Decision ID: e89cd055-10bd-4fd9-b78b-dc39aebf2127
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Die 1982 geborene Beschwerdeführerin, Mutter dreier Kinder, zuletzt tätig
gewesen als Produktionsmitarbeiterin, meldete sich am 20. Februar 2019
(Posteingang 5. März 2019) bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von
Leistungen (berufliche Integration, Rente) der Eidgenössischen Invaliden-
versicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin tätigte daraufhin erwerbli-
che und medizinische Abklärungen und liess die Beschwerdeführerin nach
Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) polydisziplinär
begutachten (Gutachten der BEGAZ GmbH, Binningen [BEGAZ], vom
12. Mai 2021). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren sprach die Be-
schwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 24. Sep-
tember 2021 eine Viertelsrente sowie Kinderrenten mit Wirkung ab dem
1. September 2019 zu, wobei sie letztere "wegen Überversicherung"
kürzte.
2.
2.1.
Gegen die Verfügung vom 24. September 2021 erhob die Beschwerdefüh-
rerin mit Eingabe vom 22. Oktober 2021 fristgerecht Beschwerde und be-
antragte sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei
ihr eine höhere Rente zuzusprechen und die Kinderrenten seien nicht zu
kürzen.
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 18. November 2021 beantragte die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit instruktionsrichterlichen Verfügungen vom 22. November 2021 wurden
die aus den Akten erkennbaren beruflichen Vorsorgeeinrichtungen der Be-
schwerdeführerin als Beigeladene 1 und 2 im Verfahren beigeladen und
ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Mit Eingabe vom 24. No-
vember 2021 teilte die Beigeladene 1 mit, dass sie für diesen Leistungsfall
nicht zuständig sei, da die Beschwerdeführerin nie bei ihr versichert gewe-
sen sei.
2.4.
Mit Replik vom "26. Oktober 2021" (Datum Poststempel: 26. November
2021) hielt die Beschwerdeführerin sinngemäss an den gestellten Anträgen
fest.
- 3 -
2.5.
Mit Eingabe vom 6. Dezember 2021 beantragte die Beigeladene 1 sinnge-
mäss die Entlassung aus dem Verfahren. Am 16. Dezember 2021 reichte
die Beigeladene 2 eine Eingabe ein.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Ein Entscheid der IV-Stelle oder – im Beschwerdefall – des kantonalen So-
zialversicherungsgerichts respektive des Bundesgerichts ist für eine Ein-
richtung der beruflichen Vorsorge verbindlich, sofern diese in das invaliden-
versicherungsrechtliche Verfahren einbezogen wurde, die konkrete Frage-
stellung für die Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der Invaliden-
versicherung entscheidend war und die invalidenversicherungsrechtliche
Betrachtungsweise aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht
als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 143 V 434 E. 2 mit Hinweisen).
Daher ist die berufliche Vorsorgeeinrichtung der beschwerdeführenden
Person im Verfahren um eine Rente der Invalidenversicherung beizuladen,
sofern aus den Akten ersichtlich ist, um welche Vorsorgeeinrichtung es sich
handelt (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 89/06
vom 27. Juni 2006). Ob ein allfälliger Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Invalidenleistungen der beruflichen Vorsorge sich gegen die Beigeladene 1
oder – wie diese geltend macht (vgl. Eingabe vom 24. November 2021) –
gegen deren "Vorversicherer" richtete, ist nicht Gegenstand des vorliegen-
den invalidenversicherungsrechtlichen Verfahrens. Bei dieser Sachlage ist
daher dem sinngemässen Antrag der Beigeladenen 1 um Entlassung aus
dem Verfahren (vgl. Eingaben vom 24. November und 6. Dezember 2021)
nicht stattzugeben.
2.
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
Die angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den all-
gemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich mass-
gebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354
E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen
der IVV sowie des ATSG in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen
Fassung anwendbar.
4.
In der angefochtenen Verfügung vom 24. September 2021 (Vernehmlas-
sungsbeilage [VB] 90) stützte sich die Beschwerdegegnerin in medizini-
scher Hinsicht im Wesentlichen auf das polydisziplinäre (internistisch-neu-
rologisch-psychiatrisch-rheumatologische) BEGAZ-Gutachten vom 12. Mai
- 4 -
2021. Darin wurden interdisziplinär die nachfolgenden Diagnosen gestellt
(VB 73 S. 11):
"Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: 1. Intramedulläre Raumforderung auf Höhe BWK11/12 mit zystischen und
soliden Anteilen, primär verdächtig auf ein Ependymom (DD ) - Syringomyelie kranial des Befunds bis auf Höhe BWK9/10 - Neuropathisches Schmerzsyndrom der rechten unteren Extremität,
leichte Myelopathie
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: 2. Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) 3. Muskuläre Dysbalance am Schultergürtel beidseits mit begleitendem
Thoracic Outlet Syndrome (TOS). 4. Epicondylopathia humeri radialis beidseits 5. Ansatztendinotische Beschwerden am medialen Beckenkamm rechts
(SIPS) 6. Beginnender Hallux valgus beidseits".
In der angestammten Tätigkeit oder einer vergleichbaren Tätigkeit bestehe
seit September 2018 eine "vollschichtige" Arbeitsunfähigkeit. Eine ange-
passte Tätigkeit sollte wechselbelastend ausgeführt werden können, mehr-
heitlich im Sitzen und nur sporadisch im Stehen und Gehen; leichte inter-
mittierende Hebebelastungen seien möglich. Auch in einer angepassten
Tätigkeit zu berücksichtigen seien die Auswirkungen des chronischen neu-
ropathischen Schmerzsyndroms mit vorzeitiger Ermüdung, Verlangsa-
mung und vermehrtem Pausenbedarf. In einer solchen ideal adaptierten
Tätigkeit bestehe ab dem 21. September 2018 eine 50%ige Arbeitsunfä-
higkeit "bezogen auf ein vollschichtiges Arbeitsvolumen" (VB 73 S. 14 f.).
5.
5.1.
5.1.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-
ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
5.1.2.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
- 5 -
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-
nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-
tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353).
5.2.
Das BEGAZ-Gutachten vom 12. Mai 2021 wird den von der Rechtspre-
chung formulierten Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische
Stellungnahme (vgl. E. 5.1. hiervor) gerecht. Das Gutachten ist in Kenntnis
der Vorakten (Anamnese) erstellt worden (vgl. VB 73 S. 19, 34, 36, 49,
51 ff., 76, 91 ff.), gibt die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin aus-
führlich wieder (vgl. VB 73 S. 23 ff., 36 ff., 58 ff., 77 ff.), beruht auf allseiti-
gen Untersuchungen der beteiligten Fachdisziplinen (vgl. VB 73 S. 27,
40 f., 63 ff., 82 ff.), und die Gutachter setzten sich im Anschluss an die Her-
leitung der Diagnosen eingehend mit den subjektiven Beschwerdeangaben
bzw. den medizinischen Akten auseinander (vgl. VB 73 S. 11 ff.; 28 f.,
42 ff., 66 ff., 85 ff.). Das Gutachten ist in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation nachvollziehbar und da-
mit grundsätzlich geeignet, den Beweis für den anspruchserheblichen me-
dizinischen Sachverhalt zu erbringen.
5.3.
Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, die wichtigen medizi-
nischen Aspekte aus den Berichten ihres Hausarztes hätten in keiner
Weise Beachtung gefunden, seien ungewürdigt geblieben und würden von
der gutachterlichen Einschätzung abweichen. Die Gutachter hätten die Be-
schwerdeführerin nur einmal kurz gesehen und würden die Beschwerde-
führerin nicht so gut kennen wie ihr Hausarzt. Dieser sei absolut integer
und ein aussergewöhnlich guter Arzt. Er wisse als mehrjährig behandelnder
Arzt bestens, wie es der Beschwerdeführerin gehe (vgl. Beschwerde S. 1 f.;
Replik S. 1). Sie leide öfter unter sehr starken Schmerzen, Taubheitsgefüh-
len in den Beinen und sei daher nicht einmal in der Lage, leichtere Hausar-
beiten zu verrichten oder einer leichten angepassten Tätigkeit in einem
50%-Pensum nachzugehen (vgl. Beschwerde S. 2).
Soweit die Beschwerdeführerin dem BEGAZ-Gutachten die abweichende
Beurteilung ihres Hausarztes vom 21. Oktober 2021 (Beschwerdebeilage
[BB] 3 S. 2 f.) gegenüberstellen lässt, so trifft es zwar grundsätzlich zu,
dass die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung
durch einen behandelnden Arzt oft wertvolle Erkenntnisse zu erbringen ver-
mag. Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeu-
tisch tätigen (Fach-) Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amt-
lich bestellten fachmedizinischen Experten andererseits (BGE 124 I 170
E. 4 S. 175) lässt es aber nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutach-
ten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu neh-
men, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen
- 6 -
gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Be-
urteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige Aspekte benen-
nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblie-
ben sind (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_425/2019 vom
10. September 2019 E. 3.4 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der
Fall. Soweit sich die Beschwerdeführerin und der Hausarzt nämlich auf die
subjektiven Schmerz- beziehungsweise Beschwerdeangaben stützen, ist
festzuhalten, dass die subjektiven Schmerzangaben der versicherten Per-
son für die Begründung einer Arbeitsunfähigkeit allein nicht genügen. Viel-
mehr muss im Rahmen der sozialversicherungsrechtlichen Leistungsprü-
fung verlangt werden, dass die Schmerzangaben durch damit korrelie-
rende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinreichend erklärbar
sind. Dabei müssen die Schmerzangaben zuverlässiger medizinischer
Feststellung und Überprüfung zugänglich sein (BGE 143 V 124 E. 2.2.2,
mit Hinweis; vgl. auch BGE 139 V 547 E. 5.4 S. 556). Das subjektive Emp-
finden der versicherten Person, insbesondere wenn es sich nicht mit der
Auffassung der medizinischen Fachleute deckt, kann für sich allein nicht
massgebend sein. Es ist aber eine wichtige Aufgabe des ärztlichen Sach-
verständigen, sich mit den geklagten subjektiven Beschwerden des Explo-
randen auseinanderzusetzen (MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, IVG, 3. Aufl. 2014, N. 243
zu Art. 28a IVG mit Hinweis).
Diesen Vorgaben kamen die BEGAZ-Gutachter umfassend nach. Sie ge-
langten in Kenntnis der Vorakten sowie der erfolgten Bildgebungen, nach
Auseinandersetzung mit den bereits ergangenen medizinischen Einschät-
zungen, in Würdigung der Ergebnisse der klinischen Untersuchungen und
unter eingehender Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin ge-
klagten Beschwerden zu ihrer nachvollziehbar begründeten gutachterli-
chen Einschätzung. So wurde in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
festgehalten, das Verhalten der Beschwerdeführerin sei im Wesentlichen
konsistent. Es würden sich keine direkten Hinweise auf eine Selbstlimitie-
rung oder Aggravation ergeben. Etwas auffällig sei, dass ein erhebliches
Schmerzerleben anlässlich der Begutachtung nicht zwanglos nachvollzieh-
bar gewesen sei. Etwas auffallend sei ferner die Diskrepanz zwischen dem
in den Akten verzeichneten stationären Beschwerdeverlauf und der anläss-
lich der Begutachtung gemachten Angabe einer stetigen Beschwerdepro-
gression. Unter Berücksichtigung der gesamten Datenlage sei aber ein re-
levantes neuropathisches Schmerzsyndrom mit funktionell einschränken-
der Auswirkung mit den beschriebenen objektiven Befunden plausibel aus-
gewiesen (VB 73 S. 13). Trotz der vorliegenden relevanten Beschwerden
und Funktionseinschränkungen sei aber im Status quo eine Alltagsfunktio-
nalität und in angepasster Tätigkeit auch eine Restarbeitsfähigkeit vorhan-
den (VB 73 S. 15).
- 7 -
Den BEGAZ-Gutachtern lagen sämtliche relevanten Unterlagen und Infor-
mationen, insbesondere auch die vor dem Gutachten erstellten Berichte
des Hausarztes vor (VB 73 S. 54, 56, 93), weshalb von einer vollständigen
und umfassenden Beurteilung ausgegangen werden kann (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_616/2017 vom 14. Dezember 2017 E. 6.2.2 und
8C_209/2017 vom 14. Juli 2017 E. 4.2.2 mit Hinweis). Es bedarf keiner
ausdrücklichen Stellungnahme zu jeder einzelnen abweichenden Meinung,
sondern es wird von medizinischen Experten eine in Kenntnis der Akten-
lage gebildete eigenständige Beurteilung erwartet (vgl. SVR 2009 UV
Nr. 29 S. 101, 8C_669/2008 vom 25. Februar 2009 E. 3). Dies wurde im
BEGAZ-Gutachten gemäss vorangehenden Ausführungen den Vorgaben
entsprechend vorgenommen.
Der Bericht des Hausarztes vom 21. Oktober 2021 (BB 3 S. 2 f.) stützt sich
sodann im Wesentlichen auf die subjektiven Beschwerdeangaben der Be-
schwerdeführerin und diesem sind keine neuen wichtigen Aspekte oder Be-
funde zu entnehmen, die im Rahmen der BEGAZ-Begutachtung unerkannt
oder ungewürdigt geblieben wären. Hinsichtlich der Einschätzung des
Hausarztes ist zudem der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass
behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau-
ensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen
(BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen). Zudem kommt
dem Hausarzt der Beschwerdeführerin bezüglich der vorherrschenden
neurologischen Problematik (VB 73 S. 11) keine fachärztliche Kompetenz
zu (vgl. zur Relevanz eines Facharzttitels Urteil des Bundesgerichts
8C_767/2019 vom 19. Mai 2020 E. 3.3.2). Schliesslich ist hervorzuheben,
dass das Engagement des Hausarztes der Beschwerdeführerin über das
normalerweise von einem behandelnden Arzt zu erwartende Mass hinaus-
geht, indem er sich zum Interessenwahrer der Beschwerdeführerin gegen-
über der Beschwerdegegnerin gemacht hat, was den Beweiswert seiner
Ausführungen (weiter) schmälert (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_143/2019 vom 21. August 2019 E. 4.4.1 mit Hinweisen). Insgesamt ist
der hausärztliche Bericht vom 21. Oktober 2021 (BB 3 S. 2 f.) damit nicht
geeignet, das Gutachten in Frage zu stellen.
Ferner ist das Vorbringen, die gutachterlichen Feststellungen würden ledig-
lich auf einer Momentaufnahme basieren (vgl. Beschwerde S. 1 f.; Replik
S. 1), dem Beweiswert des Gutachtens auch grundsätzlich nicht abträglich:
Zum einen hatten die BEGAZ-Gutachter anhand der Vorakten umfassende
Kenntnis des Verlaufs der gesundheitlichen Situation der Beschwerdefüh-
rerin. Zum anderen ist es Wesensmerkmal einer jeden Exploration, dass
sie nicht auf einem derart langen Beobachtungszeitraum beruhen kann wie
die Berichte behandelnder Ärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_494/2018 vom 6. November 2018 E. 4.1). Weiter kommt es für den
Aussagegehalt eines medizinischen Gutachtens grundsätzlich nicht auf die
- 8 -
Dauer der Untersuchung an. Massgebend ist in erster Linie, ob ein Gutach-
ten inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (vgl. statt vieler Urteil
des Bundesgerichts 9C_190/2019 vom 14. Mai 2019 E. 3.1), was vorlie-
gend gemäss vorangehenden Ausführungen zutrifft.
5.4.
Zusammenfassend sind weder den Ausführungen der Beschwerdeführerin
(vgl. Rügeprinzip, BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f. mit Hinweis auf BGE 110
V 48 E. 4a S. 53) noch den Akten konkrete Hinweise zu entnehmen, welche
am BEGAZ-Gutachten vom 12. Mai 2021 Zweifel zu begründen vermöch-
ten (Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; BGE 134 V 109
E. 9.5, mit Hinweis). Der medizinische Sachverhalt erweist sich vor diesem
Hintergrund als vollständig abgeklärt, weshalb auf weitere Abklärungen in
antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten ist, da von diesen keine weite-
ren Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5S. 368 mit
Hinweisen). Gestützt auf das BEGAZ-Gutachten vom 12. Mai 2021 ist dem-
nach davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin seit dem 21. Sep-
tember 2018 in angepassten Tätigkeiten zu 50 % arbeitsfähig ist.
6.
6.1.
Hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens
bringt die Beschwerdeführerin vor, es sei "schleierhaft", wie die Beschwer-
degegnerin auf eine Erwerbseinbusse von Fr. 21'028.00 komme. Zudem
hätten auch die Gutachter von einer "Invalidität von mindestens 50 %" ge-
sprochen (vgl. Beschwerde S. 2).
Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass für die Bemessung der Invali-
dität von erwerbstätigen Versicherten Art. 16 ATSG anwendbar ist (vgl.
auch Art. 28a Abs. 1 IVG sowie Art. 25 und 26 IVV). Für die Bestimmung
des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini-
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG; sogenannte
allgemeine Methode des Einkommensvergleichs). Der Einkommensver-
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe-
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei-
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdiffe-
renz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.4
S. 348 f.).
In Anwendung dieser Grundsätze nahm die Beschwerdegegnerin die nach-
folgende Berechnung vor: Fr. 48'100.00 (Valideneinkommen; VB 90 S. 5
- 9 -
[Angaben ehemalige Arbeitgeberin, VB 26.1 S. 6]) – Fr. 27'072.00 (Invali-
deneinkommen; VB 90 S. 5 [ausgehend von LSE-Tabellenlöhnen, Pensum
50 %, Berücksichtigung eines Minderverdienstes aufgrund unterdurch-
schnittlichen Valideneinkommens]) = Fr. 21'028.00 (Erwerbseinbusse).
Dadurch resultierte ein Invaliditätsgrad von gerundet 44 % (Fr. 21'028 [Er-
werbseinbusse] / Fr. 48'100.00 [Valideneinkommen] x 100; VB 90 S. 5).
Im Übrigen wird die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Invalidi-
tätsgradermittlung von der Beschwerdeführerin – nach Lage der Akten im
Ergebnis zu Recht – nicht beanstandet (vgl. Rügeprinzip, BGE 119 V 347
E. 1a S. 349 f. mit Hinweis auf BGE 110 V 48 E. 4a S. 53), so dass sich
diesbezügliche Weiterungen erübrigen.
6.2.
Die Beschwerdeführerin bringt weiter sinngemäss vor, sie finde auf dem
Arbeitsmarkt keine angepasste Stelle (vgl. Beschwerde S. 2). Hierzu ist
festzuhalten, dass der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes (Art. 16
und Art. 7 Abs. 1 ATSG) ein theoretischer und abstrakter Begriff ist, wel-
cher die konkrete Arbeitsmarktlage nicht berücksichtigt (BGE 134 V 64
E. 4.2.1 S. 70 f.) und dazu dient, den Leistungsbereich der IV von jenem
der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Er umschliesst einerseits ein
bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage
nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner
Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält. Nach diesen
Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob der Invalide die Möglichkeit
hat, seine restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob er ein rentenaus-
schliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (vgl. BGE 110 V
273 E. 4b S. 276; Urteil des Bundesgerichts 8C_369/2021 vom 28. Oktober
2021 E. 6.1 mit Hinweisen). Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf
abzustellen, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktver-
hältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr ver-
bliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn – auf dem für
sie nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten in Betracht fallenden Teil des
Arbeitsmarktes (BGE 130 V 343 E. 3.3 S. 347) – die verfügbaren Arbeits-
plätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprächen (MEYER/REICHMUTH,
a.a.O., 3. Aufl. 2014, N. 131 ff. zu Art. 28a IVG).
Der von der Beschwerdegegnerin für das Invalideneinkommen ange-
wandte und unbestritten gebliebene Tabellenlohn, welcher Tätigkeiten des
Kompetenzniveaus 1 umfasst (VB 90 S. 5), basiert auf einer Vielzahl von
leichten und mittelschweren Tätigkeiten (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_507/2020 vom 29. Oktober 2020 E. 3.3.3.2). Angesichts des gutachter-
lich definierten Belastbarkeitsprofils (vgl. VB 73 S. 14) ist damit von einem
genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweistätigkeiten auf dem
(hypothetisch) ausgeglichenen Arbeitsmarkt auszugehen.
- 10 -
7.
Des Weiteren bestreitet die Beschwerdeführerin die Korrektheit der Kür-
zung der Kinderrenten (vgl. Beschwerde S. 2).
7.1.
Versicherte Personen, denen eine Invalidenrente zusteht, haben nach
Art. 35 Abs. 1 IVG für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisen-
rente der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) beanspruchen
könnte, Anspruch auf eine Kinderrente. Die Kinderrente beträgt 40 % der
dem massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommen entsprechen-
den Invalidenrente (Art. 38 Abs. 1 IVG). Gemäss Art. 38bis Abs. 1 IVG wer-
den Kinderrenten in Abweichung von Art. 69 Abs. 2 und 3 ATSG gekürzt,
soweit sie zusammen mit der Rente des Vaters oder derjenigen der Mutter
90 % des für diese Rente jeweils massgebenden durchschnittlichen Jah-
reseinkommens übersteigen. Die Kürzung der Kinderrenten nach Art. 38bis
IVG richtet sich nach Art. 54bis AHVV (siehe Art. 33bis IVV; vgl. zum Ganzen
auch BGE 131 V 233 E. 4). Somit dürfen sie nicht unter den in
Art. 54bis AHVV festgelegten Grenzbetrag gekürzt werden (vgl. Wegleitung
über die Renten [RWL] in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung des BSV, gültig ab dem 1. Januar 2003, Stand 1. Ja-
nuar 2021, Rz. 5658).
Für die Ermittlung der gekürzten Kinderrenten ist wie folgt vorzugehen:
- In einem ersten Schritt ist die Kürzungsgrenze zu bestimmen, welche
die jährliche Gesamtrente der "Rentnerfamilie" – hierzu zählen alle ren-
tenberechtigten Angehörigen, für welche eine Zusatz- oder Kinderrente
beansprucht werden kann (RWL Rz. 5661) – nicht übersteigen darf. Als
Kürzungsgrenze gilt dabei 90 % des jeweils massgebenden durch-
schnittlichen Jahreseinkommens oder der gemäss Art. 54bis Abs. 2
AHVV festgelegte Grenzbetrag (RWL Rz. 5671). Werden lediglich Drei-
viertels-, halbe oder Viertelsrenten ausgerichtet, so ist die Kürzungs-
grenze mit dem entsprechenden Bruchteil zu vervielfachen (RWL
Rz. 5672).
- In einem zweiten Schritt werden die einzelnen (plafonierten) Jahres-
rentenbeträge der "Rentnerfamilie" zusammengezählt und der ermit-
telten Kürzungsgrenze gegenübergestellt. Die Rentensumme, welche
die Kürzungsgrenze übersteigt, ergibt den jährlichen Kürzungsbetrag
(RWL Rz. 5674). Der Kürzungsbetrag ist bei jeder einzelnen Kinder-
rente im Verhältnis ihres Anteils an der Summe der Kinderrenten in Ab-
zug zu bringen. Dabei gilt folgende Formel (RWL Rz. 5675):
- 11 -
7.2.
Die von der Beschwerdegegnerin festgehaltenen Berechnungsgrundlagen
(VB 90 S. 2) werden von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet und
sind ausweislich der Akten und mit Blick auf die Rententabellen 2021 des
BSV (abrufbar unter: https://sozialversicherungen.admin.ch/de/d/6850#,
zuletzt besucht am 2. März 2022) nicht zu beanstanden.
7.3.
Bei vorangehend beschriebenem Vorgehen zur Ermittlung der gekürzten
Kinderrenten ergibt sich nachfolgende Berechnung: Die Kürzungsgrenze
beträgt vorliegend Fr. 40'008.60 (90 % von Fr. 44'454.00 [massgebendes
durchschnittliches Jahreseinkommen, Tabellenwert; VB 90 S. 2]). Da vor-
liegend die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Viertelsrente hat, ist die
Kürzungsgrenze mit 0.25 zu vervielfachen, womit sich eine massgebliche
Kürzungsgrenze von Fr. 10'002.15 ergibt.
Nach der Rentenskala 44 (monatliche Vollrenten) ergibt sich bei einem
massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommen bis Fr. 44'454.00
(VB 90 S. 2) für eine ganze Invalidenrente ein monatlicher Betrag von
Fr. 1'836.00 sowie für eine (ganze) Kinderrente von Fr. 734.00 (Rententa-
bellen 2021 des BSV S. 20). Da die Beschwerdeführerin wie erwähnt (le-
diglich) Anspruch auf eine Viertelsrente hat, beläuft sich ihre monatliche
Invalidenrente auf Fr. 459.00 (Fr. 1'836.00 / 4) und eine -Kinderrente auf
monatlich Fr. 183.50 (Fr. 734.00 / 4). Damit ergibt sich für die Viertels-In-
validenrente der Beschwerdeführerin ein Jahresrentenbetrag von
Fr. 5'508.00 (Fr. 459.00 x 12) und für eine Kinderrente ein Jahresrentenbe-
trag von Fr. 2'202.00 (Fr. 183.50 x 12). Die einzelnen Jahresrentenbeträge
der "Rentnerfamilie" sind sodann zusammenzuzählen (vorliegend also die
Viertels-Invalidenrente der Beschwerdeführerin plus drei Kinderrenten für
die drei Kinder der Beschwerdeführerin). Dies ergibt eine Jahresrenten-
summe von Fr. 12'114.00 (Fr. 5'508.00 + [Fr. 2'202.00 x3]). Diese Ren-
tensumme übersteigt die oben ermittelte Kürzungsgrenze, womit ein jähr-
licher Kürzungsbetrag von insgesamt Fr. 2'111.85 resultiert
(Fr. 12'114.00 – Fr. 10'002.15).
7.4.
Wird dieser Kürzungsbetrag bei jeder einzelnen Kinderrente im Verhältnis
ihres Anteils an der Summe der Kinderrenten in Abzug gebracht, ergibt sich
gemäss vorangehend dargelegter Formel pro Kinderrente ein anteils-
mässiger Kürzungsbetrag von Fr. 703.95 (Fr. 2'111.85 [gesamter Kür-
zungsbetrag] x Fr. 2'202.00 [ungekürzte Kinderrente] / Fr. 6'606.00
[Summe der drei ungekürzten Kinderrenten]). Wird der anteilsmässige Kür-
zungsbetrag vom Jahresrentenbetrag einer Kinderrente abgezogen, ergibt
sich eine Kinderrente von jährlich Fr. 1'498.05 (Fr. 2'202.00 [ungekürzte
Kinderrente] – Fr. 703.95 [anteilsmässiger Kürzungsbetrag]) pro Kind, was
- 12 -
einer monatlichen Kinderrente von Fr. 124.85 (Fr. 1'498.05 / 12) für je-
des der drei Kinder der Beschwerdeführerin entspricht.
Die Kürzung der Kinderrenten durch die Beschwerdegegnerin auf eine mo-
natliche Kinderrente von Fr. 125.00 pro Kind (VB 90 S. 1 f.) erweist sich
damit als korrekt.
8.
Zusammenfassend ist die vorliegend angefochtene Verfügung vom
24. September 2021 (VB 90) damit im Ergebnis zu bestätigen.
9.
9.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
9.2.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-
gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
9.3.
Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens
(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung
als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-
spruch auf Parteientschädigung zu.