Decision ID: 668e667f-a5aa-5302-b4f3-34eab42c8767
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein Tamile mit letztem Wohnsitz in B._
(C._ Distrikt, Nordprovinz), verliess sein Heimatland eigenen Anga-
ben gemäss am 13. August 2015 und gelangte am 28. Oktober 2015 in die
Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte.
A.b Bei der Befragung zur Person (BzP) vom 13. November 2015 sagte
der Beschwerdeführer, es habe immer wieder Kontrollen bei ihnen gege-
ben, weil sein Bruder D._ bei den LTTE (Liberation Tigers of Tamil
Eelam) gewesen sei. Bei einer Hausdurchsuchung sei ihm sein Reisepass
weggenommen worden. Sein Bruder sei Ende 2006 angeschossen und
gesucht worden. Danach sei er (der Beschwerdeführer) etwa dreizehnmal
für Befragungen mitgenommen worden. Weil man seine Familie beschul-
digt habe, den LTTE zuzugehören, habe er keine Ruhe gehabt. Letztmals
sei er nach dem Heldentag 2014 mitgenommen worden, weil Feuerwerk
gezündet worden sei. Da man festgestellt habe, dass er nicht dafür verant-
wortlich gewesen sei, und er einen epileptischen Anfall erlitten habe, habe
man ihn nach sechs Stunden freigelassen. Ende Juni 2015 habe er von
seinem Kollegen E._ einen Anruf erhalten; dieser habe ihm gesagt,
er werde von der Armee gesucht und verstecke sich. Er habe ihn abgeholt
und an einen anderen Ort gebracht. Einige Tage später habe er die Mutter
des Kollegen zu einem Anwalt namens F._ gefahren, der mit den
Behörden gesprochen habe. Sein Kollege habe sich der Armee gestellt und
sei später freigelassen worden. Zwei Wochen nach der Freilassung hätten
sein Kollege und er zum Büro des TID (Terrorist Investigation Division) in
G._ gehen müssen. Er sei vorgeladen worden, weil man die Anruf-
liste seines Kollegen kontrolliert habe. Er sei befragt und geschlagen wor-
den; man habe ihm vorgeworfen, er habe seinem Kollegen bei Waffen-
transporten geholfen. An seinem Hochzeitstag im Jahr 2015 seien drei
Leute auf Motorrädern zu ihm gekommen. Sie hätten draussen seinen Na-
men gerufen, seinen Nachbarn geschlagen und er sei geflohen – ein Kol-
lege habe ihn nach H._ gebracht. Er habe für die TNA (Tamil Nati-
onal Alliance) Flyer verteilt und Plakate aufgehängt sowie Leute transpor-
tiert, die das Gleiche getan hätten. Nach gesundheitlichen Problemen ge-
fragt, sagte der Beschwerdeführer, er leide seit 2006 an Epilepsie.
A.c Am 16. Juni 2017 hörte das SEM den Beschwerdeführer einlässlich zu
seinen Asylgründen an. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, die sri-
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lankische Armee habe 2006 versucht, seinen Bruder I._ festzuneh-
men; als er geflohen sei, sei er angeschossen worden. Sein Bruder
D._ sei bereits früher in Haft gewesen und beim Friedensschluss
im Jahr 2002 freigekommen. Im Jahr 2009 seien beide Brüder bei einem
Kriegseinsatz ums Leben gekommen. Drei oder vier Monate nach seiner
(des Beschwerdeführers) Ausreise seien zwei Mal Leute des CID zu seiner
Familie gekommen. Sie hätten seine Schwester befragt und ihr beim zwei-
ten Besuch gesagt, sie hätten von einem Festgenommenen über Waffen-
verstecke erfahren – dieser habe gesagt, dass er (der Beschwerdeführer)
und sie wüssten, wo Waffen versteckt seien. Beim dritten Besuch (im Juni
oder Juli 2016) hätten sie seine Schwester vergewaltigt. Die Schwester sei
in ein Spital gebracht worden, wo sie von einem CID-Angehörigen davor
gewarnt worden sei, Anzeige zu erstatten; sie habe sich danach das Leben
genommen.
Als er noch in Sri Lanka gewesen sei, sei einer seiner Freunde vom CID
gesucht worden. Er habe für ihn eine Unterkunft organisiert, was der CID
erfahren habe. Danach sei der Freund von der Polizei und von Leuten vom
«vierten Stock» gesucht worden. Da sein Freund sich gefürchtet habe, sich
dem TID zu stellen, sei er von einem Mitglied der TNA begleitet worden.
Zuerst sei sein Freund und danach sei er (der Beschwerdeführer) befragt
worden. Sein Freund sei zwei Wochen lang im Gefängnis gewesen. Dann
seien sie erneut vorgeladen worden. Ihm seien viele Fragen zu seiner Fa-
milie gestellt und er sei geschlagen worden. Er sei beschuldigt worden, von
Kollegen seiner verstorbenen Brüder Waffen erhalten und diese an seinen
Freund weitergeleitet zu haben. Er sei mit einer Pistole bedroht worden und
man habe ihm gesagt, man werde ihn wie seinen Bruder verschwinden
lassen. Es sei ihm eröffnet worden, er müsse für weitere Befragungen kom-
men. Einige Tage später (zirka Mitte 2015) seien Geheimdienstleute ge-
kommen, welche die Dorfbewohner über seine Familie befragt hätten. An
seinem Hochzeitsfest ([...]) habe er Bier holen wollen. Sein Nachbar
J._ habe ihm gesagt, es seien einige Leute dort, die ihn treffen woll-
ten; eine der Personen habe eine Pistole. Er habe nach draussen geschaut
und gesehen, dass die Männer J._ geschlagen hätten. Er habe sich
gefürchtet und sei geflohen. Er sei über dreizehnmal mitgenommen und
sieben Mal befragt und geschlagen worden. Seine Schwester und ihr
Freund seien gefoltert und sein Vater sei mehrmals verhört und geschlagen
worden. Erstmals sei er 2006 mitgenommen, befragt und geschlagen wor-
den. Am 27. November 2014 seien für den Heldengedenktag Lampen an-
gezündet worden; er sei in derselben Nacht gesucht worden. Am folgenden
Morgen habe man ihm gesagt, er müsse zu einer Befragung gehen, man
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habe ihn dazu mitgenommen. Er habe zirka vier Stunden lang dort warten
müssen. Er habe 2005 Esspakete zu LTTE-Leuten gebracht und seine Fa-
milie habe Leuten der LTTE Unterkunft gewährt und für sie gekocht. Da-
mals habe er auch zufälligerweise gehört, in welchem Quartier die LTTE
Waffen vergraben hätten.
In der Schweiz habe er am Heldengedenktag, an Demonstrationen und
anderen Anlässen teilgenommen. Er habe telefonisch Teilnehmer für diese
Anlässe organisiert.
A.d Das SEM führte mit dem Beschwerdeführer am 11. Juni 2018 eine er-
gänzende Anhörung durch. Er sagte im Wesentlichen aus, er habe nach
seiner Hochzeit für einen Freund eine Party machen wollen. Es seien be-
waffnete Leute des CID gekommen und er habe die Flucht ergriffen. Eine
Woche zuvor habe er Probleme mit dem CID-Office gehabt. Er sei dort
befragt und geschlagen worden. Man habe ihm vorgeworfen, er habe sei-
nem Freund K._ eine Pistole gegeben. Mit Hilfe eines Parlaments-
mitglieds sei er freigekommen; danach sei er aber immer wieder verfolgt
worden. Nach seiner Ausreise sei K._ verhört worden. Man habe
ihn gefragt, wo er (der Beschwerdeführer) sei. K._ habe einen Ge-
richtstermin gehabt und sei danach mitgenommen und gefoltert worden,
weshalb er Sri Lanka verlassen habe. Nach dessen Ausreise seien sowohl
K._, als auch er selbst gesucht worden. Er habe Probleme gehabt,
weil seine Brüder Verbindungen mit den LTTE gehabt hätten; die Behörden
hätten behauptet, er habe für die LTTE Waffen organisiert. Nach dem Tod
seiner Schwester seien die Behörden zu seinem Vater gegangen und hät-
ten ihn beschuldigt, Waffen zu haben.
A.e Der Beschwerdeführer gab beim SEM die Todesurkunden bezüglich
seiner Schwester (Original), seiner Mutter und seiner beiden Brüder (Ko-
pien) ab.
B.
Mit Verfügung vom 23. April 2019 – eröffnet am 25. April 2019 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
und lehnte das Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es die Wegweisung des
Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegwei-
sung an.
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C.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 24. Mai 2019 erhob der Be-
schwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde. In dieser wird beantragt, die angefochtene Verfügung sei auf-
zuheben und es sei festzustellen, dass er die Flüchtlingseigenschaft erfülle
und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei festzustellen, dass
der Vollzug der Wegweisung unzulässig sowie unzumutbar sei und er sei
vorläufig aufzunehmen. Es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu be-
willigen, es sei von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen
und es sei ihm in der Person der Unterzeichnenden ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand zu ernennen. Zudem sei von Amtes wegen ein Bericht
über die aktuelle Lage in Sri Lanka einzuholen.
D.
Mit Instruktionsverfügung vom 5. Juni 2019 hiess der Instruktionsrichter
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und gab
dem Beschwerdeführer in der Person von Rechtsanwältin Géraldine
Walker eine amtliche Rechtsbeiständin bei. Die Akten übermittelte er zur
Vernehmlassung an das SEM.
E.
Das SEM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 19. Juni 2019 die Ab-
weisung der Beschwerde.
F.
Der Instruktionsrichter übermittelte dem Beschwerdeführer am 26. Juni
2019 die vorinstanzliche Vernehmlassung und setzte ihm Frist bis zum
11. Juli 2019 zur Einreichung einer Replik. Bis zum heutigen Tag ging keine
Stellungnahme ein.
G.
Am 27. August 2019 ging beim Bundesverwaltungsgericht ein gegen den
Beschwerdeführer ausgestellter Haftbefehl mit englischer Übersetzung
ein.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die we-
gen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Aus-
druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat be-
stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des
Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG).
3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM begründet seinen Entscheid damit, dass es sich beim vom
Beschwerdeführer eingereichten Führerschein nicht um ein gültiges Reise-
oder Identitätspapier gemäss Art. 1a Bst. b und c der Asylverordnung 1
vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) handle. Die Identität des Be-
schwerdeführers stehe somit nicht fest. Bei der Aussage, der Schlepper
habe ihm den Reisepass abgenommen und zugesichert, diesen seiner Fa-
milie zukommen zu lassen, handle es sich um einen stereotypen Erklä-
rungsversuch von Asylbewerbern, die weder ihre Identität noch ihren Rei-
seweg offenlegen wollten. Bezüglich seiner Identitätskarte (ID) habe er bei
der Anhörung gesagt, sein Vater habe diese mit drei Todesurkunden an das
Empfangs- und Verfahrenszentrum L._ geschickt. Als ihm mitgeteilt
worden sei, das Dokument befinde sich nicht bei den Akten, habe er ge-
sagt, er sei nicht sicher, ob sein Vater es mitgeschickt habe. Nachdem er
seinen Vater angerufen habe, habe der Beschwerdeführer gesagt, dieser
habe die ID mitgeschickt; vielleicht sei sie in Sri Lanka aus dem Briefum-
schlag herausgenommen worden. Diese Aussagen erschienen unglaub-
haft, da die Kopien der Todesurkunden beim SEM eingetroffen seien, die
ID und die Geburtsurkunde jedoch nicht. Zudem habe er zuvor nie eine
Geburtsurkunde erwähnt. Diese Umstände führten zum Schluss, dass der
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Beschwerdeführer seine Identität nicht offenlegen wolle. Hinzu komme,
dass er zwei Pässe besessen und zweimal (2008 und 2015) vergeblich
einen Visumsantrag gestellt habe.
Der Beschwerdeführer habe auch seinen Reiseweg nicht glaubhaft darzu-
legen vermocht. Bei der BzP habe er vorgebracht, er sei zusammen mit
dem Schlepper am 13. August 2015 über M._ nach N._ ge-
reist. Dort habe er 20 Tage in einem Hotel verbracht, bis sein Vater dem
Schlepper Geld überwiesen habe. Nachdem er sich dann eine Woche in
O._ aufgehalten habe, sei er auf eine griechische Insel gebracht
worden. Von dort sei er über Athen und die Balkanroute in die Schweiz
gelangt. In der ergänzenden Anhörung habe er vorerst angegeben, er sei
am 14. Juli 2015 ohne Schlepper von P._ via Q._ nach
N._ gereist, wo er sich während 20 Tagen in einem Hotel aufgehal-
ten habe. Nach 20 bis 24 Tagen Aufenthalt in O._, wo er an ver-
schiedenen Orten gewesen sei, habe er die türkisch-griechische Grenze
im Kofferraum eines Fahrzeugs passiert. Zu den Widersprüchen sei ihm
das rechtliche Gehör gewährt worden, es sei ihm aber nicht gelungen, die
abweichenden Aussagen zu erklären. Damit entstünden Zweifel an der
Glaubhaftigkeit seiner Asylvorbringen.
Aus den Ausführungen des Beschwerdeführers gehe hervor, dass das In-
teresse der sri-lankischen Behörden an ihm abgenommen beziehungs-
weise nie in besonderem Mass bestanden habe. Er habe die kurzzeitigen
Festnahmen denn auch lediglich als «Schikanen» empfunden. Der letzte
Vorfall, der im Zusammenhang mit dem Heldengedenktag stehe, weise kei-
nen Bezug zu seinen Brüdern auf. In der BzP habe er dargelegt, in der
Nähe seines Elternhauses habe jemand Feuerwerk gezündet, weshalb er
verhaftet und sechs Stunden lang festgehalten worden sei. Er sei freige-
lassen worden, als die Behörden festgestellt hätten, dass nicht er das Feu-
erwerk gezündet habe. Zudem habe er einen epileptischen Anfall erlitten.
In der Anhörung habe er zum gleichen Ereignis erläutert, er sei in der Nacht
des 27. Novembers 2014 gesucht worden, weil Lampen angezündet wor-
den seien. Am folgenden Morgen sei jemand gekommen, der ihm gesagt
habe, er müsse sich zu einer Befragung einfinden. Gleichentags sei er auf
der Strasse angehalten und für vier Stunden mitgenommen worden, ob-
wohl er nichts damit zu tun gehabt habe. Erst als er Ende Juni/Anfang Juli
2015 befragt worden und von zivil gekleideten Bewaffneten gesucht wor-
den sei, habe er sich aus Furcht zur Ausreise entschlossen.
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Der vom Beschwerdeführer geschilderte Ablauf der Ereignisse sei nicht
plausibel und widerspreche jeglicher Lebenserfahrung. Es sei nicht nach-
vollziehbar, dass Behörden, die ihn trotz schwerwiegender Vorwürfe nach
wenigen Stunden Befragung mangels Beweisen ohne weitere Untersu-
chungen gehen liessen, bereits nach wenigen Tagen bei ihm erschienen
seien, um ihn festzunehmen. Die Angabe, der Geheimdienst habe erst
durch Befragung der Dorfbewohner erfahren, dass seine Brüder bei den
LTTE gewesen seien, entbehre jeglicher Plausibilität, habe er doch an an-
derer Stelle behauptet, er sei wegen seiner Brüder aufgrund deren LTTE-
Vergangenheit verfolgt und des Waffenschmuggels beschuldigt worden. Es
sei ihm somit nicht gelungen, ein Verfolgungsinteresse der Behörden plau-
sibel zu machen. Vor diesem Hintergrund entbehrten auch seine Darlegun-
gen bezüglich der anhaltenden Suche nach ihm und der Verknüpfung des
Suizids seiner Schwester mit seiner Verfolgungssituation jeglichen Funda-
ments. Die Richtigkeit dieser Folgerung werde dadurch bestätigt, dass sich
in seinen Ausführungen zu den Ereignissen von Juni/Juli 2015 bis zu seiner
Ausreise zahlreiche Widersprüche und Ungereimtheiten fänden. Bei der
BzP habe der Beschwerdeführer gesagt, nach der Freilassung seines
Freundes sei er vom TID vorgeladen worden; er habe mit seinem Freund
in das TID-Büro nach G._ gehen müssen. In der Anhörung habe er
von R._ gesprochen und in der ergänzenden Anhörung habe er zu-
erst gesagt, sein Freund und er hätten nach P._ gehen müssen, wo
die Befragung (...) stattgefunden habe. Im weiteren Verlauf habe er vorge-
bracht, die Befragung habe in der Polizeistation von R._ stattgefun-
den. Auf Vorhalt habe er behauptet, er habe nie etwas von P._ und
dem (...) gesagt. In der BzP habe er zu Protokoll gegeben, der TID habe
ihm vorgeworfen, Mitwisser der Waffentransporte seines Freundes zu sein
und ihn gefragt, ob er wisse, wo dieser die Waffen versteckt habe. In der
Anhörung habe er gesagt, man habe ihm vorgeworfen, er habe von Kolle-
gen seiner verstorbenen Brüder Waffen erhalten und an seinen Freund
weitergegeben. Man habe ihm gedroht, man werde ihn verschwinden las-
sen. In der ergänzenden Anhörung habe er erörtert, der TID habe ihm vor-
geworfen, er habe seinem Freund geholfen, Waffen zu organisieren und er
wisse, wo sein Bruder die Waffen versteckt habe. In diesem Zusammen-
hang habe er bei der Anhörung erwähnt, er sei geschlagen und mit einer
Pistole bedroht worden, in der ergänzenden Anhörung habe er gesagt, er
sei mit einer Pistole auf den Nacken geschlagen worden. Auch zur Dauer
der Befragung habe er abweichende Angaben gemacht. Hinsichtlich des
Vorfalls vom 7. Juli 2015 falle auf, dass er einmal dargelegt habe, er habe
an diesem Datum geheiratet, nachdem er mit seiner Ehefrau bereits seit
2013 zusammengelebt habe, ein anderes Mal habe er gesagt, es sei sein
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zweiter Hochzeitstag gewesen. In der BzP habe er geschildert, es seien
damals drei Personen auf Motorrädern gekommen, die im Vorhof seinen
Namen gerufen und einen Nachbarn geschlagen hätten. Er sei im hinteren
Zimmer gewesen, wo er Bier getrunken habe, sei durch die Hintertür ge-
flüchtet und zum Nachbarn gerannt. In der Anhörung habe er gesagt, er
habe im Haus Bier holen wollen, als sein Freund ihm berichtet habe, dass
einige Leute ihn sprechen wollten – leise habe sein Freund gesagt, eine
der Personen trage eine Pistole auf sich. Nachdem die Leute begonnen
hätten, seinen Freund zu schlagen, sei er durch die Hintertür zu einer Hütte
gerannt, in der er sich versteckt habe. Bei der ergänzenden Anhörung habe
er gesagt, zwei Personen hätten ihre Motorräder jeweils auf einer Seite des
Hauses parkiert. Als er ins Wohnzimmer gekommen sei, habe eine der Per-
sonen gefragt, wo er sich befinde. Sein Freund habe ihm laut gesagt, er
solle fliehen, da eine der Personen eine Pistole habe. Er sei durch die Hin-
tertür, den Hinterhof und das Nachbarhaus zu einem Feld gelaufen, wo er
sich in einem Busch versteckt habe. Die nicht plausiblen und widersprüch-
lichen Aussagen zu zentralen Punkten der Asylvorbringen verstärkten die
Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen.
Die eingereichten Todesurkunden der Mutter, der Brüder und der Schwes-
ter des Beschwerdeführers hätten keinen Bezug zu seiner Verfolgungssi-
tuation. Es würden darin lediglich die Todesursachen festgehalten.
Der Beschwerdeführer habe vorgebracht, er sei wegen der LTTE-Vergan-
genheit seiner Brüder zwischen 2006 und 2014 dreizehnmal bei Razzien
mitgenommen, befragt und teilweise geschlagen worden. Die erste Fest-
nahme sei die längste gewesen und habe vier Tage gedauert. Die weiteren
Male sei er «nur» einige Stunden lang beziehungsweise höchstens einen
Tag festgehalten worden. Wegen diesen Festnahmen sei er nicht ausge-
reist.
Nach Sri Lanka Zurückkehrende, die illegal ausgereist seien, keine gülti-
gen Identitätspapiere hätten, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen
hätten oder behördlich gesucht würden, würden am Flughafen befragt.
Diese Befragung allein und das Eröffnen eines Strafverfahrens wegen ille-
galer Ausreise stellten keine asylrelevante Verfolgung dar. Auch die Kon-
trollmassnahmen am Herkunftsort nähmen grundsätzlich kein asylrelevan-
tes Ausmass an. Der Beschwerdeführer sei nach Kriegsende noch sechs
Jahre in seinem Heimatland geblieben. Hätte tatsächlich ein behördliches
Interesse an seiner Person bestanden, wären in dieser Zeit konkrete Mass-
nahmen gegen ihn ergriffen worden. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht
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ersichtlich, weshalb er in Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden
geraten sollte. An dieser Beurteilung könnten auch die Teilnahme am Mär-
tyrertag 2016 und 2017 in S._ sowie diejenige an zwei Demonstra-
tionen in T._ nichts ändern. Er verfüge nicht über ein Risikoprofil,
das ihn in den Augen der heimatlichen Behörden als Person erscheinen
liesse, die bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu
lassen. Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht.
4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, das SEM habe bei der Ent-
scheidfindung die jüngsten Ereignisse von Ostern 2019 in Sri Lanka ausser
Acht gelassen. Das EDA rate aus mehreren Gründen von Reisen nach Sri
Lanka ab und weise darauf hin, dass seit dem 3. April 2019 der Ausnah-
mezustand gelte. Der Ausnahmezustand und der damit einhergehende
Notstand würden gravierende Auswirkungen auf Personen haben, die nach
Sri Lanka zurückgeführt würden. Das SEM habe die Anschläge an Ostern
und deren Auswirkungen auf die Personen vor Ort und Rückkehrer nicht
abgeklärt. Aus völkerrechtlicher Sicht könne es nicht verantwortet werden,
weiterhin Menschen nach Sri Lanka zurückzuführen, bis nicht ein Bericht
zu diesen Fragen eingeholt worden sei.
Die Aussagen des Beschwerdeführers seien in sich schlüssig, nachvoll-
ziehbar und glaubhaft. Seine Brüder hätten den LTTE angehört und er
werde deshalb verdächtigt, ebenfalls Verbindungen zu den LTTE gehabt
zu haben. Er werde verdächtigt, für die LTTE Waffen transportiert und ver-
steckt zu haben. Auch nach seiner Flucht sei nach ihm gesucht worden.
Gleich nach den Anschlägen seien die Polizei/das Militär bei seinem Vater
aufgetaucht und hätten wissen wollen, wo er die Waffen lagere. Offenbar
gehe die Regierung davon aus, dass er und somit die LTTE die Personen,
welche die Anschläge verübt hätten, mit Waffen beliefert hätten. Der Be-
schwerdeführer stehe auf dem Radar der Behörden und werde bei einer
Rückkehr inhaftiert, gefoltert oder getötet.
Das vom Beschwerdeführer geschilderte Vorgehen entspreche der typi-
schen Vorgehensweise des sri-lankischen Geheimdienstes. Personen wür-
den vorgeladen, befragt und wieder freigelassen. Danach lasse man sie
nach Hause gehen. Falls sich der LTTE-Verdacht bei der Befragung bestä-
tigt habe, sende der Geheimdienst zivile Personen, die nach der betreffen-
den Person suchten und sie verschwinden liessen. Die Bevölkerung wisse
somit nicht und könne auch nicht beweisen, wer dahinterstecke. Es werde
auf eine Schnellrecherche der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom
Januar 2018 verwiesen, in der die Vorgehensweise des Geheimdienstes
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so, wie der Beschwerdeführer es geschildert habe, bestätigt werde. Er
habe mehrmals erklärt, dass nach ihm wegen seiner Brüder gesucht wor-
den sei. Er habe unter Verdacht gestanden, ebenfalls LTTE-Mitglied zu
sein und für diese Waffen zu schmuggeln, zumal er wohlhabend gewesen
sei.
In Zusammenhang mit der Gefährdung des Beschwerdeführers sei auf den
Leitentscheid des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2011/24 zu verwei-
sen. Zu den darin definierten Risikogruppen gehörten Personen, die ver-
dächtigt würden, auch nach Beendigung des Bürgerkriegs mit den LTTE in
Verbindung zu stehen. Erhöht gefährdet seien auch Rückkehrer aus der
Schweiz, denen nahe Kontakte zu den LTTE unterstellt würden bezie-
hungsweise, die über beträchtliche finanzielle Mittel verfügten. Das Bun-
desverwaltungsgericht habe auch einen weiteren Entscheid als Referenz-
entscheid publiziert (E-1866/2015 vom 15. Juli 2016). Eine geltend ge-
machte Verbindung zu den LTTE vermöge dann eine begründete Furcht zu
begründen, wenn der betroffenen Person aus Sicht der Behörden ein Inte-
resse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus zugeschrieben
werde. Vorliegend sei dies zu bejahen, da der Beschwerdeführer zwei Brü-
der gehabt habe, die der LTTE zugehört hätten. Er sei mehrfach verhört
und es sei nach ihm gesucht worden. In Anbetracht aller wesentlicher Um-
stände sei die subjektive Furcht des Beschwerdeführers, im Falle einer
Rückkehr nach Sri Lanka asylrechtlich relevant gefährdet zu sein, auch ob-
jektiv nachvollziehbar.
4.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung aus, im Asylentscheid seien
die Vorbringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft beurteilt worden.
Folglich seien daraus abgeleitete Sachverhalte ebenfalls als unglaubhaft
zurückzuweisen. Bei den Anschlägen vom 21. April 2019 auf Kirchen und
Hotels habe es sich um die ersten Terroranschläge seit 2009 gehandelt.
Dennoch bestehe keine Lage, aufgrund derer Rückkehrer unabhängig ih-
res persönlichen Hintergrunds konkret gefährdet wären. Daran vermöge
auch der vom Präsidenten ausgerufene Notstand nichts zu ändern (Urteil
des BVGer D-1420/2019 vom 1. Mai 2019).
4.4 Mit Eingabe vom 27. August 2019 (Eingang beim Gericht, wird geltend
gemacht, am 29. Juli 2019 seien Polizisten beim Vater des Beschwerde-
führers erschienen und hätten diesem einen Haftbefehl ausgehändigt. Der
Haftbefehl und die Vorsichtsmassnahmen, welche die in Sri Lanka wohn-
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haften Personen unternommen hätten, um ihm diesen zu schicken, be-
zeugten, dass er bei einer Rückkehr in seine Heimat ernsthaften Nachtei-
len ausgesetzt sein werde.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen von Asylvorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt
und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
5.2 In der angefochtenen Verfügung erwog das SEM zu Recht, dass sich
in den bei den Befragungen gemachten Aussagen des Beschwerdeführers
zahlreiche Widersprüche und Ungereimtheiten finden. Das SEM legte dar,
dass er bereits zur Frage des Reisewegs nicht miteinander übereinstim-
mende Angaben machte (vgl. act. A4/16 S. 8, A22/30 S. 21 ff.). Diese Fest-
stellung ist zu bestätigen.
5.3 Des Weiteren wies das SEM darauf hin, dass die Identität des Be-
schwerdeführers bis zum heutigen Zeitpunkt nicht feststehe. Bei der BzP
sagte er, er habe drei Reisepässe besessen, die ihm zwischen den Jahren
2007 und 2015 ausgestellt worden seien. Den ersten habe er verloren, der
zweite sei ihm von der Armee abgenommen worden, den dritten habe sein
Schlepper beantragt und erhalten. Dieser habe ihm den Pass in O._
abgenommen und seiner Familie nicht wie versprochen zurückgegeben.
Kurz danach gab er an, er habe seinen ersten Pass abgeben müssen, um
den zweiten zu erhalten. Gefragt, ob er eine ID besitze, antwortete er, diese
befinde sich bei seiner Ehefrau. Weitere Ausweispapiere oder Dokumente
habe er nicht gehabt (act. A4/16 S. 8). Die Auffassung des SEM, der Be-
schwerdeführer habe seine Identität bislang nicht belegt und zu vorhande-
nen Identitätspapieren voneinander abweichende Angaben gemacht, ist zu
bestätigen.
5.4 In der angefochtenen Verfügung wurde vom SEM ausführlich erwogen,
dass die Aussagen des Beschwerdeführers zur Befragung/zu den Befra-
gungen, denen er nach der Festnahme seines Freundes K._ unter-
zogen worden sei, in verschiedener Hinsicht voneinander abweichend be-
ziehungsweise widersprüchlich seien. Anstelle von Wiederholungen ist auf
die einlässliche Begründung in der angefochtenen Verfügung zu verwei-
sen. Ebenso zu Recht wies das SEM darauf hin, dass der Beschwerdefüh-
rer unterschiedliche Versionen des Vorfalls, der seine Flucht ausgelöst
habe – das Erscheinen von zwei Personen auf Motorrädern, die sich nach
D-2535/2019
Seite 14
ihm erkundigt hätten –, zu Protokoll gab. Die Schilderungen des angebli-
chen Vorfalls fallen in verschiedenen, vom SEM zutreffend aufgezeigten
Punkten derart unterschiedlich aus, dass der Schluss zu ziehen ist, der
Beschwerdeführer berichte nicht von selbst Erlebtem. Das SEM hat ge-
mäss Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts zu Recht darauf ge-
schlossen, dass die vom Beschwerdeführer als fluchtauslösend bezeich-
neten Vorfälle unglaubhaft sind.
5.5
5.5.1 Dem Beschwerdeführer gelingt es nicht, die festgestellten Widersprü-
che und Ungereimtheiten mit dem eingereichten Haftbefehl zu relativieren.
Einerseits befremdet es, dass gegen ihn nach den Ereignissen von Ostern
2019 ein Haftbefehl ausgestellt worden sein soll, da er nicht muslimischen
Extremistenkreisen zugerechnet werden kann (solche begingen die ver-
schiedenen Anschläge) und Sri Lanka bereits im August 2015 mit seinem
eigenen Reisepass verliess, was den heimatlichen Behörden längst be-
kannt sein dürfte. Anderseits ist der Haftbefehl nicht datiert, was ein Merk-
mal dafür ist, dass es sich beim eingereichten Dokument um eine Fäl-
schung oder Verfälschung handelt. Nach Erkenntnissen des Bundesver-
waltungsgerichts sind Fälschungen von Haftbefehlen verbreitet (vgl. Urteil
des BVGer E-3747/2019 vom 26. September 2019 S. 5).
5.5.2 Gemäss Art. 10 Abs. 4 AsylG können verfälschte und gefälschte Do-
kumente sowie echte Dokumente, die missbräuchlich verwendet wurden,
vom SEM oder von der Beschwerdeinstanz eingezogen werden. Das als
gefälscht beziehungsweise verfälscht erkannte Dokument (Haftbefehl des
Gerichts von [...]) ist daher einzuziehen.
5.6 Das Bundesverwaltungsgericht hat auch nach den Anschlägen von Os-
tern 2019 an der bisherigen Lageeinschätzung zu Sri Lanka festgehalten,
dass hinduistische Asylgesuchstellende deshalb nicht mit drohender Ver-
folgung zu rechnen haben. Es besteht somit keine Veranlassung, einen
Lagebericht zur allgemeinen Situation in Sri Lanka einzuholen, weshalb
der entsprechende Antrag abzuweisen ist.
5.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, eine im Heimatland erlittene oder ihm dort in absehbarer
Zeit drohende asylrechtlich relevante Verfolgung zu belegen oder glaubhaft
zu machen.
D-2535/2019
Seite 15
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri
Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festgestellt, dass aus Europa res-
pektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht gene-
rell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt
seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung
des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Ver-
haftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei
handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeint-
lichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, Teilnahme
an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und Vorliegen früherer
Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam-
menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE
(sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1 - 8.4.3). Einem
gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden unterliegen
ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach
Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt
werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM)
nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben
(sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5).
Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Ri-
sikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Per-
son ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkeh-
rer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinn von Art. 3
AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben
wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wiederaufleben
zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). Entgegen der im Beschwerdeverfahren
aufgestellten Behauptungen, ist bei der Beurteilung einer Gefährdung von
aus Sri Lanka stammenden tamilischen Asylsuchenden nach wie vor auf
das die aktuelle Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zu Sri
Lanka wiedergebende vorgenannte Urteil abzustellen.
6.2 Wie bereits vorstehend erwogen, ist es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen, ein behördliches Interesse an seiner Person glaubhaft zu ma-
chen. Selbst wenn zwei seiner Brüder Mitglieder bei den LTTE gewesen
sein sollten, ist den heimatlichen Behörden bekannt, dass diese im Jahr
2009, als der Beschwerdeführer knapp (...)-jährig war, bei Raketenangrif-
fen (vgl. die beiden Todesurkunden; act. A20/1) ums Leben kamen. Der
Beschwerdeführer selbst war nicht Mitglied der LTTE und konnte nicht
D-2535/2019
Seite 16
glaubhaft machen, dass er von den sri-lankischen Behörden ernsthaft ver-
dächtigt wurde, für die LTTE relevante Aufträge ausgeführt zu haben. Der
Beschwerdeführer brachte weder bei der Anhörung noch zu einem späte-
ren Zeitpunkt glaubhaft vor, er sei in einer Art und Weise aktiv gewesen,
die es nahelegen würde, dass ihm seitens der sri-lankischen Behörden ein
überzeugender Aktivismus mit dem Ziel der Wiederbelebung des tamili-
schen Separatismus zugeschrieben werden könnte.
6.3 Soweit der Beschwerdeführer geltend machte, er habe in der Schweiz
zweimal am Märtyrertag und an regierungskritischen Demonstrationen teil-
genommen, ist nicht davon auszugehen, dass er die Aufmerksamkeit der
heimatlichen Behörden auf sich gezogen und damit eine Gefährdung für
sich geschaffen hat. Es bestehen keine Hinweise auf ein exilpolitisches
Engagement des Beschwerdeführers, welches das Interesse der sri-lanki-
schen Behörden an seiner Person erwecken könnte. Aufgrund der Akten-
lage ist nicht der Schluss zu ziehen, er habe sich in einer derart substanzi-
ellen Weise exilpolitisch betätigt, dass ihm seitens der sri-lankischen Be-
hörden ein überzeugter Aktivismus mit dem Ziel der Wiederbelebung des
tamilischen Separatismus zugeschrieben werden könnte.
6.4 Der Umstand, dass der Beschwerdeführer offenbar nicht im Besitz ei-
nes sri-lankischen Reisepasses ist und von der Schweiz aus nach Sri
Lanka zurückkehren wird, führt nach konstanter Praxis für sich allein gese-
hen nicht zur Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Auch aus den Bom-
benanschlägen in Sri Lanka vom 21. April 2019 und dem ausgerufenen
Notstand, der am 22. August 2019 wieder aufgehoben wurde, lässt sich in
Bezug auf den hinduistischen Beschwerdeführer keine ihm drohende asyl-
rechtlich relevante Verfolgung ableiten. Die auf Beschwerdeebene erwähn-
ten Berichte über die Lage in Sri Lanka, die keinen konkreten Bezug zum
Beschwerdeführer aufweisen, vermögen an dieser Einschätzung nichts zu
ändern.
6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer weder
Vor- noch Nachfluchtgründe nachgewiesen oder zumindest glaubhaft ge-
macht hat. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Be-
schwerde beziehungsweise in der Eingabe vom 27. August 2019 und die
eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzugehen, da sie an der Würdi-
gung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Das SEM hat zu Recht
die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
D-2535/2019
Seite 17
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab, so verfügt es in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt da-
bei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
D-2535/2019
Seite 18
8.3
8.3.1 Das SEM wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.3.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen
weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig
erscheinen (vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 f. [als Refe-
renzurteil publiziert]). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschen-
rechte (EGMR) hat – wie vom SEM zutreffend erwähnt – wiederholt fest-
gestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Ta-
milen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoein-
schätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des
EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff.
37). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, der
Beschwerdeführer hätte bei einer Rückkehr nach Sri Lanka dort mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten, die über einen
sogenannten «Backgroundcheck» (Befragung und Überprüfung von Tätig-
keiten im In- und Ausland) hinausgehen würden oder dass er dadurch per-
sönlich gefährdet wäre. Nach neuesten Erkenntnissen des Bundesverwal-
tungsgerichts lässt auch der Vorfall rund um die Mitarbeiterin der Schwei-
zerischen Botschaft in Sri Lanka im vorliegenden Fall keine andere Ein-
schätzung zu, da kein konkreter Grund zur Annahme besteht, die allgemei-
nen politischen Entwicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeit-
punkt auf den Beschwerdeführer auswirken (vgl. Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts D-1466/2020 vom 23. März 2020). Der Vollzug der Wegwei-
sung ist zulässig.
8.4
8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
D-2535/2019
Seite 19
8.4.2 Das SEM hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bejaht.
Seine Schlussfolgerungen sind im Ergebnis nicht zu beanstanden. Der be-
waffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist
im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt. An dieser Einschätzung vermögen
auch die am Ostersonntag 2019 erfolgten Anschläge auf Kirchen und Lu-
xushotels nichts zu ändern (vgl. Urteil des BVGer E-868/2020 vom
25. März 2020). Auch unter Berücksichtigung des Vorfalls im Zusammen-
hang mit der Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft und der aktuellen
politischen Situation rund um Präsident Gotabaya Rajapaksa, dessen Auf-
lösung des Parlaments sowie den beabsichtigten Neuwahlen, sieht das
Bundesverwaltungsgericht keine Veranlassung den Wegweisungsvollzug
sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie als generell unzumut-
bar einzustufen (vgl. Urteil E-1128/2020 vom 17. März 2020).
Die Ausführungen in der Beschwerde zur allgemeinen Lage der tamili-
schen Bevölkerung in Sri Lanka unter Hinweis auf öffentlich zugängliche
Berichte vermögen an der Einschätzung, wonach nicht von einer in Sri
Lanka herrschenden Situation allgemeiner Gewalt auszugehen ist, nichts
zu ändern. Es besteht kein Grund zur Annahme, dass sich die jüngsten
politischen Entwicklungen konkret auf den Beschwerdeführer auswirken
könnten. Gemäss nach wie vor gültiger Rechtsprechung ist der Wegwei-
sungsvollzug zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbar-
keitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder so-
zialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkom-
mens- und Wohnsituation) bejaht werden kann.
Der Beschwerdeführer, der über eine (...)jährige Schulbildung sowie über
Berufserfahrung als (...) und (...) verfügt, gab an, er habe in Sri Lanka über
ein geregeltes Einkommen verfügt (act. A4/16 S. 5 und A19/24 S. 8). Er
lebte (mit Ausnahme zweier Jahre) von Geburt bis zur Ausreise im Distrikt
C._. Gemäss seinen Angaben leben sein Vater, sein Neffe sowie
Onkel und Tanten im selben Distrikt (act. A4/16 S. 6 und A19/24 S. 6). Da-
mit verfügt er in seiner Heimat über ein Beziehungsnetz, auf dessen Un-
terstützung er nach einer Rückkehr – sofern notwendig – bei der Suche
nach einem Arbeitsplatz und der Reintegration zurückgreifen kann. Seinen
Angaben gemäss lebe seine Familie in guten Verhältnissen, sodass er
nicht befürchten muss, in eine existenzielle Notlage zu geraten (act. A19/24
S. 8 und A22/30 S. 10).
D-2535/2019
Seite 20
Bei der BzP sagte der Beschwerdeführer, er sei gesund, leide aber seit
2006 an Epilepsie. Letztmals habe er sich 2011 an einen Arzt gewandt –
man habe seinen Kopf gescannt und ihm Tabletten verschrieben. Seit sei-
ner Hochzeit habe er keinen Anfall gehabt, hier in der Schweiz einmal einen
kurzen (act. A4/13 S. 13). Bei der Anhörung vom 16. Juni 2017 gab er an,
er sei in der Schweiz zum Arzt gegangen, wo sein Kopf gescannt worden
sei und man festgestellt habe, er habe keine «Nervenprobleme». Nur wenn
er sich unter Druck setze, habe er epileptische Anfälle (act. A19/24 S. 10).
Da der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht keine wei-
teren gesundheitlichen Probleme mitteilte und entsprechende ärztliche Be-
richte nachreichte, ist davon auszugehen, einer Rückkehr nach Sri Lanka
stünden keine medizinischen Gründe entgegen. Bezüglich der sich derzeit
in zahlreichen Ländern ausbreitenden Corona-Pandemie ist festzuhalten,
dass in Sri Lanka gemäss öffentlich zugänglichen Quellen der erste Fall
einer Covid-19-Erkrankung Ende Januar 2020 und somit rund einen Monat
bevor in der Schweiz der erste Fall gemeldet wurde, diagnostiziert wurde.
Die Krankheit hat sich in Sri Lanka weit weniger als in der Schweiz ausge-
breitet, wobei unter Hinweis auf die Dunkelziffer in beiden Ländern nicht
alle Fälle bekannt sein dürften. Jedenfalls führt die Tatsache, dass auch Sri
Lanka von Covid-19-Erkrankungen betroffen ist, nicht zur Annahme der
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.
8.4.3 Der Vollzug der Wegweisung ist sowohl in genereller als auch in in-
dividueller Hinsicht nicht als unzumutbar einzuschätzen.
8.5
8.5.1 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5.2 Hinsichtlich der allfälligen, aufgrund der Corona-Pandemie derzeit
gegebenen Unmöglichkeit des Vollzugs ist Folgendes festzuhalten: Ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts, ist die Unmöglichkeit des
Vollzugs dann festzustellen, wenn sich sowohl eine freiwillige Ausreise als
auch ein zwangsweiser Vollzug klarerweise und aller Wahrscheinlichkeit
nach für die Dauer von mindestens einem Jahr als undurchführbar erwei-
sen (vgl. Urteil des BVGer E-7575/2016 vom 28. Juli 2017 E. 6.2). Dies ist
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Seite 21
in Anbetracht der derzeitigen Entwicklung der Pandemie nicht anzuneh-
men. Der aktuellen Situation kann indessen im Rahmen der Ansetzung der
Ausreisefrist Rechnung getragen werden.
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwi-
schenverfügung vom 5. Juni 2019 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und sich an den Voraussetzungen
dazu nichts geändert hat, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
11.
11.1 Nachdem dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtsverbei-
ständung gewährt und Rechtsanwältin Géraldine Walker als amtliche
Rechtsbeiständin eingesetzt wurde, ist jener ein amtliches Honorar auszu-
richten
11.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung im Asyl-
bereich in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.–
für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltli-
che Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m Art. 10 Abs. 2
VGKE). Es wird nur der notwendige Aufwand entschädigt.
11.3 Die Rechtsvertreterin hat am 27. August 2019 (Eingang Gericht) eine
Kostennote eingereicht, in der ein zeitlicher Aufwand von 13 Stunden 10
Minuten sowie Barauslagen (Telefonie, Postspesen, Kopien) von Fr. 75.50
aufgeführt werden. Der Stundenansatz von Fr. 220.– und die ausgewiese-
nen Barauslagen sind angemessen. Der zeitliche Aufwand wird insofern
als leicht überhöht eingestuft, als dass die Beschwerde hinsichtlich der all-
gemeinen bekannten Lage in Sri Lanka hätte kürzer gefasst werden kön-
nen. Das Bundesverwaltungsgericht geht von einem angemessenen Zeit-
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Seite 22
aufwand von 12 Stunden aus. Der Rechtsbeiständin ist durch das Bundes-
verwaltungsgericht gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungs-
faktoren (Art. 9–13 VGKE) somit ein amtliches Honorar in der Höhe von
Fr. 2925.– (inkl. Mehrwertsteueranteil von Fr. 209.10) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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