Decision ID: c5e52a40-c901-4055-a551-9a9e1d2587ce
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die
Y._
wurde nach ihrer Sitzverleg
ung in den Kanton Zürich am 13.
Dezember 2012 im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen. Gleich
zeitig nahm die Gesellschaft eine
Firmen
änderung in
X._
vor (
Urk.
6/1). Seither war die Gesellschaft der
Sozialversicherungsanstalt des
Kan
tons Zürich (SVA), Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin ange
schlossen
.
Gestützt auf die Lohndeklaration für
das Abrechnungsjahr 2014 (Urk.
6/12), im Rahmen derer die Gesellschaft ang
ab
, keine beitrags
pflichtigen Löhne ausbezahlt zu haben, stellte die Ausgleichskasse keine Beiträge in Rech
nung (
Urk.
6/13).
Der Sitz der Gesellschaft wurde am
2
9.
September 2016
(Tagesregistereintrag) nach
Z._
im Kanton
Glarus
verlegt, infolge dessen sie im Handelsregister des Kantons
Glarus
eingetragen und im Handelsregister des Kantons Zürich von Amtes wegen gelöscht wurde
(
Urk.
6/17)
.
1.2
Gestützt auf den Lohnausweis von
A._
, gemäss welchem
er
im
Jahr 2014
von
der
X._
einen Lohn in der Höhe von
Fr.
31'800.-- be
zo
gen hat
te
(
Urk.
6/20
), forderte die Ausgleichskasse von
der Gesellschaft
mit
Jah
res
abrechnung
vom
2
9.
März 2018
Lohnbeiträge in der Höhe von
Fr.
4'487.60 ein (
Urk.
6/24
).
Gleichzeitig
zur Beitragsnachforderung für das Jahr 2014 verfügte die Ausgleichskasse am 2
9.
März 2018 Verzugszinsen für die Zeit vom
1.
Januar 2015 bis 2
9.
März 2018 i
n der Höhe von
Fr.
728.60 (Urk.
6/25).
Mit Schreiben vom
8.
und 2
8.
Mai 2018
wurde die
X._
gemahnt,
den aus
stehenden Betrag von Fr.
5'216.20
gemäss Rechnung vom
2
9.
März 2018
zuzüg
lich einer Mahn
ge
bühr von
Fr.
40.-- zu be
zahlen
(
Urk.
6/27-28).
Am
5.
Juni 2018 leistete die Gesell
schaft eine Zahlung in der Höhe von
Fr.
1'256.2
0.
Für den Rest der Forderung (zzgl. neu aufgelaufener Verzugszinsen) stellte die Ausgleichskasse am 2
2.
Juni 2018 ein Betreibungs
begehren beim Betreibu
ngsamt des Kantons Glarus (Urk.
6/29)
. Am 1
1.
Juli 2018 erhob d
ie Gesellschaft
gegen den Zahlungs
befehl dieser Betreibung Nr.
«...»
Rechtsvorschlag (
Urk.
6/30). In der Folge ver
an
lagte die Ausgleichskasse mit Verfügung vom 2
7.
September 2018 die Lohn
bei
träge für die Zeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2014, samt Mahn
ge
bühren (Fr.
40.--), Zah
lungsbefehlskosten (
Fr.
73.30), Verzugszinsen (Fr. 777.35), und weiterer Zu
stell
kosten (
Fr.
28.60) sowie Veranlagungskosten (Fr. 50.--) ab
züglich der bereits ge
leis
teten Zahlung in der Höhe von Fr. 1'256.20 und hob den Rechtsvorschlag
Nr.
«...
»
voll
um
fänglich
auf (
Urk.
6/34). Hiergegen erhob
die
X._
am 29.
Ok
tober 2018
Einsprache (
Urk.
6/35).
Na
ch
dem die mit Schreiben vom 12.
No
vember 2018 gewährte Frist zur Wahrnehmung des rechtlichen Gehörs ungenutzt ver
strichen
war
(
Urk.
6/42), wies die Aus
gleichskasse die Einsprache mit
Ein
spra
che
entscheid
vom
1.
Fe
bruar 2019 ab (
Urk.
6/43 = Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
1.
Februar 2019 erhob die
X._
am
6.
März 2019 Beschwerde und beantragte dessen Aufhebung
, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom
6.
Mai
2019 beantragte die Be
schwer
degegnerin
eine teil
weise Gutheissung der Beschwerde im Sinne
, dass der Rechtsvorschlag in der Be
treibung Nr.
«...»
im Umfang von
Fr.
728.60 nicht aufzuheben sei. Im Üb
rigen schloss sie auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5
, unter Beilage der Kas
senakten [
Urk. 6/1-46
]
). Mit Verfügung vom 2
2.
Mai 2019 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
7). Die Beschwerdeführerin reichte am 2
7.
Juni 2019 eine Replik ein, wobei sie an de
m
bereits gestellten Rechts
begehren voll
umfänglich festhielt (Urk. 9). Die Be
schwerde
gegnerin ver
zichtete
am
2
9.
Juli 2019 auf das Ein
reichen einer Duplik (Urk. 1
1
), was der Be
schwer
de
führerin am 20. August 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingere
ichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Die Beiträge vom Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit sind bei jeder Lohnzahlung in Abzug zu bringen und vom Arbeitgeber zusammen mit dem Ar
beitgeberbeitrag periodisch zu entrichten (
Art.
14
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Alters-
und
Hinterlassenenversicherung
[
AHVG
]
).
Erhält die Ausgleichskasse
nach Ablauf der Zahlungsperiode
Kenntnis davon, dass ein Beitragspflichtiger keine oder zu niedrige Beiträge bezahlt hat, hat sie die Nachzahlung der geschuldeten Beiträge zu
verlangen
(Nachforderung
) und nötigenfalls durch Verfügung festzusetzen (
Art.
3
9
Abs.
1 der Verordnung über die Alters-
und
Hinterlassen
en
versicherung
[
AHVV
]
).
Die nachgeforderten Bei
träge sind innert 30 Tagen ab Rechnungsstellung zu bezahlen (
Art.
39
Abs.
2 AHVV).
Massgebend für die Rechnungsstellung ist das Datum der Ausstellung der Rechnung, nicht dasjenige der Zustellung an den Adressaten. Die Rechnung muss spätestens am Tag, dessen Datum sie trägt, versandt werden (vgl. auch
Weglei
tung über den Bezug der Beiträge in der AHV, IV und EO [WBB],
Stand:
1.
Januar 2020,
Rz
. 3018).
1.3
Beitragspflichtige, die innert der vorgeschriebenen Frist die Beiträge nicht be
zah
len oder die Lohnbeiträge nicht abrechnen, sind von der Ausgleichskasse un
ver
züglich schriftlich zu mahnen. Mit der Mahnung ist eine Mahngebühr auf
zu
erle
gen (
Art.
14
Abs.
4
lit
. b AHVG sowie
Art.
34a AHVV).
1.4
Beiträge, die auf erfolgte Mahnung hin nicht bezahlt werden, sind ohne Verzug auf dem Wege der Betreibung einzuziehen, soweit sie nicht mit fälligen Renten verrechnet werden können (
Art.
15
Abs.
1 AHVG
; vgl.
WBB
Rz
. 6014
).
1.5
Setzt die Ausgleichskasse die geforderten Beiträge in Betreibung, ohne vorgängig verfügt zu haben, ist eine Veranlagungsverfügung zu erlassen, wenn der Bei
trags
pflichtige Recht
svorschlag erhebt (BGE 121 V 109
E. 2 mit Hinweisen; ZAK 1978 S. 300
; WBB
Rz
. 6016
).
Die Verfügung muss auf die hängige Betreibung Bezug nehmen und den Rechtsvorschlag ausdrücklich ganz oder für einen be
stimmten Betrag aufheben (
Art.
79
Abs.
1
des Bundesgesetzes über Schu
ldbetrei
bung und Konkurs [SchKG]
; vgl. WBB
Rz
. 6017
).
1.6
Für fällige Beitragsforderungen sind nach Art. 41
bis
AHVV Verzugszinsen zu leis
ten (
Art.
26
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
ver
sicherungs
rechts [ATSG]).
Beitragspflichtige haben auf für vergangene Kalender
jahre nachgeforderten Beiträgen ab dem
1.
Januar nach Ablauf des Kalender
jah
res, für welches die Beiträge geschuldet sind, Verzugszinsen zu entrichten (Art. 41
bis
Abs.
1
lit
. b AHVV).
Die Zinsen laufen bis zur Rechnungsstellung, so
fern die Beiträge innert 30 Tagen bezahlt werden (
Art.
39
Abs.
2
i.V.m
. Art. 41
bis
Abs.
1
lit
. b und
Abs.
2 AHVV), andernfalls bis zur vollständigen Bezahlung (vgl.
WBB
Rz
. 4013).
2.
2.1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
1.
Februar 2019 (
Urk.
2) erwog die Be
schwer
de
gegnerin,
die Veranlagungsverfügung bezüglich Beiträge für das Jahr 2014 sowie die darauf erhobenen Verzugszinsen, Mahn- und Betreibungskosten seien korrekt erfolgt. Die Beitragsforderung sei trotz Mahnung nicht
vollständig
innert Frist beglichen worden, weshalb auch die Betreibung ordnungsgemäss er
folgt sei.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom
6.
März 2019 (
Urk.
1)
und ihrer Replik vom 2
7.
Juni 2019 (
Urk.
9)
zusammenfassend gel
tend,
die Beschwerdegegnerin habe ver
fassungsmäss
ig garantierte
Verfah
rens
grundsätze verletzt, insbesondere das rechtliche Gehör
respektive das
Infor
ma
tions
- und Mitwirkungsrecht
. Die Bei
trags
rechnung und die Verzugs
zins
ver
fü
gung seien an die falsche Adresse versandt worden, weshalb sie
(die Beschwer
de
führerin)
erst im Rahmen des Betreibungsverfahrens davon Kenntnis erhalten habe. Aufgrund der mangelnden, rechtsgenügenden Eröffnung der Verfügungen
sei
die Betreibung nicht ordnungsgemäss erfolgt, weshalb diese aufzuheben sei.
Auch die Verzugs
zinsverfügung sei aufgrund einer nicht ord
nungs
gemäss eröff
ne
ten «Beitrags
verfügung» erfolgt und deshalb nicht rechts
gültig.
Zudem sei die Beseitigung des Rechtsvorschlages nichtig. Es sei nicht zulässig, eine durch Ver
fügung fest
gesetzte Zahlungspflicht erneut zu ver
fügen, nachdem dagegen Rechts
vorschlag erhoben worden sei, um auf diesem Weg den Rechtsvorschlag zu beseitigen.
Ebenso wenig sei die Beschwerde
gegne
rin befugt, ihre materielle Ver
fügung nach erhobenem Rechtsvorschlag zu be
stä
tigen und den Rechts
vor
schlag zu beseitigen. Schliesslich beziehe sich die Ver
fü
gung der Beschwerde
geg
nerin auf eine falsche Betreibung.
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom
6.
Mai 2019 (
Urk.
5) präzisierte die Be
schwer
de
gegnerin,
spätestens mit der Mahnung vom
8.
Mai 2018 seien der Beschwer
de
führerin Bestand und Höhe der Forderung bekannt gewesen. Nach Erhebung der Einsprache hätte sie im Übrigen die Möglichkeit gehabt, sich zu Bestand und Höhe der veranlagten Beiträge zu äussern. Schliesslich wies die Be
schwerde
geg
nerin darauf hin, dass sie aufgrund eines Schreibversehens auf eine falsche Be
treibungsnummer Bezug genommen hätte, was nicht zur Nichtigkeit der Ver
fü
gung führe, zumal seitens der Beschwerdegegnerin nur eine Betreibung gegen die Beschwerdeführerin beim Betreibungsamt des Kantons Glarus hängig sei. Im Üb
rigen würden die
a
u
s
gewiesenen Beträge
übereinstimmen, folglich aus der Ver
fügung eindeutig hervorgehe, auf welche Betreibung sie sich beziehe. In Be
zug auf die Beseitigung des Rechtsvorschlags hielt die Beschwerdegegnerin schliess
lich fest, dieser sei im Umfang des Verzugszinses nicht aufzuheben.
3.
3.1
Aktenkundig ist, dass die Beschwerdegegnerin sowohl die
Beitragsnachforderung
für das Jahr 2014 sowie die Verzugszinsverfügung
vom 2
9.
März 2018
als auch die Mahnschreiben vom
8.
und 2
8.
Mai 2018 an die
X._
, c/o
B._
,
C._
,
versandt
hatte, obwohl der
Zusatz c/o
B._
,
C._
,
s
eit Juni 2017 nicht mehr geführt wurde
(vgl. Internet-Handelsregisterauszug aus dem Kanton Glarus)
.
Die
Strasse
und Hausnummer war
en
indes korrekt.
Der Erhalt der
mit falschem Zusatz
an die Beschwerdeführerin adressierten
Bei
tragsnachforderung 2014 und Verzugszinsverfügung
vom 29
.
März 2018
(
Urk.
6/24-25
)
vor der Einleitung des
Betreibung
sverfahrens
im Juni 2018
wird bestritten (
Urk.
1
). Die betreffenden
Postsendungen
wurden ausweislich der Akten
uneingeschrieben
versandt, weshalb keine allfälligen Postbescheini
gun
gen exi
s
tie
ren. Demgemäss kann eine allfällige Zustellung, für welche die Be
schwerde
gegnerin die Beweislast trifft (BGE 117 V 261 E. 3b), nicht nach
gewiesen werden. Es muss davon ausgegangen werden, dass die
Rechnung und Verfügung
vom 29.
März 2018 vor
Eröffnung des
Betreibung
sverfahrens
nicht bei der
Beschwer
de
führerin
eingegangen sind.
3.2
3.2.1
Gemäss
Art.
42 ATSG haben Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Sie müssen nicht angehört werden vor Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind.
Einer der Bestandteile des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der expliziten gesetzlichen Regelung in
Art.
42 ATSG auch in
Art.
29
Abs.
2 der Bun
desverfassung (BV) garantiert wird, ist das Recht der betroffenen Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erhebli
chen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Be
weise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Ein weiterer Aspekt des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist das Recht auf eine Begründung eines Ent
scheids, welche die versicherte Person in die Lage versetzt, den Entscheid sach
gerecht anzufechten (vgl. BGE 124 V 180 E. 1a mit Hinweisen;
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4.
Auflage,
Art.
42
Rz
.
16 ff.
).
3.2
.2
Nach Lage der Akten ist
erstellt, dass die Beschwerdeführerin spätestens seit Zu
stellung der Mahnung vom
8.
Mai 2018
, deren Erhalt nicht bestritten wird,
über die ausstehende Beitrags
forderung für das Jahr 2014 Kenntnis hatte
(vgl. hierzu
Urk.
6/35)
, denn sie wurden der Einsprache beigelegt
.
Aus der Veranlagungs
ver
fügu
ng vom 2
7.
Sep
tember 2018 (Urk.
6/34)
, die der Beschwerdeführerin per Ein
schreiben zugegangen ist,
ergibt sich
schliess
lich
die
detaillierte
Aufstellung der Beitrags
forderung
und im Rahmen des
Ein
spra
che
verfahrens
gewährte die Be
schwerde
gegne
rin der Beschwerdeführerin mit Eins
chrei
ben vom 12. No
vember 2018
(Urk.
6/42)
eine Frist zur Wahrnehmung des recht
lichen Gehörs, welche je
doch un
genutzt blieb. Da die Beschwerde
führerin Gele
gen
heit hatte, zur Beitrags
forderung und sämtlichen Akten Stellung zu nehmen, müssen allfällige
V
erlet
zungen des rechtlichen Gehörs im Rahmen der falschen
Zustellung
der Schreiben vom 2
9.
März 2018 als geheilt gelten, zu
mal die Parteien vor Ver
fügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind, nicht angehört werden müssen (vgl. E. 3.2
.1
hiervor).
Im Übrigen ist darauf hinzu
weisen, dass sich die Be
schwer
de
führerin
auch
nac
h Zustellung der Mahnung vom 8.
Mai 2018 und
vor Ein
leitung des Betreibungs
ver
fahrens am 2
2.
Juni 2018
nicht zur Beitrags
forderung
äusserte
,
obschon sie
genügend Zeit
gehabt hätte
. Sie beliess es bei der Leistung einer Teil
zahlung
in der Höhe von
Fr.
1'256.20
am 5.
Juni 2018
(vgl.
Urk.
6/34)
.
3.2.3
Es besteht daher kein Anlass, den angefochtenen
Einspracheentscheid
bereits aus dem formellen Grund der Verletzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör aufzuhebe
n.
3.3
Soweit die Beschwerdeführerin geltend machte, die Betreibung sei nicht korrekt erfolgt, da ihr die Jahresabrechnung zur Lohndeklaration 2014 und die Verzugs
zinsverfügung nicht vorlagen, ist darauf hinzuweisen, dass e
ine Betrei
bung
nach Art.
15
Abs.
1 AHVG eine Mahnung voraus
setzt
(vgl. E. 1.
4
).
Der Erhalt der Mah
nung vom
8.
Mai 2018 wird
von der Beschwerdeführerin
nicht bestritten. Mithin war
ihr
(mindestens) Bestand und Umfang der
ausstehende
n
Forderung bekannt. Sie leistete in der Folge Anfang Juni auch eine Teilzahlung an die Be
schwerde
gegnerin.
In Bezug auf die verbleibende
Beitragsforderung
ergibt sich aus den Akten weder, dass die Beschwerdeführerin die Beschwerdegegnerin um einen Zahlungsaufschub der noch geschuldeten Forderung ersucht hatte, noch, dass ein solcher seitens der Beschwerdegegnerin gewährt wurde. Insofern erwies
en
sich die Mahnung
en
vom
8.
und 2
8.
Mai 2018
als erfolglos.
D
ie
von der Beschwer
de
gegnerin am 2
2.
Juni 201
8
einge
leitete Betreibung
ist
somit
nicht
verfrüht erfolgt (
Urk.
6/27,
Urk.
6/29
), ging es doch um die Zahlung einer längst fälligen und gemahnten Beitragsschuld.
Daran vermag
weder
die verspätete Zu
stellung der Verzugszinsverfügung
noch
der Umstand
, dass die
Beschwerdegegnerin für ihre Grund
forderung die Betreibung
gemäss allgemeinem betreibungsrechtlichen Grundsatz
(vgl. E. 1.5) ohne rechtskräftigen
Rechtsöffnungstitel einleitete und erst nach Erhebung des Rechtsvorschlags durch die Beschwerde
führerin eine for
melle Veranlagungsverfügung erlassen hat, etwas
zu ändern.
3.4
Verzugszinsen sind verschuldensunabhängig geschuldet und entstehen ex lege (BGE 139 V 297 E. 3.3.2.2; 134 V 405 E. 7.1; 134 V 202 E. 3.3.1, ZAK 1992 168 E. 4b; keine Anwendung privatrechtlicher Regelungen: BGE 134 V 405 E. 5.3.3).
Dem Verzugszins kommt die Funktion eines Vorteilsausgleichs wegen verspäteter Zahlung der Hauptschuld zu. Die Verzugszinsen bezwecken, unbekümmert um den tatsächlichen Nutzen und Schaden, den Zinsverlust des Gläubigers und den Zinsgewinn des Schuldners in pauschalierter Form auszugleichen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_62/2013 vom 2
7.
Mai 2013, E. 3.3.2.2)
.
Da die Lohnbeiträge
infolge Falschdeklaration der Beschwerdeführerin (
Urk.
6/12)
für das Jahr 2014 nachgefordert werden mussten,
hat die Beschwerdeführerin gemäss
Art.
41
bis
Abs.
1
lit
. b AHVV
ab
1.
Januar 201
5
bis
zur
effektiven
Bezahlung
Verzugszinsen
von 5
%
auf der geschuldeten Beitragsforderung
zu entrichten
(vgl. E. 1.
6
).
Na
mentlich sind das
vom
1.
Januar
2015 bis
5.
Juni 2018
(=
1235
Tage)
5 %
Ver
zugszinsen
auf Fr. 4'487.60
, was
Fr.
769.75
ergibt
. An
gesichts der von der Be
schwerdeführerin am
5.
Juni 2018 geleisteten Teilzahlung verringert sich die Grundforderung
um
Fr.
1'256.20
auf
Fr.
3'231.40
(gemäss
Anrechnung
Be
schwerdegegnerin, vgl.
Urk.
6/29)
.
Ab dem 6
.
Juni 2018 bis zur tatsächlichen Be
zahlung hat die Beschwerdeführerin somit Verzugszinsen von 5
%
auf Fr.
3'231.40
zu entrichten.
3.5
Als spitzfindig erweist sich sodann der Hinweis der Beschwerdeführerin, die Ver
anlagungsverfügung vom 27. Sep
tember 2018 (
Urk.
6/34) sowie der
Ein
spra
che
entscheid
vom
1.
Februar 2019 (
Urk.
2) würden sich auf eine falsche Betrei
bung beziehen, weshalb sowohl der
Einspracheentscheid
als auch die Betreibung auf
zu
heben seien (Urk. 1 S. 5). Diesbezüglich ist mit der Beschwerde
gegnerin fest
zu
halten, dass es sich hierbei um ein
en offensichtlichen Schreibfehler
handelt. Anhand der Veran
lagungsverfügung kann ohne Weiteres erkannt werden, dass sich die Ver
fügung auf die Betreibung Nr.
«...»
bezieht, stimmen die darin ausge
wiesenen Be
trä
ge doch mit den
jenigen im Betreibungs
begehren und im Zah
lungs
befehl über
ein. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwer
de
führerin im Rahmen des
Einsprache
verfahrens
durchaus wusste, auf welche Be
trei
bung die Veranla
gungs
verfügung Bezug nahm
.
Insoweit ist der
Einsprache
entscheid
zu bestätigen. Hinsichtlich der Rechtsöffnung ist aber zu vermerken, dass
in Bezug auf die mit Verfügung vom 2
9.
März 2018 festgesetzten Verzugs
zinsen der Rechtsvorschlag nicht im
Verwaltungsverfahren beseitigt werden kann. Hierfür hat die Be
schwerdegegnerin beim zuständigen Richter die definitive Rechtsöffnung nach
Art.
80 SchKG zu verlangen
(vgl. auch BGE 119 V 329
)
.
Fer
ner sind die angefallenen Betreibungskosten vorab zu erheben und nicht Geg
en
stand der Rechtsöffnung (vgl.
Art.
68 SchKG; vgl. SZS 2001 S. 568 E. 5 sowie Urteil
e
des Bundesgerichts K 79/02 vom 1
2.
Februar 2003 E. 4
, K 144/03 vom 1
8.
Juni 2004 E. 4.1).
4
.
Bestand und Höhe der veranlagten Lohnbeiträge werden nicht bestritten und sind nach Lage der Akten nicht zu beanstanden.
5.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Entscheid vom
1. Februar 2019
inso
weit zu berichtigen, als
der Rechtsvorschlag im Rahmen der bis am 2
9.
März 2018
vorgängig bereits
verfügten Verzugszinsen in der Höhe von
Fr.
728.60 nicht auf
zuheben ist. Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde. Die geringfü
gige Anpassung des
Einspracheentscheids
rechtfertigt keine Partei
entschädigung
, zumal für die in eigener Sache handelnde Beschwerdeführerin keine überdurch
schnittlichen Kosten anfielen (
vgl. BGE 129 V 116 f. E. 4)
.