Decision ID: f54357da-e401-4a23-b39d-2a6296685039
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. P._, geb. 1986, Staatsangehöriger von Bosnien und Herzegowina, heiratete am
5. Dezember 2014 in X._ die Schweizerbürgerin M._, geb. 1991. Die
Aufenthaltsbewilligung im Familiennachzug, die ihm am 2. Januar 2015 erteilt worden
war, wurde letztmals am 20. November 2017 bis 1. Januar 2020 verlängert. Am
10. Februar 2018 ersuchte die Ehefrau das Kreisgericht Y._ um Erlass von
Eheschutzmassnahmen. In der Einigung, welche die Ehegatten anlässlich der
Eheschutzverhandlung vom 4. April 2018 abschlossen und von welcher die
Familienrichterin Vormerk nahm, wurde festgehalten, die Eheleute lebten seit 31. Juli
2017 getrennt, die eheliche Wohnung in X._ werde per 30. Juni 2018 gekündigt und
bis dahin der Ehefrau zur alleinigen Benützung zugewiesen und der Ehemann habe
bereits eine neue Wohnung gefunden und sei ausgezogen (act. 10, Dossier
Migrationsamt, S. 26 ff.). Die Ehe ist kinderlos.
B. Am 30. Juni 2018 widerrief das Migrationsamt die Aufenthaltsbewilligung von P._
und wies ihn an, die Schweiz innert 60 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung zu
verlassen. Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den von P._ gegen diese
Verfügung erhobenen Rekurs am 6. Dezember 2018 ab. Es folgte der Darstellung von
P._, wonach die Ehegemeinschaft über das Trennungsdatum gemäss
Eheschutzentscheid hinaus während mehr als dreier Jahre gedauert habe, nicht.
C. P._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Rekursentscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) vom 6. Dezember 2018 durch seinen Rechtsvertreter
mit Eingabe vom 7. Januar 2019 und Ergänzung vom 11. Februar 2019 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei
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der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung des
Beschwerdeführers zu verlängern.

Mit Vernehmlassung vom 25. Februar 2019 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen
in ihrem Entscheid und beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen. Der
Beschwerdeführer verzichtete stillschweigend auf eine abschliessende Stellungnahme.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der
Beschwerdeführer, der mit seinen Begehren im Rekursentscheid unterlag, ist zur
Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Da
Gegenstand des Verfahrens der Widerruf der bis 1. Januar 2020 gültigen
Aufenthaltsbewilligung ist und deren Verlängerung gemäss Art. 59 Abs. 1 Satz 2 der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE)
grundsätzlich – der Beschwerdeführer macht keinen Ausnahmegrund geltend –
frühestens drei Monate vor Ablauf der Gültigkeitsdauer – mithin ab 1. Oktober 2019 –
möglich ist, kann auf das Begehren des Beschwerdeführers, seine
Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern, nicht eingetreten werden. Im Übrigen sind die
Eintretensvoraussetzungen erfüllt: Die Beschwerde gegen den Entscheid der
Vorinstanz vom 6. Dezember 2018 wurde unter Berücksichtigung des Stillstandes der
Rechtsmittelfrist über Weihnachten und Neujahr – vom 18. Dezember 2018 bis
2. Januar 2019 – und des Fristenlaufs am Wochenende mit Eingabe vom 7. Januar
2019 rechtzeitig erhoben (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1
VRP sowie Art. 145 Abs. 1 Ingress und lit. c und Art. 142 Abs. 3 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO). Sie erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom
11. Februar 2019 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb
mit dem erwähnten Vorbehalt einzutreten.
bis
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2. Die Aufenthaltsbewilligung war dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 42 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (heute: Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration; Ausländer- und
Integrationsgesetz, SR 142.20, AIG), wonach ausländische Ehegatten von
Schweizerinnen Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
haben, wenn sie mit diesen zusammenwohnen, erteilt worden. Die
Aufenthaltsbewilligung kann widerrufen werden, wenn eine mit der Verfügung
verbundene Bedingung nicht eingehalten ist (Art. 62 Abs. 1 Ingress und lit. d AIG). Die
Voraussetzung des Zusammenwohnens ist – was auch der Beschwerdeführer nicht
bestreitet – spätestens seit anfangs April 2018 nicht mehr erfüllt.
Der Bewilligungsanspruch gemäss Art. 42 AIG besteht trotz Auflösens
beziehungsweise definitiven Scheiterns der Ehegemeinschaft fort, wenn diese
mindestens drei Jahre gedauert hat und eine erfolgreiche Integration besteht (Art. 50
Abs. 1 Ingress und lit. a AIG; BGE 136 II 113 E. 3.3.3). Für die Anrechnung der
dreijährigen Frist gemäss Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. a AIG ist auf die in der Schweiz
gelebte Ehegemeinschaft abzustellen (BGE 140 II 345 E. 4.1, 140 II 289 E. 3.5, 136 II
113 E. 3.3). Zur Bestimmung des Zeitpunktes, ab welchem eine Ehe- und
Familiengemeinschaft definitiv als aufgelöst zu gelten hat, wird in der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung im Wesentlichen auf die Dauer der nach aussen
wahrnehmbaren Wohngemeinschaft abgestellt; unmassgeblich ist hingegen, bis zu
welchem Zeitpunkt die Ehe- und Familiengemeinschaft nach deren Aufgabe formell
noch weiterbestanden hat (BGE 136 II 113 E. 3.2, 137 II 345 E. 3.1.2). Eine (relevante)
Ehegemeinschaft liegt vor, solange die eheliche Beziehung tatsächlich gelebt wird und
ein gegenseitiger Ehewille besteht (BGE 138 II 229 E. 2). Von der Massgeblichkeit der
nach aussen wahrnehmbaren Wohngemeinschaft ist namentlich dann abzuweichen,
wenn aufgrund der besonderen Umstände des Einzelfalls davon auszugehen ist, dass
nur mehr eine faktische Wohngemeinschaft vorliegt, das heisst die eheliche Beziehung
trotz eines (fortdauernden) gemeinsamen Wohnsitzes nicht mehr gelebt wird und der
Ehewille erloschen ist (BGer 2C_133/2013 vom 13. September 2013 E. 2.2.2 mit
Hinweisen unter anderem auf 2C_690/2012 vom 15. Februar 2013 E. 3.2, 2C_786/2011
vom 23. Dezember 2011 E. 2.3, 2C_531/2011 vom 19. Dezember 2011 E. 2.3,
2C_904/2010 vom 27. April 2011 E. 2.3.1; BGer 2C_1174/2013 vom 8. Dezember 2014
E. 3.2). Ist eine ernsthafte Führung des Ehe- und Familienlebens nicht (mehr)
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beabsichtigt, werden Zeiten sporadischen und kurzen Zusammenwohnens bei der
Berechnung der dreijährigen Ehedauer im Sinn von Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. a AIG
nicht mitgezählt (BGE 140 II 345 E. 4.5.2, 140 II 289 E. 3.5.1). Die Frist nach Art. 50
Abs. 1 Ingress und lit. a AIG gilt absolut; bereits das Fehlen weniger Wochen oder Tage
schliesst den Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung aus (BGer
2C_1063/2017 vom 15. November 2018 E. 3.4.1).
Im Verwaltungsverfahren und -prozess sind Tatsachen, die einer belastenden
Verfügung zugrunde liegen, von der Behörde zu beweisen (vgl. BGE 130 II 482 E. 3.2).
Demgegenüber hat die rechtsuchende Partei trotz der Geltung des
Untersuchungsgrundsatzes jene Tatsachen zu beweisen, aus deren Vorhandensein sie
Rechte für sich ableitet (vgl. BGer 2C_1146/2011 vom 14. August 2012 E. 4.3). Soweit
bei der Frage, ob eine Ehe im Sinn von Art. 50 Abs. 1 AIG Bestand hatte, nicht auf
getrennte Wohnungen abgestellt werden kann, geht es im Wesentlichen um innere
Vorgänge, die oft nicht bekannt und schwierig zu beweisen sind. Deshalb lässt es sich
auch nicht beanstanden, wenn seitens der Behörde von bekannten Tatsachen
(Vermutungsbasis) auf unbekannte (Vermutungsfolge) geschlossen wird. Es handelt
sich dabei um Wahrscheinlichkeitsfolgerungen, die aufgrund der Lebenserfahrung
gezogen werden. Die betroffene Person ist bei der Sachverhaltsabklärung
mitwirkungspflichtig. Die tatsächliche Vermutung betrifft die Beweiswürdigung und
bewirkt keine Umkehrung der Beweislast. Die betroffene Person muss nicht das
Gegenteil beweisen. Vielmehr genügt der Nachweis von Zweifeln an der Richtigkeit der
Indizien und der daraus gezogenen Schlussfolgerung, dass eine eheliche Gemeinschaft
im Sinn von Art. 50 Abs. 1 AIG bestand (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 im Zusammenhang
mit der Nichtigerklärung einer erleichterten Einbürgerung).
3. Die Dreijahresfrist begann mit der Heirat des Beschwerdeführers mit seiner Ehefrau
am 5. Dezember 2014 zu laufen und endete folglich am 4. Dezember 2017. Umstritten
ist, ob bis dahin zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau eine
Ehegemeinschaft im Sinn von Art. 50 Abs. 1 AIG bestand.
3.1. Das Sicherheits- und Justizdepartement ging aufgrund der Akten – zwei
Zeugenberichte, Mietbeginn der eigenen Wohnung des Beschwerdeführers per Anfang
April 2018 gemäss Mietvertrag vom 4. März 2018, Quittungen über die Anschaffung
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von Haushaltsgegenständen vom März 2018, Adresse auf den Lohnabrechnungen des
Beschwerdeführers bis März 2018 – davon aus, der Beschwerdeführer sei bis Ende
März 2018 zusammen mit seiner Ehefrau in der Wohnung in X._ wohnhaft gewesen.
Der 31. Juli 2017 sei anlässlich der Eheschutzverhandlung von beiden Parteien
ausdrücklich als Trennungsdatum in die Vereinbarung aufgenommen und
entsprechend im Gerichtsentscheid vermerkt worden. Zwischen den beiden Daten
liege fast ein Dreivierteljahr. Es sei nicht sehr wahrscheinlich, dass sich beide
Ehepartner derart im Datum der Trennung irrten. Die Gerichtsverhandlung habe kurz
nach dem Auszug des Beschwerdeführers aus der ehelichen Wohnung stattgefunden,
zu einem Zeitpunkt also, in dem sich die Ehegatten mit Sicherheit noch an das genaue
Trennungsdatum erinnert hätten, wäre die Trennung erst kürzlich erfolgt. Sie hätten in
diesem Fall mit grösster Wahrscheinlichkeit ein neueres Datum angegeben; jedenfalls
aber nicht ein Datum im Juli des vergangenen Jahres. Die Behauptungen des
Beschwerdeführers seien bereits deshalb nicht glaubhaft. Im Übrigen hätte es am
Beschwerdeführer gelegen, seine Behauptungen rechtsgenüglich nachzuweisen, zumal
er eine Faktenlage schaffen wolle, die einem rechtskräftigen Gerichtsurteil
widerspreche. Hier wäre im Minimum ein Protokoll der Gerichtsverhandlung
erforderlich gewesen, welches seine Behauptungen stütze. Das gerichtlich festgelegte
Trennungsdatum sei deshalb massgebend. Ein Foto, auf dem eine Gruppe von
Personen posiere, belege nicht, dass der Beschwerdeführer und seine Ehefrau auch
nach dem 31. Juli 2017 noch als Liebespaar zusammen unterwegs gewesen seien. Die
Berührung der Schulter einer anderen Person könne eine rein freundschaftliche Geste
darstellen. Ein gemeinsamer Besuch des Stadtfests sei trotz Trennung denkbar, zumal
die Ehegatten nicht im Streit auseinandergegangen seien. Gleiches gelte für das
weitere Zusammenwohnen nach der Trennung. Die Gründe dafür seien den Akten nicht
zu entnehmen. Es sei möglich, dass der Beschwerdeführer nicht auf Anhieb eine
geeignete Wohnung gefunden habe, oder dass ausländerrechtliche Beweggründe den
Ausschlag geben hätten. Den Akten seien mehrere Hinweise zu entnehmen, dass trotz
des fortgesetzten Zusammenlebens der Ehegatten bereits vor Ablauf der Dreijahresfrist
kein gemeinsamer Ehewille mehr bestanden habe. Der Beschwerdeführer sei bereits im
November 2017 auf Wohnungsbesichtigung gegangen. Das hätte er kaum getan, wenn
die Ehe in jener Zeit noch intakt gewesen wäre und der gemeinsame Ehewille noch
bestanden hätte. Dass der Mietvertrag bereits am 4. März 2018 unterzeichnet worden
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sei, spreche dafür, dass der Beschwerdeführer schon einige Zeit früher auf
Wohnungssuche gewesen sein müsse und die Trennung nicht erst Anfang Februar
2018 beziehungsweise Ende März 2018 erfolgt sei. Ein anhaltender Ehewille beider
Ehegatten sei nicht auszumachen, andernfalls sie ihre Beziehung in der Zwischenzeit
sicherlich wiederaufgenommen hätten. Spätestens im November 2017, als der
Beschwerdeführer sich auf Wohnungssuche begeben habe, sei kein gemeinsamer
Ehewille mehr vorhanden gewesen.
Zum Trennungsdatum im Eheschutzentscheid bringt der Beschwerdeführer vor, die
Eheschutzverhandlung habe unter erschwerten Umständen stattgefunden. Für ihn
habe übersetzt werden müssen. Die Parteien seien gerichtsunerfahren und anwaltlich
nicht vertreten gewesen. Die Richterin habe – standardmässig, um spätere
Unsicherheiten in Bezug auf das erstmögliche Datum einer Scheidungsklage
auszuräumen – offensichtlich schemenhaft ein Trennungsdatum in den Entscheid
aufnehmen wollen. Das erwähnte Datum erscheine willkürlich und sei nachweislich
falsch, wie zum Beispiel auch das Geburtsjahr des Beschwerdeführers. Nachdem die
Parteien kein Trennungsdatum hätten angeben können, habe die Richterin die Ehefrau
nach dem frühesten Datum von Trennungsgedanken gefragt. Diese habe das Datum
der ersten Eheprobleme angegeben, in der sie – nach den Sommerferien 2017 – eine
Trennung in Betracht gezogen habe. Es bestehe ein Unterschied, über eine Trennung
nachzudenken und sich tatsächlich zu trennen. Absichten allein könnten keine
rechtlichen Auswirkungen zeitigen. Der Beschwerdeführer, der sich auf einen
Übersetzer habe verlassen müssen, habe auf die Justiz vertraut und sei der Richterin
mit Respekt begegnet, weshalb er die Verhandlungsvereinbarung ohne weiteres
unterzeichnet und demzufolge das falsche Datum nicht bemerkt habe. Die
Ungenauigkeit der Richterin würde sich sicher auch im Protokoll spiegeln. Der
Beschwerdeführer habe seine Mitwirkungspflichten mehr als erfüllt, indem er die
Fortdauer der Beziehung auf andere Weise belegt habe. Die Richterin habe weder über
das Trennungsdatum entschieden noch dieses von Amtes wegen ermittelt. Sie habe
das Datum lediglich als Teil eines privatrechtlichen Vertrags übernommen und
genehmigt. Es dürfe dem Datum keine grosse Bedeutung beigemessen werden. Die
Vorinstanz habe in keiner Weise dargelegt, weshalb den Beweisen des
Beschwerdeführers kein Gehör geschenkt worden sei. Sie hätte bei Zweifeln an den
schriftlichen Aussagen polizeiliche Befragungen durchführen können. Noch im Februar
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hätten der Beschwerdeführer und seine Ehefrau deren Eltern zusammen als Ehepaar
besucht. Erst am 10. Februar 2018 habe die Ehefrau konkrete Trennungsabsichten
geäussert und einseitig das Eheschutzgesuch eingereicht. Bis dahin sei die eheliche
Beziehung gelebt worden. Bis zu diesem Zeitpunkt hätten sie auch das Ehebett geteilt.
Zur Wohnungsbesichtigung im November sei er nicht gegangen, weil die Ehefrau nicht
sicher gewesen sei, ob sie das wirklich wolle. Es gebe keinen Grund, die Zeit der
Unentschlossenheit der Ehefrau bis im Februar 2018 nicht als gelebte Ehe zu zählen.
Bis dahin seien die Ehegatten auch nicht nur zum Schein zusammengeblieben. Die
Annahme, die Ehegatten hätten sich im Juli 2017 getrennt, mache keinen Sinn, da sie
nachweislich am 20. August noch als Liebespaar unterwegs gewesen seien. In den
letzten Monaten vor dem Eheschutzgesuch hätten sie regelmässig als Paar Freunde
und Verwandte besucht und auch als Paar Besuche in der ehelichen Wohnung
empfangen. Der Beschwerdeführer habe den Mietvertrag für seine Wohnung nach
Einreichung des Eheschutzgesuchs abgeschlossen. In X._ sei es ohne weiteres
möglich, innert drei Wochen eine Wohnung zu finden, wenn man – wie der
Beschwerdeführer – einen Job, ein ausreichendes Einkommen und keine Schulden
habe.
3.2. In tatsächlicher Hinsicht gehen die Verfahrensbeteiligten übereinstimmend davon
aus, dass der Beschwerdeführer bis Ende März 2018 sich zusammen mit der Ehefrau
in der ehelichen Wohnung in X._ aufhielt. Dies ergibt sich nicht nur aus den vom
Beschwerdeführer eingereichten Beweismitteln wie den Adressen auf den
Lohnabrechnungen bis März 2018, den "Zeugenberichten", den Quittungen für den
Kauf eigener Möbel und dem Mietbeginn für die eigene Wohnung per 1. April 2018,
sondern auch aus dem Eheschutzurteil vom 4. April 2018, in welchem die eheliche
Wohnung bis zur Beendigung des Mietverhältnisses Ende Juni 2018 der Ehefrau zur
alleinigen Benutzung zugewiesen und festgehalten wurde, der Beschwerdeführer sei
bereits ausgezogen. Der Vorwurf des Beschwerdeführers, die Vorinstanz habe seinen
Beweisen kein Gehör geschenkt, erweist sich deshalb als unbegründet.
Auch der Beschwerdeführer geht davon aus, dass das Datum vom 31. Juli 2017
anlässlich der Eheschutzverhandlung zumindest von der Ehefrau im Zusammenhang
mit der Trennung der Ehe genannt wurde. Davon, dass es sich – wie beim falsch
wiedergegebenen Geburtsdatum im Rubrum des Eheschutzentscheides – um ein
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Versehen handelt, ist deshalb nicht auszugehen. Allerdings macht der
Beschwerdeführer geltend, dem Datum lägen Fragen der Richterin nach den ersten
Trennungsgedanken der Ehefrau und nicht nach ihrer Absicht, die Ehe nicht mehr
weiterzuführen, zugrunde. Weshalb sich diese vom Beschwerdeführer behaupteten
Fragen der Richterin und Antworten der Ehefrau nicht aus dem Verhandlungsprotokoll
ergeben sollten, ist nicht nachvollziehbar. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich
beide Behauptungen – seien es die Fragen der Richterin, sei es der Umstand der
diesbezüglichen Unvollständigkeit – mit dem fraglichen Protokoll ohne Weiteres
belegen liessen. Der Beschwerdeführer hat die Einigung, in welcher die Ehegatten
wörtlich festhielten, sie lebten seit dem 31. Juli 2017 getrennt, unbestrittenermassen
unterzeichnet. Dass ihm ein Dolmetscher beigestellt wurde, spricht dafür, dass ihm das
Datum und die Tatsache, auf welche es sich bezog, klar und verständlich zur Kenntnis
gebracht wurden. In Ermangelung des Protokolls kann selbst nicht ausgeschlossen
werden, dass die Eheschutzrichterin die Parteien auf die ausländerrechtliche
Bedeutung des Trennungszeitpunkts hingewiesen hat. Deshalb ist davon auszugehen,
dass die Ehegatten das Trennungsdatum des 31. Juli 2017 übereinstimmend und
insbesondere auch in Kenntnis des Umstandes, dass der Beschwerdeführer erst Ende
März 2018 die eheliche Wohnung verlassen hat, bekannt gegeben haben und die
Familienrichterin davon Vormerk genommen hat. Insgesamt erweist sich das von den
Ehegatten im Eheschutzverfahren in Kenntnis aller Umstände festgelegte
Trennungsdatum als schwer zu erschütterndes Indiz dafür, dass seit 31. Juli 2017
zwischen den Ehegatten kein gemeinsamer übereinstimmender Ehewille mehr, sondern
lediglich noch eine Wohngemeinschaft bestand.
Selbst wenn zusammen mit dem Beschwerdeführer von einem Ehewillen der Ehefrau
des Beschwerdeführers nach Ende Juli 2017 auszugehen wäre, müsste dieser
nachweislich über den 4. Dezember 2017 hinaus bestanden haben. Dafür bestehen
keine ausreichend konkreten Indizien. Vorab kann aus den Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Geschichte und zu den Umständen der Beziehung bis im
Sommer 2017 nicht auf einen bis im Dezember 2017 bestehenden Ehewillen der
Ehefrau geschlossen werden. Insbesondere aber fehlt es an einer entsprechenden
Bestätigung der Ehefrau. Gründe, die es dem Beschwerdeführer verunmöglichen, eine
solche Erklärung der Ehefrau beizubringen, werden von ihm nicht geltend gemacht und
sind auch nicht ersichtlich. Die Fotografie vom 20. August 2017, welche den
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Beschwerdeführer und seine Ehefrau in einer Gruppe von Festteilnehmern in
freundschaftlicher Verbundenheit zeigt, ist – selbst wenn daraus ein gemeinsamer
Ehewille abzuleiten wäre – für einen späteren Zeitpunkt nicht aussagekräftig. Daraus,
dass sich die Eheleute nicht im Streit trennten, lässt sich noch nicht auf einen
fortdauernden Ehewillen insbesondere der Ehefrau des Beschwerdeführers schliessen.
Aus dem von der Familienrichterin festgehaltenen, erhebliche Zeit vor dem Auszug des
Beschwerdeführers aus der gemeinsamen Wohnung liegenden Datum ist zu
schliessen, dass jedenfalls die Ehefrau des Beschwerdeführers bereits einige Zeit vor
dem Auszug nicht mehr an der Ehe festhalten wollte. Dass die – noch nicht
geschiedenen – Ehegatten seither Versuche unternahmen, das gemeinsame Eheleben
wiederaufzunehmen, ist nicht aktenkundig und wird vom Beschwerdeführer auch nicht
geltend gemacht. Vielmehr fällt auf, dass die Ehefrau das Eheschutzbegehren bereits
zwei Monate nach Ablauf der Dreijahresfrist, nämlich am 10. Februar 2018 einreichte.
Das ist ein gewichtiges Indiz dafür, dass die eheliche Gemeinschaft zwar in einem
gewissen Rahmen aufrechterhalten wurde, jedoch der Ehewille der Ehefrau bereits vor
dem Ablauf der Dreijahresfrist erloschen war. In diese Richtung deutet auch der
Umstand, dass der Beschwerdeführer bereits im November 2017 auf Wohnungssuche
war. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Behauptungen zu den Umständen des
Zusammenlebens – gemeinsames Auftreten gegenüber Verwandten und Bekannten –
vermögen die Schlussfolgerung, dass der Ehewille der Ehefrau des Beschwerdeführers
bis 4. Dezember 2017 Bestand hatte, nicht in ausreichendem Mass zu belegen. Über
die konkreten Umstände des Zusammenlebens in der gemeinsamen Wohnung,
insbesondere die Behauptung des Beschwerdeführers, sie hätten sich auch das
Ehebett geteilt, ist eine Beweisführung nicht möglich. Dass der Beschwerdeführer die
gemeinsame Wohnung als Postadresse angab und von X._ aus an seinen Arbeitsplatz
pendelte, lässt ebenfalls keine Aussage über den Charakter der Beziehung und den
Ehewillen der Ehegatten kurz vor und nach dem Ablauf der Dreijahresfrist zu. Dies gilt
auch für die Zeugenberichte. Der Zeitraum, in welchem nach der Behauptung des
Beschwerdeführers das Ehepaar gemeinsam Freunde und Verwandte besucht und
auch als Paar Besuche in der ehelichen Wohnung empfangen habe, wird schliesslich
nur sehr vage – in den letzten Monaten vor dem Eheschutzgesuch – umschrieben.
3.3. Die Beweiswürdigung durch die Vorinstanz erscheint insgesamt nicht als
rechtswidrig. Die Indizien, die dafürsprechen, dass die eheliche Gemeinschaft bereits
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vor Ablauf der Dreijahresfrist ohne Ehewillen der Ehefrau des Beschwerdeführers
aufrechterhalten wurde, erweisen sich insgesamt als überzeugender als jene des
Beschwerdeführers, der nachweisen müsste, dass er und seine Ehefrau nicht bloss
dieselbe Wohnadresse hatten, sondern dass eine tatsächliche von einem
gemeinsamen Ehewillen getragene Lebensgemeinschaft bestand.
4. Hat die Ehegemeinschaft weniger als drei Jahre bestanden, besteht der Anspruch
des Ehegatten auf Bewilligung des Aufenthalts nach Art. 42 AIG im Sinn eines
nachehelichen Härtefalls gemäss Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b AIG weiter, wenn
wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich
machen. Wichtige persönliche Gründe liegen gemäss Art. 50 Abs. 2 AIG namentlich
vor, wenn der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem
Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark
gefährdet erscheint. Eine gute Integration in der Schweiz genügt nicht, um einen
schwerwiegenden Härtefall und damit einen Anspruch nach Art. 50 Abs. 1 Ingress und
lit. b AIG zu begründen. Eine erfolgreiche Integration ist zusammen mit der dreijährigen
Ehegemeinschaft in der Schweiz Voraussetzung für einen Anspruch nach Art. 50 Abs. 1
Ingress und lit. a AIG. Daher kann sie allein grundsätzlich nicht bereits ausreichen, um
die Bewilligungsvoraussetzungen der lit. b zu erfüllen, wenn es im Übrigen an der
dreijährigen Ehegemeinschaft fehlt (BGer 2C_575/2013 vom 7. Februar 2014 E. 4.3.2
mit Hinweisen auf 2C_857/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2, 2C_635/2009 vom
26. März 2010 E. 5.3.2, 2C_803/2010 vom 14. Juni 2011 E. 2.3.4).
Der Beschwerdeführer erachtet – für den Fall, dass die Ehedauer von drei Jahren nicht
erfüllt wäre – den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung als unverhältnismässig. Zur
Begründung verweist er zunächst auf die fehlenden öffentlichen Interessen daran, dass
er die Schweiz verlasse. Dem ist entgegenzuhalten, dass der Gesetzgeber mit der
Regelung, wonach der Anspruch auf Aufenthalt von Ausländerinnen und Ausländern,
deren Ehe mit in der Schweiz über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügenden
Ehepartnerinnen und Ehepartnern vor Ablauf dreier Jahre gescheitert ist, untergeht, ein
grundsätzlich überwiegendes öffentliches Interesse daran zum Ausdruck gebracht hat,
dass diese Personen die Schweiz wieder verlassen. Der Beschwerdeführer macht
sodann geltend, er sei ein in der Schweiz bestens integrierter Mitbürger. Der
Beschwerdeführer ist unbestrittenermassen wirtschaftlich erfolgreich integriert, hat
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diverse Sprachkurse absolviert und war auch strafrechtlich unauffällig. Widerrufsgründe
nach Art. 62 Abs. 1 – ausgenommen lit. d – AIG bestehen nicht. Dies genügt wie
dargelegt indes nicht, um einen Härtefall im Sinn von Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b
AIG zu begründen. Gleiches gilt auch für den Hinweis des Beschwerdeführers, er habe
in Bosnien seine Brücken abgebrochen und sämtliche Beziehungen aufgegeben und
sei dort nur noch ein Besucher. Daraus kann nicht geschlossen werden, seine soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland erscheine stark gefährdet. Er war im Zeitpunkt
der Einreise in die Schweiz im Dezember 2014 bereits 28-jährig und hat mithin lediglich
etwa vier Jahre hier gelebt. Er ist mit der Gesellschaft und Sprache seines
Heimatlandes vertraut und wird auch auf familiäre Beziehungen bauen können. Es ist
deshalb ohne Weiteres davon auszugehen, dass sich die soziale Wiedereingliederung
in seiner Heimat nicht besonders schwierig gestalten wird.
5. (...).