihr gestützt auf Art. 98 ZPO
auferlegten Kostenvorschuss (vgl. act. 55 und 57). Es wurde die Berufungsant-
wort eingeholt; diese (act. 60) wurde der Klägerin mit Schreiben vom 18. Oktober
2017 zugestellt, verbunden mit dem Hinweis an beide Parteien, dass damit der
gesetzliche Schriftenwechsel abgeschlossen sei und sich die Sache in Beratung
befinde (vgl. act. 62 f.).
II. (Zur Berufung im Einzelnen)
1. Mit der Berufung kann die unrichtige Feststellung des Sachverhaltes durch die
Vorinstanz sowie eine unrichtige Rechtsanwendung der Vorinstanz geltend ge-
macht werden (Art. 310 ZPO), zu der auch die unrichtige Anwendung des pflicht-
gemässen Ermessens gehört, weshalb das Gesetz dies nicht eigens erwähnt.
Gemäss Art. 311 Abs. 1 ZPO sind die entsprechenden Beanstandungen von der
Berufung führenden Partei in der Berufungsschrift einzeln vorzutragen und zu be-
gründen (Begründungslast; vgl. dazu BGE 138 III 375 oder OGer ZH, Urteil
LB110049 vom 5. März 2012, E. 1.1 und E. 1.2, je mit Verweisen). Die Begrün-
dung muss so ausführlich sein, dass die Berufungsinstanz sie ohne weiteres ver-
stehen kann. Wiederholungen des bereits vor der ersten Instanz Vorgetragenen
genügen den gesetzlichen Anforderungen an eine Begründung daher ebenso we-
nig wie allgemeine Kritik am angefochtenen Entscheid bzw. an den erstinstanzli-
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chen Erwägungen (vgl. auch BGE 138 III 375). Neue Tatsachen und Beweismittel
können nur noch in den Schranken von Art. 317 ZPO vorgetragen werden, und
zwar auch in Verfahren, die erstinstanzlich noch der Untersuchungsmaxime sowie
der Offizialmaxime unterstehen (vgl. dazu auch BGE 138 III 625).
Wird von der Berufung führenden Partei eine genügende Beanstandung
vorgebracht, so wendet die Berufungsinstanz das Recht von Amtes wegen an
(Art. 57 ZPO) und prüft sämtliche Mängel frei und uneingeschränkt – sie ist weder
an die Argumente der Parteien noch an die Begründung des vorinstanzlichen
Entscheides gebunden (vgl. BGE 133 II 249 E. 1.4.1 m.w.H. sowie ZR 110/2011
Nr. 80). Bei der Begründung ihrer Entscheidung darf sie sich auf die wesentlichen
Überlegungen konzentrieren, von welchen sie sich hat leiten lassen.
2. - 2.1 Das Mietgericht erwog in seinem Urteil vorab im Wesentlichen, der Be-
klagte habe wegen Vertragsverletzungen der Klägerin, die Sorgfaltspflichtverlet-
zungen i.S. des Art. 257f OR beinhalteten, ausserordentlich gekündigt; und es hat
die Voraussetzungen für eine solche ausserordentliche Kündigung näher darge-
legt. Insbesondere hat es darauf hingewiesen, dass dann, wenn eine Sorgfalts-
pflichtverletzung des Mieters gegeben ist, der Vermieter diese zunächst gemäss
Art. 257f Abs. 3 OR schriftlich abzumahnen habe, und zwar innert nützlicher Frist
nach Kenntnisnahme der Pflichtverletzung. Dabei sei das dem Mieter vorgewor-
fene Verhalten konkret zu bezeichnen und die mit der Abmahnung geforderten
Verhaltensänderungen müssten verhältnismässig und erfüllbar sein. Die ausser-
ordentliche Kündigung könne erst dann ausgesprochen werden, wenn der Mieter
sein pflichtverletzendes Verhalten nicht ändere, also fortsetze oder erneut Pflicht-
verletzungen begehe, die in einem sachlichen und zeitlichen Zusammenhang mit
der abgemahnten Pflichtverletzung bestünden. Sodann setze die ausserordentli-
che Kündigung weiter voraus, dass die fortdauernde bzw. weitere Pflichtverlet-
zung des Mieters so schwer wiege, dass dem Vermieter die Fortsetzung des
Mietverhältnisses aus objektiver Sicht betrachtet nicht mehr zumutbar sei. Die
Beweislast für alle Voraussetzungen der ausserordentlichen Kündigung trage der
Vermieter (vgl. act. 49 S. 8 - 10).
Weiter erwog das Mietgericht – kurz zusammengefasst –, die Klägerin be-
streite im Wesentlichen nicht, die im Kündigungsschreiben vom 11. September
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2015 vom Beklagten angegebenen Arbeiten am Mietobjekt vorgenommen bzw.
die dort aufgeführten Gegenstände abgestellt und den früheren Zustand trotz
Mahnung nicht wieder hergestellt zu haben (vgl. a.a.O., S. 10). Im Einklang mit
bereits anderweitig Erwogenem (act. 49 S. 6), erachtete es diesen Sachverhalt
als rechtlich relevant sowie unstrittig, und es listete dann die im Mahnschreiben
aufgeführten Gründe im einzelnen auf. Dem fügte es bei, um die Gültigkeit der
Kündigung zu beurteilen, sei zu prüfen, ob diese vom Beklagten angemahnten
Sachverhalte eine schwere Sorgfaltspflichtverletzung beinhalteten und eine Un-
zumutbarkeit i.S. des Art. 257f OR begründeten (vgl. a.a.O., S. 11). Ein schwere
Pflichtverletzung erkannte das Mietgericht im Fassadenanstrich durch die Kläge-
rin, zu dem die Klägerin entgegen ihrer Auffassung nicht durch den Art. 36 des
Mietvertrages berechtigt gewesen sei, weil sich diese Bestimmung einzig, aber
immerhin auf Umbauten im Restaurant bezogen habe, nicht hingegen auf die Ge-
bäudehülle und damit die Fassade (vgl. a.a.O., S. 14). Die Klägerin sei auch nicht
berechtigt gewesen, die Fassade im Sinne einer Ersatzvornahme gemäss
Art. 259b OR überstreichen zu lassen. Denn selbst wenn die Fassade, wie die
Klägerin geltend mache, einen heruntergekommenen Eindruck gemacht habe, sei
damit noch kein schwerer Mangel gegeben gewesen, welcher die Klägerin zur Er-
satzvornahme ohne Zustimmung des Beklagten bzw. einen entsprechenden Ent-
scheid des Gerichtes befugt hätte. Der Beklagte habe diese Pflichtverletzung
zeitnah gerügt und die Klägerin habe den eigenmächtigen Fassadenanstrich in-
nert Frist nicht beseitigt, weshalb die daraufhin ausgesprochene Kündigung direk-
te Folge der abgemahnten Sorgfaltspflichtverletzung gewesen sei.
Es stelle sich daher noch die Frage der Unzumutbarkeit der Fortsetzung des
Mietverhältnisses (vgl. a.a.O., S. 16). Das Mietgericht bejahte diese ebenso. Un-
geachtet der übrigen Streitpunkte zwischen den Parteien habe die Klägerin – er-
wog das Mietgericht im Wesentlichen – mit dem eigenmächtigen Fassadenan-
strich gegen den Willen des Beklagten während dessen Ferienabwesenheit und
ohne behördliche Bewilligungen ein Verhalten gezeigt, mit dem die Grenzen in ei-
nem Ausmass überschritten worden seien, das die Fortsetzung des Mietverhält-
nisses bis wenigstens 2020 objektiv gesehen als unzumutbar erscheinen lasse.
Die Befürchtungen des Beklagten, bei einer erneuten Abwesenheit seinerseits
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werde das Mietobjekt gegen seinen Willen umgestaltet, lägen zudem auf der
Hand (a.a.O., S. 18). Das Mietgericht hielt auch die übrigen Voraussetzungen der
Kündigung als erfüllt und erachtete diese vor dem Hintergrund der Streitigkeiten
zwischen den Parteien unter Hinweis auf Art. 271a Abs. 3 lit. c OR auch nicht als
treuwidrig (vgl. a.a.O., S. 19).
2.2 - 2.2.1 Die Klägerin erklärt in der Berufungsschrift, sie sei mit diesem Ent-
scheid nicht einverstanden. Sie wirft dem Mietgericht unrichtige Rechtsanwen-
dung und unrichtige Sachverhaltsfeststellung vor (vgl. act. 50 S. 4, oben). Im We-
sentlichen bringt sie vor, das Mietgericht habe den Sachverhalt im Hinblick auf
das "gefasste Urteil" (vgl. act. 50 S. 5) willkürlich reduziert. Die Voraussetzungen
für eine ausserordentliche Kündigung seien nicht gegeben. Die Klägerin habe sich
bei allen beanstandeten Handlungen vertragskonform verhalten und die Abmah-
nungen des Beklagten seien zu Unrecht erfolgt (vgl. a.a.O. S. 7). Willkürlich habe
das Mietgericht auf die Abnahme von Beweisen verzichtet (a.a.O., S. 8). In der
Generalerlaubnis des Art. 36 des Mietvertrages sei die Zustimmung des Beklag-
ten für den Fassadenunterhalt – jedenfalls im Bereich des Restaurants – mitent-
halten (vgl. a.a.O., S. 9). Von besonderer Bedeutung sei daher die Auslegung des
Art. 36 des Mietvertrages im Blicke der gesamten Umstände des Vertragsschlus-
ses (vgl. a.a.O., S. 11 ff.), und diese zeigten, worauf sie – die Klägerin – wieder-
holt hingewiesen habe (vgl. a.a.O., S12), dass mit dem Art. 36 des Mietvertrages
"eine umfassende Ermächtigung zum Unterhalt im Bereiche des gesamten Miet-
objektes" (vgl. a.a.O., S. 13.) erteilt worden sei, "falls und insoweit dieser Unter-
halt den Beklagten nichts kostete" (a.a.O.). Der Wortlaut "im Mietobjekt" sei nicht
bloss im Sinne von "innen" als Gegensatz zu "aussen" bzw. "Fassade" zu verste-
hen, sondern umfassend, was auch der Interessenlage ex tunc entspreche. Ihre
Auffassung, dass auch die Fassade von der Generalermächtigung des Art. 36 des
Mietvertrage erfasst gewesen sei, habe das Obergericht in act. 53/2 (Beschluss
der III. Strafkammer vom 24. Januar 2017 betr. Nichtanhandnahme einer Strafun-
tersuchung) geteilt (vgl. a.a.O., S. 14). Die Auslegung des Art. 36 des Mietvertra-
ges durch das Mietgericht sei eingleisig, rein grammatikalisch bzw. formalistisch.
Falsch sei zudem die Auffassung des Mietgerichtes, der Fassadenzustand sei
nicht vertragswidrig gewesen. Die von der Klägerin angerufene Schlichtungsbe-
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hörde habe bereits im Mai 2013 einen Augenschein vorgenommen und sich vom
desolaten Zustand der Liegenschaft inklusive Fassade überzeugen können (vgl.
a.a.O., S. 15). Die Individualabrede gemäss Art. 36 des Mietvertrages gehe vor
und es spiele daher keine Rolle, ob ein schwerer oder mittlerer Mangel vorliege,
wenn die Klägerin die Kosten der Renovation selbst bezahle, wie sie es in casu ja
getan habe (vgl. a.a.O., S. 16). Der Fassadenanstrich sei daher durch Art. 36 des
Mietvertrages ebenso gedeckt wie durch den Art. 259b lit. b. OR (vgl. a.a.O.,
S. 17).
Das Mietgericht habe sich zudem gar nicht hinreichend mit der Prozessge-
schichte dieses Falles befasst, denn immerhin gehe es hier um die dritte von vier
ausserordentlichen Kündigungen und sei ein Mängelbehebungsverfahren hängig
(vgl. a.a.O., S. 18). Sie – die Klägerin – habe vor dem Fassadenanstrich Kontakt
mit dem Bauamt wegen der korrekten Farbe gehabt und erfahren, dass die histo-
risch korrekte Farbe weiss sei (a.a.O.). Daran habe sich der Beklagte nicht gehal-
ten und sein Rosa-Konzept erst nach dem Anstrich durch die Klägerin im Jahre
2015 genehmigen lassen. Dass das Bewilligungsverfahren für den Fassadenan-
strich nicht optimal verlaufen sei, habe er mindestens ebenso seinem eigenen
Verhalten zuzuschreiben (vgl. a.a.O., S. 19). Nicht von der Hand zu weisen sei
die Feststellung des Mietgerichtes, die ausserordentliche Kündigung habe in di-
rektem Zusammenhang auch mit der Fassadenrenovation gestanden. Soweit das
Mietgericht daraus schliesse, in dieser Renovation habe trotz der vertraglichen
Generalermächtigung eine abgemahnte schwere Sorgfaltspflichtverletzung gele-
gen, so werde das als unrichtige Rechtsanwendung in Abrede gestellt. Richtig
besehen könne nämlich die Wiederherstellung des vertragsgemässen Zustandes
keine schwere Sorgfaltspflichtverletzung darstellen, umso mehr, als sich ja der
Beklagte geweigert habe, den vertragsgemässen Zustand selber wieder herzu-
stellen (vgl. a.a.O.).
Schliesslich macht die Klägerin geltend, die Parteien wirkten seit nunmehr
sieben Jahren, insbesondere auch seit dem Oktober 2015 bis zum Mai 2017 so-
wie "heute mehr oder weniger einträchtig" zusammen (vgl. a.a.O., S. 21), weshalb
keine Unzumutbarkeit der Fortsetzung bestehe, zumal der Beklagte den Mietver-
trag selbst nicht richtig erfülle und dadurch die Klägerin zu Selbsthilfemassnah-
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men nötige, mit einem Strauss ausserordentlicher Kündigungen überziehe (vgl.
a.a.O., S. 21 und S. 22).
2.2.2 Der Beklagte hält das angefochtene Urteil für richtig. Er weist wiederholt da-
raufhin, dass der Sachverhalt, der zur Beurteilung stehe, unstrittig sei und das
Mietgericht richtigerweise von einem Beweisverfahren abgesehen habe (vgl. etwa
act. 60 Rz. 28 f., 46 f.). Weiter macht er im Wesentlichen geltend, die Klägerin
beanstande die mietgerichtlichen Erwägungen nicht hinreichend, setze sich mit
diesen nicht auseinander, verharre in appellatorischer Kritik (vgl. a.a.O., Rz. 8, 19
f., 30, 37, 39, 44, 48 f., 55 f., 85) und wiederhole z.T. über Seiten schon früher
Vorgebrachtes (vgl. a.a.O., Rz. 59). Der Vorfall mit dem Fassadenanstrich recht-
fertige für sich allein eine ausserordentliche Kündigung (vgl. a.a.O., Rz. 35, 87),
weshalb Weiteres nicht erheblich sei (vgl. etwa a.a.O., Rz. 82, 89). Die Klägerin
vermöge denn auch nicht aufzuzeigen, inwiefern das Mietgericht den rechtlich er-
heblichen Sachverhalt willkürlich reduziert habe, was auch immer damit genau
gemeint sei (vgl. a.a.O., Rz. 30). Der Art. 36 des Mietvertrages sei klar und nicht
auslegungsbedürftig. Die Aussenfassade gehöre nicht zum Mietobjekt. Selbst
wenn man den Art. 36 des Mietvertrages auslege, ergebe sich nichts Abweichen-
des (a.a.O., Rz. 70). Im Übrigen behaupte die Klägerin zu den Umständen des
Vertragsschlusses Abenteuerliches, das weder im Vertrag noch in ausservertrag-
licher Korrespondenz eine Stütze finde; die behaupteten Umstände spielten für
die Auslegung der Klausel zudem keine Rolle, und zu deren Beweis habe die
Klägerin – wie das Mietgericht richtig erkannt habe – zudem keine geeigneten
Beweismittel bezeichnet (vgl. a.a.O., S. 22 f.). Heute stelle die Klägerin überdies
zu den Umständen des Vertragsschlusses neue Behauptungen auf, die unzuläs-
sige Noven darstellten und die man zudem als frei erfunden bezeichnen müsse
(vgl. a.a.O., S. 23). Ebenso habe die Klägerin zum von ihr behaupteten (und be-
strittenen) schlechten Zustand der Fassade keine Beweismittel bezeichnet, die
geeignet gewesen wären, um darüber ein Beweisverfahren durchzuführen (vgl.
a.a.O., Rz. 74). Die Klägerin habe sich in dem von ihr erwähnten Verfahren be-
treffend Mängelbehebung schliesslich selbst auf den Standpunkt gestellt, ohne
richterliche Ermächtigung sei sie nicht berechtigt, Maler- oder Renovationsarbei-
ten an der Fassade vorzunehmen, was die Beilage act. 16/13 zeige (vgl. a.a.O.,
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Rz. 77). Soweit sich die Klägerin auf einen Beschluss der III. Strafkammer des
Obergerichtes wegen Nichtanhandnahme berufe, verkenne die Klägerin, dass es
dort um anderes gegangen sei, als es im Kündigungsschutzverfahren gehe (vgl.
a.a.O., Rz. 42 f.), wobei sich das Obergericht einzig auf die Einvernahme von
E._ gestützt habe und er – der Beklagte – sich zur Sache gar nicht habe
äussern können (vgl. a.a.O., Rz. 42).
Die Unzumutbarkeit der Fortsetzung des Mietverhältnisses sei vom Mietge-
richt schliesslich zu Recht festgestellt worden (vgl. a.a.O., Rz. 99). Es grenze an
Hohn, wenn die Klägerin behaupte, die Parteien hätten seit sieben Jahren mehr
oder weniger einträchtig zusammengewirkt, habe sie doch im bisherigen Verfah-
rensverlauf keine Gelegenheit ausgelassen, dem Beklagten moralisches und
rechtliches Fehlverhalten vorzuwerfen (vgl. a.a.O., Rz. 86).
2.3 Die Standpunkte und Ausführungen der Parteien im Berufungsverfahren sind
hier nur knapp skizziert worden. Im Folgenden werden indessen alle ihre Ausfüh-
rungen berücksichtigt, auch dann und dort, wenn und wo das nicht ausdrücklich
vermerkt ist.
3. - 3.1 Zu beurteilen ist eine ausserordentliche Kündigung, die der Beklagte ge-
stützt auf Art. 257f Abs. 3 OR ausgesprochen hat. Das Mietgericht hat das in sei-
nem Urteil zutreffend erkannt. Zutreffend hat es ebenso die Voraussetzungen
dargelegt, die erfüllt sein müssen, damit eine solche Kündigung wirksam und im
Übrigen gültig ausgesprochen werden kann; es kann daher zur Vermeidung von
Wiederholungen auf die entsprechenden Erwägungen im angefochtenen Urteil
verwiesen werden (vgl. act. 49, Erw. 4.1 bis 4.6). Lediglich ergänzend ist noch auf
die Erw. 5.1 des bundesgerichtlichen Urteils 4A_277/2007 vom 26. September
2007 zu verweisen, weil sich die Parteien im mietgerichtlichen Verfahren auf
dieses Urteil bezogen haben (vgl. etwa act. 13 Rz. 19 und act. 43 S. 13), und es
kann verknappt rekapituliert werden: "Cette résiliation suppose ainsi, cumulativement: une violation du devoir de diligence du locataire, un avertissement écrit préalable du bail-
leur, la persistance du locataire à ne pas respecter son devoir en relation avec le man-
quement évoqué par le bailleur dans sa protestation, le caractère insupportable du main-
tien du contrat pour le bailleur".
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3.2 Das Mietgericht hat den Fassadenanstrich durch die Klägerin als erhebliche
Sorgfaltspflichtverletzung erachtet, die zur ausserordentlichen Kündigung berech-
tigte, und festgestellt, die Kündigung habe sich auf diese Sorgfaltspflichtverlet-
zung abgestützt. Letzteres ist richtig (vgl. act. 16/12, S. 1, unten). Und richtig ist
ebenso die dahinter stehende Auffassung des Mietgerichtes, dass es dann, wenn
eine Sorgfaltspflicht gegeben sei, die zur ausserordentlichen Vertragsauflösung
berechtige, nicht mehr darauf ankommen könne, ob in einer Kündigung zusätzlich
aufgeführte Pflichtverletzungen ebenfalls erfüllt seien oder nicht. Denn selbst
dann, wenn diese weiteren Pflichtverletzungen nicht gegeben sind, macht das die
eine, die gegeben ist und zur ausserordentlichen Kündigung berechtigt, nicht un-
geschehen. Daher ist es nicht zu beanstanden, dass sich das Mietgericht bei der
Prüfung der ausserordentlichen Befugnis des Beklagten zur Kündigung gemäss
Art. 257f Abs. 3 OR vorab auf die Frage konzentrierte, ob der in der Kündigung an
erster Stelle aufgeführte und von der Klägerin trotz Aufforderung nicht beseitigte
Farbanstrich eine hinreichend schwere Pflichtverletzung dargestellt hat, und die
weiteren im Kündigungsschreiben aufgeführten Gründe ungeprüft liess, nachdem
es die Frage bejahend beantwortet hatte.
3.2.1 Den für die Beurteilung dieser Kündigung massgeblichen Sachverhalt (vgl.
vorn Erw. I/1.2 - 1.3) hat das Mietgericht als unstrittig erachtet, was grundsätzlich
ebenfalls zutrifft. Das wird von der Klägerin mit der Berufung grösstenteils auch
nicht in Abrede gestellt, und zwar mit Fug. Hervorzuheben bleibt an dieser Stelle,
dass die Klägerin im mietgerichtlichen Verfahren – und darauf kommt es hier mit
Blick auf Art. 317 ZPO an – namentlich nicht behauptet hat, der Beklagte sei an-
wesend gewesen, als sie die Fassade anstreichen liess. Und sie bestritt auch
nicht die Behauptung des Beklagten in act. 13 S. 4 (dort Rz. 8), sie habe diese
Arbeiten während seiner Ferienabwesenheiten ausgeführt, so dass er keine Mög-
lichkeiten gehabt habe, dagegen vorzugehen, und somit bei seiner Rückkehr vor
vollendete Tatsachen gestellt worden sei. Die Klägerin nahm vielmehr lediglich
eine Wertung der Behauptung des Beklagten in act. 13 Rz. 8 aus ihrer Optik vor
und unterstellte dem Beklagten damit eine Behauptung, die er so nicht vorge-
bracht hatte, indem sie bestritt, sie habe mit dem Farbanstrich böswillig zugewar-
tet, bis der Beklagte einmal ferienabwesend gewesen sei (vgl. act. 43 S. 4, un-
- 14 -
ten). Zugleich räumte die Klägerin ein, der Beklagte sei immer wieder wochen-
oder gar monatelang abwesend gewesen (vgl. a.a.O., S. 5), und sie behauptete
nicht, es sei ihr das verborgen geblieben. Aufgrund dieser Darstellung der Kläge-
rin dem Mietgericht gegenüber ist es folglich nicht zu beanstanden, wenn dieses
davon ausging, der Farbanstrich sei von der Klägerin unbestrittenermassen wäh-
rend der Ferienabwesenheit des Beklagten angebracht worden. Und wollte man
das so nicht gelten lassen, wäre diese Tatsache aufgrund der klägerischen Dar-
stellung gegenüber dem Mietgericht jedenfalls als erstellt zu betrachten.
3.2.2 Die Klägerin wirft dem Mietgericht im Übrigen pauschal vor, es habe willkür-
lich auf die Abnahme von Beweisen verzichtet (vgl. act. 50 S. 8) und verweist auf
ihre Ausführungen in der Berufungsschrift unter Rz. 6.1 (vgl. a.a.O.). Weder in
dieser Rz. 6.1 von act. 50 noch bei ihrer Beanstandung des Urteils auf S. 8 von
act. 50 zeigt die Klägerin allerdings auf, zu welchen strittigen und rechtserhebli-
chen Sachverhalten das Mietgericht welche ihm offerierten Beweismittel nicht ab-
genommen hat. Und es folgt dergleichen auch nicht aus übrigen Ausführungen
der Klägerin namentlich zum Fassadenunterhalt (vgl. act. 50 S. 9 ff.). Die Klägerin
kommt insoweit der Begründungsobliegenheit nicht nach und es bleibt ihre Beru-
fung entsprechend unbegründet.
3.3 Das Mietgericht erachtete im Ergebnis seiner Erwägungen den Farbanstrich
als unbewilligte Veränderung der Mietsache i.S. des Art. 260a OR, damit als Ver-
letzung des Mietvertrages, die einen nicht zu übergehenden Eingriff der Klägerin
in die Eigentumsrechte des Beklagten als Vermieter zum Gegenstand hatte. Die
Klägerin stellt – mit Blick etwa auf das vorhin erwähnte bundesgerichtliche Urteil
4A_277/2007 vom 26. September 2007 – richtigerweise nicht in Abrede, dass sol-
che Vertragsverletzungen als Sorgfaltspflichtverletzungen i.S. des Art. 257f Abs. 3
OR gelten. Sie machte jedoch dem Mietgericht gegenüber geltend, sie sei zum
Farbanstrich berechtigt gewesen, und zwar aufgrund des Mietvertrages, in dem
ihr eine Generalerlaubnis zu Änderungen an der Mietsache erteilt worden sei (vgl.
etwa act. 1 S. 9 [Ziff. 9.1.2] und S. 19 [Ziff. 10.10]; siehe überdies etwa act. 43
S. 13 [im dortigen Fall war der Untermieter nicht wie vorliegend die Klägerin ver-
traglich zu Umbau und Renovation berechtigt], S. 14 [Einbau Briefkasten eben-
- 15 -
falls von der pauschalen Umbauerlaubnisgemäss Ziff. 36 MV abgedeckt], S. 15
[die Beschriftung ist wie die Fassadenrenovation in der allgemeinen Umbaubewil-
ligung gemäss Ziff. 36 MV und in Art. 9.2 MV enthalten]). Und sie wirft dem Miet-
gericht nun vor, es habe das bei seiner Auslegung des Vertrages bzw. von des-
sen Art. 36 verkannt und damit Recht unrichtig angewandt und überdies den
Sachverhalt nicht richtig festgestellt, weil es bei seiner Auslegung nicht alle Um-
stände des Vertragsschlusses berücksichtigt habe (vgl. act. 50 S. 11 f., S. 14
[auslegungsrelevante Umstände]), was zur Ermittlung des wahren Willens der
Parteien unerlässlich sei (vgl. a.a.O., S. 12 [unten]). Und sie fügt dem bei, selbst
wenn letztlich der damalige subjektive Vertragswille der Parteien nicht ermittelbar
wäre – was sie bestreite –, müsste auch eine korrekte objektiviert Auslegung des
Vertrags nach dem Vertrauensprinzip "zu dem von der Klägerin postulierten Aus-
legungsresultat führen" (a.a.O., S. 15).
3.3.1 Die Klägerin beanstandet die Auslegung des Art. 36 des Vertrages durch
das Mietgericht, macht hingegen nicht fassbar geltend, es habe ein vom Wortlaut
des Art. 36 des Vertrages sowie der übrigen vertraglichen Bestimmungen abwei-
chender übereinstimmender wirklicher Wille der Parteien bestanden, über den
das Mietgericht keinen Beweis abgenommen hätte, obwohl sie dafür Beweismittel
bezeichnet habe. Solche nicht abgenommenen Beweismittel führt sie zudem in
der Berufung nicht an, sieht man vom Beschluss der III. Strafkammer des Ober-
gerichtes vom 24. Januar 2017 mal ab (vgl. act. 50 S. 9), das sie allerdings zur
Stützung ihrer Rechtsauffassung anruft, sie sei gemäss Art. 36 des Mietvertrages
ausdrücklich berechtigt gewesen und es sei die Ermächtigung für den Fassaden-
unteralt in Art. 9.1.2 des Vertrages mitenthalten (vgl. a.a.O.), nicht hingegen zum
Beleg der weiteren Umstände beim Vertragsschluss usf.
Sie kommt auch insoweit ihrer Begründungsobliegenheit nicht nach und es
bleibt die Berufung wiederum entsprechend unbegründet. Weiteres erübrigt sich
insoweit grundsätzlich, und es bleibt zur Bestimmung des Vertragsinhaltes im
Wesentlichen beim Vertrag als solchem.
Die Auffassung der Klägerin, es gehe heute um eine Auslegungsfrage, er-
weist sich im Übrigen, um ebenfalls das noch zu erwähnen, mit Blick auf das
mietgerichtliche Verfahren durchaus richtig. Denn die anwaltlich vertretene Kläge-
- 16 -
rin hat schon damals keinen übereinstimmenden, vom Wortlaut des Vertrages
abweichenden Willen der Parteien so hinreichend konkret dargetan, dass darüber
ein Beweisverfahren hätte durchgeführt werden können, und sie hat vor allem
auch keine Beweismittel zu ihren Behauptungen offeriert, mit denen ihre jeweili-
gen Behauptungen hätten beweismässig überprüft werden können. Das oblag ihr
jedoch selbst unter der Verfahrensmaxime von Art. 247 Abs. 2 ZPO (vgl. zum
Ganzen etwa BGE 141 III 569, dort Erw. 2.3.1 und 2.3.2, ferner die bundesge-
richtlichen Urteile 4A_73/2014 vom 19. Juni 2014, dort Erw. 4.1, 4A_360/2015
vom 12. November 2015, dort Erw. 4.2, 4A_333/2015 vom 27. Januar 2016, dort
Erw. 6.1). Folglich wäre selbst dann, wenn man die – sich sachlich übrigens z.T.
widersprechenden – Behauptungen der Klägerin im mietgerichtlichen Verfahren
zu einem vom Vertrag abweichenden übereinstimmenden Willen der Parteien
noch als hinreichend klar betrachten würde, kein Beweisverfahren dazu durchzu-
führen gewesen.
3.3.2 In act. 1 auf S. 9 unter Ziffer 9.1.2 hat die Klägerin – um das eben Dargeleg-
te noch etwas zu vertiefen – beispielsweise die Erlaubnis zum Fassadenanstrich
aus dem Art. 38 (recte: 36) des Vertrages abgeleitet, "nach dem Grundsatz in
maiore minus". In act. 43 liess sie demgegenüber ausführen, der Fassadenan-
strich sei schon während der Vertragsverhandlungen ein Thema gewesen und der
Beklagte habe seine ausdrückliche Erlaubnis erteilt (vgl. a.a.O, S. 12); sie erklärte
aber weder wo noch wann die Erlaubnis erteilt worden sein soll, und ebenso we-
nig, warum diese Erlaubnis erforderlich war (vgl. a.a.O.), wenn sie schon nach
dem Grundsatz "in maiore minus" im Art. 36 des Vertrages bestanden haben soll.
Konzis und mit dem "maiore minus" ohne weiteres vereinbar wäre das in act. 43
auf S. 12 vorgetragene immerhin dann, wenn die Klägerin damit lediglich zum
Ausdruck hatte bringen wollen, der Art. 36 des Vertrages enthalte eben diese Er-
laubnis. Was auch immer die Klägerin in act. 43 S. 12 genau behaupten wollte
oder behauptet hat, kann allerdings offen bleiben, weil sie in diesem Zusammen-
hang keine Beweismittel offerierte. Beweismittel hat sie nur in anderen Zusam-
menhängen offeriert (vgl. etwa act. 1 S. 11, 12, 13, 14, 15, 16, act. 43 S. 3, 5, 6,
7, 10, 11 [vor "Rechtliche Ausgangslage"], 16), die mit der in act. 43 auf S. 12 be-
haupteten Erlaubnis oder weiteren Behauptungen zum Inhalt von Art. 36 des Ver-
- 17 -
trages nichts zu tun haben. Dabei traf sie die Beweislast für einen vom Wortlaut
des Vertrages abweichenden wirklichen Willen der Parteien ebenso wie hinsicht-
lich der (bestrittenen) weiteren Umstände, aus denen sie ihr Verständnis von Art.
36 des Vertrages herleitet.
Gleich verhält es sich mit der Behauptung der Klägerin auf S. 14 von act. 43,
beim Vertragsschluss sei vereinbart und vorausgesetzt worden, dass die Fassade
renoviert werde. Beweismittel dazu wurden wiederum nicht offeriert, obwohl die
Behauptung der Klägerin im Vertragstext (vgl. act. 4/2) keinen ausdrücklichen
Niederschlag gefunden hat, namentlich nicht im Wortlaut von Art. 36, der "Gene-
ralerlaubnis" bzw. "Pauschalermächtigung" (a.a.O. S. 17), auf die sich die Kläge-
rin ja auch heute beruft. Auf S. 3 von act. 43 machte die Kläger bloss eine Ver-
tragsintention geltend, ohne zu sagen, wer diese Intention hatte (insbesondere,
ob es eine übereinstimmende Intention war), und sie berief sich ebenfalls in die-
sem Zusammenhang auf Art. 36 des Mietvertrages, der es ihr erlaubt habe, sich
wie eine Eigentümerin zu verhalten (vgl. a.a.O., S. 2), bzw. pauschal erlaubt ha-
be, allfällige "Umbauten im Restaurant" auf eigene Kosten zu tätigen, und es sei
damit gemeint gewesen, "im Bereich des Restaurants", also auch hinsichtlich der
Fassade (vgl. a.a.O., S. 4). Auch dazu offerierte die anwaltlich vertretene Klägerin
wiederum keine Beweismittel, namentlich nicht etwa die Beweisaussage ihres
einzigen Verwaltungsrates E._ und/oder des Beklagten, obwohl sie das ohne
weiteres gekonnt hätte und anderweitig auch getan hat.
Die von den Parteien dem Mietgericht im Übrigen eingereichten Beweismit-
tel (vgl. act. 4, act. 16, act. 44 und act. 45) enthalten sodann keine, die – aus ob-
jektiver Warte betrachtet – tauglich sein könnten, um die Vertragsintention, das
beim Vertragsschluss Vereinbarte und Vorausgesetzte, die beim Vertragsschluss
erteilte Ermächtigung usf. sowie die von der Klägerin behaupteten und heute wie-
derholten weiteren Umstände zu beweisen, ausser dem Vertrag selbst (worauf
der Beklagte verweist, wenn er – wie gesehen – vorbringt, die von der Klägerin
aufgestellten Behauptungen fänden weder im Vertrag noch in der ausservertragli-
chen Korrespondenz eine Stütze).
- 18 -
Für das Mietgericht bestand somit, wie schon erwähnt kein sachlich irgend-
wie begründeter Anlass, ein Beweisverfahren durchzuführen. Und das gilt nur
schon mit Blick auf Art. 317 ZPO erst recht im Berufungsverfahren.
3.3.3 Die Auslegung hat sich, wie das Mietgericht richtig erkannte, somit primär
auf den Vertrag abzustützen. Auf weitere Umstände war vom Mietgericht gemäss
dem vorhin Dargelegten nur soweit zurückzugreifen, wie diese unstrittig waren
oder als erstellt gelten durften.
Das Mietgericht hat das bei seiner Auslegung des Vertrages beachtet, bei
der es zum Ergebnis gelangte, Art. 36 beinhalte keine Ermächtigung zum Anstrich
der Fassade. Die Klägerin setzt sich mit dem in der Berufung nicht näher ausei-
nander, sondern beanstandet über alles gesehen und in streckenweiser Wieder-
holung dessen, was sie insbesondere in act. 43 auf den S. 2/3 und S. 12 ff. vorge-
tragen hat (vgl. act. 50 S. 10 ff.), dass das Mietgericht von ihr behauptete Um-
stände, die bestritten waren, nicht berücksichtigte. Dazu bestand für das Mietge-
richt aber gerade kein Anlass, was die Klägerin mit ihren Wiederholungen zu ver-
kennen scheint. Die Berufung erweist sich auch insoweit als unbegründet.
Die Klägerin wirft dem Mietgericht im Zusammenhang mit dem Art. 36 des
Mietvertrages und dessen Bedeutung zudem vor, es habe den Beschluss des
Obergerichtes, III. Strafkammer betreffen Nichtanhandnahme einer Strafuntersu-
chung vom 24. Januar 2017 unberücksichtigt gelassen (vgl. a.a.O., S. 9 und 10).
Und sie erwähnt dabei der Sache nach, weil das Recht, die Fassade anstreichen
zu lassen, im Art. 36 mitenthalten sei, sei es dem Beklagten nicht zugestanden,
den Mietvertrag einseitig mündlich abzuändern. Art. 35 Abs. 2 des Vertrages
schliesse solches vielmehr ausdrücklich aus (vgl. a.a.O., S. 9). Sie setzt in dieser
Argumentation das Ergebnis ihrer Vertragsdeutung als richtig voraus, was kreis-
schlüssig ist, weil das Mietgericht in Prüfung der ihm vorgetragenen Behauptun-
gen (und Bestreitungen) beider Parteien sowie deren (wie gesehen z.T. fehlen-
den) Beweismittelofferten genau zu einem anderen Ergebnis gelangte.
Dass das Mietgericht zur Prüfung der Frage berufen war, ob der Art. 36 eine
Ermächtigung enthielt, wie es die Klägerin gelten macht, stellt die Klägerin im-
merhin zu Recht nicht in Abrede. Denn verhielte es sich so, wäre der Beklagte zur
ausserordentlichen Kündigung gestützt auf Art. 257f Abs. 3 OR nicht befugt ge-
- 19 -
wesen. Und genau die Prüfung dieser Frage war gemäss Rechtsbegehren der
Klägerin ausschliessliches Thema des mietgerichtlichen Verfahrens. Inwiefern
daher eine Rechtsauffassung der III. Strafkammer des Obergerichtes zu Art. 36
des Mietvertrages für das Mietgericht von wesentlicher Bedeutung hätte sein kön-
nen (oder gar müssen), ist nicht ersichtlich und wird von der Klägerin daher rich-
tigerweise auch nicht näher dargetan. Mit Fug behauptet die Klägerin insbesonde-
re nicht, die III. Strafkammer habe im Januar 2017 zu Art. 36 des Vertrages exakt
den Sachverhalt zu beurteilen gehabt, den die Parteien dem Mietgericht z.T. erst
im Mai 2017 im Rahmen eines kontradiktorischen Verfahrens mit den für das
Mietgericht massgeblichen Sachverhaltsbehauptungen und Beweismittelofferten
vorgetragen haben.
Die Beanstandungen der mietgerichtlichen Auslegung bzw. deren Ergebnis
durch die Klägerin im Berufungsverfahren erweisen sich somit insgesamt als un-
begründet.
3.4 Die Auslegung durch das Mietgericht erweist sich im Ergebnis im Übrigen
auch als korrekt. Denn bei ihr war – wie in Erw. II/3.3.3, a.A., erwähnt – das als
Auslegungsmaterial zu berücksichtigen, was aufgrund der Parteivorbringen und
den entsprechenden Beweisofferten als unstrittig bzw. als erstellt betrachtet wer-
den durfte. Im Wesentlichen stand daher nur der Vertrag (act. 4/2) als Ausle-
gungsmittel zur Verfügung und das ist auch hier nicht anders, weshalb im We-
sentlichen nur die Grundsätze der Auslegung einer Vertragsurkunde zum Zuge
kommen. Auszugehen ist dabei im Wesentlichen vom Wortlaut, der nicht nur
grammatikalisch zu betrachten ist, sondern ebenfalls im Lichte einer allfälligen
Verkehrsübung bzw. einem entsprechenden Sprachgebrauch; es ist gegebenen-
falls das Prinzip von Treu und Glauben anzuwenden und es hat die Auslegung
stets ganzheitlich zu sein (Beurteilung aus dem konkreten Sinngefüge), weshalb
namentlich systematische Gesichtspunkte ebenso zu beachten sind wie der Ver-
tragszweck und die übrigen Bestimmungen des Vertrages als Auslegungshilfe;
endlich hat die Auslegung gesetzeskonform zu erfolgen und es kommt allenfalls
die Unklarheitsregel zum Zuge (vgl. zum Ganzen etwa GAUCH/SCHLUEP/SCHMID,
Schweizerisches Obligationenrecht, AT, 10. A., Zürich 2014, Rz. 1205 - 1211,
- 20 -
1218 - 1220, und 1222 - 1232 mit zahlreichen Hinweisen auf Judikatur und Litera-
tur).
3.4.1 Der Wortlaut des Vertrages ist unstrittig. Aus dem Vertrag selbst folgt zu-
dem, dass die Parteien sich eines sog. branchenüblichen Formularvertrags be-
dienten (vgl. act. 4/2), dessen Text sich am sog. allgemeinen Sprachgebrauch
orientiert. Individualisiert haben sie diesen vorformulierten Vertrag bzw. dessen
Text bei der Bestimmung des Mietobjektes (vgl. a.a.O., S. 2), bei der Mietzins-
festsetzung (a.a.O., S. 3) und der Abfassung der Nebenkostenregelung (a.a.O.,
S. 6), bei der Bestimmung der Vertragsdauer (a.a.O., S. 10 und 11), bei Art. 23
hinsichtlich der Rückgabepflicht bei Kaufinventar (keine Rückgabepflicht; vgl.
a.a.O., S. 19), bei den Art. 28 und 31 (Vorkaufsrecht und Konkurrenzverbot) und
auf der letzten Seite insbesondere durch die Aufnahme eines Art. 36 als besonde-
re Bestimmung. Deren Wortlaut ist in Erw. I/1.2 wiedergegeben.
Der Wortlaut von Art. 36 enthält die Regelung, dass Umbauten im Restau-
rant zu Lasten des Mieters gehen, es dafür keine Einwilligung des Vermieters
braucht und keine Rückbaupflicht besteht. Das Mietgericht hat das richtig erkannt
(vgl. act. 49 Erw. 5.5) wie es auch richtig erkannt hat, dass dieser Wortlaut klar
und unzweideutig ist.
Die Regelung des Art. 36 stellt unter systematischen Gesichtspunkten eine
Ausnahmebestimmung zu den Abs. 1 und 2 von Art. 9.3 des Vertrages dar, der
sich mit Änderungen und Erneuerungen der Mietsache durch den Mieter befasst;
im Abs. 1 wird eine schriftliche Zustimmung des Vermieters dazu verlangt; Abs. 2
verpflichtet nur den Mieter bei bewilligten Änderungen nur dann zur Wiederher-
stellung des früheren Zustands wenn das zuvor schriftlich vereinbart worden war.
Abs. 4 des Art. 9.3 befasst sich – um selbst das noch zu erwähnen – mit unbewil-
ligten Erneuerungen/Änderungen durch den Mieter und berechtigt den Vermieter,
die Wiederherstellung des früheren Zustandes auf Kosten des Mieters zu verlan-
gen.
Der Art. 9.3 des Vertrages ist Teil der Bestimmungen zu den Rechten und
Pflichten des Mieters, zu denen ebenso der Art. 9.2 zählt, der sich mit "Anbrin-
gungen durch den Mieter im Aussenbereich" befasst. Es geht um Schilder und
andere Reklameeinrichtungen an der Fassade und im Übrigen Aussenbereich.
- 21 -
Diese dürfen nur mit schriftlicher Bewilligung des Vermieters angebracht werden,
wobei dem Mieter das Recht zugestanden wird, ein Schild sowie je eine beleuchte
und unbeleuchtete Aussenschrift anzubringen; für Weiteres bedarf es der aus-
drücklichen, nämlich vorgängigen schriftlichen Bewilligung des Vermieters. Mit ei-
ner Befugnis des Mieters, die Aussenfassade nach seinem Geschmack zu gestal-
ten, also sie zu verändern und namentlich anstreichen zu lassen, befasst sich der
Art. 9.2 des Vertrages somit von der Sache her gerade nicht. Er stellt daher inso-
fern auch offensichtlich keine Ausnahmeregel zum Art. 9.3 des Vertrages dar, und
ebenso wenig zum von den Parteien formulierten Art. 36, der sich ausschliesslich
mit Änderungen "im Restaurant" befasst, also in einem gemäss allgemeinem
Sprachverständnis örtlich klar definierten Bereich, der sich auf Räume im Gebäu-
deinneren beschränkt. Zu diesem gehört – wiederum im allgemeinen Sprachver-
ständnis – die Fassade des Gebäudes, in dem sich die von der Klägerin gemiete-
ten Lokalitäten befinden, nachgerade offensichtlich nicht. Dass die Parteien bei
der Formulierung von Art. 36 des Vertrages übereinstimmend vom allgemeinen
Sprachverständnis abwichen und insofern etwas anderes meinten, als Geschrie-
ben wurde, ist wie schon erwähnt nicht hinreichend dargetan.
3.4.2 Der von den Parteien in Art. 36 verwendeten Umschreibung "im Restaurant"
(Unterstreichung beigefügt) lässt sich zudem ebenfalls weder vor dem Hinter-
grund der weiteren Regelungen, die die Parteien in Art. 36 getroffen haben, noch
mit Bezug auf übrigen individualisierten Abmachungen eine inhaltliche Bedeutung
beimessen, die sich auf das Gebäudeäussere bezieht. Der Art. 36 selbst zeigt zu-
dem in seinen weiteren Regelungen an, dass die Parteien mit dem Begriff "Res-
taurant" eine Räumlichkeit meinten, die von anderen Räumlichkeiten verschieden
ist. Denn sie erwähnen ausser dem Restaurant an Räumen ausdrücklich den
Kühlzelle-Raum und den Keller. Die Erwähnung dieser weiteren Räume wäre
entbehrlich gewesen, wenn sie damit ebenfalls das "Restaurant" gemeint hätten,
zumal zu diesen Räumen einzig gesagt wird, sie blieben im Besitz der Klägerin.
Mit Blick auf die auf S. 2 des Vertrages getroffene Umschreibung des Mietobjek-
tes und in Anbetracht der Regelung von Mitbenützungsrechten am Treppenhaus
sowie den WC-Anlagen, ist das sachlich zudem kohärent, weil auf ein aus-
schliessliches Benützungsrecht hingewiesen wird.
- 22 -
Diese Umschreibung auf S. 2 listet separat auf, aus welchen Räumen usf.
sich das Mietobjekt zusammensetzt. Neben dem "Restaurant ca. 80m2" sind das
namentlich die Küche (ca. 20m2), ein Zimmer Nr. 16 sowie die Kellerräume (gan-
zes UG, ca. 50m2). Separat wird zudem im Aussenbereich die Gartenwirtschaft /
Terrasse erwähnt, auf die wiederum auch der Art. 36 Bezug nimmt, und zwar hin-
sichtlich des Beschattungssystems, das im Besitz der Klägerin verbleibe. Dem
Begriff "Restaurant" wird hier somit ebenfalls einzig eine Bedeutung beigemes-
sen, die sich auf einen ganz bestimmten, den Parteien bekannten Raum bezieht.
Und es zeigt das, dass die Parteien mit der Auflistung der verschiedenen Räume
begrifflich durchwegs zu differenzieren wussten und auch differenzierten, m.a.W.
mit dem Begriff "Restaurant" einen Teil des Mietobjektes bezeichneten und nicht
das Mietobjekt als solches, nicht das Mietobjekt und dessen Aussenbereich und
schon gar nicht die Liegenschaft, in dem sich das Mietobjekt befindet, und zwar
neben anderen Räumen, an denen die Klägerin kein Benützungsrecht oder bloss
ein Mitbenützungsrecht hat, und dann auch noch deren gesamten Aussenbereich.
Nichts anderes ergibt sich ebenso aus der Regelung von Art. 28 des Vertrages,
um selbst das noch zu erwähnen, weil dort ein Vorkaufsrecht an der ganzen Lie-
genschaft eingeräumt wird und nicht bloss am Mietobjekt, wie es auf S. 2 des Ver-
trages umschreiben ist.
Sachlich steht die im Art. 36 getroffene Lösung, die sich auf das Restaurant
als Raum bezieht und damit bloss auf den Innenbereich des Mietobjekts, endlich
im Einklang mit den übrigen Bestimmungen des Vertrages, so insbesondere mit
dem Art. 9, aber ebenso z.B. mit den Art. 14.1, 15 und 16. Sie ist zudem geset-
zeskonform, denn zum einen ist es Sache der Parteien, den Mietgegenstand zu
bestimmen, womit es ihnen auch überlassen ist, wie sie das tun. Der Art. 260a
OR verbietet es dem Vermieter sodann nicht, seine Zustimmung zu Änderungen
bzw. Erneuerungen auf bestimmte Elemente bzw. Bereiche eines Mietobjektes zu
beschränken, namentlich wenn er diese Zustimmung – was ebenfalls erlaubt und
nicht unüblich ist – bereits im voraus erteilt. Damit ist zugleich gesagt, dass die
Regelung, die die Parteien in Art. 36 des Vertrages getroffen haben, insofern nicht
unüblich ist, wie denn überhaupt der Vertrag, den sie unter Verwendung eines
Formularvertrages geschlossen haben, dem im Gastrobereich Gängigen ent-
- 23 -
spricht. Das gilt insbesondere auch in Bezug auf Art. 28 (Vorkaufsrecht i.S. der
Art. 216 Abs. 3 OR und Art. 216c Abs. 1 OR) und auf Art. 29 des Vertrages. Letz-
terer berechtigt die Klägerin, den Mietvertrag im Grundbuch auf eigene Kosten
vormerken zu lassen und ermächtigt zugleich die Klägerin ausdrücklich zur allei-
nigen Anmeldung der Vormerkung.
Schliesslich lässt sich die Ermächtigung zu Änderungen usw. im Restaurant
auch nicht als dem Vertragszweck widersprechend darstellen. Dieser Zweck be-
steht darin, dass die Klägerin im Mietobjekte einer gastgewerblichen Tätigkeit
nachgehen kann. Dafür hat sie ein Recht zur Aussenwerbung gemäss Art. 9.2
des Vertrages und das Recht, die Gaststube gestützt auf Art. 36 nach ihren Be-
triebsvorstelllungen bzw. ihrem Konzept auf eigene Kosten zu gestalten, ohne
dass sie zum Rückbau verpflichtet wäre. Letzteres nimmt sich für die Klägerin zu-
dem vor allem dann vorteilhaft aus (aber nicht nur), wenn sie ihren Betrieb nur
während fünf Jahren führt und auf die Ausübung einer Option verzichtet, weil sich
innert dieser fünf Jahre ja zeigt, ob sich der Geschäftsgang aufgrund des von der
Klägerin gewählten Konzeptes am von der Klägerin gewählten Standort des Miet-
objektes für sie zufriedenstellend entwickelt oder nicht; das ist im Zeitpunkt des
beim Vertragsabschluss ja noch ungewiss und erhellt insoweit ebenfalls den
Zweck von Optionen, deren Vereinbarung der von den Parteien gewählte Formu-
larvertrag denn auch ausdrücklich vorsieht.
3.4.3 Weitere Gesichtspunkte von Belang, die bei der Auslegung zu berücksichti-
gen wären und am eben gezeichneten Ergebnis etwas zu ändern vermöchten,
sind nicht ersichtlich.
Demnach enthält der Mietvertrag keine vom Beklagten erteilte Ermächtigung
der Klägerin, die Fassade anstreichen zu lassen, namentlich nicht im Art. 36, des-
sen "pauschale" Ermächtigung sich nur auf Änderungen/Erneuerungen im Res-
taurant bezieht, und ebenso namentlich nicht im Art. 9.2, der sich damit gar nicht
befasst. Bei diesem Ergebnis ist es müssig danach zu fragen, inwieweit der Raum
"Restaurant" überhaupt sachlich etwas Grösseres sein kann, in dem die Fassade
der Liegenschaft, in dem sich das Restaurant nebst anderen Objekten befindet,
irgendwie als sachlich Kleineres mitenthalten sein könnte, wie es die Klägerin mit
Hinweis auf "in maiore minus" darzutun versucht. Und es erübrigt sich anzumer-
- 24 -
ken, dass die Klägerin das auch nie klar und logisch nachvollziehbar dargelegt hat
(vgl. etwa act. 1 S. 9 ["Zweifellos ... ohne weiteres enthalten"]; vgl. auch act. 50
S. 9 in Ziff. 6.2.2).
War die Klägerin vertraglich zum Fassadenanstrich nicht ermächtigt und
liess sie die Fassade gleichwohl – und entgegen dem ihr bekannten Willen des
Beklagten (vgl. vorn Erw. I/1.3 mit Verweis) – anstreichen, so griff sie nicht ein-
fach in die Eigentumsrechte des Klägers ein, sondern benahm sich wie ein Eigen-
tümer, was sie letztlich selbst zugesteht (vgl. act. 50 S. 13: war die Klägerin ... be-
reit ... wie eine Eigentümerin in die eigene Liegenschaft zu investieren). Richtig ist
sodann die Auffassung des Mietgerichtes, es komme bei solchen Verletzungen
nicht darauf an, dass mit ihnen ein (angeblicher oder tatsächlicher) Mehrwert ent-
standen sei (vgl. dazu wiederum auch das vorhin erwähnte bundesgerichtliche Ur-
teil 4A_277/2007 vom 26. September 2007).
3.5 Das Mietgericht erachtete den Fassadenanstrich auch nicht durch Art. 259b
OR gedeckt. Und es erwähnte dabei, die Klägerin habe einen entsprechenden
Entscheid des Gerichts nicht abgewartet (vgl. act. 49 S. 16 [Erw. 5.9]). Dem Sinn
nach verwies es damit auf das von der Klägerin im Februar 2015 hängige Verfah-
re betr. Mängelbehebung.
3.5.1 Die Klägerin behauptet in der Berufung nicht, dieser Entscheid sei damals
schon gefällt worden, und sie trägt auch nicht vor, der Zustand der Fassade und
eine durch das Gericht auszusprechende Verpflichtung des Beklagten zur Män-
gelbehebung bzw. allenfalls eine gerichtliche Ermächtigung an sie, die Mängelbe-
hebung vorzunehmen, sei gerade nicht Gegenstand dieses Verfahrens gewesen,
was das Mietgericht verkannt habe (vgl. act. 50 S. 16 f.). Suchte die Klägerin aber
im Februar 2015 gerichtlichen Schutz u.a. zwecks Anstrichs der Fassade, so stell-
te sich damals selbst noch sogleich erkennbar auf den Standpunkt, der Zustand
der Fassade sei nicht so mangelhaft, dass sie zur Ersatzvornahme nach Art. 259b
OR berechtigt gewesen wäre. Sie behauptet in der Berufung zudem weder, sie
habe dem Mietgericht im Kündigungsschutzverfahren dargetan, zwischen dem
Februar 2015 und dem Sommer 2015, als sie den Fassadenanstrich in Abwesen-
heit des Beklagten hat vornehmen lassen, es habe sich der Zustand der Fassade
- 25 -
erheblich verschlechtert, weshalb sie dann zum Anstrich nach Art. 259b OR be-
rechtigt worden sei, noch behauptet sie, dass sie dem Beklagten vor diesem An-
strich wegen einer zwischenzeitlich eingetretenen Verschlechterung nutzlos eine
Frist zur Mängelbehebung angesetzt hat, was das Mietgericht übersehen habe.
Von daher erweist sich der Anstrich, den sie dann während des hängigen Verfah-
rens veranlasst, als typisches widersprüchliches Verhalten im Sinne eines "Venire
contra factum proprium", was gemäss Art. 2 Abs. 2 ZGB keinen Schutz verdient.
Die Klägerin kann sich somit nicht auf erlaubte Selbsthilfe gemäss Art. 259b OR
berufen, und es ist daher fast müssig darauf hinzuweisen, dass die Ausführungen
des Mietgerichts zu schweren Mängeln, welche allenfalls zur Selbsthilfe ohne
Fristansetzung berechtigt hätten (vgl. act. 49 Erw. 5.7), in diesem Kontext zutref-
fend sind; insoweit kann daher ergänzend darauf verweisen werden kann.
Die Klägerin trägt im Übrigen heute mit Fug nichts zu einer Verschlechte-
rung des Fassadenzustands zwischen dem Februar und dem Sommer 2015 usw.
vor, weil sie dem Mietgericht anderes hatte vortragen lassen. So machte sie gel-
tend, es habe sich der Beklagte im Mängelstreit einer gemeinsamen Lösung ver-
schlossen, was der Grund gewesen sei, die Fassade im Sommer 2015 auf eigene
Kosten teilweise anstreichen zu lassen (vgl. act. 43 S. 4). Weiter hatte sie dem
Mietgericht vorgetragen, aufgrund der seit Jahren anhaltenden Rechtssituation sei
es für sie nicht absehbar gewesen, dass die Fassade bis 2025 jemals einver-
nehmlich renoviert werden könne, weshalb sie "verständlicherweise endlich von
ihrem vertraglichen Recht Gebrauch gemacht" habe, "die Restaurant-Fassade
selber auf eigene Kosten zu renovieren" (vgl. a.a.O., S. 5). Zu diesem vertragli-
chen Recht trug sie dem Mietgericht endlich vor (vgl. a.a.O., S. 14), es sei bei
Vertragsabschluss ja auch vereinbart und vorausgesetzt gewesen, dass die Fas-
sade im Restaurantbereich, wie der Rest des Betriebes, auf Kosten der Klägerin
renoviert werde; ob sie damit den Art. 36 des Vertrages meinte, oder anderes,
kann offen bleiben – erstes ist wie gesehen unzutreffend, zweites hat im Vertrag
keinen irgendwie erkennbaren Niederschlag gefunden. Das dem Mietgericht Vor-
getragene ist zudem alles andere als sachlich kohärent, sondern streckenweise in
sich widersprüchlich. Das in act. 43 auf S. 4 und 5 Vorgetragene verdeutlicht zu-
dem das eben zum "Venire contra factum proprium" Ausgeführte.
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3.5.2 Es ist somit ebenfalls nicht zu beanstanden, sondern im Ergebnis richtig,
dass das Mietgericht davon ausging, die Klägerin sei nicht berechtigt gewesen,
den Fassadenanstrich gestützt auf Art. 259b OR ohne Zustimmung des Beklagten
vorzunehmen. Der Fassadenanstrich der Klägerin war eigenmächtig, wurde von
ihr entgegen dem ihr bekannten Willen des Beklagten während dessen Abwesen-
heit veranlasst. Mit der Berufung bringt die Klägerin nichts vor, was eine andere
Sicht der Dinge erlaubte.
Die Klägerin verhielt sich folglich beim Fassadenanstrich insgesamt so, wie
wenn sie Eigentümerin wäre (hinsichtlich der fehlenden Baubewilligung sogar
pflichtvergessene Eigentümerin), und beging vorsätzlich eine nicht leicht zu neh-
mende, also erhebliche Sorgfaltspflichtverletzung i.S. des Art. 257f Abs. 3 OR.
3.6 Die Beseitigung des Anstrichs nach der Abmahnung durch den Beklagten En-
de Juli 2015 unterliess die Klägerin. Mit der Berufung macht sie nicht geltend, sie
sei – objektiv gesehen – nicht in der Lage gewesen, den Anstrich innert der ihr
vom Beklagten angesetzten Frist zu beseitigen, und sie zeigt ebenso wenig auf,
dass die ihr vom Beklagten dafür angesetzte Frist, die das Mietgericht als ange-
messen betrachtet hat, zu knapp bemessen gewesen sei. Dergleichen wäre denn
auch nicht ersichtlich.
Das Mietgericht ging davon aus, die vom Beklagten am 11. September 2015
ausgesprochene ausserordentliche Kündigung stehe in direktem Zusammenhang
mit dem eigenmächtigen Fassadenanstrich. Die Klägerin beanstandet das in der
Berufung richtigerweise nicht, sondern räumt ein, diese Feststellung sei nicht von
der Hand zu weisen (vgl. act. 50 S. 19 [Ziff. 6.5]). Weiteres zu diesem Gesichts-
punkt erübrigt sich.
3.7 - 3.7.1 Das Mietgericht hat im angefochtenen Urteil die Unzumutbarkeit der
Fortsetzung des Mietverhältnisses für den Beklagten bejaht (vgl. act. 49 Erw. 5.11
- 5.13). Die entsprechenden Erwägungen greifen die wesentlichen Gesichtspunk-
te auf und erweisen sich grundsätzlich als zutreffend, weshalb zur Vermeidung
von Wiederholungen vorab darauf verwiesen werden kann.
Ergänzend anzumerken ist, dass die Klägerin im mietgerichtlichen Verfahren
sowie in der Berufungsschrift Vorwürfe an die Adresse des Beklagten erhebt, die
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die zutreffende Feststellung des Mietgerichtes bekräftigen, das Mietverhältnis der
Parteien erweise sich als zerrüttet (vgl. etwa act. 43 S. 4 [beklagtische Verweige-
rung des Fassadenanstrichs als einer von zahllosen Versuchen, das Geschäft der
Klägerin zu schädigen], S. 13 [seit Jahren vom Beklagten plagen lassen], S. 17
[der Beklagte selbst den Mietvertrag systematisch torpediert]). Vor diesem Hinter-
grund wirkt es in der Tat befremdlich, wie der Beklagte vermerkt (vgl. act. 60 Rz.
86), wenn die Klägerin heute dem Mietgericht deswegen falsche Sachverhalts-
feststellung vorwirft und überdies vortragen lässt, die Parteien wirkten seit fast
sieben Jahren mehr oder weniger einträchtig zusammen (vgl. act. 51, S. 21).
Dass die Klägerin dem dann nachschickt, vor allem der Beklagte habe in den ver-
gangenen Jahren immer wieder Ursachen gesetzt, welche das Mietverhältnis be-
lasteten, und die Antwort auf die Frage nach der Zumutbarkeit müsse sich im we-
sentlichen "am Befinden der Klägerin bzw. ihrer Hilfspersonen orientieren, welche
unter diesen schwierigen Umständen ihr Bestes tun, um den Mietvertrag zu erhal-
ten" (a.a.O.), so wirkt das insgesamt widersprüchlich. Betont werden damit zudem
die wirtschaftlichen Interessen der Klägerin, längstens bis zum Jahr 2025 (vgl.
act. 1, S. 19 [Ziff. 10.10]) ihren Barbetrieb im Mietobjekt weiter zu führen. Denn
das legt die Annahme nahe, der Barbetrieb gestalte sich für die Klägerin recht er-
träglich, trotz den Vorwürfen vertragswidrigen Verhaltens, die sie gegen den Be-
klagten erhebt, zumal sie u.a. der "hochgradig geschäftsschädigende" (act. 1
S. 9) Zustand der Fassade im Jahr 2014 nicht davon abhielt, die Option auf Ver-
tragsverlängerung bis zum Jahr 2020 auszuüben.
Nicht näher in Abrede stellt die Klägerin bei ihren Rügen an die Adresse des
Mietgerichts (vgl. act. 50 S. 19 ff.) dessen Feststellung, die Befürchtung des Be-
klagten, bei einer erneuten Abwesenheit seinerseits werde das Mietobjekt erneut
entgegen seinem Willen umgestaltet, liege auf der Hand (vgl. act. 49 Erw. 5.13).
Das darf daher als erstellt gelten. Und es ist deshalb nicht zu beanstanden, wenn
das Mietgericht diesem Umstand ausschlaggebendes Gewicht beigemessen und
erwogen hat, auf einer solchen Ebene könne und solle ein Mietverhältnis nicht
weiter geführt werden (vgl. a.a.O.). Dem gibt es eigentlich nichts mehr beizufü-
gen.
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Im Zusammenhang mit dem eigenmächtigen Verhalten der Klägerin ist es im
Übrigen müssig und nicht erforderlich (vgl. aber act. 60 Rz. 89 und 91), auch noch
darauf hinzuweisen, dass die Klägerin anerkanntermassen den Briefkasten beim
Hinterausgang im Aussenbereich ohne Bewilligung des Beklagten entfernte bzw.
in die Wand einbauen liess (vgl. act. 1 S. 15 und act. 43 S. 14). Immerhin: Die von
der Klägerin dabei dem Mietgericht gegenüber behauptete Gefährlichkeit des
Briefkastens (vgl. act. 1 S. 15), bei der es – träfe die Darstellung der Klägerin zu –
um einen vom Beklagten zu vertretenden Mangel ginge, lag und liegt nicht ir-
gendwie auf der Hand (vgl. act. 4/19); sie wurde sodann bestritten (vgl. act. 13
Rz. 25) und bliebe unbewiesen, weil die Klägerin auch dafür dem Mietgericht kei-
ne Beweismittel bezeichnet hatte (vgl. act. 1 S. 15 und act. 43 S. 14); eine Recht-
fertigung der Klägerin gestützt auf Art. 36 des Mietvertrages (vgl. act. 43 S. 14)
bzw. auf Selbsthilfe (vgl. z.B. act. 50 S. 22: immer wieder Selbsthilfemassnah-
men) erwiese sich nach dem vorhin zur Tragweite von Art. 36 des Vertrages usf.
Dargelegten endlich als unrichtig.
3.7.2 Mit den sachlich zutreffenden Erwägungen 5.14 und 5.15 des mietgerichtli-
chen Urteils, auf die – zur Vermeidung von Wiederholungen – verwiesen werden
kann, setzt sich die Klägerin nicht näher auseinander, legt sie insbesondere nicht
dar, inwieweit diese falsch sein sollen (vgl. act. 50 S. 21 - 23 [Ziff. 6.9]). Der Be-
klagte merkt das richtig an (vgl. act. 60 Rz. 85) und weist u.a. ebenso richtig (vgl.
vorn Erw. II/1) darauf hin (vgl. a.a.O., z.B. Rz. 20), dass der Begründungsoblie-
genheit nicht genügt, wer im Wesentlichen bloss geltend macht, er sei mit dem
Urteil nicht einverstanden (so aber act. 50 S. 22), ohne sich mit dessen Begrün-
dung aber näher auseinander zu setzen (vgl. a.a.O., S. 22 f.).
4. Auch sonst wird mit der Berufung nichts vorgebracht, was zu einem anderen
als dem hier dargelegten Ergebnis führen könnte.
Die Berufung erweist sich somit im Ergebnis insgesamt als unbegründet und
ist abzuweisen. Das führt zur Bestätigung von Dispositivziffer 1 des angefochte-
nen Urteils.
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III. (Kosten- und Entschädigungsfolgen)
1. Die Prozesskosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens sind dem Aus-
gang dieses Verfahrens entsprechend der Klägerin aufzuerlegen (vgl. Art. 106
Abs. 1 ZPO).
Die mietgerichtliche Streitwertberechnung sowie Festlegung der Entscheid-
gebühr wurden im Berufungsverfahren von der Klägerin ebenso wenig in Frage
gestellt wie die mietgerichtlichen Anordnungen zur Liquidation der Gerichtskosten
und die mietgerichtliche Bemessung der Parteientschädigung (vgl. act. 50 S. 23
[Ziff. 7.1]). Es ist deshalb ebenfalls das vorinstanzliche Kostendispositiv (Disposi-
tivziffern 2 bis 4 von act. 49) zu bestätigen und damit das gesamte angefochtene
Urteil.
2. Das Mietgericht hat den Streitwert der Klage auf Fr. 345'000.- berechnet (vgl.
act. 49 S. 19 f.). Von diesem gehen die Parteien auch im Berufungsverfahren aus
(vgl. act. 50 S. 3 und S. 23 sowie act. 60 Rz. 2) und es bleibt dabei, weil die An-
gaben der Parteien nicht offensichtlich falsch sind (vgl. Art. 91 Abs. 2 ZPO).
Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr ist gemäss § 12 Abs. 1 - 2 GebV OG
gestützt auf § 4 sowie § 7 lit. a GebV OG auf Fr. 7'000.- festzusetzen, womit zu-
gleich dem Aufwand des Gerichtes hinreichend Rechnung getragen wird. Zur De-
ckung ist der Kostenvorschuss beizuziehen, den die Klägerin geleistet hat (vgl.
Art. 111 Abs. 1 ZPO).
Die Parteientschädigung ist gemäss § 13 Abs. 1 und § 4 AnwGebV zu be-
messen; die Grundgebühr ist sodann gestützt auf § 13 Abs. 2 AnwGebV um mehr
als die Hälfte herabzusetzen; diese Vorschrift berücksichtigt übrigens, dass ein
Anwalt, der eine Partei schon im erstinstanzlichen Verfahren vertreten hat, mit der
Streitsache – anders als die Rechtsmittelinstanz – bereits vertraut ist, was sich
auf seinen Aufwand auswirkt. Zu ersetzen ist zudem die Mehrwertsteuer von 8 %
(vgl. act. 60 S. 2).
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