Decision ID: 430a7840-2b6f-4ba8-b8da-e8ff91d6e130
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
F._, Y._, ist Eigentümer von Grundstück Nr. 001, Grundbuch
X._, an der L._strasse (Gemeindestrasse 2. Klasse) in Z._ (Po-
litische Gemeinde X._). Das Grundstück liegt gemäss geltendem
Zonenplan der Gemeinde X._ vom 9. März 1994 mehrheitlich in der
zweigeschossigen Wohn-Gewerbezone (WG2) und im Westen zu ei-
nem kleineren Teil in der Landwirtschaftszone. Es ist mit einem Wohn-
haus (Vers.-Nr. 002) überbaut. Die nördlich und östlich gelegenen
Grundstücke liegen in der Intensiverholungszone (IE).
[...]
Übersicht
(Quell: Geoportal SG)
B.
a) Mit Baugesuch vom 1. März 2019 beantragten F._, Y._, bei
der Gemeinde X._ die Baubewilligung für den Abbruch des beste-
henden Gebäudes auf Grundstück Nr. 001 und den Neubau eines
Wohnhauses mit drei Wohnungen inklusive Garagenanbau.
b) Innert der Auflagefrist vom 28. März bis 10. April 2019 erhoben
die G._ AG, U._, als damalige Eigentümerin der Grundstücke
Nrn. 003, 004 und 005 sowie C._, Z._, als Eigentümer von Grund-
stück Nr. 007 gemeinsam öffentlich-rechtliche und privatrechtliche
Einsprache gegen das Bauvorhaben.
c) Am 4. September 2019 erteilte der Gemeinderat X._ die Bau-
bewilligung unter Bedingungen und Auflagen und wies die Einspra-
chen (einschliesslich der Einsprachen nach Art. 684 des eidgenössi-
schen Zivilgesetzbuches [SR 210, abgekürzt ZGB]) der G._ AG und
von C._ ab, soweit er darauf eintrat. Die übrigen privatrechtlichen
Einwände verwies er auf den Zivilrechtsweg.
C.
Gegen diesen Beschluss erhoben die G._ AG, A._ und B._,
V._, (als Rechtsnachfolger der G._ AG betreffend Grundstück
Nr. 003; vgl. dazu unten, Erw. 1.3) sowie C._, alle vertreten durch
lic.iur.HSG Pascal Baumgardt, Rechtsanwalt, St.Gallen, mit Schreiben
vom 19. September 2019 Rekurs beim Baudepartement. Mit Re-
kursergänzung vom 5. November 2019 werden folgende Anträge ge-
stellt:
1. Die angefochtenen Baubewilligungs- und Einsprache-
entscheide der Politischen Gemeinde X._ vom 4. September 2019 seien aufzuheben;
2. Die Baubewilligung für das Bauvorhaben Abbruch Wohnhaus Nr. 002 und Neubau Mehrfamilienhaus
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 3/19
Nr. 008 auf Parzelle Nr. 001, GB X._, sei zu ;
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Bauherrschaft/Rekursgegner.
Zur Begründung wird geltend gemacht, das Baugrundstück Nr. 001 sei
strassenmässig nicht hinreichend erschlossen, der Niveaupunkt sei
nicht korrekt ermittelt worden, eine Doppelgarage verletze den Grenz-
abstand und das Bauvorhaben sei überdimensioniert und verfüge über
zu viele Vollgeschosse. Ausserdem widersprächen die Umgebungs-
gestaltung, die geplanten Terrainveränderungen und die Ausfahrten
und Vorplätze den rechtlichen Vorgaben. Schliesslich führe das Bau-
vorhaben zu einer Verunstaltung sowie zu übermässigen Einwirkun-
gen im Sinn von Art. 684 ZGB.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 29. November 2019 beantragen die
Rekursgegner, vertreten durch lic.iur. Werner Rechsteiner, Rechtsan-
walt, St.Gallen, den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten sei. Zur Begründung wird geltend gemacht, die Legi-
timation der Rekurrenten 1 werde nicht belegt und deshalb bestritten.
Im Übrigen gehen die Rekursgegner von einer hinreichenden stras-
senmässigen Erschliessung, einer korrekten Ermittlung des Niveau-
punkts sowie der Einhaltung der Vorschriften über die Gebäude- und
Firsthöhe aus. Bei der Doppelgarage handle es sich sodann um einen
Anbau, weshalb der massgebliche Grenzabstand 3 m betrage und ein-
gehalten sei. Auch die Vorgaben zur Geschossigkeit seien nicht ver-
letzt und das Bauvorhaben sei nicht überdimensioniert. Insbesondere
die geplanten Dachaufbauten seien zulässig, und das Treppenhaus
dürfe mit dem technisch notwendigen Mass über die Dachfläche ra-
gen. Weiter seien die vorgesehene Umgebungsgestaltung und die
Terrainveränderungen zulässig, ebenso die Ausfahrten aus den Gara-
gen. Eine Verletzung des Verunstaltungsverbots liege genauso wenig
vor wie übermässige Immissionen im Sinn von Art. 684 ZGB.
b) Mit Vernehmlassung vom 6. Dezember 2019 beantragt die
Vorinstanz, den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei.
c) Mit Amtsbericht vom 7. Januar 2020 führt das kantonale Tief-
bauamt (TBA) aus, die L._strasse erfülle die Anforderungen an das
geometrische Normalprofil nicht vollständig. Hinsichtlich der geplanten
Grundstückszufahrt und der Vorplätze legt das TBA dar, es würden die
Anforderungen gemäss Norm bezüglich dem Längsgefälle eingehal-
ten. Das Baureglement der Politischen Gemeinde X._ schreibe je-
doch vor, dass die ersten 3 m der Grundstückszufahrt horizontal aus-
gestaltet sein müssten. Diese Anforderung werde nicht eingehalten.
Hingegen werde die Mindestlänge von 5,50 m für Vorplätze eingehal-
ten.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 4/19
d) Mit Schreiben vom 27. Januar 2020 machen die Rekursgegner
geltend, die G._ AG habe die Grundstücke Nrn. 004 und 005 ver-
äussert, weshalb es ihr seit dieser Veräusserung an der Rekurslegiti-
mation fehle.
e) Mit Amtsbericht vom 12. Februar 2020 legt das Amt für Raum-
entwicklung und Geoinformation (AREG) dar, dass und weshalb der in
den Plänen eingezeichnete gewachsene Terrainverlauf und auch die
Höhenkote des Niveaupunkts im Vergleich zu den Höhenkurven – ge-
messen aus dem Geoportal – plausibel erschienen.
f) Mit Eingabe vom 3. März 2020 bestätigt Rechtsanwalt Pascal
Baumgardt die Veräusserung der Grundstücke Nrn. 004 und 005
durch die G._ AG an die Rekurrentin 3 (Grundstück Nr. 004) und
den Rekurrenten 4 (Grundstück Nr. 005). Namens der Rekurrentin 3
und des Rekurrenten 4 erklärt er deren Prozessbeitritt.
E.
a) Das Baudepartement führte am 29. Juni 2020 in Anwesenheit
der Verfahrensbeteiligten sowie zwei Vertretern des TBA einen Au-
genschein durch.
b) Mit Eingabe vom 14. Juli 2020 lassen sich die Rekursgegner
zum Augenscheinprotokoll sowie zu den bisherigen Vernehmlassun-
gen und Amtsberichten vernehmen. An den Anträgen gemäss Rekurs-
vernehmlassung halten die Rekursgegner unverändert fest.
c) Mit Schreiben vom 5. August 2020 reichen auch die Rekurren-
ten eine Stellungnahme zum Augenscheinprotokoll und zu den Ver-
nehmlassungen der übrigen Verfahrensbeteiligten und den Amtsbe-
richten ein. Sie halten ebenfalls an ihren bisherigen Anträgen fest.
d) Am 17. August 2020 reichen die Rekursgegner eine weitere
Stellungnahme ein. Sie halten wiederum an ihren Anträgen gemäss
Rekursvernehmlassung vom 29. November 2019 fest und äussern
sich zur Eingabe der Rekurrenten vom 5. August 2020. Ausserdem
reicht der rekursgegnerische Vertreter eine Honorarnote, datierend
vom 17. August 2020, ein.
F.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 5/19
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt.
1.3 Zu prüfen ist sodann die Rekursberechtigung der Rekurrenten.
1.3.1 Zur Erhebung des Rekurses ist berechtigt, wer an der Änderung
oder Aufhebung der Verfügung oder des Entscheids ein eigenes
schutzwürdiges Interesse dartut (Art. 45 VRP). Die Eigentümer umlie-
gender Grundstücke sind bei Bauvorhaben wie dem geplanten Mehr-
familienhaus in aller Regel zur Erhebung von Rechtsmitteln berechtigt.
Weiter ist ein Parteiwechsel wegen Veräusserung des Baugrund-
stücks grundsätzlich ohne Zustimmung der Gegenpartei zulässig
(vgl. U.P. CAVELTI/T. VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St.Gallen – dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht,
St.Gallen 2003, N 347 ff., insb. N 349; ferner U.P. CAVELTI,
in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Praxiskommentar zum Gesetz über
die Verwaltungsrechtspflege, Zürich/St.Gallen 2020, Art. 8 N 10), was
auch gelten muss, wenn dasjenige Grundstück veräussert wird, wel-
ches das Recht verschafft, Rechtsmittel auszuschöpfen, bzw. welches
die Legitimation, solche zu erheben, begründet (BDE Nr. 23/2018 vom
30. April 2018 Erw. 3.5.3).
1.3.2 Die G._ AG erhob als "Grundeigentümerin Parz. 003, 004,
005" Einsprache gegen das Bauvorhaben (vgl. Einsprache vom
13. März [recte: 3. April] 2019 S. 6, unmittelbar vor den Unterschriften;
diesbezüglich unvollständig hingegen S. 1 der Einsprache). Auch der
Rekurs wurde noch im Namen der G._ AG erhoben, jedoch ist Letz-
tere im Entscheidzeitpunkt nicht mehr Eigentümerin eines zum Rekurs
legitimierenden, umliegenden Grundstücks. Sie hat die fraglichen
Grundstücke im Verlauf des Einsprache- und Rekursverfahrens viel-
mehr veräussert. Unter diesen Umständen ist die G._ AG im Zeit-
punkt des Rekursentscheids zwar nicht mehr zur Rekurserhebung le-
gitimiert, infolge der aktenkundigen Rechtsnachfolge durch andere
Parteien (vgl. dazu sogleich) erübrigt es sich aber, diesbezüglich einen
Nichteintretensentscheid zu fällen.
1.3.3 Die Rekurrenten 1 haben sich am Baubewilligungsverfahren
nicht als Einsprecher beteiligt. Hingegen wurde der Rekurs vom
19. September 2019 auch in ihrem Namen erhoben. Die Rekurren-
ten 1 liessen in der Folge ausführen, sie seien Rechtsnachfolger der
G._ AG hinsichtlich des Grundstücks Nr. 003 und erklärten aus-
drücklich ihren Prozessbeitritt. Weil die Rekursgegner die Rekursbe-
rechtigung der Rekurrenten 1 bestritten, reichte der rekurrentische
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 6/19
Vertreter am 5. August 2020 unter anderem einen Auszug aus dem
Grundbuch X._ betreffend Grundstück Nr. 003 ein. Daraus ergibt
sich, dass die Rekurrenten 1 noch vor Rekurserhebung Eigentümer
von Grundstück Nr. 003 geworden waren. Damit ist ihre Rekursbe-
rechtigung nachgewiesen.
1.3.4 Der Rekurrent 2 hat bereits die Einsprache vom 13. März
(recte: 3. April) 2019 in eigenem Namen und als Grundeigentümer des
Grundstücks Nr. 007 mitunterzeichnet. Er ist nach wie vor Eigentümer
dieses Grundstücks und entsprechend zur Rekurserhebung berech-
tigt.
1.3.5 Die Rekurrentin 3 erwarb das Grundstück Nr. 004 (auch) nach
Darstellung der Rekursgegner im vierten Quartal 2019 von der
G._ AG. Am 3. März 2020 liess die Rekurrentin 3 ihren Prozessbei-
tritt erklären, womit sie gültig in das Rekursverfahren eingetreten ist.
Ihre Rekursberechtigung ist gegeben.
1.3.6 Der Rekurrent 4 erwarb ebenfalls im vierten Quartal 2019 das
Grundstück Nr. 005 von der G._ AG und trat in der Folge dem vor-
liegenden Prozess bei. Auch er ist zum Rekurs legitimiert.
1.4 Damit sind die Prozessvoraussetzungen im Entscheidzeitpunkt
mit Blick auf alle vier Rekurrenten erfüllt und auf den Rekurs ist einzu-
treten.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1; ab-
gekürzt PBG) in Kraft getreten und das Baugesetz vom 6. Juni 1972
(nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden (Art. 172 Bst. a
PBG). Der erstinstanzliche Einsprache- und Baubewilligungsent-
scheid erging am 4. September 2019. Mithin sind vorliegend grund-
sätzlich die Bestimmungen des PBG anwendbar, sofern sie gemäss
Anhang zum Kreisschreiben „Übergangsrechtliche Bestimmungen im
PBG“ vom 8. März 2017 (Baudepartement SG, Juristische Mitteilun-
gen 2017/I/1) als unmittelbar anwendbar erklärt werden. Im Übrigen
gelangen weiterhin das Baugesetz und das entsprechende Bauregle-
ment zur Anwendung.
3.
Die Rekurrenten machen geltend, es mangle dem Grundstück Nr. 001
an einer hinreichenden strassenmässigen Erschliessung. Auf der nur
4 m breiten L._strasse sei ein Kreuzen von Fahrzeugen nicht mög-
lich bzw. es müsste dazu unzulässigerweise auf anstossende private
Grundstücksflächen ausgewichen werden. Damit sei der hier häufig zu
erwartende Begegnungsfall PW-PW nicht möglich.
3.1 Nach Art. 19 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Raumpla-
nung (SR 700; abgekürzt RPG) ist Land insbesondere dann erschlos-
sen, wenn die für die betreffende Nutzung hinreichende Zufahrt be-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 7/19
steht. Da das Bundesrecht nur allgemeine Grundsätze enthält, erge-
ben sich die Anforderungen an die Erschliessung im Detail aus dem
kantonalen Recht (B. HEER, St.Gallisches Bau- und Planungsrecht,
Bern 2003, N 508). Nach Art. 67 Bst. a PBG ist Land strassenmässig
erschlossen, wenn es über hinreichende Zu- und Wegfahrten verfügt.
Diese Bestimmung des PBG ist unmittelbar anwendbar und bedarf kei-
ner Umsetzung im kommunalen Recht (vgl. Anhang zum Kreisschrei-
ben „Übergangsrechtliche Bestimmungen im PBG“ vom 8. März 2017
Bst. B.I). Art. 67 Bst. a PBG entspricht jedoch inhaltlich Art. 49 Abs. 2
Bst. a BauG. Damit kann für die Frage der hinreichenden strassen-
mässigen Erschliessung auf die Rechtsprechung zum BauG abgestellt
werden. Eine Zufahrt ist dann als hinreichend zu betrachten, wenn sie
tatsächlich so beschaffen ist, dass sie bau- und verkehrstechnisch der
bestehenden und der geplanten Überbauung genügt, den zu erwar-
tenden Fahrzeugen und Fussgängern sicheren Weg bietet und von
den öffentlichen Diensten (namentlich Feuerwehr, Sanität, Kehrichtab-
fuhr und Schneeräumung) ungehindert benützt werden kann und
– wenn sie über fremdes Grundeigentum führt – rechtlich gesichert ist
(vgl. HEER, a.a.O., N 513). Weitergehende Konkretisierungen insbe-
sondere hinsichtlich der Dimensionierung von Erschliessungsstrassen
hat das st.gallische Recht nicht getroffen (VerwGE B 2012/216 vom
22. Mai 2013 Erw. 3; BDE Nr. 63/2019 vom 17. Oktober 2019
Erw. 4.3; BDE Nr. 96/2020 vom 13. Oktober 2020 Erw. 5.2.3; BDE
Nr. 77/2020 vom 20. August 2020 Erw. 4.1; je mit Hinweisen).
3.2 Soweit dem kantonalen Recht keine besonderen Regeln zu ent-
nehmen sind, darf für die Auslegung und Anwendung von Art. 49
Abs. 2 Bst. a BauG bzw. Art. 67 Bst. a PBG auf den Gehalt von Art. 19
Abs. 1 RPG abgestellt werden. Art. 19 Abs. 1 RPG will mit dem Erfor-
dernis der ausreichenden Erschliessung vor allem polizeiwidrige Zu-
stände verhindern. Es soll sichergestellt sein, dass keine Bauten ent-
stehen, die wegen fehlender Zufahrten sowie Versorgungs- und Ent-
sorgungseinrichtungen feuer- und gesundheitspolizeiliche Gefahren
bieten oder sonstige öffentliche Interessen gefährden. Die Erschlies-
sung muss stets die Verkehrssicherheit der Benützer (Fussgänger,
Radfahrer, Motorfahrzeugfahrer, öffentliche Dienste) gewährleisten
sowie den Anforderungen des Natur- und Heimatschutzes, des Um-
weltschutzes sowie weiteren wichtigen Anforderungen der Raumpla-
nung (wie haushälterische Bodennutzung) genügen (vgl. Urteil des
Bundesgerichtes 1C_273/2014 vom 13. November 2014 Erw. 4.3.2;
ferner BDE Nr. 96/2020 vom 13. Oktober 2020 Erw. 5.2.4; je mit Hin-
weisen). Was als hinreichende Erschliessung gilt bzw. welche Anfor-
derungen eine Zufahrt zu erfüllen hat, hängt von der beanspruchten
Nutzung des Erschliessungsgebiets sowie von den massgeblichen
Umständen des Einzelfalls ab, also in erster Linie von den örtlichen
Gegebenheiten und von der Art und Zahl der Gebäude, zu denen die
Zufahrt führt (BDE Nr. 63/2019 vom 17. Oktober 2019 Erw. 4.4;
BDE Nr. 96/2020 vom 13. Oktober 2020 Erw. 5.2.4; BGE 116 Ib 159
Erw. 6b; WALDMANN/HÄNNI, Handkommentar zum Raumplanungsge-
setz, Bern 2006, Art. 19 N 21). Zur Zufahrt gehört dabei nicht nur das
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 8/19
Verbindungsstück von der öffentlich zugänglichen Strasse zum Grund-
stück, sondern ebenso die weiterführende öffentliche Strasse, soweit
der Besucher sie zwingend als Zufahrt benützen muss
(WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. 19 N 20; HEER, a.a.O., N 513 mit Hin-
weis auf BGE 121 I 69 Erw. 3c). Die Beurteilung der im Einzelfall ver-
langten Erschliessung wird durch das Verhältnismässigkeitsprinzip be-
stimmt. Weil die Anforderungen an eine genügende Erschliessung von
den massgeblichen Umständen des Einzelfalls abhängen, ist klar,
dass beispielsweise Anforderungen an eine genügende Erschliessung
in einer Wohnzone andere sind als in einer Industriezone. Ebenso un-
terscheiden sich die Anforderungen an Erschliessungsanlagen in
Berggebieten von jenen in Städten und ihren Agglomerationen
(WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. 19 N 14; vgl. zum Ganzen auch BDE
Nr. 77/2020 vom 20. August 2020 Erw. 4.2 mit Hinweisen).
3.3 Für die Beurteilung der technischen Anforderungen einer Er-
schliessungsanlage werden zwar in der Regel die Normblätter des
Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute
(VSS) beigezogen. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung anerkennt
die VSS-Normen in ständiger Rechtsprechung aber nicht als Ersatz für
eine gesetzliche Grundlage, sondern lediglich als Hilfsmittel für die
Prüfung der sich bei der Abklärung des öffentlichen Interesses stellen-
den Frage, ob eine bestimmte Anlage den Anforderungen der Ver-
kehrssicherheit genügt (BGE 94 I 138 Erw. 2b mit Hinweisen). Weil es
sich dabei nur um Richtlinien handelt, deren Anwendung im Einzelfall
vor den allgemeinen Rechtsgrundsätzen standhalten muss, dürfen
diese nicht schematisch und unbesehen der konkreten Verhältnisse
zur Anwendung gebracht werden (vgl. WALDMANN/HÄNNI, a.a.O.,
Art. 19 N 21; Urteil des Bundesgerichtes 1C_597/2014 vom 1. Juli 2015
Erw. 4.1; BDE Nr. 77/2020 vom 20. August 2020 Erw. 4.3; je mit Hin-
weisen).
3.4 Das TBA führt in seinem Amtsbericht aus, um eine genügende
Erschliessung sicherstellen zu können, müsse die L._strasse auf-
grund möglicher weiterer Überbauungen und wegen des Camping-
parkplatzes den Anforderungen einer Zufahrtsstrasse entsprechen
und somit den Grundbegegnungsfall PW / PW bei stark reduzierter
Geschwindigkeit und den massgebenden Begegnungsfall Wohnwa-
gen / PW bei stark reduzierter Geschwindigkeit abdecken. Es werde
davon ausgegangen, dass die maximal gefahrene Geschwindigkeit
bei 30 km/h liege. Gestützt auf die massgeblichen Geometrien ergä-
ben sich Mindestfahrbahnbreiten von 4,40 m (Begegnungsfall
PW / PW bei stark reduzierter Geschwindigkeit), 3,70 m (Wohnwa-
gen / leichtes Zweirad bzw. für diesen Begegnungsfall 3,95 m im Be-
reich von seitlichen Einschränkungen) sowie 4,70 m (Wohnwa-
gen / PW). Die L._strasse erfülle die Anforderungen an das geomet-
rische Normalprofil nicht vollständig. Weiter weist das TBA darauf hin,
dass sinnvoll angeordnete Ausweichstellen für den Begegnungsfall
Wohnwagen / PW ausreichen würden, sofern die Sicht gewährleitstet
sei; solche sinnvoll angeordneten Ausweichstellen empfiehlt das TBA.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 9/19
3.5 Am Augenschein bestätigte sich, dass die der Erschliessung des
Baugrundstücks Nr. 001 dienende Gemeindestrasse 2. Klasse die
normgemässe Mindestfahrbahnbreite für den Begegnungsfall
PW / PW bei stark reduzierter Geschwindigkeit (4,40 m) im Wesentli-
chen nicht einhält. Einzig im Einmündungsbereich zur Kantonsstrasse
sowie östlich angrenzend an das Baugrundstück wird dieser Wert er-
reicht. Die dazwischenliegende, jeweils etwa 4 m und damit grund-
sätzlich zu wenig breite Strassenstrecke misst mehr als 150 m. Diese
Strecke ist zwar zu Beginn (beim Einmündungsbereich) noch gerade
und übersichtlich. Nach etwa 70 m, ungefähr ab dem noch zu thema-
tisierenden Stromverteilkasten verläuft die Strasse jedoch nicht mehr
ganz gerade, sondern leicht kurvig und leicht abschüssig bzw. sie
weist eine leicht ausgeprägte Kuppe auf. Zudem sind in diesem Be-
reich der Strasse westlich nahe an die Strasse wachsende Bepflan-
zungen vorhanden. Östlich der Strasse befindet sich in diesem Be-
reich eine (zum Zeitpunkt des Augenscheins gerodete) Böschung.
Weiter nördlich bzw. strassenabwärts Richtung Baugrundstück gestal-
tet sich der Strassenbereich wieder übersichtlicher und es sind na-
mentlich keine üppigen Bepflanzungen mehr vorhanden. Die be-
troffene Strasse dient sodann nicht nur der Erschliessung des Bau-
grundstücks, sondern auch jener der umliegenden Grundstücke, wel-
che aktuell im Wesentlichen mit kleineren, dauerhaft bewohnten bzw.
bewohnbaren Wohnhäusern (z.T. "Minihomes") überbaut sind. Hinzu
kommt die Erschliessungsfunktion der Strasse für den Campingplatz
W._-Y._.
3.6 Angesichts dieser Umstände ist zunächst erwiesen und unbe-
stritten, dass regelmässig sowohl mit dem Begegnungsfall Wohnwa-
gen / PW als auch mit dem Begegnungsfall PW / PW zu rechnen ist.
Unbestritten und zutreffend ist ausserdem die Darstellung des TBA,
wonach die fragliche Strasse die normgemässen Mindestfahrbahn-
breiten für die Begegnungsfälle PW / PW und Wohnwagen / PW nicht
einhält bzw. die Strasse die Anforderungen an das geometrische Nor-
malprofil nicht vollständig erfüllt. Es liegen keine Gründe vor, die vor-
liegend eine Unterschreitung der normgemässen Fahrbahnbreiten
rechtfertigen könnten, zumal es um eine Unterschreitung von immer-
hin 0,40 m (Begegnungsfall PW / PW bei stark reduzierter Geschwin-
digkeit) bzw. 0,70 m (Wohnwagen / PW) geht, und dies auf einer Stre-
cke von gut 80 m. Damit ist grundsätzlich von einer ungenügenden
strassenmässigen Erschliessung auszugehen.
3.7 Die Rekursgegner stellen sich jedoch auf den Standpunkt, es
seien sowohl im Bereich des Baugrundstücks als auch im Bereich des
Metallbaubetriebs bei der Einmündung in die Kantonsstrasse sowie
ausserdem direkt vor dem Stromverteilkasten auf der Höhe des Me-
tallbaubetriebs Ausweichmöglichkeiten vorhanden. Eine solche Aus-
weichmöglichkeit fehle allenfalls auf einer kurzen Strecke.
3.7.1 Zwar trifft es zu, dass die Strasse direkt beim Baugrundstück
zwischen ca. 5,00 m und 5,15 m breit ist (vgl. Protokoll zum Augen-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 10/19
schein). Ebenfalls zutreffend ist, dass zwischen dem Einmündungsbe-
reich in die Kantonsstrasse und dem Baugrundstück Nr. 001 an drei
Stellen Verbreiterungen vorhanden sind, die allenfalls von Fahrzeug-
lenkern für Kreuzungsmanöver benützt werden. Dies ist der Fall vor
dem Metallbaubetrieb, vor dem Stromverteilkasten (beides auf Grund-
stück Nr. 009) sowie im Bereich bestehender Parkierungsflächen auf
Grundstück Nr. 003:
[...]
"Ausweichstelle" vor Metallbaubetrieb
[...]
[...]
"Ausweichstelle" vor Elektroverteilkasten
[...]
[...]
"Ausweichstelle" bei Parkflächen
[...]
3.7.2 Während sowohl direkt vor dem Baugrundstück Nr. 001 als auch
bei der "Ausweichstelle" vor dem Metallbaubetrieb genügend Platz für
ein Ausweich- bzw. Kreuzungsmanöver zwischen zwei Personenwa-
gen und auch zwischen einem Personenwagen und einem Wohnwa-
gen/Wohnmobil zur Verfügung stünde, ist dies bei den zwei anderen
"Ausweichstellen" jedenfalls nicht uneingeschränkt der Fall. Die be-
fahrbare Fläche beim Stromverteilkasten ist jedenfalls für Wohnwa-
gen/Wohnmobile äusserst knapp bemessen, und jene bei den Park-
flächen ist zusätzlich – wie sich schon am Augenschein gezeigt hat –
teilweise mit mehreren Fahrzeugen besetzt. Damit genügen diese
"Ausweichstellen" schon in tatsächlicher Hinsicht nicht, um eine genü-
gende strassenmässige Erschliessung trotz ungenügender Strassen-
breite sicherstellen zu können. Selbst unter Berücksichtigung dieser
Flächen bliebe ohnehin eine Strecke von rund 70 m ohne Ausweich-
möglichkeiten übrig. Jedenfalls auf dieser rund 4 m breiten, leicht ab-
schüssigen, mindestens einseitig von Sträuchern und anderen Pflan-
zen gesäumten Teilstrecke der Strasse ist ein Kreuzen von zwei Per-
sonenwagen bzw. ein Kreuzen eines Personenwagens mit einem
Wohnwagen/Wohnmobil nicht verkehrssicher möglich. Es wäre des-
halb mit Rückwärtsfahrten über erhebliche Distanzen (z.B. zurück bis
zum Metallbaubetrieb im Süden und bis zum Baugrundstück oder gar
bis zum Eingangsbereich des Campingplatzes im Norden) zu rechnen.
3.7.3 Zu dieser in tatsächlicher Hinsicht ungenügenden Situation
kommt hinzu, dass es sich bei den drei "Ausweichstellen" vollständig
um Privateigentum handelt, die allesamt nicht zur klassierten Gemein-
destrasse gehören. Solchen privaten Flächen fehlt es an der nötigen
rechtlichen Sicherstellung, also der öffentlich-rechtlichen Klassierung,
um als Teil der Erschliessungsanlage gelten zu können. Zufahrtsstras-
sen, die aus öffentlichen Interessen einer Klassierung bedürfen, sind
nach ständiger Praxis des Baudepartementes stets gesamthaft, also
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 11/19
mit den für die hinreichende Erschliessung notwendigen Ausweichstel-
len und Wendemöglichkeiten dem öffentlichen Gebrauch zu widmen
(Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2018/IV/8 und
2016/II/2; BDE Nr. 96/2020 vom 13. Oktober 2020 Erw. 5.2.8;
BDE Nr. 77/2020 vom 20. August 2020 Erw. 4.5.3; BDE Nr. 63/2019
vom 17. Oktober 2019 Erw. 4.7.5 f.). Selbst wenn die fraglichen Aus-
weichstellen in tatsächlicher Hinsicht genügen würden (was nicht der
Fall ist; vgl. vorstehend), fehlte es an einer rechtlichen Sicherstellung
dieser Flächen.
3.7.4 Zusammenfassend genügt die L._strasse sowohl aus tat-
sächlicher als auch aus rechtlicher Sicht nicht, um eine hinreichende
Erschliessung des Grundstücks Nr. 001 sicherzustellen.
3.8 Unter dem Titel der strassenmässigen Erschliessung kommt
hinzu, dass praxisgemäss jedenfalls bloss einspurig befahrbare Er-
schliessungsstrassen, die mehreren Liegenschaften als Erschliessung
dienen, in einer Sackgasse enden, unübersichtlich sind und ein star-
kes Gefälle aufweisen aus Sicherheitsgründen stets über eine recht-
lich sichergestellte Wendemöglichkeit verfügen müssen; andernfalls
liegt keine hinreichende Erschliessung vor (BDE Nr. 63/2019 vom
17. Oktober 2019 Erw. 4.7.6; BDE Nr. 63/2018 vom 27. Dezember
2018 Erw. 3.5). Die Notwendigkeit einer tatsächlich vorhandenen und
rechtlich sichergestellten Wendemöglichkeit gilt auch vorliegend, wo-
von im Übrigen auch das TBA ausgeht (vgl. Protokoll zum Augen-
schein). Denn die fragliche Strasse muss zur Sicherstellung einer ge-
nügenden Erschliessung den Anforderungen einer Zufahrtsstrasse ge-
nügen. Dafür spricht schon ihre Länge von rund 250 m. Hinzu kommt
ihre Erschliessungsfunktion für zahlreiche, zum Teil bereits überbaute,
zum Teil noch unbebaute Grundstücke nördlich und westlich des
Grundstücks Nr. 001 in der Intensiverholungszone. In der Intensiver-
holungszone befindet sich sodann auch der bestehende Camping-
platz, der ebenfalls durch die fragliche Strasse erschlossen wird und
ein Verkehrsaufkommen generiert. Zu berücksichtigen sind zudem die
möglichen zukünftigen Überbauungen auf dem Baugrundstück
Nr. 001 selber (drei Wohneinheiten gemäss umstrittenem Bauprojekt)
sowie auf dem südlich gelegenen Grundstück Nr. 010 mit jedenfalls
über 1'000 m2 in der zweigeschossigen Wohn-Gewerbezone (WG2).
Als Zufahrtsstrasse müsste die Strasse schon gemäss VSS-Norm
40 045 eine Wendemöglichkeit bieten, und auch die tatsächlichen Um-
stände (insb. Länge der Strasse, leichtes Gefälle, bestehende und
sichteinschränkende Gebäude und Bepflanzungen nahe an der
Strasse [u.a. auch nördlich des Baugrundstücks]) sprechen für die
Notwendigkeit einer rechtlich sichergestellten Wendemöglichkeit. Der
Auffassung der Rekursgegner, wonach es vorliegend keines Wende-
platzes bedürfe, ist nicht zu folgen.
3.9 Die Vorinstanz wendet ein, ob eine Zufahrt hinreichend im Sinn
von Art. 19 Abs. 1 RPG sei, hänge von zahlreichen Faktoren ab, die je
nach Ort unterschiedlich sein könnten. Zu diesen Faktoren gehörten
nicht nur die Besonderheit des Geländes und der Verlauf der Zufahrt
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 12/19
(Breite, Länge, Belag, Gefälle, usw.), sondern auch deren Frequentie-
rung. Die zuständigen kantonalen und kommunalen Behörden verfüg-
ten in diesem Sinn über einen grossen Ermessensspielraum bei der
Beurteilung der Frage, ob eine Zufahrt in technischer Hinsicht hinrei-
chend ist.
3.9.1 Der Rechtsstandpunkt der Vorinstanz ist grundsätzlich zutref-
fend. Gemäss bundesgerichtlicher Praxis hängt die Frage, was als hin-
reichende Zufahrt gilt, von den massgeblichen (namentlich örtlichen)
Umständen des Einzelfalls ab und bei deren Beurteilung steht den
kantonalen und kommunalen Behörden ein erhebliches Ermessen zu
(vgl. statt vieler z.B. Urteil des Bundesgerichtes 1C_379/2019 vom
7. August 2020 Erw. 3.3; Urteil des Bundesgerichtes 1C_275/2017
vom 18. Januar 2018 Erw. 2.2.1; Urteil des Bundesgerichtes
1C_597/2014 vom 1. Juli 2015 Erw. 4.1; je mit Hinweisen). Zufolge
dieses Ermessensspielraums ist den politischen Gemeinden bei der
Beurteilung der massgeblichen (namentlich örtlichen) Umstände Au-
tonomie zuzuerkennen (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zürich/St.Gallen 2020, N 1902 ff., insbe-
sondere N 1911; vgl. zum Inhalt der Gemeindeautonomie z.B. Urteil
des Bundesgerichtes 1C_532/2015 vom 26. Januar 2016 Erw. 2.2 mit
Hinweisen).
3.9.2 Im vorliegenden Rekursverfahren bzw. mit vorliegendem Ent-
scheid wird festgestellt, dass die der Erschliessung dienende Strasse
nicht über die erforderliche Breite verfügt, um ein verkehrssicheres
Kreuzen von zwei Personenwagen bzw. eines Personenwagens und
eines Wohnwagens/Wohnmobils zu gewährleisten. Weiter wird fest-
gestellt, dass die angeblichen Ausweichstellen in tatsächlicher Hin-
sicht zu klein dimensioniert sind und dass ihr Bestand nicht rechtlich
sichergestellt ist. Ebenfalls wird das Fehlen einer rechtlich sicherge-
stellten Wendemöglichkeit bemängelt. Mit diesen Feststellungen und
Beurteilungen wird nicht in das Ermessen der Vorinstanz eingegriffen;
insbesondere handelt es sich bei diesen Fragen nicht um solche nach
der "Angemessenheit" der vorinstanzlichen Beurteilung. Vielmehr wird
im Wesentlichen der Sachverhalt abweichend von der Vorinstanz fest-
gestellt und auf die Notwendigkeit der gesamthaften rechtlichen Si-
cherstellung sämtlicher Teile einer Zufahrtsstrasse abgestellt. Es wird
mithin die Darstellung der Vorinstanz widerlegt, wonach "vor Ort [...]
unter Berücksichtigung der Übersichtlichkeit [...] genügend Ausweich-
stellen bestehen und somit ein Kreuzen von PW's nicht zwingend er-
forderlich" sei (Vernehmlassung vom 6. Dezember 2019 Ziff. II.1). Die
Autonomie der Vorinstanz wird damit gewahrt.
3.10 Anlässlich des Augenscheins wurde vom Vertreter der
Vorinstanz eingewendet, der Strassenplan bzw. ein allfälliger Teil-
strassenplan sei vom Kanton genehmigt worden. Soweit damit geltend
gemacht wird, die Erschliessungssituation sei vom Kanton hinsichtlich
der fraglichen Strasse bereits als hinreichend beurteilt worden, ist die-
ser Argumentation nicht zu folgen. Die Genehmigung bedeutet nicht,
dass der genehmigte (Teil-)Strassenplan im konkreten Einzelfall nicht
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 13/19
mehr auf seine Gesetz- und Verfassungsmässigkeit überprüft werden
könnte. Im Rekursverfahren ist somit die Frage der hinreichenden Er-
schliessung unabhängig allfälliger kantonalen Genehmigung von
(Teil-)Strassenplänen zu beantworten.
3.11 Insgesamt bleibt es somit dabei, dass das Baugrundstück
Nr. 001 als nicht hinreichend erschlossen zu betrachten ist. Weil es
sich bei der Frage der hinreichenden Erschliessung nicht um ein un-
tergeordnetes Bauhindernis, sondern um eine Grundvoraussetzung
handelt, die für die Bewilligungsfähigkeit des Bauvorhabens von aus-
schlaggebender Bedeutung ist (VerwGE B 2014/100 vom 27. April
2016 Erw. 7.2; BDE Nr. 96/2020 vom 13. Oktober 2020 Erw. 6), er-
teilte die Vorinstanz die Baubewilligung zu Unrecht. Der Rekurs ist
schon aus diesen Gründen begründet und gutzuheissen. Die ange-
fochtene Baubewilligung und der dazugehörige Einspracheentscheid
sind aufzuheben.
Aus verfahrensökonomischen Gründen ist es angezeigt, im Folgenden
auf einige weitere, von den Rekurrenten erhobene Rügen einzugehen:
4.
Die Rekurrenten machen geltend, die Steigung der Ausfahrt bis zur
Fahrbahngrenze verlaufe mit Gefälle und nicht auf wenigstens 3 m ho-
rizontal, womit die geplante Garagenzufahrt gegen Art. 28 Abs. 1 des
Baureglements der Gemeinde X._ vom 9. März 1994 (nachfolgend
BauR) verstosse.
4.1 Ausfahrten und Ausmündungen sowie Vorplätze an Strassen
sind gemäss Art. 28 Abs. 1 BauR so zu gestalten, dass durch ihre Be-
nützung der Verkehr weder behindert noch gefährdet wird, die notwen-
digen Sichtverhältnisse gewährleistet bleiben, die Entwässerung auf
privatem Grund erfolgt und Verschmutzungen oder andere nachteilige
Einflüsse unterbleiben. Ausfahrten bei Einzelgaragen dürfen höchs-
tens 15 %, bei Sammelgaragen höchstens 12 % Gefälle aufweisen.
Sie müssen von der Fahrbahngrenze an auf wenigstens 3 m horizontal
verlaufen.
4.2 Aus den Plänen wird ersichtlich, dass die geplante Garagenzu-
fahrt entgegen Art. 28 Abs. 1 BauR von der Fahrbahngrenze an nicht
auf wenigstens 3 m horizontal verläuft, worauf auch das TBA zu Recht
hinweist und was grundsätzlich unbestritten ist. Sowohl die Vorinstanz
als auch die Rekursgegner machen jedoch geltend, es sei diesbezüg-
lich eine Ausnahmebewilligung erteilt worden bzw. in der Baubewilli-
gung mitenthalten. Die Rekurrenten wenden ihrerseits ein, es liege
weder eine schriftliche Ausnahmebewilligung noch ein diesbezügli-
ches Gesuch vor. Ausnahmebewilligungen seien zurückhaltend zu er-
teilen und es werde bestritten, dass die Voraussetzungen hier erfüllt
sein könnten.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 14/19
4.3 Ordentlich nicht realisierbare Bauvorhaben können ohne Weite-
res unter Bedingungen und Auflagen bewilligt werden. Eine Ausnah-
mebewilligung ist deshalb zu erteilen, ohne dass der Bauherr aus-
drücklich ein Gesuch um Erteilung einer Ausnahmebewilligung stellt
(VerwGE B 2017/243 vom 22. August 2019 Erw. 9; BDE Nr. 30/2020
vom 21. April 2020 Erw. 7.1). Ob die Rekursgegner um Erteilung einer
Ausnahmebewilligung ersucht haben, muss damit nicht näher geprüft
werden.
4.4 Sollte – wie die Vorinstanz geltend macht – in der Baubewilli-
gung tatsächlich eine Ausnahmebewilligung hinsichtlich der Vorgaben
betreffend horizontalem Verlauf von Garagenausfahrten in Art. 28
Abs. 1 BauR mitenthalten sein, so bleibt unklar, mit welcher Begrün-
dung die Ausnahmebewilligung erteilt wurde. Weder in der angefoch-
tenen Baubewilligung noch am Augenschein hat die Vorinstanz nach-
vollziehbar dargelegt, warum die Voraussetzungen gemäss Art. 108
PBG erfüllt sein sollen. Damit fehlt es schon an einer rechtsgenügli-
chen Begründung der angeblich erteilten Ausnahmebewilligung. Es ist
zudem insbesondere nicht ersichtlich, dass besondere Verhältnisse im
Sinn von Art. 108 Abs. 1 PBG vorliegen und eine Ausnahmebewilli-
gung rechtfertigen könnten. Eine mitenthaltene Ausnahmebewilligung
wäre damit aufzuheben, woraus ein Verstoss des Bauvorhabens ge-
gen Art. 28 Abs. 1 BauR resultierte. Die Baubewilligung und der dazu-
gehörige Einspracheentscheid sind auch aus diesen Gründen aufzu-
heben.
5.
Die Rekurrenten machen weiter geltend, das Bauvorhaben halte die
Vorgaben betreffend Anzahl der zulässigen Geschosse nicht ein. Es
seien zwei Vollgeschosse zulässig. Nicht als Vollgeschosse gälten Un-
ter- oder Dachgeschosse. Das als "Dachgeschoss" ausgewiesene Ge-
schoss halte die für Dachgeschosse geltenden baureglementarischen
Vorgaben nicht ein, weshalb es als Vollgeschoss zähle. Auch das
Treppenhaus samt Lift trete eigenständig und vollgeschossig in Er-
scheinung. Dabei handle es sich nicht um Dachaufbauten, Dachein-
schnitte und Dachflächenfenster, die mit dem technisch notwendigen
Mass über die Dachfläche ragen dürften.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid hinsichtlich des stritti-
gen Bauteils (Treppenhaus samt Lift) im Wesentlichen mit Art. 21
Abs. 3 BauR. Eine Vorschrift, dass Treppenhäuser und Lifte nicht
sichtbar in Erscheinung treten dürften, gebe es nicht, sondern dies sei
üblich und baurechtskonform.
5.2 Art. 21 BauR regelt die "Dachgestaltung". Gemäss Abs. 3 dieser
Bestimmung dürfen Dachaufbauten wie Treppenhäuser, Liftschächte,
Kamine usw. mit dem technisch notwendigen Mass über die Dachflä-
che ragen.
5.3 Das Treppenhaus und der Lift sind bei der ostseitigen Längsfas-
sade ungefähr in der Gebäudemitte geplant. Im Bereich des Dachs
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 15/19
überragt der Gebäudeteil die sonstige Dachfläche und ähnelt dort ei-
ner Schleppgaube. Im Fassadenbereich steht er der übrigen Fassa-
denfläche vor. Konkret zeigt sich folgendes Bild:
Querschnitt Gebäude
(Quelle: Plan "Fassaden/Schnitt" vom 1. März 2019)
Ansicht Südfassade
(Quelle: Plan "Fassaden/Schnitt" vom 1. März 2019)
5.4 Angesichts dieser tatsächlichen Umstände trifft es entgegen der
vorinstanzlichen Darstellung nicht zu, dass es sich beim geplanten
Treppenhaus samt Lift um eine Dachaufbaute im Sinn von Art. 21
Abs. 3 BauR handelt. Der Gebäudeteil beschränkt sich nicht darauf,
(im technisch notwenigen Mass) über die Dachfläche zu ragen, son-
dern er steht zusätzlich über die Fassade vor und reicht – entspre-
chend seiner Funktion als Eingang/Treppenhaus – bis zum Boden. Es
handelt sich auch nicht um eine Vorbaute im Sinn von Art. 18 Abs. 1
Dachgaube Ost
Treppenhaus/Lift
Treppenhaus/Lift
Übrige Fassade
Fassade Treppen-
haus/Lift
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 16/19
BauR ("Bauteile, die über die Fassade hinausragen, wie Balkone, Er-
ker, Vordächer, Veranden usw., nicht aber Treppenhäuser und Lau-
bengänge") und eine Qualifikation als An- oder Nebenbaute (Art. 17
BauR) scheidet ebenfalls aus. Somit handelt es sich beim fraglichen
Gebäudeteil um einen Teil der Hauptbaute, der die Vorgaben betref-
fend Geschossigkeit einzuhalten hat bzw. – wenn er als Teil des Dach-
geschosses gelten soll – den Vorgaben von Art. 15 Abs. 2 Satz 2
BauR genügen muss, wonach bei Schrägdächern der Kniestock, in-
nen gemessen, höchstens 1 m aufweisen darf. Diesen Vorgaben wi-
derspricht der Gebäudeteil, womit sich der Rekurs auch diesbezüglich
als begründet erweist.
5.5 Selbst unter der Annahme, dass es sich beim Treppenhaus/Lift
um eine Dachaufbaute im Sinn von Art. 21 Abs. 3 BauR handelt, er-
wiese sich das Bauvorhaben als nicht bewilligungsfähig. Denn gemäss
Art. 21 Abs. 1 BauR sind Dachaufbauten, Dacheinschnitte und Dach-
flächenfenster und Quergiebel architektonisch gut zu gestalten. Zu-
dem darf ihre gesamte Länge nicht grösser als die Hälfte der entspre-
chenden Gebäudeseite sein. Das projektierte Gebäude soll sowohl
über (angebliche) Dachaufbauten als auch über Dachflächenfenster
verfügen:
Ansicht Ostfassade
(Quelle: Plan "Fassaden/Schnitt" vom 1. März 2019)
Die geplanten Dachaufbauten und Dachflächenfenster überschreiten
zusammen das zulässige Mass ("Hälfte der entsprechenden Gebäu-
deseite"; vgl. dazu auch Skizze im Anhang zum BauR). Dies gilt im
Übrigen nicht nur für die Dachaufbauten auf der östlichen Dachhälfte,
sondern auch für die geplante Gaube und die insgesamt drei Dach-
fenster auf der westlichen Dachhälfte (vgl. auch Grundriss Dachge-
schoss gemäss Plan "Grundrisse/Umgebung/Kanalisation" vom
20. Mai 2019 mit dortigen "DF" [= Dachfenster]). Damit widerspricht
das Bauvorhaben den Vorgaben des Baureglements zur Dachgestal-
tung.
Dachgaube Ost Treppenhaus/Lift Dachfenster (2x)
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 17/19
6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Zufahrtsstrasse mangels ge-
nügender Breite und mangels genügender und rechtlich sichergestell-
ter Ausweich- und Wendemöglichkeiten keine hinreichende Erschlies-
sung gewährleistet. Zufolge fehlender Erschliessung wurde das Bau-
vorhaben zu Unrecht bewilligt. Im Übrigen wird die baureglementari-
sche Vorgabe, wonach Garagenausfahrten von der Fahrbahngrenze
an auf wenigstens 3 m horizontal verlaufen müssen, nicht eingehalten,
und ausserdem wird die höchstzulässige Anzahl Geschosse über-
schritten, weil das geplante Treppenhaus samt Lift keine Dachauf-
baute im Sinn des Baureglements darstellt. Selbst wenn es sich um
eine Dachaufbaute handeln würde, wäre die Dachgestaltung nicht be-
willigungsfähig. Die angefochtene Baubewilligung und der Einsprache-
entscheid vom 4. September 2019 des Gemeinderates X._ sind
deshalb aufzuheben. Der Rekurs erweist sich als begründet und ist im
Sinn der Erwägungen gutzuheissen.
7.
7.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'500.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend haben die
Rekursgegner die amtlichen Kosten unter solidarischer Haftung zu
bezahlen (Art. 96bis VRP).
7.2 Der vom Vertreter der Rekurrenten am 14. Oktober 2019 geleis-
tete Kostenvorschuss von Fr. 1'800.– ist zurückzuerstatten.
8.
Rekurrenten, Rekursgegner und Vorinstanz stellen ein Begehren um
Ersatz der ausseramtlichen Kosten.
8.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Ent-
schädigung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Un-
terliegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizeri-
schen Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
8.2 Die Rekurrenten obsiegen mit ihren Anträgen. Da das Verfahren
zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bot,
die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, besteht grund-
sätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis
VRP). Weil keine Kostennote vorliegt, ist die ausseramtliche Entschä-
digung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 der Hono-
rarordnung (sGS 963.75; abgekürzt HonO) ermessensweise auf
Fr. 3'250.– festzulegen; sie ist von den Rekursgegnern zu bezahlen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 110/2020), Seite 18/19
Da kein begründeter Antrag um Zusprechung der Mehrwertsteuer ge-
stellt wurde, wird diese aufgrund des per 1. Januar 2019 geänderten
Art. 29 HonO nicht zum Honorar hinzugerechnet.
8.3 Da die Rekursgegner mit ihren Anträgen unterliegen, haben sie
von vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädi-
gung. Ihr Begehren ist deshalb abzuweisen.
8.4 Die Vorinstanz hat grundsätzlich keinen Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (R. HIRT, Die Regelung der Kosten nach
st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St.Gallen 2004,
S. 176). Sie bringt keine Gründe vor, die ein Abweichen von dieser
Regel rechtfertigen, und war im Verfahren nicht anwaltlich vertreten.
Ihr Begehren ist daher abzuweisen.