Decision ID: 9dfbd22f-3768-4386-b67f-b64ea6118de0
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der im Jahre 1970 geborene
X._
ist gelernter Metallbauschlosser und war zuletzt für die
Y._
AG tätig (
Urk.
8/5,
Urk.
8/14 S. 2). In
folge
von
Meniskusbeschwerden meldete er sich am 1
0.
April 2012 bei der
So
zial
versicherungsanstalt
des Kantons Zürich
, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/7). Zur Evaluation der körperlichen Be
lastbarkeit sowie der beruflichen In
teressen wurde in der Zeit vom
5.
November 2012 bis
8.
Februar 2013 eine Ab
klärung im
Z._
durchgeführt (
Urk.
8/43). Mit
Mitteilung
vom 2
7.
März 2013 erteilte die IV-Stelle Kosten
gutsprache für eine Umschulung zum Konstrukteur/Technischen Zeichner im
A._
vom
6.
Mai 2013 bis 3
0.
April 2014 (
Urk.
8/48). Am 1
1.
Dezember 2013 wurde der
Versicherte von der Ausbildung freigestellt bis zu einem Gespräch am
9.
Januar 2014 (
Urk.
8/84 S. 7). Anlässlich dieses Schlussgesprächs beendete die
IV-Stelle die
berufliche Massnahme unter Hinweis darauf, dass der Versicherte sich beim Regionalen
Arbeitsvermittlungs
zentrum
(RAV)
melden solle (
Urk.
8/84
S.
7); der entsprechende Vorbescheid erging am
3.
Februar 2014 (
Urk.
8/71) und wurde mit Verfügung vom
8.
Mai 2014 bestätigt (
Urk.
8/83 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter des Versicherten am 2
1.
Mai 2014 Beschwerde und b
eantragte, es sei die berufliche Massnahme weiterhin zu gewähren unter Aus
richtung von IV-Taggeldern, eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin
(Urk. 1)
.
Unter Hinweis auf das Verlaufsprotokoll der Berufsberatung beantragte die
Be
schwerdegegnerin
am 2. Juli 2014
die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem
Beschwerdeführer am 4. Juli 2014 (Urk. 9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behand
lung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nich
t aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leis
tungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vor
her schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist
eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (
Art.
21
Abs.
4
des Bundes
gesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Art.
7
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
verpflichtet die an
spruchs
berechtigten Personen weiter, unter Hinweis auf die Kürzungs- und
Ver
weigerungsmöglichkeiten
gemäss
Art.
21
Abs.
4 ATSG, die Durchführung aller Massnahmen, die zur Eingliederung ins Erwerbsleben getroffen werden, zu er
leich
tern.
1.2
Die Arbeitsvermittlung als berufliche Eingliederungsmassnahme bezweckt die
Wie
derherstellung, Verbesserung, Erhaltung oder Förderung der Erwerbsfähig
ke
it (
Art.
8
Abs.
1 IVG). Ein entsprechender Anspruch besteht grundsätzlich
–
so
bald
und solange die dafür notwendigen Voraussetzungen (BGE 116 V 80 E.
6a S. 81;
AHI 2003 S.
269 f. [I 421/01]) erfüllt sind - bis zur erfolgreichen Ein
gliederung. Vorbehalten bleibt das Prinzip der Verhältnismässigkeit: Die Ar
beitsvermittlung muss nur solange erbracht werden, als der dafür notwendige Aufwand nicht un
verhältnismässig ist. Der Anspruch auf Eingliederungsmass
nahmen nach
Art.
8
Abs.
1 IVG setzt insbesondere die subjektive
Eingliede
rungsbereitschaft
des Ver
sicherten voraus. Jedoch erlaubt der klare Wortlaut von
Art.
21
Abs.
4 ATSG selbst bei offensichtlich fehlender
Eingliederungsbe
reitschaft
der versicherten Per
son keine Abweichung vom Grundsatz, dass sie ohne Rücksicht auf ihr Ver
halten auf die Folgen ihrer Widersetzlichkeit auf
merksam gemacht werden muss.
Sinn und Zweck des Mahn- und
Bedenkzeit
verfahrens
ist einerseits, den Ver
sicherten nicht Folgen eines Verhaltens tragen zu lassen, über dessen Auswir
kungen er sich möglicherweise keine Rechenschaft abgelegt hat. Anderseits soll
er innerhalb der gesetzten Frist und im Wissen um die angedrohten Folgen seine
bisherige Verweigerungshaltung aufgeben kön
nen. Im Hinblick auf die Zielset
z
ung der Eingliederungsmassnahmen, einen Zu
stand wiederherzustellen oder zu verbessern, darf die Kürzung oder Verweige
rung von Leistungen ohne Rücksicht auf das Verhalten der versicherten Person zwingend erst dann angeordnet wer
den, wenn diese gemahnt und ihr unter Be
zugnahme auf das von ihr geforderte Verhalten und Ansetzen einer angemesse
nen Bedenkzeit schriftlich mitgeteilt worden ist, welche Folgen ihre Widersetz
l
ichkeit nach sich ziehen könne
. Das gilt auch für die Einstellung einer einmal zugesprochenen Massnahme wegen an
geblich fehlender subjektiver
Eingliede
rungsbereitschaft
(
Urteil des Bundes
gerichts 8C_156/2008 vom 1
1.
August 2008 E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass aus
Gründen der Zusammenarbeit die Weiterführung die Umschulung nicht mehr möglich gewesen sei, so dass
die berufliche Massnahme mit dem Gespräch vom
9.
Januar 2014 habe abgebrochen werden müssen (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass der Abbruch der Umschulung nicht ausreichend mit der IV-Stelle
abgesprochen worden sei, obschon das Vorgehen bei Schwierigkeiten in d
er
leis
tungszusprechenden
Mitteil
ung vom 2
7.
März 2013 ausdrücklich geregelt worden
sei. Weder aus der Verfügung noch aus den Akten sei ersichtlich, wes
halb die Vor
aussetzungen für eine Umschulung nicht mehr erfüllt sein sollen; weiter sei der Beschwerdeführer weder verwarnt, noch auf die
Schadenminde
rungspflicht
hingewiesen worden (
Urk.
1).
3.
3.1
Nach der Freistellung des Beschwerdeführers vom Schulungsunterricht am 1
1.
Dezember 2013 erfolgte am
9.
Januar 2014 ein Schlussgespräch mit den in
volvierten Parteien. Aufgrund des massiv gestörten Vertrauensverhältnisses teilte
die Beschwerdegegnerin direkt im Anschluss an das Gespräch den Ab
bruch der beruflichen Massnahme mit (
Urk.
8/84 S. 7). Unbestritten ist dabei, dass der
Be
schwerdeführer betreffend die
schwierige Zusammenarbeit nie for
mell im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hinge
wiesen worden ist.
3.2
Unerheblich ist, dass die Durchführung der konkret zugesprochenen beruflichen Massnahme aufgrund des Ausbildungsabbruchs durch das
A._
(Urk. 8/76 S.
2 Mitte) gar nicht mehr möglich ist und der Endtermin der geplanten Ausbildung mittlerweile verstrichen ist. Denn die Pflicht zur Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
betrifft die
Beschwer
de
geg
nerin
und nicht die
entsprechende Ausbildungsstätte
(Art. 57 Abs. 1
lit
. e IVG). Wenn diese sich nicht an die auferlegte Vorgabe hält, bei Schwierigkeiten früh
zeitig den Kontakt mit der Beschwerdegegnerin aufzunehmen (Urk. 8/48/2), hat dafür nicht der Beschwerdeführer einzustehen, zumal ihn der seitens des
A._
getroffene Entscheid, die Umschulung nicht wei
ter
zuführen (Urk. 8/76/2 Mitte), nach Lage der Akten unvorbereitet getroffen hat.
Darüber hinaus fällt ins Gewicht, dass den Beschwerdeführer ein Wahlrecht betreffend den die Eingliederungsmassnahme durchführenden Betrieb zusteht (Art. 26
bis
Abs. 1 IVG). Wenn die Beschwerdegegnerin von einem widerrecht
lichen Verhalten des
Beschwerdeführers ausging, hätte sie ihm daher vor Ab
bruch der zuvor bewilligten beruflichen Massnahme Gelegenheit zur Vornahme dieses Wahlrechts einräumen und ihn auf die Folgen bei Widersetzlichkeit auf
merksam machen müssen.
Da der grundsätzliche Anspruch auf berufliche Massnahmen ausgewiesen ist, hat
die Beschwerdegegnerin die entsprechenden weiteren Abklärungen und Anord
nung
en zu vollziehen, wobei die Taggelder bis zum Ende der ursprünglich ver
füg
ten Ausbildungsdauer (30. April 2014) auszurichten sind. Sollten neue Er
kennt
nisse gegen neue berufliche Massnahmen sprechen, ist dies zu begründen. Ein Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen kann bei der aktuellen Sach
lage jedenfalls nicht damit verweigert werden, der Beschwerdeführer sei seinen Pflichten nicht nachgekommen.
Grundsätzlich kann - sofern die weiteren Abklärungen ergeben, dass berufliche
Massnahmen weiterhin möglich und sinnvoll sind - bei Verhältnissen wie den vor
liegenden von Beginn weg auf das verlangte Verhalten hingewiesen werden und mithin das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
vor Antritt der Ausbildung durchgeführt werden. Entscheidend ist, dass dem Beschwerdeführer klar darge
legt wurde, welche Folgen sein Verhalten haben kann.
In diesem Sinn ist die Beschwerde gutzuheissen.
4
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
füh
rer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeu
tung
der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
,
auf
Fr.
1'100.-- (in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.