Decision ID: 164dcf89-8749-41f3-b683-5d8f56b33045
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1960, vom
1.
März 1983 bis 3
1.
Mai 2003 als Weberin bei der
Y._
angestellt (
Urk.
11/11), meldete sich am 1
4.
Juli 2003 bei der Invalidenversicherung zum Rentenbezug wegen Depressionen, Kopfschmerzen und Migräne an (
Urk.
11/2). Nach Einholung von Berichten von
Dr.
med.
Z._
vom 1
3.
August 2003 (
Urk.
11/8) und von
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin und Innere Medizin, vom 1
9.
August und 3
1.
September 2003 (
Urk.
11/10) sprach die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Versicherten mit Verfügung vom
3.
Dezember 2003 rückwirkend ab
1.
August 2003 eine ganze Invaliden
rente bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
zu (
Urk.
11/16).
Im Rahmen einer amtlichen Revision im Jahr 2004 teilte sie der Versicherten nach Einholung von Verlaufsberichten derselben Ärzte (
Urk.
11/25-26) am 2
2.
Dezember 2004 mit, dass sie bei unveränderten Verhältnissen weiterhin Anspruch auf die ganze Rente habe (
Urk.
11/28).
1.2
Im Januar 2009 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ein weiteres Revisions
verfahren ein (
Urk.
11/38) und gab ein psychiatrisches Gutachten bei med. pract.
B._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in Auftrag (vgl. Gutachten vom 2
2.
Mai 2010,
Urk.
11/49). Nach durchgeführtem Vorbe
scheidverfahren (
Urk.
11/54, 11/57, 11/60) hob die IV-Stelle die Rentenver
fügung vom
3.
Dezember 2003 und die Mitteilung vom 2
2.
Dezember 2004
mit Verfügung vom 2
2.
März 2012
wiedererwägungsweise auf und teilte der Versi
cherten mit, die Rente werde nach Zustellung der Verfügung auf Ende des fol
genden Monats aufgehoben (
Urk.
2
).
2.
Gegen diesen Entscheid
liess
X._
am
2.
Mai 2012 Beschwerde erheben mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen
Entscheides und Weiteraus
richtung der Invalidenrente. Prozessual ersuchte sie um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Ver
nehmlassung vom 2
9.
Mai 2012 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10). Mit Verfügung vom
6.
September 2013 wurde der Beschwerdeführerin die unent
geltliche Prozessführung gewährt und ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
12). Mit Eingabe vom 1
0.
September 2013 liess die Beschwerdeführerin auf Einreichung einer Replik verzichten (
Urk.
14). Auf telefonische Aufforde
rung des Gerichts reichte die Rechtsvertreterin der Beschwedeführerin am
6.
November 2013 ihre Kostennote ein (
Urk.
16). Mit Verfügung vom
8.
November 2013 wurde der Sicherheitsfond BVG unter Einräumung einer Frist zur Stellungnahme zum Prozess beigeladen (
Urk.
17). Mit Eingabe vom
1
9.
November 2013 schloss sich d
e
r
Beigeladene dem Antrag der Beschwerde
gegnerin auf Abweisung ohne Weiterungen an (
Urk.
19).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Grad der Invalidität eines Rentenbezügers oder einer Rentenbe
zügerin in einer für den Anspruch erheblichen Weise, so ist die Rente laut
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversi
cherungsrechts (ATSG)
für die Zukunft entsprechend zu erhöhen
, herabzusetzen oder aufzuheben.
Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E. 2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine Renten
verfügung auch dann abändern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprüng
lichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Verwaltung mit dieser Begrün
dung schützen (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung lässt sich eine allgemein gültige betragliche Grenze für die Voraussetzung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Mass
gebend sind vielmehr die gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei periodischen Leistungen ist die Erheblichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E.
1c; Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hinweisen.
1.2
Bei Renten der Invalidenversicherung im Besonderen ist zu beachten, dass die Ermittlung des Invaliditätsgrades verschiedene Ermessenszüge aufweisende Elemente und Schritte umfasst. Zu denken ist namentlich an die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall bedingte Arbeitsunfähigkeit (vgl.
Art.
4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG, und
Art.
6 ATSG). Hier bedarf es für die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit einer qualifiziert rechtsfehlerhaften Ermessensbetätigung. Scheint die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Rentenzusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (SVR 2006 IV Nr. 21 S. 75 E. 1.2 [I 545/02]; Urteile des Bundesgerichts I 632/04 vom 2
3.
Februar 2005 E.
3.1; 9C_215/2007 vom
2.
Juli 2007 E. 3.2).
1.3
Zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung kann auch bei unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts gegeben sein (BGE 117 V 8 E. 2c S. 17 mit Hinweis; Urteil
des Bundesgerichts
9C_215/2007 vom
2.
Juli 2007 E. 3.1). Darunter fällt insbesondere eine unvollständige Sach
verhaltsabklärung aufgrund einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrund
satzes (vgl.
Art.
43
Abs.
1 ATSG und
Art.
61 lit. c ATSG). Trifft dies zu, erübrigt es sich, den damals rechtserheblichen Sachverhalt weiter abzuklären und auf dieser nunmehr hinreichenden tatsächlichen Grundlage den (ursprünglichen) Invaliditätsgrad zu ermitteln (Urteile
des Bundesgerichts
8C_339/2008 vom 1
1.
November 2008 E. 2.2; 9C_19/2008 vom 2
9.
April 2008 E. 2.1).
Eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfähigkeit beruhende Invaliditätsbemessung ist nicht rechtskonform und die entsprechende Verfügung zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrecht
lichen Sinne (Urteil
des Bundesgerichts
9C_562/2008 vom
3.
November 2008 E.
6.2.1 mit Hinweis).
1.4
Bei der Wiedererwägung einer formell rechtskräftigen Verfügung oder eines formell rechtskräftigen Einspracheentscheides gilt es, wenn spezifisch IV-recht
liche Aspekte zur Diskussion stehen, mit Wirkung ex nunc et pro futuro einen rechtskonformen Zustand herzustellen (
Art.
85
Abs.
2 und
Art.
88
bis
Abs.
1 lit. c der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV; BGE 110 V 291 E.
3; Urteil des Bundesgerichts 9C_215/2007 vom
2.
Juli 2007 E. 6.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid fest, dass die
ergän
zenden medizinischen Abklärungen, mithin das psychiatrische Gutachten von pract. med.
B._
,
ergeben hätten, dass der Beschwerdeführerin aus psychiat
rischer Sicht keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wer
den könne.
Die Renteneinstellung pro futuro begründete sie aber nicht mit einer revisions
rechtlich wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes; vielmehr er
ach
tete sie die ursprüngliche Rentenverfügung vom
3.
Dezember 2003 und die Mit
teilung vom
3.
Dezember 2004 als zweifellos unrichtige Verwaltungsakte. Die Beschwerdeführerin sei in der Annahme eines psychischen Gesundheits
schadens berentet worden, was eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diag
nose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus
setze. Weder bei der ursprünglichen Rentenzusprache noch im
Revisionsver
fahren 2004 sei dies jedoch geschehen. Auch seien weder
Dr.
Z._
noch
Dr.
A._
psychiatrische Fachärzte. Entsprechend sei der rechtserhebliche Sachverhalt nicht rechtskonform festgestellt worden, weshalb sowohl die Ren
tenverfügung als auch die bestätigende Revisionsmitteilung zweifellos unrichtig und damit der Wiedererwägung zugänglich seien (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin liess dagegen im Wesentlichen den Standpunkt ver
treten, dass die damals einschlägigen Arztberichte und beweiskräftigen Berichte von
Dr
.
Z._
und
Dr.
A._
durch die Stellungnahme
des zuständigen Facharztes FMH für Psychiatrie und Psychotherapie des damaligen medizini
schen Dienstes der Beschwerdegegnerin (heute: Regionaler ärztlicher Dienst, RAD),
Dr.
med.
C._
, vom 2
3.
Oktober 2003 (vgl.
Urk.
11/12/3) bestätigt worden seien. Ausserdem habe
Dr
.
Z._
trotz Verzichts auf eine ICD-Codierung sehr wohl eine durch die Befunde gestützte und nachvollziehbare Diagnose ge
stellt. Von einer unvollständigen Abklärung und nicht rechtskonformen Fest
stellung des Sachverhalts könne daher keine Rede sein (
Urk.
1).
2.3
Beide Parteien gingen übereinstimmend davon aus, dass es sich bei der Beurtei
lung
durch
med.
pract.
B._
um eine unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustandes handelt (
Urk.
1 S. 4, Stel
lungnahme des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin vom
2.
Februar 2011,
Urk.
11/52/4 f.) und damit eine revisionsweise Rentenaufhebung oder –herab
setzung nicht zur Diskussion steht.
Zu prüfen ist angesichts der Parteivorbringen und der Aktenlage, ob die Zu
sprechung der ganzen Rente im Jahr 2003 und die revisionsweise Bestätigung im Jahr 2004 im wiedererwägungsrechtlichen Sinne zweifellos unrichtig war
en
, wobei im Streite steht, ob die Rentenzusprache auf einer nicht rechtskonformen Sachverhaltsabklärung beruhte.
3.
3.1
Basis der
ursprünglichen Rentenzusprache mit Verfügung vom
3.
Dezember 2003 bildeten in medizinischer Hinsicht die Beurteilungen von
Dr.
Z._
und von
Dr.
med.
A._
sowie eine kurze Stellungnahme von
Dr.
C._
vom 2
3.
Oktober 2003.
Dr.
Z._
stellte in seinem Bericht vom 1
3.
August 2003 die Diagnose einer lang
anhaltenden
schweren depressiven Episode bei ernstzunehmenden Drohun
gen, Erpressungen ihres getrennt lebenden Ehemannes, familiären soziokultu
rellen Belastungen und familiärer Belastung mit psychischen Erkrankungen sowie immer wieder häufige störende Kopfschmerzanfälle, vorwiegend Migräne ohne Aura. Die depressive Entwicklung bezeichnete er als seit zwei Jahren schleichend aufgetreten mit langsam deutlicher Zunahme. Die Kopfschmerzen hätten in den letzten Jahren ebenfalls deutlich zugenommen. Die Beschwerde
führerin sei vom 1
3.
März bis 2
8.
April 2002 un
d seit 3
1.
August 2002 bis auf W
eiteres zu 100
%
arbeitsunfähig.
Familienanamnestisch
schilderte
Dr.
Z._
stark
belastende Eheprobleme mit unter anderem innerfamiliärer Gewalt und Drohungen, an welchen die Be
schwerdeführerin psychisch langsam zugrunde gegangen sei und dreimal einen Suizidversuch unternommen habe. Im Jahr 2000 habe sie den Mut zur Tren
nung gefunden. Weiterhin bedrohe der Exmann sie aber mit dem Tod.
Im Laufe der depressiven Entwicklung habe die Beschwerdeführerin folgende Beschwerden entwickelt: Freudlosigkeit, ausgeprägte chronische Schlafstörun
gen, Antriebsarmut, Unsicherheit, reduziertes Selbstwertgefühl und reduzierte Belastbarkeit sowie Vitalkraft, Müdigkeit, sozialer Rückzug, Angstgefühle, zu
nehmende Kopfschmerzanfälle, Gefühle der Sinnlosigkeit, Pessimismus, hoher Blutdruck, Suizidgedanken. Seit zwei Jahren nehme sie Antidepressivum (aktu
ell Deroxat 40 mg) und häufig Schlaftabletten, Schmerz- und Beruhigungsmit
tel. Als aktuelle Befunde erwähnte er zusätzlich eine ausgeprägt gedrückte Grundstimmung, die Beschwerdeführerin sei bewusstseinsklar und allseits orientiert, jedoch sehr unsicher, zurückgezogen, wortkarg, ängstlich. Sie zeige keine Lebhaftigkeit mehr, sei antriebsarm und freudlos. Ihr Denken sei stark eingeengt und gehemmt, nicht ideenreich. Körperlich habe er keine nennens
wer
ten Befunde gefunden, welche in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit von Be
deutung wären. Die Beschwerdeführerin sei längerfristig zu 100
%
arbeitsunfä
hig; die Arbeitsfähigkeit könne frühestens in einem Jahr neu beurteilt werden (
Urk.
11/8/3-5).
Dr.
A._
attestierte
in seinem Bericht vom 1
9.
August 2003 eine seit Feb
ruar 2002 bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis aus Weiteres. Seine Diagnosen lauteten auf eine depressive Grundstimmung, eine Hypothyreose, eine
Hypertonie und Adipositas. Der Gesundheitszustand sei stationär. Auch
Dr
.
A._
schilderte die Entwicklung einer depressiven Grundstimmung im Lichte der schwierigen privaten Verhältnisse mit Antriebs- und Luststörung, fehlender Zukunftsperspektive, massivst angstgeprägt. Die Prognose sei eher ungünstig, vor allem auch, weil sich die familiäre Situation nicht verändere. Die Beschwerdeführerin fühle sich weiterhin stark bedroht von ihrem Exmann, die Polizei sei machtlos. Somit stehe sie auch in Zukunft unter Dauerstress und es werde sich psychisch nicht gross etwas verändern. Rein kö
rperlich gesehen wäre sie ohne W
eiteres in der Lage, mittlere bis schwere Arbeiten zu erledigen (
Urk.
11/10/5-6).
Der psychiatrische Facharzt
Dr.
C._
des medizinischen Dienstes der Beschwerdegegnerin beschränkte seine Stellungnahme vom 2
3.
Oktober 2003 auf den Vermerk, dass er aufgrund des Arztberichtes von
Dr.
Z._
die Revision in einem Jahr ansetzen würde (
Urk.
11/12/3).
3.2
In den anlässlich der amtlichen Revision 2004 eingeholten Berichten sprachen sich
Dr.
A._
(
Urk.
11/25) und
Dr.
Z._
(
Urk.
11/26) für einen unverän
derten Zustand aus. Die Beschwerdegegnerin teilte der Beschwerdeführerin am 2
2.
Dezember 2004 gestützt darauf die Weiterausrichtung der bisherigen
ganzen Rente mit (
Urk.
11/28).
4.
4.1
Die Zusprechung der ganzen Rente im Jahr 2003 und deren Bestätigung ein Jahr später erfolgten gemäss Aktenlage grundsätzlich aufgrund des von
Dr
.
Z._
und
Dr.
A._
diagnostizierten psychischen Gesundheitsscha
dens (vgl. insbesondere
Urk.
11/12/1 und 3).
Dr.
Z._
, der sich als Arzt für Neurologie bezeichnet (vgl.
Urk.
11/8/7), wird im Medizinalberuferegister des Bundesamtes für Gesundheit ohne fachärztliche Qualifikation aufgeführt.
Dr.
A._
ist Facharzt FMH für Allgemeine und Innere Medizin (www.medregom.admin.ch). Zwar ist der Beschwerdegegnerin darin zuzustimmen, dass die Beurteilungen von
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
durch den Umstand, dass beide über keinen psychiatrischen Facharzttitel verfü
gen, in ihrer Beweiskraft hinsichtlich eines psychischen Gesundheitszustandes
geschmälert werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_397/2012 E. 3.4). Jedoch verlieren sie weder dadurch noch durch die fehlende ICD-Codierung per se ihren Beweiswert.
4.2
Gemäss Randziffern 1006 und 1054 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH) in der 2003, mithin im Jahr der ursprünglichen Berentung gültigen Fassung war die IV-Stelle gehalten, für
die Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen einen Arztbericht bei der behan
delnden Ärztin/dem behandelnden Arzt einzuholen. Die Einholung einer Beur
teilung eines Spezialarztes war gemäss Randziffer 1055 nur für Fälle vorgese
hen, bei welchen der Bericht des behandelnden Arztes kein hinreichend klares Bild über den Gesundheitsschaden und seine Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit gab. Unter Randziffer 1011 findet sich zwar der Hinweis, dass die Diag
nose „Depression“ erfahrungsgemäss von nichtpsychiatrischen Fachpersonen zu häufig gestellt werde. Oft handle es sich um Verstimmungszustände, ohne dass eine eigentliche Depression vorliege. Dennoch setzte die Verwaltungspraxis im Jahr 2003 weder die Einholung eines psychiatrischen fachärztlichen Berichtes noch eine Codierung nach dem ICD-10 für die Anerkennung eines Leistungs
anspruchs infolge eines depressiven Gesundheitsschadens voraus.
Das Erfordernis einer ICD-Codierung-10 findet erst in Randziffer 1010 KSIH in der ab
1.
Januar 2004 gültigen Fassung Eingang und in Randziffer 1015 wird dort die von einer nichtpsychiatrischen Fachperson gestellte Diagnose einer „Depression“ zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als ungenügend erklärt. Im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache mit Verfügung vom
3.
Dezember 2003 aber war diese Verwaltungspraxis noch nicht in Kraft. Auch ergingen die von der Beschwerdegegnerin als massgeblich erachteten Leitentscheide BGE 130 V 396 und BGE 130 V 353 erst im Jahr 2004 und spiegeln damit nicht den massgeblichen Rechtszustand im Zeitpunkt des Erlasses des Rentenentscheides im Jahr 2003.
4.3
Dass die Verwaltung ihren ursprünglichen Rentenentscheid auf einen Bericht des Hausarztes und die Beurteilung eines weiteren behandelnden Arztes ohne psychiatrischen Facharzttitel stützte, entsprach vielmehr einer bis dahin durch
aus verbreiteten Praxis. Eine voraussetzungslose Neuüberprüfung unter dem Titel „Wiedererwägung“ würde zur Aufhe
bung einer Vielzahl langjährig bezo
gener
Renten führen, was sich mit dem Wesen der Rechtsbeständigkeit formell zugesprochener Dauerleistungen nicht vertrüge.
Entscheidend kommt im hier zu beurteilenden Fall
hinzu
, dass es sich bei dem für die Beurteilung zuständigen Arzt des Medizinischen Dienstes der Beschwer
degegnerin,
Dr.
C._
, um einen Facharzt FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie, handelte (vgl.
Urk.
11/12/3), und damit sehr wohl eine psychiat
rische Fachperson an der Sachverhaltsfeststellung beteiligt war. Auch wenn
Dr.
C._
sich in seiner kurzen Stellungnahme nicht ausdrücklich mit der Beurteilung von
Dr.
Z._
auseinandersetzte, lässt sein Hinweis doch mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit
darauf schliessen, dass er dessen Bericht und Einschätzung als nachvollziehbar und begründet erachtete.
4.4
Im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Beweiswert eines ärztli
chen
Berichtes (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a) erweist sich der Bericht von
Dr.
Z._
vom 1
3.
August 2003 beweisrechtlich denn auch als durchaus verwertbar. So setzte sich
Dr.
Z._
eingehend mit dem Anamneseverlauf und der Beschwerdeentwicklung unter Mitberücksichtigung der belastenden Famili
enverhältnisse auseinander und grenzte die diagnostizierte
langanhaltende schwere depressive Episode von den körperlichen Symptomen ab. Die von ihm erhobenen Befunde ordnete er zwar nicht einer ICD-10-Codierung zu, doch erfüllen sie den Kriterienkatalog einer schweren depressiven
Episode gemäss ICD-10 F32.2 weitgehend. Auch deckt sich die Einschätzung von
Dr.
Z._
hinsichtlich der Relevanz der depressiven Erkrankung und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wie auch in Bezug auf die erhobenen Befunde und den Einfluss der andauernden schwierigen persönlichen Umstände auf den psychi
schen Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
ganz wesentlich mit derjeni
gen von
Dr.
A._
vom 1
9.
August 2003 (
Urk.
11/10/6).
4.5
Auch wenn die medizinischen Grundlagen für die ursprüngliche Rentenverfü
gung aus heutiger Sicht eher dürftig erscheinen, durfte sich die Verwaltung aus damaliger Sicht auf die übereinstimmenden und durch den internen psychiatri
schen Facharzt
Dr.
C._
implizit bestätigten Beurteilungen von
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
stützen. Weder der Inhalt der Berichte noch der Umstand der fehlenden Facharzttitel oder
der fehlenden
ICD-Codierung gaben aufgrund der damaligen Rechts- und Verwaltungspraxis – auch angesichts der Stellung
nahme von
Dr.
C._
- zwingend Anlass zu weiteren Abklärungen. Eine qualifiziert rechtsfehlerhafte
Sachverhaltsabklärung ist zu verneinen.
Die Beschwerdegegnerin hat demnach den Rentenanspruch zu Unrecht mit der Begründung aberkannt, die frühere Leistungszusprache sei im Sinne von
Art.
53
Abs.
2 ATSG zweifellos unrichtig gewesen und daher in Wiedererwägung zu ziehen. Da unbestrittenermassen auch kein Revisionsgrund ausgewiesen ist, hält die angefochtene Rentenaufhebung der Überprüfung nicht stand.
Die Beschwerde ist gutzuheissen und die angefochtene Verfügung ist mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin über den 3
0.
April 2012 hinaus An
spruch auf eine ganze Invalidenrente hat, aufzuheben.
4.6
Abschliessend
sind die Parteien darauf
hinzuweisen
, dass sich die Beschwerde
führerin gemäss Aktenlage trotz langjährigen Rentenbezugs aufgrund einer depressiven Erkrankung zwar einer medikamentösen antidepressiven Therapie, bis anhin jedoch noch keiner fachärztlichen psychiatrischen Behandlung unter
zogen hat, was sicherlich inadäquat ist. Eine entsprechende Auflage zur Scha
den
minderung an die Beschwerdeführerin ist daher denkbar (Art. 21 Abs. 4
ATSG in Verbindung mit Art. 7a und b Abs. 1 IVG und Art. 86
bis
Abs. 1 und 3 IVV), jedoch nicht Gegenstand des vorlie
genden Verfahrens.
5.
5.1
Die in Anwendung von Art. 69 Abs. 1
bis
IVG auszufällende Gerichtskostenpau
schale ist auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegeg
nerin aufzuerlegen.
5.2
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese ist nach
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
Art.
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen.
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin weist in der einge
reich
ten Kosten
note vom
6.
November 2013 (
Urk.
16) für das vorliegende Verfah
ren einen Zeit
aufwand von 8 Stunden und Barauslagen von Fr. 30.-- aus. Diese Aufwendun
gen erscheinen als gerechtfertigt. Beim gerichtsüblichen Stun
den
ansatz von Fr. 170.-- resultiert daraus eine Entschädigung von Fr. 1‘501.20 (inklusive Bar
auslagen und Mehrwertsteuer).