Decision ID: 5ef0cbad-16c8-4fc1-9210-99bd5b5a6036
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a Am 6. April 2006 meldete sich G._, Jahrgang 1950, zum Bezug von IV-
Leistungen an. Er beantragte berufliche Eingliederungsmassnahmen (Berufsberatung,
Umschulung) sowie eine Rente (IV-act. 4).
A.b Der Hausarzt Dr. A._, Arzt für allgemeine Medizin, hielt in seinem Arztbericht vom
11. Mai 2006 fest, der Versicherte leide an einem Status nach ischämischem Hirninfarkt
(linksseitiges Mediastromgebiet) am 17. Juli 2005 mit rtPA Lyse am 17. Juli 2005,
symptomatischer höchstgradiger Arteria interna Stenose links mit komplikationsloser
TEA am 25. Juli 2005 und vaskulären Risikofaktoren. Daneben diagnostizierte er einen
Verdacht auf Coxarthrose rechts, eine dekompensierte Esophorie sowie eine
Hyperopie mit Astigmatismus. Der Arzt attestierte dem Versicherten ab dem 17. Juli
2005 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für jegliche Arbeiten, auch in
einem geschützten Rahmen. Er gab an, der Gesundheitszustand sei stationär, die
Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Massnahmen nicht verbessert werden und
ergänzende medizinische Abklärungen halte er nicht für angezeigt (IV-act. 20).
A.c Demgegenüber hielt Dr. B._, Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen,
in seinem Bericht vom 16. Juni 2006 fest, dass bereits während der vom 17. Juli bis
25. Juli 2005 dauernden Hospitalisation bis auf eine diskrete rechtsseitige
Fazialisparese eine vollständige Besserung der neurologischen Defizite eingetreten sei.
Der Gesundheitszustand des Versicherten sei besserungsfähig, die Arbeitsfähigkeit
könne durch medizinische Massnahmen verbessert werden und berufliche
Massnahmen seien angezeigt. Eine Umschulung sei allerdings wegen des sozialen
Hintergrunds, der Ausbildung und der rudimentären Deutschkenntnisse nicht
erfolgversprechend. Im bisherigen Beruf als Gipser bestehe aufgrund leichter
Feinmotorikstörungen der rechten Hand eine Leistungsfähigkeit von 50 % (ca. vier
Stunden pro Tag), die aus rein neurologischer Sicht steigerbar sein sollte. Auch bei
andern Tätigkeiten sei ein Arbeitspensum von 50 % mit weiterer Steigerung sinnvoll. Im
Vordergrund der Störungen stünden depressive Stigmata mit rascher Ermüdbarkeit,
Tagesmüdigkeit und vermindertem Antrieb. Im Hinblick auf den diagnostizierten
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Verdacht auf reaktive Depression und Anpassungsstörungen nach der cerebralen
Ischämie sei insbesondere eine psychiatrische Abklärung angezeigt. Die
Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf könne durch eine antidepressiv-
medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung verbessert werden (IV-act. 23).
A.d Am 27./28. März 2007 liess die IV-Stelle den Versicherten polydisziplinär
begutachten. Die Ärztliche Begutachtungsinstitut GmbH (ABI), Basel, stellte am 21. Mai
2007 folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: Status nach
ischämischem Mediainfarkt links am 17. Juli 2005 (ICD-10 I63.1), initial
sensomotorische Hemisymptomatik rechts und Aphasie, rt-PA-Lyse am 17. Juli 2005,
symptomatische, höchstgradige Interna-Abgangsstenose links mit Status nach
Carotisendarterektomie am 25. Juli 2005, eine residuelle Feinmotorikstörung der
rechten Hand und sensible Hemisymptomatik rechts sowie vaskuläre Risikofaktoren.
Überdies wurde beim Versicherten eine hypertensive und Verdacht auf koronare
Herzkrankheit (ICD-10 I11.9 und ICD-10 I25.1) sowie eine konzentrische
linksventrikuläre Hypertrophie anamnestisch diagnostiziert. Laut ärztlicher
Einschätzung sei, da der Schlaganfall bald zwei Jahre zurück liege, von einem
Endzustand auszugehen, was bedeute, dass sich die vorhandenen Defizite nicht weiter
zurückbilden würden. Entsprechend könnten auch keine weiteren Massnahmen
genannt werden. Die Langzeitprognose hänge massgeblich von der Behandelbarkeit
und Einstellung der vaskulären Risikofaktoren ab. Dem Gutachten ist weiter zu
entnehmen, dass sich durch die Folgen des erlittenen Schlaganfalls aus neurologischer
Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergebe, in erster Linie durch die
Feinmotorikstörung der rechten Hand und durch eine – angesichts des Schlaganfalls
plausible, wenn auch nicht objektivierbare – verminderte physische Belastbarkeit. Nicht
relevant ins Gewicht falle die Sensibilitätsstörung auf der rechten Körperseite.
Ausgehend von den objektivierbaren Befunden sei die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Gipser nach wie vor zumutbar, wenn auch in vermindertem Ausmass und mit
vermindertem Rendement. Aus internistischer Sicht hingegen bestehe aufgrund der
hypertensiven und der möglichen koronaren Herzkrankheit eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit für körperlich schwer belastende Tätigkeiten, beispielsweise für eine
Tätigkeit auf dem Bau als Gipser. Körperlich leicht bis mittelschwer belastende
Tätigkeiten seien jedoch zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht konnte keine Diagnose
gestellt werden. Die Gutachter führten aus, dass der Versicherte zwar seit zwei Jahren
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in psychiatrischer Behandlung sei und antidepressive Medikamente erhalte. Allerdings
sei der Serumspiegel des Antidepressivums weit unter dem therapeutischen Bereich.
Es müsse daher angenommen werden, dass der Versicherte die Medikamente nicht in
der genannten Dosierung einnehme. Bei der psychiatrischen Untersuchung habe er
sich leicht dysphorisch, ansonsten jedoch ausgeglichen mit lebendigem Rapport zum
Dolmetscher und aktiv schwingungsfähig präsentiert. Der Schlaganfall scheine ihn aus
der Bahn geworfen zu haben, eine explizite psychiatrische Erkrankung könne jedoch
nicht attestiert werden. Demzufolge bestehe aus psychiatrischer Sicht keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Zusammenfassend kommen die Gutachter zum Schluss, dass beim Versicherten keine
zumutbare Arbeitsfähigkeit mehr für körperlich schwer belastende berufliche
Tätigkeiten – wie auch für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Gipser – bestehe. Eine
körperlich leicht bis intermittierend maximal mittelschwer belastende Tätigkeit sei ihm
jedoch vollumfänglich mit einer Leistungseinschränkung von 1/3 zumutbar,
entsprechend einer Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 70 %). Eine solch adaptierte
Tätigkeit sollte keine zu hohen Anforderungen an die Feinmotorik der rechten Hand und
an die sprachliche Kommunikation stellen, da der Versicherte kaum Deutsch spreche,
zudem sollte sie nicht das Zurücklegen längerer Gehstrecken erfordern (IV-act. 33).
A.e Mit Vorbescheiden vom 2. Juli 2007 stellte die IV-Stelle dem Versicherten den
Abschluss der Arbeitsvermittlung und die Verneinung des Rentenanspruchs in
Aussicht. Zur Begründung führte sie einerseits aus, es könne keine Arbeitsvermittlung
durchgeführt werden, da er sich für leichte bis maximal mittelschwere Tätigkeiten trotz
einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 70 % nicht arbeitsfähig fühle; anderseits bestehe
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 38 % kein Rentenanspruch. Die IV-Stelle setzte
dem Beschwerdeführer eine Frist zur Stellungnahme bis 3. September 2007 (IV-act.
39-41). Am 13. August 2007 ersuchte der Rechtsanwalt des Versicherten, Marco
Büchel, Oberuzwil, um Zustellung der Akten (IV-act. 43). Da innert Frist keine
Stellungnahme zu den Vorbescheiden einging, wies die IV-Stelle das Rentengesuch mit
Verfügung vom 13. September 2007 ab (IV-act. 50). Überdies teilte sie mit, dass die
Arbeitsvermittlung wegen subjektiver Arbeitsunfähigkeit abgeschlossen werde (IV-act.
49).
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A.f Mit Schreiben vom 14. September 2007 liess der Versicherte durch seinen
Rechtsvertreter Einwand erheben und ausführen, ihm sei zu Unrecht kein
Leidensabzug gewährt worden. Ein Abzug von insgesamt 25 % erscheine in seinem
Fall angebracht. Damit habe er Anspruch auf eine halbe IV-Rente, zumal der
Arbeitsfähigkeitsgrad nicht 70 %, sondern nur 2/3 betrage (IV-act. 51). Die IV-Stelle
teilte am 26. September 2007 mit, es könne kein Leidensabzug gewährt werden (IV-
act. 52).
B.
B.a Gegen die Rentenverfügung vom 13. September 2007 richtet sich die Beschwerde
vom 4. Oktober 2007 mit den Anträgen, die Verfügung sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben und es sei ihm eine halbe IV-Rente auszurichten.
Überdies sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Zur Begründung
lässt er vorbringen, die Beschwerdegegnerin stütze sich einzig auf das ABI-Gutachten.
Diesem sei in Ziffer 6.2 zu entnehmen, dass die Leistungseinschränkung einen Drittel
betrage, was 33 1/3 % entspreche, nicht 30 %, wie in der Zusammenfassung
aufgeführt. Zudem stütze sich die Beschwerdegegnerin zu Unrecht auf den
Standpunkt, ein Leidensabzug sei nicht erforderlich (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 8. November 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Nach einer modifizierten
Berechnung des Invalideneinkommens resultiere ein Invaliditätsgrad von knapp 36 %.
Zum Beschwerdepunkt der Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI von 70 % legt sie dar,
es liege in der Natur der Sache, dass die Arbeitsfähigkeit an sich nicht mathematisch
exakt ermittelt werden könne. Ausserdem bemängle der Beschwerdeführer zu Unrecht,
dass die Beschwerdegegnerin einzig auf das ABI-Gutachten abstelle. Laut
Rechtsprechung sei es der Verwaltung bei einem klaren und überzeugenden
Beweisergebnis sogar verwehrt, einen Exploranden ohne triftigen Grund einer neuen
Begutachtung zu unterziehen. Schliesslich sei ein Teilzeitabzug nicht gerechtfertigt, da
der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit vollzeitlich verwerten könne (act. G 3).
B.c Am 14. November 2007 hat das Versicherungsgericht das Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den
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Gerichtskosten; Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) bewilligt
(act. G 5).
B.d Mit Replik vom 4. Dezember 2007 lässt der Beschwerdeführer unter Kosten- und
Entschädigungsfolge die Aufhebung der Verfügung vom 13. September 2007 und die
Ausrichtung einer ganzen IV-Rente beantragen. Eventualiter sei ihm eine halbe IV-
Rente auszurichten (act. G 6). Er begründet seinen Hauptantrag damit, dass er seines
fortgeschrittenen Alters, seiner beruflichen Qualifikationen und seiner medizinischen
Einschränkungen wegen seine Restarbeitsfähigkeit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf dem freien Arbeitsmarkt nicht mehr verwerten könne. Bezüglich
des Eventualbegehrens verweist er auf die beschwerdeweise vorgebrachten
Begründungen (act. G 6).
B.e Mit Duplik vom 13. Dezember 2007 bestätigt die Beschwerdegegnerin ihren Antrag
vom 8. November 2007 (act. G 8).
B.f Am 9. Mai 2008 stellt die Beschwerdegegnerin dem Versicherungsgericht drei
ärztliche Berichte zu, die nach Erlass der streitigen Verfügung vom 13. September 2007
bei ihr eingegangen sind. Sie vertritt die Auffassung, diese Arztberichte hätten in
materieller Hinsicht keine Bedeutung für das laufende Verfahren (act. G 11).

Erwägungen:
1.
Vorliegend ist die Verfügung vom 13. September 2007 zu beurteilen, weshalb die auf
den 1. Januar 2008 mit der 5. IV-Revision in Kraft getretenen Änderungen nicht
anwendbar sind.
2.
Streitig ist ein allfälliger Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Nach Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70
%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei
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einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist der Invaliditätsgrad durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person erzielen könnte, wäre sie nicht invalid geworden.
3.
3.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
3.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 ATSG). Danach haben
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie unfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach
zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des
streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Gutachtens
ist nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
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Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Gutachters begründet sind (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a).
3.3 Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei der Arbeitsfähigkeit einzig auf das ABI-
Gutachten vom 30. Mai 2007, was der Beschwerdeführer rügt. Daher sind vorab die
medizinischen Grundlagen zu würdigen.
3.3.1 Die polydisziplinäre Beurteilung des ABI beruht auf umfangreichen Vorakten, der
persönlichen Befragung des Beschwerdeführers in seiner Muttersprache (unter Beizug
eines Dolmetschers) und auf eigenen klinischen Untersuchungen. Die Gutachter legen
dar, dass aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe.
Hingegen seien neurologische und internistische Gesundheitsbeschwerden für die
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit massgebend. Der Beschwerdeführer könne aufgrund
der hypertensiven und der möglichen koronaren Herzkrankheit die körperlich schwer
belastende Tätigkeit als Gipser nicht mehr ausüben (IV-act. 33-17/58). Bezüglich der
möglichen Herzkrankheit lag dem ABI der Bericht von Dr. C._, Facharzt FMH für
Innere Medizin spez. Kardiologie, vor (kardiologische Untersuchung vom 7. November
2006; IV-act. 33-53/58), der u.a. eine wahrscheinlich koronare Herzkrankheit
diagnostizierte. Bei den Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wird im
Gutachten die koronare Herzkrankheit als Verdacht aufgeführt. Die Gutachter gelangen
denn auch zum Schluss, dass aus internistischer Sicht – neben der empfohlenen
Abklärung der hyperchromen, mikrozytären Anämie – weitere Abklärungen bezüglich
dem Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit durchgeführt werden müssten (IV-act.
33-18/58). Mit Blick auf diesen Hinweis wäre es angezeigt gewesen, eine auf dem
Gebiet der Kardiologie spezialisierte und ausgewiesene Fachperson zur ergänzenden
Begutachtung beizuziehen. Auch wenn bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung die
mögliche Herzkrankheit als limitierend berücksichtigt wurde, bestehen angesichts der
noch ausstehenden kardiologischen Abklärung nicht nur Zweifel an der Schlüssigkeit
der Arbeitsfähigkeitsschätzung, sondern auch an der Festlegung der noch zumutbaren
Tätigkeiten. Weiter ist fraglich, ob die Meralgia paraesthetica rechts zu Recht nur als
Verdacht und ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert wurde (IV-act.
33-16/58). Bereits am 9. Oktober 2006 hat der Beschwerdeführer laut Bericht des
Kantonsspitals St. Gallen angegeben, er habe nach fünf Minuten Gehen "kein Gefühl
mehr" in der rechten Körperhälfte (IV-act. 33-51/58). Im Rahmen der neurologischen
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Anamnese hat er beim ABI mitgeteilt, am rechten Oberschenkel vorne bei längerem
Stehen oder auch beim Gehen von 100 bis 200 Metern ein Gefühl "wie eine
Entzündung" zu haben (IV-act. 33-12/58). Angesichts dieser Symptome erscheint es
vertretbar, das Vorliegen einer möglichen Nervenentzündung zu untersuchen und deren
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festzulegen. Schliesslich bleibt unklar, wie sich die
geklagten Rückenschmerzen und die ziehenden Beschwerden beider Beine bei
Belastung auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Die Gutachter haben zwar einen Verdacht
auf Coxarthrose rechts anamnestisch ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostiziert (IV-act. 33-16/58), setzen sich aber nicht mit den diesbezüglich
abweichenden Diagnosen anderer Ärzte (siehe nachfolgend) auseinander. Laut Bericht
des Kardiologen vom 7. November 2006 ist nicht eindeutig, ob die Beschwerden den
deutlichen Unterschenkelödemen zuzuschreiben seien oder allenfalls sogar einer
Claudicatio entsprechen (IV-act. 33-54/58). Auch diesbezüglich erscheint eine
konkretisierende Abklärung angezeigt.
3.3.2 Als Facharzt für Neurologie hat Dr. B._ bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung die
internistische Sicht nicht einfliessen lassen können. Laut ABI-Gutachten ist gerade die
hypertensive und mögliche koronare Herzkrankheit dafür ausschlaggebend, dass der
Beschwerdeführer die körperlich anstrengende bisherige Tätigkeit als Gipser nicht
mehr ausüben kann. Bezüglich der belastungsabhängigen Beinschmerzen rechts hat er
eine Differenzialdiagnose bei Coxarthrose und degenerative LWS-Veränderungen -
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit - diagnostiziert. Ausserdem hat Dr. B._
auf depressive Stigmata hingewiesen und eine fachärztliche Überprüfung der
psychiatrischen Erkrankung als sinnvoll erachtet. Sein Verdacht auf eine reaktive
Depression und Anpassungsstörung nach cerebraler Ischämie hat sich nach der
Begutachtung allerdings nicht bestätigt. Laut ABI liege aus psychiatrischer Sicht keine
Erkrankung und damit auch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor (IV-act. 23).
3.3.3 Im Bericht des Allgemeinmediziners Dr. A._ fehlen die für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung offenbar ins Gewicht fallenden Kreislaufbeschwerden
ebenfalls. Er attestiert dem Beschwerdeführer bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 % und führt als Diagnosen neben dem Status nach ischämischen Hirninfarkt
u.a. einen Verdacht auf Coxarthrose rechts und Sehbeschwerden auf. Der Arzt geht
davon aus, dass die gesundheitlichen Einschränkungen durch medizinische und
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berufliche Massnahmen nicht verbessert werden können. Bei diesem Bericht ist
insbesondere die Rechtsprechung des Bundesgerichts zu beachten, wonach bei der
Beweiswürdigung ärztlicher Berichte der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen sei,
dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten
aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc), oder dass sie deren pessimistische subjektive
Einschätzung übernehmen. Da Dr. A._s Beurteilung offensichtlich pessimistischer
ausfällt als die der andern Ärzte, sind seine Aussagen im Hinblick auf die vorstehende
Ausführung kritisch zu hinterfragen.
3.3.4 Insgesamt ergibt sich, dass die vorliegenden medizinischen Berichte nicht
geeignet sind, eine zuverlässige Aussage über den Grad der Arbeitsfähigkeit und über
die Art der zumutbaren Tätigkeiten zu machen. Insbesondere beim polydisziplinären
Gutachten des ABI, auf das sich die Beschwerdegegnerin bei ihrer Rentenabweisung
stützt, bestehen Zweifel an seiner Vollständigkeit (vgl. E. 3.3.1.).
Rechtssprechungsgemäss kommt einem Gutachten oder andern medizinischen
Beurteilungen schon dann kein voller Beweiswert zu, wenn – wie vorliegend – Indizien
gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen. Es muss demnach nicht feststehen, ob die
medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen entsprechen, denn
Behörden, die mit nicht medizinischen Fachpersonen besetzt sind, können dies oft
nicht beurteilen. Aufgrund der vorliegenden Mängel kann somit nicht auf das Gutachten
vom 30. Mai 2007 abgestellt werden. Damit kann es auch nicht für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit herangezogen werden (vgl. Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialversicherungsrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober 2002, I 779/01, E. 4.2).
3.4 Nach dem Gesagten ist eine erneute Abklärung des Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers angezeigt. Dabei sind die nach Erlass der angefochtenen
Verfügung eingegangenen und vorliegend nicht berücksichtigten Arztberichte (act. G
11) nunmehr in die Neubeurteilung einzubeziehen.
4.
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Bei diesem Verfahrensausgang kann offen bleiben, ob die Beschwerdegegnerin im
konkreten Fall zu Recht keinen sog. Leidensabzug gewährt hat oder ob die Gutachter
die Arbeitsunfähigkeit zulässigerweise von 1/3 auf 30 % festgelegt haben. Zu
Letzterem ist grundsätzlich festzuhalten, dass es sich bei den medizinischen Angaben
zur Arbeitsunfähigkeit regelmässig um Näherungswerte handelt, die eine
Grössenordnung darstellen. Daher erfolgt die abschliessende Bezifferung in aller Regel
in runden Zahlen (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit
1. Januar 2007: Sozialversicherungsrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] I
822/04 vom 21. April 2005, E. 4.4.).
5.
5.1 Im Sinn der Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 13. September 2007 teilweise gutzuheissen und die Sache zur
ergänzenden Abklärung und zur anschliessenden Neuverfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Da sich die angefochtene Verfügung als rechtswidrig erwiesen hat und da der
Beschwerdeführer auf jeden Fall gezwungen gewesen ist, Beschwerde zu führen, um
nicht rechtswidrig behandelt zu werden, muss in Bezug auf die Kostentragungspflicht
unabhängig vom konkreten Beschwerdebegehren bei einer Rückweisung zur weiteren
Abklärung von einem vollumfänglichen Obsiegen des Beschwerdeführers ausgegangen
werden (ZAK 1987 S. 268 E. 5a). Bei diesem Verfahrensausgang hat der
Beschwerdeführer Anspruch auf einen ungekürzte Ersatz der Kosten der
Rechtsvertretung. Die Parteientschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). In
Anwendung dieser Bemessungskriterien erscheint eine pauschale Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer, vgl. act. G 10) als
angemessen. Das bewilligte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
ist damit gegenstandslos geworden.
5.3 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
bis
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und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr. 1'000.- festgelegt. Die
unterliegende Beschwerdegegnerin hat deshalb eine Gerichtsgebühr zu entrichten.
Diese beläuft sich entsprechend dem durchschnittlichen Verfahrensaufwand auf
Fr. 600.-.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG