Decision ID: 33cc5f7e-77dc-49c0-ad02-93665736dbd5
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ S. R. führt in der Politischen Gemeinde R. einen landwirtschaftlichen
Nebenerwerbsbetrieb. Er umfasst 7,42 ha Nutzfläche in der Landwirtschaftszone. Auf
dem Grundstück Nr. 223, Grundbuch R., befinden sich das Wohnhaus (Assek.-Nr. 000)
mit freistehenden Scheunen und Ställen (Assek.-Nrn. 000, 000). Der Betrieb liegt
zwischen zwei nicht rechtskräftig ausgeschiedenen Grundwasserschutzzonen.
Am 24. März 2006 führten das Amt für Umweltschutz (AFU; heute: Amt für Umwelt und
Energie) und das kantonale Veterinäramt (heute: Amt für Gesundheits- und
Verbraucherschutz) eine angemeldete Betriebskontrolle durch. Dabei wurden
verschiedene Mängel bezüglich des Gewässer- und des Tierschutzes festgestellt. Im
unmittelbar östlich des Wohnhauses gelegenen Hauptstall mit Scheune (Assek.-Nr.
000) waren sechs Esel untergebracht. S. R. hält zudem eine Herde mit Mutterkühen der
Rasse "Aberdeen Angus". Gemäss eigenen Angaben vom 10. Oktober 2007 handelt es
sich um 24 Tiere. Der Herde steht der rund 40 m nördlich des Wohnhauses gelegene
Weidstall (Assek.-Nr. 000) als Unterstand zur Verfügung.
B./ Am 13. Juli 2006 ordnete das AFU folgendes an:
I. Allgemeines
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Die eingereichten Unterlagen sind verbindlich. Als Unterlagen sind massgebend:
· Ausgefülltes Formular "Hofdüngerlager" (Mai 1996).
· Kontrollrapport landwirtschaftlicher Gewässerschutz (März 2006)
II. Sanierung der Hofdüngerlager
Es ist eine befestigte Mistplatte mit mindestens 35 m2 Fläche zu erstellen. Zudem
muss der projektierte Fressplatz für die Mutterkühe mit einer Fläche von ca. 29 m2
betoniert und in die Güllengrube entwässert werden, ebenso der ca. 10 m2 grosse
Laufhof für die Esel. Sämtliche Sanierungsarbeiten müssen bis 30. September 2007
ausgeführt sein.
Hinweis: Die Sanierung bestehender und der Bau neuer Hofdüngeranlagen setzt eine
Baubewilligung voraus. Bitte beachten Sie, dass ein Baubewilligungsverfahren bis zu
drei Monate beanspruchen kann.
III. Entsorgung des häuslichen Abwassers
Das häusliche Abwasser des Wohnhauses Vers. Nr. 000, Gemeinde R., darf nicht mehr
landwirtschaftlich verwertet werden. Bis 30. September 2007 sind in Absprache mit
der Gemeinde die für eine gewässerschutzkonforme Entsorgung des häuslichen
Abwassers notwendigen Strukturen zu erstellen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist das
Abwasser in der bestehenden Grube zu sammeln und periodisch nach Absprache mit
dem Abwasserverband Altenrhein zur ARA zu transportieren. Mit dem
Abwasserverband ist ein entsprechender Vertrag abzuschliessen und dem AFU in
Kopie zuzustellen.
IV. Rechtsnachfolge des Landwirtschaftsbetriebs
Diese Verfügung hat in allen Punkten ebenfalls Gültigkeit für einen allfälligen
Rechtsnachfolger des Landwirtschaftsbetriebs.
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V. Gebühren
Für diese Verfügung ist eine Gebühr von Fr. 150.-- zu entrichten (Geb.T Nr. 26.20.11).
Die Verfügung wird im Wesentlichen damit begründet, das Hofdüngerlager entspreche
den heutigen Anforderungen nicht. Sodann sei festgestellt worden, dass das häusliche
Abwasser des Wohnhauses Assek.-Nr. 000 landwirtschaftlich verwertet werde,
obschon aus der Tierhaltung praktisch
keine Gülle zur Vermischung mit dem Abwasser anfalle.
Am 24. Juli 2006 erhob S. R. gegen die Verfügung des AFU vom 13. Juli 2006 Rekurs
beim Baudepartement. Sie stellte das Rechtsbegehren, die Verfügung sei aufzuheben.
C./ Am 19. Dezember 2006 entschied der Gemeinderat R., S. R. habe das Wohnhaus
Assek.-Nr. 000 an die öffentliche Kanalisation anzuschliessen. Der Entscheid wird
damit begründet, das häusliche Abwasser dürfe nicht mit Jauche vermischt und auf
dem Betrieb landwirtschaftlich verwertet werden.
Am 4. Januar 2007 erhob S. R. gegen den Beschluss des Gemeinderats R. vom
19. Dezember 2006 Rekurs beim Baudepartement. Sie stellte das Rechtsbegehren, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben.
D./ Am 23. Mai 2006 ordnete das Veterinäramt verschiedene Massnahmen betreffend
Tierschutz an. Am 5. Juni 2006 erhob S. R. dagegen Rekurs beim
Volkswirtschaftsdepartement und stellte den Antrag, die Verfügung des Veterinäramtes
sei aufzuheben. Nachdem das Volkswirtschaftsdepartement mit dem Baudepartement
am 8. Mai 2007 einen gemeinsamen Augenschein durchgeführt hatte, wurde der
Rekurs am 4. Juli 2007 teilweise gutgeheissen. Im übrigen wurde er abgewiesen.
E./ Das Baudepartement hat die Rekurse gegen die Verfügung des AFU vom 13. Juli
2006 und gegen den Entscheid des Gemeinderats R. vom 19. Dezember 2006 vereinigt
und am 5. Oktober 2007 mit einem Entscheid abgewiesen.
F./ Am 17. Oktober 2007 erhob S. R. gegen den Entscheid des Baudepartements vom
5. Oktober 2007 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie stellte das
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Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Angelegenheit
sei zwecks Durchführung eines inhaltlich koordinierten Verfahrens an das
Baudepartement und an das Volkswirtschaftsdepartement zurückzuweisen. Zur
Begründung wurde ausgeführt, gewässerschutzrechtliche und tierschutzrechtliche
Fragen könnten nicht unabhängig voneinander beurteilt werden. Im weitern habe das
Baudepartement eine Gehörsverletzung begangen. Sodann stellte die
Beschwerdeführerin das Gesuch, die Beschwerdeverfahren seien zu sistieren, bis
Klarheit bestehe, ob einem Baugesuch betreffend einen Stallneubau entsprochen
werde.
a) Das Baudepartement nahm am 29. November 2007 Stellung und beantragte, die
Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne. Am
11. Dezember 2007 liess sich der Gemeinderat R. vernehmen und beantragte
sinngemäss, der Beschwerde sei keine Folge zu geben.
b) Am 13. Dezember 2007 hat der Präsident des Verwaltungsgerichts das Gesuch um
Sistierung des Verfahrens abgewiesen. Er erwog, die Sanierung des Hofdüngerlagers
und der Anschluss an die Kanalisation würden gewichtige öffentliche Interessen
berühren. Auch wenn die Beschwerdeführerin ein Baugesuch für einen neuen Stall
eingereicht habe, sei offen, ob diesem entsprochen werden könne. Das öffentliche
Interesse gebiete, ohne Verzug über die Rechtmässigkeit der angefochtenen
Entscheide zu befinden, damit diese allenfalls gegenüber der Beschwerdeführerin
rechtswirksam durchgesetzt werden könnten.
c) Am 30. Januar 2008 machte S. R. von der Möglichkeit Gebrauch, sich zu den
Vernehmlassungen des Baudepartements und des Gemeinderates R. zu
äussern.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen:
1.1. Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1 des
Gesetzes über die Ver-waltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Sodann
entsprechen die Beschwerdeeingabe vom 17. Oktober 2007 und ihre Ergänzung vom
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11. November 2007 zeitlich, formal und inhaltlich unter Vorbehalt von Ziff. 1.2 hiernach
den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
1.2. Die Beschwerdeführerin macht sinngemäss geltend, der angefochtene Entscheid
sei wegen unrichtiger bzw. unvollständiger Feststellung des Sachverhalts und
fehlerhafter Rechtsanwendung aufzuheben.
Um den formellen Anforderungen zu genügen, braucht eine Beschwerdebegründung
weder richtig noch vollständig zu sein. Insbesondere ist es nicht erforderlich, dass die
als verletzt erachtete Rechtsnorm genau bezeichnet wird. Eine
Beschwerdebegründung ist ausreichend, wenn Argumente vorgebracht werden, nach
denen ein Entscheid oder eine Verfügung auf einer fehlerhaften
Sachverhaltsfeststellung oder Rechtsanwendung beruhe. Wenn sich die Vorbringen
aber nicht auf den angefochtenen Entscheid bzw. dessen Motive beziehen, genügt die
Begründung den Anforderungen nicht
(Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003,
Rz. 922 mit Hinweisen). Fehlt eine Beschwerdebegründung, so ist dem
Beschwerdeführer eine Frist zur Ergänzung der Beschwerde anzusetzen (Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 923).
Das Verwaltungsgericht hat der Beschwerdeführerin am 19. Oktober 2007 Frist zur
Ergänzung der Beschwerde gesetzt. Sodann ist ihr am 13. Dezember 2007 die
Möglichkeit eingeräumt worden, zu den Vernehmlassungen der Vorinstanz und der
Beschwerdegegnerin Stellung zu nehmen. Die Beschwerdeführerin hat indessen darauf
verzichtet, näher zu begründen, warum der angefochtene Entscheid ihrer Meinung
nach auf einer fehlerhaften Sachverhaltsfeststellung und Rechtsanwendung beruht. Sie
hat einzig geltend gemacht, der angefochtene Entscheid sei unter Verletzung des
Koordinationsgebots und des Anspruchs auf rechtliches Gehör ergangen, weshalb er
aufzuheben sei. Auf die Beschwerde kann somit in Ermangelung einer Begründung
nicht eingetreten werden, soweit der angefochtene Entscheid die Pflicht zur Sanierung
der Hofdüngerlager, die Entsorgung des häuslichen Abwassers und die Pflicht zum
Anschluss des Wohnhauses Assek.-Nr. 000 an das öffentliche Kanalisationsnetz zum
Gegenstand hat. Zu prüfen sind einzig die Rügen, die Vorinstanz habe eine
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Gehörsverletzung begangen und die Verfahren betreffend Gewässerschutz und
Tierschutz seien ungenügend koordiniert worden. Aus diesem Grund erübrigt es sich,
zu prüfen, ob dem Antrag der Beschwerdeführerin, es sei ein Experte beizuziehen,
entsprochen werden müsste. Hinzu kommt, dass nicht ersichtlich ist, in welcher
Hinsicht eine Fachperson anzuhören wäre.
2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Verfahren müsse neu aufgerollt werden,
weil die Vorinstanz ihr rechtliches Gehör verletzt habe. Sie begründet dies damit, ihrem
Gesuch um Fristerstreckung sei nicht entsprochen worden, obschon berufliche
Beanspruchung geltend gemacht worden sei. Die von der Vorinstanz gewährte Frist zur
Stellungnahme sei unangemessen kurz gewesen, sodass es ihr nicht möglich gewesen
sei, ein Baugesuch einzureichen und zu den strittigen Punkten Stellung zu nehmen.
2.1. Nach Art. 17 Abs. 1 VRP setzt die Behörde den Beteiligten für die Mitwirkung
angemessene Fristen. Werden die Fristen nicht eingehalten, so kann die Behörde nach
Art. 17 Abs. 2 VRP ohne Rücksicht auf die Säumigen verfügen, wenn sie dies
angedroht hat. Was unter einer angemessenen Frist zu verstehen ist, bestimmt sich im
Einzelfall nach den konkreten Umständen. Der Betroffene sollte die geforderte
Handlung ohne Hast und mit der notwendigen Sorgfalt vornehmen können (GVP 2000
Nr. 17).
2.2. Die Beschwerdeführerin legt zur Begründung
ihres Vorwurfs ein Schreiben des Volkswirtschaftsdepartements - nicht ein solches der
Vorinstanz - ins Recht, mit welchem ihr Gesuch um Nachfrist im Rekursverfahren
betreffend Rindviehhaltung/Tierschutz abgewiesen worden ist. Hinzu kommt, dass
keine Anhaltspunkte bestehen, wonach die Vorinstanz der Beschwerdeführerin
unangemessene Fristen angesetzt haben könnte.
3. Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz vor, der angefochtene Entscheid sei
unter Verletzung des Koordinationsgebots nach Art. 25a Abs. 1 des
Raumplanungsgesetzes (SR 700, abgekürzt RPG) ergangen. Sie habe sich stets auf
den Standpunkt gestellt, zwischen Gewässerschutz, Anschluss eines Wohnhauses in
der Landwirtschaftszone an die öffentliche Kanalisation und Tierschutz bestehe ein
enger Sachzusammenhang, weshalb alle diesbezüglichen Verfahren zu koordinieren
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und in einem einzigen Verfahren abzuschliessen seien. Das Bau- und das
Volkswirtschaftsdepartement hätten indessen je einen Rekursentscheid gefällt. Beide
Entscheide seien aufzuheben und zwecks Durchführung eines koordinierten Verfahrens
an die Vorinstanzen zurückzuweisen. In diesem Zusammenhang sei zu
berücksichtigen, dass ein Stallneubau geplant und ein Projekt vom 2. bis 15. Januar
2008 öffentlich aufgelegt worden sei.
3.1. Nach Art. 25a Abs. 1 RPG, in Vollzug seit 1. Januar 1997 (AS 1996 965, 966) ist
eine Behörde zu bezeichnen, die für ausreichende Koordination sorgt, wenn die
Errichtung oder Änderung einer Baute oder Anlage Verfügungen mehrerer Behörden
erfordert. Die für die Koordination verantwortliche Behörde: kann die erforderlichen
verfahrensleitenden Anordnungen treffen (Abs. 2 lit. a); sorgt für eine gemeinsame
öffentliche Auflage aller Gesuchsunterlagen (Abs. 2 lit. b); holt von allen beteiligten
kantonalen und eidgenössischen Behörden umfassende Stellungnahmen zum
Vorhaben ein (Abs. 2 lit. c); sorgt für eine inhaltliche Abstimmung sowie möglichst für
eine gemeinsame oder gleichzeitige Eröffnung der Verfügungen (Abs. 2 lit. d). Nach Art.
25a Abs. 3 RPG dürfen die Verfügungen keine Widersprüche enthalten.
Die Koordinationspflicht nach Art. 25a RPG erstreckt sich grundsätzlich auf sämtliche
kantonalen und bundesrechtlichen Verfahren, die im Zusammenhang mit Bauvorhaben
durchgeführt werden müssen und die der Bewilligungszuständigkeit der Kantone
unterliegen. Dazu gehören ordentliche Baubewilligungen gemäss Art. 22 RPG,
Ausnahmebewilligungen nach Art. 24 RPG, Sonderbewilligungen, wie
Rodungsbewilligungen, Bewilligungen zur Beseitigung der Ufervegetation,
fischereirechtliche Bewilligungen oder Bewilligungen zur Wasserentnahme über den
Gemeingebrauch hinaus (Waldmann/Hänni, Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 25a
RPG N 21). Unerheblich ist die Natur der zu koordinierenden Bewilligungen, namentlich
ob es sich um raumplanungs- bzw. umweltschutzrechtliche oder um
gewerbepolizeiliche Verfügungen handelt (Waldmann/Hänni, a.a.O., Art. 25a RPG
N 22). Die Koordinationspflicht kann nur so weit reichen, als ein Koordinationsbedürfnis
auch tatsächlich besteht. Ein Bedürfnis ist grundsätzlich dann nachgewiesen, wenn ein
Bauvorhaben ausser der eigentlichen Baubewilligung noch weitere Bewilligungen,
Konzessionen, Zustimmungen oder Genehmigungen benötigt. Kann ein Projekt
dagegen allein aufgrund einer Baubewilligung ausgeführt werden, besteht kein
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Koordinationsbedarf, selbst wenn gleichzeitig noch weitere Massnahmen getroffen
werden sollen, die eigene Bewilligungen erfordern. Wo kein Koordinationsbedarf
besteht, sind weiterhin Einzelverfügungen zulässig. Anders entscheiden hiesse, mittels
der Koordinationsbestimmungen beliebig viele, voneinander unabhängige Verfahren zu
einem einzigen zusammenzufassen und damit die ordentlichen Zuständigkeiten und
verfahren ausser Kraft zu setzen (Waldmann/Hänni, a.a.O., Art. 25a RPG N 25).
Unter formeller Koordination wird eine verfahrensmässige Koordination verschiedener
Bewilligungsverfahren verstanden. Sind zur Beurteilung einzelner der materiellen
Koordination bedürftiger Rechtsfragen verschiedene erstinstanzliche Behörden
zuständig, so müssen diese die Rechtsanwendung in einer Weise abstimmen, dass
qualitativ ein gleichwertiges Koordinationsergebnis erzielt wird (Rausch/Keller,
Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2004, N 3a zu Art. 9).
3.2. Am 23. Mai 2006 hat das Veterinäramt folgendes angeordnet:
1. Der elektrisierende Zwickdraht innerhalb des Unterstandes ist umgehend zu
entfernen.
2. Bei der dauernden Haltung von Nutztieren im Freien muss bei extremer Witterung ein
natürlicher oder künstlicher Witterungsschutz zur Verfügung stehen.
3. Der Stall/Unterstand muss so gross sein, dass die Mindestflächen laut
Tierschutzverordnung (SR 455.1; abgekürzt TSchV) eingehalten werden. Dient ein
Unterstand für Rindvieh zum Schutz gegen Nässe und Kälte, wird eine Reduktion der
Mindestfläche gemäss Anhang 1, Tabelle 11, Ziff. 33 bis 37 TSchV (Liegefläche mit
Einstreu) um höchstens 10 Prozent toleriert. Frist: 1. November 2006.
4. Ein Witterungsschutz muss bei Nässe-/Kälteperioden einen eingestreuten, trockenen
und windgeschützten Liegebereich aufweisen.
5. Der Boden der eingezäunten Fläche darf in den Bereichen, in denen sich die Tiere
vorwiegend aufhalten (Futterstelle, Tränke und Bereich des Stalls/Unterstandes) nicht
morastig und nicht erheblich mit Kot oder Harn verunreinigt sein. Frist: 1. November
2006.
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6. Futter, das ergänzend zur Weide verabreicht wird, muss den
üblichen Qualitäts- und Hygieneanforderungen genügen. Zur Erfüllung dieser
Anforderungen sind geeignete Fütterungseinrichtungen (gedeckte Raufe) einzusetzen.
Frist: 1. November 2006.
7. Zuwiderhandeln gegen diese Verfügung wird nach Art. 29 Ziff. 2 des
Tierschutzgesetzes (SR 455; abgekürzt TSchG) bestraft (vgl. auch Art. 292 des
Schweizerischen Strafgesetzbuches, SR 311.0).
8. Die Gebühr für diese Verfügung beträgt Fr. 150.--.
Die Verfügung wird im Wesentlichen damit begründet, die Rinderhaltung stehe in
verschiedener Hinsicht mit der Tierschutzgesetzgebung nicht in Einklang. Im Bereich
des Stalls, der Tränke und der Futterstelle(n) sei der Boden morastig, die Futterstelle(n)
sei(en) ungenügend, die Stallfläche sei zu klein und entlang der Innenwand sei auf
Tierhöhe ein elektrisierender Draht gespannt.
Am 4. Juli 2007 hat das Volkswirtschaftsdepartement einen gegen die Verfügung des
Veterinäramtes vom 23. Mai 2006 erhobenen Rekurs teilweise gutgeheissen. Es wurde
festgestellt, dass Ziff. 2 und 4 des Dispositivs keinen Verfügungscharakter haben. Im
übrigen wurde der Rekurs abgewiesen und für die Anordnungen nach Ziff. 3, 5 und 6
des Dispositivs wurde neu Frist bis 1. November 2007 gesetzt.
Gegen den Rekursentscheid des Volkswirtschaftsdepartements hat die
Beschwerdeführerin beim Verwaltungsgericht ebenfalls eine Beschwerde anhängig
gemacht. Sie stellte das Rechtsbegehren, die "erstinstanzliche, ursprüngliche
Verfügung vom 23. Mai 2006" sei aufzuheben.
3.3. Die Anordnungen des Veterinäramtes sind gestützt auf die
Tierschutzgesetzgebung ergangen, namentlich gestützt auf Vorschriften über die
tiergerechte Haltung (Art. 1 Abs. 1 des Tierschutzgesetzes, SR 455, abgekürzt TSchG,
Art. 1 Abs. 1 und Art. 5 Abs. 2 der Tierschutzverordnung, SR 455.1, abgekürzt TschV)
und Fütterung (Art. 3 Abs. 1 TSchG, Art. 2 TSchV). Es handelt sich um
Verhaltensanweisungen an die Adresse der Beschwerdeführerin als Tierhalterin, die sie
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unabhängig davon zu befolgen hat, ob Vorgaben gestützt auf Gewässerschutzrecht
verwirklicht werden müssen.
3.3.1. Die Anordnungen, wonach der "Zwickdraht" im Weidstall zu entfernen und die
Tiere mittels gedeckter
Raufen, die auf der Weide aufgestellt werden, zu füttern sind (Ziff. 1 und 6 der
Verfügung des Veterinäramtes vom 23. Mai 2006), und diejenigen, die ihre
Rechtsgrundlage im Gewässerschutzrecht haben, bedingen weder die Errichtung noch
die Änderung einer Baute oder Anlage. Es handelt sich um Vorkehrungen, die ohne
grossen Aufwand und insbesondere
ohne bauliche Massnahmen sofort verwirklicht werden können. Auch die Feststellung,
wonach die Grösse des Feldstalls bezogen auf die Grösse der Herde zu klein ist (Ziff. 3
der Verfügung des Veterinäramtes vom 23. Mai 2006) machen keine neue Stallbaute
erforderlich. Es kann auch die Herde entsprechend verkleinert werden.
3.3.2. Bezüglich Befestigung von landwirtschaftlich genutztem Boden hat das
Veterinäramt verfügt, der Boden der eingezäunten Fläche dürfe in den Bereichen, in
denen sich die Tiere vorwiegend aufhalten (Futterstelle, Tränke und Bereich des
Stalles/Unterstandes) nicht morastig und nicht erheblich mit Kot oder Harn verunreinigt
sein und dieser Zustand sei bis 1. November 2006 (Ziff. 5 der Verfügung des
Veterinäramtes vom 23. Mai 2006) bzw. bis 1. November 2007 (Ziff. 1 des
Rekursentscheids des Volkswirtschaftsdepartements vom 4. Juli 2007) herzustellen.
Das AFU hat am 13. Juli 2006 im Zusammenhang mit der Sanierung des
Hofdüngerlagers u.a. angeordnet, der projektierte Fressplatz für die Mutterkühe mit
einer Fläche von rund 29 m müsse bis 30. September 2007 betoniert und in die
Güllengrube entwässert werden (Ziff. II der Verfügung).
Die beiden Anordnungen betreffen wohl (zum Teil) die gleiche Fläche. Die Vorinstanz
und das AFU verlangen, dass der projektierteFressplatz für die Mutterkühe (vgl.
Plankopie eines neuen Stallkonzeptes) betoniert werde. Auch das
Volkswirtschaftsdepartement und das Veterinäramt schreiben der Beschwerdeführerin
vor, sie habe die ungenügende Trittfestigkeit des Bodens zwecks tierschutzkonformer
Haltung der Rinderherde zu beseitigen, und zwar unabhängig davon, ob das Projekt,
auf das sich die Verfügung des AFU vom 13. Juli 2006 bezieht, verwirklicht wird. Sie
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stellen es der Beschwerdeführerin zudem frei, wie sie die Qualität des Bodens in allen
Bereichen, wo sich die Tiere aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse, wie sie
heute bestehen, vorwiegend aufhalten, verbessern will. Denkbar sind neben einer
Reduktion des Tierbestandes Kofferungen aus Kies, regelmässiges Verstellen der
Futterraufen und mobile Tränken in verschiedenen Bereichen der Auslauffläche.
Es ergibt sich somit, dass das AFU zwar verlangt, der projektierte Fressplatz für die
Mutterkühe sei zu betonieren und in die Güllengrube zu entwässern, dass es der
Beschwerdeführerin aus Sicht des Volkswirtschaftsdepartements und des
Veterinäramtes im übrigen aber frei steht, wie sie die zur Diskussion stehende Fläche
befestigt.
3.3.3. Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, das Verfahren, das seine Grundlage im
Gewässerschutzrecht habe, hätte mit dem Verfahren, das gestützt auf die
Tierschutzgesetzgebung in die Wege geleitet worden ist, koordiniert werden müssen,
erweist sich deshalb als unbegründet. Die Beschwerde ist in dieser Hinsicht
abzuweisen.
3.4. Die Vorinstanz hat die Rekursverfahren gegen die Verfügung des AFU vom 13. Juli
2006 betreffend Sanierung des Hofdüngerlagers und Entsorgung des häuslichen
Abwassers und gegen den Entscheid des Gemeinderats R. vom 19. Dezember 2006
betreffend Anschluss des Wohnhauses Assek.-Nr. 000 an die öffentliche Kanalisation
vereinigt und am 5. Oktober 2007 mit einem Entscheid abgewiesen.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend machen will, es hätte eine weitergehende
Pflicht zur Verfahrenskoordination bestanden, erweist sich ihre Rüge ebenfalls als
unbegründet. Am 13. Juli 2006 hat das AFU einerseits die Sanierung des
Hofdüngerlagers verfügt. Dieser Anordnung kann dadurch nachgelebt werden, dass
eine befestigte Mistplatte von mindestens 35 m erstellt wird und dass der projektierte
Fressplatz für die Mutterkühe mit einer Fläche von rund 29 m , der rund 10 m grosse
Laufhof für die Esel und die Stallböden betoniert und in die Güllengrube entwässert
werden. Weitergehende Massnahmen, insbesondere der Bau eines neuen Stalles, sind
nicht verlangt worden und sind aus Sicht der Vorinstanz auch nicht erforderlich.
Andererseits hat das AFU mit der Verfügung vom 13. Juli 2006 verlangt, dass das
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häusliche Abwasser des Wohnhauses Assek.-Nr. 000 nicht mehr landwirtschaftlich
verwertet werde (vgl. Art. 12 Abs. 4 des Gewässerschutzgesetzes, SR 814.20,
abgekürzt GSchG, Art. 12 Abs. 3 der Gewässerschutzverordnung, SR 814.201,
abgekürzt GSchV, und Art. 22 lit. d des Vollzugsgesetzes zur eidgenössischen
Gewässerschutzgesetzgebung, sGS 752.2). Die Beschwerdeführerin ist verpflichtet
worden, die für die Entsorgung notwendigen Strukturen in Absprache mit der
Beschwerdegegnerin bis 30. September 2007 zu erstellen und das Abwasser bis zu
diesem Zeitpunkt im Sinn einer Übergangslösung zu sammeln und zur ARA zu
transportieren. Sie wusste somit, dass sie für die Entsorgung des häuslichen
Abwassers bis zum festgesetzten Zeitpunkt entsprechende Sanierungsmassnahmen zu
treffen hat bzw. dass von ihr erwartet wird, dass sie bei der Beschwerdegegnerin ein
Gesuch um Anschluss an das öffentliche Kanalisationsnetz einreicht. In der Folge hat
die Beschwerdeführerin die Verfügung des AFU vom 13. Juli 2006 indessen mit Rekurs
bei der Vorinstanz angefochten und geltend gemacht, sie habe Anspruch darauf, die
häuslichen Abwasser landwirtschaftlich zu verwerten. Am 19. Dezember 2006 hat die
Beschwerdegegnerin deshalb in Ausführung der Anordnung des AFU entschieden, das
häusliche Abwasser sei über das öffentliche Kanalisationsnetz zu entsorgen, weshalb
die Liegenschaft Assek.-Nr. 000 an das öffentliche Kanalisationsnetz anzuschliessen
sei (vgl. Art. 11 Abs. 2 GSchG, Art. 12 Abs. 1 GSchV).
Unter diesen Umständen ist nicht ersichtlich, inwieweit das AFU und die
Beschwerdegegnerin gegen die in Art. 25a RPG statuierten Grundsätze der
Koordination verstossen haben sollten, und die Beschwerde erweist sich auch in
dieser Hinsicht als unbegründet.
4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf
eingetreten werden kann.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 3'000.--, inkl. die Kosten für die Verfügung betreffend Gesuch
um Sistierung des Verfahrens vom 13. Dezember 2007, ist angemessen (Ziff. 381 und
382 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Sie wird mit dem geleisteten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet.
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Die Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Umtriebsentschädigung (Art. 98
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht