Decision ID: ebcbc854-50dd-4685-a2ea-c60c83bfece7
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1968 geborene
X._
, Vater dreier Kinder, ohne Berufsausbil
dung, zuletzt selbständig erwerbend im Auto-Export-Handel und seit Juli 2006 von der Sozialhilfe abhängig, meldete sich im April 2011 unter Hinweis auf psy
chische Probleme bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 10/4). Nach medizinischen und beruflich-erwerblichen Abklärun
gen sowie nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
sprach ihm die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügungen vom 3./11. Juli 2012 rückwirkend ab Oktober 2011 eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung zu (Urk. 10/34; Urk. 10/42-45; Urk. 10/48-50). Die dagegen am Sozialversiche
rungsgericht des Kantons Zürich erhobene Beschwerde (Urk. 10/54/3-10) wurde nach Androhung einer möglichen Schlechterstellung (
reformatio
in
peius
, vgl. Beschluss vom 27. November 2013, Urk. 10/56/1-6) mit Urteil IV.2012.00923 vom 29. Januar 2014 in dem Sinne gutgeheissen, dass die Sache zur Durchfüh
rung weiterer medizinischen Abklärungen an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde (Urk. 10/57/1-15).
1.2
D
ie IV-Stelle
stellte
die Rentenleistungen per sofort ein (Mitteilung vom 27. März 2014, Urk. 10/62) und veranlasste die psychiatrische Expertise von Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3. Oktober 2014 (Urk. 10/73/1-25, mit ergänzender Stellungnahme vom 14. Juni 2015, Urk. 10/107).
D
er Beschwerdeführer
ersuchte die IV-Stelle wiederholt um einen raschen Verfahrensabschluss (Urk. 10/92/1, Urk. 10/12
0, Urk. 10/124, Urk. 10/125) und erhob schliesslich
am
11. Mai 2016
bei derselben
Rechtsverwei
gerungs
- und Rechtsverzögerungsbeschwerde (Urk. 10/125). Die
am 2
2.
Juli 2016
am Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich erhobene
Rechtsverweige
rungs
- und Rechtsverzögerungsbeschwerde wurde mit Urteil
IV.2016.00818 vom 29. November 2016 in dem Sinne gutgeheissen, dass die IV-Stelle angewiesen wurde, das Verfahren umgehend mit den als notwendig erach
teten Schritten vo
ranzutreiben, und hernach innert nützlicher Frist über den Leis
tungsanspruch des Beschwerdeführers zu verfügen (Urk. 10/140).
1.3
Daraufhin
veranlasste die IV-Stelle das psychiatrische Gutachten von PD Dr. med.
A._
, Universitätsspital
B._
, vom 5. Juli 2017 (Urk. 10/155/1-73, mit ergänzender Stellungnahme vom 1. September 2017, Urk. 10/164/1-7). Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
, im
Rahmen
des
sen
der Beschwerdeführer eine Verschlech
terung seines Gesundheitszustan
des geltend machte (Urk. 10/172, Urk. 10/176, Urk. 10/181, Urk. 10/183), wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren gestützt auf die internen Stellungnahmen ihres Rechtsdienstes (Urk. 10/171, Urk. 10/187/3) mit Verfügung vom 31. Januar 2018 ab (Urk.
10/188
).
Die
am 5. März 2018
am hiesigen Gericht dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
10/193)
wurde mit Urteil IV.
2018.00226
vom
8.
August 2018 abgewiesen (
Urk.
10/199). Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 21.
Septem
ber 2018 (Eingangsdatum) Beschwerde am Bundesgeri
cht (
Urk.
10/200), welche
mit Urteil 8C_654/2018 vom
1.
April 2019 abwies
en wurde
(
Urk.
10/202).
1.4
Mit
Schreiben
vom
9.
April
2019
teilte der Versicherte
der IV-Stelle
mit, das Bun
desgericht habe
mit
Urteil 8C_654/2018 vom
1.
April 2019
festgestellt, dass er einen rechtlichen Anspruch auf berufliche Massnahmen gemäss
Art.
8 ff. IVG habe. Daher ersuche
er
um eine
zeitnah
e Einleitung beruflicher Eingliederungs
massnahmen. Ebenso sei
dem Versicherten
zeitnah mitzuteilen, wann das Abklä
rungsges
präch stattfinde (
Urk.
10/201).
Am
3
0.
April 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
gestützt auf den beschwerdeweise vor Bundesgericht eingereichten Austrittsbericht des Sanatoriums
C._
vom 2
8.
Januar 2019 (
Urk.
10/202
/
11 f.,
vgl. E. 4.2 hiernach)
mit,
derzeit stehe die psychotherapeutische Behandlung im
Vordergrund und könne eine berufliche Eingliederung er
st
nach Erreichen ei
ner stabilen gesundheitlichen Situation
angegangen werden (
Urk.
10/203
).
Da
raufhin hielt der Versicherte m
it Schreiben vom 3.
Mai 2019
fest
, das hiesige Gericht habe
im
Urteil
[IV.2018.00226] vom 8. August 2018
ein
en
IV-Grad von 30
%
festgestellt; ergo seien die formellen Voraussetzungen «von
Art.
7 ff. IVG» erfüllt; soweit die IV-Stelle das
besagte
Gerichtsurteil
wider Erwartens
nicht res
pektieren bzw. umsetzen wolle, sei
darüber
eine
beschwerdefähige
Verfügung zu erlassen (
Urk.
10/204).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/206 f
f
.) verneinte die IV-Stelle
mit
Verfügung vom 3
0.
September 2019
einen An
spruch des Versicherten auf Arbeitsvermittlung (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
8.
November 2019 Bes
chwerde und bean
tragte, (1) es sei die angefochtene
Verfügung
aufzuheben,
(2) es seien ihm
die gesetzli
c
hen IVG-Leistungen zuzusprechen,
(3)
es sei
der Streitgegenstand zur Neubeurteilung
an die IV-Stelle zurückzuweisen;
(4)
eventualiter
sei die IV-Stelle zu verpflichten
,
mit dem Beschwerdeführer berufliche Massnahmen
gemäss
Art.
8 ff. IVG durchzuführen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2
und
Ziff.
30
). Mit Beschwerdeantwort vom
6.
Januar 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
9), was dem Beschwerdeführer am 2
1.
Januar 2020 zur Kenntnis gebracht wurde; zeitgleich wurde ihm die unentgeltliche Prozess
führung gewährt (
Urk.
11). Mit Eingabe vom 2
8.
Januar 2020 (Poststempel) gab der Beschwerdeführer den Bericht des Universitätsspitals
B._
vom 1
7.
Januar 2020 zu den Ak
ten (
Urk.
12,
Urk.
13
). Kopien dieser E
ingaben wurden
der Beschwerdegegnerin am 2
9.
Januar 2020
zur Kenntnisnahme
zugestellt (
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Allgemeinen Teil des Sozialver
si
cherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geisti
gen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lich
kei
ten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
ti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allge
mei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG) bedrohte Versicherte haben ge
mäss Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der
Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige be
rufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.3
Arbeitsunfähige (
Art.
6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, ha
ben gemäss
Art.
18
Abs.
1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
. a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (
lit
. b). Die IV-Stelle veranlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (
Abs.
2).
1.4
Eine für die
Arbeitsvermittlung
massgebende
Invalidität liegt vor, wenn der Ver
sicherte bei der Suche nach einer geeigneten Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen Schwierigkeiten hat, d.h. es muss für die Bejahung einer Invalidität im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Satz 1 IVG zwischen dem Gesundheitsschaden und der Notwendigkeit der
Arbeitsvermittlung
ein Kausalzusammenhang bestehen. Bei der Frage der Anspruchsberechtigung nicht zu berücksichtigen sind demgegen
über invaliditätsfremde
Probleme bei der Stellensuche wie etwa Sprachschwierig
keiten.
Schliesslich
ist für den Anspruch auf
Arbeitsvermittlung
vorausgesetzt, dass die versicherte Person objektiv und subjektiv eingliederungsfähig ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_966/2011 vom 4. Mai 2012 E. 3.2).
Letzteres setzt den
Eingliederungswille
n
der versicherten Person
voraus
, das
heisst
ihre Bereitschaft und das entsprechende Verhalten, arbeiten zu wollen.
1.5
Ist die Verwaltung zu Recht oder zu Unrecht - auf eine Neuanmeldung einge
treten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invali
ditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.6
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend (BGE 121 V 362 E. 1b; 143 V 409 E. 2.1). Spätere Arztberichte sind aber in die Beurteilung miteinzubeziehen, soweit sie Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegebene Situation erlauben (Urteil des Bundesgerichts 9C_114/2019 vom 5. November 2019 E. 2 mit Hinweisen).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
1.8
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zustän
dige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung be
ziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit
bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwer
deweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt
fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn un
d insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
2.
2.1
Im angefochtenen Entsche
id erwog die Beschwerdegegnerin, es sei höchstricht
er
lich bestätigt worden, dass der Beschwerdeführer zu 70
%
arbeitsfähig sei. Mit Blick auf seine
arbeitsrelevanten Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen könne er seine Restarbeitsfähigkeit ohne Arbeitsvermittlung verwerten. Zudem sei be
kannt, dass der Beschwerdeführer Aggressionen gegenüber der IV hege, weshalb es für ihn besser sei, etwa mit Unterstützung der Regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) eine
Arbeitsstelle
zu suchen (
Urk.
2).
Da die Arbeitsfähigkeit gemäss Ge
richtsentscheid sofort umsetzbar sei, fielen
im Übrigen auch
Integrationsmass
nahmen, Belastbarkeits- oder Aufbautrainings ausser Betracht (
Urk.
9).
2.2
Der Beschwerdeführer monierte, die Beschwerdegegnerin habe sich – entgegen seine
m Gesuch
- einzig mit der Arbeitsvermittlung auseinandergesetzt. Damit
habe sie den Untersuchungsgrundsatz verletzt und liege eine verfassungswidrige
Rechtsverweigerung vor.
Alsdann habe die Beschwerdegegnerin
nie ein
Bera
tungs
- und Abklärungsgespräch
mit dem Beschwerdeführer
durchgeführt, obschon er
wiederholt
ausdrücklich darum gebeten habe. Damit habe
sie
ihre gesetzlichen Pflichten
gemäss ATSG
sowie das verfassungsmässige Rechtsprinzip
des
rech
tlichen
Gehör
s
verletzt
(
Urk.
1).
3.
3.1
Indem die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung vom
30. Sep
tember
2019 - entgegen dem irreführenden Titel (vgl. Urk. 2) –
nicht ausschliess
lich eine Arbeitsvermittlung abgelehnt, sondern
einen Anspruch auf berufliche Massnahmen grundsätzlich verneint
hat –
was jedenfalls
mit Blick auf die Be
schwerdeantwort deutlich wird (
Urk.
9)
-,
sind
die beschwerdeweise
pauschal
be
antragten
beruflichen Massnahmen
im Sinne von
Art.
8 ff. IVG
(
Urk.
1 S. 2, An
trag 4)
vom vorliegenden Anfechtungsgegenstand erfasst.
Soweit der Beschwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren in pauscha
ler Weise die Ausrichtung der «gesetzlichen IVG-Leistungen» beantragt
(
Urk.
1
S. 2, Antrag 2
)
, liegt sein Rechtsbegehren
- soweit es über berufliche Massnahmen hinausgeht -
indes
ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes und ist diesbezüg
lich auf die Beschwerd
e nicht einzutreten (vgl. E. 1.8
).
3.2
Vorab festzuhalten ist ausserdem
, dass berufliche Massnahmen
nicht prozessge
genständlich waren
im Verfahren
IV.2018.00226
vor dem hiesigen Gericht;
im
Urteil IV.2018.00226 vom
8.
August 2018
wurde
nicht
darüber entschieden
(
vgl.
Urk.
10/199
/1-24
)
.
Alsdann
trifft es unter Hinweis auf di
e unter E. 1.2
f. erläuterte Rec
htslage - entgegen dem Beschwerdeführer (vgl.
Urk.
10/204) –
nicht zu, dass die formellen Voraussetzungen beruflicher Massnahmen
bereits
mit der gericht
lich festgestellten 30%igen Invalidität
zu bejahen
sind.
4.
4.1
Im Austrittsbericht des Sanatoriums
C._
vom 2
8.
Januar 2019
wurde als Hauptdiagnose eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1) festge
halten. Der Beschwerdeführer sei am 1
2.
Dezember 2018 freiwillig eingetreten und habe dabei berichtet, seit einem Monat vermehrt an Aggressionen und Panik
attacken zu leiden; er habe Ängste, schlage gegen die Wände und zerstöre Dinge
seines Haushaltes. Zudem bestehe eine depressive Symptomatik und ziehe er sich sozial zurück. Er weine auch und gehe manchmal in den Wald, um zu schreien. Im stationären Verlauf habe sich die Situation verbessert. Vor
Klinikaustritt am
2
4.
Januar 2019
sei
es
vorübergehend wieder
zu Krisen und
Streitereien mit der Ehefrau gekommen. Der Beschwerdeführer sei beim Ambulatorium für Kriegs- und
Traumaop
fer
des
B._
angemeldet worden. D
ie Wartezeit bet
rage vier Mo
nate; währenddessen suche
der
Beschwerdeführer selbständig
eine
n ambulanten Therapeuten
(
Urk.
10/202/11 f.).
4.2
Im Bericht vom 1
7.
Januar 2020 hielt die
am
B._
im 1-2-
wöchigen Rhythmus delegiert ambulant behandelnde Diplompsychologin fest, beim Beschwerdeführer komme es krankheitsbedingt zu Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Ge
dächtnisstörungen, welche sich im Alltag durch Vergesslichkeit (z.B. Termine) und Momente der Abwesenheit zeigten. Zudem komme es verschiedentlich zu ausge
prägten Stressreaktionen und zeigten sich im Kon
t
a
kt mit anderen redu
zierte Belast
ungsreserven. Der B
eschwerdeführer fühle sich schnell angegriffen und gekränkt. Weiter zeigten sich unter anderem Gefühle von Traurigk
eit, Ein
samkeit, Ängstlichkeit und Hoffnungslosigkeit sowie
ein sozialer Rückzug.
Es
be
stünden erhebliche Beeinträchtigungen unter anderem bei der Planung und Strukturierung von Aufgaben,
betreffend die
Widerstands- und Durchhaltefähig
keit sowie Selbstbehauptungsfähigkeit. Dasselbe gelte für die Fähigkeit zur Pro
aktivität und Spontanaktivität. Leichte Beeinträchtigungen bestünden auch in den Bereichen Fähigkeit zu dyadischen Beziehungen und Konversation sowie Kontaktfähigkeit zu Dritten. Bei alle dem sei die Arbeitsfähigkeit im Rahmen eines Integrationsprogrammes der IV zu trainieren und nach Möglichkeit zu steigern. Zudem sei der Beschwerdeführer auf ein wohlwollendes Arbeitsteam angewiesen.
Konkrete
Arbeitsstellen sei
en
mittels Berufsberatung zu evaluieren
(
Urk.
13).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ist
auf das Gesuch
vom
9.
April
2019
(
Urk.
10/201)
, wel
ches juristisch
a
ls N
euanmeldung qualifizieren ist
,
eingetreten
(vgl. E. 1.5)
.
Nachdem sie einen Anspruch auf
Arbeitsvermittlung
unter Hinweis auf den Aus
trittsbericht des Sanatoriums
C._
vom 2
8.
Januar 2019 (vgl. E. 4
.
1
)
zu
nächst
aus gesundheitlichen Gründen
verneinte
(vgl.
Urk.
10/203;
Sachverhalt
Ziff.
1.4), stellte sie sich im angefochtenen Entscheid
a
uf den S
t
a
ndpunkt
, der Beschwerdeführer verfüge
verschiedentlich über
arbeitsrelevante Fähigkeiten so
wie soziale Kompetenzen
. M
ithin
bestünden keine spezifischen Ei
nschränkungen gesundheitlicher A
rt, welche Probleme bei der Arbeitssuche verursachten
. Zudem habe der Beschwerdeführer im Rahmen der Begutachtung anno 2017 Aggressio
nen gegenüber der Invalidenversicherung kundgetan. Bei alle dem sei das Regi
onale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zuständig
(
Urk.
2)
.
Mit anderen Worten hat die Beschwerdegegnerin
einerseits die
für die Arbeits
vermittlung
massgebende
Invalidität
und andererseits
die
subjektive
Eingliede
rungsfähigkeit des Beschwerdeführers
verneint
.
Im Rahmen der Beschwerdeant
wort hat sie zudem einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Integrationsmass
nahmen sowie
auf ein
Belastbarkei
ts- oder Aufbautraining
verneint (
Urk.
9).
Da
bei
stützte sie sich
indes
einzig
auf die Erwägungen des hiesigen Gerichts im Rahmen der Rentenprüfung (
vgl. Urteil IV.2018.00226 vom
8.
August 2018,
E. 4.2.4,
Urk.
10/199/17
)
sowie auf Akten aus dem Jahre 201
7.
Weitere
bzw. aktuelle
Abklärungen hat sie
seit der Mitteilung v
om 1
7.
April 2015 (
Urk.
10/104)
, worin sie einen Anspruch auf berufliche Massnahmen verneinte,
indes
keine
rlei
getätigt.
5.2
Da
der angefochtenen Verfügung
damit
kein hinreichend abgeklärter Sachverhalt zugrunde
lag
,
kann
ein allfälliger Anspruch auf
Arbeitsvermittlung/
berufliche
Massnahmen beim aktuellen Aktenstand nicht beurteilt werden.
Gleichzeitig ist
gestützt auf den beschwerdeweise eingereichten Austrittsbericht
des
B._
vom 17. Januar 2020
ein Anspruch des
Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen zumindest zu prüfen.
Entsprechend ist die Sache
zur Prüfung eines allfälligen Anspruchs des Beschwerdeführers auf
Arbeitsvermittlung/
berufliche
Massnah
men
an die B
eschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Dabei wird
sich der Beschwer
deführer dazu zu äussern haben, welche Massnahme
/
n er konkret
verlangt
.
Bei diesem Ausgang kann offen bleiben, ob
eine Verletzung des rechtlichen Ge
hörs
vorliegt.
6.
Nach dem Gesagten
ist die Beschwerde
, soweit darauf einzutreten ist, in dem Sinne
gutzuheissen
dass der angefochtene Entscheid aufge
h
o
ben
und die Sache zur neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird.
7
.
7.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen
und
aus
gangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit ist die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung
(Urk. 11
) gegenstandslos geworden.
7
.2
Nach Art. 34 Abs. 3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat der obsiegende Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese
ist ermessensweise auf
Fr.
900
.-- (inkl. Barausla
gen und
Mehrwertsteuer) anzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.