Decision ID: 6d32c1ae-3709-41c5-9624-8b58dfc6ec8d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Mit Strafbescheid 62-2018-077/01 vom 26. August 2020 befand die Eidge-
nössische Spielbankenkommission (nachfolgend «ESBK») A. der Durchfüh-
rung von Spielbankenspielen, ohne die dafür notwendige Konzession zu be-
sitzen, begangen im Lokal «B.» an der Z.-Strasse in Y. für schuldig. A. wurde
zu einer bedingten Geldstrafe von 52 Tagessätzen zu Fr. 180.-- mit Probe-
zeit von zwei Jahren und zu einer Busse von Fr. 2'340.-- sowie zur Zahlung
einer Ersatzforderung von Fr. 29'048.70 verurteilt (Verfahrensakten, Urk. 07
051 ff.).
Dem Strafbescheid war ein anonymer Hinweis vorausgegangen, dass im Lo-
kal «B.» an der Z.-Strasse in Y. Serviceangestellte ohne Aufenthaltsbewilli-
gung arbeiten und illegale Glücksspiele betreiben würden. Anlässlich einer
anschliessenden Kontrolle der Kantonspolizei Solothurn vom 25. Juni 2018
in den besagten Räumlichkeiten wurden zwei Glücksspielapparate ([...] und
[...]) und vier Laptops mit mutmasslich darauf installierten Glücksspielen si-
chergestellt (Verfahrensakten, Urk. 01 006 ff.), woraufhin die Kantonspolizei
Solothurn am 3. September 2018 bei der ESBK Strafanzeige wegen Wider-
handlung gegen das Spielbankengesetz durch Organisieren von Glücksspie-
len und Aufstellen von Glücksspielautomaten ohne Prüfung erstattet hatte
(Verfahrensakten, Urk. 01 001 ff.).
B. Gegen den obgenannten Strafbescheid liess A. durch seinen Rechtsvertre-
ter Rechtsanwalt Camill Droll (nachfolgend «RA Droll») am 27. August 2020
Einsprache erheben. Er teilte der ESTV mit, dass er auf eine erneute Beur-
teilung der ESBK verzichte und deshalb die direkte Beurteilung durch das
Strafgericht im Sinne von Art. 71 VStrR beantragte. RA Droll hielt zudem fest,
dass eine Verurteilung von A. aus prozessrechtlichen Gründen nicht möglich
sei (Verfahrensakten, Urk. 07 056).
C. Mit Schreiben vom 1. September 2020 teilte die ESBK RA Droll mit, dass
seine Einsprache keine Begründung enthalte, weshalb innert laufender
Rechtsmittelfrist eine solche nachzureichen sei. Falls innert Frist keine Be-
gründung erfolge, werde auf die Einsprache nicht eingetreten (Verfahrens-
akten, Urk. 07 059).
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D. RA Droll antwortete mit Schreiben vom 3. September 2020 dahingehend,
dass die Aufforderung der ESTV, die Einsprache zu begründen, einen unzu-
lässigen Zwang zur Selbstbelastung darstelle und Art. 6 EMRK verletze. Er
hielt zudem fest, dass das Verfahren diverse Verfahrensmängel aufweise
und ein Schuldspruch wegen des Verbotes der doppelten Strafverfolgung
gar nicht mehr möglich sei (Verfahrensakten, Urk. 07 061).
E. Mit Datum vom 14. Oktober 2020 trat die ESTV auf die Einsprache von A.
vom 27. August 2020 gegen den Strafbescheid 62-2018-077/01 vom 26. Au-
gust 2020 mangels Begründung der Einsprache nicht ein (Verfahrensakten,
Urk. 07 065 ff.).
F. Dagegen liess A. beim Direktor der ESTV am 16. Oktober 2020 Beschwerde
erheben (Verfahrensakten, Urk. 08 071 ff.). Diese wurde mit Beschwerde-
entscheid des Direktors der ESTV vom 3. Mai 2021 abgewiesen (Verfahren-
sakten, Urk. 08 001 ff.).
G. Gegen den ablehnenden Entscheid des Direktors der ESTV vom 3. Mai 2021
liess A. bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts am
6. Mai 2021 Beschwerde erheben. Er beantragt, der angefochtene Ent-
scheid sei aufzuheben, auf die Einsprache vom 27. August 2020 sei einzu-
treten und das Verfahren sei gemäss Art. 71 VStrR an das zuständige Straf-
gericht zu überweisen (act. 1 S. 2).
H. Die ESTV teilt der Beschwerdekammer am 10. Juni 2021 mit, auf die Einrei-
chung einer Beschwerdeantwort zu verzichten und an den Ausführungen im
angefochtenen Beschwerdeentscheid vom 3. Mai 2021 festzuhalten (act. 6),
was A. am 15. Juni 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (act. 7).
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten
wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. Januar 2019 ist das Bundesgesetz über Geldspiele (Geldspielgesetz,
BGS; SR 935.51) in Kraft getreten. Es ersetzt unter anderem das auf diesen
Zeitpunkt ausser Kraft getretene Bundesgesetz über Glücksspiel und Spiel-
banken (Spielbankengesetz, SBG; SR 935.52). Neue Verfahrensvorschrif-
ten sind durch alle Instanzen unverzüglich anzuwenden, ausser sie führten
eine grundlegend neue Ordnung ein (BGE 129 V 113 E. 2.2.; TSCHAN-
NEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014,
S. 202). Verfolgende Behörde im Sinne von Art. 20 Abs. 1 VStrR ist wie
schon unter altem Recht das Sekretariat der ESBK (Art. 134 Abs. 2, Art. 104
Abs. 5 BGS). Das Sekretariat vertritt die ESBK vor eidgenössischen und kan-
tonalen Gerichten (Art. 104 Abs. 5 BGS).
1.2 Auch nach dem Inkrafttreten der Eidgenössischen Strafprozessordnung
(StPO; SR 312.0) und des Strafbehördenorganisationsgesetzes des Bundes
(StBOG; SR 173.71) am 1. Januar 2011 bleibt das VStrR auf Fälle der Bun-
desgerichtsbarkeit in Verwaltungsstrafsachen weiterhin anwendbar. Das
VStrR wurde durch die StPO (Anhang 1 Ziff. II/11) und das StBOG (Anhang
Ziff. II/9) teilweise geändert. Die Bestimmungen der StPO sind insoweit er-
gänzend oder sinngemäss anwendbar, als das VStrR dies ausdrücklich fest-
legt (vgl. Art. 22, Art. 30 Abs. 2-3, Art. 31 Abs. 2, Art. 41 Abs. 2, Art. 43 Abs. 2,
Art. 58 Abs. 3, Art. 60 Abs. 2, Art. 80 Abs. 1, Art. 82, Art. 89 und Art. 97
Abs. 1 VStrR). Soweit das VStrR einzelne Fragen nicht abschliessend regelt,
sind die Bestimmungen der StPO grundsätzlich analog anwendbar
(BGE 139 IV 246 E. 1.2 S. 248, E. 3.2 S. 249; Urteile des Bundesgerichts
1B_210/2017 vom 23. Oktober 2017 E. 1.1; 1B_91/2016 vom 4. August 2016
E. 4.1; zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 1B_433/2017 vom 21. März
2018 E. 1.1). Die allgemeinen strafprozessualen und verfassungsrechtlichen
Grundsätze sind jedenfalls auch im Verwaltungsstrafverfahren zu berück-
sichtigen (BGE 139 IV 246 E. 1.2 und E. 3.2; vgl. hierzu auch TPF 2016 55
E. 2.3; Beschluss des Bundesstrafgerichts BV.2017.26 vom 6. Septem-
ber 2017 E. 1.2 und E. 1.3).
2.
2.1 Gegen einen Beschwerdeentscheid des Direktors oder Chefs der beteiligten
Verwaltung kann innert drei Tagen bei der Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts Beschwerde geführt werden, wobei nur die Verletzung von
Bundesrecht, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes-
sens gerügt werden kann (Art. 27 Abs. 3 VStrR i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. b
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StBOG; Art. 28 Abs. 3 VStrR). Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch den
Beschwerdeentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der
Aufhebung oder Änderung hat (Art. 28 Abs. 1 VStrR).
2.2 Gegenstand der hier zu beurteilenden Beschwerde bildet der Beschwerde-
entscheid des Direktors der Beschwerdegegnerin, den dieser am 23. Ap-
ril 2019 gestützt auf Art. 27 VStrR erlassen hat. Die vorliegende Beschwerde
wurde form- und fristgerecht erhoben. Der Beschwerdeführer ist durch den
angefochtenen Beschwerdeentscheid berührt. Entsprechend hat er ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung. Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
3.
3.1 Gegen den Beschwerdeentscheid bringt der Beschwerdeführer vor, der an-
gefochtene Entscheid sei willkürlich und als überspitzer Formalismus zu wer-
ten. Nach Einreichen der Beschwerde vom 16. Oktober 2020 habe RA Droll
in einem anderen Verfahren eine deckungsgleiche Einsprache bei der Be-
schwerdegegnerin eingereicht. Auch in jenem Verfahren sei der Beschwer-
deführer von der Beschwerdegegnerin aufgefordert worden, die Einsprache
zu begründen, was RA Droll mit der bekannten Begründung verweigert habe.
Daraufhin habe die Beschwerdegegnerin die Einsprache entgegengenom-
men und sie als Antrag zur Überweisung an das zuständige Gericht beurteilt.
Wenn – wie die Beschwerdegegnerin ausführe – die Einsprache nur mit gül-
tigem Antrag entgegengenommen werden könne und in casu ein solcher ge-
fehlt haben solle, sei unverständlich, weshalb die Beschwerdegegnerin die
deckungsgleiche Einsprache in einem anderen Verfahren akzeptiert habe.
Die von der Beschwerdegegnerin im vorliegenden Verfahren angesetzte
Nachfrist habe sich nur auf die fehlende Begründung bezogen. Wenn die
Beschwerdegegnerin im Nachhinein von einem fehlenden Antrag spreche,
werde Treu und Glauben sowie das rechtliche Gehör des Beschwerdefüh-
rers verletzt. Der Antrag sei zudem unmissverständlich in der Einsprache
enthalten gewesen, indem der Beschwerdeführer eine direkte Beurteilung
durch das Strafgericht beantragt habe (act. 1 S. 4).
Der Beschwerdeführer sieht sodann in der Begründungspflicht der Einspra-
che eine Verletzung des Verbotes des Selbstbelastungszwanges und der
Unschuldsvermutung (act. 1 S. 5 f.).
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3.2
3.2.1 Gemäss Art. 67 Abs. 1 VStrR kann der Betroffene gegen den Straf- oder
Einziehungsbescheid der Verwaltung bei dieser innert 30 Tagen seit der Er-
öffnung Einsprache erheben. Die Einsprache ist schriftlich einzureichen, sie
hat einen bestimmten Antrag zu enthalten und die zur Begründung dienen-
den Tatsachen anzugeben (Art. 68 Abs. 1 und 2 VStrR). Genügt die Einspra-
che diesen Anforderungen nicht, oder lassen die Begehren des Einsprechers
oder deren Begründung die nötige Klarheit vermissen und stellt sich die Ein-
sprache nicht als offensichtlich unzulässig heraus, so wird dem Einsprecher
eine kurze Nachfrist zur Verbesserung eingeräumt (Art. 68 Abs. 3 VStrR).
Die Verwaltung verbindet diese Nachfrist mit der Androhung, nach unbenutz-
tem Fristablauf auf Grund der Akten zu entscheiden oder, wenn Begehren,
Begründung oder Unterschrift fehlen, auf die Einsprache nicht einzutreten
(Art. 68 Abs. 4 VStrR). Auf Grund der Ergebnisse ihrer neuen Prüfung trifft
die Verwaltung sodann eine Einstellungs-, Straf- oder Einziehungsverfügung
(Art. 70 Abs. 1 VStrR).
Nach Art. 71 VStrR kann auf Antrag oder mit Zustimmung des Einsprechers
die Verwaltung eine Einsprache als Begehren um Beurteilung durch das
Strafgericht behandeln.
3.2.2 Das Einspracheverfahren ist ein Wiedererwägungsverfahren, bei welchem
die Verwaltung die Möglichkeit erhält, ihren Entscheid nochmals zu überden-
ken und/oder die Verhältnisse (zusätzlich) abzuklären. Die Einsprache ist
also kein devolutives Rechtsmittel, das die Entscheidungszuständigkeit an
eine Rechtsmittelinstanz übergehen lässt (Beschluss des Bundesstrafge-
richts BV.2013.11 vom 15. Oktober 2013 E. 2.4; BURRI/EHMANN, Basler
Kommentar, 2020, N. 2 zu Art. 69 VStrR). Die Pflicht zur Begründung der
Einsprache gegen den Strafbescheid im Sinne von Art. 68 Abs. 2 VStrR be-
ruht auf dem Umstand, dass die Strafverfügung nach Art. 70 VStrR – im Ge-
gensatz zum Strafbefehl (Art. 352 ff. StPO), der einen Vorschlag zu ausser-
gerichtlichen Erledigung der Strafsache darstellt (BGE 140 IV 82 E. 2.6) –
auf einer umfassenden Grundlage beruhen muss und in einem kontradikto-
rischen Verfahren erlassen wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_1304/2017
vom 25. Juni 2018). Insofern leitet sich Art. 68 Abs. 2 VStrR aus dem verfas-
sungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör ab (Art. 29 Abs. 2 BV;
KREIT, Basler Kommentar, 2020, N. 8 zu Art. 68 VStrR). In der Literatur wird
die Pflicht zur Begründung der Einsprache mitunter als problematisch be-
zeichnet. Dies, weil im Verwaltungsstrafverfahren der Betroffene erst durch
seine Einsprache ein gerichtliches Verfahren erwirke. Seien die Begrün-
dungsanforderungen zu hoch, könne der konventionsrechtlich garantierte
Zugang des Betroffenen zum Gericht nicht mehr gewahrt werden (THOMMEN,
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Kurzer Prozess – fairer Prozess? Strafbefehls- und abgekürztes Verfahren
zwischen Effizienz und Gerechtigkeit, 2013, S. 108; KREIT, a.a.O., N. 9 zu
Art. 68 VStrR). Das Bundesgericht hat jedoch wiederholt festgehalten, dass
prozessuale Formen unerlässlich sind, um eine ordnungsgemässe Abwick-
lung des Verfahrens sowie die Durchsetzung des materiellen Rechts zu ge-
währleisten. Eingaben an Behörden, vor allem Rechtsmittelschriften, hätten
daher im Allgemeinen bestimmten formellen Anforderungen zu genügen: Es
müsse aus ihnen hervorgehen, dass und weshalb der Rechtsuchende einen
Entscheid anfechte und inwieweit dieser geändert oder aufgehoben werden
solle. Werde daher die Gültigkeit eines Rechtsmittels kraft ausdrücklicher
gesetzlicher Bestimmung davon abhängig gemacht, dass es eine minimale
Begründung enthalte, so liege darin weder eine Verweigerung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör vor, noch könne darin ein überspitzter Forma-
lismus gesehen werden. An die Qualität und Ausgestaltung der Begründung
des Rechtsmittels seien jedoch keine grossen Anforderungen zu stellen
(BGE 139 I 306 E. 1.2; 134 I 303 E. 1.3; Urteil des Bundesgerichts
2C_534/2016 vom 21. März 2017 E. 4.3). Um dem Betroffenen den konven-
tionsrechtlich zugesicherten Zugang zum Gericht nicht zu verwehren, dürfen
somit auch an die Begründung der Einsprache gegen den Strafbescheid im
verwaltungsstrafrechtlichen Verfahren keine allzu hohen Anforderungen ge-
stellt werden (KREIT, a.a.O., N. 38 zu Art. 67 VStrR). Dies gilt im besonderen
Masse in Fällen, da der zur Einsprache Legitimierte nicht anwaltlich vertreten
ist. Hingegen kann von fachkundigen Personen wie von Rechtsanwälten
grundsätzlich erwartet werden, dass sie Rechtsmittel und Einsprachen form-
gerecht einreichen; ihnen gegenüber wird eine Nachfristansetzung regel-
mässig lediglich bei Versehen oder unverschuldetem Hindernis in Frage
kommen (z.B. bei einer späten, allenfalls sogar erst im Einspracheverfahren
erfolgten Mandatsübernahme oder fehlender Akteneinsichtsmöglichkeit;
KREIT, a.a.O., N. 13 zu Art. 68 VStrR; vgl. auch BGE 121 II 252 E. 4b; Urteil
des Bundesgerichts 1P.254/2005 vom 30. August 2005 E. 2.5).
3.2.3 Von der Einsprache gegen den Strafbescheid ist der Antrag auf Übersprin-
gen des Einspracheverfahrens im Sinne von Art. 71 VStrR zu unterscheiden.
Anders als die Einsprache ist der Antrag auf Überspringen des Einsprache-
verfahrens an keine besondere Form gebunden und braucht nicht begründet
zu werden (RYSER, Basler Kommentar, 2020, N. 5 zu Art. 71 VStrR). Die
Pflicht, die Einsprache zu begründen, gilt unverändert auch dann, wenn der
Betroffene gleichzeitig mit der Einsprache den Antrag auf Überspringen des
Einspracheverfahrens stellt. Dies ergibt sich aus dem Umstand, dass es sich
bei Art. 71 VStrR um eine Kann-Vorschrift handelt, die Verwaltung mithin –
unter Ausübung des pflichtgemässen Ermessens – nicht verpflichtet ist, das
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Einspracheverfahren zu überspringen bzw. eine Überweisung an den Straf-
richter zu veranlassen (RYSER, a.a.O., N. 8 ff. zu Art. 71 VStrR).
3.3 Vorliegend liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter gegen
den Strafbescheid vom 26. August 2020 am 27. August 2020 Einsprache
erheben und stellte gleichzeitig einen Antrag auf Überspringen des Ein-
spracheverfahrens im Sinne von Art. 71 VStrR. Die Einsprache begründete
er damit, dass eine Verurteilung aus prozessrechtlichen Gründen nicht mög-
lich sei (act. 1.3). Welche prozessrechtlichen Hindernisse gegen eine Verur-
teilung des Beschwerdeführers vorliegen sollen, führte RA Droll nicht aus.
Vor dem Hintergrund der dargelegten, in Art. 68 VStrR statuierten Begrün-
dungspflicht, ist nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer im Sinne von Art. 68 Abs. 3 VStrR mit Schreiben vom
2. September 2020 aufforderte, während der noch laufenden dreissigtägigen
Einsprachefrist eine Begründung nachzureichen, unter Androhung, dass im
Unterlassungsfalle auf die Einsprache nicht eingetreten werde. RA Droll kam
der Aufforderung der Beschwerdegegnerin insofern nach, als er im Schrei-
ben vom 3. September 2020 festhielt, das Verfahren weise diverse Verfah-
rensmängel auf und ein Schuldspruch sei wegen des Verbots der doppelten
Strafverfolgung gar nicht möglich. Eine weitergehende Begründung der Ein-
sprache lehnte RA Droll ausdrücklich ab (act. 1.5). An welchen Mängeln das
Verfahren leiden soll und inwiefern das Verbot der doppelten Strafverfolgung
konkret verletzt worden sein soll, führte RA Droll im Schreiben vom 3. Sep-
tember 2020 nicht aus. Erst im Rahmen der vorliegenden Beschwerde
machte RA Droll mit Bezug auf das Verbot der doppelten Strafverfolgung
geltend, der Beschwerdeführer sei für den gegenständlichen Sachverhalt be-
reits mit einem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn
verurteilt worden (act. 1 S. 8). Wenn der Beschwerdeführer geltend machen
lässt, die Beschwerdegegnerin umgehe mit dem Zwang, die Einsprache be-
gründen zu müssen, das Verbot des Selbstbelastungszwangs, kann dem
nicht gefolgt werden. Zum einen sind eine Begründungspflicht der Einspra-
che sowie die rechtlichen Konsequenzen bei Nichtbefolgen der Begrün-
dungspflicht gesetzlich vorgeschrieben, zum anderen ist nicht ersichtlich, in-
wiefern der Beschwerdeführer durch die Begründung von angeblichen Ver-
fahrensmängeln und des Verbots der doppelten Strafverfolgung einer unzu-
lässigen Selbstbelastung ausgesetzt wäre und er sich bereits zu sämtlichen
Verhandlungspositionen äussern müsste. Die Berufung auf das Nemo-tene-
tur-Prinzip geht in diesem Zusammenhang fehl. Ebenso wenig kann der Be-
schwerdeführer aus dem Umstand, dass die Beschwerdegegnerin in einem
angeblich gleichgelagerten Fall den Antrag auf Überweisung an das zustän-
dige Gericht im Sinne von Art. 71 VStrR «entgegengenommen» hat, etwas
zu seinen Gunsten ableiten. Wie bereits ausgeführt, befreit der gleichzeitige
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Antrag auf Überspringen des Einspracheverfahrens nicht von der Pflicht, die
Einsprache zu begründen (vgl. supra E. 3.2.3). Mit anderen Worten kann
aufgrund des Umstandes, dass die Beschwerdegegnerin einen Antrag auf
Überspringen des Einspracheverfahrens entgegengenommen hat, nicht ge-
schlossen werden, dass die – davon unabhängig und gleichzeitig erhobene
– Einsprache nicht begründet werden müsste. Die Beschwerdegegnerin ist
daher mangels Begründung zu Recht auf die Einsprache nicht eingetreten.
Dass sich die Beschwerdegegnerin dabei von Willkür hätte leiten lassen, be-
stätigt sich offensichtlich nicht.
3.4 Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb
sie abzuweisen ist. Soweit die Beschwerdegegnerin über den Antrag auf
Überspringen des Einspracheverfahrens (zwischenzeitlich) noch nicht ent-
schieden haben sollte, wird sie dies noch nachholen müssen. Eine allfällige
Abweisung des Antrags wird in einem begründeten Entscheid erfolgen müs-
sen.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdefüh-
rer die Gerichtskosten zu tragen (Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 66 Abs. 1
und 5 BGG analog). Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 2'000.-- festzusetzen
(Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 73 StBOG und Art. 5 sowie Art. 8 Abs. 1
BStKR), unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher
Höhe.
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