Decision ID: 56356423-79ba-57f7-af84-bc90967157c3
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 28. November 2020 in der Schweiz
um Asyl nach.
A.b Im Rahmen eines persönlichen Gesprächs am 16. Dezember 2020
gab der Beschwerdeführer gegenüber der Vorinstanz an, er habe in Grie-
chenland ein Asylgesuch gestellt, dort aber nie ein Interview gehabt. Er
habe alles getan, um sein Verfahren zu beschleunigen, und hätte schliess-
lich aufs Festland transportiert werden sollen, woraufhin im Anschluss eine
Befragung hätte stattfinden sollen. Aufgrund der Corona-Pandemie habe
niemand mehr gearbeitet und es sei nicht zum Transfer auf das Festland
gekommen. Da die Behörden nichts gemacht hätten, sei er selbständig
nach Athen gegangen und habe dort eine Weile lang als Obdachloser ge-
lebt und versucht, aus Griechenland auszureisen. Im November 2020 habe
er schliesslich die Ausreise über Italien in die Schweiz geschafft. In Italien
habe er keinen Behördenkontakt gehabt. Auf seine Gesundheit angespro-
chen, gab der Beschwerdeführer an, es gehe ihm momentan gut.
A.c Abklärungen der Vorinstanz ergaben, dass Griechenland dem Be-
schwerdeführer subsidiären Schutz sowie einen Aufenthaltstitel gewährt
habe, ihm aber die entsprechenden Aufenthaltsdokumente noch nicht aus-
gehändigt worden seien.
B. Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer am 27. Januar 2021
schriftlich das rechtliche Gehör zum beabsichtigten Nichteintretensent-
scheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) und zur Wegwei-
sung nach Griechenland.
B.a Am 28. Januar 2021 ersuchte die Vorinstanz die griechischen Behör-
den um Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf das bilate-
rale Rückübernahmeabkommen zwischen Griechenland und der Schweiz
und auf die Rückführungsrichtlinie 2008/115/EG.
B.b Die griechischen Behörden stimmten dem Ersuchen am 3. Februar
2021 zu.
B.c Mit Stellungnahme seines Rechtsvertreters vom 3. Februar 2021 wies
der Beschwerdeführer auf die miserable Situation für Flüchtlinge in Grie-
chenland hin und machte geltend, er habe in Griechenland mit schweren
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psychischen Leiden gekämpft. Die Aussicht, nach Griechenland zurück-
kehren zu müssen, belaste in psychisch stark, weshalb eine Wegweisung
als unzumutbar zu erachten sei.
B.d Am 17. Februar 2021 stellte die Vorinstanz der Rechtsvertretung den
Entscheidentwurf und die Akten zur Stellungnahme zu.
B.e Die Stellungnahme der Rechtsvertretung datiert ebenfalls vom
17. Februar und wurde der Vorinstanz am 18. Februar 2021 ausgehändigt.
Es wurde darin insbesondere vermerkt, der Beschwerdeführer habe wegen
seiner psychischen Probleme bereits die Pflege aufgesucht. Es sei fraglich,
ob der medizinische Sachverhalt abschliessend erstellt worden sei, es
seien vor der Fällung eines Asylentscheids medizinische Abklärungen zu
tätigen.
C.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 19. Februar 2021 trat die Vor-
instanz gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an. Gleichzeitig beauftragte sie den zuständigen Kanton mit dem
Vollzug der Wegweisung und händigte dem Beschwerdeführer die editi-
onspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
D.
Mit Eingabe vom 26. Februar 2021 liess der Beschwerdeführer durch sei-
nen Rechtsvertreter dagegen Beschwerde erheben und beantragen, die
Verfügung des SEM vom 19. Februar 2021 sei vollumfänglich aufzuheben
und die Vorinstanz anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. Eventu-
aliter sei die Verfügung zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die
Verfügung vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, die
vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht sei die unent-
geltliche Prozessführung zu gewähren und insbesondere von der Erhe-
bung eines Kostenvorschusses abzusehen.
E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
1. März 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
2.1 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).
2.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
3.
3.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs.1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz
zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (BVGE 2017 VI/5 E. 3.1
und 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
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3.3 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
4.
Vorab ist festzustellen, dass sich die formelle Rüge der Verletzung des Un-
tersuchungsgrundsatzes als unbegründet erweist. Sie hat auch dargetan,
weshalb bezüglich der geltend gemachten psychischen Belastung weiter-
gehende Abklärungen als nicht nötig erachtet wurden. Nach Ansicht des
Gerichts bestand für das SEM im vorliegenden Fall keine Veranlassung,
weitere Abklärungen zu tätigen. Arzttermine waren keine vorgesehen.
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
auf das Asylgesuch sei gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG nicht einzutre-
ten. Der Bundesrat habe Griechenland als sicheren Drittstaat bezeichnet.
Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer in Griechenland
subsidiären Schutz erhalten habe, und die griechischen Behörden hätten
sich bereit erklärt, ihn zurückzunehmen. Die Tatsache, dass der Beschwer-
deführer seine Aufenthaltsdokumente noch nicht entgegengenommen
habe, ändere nichts daran, da er nach seiner Rückführung die Möglichkeit
habe, sich an die zuständigen Behörden zu wenden und die Dokumente in
Empfang zu nehmen.
5.2 Im vorliegenden Fall würden zwar Anzeichen bestehen, dass der Be-
schwerdeführer die Bedingungen für eine vorläufige Aufnahme nach
Art. 83 AIG (SR 142.20) erfülle, da ihm von Griechenland subsidiärer
Schutz gewährt worden sei. In diesem Zusammenhang sei aber auf Art. 25
Abs. 2 VwVG zu verweisen. Gemäss dieser Bestimmung sei einem Begeh-
ren um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder von Wegweisungshin-
dernissen in den Heimat- oder Herkunftsstaat nur dann zu entsprechen,
wenn ein schutzwürdiges Interesse nachgewiesen werde. Dieser Nach-
weis könne ihm nicht gelingen, weil bereits ein Drittstaat ihm einen Schutz-
status erteilt habe. Er könne nach Griechenland zurückkehren, ohne eine
Rückschiebung in Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips zu befürch-
ten.
6.
6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der Re-
gel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a
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Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann,
in welchem sie sich vorher aufgehalten hat.
6.2 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland um einen verfolgungssicheren Drittstaat im
Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Den vorinstanzlichen Akten
ist sodann zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in Griechenland
subsidiären Schutzstatus erlangt hat und die griechischen Behörden seiner
Rückübernahme ausdrücklich zustimmten. Demnach sind die Vorausset-
zungen für einen Nichteintretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a
AsylG erfüllt, weshalb das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers zu Recht nicht eingetreten ist.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Diesbezüglich ist auf die vorinstanzlichen Erwägungen zu verweisen,
denen auf Beschwerdeebene auch nichts entgegengehalten wird. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des
Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
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8.3 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie
Griechenland einer ist – die Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen
Verpflichtungen, darunter im Wesentlichen das Refoulement-Verbot und
grundlegende menschenrechtliche Garantien, einhalten (vgl. FANNY
MATTHEY, in: Cesla Amarelle/Minh Son Nguyen, Code annoté de droit des
migrations, Bern 2015, Art. 6a AsylG N 12 S. 68). Gestützt auf Art. 83
Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen
EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt der betroffenen
Person, diese beiden Legalvermutungen umzustossen. Dazu hat sie ernst-
hafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des in Frage
stehenden Staates im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht
den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Le-
bensumständen aussetzen würden respektive, dass sie im in Frage ste-
henden Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftli-
cher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde
(vgl. statt vieler das Urteil des BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017
E. 4).
8.4 Das Gericht geht in konstanter Rechtsprechung grundsätzlich davon
aus, dass Griechenland als Signatarstaat der EMRK, des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105)
und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-
linge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar
1967 (SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt. Das Vorliegen eines Vollzugshindernisses unter dem
Aspekt der Zulässigkeit bei Personen, denen von den griechischen Behör-
den ein Schutzstatus verliehen wurde, wird vom Bundesverwaltungsgericht
praxisgemäss nur unter sehr strengen Voraussetzungen bejaht. Das Ge-
richt anerkennt, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig
sind. Dennoch ist gemäss Rechtsprechung diesbezüglich nicht von einer
unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von
Art. 3 EMRK respektive einer existenziellen Notlage auszugehen (so insb.
Urteil des BVGer D-559/2020 vom 13. Februar 2020 E. 8.2 m.w.H. [als Re-
ferenzurteil publiziert]). Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen gel-
tend, dass Asylsuchende nach Erhalt eines Schutzstatus keine minimalen
Unterstützungsleistungen mehr erhielten und die Rechte und Schutzmas-
snahmen, die in der Genfer Flüchtlingskonvention garantiert seien, auf-
grund der katastrophalen Situation in Griechenland untergraben und nicht
gewährt würden. Dieser Einschätzung folgt das Gericht nicht. Es ist nicht
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zu erwarten, dass die neue Gesetzeslage vom März 2020 generell und be-
züglich des Beschwerdeführers persönlich ein "real risk" bewirken würde,
unweigerlich einer menschenrechtswidrigen Lebenssituation ausgesetzt
zu werden. In Bezug auf die neue Rechts- und Sachlage in Griechenland
ist nicht davon auszugehen, dass Griechenland sich in einen Widerspruch
zu seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen begeben wird. Abgesehen da-
von kann etwa auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2508/2020
vom 24. September 2020 verwiesen werden, dem ebenfalls die Vorbringen
zur Beurteilung zugrunde lagen, in Griechenland hätten anerkannte
Schutzberechtigte keinen Zugang zu Arbeit oder zu Sozialleistungen, er-
hielten keinerlei Unterstützung bei der Suche nach einer Wohnung und
müssten gleich nach ihrer Anerkennung die Flüchtlingsunterkünfte verlas-
sen, weshalb ihnen die Obdachlosigkeit drohe und ihnen der Zugang zu
entsprechenden Leistungen durch überhöhte formelle Anforderungen illu-
sorisch gemacht würde. Weiter wurde in diesem Verfahren vorgebracht,
Griechenland habe seine Asylpolitik in jüngster Zeit erneut verschärft, wo-
von auch die Ankündigung des Migrationsministers, sämtliche finanzielle
Unterstützung für anerkannte Flüchtlinge komplett einzustellen, zeuge.
Auch in diesem Urteil ging das Gericht nicht davon aus, die bekannten Un-
zulänglichkeiten würden in einer Weise auftreten, welche darauf schliessen
liesse, Griechenland sei grundsätzlich nicht gewillt oder nicht fähig, Schutz-
berechtigten die ihnen zustehenden Rechte und Ansprüche zu gewähren,
beziehungsweise dass diese bei Bedarf nicht auf dem Rechtsweg durch-
gesetzt werden könnten (vgl. a.a.O. E. 6). Dies wurde seither wiederholt
bestätigt (vgl. zuletzt u.a. Urteil des BVGer E-319/2021 vom 27. Januar
2021). Im Falle einer Verletzung der Garantien der EMRK steht zudem ge-
stützt auf Art. 34 EMRK letztlich nach wie vor der Rechtsweg an den EGMR
offen (vgl. Urteil des BVGer D-559/2020 vom 13. Februar 2020 E. 8.2 [als
Referenzurteil publiziert]). Aufgrund der Akten liegen keine hinreichenden
Anhaltspunkte dafür vor, dass für den Beschwerdeführer persönlich ein
"real risk" bestehen würde, bei einer Rückkehr nach Griechenland dort ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt zu werden. Die blosse Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus
nicht vorausschaubaren Gründen in eine derart missliche Lebenssituation
getrieben zu werden, die einer Aussetzung einer existenziellen Notlage
und andauernden menschenrechtswidrigen Behandlung gleichkäme, ver-
mag die Schwelle zu einem entsprechenden "real risk" nicht zu erreichen.
Auch hat der Beschwerdeführer hinsichtlich seines Gesundheitszustands
und der in Griechenland allenfalls benötigten medizinischen Infrastruktur
nicht glaubhaft machen können, dass ihm dort eine ernsthafte, rapide und
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irreversible Verschlechterung seiner Lage, verbunden mit übermässigem
Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung der Lebenserwartung, drohen
würde. Gemäss Praxis des EGMR kann der Vollzug der Wegweisung eines
abgewiesenen Asylsuchenden mit gesundheitlichen Problemen im Einzel-
fall einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen; hierfür sind jedoch ganz
aussergewöhnliche Umstände Voraussetzung (vgl. Urteil Paposhvili gegen
Belgien vom 13. Dezember 2016, 41738/10 §183). Eine solche Situation
ist vorliegend nicht gegeben. Griechenland verfügt als EU-Staat über eine
hinreichende medizinische Infrastruktur. Das Land hat sich völkerrechtlich
verpflichtet, Asylsuchenden und ausländischen Personen mit einem
Schutzstatus die erforderlichen medizinischen Behandlungen zur Verfü-
gung zu stellen (ausführlich dargelegt im Urteil des BVGer E-3110/2020
vom 24. Juni 2020 E. 7.4 S. 13 f.). Der aktuelle psychische Gesundheits-
zustand des Beschwerdeführers vermag die Annahme der Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs nicht zu rechtfertigen. Der Beschwerdeführer ist
gehalten, die ihm zustehenden Rechte einzufordern und nötigenfalls auf
dem Rechtsweg durchzusetzen. Folglich erweist sich der Vollzug als zu-
lässig.
8.5 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht die Vermutung, dass eine Weg-
weisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (vgl. An-
hang 2 der Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung sowie
der Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL,
SR 142.281]). Der Bundesrat ist – auch in Anbetracht der gegenwärtigen
Asylpolitik Griechenlands – auf seine diesbezügliche Einschätzung, welche
periodisch zu überprüfen ist (vgl. Art. 83 Abs. 5bis AIG), denn bisher auch
nicht zurückgekommen.
Die Vorinstanz hat zutreffend auf die Verpflichtungen Griechenlands ge-
genüber Schutzberechtigten bezüglich Unterbringung, medizinischer Ver-
sorgung, Sozialhilfe und Erwerbstätigkeit hingewiesen, welche sich insbe-
sondere aus der Qualifikationsrichtlinie sowie aus der Flüchtlingskonven-
tion ergeben. Es bestehen keine verdichteten Hinweise darauf, Griechen-
land würde dem Beschwerdeführer dauerhaft die ihm gemäss der Richtli-
nie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten und ihn ei-
ner existenziellen Notlage aussetzen. Entgegen den Einwänden des Be-
schwerdeführers geht das Bundesverwaltungsgericht nach wie vor davon
aus, dass Personen mit Schutzstatus griechischen Bürgerinnen und Bür-
gern in Bezug auf Fürsorge, den Zugang zu Gerichten und den öffentlichen
Schulunterricht respektive mit anderen Ausländern und Ausländerinnen
beispielsweise in Bezug auf Erwerbstätigkeit oder die Gewährung einer
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Unterkunft gleichgestellt sind (vgl. Art. 16-24 FK). Die Schutzberechtigten
können sich auf die Garantien in der Qualifikationsrichtlinie berufen, insbe-
sondere die Regeln betreffend den Zugang von Personen mit Schutzstatus
zu Beschäftigung (Art. 26), zu Bildung (Art. 27), zu Sozialhilfeleistungen
(Art. 29), zu Wohnraum (Art. 32) und zu medizinischer Versorgung
(Art. 30). Es darf inskünftig vom Beschwerdeführer erwartet werden, sich
bei Unterstützungsbedarf an die griechischen Behörden zu wenden und
die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Es
handelt sich bei Griechenland um einen Rechtsstaat, welcher an die Qua-
lifikationsrichtlinie gebunden ist. Zudem gibt es unterstützende Dienste wie
beispielsweise Nichtregierungsorganisationen, die ihm dabei behilflich sein
können. Auch wenn eine adäquate Eingliederung des Beschwerdeführers
in die sozialen Strukturen Griechenlands als anerkannter Flüchtling mit
nicht zu verkennenden Erschwernissen verbunden ist, vermögen die Vor-
bringen die hohen Anforderungen an eine konkrete Gefährdung nicht zu
erfüllen.
Dem zu den Akten gereichten medizinischen Bericht vom 24. Februar 2021
ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer wegen des negativen Asyl-
entscheids an Gedankenkreisen und Lebensüberdrussgedanken leide,
sich aber glaubhaft von Suizidplänen distanziere. Mit Hilfe des Medika-
ments (...) könne er besser schlafen. Inwiefern er psychologische Unter-
stützung benötigt, wird weder im Arztbericht noch in der Beschwerde weiter
ausgeführt. Es sind den Akten keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass
eine adäquate Behandlung in Griechenland nicht gegeben wäre. Die mit
dem Vollzug der Wegweisung beauftragten schweizerischen Behörden
werden die griechischen Behörden vor der Durchführung der Wegweisung
über die besonderen medizinischen Bedürfnisse des Beschwerdeführers
zu informieren und diesen Umständen bei der Bestimmung geeigneter Voll-
zugsmodalitäten Rechnung zu tragen haben.
Nach dem Ausgeführten erweisen sich die Vorbringen des Beschwerde-
führers gegen den Wegweisungsvollzug unter dem Aspekt der Zumutbar-
keit ebenfalls als unbegründet.
8.6 Aufgrund dieser Erwägungen erweist sich der Wegweisungsvollzug als
zulässig und zumutbar. Dem Beschwerdeführer ist es demnach nicht ge-
lungen, die Vermutung umzustossen, wonach Griechenland seinen völker-
rechtlichen Verpflichtungen nachkommt und ein Wegweisungsvollzug in
diesen EU-Mitgliedstaat auch zumutbar ist.
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Seite 11
8.7 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG
möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Be-
schwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben, er dort über eine Aufent-
haltsbewilligung verfügt und den Akten keine Hinweise auf eine Reiseun-
fähigkeit zu entnehmen sind. Der gesundheitlichen Situation des Be-
schwerdeführers kann bei der Ausgestaltung der Vollzugsmodalitäten an-
gemessen Rechnung getragen werden.
8.8 Zusammenfassend hat das SEM zu Recht den Wegweisungsvollzug
nach Griechenland als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet, wes-
halb die Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
erweist sich mit vorliegendem Urteil als gegenstandslos.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich die Beschwerde entsprechend den
vorstehenden Erwägungen bereits bei Eingang des Begehrens, unbese-
hen der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers, als aussichtlos
erwiesen hat. Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von
Fr. 750.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 1‒3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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