Decision ID: d1a80994-1be7-569b-839d-f257bbfcba56
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 31. August 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 2). Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH,
berichtete am 22. Oktober 2007, der Versicherte leide an einem lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom rechtsbetont, einem cervicospondylogenen Schmerzsyndrom
rechtsbetont und einer Anpassungsstörung bei Status nach traumatischen Erlebnissen
im Heimatland. Die angestammte Reinigungstätigkeit hielt er nicht mehr für zumutbar.
Für eine leidensangepasste Tätigkeit bescheinigte er dem Versicherten eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 23-1 ff.). Die an der Psychiatrischen Poliklinik am
Universitätsspital Zürich zur Abklärung beauftragten Ärzte diagnostizierten eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.11), eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) und einen Verdacht auf eine posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10: F43.1). Die Arbeitsfähigkeit des Versicherten liege
gegenwärtig bei ca. 30 bis 40% (Abschlussbericht vom 14. April 2008, IV-act. 31).
Gestützt auf den für nachvollziehbar erachteten Bericht der Psychiatrischen Poliklinik
beurteilte der RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeinmedizin, den
Versicherten bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten zu 35% arbeitsfähig.
Zusätzliche medizinische Abklärungen seien nicht indiziert (Stellungnahme vom 23. Mai
2008, IV-act. 32). Mit Verfügung vom 10. März 2009 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten mit Wirkung ab 1. August 2007 eine ganze Rente zu (IV-act. 43).
A.a.
Am 26. Juni 2009 (Datum Dokumenteingang) erhielt die IV-Stelle ein anonymes
Schreiben, worin geltend gemacht wurde, der Versicherte sei ein Lügner und müsse
unbedingt beobachtet werden (IV-act. 44).
A.b.
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Im Rahmen einer von Amtes wegen eingeleiteten Revision gab der Versicherte am
11. September 2014 an, sein Gesundheitszustand sei stationär geblieben (IV-act. 53).
Am 18. September 2014 (Datum Dokumenteneingang) erhielt die IV-Stelle einen
anonymen Hinweis, dass der Versicherte teilweise im Gastro-Reinigungsbereich einer
Schwarzarbeit nachgegangen sei (IV-act. 55; siehe auch das Meldeblatt - Hinweis BVM
vom 19. September 2014, IV-act. 56). Der behandelnde Dr. med. D._, Spezialarzt für
Neurologie, berichtete am 24. September 2014, der Gesundheitszustand des
Versicherten sei seit Januar 2009 stationär geblieben (IV-act. 59). Im Verlaufsbericht
vom 6. Oktober 2014 gab Dr. B._ an, der Gesundheitszustand des Versicherten habe
sich eher verschlechtert, insbesondere was die psychische Situation anbelange. Immer
wieder komme es zu aggressiven Durchbrüchen, welche sich aber meist verbal
äusserten. Die Diagnose habe sich nicht verändert (IV-act. 61). Dr. med. E._,
Fachärztin für Neurologie, Mitarbeiterin der IV-Stelle, empfahl eine gutachterliche
Reevaluation der Situation (Stellungnahme vom 21. Oktober 2014, IV-act. 64) unter
Einbezug fremdanamnestischer Abklärungen über das Aktivitätsniveau des
Versicherten in Situationen, in denen er sich unbeobachtet wähne (Stellungnahme vom
22. Oktober 2014, IV-act. 65).
A.c.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 3., 4., 7., 10. und 11. November
2014 durch den F._ observiert (siehe den Ermittlungsbericht vom 16. November
2014, IV-act. 69; zur weiteren Observation vom 20. November, 4. und 8. Dezember
2014 siehe den Nachtragsbericht vom 20. Dezember 2014, IV-act. 71; zu den
Beobachtungen vom 4. Dezember 2015 vgl. die Aktennotiz vom 17. Dezember 2015,
IV-act. 103). Nach der Durchsicht des Observationsmaterials empfahl Dr. E._ eine
psychiatrisch-rheumatologische Verlaufsbegutachtung. Entgegen seiner Aussage,
kaum die Wohnung zu verlassen, sei der Versicherte während der Beobachtungszeit an
fast allen Tagen bei Aktivitäten ausser Haus gesehen worden. Videografisch
festgehaltene Verhalten hätten keine äusserlich erkennbaren Zeichen einer
Ängstlichkeit, Verunsicherung, Zerstreutheit oder Vergesslichkeit erkennen lassen. Der
Versicherte sei jedoch keiner Schwarzarbeit nachgegangen (Stellungnahme vom 21.
Januar 2015, IV-act. 74). Auf Anfrage der IV-Stelle äusserte sich der Versicherte am
3. Februar 2015 zu seinem Gesundheitszustand und seinen Aktivitäten (IV-act. 75).
A.d.
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Im Rahmen eines Standortgesprächs vom 18. Februar 2015 wurde der Versicherte
zu seinem Gesundheitszustand und seinen Alltagsaktivitäten befragt, bevor er mit den
Observationsergebnissen konfrontiert wurde (IV-act. 79). Dr. D._ kritisierte im
Schreiben an die IV-Stelle vom 15. April 2015 deren Vorgehen. Seit den «Verhören»
durch die IV-Stelle gehe es dem Versicherten psychisch deutlich schlechter (IV-act. 93).
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 11. Mai 2015 von Dr. med. G._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychiatrie, sowie am 19. Mai 2015 von Dr. med. H._,
Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin FMH, begutachtet. Im bidisziplinären
Gutachten vom 11. September 2015 führten die Gutachter aus, die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten sei aus rheumatologischer Sicht lediglich für körperlich schwere
Tätigkeiten bzw. monotonrepetitive Tätigkeiten mit längerdauernden Zwangshaltungen
der Wirbelsäule eingeschränkt. Für jegliche leidensangepassten Tätigkeiten bestehe
unverändert zur Beurteilung aus dem Jahr 2007 dagegen keine somatisch begründbare
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Dagegen bestehe aus psychiatrischer Sicht
weiterhin eine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 60%. Auch
psychiatrisch ergebe sich keine Änderung der Beurteilung im Vergleich zur
Vorbeurteilung im März 2008. Aus psychiatrischer Sicht solle eine Wiedereingliederung
in den Arbeitsprozess im Rahmen der aktuellen Restarbeitsfähigkeit versucht werden.
Zusätzlich werde ein Ausbau der medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva
sowie eine Behandlung mit vor allem psychoedukativen und verhaltenstherapeutischen
Massnahmen mit Fokussierung auf Schmerzbewältigung und Traumaverarbeitung
empfohlen. Wie sich dies mittel- und langfristig auf die Arbeitsfähigkeit auswirken
werde, bleibe abzuwarten. Angesichts der bereits fortgeschrittenen Chronifizierung
müsse allerdings von einer eher ungünstigen Prognose ausgegangen werden (IV-
act. 100, insbesondere S. 19; zum psychiatrischen Teilgutachten vom 7. August 2015
siehe IV-act. 101).
A.e.
Dr. E._ hielt das rheumatologische Teilgutachten für überzeugend, nicht jedoch
das psychiatrische Teilgutachten. Dieses enthalte keine fundierte Ableitung der
Diagnosen gemäss ICD-10. Die Konsistenzprüfung sei ungenügend. Deshalb empfahl
Dr. E._ eine erneute psychiatrische Begutachtung des Versicherten (Stellungnahme
vom 12. Februar 2016, IV-act. 104). Am 6. Oktober 2016 erstattete Dr. med. I._,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, der IV-Stelle ein psychiatrisches
A.f.
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Gutachten, dem persönliche Untersuchungen vom 10. und 26. Mai 2016 sowie eine
neuropsychologische Abklärung vom 22. August 2016 zu Grunde liegen (zum
neuropsychologischen Abklärungsbericht vom 21. September 2016 siehe IV-act. 118).
Darin führte er aus, bei der Untersuchung hätten sich viele Hinweise auf «Aggravation
bis Diskrepanzen» gefunden, sodass letztlich keine zuverlässige Diagnose gestellt
werden könne und vor allem auch nicht zuverlässig zu Einschränkungen Stellung
genommen werden könne. Das heisse nicht, dass nicht allenfalls ein psychisches
Leiden bestehe. Es sei aber unmöglich zu sagen, ob dies tatsächlich der Fall sei und
bejahendenfalls wie stark ausgeprägt und vor allem auch, wie stark allfällige
Einschränkungen seien. Eingliederungsmassnahmen würden grundsätzlich zumutbar
sein. Man müsse aufgrund des Verhaltens des Versicherten bei der Abklärung jedoch
schliessen, dass er dazu nicht motiviert sei. Die neuropsychologische Abklärung habe
valide Resultate ergeben. Das Leistungsprofil sei unauffällig gewesen. Aufgrund der
eingeschränkten Mitwirkung des Versicherten seien aus psychiatrischer Sicht keine
zuverlässigen Angaben bezüglich des retrospektiven Verlaufs möglich (IV-act. 119,
insbesondere S. 73, 77, 80 und 90 oben). Dr. E._ nahm am 23. November 2016
Stellung zum Gutachten von Dr. I._ und hielt fest, aufgrund der nicht zuverlässigen
Angaben des Versicherten sowie der eingeschränkten Mitwirkung bei der aktuellen
Abklärung sei aufgrund der Aktenlage eine zuverlässige Aussage weder über den
Gesundheitszustand bei der Rentenzusprache noch über den weiteren Verlauf möglich.
Zum heutigen Zeitpunkt könne keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt werden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe also keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 120).
Mit Vorbescheid vom 20. Juni 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
revisionsweise Einstellung der Rente in Aussicht. Die früher erhobenen psychiatrischen
Diagnosen könnten heute nicht mehr gestellt werden. Es seien zur Zeit der ersten
Rentenabklärung bei einem äusserst diffusen Krankheitsbild keine zuverlässigen
medizinischen Einschätzungen vorgelegen (IV-act. 121). Dagegen erhob der
Versicherte am 21. August 2017 Einwand (IV-act. 127; zur ergänzenden Begründung
vom 6. Oktober 2017 samt Berichten von Dr. B._ vom 24. August 2017 und 20. Mai
2011 siehe IV-act. 129 f.). Am 22. November 2017 verfügte die IV-Stelle die Aufhebung
der Rente auf Ende des der Verfügung folgenden Monats (IV-act. 134).
A.g.
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B.
Gegen die Verfügung vom 22. November 2017 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 2. Januar 2018. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren
Aufhebung und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen weiterhin auszurichten; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung stellt er sich im Wesentlichen auf
den Standpunkt, dass sich sein Gesundheitszustand seit der Rentenzusprache nicht
wesentlich verändert habe, weshalb eine revisionsweise Rentenaufhebung nicht
zulässig sei. Die Beschwerdegegnerin habe eine Verbesserung des
Gesundheitszustands nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegen können (act.
G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 12. März 2018
die Abweisung der Beschwerde. Sie bringt vor, aufgrund der Aggravation habe der
Beschwerdeführer die Folgen der Unsicherheit zu tragen. Es seien heute keine
relevanten Diagnosen und Funktionseinbussen nachgewiesen. In verfahrensrechtlicher
Sicht dürfe also eine Verbesserung des Gesundheitszustands angenommen werden,
zumal durch die Observation ein gutes Funktionsniveau dokumentiert sei und auch von
einer schwerwiegenden und andauernden Schmerzproblematik nicht mehr
ausgegangen werden könne. Zudem seien heute eindeutige Aggravationen
dokumentiert, von denen früher nicht berichtet worden sei, was als Indiz für eine
Verbesserung gewertet werden könne. Hinzu komme, dass bei der ursprünglichen
Rentenzusprache die Abklärungspflicht verletzt worden sei, was eine Wiedererwägung
rechtfertige. Demnach sei die Rente zu Recht im Sinn einer Anpassung mit der
substituierenden Begründung der Wiedererwägung überprüft und angepasst worden
(act. G 4).
B.b.
In der Replik vom 7. Mai 2018 hält der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest. Er bestreitet, dass die Rentenzusprache auf einer ungenügend
medizinisch abgeklärten Situation beruht habe. Zudem rügt er, das Gutachten von
Dr. I._ stelle eine unzulässige «second opinion» dar (act. G 7).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin hält in der Duplik vom 28. Mai 2018 unverändert an der
beantragten Beschwerdeabweisung fest. Sie bestreitet, dass das Gutachten von
Dr. I._ den Charakter einer unzulässigen «second opinion» habe (act. G 9).
B.d.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die von der
Beschwerdegegnerin per 31. Dezember 2017 verfügte Rentenaufhebung. In der
angefochtenen Verfügung vom 22. November 2017 nahm die Beschwerdegegnerin
eine revisionsweise Anpassung des Rentenanspruchs vor (IV-act. 134-3). In der
Beschwerdeantwort vom 12. März 2018 hält sie ihr Vorgehen «im Sinne einer
Am 15. Juni 2018 hat die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers eine
Honorarnote eingereicht (act. G 11 und G 11.1).
B.e.
Mit Schreiben vom 27. September 2019 orientiert das Versicherungsgericht die
Parteien über seinen Beschluss, bei Dr. med. J._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, ein psychiatrisches Gerichtsgutachten einzuholen, da der
medizinische Sachverhalt nicht spruchreif sei (act. G 15).
B.f.
Der Beschwerdeführer teilt dem Versicherungsgericht am 14. Oktober 2019 mit,
dass keine Einwände gegen die vorgesehene Begutachtung bestünden. Er ersucht, für
die Begutachtung eine/einen K._ sprechende/r Dolmetscher/in zu berücksichtigen
(act. G 16).
B.g.
In der Eingabe vom 15. Oktober 2019 vertritt die Beschwerdegegnerin den
Standpunkt, der Sachverhalt sei spruchreif abgeklärt. Deshalb sei sie mit einer weiteren
Begutachtung nicht einverstanden (act. G 17).
B.h.
Mit Entscheid vom 31. Oktober 2019, IV 2018/3 Z, ordnet das Versicherungsgericht
an, Dr. J._ werde mit der Erstattung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens zur
Beantwortung des im Schreiben vom 27. September 2019 formulierten Fragekatalogs
beauftragt (act. G 19). Die dagegen von der Beschwerdegegnerin erhobene
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten vom 11. Dezember 2019 (act.
G 22.1) heisst das Bundesgericht mit Urteil vom 14. Januar 2020, 9C_824/2019,
teilweise gut und es hebt den Zwischenentscheid des Versicherungsgerichts vom
31. Oktober 2019 auf (act. G 25). Hierzu nimmt der Beschwerdeführer am 18. Februar
2020 Stellung (act. G 27). Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine
Stellungnahme.
B.i.
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Anpassung (Art. 17 ATSG) mit der substituierenden Begründung der Wiedererwägung
(Art. 53 Abs. 2 ATSG)» gerechtfertigt (act. G 4, Rz 12).
2.
Zunächst ist die Frage zu prüfen, ob die Rentenverfügung vom 10. März 2009 (IV-
act. 43) einer Wiedererwägung zugänglich ist.
Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn
ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
2.1.
Die Wiedererwägung gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer
anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im
Sinn der Würdigung des Sachverhalts, insbesondere bei einer klaren Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes. Zweifellose Unrichtigkeit bedeutet, dass kein vernünftiger
Zweifel an der (von Beginn weg bestehenden) Unrichtigkeit der Verfügung möglich,
also einzig dieser Schluss denkbar ist. Soweit ermessengeprägte Teile der
Anspruchsprüfung vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der
Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer
Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Bei
der Annahme zweifelloser Unrichtigkeit im Bereich der invaliditätsmässigen
Leistungsvoraussetzungen ist daher Zurückhaltung geboten. Ansonsten würde die
Wiedererwägung zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung des
Anspruchs, was sich nicht mit dem Wesen der Rechtsbeständigkeit formell
zugesprochener Dauerleistungen verträgt (Urteil des Bundesgerichts vom 20. April
2018, 9C_886/2017, E. 3.2 mit Hinweisen).
2.2.
Die vorliegende Rentenzusprache erfolgte noch vor dem vom Bundesgericht
eingeführten strukturierten normativen Prüfungsraster bzw. strukturierten
Beweisverfahren für somatoforme Schmerzstörungen (BGE 141 V 281) und depressive
Leiden (BGE 143 V 409), worin u.a. dem Vorliegen von Inkonsistenzen und Aggravation
eine besondere Bedeutung zugemessen wird (siehe BGE 141 V 287 f. E. 2.2.1 f.).
2.3.
In medizinischer Hinsicht stützte sich die Rentenzusprache im Wesentlichen auf
den Abschlussbericht der Ärzte der Psychiatrischen Poliklinik am Universitätsspital
Zürich vom 14. April 2008. Diese hatten den Beschwerdeführer zuvor siebenmal im
Rahmen der Sprechstunde für Migration gesehen. Sie begründeten ausführlich ihre
diagnostische Beurteilung (mittelgradige depressive Episode [ICD-10: F32.11];
2.4.
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anhaltende somatoforme Schmerzstörung [ICD-10: F45.4] und Verdacht auf eine
posttraumatische Belastungsstörung [ICD-10: F43.1]) und führten u.a. aus:
Phänomenologisch hätten beim Beschwerdeführer neben einer deutlichen
Somatisierung in Form von anhaltender somatoformer Schmerzstörung, einer
gedrückten Stimmungslage, dem Gefühl der Perspektivenlosigkeit, vor allem eine
verminderte Energie, Insuffizienzgefühle und eine Schlafstörung imponiert. Des
Weiteren sei der zunehmende soziale Rückzug, vermehrte Angespanntheit und
schnelle Reizbarkeit sowie das zunehmende verbale aggressive Verhalten von ihm zu
erwähnen. Weiterhin seien die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Symptome in
Form von Wiedererleben und Vermeidungsverhalten sowie innere Unruhe aufzuführen
(IV-act. 31-1). Der Abschlussbericht enthält zudem eine ausführlich begründete
Befunderhebung und Anamnese (IV-act. 31-3 f.). Aus rein psychiatrischer Sicht
bescheinigten sie dem Beschwerdeführer eine 30 bis 40%ige Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 31-2). Es ist daher plausibel, zumindest jedoch nicht zweifellos unrichtig (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 26. Dezember 2013, 9C_700/2013, E. 4.3.1 am Schluss), dass
der RAD-Arzt Dr. C._ bei der Würdigung dieser psychiatrischen Einschätzung zum
Schluss gelangte, sie sei nachvollziehbar, gestützt darauf sei für leidensangepasste
Tätigkeiten von einer 35%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen und zusätzliche
medizinische Abklärungen seien nicht indiziert (Stellungnahme vom 23. Mai 2008, IV-
act. 32). Die Beschwerdegegnerin legt denn auch nicht näher dar, dass die
Rentenzusprache bei der damals zu beachtenden Sach- und Rechtslage zweifellos
unrichtig gewesen sei bzw. auf einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
beruhte. Dass die Ärzte der Psychiatrischen Poliklinik am Universitätsspital Zürich auf
eindeutige Formulierungen und das Vortäuschen einer Sicherheit, die es bei der
ermessenbehafteten Einschätzung psychischer und psychosomatischer
Krankheitsbilder zwangsläufig nicht gibt, verzichteten, sondern ausdrücklich auf die
Komplexität der psychischen Situation hinwiesen (IV-act. 31-2 oben), ist entgegen der
nicht näher begründeten Auffassung der Beschwerdegegnerin (act. G 4, Rz 1) gerade
ein Qualitätsmerkmal einer Expertise (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. November
2007, I 961/06, E. 3.1 mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin legt darüber hinaus
auch nicht dar - insbesondere auch nicht Dr. E._ in der Stellungnahme vom
23. November 2016 (IV-act. 120-3) -, weshalb der ausführliche Abschlussbericht,
dessen Inhalt versicherungsmedizinisch vom RAD bestätigt wurde, die
Voraussetzungen für eine beweiskräftige medizinische Expertise (BGE 125 V BGE 352
E. 3a mit Hinweisen) nicht erfüllt und das Einholen einer weiteren Expertise - nach der
damals massgeblichen Rechtspraxis und entgegen der damaligen RAD-Einschätzung
(IV-act. 32) - unabdingbar gewesen wäre. Es kann auch nicht die Rede davon sein,
fachmedizinische Abklärungen seien überhaupt nicht oder sie seien unsorgfältig
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3.
Zu prüfen bleibt damit, ob die Rentenaufhebung gestützt auf eine Anpassung im Sinn
von Art. 17 Abs. 1 ATSG zulässig ist. Die Beschwerdegegnerin hält eine solche
vorliegend für zulässig, da heute klare Hinweise auf eine Aggravation bestünden. Diese
Umstände liessen eine Verbesserung der Befunde und des Gesundheitszustands
annehmen. Es sei keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr nachgewiesen (IV-
act. 134).
durchgeführt worden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Dezember 2013,
9C_700/2013, E. 4.3.4).
Die Verfügung vom 10. März 2009 ist somit vor der Sach- und Rechtslage, wie sie
bei Erlass der Verfügung bestand, nicht als offensichtlich unrichtig zu beurteilen, womit
auf diese nicht wiedererwägungsweise zurückgekommen werden kann. Daran ändert
nichts, dass die damalige Rentenzusprache nach heutigen Massstäben - insbesondere
unter dem Aspekt einer objektiv-kritischen Konsistenz- und Ressourcenprüfung (BGE
141 V 281 und BGE 143 V 409) - allenfalls nicht in allen Teilen zu überzeugen vermag
(zur massgeblichen Sach- und Rechtslage sowie Rechtspraxis siehe vorstehende
E. 2.2).
2.5.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Die Frage,
ob im Spektrum der anspruchserheblichen Tatsachen eine zur Anpassung des
Rentenanspruchs führende Veränderung eingetreten ist, beurteilt sich im Vergleich mit
den Verhältnissen zur Zeit der letzten rechtskräftigen Verfügung, die auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V
108). Ein früher nicht gezeigtes Verhalten der versicherten Person kann gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung unter Umständen eine im Sinn von Art. 17 Abs. 1
ATSG relevante Tatsachenänderung darstellen, wenn es sich auf den Invaliditätsgrad
und damit auf den Umfang des Rentenanspruchs auszuwirken vermag. Dies trifft etwa
zu bei Versicherten mit einem Beschwerdebild im Sinn von BGE 141 V 281, wenn ein
Ausschlussgrund vorliegt, d.h. die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer
ähnlichen Konstellation beruht, die eindeutig über die blosse (unbewusste) Tendenz zur
Beschwerdenausweitung und -verdeutlichung hinausgeht (Urteil des Bundesgerichts
vom 11. Oktober 2019, 8C_380/2019. E. 4.1 und E. 4.4).
3.1.
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In medizinischer Hinsicht liegt der Rentenzusprache bzw. der Verfügung vom
10. März 2009 der Abschlussbericht der Ärzte der Psychiatrischen Poliklinik am
Universitätsspital Zürich vom 14. April 2008 zugrunde, worin dem Beschwerdeführer
eine Restarbeitsfähigkeit von 30 bis 40% bescheinigt wurde. Darin werden -
namentlich im Rahmen der diagnostischen Beurteilung - keine Hinweise auf
Diskrepanzen, Inkonsistenzen oder eine Aggravation beschrieben (eingehend zum
Inhalt der diagnostischen Beurteilung siehe vorstehende E. 2.4 und IV-act. 31-1).
3.2.
Demgegenüber ergibt sich aus dem psychiatrischen Gutachten von Dr. I._ vom
6. Oktober 2016, auf das sich die Beschwerdegegnerin für die Rentenaufhebung stützt,
ein anderes Bild.
3.3.
Bezüglich des Beweiswerts dieses Gutachtens führte das Versicherungsgericht
im Zwischenentscheid vom 31. Oktober 2019, IV 2018/3 Z, E. 2.1 ff. verschiedene
Umstände an, die im Sinn von BGE 135 V 469 f. E. 4.4 ernsthafte Zweifel begründen
würden, weshalb es beschloss, ein psychiatrisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu
geben (act. G 19). Demgegenüber verwarf das Bundesgericht in seinem Urteil vom
14. Januar 2020, 9C_824/2019, die Betrachtungsweise der fehlenden Spruchreife und
hob den Zwischenentscheid ersatzlos auf (act. G 25). Damit ist es dem
Versicherungsgericht entgegen dem Antrag des Beschwerdeführers (vgl. act. G 27)
nicht möglich, dennoch ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Vielmehr hat es für
das vorliegende Verfahren von der Beweiskraft der Beurteilung von Dr. I._
auszugehen, da gemäss Bundesgericht nicht ausreichend konkrete Indizien gegen
seine Zuverlässigkeit vorliegen.
3.3.1.
Dr. I._ sah sich offenbar «aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung» des
Beschwerdeführers nicht in der Lage, «zuverlässige Angaben» zum Gesundheitsverlauf
ab dem 10. März 2009 zu machen (IV-act. 119-89 f.). Die grosse Schwierigkeit bei der
psychiatrischen Diagnostik sei die Tatsache, dass man sich dabei weitgehend auf
subjektive Angaben der Exploranden abstützen müsse, die nicht nachprüfbar seien.
Auch die Verhaltensbeobachtung lasse keine absolut zuverlässigen Rückschlüsse zu,
weil auch das Verhalten gegebenenfalls bei der Untersuchung von den Exploranden
manipuliert werden könne. Man sei darum darauf angewiesen, dass die subjektiven
Angaben der Exploranden zuverlässig seien und das Verhalten während der
Untersuchung authentisch sei. Im Fall des Beschwerdeführers sei dies aber
«weitgehend nicht der Fall. Es finden sich bei der Untersuchung Hinweise auf
Aggravation bis Diskrepanzen, sodass letztlich keine zuverlässige Diagnose gestellt
werden kann und vor allem auch nicht zuverlässig zu Einschränkungen Stellung
3.3.2.
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4.