Decision ID: ed4cb71e-2ecb-4359-8483-2b94703621de
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1956,
zuletzt bis
Ende
Dezember 2006 als Raumpfle
gerein
in einem Teilzeiterwerbspensum
angestellt,
meldete sich am
1
8.
Juni 2007
unter Hinweis auf Schmerzen
am ganzen Körper
bei der Eidgenössi
schen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
(Umschulung, Rente) an (
Urk.
7/2
). Nach Abklärung der beruflich-erwerblichen und medizinischen Ver
hältnisse und Einholung eines
polydis
ziplinären
(internistisch
en
, rheu
matologisch
en
und psychiatrisch
en
)
Gutachtens
bei
der
Y._
(
Y._
;
Expertise
vom 1
8.
April 2008
Urk.
7/
18
),
wies
die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
-
Stelle,
das Gesuch
der Ve
rsicherten mit Verfügung
vom 2
0.
August 2008 (
Urk.
7/31) ab.
1.2
Am
9.
November 2009 meldete sich die Versicherte mit dem Hinweis auf eine Verschlechterung
des Gesundheitszustandes
unter Beilage eines Berichts des
Z._
erneut zum Bezug einer Invaliden
rente an (
Urk.
7/34
-
35).
Die IV-Stelle sprach
ihr hierauf -
n
ach
Einholung
einer
Beurteilung
ihres
regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom 2
3.
März 2011 (
Urk.
7/39 S. 2)
und einer Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsf
ähig
keit in Beruf und Haushalt
vom 2
8.
Mai 2010 (
Urk.
7/38)
-
mit
Verfügung vom 29.
Oktober 2010
(
Urk.
7/52)
eine ganze Rente
nach Massgabe eine
s
Invaliditätsgrades von 100
%
mit Wirkung ab
1.
Mai 2010
zu
und verfügte g
leichentags
die Zusprache
eine
r
Hilflosenentschädigung leichten Grades
(
wegen Bedarfs
lebenspraktische
r
Begleitung)
mit Wirkung ab
1.
Juni 200
9
(
Urk.
7/51)
.
1.3
Im Juli 2013 leitete die IV-Stelle ein amtliches Revisionsverfahren ein (Urk.
7/57)
,
in dessen Verlauf sie die Versicherte am
A._
AG
internistisch, rheumatolo
gisch und psychiatrisch begutachten liess (
Expertise
vom
27
.
September
2014,
Urk.
7/71).
Mit Vorbescheid vom
4.
Februar 2015 stellte
sie
die
wieder
erwägungsweise Aufhebung der Invalidenrente und mit Vorbescheid vom
9.
Februar 2015
die
wiedererwägungsweise Aufhebung der Hilflosenentschä
digung in Aussicht (
Urk.
7/78 und
Urk.
7/
83).
Nach erfolgten Einwendungen (
Urk.
7/95 und
Urk.
7/97)
erteilte
die I
V-Stelle
Kostengutsprache für
berufli
che Massnahmen für den Zeitraum vom
7.
April bis
6.
Dezember 2015 im Sinne von
Beratung und Begleitung
sowie
externer Arbeitsvermittlung durch di
e
B._
AG
(
Urk.
7/101).
Nach deren vorzeiti
gem Abbruch
(
Urk.
7/108
,
vgl. auch
Urk.
7
/
109
)
stellte die IV-Stelle die
g
anze Rente mit Verfügung vom 5.
November 2015
(
Urk.
2)
und
mit Verfügung vom
6.
November 2015 (
Urk.
8/2)
auch
die
Hilflosenentschädigung
auf das Ende des der Zustellung folgenden Monats ein.
2.
Gegen die Verfügung
vom
5.
November 2015
erhob
X._
am
7.
Dezember 2015
Beschwerde
mit dem Antrag
,
es sei die Verfügung aufzu
heben und
weiterhin eine
„volle“ Invalidenrente
auszurichten
(
Urk.
1
S.
2)
.
Gleichentags erhob
sie
auch
Beschw
erde gegen die Verfügung vom 6.
No
vember 2015 mit dem Antrag
,
es sei diese
aufzuheben
und
weiterhin
eine Hilf
l
osen
entschädigung auszurichten.
In prozessualer Hinsicht ersuchte
sie
hierbei
um
Sistierung des Verfahrens bis
zum Vorliegen
eines Urteils im Ver
fahren betreffend die Invalidenrente (
Urk.
8/1 S. 2).
Die IV Stelle schloss in
ihren
beiden
Beschwerdeantwort
en vom 2
5.
Januar 2016 (
Urk.
6 und Urk.
8/7) auf
Abweisung
der Beschwerden
.
Am
2
8.
Januar 2016 wurde das
prozessuale Begehren um Sistierung des Ver
fahrens
abgewiesen (
Urk.
8/9) und am
6.
April 2016 die beiden Verfahren vereinigt und gleichzeitig
ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet
(
Urk.
9). M
it Replik vom
9.
Mai
2015 (
Urk.
11
) und Duplik vom
2
6.
Mai 2015 (
Urk.
13
)
hielten die Parteien
an ihren Anträgen fest
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG; BGE 139 V 547 E. 5; 131 V 49 E. 1.2; 130 V 352 E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. No
vember 2015 E.
5.4.).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.2.2
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organi
sche Ursache und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditäts
bemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an
dieser Rechtsprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturiertes Beweisverfahren er
setzt. An der Recht
sprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbar
keitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
ri
gen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die Präponderanz der psychiatrischen Komor
bidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der Standardindika
toren wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zusammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweis
themen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychoso
matischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardin
dikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
1.3
Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 Prozent, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 Prozent, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 Prozent, oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 Prozent invalid sind.
Gemäss
Art.
42
Abs.
1 IVG haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnli
chem Aufenthalt (
Art.
13 ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebensprak
tische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38 IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen
Lebensverrichtungen massgebend (BGE 12
7 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.
5
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
bezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho
ben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invalidi
tätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE
130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeits
fähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
bemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
Auch jede andere formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung
wor
unter auch die Hilflosenentschädigung zu begreifen ist (Kieser, ATSG-Kommen
tar, 3. Auflage, Rz 64 zu
Art.
17) -
wird von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nacht
räglich erheblich verändert hat (
Art.
17
Abs.
2 ATSG).
Ändert sich der Grad der Hilflosigkeit in erheblicher Weise, so finden die
Art.
87-88
bis
IVV Anwendung. Fällt eine der übrigen Anspruchs
voraussetzungen dahin oder stirbt die anspruchsberechtigte Person, so erlischt der Anspruch am Ende des betreffenden Monats (
Art.
17
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
35
Abs.
2 IVV).
1.6
1.6.1
Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E. 2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine
Leistungs
verfügung auch dann abändern, wenn die Revisionsvor
aus
setzungen des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung erst vom Gericht festge
stellt, so kann es die auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG gestützte Revisions
verfügung der Verwaltung mit dieser Begründung schützen (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung lässt sich eine allgemein gültige betrag
liche Grenze für die Voraussetzung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Massgebend sind vielmehr die gesamten Umstände des Ein
zelfalles. Bei periodischen Leistungen ist die Erheblichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E. 1c; Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hinweisen
)
.
1.
6.2
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn die gesetzeswidrige Leistungszusprechung aufgrund falscher oder unzu
treffender Rechtsregeln erlassen wurde oder wenn massgebliche Bestimmun
gen nicht oder unrichtig angewandt wurden (BGE 103 V 126 E. a; Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts C 151/94 vom 3
0.
Mai 1995 E. 3c, publiziert in: ARV 1996/97 Nr. 28 S. 158). Qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung auch dann, wenn die erforderlichen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt worden sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_427/2014 vom
1.
Dezember 2014 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen). Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvor
aussetzungen liegt, deren Beurteilung in Bezug auf gewisse Schritte und Elemente (z.B. Invaliditätsbemessung, Einschätzungen der Arbeits[un]
fähig
keit, Beweiswürdigungen, Zumutbarkeitsfragen) notwendi
gerweise Ermessens
züge aufweist. Erscheint die Beurteilung solcher
Anspruchsvoraussetzungen (einschliesslich ihrer Teilaspekte wie etwa die Einschätzung der Arbeits
fähigkeit) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeit
punkt der rechtskräftigen Leistungszuspre
chung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts I 907/06 vom
7.
Mai 2007 E. 3.2.1 und 9C_215/2007 vom
2.
Juli 2007 E. 3.2 jeweils mit Hinweisen). Zweifellos ist die
Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - möglich (BGE 125 V 383 E. 6a und Urteil des Bundes
gerichts 9C_575/2007 vom 1
8.
Oktober 2007 E. 2.2).
1.
7
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zuge
mutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1
.8
Hinsichtlich
des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizini
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechts
anwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die wiedererwägungsweise Rentenauf
hebung damit, dass
sich seit dem Gutachten des
Y._
im Frühjahr 2008 nicht
s
verändert habe. Bereits damals habe keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden können. Die später
e
Beurteilung durch ihren
RAD
-Arzt
Prof.
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 2
3.
März 2010
,
worin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
sei, enthalte keine Befunde und sei nicht begründet. Damit sei der Untersuchungsgrundsatz verletzt
und die Rentenverfügung zweifellos unrichtig
. N
achdem aufgrund der neuen Begutachtung im
A._
weiterhin keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit vorliege und eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in angestammter und angepasster Tätig
keit festzuhalten sei, sei
en
die Rentenverfügung vom 2
9.
Oktober 2010 wieder
erwägungsweise
aufzuheben
und die
Rentenleistungen einzustellen
(
Urk.
7/
78
und
Urk.
2
)
.
In ihrer Beschwerdeantwort hielt sie
ergänzend
fest,
die
A._
Gutachter
hätten seit Oktober 2010
auch
eine Verbesserung des Gesundheitszustandes
verzeichnet. Damit sei
neben einem Wiederwägungsgrund
auch ei
n Revi
sionsgrund ausgewiesen
(
Urk.
6).
2.2
Demgegenüber
brachte
die
Beschwerdeführer
in
vor,
anlässlich der Rentenzu
sprache seien
aufgrund der
medizinischen Akten beziehungsweise der Beur
teilung von verschiedenen Fachärzten die Diagnosen mit Krankheitswert hinreichend erstellt
gewesen
. Aufgrund der Beurteilung des RAD
-Arztes
Prof.
Dr.
C._
seien weitere medizinische Abklärungen weder indiziert
gewesen
, noch solche trotz expliziter Frage empfohlen worden.
Der RAD sei
zum Schluss
gekommen
, dass die
Beschwerdeführerin
nicht über die erfor
der
lichen Ressour
cen zur wi
llentlichen Überwindung ihrer Beschwerden ver
füge
,
und
sei
dementsprechend trotz fehlender organischer Erklärung
der
gesundheitli
chen Beschwerden
von einer vollen Arbei
tsunfähigkeit aus
gegangen.
Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes sei unter diesen Vor
aussetzungen nicht erstellt und es könne gestützt auf die Aktenlage, wie sie sich im Zeit
punkt der Entscheidung präsentiert habe, nicht von einer zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung ausgegangen werden
(
Urk.
1
Ziff.
11)
.
Replicando
führte sie aus
, der Gesundheitszustand habe sich in den ver
gange
nen Jahren weder verbessert noch sei er gleich geblieben, sondern die seit vielen Jahren bestehenden Beschwerden hätten sich insgesamt betrachtet verschlechtert. Die
im
A._
-
Gutachten behauptete Verbesserung sei nicht nachvollziehbar
und widerspreche der
Beurteilung der behandeln
den Ärzte
, die den Verlauf des Gesundheitszustandes zuverlässig
beurteilen könn
t
en. Ausserdem gelange das Gutachten unter Verneinung der Foerster-Kriterien zu diesem Schluss. Die Beschwerdegegnerin habe es in der Folge vor Erlass der angefochtenen Verfügung unterlassen, die
Prüfung
gestützt au
f
die
bun
des
gerichtliche Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstö
rung
vor
zu
nehmen,
und zu beurteilen,
ob das Gutachten der
A._
eine schlüssige Beur
teilung der massgeblichen Indikato
ren erlaube oder nicht (
Urk.
1
1
S. 2)
.
3.
3.1
De
r
E
ntscheid vom
2
0.
August 2008 (
Urk.
7/31)
,
mit
dem die Beschwerde
gegne
rin ein
Anspruch auf IV-Leistungen verneint
hatte,
basiert
e
im Wesentli
chen auf dem
interdisziplinären Gutachten des
Y._
vom 18.
April 2008 (
Urk.
7/
18). Die zuständigen Fachärzte stellten
aufgrund der Unter
suchungen vom 1
1.
und 1
4.
März 2008
die folgenden Di
agnosen (S.
12):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10:
F33.0)
.
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
.
Anamnestische Hinweise auf Panikstörung (ICD-10: F41.0)
.
Abhängigkeitssyndrom von Sedativa (ICD-10: F13.24)
.
G
eneral
isiertes Schmerzsyndrom (ICD
-10:
M 79.70)
.
Arterielle Hypertonie, Erstdiagnose 2006.
Interdigitalmykose Fuss links
.
Die Experten
führten aus
(S. 13 f.)
, die Besch
werdeführerin leide seit etwa acht
Jahren unter Schmerzen, welche den
ganzen Körper beträfen
und sich anamnestisch seit etwa drei Jahren stark verschlimmert hätten, so dass sie aktuell k
e
iner Erwerbstätigkeit nachgehe
. Die im Weiteren bek
lagten
Ober
bauchbeschwerden und Thoraxschmerzen
seien
mehrmals fachärztlich abge
klärt
worden
, ohne da
ss eine Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähig
keit
gestellt worden sei
. Noch im
Juni 2007 habe die behandelnde
Psychiaterin eine ca. 50%ige Arbeitsfähigkeit bei einer mitt
elschweren depressiven Episode,
einer somatoformen Schmerzstörung und einer Panik
störung
bescheinigt
. Damals
sei festgehalten worden,
dass die
Beschwerde
führerin
wahrscheinlich zu 100
%
arb
eitsunfähig sei, so wie sie dies
selber ge
schilder
t
habe
. Einen Monat später
habe die Hausärztin
eine
mindestens
70%ige Arbeitsunfähigkeit wegen de
n
selben psychiatris
chen Diagnosen und einem generalisierten
Weichteilschmerzsyndrom bei Schmerzverarbeitun
gs
störung, Schmerzfixierung und
Schmerzgeneralisierung
attestiert
.
Die
links
seitigen Thoraxschmerzen
seien
wiederholt abgeklärt w
orden, ohne dass eine einschränkende
Diagnose
habe
gestell
t werden können. Insofern bleibe
als Diag
nose eine arterielle Hypertonie
bestehen, welche
sie
aktuell mit einem Betablocker
behandle
. Hier
seien
noch therapeutische
Optionen
vorhanden
, sofern sich die Blutdruckwerte nich
t befriedigend einstellen liessen.
Bezüg
lich der dyspeptischen Beschwerden
habe
von einer Besserung seit dem Ein
setzen von
Nexium
berichtet
werden können
. Insofern hätten
die internisti
schen Diagnos
en momentan keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit zur Folge.
In der psychiatrischen Exploration
hätten
die Angabe
n
depressiver Beschwerden dem erhobenen
Psychostatus während der Untersuchung
wider
sprochen.
Insgesamt könn
t
en die Beeinträchtigungen durch die depressive Störung, welche
offenbar rezidivierend auftrete
, als höchstens leicht anhal
tend
beurteilt werden. Bezüglich Diagnose einer Panikstörung müsse
auf die regelmässige Einnahme von Benzodiazepinen hingewiesen
werden.
Da psychosoziale Faktoren vorl
ägen
und die beklagten Schmerzen nicht
durch organische Befunde erklärt werden könn
ten, müsse eine anhal
tende somato
forme
Schmerzstörung fest
gestellt werden. Insgesamt
könnten
momentan k
eine der aufgeführten Diagnosen
eine dauerhafte
, allenfalls eine vorüber
gehende,
Einsc
hränkung der Arbeitsfähigkeit
bewirken.
I
m rhe
umatologischen Fachgebiet
könnten
die A
usprägung der Schmerzen und der
Grad der de fa
cto Behinderung im Alltag
organisch
auch nicht
erklärt werden
. Hinweise für eine n
eurologische Ausfallsymptomatik läge
n weder in der internistische
n noch in der rheumatologischen
Untersuchung vor. Ebenso best
ünden
keine Hinweise über da
s Vorliegen einer entzündli
chen
Grunderkrankung. Die Kriterien eines generalisierten Schmerzsyndroms
seien
durch die zu
erhebenden Sch
merzpunkte als auch
durch die
funktio
nell
e
n
Symptome
erfüllt
. Die diesbezüglichen Abklärungen
seien
in der Ver
gangenheit
ebenso unauffällig
gewesen
wie auch eine gastroenterologi
sche Abklärung. Zusammenfassend bestehe
auch aus rheumatologischer Sicht eine vollständige Arbeitsfähigkeit.
3
.2
3.2.1
Bei d
er Leistungszusprache
mit Verfügung vom 2
9.
Oktober 2010
lag
unter
anderem
der Bericht des
Z._
vom 2.
November 2009
(
Urk.
7/34)
vor
, wobei
Dr.
med. Dolezal, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie
,
und
Dr.
phil.
Siegfried
, Klinischer Psycho
loge und Supervisor,
die folgenden Diagnosen
stellten
(
Ziff.
12)
:
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1).
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4).
Generalisierte Angststörung (F41.1).
Störung durch Medikamente (ICD-10 F13.2).
Fibromyalgie (M79.0).
Sie
führten aus
, es sei
eine
Verschlechterung des Zustandes
seit
2.
Juni 2008 ausgewiesen. Im
Y._
-Gutachten
seien
eine leichte Depression und zusätz
lich eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
als Diagnosen
ohne Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
gestellt worden
(S. 2)
.
Die psychometrische Abklärung
,
fremdbeurteilt, ergebe eine schwere Depression (Hamilton Skala HAMD=47
, vgl.
Ziff.
7
) und auf Grund des positive
n und negativen Leistungs
bildes
sowie der psychometrisch bestätigten schweren und aufgrund des klinischen Gesamtbildes mittelgradigen Depression sei die Beschwerde
führerin zu 100
%
arbeitsunfähig
,
auch für angepasste Tätigkeiten
(
Ziff.
13)
.
3.2.2
Sodann
stützte
sich die Beschwerdegegnerin bei ihrer
Leistungszusprache
auf die Stellungnahme des RAD
-Arztes
Prof.
Dr.
C._
vom 2
3.
März 2010 ab (
Urk.
7/39/2).
Dieser hielt fest, laut psychiatrischer Exploration zur Feststellung des ver
siche
rungsmedizinischen Sachverhalts am 2
3.
März 2010 verhindere
bei der 53-j
ährigen Beschwerdeführerin ein psychischer Gesundheitsschaden von Krank
heitswert (ICD-10:
F 45.41, F48.0, F41.1, F13.2 und Z
60.3 sowie 60.8) aktuell vollständig die funktionelle Leistungsfähigkeit für beruflich zu ver
wertende Tätigkeiten. Im Mittelpunkt des Beschwerdebildes stehe ein ängstli
ches und depressiv getöntes Verhaltensmuster, verbunden mit multiplen psycho
somatischen Begleiterscheinungen und einem sozialen Rückzug. Chroni
fiziert und bei lege artis durchgeführten stationären und ambulanten fachärztlichen Therapien weitgehend bislang nicht zu beeinflussen, erweise sich eine komplexe Schmerzverarbeitungsstörung, die den gesamten Tages
ablauf der Beschwerdeführerin bestimme mit der unbewussten Tendenz einer Flucht in die Krankheit als Modell einer zwar kurzfristig entlastenden, aber langfristig nicht angemessenen Konfliktlösung. Aus versicherungsmedizini
scher Warte bestehe krankheitsbedingt aktuell und mit hoher Wahrschein
lichkeit gemäss
dem plausiblen
und hinsichtlich der
Befunderhebung nach
vollziehbaren ärztlichen
Bericht
(des
Z._
)
vom 2.
November 2009 bei der 53-
jährigen Versicherten seit Juni 2008 keine beruflich zu verwertende Restarbeitsfähigkeit mehr in angestammter und angepasster Tätigkeit. Prognos
tisch sei die therapeutische und beruflich
e Integrationsfähigkeit der 53-
jähri
gen
Beschwerdeführerin
vor dem Hintergrund des
durch Migrations
schwierigkeiten überlagerten psycho
somatischen Krankh
eitsbildes mit der ausgedehnten
Schmerzentwicklung eher ungünstig zu beurteilen.
3.3
Der am
5.
November 2015
verfügten Rentenaufhebung (
Urk.
2) lagen
im Wesentlichen die
folgende
n
medizinische
n
Akten zu Grunde:
3.3.1
Im
Bericht des
Z._
vom
1
0.
September 2013
,
welcher zusammen
mit
dem Formularbericht der IV-Stelle zur Beurteilung des Anspruchs auf Renten
leistungen eingereicht
wurde
(vgl. 7/60), wurden die Diagnosen
mittelgradige depressive Episode (ICD-10
F32.1),
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
und
Fibromyalgie (M79.0)
festgehalten
. Zur
Frage einer begründeten Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
für die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit als
„
Krankenschwester
“
wurde vermerkt, trotz bereits erzielten positiven Ver
änderungen sei aus mittelfristiger Sicht aufgrund des psychischen Zustandes und der körperlichen Einschränkungen keine Steigerung der Arbeitsfähig
keit zu erwarten. Aufgrund der S
chwere der Problematik sei die Beschwerde
führerin 100
%
arbeitsunfähig, auch für angepasste Tätigkeiten (
Urk.
7/60/7).
3.3.2
Im
interdisziplinäre
n
Gutachten des
A._
vom 2
7.
September 2014
stellten die zuständigen Experten,
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Innere Medizin FMH,
Dr.
med.
F._
, Facharzt Rheumatologie FMH
,
und
Dr.
med.
G._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
die folgenden Diagnosen
(
Urk.
7/71
S.
44
)
:
Multilokuläres Weichteilschmerzsyndrom ohne adäquates organisches
Korrelat, ohne degenerative Veränderungen des Achsenskelettes und
ohne Anhaltspunkte für ein entzündlich-rheumatisches Geschehen, im
Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10:
F45.4)
.
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.01).
Leichte depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10:
F32.00).
Chronische funktionelle Magen-Darm-Beschwerden im Sinne einer
Dyspepsie.
Rezidivierende linksseitige Thoraxschmerzen ohne Hinweise für
eine kardiale Genese.
Chronische Spannungstypkopfschmerzen.
Arterielle Hypertonie, medikamentös behandelt
.
Dr.
G._
hielt in seiner Beurteilung fest, die
geklagten andauernden
, schweren
und
quälenden
Schmerz
en
könnten durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche Störung nicht vollständig erklärt werden
und
eine
gesteigerte
Beanspruchung
persönliche
r
oder medizinisch
e
r
Hilfe und Unterstützung
treffe
ebenfalls zu
, weshalb eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung zu
diagnostizieren
sei. Neben der Schmerzsymptomatik
habe
die
Beschwerdeführerin auch über eine depressive Symptomatik
berichtet
,
über eine innere Angespa
nntheit,
Nervosität,
sie
fühle sich traurig, depri
miert, sei müde, erschöpft und
ber
ichte
über eine Vergesslichkeit
, ertrage L
ärm nicht mehr
wie früher,
und
die Lib
ido sei
vermindert. Suizidalität
w
e
rde
hingegen
verneint, dies sei früher
der Fall gewesen, solche Gedanken seien aber mittlerwei
le in den Hintergrund getreten. Weiter berichte sie
über eine leichte Freudlosigkeit, so könne
sie sich
kaum noch freuen, nur über ihre Enkelkin
der könne sie sich sehr freuen.
An objektivierbaren depressiven Symptomen
sei
die
affektive Schwingungsfähigkeit
leicht eingeschränkt, ins Depres
sive verschoben. Im Affekt wirke
sie leicht depri
m
ier
t, innerlich a
ngespannt, nervös, unsicher,
ängstli
ch in Bezug auf ihre Gesundheit und die
Vitalgefühle
seien herabgesetzt.
Die depressive Symptomatik
sei
leichtgradig a
usgeprägt. D
ieser Eindruck decke sich
auch mit der d
urchgeführten Test
untersuchung.
Neben der depressiven Symptomatik
berichte sie
auch
über Ängste
. Sie
habe Angst in engen Räumen,
könne nicht mehr
alleine Lift fahren, habe Angst in Menschenmengen und
Angst
in öffentlichen Ver
kehrsmitteln. Alleine gehe sie selten nach draussen und wenn, dann nur kurze Strecken, wenn sie weiter weg müsse, gehe sie nur noch in Begleitung.
Diagnostisch
hand
le
es sich um eine pathologische Angststörung
im Sinne einer Agoraphobie
mit Panikattacken (
S.
41 f.).
Aufgrund der
somatoforme
n Schmerzstörung
seien
auch die Foerster-K
rite
rien
zu berücksichtigen
,
um mögliche Voraussetzungen für die Unzum
utbar
keit einer Schmerzüberwindung
zu prüfen. Hier
sei
vor allem das Vorliegen einer mitwir
kenden, psychisch ausgewiesenen
Komorbidität von erheblicher Schwere, Inte
nsität, Ausprägung und Dauer zu nennen. Eine solche liege
nicht vor. Die leichte depre
ssive Symptomatik erfülle
diese Anforderungen nicht und
auch die Agoraphobie mit Panikstörung
stelle
keine schwere psychische Komorbidität dar. Es liege
weiter kein ausgewie
sener sozialer Rückzug in allen
Belangen des Lebens vor und auch
ein verfesti
gter, thera
peutisch nicht mehr angehbarer,
innerseelischer Verlauf einer Konfliktbewäl
tigung
(primärer Krankheitsgewinn) sei zu
verneinen
,
nachdem bisher
keine adäquate Gesprächstherapie durchgeführt worden
sei. D
amit
habe
auch die
Überprüfung der Foerster-Kriterien ke
ine Anhaltspunkte
ergeben
, welche für eine Unzumutbarkeit
der Sch
merzüberwindung sprechen könnte
n
(S. 42). Letzt
endlich habe sich der Gesundheitszustand der Beschwer
de
führerin seit Oktober 2010 dahingehend gebessert, dass sich die mittelschwere depressive Symptomatik leicht aufgehellt habe, so dass nur noch eine leichtgradige depressive Symptomatik vorliege. Allerdings sei darauf hinzuweisen, dass eine
bisher noch nicht behandelte Angststörung vorliege. Da es sich aber um einen instabilen Gesundheitszu
stand handle und diese Störung sehr gut behandelbar sei
, liege kein invalidisierender, daue
rhafter Gesundheitsschaden vor (S. 43).
Dr.
D._
hielt fest,
d
er inte
rnistische
Status
sei
völlig unauffällig, ohne Hinweise für eine kard
iale oder pulmonale Pathologie. Das EKG zeige
einen unauffälligen Erregungsablauf und es
fänden sich klinisch
und spirometrisch keine Anhaltspunkte für eine obstruktive oder r
estriktive Ventilationsstörung.
Auch der aktuelle Abdominalstatus
sei bis auf eine epigas
t
rische Druckdolenz
bland. In den Laboruntersuchungen könn
t
en lediglich lei
cht erhöhte Nüch
tern
blutzucker
-
und Cholesterinwerte ob
jektiviert werden.
Insgesamt könne aber - wie in allen
bisher durchgeführten internistischen Abklärungen
- keine organische Ursache für
die sehr di
ffuse Beschwerdesymptomatik objek
ti
viert werden. Auch in
der zuletzt durchgeführten Echokardiographie und Ergo
metrie
hätten
s
ich keine Hinweise
für eine strukturelle Herzer
krankung oder für eine koronare Herzkrankheit
gefunden und auch
die wiederholten endoskopischen Abklärungen
hätten unauffällige Verhältnisse im Magen-Darm-Trakt gezeigt und
die multiplen Beschwerden
seien damit
als
funktio
neller Natur zu sehen. Aus rein intern
istischer Sicht k
önne keine Ein
schränkung der
Arbeitsfähigkeit begründet werden
(S
.
49).
Dr.
F._
befand
in der rheumatologischen Untersuchung,
die
objektivier
ba
ren pathologischen
Befunde am Bewegungsapparat
seien
äusser
st mager. Beim Wirbelsäulenuntersuch finde sich
lediglich eine diskrete Skoliose des Über
ganges
Brustwirbelsäule/Lendenwirbelsäule, vor allem aber eine
druck
dolente Muskulatur im Bereiche der Wi
rbelsäule. Die Wirbelsäule zeige an sich
keine Defizite und
es fänden sich
weder spondylogene noch radikuläre
Zeichen. Beim Gelenksuntersuch
der stammnahen und peripheren Gelenke
hätten keinerlei Defizite
der Gelenksfunktion
gefunden werden können und in Bezug auf die d
ruckdolente Muskulatur
seien 16 von 18 Tenderpoints positiv,
jedoch
bestünden keine artikuläre
n
Einschränkungen. Ein entzü
nd
lich-rheumatisches Geschehen, vor all
em auch eine Kollagenose oder eine Polymyalgia rheumatica
sei ausgeschlossen und d
ie radiologischen Abklä
rungen
hätten
alte
rsentsprechende osteoartikuläre
Befunde
ergeben
.
A
us rheuma
tologischer Sicht
sei die Beschwerdeführerin
in
der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Reinigungskraft oder
als Raumpflegerin ohne Einschränkungen zu 100
%
arbeitsfähig (S. 49 f.).
A
us interdisziplinärer Sicht
befanden
die Gutachter,
die Beschwerdeführerin
sei
i
n der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Reinigungsang
estellte in einem Schulhaus
zu 100
%
arbeitsfähig und auch in einer sonstigen, dem allge
mei
nem Leistungsvermögen angepassten Verweistätigkeit bestehe eine unein
ge
schränkte Arbeitsfähigkeit von 100
%
(S. 52).
4
.
4
.1
4.1.1
Bei der ursprünglichen Rentenzusprache ging die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Beurteilung
en der
Z._
-Ärzte vom
2.
November 2009 (E. 3.2.1) sowie
des RAD
-Arztes
Prof.
Dr.
C._
vom
2
3.
März 2010
(
E.
3.2.2
) von einer
nicht mehr verwert
baren Restarbeitsfähigkeit
aus
.
4.1.2
Zur Einschätzung der
Z._
-Ärzte ist festzuhalten, dass diese von einer Ver
schlechterung des Zustandes seit
2.
Juni 2008 ausgingen (
Urk.
7/34/2 oben) und damit zu einem Zeitpunkt vor Erlass der rentenverneinenden Verfügung vom 2
0.
August 2008 (
Urk.
7/31). Die Beschwerdegegnerin eröffnete die Wartezeit im Juni 2008 (
Urk.
7/52).
Hinzuweisen ist diesbezüglich auf die bei der Rentenzusprache längst etablierte Rechtsprechung, wonach
aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Haus
ärzte (und behandelnde Ärzte) mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, im Streitfall eine direkte Leistungszusprache einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärzte kaum je in Frage kommt (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5 mit Hinweisen). Soweit die Rentenzusprache demnach auf den Angaben der
Z._
-Ärzte basiert, erweist sie sich als zweifellos unrichtig.
Sodann erschöpft sich der entsprechende Bericht vorwiegend in einer Kritik am
Y._
-Gutachten vom 1
8.
April 2008 (E. 3.1) sowie in einem abweichen
den Schluss betreffend Auswirkungen. Dabei handelt es sich indes lediglich um eine abweichende Würdigung des gleich gebliebenen Sachverhalts, wel
cher revisionsrechtlich irrelevant ist und eine Leistungszusprache als zwei
fellos unrichtig erscheinen lässt. Die Ärzte schilderten denn auch keine neuen objektivierbaren Befunde und äusserten sich nicht zur Veränderung der Ver
hältnisse, ausser eine solche unsubstantiiert zu behaupten (
Urk.
7/34/2 oben). Die geschilderten Befunde erschöpfen sich im Wesentlichen in den subjekti
ven Angaben der Beschwerdeführerin (respektive ihrer Tochter) und sind ausserdem unvollständig, ging doch bei der Darlegung der Schwierigkeiten der Umstand vergessen, dass die Beschwerdeführerin jährlich für drei bis vier Wochen in die Ferien verreist (per Auto oder Flugzeug) und regelmässig soziale
Kontakte hat (
Urk.
7/71/38 unten, ohne Hinweis, dass sich diesbezüg
lich im Laufe der Zeit Änderungen ergeben haben).
4.1.3
Die Einschätzung Prof.
Dr.
C._
, auf welche sich die Beschwerdegegne
rin massgeblich stützte, enthält im Wesentlichen eine kritiklose Würdigung der Angaben der
Z._
-Ärzte.
Eine Anamnese und eine Auseinandersetzung mit den Vorakten, insbesondere dem rund zwei Jahre zuvor erstellten
Y._
Gutachten vom 18. April 2008 (E. 3.1), erfolgte nicht respektive wurde vom RAD nicht dokumentiert. Einzige Bezugsquelle in seiner Stellungnahme bil
dete der Bericht des
Z._
vom
2.
November 2009 wobei der RAD-Arzt selbst Abweichungen gegenüber der Diagnosestellung des
Z._
— vgl. erst
maliges Festhalten einer Störung gemäss ICD-10:
F48.0
, was einer
Neurasthe
nie
(anstelle der von dem
Z._
-Ärzten diagnostizierten mittel
gradigen depressi
ven Episode) entspricht (ICD-10, Internationale Klassifika
tion psychischer Störungen, Hrsg. Horst Dilling, Werner Mombour, Martin H. Schmidt 1
0.
Auflage 2015 Bern, S. 235 f.) — unbegründet liess. Seine
Schlussfolge
rungen in Bezug auf die de
r
Bes
chwerdeführerin verbleibende Leis
tungsfä
higkeit
sind damit
nicht
nachvollziehbar. So unterliess er es ins
besondere
, die
Aufhebung
des Leistungsvermögens in dem von ihm gelte
nd gemachten Ausmass mit psychi
schen Befunden zu
unterlegen und zu
begründen
. Auch fehlt eine Darlegung der befundmässigen Veränderung (Urteil des Bundesge
richts
8C_38/2013 vom 2.
September 2013 E. 4.4.3
), was die darauf gestützte Rentenzusprache als zweifel
los unrichtig erscheinen lässt.
Die Stellungnahme des RAD erfüllt damit die Beweisanforderungen an eine rechtsgenügliche medizinische Entscheidgrundlage
,
auf deren Basis eine Leistungszusprache erfolgen kann, nicht (BGE 125 V 351 E. 3a), weshalb sich die Leistungszusprache auch unter diesem Titel als zweifellos unrichtig erweist.
4.1.4
Damit fehlte es im Zeitpunkt der Rentenzusprache an hinreichend sorgfälti
gen fachärztlichen Abklärungen. Da die Beschwerdegegnerin damit ihrer Abklär
ungspflicht nur ungenügend nach
gekommen ist,
beruht
e die Leistungszusprache
auf einer rechtsfehlerhaften Invaliditätsbemessung und muss daher als zweifellos u
nrich
tig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne bezeichnet werden
(Urteile des Bundesgerichts 9C_882/2014 vom 2
3.
Juni 2015 E. 3.1.2 und 9C_427/2014 vom
1.
Dezember 2014 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
4
.2
Ein wiedererwägungsweises Zurückkommen a
uf den ursprünglichen Renten
ent
scheid rechtfertigt zudem
auch
die unterbliebene, damals geltende Ü
ber
windbarkeits
prüfung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_68/2013 vom 1
4.
Mai
2013 E.
3.4). So wäre bei dem von Prof.
Dr.
C._
mittels Diag
nosecodes
festgehaltenen
Krankheitsbild die Frage, inwieweit eine Arbeits
unfähigkeit aus medizinisch-psychiatrischer Sicht als auch im rechtlichen Sinne invalidisierend anzuerkennen wäre, nach der mit BGE 130 V 352 begründeten, im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache (noch) gültig gewesenen Rechtsp
rechung zu beurteilen gewesen. Weder d
ie Beurteilung
im Bericht des
Z._
noch jene
von
Prof.
Dr.
C._
sprach sich jedoch
begründet und
mit
Bezug auf konkrete Untersuchungsbefunde
über
die
Foerster-Kriterien aus.
Aufgrund der damals bestandenen Aktenlage
kann in der erhobenen depressi
ven Störung
-
wobei aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin
und dem Umstand, dass
sie
sich, soweit aus den Akten ersichtlich, nie einer
adäquaten
längerda
uern
den,
stationären psychiatrischen Behandlung unter
zogen hat, nicht auf das Vorliegen ein
er schweren depressiven Episode
geschlossen werden
, was
im Einklang mit der Beurteilung durch d
ie Vorg
ut
achter
des
Y._
und die späteren Gutachter im
A._
steht.
Bereits
nach der damals geltenden Rechtsprechung stellten leichte bis mittelgradige depressive Episoden grundsätzlich keine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens dar, die es der betroffenen Person verunmöglichten, trotz der Schmerzstörung eine
angepasste Tätigkeit auszuüben
(
Urteil 9C_803/2008 vom 2
9.
Mai 2009 E.
5.3.2 mit Hinweisen; vgl. auch SVR 2011 IV Nr. 57 S
. 171, 8C_958/2010 E. 6.2.2.2).
Anhaltspunkte, dass es sich vor
liegend anders verhält, sind keine ersichtlich.
4
.3
4.3.1
Die rentenaufhebende Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
5.
November 2015 (
Urk.
2) erging unter dem Dispositiv wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 2
9.
Oktober 2010 und Aufhebung der künftigen Renten
leistungen. Die Beschwerdegegnerin wies in ihrer Beschwerdeantwort zusätz
lich auf einen Revisionsgrund im Sinne einer verbesserten
gesundheitlichen Situation hin
(
Urk.
6
Ziff.
2). Hierzu liess sich die Beschwerdeführerin in ihrer Replik verne
hmen (
Urk.
11
Ziff.
2). D
as rechtliche Gehör
hinsichtlich dieses
Standpunkt
es
wurde damit
ausreichend gewahrt
und steht
einer
gerichtlichen Überprüfung im vorliegenden Verfahren
nicht entgegen (
vgl. Replik
Urk.
1
1.
S. 2
).
Der
Auffassung
der Beschwerdeführerin
die Revision sei nicht Gegenstand des vorliegenden V
erfahrens
, kann nicht beigepflichtet werden. Gegenstand des Verfahrens ist die Einstellung der Rentenleistungen. Der im Dispositiv
enthaltene Hinweis auf eine Wiedererwägung ist insofern irrele
vant, als das Ergebnis dasselbe ist, nämlich die Einstellung der Leistungen pro futuro.
4.3.2
Die Gutachter legten explizit eine Verbesserung des psychischen Gesund
heits
zustandes - basierend auf den weitgehend unsubstantiierten Angaben der
Z._
-Ärzte - dar. So berichteten sie von einem gesteigerten
Selbstwert
gefühl und mehr Lebensfreude und schlossen auf eine Aufhellung der
zeitweise als mittelschwer geschilderten - depressiven Symptomatik
(
Urk.
7/71/53-54). Auch die durch den psychiatrischen Facharzt erhobenen Befunde waren - abgesehen von leichten Einschränkungen in Bezug auf Schwingungsfähigkeit, Affekt und Angst - im Wesentlichen unauffällig (Urk.
7/71/39). Die attestierte vollumfängliche Arbeitsfähigkeit ist ohne weiteres nachvollziehbar (vgl. nachfolgend E. 5).
Zu bemerken ist hierzu, dass - soweit davon ausgegangen würde, die beiden Verfügungen vom 29. Oktober 2010 hätten mit der Stellungnahme des
RAD
auf einer rechtsgenüglichen medizinischen
Grundlage für die Leistungszu
sprache
beruht - ohne Weiteres auf einen Revisionsgrund im Sinne einer erhebli
chen Veränderung
zu schliessen wäre, da
aufgrund der
aktuellen
Untersuchungsbefunde
die von Prof. Dr.
C._
festgehaltenen Diagnose
codes
nicht mehr bestätigt werden konnte
n
.
4.3.3
Wie es
sich
damit aber letztlich genau verhält, kann nach Vorliegen eines Wiedererwägungsgrundes
gemäss dem hiervor Gesagten
offen gelassen wer
den.
4
.4
An
gesichts des Charakters der am 2
9.
Oktober 2010 (
Urk.
7/52
) zugesproche
nen Invalidenrente
und Hilflosenentschädigung
als periodische Dauerleistung sind
auch
die Voraussetzungen der erheblichen Bedeutung der Berichtigung zu bej
ahen (BGE 119 V 475 E. 1c)
.
5
.
5
.1
Zu prüfen bleibt die
Anspruchsberechtigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs pro futuro
unter Berücksichtigung der aktuellen Rechtsprechung
(Urteil des Bundesgerichts 9C_215/2007 vom
2.
Juli 2007 E. 6.1)
.
5
.2
Das polydisziplinäre Gutachten des
A._
vom 2
7.
September 2014
erfüllt sämtliche rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für
eine
beweis
kräftige ä
rztliche Entscheidungsgrundlage
(E. 1.
8
).
Das
Gutachten
beruht
auf fachärzt
lichen Untersuchungen und wurde
in Kenntnis
der relevanten Vorakten (
Urk.
7/71/2-18
) abgegeben. Die Gutachter nahmen zu früheren medizinische
n
Beurteilungen Stellung (
Urk.
7/71/43)
und erhoben detaillierte Befunde
und nachvollziehbare
Diagnosen. Die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden wurden berücksichtigt und die Gutachter setzten sich hinreichend mit diesen auseinander. Zudem haben sie die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerung nachvollziehbar begründet.
Nicht nachvollziehbar ist demgegenü
ber der Bericht des
Z._
vom 10.
September 2013 (
Urk.
7/60), welcher aufgrund der Diagnosen
einer mit
tel
gradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1), eine
r
anhaltende
n
somato
forme
n
Schmerzstörung (F45.4)
und
eine
r
Fibromyalgie (M79.0) eine andau
ernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
. E
inerseits
wird hierbei
auf
positive Veränderungen im Psychostatus hin
gewiesen
, was aufgrund des Behand
lungs
ziels
einer Psychotherapie
grundsätzlich als
nachvollziehbar erscheint
.
D
ann aber
werden
aus
fachfremder Sicht
auch körperliche E
in
schränkungen ins Feld geführt,
die
keine Steigerung der Arbeitsfähigkeit mehr
erwarten
liessen
,
was
aus fachärztlicher Sicht
nicht bestätigt werden konnte
.
5
.3
5
.3.1
Während die Beschwerdegegnerin ohne weitere Begründung
an der Beurtei
lung im
A._
-Gutachten
festhielt,
wies
die Beschwerdeführerin
zu Recht darauf hin,
dass es die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung unterlassen habe, das Gutachten einer schlüssigen Beurt
eilung nach den Indikatoren gestützt auf die
neu
e
Rechtsprechung von BGE 141 V 281 zu unterziehen.
Dies bedeutet indes nicht, dass das Gutachten nun ohne Weiteres seinen Beweiswert verlieren würde. Gemäss bundesgerichtlicher Recht
sprechung ist vielmehr im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzel
falls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ent
scheidend, ob das abschliessende Abstellen auf die vorhandenen Beweis
grundlagen im angefochtenen Entscheid vor Bundesrecht standhält (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_739/2014 vom 3
0.
November 2015 E. 2.2 mit Hinweisen).
5
.3.2
Massgebend ist somit, ob gestützt auf das vorliegende Gutachten die gemäss neuer Rechtsprechung (E. 1.2.2) relevanten Indikatoren hinreichend beurteilt werden können. Die von
Dr.
D._
und
Dr.
F._
detailliert erhobenen Untersuchungsbefunde waren grundsätzlich unauffällig. Eine ausgeprägte Komorbidität liegt damit nicht vor, wohl aber eine Diskrepanz zwischen den subjektiv beklagten Beschwerden und den internistischen und rheumatolo
gischen
Befunden
. Im Weiteren gelten Schmerzstörungen nach der Recht
sprechung nur als invalidisierend, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr) angehbar sind (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2). Diesbezüglich
äusserte sich
der psychiatrische Gutachter
Dr.
G._
in Bezug auf die
durchgeführte ambulante
,
in Deutsch und ohne Dolmetscher durchgeführte Gesprächsthera
pie kritisch und wies
auf eine fehlende adäquate Therapie und nicht ausge
schöpfte Behandlungsoptionen hin
(Urk.
7/71/42
und 7/71/52 f
)
.
Eine Behandlungs- und Eingliederungsresistenz ist damit zu verneinen. Der Gut
achter befasste sich sodann mit der Persönlichkeitsstru
ktur der Beschw
erde
führerin
und
zum
sozialen Kontext
-
seit Jahren
IV-rentenbeziehender Ehe
gatte und umsorgende
Familie
-
nahm der Gutachter ausführlich Stellung. Zur Konsistenz
ergibt sich aus dem Gutachten
,
dass die Beschwerdeführerin
eine soziale Teilhabe
am
Familienleben mit wöchentlichen
Besuch
en
der Enkelkinder,
mehrmals
täglichen Spaziergängen mit dem Ehegatten, regel
mässigen Besuch
en
von
weiteren
Familie
nmitgliedern und einer
Bekannten
hat
sowie jährlich
mehrere
Wochen
dauernde Ferien in ihrer Heimat
ver
bringt
(
Urk.
7/71/38)
. Ein Rückzug aus dem
sozialen Netzwerk liegt damit nicht vor
. Eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen lässt sich nicht herleiten. Daneben
ist
auf
grund
der Schilderung
von einem
geregelten Tagesablauf
im Haushalt
mit Aktivitäten ausser Haus
auszugehen
. Insgesamt hat die diagnostizierte chro
nische Schmerzstörung somit auch unter Berücksichtigung der neuen bun
desgerichtlichen Rechtsprechung keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin und ist das Gutachten auch aus dies
er Sicht nicht zu beanstanden.
5
.4
Zusammenfassend ist aufgrund der nachvollziehbaren und umfassende
n gut
achterlichen Beurteilungen
die
angestammte
Tätigkeit zu
100
%
zumutba
r
, womit keine Invalidität
(
mehr
)
besteht.
Aufgrund der beweiskräftigen medi
zinischen Aktenlage besteht kein weiterer Abklärungsbedarf (antizipierte Beweis
würdigung; vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_468/2007 vom
6.
De
zember 2006 E.2.2 mit Hinweisen).
6
.
6
.1
D
as Bundesgericht
hat
im Urteil 9C_228/2010
vom 2
6.
April 2011 festgehal
ten
, dass die revisions- oder wiedererwägungsweise Herabsetzung oder Auf
hebung der Invalidenrente bei versicherten Personen, die das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen haben, nur zulässig ist, wenn die Verwaltung zuvor die Notwendigkeit von Eingliede
rungsmassnahmen geprüft hat (E. 3.3). Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass diese Personen aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters oder der langen Rentendauer und der daraus folgenden langjährigen Arbeitsabsti
nenz in der Regel nicht selber in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich dort selbständig wieder einzugliedern. Die Übernahme der beiden Abgrenzungskriterien bedeutet jedoch nicht, dass die Betroffenen einen Besitzstandsanspruch geltend machen können. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin zugestanden, dass die Selbsteingliederung nicht mehr zumut
bar ist (vgl.
BGE 141 V 5 E. 4.4.2 mit Hinweis auf
Urteil 9C_920/ 2013 vom 2
0.
Mai 2014 E. 4.4
).
6
.2
Die Beschwerdeführer
in
,
geboren am 1
0.
Dezember
1956
,
war im Zeitpunkt der Rentenau
fhebung
vom
5.
November 2015
knapp 59
jährig.
Damit fällt
sie
unter den
vom Bundesgericht bes
onders geschützten Bezügerkreis
und die Ver
waltung war gehalten
, vor der Rentenaufhebung Eingliederungs
mass
nahmen zu prüfen und durchzuführen
.
6
.3
D
ie
Beschwerdegegnerin
gewährte
berufliche Massnahmen im Sinne von
Bera
tung,
Begleitung
und Arbeitsvermittlung für den Zeitraum vom 7.
April 2015 bis 6
.
Dezember 2015
und
erteilte
hierzu
eine
Kostengutsprache
(Urk.
7/101)
.
D
iese Massnahmen
wurden
aufgrund sprachlicher Schwierig
keiten und Schmerzen bereits nach kurzer Zeit abgeb
rochen
. So beendete die Beschwerdeführerin den Einführungskurs nicht und teilte mit, dass auch andere Kurse nicht in Frage kämen,
weshalb die Massnahmen aufgehoben
wur
den
(vgl.
Urk.
7/104/2
und
Urk.
7/108
).
Die Beschwerdeführerin brachte hiergegen nichts vor
, was auf eine fehlende
Eingliederungsbereitschaft schliessen lässt
. Insbesondere machte sie nicht geltend, dass sie zur Verwer
t
ung
des vorhandenen beruflichen Restleistungsvermögens einer über die angebotene Hilfestellung hinausgehende Unterstützung durch die Beschwer
degegnerin bedürfte. Dies erscheint unter den gegebenen Umständen denn auch weder nötig noch angezeigt
(vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 9C_474/2013 vom 20. Februar 2013 E. 6.3)
. In den ärztlichen Unterlagen wurde kein besonderer
Bedarf an Unterstützung bei der beruflichen Ein
gliederung geäussert und die Beschwerdeführerin kann ihre Restarbeitsfähig
keit in ihrer angestammten Tätigkeit
im Reinigungsbereich
verwerten, wobei ihr die Beschwerdegegnerin für das Auffinden einer entsprechenden Arbeits
stelle Unterstützung im Sinne von
Beratung, Unterstützung und Arbeitsver
mittlung
angeboten
hat. Damit gibt die Rentenaufhebung auch in diesem Punkt zu keiner Kritik Anlass.
7
.
7
.1
Nach dem Gesagten steht fest, dass die Zusprache einer un
befristeten ganzen Rente ab
1.
Mai 2010
zweifellos unrichtig war und weder aus physischer noch aus psychischer Sicht ein Gesundheitsschaden besteht, der einen Rentenanspruch pro futuro zu begründen vermöchte.
7
.2
Bei der Zusprache der Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit (Verfügung vom
2
9.
Oktober 2010 [
Urk.
7/51, vgl. auch
Urk.
7/3
8]) w
urde aus psychi
schen
Gründen und wegen Schmerzen die Mithilfe von Familienangehörigen
bei Reinigungsarbeiten von sieben Stunden pro Woche und die Begleitung zu aus
s
erhäuslichen Tätigkeiten von 70 Minuten pro Woche angerechnet und damit de
r
Bedarf an lebenspraktischer Begleitung
anerkannt. Mit Blick
auf die Erkenntnisse aufgrund der polydisziplinären Abklärung im
A._
,
wonach die Verwertung einer Arbeitsfähigkeit im Reinigungsbereich vollzei
tig zumutbar ist
, ist eine Hilflosigkeit nicht
(
mehr
)
ausgewiesen. Im Weiteren bestehen in den Akten keine Anhaltspunkte dafür, dass bei der Beschwerde
führerin die Voraussetzungen für eine Hilflosenentschädigung anderweitig erfüllt wären. Dies wurde beschwerdeweise (
vgl.
Urk.
8/1
) auch nicht geltend gemacht.
Damit erweist sich
sowohl die Verfügung vom
5.
November 2015
(Ein
stellung der Invalidenrente)
als auch
die Verfügung vom
6.
November 2015
(Einstellung der Hilflosenentschädigung)
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde
n
führt.