Decision ID: de4b1ac0-3122-417e-a123-e846782a48af
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Vaterschaft
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im vereinfachten Verfahren am Bezirksgericht Uster vom 20. Juli 2016 (FK150017-I)
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Rechtsbegehren des Klägers: (Urk. 1 S. 2)
"1. Es sei festzustellen, dass A._ (Kläger) nicht der Vater von C._ (Beklagter 2) sei.
2. B._ sei unter Strafandrohung von Art. 292 StGB zu verpflichten, sich zusammen mit dem Sohn C._ einem Vaterschaftstest (DNA-Test (Vater, Mutter und Kind) zu unterziehen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten."
Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 20. Juli 2016: (Urk. 82 = Urk. 85)
1. Die Klage betreffend Anfechtung Vaterschaft wird abgewiesen.
2. Die Feststellungsklage betreffend Vaterschaft wird als gegenstandslos ge-
worden abgeschrieben.
3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'600.–.
4. Die Entscheidgebühr wird dem Kläger auferlegt und mit dem von ihm geleis-
teten Kostenvorschuss verrechnet.
5. Der Kläger wird verpflichtet der Beklagten 1 eine Parteientschädigung von
Fr. 4'320.– zu bezahlen.
6. [Mitteilungssatz].
7. [Rechtsmittelbelehrung].
Berufungsanträge:
des Klägers und Berufungsklägers (Urk. 84 S. 2):
"1. Es sei das Urteil bezüglich Dispositiv Ziff. 1 und 3 bis 5 des  Uster vom 20.07.2016 aufzuheben und die Klage betreffend  der Vaterschaft gutzuheissen.
2. Die Vaterschaft sei ex tunc aufzuheben und es sei die zuständige  anzuweisen, den Kläger als Vater des Beklagten 2 aus dem Zivilstandsregister zu löschen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8% MwSt.) zu Lasten der Beklagten 1 und 2."
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der Beklagten und Berufungsbeklagten 1 (Urk. 91 S. 2):
"Es sei die Berufung des Klägers und Berufungsklägers abzuweisen;
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8% Mehrwertsteuer  des Klägers und Berufungsklägers."
des Beklagten und Berufungsbeklagten 2 (Urk. 94 S. 2):
"1. Es seien die mit Berufungsschrift vom 26. Januar 2017 gestellten Anträge des Klägers vollumfänglich abzuweisen.
2. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Uster, Einzelgericht im  Verfahren, vom 20. Juli 2016 (Geschäfts-Nr. FK150017-I) zu .
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Klägers.
4. Dem Zweitbeklagten seien weder Kosten noch Entschädigungen . Eventualiter sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu ."

Erwägungen:
I.
1. Der Kläger und Berufungskläger (nachfolgend Kläger) und die Beklagte und
Berufungsbeklagte 1 (nachfolgend Beklagte 1) sind seit dem tt. August 2005 mit-
einander verheiratet (Urk. 2). Am tt.mm.2007 und somit während der Ehe kam der
Beklagte und Berufungsbeklagte 2 (nachfolgend Beklagter 2) zur Welt. Aufgrund
der gesetzlichen Vermutung in Art. 255 Abs. 1 ZGB wurde der Kläger in der Ge-
burtsurkunde als Vater des Beklagten 2 eingetragen (Urk. 3). Mit Eingabe vom
17. April 2014 machte die Beklagte 1 beim Bezirksgericht Uster ein Eheschutzver-
fahren anhängig (Urk. 5/1). Anlässlich der Eheschutzverhandlung vom 19. Juni
2014 schlossen die Parteien eine Vereinbarung und hielten übereinstimmend fest,
dass sie seit dem 15. April 2014 getrennt leben würden (Urk. 5/16 und 5/19). Mit
Eingabe vom 2. Juli 2015 reichte der Kläger – damals noch nicht anwaltlich ver-
treten – bei der Vorinstanz eine Klage auf Anfechtung der Vaterschaft ein (Urk. 1).
Umstritten ist vorliegend, ob die absolute Klagefrist von fünf Jahren seit der Ge-
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burt des Kindes wiederhergestellt werden kann, weil ein wichtiger Grund für die
Verspätung vorliegt (Art. 256c Abs. 3 ZGB). Während die Beklagten 1 und 2 die
Verwirkung der Klagefrist geltend machen und die Existenz eines wichtigen Grun-
des verneinen (Urk. 20 S. 2 und S. 5; Urk. 22 S. 2 f.; Prot. I S. 10), vertritt der Klä-
ger den konträren Standpunkt, wonach ein wichtiger Grund im Sinne von
Art. 256c Abs. 3 ZGB für die Wiederherstellung der fünfjährigen Klagefrist vorge-
legen habe (Urk. 1 S. 4; Prot. I S. 6 ff. und S. 22 ff.).
2. Am 22. Oktober 2015 fand die Hauptverhandlung am Bezirksgericht Uster
statt (Prot. I S. 5-12). Am 11. November 2015 erliess die Vorinstanz eine Beweis-
verfügung, worin sie den Beklagten 1 und 2 für drei ihrer Behauptungen den
Hauptbeweis auferlegte (Urk. 29). Gleichzeitig holte die Vorinstanz bei der Klinik
für Reproduktions-Endokrinologie des Universitätsspitals Zürich eine schriftliche
Auskunft ein und forderte sie auf, Unterlagen zur Krankengeschichte des Klägers
sowie Gesprächsnotizen einzureichen (Urk. 29 S. 4; Urk. 31). Am 5. April 2016
fand eine Instruktionsverhandlung statt, anlässlich welcher der Kläger und die Be-
klagte 1 im Sinne von Art. 191 ZPO formell befragt wurden (Prot. I S. 16; Urk. 42
und 43). Eine Einigung zwischen den Parteien konnte daraufhin nicht erzielt wer-
den (Prot. I S. 16). Innert der von der Vorinstanz angesetzten Frist (Urk. 48) er-
statteten die Parteien sodann ihre schriftlichen Schlussvorträge, wobei der Kläger
bei dieser Gelegenheit neue Tatsachen und zahlreiche neue Beweismittel vor-
brachte (Urk. 52, 53 und 55; Urk. 56/1-22). Mit Verfügung vom 7. Juni 2016 stellte
die Vorinstanz die Schlussvorträge den Parteien gegenseitig zu und wies die vom
Kläger neu eingereichten Beilagen 3 bis 5 (Urk. 56/3-5) aus dem Recht (Urk. 61).
Mit Eingabe vom 6. Juli 2016 teilte der Kläger der Vorinstanz unter Einreichung
eines Abstammungsgutachtens mit, dass in der Zwischenzeit habe festgestellt
werden können, dass er nicht der Vater des Beklagten 2 sei (Urk. 65 S. 1; Urk.
67/4). Zudem opponierte er gegen die mit Verfügung vom 7. Juni 2016 festgestell-
te Unbeachtlichkeit der eingereichten Beilagen (Urk. 56/3-5) und beantragte die
Abnahme weiterer Beweismittel (Urk. 65 S. 2 ff.). Am 14. Juli 2016 fand eine letz-
te Verhandlung statt, anlässlich welcher die Parteien Gelegenheit zur Ergänzung
der ersten Schlussvorträge erhielten und sodann ihre zweiten Schlussvorträge er-
statteten (Prot. I S. 20-24). Ohne weitere Beweismittel abzunehmen, wies die Vor-
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instanz mit (unbegründetem) Urteil vom 20. Juli 2016 die Klage betreffend An-
fechtung der Vaterschaft ab und auferlegte dem Kläger die Prozesskosten (Urk.
73). Mit Schreiben vom 25. Juli 2016 beantragte der Kläger die Begründung des
Urteils im Sinne von Art. 239 Abs. 2 ZPO (Urk. 75). Am 12. Dezember 2016 wur-
de den Parteien schliesslich das begründete Urteil zugestellt (Urk. 82 und 83).
3. Der Kläger erhob mit Eingabe vom 26. Januar 2017 rechtzeitig Berufung ge-
gen das vorinstanzliche Urteil und stellte die eingangs wiedergegebenen Anträge
(Urk. 84). Der mit Verfügung vom 31. Januar 2017 einverlangte Kostenvorschuss
von Fr. 4'000.– ging fristgerecht bei der Obergerichtskasse ein (Urk. 88 und 89).
Die Berufungsantworten der Beklagten 1 und 2 datieren jeweils vom 27. März
2017 (Urk. 91 und 94) und wurden mit Verfügung vom 3. April 2017 der Gegen-
seite zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 95). Der Kläger liess sich daraufhin nicht
mehr vernehmen.
4. Die Rechtsmittelvoraussetzungen sind vorliegend erfüllt: Die Berufung des
Klägers, der durch das angefochtene Urteil beschwert ist, richtet sich gegen einen
erstinstanzlichen Endentscheid in einer nicht vermögensrechtlichen Angelegen-
heit (Art. 308 Abs. 1 lit. a ZPO). Sie wurde frist- und formgerecht erhoben
(Art. 311 Abs. 1 ZPO; Urk. 83 und 84) und der einverlangte Kostenvorschuss
wurde rechtzeitig geleistet (Urk. 88 und 89). Unter dem Vorbehalt rechtsgenügen-
der Begründung ist somit auf die Berufung einzutreten.
5. Die Berufung hemmt die Rechtskraft des angefochtenen Entscheids nur im
Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Die nicht angefochtene Dispositivzif-
fer 2 des vorinstanzlichen Entscheids ist damit in Rechtskraft erwachsen. Davon
ist Vormerk zu nehmen. Für die Feststellung und Anfechtung des Kindsverhältnis-
ses gilt die Offizial- sowie die Untersuchungsmaxime. Das Gericht ist damit an die
Parteianträge nicht gebunden und es hat den Sachverhalt von Amtes wegen zu
erforschen (Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO). Aufgrund der umfassenden Überprü-
fungsbefugnis ist die Berufungsinstanz nicht an die mit den Rügen vorgebrachten
Argumente oder an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden, sie kann die Rü-
gen auch mit abweichenden Erwägungen gutheissen oder abweisen (ZK ZPO-
Reetz/Theiler, Art. 310 N 6).
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II.
A. Anfechtungsfristen / Erwägungen der Vorinstanz
1. Wie erwähnt ist vorliegend umstritten, ob der Kläger die Anfechtungsklage
rechtzeitig erhoben hat. Gemäss Art. 256c Abs. 1 ZGB hat der Ehemann die An-
fechtungsklage binnen Jahresfrist einzureichen, seitdem er von der Geburt sowie
von der Tatsache erfahren hat, dass er nicht der Vater ist oder dass ein Dritter der
Mutter um die Zeit der Empfängnis beigewohnt hat, in jedem Fall aber vor Ablauf
von fünf Jahren seit der Geburt. Es handelt sich dabei um Verwirkungsfristen, de-
ren Einhaltung von Amtes wegen zu prüfen ist (BGer 5C.130/2003 vom 14. Okto-
ber 2003, E. 1.2; BK-Hegnauer, Art. 256c ZGB N 37, m.w.H.). Grundsätzlich ist
für den Beginn der relativen einjährigen Frist eine sichere, prozessual verwertbare
Kenntnis der Nichtvaterschaft zu verlangen. Die Kenntnis der Tatsache setzt aber
nicht voraus, dass auch Beweismittel für sie vorliegen. Blosse Zweifel oder Be-
fürchtungen reichen in der Regel nicht aus, ebenso wenig ein blosses "Kennen-
müssen" (ZR 82/1983 Nr. 48, E. 2; BSK ZGB I-Schwenzer/Cottier, Art. 256c N 3;
BK-Hegnauer, Art. 256c ZGB N 29). Trotz Fristversäumnis wird eine Anfechtung
zugelassen, wenn die Verspätung mit wichtigen Gründen entschuldigt wird
(Art. 256c Abs. 3 ZGB). Der Wiederherstellung sind sowohl die relative als auch
die absolute Frist zugänglich (BSK ZGB I-Schwenzer/Cottier, Art. 256c N 6). Ein
wichtiger Grund zur verspäteten Klageeinreichung liegt insbesondere dann vor,
wenn der klagende Registervater zuvor keine zureichende Veranlassung zu Zwei-
feln an seiner Vaterschaft und zur Anhebung der Anfechtungsklage hatte (BGer
5A_298/2009 vom 31. August 2009, E. 4.2).
2. Die Vorinstanz wies die Anfechtungsklage des Klägers mit folgender Be-
gründung ab:
2.1 Aus dem seitens der Beklagten 1 und 2 eingereichten Dokument mit dem Ti-
tel "Sperma Aufbereitung" (Urk. 21/1 und 23/1) ergebe sich, dass der Kläger im
Jahr 2010 medizinische Abklärungen in der Klinik für Reproduktions-Endokrinolo-
gie des Universitätsspitals Zürich habe durchführen lassen. In der schriftlichen
Auskunft des Universitätsspitals vom 21. Dezember 2015 (Urk. 36) habe die
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Oberärztin Dr. D._ auf entsprechende Fragen des Gerichts erklärt, beim Klä-
ger sei am tt. August 2010 eine probatorische Spermienaufbereitung durchgeführt
und ein urologisches Konsil in die Wege geleitet worden. Aufgrund der entspre-
chenden Untersuchungen müsse gemäss Dr. D._ von einer reduzierten
Spermienfunktion ausgegangen werden; eine spontane Zeugung eines Kindes sei
von der Wahrscheinlichkeit her deutlich reduziert, aber nicht ausgeschlossen
(Urk. 85 E. 3.6.4).
2.2 Es erscheine wenig überzeugend und widerspreche den im Recht liegenden
Unterlagen (Urk. 36 und 37), dass die Ärzte einen solch wichtigen Befund den Be-
troffenen nicht richtig erklärt haben sollen. Die Oberärztin Dr. D._ führe denn
auch in ihrer schriftlichen Auskunft vom 21. Dezember 2015 aus, dass sie im
Rahmen der gemeinsamen Konsultation vom tt. Juni 2010 dem Paar detailliert
den Ablauf, die Chancen sowie die Risiken und Kosten einer künstlichen Befruch-
tung sowie deren Alternativen erläutert habe. Zudem habe ihre Assistentin,
Dr. E._, im Rahmen der Konsultation vom tt. September 2010 das Resultat
der Spermienaufbereitung mit dem Paar besprochen. Dass die Parteien vor die-
sem Hintergrund einfach "die Übung abgebrochen" und versucht hätten, auf na-
türlichem Weg ein Kind zu zeugen, wie dies der Kläger weismachen wolle, er-
scheine nicht nachvollziehbar (Urk. 85 E. 3.6.7).
2.3 Gestützt auf die bereits zitierten ärztlichen Unterlagen und die schriftliche
Auskunft von Dr. D._ hätten die Beklagten 1 und 2 den Beweis erbracht,
dass die medizinischen Untersuchungen im Jahr 2010 beim Kläger ergeben hät-
ten, dass seine Spermien nur eine sehr reduzierte Funktionsfähigkeit aufgewiesen
hätten und deshalb eine Vaterschaft auf natürlichem Wege ohne künstliche Be-
fruchtung unwahrscheinlich gewesen sei. Weiter sei den Beklagten 1 und 2 der
Beweis gelungen, dass die Ärzte dem Kläger diese genannten Befunde im Jahr
2010 mitgeteilt hätten. Aufgrund des erstellten Sachverhaltes, d.h. des Resultats
der Spermienaufbereitung und der ärztlichen Erläuterungen dazu, habe auch ein
medizinischer Laie wie der Kläger ernsthaft in Betracht ziehen müssen, dass die
deutlich reduzierte Wahrscheinlichkeit einer spontanen Zeugung eines Kindes be-
reits früher, d.h. im Jahr 2007 bestanden habe. Mit anderen Worten habe sich
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dem Kläger die Frage der Nichtvaterschaft in Bezug auf den Beklagten 2 aufgrund
konkreter objektiver Anzeichen bereits im Jahr 2010 aufdrängen müssen (Urk. 85
E. 3.6.8 f.).
2.4 Da der Kläger somit bereits im Jahr 2010 die Nichtvaterschaft in Bezug auf
den Beklagten 2 in Betracht habe ziehen müssen, hätte ihn diesbezüglich zumin-
dest eine Abklärungspflicht getroffen. Der Kläger hätte nach den medizinischen
Resultaten weitere Abklärungen in Bezug auf die Frage der Nichtvaterschaft ver-
anlassen müssen. Dass er dies nicht getan habe, sei nicht entschuldbar und kön-
ne auch nicht mit der dannzumal bestehenden intakten Familiensituation erklärt
werden. Es liege somit kein wichtiger Grund im Sinne von Art. 256c Abs. 3 ZGB
vor, der die absolute Klagefrist von fünf Jahren wiederherstellen könne. Zusam-
menfassend sei festzuhalten, dass die absolute Klagefrist verwirkt sei. Eine Prü-
fung, ob die relative einjährige Frist im Sinne von Art. 256c Abs. 1 ZGB eingehal-
ten worden sei, könne damit unterbleiben (Urk. 85 E. 3.6.10 und E. 3.6.12).
2.5 Im Übrigen bestätige der Kläger mit seinen E-Mails an die Beklagte 1 vom
14. Juni 2014 und 21. Juli 2014, dass er entgegen seiner Darstellung bereits vor
seinen medizinischen Abklärungen im Jahre 2015 und somit deutlich vor Einrei-
chung der Vaterschaftsklage Zweifel an seiner Vaterschaft gehabt habe, fordere
er darin doch die Beklagte 1 auf, einen DNA-Test zu machen (Urk. 21/2 und
21/3). Da zu diesem Zeitpunkt die absolute Klagefrist bereits abgelaufen gewesen
sei, hätte der Kläger spätestens in diesem Zeitpunkt ohne weitere Verzögerung
Klage betreffend Vaterschaft einleiten müssen. Daran vermöge auch die Aussage
des Klägers anlässlich der persönlichen Befragung vom 5. April 2016, dass die
Zweifel aufgrund der Trennung gekommen seien (Urk. 42 S. 7), nichts zu ändern.
Da der Kläger mit der Klageeinleitung jedoch noch ein weiteres Jahr zugewartet
habe, sei die Klagefrist ohnehin verwirkt, selbst wenn er im Jahr 2010 noch keine
erheblichen Zweifel gehabt habe bzw. hätte haben müssen (Urk. 85 E. 3.6.13).
B. Rechtliche Beurteilung
1. Der Beklagte 2 ist am tt.mm.2007 geboren (Urk. 3). Die absolute fünfjährige
Klagefrist im Sinne von Art. 256c Abs. 1 ZGB ist somit am 9. Oktober 2012 abge-
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laufen, was vorliegend von keiner Partei bestritten wird. In casu stellt sich daher
die Frage, ob die verspätete Klageerhebung mit wichtigen Gründen entschuldigt
werden kann (Art. 256c Abs. 3 ZGB). Die Wiederherstellung der Anfechtungsfrist
kann grundsätzlich unbegrenzt erfolgen, weshalb die hierfür notwendigen wichti-
gen Gründe praxisgemäss restriktiv auszulegen sind (BGE 136 III 593 E. 6.1.1
= Pra 100 [2011] Nr. 51; BGer 5A_298/2009 vom 31. August 2009, E. 4.1).
Selbstverständlich ist auch hier das Gebot von Treu und Glauben (Art. 2 ZGB) zu
beachten, weshalb die Einreichung der Anfechtungsklage mit aller nach den Um-
ständen möglichen Beschleunigung zu erfolgen hat (BGer 5C.292/2005 vom
16. März 2006, E. 3.1, mit Hinweis auf BGE 132 III 1 E. 2.2 und 3.2). In der Regel
hat dies im Folgemonat nach Wegfall des Verzögerungsgrundes zu geschehen
(BGer 5A_240/2011 vom 6. Juli 2011, E. 6.2.1, mit Hinweis auf BGE 136 III 593
E. 6.1.1). Die einjährige relative Frist ist daher nur innerhalb der fünfjährigen ab-
soluten Frist von Bedeutung (BK-Hegnauer, Art. 256c ZGB N 15). Ist die absolute
Frist einmal abgelaufen, beginnt nach dem Wegfall des Verspätungsgrundes nicht
etwa die einjährige relative Frist zu laufen. Art. 256c Abs. 3 ZGB räumt dem kla-
genden Registervater keine – auch keine kurze – zusätzliche (Nach)Frist ein
(BGE 136 III 593 E. 6.1.1). Nach dem Gesagten spielt im vorliegenden Fall die
einjährige relative Frist keine Rolle, da bereits die absolute fünfjährige Frist abge-
laufen ist.
2. Wie vorstehend bereits ausgeführt, kann die absolute Klagefrist unter ande-
rem dann wieder hergestellt werden, wenn der klagende Registervater zuvor kei-
ne zureichende Veranlassung zu Zweifeln an seiner Vaterschaft und zur Anhe-
bung der Anfechtungsklage hatte. Blosse Zweifel ohne bestimmte Anhaltspunkte
bilden keine Grundlage zur Anfechtungsklage mit ihren strengen Anforderungen.
Wohl können aber die Umstände so liegen, dass der Kläger gehalten ist, sich
über die tatsächlichen Verhältnisse Gewissheit zu verschaffen, und dass das Un-
terlassen von Abklärungen als unentschuldbar erscheint (BGer 5A_298/2009 vom
31. August 2009, E. 4.2; BGer 5C.217/2006 vom 19. Februar 2007, E. 2.2, jeweils
m.w.H.; BGer 5C.130/2003 vom 14. Oktober 2003, E. 1.2; BGE 91 II 153 E. 2).
Wo die Zweifel an der Vaterschaft erst durch nach und nach eintretende Wahr-
nehmungen die Intensität erreichen, die eine Klage als zumutbar erscheinen lässt,
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hat der Registervater schon vor Eintritt dieses Zeitpunkts Gelegenheit und Anlass,
über die Konsequenzen einer Klage nachzudenken (BGer 5A_298/2009 vom
31. August 2009, E. 4.2). Nach dem Gesagten stellt sich vorliegend die Frage, ab
wann der Kläger zureichende Veranlassung zu Zweifeln an seiner Vaterschaft
hatte bzw. ab wann die Umstände so gelegen haben, dass der Kläger gehalten
war, sich über die tatsächlichen Verhältnisse Gewissheit zu verschaffen. Die Vor-
instanz erwog diesbezüglich, dass der Kläger aufgrund der medizinischen Unter-
suchungen im Jahr 2010 bereits damals die Nichtvaterschaft in Bezug auf den
Beklagten 2 ernsthaft hätte in Betracht ziehen und entsprechend weitere Abklä-
rungen veranlassen müssen. Dass er dies nicht getan habe, sei nicht entschuld-
bar. Es liege somit kein wichtiger Grund im Sinne von Art. 256c Abs. 3 ZGB vor,
der die absolute Klagefrist von fünf Jahren wiederherstellen könne. Zusammen-
fassend kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die absolute Klagefrist verwirkt sei
(Urk. 85 E. 3.6.10 und E. 3.6.12).
3. Der Kläger macht vor Obergericht insbesondere geltend, die Vorinstanz ha-
be sein rechtliches Gehör sowie sein Recht auf Beweis mehrfach verletzt. Er habe
mit seiner Stellungnahme vom 30. Mai 2016 unter anderem das Protokoll einer
Besprechung mit Dr. D._ vom 9. Mai 2016 (Urk. 56/3) eingereicht. Dieses
Beweismittel sei von der Vorinstanz zu Unrecht als unverwertbar betrachtet wor-
den. Ferner sei Dr. D._ zu Unrecht nicht als Zeugin befragt worden, wie dies
vom Kläger mit Stellungnahme vom 30. Mai 2016 beantragt worden sei. Auch
Dr. F._ sowie weitere Familienangehörige des Klägers seien nicht als Zeu-
gen angehört worden, obwohl dies explizit beantragt worden sei. Es könne nicht
angehen, dem Kläger in Bezug auf die wichtige Frage, ob aufgrund der damaligen
Abklärungen Zweifel an der Vaterschaft hätten aufkommen müssen oder nicht
(und ob solche tatsächlich aufgekommen seien), den Beweis zu versagen (Urk.
84 S. 7 f.). Die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass der Kläger im Jahr
2010 ernsthafte Zweifel an seiner Fähigkeit, Kinder zu zeugen, hätte haben müs-
sen. Aus dem eingereichten Gesprächsprotokoll gehe hervor, dass auch
Dr. D._ damals keine Zweifel an der Vaterschaft des Klägers gehabt habe.
Es sei deshalb willkürlich, vom Kläger zu verlangen, dass er selbst solche Zweifel
hätte haben müssen. Indem die Vorinstanz diese Eingaben, Beweismittel und
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Äusserungen des Klägers übergangen habe, habe sie damit sein rechtliches Ge-
hör erheblich verletzt. Sie habe den Sachverhalt ungenügend abgeklärt und lege
ihrem Urteil deshalb einen falschen Sachverhalt zugrunde. Es könne vom Kläger
nicht verlangt werden, dass er an seiner Vaterschaft hätte Zweifel haben müssen,
wenn nicht einmal die involvierten Ärzte daran gezweifelt hätten (Urk. 84 S. 9 ff.).
4. Die Beklagte 1 bringt vor Obergericht diesbezüglich vor, die Vorinstanz habe
das angebliche Protokoll einer Besprechung mit Dr. D._ vom 9. Mai 2016 zu
Recht aus dem Recht gewiesen. Es werde diesbezüglich auf die entsprechenden
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen. Befragungen von potentiellen Zeugen
durch eine Partei stellten kein taugliches Beweismittel dar, auch nicht Protokolle
solcher Befragungen. Der Kläger habe in seiner Klageschrift sinngemäss selbst
behauptet, das Testergebnis bedeute, dass es unwahrscheinlich sei, dass er oh-
ne künstliche Befruchtung Vater werden könne. Der Kläger setze sich damit in
Widerspruch zu seinen Ausführungen in der Berufungsschrift, wonach die Frage
nach der Wahrscheinlichkeit gar nicht beantwortet werden könne. Es sei für das
vorliegende Verfahren sodann nicht entscheidend, ob Dr. D._ oder Dr.
F._ Zweifel an der Vaterschaft des Klägers gehabt hätten. Entscheidend sei
alleine, ob der Kläger im Jahr 2010 bereits berechtigte Zweifel an seiner Vater-
schaft hätte haben müssen und er deshalb gehalten gewesen wäre, selbst weite-
re Abklärungen zu tätigen. Dies sei von der Vorinstanz zu Recht bejaht worden.
Die Befragung der vom Kläger offerierten Zeugen erscheine im Übrigen nicht
tauglich, um zu beweisen, dass der Kläger trotz Spermienuntersuchung im Jahre
2010 und den dazu im Recht liegenden Akten keinerlei Zweifel gehabt habe, der
biologische Vater des Beklagten 2 zu sein (Urk. 91 S. 5 ff.).
5. Der Beklagte 2 argumentiert im Berufungsverfahren ähnlich. Im vorliegen-
den Verfahren gehe es nicht um die Frage, ob die Ärzte damals an der Vater-
schaft des Klägers gezweifelt hätten, sondern einzig darum, ob der Kläger selbst
objektive Gründe gehabt habe, um an seiner Vaterschaft zu zweifeln. Dass der
Kläger bereits im Jahr 2010 abgeklärt worden sei und damals bereits eine stark
verminderte Spermienqualität diagnostiziert worden sei, habe der Kläger in seiner
Klageschrift mit keinem Wort erwähnt. Bereits nach der probatorischen Spermi-
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enaufbereitung vom 30. August 2010 sei festgestanden, dass die Fertilität des
Klägers sehr stark beeinträchtigt sei. Bereits damals wäre der Kläger gehalten
gewesen, sich über die Vaterschaft des Beklagten 2 Gewissheit zu verschaffen,
sodass das Zuwarten und das Unterlassen weiterer Abklärungen unentschuldbar
sei. Aufgrund der Beweisabnahmen und Abklärungen der Vorinstanz stehe fest,
dass Dr. D._ und Dr. E._ vom Universitätsspital Zürich den Kläger an-
lässlich des Gesprächs vom 10. September 2010 über die sehr schlechte Sper-
mienqualität aufgeklärt hätten. Zudem sei das Resultat auch mit Dr. F._ be-
sprochen worden. Nach dem Gesagten hätte der Kläger bereits im Jahr 2010 be-
rechtigte Zweifel an der Vaterschaft haben müssen. Aus all diesen Gründen liege
keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. Sämtliche vom Kläger beantragten
Zeugenbefragungen würden sich somit erübrigen (Urk. 94 S. 3 f.).
6. Die Frage, ob die Vorinstanz gewisse Beweismittel des Klägers zu Unrecht
aus dem Recht gewiesen bzw. nicht abgenommen hat, kann vorliegend offenblei-
ben. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz geht aus den vorliegenden Urkunden
nicht eindeutig hervor, dass der Kläger bereits im Jahr 2010 erhebliche Zweifel an
der Vaterschaft des Beklagten 2 hätte haben müssen. Wie nachfolgend aufge-
zeigt wird, musste der Kläger aufgrund der medizinischen Untersuchungen im
Jahr 2010 nicht davon ausgehen, dass er nicht der biologische Vater des drei
Jahre zuvor geborenen Beklagten 2 sein könnte. Da somit zur Frage im Zusam-
menhang mit den medizinischen Abklärungen im Jahr 2010 der Ansicht des Klä-
gers zu folgen ist, erübrigen sich weitere Ausführungen dazu, ob die Vorinstanz
noch andere Beweismittel des Klägers zu dieser Thematik hätte abnehmen müs-
sen.
6.1 Die Vorinstanz kam aufgrund ihrer Würdigung der Beweismittel der Beklag-
ten 1 und 2 zum Schluss, dass der Kläger im Jahr 2010 ernsthafte Zweifel an sei-
ner Fähigkeit, Kinder zu zeugen, und somit auch nicht mehr zu unterdrückende
Zweifel an der Vaterschaft des Beklagten 2 hätte haben müssen. Die Vorinstanz
stützte sich bei ihrem Entscheid auf folgende drei Beweissätze, für welche sie den
Beklagten 1 und 2 den Hauptbeweis auferlegte (Urk. 29 S. 3 f.):
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1. dass der Kläger im Jahr 2010 diverse ärztliche Untersuchungen im  mit einer allfälligen künstlichen Befruchtung durchführen liess, insbesondere eine Samenanalyse.
2. dass die Untersuchungen im Jahr 2010 ergaben, dass die Spermien des Klägers nur sehr reduzierte Spermienfunktionen aufwiesen und es  unwahrscheinlich ist, dass der Kläger ohne künstliche Befruchtung Vater werden kann.
3. dass der Arzt dem Kläger die Befunde der Untersuchungen im Jahr 2010 mitgeteilt hat, insbesondere dass praktisch alle Spermien  seien und nur über einen Schwanzstumpf verfügen würden, weshalb der Verdacht auf einen genetischen Defekt bestünde und  Abklärungen empfohlen seien.
6.2 Was den Beweissatz 1 betrifft, hat der Kläger anlässlich der Hauptverhand-
lung vom 22. Oktober 2015 nicht bestritten bzw. sogar bestätigt, dass im Jahr
2010 die erwähnten ärztlichen Untersuchungen im Zusammenhang mit einer all-
fälligen künstlichen Befruchtung durgeführt wurden (Prot. I S. 6 f.). Entsprechend
handelt es sich beim Beweissatz 1 nicht um eine "streitige" Tatsache im Sinne
von Art. 150 Abs. 1 ZPO, weshalb diesbezüglich eine Beweiserhebung von vorn-
herein hätte unterbleiben können.
6.3 Bezüglich des Beweissatzes 2 ist übereinstimmend mit der Vorinstanz da-
von auszugehen, dass beim Kläger (damals) eine reduzierte Spermienfunktion
vorgelegen hat, weshalb eine spontane Zeugung eines Kindes von der Wahr-
scheinlichkeit her deutlich reduziert, aber nicht mit 0% anzusehen war (Urk. 85
E. 3.6.4; Urk. 36 Frage 2). Auch die probatorische Spermienaufbereitung vom
3. September 2010 hält fest, dass die meisten Spermien des Klägers nur über ei-
nen Schwanzstumpf verfügen würden (Urk. 21/1). Dem vom Kläger eingereichten
Überweisungsbericht von Dr. G._ an Dr. F._ vom 20. April 2010 ist
ebenfalls zu entnehmen, dass 81% der Spermien einen stark verkürzten Schwanz
hätten (Urk. 56/1). Daraus folgend geht Dr. F._ in seinem Schreiben an den
Kläger vom 19. Mai 2016 davon aus, dass keine vollständige Zeugungsunfähig-
keit vorliege. Die Möglichkeit, auf natürliche Weise schwanger zu werden, sei je-
doch aufgrund der vorliegenden Resultate "stark eingeschränkt" (Urk. 56/6). Nach
dem Gesagten hat das erstinstanzliche Beweisverfahren ergeben, dass beim Klä-
ger im Jahr 2010 eben keine vollständige Zeugungsunfähigkeit, jedoch eine stark
- 14 -
reduzierte Spermienfunktion vorgelegen hat. Dementsprechend war zu diesem
Zeitpunkt (2010) die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Zeugung eines Kindes
deutlich reduziert, aber nicht vollständig ausgeschlossen. Somit ist auch die Be-
hauptung im zweiten Beweissatz der Beweisverfügung vom 11. November 2015
grundsätzlich zutreffend (Urk. 29 S. 3): Die Untersuchungen im Jahr 2010 haben
ergeben, dass die Spermien des Klägers (zu diesem Zeitpunkt) eine nur sehr re-
duzierte Spermienfunktion aufgewiesen haben und es deshalb unwahrscheinlich
(jedoch nicht ausgeschlossen) ist, dass der Kläger damals (2010) ohne künstliche
Befruchtung hätte Vater werden können. Zentral ist jedenfalls, dass sich in den
Spermiogrammen stets ein gewisser Prozentsatz von nicht veränderten Zellen be-
funden hat. "Damit ist es biologisch keinesfalls ausgeschlossen, dass es auf na-
türliche Weise zu einer Schwangerschaft hätte kommen können" (Urk. 56/6 S. 2;
vgl. auch Urk. 56/3 Frage 1).
6.4 Nachdem feststeht, dass der Kläger im Jahr 2010 im Zusammenhang mit
einem nichterfüllten Kinderwunsch die vorerwähnten medizinischen Untersuchun-
gen durchführen liess, stellt sich sodann im Rahmen des Beweissatzes 3 die
zentrale Frage, ob und wie dem Kläger die entsprechenden Resultate mitgeteilt
wurden.
6.4.1 Der Kläger führte anlässlich seiner Parteibefragung vom 5. April 2016
aus, dass im Jahr 2010 zwar eine Spermienentnahme durchgeführt, das Resultat
jedoch nie detailliert erläutert worden sei. Das Dokument "Sperma Aufbereitung"
(Urk. 21/1 = Urk. 23/1) habe er anlässlich der Verhandlung vom 22. Oktober 2015
das erste Mal gesehen. Anlässlich von zwei Besprechungen sei lösungsorientiert
ausgeführt worden, wie man in Zukunft fortfahren könne und welche Abklärungen
noch gemacht werden müssten. Zudem hätte man noch eine Abklärung in Bezug
auf eine Infektion machen müssen. Er habe 2010 einen Infekt gehabt und Medi-
kamente zur Behandlung eingenommen. Aufgrund dieser Medikamenteneinnah-
me hätte er damals eine schlechte Spermienqualität gehabt. Er sei erstaunt ge-
wesen, dass man aufgrund einer Entzündung diese Hürden nehmen müsse, da
es schliesslich bereits zweimal geklappt habe. Bei der zweiten Besprechung mit
Dr. E._ sei ihm das erwähnte Dokument ebenfalls nicht vorgelegt und es sei
- 15 -
auch nicht besprochen worden. Aufgrund des Gespräches mit Dr. E._ vom
tt. September 2010 habe er überhaupt keine Zweifel an der Vaterschaft gehabt.
Er habe eine intakte Beziehung und eine Familie mit einem dreijährigen Kind ge-
habt. Die Zweifel seien erst später aufgrund der Trennung gekommen (Urk. 42
S. 2 ff.). Zusammenfassend bestritt der Kläger anlässlich seiner Parteibefragung,
dass ihm die Resultate der Spermienuntersuchung sowie die entsprechenden
Konsequenzen daraus im Jahr 2010 im Detail erläutert worden seien. Er ging ge-
mäss eigenen Aussagen davon aus, dass die schlechte Spermienqualität durch
eine (Hoden)Entzündung und die damit verbundene Medikamenteneinnahme
verursacht worden sei.
6.4.2 Das Dokument "Sperma Aufbereitung" vom tt. September 2010 enthält
die folgende Bemerkung: "Die meisten Spermien haben nur einen Schwanz-
stumpf. Vd. auf genetischen Defekt -› Abklärung empfohlen" (Urk. 21/1 a.E.). Ob
dieses Dokument dem Kläger jemals vorgelegt bzw. ob ihm das Resultat einge-
hend erläutert wurde, geht aus dem Schreiben selbst nicht hervor. Die Beklagte 1
sagte anlässlich ihrer Parteibefragung vom 5. April 2016 aus, dass die Resultate
der Spermienuntersuchung mit den Ärzten im Detail besprochen worden seien.
Sie sei sich zu 70-80% sicher, dass der Kläger das Dokument "Sperma Aufberei-
tung" damals gesehen habe. Allein aus dem Testergebnis der probatorischen
Spermienaufbereitung (Urk. 21/1) lässt sich nach dem Gesagten jedoch nicht ab-
leiten, dass das Dokument den Parteien vorgelegt und mit ihnen gemeinsam be-
sprochen wurde.
6.4.3 Aus den vom Universitätsspital Zürich edierten Unterlagen zur Kranken-
geschichte des Klägers, inklusive Gesprächsnotizen von Besprechungen mit den
Parteien, geht hervor, dass der Kläger am tt. Juni sowie am tt. September 2010
an einer Besprechung am Universitätsspital Zürich teilgenommen hat (Urk. 37).
Zur Besprechung vom tt. Juni 2010 hat Dr. D._ unter dem Titel "Procedere"
folgendes festgehalten (Urk. 37 S. 1):
"Mit dem Paar bespreche ich zunächst die Vervollständigung der  Faktoren. Nach der Kontrolle bei Herrn Dr. F._ sollte dann eine probat. Spermienaufbereitung bei uns erfolgen zum Festlegen der Therapie. Sollte die Spermaqualität so bleiben, wäre eine ICSI-Behandlung indiziert. Ich
- 16 -
erläutere dem Paar bereits detailliert den Ablauf, die Chancen, Risiken und Kosten dieser ICSI-Behandlung. Alternativen hierzu die Adoption oder  Insemination. Mit dem Patienten noch die Möglichkeit der  besprechen, dieses habe ich heute nicht gemacht. Nun 1. Aufnahmeuntersuchung. 2. BE Infekte bei Mann und Frau. 3. Probat. Spermienaufbereitung. 4. Kurzfristige Besprechung nach der probat. Spermienaufbereitung bei
mir vormittags. 5. Hydrosonographie. Anmerkung: Die Sterilitätsbroschüre hat das Paar bereits mitgenommen."
Welche "sterilitätsrelevanten Faktoren" anlässlich der Konsultation vom tt. Juni
2010 genau besprochen worden sind, geht aus den vorstehenden Notizen von
Dr. D._ nicht hervor. Immerhin ging Dr. D._ aber davon aus, dass es
sich möglicherweise um eine vorübergehende Problematik gehandelt haben
könnte und eine Verbesserung der Spermienqualität entsprechend nicht auszu-
schliessen war ("Sollte die Spermienqualität so bleiben, ..."). Bezüglich der Be-
sprechung vom tt. September 2010 hat Dr. E._ sodann folgenden Eintrag
verfasst (Urk. 37 S. 2):
"Die Pat. stellt sich in Begleitung ihres Partners vor zur Besprechung der . Die probat. Aufbereitung zeigt eine Konzentration von 1 Mio./ml mit 1 % B-Spermien, was einer sehr schwierigen Situation für eine ICSI-Therapie entspricht. Das Paar ist etwas erstaunt, insbesondere weil sie bereits ein  Kind aus einer spontanen Schwangerschaft haben. Ich erkläre, dass wir in dieser Situation als nächsten Schritt bei der Patientin eine  zur Sicherung des mechanischen Faktors empfehlen, sowie beim Partner der Patientin ein Gespräch auf der Urologie zur Besprechung der TESE anmelden möchten. Das Paar ist mit diesem Vorgehen einverstanden. Letzte Periode 29.8.10. Zyklus regularis mit Zyklen von 26-29 Tagen. Die  beim Partner sind noch ausstehend. Er wird sie im Rahmen einer berufsmedizinischen Untersuchung bestimmen lassen und die Resultate  der nächsten Konsultation mitbringen."
Aus den vorstehenden Gesprächsnotizen kann gefolgert werden, dass zumindest
anlässlich der zweiten Besprechung vom tt. September 2010 die Resultate der
Spermienaufbereitung offenbar thematisiert wurden. Was den Parteien jedoch im
Detail mitgeteilt wurde, geht aus den Notizen nicht hervor. Die Parteien zeigten
sich offenbar erstaunt über die Testresultate, da alle Beteiligten davon ausgingen,
dass der Beklagte 2 auf natürliche Weise durch den Kläger gezeugt worden war.
- 17 -
Auch die Infektion des Klägers wurde thematisiert, die diesbezüglichen Ergebnis-
se waren zu diesem Zeitpunkt jedoch noch ausstehend. Allfällig geäusserte Zwei-
fel an der Vaterschaft des Beklagten 2 sind den Notizen nicht zu entnehmen. Die
Beklagte 1 konnte sich auf Nachfrage des Vorderrichters nicht daran erinnern, ob
anlässlich der Besprechung mit Dr. E._ die Diskrepanz der Resultate der
Spermienaufbereitung im Jahr 2010 mit der bestehenden Elternschaft durch
Spontangeburt thematisiert worden sei (Urk. 43 S. 3 f.). Nach dem Gesagten
konnte auch Dr. E._ anlässlich der Besprechung vom tt. September 2010
keine definitive Diagnose stellen, da gewisse Ergebnisse – insbesondere die In-
fektwerte des Klägers – noch ausstehend waren. Entsprechend machte Dr.
E._ einen Vorschlag für das weitere Vorgehen und empfahl den Parteien bis
zur nächsten Konsultation eine "Vervollständigung der Untersuchungen" (Urk. 37
S. 3). Entgegen der Vorinstanz musste der Kläger jedenfalls aufgrund dieser ärzt-
lichen Erläuterungen nicht zwingend in Betracht ziehen, dass die reduzierte
Wahrscheinlichkeit einer spontanen Zeugung bereits früher, d.h. im Jahr 2007 be-
standen hatte (Urk. 85 E. 3.6.9). Dies umso mehr, als eine vorübergehende Be-
einträchtigung der Spermienfunktion aufgrund einer Hodenentzündung nach wie
vor im Raum stand.
6.4.4 Dr. D._ bestätigte in der schriftlichen Auskunft vom 21. Dezember
2015, dass im Rahmen der Konsultation vom tt. September 2010 bei der Assis-
tentin das Resultat der Spermienaufbereitung mit dem Paar besprochen worden
sei (Urk. 36 S. 2). Weitere Angaben über den Inhalt dieser Besprechung machte
Dr. D._ jedoch nicht. Schliesslich beantwortete Dr. D._ die zentrale Fra-
ge Nr. 5 wie folgt (Urk. 36 S. 2):
Frage: "Wurde dem Kläger von ärztlicher Seite her insbesondere mitgeteilt, dass praktisch alle seine Spermien unbeweglich seien und nur über  Schwanzstumpf verfügen würden, weshalb der Verdacht auf einen genetischen Defekt bestünde und weitere Abklärungen empfohlen ?"
Antwort: "Am tt.09.2010 teilte Herr A._ mit, dass er keine Karyotypisierung wünsche. Auf Wunsch wurde im Rahmen der Konsultation vom tt.10.2010 mit der Patientin die Karyotypisierung nochmals erläutert. Sie wollte dieses dann nochmals mit ihrem Mann besprechen. Es erfolgte
- 18 -
danach allerdings keine Konsultation mehr bei uns. Inwieweit der  Urologe darauf eingegangen ist, entzieht sich meiner Kenntnis."
Dr. D._ konnte in ihrer schriftlichen Auskunft somit nicht bestätigen, dass
dem Kläger von ärztlicher Seite her mitgeteilt worden war, dass sein Spermiende-
fekt vermutlich auf einem genetischen Defekt beruhe. Ob überhaupt eine Ursache
für die schlechte Spermienqualität angegeben wurde (und falls ja welche), geht
aus der schriftlichen Auskunft nicht hervor. Ebenfalls ist den Antworten von
Dr. D._ nicht zu entnehmen, dass der Kläger dahingehend informiert worden
wäre, dass sein Spermiendefekt möglicherweise bereits im Jahr 2007 bestanden
hätte. Auch die als Ursache in Frage kommende Hodenentzündung wird in der
schriftlichen Auskunft nicht thematisiert. Schliesslich geht auch aus diesem Do-
kument nicht hervor, dass im Jahr 2010 irgendeine involvierte Person Zweifel an
der bestehenden Vaterschaft des Klägers geäussert hätte. Sogar die Beklagte 1
gab anlässlich ihrer Parteibefragung zu Protokoll, dass sie im Jahr 2010 keine
Zweifel daran hatte, dass der Kläger der biologische Vater des Beklagten 2 sei
(Urk. 43 S. 5). Ferner gingen auch die involvierten Ärzte damals offenbar davon
aus, dass der Beklagte 2 im Jahr 2007 auf natürlichem Weg durch den Kläger ge-
zeugt worden war. So ist den Aufzeichnungen von Dr. D._ vom 9. Juni 2010
zu entnehmen, dass bei dem Paar eine sekundäre (nachträgliche, erworbene)
Ehesterilität seit einem Jahr bestehe (Urk. 37 S. 1). Zudem hält Dr. E._ in ih-
ren Notizen fest, dass sich das Paar über die Untersuchungsresultate etwas er-
staunt gezeigt habe, "insbesondere weil sie bereits ein gesundes Kind aus einer
spontanen Schwangerschaft haben" (Urk. 37 S. 2). Schliesslich geht auch Dr.
G._ im Überweisungsbericht vom tt. April 2010 an Dr. F._ davon aus,
dass beim Kläger seit Januar 2009 eine "sekundäre Ehesterilität" vorliege und
dass die damalige Schwangerschaft mit dem Beklagten 2 aus "aktueller Bezie-
hung" entstanden sei (Urk. 56/1).
6.5 Zusammenfassend ist vorliegend davon auszugehen, dass im Jahr 2010
weder die Beklagte 1 – welche als einzige hätte wissen können, dass noch ande-
re Männer als Vater des Beklagten 2 in Frage kamen – noch die medizinischen
Fachpersonen daran zweifelten, dass der Kläger der biologische Vater des Be-
klagten 2 sei. Wieso nun der Kläger als einziger ernsthaft hätte in Betracht ziehen
- 19 -
müssen, "dass die deutlich reduzierte Wahrscheinlichkeit einer spontanen Zeu-
gung eines Kindes bereits früher, d.h. im Jahr 2007 bestanden hatte" (vgl. Urk. 85
E. 3.6.9), führt die Vorinstanz nicht näher aus und ist auch nicht ersichtlich. Es gilt
nicht zu vergessen, dass der Kläger und die Beklagte 1 damals noch eine intakte
Ehe führten, was die Beklagte 1 ausdrücklich bestätigte und gleichzeitig zugab,
dass sie damals dem Kläger gegenüber verschwiegen habe, dass noch andere
Männer als Vater in Frage kommen könnten (Urk. 43 S. 5). Auch wenn im Jahr
2010 bereits einzelne Hinweise betreffend die Nichtvaterschaft vorlagen, haben
die entsprechenden Zweifel des Klägers nicht die geforderte Intensität erreicht
bzw. erreichen müssen, da der Kläger aufgrund der Untersuchungen keine direk-
ten Rückschlüsse auf seine Zeugungsunfähigkeit im Jahr 2007 ziehen musste.
Schliesslich ging der Kläger damals noch davon aus, dass seine (vorübergehen-
de) Zeugungsunfähigkeit durch eine Hodenentzündung verursacht worden sei.
Entgegen der Vorinstanz musste der Kläger aufgrund der medizinischen Untersu-
chungen im Jahr 2010 die Nichtvaterschaft in Bezug auf den Beklagten 2 nicht
ernsthaft in Betracht ziehen, da auch die involvierten Ärzte keine diesbezüglichen
Zweifel geäussert haben. Entsprechend konnte vom Kläger im Jahr 2010 auch
nicht erwartet werden, dass er umgehend weitere Abklärungen im Zusammen-
hang mit der Vaterschaft des Beklagten 2 veranlassen musste.
7.1 Anders sieht die Situation jedoch im Jahr 2014 aus. Dem Eheschutzurteil
vom 27. Juni 2014 ist zu entnehmen, dass die Parteien seit dem 15. April 2014
getrennt leben (Urk. 5/19 Dispositivziffer 1). Kurz nach der Trennung schrieb der
Kläger der Beklagten 1 am 14. Juni 2014 eine E-Mail mit folgendem Inhalt (Urk.
21/2):
"[...] Ein anderer Punkt welcher mich sehr beschäftigt ist ob ich wirklich der Vater von C._ bin. Aufgrund dessen was vorgefallen ist sind diese  gerechtfertigt! [...]"
Rund fünf Wochen später, am 21. Juli 2014, schrieb der Kläger der Beklagten 1
eine weitere E-Mail im Zusammenhang mit dem von ihm gewünschten Vater-
schaftstest (Urk. 21/3):
- 20 -
"[...]Ich werde dir in den nächsten Tagen bei der Durchfahrt noch Unter[la]gen für ein Vaterschaftstest in den Briefkasten legen zu[r] Unterschrift. Ich möchte Gewissheit, ob ich der Vater von C._ bin. [...]"
Anlässlich seiner gerichtlichen Befragung hat der Kläger bestätigt, dass er die
beiden vorerwähnten E-Mails vom 14. Juni und 21. Juli 2014 geschrieben hat
(Urk. 42 S. 7). Ein Abstammungsgutachten wurde daraufhin jedoch nicht erstellt,
da die Beklagte 1 ihre Mitwirkung verweigerte, was sie selbst auch bestätigte
(Urk. 1 S. 4; Urk. 20 S. 3). Rund ein Jahr später, am 2. Juli 2015 reichte der Klä-
ger schliesslich die vorliegende Anfechtungsklage bei der Vorinstanz ein (Urk. 1).
Dem Protokoll der Parteibefragung vom 5. April 2016 sind im Zusammenhang mit
den beiden vorerwähnten E-Mails folgende Aussagen des Klägers zu entnehmen
(Urk. 42 S. 7 f.):
"Sie schreiben im E-Mail vom 14. Juni 2014 (act. 21/2): ‹Ein  Punkt welcher mich sehr beschäftigt ist ob ich wirklich der Vater von C._ bin. Aufgrund dessen was vorgefallen ist sind diese Bedenken gerechtfertigt!› Was haben Sie gemeint mit ‹aufgrund dessen was vorgefallen ist›?
Wir hatten eine intakte Familie und dann kam plötzlich die Trennung. Die Zweifel kamen aufgrund der Trennung.
Die Beklagte 1 liess anlässlich der Hauptverhandlung durch  Rechtsvertreter ausführen, Sie hätten ca. zwei Monate nach der Trennung der Parteien Mitte April 2014 Zweifel  und ein DNA-Gutachten gewollt, weil Sie Kenntnis hatten über den Befund der Samenanalyse im Jahr 2010 (act. 20. S. 3). Was sagen Sie dazu?
Nein, die Zweifel kamen wirklich wegen der Trennung."
7.2 Der Kläger hat somit anlässlich seiner Parteibefragung ausdrücklich bestä-
tigt, dass die Zweifel an der Vaterschaft (erst) mit der Trennung im April 2014 ge-
kommen seien. Diese Aussagen stimmen überdies mit den beiden E-Mails vom
Juni bzw. Juli 2014 überein, in welchen er kurz nach der Trennung die Beklagte 1
zur Teilnahme an einem Vaterschaftstest aufgefordert hat. Nach dem Gesagten
ist es schlicht aktenwidrig, wenn der Kläger ausführen lässt, dass er im Jahr 2014
- 21 -
"überhaupt keine Zweifel an der Vaterschaft" gehabt habe (Urk. 84 S. 39; vgl.
auch Prot. I S. 7). Ebenfalls unbelegt und nicht nachvollziehbar ist die Behaup-
tung des Klägers, es sei keine Seltenheit, dass in Eheschutzverfahren die Väter
den Wunsch nach einem Abstammungsgutachten äussern würden, insbesondere
wenn sie mit hohen Unterhaltszahlungen konfrontiert würden (Urk. 84 S. 39). Ein
solches Phänomen kann im Gerichtsalltag nicht beobachtet werden. Jedenfalls ist
es nicht gerichtsnotorisch, dass Väter im Rahmen von Eheschutzverfahren re-
gelmässig Abstammungsgutachten verlangen würden. Solche Begehren stellen
die Ausnahme und nicht die Regel dar. Darüber hinaus wurde das Eheschutzver-
fahren bereits mit Urteil vom 27. Juni 2014 (dem Kläger zugestellt am 1. Juli 2014;
Urk. 5/19 und 5/20) abgeschlossen. Entsprechend kann das klägerische E-Mail
vom 21. Juli 2014 (Urk. 21/3) nicht als emotionale Überreaktion im Rahmen des
Eheschutzverfahrens gewertet werden, so wie dies der Kläger andeutet (Urk. 84
S. 39: "Er war völlig schockiert, als die Beklagte das Eheschutzverfahren einleitete. Dass
er zu diesem Zeitpunkt einen Vaterschaftstest wünschte, ist alleine darauf zurückzufüh-
ren, dass er enttäuscht und verletzt war."). Nach dem ersten E-Mail vom 14. Juni
2014 hatte der Kläger rund fünf Wochen Zeit, um sich in Ruhe zu überlegen, ob er
tatsächlich ein Abstammungsgutachten in Auftrag geben möchte. Offenbar waren
seine Zweifel so gross, dass er sich entschlossen hat, an seinem Plan festzuhal-
ten, was er der Beklagten 1 mit E-Mail vom 21. Juli 2014 (Urk. 21/3) mitteilte.
7.3 In einem vergleichbaren Fall, welchen das Bundesgericht zu entscheiden
hatte, behauptete der Kläger ebenfalls, dass er und die Kindsmutter anfänglich
immer davon ausgegangen seien, dass er der biologische Vater sei. Erst nach der
Trennung seien ihm erstmals Zweifel gekommen und er habe die Kindsmutter im
September 1996 ersucht, in einen Vaterschaftstest einzuwilligen. Er habe damals
jedoch (noch) nicht an seiner Vaterschaft gezweifelt, sondern die Kindsmutter nur
deshalb um ihre Mitwirkung an einem solchen Test gebeten, weil seine neue Ehe-
frau die Klärung der Vaterschaft verlangt hätte. Aufgrund dieses Sachverhaltes
ging das Bundesgericht davon aus, dass der Kläger im September 1996 erstmals
an seiner Vaterschaft gezweifelt und die Kindsmutter ersucht hat, in einen Vater-
schaftstest einzuwilligen (BGer 5C.130/2003 vom 14. Oktober 2003, E. 1.4). Auch
im vorliegenden Verfahren behauptet der Kläger, dass (erst) die Trennung von
- 22 -
der Beklagten 1 ausschlaggebend für die Zweifel an der Vaterschaft gewesen sei
(vgl. vorstehend E. II.B.7.1; "Die Zweifel kamen aufgrund der Trennung."; "Nein,
die Zweifel kamen wirklich wegen der Trennung."). Auch vorliegend behauptet der
Kläger, er habe das Abstammungsgutachten nicht aufgrund von vorhandenen
Zweifeln an der Vaterschaft machen wollen, sondern lediglich weil er "enttäuscht
und verletzt" gewesen sei (Urk. 84 S. 39). Die beiden Sachverhalte sind durchaus
miteinander vergleichbar. In beiden Fällen kamen die Zweifel an der Vaterschaft
im Zusammenhang mit der Trennung von der Kindsmutter und in beiden Fällen
ersuchte der Kindsvater die Mutter daraufhin um ihre Mitwirkung an einem Vater-
schaftstest. Im damaligen Urteil hielt das Bundesgericht im Zusammenhang mit
der vorliegend relevanten Fragestellung folgendes fest (BGer 5C.130/2003 vom
14. Oktober 2003, E. 1.4):
"Bei der geschilderten Sachlage ist der Einwand der Beklagten , die Umstände hätten bereits im September 1996 so gelegen, dass der Kläger verpflichtet gewesen wäre, seine Zweifel an der eigenen  zu beheben. Seine fehlenden Bemühungen, die Vaterschaft abzuklären, erscheinen unter diesem Blickwinkel als unentschuldbar. Das Vorbringen des Klägers, er habe im November 1998 einen  konsultiert, ist - soweit zulässig - unbehelflich. Als er 1996 zu zweifeln begonnen und seinen angeblichen Irrtum bemerkt hat, hätte der Kläger nicht nochmals zwei Jahre damit zuwarten dürfen, einen Rechtsanwalt zu konsultieren. Er hätte sich vielmehr mit aller nach den Umständen möglichen Beschleunigung um eine Klärung der  - sei es aussergerichtlich oder gerichtlich - bemühen müssen. Dass er sofort nach dem Auftauchen erster Zweifel im September 1996 in dieser Richtung irgendetwas unternommen hätte, wird weder im obergerichtlichen Urteil festgestellt noch vom Kläger in seiner  behauptet."
Diese Erwägung des Bundesgerichts hat auch für den vorliegend ähnlich gelager-
ten Fall Gültigkeit. Gestützt auf die Parteibefragung des Klägers vom 5. April 2016
(Urk. 42 S. 7 f.) sowie auf die beiden E-Mails vom 14. Juni und 21. Juli 2014 (Urk.
21/2 und 21/3) ist erstellt, dass der Kläger im Nachgang zur Trennung im April
2014 ernsthafte Zweifel an seiner Vaterschaft hatte. Entsprechend ersuchte er
kurz darauf die Beklagte 1 um ihre Mitwirkung an einem Vaterschaftstest. Unbe-
stritten hat die Beklagte 1 ihre Zustimmung zu einem solchen Abstammungsgut-
- 23 -
achten verweigert. Das unkooperative Verhalten der Beklagten 1 hätte jedenfalls
die beim Kläger bereits vorhandenen Zweifel nochmals erheblich verstärken müs-
sen. In diesem Sinne führte der Kläger in seiner Klageschrift selbst aus, dass die
verweigerte Mitwirkung ein Hinweis dafür sei, dass die Beklagte 1 "etwas zu ver-
bergen" habe. Wenn sie sich sicher gewesen wäre, dass der Kläger der Vater sei,
hätte sie ja problemlos bei einem solchen Test mitmachen können (Urk. 1 S. 4).
Damit gesteht der Kläger selbst ein, dass das unkooperative Verhalten der Be-
klagten 1 bei ihm erhebliche Zweifel ausgelöst hat. Dazu kommt das Wissen des
Klägers um die medizinischen Untersuchungen vier Jahr zuvor. Der Kläger wuss-
te nachweislich, dass er im Jahr 2010 über eine schlechte Spermienqualität ver-
fügte, was zusammen mit der erwähnten Mitwirkungsverweigerung der Beklagten
1 zwangsläufig zu nicht mehr zu unterdrückenden Zweifeln geführt haben muss.
Diese weiteren Faktoren lassen das Zuwarten des Klägers zusätzlich als nicht
nachvollziehbar erscheinen. Die Umstände haben nach dem Gesagten spätes-
tens im Sommer 2014 so gelegen, dass der Kläger verpflichtet gewesen wäre,
seine Zweifel an der eigenen Vaterschaft zu beheben. Die Behauptung des Klä-
gers, er habe weder im Jahr 2010 noch im Jahr 2014 an seiner Vaterschaft ge-
zweifelt (Urk. 84 S. 47 ff.), ist somit nicht glaubhaft und widerspricht der Aktenla-
ge. Seine fehlenden Bemühungen, die Vaterschaft des Beklagten 2 im Jahr 2014
abzuklären, erscheinen unter diesem Blickwinkel als unentschuldbar. Als er nach
der Trennung – spätestens jedoch nach dem verweigerten Vaterschaftstest – zu
zweifeln begonnen hatte, hätte der Kläger nicht nochmals ein ganzes Jahr damit
zuwarten dürfen, die Anfechtungsklage am 2. Juli 2015 anhängig zu machen. "Er
hätte sich vielmehr mit aller nach den Umständen möglichen Beschleunigung um
eine Klärung der Verhältnisse – sei es aussergerichtlich oder gerichtlich – bemü-
hen müssen." (BGer 5C.130/2003 vom 14. Oktober 2003, E. 1.4). Dass er sofort
nach dem Auftauchen erster Zweifel im Sommer 2014 in dieser Richtung irgen-
detwas unternommen hätte, wird vom Kläger weder im erst- noch im zweitinstanz-
lichen Verfahren behauptet. Auch dem Argument der intakten Familiensituation
kann spätestens seit der Trennung der Parteien nicht mehr gefolgt werden. Dem
Kläger wäre es im Sommer 2014 durchaus möglich und zumutbar gewesen, wei-
tere Abklärungen in Bezug auf die Frage der Nichtvaterschaft zu veranlassen. Die
für eine Klageeinleitung notwendigen objektiven Anhaltspunkte lagen zu diesem
- 24 -
Zeitpunkt ohne Zweifel vor und der Hinderungsgrund war weggefallen. Nach dem
Gesagten ist die Berufung des Klägers in diesem Punkt abzuweisen und der
Eventualbegründung der Vorinstanz (Urk. 85 E. 3.6.13) zu folgen.
8. Weiter bringt der Kläger vor, selbst wenn die konkreten Umstände für die
Annahme eines wichtigen Grundes nicht ausreichen würden, könne gemäss
Rechtsprechung das Interesse des Kindes bei der Ermessensausübung eine Rol-
le spielen. Der Kontakt zwischen dem Kläger und dem Beklagten 2 sei seit der
Gerichtsverhandlung vom 5. April 2016 vollständig abgebrochen. Es könne nicht
davon ausgegangen werden, dass zwischen dem Kläger und dem Beklagten 2 je
wieder eine intakte Vater-Sohn-Beziehung bestehen werde. Somit stehe fest,
dass dem Beklagten 2 eine väterliche Bezugsperson fehle. Das persönliche Iden-
tifikationsgefüge des Beklagten 2 habe bereits Schaden genommen. Das Kindes-
wohl sei daher sichtlich gefährdet. Der Beklagte 2 habe ein Recht darauf zu wis-
sen, wer sein biologischer Vater sei. Auch die Beiständin des Beklagten 2 sei der
Meinung, dass eine Klärung der Vaterschaft im Wohle des Kindes sei. Im Nach-
gang zur Verhandlung vom 5. April 2016 habe sich der Kläger Gedanken ge-
macht, wer als Vater in Frage kommen könnte. Er habe eine Person eruiert, näm-
lich den ehemaligen Chef der Beklagten 1, H._. Die Ähnlichkeit des Beklag-
ten 2 zu H._ sei unverkennbar. Es sei davon auszugehen, dass höchstwahr-
scheinlich H._ der biologische Vater des Beklagten 2 sei. Der Beklagte 2 sol-
le die Möglichkeit bekommen, mit dem biologischen Vater eine Beziehung auf-
bauen zu können, weshalb es weder im Interesse des Beklagten 2 noch des Klä-
gers sei, die rechtliche Vaterschaft weiterhin aufrechtzuerhalten. Demzufolge be-
stehe ein überwiegendes Interesse aller Beteiligten an der Übereinstimmung der
rechtlichen mit der biologischen Wahrheit. Es entspreche in keiner Weise dem
Kindeswohl, dass das Vaterschaftsverhältnis zum Kläger weiterhin aufrechterhal-
ten werde, insbesondere weil die Vater-Sohn-Beziehung seit längerer Zeit nicht
mehr gelebt werde. Nach dem Gesagten liege ein wichtiger Grund im Sinne von
Art. 256c Abs. 3 ZGB vor (Urk. 84 S. 51 ff.).
8.1 Bei der (ermessensweisen) Abklärung, ob ein wichtiger Grund gemäss
Art. 256c Abs. 3 ZGB vorliegt, ist auch das Interesse des Kindes zu berücksichti-
- 25 -
gen, wenn die Umstände für sich allein noch nicht für die Bejahung eines wichti-
gen Grundes ausreichen. Wenn es in einem solchen Fall nicht im Interesse des
Kindes liegt, dass die Frage der Vaterschaft dennoch geklärt wird, ist die Wieder-
herstellung abzulehnen. Mit anderen Worten kann sich die Annahme eines wichti-
gen Grundes unter Umständen, die sonst hierfür nicht ausreichen würden, recht-
fertigen, wenn das Interesse des Klägers an der Anfechtung das gegenteilige In-
teresse des Kindes eindeutig überwiegt. Erscheinen die Interessen beider Seiten
als gleichwertig, ist bei der Abklärung, ob ein wichtiger Grund im Sinne von
Art. 256c Abs. 3 ZGB vorliegt, dem Interesse des Kindes, einen Vater zu haben,
den Vorrang zu geben (BGer 5A_240/2011 vom 6. Juli 2011, E. 7.1; BGE 136 III
593 E. 6.2; BGer 5A_298/2009 vom 31. August 2009, E. 4.2).
8.2 Mit Entscheid vom 18. August 2015 hat die Kindes- und Erwachsenen-
schutzbehörde Uster Rechtsanwältin lic. iur. Z._ als Beiständin mit der um-
fassenden Wahrung der Interessen des Beklagten 2 im vorliegenden Verfahren
betraut (Urk. 9). In ihrer Berufungsantwort vom 27. März 2017 beantragte die Bei-
ständin im Namen des Beklagten 2 die vollumfängliche Abweisung der Berufung
und somit die Bestätigung des angefochtenen Urteils (Urk. 94 S. 2). Nach Ansicht
der Beiständin liegt kein wichtiger Grund für die Widerherstellung der Klagefrist
vor. Zur Begründung ihres Antrages verweist sie vollumfänglich auf die Erwägun-
gen der Vorinstanz. Weiter führt die Beiständin aus, der Kläger scheine zu ver-
kennen, dass für ein Kind im Alter des Beklagten 2 ein Beziehungsabbruch von
seiner nächsten Bezugsperson in der Regel viel gravierendere Auswirkungen hat
als die Unkenntnis seiner biologischen Abstammung (Urk. 94 S. 5 f.). Somit geht
die Beiständin davon aus, dass eine Gutheissung der Anfechtungsklage nicht im
Interesse des Beklagten 2 liegen würde. Dieser Ansicht ist grundsätzlich zuzu-
stimmen. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist die genetische Abstammung
nicht die einzige Rechtfertigung für ein Kindesverhältnis. Zwischen den Klagen
betreffend die rechtliche Vaterschaft und dem Anspruch auf Kenntnis der geneti-
schen Abstammung ist zu unterscheiden (Urk. 85 E. 3.6.11). Gemäss eigenen
Ausführungen des Klägers ist er nicht in der Lage, die Vaterrolle weiter zu über-
nehmen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass zwischen dem Kläger und
dem Beklagten 2 nie wieder eine intakte Vater-Sohn-Beziehung bestehen werde
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(Urk. 84 S. 52 und 55). Somit hat der Beklagte 2 seine väterliche Bezugsperson
offenbar bereits verloren, weshalb eine erfolgreiche Anfechtung der Vaterschaft
an dieser bedauernswerten Situation nichts ändern würde. Hingegen würde der
Beklagte 2 durch die Anfechtungsklage zusätzlich seinen Unterhaltsanspruch im
Umfang von monatlich Fr. 1'000.– (vgl. Urk. 5/19) sowie seine sozialversiche-
rungs- und erbrechtlichen Ansprüche gegenüber dem Kläger verlieren. Wie lange
der Beklagte 2 dadurch vaterlos bleiben würde, lässt sich nicht beurteilen. Die ge-
netische Vaterschaft ist bis heute nicht geklärt. Bei den Ausführungen des Klägers
im Zusammenhang mit dem biologischen Vater des Beklagten 2 handelt es sich
lediglich um vage Vermutungen. Ausser einer selbst erstellten Fotomontage
(Urk. 87/11) sind keine weiteren Anhaltspunkte aktenkundig, die für eine Vater-
schaft von H._ sprechen würden. Nach Angaben des Klägers besuche
H._ die Beklagte 1 regelmässig und habe dem Beklagten 2 sogar das
Schachspielen beigebracht. Sollte H._ tatsächlich der leibliche Vater des Be-
klagten 2 sein – was vorliegend nicht geklärt ist – war es ihm offenbar möglich,
auch ohne Eintrag im Zivilstandsregister eine Beziehung zum Beklagten 2 aufzu-
bauen. Der Aufbau einer Vater-Sohn-Beziehung hängt nicht von einer erfolgrei-
chen Anfechtung der Vaterschaft durch den Kläger ab. Unbestritten hat der Be-
klagte 2 ein Recht darauf zu erfahren, wer sein biologischer Vater ist. Diese Frage
ist jedoch nicht Bestandteil des vorliegenden Verfahrens. Sollte die Frage der bio-
logischen Abstammung erst einmal geklärt sein, steht es dem Beklagten 2 bzw.
seiner Beiständin jederzeit frei – bis spätestens ein Jahr nach Erreichen der Voll-
jährigkeit – selbst eine Anfechtungsklage zu erheben (Art. 256c Abs. 2 ZGB).
Nach dem Gesagten erscheinen die Interessen der beiden Seiten als nahezu
gleichwertig, jedenfalls sind keine klar überwiegenden Interessen auf Seiten des
Klägers ersichtlich, welche die Annahme eines wichtigen Grundes gemäss
Art. 256c Abs. 3 ZGB trotz Ablauf der Klagefrist rechtfertigen würden.
9. Schliesslich hat das Bundesgericht – entgegen der Ansicht des Klägers
(Urk. 84 S. 63 f.) – klar festgehalten, dass die Klageeinschränkung im Zusam-
menhang mit der Anfechtung der Vaterschaft weder der Europäischen Menschen-
rechtskonvention noch der Bundesverfassung widerspricht. Mit den Befristungen
der Klagemöglichkeiten, den Vermutungen und den Einschränkungen der Klage-
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legitimation für die Anfechtung der Vaterschaft habe der Gesetzgeber bewusst ei-
ne Abwägung zwischen genetischer und psycho-sozialer Elternschaft vorgenom-
men. Weil es nicht nur eine genetische, sondern auch eine sozial-psychologische
Elternschaft gebe, rechtfertige es sich sehr wohl, dass ein Kindesverhältnis be-
stehen bleibe, auch wenn feststehe, dass der rechtliche Vater nicht der geneti-
sche Vater sei (BGer 5A_619/2014 vom 5. Januar 2015, E. 4.4). Aufgrund dieser
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann der Rechtsauffassung des Klägers
nicht gefolgt werden, wonach die fragliche Bestimmung des ZGB (Art. 256c
Abs. 1) höherrangigem Verfassungs- und Völkerrecht widerspreche (Urk. 84
S. 64). Dahingegen lässt sich tatsächlich diskutieren, ob die fragliche Bestimmung
möglicherweise veraltet ist und "in der heutigen Zeit keine Berechtigung" mehr
hat, so wie dies der Kläger vorbringt (Urk. 84 S. 64). Diese Frage muss jedoch
vom Gesetzgeber und nicht von den rechtsanwendenden Behörden beantwortet
werden. Das Gericht ist an geltende Bundesgesetze gebunden und kann diesen
nicht nach Gutdünken die Anwendung versagen (Art. 190 BV).
10. Zusammenfassend liegt vorliegend kein wichtiger Grund im Sinne von
Art. 256c Abs. 3 ZGB vor, welcher die bereits abgelaufene absolute Klagefrist von
fünf Jahren wieder herstellen könnte. Die Anfechtungsklage des Klägers vom
2. Juli 2015 (Urk. 1) ist dementsprechend verspätet erfolgt, weshalb sie von der
Vorinstanz zu Recht abgewiesen wurde. Die Berufung des Klägers ist demzufolge
abzuweisen und der angefochtene Entscheid zu bestätigen.
C. Kosten- und Entschädigungsfolgen des erstinstanzlichen Verfahrens
1. Die Vorinstanz auferlegte die Gerichtskosten vollumfänglich dem Kläger. Sie
ging davon aus, dass es sich beim klägerischen Rechtsbegehren Ziff. 1 um eine
Anfechtungsklage (Status- bzw. Gestaltungsklage) und bei Ziff. 2 um ein Feststel-
lungsbegehren handelt (Urk. 85 E. 4.1 und 6.2; vgl. Urk. 1 S. 2 und Prot. I S. 8).
Ob diese rechtliche Beurteilung korrekt ist, oder ob es sich beim Klagebegehren
Ziff. 2 nicht vielmehr um eine Leistungsklage handelt, kann vorliegend offenblei-
ben. Auf jeden Fall hat die Rechtsvertreterin des Klägers auf Nachfrage des Ge-
richts festgehalten, "dass Ziffer 2 des klägerischen Rechtsbegehrens unabhängig
von Ziffer 1 als selbständiges Rechtsbegehren zu verstehen sei" (Prot. I S. 9
- 28 -
oben). Die Vorinstanz erwog diesbezüglich weiter, dass die Klage betreffend An-
fechtung der Vaterschaft mit 3⁄4, jene betreffend Feststellung der (Nicht)-
Vaterschaft mit 1⁄4 zu gewichten sei. Da die Vorinstanz die Anfechtungsklage ab-
wies, hat sie die entsprechenden Kosten (3⁄4) ausgangsgemäss dem Kläger aufer-
legt. Was die Feststellungsklage anbelangt, erwog die Vorinstanz, dass mittels ei-
nes Abstammungsgutachtens der I._ AG vom 29. Juni 2016 habe festgestellt
werden können, dass der Kläger mit rechtsgenügender Sicherheit nicht der Vater
des Beklagten 2 sei (Urk. 67/4). Dementsprechend fehle es nunmehr am Rechts-
schutzinteresse für die Feststellungsklage, welche demzufolge in Anwendung von
Art. 242 ZPO als gegenstandslos geworden abzuschreiben sei (Urk. 85 E. 4.4).
Aufgrund der Gegenstandslosigkeit könnten die Prozesskosten in Anwendung
von Art. 107 Abs. 1 lit. e ZPO nach Ermessen des Gerichts verteilt werden. Bei
Gegenstandslosigkeit würden dabei die Kosten üblicherweise nach dem Kausali-
tätsprinzip derjenigen Partei auferlegt, welche die Gegenstandslosigkeit herbeige-
führt, oder nach dem Verursacherprinzip derjenigen Partei, welche den Prozess
eingeleitet habe. Es sei vorliegend auf ein aktives Verhalten des Klägers zurück-
zuführen, dass der Vaterschaftstest schliesslich habe durchgeführt werden kön-
nen, indem er selbst den Kontakt zum Beklagten 2 nicht weiter gepflegt habe. Erst
unter diesen dem Kläger zuzurechnenden Umständen sei die Beiständin des Be-
klagten 2 zum Schluss gekommen, dass die Interessenabwägung neu vorzuneh-
men sei und es nunmehr dem Kindeswohl entspreche, mittels eines DNA-Tests
Klarheit in dieser Situation zu schaffen, weshalb auch die Beklagte 1 nicht weiter
gegen ein Abstammungsgutachten opponiert habe. Vor diesem Hintergrund recht-
fertige es sich, auch die Kosten hinsichtlich der Feststellungsklage dem Kläger
aufzuerlegen (Urk. 85 E. 6.2).
2. Die Gewichtung der beiden Rechtsbegehren (1⁄4 und 3⁄4) durch die Vorinstanz
ist nicht zu beanstanden. Der Kläger begründet auch nicht, weshalb für die Fest-
stellungsklage die hälftigen Kosten zu veranschlagen seien (Urk. 84 S. 62). Bei
der Anfechtungsklage handelt es sich zweifelsohne um den Hauptantrag der Kla-
ge. Das Feststellungsbegehren ist dahingegen sowohl von der Bedeutung als
auch vom Aufwand her geringer zu gewichten. In Übereinstimmung mit der Vorin-
stanz ist das klägerische Rechtsbegehren Ziff. 1 mit 3⁄4 und das Begehren Ziff. 2
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mit 1⁄4 zu gewichten. Zudem hat die Vorinstanz – entgegen der Ansicht der Be-
klagten 1 (Urk. 91 S. 22) – nachvollziehbar begründet, weshalb die Feststellungs-
klage zusammen mit der Anfechtungsklage (analog) ebenfalls im vereinfachten
Verfahren hätte beurteilt werden können (Urk. 85 E. 2.1) und aufgrund des Ab-
stammungsgutachtens wohl auch gutgeheissen worden wäre. Was die Verteilung
der Gerichtskosten anbelangt, ist dem Kläger dahingegen Recht zu geben, dass
die Gegenstandslosigkeit – entgegen der Vorinstanz – durch die Beklagten verur-
sacht worden ist. Die Beklagte 1 hat sich seit der ersten Anfrage des Klägers im
Sommer 2014 standhaft geweigert, einen Vaterschaftstest durchführen zu lassen.
Erst im Verlaufe des vorinstanzlichen Verfahrens hat sie ihre diesbezügliche Mei-
nung geändert und ist dem Antrag des Klägers von sich aus nachgekommen,
weshalb theoretisch auch von einer Klageanerkennung in Bezug auf das Rechts-
begehren Ziff. 2 ausgegangen werden könnte. Die Motive für diesen plötzlichen
Meinungsumschwung sind nicht ausschlaggebend. Hätte die Beklagte 1 bereits
vorprozessual einem Abstammungsgutachten zugestimmt, hätte der Kläger ein
entsprechendes Begehren von Anfang an nicht stellen müssen. Es ist auf das
Verhalten der Beklagten 1 zurückzuführen, dass der Kläger in seiner Klage vom
2. Juli 2015 gezwungen war, einen DNA-Test gerichtlich zu erwirken. Nach dem
Gesagten sind in Abweichung des angefochtenen Urteils 1⁄4 der erstinstanzlichen
Gerichtskosten (d.h. Fr. 900.–) der Beklagten 1 aufzuerlegen und die Parteient-
schädigung ist entsprechend auf 1⁄2 (Fr. 2'160.–) zu reduzieren. Praxisgemäss
sind dem minderjährigen Beklagten 2 keine Gerichtskosten aufzuerlegen.
III.
1. Abschliessend ist über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Beru-
fungsverfahrens zu befinden.
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von § 12
Abs. 1 und 2 i.V.m. § 5 Abs. 1 GebV OG auf Fr. 4'000.– festzusetzen. Aufgrund
des Verfahrensausgangs sind die Gerichtskosten vollumfänglich dem Kläger auf-
zuerlegen (Art. 106 ZPO). Das marginale Obsiegen im Zusammenhang mit den
- 30 -
vorinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen rechtfertigt es nicht, von der
vollständigen Kostenauflage abzusehen.
3. Überdies ist der Kläger ausgangsgemäss zu verpflichten, der Beklagten 1
für das Berufungsverfahren antragsgemäss (Urk. 91 S. 2) eine angemessene Par-
teientschädigung von Fr. 2'500.– (§ 13 Abs. 1 und Abs. 2 i.V.m. § 5 Abs. 1 und
§ 11 Abs. 1 AnwGebV) zuzüglich 8 % MwSt. von Fr. 200.– zu bezahlen.
4. Der Beklagte 2 war vor Obergericht nicht berufsmässig vertreten (Art. 95
Abs. 3 lit. b und Art. 68 Abs. 2 ZPO). Damit kommt als allfällige Parteientschädi-
gung lediglich eine angemessene Umtriebsentschädigung in Betracht. Der Be-
klagte 2 begründet seinen Antrag auf eine Prozessentschädigung jedoch nicht
(Urk. 94 S. 2 und 6). Damit kommt er den gesetzlichen Erfordernissen gemäss
Art. 95 Abs. 3 lit. c ZPO nicht nach. Darüber hinaus ergibt sich weder aus dem
Gebührentarif zum Kinder- und Jugendhilfegesetz noch aus dem Kinder- und Ju-
gendhilfegesetz (KJKHG), dass die Rechtsvertretung durch eine Beiständin als
gebührenpflichtige Leistung in Rechnung gestellt werden kann (vgl. OGer ZH
LZ130010 vom 2. März 2015, E. III.1). Es ist daher nicht davon auszugehen, dass
dem Beklagten 2 im Berufungsverfahren Kosten für die Rechtsvertretung angefal-
len sind. Nach dem Gesagten besteht im Berufungsverfahren für den Beklagten 2
kein Anspruch auf eine Parteientschädigung. Da der Beklagte 2 im vorliegenden
Verfahren nicht kostenpflichtig wird, ist auf sein als Eventualantrag gestelltes Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 94 S. 2) nicht weiter
einzugehen.