Decision ID: 6cf53f55-eebb-5f41-9c0b-5ea7aa03120f
Year: 2003
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Zwischen dem Beschwerdeführer und der Beschwerdegegnerin ist ein
Baubeschwerdeverfahren vor der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) hängig
(Verfahren RA Nr. 110/2002/4). Angefochten ist die Gesamtbewilligung des
Regierungsstatthalters von Büren vom 3. Dezember 2001 für den Neubau eines Ladens
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mit einer Verkaufsfläche von 1450 m2, Büros, Schulungsräumen, Betriebscaféteria sowie
177 Autoabstellplätzen. Der Beschwerdeführer hat diese Baubewilligung unter anderem mit
der Begründung angefochten, dass vor einem weiteren Ausbau des Areals der
Beschwerdegegnerin die notwendigen planerischen Grundlagen geschaffen werden
müssen. Im Rahmen der Planverfahren sei insbesondere die Erschliessung zu überprüfen.
Der gesamte Anlieferbetrieb laufe über die E._strasse. Diese sei bereits heute
dem Lastwagenverkehr nicht gewachsen.
Bereits vorher hat die Beschwerdegegnerin die Nachbarparzelle Dotzigen
Grundbuchblattnummer F._ erworben. Auf dieser Parzelle steht eine Tennishalle.
In der Zwischenzeit hat die Beschwerdegegnerin offenbar die Tennishalle G._
übernommen. Der Tennisbetrieb ist eingestellt.
Das Rechtsamt hat mit Verfügung vom 31. Mai 2002 das Beschwerdeverfahren eingestellt,
bis die Überbauungsordnung über die beiden Bauparzellen Dotzigen
Grundbuchblattnummern H._ und I._ rechtskräftig genehmigt ist. Das
Verwaltungsgericht ist am 30. Juli 2002 auf eine Beschwerde des Beschwerdeführers
gegen die Sistierungsverfügung des Rechtsamtes nicht eingetreten.
Die Gemeinde Dotzigen hat mit Wirkung ab 25. Juli 2002 über das gesamte Areal der
Beschwerdegegnerin eine zweijährige Planungszone gelegt. Zweck dieser Planungszone
ist die Ausarbeitung der Überbauungsordnung, die Überprüfung der Nutzung und
Gestaltung dieses Gebietes und die Erstellung einer Massnahmenplanung im Bereich
Lärm- und Luftbelastung.
2. Mit Anzeige vom 12. September 2002 machte der Beschwerdeführer die
Einwohnergemeinde Dotzigen darauf aufmerksam, dass die Beschwerdegegnerin
vermutlich eine Nutzungsänderung der Tennishalle vorgenommen habe. Die Nutzung der
Tennishalle als Lagerraum für die Beschwerdegegnerin sei baubewilligungspflichtig. Weil
die Lärmgrenzwerte auf der J._strasse und der K._strasse überschritten
seien, müsse unabhängig von der Baubewilligungspflicht Sanierungsmassnahmen
erlassen werden. Sie stellte deshalb folgende Anträge: «1. Für die Nutzungsänderung der ehemaligen Tennishalle auf Dotzigen-Gbbl. Nr. F._ sei ein
Baubewilligungsverfahren zu eröffnen.
2. Es sei ein lärmschutzrechtliches Sanierungsverfahren zu eröffnen.»
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Mit Schreiben vom 17. Oktober 2002 teilte der Gemeinderat von Dotzigen dem
Beschwerdeführer mit, dass er in seiner Sitzung vom 15. Oktober 2002 beschlossen habe,
auf die baupolizeiliche Beschwerde sowie das Gesuch von Sanierungsmassnahmen nicht
einzutreten. In den Erwägungen führt er aus, dass die Gemeinde Dotzigen am 12.
Dezember 2001 der Beschwerdegegnerin die kleine Bewilligung für die Umnutzung der
Tennishalle in eine Gewerbehalle auf Zusehen hin zugestimmt habe. Diese Zustimmung
sei im Wissen erfolgt, dass die Planung der Beschwerdegegnerin vorangetrieben würde.
Die provisorische Bewilligung sei durch die vom Gemeinderat am 17. Juli 2002
beschlossene Planungszone abgelöst worden. Mit dem Erlass der Planungszone würden
die nötigen Schritte eingeläutet.
3. Gegen diese Verfügung vom 17. Oktober 2002 hat der Beschwerdeführer
Beschwerde erhoben. Mit dem Hauptbegehren verlangt er die Aufhebung der Verfügung.
Die Gemeinde Dotzigen sei anzuweisen, für die Nutzungsänderung der ehemaligen
Tennishalle ein Baubewilligungsverfahren zu eröffnen. Die Gemeinde Dotzigen sei zudem
anzuweisen, im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens emmissionsbegrenzende
Auflagen oder Bedingungen anzuordnen. Mit einem Eventualantrag verlangt er, dass die
Gemeinde Dotzigen anzuweisen sei, ein lärmschutzrechtliches Sanierungsverfahren zu
eröffnen. Zur Begründung bringt er vor, dass die Nutzungsänderung der ehemaligen
Tennishalle zu Auswirkungen auf den Parkplatzbedarf führe. Die Nutzungsänderung könne
durch die zu erwartende Kapazitätssteigerung zu einer deutlichen Mehrbelastung der
Erschliessungsanlagen führen. Bereits heute genüge die E._strasse als einzige
strassenmässige Erschliessungsanlage für das gesamte Areal nicht mehr. Das
Lärmgutachten L._ und Partner AG vom 17. Januar 2002 habe festgestellt, dass
der Anlieferverkehr zum Areal der Beschwerdegegnerin auf der J._strasse bis zu
50 % und auf der K._strasse bis zu 17 % des LKW-Verkehrs ausmache. Auf
diesen Strassen führe der Strassenlärm zu Überschreitungen des Immissionsgrenzwertes.
Aus diesem Grund könne eine Nutzungsänderung, die höchstwahrscheinlich zu einem
noch stärkeren LKW-Verkehr führe, nur im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens
bewilligt werden. Zudem sei abzuklären, ob die Erschliessung auch nach der allenfalls
verstärkten Lastwagenintensität den Anforderungen der Bauverordnung genüge. Die
Nutzungsänderung habe auch Auswirkungen auf die Umweltschutzgesetzgebung,
insbesondere das Lärmschutzrecht. In Dotzigen bestehe eine Sanierungspflicht, da die
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Lärmgrenzwerte zumindest an der J._strasse und an der K._strasse
überschritten seien. Die provisorische Bewilligung für die Umnutzung vom September 2001
sei weder publiziert noch den Anwohnern mitgeteilt worden. Die Anwohner hätten daher
nie die Möglichkeit gehabt, gegen die Umnutzung Einsprache zu erheben.
4. Die Einwohnergemeinde Dotzigen beantragt in ihrer Stellungnahme vom 17.
Dezember 2002 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie insbesondere
vor, dass sie am 12. November 2001 einer provisorischen Umnutzung der Tennishalle auf
Zusehen hin zugestimmt habe. Diese provisorische Bewilligung sei durch eine vom
Gemeinderat Dotzigen verfügte Planungszone abgelöst worden.
5. Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 19.
Dezember 2002 auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, eventuell sei die Beschwerde
abzuweisen. Sie bringt vor, dass zwischen Dotzigen, Büetigen, der Beschwerdegegnerin
und dem Regionalverband Amt Erlach und östliches Seeland (EOS) mit Datum vom
21. Januar 2002 ein Planungsvertrag vorliege. Gegenstand dieses Planungsvertrages sei
die Ausarbeitung einer Überbauungsordnung zur Erweiterung und Neuerschliessung des
Betriebes der Beschwerdegegnerin. Die Planungsarbeiten seien schon sehr weit
vorgeschritten. Aufgrund des Baugesuchs der Beschwerdegegnerin vom 14. November
2001 habe die Baubewilligungsbehörde von Dotzigen mit Datum vom 12. Dezember 2001
auf Zusehen hin die Umnutzung der Tennishalle in eine Gewerbehalle bewilligt. Die
vormalige Tennishalle diene heute primär als Zwischenlagerfläche und
Bereitstellungsraum. Diese Nutzung habe keinen Mehrverkehr zur Folge. Der
Beschwerdeführer habe an der Behandlung der vorliegenden Beschwerde sowie seines
Gesuches um Erlass von Sanierungsmassnahmen kein Rechtsschutzinteresse. Sein
Vorgehen müsse als querulatorisch bezeichnet werden, da man nun intensiv am Planen
sei. Diese Planung trage dem Ergebnis der Lärmuntersuchung der L._ AG und
dem Anliegen des Beschwerdeführers Rechnung. Die Tennishalle werde heute als
Zwischenlagerfläche für Volumenware, welche vormals im Freien auf dem Areal der
Beschwerdegegnerin gelagert werden musste, sowie als Bereitstellungsraum für
kommissionierte Waren genutzt. Die Beschwerdegegnerin verfüge für die
Nutzungsänderung der vormaligen Tennishalle über eine Baubewilligung. Eine
baupolizeiliche Anzeige, die darauf abziele, sich gegen widerrechtliches Bauen zur Wehr
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zu setzen, sei obsolet. Die Beschwerdegegnerin habe für die Umnutzung der Tennishalle
ein Baugesuch eingereicht, worauf sie vom Gemeinderat von Dotzigen die Baubewilligung
zur Umnutzung der Tennishalle auf Zusehen hin erhalten habe. Die Beschwerdegegnerin
könne und dürfe in Anlehnung an die ihr vom Gemeinderat von Dotzigen erteilte
Zusicherung die Tennishalle vorläufig und entsprechend dieser Zusicherung nutzen. In
Bezug auf die Hülle der Tennishalle und der Inneneinrichtungen wie zum Beispiel WC-
Anlagen bedürfe es keiner Baubewilligung. Analog zu den kleinen und leichten fremden
Bauten und Anlagen können diese in der Tennishalle gelagerten Gebinde und Waren
innert kurzer Frist entfernt werden. Die bewilligte Öffnung der Halle könne ohne weiteres
wieder geschlossen werden. Die Tatsache, dass in der Tennishalle Gebinde und Waren
herumständen, beeinträchtige weder die öffentlichen Interessen noch diejenigen des
Beschwerdeführers. Sollte die BVE zum Schluss gelangen, dass ein förmliches
Baubewilligungsverfahren hätte durchgeführt werden müssen, fehle dem
Beschwerdeführer das Rechtsschutzinteresse an der Durchführung eines förmlichen
Baubewilligungsverfahrens. Dieser sei zudem nicht legitimiert, die Anordnung
emmissionsbegrenzender Auflagen oder Bedingungen zu verlangen. Aus dem
Lärmuntersuchungsbericht der L._ AG vom 17. Januar 2002 gehe hervor, dass
nur einige wenige Gebäude entlang der J._strasse und der K._strasse
wegen Überschreitung des Immissionsgrenzwertes betroffen seien. Aus dem Gutachten
ergebe sich nicht, dass der Immissionsgrenzwert auch bei den Gebäuden entlang der
E._strasse, insbesondere beim Gebäude des Beschwerdeführers, überschritten
werde.
6. Gestützt auf mehrmalige Aufforderungen des Rechtsamtes reichte die Gemeinde
Dotzigen am 2. Juni 2003 die Akten zum Baugesuch der Beschwerdegegnerin vom
29. November 2001 für die Umnutzung der Tennishalle ein. Die am Verfahren Beteiligten
erhielten Gelegenheit, zum Beweisverfahren Stellung zu nehmen.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
a. Die Baupolizeibehörde von Dotzigen ist auf die Anträge des Beschwerdeführers, ein
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Baubewilligungsverfahren und ein lärmschutzrechtliches Sanierungsverfahren zu eröffnen,
nicht eingetreten.
b. Die Baupolizei ist Sache der zuständigen Gemeindebehörde (Art. 45 Abs. 1 des
Baugesetzes vom 9. Juni 1985, BauG; BSG 721). Die Organe der Baupolizei treffen im
Rahmen ihrer Zuständigkeit alle Massnahmen, die zur Durchführung des Baugesetzes und
der gestützt darauf erlassenen Vorschriften und Verfügungen erforderlich sind (Art. 45 Abs.
2 BauG). Verfügungen der Baupolizei können bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion
des Kantons Bern (BVE) angefochten werden (Art. 49 BauG).
c. Das Umweltschutzgesetz, das in Art. 16 ff. die Sanierung materiell normiert, enthält nur
wenige Verfahrensvorschriften für den Vollzug der Sanierungen. Art. 16 Abs. 3 USG
verpflichtet die Behörde, bevor sie erhebliche Sanierungsmassnahmen anordnet, vom
Inhaber der Anlage Sanierungsvorschläge einzuholen. In Art. 16 Abs. 4 USG besteht
zudem eine allgemeine gesetzliche Grundlage für vorsorgliche Massnahmen. Das
allgemeine Verwaltungsverfahrensrecht des Bundes ist nicht anwendbar (vgl. dazu Art. 1
des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968, VwVG; SR
172.021). Dass der Bund den Kantonen das Verfahren für den Vollzug der
Sanierungsbestimmungen nicht vorschreibt, entspricht dem allgemeinen Grundsatz, dass
die Kantone, soweit sie für den Vollzug zuständig sind, Organisationsautonomie geniessen
(Schrade/Wiestner, Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Auflage, N 73 zu Art. 16).
Auch die kantonale Vollzugsgesetzgebung zu Art. 16 ff. USG enthält im Bereich des Lärms
keine umfassende allgemeine Verfahrensregelung. Sie verweist vielmehr auf das VRPG
(vgl. Art. 26 der Lärmschutz-Verordnung vom 16. Mai 1990, KLSV; BSG 824.761) und auf
andere Bewilligungsverfahren (vgl. Art. 23 KLSV). Sanierungen nach Art. 16 ff. USG sind
primär im allgemeinen Verwaltungsverfahren nach VRPG zu vollziehen. Diese
Verwaltungsverfahren sind mit einer Verfügung nach Art. 49 Abs. 1 VRPG abzuschliessen.
Spezielle Verwaltungsverfahren sind nur dann durchzuführen, wenn die
Vollzugsgesetzgebung auf solche besonderen Verfahren verweist (z.B. Art. 18 KLSV:
Plangenehmigungsverfahren, Anlagegenehmigungsverfahren, Baubewilligungsverfahren;
Art. 6 KLSV: Planerlassverfahren). Zu beachten ist insbesondere, dass eine Sanierung
nach USG keine Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes nach Art. 46 BauG
darstellt. Eine umweltrechtliche Sanierung liegt nämlich nur vor, wenn eine Anlage beim
Erlass der relevanten Bestimmung des Umweltschutzrechtes bestand (sogenannte
Altanlage) und durch das Inkrafttreten dieser Bestimmung rechtswidrig geworden ist (vgl.
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dazu Schrade/Wiestner, a.a.O., N 16 und 21 zu Art. 16). Dabei macht das USG im
Gegensatz zu Art. 46 Abs. 1 BauG keinen Unterschied, ob die Anlage vor diesem Zeitpunkt
formell oder materiell rechtswidrig war oder nicht, d.h. ob sie bewilligungspflichtig war oder
rechtmässig bewilligt wurde oder nicht. Nur wenn die Altanlage vor dem Inkrafttreten der
Umweltschutzbestimmung zudem formell oder materiell rechtswidrig war, liegt auch ein
Tatbestand von Art. 46 Abs. 1 BauG vor. Nur in diesem Fall ist die Sanierung im Rahmen
des baupolizeilichen Wiederherstellungsverfahrens durchzuführen.
Im vorliegenden Fall geht es in erster Linie um den Lärm der Lastwagen, welche den
Betrieb der Beschwerdegegnerin beliefern oder Waren der Beschwerdegegnerin abholen.
Der Beschwerdeführer schlägt als kurzfristige Massnahmen denn auch vor, dass die
Betriebszeiten eingeschränkt werden, die Motoren der wartenden Lastwagen abgestellt
und ein provisorischer Warteraum eingerichtet werde. Es geht somit um den Industrie- und
Gewerbelärm im Sinne von Art. 18 bis 20 KLSV. Nach Art. 20 KLSV obliegt der Vollzug der
Vorschriften über die Sanierung - soweit in Absatz 2 nichts anderes bestimmt ist - für
Anlagen, deren Erstellung oder Änderung einer Plangenehmigung oder einer
Gewerbebewilligung bedarf, dem KIGA und für die übrigen Anlagen der Gemeinde. Dem
KIGA obliegt gemäss Absatz 2 bei der Sanierung von industriellen und gewerblichen
Anlagen die Gewährung von Erleichterungen, die Zustimmung zu andern baulichen
Massnahmen für den Schallschutz an den vom Lärm betroffenen Gebäuden und die
Entbindung von der Pflicht, Schallschutzmassnahmen an den vom Lärm betroffenen
Gebäude zu treffen.
Dem Schreiben des KIGA vom 27. Juni 2000 (S. 38 der Akten des Regierungsstatthalters
von Büren Nr. 31/2000 zum Baugesuch der Beschwerdegegnerin vom 8. Juni 2000 für den
Bau des Landi-Centers) kann entnommen werden, dass das Bauvorhaben weder vom
Gesetz über Handel und Gewerbe, noch vom Gesetz über die Arbeit, Betriebe und
Anlagen noch von der Verordnung über die Arbeit, Betriebe und Anlagen erfasst wird. Für
den Vollzug der Vorschriften über die Sanierung des Betriebes der Beschwerdegegnerin ist
somit die Gemeinde Dotzigen zuständig.
Gegen Verfügungen der Gemeindebehörden kann bei der zuständigen kantonalen
Fachdirektion Verwaltungsbeschwerde erhoben werden (Art. 26 Abs. 2 KLSV). Kantonale
Fachstelle für Industrie- und Gewerbelärm ist das KIGA (Art. 2 Abs. 1 Bst. c KLSV),
zuständige kantonale Fachdirektion ist die Volkswirtschaftsdirektion. Rechtsmittelinstanz
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betreffend die Verfügung der Gemeinde Dotzigen, auf das Gesuch des
Beschwerdeführers, ein lärmschutzrechtliches Sanierungsverfahren zu eröffnen, nicht
einzutreten, wäre somit die Volkwirtschaftsdirektion. Kraft Sachzusammenhangs mit der
baupolizeilichen Verfügung rechtfertigt es sich, dass die BVE die Zuständigkeit an sich
zieht, um auch über den sanierungsrechtlichen Teil der angefochtenen Verfügung zu
entscheiden, zumal die Sache diesbezüglich ohnehin an die Gemeinde zum Erlass einer
neuen Verfügung zurückzuweisen ist.
d. Die Eingabe des Beschwerdeführers vom 18. November 2002 ist innert der Rechts-
mittelfristen gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG, bzw. Art. 67 Abs. 1 VRPG eingereicht worden.
Sie entspricht zudem den formellen Anforderungen von Art. 32 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 (VRPG, BSG 155.21).
Über den prozessualen Anspruch auf Zulassung zum Verfahren kann der in der Vorinstanz
ausgeschlossene Beschwerdeführer einen Rechtsmittelmittelentscheid herbeiführen,
unanhängig davon, ob seine Berechtigung zur Anfechtung des Entscheides in der Sache
selbst zu verneinen wäre. Ein Rechtsschutzinteresse muss er nicht zusätzlich nachweisen.
Die BVE prüft und befindet darüber, ob dem Beschwerdeführer die Vorinstanz zu Recht
oder zu Unrecht verschlossen worden ist (vgl. BVR 2001 S. 391, Erw. 2). Auf die
Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. Verfahren auf Erlass einer Verfügung
Nach Art. 50 VRPG führt die Verwaltungsbehörde das Verfahren auf Erlass einer
Verfügung von Amtes wegen oder auf Gesuch hin durch. Auf das Gesuch ist einzutreten,
wenn ein schutzwürdiges Interesse nachgewiesen ist.
Das Wohnhaus des Beschwerdeführers liegt unmittelbar gegenüber der
Tennishalle/Gewerbehalle. Über diese Strasse wird zudem diese Halle erschlossen. Der
Beschwerdeführer wird durch die Umnutzung der Tennishalle in eine Gewerbehalle mehr
als jedermann betroffen. Der Beschwerdeführer ist als unmittelbarer Nachbar befugt, in
einem allfälligen Baubewilligungsverfahren für die Nutzungsänderung der Tennishalle als
Einsprecher Parteirechte auszuüben (Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG). Er hat somit ein
schutzwürdiges Interesse an der Einleitung eines Verfahrens zur Wiederherstellung des
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rechtmässigen Zustandes und eines lärmschutzrechtlichen Sanierungsverfahrens. Die
angefochtene Verfügung der Baupolizeibehörde von Dotzigen, auf das Gesuch um
Anordnung baupolizeilicher Massnahmen und um Eröffnung eines lärmschutzrechtlichen
Sanierungsverfahrens nicht einzutreten, verletzt deshalb Art. 50 Abs. 2 VRPG. Die
Verletzung von Verfahrensvorschriften kann die Aufhebung der angefochten Verfügung zur
Folge haben, zumal wenn sie in oberer Instanz nicht zu beheben sind.
3. Eröffnung eines Baubewilligungsverfahrens von Amtes wegen
Der Beschwerdeführer verlangt, dass die Gemeinde Dotzigen angewiesen wird, für die
Nutzungsänderung der Tennishalle ein Baubewilligungsverfahren zu eröffnen. Für dieses
Begehren besteht keine gesetzliche Grundlage. Ein Baubewilligungsverfahren wird nicht
von Amtes wegen, sondern nur auf Gesuch hin durchgeführt (Art. 34 BauG, Art. 10 des
Dekretes über das Baubewilligungsverfahren vom 22. März 1994, BewD; BSG 725.1). Das
Begehren des Beschwerdeführers ist deshalb abzuweisen.
4. Verfahren zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes
Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer Baubewilligung
ausgeführt, richtet sich das Verfahren nach Art. 46 BauG: Dem jeweiligen
Grundeigentümer ist eine angemessene Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustandes anzusetzen und die Ersatzvornahme anzudrohen. Laut Art. 46 Abs. 2 Bst. b
BauG wird diese Verfügung aufgeschoben, wenn der Pflichtige innert 30 Tagen seit ihrer
Eröffnung ein Gesuch um nachträgliche Baubewilligung einreicht.
Die Baubewilligungsbehörde von Dotzigen hat der Beschwerdegegnerin am 12. Dezember
2001 eine kleine Baubewilligung erteilt für die Umnutzung der Tennishalle in eine
Gewerbehalle. Die Voraussetzungen für das Einleiten eines Verfahrens zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes fehlen. Soweit der Beschwerdeführer
sinngemäss verlangt, dass ein solches Verfahren eingeleitet wird, ist das Begehren
abzuweisen.
5. Nichtigkeit der Baubewilligung vom 12. Dezember 2001
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Der Beschwerdeführer macht in seiner Stellungnahme zum Beweisergebnis zu Recht
darauf aufmerksam, dass das Baugesuch der Beschwerdegegnerin weder publiziert noch
den Nachbarn mitgeteilt worden ist (Art. 26 Abs. 1 und Art. 27 Abs. 1 BewD). Hinzu kommt,
dass die Beschwerdegegnerin nicht das amtlichen Baugesuchsformular verwendet hat, wie
dies Art. 10 Abs. 1 BewD vorschreibt. Die Gemeinde Dotzigen hat das rechtliche Gehör
des Beschwerdeführers (und der andern Nachbarn) in grober Weise verletzt. Die
Baubewilligung vom 12. Dezember 2001 leidet somit an einen rechtlichen Mangel. Trotz
dieses Mangels ist die Verfügung grundsätzlich aber rechtsbeständig. Sie bleibt trotz ihrer
Fehlerhaftigkeit bestehen. Anders verhält es sich bloss für nichtige Verfügungen, denen
jede Verbindlichkeitswirkung und Rechtswirksamkeit abgeht. Eine Verfügung ist nichtig,
wenn sie mit schwerwiegenden und zugleich offenkundigen oder zumindest leicht
erkennbaren Rechtsfehlern behaftet ist. Als weitere Voraussetzung kommt hinzu, dass die
Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet sein darf
(sog. Evidenztheorie; vgl. dazu Fritz Gygi, Verwaltungsrecht, Bern 1986, S.306 mit
Hinweisen). Im vorliegenden Fall liegt zwar ein erheblicher Mangel vor. Dieser ist aber
nicht derart schwerwiegend, dass er zur Nichtigkeit führt. Die Baubewilligung ist zwar
fehlerhaft, aber nicht nichtig.
6. Formelle Rechtskraft der Baubewilligung vom 12. Dezember 2001
a. Aus der mangelhaften Eröffnung der Baubewilligung vom 12. Dezember 2001 und aus
der Verletzung der Parteirechte des Beschwerdeführers im Baubewilligungsverfahren
dürfen dem Beschwerdeführer keine Rechtsnachteile erwachsen. Die Beschwerdefrist für
die Anfechtung der Baubewilligung vom 12. Dezember 2001 hat für den Beschwerdeführer
somit erst zu laufen begonnen, als er im Besitze aller für die erfolgreiche Wahrung seiner
Interessen wesentlichen Kenntnisse war, bzw. bei gebührender Aufmerksamkeit hätte sein
können (vgl. statt vieler: BGE 116 Ib 123 f. und 325 f; BVR 1997 S. 262). Der
Beschwerdeführer hat mit der Verfügung der Gemeinde Dotzigen vom 17. Oktober 2002
Kenntnis von der fehlerhaften Baubewilligung vom 12. Dezember 2001 erhalten. Trotzdem
hat er diese Baubewilligung nicht angefochten. Die Baubewilligung ist damit in formelle
Rechtskraft erwachsen. Eine formell rechtskräftige Baubewilligung, die im Widerspruch zu
öffentlich-rechtlichen Vorschriften erteilt worden ist, kann nur noch widerrufen werden,
wenn die Voraussetzungen von Art. 43 BauG erfüllt sind. Zuständig für den Widerruf der
Baubewilligung ist aber nicht die BVE, sondern die Baubewilligungsbehörde oder die
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Aufsichtsbehörde nach Art. 48 BauG. Weil die umstrittene Nutzungsänderung der
Tennishalle rechtskräftig auf Zusehen hin bewilligt ist, besteht kein Raum, ein Verfahren
nach Art. 46 BauG einzuleiten.
b. Der Beschwerdeführer verlangt, dass die Gemeinde Dotzigen anzuweisen sei, im
Rahmen des Baubewilligungsverfahrens für die Umnutzung der Tennishalle
emissionsbegrenzende Nebenbestimmungen anzuordnen.
Nach Art. 16 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz
(Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) müssen Anlagen, die den Vorschriften dieses
Gesetzes oder den Umweltvorschriften anderer Bundesgesetze nicht genügen, saniert
werden. Nach Art. 18 Abs. 1 USG darf eine sanierungsbedürftige Anlage nur umgebaut
oder erweitert werden, wenn sie gleichzeitig saniert wird. Ob die Baubewilligung vom 12.
Dezember 2001 gegen diese Bauvorschrift verstösst, kann offen gelassen werden; denn
sie ist - wie oben ausgeführt - in Rechtskraft erwachsen. Sie kann nicht mit zusätzliche
Nebenbestimmungen ergänzt werden. Die BVE ist nicht Aufsichtsbehörde nach Art. 48
BauG und ist demzufolge nicht befugt, den Widerruf der Baubewilligung anzuordnen. Das
Begehren des Beschwerdeführers ist abzuweisen.
7. Eröffnung eines lärmschutzrechtlichen Sanierungsverfahrens
Mit dem Eventualbegehren verlangt der Beschwerdeführer die Eröffnung eines
lärmschutzrechtlichen Sanierungsverfahren.
Der Wortlaut von Art. 13 Abs. 1 der Lärmschutzverordnung vom 15. Dezember 1986 (LSV,
SR 814.41) legt nahe, dass der Bundesrat generell nur ortsfeste Anlagen der
Sanierungspflicht unterstellen wollte, die wesentlich zur Überschreitung der
Immissionsgrenzwerte beitragen. Eine solche Einschränkung der Sanierungspflicht ist aber
mit dem Vorsorgeprinzip nicht vereinbar. Eine ortsfeste Anlage muss direkt gestützt auf Art.
11 Abs. 2 und Art. 16 Abs. 1 USG schon dann saniert werden, wenn sie dem
Vorsorgeprinzip nicht genügt. Voraussetzung ist aber immerhin, dass der Lärm stört; das
Umweltrecht gibt keinen Anspruch auf absolute Ruhe (Schrade/Wiestner, a.a.O., 2.
Auflage NN 35 und 43 zu Art. 16 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung).
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Die Sache ist bezüglich der Frage, ob der Betrieb der Beschwerdegegnerin dem
Vorsorgeprinzip genügt, noch nicht entscheidreif. Die Gemeinde muss diesbezüglich die
nötigen Abklärungen vornehmen. Zudem hat sie zu prüfen, ob nicht ein dringender Fall im
Sinne von Art. 16 Abs. 4 USG vorliegt und einzelne Massnahme vorsorglich anzuordnen
sind (z.B. Festlegen von Betriebszeiten, Abstellen der Motoren von wartenden Lastwagen,
Schaffung provisorischer Warteräume usw.). Das lärmschutzrechtliche
Sanierungsverfahren ist durch eine materielle Verfügung abzuschliessen. Die Verfügung ist
mit einer Rechtsmittelbelehrung an die Volkswirtschaftsdirektion zu versehen. Insoweit ist
das Eventualbegehren des Beschwerdeführers gutzuheissen.
8. Oberinstanzliche Verfahrenskosten
Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für
besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Behörde setzt die Gebühr gestützt auf die
gesetzliche Gebührenordnung nach pflichtgemässem Ermessen fest (Art. 103 Abs. 2
VRPG). Der Gebührenrahmen reicht von 200 bis 4'000 Franken (Art. 19 der Verordnung
vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung, Gebührenverordnung;
GebV, BSG 154.21). Die Pauschalgebühr wird auf 1'200 Franken festgelegt.
Der Beschwerdeführer unterliegt mit seinen Hauptbegehren, obsiegt aber mit seinem
Eventualbegehren. Die Beschwerdegegnerin unterliegt mit ihrem Hauptantrag auf
Nichteintreten, obsiegt mit dem Eventualantrag auf Abweisung der Beschwerde nur
bezüglich der Hauptbegehren und unterliegt bezüglich des Eventualbegehrens des
Beschwerdeführers. Die Vorinstanz ist in verfahrensrechtlicher Hinsicht zu Unrecht auf die
Eingabe des Beschwerdeführers vom 12. September 2002 nicht eingetreten. Sie hat mit
der Baubewilligung vom 12. Dezember 2001 zudem grobe Verfahrensfehler begangen. Es
rechtfertigt sich somit die Verfahrenkosten zu je einem Drittel dem Beschwerdeführer und
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der Vorinstanz können keine Verfahrenskosten
auflegt werden (Art. 108 Abs. 2 VRPG).
9. Parteikosten
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Nach Art. 108 Abs. 3 VRPG hat die unterliegende Partei der Gegenpartei die Parteikosten
zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besondern Umstände eine
andere Teilung oder die Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das
Gemeinwesen als gerechtfertigt erscheint.
Der Beschwerdeführer, die Beschwerdegegnerin und die Vorinstanz unterliegen zu
gleichen Teilen. Der Beschwerdeführer beansprucht Parteikosten von 4'373.95 Franken,
die Beschwerdegegnerin von 1'870.55 Franken (je inkl. Auslagen). Die gesamten
Parteikosten haben der Beschwerdeführer, die Beschwerdegegnerin und die Gemeinde
Dotzigen zu je ungefähr einem Drittel zu tragen. Die Gemeinde Dotzigen hat dem
Beschwerdeführer deshalb einen Parteikostenbeitrag von 2'000 Franken zu leisten. Zudem
hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer einen Parteikostenbeitrag 200
Franken zu bezahlen. Im übrigen trägt jede Partei ihre Parteikosten selber.