Decision ID: 898f6a75-0bb6-4f84-8f62-620b6b8dcb77
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Gefährdung des Lebens etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, II. Abteilung, vom
9. Oktober 2015 (DG150004)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 25. Februar
2015 (Urk. 23) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB;
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in
Verbindung mit Ziff. 2 al. 4 StGB, sowie
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2
lit. a StGB.
2. Vom Vorwurf der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB wird
der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten, wo-
von bereits 83 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 19 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (9 Monate, abzüg-
lich 83 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Frei-
heitsstrafe vollzogen.
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5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Schadenersatz in der
Höhe von CHF 2'797.65 zuzüglich Zins zu 5% seit 31. März 2015 zu bezah-
len, zahlbar an die Gemeinde E._ ZH zugunsten des Schuldenkontos
der Privatklägerin. Im übrigen Umfang wird das Schadenersatzbegehren der
Privatklägerin auf den Zivilweg verwiesen.
6. Im Übrigen wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklä-
gerin aus dem angeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-
pflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzan-
spruches wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 2'500.– zuzüglich
5 % Zins ab 10. August 2014 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag
wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
11. August 2014 beschlagnahmten Gegenstände:
- Multifunktionszange
- Ladekabel Laptop
werden eingezogen und vernichtet.
9. Die mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Bezirkes Dielsdorf
vom 13. März 2015 verlängerte Ersatzmassnahme (Ausweis- und Schriften-
sperre) wird bis zum vollständigen Vollzug der Freiheitsstrafe gemäss Ziff. 4
vorstehend verlängert.
10. Die Entschädigung von Rechtsanwalt lic. iur. X._ für die amtliche Ver-
teidigung des Beschuldigten wird auf Fr. 14'333.30 festgesetzt, nämlich
Fr. 11'921.65 für den Aufwand, Fr. 1'349.90 für Barauslagen und
Fr. 1'061.75 für die Mehrwertsteuer.
11. Die Entschädigung von Rechtsanwältin Y._ für die unentgeltliche
Rechtsvertretung der Privatklägerin wird auf Fr. 10'537.65 festgesetzt, näm-
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lich Fr. 9'141.65 für den Aufwand, Fr. 615.50 für Barauslagen und Fr. 780.50
für die Mehrwertsteuer.
12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 6'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'000.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 311.80 Auslagen MIG
Fr. 2'049.60 Auslagen (Gutachten)
Fr. 1'430.– Auslagen Polizei
Fr. 14'333.30 Entschädigung amtliche Verteidigung
Fr. 10'537.65 Entschädigung unentgeltliche Verbeiständung
Fr. 37'662.35 Total
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der
unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerin werden einstweilen auf
die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 426 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 67 S. 2)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens freizu-
sprechen;
2. Der Beschuldigte sei unter Anrechnung der erstandenen Haft zu einer
angemessenen, tieferen Freiheitsstrafe von maximal 24 Monaten zu
verurteilen;
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3. Es sei der Vollzug der Freiheitsstrafe aufzuschieben, unter Ansetzung
einer Probezeit von 2 Jahren;
4. Im Übrigen sei das erstinstanzliche Urteil zu bestätigen;
5. Unter ausgangsgemässen Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl.
MwSt.) für das erstinstanzliche Verfahren sowie das Berufungsverfah-
ren.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 69, S. 1 f.)
Der Beschuldigte sei in Bestätigung des Schuldspruches des Bezirksge-
richts Dielsdorfs vom 8. Oktober 2015 mit einer Freiheitsstrafe von 36 Mona-
ten zu bestrafen. Der zu vollziehende Teil der Freiheitsstrafe sei auf 12 Mo-
nate und der bedingte Teil auf 24 Monate festzusetzen.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte / Prozessuales
1. Gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf,
II. Abteilung, vom 9. Oktober 2015, liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 27.
Oktober 2015 (Urk. 49) innert Frist Berufung anmelden. Das vollständig begrün-
dete Urteil (Urk. 54) wurde vom Beschuldigten am 29. Februar 2016 (Urk. 52/2)
entgegengenommen. Am 21. März 2016 (Datum Poststempel) reichte der amtli-
che Verteidiger die Berufungserklärung fristgerecht ein (Urk. 56). Mit Präsidialver-
fügung vom 24. März 2016 wurde der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
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sowie der Privatklägerin unter Hinweis auf die Berufungserklärung des Beschul-
digten Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung bzw. zum Antrag auf Nichtein-
treten auf die Berufung angesetzt (Urk. 57). Mit Eingabe vom 19. April 2016 er-
klärte die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung (Urk. 60). Gleichentags verzich-
tete die Privatklägerin auf Anschlussberufung (Urk. 59).
2. Beweisanträge wurden keine gestellt. Das Verfahren ist spruchreif.
3.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im
Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-
fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO-Eugster, Art. 402 N 1 f.).
3.2. Der Beschuldigte lässt Dispositivziffern 1 teilweise (Schuldspruch Gefährdung
des Lebens), 3 (Strafe), 4 (Vollzug), und 13 (Kostenfolgen) anfechten. Dispositiv-
ziffer 9 (Ausweis- und Schriftensperre) gilt als mitangefochten. Die Staatsanwalt-
schaft beantragte die Abänderung von Dispositivziffern 3 (Strafe) und 4 (Vollzug).
Damit erwächst das Urteil in Dispositivziffern 1 teilweise (Schuldspruch wegen
einfacher Körperverletzung und Drohung), 2 (Freispruch vom Vorwurf der Verge-
waltigung), 5-7 (Zivilansprüche), 8 (Beschlagnahme), 10 und 11 (Entschädigung
amtlicher Verteidiger und unentgeltliche Rechtsvertreterin) sowie 12 (Kostenfest-
setzung) in Rechtskraft.
4. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liessen die Parteien die ein-
gangs erwähnten Anträge stellen.
II. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird unter dem Titel Gefährdung des Lebens vorgeworfen,
er habe am Sonntag, den 10. August 2014, um ca. 03.30 Uhr, die seitlich auf dem
Bett liegende Privatklägerin mit beiden Händen von vorne am Hals gewürgt, so-
dass sie Atemschwierigkeiten bekommen und vorübergehend bewusstlos gewor-
den sei. Der Beschuldigte habe durch diesen Angriff gegen den Hals bewirkt,
dass die Privatklägerin an der Bindehaut des linken Augenunterlids und an der
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Mundvorhofschleimhaut oben punktförmige Einblutungen, sog. Stauungsblutun-
gen, erlitten habe, welche im Rahmen eines Stauungsvorgangs (Gefässabklem-
mung) entstanden und als objektivierbare Befunde einer Blutzirkulationsstörung
gelten würden. Aufgrund des heftigen Würgens des Beschuldigten sei es bei der
Privatklägerin zufolge Abschnürens der Halsvenen zu einer Abflussstörung des
Blutes aus dem Kopfraum, gleichzeitig zu einer Durchblutungsstörung und damit
zu einer Sauerstoffunterversorgung im Gehirn gekommen. Der Beschuldigte habe
durch das Würgen der Privatklägerin bewusst und gewollt eine in rücksichtsloser
Weise hervorgerufene unmittelbare, sittlich zu missbilligende und ohne jeden ver-
nünftigen Grund bewirkte und durch nichts zu rechtfertigende, sehr grosse Gefahr
ihres Versterbens durch einen sauerstoffmangelbedingten Hirnschaden, nament-
lich der Schädigung der Regulationszentren für Blutkreislauf und Atmung, er-
zeugt.
Die Privatklägerin habe zudem in jenem Moment befürchtet, dass der Beschuldig-
te sie umbringen würde, was dieser zumindest für möglich gehalten und in Kauf
genommen habe.
2.1. Der Beschuldigte bestreitet nicht, die Beschuldigte am Hals gewürgt zu ha-
ben. Es seien vielleicht ein paar Sekunden gewesen und danach habe er seine
Hand weggenommen (Urk. 2/4 S. 19). Er habe sie damit am Schreien hindern
wollen (Urk. 2/1 S. 3).
2.2. Der amtliche Verteidiger brachte vor Vorinstanz sodann vor, dass kein derar-
tig heftiges Würgen stattgefunden habe, dass eine Lebensgefahr bestanden ha-
be. Die vom Arzt festgestellten Einblutungen könnten durch Schläge oder Erbre-
chen entstanden sein. Die Privatklägern habe auch keinen Grund nennen können,
weshalb der Beschuldigte sie hätte umbringen wollen (Urk. 45 S. 8 f.; Prot. I S. 11
f.).
3. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass eine unmittelbare Lebensgefahr be-
standen und der Beschuldigte die Privatklägerin mit direktem Gefährdungsvorsatz
am Hals gewürgt habe. Sie stellte dabei auf die Aussagen des Beschuldigten, auf
das Gutachten des medizinischen Sachverständigen Dr. med. D._ (Urk. 5/1)
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und dessen Zeugenaussage anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung
(Urk. 43) sowie auf die Verletzungsaufnahmen (Urk. 6 Blatt 32 und 33) ab (Urk.
54 S. 48 f.), welche Beweismittel sie unter Beachtung der prozessualen Grunds-
ätze (Urk. 54 S. 9-11; Art. 82 Abs. 4 StGB) zutreffend würdigte.
4. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten wendete auch vor der  ein, es habe keine unmittelbare Lebensgefahr bestanden (Urk. 45 S. 8 f.;
Prot. I S. 11 f; Urk. 67 S. 10-24).
4.1. Die Untersuchung der Privatklägerin durch den medizinischen Sachverstän-
digen Dr. med. D._ fand ca. 1⁄2 Tag nach dem geltend gemachten Ereignis
statt. Er hat u.a. am linken Auge, an der Augenbindehaut des Unterlides, eine dis-
krete rote, punktförmige Schleimhauteinblutung festgestellt. Ebenso hat er an der
Mundvorhofschleimhaut oben, knapp links der Körpermittellinie, eine rote, punkt-
förmige Schleimhauteinblutung entdeckt (Urk. 5/1 S. 3). Der Gutachter sieht die
Ursache dieser Stauungsblutungen als Folge eines Würgevorganges. Aufgrund
des heftigen Würgens sei es zufolge des Abschnürens der Halsvenen zu einer
Abflussstörung des Blutes aus dem Kopfraum, gleichzeitig zu einer Durchblu-
tungsstörung und damit zu einer Sauerstoffunterversorgung im Gehirn gekom-
men, womit eine konkrete und sehr grosse Gefahr des Versterbens durch einen
sauerstoffmangelbedingten Hirnschaden, namentlich der Schädigung der Regula-
tionszentren für Blutkreislauf und Atmung bestanden habe. Im vorliegenden Fall,
so der Gutachter, könne daher in einer Gesamtschau der Befunde, insbesondere
aufgrund der Stauungsblutungen, eine konkrete Lebensgefahr bejaht werden
(Urk. 5/1 S. 6). Der anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung als sach-
verständiger Zeuge befragte D._ erläuterte anhand der Fotodokumentation
seine Untersuchungsbefunde (Urk. 6 Blatt 32 und 33). Es gebe individuelle Unter-
schiede bei der Entwicklung von Stauungsblutungen, je nach Kapillarendicke.
Auch bereits schwache Anzeichen von Einblutungen würden gemäss den Richtli-
nien der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin als objektivierbarer Be-
fund für beim Würgen erzeugte Einflussstauungen genügen. Seine Folgerung auf
"heftiges" Würgen habe er aus den Stauungsblutungen abgeleitet und sei unbe-
einflusst von der Vorgeschichte gewesen, wovon er wenig gekannt habe ("häusli-
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che Gewalt"). Er erklärte auch, dass heftiges Husten oder gewisse Bluterkrankhei-
ten bzw. alles, was mit Thoraxkompression zu tun habe, derartige Stauungsblu-
tungen erzeugen könnten. Auf Nachfrage des amtlichen Verteidigers konnte er
nicht ausschliessen, dass die Privatklägerin sich vor der Untersuchung sich stark
habe übergeben müssen. Es gebe auch keine Möglichkeit, den körperlichen Un-
terschieden bzgl. Kapillarendicke gerecht zu werden. Bei älteren Leuten seien
diese bereits etwas geschädigt und dadurch könnten leichter Stauungsblutungen
entstehen. Die individuellen Unterschiede seien abhängig von der Art und Intensi-
tät des Angriffs gegen den Hals. Beim Drosselungsvorgang habe man weniger
Stauungsblutungen als beim Würgen. Kapillaren könnten auch bei Schlägen plat-
zen. Er habe deshalb Einblutungen an der Unteraugenregion nicht als Stauungs-
blutungen eingeschätzt, weil er am linken Ohr und in dieser Region noch andere
Hautverletzungen (Hautabschürfung) festgestellt habe, was er auf stumpfe Ge-
walteinwirkung zurückgeführt habe. Theoretisch sei es möglich, dass die festge-
stellten Stauungsblutungen durch Schläge hätten entstehen können, aber dann
wäre auch zu erwarten, dass auf dem korrespondierenden Hautmantel Hautver-
letzungen sichtbar wären. Er (der Gutachter) habe aber weder an der Oberlippe
noch am Augenlid irgendwelche Verletzungen festgestellt (vgl. dazu auch Urk. 6
Blatt 5 der Fotodokumentation; Urk. 43 S. 9-12).
4.2. Das Gutachten sowie die ergänzenden Angaben des Sachverständigen bele-
gen, dass die Schlussfolgerungen auf einer sorgfältigen Analyse der Verletzungen
der Privatklägerin basieren. Er hat auch - wie sich seinen Aussagen entnehmen
lässt - alternative Verursachungen in Betracht gezogen (z.B. durch Schläge ver-
ursachte Einblutungen). Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die
festgestellten Stauungsblutungen (Bindehaut linkes Augenunterlid und obere
Mundvorschleimhaut) nicht die Folge von Schlägen sind. Auch andere Ursachen,
wie sie die Verteidigung anführte (Urk. 67 S. 12-16), wie etwa Thoraxkompression
z.B. durch starkes Übergeben, erweisen sich im Gesamtkontext nicht als Ursache
für die Stauungsblutungen. Der Beschuldigte selbst (Zusammenfassung seiner
Aussagen in Urk. 54 S. 31-38; Art. 82 Abs. 4 StPO) hat zugegeben, ihr den Mund
zugedrückt und am Hals gedrückt (jedoch nicht gewürgt zu haben), damit sie nicht
schreie (Urk. 2/1 S. 3); um sie am Schreien zu hindern habe er sie mit beiden
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Händen während weniger als einer Minute gewürgt, jedoch nicht stark (Urk. 2/2
S. 6); er habe sie ein paar Sekunden gewürgt, dann habe er seine Hand wegge-
nommen (Urk. 2/4 S. 18 f.). Diese Angaben sind vor der weiteren Zugabe des Be-
schuldigten zu werten, wonach er die Privatklägerin massiv verprügelt habe und
er richtiggehend ausgerastet sei (Urk. 41 S. 25); er habe einfach die Kontrolle ver-
loren und es sei nicht mehr in seinen Händen gewesen, wie er sich verhalten ha-
be (Urk. 2/4 S. 9). Dies indiziert, dass er auch beim Würgevorgang, womit er die
Privatklägerin ruhig stellen wollte ("am Schreien hindern"), ausser Kontrolle war
und sie deshalb heftig am Hals gewürgt hat. Damit lassen sich auch die Aussagen
der Privatklägerin in Einklang bringen, wonach sie dachte, sie würde jetzt sterben
(Urk. 3/1 S. 3). Die Aussagen der Privatklägerin sind zwar bezüglich der Folgen
des Würgens nicht einheitlich. So hat sie bei der Polizei noch erklärt, sie sei nicht
bewusstlos geworden, wohingegen sie bei der Staatsanwaltschaft auf Frage aus-
sagte, sie sei bewusstlos gewesen, wisse aber nicht wie lang; dies habe sie bei
der Polizei bereits ausgesagt (Urk. 3/2 S. 26 f.; Urk. 3/3 S. 8). Gleichbleibend
spricht sie aber immer von Schwindel, Atemnot, Todesangst und dass es nicht zu
einem Urinabgang gekommen sei (Urk. 3/1 S. 3; Urk. 3/2 S. 26 f.; Urk. 3/3 S. 8 f.).
Zur Dauer der Würgehandlung konnte sie keine Angaben machen (Urk. 3/2 S. 26;
Urk. 3/3 S. 8) bzw. verwies auf ihre Aussagen bei der Polizei, als sie erklärte, es
sei ihr ca. 1 Minute schwindlig gewesen (Urk. 3/1 S. 3). Sie wusste später auch
nicht mehr, ob sie mit einer Hand oder mit beiden Händen gewürgt worden war
(Urk. 3/2 S. 26). Dieses zurückhaltende Aussageverhalten (bzgl. Dauer, Vorge-
hensweise, Intensität) belegt, dass sie den Beschuldigten nicht übermässig belas-
ten will. Ihre Aussagen widerspiegeln v.a. ihre Empfindungen und Gefühle
(Schwindel, Atemnot, Todesangst). Diese Aussagen sind glaubhaft. Hinweise auf
eine "Beratung", wie sie die Verteidigung vermutete (Prot. II S. 24), die zu drama-
tischeren Aussagen geführt haben könnte, sind nicht auszumachen.
4.3. Zu einem Ganzen zusammengefügt lassen die Beweismittel keine unüber-
windbare Zweifel offen, dass der Beschuldigte die Privatklägerin derart heftig ge-
würgt hat, dass Stauungsblutungen entstanden sind. Dass, wie die Verteidigung
anführt, auch ein Ersticken oder Würgen ohne das Auftreten von Stauungsblutun-
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gen möglich sei (Urk. 67 S. 19 f.), ändert daran nichts, da hier ja Stauungsblutun-
gen vorliegen.
4.4. Der amtliche Verteidiger liess vor Vorinstanz und auch heute ferner vorbrin-
gen, das Würgen habe nicht zu einer unmittelbaren Lebensgefahr geführt. Die
Schleimhauteinblutungen stellten nicht Symptome einer kritischen Stauungsblu-
tung dar (Urk. 45 S. 8 f.: Prot. I S. 11; Urk. 67 S. 11-19). Diesem Einwand kann
nicht gefolgt werden. Der Gutachter hält überzeugend fest, dass es sich um wür-
gebedingte Stauungsblutungen handelt, welche auf eine konkrete Lebensgefahr
hindeuteten (Urk. 5/1 S. 6). Auch als sachverständiger Zeuge hielt er an dieser
Schlussfolgerung (unter Hinweis auf die Richtlinien der Schweizerischen Gesell-
schaft für Rechtsmedizin) fest (Urk. 43 S. 10).
5. Was den inneren Sachverhalt angeht, so bestreitet der Beschuldigte, dass er
versucht habe, die Privatklägerin umzubringen (Urk. 2/4 S. 18). Dem Beschuldig-
ten wird indessen nicht zum Vorwurf gemacht, er habe die Privatklägerin umbrin-
gen wollen. Vielmehr geht der Vorwurf dahin, dass er mit seiner Handlung das
Leben der Privatklägerin konkret in Gefahr gebracht hat. Bei Delikten, die den
Eintritt eines Erfolges erfordern, gehört zur Wissensseite des Vorsatzes eine Vor-
stellung über den Zusammenhang zwischen dem eigenen Handeln und dem Er-
folg. Der Vorsatz bezieht sich nicht nur auf Tatumstände, deren Vorhandensein
oder Eintreten der Täter für sicher hält. Er kann sich auch auf solche erstrecken,
deren Vorhandensein oder Eintreten er nur für möglich hält (BGE 125 IV 242
E. 3c S. 251; BGE 103 IV 65 E. I.2 S. 67 f.; vgl. schon BGE 69 IV 75 E. 5 S. 79 f.;
Günter Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allg. Teil I, 2. Aufl., Bern 1996,
§ 9 N 73). Der Beschuldigte wusste auf entsprechende Frage, dass Würgen über
längere Zeit den Tod herbeiführen kann (Urk. 2/4 S. 27). Zum Allgemeinwissen
gehört auch, dass heftiges Würgen ebenfalls tödlich sein kann. Mit dem Würgen
wollte der Beschuldigte die Privatklägerin am Schreien hindern. Dabei drückte er
ihren Hals so stark, dass sie kaum mehr atmen, geschweige denn schreien konn-
te. Eigenen Angaben gemäss war er sodann ausser sich. Er wollte sie zum
Schweigen bringen und würgte sie entsprechend, im Wissen, dass er damit für sie
eine lebensgefährliche Situation schuf. Neben dem Wissen um die reale Möglich-
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keit der Tatbestandserfüllung verlangt der Vorsatz auch den Willen, den Tatbe-
stand zu verwirklichen. Der Täter muss sich gegen das rechtlich geschützte Gut
entscheiden (Stratenwerth, a.a.O., § 9 N 58 f.; Schönke / Schröder / Cramer /
Sternberg-Lieben, Strafgesetzbuch, Kommentar, 26. Aufl., 2001, § 15 N 80). Die-
ser Wille ist gegeben, wenn die Verwirklichung des Tatbestandes das eigentliche
Handlungsziel des Täters ist oder ihm als eine notwendige Voraussetzung zur Er-
reichung seines Zieles erscheint. Dasselbe gilt, wenn die Verwirklichung des Tat-
bestandes für den Täter eine notwendige Nebenfolge darstellt, mag sie ihm auch
gleichgültig oder gar unerwünscht sein (Stratenwerth, a.a.O., § 9 N 93 ff.; zum
Ganzen: BGE 130 IV 58). Dieser Wille ist beim Beschuldigten ebenfalls als erstellt
zu erachten. Sein eigentliches Ziel des Würgens war die Hinderung der Privatklä-
gerin am Schreien, auch wenn ihm die damit verbundene Lebensgefährdung als
Nebenfolge unerwünscht war.
Damit ist auch der innere Sachverhalt rechtsgenügend erstellt.
III. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Voraussetzungen für die Erfüllung des
Tatbestandes der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB zutreffend
und umfassend dargetan (Urk. 54 S. 51 ff.). Auf die entsprechenden Ausführun-
gen in den vorinstanzlichen Erwägungen kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO).
2. Die Vorinstanz erachtete den Tatbestand der Gefährdung des Lebens im Sinne
von Art. 129 StGB im Zusammenhang mit dem Würgevorfall (Ziff. 2 der Anklage-
schrift) als erfüllt.
2.1. Der objektive Tatbestand setzt eine konkrete, unmittelbare Gefahr für das
Leben voraus. Diesbezüglich ist vorab auf den vorstehend erstellten objektiven
Sachverhalt zu verweisen (Erw. II. Ziff. 4). Die Vorinstanz hat sodann mit zutref-
fender Begründung und unter Beachtung der Rechtsprechung des Bundesge-
richts und des hiesigen Obergerichts eine solche Gefährdung bejaht und den ob-
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jektiven Tatbestand von Art. 129 StGB als erfüllt erachtet (Urk. 54 S. 51-53). Da-
rauf kann ohne Weiterungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.2.1. Der subjektive Tatbestand setzt zunächst direkten Vorsatz voraus. Wie be-
reits vorstehend unter dem Tatsächlichen aufgeführt, ist rechtsgenügend erstellt,
dass der Beschuldigte mit dem Wissen um die konkrete Lebensgefährdung die
Privatklägerin würgte (zwecks Beendigung des Schreiens) und damit auch den
entsprechenden Willen offenbarte (Erw. II. Ziff. 5). Was der Täter wusste, wollte
und in Kauf nahm, betrifft sog. innere Tatsachen und ist damit Tatfrage. Rechts-
frage ist hingegen, ob gestützt auf die festgestellten Tatsachen Fahrlässigkeit,
Eventualvorsatz oder direkter Vorsatz gegeben ist (BGE 137 IV 1 S. 5; vgl. BGE
133 IV 9 E. 4.1 mit Hinweisen). Unter Hinweis auf Lehre und Rechtsprechung
würdigte die Vorinstanz das Handeln des Beschuldigten als direktvorsätzlich
(Urk. 54 S. 53 f.). Dieser Würdigung ist im Ergebnis zuzustimmen: Der Beschul-
digte, der im Wissen um die konkrete Lebensgefährdung die Privatklägerin würgt,
handelt mit direktem Vorsatz. Daran ändert nichts, dass sein primäres Ziel war,
sie am Schreien zu hindern. Er verwirklichte damit auch die unerwünschte Neben-
folge (Gefährdung des Lebens) direktvorsätzlich. Insofern sind die diesbezügli-
chen vorinstanzlichen Erwägung zu korrigieren, wonach der Beschuldigte "darauf
gehofft oder vertraut haben mag, die Gefahr werde sich nicht realisieren" (Urk. 54
Erw. IV.1.2.1.1. am Ende). Denn damit würde er, im Widerspruch zu den bisheri-
gen Ausführungen der Vorinstanz, eventualvorsätzlich handeln.
2.2.2. Nebst direktem Vorsatz wird auch Skrupellosigkeit für die subjektive Tatbe-
standsmässigkeit verlangt (Art. 129 StGB). Das Tatbestandsmerkmal der Skrupel-
losigkeit setzt "ein in schwerem Grade vorwerfbares, ein rücksichts- und hem-
mungsloses Verhalten" voraus (BGE 133 IV 1 E. 5.1). Ein solches liegt dann vor,
wenn die Handlung angesichts des Tatmittels und des Tatmotivs unter Berück-
sichtigung der konkreten Tatsituation den allgemein anerkannten Grundsätzen
von Sitte und Moral zuwiderläuft (BGE 114 IV 103 E. 2a). Sie ist desto eher anzu-
nehmen, je grösser die vom Täter herbeigeführte Gefahr ist und je weniger seine
Beweggründe zu billigen oder auch nur zu verstehen sind (BSK StGB-Stefan Ma-
eder, 3. A., Art. 129 N 51). Der Beschuldigte hat die Privatklägerin mitten in der
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Nacht massiv mit Schlägen körperlich malträtiert und sie bedroht. Als daraufhin
die Privatklägerin zu schreien anfing, wollte der Beschuldigte sie daran hindern
und würgte sie heftig. Dieses Vorgehen des Beschuldigten, der in dieser Situation
mit dem Würgen bewusst eine konkrete Lebensgefahr herbeiführte, um die Pri-
vatklägerin zum Schweigen zu bringen, offenbart eine erhebliche Geringschät-
zung für das Leben der Privatklägerin, wobei dieser Angriff auf den Hals, wie die
Vorinstanz zu Recht anführte, v.a. eine egoistische Verhaltensweise aufzeigt, da-
rauf ausgerichtet, die Privatklägerin seinem Willen zu unterwerfen. Dieses Vorge-
hen ist als skrupellos zu würdigen.
2.3. Somit erfüllt der Beschuldigte sowohl den objektiven wie subjektiven Tatbe-
stand der Gefährdung des Lebens. Da keine Schuldausschluss- oder Rechtferti-
gungsgründe vorliegen, ist der Beschuldigte der Gefährdung des Lebens im Sinne
von Art. 129 StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz hat die Strafzumessungsregeln im Sinne von Art. 47 ff. StGB
zutreffend dargestellt. Danach misst das Gericht die Strafe nach dem Verschul-
den des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse
sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Nach Art. 47 Abs. 2 StGB
bestimmt sich die Bewertung des Verschuldens nach der Schwere der Verletzung
oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Han-
delns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach, wie weit der Tä-
ter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung
oder Verletzung zu vermeiden.
2.1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das ge-
setzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Da vorliegend
indessen keine ausserordentlichen Gegebenheiten im Sinne der Rechtsprechung
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bestehen, ist ein Verlassen des ordentlichen Strafrahmens nicht erforderlich (BGE
136 IV 55 ff.). Mit der Vorinstanz sind diese Strafzumessungsfaktoren innerhalb
des ordentlichen Strafrahmens straferhöhend bzw. strafmindernd obligatorisch zu
berücksichtigen. Bei der Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB hat
der Richter in einem ersten Schritt den Strafrahmen für die schwerste Straftat zu
bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für diese Tat, unter Einbezug aller straf-
erhöhenden und strafmindernden Umstände, innerhalb dieses Strafrahmens fest-
zusetzen. In einem zweiten Schritt hat er diese Einsatzstrafe unter Einbezug der
anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu einer
Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei er ebenfalls den jeweiligen Umständen Rech-
nung zu tragen hat (BGE 127 IV 101 E. 2b mit Hinweis; Urteil 6B_460/2010 vom
4. Februar 2011 E. 3.3.4 mit Hinweis, nicht publ. in: BGE 137 IV 57).
2.2. Als schwerste Tat gilt grundsätzlich jene, die mit dem schärfsten Strafrahmen
bedroht ist, und nicht jene, die nach den konkreten Umständen verschuldensmäs-
sig am schwersten wiegt (BSK Strafrecht I-Ackermann, 3. Aufl., Basel 2013,
Art. 49 N 116 mit weiteren Hinweisen). Gefährdung des Lebens als schwerste Tat
wird mit Freiheitsstrafe bis fünf Jahre oder Geldstrafe bestraft. Auszugehen ist
deshalb für die eigentliche Verschuldensbemessung von dieser Tat.
2.3.1. Bei der objektiven Tatschwere betreffend Gefährdung des Lebens fällt deut-
lich ins Gewicht, dass das Würgen an sich bereits ein grausames Tatvorgehen
darstellt, da es unmittelbar auf fundamentale Lebensfunktionen einwirkt, und v.a.
das Atmen, aber auch Sprechen und Schlucken, stark beeinträchtigt und beim
Opfer dadurch Panik und Todesangst auslöst. Die Privatklägerin berichtete denn
auch von solchen Ängsten (Urk. 3/1 S. 3). Etwas relativiert wird das Verschulden
dadurch, dass der Vorfall sich auf eine kurze Zeitspanne von weniger als einer
Minute beschränkte. Sodann kam es weder zu einem Urinabgang noch zur Be-
wusstlosigkeit (welche sich, wie die Vorinstanz zutreffend festhält, nicht rechtsge-
nügend erstellen liess [Urk. 54 S. 60]); hingegen wurde es der Privatklägerin
schwindlig. Das Verschulden wiegt objektiv nicht mehr leicht.
2.3.2. Das Motiv für das Würgen, nämlich die Privatklägerin am Schreien zu hin-
dern, lässt das Tatverschulden nicht leichter erscheinen: zum Einen hat er selbst
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mit dem Traktieren der Privatklägerin mit Schlägen und Drohungen überhaupt da-
zu Anlass gegeben; zum Anderen hätte er jederzeit damit aufhören können. So-
dann wollte er mit dem Würgen wohl symbolhaft seine Macht demonstrieren, in-
dem er ihr aufzeigte, dass ihr Leben in seinen Händen liegt. Der Umstand, dass
er von seiner der hiesigen Kultur fernen Familie geradezu aufgefordert worden
sei, die Privatklägerin zu züchtigen, vermag ihn keineswegs zu entlasten, war ihm
die Missbilligung dieser Handlungen in der Schweiz bewusst. Das subjektive Tat-
verschulden ändert das objektive nicht.
2.3.3. Insgesamt ist von einem nicht mehr leichten Verschulden auszugehen. Die
Einsatzstrafe ist im ersten Drittel des Strafrahmens auf 15 Monate festzulegen.
2.3.4. Diese verschuldensangemessene Strafe ist aufgrund von Umständen, die
mit der Tat grundsätzlich nichts zu tun haben, zu erhöhen oder herabzusetzen.
Massgebend hierfür sind im Wesentlichen täterbezogene Komponenten wie die
persönlichen Verhältnisse, Vorstrafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nach-
tatverhalten (Geständnis, Einsicht, Reue etc.; vgl. BSK StGB I-Wiprächtiger/Kel-
ler, Art. 47 N 120 ff; Trechsel/Affolter-Eijsten, Schweizerisches Strafgesetzbuch,
Praxiskommentar, 2. Aufl., Art. 47 StGB N 22 ff.).
2.3.4.1. Die Vorinstanz hat das Vorleben des Beschuldigten ausführlich wieder-
gegeben, worauf vorab verwiesen werden kann (Urk. 54 S. 60 f.). Hervorzuheben
ist, dass der in archaisch geprägten Verhältnissen im kurdischen Teil Nordiraks
aufgewachsene Beschuldigte im Juni 2002 im Alter von 19 Jahren als Flüchtling
in die Schweiz gekommen war und seither hier lebt und arbeitet. Die Ehe mit der
Privatklägerin, welche gleichzeitig seine Cousine ist und bis dann in ... lebte, wur-
de von den beiden Familien arrangiert. Die Hochzeit fand im Jahre 2012 (zivil)
bzw. das eigentliche Fest am 5. April 2014 in der Heimatstadt ... statt. Auch wenn,
wie die Vorinstanz festhält und der Verteidiger geltend macht (Prot. II S. 22), der
Beschuldigte unter einem erheblichen Druck seitens seiner Familie und der Fami-
lie der Privatklägerin gestanden hat, die Ehe aufrecht zu erhalten und allenfalls
auch die Privatklägerin zu bestrafen und zu disziplinieren, und sich beide Familien
stark in den Eheverlauf eingemischt haben, können diese Umstände nicht zu-
gunsten des Beschuldigten strafmindernd berücksichtigt werden. Er lebte seit
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nunmehr 12 Jahren (vor der Tat) in der Schweiz und war mit den hiesigen Ver-
hältnissen und Gebräuchen vertraut (Markus Hug, OFK-StGB-Kommen-tar, StGB
Art. 47 N 13 mit Hinweisen auf die entsprechende Rechtsprechung des Bundes-
gerichts).
Was seine aktuellen persönlichen Verhältnisse angeht, so führte der Beschuldigte
aus, dass er alleine (evtl. mit seinem Cousin) in einer Wohnung in E._ lebt
(Miete Fr. 1'673.–) und als Lagerist bei F._ GmbH arbeitet. Sein Netto-
Verdienst beträgt Fr. 3'665.–. Er lebt von der Privatklägerin gerichtlich getrennt. Er
besitzt kein Vermögen und hat rund Fr. 50'000.– Schulden (Prot. II S. 9 und S. 12
f.). Diese persönlichen Verhältnisse wirken sich nicht auf die Strafe aus.
2.3.4.2. Der Beschuldigte weist keine Vorstrafe auf (Urk. 55), was neutral zu wer-
ten ist.
2.3.4.3. Was das Nachtatverhalten angeht, so zeigte sich der Beschuldigte wäh-
rend der Untersuchung kooperativ; er gab auch zu, die Privatklägerin gewürgt zu
haben, allerdings nicht so heftig, dass eine Lebensgefahr hätte eintreten können.
Diese Umstände vermögen nur eine leichte Strafminderung im Bereich von einem
Zehntel zu bewirken.
2.3.4.4. Weitere Straferhöhungs- oder Strafminderungsgründe sind nicht ersicht-
lich.
2.3.5. Insgesamt ist die Einsatzstrafe für die Gefährdung des Lebens auf 14 Mo-
nate festzusetzen.
2.4. Wie bereits erwähnt, ist in einem zweiten Schritt diese Einsatzstrafe unter
Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips ange-
messen zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei ebenfalls den jeweiligen Um-
ständen Rechnung zu tragen ist.
2.4.1.1. Das Tatverschulden ist bei der einfachen Körperverletzung in objektiver
Hinsicht als nicht mehr leicht zu werten. Der Beschuldigte schlug die Privatkläge-
rin mit Fäusten und einem Kabel. Dabei verletzte er sie an Kopf, Gesicht, Armen,
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Rücken und Beinen und fügte er ihr einen verschobenen Ellenschaftbruch rechts,
Hauteinblutungen, eine Prellmarke am Kopf sowie striemenhafte, wohl mit dem
Kabelschneider verursachte Hauteinblutungen und -schürfungen zu. Auch wenn
diese Verletzungen binnen weniger Wochen relativ folgenlos ausheilten, wobei
doch eine Nachbehandlung mit Gips notwendig war, so fallen verschuldensmäs-
sig die gewalttätige Vorgehensweise und auch die gezielten Faustschläge gegen
den Kopf verschuldensmässig deutlich ins Gewicht. Die subjektive Tatschwere
führt nicht zu einer Entlastung. Das Motiv des Beschuldigten war die Züchtigung
der Privatklägerin, wobei auch Eifersucht auf deren Liebhaber eine Rolle spielte.
Wie bereits vorstehend ausgeführt, hilft ihm dabei nicht, dass er dazu von der
Familie aufgefordert worden sei. Eine hypothetische Einsatzstrafe von 12 Mona-
ten erscheint angemessen.
2.4.1.2. Die Täterkomponente gemäss vorstehenden Ziffern 2.3.4.1., 2.3.4.2. und
2.3.4.4. ist neutral zu werten. Hingegen ist beim Nachtatverhalten des Beschuldig-
ten das weitgehende Geständnis (mit Ausnahme des Ellenschaftbruchs) sowie
seine Reue betreffend die körperliche Traktierung der Privatklägerin leicht mit
rund einem Fünftel zu seinen Gunsten zu berücksichtigen.
2.4.1.3. Die Strafe für die einfache Körperverletzung ist deshalb auf 10 Monate
festzulegen.
2.4.2.1. Das Verschulden für die Drohung bemisst sich nach dem von der Vor-
instanz einschränkend zur Anklage erstellten und nicht mehr angefochtenen
Sachverhalt, wonach der Beschuldigte zumindest eine einfache, wohl eher
schwere Körperverletzung in Aussicht gestellt habe, indem er ihr eine Kabelzange
an den Arm gelegt und ihr mitgeteilt habe, dass er ihr Fleisch aus dem Arm
schneiden werde, falls sie sich nicht genehm verhalte. Die verbale Todesdrohung
lasse sich nicht erstellen (Urk. 54 S. 56 f.). Zwar wurde die Privatklägerin durch
die Drohung in ihrem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt, indessen ist zugunsten des
Beschuldigten eher von der Androhung leichter körperlicher Verletzungen auszu-
gehen. Das objektive Tatverschulden erweist sich als noch leicht. Subjektiv führte
das bereits erwähnte Dominanzmotiv zur Drohung (vgl. vorstehend), was nicht zu
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einer Verschuldensrelativierung führt. Eine Strafe von rund 4 Monaten erwiese
sich angemessen.
2.4.2.2. Die Täterkomponente (vorstehend Ziffern 2.3.4.1., 2.3.4.2. und 2.3.4.4).
ist neutral zu werten; die Kooperation des Beschuldigten in der Untersuchung fällt
vorliegend nicht ins Gewicht. Er bestritt sodann, der Privatklägerin gedroht zu ha-
ben.
2.4.2.3. Die hypothetische Strafe für die Drohung bleibt deshalb bei 4 Monaten.
3. Der Vorinstanz ist sodann zuzustimmen, dass zwar vorliegend für einzelne De-
likte auch die Ausfällung von Geldstrafen möglich wäre, indessen aufgrund des
Gesamtzusammenhangs der Taten insgesamt eine Freiheitsstrafe auszufällen ist
(vgl. Begründung und zitierte Bundesgerichtspraxis in Urk. 54 S. 64, Ziff. 4.2.3.).
4.1. Bei der Asperation ist das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr
Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbständigkeit sowie die Gleich-
heit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Begehungsweisen zu
beachten. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts wird dabei geringer zu
veranschlagen sein, wenn die Delikte zeitlich, sachlich oder situativ in einem en-
gen Zusammenhang stehen (BGer 6B_323/2010, Urteil vom 23. Juni 2010).
4.2. Auszugehen ist von der Einsatzstrafe für die Gefährdung des Lebens von 14
Monaten. Zufolge des derart engen, örtlich und zeitlich konzentrierten, die gleiche
Motivlage aufweisenden Tatgeflechts, erweist sich vorliegend eine Asperation der
Strafen zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten als gerechtfertigt. Die von der
Staatsanwaltschaft geforderte Strafe von 36 Monaten würde dem Verschulden
nicht gerecht.
5. Insgesamt erweist sich eine Strafe von 24 Monaten dem Verschulden und den
persönlichen Verhältnissen als angemessen. Daran anzurechnen sind 83 Tage
erstandene Haft.
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V. Vollzug
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit
oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei
Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint,
um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten.
(Art. 42 Abs. 1 StGB).
2. Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft und lebt nunmehr von der Privatklägerin
getrennt. Damit ist die Gefahr weiterer Auseinandersetzungen weitgehend ge-
bannt. Unter Berücksichtigung der guten Legalprognose, der Wirkung der Strafe
auf das Leben des Beschuldigten und dem Umstand, dass er durch die erlittene
Untersuchungshaft von fast drei Monaten zusätzlich beeindruckt wurde, ist die
Freiheitsstrafe aufzuschieben und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen.
3. Da der Vollzug der heute ausgefällten Freiheitsstrafe aufgeschoben wird, sind
keine Gründe, namentlich auch keine Fluchtgefahr, mehr auszumachen, die eine
Aufrechterhaltung der Ausweis- und Schriftensperre rechtfertigen würden. Dem-
nach ist die mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Bezirkes Diels-
dorf vom 13. März 2015 verlängerte Ersatzmassnahme (Ausweis- und Schriften-
sperre) aufzuheben.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Nachdem im erstinstanzlichen Verfahren ein Freispruch vom Vorwurf der Ver-
gewaltigung erfolgte, sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen
Gerichtsverfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung und der
unentgeltlichen Geschädigtenvertretung, entgegen der Ansicht der Vorinstanz zu
zwei Dritteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu einem Drittel auf die Ge-
richtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgelt-
lichen Geschädigtenvertretung in der Untersuchung und im erstinstanzlichen Ge-
richtsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbehalt der Rück-
zahlungspflicht im Umfang von zwei Dritteln.
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2. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte dringt mit
seinem Antrag teilweise durch. Die Staatsanwaltschaft dringt mit ihrem Antrag auf
eine höhere Bestrafung nicht durch. Es rechtfertigt sich deshalb, dem Beschuldig-
ten die Kosten zu zwei Dritteln aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse
zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu
nehmen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO im Umfang von zwei Dritteln bleibt vorbehalten.
3. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Geschädigten verlangte mit Kostenno-
te vom 12. Juli 2016 für das vorliegende Verfahren eine Entschädigung von
Fr. 580.80 (Urk. 64 und Urk. 65). Rechtsanwältin lic. iur. Y._ ist daher mit Fr.
580.80 (inkl. MwSt.) für ihre Bemühungen und Barauslagen als unentgeltliche
Rechtsvertreterin der Geschädigten zu entschädigen. Diese Kosten sind auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art.
135 Abs. 4 StPO im Umfang von zwei Dritteln.
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