Decision ID: 8c016a04-61bf-545a-b5f0-06cc0b4fbc82
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 03.11.2015 Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG. Art. 4bis Abs. 5 ELG/SG. Art. 12 VKB.Entschädigung des durch die Pflege und die Betreuung einer eine Ergänzungsleistung beziehenden Person verursachten Erwerbsausfalls eines Familienangehörigen als Krankheits- und Behinderungskosten (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. November 2015, EL 2014/28).Entscheid vom 3. November 2015BesetzungVizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin ; Gerichtsschreiber Tobias BoltGeschäftsnr.EL 2014/28ParteienA._,Beschwerdeführerin,vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christa Rempfler, Falkensteinstrasse 1, Postfach 112, 9006 St. Gallen,gegenSozialversicherungsanstalt des KantonsSt. Gallen, Ausgleichskasse, Brauerstrasse 54, Postfach,9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,GegenstandKrankheitskostenvergütung (EL zur IV)Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog seit Jahren Ergänzungsleistungen zu einer Rente und einer
Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung. Am 6. November 2012 liess sie die
Vergütung der Kosten für die Betreuung durch die Mutter bzw. den Ersatz des
Erwerbsausfalls der Mutter beantragen (act. G 6.1.2.37). Die EL-Durchführungsstelle
ersuchte die Versicherte am 27. November 2012 um weitere Auskünfte
(act. G 6.1.2.28). Diese liess am 14. Dezember 2012 mitteilen (act. G 6.1.2.27), ihre
Mutter sei bis Ende Januar 2008 in einem Pensum von 50 Prozent erwerbstätig
gewesen. Der Lohn habe im Jahr 2007 30’220.80 Franken betragen. Da sie ab Februar
2008 nicht mehr im Wohnheim habe fremdbetreut werden können, sei ihre Mutter
gezwungen gewesen, ihre Arbeitsstelle aufzugeben. Sie arbeite von Montag bis Freitag
jeweils von etwa 7.30 Uhr bis etwa 15.30 Uhr, dienstags jedoch nur bis etwa 13.15 Uhr,
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in einer Tagesstätte. Ihre Mutter müsse aber auch während dieser Zeiten stets auf
Abruf verfügbar sein, denn sie sei immer wieder krank, habe Absenzen und
epileptische Anfälle sowie aggressive „Ausraster“. Am 15. Februar 2013 stellte die EL-
Durchführungsstelle der Versicherten weitere Fragen (act. G 6.1.2.23). Diese liess am
18. März 2013 antworten (act. G 6.1.2.21), ihre Mutter habe im Jahr 2012 als
Tagesmutter 6’702 Franken verdient. Der Beschäftigungsgrad variiere. Momentan
arbeite die Mutter jeweils vom Sonntagabend um 19.00 Uhr bis zum Mittwochabend
um 17.15 Uhr sowie zweimal wöchentlich für 3,5 -5 Stunden pro Tag als Tagesmutter.
Die Versicherte gab weiter an, rückblickend könne die Frage, an welchen Tagen sie
sich im Jahr 2012 nicht in der Tagesstätte aufgehalten habe respektive
ausserplanmässig habe abgeholt werden müssen, nicht beantwortet werden, da ihre
Mutter kein Tagebuch geführt habe.
A.b Am 5. Juni 2013 beauftragte die EL-Durchführungsstelle das
Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen mit einer Abklärung bezüglich der
Anzahl der Stunden pro Tag, die für die Pflege und für die Betreuung der Versicherten
sowie – separat – für die Haushaltshilfe benötigt würden (act. G 6.1.2.11). Die EL-
Durchführungsstelle ersuchte des Weiteren um eine subjektive Einschätzung über eine
mögliche Erwerbstätigkeit der Mutter der Versicherten. Am 22. Juli 2013 ersuchte sie
die Tagesstätte, ihr mitzuteilen (act. G 6.1.2.4), wie ein gewöhnlicher Tag in der
Tagesstätte ablaufe, wie hoch der Betreuungsaufwand sei, wie oft die Mutter
notfallmässig gerufen werden müsse und wie sich die Versicherte verhalte. Der Leiter
der Tagesstätte antwortete am 29. Juli 2013 (act. G 1.1.3), die wöchentliche Arbeitszeit
betrage normalerweise 35 Stunden. Die Versicherte arbeite jedoch etwas weniger und
verlasse die Tagesstätte jeweils bereits um 15.00 Uhr. Der Betreuungsaufwand sei sehr
hoch, da die Versicherte zusätzlich zur geistigen Behinderung unter einer sehr geringen
Frustrationstoleranz leide. Diese führe immer wieder zu Konfliktsituationen bei der
täglichen Arbeit. Die Tagesstätte arbeite „sehr intensiv“ mit der Mutter der Versicherten
zusammen. Es finde ein regelmässiger Informationsaustausch statt. Für die Tagesstätte
sei eine jederzeitige Erreichbarkeit der Mutter wichtig. Dass die Mutter in der
Einrichtung intervenieren müsse, sei aber „eher selten“. Am 31. Juli 2013 berichtete die
Pflegefachfrau B._ im Auftrag des Gesundheitsdepartementes des Kantons
St. Gallen über die am 2. Juli 2013 durchgeführte Abklärung (act. G 6.1.3.14). Sie hielt
fest, die Versicherte sei äusserst reinlich, benötige bei der Körperpflege aber
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Unterstützung und Anleitung. Sie müsse regelmässig rasiert werden. Sie könne sich die
Nägel nicht selbst schneiden. Morgens, abends, am Wochenende und auch mittags
werde ihr das Essen von ihrer Mutter zubereitet, gerichtet und in mundgerechte Teile
zerlegt. Die Versicherte benutze kein Besteck. Ausserhalb der elterlichen Wohnung
benötige die Versicherte bei der Fortbewegung Unterstützung, da sie örtlich
desorientiert sei. Es bestehe eine dauernde latente Gefahr von epileptischen Anfällen;
diese Krankheit habe aber in den letzten Jahren mit Medikamenten gut eingestellt
werden können. Ein Elternteil müsse allerdings stets telefonisch erreichbar sein.
Momentan hänge alles an der Mutter, da der Vater einen schweren Herzinfarkt erlitten
habe und sich in einer Rehabilitation befinde. Ein- bis zweimal pro Monat werde die
Mutter von der Tagesstätte angerufen. Die Einsatzzeit für die Versicherte belaufe sich
total auf 70,4 Stunden pro Monat für Pflegeleistungen und auf 65,15 Stunden pro
Monat für Hauswirtschafts- und Betreuungsleistungen, wovon 28,5 Stunden pro Monat
auf die Betreuung entfielen. Die Mutter habe fünf bis sieben Pflegekinder
angenommen, um ihre Präsenzzeit sinnvoll nutzen zu können. Sie habe offensichtlich
gute pädagogische Fähigkeiten und könne auch „schwierigen“ Kindern eine „gute
Grundlage“ mitgeben. Die Entschädigung für die Pflegekinder sei gering (acht Franken
pro Stunde inklusive Essen) und könne keinesfalls ein Lohneinkommen kompensieren.
Eine auswärtige Arbeitsstelle sei in der momentanen Situation nicht vorstellbar. Mit
einer Verfügung vom 9. September 2013 wies die EL-Durchführungsstelle das Gesuch
der Versicherten ab (act. G 6.1.3.3). Zur Begründung führte sie aus, die Versicherte
befinde sich jeweils während sieben Stunden in einer Tagesstätte. Aus den
Rechnungen der Taxifahrten im Jahr 2011 gehe hervor, dass sie sich an 197 Tagen in
der Tagesstätte aufgehalten und somit keine erheblichen Abwesenheiten aufgewiesen
habe. Laut dem Bericht des Gesundheitsdepartementes fänden monatlich lediglich ein
bis zwei Telefonate zwischen der Tagesstätte und der Mutter der Versicherten statt. Die
Tagesstätte habe berichtet, dass Interventionen der Mutter eher selten notwendig
seien. Da die Mutter der Versicherte ihren eigenen Angaben zufolge fünf bis sieben
Pflegekinder betreue, sei es nicht plausibel, dass sie für allfällige Interventionen das
Haus verlassen könne. Gesamthaft seien keine Umstände ersichtlich, die darauf
hindeuten würden, dass die Mutter der Versicherten wegen ihrer Tochter nicht im
Umfang von 80 Prozent einer Erwerbstätigkeit nachgehen und damit ein Einkommen
von 30’220.80 Franken erzielen könnte.
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A.c Am 8. Oktober 2013 liess die Versicherte eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 9. September 2013 erheben (act. G 6.1.4.22). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache der gesetzlichen
Leistungen. Zur Begründung führte sie aus (act. G 6.1.4.18), die Mutter der
Versicherten beziehe seit dem 1. August 2005 eine Invalidenrente der Suva von 15
Prozent und seit dem 1. Dezember 2002 eine halbe Rente der Invalidenversicherung.
Schon aus diesem Grund sei es der Mutter der Versicherten sicherlich nicht möglich,
zu 80 Prozent erwerbstätig zu sein. Der Abklärungsbericht des
Gesundheitsdepartementes belege, dass die notwendige Pflege und Betreuung der
Versicherten die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit verunmögliche. Wenn sich die
Versicherte jeweils in der Tagesstätte aufhalte, müsse die Mutter ständig telefonisch
erreichbar sein, um diese nötigenfalls am Telefon beruhigen zu können. Dieses
Erfordernis der ständigen Erreichbarkeit schliesse die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
aus. Zudem komme es immer wieder zu Anfällen und Krankheitstagen, was jeweils eine
entsprechende ausserplanmässige Anwesenheit der Versicherten zuhause zur Folge
habe. Mit einem Entscheid vom 15. Mai 2014 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (act. G 6.1.4.3). Zur Begründung führte sie aus, die Versicherte halte
sich montags bis freitags während jeweils sieben Stunden pro Tag in einer Tagesstätte
auf. In dieser Zeit könne ihre Mutter einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Mutter
müsse lediglich selten telefonisch intervenieren. Folglich stehe der Pflege- und
Betreuungsaufwand für die Versicherte einer Erwerbstätigkeit in einem Pensum von 50
Prozent nicht entgegen.
B.
B.a Die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) liess am 23. Juni 2014
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 15. Mai 2014 erheben
(act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheides
und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen. Zur Begründung führte sie an, aus
dem Gutachten des Gesundheitsdepartementes gehe klar hervor, dass eine auswärtige
Arbeitsstelle in der momentanen Situation nicht vorstellbar sei. Es gehe nicht an, dass
die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) dieses Gutachten
einfach ignoriere. Aus den Taxifahrten im Jahr 2011 könne nichts abgeleitet werden, da
die Beschwerdeführerin jeweils auch bei Komplikationen nach Hause gefahren werde.
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Zudem seien nur Taxifahrten für 197 Tage belegt. Das Jahr habe aber 365 Tage.
Interventionen der Mutter seien nicht nur eher selten nötig, was die zuständige
Betreuerin in der Tagesstätte bestätigen könne. Unverständlicherweise habe die
Beschwerdegegnerin aber nicht diese, sondern den ehemaligen Leiter der Einrichtung
befragt. Am 26. August 2014 liess die Beschwerdeführerin ergänzend ausführen
(act. G 4), die Beschwerdegegnerin habe ihren Anspruch auf rechtliches Gehör massiv
verletzt, indem sie das Gutachten des Gesundheitsdepartementes ohne Begründung
ignoriert habe. Sollte das Gutachten wider Erwarten nicht beweiskräftig sein, müsse ein
weiteres Gutachten eingeholt werden. Die Notfallinterventionen folgten naturgemäss
nicht einem regelmässigen Rhythmus, weshalb die Mutter der Beschwerdeführerin
dadurch in ihrer Planung eingeschränkt sei. Sie müsse flexibel zur Verfügung stehen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 2. September 2014 unter Hinweis auf
die Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6).

Erwägungen
1. Bezüger von Ergänzungsleistungen haben gemäss dem Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG
einen Anspruch auf eine Vergütung der Kosten für die Hilfe, die Pflege und die
Betreuung zuhause und in Tagesstrukturen. Gemäss dem Art. 4 Abs. 5 ELG/SG
(sGS 351.5) i.V.m. dem Art. 12 Abs. 1 VKB (sGS 351.53) werden die Kosten für die
Pflege und die Betreuung, die durch Familienangehörige erbracht wird, aber nur
vergütet, wenn die betreffenden Familienangehörigen nicht in der EL-Berechnung
eingeschlossen sind und wenn sie durch die Pflege und die Betreuung eine länger
dauernde, wesentliche Erwerbseinbusse erleiden. Der Umfang der Pflege und der
Betreuung wird durch eine vom Gesundheitsdepartement bezeichnete Stelle festgelegt
(Art. 12 Abs. 2 VKB). Pro Stunde werden 25 Franken vergütet; die Kosten werden im
ausgewiesenen Umfang, höchstens aber in der Höhe des Erwerbsausfalls
berücksichtigt (Art. 12 Abs. 3 VKB). Bei der Berechnung der Überentschädigung wird
die Hilflosenentschädigung bei einer schweren Hilflosigkeit zu zwei Dritteln und bei
einer mittleren Hilflosigkeit zur Hälfte angerechnet (Art. 12 Abs. 4 VKB).
2.
bis
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2.1 Zwischen den Parteien ist umstritten, ob und gegebenenfalls in welchem
Umfang die Mutter der Beschwerdeführerin einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit
nachgehen könnte, während sich ihre Tochter in der Tagesstätte aufhält. Die
Beschwerdegegnerin erachtet die Ausübung einer Erwerbstätigkeit als möglich und
zumutbar. Die Beschwerdeführerin lässt dagegen vorbringen, dass sie während dieser
Zeiten erreichbar sein müsse, was die Ausübung einer ausserhäuslichen
Erwerbstätigkeit verunmögliche. Laut dem Bericht vom 31. Juli 2013, den B._ im
Auftrag des Gesundheitsdepartementes erstellt hat, besteht zwar eine dauernde latente
Gefahr von epileptischen Anfällen. Ein Elternteil muss unter anderem aus diesem Grund
stets telefonisch erreichbar sein. Dies spricht nicht gegen eine Erwerbstätigkeit. Eine
telefonische Erreichbarkeit ist heute nämlich praktisch überall gewährleistet. Zu
telefonischen Notfällen aufgrund der Epilepsie ist es in den letzten Jahren aber nur
selten gekommen, da die Anfallshäufigkeit gut hat kontrolliert werden können. Hinzu
gekommen sind gemäss dem Bericht allerdings Anrufe der Tagesstätte bei Problemen.
Die entsprechenden Interventionen der Mutter haben sich aber in aller Regel auf
Telefongespräche beschränkt, wie sich auch dem Bericht der Tagesstätte vom 29. Juli
2013 entnehmen lässt. Dazu ist es zudem bloss „eher selten“, nämlich bloss ein-,
zweimal pro Monat gekommen. Die Beschwerdeführerin hat diese Feststellung zwar
bestritten, aber nichts vorbringen können, das ernsthafte Zweifel daran wecken würde.
Weshalb B._ diesbezüglich die Angaben der Mutter der Beschwerdeführerin falsch
wiedergegeben haben sollte, ist nicht ersichtlich. Zudem stimmt sie mit den
Ausführungen des ehemaligen Heimleiters in dessen Bericht vom 29. Juli 2013 überein,
der festgehalten hatte, die Interventionen seien „eher selten“ notwendig. Der Heimleiter
dürfte sich beim Verfassen seines Berichtes im Übrigen mit den zuständigen
Betreuungspersonen abgesprochen haben, denn andernfalls hätte er seine Angaben ja
grösstenteils erfinden müssen. Der Umstand, dass die Mutter der Beschwerdeführerin
telefonisch erreichbar sein muss, steht einer Erwerbstätigkeit nicht entgegen, denn eine
jederzeitige telefonische Erreichbarkeit stellt heute den Normal- und nicht mehr einen
Ausnahmezustand dar. Jede Arbeit, die nicht zwingend ununterbrochen verrichtet
werden muss, kann problemlos für ein kürzeres Telefonat unterbrochen werden. Für ein
längeres Telefonat können sich Angestellte heute in der Regel „ausstempeln“. Da
telefonische Interventionen der Mutter nur eher selten erforderlich sind, ist sie dafür
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nicht auf ein besonderes Verständnis seitens eines potentiellen Arbeitgebers
angewiesen.
2.2 Die für das Jahr 2011 abgerechneten Taxifahrten belegen allerdings bloss 197
Aufenthalte in der Tagesstätte, was knapp 40 Wochen à fünf Arbeitstagen entspricht.
Abgesehen von den Wochenenden hat sich die Beschwerdeführerin im Jahr 2011 also
während insgesamt zwölf Wochen nicht in der Tagesstätte aufgehalten. Den Grund
dafür haben wohl nicht ausschliesslich Ferien und Feiertage gebildet, denn üblich
dürften auch für Arbeiten in einer Tagesstätte vier bis fünf Wochen Ferien pro Jahr sein.
Den Akten lässt sich allerdings der Grund für diese Absenzen nicht entnehmen. Sollte
ein erheblicher Anteil davon auf – unerwartete – gesundheitsbedingte Gründe
zurückzuführen sein, könnte dies einen möglichen Grund darstellen, der eine
Erwerbstätigkeit der Mutter erschweren könnte. Diesfalls müsste sie nämlich einen
Arbeitgeber finden, der bereit wäre, ihr jeweils spontan unbezahlten Urlaub zur Pflege
und Betreuung ihrer Tochter zu gewähren. Sollte dagegen nur ein geringer Anteil der
Absenzen auf unerwartete gesundheitsbedingte Gründe zurückzuführen sein, spräche
dies nicht gegen die Möglichkeit und Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit der Mutter.
Die vereinbarten Absenzen dürften sich nämlich relativ problemlos in Absprache mit
der Tagesstätte reduzieren lassen. Zudem können die Eltern der Beschwerdeführerin
zusammen, das heisst wenn sie nicht gemeinsam Ferien beziehen, jährlich mindestens
elf Wochen abdecken, denn die Mutter hat das 50. Altersjahr und der Vater das
60. Altersjahr bereits vollendet. Schliesslich lässt sich den Akten auch nicht
entnehmen, ob das Jahr 2011 hinsichtlich der Absenzen aussagekräftig gewesen ist,
das heisst ob auch in den andern Jahren ähnlich viele Absenzen aufgetreten sind.
2.3 Hinsichtlich der Absenzen erweist sich der Sachverhalt als ungenügend
abgeklärt. Die Beschwerdegegnerin wird diesbezüglich weitere Abklärungen zu tätigen
haben. Sie wird namentlich untersuchen müssen, wie viele Absenzen mit der
Tagesstätte vereinbart worden sind („Ferien“), wie oft die Beschwerdeführerin im
massgebenden Zeitraum vom Februar 2008 bis zum September 2013 effektiv
abwesend gewesen ist, was der Grund für die Absenzen gewesen ist und ob diese
Absenzen mehrheitlich unerwartet aufgetreten sind.
3.
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3.1 Die Mutter der Beschwerdeführerin ist gemäss einem medizinischen Gutachten
vom Oktober 2006 (act. G 6.3.1.69) nur zu 60 Prozent arbeitsfähig. Selbstverständlich
kann von der Mutter der Beschwerdeführerin nicht erwartet werden, dass sie sich
täglich während einer längeren Zeit um die Beschwerdeführerin kümmert und daneben
noch zu 60 Prozent einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgeht, denn mit einem
Pensum von 60 Prozent hat sie die Grenze ihrer medizinisch zumutbaren
Leistungsfähigkeit erreicht, womit kein Raum mehr für Pflege- und
Betreuungsleistungen zuhause verbleibt. Entscheidend ist also, wie hoch der Pflege-
und Betreuungsaufwand für die Beschwerdeführerin ist. Daraus kann abgeleitet
werden, wie viel der verbliebenen Leistungsfähigkeit der Mutter dafür aufgewendet
werden muss und wie viel noch für eine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit übrig bleibt.
Gemäss dem Bericht von B._ beläuft sich die Einsatzzeit für Pflegeleistungen auf
70,4 Stunden pro Monat und jene für die Betreuung auf 28,5 Stunden pro Monat. Total
fällt also ein monatlicher Aufwand von 98,9 Stunden pro Monat beziehungsweise von
22,8 Stunden pro Woche (= 98,9 × 12 ÷ 52) für die Pflege und die Betreuung der
Beschwerdeführerin an. Dies entspricht bei einer üblichen Arbeitszeit von 42 Stunden
für ein Vollpensum einem Teilpensum von 54 Prozent. Hinzu kommt ein Anteil der
gestiegenen Hauswirtschaftsleistungen, denn der Wiedereinzug der
Beschwerdeführerin dürfte auch mit einem erheblichen Mehraufwand hinsichtlich der
Hausarbeiten verbunden gewesen sein. Der Bericht von B._ äussert sich nicht zu
diesem Mehraufwand hinsichtlich der Hausarbeiten. Somit kann die Frage, wie viele
Stunden pro Woche die Mutter für die Pflege und die Betreuung der
Beschwerdeführerin aufwenden muss, nicht abschliessend beantwortet werden. Da
B._ ihren Bericht in einem Zeitpunkt erstellt hat, in dem sich der Vater der
Beschwerdeführerin aufgrund eines Herzinfarktes in einer Rehabilitation befunden hat,
lässt sich dem Bericht auch nicht entnehmen, ob und allenfalls in welchem Umfang
dem Vater der Beschwerdeführerin zugemutet werden kann, bei der Pflege und der
Betreuung mitzuhelfen und die Mutter entsprechend zu entlasten. Der Bericht ist mit
anderen Worten in einem nicht aussagekräftigen Zeitpunkt erstellt worden, denn
damals haben – vorübergehend – aussergewöhnliche Umstände geherrscht, weil der
Vater der Beschwerdeführerin gar nicht zu Hause gewesen ist. Insofern ist der Bericht
als nicht beweiskräftig zu qualifizieren. Der Sachverhalt erweist sich folglich als
ungenügend abgeklärt, weshalb der angefochtene Einspracheentscheid als
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rechtswidrig aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur
Vervollständigung der Sachverhaltsermittlung zurückzuweisen ist. Diese wird mittels
eines weiteren Abklärungsberichtes in Erfahrung zu bringen haben, wie hoch der
Mehraufwand der Haushaltsarbeiten ist und wie viele Stunden pro Woche der Vater bei
der Pflege und der Betreuung der Beschwerdeführerin zumutbarerweise mithelfen
kann. Gestützt auf diese Angaben sowie unter Berücksichtigung des
Gesamtzeitaufwandes für die Pflege und die Betreuung der Beschwerdeführerin wird
die Beschwerdegegnerin errechnen können, wie viele Stunden pro Woche die Mutter
für die Pflege und für die Betreuung (inklusive der Haushaltsmehrarbeit) der
Beschwerdeführerin aufwenden muss und wie viel von ihrer Arbeitsfähigkeit übrig
bleibt, die sie daneben für eine Erwerbstätigkeit einsetzen könnte.
3.2 Angesichts der gesundheitsbedingt eingeschränkten Leistungsfähigkeit der
Mutter entspricht die Anzahl der so ermittelten Stunden für die Pflege und die
Betreuung der Beschwerdeführerin ihrer Erwerbseinbusse, denn der Mutter kann
insgesamt kein Pensum von mehr als 60 Prozent (nebst dem „gewöhnlichen“ Haushalt)
zugemutet werden. Pro Stunde besteht ein Anspruch auf 25 Franken (Art. 12 Abs. 3
VKB); von der Vergütung ist der gemäss dem Art. 12 Abs. 4 VKB vorgesehene Anteil
der Hilflosenentschädigung in Abzug zu bringen. Damit ist der „Normalfall“ des
Aufenthaltes der Beschwerdeführerin in der Tagesstätte abgedeckt. Die weiteren
Abklärungen der Beschwerdegegnerin zu den Absenzen werden ergeben, ob ein
zusätzlicher Anspruch für die Zeiten, in denen sich die Beschwerdeführerin ungeplant
zu Hause aufhält, besteht.
4. Der angefochtene Einspracheentscheid ist folglich mangels einer vollständigen
Sachverhaltsabklärung und damit infolge einer Verletzung der Untersuchungspflicht als
rechtswidrig aufzuheben. Die Sache ist zur Durchführung der weiteren Abklärung und
zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Da die Rückweisung einer
Sache zur weiteren Abklärung rechtsprechungsgemäss hinsichtlich der
Entschädigungsfolgen als vollständiges Obsiegen der Beschwerde führenden Partei
gilt, hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung
auszurichten. Angesichts des durchschnittlichen Vertretungsaufwandes ist diese
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Entschädigung praxisgemäss auf 3’000 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen.