Decision ID: 391af3ff-9985-45ea-8073-13c748f84ae2
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1959,
war
seit
1.
Februar 2014 als Lastwagen
chauf
feur
bei der
Y._
GmbH, angestellt
und damit bei der
Suva
obligatorisch
gegen Unfälle versichert, als er sic
h am 1
3.
Januar 2016 beim Belad
en von einem Lastwagen am Arm respektive der Schulter verletzte (vgl.
Urk.
7/1
Ziff.
4
und
Ziff.
6
).
Die bildgebende Untersuchung vom 3
0.
März 2016 ergab eine Massenruptur der
Rotatorenmanschette
(vgl.
Urk.
7/
9
). Die Suva erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen.
Nach am
3
1.
Januar 2017
erfolgter kreisärztlicher Untersuchung (vgl.
Urk.
7/
103
) sprach die Suva dem Versicherten mit
Verfügung vom
3.
Februar 2017
(
Urk.
7/
108
)
eine Integritätsentschädigung basierend auf
einer
Integritätseinbusse
von 10
%
und mit
Verfügung vom 2
4.
März 2017
(
Urk.
7/
122
)
eine Invaliden
ren
te von 11
%
basierend auf einem versicherten Verdienst von
Fr.
64‘800.--
ab
1.
Mai 2017
zu. Die
gegen die Rentenverfügung
vom Versicherten am
2
6.
April 2017
erhobene Einsprache
(
Urk.
7/130)
wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom 1
1.
Januar 2018 ab (
Urk.
7/135
=
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 1
0.
Februar 2018 Beschwerde gegen den
Einspra
che
entscheid
vom 1
1.
Januar 2018 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, nach Durchführung ergänzender medizinischer Abklärungen und Stellungnahme zu Fragen und Einwänden bezüglich der für die Bestimmung des Invalidene
inkommens angewandten DAP-Löhne
neu über sei
n
en Rechtsanspruch zu befinden (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwer
deantwort vom 1
4.
März 2018 (
Urk.
6) beantragte die Suva die Abweisung der Be
schwerde, was dem Beschwerdeführer am 1
6.
April 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. Novem
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirk
licht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
1
3.
Januar 2016
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall An
wendung finden und in
dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbs
unfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medi
zinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.3
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung pri
mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbs
tätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zu
mutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zu
mutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Recht
sprechung entweder Tabellenlöhne gemäss der vom Bundesamt für Statistik per
io
disch herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) oder die Zahlen der Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP) der Suva herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 mit Hinweis).
Die DAP ist eine Sammlung von Beschreibungen in der Schweiz tatsächlich existierender Arbeitsplätze. Damit unterscheidet sie sich von der tabellarischen Darstellung von Durchschnittslöhnen, die im Rahmen der LSE vom Bundesamt für Statistik regelmässig erhoben werden. Neben allgemeinen Angaben und Ver
dienstmöglichkeiten werden in der DAP die physischen Anforderungen an die Stelleninhaber oder Stelleninhaberinnen festgehalten. Der Raster der körperlichen Anforderungskriterien basiert auf dem internationalen medizinischen Standard EFL nach Isernhagen (ergonomische Funktions- und Leistungsprüfung). Die Suva entschloss sich 1995 zum Aufbau der DAP mit dem Zweck, das Invaliden
ein
kommen entsprechend den gerichtlichen Anforderungen so konkret wie möglich ermitteln zu können (BGE 139 V 592 E. 6.1 mit Hinweisen).
Bei Heranziehen der DAP hat sich die Ermittlung des Invalideneinkommens auf mindestens fünf zumutbare Arbeitsplätze zu stützen. Zusätzlich sind Angaben zu machen über die Gesamtzahl der aufgrund der gegebenen Behinderung in Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den
Tiefstlohn
sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Behinde
rungs
profil entsprechenden Gruppe. Damit soll die Überprüfung des Auswahlermessens ermöglicht werden, und zwar in dem Sinne, dass die Kenntnis der Gesamtzahl der dem verwendeten Behinderungsprofil entsprechenden Arbeitsplätze sowie des Höchst-, Tiefst- und Durchschnittslohnes im Bereich des Suchergebnisses eine zuverlässige Beurteilung der von der Suva verwendeten DAP-Löhne hinsichtlich ihrer Repräsentativität erlaubt. Das rechtliche Gehör ist dadurch zu wahren, dass die Suva die für die Invaliditätsbemessung im konkreten Fall herangezogenen DAP-Profile mit den erwähnten zusätzlichen Angaben auflegt und die versicherte Person Gelegenheit hat, sich dazu zu äussern. Allfällige Einwendungen der ver
sicherten Person bezüglich des Auswahlermessens und der Repräsentativität der DAP-Blätter im Einzelfall sind grundsätzlich im
Einspracheverfahren
zu erheben, damit sich die Suva im
Einspracheentscheid
damit auseinandersetzen kann. Ist die Suva nicht in der Lage, im Einzelfall den erwähnten Anforderungen zu ge
nügen, kann im Bestreitungsfall nicht auf den DAP-Lohnvergleich abgestellt werden; die Suva hat
diesfalls
im
Einspracheentscheid
die Invalidität aufgrund der LSE-Löhne zu ermitteln. Im Beschwerdeverfahren ist es Sache des ange
rufe
nen Gerichts, die Rechtskonformität der DAP-Invaliditätsbemessung zu prüfen, gegebenenfalls die Sache an den Versicherer zurückzuweisen oder an Stelle des DAP-Lohnvergleichs einen Tabellenlohnvergleich gestützt auf die LSE vorzu
neh
men (BGE 139 V 592 E. 6.3 mit Hinweis).
Rechtsprechungsgemäss sind im Rahmen des DAP-Systems, bei dem aufgrund der ärztlichen Zumutbarkeitsbeurteilung anhand von Arbeitsplatzbeschreibungen konkrete Verweisungstätigkeiten ermittelt werden, Abzüge grundsätzlich nicht
sach
gerecht. Abzüge sind nur vorzunehmen, wenn zeitliche oder leistungs
mässige Reduktionen medizinisch begründet sind. Im Übrigen wird spezifischen Beeinträchtigungen in der Leistungsfähigkeit bei der Auswahl der zumutbaren DAP-Profile Rechnung getragen. Bezüglich der weiteren persönlichen und beruf
lichen Merkmale (Teilzeitarbeit, Alter, Anzahl Dienstjahre, Aufenthaltsstatus), die bei der Anwendung der LSE zu einem Abzug führen können, ist darauf hinzu
weisen, dass auf den DAP-Blättern in der Regel nicht nur ein Durchschnittslohn,
sondern ein Minimum und ein Maximum angegeben sind, innerhalb deren Spann
breite auf die konkreten Umstände Rücksicht genommen werden kann (BGE 139 V 592 E. 7.3 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, es sei gestützt auf die Angaben der Arbeitgeberin sowie jene in der Unfallmeldung von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
68'400.-- ausgegangen worden
(S. 4
Ziff.
4
lit
. a)
.
Das Invalidene
inkommen von
Fr.
61'203.-- sei
mittels Lohnangaben aus der DAP ermittelt worden. Es handle sich um den Durchschnittswert der fünf bei den Akten liegenden dokumentierten Arbeitsplätze (
Fr.
60'838.80) plus Teuerung von 0.6
%
für das Jahr 201
7.
B
ei den hinzugezogenen DAP-Löhnen handle es sich um Tätigkeiten,
welche dem vom Kreisarzt festgelegten Zumut
barkeitsprofil, sowie den Angaben der
Z._
entspr
ächen
(S. 4 f
.
Ziff.
4
lit
. b). Bei den DAP-
Löhn
en würden keine Abzüge gemacht
(S. 5 oben). Damit resultiere ein E
rwerbsunfähigkeitsgrad von 11
%
. Da auf die von der Arbeit
geberin dem Beschwerdeführer monatlich unter dem Titel «Verpflegungsspesen» ausgerichteten
Fr.
300.--
keine sozialversicherungsrechtlichen Abzüge vorge
nommen und auch keine Unfallversicherungsprämien entrichtet worden seien, erscheine es sachgerecht, diese
entsprechend dem Äquivalenzprinzip
auch nicht beim versicherten Verdienst anzurechnen (
S. 5
Ziff.
5
lit
. b
).
Da die Akten der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers zugestellt worden seien, habe
sich diese im Klaren
gewesen sein müssen, dass die Berechnung des Invalideneinkommens auf Grundlage der DAP-Zahlen erfolgt sei (
Urk.
6 S. 3 Mitte).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
die
neu eingereichten Arztberichte, aus welchen sich unfallbedingte Beschwerden und
Einschränkungen ergäben, welche das Zumutbarkeitsprofil und seine Leistungs
fähigkeit einschränkten, seien von der Beschwerdegegnerin nicht beachtet worden (S. 3 II
.
Ziff.
1).
Zudem liege eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor, da ihm
nicht angezeigt worden
sei
,
dass das Invalideneinkommen
mittels DAP-
Löhnen berechnet worden sei. Ihm hätte im Sinne des rechtlichen Gehörs Gele
genheit gegeben werden müs
sen, sich zur Ermittlung des Invalideneinkommens
auf der Basis von D
AP-Löhnen zu äussern. Demnach werde
eine Rückweisung beantragt, damit
sich die
Beschwerdegegnerin
zu den verschiedenen Fragen äussern k
önne
(vgl. S. 4
f.
).
Angesichts der Umstände sei vom durchschnittlichen Minimallohn von
Fr.
60'838.-- auszugehen (S. 5).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Höhe des Invaliditätsgrades und damit die Höhe der Invalidenrente.
3
.
3.1
Die Fachpersonen der Rehaklinik
A._
stellten in
ihrem
Austritt
sbericht vom
1
2.
Januar 2017
(
Urk.
7/98)
nach Aufenthalt des Beschwerdeführers vom
7.
Dezem
ber
2016 bis 1
1.
Januar 2017
folgende
gekürzt wiedergegebene Diag
nosen (S. 1 f.):
-
Unfall
vom 1
3.
Januar 2016: Beim Belad
en des Lastwagens die Schulter verletzt
-
Massenruptur der
Rotatorenmanschette
Schulter rechts (
Infraspinatus
- und
Supraspinatussehne
)
-
somatische Dysf
unktion der schulterführenden Muskulatur
-
Cervicobrachialgie
und
Cervicocephalgie
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge
-
Probleme in Verbindung mit
der
Berufstätigkeit
Die Fachpersonen führten aus, als Probleme beim Austritt hätten eine einge
schränkte Beweglichkeit der rechten Schulter, starke Schmerzen der rechten Schulter ganztags, insbesondere bewegungsabhängig, eine Kraftminderung der rechten Schulter im Seitenvergleich und eine unklare berufliche Zukunft bestan
den, indem der Patient derzeit stellenlos sei. Im Rahmen der stationären Rehabi
li
tation habe keine namhafte Verbesserung der Beschwerden erzielt werden können, weshalb vorläufig keine weiteren physiotherapeutischen Massnahmen vorgesehen seien (S. 2 Mitte).
Zur Arbeitsfähigkeit,
Zumutbarkeit und Eingliederungsperspektive führten die
Fachpersonen aus, es sei eine erhebliche Symptomausweitung beobachtet word
en.
Es sei dav
on auszugehen, dass bei gutem
Ef
fort
eine bessere Leistung erbracht werden könnte, als bei den Leistungstests und im Behandlungsprogramm gezeigt worden sei. Infolge Selbstlimitierung hätten die zu erwartenden Verbesserungen bezüglich Funktion und Belastbarkeit nicht erreicht werden können.
Die Resultate der physischen Leistungstests seien deshalb für die Beurteilung der körperlichen
Belastbarkeit nicht verwertbar (S. 2 unten). Die Beu
rteilung der Zumutbarkeit stütze
sich primär auf medizinisch-theoretische Überlegungen, unter Berücksich
tigung der Beobachtungen bei den Leistungstests und im Behandlungsprogramm. Eine weitergehende Einschränkung lasse sich medizinisch-theoretisch nicht be
grün
den (S. 3 oben).
Die Fachpersonen hielten fest, dass die berufliche Tätigkeit als Lastwagen
chauffeur nicht zumutbar sei. Die Anforderungen seien mit häufigem Hantieren bis schwerer Lasten und wiederholtem Krafteinsatz beider Arme zu hoch. Zumut
bar sei eine leichte bis mittelschwere Arbeit, dies ganztags.
Betreffend die
rechte Schulter müsse
die Arbeit ohne Tätigkeit mit dem rechten Arm länger dauernd über Brusthöhe sein
(S. 3 Mitte).
3.2
Kreisarzt Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, nannte nach Untersuchung des Beschwer
de
führers am 3
1.
Januar 2017 in seinem gleichentags erstellten Bericht (
Urk.
7/103)
als Diagnose
eine gering- bis
mässiggradig
ausgeprägte Belastungsintoleranz des rechten Schultergelenks bei Zustand nach Arthroskopie,
Akromioplastik
,
Bursek
tomie
, Tenotomie der langen
Bizepssehne
, Rekonstruktion der
Infraspinatus
- und
Supraspinatussehne
rechts wegen Massenruptur der
Rotatorenmanschette
(
Infra
spinatus
und
Supraspinatus
) rechts nach Unfallereignis vom 1
3.
Januar 2016 und Operation vom 2
7.
April 2016
(S. 4 Mitte).
Prof.
B._
führte aus, bei der kreisärztlichen Untersuchung habe sich eine
mässig
gradig
ausgeprägte Bewegungseinschränkung des rechten Schultergelenkes in allen Bewegungsrichtungen gezeigt. Aus kreisärztlicher Sicht könne eine
gewisse Selbstlimitierung beziehungsweise eine
psychovegetative Überlagerung nicht sicher ausgeschlossen werden. Für die doch mässige Bewegungseinschränkung des rechten Schultergelenkes in alle Bewegungsrichtungen ergäben sich keine nachvollziehbaren medizinischen Gründe. Dies sei bereits im Rahmen der sta
tionären Rehabilitation in der Rehaklinik
A._
kommuniziert worden. Dazu passe auch, dass der Versicherte trotz starker Schmerzangabe keinerlei Schmerz
mittel einnehme (S. 4 unten).
Prof.
B._
führte aus, nach K
enntnis
der medizinischen Vorberichte hätten sich die Funktionseinschränkungen des rechten Schultergelenkes im Vergleich zur aktu
ellen Untersuchung nicht mehr relevant verändert, sodass vom
medizini
schen Endzustand
auszugehen sei.
Die angestammte Tätigkeit als Fahrer mit Hantieren von schweren Lasten sei auf Dauer unfallbedingt nicht mehr zumutbar. Eine reine Fahrertätigkeit ohne Heben schwerer Lasten sei aus kreisärztlicher Sicht ganztags möglich
.
Auf dem allge
meinen Arbeitsmarkt seien leichte bis mittelschwere Arbeiten ganztags zumutbar
.
Überkopfarbeiten seien aus dem Tä
tigkeitsprofil auszuschliessen
. Weitere Be
hand
lungen seien nicht mehr erforderlich, da hiervon keine wesentliche Besse
rung zu erwarten sei (S. 5 oben).
3.3
Dr.
med
.
C._
, Oberärztin Obe
re Extremitäten, und
Dr.
med.
D._
, Leitender Arzt Orthopädie,
Z._
K
linik
, führten in ihrem Bericht vom
1
4.
Februar 2017
(
Urk.
7/112) aus, es sei neuneinhalb Monate nach
arthroskopischer
Rekonstruktion einer traumatischen Massenruptur der
Rotato
ren
manschette
(
Infraspinatus
und
Supraspinatus
) mit Tenotomie der langen
Bicepssehne
und
Acromioplastik
der rechten Schulter bei Status nach
Distrak
tions
-Rotations-Trauma rechts vom 1
3.
Januar 2016 eine erneute Vorstellung zur klinischen Kontrolle erfolgt. Der Patient habe über eine tendenzielle Verschlech
terung der Situation seit der Rehabilitation in
A._
berichtet. An Schmerz
mitteln nehme er zweimal täglich
Novalgin
sowie
Cymbalta
60 mg ein und sei insgesamt verzweifelt, da die Schmerzen stark
seien
und auch nachts der Schlaf eingeschränkt sei.
Die Ärzte führten aus, anlässlich der Untersuchung der Schulter sei das ausgeprägte
Scapular-Win
g
ing
auffällig
gewesen, welches möglichweise kompensatorisch als Schmerzvermeidungsverhalten zu sehen sei. Chirurgisch werde keine Möglichkeit gesehen,
die Situation zu verbessern
(S. 1 unten f.)
. Die Ruptur sei ausgedehnt gewesen und es sei eine Rekonstruktion erfolgt, welche zumindest partiell sicherlich gut eingeheilt sei. Auch wenn möglicherweise eine Ausdünnung und unregelmässige Kontinuität der
Supraspinatussehne
bestehe
, erkläre dies
in
keinster
Weise die stärksten
Schmerzen, welche der Patient emp
finde
. Auch diverse
infiltrative
sowie
neuromodulative
Therapien hätten die Situation nicht verbessert. Sie sei im Gegenteil zum Teil anhaltend schlechter geworden.
Die Ärzte führten aus, der Beschwerdeführer bleibe sicherlich in seinem ange
stammten Beruf als Lastwagenchauffeur auch in Zukunft arbeitsunfähig.
Leichte Tätigkeiten ohne Heben von Lasten und ohne Arbeiten über der Br
usthöhe sollten ausführbar sein
.
Aus
orthopädischer Sicht werde die Behandlung abgeschlossen, da chirurgische Massnahmen nicht mehr empfohlen werden könnten (S. 2 Mitte).
4.
Die Beschwerdegegnerin stützt
e
sich hinsi
chtlich der Festsetzung des
Zumutbar
keitsprofil
s in ihrem
Einspracheentscheid
auf die
kreisärztliche Einschätzung von Prof.
B._
vom Januar 2017
(vgl. vo
rstehend E. 3.2
)
sowie auf jene der behan
delnden Ärzte
Dr.
C._
und
Dr.
D._
vom Februar 2017
(vgl. vorstehend E. 3.3
)
ab, wonach die angestammte Tätigkeit als Lastwagenfahrer mit dem Hantieren schwerer
Lasten nicht mehr zumutbar
sei
, jedoch leichte bis mittelschwere Arbei
ten ohne Überkopfarbeiten und ohne Arbeiten über Brusthöhe ganztags ausführ
bar seien (vgl.
vorstehend E. 2.1,
auch
Urk.
7/125). Diese Einschätzung geht auch
einher mit jener der Fachpersonen der Rehaklinik
A._
vom
Januar 2017 (vgl. vorstehend E. 3.1)
,
welche eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne Arbeiten mit dem rechten Arm länger dauernd über Brusthöhe für vollumfänglich zumut
bar erachteten.
Beschrieben wurde überdies, wie
es
auch Prof.
B._
in Erwägung zog,
ein selbstlimitierendes Verhalten und eine
erhebliche
Symptomausweitung.
Das Ausmass der dargebotenen Schmerzen konnten sich auch die behandelnden Ärzte
Dr.
C._
und
Dr.
D._
nicht erklären.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dass sich aus den neu eingereichten
Arztberichten unfallbedingte Beschwerden und Einschränkungen ergäben, welche
nicht nur das Zumutbarkeitsprofil
beeinflussten
sondern auch die Leistungs
fähi
gkeit (vgl. vorstehend E. 2.2), ist dies durch die medizinis
che Aktenlage nicht ausgewiesen und wurde auch nicht konkreter von ihm dargelegt.
Damit ist das
von der Beschwerdegegnerin anhand der Einschätzung von Prof.
B._
sowie der behandelnden Ärzte festgelegte Zumutbarkeitsprofil nicht zu bean
standen.
5
.
5.1
Zu prüfen bleibt der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Ein
kom
mens
vergleich.
5.2
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die Angaben der Firma
Y._
GmbH
in der Unfallmeldung vom
8.
Februar 2016
(
Urk.
7/1
Ziff.
12) und in der E-Mail vom
9.
Februar 2017 (vgl.
Urk.
7/111) von
einem
Valideneinkommen
von
Fr.
68'400.-- (12 x
Fr.
5'700.--) aus.
Dies wurde vom Beschwerdeführer nicht be
stritten und erging in Übereinstimmung mit der
übrigen
Aktenlage (vgl.
Urk.
7/43/3,
Urk.
7/44/3-9
,
Urk.
7/70/3-4
), weshalb darauf abgestellt werden kann.
5.3
Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
realisier
baren Einkommens (Invalideneinkommen) ist primär von der beruflich-erwerb
li
chen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Da der Beschwerdeführer vorliegend noch keine ihm zumutbare Erwerbstätigkeit aus
übt, können nach der Rechtsprechung entweder
die LSE-
Tabellenlöhne oder
DAP
-Zahlen herangezogen werden (
vgl. vorstehe
nd E. 1.3
).
Die Beschwerde
geg
nerin entschied sich zur Ermittlung des Invalideneinkommens für ein Vorgehen anhand von DAP-Löhnen.
Vorab ist hinsichtlich der vom
Beschwerdeführer
geltend gemachte
Verletzung des rechtlichen Gehörs
,
indem in der Rentenverfügung vom 2
4.
März 2017
(
Urk.
7/122)
nicht erwähnt worden sei, dass die Ermittlung des Invalidenein
kommens mittels DAP-Löhnen erfolgt
sei, weshalb er seine Einsprache nicht ent
sprechend habe begründen können
(vgl. vorstehend E. 2.2)
,
darauf hinzuweisen,
dass ihm die
Akten
am 2
2.
März 2017
zugestellt
wurden
(
vgl.
Urk.
7/121)
. Daraus wäre
erke
nnbar gewesen,
dass die Beschwerdegegnerin zur Berechnung des Invalideneinkommens DAP-Löhne hinzugezogen hat. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt demnach nicht vor.
Auch d
er Blick auf die einzelnen körperlichen Anforderungsprofile der
entspre
chenden
Stellen ergibt keinerlei Hinweise darauf, dass eine davon dem
festge
legten
Zumutbarkeitsprofil
(vgl. vorstehend E. 4)
nich
t entsprechen würde
. So lassen sich aus den entsprechenden Beschrieben keine Anhaltspunkte entnehmen, welche eine
Unzumutbarkeit zur Folge hätte
n
.
Insbesondere be
inhalten DAP
-
Nr. 405734, Nr. 11307, Nr. 3851, Nr. 8330 und Nr. 5616 kein Heben über Brusthöhe und keine Arbeiten über Kopf (vgl.
Urk.
7
/
119 S. 1 und S. 16 ff.
)
.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Profile der evaluierten Ar
beitsplätze dem
festgelegten
Zumutbarkeitsprofil
(vgl. vorstehend E. 4)
entspre
chen
.
5.4
Gestützt auf den Durchschnitt der Lohnangaben aller
fünf
DAP
ging die Be
schwerdegegnerin
zuzüglich einem
Teuerungsausgleich
von 0.6
%
im Jahr 2017
von einem Invalideneinkommen von rund
Fr.
61‘203
.--
aus
. Dabei stellte sie auf fünf zumutbare Arbeitsplätze
(
DAP
-Nr.
405734, Nr.
11307, Nr. 3851, Nr. 8330 und Nr. 5616
) ab und gab die Gesamtzahl der mit der Behinderung des Be
schwer
deführers in Frage kommenden Arbeitsplätze, deren Höchst- und
Tiefstlohn
sowie den Durchschnittslohn der dem Behinderungsprofil entspr
echenden Gruppe an (vgl.
Urk.
7/119 S. 1
). Damit sind sämtliche Voraussetzungen, die das Bundesge
richt an einen Einkommensvergleich gestützt auf die
DAP
-Tabellen
stellt (vgl. BGE 129 V 472), erfüllt
(vgl. vorstehend E
. 1.3
)
. Dieses Vorgehen ist nicht zu bean
standen.
5.5
Würde vorliegend das Invalideneinkommen anhand der vom
Bundesamt für Statis
tik herausgegebenen
Lohntabellen (LSE) ermittelt, wäre gestützt auf die vor
li
egend anwendbaren LSE 2016 vom Einkommen für
männliche Hilfskräfte
von
Fr. 5'340.-- (
LSE
2016
, Tabelle TA1,
Total Männer,
Kompetenzniveau 1)
auszu
gehen
,
was bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden (betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche, Total; vgl. www.bfs.admin.ch, S
tatistiken, Arbeit und Erwerb) und
angepasst an die Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2017 (Bundesamt für Statistik, T39 Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne,
2010
bis 20
18
,
Männer
) ein
en
hypothetischer Jahreslohn
im Jahr 2017
von
rund
Fr.
67‘137.--
ergäbe
(Fr.
5‘340
.-- : 40 x 41,7 x 12
x 1.005
).
Da
gemäss
dem festgestellten Zumutbarkeitsprofil dem Beschwerdeführer nach wie vor leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ganztags zumutbar sind (vgl. vor
stehend E. 4) steht dem Beschwerdeführer
grundsätzlich noch ein weites Spek
trum an möglichen angepassten Tätigkeiten offen.
So stellt der Umstand allein,
dass n
ur noch
leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind,
selbst
bei ein
geschränkter Leistungsfähigkeit kein
en
Grund für einen zusätzlichen leidensbe
dingten Abzug
dar
, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.2).
Ob das Merkmal «Alter» einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen würde, ist jeweils unter Berücksichtigung aller konkreter Umstände des Einzelfalls zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.2). Dies gilt insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen ausge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG), wo sich ein fortgeschrittenes Alter nicht zwingend lohnsenkend auswirken muss. Hilfsarbeiten werden auf dem
massge
benden
ausgeglichenen Stellenmarkt altersunabhängig nachgefragt (Urteile des Bundesgerichts 8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1 und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.3).
Ein zusätzlich zu gewährender Abzug zum Tabellen
lohn wäre demnach
vorliegend
zu verneinen. Demnach würde
bei Anwendung der LSE-Tabellenlöhne zur Berechnung des Invalideneinkommens
und einem
Valideneinkommen
von Fr. 68
'
4
00.-- lediglich eine Differenz von Fr. 1
'
263.-- und damit kein
anspruchsbegründender
Invaliditätsgrad resultieren.
5.6
Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
68'400.--
(vgl. vorstehend E. 5.1)
und einem
Invalideneinkommen von Fr.
61‘203.--
(vgl. vorstehend E. 5.4)
resultiert
eine
Lohneinbusse
von Fr.
7‘200
.-- beziehungsweise ein
Invaliditätsgrad von ge
rundet 1
1 %.
Die zugesprochene Rentenleistung ist damit nicht zu bean
stan
den.
Demnach erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Das Verfahren ist kostenlos.
6.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Mit Honorarnote vom
9.
Mai 2019 (
Urk.
14)
machte Rechtsanwältin
Dr.
Sonja Gabi einen Aufwand von
insgesamt
5
Stunden und Barauslagen von
3
%
geltend, was als angemessen erscheint (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Da der vorliegende Prozess nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet wer
den kann und der Beschwerdeführer bedürfti
g ist (vgl. Urk. 11 und
Urk.
12/1-9,
Urk.
13
), und zudem die anwaltliche
Verbeiständung
notwendig, ist
Rechtsan
wältin
Dr.
Sonja Gabi, Zürich
, als
unentgeltliche
Rechtsvertreterin des Beschwer
de
führers zu bestellen
und
mit Fr. 1‘
109.30
(inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) aus der
Gericht
skasse
zu entschädigen.
Der Beschwerdeführer wird auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über
das
Sozialver
sicherungs
gericht
(
GSVGer
) aufmerksam gemacht.