Decision ID: b9f7b8cd-6a60-44a9-9a3e-33ad641737d2
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besass den Führerausweis für Personenwagen seit 5. Februar 2008 und jenen für
Motorräder seit 3. Dezember 2013. Am Samstagmorgen, 22. August 2015, 4.27 Uhr,
wurde er in einer Wiese liegend unverletzt, aber nicht ansprechbar angetroffen. Er trug
den Sicherheitshelm, neben ihm lag das eigene Motorrad, dessen Motor und Auspuff
gemäss Polizeirapport nicht heiss, aber noch warm waren. Die Bestimmung des
Blutalkohols (Abnahme um 5.28 Uhr) ergab Werte von mindestens 1,94 und höchstens
2,16 Gewichtspromille.
Das Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen eröffnete daraufhin ein
Administrativmassnahmeverfahren und entzog X den Führerausweis mit Verfügung
vom 2. September 2015 vorsorglich. Zwecks Abklärung der Fahreignung ordnete es
mit Zwischenverfügung vom 23. September 2015 eine verkehrsmedizinische
Untersuchung am Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen, Abteilung
Verkehrsmedizin (nachfolgend: IRM), an. Ein dagegen erhobener Rekurs wurde am 9.
Dezember 2015 zurückgezogen. Der Untersuch am IRM fand am 29. Dezember 2015
statt. Im Gutachten vom 16. Februar 2016 wurde festgehalten, dass die Fahreignung
von X bei zumindest episodenhaftem Alkoholüberkonsum mit Hinweisen auf einen
Alkoholmissbrauch bei noch reduzierter Einsichtsebene und nicht ausreichend langer
Abstinenzeinleitung nicht befürwortet werden könne. Gestützt darauf entzog das
Strassenverkehrsamt X den Führerausweis mit Verfügung vom 9. März 2016 auf
unbestimmte Zeit und sah als Bedingung für die Wiedererteilung eine mindestens
viermonatige Alkoholabstinenz vor. Die Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
B.- Mit Entscheid des Einzelrichters am Kreisgericht A vom 20. Mai 2016 wurde X vom
Vorwurf des Fahrens in nicht fahrfähigem Zustand (qualifizierte
Blutalkoholkonzentration) freigesprochen. Auf ein in der Folge gestelltes Gesuch um
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Wiedererwägung der Verfügung vom 9. März 2016 trat das Strassenverkehrsamt mit
Verfügung vom 28. Juni 2016 nicht ein.
C.- Gestützt auf das verkehrsmedizinische Kurzgutachten vom 14. Oktober 2016, das
die Wiedererteilung des Führerausweises an X mit Auflagen (Nachweis der
Alkoholabstinenz) bejahte, verfügte das Strassenverkehrsamt am 28. Oktober 2016 die
Aufhebung des Entzugs des Führerausweises sowie dessen Wiedererteilung, und zwar
mit der Auflage einer vollständigen, kontrollierten Alkoholabstinenz (Haaranalyse alle
sechs Monate, Gültigkeit der Auflage auf unbestimmte Zeit, mindestens für zwei Jahre).
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 14. November 2016 und Ergänzung vom 6.
Dezember 2016 liess X gegen die Verfügung vom 28. Oktober 2016 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission erheben, mit den Anträgen, ihm sei der Führerausweis
ohne Auflagen wiederzuerteilen und die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens seien
vom Staat zu tragen; eventualiter sei die Streitsache zu neuer Verfügung im Sinn der

Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; subeventualiter sei die Auflage einer
Alkoholfahrabstinenz für mindestens ein Jahr zu verfügen und die Kosten des
vorinstanzlichen Verfahrens seien vom Staat zu tragen; subsubeventualiter sei die
Auflage der Alkoholabstinenz für mindestens ein Jahr zu verfügen und die Kosten des
vorinstanzlichen Verfahrens seien vom Staat zu tragen; schliesslich sei dem
Rekurrenten für das Verfahren vor der Vorinstanz eine Parteientschädigung nach
richterlichem Ermessen zuzusprechen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Vorinstanz verzichtete am 16. Dezember 2016 auf eine Vernehmlassung. Das
Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung des Rekurses wies die
Gerichtsleitung mit Verfügung vom 17. Januar 2017 ab (Proz.Nr. ZV-2017/6). Am 9. Mai
2017 reichte der Rekurrent eine weitere Stellungnahme ein. Auf die Ausführungen des
Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
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Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 14. November 2016 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 6. Dezember 2016 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Er
macht geltend, die Vorinstanz habe in der angefochtenen Verfügung einzig auf "die
wenigen Sätze und Kreuzchen" im Kurzgutachten des IRM verwiesen, wonach die
Fahreignung mit problementsprechenden Auflagen befürwortet werden könne, anstatt
eigene Überlegungen anzustellen. Welches Problem bestehen solle, gehe daraus aber
nicht hervor. Zudem befänden sich ein Arztbericht und ein Bericht der Suchtberatung,
welche der Rekurrent zusammen mit dem Gesuch um Wiedererteilung eingereicht hat,
nicht bei den Akten.
Diese Rügen erweisen sich als haltlos. Dem Rekurrenten wurde im vorinstanzlichen
Verfahren ordnungsgemäss das rechtliche Gehör zur beabsichtigen Wiedererteilung
des Führerausweises unter Auflagen gewährt, insbesondere auch zur in Betracht
gezogenen Geltungsdauer der Abstinenzauflagen von zwei Jahren (act. 12/122). Mit
Schreiben vom 24. Oktober 2016 verzichtete dessen Rechtsvertreter ausdrücklich auf
eine einlässliche Stellungnahme mit der Begründung, dass die Vorinstanz ohnehin den
Empfehlungen des Gutachtens folgen werde und er entsprechende Einwendungen
dagegen im Rahmen des Rekurses vortragen werde (act. 12/127 f.). Unter diesen
Umständen eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend zu machen, erscheint
geradezu missbräuchlich. Hinzu kommt, dass die Vorinstanz ihre Verfügung hinsichtlich
der Auflagen begründet hat. Sie führte dazu aus, dass die im Kurzgutachten
empfohlenen Auflagen angesichts der mit Gutachten vom 16. Februar 2016
festgestellten fehlenden Fahreignung zufolge episodischen Alkoholüberkonsums mit
Hinweisen auf Alkoholmissbrauch bei noch reduzierter Einsichtsebene und nicht
ausreichend langer Abstinenz angemessen seien. Sowohl aus dem Kurzgutachten, das
sich insbesondere auf die Vorgeschichte, also den Sicherungsentzug wegen
Alkoholmissbrauchs bezieht, als auch aus der angefochtenen Verfügung geht sodann
entgegen der Ansicht des Rekurrenten hervor, welches Problem, namentlich jenes des
Alkoholmissbrauchs, bei ihm besteht oder bestand. Schliesslich stellen auch die
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"fehlenden Akten" keinen Verstoss gegen das rechtliche Gehör dar, da sie ja vom
Rekurrenten selbst eingereicht wurden und ihm daher bekannt sind. Ob das
Kurzgutachten als Grundlage für die Verfügung von Auflagen zu genügen vermag, wird
nachfolgend zu prüfen sein.
Der Rekurrent beantragt sodann Konfrontationsbefragungen mit diversen Personen,
darunter die Gutachter des IRM oder die Mitarbeiterin der Suchtberatung. Er verkennt
dabei, dass im Administrativverfahren keine Konfrontationsbefragungen vorgesehen
sind. Er kann und konnte sich vielmehr schriftlich zum Gutachten äussern, was er auch
getan hat.
3.- Der Rekurrent verneint die Rechtmässigkeit des Sicherungsentzugs vom 9. März
2016, der sich auf das verkehrsmedizinische Gutachten des IRM vom 16. Februar 2016
stützt.
a) Er macht im Wesentlichen geltend, das Gutachten sei unvollständig gewesen und
habe auf falschen Annahmen basiert, nachdem er im Strafverfahren vom Vorwurf des
Führens eines Fahrzeugs in nicht fahrfähigem Zustand freigesprochen worden sei. Da
er damals kein Fahrzeug gelenkt, sondern das Motorrad nur gestossen habe, hätte gar
keine Blutprobe entnommen und keine verkehrsmedizinische Untersuchung
angeordnet werden dürfen. Ferner sei die Blutalkoholkonzentration falsch berechnet
worden. Bei ihm habe nie eine Alkoholproblematik bestanden. Es habe sich um ein
einmaliges Ausnahmeereignis ohne Bezug zum Strassenverkehr gehandelt. Seine
damaligen Aussagen seien im Gutachten falsch wiedergegeben und die Angaben von
Dr. B und Dr. C wie auch die unauffälligen Laborergebnisse samt EtG-Werten der
Haare nicht gewürdigt worden.
b) Anfechtungsgegenstand dieses Rekurses ist die Verfügung vom 28. Oktober 2016,
womit die Vorinstanz dem Rekurrenten den Führerausweis unter Auflagen
wiedererteilte. Diese bildet die sachliche Begrenzung des Anfechtungsverfahrens
(vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003,
Rz 579). Im Rekursverfahren kann daher nur geprüft werden, ob die Vorinstanz die
beanstandeten Auflagen zu Recht verfügt hat. Nicht zu überprüfen ist die
Rechtmässigkeit des Sicherungsentzugs vom 9. März 2016, worin dem Rekurrenten
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gestützt auf das verkehrsmedizinische Gutachten des IRM vom 16. Februar 2016 die
Fahreignung wegen einer Alkoholproblematik abgesprochen und ihm der
Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen worden war. Jene Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft, obschon der Rekurrent zuvor die sofortige auflagenfreie
Herausgabe des Führerausweises beantragt hatte (act. 12/81 ff.). Die in diesem
Verfahren gegen das Gutachten und den Sicherungsentzug erhobenen Rügen hätte er
damals gerichtlich überprüfen lassen können, weshalb darauf nicht näher einzugehen
ist. Bereits zuvor hätte er zudem gegen die Anordnung der verkehrsmedizinischen
Untersuchung rekurrieren können. Jenen Rekurs zog er jedoch zurück. Es kann
deshalb nicht angehen, das Verfahren des Sicherungsentzugs im Verfahren der
Wiedererteilung nochmals aufzurollen. Daran vermag auch der zwischenzeitliche
Freispruch im Strafverfahren nichts zu ändern. Im Gutachten vom 16. Februar 2016
(act. 12/38 ff.) wurde zwar ausgeführt, dass bei den vorliegenden Informationen zum
aktuellen Zeitpunkt (damals) insgesamt von einem strassenverkehrsrelevanten Ereignis
ausgegangen werden müsse. Der Schluss auf eine überdurchschnittliche Gefährdung
beim Rekurrenten, den Alkoholkonsum vom Lenken eines Motorfahrzeuges trennen zu
können, wurde indessen im nächsten Abschnitt ausdrücklich unabhängig vom
konkreten Ablauf des Ereignisabends gezogen. Das Gutachten geht daher in Bezug auf
den Vorwurf der Trunkenheitsfahrt nicht von einer falschen Annahme aus. Ebenso
durfte die Tatsache, dass der Rekurrent am 22. August 2015 eine Alkoholkonzentration
von minimal 2,04 Gewichtspromille im Blut aufwies (zurückgerechnet auf den
Zeitpunkt, als er von der Polizei aufgefunden wurde), für die Begutachtung verwendet
werden, selbst wenn er im Strafverfahren von diesem Vorwurf freigesprochen wurde.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung können rechtswidrig erlangte
Beweismittel im Verfahren des Sicherungsentzugs nach Art. 16d Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) berücksichtigt werden, da das
öffentliche Interesse am Schutz der Verkehrsteilnehmer überwiegt (Pra 102 Nr. 83 E.
3.5). Sämtliche im Zusammenhang mit dem Strafverfahren wegen Führens eines
Motorfahrzeugs in nicht fahrfähigem Zustand, dem Gutachten vom 16. Februar 2016
und dem Sicherungsentzog vom 9. März 2016 gestellten Beweisanträge –
insbesondere auch die Nachprüfung der Blutprobe und die Berechnung der
Blutalkoholkonzentration sowie der Beizug der Strafakten – sind daher abzuweisen.
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4.- Im Rekursverfahren sind die in Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung angeordneten
Abstinenzauflagen umstritten. Nicht angefochten wurden die Aufhebung des
Sicherungsentzugs und die Wiedererteilung des Führerausweises, weshalb es dabei
sein Bewenden hat.
a) Der Rekurrent macht zur Hauptsache geltend, das Kurzgutachten des IRM vom 14.
Oktober 2016 vermöge die Notwendigkeit einer Abstinenzauflage für die Dauer von
zwei Jahren nicht zu begründen. Es sei vielmehr unvollständig, unklar, nicht
nachvollziehbar und verletze die Untersuchungsmaxime. Daraus gehe nicht hervor, ob
die Vorinstanz die Gutachter auf die Strafbarkeit eines falschen Gutachtens
hingewiesen hätte, der Rekurrent über seine Rechte und Pflichten aufgeklärt worden
sei, auf welche Akten, Fremdauskünfte und Untersuchungen es sich stütze und wie
lange die Untersuchung gedauert habe, weshalb das Kurzgutachten nicht verwertbar
sei. Ferner habe der Rekurrent sich nicht vorgängig zu den Gutachterfragen äussern
können und hätten die von ihm eingereichten Unterlagen von Dr. B und der
Suchtberatung keinen Eingang in die Akten gefunden. Die Angaben im Bericht der
Suchtberatung müssten sodann relativiert werden. Beim Rekurrenten habe es nie einen
missbräuchlichen Alkoholkonsum gegeben. Dieser sei immer im sozial üblichen Mass
erfolgt. Seine Blutwerte hätten stets im Normbereich gelegen, was sowohl Dr. B als
auch ein Bericht des Spitals belegen könnten. Eine gründliche Prüfung der
persönlichen Verhältnisse sei im Rahmen der Begutachtung nicht erfolgt. Eine solche
Abklärung würde zeigen, dass die Auflagen nicht notwendig und damit
unverhältnismässig seien. Es sei aktenmässig erstellt, dass der Rekurrent seit Oktober
2015 durchgehend totalabstinent gelebt und davor ein höchstens moderater
Alkoholkonsum stattgefunden habe. Die verfügten Auflagen, welche seine persönliche
Freiheit übermässig einschränkten, seien daher nicht verhältnismässig. Eine
Fahrabstinenz werde künftig ausreichen, um ihn vom Fahren im angetrunkenem
Zustand abzuhalten und damit die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
b) Der gestützt auf eine Fahreignungsabklärung auf unbestimmte Zeit entzogene
Führerausweis kann bedingt und unter Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine
allfällige gesetzliche oder verfügte Sperrfrist abgelaufen ist und die betroffene Person
die Behebung des Mangels nachweist, der die Fahreignung ausgeschlossen hat (Art.
17 Abs. 3 SVG). Staatliche Eingriffe in die persönliche Freiheit müssen auf gesetzlicher
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Grundlage beruhen und verhältnismässig sein (Art. 10 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 36
Abs. 1 und Abs. 3 der Bundesverfassung). Zum Nachweis der Heilung wird bei
Suchtkrankheiten in der Regel eine mindestens einjährige kontrollierte Abstinenz
verlangt (BGE 129 II 82 E. 2.2). Bestehen nach Ablauf der mindestens einjährigen
Probezeit noch Bedenken, kann die Wiedererteilung des Führerausweises an Auflagen
wie beispielsweise die Einhaltung einer befristeten und ärztlich kontrollierten Abstinenz
geknüpft werden (BGE 125 II 289 E. 2b). Diese medizinische Nachkontrolle hat
wiederum mindestens ein Jahr zu dauern (Urteil des Bundesgerichts [BGer]
1C_243/2010 vom 10. Dezember 2010 E. 2.2). Der Umfang und die Dauer der
verkehrsmedizinischen Abklärungen und Nachkontrollen richten sich nach den
Umständen des Einzelfalls und liegen im pflichtgemässen Ermessen der
Entzugsbehörde (BGE 129 II 82 E. 2.2 S. 84; 125 II 289 E. 2b S. 292; vgl. auch BGE 131
II 248 E. 6 S. 251 f.). Die Auflage, während der betreffenden Zeit abstinent zu leben und
dies ärztlich kontrollieren zu lassen, steht in diesen Fällen in unmittelbarem
Zusammenhang mit der Überwindung einer Suchtkrankheit, welche die Fahreignung
des Betroffenen beeinträchtigt. Der damit verbundene Eingriff in die
Persönlichkeitsrechte erscheint im Interesse der Verkehrssicherheit gerechtfertigt
(BGE 130 II 25 E. 3.2 S. 28 f.; 129 II 82 E. 2.2 S. 84).
c) Der Rekurrent wurde – nachdem der Verdacht bestand, dass er am 22. August 2015
ein Motorrad in alkoholisiertem Zustand gelenkt habe – zur Abklärung der Fahreignung
verkehrsmedizinisch untersucht, wogegen er sich nicht zur Wehr setzte. In der
Haarprobe vom 29. Dezember 2015 wurden im ersten Segment (0-2 cm ab Kopfhaut)
0 pg/mg des Alkoholabbauprodukts Ethylglucuronid (EtG) und im zweiten Segment
(2-5 cm ab Kopfhaut) ein EtG-Wert von 19 pg/mg nachgewiesen (act. 12/48). Die
Gutachter kamen zum Schluss, aus verkehrsmedizinischer Sicht könne die
Fahreignung bei zumindest episodischem Alkoholüberkonsum mit Hinweis auf
Alkoholmissbrauchs bei noch reduzierter Einsichtsebene und nicht ausreichend langer
Abstinenz nicht befürwortet werden. Es wurde eine mindestens viermonatige,
fachtherapeutisch betreute und mittels Haaranalyse kontrollierte Alkoholabstinenz
empfohlen (act. 12/43). Somit lag beim Rekurrenten damals eine Alkoholsucht im
strassenverkehrsrechtlichen Sinn nach Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG vor, weshalb ihm die
Vorinstanz in der Folge mit Verfügung vom 9. März 2016 den Führerausweis auf
unbestimmte Zeit entzog und die Wiedererteilung des Führerausweises an die vom IRM
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empfohlenen Bedingungen sowie eine verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung
knüpfte (act. 12/94). Jene Verfügung wurde vom Rekurrenten zu Recht nicht
angefochten. Die Auswertung der am 22. August 2016 um 5.28 Uhr abgenommenen
Blutprobe ergab eine Blutalkoholkonzentration zwischen 1,94 und 2,16
Gewichtspromille (Mittelwert 2,05 Gewichtspromille). Im Zeitpunkt des Trinkendes um
2.00 Uhr war die Konzentration noch höher. Wie im Gutachten zutreffend ausgeführt,
ist eine solche Blutalkoholkonzentration Ausdruck einer Giftfestigkeit, wie sie nur durch
einen chronischen oder episodenhaften Alkoholüberkonsum resultieren kann. Denn
eine Person, die nur selten Alkohol trinkt, ist nicht in der Lage, eine
Blutalkoholkonzentration von über 2 Gewichtspromille überhaupt zu erreichen, zumal
sie – aufgrund der alkoholtoxischen Wirkung – schon vorher mit unter anderem
zunehmender Übelkeit, Bewusstseinstrübung und beispielsweise Erbrechen reagiert.
Eine derart beeinträchtigte Person wird von daher auch nicht mehr in der Lage sein, nur
noch halbwegs zielgerichtete Handlungen auszuführen, geschweige denn das
Fahrzeug zu finden und dieses nur einigermassen korrekt bedienen und führen oder
auch – wie vorliegend – stossen zu können (B. Liniger, Verkehrsmedizin:
Fahreignungsbegutachtung und Auflagen, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht
2004, St. Gallen, S. 92 f.). Zu berücksichtigen waren weiter die Angaben des
Rekurrenten zu den damaligen Trinkgewohnheiten mit regelmässig hohen
Trinkmengen, an denen zu zweifeln, kein Anlass besteht.
Am 7. September 2016 unterzog sich der Rekurrent erneut einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung. Das Kurzgutachten vom 14. Oktober 2016 stützt
sich auf die Vorgeschichte gemäss Akten, die verkehrsmedizinische Untersuchung, die
Fremdauskünfte und die Resultate der Laboruntersuchungen (Urin- und Haaranalysen)
ab. Die Urinprobe verlief negativ auf EtG. In der Haarprobe vom 7. September 2016
wurde im Segment 0-5 cm ab Kopfhaut kein EtG nachgewiesen (act. 12/117). Soweit
der Rekurrent die Vollständigkeit des Kurzgutachtens sowie das Fehlen näherer
Angaben zur Dauer der Untersuchung, zu den beigezogenen Akten und
Fremdauskünften, zur Aufklärung über seine Rechte und Pflichten, zur Belehrung der
Gutachter hinsichtlich der Strafbarkeit eines falschen Gutachtens etc. erhebt, ist ihm
entgegenzuhalten, dass er diese Rügen bereits vor Erlass der angefochtenen
Verfügung hätte geltend machen und ein ausführliches Gutachten hätte verlangen
können. In der Hauptsache hatten die Gutachter zu beurteilen, ob die Fahreignung des
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Rekurrenten gegeben sei und ihm der Führerausweis wiedererteilt werden könne. Die
Fragestellung war demnach offensichtlich klar und bedurfte keiner vorgängigen
Anhörung des Rekurrenten mit der Einräumung der Möglichkeit, Ergänzungsfragen zu
stellen. Da die Gutachter die Fahreignung des Rekurrenten und damit die
Wiedererteilung des Führerausweises bejahten, was im Sinn des Rekurrenten war,
verfassten sie ein Kurzgutachten und verzichteten auf eine eingehende Abklärung der
persönlichen Verhältnisse, was vorliegend als ausreichend erscheint. Auf die Einholung
eines neuen Gutachtens, die Vornahme weiterer Abklärungen und eine Rückweisung zu
neuer Verfügung an die Vorinstanz kann daher verzichtet werden. Eine Verletzung des
Rechtsgleichheitsgebots ist sodann nicht ersichtlich. Der Rekurrent benennt denn auch
keine konkreten Fälle, in welchen die Vorinstanz anders gehandelt hätte. Die Verfügung
von Auflagen stellt auch keine Verletzung des Verbots der Doppelbestrafung dar, da es
um die Verkehrssicherheit und nicht um eine Bestrafung des Rekurrenten geht.
Dass die Fahreignung im Gutachten nur mit Auflagen bejaht wurde, entspricht gängiger
Praxis. Es trifft zwar zu, dass der Rekurrent nie in angetrunkenem oder sonst
fahruntüchtigem Zustand am Steuer eines Motorfahrzeugs angetroffen wurde. Das ist
indessen nicht massgebend. Einem Lenker, dessen Fahreignung durch eine Sucht
ausgeschlossen wird, ist der Führerausweis unabhängig von einem allfälligen
einschlägigen Strassenverkehrsdelikt zu entziehen. Können die die Fahreignung
ausschliessenden Defizite durch Auflagen behoben werden, ist ihm der Führerausweis
unter diesen Auflagen wiederzuerteilen, wobei an ihnen solange festzuhalten ist, bis
Gewähr besteht, dass sie dauerhaft behoben sind. Die verfügten Auflagen beruhen auf
einer gesetzlichen Grundlage und bilden im vorliegenden Fall ein zweckangemessenes
und notwendiges Mittel zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit. Eine
Wiedererteilung ohne Auflagen kommt daher nicht in Frage und der Hauptantrag des
Rekurrenten ist demnach abzuweisen.
d) Ob eine Alkoholsucht oder ein verkehrsrelevanter Alkoholmissbrauch dauerhaft
erfolgreich überwunden wurden, bedarf nach der Wiedererteilung des Führerausweises
in der Regel einer weiteren mindestens einjährigen Kontrolle der Einhaltung einer
vollständigen Alkoholabstinenz samt therapeutischen Begleitung. Dazu sind
regelmässige Haaranalysen und eine Suchttherapie erforderlich. Die betroffene Person
hat regelmässig eine Beratungs- oder Therapiestelle (Suchtberatung, Psychologe,
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Psychiater, Hausarzt usw.) für Beratungsgespräche aufzusuchen. Mit einer
Alkoholfahrabstinenz ist diese Kontrolle nicht gewährleistet. Die von der Vorinstanz
angeordneten Auflagen (vollständige Alkoholabstinenz während mindestens zwei
Jahren, zweimal jährliche Überprüfung mittels Haaranalysen, Besuch einer
Suchtfachstelle) liegen über der Mindestdauer gemäss Bundesgericht, jedoch im
üblichen Rahmen nach einem Sicherungsentzug gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG.
Im Kurzgutachten wird die empfohlene Mindestdauer für die Abstinenzauflagen von
zwei Jahren nicht näher begründet. Angesichts des Umstandes, dass für die
Wiedererteilung im Gutachten vom 16. Februar 2016 der Nachweis einer
Alkoholabstinenz von lediglich vier Monaten gefordert wurde, obschon dafür in der
Regel eine solche von zwölf Monaten erforderlich ist, erscheint eine Reduktion der
Mindestdauer der Auflagen auf ein Jahr im konkreten Fall als vertretbar. Der Rekurrent
hat nach dem Vorfall vom 22. August 2015 den Alkoholkonsum nachweislich
eingestellt. Er hat die Termine der Suchttherapie regelmässig wahrgenommen. Die
Therapeutin bescheinigt, es sei ihm gelungen, seine verharmlosende Art zum
Alkoholkonsum abzulegen und sich kritisch damit auseinanderzusetzen (act. 7/4). Es
rechtfertigt sich daher vorliegend, die Frist, nach welcher frühestens eine Aufhebung
der Auflagen geprüft werden kann, von zwei Jahren auf ein Jahr zu reduzieren. Ziff. 2
lit. c Satz 2 der angefochtenen Verfügung ist entsprechend abzuändern. Dies
entspricht einer teilweisen Gutheissung des Rekurses.
5.- Mit den Auflagen soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum Schutz der
Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer nur in fahrfähigem Zustand ein
Motorfahrzeug lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet, müsste er diese Auflagen während
eines Beschwerdeverfahrens nicht einhalten. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb
die vom Gesetz vorgesehene aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 51 VRP).
6.- Der Rekurrent beantragt weiter, die vorinstanzliche Gebühr sei auf die Staatskasse
zu nehmen. Ausserdem sei ihm für das vorinstanzliche Verfahren eine
Parteientschädigung nach richterlichem Ermessen zuzusprechen.
a) In Verfahren nach Art. 94 Abs. 1 VRP hat derjenige eine Gebühr zu entrichten, der
eine Amtshandlung zum eigenen Vorteil oder durch sein Verhalten veranlasst hat. Als
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Verhaltensverursacher gilt, wer unmittelbar durch sein Verhalten eine Amtshandlung
veranlasst. Ein Verschulden ist nicht erforderlich (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach
st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St. Gallen 2004, S. 74). Gemäss
Ziff. 20.12 des Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung (sGS 821.5)
beträgt die Gebühr für Verfügungen in einem Verwaltungsverfahren, soweit keine
andere Gebühr festgelegt ist, zwischen Fr. 150.– und Fr. 2'300.–.
Nach rechtskräftigem Sicherungsentzug beantragte der Rekurrent bei der Vorinstanz
die Wiedererteilung des Führerausweises. Auf sein Ersuchen hin wurde das
vorinstanzliche Verfahren eingeleitet, weshalb die Gebühr zu Recht dem Rekurrenten
auferlegt wurde. Die Höhe der Gebühr wurde vom Rekurrenten nicht gerügt. Mit
Fr. 430.– beträgt diese im Übrigen rund einen Fünftel der maximal möglichen Gebühr
und ist daher nicht zu beanstanden.
b) Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP bestimmt, dass in erstinstanzlichen Verfahren in der Regel
keine ausseramtlichen Kosten zugesprochen werden. Eine ausseramtliche
Entschädigung ist im erstinstanzlichen Verfahren jedoch dann gerechtfertigt, wenn das
Verfahren willkürlich eröffnet wurde oder wenn für die Betroffenen durch die Eröffnung
des Verfahrens zur Wahrung ihrer Rechte der Beizug eines Anwalts unbedingt
erforderlich ist (VRKE IV-2013/82 vom 25. September 2013, im Internet abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch; GVP 1987 Nr. 46). Die Frage, wann eine fachkundige rechtliche
Vertretung notwendig ist, ist in sachgemässer Analogie zur Praxis bei der Gewährung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu beantworten. Es ist folglich insbesondere
auf die Schwierigkeit der sich im Verfahren stellenden Fragen, die Rechtskenntnisse
der Beteiligten, die Bedeutung der Streitsache für die Betroffenen und auf eine allfällige
Rechtsvertretung der Gegenpartei abzustellen (Hirt, a.a.O., S. 156 f.).
Für eine willkürliche Verfahrenseröffnung ergeben sich vorliegend keine Anhaltspunkte.
Im Gegenteil hat der Rekurrent das Verfahren selbst veranlasst. Es wäre ihm ohne
Weiteres möglich gewesen, die Notwendigkeit wie auch die Dauer der Auflagen im
vorinstanzlichen Verfahren auch ohne Anwalt zu bestreiten; dementsprechend ist der
Rekurs in diesem Punkt ebenfalls abzuweisen. Es bleibt, die Kosten des
Rekursverfahrens zu verlegen.
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7.- Der Rekurrent unterliegt mit den Hauptanträgen, dem Eventualantrag und dem
Subeventualantrag, dringt aber mit dem Subsubeventualantrag durch. Dies entspricht
einer teilweisen Gutheissung des Rekurses. Des Weiteren unterliegt er mit sämtlichen
formellen Rügen, die mehrheitlich an der Grenze zur Trölerei liegen. Auch das Gesuch
um Erteilung der aufschiebenden Wirkung wurde mit Verfügung vom 17. Januar 2017
abgewiesen. Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten zu drei Vierteln
dem Rekurrenten und zu einem Viertel dem Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Aufgrund der äusserst umfangreichen Eingabe des Rekurrenten von beinahe 40 Seiten
mit zahlreichen Ausführungen zu Fragen, welche sich in diesem Verfahren nicht (mehr)
stellen, erscheint eine Entscheidgebühr von Fr. 1'600.–, worunter die Kosten der
Verfügung zur aufschiebenden Wirkung vom 17. Januar 2017 von Fr. 200.–
(ZV-2017/6), als angemessen (vgl. Art. 95 Abs. 2 VRP; Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu
verrechnen.
Ein Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung besteht bei diesem
Verfahrensausgang nicht (Art. 98 VRP; Hirt, a.a.O., S. 183).