Decision ID: 981273c3-f7eb-5095-9aea-4ad560ffc69d
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1983, leidet an Mus
keldystrophie,
eine
r
erblich beding
te
n
Muskelerkrankung, die zu einem fortschreitenden
Schwund von Muskelge
webe führt (
Urk.
3/4, Urk. 12/7
). Seit der erstmaligen Anmeldung bei der Invali
denversicherung im Jahr 1994 (Urk. 12/1) sprach diese der Versicherten im Laufe der Jahre verschiedenste Leistungen zu, namentlich
Sonderschulmass
nahmen
(Urk. 12/24,
Urk.
12/34
,
Urk.
12/61,
Urk.
12/70,
Urk.
12/82
), Hilfsmittel (Urk. 12/39-40,
Urk.
12/44
,
Urk.
12/65,
Urk.
12/81,
Urk.
12/113-114
,
Urk.
12/305
), medizinische Massnahmen (Urk. 12/16
,
Urk.
12/54,
Urk.
12/101,
Urk.
12/147
)
und
berufliche Massnahmen (Urk. 12/120
,
Urk.
12/183
). Sie be
zieht
eine
Hilflosenentschädigung
schweren Grades
(Urk.
12/135,
Urk.
12/262
-263
,
Urk.
12/306
) und eine
ganze
Invalidenrente (Urk. 12/222,
Urk.
12/259-260).
Nachdem
X._
in einem Heim wohnhaft gewesen war, trat sie per 1. April 2011 aus und bezog eine eigene Wohnung (
Urk.
12/293).
1.2
Am 16. Januar 2012 meldete sich die Versicherte zum Bezug von Assistenz
-
beiträ
gen
an (vgl. Urk. 12/3
1
7). Nach Abklärung der Voraussetzungen für die
se Leistungen (vgl.
Urk.
12/320,
Urk.
12/
323) erliess die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, am 5. April 2012 den Vorbescheid, mit dem sie der Versicherten einen Assistenzbeitrag von
Fr.
4‘474.80 pro Monat respektive
Fr.
53‘697.40 pro Jahr in Aussicht stellte (Urk. 12/324).
Gegen den Vorbescheid vom 5. April 2012 erhob die Versicherte am 30. April 2012 Einwände (Urk. 12/329,
Urk.
331). Am 4. Juni 2012 ergänzte sie ihre Ein
wände (Urk. 12/332). Die IV-Stelle beurteilte den Anspruch neu (vgl.
Urk.
12/333
und
Urk.
12/335
) und sprach der Ver
sicherten mit Verfügung vom 30.
Juli 2012
mit Wirkung ab 1. Januar 2012
Assistenzbeiträge in der Höhe von
Fr.
4‘738.40 pro Monat respektive
Fr.
56‘860.30 pro Jahr zu (Urk. 12/334 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 30. Juli 20
12 erhob die Versicherte am 14.
September 2012 Beschwerde mit den folgenden Rechtsbegehren
zur Sache
(Urk. 1 S. 2 f.):
Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführe
rin die gesetzlichen Leistungen aus IVG zuzugestehen.
Es sei die Verfügung vom 30. Juli 2012 teilweise aufzuheben und die Sache zur erneuten Abklärung einer externen Stelle zuzuweisen und diese anzuhalten, den in zeitlicher Hinsicht effektiven Bedarf an As
sistenz festzustellen gemäss Art. 42
quater
ff. IVG und diesen in Form
von Stunden als Berechnungsgrundlage für den Assistenzbeitrag an
zunehmen.
Es sei die
Hilflosenentschädigung
von den ermittelten
Assistenzstun
den
nicht in Abzug zu bringen und es sei diese der Beschwerdefüh
rerin als Beitrag zur freien Verfügung zu belassen, damit diese die Anstellungsverhältnisse in Bezug auf die Überstunden-.
Notfallein
satz
- und Auslagenvergütung gesetzeskonform gemäss Art. 327a
Abs.
1 OR abwickeln und die behinderungsbedingten Mehrkosten de
cken kann.
Es sei der Pflegebeitrag der obligatorischen
Krankenpflegeversiche
rung
nicht oder nicht vollumfänglich vom Assistenzbeitrag abzuzie
hen.
Es sei der effektive marktkonforme und sozialverträgliche Stunden
lohn für die Entschädigung der Assistenz zu ermitteln.
Es sei der Beschwerdeführerin im Rahmen der Berechnung des
Assis
tenzbeitrages
ein Extrabeitrag für die lebenspraktische Begleitung anzuerkennen.
Die IV-Stelle beantragte in der Beschwerdea
ntwort vom 1
5. November 2012 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 11). Mit Verfügung vom 15. Januar 2012 wurde dem diesbezüglichen Antrag der Beschwerdeführerin entsprechen
d
die unentgeltliche Prozessfü
hr
ung bewilligt und eine unentgelt
liche
Rechtsvertre
tung
in der Person vom Rechtsanwalt David Husmann, Zürich,
für das
Be
schwerdeverfahren
bestellt (Urk. 13). Die Beschwerdeführerin hielt in der Replik vom 1
4. Juni 2013 an den gestellten R
echtsbegehren fest (Urk. 17). Die
Be
schwerdegegnerin
verzichtete
am
8. Juli 2013 auf Duplik (Urk. 20). Mit Eingabe vom 29. Oktober 2013 (Urk. 23) zog die Beschwerdeführerin den Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung (vgl.
Urk.
1 S. 3) zurück.
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 42
quater
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG
)
,
in Kraft seit 1. Januar 2012
,
haben Versicherte, denen eine
Hilflosenent
schädigung
der Invalidenversi
cherung ausgerichtet wird (
lit
. a), die zu Hause le
ben (
lit
. b) und die volljährig sind (
lit
. c),
Anspruch
auf einen Assistenzbeitrag. Die Hilfeleistungen müssen regelmässig und für eine bestimmte Dauer von einer natürlichen Person (Assistenzperson) erbracht werden, die nicht zu den Fami
lienangehörigen zählt und die von der versicherten Person oder ihrer gesetzli
chen Vertretung im Rahmen eines Arbeitsvertrages angestellt ist (Art. 42
quinquies
IVG).
1.2
D
ie für die Hilfeleistungen benötigte Zeit
bildet die
Grundlage für die Berech
nung des Assistenzbeitrages
(
Art. 42
sexies
Abs.
1 IVG)
. Davon abzuziehen ist die Zeit, die der
Hilflosenentschädigung
(
lit
. a)
, den Beiträgen für Dienstleistungen Dritter anstelle eines Hilfsmittels
(
lit
. b)
und dem für Grundpflege ausgerichteten Beitrag der obligatorischen Krankenpflegeversicherung an Pflegeleistungen
nach Art. 25a des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG)
ent
spricht
(
lit
. c)
. Bei einem Aufenthalt in stationären und teilstationären Instituti
onen wird der für Hilfeleistungen im Rahmen des Assistenzbeitrages anrechen
bare Zeitbedarf entsprechend reduziert (
Art. 42
sexies
Abs.
2
).
In Abweichung von Art. 64
Abs.
1 und 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) gewährt die Invalidenversicherung keinen
Assis
tenzbeitrag
für Hilfeleistungen, die durch den Pflegebeitrag nach Art. 25a KVG gedeckt werden (Art. 42
sexies
Abs.
3 IVG).
1.3
1.3.1
H
insichtlich der einzelnen Bereiche und der minimalen und maximalen Anzahl Stunden, f
ür die ein Assistenzbeitrag aus
gerichtet wird
(
lit
. a)
, sowie der Pau
schalen für Hilfeleistungen pro Zeiteinheit
(
lit
. b) und für die Fälle, da ein
As
sistenzbeitrag
aufgrund von Verpflichtungen aus Arbeitsvertrag nach dem OR ausgerichtet wird, ohne dass die Hilfeleistungen durch die Assistenzperson tat
sächlich erbracht worden
sind
(
lit
. c),
ist die Regelung auf dem Verordnungsweg vorgesehen (Art. 42
sexies
Abs.
4 IVG).
1.3.2
Gemäss Art. 39c der Verordnung über die Invali
denversicherung (IVV
) kann in folgenden Bereichen ein Hilfebedarf anerkannt werden: alltägliche
Lebensver
richtungen
, Haushaltsführung, gesellschaftliche Teil
habe und Freizeitgestaltung, Er
ziehung und Kinderbetreuung, Ausübung einer gemeinnützigen oder ehren
amtlichen Tätigkeit, berufliche Aus- und Weiterbildung, Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem regulären Arbeitsmarkt, Überwachung während des Ta
ges
-
und Nachtdienst
s
.
1.3.
3
Die Bestimmung des anerkannten Hilfebedarfs wird in Art. 39e IVV geregelt.
Der anerkannte monatliche Hilfebedarf wird in Stunden durch die IV-Stelle er
mittelt (
Abs.
1).
Gemäss Art. 39e
Abs.
2
lit
. a IVV kann pro Monat höchstens ein Bedarf von
40
Stunden pro alltägliche Lebensverrichtung, die bei der Festset
zung der
Hilflosenentschädigung
schweren
Grades festgehalten wurde, für As
sistenz bei alltäglichen Lebensverrichtungen, Haushaltsführung, gesellschaftli
cher Teilhabe und Freizeitgestaltung berücksichtigt werden. Für die Bereiche nach Art. 39c
lit
. d–g (Erziehung und Kinderbetreuung, Ausübung einer ehren
amtlichen Tätigkeit, berufliche Aus- und Weiter
bildung, Ausübung einer Er
werbs
tätigkeit auf dem
regulären
Arbeitsmarkt) werden monatlich insgesamt höchstens 60 Stunden berücksichtigt.
Für die Überwachung
während des Tages
gemäss Art. 39c
lit
. h gilt ein Höchstansatz von 120 Stunden (Art. 39e
Abs.
2
lit
. c).
Gemäss Art. 39e
Abs.
4 IVV werden die Höchstansätze für jeden Tag und jede Nacht, die die versicherte Person pro Woche in einer Institution verbringt, um zehn Prozent gekürzt
.
1.4
Gestützt auf diese Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen hat das Bundesamt für Sozialversicherungen das Kreisschreiben über
den Assistenzbeitrag (KSAB
in der hier massgebenden im Jahr 2012 gültig gewesenen Fassung
) er
lassen. Darin
wird
die Unterteilung
der in Art. 39c IVV genannten Bere
iche in Teilbereiche (KSAB
Rz
4002),
die Unterteilungen
dieser Teilbereiche in
verschiedene Tätig
keiten (KSAB
Rz
4003) und
die Unterteilung
jeder Tätigkeit in verschiedene Verr
ichtungen (Teilhandlungen; KSAB
Rz
4004)
vorgenommen
. Sodann sieht das KSAB ein Stufensystem
für die einzelnen Bereiche respektive
Teilbereiche vor. Gemäss diesem System ist für jeden Teil
bereich festzulegen, ob die ver
si
cherte Person nicht (Stufe 0), unwesentlich oder sporadisch (Stufe 1), in mehre
ren Teilhandlungen regelmässig (Stufe 2), weitgehend (Stufe 3) oder vollständig (Stufe 4) auf direkte oder indirekte
Dritthilfe angewiesen ist (KSAB
Rz
4009 ff.).
Dabei muss für jede Tätigkeit entschieden werden, in welche
r
Stufe die versi
cherte Person einzustufen ist (
Rz
4015).
Jeder Kombination von Teilhandlung und Stufe
ist
schliesslich e
in Minutenwert zugeordnet (KSAB
Rz
4015).
Prak
tisch erfolgt die Erfassung mit dem standardisierten Abklärungsinstrument FAKT, sowohl für die direkte als auch für die indirekte Hilfe (KSAB
Rz
4005). Zu erfassen ist der gesamte Hilfebedarf, unabhängig davon, wer im Moment die Hilfe leistet und ob die Hilfe auch tatsächlich in Anspruc
h genommen wird (KSAB
Rz
4006 und
4008).
1.5
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Ent
schei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zu
lassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von
Verwaltungs
weisungen
ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch in
terne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 587 E. 6.1; 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin
bemängelt das von der Beschwerdegegnerin zur Bemes
sung der Höhe des Assistenzbedarfs angewandte Verfahren ganz grundsätzlich.
Sie
vertritt die Auffassung, die Evaluationsmethode, die der Verordnungsgeber konkretisiert und die Verwaltung durch Weisungen und insbesondere durch das Erhebungsi
nstrument FAKT vorgegeben hätten
, sei mangelhaft. Im Gesetz sei vorgesehen, dass der effektive Hilfebedarf zu entschädigen sei. Durch die ange
wandte Art der Evaluation und Bemessung der Beiträge werde dieser Grundsatz verletzt
(Urk. 1 S. 13
f.
Ziff.
34 und
Ziff.
41-42
).
2.2
Das Gesetz gewährt einen ausdrücklich als solchen bezeichneten
Assistenzbei
trag
(Art. 42
quater
Abs.
1 IVG).
Gemäss Art. 42
sexies
Abs.
1 IVG ist die für alle Hilfeleistungen benötigte Zeit die Grundlage für die Berechnung des
Assistenz
beitrages
, die Umrechnung in die
der versicherten Person
zustehende Geldleis
tung erfolgt indessen nicht unmittelbar, sondern mittels eines Schlüssels im Sinne der weiteren Vorgaben von Art. 42
sexies
IVG. Auf der Grundlage des ef
fektiven Hilfebedarfs ist der anerkannte Hilfebedarf zu ermitteln. Namentlich sind für die der versicherten Person zustehende
Hilflosenentschädigung
und für die Pflegebeiträge der Krankenversicherung Abzüge vorzunehmen (Art. 42
sexies
Abs.
1
lit
. a und c IVG). Gemäss Art. 42
sexies
Abs.
4
lit
. a IVG hat der Bundesrat
in der Verordnung
ferner die minimale und die maximale Anzahl Stunden
fest
gelegt
, für die ein Assistenzbeitrag ausgerichtet wird, und gemäss
lit
. b die Pauschalen für die Hilfeleistungen pro Zeiteinheit bestimmt (vgl. Art. 39e-f IVV).
2.3
Das Gesetz selber legt nach dem Gesagten ausdrücklich fest, dass der massge
bende Zeitbedarf unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren einzugrenzen ist, und dass bei der Berechnung des Assistenzbeitrages Pauschalansätze zur Anwendung gelangen. Der Gesetzgeber folgte damit dem bereits in der Bot
schaft formulierten
Zweck
der neuen Leistungskategorie
, nämlich die Förderung und nicht die Gewährleistung eines selbstbestimmten Lebens (vgl. Die Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [6. IV-Revi
sion, erstes Massnahmenpaket], S. 1818 und S. 1820). Direkte Vergleiche mit dem Assistenzbudget (vgl.
Urk.
1 S
. 6 ff. Ziff.
14 ff.), das als Pilotphase der Einführung des Assistenzbeitrags voranging, können nicht gezogen werden. Das Assistenzbudget unterstand, anders als der nun im Gesetz verankerte
Assistenz
beitrag
, nicht dem Grundsatz der Kostenneutralität. Der erwähnten Botschaft ist zu entnehmen, während der auf dem Verordnungsweg eingeführten und wis
senschaftlich evaluierten Pilotversuchsphase hätten die Teilnehmenden aus
serhalb eines Heimes gewohnt und statt einer pauschalen
Hilflosenentschädi
gung
ein individuell berechnetes Assistenzbudget erhalten. Aus Sicht der teil
nehmenden Personen habe die Versuchsphase zu deutlich mehr Selbstbestim
mung und Selbständigkeit geführt. Ein Aufenthalt zu Hause mit einem
Assis
tenzbudget
habe im Durchschnitt rund
Fr.
5‘500.-- pro Jahr weniger als ein Heimaufenthalt gekostet. Bei Personen, die schon vor dem Pilotversuch zu Hause gelebt hätten und dort weitgehend unentgeltlich betreut worden seien, hätten sich die Kosten um durchschnittlich
Fr.
35‘000.-- bis
Fr.
40‘000.-- er
höht. Der Pilotversuch habe gezeigt, dass mit den Heimaustritten beziehungs
weise den vermiedenen Heimeintritten nicht genügend Einsparungen hätten er
zielt werden können, um die erwarteten Mehrkosten für die schon vor dem Projekt zu Hause wohnenden Personen zu kompensieren. Entgegen der anfäng
lichen Erwartung werde das Assistenzbudget, wie es im Pilotversuch getestet worden sei, längerfristig zu
hohen Mehrkosten
führen, da sich aller Voraussicht nach bei einem derart deutlichen Ausbau der Leistungen ein Grossteil der Ziel
gruppe für dieses Modell entscheiden werde. Angesichts der finanziellen Lage der IV könnten daher nicht alle Elemente des Pilotversuchs übernommen wer
den. Es sei eine Beschränkung auf den Kern der Zielsetzung, das heisst die För
derung von Selbstbestimmung und Eigenverantwortung nötig. Mit dem gesetz
lich umzusetzenden Assistenzmodell, dem Assistenzbeitrag,
werde
die
Hilflo
senentschädigung
und die Hilfe der Angehörigen ergänzt. Die Betroffenen wür
den in die Lage versetzt, ihre Betreuungssituation vermehrt selbständig und in eigener Verantwortung zu gestalten. Die stärkere Ausrichtung an den Bedürf
nissen der Betroffenen verbessere deren Lebensqualität, erhöhe die Chancen, trotz einer Behinderung eigenständig zu Hause
zu
wohnen
,
und schaffe bessere Möglichkeiten, sich in die Gesellschaft und ins Berufsleben zu integrieren. Zu
dem ermögliche der Assistenzbeitrag eine zeitliche Entlastung pflegender Ange
höriger (vgl. Botschaft S. 1818, S. 1836 f. und S. 1865).
Diese Ausrichtung legte der Gesetzgeber den Bestimmungen über den
Assistenz
beitrag
(Art. 42
quater
ff. IVG) zu Grunde
, was sich aus der Formulierung der ge
nannten Bestimmungen eindeutig ergibt
.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin macht geltend, bei der Festsetzung
ihres
Assistenzbei
trags
sei zu Unrecht der Bedarf an lebenspraktischer Begleitung nicht berück
sichtigt worden. Sie sei nicht bloss in den alltäglichen Lebensverrichtungen ein
geschränkt, sondern insbesondere auch auf lebenspraktische Begleitung ange
wiesen. Im Rahmen der Ermittlung des Assistenzbeitrages müsse diesem Um
stand Rechnung getragen werden, denn die
Hilflosenentschädigung
werde vom Gesamtbedarf des Assistenzbeitrages abgezogen. Werde nicht der Gesamtbedarf unter Einbezug der lebenspraktischen Begleitung ermittelt, führe der Abzug der
Hilflosenentschädigung
zu einer ungerechtfertigten Schlechterstellung (Urk.
1
S. 24
ff.
Ziff.
63-65
).
3.2
Der Bedarf einer versicherten Person an lebenspraktischer Begleitung wird unter den im Gesetz vorgesehenen Voraussetzungen im Rahmen der
Hilflosenent
schädigung
berücksichtigt
(vgl. Art. 42
Abs.
3 IVG, Art. 38 IVV).
Ein direkt
an
spruchsbegründendes
Element
ist
die lebenspraktische Begleitung indessen n
ur im Rahmen einer leichten beziehungsweise
mittelschweren
Hilflosigkeit (Art.
37
Abs.
2
lit
. c und
Abs.
3
lit
. e IVV; vgl. auch Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
2.
Aufl., Zürich 2010, S. 426 und S. 439).
Die Be
schwerdeführerin
jedoch ist in schwerem Grade hilflos und es steht
ihr
eine diesem Grad der Hilflosigkeit entsprechende
Hilflosene
ntschädigung
zu
(vgl. Urk. 12
/306 f.
). Eine zusätzliche Abgeltung für lebenspraktische Begleitung ent
fällt in dieser Situation. Im Rahmen der Bemessung des Assistenzbeitrages findet der Bedarf
an
lebenspraktischer Unterstützung insofern Berücksichtigung, als der Hilfebedarf in allen massgebenden Hilfebereichen zu ermitteln ist. Eine darüber hinaus gehende Berücksichtigung
ist nicht vorgesehen.
Dass dies zu ei
ner nicht gerechtfertigten Ungleichbehandlung führt, ist entgegen der Auffas
sung
der Beschwerdeführerin
nicht ersichtlich, zumal
sie
unerwähnt lässt, be
züglich welcher
anderweitiger
Lebenssachverhalte eine Ungleichbehandlung vorliegt (vgl.
Urk.
1 S.
25
). Es ist mithin nicht zu beanstanden, dass im
Evalua
tionsinstrument
FAKT keine Kostenvergütung für lebenspraktische Begleitung vorgesehen ist.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin macht geltend, der in Art. 42
sexies
Abs.
1
lit
. a IVG
vorge
sehene
Abzug für die
Hilflosenentschädigung
sei unsachgemäss. Bei der
Hilflosenentschädigung
handle es sich um eine pauschale Entschädigung für behinderungsbedingte Mehrkosten. Seien die Anspruchsvoraussetzungen erfül
lt,
würden behinderungsbedingte
Mehrkosten vermutet. Solche Mehrkosten ent
stünden nicht allein in Bezug auf die alltäglichen Lebensverrichtungen, sondern auch
in Bezug auf die
sachbezogenen, beispielsweise bei der Anschaffung von nicht IV-finanzierten Hilfsmitteln. Zu den Löhnen für die Assistenzpersonen kämen gesetzlich zwingende Auslagen (abzuschliessende Versicherungen)
hinzu
und
auch auswärtige
Aktivitäten seien mit Spesen verbunden (Mahlzeiten, Ein
tritte, Fahrspesen). Mehrkosten dieser Art fielen bei
ihr
,
der Beschwerdeführerin
, in erhöhtem Ausmass an, denn aufgrund
ihres
Leidens sei
sie
in praktisch allen Lebensbereichen auf Hilfe angewiesen. Die vorgenommene Umrechnung der
Hilflosenentschädigung
in Stunden auf der Basis einer Stundenvergütung von
Fr.
32.50 sei unsachgemäss und der Abzug vom Assistenzbedarf untauglich. Es sei schwierig bis unmöglich auf einem absoluten Minimalstandart (ohne
Ausla
genersatz
) überhaupt Assistenz
personen zu finden (
Urk.
1 S. 18 ff.
Ziff.
5
9-
63 und
Ziff.
47-51
).
4.2
Art. 42
sexies
Abs.
1
lit
. a IVG sieht ausdrücklich vor, dass von der für die Hilfeleis
tungen benötigten Zeit die Zeit abzuziehen ist, die der
Hilflosenent
schädigung
entspricht.
Der durch die
Hilflosenentschädigung
gedeckte zeitliche Umfang wird ermittelt, indem der Betrag der
Hilflosenentschädigung
durch den Standar
d
-Stundenansatz des Assistenzbeitrages divi
diert wird (KSAB
Rz
4107).
Da die
Hilflosenentschädigung
nicht aufgrund von zeitlichen Kriterien, sondern pauschal bemessen wird (je nach Grad der Hilflosigkeit ist ein gewisser Pro
zentsatz des Höchs
t
betrages der AHV-Altersrente massgebend; Art. 42
ter
Abs.
1 IVG) ist die im K
S
A
B vorgesehene Umrechnung der
Hilflosenentschädigung
auf einen Stundenwert mittels Division des für den Assistenzbeitrag massgebenden Entschädigungsansatzes sachgerecht und entspricht
der
gesetzlichen Vorgabe. In welch
e Richtung eine in den Augen der
Beschwerdeführerin
sachgerechtere Umrechnung zu gehen hätte, führte
sie
nicht näher aus.
4.3
Gesetzlich zwingend ist auch ein Zeitabzug für die von der Krankenversiche
rung ausgerichteten Beiträge für die Grundpflege. Für die Bemessung des Ab
zugs sind die gesamten ausgerichteten Beiträge massgebend (Art. 42
sexies
Abs.
1
lit
. c IVG).
Dies vermag
die Kritik der Beschwerdeführerin
, die dieses Vorgehen in Frage stellt,
nicht zu ändern
(vgl.
Urk.
1 S. 21 f.
Ziff.
52
-56).
4.4
Nicht weiter zu klären ist die Frage, wann die Nichtberücksichtigung der
Hilflo
senentschädigung
respektive der von der Krankenversicherung abgegoltenen Pflegeleistungen bei der Bemessung des Assistenzbeitrags eine
Überentschädi
gung
zur Folge hat (vgl.
Urk.
17 S. 4 f.
Ziff.
1
2
f.). Die Berücksichtigung der
Hilflosenentschädigung
und der Pflegebeiträge der Krankenversicherung sind in jedem Falle gesetzlich zwingend vorgesehen (Art. 42
sexies
Abs.
1 IVG).
5.
5.1
Nach Auffassung der Beschwerdeführerin können mit den in der Verordnung festgelegten Stundenansätzen
Spesen
der Assistenzpersonen
und
anderweitige Gestehungskosten
nicht ausreichend abgegolten werden.
In erster Linie den
Ba
sisansatz
für den Assistenzbe
itrag
von Fr. 32.50 pro Stunde gemäss Art. 39f
Abs.
1 IVV, aber
auch denjenigen für qualifizierte Assistenzpersonen in der Höhe von
Fr.
48.75 pro St
unde gemäss Art. 39f
Abs.
2 IVV
erachtet die Be
schwerdeführerin als nicht marktkonform (
Urk.
1 S. 23 f.
Ziff.
57-62).
5.2
Zu berücksichtigen ist, dass zusätzliche Auslagen je nach versicherter Person, der Art des Gesundheitsschadens und der persönlichen Lebensführung unter
schiedlich hoch ausfallen. Eine
zusätzliche
Berücksichtigung dieser
individuell unterschiedlichen
Kosten ist vom Gesetz nicht vorgesehen. Art. 42
sexies
Abs.
4
lit
. b
IVG
bestimmt ausdrücklich, dass für die Hilfeleistungen pro Zeiteinheit Pauschalen festzulegen sind.
5.3
Gemäss der derzeit verfügbaren Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2010 betrug im privaten Sektor der durchschnittliche Monatslohn (ohne Be
rücksichtigung des Geschlechts) für nichtqualifizierte Arbeitskräfte (
Anforde
rungsniveau
4) im Durchschnitt aller Branchen
Fr.
4‘525.-- und im
Gesund
heits
- und Sozialwesen
Fr.
4‘700.-- (vgl. Die Volkswirtschaft 12-2013, S.
91, Tabelle B
10.1). Die Lohnangaben der LSE basieren auf einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Das Monatseinkommen von
Fr.
4‘525.-- entspricht somit ei
nem Stundenlohn von
Fr.
28.30 (
Fr.
4‘525.
-- :
4 : 40) und das Monatseinkom
men von
Fr.
4‘700.-- entspricht einem Stundenansatz von Fr. 29.40 (
Fr.
4‘700.-- : 4 : 40). Diese Stundenansätze liegen selbst unter Berücksichtigung der
Lohn
entwicklung
von 1,8
%
in den Jahren 2011 und 2012 (vgl. Die Volkswirtschaft 12-2013, S. 91, Tabel
le B 10.2) unter dem in Art. 39
f
Abs.
1 festgelegten
Stun
denansatz
von Fr. 32.50.
Gemäss LSE 2010 erzielten gelernte Arbeitskräfte (Anforderungsniveau 3) im Durchschnitt aller Branchen ein Einkommen von monatlich
Fr.
5‘674.-- und im Gesundheits- und Sozialwesen ein solches von
Fr.
5‘759.-- (vgl. Die Volkswirt
schaft 12-2013, S. 91, Tabelle B 10.1). Dem Einkommen von Fr. 5‘674.-- liegt ein Stundenansatz von
Fr.
35.50 zu Grunde und dem Einkommen von
Fr.
5‘759.-- ein solcher von
Fr.
36.-- (
Fr.
5‘674.-- resp. Fr. 5‘759.
-- :
4 : 40).
In den Tätigkeiten auf dem Anforderungsniveau 1 oder 2 (Verrichtung
selb
-
ständi
ger und qualifizierter Arbeiten resp. Verrichtung höchst anspruchs
voller schwierigster Arbeiten) betrug das Total aller Löhne monatlich Fr. 7‘629.-- und der durchschnittliche Monatslohn im Gesundheits- und Sozialwesen Fr. 7‘005.-- (vgl. Die Volkswirtschaft 12-2013, S. 91, Tabelle B 10.1). Dem Ein
kommen von
Fr.
7‘629.-- liegt ein Stundenansatz von
Fr.
47.70 zu Grunde und dem Einkommen von
Fr.
7‘005.-- ein solcher von
Fr.
43.80 (
Fr.
7‘629.-- resp.
Fr.
7‘005.
-- :
4 : 40).
Auch auf höherem Anforderungsniveau liegen die
errechneten Stundenansätze unter Berücksichtigung der Lohnentwicklung in den Jahren 2011 und 2012 von 1,8
%
(vgl. Die Volkswirtschaft 12-2013, S. 91, Tabelle B 10.2) unter respektive im Bereich des in Art. 39f
Abs.
2
IVV
festgelegten Stundenansatzes von Fr. 48.75. Von fehlender Marktkonformität kann somit in Bezug au
f die bean
standeten, in Art. 39
f
Abs.
1 und 2
IVV
genannten Stundenansätze für den
As
sistenzbeitrag
nicht gesprochen werden. Zu beachten ist, dass diese
Stunden
ansätze
nicht fix sind, sondern laut Art. 39f
Abs.
4 IVV nach Massgabe von
Art. 33
ter
AHVG periodisch der Lohn- und Preisentwicklung
angepasst werden
.
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin
bemängelt die Qualifikation der Abklärungsp
erson
der Beschwerdegegnerin,
Y._
(vgl. Urk. 3/333
/2). Es sei nicht ersichtlich, über welche fachlichen Kennt
nisse die Abklärungsbeauftragte
genau
verfüge
. Hinzu ko
mme, dass die Abklärungsperson nicht unabhängig sei
. Es falle auf, dass in manchen Punkten eine sehr niedrige Einstufung vorgenommen worden sei und die Verfügung darüber keinen Aufschluss gebe, weswegen der Verdacht naheliege, dass versucht werde, auf Kosten der Versicherten zu sparen. Geeig
neter wäre ein
e verwaltungsexterne Abklärung
(
Urk.
1 S.
S. 14
Ziff.
43
und
S.
17
f
.
Ziff.
58,
Urk.
17 S. 4
Ziff.
10
f.).
6.2
Zur Kritik betreffend die fehlende Unabhängigkeit ist auf den Grundsatz hinzu
weisen, dass im gesamten Verwaltungs- und Verwaltungsrechtspflegeverfahren Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln zu würdigen sind. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweis
mittel unabhängig davon, von wem sie stammen
,
objektiv prüft und danach entscheidet, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Für Abklärungsberichte der
Sozialversi
cherungsträger
sind zusätzlich folgende
Faktoren zu berücksichtigen:
Es ist we
sentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderun
gen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detail
liert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der
Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom
6. April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 f. E. 4 betref
fend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosig
keit).
6.3
Über welche besondere
n
fachliche
n
Fähigkeiten die von der
Beschwerdegegne
rin
eingesetzte
Abklärungsbeauftragte
Y._
(vgl. Urk.
12/318/1
,
Urk.
12/333
/2)
verfügt
, ist nicht aktenkundig, was
die
Beschwerdeführer
in
kor
rekt festhält. Die Bemessung des Assistenzbeitrages basiert
in allen Fällen
auf einer umfassenden Abklärung des faktischen Hilfebedarfs eines Antragstellers
oder einer Antragstellerin
in seinen
respektive ihren
sämtlichen
Lebensbelan
gen. Die Abklärungsbeauftragten haben
- wovon auch die Beschwerdeführerin zutreffend ausgeht (vgl.
Urk.
1 S. 15
Ziff.
49) -
die sich aus den medizinischen Unterlagen ergebenden respektive die von der versicherten Person angegebenen Einschränkungen und die nötigen Hilfeleistungen in den
verschiedenen
Hil
febereichen einer bestimmten Hilfebedarfsstufe zuzuordnen. Zur Verfügung ste
hen jeweils vier Stufen (vgl. KSAB
Rz
4009 ff.). Fachliche Voraussetzungen im Sinne eines bestimmten Expertenwissens sin
d hierfür grundsätzlich nicht erfor
derlich. Auch d
i
e Beschwerdeführer
in
erwähnte konkret nicht, über welche un
verzichtbaren Voraussetzungen fachlicher Art die
Abklärungsbeauftragte
hätte verfügen müssen
, um
den
Auftrag
ihrer Ansicht nach
sachlich korrekt erfüllen zu können.
E
s
stellt
kein
en
Mangel dar, dass keine verwaltungsexterne Abklärung durchge
führt wurde. Bei der Beurteilung des ermittelten Hilfebedarfs steht im Vorder
grund, mit welcher Genauigkeit und Vollständigkeit die Abklärungsbeauftragten diesen erhoben haben. Dies ist in nachstehender Erwägung
8
zu prüfen. Eben
falls an genannter Stelle und zudem
in nachfolgender Erwägung 7
ist der Frage nachzugehen, ob in gewissen Punkten ergänzend eine medizinische Stellung
nahme nötig gewesen wäre. An genannter Stelle ist schliesslich auch die Rüge zu prüfen, in verschiedenen Punkten sei der Hilfebedarf ungerechtfertigt tief ausgefallen. Hier festzuhalten bleibt, dass der Vorwurf
der Beschwerdeführerin
, Anlass für niedrige Einstufungen könnten Sparbemühungen auf Kosten der Versicherten sein, jeder Substantiierung entbehrt.
7.
7.1
Nach Auffassung der Beschwerdeführerin hätte
n
das Ausmass der Körper
-
behinde
rung
und d
ie Frage, ob akute Phasen auftre
ten,
nicht im Rahmen einer allgemeinen Abklärung, sondern
durch eine medizinische Fachperson
er
mittelt respektive
beantwortet werden müssen (Urk. 1 S. 15
Rz
47-48
und Ziff.
55
).
7.2
Zu berücksichtigen ist, dass es
vorliegend
um die Feststellung des aufgrund der Behinderung nötigen Hilfebedarfs im Zusammenhang mit der
Bewältigung des Alltags,
mithin um eine
praktische Beurteilung, geht. Über d
ie Körperbehinde
rung als solche
geben die medizinischen Akten Auskunft
(vgl.
Urk.
12/223-224,
Urk.
12/251,
Urk.
12/276
,
Urk.
12/331/11-13
; vgl. auch Urk. 3/4
).
Dies
e erlau
ben
es der Abklärungsperson, die von der versicherten Person zum Hilfebedarf gemachten Angaben zu überprüfen. Medizinische Abklärungen sind aber auch entbehrlich, weil keine
Feststellung
einer
Restarbeitsfähigkeit
im Sinne einer medizinisch-theoretischen Einschätzung
vorzunehmen ist
.
Stehen die angege
benen respektive die
festgestell
ten Beeinträchtigungen mit dem L
eiden in Ei
n
klang
, bedarf es
zur Ermittlung des Assistenzbedarfs nach dem Gesagten keiner zusätzlichen ärztlichen Beurteilung
. Eine versicherungsmedizinische Abklärung hat erst dann Platz zu greifen, wenn zwischen geltend gemachter Einschrän
kung bei der Alltagsbewältigung und dem Leiden ein
e auffallende Diskrepanz bestünde
.
7.3
Von einer akuten Phase ist auszugehen, wenn bei einer versicherten Person wäh
rend einer Zeitdauer von höchstens drei Monaten ein deutlich erhöhter
Hil
febedarf
vorliegt und dieser in direktem Zusammenhang mit dem
Gesund
-
heits
schaden
steht, der die Hilflosig
keit begründet (KSAB
Rz
4079).
Die
Evaluation des Hilfebedarfs
findet
im Beisein und unter Mitwirkung der versicherten Person in deren Lebensumfeld
statt
(vgl.
Urk.
12/318
). Die Ver
merke zu den verschiedenen Evaluationspunkten
erfolg
t
en somit unter Mitwir
kung der
Beschwerdeführerin
(vgl. KSAB
Rz
4101). Dass es sich vorliegend nicht so verhalten hat, machte
die Beschwerdeführerin
nicht geltend.
Ferner er
klärte sie nicht, ob und falls ja, i
n welchem Umfang und wie häufig
akute Pha
sen bei ihr auftreten
.
Offen bleibt
, welchen Erkenntniswert
die Beschwerdeführerin
von zusätzlichen ärztlichen Beurteilung
en
konkret
erwartet.
Sie
erläuterte dies nicht weiter.
Hinzu komm
t, dass das
Auftreten akuter Phasen nur beim Vorliegen einer leichten Hilflosigkeit zu einer Erhöhung des Hilfebedarfs
Anlass
gibt
(KSAB
Rz
4078
). Bei
der
Beschwerdeführer
in
aber
liegt
eine schwere Hilfl
osigkeit vor
(vgl.
Urk.
12
/
333
/4).
Vor
einer fachärztlichen Begutachtung der Beschwerde
-
führe
rin
, veranlasst durch das Gericht (
Urk.
1
Rz
48), kann somit abgesehen werden.
7.4
Dieselben Überlegungen gelten auch für die Kritik der Beschwerdeführerin betref
fend den im FAKT-Erfassungsbogen
zu erfassenden
Gebrechenscode
und den Funktionsausfallcode
(vgl.
Urk.
1 S. 14
f.
Ziff.
45
-46
,
Urk.
12/333/3).
Vor
liegend wurde an entsprechender Stelle
die Nummer 184
vermerkt. Dabei
han
delt
sich um den Verweis auf das
entsprechende
Geburtsgebrechen
(
Dy
strophia
musculorum
progressiva
und andere
congenitale
Myopathien
), das im Anhang zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
) dieselbe Nummer trägt
und an dem die Beschwerdeführerin leidet
. Weswegen dies einer Überprüfung bedarf, legte die Beschwerdeführerin nicht dar.
Weswegen
ein anderer
als der erfasste Funktionsausfall z
ur Anwendung gelan
gen müsste
, legte die Beschwerdeführerin ebenfalls nicht näher dar.
D
as Leiden der Beschwerdeführerin
hat eine
Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes
zur Folge.
Im Übrigen ist zu beachten, dass nicht diese schematisch
e
Einordung über die Höhe des Assistenzbeitrags entscheidet, sondern allein der nachfolgend im FAKT im Detail erfasste Hilfebedarf.
7.5
Der Einwand, wegen periodisch auftretender Atemwegsinfektionen sei
phasen
weise
eine intensivere Pflege nötig (Urk. 1 S. 15
Ziff.
50), findet im FAKT inso
fern keine Stütze, als die Beschwerdeführerin bei der Abklärung angab, nach ei
gener Einschätzung bei der Atmung keinen Einschränkungen unterworfen zu sein
. Vermerkt ist überdies, sie sei
darauf hingewiesen
worden
, in nächster Zeit müsse sie sich Gedanken darüber machen, eine Atemunterstützung anzunehmen (
Urk.
12/333/3). Beeinträchtigungen bei der Atmung waren somit
zwar
Thema bei der Abklärung, konkreter Handlungsbedarf bestand indessen seinerzeit noch nicht. Tritt eine Verschlechterung ein, ist dies im Rahmen einer Revision zu berücksichtigen (vgl. KSAB
Rz
7001 ff.).
8.
8.1
Die
Beschwerdeführerin
ist
der
Auffassung, das im Erfassungsinstrument FAKT vorgesehene Stufensystem zur Bestimmung des Schwergerades der Einschrän
kung in den jeweiligen Lebensbereichen sei generell nicht sachgemäss
.
Bezogen auf die Sache rügte sie zudem, in verschiedenen Punkten habe
die
Beschwerde
gegnerin
eine
zu
n
iedrige Einstufung vorgenommen, i
nsbesondere sei dem Um
stand nicht Rechnung getragen worden, dass bei gewissen Tätigkeiten die
As
sistenzperson
anwesend sein müsse ohne selber aktiv zu werden. Auch wenn
eine behinderte Person
gewisse Handlungen
noch selbständig aus
füh
ren
könn
e,
müsse die
Assistenzperson in dieser kurzen Zeit anwesend
bleiben und falls nö
tig
helfend eingreifen könn
en. Nicht berücksichtigt worden sei ferner
, dass ver
schiedene Handlungen
zwar
noch selber ausgeführt werden könnten, jedoch zeitintensiv und
im Beisein der Assistenzperson
. Die
tatsächlich vorgenommene Einstufung im FAKT-Evaluationsbogen sei vor diesem Hintergrund
nicht nach
vollziehbar (
Urk.
1 S. 16 f.
Ziff.
51-52
und
Ziff.
54
). In der Replik ergänzte
die Beschwerdeführerin
ihre
Ausführungen und stellte dem FAKT-Abklärungsbogen
(Urk. 12/333
) eine e
igene Zeiterfassung gegenüber
(vgl.
Urk.
17
S. 2 f.
Ziff.
5
,
Urk.
18
/1). Bei der Wahl der Stufenhöhe müsse auch berücksichtigt werden, dass ein fortschreitendes Leiden vorliege und die Beschwerdegegnerin nicht in der Lage sei, bei jeder Verschlechterung eine neue Abklärung vorzunehmen (Urk. 1 S. 16
Ziff.
53).
8.2
Der vom Gesetzgeber in Art. 42
sexies
Abs.
4
IVG
gezogene Rahmen zur Erfassung des Umfangs des Assistenzbeitrages lässt eine standardisierte Erfassung des an
erkannten Hilfebedarfs für die verschiedenen Hilfebereiche (Art. 39c IVV) inner
halb eines maximal zulässigen Zeitrahmens (vgl. Art. 39e IVV) und anhand ei
nes Stufensystems, wobei den verschiedenen Stufen je nach Schwergrad be
stimmte Zeitwerte zugeordnet sind (vgl. KSAB
Rz
4005 ff. ), nicht nur zu, son
dern sieht ein solches System sogar vor. Der prinzipielle Einwand
der Be
schwerdeführerin
gegen die im Erfassungsinstrument FAKT für jeden
Hilfebe
reich
standardisiert
vorzunehmende Einstufung des Hilfebedarfs ist somit nicht begründet.
8.3
Die konkrete Einstufung in den verschiedenen Hilfebereichen und damit den Umfang des anerkannten Hilfebedarfs bemängelte
die Beschwerdeführerin
be
reits im
Vorbescheidverfahren
(vgl.
Urk.
12/329,
Urk.
12/332
). In verschiedenen Punkten nahm die Beschwerdegegnerin daraufhin unter Darlegung ihrer Über
legungen eine Korrektur vor. Auf diese Ausführungen ist zu verweisen
(vgl.
Urk.
12/335
). Mittels der im Beschwerdeverfahren eingereichten Zeitaufstellung
(Urk. 18
/1) macht
die Beschwerdeführerin
erneut einen höheren Zeitaufwand und damit eine höhere Einstufung in verschiedenen Hilfebereichen geltend.
8.4
Die Ermittlung des Hilfebedarfs mittels FAKT funktioniert wie folgt: Den jeweili
gen Hilfebereichen (vgl. Art. 39c IVV, KSAB
Rz
4001-4004) ist abhängig von der Stufe je ein bestimmter Zeitwert zugeordnet. Dieser basiert, wovon auch
die Beschwerdeführerin
zutreffend au
sgeht (vgl.
Urk.
17 S. 3
Ziff.
7
), auf statis
tisch ermittelten Durchschnittswerten (vgl.
Urk.
18
/2). Damit wird die Gleichbe
handlung aller Versicherten gewährleistet. Mit der Vornahme der Einstufung im jeweiligen Hilfebereich wird nach dem Gesagten der standardisierte Zeitwert
zugeordnet
, der die direkte und die indirekte Hilfe ber
ücksichtigt (vgl. KSAB
Rz
4005)
. Aus deren Summe errechnet sich schliesslich der Hilfebedarf. Hauptauf
gabe im Abklärungsverfahren ist mithin die Wahl der angemessenen Stufe, ba
sierend auf einer Bewertung der bestehenden Einschränkung und des sich dar
aus ergebenen Hilfebedarfs. Um individuellen Gegebenheiten Rechnung zu tra
gen, sind Kürzungen oder Zuschläge möglich (KSAB
Rz
4016). Insofern über
zeugt der Standpunkt
der Beschwerdeführerin
nicht
, die Anwendung des stan
dardisierte
n
Abklärungssystems lasse keine Berücksichtigung
des effektiven Be
darfs zu
.
Der in diesem Zusammenhang von der Beschwerdegegnerin gestellte
Antrag, die Zeiteinheiten der Zuschläge für Mehraufwand seien
von der
Be
schwerdegegnerin
offen zu legen (Urk. 17 S. 3
Ziff.
6),
ist entbehrlich,
denn die
erwähnten
Zuschläge
sind
ausgehend von
den tatsächlichen Gegebenheiten
in
dividuell und ermessensweise
vorzunehmen (KSAB
Rz
4016).
8.5
Im vorliegenden FAKT-Erfassungsblatt ist jede gewählte Einstufung mit einer Begründung versehen (vgl. Urk.
12/333
/8 ff. und
Urk.
12/333/49
ff.). Werden diese Begründungen mit den im KSAB umschriebenen Charakteristika der ver
schiedenen Stufen verglichen (vgl.
Rz
4010-4015), erweist sich die vorgenom
mene Einstufung unter Berücksichtigung der bestehenden leidensbedingten Einschränkungen in keinem der relevanten Bereiche als unangemessen. Es be
steht somit kein Anlass, eine andere Einstufung vorzunehmen. Auch
die Be
schwerdeführerin
ging auf die einzelnen vorgenommenen Einstufungen konkret nicht
ein
. Weder in den
Parteivorträgen noch in der von der
Beschwerdeführe
r
in
selber verfassten Zeitaufstellung wird auf die vorgenommenen Einstufungen beziehungsweise auf die dazugehörige Begründung im FAKT Bezug genommen.
Die Beschwerdeführerin
machte auch nicht geltend,
sie
habe bei der Abklärung von den vermerkten Einschränkungen klar abweichende Angaben gemacht oder es hätten deutliche Ko
mmunikationsprobleme bestanden, die zu einer
Fehler
fassung
geführt hätten.
8.6
Der Einwand
der Beschwerdeführerin
, die zeitliche Abstufung der pro Stufe ge
währten Assistenzzeit sei im Evaluationsbogen FAKT nicht ersichtlich
(Urk. 1
S. 15
Ziff.
49
), ist nicht begründet. Wie dargelegt wurde
(vgl. E. 8.2)
, ist die in ei
nem Hilfebereich je nach Stufe zu berücksichtigende Assistenzzeit
gesetzes
konform
pauschalisiert. Hauptaufgabe bei der Abklärung des anerkannten
Hil
febedarfs
ist die Evaluation der Stufen. Daraus ergibt sich dann automatisch der zu berücksichtigende Hilf
ebedarf in Minuten. Die Zusammenstellung der in je
dem Hilfebereich der jeweiligen Stufe hinterlegte
n
Zeiteinheit hat die Beschwer
deführerin im Übrigen selber eingereicht (vgl.
Urk.
18
/2). Dass bei der Einstu
fung die direkte und die indirekte Dritthilfe zu berücksichtigen sind (Urk.
1 S. 15
Ziff.
49
), ergibt sich im Übrigen ausdrücklich aus dem KSAB (
Rz
4005).
8.7
Um bejaht zu werden, muss ein Leistungsanspruch ausgewiesen sein, deswegen dürfen bei der Beurteilung grundsätzlich nur Ist-Zustände
erfasst werden,
nicht
jedoch noch nicht eingetretene Krankheitszustände. Dies gilt auch bei chronisch progredient verlaufenden Erkrankungen, wie dies vorliegend der Fall ist. Auch wenn eine künftige Verschlechterung des Zustandes zu erwarten ist, lässt sich hypothetisch nicht mit hinreichender Sicherheit feststellen, wann welche zu
sätzliche Einschränkung eintreten wird. Anders verfahren werden kann nur dann, wenn eine Verschlechterung im Beurteilungszeitpunkt klar und in ihrem Umfang abschätzbar feststeht. Wo die Beschwerdegegnerin allenfalls konkret absehbare Zustandsverschlechterungen nicht berücksichtigt hat, legte die Be
schwerdeführerin aber nicht näher dar. Aus den Akten lässt sich eine künftige Verschlechterung weder zeitlich noch hinsichtlich des Umfangs hinreichend er
kennen.
9.
Zusammenfassend setzt sich der anerkannte Assistenzbedarf wie folgt zusam
men: Bei Erlass der angefochtenen Verfügung (vgl.
Urk.
2) ermittelte die
Be
schwerdegegnerin
gemäss Art. 39c IVV und Art. 39e IVV anhand der für jeden Hilfebereich massgebenden Stufe (
Urk.
12/333/8-44) den anerkannten
Hilfebe
darf
(Urk. 12/333/46) und die massgebenden zeitlichen Höchstansätze pro Mo
nat (Urk. 12/333/45). Die zusammenfassende Berechnung enthält die Ermittlung des Assistenzbeitrags unter Berücksichtigung der verschiedenen
Vergütungsan
sätze
gemäss Art. 39f IVV und unter Berücksichtigung der Zeitabzüge gemäss Art. 42
sexies
Abs.
1 IVG (Urk. 12/333/47-48). Der so errechnete Assistenzbeitrag beläuft sich auf
Fr.
4‘738.40 pro Monat respektive auf Fr. 56‘860.30 pro Jahr (
Fr.
4‘738.40 x 12). Die Berechnung
der Beschwerdegegnerin
ist gestützt auf die vorstehenden Darlegungen nicht zu beanstanden. Ein effektiv höherer
Hilfebe
darf
und damit ein höherer Assistenzbeitrag sind nicht ausgewiesen. Die gegen den Entscheid der Beschwerdegegnerin erhobene Beschwerde erweist sich dem
gemäss als unbegründet und ist daher abzuweisen.
10.
10.1
Gemäss Art. 69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr.
1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
900
.-- als ange
messen. Ausgangsgemäss sind die Kosten
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen,
zufolge gewährter unentgeltlicher Prozessführung aber einstweilen auf die Ge
richtskasse zu nehmen
.
10.2
Nach Einsicht in die Honorarnote vom
2
7.
Januar 2014, mit welcher ein
Stunden
aufwand
von 20,4 Stunden à
Fr.
200.-- und eine Kostenpauschale von
Fr.
121.80, gesamthaft
Fr.
4‘506.60 (inkl.
MWSt
) geltend gemacht wurden, was der Sache angemessen ist,
ist Rechtsanwalt David Husmann, Zürich, für seine Bemühungen als unentgeltlicher Rechtsbeistand in vorliegendem Verfahren mit
Fr.
4‘506.60
aus
der Gerichtskasse zu entschädigen (Auslagen und Mehrwert
-
steuer inbegriffen).