Decision ID: 62e9c6f8-d90b-4ad1-bd31-7044c24703d6
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der
unter Beistandschaft (Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung
gemäss
Art. 394 und Art. 395 de
s Zivilgesetzbuches, ZGB; Urk. 8/
V
) stehende
Z._
,
geboren 1975
, bezog eine Invalidenrente
der
Invalid
enversicherung (vgl. Urk.
8
/A1-A3,
Urk.
8/B) sowie Ergänzungsleistungen
zur
Invalidenrente
(vgl. Urk.
8/7
).
Infolge Wohnsitzes in der Gemeinde
A._
richtete
die S
ozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Zusatzleistungen zur AHV/IV,
an
Z._
sowie an seine getrennt von ihm lebende Tochter
X._
, geboren 2007,
Zusatzleistungen aus
(vgl.
Urk.
7/7/
3-
6
,
Urk.
8/7
)
.
Mit Schreiben vom 1
6.
Februar 2016 teilte
die
Beiständin
von
Z._
der Stadt
B._
, Amt für Zusatzleistungen AHV/IV,
mit, dass dieser per 1
5.
Februar 2016 von se
inem bisherigen Wohnort in
A._
in die Stadt
B._
gezogen sei und seinen Wohnsitz dorthin verlegt habe. Sodann beantragte sie
die
Ausrichtung von Zusatzleistungen zur
Invalidenrente bei der Stadt
B._
,
Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV,
da der Rentner neu in der Stadt
B._
wohnhaft sei
(vgl.
Urk.
8/6a und
Urk.
8/6b)
.
Auf entsprechende
telefonische
Aufforderung seitens der Stadt
B._
, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV
,
vom
9.
März 2016 (vgl.
Urk.
8
/
17
) teilte
die
Bei
ständin
am 2
4.
März 2016
mit, dass
Z._
sich nicht persönlich in
B._
anmelden könne, weil
er
in
C._
verhaftet worden sei
und sich auc
h weiterhin in Haft befinde. Seine
persönlichen Effekten befänden sich jedoch in dem gemieteten Zimmer (
Urk.
8
/18).
Mit
Verfügungen vom 2
9.
Febr
uar 2016
stellte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Zusatzleistungen zur AHV/IV,
die Zusatzleistungen für
Z._
sowie
X._
infolge Wohnsitzwechsels
ab
1.
März 2016 ein (
vgl.
Urk.
7/7/1
,
Urk.
10/3
/
3-4
).
Mit Verfügung
en
vom
2.
Mai 2016
(
Urk.
7/V1
,
Urk.
8/V1
) stellte die Stadt
B._
, Amt für Zusatzleistungen
zur AHV/IV
, die
Bearbeitung der Gesuche
von
Z._
und
von
X._
um Ausrichtung von Zusatzleistungen zur AHV/
IV vom
1
6.
Februar 2016 (
Urk.
8/6b
) und vom
1
3.
April 2016
(vgl. Urk.
7/7)
man
gels Wohnsitzbegründung von
Z._
in
B._
ein
.
Dagegen e
rhob die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Züric
h
, Zusatz
leistungen zur AHV/IV,
am 1
2.
Mai
und am
2.
Juni 2016
Einsprache (Urk.
8/21-22
)
.
Mit
Einspracheentscheid
vom 2
2.
Juni 2016 wies die Stadt
B._
, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV, die Einsprachen ab
(
Urk.
7/V2,
Urk.
8/V2 =
Urk.
2).
2.
2.1
X._
, gesetzlich vertreten durch die Mutter
Y._
, erhob am
6.
Juli 2016 Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid
der Stadt
B._
, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV,
vom 2
2.
Juni 2016 (
Urk.
2) und beantragte
Zusatzleistungen für die Monate März und April 2016 respektive
sinngemäss
die Klärung der Zuständigkeit (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom 4
. A
ugust 2016 (Urk. 6
) beantragte die
Stadt
B._
, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV,
die Abweisung
der
Beschwerde, was de
r
Beschwerdeführer
in
1
am
1
3.
September 2016
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9). Dieser Prozess wurde unter
der
Prozessnummer ZL.2016.00096
angelegt.
2.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Zusatzlei
stungen zur AHV/IV, erhob am 2
0.
Juli 2016 g
egen den
Einspracheentscheid
der
Stadt
B._
, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV, vom 22
.
Juni 2016
(Urk.
2)
Beschwerde und beantragte
, dieser
und die Verfügungen vom
2.
Mai 2016 seien aufzuheben
,
und das Amt für Zusatzleistungen der Stadt
B._
sei anzuweisen, auf die Gesuche um Ausri
chtung von Zusatzleistungen von
Z._
und
X._
einzutreten (
Urk.
10/1
S. 1
).
Die
Stadt
B._
, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV,
sch
loss mit Beschwerdeantwort vom 16. August 2016
auf Abweisung
der
Beschwerde (Urk. 10/6
)
, was der
Beschwerdeführe
rin 2
am
1
3.
September 2016
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Dieser Prozess wurde unter
der
Prozessnummer ZL.2016.00104
angelegt.
2.3
Da beiden Beschwerden derselbe Sachverhalt zugrunde liegt
und
es um die identische Frage d
er örtlichen Zuständigkeit geht,
rechtfertigt es sich, die zwei Verfahren zu vereinigen und in einem einzigen Urteil zu erledigen
.
Mittels Gerichtsv
erfügung
en
vom 13.
September 2016
wurde
der
Prozess Nr. ZL.2016.00104
mit dem vorliegen
den Prozess Nr. ZL.2016.00096
vereinigt und unter dieser Prozessnummer weitergeführt,
das Verfahren Nr. ZL.2016
.00104
als
dadurch erledigt
abgeschrieben (
Urk.
9
,
Urk.
10/7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Nach Art. 23 Abs. 1 ZGB befindet sich
der
Wohnsitz einer Person an dem Ort, wo sie sich mit
der
Absicht dauernden Verbleibens aufhält. Für die Begründung des Wohnsitzes müssen somit zwei Merkmale erfüllt sein: ein objektives
äusse
res
,
der
Aufenthalt, sowie ein subjektives inneres, die Absicht dauernden Ver
bleibens.
Nach
der
Rechtsprechung kommt es nicht auf den inneren Willen, son
der
n darauf an, welche Absicht objektiv erkennbar ist
(
BGE 137 II 122
E.
3.6
mit Hinweisen
). Nicht erfor
der
lich ist die Absicht, für immer o
der
für eine
unbestimmte Zeitspanne an einem Ort zu bleiben; die Absicht eines vorüberge
henden Aufenthaltes kann für eine Wohnsitzbegründung genügen, wenn
der
Aufenthalt auf eine gewisse Dauer angelegt ist und
der
Lebens
mittelpunkt
an den Aufenthaltsort verlegt wird (RKUV 2000 Nr. KV 101 S. 15 E. 3a).
Um den Wohnsitz einer Person festzustellen, ist die Gesamtheit ihrer Lebensumstände in Betracht zu ziehen:
Der
Mittelpunkt
der
Lebensinteressen befindet sich an dem
jenigen Ort beziehungsweise in demjenigen Staat, wo sich die meisten Aspekte des persönlichen, sozialen und beruflichen Lebens
der
betroffenen Person kon
zentrieren, sodass
der
en Beziehungen zu diesem Zentrum enger sind als jene zu einem an
der
en Ort (BGE 125 III 10
0
mit Hinweisen). Die Bestimmungen des ZGB über den Wohnsitz sehen sodann vor, dass
der
einmal begründete Wohn
sitz einer Person bestehen bleibt bis zum Erwerb eines neuen Wohnsitzes (Art. 24 Abs. 1 ZGB).
1.
2
Gemäss
Art.
21
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG)
ist für die
Festsetzung und Auszahlung der Ergänzungsleistung der Kanton zuständig, in dem der Bezüger oder die Bezügerin Wohnsitz hat.
Der Aufenthalt in einem Heim, einem Spital oder einer andern Anstalt begründet keine neue Zuständigkeit.
Nach
Art.
21
Abs.
2 ELG bezeichnen die Kantone die Organe
, die für die Entge
gennahme der Gesuche und für die Festsetzung und die Auszahlung der
Ergän
zungsleistungen
zuständig sind.
1.3
Gemäss
§
21
Abs.
1 des Zürcher Gesetzes über die Zusatzleistungen zur eidge
nössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ZLG)
sind die Zusatzleistungen von der Gemeinde zu gewähren, in welcher der Gesuchsteller oder die Gesuchstellerin den
zivilrechtlichen Wohnsitz
hat.
Gemäss
§
21
Abs.
2 ZLG begründen der Aufenthalt in einem Heim, einem Spital oder einer anderen Anstalt keine neue Zuständigkeit.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin machte in ihrem
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) geltend,
Z._
halte sich nicht in
B._
auf
,
und aus dem Umstand, dass für ihn ein möbliertes Zimmer gemietet worden sei
und
sich angeblich persönliche
Gegenstände dort befänden
, könne nicht geschlossen werden, dass der Rentner in
B._
Wohnsitz begründet habe. Unter diesen Umständen greife die Ver
mutung von
Art.
24
Abs.
1 ZGB wonach ein einmal begründeter Wohnsitz so lan
ge bestehen bleibe, bis ein neuer Wohnsitz beg
ründet worden sei
.
Z._
habe sich bis dato nicht als Einwoh
ner der Stadt
B._
angemeldet
(S. 2
Ziff.
4
).
2.2
Dageg
en machte die Beschwerdeführerin
1 in ihrer Beschwerde (
Urk.
1)
sinnge
mäss
geltend,
es seien die Zuständigkeitsfrage zu klären und die
Ergänzungs
leistungen
für die Monate März und April 2016 auszurichten
.
2.3
D
ie Beschwerdeführerin
2
hielt
in ihrer
Beschwerde (
Urk.
10/1)
sodann fest
,
Z._
habe die Erfordernisse für eine Wohnsitzbegründung in der Stadt
B._
erfüllt. So habe er
am 1
0.
Februar 2016 den Mietvertrag für die möblierte Einzimmerwohnung in
B._
unterzeichnet und der Mietbeginn sei am 1
5.
Februar 2016 gewesen.
Gemäss
Angaben der
Beiständin
sei
er
in diese Wohnung eingezogen und habe dort auch seine persönlichen Ef
fekten aufbe
wahrt. Damit habe
Z._
seine Absicht manifestiert, in der Wohnung in
B._
dauerhaft zu verbleiben.
Für die Begründung eines Wohnsitzes spiele es keine Rolle, ob eine Meldung beim Personenmeldeamt erfolgt sei. Es gebe kein
en
Grund, an den Angaben der
Beiständin
zu zweifeln. Der Umstand, dass sich
Z._
seit März 201
6 in
D._
aufhalte, ändere nichts an der Wohnsitzbegründung
(S. 3).
3.
3.1
Streitig und zu prüfen ist,
ob die
Beschwerdeführerin 2
oder die
Beschwerde
gegnerin
für die
Festsetzung und Auszahlung
von Zusatzleistungen an
Z._
beziehungsweise an
X._
ab März 2016
zuständig ist.
Entsche
idend ist dabei die Frage, ob
der Versicherte
in der Stadt
B._
einen neuen Wohnsitz begründet hat oder nicht.
Die Frage beurteilt sich gestützt auf
Art.
21
Abs.
2 ELG nach Zürcher Recht und damit nach
§
21
Abs.
1 und
Abs.
2 ZLG
,
womit der zivilrechtliche Wohnsitz
massgebend
ist
(vgl. vorstehend E.
12
3)
.
3.2
Unbestritten ist, dass der
Invalidenrentner
Z._
seinen Wohnsitz
bis zu seinem Wegzug
im Februar 2016 (vgl.
Urk.
10/3/2)
in der Gemeinde
A._
hatte
.
Die Beschwerdegegnerin
verneinte
indes
eine Wohnsitzbegründung von
Z._
in der Stadt
B._
mit der Begründung, er habe sich nicht als Einwohner der Stadt
B._
angemeldet, und es sei nicht ausgewiesen, dass sich
seine
persönlichen Sachen tatsächlich in der i
n
B._
gemieteten Wohnung befä
nden (vgl. vorstehend E. 2.1).
3.3
Wie ausgeführt (
vgl.
vorstehe
nd E. 1.1)
,
befindet sich der Wohnsitz einer Person
an dem Ort
,
an welchem
sie sich
mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält (
Art.
23
Abs.
1 ZGB) und
welchen
sie sich zum Mittelpunkt ihr
er Lebensinte
ressen gemacht hat, wobei die innere Absicht des dauernden Verbleibens nach
aussen
erkennbar geworden sein muss.
Der Mittelpunkt der Lebensbeziehung
befindet sich im Normalfall
am Wohnort, wo man schläft, die Freizeit verbringt und wo sich die persönlichen Effekte
n
befinden.
Ist die objektiv erkennbare Absicht des dauernden Verweilens und der Begrün
dung eines neuen Lebensmittelpunktes gegeben,
so genügt ein Aufenthalt kür
zester Dauer (Einzug) zur Begründung eines Wohnsitzes
(
vgl.
Basler Kommen
tar,
Z
ivilgesetzbuch
I, Daniel
Staehelin
,
Art.
23 N 6
und N 21
).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist
für d
en zivilrechtlichen Wohnsitz
unmassgebend
, wo eine Person angemeldet ist und ihre Schriften hinterlegt hat (vgl. BGE 133 V 309
E. 3.3
).
Dieses
Kriterium ist lediglich als Indiz
für die Absicht des dauernden Verbleibens zu werten (
vgl.
Basler Kommentar,
a.a.O.
,
Art.
23 N 23
).
3.4
Es ist unbestritten und ausgewiesen, dass die
Beiständin
für den Versicherten per 1
5.
Februar 2016 eine Wohnung in
B._
mietete (
Urk.
8/16). Unbestritten und ebenso ausgewiesen ist, dass die
Beiständin
am 1
6.
Februar 2016 sowohl die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Zusatzleistungen zur AHV/IV (
Urk.
10/3/1), als auch die Stadt
B._
, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV (
Urk.
8/6a), über den am 1
5.
Februar 2016 erfolgten Umzug nach
B._
informierte. Daraufhin zog die Gemeinde
A._
mit Schreiben vom 1
9.
Februar 2016 (
Urk.
10/3/2) die Forderungsabtretung betreffend die Miete für die Notunterkunft per sofort zurück und hielt fest, dass der Versicherte nicht mehr in der Notunterkunft in
A._
wohne. Am 2
4.
März 2016 (
Urk.
8/18) teilte die
Beiständin
der Stadt
B._
, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV, schliesslich mit, dass sich die persönlichen Effekten des Versicherten in der Wohnung in
B._
befänden.
Nicht nur der Umstand, dass die
Beiständin
für den Versicherten eine Wohnung in
B._
mietete, sondern vielmehr auch die Tatsachen, dass sie beide Ämter zeitnah über den am Tag zuvor erfolgten Umzug schriftlich unterrichtete und die Gemeinde
A._
den Auszug aus der Notunterkunft ebenfalls zeitnah schriftlich bestätigte, lassen nicht nur den Umzug, sondern auch die
Wohnsitz
nahme
in
B._
als überwiegend wahrscheinlich erscheinen, zumal die Stadt
B._
, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV, auch keine substantiierten Vor
bringen gegen das Argument, es befänden sich in der
B._
Wohnung die persönlichen Effekten des Versicherten, vorbrachte.
Damit
sind
die genannten Umstände und
Tatsachen
als Indizien, welche für eine Wohnsitzbegründung in der Stadt
B._
sprechen
,
stärker zu gewichten, als das von der Beschwerdegegnerin vo
rgebrachte Indiz der f
ehlenden Einwohnera
nmeldung
und es ist als über
wiegend wahrscheinlich zu betrachten, dass
Z._
in der Stadt
B._
einen neuen Wohnsitz begründet h
at
.
3.
5
A
ufgrund des Gesagten ist davon auszugehen, dass sich
Z._
mit der Absicht dauernden Verbleibens
im Februar 2016
in
die Stadt
B._
begeben und dort seinen
zivilrechtlichen
Wohnsitz im Sinne von Art. 23 Abs. 1 ZGB
begründet hat.
Zuständig zur Festsetzung und Ausrichtung der Zusatzleistungen für die Zeit ab
März 2016
ist daher die Beschwerdegegnerin
, weshalb
in
Gutheissung
der Beschwerden der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 2
2.
Juni 2016 (
Urk.
2) aufzuheben
ist
.