Decision ID: 67034d2c-852b-5214-afd5-543717999076
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 21. November 2015 in der Schweiz um
Asyl. Anlässlich der Befragung zur Person vom 2. Dezember 2015 und der
Anhörung vom 24. August 2016 führte er im Wesentlichen aus, er sei eth-
nischer Tadschike und im Dorf B._ in C._ geboren und auf-
gewachsen. Seine Mutter respektive seine Stiefmutter sei verstorben.
Seine Familie habe von der Landwirtschaft gelebt. Mitte Oktober 2015
habe er bei einem Besuch bei seiner Tante in D._ zwei Personen
beobachtet, welche in der Nähe einer Brücke Minen deponiert hätten. Zu-
sammen mit einem Nachbarn seiner Tante sei er zur Polizei gegangen.
Kurz darauf sei seine Tante bedroht und ihr Sohn umgebracht worden.
Seine Tante sei daraufhin zu ihnen gezogen und habe berichtet, dass die
zwei Verdächtigen festgenommen worden seien. Gegen Ende Oktober
2015 sei er von einem Auto verfolgt worden. Am Tag darauf sei er auf dem
Weg zur Schule gewesen, als drei Personen versucht hätten, ihn festzu-
nehmen. Er habe es geschafft, in die Schule zu flüchten. Aus Angst vor den
Verfolgern sei er daraufhin nicht mehr zur Schule gegangen und habe
diese somit in der elften Klasse abgebrochen. Seine Tante habe ihm zu
verstehen gegeben, dass die Personen, welche ihren Sohn umgebracht
hätten, nun ihn verfolgen würden. Aufgrund dieser Probleme habe seine
Familie entschieden, dass er Afghanistan verlassen solle. Anfang Novem-
ber 2015 sei er deshalb aus Afghanistan ausgereist. Seine Familie und
seine Tante hätten daraufhin zwei Drohbriefe erhalten, weshalb sie im Feb-
ruar 2016 in den Iran gezogen seien. Er habe keine Verwandten mehr in
Afghanistan.
Der Beschwerdeführer reichte eine Kopie seiner Tazkira inklusive Überset-
zung ein.
B.
Mit Verfügung vom 30. November 2018 (eröffnet am 5. Dezember 2018)
stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingsei-
genschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung
aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 20. Dezember 2018 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene
Verfügung sei in den Dispositivziffern 4 und 5 aufzuheben und er sei wegen
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Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vor-
läufig aufzunehmen. Eventualiter sei die Sache zur erneuten Entscheidung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei ihm die unentgeltliche Rechts-
pflege zu bewilligen. Die Rechtsvertreterin sei als amtliche Verbeiständung
zu bestellen und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver-
zichten.
Der Beschwerdeführer reichte ein Foto von seinem Vater, ein Foto von sei-
nen Eltern, eine unleserliche Kopie eines nicht auf seine Familie lautenden
Mietvertrages in E._, eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung so-
wie eine Honorarnote ins Recht.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Januar 2019 hiess der Instruktionsrichter
die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Rechtsver-
beiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
E.
Am 21. Januar 2019 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein.
F.
Mit Replik vom 7. Februar 2019 nahm der Beschwerdeführer Stellung zur
Vernehmlassung. Der Replik war eine aktualisierte Honorarnote beigelegt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins
AIG übernommen worden.
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2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer
ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein-
schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-
richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Kognition im Bereich des
Ausländerrechts richtet sich nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Der Beschwerdeführer hat mit seiner Beschwerde den in der vorinstanzli-
chen Verfügung angeordneten Wegweisungsvollzug angefochten. Die Ver-
neinung seiner Flüchtlingseigenschaft, die Ablehnung seines Asylgesuchs
und die Anordnung der Wegweisung blieben unangefochten und sind mit
Ablauf der Beschwerdefrist in Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet somit einzig die Frage, ob die
Wegweisung zu vollziehen ist oder ob anstelle des Vollzugs eine vorläufige
Aufnahme anzuordnen ist.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer moniert eine Verletzung der Pflicht zur vollstän-
digen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts, des
rechtlichen Gehörs und der Begründungspflicht. Dabei handelt es sich um
Rügen, die vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine
Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
5.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-
nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
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sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör,
welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein-
zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Be-
gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65
E. 5.2).
5.3 Der Beschwerdeführer moniert eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
und der Begründungspflicht. Die Vorinstanz habe seine aktuelle familiäre
Situation nicht berücksichtigt und sei entgegen seinen Aussagen anlässlich
der Anhörung davon ausgegangen, dass er in C._ über ein tragfä-
higes Beziehungsnetz verfüge.
Die Vorinstanz nannte in ihrem Entscheid kurz die wesentlichen Überle-
gungen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf welche sie ihren Ent-
scheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Par-
teistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbrin-
gen ausdrücklich widerlegt. Sie hat die Vorbringen des Beschwerdeführers
genügend abgehandelt und diesem war es möglich, den Entscheid sach-
gerecht anzufechten (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). Es liegt demnach keine
Verletzung der Begründungspflicht vor.
5.4 Der Beschwerdeführer begründet die Rüge der Verletzung der vollstän-
digen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts damit,
die Vorinstanz habe sich nicht mit der aktuellen Sicherheitslage in
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C._ auseinandergesetzt und sich lediglich auf eine zwar noch gül-
tige, aber nicht mehr zutreffende Lageanalyse des Bundesverwaltungsge-
richts aus dem Jahr 2011 gestützt.
Im Folgenden wird mit Referenzurteil D-4287/2017 vom 8. Februar 2019
des Bundesverwaltungsgerichts der veränderten Lage in C._ Rech-
nung getragen (vgl. E. 7.2). Die Rüge ist somit als geheilt zu betrachten.
5.5 Insgesamt besteht keine Veranlassung, die Sache aus formellen Grün-
den aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügli-
che Rechtsbegehren ist abzuweisen.
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen
gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweis-
standard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie
sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we-
nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings-
eigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-
bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-
meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3
BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass
der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung nach Afghanistan
dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/24
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FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allge-
meine Menschenrechtssituation in Afghanistan lässt den Wegweisungs-
vollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
7.
7.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund
von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind.
7.2 Was die in der Beschwerde geltend gemachte seit BVGE 2011/49 ver-
änderte Lage in C._ betrifft, so hat das Bundesverwaltungsgericht
diese im Referenzurteil D-4287/2017 vom 8. Februar 2019 aktualisiert. Da-
bei kam es zum Schluss, dass C._ im Vergleich zu anderen Regio-
nen und Städten Afghanistans trotz verschlechterter Sicherheitslage immer
noch zu den stabileren und ruhigeren Orten gehöre. Die Annahme einer
generellen Unzumutbarkeit der Rückkehr dorthin verneinte es und bestä-
tigte die Aussagen in BVGE 2011/49 dahingehend, dass bei Vorliegen be-
günstigender Umstände (insbes. tragfähiges Beziehungsnetz, Möglichkeit
zur Sicherung des Existenzminimums, gesicherte Wohnsituation, guter
Gesundheitszustand) weiterhin von der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs dorthin auszugehen ist (vgl. Urteil des BVGer
D-4287/2017 E. 6.3). Im Vergleich zu Kabul, wo das Gericht die Lage
grundsätzlich als existenzbedrohend und damit unzumutbar einschätzt und
von der Annahme einer konkreten Gefährdung nur ausnahmsweise bei
Vorliegen besonders begünstigender Umstände abweicht (vgl. Referenz-
urteil D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 E. 8.4), ist demnach in
C._ von einer verhältnismässig besseren Lage auszugehen.
Begünstigende Faktoren können grundsätzlich namentlich dann gegeben
sein, wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, gesunden Mann
handelt. Ebenso ist entscheidrelevant, über welche Berufserfahrung die
rückkehrende Person verfügt beziehungsweise inwiefern eine wirtschaftli-
che Wiedereingliederung mit einer bezahlten Arbeit im Zusammenspiel mit
einem tragfähigen Beziehungsnetz begünstigt werden kann. Dieses unab-
dingbare soziale Netz muss dem Rückkehrenden insbesondere eine ange-
messene Unterkunft, Grundversorgung sowie Hilfe zur sozialen und wirt-
schaftlichen Reintegration bieten können (BVGE 2011/7 E. 9.9.2; Urteil des
BVGer D-4287/2017 E. 7.3.1)
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7.3 Die Vorinstanz begründet die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
damit, angesichts der unglaubhaften Asylvorbringen des Beschwerdefüh-
rers sei von einem tragfähigen und unterstützenden Beziehungsnetz in sei-
nem Heimatort auszugehen. Seine widersprüchlichen Angaben in Bezug
auf den Tod seiner Mutter respektive seiner Stiefmutter seien als Schutz-
behauptung zu taxieren. Seine Familie besitze ein Haus sowie landwirt-
schaftliche Nutzflächen in B._, weshalb er trotz fehlenden Berufs-
abschlusses im familiären Betrieb mitwirken könne.
Der Beschwerdeführer macht geltend, er verfüge in seinem Heimatort nicht
mehr über ein tragfähiges Beziehungsnetz. Seine Eltern und seine Ge-
schwister würden sich im Iran aufhalten. Die beiden eingereichten Fotos
würden die Eltern im Iran zeigen. Der Mietvertrag der Wohnung in
E._ laute auf eine befreundete afghanische Familie, bei welcher
seine Familie als Untermieter wohne. Seine Angaben zum Tod seiner Stief-
mutter seien nicht widersprüchlich gewesen. Die Stiefmutter und die Mutter
hätten in Afghanistan im selben Haushalt gelebt. Er habe beide "Mutter"
genannt.
In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, dass ihr die in der Anhö-
rung gemachten Angaben des Beschwerdeführers zum Aufenthaltsort sei-
ner Familienmitglieder bekannt gewesen seien. Aufgrund seiner unglaub-
haften Angaben zu den Asylgründen und insbesondere angesichts des Wi-
derspruchs hinsichtlich seiner Mutter gehe sie jedoch davon aus, dass er
in C._ nach wie vor Familienangehörige habe. Die eingereichten
Fotos und die Kopie eines Mietvertrages, der überdies nicht auf den Na-
men seiner Familie ausgestellt worden sei, würden keine tauglichen Be-
weismittel für den permanenten Verbleib seiner Verwandten im Iran dar-
stellen.
Der Beschwerdeführer entgegnet, die Vorinstanz habe den Aufenthaltsort
seiner Familienangehörigen im Iran zwar zur Kenntnis genommen, gehe
aber trotzdem davon aus, dass er in C._ über ein tragfähiges Bin-
dungsnetz verfüge.
7.4 Die Vorinstanz ging zutreffend davon aus, dass der Beschwerdeführer
in seinem Heimatort über ein bestehendes und tragfähiges Beziehungs-
netz verfügt. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Die Fotos,
welche seine Eltern im Iran zeigen sollen, vermögen nicht zu belegen, dass
sie dort ihren dauerhaften Wohnsitz haben. Die eingereichte Kopie eines
Mietvertrages lautet gemäss eigener Angabe des Beschwerdeführers nicht
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Seite 9
auf den Namen seiner Eltern. Seine Begründung in der Beschwerde, seine
Familie würde bei afghanischen Freunden zur Untermiete wohnen, wes-
halb der Mietvertrag nicht auf sie laute, vermag nicht zu überzeugen. Hinzu
kommt, dass sein Erklärungsversuch, weshalb es zu einem Widerspruch
hinsichtlich seiner Aussagen, nicht seine Mutter, sondern seine Stiefmutter
sei gestorben, nicht überzeugt. Die Vorinstanz befand in ihrer Verfügung
vom 30. November 2018 seine Verfolgungsvorbringen in Afghanistan als
unglaubhaft. Eine Verfolgung hat somit nicht stattgefunden. Da der Be-
schwerdeführer dies in seiner Beschwerde nicht anfocht, entfällt das be-
hauptete Motiv für seine Ausreise. Folglich ist auch nicht davon auszuge-
hen, dass eine Bedrohungslage seiner Familie und seiner Tante nach sei-
ner Ausreise aus Afghanistan bestanden haben dürfte. Eine Ausreise sei-
ner Familie und seiner Tante in den Iran ist somit stark anzuzweifeln. Viel-
mehr ist davon auszugehen, dass seine Familie und seine Tante nach wie
vor in Afghanistan leben und er infolgedessen in Afghanistan über ein fa-
miliäres, soziales Beziehungsnetz verfügt, das ihn bei der Wiedereinglie-
derung unterstützen könnte. Die Familie des Beschwerdeführers verfügt
an seinem Herkunftsort über ein eigenes Haus, wo der Beschwerdeführer
von Geburt bis zu seiner Ausreise gelebt hat. Sie ist im Besitz landwirt-
schaftlicher Nutzflächen im Heimatort. Von einer gesicherten Wohnsitua-
tion ist auszugehen. Er gab weiter an, dass Ernteüberschüsse als Einnah-
mequelle dienen würden. Es ist somit anzunehmen, dass ihm trotz eines
fehlenden Berufsabschlusses in seinem Heimatort Möglichkeiten zur Si-
cherung einer wirtschaftlichen Existenz zur Verfügung stehen. Im Übrigen
ist der Beschwerdeführer jung und gesund.
Nach dem Gesagten ist von begünstigenden Umständen im Sinne der Pra-
xis des Gerichts auszugehen, weshalb sich der Vollzug der Wegweisung
des Beschwerdeführers nach C._ als zumutbar erweist.
7.5 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich-
nen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der zuständigen Vertre-
tung seines Heimatstaats die für seine Rückkehr notwendigen Reisedoku-
mente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AslyG; BVGE 2008/34 E. 12).
7.6 Die Vorinstanz hat somit den Wegweisungsvollzug zu Recht als zuläs-
sig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen
Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung den
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rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt, Bundes-
recht nicht verletzt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich über-
prüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Zwischenverfügung vom
14. Januar 2019 hiess der Instruktionsrichter indes die Gesuche um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung und Beiordnung einer amtli-
chen Rechtsbeiständin gut. Dem Beschwerdeführer sind deshalb trotz Un-
terliegens keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
9.2 Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte eine Honorarnote
in der Höhe von Fr. 1'945.– (inkl. Auslagen) ein. Aus der Honorarnote ist
ersichtlich, dass ein Stundenansatz von Fr. 200.– verrechnet wurde. Das
Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung in der Regel von
einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für eine nichtanwaltliche
Vertretung aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die Honorarnote
ist entsprechend zu reduzieren. Der amtlichen Rechtsbeiständin ist dem-
nach für ihre Bemühungen zu Lasten des Gerichts ein amtliches Honorar
von Fr. 1'745.– (inkl. Auslagen) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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