Decision ID: 74dab807-4a2c-575f-bba5-dcd71865be51
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1967, arbeitete
seit 1999 als Kassiererin bei der
Y._
,
als sie aus psychischen Gründen ab dem 29. September 2011 krankge
schrieben
(Urk. 8/3 Ziff. 4.4, Ziff. 5.3, Ziff. 6.2-3) und das Arbeitsverhältnis
sodann
per 30. November 2012 aufgelöst wurde (Urk. 8/18/14).
Am 8. Januar 2013 meldete sie sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug (berufliche Integration/Rente) an (Urk. 8/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte
medizinische Berichte (Urk. 8/9) sowie
einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, Urk. 8/7) ein
,
zog ein von der Krankentaggeldversicherung der Versicherten eingeholtes
versicherungspsychi
atrisches
Gutachten vom 31. Januar 2013 (Urk. 8/10
/3-20) bei (Urk. 8/10/1) und nahm berufliche Abklärungen vor (Urk.
8/6)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/13-14)
wies die IV-Stelle am 7. Mai 2013 zunächst das Gesuch um berufliche Massnahmen
verfügungs
weise
ab (Urk. 8/15)
und verneinte mit Verfügung vom 8. Mai 2013 auch einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 8/16).
2.
Gegen die Verfügung vom 7. Mai 2013 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 7. Juni 2013 Beschwerde und beantragte die Gewährung von Arbeitsvermittlung (Urk. 1 S. 1). Am 10. Juni 2013 erhob die Versicherte sodann auch Beschwerde gegen die Verfügung vom 8. Mai 2013 (Urk. 9/2) und beantragte, es sei diese aufzuhe
ben und es sei ihr eine halbe Invalidenren
te zuzusprechen
sowie in prozessualer Hinsicht die unentgeltliche Prozessführung
und
Verbeiständung
zu bewilligen (Urk. 9/1 S. 1
f.
)
, worauf die IV-Stelle mit Beschwerdeantwort vom 13. August 2013 die Abweisungen beider Beschwerden und die Vereinigung der bis anhin separat geführten Verfahren IV.2013.00537 und IV.2013.00540 beantragte (Urk. 7).
Mit Verfügung vom 19. August 2013 wurde der Prozess IV.2013.00540 mit dem vorliegenden Prozess IV.2013.00537 vereinigt und als dadurch erledigt abge
schrieben sowie die Beschwerdeantwort der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdeführerin machte geltend, in den angefochtenen Verfügungen vom 7. und 8. Mai 2013 seien jeweils die Begründungen völlig ungenügend, um näher darauf eintreten zu können (Urk. 1 S. 3 Ziff. 3, Urk. 9/1 S. 4 Ziff. 5).
1.2
Nach
Art.
49
Abs.
3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) sind Verfügungen zu begründen, wenn sie den Be
gehren der Parteien nicht voll entsprechen. Die aus dem Anspruch auf rechtli
ches Gehör folgende Begründungspflicht soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und die betroffene Person in die Lage versetzen, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist je
doch nur möglich, wenn sowohl sie wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sie ihre Verfügung stützt. Inhalt und Dichte einer
rechtsgenüglichen
Begründung lassen sich nicht allgemein bestimmen, sondern nur in Relation zur konkreten materiell-, beweis- und verfahrensrecht
lichen Lage (Urteil des Bundesgerichts 9C_363/2009 vom 1
8.
März 2010
=
SVR 2010 IV Nr. 51
E. 3.1; vgl. auch BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88).
1.3
Es trifft zu, dass die IV-Stelle in den angefochtenen Verfügungen nur oberfläch
lich und sehr knapp gehalten begründete,
was sich auch darin zeigte, dass sie auf das beigezogene versicherungspsychiatrische Gutachten abstellte, es jedoch nicht namentlich nannte
.
Es kann aber offen bleiben, ob die Beschwerdegegnerin damit die aus dem An
spruch auf rechtliches Gehör fliessende Begründungspflicht verletzt hat. Denn selbst wenn dies zuträfe, handelte es sich nicht um eine schwerwiegende Verlet
zung des Gehörsanspruchs, weil der Beschwerdeführerin dadurch die sachge
rechte Anfechtung des Verwaltungsaktes nicht verunmöglicht wurde. Von einer Rückweisung der Sache an die IV-Stelle ist im Sinne einer Heilung des allfälli
gen Mangels unter diesen Umständen abzusehen, da dem urteilenden Gericht die volle Kognition zusteht und eine - auch von der Beschwerdeführerin selbst nicht beantragte - Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führte, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der Beschwerdeführerin an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren sind (BGE 132 V 387 E. 5.1 S. 390; Urteil des Bundesge
richts 8C_682/2011 vom 1
2.
Oktober 2011 E. 3.2.4).
2.
2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geisti
gen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufga
benbereich berücksichtigt (
Art.
6 ATSG).
2
.4
Invalide oder von einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss
Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu er
halten oder zu verbessern; und
b.
die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen er
füllt sind (
Abs.
1).
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (
Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Artikel 13 und 21 besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (
Abs.
2). Nach Massgabe von Artikel 16 Absatz 2 Buchstabe c besteht der Anspruch auf Leistungen unabhän
gig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (
Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen in (
Abs.
3):
medizinischen Massnahmen (
lit
. a);
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliede
rung (
lit
.
a
bis
);
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbil
dung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe,
lit
. b);
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
2
.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2
.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Entscheide vom
7.
und 8. Mai 2013 voll
umfänglic
h auf das beigezogene versicherungspsychiatrische Gutachten (vgl. Feststellungsblatt, Urk. 8/11) und ging davon aus, dass der
frühere
Gesundheits
schaden
(
Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion
)
zwischen
zeitlich remit
tiert sei, weshalb kein relevanter Gesundheitsschaden mit Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vorliege, welche Leis
tungen der Invali
denversicherung
(Rente und berufliche Massnahmen)
zu begründen vermögen (Urk. 2, Urk. 9/2).
3
.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt,
es sei auf die klar ausgewiesene Diagnose von Dr. med.
Z._
abzustellen beziehungsweise der
Ansicht
ihres Hausarztes zu folgen, welcher die Meinung vertrete, dass die neben
den depressiven Störungen auf
tretende chronische Migräne zu einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % führe. Des Weiteren dränge sich ein
e
vom Gericht angeordnete Begutachtung durch einen absolut neu
t
ralen Psychiater auf, welcher nicht primär für Versicherungsgesellschaften arbeite (Urk. 9/2 S. 4). Bei einer Erwerbsunfähigkeit von 50 % sei
darüber hinaus
eine Arbeitsvermittlung notwendig (Urk. 1 S. 3 unten).
3.3
Strittig und zu prüfen
ist
, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Rentenan
spruch und
einen Anspruch auf berufliche
Massnahmen (Arbeitsvermittlung) verneinte.
4.
4.1
Am 21. Februar 2002 liess sich die Beschwerdeführerin auf der Notfallstation Medizin des
A._
ambulant behandeln. Die Ärzte diagnostizierten eine
Migraine
accompagnée
und berichteten, dass diese seit Jahren bekannt sei und zirka 1-2 Mal pro Monat
vor allem bei Stress auftrete, begleitet von
Hypästhesien
in der rechten Hand. Die Ärzte verzichteten bei typischer Anam
nese und Befunde für eine
Migraine
accompagnée
auf radiologische Abklärun
gen und entliessen die Beschwerdeführerin nach Abgabe von
Medikamenten
in deutlich gebessertem
Gesundheitsz
ustand (Urk. 8/9/4).
4.2
Am 10. Januar 2013 wurde die Beschwerdeführerin durch Dr. med.
B._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, psychiatrisch
begutachtet (Urk. 8/10/3-20). Er stellte die Diagno
se einer fraglichen durchlau
fen
en Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2), aktuell remittiert (S. 9 oben) und kam zum Schluss, es lasse sich bei der Beschwerde
führerin
aktuell keine eigenständige krankheitswertige psychische Störung diagnostizieren.
Die subjektiv beklagten Beschwerden könnten zwar nachvoll
zogen werden
. Bei diesen handle es sich aber nicht
um eine psychische Symp
tomatik als Ausdruck einer p
rimär psychischen Störung
. Gegebenenfalls könnte vor mehr als einem Jahr eine psychische Symptomatik vorgelegen haben als Ausdruck einer Anpassungsstörung, die allerdings inzwischen als remittiert zu betrachten sei (S. 16 Ziff. 5). Ebenfalls seien gewisse psychosoziale
Belastungs
faktoren
in den Arbeitsplatzauseinandersetzungen zu benennen, welche sogar als krankheitsfremde Faktoren den deutlich überwiegenden Anteil am Umstand hätten, weshalb die Beschwerdeführerin aktuell noch nicht wieder eine normale oder weitgehende sie in wirtschaftliche Unabhängigkeit führende
Arbeitstätig
keit
aufgenommen habe (S. 16 Ziff. 6).
Aus psychiatrischer Sicht sei
die Be
schwerdeführerin
deshalb in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als Kassiererin weiterhin zu 100 % arbeitsfähig und sei auch in irgendwelchen Tätigkeiten nicht durch eine psychische Symptomatik oder Beschwerden durch eine psychi
atrische Erkrankung eingeschränkt (S. 17 Ziff. 8).
4.3
Med.
pract
.
C._
,
Facharzt für Neurologie FMH, Regionaler Ärztlicher
Dienst (RAD), nannte in seiner Stellungnahme vom 12. März 2013 (Urk. 8/11/2-3)
als Funktionseinschränkungen eine Beeinträchtigung durch Migr
äneattacken (
Migraine
accompagné
e
seit 10 Jahren), Ängste
bezüglich
Vorliegen einer de
mentiellen Erkrankung sowie eine pass
a
gere depressive Repression. Er hielt fest, dass anhand des fachpsychiatrischen Gutachtens eine andauernde Einschrän
kung der Erwerbsmöglichkeit der Beschwerdeführerin in bisheriger Tätigkeit aufgrund von Beeinträchtigungen der körperlichen, geistigen und psychischen Gesundheit überwiegend nicht
wahrscheinlich sei. Die vorgängig in der Haupt
sache auslösende Störung im Sinne einer Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion sei zwischenzeitlich remittiert und die Arbeitsfähigkeit von 100 % in angestammter Tätigkeit plausibel begründet.
4.4
Der Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med.
D._
,
Facharzt für Innere Medizin und Nierenkrankheiten FMH, bescheinigte
der Beschwerdefüh
rerin einstweilen bis 19. März 2013
auf der Taggeldkarte des
Krankentaggeld
versicherers
eine
seit dem 29. September 2011 durchgehend
bestehende
voll
ständige Arbeit
sunfähigkeit (Urk. 9/3/11).
4.
5
Im nach Verfügungserlass eingegangen Bericht vom 5. Juni
2013 berichtete Dr. med.
Z._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
, zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin (Urk. 9/3/10) und nannte als Diagnose eine anfänglich mittelgradige bis
schwergradige
depressive Episo
de bei einer kombinierten Persönlichkeitsstörung. Er kritisierte das aus seiner Sicht in keiner Weise nachvollziehbare Gutachten von Dr.
B._
bezüglich Untersuchung, Aufzeichnung, Bewertung der Phänomene, Gewichtung der
Symp
tomatik, Diagnostik und Schlussfolgerungen und führte aus, bislang sei eine Reintegration nicht möglich. Ein erster Versuch
sei
vor kurzem gescheitert. Eine Unterstützung (zumindest Berufsberatung) wäre hilfreich. Aus seiner Sicht sei die Beschwerdeführerin im Moment maximal auch erst zu 50 % belastbar (S. 1).
Mit Bericht vom 12. Juli 2013 (Urk. 9/10/4) führte
Dr.
Z._
aus, die Beschwerdeführerin sei übergewissenhaft, ständig in der Sorge und Angst vor Ungenügen und Schelte.
Sie zeige
bereits seit der Kindheit
einen absurd anmu
tenden Stolz auf vollbrachte, übermenschliche Anstrengungen (
Pensen
, Leistun
g
en), sei gleichzeitig ihrem Ex-M
ann sowie beruflichen Vorgesetzten gegenüber abhängig, unterwürfig, wolle niemanden enttäuschen. Gemäss ICD-10 F6,
Ein
gangskriterien
für Persönlichkeitsstörungen, entwickle sich ein deutliches sub
jektives Leiden manchmal erst im späteren Verlauf, wie bei der Beschwerdefüh
rerin vorliegend. Ihr miserables Selbstwertgefühl könne sie nur via übersteigerte Leistungserbringung
ein Stück weit kompensieren (S. 1).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht auf das den praxisgemässen Anforderun
gen
(vgl. vorstehend E. 2.6
) entsprechende Gutachten von Dr.
B._
(vgl. vorstehend E. 4.
2
) abgestellt: Es
beruht auf einer fachärztlich psychiatrischen Untersuchung
(S. 7 ff.)
und einer umfassenden psychologischen
Anamneseerhe
bung
(S. 6 ff.)
.
Sodann leuchtet es in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. So setzte sich
Dr.
B._
eingehend mit den geklagten Beschwerden und der
belasten
den Lebenssituation der
Beschwerdeführer
in
auseinander und hat sodann schlüssig aufgezeigt, dass sich aus psychiatrischer Sicht trotz der nachvollzieh
bar
en
subjektiven Beschwerden
keine eigenständige Erkrankung diagnostizieren lässt.
Diese Einschätzung wurde auch vom RAD-Arzt Dr.
C._
geteilt, welcher festhielt, dass eine andauernde Einschränkung der Erwerbsmöglichkeit der Be
schwerdeführerin in bisheriger Tätigkeit aufgrund von Beeinträchtigungen der körperlichen, geistigen und psychischen Gesundheit überwiegend nicht wahr
scheinlich sei (vgl. vorstehend E. 4.3).
Darüber hinaus finden sich weder in den Akten irgendwelche Hinweise noch werden durch d
i
e Beschwerdeführer
in
weitere Umstände geltend gemacht, wel
che die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit von
Dr.
B._
in Zweifel ziehen lassen könnten
, wie es die Beschwerdeführerin andeutete (Urk. 9/1 S. 4 Ziff. 5)
.
Es ist daher vollumfänglich auf das Gutachten von Dr.
B._
abzustellen, wonach von keiner psychischen Gesundheitsschädigung auszugehen ist, welche
eine Arbeitsunfähigkeit sowohl in angestammter wie auch in angepasster Tätig
keit zur Folge hat.
5.2
Dr.
Z._
gab in seinen Berichten zuhanden der Beschwerdeführerin
(vgl. vorstehend E. 4.5
) zwar an, die Beschwerdeführerin leide an einer anfänglich mittelgradige
n
bis
schwergradige
n
depressive
n
Episode bei einer kombinierten Persönlichkeitsstörung. E
r benannte aber weder eine klare psychiatrische Diag
nose gemäss der Kodierung nach ICD-10 (vgl. BGE 130 V 396)
und begrün
dete seine gegenteilige Ansicht zum Gutachten von Dr.
B._
in keiner Weise
noch beschrieb er eine psychische Symptomatik, aufgrund derer sich Rückschlüsse auf eine eigenständige psychische Erkrankung mit allfälligen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit schliessen liesse.
Vielmehr beschrieb er das Verhalten der Beschwerdeführe
ri
n mit Sorge und Angst vor Ungenügen und die Probleme am Arbeitsplatz, mithin psychosoziale Faktoren, welche aber rechtsprechungsgemäss nicht als gesundheitliche Beeinträchtigungen im Sinne des Gesetzes (
Art.
4
Abs.
1 IVG sowie
Art.
3 und 6 ff. ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 IVG)
zu verstehen sind
(
BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 2
3.
März 2009
,
E. 2)
.
Folglich
vermögen
diese Bericht
e
das Gutachten von Dr.
B._
nicht in Zweifel zu ziehen.
Zu
dem datieren die Berichte von Dr.
Z._
nach Verfügungserlass, welche
r
aber Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 121 V 362 E. 1b), weshalb auf diese grundsätzlich
ohnehin nicht
abgestellt werden kann.
5.3
Nicht abgestellt
werden kann zudem auf die von Dr.
D._
in der
Tag
geldkar
te
attestierte Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorstehend E. 4.
4
). Weshalb die Beschwer
deführerin nach seiner Ansicht zu 100 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sein soll, lässt sich mangels Diagnosestellung und fehlender Begrün
dung nicht nachv
ollziehen, mithin fehlt es an einem aussagekräftigen
Arzt
bericht
mit Stellungnahme, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig ist und welche Arbeitsleis
tungen ihr noch zugemutet werden können (vgl. vorstehend E. 2.5).
Ebenfalls
vermag
die Schlussfolgerung der Beschwerdeführerin, wonach gemäss Dr.
D._
die
neben den depressiven Störungen auftretende chronische Migräne zu einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % führe
(Urk. 9/1 S. 4 Ziff. 5)
,
nicht zu überzeugen
. Aus dem Bericht
der Ärzte des
A._
aus dem Jahre 2002
lässt sich
lediglich
entnehmen, dass anlässlich einer ambulan
ten Behandlung der Beschwerdeführerin eine
Migraine
accompagnée
diagnosti
ziert wurde, welche seit Jahren bekannt sei und zirka ein bis zwei Mal pro Monat bei Stress auftrete
. Eine Arbeitsunfähigkeit wurde
dabei
aber
nicht
attes
tiert
und
es wurden auch
keine zusätzlichen Abklärung
en
für notwendig befunden (vgl. vorstehend
E. 4.1).
Zudem hat die Beschwerdeführerin bei der Anmel
dung zum Leistungsbezug
betreffend Angaben zur gesundheitlichen Beeinträchtigung selbst
nu
r psychische Probleme angegeben
, ohne die
Migrä
neproblematik
zu erwähnen
(Urk. 8/3 Ziff. 6.2).
5.
4
Zusammenfassend ist somit unter Berücksichtigung der gesamten Aktenlage kein invalidisierender Gesundheitsschaden ersichtlich. Entgegen dem Antrag de
r Beschwerdeführerin
besteht daher kein Anlass zu weiteren Abklärungen.
Sofern sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit
dem Erlass der Verfü
gungen im
Mai 2013 verschlechtert haben sollte, steht es ihr jedoch frei, bei der Beschwerdegegnerin eine Neuanmeldung
einzureichen
.
Weil von einer vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszuge
hen ist, sind damit die Voraussetzungen für einen Anspruch auf eine Invali
denrente
wie auch ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung
nicht erfüllt.
Die angefochtenen Verfügungen sind demnach nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerden führt.
6.
6.1
Zu prüfen ist schliesslich der Anspruch der Beschwerdeführerin auf unentgelt
liche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung
im Beschwerdeverfahren (Urk. 9/1).
6.2
6.2.1
Nach Art. 61
lit
. f ATSG muss im kantonalen Beschwerdeverfahrend das Recht, sich verbeiständen zu lassen, gewährleistet sein, wobei der Beschwerde füh
renden Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt wird, wo die Verhält
nis
se es rechtfertigen. Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzun
gen für die
Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Prozessführung notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 47, 100 V 62, 98 V 117).
6.2.2
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
6.3
6.3.1
Im vorliegenden Verfahren war im Wesentlichen die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin strittig. Die diesbezügliche Beschwerde erscheint nicht als
aussichtslos. Für das vorliegende Verfahren sind damit die Voraussetzungen zur Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands und zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung erfüllt, da die Bedürftigkeit ausgewiesen ist (Urk.
9/9, Urk. 9/10/1-3,
Urk.
14-15,
Urk.
18-19
), die Beschwerde nicht aus
sichtslos zu bezeichnen und die Vertretung geboten ist. Das diesbezügliche Gesuch der Beschwerdeführerin vom 10. Juni 2013 ist daher gutzuheissen.
6.3.2
Mit Kostennote vom 1
9.
September 2013 (
Urk.
20) machte der unentgeltliche Rechtsvertreter einen Aufwand von 145 Minuten und Barauslagen von
Fr.
6.--geltend, was als angemessen erscheint. In Anwendung der praxisgemässen Entschädigung von
Fr.
200.-- pro Stunde (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist der un
entgeltliche Rechtsvertreter deshalb mit rund
Fr.
530.-- (2.42
Stunden
x 2
00
.
=
Fr.
484.
;
Fr.
490.
x 1.08 =
Fr.
529.20
) aus der Gerichtskasse zu entschädi
gen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
.
6.4
Da es um die Bewilligun
g oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfah-rensaufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, in Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Das Gericht
beschliesst
:
In Bewilligung des Gesuch
e
s vom 10. Juni 2013 (Urk. 9/1
) wird der Beschwerdeführe
rin die unentg
eltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Dr. Bernhard Meier, Zürich, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt,
und erkennt
sodann
:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Die Beschwerdeführerin wird
auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt
Dr.
Bernhard Meier, Zürich,
wird mit
Fr.
530
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Ge
richtskasse entschädigt.
Die Beschwerdeführerin wird
auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinge
wiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsanwalt
Dr.
Bernhard Meier
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse
5.