Decision ID: 0d36713d-8d73-49e1-87ff-7f12b3cfeb35
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juli 2015 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu einer
Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung an (EL-act. 101), die ihm mit einer
Verfügung vom 7. Juli 2015 rückwirkend per 1. August 2014 zugesprochen worden war
(EL-act. 102–1 ff.). Die IV-Stelle hatte den Invaliditätsgrad von 60 Prozent anhand eines
sogenannten Prozentvergleichs ermittelt: Sie war von einer Validen- und
Invalidenkarriere des EL-Ansprechers als Hilfsarbeiter ausgegangen, weshalb der
Invaliditätsgrad dem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 60 Prozent (entsprechend einem
Halbtagespensum auf dem freien Arbeitsmarkt mit einer Leistungsminderung von zehn
Prozent) entsprochen hatte. Die EL-Durchführungsstelle sprach dem EL-Ansprecher
mit einer Verfügung vom 11. November 2015 rückwirkend ab dem 1. August 2014 eine
Ergänzungsleistung zu (EL-act. 87). Bei der Anspruchsberechnung hatte sie die
kantonale Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung, den
Wohnungsmietzins sowie die Pauschale für den allgemeinen Lebensbedarf als
Ausgaben und ein hypothetisches Erwerbseinkommen in der Höhe von zwei Dritteln
der Lebensbedarfspauschale sowie die Rente der Invalidenversicherung als Einnahmen
berücksichtigt (vgl. EL-act. 78 ff.). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in formelle
Rechtskraft.
A.a.
Im Juli 2016 teilten die Sozialen Dienste der Wohngemeinde des EL-Bezügers der
EL-Durchführungsstelle mit, dass dieser aus seiner Wohnung ausgewiesen worden sei
und trotz mehreren Aufforderungen seinen neuen Wohnort nicht bekannt gegeben
A.b.
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habe (EL-act. 70). Mit einer Verfügung vom 12. August 2016 stellte die EL-
Durchführungsstelle die laufende Ergänzungsleistung per 1. September 2016 ein (EL-
act. 69). Am 30. August 2016 erhob der EL-Bezüger eine Einsprache gegen diese
Verfügung (EL-act. 66). Er machte geltend, er habe nach dem Verlust seiner Wohnung
zunächst auf der Gasse gelebt. Ab dem 5. September 2016 werde er ein Zimmer in
einem Landgasthof beziehen können. Er ersuche um eine Weiterausrichtung „und
auch“ um eine Neuberechnung der Ergänzungsleistung. Der Eingabe lag ein
Arbeitsvertrag bei, laut dem der EL-Bezüger am 1. Februar 2016 eine Arbeitsstelle als
Montagemitarbeiter in einem geschützten Rahmen in einem Pensum von 45 Prozent
bei einem Monatslohn von 270 Franken angetreten hatte (EL-act. 67). Da der EL-
Bezüger zunächst keine bleibende Wohnung finden konnte (vgl. EL-act. 64), sprach die
EL-Durchführungsstelle ihm mit einer Verfügung vom 21. Oktober 2016 rückwirkend
per 1. September 2016 eine Ergänzungsleistung zu (EL-act. 61), deren Betrag sie ohne
die Berücksichtigung von Wohnkosten berechnet hatte; anstelle des hypothetischen
Erwerbseinkommens hatte sie das effektive Einkommen von 3’510 Franken pro Jahr
angerechnet (EL-act. 60). Im Februar 2017 teilte der EL-Bezüger der EL-
Durchführungsstelle mit, dass er eine Wohnung gefunden habe (EL-act. 49 f.). Mit einer
Verfügung vom 8. März 2017 erhöhte die EL-Durchführungsstelle die laufende
Ergänzungsleistung um den vertraglich vereinbarten Mietzins von 13’080 Franken pro
Jahr (EL-act. 48).
Im November 2019 forderte die EL-Durchführungsstelle den EL-Bezüger auf, ein
Formular zur periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistung auszufüllen (EL-act.
29). Im März 2020 ging ihr das ausgefüllte Formular zu (EL-act. 21). Die AHV-
Zweigstelle hatte vermerkt (EL-act. 21–8), dass der EL-Bezüger trotz zweimaliger
Aufforderung nicht alle Unterlagen eingereicht habe. Im Formular hatte der EL-Bezüger
angegeben, dass er kein Erwerbseinkommen erziele (EL-act. 21–5). Mit einem
Schreiben vom 5. August 2020 teilte die EL-Durchführungsstelle dem EL-Bezüger mit
(EL-act. 18), dass er verpflichtet sei, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen. Sollte er
dieser Pflicht nicht nachkommen, werde sie mit Wirkung ab dem 1. März 2021 ein
hypothetisches Erwerbseinkommen im Sinne des Art. 14a ELV anrechnen, was zu einer
Herabsetzung der Ergänzungsleistung führen werde. Mit einem zweiten Schreiben vom
selben Datum forderte sie den EL-Bezüger auf, eine Kündigungsbestätigung
A.c.
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einzureichen (EL-act. 17). Der EL-Bezüger reagierte nicht auf diese Schreiben. Mit einer
Verfügung vom 8. Oktober 2020 schloss die EL-Durchführungsstelle das Verfahren
betreffend die periodische Überprüfung der Ergänzungsleistung ab; sie rechnete
weiterhin ein jährliches Erwerbseinkommen von 3’510 Franken an, sodass der EL-
Anspruch unverändert blieb (EL-act. 13). Am 19. Januar 2021 forderte sie den EL-
Bezüger auf, Nachweise über allfällige Stellenbemühungen einzureichen (EL-act. 7).
Der EL-Bezüger reagierte nicht auf dieses Schreiben. Mit einer Verfügung vom 18.
Februar 2021 setzte die EL-Durchführungsstelle die laufende Ergänzungsleistung per 1.
März 2021 von 2’098 Franken (vgl. EL-act. 11) auf 1’567 Franken pro Monat herab (EL-
act. 6). Zur Begründung führte sie an, der EL-Bezüger habe nicht nachgewiesen, dass
er sich ausreichend ernsthaft um eine Arbeitsstelle bemüht habe, weshalb – anstelle
des bis dahin weiter berücksichtigten Lohnes von 3’510 Franken (vgl. EL-act. 9) – ein
hypothetisches Erwerbseinkommen von 13’073 Franken als Einnahme anzurechnen sei
(vgl. EL-act. 5).
Am 5. März 2021 teilte der Psychiater Dr. med. B._ der EL-Durchführungsstelle
mit (EL-act. 4), dass es dem EL-Bezüger in den vergangenen Monaten „psychisch sehr
schlecht“ gegangen sei, weshalb er keine Bewerbungsschreiben habe verfassen
können. Er sei spätestens seit dem Sommer 2020 vollständig arbeitsunfähig. Ab April
oder Mai 2021 werde er wahrscheinlich wieder zu 30 Prozent arbeitsfähig sein. Am 10.
März 2021 wies die EL-Durchführungsstelle den EL-Bezüger darauf hin, dass das
Schreiben von Dr. B._ nichts an ihrem Entscheid ändere (EL-act. 2). Am 19. März
2021 liess der EL-Bezüger eine Einsprache gegen die Verfügung vom 18. Februar 2021
erheben (act. G 3.2.12). Seine Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung, die Ausrichtung einer ohne ein hypothetisches
Erwerbseinkommen berechneten Ergänzungsleistung sowie die Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege für das Einspracheverfahren. Zur Begründung führte sie
aus, der EL-Bezüger sei gemäss dem Bericht von Dr. B._ vom 5. März 2021
vollständig arbeitsunfähig und ausserstande gewesen, sich um eine Arbeitsstelle zu
bemühen. Zudem sei er auch gar nicht in der Lage, ein Bewerbungsdossier zu erstellen
oder ein Motivationsschreiben zu verfassen; immerhin habe er jahrelang auf der
Strasse gelebt. Er sei mit den Anforderungen der EL-Durchführungsstelle komplett
überfordert. Ausserdem müsse die COVID-19-Situation berücksichtigt werden. Die
A.d.
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anwaltliche Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren sei notwendig, weil der
Einsprecher aufgrund seiner Erkrankung und der damit einhergehenden
eingeschränkten kognitiven Fähigkeit und Konzentrationsschwäche nicht in der Lage
sei, sich selbständig gegen die Verfügung zu wehren. Am 27. April 2021 forderte die
EL-Durchführungsstelle Dr. B._ auf, eine Liste mit allen Daten, an denen er seit dem
1. Januar 2020 vom EL-Bezüger konsultiert worden sei, einen Behandlungsplan mit
Angaben zur Medikation sowie eine Beschreibung der Verschlechterung des
Gesundheitszustandes einzureichen (act. G 3.2.10). Am 5. Mai 2021 teilte Dr. B._ mit
(EL-act. 9–3 f.), der EL-Bezüger habe ihn am 4. Februar 2020, am 14. Februar 2020, am
3. April 2020, am 25. Mai 2020, am 12. August 2020, am 22. Oktober 2020, am 27.
November 2020, am 25. Januar 2021, am 28. Januar 2021, am 5. Februar 2021, am 19.
Februar 2021, am 5. März 2021, am 11. März 2021 und am 12. März 2021 konsultiert.
Die Behandlung verlaufe „sehr niederschwellig“; in erster Linie ziele sie auf die
Verhinderung eines Suizides oder einer stationären Behandlung ab. Der EL-Bezüger
erhalte Sevrelong 120mg 1–0–1 sowie Sertralin 50mg 1–0–1. Er habe früher jahrelang
obdachlos auf der Strasse gelebt und er sei „schwerst drogenabhängig“ gewesen. Seit
einigen Jahren lebe er in einer Wohnung; den Alltag könne er einigermassen
bewältigen. Trotzdem träten immer wieder schwere depressive Phasen auf, in denen er
wochenlang „abtauche“, in seiner Wohnung verharre, den Briefkasten nicht leere und
Termine nicht wahrnehme. Der jahrelange Drogenmissbrauch habe seinen Tribut
gefordert: Die Vorderzähne seien herausgefallen und der EL-Bezüger leide an
chronischen Gelenkschmerzen. Seit dem letzten Sommer sei er deutlich verwahrloster.
Er sei nicht in der Lage, längerfristig einer geregelten Arbeit nachzugehen. Seit dem
letzten Sommer sei es ihm nicht einmal mehr möglich gewesen, weiterhin zu 30
Prozent in einem geschützten Rahmen zu arbeiten. Einer „Neuanmeldung“ bei der
Invalidenversicherung stehe Dr. B._ kritisch gegenüber. Der EL-Bezüger sei
psychisch nicht in der Lage, sich in seinem Alter erneut „der Willkür der
psychiatrischen Gutachter auszuliefern“, die ihn trotz seiner schweren Krankheit über
Jahre hinweg als uneingeschränkt arbeitsfähig qualifiziert hätten. Die EL-
Durchführungsstelle räumte der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers am 7. Mai
2021 die Gelegenheit ein, sich zu den Ausführungen von Dr. B._ zu äussern (act. G
3.2.8). Diese machte am 8. Juni 2021 geltend (act. G 3.2.5), sie habe den EL-Bezüger
nicht erreichen können, was zu dessen Krankheitsbild passe. Offensichtlich gehe es
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B.
ihm nicht gut. Für die Rechtsanwendung sei auf den Bericht von Dr. B._ abzustellen.
Für die Vergangenheit sei von einer längeren Phase einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen; für die Zukunft stünden die Chancen auf eine
Anstellung so schlecht, dass sich die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens nicht rechtfertige. Mit einem Entscheid vom 25. Juni 2021 wies
die EL-Durchführungsstelle sowohl die Einsprache gegen die Verfügung vom 18.
Februar 2021 als auch das Gesuch um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für
das Einspracheverfahren ab (act. G 3.2.4). Zur Begründung führte sie an, eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes des EL-Bezügers sei nicht ausgewiesen.
Gestützt auf die rechtskräftige Rentenverfügung der IV-Stelle sei weiterhin von einem
Arbeitsfähigkeitsgrad von 40 Prozent in der freien Wirtschaft auszugehen. Der EL-
Bezüger habe keinen Nachweis für die Behauptung erbracht, dass es ihm aus
invaliditätsfremden Gründen nicht möglich sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Folglich habe die EL-Durchführungsstelle zu Recht ein hypothetisches
Erwerbseinkommen berücksichtigt. Im Einspracheverfahren hätten sich keine
schwierigen tatsächlichen oder rechtlichen Fragen gestellt, die eine anwaltliche
Vertretung erfordert hätten.
Am 29. Juli 2021 liess der EL-Bezüger (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 25. Juni 2021 erheben (act. G 1).
Seine Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides, die Ausrichtung einer ohne ein hypothetisches
Erwerbseinkommen berechneten Ergänzungsleistung sowie die Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege für das Einsprache- und das Beschwerdeverfahren. Zur
Begründung führte sie aus, dem Beschwerdeführer sei es nie gelungen, im freien
Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Er habe keine Berufslehre absolvieren können und er
habe nie eine Arbeitsstelle für längere Zeit behalten können. Die meiste Zeit sei er
arbeitslos gewesen. In den Jahren 2012–2014 habe er in einem geschützten Rahmen
ein Teilpensum ausgeübt. Er habe keine Chance, eine Arbeitsstelle zu erhalten. Die
Annahme, er könnte mittels ausreichend ernsthafter Arbeitsbemühungen eine Stelle
finden, sei unrealistisch. Die anwaltliche Verbeiständung sei bereits im
Einspracheverfahren notwendig gewesen.
B.a.
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Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte
am 19. August 2021 die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte
sie an, die IV-Stelle sei von einer Arbeitsfähigkeit von 40 Prozent in der freien Wirtschaft
ausgegangen. Invaliditätsfremde Gründe, die gegen eine Verwertung dieser
Arbeitsfähigkeit auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt sprächen, seien nicht
ausgewiesen. Es könne nicht zum Vorneherein davon ausgegangen werden, dass der
Beschwerdeführer nie eine Arbeitsstelle finden werde.
B.b.
Am 26. August 2021 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren bewilligt (act. G 4).
B.c.
Der Beschwerdeführer liess am 15. Oktober 2021 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).
B.d.
Den vom Versicherungsgericht angeforderten IV-Akten liess sich entnehmen (act.
G 13.1), dass sich der Beschwerdeführer im Januar 2014 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung angemeldet hatte (IV-act. 2). Im Mai 2014 hatte Dr. B._
berichtet (IV-act. 13), der Beschwerdeführer leide an einer schweren kombinierten
Persönlichkeitsstörung, an einer larvierten mittelgradigen chronischen depressiven
Episode, an einem Status nach ausgeprägten Traumata, an einer langjährigen
Drogenabhängigkeit mit einer Abstinenz seit vier Jahren sowie an häufigen
Migräneanfällen. Er sei maximal zu 20 Prozent arbeitsfähig. In einem geschützten
Rahmen sei er zu höchstens 40 Prozent arbeitsfähig. Im Auftrag der IV-Stelle hatte der
Neurologe und Psychiater Dr. med. C._ am 12. November 2014 ein bidisziplinäres
Gutachten erstattet (IV-act. 37). Er hatte festgehalten, der Beschwerdeführer leide an
einer mehrfachen Substanzabhängigkeit bei einer überwiegenden Abstinenz und einer
Methadonsubstitution, an einer Migräne, an einem nicht radiculären Rückenschmerz
sowie an besonderen Persönlichkeitszügen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit habe er unter
erheblich erschwerten Entwicklungsbedingungen in der frühen Kindheit und in der
frühen Schulzeit eine sehr instabile Persönlichkeitsgrundstruktur entwickelt. Er habe
sehr früh mit einem mehrfachen Substanzkonsum begonnen, der rasch in eine
Abhängigkeit geführt habe. Über Jahre und Jahrzehnte habe er unter prekären sozialen
Verhältnissen und praktisch ausschliesslich zur Aufrechterhaltung und Befriedigung
des Substanzkonsums gelebt. Mit zunehmendem Alter und wahrscheinlich einer
B.e.
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Erwägungen
1.
zunehmenden Nachreifung der Persönlichkeit sei ihm offenbar aus eigenem Antrieb der
Entzug gelungen. Den Entzugszustand erlebe er als atypische Rückenschmerzen, für
die keine organische Ursache gefunden werden könne. Es handle sich am ehesten um
ein verändertes Schmerzerleben. Hinzu komme eine Migräne. Insgesamt habe sich der
Zustand seit der Berichterstattung durch Dr. B._ am 16. Mai 2014 wesentlich
gebessert. Die aktuell ausgeübte Tätigkeit in einem geschützten Rahmen sei dem
Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht im tatsächlich ausgeübten Pensum von 80
Prozent zumutbar. Der Gesundheitszustand sei nicht stabil; in den kommenden 18
Monaten sei mit einer weiteren Verbesserung zu rechnen. Auf eine Rückfrage der IV-
Stelle hin hatte Dr. C._ am 3. Dezember 2014 ergänzend ausgeführt (IV-act. 40),
unter Ausblendung der Abhängigkeitserkrankung und der damit im Zusammenhang
stehenden Rückenschmerzen sei eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent (gemeint wohl:
auf dem freien Arbeitsmarkt) zu attestieren, da die Migräne die Arbeitsfähigkeit im
Durchschnitt um 20 Prozent einschränke. Nachdem die IV-Stelle dem
Beschwerdeführer am 13. Januar 2015 die Abweisung des Rentenbegehrens wegen
eines nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrades von lediglich 20 Prozent
angekündigt hatte (IV-act. 44), hatte Dr. B._ am 13. Februar 2015 eingewendet, das
Gutachten von Dr. C._ überzeuge nicht (IV-act. 48). Daraufhin hatte Dr. med. D._
vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) am 12. März 2015 notiert (IV-act.
50), die Einwände von Dr. B._ seien teilweise begründet. Auf dem ersten
Arbeitsmarkt könne dem Beschwerdeführer nur ein halbes Pensum zugemutet werden.
Hinzu komme eine Leistungsminderung von zehn Prozent, sodass sich insgesamt ein
Arbeitsfähigkeitsgrad von lediglich noch 40 Prozent ergebe. Mit einer wesentlichen
Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Die IV-Stelle
hatte dem Beschwerdeführer schliesslich mit einer Verfügung vom 7. Juli 2015 eine
Dreiviertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 60 Prozent zugesprochen (IV-act. 59).
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheides auf dessen Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem
des Einspracheverfahrens entsprechen muss. Auch beim Einspracheverfahren hat es
1.1.
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sich um ein („echtes“) Rechtsmittelverfahren gehandelt, was bedeutet, dass sich sein
Zweck in der Überprüfung der Verfügung vom 18. Februar 2021 erschöpft hat und dass
sein Gegenstand folglich jenem des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens hat
entsprechen müssen. Die Verfügung vom 18. Februar 2021 scheint eine
Revisionsverfügung im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG gewesen zu sein. Dieser
Eindruck täuscht aber, denn sie ist keine Reaktion auf eine Veränderung des für die
Anrechnung eines (realen oder hypothetischen) Erwerbseinkommens massgebenden
Sachverhaltes, sondern vielmehr eine „Sanktion“ gewesen: Im August 2020 hatte die
Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer angehalten, sich ausreichend ernsthaft
um eine Arbeitsstelle zu bemühen. Sie hatte ihm angedroht, dass sie ab dem 1. März
2021 ein hypothetisches Erwerbseinkommen anrechnen werde, wenn er dieser Pflicht
nicht nachkomme. Da der Beschwerdeführer weder auf dieses noch auf ein Schreiben
vom 19. Januar 2021 reagiert hatte, mit dem die Beschwerdegegnerin ihn aufgefordert
hatte, die Nachweise über die Stellenbemühungen der letzten Monate einzureichen,
hatte sie – wie angedroht – per 1. März 2021 ein hypothetisches Erwerbseinkommen
angerechnet. Bei der entsprechenden Verfügung vom 18. Februar 2021 kann es sich
folglich nur um eine „Sanktionsverfügung“ im Sinne des Art. 43 Abs. 3 ATSG gehandelt
haben. Den Gegenstand des anschliessenden Einspracheverfahrens hat die Frage
gebildet, ob diese „Sanktion“ rechtmässig gewesen ist. Auch dieses
Beschwerdeverfahren muss folglich auf die Beantwortung dieser Frage abzielen.
Der Beschwerdeführer hat die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren beantragt. Die
Beschwerdegegnerin hat über dieses Begehren nicht mit einer Zwischenverfügung
entschieden, sondern sie hat es mit dem angefochtenen Einspracheentscheid
abgewiesen. Damit hat sie den Einspracheentscheid um einen zweiten Gegenstand
ergänzt, der mit der eigentlich zu beurteilenden materiellen Frage (vgl. E. 1.1) nichts zu
tun gehabt hat. Bei genauer Betrachtung enthält der angefochtene
Einspracheentscheid also zwei Entscheide mit je einem eigenen Gegenstand. Der
Beschwerdeführer hat beide Entscheide angefochten, weshalb auch dieses
Beschwerdeverfahren einen zweiten Streitgegenstand beinhaltet, nämlich die Frage
nach einem Anspruch auf eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Einspracheverfahren. Die gemeinsame Behandlung der beiden Streitgegenstände
ändert nichts an der Tatsache, dass diese je ein eigenes rechtliches Schicksal haben.
Dem Beschwerdeführer steht es also frei, dieses Urteil beispielsweise nur bezüglich
des materiellen EL-Anspruchs anzufechten. Diesem Umstand wird mit einer
bestmöglichen Trennung der Erwägungen und der Dispositivziffern entsprechend den
beiden Streitgegenständen Rechnung getragen.
1.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/15
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2.
Die Beantwortung der Frage, ob der Beschwerdeführer seiner
Schadenminderungspflicht in der Form der Ausübung einer Erwerbstätigkeit und damit
der Erzielung eines Erwerbseinkommens dadurch nachgekommen ist, dass er intensiv
eine Arbeitsstelle gesucht hat, setzt einen vollständig abgeklärten Sachverhalt voraus.
Dazu müsste insbesondere bekannt sein, ob und allenfalls in welchem Umfang und in
welcher Qualität sich der Beschwerdeführer um eine neue Arbeitsstelle beworben hat.
Die entsprechenden Nachweise hat nur der Beschwerdeführer selbst liefern können.
Die Beschwerdegegnerin hat ihn aufgefordert, solche Nachweise einzureichen. Dieser
Aufforderung ist er nicht nachgekommen, weshalb sich nicht die Frage nach der
Erfüllung der Schadenminderungspflicht, sondern vielmehr jene nach der Erfüllung der
Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung gestellt hat. Kommt eine versicherte
Person ihrer Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung in einer
unentschuldbaren Weise nicht nach, kann der Versicherungsträger gemäss dem Art. 43
Abs. 3 ATSG aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und ein
Nichteintreten beschliessen. Er muss die versicherte Person aber vorher schriftlich
mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; zudem muss er ihr eine angemessene
Bedenkfrist einräumen. Die ratio legis des Art. 43 Abs. 3 ATSG besteht darin, eine
Blockade des Verwaltungsverfahrens in jenen Fällen zu beseitigen, in denen die
Blockade auf eine Weigerung der versicherten Person zurückzuführen ist, ihre
Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung zu erfüllen. Die im Art. 43 Abs. 3
ATSG genannten Möglichkeiten des Sozialversicherungsträgers, auf eine solche
Weigerung zu reagieren, sind also bei genauer Betrachtung keine Sanktionen, sondern
vielmehr Druckmittel, mit denen die versicherte Person dazu gebracht werden soll, ihre
Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung doch noch zu erfüllen. Beide im Art.
43 Abs. 3 ATSG ausdrücklich genannten Druckmittel sind allerdings wirkungslos, wenn
die versicherte Person ihre Mitwirkungspflicht in einem Revisionsverfahren im Sinne
des Art. 17 ATSG verweigert, in dem ihr eine Herabsetzung oder die Aufhebung der
laufenden Leistung droht. Solange das Verfahren still steht, kann sie nämlich ihre
bisherigen, möglicherweise überhöhten Leistungen weiter beziehen. Daran würden
weder das „Nichteintreten“ noch ein Entscheid aufgrund der Akten (der stets auf eine
Nichtanpassung der laufenden Leistung lauten muss, solange die relevante
Sachverhaltsveränderung noch nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht) etwas ändern. Für diese Fälle enthält der
Wortlaut des Art. 43 Abs. 3 ATSG also kein geeignetes Druckmittel, was bedeutet, dass
der Wortlaut ausfüllungsbedürftig lückenhaft ist. Zur Füllung der Gesetzeslücke kommt
nur ein Druckmittel in Frage, das geeignet ist, den nötigen Druck aufzubauen, und das
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/15
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selbst dann problemlos und rechtsgleich angewendet werden kann, wenn der für den
Abschluss des Revisionsverfahrens massgebende aktuelle Sachverhalt noch
weitgehend unbekannt ist, nämlich die Einstellung der Leistung (vgl. BGE 139 V 585;
Tobias Bolt, Folgen einer Mitwirkungspflichtverletzung, in: JaSo 2016, S. 169 ff.). Die
Anwendung dieses Druckmittels ist gemäss dem Art. 43 Abs. 3 ATSG an die folgenden
Voraussetzungen geknüpft: Die versicherte Person muss ihre Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung verletzt haben; ihre Weigerung, die Mitwirkungspflicht zu
erfüllen, muss unentschuldbar sein; die dadurch entstandene Verfahrensblockade
muss solange „unüberwindbar“ sein, bis die versicherte Person ihre Mitwirkungspflicht
erfüllt; die versicherte Person muss zur Erfüllung ihrer Mitwirkungspflicht gemahnt
worden sein; der versicherten Person muss die spezifische Rechtsfolge bei einer weiter
andauernden Verweigerung der Mitwirkungspflicht angedroht worden sein und der
versicherten Person muss eine angemessene Bedenk- respektive Reaktionszeit
eingeräumt worden sein.
Nachdem die Beschwerdegegnerin erfahren hatte, dass der Beschwerdeführer
seine letzte Anstellung (in einem geschützten Rahmen) verloren hatte, hat sie ihn im
August 2020 aufgefordert, sich ausreichend ernsthaft um eine neue Arbeitsstelle zu
bemühen und Nachweise über diese Bemühungen zu führen. Sie hat ihm angedroht,
dass sie ab dem 1. März 2021 ein hypothetisches Erwerbseinkommen anrechnen
werde, falls er auf eine entsprechende Aufforderung im Februar 2021 hin keine
ausreichend ernsthaften Arbeitsbemühungen nachweisen könne. Nur der
Beschwerdeführer hat die Nachweise für allfällige Arbeitsbemühungen erbringen
können. Er hat weder auf die Aufforderung der Beschwerdegegnerin vom 5. August
2020 noch auf die Rückfrage vom 19. Januar 2021 reagiert, obwohl ihm dies durchaus
zumutbar gewesen wäre, da er doch in der Lage gewesen ist, die spätere Verfügung
vom 18. Februar 2021 einspracheweise anzufechten und eine Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 25. Juni 2021 zu erheben. Indem er nicht auf die
Aufforderungen der Beschwerdegegnerin vom 5. August 2020 und vom 19. Januar
2021 reagiert hat, hat er das Verwaltungsverfahren blockiert. Das bedeutet allerdings
nicht, dass er seine Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung in einer
unentschuldbaren Weise verletzt hätte, denn der behandelnde Psychiater Dr. B._ hat
in einem Schreiben vom 5. März 2021 (kurz nach der Eröffnung der Verfügung vom 18.
Februar 2021 und noch vor der Einspracheerhebung am 19. März 2021) darauf
hingewiesen, dass der Beschwerdeführer krankheitsbedingt nicht einmal mehr in der
Lage gewesen sei, ein Bewerbungsschreiben zu verfassen. Dieser Hinweis hätte von
der Beschwerdegegnerin nicht einfach ignoriert werden dürfen. Die Abklärung des
medizinischen Sachverhaltes im IV-Rentenverfahren lag damals immerhin bereits rund
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/15
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sechs Jahre in der Vergangenheit. Zudem hatte die IV-Stelle im Rentenverfahren
teilweise auf die Angaben von Dr. B._ abgestellt und diese damit als zumindest
teilweise überzeugend qualifiziert, weshalb die Beschwerdegegnerin keine
Veranlassung gehabt hat, die Angaben von Dr. B._ ohne weiteres als nicht
überzeugend zu qualifizieren. Auch wenn der Hinweis von Dr. B._ erst nach dem
Abschluss des Verwaltungsverfahrens eingegangen ist, wäre die Beschwerdegegnerin
verpflichtet gewesen, Abklärungen bezüglich der medizinischen Situation in der Zeit bis
zur Eröffnung der Verfügung vom 18. Februar 2021 zu tätigen. Der Sachverhalt erweist
sich damit nicht nur bezüglich der Frage, ob der Beschwerdeführer Stellenbemühungen
getätigt hat, sondern auch in medizinischer Hinsicht als unvollständig ermittelt.
Bezüglich des medizinischen Sachverhaltes hätte die Beschwerdegegnerin ohne die
Mitwirkung des Beschwerdeführers weitere Abklärungen (Einholen weiterer
Arztberichte, Rückfrage an Dr. B._ u.ä.) tätigen können. Das Verwaltungsverfahren ist
folglich nicht durch eine Mitwirkungspflichtverletzung des Beschwerdeführers blockiert
gewesen, weshalb beim damaligen Verfahrensstand kein ausreichender Grund für die
Anwendung des Art. 43 Abs. 3 ATSG bestanden hat. Damit erweist sich der
angefochtene Einspracheentscheid als rechtswidrig, weshalb er aufzuheben ist. Die
ersatzlose Aufhebung des Einspracheentscheides hat zur Folge, dass die Auszahlung
der gemäss der letzten formell rechtskräftigen Verfügung geschuldeten
Ergänzungsleistung nicht gestoppt wird; der Beschwerdeführer hat folglich über den
28. Februar 2021 hinaus einen unveränderten Anspruch auf die bisherige
Ergänzungsleistung.
Selbst wenn der Beschwerdeführer seine Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung in einer unentschuldbaren Weise verletzt hätte, müsste der
angefochtene Einspracheentscheid als rechtswidrig aufgehoben werden. Die
Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer nämlich ungenügend abgemahnt,
denn sie hat ihm nur angedroht, dass sie ein hypothetisches Erwerbseinkommen
anrechnen werde, falls er keine Nachweise über ausreichend ernsthafte
Stellenbemühungen einreichen werde, aber sie hat nicht angegeben, welchen Betrag
sie bei der Anspruchsberechnung einsetzen würde. Da sie davor ein Jahreseinkommen
von 3’510 Franken akzeptiert hatte, hat der Beschwerdeführer nicht mit der
Anrechnung eines höheren Einkommens rechnen müssen, denn die
Beschwerdegegnerin hatte diesen Jahreslohn ja als eine ausreichende Erfüllung der
Schadenminderungspflicht in der Form der Erzielung eines Erwerbseinkommens
qualifiziert. Der Beschwerdeführer hat die Androhung der Anrechnung eines nicht
bezifferten hypothetischen Erwerbseinkommens folglich als die Androhung der
Anrechnung eines fiktiven Lohnes von (weiterhin) 3’510 Franken verstehen müssen. Mit
2.3.
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3.
Der Anspruch auf eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren
setzt nach Art. 37 Abs. 4 ATSG die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung voraus,
was nur der Fall ist, wenn sich schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen,
die es der versicherten Person verunmöglichen, ihre Rechte ohne die Hilfe eines
Rechtsanwaltes zu wahren (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 37 N
36 ff., mit zahlreichen Hinweisen). Bei der Prüfung der Erforderlichkeit der anwaltlichen
Vertretung wird ein strenger Massstab angelegt (vgl. Kieser, a.a.O., Art. 37 N 36, mit
Hinweisen auf die Materialien). Gemäss dem Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO dient die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung nur der Wahrung der Rechte der Partei. Diese
Bestimmung ist zwar hier nicht direkt anwendbar, aber der Art. 118 ZPO regelt
dasselbe Problem wie der Art. 37 Abs. 4 ATSG, nämlich die Beantwortung der Frage, in
welchen Situationen eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung erforderlich sein kann,
weshalb die darin enthaltene Lösung sinngemäss auch in diesem Verfahren
massgebend sein muss. Ist eine beschwerdeführende Person aus gesundheitlichen
Gründen nicht in der Lage, ihre Rechte selbständig zu wahren, wie es nach den
Angaben der Rechtsvertreterin in Bezug auf den Beschwerdeführer der Fall sein soll,
kommt eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung nach Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO nicht
in Frage; vielmehr muss in einer solchen Situation ein Beistand (Art. 390 ff. ZGB)
bestellt werden. Der unentgeltliche Rechtsbeistand soll also nicht die Aufgabe eines
Beistandes übernehmen. Rechtsprechungsgemäss ist eine anwaltliche Vertretung in
der Regel nicht erforderlich im Sinne des Art. 37 Abs. 4 ATSG, wenn sich das
Einspracheverfahren nur um die Frage nach der Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens dreht (vgl. etwa das Urteil EL 2016/17 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 31. Januar 2017, E. 2.3 in fine, mit zahlreichen Hinweisen).
Dem Beschwerdeführer ist bereits aus dem Verwaltungsverfahren im Jahr 2015
betreffend die ursprüngliche Zusprache einer Ergänzungsleistung bekannt gewesen,
unter welchen Voraussetzungen ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen
ist. Nachdem die Beschwerdegegnerin vom Verlust der Arbeitsstelle Kenntnis erlangt
hatte, hat sie ihn frühzeitig im August 2020 darauf hingewiesen, dass sie wieder ein
hypothetisches Erwerbseinkommen anrechnen werde, sofern er sich nicht ausreichend
ernsthaft um eine Arbeitsstelle bemühe, wobei sie detailliert erklärt hat, was sie unter
ausreichend ernsthaften Arbeitsbemühungen verstanden hat. Das
der Anrechnung eines deutlich höheren Erwerbseinkommens hat er schlechterdings
nicht rechnen müssen. Wäre die Anwendung des Art. 43 Abs. 3 ATSG also
grundsätzlich zulässig gewesen, hätte nur ein hypothetisches Erwerbseinkommen von
3’510 Franken angerechnet werden dürfen.
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Verwaltungsverfahren und auch das anschliessende Einspracheverfahren haben sich
auf diese weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht schwierige Probleme
stellende Frage beschränkt. Der Beschwerdeführer (bzw. sein Beistand) hätte nur die
verlangten Stellenbemühungsnachweise einreichen müssen. Dafür hat er keine
anwaltliche Hilfe benötigt. Auch für das Verfassen der Einsprache, die nur minimalsten
formalen Anforderungen genügen muss (vgl. etwa den Entscheid EL 2015/14 des St.
Galler Versicherungsgerichtes vom 21. September 2016, E. 3.3, mit Hinweisen), hat er
keine Rechtsverbeiständung benötigt. Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch auf
eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren deshalb zu
Recht verneint. Diesbezüglich erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid als
rechtmässig.
4.
Gerichtskosten sind nicht zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG). Hinsichtlich des EL-An
spruchs obsiegt der Beschwerdeführer, weshalb ihm die Beschwerdegegnerin eine
Parteientschädigung auszurichten hat. Bezüglich der Frage nach einer unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren hat der unterliegende
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Der Staat hat seiner
Rechtsvertreterin aber zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren eine Entschädigung auszurichten,
die 80 Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3
AnwG). Der Vertretungsaufwand ist als insgesamt deutlich unterdurchschnittlich zu
qualifizieren, weil der Umfang der Akten und damit der Aufwand für das Aktenstudium
vergleichsweise gering gewesen ist und weil sich das Verfahren auf zwei isolierte,
einfache Rechtsfragen beschränkt hat. Eine beide Teile abdeckende
Parteientschädigung wäre deshalb auf 2’400 Franken festzusetzen, wovon drei Viertel
auf den sich auf den EL-Anspruch beziehenden Teil des Beschwerdeverfahrens und ein
Viertel auf die Frage nach einer unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das
Einspracheverfahren entfallen würden. Die Beschwerdegegnerin hat den
Beschwerdeführer folglich mit 1’800 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen; der Staat hat die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers mit 80 Prozent von 600 Franken, also mit 480 Franken, zu
entschädigen. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird
der Beschwerdeführer zur Rückerstattung dieser Entschädigung verpflichtet werden
können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).
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