Decision ID: 6e50766d-2e55-5c3b-9193-eb84805e7c1d
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die seit 1881 bestehende Brunnenkorporation X._ bezweckt, den Weiler X._ in der
Politischen Gemeinde Q._ mit Trink- und Brauchwasser aus den S._-Quellen zu
versorgen. Mitglieder der als gemeinschaftliches Unternehmen organisierten öffentlich-
rechtlichen Körperschaft sind die Eigentümer von 21 Grundstücken, auf denen eine
entsprechende im Grundbuch angemerkte rechtskräftige Beitrittspflicht lastet. Weil die
Wasserqualität teilweise beeinträchtigt war, verlangte das Amt für Verbraucherschutz
und Veterinärwesen des Kantons St. Gallen von der Brunnenkorporation bis 30. April
2015 ein schriftliches Konzept mit Zeitplan zur Umsetzung entweder einer tauglichen
Desinfektionsmassnahme oder den Beitritt zur Wasserversorgung der Politischen
Gemeinde Q._.
In der Folge beschloss eine ausserordentliche Eigentümerversammlung mit einem
Mehrheitsentscheid am 3. Juli 2015, der Wasserversorgung Q._ beizutreten und das
von einem Nettoaufwand für den Anschluss der Haushalte von CHF 61'200 und einem
Vermögensstand der Korporation per 31. Dezember 2014 von rund CHF 32'000
ausgehende Übernahmeangebot der Politischen Gemeinde Q._ vom 15. Juni 2015
anzunehmen. Die von nichtzustimmenden Mitgliedern der Brunnenkorporation dagegen
erhobenen Rechtsmittel waren erfolglos, und der Beschluss wurde mit dem
unangefochten gebliebenen Rekursentscheid des Departements des Innern vom
31. Mai 2016 rechtskräftig.
Am 4. Juli 2016 unterzeichneten der Präsident und der Aktuar der Brunnenkorporation
X._ die Übernahmevereinbarung mit der Politischen Gemeinde Q._. Die Haushalte
der Mitglieder der Korporation konnten – trotz anfänglichen vereinzelten physischen
Widerstands – am 22. Juli 2016 an die Wasserversorgung Q._ angeschlossen werden.
Per 1. August 2016 traten die gewählten Mitglieder der Verwaltungskommission und
der Geschäftsprüfungskommission der Korporation von ihren Ämtern zurück. Am
15. August 2016 stellte der Gemeinderat der Politischen Gemeinde fest, dass er für die
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nicht bestellte Verwaltungskommission amte. Gleichzeitig beauftragte er die
Finanzverwaltung Q._, den Restbetrag der einmaligen (reduzierten) Anschlussbeiträge
den Mitgliedern der Brunnenkorporation X._ bis 30. November 2016 in Rechnung zu
stellen, sofern bis dahin der Rechnungsabschluss – für die Zeit vom 1. Januar 2015 bis
31. Juli 2016 – vorliege und das restliche Eigenkapital an die Politische Gemeinde
überwiesen worden sei. Am 28. Dezember 2016 übernahm er die Akten der
Korporation. Die ehemaligen Mitglieder der Verwaltungskommission bezifferten den
Banksaldo per 30. November 2016 auf CHF 31'459.97 und den Kassabestand per
27. Dezember 2016 auf CHF 834.90. Dass ein aktueller von der
Eigentümerversammlung genehmigter Rechnungsabschluss Teil der übergebenen
Akten war, lässt sich dem Übernahmeprotokoll nicht entnehmen.
B. B._, A._, C._, D._ und E._ sind Eigentümer von Grundstücken im Beizugsgebiet
der Brunnenkorporation X._ und möchten ihr Wasser weiterhin aus den S._-Quellen
beziehen. Am 31. Juli 2016 ernannten sie C._, D._ und A._ per 1. August 2016 zu
Mitgliedern der Verwaltungskommission sowie E._ zum Brunnenmeister der
Brunnenkorporation X._. Am 30. Januar 2017 forderten sie vom Gemeinderat der
Politischen Gemeinde Q._ die Herausgabe der Akten und des Vermögens des
Unternehmens. Der Gemeinderat lehnte das Gesuch am 28. Februar 2017 ab. Mit
Verfügung vom 27. April 2017 hob er die Brunnenkorporation X._ auf und bestimmte,
der Aktivenüberschuss – gemäss Übernahmevereinbarung – werde der Politischen
Gemeinde Q._ unter Anrechnung an die Anschlusskosten übertragen und der
Restbetrag den Grundeigentümern in Rechnung gestellt. Das Departement des Innern
wies die gegen diese Beschlüsse am 15. März 2017 (DIGS411-97) und am 12. Mai
2017 (DIGS411-138) erhobenen Rekurse am 23. Februar 2018 ab.
C. B._, A._, C._, D._ und E._ (Beschwerdeführer) erhoben gegen den Entscheid
des Departements des Innern (Vorinstanz) vom 23. Februar 2018 durch ihren
Rechtsvertreter mit Eingabe 12. März 2018 und Ergänzung vom 16. April 2018
Beschwerde beim Verwaltungsgericht im Wesentlichen mit den Anträgen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (Ziffer 10) sei nach Durchführung eines
Augenscheins und einer mündlichen und öffentlichen Verhandlung der angefochtene
Entscheid aufzuheben (Ziffer 1) und festzustellen, dass die – am Verfahren zu
beteiligende – Brunnenkorporation X._ nach wie vor bestehe und rechtmässig
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konstituiert sei (Ziffer 2). Aus diesen Anträgen folgen die weiteren, nämlich es sei
festzustellen, dass die Verwaltung nicht dem Gemeinderat der Politischen Gemeinde
Q._ obliege (Ziffer 3), es sei der Gemeinderat anzuweisen, von einer Aufhebung der
Brunnenkorporation X._ abzusehen (Ziffer 4), er sei zu verpflichten, die Akten und das
gesamte Vermögen der Korporation (Ziffer 5), eventualiter einem an einer
einzuberufenden Grundeigentümerversammlung – die auch über noch nicht
genehmigte Jahresrechnungen zu befinden habe (Ziffer 6) – neu gewählten Vorstand
herauszugeben (Ziffer 7), es seien die Liegenschaften der Mitglieder umgehend wieder
an die S._-Quellen anzuschliessen und die Ursachen der Verschmutzung zu
eliminieren (Ziffer 8) und – subeventualiter – sei die Angelegenheit an die Vorinstanz
oder an die Politische Gemeinde Q._ zurückzuweisen (Ziffer 9).
Die Vorinstanz hielt am 2. Mai 2018 an ihren Erwägungen im angefochtenen Entscheid
fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die Politische Gemeinde Q._
(Beschwerdegegnerin) beantragte mit Vernehmlassung vom 24. Mai 2018, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge sei die Beschwerde, soweit überhaupt darauf
einzutreten sei, abzuweisen. Die Beschwerdeführer nahmen am 24. September 2018
unter Einreichung weiterer Akten Stellung. Sie ergänzten die Akten sodann am
8. Oktober 2018. Vorinstanz und Beschwerdegegnerin äusserten sich nicht dazu.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Beschwerdeführer und der Beschwerdegegnerin zur Begründung ihrer Anträge sowie
die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführer, die mit ihren Anträgen im vorinstanzlichen Verfahren unterlegen
sind, sind zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den Entscheid der Vorinstanz vom 23. Februar
2018 wurde mit Eingabe vom 12. März 2018 unter Berücksichtigung des Fristenlaufs
bis
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am Wochenende rechtzeitig erhoben (Art. 64, Art. 47 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1 VRP
sowie Art. 142 Abs. 3 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272). Sie erfüllt
zusammen mit der Ergänzung vom 16. April 2018 in formeller und inhaltlicher Hinsicht
die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Auf die Beschwerde ist dementsprechend einzutreten.
2. Die Beschwerdeführer stellen verschiedene verfahrensrechtliche Anträge. Am
Beschwerdeverfahren sei auch die Brunnenkorporation zu beteiligen (dazu nachfolgend
Erwägung 2.1). Sodann seien die vollständigen Akten der Brunnenkorporation X._
beizuziehen (dazu nachfolgend Erwägung 2.2) sowie ein Augenschein (dazu
nachfolgend Erwägung 2.3) und eine mündliche und öffentliche Verhandlung (dazu
nachfolgend Erwägung 2.4) durchzuführen.
2.1. Die Beschwerdeführer beantragen, es sei die Brunnenkorporation X._ am
Beschwerdeverfahren zu beteiligen. Im Beschwerdeverfahren erhalten die Vorinstanz
und die Betroffenen Gelegenheit zur Stellungnahme (vgl. Art. 64 in Verbindung mit
Art. 53 VRP). Wer als Betroffener zu gelten hat, ist aufgrund des Streitgegenstands und
des anwendbaren materiellen Verwaltungsrechts zu bestimmen. Grundsätzlich sind es
jene Beteiligten, die bereits am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen haben
(Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003,
Rz. 942). Mit Blick auf die Befugnis zur Erhebung eines Rechtsmittels an das
Bundesgericht ist im Sinn der Einheit des Verfahrens auch zu beteiligen, wer am
vorinstanzlichen Verfahren zu beteiligen gewesen wäre (vgl. Art. 111 Abs. 1 und Art. 89
Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht; Bundesgerichtsgesetz, SR
173.110, BGG; BGE 134 I 59 E. 1.1 und 1.3).
Gegenstand des Verfahrens ist unter anderem die Aufhebung der Brunnenkorporation
X._. Die entsprechende Verfügung des Gemeinderats der Beschwerdegegnerin vom
27. April 2017 ist angesichts der aufschiebenden Wirkung der dagegen erhobenen
Rechtsmittel weder rechtskräftig noch wirksam. Im Beschwerdeverfahren ist daher –
worauf die Beschwerdeführer zu Recht hinweisen – davon auszugehen, dass die
Brunnenkorporation X._ weiter als öffentlich-rechtliche Körperschaft mit eigener
Rechtspersönlichkeit besteht. Im Streit um ihre eigene Auflösung ist sie – zumal ihre
Existenz als solche und nicht bloss die Reichweite der Gemeindeautonomie in Frage
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steht – zweifellos in eigenen schutzwürdigen Interessen im Sinn von Art. 45 Abs. 1 VRP
betroffen (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 448). Sie muss dementsprechend Gelegenheit
haben, sich ins Beschwerdeverfahren einzubringen. Zu ihrer Vertretung im
Rechtsmittelverfahren ist – wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen – der
Gemeinderat der Beschwerdegegnerin befugt, der mangels Bestehens einer
rechtmässig bestellten Verwaltungskommission die Korporation nach aussen vertritt
(vgl. Art. 11 und Art. 7 des Gesetzes über gemeinschaftliche Unternehmen; sGS 153.1,
GGU). Insoweit sind die Interessen der Brunnenkorporation aufgrund des Umstandes,
dass sich der Gemeinderat in das Verfahren einbringen konnte, gewahrt. Dem
allfälligen Einwand, es bestehe eine Interessenkollision, da der Gemeinderat sich vorab
für die als Unternehmen ohne Rechtspersönlichkeit organisierte Wasserversorgung
Y._ (vgl. Art. 3 des Gemeinde-Wasserreglements vom 2. April 2012; www. ... .ch
Rathaus/Online-Schalter/Reglemente) äussere, wäre entgegenzuhalten, dass einerseits
die gesetzliche Ordnung, welche die zuständigen Gemeindebehörden als
Ersatzverwaltung vorsieht, eine solche Interessenkollision gegebenenfalls in Kauf
nimmt, und dass anderseits die Beschwerdeführer, die sich als rechtmässige Vertreter
der Brunnenkorporation X._ verstehen, ebenfalls die Gelegenheit hatten, ihre Sicht im
Beschwerdeverfahren vorzutragen und dies durch ihren rechts- und sachkundigen
Vertreter auch getan haben. Unter den dargelegten Umständen erscheint es daher
nicht erforderlich, die Brunnenkorporation formell als Beschwerdebeteiligte zu
behandeln.
2.2. Die Beschwerdeführer beantragen den Beizug weiterer Akten, namentlich jener
Unterlagen, die auch Gegenstand ihres – abgewiesenen – Herausgabebegehrens vom
30. Januar 2017 an den Gemeinderat der Beschwerdegegnerin sind. Gemäss Art. 64 in
Verbindung mit Art. 52 VRP ist die Vorinstanz zur Überweisung der Akten verpflichtet.
Über die bereits im Recht liegenden Vorakten hinaus sind entsprechend Art. 64 in
Verbindung mit Art. 12 VRP weitere Akten beizuziehen, wenn sie geeignet sind,
erhebliche Tatsachen zu beweisen. Weil das Verwaltungsgericht in erster Linie die
Rechtmässigkeit eines angefochtenen Entscheides überprüft und nicht eine neue
tatsächliche Grundlage erstmals rechtlich würdigt, ergänzt es in der Regel einen
ungenügend festgestellten Sachverhalt indessen nicht selbst, sondern weist die nicht
entscheidungsreife Angelegenheit gestützt auf Art. 64 und Art. 56 Abs. 2 VRP an die
Vorinstanz oder die verfügende Behörde zurück (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1029).
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Gegenstand des Verfahrens ist die Rechtmässigkeit der Verweigerung der Herausgabe
von Akten und Vermögen der Brunnenkorporation X._ an die Beschwerdeführer und
die Verfügung des Gemeinderates der Beschwerdebeteiligten über die Aufhebung der
Korporation. Die Entscheide stützen sich auf den Beschluss der
Eigentümerversammlung der Brunnenkorporation X._ vom 3. Juli 2015, das Trink- und
Brauchwasser künftig von der Wasserversorgung Q._ zu beziehen, den Rücktritt der
Mitglieder der rechtmässig gewählten Verwaltungs- und
Geschäftsprüfungskommission der Korporation per 1. August 2016 und die geltend
gemachte Bestellung einer neuen Verwaltungskommission durch die Beschwerdeführer
auf den gleichen Zeitpunkt hin. Die – unbestrittenen – Rücktrittserklärungen der
Mitglieder der Verwaltungskommission und der Geschäftsprüfungskommission vom
26. Juli 2016 (act. 9/DIGS411-138/4, Beilage 26) und der "Wahlbeschluss" der
Beschwerdeführer vom 31. Juli 2016 (act. 9/DIGS411-138/11, Beilage 2) liegen ebenso
im Recht wie das Protokoll zum Beschluss der Eigentümerversammlung vom 3. Juli
2015 und dessen Mitteilung an sämtliche Mitglieder der Brunnenkorporation X._ am
15. Juli 2015 (act. 9/DIGS 411-97/7, Beilagen 3 und 4), der nach der unangefochten
gebliebenen Abweisung eines Rekurses der Beschwerdeführer und weiterer Beteiligter
am 31. Mai 2016 durch das Departement des Innern rechtskräftig geworden ist. Im
Recht liegt schliesslich auch das Protokoll zur Übergabe der Akten von der
Brunnenkorporation auf die Politische Gemeinde Q._ am 28. Dezember 2016 samt
Aktenverzeichnis (act. 9/DIGS411-97/7, Beilage 16).
Da die von den Beschwerdeführern beantragte Edition der vollständigen Akten der
Korporation vorab im Zusammenhang mit ihren Zweifeln an der Rechtmässigkeit des
Mehrheitsbeschlusses der ausserordentlichen Eigentümerversammlung zum Anschluss
an die Wasserversorgung Q._ vom 3. Juli 2015 – Ursachen der Verschmutzung des
Wassers in den S._-Quellen, die möglicherweise strafrechtlich relevant sind (vgl.
act. 24; Entscheid der Anklagekammer vom 27. September 2018), Unterlassung der
Umsetzung eines früheren Korporationsbeschlusses, ungenügende Information über
Sanierungsbedarf und Kosten, fehlerhafte Versammlungsleitung – steht, sind sie für die
Erledigung des vorliegenden Beschwerdeverfahrens nicht von entscheidwesentlicher
Bedeutung. Das entsprechende Akteneditionsbegehren der Beschwerdeführer ist
deshalb abzuweisen.
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2.3. Die Beschwerdeführer beantragen eine Beweiserhebung mittels Augenscheins.
Gemäss Art. 64 in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 und 2 VRP ermittelt das
Verwaltungsgericht den Sachverhalt und erhebt die Beweise von Amtes wegen unter
anderem durch Augenschein, wobei nur Beweise über erhebliche Tatsachen
aufzunehmen sind.
Mit dem beantragten Augenschein bezwecken die Beschwerdeführer die Feststellung
der Tatsachen einerseits zu den Ursachen der Verschmutzung der S._-Quellen und
anderseits zur Möglichkeit, dass die Brunnenkorporation ihren Zweck – nämlich die
Versorgung des Beizugsgebiets mit Trink- und Brauchwasser aus diesen Quellen –
nach wie vor erfüllen könnte (act. 6, Seiten 5f. und 15). Diese Fragen sind indessen
angesichts des Umstandes, dass die Aufgabe, das Beizugsgebiet der Korporation mit
Trink- und Brauchwasser zu versorgen, mit rechtskräftig gewordenem Beschluss der
Eigentümerversammlung vom 3. Juli 2015 und Übernahmevereinbarung vom
10. August 2015/4. Juli 2016 (act. 9/ DIGS411-138/17, Beilage 31) auf die
Wasserversorgung der Politischen Gemeinde Q._ übertragen worden ist, nicht
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Der Antrag ist dementsprechend
abzuweisen.
2.4. Die Beschwerdeführer beantragen die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung. Gemäss Art. 64 in Verbindung mit Art. 55 Abs. 1 VRP ordnet das
Verwaltungsgericht eine mündliche Verhandlung an, wenn sie zur Wahrung der
Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint. Nach Art. 6 Ziff. 1 der
Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
0.101, EMRK) besteht ein solcher Anspruch insbesondere in Streitigkeiten in Bezug auf
zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen.
Die Beschwerdeführer begründen ihren Antrag nicht weiter. Insbesondere legen sie
nicht dar, mit welchen Überlegungen sie zum Schluss kommen, bei der Bildung einer
öffentlich-rechtlichen Korporation zum Zweck der Wasserversorgung und bei der damit
zusammenhängenden Herausgabe von Akten und Vermögen der Rechtsvorgängerin
handle es sich um zivilrechtliche Ansprüche. Insbesondere machen die
Beschwerdeführer – zu Recht – nicht geltend, die auf einem demokratisch gefassten
Beschluss der betroffenen Grundeigentümer beruhende Verpflichtung, das Trink- und
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Brauchwasser für ihre Grundstücke künftig von der Politischen Gemeinde Q._ und
nicht mehr aus den S._-Quellen der Brunnenkorporation X._ zu beziehen,
verunmögliche oder erschwere die bestimmungsgemässe Nutzung ihres Eigentums
übermässig (vgl. dazu BGE 131 I 12 E. 1.3; BGer 1A.275/2004 vom 26. Mai 2005
E. 2.3). Im Übrigen können die Inhalte der beantragten mündlichen Parteibefragung und
Beweisaussagen der Beschwerdeführer auch schriftlich vorgetragen werden, so dass
die Durchführung einer mündlichen Verhandlung auch nicht als zweckmässig erscheint.
Der Antrag der Beschwerdeführer auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung ist
dementsprechend abzuweisen.
3. In der Sache ist umstritten, ob die Beschwerdeführer, die sich als die
Brunnenkorporation X._ rechtsgültig vertretende Mitglieder deren
Verwaltungskommission verstehen, einen Anspruch auf Herausgabe der Akten und des
Vermögens der Korporation haben.
3.1. Die Brunnenkorporation X._ ist gemäss Art. 1 ihrer Statuten vom 24. März 1999
als öffentlich-rechtliche Korporation im Sinn des Gesetzes über die gemeinschaftlichen
Unternehmen (sGS 153.1, GGU) organisiert. Entsprechend Art. 3 Abs. 1 GGU entstand
sie – in dieser aktuellen Rechtsform – mit Verfügung des Gemeinderates der
Politischen Gemeinde Q._ vom 6. September 1999 (vgl. act. 9/DIGS411-97/7, Beilage
22). Ebenso wird sie entsprechend Art. 4 Abs. 1 GGU durch die zuständige
Gemeindebehörde aufgehoben, wenn die Aufgaben erfüllt sind oder anderweitig
wahrgenommen werden. Mitglieder sind gemäss Art. 2 Abs. 1 GGU die Eigentümer der
– 21 (vgl. 9/DIGS411-97/7, Beilage 22) – Grundstücke des Beizugsgebiets, auf denen
die rechtskräftige Beitrittspflicht lastet. Die Mitglieder der Verwaltungskommission,
welche die Geschäfte führt und das Unternehmen nach aussen vertritt, werden von der
Eigentümerversammlung gewählt (Art. 8 Abs. 1 Ingress und lit. a und Art. 11 GGU). Die
Eigentümerversammlung, in welcher jedes Mitglied – soweit die Statuten nichts
anderes vorsehen – eine Stimme hat, setzt sich aus den Eigentümern der Grundstücke,
auf denen eine rechtskräftige Beitritts- oder Beitragspflicht lastet, zusammen (Art. 8
Abs. 3 und Art. 1 Abs. 1 GGU). Mit- oder Gesamteigentümer zählen als ein Mitglied
(Art. 2 Abs. 3 GGU; Art. 8 Satz 2 der Statuten der Brunnenkorporation X._ vom
24. März 1999, nachfolgend Statuten, act. 9/DIGS411-97/7, Beilage 22). Die
Eigentümerversammlung kann von einem Drittel der Mitglieder jederzeit unter Angabe
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des Verhandlungsgegenstandes einberufen werden (Art. 9 Abs. 3 GGU). Wahlen und
Beschlüsse erfolgen durch relatives Mehr (Art. 8 Satz 1 der Statuten).
Die Brunnenkorporation X._ ist mithin als Körperschaft mit Zwangsmitgliedschaft
organisiert. Die Mitgliedschaft steht nicht im Belieben der einzelnen Grundeigentümer,
sondern hängt vom Bestand des Unternehmens ab. Ein Austritt kann deshalb nicht
durch eine entsprechende Erklärung des Mitgliedes oder – vorliegend – durch den
anderweitigen Bezug des Trink- und Brauchwassers erfolgen. Mit der mehrheitlichen
Zustimmung der Mitglieder zum Bezug des Wassers von der Wasserversorgung Q._
und zur Übernahme der Aufgaben durch die Politische Gemeinde Q._ am 3. Juli 2015
endete weder die Mitgliedschaft der zustimmenden, geschweige denn jene der
ablehnenden Grundeigentümer. Vielmehr endet sie erst mit der Aufhebung des
Unternehmens. Ob die Voraussetzungen für die gültige Einberufung und Durchführung
der Eigentümerversammlung und für gültige Wahlen und Beschlüsse erfüllt sind, ist
deshalb – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer – nach wie vor unter
Berücksichtigung des Umstandes zu beurteilen, dass Mitglieder der Körperschaft
sämtliche Eigentümer der Grundstücke im unveränderten Beizugsgebiet sind.
3.2. Die Beschwerdeführer anerkennen, dass die ordnungsgemäss gewählten
Mitglieder der Verwaltungskommission und der Geschäftsprüfungskommission von
ihren Ämtern per 1. August 2016 zurückgetreten sind. Seit diesem Zeitpunkt wurde
keine Eigentümerversammlung einberufen und durchgeführt, welche Mitglieder für
diese beiden Organe bestellt hätte. Der Beschluss einzelner Korporationsmitglieder
vom 31. Juli 2016, eine Verwaltungskommission einzusetzen, und die Wahl der
Mitglieder kann nicht der dafür zuständigen Eigentümerversammlung zugeschrieben
werden. Da – wie festgestellt – der Beschluss zum Bezug von Trink- und Brauchwasser
von der Wasserversorgung Q._ auch für die zustimmenden Mitglieder nicht zu einem
Austritt aus der Korporation geführt hat, ist für die Erfüllung des Quorums zur
Einberufung der Eigentümerversammlung, der ordnungsgemässen Einladung der
Mitglieder und die gültige Beschlussfassung nach wie vor davon auszugehen, dass
sämtliche Eigentümer der Grundstücke im Beizugsgebiet Mitglieder der Korporation
sind. Weder wurde die Einberufung einer Eigentümerversammlung von einer
ausreichenden Mitgliederzahl verlangt noch wurden die Korporationsmitglieder – das
sind nach wie vor sämtliche Eigentümer der Grundstücke im Beizugsgebiet – dazu frist-
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und formgerecht eingeladen. Die Beschwerdeführer waren deshalb nicht befugt, als –
selbsternannte – Mitglieder der Verwaltungskommission namens der
Brunnenkorporation X._ bei der Beschwerdegegnerin die Herausgabe von Akten und
Vermögen zu verlangen.
Ein Anspruch auf Herausgabe von Akten und Vermögen kommt den
Beschwerdeführern schliesslich auch als Mitglieder der nach wie vor bestehenden
Brunnenkorporation X._ nicht zu. Die Rechte der Mitglieder umfassen die Ausübung
des Stimmrechts an der Eigentümerversammlung sowie die Befugnis, zusammen mit
genügend weiteren Mitgliedern eine Eigentümerversammlung oder eine Urabstimmung
zu verlangen (Art. 8 Abs. 3 und Art. 9 Abs. 3 GGU). Weitergehende Rechte können die
Beschwerdeführer auch aus den Statuten der Brunnenkorporation nicht ableiten (vgl.
act. 9/DIGS411-97/7, Beilage 22).
3.3. Das an den Gemeinderat der Politischen Gemeinde Q._ gerichtete Gesuch der
Beschwerdeführer vom 30. Januar 2017 auf Herausgabe von Akten und Vermögen
wurde deshalb – ebenso wie das dagegen erhobene Rechtsmittel – zu Recht
abgewiesen. Die Beschwerde erweist sich damit jedenfalls in diesem Punkt als
unbegründet.
4. Umstritten ist sodann, ob der Gemeinderat der Beschwerdegegnerin befugt war, die
Auflösung der Brunnenkorporation zu verfügen.
4.1. Die zuständige Gemeindebehörde hebt gestützt auf Art. 4 Abs. 1 GGU das
gemeinschaftliche Unternehmen auf, wenn die Aufgaben erfüllt sind oder anderweitig
wahrgenommen werden. Zuständig ist der Gemeinderat als oberstes Leitungs- und
Verwaltungsorgan der Gemeinde (Art. 89 Abs. 1 des Gemeindegesetzes; sGS 151.2,
GG). Ein Aktivüberschuss wird der neuen Trägerin des Unterhalts abgetreten; ein
Passivüberschuss kann im Kostenverlegungsverfahren aufgeteilt werden (Art. 4 Abs. 2
GGU).
4.2. Die Eigentümerversammlung vom 3. Juli 2015 hat rechtskräftig beschlossen, das
Wasser nicht mehr aus den S._-Quellen, sondern von der Wasserversorgung Q._ zu
beziehen. Damit wird die Aufgabe – die Versorgung des Beizugsgebiets der
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Wasserkorporation X._ mit Trink- und Brauchwasser – anderweitig wahrgenommen.
Mit dem Untergang des Zwecks des Unternehmens ist dessen Aufhebung durch den
Gemeinderat der Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 4 Abs. 1 GGU grundsätzlich
zulässig. Dafür bedarf es auch keines weiteren Beschlusses der Eigentümer der
Grundstücke im Beizugsgebiet zur Auflösung des Unternehmens: An der
ausserordentlichen Eigentümerversammlung vom 3. Juli 2015 hat die Mehrheit der
Mitglieder rechtskräftig beschlossen, den vom Unternehmen verfolgten Zweck –
nämlich die Versorgung der Grundstücke im Beizugsgebiet mit Trink- und
Brauchwasser aus den S._-Quellen – durch die von der Politischen Gemeinde Q._ als
organisatorisch – nicht aber rechtlich – selbständigen, eigenwirtschaftlichen
Verwaltungszweig betriebene Wasserversorgung (vgl. Art. 2 des Gemeinde-
Wasserreglements, www. ... .ch, Online-Schalter/Reglemente) erfüllen zu lassen. Der
Umstand, dass eine Minderheit der Mitglieder mit der Übertragung der Aufgabe auf die
Politische Gemeinde Q._ nicht einverstanden war, vermag nichts daran zu ändern,
dass der Beschluss rechtskräftig ist und die von der Korporation zu erfüllende Aufgabe
der Versorgung der Grundstücke im Beizugsgebiet mit Trink- und Brauchwasser aus
den S._-Quellen dahingefallen ist.
4.3. Mit der Aufhebung des gemeinschaftlichen Unternehmens ist indessen auch über
die Liquidierung des Vermögens des Unternehmens zu befinden. Diese setzt von der
Geschäftsprüfungskommission geprüfte (Art. 12 GGU) und von der
Eigentümerversammlung genehmigte Rechnungen (Art. 11 Abs. 1 Ingress und lit. c
GGU) voraus.
Die Beschwerdeführer weisen deshalb zu Recht darauf hin, die Rechnungen der
Brunnenkorporation X._ für die Jahre 2015 und 2016 seien von der
Eigentümerversammlung nicht genehmigt worden. Entgegen der Auffassung der
Vorinstanz genügt es deshalb nicht, dass die Konti Kassa und Bank vom – per
1. August 2016 zurückgetretenen Kassier – am 28. November 2016 per 30. November
2016 abgeschlossen und von den – ebenfalls per 1. August 2016 zurückgetretenen
Mitgliedern der Geschäftsprüfungskommission – am 29. November 2016 geprüft
wurden (act. 9-DIGS411-138/17, Beilage 36). Vielmehr ist erforderlich, dass die
Jahresrechnungen von den rechtmässigen Organen erstellt, geprüft und genehmigt
werden. Insbesondere bedarf es der Genehmigung der Rechnungen durch die
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Eigentümerversammlung. Ohne Klarheit über die Vermögenslage ist eine Aufhebung
des Unternehmens nicht möglich. Bei der Einberufung und Durchführung der
erforderlichen Versammlung wird der als Verwaltungskommission amtende
Gemeinderat der Beschwerdegegnerin zu beachten haben, dass nach wie vor
sämtliche Eigentümer der Grundstücke im Beizugsgebiet Mitglieder der
Brunnenkorporation X._ sind. Allein mit dem Beschluss vom 3. Juli 2015, das Trink-
und Brauchwasser künftig von der Politischen Gemeinde Q._ zu beziehen, sind die
zustimmenden Mitglieder nicht aus der Korporation ausgetreten. Insbesondere stehen
ihnen weiterhin die Befugnisse als Mitglieder der Eigentümerversammlung gemäss
Art. 8 GGU zu.
4.4. Die Beschwerde erweist sich deshalb insoweit, als damit die Aufhebung des
Rekursentscheids bezüglich der vom Gemeinderat der Politischen Gemeinde Q._
verfügten Aufhebung der Brunnenkorporation X._ beantragt wird, als begründet.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit sie die
Abweisung des Gesuchs um die Übermittlung von Akten und Vermögen der
Brunnenkorporation an die Beschwerdeführer durch die Beschwerdegegnerin vom
28. Februar 2017 zum Gegenstand hat. Sie ist insoweit gutzuheissen, als sie die
Aufhebungsverfügung des Gemeinderates der Beschwerdegegnerin vom 27. April 2017
zum Gegenstand hat. Dementsprechend ist der angefochtene Entscheid aufzuheben,
soweit er die Abweisung des – gegen die Aufhebungsverfügung vom 28. Februar 2017
erhobenen – Rekurses vom 12. Mai 2017 und den Kostenspruch zum Gegenstand hat.
Die Angelegenheit ist an die Beschwerdegegnerin zur Erstellung und Prüfung der
Jahresrechnungen bis zum Zeitpunkt der Aufhebung der Brunnenkorporation und zur
Einberufung und Durchführung einer Eigentümerversammlung mit dem Zweck der
Genehmigung der Rechnungen zurückzuweisen.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens – die Beschwerde erweist sich lediglich
teilweise als begründet und ist mit weitgehend nicht ergebnisoffenem Ausgang an die
Vorinstanz zurückzuweisen – sind die amtlichen Kosten von den Beschwerdeführern
und von der Beschwerdegegnerin je zur Hälfte zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 3'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Anteil der Beschwerdeführer ist mit dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
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von ihnen geleisteten Kostenvorschuss von CHF 3'000 bis zum Betrag von CHF 1'500
zu verrechnen; CHF 1'500 sind ihnen zurückzuerstatten. Auf die Erhebung des von der
Beschwerdegegnerin zu tragenden Anteils ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Die
Vorinstanz hat die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens von CHF 2'500 im Rahmen
des ihr zustehenden Ermessens festgelegt. Sie sind entsprechend dem
Verfahrensausgang je zur Hälfte von den Beschwerdeführern und von der
Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Der Anteil der Beschwerdeführer
ist mit dem von ihnen im Rekursverfahren geleisteten Kostenvorschuss von CHF 2'500
bis zum Betrag von CHF 1'250 zu verrechnen. Die Vorinstanz ist anzuweisen, ihnen
CHF 1'250 zurückzuerstatten. Auf die Erhebung des Kostenanteils der
Beschwerdegegnerin ist zu verzichten. Ausseramtliche Kosten sind bei dieser
Verlegung der amtlichen Kosten weder für das Rekurs- noch für das
Beschwerdeverfahren zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und 2 sowie Art. 98 VRP).