Decision ID: ab644541-81ad-4b95-8793-60864b4ec067
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1955 geborene X._ war zuletzt arbeitslos und davor tätig als Isolateur, als er sich am 27. Januar 2016 (Eingangsdatum) bei der Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf eine im Sommer 2015 erlittene Verletzung der Schulter zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 6/2). Nach Einholung der Suva-Akten (vgl. Urk. 6/7 und Urk. 6/11) teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 30. Mai 2016 mit, dass keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen angezeigt seien (Urk. 6/14).
Die Suva trat auf den Schaden ein und erbrachte Leistungen. Mit Verfügung vom 21. Oktober 2016 sprach sie dem Versicherten eine Integritätsentschädigung von 10 % in Höhe von Fr. 12'600.-- zu und verneinte einen Anspruch auf eine unfallversicherungsrechtliche Invalidenrente, woran sie mit Einspracheentscheid vom 30. Mai 2017 festhielt. Die hiergegen erhobene Beschwerde entschied das hiesige Gericht mit Urteil heutigen Datums (Verfahrens-Nr. UV.2017.00154).
Die IV-Stelle wies das Leistungsbegehren nach durchgeführtem Vorbescheidver
fahren (Vorbescheid vom 17. Juli 2017, Urk. 6/27) mit Verfügung vom 25. Sep
tember 2017 ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 23. Oktober 2017 (Eingangsdatum) Beschwerde und beantragte sinngemäss, es sei ihm eine Invalidenrente zuzuspre
chen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 27. November 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 6/1-29), was dem Beschwerdeführer am 28. November 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass reine Unfallfolgen vorlägen, so dass betreffend Arbeitsunfähigkeit vollumfänglich mit den Einschätzungen der Suva zu koordinieren sei. Der Gesundheitszustand habe sich stabilisiert und dem Beschwerdeführer sei eine angepasste Tätigkeit voll
schichtig zumutbar. Gestützt auf den Einkommensvergleich der Suva resultiere damit keine Erwerbseinbusse, so dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente der Invalidenversicherung bestehe (Urk. 1). In der Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin, dass dem Beschwerdeführer die Verwertbarkeit seiner vol
len Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit trotz seines Alters möglich sei (Urk. 5).
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber sinngemäss vor, dass er gemäss ärztlicher Bestätigung seine Schulter nur noch beschränkt zum Einsatz bringen könne. Sein Gesundheitszustand habe sich entgegen den Behauptungen der Beschwerdegegnerin nicht stabilisiert, deshalb beantrage er eine neue ärztliche Untersuchung. Der bleibende Schaden an der Schulter beeinträchtige seine Arbeitsfähigkeit und seine Lebensqualität sehr. Die Einbussen im Arbeitsmarkt lägen bei mindestens 40 % (Urk. 1).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
3.
Die medizinische Aktenlage stellt sich im Wesentlichen folgendermassen dar:
3.1
Dr. med. Y._, Facharzt für Innere Medizin,
veranlasste nach der Erstkon
sultation ein Arthro-MRT der linken Schulter, welches
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Radiologie, am
1.
Oktober 2015 durchführte.
Dr. Z._
diagnosti
zierte dabei 1) eine Supraspinatussehnenteilruptur, 2) eine SLAP Typ 2-Läsion und 3) eine ACG-Arthrose und begleitende Bursitis mit geringer ossärer Einen
gung des Subacromialra
umes (Urk. 6/22/45 ff.
).
3.2
Infolgedessen operierte
Dr.
med.
A._
, Facharzt für orthopädische Chi
rurgie, den Beschwerdeführer am 2
3.
November 2015 (Operationsbericht
vom 24. November 2015, Urk. 6/22/56
).
Anlässlich der Verlaufskontrolle ca. 6 Wochen nach der
Operation
hielten die Ärzte des
B._
einen planmässigen Verlauf
fest
.
Das Hin
terhaupt kön
n
e mühelos erreicht werden. Der Beschwerdeführer berichte noch über starken Schwindel bei bekannter cervicaler Diskushernie. Diesbezüglich werde eine Konsultation bei einem Kollegen empfohlen. Von Seiten der Schulter selbst sei eine Wiedereingliederung nach ca. 4 Monaten denkbar, allerdings
ohne Überkopf-Arbeiten (Urk. 6
/
22/78
).
3.3
Die Ärzte des
B._
notierten im Bericht vom
9.
März 2016, dass der Verlauf planmässig sei, das Hinterhaupt könne gut erreicht wer
den. Eine Schwäche über Kopf sei natürlich noch vorhanden. NSAR würden keine mehr genommen. Das Problem sei, dass der Beschwerdeführer natürlich für sämt
liche körperlich schweren Arbeiten wahrscheinlich nicht mehr voll einsatzfähig sein werde (nicht nur als Isolateur). Sie hätten nun eine theoretische Arbeitsun
fähigkeit von 50
%
ab dem
1.
Apr
il 2016 bescheinigt (ohne Überk
opf-Arbei
ten, ohne schwere Lasten [Urk. 6/22/108
]).
3.4
Der Kreisarzt der Suva, Dr. med. C._, Facharzt für Orthopädi
sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt in seinem Bericht vom 29. Juni 2016 folgende Diagnosen fest (Urk. 6/22/146):
-
Traumatische Supraspinatussehnenteilruptur und SLAP-II-Läsion links, unfallfremd AC-Arthrose mit geringer ossärer Einengung des Subakromi
alraumes (Unfalldatum: Nicht genau bekannt, wahrscheinlich der 28.09.2015)
-
Status nach arthroskopischer
Tenotomie Bizeps longus, Anfrischen des Limbus und Mi
ni open R
otatorenmanschettenplastik (2 SwiveLock 5,5 mm BioCompo
site, Supraspinatussehnennaht-/
tenodese Bizeps longus
[ein Healix-Anker]
am 23.11.2015
)
Beim Beschwerdeführer bestehe eine a
usgeprägte Funktions- und Belastungsmin
derung
des linken
Schultergelenk
es
nach operativ versorgter traumatisch beding
ter subtotaler Supraspinatussehnenruptur und SLAP-II-Läsion. Im Vordergrun
d des Beschwerdevortrages stünden
heftige Schmerzen, hauptsächlich auslösbar durch Sc
hulterabduktion.
Klinisch finde
sich eine Schmerzauslösung durch eine Impingeme
ntsituation mit gering ventrali
siertem Humeruskopf und vor allem innerhalb des AC-Gelenkes selbst, darstellbar durch den stark positiven Cross
-Body-Test. Die Abduktion sei
aktiv bis 85° möglich,
die Elevation bis 110°, die Aus
senrotation angespreizt bis 15°, die Aussenrotation unter m
aximaler (85°) Abduktion betrage
40°, die Innen
rotation geling
e
nur bis zum Gesäss.
Der medizinische Endzustand
sei
erreicht, weil in den letzten Wochen keine wesentliche Verbesserung mehr erzielt
habe werden können
. E
ine Integritätsent
schädigung sei
geschuldet, weil die Unfallfolge
n die Erheblichkeitsgrenze über
schr
itten hätten und von Dauer seien
. Die Schätzung des Integritä
tsschadens we
rd
e
in einem gesonderten Schreiben vorgenommen.
Der
Beschwerdeführer sei
vollschichtig einsatzfähig für leichte bis mittelschwere Arbeiten maximal bis 15 kg für den linken Arm und für mittelschwere bis schwere Arbeit
en ausschliesslich mit dem domi
nanten rechten Arm ohne wesentliche Hil
festellung durch den linken Arm. Die genannten Lasten
(bis 15 kg) dürf
t
en links ausschliesslich bei am Rumpf anliegendem Oberarm durch Ellengelenksbeugung bis Bauchhöhe angehoben werden und unter Zuhilfenahme des rechten Armes. Ohne Gewichtsbelastung d
ü
rf
e
der linke Oberarm im Schultergelenk maximal bis 70° abduziert werden - dies spora
disch, nicht häufig repetitiv. Überkopfarbeiten seien
ungeeignet, mit Ausnahme der
Tätigkeiten, die ausschliesslich einarmig rechts ausgeführt werden könn
t
en. Der Umgang mit Arbeitsgeräten, die Vibrati
onen und Schläge i
n den linken Arm einleiten, sei
verboten.
4.
4.1
Dr. A._ bzw. die Ärzte des B._ hielten weitere Diag
nosen mit einem möglichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit fest, welche nicht nur die bereits unfallgeschädigte Schulter betreffen:
Am 2. Dezember 2015 notierten sie, dass der Beschwerdeführer aktuell arbeitslos sei. Als Isolateur dürfte er die volle Arbeitsfähigkeit aber ohnehin nicht mehr erreichen. Überkopf-Arbeiten/schwere Arbeiten seien nicht mehr gegeben. Pro Memoriam: Der Beschwerdeführer habe noch eine Diskushernie L4, weshalb Überkopf-Arbeiten schon aus diesem Grund nicht mehr möglich seien (Urk. 6/22/55).
Im Bericht vom 9. Juni 2016 führten sie aus, dass von der Suva eine Arbeit als Chauffeur angedacht gewesen sei, was allerdings angesichts der Wirbelsäulensi
tuation nicht als machbar angesehen werde. Die Gesamtsituation werde noch erschwert durch Coxarthrose und Polyarthrosen (Urk. 6/22/139).
Der Beschwerdeführer selbst hatte bezüglich der Wirbelsäule anlässlich des Gesprächs vom 25. Januar 2016 bei der Suva zu Protokoll gegeben, dass er nebst der Schulterverletzung auch noch eine Diskushernie im Bereich des vierten Hals
wirbels habe, so dass eine Rückkehr in die angestammte Tätigkeit nicht mehr möglich sei (Urk. 6/22/80).
4.2
Der Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes, Dr. med. D._, Facharzt für Chirurgie, hielt in seiner Stellungnahme vom 21. Oktober 2016 als unfall
fremde Diagnose lediglich die von Dr. C._ diagnostizierte AC-Arthrose mit geringer ossärer Einengung des Subacromialraumes fest, zu den weiteren vor
handenen Diagnosen äusserte er sich nicht (vgl. Feststellungsblatt vom 17. Juli 2017, Urk. 6/26/3).
Die Beschwerdegegnerin führte daraufhin aus, dass unfall
fremde Faktoren festzustellen, diese jedoch nicht invalidisierend seien (Urk. 6/26/4) – um dann später festzuhalten, dass die Akten keine unfallfremden Faktoren aufwiesen und es sich bei den Beschwerden um reine Unfallfolgen handle, so dass mit der Suva koordiniert werde (Urk. 6/26/5; Urk. 2).
4.3
Zusammenfassend geht aus den Akten hervor, dass der Beschwerdeführer nebst der unfallgeschädigten Schulter noch weitere gesundheitliche Beschwerden (Cox
arthrose, Polyarthrose, Diskushernie) hat. Die Beschwerdegegnerin unterliess allerdings eine genauere Abklärung, ob sich diese Diagnosen zusätzlich auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkten. Der Sachverhalt erweist sich entsprechend als ungenügend abgeklärt.
Die Angelegenheit ist somit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
sie den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und insbesondere seine Arbeits- und Leistungsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit hinreichend abklärt. Hernach hat die Be
schwerdegegnerin neu über einen
Leistungsanspruch zu entscheiden. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.