Decision ID: 25d409b8-6fde-53d3-826e-9919e6dfa5b7
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit dem 11. November 1992. Am
23. September 2008 beging er eine mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, als er in A einen Personenwagen in nicht
betriebssicherem Zustand lenkte. Das Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen
verfügte deswegen am 22. Dezember 2008 einen Führerausweisentzug für die Dauer
eines Monats. Die Massnahme wurde vom 26. Januar bis 25. Februar 2009 vollzogen.
Am 3. Juli 2009 verursachte X auf der Autobahn A1 in Thal wegen ungenügender
Aufmerksamkeit einen Selbstunfall. Das Strassenverkehrsamt ging von einer
mittelschweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften aus und entzog
X mit Verfügung vom 1. Oktober 2009 den Führerausweis für die Dauer von vier
Monaten. Der Führerausweisentzug dauerte vom 2. November 2009 bis 1. März 2010.
B.- Am 3. November 2015, um 13.25 Uhr, lenkte X auf der A1 in B einen
Personenwagen, als er in das Heck eines unmittelbar vor ihm fahrenden Lieferwagens
fuhr. Bei der Kollision entstand an beiden Fahrzeugen Sachschaden. Das
Statthalteramt Bezirk Dielsdorf büsste X mit Strafbefehl vom 4. Dezember 2015 wegen
ungenügenden Abstands beim Hintereinanderfahren mit Fr. 480.–. Dagegen erhob X
Einsprache. Nach Ergänzung der Untersuchung erliess das Statthalteramt am 16.
Februar 2016 einen neuen Strafbefehl, mit welchem es X wegen ungenügenden
Abstands beim Hintereinanderfahren, Nichtbeherrschens des Fahrzeugs und
Nichtanpassens der Geschwindigkeit mit einer Busse von Fr. 780.– bestrafte. Dagegen
erhob X wiederum Einsprache. Das Statthalteramt hielt am Strafbefehl fest und
überwies die Akten am 1. März 2016 dem Bezirksgericht Dielsdorf zur Beurteilung.
Dieses verurteilte X am 20. Mai 2016 wegen einfacher Verkehrsregelverletzung
(ungenügender Abstand beim Hintereinanderfahren, Nichtbeherrschen des Fahrzeugs
und Nichtanpassen der Geschwindigkeit) zu einer Busse von Fr. 600.–. Das
Obergericht des Kantons Zürich bestätigte mit Urteil vom 13. Februar 2017 diesen
Schuldspruch und die Busse. X erhob dagegen Beschwerde in Strafsachen beim
Bundesgericht, welches die Beschwerde mit Urteil 6B_376/2017 vom 5. Mai 2017
abwies, soweit es darauf eintrat.
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C.- Ohne den Ausgang des Strafverfahrens abzuwarten, eröffnete das
Strassenverkehrsamt wegen des Auffahrunfalls vom 3. November 2015 am 3. Februar
2016 ein Administrativmassnahmeverfahren und entzog X mit Verfügung vom 7. März
2016 den Führerausweis wegen mittelschwerer Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer eines Monats. Gegen diese Verfügung
erhob X mit Eingabe vom 23. März 2016 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission
und beantragte "die Aufhebung des Administrativmassnahmeverfahrens". Da noch kein
rechtskräftiger Strafentscheid vorlag, sistierte der Abteilungspräsident der
Verwaltungsrekurskommission das Rekursverfahren bis zum Vorliegen eines solchen. X
teilte mit Schreiben vom 11. April 2016 mit, er sei mit der Sistierung des
Rekursverfahrens nicht einverstanden, der Abteilungspräsident mache sich der
Begünstigung schuldig, indem er die Administrativmassnahme nicht aufhebe, und sei
ihm gegenüber befangen. Mit Verfügung vom 15. April 2016 wies der Stellvertreter des
Abteilungspräsidenten das Ausstandsbegehren ab. Dagegen erhob X Beschwerde
beim Verwaltungsgericht, welches die Beschwerde mit Entscheid vom 8. August 2016
wegen Nichtleistens des Kostenvorschusses abschrieb. Am 31. Mai 2017 teilte der
Abteilungspräsident X und dem Strassenverkehrsamt mit, dass das Strafverfahren im
Zusammenhang mit dem Vorfall vom 3. November 2015 rechtskräftig abgeschlossen
sei und das Rekursverfahren deshalb fortgesetzt werde. Gleichzeitig gab er den
Beteiligten Gelegenheit zu einer schriftlichen Stellungnahme. Davon machte X mit
Schreiben vom 15. Juni 2017 Gebrauch. Das Strassenverkehrsamt verzichtete am 21.
Juni 2017 auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Beteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid hinsichtlich des verfügten
Führerausweisentzugs zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der
Rekurs vom 23. März 2016 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und
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inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist insoweit einzutreten.
In der Eingabe vom 11. April 2016 macht der Rekurrent einen Entschädigungs- und
Genugtuungsanspruch von je Fr. 500.– geltend. Gemäss Art. 72 lit. a VRP und Art. 13
des Verantwortlichkeitsgesetzes (sGS 161.1) beurteilt der Zivilrichter öffentlich-
rechtliche Entschädigungsansprüche gegenüber dem Staat, öffentlich-rechtlichen
Körperschaften oder Anstalten (vgl. auch Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl.
2003, Rz. 483). Soweit der Rekurrent Entschädigungs- und Genugtuungsansprüche
geltend macht, ist auf den Rekurs somit nicht einzutreten.
2.- a) Nach Strassenverkehrsdelikten befindet das Strafgericht über die strafrechtlichen
Sanktionen (Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Busse) und die Verwaltungsbehörde in einem
separaten Verfahren über Administrativmassnahmen (insbesondere
Führerausweisentzug, Verwarnung). Die Zweispurigkeit des Verfahrens ist zulässig,
kann aber – bei fehlender Koordination – dazu führen, dass derselbe Lebensvorgang zu
voneinander abweichenden Sachverhaltsfeststellungen von Verwaltungs- und
Justizbehörden führt und die erhobenen Beweise abweichend gewürdigt und rechtlich
beurteilt werden. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, hat die Verwaltungsbehörde
gemäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich mit ihrem
Entscheid zuzuwarten, bis ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt. Denn das
Strafverfahren bietet durch die verstärkten Mitwirkungsrechte des Beschuldigten, die
umfassenderen persönlichen und sachlichen Ermittlungsinstrumente sowie die
weiterreichenden prozessualen Befugnisse besser Gewähr dafür, dass das Ergebnis
der Sachverhaltsermittlung näher bei der materiellen Wahrheit liegt als im nicht
durchwegs derselben Formstrenge unterliegenden Verwaltungsverfahren. An die
rechtliche Würdigung durch das Strafgericht ist die Verwaltungsbehörde nur dann
gebunden, wenn diese stark von der Würdigung von Tatsachen abhängt, die dem
Strafgericht besser bekannt sind als der Verwaltungsbehörde. Für den Betroffenen
bedeutet dies auf der anderen Seite, dass er nicht das Verwaltungsverfahren abwarten
darf, um allfällige Rügen vorzubringen und Beweisanträge zu stellen, sondern nach
Treu und Glauben verpflichtet ist, dies bereits im Rahmen des Strafverfahrens zu tun
bis
bis
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und allenfalls die nötigen Rechtsmittel zu ergreifen (BGE 119 Ib 158 E. 2/c/bb und E. 3/
c/bb; BGE 123 II 97 E. 3c/aa; Entscheid der Verwaltungsrekurskommission [VRKE]
IV-2013/137 vom 28. Mai 2014, im Internet abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
Entgegen der Auffassung des Rekurrenten führt das Vorgehen der Vorinstanz nicht
generell zur Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, sondern gemäss geltender
Praxis der Verwaltungsrekurskommission aus prozessökonomischen Gründen in der
Regel zu einer Sistierung des Administrativverfahrens bis zum rechtskräftigen
Abschluss des Strafverfahrens. Auch vorliegend wurde dies so gehandhabt. Nachdem
das Strafverfahren abgeschlossen und die Sistierung aufgehoben ist, kann nun über
die Administrativmassnahme entschieden werden.
b) Massgeblich ist grundsätzlich der Sachverhalt, wie er im Strafverfahren festgestellt
wurde. Nach konstanter Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde beim Entscheid
über die Massnahme von den tatsächlichen Feststellungen des Strafrichters nur
abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem
Strafrichter unbekannt waren, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt oder wenn der
Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht alle Rechtsfragen
abgeklärt, namentlich die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat. In der
rechtlichen Würdigung des Sachverhalts – insbesondere auch des Verschuldens – ist
die Verwaltungsbehörde demgegenüber frei, ausser die rechtliche Qualifikation hängt
stark von der Würdigung von Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt, etwa weil
er den Beschuldigten persönlich einvernommen hat (Urteil des Bundesgerichts [BGer]
1C_169/2014 vom 18. Februar 2015 E. 2.2).
c) Der Rekurrent wurde mit Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk Dielsdorf vom 4.
Dezember 2015 wegen ungenügenden Abstands beim Hintereinanderfahren mit einer
Busse von Fr. 480.– bestraft; dagegen erhob er Einsprache. Nach Ergänzung der
Untersuchung, insbesondere der Befragung des Rekurrenten und des Unfallgegners,
erliess das Statthalteramt am 16. Februar 2016 einen neuen Strafbefehl, mit welchem
der Rekurrent nicht nur wegen ungenügenden Abstands beim Hintereinanderfahren,
sondern auch wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs und Nichtanpassens der
Geschwindigkeit mit einer Busse von Fr. 780.– bestraft wurde. In tatsächlicher Hinsicht
wurde festgestellt, der Rekurrent habe am Dienstag, 3. November 2015, ca. 13.25 Uhr,
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die linke Fahrspur der Autobahn A1 in Fahrtrichtung Bern in Rümlang mit einem
Personenwagen befahren. Ungefähr auf der Höhe des Autobahnkilometers 299.600
habe der vorausfahrende Lieferwagenlenker aufgrund des dichten Kolonnenverkehrs
fast bis zum Stillstand abbremsen müssen. Der Rekurrent, der den voranfahrenden
Lieferwagen frühzeitig (aus einer Distanz von ca. 200 Metern) erkannt habe, habe die
Verkehrssituation trotz sichtlich dichtem Kolonnenverkehr falsch eingeschätzt, indem er
angenommen habe, dass der VW-Lieferwagen zwar womöglich staubedingt angehalten
habe, aber sogleich wieder losfahren würde. Infolge dieser Fehleinschätzung habe der
Rekurrent seine Geschwindigkeit nur ungenügend angepasst und seine Fahrt weiter
mit ca. 70-80 km/h fortgesetzt. Als der Rekurrent schliesslich realisiert habe, dass er
sich dem VW-Lieferwagen immer mehr und mehr näherte, habe er eine Vollbremsung
eingeleitet. Es sei jedoch bereits zu spät gewesen und der Personenwagen des
Rekurrenten sei mit dem Heck des VW-Lieferwagens kollidiert. An beiden Fahrzeugen
sei Sachschaden entstanden (act. 9/2). Gegen diesen Strafbefehl erhob der Rekurrent
wiederum Einsprache. Das Bezirksgericht Dielsdorf führte eine öffentliche
Hauptverhandlung durch, anlässlich derer der Rekurrent nochmals zum Sachverhalt
befragt wurde. Mit Verfügung und Urteil vom 20. Mai 2016 wies es die Beweisanträge
des Rekurrenten ab und verurteilte ihn wegen einfacher Verkehrsregelverletzung in
Verbindung mit ungenügendem Abstand beim Hintereinanderfahren, Nichtbeherrschen
des Fahrzeugs und Nichtanpassen der Geschwindigkeit zu einer Busse von Fr. 600.–.
Es ging davon aus, dass sich der Sachverhalt so, wie er im Strafbefehl vom 16. Februar
2016 festgehalten wurde, zugetragen habe (vgl. act. 9/1 S. 14). Das Obergericht des
Kantons Zürich bestätigte mit Urteil vom 13. Februar 2017 im schriftlichen Verfahren
den vorinstanzlichen Schuldspruch und die Busse. Es hielt insbesondere fest, dass die
Sachverhaltserstellung der Vorinstanz nicht zu beanstanden sei (act. 9/1). Der
Rekurrent erhob dagegen Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht, welches
die Beschwerde mit Urteil vom 5. Mai 2017 abwies, soweit es darauf eintrat. Das
Bundesgericht kam zum Schluss, dass der vorinstanzliche Schuldspruch nicht auf
einer willkürlichen Sachverhaltsfeststellung beruhe (BGer 6B_376/2017 vom 5. Mai
2017).
d) Eine Beweiswürdigung durch die Strafbehörden fand somit statt, und zwar befassten
sich drei Gerichte mit der Angelegenheit. Die Voraussetzungen für ein Abweichen von
den tatsächlichen Feststellungen im Strafverfahren sind nicht erfüllt. Entsprechend ist
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vom Sachverhalt auszugehen, wie er im Strafverfahren festgestellt wurde. Der
Rekurrent verstiess somit gegen Art. 34 Abs. 4 des Strassenverkehrsgesetzes
(SR 741.01, abgekürzt: SVG) in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 der
Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV), wonach der Lenker namentlich
beim Hintereinanderfahren einen ausreichenden Abstand zu wahren hat, so dass er
auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs rechtzeitig halten
kann. Ferner verletzte er Art. 31 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 VRV,
wonach der Lenker das Fahrzeug ständig so zu beherrschen hat, dass er seinen
Vorsichtspflichten nachkommen kann, sowie Art. 32 Abs. 1 SVG, wonach die
Geschwindigkeit stets den Umständen – namentlich den Verkehrs- und
Sichtverhältnissen – anzupassen ist.
3.- Zu prüfen ist, ob dem Rekurrenten zu Recht eine mittelschwere Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsregeln vorgeworfen wurde.
a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lehrfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden Bestandteile einer schweren
Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
b) Die Vorinstanz stufte die Auffahrkollision als mittelschwere Widerhandlung im Sinn
von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG ein. Zur Begründung wird in der angefochtenen
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Verfügung ausgeführt, der Rekurrent habe durch sein Fehlverhalten andere
Verkehrsteilnehmer konkret gefährdet. Damit liege unabhängig vom Grad des
Verschuldens eine mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften vor.
c) Im Strafbefehl wurde der Rekurrent wegen einfacher Verkehrsregelverletzung
gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG verurteilt. Die Strafbestimmung der einfachen
Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG erfasst administrativrechtlich
leichte und mittelschwere Widerhandlungen (BGE 135 II 138 E. 2.4). Aus der
strafrechtlichen Verurteilung kann somit ebenso wenig wie aus der Bussenhöhe ohne
Weiteres auf die administrativrechtliche Qualifikation der Widerhandlung geschlossen
werden.
d) Eine leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG setzt voraus, dass
der Lenker durch die Verkehrsregelverletzung eine geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer Verkehrsteilnehmer hervorgerufen hat und ihn dabei nur ein leichtes
Verschulden trifft. Nach der Rechtsprechung müssen beide Voraussetzungen kumulativ
gegeben sein (BGE 135 II 138 E. 2.2.3).
aa) Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder zumindest abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird dabei zwischen der einfachen und der erhöhten
abstrakten Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahmen
nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann
auszugehen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten
betroffen werden können. Führte dieses hingegen zu einer Verletzung eines Rechtsguts
oder einer konkreten bzw. einer erhöhten abstrakten Gefährdung der körperlichen
Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete
Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich daherkommenden
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Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer Körperverletzung
oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12).
Zudem ist das Ausmass der üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der
Rechtsgutverletzung zu berücksichtigen (vgl. VRKE IV-2011/113 vom 24. November
2011 E. 3.b).
Bei der vom Rekurrenten verursachten Auffahrkollision wurden keine Personen verletzt.
Da die Strassenverkehrsgesetzgebung die körperliche Integrität und die Gesundheit
anderer Personen schützt, genügt jede Gefährdung, welche eine Beeinträchtigung der
Gesundheit nach sich ziehen kann. Eine Verletzung dieser Rechtsgüter muss deshalb
nicht die Schwelle einer Körperverletzung im Sinn des Strafrechts erreichen (vgl. GVP
2006 Nr. 29). Auch wenn die Verkehrsregelverletzung des Rekurrenten nicht zu einer
Verletzung der durch die Art. 16 ff. SVG geschützten Rechtsgüter führte, blieb es nicht
bei einer abstrakten Gefährdung. Es fand eine Kollision statt, womit sich die Gefahr
konkretisierte. Der Lenker des Lieferwagens war somit konkret gefährdet. Allerdings
führte er bei der Befragung durch die Polizei aus, dass er aufgrund des stockenden
Verkehrs nur noch Schritttempo habe fahren können (act. 16/14). Sein Fahrzeug stand
somit fast still, als der Wagen des Rekurrenten in sein Fahrzeug stiess. Der Rekurrent
sagte vor der Polizei aus, dass er mit einer Geschwindigkeit von etwas unter 80 km/h
gefahren sei (act. 16/13). Im Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk Dielsdorf vom 4.
Dezember 2015 wurde ebenfalls festgehalten, dass der Rekurrent mit einer
Geschwindigkeit von ca. 70-80 km/h gefahren sei. Aufgrund der Beschädigungen an
den beiden Unfallfahrzeugen ist jedoch nicht davon auszugehen, dass der Rekurrent
mit einer Geschwindigkeit von 70-80 km/h in das Heck des Lieferwagens fuhr. Gemäss
Polizeirapport wurde beim Fahrzeug des Rekurrenten die Front eingedrückt und die
Lichtanlage beschädigt. Beim Lieferwagen wurde das Hecktrittbrett und die
Parksensoren hinten beschädigt (act. 16/12 und 13). Auf den Fotografien der
Fahrzeuge lassen sich keine gravierenden Beschädigungen feststellen (act. 16/20-26).
Bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 70-80 km/h wären die Beschädigungen an den
Fahrzeugen viel massiver ausgefallen. Das Bundesgericht geht in seiner
Rechtsprechung bei einer Aufprallgeschwindigkeit von ca. 10-15 km/h in der Regel von
einem mittelschweren Fall aus, da hierbei nicht mehr von einer geringfügigen
Gefährdung ausgegangen werden könne (BGer 1C_156/2010 vom 26. Juli 2010 E. 5
und 1C_575/2012 vom 5. Juli 2013 E. 5). Im vorliegenden Fall lassen die
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Beschädigungen an den beiden Unfallfahrzeugen nicht auf einen heftigen Aufprall
schliessen. Aufgrund der Tatsachte, dass auf den Fotografien kaum Beschädigungen
sichtbar sind, ist davon auszugehen, dass die Aufprallgeschwindigkeit weniger als
10-15 km/h betragen haben kann. Sodann blieben beide Fahrzeuglenker unverletzt.
Aufgrund dieser Umstände ist die vom Rekurrenten verursachte konkrete Gefährdung
als gering einzustufen.
bb) Auch wenn das Verschulden des Rekurrenten im Strafbefehl des Statthalteramtes
Bezirk Dielsdorf vom 4. Dezember 2015 nicht ausdrücklich gewürdigt wurde und von
der Bussenhöhe in der Regel nicht ohne Weiteres auf das Mass des Verschuldens
geschlossen werden kann, weil bei der Bussenbemessung noch andere Faktoren
hineinspielen, ist aufgrund der Verurteilung nach Art. 90 Abs. 1 SVG und der eher
geringen Bussenhöhe davon auszugehen, dass es vom Strafrichter als leicht beurteilt
wurde (vgl. dazu VRKE IV-2010/109 vom 24. Februar 2011 E. 3b). Aus der Anwendung
von Art. 90 Abs. 1 SVG darf jedoch nicht automatisch auf ein geringes Verschulden
geschlossen werden. Auch einer strafrechtlich einfachen Verkehrsregelverletzung im
Sinn von Art. 90 Abs. 1 SVG kann massnahmerechtlich ein schweres Verschulden
zugrunde liegen (VRKE IV-2011/105 vom 29. März 2012 E. 4c/cc und IV-2012/11 vom
28. Juni 2012 E. 5 c/cc). Im Weiteren ist die Verwaltungsbehörde in der rechtlichen
Würdigung des Verschuldens frei, ausser die rechtliche Qualifikation hänge stark von
der Würdigung der Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt, etwa weil er den
Beschuldigten persönlich einvernommen hat (BGer 1C_382/2011 vom 12. Dezember
2011 E. 2.2).
Dem Rekurrenten ist vorzuwerfen, dass er aufgrund ungenügenden Abstands beim
Hintereinanderfahren, Nichtbeherrschens des Fahrzeugs und Nichtanpassens der
Geschwindigkeit in das Heck des Lieferwagens vor ihm fuhr. Der Lieferwagenlenker
gab gegenüber der Polizei an, dass er, bevor er die Geschwindigkeit auf Schritttempo
habe reduzieren müssen, aufgrund des stockenden Verkehrs mit einer Geschwindigkeit
von ca. 60 km/h gefahren sei (act. 16/14). Der Rekurrent gab an, dass er mit einer
Geschwindigkeit von etwas unter 80 km/h unterwegs gewesen sei (act. 16/13). Es kann
somit nicht gesagt werden, dass er mit einer viel zu hohen Geschwindigkeit gefahren
war. Ebenso wenig ist von einem viel zu geringen Abstand auszugehen; der Rekurrent
gab an, einen Abstand von ca. 30 Metern eingehalten zu haben (act. 16/13). Ihm ist
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somit hauptsächlich ungenügende Aufmerksamkeit anzulasten. Dass er irgendeine
Verrichtung vorgenommen hätte, welche die Bedienung des Fahrzeugs erschwert
hätte, ist in tatsächlicher Hinsicht nicht erstellt. Im Strafbefehl des Statthalteramts
Bezirk Dielsdorf vom 16. Februar 2016 wurde festgehalten, dass der Rekurrent den vor
ihm fahrenden Lieferwagen bereits frühzeitig (aus einer Distanz von ca. 200 Metern)
erkannt, die Verkehrssituation aber falsch eingeschätzt habe. Er habe angenommen,
dass der Lieferwagen möglicherwiese staubedingt angehalten habe, aber sogleich
wieder losfahren würde (act. 9/2). Angesichts dieser Umstände ist gerade noch von
einem leichten Verschulden auszugehen.
e) Zusammenfassend ist dem Rekurrenten eine geringe konkrete Gefährdung sowie ein
leichtes Verschulden vorzuwerfen. Dementsprechend handelt es sich nicht um eine
mittelschwere, sondern um eine leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG.
4.- Eine leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zieht eine Verwarnung
nach sich (Art. 16a Abs. 3 SVG). Wurde der Ausweis in den vorangegangenen zwei
Jahren jedoch bereits entzogen oder wurde eine andere Administrativmassnahme
verfügt, ist der Führerausweis für mindestens einen Monat zu entziehen (Art. 16a Abs. 2
SVG). Da in den letzten zwei Jahren keine Administrativmassnahme gegen den
Rekurrenten verhängt wurde (der letztmalige Führerausweisentzug dauerte vom 2.
November 2009 bis 1. März 2010), ist er zu verwarnen. Dementsprechend ist die
angefochtene Verfügung aufzuheben, wobei die dadurch hinfällig werdende
vollstreckungsrechtliche Anordnung in Ziffer 2 des Rechtsspruchs von der
Vorinstanz ohnehin separat zu verfügen gewesen wäre.
5.- Ziff. 206.02.1 des Verkehrsgebührentarifs (sGS 718.1) sieht im Fall eines
Ausweisentzugs einen Gebührenrahmen von Fr. 100.– bis Fr. 800.– vor. Für eine
Verwarnung liegt dieser bei Fr. 70.– bis Fr. 250.– (Ziff. 206.01). Die Vorinstanz bezifferte
die Verfahrenskosten auf Fr. 250.– und bewegte sich damit in der für den Entzug von
Führerausweisen vorgesehenen Bandbreite. Nachdem nun aber feststeht, dass gegen
den Rekurrenten lediglich eine Verwarnung auszusprechen ist, müssen auch die
Verfahrenskosten entsprechend reduziert werden. Besteht für die Gebühr ein Mindest-
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und ein Höchstansatz, so ist sie innerhalb dieses Rahmens nach dem Wert und der
Bedeutung der Amtshandlung, dem Zeit- und Arbeitsaufwand und der erforderlichen
Sachkenntnis zu bemessen (Art. 11 der Verordnung über Kosten und Entschädigungen
im Verwaltungsverfahren, sGS 821.1, abgekürzt: Verwaltungsgebührenverordnung). Es
erscheint angemessen, die vom Rekurrenten zu bezahlende Gebühr für das
vorinstanzliche Verfahren auf Fr. 150.– festzulegen.
6.- Die Kosten des Rekursverfahrens haben die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Da der Rekurrent obsiegt,
können ihm keine Kosten auferlegt werden. Diese sind dem Staat aufzuerlegen, auch
unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die Vorinstanz den Abschluss des
Strafverfahrens nicht abgewartet hat und der Rekurrent deshalb gezwungen war,
vorsorglich ein Rechtsmittel einzulegen, um seiner Rechte nicht verlustig zu gehen, und
die Vorinstanz die materielle Verfügung (Führerausweisentzug) in unzulässiger Weise
mit einer Vollzugsanordnung (Abgabetermin des Ausweises) kombinierte. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).