Decision ID: 725e660a-b991-4295-91a1-7a68d5f09dd4
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. Mit Vorentscheid vom 9. Dezember 2010 beanspruchte das kantonale
Steueramt gegenüber A und B die Steuerhoheit für die Direkte Bundessteuer sowie für
die Staats- und Gemeindesteuern (Gemeinden C und D) ab Steuerperiode 2005.
B. Eine von den Verfügungsadressaten hiergegen erhobene Einsprache wies
das kantonale Steueramt am 8. Juni 2011 ab.
C. Mit Beschwerde und Rekurs vom 8. Juli 2011 liessen A und B (nachfolgend
die Beschwerdeführer/Rekurrenten) dem Steuerrekursgericht beantragen, unter Auf-
hebung des Einspracheentscheids sei auf die Inanspruchnahme der Steuerhoheit für
die Direkte Bundessteuer 2005 sowie die Staats- und Gemeindesteuern 2005 zu ver-
zichten. Ausserdem verlangten sie eine Parteientschädigung.
In seiner Beschwerde-/Rekursantwort vom 23. August 2011 schloss das kan-
tonale Steueramt auf Abweisung der Rechtsmittel.
Auf die Erwägungen des Einspracheentscheids und die Parteivorbringen wird,
soweit wesentlich, in den nachfolgenden Urteilsgründen zurückgekommen.
D. Mit Verfügung des Abteilungspräsidenten vom 24. Februar 2012 setzte das
Steuerrekursgericht den Parteien Frist an, um sich zu einer von den Parteien bisher
nicht thematisierten Rechtsauffassung zu äussern. Hierzu nahmen das kantonale
Steueramt am 2. März 2012 und die Beschwerdeführer/Rekurrenten am 16. April 2012
Stellung. Nach entsprechender gerichtlicher Aufforderung vom 17. April 2012, sich zur
Eingabe der Gegenpartei auszusprechen, verzichteten die Parteien ausdrücklich bzw.
stillschweigend darauf.
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Die Kammer zieht in Erwägung:
1. Laut Vorentscheid vom 9. Dezember 2010 beanspruchen Bund, Kanton
sowie die Gemeinden C und D die Steuerhoheit "ab" der Steuerperiode 2005. Wie der
Einspracheentscheid festhält, bezieht er sich – entsprechend dem Antrag der Be-
schwerdeführer/Rekurrenten – indessen einzig auf die Steuerperiode 2005. Die Beur-
teilung durch das Steuerrekursgericht hat sich daher auf die Verhältnisse zu beschrän-
ken, wie sie sich im Jahr 2005 verwirklicht haben.
2. Die Beschwerdeführerin/Rekurrentin ist Eigentümerin der nachfolgend auf-
geführten Grundstücke:
- Einamilienhaus Kat.Nr. 1, ......strasse , Gemeinde C;
- Mehrfamilienhaus Kat.Nr. 2, .....strasse, Gemeinde C;
- Einfamilienhaus Kat.Nr. 3, .....strasse, Gemeinde D;
- Mehrfamilienhäuser Vers.Nrn. .... und ...., Grundstück Nr. 4....,
......strasse, ausserkantonale Gemeinde E.
Am 7./14. November 2003 schloss die Beschwerdeführerin/Rekurrentin mit
ihren Kindern F und G einen Nutzniessungsvertrag betreffend das ausserkantonale
Grundstück ab. Die "Weiteren Vertragsbestimmungen" hielten Folgendes fest:
"1. Das Nutzniessungsrecht richtet sich nach den gesetzlichen Bestimmungen über die Nutzniessung gemäss Art. 745 ff. ZGB.
2. Das Nutzniessungsrecht wird auf die Dauer von 20 Jahren, rückwirkend ab 1. Ja-
nuar 2002, eingeräumt.
3. Das Nutzniessungsrecht wird von den Berechtigten gemeinsam ausgeübt. Beim
Tod des einen der Berechtigten kann das Nutzniessungsrecht vom anderen  ohne Einschränkung allein ausgeübt werden.
4. Die Berechtigten sind verpflichtet, die derzeit auf dem Grundstück haftenden
Grundpfandschulden von Fr. 545'000.- zu verzinsen. Ebenso gehen die mit dem Grundstück verbundenen Unterhaltskosten, Steuern, Abgaben, Gebühren,  etc. zulasten der Berechtigten.
5. Die Berechtigten erhalten die mit dem Grundstück verbundenen Mietzinseinnah-
men und weiteren Erträge.
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6. Die Berechtigten bezahlen der Grundeigentümerin eine jährliche Rente in der Höhe von 4% des Steuerwertes des Grundstückes. Die Rente ist jeweils fällig per 31. Dezember, erstmals per 31. Dezember 2003.
7. Von den Berechtigten getätigte Investitionen sind von der Grundeigentümerin
nicht zu entschädigen.
8. ...
9. Die Grundeigentümerin hat gegenüber den Berechtigten Anspruch auf Löschung
der Nutzniessung, sobald sie in der Schweiz Wohnsitz nimmt.
..."
Am 17. Februar 2004 schlossen die nämlichen Parteien im Wesentlichen
gleichlautende Dienstbarkeitsverträge bezüglich der drei zürcherischen Grundstücke.
Gemäss Grundbuchauszug vom 19. August 2009 hat die Grundeigentümerin
ihren beiden Kindern ein bis 1. Januar 2022 dauerndes Nutzniessungsrecht an der
Liegenschaft in der Gemeinde D eingeräumt. Das Einfamilienhaus in der Gemeinde C
wird von den Nutzniessern selbst verwaltet; beim Mehrfamilienhaus in der Gemeinde C
und bei den Mehrfamilienhäusern in der ausserkantonalen Gemeinde E ist die H AG
hierfür besorgt.
3. a) Es steht fest, dass die Beschwerdeführer/Rekurrenten in der streitbetrof-
fenen Steuerperiode 2005 in Südfrankreich, gewohnt haben. Eine Steuerpflicht auf-
grund persönlicher Zugehörigkeit zur Schweiz und zum Kanton Zürich besteht daher
nicht. Kraft Art. 4 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom
14. Dezember 1990 (DBG) sind natürliche Personen ohne steuerrechtlichen Wohnsitz
oder Aufenthalt in der Schweiz aufgrund wirtschaftlicher Zughörigkeit steuerpflichtig,
wenn sie an Grundstücken in der Schweiz Eigentum, dingliche oder diesen wirtschaft-
lich gleichkommende persönliche Nutzungsrechte haben. Unter den nämlichen Vor-
aussetzungen beansprucht § 4 Abs. 1 lit. b des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG)
die Steuerhoheit des Kantons Zürich.
b) Gemäss Art. 21 Abs. 1 DBG bzw. § 21 Abs. 1 StG sind die Erträge aus un-
beweglichem Vermögen steuerbar, wozu insbesondere alle Einkünfte aus Vermietung,
Verpachtung, Nutzniessung oder sonstiger Nutzung zählen (lit. a). Die genannten Be-
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stimmungen beziehen sich auf die Einkünfte des Nutzniessungsbelasteten, die dieser
als Entgelt für die Nutzungsüberlassung von unbeweglichen Vermögenswerten erhält
(Markus Reich, Steuerrecht, 2. A., 2012, § 13 Rz. 65 ff.). Diese steuerrechtliche Ord-
nung gilt nur für periodische Einkünfte auf Nutzniessungen, wie sie hier vereinbart wor-
den sind; demgegenüber wäre ein aufgrund der Einmalleistung des Nutzniessers beim
Eigentümer anfallender Kapitalgewinn mit der Grundstückgewinnsteuer zu erfassen
(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A., 2009, Art. 21
N 56 f. und Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. A., 2006, § 21
N 43 f.). Vorliegend geht es allein um die Steuerpflicht der nutzniessungsbelasteten
Grundeigentümerin; nicht Gegenstand dieses Rechtsmittelverfahrens bilden die den
nutzniessungsberechtigten Kindern zugeflossenen Erträge.
Der Vermögenssteuer unterliegt nach Art. 13 des Bundesgesetzes über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezem-
ber 1990 das gesamte Reinvermögen (Abs. 1). Das Nutzniessungsvermögen wird dem
Nutzniesser zugerechnet (Abs. 2).
c) Nach Art. 123 Abs. 1 DBG bzw. § 132 Abs. 1 StG haben die Steuerbehör-
den zusammen mit dem Steuerpflichtigen die für die vollständige und richtige Besteue-
rung massgeblichen tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse festzustellen. Dabei gilt
als allgemeine Regel der (objektiven) Beweislastverteilung, dass die Steuerbehörde die
steuerbegründenden Tatsachen nachzuweisen hat, der Steuerpflichtige dagegen die-
jenigen Umstände, welche die Steuerschuld mindern oder aufheben (Martin Zweifel/
Hugo Casanova, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, Direkte Steuern, 2008, § 14
Rz. 3). Erscheint der von der Behörde angenommene Sachverhalt als sehr wahr-
scheinlich, so genügt dies in der Regel als Hauptbeweis und obliegt es daraufhin dem
Steuerpflichtigen, den Gegenbeweis zu erbringen (VGr, 14. März 2012,
SB.2011.00066).
4. a) Im Einspracheentscheid erwog das kantonale Steueramt, dass die H AG
die Nettomietzinsüberschüsse der von ihr verwalteten Liegenschaften quartalsweise an
die Grundeigentümerin überwiesen habe. Die Rechnungen betreffend das Einfamilien-
haus in der Gemeinde C lauteten abwechselnd auf den Sohn und den Ehemann (mit
Rechnungsadresse in der Gemeinde D) und seien oftmals von der Eigentümerin selbst
bezahlt worden. Auch sei diese selbst als Klägerin vor einem zürcherischen Bezirksge-
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richt aufgetreten und habe die Ausweisung einer Mieterin aus dem Einfamilienhaus in
der Gemeinde C beantragt. Hinsichtlich des Einfamilienhauses in der Gemeinde D lau-
teten alle Rechnungen auf den Ehemann (wiederum mit gleicher Rechnungsadresse)
und seien oft von der Grundeigentümerin bezahlt worden. Laut den Nutzniessungsver-
trägen stünden die Erträge den Nutzniessern zu und hätten diese im Gegenzug die
Kosten aus der Bewirtschaftung der Grundstücke zu tragen. Entgegen den Vereinba-
rungen hätten die Kinder ihrer Mutter die jährlich per 31. Dezember fällige Rente nicht
bezahlt. Vielmehr habe diese wie erwähnt von der H AG für die Mehrfamilienhäuser
quartalsweise den Nettomietzinsüberschuss erhalten. Beim Einfamilienhaus in der
Gemeinde C sei gar der monatliche Bruttomietzins an die Eigentümerin überwiesen
worden. Demnach habe diese entgegen dem Vertrag keine Rente, sondern die Netto-
erträge erhalten. Sodann stelle sich die Frage, wer tatsächlich für den Unterhalt aufge-
kommen sei. Bei den beiden Einfamilienhäusern in den Gemeinden C und D seien
Unterhaltskosten von insgesamt Fr. 246'226.- angefallen, deren Rechnungen überwie-
gend auf den Ehemann der Eigentümerin und nicht auf die nutzniessungsberechtigten
Kinder lauteten, zumal letzteren die finanziellen Mittel für die Bezahlung fehlten. Wie
das im Einspracheverfahren durchgeführte Auflage- und Mahnverfahren gezeigt habe,
seien die entsprechenden Rechnungen oft von der Eigentümerin selbst bezahlt wor-
den. Mitzuberücksichtigen sei ferner, dass die Eigentümerin die Nutzniessungsverhält-
nisse durch den Zuzug in die Schweiz beenden könne. Ferner habe sich der Ehemann
aktiv um die Unterhaltsarbeiten gekümmert. Unter diesen Umständen liege hier gar
kein Nutzniessungsverhältnis vor, sondern sei die Vereinbarung zwischen der Mutter
und den Kindern als Scheingeschäft zu würdigen. Die genannten Grundstücke seien
daher nicht den Kindern, sondern der Eigentümerin zuzurechnen, weshalb diese auf-
grund wirtschaftlicher Zugehörigkeit im Kanton Zürich steuerpflichtig sei.
b) Zur Begründung ihrer Rechtsmittel bringen die Beschwerdeführer/Rekur-
renten zunächst vor, dass das kantonale Steueramt im Einspracheentscheid auf ver-
schiedene wesentliche Vorbringen nicht eingegangen sei und ihnen damit das rechtli-
che Gehör verweigert habe. Die Nutzniesser hätten die fremdvermieteten Mehrfami-
lienhäuser in der Steuerperiode 2005 nicht selbst verwaltet, sondern die H AG damit
beauftragt, wohl aber – mit Unterstützung durch den Vater – die ebenfalls fremdvermie-
tete ältere Villa in der Gemeinde C und das vom Sohn bewohnte Einfamilienhaus in der
Gemeinde D. Die im Jahr 2005 erwirtschafteten Nettomietzinsüberschüsse aus den
erstgenannten Mehrfamilienhäusern habe die H AG der Grundeigentümerin überwie-
sen, und zwar akonto der ihr von den Nachkommen zu entrichtenden jährlichen Nutz-
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niessungsabgeltung bzw. "Rente". Das kantonale Steueramt schliesse aus dem Um-
stand, dass der nutzniessungsberechtigte Sohn im Jahr 2005 ausserstande gewesen
sei, seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Mutter nachzukommen, auf das
Vorliegen von bloss simulierten Verträgen. In dieser Auffassung sehe sich die Amts-
stelle dadurch bestärkt, dass die Rechnungsbelege bezüglich des Unterhalts des Ein-
familienhauses in der Gemeinde D nicht auf den Sohn, sondern auf den Vater lauteten.
Weil es vorliegend allein um die Inanspruchnahme der beschränkten Steuerhoheit in-
folge Grundeigentums gehe, treffe die Beweisleistungspflicht das Steueramt. Die
Amtsstelle habe daher das Vorliegen simulierter Verträge nachzuweisen, woraus sie
die Steuerhoheit über die Beschwerdeführer/Rekurrenten ableite. Der vorliegende
Sachverhalt lasse im ausschliesslich familiären Zusammenhang keinen Schluss auf
Simulation zu. So habe es den Beteiligten freigestanden, die H AG anzuweisen, Miet-
zinsüberschüsse direkt an die Grundeigentümerin zu leisten. Ebenso wenig lasse sich
etwas dagegen einwenden, dass die Mutter dem Sohn ein Darlehen bzw. einen Erb-
vorbezug für die Vornahme von Liegenschaftenunterhalt gewährt habe. Schliesslich
würden auch die übrigen Bemühungen der Eltern im Zusammenhang mit den
Grundstücken nicht für eine Simulation sprechen.
c) Dem hält das kantonale Steueramt in der Beschwerde-/Rekursantwort ent-
gegen, die vereinbarte Rückwirkung der Nutzniessungsverträge ab 1. Januar 2002
würde Zweifel wecken. Wenn es sich bei den von der H AG an die Mutter geleisteten
Zahlungen nach Darstellung der Beschwerdeführer/Rekurrenten um Akontozahlungen
handle, erscheine es als unwahrscheinlich, dass die wenig zahlungskräftigen Nutz-
niesser noch weitere Leistungen erbrächten. Dasselbe gelte für die von der Mutter
nicht zu vergütenden Unterhaltskosten. Falls die Mutter dem Sohn insoweit ein Darle-
hen als dereinst ausgleichungspflichtigen Erbvorbezug gewährt habe, hätte auch die
Tochter im gleichen Umfang begünstigt werden müssen. Nach den Akten sei bei den
von den Kindern deklarierten Schulden allerdings keine Veränderung eingetreten. Be-
züglich dem Einfamilienhaus in der Gemeinde C bezeichne der Mietvertrag die Mutter
als Vermieterin und nicht die nutzniessungsberechtigten Kinder; der Sohn trete ledig-
lich als Vertreter in Erscheinung. Dementsprechend seien die Mietzinsen an die Eigen-
tümerin geleistet und in deren Namen das Ausweisungsbegehren gestellt worden. Der
Rechtsvertreter habe die Rechnung für seine Bemühungen dem Vater zugestellt. Die
Erklärung der Beschwerdeführer/Rekurrenten, dass fast alle Rechnungen für den Un-
terhalt des Einfamilienhauses in der Gemeinde D auf den Vater gelautet hätten, weil er
früher dort gewohnt habe, möge zwar für wiederkehrende Aufwendungen schlüssig
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sein, nicht aber für eine Sanierung des Arealschiebetors im Umfang von Fr. 6'000.-,
wenn zuvor keine Offerte eingeholt worden sei. Weil tatsächlich der Vater als Auftrag-
geber aufgetreten sei, habe auch er die gehörige Vertragserfüllung gemahnt.
5. a) Mit Verfügung vom 24. Februar 2012 gab das Steuerrekursgericht den
Parteien Gelegenheit, sich zur Frage auszusprechen, ob eine wirtschaftliche Zugehö-
rigkeit allenfalls deswegen vorliege, weil die Nutzniesser der Beschwerdeführe-
rin/Rekurrentin für die Überlassung der Grundstücke laut allen Verträgen eine periodi-
sche Vergütung leisten.
aa) Dazu führte das kantonale Steueramt in seiner Stellungnahme vom
2. März 2012 aus, die Steuerpflicht ergebe sich aus dem Grundeigentum der Be-
schwerdeführerin/Rekurrentin im Kanton Zürich. Die Belastung mit einer entgeltlichen
Nutzniessung zugunsten der Kinder ändere nichts daran. Als Ertrag sei ihr nicht das
vereinbarte Entgelt von 4% des Steuerwerts der Liegenschaften zugeflossen, sondern
der Nettomietertrag. Bei diesem handle es sich um steuerbaren Ertrag aus unbewegli-
chem Vermögen. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und
Frankreich weise Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen jenem Staat zu, in dem das
Vermögen liege.
bb) Die Beschwerdeführer/Rekurrenten machten mit Eingabe vom 16. Ap-
ril 2012 geltend, dass sich die Verfügung des Steuerrekursgerichts auf Art. 5 Abs. 1
lit. c DBG bzw. § 4 Abs. 2 lit. c StG beziehe, wonach natürliche Personen ohne steuer-
rechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt in der Schweiz bzw. im Kanton Zürich nur dann
als Gläubiger oder Nutzniesser von Forderungen steuerpflichtig seien, wenn diese
durch ein Grund- oder Faustpfand auf dort gelegenen Grundstücken gesichert würden.
Vorliegend seien die periodischen Forderungen der Beschwerdeführerin/Rekurrentin
gegenüber ihren Nachkommen nicht pfandversichert, weshalb es an der schweizeri-
schen Steuerhoheit fehle. Mit der Einräumung einer Nutzniessung verliere der Eigen-
tümer steuerrechtlich gesehen seine Stellung als Steuersubjekt. Wenn das kantonale
Steueramt hier trotzdem eine wirtschaftliche Zugehörigkeit zur Schweiz annehme, ver-
falle es einem verfassungsrechtlich verpönten Methodendualismus. Die streitbetroffe-
nen Forderungen der Mutter gegenüber ihren Kindern seien rein personenbezogen.
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cc) In der Folge verzichteten das kantonale Steueramt am 19. April 2012 und
die Beschwerdeführer/Rekurrenten stillschweigend auf eine Stellungnahme zu den
Ausführungen der Gegenpartei.
b) Nach den vorne in E. 2 zitierten Vertragsbestimmungen steht fest, dass die
von den Kindern als Nutzniessern ihrer Mutter als Eigentümerin geleisteten Zahlungen
ein periodisches Entgelt für die Überlassung der genannten Grundstücke zur Nutznies-
sung darstellen. Wie in E. 3b ausgeführt, handelt es sich demnach um Erträge aus
unbeweglichem Vermögen im Sinne von Art. 21 Abs. 1 lit. a DBG und § 21 Abs. 1 lit. a
StG. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer/Rekurrenten kann somit auf-
grund des Vertragswortlauts und der wirtschaftlichen Verhältnisse von Einkommen aus
beweglichem Vermögen nicht die Rede sein. Sodann spielt für die hier allein zu beur-
teilende Frage der Steuerhoheit weder der Umfang der an die Mutter geflossenen Zah-
lungen eine Rolle noch, ob das Entgelt entsprechend den Vereinbarungen vom No-
vember 2003 nach dem (Vermögens-)Steuerwert der überlassenen Grundstücke
bemessen oder an den Mietertrag geknüpft wurde, ändert dies doch nichts daran, dass
die Vergütung die Überlassung der Grundstücke zur Nutzniessung abgilt. Ebenso we-
nig tut die pfandrechtliche Sicherstellung der Forderungen der Mutter gegenüber den
Kindern etwas zur Sache, da ein (Grund- oder Faust-)Pfand einzig der Sicherstellung
einer Forderung dient und keinen Einfluss darauf hat, ob diese aus beweglichem oder
unbeweglichen Vermögen fliesst. Massgebend ist letztlich einzig, dass die streitbetrof-
fenen, den Kindern zur Nutzniessung überlassenen Grundstücke in der Schweiz bzw.
im Kanton Zürich liegen.
Nach dem Gesagten ist den Beschwerdeführern/Rekurrenten in der Steuerpe-
riode 2005 ein Ertrag aus der Nutzniessung an in der Schweiz bzw. im Kanton gelege-
nen Grundstücken zugeflossen, weshalb sie hier im Sinn von Art. 4 Abs. 1 lit. c DBG
bzw. § 4 Abs. 1 lit. b StG beschränkt steuerpflichtig sind. Die Schweiz und der Kanton
Zürich haben daher zu Recht die Steuerhoheit für die Steuerperiode 2005 beansprucht.
c) Unter diesen Umständen kann grundsätzlich offenbleiben, ob sich das glei-
che Resultat auch deswegen ergibt, weil auf eine Steuerumgehung zu schliessen ist.
Nach Auffassung des kantonalen Steueramts sind die Nutzniessungsverträge lediglich
simuliert; tatsächlich sei die unbeschränkte Verfügungsmacht über die Liegenschaften
bei der Mutter verblieben.
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aa) Eine Simulation liegt vor, wenn die Vertragsparteien im gegenseitigen Ein-
verständnis falsche Willenserklärungen abgeben, womit gewöhnlich die Täuschung
von Dritten bezweckt wird. Gemäss Art. 18 Abs. 1 OR ist das simulierte Rechtsge-
schäft nicht zustande gekommen. Richtet sich der übereinstimmende wirkliche und
gegenseitig erklärte Wille ausserdem auf den Abschluss eines ernst gemeinten Ver-
trags, so ist dieser gültig (Gauch/Schluep/Schmid/Emmenegger, Schweizerisches Ob-
ligationenrecht, Allgemeiner Teil, 9. A., 2008, Band I, Nr. 1013 ff.). Diese zivilrechtliche
Folge ist auch im Steuerrecht massgebend (RB 2002 Nr. 92 [Leitsatz]; Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, VB zu Art. 109-121 N 42 DBG und VB zu §§ 119-131 N 41 StG).
bb) Die Beschwerdeführer/Rekurrenten wohnen seit längerem in Südfrank-
reich. Dass die Mutter an ihren Liegenschaften in der Schweiz eine Nutzniessung zu-
gunsten der beiden Kinder begründet hat, macht unter diesen Umständen Sinn. Bei der
Auslegung der Nutzniessungsverträge ist den familienrechtlichen Beziehungen Rech-
nung zu tragen, wie die Beschwerdeführer/Rekurrenten zu Recht geltend machen.
Während im gewöhnlichen Geschäftsverkehr bei synallagmatischen Verträgen die ver-
einbarte gehörige Erfüllung der beidseitig geschuldeten Leistungen im Vordergrund
steht, dürften zumindest im engeren familiären Verhältnis auch persönliche Umstände
grosses Gewicht haben. Wenn das kantonale Steueramt insoweit zutreffend auf Wi-
dersprüche zwischen den Nutzniessungsverträgen und den Zahlungsflüssen im Zu-
sammenhang mit den betroffenen Grundstücken hinweist, spricht dies noch nicht ge-
gen die Ernsthaftigkeit der Vereinbarung. Die Aktivitäten der Eltern bei der Bewirtschaf-
tung der Grundstücke rechtfertigen zwar durchaus die Frage, ob die Nutzniessungs-
verträge ernst gemeint sind. Weil die den Kindern übertragenen Grundstücke zuvor
von den Eltern verwaltet worden sind, lässt sich deren anhaltende Einflussnahme wäh-
rend einer gewissen "Übergangszeit", in der sich die Kinder in die neue Aufgabe einar-
beiten, jedoch durchaus erklären. Auch die in den Nutzniessungsverträgen statuierte
Bedingung, wonach die Mutter für den Fall der Rückverlegung ihres Wohnsitzes in die
Schweiz berechtigt ist, die Dienstbarkeit zu löschen, spricht im verwandtschaftlichen
Verhältnis weniger für eine Simulation als vielmehr dafür, sich gegen künftige Unwäg-
barkeiten abzusichern. So gesehen erscheint es fraglich, ob mit Bezug auf die hier
einzig zu beurteilende Steuerperiode 2005 bereits eine Simulation angenommen wer-
den kann. Sollte das Verhalten von Eltern und Kindern mit Bezug auf die Bewirtschaf-
tung der Liegenschaften allerdings nach 2005 in ähnlicher Weise fortgeführt worden
sein, würde dies mit zunehmender Zeitdauer für eine Simulation sprechen.
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d) Schliesslich bleibt anzumerken, dass die Beschwerdeführer/Rekurrenten
nicht geltend gemacht haben, für den Ertrag aus den Liegenschaften im Kanton Zürich
nach französischem Recht steuerpflichtig zu sein bzw. das fragliche Einkommen dem
französischen Fiskus deklariert zu haben. Zum Hinweis des kantonalen Steueramts auf
eine mögliche Doppelbesteuerung in der Stellungnahme vom 2. März 2012 haben sich
die Beschwerdeführer/Rekurrenten nicht geäussert.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung von Beschwerde und Rekurs.
6. Bei diesem Prozessausgang sind die Gerichtskosten den Beschwerdefüh-
rern/Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG und § 151 Abs. 1 StG) und steht
ihnen keine Parteientschädigung zu (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1-3 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 sowie § 152
StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 29. Mai 1959/8. Ju-
ni 1997).