Decision ID: fc154259-d627-46e6-9831-700d6d3fb7ad
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahr 1971 geborene
X._
war
von
Januar 2007
bis Ende März 2008
als Verkäuferin bei
Z._
in Zürich tätig (
Urk.
8/
27/2
). Sie
meldete sich am
2.
April 2008 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf
eine
seit Oktober 2007
bestehende Fibromyalgie
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen an (
Urk.
8/13). Mit Verfügung vom
4.
März
2009 wurde der Versicherten bei einer vollen Erwerbsunfähigkeit eine ganze Invalidenrente ab
1.
Oktober 2008 zugesprochen (
Urk.
8/
48
).
Mit Mitteilungen vom
9.
Juli 2010 (
Urk.
8/57), vom
1.
November 2013 (
Urk.
8/64) und vom 1
6.
Juli 2015 (
Urk.
8/78) wurde der Anspruch der Versicherten auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung bei unverändertem Invaliditäts
grad von 100
%
bestätigt.
1.2
Im Rahmen einer
2018 anhand genommenen Revision (
Urk.
8/79)
aktualisierte die IV-Stelle die Aktenlage
(
Urk.
8/81-82, 8/84, 8/92)
und veranlasste eine pol
y
disziplinäre medizinische Begutachtung durch die
A._
in
B._
.
Nach Eingang des Gutachtens vom 1
0.
Januar 2019 (
Urk.
8/107)
und Beantwortung von Rückfragen des RAD
durch die Gutachter
(
Urk.
8/110) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 2
8.
Februar 2019 mit, dass die Invalidenrente voraussichtlich auf Ende des folgenden Monats
nach Zustellung der Verfügung
aufgehoben werde (
Urk.
8/112).
Hieran hielt
sie
nach Eingang des Einwandes der Versicherten vom 1
0.
Mai 2019 (
Urk.
8/120) mit Verfügung vom
7.
Juni 2019 fest (
Urk.
2
).
2.
Dagegen liess
X._
am
5.
Juli 2019 Beschwerde erheben und beantra
gen, es sei die Verfügung vom
7.
Juni 2019 aufzuheben
,
der Anspruch auf die bisherige Invalidenrente zu bestätigen und weiterhin eine ganze Rente auszu
richten. Eventualiter seien weitere Abklärungen vorzunehmen. Die Beschwer
deführerin beantrag
t
e zudem die unentgeltliche Prozessführung (
Urk.
1
S. 1
).
Mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
August 2019 beantragte die Beschwerdegeg
nerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7)
, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
3.
September 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Auf die Vorbringen der Parteien und die Unterlagen wird, soweit für die Ent
scheidfindung erforderlich,
im Rahmen der
nachfolgend
en Erwägungen
eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281
E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Einschränkun
gen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, BGE 131 V 49 E. 1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.1).
Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
einschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das aggra
vatorische Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.2; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 6.1 und 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.2).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Konstellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durch
füh
rung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. BGE 141 V 281
E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.4).
1.
4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sicht
lich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sach
verhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
6
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer mate
ri
ellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis
gestützt auf Art. 74
ter
lit. f
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssach
verhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom
7.
Juni 2019 (
Urk.
2), dass die psychiatrische
und
neuropsychologische Abklärung erge
ben habe, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einer geziel
ten Antwortmanipulation ausgegangen werden könne. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung sei deshalb nicht mehr nachvollziehbar und ausgewiesen. Aufgrund von körperlicher Beschwerden läge
keine
,
beziehungsweise
sei nie eine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Die Beschwerdegegnerin führt
e
weiter aus
,
ein weiterer Leistungsanspruch bestehe damit nicht mehr und die Rente werde eingestellt.
2.2
Die Beschwerdeführerin lässt
dagegen im Wesentlichen
vorbringen, dass
sowohl aus psychiatrischer wie auch aus somatischer Sicht kein
Revisionsgrund vorliege (
Urk.
1
S. 9). Im
psychiatrischen Teilgutachten von
Dr.
med. C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
sei
en
bei gleichzeitiger
Nennung von hoch auffälligem wi
dersprüchlichem Verhalten der Beschwerdeführerin die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung sowie
einer
Zwangsstörung mit vor
wiegend
Zwangshandlungen gestellt worden
.
So führe der Verdacht auf die nicht authentische Schilderung der Beschwerden gemäss Gutachten nicht dazu, dass
der
Beschwerdeführerin keine psychiatrischen Diagnosen zu stellen seien
, son
dern dazu, dass das Ausmass der funktionellen Einschränkung nur mittels sta
ti
onärem Aufenthalt ermittelt werden könne (
Urk.
1, S. 7).
Weiter sei das ortho
pä
dische Gutachten mangelhaft, da ein aktueller Arztbericht der behandelnden Rheumatologin nicht eingeholt worden sei und allfällige Einschränkungen durch die Senk-/Spreizfüsse nicht im Gutachten
behandelt worden seien (
Urk.
1
S. 10).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die ab
1.
Oktober 2009 zugesprochene
und ausgerichtete ganze Invalidenrente zu Recht per
Ende
Juli 2019 aufgehoben hat.
3.
3.1
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung ist die Verfügung vom
4.
März 2009
, mit welcher der Beschwerdeführerin rück
wirkend per
1.
Oktober 2008
erstmals eine ganze Invalidenrente zugesprochen worden war (
Urk.
8/
48
)
. Die Mitteilungen vom
9.
Juli 2010 (
Urk.
8/57), vom
1.
November 2013 (
Urk.
8/64) und vom 1
6.
Juli 2015 (
Urk.
8/78), mit welchen der Rentenanspruch jeweils revisionsweise bestätigt wurde, basierten in medizini
scher Hinsicht einzig auf Verlaufsberichte
n
de
r
behandel
nden Fach
ärzte
für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
D._
und
Dr.
med.
E._
,
sowie der Hausärztin
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Allgemeinmedizin
. Diese Berichte taugen nicht als medizinische
Vergleichsg
rundlage für eine materielle Prüfung des Rentenanspruches im Rahmen des hier zu prüfenden Revisionsver
fahrens (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 2
5.
Juli 2013 E. 7.1.2).
3.2
Der Verfügung vom
4.
März 2009 lag
en
in medizinischer Hinsicht
im Wesentli
chen ein neurologisches Gutachten von Prof.
Dr.
med. G._
vom 1
3.
Mai 2008 (
Urk.
8/39) sowie die Verlaufsberichte
zur
Behandlung der Beschwerdeführerin in der
H._
der
I._
vom
3.
Juni bis zum 1
9.
Juli 2008 (
Urk.
8/41
/7 ff.) und de
r
Bericht des behan
delnden Psychiaters
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
8.
Oktober 2008 (
Urk.
8/41
)
zugrunde
.
3.2.1
Im neurologischen Gutachten vom 1
3.
Mai 2008 diagnostizierte
Dr.
G._
eine Zwangserkrankung sowie ein depressives Syndrom (
Urk.
8/39/9) und attestierte aufgrund der psychiatrischen Erkrankung eine Arbeitsunfähigkeit vom 100
%
.
Dr.
G._
empfahl eine stationäre Behandlung in einer psychiatrischen Klinik wodurch ein Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit in circa drei Monaten möglich
wäre
. Anhaltspunkte für eine behindernde Läsion im zentralen oder peripheren Nervensystem der Wirbelsäule, der Gelenke oder des Weichteilgewebes fand
Dr.
G._
nicht
(
Urk.
8/39/9 f.).
3.2.2
Im
Bericht der
I._
vom 2
1.
Juli 2008
wur
den folgende Diagnosen gestellt
(
Urk.
8/41/7)
:
-
Zwangsstörung, vo
r
wiegend Zwangshandlungen (
ICD-10
:
F42.1)
-
Rezid
ivierende depressive Störung, gegenwärtig
. mittelgradige Episode (
ICD-10
:
F33.1)
-
Anamnestisch bekannte postnatale Depression mit psychotischen Symp
tomen nach Tod der Zwillinge kurz nach der Geburt vor
zwölf
Jahren
-
Fibromyalgie
Es wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführerin die Teilnahme am Programm der
H._
zunehmend schwerer gefallen
sei
. So sei es für die Beschwerdeführerin ein innerer Kampf gewesen, Schmerzen und Übelkeit hät
ten zugenommen. Die Beschwerdeführerin
sei
sodann nicht zum Austrittsge
spräch
erschienen
. Auch die Verhaltenstherapie
habe
aufgrund des Widerstands der Beschwerdeführerin nicht weitergeführt werden
können (
Urk.
8/41/10)
.
3.2.
3
Im Verlaufsbericht vom 1
8.
Oktober 2008
hielt
Dr.
D._
fest, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nach der Behandlung in der Tages
klinik verschlechtert habe. So habe nach den Aussagen der Beschwerdeführerin der Aufenthalt in der Tagesklinik ihre Symptomatik, besonders was die Kontami
nationsängste und damit ve
rbundenen Zwangshandlungen anginge
, deutlich verstärkt. Die Beschwerdeführerin wasche sich mindestens 50 – 60 Mal täglich die Hände. Diese seien daher spröde und rissig und würden durch die Hausärztin mit Spezialsalbe behandelt. Wegen der Fibromyalgie, die seit Jahren bestehe, sei die Beschwerdeführerin ausserdem knapp fähig, die Arbeiten im Haushalt selbst zu erledigen.
Dr.
D._
attestierte weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem
3.
Oktober 2007 (
Urk.
8/41/3 ff.).
3.2.4
Der RAD-Arzt,
Dr.
med.
J._
, Praktischer Arzt FMH, schloss in seiner Stellungnahme vom 1
0.
November 2018 auf eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit Oktober 2007 aufgrund der erheblichen psychischen Defizite (
Urk.
8/42/5).
3.3
3.3
.
1
Im Rahmen des im April 2018 anhand genommenen Revisionsverfahren
s
wurden Verlaufsberichte d
er behandelnden Ärzte eingeholt,
in welchen eine fortdauernde mindestens 80%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (
Urk.
8/84/2, 8/92/2).
3.3.2
Anlässlich
der Begutachtung in der
A._
wurde die Beschwerdeführe
rin im November und Dezember 2018
rheumatologisch
,
psychiatrisch,
neuropsy
chol
o
gi
sch und allgemein medizinisch begutachtet. Die intradisziplinäre Gesamt
beurteilung führte
zu
folgende
n
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
8/107/8)
:
-
Depression (
ICD-10:
F33)
-
Zwangsstörung mit vorwiegend Zwangshandlungen (
ICD-10:
F42.1)
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden
f
olgende genannt:
-
Chronifiziertes, diffuses, generalisiertes Schmerzsyndrom ohne fassbares adäquates patho-anatomisches Korrelat (
ICD-10:
R52.9)
-
Senk-/Spreizfüsse beidseits (
ICD-10:
M21.4)
-
Diskrete Wirbelsäulenfehlstatik (akzentuierte Lendenlordose, diskrete Skoliose) (
ICD-10:
M40.47,
ICD-10:
M41.20)
-
Inkompletter Bogenschluss SWK1 (
ICD-10:
Q76.0)
-
Status nach Nikotinkonsum
-
Status nach unklarem oper
a
tivem Eingriff Oberschenkel beidseits (Schön
heits-Operation?)
-
Anamnestisch Status nach Varizenstripping beidseits
Im rheumatologischen
Fach
gutachten von
Dr.
med. K._
, Facharzt für Rheu
matologie und Innere Medizin, hielt dieser fest, dass sich bei der Beschwerdefüh
rerin aus rheumatologischer Sicht ein chronifiziertes, diffuses, generalisiertes Schmerzsyndrom ohne fassbares adäquates pathoanatomisches Korrelat präsen
tiere.
Die objektivierbaren pathologischen rheumatologischen Befunde würden nicht mit dem von der Beschwerdeführerin geschilderten Beschwerdeausmass und den bei der körperlichen Untersuchung geäusserten diffusen Druckdolenzen korrespondieren. Die leichte Wirbelsäulenfehlstatik, die Fussfehlstatik sowie der radiologische Befund eines inkompletten Bogenschlusses von SWK 1 würden das generalisierte Schmerzsyndrom nicht erklären. Auch die tiefe Selbsteinschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei anhand der objektivierbaren pathologischen
rheumatologischen Befunde nicht nachvollzieh
bar (
Urk.
8/107/22). Betreffend die Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
K._
aus, dass aus rheumatologischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit in den von der Beschwer
deführerin früher ausgeübten beruflichen Tätigkeiten als Gastronomie-Hilfsarbei
terin oder Verkäuferin bestehen würde (
Urk.
8/107/23).
Im neuropsychologischem
Fach
gutachten vom 2
8.
November 2018 von Dipl.-Psych.
L._
, Fachpsychologin Neuropsychologie, hielt diese fest, dass die Beschwerdeführerin mit öffentlichen Verkehrsmitteln und ohne Begleitung zum Untersuchungstermin angereist sei (
Urk.
8/108/3)
, obschon in den Akten festge
halten sei, dass sie aufgrund der Zwangsstörungen die öffentlichen Verkehrsmit
tel so wenig wie möglich benutze (
Urk.
8/108/2)
. Nach Durchführung des Test
verfahrens hielt die Gutachterin fest, dass die Leistungsbereitschaft und Belast
barkeit der Beschwerdeführerin deutlich vermindert gewesen seien. Aus neuropsychologischer Sicht sei
en
in der Zusammenschau der Verhal
tensbeobachtun
gen, der Testleistungen
und der Ergebnisse der Validierungs
verfahren im Vorder
grund nicht-authentische neuropsychologische Störungen zu diagnostizieren. Die Validierungsverfahren mit Ergebnissen unter dem Zufalls
niveau würden dem
nach eine gezielte Antwortmanipulation bei zweifelsfrei angestrebtem Krank
heitsgewinn beweisen. Die Gutachterin hielt weiter fest, dass die Beschwerdefüh
rerin mit einer Wahrscheinlichkeit von über 99
%
gezielt die falschen Antworten gegeben habe, obschon sie die richtigen gekannt habe. Es bestehe eine deutliche Diskrepanz zum Funktionsniveau im Alltag, da eine eigenständige Lebensführung der Beschwerdeführerin nicht möglich wäre, wenn das in der Testung gezeigte Leistungsvermögen dem tatsächlichen Leistungsvermögen entsprechen würde. Die im Gutachten beschriebenen Ergebnisse der Beschwerdenvalidierung mit unter dem Zufallsniveau liegenden Resultaten und extrem niedrigen weiteren Testwerten liesse
n
bei zweifelsfrei angestrebte
m
Krankheitsgewinn auf eine bewusste Aggravation oder Simulation kognitiver Beeinträchtigungen schliessen. Ob dennoch authentische kognitive Störungen vorhanden seien, entziehe sich aufgrund der verminderten Mitwirkung der Beschwerdeführerin den Erkenntnis
möglichkeiten der Gutachterin (
Urk.
8/108/6).
Der psychiatrische Gutachter,
Dr.
med. univ.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt fest, dass sich anlässlich der Untersuchung leichte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
sowie leichte Störungen der Gedächtnisleistung
der Beschwerdeführerin gezeigt hätten.
Die Beschwerdefüh
rerin habe sich bei leicht gedrückter Stimmungslage affektiv schwingungsfähig gezeigt (
Urk.
8/107/31).
Sie
habe im Gespräch keinen Leidensdruck im Hinblick auf die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel geäussert. Die Beschwerdefüh
rerin habe
berichtet
, dass sie Zwangsgedanken habe, wonach jeder der Drogen nehme schmutzig sei und sie in Folge beschmutzen könne. Der quälende Inhalt einer bildlichen Vorstellung eines Drogenabhängigen sei jedoch wenig spürbar gewesen und auch nicht spontan geäussert worden.
Die Beschwerdeführerin habe aber glaubhaft Zwangshandlungen in Bezug auf ihre Reinlichkeit, insbesondere das Händewaschen, geschildert
(
Urk.
8/107/34)
. Depressive Symptome habe der Gutachter in Gespräch explorieren können. So
habe die Beschwerdeführerin,
neben der
sich darbietenden
leicht gedrückten Stimmungslage
geäussert, dass die meisten depressiven Symptome immer im Zusammenhang mit der Schmerzsymp
tomatik stünden. Sie habe wei
ter
über Energielosigkeit, Antriebslosigkeit
und
leichte Freudlosigkeit geklagt. Damit erachtete
Dr.
C._
die Kriterien für eine rezidivierende depressive Störung als erfüllt (
Urk.
8/107/35)
.
Dr.
C._
führte
im Rahmen der Inkonsistenzenprüfung aus
, dass die erste Erwähnung eines Waschzwanges in einem Arztbericht vom 2
8.
Januar 2008 vorzufinden
sei
. Im April 2008 habe der damals behandelnde Psychiater,
Dr.
D._
, die Hände der Beschwerdeführerin als fast derbe, raue «Waschfrauen
hände» beschrieben. Im Mai 2008 habe der Neurologe Prof.
Dr.
med.
M._
die Hände als trocken und stark aufgeraut
als Zeichen der häufigen Exposition mit Wasser (und Seife) beschrieben. In der aktuellen Untersuchung hätten sich die Hände der Beschwerdeführerin leicht gerötet und nicht depigmentiert gezeigt. Das Ausmass des Händewaschens sei in der psyc
hiatrischen Begutachtung mit 20
–
30 Mal pro Tag angegeben, in der internistis
chen Begutachtung jedoch mit 30 –
40 Mal täglich (
Urk.
8/107/29). Die Beschwerdeführerin habe weiter geschildert, dass sie aufgrund ihrer zwanghaften Handlungen beim Aushändigen von Geld an der Kasse tunlichst vermeide
,
mit der Hand des Kassenangestellten in Kontakt zu kommen. Beim Austausch des Blisters ihrer Medikamente zur Verdeutlichung des Eingenommenen, habe die Beschwerdeführerin
jedoch
keinen Leidensdruck oder Vermeidungsverhalten
gezeigt
,
mit der Hand beziehungsweise dem
B
erührten des G
utachters in Kontakt zu kommen
(
Urk.
8/107/30)
.
Weiter führte
Dr.
C._
aus, dass der erste Untersuchungstermin vom 1
9.
November 2018 nicht
habe
durch
geführt werden
können
, da er die Beschwerdeführerin zunächst schlafend und kaum weckbar im Warteraum an
getroffen
, sie
daraufhin s
chlaftrunken und blockiert
gewirkt habe
.
D
ie Beschwerdeführerin
sei
zunächst nicht mit einer zwei
ten Begutachtung einverstanden gewesen, da sie auf ei
ne Begleitperson angewie
sen sei.
Am zweiten Gutachtenstermin vom
6.
Dezember 2018 sei das Zustands
bild der Beschwerdeführerin
jedoch
um 180° anders gewesen.
So habe sie auch an diesem Termin
wie
bei der neuropsychologischen Begutachtung vom 2
9.
November 2018 keine Probleme gezeigt, die öffentlichen Verkehrsmittel eigenständig zu benutzen (
Urk.
8/107/30).
Weiter komme es trotz
beschriebener Flugangst regelmässig zum Besuch der Mutter der Beschwerdeführerin in der Türkei (
Urk.
8/107/37). Die Beschwerdeführer
in habe geschildert, dass die Symp
tome in ihrer Gesamtheit auf Grund der körperlichen Erschöpfung zurückgegan
gen seien. Dies sei
jedoch
ein sehr untypischer Verlauf einer Zwangserkrankung (
Urk.
(8/107/37).
Aufgrund der gemachten Feststellungen, den Beobachtungen, der nicht abschliessend schlüssigen Aktenlage und dem Unvermögen während der psychiatrischen Exploration die Depression konklusiv einzuschätzen, da ein hoher
Verdacht auf
eine
nicht-authentische Beschwerdeschilderung bes
tehe
, könne
er
keine abschliessende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatri
scher Sicht vornehmen.
Dr.
C._
führte weiter aus, dass dennoch gewichtet werden müsse, dass in den vorangehenden zehn Jahren unterschiedliche Psychi
ater sowie Allgemeinärzte zu der Erkenntnis gekommen seien, dass Diagnosen (Depression und Zwangs
symptomatik) bestehen würden, welche eine signifikante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründe
t hätten
. Aktenanamnestisch sei
daher
vom Vorhandensein einer Zwangsstörung sowie einer rezidivierenden depressiven Stö
rung auszugehen (
Urk.
8/107/37).
Um eine realistische Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit tätigen zu können, empfahl
Dr.
C._
einen statio
nären Aufenthalt, welcher den Spielraum für Aggravation einschränke (
Urk.
8/107/38).
Im allgemein medizinischen Teilgutachten
schloss
Dr.
med.
N._
, Fachärz
tin für Allgemeine Innere Medizin,
auf
keine Diagnosen mit Einfl
uss auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
8/107/45).
Betreffend die
interdisziplinäre Gesamtb
eurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerd
eführerin wurde im Gutachten fes
tgehalten, dass eine schlüssige Beurteilung in der von der Beschwerdeführerin zuletzt ausgeübten beruflichen Tätigkeit nicht möglich sei. So bestehe zwar aus somatischer Sicht keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit, doch müssten die aufgrund der Aktenlage diagnostizierten psychiatrische
n
Erkrankungen einen Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit haben. Es werde
daher
ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Institution empfohlen, um eine realistische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu tätigen (
Urk.
8/107/9).
3.3.3
Auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin, aufgrund welcher Einschränkungen die Zwangsstörung mit vorwiegend Zwangshandlungen beziehungsweise die rezidi
vierende depressive Störung als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit ausgewiesen sei, führte
n
Dr.
K._
und
Dr.
C._
am
3
0.
Januar 2019 (
Urk.
8/110)
aus, dass die Aktenlage aus verschiedenen Mündern auf das Vorhan
densein einer Zwangsstörung hinweise. Aufgrund all der Inkonsistenzen erfolge in Rahmen des Gutachtens eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit auf 50
%
. Es bestehe ein immenser Krankheitsgewinn, wonach die Beschwerdeführerin selbst berichtet habe, dass sie sich keine andere Zukunft wünsch
e
und ihr Leben in gleichen Bahnen weiterdrehen soll
e
.
Dr.
C._
h
ie
lt weiter fest, dass eine Veränderung der aktuellen Lebenssituation der Beschwerdeführerin zu einer akuten Eskalation sämtlicher Symptomatik führen würde, da sie gezwungen wäre Symptome zu produzieren, um ihre Krankheit zu
beweisen. Aus diesem Grunde werde für die exakte Exploration der Einschränkungen beziehungsweise Nichteinschränkungen ein stationärer Aufenthalt empfohlen, in welchem die Beschwerdeführerin einerseits bezüglich der Einschränkungen beobachtet und andererseits an ein verändertes Leben herangeführt werden könne (
Urk.
8/110/2).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerhin gab anlässlich der verschiedenen gutachterlichen Untersuchungen an, unter Schmerzen zu leiden, die sie in ihrer Bewegung einschränk
t
en. So sei teilweise ihr ganzer Körper blockiert und sie sei gezwungen morgens ins Bett zurückzukehren oder gar den ganzen Tag im Bett zu bleiben (
Urk.
8/107/13). Bei der 75-minütigen rheumatologischen Anamneseerhebung zeigte die Beschwerdeführerhin jedoch kein Schmerz- oder Schonverhalten.
Erst n
ach der Anamneseerhebung habe
sie
sich unter Stöhnlauten erhoben, um danach aber ein flüssiges Gangbild zu zeigen (
Urk.
8/107/18).
Auch während de
n
psychiatrischen
Explorationen
und
der
neuropsychologischen Untersuchung zeigten sich gravierende Inkonsistenzen. Insbesondere das Testver
halten während der neuropsyc
hologischen Untersuchung deutet
e
gemäss Gutach
terin mit einer Wahrscheinlichkeit von 99
%
darauf hin, dass die Beschwerdefüh
rerin gezielt falsche Antworten gegeben ha
be
. Das Ergebnis sei nur erklärbar mit einer bewussten Antwortmanipulation und damit einer bewussten Aggravation oder Simulation ihrer kognitiven Beeinträchtigungen (
Urk.
8/107/32).
Betreffend die Zwangsstörung zeig
t
en sich ebenfalls deutliche Widersprüche. So habe sich der Waschzwang aufgrund der Müdigkeit der Beschwerdeführerin vermindert, was ein
em
untypische
n
Verlauf
gleichkäme
. Auch ihre Angaben betreffend
die täglichen Handwaschgänge
variiert
en
zwischen 20 – 30 und 30 – 40 Mal täglich
beträchtlich (
Urk.
8/107/29) und die in der Vergangenheit noch als «Wa
s
chfrau
enhände» bezeichnete
n
Hände der Beschwerdeführerin f
a
nden im Gutachten keine besondere Nennung mehr
respektive
w
u
rden lediglich
noch
als leicht gerö
tet beschrieben (
Urk.
8/107/29)
.
Des Weiteren zeigte die Beschwerdeführerin bei der Übergabe eines Medikamentenblisters keinerlei Vermeidungsverhalten, obschon sie behauptet
e,
tunlichst den Kontakt mit den Händen der Verkäuferin
nen bei der Übergabe von Geld zu vermeiden. Auch das aufgrund der Zwänge begründete Unvermögen der Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel konnte die Beschwerdeführerin bei der
Anreise zu der zweiten psychiatrischen und der neuropsychologischen Untersuchung plötzlich abwerfen
und ohne Begleitperson die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen
.
D
ie von der Beschwerdeführerin behauptete Flugangst steht
ebenfalls
im Widerspruch zu ihren regelmässigen Besuchen ihrer Mutter in der Türkei, für welche sie jeweils mit dem Flugzeug reisen muss
(
Urk.
8/107/30).
Mit Blick auf die im neuropsychologischen Gutachten festgestellte bewusste Aggravation oder Simulation kognitiver Beeinträchtigungen und die de
n
übrigen Fachgutachten der
A._
zu entnehmenden Widersprüche ist
mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit
von einer
revisionsrechtlich relevanten Tatsachen
änderung im Sinne eines früher nicht gezeigten
aggravatorischen Verhaltens aus
zugehen
, das
bloss verdeutlichendes Verhalten
(vgl. E. 1.4)
zweifellos überschr
ei
tet
.
Somit ist ein Revisionsgrund nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG zu bejahen und folg
lich der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend zu prüfen
, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht
(v
gl.
Urteil des Bundesgerichts
8
C_
825
/201
8
vom
6.
März 2019, E. 6.7
; BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen
).
4.
2
4.2.1
Es liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit
eine
Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erschei
n
ung beruht.
Treten
die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselbst
ständ
igten Gesundheitsschädigung auf
, sind deren Auswirkungen
jedoch
im Umfang der Aggravation zu bereinigen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts
8
C_
825
/201
8
vom
6.
März 2019, E. 6.1)
.
Es bleibt
damit
zu prüfen, ob
neben der dargelegten Aggravation
eine verselbstständigte
, rentenrelevante
Gesund
heits
schädigung
weiterhin
ausgewiesen ist.
4.2.2
Im angefochtenen Entscheid stützte sich die Beschwerdegegnerin in erster Linie auf das polydisziplinäre Gutachten vom 1
0.
Januar 20
19
, welches die rechtspre
chungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entschei
dungsgrundlagen erfüllt (E. 1.3). Es beruht auf fachärztliche
n
Untersuchungen durch die Gutachter und wurde in Kenntnis der relevanten Vorakten erstellt.
Auch
wurden die von der Beschwerdeführerin geklagten
Beschwerden berücksichtigt und die Gutachter
setz
t
en
sich genügend
und nachvollziehbar
mit diesen ausei
nander.
Aus somatischer Sicht konnte im Gutachten keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden.
Im rheumatologischen Teilgutachten wurde begründet und nachvollziehbar dargelegt, dass die geschilderten Beschwerden nicht mit dem objektivierbaren pathologischen rheumatologischen Befund korre
lieren und
dass auch die tiefe Selbsteinschätzung der körperlichen Leistungsfä
higkeit nicht nachvollziehbar
ist
(
Urk.
8/107/22)
.
Entgegen dem Einwand der Beschwerdeführerin
(
Urk.
1 S. 10)
wurde
auch
die Diagnose der Senk-/Spreizfüsse gestellt und entsprechend gewürdigt
(
Urk.
8/107/20, 8/107/22)
, jedoch konnte
nachvollziehbar
kein Einfluss dieser Fehlstellung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin festgestellt werden. Auch die Nichteinholung eines aktuellen Berichts der behandelnden Ärztin,
Dr.
med.
O._
, Fachärztin FMH für Rheu
matologie und Allgemeine Innere Medizin, vermag
die Einschätzung der Arbeits
fähigkeit des
rheumatologische
n
Gutachten
s
nicht in Frage zu stellen, da anläss
lich des Gutachtens eine vollständige
nicht ergänzungsbedürftige
Untersuchung stattfand. So unterlässt es auch die Beschwerdeführerin vorzubringen, inwiefern ein Bericht von
Dr.
O._
zu einem anderen Ergebnis führen würde, beziehungs
weise einen solchen Bericht
selber
dem Gericht vorzulegen.
Somit liegt aus somatischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit vor.
4.2.3
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde
n
trotz der deutlichen Aggravation durch die Beschwerdeführerin die Diagnosen einer Zwangsstörung sowie einer Depres
sion mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt.
Was die Herleitung der Diagnose der Zwangsstörung anbelangt, schilderte die Beschwerdeführerin gemäss Ausführungen von
Dr.
C._
zwar glaubhaft Zwangshandlungen in Bezug auf das Händewaschen (
Urk.
8/107/45). Angesichts der Vielzahl von Widersprüchen zwischen den subjektiven Beschwerdeschilde
rungen und dem Verhalten der Beschwerdeführerin vor und während der Exploration (Verwendung öffentlicher Verkehrsmittel ohne Begleitung, Flüge in die Türkei, fehlendes Vermeidungsverhalten gegenüber Berührungen des Gutach
ters, Schilderung eines atypischen Rückgangs der Symptome aufgrund von Erschöp
fung, vgl.
Urk.
8/107/37) erkannte
Dr.
C._
letztlich aber nahezu aus
schliess
lich aufgrund der medizinischen Vorakten und nicht gestützt auf seine Untersu
chungsergebnisse auf das Vorliegen einer Zwangsstörung (
Urk.
8/107/34 und 8/107/37). Damit konnte er das Vorliegen eines aktuellen, verselbständigten, mit
hin von der Aggravation abgrenzbaren Gesundheitsschadens in Form einer Zwangsstörung nicht bestätigen.
Dr.
C._
diagnostizierte weiter eine rezidivierende depressive Störung. Abge
sehen von einer beobachteten leicht gedrückten Stimmungslage basiert jedoch auch diese Diagnose mehrheitlich auf d
er Aktenlage sowie auf den
subjektiven
Schilderungen
der Beschwerdeführerin anlässlich der Untersuchung
(
Urk.
8/110/2)
. Als relevante Befunde
nannte der Gutachter
einzig Ermüdbarkeit, Konzentrations
- sowie Aufmerksamkeitsstörungen
. Diese Befunde wurden jedoch anhand von einfachen Tests (Monate
rückwärts
aufzählen, Subtraktion 100-7,
sich an zwei von drei Wörtern erinnern) festge
stellt
. Angesichts des deutlich unauthentischen
Antwortverhaltens der Beschwerdeführerin anlässlich der neuro
psychologischen Begutachtung
sind auch die Ergebnisse dieser Tests und damit die
daraus
resultierenden Befunde
stark
in Frage zu stellen und
als letz
t
lich
nicht von einer Aggravation abgrenzbar
zu beurteilen
. So
zeigte sich
der psychi
atrische Gutachter
denn auch
nicht in der Lage, die Schwere der depressiven Störung zu werten
(
Urk.
8/110/2)
.
Ein verselbstständigter Gesundheitsschaden auf
grund einer depressiven Störung ist somit
ebenfalls
nicht hinreichend ausgewie
sen.
Zudem
weist die
ge
ringe
Behandlungsintensität
und der fehlende
Wunsch nach Veränderung der Situation
(
Urk.
8/110/2)
nicht auf einen
erhebliche
n
Leidens
druck der Beschwerdeführerin aufgrund der Dep
ression oder der Zwangsstörung hin
.
4.2.4
Damit ist
weder aus
somatischer
noch aus
psychischer
Sicht ein verselbstständig
ter
Gesundheitsschaden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh
rerhin erstellt
.
Von einer erneuten Begutachtung (
im Rahmen eines
stationären Aufenthalt
s
) ist aufgrund der stark aggravatorischen T
endenzen der Beschwerdeführerin, die sie sich selber zuzuschreiben hat, in
antizipierte
r
Beweiswürdigung
abzusehen
(BGE 124 V 90 E. 4b)
.
Zwar ist nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen, dass in einem stationären Aufenthalt die Aggravation unter Umständen besser abgrenz
bar wäre
, doch ist in Anbetracht des grossen sekundären Krankheitsgewinnes der Beschwerdeführerin die Einschätzung von
Dr.
K._
und
Dr.
C._
zu teilen, wonach sie
sich
in diesem Rahmen
überwiegend wahrscheinlich
gezwungen
sähe
,
Symptome zu produzieren, um ihre Krankheit zu beweisen (
Urk.
8/107/2). Damit ist davon auszugehen, dass aufgrund der Aggravation durch die Beschwerdefüh
rerin auch in einem stationären Rahmen
nicht auf einen von der Aggravation abgrenzbaren Gesundheitsschaden geschlossen werden könnte.
4.
3
Spätestens im Zeitpunkt der Begutachtung ist somit kein
anspruchs
relevanter G
e
sundheitsschaden mehr ausgewiesen
und es
ist von ergänzenden Abklärungen abzusehen. Die Aufhebung der Invalidenrente per
1.
Juli 2019
ist
gerechtfertigt und
die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist damit abzuweisen.
5.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
5
.2
Der vorliegende Prozess kann nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet werden. Des Weiteren ist die Beschwerdeführerin bedürftig (
Urk.
4, 5
/1
und 12
). Antragsgemäss (
Urk.
1, S. 2
) ist ihr daher die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Die der Beschwerdeführerin auferlegten Gerichtskosten sind demnach einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5
.3
Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt wurde, ist zur Nachzah
lung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (
§
16
Abs.
4 Satz 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht
[
GSVGer
]
).