Decision ID: b0881113-f9f7-46b2-a916-9d7d8351ae50
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966,
arbeitete seit 17. Oktober 2005 bei der
Y._
AG als Bauarbeiter und war damit bei der Schweizerischen
Unfallversiche
rungsanstalt
(SUVA) gegen Unfälle und Berufskrankheiten versichert (
Urk.
9/1). Am 23. März 2012 erlitt er einen einseitigen passageren Pneumothorax, nach
dem er am 21. März 2012 beim Mischen von Bindemitteln auf der Baustelle (untertags im Tunnelbau) einer hohen Staubbelastung ausgesetzt gewesen war (
Urk.
9/
53 S. 1 f.
). Nach erfolgreicher
stationärer Behandlung
(
Urk.
9/8/6-7
)
und
Rehabilitation
(
Urk.
9/22)
liess er
der SUVA
am 16. Oktober 2012 (
Urk.
9/1) eine Lungenerkrankung melden
, welche
den Pneumothorax
als Berufskrankheit
an
erkannte
und die gesetzlichen Leistungen
erbrachte
, namentlich Heilbehandlung und Taggeld.
Nach weiteren medizinischen Abklärungen, namentlich einer Begutachtung des Versicherten (
Urk.
9/53), verfügte die SUVA am 7. August 2013 (
Urk.
9/57) seine Nichteignung für Arbeiten
im Untertagebau und verneinte mit
Verfügung vom 4. Oktober 2013 (
Urk.
9/125)
den Anspruch auf weitere Leistungen mit der Begründung, aufgrund einer nicht adäquat kausalen psychischen Erkrankung bestehe eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit, weshalb er als nicht
vermittel
bar
gelte und ein Anspruch auf ein Übergangstaggeld entfalle. Die dagegen er
hobene Einsprache (
Urk.
9/126
,
Urk.
9/129
und
Urk.
9/146) wurde mit Entscheid vom 26. Mai 2014 (
Urk.
2) abgewiesen.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 27. Juni 2014 Beschwerde
mit dem
Rechtsbe
gehren
um
Zusprache
der gesetzlichen Leistungen, insbesondere einer Übergangsentschädigung, und eventualiter um Rückweisung der Sache zur psy
chiatrischen Begutachtung sowie zum Neuentscheid (
Urk.
1 S. 2).
Die SUVA ersuchte am 18. Juli 2014 (
Urk.
8) um Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 21. Oktober 2014 beantragte der Beschwerdeführer neu die
Zusprache
„mindestens“ einer vollen Invalidenrente sowie
der infolge Berufskrankheit entstandenen Kosten von
Fr.
4‘800.14 (
Urk.
14 S. 2), worauf die
Beschwerde
gegnerin
am 27. November 2014 (
Urk.
18) an ihrem Antrag auf Abweisung festhielt. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 15. Dezember 2014 (
Urk.
19) zur Kenntnis gebracht.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden
– soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1).
1.2
Nach Art. 9
Abs.
1 UVG gelten als Berufskrankheiten Krankheiten (Art. 3
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG), die bei der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind.
1.3
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkom
men
, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.4
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse
Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.5
1.5.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129
V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.5.2
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische
Ge
sundheitsschädigung
herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psy
chische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut ver
kraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus
versiche
rungsmässiger
Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133
E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinwei
sen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352
E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.5.3
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine
Ge
samtwürdigung
einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
körperliche Dauerschmerzen;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be
urteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346
S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwieri
gen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Han
delt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zu
sammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu for
schen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit
mitbe
günstigt
haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53
ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10
E. 2).
2
.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung ihres leistungsabweisenden Entscheids aus, es bestehe keine fortbestehende, anhaltende Berufskrankheit mehr und allfällige psychische Defizite seien weder natürlich noch adäquat kausal
zur Pneumothorax-Episode. Seit Mai 2012 sei
dem Beschwerdeführer
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wieder zeitlich uneingeschränkt eine mittel
schwere bis gar schwere Arbeit zumutbar, weshalb kein Raum für Leistungen ab diesem
Zeitpunkt
bestehe (
Urk.
2 S. 9).
2.2
Der Beschwerdeführer ging dagegen von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähig
keit aufgrund eines
Asthmas
bronchiale sowie einer ebenfalls aufgehobenen Arbeitsfähigkeit wegen einer Angst-/Panikstörung aus und er
achtete den Kausalzusammenhang zur Berufskrankheit als gegeben (
Urk.
14
S. 19
Ziff.
33).
2.3
Replicando
beantragte der Beschwerdeführer zu Recht keine
Zusprache
einer Übergangsentschädigung mehr, sind doch die Voraussetzungen hierfür offen
kundig nicht erfüllt:
Nach der Rechtsprechung kommt keine
Übergangsentschä
digung
gemäss
Art. 84
Abs.
2 UVG in Verbindung mit Art. 8
6
der Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (VUV)
zur Ausrich
tung, wenn die Beschäftigungslosigkeit auf Gründe
zurückgeht
, die nicht
mit der Nichteignungsverfügung zusammenh
ä
ngen
(
RKUV 1994 Nr. U 205, S. 320 E. 3a
, vgl. auch
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 514/00 vom
2
8.
Dezember 2001
E. 3b).
Angesichts der
vom Beschwerdeführer geltend ge
machten
vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen
(im Gegensatz zur lediglich festgestellten Nichteignung für Untertagebau) besteht
demgemäss
kein Raum für die
Zusprache
einer Übergangsentschädigung.
Strittig und zu prüfen ist damit der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente der Unfallversicherung.
3.
3.1
Die Ärzte der Klinik
Z._
verwiesen in ihrem Bericht vom
5.
April 2012 (
Urk.
9/8/6-7) über die
Hospitalisation
vom 2
3.
März bis
5.
April 2012 auf die stationäre Aufnahme des Beschwerdeführers wegen plötzlich einsetzender
Tho
raxschmerzen
rechtsseitig sowie Luftnot. Sie führten aus, bei der
Aufnahmeun
tersuchung
hätten stabile Herz-/Kreislaufverhältnisse bestanden, rechtsseitig ein abgeschwächtes Atemgeräusch bei sonst
Vesikuläratmen
. Röntgenologisch habe sich ein
Spontanpneumothorax
nachweisen
lassen
. Es sei neben einer Ist-Auf
nahme eine
Th
or
axdrainage
angelegt worden. Bei nicht vollständiger
Regredi
enz
des Pneumothorax unter Drainage habe am 2
5.
März 2012 eine weitere
Thoraxdrainage
im apikalen Anteil gelegt werden müssen. Nach viertägiger Sogbehandlung seien die Drainagen entfernt worden, hernach hätten zunächst reguläre pulmonale Verhältnisse bestanden, am zweiten Tag
habe ein erneuter Pneumothorax im ventralen Anteil bestanden, welcher zunächst ohne Relevanz und Klinik gewesen sei. Zur Zeit bestehe keine Indikation zur Intervention.
3.2
Der Chefarzt des Klinikzentrums
A._
, wo der Beschwerdeführer vom 1
9.
April bis 1
0.
Mai 2012 zur Rehabilitation hospitalisiert war, verwies in sei
nem Bericht vom 2
6.
November 2012 (
Urk.
9/22
S. 4
) auf vom Beschwerdefüh
rer vermerktes Profitieren von der Rehabilitation. Er führte aus, die initial be
stehenden Beschwerden seien komplett verschwunden. Er könne wieder auf der betroffenen Seite liegen und auch seine Leistungsfähigkeit habe sich im Rah
men der regelmässig stattfindenden medizinischen Trainingstherap
ie und des freiwilligen Terraintrainings deutlich verbessert.
Bodyplethysmographisch
habe sich initial eine leichte bis mittelgradige Obstruktion gezeigt, die sich unter
an
tiinflammatorischer
und antiobstruktiver Therapie normalisiert habe. Es finde sich formal nur noch eine
leichtgradige
Überblähung und
auskulatorisch
ein noch geringes Giemen bei forcierter Exspiration. Insofern sei ein Asthma bron
chiale gesichert.
Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wurde eine vollschichtige Leistungsfähigkeit für mittelschwere Tätigkeiten attestiert unter Berücksichtigung des negativen Leistungsvermögens (Vermeidung der Exposition zu permanenten
inhalativen
Noxen, permanenter Feuchtigkeit, Kälte und starken Staubbelastungen).
3.
3
Dr.
med.
B._
, FMH Pneumologie und Innere Medizin,
hatte am
6.
Oktober 2012
(
Urk.
9/
74
)
über die am
2.
Oktober 2012 erfolgte Konsultation wegen seit zweieinhalb Monaten bestehender Anstrengungsdyspnoe beim Tragen schwerer Lasten und Bergauflaufen berichtet. Sie konnte aus
pneumologischer
Sicht
lun
genfunktionell
, radiologisch und blutgasanalytisch
kein Hinweis auf eine rele
vante Ventilations- oder
Oxygenationsstörung
finden; die Ursache sei unklar.
3.
4
Die Ärzte des
C._
, Pneumologie, wo der Beschwerdeführer vom 2
1.
bis 2
3.
November
2012 hospitalisiert war, diagnostizierten mit
Aus
trittsbericht
vom 3
0.
N
o
vember
2012 (
Urk.
9/31) ein Asthma bronchiale, aktuell kontrolliertes Stadium (bei Status nach Nikotin bis März 2012, ca. 15
Packyears
), eine
arterielle Hypertonie, einen Status nach
Spontanpneumothorax
rechts im März 2012 sowie eine Angststörung.
Sie führten aus, anlässlich der Lungenfunktionsprüfung habe sich eine vollstän
dig reversible Obstruktion mit leicht eingeschränkter CO-Diffusion gezeigt. Die Spiroergometrie habe bei erfüllten Auslastungskriterien wegen einer
Panikatta
cke
und Hyperventilation abgebrochen wer
den müssen. Es habe sich ledigl
i
c
h eine leicht
e
Limitierung aufgrund der Hyperventilation gezeigt.
Hinweise
für eine kardiopulmonale Limitierung hätten gefehlt. Die erneut durchgeführte Computertomographie des Thorax habe ein apikales Emphysem und einen klei
nen
Nodulus
im
anterioren
Oberlappen rechts gezeigt. Aufgrund dieser Ergeb
nisse dürfte der
Spontanpneumothorax
im
März
2012 durch
eine
ru
p
turiert
e
Bulla
des Emphysems bedingt gewesen sein. Eine Korrelation zum Beruf des Tunnelbauers sähen sie nicht. Die
Bronchoskopie
habe ein makroskopisch un
auffälliges Bild gezeigt und die entnommenen Proben hätten
lediglich
eine chronisch unspezifische
Bronchitis
als Folge des
chronischen
Nikotinkonsums aufgezeigt. Hinweis
e
für das Vorliegen einer berufsassoziierten
Lungenpatholo
gie
, insbesondere einer Silikose, könnten nicht nachvollzogen werden
. Wegen der vollständig reversiblen Obstruktion hätten si
e
ergänzend einen
Methacho
lin-Provokationstest
durchgeführt, welcher eine leichte bronchiale
Hyperreagi
bilität
gezeigt habe.
Zusammenfassend befanden die Ärzte die Befunde als mit einem Asthma und Emphysem aufgrund des stattgehabten Nikotinkonsums vereinbar. Die rezidi
vierenden Dyspnoe-Attacken erachteten sie als am ehesten mit rezidivierenden und akuten
Hyperventilationen vereinbar. S
ie verwiesen auf eine Entlassung des Beschwerdeführers in gutem Allgemeinzustand und attestierten
eine
vollum
fängliche Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als Tunnelbauer (wegen Asthma) aufgrund der Staubexposition; in einem staubfreien Umfeld sei der Beschwerdeführerin vollumfänglich arbeitsfähig.
3.5
Die Ärzte des
D._
, Departement für Innere Medizin, Neurologie und
Dermatologie
, Abteilung Pneumologie, wo der Beschwerdefüh
rer vom
9.
bis 2
3.
April 2013 hospitalisiert war,
diagnostizierten
mit Bericht vom 2
3.
April 2013
(
Urk.
9/43)
ein belastungsinduziertes Asthma bronchiale, eine manifeste Hypothyreose sowie eine
Hyperurikämie
(S. 1). Sie verwiesen auf die Lungenfunktionsprüfung ohne Nachweis einer signifikanten
Ventilations
störung
, indes mutmasslich pulmonaler Limitierung anlässlich der Spiroergo
metrie (S. 2 f.). Zusammenfassend gingen sie (unter weiterem Hinweis auf
bild
gebende
Untersuchungsresultate) am ehesten von einem belastungsinduziertem Asthma aus (S. 2).
3.6
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, diagnosti
zierte in seinem Gutachten vom 1
0.
Mai 2013 (
Urk.
15/12) zu
Handen
der Deutschen Rentenversicherung einen dringenden Verdacht auf
Somatisierungs
störung
mit rezidivierender Hyperventilation unter körperlicher Belastung, ein
leichtgradiges
Asthma bronchiale, einen Zustand nach Pneumothorax rechts mit Drainagebehandlung im März 2012, einen Zustand nach chronischem
Niko
tinabusus
bis März 2012, eine
Hypothyreose
sowie eine
Hyperurikämie
(S. 6).
Der Gutachter verwies auf
seit ca. einem Jahr
beklagtes,
regelmä
ss
ige
s
Auftreten von
Dyspnoezuständen
bei körperlicher Belastung. Dies
habe
zuletzt zu einer allgemeinen körperlichen Leistungsinsuffizienz sowie zu einer schnellen Er
schöpfung des Versicherten
geführt
. Die bereits zuvor ambulant und stationär erfolgte umfangreiche Diagnostik
habe
bisher keinen wegweisenden Befund
er
bracht
. In den aktuell durchgeführten Untersuchungen finde sich
lungenfunktio
nell
eine
leichtgradige
obst
ru
ktive Ventilationsstörung mit dis
kreter partieller Lungenüberblähung. Bei grenzwertig positivem
Methacholintest
sei
zudem eine
leichtgradige
bronchiale Hyperreagibilität im Sinne eines leicht
gradigen
Asthmas
bronchiale nachweisbar. In der Lungendiffusionsüberprüfung finde sich zudem eine
leichtgradige
Diffusionsstörung. Blutgasan
alytisch seien
im Ruhezustand leicht
hypoxämische
Messwerte auffällig
gewesen
, welche nach körperlicher Belastung in
normoxämische
Werte überg
egangen seien
. Eine ma
nifeste respiratorische Insuffizienz lieg
e
somit nicht vor
.
Fahrradergometrisch
sei
der
Beschwerdeführer
nur bis 75 Watt belastbar
gewesen mit
anschlie
ss
en
d
em
Abbruch wegen subjektiv Dyspnoe,
myogener
Erschöpfung und
stridoröser
Pressatmung
(Differenzialdiagnose
: Hyperventilation
)
. Die körperliche Leis
tungsfähigkeit w
e
rd
e
einerseits durch den schnellen Blutd
ru
ckanstieg sowie an
dererseits durch die am ehesten psychogen hervorgerufene Hyperventilation li
mitiert
(S. 7 f.)
.
Im Rahmen
der Zusammenschau der Befunde
verwies der Experte auf
eine erhebli
che Diskrepanz zwischen dem geklagte
n
ausgeprägte
n
Beschwerdebild und den gemessenen lungenfunktionellen Leistungsparametern. Anhand der vorliegenden Befunde k
ö
nn
e
ein
leichtgradiges
Asthma bronchiale bestätigt werden, welches jedoch nicht das Ausma
ss
der geklagten Beschwerden erklär
e
. Hinzu komm
e
ein auffälliges Nichtansprechen der zuletzt eingeleiteten
anti
asthmati
schen
Therapie. Insgesamt dränge
sich der Verdacht auf
das
Vorliegen einer
Somatisierungs
s
törung
mit dem rezidivierenden Auftreten eines
Hyper
ventilationssyndroms
auf
(S. 8).
Aus rein internistisch-
pneumo
l
ogischer
Sicht
erachtete
Dr.
E._
weiterhin leichte körperliche Tätigkeiten über einen zeitlichen Umfang von mehr als
sechs
Stunden
pro Tag als zumutbar
. Die derzeitige Gesamtverfassung des
Beschwer
deführers
erlaub
e
jedoch aktuell keine Rückkehr in den zuletzt ausgeübten Be
ruf als Baufacharbeiter, da er der dort geforderten Arbeitsschwere derzeitig nicht gewachsen
sei (S
.
8 unten)
.
3.
7
3.
7
.1
Prof.
Dr.
med.
F._
führte in seinem Gutachten vom 2
4.
Juli 2013 (
Urk.
9/53) aus,
beim Beschwerdeführer bestehe a
ls Folge des ja
hr
elangen Rauchens ein Lungenemphysem in beiden Lungenoberlappen. Dieses l
a
ss
e
sich durch die hochauflösende
Computertomographie der Lunge
diagnostizieren. Es resultier
e
eine CO-Diffusionskapazität im unteren No
rm
bereich, was sich im Gas-Aus
tausch unter Belastung nicht auswirk
e
. Die Lungenvolum
in
a s
e
i
e
n im unteren Normbereich, die
plethysmographisch
gemessene totale Lungenkapazität (TLC)
sei
nicht erniedrigt. Eine COPD (Chronisch Obstruktive Lungenkrankheit) be
steh
e
nicht. Eine Pneumokoniose liegt nicht vor. Die kumulativen Staub-Expo
sitionen
seien
dafür zu gering und das Lungenparenchym zeig
e
keine interstiti
ellen Veränderungen
(S. 7)
.
Als Auslöser f
ür den am 2
3.
März
2012 diagnostizierten Pneumothorax erach
te
te Prof.
Dr.
F._
die zwei Tage vorher erfolgte hohe
inhalative
Exposition ge
genüber gebranntem hydraulischem B
in
demittel. Ein solcher Zusammenhang schein
e
wahrsche
in
licher als ein rein zufälliges Auftreten des Pneumothorax. Prädisponierend für das Pneumothorax-Ereignis s
e
i
e
n die Emphysem-
Verände
rungen, die sich bei diesem früheren Raucher in beiden Oberlappen nachweisen
lie
ssen. Auch wenn keine
Thorakoskopie
durchgeführt w
o
rde
n sei
, k
ö
nn
e
man erfahrungsgemäss davon ausgehen, dass der Pneumothorax durch das Platzen von Emphysem-Bläschen zustande gekommen
se
i. Der Pneumothorax
sei
über zwei konsekutiv eingelegte Drains mit Sog behandelt
worden
. Die rechte Lunge
sei
seither ausgedehnt
geblieben
. Die f
rüher
und aktue
ll
gemessenen statischen und dynamischen Lungenvolumina beweg
t
en sich im unteren Normbereich. Auf dem
Computertomogramm
s
e
i
e
n
keine
pleuralen
Verdickungen nachweisbar, hingegen f
a
ll
e
von Auge auf, dass das Verhältnis zwischen den Volumina der rechten und linken Lunge nicht normal
sei
. Der vorliegende Befund
se
i diskret und funktionell nicht relevant. Er
se
i Folge der mehrtätigen Saug-Drainage, welche im CT nicht sichtbare, aber therapeutisch erwünschte Verklebungen der Pleura-Blätter bewirkt ha
be
(S. 8)
.
3.
7
.2
Prof.
Dr.
F._
hielt weiter fest, die
vom
Beschwerdeführer
geschilderte erhebli
che Einschränkung seiner körperlichen Belastbarkeit
sei
diskrepant zu den ob
jektiven
funktionellen
Befunden. Im April 2012, bereits einen Tag nach Eintritt zur Rehabilitation
,
habe er
100
%
der altersentsprechenden Leist
ungs
f
ä
higkeit
erreicht.
Die im November 2012 im
C._
durchgeführte Spi
roergometrie
habe
wegen einer Panik-Attacke vorzeitig abgebrochen werden
müssen
. E
in
e weitere
Ergometrie
sei
im April 2013
im
D._
durchgeführt
worden
. Aus den Unterlagen geh
e
nicht hervor, auf welche maximale Leis
tung
der Beschwerdeführer habe
belastet werden k
ö
nne
n
. Im Austrittsberich
t
werde
lediglich die anaerobe Schwelle aufgeführt. Diese
sei
bei 70 Watt erreicht
worden
und vermutlich Ausdruck eines Trainingszustandes nach längerer
Arbeitsunfähigkeit
.
Begreiflicherweise
sei der Beschwerdeführer
durch den Pneumothorax- Zwischen
fall verunsichert
.
Er empfinde seine körperliche Integrität als nicht mehr intakt. Diese Verunsicherung widerspiegl
e
sich
in
blutgasanalytisch zwei
mal
dokumentierter
Hyperventilationen und in einer Panik-Attacke anlässlich der
Ergome
t
rie
im November 2012 im
C._
. Es
sei
deshalb eine Pan
ik
störung diagnostiziert
worden
, die im Frühjahr anlässlich einer am
bulanten fachärztlich psychiatrischen Behandlung bestätigt w
o
rde
n sei (S. 8)
.
3.
7
.3
Von Asthma
- so Prof.
Dr.
F._
weiter - sei
bereits anlässlich der Rehabilit
ation im Klinikzentrum A._
gesprochen
worden
. Die Diagnose stütze sich auf eine in den Akten nicht dokumentierte Verbesserung einer obstruktiven
Venti
lationsstörung
nach Inhalationen. Es
sei
deshalb eine antiasthmatisc
he Be
handlung mit dem Kombinationspräparat
Symbicort
eingeleitet
worden
. Die vom Patienten geschilderte Atemnot tr
e
t
e
aber nicht anfallsweise
und
nicht in Ruhe
auf
, sondern regelmässig ab
e
in
er bereits geringen Belastungsstufe auf. Sie k
ö
nn
e
nicht durch Inhalation eines die Bronchien erweiternden Medikamentes verhindert oder verbessert werden. Diese Symptomatik
passe
besser zu einer COPD als zu einem As
thma
. Wie oben erläutert besteh
e
aber keine COPD. Die Diagnose Ast
h
ma erachte
er - Prof.
Dr.
F._
-
als wenig wahrscheinlich. Die Spirometrien zeig
t
en keine obstruktive Ventilationsstörung. Auch anlässlich
der aktuellen
Untersuchung
seien
weder klinisch noch f
u
nktionell H
in
weise auf eine Obstruktion
gefunden worden,
obwohl der
Beschwerdeführer
- mangels Wir
kung -
mit Inhalieren aufgehört ha
be
. Ein leichtes Asthma, eine Erkrankung, die bekanntlich remittieren k
ö
nn
e
,
sei
letztlich nicht völlig auszuschliessen. Diese Erkrankung könne nur anhand von Peak-Flow Messungen in Kombination mit dem Führen eines Asthma-Tagebuchs gestellt werden. Die im
D._
gestellte Diagnose
eines
belast
un
gsinduzierte
n
Asthma
s
k
ö
nn
e
er
nicht nach
vollziehen.
Es
seien
keine forcierten Sp
ir
ometrien unter und nach der Belastung durchgeführt
worden
. Zudem spr
e
ch
e
jener Asthma-Phänotyp, der sich nicht spontan
,
sond
ern nur unter Belastung manifes
tier
e
(„
exercise
induced
asthma
")
,
besonders gut auf eine Behandlung an
(S. 8 f.)
.
Unter der Annahme, dass
der Beschwerdeführer
tatsächlich unter einem leichten Asthma leide, würde es sich um eine arbeitsplatzassoziierte Form handeln. Es stell
e
sich deshalb die Frage, ob Immissionen, gegen die er
an
den Arbeitsplät
zen in der Schweiz exponiert
gewesen sei
, für ein arbeitsplatzassoziiertes Asthma in Frage k
ämen
. Aufgrund der Vorgeschichte komm
e
ein
vorbestehen
des
Asthma, das lediglich durch die Belastung
am Arbeitsplatz verschlimmert wo
rde
n sei
(„
work-exacerbated
asthma
")
,
nicht in Frage. Eine Asthma-Fo
rm, die durch eine Sensibilisie
rung (
„
sensitizer-induced
asthma
“
) induz
i
ert w
o
rde
n sei
, f
a
ll
e
im vorliegenden Fall ebenfalls ausser Betracht
.
Die Tatsache, dass bei
m Beschwerdeführer
eine deutlich erhöhte Konzentration von
IgE
im Blut gefun
den w
o
rde
n sei,
spr
e
ch
e
bei fehlendem Nachweis einer
Atopie
(negative Prick-Tests) nicht für eine Allergie. Grundsätzlich möglich
sei
eine Asthma-Form, die durch einen Inhalationszwischenfall mit Stoffen ausgelöst w
e
rd
e
, welche die Atemwege irritier
t
en (
„
irritant-induced
asthma
“
). Bei dem Vorfall vom 2
1.
März
2012
se
i es zu einer hohen Exposition gegenüber gebranntem, hydraulischem Bindemittel (Portlandzementklinker, Calciumoxid etc.) gekommen. Anlässlich der
Hospitalisation
in der
D._
sei
eine gründliche kardiale Abklä
ru
ng durchgeführt
worden
. Es
hätten sich
, bis auf ein übermässiges An
steigen des Blutdrucks unter Belastung
,
keine pathologischen Befunde
gefunden
(S. 9)
.
3.
7
.4
Zusammenfassend
diagnostizierte Prof.
Dr.
F._
ein (höchstens mögliches) leich
tes Bronchialasthma sowie eine Angststörung und verwies auf die erhobe
nen Befunde eines Status nach rechtsseitigem Pneumothorax (mit Thorax-Saugdrainage behandelt) bei bilateralem apikalem Lungenemphysem, eines leichten Übergewichts, statischen und dynamischen Lungenvolumina im
unte
ren Normbereich sowie einer
leicht eingeschränkten CO-Diffusionskapazität bei Lungenemphysem beider Lungenoberlappen nach Zigaretten-Rauchen (ca
.
28
packyears
, S. 10).
Er
konstatierte
keine kardio-pulmonale L
i
mitie
ru
ng
und
erachtete den Beschwer
deführer
für mittelschwere bis schwere körperliche Arbeit
als zu
100
%
arbeitsfähig. Hingegen
sei
er für Arbeiten in Tunnels als nicht mehr geeignet zu betrachten
(S. 9)
.
3
.8
Dipl. Psych.
G._
, Psychologische Psychotherapeutin i.A., vom
H._
,
I._
, be
richtete am
3.
September 2013 (
Urk.
9/104) über die seit
2.
Juli 2013
dauernde ambulante Behandlung (bislang drei Sitzungen) und schilderte eine Unsicherheit bezüglich eigener Belastungsgrenzen
sowie
Angst vor erneutem Pneumothorax
samt daraus resultierendem Vermeidungsverhalten von körperlichen Belastun
gen (Todesangst), ein gesteigertes
Arousalpotential
sowie eine depressive Symptomatik mit Antriebsschwäche, Lustlosigkeit, Hilflosigkeits- und
Versa
gensgefühlen
. Sie diagnostizierte einen Verdacht auf eine Panikstörung und at
testierte eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit.
Am 1
1.
August 2014 (
Urk.
9/18) schilderte Dipl. Psych.
G._
, welche den Be
schwerdeführer am 2
7.
Mai 2014 letztmals gesehen hatte
(bei teilstationärer Be
handlung vom 3
0.
Mai bis 1
1.
Juli 2014,
Urk.
15/20)
, als geklagte Beschwerden eine
dysthyme
Grundstimmung,
Antriebsminderung und Morgentief, Ein- und Durchschlafstörung,
Grübelneigung
, Zukunftsängste, Selbstzweifel und
Selbst
unsicherheit
, innere Unruhe,
eingeschränkte
Entspannungsfähigkeit, reduzierte Leistungsfähigkeit und schnelle Erschöpfbarkeit, Unsicherheit bezüglich eigener Belastungsgrenzen und Angst vor erneutem Pneumothorax samt daraus resul
tierender gesteigerter Sensibilität für körperliche Sensationen mit
Vermeidungs
verhalten
(Reduktion) von
körperlichen
Belastungen (Todesangst), ausgeprägte Frustrations-, Ungerechtigkeits- und Hilflosigkeitsgefühle bezüglich des be
hördlichen Umgangs mit den Folgen seiner Erkrankung (Rechtsstreit). Sie diag
nostizierte eine depressive Störung (aktuell leichte Episode), eine
Alkoholab
hängigkeit
(zur Zeit abstinent), einen Verdacht auf eine
somatoforme
autonome Funktionsstörung (Atmungssystem) sowie eine Panikstörung (
entaktualisiert
). Sie berichtete über eine seit Juli 2013 schrittweise leichte symptomatische Ent
lastung in Bezug auf die depressive sowie Angstsymptoma
t
ik sowie eine deutli
che somatische Verbesserung seit der Krankheitseinsicht in Bezug auf die
A
b
hängigkeitserkrankung
(Dezember 2013) und Erreichen der Abstinenz (Januar 2014).
3.9
3.9.1
Prof.
Dr.
med.
J._
, Chefarzt, und
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Innere Medi
zin/Pneumologie,
L._
,
stellten
in ihrem Gutachten vom 1
2.
September 2014 (
Urk.
15/19) z
u
Handen
des Beschwerdeführers fol
gende Diagnosen (S. 9):
1.
Toxisch-
irritative
Schädigung des Bronchialsystems mit persistierende
m
B
e
las
tungs
-
Asthma bei Zustand nach erheblicher Zementstaubexposition („
Doroflow
")
2.
Multifaktorielles Emphysem durch
inhalatives
Rauchen und regelmä
ss
ige
Ze
m
entstaubin
halation
3
.
Schweres obstruktives Schlafapnoesyndrom
-
unter Einleitung
e
iner Maskentherapie (
BiPAP
-ST-Maske) 04/2014
4
.
M
anifeste Depression
5.
Zustand nach Alkoholabusus
-
Entzugstherapie 01/2014 bis 02/2014
6.
A
rterielle Hypertonie
7.
Zustand nach traumatischer Tei
la
mpu
ta
tion des Dau
m
en-Endgliedes
l
inks
3.9.2
Die Gutachter berichteten von einem vom Beschwerdeführer erwähnten
stabilen Allgemeinzusta
nd und führten aus, er habe
über regelmä
ss
ig auftretende Dys
pnoe bei mitte
l
schweren Be
l
ast
ungen
, rezidivier
ende
Luftnotattacken be
i
unge
wollter Inhalation von Stäuben und Dämpfen sowie
über
ein gleichbleibend verring
e
rtes Leistungsvermögen
geklagt
.
3.9.3
Zur Befunderhebung führten die Experten aus,
b
odyplethysmographisch
sei i
n Ruhe weder eine obstruktive noch eine rest
ri
ktive
V
entilation
sstörung nach
weisbar
gewesen
. Die Diff
u
sions
messung habe
keine Einschränkung der
Diffusi
onskap
a
zität
ergeben
. In der
Ergospirometrie
habe
eine mittelschwere
E
in
schränkung der Belastbarkeit bei Trainingsmangel und Zeichen einer beginnen
den G
a
saust
a
usch
s
tö
r
ung ohne Belastungshypo
x
äm
ie
dokumentiert werden
können
. Hinweise auf eine Herzinsuffizienz, kar
d
iale L
i
mitatio
n
oder KHK
(ko
ronare Herzkrankheit)
hätten sich nicht ergeben.
Ein obstruktives Atemmuster unter Last l
asse
sich nicht nachweis
e
n. Im Verg
leich
zu
r
Voruntersuch
u
ng im
D._
im April 2013
habe der Beschwerdeführer
eine Verbesse
rung der Belastbarkeit (vormals 70 Watt, aktuell 90 Watt am AT-Punkt)
gezeigt.
Die Auswertung einer aktu
ell durchgeführten unspezifischen
inhalativen
Provoka
tion mit
Methacho
lin
habe
keine b
r
onchia
l
e Hyperreagibilit
ä
t als Hin
weis auf eine asthmatische Komponente
gezeigt
. Allerdings
sei
zu berü
c
ksichti
g
e
n,
d
ass im April 2012 während der Rehabilit
a
tion in
A._
eine obstruk
tive Ventilationsstö
run
g festgestellt
worden sei
, die sich unter
bronchospasmo
lytischer
Therapie rückläufig
ge
zeigt
habe.
Überdies
hätten
im Rahmen eines Aufentha
l
tes im
C._
im November 2012 eine leichte bronchia
le
Hyperreagibi
l
ität und ein gering erhöhtes
FeNO
als Ausdru
c
k eines Asthmas bronchiale diagnostiziert werden
können
.
Die Routine-
Pricktestung
hinsichtlich ubiquitärer A
ll
ergene
habe
keine kutane Sen
s
ibilisierung
ergeben
. Serologis
c
h
habe
sich bis auf eine geringe
G
es
a
mt-
IgE
-Erhöhung keine Sensib
il
isierung gegenüber häufigen
perennial
en
A
l
lerge
nen (Katze, Aspergi
l
lus
fumigatus
, Haustaubmilbe)
ergeben
.
I
m
neuerlich veranlassten CT-Thorax
habe
sich ein oberlappenbetonte
s
, gering ausgeprägtes, überwiegend
zentrilob
u
läres
Lungenemphysem mit teils Übergang
in
ein
panlobuläres
Emphysem im apikalen Obe
rl
appe
n
rechts
gezeigt
. Daneben
imponierte
e
in diskretes narbiges Residuum infolge der im Jahr 2012 eingeleg
ten
Thoraxsaugdrainage
an der S
e
gmentgrenze 10/9 rechts sowi
e
ein k
l
eines, seit März 2011 grö
ss
enkonstantes
Oranulom
(6 mm) im Segment
1
rechts
.
Pul
monale Infiltrationen,
malignomsuspekte
Herde und interstitielle
Lungenverän
derungen
seien
nicht nachweisbar
gewesen (S. 9 f.).
3.9.4
In ihrer Beurteilung hielten die Ärzte fest,
aus
pneumo
l
ogis
c
her
Sicht
sei
von einer protrahierten toxisch-
i
rrit
ativ
e
n
Schädigung des Bronchialsystems infolge der starken Zementstaubexposition am 2
2.
März 2012 a
uszu
gehen. Es k
ö
nn
e
eine Kausa
li
tät zwischen der erheblichen Zementstaubexposition, dem
Span
nungs
p
neumothorax
und der aktuell bestehenden Belastungsdyspnoe, der
Dys
pnoeattacken
nach S
t
aub-
und D
a
mpfinhalation und der körperlichen
Leis
tungse
i
nschränkung
hergestellt werden. Durch die regelmä
ss
ige Staubinhalatio
n
des verwendeten Zementes (Atemschutzmaske nie vollständig dicht)
sei es
am 2
2.
(richtig: 21.)
M
ä
r
z
2012 zu einer ausgeprägten toxisch-
i
rrit
ativen
Schädi
gung des Bronchialsystems
gekommen
. Durch den hierdurch hervorgerufenen starken Husten
habe
sich der
Spannungspneumot
h
orax
rechts
entwickelt. B
e
dingt dur
ch
die anhaltende Reizung des Bronchialsy
s
tems
seien
im weiteren Verlauf rezidivi
e
rend
D
yspnoeattacken
vor al
l
em nach Kontakt
zu
Stäuben auf
getreten
, wa
s
es dem Versicherten unmög
lich
mach
e
, wieder in seinem ur
sprünglichen Beruf (Tunnelbau) zu arbeiten.
Medizi
nisch habe
a
ls
Ausdruck der bronchia
l
en A
l
teration ein Belastungsasthma diagnostiziert werden
können
. Bedingt durch die pulmonale Beeinträchtigung
sei
es zur körperlichen
Dekonditionie
rung
gekommen
. Diese l
a
ss
e
sich aktuell in der
Ergospirometrie
trotz tendenziell
er
Zustandsverbesserung zum Vorbefund von April 2013 noch nachweisen (erreichte L
ei
stungsstufe 65
%
vom Soll). Bei fehlender Perspektive (keine Aussicht, wieder im zuletzt ausgeübten Beruf zu arbeiten)
habe
der
Beschwerdeführer
eine progredien
t
e Depression entwickelt und vermeh
rt
Alkohol
konsumiert, was konsekutiv zu eine
m
Alkoholab
u
sus gef
ü
hrt ha
be
. Aktuell
sei der Beschwerdeführer
nach einer professionel
len
Ent
zugstherapie
a
l
koholabstinent, ha
be aber weiterhi
n keine berufliche
Perspektive
(S. 10)
.
Sowohl das Vorliegen eines ausgeprägten Lung
enem
phys
e
ms durch das bis 2012 betriebene
inhalative
Rauchen als auch ein Alpha-1-Antitryps
in
-Mangel
hätten
ausgeschlossen werden
können
. Weder
ergo
spir
ometrisch
noch
labor
chemisch
hätten
sich Hinweise auf eine chronische Herzinsuff
izienz als mögli
chen Auslös
er der Belastungsdyspnoe
ergeben. Durch eine Koronarangiogra
phie
habe
bereits im April 2013 im
D._
eine
hämodynamisc
h
rele
vante KHK ausge
schlo
ssen werden
können
(S. 11)
.
3.10
Am 1
4.
Oktober 2014 diagnostizierte
der
Facharzt für Psychiat
rie/Psycho
-
therapie
M._
,
H._
, eine mittelgradige bis schwere depressive
Episode
, eine Panikstörung (episo
disch paroxysmale Angst), eine Angststörung sowie eine
somatoforme
Belas
tungsstörung
(Belastungsdyspnoe). Er führte aus, die jahrelange Exposition
ge
genüber
schädigenden Stoffen/Substanzen/Staubarten währen
d
der Arbeit in Kombination mit der gesundheitsgefährdenden Arbeit als Tunnelbauer ohne Ta
geslicht und un
t
er extremen klimatischen Bedingungen sowie der erlittene, dar
aus resultierende Pneumothorax erachte er - Psychiater
M._
- nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung sowie aufgrund seiner Erfahrung für geeignet, die beim Beschwerdeführer diagnosti
zierten psychischen Leiden herbeizuführen. Mit nicht zu überbietender Deut
lichkeit sei festzuhalten, dass die Arbeitsbedingungen, die Exposition gegenüber schädigenden Stoffen/Substanzen/Staubarten sowie der daraus resultierende Pneumothorax die Entstehung der psychischen
L
eiden des Beschwerdeführers zumindest begünstigt hätten.
4.
4.1
Aufgrund der medizinischen Akten ist erstellt und zwischen den Parteien auch nicht umstritten, dass der
erlittene Pneumothorax aufgrund der zwei Tag zuvor stattgehabten hohen
inhalativen
Exposition gegenüber gebranntem hydrauli
schem Bindemittel am Arbeitsplatz beim Tunnelbau erfolgte.
Die
Beschwerde
gegnerin
übernahm
denn auch
die Kosten unter dem Titel Berufskrankheit.
4.2
Der medizinische Verlauf
in organischer Hinsicht
gestaltete sich derart, dass nach Anlage einer
Thoraxdrainage
und einem einmaligen Rückfall keine Indi
kation zu einer weiteren Intervention mehr bestand (E. 3.1). Im Rahmen der anschliessenden Rehabilitation
bis am 1
0.
Mai 2012
zeigte sich ein positiver Verlauf und die Leistungsfähigkeit verbessert
e
sich
unter Trainingstherapie, so dass sich die bestehende Obstruktion normalisierte und wieder eine volle Ar
beitsfähigkeit (unter Vermeidung von Staubbelastungen) attestiert wurde
(E. 3.2).
Nach zwei Monaten stellte sich beim Beschwerdeführer eine
Anstren
gungsdyspnoe
bei Belastungen ein, für welche aber - bei fehlenden
Ventila
tions
- und
Oxygenationsstörungen
- vorerst keine Ursache gefunden werden konnte (E. 3.3). Vermutet wurde in der Folge ein Zusammenhang mit
Hyper
ventilationsattacken
und
es wurde
- weiterhin - eine vollumfängliche Arbeitsfä
higkeit (ohne Staubexposition) attestiert. Ein Zusammenhang zu einem diag
nostizierten (kontrollierten) Asthma bronchiale wurde nicht gesehen (E. 3.4).
Anlässlich der
Hospitalisation
im April 2013, mithin über ein Jahr nach dem Vorfall, vermuteten die Ärzte ein belastungsinduziertes Asthma (E. 3.5), worauf anlässlich der Begutachtung zu
Handen
der Deutschen Rentenversicherung
eine Diskrepanz zwischen dem geklagten Beschwerdebild sowie den gemessenen lungenfunktionellen Leistungsparametern festgestellt und eine
Somatisierungs
-Störung vermutet wurde
(nebst der Diagnose eines
leichtgradigen
Asthma
s
bronchiale, E. 3.6). Die weiteren Abklärungen bestätigten das (mögliche) Vorlie
gen eines leichten Bronchialasthmas bei indes vollumfänglicher Arbeitsfähigkeit auch für schwere körperliche Arbeit (E. 3.7.4). Anlässlich einer weiteren Begut
achtung des Beschwerdeführers wurde eine protrahierte toxisch-
irritative
Schä
digung des Bronchialsystems vermutet sowie ein Belastungsasthma. Bei Aus
schluss einer Herzinsuffizienz bzw. einer koronaren Herzkrankheit wurde auf eine körperliche
Dekonditionierung
mit verminderter Leistungsfähigkeit ver
wiesen (E. 3.9.4).
4.3
Aufgrund dieses dokumentierten Verlaufs steht fest, dass die Folgen des
Pneumothorax
im Wesentlichen
abgeheilt sind. Spätestens nach der Rehabilita
tion im Klin
i
kzentrum
A._
war die Obstruktion verschwunden und zeig
ten sich nur noch eine
leichtgradige
Überbl
ähung sowie ein geringes Giemen
(E. 3.2).
Eine Abheilung bestätigte in der Folge auch
Prof.
Dr.
F._
, dessen Gutachten den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise
(vgl. dazu BGE 134 V 231 E. 5.1)
entspricht. Dieses ist für die streitigen Belange umfassend, legt es doch die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar und spricht es sich über die Ursachen und Restfolgen der Lungenproblematik aus.
Es beruht sodann
auf
den notwendigen
Untersuchungen
,
berücksichtigt detailliert die
geklagten Beschwerden
und setzt sich unter Berücksichtigung der Untersuchungsresultate damit auseinander. Weiter wurde das Gutachten
in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben, wobei Prof.
Dr.
F._
auf die entsprechenden Abklärungsresultate und Schlussfolgerungen Bezug nahm. Schliesslich leuchtet es
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
und
sind die
Schlussfolgerungen in der Exper
tise begründet
. So legte der Experte einleuchtend dar, dass beim Beschwerde
führer möglicherweise ein leichtes Bronchialasthma, indes keine kardio-pulmo
nale Limitierung vorliegt, und er vollumfänglich arbeitsfähig ist (ausser im Tunnelbau, E. 3.7.4).
Diese Einschätzung überzeugt insofern, als Prof.
Dr.
F._
diese mit den
bildge
benden
und klinischen Befunderhebungen schlüssig begründete. Er schloss ins
besondere aufgrund der getesteten Leistungsfähigkeit auf eine nicht dauerhaft
eingeschränkte Kapazität des Beschwerdeführers und erkannte auf den CT-Bil
dern wohl Folgen der Drainage, erachtete dies aber als funktionell nicht rele
vant (E. 3.7.1). Sodann erkannte er
eine - auch von anderen Ärzten themati
sierte - Diskrepanz zwischen den geschilderten Einschränkungen und den funk
tionellen Befunden
und würdigte dies entsprechend (E. 3.7.2).
4.4
Im gleichen Sinn verwiesen die Privatgutachter
Dres
.
J._
und
K._
ein Jahr später au
f nach wie vor diskrete bild
gebende Untersuchungsresultate (ge
ring ausgeprägtes Lungenemphysem, narbiges Residuum infolge Drainage sowie vorbestehendes
Oranulom
, E. 3.9.3). In ihren Leistungstests konstatierten sie eine Verbesserung seit April 2013 unter Hinweis auf die körperliche
Dekonditi
onierung
und schlossen verschiedene ernsthafte Erkrankungen aus (ausgepräg
tes Lungenemphysem, chronische Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit,
E. 3.9.4). In ihrer Einschätzung betonten sie die Asthmaproblematik etwas ausge
prägter als Prof.
Dr.
F._
, äusserten sich indes nicht zur Arbeitsfähigkeit.
Angesichts der lediglich geringen Abweichungen der beiden Gutachten - in den wesentlichen Schlussfolgerungen - erübrigt sich eine detaillierte Würdigung der abweichenden Gesichtspunkte. Zu bemerken bleibt
jedoch
, dass
im
Privatgut
achten
der
Dres
.
J._
und
K._
eine Auseinandersetzung mit der Expertise des Prof.
Dr.
F._
vollständig fehlt und davon auszugehen ist, dass ihnen diese gar nicht vorgelegten hat. Dies stellt ein massives Qualitätsmanko dar, das aber letztlich ohne weitere Bedeutung bleibt.
4.5
Eine Gesamtschau der medizinischen Akten bestätigt nach dem Gesagten die Richtigkeit der Schlussfolgerungen von Prof.
Dr.
F._
, wonach beim Beschwer
deführer als
dauerhafte Folge ein mögliches leichtes Bronchialasthma verbleibt, weswegen er nicht mehr im Tunnelbau eingesetzt werden kann. Die von den Parteien thematisierte Frage des Vorliegens eines Asthmas ist damit nicht von weiterer Bedeutung, weil sämtliche Ärzte und auch der Gutachter Prof.
Dr.
F._
eine Arbeitsfähigkeit im Tunnelbau verneinten und ansonsten von einer voll
umfänglichen Arbeitsfähigkeit ausgingen. Dabei wurde ein Leistungsprofil von leicht bis schwer genannt, ersteres indes unter hauptsächlichem Hinweis auf die
Dekonditionierung
des Beschwerdeführers, welche sich - nach dem Pneumothorax im März 2012 - unter Therapie massiv verbessert
hatte
und
wo
nach
der Beschwerdeführer wieder vollumfänglich arbeitsfähig wurde.
Dass eine irreversible Einschränkung vorliegt und auch ein Training unnütz wäre, ist den Akten jedenfalls nicht zu entnehmen.
Zusammenfassend ist erstellt, dass der Beschwerdeführer aufgrund der erlitte
nen Berufskrankheit im Tunnelbau nicht mehr arbeitsfähig ist, in jeder anderen
Tätigkeit indes keine (organisch berufskrankheitsb
e
dingte) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliegt.
Dass auch die Beschwerdegegnerin hiervon ausgeht, ergibt sich aus ihrer Nichteignungsverfügung vom
7.
August 2013 (
Urk.
9/57).
Die gegenteilige Aussage im angefochtenen
Einspracheentscheid
, wonach eine fortbestehende Berufskrankheit nicht ausgewiesen sei (
Urk.
2 S. 9),
überzeugt
angesichts der klaren Aktenlage
nicht.
Auf Dauer verbleibt - wenn auch nicht ausschliesslich durch die Berufskrankheit, sondern auch durch das jahrelange Rauchen bedingt - das leichte Bronchialasthma. Dass ein solches nicht gegeben sein soll
und
überhaupt
keine Folgen mehr bestehen
, steht im Widerspruch zur einhelligen Meinung sämtlicher beteiligter Ärzte.
5.
5.1
In Bezug auf die
psychische Situation ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin nur dann für
etwaige
Folgen einzustehen hat, wenn diese in einem adä
q
uat kausalen Zusammenhang zur Berufskrankheit stehen.
Währenddem
die
Be
schwerdegegnerin
das Vorliegen einer psychische
n
Erkrankung überhaupt in Frage stellte und keine Kausalität
annahm
(
Urk.
2 S. 9), erachtete der Beschwer
deführer die Diagnose einer Angststörung als gesichert
und führte diese auf die Berufskrankheit zurück
(
Urk.
S. 19 ff.)
.
5.2
In den medizinischen Akten findet sich erstmals im Bericht des
C._
vom 3
0.
November 2012 ein Hinweis auf eine psychische Auffällig
keit mit der Diagnose einer Angststörung (E. 3.4).
Dr.
E._
erwähnte am 1
0.
Mai 2013 einen Verdacht auf eine
Somatisierungsstörung
(E. 3.6)
,
Prof.
Dr.
F._
verwies auf die anamnestische Diagnose einer Panikstörung (E. 3.7.2) und Dipl. Psych.
G._
diagnostizierte einen Verdacht auf eine Panikstörung, welche sich bis im August 2014 „
entaktualisierte
“ und
nurmehr
als
somato
forme
autonome Funktionsstörung gefasst wurde (E. 3.8). Die
Dres
.
J._
und
K._
schliesslich schilderten im September 2014 eine manifeste Depression
(E. 3.9.1), worauf im Oktober 2014 Facharzt
M._
eine mittelgradige bis schwere depressive Episode, eine Panikstörung
, eine Angststörung sowie eine
somatoforme
Bel
a
stungsstörung diagnostizierte (E. 3.10).
5.3
Aus dem geschilderten Ablauf ergibt sich, dass acht Monate nach dem Vorfall erstmals
(von fachfremden Ärzten)
von psychischen Beschwerden die Rede war.
Eine psychologische Behandlung erfolgte ab
2.
Juli 2013, mithin über 15 Mo
nate
nach dem
Pneumothorax
, wobei lediglich eine Verdachtsdiagnose gestellt wurde (E. 3.8). Eine fachärztlich gestellte Diagnose
datiert
vom 1
4.
Oktober 2014 (E. 3.10). Bei dieser Ausgangslage ist in der Tat fraglich, inwieweit beim
Beschwerdeführer tatsächlich eine dauernde und unüberwindbare psychische Beeinträchtigung mit Krankheitswert vorliegt
, welche auf die Berufskrankheit zurückgeht
.
5.4
5.4.1
Von Relevanz wäre eine solche ohnehin nur, soweit der natürliche und adä
quate Kausalzusammenhang gegeben ist. In diesem Sinne ist die Einschätzung des Psychiaters
M._
nicht weiterführend, sowe
it
er eine Begünstigung der psychischen Leiden durch die Expositionen als mit „nicht zu überbietender Deutlichkeit“ erstellt erachtet (E. 3.10). Die Frage, ob die Beschwerden auf die Berufskran
kheit zurückgehen, mithin ohne Berufskrankheit auch keine Be
schwerden eingetreten wären,
beschlägt lediglich die Frage der natürlichen Kausalität, deren Bejahung noch nicht zu einer Leistungspflicht der
Beschwer
degegnerin
führt.
5.4.2
Dass Psychiater
M._
die
Arbeitsbedingungen
und den Pneumothorax als geeignet erachtet, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allge
meinen Lebenserfahrung eine solche psychische Störung herbeizuführen, ist wohl massgeblich im Rahmen des Auftragsverhältnisses zum Beschwerdeführer (Therapiebemühungen im
H._
) zu se
hen
(vgl. dazu
:
BGE 135 V 465 E. 4.5
).
Dass ein Bauarbeiter im Tunnelbau nach erlittenem
Pneumothorax
eine Angststörung entwickelt und daraus eine voll
umfängliche Arbeitsunfähigkeit abgeleitet wird, entspricht sicherlich nicht dem gewöhnlichen Lauf der Dinge.
Im Gegenteil wäre nach einer geglückten Be
handlung vielmehr zu erwarten, dass sich die geheilte Person wieder im
Lebens
alltag
integrier
t
.
Die Adäquanz der psychischen Beschwerden ist namentlich unter Berücksichti
gung der einschlägigen bundesgerichtlichen Kriterien klar zu verneinen: Auszu
gehen ist höchstens von einem mittelschweren Ereignis. Auch wenn sich der Pneumothorax (unbehandelt) lebensbedrohlich hätte auswirken können, war der Beschwerdeführer
doch tatsächlich
zu keinem Zeitpunkt in ernster Gefahr und wurde er fachgerecht und erfolgreich
behandelt. Dieser Ablauf würde gar die Annahme eines banalen Ereignisses rechtfertigen.
B
esonders dramatische Begleitumstände oder
eine
besonde
re Eindrücklichkeit des Vorfalls sind nicht
gegeben
. Der Beschwerdeführer
trat im Urlaub in seiner Heimat ins Spital ein wegen plötzlich einsetzender
Thoraxschmerzen
sowie Luftnot. Dass er dabei Erstickungsgefühle oder Todesangst gehabt hätte, wurde nicht geltend gemacht. Die erlittene Verletzung ist weiter weder besonders schwer noch von besonderer Art, sondern war im Gegenteil durch die Drainage samt anschliessender Rehabilitation behandelbar. Eine e
rfahrungsgemässe Eig
nung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen
, kann jedenfalls nicht erkannt w
e
rden. Die
ärztliche
Be
handlung war sodann nicht von auffälliger Dauer. Im Gegenteil wurde der Beschwerdeführer nach der Rehabilitation in
A._
am 1
0.
Mai 2012
bei vollständiger Arbeitsfähigkeit
entlassen.
Im Rahmen der
nachfolgenden Behandlungen
konnte kein Grund für die beklagte
Anstren
gungsdyspnoe
gefunden werden
,
und
diese
beinhalteten - ausser erfolglosen In
halationen
–
auch
keine
relevanten
Therapieformen mehr, sondern legten das Schwergewicht auf die psychischen Auffälligkeiten. Über körperliche
Dauer
schmerzen
klagte der Beschwerdeführer nicht. Eine ärztliche Fehlbehandlung,
welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert
e, ist nicht ersichtlich. Weiter sind weder ein
schwieriger Heilungsverlauf
noch erhebliche Komplikationen er
sichtlich.
Nachdem der Beschwerdeführer ab
Juni
2012 seine angestammte
(un
geeignete)
Tätigkeit wieder aufgenommen und während über
drei
Monaten aus
geübt hatte, kann auch nicht von einer längerdauernden Arbeitsunfähigkeit im Sinne der Rechtsprechung
ausgegangen
werden. Die nachfolgenden Arbeitsun
fähigkeitsatteste gründeten massgeblich auf der psychische Situation.
Damit ist kein einziges einschlägiges Kriterium gegeben, weshalb (allfällige) psychische Folgen jedenfalls nicht in einem adäquaten Kausalzusammenhang zur erlittenen Berufskrankheit stehen.
6.
Verbleibt nach dem Gesagten als dauerhafte Folge eine Unzumutbarkeit der Arbeitstätigkeit im Tunnelbau, ist
die Beschwerdegegnerin entschädigungs
pflichtig für eine allfällige Erwerbseinbusse. Abklärungen hierzu finden sich in den Akten keine, was insofern einleuchtet, als die Beschwerdegegnerin bereits das Vorliegen eines kausalen Gesundheitsschadens verneinte und keine Weite
rungen mehr vorsah.
Die Abklärung einer Erwerbseinbusse ist bei diesem Resultat nachzuholen, wo
bei diese auf der Feststellung zu
basieren
hat, dass dem Beschwerdeführer alle
Tätigkeiten zumutbar sind, ausser
solchen
im Untertagebau. Dass hierbei durch
aus eine Einkommenseinbusse resultieren könnte
,
ergibt sich aus dem Umstand, dass nach Art. 16
der Zusatzvereinbarung vom 2
5.
Mai 2010
zwecks Änderung von Art. 58
des Landesmantelvertrags (
LMV
)
für das
Schweizerische
Bauhaupt
gewerbe
einerseits sowie des Anhangs 12 zum LMV
(Zusatzvereinbarung für Untertagbauten "Untertagbauvereinbarung")
andererseits
ein Lohnzuschlag für Tätigkeiten unter Tag vorgesehen sind, welche der Beschwerdeführer nicht mehr ausführen kann.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene
Einspracheentscheid
aufzuheben und die Sache zur Ermittlung einer allfälligen Erwerbseinbusse und zur
Neuverfü
gung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.
Die vom Beschwerdeführer weiter
geltend gemachten Kosten bilden
nicht Gegen
stand des angefochtenen
Einspracheentscheids
, weshalb diesbezüglich auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.
8.
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2
). Vorliegend umfasst das nach der Rückweisung noch of
fene Thema indes einzig die
Erwerbseinbusse
bei festgestellter vollumfänglicher Arbeitsfähigkeit, weshalb - beim Antrag auf eine volle Invalidenrente - faktisch ein überwiegendes Unterliegen des Beschwerdeführers resultiert. Damit steht ihm eine reduzierte Prozessentschädigung zu, welche mit
Fr.
2‘000.-- (inkl.
Bar
auslagen
und
MWSt
) zu bemessen ist.