Decision ID: cef306fd-7545-4eda-991a-9ad2dda3d0e5
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, war ab 1995
als Hilfsarbeiterin in der Stanzerei (Konfektionierung von Metallteilen etc.)
für die
Y._
AG
mit einem Pensum von 100 %
erwerbstätig (Urk. 8/3/4,
Urk.
8/15
/1-2, Urk.
8/32)
. Daneben war sie
stundenweise
als Hauswartin tätig,
ab
1996 während
zirka
4 Stunden pro Woche für
Z._
und
ab
2002 während
zirka
13
Stunden pro Monat für
A._
(Urk. 8/3/4,
Urk.
8/
7-8, Urk.
8/11).
Am 20. Juni 1997 hatte
die Versicherte
eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) infolge einer Heckkollision erlitten. Die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgte
am
28. Juli 199
7.
Am 23. Januar 2000 erlitt
sie
durch Tätlichkeiten des Ehemannes multiple Prellungen. Die 100%ige Arbeitsaufnahme erfolgte am 27. J
anuar
2000 (Urk. 8/17/97).
Am 18. Juni 2007
zog
sie
sich
bei einem Sturz
mit Kniedistorsionstrauma
eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes
mit konsekutivem Zyklop
und einer Knorpel
läsion Grad II sowie partieller Ruptur des medialen
Hinterhorns
zu
, welche am 17. August 2007 mittels Kniearthroskopie operativ versorgt wurde
n
(
Urk. 8/17/364,
Urk. 8/17/344,
Urk. 8/17/
290
)
.
Am 3. September 2007 erfolgte die Arbeitsau
f
nahme in einem 50%igen Arbeitspen
s
um in sitzender Position (Urk.
8/17/349
)
, ab dem 1. Oktober 2007 mit 100%iger Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/7/327).
Bei einem weiteren Unfall am
20. Mai 2009
beim Fussballspielen mit Kindern
erlitt
sie
eine mediale
Malleolarfraktur
und eine Fraktur des
Volkmann’schen
Dreiecks links, welche am 28. Mai 2009
mittels Osteosynthese
am oberen Sprunggelenk (OSG)
operativ behandelt wurde (Urk. 8/17/182
, Urk. 8/17/308
).
Am
2. Oktober 2009 e
rfolgte
zufolge
einer
medialen
Meniskushinterhornläsion
am linken Kniegelenk
eine
Kniearthroskopie mit
Teilmeniskektomie
(
Urk. 8/17/254,
Urk. 8/17/279,
Urk. 8/7/306
)
.
Am 26. Oktober 2009 nahm
die Versicherte die Arbeit zu 50 % und nach mehreren Physiotherapien am 30. No
vember 2009 zu 100 % wieder auf (Urk. 8/17/109, Urk. 8/17/117-120).
Wegen chronischer Beschwerden
unter anderem auch im Bereich des OSG
(Urk. 8/17/69) wurde am
28. Mai 2010
das Osteosynthesematerial am OSG links entfernt (
OSME;
Urk.
8/17/55
).
Die
Suva
erbrachte
die gesetzlichen Leistungen
für die Folgen der Unfälle
an linkem Knie und oberem Sprunggelenk
vom
18.
Juni
2007 und vom 20.
Mai 200
9.
F
ür die beidseits
geklagten Rücken- und Handge
lenksbeschwerden
(
Urk. 8/17/84-85
,
Urk. 8/17/106,
Urk. 8/17/282, Urk. 8/17/278)
lehnte die Suva Leistungen mit formlosem Schreiben vom 12. Mai 2010
ab (Urk. 8/17/59). M
it V
erfügung vom 10.
Juni 2010
sprach die Suva der
Versicherten für die Unfall
folgen am linken Kniegelenk
eine Integritätsentschä
digung bei einer Integritäts
einbusse von 7.5 % zu (Urk. 8/17/52
, Urk. 8/17/63
).
Am 22. März 2013 wurde der Suva der Bagatellunfall
vom 15.
März 2013 gemel
det, bei welchem die Versicherte beim Ausgleiten auf der Strasse einen Schlag ins Knie und in die Hüfte (Urk. 8/17/270) mit Distorsion im linken Kniegelenk bei chronisch vorderer Instabilität
erlitt
(Urk. 8/17/259).
Die Suva übernahm die Kosten für die Heilbehandlung
am linken Knie (Urk. 8
/17/216)
. Leistungen für die weiterhin geklagten Beschwerden an der HWS und der Brustwirbelsäule (BWS) sowie
für
die chronische
n
Lumboischialgien
lehnte
die Suva
mit Schreiben vom 22. Januar 2014
erneut
ab (Urk.
8/17/214
).
1.2
Vom 19. Mai bis zum 15. Juni 2014
wurde
die Versicherte
im Rehabilitationszen
trum
der
Klinik B._
stationär im Rahmen des interdisziplinären Schmerzprogramms
aufgrund einer
komplexe
n
Schmerzproblematik
und der
damit verbundenen psychosozialen Probleme
behandelt
(Austrittsbericht
vom 30. Juni 2014
;
Urk. 8/1
4
/11
-14
). Die Hausärztin Dr. med.
C._
, Fachärztin für Allgemeine Medizin, attestierte der Versicherten ab dem 23. Juni 2014 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 8/14/8,
Urk.
8/25/6,
Urk.
8/28/3-5,
Urk.
8/67/2,
Urk.
8/67/4
, Urk.
8/67/6-8, Urk.
8/67/57-58). Die Erwerbstätigkeit bei der
Y._
AG führte die Versicherte mit einem 50%igen Pensum fort (Urk. 8/15/2
).
Mit Schreiben vom 6.
Mai 2014
, ergänzt mit ausgefülltem Formular unterzeichnet am 25. Juni 2014,
meldete sich die Versicherte bei der
Eidgenössischen Invalidenversicherung
wegen Beschwerden insbesondere an den Kniegelenken und Sprunggelenken beidseits, Muskelrheuma, Migräne sowie Beschwerden an der Wirbelsäule, betont an der Lendenwirbelsäule (LWS) und der Halswirbelsäule (HWS),
zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2
-3
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor. Unter anderem
holte
sie die Akten
der Suva betreffend
die
Unfälle
vom 18. Juni 2007 und vom 20. Mai 2009 (Urk. 8/17
/1-
369
)
sowie
die Akten des Krankentag
geldversicherers (Urk
. 8/21, Urk.
8/28)
ein
.
Nach Eingang weiterer medizinischer Unterlagen
des
Krankentaggeldversicherers (Urk.
8
/67),
unter
welchen
sich auch ein von
diesem
in Auftrag gegebenes neurologisch-psychiatrisches Gutachten des
Neurologicums
Zürichsee, Institut für interdisziplinäre Begutachtung, vom 23. und 25. Juli 2015 befand (Urk. 8/67/10-55), erliess die IV-Stelle am 3. November 2015 einen n
egativen Vor
bescheid (Urk. 8/69). Dagegen liess die Versicherte Einwand erheben (Urk. 8/75) und einen Bericht des Psychiatriezent
rums
D._
vom 27. November 2015 (Urk. 8/74) einreichen. Mit Verfügung vom 4. Januar 2016 verneinte die IV-Stelle
einen Renten
anspruch (Urk.
8/79).
Die hiergegen erhobene
Beschwerde
vom 4. Februar 2016 (Urk. 8/98/3-10)
hiess das
Sozialversicherungs
gericht
des Kantons Zürich
im Verfahren
Nr. IV.2016.00190
mit U
rteil vom 23.
Mai 2017 in dem Sinne gut, dass es die Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung
und neuer Verfügung über den Rentenanspruch
an die IV-Stelle zurückwies (Urk. 8/111
/
16
).
1.3
Mit Schreiben vom 14. Oktober 2016 hatte die Versicherte der IV-Stelle
unter Beilage diverser medizinischer Berichte (Urk. 8/108/1-26)
eine neue Anmeldung zum Leistungsbezug infolge Verschlechterung des Gesundheitszustandes einge
reicht (Urk. 8/109).
Am 8.
Dezember 2015 hatte
die Versicherte bei einem Arbeitsunfall
eine Verletzung am Mittelfinger der rechten dominanten Hand
erlitten
(Urk.
8/158/572-573)
.
Gleichentags wurde im
Ambulatorium der Chirurgischen Klinik des
Spital
s
E._
eine offene distale
Phalanxfraktur
Dig
.
III diagnos
tiziert und operativ versorgt
(Urk.
8/158/547-550
).
Mit Verfügung vom 18.
Januar 2017 sc
hloss die Suva den Fall per 15.
Dezember 2016 ab und verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente
sowie
die Übernahme weiterer Hei
lbehandlungskosten (Urk. 8/158/251
)
. M
it
Verfügung vom 7.
März 2017
verneinte sie ausserdem
einen Anspruch auf
Integritätsentschädigung (Urk.
8/158/216
). Die dagegen erhobenen Einsprachen
(Urk. 8/158/226-231, Urk. 8/158/190-196)
wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 29.
Juni 2017 ab (Urk.
8/114).
Die hiergegen erhobene Beschwerde wies das
Sozialversiche
rung
sgericht
des Kantons Zürich
im Verfahren Nr. UV.2017.00195
m
it Urteil vom
27. Februar 2019
ab
(Urk.
8/
158/20-35
).
1.
4
Die IV-Stelle
klärte infolge des
U
rteils des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich
IV.2016.00190
vom 23. Mai 2017 (U
rk.
8/111)
die
aktuelle
n
erwerbliche
n
und medizinischen Verhältnisse ab
(
vgl. ab
Urk. 8/127)
und holte unter anderem
die Akten der Suva zum U
nfallereignis vom 8.
Dezember 2015
ein
(U
rk.
8/158)
.
Die Arbeitgeberin der
Y._
AG meldete im
undatierten
Arbeitgeber
bericht (Eingang vom 20. Juli 2018) eine Beschäftigung der Versicherten im U
mfang von 16
Stunden pro Woche
ab
Februar 2016
(Urk. 8/145).
Zudem holte die IV-Stelle
das polydisziplinäre Gutachten
der
F._
vom 28.
Februar 2020
ein
(U
rk.
8/174)
; d
ie Gutachter
schlossen
aus interdisziplinärer Sicht
auf eine Arbeitsfähigkeit der Versicherten
in der bisherigen Tätigkeit von 50
%
und in einer leidensangepassten Tätigkeit von 60
%
(Urk. 8/174/24-25).
Mit Vorbescheid vom 15. Mai 2020 kündigte die IV-Stelle die Abweisung des Rentenbegehrens an (Urk. 8/178). Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 22. Juni 2020, ergänzt am
19.
August 2020, Einwände (U
rk.
8/183
, Urk. 8/191
)
und gab
am 22. Dezember 2020 (Urk. 8/197)
den Bericht des
Zentrums G._
vom 13. Dezember 2020 zu den
Akten (Urk. 8/198)
.
Die IV-Stelle holte
dazu
die Stellungnahme
der
F._
-Gutachter vom 7.
Oktober 2021 (Urk.
8/212
) ein.
Mit Verfügung vom 8. November 2021 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren wie angekündigt ab (
Urk.
8/214 = Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte
mit Eingabe vom
9. Dezember
2021
Beschwerde
und beantragte, die
Verfügung vom 8. November 2021 betreffend Invalidenrente sei aufzuheben und es sei ihr ab dem
1.
Dezember 2014 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht stellte sie den Antrag auf unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertretung in der Person von Rechts
anwältin D
r.
B
arbara
Wyler
(Urk. 1
S. 2), welchen sie mit Eingabe vom 22. Dezember 2021 zurückzog (Urk. 6). Die
Beschwerdegegnerin
schloss in der Beschwerdeantwort vom
1.
Februar 2022 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Mit Verfügung vom 9. Februar 2022 wurde die ASGA Pensionskasse Genossen
schaft zum Prozess beigeladen (Urk. 9). Diese liess sich innert angesetzter Frist nicht vernehmen, was
den Parteien
am 5. April 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrech
tlicher Rege
lungen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Daher und
weil das Gericht bei der Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streiti
gen Verfügung (hier: Verfügung
vom
8. November 2021,
Urk. 2) eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften
anwendbar, die nach
folgend in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
2.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG
)
.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valid
eneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst gen
au ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einko
mmensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin führt zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus,
es lägen diverse Diagnosen vor, welche eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit aus somatischen Gründen nachvollziehbar darlegen würden. Die bisherige Tätigkeit sei seit Juli 2014 noch zu 50 % zumutbar. In einer leidensan
gepassten Tätigkeit bestehe aus neurologischer Sicht eine 80%ige und aus rheumatologischer Sicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Die aus psychiatrischer Sicht attestierte 40%ige Arbeitsunfähigkeit könne nach Prüfung der Standard
indikatoren aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht dagegen nicht nachvoll
zogen werden. Insgesamt sei
eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne Steigen auf Leitern und Gerüste sowie unter Vermeidung von Arbeiten in Nässe und Kälte ausgewiesen.
Der
Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von
36
% und damit keinen Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
3
.2
D
ie
Beschwerdeführer
in
wendet dagegen ein,
das
F._
-Gutachten vom 28. Februar 2020 sei zu beachten. D
er Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
habe
das immerhin 153 Seiten lange Gutachten, in welchem alle von der IV-Stelle
unter Berücksichtigung der Rechtsprechung von BGE 141 V 281, 143 V 409 und 418
gestellten Fragen präzise und detailliert beantwortet
worden seien
,
für gut und nachvollziehbar befunden. Es sei unverständlich, dass die Sachbearbeiter der
Beschwerdegegnerin
das
F._
-Gutachten verworfen hätten. Die funktio
nellen Auswirkungen seien im Gutachten medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt worden sowie den normativen Vorga
ben sei Rechnung getragen worden.
Die Fachgebiete seien im Gutachten je plausibel und nachvollziehbar dargelegt, insbesondere auch das psychiatrische Teilgutachten mit integrativem Einbezug in den interdisziplinären Konsens. Die somatoforme Störung und die Dysthymie würden sie
, die
Beschwerdeführerin
,
in ihrer Leistungs- und Belastungsfähigkeit einschränken sowie die Kognition beeinträchtigen. Letzteres sei anlässlich der Begutachtung zum Ausdruck gekom
men. Sie sei daher in der angestammten und auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit aus interdisziplinärer Sicht nicht mehr als vollumfänglich leistungs- und belastungsfähig zu betrachten.
Die Verwaltung sei unter diesen Umständen nicht berechtigt, das ganze interdisziplinäre Gutachten mit eigener Beur
teilung ohne triftige Gründe aus
zuhebeln und die Zusprache ein
er Invalidenrente zu verneinen, zumal auch der von der
Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung vorgenommene
Indikatorenprüfung
nicht gefolgt werden könne.
Aufgrund des Ergebnisses des Gutachtens stehe ihr
ausgehend von der gutachter
lich attestierten 50%igen in der angestammten Tätigkeit und einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit
mindestens eine Viertels
rente ab Januar 2015 zu
(Urk.
1 S. 6 ff.)
.
In Bezug auf die Berechnung des Invaliditätsgrades liege bei ihr jedoch
ein besonderer Fall vor. Denn
dabei
sei zu berücksichtigen, dass sie
, welche Anfang 2022 57 Jahre alt geworden sei,
seit August 1995 in einem besonders stabilen A
rbeitsverhältnis
in einer metallver
arbeitenden Fabrik als Mitarbeiterin inklusive
Stanzerin
tätig sei
. Dies trotz
aller krankheits
-
und unfallbedingten Absenzen. Diese Tätigkeit sei im
F._
-Gutachten als ideal angepasst erklärt worden
, welche gemäss der Konsensbeur
teilung in einem 50%igen Arbeitspensum zumutbar sei.
Es liege exakt ein Fall vor, in welchem nach der Rechtsprechung von der beruflich-erwerblichen Situation mit besonders stabilen Arbeitsverhältnissen und in zumutbarer Weise voll ausgeschöpfter verbleibender Arbeitsfähigkeit auszugehen sei.
In
der Fabrik
könne sie maximal 40
% arbeiten, mit der ebenfalls stabilen
Hauswart
tätigkeit
komme sie auf ein P
ensum von 50
%.
Von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit sei dagegen nicht auszugehen, da ihr
ein solches
Arbeitspensum nicht möglich sei.
Das Invalideneinkommen betrage damit 50 % des
Valideneinkommens
. Daher
sei ihr rückwirkend ab Dezember 2014 aufgrund des 50%igen Arbeitspensum
s
eine halbe Rente zuzusprechen
(Urk.
1 S. 10 ff.)
3.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht den Anspruch auf eine Invalidenrente verneint hat.
4
.
4
.1
Zu klären ist zunächst die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
aus medizi
nischer Sicht.
Im U
rteil
IV.2016.00190 vom 23. Mai 2017
hatte das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
das
vom Krankentaggeldversicherer eingeholte
neurologisch-psychiatrische Gutachten von Dr. med.
H._
, Facharzt FMH für Neurologie, und Dr. med.
I._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
Neurologicum
Zürichsee vom 23. und 25. Juli 2015 (Urk. 8/67/9-55)
sowie
die
damals vorliegenden
Berichte der behandelnden Ärzte
dargelegt und
geprüft
(E.
3-5,
Urk.
8/111/5-15
). Es kam zum Schluss, dass
auf die Berichte der behandelnden Ärzte und das psychiatrische Gutachten von D
r.
I._
zur Beurtei
lung der Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
sowie des Renten
anspruchs nicht abschliessend abgestellt werden könne. Insbesondere fehle es an einer Beurteilung der vom neurologischen Gutachter festgestellten stark gestörten Schmer
z
verarbeitung mit Symptomausweitung unter p
sychiatrischen Gesichts
punkten.
Letztlich sei eine
Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit in der ange
stamm
ten und in einer leidensangepassten Tätigkeit aus polydisziplinärer Sicht angezeigt
, wobei gegebenenfalls auch die Folgen des operativen Eingriffs
vom 8. Dezember 2015
an der rechten Hand
(rechter Mittelfinger; Urk.
8/158/547-550
)
zu thematisieren seien
(E. 4.4 und E. 5, Urk. 8/111/13-15).
Im Urteil UV.2017.00195
vom 27.
Februar 2019
stellte das Sozialversicherungs
gericht des Kantons Zürich
bezüglich der dort zu beurteilenden unfallversiche
rungsrechtlichen Leistungen
fest, dass die
Beschwerdeführerin
spätestens ab dem 25. April 2016 nicht mehr wegen der Folgen des Unfalls vom 8. Dezember 2015
mit Verletzung des rechten Mittelfingers in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
gewesen sei
(E. 5.1, Urk.
8/158/34).
4
.2
4
.2.1
Gemäss dem
von der
Beschwerdegegnerin
in Ergänzung der Aktenlage
nunmehr
eingeholte
n
polydisziplinäre
n
Gutachten der
F._
vom 28. Februar 2020
wurde d
ie
Beschwerdeführerin
am 11.
und 19.
November 2019 sowie am 2.
Dezember 2019 aus allgemein-internistischer, rheumatologischer, neurolo
gischer und psychiatrischer Sicht untersucht (Urk. 8/174/14).
Sie
gab
gegenüber den Gutachtern
an, sie
leide an Kopfschmerzen mit Ausstrahlung vom rechts
seitigen Nacken bis in die Stirn,
welche bis zu drei Tagen andauern könnten und zum Teil mit Erbrechen einhergehen würden,
Schmerzen im Ober- und Unter
kieferbereich rechts
sowie
im Bereich der
fünf
extrahierten
Z
ähne
, Schmerzen am linken Knie, Rückenschmerzen
, insbesondere im Bereich der LWS und der HWS,
mit Ausstrahlung in beide Hüftregionen und Beine bis zu den Fersen
,
Miss
empfindung
en
im gesamten rechten Bein seit einer Varizenoperation
im März 2017 mit insbesondere abendlichen Schmerzen trotz Stützstrümpfen am gesam
ten Unterschenkel und Kontrollverlust der Beine
, Schmerzen im linken Knöchel seit einem Trauma, Missempfindungen in den Händen
mit Ausstrahlung bis zu den Schultern
, Schmerzen in den Fingernägeln, insbesondere im dritten Mittel
finger rechtes Endgelenk,
Schmerzen im ganzen Körper von elektrisierendem Charakter wie Stromschläge oder messerstichartig, in der Nacht verstärkt auftretenden Muskelbeschwerden,
Einschlaf- und Durchschlafstörungen sowie an scharfen Tönen
im Hinterkopf mit Piepsen in beiden Ohren
.
Auch sei sie nervös und gereizt
sowie lustlos, «am Ende».
Sie habe keine Kraft mehr und sei leicht ermüdbar sowie herabgestimmt belastet. Es bestünden wiederkehrende
Lebens
überdrussgedanken
(Urk. 8/174/56-57
, Urk. 8/174/110
, Urk. 8/174/133-137
).
Die Gutachter
stellten
i
m Rahmen der Konsensbeurteilung
(Urk. 8/174/19)
die folgenden Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Migräne ohne Aura seit dem 20. Lebensjahr (ICD-10 G43.0), aktuell zusätzlicher Medikamen
ten
überkonsum
kopfschmerz, sekundäre posttraumatische Gonarthrose links (ICD-10 M17), panvertebrale Schmerzen (ICD-10 M54), myofasziales Syndrom (ICD-10 M79), chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit führten sie die folgenden auf: Chronisch venöse Insuffizienz (ICD-10 I87) bei/mit Status nach tiefer Beinvenenthrombose
links 2017 und Status nach Varizenstripping beider B
ein
e am 29. März 2017
(vgl. Urk. 8/
134/16-
23
)
, Adipo
sitas (ICD-10 E66),
Dysthymia
(ICD-10 F34.1).
Auf dem Fachgebiet der inneren Medizin
lägen
keine arbeitsrelevanten Diagnosen vor. Die
Beschwerdeführerin
sei aus internistischer Sicht zu 100
%
arbeitsfähig. Auch im Verlauf habe keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit bestanden (Urk. 8/174/64-65).
Aus neurologischer Sicht
würden die Kopfschmerzen aktuell zu einer gering
fügi
gen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
um
20
%
in der bisherigen Tätigkeit und in sämtlichen anderen Tätigkeiten führen.
Bezüglich des zeitlichen Verlaufs könne auf das Vorgutachten vom
25. Juli 2015
von Dr.
J._
abgestützt werden. Damals sei bei einem episodischen Kopfschmerz keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit postuliert worden. Die Kopfschmerzen hätten in der Zwischenzeit aber deutlich an Häufigkeit zugenommen und seien chronisch geworden.
Die Kopfschmerzen seien - nebst de
n
Diagnosen der Migräne ohne Aura und
des
Medikamentenüberkonsumkopfschmerz
es
- ohne weiteres zumin
dest teilweise im Rahmen des diffusen generalisierten und chronifizierten Schmerzsyndroms zu interpretieren.
Die
Befunde der klinisch-neurologischen Untersuchungen
und die
anamnestischen Angaben der
Beschwerdeführerin
, beispielsweise bezüglich der Schmerzausstrahlungen an den Extremitäten, insbe
s
ondere im aktenmässigen Verlauf, seien
nicht übere
in
stimmend.
Aus
den
divergierenden Akteninformationen
könne geschlossen werden, dass den Beschwerden
kein eindeutiges organisches-strukturelles Korrelat am peripheren oder zentralen Nervensystem
zugrunde liege
. Die körperlichen Ressourcen seien weitgehend intakt und gut vorhanden (Urk.
8/174/20-25
, Urk. 8/174/
117-1120
).
Aus
rheum
atologischer Sicht seien die von der
Beschwerdeführerin
geklagten Knieschmerzen auf die posttraumatischen Schäden respektive die Entwicklung einer Gonarthrose zurückzuführen. Ausserdem lägen degenerative Veränderun
gen an der HWS mit
Unkarthrose
und Spondylarthrosen vor. Infolge der Nacken
beschwerden komme es häufig zu myofaszialen Beschwerden im Schultergürtel und an der oberen Rückenmuskulatur.
Differenzialdiagnostisch sei an das Bild einer Fibromyalgie zu denken. Bei der
Beschwerdeführerin
sei es indes nicht so, dass keine
die
Beschwerden erklärende Befunde vorliegen würden. So gebe es degenerativ veränderte Zwischenwirbelgelenke an der Wirbelsäule und die belastungsabhängig entstehenden Beschwerden am linken Bein seien zurückführ
bar auf die Gonarthrose und wahrscheinlich auch auf die entstehende Arthrose im Knöchelbereich nach Trauma. Auffällig sei hier aber das Schmerzerleben der
Beschwerdeführerin
, da die Befunde das empfundene Ausmass der Beschwerden nicht erklären könnten (Urk. 8/174/21). D
ie Beschwerden am Bewegungsapparat in Form der sekundären posttraumatischen Gonarthrose links, der panvertebralen Schmerzen und des myofaszialen Syndroms
würden
zu einer erheblichen
Einschränkung der zumutbaren Tätigkeiten führen, so dass körperlich mittel
schwere und schwere Arbeiten
nicht mehr oder nur mehr zeitweise
sowie solche mit Zwangshaltungen wie bei der bisherigen Tätigkeit nur zeitweise
ausgeführt werden könnten (Urk. 8/174/22).
D
er
Beschwerdeführerin
sei die bisherige
Tätig
keit einer Produktionsmitarbeiterin
während
vier Stunden pro Tag bei 100%oiger Leistungsfähigkeit
entsprechend einer 50%igen Arbeitsfähigkeit zumutbar. In einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne Situationen mit Gefahrenpotential wie das Besteigen von Leitern und Gerüsten sowie ohne Arbeiten in Nässe und Kälte sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben. Diese Einschätzung gelte je unverändert seit Juli 2014 (
Urk.
8/174/24-25).
Aus psychiatrischer Sicht könnten die Unfallereignisse als Grundlage für die Ausbildung einer psychischen Störung, namentlich einer Erkrankung aus dem somatoformen Diagnosespektrum, nämlich einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, identifiziert werden. Diese Störung habe sich im Verlauf der weiteren Krankengeschichte weiter manifestiert. Die
Beschwerdeführerin
habe erlebt, dass
sie
aufgrund der körperlichen Erkrankung eingeschränkt gewesen sei
;
da sie immer sehr leistungsbereit gewesen sei, habe dies zu einer grossen Kränkung im Sinne eines Seelenschmerzes mit einem Sprung ins Körperliche geführt.
Für das Bestehen einer Erkrankung aus dem somatoformen Diagnosespektrum würden auch die vielfältigen bisher durch
ge
führten Therapien sprechen, die ohne wesentlichen Erfolg geblieben seien.
Die Schmerzstörung möge auch im Zusammenhang mit psychodynamischen Fakto
ren zu sehen sein, etwa den Lebensumständen der
Beschwerdeführerin
, den unklaren Zukunftsperspektiven und den psychosozialen
Heranwachsensbedin
gungen
.
Vor dem Hintergrund dieser
Heranwachsensbedingungen
mit einer hohen Leistungsbereitschaft dürfte sich bei ihr auch eine Dysthymie herausgebil
det haben. Sie habe sich gleichwohl über das Erbringen von Leistung Selbstwert
stabilisierung und Anerkennung verschafft. Im Rahmen ihrer körperlichen Erkrankung möge dieses Abwehrgefüge dann zusammengebrochen sei
n
und sie sei auch ausgeprägter depressiv gewesen; die Dysthymie sei letztendlich ent
sprechend auch den ICD-Kriterien möglicherweise von ausgeprägten, depressiven Symptomen überlagert worden. Unter Zusammenschau der Befunde der somato
formen Schmerzstörung mit der Dysthymie sei von einer gegenseitigen Verstär
kung auszugehen.
Die anlässlich der aktuellen Begutachtung aufgefallene Einschränkung im Bereich der Kognition, die sich im Psychostatus niederschlage, sei Ausdruck der psychischen Erkrankung, des chronisch erlebten Schmerzes, der zu einer chronisch depressiven,
dysthymen
Herabgestimmtheit führe, die wiederum die Verarbeitung des Schmerzes und den Umgang mit diesem
erschwere
(Urk.
8/174/21-22)
.
Gewisse Inkonsistenzen würden sich vor dem Hintergrund der durchgeführten Therapien und deren Nichtwirksamkeit ergeben.
Das Aktivitätsniveau im A
lltag erscheine relativ gut, dürfte jedoch auch, wie
es
die
Beschwerdeführerin
ausdrücke, ohne Verlässlichkeit sein, so dass abschlies
send aus psychiatrischer Sicht eine gleichmässige Einschränkung in allen vergleichbaren Bereichen habe festgestellt werden können.
Es bestehe aktuell, wie auch dem Dossier zu entnehmen sei, eine gewisse Symptomverdeutlichung, jedoch keine Aggravation oder gar Simulation. Die von der
Beschwerdeführerin
subjektiv gemachten Angaben zu ihren Einschränkungen seien konsistent und nachvollziehbar erschienen
(Urk. 8/174/24)
.
R
ein medizinisch-theoretisch sei die
Beschwerdeführerin
aus psychiatrischer Sicht
in der Lage
,
sämtliche, ihrem körperlichen Belastungsprofil angepasste Tätigkeit
en
mit einer integralen Re
duktion von 40
% zu bewältigen.
Ohne dass ein genauer zeitlicher Verlauf retrospek
tiv über die lange Zeit gestellt werden könnte, dürfte sich
insbesondere eine Zunahme der Symptome Anfang 2018 eingestellt haben und zu den aktuell fest
gestellten bestehenden Einschränkungen geführt haben.
Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in der Metallproduktion und die Hauswarttätigkeit könnten als ideal angepasste Tätigkeiten bezeichnet werden. Hierbei betrage die Reduktion aus psychiatrischer Sicht 40
% ohne weitere Einschränku
ng der Leistungsfähigkeit (Urk.
8/174/24-25).
Interdisziplinär schlossen die Gutachter auf eine
A
rbeitsunfähigkeit von
insge
samt
50 % in der bisherigen Tätigkeit. In einer optimal leidensangepassten Tätigkeit könne aktuell eine Gesamtarbeitsfähigkeit von 60 %
attestiert werden. D
ie Arbeitsunfähigkeiten gemäss den Teilgutachten seien hierbei nicht als additiv zu betrachten, da die Funktionseinschränkungen und Beeinträchtigungen gesamthaft nicht als so schwerwiegend eingestuft würden (
Urk.
8/174/25).
4
.2.2
Zum psychiatrischen
F._
-Teilgutachten von med.
pract
.
K._
vom 27. Dezember 2019 (Urk. 8/174/123
-153
) wurde von der
Beschwerdeführerin
im
Vorbescheid
verfahren (Urk. 8/197)
die Stellungnahme
des Zentrums G._
vom
13.
Dezem
ber 2020,
unterzeichnet von
L._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie, und Dr. phil.
klin
. psych.
M._
, klinischer Psychologe, eingereicht
(Urk. 8/
198
)
.
Darin wurde ausgeführt,
der
F._
-Gutachter habe al
s bisher einziger eine Dysthymie
diagnostiziert. D
ie Beschwerden seien entsprechend oberflächlich aufgenommen worden
und die Fremdbeurte
ilung falle mit einem Wert von neun
in der Hamilton-Skala entsprechend aus. Im Min
i-ICF-App habe der Gutachter le
d
i
glich leichte bis mässig ausgeprägte Beeinträchtigungen gefunden. Dagegen s
ei
im
Zentrum
G._
ein Wert nach der
Hamilton Depression Rating Skale (HAMD)
von 33
getestet worden, was einer
schweren Depression entspreche. Auch sei von den behandelnden Ärzten im Jahr 2015 zunächst eine mittelgradige depressive Episode nach zwei Monaten stationärer (richtig ambu
lanter) Behandlung (im
Psychiatriezentrum D._
ab 2
5.
März 2015; Urk. 8/45/1
-2) und hernach von Dr. med. N._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine depressive Episode schweren Grades (
Bericht vom 2
3.
September 2015;
Urk. 8/64/1-3) sowie vom
Zentrum G._
eine rezidivierende schwere Depression diagnostiziert worden.
Die schwere Depression sei im Verlauf der
Langzeitbehandler
D
r.
N._
(bisher 28 Sitzungen) und
des Zentrums G._
ohne Zweifel bestätigt worden.
Die
Beschwerdefüh
rerin
habe sich trotz der Depression und der Schmerzen über 13 Jahre in einer geradezu heroischen Weise bemüht, die Arbeitsfähigkeit in der Metallfabrik von aktuell 40 % aufrecht zu erhalten; allerdings zum Preis eines chronischen Medikamentenmissbrauchs. Die Arbeitstätigkeit weise indes nicht, wie der Gutachter impliziere, auf eine geringe Depression hin, sondern vielmehr auf ein ernsthaftes Bemühen, die Schmerzen sowie die Depression mit einer Tagesaktivi
tät zu überwinden.
Die Symptome für eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2), seien erfüllt. Es handle sich dabei nicht nur um die v
on
med.
pract
.
K._
erwähn
ten Symptome, nämlich Schlafstörungen, Nervosität, Schmerzen, Lustlosigkeit, geringerer Selbstwert,
Lebensüberdruss
gedanken
, Minderung des Appetits und geringfügige Antriebsminderung. Sondern zusätzlich seien
eine deutlich depres
sive Stimmung, deutliche Antriebsminderung im Vergleich zu vor 2007, deutliche Konzentrationsstörungen im Alltag, ein deutlicher sozialer Rückzug im Vergleich zu früher, pessimistische Gedanken, Überforderung und Motivationsverlust gegeben.
Auch entspreche der psychopathologische Befund von
med.
pract
.
K._
in keiner Weise den klinischen Realitäten der
Beschwerdeführe
rin
.
Es sei
en
unter anderem im Unterschied zu den vom Gutachter erhobenen Befunden auch eine depressiv-resignierte Stimmung und eine deutliche Vergess
lichkeit festgestellt worden.
Med.
pract
.
K._
habe die Stimmung dagegen als
dysthym
beschrieben und das Vorliegen einer Vergesslichkeit negiert. Zur Arbeitsfähigkeit zeige sich im Verlauf in aller Deutlichkeit, dass sich die
Beschwerdeführerin
über ihre Massen mit der ausgeübten 40%igen Erwerbstätig
keit bemühe, die Störungen zu überwinden, was mindestens teilweise gelinge. Mit der schweren Depression sei sie bereits mit dem P
ensum von 40
% überfordert. Eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit sei daher ausgewiesen. Das psychiatri
s
che Gutachten von
med.
pract
.
K._
sei daher oberflächlich
, vorbei an den klinischen Realitäten im Verlauf und die Fremdeinschätzungen geradezu grotesk bagatellisierend.
Das psychiatrische Gutachten sei daher im Gegensatz zur Einschätzung des Regionalen Ärztlichen Dienstes weder begründet, noch in der Diagnose der
Dysthymie und der damit zusammenhängenden angeblich 40%igen Arbeitsunfähigkeit nachvollziehbar
(
Urk.
8/198/2-4).
4
.2.3
Die
F._
-Gutachter erklärten hierzu in ihrer Stellungnahme vom
7. Oktober 2021
,
im psychiatrischen Teilgutachten sei eine Dysthymie diagnostiziert worden, weil sich, wie im Gutachten angefügt, weder im psychopathologischen Befund noch test-psychiatrisch ausgeprägtere depressive Symptome
hätten feststellen lassen. D
ie
im
Zentrum
G._
-Schreiben unter Ziffer 6 aufgeführten
(psychiatrischen)
Diagnosen
hätten nicht festgestellt werden können. Auch hätten sich die unter Ziffer 4 angeführten Symptome und die in Ziffer 5 beim psychopathologischen Befund genannte Symptomatik bei der Begutachtung nicht feststellen lassen, so dass
auf
keine anderen Diagnosen als auf jene im Gutachten genannten habe geschlossen werden können.
Im damaligen Zeitpunkt der Begutachtung habe die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, ausgeschlossen werden können.
Entgegen den Aussagen
im
Zentrum
G._
-Bericht in Ziffer 2 sei
bei Erhebung und Erstellung des psychiatrischen Gutachtens sowie der aktuellen Beschwerden die Symptomatik aufgenommen worden
. Die Symptomatik
sei
unter Ziffer 6.3 (des psychiatrischen Fachgutachtens vom 27.
Dezember 2019, Urk. 8/174/145-147)
auch differential
diagnostisch reflektiert worden und habe im Psychostatus Berücksichtigung gefunden. Dabei habe die Symptomatik insbesondere nicht in der
im
Zentrum
G._
-Bericht angeführten Schwere festgestellt werden können.
Es falle zudem auf, dass
im
Zentrum
G._
-Bericht auf lange vorausliegende Behandlungen Bezug genommen worden sei, etwa auf jene der Jahre 2007, 2009 und 201
5.
Hierzu sei anzumerken, dass möglicherweise vorbestehend eine ausgeprägtere depressive Symptomatik bestanden haben könnte
.
Eine solche sei
zum Untersuchungszeitpunkt
nicht mehr vorhanden und feststellbar g
ewesen. Es habe mithin
auch keine floride depressive Symptomatik, insbesondere keine schwere depressive Episode
,
festgestellt werden können. Depressive Störungen seien ferner prinzipiell behandelbar und hätten eine gute Prognose. Des Weiteren
seien leichte und mittelgradige Episoden nicht dazu geeignet, auf Dauer eine Arbeitsunfähigkeit, insbesondere
von
renten
begründendem Ausmass zu bedingen.
Ferner
werde
nicht nur unter Berücksich
tigung von Ziffer 3
des Zentrums G._
-Berichtes
deutlich, dass, wie zu erwarten, von den behandelnden Ärzten psychosoziale Faktoren gewichtet würden. Solchen Faktoren komme jedoch aus versicherungspsychiatrischer Sicht
kein Gewicht zu und
diese
seien auch nicht zu b
erücksichtigen. Zu Ziffer 3 und
7
des Zentrums G._
-Schreibens sei festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin
eben
gerade
im Arbeits
prozess gestanden habe. Schliesslich sei der Vorwurf
zurückzuweisen
, das
psychiatrische Gutachten sei oberflächlich, grotesk und bagatellisierend. Wie auch in Ziffer 1
des Zentrums G._
-Schreibens angeführt, würden keine neuen fundierten psychiatrischen Diagnosen existieren, so dass an der Einschätzung zum Unter
suchungszeitpunkt festgehalten werde. Es könne keine andere Diagnose gestellt werden. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
habe sich aus heutiger Sicht (vom 7. Oktober 2021) nicht geändert. Aus dem
Zentrum G._
-Schreiben würden keine neuen Erkenntnisse hervorgehen (Urk. 8/212/3-5).
4
.3
4
.3.1
Mit dem polydisziplinären Gutachten der
F._
vom 28. Februar 2020 (Urk. 8/174)
und der ergänzenden Stellungnahme vom 7. Oktober 2021 (Urk. 8/212)
liegt in medizinischer Hinsicht nunmehr eine umfassende inter
dis
ziplinär-fachärztliche Begutachtung vor, welche auf den erforderlichen Untersuchungen beruht und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden, des Verhaltens der
Beschwerdeführerin
sowie der medizinischen
Vorakten
erfolgte. Die medizinischen Zusammenhänge wurden sowohl bezüglich der somatischen als auch bezüglich der psychischen Beschwerden nachvollziehbar aufgezeigt und
die Beurteilung der medizinischen Situation schlüssig begründet dargelegt. Auch wurden die getroffenen Schlussfolgerungen ausführlich und nachvollziehbar erläutert. Das
F._
-Gutachten erfüllt damit
in medizinischer Hinsicht
alle rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4
.3
.2
Davon ging auch die
Beschwerdegegnerin
im angefochtenen Entscheid aus
(Urk. 2)
. Von der
Beschwerdeführerin
wurde der Beweiswert des
F._
-Gutachten
s
ebenfalls
nicht in Frage gestellt
; sie postulierte, dass darauf abzustellen sei
(Urk.
1
S. 5 ff.
)
.
4
.
4
4
.4
.1
Allerdings beantragt
die
Beschwerdeführerin
ohne weiter
e Begründung zum Rentenbeginn
eine Rente ab dem 1. Dezember 2014 (Urk. 1 S. 2). Hierfür
würde nach dem Gesetz
eine Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit von durch
schnittlich mindestens 40 % während eines Jahres
- abweichend von der Einschätzung der
F._
-Gutachter -
nicht erst ab Juli 2014, sondern
bereits
ab Deze
mber 2013 (Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG)
mit anschliessender
Invalidität
von mindestens 40
% (Art. 28 Abs. 1 lit.
c
IVG)
ab Dezember 2014
vorausgesetzt.
E
s ist daher zu prüfen, ob die
Arbeitsunfähigkeit in
d
er angestammten Tätigkeit in diesem Umfang bereits vor Juli 2014
ausgewiesen ist
.
Gemäss dem
F._
-Gutachten
erfolgte
die retrospektive Beurteilung
einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ab Juli 2014
aufgrund der somatischen Beschwerden aus rheumatologischer Sicht.
E
ine
Erläuterung
zum attestierten Zeitpunkt der 50%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ab Juli 2014
ist
in der Konsensbeurteilung
und dem rheumatologischen Teilgutachten nicht aufgeführt
(Urk. 8/174/
19-28
,
Urk. 8/174/96-103)
.
4
.4
.2
Den
Akten ist zu entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin
nach dem Bagatell
u
n
fall vom 22.
März 2013, bei dem sie
beim Ausgleiten auf der Strasse einen Schlag ins Knie und in die Hüfte (Urk. 8/17/270) mit Distorsion im linken Kniegelenk bei chronisch vorderer Instabilität (Urk. 8/17/259)
erlitten hatte, ihre Erwerbstätigkeit bei
Y._
AG
weiterführte
und damals keine Arbeitsunfähigkeit attes
tiert wurde (Urk. 8/17/236, Urk. 8/17/24).
Gemäss dem Bericht von
Dr.
med.
P._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie, von der Rosenklinik vom 18. Dezember 2013 waren die Knieschmerzen nicht typisch für die vorhandenen Läsionen des Kniegelenks. Zusätzlich habe die
Beschwerde
führerin
lumboischial
gi
e
forme
Schmerzen und im Juni 2013 eine akute Lumbalgie mit erheblichen Beschwerden
bei Status nach Diskushernie
präsentiert. In den weiteren Kontrollen
wurden
seit Jahren bestehende Parästhesien am linken Unterschenkel und
Beschwerden
an der
HWS
sowie
der
BWS
thematisiert
. Aus orthopädischer Sicht liessen sich die angegebenen Symptome nicht mit den vorhandenen Pathologien erklären.
Eine Arbeitsunfähigkeit wurde nicht attestiert (Urk. 8/17/218-219
, Urk. 8/16/3
).
Die Überweisung
von
Dr.
P._
an die Rheumapraxis
Q._
ergab gemäss dem Beric
ht von Dr. med. Q._
, Facharzt für Rheumatologie,
vom 22. Januar 2014 diverse muskuloskelet
t
ale Beschwerden mit begleitenden Weichteilbefun
den. Insgesamt könnten die Schmerzen durch
die radiologischen Befunde und bei Status nach Operationen in Folge von diversen Läsionen zu einem gewissen Teil erklärt werden. Es präsentiere sich aber eine ausgeweitete Schmerzsymptomatik mit einem multifaktoriellen
fibromyalgieformen
Beschwerdebild. Die
Beschwer
deführerin
se
i weiterhin zu 100
% im Arbeitsprozess integriert (Urk. 8/18/17).
Vom 19. Mai bis zum 15. Juni 2014
folgte die stationäre Behandlung der Schmerzproblematik
im Rehabilitationszen
tru
m der
Klinik B._
. Auch von den Ärzten des
Rehabilitationszentru
ms wurde für den weiteren Verlauf keine Arbeitsunfähigkeit festgehalten
(Urk. 8/14/11-14). Die Hausärztin Dr. med.
C._
, Fachärztin für Allgemeine Medizin, attestierte
ebenfalls
erst
nach dieser stationären Behandlung eine Arbeitsunfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit
, und zwar
ab dem 23. Juni 2014
im Umfang von
50 %
(Urk. 8/14/8,
Urk. 8/25/6, Urk. 8/28/3-5, Urk. 8/67/2, Urk. 8/67/4, Urk. 8/67/6-8, Urk. 8/67/57-58).
Dr.
P._
erachtete die bisherige Tätigkeit im
Bericht vom 30. Juli 2014
als vollzeitlich zumutbar ein, sofern auf körperlich anstrengende Tätigkeiten verzichtet werden könne, wobei aber eine verminderte Leistungs
fähigkeit insofern bestehe, als bei wechselnden Beschwerden intermittierende Schmerzexazerbationen möglich seien. Dann sei die
Beschwerdeführerin
schätzungsweise nur zu 50 % belastbar. Eine leidens
angepasste Tätigkeit sei (ebenfalls nur) zu 50
%
, das heisse während vier Stunden pro Tag zumutbar (Urk. 8/16/3).
Die
Beschwerdeführerin
führte ihr
Erwerbstätigkeit bei der
Y._
AG
nach der
stationären Behandlung in der
Rehabilitationsklinik
mit einem 50%igen Pensum fort (Urk. 8/15/2).
Dementsprechend wurde im
Arbeitgeberbericht
vom 27. Juli
2014
eine Arbeitsunfähigkeit
von 100
% während
der stationären Behandlung vom 19. Mai bis 15. Juni 2014 und von 50
%
ab dem 1
6.
Juni 2014 bis auf Weiteres angegeben
(
Urk.
8/115/3).
4
.4
.3
Bei dieser Aktenlage bis Juli 2014
ist ausgewiesen
, dass
eine
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
nicht schon ab Dezember 2013, sondern
erst mit dem Eintritt in
die
Klinik B._
ab dem 19.
Mai 2014 bestand. Davor arbeitete die
Beschwerdeführerin
in vollem Pensum und es wurde von den behandelnden Ärzten keine Arbeitsun
fähigkeit attestiert.
Der Ablauf des sogenannten Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG und damit der Beginn einer allfälligen Rente ist somit entgegen dem Antrag der
Beschwerdeführerin
(
Urk.
1 S. 2) nicht bereits ab Dezember 2014 möglich.
Die von den
F._
-
Gutachter
n
attestierte Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit von 50
% ab Juli 2014 ist
aber immerhin
insofern zu korrigieren, als zusätzlich die Zeit der stationären Behandlung
vom
19. Mai bis zum 15. Juni 2014 mit einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit zu berücksichtigen ist.
Der Beweiswert des
F._
-G
utachtens wird dadurch insgesamt nicht in Frage gestellt
. Etwas
Anderes
wird auch von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht.
4
.4.4
Es ist somit davon auszugehen, dass d
as Wartejahr gemäss Art.
28 A
bs. 1 lit.
b IVG am 19.
Mai 2014
zu laufen
begann
.
Der Beginn einer allfälligen Rente
fällt
daher
frühestens
ab
dem
1. Mai 2015 in Betracht, sofern ab dann ein Invalidi
tätsgrad von mindestens 40 % (Art. 28 Abs. 1 lit. c und Abs. 2 IVG) gegeben war, was nachfolgend zu
prüfen
ist (vgl. insbesondere E.
6
hernach).
4
.5
4
.5
.1
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht wird das
F._
-Gutachten durch die
von der
Beschwerdeführerin
im
Vorbescheid
verfahren vorgelegte Stellungnahme
des Zentrums G._
vom 13. Dezember 2020 (Urk. 8/198)
bemän
gelt
.
Die
Beschwerdeführerin
berief sich
allerdings
weder i
m Einwand
(Urk.
8/191)
noch in der Beschwerde
(Urk. 1)
auf die Einschätzung der
Zentrum G._
-Ärzte, sondern ging
vom vollen Beweiswert
der psychiatrischen
F._
-Expertise
vom 28. Februar 2020 aus.
Dies zu Recht, denn wie sich aus dem
F
olgenden ergibt, vermag dieser
Zentrum G._
-
Bericht den Beweiswert des
F._
-Gutachtens nicht in Zweifel zu ziehen.
4
.5.2
Zu beachten ist zunächst, dass selbst ausgehend
von der
im
Zentrum
G._
-Bericht
darge
stellten Schwere der depressiven Symptomatik nicht ohne Weiteres auf
eine gleichermassen erhebliche
Leistungseinbusse geschlossen werden
dürfte
.
Denn a
us sozialversicherungsrechtlicher Sicht
ist
letztlich nicht die Schwere einer Erkrankung entscheidend, sondern deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, zumal sie in beruflicher Hinsicht unterschiedliche Folgen zeitigt (BGE 143 V 418 E. 5.2.2).
Auch bei als schwer bezeichneten psychischen Leiden lässt sich nicht automatisch auf eine ausgeprägte funktionelle Einschränkung schliessen. Hinge
gen kann grundsätzlich nur eine schwere psychische Störung invalidisierend im Rechtssi
nn sein (BGE
148 V 49 E. 6.2.2,
143 V 418 E. 5.2.2,
141 V 281 E. 4.3.1.2).
Daher kann der Aussage
im
Zentrum
G._
-Bericht, die
Beschwerdeführerin
sei mit der schweren Depression bereits mit dem 40%igen Pensum in der weiterhin ausge
übten bisherigen Tätigkeit überfordert (Urk. 8/198/4), nicht gefolgt werden
, zumal die konkreten gesundheitsbedingten funktionellen Einschränkungen
mit Blick auf die
Standardindikatoren (vorstehend E. 2.2)
nicht näher erläutert wurden
.
Auch
blieb
der
persönliche
, soziale
und berufliche Lebenskontext
der
Beschwerdeführerin
mit
Bezug zum
konkretem Aktivitätsniveau in den verschie
denen Lebensbereichen unberücksichtigt.
Es wurden allein Befunde und Symptome zur diagnostizierten depressiven Störung aufgelistet
, ohne weitere Hintergründe und Erläuterungen zum
verbleibenden
funktionellen Leistungs
umfang
respektive zu den funktionellen Einschränkungen
anzugeben. W
ie sich etwa der im Vergleich zu vor
dem Jahr
2007
bestehende angeblich
deutliche soziale Rückzug darstellt, wurde
im
Zentrum
G._
-Bericht nicht
erläutert und ist daher au
ch nicht nach
vollziehbar.
Im
Zentrum G._
-Bericht
erfolgte
auch
ke
ine Stellungnahme zu den im
F._
-
Gutachten aufgeführten
A
ktivitäten
,
angesichts welchen
der psychiatrische
F._
-
Gutachter
das Vorliegen einer schweren depressiven Störung
unter
Berücksichtigung des
von ihm
detailliert beschriebenen
Befundes
(Urk. 8/174/143-145
;
Urk.
8/174/150
)
nachvollziehbar
aus
schloss
.
Gegenüber den
F._
-Gutachte
r
n
gab die Beschwerdeführerin
namentlich
die folgenden
Lebensumstände
an
:
Bewohnen einer 4-Zimmerwohnung mit
dem
Ex-Ehemann und zwei erwachsenen Töcht
ern im dritten Stock ohne Lift (
Urk. 8/174/139
; Auszug der jüngeren Tochter im Frühjahr 20
2
0 und der älteren Tochter nach Juli 20
2
0, Urk. 8/189-190, Urk. 1 S. 9
)
;
40%iger Erwerbstätigkeit in einer
S
tanzerei als Hilfsarbeiterin (Urk. 8/145/2);
m
orgens
drei Stunden
Arbeiten
pro Tag
, Hinfahrt
fünf Kilometer
mit
dem
Personenwagen
der
Tochter meist als Bei
fahre
rin, manchmal als Fahrerin
(
Urk. 8/174/135
)
; leichte Arbeiten bezüglich der Nebenerwerbstätigkeit als Hauswartin
wie das Organisieren notwendiger Repara
turen
zirka eine Stunde pro Woche
(
Urk. 8/174/138
-139
, Urk. 8/174/111
)
;
selbständiges Zubereiten der eigenen Mahlzeiten, selten Zubereitung durch Töchter und gemeinsame Einnahme der
M
ahlzeit, je nach Tagesfor
m Beteiligung an der Hausarbeit, hauptsächlich Erledigen der Wäsche, teils
Einkaufen,
Kochen und Reinigung der Wohnung
,
manchmal Spaziergang vor dem Zubettgehen
(
Urk. 8/174/140
,
Urk. 8/174/112, Urk. 8/174/88,
Urk. 8/17
4
/90
)
; sie habe nie ein anderes Hobby gehabt als ihre Arbeit
, aktuell zwecks Krafterhaltung
gehe sie zum
Schwimmen
zwei Mal pro Woche
für zwei bis drei Stunden
, teilweise
mit
Aquafit
, an den anderen Tagen
spaziere sie
zirka eine halbe Stunde
(
Urk. 8/174/135
, Urk. 8/174/112-113
, Urk. 8/
174/58
)
; freizeitliche Kontakte
habe sie
nur über den Arbeitsplatz, Treffen mit Arbeitskollegen auch ausserhalb der Arbeit, ab und zu Ausgang, gute Beziehung zur Tochter mit gelegentli
chen gemeinsamen Unter
nehmungen
(
Urk. 8/174/136
)
;
im Jahr 2019
Besuch
der
80-jährig
en
aktive
n
Mutter
aus dem Ausland
,
mit
den Geschwistern im Ausland
telefonische
r
Kontakt
(
Urk. 8/174/138
).
Dass diese Tagesaktivität
en
infolge eines verschlechterten Gesundheitszustandes seit der Begutachtung im Ende 2019 (Urk. 8/174/14)
habe reduziert werden müssen
, geht aus dem
Zentrum G._
-Bericht vom 13. Dezember 2020 nicht hervor.
Auch von Seiten der Beschwerdeführerin wurde dies nicht geltend gemacht.
Schon a
ngesichts
dieses
relativ hohen
Aktivitätsniveaus der
Beschwerdeführerin
erscheint
die
im
Zentrum
G._
-Bericht aufgeführte Diagnose einer rezidivierenden Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2),
als
nicht
schlüssig
.
Denn
g
emäss den
klinisch-diagnostischen
Leitlinien
des ICD-10 ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Patient während einer schweren depressiven Episode in der Lage ist, soziale, häusliche und beruflich
e
Aktivitäten fortzuf
ühren, allenfalls sehr begrenzt (
Dilling
,
Mombour
, Schmidt [Hrsg.], ICD-10, Internationale Klassifikation
psychi
scher Störungen, ICD-10 Kapitel
V (F), Klinisch-diagnostis
che Leitlinien, 10. Auflage, S. 174
).
Es erfolgte
zudem
nie eine stationäre psychiatrische Behandlung, wie dies bei einer
- hier
angeblich seit
2015
vorherrschenden
-
rezidivierenden depressiven Störung schwerer Ausprägung zu erwarten wäre.
Vor diesem Hintergrund
ist
auch die Anmerkung
im
Zentrum
G._
-Bericht
nicht schlüssig
,
dass
die ausgeübte Erwerbstätigkeit
nicht
, wie der Gutachter impliziere, auf eine geringe Depression hin
weise
, sondern vielmehr auf das Bemühen der
Beschwerdeführerin
, die Depression un
d die Schmerzen mit einer Tages
aktivität zu überwinden (Urk. 8/198/2). Der Umstand, dass die
Beschwerde
führerin
in der Lage ist,
den Alltag und die
40%ige
Erwerbstätigkeit
mit weiteren Arbeiten in der Hauswartung
weitgehend
zu bewältigen, kann weder gemäss den diagnostischen Leitlinien noch aus rechtlicher Sicht unberücksichtigt bleiben.
D
agegen
ist
die vom
F._
-Gutachter hinsichtlich der depressiven Sympto
matik gestellten Diagnose einer
Dysthymi
a
(ICD10 F34.1; Urk.
8/174/19, Urk. 8/174/145-147
)
nachvollziehbar.
Denn b
ezüglich der diagnostischen ICD-10-Leitlinie
einer
Dysthymia
gilt, dass es sich dabei um eine chronische Verstim
mung handelt, bei der sich die Patienten meistens oft monatelang müde und depressiv fühlen, alles ist für sie eine Anstrengung und nichts wird genossen, sie grübeln und beklagen sich, schlafen schlecht und fühlen sich unzulänglich, sind aber in der Regel fähig, mit den wesentlichen Anforderungen des täglichen Lebens fertig zu werden (ICD-10, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, a.a.O., S. 183).
Der
F._
-Gutachter hat
bei der Beurteilung
zudem berücksichtigt, dass
die Dysthymie vorbestehend möglicherweise zuweilen auch von
rezidivierenden
ausgeprägteren depressiven Symptomen überlagert worden sei (Urk. 8/174/146-147).
4
.5.3
Im
von einer Psychiaterin und einem Psychologen unterzeichneten
Zentrum G._
-Bericht wurden
des Weiteren
n
ebst den psychiatrischen Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2), und eines Analgetika-Abusus (ICD-10 F19.24)
fachfremd
e somatische Diagnosen bezüglich der Schmerzen aufgeführt, ohne dass von somatischen Fachärzten diesbezüglich und zur attestierten Arbeitsunfähigkeit Stellung genommen wurde (Urk. 8/198/3-4).
Insbesondere aber wurden d
ie
aufgeführten
Schmerzen
auch
nicht aus psychiatrischer Sicht
im Kontext und/oder aufgrund einer Diagnose einer Schmerzstörung diskutiert
.
Dies war i
m
Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z
ürich
IV.2016.00190 vom 23. Mai 2017
indes als notwendig erkannt worden.
Es galt
,
die Aktenlage mit einer
fachärztliche
n
Beurteilung der
bereits im Jahr 2015
festgestellten
Schmerz
verarbeitung
sstörung
mit Symptomausweitung unter psychiatrischen
Gesichts
punkten
zu ergänzen
(E. 4.4 und E. 5, Urk. 8/111/13-15).
Mit dem
F._
-Gutachten
wurde
dies
e Auflage
dagegen
erfüllt. D
ie mit somatischen Befunden nicht erklärbare Schmerzsymptomatik
wurde
im Rahmen der vom psychiat
rischen Gutachter diagnostizierten Schmerzstörung
hinlänglich
erläutert
und schlüssig auch
die gegenseitige Beeinflussung der Schmerzstörung und der depressiven Symptomatik berücksichtigt
(Urk.
8/174/145-147
).
Auch insofern vermag der
Zentrum G._
-Bericht
weder
den Beweiswert des Gutac
htens in Zweifel
zu ziehen
, noch kommt er
als Beweisgrundlage
in Frage
.
4
.5.
4
Es ist somit festzuhalten, dass
die
Beschwerdegegnerin
im angefochtenen Entscheid
(Urk. 2)
zu Recht in medizinischer Hinsicht
insgesamt
vom Beweiswert des
F._
-Gutachten
s vom 28.
Februar
2020, ergänzt mit
der
Stellungnahme vom 7. Oktober 2021
(Urk. 8/212), ausgegangen ist.
5
.
5
.1
5
.1.1
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt es nicht allein in der Zustän
digkeit der mit dem konkreten Einzelfall (gutachterlich) befassten Arztpersonen, abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer (andauernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt (BGE 140 V 193 E. 3.1; vgl. auch BGE 145 V 361). Daher ist es im Grundsatz zulässig, einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähig
keit die rechtliche Massgeblichkeit abzusprechen, ohne dass das Gutachten seinen Bewei
swert verliert (BGE 144 V 50 E.
4.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_787/2021 vom 23. März 2022
E. 14.1 und 8C_483/2020 vom 26.
Oktober 2020 E. 2). Der Arbeitsunfähigkeitsschätzung der medizinischen Gutachterperson ist indessen aus rechtlicher Sicht - insbesondere auch unter dem Gesichtswinkel der Konsistenz - zu folgen, falls sie ihrer Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend nachgekommen ist. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet (BGE 148 V 49 E. 6.2.1, 145 V 361 E. 4.3; SVR 2021 IV Nr. 47 S. 151, 8C_407/2020 E. 5.1 und E. 6.5). Es liegt keine unzulässige juristische Parallel
überprüfung vor,
wenn das kantonale Gericht anhand der medizinischen
Indikatorenprüfung
die massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung eines stimmigen Gesamtbildes schlüssig abgehandelt und nachgewiesen hat, wo die ärztlichen Darlegungen nicht mit den normativen
Vorgaben übereinstimmen
(BGE 145 V 361 E. 4.1.1; zum Ganzen:
Urteil
des Bundesgerichts
8C_84/2022
vom 1
9.
Mai 2022
E. 5.2).
5
.1.2
In Anwendung dieser Rechtsprechung stellte die
Beschwerdegegnerin
i
m
ange
fochtenen Entscheid
allein
auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gemäss dem
F._
-Gutachtens bezüglich der somatischen Beschwerden
ab.
Und zwar ging sie
von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) in der angestammten Tätigkeit von 50 % (Urk. 2 S. 2) sowie von 80 % in einer leidensangepassten Tätigkeit (Urk. 2 S. 3) aus. Von der aus psychiatrisch-gutachterlicher Sicht attestierten Arbeitsfähigkeit von 60 % wich sie aus rechtlicher Sicht nach Prüfung der Standardindikatoren (vgl. dazu E.
5
.2.1 nachfol
gend; BGE 141 V 281, 143 V 418) dagegen ab (Urk. 2 S. 2 f.). Letzteres wird von der
Beschwerdeführerin
bestritten (Urk. 1 S. 6 ff.).
Es ist daher z
u prüfen, ob die medizinische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der
F._
-Gutachter, insbesondere
die
psychiatrische
Beurteilung
, auch aus rechtlicher Sicht Bestand hat.
Hierzu ist im Folgenden die Rechtsfrage zu klären, ob und in welchem Umfang die
gutachterlichen
Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 6 ATSG schliessen lassen (Urteil des Bun
desgerichts 8C_130/2017 vom 30.
November 2017 E. 7).
Ausschlussgründe, welche
die Annahme einer Gesund
h
eitsbeeinträchtigung verbieten und eine solche Prüfung daher obsolet machen würden, namentlich indem eine
Leistungseinschränkung
etwa
auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht
(vgl.
BGE 141 V 281
E. 2.2), liegen unstrittig keine vor.
Gemäss dem
F._
-Gutachten erschienen d
ie von der Beschwerdeführerin subjektiv gemachten Angaben zu ihren Einschränkungen
abgesehen von einer
gewisse
n
Symptomverdeutlichung konsistent und nachvoll
ziehbar (Urk. 8/174/24
, Urk.
8/174/150).
5
.2
5
.2
.1
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1
;
präzisiert in BGE 143
V 418 E. 5.2
)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3
; präzisiert in BGE 143
V 418 E. 8.1
)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
5
.
2
.2
Hinsichtlich des Indikators der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome im Sinne der S
chwere des Krankheitsgeschehens
(BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1)
führte das Bundesgericht im BGE 143 V 418 präzisierend aus, dass eine Diagnose in grundsätzlicher Hinsicht selbst bereits ein Schweregradindikator sein könne, soweit darin ein Bezug zum Schweregrad der Erkrankung bestehe; insbe
sondere dann, wenn die Begründung der Diagnose einen ausreichenden Bezug zur funktionserheblichen Befundlage aufweise. Fehle in der Diagnose aber diese Schweregradbezogenheit, zeige sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen. Ein Leiden als leicht einzu
stufen, weil diagnostisch kein Bezug zum Schweregrad desselben gefordert sei und ihm bereits deshalb eine versicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit abzusprechen, gehe daher fehl (E.
5.2.2). Entscheidend bleibe letztlich vielmehr die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung (E. 6).
In einem jüngeren Entscheid führte das Bundesgericht zudem aus, e
ine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Interferenzen durch psychiatrische Komorbiditäten
lasse
sich im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren. Besteh
e
dazu noch ein bedeutendes therapeu
tisches Potential, so
sei
insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheits
schadens in Frage gestellt. Diesfalls müss
t
en gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden
könne
.
Würden
die psychiatrischen Fachpersonen bei diesen Konstellationen trotz Verneinung einer schweren psychischen Störung ohne schlüssige Erklärung eine namhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
annehmen
, besteh
e
für die Versicherung oder das Gericht Grund dafür, der medizinisch-psychiatrischen Folgenabschätzung die rechtliche Massgeblichkeit zu versagen (
BGE 148 V 49
E. 6.2.2).
5
.2.3
Die vom psychiatrischen
F._
-Gutachter gestellte Diagnose einer
Dysthy
mia
(ICD-10 F34.1; Urk. 8/174/19, Urk. 8/174/145) weist einen Bezug zum Schweregrad auf. Sie weist auf ein leichtes psychisches Krankheitsgeschehen hin,
wie es in der Primärversorgung sowie in der allgemeinen medizinischen Versor
gung häufig gesehen wird (
Dilling
,
Mombour
, Schmidt [Hrsg.], ICD-10,
a.a.O.
, S. 171). D
er funktionelle Schweregrad dieser
Störung ist damit
hinsichtlich der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde gering
, was sich auch
- soweit
sie
die Gr
undlage für diese Störung bilden
-
im erhobenen psychopathologischen Befund widerspiegelt
.
Und
zwar wurden
im Gutachten im Wesentlichen
die folgenden Befunde aufgeführt
: eine
belastete, zum depressiven Pol hin verscho
bene Affektivität mit leicht eingeschränkter Schwingungsfähigkeit, sorgenvoll,
dyst
h
ym
herabgestimmt, betrübt, verzagt; eine Beeinträchtigung der Willens
bildung, allenfalls geringfügig reduzierter Antrieb; grösstenteils ruhige Psychomotorik, teilweise angespannt mit mehrfachem Aufstehen von der angebotenen Sitzgelegenheit ohne wirklich schmerzgeplagt zu wirken
;
insgesamt geordnetes formales Denken, teilweise mit Unterbrüchen und gelegentlich auch verlangsamt, erschwert wirkend, dabei aber abschliessend zielgerichtet und zielführend ohne Anhalt für formale Denkstörung und inhaltliche Störung; zwischenzeitlich kurzzeitig etwas geminderte K
onzentration, gegen Ende der Untersuchung herabgesetzte Auffassung, etwas abgelenkt und leichter ablenkbar wirkend, keine Störung des Kurzzeit- und Langzeitgedäch
t
nisses, keine Reduktion
der Merkfähigkeit
;
vorhandene Motivation; von Suizidalität glaubhaft distan
ziert
, Hinweis auf das Bestehen einer leichten depressiven Störung gemäss der Hamilton Depression
Scale
Testung,
leichte bis mässig ausgeprägte Beein
träch
tigungen im Bereich Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Widerstands- und Durchhaltefähigkeit gemäss der Mini-ICF-APP-Rating-Testung
(
Urk. 8/174/143-145
).
Dementsprechend wurde
die
Diagnose einer
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
im
F._
-Gutachten als solche ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gewichtet (Urk. 8/174/19, Urk. 8/174/145).
Bei der zweiten psychiatrischen Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41; Urk. 8/174/19, Urk. 8/174/145) stehen gemäss den diagnostischen Kriterien nach ICD-10-GM
(International Classification
of
Diseases
- 10th Revision - German
Modification
)
seit mindestens sechs Monaten bestehende Schmerzen in einer oder mehreren anatomischen Regionen im Vordergrund, die ihren Ausgangspunkt in einem physiologischen Prozess oder einer körperlichen Störung haben. Psychischen Faktoren wird eine wichtige Rolle für Schweregrad, Exazerbation oder Aufrecht
erhaltung der Schmerzen beigemessen, jedoch nicht die ursächliche Rolle für deren Beginn. Der Schmerz verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funk
tions
bereichen.
Der Schmerz wird nicht absichtlich erzeugt oder vorgetäuscht (ICD-
10-GM abrufbar unter www.dimdi.de/dynamic/de/klassifikationen/icd/ und www.icd-code
.de; vgl. auch BGE 143 V
418 E.
5.1 mit Hinweis).
Aus diesen Diagnosekriterien ergibt sich, dass der Diagnose einer chronischen Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) ein Bezug zum Schweregrad der Erkrankung fehlt, dass aber immerhin der empfundene Schmerz in klinisch bedeutsamer Weise Leiden und Beeinträchtigungen verur
sachen muss (vgl. BGE 143 V 418 E. 4.2 und E. 5.1).
Im Gutachten wurde
der Schweregrad der Schmerzstörung insofern gewichtet, als
d
er psychia
t
rische
F._
-Gutachter
d
en
schmerzrelevanten psychischen Faktoren und deren Wechselbeziehungen zum Schmerzgeschehen
, welche den
Diagnose
kriterien
entsprechend massgeblich für den Schweregrad, die Exazerba
tion oder die Aufrechterhaltung der Schmerzen sind, Bedeutung für die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit bei
mass
.
Und zwar erklärte er dazu u
nter dem Titel «Herleitung der Diagnosen», die Schmerzstörung sei in Zusammenhang mit psychodynamischen Faktoren zu sehen, etwa den Lebensumständen der Beschwerdeführerin, den unklaren Zukunftsperspektiven und den psychosozialen
Aufwuchsbedingungen
, woraus eine Einschränkung der Leistungs- und Belastungsfähigkeit sowie auch der Arbeitsfähigkeit resultiere. Gewissen psycho
sozialen Faktoren, die als versicherungspsychiatrisch nicht relevant betrachtet werden müssten, komme keine Bedeutung der Auswirkung zu und seien zu subtrahieren gewesen (Urk. 8/174/146).
Damit wurde im
F._
-Gutachten bezüglich der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde ein bedeutender,
aber
kein besonders ausgeprägter Schweregrad der Schmerzstörung
beschrieben
und entsprechend berücksichtigt.
Als Ausdruck der psychischen Erkrankung, des chronisch erlebten Schmerzes, berücksichtigte der psychiatrische Gutachter
im Rahmen der Kategorie «funktio
neller Schweregrad»
auch
die im
psychopathologischen Befund aufgeführte Einschränkung
im Bereich der
Kognition
(Urk. 8/174/147)
, welche - wie oben ausgeführt - anlässlich der Untersuchung
indes
nicht besonders ausgeprägt
, aber immerhin
in Erscheinung trat.
Gemäss dem psychiatrischen
F._
-Gutachten kommt den
diagnoserelevan
ten Befunden
allerdings
i
n der
Zusammenschau der gesamten psychiatrischen Befunde
erhebliche
Bedeutung zu,
indem im Sinne einer Verstärkung, eines Synerg
ie
effektes, die chronisch erlebten Schmerzen
,
die chronisch depressive Herabgestimmtheit und diese wiederum die Verarbeitung sowie den Umgang mit dem Schmerz erschwere (Urk. 8/174/146-
147; vgl.
dazu
auch
E. 5
.2.5
zum Indikator «Komorbiditäten»
hernach).
Insgesamt
ist
damit
nicht auszuschliessen, dass
die diagnostizierten Krankheits
bilder insbesondere
in ihrer Wechselwirkung und der Gesamtbetrachtung
auf eine psychische Erkrankung hindeuten, die grundsätzlich invalidisierend sein kann
(BGE 143 V 418 E.
5.2.2).
Die Kategorie «Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde» lässt aber jedenfalls nicht bereits die Annahme einer besonders schweren Ausprägung der Gesundheitsschädigung zu.
Entscheidend
bleibt und nachfolgend zu prüfen ist
, ob nach den übrigen Standardindikatoren auf einen funktionellen Schweregrad der psychischen Störung zu schliessen ist, der sich nach dessen konkreten funktionellen Auswirkungen und insbesondere danach beurteilt, wie stark die versicherte Person in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen dadurch bedingt beeinträchtigt ist (
BGE 143 V 418
E. 5.2.3).
Mithin müssen - bei fehlendem therapeutischen Potential -
gewichtige Gründe vorliegen, damit auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann
(BGE 148 V 49 E. 6.2.2).
5
.2
.
4
Zum
Schweregradindikator des Beha
ndlungserfolges oder der Behand
lungs
resis
tenz (Verlauf und Ausgang von Therapien) im Hinblick auf den Schweregrad der Gesundheitsschädigung
, insbesondere der psychischen Störungen,
(BGE 141 V
281 E. 4.3.1.2)
ist
den Akten zu entnehmen, dass
nach
den Unfällen in den Jahren 2007,
2009
und 2013
mit Verletzungen
der linken Knies und des linken OSG
(Urk. 8/17/97-101
, Urk. 8/17/259, Urk. 8/174/88
, Urk. 8/174/97-98
)
sowie aufgrund der ebenfalls seit Jahren bestehenden
B
eschwerden
im Rücken und in den oberen Extremitäten
(Urk. 8/17/84-85, Urk. 8/17/106, Urk. 8/17/282, Urk. 8/17/278
, Urk. 8/174/97-98
)
zunächst somatisch
e
Behandlung
en
erfolgte
n
.
In
der stationären Rehabilitationsbehandlung
vom 19. Mai bis zum 15. Juni 2014
wurde
im Rehabilitationszentrum der
Klinik B._
erstmals
ein interdisziplinäres Schmerzprogramm durch
geführt, in welcher
die Beschwerde
führerin sich
gemäss dem Austrittsbericht vom 30. Juni 2014
stets
sehr motiviert
, kooperativ
und entschlossen
zeigte
sowie die Therapien regelmässig besucht
e
.
Das Ziel der gesteigerten Leistungsfähigkeit
habe
gut erreicht werden können, nicht jedoch, dass die
Beschwerdeführerin
aktiv die Verantwortung für die eigene Entwicklung übernehme und die Behandlungsstrategie «zuerst Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und sekundär der Schmerzen» verinnerlicht und akzeptiert habe. Im Rahmen einer verminderten Selbstsorge, habe sie Schwierig
keiten gehabt, Pausen zu setzen und auf sich selbst Rücksicht zu nehmen.
Die Assessments für angstbezogenes Vermeidungsverhalten, Angst und Depre
ssion hätten sich
zunächst
unauffällig gezeigt
, bei Austritt sei eine deutliche Verschlechterung des angstbezogenen Vermeidungsverhaltens festgestellt worden.
Eine Diagnose bezüglich einer psychischen Störung wurde nicht gestellt,
aber - nebst den somatischen Diagnosen - die psychosoziale Belastungssituation, in Scheidung lebend, erwähnt.
Es sei
aber
eine antidepressive Therapie mit
Tr
ittico
in die Wege geleitet worden,
das
den Schlaf unterstützen sollte
. Eine weitere Steigerung der Antidepressiva sei indiziert und werde empfohlen. A
uch sei eine psychologische Behandlung begonnen worden, deren Fortführung
- nebst der ambulanten Physiotherapie -
zur weiteren Stabilisierung der erreichten Teilremission der Schmer
z
symptomatik nach dem stationären Aufenthalt empfohlen werde
(Urk. 8/14/11-14).
Die behandelnde Hausärztin Dr.
C._
nannte in ihrem Bericht vom 28. Juli 2014 bezüglich der psychischen Beschwerden die Diagnosen Verdacht auf
zentrales Schmerz-
Wind
-
up
, differentialdiagnostisch somatoforme Komponente, bei/mit somatischem Schmerzkonzept, kaum modulierbare Beschwerden, und den Verdacht auf psycho
genes, depressives Angstsyndrom/
Zukunftsängste (Erstdiag
nose 2000
; Urk. 8/14/6
).
Nebst der
bestehenden hausärztlichen,
orthopädischen und rheumatologischen
Behandlung mit Physiotherapie und Osteopathie empfahl sie eine psychotherapeutische Behandlung
(Urk. 8/14/8).
Die behandelnde Fachärztin der Chirurgischen Orthopädie
Dr.
P._
empfahl im Bericht
vom 30.
Juli 2014 die Betreuung durch ein Schmerzzentrum (Urk. 8/16/2).
Der Rheumatologe Dr.
Q._
hielt im Bericht vom 30. Juli 2014 fest, die Beschwerde
führerin absolviere gemäss ihren Angaben ein Heimprogramm mit Bewegung
sübungen und gewissen Kraftübungen; zudem gehe sie regelmässig schwimmen. Andere Sportarten seien wegen des Knies nicht umsetzbar, da sie beim Laufen ab 20 Meter Schmerzen im Knie habe. Aufgrund der schmerzbedingten Selbstlimi
tierung und wegen des fehlenden Krankheitsver
ständnisses werde die kraftaufbauende Therapie, durch welche die Arbeits
fähigkeit gesteigert werden könnte, nicht genügend umgesetzt (Urk. 8/18/2-4).
Dr. med.
S._
, Fach
ärztin für Neurologie und klinische Dozentin in der Klinik für Neurochirurgie der Klinik
T._
, welche die Beschwerdeführerin gemäss dem Bericht vom 12. Dezember 2014 am 27. Oktober 2014 untersucht hatte, verschrieb der
Beschwerdeführerin
neben der bestehenden medikamentösen Behandlung ein schlafanstossendes Antidepressivum (
Remeron
) sowie ein zentrales
Myotonolyti
kum
(
Sirdalud
). Sie
empfahl zudem die
konsequente
Fortsetzung einer regel
mässigen Physiotherapie (inkl. MTT)
und
dringend die Aufnahme einer Gesprächstherapie und nach Möglichkeit einer aktivierenden Ergotherapie (Urk. 8/25/13).
Dr.
C._
erklärte im Verlaufsbericht vom 20. Januar 2015 zur gegenwärtigen Behandlung, es
würden
eine Physiotherapie
(1x/Woche)
und ein Heimprogramm sowie eine medikamentöse B
ehandlung,
unter anderem mit dem
Antidepressivum
Trittico
,
durchgeführt. Eine MTT sei empfohlen worden (Urk. 8/25/6).
Am 25. März 2015 begab sich die Versicherte gemäss dem Bericht vom 11. Juni 2015
in die ambulante Behandlung des
Psychiatriezentrums D._
, wo sie jedoch erst ab Mai 2015 regelmässig Termine wahrnahm. Seit drei Monaten erfolge durch die Hausärztin eine antidepressive Medikation mit Citalopram. Die Behandlung mit
Seroquel
sei wegen Müdigkeit nicht toleriert worden
.
Eine kontinuierliche ambulante psycho
therapeutische Behandlung habe bisher nicht installiert werden können, zum Teil aufgrund des fehlenden psychosomatischen Krankheitsverständnisses der Beschwerdeführerin.
Der Anamnese sei zu entnehmen, dass die depressive Erkrankung einige Jahre unbehandelt geblieben sei, was die Schmerzwahr
nehmung und -verarbeitung deutlich negativ beeinflusst habe.
Die Behandlung der Depression sei mehrheitlich von der Bereitschaft der Beschwerdeführerin abhängig.
Bezüglich der somatoformen Störung sei die Prognose eher ungünstig, da die Erarbeitung der psychischen Ursachen bei der Beschwerdeführerin meist auf Abwehr stosse. Ihre Reflexionsfähigkeit werde als eher unterdurchschnittlich eingeschätzt. Sie neige dazu, sich zu überfordern; sie habe kaum das Gespür für ihre körperlichen und psychischen Grenzen, so dass
sie die Arbeit zwar unmittel
bar auszufüh
ren versuche, jedoch den darauf
folgenden Erschöpfungszustand mit den daraus entstehenden langfristigen psychischen, somatischen und sozialen Folgen nicht kausal bewerten oder einordnen könne
(Urk.
8/45/2-4
).
Ab
Herb
s
t 2015
wurde die Beschwerdeführerin
vom Psychiater Dr.
N._
alle zwei bis drei Wochen kognitiv-behavioral, teils psychoedukativ, sowie medikamentös (u.a.
mit den
Antidepressiva
Anafranil
und
Mianserin
) behandelt. Bezüglich der Analge
tika werde ein Abhängigkeitssyndrom seit Jahren deutlich, eventuell sei eine neue
s
chmerzmedizinische Standort-Bestimmung angezeigt (Urk. 8/64/2-3).
Laut dem Verlaufsbericht des
Psychiatriezentrums D._
vom 27. November 2015 war seit Juni 2015 keine Zustandsverbesserung zu verzeichnen. Die depressive Symptomatik sei persistent mit der Tendenz zur Verschlec
hterung trotz regel
mässiger Einzeltherapie und absolvierte
r Schmerzgruppe im Herbst 201
5.
Die medikamentöse
Anbehandlung
(
Trittico
,
Seroquel
) sei bisher aufgrund einer Unverträglichkeit gescheitert (Urk. 8/74
/1
).
Im
Verlaufsb
ericht vom 22. Januar 2018 erklärte D
r.
N._
zu den Empfehlungen für die zukünftige Therapie, es bestehe eine chronifizierte Situation, es sei keine Besserung zu erwarten. Prognostisch würden die Schmerzstörung, die Abhängig
keit vom Analgetik
um
Saridon
, das immer weniger helfe, und die Begleitdepres
sion bleiben (Urk. 8/127/1-2).
PD D
r.
med.
U._
, Fachärztin für Neurologie, welche die Beschwerdeführerin
am 23.
Januar 2019 untersucht hat,
erklärte im Bericht
gleichen Datums, aus neurologischer Sicht könne sie nicht viel beitragen,
es liege ihres Erachtens ein chronifiziertes Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Anteilen vor. Sie empfehle eine erneute stationäre
psycho
somatische Schmerzrehabilitation zur besser
e
n Beurteilung der Arbeitsfähigkeit; wohl brauche es auch eine Neueinstellung der antidepressiven und spezifisch analgetischen Medikation (Urk. 8/155/1).
Im Verlaufsbericht vom 8. Mai 2019
führte Dr.
N._
aus, es würden monatliche Konsultationen mit einer teils stützen
den, teils psychoedukativen, teils kognitiv orientierten Therapie stattfinden.
Die Möglichkeiten einer ambulanten Psychotherapie seien seines Erachtens ausge
reizt. Die Zielsetzung der Betreuung sei palliativ; das heisse, es werde versucht, den Status Quo aufrecht zu erhalten und eine Suizidalität zu verhindern. In medikamentöser Hinsicht werde d
ie Kombination von Gab
a
pentin
(Schmerz
mittel)
,
Anafranil
und
Mianserin
(Antidepressiva)
weitergeführt, ohne dass es zu einem durchschlagenden Erfolg gekommen wäre. Venlafaxin,
Duloxetin
,
Wellbutrin
und Mirtazapin sei
en
ausprobiert worden; entweder sei es zu Neben
wirkungen gekommen oder die Wirkung sei ausgeblieben.
Die
Saridon
-Sucht sei unbehandelbar. D
ie rheumatologischen Krankheiten seien leider nicht kurativ
angehbar
, die Physiotherapie in diesem Stadium helfe nur noch palliativ und kurzfristig
(Urk. 8/160/2)
.
Dem
psychiatrischen
F._
-Teilgutachten
ist zur Medikation
zu entnehmen, die
se
werde
gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin (anlässlich der Explo
ration vom 2. Dezember 2019; 8/174/123)
insgesamt unregelmässig ein
genom
men
. Meistens
nehme
sie
S
aridon
400
mg, drei bis vier Tabletten am Tag, ein. Wenn dies nicht mehr helfe
oder sie am Abend starke Kopfschmerzen habe, nehme sei unregelmässig eine bis eineinhalb Tablette
Temesta
1 mg ein.
Wenn
Saridon
nicht mehr ausreichend sei, nehme sie
auch
Targin,
Novalgin
,
Naclofen
oder Arcoxia. Ein genauer Medikamentenplan oder eine regelmässige Einnahme würden nicht bestehen (Urk. 8/174/141). Aus der vorgelegten Medikamentenliste sei - mit Ausnahme von Lorazepam - keine
Psychopharmako
medikation
hervor
gegangen (Urk. 8/174/144).
Zur sonstigen Behandlung wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin würde einmal im Monat den Hausarzt aufsuchen. Es finde keine rheumatologische oder neurologische Behandlung mehr statt. Weiterhin werde einmal pro Woche Physiotherapie und aktuell alle drei Wochen eine
chiropraktische
Intervention, nicht mehr aber die medizinische Trainingstherapie, in Anspruch genommen. Sie führe Heimübungen aus.
In psychiatrische Behand
lung sei sie neu, da der vorbehandelnde Psychiater in Pension gegangen sei,
bei
Dr.
V._
im
Zentrum
G._
, aktuell etwa einmal pro Monat
(Urk.
8/174/141
)
.
Zu den durchgeführten Behandlungen stellte der psychiatrische
F._
-Gutachter unter dem Titel «Herleitung der Diagnosen» fest
,
die vielfältigen bisher
durchgeführten Therapien, die (ebenfalls) für das Bestehen einer Erkrankung aus dem somatoformen Diagnosespektrum sprechen würden, seien ohne wesentlichen Erfolg gewesen. Wenngleich sich
wohl
noch allfällige Therapieoptionen ergeben würden, könne dies und die aktuell doch als gering zu bezeichnende Therapie
aktivität
nicht als ein fehlendes Kriterium für die Ausprägung der auf psychiat
rischem Fachgebiet festgestellten Diagnosen
angesehen werden.
Es müsse als krankheitsbedingter Aspekt betrachtet werden, dass die Behandlungsaktivität derzeit niedrig erscheine und wohl noch Möglichkeiten zur allfälligen Intensivie
rung bestehen würden
(Urk. 8/174/147).
Unter dem Titel «Beurteilung des bisherigen Verlaufs, von Behandlungen, Rehabilitation, Eingliederungsmass
na
h
men etc., Diskussion von Heilungschancen» führte der Gutachter aus, wie sich dem Dossier entnehmen lasse und wie auch die
Beschwerdeführerin
beschrieben habe,
hätten
die vielfältigen Therapieversuche bis zum heutigen Tage noch keinen abschliessenden wirklichen Erfolg
gezeigt, sondern nur vorübergehend zumindest eine Linderung erbringen können.
Hier sei darauf verwiesen, dass wohl eine tatsächliche eindeutige schmerztherapeutische Intervention nicht stattgefunden habe und auch gegenwärtig wohl kein klares medikamentöses psychopharmako
logisches Regime zum Einsatz
komme
(Urk. 8/174/149).
Unter dem Titel «Medizinische Massnahmen und Therapien mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit»
erklärte der Gutachter, die bestehende
M
edikation sollte reflektiert werden, nicht allein die analgetische Medikation. Es sollte nochmals versucht werden, eine
Psychopharmakomedi
kation
entsprechend den Leitlinien
zu installieren.
Auch könnte
sich
eine
schmerztherapeutische Intervention
als
günstig in diesem Hinblick erweisen
. Zur Distanzierung von den Gegebenheiten könnte auch die Durchführung einer
nochmaligen Hospitalisation
in einer geeigneten Einrich
tung, gegebenenfalls als Rehabilitationsbehandlung, günstig sein, wobei dies
vorwiegend
auch zu einer
Form der Entlastung und möglichen Stabilität
gedacht sein sollte (Urk. 8/174/151
; vgl. auch Urk.
8/174/28
).
In der Konsensbeurteilung erklärten die
F._
-
Gutachter
zudem
,
aus interdisziplinärer Sicht
könne die Arbeitsfähigkeit/funktionelle Leistungsfähigkeit aktuell durch medizinische Massnahmen nicht mehr relevant verbessert werden (Urk.
8/174/28
).
Damit steht bezüglich des Behandlungsverlaufs ab 2014 fest und wurde von den Gutachtern berücksichtigt, dass
die bisherige Therapie
bei chronischem jahre
langem Verlauf der Schmerzstörung mit depressiver Begleitstörung
insgesamt
nicht in allen Punkten adäquat scheint.
Insbesondere wurden vom Gutachter die fehlende
eindeutige schmerztherapeutische Intervention und aktuell (zurzeit der
Begutachtung Ende 2019) das fehlende klare medikamentöse psychopharma
ko
logische Regime
sowie die insgesamt aktuell
doch als gering zu bezeichnende Therapieaktivität
angesprochen.
In diesem Zusammenhang stellte die
Beschwerdegegnerin
im angefochtenen Entscheid
fest
,
die Einschätzung zu einer Verbesserung der medizinischen Situation erscheine als günstig, s
ofern die Behandlungen regelmässiger durchge
führt würden, und es seien noch diverse weitere
medizinische Massnahmen möglich, um die gesundheitliche Situation verbessern zu können
(Urk. 2 S. 2)
.
Dieser Schlussfolgerung kann nicht beigepflichtet werden.
Denn
weder dem
F._
-
Gutachten, noch einem anderen medizinischen Bericht
ist
zu entneh
men
, dass die genannten therapeutischen weiteren Möglichkeiten voraussichtlich eine wesentliche Besserung der Schmerzsymptomatik
bewirken würden; i
nsbe
sondere
eine solche
mit entsprechender Auswirkung auf die
Arbeits-
sowie
Leistungsfähigkeit
wurde nicht festgestellt
.
Im Gegenteil wurde von den Gutach
tern
vor dem Hintergrund der übrigen, hiervor dargelegten Aktenlage nachvoll
ziehbar
erklärt, dass
die Arbeitsfähigkeit/funktionelle Leistungsfähigkeit aktuell durch medizinische Massnahmen nicht mehr relevant verbessert werden
könne (
Urk. 8/174/28
).
D
ie niedrige
Behandlungsaktivität mit Möglichkeiten zur allfälligen Intensivierung
wurde zudem aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht
als krankheitsbedingter Aspekt
bewertet
(Urk. 8/174/147)
. Die
Beschwerdeführe
rin
sei
kaum fähig, intrapsychische Konflikte, Wünsche, Gefühle und Bedürfnisse zu verbalisieren, was die bestehende (Schmerz-)Störung mit ausdrücke (Urk. 8/174/146).
Die behandelnden Ärzte wiesen
denn auch
auf das
sowohl in somatischer
(Urk. 8/18/6)
als auch in psychosomatischer Hinsicht bestehende
fehlende
Krankheitsverständnis
der
Beschwerdeführerin
,
auf die Abwehr der Erarb
eitung der psychischen Ursachen, auf
eine eher unterdurchschnittliche Reflexionsfähigkeit
(Urk. 8/45/2-4)
und ferner
auf
die
Chronifizierung
(Urk. 8/127/1-2)
als
je
therapeutisch hindernde Umstände
hin.
Weiter
war die medikamentöse Behandlung
im Verlauf
mit Versuchen
diverser
Medikamente aufgrund verschiedener Unverträglichkeiten (Urk. 8/45/2
, Urk. 8/74/1, Urk. 8/
160/2
)
und durch die Schmerzmittelabhängigkeit (Urk. 8/
64/2-3, Urk. 8/
160/2
) zusätzlich erschwert
.
Demen
t
sprechend nachvollziehbar formulierte d
er psychiatrische
F._
-Gutachter die medizinischen
möglichen
Massnahmen
mit Zurückhaltung in dem Sinne
,
dass
er
erklärte, dass das Installieren einer
Psychopharmakomedikation
entsprechend den Leitlinien
versucht
werden sollte, sich eine schmerztherapeu
tische Intervention in diesem Hinblick günstig erweisen
könnte
und zur Entlastung und möglichen Stabilität die Durchführung einer nochmaligen
Hospitalisa
tion in einer geeigneten Einrichtung günstig sein
könnte
(Urk. 8/174/151)
.
Dass mit diesen verbleibenden medizinischen Massnahmen die psychische Gesundheitsbeein
trächtigung und insbesondere die von den Gut
-
achtern attestierte Leistungs- und Arbeitsfähigkeit überwiegend wahrscheinlich nicht nur stabilisiert, sondern erheblich und nachhaltig verbessert werden könnte, ist vor diesem Hintergrund nicht anzunehmen.
Damit
ist eine weitgehende Behandlungsresistenz im Hinblick auf den Schwere
grad der Gesundheitsschädigung zu bejahen und von einem zumindest teilweisen Scheitern
von unterschiedlichen
ambulanten und stationären Therapien auszu
gehen.
Die
diesbezüglichen
Ausführungen der Beschwerdegegnerin im angefoch
tenen Entscheid (
Urk.
2 S. 2) greifen dagegen zu kurz.
5
.
2.
5
Zum Indikator der K
omorbiditäten (BGE 141 V 281 E.
4.3.1.3)
hielt
das Bundes
gericht im BGE 143 V
418 präzisierend
fest
, das strukturierte Beweisverfahren stehe einer Aufteilung von Einbussen auf einzelne Leiden entgegen, da es auf einer ergebnisoffenen Gesamtbetrachtung in Berücksichtigung der Wechsel
w
ir
kungen basiere.
Die
E.
4.3.1.3 von BGE 141 V 281
sei
so zu verstehen, dass Störungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht fallen würden, wenn ihnen im konkreten Fall ressour
cenhemmende Wirkung beizumessen sei. So werde beispielsweise eine Dysthymie für sich allein betrachtet keine Invalidität bewirken. Eine
dysthyme
Störung könne die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall jedoch erheblich beeinträchtigen, wenn sie zusammen mit anderen
Befunden - wie etwa einer ernst
haften Persönlich
keitsstörung - auftrete (E. 8; vgl. auch: Urteil des Bundes
gerichts 9C_194/2017 vom 29. Ja
nuar 2018 E.
6.2.3).
Hier
sind
die geklagten
Beschwerden am Bewegungsapparat mit Gonarthrose links, panvertebralem Schmerzen und myofaszialem Syndrom
sowie
die Kopf
schmerzen
zumindest teilweise
ohne korrelierende objektivierbare Befunde und
insbesondere in ihrem Ausmass mit somatischen Befunden nicht erklärbar. Gemäss der gutachterlichen Einschätzung schränken d
ie
somatischen Befunde
den Umfang der Arbeitsfähigkeit
vor allem in der angestammten T
ätigkeit
erheb
lich
um 50 %
ein,
nicht dagegen
in einer leidensangepassten Tätigkeit
aus rheumatologischer und allgemein-internistischer Sicht
sowie
aus neurologischer Sicht
relativ geringfügig
um
2
0 %
(Urk.
8/174/20-25)
.
Die somatischen
krank
heitswertigen Störungen
fallen daher als ressour
cenhemmender Faktor und rechtlich bedeutsame Komorbiditäten nicht erheblich, aber zumindest
teilweise und
insofern in Betracht, als sie das Belastungsprofil der zumutbaren Restarbeits
fähigkeit beeinträchtigen.
Zu den psychiatrischen Diagnosen
wurde im
F._
-Gutachten erklärt
und entsprechend berücksichtigt
,
dass unter Zusammenschau der Befunde der somatoformen Schmerzstörung mit der Dysthymie von einer Verstärkung, eines Synergieeffektes, auszugehen sei.
Die psychische Erkrankung mit chronisch erlebtem Schmerz führe zu einer chronisch depressiven,
dysthymen
Herabge
stimmtheit, die wiederum die Verarbeitung des Schmerzes und den Umgang mit diesen er
schwere (Urk. 8/174/22, Urk. 8/174/146-147). Der psychiatrische Gutachter
folgerte daraus nachvollziehbar
, dass eine versicherungspsychiatrisch relevante Komorbidität
in Zusammenhang
mit der - vorbestehend wohl auch ausgeprägteren - depressiven Symptomatik gefunden werde
(
Urk.
8/174/147)
.
Die Dysthymie ist vor diesem Hintergrund als nennenswerte Interferenz in Sinne von BGE 148 V 49 E. 6.2.2 zu fassen, welche auf einen dauerhaften Gesundheits
schaden schliessen lässt.
Mit Blick auf die
Gesamtwirkung des Beschwerdebildes für den Funktionsstatus
ist somit der andauernden Herabgestimmtheit im Sinne einer
Dysthymia
(I
CD-10 F34.1) eine
ressourcen
hemmende Wirkung in Wechselwirkung
mit der
chronischen Schmerzstörung zuzu
messen.
5
.
2
.
6
Zu den i
m Rahmen des
Komplex
es
Persönlichkeit (BG
E 141 V 281 E.
4.3.2) zu prüfen
den Merkmale
n
(Persönlichkeitsdiagnostik, Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen, persönliche Ressource
n) ist
dem
F._
-Gutachten das Folgende zu entnehmen.
Bezüglich der Per
s
ön
lichkeitsdiagnostik wurden keine e
indeutige
n
Hinweise auf eine versicherungs
psychiatrisch relevante Störung
festgestellt
(Urk. 8/174/23)
,
so dass
k
eine Diagnose einer Persönlichkeitsstörung gestellt
w
urde
(Urk. 8/174/19)
.
Von der
Persönlichkeitsstruktur her
wurde die
Beschwerdeführerin
als immer sehr leistungsbereit beschrieben, wobei das Erbringen von Leistung Selbstwertstabili
sierung und Anerkennung im Sinne eines Abwehrgefüges verschafft habe, was im Rahmen der körperlichen Erkrankung zusammen
ge
brochen sei
(Urk. 8/174/21-22)
.
Dem
für die
Beschwerdeführerin
immer wichtige Erbringen von Leistung und
den
psycho
so
zialen
Aufwuchsbedingungen
wurde
vom psychi
atrischen Gutachter auch
eine
nicht
untergeordnete Rolle bei der
A
ufrechterhal
tung der Symptomatik
und der Psychodynamik
zugeschrieben
(Urk. 8/174/147).
Aus rheumatologischer Sicht sei von wenigen bestehenden Ressourcen auszu
gehen, die
Beschwerdeführerin
dürfte wenig selbständig sein, um ihre Gesundheit zu verbessern, wie zum Beispiel durch ein Sporttraining oder durch eine Gewichtabnahme
. Die Einschränkungen im Haushalt würden sicherlich auch im persönlichen Bereich und nicht allein aufgrund der rheumatologischen Diagnosen bestehen (Urk. 8/174/99)
. Aus psychiatrischer Sicht
könne
zu den Ressourcen
festgehalten werden, dass es der
Beschwerdeführerin
gelungen sei, nach der Umsiedelung in die Schweiz die Landessprache zu erlernen, sie sei meist bei einem Arbeitgeber über mehrere Jahre tätig, sie habe soweit Ehe und Familie gelebt und gestaltet sowie sich auch aus der ehelichen Beziehung, in der es zu Tätlichkeiten gekommen sei, gelöst, auch wenn sie - aufgrund des weiteren Wohnens in einer Wohnung mit dem Ex-Mann (Urk. 8/174/
139
) - keine völlige Unabhängigkeit nach der Trennung habe erreichen können.
Insgesamt könne daher auf gewisse Fähigkeiten und Ressourcen geschlossen werden. Allerdings möge sich die
Beschwerdeführerin
auch unter anderem über das Erbringen von Leistung erschöpft haben und zum Teil mit eben der aktuell
(aus psychiatrischer Sicht)
festgestellten Symptomatik reagiert haben. Als Belastungsfaktoren
seien
die psychosozialen
Heranwachsensbedingungen
, die Ehe, aber auch die Unfälle und der wohl zum Teil wiederholt «unglückliche» Heilungsverlauf zu sehen
(Urk. 8/174/23, Urk. 8/174/150).
Aufgrund
dieser
gutachterlichen Angaben ist davon auszugehen, dass
sich die
teilweise problematische
Persönlichkeit
sstruktur
der
Beschwerdeführerin
ange
sichts der
persönlichen Ressourcen
nur, aber immerhin
leicht
ressourcen
hemmend auswirkt.
5
.
2
.
7
Beim Komple
x «sozialer Lebenskontext» (BGE 141 V
281 E.
4.3.3) sind allfällige
direkt negative funktionelle Folgen durch soziale Belastungen,
mithin soweit die negative funktionelle Auswirkung nicht Folge einer Erkrankung ist,
recht
sprechungsgemäss auszuklammern. Beachtlich sind
mobilisierbare Ressourcen
im sozialen Lebenskontext, etwa die Unterstützung, die der versicherten Person im sozialen Netzwer
k zuteil
wird.
Hierzu ist
dem
F._
-Gutachten laut den Angaben der
Beschwerdeführerin
zu entnehmen
,
dass
diese
mit dem Ex-Ehemann
(Scheidung im März 2000; Urk. 8/174/67)
und
- bis zu deren Auszug im Jahr 20
2
0 (Urk. 8/189-190, Urk. 1 S. 9) - mit den gemeinsamen
zwei erwachsenen Töchtern zusammen
gewohnt
hat
(Urk. 8/174/139)
, wobei
es insgesamt kein Familienleben ge
ge
be
n
,
die Töchter
aber
viel im Haushalt
übernommen
hätten
(
Urk. 8/174/88,
U
rk. 8/174/90
)
respek
tive sich jeder, der in der Wohnung wohne - mithin auch der Ex-Mann -, an der Hausarbeit beteilige (Urk. 8/174/140). Auch sei
die
Beschwerdeführerin
mit einer Tochter in deren Auto als Beifahrerin, gelegentlich als Fahrerin, zur Arbeit
gefahr
en
(Urk. 8/174/1
40
)
.
Ferner
habe die
Beschwerdeführerin
angegeben, dass sie eine
gute Beziehung zur Tochter
mit
gelegentli
ch
gemeinsamen Unter
neh
mungen
habe
(Urk. 8/174/136)
.
Die
Beschwerdeführerin
habe zudem Kontakt
zu
ihrer Mutter und
ihren
Geschwister
n
im Ausland
(Urk. 8/174/138).
Beachtlich ist weiter, dass
-
nur, aber immerhin
-
wenige
ausserfamiliäre
soziale Kontakte
über
die Arbeit
bestehen
(
vgl.
Urk. 8/174/136)
. So gebe es eine Freundin von der Arbeit, die sie auch ausserhalb der Arbeit treffe (Urk. 8/174/90
), respektive treffe sie sich auch ausserhalb der Arbeit mit den Arbeitskollegen, mit denen sie hin und wieder in den Ausgang gehe
(
Urk. 8/174/136).
Sodann wurde die
Beschwer
deführerin
gemäss dem neurologischen
F._
-Teilgutachten vom 9. Dezem
ber 2019 zur neurologischen Untersuchung von zwei Bekannten mit dem Auto gebracht
(Urk. 8/174/113).
Damit liegt
ein
nur
leichter sozialer Rückzug vor, indem sich die sozialen Kontakte auf
die engsten
Familienangehörige und wenig
e
Arbeitsk
ollegen
beschränken.
I
nsgesamt
ist das soziale Umfeld
als teilweise
bestätigender, sich potenziell
eher
günstig auf die Ressourcen aus
wirkender Faktor zu beurteilen.
Nicht beachtlich sind dabei die sozialen Belastungsfaktoren wie etwa die anlässlich der Begutachtung geäuss
erte
Sorge über das Verlieren der Wohnung
,
die
mit der Übernahme der Hauswarttätigkeit
zusammenhänge,
wenn die Tochter die Putzarbeiten der Hauswartung
nicht mehr übernehmen könne (Urk. 8/174/138-140
, Urk. 8/174/148-149
).
Dem
beschwerdeweise erhobenen
Einwand der
Beschwerdeführerin
,
d
ie
A
nnahme, sie habe soziale Kontakte,
sei
schlicht aktenwidrig
,
da sie
vollständig auf sich gestellt
sei, sozial
zurückgezogen und isoliert
lebe, neben der Arbeit
kein Sozialleben mit Freizeitaktivitäten etc.
und keinen Freundeskreis habe
(Urk. 1 S. 9)
,
kann
angesichts i
hrer
, wie hiervor festgehaltenen Angaben gegenüber den Gutachtern
nicht gefolgt werden
.
Auch wenige soziale Kontakte können
- wie hier -
unterstützend wirken, indem die
Beschwerdeführerin
nicht ganz allein ist, sondern
gewisse
soziale Kontakte pflegt und vom sozialen Umfeld
auch
Unter
stützung erfährt, so
etwa
bei der Haushaltführung, der Hauswartung und betreffend den Weg zur Arbeit und zur Begutachtung.
Massgeblich ist auch
, dass
die
Beschwerde
führerin
zwar
laut ihren Angaben nebst der Arbeit und der Familie nie eigentliche Freizeitaktivitäten ausgeübt hat («Als Hobby bezeichnete sie das Arbeiten»; Urk. 8/174/112, Urk. 8/174/
135
)
; im Widerspruch dazu gab sie an, regelmässig zu spazieren, ausgiebig zu schwimmen und
Aquafit
zu
betreibe
n
, so dass
insofern kein Rückzug erfolgte.
Im Übrigen konnte auch
aus neurologischer Sicht keine eindeutige Rückzugstendenz eruiert werden (U
rk.
8/174/110).
Daran ändert nichts, dass
die Töchter im Jahr
2020
aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen sind. Denn bezüglich des überwiegenden Teils des hier massgeblichen Zeitraums ab Mai 2015 wohnten sie in derselben Wohnung
und unterstützten sie die
Beschwerdeführerin
wie ausgeführt. Auch ist aufgrund des S
chreibens
der älteren Tochter
vom 10.
Juli 2020 (Urk. 8/190) nicht anzunehmen,
dass von
ihrer Seite
jeglicher familiäre Kontakt
nach dem Auszug abgebrochen
wurde
. Auch wurden
bezüglich des
übrigen familiären und sozialen Umfeld
es
keine Veränderungen geschildert, weshalb davon auszugehen ist, dass
der Ex-Mann weiterhin in derselben Wohnu
ng wohnt und bei der Haushaltsf
ührung mithelfe
n
kann und mithilft («An der Haushaltsarbeit würde sich jeder, der in der Wohnung wohne, beteiligen», Urk. 8/174/140),
dass
weiterhin Kontakte zu
den Geschwistern und der Mutter im Ausland sowie zu den Arbeitskollegen und insbesondere der Freundin aus dem Kreis der Arbeitskollegen sowie
jene
Bekann
ten besteht, welche die
Beschwerdeführerin
zur neurologischen Begutachtung gefahren haben.
Diese Faktoren dürften
die
Beschwerdeführerin
darin unter
stützen, trotz
ihrer
gesundheitlichen Beeinträchtigungen
wie von den Gutachtern attestiert
zu
6
0
%
erwerbstätig zu sein.
5
.
2
.
8
Insgesamt zeigt sich
unter der Kategorie «funktioneller Schweregrad» (
BGE 141 V
281
E. 4.3)
, dass dieser
entsprechend der gutachterlichen Begründung und Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
nicht mehr geringgradig, aber auch nicht
besonders
ausgeprägt war
. Dies
ist
bedingt
einerseits
durch die chronische Schmerzstörung an sich und durch die ressourcenhemmende
Wechselwirkung mit der
affektiv-depressiven
Begleits
törung sowie der
gering
beeinträchtigten Persönlichkeits
struktur, welche
psychiatrisch-psychotherapeutisch
langjährig,
wenn auch
erschwert durch ein fehlendes
Krankheitsverständnis
,
eingeschränkte R
eflexionsfähigkeit, medikamentöse Unverträglichkeiten und Schmerzmittelab
hängigkeit
nicht stets adäquat
behandelt wurde
n
,
wobei der soziale Lebenskon
text als eine die Leistungsfähigkeit eher begünstigende Ressource ins Gewicht fällt.
5
.3
5
.3
.1
Beweisrechtlich relevant ist sodann der Aspekt der Konsistenz mit den verhaltensbezogen
en Kategorien (BGE 141 V 281 E.
4.4) im Sinne einer Konsis
tenz
prüfung der Folgenabschätzung aus dem festg
estellten funktionellen Schwere
grad
der psychischen Störungen (BGE
141 281 E. 4.3).
5
.3
.2
In Bezug auf den Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivität
s
niveaus
in allen vergleichbaren
Lebensbereichen (BGE 141
V 281 E. 4.4.1)
wurde im
F._
-Gutachter
aus psychiatrischer Sicht ausgeführt
, dass das Aktivi
tät
s
niveau
der
Beschwerdeführerin
im Alltag doch relativ gut erscheine, jedoch
-
wie die
Beschwerdeführerin
es ausdrücke
(Ur
k. 8/174/139,
Urk. 8/174/140,
Urk. 8/174/149
) -
ohne Verlässlichkeit sei, so dass abschliessend aus psychiat
rischer Sicht eine gleichmässige Einschränkung in allen vergleichbaren Bereichen habe festgestellt werden können
(Urk. 8/174/24). Die Gutachter berücksichtigten
damit zutreffend
das relativ hohe verbleibende Aktivitätsniveau der
Beschwerde
führerin
, welches
sowohl in beruflicher Hinsicht, als auch in anderen Lebensbe
reichen nur teilweise eingeschrä
nkt ist
.
Die Begründung der
Beschwerdegegnerin
im angefochtenen Entscheid zum Standpunkt, das Aktivitätsniveau sei im Alltag weiterhin bestehend
(Urk. 2 S. 2)
,
beachtet
dagegen
nur die
geschilderten
Aktivitäten, nicht jedoch die dabei erfolgten Einschränkungen und
nicht
den Umstand, dass die Gutachter das Aktivitätsniveau bei ihrer Beurteilung
bereits
berücksichtigt
haben.
Bei den zur Begründung angeführten Umständen wurde i
m angefochtenen Entscheid
namentlich
nicht beachtet, dass die
im Nebenerwerb
nebst der Teilerwerbs
tätig
keit
ausgeführte
Hauswarttätigkeit ebenfalls nur noch reduziert
, zirka ein
e
Stunde pro Woche,
und auf leichte
re
, nicht regelmässige
Tätigkeiten beschränkt ausgeführt wird
(
Urk. 8/174/148-149,
Urk. 8/174/138-139, Urk. 8/174/111
)
. Ausserdem
unternimmt
die
Beschwerdeführerin
nur
noch manchmal
kurze Auto
fahrten und
lässt
sich meistens
chauffieren
(U
rk. 8/174/
140, Urk. 8/174/
113
)
.
Auch erfolgt die
Haushalt
s
arbeit hauptsächlich mit familiärer Unterstützung
und nur
noch
teilweise
durch die
Beschwerdeführerin
je nach
Kräften,
Tagesform und
ohne Verlässlichkeit
(
Urk. 8/174/88, U
rk. 8/174/90, Urk. 8/174/140
).
Dabei fallen, wie im Gutachten gewürdigt, nicht nur der reduzierte Umfang der Aktivitäten ins Gewicht, sondern auch die
in allen Bereichen
nicht regelmässige Ausführung der Aktivität.
So kann die
Beschwerdeführerin
laut
ihren Angaben anlässlich der Begutachtung den Beginn und das Ende der im metallverarbeitenden Betrieb
hauptsächlich
in sitzender Position (Urk. 8/174/
108
)
geleisteten zwei bis drei Stunden Arbeit pro Tag frei einteilen, da auf ihre Arbeitsleistung nicht regelmäs
sig Verlass sei (Urk. 8/174/149
, Urk. 8/174/139
).
Auch in der
Hauswart
tätigkeit wurden die Arbeiten auf
nicht regelmässig
auszuführende
Tätigkeiten beschränkt (
Urk. 8/174/
139
)
und i
m Haushalt hängt der Umfang der
noch ausgeführten Arbeiten
gleichermassen
jeweils
von der Tagesform ab (Urk. 8/174/140).
Die
sozialen U
nternehmungen schliesslich
erfolgen ebenfalls
nur ab und zu; sie
beschränken sich
zudem
auf
solche mit
nur
einzelne
n
wenige
n
Personen aus dem
engsten familiären und dem langjährigen beruflichen Umfeld
(
Urk. 8/174/90, Urk. 8/174/136
; vgl. E.
5
.2.
7
hiervor)
.
Insgesamt liegt
e
in Rückgang des Aktivitätsniveaus mit
teilweisem
Verlust
von
Verlässlichkeit
bezüglich der
Leistungsfähigkeit
und Autonomie
vor.
E
ntgegen der Ansic
ht der Beschwerdegegnerin
ist die gutachterliche Berücksichtigung
einer gleichmässig
en Einschränkung des Aktivitäts
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
nicht zu beanstanden
.
5
.3
.3
Der Indikator der Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt
Behandlungs- und Eingliederungs
erfolg oder -resistenz; oben E.
5
.
2.
4
) auf den tatsächlichen Leidensdruck hin
(BGE
141 V 281 E. 4.4.2).
D
ie
F._
-Gutachter
berücksichtigten hierzu
in
ihrer Beurteilung, dass sich gewisse Inkonsistenzen vor dem Hintergrund der durchgeführten Therapie und der Nichtwirksamkeit der durchgeführten Therapie
massnahmen ergeben hätten (Urk. 8/174/24, Urk. 8/174/150).
In
dieser Hinsicht
kann
nicht von einer lückenlosen resp
ektive
jederzeit adäquaten
medizinischen
Behandlung
gesprochen werden
(vgl. E.
5
.2.4
hiervor)
. Dennoch ist nicht
bereits auf einen gänzlich fehlenden Leidensdruck und auf das Fehlen einer versicherten Gesundheitsbeeinträchtigung zu schliessen
.
Denn die
Beschwerdeführerin
hatte
sich im Jahr 2014 in einer Rehabilitationsklinik zur Linderung der Schmerz
problematik stationär und interdisziplinär behandeln lassen
und
sich
dort
sehr motiviert und kooperativ gezeigt (Urk. 8/14/12-13). Auch nimmt
sie
seit Jahren
psychiatrisch-
psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung in An
spruch
und
liess
sich jahrelang regelmässig ärztlich behandeln
.
Dies spricht für einen ernsthaften Leidensdruck.
Zudem erschwert(e)
- wie
erwähnt
(E. 5
.2.
4
) -
die ein
ge
schränkte Einsichtsfähigkeit der Beschwerdeführerin in die psychopa
thologischen Zusammenhänge ihrer Schmerzen bei reduziertem Krankheits
verständnis und beschränkter intrapsychischer Reflexionsfähigkeit sowie die Schmerzmittel
abhängigkeit und die Medikamentenunverträglichkeiten die medizinischen Behandlungen.
Es ist auch nicht ersichtlich, dass sich die Beschwerdeführerin einer ihr vorgeschlagenen Behandlung widersetzt hätte.
Darüber hinaus war und ist die
Beschwerde
führerin
ernsthaft darum bemüht,
ihre
langjährigen Tätigkeiten im metallverarbeitenden Betrieb und in der Hauswar
tung aufrechtzuerhalten
.
Das V
orliegen eines gewissen Leidens
drucks kann vor diesem Hintergrund nicht verneint werden und ist damit in entsprechend reduziertem Ausmass anzuneh
men.
Des Weiteren wurden keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen durchgeführt, bei welchen etwa mangelnde Kooperation seitens
der Beschwerde
führerin
festgestellt worden wäre.
5
.3
.4
Die
Beschwerdegegnerin
erwog im angefochtenen Entscheid, es lägen auch noch psychosoziale Belastungsfaktoren vor, wie zum Beispiel
das Zusammenwohnen mit dem Ex-Mann und die unklaren Zukunftsperspektiven
. Auch wenn diese Faktoren gemäss dem Gutachten nicht im Vordergrund stünden, werde dennoch festgehalten, dass aus diesen eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiere.
Je stärker jedoch psychosoziale Faktoren das Beschwerdebild mitbestimmten, umso ausgeprägter müsse eine psychische Störung sein (Urk. 2 S. 2).
Dem ist entgegenzuhalten
, dass
gemäss den
psychiatrisch-gutachterlichen Ausführungen
(Urk. 8/174/146)
die Lebensumstände der
Beschwerdeführerin
,
die unklaren Zukunftsperspektiven
und die psychosozialen
Aufwuchsbedingungen
als psychodynamische Faktoren
mit der Schmerzstörung in Z
usammenha
ng stehen. Diese
Faktoren sind
damit entsprechend
den
diagnostischen Leitlinien
der
Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
entscheidend für
die Schmerz
dynamik
(Ausprägung
, Exazerbation oder Aufrechterhaltung
)
und damit
mit
der psychischen
diagnos
tizierten
Störung
verbunden
(vgl.
E. 5
.
2.3
hiervor
).
Die genannten
F
aktoren
können mithin von den psycho
pathologisch bedingten
Einschränkungen
nicht abgegrenzt werden.
Dass vornehmlich psychosoziale Belastungsf
aktoren das Beschwerdebild präg
en
würden
, ist
vor diesem Hintergrund
nicht nachvollzieh
bar.
Soziale Belastungen
wären
rechtsprechungsgemäss bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung als invalidenversicherungsrechtlich nicht relevante Umstände aber nur dann bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszuklam
mern, wenn und soweit sie direkt negative funktionelle Folgen haben (Urteile des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3 und 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1), was
bei den genannten Faktoren
gerade nicht der Fall ist. Wenn der psychiatrische
F._
-Gutachter ausgeführt hat, dass aus dem Zusammenhang der Schmerzstörung mit den psychodynamischen Faktoren eine
Einschränkung der Leistungs- und Belastungsfähigkeit sowie auch der Arbeits
fähigkeit resultiere
(Urk. 8/174/146), ist dem
daher
nichts entgegenzu
halten.
5
.3.5
Die gutachterliche Einschätzung hält damit entgegen der Ansicht der Beschwer
degegnerin der Konsistenzprüfung stand.
5
.4
Die
Indikatorenprüfung
ergibt insgesamt, dass die funktionellen Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigungen
in ihrer Gesamtbetrachtung
medizinisch-gut
achterlich schlüssig und dif
fe
renziert mit Blick auf die normativ vorgegebenen Kriterien erfasst wurden. Die von den
F._
-Gutachtern attestierte Arbeits
unfähigkeit wurde sowohl in Bezug auf die psychiatrische Einschätzung einer
4
0%igen Arbeitsunfähigkeit als auch hinsichtlich der polydisziplinären Einschät
zung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisheri
gen und einer 40%igen Arbeitsun
fähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit (Urk.
8/174/24-25
) «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet.
Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sich die Experten an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsver
mögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist nach dem Gesagten zu bejahen.
Die funktionellen
Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist.
6
.
6
.1
Zu prüfen sind im Weiteren die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Einschränkungen.
Bei der
Bemessung des Invaliditätsgrades
ist
gestützt auf das
F._
-Gutachten
(Urk. 8/174/24-25)
für die hier massgebliche Zeit
ab
Mai 2015
(Ablauf Wartejahr; vgl. oben E.
4.4.3 und E. 4
.4.4
)
von einer 50%igen Arbeits
un
fähigkeit in der bi
sherigen Tätigkeit und von
einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in einer
körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit
ohne lange Zwangshaltungen und repetitive Bewegungsabläufe,
ohne Situationen mit Gefahrenpotential wie das Besteigen von Leitern und Gerüsten sowie ohne Arbeiten in Nässe und Kälte auszugehen.
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs (hier Mai 2015) massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben
sind
(BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
6
.
2
6
.2.1
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
ist
g
emäss bundesgerichtlicher Recht
sprechung entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Die Invalidenversicherung bietet als Erwerbsunfähigkeitsversicherung grundsätz
lich nur Versicherungsschutz für eine übliche, normale erwerbliche
Tätigkeit
(SVR 2011 IV Nr. 55 S. 163, 8C_671/2010 E.
4.5.2). Ohne Rücksicht auf den
hiefür
erforderlichen zeitlichen oder leistungsmässigen Aufwand sind jedoch nament
lich auch Einkünfte aus
einer
Nebenbeschäftigung
zu berücksichtigen, sofern sie bereits im Gesundheitsfall erzielt wurden und weiterhin erzielt worden wären, wenn die versicherte Person keine gesundheitliche Beeinträchtigung erlitten hätte (Urteil
des Bundesgerichts
9C
_890/2013 vom 29. April 2014 E.
2 mit Hinweis
auf SVR 2011 IV Nr. 55 S. 163, 8C_671/2010
E. 4.5.2 und 4.5.3
). Ein vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzieltes Einkommen, welches bei einem überdurchschnitt
lichen zeitlichen Aufwand erarbeitet worden ist, muss im Rahmen des sozial
versicherungsrechtlichen Einkommensvergleichs nicht systematisch auf ein 100%
-
Pensum reduziert werden (SVR 2011 I
V Nr. 55 S. 163, 8C_671/2010 E.
4.5; zum Ganzen: Urteil des Bundesgericht 8C_745/2020
vom 29.
März 2021 E. 6.2 mit
weiterem Hinweis
).
Weist das zuletzt erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen. Ist der zuletzt bezogene Lohn überdurchschnittlich hoch, ist er n
ur dann als
Valideneinkommen
heranzu
ziehen, wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass er weiterhin erzielt worden wäre
(
Urteil des Bundesgericht 8C_745/2020
vom 29.
März 2021 E. 6.
3
mit Hinweisen
).
6
.2.2
Die Beschwerdeführerin hat vor Eintritt des Gesundheitsschadens
als Hilfs
arbei
terin für die
Y._
AG mit einem Pensum von 100 %
gearbeitet und erzielte damit gemäss dem Arbeitgebergericht
vom 24. Juli 2014
ab Anfang 2012, mithin auch im Jahr 2014
ein
Monatsgehalt von Fr.
5'200.-- respektive ein Jahresgehalt von Fr. 67'600.--
(
Urk.
8/15/
2
-3
).
Von diesem Betrag ging
die
Beschwerdegegnerin
im angefochtenen Entscheid als
Valideneinkommen
aus
(Urk. 2 S. 3, Urk. 8/175/1)
.
Da der Einkommensvergleich im Jahr 2015 massgeblich ist, ist
indes zusätzlich
die
branchenspezifische
Nominallohnentwicklung
des
herstellenden
Gewerbes
von 2014 bis 2015
zu berücksichtigen (
Bundesamt für Statistik [BFS]
, Schweize
rischer Lohnindex nach Branche [Basis 2010 = 100], Nominallohnindex Frauen
2011-2018 [
Tabelle
T1.2
.10], Wirtschaftszweig
C10-33
Verarbeitendes Gewerbe/
Herstellung von Waren
; 201
4
: 10
4
.
1
; 2015:
104.9),
womit
der Betrag
von Fr.
68'119.50
resultiert (
Fr. 67'600.--
:
104.1 x 104.9
).
6
.2.3
Im angefochtenen Entscheid e
benfal
ls nicht berücksichtigt wurden
die Einkünfte
der
Beschwerdeführerin
aus
den
beiden Nebenbeschäftigungen in der Hauswar
tung
bei
Z._
(zirka vier Stunden pro Woche à Fr. 6'600.-- pro Jahr für die Tätigkeiten eines Hauswarts; Arbeitgeberbericht vom 11. Juli 2014, Urk. 8/7/2-3) und bei
A._
(
Reinigung von Treppenhaus und Garage
mit einem Jahresverdienst von
etwa
Fr.
3'900.--
; Arbeitgeberbericht vom 19. Juli 2014,
Urk. 8/11/2-3
)
.
Diese Nebenerwerbstätigkeiten wurden vor Eintritt des hier beachtlichen Gesund
heitsschadens seit Jahren vollumfänglich von der
Beschwerdeführerin
ausgeführt. Anlässlich einer von der Suva initiierten Besprechung bei der
Y._
AG am 10. Mai 2016 hatte die
Beschwerdeführerin
gemäss dem Bericht der Suva gleichen Datums
erklärt, dass sie die Reinigungsarbeiten bei ihren beiden weiteren Arbeitgebern bereits seit zwei Jahren nicht mehr selber ausgeführt habe. Diese würden durch Familienmitglieder verrichtet. Es könne vorkommen, dass sie zuweilen auch nach dem Haus sehe und kleine Sachen in Ordnung bringe, wie Sachen aufheben, Lampen ersetzen usw. Die Treppenhausreinigung mache sie aber seit zwei Jahren nicht mehr (Urk. 8/
158/463
).
Entsprechendes hat die
Beschwerdeführerin
auch gegenüber den
F._
-Gutachtern
anlässlich der Untersuchungen Ende 2019 (Urk. 8/174/14)
ausgeführt (
Urk. 8/174/111
,
Urk. 8/174/138-139
, Urk. 8/174/148-149
)
. Diese Ausführungen sind mit Blick auf den Eintritt in die
Klinik B._
im Mai 2014 plausibel (vgl. vorstehend
E. 4
.4.2) und lassen darauf schliessen, dass
die (teilweise) Aufgabe dieser Nebentätigkeiten auf
gesundheitliche Gründe
zurückzuführen war
.
Da die
Beschwerdeführerin
weiterhin, mithin auch ab Mai 2015, einzelne wenige Aufgaben in diesen Nebenerwerbstätigkeiten ausfüllt(e), ist darauf zu schliessen, dass sie diese Tätigkeiten im Gesundheitsfall nebst ihrer 100%igen Anstellung bei der
Y._
AG
vollumfänglich weitergeführt hätte und weiterführen würde.
Somit sind die
Einkünfte
aus den Nebenbeschäftigungen rechtsprechungsgemäss
zusätzlich
als
Valideneinkommen
anzurechnen
,
da
sie bereits im Gesundheitsfall erzielt
worden waren
und
davon auszugehen ist, dass sie
weiterhin
vollumfäng
lich
erzielt worden wären, wenn die
Beschwerdeführerin
keine gesundheitliche Beeinträchtigung erlitten hätte
(vgl.
Urteil des Bundesgericht 8C_745/2020
vom 29.
März 2021 E. 6.2 mit Hinweisen
)
.
Bei
A._
hat die
Beschwerdeführerin
bei einem Stundenlohn
von Fr. 25.--
(Urk. 8/11/2) gemäss dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK) in den letzten drei Jahren von 2011 bis 2013 insgesamt
Fr. 11'892.--
erwirtschaftet (2011 Fr. 3'835.--, 2012 F
r.
3'848.--, 2013 Fr. 4'209.--; Urk. 8/8/4)
, was durchschnittlich pro Jahr dem Betrag von Fr. 3'964.-- entspricht.
Hinsichtlich der
Nebenbeschäftigungen
ist damit
zusammen mit dem Einkommen bei
Z._
von Fr. 6'600.-- pro Jahr
(vgl. dazu auch IK-Auszug,
Urk.
8/8/4)
von einem
Jahreseinkommen bezogen auf das Jahr 2014 von insgesamt Fr. 10'564.-- (Fr. 6'600.-- + Fr. 3'964.--) auszuge
hen.
Unter Berück
sichtigung der Nominallohnentwicklung bei Dienstleistungen von 2014 bis 2015 (BFS, Schweizerischer Lohnindex nach Branche [Basis 2010 = 100], Nominallohnindex Frauen 2011-2018 [T1.2.10], Wirtschaftszweig
G-S
45-
96
Sektor
3 Dienstleistungen
; 2014:
103.6
; 2015: 104.0) ergibt dies den Betrag von Fr. 10'604.80 (Fr. 10'564.
-- :
103.6 x 104.0).
6
.2.4
Mit dem Haupterwerb und den beiden Nebenverdiensten resultiert ein
Validen
einkommen
von insgesamt Fr. 78'724.30 (Fr. 68'119.50 +
Fr. 10'604.80).
6
.3
6
.3.1
Für das Invalideneinkommen massgebend ist dasjenige Entgelt, welches die versicherte Person aufgrund ihres konkreten Gesundheitsschadens
zumutbarer
weise
noch zu erzielen in der Lage wäre (
Art.
16 ATSG
; Urteil des Bundesgerichts 8C_671/2010 vom 2
5.
Februar 2011 E. 5.2).
Rechtsprechungsgemäss ist f
ür die Festsetzung des Invalideneinkommens primär von der beruflich-erwerblichen Situation
auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, können gemäss Recht
sprechung die Tabellenlöhne der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
herangezogen werden (
BGE 143 V
295
E.
2.2;
BGE 135 V
297
E.
5.2). Dabei wird in der Regel der Totalwert angewendet (Urteil
des Bundesgerichts 9C_206/2021 vom 10. Juni 2021 E.
4.4.2). Praxisgemäss ist beim anhand der LSE vorgenommenen Einkommensvergleic
h sodann von der Tabellengruppe
A
(standardisierte Bruttolöhne) auszugehen (
BGE 124 V 321
E. 3b/
aa
), wobei üblicherweise auf die Tabelle TA1_tirage_skill_level, Privater Sektor, abgestellt wird (
BGE 126 V 75
E. 7a; Urteil
des Bundesgerichts
8C_124/2021 vom 2. August 2021 E.
4.4.1
;
zum Ganzen: BGE 148 V 174 E. 6.2
mit weiteren Hinweisen
).
Auf
dem
hypothetischen Arbeitsmarkt ist ein Stellenwechsel auch dann zumut
bar, wenn es für die versicherte Person aufgrund der wirtschaftlichen Gegeben
heiten auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt sehr schwierig oder gar unmöglich ist, eine entsprechende Stelle zu finden (Urteil des Bundesgerichts 8C_631/2019 vom 1
8.
Dezember 2019 E. 6.2).
6
.3.2
Die
Beschwerdegegnerin
ging im angefochtenen Entscheid bei der Bemessung des Invalideneinkommens von den statistischen Tabellenlöhnen aus (Urk. 2 S. 3). Die
Beschwerdeführerin
macht dagegen geltend,
sie schöpfe die verbleibende Arbeits
fähigkeit mit dem von ihr als Mitarbeiterin ausgeübten 40%igen Pensum in der metallverarbeitenden Fabrik zusammen mit der Hauswarttätigkeit in zumutbarer Weise voll aus. Da es
sich
bei beiden Tätigkeiten um besonders stabile Arbeits
verhältnisse handle, sei rechtsprechungsgemäss darauf abzustellen und das Invalideneinkommen aufgrund des
bisherigen
insgesamt 50%igen Pensums
mit der Hälfte des
Valideneinkommens
, mithin auf
Fr.
33'800.--
,
zu bemessen (
Urk.
1 S. 10 ff.).
Die
Beschwerdeführerin
arbeitete in der Haupttätigkeit bei der
Y._
AG gemäss den A
rbeitgeberberichten vom 24.
Juli 2014
(Urk. 8/15/2)
und vom
20. Juli 2018 (Eingangsdatum; Urk. 8/145/2) nach Eintritt des Gesundheits
schadens zunächst ab dem 19.
Mai 2014 in einem 50%igen Arbeitspensum
und ab Februar 2016 in einem 40%igen Arbeitspensum. Die Nebenerwerbstätigkeiten führte sie nach eigenen Angaben nur noch an zirka eine
r
Stunde pro Woche
, mithin
(ausgehend von der durchschnittlichen wöchentlichen A
rbeitszeit von 41.7
Stunden; vgl.
dazu
unten
E. 6
.3.
4
)
in einem zirka 2.4%igen Pensum,
aus (Urk.
8/174/111)
. Dies ergibt
zusammen mit dem
ab Februar 2016
ausgeübten
40%igen Arbeitspensum
-
entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführe
rin
insgesamt
jedenfalls keine
50%ige Erwerbstätigkeit
.
Ebenso wenig ist belegt, dass das effektive Einkommen
Fr.
33'800.-- betragen hätte, erzielte die Beschwer
deführerin bei der
Y._
AG im Jahr 2017 einen erheblich darunter liegenden Lohn von
Fr.
27'040.-- (
Urk.
8/145/5).
Unter Hinzurechnung von 2.4
%
des Nebenerwerbs des Jahres 2014 von
Fr.
10'564.-- (
Fr.
2'704.--) wird das behauptete effektive Einkommen nicht erreicht.
Darüber hinaus
kann
gemessen an der
medizinisch attestierten Resta
rbeits
fähig
keit in einer leidensangepassten Tätigkeit
von
60
%
(Urk. 8/174/25)
nicht gesagt werden,
die
Beschwerdeführerin
schöpfe
mit der
tatsächlich
ausgeübten Erwerbs
tätigkeit
die ihr
verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll aus
.
Daran ändert nichts, dass
bei den seit vielen Jahren ausgeübten Tätigkeiten
besonders stabile Arbeitsverhältnisse
vorliegen
.
Daher ist nicht auf den
tatsächlich erzielte
n
Verdienst als Invalidenlohn
abzustellen, sondern es sind die
LSE-Tabellenlöhne zur Bestimmung des Invalideneinkommens heranzuziehen
(vgl. E
.
6
.3.
4
hernach)
, was sich letztlich zu Gunsten der Beschwerdeführerin auswirkt
.
6.3.3
Hinsichtlich der Nebenbeschäftigungen
ist
fest
zu
halten
, dass
der allfällig mit den wenigen nicht an die Verwandten abgegebenen Aufgaben erzielte Teil des Nebenerwerbs der
Beschwerdeführerin
beim Invalidene
inkommen nicht zum Tragen kommt, wie sich aus dem Folgenden ergibt.
N
ach der Rechtsprechung ist e
in - in die Bemessung des
Valideneinkommens
- einbezogenes Zusatzeinkommen aus Nebenerwerb
nur
insoweit zu berück
sichti
gen, als die versicherte Person ein solches trotz ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
weiterhin erzielen kann.
Hiefür
ist gleich wie beim Haupterwerb massgebend, welche Arbeiten und Leistungen ihr aufgrund ihres Gesundheitsschadens nach ärztlicher Beurteilung noch zugemutet werden können
(Urteil des Bundesgerichts 8C_671/2010 vom 25. Februar 2011 E. 5.2 mit Hinweis).
Dabei darf nicht
allein aufgrund der mangelnden Zumutbarkeit des bisher geleisteten überdurchschnittlichen Pensums automatisch auf eine Invali
dität geschlossen werden
(Urteil des Bundesgerichts 8C_671/2010 vom 25. Februar 2011 E. 5.3).
Gemäss der Einschätzung der
F._
-G
utachter aus
rein
psychiatrischer Sicht kann
sowohl
die Tätigkeit
in der Metallproduktion als auch die Hauswarttätigkeit als ideal angepasste Tätigkeit bezeichnet werden. Hierbei betrage die Reduktion der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht 40
%
ohne weitere Einschränkung der Leistungsfähigkeit
. Aus interdisziplinärer Sicht könne für eine optimal ange
passte Tätigkeit eine Gesamtarbeitsfähigkeit von 60
%
attestiert werden (Urk. 8/174/25).
Dies kann
angesichts der teils somatisch, teils psychosomatisch bedingten Schmerzproblematik
nur so verstanden werden, dass die
Erwerbst
ätig
keit
, soll sie
nach ärztlicher Beurteilung
zumutbar bleiben, insgesamt den Umfang
von
60
%
nicht übersteigen darf. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführerin
nebst einer 60%igen leidensange
passten Erwerbstätigkeit zusätzlich eine Nebenerwerbstätigkeit, namentlich die Hauswarttätigkeit
en
oder Teile davon, zumutbar
sind
.
Der Nebenerwerb ist daher beim Invaliden
einkom
men ausser Acht zu lassen.
6.3.4
Das Invalideneinkommen ist nach dem Gesagten ausgehend vom LSE-Tabellenlohn 2014, Tabelle TA1_tirage_skill_level (Kompetenzniveau 1, Frauen, Total), von Fr.
4’300
.-- pro Monat respektive Fr.
51’600
.-- pro Jahr zu ermitteln. Unter Berücksichtigung einer
durchschnittlichen (vom BFS erhobenen) wöchent
lichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden
im Jahr 2014 (
Betriebsübliche Arbeitszeit
nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche, Tabelle T 03.02.03.01.04.01, Abschnitt A-S, Total)
und der Nominallohnentwicklung von 2014 bis 2015 (BFS, Schweizerischer Lohnindex
nach Branche [Basis 2010 = 100], Nominallohnindex Frauen 2011
2018 [T1.2
.10], Total; 2014:
103.6
; 2015:
104.1
) sowie eines 60%igen Arbeitspensums resultiert ein Betrag im Jahr 2015 von Fr.
32'431.55
(Fr.
51’600
.-
: 40 x 41,7 :
103.6
x
104.1
x 0.6).
6.3.5
D
er so erhobene Ausgangswert
ist nach der Rechtsprechung
allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und beruf
liche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 142 V 178 E. 1.3, 124 V 321 E.
3b/
aa
) und die versicherte Person je nach Ausprägung deswegen die verbliebene Arbeits
fähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch
schnittlichem erwerb
lichem Erfolg v
erwerten kann (BGE 135 V 297 E.
5.2
,
126 V 75 E. 5b/
aa
i.f
.). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamt
haft zu schätzen und darf 25
% nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2,
13
4 V 322 E. 5.2, 126 V 75 E.
5b/
bb
-cc
).
Die Rechtsprechung gewährt insbeson
dere dann einen Abzug vom Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungs
fähigkeit eingeschränkt ist. Allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen
(zum Ganzen: BGE 146 V
16 E.
4.
1
mit Hinweisen
,
zitiert in
BGE 148 V
74
E. 6.3).
Ein
leidensbedingter
Abzug ist
hier nicht angezeigt.
Denn d
ie
Beschwerdeführerin
ist
im Rahmen
einer
körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leis
tungs
fähigkeit
nicht weiter
eingeschränkt
; e
s ist
innerhalb der gutachterlich attestier
ten Einschränkungen
von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen
. Umstände
, die auch auf einem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen
wären, liegen nicht vor
.
Nach der Gerichtspraxis wird
im Übrigen
e
ine psychisch bedingt verstärkte Rück
sichtnahme seitens
von Vorgesetzten
und Arbeitskollegen in der Regel nicht als
eigenständiger Abzugsgrund aner
kannt, ebenso wenig etwa das Risiko von vermehrten gesundheitlichen Absenzen, ein grösserer Betreuungs
aufwand oder weniger Flexibilität,
was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinderung eines Mitarbeiters anbetrifft (vgl. Urteil
e
des
Bundesgerichts 8C_146/2017 vom
7. Juli 2017 E. 5.2.2
und
9C_366/2015 vom 2
2.
September 2015 E. 4.3.1, je
mit Hinweisen
).
Die
weiteren Merkmale (Lebensalter, Dienstjahre
, Nationalität oder Aufenthalts
kategorie) rechtfertigen auf dem Kompetenzniveau 1
ebenfalls
keinen Abzug. Namentlich gibt das Alter
der
Beschwerdeführerin
per 20
15
von
50
Jahren
(Rentenbeginn, Einkommensvergleich) respektive per 2019 von 54 Jahren (Begutachtung, Feststehen der
Gesundheitsbeeinträchtigung; vgl. BGE 146 V 16 E. 7.1)
keinen Anlass für
einen Abzug
, zumal Hilfsarbeiten auf dem
mass
geben
den ausgeglichenen Stellenmarkt altersunabhängig nachgefragt werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1 und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.3
; BGE 146 V 16 E. 7.2.1)
. Auch die Bedeutung der
Dienstjahre nimmt im privaten Sektor ab, je niedriger das Anforderungsniveau ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_681/2018
vom 23.
November 2018 E
.
4.2.3 mit Hinweis).
Besondere Umstände, die ausnahmsweise einen Abzug rechtfertigen, liegen nicht vor, zumal
die
Beschwerdeführerin
stets in
den
Arbeitsmarkt integriert war
.
D
as Teilzeitpensum von 60
%
rechtfertigt
ebenfalls
keinen Abzug. Denn
gemäss der für das Jahre 2014
geltenden
Tabelle T18 (Monat
licher Bruttolohn [Zentral
wert] nach Beschäftigungsgrad, beruflicher Stellung und Geschlecht)
erzielten
Frauen
auf der untersten Stufe der beruflichen Stellung (ohne Kaderfunktion) bei einem Teilzeitpensum von 50-74
%
proportional bezogen auf ein 100 %-Pensum
mit dem Durchschnittslohn von Fr. 5'
792
.-- ein höheres Einkommen als mit einem Vollzeitpensum (Fr. 5'
365
.--)
.
Es ist somit aufgrund des Teilzeitpensums nicht von einer Lohneinbusse auszugehen.
Es bleibt
daher
bei einem Invalideneinkommen
im Jahr 2015
von
Fr. 32'431.55
.
6
.4
Gemessen am
Valideneinkommen
im Jahr 2015 von
Fr. 78'724.30
führt dies zu einer Einbusse von Fr.
46’292.75
(
Fr. 78'724.30
-
Fr. 32'431.55
) was einem
Inva
liditätsgrad von gerundet 59
% entspricht. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG begrün
det dies den Anspruch auf eine halbe Rente ab dem 1.
Mai
2015.
Die Beschwerde ist folglich
teilweise
gutzuheissen und die angefochtene Verfü
gung
vom
8. November
2021
(Urk. 2) ist mit dieser Feststellung aufzuheben.
7
.
7
.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung
von Versicherungsleistungen. Das Verfahren ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert
festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
1’0
00.-- anzu
setzen.
Ausgangsgemäss
sind die Gerichtskosten
der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
7
.2
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen auf
Fr.
2’200
.--
festzusetzen ist.