Decision ID: 92e07763-7bb3-4ae8-8b7b-219f3cdc32d3
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1967 geborene X._
, Mutter zweier Kinder (geboren 1990 und 1992
),
Kosmetikerin und Ernährungsberaterin
mit Diplom
,
arbeitete
vom 1. März 2015 bis am 31.
August 2017
als Kosmetikerin
in einem 60%-Pensum
bei
der
Y._
(Urk.
11/7
, Urk.
11/41 und Urk.
11/43
).
Am 1
2.
Februar 2016
erlitt sie einen Autounfall. Die
Visana
als zuständige Unfallversicherung erbrachte
in der Folge die gesetzlichen Leistungen
bis am 1
2.
Februar 2017 (Urk. 11/22/53-56)
.
Am
15. September 2017
(Eingangsdatum) meldete
sich die Versicherte mit Hinwei
s auf
Schmerzen an der
Schulter,
am Oberarm und am
Schlüsselbein
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
be
zug an
(Urk.
11/7).
Zur Abklärung der medizinischen und erwerblichen Ver
hält
nisse
zog
die IV-Stelle zunächst einen Auszug aus dem
individuellen
Konto
bei
(Urk.
11/12)
und
holte die Akten der Krankentaggeldversicherung
(
Urk.
11/
17
-18
, Urk.
11/35
,
Urk.
11/38-40
,
Urk.
11/45
, Urk. 11/53 und Urk.
11/63
)
sowie der obligatorischen Unfallversicherung ein
(
Urk.
11/22
und Urk.
11/24
).
Mit Mittei
lung vom 5.
September 2018 informierte die IV-Stelle die Versicherte, dass die
Unterstützung
bei der Stellensuche beendet werde, da sie sich physisch und psy
chisch
nicht arbeitsfähig fühle (Urk.
11/47)
.
Sodann
holte die IV-Stelle Berichte d
er behandelnden Ärzte ein (Urk.
11/58-62) und
lies
s
die Beschwerdeführerin von
Dr.
med. Z._
, Fachärztin Rheumatologie und I
nnere Medizin, und
Dr.
med. A._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie,
bidisziplinär
begutachten
(Expertise vom
15
.
April
2019, Urk.
11/72)
.
Mit Vorbescheid vom
16. Juli 2019
stellte die IV-Stelle der Versicherten
die Ablehnung des Leistungs
begehrens
in Aussi
cht (Urk.
11/76
).
Dagegen erhob die Versicherte am
7.
August 2019
Einwand
(Urk.
11/78
)
und reichte den
Austrittsberichts der Kli
nik
B._
und ihr
en
Brief vom 1
6.
September 2019 an die Klinikleitung
zu den Akten
(Urk.
11/83-84)
.
Dies veranlasste die IV-Stelle
,
einen
weiteren
Bericht
der Klinik
B._
(
Urk.
11
/89) sowie des behandelnden Psychiaters einzuholen (
Urk.
11
/94)
.
Mit Verfügung vom
28. April
2020
verneinte die IV-Stelle
an
schlies
send
einen Rentenanspruch
(Urk.
2).
2.
Da
gegen erhob die Versicherte am 2
9.
Mai
2020 Beschwerde und beantragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei
en die gesetzlichen Leistungen zu erbringen und es sei ihr ab
1.
März 2018 eine unbefristete ganze Invalidenrente auszurichten
. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um
eine angemessene Nachfrist zur
Ergänzung
Begründung der Beschwerde, eventualiter um einen
zweiten Schriftenwechsel sowie um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege
,
unter Beilage der Unterlagen zur Abklärung der prozessualen Be
dürftigkeit
(Urk. 1
und
Urk.
4
).
Mit Eingabe vom 1
8.
Juni 2020 reichte die Be
schwerdeführerin das Schreiben der
A
ssista
Rechtsschutz AG vom 1
2.
Juni 2020 ein, dass keine Versicherungsdeckung bestehe (
Urk.
7-8).
Mit Beschwerdeantwort
vom
1
9.
August 2020
schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
10
).
Mit Verfügung vom
2
4.
August 2020
wurde der Beschwerdeführerin
die Beschwerdeantwort zugestellt und auf die Anordnung eines zweiten Schriften
wechsels
verzichtet (Urk. 12
)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürf
en sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen,
dass
nach Eingang der Gutachten der
ärztliche
Dienst
der Beschwerdegegnerin
die
vorliegenden
Unterlagen erneut begutachtet
habe
.
Daraus
habe sich ergeben, dass keine gesundheitlichen Ein
schränkungen die
Arbeitsfähigkeit
anhaltend beeinträchtigen
würd
en. Somit ent
stehe kein Anspruch auf
Renten
lei
s
tungen
der IV-Stelle. Die
nach Eingang des Ein
wands bei
der behandelnde
n
Psychologin
lic
. phil.
C._
eingeholten Berichte
seien nicht überzeugend in Bezug auf die
Einschätzung der
Arbeits
unfähigkeit
.
D
as psychiatrische Gutachten
sei
schlüssig und nachvollziehbar und
widerlege
die Diagnostik
der Psychologin
lic
. phil.
C._
(Urk. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, dass sie von ihren Behandlern
Dr.
D._
und
lic
. phil.
C._
s
eit Oktober 2017 durchgehend zu
mi
ndest
80
%
arbeitsunfähig
geschrieben worden sei. Ebenfalls sei durchgehend über einen ausgeprägten
sozialen
Rückzug,
Angstzustände
,
eine
Beeinträchtigung der Konzentrations- und Gedächtnisfunktion, eine Tend
enz zu Zwangshandlungen, Sch
a
m
gefühlen,
Zustände
der Dissoziation,
einen
Verlust der eigenen
Identität,
eine
Tendenz zur
ident
ifikatorischem
Verhalten und
einer latenten
Suizidalität berichtet
worden
. Zudem habe sich ihr seelischer Zustand im Verlauf progressiv verschlechtert. Dies,
obwohl sie in regelmässiger psychia
trischer und psychotherapeutischer Behandlung stehe und
medikamentös
behan
delt werde. Auch
der
stationäre
Rehabilitationsaufent
h
a
lt habe die depressive Stimmung, den sozialen Rückzug, die
Erschöpfung
und die
i
nteraktionellen
Prob
leme
sowie die emotionalen instabilen und narzisstischen Persönlichkeitsz
ü
ge
offenbart. Diese Befunde stünden
den
Beurteilungen von Dr.
E._
und Dr.
A._
diametral entgegen. Im Hinblick auf die psychiatrische Begutach
tung sei darauf hinzuweisen, dass die
Untersuchung
nicht viel mehr als eine Stunde
gedauert
habe. Der Begutachtung lasse sich sodann keine eingehende Auseinanderse
tzung
mit den Berichten von Dr.
D._
und
lic
.
phil
.
C._
entnehmen. Auch mit den von der Klinik
B._
gestellten
Diagnosen
und der von den dortigen Behandlern erhobenen Befunde
habe
sich der Gutachter nicht auseinander
gesetzt
, was insofern nicht erstaune, da ihnen der Austritts
be
richt vom
9.
September 2019 nicht vorgelegen habe.
Der vorliegende Fall sei so
dann anhand eines strukturierten Beweisverfahren
s
im Sinne der bundesge
richt
lichen Rechtsprechung zu prüfen. Es sei den Akten jedoch nicht zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin eine
I
n
dikatorenprüfung
vorgenommen habe. Da eine
Aggravation
trotz gewisser – jedoch wie gesagt krankheitsbedingter – Inkon
sistenzen nicht überwiegend wahrscheinlich gegeben sei, hätten die Komplexe Gesundheitsschädigung, Persönlichkeit und
sozialer
Kontakt
geprüft werden müssen
. Es sei sodann erstellt, dass sich bisher
trotz
intensiver
therapeutischer
und medikamentöser
Behandlung
kein Behandlungserfolg
eingestellt
habe und sich
ihr
Gesundheitszustand in letzter Zeit sogar verschlechtert habe. Persönliche Ressourcen seien nicht vorhanden bzw. kr
ankheitsbe
d
ingt
nicht abrufbar. Ein massiver
sozialer
Rückzug sei
ausgewiesen
,
wobei
die von den Behandlern
be
schrie
benen
Einschränkungen d
es Aktivitätsniveaus sämtliche
Lebensbereiche
beträfen
. Aufgrund der sich in den
Akten
befindlichen
Korrespondenz
zwischen
ihr und der Beschwerdegegnerin sei sodann der behandlungs- und eingl
i
ede
rung
s
an
a
mnes
tische Leide
n
s
druck
ausgewiesen
. Es sei
demnach
davon auszugehen, dass sie
an einem invalidisierenden Ge
s
undheitsschaden leide
, welcher ihre
Arbeitsfähigkeit
seit
Oktober
2017
mindestens zu 80 %
und aktuell sogar zu 100
%
einschränke (
Urk.
1 S. 8 f.).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom
2
8.
April 2020
im Wesentlichen auf das
bidisziplinäre
Gutachten
von
Dr.
Z._
und Dr.
A._
vom
15
.
April 2019
ab (
Urk.
11/72
). Darin werden die bis zur Begut
achtung de
r
Beschwerdeführerin
aktenkundigen medizinischen Berichte zusam
mengefasst (
Urk.
11/72/5-14
und
Urk.
11/72/37
), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nach
folgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
3.2
Im
bidisziplinäre
n
Gutachten vom
4.
April 2019
wurde
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule
erhoben (Urk.
11/72/53).
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ver
blie
ben (Urk.11/72/54):
-
Chronische, therapieresistente linksseitige Schulterschmerzen mit Aus
strah
lung in den linken Arm, die linke
Thoraxwand
und nach zervikal mit zum Teil
cephaler
Schmerzkomponente
-
Gemäss Akten und anamnestischen Angaben intermittierende
Epicondy
lopathia
humeri
radialis
bds
.
-
Status nach Anpassungsstörung (ICD-10
:
F43.2)
-
Verdacht auf emotional instabile Persönli
ch
keitszüge (ICD-10
:
Z73.1)
Zusammenfassen
d
könne von rheumatologischer Seite festgehalten werden, dass linksseitige Schulterschmerzen mit Ausstrahlung nach
zervikal und in den
linken Arm sowie
in die
linke Brustwandseite im Vordergrund stünden, welche jedoch durch die objektiven Befunde nicht erklärt werden könnten. Vor
ha
nden seien
degenerative
Veränderungen der Halswi
r
belsäule, welche diesen Abschnitt des Achsens
keletts minderbelastba
r
machten
,
jedoch sei
die Beschwerdeführerin von Seiten dieser Veränderungen
aktuell
wenig bis gar nicht
beeinträchtigt
. Aufgrund
d
er subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin sei
aus psychiatrischer Sicht
nicht ganz ausgeschlossen, dass
möglicherweise
eher
akzentuierte
, emotional insta
bile Persönlichkei
t
szüge
schon immer
vorhanden
gewesen seien. So be
schri
e
b sie
s
ich seit der Kindheit als eher lebhaft und emotional, wobei sie ihr
e
Emotionen in beruflicher Hinsicht weitgehend unter
Kontrolle
gehabt
habe
. Es fall
e auch eine etwas
unbefriedigende
Arbei
tssi
t
u
ation auf, wobei die Beschwerde
füh
rerin
angegeben habe
, dass sie immer gerne als
Kosmetikerin
gearbeitet habe. Im Vorfeld seien auch psychosoziale
Belastungen
bekannt. In der Kindheit sei
sie in
schwierigen Verhältnissen in einem kri
sengeschüt
t
elten
Gebiet
aufgewachsen
. Später sei
die
schwierige
Ehe und Sch
ei
dung
erfolgt
, was
dann
zu einer ersten Krise
geführt
habe,
von
d
er sie
sich
aber
weitgehend erho
lt habe. Der
Autounfall
im Februar 2016 habe zu ein
er Schmerzproblema
t
i
k
geführt
, die aus
somatischer
Sicht
nicht
hinreichend objektiviert und
nachvollzogen
werden könne. Dies
habe dann
sekundär zu psychischen
Beeinträchtigungen
im Sinne von
affektiven
Schwankungen und
Schwierigkeiten
im Umgang mit der
ganzen
Situation
ge
führt
. Es sei
eine Anpassungss
törung diagnostiziert worden
, die aufgrund der zur
Verfügung
stehenden
Angaben weitgehend in diesem
Sinne
nachvollzogen werde
n
könne. Es
persistiere
bis
heute ein etwas
unklares Zust
a
n
dsbild.
Die körperlichen Beschwerden liessen sich aus somatischer Sicht im angegebenen Ausmass nicht
nachvollziehen. Auch in der heutigen Untersuchung fielen diesbezüglich deut
liche Diskrepanzen auf, indem die Beschwerdeführerin in körperlicher Hinsicht nicht beeinträchtigt
gewesen sei
.
Sodann
falle ein sehr umständlicher Gedan
kengang auf und wie die Beschwerdeführerin stark auf ihren Zustand fixiert wirke, andererseits sich doch recht passiv verhalte. Eine deutlich dauerhaft ge
drückte
Stimmung
mit massivem Interessenverlust, erhöhter Ermüdbarkeit
und
Freudlosigkeit könne nicht bestätigt werden. Demnach könne keine
depressive Störung
angenommen werden
. Auch die behandelnde Stelle sei der Meinung, dass eine
Anpassungsstörung vorliege
. Anlässlich der Begutachtung durch die Klinik
G._
im Juli
2018
habe keine affektive Störung
diagnostiziert
werden können. Auch heute zeigten sich allenfalls diskrete
Symptome
, wie sie bei einer An
pas
sungsstörung auftreten könnten, indem
teilweise
eine erhöhte innere
Anspan
nung
zu bestehen s
cheine
und teilweise auch
Verstimmungszustände
aufträten. D
iese
labile
Situation lasse
sich a
llerdings
auch mit der eher
labilen
Persönlich
keitskonstellation
erklären. Hinweise darauf, dass eine
Persönlichkeitsstörung vorläge
, liessen sich allerdings nicht finden. Die Beschwerdeführerin scheine auf
grund ihrer
Persönlichkeitsstruktur
nie
wesentliche
Schwierigkeiten
im
berufli
chen
zwischenmenschlichen
Bereich
gehabt zu haben, es
handle
sich auch nicht um ein t
iefverwurzeltes Verhalten
, welches
nicht
habe
korrigiert werden können
und
worunter
die Beschwerdeführerin subjektiv
gelitten
hätte
. Es zeigten sich im
Weiteren
keine Hinweise auf eine
anderweitige
psychiatrisch relevante Störung.
Die im Vorfeld angenommene Zwangsstörung
habe nicht bestätigt werden können
. Allenfalls bestehe ein erhöhtes
Reinlichkeitsbedürfnis
. Auch die
Annahme
einer
sozialen
Phobie lasse sich nicht erhärten, da di
e
Beschwerdeführerin
weitgehend
einige
Kontakte aufrechterhalten könne und ein allfälliger Rückzug nicht
auf
grund
von
Ängsten
erfolge
. Es sei demnach davon
auszugehen
, dass
die
Anpas
sungsstörung
weitgehend
remittiert sei, ein relevanter Einfluss im
Alltag liesse
sich
dadurch
nicht ableiten (
Urk.
11/72/5
1
-53
).
Es bestehe eine auffallende Dis
kre
panz zwischen den von der
Beschwerdeführerin
geltend gemachten Beschwer
den und den sich subjektiv daraus ergebenden Einschränkungen, den beobacht
baren
Bewegungen
sowie den klinischen
Untersuchungsbefunden. In der Vergan
genheit sei die Beschwerdeführerin durchaus in der Lage gewesen
,
Ressourcen zu mobilisieren. Es sei ihr möglich gewesen Deutsch zu erlernen, eine Ausbildung zu machen und neben der Tätigkeit als Mutter und Hausfrau berufstätig zu sein. Weswegen dies nun nicht
m
ehr möglich sein solle, könne rheumatologisch nicht beurteilt werden. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihres psychischen Zustan
des in der Lage, a
uf ihre Fähigkeiten zurückzugrei
fen und diese anzuwenden, eine wesentliche Funktionseinschränkung lasse sich nicht begründen. Die Beschwer
de
führerin gebe eine allgemeine Beeinträchtigung im Alltag an, wobei der Grund
nicht ganz klar sei. Einerseits gebe sie körperliche Beschwerden an, andererseits scheine sie sich auch zu schämen und ziehe sich
deshalb im sozialen Ber
e
i
ch zurück. Der Grund für diese Schamhaftigkeit sei aber nicht ohne weiteres zu eruieren. Rein aufgrund des psychischen Zustandes lasse sich die Passivität nicht erklären und
nachvollziehen
. Auch
in
der Untersuchungsstation
habe sie in psy
chischer Hinsicht nicht
derart
eingeschränkt
gewirkt, das
s
dadurch die ang
ege
benen
subjektiven
Einschränkungen
hätten
nachvollzogen werden
können
(Urk.
11/72/54
-56).
Zur Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, die Beschwerdeführerin habe
zuletzt 60
% als Kosmetikerin, zum Teil auch im Verkauf des
dazugehörenden Ladens
,
gearbeitet. Die Arbeit als Kosmetikerin sei mit häufigem und längerem vorgeneigtem Sitzen verbunden, das der Beschwerdeführerin aufgrund der dege
ne
rativen Veränderungen der Halswirbelsäule nur noch bedingt zugemutet werden
könne.
Es sei
ihr
ein
60%-Pensum als Kosmetikerin zumutb
ar, sofern die Arbeits
zeit auf fünf
Arbeitstage pro Woche aufgeteilt werden könne und von einer längere
n
Mittagspause unterbrochen werde.
Das F._
gehe von einer etwas ge
ringeren Arbeitsfähigkeit aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht in der ange
stammten Tätigkeit aus. Es handle sich hierbei aber um eine unterschiedliche Interpretation des gleichen medizinischen Zustandes. Die Einschränkung sei theoretisch seit April 2016 (orthopädische Untersuchung mit klinisch le
di
glich Hinweisen für Reizung AC-Gelenk) vorhanden gewesen.
Eine leichte bis maximal intermittierend mittelschwere, rückenadaptierte Tätigkeit unter Ausschluss sämt
licher Arbeiten, die mit einer Zwangshaltung des Oberkörpers, repetitiver Rota
tionsbelastung des Oberkörpers, dauernden oder wiederholten Arbeiten mit den Armen in und über der Horizontalen einhergingen, könne die Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht v
ollschichtig
ausüben. Im Anschluss an den
Auf
fahrunfall
habe vorübergehend eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit
fü
r
sämtliche
Tätigkeiten
bis
April
2016
bestanden.
Vom beratenden Arzt der Taggeldver
sicherung sei sogar eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
für
zwölf
Monate als gege
ben angesehen
worden
. Auch hier handle es sich um eine
unterschiedliche
Inter
pretation
des
medizinischen
Sachverhaltes. Aus
dem Bericht
vom 1
6.
Mai 2017
dürfe geschlossen werden, dass
vom beratenden Arzt der Taggel
dver
s
icherung
auch ei
ne mögliche
C
omotio
cerebri mit in Betracht gezogen und bei der
Beurtei
lung
d
er Arbeitsfähigkeit
berücksichtigt
worden sei
. Im
bidisziplinären
Gutachten sei jedoch lediglich
die
Pathologie
am
Bewegungsapparat
berücksichtigt
worden
. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe aktuell keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit. Aktenmässig bestehe seit März 2017 eine volle Arbeitsunfähigkeit, ab Februar 2018 höchstens noch eine 50%ige Einschränkung und ab Datum des
Gutachtens der Klin
i
k
G._
im Juli 2018 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
11/72/56-58)
.
3.3
Im Austrittsbericht vom
9.
September 2019
der Klinik
B._
wurden folgende Diagnosen erhoben (
Urk.
11/84/3):
-
Mittelgradige depressive Episode (
ICD-10:
F32.1)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (
ICD-10:
F45.41)
-
Akzentuierte
Persönlichkeitszüge, emotional instabil,
narzisstisch
(
ICD-10:
Z73)
-
Zwangsgedanken und –
handlungen
, gemischt (
ICD-10:
F.42.2)
-
Gemischte
Hyperli
p
i
d
ämie
(
ICD-10:
E78.2)
Neu sei eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren diagnostiziert worden. Die Beschwerdeführerin habe über chronische Nacken
- und Sch
ulterschmerzen der linken Seite
seit einem Autounfall 2016 berichtet. Somatisch seien keine auffälligen Befunde erhoben worden. Die Schmerzen träten verstärkt in Ver
bindung
mit psychosozialen Problemen auf. Die bei
Aufnahme
berichtete Zwangsstörung sei
während
des
Aufenthaltes
nicht
von
der Patientin angesprochen worden. In der Dynamik des therapeutischen Settings seien
emotional
instabile und
narzisstische
Persönlichkeit
szüge sowie
ein
aus
geprägtes
Kontrollverhalten in der Interaktion
erkennbar gewesen
. Bezüglich der
stationären
Rehabilitation
sei die Beschwerdeführerin
ambivalent
eingestellt ge
wesen. Sie
habe wiederholt davon gesprochen die Therapie abzubrechen, auch in
Verbindung
mit
einem gewünschten Zimmerwechsel
.
Letztlich
habe
mit ihr ein
geordneter
Klinikaustritt
vereinbart
werden könne
n
. Die Entlassung sei
dann schliesslich
vorzeitig
auf
eigenen
Wunsch
erfolgt (
Urk.
11/84/4-5).
4.
4.1
Das
bidisziplinäre
Gutachten
vom
4.
April 2019
(
Urk.
11/72
)
beruht auf um
fassenden fachärztlichen
rheumatologischen und psychiatrischen
Untersuchun
gen und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) verfasst
(Urk.
11/72/5-14 und
Urk.
11/72/37
)
. Die vorhandenen Arztberichte wurden sorgfältig gewürdigt (Urk.
11
/
72/25-29
und Urk.
11
/
72/
4
3-44
). Die Gutachter haben detaillierte Be
funde und hieraus begründete Diagnosen erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten
der Beschwerdeführerin
ausführlich auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände
und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nach
voll
ziehbar begründet. Das Gutachten erfüllt daher die
rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (vgl. E. 1.
5
).
4.2
Die
begutachtende Rheumatologin
berichtete ausführlich über die von der Be
schwerdeführerin geklagten Beschwerden (Urk. 11/72/15-18) und überprüfte diese
in
der
klinischen Untersuchung
(Urk.
11/72/23-25
).
Schliesslich
begründete sie nachvollziehbar, weshalb die im Vordergrund s
t
ehenden linksseitigen Schulter
schmerzen mit Ausstrahlung nach zervikal und den linken Arm sowie die linke Brustwandweite durch objektive Befunde
nicht erklärt werden konnten
(Urk. 11/27-29
).
Dabei hielt
sie
fest,
a
ktuell liege im
Gegensatz
zu
früheren
Unter
suchungen keine relevante muskuläre
Dysbalance
mehr vor, welche
zusätzliche
Einschränkungen
rechtfertige
n würde
.
Es
bestehe eine auffallende Diskrepanz zwischen den geltend gemachten Beschwerden und den sich subjektiv d
a
raus ergebenden Einschränkungen, den beobachtbaren Bewegungen sowie den kl
ini
schen Untersuchungsbefunden.
Ungünstig sei auch der mehrheitlich passive Um
gang mit den Beschwerden
(Urk.
11/
72/29
).
Weiter
führte sie aus
, währen
d
der
Anamneseerhebung
hätten
sich
erst in den letzten 20 Minuten Hinweise für ein unmittelbares Schmerzerleben
ergeben
, die Beschwerdeführerin habe dann häufig die Sitzposition
gewechselt und sich mit
der rechten Hand an
den
Nacken
gegriffen
. Das An- und Entkleiden sei dann aber
selbständig uneingeschränkt erfolgt, s
o auch alle Lagewechsel im
Rahmen
der
klinischen
Untersuchung
. Beim Wechsel in die Bauchlage und aus der Bauchlage sei
jeweils
ein kräftiges Ab
st
ütz
en mit
beiden
Untera
rmen
auf der Untersuchungsliege erfolgt (Urk.
11/72/23).
Die im Gutachten beschriebenen Feststellungen sind schlüssig und überzeugend.
4.
3
Aus psychiatrischer Sicht machte
die Beschwerdeführerin
geltend
,
es
müsse
auf die Einschätzung von
Dr.
med.
D._
, Facharzt Psychiatrie und Psycho
therapie, sowie
von
lic
. phil.
C._
, Fachpsychol
o
gin für Psycho
therapie,
abgestellt werden
, nach welcher
die Beschwerdeführerin
seit O
ktober 2017 durchgehend
mindestens
80
%
a
rbeitsunfähig
sei und welche dem Gutach
ten diametral entgegenstehe
(Urk.
1 S. 8).
Dem ist entgegenzuhalten, dass der begutachtende Psychiater sämtliche von
Dr.
D._
und
lic
. phil.
C._
erhobenen Befunde berücksichtigte und in die Beurteilung
einfliessen
liess
. Der Umstand allein, dass behandelnde Fachärzte eine vom eingeholten Gutachten abweichende Meinung
äussern
, gibt nicht Anlass zu weiteren Abklärungen und vermag das Gutachten nicht in Frage zu stellen; anders würde es sich dann ver
halten, wenn die behandelnden Ärzte konkrete
,
objektiv fassbare Aspekte nam
haft machen, die den ärztlichen Experten entgangen sind oder mit denen sie sich nicht befasst haben (vgl. Urteil U 58/06
des Bundesgerichts vom
2.
August 2006 E. 2.2) – was vorliegend allerdings nicht der Fall ist. Im psychiatrischen Teilgut
achten wurde
ausführlich und
schlüssig dargelegt,
weshalb
bei der
Beschwerde
führerin
keine
psychische Pathologie mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
erhoben
und
die von den Behandlern
genannten Diagnose
sowie
ihre
Einschät
zung der Arbeitsunfähigkeit nicht
bestätigt werden
konnte
(Urk
. 11/72/4
2
-44).
Diese
Beurteilung erscheint umso begründeter
,
als auch
bereits
Dr.
med.
E._
, Facharzt
Psychiatrie und Psychotherapie, im
von der Krankentag
geld
versicherung in Auftrag gegebene
n
Gutachten vom 18.
Juli 2018 zum Schluss ka
m, dass sich eine
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion an
lässlich der Begutachtung vom 1
0.
Juli 2018 weitgehend remittiert gezeigt habe und in bisheriger Tätigkeit
ab dem Zeitpunkt des Datums des Gutachtens
eine
volle Arbeits
fähigkeit bestehe (
Urk.
11/45/1
3
-14)
.
Darüber hinaus konnten
anläss
lich der psychiatrischen
Exploration
wesentliche
Inkonsistenzen
festgestellt werden
(
Urk.
11/72/45) und es f
iel
ein
widersprüchliche
s
Verhalten
der Beschwerdefüh
rerin auf.
So gab sie in
de
r
p
sychiatrischen Begutachtung
an, im Vordergrund
stünden
die
körperlichen
Beschwerden
(
Urk.
11/72/38
), welche
jedoch
vom
be
gut
achtenden Psychiater
anlässlich der
Exploration
nicht beobachtet werden
konnten (
Urk.
11/72/41)
, während sie in der rheumatologischen Begutachtung spontan angab, körperlich gehe es ihr nicht so schlecht, zu schaffen mache ihr ihre Psyche (
Urk.
11/72/14
-15)
.
Ferner
decken sich
die
angegebenen
psychia
tri
schen Einschränkungen
nicht mit den
geschilderten
Alltagsaktivitäten
, insbeson
dere
nicht
mit dem
Ferienaufenthalt im He
rkunft
sland Iran
(
Urk.
11/72/
20-
21 und
Urk.
11/72/39).
Daran ändert auch der durch
die Beschwerdeführerin
behauptete Umstand nichts,
d
ass sie
gegenüber
autoritären
Personen
, wie von ihren
Beh
andlern beschrieben worden sei
,
nicht von ihrem
emotionalem
Elend sprechen wolle,
was
die von den Gutachtern
beschriebenen
Diskrepanzen
erkläre
(
Urk.
1 S
.
8 f.
)
. Denn
sowohl anlässlich der
Begutachtung
durch
Dr.
A._
,
als auch anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
E._
berichtete die Beschwerdeführerin
offen und ausführlich über ihre Situation
sowie ihre psychischen Einschrän
kun
gen,
die schwere
Kindheit sowie über die Probleme in ihrer Ehe
(
Urk.
11/72/38 und
Urk.
11/
72/
39-
40
und
Urk.
11/45/8-1
0
)
.
Sodann vermag auch
die Kritik
der Beschwerdeführerin
an der Dauer der psychiatrischen Abklärung (
Urk.
1 S.
9)
das psychiatrische Teilgutachten sowie dessen Schlussfolgerungen nicht in Zweifel zu ziehen. Denn
gemäss
der Rechtsprechung des Bundesgerichts
kommt es
für den Aussagegehalt eines medizinischen Gutachtens grundsätzlich nicht auf die Dauer der Untersuchung an.
Massgebend
ist in erster Linie, ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Bundesgerichtsurteil 8C_768/2011 vom
7.
Februar 2012 E. 5.3.2), was vorliegend der Fall ist (E.
4
.1).
4.
4
Die Beschwerdeführerin
brachte zudem vor, ihr Gesundheitszustand habe sich nach der Begutachtung verschlechtert, was vor allem
dem Austrittsbericht vom
9.
September 2019 der Klinik
B._
zu entnehmen sei
(vgl. E. 3.3). Diese
Verschlechterung sei von den Gutachtern
nicht berücksichtigt worden
(Urk. 1 S.
9
).
Der Bericht
vom
9.
September
2019
enthält
jedoch
keine neuen medizinischen Erkenntnisse, sondern
enthält weitgehend
die
im Gutach
ten berücksichtigten be
kannten
Symptome
und
Diagnosen
. Einzig wird neu eine
chronische Schmerz
störung mit somatischen und
psychisch
en Faktoren
diagnostiziert
. Bei der diffe
renzierenden Diagnostik handelt es sich
aber
lediglich
um
eine
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts
, da keine neuen
objektiven
Befunde hinzugekommen sind, welche die Gutachter
nicht bereits
mitberücksichtigt
hätten
, zumal die Schmerzstörung
ausschliessli
ch
auf
grund
der seit dem Autounfall 2016 bekannten
Nacken- und Schulterschmerzen der linken Seite sowie der
a
uch in der Begutachtung
geschilderten
psychosozialen Belastungsfaktoren diagnostiziert wurde
.
Im Übrigen lässt dieser Arztbericht
die Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag (BGE 137 V 210 E. 1.2.4, 124 k 170 E. 4) zu Tage treten sowie die Erfahrungstatsache, dass behan
delnde Ärzte und Ärztinnen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Dasselbe
gilt für die Berich
t
e vom
2
5.
bzw. 3
0.
Oktober 2019 der Klinik
B._
,
da
diese inhalt
lich
grundsätzlich dem
Bericht vom 9. September
2019
entsprechen
(
Urk.
11
/89
/1-9
)
.
Auch die am 2
4.
November 2018 und
am
4.
Dezember 2019 nachgereichte
n
Ver
laufsbericht
e
von
lic
. phil.
C._
und
Dr.
D._
(
Urk.
11/61 und
Urk.
11/94) ändern
nichts an der
gutachterlichen
Beurteilung
.
Es handelt sich dabei hauptsächlich um
Kurzbericht
e
ohne
Erhebung
objektive
r Befunde, worin
die im Bericht vom
3.
Februar 2018
(
Urk.
11/39)
genannten und demnach bereits im Gutachten
berücksichtigten
Diagnosen über
nom
m
en
wurden
.
4.5.
Zusammenfassend ist das Gutachten vom
4.
April 2019
voll beweiskräftig und der Gesundheitszustand hat sich seither nicht erheblich verschlechtert. Von weite
ren Abklärungen, wie von der Beschwerdeführerin gefordert, sind keine zusätz
lichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdi
gung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinwiesen) zu verzichten ist.
5.
Gestützt auf die gutachterlichen Ausführungen erübrigt sich die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 28
1.
Da
e
in Beweisver
fahren
wie
im
vorliegend
Fall
entbehrlich
bleibt
, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nach
vollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Ein
schätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1)
.
6.
Ferner kann hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit ab dem Zeitpunkt der Entstehung eines möglichen Rentenanspruchs der Invalidenversicherung am
1.
März 2018 (
Art.
28
Abs.
1
i.V.m
.
Art.
29
Abs.
IVG) überwiegend wahrscheinlich davon aus
gegangen werden, dass
der allenfalls zu diesem Zeitpunkt noch bestehenden Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin kein invalidisierender Charakter mehr zukam. Denn aufgrund des Gutachtens von
Dr.
E._
kann ergänzend zu den anamnestischen Angaben über eine trotz schlechter
e
Schlafqualität und eines Morgentiefs vollständig erhaltene Tagesstruktur und regelmässige Pflege der sozia
len Kontakte im Familienkreis sowie mit ihrem Lebenspartner bis zum Zeit
punkt der Untersuchung im Juli 2018 von einer weitgehenden Remission der An
passungsstörung ausgegangen werden (
Urk.
11/45/13).
Sodann war die Beschwer
def
ührerin infolge des
bidisziplinären
Gutachten
s
vom
4.
April 2019 ab Februar 2018
gemessen an einem Vollzeitpensum
höchsten noch 50
%
in ihrer Arbeits
fähigkeit eingeschränkt, wobei sie spätestens ab Juli 2018
in ihrem angestammten Pensum von 60 % wieder uneingeschränkt (und in behinderungsangepasster Tätig
keit vollschichtig)
arbeitsfähig war (E. 3.2).
7.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens. Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen.
8.
8.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die unentgeltliche
Verbeiständung
notwendig oder doch geboten ist (BGE
103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Diese Voraussetzungen
sind vorliegend erfüllt (
Urk.
4 und
Urk.
8
). Antragsgemäss (
Urk.
1
S. 2
) ist der Beschwerdeführerin deshalb die unentgeltliche Prozess
füh
rung sowie die unentgeltliche
Verbeiständung
zu bewilligen.
8.
2
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt.
Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
8
0
0.-- als angemessen. Aus
gangsgemäss ist diese der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse
zu nehmen.
8
.3
Mit Honorarnote vom
7.
September 2020
(
Urk.
14
) machte
Rechtsanwalt
Michael Grimmer
einen Aufwand von Total
Fr.
2'322.65
(
Fr.
2'057.--
Arbeitsaufwand für
9.35
Stunden plus
Fr.
99.60
Barauslagen zzgl. MwSt.) geltend, was der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (
§
34
Abs.
3
des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
) angemessen erscheint, weshalb
er
in diesem Umfang aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.
8.
4
Die Beschwerdeführerin ist zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (
§
16
Abs.
4
GSVGer
).