Decision ID: 1f23e2dc-43cb-45bd-a3f5-a5c0e8d35455
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Rekurrentin,
vertreten durch M._,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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St.Galler Gerichte
Vorinstanz,
betreffend
individuelle Prämienverbilligung 2008
Sachverhalt:
A.
A.a S._, Jahrgang 1986, ersuchte am 26. Februar 2008 um individuelle
Prämienverbilligung (IPV) 2008. Sie gab an, am 1. Januar 2008 noch in Ausbildung
gewesen zu sein. Ihre Eltern hätten für Januar 2008 eine Ausbildungszulage nach dem
Kinderzulagengesetz bezogen. Für ihren Lebensunterhalt würden die Eltern nicht
überwiegend aufkommen (act. G 5.1.1). Mit Verfügung vom 2. Mai 2008 wies die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) das Gesuch ab, weil die Eltern
der Versicherten für sie eine Ausbildungszulage beziehen würden (act. G 5.1.2). Eine
gegen diese Verfügung gerichtete Einsprache wies die SVA mit Entscheid vom 9. Juni
2008 ab. Wenn ein Anspruch auf eine Ausbildungszulage bestehe, so sei davon
auszugehen, dass die Eltern zur Hauptsache für den Unterhalt ihrer Kinder aufkämen.
Im vorliegenden Fall bestehe Anspruch auf eine Ausbildungszulage und werde diese
auch bezogen, weshalb ein allfälliger IPV-Anspruch durch die Eltern geltend zu machen
sei (act. G 1.2).
B.
B.a Am 13. Juni 2008 erhoben die Versicherte und ihr Vater Rekurs gegen den
Einspracheentscheid, den sie irrtümlich an die SVA anstatt ans Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen richteten. Die SVA leitete den Rekurs am 17. Juni 2008
zuständigkeitshalber ans Versicherungsgericht weiter (act. G 1). Der Vater der
Rekurrentin macht insbesondere geltend, seine Tochter nur mit Fr. 300.- pro Monat
unterstützen zu können (act. G 1.1). Innert vom Gerichtspräsidenten angesetzter
Nachfrist verbesserten die Versicherte und ihr Vater die Rekurseingabe am 12. Juli
2008. Der Vater führte aus, ein Mitarbeiter der SVA habe seiner Tochter telefonisch
mitgeteilt, dass bis zu ihrem 25. Lebensjahr die Eltern schreiben müssten. Er
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unterstütze die Tochter lediglich mit Fr. 300.- monatlich, wie ihm dies das Sozialamt
geraten habe. Mehr gehe leider nicht. Die letzte Zahlung an die Tochter erfolge am
31. Juli 2008. Er verstehe, dass die zuständige Sachbearbeiterin der SVA als
Angestellte ihren beruflichen Bestimmungen Folge leisten müsse. Man hoffe aber, dass
die Richter die IPV in vollem Umfang zusprechen könnten. Die Eingabe unterzeichneten
Vater und Tochter gemeinsam (act. G 3).
B.b Mit Rekursantwort vom 18. August 2008 beantragt die SVA die Abweisung des
Rekurses. In Ausbildung stehende Personen bis zum 25. Altersjahr, für deren Unterhalt
zur Hauptsache die Eltern aufkämen, würden keine Prämienverbilligung erhalten. Dafür
würden die Eltern einer in Ausbildung stehenden Person bis zum 25. Altersjahr unter
gewissen Voraussetzungen die IPV für diese Person erhalten. Der Vater der Rekurrentin
beziehe Ausbildungszulagen. Folglich könne er für sie eine IPV beziehen. Damit spiele
die gesetzliche Vermutung, dass die Eltern zur Hauptsache für den Unterhalt der
Rekurrentin aufkämen. Deshalb sei nicht von Belang, wie gross bzw. klein die
Unterstützung tatsächlich sei (act. G 5).
B.c Der Vater der Rekurrentin teilte dem Gericht am 22. August 2008 mit, dass auf
eine weitere Stellungnahme verzichtet werde (act. G 7).

Erwägungen:
1.
Streitig und im vorliegenden Verfahren zu beurteilen ist, ob der Rekurrentin
grundsätzlich ein eigenständiger Anspruch auf IPV zusteht. Die konkrete Berechnung
eines allfälligen eigenen Anspruchs bildet demgegenüber nicht Gegenstand dieses
Verfahrens.
2.
Gemäss Art. 65 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10)
gewähren die Kantone den Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen
Prämienverbilligungen. Für untere und mittlere Einkommen verbilligen die Kantone die
Prämien von Kindern und jungen Erwachsenen in Ausbildung gemäss dem mit
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Änderung vom 18. März 2005 eingeführten und am 1. Januar 2006 in Kraft getretenen
Art. 65 Abs. 1 KVG um mindestens 50%. Dieses System der Prämienverbilligung für
Kinder und junge Erwachsene in Ausbildung war von den Kantonen gemäss
Übergangsbestimmung der Änderung vom 18. März 2005 innert einem Jahr nach
Inkrafttreten der Änderung umzusetzen. Die Regierung des Kantons St. Gallen hat
diesen Auftrag im Rahmen der Reorganisation der Finanzierung der IPV in ihrer
Botschaft vom 15. August 2006 zum Nachtrag zum Einführungsgesetz zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (EG-KVG; sGS 331.11)
aufgegriffen (vgl. S. 3 und 16 der Botschaft, abgedruckt im Amtsblatt [ABl] Nr. 36 vom
4. September 2006, S. 2251 ff.). Die vorgeschlagene Erhöhung des
Prämienverbilligungsvolumens wurde in der Volksabstimmung vom 11. März 2007
angenommen (ABl Nr. 12 vom 19. März 2007, S. 952 ff.; Nr. 23 vom 4. Juni 2007,
S. 1816). Die entsprechenden Änderungen in Art. 14 sowie die Einführung eines
Art. 14 EG-KVG wurden am 11. März 2007 rechtsgültig (nGS 42-66).
3.
Art. 276 Abs. 1 des Zivilgesetzbuchs (ZGB; SR 210) verpflichtet die Eltern, für den
Unterhalt des Kindes aufzukommen, inbegriffen die Kosten von Erziehung, Ausbildung
und Kindesschutzmassnahmen. Diese Unterhaltspflicht umfasst grundsätzlich auch die
Bezahlung von Krankenkassenprämien. Nach Art. 276 Abs. 3 ZGB sind die Eltern von
der Unterhaltspflicht lediglich in dem Mass befreit, als dem Kind zugemutet werden
kann, den Unterhalt aus seinem Arbeitserwerb oder anderen Mitteln zu bestreiten. Die
Unterhaltspflicht der Eltern dauert bis zur Mündigkeit des Kindes (Art. 277 Abs. 1 ZGB).
Hat es dann noch keine angemessene Ausbildung, so haben nach Art. 277 Abs. 2 ZGB
die Eltern, soweit es ihnen nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf, für
seinen Unterhalt aufzukommen, bis die entsprechende Ausbildung ordentlicherweise
abgeschlossen werden kann. Die Mündigenunterhaltspflicht ist nicht die Ausnahme,
sondern nach wie vor Ausfluss aus der elterlichen Ausbildungspflicht (Art. 302 ZGB;
BSK ZGB I – Breitschmid, 3. Aufl., Basel 2006, Art. 277 Rz. 1). Das ZGB kennt keine
absolute Altersgrenze für den Mündigenunterhalt.
4.
bis
bis
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4.1 Gemäss Art. 9 EG-KVG gewährt der Kanton Versicherten in bescheidenen
wirtschaftlichen Verhältnissen eine Prämienverbilligung. Voraussetzungen dafür sind
der steuerrechtliche Wohnsitz im Kanton St. Gallen und ein die Prämienverbilligung
auslösendes Einkommen (Art. 10 Abs. 1 EG-KVG). Keine Prämienverbilligung wird unter
anderem gewährt für in Ausbildung stehende Personen bis zum vollendeten 25.
Altersjahr, für deren Unterhalt die Eltern zur Hauptsache aufkommen (Art. 10 Abs. 2
Ziff. 3 EG-KVG). Gemäss Botschaft der Regierung vom 23. Mai 1995 zum EG-KVG
umfasst die Unterhaltspflicht der Eltern für in Ausbildung stehende Personen bis zum
vollendeten 25. Altersjahr explizit auch die Zahlung von Krankenversicherungsprämien,
sodass diese gegenüber den Eltern zu verbilligen sind, sofern die entsprechenden
Voraussetzungen erfüllt sind (ABl 1995 Nr. 27 vom 3. Juli 1995, S. 1536, Erläuterungen
zu Art. 11). Die Verordnung zum EG-KVG (Vo EG-KVG; sGS 331.111) enthält Regeln
zur Festsetzung des für die IPV massgebenden Einkommens. Art. 14 Abs. 1 Vo EG-
KVG lässt für jedes in der Schweiz wohnhafte Kind, für das ein Abzug nach Art. 48 des
Steuergesetzes (StG; sGS 811.1) gewährt wird, einen Abzug von Fr. 9'000.- zu. Der
Abzug wird gemäss Art. 14 Abs. 2 Vo EG-KVG auch Eltern eines in Ausbildung
stehenden Kindes bis zum vollendeten 25. Altersjahr gewährt, wenn die Eltern
unselbstständig erwerbstätig sind und ein Anspruch auf Ausbildungszulage besteht
(lit. a), oder die Eltern nicht oder selbstständig erwerbstätig sind und die übrigen
Voraussetzungen nach Art. 11 des Kinderzulagengesetzes (KZG; sGS 371.1) erfüllt
sind.
4.2 Mit dieser Lösung hat der st. gallische Gesetzgeber für in Ausbildung stehende,
unter 25-jährige Personen analog zum Steuerrecht die familienrechtliche
Unterhaltspflicht als Anknüpfungspunkt gewählt (vgl. ABl Nr. 27 vom 3. Juli 1995,
S. 1536; vgl. auch Art. 10 Abs. 2 Ziff. 3 EG-KVG sowie Art. 14 Abs. 2 Vo EG-KVG) und
dabei eine klare Unterscheidung getroffen zwischen Personen, für deren
Lebensunterhalt zur Hauptsache die Eltern aufkommen, und solchen, für die dies nicht
zutrifft, sei es, dass sie selbst dafür aufkommen oder von Dritten unterstützt werden.
Für Angehörige der ersten Gruppe erhalten, wenn ein Anspruch auf Ausbildungszulage
besteht, die Eltern die Prämienverbilligung (Art. 10 Abs. 2 Ziff. 3 EG-KVG i.V.m. Art. 21
Abs. 3 Vo EG-KVG), jene der zweiten Gruppe verfügen unter den Voraussetzungen von
Art. 10 Abs. 1 EG-KVG über einen eigenen Anspruch.
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4.3 Art. 10 Abs. 2 Ziff. 3 EG-KVG statuiert also eine Ausnahme zum grundsätzlichen
Anspruch auf Prämienverbilligung gemäss Abs. 1 für unter 25-jährige Personen in
Ausbildung, "für deren Unterhalt die Eltern zur Hauptsache aufkommen". Bei der
Interpretation dieser Ausnahmeregel muss wie bei jeder Gesetzesauslegung der
Wortlaut im Vordergrund stehen. Solange dieser klar ist und eine eindeutige Antwort
zulässt, ist auch auf diesen abzustellen. Nicht zulässig ist entgegen der Ansicht der
Vorinstanz die Schlussfolgerung, dass die Bezüger von Ausbildungszulagen in jedem
Fall auch in der Hauptsache für den Unterhalt der Personen aufkommen, für die sie die
Zulagen beziehen. Dies dürfte sich im Regelfall zwar durchaus so verhalten. Indessen
muss dies nicht zwingend zutreffen (vgl. auch m.w.H. die Ausführungen im Entscheid
KV-SG 2006/4 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. Januar
2007, Erw. 2b, c), wie nachfolgend zu zeigen ist.
4.4 Gemäss Art. 11 Abs. 1 KZG haben Erwerbstätige u.a. Anspruch auf eine
Ausbildungszulage, wenn das Kind in der Schweiz wohnt. Der Anspruch entsteht mit
Beginn der Ausbildung, frühestens jedoch nach vollendetem 16. Altersjahr. Er erlischt
mit Abschluss der Ausbildung, spätestens aber mit vollendetem 25. Altersjahr (Art. 11
Abs. 2 KZG). Nach Art. 11 Abs. 3 KZG entsteht der Anspruch nicht oder erlischt, wenn
das Kind ein jährliches Bruttoeinkommen von wenigstens dem doppelten Betrag der
höchsten einfachen Waisenrente der eidgenössischen Alters- und
Hinterlassenenversicherung erzielt (2008: Fr. 1'768.- monatlich, Fassung gemäss II.
Nachtrag vom 7. November 2002, nGS 33-103). Gemäss der Botschaft der Regierung
vom 28. März 1995 zum KZG geht es bei den Kinderzulagen darum, einen Teil jener
Familienlasten zu decken, die durch Ernährung, Bekleidung, häusliche Unterbringung
und Erziehung der Kinder verursacht werden. Demgegenüber sollten die
Ausbildungszulagen vorab die finanzielle Belastung vermindern, die dadurch entstehe,
dass sich Kinder nach Beendigung der obligatorischen Schulzeit weiter ausbilden
liessen. Wissenschaftliche Untersuchungen würden zeigen, dass ältere Kinder, d.h.
Kinder ab dem 16. Altersjahr, die sich in der Berufsausbildung oder an höheren
Schulen befänden, eine im Vergleich zu jüngeren Jahrgängen wesentlich stärkere
Belastung des Familienhaushalts bewirken würden. Dieser Umstand sei bei der
Festsetzung der Zulagenansätze zu berücksichtigen (ABl Nr. 18 vom 1. Mai 1995,
S. 1063). Weiter wurde in der Botschaft ausgeführt, wenn ein Kind während seiner
Ausbildung einen Lohn beziehe, so sei dieser in der Regel tiefer als die
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Ausbildungskosten. Lehrlingslöhne seien nicht existenzsichernd. Auf die Anrechnung
eines solchen Lohns auf Ausbildungszulagen solle deshalb verzichtet werden.
Hingegen solle der Anspruch auf Ausbildungszulagen wegfallen, wenn das jährliche
Erwerbseinkommen des Kindes eine Grösse aufweise, die das Bestreiten seines
Lebensunterhalts weitgehend ermögliche. Im Sinn einer flexiblen Lösung solle dabei
vom auf das Jahr umgerechneten eineinhalbfachen Betrag der höchsten einfachen
Kinder- oder Waisenrente der AHV ausgegangen werden (ABl Nr. 18 vom 1. Mai 1995,
S. 1067). In der Botschaft vom 18. Dezember 2001 zum II. Nachtrag zum KZG wurde
festgehalten, in der Praxis habe sich die Grenze des eineinhalbfachen Betrags der
höchsten einfachen Waisenrente als zu tief erwiesen. Mit einem Gehalt in dieser Höhe
würden die Lebenskosten vieler Lehrlinge nicht gedeckt. Deshalb sollte die Grenze auf
den doppelten Betrag der höchsten einfachen Waisenrente erhöht werden (ABl Nr. 4
vom 21. Januar 2002, S. 115), was mit Inkrafttreten des II. Nachtrags vom 7. November
2002 schliesslich auch geschah.
4.5 Art. 11 KZG setzt für den Anspruch auf Ausbildungszulage lediglich das
Absolvieren einer Ausbildung – ob es sich um eine Erst- oder Zweitausbildung handelt,
ist dabei irrelevant (vgl. dazu die vom Bundesamt für Sozialversicherung
herausgegebene Wegleitung über die Renten in der Eidgenössischen Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung [RWL], Rz. 3358 ff.) –, das Erfüllen der
Alterslimite und das Nichtüberschreiten eines bestimmten Erwerbseinkommens voraus.
Keine Anspruchsvoraussetzung ist dagegen nach dem oben Gesagten, dass der
Bezüger der Ausbildungszulage auch zur Hauptsache für den Unterhalt der Person in
Ausbildung aufkommt. Es ist daher durchaus möglich, dass die in Ausbildung stehende
Person aus eigenen Mitteln (z.B. Vermögen) oder mit Hilfe von
Unterstützungsleistungen Dritter zur Hauptsache für den eigenen Unterhalt aufkommt.
In diesen Fällen besteht nach dem klaren Wortlaut von Art. 10 Abs. 1 und Abs. 2 Ziff. 3
EG-KVG ein eigener Anspruch auf Prämienverbilligung, sofern die Voraussetzungen
von Abs. 1 lit. a und b erfüllt werden, und zwar auch dann, wenn die Eltern für diese
Person eine Ausbildungszulage beziehen. Art. 21 Abs. 2 Vo EG-KVG, wonach die Eltern
einer in Ausbildung stehenden Person bis zum vollendeten 25. Altersjahr die
Prämienverbilligung für diese Person erhalten, wenn die Voraussetzungen nach Art. 14
Abs. 2 der Verordnung erfüllt sind, kann als Verordnungsbestimmung (und
"Aufteilungsregel") diesem gesetzlichen Anspruch nicht entgegengehalten werden,
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auch wenn ihr für den "Regelfall" ihre Gesetzeskonformität nicht abgesprochen werden
kann (vgl. KV-SG 2006/4, Erw. 2c).
4.6 Im Sinn eines Zwischenfazits ist damit festzuhalten, dass für den Ausschluss
eines eigenen Anspruchs auf Prämienverbilligung gemäss Art. 10 Abs. 2 Ziff. 3 EG-KVG
nicht allein auf den objektiven Umstand des Bezugs einer Ausbildungszulage durch die
Eltern abgestellt werden darf. Vielmehr ist im Einzelfall zu prüfen, wer zu welchen Teilen
für den Lebensunterhalt der in Ausbildung stehenden Person aufkommt, zumal eine
irgendwie geartete gesetzliche Vermutung für das Bestehen der hauptsächlichen
elterlichen Unterhaltsbestreitung, wie von der Vorinstanz wiederholt ins Spiel gebracht,
nicht existiert.
5.
5.1 Die Prämienverbilligung ist als Sozialversicherungsleistung grundsätzlich
gegenüber der Unterstützungspflicht der Eltern nachrangig. Dies bedeutet, dass die in
Ausbildung stehende, unter 25-jährige Person ihren Unterstützungsanspruch
gegenüber ihren Eltern vollumfänglich ausschöpfen muss, bevor sie einen eigenen
Anspruch auf Prämienverbilligung generieren kann. Dies ist Ausfluss der im
Sozialversicherungsrecht allgemein geltenden Schadenminderungspflicht, wonach eine
versicherte Person gehalten ist, alles ihr Zumutbare vorzukehren, um den Eintritt des
Versicherungsfalles zu verhüten (Urteil C 73/03 des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Bundesgericht] vom 28. Dezember 2005,
Erw. 1; BGE 108 V 163, Erw. 2a; Thomas Locher, Die Schadenminderungspflicht im
Bundesgesetz vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung, in:
Sozialversicherungsrecht im Wandel, Festschrift 75 Jahre Eidgenössisches
Versicherungsgericht, Bern 1992, S. 415). Es ist danach zu fragen, was eine vernünftige
Drittperson in derselben Lage tun würde, wenn sie keinerlei Schadenersatz bzw.
Versicherungsleistungen zu erwarten hätte (vgl. Ulrich Meyer-Blaser, Zum
Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht, Diss. iur. Bern 1985,
S. 131). Eine versicherte Person kann zu einer Schadenminderung grundsätzlich nur so
weit verhalten werden, als sie sich in der Weise auf die Leistungen auswirken kann,
dass dadurch ein laufender Anspruch ganz oder teilweise untergeht bzw. ein möglicher
Anspruch entweder nicht entsteht oder herabgesetzt wird (BGE 114 V 281, Erw. 3c).
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5.2 Für die IPV-Prüfung kann es also nicht massgebend sein, ob die Eltern der
versicherten Person tatsächlich nicht zur Hauptsache für deren Unterhalt aufkommen,
sondern darauf, ob und in welchem Ausmass die versicherte Person einen Anspruch
auf Unterstützung durch die Eltern hat. Vor dem Hintergrund der
Schadenminderungspflicht kann folglich nur relevant sein, ob die Eltern der
versicherten unter 25-jährigen, sich in Ausbildung befindenden Person für deren
Unterhalt aufkommen müssten, wenn der Anspruch durchgesetzt würde.
5.3 Macht eine versicherte Person glaubhaft, dass ihre Eltern nicht zur Hauptsache
für ihren Unterhalt aufkommen, so kommt der Untersuchungsgrundsatz (vgl. auch
Art. 25 Vo EG-KVG) zum Tragen und die SVA hat abzuklären, ob die Eltern keine
Unterhaltszahlungen erbringen wollen (bzw. solche im Einvernehmen mit der
versicherten Person nicht erbringen) oder ob sie aufgrund ihrer finanziellen
Möglichkeiten nicht in der Lage sind, zur Hauptsache für den Unterhalt ihres Kindes
aufzukommen. Ein strikter Beweis, dass die versicherte Person gegenüber ihren Eltern
keinen Unterhaltsanspruch in der Grössenordnung hat, dass damit ihr Unterhalt
weitgehend gedeckt werden könnte, kann nicht verlangt werden. Dazu müsste die
versicherte Person ein zivilrechtliches – allenfalls mehrinstanzliches – Gerichtsverfahren
gegen die Eltern durchlaufen; dies selbst dann, wenn eine summarische Prüfung ergibt,
dass ein ausreichender Unterhaltsanspruch unwahrscheinlich ist. Da aus
Praktikabilitätsgründen also kein strikter Beweis gefordert werden kann, ist auf den im
Sozialversicherungsrecht allgemein geltenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit abzustellen (vgl. Thomas Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, Bern 2003, S. 451 f., Rz. 43). Die SVA hat folglich
zumindest im Rahmen einer summarischen Prüfung die finanziellen Verhältnisse der
Eltern zu berücksichtigen, wenn sich die Vermutung aufdrängt, dass eine versicherte
Person ihren Unterhaltsanspruch gegenüber ihren Eltern nicht (vollumfänglich)
durchsetzt. Dies kann etwa durch Beizug der Steuerunterlagen der Eltern geschehen.
Ergibt diese Prüfung, dass die Eltern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zur
Hauptsache für den Unterhalt der versicherten Person aufkommen müssten, bleibt
dieser ein eigener Anspruch auf IPV verwehrt. Nur mit dieser Lösung wird der
Schadenminderungspflicht der versicherten Person ausreichend Rechnung getragen
und gleichzeitig der Gefahr vorgebeugt, dass die Eltern einen Teil ihrer Unterhaltspflicht
ungerechtfertigterweise auf den Staat abwälzen.
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6.
6.1 Im vorliegenden Fall war die Rekurrentin am für die IPV-Beurteilung
massgebenden Stichtag des 1. Januar 2008 (Art. 9 Abs. 1 Vo EG KVG) im vierten
Lehrjahr. Gemäss Lehrvertrag vom 21. Januar 2004 sollte sie in diesem letzten Lehrjahr
ein Einkommen von Fr. 1'000.- monatlich erzielen (act. G 3.9). Sie selbst gab einen
leicht höheren Lohn von Fr. 1'150.- an (act. G 3.3), worauf abzustellen ist. Weitere
Einnahmen sind gemäss ihren Angaben die Kinderzulage von Fr. 190.- und eine
Unterstützung durch den Vater von Fr. 300.-. Der Totalbetrag der Einnahmen von
Fr. 1'640.- monatlich liegt nur knapp unter dem doppelten Betrag der höchsten
einfachen Waisenrente (Fr. 1'768.-). In der Botschaft vom 18. Dezember 2001 zum II.
Nachtrag wurde wie erläutert davon ausgegangen, dass dieser Betrag die
durchschnittlichen Lebenskosten einer versicherten unter 25-jährigen Person in
Ausbildung decke (ABl Nr. 4 vom 21. Januar 2002). Dies bestätigt auch die Rekurrentin
mit der detaillierten Auflistung ihrer monatlichen Ausgaben. Danach belaufen sich die
monatlichen Fixkosten auf Fr. 1'123.-. Mit den verbleibenden gut Fr. 500.- deckt sie die
übrigen Lebenskosten (act. G 3.3). Diese Aufstellung ist plausibel und nachvollziehbar
und steht obendrein im Einklang mit den Annahmen der Botschaften zum KZG und
zum II. Nachtrag zum KZG (vgl. oben Erw. 4.4). Das von der Rekurrentin erzielte
Erwerbseinkommen von Fr. 1'150.- monatlich deckt also deutlich mehr als die Hälfte
und somit den überwiegenden Anteil ihres gesamten Unterhalts.
6.2 Die Eltern der Rekurrentin kommen faktisch nicht zur Hauptsache für ihren
Unterhalt auf und müssen dies nach Lage der Akten auch nicht, zumal die Rekurrentin
im Stand ist, überwiegend selbstständig für sich zu sorgen. Der Vater der Rekurrentin
lebt augenscheinlich in angespannten finanziellen Verhältnissen, musste er doch mit
Hilfe des Sozialamts eine Finanzierungsplanung ausarbeiten, die ihm nur monatliche
Zahlungen von Fr. 300.- im vierten Lehrjahr der Tochter gestattete (act. G 3.4). Die
Rekurrentin bezog bis zum Beginn des 4. Lehrjahrs offenbar selbst Sozialhilfe
(act. G 5.1.6). Es ist vor diesem Hintergrund nicht überwiegend wahrscheinlich, dass
ihre Eltern in derart günstigen finanziellen Verhältnissen leben, dass die Rekurrentin
ihnen gegenüber einen Anspruch auf Unterhaltsleistungen in der Höhe von über
Fr. 1'340.- monatlich (Fr. 1'150.- + Fr. 190.- Kinderzulage, die keine direkte
Unterstützung der Eltern darstellt, sondern grundsätzlich eine
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Sozialversicherungsleistung ist) zusätzlich zu ihrem Lehrlingslohn durchsetzen könnte.
Dies wäre aber notwendig, wenn man davon ausgehen wollte, dass die Eltern der
Rekurrentin aufgrund ihrer gesetzlichen Unterhaltspflicht zur Hauptsache für sie
aufzukommen hätten. Bei dieser Aktenlage kann auf weitere Abklärungen zu den
finanziellen Verhältnissen der Eltern verzichtet werden.
7.
7.1 Weil die Eltern der Rekurrentin nicht zur Hauptsache für ihren Lebensunterhalt
aufkommen und dazu überwiegend wahrscheinlich auch nicht verpflichtet wären, hat
die Rekurrentin somit grundsätzlich einen selbstständigen Anspruch auf IPV. Der
Rekurs ist somit unter Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids
gutzuheissen und die Sache zur IPV-Berechnung an die Rekursgegnerin
zurückzuweisen.
7.2 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP ist das Rekursverfahren grundsätzlich kostenpflichtig.
Die Kosten hat jene Partei zu tragen, deren Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Beim vorliegenden Verfahrensausgang hat demnach die Rekursgegnerin die
Gerichtsgebühr zu bezahlen. Diese ist in Anwendung von Ziff. 372 des
Gerichtskostentarifs (sGS 941.12), der einen Rahmen von Fr. 400.- bis Fr. 5'000.-
vorsieht, wie in gleichartigen Fällen üblich auf Fr. 1'000.- festzusetzen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG