Decision ID: a7023219-8e9b-5577-9d16-c6b959d447ad
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Dezember 2003 aufgrund eines Autounfalls im Dezember
2002 und eines dabei erlittenen HWS-Distorsionstraumas zum Leistungsbezug bei der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 11). Nach durchgeführter Abklärung erhielt der
Versicherte vom 1. Dezember 2003 bis 31. August 2004 eine ganze, ab 1. September
2004 eine halbe Rente zugesprochen (IV-act. 44, 60).
A.b Nachdem der Versicherte am 27. Dezember 2005 der IV-Stelle mitgeteilt hatte,
dass er seit dem 9. September 2005 wieder zu 100% arbeitsunfähig sei (IV-act. 54),
und sein Rechtsvertreter am 8. Juni 2006 die Ausrichtung einer ganzen Rente ab
Dezember 2005 beantragt hatte (IV-act. 66), wurde er polydisziplinär (internistisch,
neurologisch, neuropsychologisch, rheumatologisch, psychiatrisch) in der Academy of
Swiss Insurance Medicine (asim) in Basel begutachtet. Das Gutachten wurde am 6. Mai
2009 erstellt (IV-act. 121). Es bescheinigte dem Versicherten in einer adaptierten
Tätigkeit eine 80%-ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit bei einer 90 bis 100%-igen
Präsenzzeit (IV-act. 121-34). Daraufhin hob die IV-Stelle am 2. Juli 2010 die laufende
halbe Rente per Ende August 2010 auf (IV-act. 185). Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen wies die dagegen erhobene Beschwerde mit Entscheid IV 2010/325
vom 20. August 2012 rechtskräftig ab (IV-act. 254).
B.
B.a Bereits am 12. November 2011 gelangte der Versicherte wieder an die IV-Stelle,
denn er hatte im Oktober 2010 erneut einen Autounfall erlitten. Er machte geltend,
nachdem er zuerst zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei, könne er seit dem 1. August
2011 wieder zu 50% arbeiten (IV-act. 225). In der Folge wurden berufliche
Massnahmen durchgeführt (IV-act. 276), an deren Ende der Versicherte per 28. Mai
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2014 eine Temporäranstellung in einem Callcenter in einem 50%-Pensum fand (IV-act.
276-13, 283-1).
B.b Am 19. August 2014 verfügte die IV-Stelle, dass kein weiterer Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen bestehe (IV-act. 283). Mit Verfügung vom 23. Januar 2015
verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf eine Rente. Zur Begründung führte sie aus,
dass der Unfall im Oktober 2010 nur zu einer vorübergehenden Verschlechterung des
Gesundheitszustands geführt habe. Bereits ab dem 9. März 2011 habe sowohl in der
dannzumal ausgeführten selbständigen Erwerbstätigkeit als auch in anderen
adaptierten Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 50%, steigerbar auf 80% bei voller
Präsenzzeit, bestanden. Aus dem Einkommensvergleich ergebe sich bei einem
Valideneinkommen von Fr. 61‘776.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 49‘421.--
eine Erwerbseinbusse von Fr. 12‘355.--, was einem Invaliditätsgrad von 20%
entspreche und keinen Anspruch auf eine Rente begründe (IV-act. 289).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 23. Januar 2015 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 19. Februar 2015. Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
beantragt darin nebst der unentgeltlichen Rechtspflege eine Korrektur des
Einkommensvergleichs. Zur Begründung führte er im Wesentlichen und sinngemäss
aus, dass die zur Berechnung des IV-Grads herangezogenen Einkommen nicht richtig
seien. Beim Valideneinkommen sei auf das Einkommen gestützt auf das
Anforderungsniveau 1 oder 2 abzustellen, beim Invalideneinkommen auf das
Anforderungsniveau 4 bzw. auf das effektiv erzielte Einkommen (act. G 1).
C.b Mit Verfügung vom 27. März 2015 wurde dem Gesuch des Beschwerdeführers um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege, umfassend die Befreiung von den
Gerichtskosten, entsprochen (act. G 5).
C.c Mit Beschwerdeantwort vom 31. März 2015 beantragt die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Sie führt im Wesentlichen aus,
dass nach Lage der Akten weder ersichtlich noch vom Beschwerdeführer dargetan sei,
dass sich der Gesundheitszustand seit Erlass der Verfügung vom 2. Juli 2010, welche
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auf die umfassende asim-Begutachtung abgestellt habe, relevant verändert haben
könnte. Mit der aktuellen 50%-igen Arbeitstätigkeit schöpfe der Beschwerdeführer die
zumutbare Restarbeitsfähigkeit von 80% in einer adaptierten kaufmännischen Tätigkeit
nicht aus. Bezüglich Einkommensvergleich sei auf die Feststellungen im Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. August 2012 abzustellen und
ein Prozentvergleich vorzunehmen. Auch bezüglich eines allfälligen Abzugs vom
Tabellenlohn werde auf die Ausführungen im Gerichtsentscheid verwiesen (act. G 6).
C.d In der Replik vom 4. Mai 2015 führt der Beschwerdeführer im Wesentlichen und
sinngemäss an, dass er aufgrund seiner Beeinträchtigungen aus den beiden Unfällen
nicht eine der Ausbildung entsprechende kaufmännische Tätigkeit ausüben könne. Es
sei weiter erstaunlich, dass auch nach dem Unfall im Jahr 2010 weiterhin auf das asim-
Gutachten aus dem Jahr 2009 abgestellt werde. Die Annahme, dass der zweite Unfall
keine massgeblichen Beeinträchtigungen ergeben habe, sei nicht nachvollziehbar (act.
G 8).
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 7. Mai 2015 auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen
1.
Zum Zeitpunkt der erneuten Anmeldung am 12. November 2011 hatte der
Beschwerdeführer Wohnsitz im Kanton B._ (IV-act. 225). Damit wäre gestützt auf Art.
40 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
grundsätzlich die IV-Stelle des Kantons B._ zuständig zur Prüfung allfälliger
Ansprüche. Nachdem jedoch die einmal begründete Zuständigkeit einer IV-Stelle im
Verlaufe des Verfahrens erhalten bleibt (Art. 40 Abs. 3 IVV) und im November 2011
Arbeitsvermittlungsbemühungen im Zuständigkeitsbereich der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen durchgeführt wurden (IV-act. 211, endgültiger Abschluss mit Verfügung vom
19. August 2014 [IV-act. 283]), war die IV-Stelle des Kantons St. Gallen im Sinne
vorgenannter Bestimmung weiterhin örtlich zuständig.
2.
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Die Beschwerdegegnerin hat mit Verfügung vom 2. Juli 2010 letztlich rechtskräftig die
laufende halbe Rente per Ende August 2010 eingestellt (IV-act. 185, 254; vgl.
vorstehende lit. A.b). Auf die Neuanmeldung vom 12. November 2011 ist sie nach
einem erneuten Unfall im Oktober 2010 mit zumindest vorübergehender
Verschlechterung zu Recht eingetreten (Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 IVV)
und hat in der angefochtenen Verfügung vom 23. Januar 2015 (IV-act. 289) einen
materiellen Entscheid (Abweisung des Leistungsbegehrens) gefällt. Zu prüfen ist
demnach, ob die Ablehnung des Antrags auf eine Invalidenrente zu Recht erfolgte.
3.
3.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die: a. ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
3.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
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3.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
4.
Der nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat in der Beschwerde vom 19.
Februar 2015 gegen die Verfügung vom 23. Januar 2015 den Antrag gestellt, es sei die
Berechnung des Einkommensvergleichs neu zu erstellen (G 1). Mit den Begründungen
in den Rechtsschriften bringt er zum Ausdruck, dass er zum einen die von der
Beschwerdegegnerin der Ermittlung des Invaliditätsgrads zugrunde gelegten
Einkommen bestreitet, zum anderen aber auch die gezogenen medizinischen Schlüsse
seit seinem zweiten Unfall von Oktober 2010 für nicht nachvollziehbar hält. Damit
gehört der Rentenanspruch bezüglich sämtlicher Fragen zum Streitgegenstand dieses
Verfahrens, insbesondere auch die Frage, ob die aktenkundigen (medizinischen)
Unterlagen eine zuverlässige Anspruchsbeurteilung zulassen.
4.1 Zur Beurteilung steht der Gesundheitszustand bzw. eine allfällig
anspruchsbegründende Invalidität zum Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns.
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Dieser entstünde am 1. Mai 2012, sechs Monate nach der Neuanmeldung im
November 2011 (Art. 29 Abs. 1 IVG).
4.2 Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei ihrem rentenablehnenden Entscheid in
medizinischer Hinsicht auf das asim-Gutachten vom 6. Mai 2009 (IV-act. 121), welches
volle Beweiskraft geniesst (vgl. die zutreffenden Ausführungen im Entscheid des
Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 20. August 2012; IV-act. 254-12 f.)
und eine 80%-ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit bescheinigt hat, sowie auf die
insbesondere von der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) nach dem
Unfallereignis im Oktober 2010 getätigten (medizinischen) Abklärungen. Zu prüfen ist,
ob diese Unterlagen den von der Beschwerdegegnerin gezogenen Schluss, dass das
Unfallereignis nur zu einer vorübergehenden Verschlechterung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers geführt hat und wieder vom
Gesundheitszustand gemäss asim-Gutachten auszugehen ist, zulassen.
4.3 Die medizinische Aktenlage seit dem Unfall vom 2. Oktober 2010 präsentiert sich
wie folgt:
4.3.1 Im Austrittsbericht des Spitals C._ vom 30. November 2010 diagnostizierten
die behandelnden Ärzte bei einer Hospitalisation des Beschwerdeführers vom 2. bis 3.
Oktober 2010 eine LWS-Kontusion nach dem Verkehrsunfall. Als Nebendiagnosen
wurde ein Status nach Diskushernien HWS und 2x LWS sowie ein Status nach einem
HWS-Distorsionstrauma bei Beschleunigungstrauma im Dezember 2002 aufgeführt.
Eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers wurde bis am 10. Oktober 2010
bescheinigt (Fremdakten).
4.3.2 Der behandelnde Dr. med. D._, Spezialarzt FMH für Chirurgie,
Wirbelsäulenleiden, Schleudertrauma und orthopädische Traumatologie, verfasste
mehrere Berichte. Mit Bericht vom 17. Dezember 2010 diagnostizierte er ein cervico-
cephales Syndrom mit Begleitschwindel bei einem Status nach zweimaliger HWS-
Distorsion, ein cervico-cephales Syndrom mit Begleitschwindel und Verdacht auf
neuropsychologische Defizite bei einem Status nach Beschleunigungstrauma der HWS
mit einer commotio cerebri, postcommotionale Beschwerden und eine
Cervicobrachialgie links bei im MRI nachgewiesener Diskushernie C5/C6 links. Seit
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dem Unfall vom 2. Oktober 2010 gebe es eine deutliche Verstärkung des cervico-
cephalen Syndroms mit Begleitschwindel und neuropsychologischen Defiziten,
weshalb dem Beschwerdeführer ab dem Unfallzeitpunkt eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt werden müsse. Unter konservativer Behandlung mit
Physiotherapie, Heimübungen und Magnetfeldtherapie komme es zu einer allmählichen
Besserung (Fremdakten). Mit Eingabe vom 8. Februar 2011 attestierte Dr. D._ dem
Beschwerdeführer bis am 31. Januar 2011 eine 100%-ige, danach eine 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit in seiner Tätigkeit als Leiter eines E._ sowie in ebenfalls
angepassten Tätigkeiten (IV-act. 207-1 ff.). Nachdem die Arbeitsfähigkeit nicht wie
vorstehend beschrieben auf 50% gesteigert werden konnte, bescheinigte Dr. D._ am
1. April und 8. August 2011 ab 1. Februar 2011 eine 25%-ige, ab 1. April 2011 eine
35%-ige und ab 1. August 2011 eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit (Fremdakten). Diese
Einschätzung bestätigte er mit Bericht vom 21. September 2011 (IV-act. 225-2).
4.3.3 Der Kreisarzt der Suva, Dr. med. F._, Facharzt FMH für Chirurgie, hatte
inzwischen in seinem Untersuchungsbericht vom 28. Februar 2011 ausgeführt, dass
bei aktiver Therapie zu erwarten sei, dass der Beschwerdeführer nach weiteren zwei
bis drei Monaten seine aktuell eingeschränkte Arbeitsleistung im Rahmen des
Vorzustands schrittweise würde steigern können. Danach sei nach zwei bis drei
Monaten Training ein stabiler Zustand zu erwarten (Fremdakten). Bei dieser Beurteilung
war Dr. F._ (noch) von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit ab 1. Februar 2011
ausgegangen. Am 18. August 2011 erachtete er die von Dr. D._ erst ab 1. August
2011 bescheinigte Arbeits¬fähigkeit von 50% für nachvollziehbar (Fremdakten). Dr.
med. G._, Facharzt FMH für Neurologie, führte mit Bericht vom 8. September 2011
zuhanden der Suva aus, dass eine zusätzliche Traumatisierung der bereits degenerativ
veränderten Halswirbelsäule nicht angenommen werden könne, da die
Nackenschmerzen erst einige Wochen nach dem Unfall vom 2. Oktober 2010
aufgetreten seien (Fremdakten).
5.
5.1 Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der für die Neuanmeldung
relevanten Phase (November 2011 bis Mai 2012) liegt keine Einschätzung eines
behandelnden oder begutachtenden Arztes bei den Akten. Dr. D._ bescheinigt dem
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Beschwerdeführer bereits am 8. August 2011 ab 1. August 2011 eine 50%-ige
Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten (IV-act. 225-2). Danach liegen von ihm
keine Berichte mehr im Recht, die eine weitere Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
bescheinigen würden. Dr. F._ bestätigt zwar die Einschätzung von Dr. D._ am 18.
August 2011 (vgl. vorstehende E. 4.3.3) und spricht im kreisärztlichen
Untersuchungsbericht vom 28. Februar 2011 von einer möglichen schrittweisen
Steigerung der Arbeitsfähigkeit bis zum Erreichen des Vorzustands (80%-ige
Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten). Die prognostizierte Steigerbarkeit von 50
auf 80% wird aber weder zeitlich eingegrenzt noch begründet.
5.2 Aufgrund der Erfahrungstatsache, dass bei Kontusionen und Distorsionen nach
drei bis vier Monaten der Vorzustand wieder erreicht wird (vgl. nebst vielen Urteil des
Bundesgerichts vom 14. Oktober 2015, 8C_571/2015, E. 2.2.3), leuchtet die
Einschätzung von Dr. F._ einer stetigen Steigerung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich
ein. Von Relevanz ist aber, dass die Einschätzungen von Dr. F._ und Dr. G._ auf
hauptsächlich unfallversicherungsrechtlichen Überlegungen gründen. Weitere
Beschwerden, die im Zusammenhang mit der Kausalitätsfrage mangels (genügender)
Objektivierbarkeit allenfalls nicht bewiesen werden können und dementsprechend
keine Leistungspflicht des Unfallversicherers auslösen (vgl. dazu den
Einspracheentscheid der Suva vom 18. April 2012 in den Fremdakten), namentlich die
von Dr. D._ angesprochene deutliche Verstärkung des cervico-cephalen Syndroms
mit Begleitschwindel und neuropsychologischen Defiziten, wurden im relevanten
Zeitraum überhaupt nicht mehr abgeklärt. Auch der RAD äussert sich nicht dazu.
Weitere Abklärungen hätten sich insbesondere aufgedrängt, nachdem der
Beschwerdeführer anlässlich eines vom 8. Juli bis 4. Oktober 2013 durchgeführten
Arbeitsversuchs im Kantonsspital H._ lediglich eine 50%-ige Leistungsfähigkeit
erreichte (IV-act. 263, 268-3). 80% wurden zwar versucht; dieses Pensum hat sich
jedoch als zu hoch erwiesen (IV-act. 271-3). Auch in seiner Tätigkeit als Mitarbeiter in
einem Callcenter ab Mai 2014 war der Beschwerdeführer lediglich 50% leistungsfähig.
Von Belang ist dabei, dass dem Beschwerdeführer bezogen auf den Arbeitsversuch ein
gutes Zeugnis ausgestellt wurde (IV-act. 268, 271-3). Auch anlässlich des ambulanten
Assessments in Bellikon vom 20. Dezember 2010 wurden dem Beschwerdeführer ein
adäquates Schmerzverhalten und eine gute Leistungsbereitschaft attestiert
(Fremdakten). Dass der Beschwerdeführer motiviert ist, die Arbeitsfähigkeit zu
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verbessern, wurde bereits im asim-Gutachten beschrieben (IV-act. 121-35, 124-13) und
Verdeutlichungstendenzen waren keine auszumachen. Damit sind Anhaltspunkte
ersichtlich, welche für eine einschränkendere körperliche Schmerzproblematik mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auch in adaptierter Tätigkeit seit dem Unfall vom 2.
Oktober 2010 sprechen.
5.3 Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass die aktuelle Aktenlage zur
Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers für den
relevanten Zeitpunkt (ab 1. Mai 2012) ungenügend ist. Es sind weitere medizinische
Abklärungen notwendig. Um eine möglichst unbefangene Beurteilung zu gewährleisten,
erscheint eine auf einer persönlichen Untersuchung beruhende Abklärung erforderlich.
Dabei wird die Beschwerdegegnerin zu prüfen haben, welche Disziplinen bei diesem
Beschwerdebild notwendig sind. Die Abklärung (allenfalls inkl. Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit) hat in Auseinandersetzung mit der bisher ergangenen
medizinischen Aktenlage insbesondere Auskunft darüber zu geben, ob und auf Grund
welcher Diagnosen der Beschwerdeführer in seiner Arbeitsfähigkeit (angestammt bzw.
leidensadaptiert) seit dem Unfall vom 2. Oktober 2010 eingeschränkt ist und wie sich
die Einschränkung im Verlauf präsentiert. Nach Vorliegen der Abklärung wird die
Beschwerdegegnerin über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers erneut zu
befinden haben.
6.
Aufgrund der Rückweisung erübrigen sich grundsätzlich Ausführungen zu den
streitigen Vergleichseinkommen. Zur Vermeidung einer erneuten Beschwerdeerhebung
nach erfolgter (medizinischer) Abklärung sind folgende Bemerkungen angezeigt. Wie im
rechtskräftigen Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20.
August 2012 festgehalten, ist der angestammte Beruf des Beschwerdeführers
(Kaufmann in kaufmännisch-administrativer Tätigkeit) leidensadaptiert. Es ist nicht
davon auszugehen, dass sich nach erfolgter Abklärung das Zumutbarkeitsprofil (keine
repetitive Tätigkeiten über Brusthöhe; keine Tätigkeiten mit regelmässiger HWS- und/
oder Rumpfrotation; keine repetitive Tätigkeiten in Zwangshaltungen wie
beispielsweise vornübergebeugt; kein regelmässiges Heben und Tragen von Lasten bis
15 kg; vorteilhaft Tätigkeiten zwischen Hüft- und Brusthöhe, am besten Tischhöhe;
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vorteilhaft Wechselbelastung; IV-act. 121-34) dermassen ändert, dass dies nicht mehr
der Fall sein wird. Bei qualitativer Identität von Validen- und Invalideneinkommen kann
zur Bestimmung des Invaliditätsgrads ein Prozentvergleich vorgenommen werden (vgl.
dazu die zutreffenden Ausführungen im Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 20. August 2012; IV-act. 254-13). Anders gesagt entspricht der
Invaliditätsgrad in solchen Fällen dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter
Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts
vom 4. Februar 2015, 9C_888/2014, E. 2). Dem Beschwerdeführer ist darin
beizupflichten, dass beim Valideneinkommen das Abstellen auf die Hilfsarbeiterlöhne
gemäss Verfügung vom 23. Januar 2015 (IV-act. 289-2) wohl nicht sachgerecht ist und
bei beiden Einkommen von einem höheren Wert hätte ausgegangen werden müssen.
Am Invaliditätsgrad ändert dies jedoch aus den erwähnten Gründen nichts.
7.
7.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene
Verfügung vom 23. Januar 2015 aufzuheben. Die Sache ist im Sinne der Erwägungen
zur Vornahme weiterer Abklärungen und zu neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu werten (BGE 132 V
215 E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.