Decision ID: 6e27e0ee-2dbb-42b4-9eaa-f44a59273049
Year: 2022
Language: de
Court: SG_KG
Chamber: SG_KG_002
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: civil_law

Aus dem Sachverhalt:
I.
1. a) A. (Vater, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter), und B., (Mutter,
Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin) waren vom 2013 bis 2016
verheiratet. Aus der Ehe ging das gemeinsame Kind C., geb. 2015, hervor. C. lebt bei
ihrer Mutter und wird zur Hauptsache durch sie betreut. Gemäss Ziff. 4 der richterlich
genehmigten Scheidungskonvention vom DD.MM.2016 bezahlt A. folgende Beiträge an
den Unterhalt seiner Tochter:
- Fr. 600.00 zzgl. allfälliger Kinder- und Ausbildungszulagen ab 1. September 2016
bis zum vollendeten 10. Lebensjahr bzw. bis und mit Januar 2025, und danach
- Fr. 1'100.00 zzgl. allfälliger Kinder- und Ausbildungszulagen bis zur Mündigkeit
bzw. bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung.
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....
b) A. ist in der Zwischenzeit nach Österreich gezogen und heiratete 2019 F. Die
beiden haben zwei gemeinsame Kinder, nämlich G., geb. 2019, und H., geb. 2021.
2. Am DD.MM.2019 erhob A. beim Kreisgericht Z. Klage auf Abänderung des
Scheidungsurteils. Das Kreisgericht änderte die Höhe der Unterhaltspflicht für C. ab.
Überdies war der nacheheliche Unterhalt nur noch bis MM.2019 zu bezahlen.
3. Mit Eingabe vom 1. Februar 2021 erhob A. gegen diesen Entscheid Berufung. Er
beantragte die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids und verlangte die
Abänderung des vorinstanzlichen Entscheids.

Aus den Erwägungen:
Einkommen F.
7. a) Infolge Geburt von H. als zweites Kind von A. mit seiner Ehepartnerin, F., am
DD.MM.2021 – also während des Berufungsverfahrens – kann nur eingeschränkt auf
die Erwägungen des vorinstanzlichen Entscheids in Bezug auf das Einkommen von F.
verwiesen werden. A. brachte im vorinstanzlichen Verfahren vor, seine Ehefrau erhalte
ab Geburt von G. im MM.2019 während drei Jahren Kinderbetreuungsgeld (Karenzgeld)
von monatlich Fr. 370.00. Durch die Geburt des zweiten Kindes werde die Vergütung
des Kinderbetreuungsgeldes bis Ende MM.2024 verlängert. Voraussetzung für den
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Erhalt des Karenzgeldes sei mitunter, dass man während dieser Zeit nicht arbeite. Es
bestünden in Bezug auf die Ausrichtungsdauer verschiedene Modelle, wobei es üblich
sei, das 3-jährige Modell zu wählen. Im Übrigen sei F. während dieser Zeit automatisch
über die staatliche Versicherung krankenversichert, was jeweils vom Karenzgeld
abgezogen werde.
b) Die Vorbringen von A. lassen sich aufgrund der Mitteilung der Vorarlberger
Gebietskrankenkasse über den Leistungsanspruch von F., welcher ihr ein
Kinderbetreuungsgeld von Euro 14.53 pro Tag für die Dauer vom MM.2019 bis zum
MM.2021 zuspricht, nicht exakt nachvollziehen. Angesichts der Tatsache, dass beide
Parteien ihren eigenen Rechnungen den Betrag von Fr. 370.00 pro Monat zugrunde
legen, ist auf den monatlichen Betrag von Fr. 370.00 für die Dauer bis Ende
September 2024 (drei Jahre nach Geburt des zweiten Kindes) abzustellen. .... Vor
diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung der nicht bestrittenen
Entrichtungsdauer bis Ende September 2024 kann daher davon ausgegangen werden,
dass der Leistungsanspruch bis drei Jahre nach Geburt des zweiten Kindes verlängert
wurde.
c) Zur Bemessung des zumutbaren Arbeitspensums von F. für die Zeit ab Oktober
2024 wandte die Vorinstanz das Schulstufenmodell an. Sie stützte sich dabei auf das
zuletzt erzielte Einkommen als .... von Euro 1'100.00 bzw. Fr. 1'155.00. Dieser Betrag
lässt sich anhand des vorliegenden Verdienstnachweises nachvollziehen und der
Abzug der .... ist insbesondere aufgrund der potenziell längeren beruflichen
Abwesenheit angemessen.
Die Frage der Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit ist eine Rechtsfrage und wird vom
Berufungsgericht von Amtes wegen überprüft. Es ist zu beachten, dass das
Bundesgericht in BGer 5A_98/2016 den Grundsatz entwickelte, dass die stabile
Bindung eines Babys an eine Betreuungsperson zur Ausprägung des "Urvertrauens" im
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ersten Lebensjahr wichtig sei, jedoch für die weitere Entwicklung des Kindes primär die
Qualität der in verschiedenen Formen möglichen Betreuung entscheidend sei. Dieser
Grundsatz stelle eine "besondere Rechtfertigung" dar, wie sie für die ungleiche
Verteilung von Natural- und Geldunterhalt, gemessen an den objektiven Bedürfnissen
der Kinder, erforderlich sei. Mithin könne für all diejenigen Fälle, in welchen sich nicht
an eheliches Vertrauen bzw. an ein bislang partnerschaftlich gewähltes Konzept der
Lastenverteilung anknüpfen und in Anwendung des Kontinuitätsprinzips fortführen
lasse, die persönliche Betreuung des Kindes im ersten Lebensjahr angezeigt sein,
sodass einem Elternteil insofern eine Erwerbsarbeit nicht zuzumuten sei, soweit er das
Kind selbst betreue. Für die Zeit danach könne dies bei normal entwickelten Kindern,
welche keine ausserordentlichen Betreuungsbedürfnisse aufweisen, nicht gelten. Das
Bundesgericht erklärt also, dass es keinen absoluten Anspruch auf Eigenbetreuung
gebe, sondern auf die Konstellation (z.B. Kinder aus mehreren Beziehungen und
knappe finanzielle Verhältnisse) zu schauen sei, wie die Leistungskraft des pflichtigen
Elternteils in billiger Weise auf die unterhaltsberechtigten Kinder verteilt werden könne.
F. bezieht gegenwärtig nach österreichischem Recht Kinderbetreuungsgeld
(Karenzgeld) bis September 2024 und darf während dieser Zeit kein
Erwerbseinkommen erzielen, womit die Parteien dieses Verfahrens offensichtlich
einverstanden sind. Dies ist für den Zeitraum bis MM.2024 zu respektieren. Für die Zeit
ab MM.2024 ist aber eine Erwerbsobliegenheit für ein Pensum zu 50 % zu bejahen. Mit
Blick auf den früher erzielten Lohn wird F. ein Einkommen von 50 % von Fr. 1'155.00,
d.h. Fr. 578.00 netto pro Monat, angerechnet.
....
Berechnung der Unterhaltsbeiträge
16. Nach dem Gesagten ergibt sich untenstehende Einkommens- und
Bedarfssituation für die einzelnen Phasen (alle Beträge in Fr.). Es wird der Barbedarf
aller Mitglieder der beiden Familien zunächst auf Basis des betreibungsrechtlichen
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Existenzminimums errechnet und wo möglich und angemessen um die bei der
Erweiterung auf das familienrechtliche Existenzminimum hinzukommenden
Bedarfspositionen ergänzt.
a) 1. Phase:
(Bedarfsrechnung)
Die von A. zu tragenden Steuern wurden teilweise als Quellensteuern bereits von
seinem Nettolohn abgezogen. Diese sind dadurch berücksichtigt, indem das
ausgewiesene Einkommen nach Abzug der Quellensteuern resultiert.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 07.07.2022 Art. 276 ff. ZGB: Quellensteuern sind auch bei einer Mangellage zu berücksichtigen. – Heiratet der unterhaltspflichtige Vater und hat er mit dieser Frau weitere Kinder, richtet sich die Erwerbsobliegenheit dieser Frau nicht nach dem Schulstufenmodell (Kantonsgericht, II. Zivilkammer, 7. Juli 2022, FO.2021.5-K2).
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