Decision ID: ec231ec6-39e6-416a-8c52-3bab1b373b0b
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. rer. publ. Michael B. Graf, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Taggeld
Sachverhalt:
A.
A.a S._, Jahrgang 1981, meldete sich im Oktober 2007 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (IV) an und beantragte Berufsberatung, Umschulung,
Arbeitsvermittlung und Rente (act. G 4.1.1). Prof. Dr. med. A._, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, nannte im
Arztbericht vom 25. Oktober 2007 die Diagnosen störendes Osteosynthesematerial und
Zustand nach Resektion des Os tibiale externum links mit Reinsertion der Tibialis-
posterior-Sehne am 22. Januar 2007. Die praktisch ausschliesslich im Stehen/Gehen
auszuübende angestammte Tätigkeit als Bäckerin-Konditorin sei der Versicherten nicht
mehr zumutbar. Sie sollte in eine vorwiegend sitzende Tätigkeit umgeschult werden.
Dabei sei ihr eine uneingeschränkte Berufstätigkeit zumutbar (act. G 4.1.16-5 f.).
A.b Die IV-Stelle erteilte der Versicherten am 7. März 2008 Kostengutsprache für die
Umschulung zur Kauffrau in einer berufsbegleitenden Handelsschule vom 21. Januar
2008 bis 30. Juni 2009 (act. G 4.1.29). Mit Verfügung vom 31. März 2008 sprach sie der
Versicherten ein Taggeld von Fr. 60.20 für den Zeitraum 21. Januar bis 31. Dezember
2008 zu. Sie ging dabei von einem durchschnittlichen Tageseinkommen von Fr. 152.-
und einer Grundentschädigung von Fr. 121.60 aus und kürzte diese wegen Lohns um
Fr. 61.40 (act. G 1.1.1).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. rer. publ. Michael
B. Graf in Vertretung der Versicherten erhobene Beschwerde vom 29. April 2008. Er
beantragt die Aufhebung der Verfügung und die Ausrichtung eines ungekürzten
Taggelds von Fr. 121.60 für die Zeit vom 21. Januar bis 31. Dezember 2008. Die
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin betrage aktuell 33%. Der angefochtenen
Verfügung lasse sich keine Begründung für die Kürzung wegen Lohns entnehmen. Dies
sei umso störender, als die Beschwerdeführerin gar keinen Lohn erziele und die
Kürzung deshalb nicht nachvollziehbar sei. Gemäss telefonischer Nachfrage bei der
Beschwerdegegnerin sei die Kürzung vorerst mit Leistungen des
Krankentaggeldversicherers und anschliessend mit der Auszahlung von
Arbeitslosentaggeldern begründet worden. Beides sei aber unzutreffend, da die
ursprünglichen Taggelder des Krankenversicherers verrechnet bzw. diesem direkt
ausbezahlt worden seien. Die Beschwerdeführerin erhalte auch kein Taggeld der
Arbeitslosenversicherung, da sie teilweise arbeitsunfähig und daher nicht
vermittlungsfähig sei. Weil die Beschwerdeführerin weder in der angefochtenen
Verfügung noch auf telefonische Rückfragen eine Begründung für die Lohnkürzung
erhalten habe, sei sie gezwungen, Beschwerde zu erheben. Die mangelhafte
Begründung der Verfügung stelle eine Rechtsverletzung dar, die die
Beschwerdegegnerin zu einer Parteientschädigung verpflichte, selbst wenn die
Beschwerde abgewiesen werden sollte. Eine Kürzung des Taggelds dürfe nur erfolgen,
wenn während der Eingliederung tatsächlich eine Erwerbstätigkeit ausgeübt und damit
ein Einkommen erzielt werde. Die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens sei
von Vornherein unzulässig. Selbst wenn eine solche Anrechnung grundsätzlich zulässig
wäre, dürfte sie nur erfolgen, wenn die Erwerbstätigkeit zumutbar wäre. Wegen der
Umschulung stehe der Beschwerdeführerin nur noch ein Beschäftigungsgrad von 60%
zur Verfügung. Da sie 33% arbeitsunfähig sei, verbleibe eine Resterwerbsfähigkeit von
27% (60% - 33%). Eine Resterwerbsfähigkeit in diesem Umfang sei regelmässig nicht
verwertbar (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 11. Juli 2008
die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin gehe offenbar keiner
Erwerbstätigkeit nach, obwohl ihr eine leichte angepasste Arbeit zu 100% zumutbar
wäre. Das zumutbare hypothetische Einkommen in einer adaptierten Tätigkeit betrage
Fr. 33'072.- pro Jahr. Dass die Tätigkeit als Bäckerin-Konditorin nur noch teilweise
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zumutbar sei, sei somit nicht relevant. Die Kürzung der Grundentschädigung sei zu
Recht erfolgt (act. G 4).
B.c In der Replik vom 29. August 2008 hält der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
an seinen Anträgen fest. Nach wie vor werde bestritten, dass der Beschwerdeführerin
eine medizinisch-theoretische Resterwerbsfähigkeit anzurechnen und ein – trotz
Bemühen – nicht erzielter Lohn angerechnet werden dürfe. Diesbezüglich sei
insbesondere zu beachten, dass, wenn überhaupt, nicht auf den theoretisch
ausgeglichenen Arbeitsmarkt abgestellt werden dürfe. Auch Art. 69 ATSG und Rz. 3075
KSTI würden diesen Schluss nahelegen. Die Beschwerdeführerin erachte zwar eine
100%-ige Wechseltätigkeit als möglich, ohne sich aber zu leistungsmässigen
Einschränkungen zu äussern. Die Arbeit im väterlichen Betrieb habe sozialen Charakter
und sei weniger anforderungsreich als der freie Arbeitsmarkt. Prof. Dr. A._ sei zu
Recht davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten
Tätigkeit nach wie vor zu einem Drittel eingeschränkt sei. Dass sich diese Einschätzung
auf eine leidensangepasste Tätigkeit beziehen müsse, ergebe sich bereits daraus, dass
Prof. Dr. A._ die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit nicht mehr als
arbeitsfähig erachte. Sollte man nicht von einer Unverwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit ausgehen, so sei auf die Tabellenlöhne abzustellen, wobei der
Beschwerdeführerin ein Leidensabzug von mindestens 10% zuzugestehen wäre. Das
Bruttoeinkommen würde sich maximal auf Fr. 40'000.- bei uneingeschränkter
Arbeitsfähigkeit belaufen. Selbst wenn man die Resterwerbsfähigkeit von 26.66%
berücksichtige, könnte die Beschwerdeführerin höchstens ein Bruttoeinkommen von
Fr. 10'640.- erzielen. Die höchstmögliche Kürzung läge bei Fr. 29.55 pro Tag (act. G 7).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 10. September 2008 auf eine weitere
Stellungnahme (act. G 9).

Erwägungen
1.
1.1 Nach Art. 22 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) hat die versicherte Person während der Eingliederung Anspruch auf ein
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Taggeld, wenn sie an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der
Eingliederung verhindert ist, einer Arbeit nachzugehen oder in ihrer gewohnten
Tätigkeit mindestens zu 50% arbeitsunfähig ist. Der Anspruch besteht diesfalls gemäss
Art. 17 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) für die
Eingliederungstage und die dazwischen liegenden Tage, also durchgehend. Bei
Erwerbstätigen beträgt die Grundentschädigung 80% des Erwerbseinkommens, das
zuletzt ohne gesundheitliche Einschränkung erzielt wurde (Art. 23 Abs. 1 IVG). Für das
massgebende Erwerbseinkommen bildet das durchschnittliche Einkommen, von dem
Beiträge nach dem Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
(AHVG; SR 831.10) erhoben werden, die Grundlage (Art. 23 Abs. 3 IVG). Zur
Berechnung des Taggelds von Versicherten, die in einem auf Dauer angelegten
Arbeitsverhältnis stehen und deren Einkommen keinen starken Schwankungen
ausgesetzt ist, legt Art. 21 Abs. 3 lit. a IVV fest, dass der letzte ohne gesundheitlichen
Einschränkung erzielte Monatslohn mit zwölf zu vervielfachen und ein allfälliger 13.
Monatslohn hinzuzurechnen ist. Der so ermittelte Jahresverdienst ist durch 365 zu
teilen. Hat die versicherte Person kein regelmässiges Einkommen im Sinn von Art. 21
IVV, so wird gemäss Art. 21 IVV auf das während der letzten drei Monate ohne
gesundheitliche Einschränkung erzielte und auf den Tag umgerechnete Einkommen
abgestellt.
1.2 Die Beschwerdeführerin ist nach Einschätzung von Prof. Dr. A._ vom
25. Oktober 2007 in ihrer angestammten Tätigkeit als Bäckerin-Konditorin nicht mehr
arbeitsfähig, da diese Tätigkeit praktisch ausschliesslich im Gehen/Stehen auszuüben
sei (act. G 4.1.16/6). Diese Einschätzung ist plausibel. Die letzte Arbeitgeberin der
Beschwerdeführerin hatte im Fragebogen vom 15. Oktober 2007 angegeben, die
Beschwerdeführerin habe bei der Arbeit nur selten sitzen können (1-5% oder bis ca. 1⁄2
Stunde täglich; act. G 4.1.10-9). Da die Beschwerdeführerin seit der Operation vom
Januar 2007 unter persistierenden Fussbeschwerden links leidet, kann sie in ihrer
angestammten Tätigkeit somit nachvollziehbar nicht mehr als arbeitsfähig betrachtet
werden. Sie hat somit grundsätzlich Anspruch auf ein durchgehendes Taggeld.
1.3 Die Beschwerdeführerin wurde in ihrer angestammten Tätigkeit als Bäckerin-
Konditorin im Monatslohn entlöhnt. Dieser schwankte aufgrund von Schichtzulagen nur
leicht, sodass gemäss Art. 21 IVV vom zuletzt vor Eintritt der gesundheitlichen
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Beeinträchtigung erzielten Monatslohn auszugehen ist (vgl. auch Rz. 3016 und 3034
des vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Kreisschreibens über die Taggelder
der Invalidenversicherung [KSTI]). Vor der Operation im Januar 2007 war die
Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit nicht eingeschränkt. Im Dezember
2006 erzielte sie einen ordentlichen Monatslohn von Fr. 4'300.05 brutto. Multipliziert
mit 12 und zuzüglich 13. Monatslohn von Fr. 4'000.- (vgl. act. G 4.1.10-6) ergibt sich
ein Jahreseinkommen von Fr. 55'600.60, bzw. ein massgebendes Tageseinkommen
von Fr. 152.30. Die
Grundentschädigung beläuft sich demnach auf Fr. 121.80 (Fr. 152.30 * 0.8).
2.
2.1 Gemäss Art. 21 Abs. 1 IVV wird bei versicherten Personen, die während der
Eingliederung eine Erwerbstätigkeit ausüben, das Taggeld soweit gekürzt, als es
zusammen mit dem aus dieser Tätigkeit erzielten Einkommen das massgebende
Erwerbseinkommen übersteigt. Übt eine versicherte Person die ihr vom Arzt für die Zeit
der Eingliederung als zumutbar erklärte Teilerwerbstätigkeit nicht aus, so ist gemäss
Rz. 3075 KSTI der Lohn, den sie erzielen könnte, für die Kürzung des Taggelds
massgebend. Keine Kürzung erfolgt indessen, wenn die zumutbare Erwerbstätigkeit
unter 25% liegt. Das Bundesgericht erklärt diese Verwaltungspraxis in ständiger
Rechtsprechung für zulässig. Es begründet dies mit dem Rechtsgleichheitsgebot. Mit
Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV; SR 101) sei es schlechterdings nicht
vereinbar, den teilweise arbeitsunfähigen Versicherten, der in Erfüllung der generell in
der Sozialversicherung geltenden Schadenminderungspflicht während der Umschulung
oder Wartezeit eine Erwerbstätigkeit ausübe, schlechter zu stellen, als den im gleichen
Ausmass Arbeitsunfähigen, der im selben Zeitraum keiner ihm an sich zumutbaren
Arbeit nachgehe (SVR 2001 IV Nr. 28, Erw. 2b; I 806/02 vom 11. August 2003,
Erw. 3.2). Im Entscheid I 137/05 vom 26. Oktober 2005 präzisierte das Bundesgericht,
eine Anrechnung von hypothetischem Erwerbseinkommen sei allerdings folgerichtig
nur zulässig, wenn und soweit eine Verletzung der generellen
Schadenminderungspflicht vorliege. Dabei seien alle objektiven und subjektiven
Umstände miteinzubeziehen, die die Realisierung eines Einkommens verhindern oder
erschweren würden. Die Anrechenbarkeit bestimme sich unter dem Gesichtspunkt der
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Zumutbarkeit aufgrund der konkreten Gegebenheiten, beispielsweise der Lage am
Arbeitsmarkt oder allgemein der schwierigen Vermittelbarkeit. Erziele eine versicherte
Person aus Gründen, die nicht von ihr zu vertreten seien, kein Einkommen, so sei von
der Aufrechnung des hypothetischen Verdienstes abzusehen (Erw. 2.2; vgl. auch SVR
2002 IV Nr. 36, Erw. 3).
2.2 Die Beschwerdeführerin absolviert eine berufsbegleitende Umschulung zur
Kauffrau. In einer adaptierten Tätigkeit ist sie nach Lage der Akten nicht eingeschränkt.
Sie leidet ausschliesslich an Beschwerden am linken Fuss. Gegenüber Prof. Dr. A._
sagte sie anlässlich einer Verlaufskontrolle vom 23. Oktober 2007 aus, sie arbeite zum
Teil in der Fertigung, zum Teil in administrativen Funktionen im Betrieb ihres Vaters. In
den zwei der Kontrolle vorangegangenen Wochen habe sie zu 100% gearbeitet, dabei
aber noch etwas Beschwerden im operierten Fuss verspürt. Eine volle, d.h. 100%-ige
Tätigkeit sei möglich in einer Wechseltätigkeit von 50% sitzend und 50% gehend/
stehend. In seiner Beurteilung vom 25. Oktober 2007 hielt Prof. Dr. A._ fest, zurzeit
seien keine Therapiemassnahmen nötig. Eine Wechseltätigkeit gehend/stehend 50%
und sitzend ebenfalls 50% sei möglich. In einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit, wozu
die Beschwerdeführerin umgeschult werden solle, sei ihr eine uneingeschränkte
Berufstätigkeit zumutbar. Eine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe nicht
(act. G 4.1.16-5 f.). Diese Stellungnahme ist eindeutig und überzeugend. Aus den Akten
wird nicht ersichtlich, inwiefern die Beschwerdeführerin in einer vorwiegend sitzenden
Tätigkeit eingeschränkt sein sollte. Eine aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkte
Leistungsfähigkeit verneint Prof. Dr. A._ klar; die gegenteiligen Andeutungen des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin sind somit nicht zielführend. Es ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit, die sie
mindestens zu 50% sitzend ausführen kann, nicht in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
ist. Entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters bescheinigte Prof. Dr. Zollinger auf
der Krankenkarte der Mobiliar seit einer Untersuchung am 25. Februar 2008 keine
Arbeitsunfähigkeit mehr (act. G 7.1.2).
2.3 Die Beschwerdeführerin ist gelernte Bäckerin-Konditorin. Im Rahmen ihrer
Schadenminderungspflicht ist ihr die Aufnahme einer berufsfremden Tätigkeit ohne
weiteres zumutbar. Es wäre nicht gerechtfertigt, diesbezüglich weniger strenge Regeln
anzuwenden als etwa in der Arbeitslosenversicherung. Dort wird vom Grundsatz
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ausgegangen, dass vor dem Hintergrund der Schadenminderungspflicht jede Arbeit
zumutbar ist, insbesondere auch eine ausserberufliche (vgl. Art. 16 Abs. 1 und Art. 17
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Unzumutbarkeit wird nur in engem Rahmen
anerkannt (vgl. den abschliessenden Katalog in Art. 16 Abs. 2 AVIG; näheres dazu etwa
bei Nussbaumer Thomas, Arbeitslosenversicherung, in: SBVR XIV-Meyer, Soziale
Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, S. 2267 ff.). Die Beschwerdegegnerin ist mit der
Umschulung inklusive Hausaufgaben und Lernen unbestrittenermassen an zwei Tagen
wöchentlich beschäftigt, was einem Pensum von 40% entspricht. Im verbleibenden
Pensum von 60% ist ihr die Aufnahme einer ausserberuflichen Teilzeittätigkeit
grundsätzlich zumutbar, zumal sie in einer adaptierten Tätigkeit mit der Möglichkeit, die
Arbeit mindestens in hälftigem Ausmass sitzend zu erledigen, nicht in ihrer
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.
3.
Für die Kürzung in der Taggeldbemessung ist in erster Linie das effektiv erzielte
Einkommen massgebend. Im Oktober 2007 berichtete Prof. Dr. A._ von einer
Erwerbstätigkeit der Versicherten in der Unternehmung ihres Vaters, die sie mindestens
für zwei Wochen voll ausgeführt hatte. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
versäumte es darzulegen, in welchem Ausmass diese Tätigkeit ausgeführt wird. Er wies
jedoch darauf hin, diese Arbeit im väterlichen Betrieb habe sozialen Charakter und sei
weniger anforderungsreich als der freie Arbeitsmarkt (act. G 7, S. 3, Ziff. 9). Diese
Behauptung ist nicht belegt. Die Beschwerdegegnerin hat abzuklären, ob und in
welchem Umfang die Beschwerdeführerin im Betrieb ihres Vaters tätig ist und ob sie
mit dieser Tätigkeit die ihr zumutbare Arbeitsfähigkeit voll ausschöpft und damit ihrer
Schadenminderungspflicht nachkommt. Es ist zu prüfen, ob der Lohn, den die
Beschwerdeführerin bei ihrem Vater allenfalls erzielt, eine Soziallohnkomponente
aufweist. Praxisgemäss sind an den Nachweis von Soziallohn jedoch strenge
Anforderungen zu stellen, da vom Grundsatz ausgegangen werden muss, dass
ausbezahlte Löhne normalerweise das Äquivalent einer entsprechenden Arbeitsleistung
sind (vgl. etwa den Entscheid 9C_26/2008 vom 26. Mai 2008, Erw. 5.1). Grundsätzlich
ist auch zu evaluieren, welchen Tätigkeiten die Beschwerdeführerin im Betrieb ihres
Vaters konkret nachgeht. Sind diese weitgehend im kaufmännischen Bereich
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angesiedelt und damit besonders gut auf ihre berufsbegleitende Ausbildung zur
Kauffrau abgestimmt, so ist denkbar, dass eine solche Gesamtlösung auch dann als
sinnvoll erscheint, wenn allenfalls kein einer ausgebildeten Bürofachkraft gebührender,
sondern eher ein Praktikantenlohn erzielt wird. Diesfalls wäre die Kürzung lediglich um
den – unter den Tabellenlöhnen liegenden – Praktikantenlohn möglicherweise
gerechtfertigt.
4.
4.1 Sollten die Abklärungen ergeben, dass die Beschwerdeführerin im Betrieb ihres
Vaters nicht (mehr) tätig ist oder mit dieser Arbeit kaum ein Einkommen erzielt und die
Tätigkeit obendrein inhaltlich nicht gut auf ihre Umschulung abgestimmt ist, so ist eine
Kürzung mittels Anrechnung eines hypothetischen Einkommens zu prüfen. Ein solches
wäre entgegen der Kürzungsberechnung der Beschwerdegegnerin (vgl. IV-act. 38; 30;
27-2) nicht auf der Grundlage des von der Beschwerdeführerin zuletzt als Bäckerin-
Konditorin erzielten Lohns zu bemessen, weil die Beschwerdeführerin ihrer
angestammten Tätigkeit gemäss der Einschätzung von Prof. Dr. A._ – die übrigens
auch der RAD-Arzt Dr. med. Stefan Lendi teilte (act. G 4.1.22) – nicht mehr nachgehen
kann. In einer adaptierten Tätigkeit wird die Beschwerdeführerin vor Abschluss ihrer
Umschulung kaum in der Lage sein, ein über den Tabellenlöhnen der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung für Frauen in einfachen und repetitiven Tätigkeiten liegendes
Einkommen zu erzielen (Anforderungsniveau 4). Im Jahr 2006 belief sich dieses
Durchschnittseinkommen bei einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7
Stunden auf Fr. 50'278.- jährlich. Dieses Einkommen wäre an die
Nominallohnentwicklung bis 2008 sowie an das zumutbare Pensum von 60%
anzupassen.
4.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin weist in der Replik am Rand darauf
hin, dass die Beschwerdeführerin "trotz Bemühen" keinen Lohn erziele (act. G 7, S. 3,
Ziff. 7). Er legt aber nicht dar, wie diese Bemühungen konkret aussehen. Die
Beschwerdegegnerin versäumte es, entsprechendes abzuklären. Auch machte sie die
Beschwerdeführerin nicht explizit auf ihre Schadenminderungspflicht aufmerksam. Für
die Beantwortung der Frage, ob die Beschwerdeführerin sich ein hypothetisches
Einkommen anrechnen lassen muss, wäre nicht auf den hypothetischen
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ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzustellen, sondern massgebend wären, wie oben
erläutert, die Verhältnisse im konkreten Einzelfall. Analog der Rechtsprechung zur
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens im Bereich der
Ergänzungsleistungen (vgl. m.w.H. SVR 2002 IV Nr. 36, Erw. 3c; vgl. auch den
Entscheid EL 2007/15 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
20. August 2007, Erw. 2c) wäre auch vorliegend von der Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens – bzw. von der deswegen erfolgten Kürzung des
Taggelds – abzusehen, wenn die Beschwerdeführerin darlegen könnte, dass sie trotz
ihres Willens zur Arbeit diese nicht ausüben könnte. Dies wäre insbesondere der Fall,
wenn sie sich intensiv und ernsthaft um Arbeit bemühen sollte, diesen Bemühungen
aber kein Erfolg beschert wäre. Bevor die Beschwerdegegnerin eine Kürzung mittels
Anrechnung eines hypothetischen Einkommens vornehmen könnte, hätte sie ein
ordentliches Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchzuführen. Sie müsste die
Beschwerdeführerin auf ihre Pflicht zur Suche einer geeigneten Arbeit hinweisen und
insbesondere die von ihr erwartete Quantität der Stellenbemühungen bekanntgeben.
Für den Fall der Unterlassung einer ernsthaften Arbeitssuche hätte die
Beschwerdegegnerin anzudrohen, z.B. ab dem zweiten der Aufforderung folgenden
Monat ein hypothetisches Einkommen zu berücksichtigen.
4.3 Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung ist denkbar, dass die Beschwerdeführerin in
einer Bürotätigkeit als sich in Ausbildung befindende Person nur ein Einkommen in der
Höhe eines Lehrlings- oder Praktikantenlohns zu erzielen vermag, eine solche
Anstellung jedoch in Bezug auf den angestrebten Eingliederungserfolg als sinnvoller
erscheint als eine – allenfalls besser bezahlte – Hilfsarbeit, die mit der kaufmännischen
Ausbildung der Beschwerdeführerin keinerlei Zusammenhang hat. Die ihr obliegende
Schadenminderungspflicht würde zu weit gehen, wenn verlangt würde, dass sie eine
geeignete "Praktikumstätigkeit" zugunsten einer besser entlöhnten Hilfsarbeit aufgeben
würde. Sollte der Beschwerdeführerin also der Nachweis gelingen, dass sie in einer
Tätigkeit zwar nicht die Höhe der Tabellenlöhne (Anforderungsniveau 4) erreichen kann,
die Tätigkeit aber sehr gut zu ihrer Ausbildung passt, so hätte die Beschwerdegegnerin
gegebenenfalls diesen tieferen Lohn bei der Kürzung zu berücksichtigen.
5.
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5.1 Die Beschwerde ist unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 31. März
2008 teilweise gutzuheissen und die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese im Sinn der Erwägungen weitere Abklärungen vornehme
und anschliessend über die Höhe des Taggelds neu verfüge. Sie hat insbesondere
etwa unter Zuhilfenahme eines ihrer Berufsberater die konkrete Situation der
Beschwerdeführerin in Bezug auf die ihr zumutbare Restarbeitsfähigkeit von 60%
abzuklären. Ist die konkrete Arbeitssituation der Beschwerdeführerin nicht optimal, ist
vor der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren durchzuführen. Gelingt es der Beschwerdeführerin –
beispielsweise durch Absagen auf Bewerbungen in ausreichender Zahl –
nachzuweisen, dass die konkreten Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt die
Ausschöpfung ihrer Arbeitsfähigkeit verunmöglichen, so ist von einer Kürzung des
Taggelds abzusehen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 Erw. 5a). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich, sodass ihr als nicht von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten
befreiter selbstständiger öffentlich-rechtlicher Anstalt die ganze Gerichtsgebühr
aufzuerlegen ist. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 600.- zurückzuerstatten.
5.3 Aufgrund der Rückweisung hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
angemessene Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses zu bemessen (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1).
Dem gerechtfertigten Aufwand in diesem Fall angemessen ist eine Parteientschädigung
von Fr. 2'500.- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
5.4 Bei diesem Verfahrensausgang kann die Frage, ob die Beschwerdegegnerin mit
der angefochtenen Verfügung das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt
hat, offen gelassen werden.
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG