Decision ID: 3f5f9f1e-9c93-4821-b3bb-d6040a1b9d88
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1985 geborene X._ meldete sich erstmals am 13. Februar 2005 unter Hinweis auf soziale Ängste und Depressionen bei der Invalidenversiche
rung
zum Leistungsbezug
an (Urk. 7/3). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte m
it Verfügung vom
14. Februar 2006 (Urk. 7/21)
den Anspruch auf
berufliche
Massnahmen
und mit Verfügung vom 4. Oktober 2006 (Urk. 7/25) wies sie das Leistungsbegehren (Invalidenrente) ab.
1.2
Die Versicherte meldete sich am 8. Juni 2009 (Urk. 7/28) unter Hinweis auf Angst
zustände und eine frühere Drogenabhängigkeit erneut
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug (
b
erufliche
Eingliederung
) an.
Diese veranlasste eine psy
chiatrische Begutachtung durch Dr. med. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie
lic
. phil. A._, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP (Expertise vom 15. April 2010, Urk. 7/56),
zog Auszüge aus dem individuellen Konto bei (IK;
Urk.
7/57, 7/59) und führte eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (
Urk.
7/66) durch.
Mit Vorbescheid vom 8. Februar 2011 (Urk. 7/76) stellte sie die Abweisung des Leistungsbegehrens gestützt auf einen anhand der gemischten Methode errech
neten Invaliditätsgrad von 16 % in Aussicht. Hiergegen erhob die Beschwerde
führerin Einwand (Urk. 7/80, vgl. auch Urk. 7/78), worauf ihre behandelnde Psychiaterin einen Bericht einreichte (Urk. 7/81). Nachdem die Sozialen Dienste der Stadt Winterthur ebenfalls Einwände formuliert hatten (Urk. 7/86), veran
lasste die IV-Stelle eine neue Begutachtung der Versicherten, welche durch med.
pract
. B._, FMH Psychiatrie, durchgeführt wurde (Expertise vom 7. Oktober 2011, Urk. 7/93).
In der Folge gewährte die IV-Stelle der Versicherten verschiedene berufliche
Massnahmen
, so unter anderem eine Gutsprache für die Mehrkosten für eine erstmalige berufliche Ausbildung zum Bürofachdiplom vom 27. August 2012 bis 27. Juli 2013 für ein Jahr (Verfügung vom 12. Juli 2012, Urk. 7/118) sowie
anschliessend
zum Handelsdiplom VSH vom 28. Juli 2013 bis 20. Februar 2014 (Verfügung vom 30. Juli 2013, Urk. 7/134). Diese Ausbildung schloss die Versi
cherte am 5. März 2014 erfolgreich mit dem Handelsdiplom VSH ab (Urk. 7/169/7).
Die IV-Stelle führte im November 2014 eine weitere Abklärung der beeinträchtig
ten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt durch (Urk. 7/187). Die berufliche Eingliederung wurde am 20. Januar 2015 abgeschlossen unter der Feststellung, die Versicherte habe ihrem Job Coach mitgeteilt, dass sie eine weitere Unterstützung durch die IV-Stelle als nicht mehr notwendig ansehe (Urk. 7/200).
Mit (neuem) Vorbescheid vom 23. Januar 2015 (Urk. 7/202) kündigte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens (Rente) an. Dagegen erhob die Versicherte Einwand (Urk. 7/205, 7/206, 7/209) und die behandelnde Psychiate
rin, Dr. med. C._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, reichte einen aktu
ellen Verlaufsbericht ein (vom 22. Mai 2015 [Urk. 7/217] samt Ergänzung vom 29. Juni 2015 [Urk. 7/219] und 1. Februar 2016 [Urk. 7/230]). Die IV-Stelle hielt mit Verfügung vom 26. August 2016 (Urk. 2/1) an der Abweisung des Leis
tungsbegehrens fest.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 29. September 2016 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 26. August 2016 sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle zur Abklärung der Arbeitsfähigkeit durch eine
Befas
-Abklärung zurückzuweisen.
Subeventualiter
sei die Sache an die IV-
Stelle zur Abklärung der Arbeitsfähigkeit durch eine neuropsychologische und psychiatrische Ab
klärung zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um unentgeltli
che Prozessführung (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 28. Oktober 2016 (Urk. 6) ersuchte die Beschwerdegegnerin
um Abweisung der Beschwerde, was de
r
Beschwerdeführer
in am 1. November 2016 (Urk. 8) mitgeteilt wurde.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der
Erwerbstätigkeit oder der unent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter an
derem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozi
alen und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode be
stimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittel
ten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hin
weisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
Die Beschwerdegegnerin begründete die Ablehnung des Leistungsbegehrens damit, dass die allenfalls noch vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen überwindbar seien. Die Beschwerdeführerin wäre bei guter Gesundheit zu 50 % erwerbstätig und würde sich zu 50 % der Kinderbetreuung widmen. Eine Erhö
hung der Erwerbstätigkeit nach der Geburt des zweiten Kindes im September 2015 sei unrealistisch (Urk. 2).
Demgegenüber bringt die Beschwerdeführerin vor, sie würde gerne eine Ausbil
dung machen und wäre dazu bereit, ein 100 % Pensum zu leisten. Bis zur Be
gutachtung im Oktober 2011 sei auf eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % abzu
stellen, hernach auf eine solche von 50 % (Urk. 1).
3.
3.1
Im Gutachten vom 15. April 2010 (Urk. 7/56) stellten Dr. Z._ und
lic
. phil. A._ folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8):
-
Hinweise auf Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.9)
-
Entwicklungsverzögerung (ICD-10: F89)
-
Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne Hyperaktivität (ICD-10: F90.0)
-
Multipler Substanzgebrauch, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F19.20)
-
Leichte kognitive Einschränkungen
Die Beschwerdeführerin habe wahrscheinlich aufgrund einer schweren Kindheit einen über Jahre bestehenden multiplen
Drogenabusus
betrieben. Seit der Schwangerschaft und der Geburt ihrer Tochter im November
2007 sei sie dro
genfrei. Es bestehe eine leichte kognitive Störung (getestet vom IPW im Januar 2010), die möglicherweise im Zusammenhang des jahrelangen Drogenkonsums stehe. Die Beschwerdeführerin habe - wie es bei fast allen Drogenabhängigen festzustellen sei - zahlreiche Entwicklungsschritte im beruflichen und privaten Bereich nicht durchlaufen können. Deswegen bestehe eine Entwicklungsverzö
gerung, auch seien Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung vorhanden. Sie hätten eine ADHS-Abklärung durchgeführt. Testpsychologisch bestehe eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne Hyperaktivität (ICD-10: F90.0).
Die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Abklärungen (psychiatrische Erkran
kung, Folgen des
Drogenabusus
, kognitive Einschränkung) nicht in der Lage, eine Ausbildung zu bestehen. Ob sie in der Lage sein werde, eine Volllehre zu durchlaufen oder ob eine Anlehre infrage komme, müsste von der IV-Berufsbe
ratung abgeklärt werden. Sie attestierten ihr gegenwärtig eine 70%ige Lern- respektive Arbeitsunfähigkeit. Diese bestehe wahrscheinlich schon seit langer Zeit, etwa seit 2006, spätestens seit Beginn 2010 (S. 9).
3.2
Im Gutachten vom 7. Oktober 2011 (Urk. 7/93) stellte med.
pract
. B._ fol
gende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 14):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, zwang
haften und abhängigen Zügen (ICD-10: F61.0)
-
Differenzialdiagnose: Soziale Phobie (ICD-10: F40.1)
-
anamnestisch Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ohne Hyperaktivität (ICD-10: F98.8)
Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine Stö
rung durch multiplen Substanzgebrauch, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F19.20).
Der Gutachter hielt fest, die Versicherte
berichte
über eine schwierige Kindheit mit einem stets fordernden und
kritisierenden Vater und einer unsicheren Mut
ter, die ihrem Partner nichts habe entgegensetzen können, um die Kinder zu schützen. Andererseits werde auch eine emotionale Vernachlässigung beschrie
ben, sodass die Versicherte als Kind oft sich alleine überlassen gewesen sei. Anamnestisch liessen sich zudem Hinweise erheben, dass die Versicherte bereits als Kind Schwierigkeiten bekundet habe, über längere Zeit aufmerksam zu blei
ben. Während der Pubertät habe die Versicherte einerseits versucht, sich gegen
über dem Vater zu wehren, was wiederholt zu Eskalationen geführt habe. An
dererseits habe sie zunehmend ein depressives Zustandsbild entwickelt und be
gonnen, Cannabis und später Kokain zu konsumieren. Zwei Versuche, eine Ausbildung zu absolvieren, seien gescheitert. Nach einem Suizidversuch habe die Versicherte eine ambulante psychiatrische Behandlung begonnen und schliesslich eine mehrmonatige stationäre Psychotherapie in der „D._“ angeschlossen. Später habe sie längere Zeit in einer betreuten WG gelebt, ohne ihre Sucht kontrollieren zu können. Erneut sei es zu einer depressi
ven Entwicklung gekommen, die Mitte des letzten Jahrzehnts schliesslich zum zweiten Suizidversuch geführt habe. Erst als sie ihren heutigen Partner kennen
gelernt, sich mit ihm zusammen für einen Entzug entschlossen habe und schliesslich im Jahr 2006 geplant schwanger geworden sei, habe sie es ge
schafft, eine dauerhafte Abstinenz einzuhalten. Vorübergehend seien in der Folge starke soziophobische Ängste in den Vordergrund getreten, die sie in ih
rem Alltag massiv eingeschränkt hätten. In einem rund zehnmonatigen Aufent
halt im Mutter-Kind-Haus „E._“ und einer parallel dazu begonnenen am
bulanten psychiatrischen Behandlung bei ihrer heutigen Therapeutin, Frau Dr. C._, habe sie sukzessive gelernt, ihre Hemmungen zu überwinden. Ge
blieben seien bis heute eine erhöhte Unsicherheit und Verletzlichkeit sowie eine verminderte Belastbarkeit beziehungsweise eine erhöhte Erschöpfbarkeit im Zusammenhang mit ihrer
Grunderkrankung. Aktuell plane die Versicherte eine Ausbildung nachzuholen (S. 14 f.).
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit hielt der Gutachter fest, in einer abwechslungsrei
chen Tätigkeit, die es der Beschwerdeführerin ermöglichen würde, ihre Konzentrationsfähigkeit aufrecht zu erhalten, ohne allzu hohen zeitlichen und/oder emotionalen Druck (wohlwollende Umgebung), sollte es ihr
seit
spätestens dem Untersuchungsdatum möglich sein, ein circa 80%iges Pen
sum zu erfüllen. Die geringfügig vorhandene Leistungseinbusse könne auf eine noch leicht erhöhte Erschöpfbarkeit und verminderte Belastbarkeit zurückge
führt werden (S. 16).
3.3
Im Bericht vom 15. Mai 2014 (Urk. 7/161) stellte die behandelnde Psychiaterin, Dr. C._ folgende Diagnosen:
-
Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne Hyperaktivität (ICD-10: F 90.0), je
doch kognitiven Einschränkungen; Beginn in Kindheit
-
Komplexe Angststörung mit agoraphobischen (ICD-10: F 40.0), sozialpho
bischen (ICD-10: F 40.1) und generalisierenden Elementen (ICD-10: F 41.1); Beginn in Adoleszenz
-
Akzentuierte Persönlichkeit mit abhängigen und ängstlich-vermeidenden Zügen; Beginn in Adoleszenz
-
Status nach multiplem Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotro
per Substanzen (Kokain, Alkohol, Cannabis, Medikamente); Beginn circa 2001
Sie schätzte die Arbeitsunfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als kauf
männisch Angestellte auf 50 %. Der bisherige Verlauf habe gezeigt, dass die Patientin in geschütztem Rahmen circa 70 % arbeitsfähig sei. Eine Eingliede
rung in den ersten Arbeitsmarkt mit etwas geringerer %-Belastung zur Einglie
derung sei jedoch eindeutig zu favorisieren.
3.4
Im Bericht vom 18. August 2014 (Urk. 7/171) hielt Dr. C._ fest, die Beschwer
deführerin lebe mit ihrer 7-jährigen Tochter und ihrem mittleren Bru
der in einer Mietwohnung. Der Kindsvater betreue die Tochter
engagiert mit. Sie arbeite im Stundenlohn beim F._. Da es sich um keine Festanstellung handle, seien Pensum und auch die Arbeitszeiten je nach Woche variabel, im Durchschnitt seien es circa 30 %, meistens verteilt auf zwei Morgen und einen Nachmittag/Abend. Wenn die Beschwerdeführerin am Morgen nach Zürich fahre, dann komme sie am frühen Nachmittag nach Hause und ruhe sich auf
grund grosser Erschöpfung sowie Energielosigkeit circa zwei Stunden aus. Da
nach gehe sie oft mit Kind und Hund spazieren, schaue Inserate an, schreibe Bewerbungen und unterstütze den Partner etwas im Haushalt. Wenn sie zu Hause sei, gehe sie mit dem Hund spazieren und widme sich bereits am Morgen den Stelleninseraten und schlafe dann am Nachmittag auch zwei Stunden.
Seit zwei Monaten sei sie zunehmend
träger
geworden, helfe kaum noch mit im Haushalt. Die zahlreichen Absagen seien sehr demotivierend, sie fühle sich energie- und antriebslos und habe in den letzten zwei Wochen keine Bewer
bung mehr geschrieben, weil jede Tätigkeit so viel Kraft brauche und alles schwer geworden sei (Beurteilung: depressives Zustandsbild).
3.5
Im Bericht vom 22. Mai 2015 (Urk. 7/217) stellte Dr. C._ die gleichen Diagno
sen wie im Bericht vom 15. Mai 2014 (E. 3.3), ergänzt durch die Diag
nose einer rezidivierenden depressiven Episode, aktuell mittelgradig (ICD-10: F 33.1). Der Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Sie schätzte die Ar
beitsunfähigkeit gleich ein wie im Bericht vom 15. Mai 2014.
3.6
Dr. C._ präzisierte im Schreiben vom 29. Juni 2015 (Urk. 7/219), der ver
schlechterte Gesundheitszustand habe sich auf die Kadenz/Häufigkeit der de
pressiven Episoden bezogen, die seit einem Jahr sowohl in der Häufigkeit als auch in der Intensität zugenommen hätten (daher sei die Diagnose dieselbe). Im letzten August wie auch in diesem Februar habe sich eine depressive Episode mit niedergeschlagener Stimmung, Energie- und Antriebslosigkeit über mehrere Wochen lang hingezogen.
3.7
Im Bericht vom 1. Februar 2016 (Urk. 7/230) hielt Dr. C._ folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (ICD-10: F 90.0), jedoch kog
nitiven Einschränkungen; Beginn in Kindheit
-
Rezidivierende depressive Episode, aktuell leichtgradig (ICD-10: F 33.0)
-
Komplexe Angststörung mit agoraphobischen (ICD-10: F 40.0), sozialpho
bischen (ICD-10: F 40.1) und generalisierenden Elementen (ICD-10: F 41.1); Beginn in Adoleszenz
-
Status nach multiplem Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotro
per Substanzen (Kokain, Alkohol, Cannabis, Medikamente); Beginn circa 2001
Sie schätzte die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit circa 70-80 % in einer Institution mit geschütztem Rahmen (Möglichkeit vermehrter Pausen, we
nig Zeitdruck, verständnisvolles Umfeld). Diese Einschätzung werde objektiviert durch die Institution G._, welche die Arbeitsfähigkeit in einem Arbeitstraining über längere Zeit eingehend geprüft habe.
4.
4.1
Das psychiatrische Gutachten von Dr. Z._ und
lic
. phil. A._ vom 15. April 2010 (E. 3.1) beruht auf den erforderlichen Untersuchungen,
ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinander
setzung mit den fallrelevanten
Vorakten
(S. 2 ff.)
erstellt
.
D
ie
Experte
n legten
die medizinischen Zusammenhän
ge einleuchtend dar, beur
teilten
die medizinische Situation überzeugend
(S. 9
)
und setzten
sich mit den geklagten Beschwerden (
S. 6 f.
) und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander (
S. 7
). Für die streitigen Belange ist das Gutachten umfassend und beantwortet die Frage nach der Arbeitsfähigkeit
(S. 8)
.
Die Gutachter legten unter Verweis auf die (unter anderem aktenanamnestisch erhobene) Krankheitsentwicklung in nachvollziehbarer Weise dar, dass die Be
schwerdeführerin seit Jahren in ihrer Arbeitsfähigkeit (im Umfang von 70 %) eingeschränkt ist, dies aufgrund einer leichten kognitiven Störung sowie der krankheitsbedingten Entwicklungsverzögerung nach jahrlangem Drogenkon
sum, einer Angststörung, welche die Experten als Persönlichkeitsstörung fassten sowie der Aufmerksamkeitsdefizitstörung. Schlüssig erscheint weiter die Ein
schätzung, dass vor Aufnahme beruflicher Massnahmen therapeutische Erfolge erzielt werden müssen (Urk. 7/56 S. 8).
4.2
Auch das psychiatrische Gutachten von med.
pract
. B._ vom 7. Oktober 2011 (E. 3.2) beruht auf den erforderlichen Untersuchungen,
ist für die streitigen Be
lange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
(S. 4 ff.)
erstellt
.
D
er
Experte
legte
die medizini
schen Zusammenhän
ge einleuchtend dar, beurteilte
die medizinische Situation überzeugend
(S. 14 f.
)
und setzte
sich mit den geklagten Beschwerden (
S. 12
) und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander (
S. 13
). Für die streiti
gen Belange ist das Gutachten umfassend und beantwortet die Frage nach der Arbeitsfähigkeit
(S. 16)
.
Der Gutachter zeigte auf, dass bei der Beschwerdeführerin am ehesten eine kombi
nierte Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften, ängstlich-vermeidenden und abhängigen Zügen vorliegt. Sie stellt hohe Erwartungen an sich und ge
steht sich keine Defizite zu. Damit setzt sie sich selber massiv unter Druck, sie fühlt sich permanent angespannt, hat Angst zu versagen und fühlt sich rasch überfordert und verletzlich.
Verbessert hat sich gemäss dem Experten, dass die Beschwerdeführerin ein anam
nestisch starkes Vermeidungsverhalten und den sozialen Rückzug im Zu
sammenhang mit ihren Ängsten im Verlauf zu einem grossen Teil überwunden zu haben scheint.
Angesichts dieser Umstände leuchtet es ein, wenn der Gutachter das Wiedererlan
gen einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (wohl
wollende Umgebung, kein hoher zeitlicher/emotionaler Druck) attestierte und dabei auf etwelche Ressourcen der Beschwerdeführerin verwies (Motivation); dies bei nurmehr diskreten Einschränkungen (erhöhte Unsicherheit und Verletz
lichkeit, verminderte Belastbarkeit, erhöhte Erschöpfbarkeit, Urk. 7/93 S. 14 f.).
4.3
Dass die Beschwerdeführerin ein hohes Arbeitspensum bewältigen kann, zeigte sich auch im Rahmen der Ausbildung zum Handelsdiplom, wobei sie von März 2012 bis Februar 2014 ein kaufmännisches Praktikum in einem 50-70 % Pen
sum absolvierte (Urk. 7/189/5).
Die behandelnde Psychiaterin schätzte die Arbeitsfähigkeit auf 70-80 % in ei
nem „geschützten Rahmen“
(Möglichkeit vermehrter Pausen, wenig Zeitdruck, verständnisvolles Umfeld
, Urk. 7/230
)
. Die von der Psychiaterin formulierte Umschreibung trifft indes nicht bloss auf Tätigkeiten im geschützten Rahmen (in einer entsprechenden Institution) zu, sondern eine entsprechende Stelle ist durchaus auch auf dem freien Arbeitsmarkt zu finden. Allenfalls kann die Be
schwerdeführerin aufgrund der gesteigerten Anforderungen an einen Arbeits
platz in qualitativer Hinsicht mit einem etwas geringeren Lohn rechnen. Dass sie aber auf dem ersten Arbeitsmarkt kein Chance hat, eine passende Stelle zu finden, trifft nicht zu (vgl. hierzu auch
Urteil des Bundesgerichts 8C_831/2013 vom 2
4.
Januar 2014 E. 4.4
).
Dass die Eingliederungsfachleute von einer Einschränkung von 50 % ausgingen (Urk. 1 Ziff. 58 und Urk. 7/159/2) ändert hieran nichts, ist doch die Arbeitsfä
higkeit aus medizinischer Sicht festzulegen - mithin von Ärzten - und erschei
nen deren Darlegungen als kohärent.
4.4
Zusammenfassend bestand mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zunächst seit Jahren eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/56). Spätestens seit dem Untersuchungsda
tum vom 15. September 2011 (Urk. 7/93) kann von einer Arbeitsfähigkeit von 70-80 % in einer angepassten Tätigkeit (abwechslungsreiche Tätigkeit,
Möglich
keit vermehrter Pausen, wenig Zeitdruck, verständnisvolles Umfeld
) ausgegan
gen werden.
Für eine Prüfung der „Überwindbarkeit“, wie es die Beschwerdegegnerin getan hat (Urk. 2), besteht kein Raum. Die Gesundheitsstörungen der Beschwerdefüh
rerin, welche im Rahmen der Diagnosen einer Persönlichkeitsstörung, einer so
zialen Phobie sowie einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung gefasst wurden, fallen nicht unter die psychosomatischen Erkrankungen, welche eine gesonderte Prü
fung der sozialversicherungsrechtlichen Relevanz erfordern. Damit ist von der ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
5.
5.1
Zu prüfen bleiben die Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen in erwerblicher Hinsicht sowie im Haushalt. Vorweg zu klären ist die Frage, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin bei intakter Gesundheit erwerbstätig respektive im Haushalt tätig wäre.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Me
thode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich, gemischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Üb
rigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchti
gung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne Gesundheitsschaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
). Die gemischte Methode bezweckt damit eine möglichst wirklichkeitsgerechte Bemessung des Invaliditätsgrades (BGE 133 V 504 E. 3.3 mit Hinweisen).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme ei
ner im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozialversi
cherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfor
derlich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hin
weisen).
Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl.
Art.
27
der Verord
nung über die Invalidenversicherung,
IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu be
rücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_915/2012 vom 1
5.
Mai 2013 mit Hinweisen auf BGE 133 V 504 E. 3.3).
Die gemischte Methode findet auch Anwendung, wenn der (in einem Aufgaben
bereich tätigen) versicherten Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung eine vollzeitliche Erwerbstätigkeit zumutbar wäre, sie aber trotzdem eine solche nicht ausüben würde (vgl. BGE 133 V 504 E. 3.3 in
fine
). Ist jedoch anzuneh
men, die versicherte Person wäre ohne gesundheitliche Beeinträchtigung teiler
werbstätig oder sie arbeitete unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mit, ohne daneben in einem andern Aufgabenbereich nach
Art.
5
Abs.
1 IVG
tätig zu sein, ist die Invalidität ausschliesslich nach den Grundsät
zen für Erwerbstätige, somit nach
Art.
16 ATSG zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 e
contrario
IVG
). Die gemischte Methode gelangt hier ebenso wenig zur Anwen
dung wie bei ohne Gesundheitsschaden voll Erwerbstätigen (
Art.
27
bis
IVV). Das
Valideneinkommen
ist nach Massgabe der ohne Gesundheitsschaden ausgeüb
ten Teilerwerbstätigkeit festzulegen. Entscheidend ist, was die versicherte Person als Gesunde tatsächlich an Einkommen erzielen würde, und nicht, was sie bes
tenfalls verdienen könnte. Wäre sie gesundheitlich in der Lage, voll erwerbstätig zu sein, reduziert sie aber das Arbeitspensum aus freien Stücken, insbesondere um mehr Freizeit zu haben, oder ist die Ausübung einer Ganztagestätigkeit aus Gründen des Arbeitsmarktes nicht möglich, hat dafür nicht die Invalidenversi
cherung einzustehen (
BGE 125 V 157
E. 5c/
bb
mit Hinweisen; ZAK 1992 S. 92 E. 4a). Das Invalideneinkommen bestimmt sich entsprechend den gesetzlichen Vorgaben danach, was die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zu
mutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte. Dabei kann das – vom Arzt festzulegende – Arbeitspensum unter Umständen grösser sein als das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung geleistete (vgl. BGE 131 V 51 E. 5.1.2).
Bei der Bestimmung der im konkreten Fall anwendbaren
Invalidi
-
tätsbemessungs
methode
und damit der Beantwortung der entscheiden
den Statusfrage handelt es sich um eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische Willensentscheidungen der versicherten Person berücksichtigen muss. Dies gilt auch für die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre. Diese inneren Tatsa
chen sind indessen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden. Die Beurteilung hypo
thetischer Geschehensabläufe ist eine Tatfrage, soweit sie auf Beweiswürdigung beruht, selbst wenn darin auch Schlussfolgerungen aus der allgemeinen Le
benserfahrung mitberücksichtigt werden. Rechtsfragen sind hingegen Folgerun
gen, die ausschliesslich – losgelöst vom konkreten Sachverhalt – auf die allge
meine Lebenserfahrung gestützt werden oder die Frage, ob aus festgestellten In
dizien mit Recht auf bestimmte Rechtsfolgen geschlossen worden ist (vgl. Ur
teile des Bundesgerichts 9C_287/2013 vom
8.
November 2013 E.
3.5
und 8C_511/2013 vom 3
0.
Dezember 2013, je
mit Hinweisen).
5.3
Die Beschwerdeführerin brach im Alter von 16 und 18 zwei Lehren als Kosmetike
rin und Pharmaassistentin nach vier respektive sechs Monaten ab. Anschliessend absolvierte sie ein siebenmonatiges Praktikum beim Verein Job (Urk. 7/3/4). Im November und Dezember 2006 war sie sodann während des Weihnachtsverkaufs im H._ angestellt (Urk. 7/28/5 und Urk. 7/57). Ansonsten ging
sie keiner Erwerbstätigkeit nach (vgl. auch Lebenslauf, Urk. 7/99/2).
Diese Erwerbsbiographie erhellt, dass die Beschwerdeführerin nur während einer kürzeren Phase vollzeitlich erwerbstätig war. Inwieweit dies mit ihrer Erkran
kung sowie dem Drogenkonsum zusammenhing, kann nicht ohne weiteres ge
sagt werden. Fest steht, dass sie ein achtmonatiges Therapieprogramm durch
laufen hat, dann längere Zeit keiner Tätigkeit nachging und seit der Niederkunft ihrer Tochter im Jahr 2007 drogenabstinent ist und im Jahr 2008 in ein Mutter-Kind-Haus eingetreten ist. Die Beschwerdeführerin arbeitete schliesslich an zwei Nachmittagen pro Woche in der I._ (Urk. 7/56/6-7) und steigerte dieses Pensum bis auf 50 % im Jahr 2011 (Urk. 7/99/1). Während der beruflichen Massnahme absolvierte die Beschwerdeführerin ab März 2012 ein 70 %-Pensum (Urk. 7/109/3, Urk. 7/125/1, Urk. 7/132/1, Urk. 7/150/2).
Im Rahmen der Haushaltsabklärung vom 20. Oktober 2010 (Urk. 7/66/3) gab die Beschwerdeführerin an, bei intakter Gesundheit ab Vollendung des 3. Altersjahrs der Tochter einer 50%igen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dies namentlich aufgrund der finanziellen Notwendigkeit bei arbeitslosem und psy
chisch erkranktem Kindsvater. Am 3. Dezember 2014 (Urk. 7/187) gab sie zu Protokoll, sie würde gerne 100 % arbeiten, die Tochter sei bereits siebenjährig und besuche den Kindergarten. Im Sommer 2015 werde sie eingeschult. Der Kindsvater und der Bruder könnten die Kinderbetreuung sicherstellen (S. 4).
5.4
Angesichts dieser Umstände ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin nach der Niederkunft einer 50%igen Erwerbstätigkeit nachgegangen und im Umfang von 50 % im Haushalt tätig gewesen wäre. Ihre beschwerdeweise gemachten abwei
chenden Ausführungen (Urk. 1 Ziff. 57) beziehen sich offensichtlich erst auf ei
nen späteren Zeitpunkt, fehlt doch jegliche Auseinandersetzung mit dieser un
missverständlichen und einleuchtenden Angabe (zum Abstellen auf die Aussage der ersten Stunde
betreffend
Qualifikations-Angaben
gegenüber Abklärungs
personen vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2011 vom 1
5.
Mai 2012 E. 4.2
).
Im Rahmen der ab März 2012 begonnenen beruflichen Massnahme hat die Be
schwerdeführerin dann unter Beweis gestellt, dass sie - bei älter gewordener Tochter - auch ein höheres Pensum ausser Haus zu bewältigen bereit ist. Ange
sichts der finanziell angespannten Situation kann der Beschwerdeführerin ge
folgt werden, wenn sie ein höheres hypothetisches Arbeitspensum geltend macht. Der Verweis der Beschwerdegegnerin auf die Praxis im Sozialhilferecht, wonach alleinerziehende Mütter bis zum Absolvieren der 3. Klasse der Kinder nicht zu einem höheren Arbeitspensum als 50 % gedrängt würden (Urk. 7/187/4), ändert hieran nichts, können doch solche allgemeinen Werte nur als Indiz herangezogen werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_35/2011 vom 24. Mai 2011, E. 3.4). Angesichts der geäusserten und gezeigten Leistungsbe
reitschaft ist von einem höheren Pensum auszugehen. Dass dieses indes 100 % umfassen soll, ist nicht überwiegend wahrscheinlich. Bei psychisch krankem Bruder sowie Kindsvater konnte die Beschwerdeführerin nicht davon ausgehen, jederzeit eine verlässliche Kinderbetreuung zu haben. Ein Pensum von 80 % erscheint bei der allein für die Erziehung verantwortlichen Beschwerdeführerin in ihrer Situation als Maximum einer denkbaren Lösung. Mit der Geburt des Sohnes Elia im September 2015 (Urk. 7/226/1) ergab sich sodann jedenfalls kein Grund für eine Erhöhung des Pensums.
6.
6.1
6.1.1
D
ie Beschwerdeführerin
ging
vor der Anmeldung bei der Invalidenversicherung keiner
regelmässigen
Erwerbstätigkeit nach
und verfügte über keine abge
schlossene Berufsausbildung, weshalb
für die Bestimmung
des
Valideneinkom
mens
auf die Tabellenlöhne
des
Bundesamtes für Statistik
abzustellen
ist
.
Un
klar ist aufgrund der medizinischen Aktenlage, ob bereits der Lehrabbruch krankheitsbedingt erfolgt ist. Die Gutachter Dr. Z._ und Fachpsychologe A._ konnten sich bezüglich des Beginns der Arbeitsunfähigkeit nicht festle
gen und gaben an „seit langer Zeit, etwa seit 2006, spätestens seit Beginn 2010“ (Urk. 7/56/9). Damit wäre davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei intakter Gesundheit als Hilfsarbeitern erwerbstätig wäre. Wollte man – zu Gunsten der Beschwerdeführerin - gleichwohl von einem möglichen Lohn für Frauen mit Berufs- und Fachkenntnissen im Bereich Gesundheits- und Sozial
wesen (aufgrund der abgebrochenen Lehre als Pharmaassistentin) ausgehen, ergäbe sich für den Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns (Dezember 2009, sechs Monate nach der Anmeldung im Juni 2009, Art. 29 IVG) ein
Vali
denlohn
(für das hypothetisch ausgeübte Pensum von 50 % von Fr. 35‘212
.
-- (Fr. 5‘539.-- [gemäss Lohnstrukturerhebung, LSE, 2008 Anforderungsniveau 3 Ziff. 85] : 40 x 41.5 [durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit 2009, Bundes
amt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Ziff. 86-88, Tabelle T03.02.03.01.04.01] x 12 [Monate] : 2499 x 2552 [Nomi
nallohnentwicklung, BFS, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumenten
preise und der Reallöhne 1976-2016, Tabelle T39] x 0.5 [Pensum]).
6.1.2
Zum fraglichen Zeitpunkt war die Beschwerdeführerin im Ausmass von 30 % arbeitsfähig. Ihr standen einfache und repetitive Tätigkeiten offen, womit sie Einkommen von 15‘737.-- (Fr. 4‘116.-- [LSE 2008 TA1, durchschnittlicher Lohn für Frauen] : 40 x 41.6 x 12 : 2499 x 2552 x 0.3) hätte erzielen können. Wollte man noch einen Abzug vom Tabellenlohn von 10 % (aufgrund der qualitativen Einschränkungen) gewähren, ergibt sich ein Invalideneinkommen von Fr. 14‘163.--.
6.1.3
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von Fr. 35‘212.-- mit dem Invalidenein
kommen von
Fr. 14‘163.-- ergibt eine Erwerbseinbusse von Fr. 21‘049.-- und damit einen Invaliditätsgrad von 60 %. Gewichtet mit dem Erwerbsanteil von 50 % ergibt sich ein Teilinvaliditätsgrad von 30 %.
Die Höhe der Einschränkung im Haushalt von 2.6 % (20 % im mit 13 % gewich
teten Bereich Betreuung von Kindern oder anderen Familienangehörigen, Urk. 7/66/7-8) blieb unbestritten und erscheint angesichts der detaillierten Schilderungen der Abklärungsperson als schlüssig. Damit resultiert im mit 50 % gewichteten Aufgabenbereich ein Teilinvaliditätsgrad von 1.3 % und gesamthaft ein solcher von 31.3 %.
Damit besteht kein Anrecht auf eine Rente der Invalidenversicherung.
6.2
6.2.1
Für die Periode ab Rückerlangung einer 70-80%igen Arbeitsfähigkeit (2011) samt Qualifikationsänderung (80 % Erwerb / 20 % Haushalt) ergibt sich ein
Va
lideneinkommen
von Fr. 58‘157
.
--
(Fr. 5‘782.-- [LSE 2010 TA1 Lohn Frauen Anforderungsniveau 3 Ziff. 86] : 40 x 41.5 x 12 : 2579 x 2604 [Nominallohn
entwicklung bis 2011] x 0.8 [hypothetisches Pensum]).
6.2.2
Das Invalideneinkommen beläuft sich ausgehend vom Lohn für Frauen für einfa
che und repetitive Tätigkeiten von Fr. 4‘206.-- bei einem gemittelten Pen
sum von 75 % auf Fr.
39
‘
845.
--
(: 40 x 41.7 x 12 : 2579 x 2604 x 0.75). Bei ei
nem Abzug vom Tabellenlohn von 10 % - sofern überhaupt gerechtfertigt - re
sultiert ein
Valideneinkommen
von Fr. 35‘861.--. Nach Erlangung des Handels
diploms im März 2014 (Urk. 7/169/7) ergab sich insofern eine Änderung, als die Beschwerdeführerin nicht mehr auf einfache und repetitive Tätigkeiten be
schränkt war, was zur Steigerung des Invalideneinkommens führte. Angesichts des Ergebnisses sind Weiterungen indes entbehrlich.
6.2.3
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von Fr. 58‘157
.
--
mit dem Invalidenein
kommen von
Fr. 35‘861.-- ergibt eine Erwerbseinbusse von Fr. 22‘296.-- und damit einen Invaliditätsgrad von 38 %. Gewichtet mit dem Erwerbsanteil von 80 % ergibt sich ein Teilinvaliditätsgrad von 30 %.
Die unveränderte Höhe der Einschränkung im Haushalt von 2.6 % (20 % im mit 13 % gewichteten Bereich Betreuung von Kindern oder anderen Familienange
hörigen, Urk. 7/187/7-8) blieb wiederum unbestritten und erscheint angesichts der detaillierten Schilderungen der Abklärungsperson als schlüssig. Damit re
sultiert im mit 20 % gewichteten Aufgabenbereich ein Teilinvaliditätsgrad von 0.5 % und gesamthaft ein solcher von 30.5 %.
Damit besteht auch nach den Veränderungen betreffend Arbeitsfähigkeit und Qualifikation kein Anrecht auf eine Rente der Invalidenversicherung, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Da
die
Voraussetzungen
erfüllt
sind
(§ 16 des Gesetzes über
da
s Sozialversiche
rungsgericht,
GSVGer
), ist der Beschwerdeführerin
antragsgemäss
(Urk. 1 S. 2)
die
unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen.
Die
Verfahrenskosten
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
sind
auf Fr. 800.-- festzusetzen.
Die
se
sind
ausgangsge
mäss
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge der bewilligten unentgeltli
chen Prozessführung jedoch einstweilen auf
die
Gerichtskasse zu nehmen. Die Beschwerdeführerin ist auf
die
Nachzahlungspflicht
gemäss
§ 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen.
Da
s Gericht
beschliesst
:
In Bewilligung des Gesuchs vom 2
9.
September 2016 wir
d
der Beschwerdeführerin
die
unentgeltliche Prozessführung bewilligt,
und erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr. 800.--
werden der Beschwerdeführerin auferlegt,
zu
folge Gewährung der
unentgeltliche
n Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Die Beschwerdeführerin wird auf die Nachzahlungspflicht
gemäss
§ 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Departement Soziales der Stadt Winterthur
, Y._
, Soziale Dienste, Sozial
versicherungsfachstelle
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
4.