Decision ID: 02826ee9-e702-5b02-91d1-0026b5810064
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist deutscher Staatsangehöriger sudanesischer Abstammung und reiste am
1. März 2017 in die Schweiz ein. Er verfügt über eine Aufenthaltsbewilligung B, gültig
bis 28. Februar 2022.
B.- Am 15. Mai 2018 stellte X beim Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons
St. Gallen ein Gesuch um Umtausch seines sudanesischen Führerausweises in einen
schweizerischen. Das Strassenverkehrsamt teilte X nach Überprüfung der Echtheit des
eingereichten Führerausweises am 29. Mai 2018 mit, dass es sich dabei um eine
Totalfälschung handle. Es sei vorgesehen, deshalb den ausländischen Führerausweis
auf unbestimmte Zeit abzuerkennen. Gleichzeitig gewährte ihm das
Strassenverkehrsamt das rechtliche Gehör. In der Folge wurde X mit Verfügung vom
20. Juni 2018 ab sofort und auf unbestimmte Zeit das Recht aberkannt, mit
ausländischen und internationalen Führerausweisen in der Schweiz Motorfahrzeuge zu
führen. Das Strassenverkehrsamt wies ihn darauf hin, dass er einen Lernfahrausweis
beantragen und hier eine vollständige Führerprüfung ablegen müsse, wenn er in der
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Schweiz Motorfahrzeuge lenken wolle. Weiter entzog es einem allfälligen Rekurs die
aufschiebende Wirkung und auferlegte X die Verfahrenskosten von Fr. 180.–.
C.- Am 25. Juni 2018 ersuchte X das Strassenverkehrsamt wiedererwägungsweise um
Aufhebung der Verfügung vom 20. Juni 2018. Gegen die Verfügung vom 20. Juni 2018
erhob X auch Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission, und zwar am 3. Juli 2018.
Er beantragte, die Verfügung unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben. Im
Hinblick auf das noch pendente Wiedererwägungsgesuch wurde das Rekursverfahren
am 5. Juli 2018 sistiert. Mit Verfügung vom 11. Juli 2018 trat das Strassenverkehrsamt
auf das Wiedererwägungsgesuch nicht ein, woraufhin die Sistierung am 12. Juli 2018
aufgehoben wurde. Am 27. August 2018 reichte X eine Rekursbegründung nach. Die
Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 26. September 2018 auf eine
Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 3. Juli 2018 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt zusammen mit der Rekursergänzung vom 27. August 2018 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Wer ein Motorfahrzeug führt, bedarf des Führerausweises (Art. 10 Abs. 2 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Dieser wird von den
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kantonalen Verwaltungsbehörden am Wohnsitz des Fahrzeugführers erteilt und
entzogen (Art. 22 Abs. 1 SVG). Personen aus dem Ausland dürfen in der Schweiz
Motorfahrzeuge führen, falls sie einen gültigen nationalen Führerausweis besitzen
(Art. 42 Abs. 1 lit. a der Verkehrszulassungsverordnung, SR 741.51, abgekürzt: VZV).
Ausländische Fahrzeugführer, die seit zwölf Monaten in der Schweiz wohnen und sich
in dieser Zeit nicht länger als drei Monate ununterbrochen im Ausland aufgehalten
haben, benötigen indessen einen schweizerischen Führerausweis (Art. 42 Abs. 3 lit. a
VZV). Dem Inhaber eines gültigen nationalen ausländischen Ausweises wird der
schweizerische Führerausweis der entsprechenden Kategorie erteilt, wenn er auf einer
Kontrollfahrt nachweist, dass er die Verkehrsregeln kennt und Fahrzeuge der
Kategorien, wofür der Ausweis gelten soll, sicher zu führen versteht (Art. 44 Abs. 1
VZV). Liegt kein gültiger ausländischer Führerausweis vor, hat der Bewerber eine
Führerprüfung abzulegen (Art. 44 Abs. 2 VZV).
b) Das Strassenverkehrsrecht sieht keine ausdrückliche Einziehungsmöglichkeit
gefälschter Ausweise vor; abgesehen davon würde dies ohnehin nur schweizerische
Führerausweise betreffen. Da es sich hier aber um einen ausländischen Führerausweis
handelt, kommt einzig die analoge Anwendung von Art. 45 Abs. 1 VZV, wonach
ausländische Führerausweise nicht zu entziehen, sondern abzuerkennen sind, in
Betracht. Namentlich sind sie gemäss Art. 45 Abs. 1 VZV auf unbestimmte Zeit
abzuerkennen, wenn sie in Umgehung der schweizerischen oder ausländischen
Zuständigkeitsbestimmungen im Ausland erworben worden sind. Dies trifft nach
höchstrichterlicher Rechtsprechung auf einen gefälschten Ausweis zu, obwohl der
Tatbestand an sich nicht darauf zugeschnitten ist (Urteil des Bundesgerichts [BGer]
1C_441/2012 vom 4. März 2013 E. 6.3.3 und 6.3.4).
3.- Strittig ist vorliegend, ob die Vorinstanz dem Rekurrenten den ausländischen
Führerausweis zu Recht auf unbestimmte Zeit aberkannte.
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a) Die angefochtene Verfügung vom 20. Juni 2018 stützt sich im Wesentlichen auf die
Feststellungen im Bericht des kriminaltechnischen Dienstes der Kantonspolizei St.
Gallen vom 18. Mai 2018, wonach es sich beim ausländischen Führerausweis des
Rekurrenten um eine Totalfälschung handle. Er sei komplett mittels eines Tinte
verarbeitenden Systems gedruckt. Sämtliche erforderlichen Sicherheitsmerkmale
authentischer Führerausweise des Sudans würden fehlen; insbesondere die üblichen
UV-Sicherungen und die Schutzfolie mit optisch variablen Elementen (OVD-Folie).
Ausserdem würden bei echten Ausweisen verschiedene Drucktechniken zur
Anwendung gelangen.
b) Der Rekurrent bestreitet, dass es sich beim Führerausweis um eine Fälschung
handle. Die Echtheit sei von der Behörde des Herkunftslandes notariell beglaubigt
worden. Weiter macht der Rekurrent geltend, dass Führerausweise im Herkunftsland
des Rekurrenten alle auf dieselbe Art und Weise mit derselben Drucktechnik hergestellt
und gültig seien; UV-Sicherungen und Schutzfolien würden nur in vereinzelten Fällen
angewandt, nicht aber generell bei allen Ausweisen.
c) Für den Nachweis der Echtheit des Führerausweises reichte der Rekurrent eine
Bestätigung des sudanesischen Konsulats vom 6. Juni 2018 ein. Im Zeitpunkt dieser
konsularischen Bestätigung befand sich der Führerausweis jedoch bereits seit 17. Mai
2018 bei der Polizei (act. 15/10). Entsprechend konnte das Konsulat die Echtheit des
Führerausweises gar nicht überprüfen. Im Unterschied dazu stellten die Spezialisten
der Kantonspolizei am 18. Mai 2018 fest, dass sudanesische Führerausweise mit UV-
Sicherungen und einer Schutzfolie mit optisch variablen Elementen (OVD-Folie)
ausgestattet seien. Zudem würden im selben Führerausweis verschiedene
Drucktechniken angewendet. Da all diese Elemente fehlten und das Dokument
ausschliesslich mit Tinte gedruckt worden sei, handle es sich um eine Totalfälschung
(act. 15/11). Es besteht kein Anlass, vom Ergebnis der polizeilichen
Dokumentenüberprüfung abzuweichen. Namentlich untersuchten sie den
sudanesischen Führerausweis auf die ihnen aufgrund von Referenzunterlagen
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bekannten Sicherheitsmerkmale. Dass sudanesische Führerausweise nicht generell mit
den Sicherheitsmerkmalen versehen seien (act. 7), stellt eine Behauptung des
Rekurrenten dar, welche im Schreiben des sudanesischen Konsulats vom 6. Juni 2018
nicht belegt wird. Abgesehen davon machen Sicherheitsmerkmale nur dann einen Sinn,
wenn sie auf allen Führerausweisen angebracht werden. Die Bestätigung des
sudanesischen Konsulats ist demnach nicht mehr als eine beglaubigte Übersetzung
der Angaben auf dem gefälschten Führerausweis und deshalb nicht geeignet, die
Echtheit des Führerausweises nachzuweisen.
d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz aufgrund der polizeilichen
Untersuchungen zu Recht davon ausging, dass es sich beim Führerausweis des
Rekurrenten um eine Fälschung und damit um einen ungültigen Führerausweis handelt.
Ein gefälschter ausländischer Führerausweis ist abzuerkennen und bildet keine
Grundlage für die Ausstellung eines schweizerischen Ausweises ohne Ablegung der
Führerprüfung (BGer 1C_221/2008 vom 8. Dezember 2008 E. 6). Der Rekurs ist somit
abzuweisen.
4.- Mit der Sicherungsaberkennung soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn er während eines
Beschwerdeverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen und im Restbetrag von
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Fr. 400.– zurückzuerstatten. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist keine
ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen (Art. 98 VRP).