Decision ID: 74900f19-94d3-40d1-84e5-29ce8e634e41
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1953 geborene
X._
arbeitet
e
von
September 1986 bis
Februar 2005
bei
der
Y._
AG
(Arbeitszeugnis vom
9.
März 2005,
Urk.
10/12)
. Von Juni bis November 20
06
war er bei der
Z._
AG angestellt
(
IK-Auszug vom 1
5.
Mai 2012,
Urk.
10/17,
und
Unfall
meldung vom 1
9.
Juli 2006, Urk.
10/20/101
).
Ab
dem
1.
Juni 200
7 (vgl.
Urk.
10/17) war er
als Hilfsarbeiter bei der
A._
GmbH
tätig
, deren Geschäftsführer Sohn des Versicherten ist
(Arbeitgeberbericht vom 23.
September 2012,
Urk.
10/21)
. A
m 2
4.
April 2012 (Eingangsdatum gemäss Aktenverzeichnis)
meldete er sich
bei der
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/13). Die IV-Stelle liess in der Folge einen Auszug aus dem individuel
len Konto erstellen (IK-Auszug vom 1
5.
Mai 2012,
Urk.
10/17) und holte einen Arztbericht von med.
prac
t
.
B._
(Bericht vom
7.
Juli 2012,
Urk.
10/19)
sowie e
inen Arbeitgeberbericht der
A._
GmbH
ein
(
Urk.
10/21) und
zog die Akten der SUVA
bei
(
Urk.
10/20)
,
welche
X._
zuletzt auf
grund eines am 1
3.
Juli 2006 erlittenen Unfalls (Frontal
-
kollision)
Leistungen
ausgerichtet
hatte
(Taggeldabrechnungen, Urk.
10/20/3-8
u
nd Urk. 10/20/103-109;
Einstellungsv
erf
ügungen vom 1
7.
Juni 2008, Urk.
10/20/16-17
,
und vom 1
0.
Mai 2004,
Urk.
10/20/122-123).
Nachdem
X._
a
m 2
4.
Oktober 2012 von Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Allgemein
– und Arbeits
medizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle untersucht wor
den war (Bericht vom
5.
November
2012,
Urk.
10/24), stellte die IV-Stelle ihm mit Vorbescheid vom 1
8.
Januar 2013 in Aussicht, sein Leistungsbegehren abzuweisen (
Urk.
10/27). Dagegen
erhob
er
am 20.
Februar 2013 Einwand (
Urk.
10/28).
Die I
V-Stelle gab daraufhin bei der
D._
(
Medas
) ein polydisziplinäres Gutachte
n in Auftrag (Mitteilung vom 5.
November 2013,
Urk.
10/39), welches am 2
1.
Juli 2014 erstattet wurde (
Urk.
10/49).
X._
liess sich am
4.
November 2014 zum
Medas
-Gutachten vernehmen (
Urk.
10/55). Mit Verfügung vom 2
6.
Januar 2015 wies die IV-Stelle das
Leis
tungsbegehren
von
X._
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
6.
Februar 2015 durch Rechtsanwalt Milan
Kryka
Beschwerde und beantragte, es sei ihm eine halbe Invalidenrente seit wann rechtens auszuzahlen; es sei das Verfahren zur Prüfung von
Integrati
onsmassnahmen
und Entscheid über dieselben an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen;
e
ventualiter sei die Sache für weitere Abklärungen an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Bestellung von Rechtsanwalt Milan
Kryka
als unentgeltlichen Rechtsvertre
ter und um die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung
(
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
April 2015 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9), was dem Beschwerdeführer am 1
5.
April 2015 mitgeteilt wurde (
Urk.
12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom
2
6.
Januar 2015 davon aus, dass der Beschwerdeführer
in seiner
angestammte
n
Tätigkeit seit ungefähr 2006/2007 nicht mehr arbeitsfähig sei. Für eine der gesundheitli
chen Situation angepasste Tätigkeit, welche ohne psychomentalen Stress, ohne zeitlichen Druck und ohne höhere kognitive Ressourcen ausgeübt werden könne sowie kein Heben und Tragen über zehn Kilogramm, keine monotone
Kopfhal
tung
, kein
e
rein stehenden Arbeiten und kein Hantieren mit vibrierenden, schlagenden und stossenden Maschinen beinhalte, bestehe weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
.
Vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung sei der Beschwerdeführer als LKW-Chauffeur und Baggerführer tätig gewesen. Nachdem das Arbeitsverhält
nis wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Arbeitgeberin aufgelöst worden sei, sei für
die Bemessung des
Valideneinkommens
auf die statistische
n
Löhne der schweizerischen Lohnstruktur
er
hebung
des Bundesamtes für Statistik (LSE)
abzustellen, wobei
der
Lohn für einfache und repetitive Tätigkeiten des
Bau
hauptgewerbes
massgebend sei. Das Invalid
en
einkommen
sei gestützt auf den Lohn für Hilfsarbeiten zu berechnen, wobei kein behinderungsbedingter Abzug vorzunehmen sei. Es resultiere so ein Invaliditätsgrad von 26
%
.
1.2
Der Beschwerdeführer
liess
zur Begründung seiner Beschwerde vorbringen,
es liege eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. Der angefochtenen Verfügung liessen sich
keine
Erwägungen betreffend d
ie
Ablehnung
von
Massnahmen
zur
sozialberufliche
n
Rehabilitation und/oder
von
berufliche
n
Massnahmen ent
nehmen, wie sie mit Eingabe vom
4.
November 2014 angeregt worden seien. Darüber hinaus
werde die Wahl der
verwendeten Tabellenlöhne nicht begrün
det. Ebenso wenig lasse sich der Verfügung entnehmen,
weshalb
beim
Invali
deneinkommen
kein
leidensbedingter Abzug
vorgenommen
worden sei
.
Sowohl das psychiatrische wie auch das neurologische Teilgutachten der
Medas
erwies
en sich als erheblich defizitär. Namentlich fehle eine Auseinandersetzung mit dem Gutachten
des
E._
vom
4.
Juni 201
0.
Es bestehe eine erstaunliche Diskrepanz zwischen den gutachterlichen Beurteilungen seiner Ausdrucksfähigkeit. Aufgrund der Tatsache, dass das
Medas
-Gutachten unter
Beizug
eines Dolmetschers erstellt worden sei, sei davon auszugehen, dass der Dolmetscher seine Ausdrucksschwierigkeiten weitgehend kompensiert habe. Es sei daher eine Stellungnahme des Dolmetschers einzuho
len.
Bei der Berechnung des
Valideneinkommens
sei nicht das Anforderungsniveau vier
, einfache und repetitive Tätigkeiten,
der
LSE 2010
massgebend
, sondern das Kompetenzniveau zwei,
allenfalls drei
. Das Invalideneinkommen sei
gestützt auf den Medianwert
für einfache und repetitive Tätigkeiten im Dienstleistungsge
werbe
zu berechnen
. Davon sei ein behinderungsbedingter Abzug von 25
%
, eventualiter von 20
%
vorzunehmen. Er sei nicht nur qualitativ erheblich in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, sondern
er sei
auch schon fortgeschrittenen Alters (
Urk.
1).
2.
2.1
2.1.1
Gemäss
Art.
28
Abs.
2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) haben Versicherte Anspruch auf eine ganze R
ente, wenn sie mindestens zu 70
%, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60
%
, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50
%
, oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie min
destens zu 40
%
invalid sind.
2.1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.2
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was
vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
3.
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Dar
stellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betrof
fene Person ihn gege
benenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Bei ungenügender Begründung eines Entscheides ist v
on der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtli
chen Gehörs an die Verwaltung nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhö
rung gleichgestellten Inte
resse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu ver
einbaren sind (BGE 120 V 357 E. 2b, 116 V 182 E.
3c und d).
Wie nachfolgend (E. 6.3.2, E. 6.3.3) im Einzelnen aufgezeigt wird, genügte die Verfügungsbegründung, um den angefochtenen Entscheid anzufechten. Auf eine Rückweisung zu umfassenderer Begründung ist auch aus
verfahrensöko
nomischen
Gründen zu verzichten.
4
.
4
.1
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
Dr.
phil.
G._
, Klinischer Psychologe, vom
E._
nannten mit Bericht
an
Dr.
B._
vom
4.
Juni 2010 als Diagnosen
(
Urk.
10/19/5-7)
:
m
ittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
a
nhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Thorax
schmerzen
links mit/bei
Status nach Unfall im September 2003
z
ervikozephales
Syndrom mit/bei
e
xpressiver Sprachstörung zunehmend
Vergesslichkeit zunehmend
z
unehmende Gehschwierigkeiten
l
umbovertebrales
Syndrom mit/bei
Verlangsamung
Adipositas (BMI 34 kg/m
2
)
Rein medizinisch sei eine tagesklinische Rehabilitationsbehandlung indiziert.
4
.2
Med.
pract
.
B._
führte in seinem Bericht vom
7.
Juli 2012 (
Urk.
10/19
/1-4
) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit an:
d
epressive Stimmung
s
omatoforme
Schmerzstörung
z
ervikozephales
Syndrom
l
umbovertebrales
Syndrom mit/bei
Verlangsamung
Adipositas BMI 34 k
g
/m
2
Der Beschwerdeführer sei seit Septembe
r 2003 zu 100
%
arbeitsunfähig.
4
.3
Dr.
C._
vom RAD
diagnostizierte gestützt
auf seine Untersuchung vom 24.
Oktober 2012 mit Bericht vom
5.
November 2012 (
Urk.
18/24):
Dysthymie
(andauernder Verstimmungszustand)
Halswirbelsäule
(HWS)
mit vorzeitigen degenerativen Veränderungen
Lendenwirbelsäule
(LWS)
mit vorzeitigen degenerativen Veränderungen
Dr.
C._
hielt fest, berufsrelevante Einschränkungen liessen sich aus der Unter
suchung nicht ableiten. Die Notwendigkeit weiterer fachärztlicher Abklä
rungen müsse RAD-intern besprochen werden.
4
.
4
Die Ärzte der
Medas
nannten in ihrem Gutachten vom 2
1.
Juli 2014 als Diagno
sen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit als LKW-Chauffeur
(Urk.
10/49/24-25)
:
s
ubkortikale vaskuläre
Leukenzephalopathie
mit leichter kognitiver Störung
vorwiegend
e
funktionelle Störungen (ICD-10 F45.2)
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
führten sie an
:
c
hronisches Schmerzsyndrom HWS, LWS und untere
Brustwirbelsäule b
ei/mit
Status nach Sturz aus einem Meter
H
öhe auf einen Eisenträger mit Schulterkontusion rechts und Fraktur der
siebten
Rippe rechts v
om 5.
September 2
003, retrospektiv Status nach
Sk
aphoidfraktur
rechts
Status nach Frontalkollision vom 1
3.
Juli 2006 mit Commotio cerebri, Thorax-, Handgelenks-, Becken- und Kniekontusion rechts
Status nach Deckplatteneinbruch BWK 12 mit intakter
Hinterkante
Sprachstörung ohne überwiegend wahrscheinliches spezifisches organi
sches Korrelat
Hypertonie
Verdacht auf chronische Bronchitis
Adipositas Grad I, BMI 33 kg/m
2
Für die Bewertung der Fahreignung als Berufs-Chauffeur ergäben sich zumin
dest Zweifel, die Tätigkeit als LKW-Fahrer erscheine demgemäss eher nicht mehr ratsam. Die Tätigkeit als Bauarbeiter wäre hinsichtlich der kognitiven Funkt
ionen theoretisch zwar vorstell
bar, hier dürfte eher die reduzierte Rücken
belastbarkeit limitieren.
Ideal angepasste Tätigkeiten seien mit ganztägigem Pensum mit leichter Leistungsminderung um 20
%
hingegen zumutbar.
Als neurologisches Fähigkeitsprofil gelte, dass einfach strukturier
t
e, angeleitete Arbeiten mit nur geringer kognitiver Beanspruchung möglich seien. Dabei sei allenfalls mit
einer
Leistungsminderung
von 20
%
zu rechnen. Hingegen seien Tätigkeiten, welche unter psychomentalem Stress und zeitliche
m
Druck erbracht werden müssten und höhere kognitive Ressourcen erforderten, nicht geeigne
t
.
Psychiatrisch unter Berücksichtigung de
s
ICF
könnten
in
einer einfachen Tätig
keit die diskreten Defizite der Ausdauer und der Flexibilität unter günstigen Bedingungen durch entsprechende Förderfaktoren mit Übungseffekt überwun
den werden. Eine Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer zumutbar, jedoch abhän
gig von motivationalen Faktoren umsetzbar (Problemlösebereitschaft
, interper
sonelle Gegebenheiten, Barrieren, ideale oder weniger günstige Arbeitsbedin
gungen, soziale Unterstützung, mangelnde Resilienz gegenüber alltäglichen Belastungen oder Spannungen).
Orthopädisch sei das Heben und T
ragen von schweren Lasten über zehn
Kilo
gramm nicht zumutbar.
Eine r
ein stehende Arbeit
, Überkopfarbeiten,
Arbeiten mit monotoner Kopfhaltung
und
Hantieren mit vibrierenden, schlagenden und stossenden Maschinen sei
en
nicht zumutbar.
Die aktuelle Bewertung der Arbeitsfähigkeit im Hinblick auf die subkortikale vaskuläre
Leukenzephalopathie
gelte im Wesentlichen auch retrospektiv seit 2006/2007, dem Zeitpunkt der Diagnosestellung der
Leukenzephalopathie
. Psy
chiatrisch sei die
angestammte Tätigkeit seit 2006 nicht mehr zumutbar. Eine einfache angepasste Tätigkeit sei seit Ende 2006 zu 80
%
(Leistung 80
%
,
Prä
senzzeit
8,5 Stunden) zumutbar. Auch aus orthopädischer Sicht gelte das Zumutbarkeitsprofil seit 2006
(
Urk.
10/49/24-25)
.
5
.
5
.1
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die Sozialversicherung einge
holten Gutachten ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/
bb
). Vorliegend bestehen keine Indizien, welche gegen die Beweistauglichkeit des
Medas
-Gut
achten
s
vom
2
1.
Juli 2014 (
Urk.
10
/
49
) sprechen würden. Vielmehr erfüllt das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Anforderungen, welche an
beweis
taugliche
medizinische Gutachten gestellt werden: Das Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf eingehenden
fachärztlichen Unter
suchungen
, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein, und die darin enthaltenen Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar begründet (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a; E. 2.3).
Das Gutachten wurde auch in Kenntnis und Berücksichtigung der
Vorakten
abge
geben. So setzten sich die Gutachter entgegen dem Einwand des Beschwer
deführers
(E. 1.2)
zumindest implizit
auch mit der Einschätzung
von
Dr.
F._
und
Dr.
p
hil.
G._
vom
E._
auseinander
, wobei dem Bericht von
Dr.
F._
und
Dr.
phil.
G._
gar keine eigene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu entnehmen ist, findet doch die Arbeitsfähigkeit lediglich im Rahmen der Schil
derung der aktuellen Situation Erwähnung. Dabei wird rückwirkend seit Sep
tember 2003 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit angeführt – dies nachdem der Beschwerdeführer lediglich am 2
8.
April und am 1. Juni 2010 im
E._
unter
sucht worden war (E.
4
.1 und
Urk.
10/19/5-7)
und nachweislich bis 2010 erwerbstätig war (
Urk.
1
0
/17)
.
Hinsichtlich der von
Dr.
F._
und
Dr.
phil.
G._
angeführten, jedoch in ke
iner Weise begründeten Diagnose mittelgradige depressive Episode
h
ie
lten d
ie
Medas
-
Gutachter
– ohne den Bericht von
Dr.
F._
und
Dr.
phil.
G._
explizit zu erwähnen
–
fest, dass eine depressive Symptomatik nicht bestanden habe
(Urk.
10/49/20).
Da e
inzig
Dr.
F._
und
Dr.
phil.
G._
und med.
pract
.
B._
eine depressive Erkrankung
diagnosti
ziert
hatt
e
n
,
wobei
Dr.
B._
in seinem Bericht mehrmals auf
Dr.
F._
und
Dr.
phil.
G._
verwies, insbesondere auch betreffend Befu
nde (
Urk.
10/19
/2
)
, beziehen sich diese Ausführungen zumindest implizit auf die Einschätzung von
Dr.
F._
und
Dr.
phil.
G._
.
Der Bericht
von
Dr.
F._
und
Dr.
phil.
G._
wird von den Gutachtern
denn auch
in der Aktenanalyse erwähnt (
Urk.
10/49/7
).
Auch die Sprechstörung
des Beschwerdeführers wu
rd
e
von den Gutachtern bei ihrer Beurteilung
eingehend und wiederholt
berücksichtigt
(
Urk.
10/49 S. 9, S. 10, S. 18, S. 29, S. 31, S. 37 bis S. 39)
.
So h
ie
lten sie nicht
nur fest: „Bei der aktuell durchgeführten psychiatrischen Untersuchung ergaben sich bei dem einfach strukturieren Mann bis auf leichte Auffälligkeiten beim Sprechen keine sonstigen psychischen Störungen“, sondern insbesondere auch:
„
Die geltend gemachten kognitiven Defizite und die Sprechstörung stellen kein Hindernis dar, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen“ (
Urk.
10/49/20).
5
.2
Med.
pract
B._
führt
e
in seinem Bericht vom
7.
Juli 2012 (E.
4
.2)
weder selbst eine Anamnese noch ärztliche Befunde an, sondern verw
ies
diesbezüglich, wie auch betreffend die Frage, welche körperlichen, geistigen, psychischen Ein
schränkungen beim Beschwerdeführer bes
tünden, auf den Bericht von Dr.
F._
und
Dr.
phil.
G._
vom
E._
.
Dr.
B._
unterliess es auch
,
die expliziten Fragen der Beschwerdegegnerin zur Zumutbarkeit konkreter Tätigkeiten zu beantworten (
Urk.
10/9/4). Die von
Dr.
B._
attestierte 100%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
seit September 2003
ist
angesichts der fortgesetzten Berufstätigkeit des Beschwerdeführers gänzlich
nicht nachvollziehbar.
5
.
3
Dr.
C._
vom
RAD
beschränkt
e
seine Einschätzung auf die Feststellung: „Berufsrelevante Einschränkungen lassen sich aus der Untersuchung nicht ableiten. Die Notwendigkeit weiterer fachärztlicher Abklärungen muss RAD-intern besprochen werden“ (E.
4
.3;
Urk.
10/24/7).
Seine Einschätzung ist daher nicht abschliessend.
5
.
4
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin auf das
Medas
-Gutachten vom 2
1.
Juli 2014 abgestellt hat.
6
.
6
.1
Zur Ermittlung der erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlich bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ist ein Einkommensvergleich vorzunehmen.
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und
Invali
deneinkommen
auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige
renten
wirksame
Änderungen der Vergleichsein
kommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind
(BGE 129 V 222 E. 4.2 in
fine
, 128 V 174, Urteil des Bundes
gerichts I 156/02 vom 26. Mai 2003).
Der hypothetische Rentenbeginn ist in dem Zeitpunkt, in welchem
der
B
eschwer
deführer
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch
schnittlich mindestens zu 40
%
arbeitsunfähig gewesen war und sich daran eine Erwerbsunfähigkeit in mindestens gleicher Höhe anschliesst, frühestens jedoch sechs Monate nach Geltendmachung des Anspruchs (
Art.
28
Abs.
1 und
Art.
29
Abs.
1 IVG).
Nachdem sich d
er Beschwerdeführer am
24.
April 2012 (
Urk.
10/13, Datum gemäss Aktenverzeichnis) bei der Beschwerdegegnerin
zum Leistungsbezug an
gemeldet hatte, war de
r frühe
stmögliche Rentenbeginn im Oktober 2012 (
Art.
29
Abs.
1 IVG).
6
.2
Der Beschwerdeführer war
von September 1986 bis
Februar
2005 bei
der
Y._
AG angestellt
. Gemäss Arbeitszeugnis vom
9.
März 2005 arbeitete er als Chauffeur,
Magaziner
, Maschinist und Bauarbeiter
(
Urk.
10/12)
. Erst nach
einem
Unfall vom
5.
September 2003 war er hauptsächlich als Lastwagenfahrer tätig (
Unfallmeldung vom 1
5.
September 2003,
Urk.
10/20/159,
vgl. Angaben
des Geschäftsführers
der
Y._
AG
gegenüber der
SUVA vom 27.
April 2004,
Urk.
10/20/126).
Von Juni bis November 20
06
war
d
er
Beschwerdeführer
als Arbeiter
bei der
Z._
AG angestellt
(
Unfallmeldung vom 1
9.
Juli 2006,
Urk.
10/20/101,
IK-Auszug, Urk.
10/17)
.
Ab dem
1.
Juni 2007 (vgl. IK-Auszug,
Urk.
10/17
,
gemäss
Arbeitgeberauskunft
jedoch
1.
Juni 20
06
,
Urk.
10/21
) war er als Hilfsarbeiter
, Logistiker und
Magaziner
bei de
r
A._
GmbH ange
stellt.
Nachdem der Beschwerdeführer
während etwa 17 Jahren und
bis zum Unfall vom
5.
September 2003 als Bauarbeiter
mit Fahreraufgaben bei der
Y._
AG tätig
war
(vgl. Schreiben des Rechtsvertreters
an die Beschwerdegegnerin
vom 2
3.
April 2012,
Urk.
10/11
, Arbeits
ze
ugnis der
Y._
AG vom 9.
März 2005,
Urk.
10/12)
,
ist diese Tätigkeit als angestammte Tätigkeit zu qua
lifizieren
.
Gemäss Arbeitgeberauskunft
erzielte der Beschwerdeführer vor dem Unfall vom
5.
September 2003 bei der
Y._
AG ein Einkommen von Fr. 4‘775.
--
pro Monat bzw. Fr. 62‘075.
--
(13
x Fr. 4‘775.--) pro Jahr (Urk.
10/20/159
; vgl. auch IK-Auszug,
Urk.
10/17
), was im Jahr 2012 einem Einkommen von Fr.
69‘032.9
5
(Fr. 62‘075.-- : 112,3 x 122,8 [Nominallohnindex des Bundesamtes für Statistik, Tabelle T1.1.93, Baugewerbe]: 100 x 101,7
[Nominallohnindex nach Geschlecht des Bundesam
tes für Statistik, Tabelle T1.1
.10, Baugewerbe]) entsprach.
Es besteht entgegen den hinreichend begründeten Ausführungen der
Beschwerde
gegnerin
(vgl.
Urk.
2
; E. 2.3
) kein Anlass, das
V
alideneinkommen
des Beschwerdeführers gestützt auf Tabellenlöhne zu berechnen,
sind doch keine Hinweise aktenkundig, dass der Beschwerdeführer seine angestammte Tätigkeit
bei der
Y._
AG aus
wirtschaftlichen Gründen verloren hat.
6
.3
6
.3.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen LSE herangezogen wer
den (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
Zur Bestimmung des Invalideneinkommens auf der Grundlage der LSE
kann – ausnahmsweise – der Lohn eines einzelnen Sektors („Produktion" oder „Dienst
leistungen") oder gar einer bestimmten Branche herangezogen werden, wenn es als sachgerecht erscheint, um der im Einzelfall zumutbaren erwerb
-
lichen
Ver
wertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen, namentlich bei Personen, die vor der Gesundheitsschädigung lange Zeit im betreffenden Bereich tätig gewesen waren und bei denen eine Arbeit in anderen Bereichen kaum in Frage kommt (SVR 2008 IV Nr. 20 S. 63, 9C_237/2007
E.
5.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_667/2013 vom 29. April 2014 E. 5.3).
6.
3.2
Die Beschwerdegegnerin
und der Beschwerdeführer gingen, von der
Beschwer
-
de
gegnerin
hinr
eich
end begründet (vgl. E. 2.3)
,
übereinstimmend davon aus, dass das Invalideneinkommen des Beschwerdeführers gestützt auf die LSE zu berechnen ist (
Urk.
1 und
Urk.
2). Dies ist nicht zu beanstanden.
Dabei ist der Totalwert für sämtliche Branchen
heranzuziehen
. Es besteht kein Anlass ledig
-
lich
auf den Wert des Dienstleistungsgewerbes abzustellen, ist doch nicht er
-
sichtlich, weshalb der Beschwerdeführer Tätigkeiten in anderen Sektoren gene
-
rell
nicht mehr ausüben könnte.
Aus der
LSE 2010
ergibt sich für Arbeitnehmer des Anforderungsniveaus 4 (einfa
che und repetitive Tätigkeiten) im privaten
Sektor ein Bruttomonatslohn von
Fr.
4'
901
.-- (Tabelle TA1 S. 26). In Anbetracht der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 20
10
für alle Sektoren von 41,
6
Stunden
(vgl. Statistik
b
etriebsübliche Arbeitsze
it nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008]
, in Stunden pro Woche des Bundesamtes für Statistik, Total
) und in Anpassung an die Nominallohnentwicklung (
Die Volkswirtschaft, 3/4-2015, Tabelle B 10.3; Männer Total, 2010: 2150 Punkte, 2012: 2188 Punkte
) ergibt dies für das Jahr 20
12
ein Jahresein
kommen von
Fr.
62‘
245
.
5
0 (
Fr.
4‘901
-- x 12 : 40 x 41,
6
:
2150
x
2188
) für ein 100%-Pensum und
Fr.
49‘
796.40
für ein 80%-Pensum.
Bei einer Berechnung
gemäss der LSE 2012 ergäbe sich
für das Jahr
gestützt auf die Tabelle TA1 (S. 34) für Männer, welche Tätigkeiten des Kompete
nz
niveau
s
1 (
e
infache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art
)
ausüben
,
bei einem Tabellenlohn von Fr. 5‘210.
--
ein Einkommen von Fr.
65‘177.10 (Fr. 5‘210.
--
x 12 : 40 x 41,7 [betriebsübliche Wochenzeit
]
)
für ein 100%-Pensum und ein Ein
kommen von Fr. 52‘141.70
für ein 80%-Pensum.
6
.3.3
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Während die Beschwerdegegnerin
k
einen Abzug vom Tabellenlohn v
o
rn
ahm
(
Urk.
2)
,
macht der Beschwerdeführer geltend, es sei der maxim
ale Abzug von 25
%
vorzunehmen (E. 1.2,
Urk.
1 S. 7 f.).
Der Beschwerdeführer kann nur noch
einfach strukturier
t
e, angeleitete Arbeiten mit nur geringer kognitiver Beanspruchung, welche ohne psychomentale
n
Stress und zeitlichen Druck erbracht werden können und keine höheren kogni
tive
n
Ressourcen erfordern, ausüben
. Dem Beschwerdeführer ist zudem
das
Heben und Tragen von
sch
weren Lasten über 10 Kilogramm,
r
ein stehende Arbeit
en,
Überkopfarbeiten und Arbeiten mit monotoner Kopfhaltung
und das
Hantieren mit vibrierenden, schlagenden und stossenden Maschinen
nicht
mehr
zumutbar (E.
4
.4). Der Beschwerdeführer verfügt
im Weiteren
über schlechte Sprachkenntnisse und war im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns 59
,
im Zeitpunkt der Begutachtung 61
Jahre alt. In Anbetracht, dass
bei vollzeitlich mit reduzierter Leistungsfähigkeit tätigen Versicherten regelmässig
k
eine über die Einschränkung der Leistungsfähigkeit hinaus gehende, überproportionale Lohneinbusse anzunehmen
, jedoch gegebenenfalls
beim leidensbedingten Abzug - oder mit einem solchen - zu berücksichtigen
ist
(vgl. Urteil des Bun
desgerichts 9C_
344/2008 vom
5.
Juni 2008 E. 4), scheint vorliegend entgegen der nicht eingehend, jedoch rechtsgenügend begründeten Annahme
der Beschwerdegegnerin
, dass kein behinderungsbedingter Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen ist, ein Abzug in Höhe von 15
%
als gerechtfertigt.
Das Invalideneinkommen beläuft sich somit
bei einer Berechnung gemäss LSE 2010
auf Fr. 42‘
326.95
(
Fr.
49‘
796.40
x 0,85) und bei einer Berechnung gestützt auf die LSE 2012 auf Fr. 44‘320.45
(
Fr. 52‘141.70
x 0,85)
pro Jahr.
6
.4
Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr. 69‘032.9
5
und einem
Invalideneinkom
men
von Fr. 42‘
326.95
resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 26‘
706.--
und ein Invaliditätsgrad von gerundet 39
%
(Fr. 26‘
706.--
: Fr. 69‘032.9
5
). Bei der Annahme eines Invalideneinkommens von Fr. 44‘320.45 e
rgibt sich ein
Invali
ditätsgrad
von gerundet 36
%
([Fr. 69‘032.90 - Fr. 44‘320.45] : Fr. 69‘032.90).
7
.
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint hat.
8
.
8
.1
Der Beschwerdeführer beantragte neben der Ausrichtung einer
Rente, die
Rück
weisung
der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Prüfung von
Integrations
massnahmen
.
8
.2
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung vom 2
6.
Januar 2015 im Betreff zwar fest „Kein Anspruch auf IV-Leistungen“
, in den Erwägun
gen erläuterte sie
jedoch ausdrücklich
, dass (nur) der Anspruch auf Rentenleis
tungen geprüft worden sei. Ein Entscheid der Beschwerdegegnerin über
Integra
tionsmassnahmen
liegt somit – wie auch betreffend Massnahmen beruflicher Art (
Art.
15 IVG ff.) – nicht vor.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Nach dem Gesagten ist auf den Antrag betreffend Integrationsmassnahmen nicht einzutreten.
8
.3
Anzufügen bleibt, dass ein
Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorberei
tung auf die berufliche Eingliederung im Sinne von
Art.
14a
Abs.
1 IVG
eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit nicht nur im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich (
Art.
6 Satz 1 ATSG
), sondern auch in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich (
Art.
6 Satz 2 ATSG
) voraussetzt (BGE 137 V 1)
.
Dies ist beim Beschwerdeführer nicht der Fall (vgl. E.
5
)
.
9
.
Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzu
weisen
, soweit überhaupt auf sie einzutreten ist
.
10
.
10
.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist abweichend von
Art.
61
lit
. a ATSG das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kosten
pflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt. Vorliegend ist die Kostenpauschale auf
Fr.
8
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss de
m
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Da der vorliegende Prozess nicht als von vorn
herein aussichtslos bezeichnet werden kann und
der
Beschwerdeführer bedürftig ist (
Urk.
4 und
Urk.
5/1-10
), ist ih
m
antragsgemäss die unentgeltliche
Prozess
führung
zu bewilligen. Die de
m
Beschwerdeführer auferlegten Gerichtskosten sind daher einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
10
.2
Da zudem die anwaltliche Vertretung de
s
Beschwerdeführer
s
geboten war, ist ih
m
Rechtsanwalt
Milan
Kryka
als unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen. Rechtsanwalt
Milan
Kryka
machte mit seiner Honorarnote
vom 2
2.
Oktober 2015 (
Urk.
13)
einen Aufwand von
9,2
Stunden und Barauslagen von
Fr.
37.--
geltend.
Dieser Aufwand erweist sich als angemessen.
Bei einem
gerichtsübli
chen
Stundenansatz von
Fr.
220.--
resultiert so eine Entschädigung
in Höhe
von
2‘225.90 (inkl.
MWSt
und Barauslagen).
Kommt
der Beschwerdeführer
künftig in günstige wirtschaftliche Verhältnisse, so kann
ihn
das Gericht zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichten (
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungsgericht
,
GSVGer
).