Decision ID: 0cdacd83-42b7-5a3f-a359-0e24e0df4ca8
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
F._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Pro Infirmis St. Gallen-Appenzell, Poststrasse 23, Postfach 1544,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
F._ (Jg. 1963) meldete sich am 15. September 2004 zum Bezug von IV-Leistungen
an. Sie gab dabei u.a. an, sie habe keinen Beruf erlernt. Dr. med. A._ berichtete der
IV-Stelle am 27. September 2004, die Versicherte leide an einer chronischen
Neurasthenie, an einer chronischen Depression, an einem chronischen
Lumbovertebralsyndrom, an einer Fibromyalgie und an einer psychosozialen
Problematik. Sie klage seit Jahren über körperliche Müdigkeit, Erschöpfung und
zunehmende Gliederschmerzen. Ausserdem zeige sie ein deutlich depressives
Zustandsbild. Sie lebe allein mit fünf Kindern. Durch die Arbeit als Hausfrau sei sie
völlig überfordert. Sie könne höchstens zu 50% eine Arbeit übernehmen. Der
Chiropraktor Dr. B._ hatte dem Hausarzt Dr. med. A._ am 6. März 2004 mitgeteilt,
die Versicherte leide an einem panvertebralen Schmerzsyndrom, fraglich spondylogen
im thorakalen/lumbalen Bereich mit/bei deutlichen Spondylarthrosen und einer kleinen
mediolateralen DH lumbosakral und einem St. n. M. Scheuermann. Die Behandlung sei
abgebrochen worden, weil die Versicherte angegeben habe, die Beschwerden hätten
eher zugenommen. Die Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen hatte dem
Hausarzt am 19. August 2003 berichtet, es bestehe ein chronifiziertes
Schmerzsyndrom unklarer Aetiologie bei V. a. somatoforme Überlagerung. Zudem liege
eine depressive Störung vor. Weder klinisch-neurologisch noch elektroneurographisch
hätten sich Hinweise für eine Polyneuropathie gefunden. Bei der subdepressiv
erscheinenden Versicherten, die selbst angebe, eine Verbesserung der
Schmerzproblematik unter antidepressiven Behandlung mit Fluoxetin erfahren zu
haben, sei von einer somatoformen Überlagerung bei einem chronifizierten
Schmerzsyndrom im Rahmen einer depressiven Störung auszugehen. Das
Röntgeninstitut C._ hatte am 30. September 2002 berichtet, es liege eine medio-
lateral-linksseitige Diskushernie Th11/12 mit Forameneinengung und minimalster
Impression des Duralsacks vor. An den Wirbelkörpern zeigten sich ausgeprägte
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Scheuermannveränderungen. Die IV-Stelle gab ein rheumatologisches und
psychiatrisches Gutachten in Auftrag.
B.
B.a Dr. med. D._ führte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 27. Oktober 2006
aus, die Versicherte habe im Alter von zehn Jahren zusehen müssen, wie ihre Mutter
bei einem Autounfall verblutet sei. Dadurch habe sich ihr Leben einschneidend
verändert. Sie habe ein tiefes Gefühl von Einsamkeit empfunden. In der Schule habe
sie die Entführung und Ermordung einer Schülerin miterlebt. Sie habe begonnen, diese
traumatischen Erlebnisse im Spiel nachzuleben. Nach dem Abbruch des Gymnasiums
habe sie in einem Altersheim als Mädchen für alles gearbeitet. Obwohl sie überfordert
gewesen sei, habe es sich um ihre glücklichste Zeit gehandelt, weil sie für andere habe
da sein und ihre eigenen Bedürfnisse gänzlich zurückstellen können. Mit 21 Jahren
habe sie geheiratet und in der Folge vier Kinder geboren. Bei einer Fehlgeburt im Jahr
1990 habe sie erneut eine Konfrontation mit dem Tod erlebt. Danach habe sie vermehrt
an Schwächeanfällen und tagelang andauernden Erschöpfungszuständen gelitten. Der
Gutachter führte aus, im Vordergrund stünden die Klagen über eine schnelle
Erschöpfbarkeit bei körperlicher Arbeit. Haushaltsarbeiten müssten nach spätestens
zwei Stunden eingestellt werden. Die Versicherte fühle sich dann leer und ausgelaugt,
könne sich nicht mehr konzentrieren und habe ein unüberwindbares Schlafbedürfnis.
Diese Zustände träten unvermittelt, ohne Ankündigung und ohne äusseren Grund auf.
Sie seien begleitet von unspezifischen Schmerzen am ganzen Körper. Manchmal
könne die Versicherte die Arbeit nach einer halben Stunde wieder aufnehmen,
manchmal hielten diese Zustände aber auch einige Tage an. Der Gutachter stellte die
Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelschwere
Episode. Er führte weiter aus, nach dem Tod der Mutter habe die Versicherte zahlreiche
neurotische Symptome entwickelt. Das neurotische Verhalten habe meist eine Form
des Leidens und der Selbstbestrafung zum Inhalt. Es müsse als fehlgeschlagene
Verarbeitung des erlittenen Traumas interpretiert werden. Die Versicherte habe sich für
die Familie und die Arbeit aufgeopfert, habe ihre eigenen Interessen zurückgestellt und
sich oft überfordert. Grenzen seien ihr nur durch die auftretenden Schmerzen und die
Erschöpfungszustände gesetzt worden. Die Bedingungen für ein somatisches Syndrom
seien nicht gegeben. Es sei nicht entscheidend, die differentialdiagnostische Frage zu
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beantworten, ob ein CFS oder eine Depression vorliege. Aus rein psychiatrischer Sicht
betrage die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 50%. In einer der Behinderung
angepassten Tätigkeit (Arbeit im gewohnten Bereich oder in einem vertrauten Umfeld)
könnte eventuell eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit erreicht werden. Empfehlenswert
sei eine kognitiv verhaltenstherapeutisch orientierte Psychotherapie. Die bis anhin
minimale Dosis von Fluoxetin sollte erhöht werden.
B.b Dr. med. E._ berichtete im Gutachten vom 30. November 2006, die Versicherte
habe angegeben, das gesundheitliche Hauptproblem seien die "Schwächeanfälle".
Diese träten annähernd täglich auf und dauerten zwischen wenigen Stunden und
eineinhalb Tagen. Die Versicherte sei diesen Anfällen hilflos ausgeliefert. Sie fühle sich
dann wie im Fieber, fröstle und habe sehr kalt. Von Kopf bis Fuss tue alles weh und sie
fühle sich ganz steif. Sie sei im Kopf benebelt und schwindlig, habe Mühe zuzuhören
und etwas im Gedächtnis zu behalten. Der Gutachter gab an, er habe während der
Untersuchung nur selten averbale, Sitzentlastungsbemühungen vermittelnde
Schmerzäusserungen beobachtet. Die Versicherte habe ihren Bewegungsapparat
allgemeinen behutsam-zögerlich bewegt und belastet. Dabei sei nichts aufgefallen, das
auf eine konkrete Pathologie hingewiesen hätte. Der Gutachter stellte folgende
Diagnose: kein krankheitsrelevantes organmedizinisches Leiden, radiologisch
degenerative Segmenterkrankung L5/S1 und Th11/12 (krankmachender Stellenwert
fraglich). Er führte dazu aus, die Versicherte habe prioritär die Leidensgeschichte eines
chronischen Müdigkeitssyndroms mit den Kardinalsymptomen nicht-schlaferholsame
Müdigkeit und Schwächeanfälle mit physisch und mental invalidisierend berichteten
Leistungseinbrüchen verlauten lassen. Die Entstehungshintergründe und das langjährig
qualitativ gleichwertige Symptomangebot schlössen ein im organmedizinischen
angesiedeltes Leiden weitgehend aus. Soweit die angegebenen chronischen
Schmerzbeschwerden unspezifisch-generalisierend und syndrombezugnehmend
geschildert würden, seien sie Begleitsymptome der Grundstörung. Die auf dem
Konsens der beiden Gutachter beruhende Arbeitsunfähigkeit betrage 50%.
C.
Am 19. Juni 2007 erfolgte eine Haushaltabklärung. Gemäss dem entsprechenden
Bericht war die Versicherte bis zur Trennung von ihrem Ehemann im Jahr 2002
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ausschliesslich Familienfrau gewesen. Noch bis 2012 hatte sie ein Wohnrecht im
Einfamilienhaus, das dem Ehemann gehörte. Der Mietzins von Fr. 1400.- wurde von
den Unterhaltsleistungen des Ehemannes in Abzug gebracht. Die Versicherte erhielt Fr.
900.- monatlich und zusätzlich zweimal Fr. 750.- für den Kinderunterhalt, wobei ein
Drittel des Lehrlingslohns abgezogen wurde. Bar ausbezahlt erhielt die Versicherte ca.
Fr. 800.- monatlich. Die mit im Haus wohnende Schwiegermutter beteiligte sich mit Fr.
650.- monatlich an den Miet- und Haushaltskosten. Nur noch zwei Kinder (Jg. 1988
und 1993) lebten bei der Versicherten. Mit einer leichten Arbeit in der Abtei G._hatte
die Versicherte im Jahr 2004 Fr. 6700.- brutto verdient. Die Abklärungsperson wies
darauf hin, dass die Versicherte "je länger je mehr" einen Vollerwerb anstreben müsse.
Da sie im Erwerb und im Haushalt zu 50% arbeitsunfähig sei, könne eine Aufteilung in
die beiden Bereiche unterbleiben. Dr. med. H._ vom RAD empfahl am 3. Juli 2007,
die Versicherte zu einer schadenmindernden psychiatrisch-psychotherapeutischen
Therapie zu verhalten. Die IV-Stelle forderte die Versicherte auf, bis 31. August 2007
den behandelnden Psychiater bekanntzugeben. Der von der Versicherten angegebene
Dr. med. I._ berichtete am 13. Mai 2008, die Versicherte leide an einer Neurasthenie
(ICD-10 F48.0) und – als Komorbidität – an einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1). Seit mehreren Jahren bestehe eine
hochgradige Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Der Zeitpunkt des Eintritts dieser
Beeinträchtigung sei nicht eindeutig bestimmbar. Die Leistungsfähigkeit sei zu 90%
vermindert und zwar im Haushalt wie am Arbeitsplatz. Im Hinblick auf das depressive
Syndrom sei es in der letzten Zeit eher zu einer Verschlechterung gekommen. Es sei zu
bedenken, dass es sich um eine bereits zuvor chronisch verlaufende Störung handle.
Die Etablierung einer optimalen Psychopharmakotherapie stehe noch bevor. Damit
solle zumindest eine relative Besserung und Linderung der Schmerzen erreicht werden.
Dr. med. K._ vom RAD schlug am 7. April 2008 vor, den Beginn der
Arbeitsunfähigkeit auf den 1. April 2002 zu setzen, als die Versicherte sich von ihrem
Ehemann getrennt habe. Sie empfahl eine erneute psychiatrische Abklärung.
D.
Der Psychiater Dr. med. L._ führte in seinem Gutachten vom 28. April 2008 aus, die
Versicherte habe die Aussentreppe zur Praxis nur von links und rechts durch zwei
Hilfspersonen abgestützt überwinden können. Sie habe einen extrem gehbehinderten
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Eindruck gemacht, allerdings seien keine Krücken zu sehen gewesen. Den Gang von
der Haustür zum Untersuchungszimmer habe die Versicherte zwar allein bewältigt,
aber die einzige Treppenstufe habe sie überwunden, indem sie das rechte Bein mit
dem Arm hochgehoben habe. Trotzdem habe sie im Verlauf der Untersuchung
angegeben, sie fahre noch Auto und sie gehe mit den Hunden spazieren. Längere Zeit
zu sitzen sei für sie das Schlimmste. Während der Untersuchung habe die Versicherte
immer wieder die Gelegenheit gehabt, kurz aufzustehen und einige Schritte zu gehen.
Die Gehschwäche sei danach aber eher verstärkt als abgeschwächt gewesen. Die
Grundstimmung sei ausgeglichen und erstaunlich heiter bis fröhlich gewesen. Affektiv
habe er die Versicherte als sehr schwingungsfähig erlebt, der emotionale Ausdruck sei
fast durchwegs auf der positiven Seite gewesen. Nur einmal sei ein Hauch von
Betroffenheit aufgefallen. Die Affektlage habe im Sinn einer belle indifférence
entkoppelt gewirkt. Sie sei mit den angegebenen und gezeigten Beschwerden nicht in
Einklang zu bringen gewesen. Die Versicherte habe folgende Beschwerden angegeben:
Schwächezustände, Kraftlosigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen
unterschiedlichen Ausmasses, Kopfschmerzen, wandernde Schmerzen von Kopf bis
Fuss und eine Unfähigkeit zur Entspannung. In bezug auf die Therapie bei Dr. med.
I._ scheine es nach den vorgeschriebenen sechs Monaten zu einem Abschluss zu
kommen, ohne dass ein therapeutischer Durchbruch hätte erzielt werden können. Die
verschiedenen Antidepressiva hätten der Versicherten nach deren eigenen Angaben
schlecht getan, sie habe sie nicht ertragen. Sie habe kürzlich die letzte eingenommen.
Der Gutachter führte weiter aus, er habe mit den beiden Vorgutachtern telephonieren
wollen, aber nur mit Dr. med. E._ sprechen können. Dieser habe den Eindruck
bestätigt, dass der Psychostatus im Teilgutachten von Dr. med. D._ nicht mit dessen
Schlussfolgerungen übereingestimmt habe. Der Gutachter gab folgende Diagnosen an:
kombinierte Störung aus dem Formenkreis der neurotischen, Belastungs- und
somatoformen Störungen (ICD-10 F4) mit Anteilen einer Neurasthenie (ICD-10 F48.0,
allgemeine Schwächezustände, Unfähigkeit zur Entspannung), einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4, wandernde Schmerzen mit immer
wieder subjektiv hohem Intensitätsgrad) sowie aufgrund der aktuellen Untersuchung
vor allem einer dissoziativen Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4, an eine Beinlähmung
erinnernde Gehstörung) bei einer vorbestehenden Persönlichkeit mit ausgesprochen
histrionischen (die Art, die "Krankheit" als eine solche darzustellen, die 34 vergangenen
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Behandlungen und bald auch der aktuellen Behandlung getrotzt habe, macht die
"Krankheit" und deren Trägerin zu etwas Bedeutsamem) und wohl auch etwas unreifen
Zügen. Die in ihren Anteilen variabel auftretende Störung sei wohl seit der Fehlgeburt
1990 klinisch manifest geworden. Die im Vorgutachten diagnostizierte depressive
Erkrankung lasse sich nicht mehr feststellen. Für den aktuellen Beschwerdeverlauf
dürfte nicht der frühe Tod der Mutter, sondern die histrionische Persönlichkeitsstruktur
verantwortlich sein. Seine Beurteilung schloss der Gutachter mit folgender Aussage ab:
"Die diagnostizierten Störungen rechtfertigen – bei Fehlen der üblichen somatischen,
psychischen und sozialen Komorbiditätsfaktoren – keine bleibende Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit (auch keine partielle), wobei diese allerdings aufgrund des langjährigen
'Krankheits'-Verlaufs praktisch schwierig zu realisieren sein dürfte". Zur Frage nach der
Arbeitsfähigkeit führte er zudem aus: "Die medizinisch (theoretisch) von der
diagnostizierten Störung her nicht vorhandene bleibende Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit der Versicherten kontrastiert diametral mit deren subjektivem
'Krankheits'-Verständnis und auch der Tatsache, dass sie bald 35 Therapieversuche
erfolgreich zum Scheitern gebracht haben wird".
E.
Dr. med. K._ vom RAD schlug am 22. Mai 2008 vor, als Beginn der Arbeitsunfähigkeit
den September 2003 anzunehmen. Sowohl für die angestammte als auch für eine
adaptierte Tätigkeit sei eine Arbeitsunfähigkeit von 50% anzunehmen, allerdings nur
bis zur neuerlichen Begutachtung am 28. April 2008. Ab diesem Zeitpunkt sei eine
Arbeitsfähigkeit von 100% anzunehmen. Mit einem Vorbescheid vom 1. Juli 2008 teilte
die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das Rentengesuch
abzuweisen. Die Versicherte liess am 12. August 2008 durch die Pro Infirmis
einwenden, sie könne maximal 20 Std. monatlich arbeiten. Es sei ihr unmöglich, zu
100% zu arbeiten, auch wenn sie als Folge der Scheidung aus finanziellen Gründen
eigentlich dazu gezwungen wäre. Dr. med. L._ hätte unbedingt mit Dr. med. D._
und Dr. med. I._ Rücksprache nehmen müssen, um die Differenzen zu klären. Zudem
habe er keine testpsychologische Beurteilung vorgenommen und er habe auch keinen
Kontakt mit der Arbeitgeberin aufgenommen. Das Gutachten von Dr. med. L._ erfülle
deshalb die Kriterien der Rechtsprechung nicht. Da jedenfalls bis 28. April 2008 eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% bestanden habe, müsse für die Zeit davor ein
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Rentenanspruch bestehen. Dieser Stellungnahme lag ein Bericht von Dr. med. I._
vom 7. August 2008 bei, laut dem primär eine Neurasthenie (ICD-10 F48.0) mit dem
symptomatischen Schwerpunkt auf Gefühlen von körperliche Schwäche, Ermüdung
und Erschöpfung nach oftmals geringen Anstrengungen vorlag. Dr. med. I._ hatte
weiter ausgeführt, es sei schwierig zu beurteilen, ob als Komorbidität eine affektive/
depressive Störung vorliege, weil gemäss ICD-10 für die Klassifikation einer
depressiven Episode ein Zeitraum von 14 Tagen verlangt werde. Im Verlauf der
Behandlung habe er eher den Eindruck gewonnen, dass es sich um ausgeprägte, aber
rasch, oftmals innerhalb eines Tages wechselnde Stimmungsschwankungen handle.
Die Arbeits- und Leistungsfähigkeit sei eingeschränkt und schwankend. Dass die
Versicherte überhaupt noch arbeiten könne, sei zu einem grossen Teil dem Arbeitgeber
zu verdanken. Dr. med. K._ vom RAD hielt dazu am 22. August 2008 fest, die von der
neurologischen Abteilung des Kantonsspitals St. Gallen am 19. August 2003, vom
Hausarzt am 27. September 2004 und im ersten Gutachten vom 27. Oktober 2006
angegebene depressive Störung sei in einer Zeit aufgetreten, in der wegen der
Scheidung, der Trennung von zwei erwachsenen Kindern und der pubertierenden
Pflegetochter Konflikte aufgetreten seien, die durchaus zu einer depressiven
Symptomatik hätten führen können. Mittlerweile habe die Versicherte die
Umbruchsituation bewältigt. Dem Gutachten vom 28. April 2008 sei zu entnehmen,
dass mittlerweile keine depressive Symptomatik mehr bestehe. Limitierend sei nun eine
Neurasthenie, die schon immer bestanden habe, die aber keineswegs eine so hohe
Arbeitsunfähigkeit wie im Vorgutachten angegeben bestätigen könne. Weiter lägen eine
dissoziative Bewegungsstörung bei einer Persönlichkeit mit histrionischen und unreifen
Zügen und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vor. Da keine relevante
psychiatrische Komorbidität mehr bestehe, sei auch die somatoforme Schmerzstörung
als Gesundheitsschaden ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einzuordnen. Also
sei eine relevante Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu verzeichnen. Dr. med. I._
habe am 7. August 2008 seine eigene frühere Einschätzung in Frage gestellt, denn am
13. März 2008 habe er noch eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert. Jetzt
habe er nämlich angegeben, es handle sich um wechselnde Stimmungsschwankungen.
Aus dem Gutachten von Dr. med. L._ gehe eine neurotische Tendenz der
Versicherten hervor, sich selbst in überfordernde Situation zu manövrieren und dabei
eine Art von Glück zu finden. Nur im Rahmen ihrer Schmerzen und ihrer Müdigkeit fühle
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sich die Versicherte legitimiert, Hilfe aus dem Familien- und Freundeskreis zu
mobilisieren. Ein sekundärer, nicht IV-relevanter Krankheitsgewinn sei unübersehbar.
Mit einer Verfügung vom 9. September 2008 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab.
F.
Die Versicherte liess am 22. September 2008 Beschwerde erheben und beantragen, es
seien ihr die ihr gesetzlich zustehenden Leistungen zuzusprechen; zumindest sei ihr
nach Ablauf des Wartejahres ab September 2004 bis zur Änderung des
Invaliditätsgrades im April 2008 eine Rente zuzusprechen. Zur Begründung wurde
ausgeführt, die IV-Stelle sei nicht darauf eingetreten, dass in den Jahren 2003 bis 2006
eine depressive Symptomatik vorgelegen habe und dass dann eine relevante
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit eingetreten sei.
G.
Die IV-Stelle beantragte am 12. November 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, alle Gutachter und alle behandelnden Ärzte seien sich einig, dass nur
ein psychisches Leiden vorliege. Ob dieses Leiden nun Neurasthenie, Fibromyalgie,
CFS oder anhaltende somatoforme Schmerzstörung heisse, könne offen bleiben, denn
es bestehe die Vermutung, dass diese Krankheit keine Arbeitsunfähigkeit bewirke, die
eine Invalidität auslösen würde. Die Krankheitsfolgen seien nämlich durch eine
zumutbare Willensanstrengung überwindbar. Nur im Ausnahmefall sei eine Invalidität
anzunehmen. Ein Ausnahmefall sei insbesondere dann anzunehmen, wenn eine
psychische Komorbidität von erheblicher Schwere bestehe. Das sei nicht der Fall.
Vorübergehende leichte depressive Episoden oder Stimmungsschwankungen reichten
nicht aus. Unabhängig davon, ob sich die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit
zwischen 2004 und 2008 verändert habe, sei aus juristischer Sicht durchgehend von
einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
H.
Die Versicherte liess am 27. November 2008 einwenden, zumindest für die Zeit von
September 2003 bis April 2008 sei eine psychische Komorbidität von erheblicher
Schwere ausgewiesen. In dieser Zeit habe nämlich eine mittelschwere Depression
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bestanden. Im übrigen seien andere Kriterien eines Ausnahmefalles als die psychische
Komorbidität erfüllt. Es sei der Versicherten trotz einer zumutbaren Willensanstrengung
nicht gelungen, die Krankheit zu überwinden. Das Leiden bestehe seit 1990, so dass
von einem mehrjährigen chronischen Verlauf ohne längerdauernde Besserung
auszugehen sei. Ausserdem liege ein sozialer Rückzug vor. Trotz vieler Therapien habe
sich der Zustand nicht gebessert. Die Versicherte habe kooperativ und motiviert bei der
Psychotherapie mitgewirkt.
I.
Die IV-Stelle verzichtete am 5. Dezember 2008 auf eine Stellungnahme zur Replik.

Erwägungen:
1. Die Beschwerdegegnerin hat die Frage nach der anwendbaren Methode der
Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich Art. 16 ATSG, Betätigungsvergleich Art.
8 Abs. 3 ATSG, sogenannte gemischte Methode Art. 28a Abs. 3 IVG) offen gelassen,
da die Beschwerdeführerin sowohl im Haushalt wie im Erwerb zu 50% arbeitsfähig sei.
Immerhin ist im Abklärungsbericht darauf hingewiesen worden, dass die
Beschwerdeführerin "je länger je mehr" einen Vollerwerb hätte anstreben müssen. Bei
ihrem Verzicht auf eine abschliessende Klärung des Status der Beschwerdeführerin
(nur erwerbstätig, nur im Haushalt tätig, gemischt im Erwerb und im Haushalt) hat die
Beschwerdegegnerin übersehen, dass die Anwendung der gemischten Methode nach
der bundesgerichtlichen Praxis auch bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50% im
Erwerb und im Haushalt relevant wäre, denn anders als beim reinen
Einkommensvergleich und beim reinen Betätigungsvergleich, die auf jeden Fall einen
rentenbegründenden Invaliditätsgrad liefern würden, hätte ein Arbeitsfähigkeitsgrad
von 50% im Erwerb und im Haushalt nach der gemischten Methode wohl einen unter
40% (Art. 28 IVG) liegenden Invaliditätsgrad zur Folge. Deshalb muss die "Statusfrage"
beantwortet werden. Nach ständiger bundesgerichtlicher Praxis ist die Frage, ob eine
versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden im Haushalt tätig wäre oder einer
Erwerbstätigkeit nachginge, anhand der hypothetischen Verhaltensweise dieser
versicherten Person im fiktiven "Gesundheitsfall" zu beantworten. Dabei ist abzuklären,
ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die
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gesamten Umstände persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art erwerbstätig
oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sind auch eine allfällige finanzielle
Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige
Erziehungs- oder Betreuungsaufgaben, das Alter und die beruflichen Fähigkeiten,
Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen (vgl. etwa BGE 125 V 150). Dem
Wortlaut, der – erweiterten – Entstehungsgeschichte und insbesondere dem Sinn und
Zweck des Art. 8 Abs. 3 ATSG gemäss müsste allerdings auf die objektive
Zumutbarkeit der Ausübung einer Erwerbstätigkeit im fiktiven "Gesundheitsfall"
abgestellt werden. Das Bundesgericht hat dieses Interpretationsergebnis - ohne
überzeugende Begründung - in konstanter Praxis als falsch qualifiziert (vgl. etwa das
Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2007, I 126/07). Die Beschwerdeführerin hat
seit 2002 von ihrem Ehemann getrennt gelebt. Sie hat für zunächst fünf Kinder,
schliesslich noch für zwei Kinder gesorgt. Die Unterhaltsleistungen des Ehemannes
haben gemäss der Abklärung vom 19. Juni 2007 von Anfang an nicht ausgereicht, um
den Unterhalt der Beschwerdeführerin und der Kinder zu decken. Das älteste Kind war
im Jahr 2003 18-jährig, das jüngste 10-jährig. Angesichts des in diesem Alter
reduzierten persönlichen Betreuungsbedarfs der Kinder, der zudem teilweise durch die
im Haus lebende Schwiegermutter der Beschwerdeführerin wenigstens insofern hätte
gedeckt werden können, dass die Kinder nur selten allein zuhause gewesen wären,
wäre es der Beschwerdeführerin im fiktiven Gesundheitsfall objektiv betrachtet
zumutbar gewesen, vollzeitlich einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, zumal sie ihre
Arbeit als Reinigungsfrau zeitlich einigermassen frei hätte einteilen können.
Insbesondere angesichts der prekären finanziellen Situation nach der Trennung vom
Ehemann und angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin als ungelernte
Arbeitnehmerin im fiktiven "Gesundheitsfall" nur ein bescheidenes Erwerbseinkommen
hätte erzielen können, so dass bei einem Verzicht auf die volle Ausnützung der
Erwerbsfähigkeit eine Sozialhilfeabhängigkeit gedroht hätte, muss auch nach der
bundesgerichtlichen Praxis von einer hypothetischen Vollerwerbstätigkeit ausgegangen
werden. Da zwischen 2003 und 2008 nacheinander drei der Kinder ausgezogen sind
und da die verbleibenden Kinder mit zunehmendem Alter immer weniger auf eine
persönliche Betreuung durch die Beschwerdeführerin angewiesen gewesen sind, hätte
die Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall" im Verlauf der hier massgebenden
Periode 2003 bis 2008 immer weniger Veranlassung gehabt, ihre Arbeitskraft nicht
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vollumfänglich in einer Erwerbstätigkeit zu verwerten. Der Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin ist somit auf jeden Fall anhand eines reinen
Einkommensvergleichs zu ermitteln.
2.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das eine versicherte Person nach dem
Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
zu setzen zum Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Das Valideneinkommen bemisst
sich also nach der hypothetischen beruflichen Karriere einer versicherten Person im
fiktiven "Gesundheitsfall". Die Beschwerdeführerin hat zwar einige Jahre das
Gymnasium besucht, dieses aber vorzeitig abgebrochen und in der Folge keinen Beruf
erlernt. Bis zur Trennung von ihrem Ehemann ist sie ausschliesslich als Familienfrau
tätig gewesen. Trotz der Erkrankung hat sie dann eine Arbeit im Bereich der
Haushaltreinigung aufgenommen. Dabei handelt es sich nicht um jene berufliche
Karriere, welche die Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall" eingeschlagen
hätte, denn aufgrund des mit dem Besuch des Gymnasiums demonstrierten
intellektuellen Potentials muss davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdeführerin an sich in der Lage gewesen wäre, im fiktiven "Gesundheitsfall"
nach der Trennung vom Ehemann und dem damit verbundenen Zwang zur
wirtschaftlichen Selbständigkeit eine qualifizierte Berufsausbildung nachzuholen. Selbst
wenn sie aufgrund ihrer prekären finanziellen Situation nach der Trennung auf eine
Berufsausbildung hätte verzichten müssen, wäre sie imstande gewesen, mittelfristig
eine qualifizierte Erwerbstätigkeit auszuüben, denn der berufliche Werdegang ist längst
nicht mehr an Berufsabschlüsse, Diplomen usw. gebunden. Es wäre der
Beschwerdeführerin also auch ohne nachgeholte Berufsausbildung mit ausreichender
Wahrscheinlichkeit möglich gewesen, im fiktiven "Gesundheitsfall" ein
Erwerbseinkommen zu erzielen, das höher gewesen wäre als der effektiv erzielte
Stundenlohn oder als der Durchschnittslohn der Hilfsarbeiterinnen. Das zwingt dazu,
das Valideneinkommen nicht anhand des an der konkreten Stelle bei einem
Beschäftigungsgrad von 100% erzielbaren Lohns oder anhand des Zentralwerts der
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Löhne von Hilfsarbeiterinnen gemäss der Tabelle TA1 der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik zu bemessen. Mangels eines präziseren Massstabs ist auf
den Zentralwert der Löhne von Frauen mit Berufs- und Fachkenntnissen abzustellen.
Dieser Zentralwert beläuft sich gemäss der Lohnstrukturerhebung 2002 auf Fr. 4743.-,
umgerechnet von 40 auf den schweizerischen Durchschnitt von 41,7
Wochenarbeitsstunden auf Fr. 4944.60 bzw. Fr. 59'335.-. Beim Einkommensvergleich
ist also von einem Valideneinkommen in dieser Höhe auszugehen.
3.
3.1 Die zumutbare Invalidenkarriere entspricht nicht der von der Beschwerdeführerin
effektiv ausgeübten Erwerbstätigkeit im Kloster G._. Das gilt nicht nur für den
Beschäftigungsgrad, sondern auch für die fachlichen Anforderungen der Arbeit und
damit für das Lohnniveau. Die Beschwerdeführerin übt eine Erwerbstätigkeit aus, die
als klassische Hilfsarbeit zu qualifizieren ist. Damit stellt sich die Frage, ob die
Beschwerdeführerin durch ihre Krankheit daran gehindert ist, ihre intellektuellen
Ressourcen erwerblich umzusetzen und einer qualifizierteren Arbeit nachzugehen, für
die ihr auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt ausreichend Stellen zur
Verfügung stünden. Sowohl Dr. med. D._ als auch Dr. med. L._ haben keine –
objektiv vorhandenen oder auch nur subjektiv empfundenen - psychischen
Beeinträchtigungen angegeben, die geeignet wären, die intellektuelle
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin spürbar herabzusetzen. Diesbezüglich
besteht also keine krankheitsbedingte Einschränkung, so dass es der
Beschwerdeführerin möglich und zumutbar gewesen wäre, nach der Trennung vom
Ehemann eine qualifiziertere und damit besser entlöhnte Arbeit anzunehmen. Die
Tatsache, dass die Beschwerdeführerin durchgehend eine unqualifizierte Hilfsarbeit
ausgeübt hat, ist also mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den realen und
aktuellen Arbeitsmarkt in der Zeit seit 2002 zurückzuführen, der es der
Beschwerdeführerin verunmöglicht hat, ihre verbliebene Arbeitsfähigkeit unter voller
Ausnützung ihrer intellektuellen Fähigkeiten und damit ihres Lohnpotentials
einzusetzen. Da auf das zumutbare Invalideneinkommen und nicht auf das effektiv
erzielte Erwerbseinkommen abzustellen ist, muss zur Bemessung des
Invalideneinkommens auf die objektiv noch bestehende erwerbliche Leistungsfähigkeit
und deren - hypothetische - Verwertung auf dem allgemeinen und ausgeglichenen
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Arbeitsmarkt abgestellt werden. Deshalb besteht die zumutbare Invalidenkarriere der
Beschwerdeführerin ebenfalls in einer Erwerbstätigkeit, die Berufs- und Fachkenntnisse
voraussetzt. Bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens ist deshalb von
einem Jahreseinkommen von Fr. 59'335.- auszugehen.
3.2 Damit fehlt als letztes Element zur Bemessung des Invalideneinkommens und
damit im Ergebnis des Invaliditätsgrades die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in
einer adaptierten Erwerbstätigkeit. Zur Arbeitsfähigkeit liegen divergierende Aussagen
vor. Dr. med. D._ hat in seinem Gutachten vom 27. Oktober 2006 eine
Arbeitsfähigkeit von 50% angegeben. Dr. med. L._ ist in seinem Gutachten vom 28.
April 2008 von einer vollständig erhaltenen Arbeitsfähigkeit ausgegangen und der
behandelnde Psychiater Dr. med. I._ hat die Arbeitsunfähigkeit am 13. März 2008 mit
90% beziffert. Er hat diese Einschätzung am 7. August 2008 bestätigt. Dr. med. K._
vom RAD hat diese Widersprüche am 22. August 2008 dadurch aufzulösen versucht,
dass sie den Angaben von Dr. med. I._ jede Überzeugungskraft abgesprochen hat.
Begründet hat sie dies damit, dass Dr. med. I._ auf seine diagnostische Einschätzung
zurückgekommen sei. Am 13. März 2008 habe er nämlich noch die Diagnose einer
mittelgradigen depressiven Episode angegeben und am 7. August 2008 habe er dann
festgehalten, dass die Kriterien einer depressiven Episode im Rahmen einer
rezidivierenden Störung nicht erfüllt seien; vielmehr handle es sich um
Stimmungsschwankungen. Ob diese Veränderung in der Diagnose, die durchaus auch
auf einer besseren Erkenntnis im Verlauf der Therapie beruhen könnte, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. I._ jeder Überzeugungskraft berauben
muss, ist durchaus fraglich, kann aber offen bleiben, denn bei den Angaben von Dr.
med. I._ handelt es sich im Gegensatz zu denjenigen von Dr. med. D._ und Dr.
med. L._ nicht um die Aussage eines unabhängigen medizinischen
Sachverständigen, sondern um die Angaben einer mit medizinischen Fachkenntnissen
ausgestatteten Auskunftsperson. Dr. med. I._ hat nämlich in einer vertraglichen und
persönlichen Beziehung zur Beschwerdeführerin gestanden. Als behandelnder
Psychiater hat er sich nicht völlig unabhängig äussern können. Vielmehr hat er sich, wie
sich etwa seinen Hinweisen auf die real bestehende Arbeitssituation als Grundlage der
Arbeitsfähigkeitsschätzung entnehmen lässt, von der seit Jahren konsequent
demonstrierten Krankheits- und Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der
Beschwerdeführerin beeinflussen lassen. Er hat also die bestehende Situation als die
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objektiv bestmögliche Verwertung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin betrachtet. Damit hat er die bei jeder Arbeitsfähigkeitsschätzung
zwingend zu beantwortende Frage, wie die Arbeitsfähigkeit aussähe, wenn die
betreffende Person eine zumutbare Willensanstrengung zur Überwindung der
Krankheits- und Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung unternehmen würde, entweder gar
nicht gestellt oder nicht objektiv beantwortet. In seinen Aussagen fehlt nämlich jeder
Hinweis darauf, dass er versucht hätte, ein objektives Bild von der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin zu erhalten, etwa indem er den Widersprüchen zwischen der
äusserst pessimistischen Selbstdarstellung und gewissen Alltagssituationen wie etwa
dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Auto fährt und mit den Hunden
spazieren geht, obwohl sie angeblich praktisch nichts arbeiten kann, nachgegangen
wäre. Im Ergebnis hat Dr. med. K._ vom RAD der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr.
med. I._ also zu Recht keine Überzeugungskraft beigemessen.
3.3 Dr. med. K._ hat die Differenz zwischen den Arbeitsfähigkeitsschätzungen von
Dr. med. D._ und Dr. med. L._ dadurch zu erklären versucht, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nach der Abklärung durch Dr. med. D._
verbessert habe, weil die depressive Symptomatik weggefallen sei. Dr. med. D._
hatte nämlich eine rezidivierende depressive Störung diagnostiziert, während Dr. med.
L._ keine Depression, sondern eine andere psychische Krankheit feststellte. Als Indiz
für eine solche gesundheitliche Entwicklung nennt Dr. med. K._ insbesondere den
Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung durch Dr.
med. D._ noch in einer seit längerer Zeit anhaltenden problembeladenen
Lebensphase befunden habe, die anlässlich der Begutachtung durch Dr. med. L._
nicht mehr bestanden habe. Dieser Umstand vermag aber nicht zu erklären, warum Dr.
med. D._ eine Depression diagnostiziert hat, während Dr. med. L._ eine
kombinierte Störung aus dem Formenkreis der neurotischen, Belastungs- und
somatoformen Störungen mit Anteilen einer Neurasthenie, einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung und vor allem einer dissoziativen Bewegungsstörung
bei einer vorbestehenden Persönlichkeit mit ausgesprochen histrionischen Zügen
festgestellt hat. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Krankheit anlässlich der Abklärung
durch Dr. med. D._ noch nicht bestanden, das Krankheitsbild sich also innerhalb von
zwei Jahren derart drastisch verwandelt haben sollte. Das bedeutet, dass entweder die
von Dr. med. D._ oder die von Dr med. L._ gestellten Diagnosen falsch oder
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zumindest unvollständig gewesen sein müssen. Dr. med. I._ hat zwar keine
überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, aber seine Diagnose einer
Neurasthenie ist angesichts der langdauernden Behandlung durchaus plausibel. Da
diese Diagnose weitgehend mit derjenigen von Dr. med. L._ übereinstimmt, erweist
sich diese als deutlich überzeugender als diejenige von Dr. med. D._. Dies wird durch
die von Dr. med. L._, Dr. med. K._ und Dr. med. I._ geäusserten Zweifel an der
von Dr. med. D._ diagnostizierten rezidivierenden depressiven Störung indirekt
bestätigt. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr med. D._ vermag vor diesem
Hintergrund nicht zu überzeugen.
3.4 Daraus kann nun aber nicht der Schluss gezogen werden, dass auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. L._ abgestellt werden müsse. Dr. med.
L._ hat in seinem Gutachten vom 28. April 2008 nämlich nicht angegeben, die
Beschwerdeführerin sei trotz der kombinierten Störung voll arbeitsfähig, sondern er hat
ausgeführt, diese Störung rechtfertige – bei Fehlen der üblichen somatischen,
psychischen und sozialen Komorbiditätsfaktoren – keine bleibende Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Die Formulierung weckt den Verdacht, dass Dr. med. L._ in
Anwendung der bundesgerichtlichen Praxis zur Überwindbarkeit der mit einer
somatoformen Schmerzstörung einhergehenden Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung (vgl.
BGE 131 V 50) angenommen haben könnte, er müsse die Beschwerdeführerin zu
100% arbeitsfähig schreiben, weil neben der kombinierten Störung aus dem
Formenkreis der neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen keine
weitere psychische Erkrankung vorliege. Dem wäre entgegen zu halten, dass die
bundesgerichtliche Praxis, laut der die Folgen der somatoformen Schmerzstörungen
und vergleichbarer Krankheiten vermutungsweise durch eine zumutbare
Willensanstrengung überwunden werden können, nicht ohne weiteres auf die bei der
Beschwerdeführerin diagnostizierte Krankheit Anwendung finden kann, denn hier ist die
somatoforme Schmerzstörung nur eine von mehreren Komponenten der Diagnose.
Selbst wenn diese Praxis Anwendung finden muss, kann nicht mangels einer
psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer die
Überwindbarkeit der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung unterstellt werden, denn es gibt
eine Reihe anderer Faktoren, die den Erfolg einer zumutbaren Willensanstrengung
verhindern können. Dazu gehören ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit
unveränderter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung, ein sozialer Rückzug
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in allen Belangen des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer
innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn) oder das Scheitern einer konsequent
durchgeführten Therapie trotz kooperativer Haltung (vgl. etwa BGE 131 V 50 f.). Weder
Dr. med. L._ noch Dr. med. K._ vom RAD haben sich zur Frage geäussert, ob die
Arbeitsfähigkeitsschätzung auf einer Anwendung dieser bundesgerichtlichen Praxis
beruht hat und wenn ja, warum die vollständige Überwindbarkeit der
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung bejaht worden ist. Solange diese Frage nicht
beantwortet ist, fehlt der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. L._ zum vornherein
die erforderliche Überzeugungskraft. Das müsste selbst dann gelten, wenn die
Abweichung von der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. D._ überzeugend
begründet wäre. Es fehlt also eine mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegte Arbeitsfähigkeitsschätzung, die es erlauben
würde, das zumutbare Invalideneinkommen und damit den Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin zu bemessen.
4.
Die Sachverhaltsannahmen, auf welche sich die Beschwerdegegnerin beim Erlass der
angefochtenen Verfügung gestützt hat, erweisen sich somit als unzureichend. Der
massgebende Sachverhalt steht nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Die angefochtene Verfügung ist in Verletzung
des Untersuchungsgrundsatzes ergangen und erweist sich deshalb als rechtswidrig.
Sie ist aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin seit 2002 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Praxisgemäss ist bei diesem Verfahrensausgang in bezug auf die Kostenverteilung von
einem vollumfänglichen Unterliegen der Beschwerdegegnerin auszugehen. Deshalb
trägt die Beschwerdegegnerin die Kosten des Verfahrens. Diese bemessen sich nach
dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser lässt eine Gerichtsgebühr von
Fr. 600.- als angemessen erscheinen. Da die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung nur eventualiter für den Fall eines Unterliegens der Beschwerdeführerin
erfolgt ist, kommt die entsprechende Bewilligung nicht zum Zug.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG