Decision ID: 8db6087c-fd43-5652-bc8b-5f336f975aae
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der deutsche Staatsangehörige A._ (nachfolgend: Beschwer-
deführer oder Versicherter) wurde (...) 1963 geboren und ist in seiner Hei-
mat wohnhaft. Er ist verheiratet und Vater einer leiblichen Tochter mit Jahr-
gang 2002 und einer erwachsenen Stieftochter. Er absolvierte eine Lehre
als Zweiradmechaniker und arbeitete danach auf dem erlernten Beruf. Er
legte in der Schweiz von 2002 bis 2015 eine Gesamtversicherungszeit von
12 Jahren und 8 Monaten zurück. Der damalige Arbeitgeber bestätigte
2013 für den hypothetischen Fall der Weiterbeschäftigung ein Jahresein-
kommen von Fr. 65'000.- (Akten [nachfolgend: act.] der Invalidenversiche-
rungsstelle für Versicherte im Ausland [nachfolgend: Vorinstanz] 1, 9, 34,
BVGer act. 16, Beilage).
A.b Der Versicherte meldete sich am 30. Mai 2013 erstmals bei der schwei-
zerischen Invalidenversicherung (IV) an (act. 1). Daraufhin sprach ihm die
Vorinstanz mit rechtskräftiger Verfügung vom 6. Mai 2015 eine befristete
ganze Invalidenrente für November und Dezember 2013 zu (act. 32).
A.c Der Versicherte trat per 1. Mai 2014 in der Schweiz eine neue Stelle
als Velomechaniker an. Der letzte Monatslohn betrug Fr. 4'950.-. Seit 21.
September 2015 war er krankgeschrieben. In der Folge fand er nicht mehr
ins Erwerbsleben zurück (act. 60, 157).
A.d Die deutsche Rentenversicherung sprach dem Beschwerdeführer zwi-
schenzeitlich mit Bescheid vom 7. August 2018 aufgrund eines Vergleichs
eine Rente wegen voller Erwerbsminderung zu, die bis Ende 2019 befristet
war. Dann fiel sie weg. Der Versicherte gilt in Deutschland als schwerbe-
hindert und erhält ein Pflegegeld (act. 172, 178). Die Ehefrau, eine frühere
Bürofachangestellte, wird ebenfalls berentet (BVGer act. 11, Beilage).
B.
B.a Der Versicherte meldete sich am 2. Mai 2016 ein zweites Mal bei der
IV-Stelle B._ zum Leistungsbezug an. Es wurden zahlreiche medi-
zinische Unterlagen vorgelegt (act. 34 ff.).
B.b Dr. C._, Facharzt für Psychiatrie, führte nach einer Untersu-
chung des Versicherten im Auftrag der Krankentaggeldversicherung am
23. Mai 2016 aus, dieser befinde sich nach einem Morbus Crohn Schub in
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einem körperlich geschwächten Zustand. Er sei nach wie vor nicht leis-
tungsfähig. Er sei 17 Jahre lang starker Alkoholiker gewesen und habe es
geschafft, seit 18 Jahren abstinent zu sein. Er sei vor einigen Jahren an
einer Hirnhautentzündung und später an einem Zeckenbiss erkrankt. Trotz
dieser vorbestehenden Schwäche habe er wieder gearbeitet, bevor er im
September 2015 total zusammengebrochen sei. Sicher habe der Alkohol-
abusus dem Gehirn geschadet. Auch die Hirnhautentzündung und der Ze-
ckenbiss hätten die Hirnleistungsfunktion gemindert «und natürlich vor al-
lem der monatelang virulente Morbus Crohn.» Die Erschöpfung und Kraft-
losigkeit seien diagnostisch als psychische Störung aufgrund einer Schä-
digung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen Krank-
heit zu erfassen. Eine Arbeitsfähigkeit bestehe seit Monaten nicht mehr.
Die Behandlung sollte zu deren Wiedererlangung intensiviert werden. An-
gezeigt sei nicht primär eine psychotherapeutische, sondern eine medizi-
nische Rehabilitation (act. 50).
B.c Der Hausarzt und die behandelnde nervenärztliche Gemeinschaftspra-
xis attestierten dem Versicherten 2016 eine mittelschwere Depression mit
ausgeprägtem Erschöpfungssyndrom bzw. eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
(act. 50, Seite 7; act. 58, Seite 5 f.). Die nervenärztliche Gemeinschafts-
praxis führte in einem Bericht vom 25. Januar 2017 zudem aus, das de-
pressive Zustandsbild habe sich nicht verändert. Die allgemeine körperli-
che Erschöpfung habe eher noch zugenommen. Zum aktuellen Zeitpunkt
bestehe keine Erwerbsfähigkeit (act. 85, Seite 7 f.).
B.d Die IV-Stelle B._ teilte dem Versicherten mit Mitteilung vom 20.
März 2017 mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich seien (act. 64).
B.e Der Versicherte hielt sich vom 20. März 2017 bis zum 28. April 2017 in
der Rehaklinik D._ und in der Rehaklinik E._ auf (act. 66).
Die Rehaklinik D._ erachtete den Versicherten im Entlassungsbe-
richt vom 5. Mai 2017 in einer adaptierten, körperlich leichten, wechselbe-
lastenden Tätigkeit als für drei bis unter sechs Stunden pro Tag arbeitsfähig
(act. 67, Seite 2 ff.). Die Ärzte diagnostizierten (unter anderem) 1. eine re-
zidivierende depressive Störung, zuletzt mittelgradige depressive Episode,
sowie 2. rezidivierende Panikattacken. Sie hielten weiter fest, infolge der
psychischen Erkrankung bestehe eine erhöhte Stressvulnerabilität mit hier-
aus resultierenden psychomentalen Funktionseinschränkungen. Tätigkei-
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ten mit gehobener Verantwortung oder Stressbelastung sowie ohne gere-
gelte Pausen und mit Störung der zirkadianen Rhythmik seien daher als
ungeeignet anzusehen. Die Rehaklinik E._ erachtete ihn in einer
adaptierten Tätigkeit sogar als für sechs Stunden und mehr pro Tag arbeits-
fähig (act. 67, Seite 19 ff.), was der Rehaklinik D._ aber zu optimis-
tisch erschien, da das Durchhaltevermögen hierfür nicht mehr ausreichend
sei.
B.f Die IV-Stelle B._ gewährte dem Versicherten mit Mitteilung vom
18. August 2017 Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (act.
82). Sie teilte ihm mit Schreiben vom 26. September 2017 sodann mit, sie
erachte eine umfassende medizinische Untersuchung in den Disziplinen
Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Neuropsychologie und Rheumato-
logie als notwendig (act. 86). Die Begutachtung führte das Begutachtungs-
zentrum Begaz im Januar, Februar, März und August 2018 durch (act. 140,
Seite 7).
B.g Bald nach der psychiatrischen und neuropsychologischen Begutach-
tung durch das Begaz, die schon im Februar und März 2018 stattfand (act.
140, Seite 7), begab sich der Beschwerdeführer mehrfach für stationäre
Aufenthalte in die Klinik F._. Dort sind folgende Aufenthalte doku-
mentiert: 1. stationär vom 24. Mai bis 5. Juli 2018 (act. 140, Seite 67 ff.); 2.
stationär vom 10. Juli bis 14. August 2018 (act. 140, Seite 73 ff.); 3. statio-
när vom 3. Februar bis 8. März 2019; 4. stationär vom 8. April bis (mindes-
tens) 2. Mai 2019 (act. 151, Seite 1); 5. stationär vom 11. Juni bis 23. Juli
2019 (act. 175). In den betreffenden Berichten ist von einer depressiven
Störung, gegenwärtig schwere Episode, und einer Traumafolgestörung die
Rede. Diese Diagnosen werden auch im ausführlichen Bericht (vom 2. Mai
2019) von Dr. G._ gestellt, der in der Klinik F._ als Psychia-
ter tätig ist (act. 151).
B.h Die vier Gutachter hielten im polydisziplinären Begaz-Gutachten vom
13. September 2018 folgende Diagnosen fest (mit Auswirkung auf die Ar-
beitsfähigkeit): 1. Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht-
gradige Episode; 2. Anhaltende somatoforme Schmerzstörung; 3. Peri-
arthropathische Schulterbeschwerden, aktuell links mehr als rechts und
endständiges Schulterimpingement links; 4. Chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit möglicher spondylogener Schmerzausstrahlung
rechts (Diskusprotrusion LWK5/S1 links mit möglicher foraminaler Wurzel-
kompression L5 links gemäss MRT der LWS vom 4. Juli 2016); (ohne Aus-
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit) 5. Alkoholabhängigkeit, anamnestisch seit
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1998 abstinent; 6. Morbus Crohn; 7. COPD gemäss Anamnese; 8. Musku-
läre Dysbalance am Schultergürtel beidseits (Trapezius), aktuell linksbe-
tont und am Beckengürtel beidseits (Knieflexoren); 9. Klinisch beginnende
degenerative Gelenksveränderung (Heberdenarthrosen an den Fingern II
und V beidseits, Hüftgelenke); 10. Spreizfüsse, rechts mehr als links. Die
Gutachter hielten zur Arbeitsfähigkeit fest, in einer adaptierten, körperlich
leichten Tätigkeit bestehe eine psychische Einschränkung von 30 %. Für
die angestammte Tätigkeit als Zweiradmechaniker bestehe aus rheumato-
logischer Sicht zudem eine (nicht additive) Einschränkung von 20 %. Ak-
tenanamnestisch habe von März 2017 bis mindestens Juli 2017 eine mittel-
bis schwergradige depressive Episode und deswegen eine Arbeitsunfähig-
keit von mindestens 50 % bestanden. Berufliche Massnahmen seien nicht
umsetzbar (act. 140, Seite 56 ff.).
B.i Die Begaz-Ärzte Dr. H._ und Dr. I._ hielten unter dem
Eindruck der bis dahin vorliegenden Berichte der Klinik F._ in einer
ergänzenden Stellungnahme vom 29. Oktober 2018 fest, es müsse von
einer Verschlechterung der depressiven Symptomatik ab mindestens 24.
Mai 2018 bis mindestens 14. August 2018 ausgegangen werden, da sich
eine schwere depressive Episode entwickelt habe, was aufgrund der be-
treffenden Berichte nachvollziehbar sei. Dies stehe nicht im Widerspruch
zu ihren Begutachtungsresultaten, denn eine rezidivierende depressive
Störung könne unterschiedlich stark ausgeprägte Episoden beinhalten. In
Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit könne aufgrund der neu eingebrachten
Akten lediglich gesichert davon ausgegangen werden, dass vom 24. Mai
2018 bis zum 14. August 2018 eine volle Arbeitsunfähigkeit vorlag. Der
weitere Verlauf müsse aufgrund aktueller ambulanter Akten oder einer er-
neuten Begutachtung eingestuft werden (act. 144, Seite 6).
B.j Die IV-Stelle B._ stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom
23. Mai 2019 eine ganze Invalidenrente von November 2016 bis Juli 2017
und eine halbe Invalidenrente von August 2017 bis Oktober 2017 in Aus-
sicht (act. 154).
B.k Der Versicherte beantragte mit Einwand vom 26. Juni 2019 eine ganze
Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Mai 2017. Er verwies auf eine erneute
Behandlung in der Klinik F._ und ärztliche Unterlagen, denen weder
eine Verbesserung des Gesundheitszustands noch eine Wiedererlangung
einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit entnommen werden könne (act. 166,
174 ff.).
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B.l Die Vorinstanz sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 17. Okto-
ber 2019 eine ganze Invalidenrente von November 2016 bis Juli 2017 und
eine halbe Invalidenrente von August 2017 bis Oktober 2017 zu. Einen
Rentenanspruch ab November 2017 wies sie bei einer Erwerbseinbusse
von 29 % ab (act. 179, 183, 184).
C.
C.a Der Versicherte, nun vertreten durch Rechtsanwalt Martin Keiser, be-
antragte mit Beschwerde vom 8. November 2019, es sei ihm in Abände-
rung der angefochtenen Verfügung über den 31. Juli 2017 hinaus eine
ganze und unbefristete Invalidenrente zuzusprechen. Eventuell sei die Sa-
che zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen oder es sei
direkt vom Gericht eine Oberbegutachtung zu veranlassen. Zudem sei ihm
für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und Ver-
beiständung zu gewähren (BVGer act. 1).
C.b Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 17. Dezember
2019, die Beschwerde sei abzuweisen und die angefochtene Verfügung
sei zu bestätigen (BVGer act. 5). Der Beschwerdeführer verzichtete auf
eine Replik (BVGer act. 11).
C.c Der Instruktionsrichter hiess mit Zwischenverfügung vom 1. April 2020
das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege gut
und ordnete ihm Rechtsanwalt Martin Keiser als amtlich bestellten Anwalt
bei (BVGer act. 12).
C.d Der Beschwerdeführer reichte mit unaufgeforderter Eingabe vom 10.
Juni 2020 ein deutsches Pflegegutachten vom 7. Oktober 2019 ein. Er
führte aus, die Lektüre des Pflegegutachtens zeige, dass die Fiktion eines
im Zeitpunkt der Verfügung verbesserten Gesundheitszustands jeder sach-
lichen Grundlage entbehre (BVGer act. 14).
C.e Der Instruktionsrichter gab der Vorinstanz mit Verfügung vom 24. Juni
2020 Gelegenheit, zur unaufgeforderten Eingabe vom 10. Juni 2020 und
zur Rentenberechnung eine Stellungnahme abzugeben (BVGer act. 15).
C.f Die Vorinstanz beantragte mit ergänzender Stellungnahme vom 14. Au-
gust 2020 die teilweise Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer bei-
liegenden Stellungnahme der IV-Stelle B._. Diese führte im We-
sentlichen aus, aus versicherungsmedizinischer Sicht bestehe ab 1. Sep-
tember 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten.
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Daher sei dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Dezember 2019 in
Abänderung der angefochtenen Verfügung eine ganze Invalidenrente zu-
zusprechen. Die Schweizerische Ausgleichskasse SAK bestätigte mit Stel-
lungnahme vom 12. August 2020 die Berechnung der Rentenleistungen zu
Gunsten des Beschwerdeführers (BVGer act. 16).
C.g Der Beschwerdeführer hielt mit Stellungnahme vom 26. August 2020
an den gestellten Anträgen vollumfänglich fest. Er führte unter anderem
aus, im Längsvergleich ergebe sich bei der gut dokumentierten Krankheits-
entwicklung kein Hinweis darauf, dass sich der Gesundheitszustand nach
August 2017 stabil gebessert habe. Vielmehr sei es seit 2016 schleichend
abwärts gegangen (BVGer act. 18).
C.h Der Instruktionsrichter ersuchte die Vorinstanz mit Verfügung vom 13.
Oktober 2020 um eine psychiatrische Stellungnahme des Regionalen Ärzt-
lichen Dienstes (RAD; BVGer act. 20).
C.i Die Vorinstanz übermittelte am 1. Dezember 2020 ein aktualisiertes
Case-Tracking der IV-Stelle B._ inklusive einer psychiatrischen
Stellungnahme (BVGer act. 21).
C.j Der Beschwerdeführer führte am 17. Dezember 2020 sinngemäss aus,
die Befristung der Invalidenrente bis Oktober 2017 beruhe auf der unzu-
treffenden Annahme, dass im August 2017 eine Verbesserung des Ge-
sundheitszustands eingetreten sei. Die versicherungsmedizinischen Be-
trachtungen der IV-Stelle B._ seien in diesem Kontext zu würdigen
(BVGer act. 23).
C.k Der Instruktionsrichter schloss den Schriftenwechsel mit Verfügung
vom 23. Dezember 2020 ab (BVGer act. 24). Auf die weiteren Ausführun-
gen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird – soweit für die
Entscheidfindung erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen näher
eingegangen.
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Seite 8

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochte-
nen Verfügungen durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdi-
ges Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhe-
bung der Beschwerden legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. BVGE 2013/46 E. 3.2).
2.3 Nach ständiger Rechtsprechung beschränkt sich die Prüfung des So-
zialversicherungsgerichts auf die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass
der angefochtenen Verwaltungsverfügung entwickelt haben (vgl. Urteil des
BGer 8C_489/2016 vom 29. November 2016 E. 5.2 m.H. auf BGE 132 V
215 E. 3.1.1; 130 V 138 E. 2.1; 121 V 362 E. 1b). Tatsachen, die jenen
Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand ei-
ner neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
2.4 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger mit Wohnsitz in
Deutschland. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni
1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des
FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen
Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009
(SR 0.831.109.268.11), zur Anwendung. Seit dem 1. Januar 2015 sind
auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und
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Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 4).
2.5 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 17. Oktober 2019 in Kraft standen; weiter aber auch
Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren,
die aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprü-
che von Belang sind.
3.
Zum Anspruch auf eine schweizerische Invalidenrente und den Abklärun-
gen, die in diesem Zusammenhang vorzunehmen sind, ist Folgendes vor-
auszuschicken:
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
C-5909/2019
Seite 10
3.2 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16
ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommens-
vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die ver-
sicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der me-
dizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch
eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkom-
men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Vali-
deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise
zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffern-
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden,
worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen
lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343
E. 3.4.2; Urteil des BGer 8C_536/2017 vom 5. März 2018 E. 5.1).
3.3 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während ei-
nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c). Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindestens
60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine ganze
Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
3.4 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen
und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen
sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tä-
tigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-
folgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson
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Seite 11
muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des
BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen).
3.5 Zwar gilt für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsver-
fahren der Grundsatz der freien Beweiswürdigung, doch hat die Rechtspre-
chung in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gut-
achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufgestellt (vgl. BGE 125 V 351
E. 3b). So kommt den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten
Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Be-
obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl.
BGE 137 V 210 E. 2.2.2, BGE 135 V 465 E. 4.4, BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
Berichte behandelnder Ärzte sind aufgrund deren auftragsrechtlichen Ver-
trauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen. Dies gilt für den
allgemein praktizierenden Hausarzt wie den behandelnden Spezialarzt
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 655/05 vom 20. März
2006 E. 5.4 m.H. auf BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Allerdings dürfen auch die
potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen wer-
den, namentlich wenn sie wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher
Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Be-
gutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des BGer
9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.2 m.H.). Den Berichten und Gutach-
ten versicherungsinterner Ärzte kommt ebenfalls Beweiswert zu, sofern sie
als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich wider-
spruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen.
Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis
zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivi-
tät und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Um-
stände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung ob-
jektiv als begründet erscheinen lassen (BGE 135 V 465 E. 4.4 m.H. auf 125
V 351 E. 3b/ee).
3.6 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 141 V
C-5909/2019
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281 E. 2.1). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht
gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft,
beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den
der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Ent-
scheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens
nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine
objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichti-
gung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106
E. 4.4). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und da-
mit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun-
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung al-
len guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, ab-
wenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv
bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 352 E. 2.2.1; SVR 2014 IV Nr. 2 S.
5 E. 3.1). Entscheidend ist, ob und inwiefern es der versicherten Person
trotz ihres Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, die Restarbeitsfähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offenstehenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt zu verwerten, und ob dies für die Gesellschaft tragbar ist. Dies
ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu prüfen (BGE 136 V
279 E. 3.2.1; SVR 2016 IV Nr. 2 S. 5 E. 4.2).
3.7 Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so
wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft ent-
sprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
Anlass zur Revision von Invalidenrenten gibt jede Änderung in den tatsäch-
lichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer we-
sentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Hingegen ist
die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich ge-
bliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich. Eine
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, ist für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung
von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden
kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem
Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei
Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a
Abs. 1 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversiche-
rung [IVV, SR 831.201]). Eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder
der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist zu berücksichti-
gen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat
C-5909/2019
Seite 13
(Art. 88a Abs. 2 IVV). Ist eine anspruchserhebliche Änderung des Sachver-
halts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, bleibt es nach
dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen Rechtszustand
(vgl. Urteil des BGer 9C_273/2014 vom 16. Juni 2014 E. 3.1.1 mit Hinweis).
Die Revisionsbestimmungen (Art. 17 Abs. 1 ATSG; Art. 88a IVV) sind bei
der rückwirkenden Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Rente
analog anwendbar (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des BGer
8C_269/2015 vom 18. August 2015 E. 3.2).
4.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet die Verfügung vom 17. Oktober
2019 (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1). Die Vorinstanz sprach dem Versicherten
mit der angefochtenen Verfügung eine ganze Invalidenrente von Novem-
ber 2016 bis Juli 2017 und eine halbe Invalidenrente von August 2017 bis
Oktober 2017 zu. Einen Rentenanspruch ab November 2017 wies sie bei
einer Erwerbseinbusse von 29 % ab (act. 179, 183, 184). Das Bundesver-
waltungsgericht prüft primär die vorgetragenen Rügen und ist nicht gehal-
ten, die angefochtene Verfügung auf alle erdenklichen Rechtsfehler hin zu
untersuchen (vgl. Urteile des BVGer C-2656/2015 vom 24. Februar 2016
E. 2.2 und C-5053/2013 vom 17. August 2015 E. 4.2). Aus den Akten erge-
ben sich keine Anhaltspunkte, die der ganzen Invalidenrente von Novem-
ber 2016 bis Juli 2017 entgegenstehen würden. Streitig und vom Bundes-
verwaltungsgericht zu prüfen ist daher nur der Anspruch des Beschwerde-
führers auf eine schweizerische Invalidenrente ab August 2017 (vgl. BVGer
act. 1). Im laufenden Beschwerdeverfahren ergab sich zwischen den Par-
teien sodann insoweit ein Konsens, als neu auch die Vorinstanz bzw. die
IV-Stelle B._ einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente mit Wir-
kung ab 1. Dezember 2019 anerkennen (BVGer act. 16).
5.
5.1 Im Begaz-Gutachten vom 13. September 2018 wurde beim Beschwer-
deführer unter anderem eine rezidivierende depressive Störung, gegen-
wärtig leichtgradige Episode, diagnostiziert. In einer adaptierten leichten
Tätigkeit, die auch die Einschränkungen aus rheumatologischer Sicht be-
rücksichtigt, wurde ihm eine (psychische) Einschränkung von 30 % attes-
tiert (act. 140, Seite 56 ff.). Bald nach der psychiatrischen und neuropsy-
chologischen Begutachtung durch das Begaz, die schon im Februar und
März 2018 stattfand (act. 140, Seite 7), trat mindestens seit dem Mai 2018
eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands ein. Daher
C-5909/2019
Seite 14
begab sich der Beschwerdeführer mehrfach für stationäre Aufenthalte in
die Klinik F._. Dort sind – wie im Sachverhalt schon festgestellt –
folgende Aufenthalte dokumentiert: 1. stationär vom 24. Mai bis 5. Juli 2018
(act. 140, Seite 67 ff.); 2. stationär vom 10. Juli bis 14. August 2018 (act.
140, Seite 73 ff.); 3. stationär vom 3. Februar bis 8. März 2019; 4. stationär
vom 8. April bis (mindestens) 2. Mai 2019 (act. 151, Seite 1); 5. stationär
vom 11. Juni bis 23. Juli 2019 (act. 175). In den betreffenden Berichten ist
von einer depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode, und einer
Traumafolgestörung die Rede. Diese Diagnosen werden auch im ausführ-
lichen Bericht (vom 2. Mai 2019) von Dr. G._ gestellt, der in der
Klinik F._ als Psychiater tätig ist (act. 151). In einem deutschen Pfle-
gegutachten einer Pflegefachkraft wird dem Versicherten sodann ab 1.
September 2019 ein ambulantes Pflegebedürfnis bescheinigt (Pflegegrad
2; BVGer act. 14, Beilage, Seite 10). Der Erlass der angefochtenen Verfü-
gung erfolgte schliesslich erst nach und in Kenntnis der stationären Klinik-
aufenthalte am 17. Oktober 2019.
5.2 Die Begaz-Ärzte Dr. H._ und Dr. I._ hielten unter dem
Eindruck der bis dahin vorliegenden Berichte der Klinik F._ in einer
nachvollziehbaren Stellungnahme vom 29. Oktober 2018 – wie im Sach-
verhalt schon erwähnt – fest, es müsse von einer Verschlechterung der
depressiven Symptomatik ab mindestens 24. Mai 2018 bis mindestens 14.
August 2018 ausgegangen werden, da sich eine schwere depressive Epi-
sode entwickelt habe, was aufgrund der betreffenden Berichte nachvoll-
ziehbar sei. Dies stehe nicht im Widerspruch zu ihren Begutachtungsresul-
taten, denn eine rezidivierende depressive Störung könne unterschiedlich
stark ausgeprägte Episoden beinhalten. In Bezug auf die Arbeitsunfähig-
keit könne aufgrund der neu eingebrachten Akten lediglich gesichert davon
ausgegangen werden, dass vom 24. Mai 2018 bis zum 14. August 2018
eine volle Arbeitsunfähigkeit vorlag. Der weitere Verlauf müsse aufgrund
aktueller ambulanter Akten oder einer erneuten Begutachtung eingestuft
werden (act. 144, Seite 6).
5.3 Aufgrund der fünf stationären Klinikaufenthalte, die in den Akten doku-
mentiert sind, sowie der ausgewiesenen Pflegebedürftigkeit ist mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die volle Arbeits-
unfähigkeit über den 14. August 2018 hinaus anhielt und bis zum Erlass
der angefochtenen Verfügung am 17. Oktober 2019 fortbestand. Da der
psychische Gesundheitszustand fünf stationäre Klinikaufenthalte erforder-
lich machte, war eine berufliche Betätigung in dieser Zeit ausgeschlossen.
Dass sich der Versicherte zwischen dem Klinikaustritt am 14. August 2018
C-5909/2019
Seite 15
und dem Wiedereintritt am 3. Februar 2019 soweit gefangen hat, dass von
einer stabilen wesentlichen Verbesserung gesprochen werden könnte, ist
weder ausgewiesen noch anzunehmen (vgl. act. 151). Ausgehend von der
Verschlechterung zum Zeitpunkt der Hospitalisierung am 24. Mai 2018 be-
steht mit Wirkung ab 1. August 2018 Anspruch auf eine ganze Invaliden-
rente (Art. 88a Abs. 2 IVV). Wie sich der Gesundheitszustand nach dem
Erlass der angefochtenen Verfügung am 17. Oktober 2019 weiterentwi-
ckelte, ist nicht bekannt. Es wird Aufgabe der Vorinstanz sein, dies im Rah-
men eines Revisionsverfahrens zu gegebener Zeit in Erfahrung zu bringen.
5.4 Anzumerken ist, dass eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit von 100 %
(für alle Tätigkeiten) somit nicht erst seit 1. September 2019 besteht, wie
Vorinstanz und IV-Stelle B._ behaupten. Das deutsche Pflegegut-
achten stellt zwar ein weiteres und durchaus gewichtiges Indiz für eine fort-
bestehende Arbeitsunfähigkeit dar. Ausschlaggebend für die Rentenbe-
rechtigung kann es indessen schon deshalb nicht sein, weil es sich dabei
nicht um ein ärztliches Dokument handelt (BVGer act. 14, Beilage, Seite
14). Vielmehr ist auf die Berichte der Klinik F._ sowie die nachvoll-
ziehbaren Angaben der Begaz-Ärzte Dr. H._ und Dr. I._ ab-
zustellen, die ebenfalls von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ab dem ersten
Klinikeintritt am 24. Mai 2018 (bis zum 14. August 2018) ausgehen. Auch
die weiteren Vorbringen der IV-Stelle B._ zum Wiederbeginn des
Rentenanspruchs per 1. Dezember 2019 vermögen nicht zu überzeugen.
Auf die psychiatrische RAD-Stellungnahme vom 17. November 2020 ist
nicht abzustellen, zumal es sich dabei lediglich um einen Aktenbericht han-
delt, der zu den vorgenannten Unterlagen im Widerspruch steht (BVGer
act. 21, Beilage). Zu ergänzen ist, dass aus Sicht des Rechtsanwenders
nicht nachvollziehbar ist, weshalb die IV-Stelle B._ ihren RAD-Psy-
chiater nicht schon früher beigezogen hat. Angesichts der fünf Aufhalte in
der Klinik F._ und der gravierenden Diagnosen, die sich aus den
entsprechenden Berichten ergeben, hätte dafür gewiss Anlass bestanden.
Der Beschwerdeführer weist in der Beschwerde zu Recht auf diesen Punkt
hin (BVGer act. 1).
6.
Zu beurteilen ist weiter der Rentenanspruch im zwölfmonatigen Zeitraum
von August 2017 bis Juli 2018.
6.1 Der Versicherte hielt sich – wie im Sachverhalt schon festgestellt – vom
20. März 2017 bis zum 28. April 2017 in der Rehaklinik D._ und in
C-5909/2019
Seite 16
der Rehaklinik E._ auf (act. 66). Die Rehaklinik D._ erach-
tete den Versicherten im Entlassungsbericht vom 5. Mai 2017 in einer
adaptierten, körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit als für drei
bis unter sechs Stunden pro Tag arbeitsfähig. Die Ärzte diagnostizierten
(unter anderem) 1. eine rezidivierende depressive Störung, zuletzt mittel-
gradige depressive Episode, sowie 2. rezidivierende Panikattacken. Sie
hielten (unter anderem) fest, infolge der psychischen Erkrankung bestehe
eine erhöhte Stressvulnerabilität mit hieraus resultierenden psychomenta-
len Funktionseinschränkungen. Tätigkeiten mit gehobener Verantwortung
oder Stressbelastung sowie ohne geregelte Pausen und mit Störung der
zirkadianen Rhythmik seien als ungeeignet anzusehen. Infolge der schwer-
gradigen obstruktiven Atemwegserkrankung bestehe eine Limitierung der
kardiopulmonalen Belastbarkeit. Eine Exposition gegenüber Atemwegsirri-
tanzien sei konsequent zu meiden, ebenso Zwangshaltungen, Überkopfar-
beiten und das Heben und Tragen von mehr als leichten Lasten. Infolge
der chronisch entzündlichen Darmerkrankung bestehe die Notwendigkeit,
jederzeit Pausen für Toilettengänge einlegen zu können. Die gelernte Tä-
tigkeit als Zweiradmechaniker sei keinesfalls mehr adaptiert. Die Rehakli-
nik E._ erachtete den Versicherten in einer adaptierten Tätigkeit als
für sechs Stunden und mehr pro Tag arbeitsfähig (act. 67, Seite 19 ff.), was
der Rehaklinik D._ aber zu optimistisch erschien, da das Durchhal-
tevermögen hierfür nicht mehr ausreichend sei (act. 67, Seite 2 ff.).
6.2 Der Entlassungsbericht der Rehaklinik D._ vom 5. Mai 2017 be-
ruht auf den Rehabilitationsbemühungen vom 20. März 2017 bis zum 28.
April 2017 und wurde von einem Internisten und Rehabilitationsmediziner,
einem Psychiater, einer Stationsärztin und einem Psychologen unterzeich-
net. Der Entlassungsbericht beruht auf allseitigen Untersuchungen, be-
rücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Anamnese ab-
gegeben worden, leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Zusam-
menhänge sowie der medizinischen Situation ein und enthält Schlussfol-
gerungen, die von Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V
231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Er erweist sich als beweiswertig, wobei die
Angabe zum zumutbaren Pensum unscharf ist. Gleichwohl ist für die Zeit
nach dem Austritt aus der Rehaklinik E._ am 28. April 2017 erstmals
(wieder) ein Leistungsvermögen ausgewiesen, was – entgegen den Aus-
führungen des Beschwerdeführers – nicht vernachlässigt werden kann.
Dass sich der Versicherte subjektiv für weniger als drei bis sechs Stunden
als arbeitsfähig erachtete, ist im Übrigen nicht massgeblich. Es gilt ein ob-
jektivierter Massstab.
C-5909/2019
Seite 17
6.3 Im Begaz-Gutachten vom 13. September 2018 wurde (auch) vor dem
Hintergrund der bekannten Rehabilitationsbemühungen ausgeführt, akten-
anamnestisch habe von März 2017 bis mindestens Juli 2017 eine mittel-
bis schwergradige depressive Episode und deswegen eine Arbeitsunfähig-
keit von mindestens 50 % bestanden. Präzisere Angaben seien (retrospek-
tiv aufgrund der Begutachtung im Februar 2018) nicht möglich (act. 140,
Seite 60 f.). Diese Aussage ist augenscheinlich mit (sehr) grossen Unge-
wissheiten behaftet, die auch die folgenden Monate beschlagen. Dass von
August 2017 bis April 2018 durchwegs eine stabilisierte Arbeitsfähigkeit
von 70 % bei einer psychischen Einschränkung von 30 % vorlag, ist somit
zweifelhaft, zumal im Mai 2018 – gemäss der nachvollziehbaren Einschät-
zung der Begaz-Ärzte Dr. H._ und Dr. I._ vom 29. Oktober
2018 – bereits wieder eine volle Arbeitsunfähigkeit eintrat (act. 144). So wie
sich die Aktenlage zum wechselhaften Krankheitsverlauf darstellt, kann es
sich beim Begaz-Gutachten in psychiatrischer und neuropsychologischer
Hinsicht lediglich um eine Momentaufnahme mit beschränkter Aussage-
kraft handeln. Eine länger anhaltende Arbeitsfähigkeit von 70 % vermag es
nicht auszuweisen. Das Begaz-Gutachten ist aber immerhin – neben den
Berichten der Rehaklinik D._ und der Rehaklinik E._ – ein
weiteres und durchaus gewichtiges Indiz für ein zwischenzeitlich ab Mai
2017 wiedererreichtes (wenn auch weiterhin erheblich eingeschränktes)
Leistungsvermögen. Die Einwände, die der Beschwerdeführer gegen das
Begaz-Gutachten vorbringt, ändern daran nichts.
6.4 Unter Berücksichtigung der vorgenannten Unterlagen ist mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit
nach dem Austritt aus der Rehaklinik E._ am 28. April 2017 und bis
zur erneuten Verschlechterung im Mai 2018 durchwegs im Bereich von
50 % lag. Genaueres kann nicht festgestellt werden. Eine weitere Begut-
achtung verspricht hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit 2017 / 2018 keinen Er-
kenntnisgewinn. Wenn die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärun-
gen - wie im vorliegenden Fall - bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur
Überzeugung führen, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend
wahrscheinlich zu betrachten und weitere Beweismassnahmen könnten an
diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so ist in antizipierter
Beweiswürdigung auf die Abnahme weiterer Beweise zu verzichten (vgl.
UELI KIESER, Das Verwaltungsverfahren in der Sozialversicherung, Zürich
1999, S. 212, Rz. 450; FRITZ GYGI, a.a.O., S. 274; vgl. auch BGE 122 II
464 E. 4a, BGE 122 III 219 E. 3c, BGE 120 1b 224 E. 2b, BGE 119 V 335
E. 3c mit Hinweisen).
C-5909/2019
Seite 18
6.5 Im Bereich der Invalidenversicherung gilt die Fiktion des ausgegliche-
nen Arbeitsmarkts. Dabei handelt es sich um einen theoretischen und abs-
trakten Begriff, der dazu dient, den Leistungsanspruch der Invalidenversi-
cherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der Begriff
umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Stel-
lenangebot und der Nachfrage. Andererseits bezeichnet er einen Arbeits-
markt, der von seiner Struktur einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten
offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und
intellektuellen Voraussetzungen als auch hinsichtlich des körperlichen Ein-
satzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die
invalide Person die Möglichkeit hat, ihre verbleibende Erwerbsfähigkeit zu
verwerten. Für die Bemessung der Invalidität ist nicht darauf abzustellen,
ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen
vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene
Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Ar-
beitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (vgl. BGE
110 V 276 E. 4b; ZAK 1991 Seite 320 E. 3b und AHI 1998 S. 291 E. 2b).
6.6 An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaus-
sichten sind keine übermässigen Anforderungen zu stellen (vgl. dazu im
Einzelnen SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203, 9C_830/2007 E. 5.1). Unter Berück-
sichtigung des ausgeglichenen Arbeitsmarkts ist davon auszugehen, dass
der Versicherte seine zwischenzeitlich wiedererlangte Arbeitsfähigkeit im
Bereich von 50 % hätte verwerten können, sodass ihm ein hypothetisches
Invalideneinkommen anzurechnen ist. Damit besteht von August 2017 bis
Juli 2018 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV).
Für die Bemessung des Invaliditätsgrads ist auf den Einkommensvergleich
der IV-Stelle B._ in act. 157 zu verweisen. Diesbezüglich ist nur an-
zumerken, dass auch dann nur Anspruch auf eine halbe Invalidenrente re-
sultierten würde, wenn ein angemessener leidensbedingter Abzug von 10
oder 15 % gewährte würde.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Beschwerde als teilweise
begründet erweist, weshalb sie teilweise gutgeheissen wird. Der Versi-
cherte hat von August 2017 bis Juli 2018 Anspruch auf eine halbe Invali-
denrente. Ab August 2018 hat er Anspruch auf eine ganze Rente. Die an-
gefochtene Verfügung wird dahingehend abgeändert, wobei der Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente von November 2016 bis Juli 2017 unbestrit-
ten geblieben und zu bestätigen ist.
C-5909/2019
Seite 19
8.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und die Parteientschädigung.
8.1 Die Verfahrenskosten sind in der Regel der unterliegenden Partei auf-
zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Instruktionsrichter hiess mit Zwi-
schenverfügung vom 1. April 2020 das Gesuch des Beschwerdeführers um
unentgeltliche Rechtspflege gut (BVGer act. 12). Dem im Grundsatz obsie-
genden, im Masslichen aber teilweise unterliegenden Beschwerdeführer
sind daher keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Der Vorinstanz als weit-
gehend unterliegender Partei werden ebenso keine Verfahrenskosten auf-
erlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG). Im Ergebnis werden keine Verfahrenskosten
erhoben.
8.2
8.2.1 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr
erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG).
8.2.2 In Erwägung 4.2 des Urteils 9C_288/2015 vom 7. Januar 2016 führte
das Bundesgericht aus, für den Fall, dass das Quantitative einer Leistung
streitig sei, rechtfertige eine «Überklagung» eine Reduktion der Parteient-
schädigung nur, wenn das Rechtsbegehren den Prozessaufwand beein-
flusst habe. Bei Streitigkeiten um die Höhe einer Invalidenrente dürfe die
Parteientschädigung daher nicht allein deswegen reduziert werden, weil
der Beschwerde führenden Person nicht die beantragte ganze oder höhere
Rente, sondern eine geringere Teilrente zugesprochen werde. Es bestehe
grundsätzlich kein Anlass zu einer anderen Betrachtungsweise, wenn statt
einer unbefristeten oder länger dauernden Rente ein befristeter Anspruch
oder ein solcher für eine kürzere als die beantragte Dauer zugesprochen
werde. Ebenso wie die Höhe des Anspruches betreffe dessen zeitliche Di-
mension das Quantitativ. Indessen komme die Zusprechung einer vollen
Parteientschädigung bei teilweisem Obsiegen nur in Frage, wenn die Be-
schwerde führende Person im Grundsatz obsiege und lediglich im Massli-
chen (teilweise) unterliege (vgl. Urteil des BVGer C-3300/2016 vom 18.
März 2019 E. 10.2.1).
8.2.3 Rund einen Monat später bestätigte das Bundesgericht in der nicht
publizierten Erwägung 5 von BGE 142 V 106 (Urteil des BGer 8C_478/
C-5909/2019
Seite 20
2015 vom 12. Februar 2016) zunächst die soeben angeführte Rechtspre-
chung. Bezogen auf die im bundesgerichtlichen Verfahren konkret zu be-
urteilende Konstellation (Antrag auf eine unbefristete Rente; Zusprache ei-
ner befristeten Rente) führte das Bundesgericht jedoch aus, diese sei nicht
mit einer bloss quantitativen Abweichung im Rahmen eines prinzipiellen
Obsiegens (z.B. erstmalige Zusprechung einer halben anstelle der bean-
tragten ganzen Rente) vergleichbar, wo das effektiv Erhaltene grundsätz-
lich denselben Aufwand bedingt hätte wie das Beantragte. Vielmehr sei der
Beschwerdeführer bezüglich des fortdauernden Anspruchs auf eine Rente
unterlegen. Der Wegfall des Rentenanspruchs unterscheide sich insofern
qualitativ von der beantragten Leistungsfortsetzung, weshalb die vor-
instanzliche Kürzung der Parteientschädigung kein Bundesrecht verletze
(vgl. Urteil des BVGer C-3300/2016 vom 18. März 2019 E. 10.2.2).
8.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat mit dem Urteil C-3300/2016 vom
18. März 2019 in Fünferbesetzung als Grundsatzfrage entschieden, nicht
auf die nicht publizierte Erwägung 5 von BGE 142 V 106 abzustellen, so-
weit darin pauschal festgehalten wird, der Wegfall des Rentenanspruchs
unterscheide sich qualitativ von der beantragten Leistungsfortsetzung und
rechtfertige eine Kürzung der Parteientschädigung. Die Parteientschädi-
gung bei «Überklagung» in Rentenangelegenheiten sei vielmehr in Anwen-
dung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gemäss Urteil 9C_288/
2015 E. 4.2 zu beurteilen (vgl. Urteil des BVGer C-3300/2016 vom 18. März
2019 E. 10.2.3 mit Hinweis auf die Urteile des BGer 8C_449/2016 vom
2. November 2016 E. 3.1.1; 9C_580/2010 vom 16. November 2010 E. 4.1;
9C_466/2007 vom 25. Januar 2008 E. 5; BGE 117 V 401 E. 2c).
8.2.5 Im vorliegenden Fall kann nicht gesagt werden, das Rechtsbegehren
des Beschwerdeführers auf Gewährung einer unbefristeten ganzen Rente
habe den Prozessaufwand derart beeinflusst, als dass die «Überklagung»
eine Reduktion der Parteientschädigung rechtfertigen würde. Es ist von ei-
nem Obsiegen im Grundsatz und einem lediglich im Masslichen teilweisen
Unterliegen des Beschwerdeführers auszugehen, nämlich soweit ihm für
den Zeitraum vom 1. August 2017 bis zum 31. Juli 2018 nur ein Anspruch
auf eine halbe Invalidenrente zugesprochen wird. Der Beschwerdeführer
hat folglich Anspruch auf eine volle Parteientschädigung zu Lasten der Ver-
waltung (Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 ff. des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
C-5909/2019
Seite 21
8.2.6 Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädigung auf-
grund der Akten festzusetzen (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE). Unter Berücksich-
tigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkundigen Auf-
wands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des zu beur-
teilenden Verfahrens erscheint eine pauschale Parteientschädigung von
Fr. 2’500.– (inklusive Auslagen, ohne Mehrwertsteuer, vgl. Art. 1 Abs. 2
Bst. a MWSTG [SR 641.20] i.V.m. Art. 8 Abs. 1 MWSTG und Art. 9 Abs. 1
Bst. c VGKE) angemessen. Die Parteientschädigung ist von der Vorinstanz
nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zu leisten.
8.2.7 Anzumerken bleibt, dass der Anspruch auf die Parteientschädigung
den subsidiären Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wie sie mit der
Zwischenverfügung vom 1. April 2020 gewährt wurde, zurücktreten lässt
(vgl. BVGer act. 12).
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