Decision ID: d24c9492-f922-4afa-9efa-bd550cb86590
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Sabrina Schneider, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
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St.Galler Gerichte
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
S._ (Jg. 1962) meldete sich am 7. April 1999 erstmals zum Bezug von IV-Leistungen
an. Gemäss seinen Angaben im Anmeldeformular hatte er den Beruf eines
Hochbauzeichners erlernt. Seit 1991 war er aber als Lkw-Chauffeur tätig. Dr. med.
A._ berichtete der IV-Stelle am 16. April 1999, der Versicherte leide täglich an
Schmerzen im LWS-Bereich und im linken Knie, abhängig von der Arbeitsbelastung.
Der Gesundheitszustand des Versicherten sei lange Zeit stationär gewesen. Nun
zeichne sich eine Progredienz ab. Dr. med. B._ übermittelte der IV-Stelle am 14. Juni
1999 einen Bericht vom 22. März 1999, den er an Dr. med. A._ gerichtet hatte.
Gemäss diesem Bericht litt der Versicherte an einer chronischen Lumbalgie
(Spondylolyse und Spondylolisthesis L5/S1, Spondylarthrose L4/5 und L5/S1) sowie an
einer posttraumatischen, vorwiegend medialen Gonarthrose des linken Knies
(erhebliche anterolaterale Instabilität nach Kreuzbandläsion). Ob eine operative
Stabilisierung des vorderen Kreuzbandes erfolgen solle, sei schwierig zu beurteilen.
Einerseits bestehe eine objektivierbare erhebliche Instabilität, andererseits habe der
Versicherte gelernt, damit zu leben. Die Instabilität werde wohl zu einer progredienten
Arthroseentwicklung führen, deren Beginn schon initiiert sei. Niemand könne aber
garantieren, dass ein operativer Ersatz des vorderen Kreuzbandes die
Weiterentwicklung der Arthrose zu stoppen vermöge. In einer leidensangepassten
Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Der Versicherte machte gegenüber der IV-
Stelle geltend, er wolle die Kunstgewerbeschule besuchen. Er scheiterte dann aber an
der Aufnahmeprüfung. Die Berufsberaterin der IV-Stelle empfahl am 16. August 2000
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eine Ausbildung zum Carchauffeur, da die bisherigen körperlichen Belastungsfaktoren
damit mehrheitlich wegfielen und eine 100%ige Arbeitsfähigkeit auch längerfristig als
zumutbar erscheine. Dr. med. B._ bestätigte diese Einschätzung am 16. Oktober
2000. Der Versicherte bestand am 15. September 2000 die Prüfung zum Carchauffeur.
Mit einer Verfügung vom 23. November 2000 stellte die IV-Stelle fest, dass der
Versicherte rentenausschliessend eingegliedert sei.
B.
Am 21. Februar 2008 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an. Er gab an, wegen grosser Leiden habe er die Tätigkeit als Carchauffeur
nach etwa vier Jahren aufgeben müssen. Er habe als Mechaniker gearbeitet, als er im
Mai 2007 einen schweren Arbeitsunfall erlitten habe. Die C._ teilte der IV-Stelle am
17. März 2008 mit, sie habe den Versicherten als Aushilfsmechaniker beschäftigt. Es
habe sich um einen befristeten Arbeitsvertrag gehandelt, der am 31. Dezember 2007
ausgelaufen wäre. Der Versicherte sei 33,6 Std. wöchentlich tätig gewesen. Der
Stundenlohn habe Fr. 30.95 betragen. Es habe sich um eine leichte
Wiederholungsarbeit ohne körperliche Anstrengung gehandelt. Am 18. März 2008 hielt
der SUVA-Kreisarzt fest, der Versicherte habe bei der Arbeit an der Sandstrahlanlage
einen elektrischen Schlag erhalten. Dabei sei er an die Wand geschleudert worden. Es
lägen folgende Diagnosen vor: Lumbago (bei Spondylolyse/-listhesis L5/S1 sowie
spondylotische degenerative Veränderungen L1 bis L4, vorübergehend traumatisiert
durch das Unfallereignis) und Varusgonarthrose links (vorübergehend traumatisiert
durch das Unfallereignis). Die klinische Untersuchung habe links etwas vergröberte
Kniekonturen, eine Druckdolenz im medialen Kompartiment, aber keinen sicheren
Erguss ergeben. Am rechten Knie bestünden ähnliche Befunde der semiobjektiven
Kriterien. Am Rücken bestehe eine Druckdolenz auf der Höhe L5/S1 mit Klopf- und
Rüttelschmerzen bei sonst paravertebral blander Situation ohne Reizzeichen bei guter
Rückenbeweglichkeit. In einem zum UV-Dossier gehörenden Bericht von Dr. med.
B._ an Dr. med. A._ war eine valgisierende open-wedge-Tibiakopfosteotomie am
linken Knie empfohlen worden. Dr. med. D._ vom RAD hielt am 4. April 2008 fest,
gemäss den Abklärungen des RAD bestehe in der angestammten Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von 50%, in einer leidensangepassten Tätigkeit (leicht bis gelegentlich
mittelschwer, wechselbelastend, vollzeitlich mit vermehrten Pausen) eine
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Arbeitsfähigkeit von 80%. Dr. med. A._ gab am 16. April 2008 an, in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit bestehe seit dem Unfall am 31. Mai 2007 eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Die frühere Tätigkeit als Carchauffeur habe wegen des Verharrens in
der immer gleichen Stellung und den daraus resultierenden vermehrten Schmerzen
aufgegeben werden müssen. Die Gonarthrose habe durch den Unfall eine
Traumatisierung erfahren. Jetzt sei die Belastbarkeit (Lasten, stehende Tätigkeit) stark
vermindert und es bestehe eine Therapieresistenz. Aufgrund des Alters wolle man eine
TP noch hinausschieben. Sinnvoll sei, wenn der Versicherte seine künstlerische Arbeit
(Herstellung von Weinständern) weiterführen könne. Eine Berentung sei dringend
indiziert, da man nicht wisse, wie die Kunst sich entwickeln werde. Andersartige
berufliche Massnahmen, Umschulung oder irgendwelche beruflichen Hilfsmittel seien
derzeit nicht angesagt. Längerfristig sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50%
auszugehen.
C.
Die IV-Stelle bewilligte am 28. April 2008 eine Berufsberatung und eine Abklärung der
beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten. Am 29. April 2008 hielt der
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle fest, der Versicherte wolle am
eingeschlagenen Weg, der künstlerischen Selbständigkeit, festhalten. Eine berufliche
Alternative sehe er nicht. Der Eingliederungsberater ging davon aus, dass der
Versicherte nicht vom Verkauf seiner Kunstwerke werde leben können. Er schlug dem
Versicherten eine BEFAS-Abklärung vor. Dieser lehnte den Vorschlag ab, da er
künstlerisch tätig sein wolle. Dr. med. D._ berichtete am 5. Mai 2008 über eine RAD-
Untersuchung vom 24. April 2008. Er führte aus, der Versicherte leide bereits seit den
80er Jahren an Problemen in beiden Kniegelenken. Deswegen sei der Versicherte im
Jahr 2000 zum Carchauffeur umgeschult worden. Diese Tätigkeit habe der Versicherte
Ende 2004 aufgeben müssen, weil er das lange Sitzen nicht mehr ertragen habe. Bei
der anschliessenden Tätigkeit für die C._ habe es sich um eine teils sitzend, teils
stehend auszuübende, körperlich eher leichte Tätigkeit gehandelt. Gemäss den
Angaben des Versicherten seien die Rücken- und die Knieschmerzen immer noch
ausgeprägter als vor dem Unfall. Dr. med. D._ berichtete weiter, aktuell stünden die
linksseitigen Kniebeschwerden im Vordergrund. Es handle sich um Dauerschmerzen,
die bei Belastung zunähmen. Die Schmerzen seien im Gelenk lokalisiert mit
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gelegentlicher Ausstrahlung proximal bis in das Gesäss. Schmerzverstärkend wirkten
längeres Sitzen zwischen 5 und 20 Min., Gehen über 30 Min., Stehen über 20 Min.,
brüske Bewegungen, Heben und Tragen von Lasten über 5 kg und Wetterwechsel. Das
linke Kniegelenk weise rezidivierende Schwellungszustände auf, aber bis anhin sei
noch keine Punktion nötig gewesen. Linksbetont komme es immer wieder zu
Einklemmungsphänomenen. Der Versicherte müsse dann das Kniegelenk mehrmals
durchbewegen, bis es mit einem Knacksen wieder zu einer Linderung komme. Die
verstärkte Schmerzsymptomatik dauere einige Tage an. Der Versicherte fühle sich auch
durch die verminderte Beweglichkeit und die reduzierte Kraft vor allem im linken Bein
gestört. Auch im Rücken bestehe gemäss den Angaben des Versicherten ein
Dauerschmerz, der tief lumbal lokalisiert sei und bis in beide Gesässhälften ausstrahlen
könne. Schmerzverstärkend wirkten brüske Bewegungen, Rotationsbewegungen der
Wirbelsäule, axiale Schläge und Wetterwechsel. Sowohl an den Kniegelenken als auch
am Rücken bestehe eine deutliche Anlaufproblematik. Dr. med. D._ betrachtete das
Verhalten des Versicherten als konsistent. Er gab folgende Diagnosen an:
traumatisierte Varusgonarthrose bds., linksbetont, und lumbovertebragenes
Schmerzsyndrom bei Spondylolyse L5 und Spondylolisthesis L5/S1 mit degenerativen
Veränderungen des unteren LWS-Abschnitts, sowie Knick-/Senkfuss bds. Nach der
Auffassung von Dr. med. D._ konnte der Versicherte in einer leidensadaptierten
Erwerbstätigkeit maximal 5 Std. täglich arbeiten (ganztags mit der Möglichkeit zu
vermehrten betriebsunüblichen Pausen). Adaptiert sei eine Tätigkeit, die leicht bis
gelegentlich mittelschwer und wechselbelastend (Möglichkeit des Wechselns zwischen
Sitzen, Gehen und Stehen, ohne Zwangspositionen der Wirbelsäule, kein Abknien,
Abhocken oder Kauern, keine längeren Gehstrecken, kein Überwinden von
Höhendifferenzen auf Treppen, Leitern, Gerüsten) sei.
D.
Der Berufsberater hatte in einem Verlaufsprotokoll am 24. April 2008 festgehalten, der
Versicherte habe eigentlich Schriftenmaler werden wollen, habe dann aber keine
Lehrstelle gefunden und habe eine Lehre als Hochbauzeichner absolviert. Er sei ein
durchschnittlicher Hochbauzeichner gewesen. Nach dem Lehrabschluss sei er weg
vom Beruf, weil er nicht in einem Büro habe arbeiten wollen. Er habe eine Saisonstelle
als Pistenkontrolleur angenommen und sei dann lange Zeit Lastwagenchauffeur
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gewesen. Aus gesundheitlichen Gründen sei er zum Carchauffeur umgeschult worden,
bis er auch diese Tätigkeit aufgrund der gesundheitlichen Beschwerden habe aufgeben
müssen. Danach habe er eine Stelle als Mechaniker gefunden. Mit dem Arbeitsunfall
sei der Versicherte aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden. Die berufliche
Eingliederung sei schwierig, da der Versicherte einen ganz bestimmten Weg für sich
sehe. Die berufliche Eingliederung müsse aber geprüft werden. Am 23. Juni 2008
notierte der Berufsberater, der Versicherte sei in Appisberg gewesen. Er habe erkannt,
dass eine eigentliche Umschulung nicht den gewünschten Erfolg verspreche, weshalb
er den Weg der künstlerischen Selbständigkeit weiterverfolgen wolle. Der Versicherte
habe gemäss seinen eigenen Angaben eine Teilzeitanstellung in Aussicht. In seinem
Schlussbericht vom 5. August 2008 gab der Berufsberater an, der Versicherte sehe die
beste und idealste berufliche Eingliederung im künstlerischen Bereich, wo er auch am
wenigsten gesundheitliche Beschwerden haben werde. Aus berufsberaterischer Sicht
sei eine Umschulung im engeren Sinn nicht angezeigt. Bei der Prüfung der Rentenfrage
könne der mit der Teilzeitbeschäftigung erzielte Lohn von Fr. 1860.- angerechnet
werden. Ob tatsächlich ein Rentenanspruch ausgewiesen sei, müsse die
Sachbearbeitung entscheiden. Auf eine entsprechende Anfrage der IV-Stelle gab der
Versicherte am 7. September 2008 an, als selbständiger Kunstschaffender habe er in
den Jahren 2001 bis 2007 kein Einkommen erzielt. Die IV-Stelle nahm einen
Einkommensvergleich zur Prüfung eines allfälligen Rentenanspruchs vor. Dabei stellte
sie das im individuellen Beitragskonto (IK) für 2006 verbuchte Jahreseinkommen bei
der C._ von Fr. 61'650.-, nominallohnangepasst bis 2008 von Fr. 63'138.-, einem
durchschnittlichen Hilfsarbeitereinkommen bei einem Beschäftigungsgrad von 60%
von Fr. 35'945.- gegenüber. Die Erwerbseinbusse von Fr. 27'194.- entsprach einem
Invaliditätsgrad von 43%. Mit einem Vorbescheid vom 20. September 2008 teilte sie
dem Versicherten mit, dass sie beabsichtige, ihm ab Mai 2008 eine Viertelsrente
auszurichten. Der Versicherte liess durch seine Rechtsvertreterin sinngemäss
einwenden, er habe einen Anspruch auf eine ganze Rente. Zur Begründung führte seine
Rechtsvertreterin aus, es fehle jede Begründung dafür, dass auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD abgestellt werde. Gemäss Dr. med. E._ bestehe
nämlich nur eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Bei der Bemessung des
Valideneinkommens habe die IV-Stelle übersehen, dass der Versicherte bei der C._
nur zu 80% tätig gewesen sei. Das Valideneinkommen betrage deshalb Fr. 78'923.-.
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Das zumutbare Invalideneinkommen sei ausgehend vom effektiv erzielten Einkommen
von Fr. 22'320.- zu ermitteln. Davon sei ein "Leidensabzug" von 20% zu machen. Das
zumutbare Invalideneinkommen betrage somit Fr. 16'740.-, was einen Invaliditätsgrad
von 79% ergebe.
E.
Dr. med. D._ vom RAD gab am 10. November 2008 sinngemäss an, es sei nicht
glaubhaft, dass der Versicherte bei der C._ krankheitsbedingt nur zu 80% tätig
gewesen sei. Es sei unwahrscheinlich, dass eine Person mit einer
gesundheitsbedingten Einschränkung vier Tage ohne Einschränkung arbeiten könne
und dann am fünften Tag wegen eben dieser gesundheitsbedingten Einschränkung
nicht zur Arbeit erscheine. Sinnvoller wäre es, wenn an fünf Tagen mit vermehrten
Pausen gearbeitet würde. Es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der
Versicherte bereits im April 2004 an seinem Arbeitsplatz bei der C._ nur noch zu 80%
arbeitsfähig gewesen sei. Die IV-Stelle ging trotzdem davon aus, dass der Versicherte
damals nur zu 80% arbeitsfähig gewesen sei. Sie betrachtete das nämlich als
Voraussetzung dafür, dass sie das Valideneinkommen entsprechend erhöhen konnte.
Sie stellte nun ein Valideneinkommen von Fr. 79'235.- dem bereits früher
berücksichtigten zumutbaren Invalideneinkommen von Fr 35'945.- gegenüber und
ermittelte so einen Invaliditätsgrad von 54,64%. Mit einem zweiten Vorbescheid teilte
sie dem Versicherten am 16. Dezember 2008 mit, dass sie beabsichtige, ihm
rückwirkend ab Mai 2008 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Die
Rechtsvertreterin des Versicherten wandte am 28. Januar 2009 ein, dass ein Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente bestehe. Es sei nämlich nicht von der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. D._, sondern von der Schätzung von Dr.
med. E._ und von derjenigen des Hausarztes auszugehen. Gegen das angerechnete
Valideneinkommen sei nichts einzuwenden. Das Invalideneinkommen sei anhand des
effektiv erzielten Erwerbseinkommens zu ermitteln. Die Verweigerung eines Teilzeit-
und eines "Leidensabzuges" sei von der IV-Stelle nicht begründet worden. Das effektiv
erzielte Erwerbseinkommen von Fr. 22'320.- sei um 25% auf Fr. 16'740.- zu reduzieren.
Dieses zumutbare Invalideneinkommen ergebe einen Invaliditätsgrad von 79%. Mit
einer Verfügung vom 11. Februar 2009 sprach die IV-Stelle dem Versicherten ab 1.
März 2009 eine halbe Invalidenrente zu. Sie kündigte den Erlass einer ergänzenden
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Verfügung für die Periode Mai 2008 bis Februar 2009 an, sobald das
Verrechnungsverfahren abgeschlossen sei. Zur Begründung führte die IV-Stelle aus,
die Arbeitsfähigkeit des Versicherten sei bereits ab April 2004 um etwa 20%
eingeschränkt gewesen. Deshalb habe sie das Valideneinkommen auf ein 100%-
Pensum aufgerechnet. Da der Versicherte ein unterdurchschnittliches Einkommen
erziele, habe sie zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens auf die
durchschnittliche Entlöhnung ungelernter Arbeitnehmer abgestellt. Bei einer
Restarbeitsfähigkeit von 60% seien keine weiteren Abzüge geschuldet. Einem
Valideneinkommen von Fr. 79'235.- stehe deshalb ein zumutbares Invalideneinkommen
von Fr. 35'945.- gegenüber, was einen Invaliditätsgrad von 55% ergebe.
F.
Der Versicherte liess durch seine Rechtsvertreterin am 19. März 2009 Beschwerde
gegen diese Verfügung erheben und die Zusprache einer ganzen Invalidenrente
beantragen; eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen. Die
Rechtsvertreterin des Versicherten führte zur Begründung aus, die IV-Stelle habe sich
völlig auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. D._ vom RAD abgestützt, ohne
sich mit den abweichenden Einschätzungen anderer Ärzte auseinanderzusetzen. Diese
Abweichung in der Arbeitsfähigkeitsschätzung sei zudem nicht nachvollziehbar. Dem
Versicherten sei tatsächlich nur eine Arbeitsfähigkeit von 50% zumutbar. Zum
somatischen Leiden habe sich nun auch noch eine Somatisierungsstörung hinzugesellt.
Damit seien nicht nur weitere Abklärungen der somatischen Beschwerden, sondern
auch eine psychiatrische Abklärung erforderlich. Das Valideneinkommen sei zu Recht
anhand des IK-Eintrags 2006 ermittelt worden. Das zumutbare Invalideneinkommen
müsse auf der Grundlage des effektiv erzielten Lohnes berechnet werden, da es sich
bei der konkret ausgeübten um eine ideal adaptierte Tätigkeit handle. Vom effektiv
erzielten Lohn seien noch ein Teilzeit- und ein "Leidensabzug" von insgesamt 25% zu
machen. Der Beschwerde lagen u.a. ein Bericht des Muskelzentrums des
Kantonsspitals St. Gallen vom 25. November 2008 und ein Bericht von Dr. med. A._
vom 20. Februar 2009 bei. Gemäss dem Bericht des Muskelzentrums sprachen die
unspezifischen Beschwerden (Brummen im Schultergürtel-, Nacken- und Kopfbereich,
erneut aufgekommene Schlafstörungen und zumindest links exazerbierte
Knieschmerzen) für eine Somatisierungsstörung als Folge des Elektrounfalls vom 31.
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Mai 2007. Hinweise auf eine somatische Nervenfunktionsstörung fehlten. Dr. med.
A._ hatte eine Arbeitsunfähigkeit von 100% für eine rein stehende Tätigkeit ohne
intermittierend sitzende Tätigkeit, für eine rein sitzende Tätigkeit ohne intermittierend
stehende Tätigkeit, für eine belastende stehende Tätigkeit und für eine Tätigkeit, die mit
Lastentragen verbunden sei, angegeben. Er hatte ausserdem darauf hingewiesen, dass
keine besonderen Therapien geplant seien. Erörtert werden könne höchstens eine
Totalprothese beider Knie. Allerdings spreche das Alter des Versicherten derzeit noch
dagegen. Zudem wäre damit die Rückenproblematik nicht gelöst.
G.
Am 20. März 2009 erging eine Ergänzungsverfügung, mit der dem Versicherten auch
für die Periode Mai 2008 bis Februar 2009 eine halbe Invalidenrente zugesprochen
wurde. Die Rechtsvertreterin des Versicherten stellte am 11. Mai 2009 auch für diesen
Zeitraum das Begehren, es sei eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter
seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen.
H.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 18. Juni 2009 beantragte die IV-Stelle die Abweisung
der Beschwerde und die Feststellung, dass der Versicherte ab August 2008 nur einen
Anspruch auf eine Viertelsrente habe. Zur Begründung führte sie an, die Berichte von
Dr. med. A._ enthielten keine Arbeitsfähigkeitsschätzung für eine adaptierte
Erwerbstätigkeit. Im ersten Bericht habe sich Dr. med. A._ bei seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung auf die Herstellung von Kunst-Weinständern bezogen. Im
zweiten Bericht habe er keine Beschreibung einer der Behinderung angepassten
Tätigkeit gegeben. Zudem sei Dr. med. A._ als Allgemeinmediziner nicht kompetent,
sich zu Knie- und Rückenbeschwerden zu äussern. Der Untersuchungsbericht des
RAD sei von einem Orthopäden erstellt worden. Dr. med. E._ sei zugunsten des
Versicherten befangen gewesen, wie sich seiner Aussage entnehmen lasse, dass der
Versicherte eine halbe Rente zugute habe. Der Untersuchungsbericht des RAD sei
schlüssig, weshalb keine weiteren medizinischen Abklärungen notwendig seien. Der
Versicherte habe 2007 einen Stundenlohn von Fr. 30.95 erhalten. Bei einem
Vollpensum hätte er an 230 Tagen je 8,4 Std. gearbeitet. Das entspreche einem
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Valideneinkommen von Fr. 59'795.-. Die nun effektiv ausgeübte Tätigkeit entspreche
nicht derjenigen, die der Versicherte bei einer zumutbaren Ausnützung seiner
Restarbeitsfähigkeit ausführen könnte. Deshalb sei auf einen Durchschnittslohn für
Hilfsarbeiter abzustellen. Dabei sei ein "Leidensabzug" von 10% zu berücksichtigen,
weil der Versicherte nur noch leichte Arbeiten ausführen könne. Ein Teilzeitabzug sei
nicht gerechtfertigt, weil der Versicherte vollzeitlich bei reduzierter Leistung tätig sein
könnte. Das ergebe ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 31'966.- und damit
einen Invaliditätsgrad von 47%.
I.
In ihrer Replik vom 23. Juli 2009 wandte die Rechtsvertreterin des Versicherten ein,
Dr. med. A._ habe sehr wohl eine adaptierte Tätigkeit definiert. Dr. med. E._ habe
sich äusserst präzis zu den Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit und zur
Arbeitsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit geäussert. Aus dem Hinweis auf die halbe
Invalidenrente könne nicht gefolgert werden, dass Dr. med. E._ in irgendeiner Form
befangen gewesen sei. Der RAD-Bericht genüge den hohen Anforderungen an die
Schlüssigkeit und Zuverlässigkeit eines Gutachtens nicht. In Bezug auf den
Rentenbeginn sei nicht das aktuell geltende Recht, sondern das aufgehobene Recht
massgebend, weil das Wartejahr vor dem 1. Januar 2008 zu laufen begonnen habe.
Das Valideneinkommen könne nicht tiefer sein als dasjenige gemäss dem IK-Auszug.
Wäre der Versicherte 2006 noch gesund gewesen, hätte er nicht zu 80%, sondern zu
100% gearbeitet. Massgebend sei ein Valideneinkommen von Fr. 79'235.-. Das effektiv
erzielte Einkommen sei als zumutbares Invalideneinkommen anzurechnen. Wenn auf
den Durchschnittslohn abgestellt würde, müsste von einer Arbeitsfähigkeit von 50%
ausgegangen werden und es müsste zudem ein zusätzlicher Abzug von insgesamt
25% erfolgen. Das ergäbe ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 20'235.- und
damit einen Invaliditätsgrad von 74,5%.
J.
Die IV-Stelle verzichtete am 29. Juli 2009 auf eine Duplik.
K.
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Die Rechtsvertreterin des Versicherten reichte am 5. August 2009 eine Honorarnote
über Fr. 4092.90 ein. Sie begründete diesen Betrag mit dem Mehraufwand als Folge
der neuen Argumente in der Beschwerdeantwort.

Erwägungen:
1.
Invalid ist, wer nach einer zumutbaren Behandlung und nach einer Eingliederung ganz
oder teilweise erwerbsunfähig ist (Art. 7 i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG). Dementsprechend
ist beim Einkommensvergleich zur Ermittlung des Invaliditätsgrades jenes Einkommen
als zumutbares Invalideneinkommen zu berücksichtigen, das nach der Durchführung
der medizinischen Behandlung und nach allfälligen Eingliederungsmassnahmen erzielt
werden könnte (Art. 16 ATSG). Diese Regelungen tragen der
sozialversicherungsspezifischen Schadenminderungspflicht Rechnung, die im Rahmen
der Rentenleistungen unter dem Grundsatz der Eingliederung vor Rente bekannt ist
(vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., Vorbemerkungen N. 47). Eine versicherte
Person kann also nur dann einen Rentenanspruch begründen, wenn sie alles Mögliche
und Zumutbare unternommen hat, um die durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung
bewirkte Arbeitsunfähigkeit ganz oder wenigstens soweit als möglich zu überwinden.
Da es sich bei der Erfüllung des Grundsatzes der Eingliederung vor Rente um eine
unabdingbare Voraussetzung jeder definitiven Rentenzusprache handelt, muss jede
Rentenverfügung auch den – vorgängigen – Entscheid enthalten, dass keine oder keine
weiteren medizinischen oder beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich und/oder
zumutbar sind. Das Versicherungsgericht interpretiert die rentenzusprechenden
Verfügungen der Beschwerdegegnerin, die sich regelmässig nicht explizit zur
Eingliederungsfrage äussern, praxisgemäss so, dass der Entscheid, keine (weiteren)
Eingliederungsmassnahmen durchzuführen, implizit mitverfügt worden sei. Ohne eine
entsprechenden impliziten Entscheid über die Eingliederungsfrage wäre nämlich jede
definitive Rentenzusprache wegen einer Verletzung des Grundsatzes der Eingliederung
vor Rente zum vornherein rechtswidrig und damit ohne Überprüfung der
Invaliditätsbemessung ohne weiteres aufzuheben. Auch im vorliegenden Fall ist
deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung vom 11. Februar/20. März 2009 implizit jede medizinische oder berufliche
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Eingliederungsmöglichkeit verneint hat, bevor sie dem Beschwerdeführer in derselben
Verfügung eine halbe Invalidenrente zugesprochen hat. Vorab ist dieser implizite
Entscheid über die Eingliederungsfrage zu beurteilen, da davon die Zulässigkeit der
Prüfung eines definitiven Rentenanspruchs abhängt.
1.1 Als erstes ist die Frage nach einer möglichen medizinischen Eingliederung des
Beschwerdeführers zu prüfen, da davon allenfalls auch die Möglichkeit einer
beruflichen Eingliederung abhängen kann. Dr. med. B._ hat bereits in einem Bericht
vom 22. März 1999 auf die Möglichkeit einer medizinischen Behandlung mit
Verbesserungspotential, nämlich auf einen operativen Ersatz des vorderen
Kreuzbandes hingewiesen. Er hat aber auch angegeben, die Operation sei nicht nötig,
weil der Beschwerdeführer sich auf die Situation eingestellt habe. Die Frage einer
solchen Operation als einer medizinischen Massnahme musste damals nicht
beantwortet werden, weil die Beschwerdegegnerin davon ausging, dass der
Beschwerdeführer aufgrund der Umschulung vom Lkw- zum Carchauffeur nicht mehr
von einer Invalidität bedroht war. Da der Beschwerdeführer sich nach der – bei
objektiver Betrachtung von Anfang an absehbaren – krankheitsbedingten Aufgabe
seiner Tätigkeit als Carchauffeur selbst "eingliederte" und sich deshalb nicht mehr bei
der Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug anmeldete, fehlen in den Akten der
Beschwerdegegnerin Hinweise auf allfällige Untersuchungen im Hinblick auf eine
operative Sanierung der Knieprobleme. Erst ab der Anmeldung bei der SUVA als Folge
des Elektrounfalls bei der C._ finden sich in den Akten dieses Sozialversicherers
wieder medizinische Akten. Dr. med. B._ hat in einem an Dr. med. A._ gerichteten
Bericht vom 14. Juni 2007 angegeben, es bestehe eine Indikation für eine valgisierende
open-wedge-Tibiakopfosteotomie am linken Knie. Der Verlauf werde zeigen, ob sich
der Beschwerdeführer zu diesem Eingriff entschliessen könne. In einem zweiten Bericht
an Dr. med. A._ vom 19. Juli 2007 hat Dr. med. B._ sich bereit erklärt, den
Beschwerdeführer neu zu beurteilen, wenn trotz des Versuchs, eine operative
Behandlung hinauszuzögern, eine Tibiakopfosteotomie in Frage kommen sollte. Der
SUVA-Kreisarzt hat in seinem Bericht vom 18. März 2008 angegeben, rein medizinisch
stünden zur Zeit keine weiteren Massnahmen zur Verfügung, die zu einer wesentlichen
Verbesserung des Zustandes führen könnten. Er hat diese Einschätzung aber nicht
begründet. Insbesondere hat er sich nicht mit der von Dr. med. B._ vorgeschlagenen
Tibiakopfosteotomie auseinandergesetzt. Nach der Anmeldung auch bei der
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Beschwerdegegnerin hat Dr. med. D._ vom RAD – möglicherweise aufgrund dieser
Einschätzung des SUVA-Kreisarztes – nur die aktuelle medizinische Situation
wiedergegeben, ohne sich zur Möglichkeit einer Verbesserung durch medizinische
Massnahmen zu äussern. Dr. med. A._ hat in seinem Bericht vom 16. April 2008
angegeben, man wolle eine TP wegen des Alters des Beschwerdeführers noch
hinausschieben. Im RAD-Bericht vom 5. Mai 2008 fehlt jede Auseinandersetzung mit
der Frage einer allfälligen medizinischen Eingliederungsmassnahme. Die
gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers und damit auch dessen
Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit sind von Dr. med. D._ im
Ergebnis als unveränderlich dargestellt worden, so dass sie direkt als Grundlage der
Invaliditätsbemessung heranzuziehen seien. In dem mit der Beschwerde eingereichten
Bericht des Muskelzentrums des Kantonsspitals St. Gallen vom 25. November 2008
findet sich kein Hinweis auf eine allfällige Behandlungsmöglichkeit der Knieprobleme.
Das war aber auch nicht das Untersuchungsthema, so dass das Fehlen eines
entsprechenden Hinweises nicht gegen das Bestehen einer medizinischen
Eingliederungsmöglichkeit spricht. In dem ebenfalls mit der Beschwerde eingereichten
Bericht von Dr. med. A._ vom 20. Februar 2009 hingegen wird unmissverständlich
festgehalten, dass eigentlich eine Totalprothese beider Kniegelenke sinnvoll wäre.
Allerdings spreche derzeit noch das Alter des Beschwerdeführers dagegen. Damit ist
zumindest wahrscheinlich gemacht, dass die Einschränkung, die in erwerblicher
Hinsicht aus den im Verfügungszeitpunkt bestehenden Kniebeschwerden resultiert hat,
durch eine Operation vermindert oder sogar beseitigt werden könnte. Die Frage, ob
diese Vorgehensweise angesichts eines allfälligen Eingliederungserfolgs trotz des
eigentlich noch zu tiefen Alters des Beschwerdeführers sinnvoll und damit zumutbar
wäre, ist von den Ärzten nicht explizit beantwortet worden, weil die
Beschwerdegegnerin ihnen diese Frage gar nie gestellt hat. Dass sich sowohl der
SUVA-Kreisarzt als auch Dr. med. D._ vom RAD nicht dazu geäussert haben, kann
zwar darin begründet sein, dass diese Frage aus medizinischer Sicht offensichtlich zu
verneinen ist. Aber aus der notwendigerweise laienhaften Sicht des Gerichts ist die
Antwort nicht offensichtlich, sondern durch einen medizinischen Sachverständigen zu
beantworten. Diese Antwort fehlt in den dem Gericht vorliegenden Akten. Deshalb
erweist sich der Sachverhalt aus rechtlicher Sicht als unzureichend abgeklärt. Bevor
über eine definitive Rentenberechtigung des Beschwerdeführers entschieden werden
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kann, muss mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen,
dass die Arbeitsfähigkeit nicht durch eine medizinische Massnahme verbessert werden
kann.
1.2 Der Beschwerdeführer hat den Beruf des Hochbauzeichners erlernt, aber offenbar
nie oder nur kurze Zeit ausgeübt. Seine berufliche Karriere hat in einer Tätigkeit als
Lastwagenchauffeur bestanden, bis ihn die Gesundheitsbeeinträchtigung gezwungen
hat, diese Tätigkeit aufzugeben. Anschliessend ist er – angesichts der Ähnlichkeit der
beiden Tätigkeiten und angesichts der Natur der Gesundheitsbeeinträchtigung wenig
sinnvoll – von der Beschwerdegegnerin zum Carchauffeur umgeschult worden. Diese
Tätigkeit hat er nach kurzer Zeit krankheitsbedingt aufgeben müssen. Damit ist wieder
ein Bedarf nach einer beruflichen Eingliederung entstanden. Der Beschwerdeführer hat
sich aber nicht bei der Beschwerdegegnerin gemeldet, sondern er hat selbst versucht,
sich beruflich einzugliedern, indem er eine Arbeit als Hilfsmechaniker angenommen hat.
Schliesslich ist ihm auch die Ausübung dieser Tätigkeit aufgrund seiner
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht mehr möglich gewesen. Diesmal hat er sich bei der
Beschwerdegegnerin angemeldet und sie hat eine berufliche Eingliederung geprüft und
einen entsprechenden Anspruch verneint. Dabei dürfte sie von der Überlegung
ausgegangen sein, dass der Beschwerdeführer unbedingt seiner selbständigen
künstlerischen Tätigkeit nachgehen wolle und deshalb nicht bereit sei, sich einer
Umschulung in eine adaptierte und qualifizierte Erwerbstätigkeit zu unterziehen. Aus
nicht nachvollziehbaren Gründen hat die Beschwerdegegnerin es unterlassen, die
berufliche Eingliederung – nötigenfalls mittels eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens
und der Androhung einer Sanktion – durchzusetzen. Stattdessen hat sie die vom
Beschwerdeführer geschaffene Situation ohne weiteres akzeptiert und das zumutbare
Invalideneinkommen anhand eines Hilfsarbeiterlohns bemessen. Damit hat die
Beschwerdegegnerin den Grundsatz der Eingliederung vor Rente missachtet und die
sozialversicherungsspezifische Schadenminderungspflicht nicht durchgesetzt. Die
angefochtene Verfügung erweist sich also nicht nur wegen der Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes in Bezug auf die Möglichkeit einer medizinischen
Eingliederung, sondern auch wegen einer Verletzung der beruflichen
Eingliederungspflicht als rechtswidrig. Der Beschwerdeführer hat einen intellektuell
anspruchsvollen Beruf erlernt. Er ist zwar nie oder nur sehr kurz in diesem Beruf tätig
gewesen, aber der erfolgreiche Abschluss der Lehre zeigt doch, dass er über die
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intellektuellen Fähigkeiten verfügt, die für eine Umschulung in einen
behinderungsadaptierten, ähnlich qualifizierten Beruf notwendig sind. Es ist deshalb
anzunehmen, dass die Beschwerdegegnerin eine qualifizierte Umschulung nicht als
unmöglich, sondern als unzumutbar betrachtet hat. Sie dürfte davon ausgegangen
sein, dass es dem Beschwerdeführer unzumutbar wäre, seine künstlerische Tätigkeit
nicht hauptberuflich, sondern nur hobbymässig auszuüben, weshalb es auch
unzumutbar sei, vom Beschwerdeführer zu verlangen, dass er einen qualifizierten Beruf
erlerne oder sich in seinen angestammten Beruf als Hochbauzeichner wiedereinschulen
lasse. Die Beschwerdegegnerin ist also implizit davon ausgegangen, dass die
berufliche Eingliederungspflicht gegenüber dem Bedürfnis nach einer künstlerischen
Betätigung soweit zurückzutreten habe, dass sie sogar die Ausrichtung einer
Invalidenrente zulasse, da die künstlerische Betätigung leider keine nennenswerten
Einnahmen generiere. Das Zumutbarkeitskriterium darf im Zusammenhang mit der
beruflichen Eingliederung nicht rein subjektiv verstanden und angewendet werden.
Dass der Beschwerdeführer die Umschulung in eine qualifizierte Erwerbstätigkeit und
dann die Ausübung dieser Erwerbstätigkeit für unzumutbar halten dürfte, weil ihn dies
in der Ausübung seiner künstlerischen Tätigkeit stark einschränken würde, macht die
Umschulung nicht objektiv unzumutbar. Deshalb ist nicht nachzuvollziehen, weshalb
die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer nicht seine berufliche
Eingliederungspflicht erläutert und ihn dann – nötigenfalls unter Androhung einer
sanktionsweisen Abweisung seines Rentengesuchs – berufsberaterisch abgeklärt und
umgeschult hat. Die durch die Gesundheitsbeeinträchtigung bewirkte Einschränkung in
der Auswahl der noch in Frage kommenden Berufe kann kein Hinderungsgrund
gewesen sein, was die erwerbliche Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit angeht, denn die
Zahl der adaptierten Berufe war immer noch gross genug. Auch hier scheint die
Beschwerdegegnerin zu pessimistisch gewesen zu sein. Wer am Schreibtisch arbeitet,
ist heute nicht mehr gezwungen, den ganzen Tag in der gleichen Stellung sitzend zu
verharren, denn es gibt höhenverstellbare Schreibtische, die es erlauben, abwechselnd
sitzend oder stehend zu arbeiten, ohne beim Wechsel Zeit zu verlieren, es gibt
elektronische Hilfsmittel, die es erlauben, Arbeiten im Stehen oder sogar im Gehen zu
verrichten, die früher nur am Schreibtisch sitzend ausgeführt werden konnten, es gibt
Diktierprogramme, die eine übliche Schreibmaschinentastatur überflüssig machen usw.
Das Hauptanwendungsgebiet der leichten und wechselbelastenden Tätigkeit, die
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Büroarbeit, wäre dem Beschwerdeführer also trotz seiner
Gesundheitsbeeinträchtigungen (auch den erst nach der Beschwerdeerhebung
bekannt gewordenen) weitgehend zumutbar. Dem Beschwerdeführer standen deshalb
immer noch viele Berufe offen. Ob auch in einer adaptierten Tätigkeit eine erhebliche
Arbeitsunfähigkeit bestanden hätte, ist zu bezweifeln, denn die Ärzte, die bei ihrer
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht auf die Tätigkeit als Hilfsmechaniker bei der C._,
sondern auf eine adaptierte Tätigkeit abgestellt haben, scheinen von einer
Schreibtischarbeit im Stil der 80er Jahre ausgegangen zu sein, als die Arbeitnehmer
tatsächlich noch sitzend an ihren Schreibtisch gefesselt waren. Zusammenfassend ist
festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die berufliche Eingliederung
den Grundsatz der Eingliederung vor Rente verletzt hat. Der Beschwerdeführer hätte
einer gründlichen berufsberaterischen Abklärung unterzogen und dann – nötigenfalls
mittels der Androhung einer Sanktion – umgeschult werden müssen, wobei nicht auf
die subjektive Unzumutbarkeitsüberzeugung als Folge der künstlerischen Betätigung
hätte abgestellt werden dürfen.
2.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Die Ermittlung des Validen- und des zumutbaren
Invalideneinkommens setzt die vorgängige Definition der Validen- und der
Invalidenkarriere voraus. Die Validenkarriere kann nur hypothetisch bestimmt werden,
da die versicherte Person nicht mehr "valid", sondern invalid ist. Die höchstrichterliche
Rechtsprechung betrachtet die zuletzt vor dem Eintritt der invalidisierenden
Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeübte Erwerbstätigkeit als die wahrscheinlichste
Validenkarriere. Solle von dieser Regel abgewichen werden, müsse das mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. etwa BGE 129 V 222 ff., Erw. 4.3.1
m.H.). Eine Hypothese kann nie erstellt bzw. bewiesen werden, so dass es keinen Sinn
macht, das übliche Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzuwenden.
Massgebend ist vielmehr, welche Variante der hypothetischen beruflichen Entwicklung
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die wahrscheinlichste ist. Die Parteien sind übereinstimmend der Auffassung gewesen,
die Validenkarriere bestehe in der Tätigkeit als Aushilfsmechaniker bei der C._.
Tatsächlich handelt es sich dabei aber nur um eine Tätigkeit, die der Beschwerdeführer
angenommen hat, weil er aufgrund der Gesundheitsbeeinträchtigung nicht mehr als
Carchauffeur hat arbeiten können. Da die Tätigkeit als Aushilfsmechaniker ein Versuch
einer Selbsteingliederung gewesen ist, kann es sich dabei – entgegen der Auffassung
der Parteien – nicht um die massgebende Validenkarriere gehandelt haben. Der
Beschwerdeführer hat zwar den Beruf eines Hochbauzeichners erlernt, aber er hätte
diesen Beruf selbst dann nicht bis zur Pensionierung ausgeübt, wenn er gesund
geblieben wäre. Ohne Gesundheitsbeeinträchtigung wäre er wahrscheinlich
Lastwagenchauffeur geblieben. Nun ist er aber vom Lastwagenchauffeur zum
Carchauffeur umgeschult worden. Geht man davon aus, dass der rentenspezifische
Versicherungsfall erst mit der Arbeitsunfähigkeit als Carchauffeur eingetreten ist, weil
der Beschwerdeführer bis dahin keinen durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung
verursachten Einkommensnachteil erlitten hat, so liegt es nahe, die Validenkarriere
durch die Tätigkeit als Carchauffeur zu definieren. Das Valideneinkommen wird somit
anhand jenes Einkommens zu ermitteln sein, das der Beschwerdeführer im
massgebenden Zeitpunkt erzielt hätte, wenn er noch als Carchauffeur (und
nebenberuflich als Künstler) tätig gewesen wäre. Die Invalidenkarriere des
Beschwerdeführers steht nicht fest, solange nicht bekannt ist, ob eine medizinische
und/oder eine berufliche Eingliederung in Frage kommt und solange die
entsprechende(n) Massnahme(n) noch nicht abgeschlossen ist (sind). Die
Beschwerdegegnerin wird also nach der Prüfung der Möglichkeit einer Eingliederung
und gegebenenfalls nach deren Abschluss zu ermitteln haben, welches nun die
zumutbare Invalidenkarriere ist und welches Einkommen der Beschwerdeführer damit
zumutbarerweise erzielen könnte. Erst dann wird der definitive Einkommensvergleich
durchgeführt werden können, der den abschliessenden Entscheid über das
Rentenbegehren des Beschwerdeführers ermöglichen wird. Die Beschwerdegegnerin
wird aber zu berücksichtigen haben, dass ein allfälliger Rentenanspruch bereits vor
dem Abschluss einer Eingliederung entstehen kann. Zur Ermittlung dieses "vorläufigen"
Rentenanspruchs wird die Beschwerdegegnerin auf das Valideneinkommen als
Carchauffeur und auf ein "vorläufiges" Invalideneinkommen abstellen. Dabei wird es
sich wohl um das bei voller Ausnützung der trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung
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möglichen und zumutbaren Arbeitsfähigkeit erzielbare Einkommen in der "vorläufigen"
Invalidenkarriere als Aushilfsmechaniker bei der C._ handeln, denn es gibt keinen
Hinweis darauf, dass diese Tätigkeit durch den Unfall längerfristig unmöglich oder
unzumutbar geworden wäre. Weiter wird die Beschwerdegegnerin zu klären haben,
wann das sogenannte Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG bzw. aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG)
erfüllt gewesen ist und ab wann eine allfällige "vorläufige" Invalidenrente auszuzahlen
ist. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG besteht ein Rentenanspruch nach Ablauf von sechs
Monaten seit der Anmeldung, nach Art. 48 Abs. 2 aIVG schon zwölf Monate vor der
Anmeldung (immer vorausgesetzt, dass das Wartejahr zu diesem Zeitpunkt schon
erfüllt gewesen ist). Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat sich zu Recht
darauf berufen, dass auf den vorliegenden Fall übergangsrechtlich noch das alte,
aufgehobene Recht zur Anwendung gelange, dass also grundsätzlich für die zwölf der
Anmeldung vorausgegangenen Monate ein Rentenanspruch bestehe, denn nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist intertemporalrechtlich, d.h. bei der Frage nach
der Weiteranwendbarkeit alten Rechts auf altrechtliche Fälle, auf den Zeitpunkt des
Eintritt des Versicherungsfalles abzustellen sei (vgl. das Bundesgerichtsurteil vom 3.
November 2009, 8C_419/2009, Erw. 3.2). Bei der Invalidenrente tritt der
Versicherungsfall, d.h. die leistungsbegründende Invalidität mit der Erfüllung des
Wartejahres ein. Das gilt auch für eine "vorläufige" Invalidenrente, die grundsätzlich bis
zum Abschluss der Eingliederung auszurichten ist (wenn sie nicht vorher durch ein IV-
Taggeld abgelöst wird). Da der Beschwerdeführer bereits 2004 als Carchauffeur
arbeitsunfähig geworden ist, ist das Wartejahres wohl vor dem Inkrafttreten des
geltenden "neuen" Rechts erfüllt gewesen, so dass ein Anspruch auf eine "vorläufige"
Rente aufgrund einer verspäteten Anmeldung gemäss aArt. 48 Abs. 2 IVG ab 1.
Februar 2007 zu prüfen ist.
3.
Da sich die angefochtene Verfügung in mehrfacher Hinsicht als rechtswidrig erweist, ist
sie aufzuheben. Dabei handelt es sich zwar nach der Praxis des Versicherungsgerichts
rein formal um eine teilweise Gutheissung der Beschwerde, inhaltlich aber um eine
volle Gutheissung, so dass in Bezug auf die Verfahrenskosten von einem
vollumfänglichen Obsiegen des Beschwerdeführers auszugehen ist. Der
Beschwerdeführer hat deshalb einen Anspruch auf den Ersatz seiner
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Vertretungskosten. Diese bemessen sich nach der Bedeutung der Streitsache und
nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Bei einer Anwendung dieser
beiden Bemessungskriterien erweisen sich die von der Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers geltend gemachten Vertretungskosten von Fr. 4092.90 als
übersetzt. Es handelt sich um ein eher unterdurchschnittlich aufwendiges
Beschwerdeverfahren, das erst durch die teilweise Auswechslung der
Verfügungsbegründung in der Beschwerdeantwort ein durchschnittliches Mass an
Vertretungsaufwand verursacht hat. Dies rechtfertigt es, dem Beschwerdeführer jene
Parteientschädigung zuzusprechen, die praxisgemäss bei einem durchschnittlichen
Beschwerdeverfahren als angemessen betrachtet wird, nämlich Fr. 3500.- inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer. Dementsprechend wird die von der vollumfänglich
unterliegenden Beschwerdegegnerin zu entrichtende Gerichtsgebühr entsprechend
dem durchschnittlichen Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG) auf Fr. 600.-
festgesetzt. Der Kostenvorschuss von Fr. 600.- wird dem Beschwerdeführer
zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53