Decision ID: b2830889-1817-55fe-b3cb-4c78edf7a9a0
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X fuhr am 19. Januar 2009, um 17.17 Uhr, mit einem Personenwagen in St. Gallen
auf der Fürstenlandstrasse stadtauswärts. Die Fahrzeuge vor ihm bremsten bis zum
Stillstand ab. X konnte nicht mehr rechtzeitig anhalten. Er fuhr in das Heck des vor ihm
stehenden Fahrzeugs und verursachte drei Folgekollisionen, in welche zusätzlich drei
Fahrzeuge verwickelt waren. Das vorderste Fahrzeug wurde nicht beschädigt und der
Fahrzeugführer verliess die Unfallstelle vor dem Eintreffen der Polizei. An den hinteren
vier Fahrzeugen entstand Sachschaden. Die Lenker des zweit- und dritthintersten
Autos klagten gegenüber der Polizei über Nackenschmerzen.
B.- Mit Schreiben vom 26. März 2009 teilte das Strassenverkehrsamt mit, es werde von
einer mittelschweren Verkehrsregelverletzung ausgegangen, weshalb ein
Führerausweisentzug für mindestens einen Monat vorgesehen sei. Das
Administrativmassnahmeverfahren wurde auf Gesuch des Vertreters von X bis zum
Vorliegen eines rechtskräftigen Strafentscheids sistiert.
Mit Bussenverfügung des Untersuchungsamts St. Gallen vom 27. April 2009 wurde X
wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs (mangelnde Aufmerksamkeit auf die
momentane Verkehrssituation) schuldig gesprochen und zu einer Busse von Fr. 500.--
verurteilt. Dagegen erhob X durch seinen Vertreter Einsprache. Nach der
untersuchungsrichterlichen Einvernahme wurde er mit Strafbescheid des
Untersuchungsamts St. Gallen vom 5. Oktober 2009 der Verletzung von Verkehrsregeln
schuldig gesprochen und die Busse auf Fr. 300.-- festgesetzt. Der Strafentscheid
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Das Strassenverkehrsamt nahm am 20. November 2009 das
Administrativmassnahmeverfahren wieder auf. Mit Verfügung vom 6. Januar 2010
entzog es X den Führerausweis wegen Verursachens einer Auffahrkollision zufolge
ungenügender Aufmerksamkeit für die Dauer von einem Monat.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Vertreter mit Eingabe vom 20. Januar
2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. In der Rekursergänzung vom 26.
Februar 2010 beantragte er, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei unter
Aufhebung der Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 6. Januar 2010 die
Widerhandlung als besonders leicht zu qualifizieren und es sei auf jegliche Massnahme
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zu verzichten. Eventualiter sei die Widerhandlung als leicht zu qualifizieren und es sei
eine Verwarnung auszusprechen. Die Vorinstanz verzichtete auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen zur Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit erforderlich, in
den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 20. Januar 2010 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Rekursergänzung vom 26. Februar
2010 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 ,
45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs wird eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz geltend
gemacht. Mit Eingaben vom 14. und 23. Dezember 2009 habe der Rekurrent die
Anträge einlässlich begründet. Damit habe sich die Vorinstanz grösstenteils nicht
auseinandergesetzt. Insbesondere sei sie nicht darauf eingegangen, dass aus der
mutmasslichen Schadenhöhe nicht auf die Schwere der Gefährdung geschlossen
werden könne und keine Personen verletzt worden seien. Auch seien die Einwände
zum vom zuständigen Sachbearbeiter erwähnten Bundesgerichtsentscheid
(1C_271/2008) nicht behandelt worden. Schliesslich habe die Vorinstanz die besondere
Rücksicht und Vorsicht gegenüber Kindern, mit welcher der Rekurrent eine Gefahr aktiv
verhindert bzw. vermindert habe und welche strafrechtlich rechtskräftig festgehalten
sei, nicht beachtet.
Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101) als persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des Betroffenen
tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung
berücksichtigt. Die Behörde ist grundsätzlich verpflichtet, ihren Entscheid zu
begründen. Der Bürger soll wissen, warum entgegen seinem Antrag entschieden
wurde. Die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass der Betroffene den
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Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn
sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheides
ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr
Entscheid stützt. Das bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen
muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte
beschränken (vgl. BGE 126 I 97 E. 2b mit Hinweisen; Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP).
Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung den Stellungnahmen des
Rechtsvertreters entgegen, die Tatsache, dass der Rekurrent infolge kurzer
Unaufmerksamkeit eine Auffahrkollision mit drei Folgekollisionen der Fahrzeuge vor ihm
verursacht habe, lasse darauf schliessen, dass die Aufprallenergie nicht unerheblich
gewesen und es sich nicht um einen "Bagatellunfall" mit geringer Gefährdung für
andere Verkehrsteilnehmer gehandelt habe. Es liege somit unabhängig vom Grad des
Verschuldens zumindest ein mittelschwerer Fall vor. Die Vorinstanz hat damit zum
Haupteinwand des Rekurrenten bezüglich der Schwere der Gefährdung Stellung
genommen. Der Rekurrent wusste somit, womit er sich bei der allfälligen Ergreifung
eines Rechtsmittels auseinanderzusetzen hatte. Es war ihm ohne weiteres möglich, den
Rekurs sachgerecht zu begründen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist nicht
ersichtlich und der entsprechende Antrag auf Rückweisung der Streitsache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz ist abzuweisen.
3.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
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Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
4.- Gestützt auf die rechtskräftige Strafverfügung ist davon auszugehen, dass der
Rekurrent am 19. Januar 2009, um 17.17 Uhr, auf der Fürstenlandstrasse in St. Gallen
kurz unaufmerksam war, das Bremsmanöver der vor ihm fahrenden Fahrzeuge zu spät
bemerkte und es daraufhin zu einer Auffahrkollision kam.
a) Die Vorinstanz hat die angefochtene Verfügung auf Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3
Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV) gestützt. Nach
diesen Bestimmungen muss ein Autolenker sein Fahrzeug ständig so beherrschen,
dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann (Art. 31 Abs. 1 SVG). Zudem hat
er seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuzuwenden (Art. 3 Abs. 1 VRV).
Sie hat die Verkehrsregelverletzung als mittelschwere Widerhandlung qualifiziert und
dem Rekurrenten den Führerausweis gestützt auf Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG entzogen.
b) Der Rekurrent erachtet die Widerhandlung demgegenüber als besonders leicht oder
zumindest leicht. Im Rekurs wird vorgebracht, mit dem Strafbescheid sei deutlich
geworden, dass der Vorfall weit weniger gravierend gewesen sei, als zunächst mit der
Bussenverfügung festgestellt worden sei. Das Strafmass sei nahezu um die Hälfte von
Fr. 500.-- auf Fr. 300.-- reduziert worden. Es seien alle privilegierenden Elemente einer
leichten Widerhandlung gegeben. Der Rekurrent habe seine Aufmerksamkeit
gegenüber dem Verkehr nur kurz vernachlässigt, und zwar wegen einer Frau und ihrer
spielenden Kinder auf dem rechtsseitigen Trottoir. Er habe somit die Sicherheit der
Kinder gewahrt, deren Gefährdung aktiv verhindert und sich korrekt verhalten. Die in
den Auffahrunfall involvierten Verkehrsteilnehmer seien nachweislich körperlich nicht
geschädigt worden. Aufgrund der gesamten Umstände (langsamer Feierabend-
Kolonnenverkehr, Personenwagen und kein Lastwagen etc.) könne - wenn überhaupt -
schlimmstenfalls von einer geringen konkreten bzw. abstrakten Gefahr für die
Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer ausgegangen werden. Die Busse von Fr. 300.--
liege in einem Bereich, welcher im Ordnungsbussenverfahren erledigt werden könne.
Auch deshalb sei von einer leichten Widerhandlung auszugehen. Erleichternd komme
hinzu, dass der Rekurrent seinen Personenwagen mit sehr geringer Geschwindigkeit
gelenkt und dem Gebot zur besonderen Vorsicht gegenüber Kindern nachgelebt habe.
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Die Widerhandlung wiege daher besonders leicht oder zumindest leicht. Sowohl das
Verschulden wie die Gefährdung für die Sicherheit anderer seien gering gewesen. Es
sei kein Personenschaden entstanden. Die Höhe des Sachschadens lasse nicht ohne
weiteres auf das Mass der Gefährdung der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer
schliessen. Ein neues Fahrzeug wie dasjenige des Rekurrenten weise bereits bei einer
"Lappalie" eine höhere Schadensumme auf als ein älteres Fahrzeug. Aus dem
Umstand, dass mehrere Fahrzeuge involviert gewesen seien, könne nicht auf "nicht
unerhebliche Aufprallenergie" geschlossen werden. Insofern sei die angefochtene
Verfügung willkürlich und verletze das Legalitätsprinzip. Schliesslich sei der Fall nicht
mit einem Auffahrunfall vergleichbar, der durch einen Lastwagen verursacht worden
sei. Beim unfallverursachenden Fahrzeug habe es sich um einen gewöhnlichen
Personenwagen gehandelt und die durch den Auffahrunfall verursachte Gefahr müsse
auch unter diesem Umstand und in Anbetracht der sehr tiefen Geschwindigkeit als
gering eingestuft werden.
c) Eine leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG setzt voraus, dass
die vom Lenker durch die Verkehrsregelverletzung bewirkte Gefahr für die Sicherheit
anderer gering und das Verschulden leicht ist.
Die leicht erhöhte abstrakte Gefährdung wird als "geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer" umschrieben. Wenn im Strassenverkehr von der "Sicherheit anderer" die
Rede ist, ist damit das Schutzgut der körperlichen Integrität ("Leib und Leben") und
Gesundheit anderer Personen, seien dies Verkehrsteilnehmer oder sonstwie mögliche
Gefährdete, gemeint. Die Verkehrsregeln sind als abstrakte Gefährdungsdelikte
ausgestaltet, so dass deren Verletzung den Tatbestand der Gefahr selbst nicht als
Deliktsmerkmal enthält. Der Gesetzgeber knüpft vielmehr Sanktionen oder
Massnahmen an ein Verhalten, das generell geeignet ist, das geschützte Rechtsgut zu
gefährden oder zu verletzen. Abstrakte Gefährdungstatbestände bedrohen mithin ein
Verhalten wegen seiner typischen Gefährlichkeit allgemein mit Strafe oder Massnahme.
Es ist nicht relevant, ob im Einzelfall tatsächlich ein Rechtsgut gefährdet wurde (vgl. R.
Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III: Die
Administrativmassnahmen, Bern 1995, Rz. 2255-2257; Trechsel/Noll, Schweizerisches
Strafrecht allgemeiner Teil I: Allgemeine Voraussetzungen der Strafbarkeit, 5. Aufl.
1998, S. 77). Für die Annahme eines leichten Falles setzt das Gesetz somit
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ausdrücklich ein geringes Ausmass der Gefährdung voraus. Für die Annahme einer
leichten Widerhandlung müssen eine geringe Gefahr und ein leichtes Verschulden
kumulativ gegeben sein (BGE 135 II 138, E. 2.2.3).
Im Recht der Administrativmassnahmen liegen der gesetzlichen Kategorisierung der
Widerhandlungen gegen Strassenverkehrsvorschriften verschiedene
Gefährdungsstufen zugrunde. Von der konkreten Gefährdung der körperlichen
Integrität anderer Personen ist die abstrakte Gefährdung zu unterscheiden, die
"einfach" oder "erhöht" sein kann. Die einfache abstrakte Gefährdung zieht kein
Administrativmassnahmeverfahren nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Eine solche
Gefährdung ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aber nur dann
anzunehmen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten des
Rekurrenten hätten betroffen werden können. Führt hingegen die Missachtung einer
Verkehrsregel zu einer Verletzung eines Rechtsguts, einer konkreten Gefährdung der
körperlichen Integrität oder zu einer erhöhten abstrakten Gefährdung dieses
Rechtsguts, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die
neuen Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43ff.).
Für die Abstufung innerhalb der erhöhten abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der
Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je näher die Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung oder Verletzung liegt, umso schwerer wiegt die erhöhte abstrakte
Gefährdung (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete Gefahr liegt vor, wenn für einen
bestimmten Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer die Gefahr einer Körperverletzung
oder gar Tötung bestand. Erst recht ist eine konkrete Gefahr zu bejahen, wenn es zu
einem Unfall gekommen ist und sich die hervorgerufene Gefahr realisiert hat (J. Boll,
Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12). Zudem ist das Ausmass der
üblicherweise entstandenen Schädigung bei Eintritt der Rechtsgutverletzung zu
berücksichtigen. (vgl. VRKE IV vom 6. Juli 2005 in Sachen H. L., E. 4 b/bb).
Gemäss der Darstellung im Polizeirapport klagten nach der Auffahrkollision zwei Lenker
über Nackenschmerzen. Da die Strassenverkehrsgesetzgebung die körperliche
Integrität und die Gesundheit anderer Personen schützt, genügt jede Gefährdung,
welche eine Beeinträchtigung der Gesundheit nach sich ziehen kann. Eine Verletzung
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dieser Rechtsgüter muss deshalb nicht die Schwelle einer Körperverletzung im Sinn
des Strafrechts erreichen (vgl. GVP 2006 Nr. 29). Selbst wenn die
Verkehrsregelverletzung des Rekurrenten - wie dieser im Rekurs ausführt - nicht zu
einer Verletzung der durch Art. 16 ff. SVG geschützten Rechtsgüter geführt haben
sollte, blieb es jedenfalls nicht bei einer abstrakten Gefährdung. Mit der Auffahrkollision
konkretisierte sich die Gefahr, und es zeigte sich, dass das Verhalten des Rekurrenten
jedenfalls geeignet war, andere Verkehrsteilnehmer zu verletzen. Aus den äusserlich
erkennbaren Folgen der Kollision ergibt sich zudem, dass sie hinsichtlich der
Gefährdung keine Bagatelle darstellte. Unabhängig von der frankenmässigen
Bewertung im Polizeirapport blieb es nicht bei einem minimalen Sachschaden. Es
wurden vier Fahrzeuge beschädigt. In der typischen Gefährlichkeit unterscheidet sich
damit die vorliegende Auffahrkollision klar von derjenigen, die sich beispielsweise
innerhalb einer sich mit Schritttempo vorwärtsbewegenden Fahrzeugkolonne ereignet.
Die vor dem Unfall gefahrene Geschwindigkeit betrug gemäss Aussage des
Rekurrenten gegenüber der Polizei (act. 5/1) 30 bis 35 km/h und lag somit deutlich über
dem Schritttempo. Die Auffassung der Vorinstanz, wonach aufgrund der
Folgekollisionen von einer nicht unerheblichen Aufprallenergie auszugehen sei, ist
deshalb nachvollziehbar. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass der
Rekurrent vor der Auffahrkollision nicht mit sehr geringer Geschwindigkeit fuhr. Eine
Auffahrkollision zwischen Personenwagen kann Verletzungen mit langwierigen Folgen
nach sich ziehen, wie etwa ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule. Ein Solches kann
gravierende gesundheitliche Folgen haben. Aus medizinischer Sicht kann eine solche
Verletzung selbst bei scheinbar harmlosen Auffahrunfällen nicht von vornherein
ausgeschlossen werden (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom
24. Juni 2003, U 193/01, E. 2.3; vgl. zur Harmlosigkeitsgrenze auch J. Senn,
Harmlosigkeitsgrenzen bei Unfällen mit HWS-/Hirnverletzungen, in: AJP 11/2002 S.
274 ff.). Damit steht fest, dass die Fahrzeuginsassen durch den Auffahrunfall konkret
gefährdet und einem erhöhten Verletzungsrisiko ausgesetzt waren.
d) Insgesamt steht damit fest, dass der Rekurrent wegen mangelnder Aufmerksamkeit
eine Gefährdung für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer geschaffen hat, die
nicht mehr als gering bezeichnet werden kann. Entsprechend kann nicht mehr von
einer leichten Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG ausgegangen
werden. Der Grad des Verschuldens ist unter diesen Umständen nicht weiter zu prüfen.
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Immerhin fällt auf, dass der Rekurrent erst auf die Frau und die spielenden Kinder
hinwies, nachdem er einen Verteidiger beigezogen hatte. Vor der Polizei gab er zu
Protokoll, dass er mit seinen Gedanken kurz abwesend, d.h. "in Wil beim nächsten
Termin" gewesen sei. Von einer Frau und spielenden Kindern, welche ihn abgelenkt
hätten, war mit keinem Wort die Rede. Selbst wenn am Strassenrand Kinder gespielt
haben sollten und dies im Strafverfahren zu einer Reduktion der Busse führte, ändert
dies nichts an der für die übrigen Verkehrsteilnehmer geschaffenen Gefährdung.
Deshalb kann die vom Rekurrenten geltend gemachte Wahrung der Sicherheit der am
Strassenrand spielenden Kinder nicht berücksichtigt werden. Unerheblich ist auch, ob
die im Strafverfahren erlassene Busse über die Höchstgrenze der Ordnungsbussen
hinausgeht oder nicht. Werden durch eine Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften Personen gefährdet oder verletzt oder Sachschaden
verursacht, ist unabhängig von der Bussenhöhe ein Verfahren nach
Ordnungsbussengesetz ausgeschlossen und der Führerausweis wird entzogen oder
eine Verwarnung ausgesprochen (Art. 2 lit. a des Ordnungsbussengesetzes in
Verbindung mit Art. 16 Abs. 2 SVG). Aufgrund der durch den Rekurrenten verursachten
konkreten Gefährdung ist mit der Vorinstanz von einer mittelschweren Widerhandlung
im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG auszugehen.
5.- Zu prüfen bleibt die von der Vorinstanz verfügte Dauer des Entzugs des
Führerausweises von einem Monat.
a) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Gemäss Art. 16b
Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer mittelschweren
Widerhandlung mindestens für einen Monat entzogen.
b) Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten in der angefochtenen Verfügung den
Führerausweis für die gesetzlich vorgeschriebene minimale Entzugsdauer von einem
Monat entzogen. Da das Gesetz eine Unterschreitung dieser Mindestentzugsdauer
ausschliesst (Art. 16 Abs. 3 SVG), erübrigt es sich, massnahmemindernde Umstände
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wie eine berufliche Angewiesenheit des Rekurrenten auf das Führen eines
Motorfahrzeugs (vgl. zum früheren Recht SJZ 97/2001 S. 524 f.) oder den
automobilistischen Leumund zu prüfen. Die verfügte Entzugsdauer von einem Monat ist
damit nicht zu beanstanden.
6.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint
angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.