Decision ID: 9afbb124-58aa-4bf2-a99d-5a4a9eee114b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ ist seit 1999 bei der deutschen Krankenversicherung B._ (nachfolgend:
B._) versichert (act. G3.6). Per 1. Januar 2020 zog A._ in die Schweiz und nahm
Wohnsitz in der Gemeinde Z._ (act. G3.3).
A.a.
Die Kontrollstelle für Krankenversicherung Z._ teilte A._ am 3. März 2020 mit,
er habe bei der Anmeldung im Dezember 2019 bezüglich einer Befreiung von der
schweizerischen Krankenversicherungspflicht angefragt. Eine Befreiung sei in seinem
Fall jedoch nicht möglich (act. G3.3). A._ bat die Kontrollstelle mit Schreiben vom 6.
März 2020 auf ihren Entscheid zurückzukommen (act. G3.4). Auf Nachfrage der
Kontrollstelle (vgl. act. G3.5) machte A._ am 1. Mai 2020 Ausführungen zu seiner
Versicherung bei der B._ und reichte diverse Unterlagen ein (act. G3.6).
A.b.
Mit Schreiben vom 14. Mai 2020 teilte die Kontrollstelle A._ mit, der Nachweis
einer weit besseren Deckung gegenüber der gesetzlichen Versicherung in der Schweiz
sei nicht erbracht. Demzufolge müsse sie sein Gesuch um Befreiung von der
Versicherungspflicht in der Schweiz abweisen. Sie forderte A._ auf, entweder eine
Police einer schweizerischen Krankenversicherung oder ein weiter begründetes
Gesuch um Befreiung von der Versicherungspflicht einzureichen. Sollte er sich innert
Frist nicht melden, werde sie eine Verfügung auf Abweisung seines Befreiungsgesuchs
erlassen (act. G3.7). A._ nahm dazu mit Schreiben vom 17. Mai 2020 Stellung und
beantragte erneut eine Befreiung von der Versicherungspflicht (act. G3.8).
A.c.
Mit Verfügung vom 2. Juni 2020 wies die Kontrollstelle das Gesuch von A._ ab
(act. G3.9).
A.d.
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B.
C.
Dagegen erhob A._ am 12. Juni 2020 Einsprache. Er reichte unter anderem ein
Schreiben der B._ vom 21. November 2019 mit diversen Beilagen ein (act. G3.10).
B.a.
Mit Entscheid vom 7. Juli 2020 wies der Gemeinderat Z._ das Befreiungsgesuch
von A._ ab (act. G3.11).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 7. Juli 2020 erhob A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 24. Juli 2020 die vorliegende Beschwerde. Er beantragte darin
dessen Aufhebung und dass sein Gesuch um Befreiung vom schweizerischen
Krankenversicherungsobligatorium gutzuheissen sei. Eventualiter sei die Sache zur
Neubeurteilung an die Gemeinde Z._ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Er machte geltend, mit
seiner deutschen Krankenversicherung verfüge er über eine Deckung, die weit über die
Leistungen der obligatorischen Krankenversicherung in der Schweiz hinausgehe.
Zudem könne er in der Schweiz aufgrund seines Alters keine Zusatzversicherung mehr
abschliessen (act. G1).
C.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 4. September 2020 die Abweisung der
Beschwerde; unter allfälliger Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie brachte vor, die
private Versicherung des Beschwerdeführers weise schwerwiegende Mängel auf. Die
deutsche Privatversicherung sehe keine Kostenübernahme von Leistungen vor, die
über denen der schweizerischen Grundversicherung lägen. Die Voraussetzungen für
eine Befreiung von der Versicherungspflicht seien damit nicht erfüllt (act. G3).
C.b.
Mit Replik vom 10. Oktober 2020 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
fest und reichte diverse Unterlagen, unter anderem den ab 22. Juli 2020 gültigen
Versicherungsschein der B._, ein (act. G5, act. G5.1 ff.).
C.c.
In ihrer Duplik vom 16. November 2020 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem
Antrag fest (act. G7).
C.d.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist das Gesuch des
Beschwerdeführers um Befreiung vom Krankenversicherungsobligatorium. Unbestritten
ist dabei, dass der Beschwerdeführer angesichts seiner Wohnsitznahme in der
Gemeinde Z._ per 1. Januar 2020 grundsätzlich der Schweizer
Krankenversicherungspflicht untersteht (vgl. act. G1, G3, G3.7).
Jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz muss sich innert drei Monaten nach der
Wohnsitznahme oder Geburt in der Schweiz für Krankenpflege versichern, soweit
keiner der Ausnahmetatbestände eine Befreiung von der Versicherungspflicht vorsieht
(Art. 3 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung [KVG; SR
832.10] i.V.m. Art. 1 Abs. 1 und Art. 2 ff. der Verordnung über die Krankenversicherung
[KVV; SR 832.102]). Der einzige vorliegend in Betracht fallende Ausnahmetatbestand ist
in Art. 2 Abs. 8 KVV geregelt. Dieser Verordnungsbestimmung zufolge sind Personen
auf Gesuch hin von der Versicherungspflicht ausgenommen, für welche eine
Unterstellung unter die schweizerische Versicherung eine klare Verschlechterung des
bisherigen Versicherungsschutzes oder der bisherigen Kostendeckung zur Folge hätte
und die sich auf Grund ihres Alters und/oder ihres Gesundheitszustandes nicht oder
nur zu kaum tragbaren Bedingungen im bisherigen Umfang zusatzversichern könnten.
Gemäss Art. 6 Abs. 1 KVG sorgen die Kantone für die Einhaltung der
Versicherungspflicht. Im Kanton St. Gallen vollzieht die politische Gemeinde die
Bestimmungen über die Versicherungspflicht und bezeichnet eine Kontrollstelle für die
Krankenversicherung (vgl. Art. 4 und Art. 6 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung [EG-KVG; sGS 331.11]). Gemäss
Art. 4 der Verordnung zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die
Krankenversicherung (Vo-EG-KVG; sGS 331.111) ist die Kontrollstelle für
Krankenversicherung jener politischen Gemeinde zuständig, in welcher die
versicherungspflichtige Person ihren Wohnsitz hat. Wer eine Ausnahme von der
Versicherungspflicht beansprucht, reicht das Gesuch der Kontrollstelle ein (Art. 7 Vo-
EG-KVG).
1.1.
Vorerst ist zu prüfen, ob die Unterstellung des Beschwerdeführers unter die
Schweizer Versicherung eine klare Verschlechterung seines bisherigen
Versicherungsschutzes oder der bisherigen Kostendeckung zur Folge hätte (Art. 2 Abs.
8 KVV). Art. 2 Abs. 8 KVV soll gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung nicht den
1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
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Nachteil verhindern, den eine Person dadurch erleidet, dass das schweizerische
System den Versicherungsschutz, den sie bisher unter dem ausländischen System
genoss, überhaupt nicht oder nicht zu gleich günstigen Bedingungen vorsieht. Er soll
vielmehr den Nachteil vermeiden, der daraus resultiert, dass eine Person bis zum
Erreichen ihres bisherigen ausländischen Versicherungsniveaus von in der Schweiz
tatsächlich vorhandenen Angeboten wegen ihres Alters und/oder
Gesundheitszustandes nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen Gebrauch
machen kann. Für diese unterschiedliche Behandlung von Personen, bei denen solche
Gründe des Alters und/oder Gesundheitszustandes vorliegen, auf der einen und von
Personen, bei denen solche Gründe fehlen, auf der andern Seite gibt es einen
vernünftigen Grund. Dieser liegt im Zweck des Obligatoriums, der nicht nur darin
besteht, zu verhindern, dass infolge Fehlens einer Versicherung unter Umständen bei
Risikoeintritt das Gemeinwesen für höhere oder alle Kosten aufkommen muss, sondern
auch darin, die Solidarität zwischen Gesunden und Kranken zu gewährleisten. Diese
Funktion des Obligatoriums würde nämlich vereitelt, wenn sich sogenannte gute
Risiken generell durch Abschluss einer vorteilhafteren privaten Versicherung von der
durch das Obligatorium bezweckten Solidargemeinschaft befreien könnten, was die
Kosten für die in dieser Gemeinschaft verbleibenden Personen in die Höhe triebe. Für
die Anwendung von Art. 2 Abs. 8 KVV sind daher strenge Massstäbe anzuwenden
(BGE 132 V 310 E. 8.5.6 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2009,
9C_921/2008, E. 4.3; Gebhard Eugster, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
KVG, in: Hans-Ulrich Stauffer/Basile Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2. Auflage 2018, Rz. 12 zu Art. 3
[nachfolgend zitiert: Eugster, Rechtsprechung], sowie Gebhard Eugster, S. 427 f. Rz.
59 f., in Ulrich Meyer [Hrsg.], Soziale Sicherheit, Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht Band XIV, 3. Auflage 2016 [nachfolgend zitiert: SBVR Soziale
Sicherheit-Eugster]). Grundvoraussetzung für die Annahme einer klaren
Verschlechterung ist, dass die ausländische Versicherung insgesamt einen dem
Leistungsrecht der obligatorischen Krankenpflegeversicherung gleichwertigen
Versicherungsschutz bietet (BGE 134 V 34 E. 5 ff. sowie Urteil des Bundesgerichts vom
12. September 2011, 9C_510/2011, E. 4.4.2).
Der Beschwerdeführer hat bei der B._ sowohl eine private Krankenversicherung
wie auch eine private Pflege-Pflichtversicherung abgeschlossen (vgl. act. G1.6, G1.10
f., G1.13). Bezüglich letzterer liegt keine Leistungsübersicht der B._ im Recht. Dies ist
jedoch insofern nicht notwendig, als die Leistungsansprüche gegenüber deutschen
Pflegeversicherungen gesetzlich geregelt sind. Versicherte einer deutschen privaten
Krankenversicherung müssen auch eine private Pflege-Pflichtversicherung
1.3.
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abschliessen. Die Leistungen sind denen der sozialen Pflegeversicherung gleichwertig.
An die Stelle der Sachleistungen tritt jedoch - wie auch bei deutschen privaten
Krankenversicherungen - die Kostenerstattung (vgl. https://
www.bundesgesundheitsministerium. de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/die-
pflegeversicherung.html#c4179; §23 Abs. 1 des Sozialgesetzbuches, Elftes Buch,
Soziale Pflegeversicherung [nachfolgend: SGB XI], abrufbar unter www.gesetze-im-
internet.de; beide Quellen zuletzt abgerufen am 12. Januar 2021). Die Höhe der
Leistungsansprüche gegenüber einer deutschen Pflege(pflicht-) Versicherung hängt
teilweise vom Pflegegrad der versicherten Person sowie der Art der Behandlung
(ambulant, teilstationär oder stationär) ab. Insbesondere bei Aufwendungen für
häusliche Pflegehilfe, Pflegegeld sowie Aufwendungen für Pflegeleistungen sind
Maximalbeiträge vorgesehen (vgl. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/
fileadmin/Dateien/3_Downloads/Statistiken/Pflegeversicherung/Zahlen_und_Fakten/
Zahlen_und_Fakten_der_SPV_Juli_2020_bf.pdf, S. 6 f., zuletzt abgerufen am 12.
Januar 2021 und §36 ff. SGB XI). Die Regelung der Leistungsansprüche ist nur
beschränkt direkt mit den Leistungen nach KVG vergleichbar. Wie aber die
Beschwerdegegnerin zu Recht geltend macht (act. G3), sieht die deutsche
Pflege(pflicht-)Versicherung bei vollstationärer Pflege in einem Pflegeheim beim
höchsten Pflegegrad 5 eine maximale Leistung von € 2'005.--, mithin zum Zeitpunkt
des vorliegenden Gerichtsentscheides rund Fr. 2'170.--, vor (vgl. §43 Abs. 2 Ziff. 4 SGB
XI). In der Schweiz besteht gemäss Art. 7a Abs. 3 lit. l der Verordnung des
Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) über Leistungen in der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung (KLV; SR 832.112.31) beim höchstmöglichen Pflegebedarf
von mehr als 220 Minuten pro Tag ein Anspruch auf einen Beitrag der Versicherung
von Fr. 115.20. Dies entspricht einem monatlichen Anspruch von Fr. 3'456.-- (Fr.
115.20 x 30), welcher deutlich über den Maximalleistungen einer deutschen
Pflegeversicherung liegt. Die Ausnahmeregelung von Art. 2 Abs. 8 KVV setzt
rechtsprechungsgemäss voraus, dass die ausländische Krankenversicherung keine
Limitierungen wie maximale Kosten pro Tag bzw. maximale Versicherungsdeckung
oder Deckungsausschlüsse für wichtige Leistungskomponenten des KVG aufweist
(Eugster, Rechtsprechung, Rz. 13 zu Art. 3). Praktisch nicht kompensierbar ist
namentlich, wenn die Erstattung der Kosten für die Pflege in einem Pflegeheim und für
die häusliche Krankenpflege den Umfang und die Leistungsdauer nicht wenigstens
annähernd erreicht. Es liegt dann keine Gleichwertigkeit zwischen der ausländischen
Versicherung und dem Versicherungsschutz nach KVG vor (Eugster, Rechtsprechung,
Rz. 19 zu Art. 3; Urteile des Bundesgerichts vom 20. Juni 2017, 9C_8/2017, E. 4.2, und
vom 20. Juni 2017, 9C_858/2016, E. 4.6). Die vorliegend im Vergleich zur
obligatorischen Versicherung nach KVG deutlich schlechtere Deckung der
https://www.bundesgesundheitsministerium https://www.bundesgesundheitsministerium
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Pflegekosten durch die B._ stellt damit rechtsprechungsgemäss einen
schwerwiegenden Mangel dar (vgl. dazu auch Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 15. April 2020, KV 2019/4, KV 2019/5, E. 7.2).
Der Beschwerdeführer hat eine Leistungsübersicht der Krankenversicherung bei
der B._ eingereicht. Darauf befinden sich die Tarife "privatSTART" sowie
"privatSTART-PLUS" (act. G1.11). Er macht in seiner Beschwerde geltend, sein
Vertragsverhältnis entspreche am ehesten dem Tarif "privatSTART-PLUS" (act. G1).
Entgegen dieser Ausführung hat die B._ dem Beschwerdeführer jedoch mit
Schreiben vom 23. April 2020 die Fortführung des versicherten Tarifs "START"
während seines Aufenthalts in der Schweiz bestätigt (act. G1.6) und auch auf seinem
Versicherungsschein vom 22. November 2018 ist der Tarif "START" aufgeführt (act.
G1.10). Weitere Abklärungen bezüglich des Versicherungstarifs des Beschwerdeführers
erübrigen sich insofern, als bezüglich der vorliegend relevanten Leistungen keine
wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden genannten Tarifen bestehen (vgl. act.
G1.11).
1.4.
Die B._ beschränkt die Übernahme von Arztkosten bis zum Höchstsatz der
deutschen Gebührenordnung für Ärzte (act. G1.11). Der Beschwerdeführer hatte in
seinem Schreiben vom 17. Mai 2020 eingeräumt, er sei sich bewusst, dass er darüber
liegende Kosten selbst tragen müsse. Bis jetzt habe die B._ seine Arztkosten in der
Schweiz aber voll übernommen, was zeige, dass nicht alle Behandlungen in der
Schweiz die Höchstansätze überstiegen (act. G1.8). Dennoch ist davon auszugehen,
dass nicht alle ärztlichen Leistungen in der Schweiz die Höchstansätze der deutschen
Gebührenordnung für Ärzte einhalten und der Beschwerdeführer die Differenz diesfalls
selbst tragen müsste. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht geltend macht (act. G3),
erbringt die B._ zudem unter anderem keine Kosten für ambulante Psychotherapie
(act. G1.11). Dies stellt rechtsprechungsgemäss ebenfalls eine erhebliche Lücke des
Versicherungsschutzes dar (vgl. Eugster, Rechtsprechung, Rz. 19 zu Art. 3, mit
weiteren Hinweisen; vgl. Art. 2 KLV). Des Weiteren beschränkt die B._ die Leistungen
für Logopädie und Ergotherapie (act. G1.11). Bei Vorliegen einer (neuen) ärztlichen
Verordnung besteht dagegen nach KVG grundsätzlich keine Beschränkung der
diesbezüglichen Kostenübernahme (vgl. Art. 5 f. KLV). Bei direkter Konsultation eines
Facharztes übernimmt die B._ die Kosten nur zu 75% (act. G1.11). Der
Beschwerdeführer bringt überzeugend vor, wenn er nach Überweisung durch seinen
Hausarzt einen Facharzt aufsuche, würden die Kosten voll übernommen (act. G1).
Angesichts vergleichbarer Mechanismen bei Hausarztmodellen gemäss KVG kann
1.5.
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offenbleiben, ob dies als weiterer Mangel des deutschen Versicherungsschutzes zu
werten ist.
Insgesamt bestehen damit mehrere wesentliche Mängel in der Versicherung der
B._ verglichen mit der Schweizer Grundversicherung nach KVG. Insbesondere die
Pflegekosten sind nur unzureichend gedeckt. Die B._ bietet zwar im Vergleich zur
Versicherung nach KVG gewisse Mehrleistungen. So sind beispielsweise Kosten im
Zusammenhang mit Zahnbehandlungen, Zahnersatz und Kieferorthopädie mindestens
teilweise, bei ersteren gar zu 100% gedeckt (vgl. act. G1.11). Im Gegensatz dazu sind
in der Schweiz zahnärztliche Behandlungen nur in Ausnahmefällen durch die
Grundversicherung erstattungspflichtig (vgl. Art. 17 ff. KLV). Der Beschwerdeführer
macht zudem geltend, er profitiere von Vorsorgeuntersuchungen sowie Beiträgen an
Sehhilfen und Hörhilfen (act. G1). Vorsorgeuntersuchungen werden auch von
obligatorischen Krankenversicherungen in der Schweiz mindestens teilweise
übernommen. Beiträge an Seh- und Hörhilfen erfolgen nur in Ausnahmefällen, letztere
werden aber durch andere Sozialversicherungsträger mitfinanziert (vgl. Art. 26 KVG,
Anhang 2 zur KLV). Die genannten Mängel der B._ vermögen ihre Vorteile gegenüber
der Versicherung nach KVG nicht hinreichend zu kompensieren. Dabei ist nicht
entscheidend, dass der Beschwerdeführer der Ansicht ist, er werde gewisse nach KVG
gedeckte Kosten wie eine Psychotherapie oder Logopädie nie in Anspruch nehmen
und auch mit den Beschränkungen für Pflegekosten "könne er leben" bzw. allenfalls
brauche er gar nie Pflegeleistungen. Die Inanspruchnahme von Pflege könne mit einem
gewissen Planungszeitraum organisiert und bezüglich Kosten optimiert werden (act.
G1, G5). Ausschlaggebend ist vor dem Hintergrund der obligatorischen
Volksversicherung nicht, welche Leistungen der Beschwerdeführer in Anspruch
nehmen möchte oder wird, sondern welche Versicherungsdeckung bei der B._
grundsätzlich besteht. Es ist nicht entscheidend, ob der Beschwerdeführer in der Lage
ist, nicht versicherte Risiken zu vermeiden (vgl. Eugster, Rechtsprechung, Rz. 21 zu Art.
3) oder gegebenenfalls selbst zu tragen.
1.6.
Die Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er bei der B._ bei
kostenbewusster Beanspruchung von medizinischen Diensten von "Boni" profitiere und
dank der deutschen Versicherung auch Steuervergünstigungen erhalte (act. G1, G1.8),
sind zwar insofern nachvollziehbar, als finanzielle Vorteile für einen Versicherten selbst
immer wünschenswert sind. Für die Prüfung des Anspruchs auf ausnahmsweise
Befreiung vom Versicherungsobligatorium sind sie jedoch nicht von Relevanz. Auch der
Umstand, dass der Beschwerdeführer Schweizer Bürger ist und vor seinem
1.7.
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2.
Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe sich am 11. Dezember 2019 beim
Einwohneramt Z._ gemeldet und mitgeteilt, dass er am 1. Januar 2020 dort Wohnsitz
nehmen möchte. Damals sei die Chip-Karte seiner deutschen Krankenkasse zu
Prüfzwecken eingelesen worden. Am 4. Februar 2020 habe er sich erneut auf das
Einwohneramt begeben. Damals sei auch die Krankenversicherung angesprochen
worden und es sei ihm gesagt worden, dass die Anerkennung keine Probleme schaffe.
Er habe deshalb am 18. Februar 2020 den sich aus dem Wohnortswechsel ergebenden
Antrag auf Vertragsänderung der B._ unterschrieben. Dass die Beschwerdegegnerin
später sein Befreiungsgesuch abgewiesen habe, widerspreche dem Grundsatz von
Treu und Glauben (act. G1). Der Grundsatz des Vertrauensschutzes (Art. 9 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]) bedeutet,
dass die Privaten Anspruch darauf haben, in ihrem berechtigten Vertrauen in
behördliche Zusicherungen oder in anderes, bestimmte Erwartungen begründendes
Verhalten der Behörden geschützt zu werden (Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix
Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, S. 142). Der Schutz der Privaten
bei unrichtigen Auskünften der Behörden stellt einen praktisch besonders wichtigen
Anwendungsfall des Vertrauensschutzes dar. Eine Auskunft begründet schutzwürdiges
Vertrauen unter anderem nur dann, wenn sie vorbehaltlos erteilt worden ist (Häfelin/
Müller/Uhlmann, a.a.O., S. 152 ff.). Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht geltend
macht, erfolgte die mündliche Auskunft des - zur Beurteilung des Gesuchs um
Befreiung vom Versicherungsobligatorium ohnehin unzuständigen - Einwohneramtes
der Gemeinde Z._ zumindest überwiegend wahrscheinlich nicht vorbehaltslos. Eine
verbindliche Zusicherung, dass der Beschwerdeführer von der Versicherungspflicht
befreit würde, war insofern nicht möglich, als dazu weitere Abklärungen bezüglich der
Versicherungsdeckung bei der B._ nötig waren. Somit bestand kein schutzwürdiges
Auslandaufenthalt lange in der Schweiz gelebt hat (act. G1.8, G5), ist nicht
ausschlaggebend.
Zusammenfassend kann nicht gesagt werden, die Unterstellung des
Beschwerdeführers unter das schweizerische Versicherungsobligatorium bewirke eine
klare Verschlechterung, weshalb eine Befreiung von der Versicherungspflicht gemäss
Art. 2 Abs. 8 KVV grundsätzlich ausser Betracht fällt. Hieran vermag der Umstand, dass
sich der Beschwerdeführer aufgrund seines Alters wohl nicht oder nur zu kaum
tragbaren Bedingungen im bisherigen Umfang zusatzversichern könnte, nichts zu
ändern, müssen die Voraussetzungen gemäss dieser Verordnungsbestimmung doch
kumulativ erfüllt sein.
1.8.
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Vertrauen, welcher die Rechtmässigkeit des angefochtenen Einspracheentscheids in
Frage stellen würde.
3.
4.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid für diese stellvertretend
von einer mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art. 39ter Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).