Decision ID: 64aa8996-5537-4d3f-b1a8-8c5c119f3638
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte), selbständig erwerbende Immobilienfachfrau und
Mediatorin SGO, schloss am 23. Juni 1997 bei der B._ unter anderem eine
Erwerbsunfähigkeitspolice (gebundene Vorsorge) inklusive Prämienbefreiung ab.
Gemäss dieser Police erhält die Versicherte bei Erwerbsunfähigkeit nach einer
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Wartefrist von zwei Monaten eine jährliche Rente von Fr. 24'000.--, zahlbar während 22
Monaten, sowie eine Basisrente bis 1. Mai 2023 von jährlich Fr. 36'000.--. Eine
Prämienbefreiung erfolgt gemäss Police nach drei Monaten Wartefrist (act. G 1.2).
A.b Mit Arztzeugnis vom 8. November 2014 bescheinigte Dr. med. C._, in dessen
Behandlung die Versicherte seit dem 18. September 2014 stand, eine 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit vom 19. September bis 30. November 2014 (act. G 1.6). Vom 1. bis
31. Dezember 2014 attestierte Dr. med. D._, FMH Allgemeine Innere Medizin, in
deren Behandlung die Versicherte seit dem 16. Oktober 2014 stand, weiterhin eine
50%-Arbeitsunfähigkeit vom 1. bis 31. Dezember 2014 (act. G 1.7). Die genannte 50%-
ige Arbeitsunfähigkeit der Versicherten seit dem 19. September 2014 und bis auf
weiteres bestätigte Dr. D._ mit ärztlichem Zeugnis vom 18. Dezember 2014. Sie
diagnostizierte eine nichtorganische Schlafstörung (ICD-10: F51.0) sowie eine
Anpassungsstörung (ICD-10: F43.22). Die Versicherte stehe zusätzlich in Behandlung
bei Dr. med. E._, Fachärztin FMH, Anthroposophische Medizin, und Dr. med. F._,
Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie. Unter den Therapien komme es zu einer
kontinuierlichen Besserung des Gesundheitszustandes. Die Versicherte sei äusserst
motiviert und kooperativ. Bei sehr guter Prognose könne ab ca. März 2015 (nach sechs
Monaten) wieder mit einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden (act. G 1.8).
Ab dem 1. Januar bis 28. Februar 2015 bescheinigte Dr. E._ der Versicherten eine
100%-ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 1.9 f.). In Beantwortung seitens der B._ gestellter
Fragen diagnostizierte Dr. F._ mit Arztbericht vom 27. Januar 2015 eine seit etwa
2008 bestehende somatoforme autonome Funktionsstörung (ICD-10: F45.3) sowie eine
seit Sommer 2014 bestehende Panikstörung (ICD-10: F41.0). Die Versicherte stehe seit
dem 13. November 2014 in seiner ambulanten psychiatrisch-therapeutischen
Behandlung. Bisher hätten vier Sitzungen stattgefunden. Seit Behandlungsbeginn sei
es zu einer gewissen Linderung gekommen, weil der Fokus auf den Zusammenhang
zwischen körperlichen Symptomen, leichter Hyperventilation und Stress gelegt worden
sei. Durch gezielte Atemtherapie hätten sich einige Symptome beruhigen können. Die
Versicherte sei mit Temesta 1 mg in Reserve vor dem Schlafen ausgestattet.
Grundsätzlich sei von einer guten Prognose auszugehen und mit einer vollständigen
Wiederherstellung der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit zu rechnen (act. G 1.11).
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A.c Mit Schreiben vom 17. Februar 2015 errechnete die B._ für den Zeitraum 19.
November bis 31. Dezember 2014 Rentenleistungen und Prämienbefreiung im Rahmen
eines 50%-igen Erwerbsunfähigkeitsgrades in der Höhe von Fr. 3'544.25 (act. G 1.12).
Am 18. Februar 2015 teilte die B._ der Versicherten mit, dass es gemäss dem
Arztbericht von Dr. F._ vom 27. Januar 2015 seit der Verschlechterung im Sommer
2014 zu einer schrittweisen Erholung gekommen sei. Eine medizinisch-psychiatrische
Diagnose mit aktueller Arbeitsunfähigkeit werde von Dr. F._ nicht bestätigt. Nach
Rücksprache mit der Gesellschaftsärztin sei vorgesehen, die Leistungen ab 1. Januar
2015 auf 25% zu reduzieren und ab 1. März 2015 ganz einzustellen. Die bestätigte
Arbeitsunfähigkeit von 100% ab 1. Januar 2015 könne ohne umfassende medizinische
Begründung nicht nachvollzogen werden. Wenn die Versicherte mit diesem Entscheid
nicht einverstanden sei, werde um Zustellung aller ärztlichen Verlaufsberichte sowie um
einen IK-Auszug der Jahre 2012 bis 2014 gebeten (act. G 1.13).
A.d Unter Bezugnahme auf das Schreiben vom 18. Februar 2015 führte Dr. F._ mit
Bericht vom 6. März 2015 aus, dass Dr. E._ die Versicherte ab dem 1. Januar 2015
zu 100% krankgeschrieben habe. Die Versicherte sei zu Dr. E._ gegangen, weil er
selbst erst wieder ab dem 6. Januar 2015 erreichbar gewesen sei. Er habe die
Versicherte am 30. Januar 2015, also drei Tage nach dem Bericht an die B._, wieder
gesehen. Erst dann sei er über die 100%-ige Krankschreibung informiert worden. Die
Beschwerden hätten sich gemäss der Versicherten anfangs Januar 2015 wieder
verstärkt, weshalb sie Dr. E._ aufgesucht habe. Er werde der Versicherten
empfehlen, dass die Verantwortung für eventuelle weitere Arbeitsunfähigkeitszeugnisse
in diesem Fall von ihm selber übernommen werde, um weitere Missverständnisse zu
vermeiden (act. G 1.14). Im Folgenden attestierte Dr. F._ der Versicherten vom 1.
März bis 31. Mai 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 50% (act. G 1.15 ff.) und vom 1. Juli
bis 31. August 2015 eine solche von 25% (act. G 1. 18 ff.). Ab dem 1. September 2015
bestand gemäss Dr. F._ keine Arbeitsunfähigkeit mehr (act. G 1.21).
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A.e Am 22. Oktober 2015 bestätigte die B._ ihre Einschätzung, dass ab dem 1. März
2015 die Erwerbsunfähigkeit weniger als 25% betrage und die Leistungen ab diesem
Zeitpunkt eingestellt würden. Die Abrechnung für den Zeitraum 1. Januar bis 28.
Februar 2015 ergab Leistungen bei 25%-iger Erwerbsunfähigkeit im Umfang von Fr.
2'523.60. Nach Verrechnung mit ausstehenden Prämienschulden (Fr. 2'624.15)
resultierte ein Saldo zu Gunsten der B._ von Fr. 100.55 (act. G 1.34).
A.f Zuhanden der Coop Rechtsschutz AG reichte Dr. E._ am 15. März 2016 einen
Arztbericht ein. Sie diagnostizierte eine somatoforme autonome Funktionsstörung
(ICD-10: F45.3), eine Panikstörung (ICD-10: F41.0), eine psychisch-physische
Erschöpfung, massive Schlafprobleme und vegetative Herzprobleme. Seit Oktober
2014 sei die Versicherte unter anderem bei ihr in Behandlung, rund alle zwei Wochen.
Zum Zeitpunkt der Erstkonsultation sei die Versicherte sehr erschöpft gewesen. Sie
habe bereits wochenlang sehr schlecht geschlafen, habe Ängste vor den Nächten
gehabt und sei übermüdet und unkonzentriert gewesen. Zukunfts- und Existenzängste,
verbunden mit Panik, auch aus nichtigem Anlass, Weinen und
Konzentrationsunfähigkeit hätten es der Versicherten unmöglich gemacht, "sich selbst
zu ergreifen" und Kraft aufzubauen oder zu arbeiten. Funktionelle Herzbeschwerden,
gastrointestinale Beschwerden und Wassereinlagerungen hätten zusätzliche Ängste
ausgelöst. Mittels naturheilkundlicher Medikamente, Massagen, Heileurythmie und
Körpertherapie habe langsam eine Verbesserung erzielt werden können. Einige der
Symptome seien weniger geworden, bei seelischer Belastung aber wieder aufgetreten
(z.B. beim Tod einer Freundin, dem Tod der Mutter, wegen eines Erbschaftsstreits
bezüglich des mütterlichen Erbes, wegen Problemen mit ihrem Haus [Abrutschen
wegen Strassenbau]). Die Versicherte sei immer wieder stark erkältet gewesen und
habe auch einen Sturz erlitten. Es habe ein Auf und Ab der Symptome und der
Befindlichkeit gegeben, ohne dass ein wirklich kräftiger und stabiler Zustand habe
erreicht werden können bei Schlaflosigkeit, die alle Kraft zunichte gemacht habe und
mit Herz- und Bauchproblemen. Die Versicherte habe die Therapie durch mehrere
alternative Heilbehandlungen und Energiearbeit-Therapie unterstützt. Sehr langsam
aber dennoch hätten sich die Kräfte stabilisiert, so dass die regelmässige Behandlung
im November 2015 habe abgeschlossen werden können (act. G 1.36). Unter anderem
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gestützt auf diesen Bericht ersuchte die Coop Rechtsschutz AG die B._, ihre
Leistungspflicht erneut zu überprüfen (act. G 1.37).
A.g Mit Schreiben vom 17. August 2016 hielt die B._ an ihrem Entscheid vom 18.
Februar 2015 fest, wonach ab dem 1. März 2015 kein Anspruch mehr infolge
Erwerbsunfähigkeit bestehe (act. G 1.38). Am 22. Juli 2016 teilte die B._ dem
Rechtsvertreter mit, dass sie auf die Einrede der Verjährung bis 1. August 2017
verzichte (act. G 1.39). Anlässlich einer Verhandlung beim Vermittleramt G._ kam es
zu keiner Einigung (act. G 1.40).
B.
B.a Mit Klage vom 6. Juli 2017 liess die Versicherte (nachfolgend: Klägerin)
beantragen, es sei 1. die B._ (nachfolgend: Beklagte) zu verpflichten, der Klägerin
mindestens Fr. 18'750.-- nebst Zins zu 5% seit 15. Mai 2015 (mittlerer Verfall),
eventualiter was rechtens, zu bezahlen. Eine Mehrforderung bleibe vorbehalten. 2. Es
sei die Klägerin für den Zeitraum von Dezember 2014 bis Ende August 2015 von der
Prämienpflicht (anteilsmässig) zu befreien und die Beklagte zu verpflichten, die für den
entsprechenden Zeitraum zu viel bezahlten Prämien an die Klägerin zurückzuerstatten.
Alles unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge (inkl. Mehrwertsteuersatz
von 8%) zulasten der Beklagten. In prozessualer Hinsicht liess die Klägerin um einen
zweiten Schriftenwechsel ersuchen (act. G 1).
B.b Mit Klageantwort vom 8. September 2016 beantragte die Beklagte, die Klage sei
abzuweisen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin (act. G
3).
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B.c Mit Replik vom 13. November 2017 ergänzte die Klägerin das Klagebegehren 2.
dahingehend, dass die Beklagte zu verpflichten sei, die für den entsprechenden
Zeitraum zu viel bezahlten Prämien inkl. Zins zu 5% bei mittlerem Verfall, eventualiter
was rechtens, innert 30 Tagen an die Klägerin zurückzuerstatten (act. G 7).
B.d Mit Duplik vom 26. Januar 2018 hielt die Beklagte an ihren Rechtsbegehren
unverändert fest (act. G 11).
B.e Mit weiterer Eingabe vom 2. März 2018 liess die Klägerin eine Stellungnahme zur
Duplik der Beklagten einreichen (act. G 13).
B.f Mit Schreiben vom 1. März 2019 ersuchte das Versicherungsgericht Dr. F._ um
eine Stellungnahme bezüglich der Arbeitsunfähigkeit der Klägerin im eingeklagten
Zeitraum (act. G 22). Dr. F._ reichte am 21. März 2019 einen Bericht ein (act. G 25).
Dieser wurde den Parteien zur Kenntnis und allfälligen Stellungnahme gebracht (act. G
26). Die Klägerin liess sich am 5., die Beklagte am 15. April 2019 dazu vernehmen (act.
G 27 f.). Am 2. Mai 2019 reichte Dr. F._ eine Rechnung für den genannten Bericht in
der Höhe von Fr. 160.-- ein (act. G 30). Diese wurde den Parteien am 7. Mai 2019 zur
Kenntnis gebracht (act. G 31).
B.g Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
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1.
Streitig ist die Leistungspflicht der Beklagten aus einer gebundenen
Vorsorgeversicherung der Säule 3a nach Art. 82 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40). Die
sachliche und örtliche Zuständigkeit des angerufenen Versicherungsgerichts blieb
zwischen den Parteien zu Recht unbestritten (Art. 73 Abs. 1 lit. b BVG; Ziff. 20 der
allgemeinen Bedingungen für die Einzel-Lebensversicherung, Ausgabe 1996; act. G
1.3).
2.
Gemäss der zur Diskussion stehenden Versicherungspolice aus dem Jahr 19_ erhält
die Klägerin, welche selbständig erwerbend ist, bei Erwerbsunfähigkeit nach einer
Wartefrist von zwei Monaten 1. eine jährliche Rente von Fr. 24'000.--, zahlbar während
22 Monaten, sowie 2. eine Basisrente bis 1. Mai 2023 von jährlich Fr. 36'000.-- (act. G
1.2). Ein Rentenanspruch besteht ab einer Erwerbsunfähigkeit von 25% (vgl. Ziff. 2.5
der ergänzenden Bedingungen für die Prämienbefreiung und die Zahlung einer Rente
bei Erwerbsunfähigkeit, Ausgabe 1996 [nachfolgend: EB; act. G 1.5]). Streitig und zur
Beurteilung steht die Höhe der Erwerbsunfähigkeit der Klägerin im Zeitraum 1. Januar
2015 bis 31. August 2015.
3.
Die Beklagte geht davon aus, dass die Arbeitsunfähigkeit der Klägerin in ihrem
angestammten Beruf als selbständig erwerbende Immobilienfachfrau vom 1. Januar bis
31. Mai 2015 50% und vom 1. Juni bis 31. August 2015 25% betragen hat (vgl. act. G
3 S. 6). Bezüglich Arbeitsunfähigkeit ist einzig streitig, ob vom 1. Januar bis 28. Februar
2015 eine höhere, 100%-ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Diesbezüglich verweist
die Klägerin auf die ärztlichen Zeugnisse von Dr. E._, welche die Klägerin für diesen
Zeitraum zu 100% arbeitsunfähig geschrieben hat (act. G 1.9 f., 36), sowie die
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Stellungnahme von Dr. F._ vom 6. März 2015 (act. G 1.14). Die Beklagte erachtet die
Atteste von Dr. E._ für nicht beweistauglich. Eine Einschränkung von 100% in den
Monaten Januar und Februar 2015 sei auch durch die erwähnte Stellungnahme von Dr.
F._ nicht rechtsgenüglich erstellt.
3.1 Die Klägerin war seit Oktober 2014 in ambulanter Behandlung im Medizinischen
Zentrum H._ (act. G 1.8). Ergänzend zur dortigen Psychotherapie bei Dr. F._ wurde
die Klägerin durch Dr. E._, Anthroposophische Medizin, betreut. Dr. E._ ist keine
Fachärztin für psychiatrische Belange, sondern Zahnärztin mit Weiterbildung Mund-,
Kiefer- und Gesichtschirurgie. Zudem erlangte sie einen Fähigkeitsausweis in
Anthroposophischer Medizin. Nachdem bei der Klägerin psychiatrische Befunde die
Arbeitsfähigkeit einschränkten, war Dr. E._ damit grundsätzlich nicht kompetent, der
Klägerin eine abschliessende Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen zu
attestieren. Dr. F._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie und damit zur
Attestierung von Arbeitsunfähigkeiten im vorliegenden Kontext grundsätzlich
kompetent, führte in seinem Schreiben vom 6. März 2015 lediglich aus, dass Dr. E._
die Klägerin ab 1. Januar 2015 zu 100% krankgeschrieben habe, bestätigte bzw.
begründete deren Einschätzung aber nicht (act. G 1.14). Dies holte er auch nicht durch
den vom Gericht eingeforderten Bericht vom 21. März 2019 nach. Wiederum erwähnte
er einzig, dass Dr. E._ die Klägerin (vom 1. bis 31. Januar 2015) zu 100%
krankgeschrieben habe. Ab 1. Februar bis 31. Mai 2015 sei sie von ihm zu 50% und ab
1. Juni bis 31. August 2015 zu 25% krankgeschrieben worden (act. G 25).
Insbesondere begründete Dr. F._ in seiner Stellungnahme vom 21. März 2019 nicht
rechtsgenüglich, weshalb die Arbeitsunfähigkeit unter Bezugnahme auf die Diagnosen
und deren funktionelle Auswirkungen in der konkreten Tätigkeit der Klägerin als
selbständige Immobilienfachfrau (vgl. dazu die Fragestellung in act. G 22) gerade zu
Beginn des Jahres 2015 – im Gegensatz zum Ende des Jahres 2014 (act. G 1.6 f.) bzw.
ab Februar/März 2015 (act. G 1.15) – höher ausgefallen sein soll (act. G 25).
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3.2 Zusammengefasst ist festzuhalten, dass im Zeitraum 1. Januar bis 28. Februar
2015 eine höhere als eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit unbewiesen bleibt. Die Folgen
daraus hat die Klägerin zu tragen. Da nicht anzunehmen ist, dass mit weiteren
Abklärungen bessere Erkenntnisse zu erwarten wären, ist darauf in antizipierter
Beweiswürdigung zu verzichten. Damit betrug die Arbeitsunfähigkeit der Klägerin in
ihrem angestammten Beruf als selbständig erwerbende Immobilienfachfrau vom 1.
Januar bis 31. Mai 2015 50% und vom 1. Juni bis 31. August 2015 25%.
4.
4.1 Zur Begründung eines Leistungsanspruchs bedarf es einer mindestens 25%-igen
Erwerbsunfähigkeit (vgl. vorstehende Ziff. 2). Die Erwerbsunfähigkeit entspricht – wie es
die Beklagte richtig geltend macht – nicht zwangsläufig der Arbeitsunfähigkeit. Gemäss
der relevanten Ziff. 1 der EB liegt Erwerbsunfähigkeit vor, wenn die versicherte Person
infolge medizinisch objektiv feststellbarer Krankheit oder eines Unfalls ausserstande ist,
ihren Beruf oder eine andere zumutbare Erwerbstätigkeit auszuüben. Zumutbar ist eine
Tätigkeit dann, wenn sie den Fähigkeiten und der Lebensstellung der versicherten
Person entspricht, auch wenn die hierfür benötigten Kenntnisse erst durch eine
Umschulung erworben werden müssen.
4.2 Im angestammten Beruf als selbständig erwerbende Immobilienfachfrau entspricht
die ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit gemäss E. 3 der Erwerbsunfähigkeit gemäss
Versicherungspolice, unabhängig von der konjunkturellen Lage. Die Klägerin ist
Einzelunternehmerin und beschäftigt keine Mitarbeitenden, welche allenfalls bis zu
einem gewissen Grade eine Arbeitsunfähigkeit bzw. einen Erwerbsausfall der Klägerin
auffangen könnten. Entsprechend ist davon auszugehen, dass die Klägerin bei 50%-
iger Arbeitsunfähigkeit in ihrer angestammten Tätigkeit ein 50%-iges Einkommen erzielt
und bei 25%-iger Arbeitsunfähigkeit 75% des sonst erzielbaren Einkommens
generieren kann.
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4.3 Zu prüfen bleibt, ob von der Klägerin bis zur Erlangung der vollen Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit am 31. August 2015 erwartet werden konnte, den Grad
der Erwerbsunfähigkeit bzw. den Schaden mit einer anderen Tätigkeit tiefer zu halten.
Dies ist zu verneinen. Eine "Rettungspflicht" nach Art. 61 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1) bzw. eine
Schadenminderungspflicht seitens der Klägerin bestand nicht. Diesbezüglich wird
vorausgesetzt, dass der Versicherer, welcher von der versicherten Person einen
Berufswechsel bzw. vorliegend einen Wechsel von einer selbständigen in die
unselbständige Tätigkeit erwartet, dies der versicherten Person mitteilen und ihr eine
angemessene Frist setzen muss, um sich anzupassen und eine Stelle zu finden (vgl.
dazu sinngemäss die anwendbaren Ausführungen für die Krankentaggeldversicherung
in CHRISTOPH HÄBERLI/DAVID HUSMANN, Krankentaggeld, versicherungs- und
arbeitsrechtliche Aspekte, Bern 2015, N 541 f.; vgl. ferner Urteil des Bundesgerichts
vom 5. Januar 2017, 4A_495/2016, E. 2.3). Das ist hier nicht geschehen und wäre der
Klägerin aufgrund der krankheitsbedingten (Teil-)Arbeitsunfähigkeit von weniger als
einem Jahr wohl auch nicht zumutbar gewesen. Dass die Klägerin bereits in den Jahren
2008/2009 aufgrund einer ähnlichen Problematik rund 18 Monate (teil-)arbeitsunfähig
gewesen ist (act. G 3.9, 11.1), vermag an dieser Pflicht des Versicherers nichts zu
ändern, zumal die Klägerin danach wieder zu 100% in ihrer selbständigen Tätigkeit
arbeiten konnte. Die präventive Verhinderung des Versicherungsfalls wird denn auch
nicht von der Schadenminderungspflicht erfasst (vgl. Art. 61 Abs. 1 VVG, wonach erst
nach Eintritt des befürchteten Ereignisses tunlichst für Minderung des Schadens zu
sorgen ist; vgl. ferner CHRISTOPH HÄBERLI/DAVID HUSMANN, a.a.O., N 507).
4.4 Gestützt auf vorstehende Erwägung bedarf es keiner abschliessenden Prüfung, ob
der Gesundheitszustand der Klägerin seit dem Ende der Wartefrist von zwei Monaten
im November 2014 und bis zur Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit am 31. August 2015 eine andere zumutbare, einträglichere
Tätigkeit überhaupt zugelassen hätte. Immerhin ist zu erwähnen, dass die Stabilität des
Gesundheitszustands grundsätzlich eine Voraussetzung für einen allfälligen
Berufswechsel bzw. Wechsel in eine unselbständige Tätigkeit darstellt (vgl. dazu
wiederum CHRISTOPH HÄBERLI/DAVID HUSMANN, a.a.O., N 527) und die
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(Arbeitsfähigkeits-)Beurteilungen von Dr. F._ den Schluss eines stabilen
Gesundheitszustands vor dem 31. August 2015 eher nicht zulassen.
4.5 Zusammengefasst ist festzuhalten, dass von der Klägerin innerhalb des relevanten
Zeitraums bis Ende August 2015 kein Berufswechsel und kein Wechsel von der
selbständigen in eine einträglichere unselbständige Erwerbstätigkeit erwartet werden
konnte (vgl. E. 4.3). Auch erschien ein Wechsel in dieser Zeit mangels stabilen
Gesundheitszustands nicht zumutbar (vgl. E. 4.4). Deshalb entsprach der
Arbeitsunfähigkeitsgrad dem Erwerbsunfähigkeitsgrad (vgl. vorstehende E. 4.2) gemäss
Versicherungspolice.
5.
5.1 Gestützt auf vorstehende Erwägungen betrugen die Arbeits- bzw.
Erwerbsunfähigkeiten der Klägerin vom 19. September 2014 bis 31. Mai 2015 50% und
vom 1. Juni bis 31. August 2015 25%. In diesem Umfang besteht ein Rentenanspruch
(nach einer Wartefrist von zwei Monaten) bzw. Prämienbefreiung (nach einer Wartefrist
von drei Monaten) gemäss der Versicherungspolice. Im weiteren Umfang ist die Klage
abzuweisen.
5.2 Von Januar bis und mit Mai 2015 besteht ein Rentenanspruch von monatlich Fr.
2'500.-- (50%-iger Anspruch), danach bis und mit August 2015 ein solcher von Fr.
1'250.-- (25%-iger Anspruch). Insgesamt besteht im eingeklagten Zeitraum damit ein
Anspruch von Fr. 16'250.-- (5x Fr. 2'500.-- + 3x Fr. 1'250.--). Fr. 2'500.-- wurden
unbestrittenermassen bereits geleistet (25% für die Monate Januar und Februar 2015;
act. G 1 S. 16). Es resultiert damit ein Rentenanspruch von Fr. 13'750.--.
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5.3 Im Umfang der ausgewiesenen Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeiten ist die Klägerin
– wie erwähnt – nach einer Wartefrist von drei Monaten von der Prämienpflicht zu
befreien. Zu viel erbrachte Prämien hat die Beklagte zurückzuerstatten. Die
Monatsprämie beträgt Fr. 221.30 (act. G 28). Für Januar und Februar 2015 hat die
Klägerin die Prämie zu 75% bezahlt, für März bis und mit August 2015 zu 100% (act. G
1.34 S. 2, G 28). Januar bis und mit Mai 2015 hätte die Klägerin nur 50% der Prämien
bezahlen müssen, Juni bis und mit August 2015 75%. Damit resultieren
zurückzuzahlende Prämien in der Höhe von Fr. 608.60 (0.25 x 221.30 [Januar] + 0.25 x
221.30 [Februar] + 0.5 x 221.30 [März] + 0.5 x 221.30 [April] + 0.5 x 221.30 [Mai] + 0.25
x 221.30 [Juni] + 0.25 x 221.30 [Juli] + 0.25 x 221.30 [August]).
5.4 Aus praktischen Gründen rechtfertigt es sich, wie von der Klägerin beantragt, beim
Verzugszins von einem mittleren Verfall auszugehen (vgl. CHRISTIAN HEIERLI/ANTON
K. SCHNYDER in: BSK OR I, Art. 42 N 5). Der mittlere Verfallstag ist bei einem
eingeklagten Zeitraum von Januar bis August 2015 am 30. April 2015. Gemäss Art. 100
VVG in Verbindung mit Art. 104 Abs. 1 des Obligationenrechts (OR; SR 220) hat die
Beklagte bei Verzug Verzugszinsen zu 5% pro Jahr zu bezahlen. Dementsprechend ist
die Beklagte zu verpflichten, auf die geschuldeten Beträge einen Verzugszins von 5%
seit 30. April 2015 zu bezahlen.
5.5 Zusammengefasst ist die Beklagte damit zu verpflichten, der Klägerin Fr.
14'358.60 nebst Zins zu 5% seit 30. April 2015 zu bezahlen.
6.
6.1 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG).
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6.2 Zu verlegen bleiben die (Abklärungs-)Kosten in der Höhe von Fr. 160.--,
entstanden durch den vom Gericht eingeforderten Bericht von Dr. F._ vom 21. März
2019 (vgl. vorstehende lit. B.f; act. G 30). Gemäss Ziff. 15.2 der allgemeinen
Bedingungen für die Einzel-Lebensversicherung, Ausgabe 1996, kann die Beklagte
zusätzliche Informationen unter anderem bei den behandelnden Ärzten einholen, sofern
dies zur Abklärung der Anspruchsvoraussetzung nötig erscheint (act. G 1.3). Eine
ähnliche Bestimmung findet sich in Ziff. 4.2 der EB (act. G 1.5). Die Beklagte und auch
das Gericht erachteten die Höhe der Arbeitsunfähigkeit von 100% (bescheinigt durch
Dr. E._) für die Monate Januar und Februar 2015 als nicht rechtsgenüglich erstellt.
Bevor die Beklagte diesbezüglich jedoch von Beweislosigkeit ausgehen durfte, hätte
sie weitere Abklärungen vornehmen bzw. sich um objektive Klärung des Sachverhalts
bemühen müssen. Dies führt dazu, dass die Kosten des Berichts von Dr. F._ über Fr.
160.-- in Analogie zu Art. 45 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) zulasten der Beklagten gehen.
6.3 Die Klägerin obsiegt im Umfang von rund drei Vierteln. Diesem Ausgang
entsprechend sind ihr in Anwendung von Art. 98 Abs. 1 und Art. 98bis des st.
gallischen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) die
Parteikosten von der Beklagten zu erstatten. Der Vertreter der Klägerin hat eine nach
Zeitaufwand bemessene Honorarnote über Fr. 7'392.78 (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) eingereicht (act. G 15). Ein Honorar nach Zeitaufwand sieht die
Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) im Verfahren vor dem Versicherungsgericht
grundsätzlich nicht vor. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen spricht in
BVG-Prozessen gestützt auf Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO bei vollem Obsiegen
regelmässig eine pauschale Entschädigung zwischen Fr. 2'500.-- und Fr. 4'500.-- zu.
Die eingereichte Honorarnote übersteigt diesen Rahmen in einem Ausmass, dass
darauf nicht abzustellen ist. Vorliegend erschiene bei nicht umfangreichen Akten und
wenig komplexem Sachverhalt eine volle Entschädigung von Fr. 4'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) bei doppeltem Schriftenwechsel und
einer zusätzlichen Eingabe dem Aufwand angemessen. Nachdem die anwaltlich
vertretene Beklagte grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung für ihr
teilweises Obsiegen zu einem Viertel hat (mutwillige oder leichtsinnige Prozessführung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
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St.Galler Gerichte
der Klägerin steht nicht zur Diskussion; BGE 126 V 143 E. 4b, BGE 128 V 323 E. 1a mit
weiteren Hinweisen), hat die Beklagte die Klägerin entsprechend deren anteiligen
Obsiegens mit Fr. 3'000.-- (drei Viertel von Fr. 4'000.--) zu entschädigen.