Decision ID: 6f393899-355c-4027-85cc-04215e3f4e4a
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Prozessgeschichte:
A. Die Bundesanwaltschaft verurteilte mit Strafbefehl vom 5. Februar 2016 A. (nach-
folgend: Beschuldigter) wegen der Verletzung des Geschäftsgeheimnisses ge-
mäss Art. 162 Abs. 1 StGB zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen
zu je Fr. 500.--, mit einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von
Fr. 3‘000.--. Der Beschuldigte erhob Einsprache gegen den Strafbefehl.
B. Die Bundesanwaltschaft hielt am Strafbefehl fest (Art. 355 Abs. 3 lit. a StPO) und
überwies diesen am 3. März 2016 der Strafkammer des Bundesstrafgerichts als
Anklageschrift zwecks Durchführung eines Hauptverfahrens (Art. 356 Abs. 1
StPO).
C. Das Hauptverfahren wurde unter der Geschäftsnummer SK.2016.14 geführt. Am
28. April 2017 fand die Hauptverhandlung am Sitz des Bundesstrafgerichts statt.
Mit Urteil SK.2016.14 vom 16. Mai 2017 (nachfolgend: Urteil TPF vom 16. Mai
2017) sprach die Strafkammer des Bundesstrafgerichts den Beschuldigten der
Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses gemäss Art. 162
Abs. 1 StGB in Bezug auf drei technische Zeichnungen der B. AG (Nr. 10-00-600
[Absenkeinheit Revolvermagazin]); (Nr. 10-00-819 [Untergestell Revolvermaga-
zin]); (Nr. 10-01-252 [Hubsäule 4000N Stativ]) schuldig und verurteilte ihn zu ei-
ner bedingten Geldstrafe von 14 Tagessätzen à Fr. 300.--, unter Ansetzung einer
Probezeit von 2 Jahren. Im Übrigen wurde der Beschuldigte freigesprochen. Von
den Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 21‘344.-- wurden ihm Fr. 18‘144.--
auferlegt und er wurde verpflichtet der Privatklägerschaft eine Entschädigung in
der Höhe von Fr. 22‘324.-- zu bezahlen. Dem Beschuldigten wurde eine Entschä-
digung gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO von Fr. 5‘450.-- zugesprochen, wobei
weitergehende Entschädigungsforderungen abgewiesen wurden (zum Ganzen
siehe Akten TPF SK.2016.14 pag. 5.100.1 ff.).
D. Gegen das Urteil TPF vom 16. Mai 2017 erhob der Beschuldigte Beschwerde
beim Bundesgericht. Mit Urteil 6B_1403/2017 vom 8. August 2018 (nachfolgend:
Rückweisungsurteil) hiess dieses die Beschwerde des Beschuldigten gut, hob
das Urteil TPF vom 16. Mai 2017 auf und wies die Sache zur neuen Entscheidung
an die Vorinstanz zurück (TPF SK.2018.48 [nachfolgend: TPF] pag. 6.100.1 ff.).
E. Nach Eingang des Rückweisungsurteils des Bundesgerichts eröffnete die Straf-
kammer das Verfahren unter der Geschäftsnummer SK.2018.48. Die Bundesan-
waltschaft verzichtete auf entsprechende Anfragen sowohl auf das Einreichen
einer geänderten Anklageschrift als auch auf das Stellen von Beweisanträgen
(TPF pag. 6.510.1 f.). Ebenfalls verzichtete die Privatklägerschaft auf das Stellen
- 6 -
von Beweisanträgen. Mit Verfügung vom 4. April 2019 hiess das Gericht den Be-
weisantrag des Beschuldigten auf Einvernahme von N. gut und holte im Rahmen
der Prozessvorbereitung aktuelle Datenberichte des Beschuldigten ein.
F. Am 17. Juni 2019 fand eine weitere Hauptverhandlung in Anwesenheit der Par-
teien vor der Einzelrichterin der Strafkammer des Bundesstrafgerichts am Sitz
des Gerichts statt.
G. Das Urteil (Dispositiv) vom 19. Juni 2019 wurde mit Zustimmung der Parteien
schriftlich eröffnet.
H. Mit Schreiben vom 3. Juli 2019 meldete der Beschuldigte Berufung an und ver-
langte die Ausfertigung der schriftlichen Begründung des Urteils.

Die Einzelrichterin erwägt:
1. Prozessuales
1.1 Verfahren nach Rückweisung durch das Bundesgericht
1.1.1 Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde gut und weist es die Angelegenheit
zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurück, darf sich diese nur noch mit je-
nen Punkten befassen, die das Bundesgericht kassiert hat. Die anderen Teile
des Urteils haben Bestand und sind in das neue Urteil zu übernehmen. Irrelevant
ist, dass das Bundesgericht mit seinem Rückweisungsentscheid formell in der
Regel das ganze angefochtene Urteil aufhebt. Entscheidend ist nicht das Dispo-
sitiv, sondern die materielle Tragweite des bundesgerichtlichen Entscheids. Die
neue Entscheidung ist dementsprechend auf diejenige Thematik beschränkt, die
sich aus den bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegenstand der neuen Beur-
teilung ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu in Gang gesetzt, als dies not-
wendig ist, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichts Rechnung zu
tragen (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesstrafgerichts
SK.2018.28 vom 18. Dezember 2018 E. 2).
1.1.2 Das Bundesgericht hat im Rückweisungsurteil die Beschwerde gutgeheissen,
das Urteil TPF vom 16. Mai 2017 formell aufgehoben und die Sache zur neuen
Entscheidung an das Bundesstrafgericht zurückgewiesen. Inhaltlich betrifft die
Aufhebung den Schuldspruch gemäss Dispositivziffer 1 des Urteils TPF vom
16. Mai 2017 wegen vollendeter Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsge-
heimnisses in Bezug auf die dort genannten drei technischen Zeichnungen, den
- 7 -
diesbezüglichen Vorsatz (bzw. die fehlende Prüfung der versuchten Tat) sowie
die Kosten- und Entschädigungsfolgen.
1.1.3 Aufgrund des Gesagten ist vorliegend einzig in Bezug auf die vollendete oder
versuchte Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses im Zusam-
menhang mit drei technischen Zeichnungen der Privatklägerin mit den Nummern
10-00-600, 10-00-819 und 10-01.252 (Urteil TPF vom 16. Mai 2017 Dispositivzif-
fer 1) bzw. deren Bestrafung (Urteil TPF vom 16. Mai 2017 Dispositivziffer 3)
sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen (Urteil TPF vom 16. Mai 2017 Dis-
positivziffern 4-6) eine neue Entscheidung zu fällen. Über die materiell durch das
Bundesgericht nicht aufgehobenen Punkte ist nicht neu zu befinden. Das Urteil
TPF vom 16. Mai 2017 ist zwar neu zu eröffnen, jene Entscheide, die vom Rück-
weisungsurteil nicht betroffen sind, sind jedoch unverändert in das vorliegende
Urteil zu übernehmen (vgl. Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2018.37 vom
10. Oktober 2018 E. 1.1.3; SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen
Strafprozessrechts, 3. Aufl., 2017, N. 1713). Das betrifft vorliegend jene Ent-
scheide, die aus den Dispositivziffern 2 (Freispruch im Übrigen) und 7 (Heraus-
gabe der Asservate) des Urteils vom 16. Mai 2017 hervorgehen; insofern ist in
Bezug auf die Begründung der nicht aufgehobenen Entscheidpunkte des Urteils
TPF vom 16. Mai 2017 auf die dortigen Erwägungen zu verweisen.
1.2 Durchführung einer weiteren Hauptverhandlung
1.2.1 Nimmt das Bundesstrafgericht einen Fall nach Rückweisung durch das Bundes-
gericht wieder auf, so wird eine weitere Hauptverhandlung nur durchgeführt,
wenn dies zur Vervollständigung des Sachverhalts (Urteil des Bundesstrafgericht
SK.2005.5 vom 19. Oktober 2005 E. 1.3) oder zur Wahrung des rechtlichen Ge-
hörs der Parteien (TPF 2007 60 E. 1.4) nötig erscheint (Urteil des Bundesstraf-
gerichts SK.201916 vom 14. Juni 2019 E. 1.2.1). Gemäss Urteil des Bundesge-
richts 6B_76/2013 vom 29. August 2013 hat (in Verfahren, welche der kantonalen
Gerichtsbarkeit unterstehen) das Berufungsgericht nach einer Rückweisung
durch das Bundesgericht die Frage, ob ein schriftliches oder mündliches Verfah-
ren durchzuführen sei, in Berücksichtigung des durch das Bundesgericht defi-
nierten Rahmens der Rückweisung zu lösen. So kann das Verfahren schriftlich
sein, wenn die Rückweisung lediglich Rechtsfragen betrifft (a.a.O. E. 1.1). Nimmt
das Berufungsgericht aber eine neue Beweiswürdigung vor, behandelt es Sach-
fragen, was es nicht im schriftlichen Berufungsverfahren nach Art. 406 Abs. 1
StPO tun darf (a.a.O. E. 1.3).
1.2.2 Auf Grund des bis zum 1. Januar 2019 fehlenden Berufungsverfahrens in Bun-
desstrafsachen gelten die betreffenden Grundsätze analog für das Rückwei-
http://links.weblaw.ch/TPF_2007_60
- 8 -
sungsverfahren an die Strafkammer des Bundesstrafgerichts (vgl. Urteil des Bun-
desstrafgerichts SK.2018.37 vom 10. Oktober 2018 E. 1.2). In Anlehnung an die
genannte Rechtsprechung sowie in Berücksichtigung des Umstands, dass vor-
liegend auch Sachfragen zur Diskussion stehen, war es zur Vervollständigung
der Sachverhaltsdarstellung und zur Wahrung des rechtlichen Gehörs ange-
bracht, eine weitere Hauptverhandlung durchzuführen.
1.3 Zuständigkeit
Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Diese wurde mit Urteil
TPF vom 16. Mai 2017 bejaht. Diesbezüglich erfolgte keine Aufhebung durch das
Bundesgericht. Die Zuständigkeit des Bundesstrafgerichts ist für den angeklag-
ten Straftatbestand gegeben. Zur Begründung wird auf das Urteil TPF vom
16. Mai 2017 E. 1.1 verwiesen.
1.4 Anklageprinzip
Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 und 3
lit. a und b EMRK abgeleiteten und nunmehr in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschrie-
benen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Ge-
richtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklageschrift hat die der beschul-
digten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu um-
schreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend
konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Vertei-
digungsrechte der beschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf recht-
liches Gehör (Informationsfunktion; BGE 141 IV 132 E. 3.4.1 S. 142 f.; 140 IV
188 E. 1.3 S. 190; je mit Hinweisen). Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeich-
net die Anklageschrift möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person
vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der
Tatausführung.
1.5 Antragsdelikte
Ist eine Tat nur auf Antrag strafbar, so kann jede Person, die durch sie verletzt
worden ist, die Bestrafung des Täters verlangen (Art. 30 Abs. 1 StGB). Das An-
tragsrecht erlischt nach drei Monaten. Die Frist beginnt mit dem Tag, an welchem
der antragsberechtigten Person der Täter bekannt wird (Art. 31 StGB).
- 9 -
1.6 Strafbefehl/Einsprache
Überweist die Staatsanwaltschaft dem Gericht einen Strafbefehl zur Durchfüh-
rung des Hauptverfahrens, gilt der Strafbefehl als Anklageschrift (Art. 356 Abs. 1
StPO). In diesem Sinne wird der Strafbefehl der Bundesanwaltschaft vom 5. Feb-
ruar 2016 in der Folge auch als Anklage bezeichnet. Der Strafbefehl wurde am
9. Februar 2016 versandt und dem Beschuldigten am 10. Februar 2016 zugestellt
(pag. 3.1.5.1). Die zehntägige Einsprachefrist endete am 20. Februar 2016.
Die am 19. Februar 2016, eingegangen am 20. Februar 2016, erhobene Einspra-
che erfolgte demnach fristgerecht (Art. 354 Abs. 1 und 2 StPO; TPF SK.2016.14
pag. 5.1.8).
2. Zum Straftatbestand der Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsge-
heimnisses i.S.v. Art. 162 Abs. 1 StGB
Gemäss Art. 162 Abs. 1 StGB wird bestraft, wer ein Fabrikations- oder Ge-
schäftsgeheimnis verrät, das er infolge einer gesetzlichen oder vertraglichen
Pflicht bewahren sollte.
2.1 Täterschaft
Bei dieser Tatvariante handelt es sich um ein Sonderdelikt, d.h. Täter kann nur
sein, wer gegenüber dem Geheimnisherrn einer Geheimhaltungspflicht, sei es
aus besonderer vertraglicher Vereinbarung oder aus Art. 321a Abs. 4 OR, unter-
liegt (vgl. NIGGLI/HAGENSTEIN, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 162 StGB
N. 6 f., 21 ff. mit Hinweisen).
2.2 Verrat
2.2.1 Als Verrat gemäss Abs. 1 der Strafbestimmung gilt die pflichtwidrige Offenbarung
von (Fabrikations- oder Geschäfts-) Geheimnissen gegenüber Personen, die von
der Kenntnis ausgeschlossen bleiben sollen. Er kann durch mündliche oder
schriftliche Mitteilung oder ähnliche Handlungen erfolgen (NIGGLI/HAGENSTEIN,
a.a.O., Art. 162 N. 25).
2.2.2 Umstritten ist, ob die Tat erst mit der Kenntnisnahme durch den Geheimnisemp-
fänger (so Urteil des Obergerichts Zürich vom 3. Oktober 1967, ZR 1969 Nr. 38,
S. 96 und diesem zustimmend NIGGLI/HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 162 N. 36; DO-
NATSCH, in: ders. [Hrsg.], Kommentar, StGB, 20. Aufl. 2018, Art. 162 N. 5) oder
bereits mit der Übergabe oder der Einräumung der Möglichkeit der Kenntnis-
nahme des Geheimnisses an Dritte vollendet wird (so DONATSCH, Strafrecht III,
- 10 -
Delikte gegen den Einzelnen, 11. Aufl. 2018, S. 351; WENIGER, La protection des
secrets économiques et du savoir-faire [Know-how], Diss. Lausanne, Genf 1994,
S. 256; BINDSCHEDLER, Der strafrechtliche Schutz wirtschaftlicher Geheimnisse,
Diss. Bern, Bern 1981, S. 72 i.V.m. S. 57 f.). Das Bundesgericht hat im Rückwei-
sungsurteil festgehalten, dass jener Lehre zu folgen ist, wonach die Tat erst voll-
endet ist, sobald ein Aussenstehender dank dem Verhalten des Täters Kenntnis
vom betreffenden Geheimnis erhält. Wenn der Täter Informationen für einen Drit-
ten zugänglich gemacht hat, dieser aber vom Geheimnis noch keine Kenntnis
genommen hat, wäre ein strafbarer Versuch anzunehmen (s. Rückweisungsurteil
E. 1.2.2).
2.3 Geheimniseigenschaft
2.3.1 Geschützt werden lediglich Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisse. Fabrikati-
ons- und Geschäftsgeheimnissen unterscheiden sich nicht immer deutlich (siehe
auch NIGGLI/HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 162 N. 17 mit Hinweisen). Generell bezie-
hen sich Fabrikationsgeheimnisse auf technische Belange wie Art und Weise ei-
nes Verfahrens bzw. das Herstellungsverfahrens eines Produktes. Geschäftsge-
heimnisse betreffen demgegenüber den Bereich des Vertriebs und die Vermö-
genslage des Unternehmens, wie z.B. Kundenlisten, Bilanzen, Lohnlisten, Preis-
kalkulationen, Einkaufs- und Bezugsquellen (NIGGLI/HAGENSTEIN, a.a.O.,
Art. 162 N. 17 ff. mit Hinweisen). Auch Vorbereitungen für strategische Ausrich-
tungen wie Fusionen und Übernahmen sind typischerweise Geschäftsgeheim-
nisse (BGE 109 Ib 56 mit Hinweisen).
2.3.2 Geheim ist eine Tatsache, wenn sie weder allgemein bekannt noch allgemein
zugänglich ist, von der demnach ausser dem Geheimnisherrn nur ein beschränk-
ter Personenkreis weiss (relative Unbekanntheit). Darüber hinaus muss der Ge-
heimnisherr an deren Geheimhaltung ein berechtigtes Interesse (Geheimhal-
tungsinteresse) sowie den Willen haben, die Tatsache tatsächlich geheim zu hal-
ten (Geheimhaltungswille) (BGE 118 Ib 547 E. 5a; 109 Ib 47 E. 5c; 80 IV 22 E. 2a;
Urteil des Bundesgerichts 6B_496/2007 vom 9. April 2008 E. 5.1; TRECH-
SEL/JEAN-RICHARD, in: Trechsel/Pieth, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxis-
kommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 162 N. 2).
2.3.3 Die Preisgabe der Information muss einen (negativen) Einfluss auf das Ge-
schäftsergebnis bzw. den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens haben kön-
nen. Die geheim zu haltende Tatsache muss für den Geheimnisherrn von wirt-
schaftlichem Wert und ihr Bekanntwerden geeignet sein, den Wettbewerb der
Konkurrenz zu steigern oder sonst den eigenen Betrieb zu schädigen (BGE 118
Ib 547 E. 5; 109 Ib 47 E. 5c; Urteil des Bundesgerichts 6B_496/2007 vom 9. April
- 11 -
2008, E. 5.1; NIGGLI/HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 162 N. 9; TRECHSEL/JEAN-RICHARD,
a.a.O., Art. 162 N. 6, je mit Hinweisen).
2.3.4 Der objektive Tatbestand von Art. 162 StGB setzt weiter voraus, dass es sich bei
den preisgegebenen Informationen um Tatsachen handelt, wobei nur die Ver-
traulichkeit wahrer Tatsachen geschützt ist (TRECHSEL/JEAN-RICHARD, a.a.O.,
Art. 162 N. 3). Geschützt ist nicht die Tatsache an sich, sondern das Wissen um
sie, welches das Geheimnis bildet (NIGGLI/HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 162 N. 11 mit
Hinweisen).
2.4 Die Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses wird auf Antrag
bestraft (Art. 162 Abs. 3 StGB, dazu oben E. 1.5) und ist ein Vorsatzdelikt, die
fahrlässige Begehung ist nicht strafbar.
2.5 Exkurs: Vorsatz und Fahrlässigkeit
2.5.1 Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und
Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für
möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Der Vorsatz erfordert auf
der Wissensseite ein aktuelles Wissen um die Tatumstände. Er bezieht sich je-
doch nicht nur auf Tatumstände, deren Vorhandensein oder Eintreten der Täter
für sicher hält. Er kann sich auch auf solche erstrecken, deren Vorhandensein er
zumindest für ernsthaft möglich hält (NIGGLI/MAEDER, Basler Kommentar, 4. Aufl.
2019, Art. 12 StGB N. 26 m.w.H.). Es wäre überspannt, sichere und vollständige
Kenntnisse aller Tatbestandsmerkmale zu verlangen (a.a.O., Art. 12 StGB N. 23).
Eventualvorsatz ist nach ständiger Rechtsprechung somit gegeben, wenn der
Täter mit der Tatbestandsverwirklichung rechnet, aber dennoch handelt, weil er
den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt und sich mit ihm abfindet,
mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweis). Die
Tatumstände müssen dem Täter im Zeitpunkt der Tatausführung tatsächlich be-
wusst sein; erforderlich ist mithin ein aktuelles Wissen (NIGGLI/MAEDER, a.a.O.,
Art. 12 StGB N. 25).
2.5.2 Fahrlässig begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Folgen seines Verhal-
tens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rück-
sicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht
nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen
Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB).
2.5.3 Im Einzelfall kann die Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und bewusster
Fahrlässigkeit schwierig sein. Sowohl der eventualvorsätzlich als auch der be-
wusst fahrlässig handelnde Täter weiss um die Möglichkeit des Erfolgseintritts
bzw. um das Risiko der Tatbestandsverwirklichung. Hinsichtlich der Wissensseite
- 12 -
stimmen beide Erscheinungsformen des subjektiven Tatbestands überein. Un-
terschiede bestehen beim Willensmoment. Der bewusst fahrlässig handelnde Tä-
ter vertraut (aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit) darauf, dass der von ihm als
möglich vorausgesehene Erfolg nicht eintreten, das Risiko der Tatbestandserfül-
lung sich mithin nicht verwirklichen werde. Demgegenüber nimmt der eventual-
vorsätzlich handelnde Täter den Eintritt des als möglich erkannten Erfolgs ernst,
rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab. Wer den Erfolg dergestalt in Kauf
nimmt, «will» ihn im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB. Nicht erforderlich ist, dass
der Täter den Erfolg «billigt» (Urteile des Bundesgerichts 6B_567/2017 vom 22.
Mai 2018 E. 2.1; 6B_1050/2017 vom 20. Dezember 2017 E. 1.3.2 und BGE 133
IV 9 E. 4.1 je mit Hinweisen).
2.5.4 Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung im Sinne des Eventualvorsatzes in
Kauf genommen hat, muss das Gericht – bei Fehlen eines Geständnisses des
Beschuldigten – aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse
des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere
der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tat-
handlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist
und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die
Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genom-
men. Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn
sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die
Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme
des Erfolgs ausgelegt werden kann (Urteile des Bundesgerichts 6B_567/2017
vom 22. Mai 2018 E. 2.1; 6B_1050/2017 vom 20. Dezember 2017 E. 1.3.2 und
BGE 133 IV 9 E. 4.1 je mit Hinweisen).
3. Zum Anklagevorwurf
3.1 Dem Beschuldigten wird in objektiver Hinsicht vorgeworfen (Zitat Strafbefehl vom
5. Februar 2016, pag. 3.1.1 f.):
„(A. hat [...]) trotz vertraglicher Verpflichtung zur Wahrung der Fabrikations- und
Geschäftsgeheimnisse der Firma B. AG (Art. 10 und 14 des Arbeitsvertrages vom
08. Oktober 2004 sowie Ziffer 2.3 der dazugehörenden allgemeinen Bedingun-
gen), für welche er von 2004 bis zum 31. März 2012 als Verkäufer und später als
Verkaufsleiter tätig war, Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse der B. AG, von
denen er im Rahmen seines Arbeitsverhältnisses Kenntnis erhalten hatte, für seine
Tätigkeit ausserhalb der B. AG gespeichert und verwendet. Im Wesentlichen hat
er sich zwischen dem 25. Januar 2012 und dem 16. März 2012 verschiedene E-
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-9%3Ade&number_of_ranks=0#page9 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-9%3Ade&number_of_ranks=0#page9 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-9%3Ade&number_of_ranks=0#page9
- 13 -
Mails mit diversen 3D Detail Konstruktionszeichnungen von verschiedenen Ent-
wicklungen und Maschinen der B. AG inklusive elektronischer Meta-Daten und mit
einem von der B. AG für Kunden erstellten Layout mit Blisterspezifikationen für
Ausschieber, von seiner geschäftlichen an seine private E-Mail-Adresse gesandt.
Ausserdem hat A. Schaltpläne, Verkaufsbedingungen, Bezugsbedingungen sowie
Berichte von Käufern und Verkäufern der B. AG elektronisch gespeichert und mit-
genommen. Ebenfalls hat er sechs Zeichnungen der B. AG mitgenommen. [...]. A.
hat die oben erwähnten Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse der B. AG dem
Konkurrenzunternehmen F. Sagl verraten, wodurch dieses in der Lage war, innert
kürzester Zeit (von Mai 2012 bis Anfangs Oktober 2012) Produkte, welche grosse
Ähnlichkeit mit den Produkten der B. AG aufweisen, herzustellen und der Firma G.
S.p.A. mit Sitz in X. (Italien) anzubieten.“
3.2 Zum Strafantrag
Der Einwand der Verteidigung im Rahmen der Hauptverhandlung im Verfahren
SK.2016.14, dass die Privatklägerin den Strafantrag nicht innerhalb der dreimo-
natigen Frist im Sinne von Art. 31 StGB (oben E. 1.5) gestellt habe, wurde im
Urteil TPF vom 16. Mai 2017 verworfen. Das Rückweisungsurteil hat diesen
Punkt nicht aufgehoben. Die Privatklägerin hat die dreimonatige Strafantragsfrist
gemäss Art. 31 StGB gewahrt. Zur Begründung wird auf das Urteil TPF vom
16. Mai 2017 E. 3.1 verwiesen.
3.3 Zur Tätereigenschaft des Beschuldigten
3.3.1 Der Beschuldigte war vom 1. November 2004 bis 31. März 2012 bei der Privat-
klägerin angestellt (pag. 5.1.119 und 5.1.131).
3.3.2 Gemäss Art. 321a Abs. 4 OR darf der Arbeitnehmer geheim zu haltende Tatsa-
chen, wie namentlich Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse, von denen er im
Dienst des Arbeitgebers Kenntnis erlangt, während des Arbeitsverhältnisses
nicht verwerten oder anderen mitteilen. Auch nach dessen Beendigung bleibt er
zur Verschwiegenheit verpflichtet, soweit es zur Wahrung der berechtigten Inte-
ressen des Arbeitgebers erforderlich ist.
3.3.3 In casu hat sich der Beschuldigte zudem vertraglich verpflichtet, nach Vertrags-
auflösung, während der Dauer von zwei Jahren, weder für sich selbst noch für
eine Konkurrenzfirma mit Konkurrenzartikeln, die in Funktion und Art den Pro-
dukten der Privatklägerin entsprechen, tätig zu werden (pag. 5.1.122, Art. 11 des
Arbeitsvertrages, Konkurrenzverbotsklausel). Gemäss Arbeitsvertrag und nach
den allgemeinen Vertragsbedingungen durfte der Beschuldigte vertrauliche Un-
terlagen Dritten nicht zugänglich machen und er hatte über geschäftliche Vor-
gänge und Angelegenheiten sowohl während der Dauer wie auch nach Ablauf
- 14 -
des Arbeitsverhältnisses Verschwiegenheit zu wahren (pag. 5.1.122, Art. 14 des
Arbeitsvertrages und pag. 5.1.123, Ziffer 2.3 der allgemeinen Bedingungen zum
Arbeitsvertrag).
3.3.4 Der Beschuldigte war daher sowohl gesetzlich wie auch vertraglich zur Geheim-
niswahrung verpflichtet. In diesem Punkt hat das Rückweisungsurteil das Urteil
TPF vom 16. Mai 2017 nicht aufgehoben. Die Tätereigenschaft von Art. 162
Abs. 1 StGB (vgl. oben E. 2.1) liegt vor.
3.4 Zum angeklagten Tatobjekt
3.4.1 Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor (pag. 3.1.1 f.):
- «verschiedene E-Mails mit diversen 3D Detail-Konstruktionszeichnungen
von verschiedenen Entwicklungen und Maschinen der B. AG inklusive elektroni-
scher Meta-Daten und mit einem von der B. AG für Kunden erstellten Layout mit
Blisterspezifikationen für Ausschieber, von seiner geschäftlichen an seine private
E-Mail-Adresse gesandt (...);
- Schaltpläne, Verkaufsbedingungen, Bezugsbedingungen sowie Berichte
von Käufern und Verkäufern der B. AG elektronisch gespeichert und mitgenom-
men (...);
- sechs Zeichnungen der B. AG mitgenommen»
und «die oben erwähnten Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse der B. AG
dem Konkurrenzunternehmen F. Sagl verraten» zu haben.
3.4.2 In Bezug auf die «verschiedene E-Mails» sowie auf die «Schaltpläne, Verkaufs-
bedingungen, Bezugsbedingungen sowie Berichte von Käufern und Verkäufern
der B. AG» wurde der Beschuldigte mit Urteil TPF vom 16. Mai 2017 vom Ankla-
gevorwurf freigesprochen. Zur Begründung wird auf die Erwägungen 3.4.1 - 3.4.3
des Urteils TPF vom 16. Mai 2017 verwiesen. Das Rückweisungsurteil hat diese
Freisprüche nicht aufgehoben, weshalb darüber nicht neu zu befinden ist. Dem-
entsprechend ist auf die diesbezüglichen Anträge der Privatklägerin anlässlich
der Hauptverhandlung vom 17. Juni 2019 (s. TPF pag. 6.721.17 ff. [Plädoyer Pri-
vatklägerschaft]) nicht weiter einzugehen. Die – die E-Mails vom 25. Januar 2012
und vom 16. März 2012 betreffenden – Freisprüche sind unverändert in das vor-
liegende Urteil zu übernehmen.
3.4.3 Zu den «sechs Zeichnungen der B. AG» wurde im Urteil TPF vom 16. Mai 2017
festgehalten, dass sich dieser Vorwurf auf die technischen Zeichnungen der B.
AG mit der Bezeichnung «Zahnrad Motor» zum Maschinentyp Revolvermagazin
(pag. 10.00.324 und 325), «Hubsäule 4000N» zum Maschinentyp Stativ
- 15 -
(pag. 10.00.327), «Absenkeinheit 260mm» zum Maschinentyp Revolvermagazin
(pag. 10.00.328), «Pneumatikschrank bearbeitet» zum Maschinentyp Revolver-
magazin (pag. 10.00.329), «Kugelgewindbetrieb Absenke» zum Maschinentyp
Revolvermagazin (pag. 10.00.330 und 331) und «Untergestell» zum Revolver-
magazin (pag. 10.00.333) bezieht und die diesbezüglich erfolgte Verletzung des
rechtlichen Gehörs und des Anklageprinzips mit der durch das Gericht gewährten
vollständigen Akteneinsicht geheilt wurde.
3.4.3.1 Mit Urteil TPF vom 16. Mai 2017 wurde der Beschuldigte bezüglich den techni-
schen Zeichnungen Nr. 10-00-599 zum Zahnrad Motor, Nr. 10-00-602 zum Ku-
gelgewindbetrieb Absenker und Nr. 10-00-676 zum Pneumatikschrank vom An-
klagevorwurf freigesprochen. Es wird auf das Urteil TPF vom 16. Mai 2017
E. 3.5.3.1 verwiesen. Das Rückweisungsurteil hat diese Freisprüche nicht aufge-
hoben, weshalb darüber nicht neu zu befinden und auf diesbezügliche Ausfüh-
rungen der Privatklägerin anlässlich der Hauptverhandlung vom 17.06.2019 nicht
näher einzugehen ist. Diese Freisprüche werden unverändert in das vorliegende
Urteil übernommen.
3.4.3.2 Neu zu befinden ist hingegen über den mit Urteil TPF vom 16. Mai 2017 ausge-
sprochenen Schuldspruch wegen Verletzung des Fabrikations- oder Geschäfts-
geheimnisses in Bezug auf die drei übrigen technischen Zeichnungen der B. AG
(Nr. 10-00-600 [Absenkeinheit Revolvermagazin]); (Nr. 10-00-819 [Untergestell
Revolvermagazin]) und (Nr. 10-01-252 [Hubsäule 4000N Stativ]).
3.5 Zur Geheimniseigenschaft der drei Zeichnungen
Wie im Urteil TPF vom 16. Mai 2017 festgehalten, beinhalten die fraglichen
Zeichnungen relativ unbekannte bzw. nicht notorische Informationen über Pro-
dukte der Privatklägerin, die durch Bekanntwerden – zumindest im anklagerele-
vanten Zeitpunkt – eine Konkurrenzgefahr hätten schaffen können. Diese Fest-
stellung wurde durch das Rückweisungsurteil nicht tangiert. Das oben (E. 2.3)
erläuterte objektive Tatbestandmerkmal liegt somit vor; die fraglichen Zeichnun-
gen beinhalten Fabrikations- bzw. Geschäftsgeheimnisse im Sinne von Art. 162
StGB, wobei auf die Begründung im Urteil TPF vom 16. Mai 2017 E. 3.5.3.2 -
3.5.3.4 zu verweisen ist. Insofern ist auch hier nicht näher auf diesbezügliche
Ausführungen des Beschuldigten anlässlich der Hauptverhandlung vom 17. Juni
2019 einzugehen. Der Vollständigkeit halber kann an dieser Stelle festgehalten
werden, dass eine konkrete Verwendung des Geheimnisses für die Verletzung
des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses im Sinne von Art. 162 Abs. 1
StGB nicht erforderlich ist. Der objektive Tatbestand ist auch dann erfüllt, wenn
das verratene Geheimnis (schliesslich) nicht verwendet wird; die Verwendung
- 16 -
des Geheimnisses ist kein Tatbestandselement der fraglichen gesetzlichen Be-
stimmung. Dass die Firma F. GmbH das fragliche Produkt nicht hergestellt hat,
ist für die Erfüllung des Tatbestands genauso wenig entscheidend, wie ob die
Firma G. S.p.A. nach dem Weggang des Beschuldigten von der Privatklägerin
weiterhin deren Kundin war oder nicht (TPF pag. 6.721.2; 6.721.11 ff.).
Das Rückweisungsurteil bemängelt indessen die Begründung der Vorinstanz
zum subjektiven Tatbestandselement.
3.6 Zum vollendeten Verrat der drei Zeichnungen
Die technischen Zeichnungen wurden anlässlich der Hausdurchsuchung vom
30. April 2013 in den Räumlichkeiten der Firma F. SagI sichergestellt (pag. 8.2.10
ff.). Der Beschuldigte hat zusammengefasst angegeben, diese Zeichnungen als
Alt- und Sudelpapier dort entsorgt zu haben (näheres s. unten E. 3.7.1). Die be-
fragten Mitarbeiter der F. SagI haben ausgesagt, sie hätten die sichergestellten
Zeichnung nie gesehen (pag. 12.1.11; pag. 12.2.9; pag. 12.3.10; pag. 12.5.10;
pag. 12.5.18). K., in dessen räumlichen Arbeitsbereich die Sicherstellungen er-
folgten, hat darüber hinaus und in Übereinstimmung mit den Angaben des Be-
schuldigten ausgesagt, es habe sich ein Papierstapel Altpapier dort befunden,
welcher ihm als Sudelpapier gedient habe (pag. 12.1.15). Angeklagt ist ein Verrat
von Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnissen. Aus den verbindlichen Feststel-
lungen des Rückweisungsurteils (s. dort E. 1.2.2) geht hervor, dass kein Verrat
im Sinne des Gesetzes vorliegt, da aufgrund des Verhaltens des Beschuldigten
kein Aussenstehender Kenntnis des Geheimnisses erlangt hat. Zusammenge-
fasst ist somit unbestritten und erstellt, dass die Zeichnungen mit den Fabrikati-
onsgeheimnissen der Privatklägerin durch den Beschuldigten in die Räumlich-
keiten der F. SagI verbracht wurden. Nicht erstellt ist hingegen, dass ein Dritter
Kenntnis dieser Zeichnungen erlangt hat. Zur detaillierteren Begründung wird auf
das Urteil TPF vom 16. Mai 2017 E. 3.4.4 verwiesen, das diesbezüglich durch
die Rückweisung nicht in Frage gestellt ist.
3.7 Zum versuchten Verrat der drei Zeichnungen
Das Verhalten des Beschuldigten könnte als strafbarer Versuch qualifiziert wer-
den, sofern er vorsätzlich gehandelt hat (vgl. Rückweisungsurteil E. 1.2.2. und
1.3). Die Strafkammer hatte im angefochtenen Urteil TPF vom 16. Mai 2017 den
Vorsatz des Beschuldigten (dort in Bezug auf das vollendete Delikt) bejaht
(E. 3.6). Das Bundesgericht rügt im Rückweisungsurteil die Vorinstanz wegen
Verletzung des rechtlichen Gehörs: Sie habe den Eventualvorsatz angenommen,
ohne die Aussagen des Beschuldigten im Rahmen der (ersten) Hauptverhand-
lung zu erwähnen, wonach er die in der Laptoptasche gefundenen Zeichnungen
durchgeblättert und ohne deren Inhalt zu studieren, ins Altpapier gelegt habe.
- 17 -
Diese Aussagen seien für die Abgrenzung zwischen strafloser Fahrlässigkeit und
vorsätzlichem Handeln von Bedeutung (vgl. Rückweisungsurteil E. 1.3).
3.7.1 Zu den technischen Zeichnungen, die anlässlich der Hausdurchsuchung vom
30. April 2013 sichergestellt wurden, befragt, gab der Beschuldigte anlässlich der
ersten Hauptverhandlung im Verfahren SK.2016.14 an, dass diese ein Revolver-
magazin betroffen hätten (TPF SK.2016.14 pag. 5.930.13). Während des Arbeits-
verhältnisses bei der Privatklägerin habe er sie in seiner Computertasche ver-
gessen. Er habe die Zeichnungen während seiner Tätigkeit bei der Privatklägerin
in die Tasche gelegt, weil er solche zu damaligen Kundenbesuche mitgenommen
habe («Wenn ich erklären muss, wie die Sicherheit ist, dann habe ich das aus-
gedruckt. Wenn ich erklären muss, wie der Matrixstand geht, dann habe ich einen
Matrixstand mitgenommen. Das sind so Zeichnungen, die normal im Umgang
sind in B. AG. Ich habe diese Zeichnungen zu 99,9 Prozent wahrscheinlich nie
benutzt, wie viele Zeichnungen, die ich mitgenommen habe, wenn ich zu Kunden
gefahren bin in der B. AG-Zeit.» [TPF SK.2016.14 pag. 5.930.13]). Als er bereits
bei F. SagI tätig gewesen sei, habe er die Zeichnungen in der fraglichen Compu-
tertasche gefunden («Die 6 Zeichnungen habe ich bei mir in einer Aktentasche
gefunden.» [pag. 13.00.17]; «(...) als ich wegfahren musste zu Kunden, habe ich
den PC reingesteckt und dann habe ich die Zeichnungen gesehen, also diese
EDV-Ausdrucke» [TPF SK.2016.14 pag. 5.930.12]; «Die Zeichnungen waren
noch von B. AG-Zeiten in der alten Tasche. Das waren rund vier, fünf oder sechs
Zeichnungen, die ich damals nicht weggeworfen habe oder, die ich in der Tasche
vergessen habe» [TPF SK.2016.14 pag. 5.930.12]. Nachdem er die Zeichnung
gefunden habe, habe er die EDV-Ausdrucke der Zeichnungen kurz angeschaut
(«Ich habe sie kurz angeschaut (...)» [TPF SK.2016.14 pag. 5.930.12]) und sie
(in den Räumlichkeiten der F. SagI) ins Altpapier gelegt («Ich habe sie in die
Altpapiersammlung gelegt.» [pag. 13.00.17]; «(...) und dann ins Altpapier gelegt.
Also ins Altpapier zum Wegwerfen» [TPF SK.2016.14 pag. 5.930.12]; «Diese
Zeichnungen habe ich genommen und auf den Altpapierstapel gelegt. » [TPF
SK.2016.14 pag. 5.930.13]). K. würde Altpapier für seine Skizzen verwenden,
deshalb hätten die Zeichnungen auf dessen Pult gelegen («Herr K. verwendet für
seine Skizzen jeweils Altpapier, deshalb lagen die Zeichnungen auf seinem
Pult.» [pag. 13.00.17]). Auf Nachfrage verneinte der Beschuldigte, die Pläne ver-
tieft angeschaut zu haben. Er habe den Inhalt nicht studiert. Er kenne diese Sa-
chen, er habe sofort gesehen, dass sie vom Revolver Untergestell waren. Er
habe die Zeichnungen nicht durchgeschaut, sondern durchgeblättert und dann
weg(geworfen) («Nein habe den Inhalt nicht studiert. Ich kenne diese Sachen,
ich habe das sofort gesehen, die sind noch vom Revolver Untergestell. Ich habe
es nicht durchgeschaut, sondern durchgeblättert und dann weg. Es nützt uns
auch gar nichts, was soll ich damit anfangen?» [TPF SK.2016.14 pag. 5.930.14];
- 18 -
«(...) wo ich gesehen habe, dass es nicht meine Sachen sind, habe ich es abge-
legt. Aus vorbei. Ich habe gar keine fünf Sekunden Zeit verloren mit den Zeich-
nungen.» [TPF SK.2016.14 pag. 5.930.15]). Er habe die Zeichnungen weder be-
nutzt noch weitergegeben («Es sind Layouts, die ich weder verwendet noch wei-
tergegeben habe.» [pag. 13.00.17]). Sie hätten sicherlich keine vertraulichen Da-
ten betroffen («Es handelt sich sicherlich nicht um vertrauliche Daten» [pag.
13.00.17]) und er habe sie in den Räumlichkeiten der F. SagI zum Altpapier ne-
ben dem Tisch in der Konstruktionsabteilung gelegt. Zu 99% hätte jeweils K. das
Altpapier auf der unbeschriebenen Seite gebraucht, manchmal auch der Buch-
halter. Alle 14-21 Tage sei das Altpapier zur Altpapiersammelstelle gebracht und
entsorgt worden. Die F. SagI besitze einen Schredder. In der Regel werde das
Altpapier jedoch ohne Schreddervorgang entsorgt («Das war zu 99 Prozent Herr
K. oder eventuell der Buchhalter, wenn er Listen oder Bestellungen machen
musste, hat er sich auch vom Papier vom Altpapier bedient. Aber wie gesagt, das
Altpapier lag mit der weissen Oberfläche, wie man das normalerweise macht,
und wenn Skizzen oder so gemacht werden, dann benutzt man diese Seite und
dann wirft man sie weg. Das ist periodisch und auch bei der B. AG so. Ich hatte
auch unter meinem Schreibtisch, jeder hatte unter seinem Schreibtisch eine Ab-
lage für das Altpapier. Ganz klar, da sind unbedeutende Sachen weggeworfen
worden, da sind bedeutende Sachen drin. Dieses Altpapier wird alle 14 Tage
entsorgt, aus und vorbei. Oder alle Monate. Das ist bei jeder Firma anders. Ich
sehe es normal, auch persönlich, dass wenn ich da ein Blatt ablege, dann mache
ich da, wo was drauf gedruckt ist, ein Strich übers Papier und dann lege ich es
ab. In diesem Falle, wahrscheinlich, weil ich wegmusste oder pressant hatte,
habe ich die so abgelegt. Aus und vorbei.» [TPF SK.2016.14 pag. 5.930.13 f.]).
3.7.2 Anlässlich der Hauptverhandlung im Verfahren SK.2018.48 erklärte der Beschul-
digte erneut, er habe die fraglichen Zeichnungen nur kurz angeschaut. Es sei für
ihn uninteressant gewesen. Er habe keine Ahnung gehabt, dass es sich um Ge-
heimnisse handeln könnte und es einfach weggelegt. («Auf den drei Zeichnun-
gen kann ich mich nicht erinnern, was ich gesehen habe. Ich habe das einfach
kurz ... war B. AG. War völlig uninteressant für mich. Ich habe es ins Altpapier
gelegt. Ich habe keine Idee gehabt, dass dies was Geheimes sein könnte. Ich
habe es einfach abgelegt.» [TPF pag. 6.731.5]).
3.7.3 Bezogen auf den Tatbestand der Verletzung des Fabrikations- oder Geschäfts-
geheimnisses setzt der Vorsatz voraus, dass der Täter um den geheimen Cha-
rakter der Tatsache weiss oder diesen zumindest für möglich hält und er den
Verrat im Bewusstsein um seine Verpflichtung, das Geheimnis zu bewahren,
begeht (NIGGLI/HAGENSTEIN, in: Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 162 StGB
N. 32). Bei Tatmerkmalen, wie dem Begriff des Geheimnisses, deren Verständnis
eine Wertung voraussetzt, muss sich das Bewusstsein des Täters auch auf diese
- 19 -
erstrecken. Erforderlich ist jedoch nicht die juristisch richtige Erfassung des ge-
setzlichen Begriffs. Verlangt und unabdingbar ist allein die Kenntnis des Wert-
charakters, der im Merkmal zum Ausdruck gebracht wird, dass der Täter damit
eine zutreffende Vorstellung von der sozialen Bedeutung seines Handelns hat.
Man spricht von der sog. «Parallelwertung in der Laiensphäre» (NIGGLI/MAEDER,
a.a.O., Art. 12 StGB N. 27; BGE 129 IV 238 E. 3.2.2).
3.7.4 Wie aus den Aussagen des Beschuldigten hervorgeht, wusste er, dass es sich
bei den Unterlagen, die er auf einen Altpapierstapel in den Räumlichkeiten der
Firma F. SagI gelegt hat, um EDV-Ausdrucke technischer Zeichnungen der Pri-
vatklägerin handelte. Als ehemaliger Arbeitnehmer der Privatklägerin war ihm
auch bekannt, dass die Privatklägerin im Verpackungssektor eigene Maschinen
entwickelt, produziert und verkauft. Schon aufgrund dieses Wissens musste er
mit der Möglichkeit rechnen, dass die technischen Zeichnungen Geheimnisse der
Privatklägerin enthalten.
Darüber hinaus kannte der Beschuldigte nach eigenen Aussagen «die Sachen»,
wusste also, was die Papiere beinhalteten. Er erkannte, dass die Unterlagen ei-
nen Revolver, und somit ein Eigenprodukt der Privatklägerin, betrafen («Ich
kenne diese Sachen, ich habe das sofort gesehen, die sind noch vom Revolver
Untergestell»). Der Argumentation der Verteidigung, es sei ausgeschlossen,
dass der Beschuldigte ein aktuelles Wissen haben konnte, Geheimnisse der Pri-
vatklägerin bekanntzugeben und dass es hierfür keine Hinweise gebe, kann nicht
gefolgt werden (TPF pag. 6.721.29). Dass technische Zeichnungen eines Unter-
nehmens, die mit der Entwicklung von Produkten betraut ist, vertrauliche Daten
enthalten, ist naheliegend. Das Risiko, dass sie in Bezug auf Eigenprodukte Fab-
rikations- oder Geschäftsgeheimnisse beinhalten, ist entsprechend gross. Her-
stellungspläne eines Eigenprodukts sind für die Produktionsfirma nicht selten ei-
nes ihrer zeit- und ressourcenintensivsten Erzeugnisse, wobei die dort entwickel-
ten Erkenntnisse ihre Marktstellung bestimmen können. Das ist allgemein be-
kannt. Hinwiese dafür, dass der Beschuldigte nicht zu dieser allgemeinen logi-
schen Annahme gekommen ist, liegen nicht vor. Der Beschuldigte war zudem
über sieben Jahre bei der Privatklägerin als Verkäufer angestellt gewesen. Auf-
grund seiner Arbeitserfahrung bei der Privatklägerin wusste er mit Sicherheit,
dass sie Eigenprodukte vertreibt und demnach, dass ihre technischen Zeichnun-
gen grundsätzlich Geschäfts- oder Fabrikationsgeheimnisse enthalten können.
Das diesbezügliche hohe Risiko war demnach auch dem Beschuldigten klar.
3.7.5 Wie oben festgehalten (E. 3.5), betrafen die drei Zeichnungen (Nr. 10-00-600
[Absenkeinheit Revolvermagazin]; Nr. 10-00-819 [Untergestell Revolvermaga-
zin]); Nr. 10-01-252 [Hubsäule 4000N Stativ]) Fabrikationsgeheimnisse der Pri-
- 20 -
vatklägerin. Der Beschuldigte hat angegeben, keine fünf Sekunden damit verlo-
ren, die Unterlagen durchgeblättert und sofort gesehen zu haben, dass sie vom
Revolver Untergestell gewesen seien und sicherlich keine vertraulichen Daten
enthalten haben. Dass der Beschuldigte tatsächlich davon ausging, fähig zu sein,
nach einem blossen Durchblättern bzw. nach fünf Sekunden zu erkennen, ob
sechs technische Zeichnungen der Privatklägerin vertrauliche Daten enthielten,
bzw. dies ausschliessen zu können, ist nicht glaubhaft, denn bei gleichen Bedin-
gungen, wäre eine solche Beurteilung selbst einem Zeichnungsfachmann (z.B.
einem Entwickler, Techniker, Konstrukteur) oder einem Betriebswirtschaftsexper-
ten (z.B. Betriebsökonom) nicht auf Anhieb möglich gewesen. Die entsprechende
Aussage des Beschuldigten ist vielmehr als Schutzbehauptung zu qualifizieren.
Der Beschuldigte wusste, dass die Zeichnungen ein Eigenprodukt der Privatklä-
gerin und damit möglicherweise auch deren Fabrikations- oder Geschäftsge-
heimnisse enthalten sowie dass er nicht über die Kompetenzen und Fähigkeiten
verfügt, das Vorliegen solcher Geheimnisse mit einem kurzen Durchblättern in
Sekundenschnelle auszuschliessen. Trotzdem hat er die Zeichnungen in den Ar-
beitsbereich von K. gelegt, im Wissen, dass dieser und andere Mitarbeiter der F.
SagI, die dortige Papiere verwenden, insbesondere als Sudelpapier benutzen.
Hinweise, dass der Beschuldigte darauf vertraut hat, dass dies nicht geschehen
werde, liegen nicht vor. Legt man ein Papier auf einen Stapel, im Wissen, dass
sich Dritte davon bedienen, kann man nicht ohne triftigen Grund darauf vertrauen,
dass dies in Bezug auf dieses eine Papier nicht passieren wird. Nimmt eine Per-
son ein Papier in die Hand, ist damit zu rechnen, dass sie sieht, was darauf ab-
gebildet ist und zwar selbst, wenn das Papier als Skizzierpapier dienen soll und
mit der bereits beschrifteten Seite nach unten liegt. Beim Behändigen vom Stapel
oder beim Weglegen des sog. Sudels ist die beschriftete Seite durchaus ersicht-
lich. Wenn dieses Papier aus einem Konkurrenzunternehmen stammt und/oder
darauf technische Zeichnungen eines Produktes eines Konkurrenzunterneh-
mens zu erkennen sind, ist es naheliegend, dass der Benutzer dieses Papiers,
es mindestens aus Neugierde ansieht. Da der Beschuldigte damit rechnete oder
mindestens damit rechnen musste, dass die fraglichen Papiere Fabrikationsge-
heimnisse der Privatklägerin enthielten, da er nicht darauf vertrauen konnte und
auch nicht darauf vertraute, dass niemand diese Papiere an sich nehmen und
deren Inhalt zu Kenntnis nehmen werde, sondern dieses naheliegende Risiko
vielmehr aktiv schuf, indem er die Zeichnungen von seiner Computertasche ent-
nahm und in den Zugriffsbereich Dritter legte, die – wie er wusste – die dort ab-
gelegten Papiere benutzen und die darauf enthaltene Informationen somit hätten
sehen können, förderte er in Kenntnis dieser Umstände die Gefahr der Tatver-
wirklichung und handelte somit vorsätzlich bzw. mindestens eventualvorsätzlich
bezüglich aller objektiven Tatbestandsmerkmale des Straftatbestandes der Ver-
- 21 -
letzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses. Führt der Täter, nach-
dem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens begonnen hat,
die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende oder tritt der zur Vollendung der Tat gehö-
rende Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten, so kann das Gericht die
Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). Ein strafbarer Versuch liegt erst vor, wenn
der Täter mit der Ausführung der Tat begonnen hat (NIGGLI/MAEDER, Basler Kom-
mentar, 4. Aufl. 2019, Art. 22 StGB N. 1). Nach der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung zählt dazu schon jede Tätigkeit, die nach dem Plan, den sich der Täter
gemacht hat, auf dem Weg zum Erfolg den letzten entscheidenden Schritt dar-
stellt, von dem es in der Regel kein Zurück mehr gibt, es sei denn wegen äusserer
Umstände, die eine Weiterverfolgung der Absicht erschweren oder verunmögli-
chen (sog. Schwellentheorie; statt vieler: BGE 131 IV 104 E. 7.2.1).
3.7.6 Aufgrund des Obgesagten ist vorliegend der subjektive Tatbestand gegeben, die
objektiven Tatbestandelemente sind hingegen, mangels Verrats, nur zum Teil er-
füllt. Der Beschuldigte hat die fraglichen Zeichnungen auf den durch die Mitarbei-
ter der Firma F. SagI verwendeten Papierstapel gelegt und damit seine Tatent-
schlossenheit manifestiert. Es war in der Folge dem reinen Zufall zuzuschreiben,
dass kein Dritter vom Inhalt der Unterlagen der Privatklägerin bzw. von deren
Fabrikationsgeheimnissen Kenntnis erlangte und dieses zur Vollendung der Tat
gehörende Tatbestandselement somit nicht eintrat. Der Beschuldigte hat damit
sämtliche Tatausführungshandlungen vorgenommen, ohne dass sämtliche ob-
jektiven Tatbestandsmerkmale (Kenntnisnahme des Geheimnisses durch einen
Aussenstehenden) verwirklicht wurden. Es liegt eine versuchte Tatbegehung vor.
Nach dem Gesagten hat sich der Beschuldigte der versuchten Verletzung des
Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses (Art. 162 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22
Abs. 1 StGB) in Bezug auf drei technische Zeichnungen der B. AG (Nr. 10-00-
600 [Absenkeinheit Revolvermagazin]; Nr. 10-00-819 [Untergestell Revolverma-
gazin]); Nr. 10-01-252 [Hubsäule 4000N Stativ]) schuldig gemacht.
4. Strafzumessung
4.1 Die Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses wird mit Freiheits-
strafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 162 Abs. 3 StGB).
4.2 Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten dieses Gesetzes
begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, so ist dieses Gesetz anzu-
wenden, wenn es für ihn das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB, sog. lex mitior). Das
auf 1. Januar 2018 revidierte Sanktionenrecht hat die Höchstanzahl Tagessätze
von 360 auf 180 reduziert. Der Höchstbetrag eines Tagessatzes ist bei
- 22 -
Fr. 3'000.-- geblieben (s. alte und neue Fassung von Art. 34 Abs. 1 StGB). The-
oretisch ist das alte Recht das mildere, da es längere Geldstrafen und somit ab
180 Tagessätzen nicht zwingend eine Freiheitsstrafe vorsieht. Wie aus den
E. 4.3.5 und 4.4.1 unten hervorgeht, ist die hier konkret ausgesprochene Strafe
mit beiden Gesetzesfassungen vereinbar. In Berücksichtigung von Art. 2 Abs. 2
StGB ist vorliegend das zum Tatzeitpunkt geltende Recht anzuwenden.
4.3 Gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden
des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse
sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Das Verschulden wird
nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts,
nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Tä-
ters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren
Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden
(Art. 47 Abs. 2 StGB). Dem (subjektiven) Tatverschulden kommt somit bei der
Strafzumessung eine entscheidende Rolle zu (BGE 136 IV 55 E. 5.4). Ausge-
hend von der objektiven Tatschwere hat der Richter dieses Verschulden zu be-
werten. Er hat im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernden und welche
verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu ei-
ner Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen. Der Gesetzgeber
hat einzelne Kriterien aufgeführt, welche für die Verschuldenseinschätzung von
wesentlicher Bedeutung sind und das Tatverschulden vermindern bzw. erhöhen
(BGE 136 IV 55 E. 5.5 und 5.6). Das Gesetz führt indes weder alle in Betracht zu
ziehenden Elemente detailliert und abschliessend auf, noch regelt es deren
exakte Auswirkungen bei der Bemessung der Strafe. Es liegt im Ermessen des
Gerichts, in welchem Umfang es die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren
berücksichtigt. Dabei ist es nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben,
wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 136 IV 55
E. 5.4 ff.; 134 IV 17 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_650/2007 vom 2. Mai
2008 E. 10.1).
4.3.1 Hinsichtlich der objektiven und subjektiven Tatkomponenten ist festzuhalten,
dass der Beschuldigte drei Zeichnungen mit schützenswerten Immaterialgütern
der Privatklägerin, die er aus deren Räumlichkeiten mitgenommen hatte, auf ei-
nem Schreibtisch und damit im Machtbereich des Konkurrenzunternehmens F.
SagI abgelegt hat. Indessen hat er nicht aktiv eine Duplizierung der auf diesen
Zeichnungen dargestellten Produkte veranlasst oder Dritte explizit auf weitere
vermerkte Informationen hingewiesen. Das Verschulden wiegt in dieser Hinsicht
noch leicht. In subjektiver Hinsicht handelte er (eventual)vorsätzlich und hat da-
bei die Interessen der Privatklägerin auf die leichte Schulter genommen. Die ver-
suchte Verletzung des Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisses wäre für den
Beschuldigten problemlos vermeidbar gewesen. Es bestand keine Veranlassung,
- 23 -
die Zeichnungen von seiner persönlichen Computertasche an einem allgemein
zugänglichen Ort in den Räumlichkeiten der F. SagI bzw. auf einem Papierstapel,
der von den Mitarbeitern der Gesellschaft verwendet wurde, zu deponieren. Er
hätte die Zeichnungen auch an die Privatklägerin retournieren oder diese Papiere
vernichten können. Selbst wenn er sie in seiner Tasche belassen hätte, hätte er
Dritten den Zugang dazu erschwert oder verunmöglicht. Für ihn wäre es also sehr
einfach gewesen, die Straftat nicht zu begehen. Das Verschulden des Beschul-
digten wiegt insofern nicht mehr leicht.
4.3.2 Hinsichtlich der Täterkomponente ist Folgendes festzuhalten: Der Beschuldigte
(Jahrgang 1961) hat eine kaufmännische Ausbildung absolviert und war in der
Folge überwiegend im Maschinenverkauf tätig. Er ist mit O. verheiratet. Ab 1997
hat er mehrere Firmen gegründet, letztmals am 11. November 2016 das Einzel-
unternehmen «P. consulenze e vendita». Von November 2004 bis zum 31. März
2012 war er bei der Firma B. AG angestellt. Am 22. Februar 2012 gründete seine
Ehefrau die Firma F. GmbH, wo er die Stelle des Geschäftsführers (CEO) und
Verkaufsleiters (Head of Sales dept.) übernahm. Bei dieser Firma ist er heute zu
einem 80% Pensum als Verkaufsleiter angestellt (TPF pag. 6.731.2). Die persön-
lichen Verhältnisse sowie das Vorleben des Beschuldigten werden neutral ge-
wertet. Zum Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren ist festzuhalten, dass
der Beschuldigte kein Verständnis für die Bedenken der Privatklägerin bzw. für
die Erwartung eines angemessenen Umgangs mit Dokumenten Dritter zeigt. Er
lässt insofern jegliche Reue und Einsicht vermissen. Eine besondere Strafemp-
findlichkeit ist nicht gegeben. Der Umstand, dass der Beschuldigte nicht vorbe-
straft ist und sich im Strafverfahren korrekt verhalten hat, wirkt sich neutral auf
die Strafzumessung aus.
4.3.3 Gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB kann das Gericht bei einer versuchten strafbaren
Handlung die Strafe mildern. Das Ausmass der Milderungsbefugnis richtet sich
nach Art. 48a StGB. Demnach ist das Gericht nicht an die angedrohte Mindest-
strafe gebunden. Das Gericht kann auf eine andere als die angedrohte Strafart
erkennen, ist aber an das gesetzliche Höchst- und Mindestmass der Strafart ge-
bunden (NIGGLI/MAEDER, a.a.O., Art. 22 StGB N. 27).
Wie oben erläutert ist es einzig dem Zufall zu verdanken, dass es vorliegend beim
Versuch blieb. Die Handlung des Beschuldigten ermöglichte zu jeder Zeit die
Vollendung der Straftat. Er hat die Fabrikationsgeheimnisse an einem Ort depo-
niert, wo sie ohne Schwierigkeiten von Dritten hätten behändigt (bzw. eingese-
hen) werden können. Der Versuch wirkt sich nur leicht auf die Strafzumessung
aus.
- 24 -
4.3.4 Der Strafmilderungsgrund von Art. 48 lit. e StGB liegt vor, wenn das Strafbedürf-
nis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert ist und
der Täter sich in dieser Zeit wohlverhalten hat. Dieser Milderungsgrund knüpft an
den Gedanken der Verjährung an. Die Praxis fordert eine Strafmilderung dann,
wenn zwei Drittel der Verjährungsfrist verstrichen sind (TRECHSEL/THOMMEN, in:
Trechsel/Pieth, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl.
2018, Art. 48 N. 24). Unter Berücksichtigung des zum Tatzeitpunkt geltenden
Rechts beträgt die Verjährungsfrist in casu 7 Jahre (Art. 97 Abs. 1 lit. c aStGB).
Zwei Drittel dieser Dauer sind derzeit bereits verstrichen, womit der Strafmilde-
rungsgrund gemäss Art. 48 lit. e StGB vorliegt, welcher im mittleren Masse straf-
mindernd zu berücksichtigen ist.
4.3.5 In Anbetracht der Tatschwere, des täterbezogenen Verschuldens und des Um-
standes, dass es sich beim Beschuldigten um einen Ersttäter handelt, kommt im
vorliegenden Fall eine Geldstrafe in Betracht. Zum Tatzeitpunkt lag die Maxi-
malanzahl bei 360 Tagessätze (Art. 34 Abs. 1 aStGB; zur lex mitior s. oben
E. 4.2). In Berücksichtigung der vorerwähnten Strafzumessungsfaktoren ist vor-
liegend eine Strafe von 8 Tagessätzen angemessen.
4.4 Das Gericht bestimmt die pekuniäre Höhe des Tagessatzes nach den persönli-
chen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils. Ein
Tagessatz beträgt (auch bei der alten Fassung von Art. 34 Abs. 2 StGB) höchs-
tens Fr. 3‘000.--.
Als Angestellter bei der F. SagI bezog der Beschuldigte in den Jahren 2013 und
2015 einen jährlichen Bruttolohn von rund Fr. 110‘600.--, bzw. Fr. 88‘500.--, zu-
züglich Mietzinsbegleichung in der Höhe von jährlich rund Fr. 25‘000.--, und da-
her im Durchschnitt mind. ca. Fr. 10‘000.-- monatlich (s. Steuerakten TPF
SK.2016.14 pag. 5.261.12 ff.). An der Hauptverhandlung vom 28. April 2017 er-
klärte der Beschuldigte, er habe im November 2016 die F. SagI verlassen und
sei selbstständig erwerbstätig gewesen. Nach November 2016 habe er von der
Firma F. SagI sodann zweimal eine Zahlung erhalten in der Höhe von je ca.
Fr. 4‘000.-- bis Fr. 4‘500.--. Die Nachfrage nach dem Grund für die fortdauernde
Begleichung des monatlichen Mietzinses seiner Mietwohnung durch die Firma F.
SagI bzw. die Frage, ob es sich dabei um einen Lohnbestandteil handle, ver-
mochte der Beschuldigte nicht klar zu beantworten, wahrscheinlich sei das so, er
könne sich nicht erinnern, was genau vereinbart worden sei (TPF SK. 2016.14
pag. 5.930.2 f.). An der Hauptverhandlung vom 17. Juni 2019 ergänzte er, seit
März 2019 wieder im Anstellungsverhältnis bei der F. SagI als Verkaufsleiter tätig
zu sein. Bei einem Pensum von 80% beziehe er einen Nettolohn von
Fr. 2'800.-- (TPF pag. 6.731.2). Indessen sei sein Lohn im Betrag von monatlich
Fr. 889.10 gepfändet, wobei er freiwillig einen höheren Betrag von insgesamt
- 25 -
Fr. 1'260.15 überweise, «damit es schneller» gehe. Dazu reichte er Unterlagen
ein (TPF pag. 6.731.2; 6.721.8 f.). Seine Arbeitgeberin bezahle weiterhin den
Mietzins seiner Mietwohnung in der Höhe von Fr. 2’850.-- (TPF pag. 6.731.3).
Seine Ehefrau sei ebenfalls für die Firma F. SagI tätig und erhalte ebenfalls einen
netto Lohn von Fr. 2'800.-- bei 80% (TPF pag. 6.731.2). Mangels fristgerechter
Einreichung der Steuererklärung wurde der Beschuldigte nach Ermessen steu-
erlich veranlagt. Gegen die Veranlagungsverfügung der Steuerverwaltung für
das Jahr 2016 bzw. gegen die amtliche Einschätzung der Vermögenshöhe hat
der Beschuldigte Einsprache erhoben (TPF pag. 6.231.2.3) Die Steuerverwal-
tung ging für die Eheleute von einem Einkommen von Fr. 106'400.-- (davon
Fr. 76'000.-- durch den Beschuldigten erzielt) und einem Vermögen von
Fr. 2'534'000.-- aus (TPF pag. 6.231.2.26). Für das Jahr 2017 hat der Beschul-
digte erneut keine fristgerechte Steuererklärung eingereicht. Für das Jahr 2018
wurde ihm die Frist zur Einreichung der Steuererklärung verlängert (TPF pag.
6.231.2.2). Folgt man den Aussagen des Beschuldigten, soll er, nach seiner Kün-
digung bei oder von der Firma F. SagI, in rund fünf Monaten von dieser Firma
insgesamt Fr. 8‘000.-- bis Fr. 9‘000.-- erhalten und somit monatlich im Durch-
schnitt ein Einkommen von Fr. 1‘700.-- erzielt haben. Es ist nicht nachvollziehbar,
weshalb der Beschuldigte seine Stelle bei der Firma F. SagI aufgegeben hat, um
dann weiterhin für sie tätig zu sein, jedoch bedeutend weniger verdiente und er
sich schliesslich doch wieder von der Firma F. SagI einstellen lässt, zu einem
bedeutend tieferen Lohn als nach der Gründung der Firma. Die Aussagen des
Beschuldigten zu seinem Einkommen weichen von den Steuerveranlagungen ab
und sind im Übrigen vage und widersprüchlich. Bei einem (vom Betreibungsamt
errechneten) Existenzminimum des Beschuldigten von rund Fr. 1'827.-- müsste
er monatlich mindestens Fr. 3'080.-- verdienen, um die angegebene Schuldbe-
gleichung von Fr. 1'260.15 bezahlen zu können. Die Begleichung eines Mietzin-
ses von Fr. 2’850.-- wäre auch in Berücksichtigung des Einkommens und des
Existenzminimums der Ehefrau des Beschuldigten nicht tragbar. Es ist somit von
einem Einkommen in der Grössenordnung der zuletzt ermittelten Steuerdaten
auszugehen. Aus dem Betreibungsregisterauszug des Kantons Tessin vom 8.
Mai 2019 gehen Betreibungen in der Gesamthöhe von Fr. 502'005.60 hervor,
wobei Fr. 400'000.-- auf eine Betreibung der Privatklägerin anfallen, gegen die
der Beschuldigte Rechtsvorschlag erhoben hat (TPF pag. 6.231.3.3). Die Kran-
kenkassenprämien des Ehepaares A. und O. belaufen sich auf monatlich rund
Fr. 900.--. Der Beschuldigte erhält keine staatliche finanzielle Unterstützung und
ist nicht unterhaltspflichtig (TPF pag. 6.731.2; 6.721.8 f., TPF SK. 2016.14 pag.
5.930.2 f.).
4.4.1 Aufgrund der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten
ist der Tagessatz auf Fr. 120.-- festzulegen (Art. 34 Abs. 2 StGB).
- 26 -
4.5 Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn eine
unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung
weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 aStGB). Der
Strafaufschub ist die Regel, von welcher grundsätzlich nur bei ungünstiger Prog-
nose abgewichen werden darf (SCHNEIDER/GARRÉ, Basler Kommentar, 4. Aufl.
2019, Art. 42 StGB N. 38 mit Hinweisen).
4.5.1 Als Warnstrafe erfüllt eine bedingt ausgesprochene Strafe vorliegend die gesetz-
lichen Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 1 aStGB. Die Einschränkungen von
Art. 42 Abs. 2 aStGB greifen hier nicht, der Beschuldigte weist keine Vorstrafen
auf. Dem Beschuldigten ist der bedingte Vollzug der Strafe zu gewähren.
4.5.2 Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so bestimmt
es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB).
Die Bemessung der Probezeit richtet sich innerhalb des gesetzlichen Rahmens
nach den Umständen des Einzelfalls, insbesondere nach der Persönlichkeit und
dem Charakter des Verurteilten sowie der Rückfallgefahr. Je grösser diese Ge-
fahr, desto länger muss die Probezeit sein, damit der Verurteilte von weiteren
Delikten abgehalten wird. Ihre Dauer muss mit anderen Worten so festgelegt wer-
den, dass sie die grösste Wahrscheinlichkeit zur Verhinderung eines Rückfalls
bietet. Keine Rolle spielt insoweit die Schwere der Tat (Urteil des Bundesgerichts
6B_140/2011 vom 17. Mai 2011 E. 7.1).
4.5.3 Beim Beschuldigten handelt es sich um einen Ersttäter. Konkrete Hinwiese auf
eine erhöhte Rückfallgefahr liegen nicht vor, die Probezeit ist demnach auf
2 Jahre zu setzen.
5. Verfahrenskosten
5.1 Wird eine beschuldigte Person verurteilt, trägt sie die Verfahrenskosten (Art. 426
Abs. 1 Satz 1 StPO). Die Haftung der verurteilten Person kann nicht weiter ge-
hen, als ein adäquater Zusammenhang zwischen dem zur Verurteilung führen-
den tatbestandsmässigen, rechtswidrigen und schuldhaften Verhalten einerseits
und den dadurch verursachten Verfahrenskosten andererseits besteht (DOMEI-
SEN, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 426 StPO N. 3). Sie hat lediglich die-
jenigen Kosten zu tragen, die mit der Abklärung des zur Verurteilung führenden
Delikts entstanden sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_1053/2014 vom 3. De-
zember 2015 E. 1.2 m.w.H.; GRIESSER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.],
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 426
StPO N. 3).
- 27 -
5.2 Wird eine beschuldigte Person nur teilweise schuldig und im Übrigen freigespro-
chen, sind ihr nach der Rechtsprechung die Verfahrenskosten anteilsmässig auf-
zuerlegen, jedenfalls soweit sich die verschiedenen Anklagekomplexe klar aus-
einanderhalten lassen. Sie ist kostenpflichtig, wenn die ihr zur Last gelegten
Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang zu den Kosten stehen,
und alle Untersuchungshandlungen hinsichtlich der entsprechenden Anklage-
punkte notwendig waren. Die anteilsmässig auf die mit einem Freispruch enden-
den Anklagepunkte entfallenden Kosten verbleiben beim Staat (Art. 426 Abs. 2
StPO). Bei der Aufteilung der Verfahrenskosten steht der Behörde ein gewisser
Ermessensspielraum zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_151/2014 vom 4. De-
zember 2014 E. 3.2 mit Hinweisen).
5.3 Einer beschuldigten Person, die freigesprochen oder deren Verfahren eingestellt
wurde, können die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn
sie rechtswidrig oder schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder des-
sen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Eine Kostenauflage er-
folgt daher, wenn die beschuldigte Person in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise,
d.h. im Sinne einer analogen Anwendung der sich aus Art. 41 OR ergebenden
Grundsätze, gehandelt hat. Gemäss Art. 41 Abs. 1 OR ist zum Ersatz verpflichtet,
wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus
Fahrlässigkeit. Widerrechtlich im Sinne der genannten Bestimmung ist ein Ver-
halten, wenn es gegen Normen verstösst, die direkt oder indirekt Schädigungen
untersagen bzw. ein Schädigungen vermeidendes Verhalten vorschreiben (BGE
141 III 527 E. 3.2). Solche Verhaltensnormen ergeben sich aus der Gesamtheit
der schweizerischen Rechtsordnung, unter anderem aus dem Privat-, Verwal-
tungs- und Strafrecht, gleichgültig, ob es sich um eidgenössisches oder kantona-
les, geschriebenes oder ungeschriebenes Recht handelt. Das Verhalten eines
Beschuldigten ist dann als widerrechtlich zu qualifizieren, wenn es in klarer Weise
gegen Normen der Rechtsordnung verstösst, die den Rechtsunterworfenen di-
rekt oder indirekt zu einem bestimmten Tun oder Unterlassen verpflichten (vgl.
BGE 119 Ia 332 E. 1b; 116 Ia 162 E. 2; Urteile des Bundesgerichts 6B_893/2016
vom 13. Januar 2017 E. 3.2; 1B_12/2012 vom 20. Februar 2012 E. 2;
6B_835/2009 vom 21. Dezember 2009 E. 1.2; 1P.805/2006 vom 14. September
2007 E. 4.2, in: Pra 2008 Nr. 34 S. 235). Zwischen dem zivilrechtlich vorwerfba-
ren Verhalten und den durch die Untersuchung entstandenen Kosten muss ein
Kausalzusammenhang bestehen (BGE 116 Ia 162 E. 2 S. 170 f.; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_835/2009 vom 21. Dezember 2009 E. 1.2) und das Sachgericht
muss darlegen, inwiefern die beschuldigte Person durch ihr Handeln in zivilrecht-
lich vorwerfbarer Weise gegen eine Verhaltensnorm klar verstossen hat (Urteil
des Bundesgerichts 1P.164/2002 vom 25. Juni 2002, in: Pra 2002 Nr. 203
S. 1067).
- 28 -
5.4 Gemäss Art. 426 Abs. 3 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrenskos-
ten nicht, die der Bund oder der Kanton durch unnötige oder fehlerhafte Verfah-
renshandlungen verursacht hat. Die Verfahrenshandlungen müssen bei objekti-
ver Betrachtungsweise schon im Voraus unnötig oder fehlerhaft sein (Urteil des
Bundesgerichts 6B_1255/2016 vom 24. Mai 2017 E. 1.3 mit Hinweis auf Urteil
6B_523/2014 vom 15. Dezember 2014 E. 5.3). Die angefallenen Kosten sind in
diesem Fall nicht mehr adäquate Folge der Straftat und können der beschuldig-
ten Person nicht auferlegt werden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn eine
Gerichtsbehörde ein materielles oder formelles Recht verletzt hat, was im
Rechtsmittelverfahren korrigiert werden muss, wenn wegen Formfehlern Verfah-
renshandlungen wiederholt werden müssen oder aufgrund einer Verletzung des
rechtlichen Gehörs zusätzlicher Aufwand entsteht (Urteil des Bundesgerichts
6B_602/2014 vom 4. Dezember 2014 E. 1.3 mit weiteren Hinweisen). Genügt ein
Strafbefehl dem Anklageprinzip nicht bzw. sind die konkreten Tatumstände nicht
rechtsgenügend aufgeführt, ist er mangelhaft und stellt eine fehlerhafte Verfah-
renshandlung dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_936/2015 E. 3.2.1 und
3.2.2).
5.4.1 Vorliegend ist der Beschuldigte teilweise schuldig zu sprechen. Im Übrigen hat
ein Freispruch zu erfolgen.
5.4.2 Wie aus den obigen Erwägungen und aus dem Urteil TPF vom 16. Mai 2017 –
auf dessen entsprechende Erwägungen für die Beurteilung der strafbaren Hand-
lung verwiesen wurde – hervorgeht, waren mehrere Untersuchungshandlungen
und Beweismassnahmen für die Beurteilung der Straftat und die daraus folgende
Verurteilung notwendig und hatten nicht allein (oder nur in einem nicht kostenre-
levanten Umfang) Bezug auf die schliesslich freigesprochenen Punkte (z.B. die
Hausdurchsuchungen, die Einvernahmen des Beschuldigten, des Privatklägers
Q. oder der Mitarbeiter der F. SagI). Diese Verfahrenshandlungen hatten auch
Bezug zur Handlung, die zu einem Schuldspruch geführt hat. Andere Untersu-
chungshandlungen und Beweismassnahmen standen zumindest teilweise mit
der Klärung der zur Verurteilung führenden Straftat in einem Kausalzusammen-
hang (z.B. Begutachtung durch den Sachverständigen). Aufgrund dieser Um-
stände waren die vorgenommenen Untersuchungshandlungen im Zusammen-
hang mit der Verurteilung grossmehrheitlich – in der Grössenordnung von min-
destens 2/3 – notwendig bzw. kausal zusammenhängend.
5.5 Im Urteil TPF vom 16. Mai 2017 wurde der Beschuldigte indessen auch in Bezug
auf die Anklagepunkte, die zu einem Freispruch führen, wegen zivilrechtlich vor-
werfbaren Verhaltens im Sinne von Art. 426 Abs. 2 StPO kostenpflichtig erklärt,
da der Beschuldigte die arbeitsrechtliche Treuepflicht gegenüber der Privatklä-
gerin verletzt hat.
- 29 -
5.5.1 Das Bundesgericht beanstandet im Rückweisungsurteil die ungenügende Be-
gründung dieser im Urteil TPF vom 16. Mai 2017 festgestellten, den Freispruch
betreffenden Kostenfolgen. Der Beschuldigte habe vorgebracht, er habe wäh-
rend seiner Anstellung bei der Privatklägerin mit deren Einverständnis ihre Da-
teien auf seinen privaten Laptop gesendet, um diese anlässlich von Kundenbe-
suchen zur Verfügung zu haben. Das Urteil TPF vom 16. Mai 2017 treffe dazu
keine Feststellungen, obschon diese Behauptung im Zusammenhang mit der
Frage, ob den Beschuldigten ein Verschulden im Sinne von Art. 426 Abs. 2 StPO
treffe, von Bedeutung sei.
5.5.2 Die Beurteilung der entsprechenden Kostenauflage hängt mit den Sachverhalten,
die zu einem Freispruch geführt haben, bzw. den Gründen des Freispruchs, zu-
sammen und sind daher an dieser Stelle kurz zusammenzufassen: Es ist erstellt,
dass der Beschuldigte Dokumente der Privatklägerin mit Angaben zu den Be-
standteilen eines sogenannten «Revolvermagazins» und somit eines Produktes
der Privatklägerin an sich selbst zugestellt sowie, dass er Unterlagen der Privat-
klägerin an Dritte ausgehändigt und dass er technische Zeichnungen der Privat-
klägerin in den Räumlichkeiten der Firma F. SagI deponiert hat. Der Freispruch
vom Vorwurf, damit Fabrikationsgeheimnisse der Privatklägerin verletzt zu ha-
ben, erfolgte, im Wesentlichen, weil die Zustellung der Dokumente an sich selbst
keinen Verrat an Dritte im Sinne von Art. 162 StGB darstellt, die weitergegebenen
Unterlagen bzw. deren genauer Inhalt nicht rechtsgenügend identifiziert sind und
drei der sechs bei der F. SagI sichergestellten Zeichnungen der Privatklägerin
keine Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisse im Sinne von Art. 162 StGB ent-
halten (zum Ganzen siehe Urteil TPF vom 16. Mai 2017 E. 3.4.1.2; E. 3.4.3.3 und
E. 3.5.3.1).
5.5.3 Wie oben erläutert (s. E. 5.3), können dem Beschuldigten die Kosten auch in den
Anklagepunkten, die zu einem Freispruch führen, auferlegt werden, wenn er
rechtswidrig oder schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen
Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO).
5.5.3.1 Der Beschuldigte war gemäss Arbeitsvertrag vom 8. Oktober 2004 verpflichtet,
«über alles was er in Ausübung seiner Tätigkeit erfährt, Stillschweigen zu bewah-
ren» und «nach Vertragsauflösung für die Dauer von zwei Jahren weder für sich
selbst noch für eine Konkurrenzfirma mit Konkurrenzartikeln, die in Funktion und
Art den B. AG-Produkten entsprechen, tätig zu werden.» (Art. 10 und 11 des Ar-
beitsvertrages, pag. 5.1.121 und 122). Explizit war es ihm untersagt, vertrauliche
Unterlagen Dritten zugänglich zu machen. Die Unterlagen waren am Arbeitsplatz
zu lagern (Art. 14 des Arbeitsvertrages, pag. 5.1.122). Bei diesen Pflichten han-
delt es sich um eine Konkretisierung der allgemeinen arbeitsrechtlichen Treue-
- 30 -
pflicht nach Obligationenrecht. Das Arbeitsverhältnis erschöpft sich nicht im Aus-
tausch vermögenswerter Leistungen, sondern begründet auch persönliche Be-
ziehungen. Der Arbeitnehmer ist daher verpflichtet, die berechtigten Interessen
des Arbeitgebers in guten Treuen zu wahren (Art. 321a Abs. 1 OR). Er hat also
neben der eigentlichen Arbeitsleistung die Pflicht, Schaden vom Arbeitgeber ab-
zuwenden und dessen Belange zu fördern. Diese allgemeine Treuepflicht, die ihr
personenbezogenes Gegenstück in der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers findet,
ist in erster Linie eine Unterlassungspflicht. Der Arbeitnehmer muss alles unter-
lassen, was den Arbeitgeber wirtschaftlich schädigen kann (BGE 117 II 74; zum
Ganzen PORTMANN/RUDOLPH, Basler Kommentar Obligationenrecht I, 6. Aufl.
2015, Art. 321a OR N. 2). Ein bedeutsamer Aspekt dieser allgemeinen Treue-
pflicht ist die Geheimhaltungspflicht nach Art. 321a Abs. 4 OR. Demnach ist der
Arbeitnehmer verpflichtet, geheim zu haltende Tatsachen, von denen er im
Dienste des Arbeitgebers Kenntnis erlangt, weder zu verwerten noch anderen
mitzuteilen. Diese Verpflichtung überdauert das Arbeitsverhältnis, soweit es zur
Wahrung der berechtigten Interessen des Arbeitgebers erforderlich ist. Die ar-
beitsrechtliche Verschwiegenheitspflicht geht dabei über die strafrechtliche Ge-
heimhaltungspflicht hinaus und erstreckt sich auch auf Tatsachen, die nicht als
eigentliche Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisse zu qualifizieren sind, aber
vom Arbeitgeber als geheim zu haltend bezeichnet werden oder bei denen sich
der Geheimhaltungswille aus den Umständen entnehmen lässt (PORTMANN/RU-
DOLPH, a.a.O., Art. 321a OR N. 25). Eine Verletzung der Geheimhaltungspflicht
nach Obligationenrecht muss somit nicht zwangsläufig auch strafrechtlich rele-
vant sein.
5.5.3.2 Der Beschuldigte hatte sein Arbeitsverhältnis mit Schreiben vom 23. Januar 2012
gekündigt (pag. 10.0.102). Mit schriftlichem Bericht im Sinne von Art. 145 StPO
teilte R., Leiterin Finanzen / Personal und Administration der Privatklägerin, am
12. März 2019 dem Gericht mit, dass aufgrund der Kündigung der letzte formelle
Arbeitstag des Beschuldigten bei der Privatklägerin auf den 31. März 2012 gefal-
len, wobei sein letzter effektiver Arbeitstag, wegen Bezugs von Restferien, der
28. März 2012 gewesen sei (TPF pag. 6.255.1.12). Das ergibt sich auch aus dem
Auszug der elektronisch erfassten Präsenz-Zeiten des Beschuldigten, welcher
von der Privatklägerin am 12. März 2019 eingereicht wurde (TPF pag.
6.255.2.30). Der Beschuldigte liess anlässlich der Hauptverhandlung vom 17.
Juni 2019 durch seinen Verteidiger erläutern, dass die Beendigung des Arbeits-
verhältnisses Ende März 2012 nicht bestritten sei (TPF pag. 6.731.5).
Der Beschuldigte machte im Beschwerdeverfahren beim Bundesgericht geltend,
er habe während des Arbeitsverhältnisses Dateien mit dem Einverständnis der
Arbeitgeberin auf seinen privaten Laptop gesendet, um diese anlässlich von Kun-
- 31 -
denbesuchen zur Verfügung zu haben (TPF pag. 6.100.5). An der Hauptverhand-
lung vom 17. Juni 2019 führte der Beschuldigte erneut aus, die Firma, seine Vor-
gesetzten – insbesondere Q. und dessen Vater – hätten gewusst, dass er dies
tue. Er habe keine Bewilligung eingeholt oder etwas Schriftliches, aber es sei
eigentlich ganz normal gewesen. Er habe öfters im Geschäft seinen privaten Lap-
top verwendet und sei mit diesem Laptop unterwegs gewesen (TPF pag.
6.731.4). Bei der Einvernahme im Vorverfahren vom 28. April 2014 führte er aus,
er habe es immer so gemacht, dass er Sachen auf seinen privaten PC geschickt
habe. Dort habe er auch einen Viewer installiert, womit man die Zeichnungen
habe öffnen können. Er habe seinen privaten PC gebraucht, da sein Büro-PC zu
langsam gewesen sei. Bei den Daten handle es sich hauptsächlich um Zeichnun-
gen, die allgemein bekannt gewesen seien. Diese Daten seien auch von der Pri-
vatklägerin selbst an Kunden, Käufer und Vertreter versendet worden. Dasselbe
gelte für Schaltpläne oder Betriebsanleitungen. Kunden, Vertreter und Verkäufer,
auch potentielle Kunden hätten diese auf Anfrage von der Privatklägerin erhalten
(pag. 13.0.17).
5.5.4 Q. erklärte am 17. Juli 2014 anlässlich seiner Befragung im Vorverfahren, bei den
durch den Beschuldigten zugestellten oder weggebrachten Daten handle es sich
nicht um solche, die der Beschuldigte für seine Tätigkeit benötigt habe. Die sechs
sichergestellten Zeichnungen hätten wesentlich zum Nachbau der Maschine ge-
dient. Mit den gemailten Dateien sei es möglich, die Maschine nachzubauen. Die
3D-Konstruktionszeichnungen beträfen Teile, welche die Privatklägerin nur in-
house produziere; die entsprechenden Pläne würden niemandem verschickt und
hätten in den Händen des Beschuldigten nichts verloren. Selbst ein Vollblutkon-
strukteur würde die Zeichnungen wie ein Fahrplan zur Orientierung benötigen.
Ohne diese Zeichnungen wäre die Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass die Kon-
struktion in der ersten Phase scheitere (pag. 12.6.9 f. und 12). Dem Kunden
würde bloss eine Zeichnung der Gesamtmaschine im PDF-Format gegeben. Im
späteren Verlauf, beim Verkauf der Maschine, erhalte der Kunde oftmals ein 3D-
Modell der Hülle der Maschine, damit er prüfen könne, ob diese in seine Anlage
passe. Einzelteile seien daraus nicht ersichtlich (pag. 12.6.5).
An der Hauptverhandlung vom 28. April 2017 wiederholte Q. diese Aussagen
(TPF SK.2016.14 pag. 5.931.1 ff.). Er erklärte u.a., in den vom Beschuldigten am
25. Januar 2012 an sich selbst gesendeten 3D-Zeichnungen stecke Know-how,
welches zu Beginn nicht vorhanden sei. Oftmals würde zunächst nur ein Stück
vorab erstellt, um es auszutesten. Erst danach fertige man die restliche Stückzahl
an (TPF SK.2016.14 pag. 5.931.5). Der Kunde hätte diese Zeichnungen, selbst
wenn er die Maschine kaufen würde, nicht bekommen und der Beschuldigte hätte
sie als Verkäufer nicht benötigt. Der Kunde sei einzig auf das Gesamtlayout der
Maschine angewiesen. Wie z.B. der Drehsatz genau funktioniere, würde den
- 32 -
Kunden nicht interessieren (TPF SK.2016.14 pag. 5.931.6). Die sechs sicherge-
stellten Zeichnungen habe der Beschuldigte für seine Tätigkeit bei der Privatklä-
gerin ebenfalls nicht gebraucht (TPF SK.2016.14 pag. 5.931.8).
Mit schriftlichem Bericht im Sinne von Art. 145 StPO bestätigte Q. am 12. März
2019 im vorliegenden Verfahren seine Aussagen und präzisierte, dass der Be-
schuldigte für die Ausübung seiner Tätigkeit bei der Privatklägerin weder nach
dem 25. Januar 2012 noch nach dem 15. März 2012 Geschäfte betreut oder
Kundenbesuche erstattet habe, welche mit den Dateien, die er sich (nach diesen
Daten) gemailt habe, in Zusammenhang stehen würden (TPF pag. 6.255.2.26).
Der Beschuldigte habe bei der Privatklägerin auch keine Geschäfte im Zusam-
menhang mit den später bei der Firma F. SagI sichergestellten Zeichnungen be-
treut und für die Privatklägerin keine Kundenbesuche erstattet, für welche die
Mitnahme dieser Zeichnungen plausibel gewesen wäre. Für Kundenbesuche sei
ihm ein firmeneigenes Notebook zur Verfügung gestanden, mithin für die Ansicht
von Prospektmaterial und Verkaufsunterlagen sowie damit der Beschuldigte Zu-
griff auf seinen geschäftlichen E-Mail-Account haben konnte. Für seine Tätigkeit
als Verkäufer habe der Beschuldigte ferner Projektmappen in Papierform mit
Grobdarstellungen der Maschinen mit sich geführt, jedoch ausschliesslich
Werbe- und Prospektmaterial. Es sei ihm nicht gestattet gewesen, Unterlagen
der Privatklägerin an seine private E-Mail-Adresse zu senden (TPF pag.
6.255.2.26 f.).
Anlässlich der Hauptverhandlung im Verfahren SK.2018.48 bestätigte Q. seine
bisher gemachten Aussagen. Er hielt fest, dass der Beschuldigte insbesondere
das ausgearbeitete Angebot für Kundenbesuche benötigt habe. Wenn man mit
Zeichnungen zum Kunden gehen würde, seien dies meist PDF-Papiere mit den
Zeichnungen drauf. Man würde nicht mit Rohdaten gehen, die schlecht einzuse-
hen seien. Es seien Maschinenübersichten, mit den Grundzügen. Man würde im
Groben sehen, ob dies ein linkes oder ein rechtes Gerät etc. sei (TPF pag.
6.751.3). Er bekräftigte, die Anhänge des E-Mails vom 25. Januar 2012 seien für
keinen Kundenauftrag des Beschuldigten nötig oder hilfreich gewesen (TPF pag.
6.751.4) und die sechs bei der Firma F. SagI sichergestellten Zeichnungen hät-
ten nichts mit einem Besuch bei einer Kundin Ende März 2012 zu tun gehabt
(TPF pag. 6.751.5). Die Abbildungen auf den sechs Zeichnungen seien nicht
kundenspezifisch, da sonst ein Kunde oder eine Auftragsnummer vermerkt wäre
(TPF pag. 6.751.3). Er habe nicht gewusst, dass der Beschuldigte seinen priva-
ten Computer für Kundenbesuche benutzt habe. Dies sei aus Sicherheitsgründen
nicht gewünscht gewesen. Darauf angesprochen, dass der Beschuldigte geltend
mache, Dateien mit dem Einverständnis der B. AG, bzw. mit jenem von Q. und
dem Wissen dessen Vaters, an seine private E-Mail-Adresse gesendet zu haben,
- 33 -
um diese anlässlich von Kundenbesuchen zur Verfügung zu haben, entgegnete
der Privatkläger, er sei sprachlos (TPF pag. 6.751.6).
5.5.5 In diesem Zusammenhang wurde an der Hauptverhandlung vom 17. Juni 2019
auf Antrag des Beschuldigten der Zeuge N. einvernommen (TPF pag. 6.761.1 ff.).
Er erklärte, bei der Privatklägerin die Lehre als Konstrukteur absolviert und bis
2014 bei dieser gearbeitet zu haben. Bis ca. 2009 sei er bei der Privatklägerin als
Konstrukteur tätig gewesen und hernach im Verkauf. Dort habe er mit dem Be-
schuldigten zusammengearbeitet. Er bestätigte, in den letzten Arbeitstagen des
Beschuldigten mit diesem und Q. das Unternehmen S. in Italien besucht zu ha-
ben. Es sei darum gegangen, dass sich der Beschuldigte habe verabschieden
und dass er und Q. die Ansprechpersonen haben kennenlernen können. Bei den
Kundenbesuchen seien ihnen verschiedene Sachen zur Verfügung gestanden:
Unterlagen, Prospekte, Verschiedenes sowohl digital als auch in Papierform. Sie
hätten Datenzugang gehabt und sich das Benötigte zusammenstellen können.
An den Datenträger, welcher der Beschuldigte für die Kundenbesuche verwen-
dete, könne er sich nicht erinnern. Er wisse, dass der Beschuldigte über einen
Geschäfts-Laptop verfügt habe. Er habe Kenntnis davon gehabt, dass noch ein
weiterer Laptop vorhanden gewesen sei, aber er habe nicht gewusst warum. Im
Verkauf hätten sie für die Konstruktionszeichnungen eine abgespeckte Version
der Konstruktionssoftware gehabt, einen Viewer. Die eigentliche Software sei nur
in der Konstruktionsabteilung und bei ihm (dem Zeugen) vorhanden gewesen. In
der Verkaufsabteilung habe er dann 3D-Modelle für den Verkauf erstellt. Oft hät-
ten diese nur die Hülle dargestellt, doch auch damit sei ausmessbar, wie gross
und breit das Teil sei. An spezielle Reglemente bzw. Regelungen, welche Doku-
mente der Verkäufer den Klienten habe zur Verfügung stellen bzw. vorlegen dür-
fen, vermöge er sich nicht zu erinnern. Es habe einen relativ offenen Datenaus-
tausch gegeben, da es ein sehr technischer Verkauf gewesen sei. Der Zeuge
bestätigte, dass versucht worden sei, dem Kunden lediglich die Zeichnungen der
Hüllen zugänglich zu machen, ohne Detailzeichnungen des Innenbaus. Er könne
jedoch nicht verneinen, dass zwischendurch auch mal ein Modell dabei gewesen
sei, das mehr als die Fläche gezeigt habe oder dass – wenn auch unabsichtlich
– komplette Modelle versendet worden seien. Das Ziel sei jedoch immer gewe-
sen, möglichst wenig Daten zu senden, da der Kunden diese habe einsehen kön-
nen.
5.5.6 Der Beschuldigte hat sich die Unterlagen bzw. Dateien der Privatklägerin am
25. Januar 2012 und am 16. März 2012 per E-Mail an seine private elektronische
Adresse zugestellt. Die Zeichnungen, die er in die Räumlichkeiten der Firma F.
SagI deponiert hat, wurden am 30. April 2013 dort sichergestellt (vgl. auch
E. 3.4.2 und 5.5.2).
- 34 -
Der Beschuldigte gab – wie oben festgehalten, s. E. 5.5.1 – an, als Angestellter
der Privatklägerin einen Auftrag ausgeführt bzw. eine Kundenbetreuung vorge-
nommen zu haben, welche die Selbstzustellung der zur Anklage gebrachten Do-
kumente erklärt. Gleiches gilt für die Unterlagen, die er in den Räumlichkeiten
der Firma F. SagI deponiert hat. Einen konkreten Verkaufsauftrag oder einen be-
stimmten Kunden oder Kundenbesuch, welche – in den letzten zwei Arbeitsmo-
naten bzw. zwei Arbeitswochen – die Verwendungen dieser Daten erforderten
oder zumindest logisch zu erklären vermögen, nannte der Beschuldigte nicht.
Dabei fällt auf, dass die elektronischen Zustellungen an sich selbst am 25. Januar
und 16. März 2012 erfolgten, d.h. nachdem er seine Arbeitsstelle bei der Privat-
klägerin gekündigt (23. Januar 2012) bzw. als seine Ehefrau O. bereits (am 22.
Februar 2012) das Konkurrenzunternehmen F. SagI gegründet hatte, wo er als
CEO bzw. Direktor fungierte (pag. 5.1.132 und 133; pag. 10.00.47 f.) und – noch
vor Ablauf der Kündigungsfrist – mit einer Kundin der Privatklägerin vertragliche
Geschäftsbeziehungen im konkurrenzierenden Bereich einging (siehe z.B. pag.
5.1.5; 5.1.76; 5.1.185 ff. 10.00.203 f.). Wie Q. und N. zudem übereinstimmend
angaben, bestand der Grund der Kundenbesuche von Ende März 2012 darin,
den Beschuldigten zu verabschieden und Kontakte zu den neuen Ansprechper-
sonen zu knüpfen. Das ergibt sich auch aus der E-Mail des Beschuldigten vom
13. März 2012 an Mitarbeiter des Kunden S. (pag. 5.1.198). Dort ist nicht von
einem konkreten Auftrag im Zusammenhang mit einem Produkt die Rede, viel-
mehr teilt der Beschuldigte der Firma S. mit, dass er B. AG verlässt und, dass Q.
und N. bis auf Weiteres seine Aufgabe übernehmen werden.
Die Erklärung des Beschuldigten zum Grund seines Handelns ergibt daher kei-
nen Sinn, sie ist vielmehr eine Schutzbehauptung. Der Beschuldigte hat Unterla-
gen der Privatklägerin, insbesondere deren technische Zeichnungen (vgl. Urteil
TPF vom 16. Mai 2017 E. 3.4.1.1; E. 3.4.2.1), am Ende seiner Anstellung und
während bzw. nach Aufbau des Konkurrenzunternehmens F. SagI an sich ge-
sandt, elektronisch gespeichert, an sich genommen und teilweise in die Räum-
lichkeiten seiner neuen Arbeitgeberin, dem Konkurrenzunternehmen F. SagI,
verbracht, wo sie den dort tätigen Mitarbeitern zugänglich waren. Diese Hand-
lungen lassen sich nicht mit einem konkreten Auftrag für und im Sinne der Pri-
vatklägerin erklären. Mangels Angaben in der dazugehörenden Sparte der frag-
lichen Produkt-Zeichnungen ist der Hinweis von Q., dass diese nicht kundenspe-
zifisch waren und nicht für Verkaufsgespräche mit einem Kunden benötigt wur-
den, kohärent. Auch in den an sich versandten E-Mails hatte der Beschuldigte
keinen Kundenvermerk vorgenommen oder auf einen spezifischen Auftrag hin-
gewiesen, den er bei der Privatklägerin zu erfüllen hatte. Die von ihm in den
Räumlichkeiten der F. SagI abgelegten Unterlagen der Privatklägerin wurden ca.
ein Jahr, nachdem er das Arbeitsverhältnis mit der Privatklägerin beendet hatte,
vorgefunden. Durch sein Verhalten hat der Beschuldigte seine Treuepflichten
- 35 -
nach Art. 321a Abs. 1 und 4 OR bzw. seine vertragliche Pflicht gegenüber der
Privatklägerin (s. oben E. 5.5.3.1) verletzt. Aufgrund der oben erwähnten unmiss-
verständlichen Vertragsbestimmungen zur Geheimhaltung muss ihm dies be-
wusst gewesen sein. Sein Verhalten stellt eine Rechtsverletzung dar (s. oben
E. 5.5.3.1) und war entscheidend für die Begründung und die Aufrechterhaltung
des Verdachts gegen ihn. Der Einwand der Verteidigung, wonach eine allfällige
Verletzung des Konkurrenzverbots durch den Beschuldigten keinen strafrechtli-
chen Verdacht begründete, zumal jeder Mitarbeiter der Privatklägerin Zugang zu
den fraglichen Daten hatte, ist unbehilflich. Der Verdacht der Verletzung von Art.
162 StGB ergab sich aus verschiedenen, durch den Beschuldigten in Verletzung
seiner Treuepflichten wiederrechtlich geschaffenen Verdachtsmomenten: Der
Beschuldigte hatte seine Stelle bei der Privatklägerin gekündigt und trotz dieser
Kündigung Handlungen vorgenommen, die ihm ermöglichten, auch nach der Be-
endigung des Arbeitsverhältnisses über diverse Dokumente der Privatklägerin zu
verfügen, wobei er gleichzeitig mit seiner Ehefrau den Aufbau einer in derselben
Produktensparte tätigen Unternehmung plante und auch Kunden der Privatklä-
gerin kontaktierte bzw. akquirierte. Der Verdacht, dass das von ihm geleitete
Konkurrenzunternehmen Interesse an den Dokumenten haben durfte bzw. dass
er deren Inhalt den dortigen Sachbearbeitern eröffnen würde, ist somit nahelie-
gend und berechtigt. Ein solches Interesse setzt nicht voraus, dass eine neu ge-
gründete Unternehmung beabsichtigt, exakte Kopien der Konkurrenzprodukte
herzustellen. Die blosse Aneignung von Know-how oder der Besitz genauer In-
formationen technischer Daten von konkurrierenden Produkten liegt bereits im
Interesse eines Unternehmens und kann einen Wettbewerbsvorteil begründen.
5.5.7 Nach dem Gesagten hat der Beschuldigte in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise,
indem er gegen die arbeits- und vertragsrechtliche Treupflicht klar verstossen
hat, das Strafverfahren veranlasst. Er ist grundsätzlich in vollem Umfang kosten-
tragungspflichtig im Sinne von Art. 426 Abs. 2 StPO.
5.6 Eine teilweise Übernahme der Verfahrenskosten durch die Eidgenossenschaft
rechtfertigt sich jedoch unter Berücksichtigung von Art. 426 Abs. 3 lit. a StPO,
denn bei der Beurteilung der kausal verursachten Auslagen ist vorliegend auch
dem Umstand Rechnung zu tragen, dass Grundrechte der Parteien, insbeson-
dere das rechtliche Gehör, wie das Akteneinsichtsrecht oder das Recht des Be-
schuldigten auf Stellungnahme zu sämtlichen konkreten Tatvorwürfen, im Vor-
verfahren beschnitten wurden (siehe auch Urteil TPF vom 16. Mai 2017 Bst. M).
Weiter wurde das Anklageprinzip verletzt. Auch diese Feststellungen sind durch
das Rückweisungsurteil nicht tangiert worden, weshalb auf die entsprechenden
Erwägungen im Urteil TPF vom 16. Mai 2017 (E. 3.3.1; 3.3.2.1.; 3.3.2.3; 3.4.1.3;
3.4.2.3) verwiesen werden kann. Aufgrund einer Position in der Honorarnote des
Vertreters der Privatklägerschaft vom 28. April 2017 stellt sich zudem die Frage
- 36 -
nach einer allfälligen Verletzung der Dokumentationspflicht bzw. einer Verletzung
des rechtlichen Gehörs. So weist diese Honorarnote ein Treffen auf, das am
8. März 2013, also noch vor Eröffnung des Strafverfahrens durch die Bundesan-
waltschaft, zwischen den Anwälten der Privatklägerin und der Bundesanwalt-
schaft in Zürich stattgefunden haben soll (TPF SK.2016.14 pag. 5.925.25 f.). Aus
den Verfahrensakten ist hierüber nichts zu entnehmen. Ferner wurden die Eruie-
rung und Sichtung der konkreten Tatobjekte oder die Ermittlung deren Geheim-
niseigenschaften und die Stellungnahme hierzu erst nach Anklageerhebung ge-
währt bzw. vorgenommen (s. Urteil TPF vom 16. Mai 2017 Bst. P; Q). Durch
dieses Vorgehen wurde eine Verzögerung des Verfahrens verursacht. Eine voll-
ständige Strafuntersuchung und die Gewährung des rechtlichen Gehörs im Vor-
verfahren sind auch deshalb angezeigt, weil sie u.a. die frühere Umgrenzung des
Tatvorwurfes und somit mindestens eine entsprechende Eingrenzung der Ver-
fahrenskosten bewirkt. Die Klärung der Tatsachen und die Untersuchung des
Sachverhaltes im Vorverfahren und im Hinblick auf die Beurteilung der einzelnen
rechtlichen Tatbestandselemente dient der Ermittlung des allenfalls strafbaren
Tatgeschehens und damit der Vermeidung eines zusätzlichen Aufwandes bzw.
darüberhinausgehender Auslagen. Vorliegend ist davon auszugehen, dass eine
Sichtung der Tatobjekte und eine Stellungnahme dazu im Vorverfahren notwen-
dige Informationen zum Inhalt der einzelnen Objekte, zu deren allfälligen Weiter-
gabe durch den Beschuldigten bzw. zum mutmasslichen Empfänger oder auch
zur Unterscheidung und Beschaffenheit der verschiedenen Maschinentypen ge-
liefert hätten. Dies hätte beispielsweise die Arbeit des Gutachters reduzieren o-
der vereinfachen können, ferner der Präzisierung bzw. Eingrenzung des Tatvor-
wurfes gedient und somit keine späteren Heilungsmassnahmen erfordert.
In Berücksichtigung dieser Umstände wird der vermeidbare Zusatzaufwand auf
15 Prozent geschätzt, weshalb die Verfahrenskosten, die bis und mit 16. Mai
2017 entstanden sind, in diesem Umfang durch die Eidgenossenschaft zu tragen
sind. Dem Beschuldigten sind somit 85 Prozent der entsprechenden Verfahrens-
kosten aufzuerlegen.
5.7 Die Verfahrenskosten im Verfahren SK.2018.48 sind nicht vom Beschuldigten
verschuldet und sie sind ihm somit nicht aufzuerlegen.
5.8 Die Verfahrenskosten setzen sich zusammen aus den Gebühren zur Deckung
des Aufwands und den Auslagen im konkreten Straffall (Art. 422 Abs. 1 StPO;
Art. 1 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über
die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR;
SR 173.713.162]). Bund und Kantone regeln die Berechnung der Verfahrenskos-
ten und legen die Gebühren fest. Sie können für einfache Fälle Pauschalgebüh-
ren festlegen, die auch die Auslagen abgelten (Art. 424 StPO).
- 37 -
5.8.1 Die Gebühren sind für die Verfahrenshandlungen geschuldet, die im Vorverfah-
ren von der Bundeskriminalpolizei und von der Bundesanwaltschaft sowie im
erstinstanzlichen Hauptverfahren von der Strafkammer des Bundesstrafgerichts
durchgeführt oder angeordnet worden sind (Art. 1 Abs. 2 BStKR). Die Höhe der
Gebühr richtet sich nach Bedeutung und Schwierigkeit der Sache, der Vorge-
hensweise der Parteien, ihrer finanziellen Situation und dem Kanzleiaufwand
(Art. 5 BStKR); sie bemisst sich nach Art. 6 und Art. 7 BStKR.
5.8.2 Die Auslagen umfassen die vom Bund vorausbezahlten Beträge, namentlich die
Kosten für die amtliche Verteidigung, Übersetzungen, Gutachten, Mitwirkung an-
derer Behörden, Porti, Telefonspesen und andere entsprechende Kosten
(Art. 422 Abs. 2 StPO; Art. 1 Abs. 3 BStKR), wobei die Entschädigung der amtli-
chen Verteidigung durch die Strafbehörde erfolgt und die beschuldigte Person
verpflichtet werden kann dem Bund oder dem Kanton diese Entschädigung zu-
rückzuerstatten.
5.8.3 Die Dispositivziffer 5. des Strafbefehls vom 5. Februar 2016 verfügte: «Von den
Verfahrenskosten von gesamthaft Fr. 9‘000.-- werden A. Fr. 1‘500.-- auferlegt».
Gemäss Art. 2 Abs. 1 und 3 BStKR erstellen die Bundesanwaltschaft und die
Bundeskriminalpolizei separat eine Aufstellung ihrer Kosten. Stellt die Bundes-
anwaltschaft der Strafkammer des Bundesstrafgerichts eine Anklageschrift zu,
fügt sie die Kostenaufstellungen für das Vorverfahren einschliesslich derjenigen
für die Anklageerhebung bei.
Vorliegend ist nicht bekannt, woraus sich die Summe der im Strafbefehl genann-
ten Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 9‘000.-- zusammensetzt. In der Rubrik
«Verfahrenskosten» der Verfahrensakten (BA Rubrik 24) finden sich keine die-
sem Verfahren zugehörenden Auslagen. Gemäss Art. 6 Abs. 4 BStKR werden
im Falle eines Strafbefehls Gebühren in der Höhe von Fr. 200.-- bis
Fr. 20‘000.-- erhoben. Die Verfahrenskosten von Fr. 9‘000.-- würden in diesen
Rahmen fallen, mangels ausgewiesenen Auslagen dürfte sich dieser Betrag aus-
schliesslich auf die Gebühr beziehen. Eine Erläuterung hierzu wie auch eine Be-
gründung, weshalb nur 1/6 dieser Gebühr (Fr. 1‘500.--) dem Beschuldigten auf-
zuerlegen wäre, findet sich in den Ausführungen des Strafbefehls indessen nicht.
Es fällt auf, dass der Strafbefehl vom 5. Februar 2016 mit «Strafbefehl und Ver-
einigungsverfügung» betitelt ist und sich darin vermischt im Weiteren eine Ein-
stellungsverfügung befindet (pag. 3.1.3 ff.). Inwiefern allenfalls die eingestellten
Straftatbestände eine Mehrgebühr verursacht hätten, ist jedoch nicht zu erken-
nen. Unter Berücksichtigung der Gebührenlimite für Strafbefehle von
Fr. 20‘000.-- sowie des Untersuchungsaufwandes im Vorverfahren rechtfertigt
sich eine Gebühr in der Höhe von Fr. 2‘000.--. Wie bereits erwähnt sind im Vor-
verfahren keine Auslagen ausgewiesen.
- 38 -
5.8.4 Die Gerichtsgebühr für das erstinstanzliche Hauptverfahren im Verfahren
SK.2016.14 vor dem Einzelgericht liegt zwischen Fr. 200.-- und Fr. 50‘000.--
(Art. 7 lit. a BStKR). Aufgrund der Bedeutung und Schwierigkeit der Sache sowie
des angefallenen Aufwands ist diese auf Fr. 2‘200.-- festzusetzen (Art. 5 i.V.m.
Art. 7 lit. a BStKR). Zudem sind im Verfahren SK.2016.14 Auslagen im Gesamt-
betrag von Fr. 17‘144.-- angefallen (Fr. 16‘825.50: Gutachten von dipl. Ing. T.,
TPF SK.2016.14 pag. 5.740.3; Fr. 88.50: Zeugenentschädigung für K., TPF
SK.2016.14 pag. 5.761.1; Fr. 230.--: Entschädigung Dolmetscherin für Einver-
nahme des Zeugen K., TPF SK.2016.14 pag. 5.771.1; Art. 422 Abs. 2 lit. b i.V.m.
Art. 426 Abs. 3 lit. b e contrario StPO).
5.8.5 Gesamthaft belaufen sich die Verfahrenskosten bis und mit 16. Mai 2017 (Ge-
bühren und Auslagen) auf Fr. 21‘344.--. Davon hat der Beschuldigte rund 85 Pro-
zent zu tragen (s. oben E. 5.6). Dem Beschuldigten sind daher Verfahrenskosten
von insgesamt Fr. 18‘144.-- aufzuerlegen.
Die Kosten im Verfahren SK.2018.48 sind von der Eidgenossenschaft zu tragen
(vgl. oben E. 5.7).
6. Entschädigung der beschuldigten Person
6.1 Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das
Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruch auf Entschädigung ihrer
Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte (Art. 429
Abs. 1 lit. a StPO). Die Strafbehörde kann die Entschädigung herabsetzen oder
verweigern, wenn die beschuldigte Person rechtswidrig und schuldhaft die Ein-
leitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 430
Abs. 1 lit. a StPO; siehe auch Art. 430 Abs. 2 i.V.m. Art. 428 Abs. 2 StPO). Ge-
mäss Art. 429 Abs. 2 StPO prüft die Strafbehörde den Anspruch auf Entschädi-
gung und Genugtuung von Amtes wegen. Sie kann die beschuldigte Person auf-
fordern, ihre Ansprüche zu beziffern und zu belegen.
Die für die Kostenauflage bei Freispruch erwähnten Grundsätze gelten auch bei
der Beurteilung, ob eine Entschädigung oder Genugtuung im Sinne von Art. 430
Abs. 1 lit. a StPO herabzusetzen oder zu verweigern ist (BGE 120 Ia 147 E. 3b;
112 Ia 371 E. 2a in fine; Urteil des Bundesgerichts 6B_67/2014 vom 2. Septem-
ber 2014 E. 2.3; je mit Hinweisen). Eine Kostenauflage nach Art. 426 Abs. 2 StPO
schliesst in der Regel einen Anspruch auf Entschädigung aus. Der Kostenent-
scheid präjudiziert die Entschädigungsfrage. Bei Auferlegung der Kosten ist
grundsätzlich keine Entschädigung auszurichten (Botschaft vom 21. Dezember
2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1329 f. Ziff.
- 39 -
2.10.3.1; BGE 137 IV 352 E. 2.4.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_586/2013 vom
1. Mai 2014 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_414/2016 vom 29. Juli 2016
E. 2.5; je mit Hinweisen).
6.2 Der Beschuldigte beantragte anlässlich der Hauptverhandlung eine Entschädi-
gung für die entstandenen Verteidigungskosten (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO) sowie
Fr. 3‘000.-- pauschal für wirtschaftliche Einbussen, die ihm aus der notwendigen
Beteiligung am Strafverfahren entstanden seien (Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO).
6.3 Wie bereits aufgeführt, trägt der Beschuldigte vorliegend, gestützt auf Art. 426
Abs. 1 und 2 StPO, 85 Prozent der Verfahrenskosten, die bis 17. Mai 2017 ent-
standen sind, was auch eine Entschädigung in diesem Umfang präjudiziert. Es
ist davonauszugehen, dass der festgestellte unnötige bzw. fehlerhafte prozessu-
ale Zusatzaufwand (s. oben E. 5.6), die Aufwendungen der Verteidigung entspre-
chend erhöht hat, was nicht durch den Beschuldigten zu verantworten ist. Es sind
ihm daher rund 15 Prozent der Auslagen für angemessene Verteidigungstätig-
keiten vor dem 17. Mai 2017 im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zu entschä-
digen.
Im Übrigen hat der Beschuldigte Anspruch auf Entschädigung der Aufwendun-
gen für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte im vorliegenden
Verfahren (SK.2018.48) im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO.
6.4 Als Ausgangslage für die Berechnung dieser Entschädigung dient die Honorar-
note von Rechtsanwalt Corda vom 17. Juni 2019 (TPF pag. 6.721.39 ff.). Die
Positionen auf TPF pag. 6.721.42 (Zeitpanne 3. März 2017 bis 16. Mai 2017)
sind nicht zuordenbar, dürften indessen den Positionen der im Verfahren
SK.2016.14 eingereichten Honorarnote von Rechtsanwalt Ferrazzini (TPF
SK.2016.14 pag. 5.925.35 ff.) entsprechen. Die Aufwände von Rechtsanwalt Fer-
razzini sind nicht zu berücksichtigten, da die Bevollmächtigung eines zweiten
Verteidigers aus sprachlichen Gründen nicht von der Eidgenossenschaft zu ver-
treten ist; die Verfahrenssprache war von Beginn weg Deutsch (vgl. dazu auch
Verfügung vom 2. März 2017; TPF SK.2016.14 pag. 5.950.17).
6.5 Die Berechnung der Entschädigung der Wahlverteidigung wird im Bundesstraf-
verfahren nach dem Anwaltstarif des Bundes, mithin gemäss BStKR, festgesetzt
(Art. 10 BStKR). Die Anwaltskosten umfassen das Honorar und die notwendigen
Auslagen, namentlich für Reise, Verpflegung und Unterkunft sowie Porti und Te-
lefonspesen (Art. 11 Abs. 1 BStKR). Das Honorar wird nach dem notwendigen
und ausgewiesenen Zeitaufwand des Verteidigers bemessen. Der Stundenan-
satz beträgt mindestens Fr. 200.-- und höchstens Fr. 300.-- (Art. 12 Abs. 1
BStKR). Die Auslagen werden im Rahmen der Höchstansätze aufgrund der tat-
sächlichen Kosten vergütet (Art. 13 BStKR). Bei Verfahren im ordentlichen
- 40 -
Schwierigkeitsbereich, beträgt der Stundenansatz gemäss ständiger Praxis der
Strafkammer Fr. 230.-- für Arbeitszeit und Fr. 200.-- für Reisezeit (vgl. z.B. Urteil
des Bundesstrafgerichts SK.2015.12 vom 15. September 2015 E. 9.2; Beschluss
des Bundesstrafgerichts BK.2011.21 vom 24. April 2012 E. 2.1; Entscheid des
Bundesstrafgerichts SN.2011.16 vom 5. Oktober 2011 E. 4.1).
Rechtsanwalt Corda beantragt einen Stundenansatz von Fr. 300.-- und begrün-
det diesen mit seinem Mandat als erbetener Verteidiger und damit, ein zweispra-
chiges Mandat ausgeübt zu haben (TPF pag. 6.721.32 f.). Als Massstab bei der
Beantwortung der Frage, welcher Aufwand für eine angemessene Verteidigung
im Strafverfahren nötig ist, hat der erfahrene Anwalt zu gelten, der im Bereich
des materiellen Strafrechts und des Strafprozessrechts über fundierte Kennt-
nisse verfügt und deshalb seine Leistungen von Anfang an zielgerichtet und effi-
zient erbringen kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_264/2016 vom 8. Juni 2016
E. 2.4.1 mit Hinweisen; Urteil 6B_824/2016 E. 18.3.1). Das vorliegende Verfah-
ren (SK.2018.48 und SK.2016.14) betreffend Verletzung des Fabrikations- oder
Geschäftsgeheimnisses stellte in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht keine
überdurchschnittlichen Anforderungen an die Verteidigung in einem Bundesstraf-
verfahren. Das Verfahren war auf Deutsch, wobei das Verfahrensdossier auch
Akten auf Italienisch beinhaltete. In einem Bundesstrafverfahren darf von einem
Schweizer Anwalt erwartet werden, dass er die Verfahrenssprache für die Aus-
übung seines Mandates ausreichend gut und allfällige weitere tangierte Landes-
sprachen zumindest passiv beherrscht. Insofern ist auch dieser Umstand nicht
aussergewöhnlich. Der Stundenansatz ist daher auf Fr. 230.-- für Arbeitszeit so-
wie auf Fr. 200.-- für Reisezeit festzusetzen.
6.6 Rechtsanwalt Corda fakturiert, gemäss der an der Hauptverhandlung vom
17. Juni 2019 eingereichten Honorarnote (TPF pag. 6.721.39 ff.), ein Honorar
von insgesamt Fr. 71'398.19.
6.6.1 Davon betreffen Fr. 49'936.18 (inkl. MWSt) die Zeit von 6. Mai 2013 bis 7. No-
vember 2017, mithin vor Eröffnung des Verfahrens SK.2018.48 und setzen sich
zusammen aus 134 Arbeitsstunden und 5.25 Stunden Reisezeit à je Fr. 300.--
sowie Spesen von Fr. 292.70 und einer weiteren Pauschale für Spesen von 10
Prozent. Die Entschädigungsforderung ist gemäss dem obgenannten Anwaltsta-
rif des Bundes (Stundenansatz von Fr. 230.--, bzw. 200.-- für Reisezeit) anzu-
passen. Die 134 Stunden umfassen auch 105 Arbeitsminuten (19. Mai und 7. No-
vember 2017), deren Entschädigung bereits durch das Rückweisungsurteil er-
fasst ist, hängen sie doch mit dem entsprechenden Beschwerdeverfahren zu-
sammen. Sie sind nicht doppelt bzw. nochmals im vorliegenden Verfahren zu
entschädigen. Der Zeitaufwand bis und mit 16. Mai 2017 ist damit auf 132.25
- 41 -
Stunden zu kürzen. Im Zusammenhang mit den Spesen ist eine Pauschalent-
schädigung von 10 Prozent massiv überdurchschnittlich, im üblichen Rahmen
liegt eine Pauschalentschädigung für Auslagen/Spesen von 3 Prozent, welche
auch die Fahrspesen erfasst. Daher ist dieser Prozentsatz anzunehmen. Insge-
samt ergibt dies einen angemessenen Aufwand (inkl. MWSt) im Betrag von
Fr. 35'004.40 (132.25 Stunden à Fr. 230.--, 5.25 Stunden à 200.--, 3% pauschale
Spesenentschädigung, 8% MWSt). Davon sind rund 15 Prozent, Fr. 5‘255.-- aus-
machend, dem Beschuldigten als Entschädigung für die Ausübung seiner Ver-
fahrensrechte bis 17. Mai 2017 (mithin für das Verfahren SK.2016.14) zuzuspre-
chen. Im Übrigen ist die sich auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO berufende Entschädi-
gungsforderung betreffend die Zeit bis zum 17. Mai 2017 abzuweisen. Das gilt
auch für die in der Honorarnote von Rechtsanwalt Corda erfassten, jedoch die
Aufwendungen von Rechtsanwalt Ferrazzini betreffenden, Fr. 9'842.04 (s. oben
E. 6.4).
6.6.2 Zu den geltend gemachten Aufwänden für das Verfahren SK.2018.48, mithin für
alle Aufwände ab 17. Mai 2017, ist Folgendes festzuhalten: Fr. 2'791.80 (inkl.
MWSt) betreffen das Jahr 2018 und basieren auf 7 Stunden und 50 Minuten Ar-
beitsaufwand à Fr. 300.-- pro Stunde sowie Spesen in einer Pauschale von
10 Prozent. Die Berechnung der Entschädigung der Forderung ist auch hier ge-
mäss dem obgenannten Anwaltstarif des Bundes (Stundenansatz von Fr. 230.--)
und der üblichen Spesenpauschale von 3% anzupassen. Insgesamt ergibt dies
für das Jahr 2018 (inkl. MWSt) eine Entschädigung von Fr. 2'003.30 (7.83 Stun-
den à 230.--, 3% pauschale Spesenentschädigung, 8% MWSt). Die weiter gel-
tend gemachten Fr. 8’828.17 (inkl. MWSt) betreffen das Jahr 2019 bis Ende
Hauptverhandlung im Verfahren SK.2018.48 und basieren auf 22.5 Arbeitsstun-
den sowie 2 Stunden Reisezeit à je Fr. 300.--, Spesen in der Höhe von
Fr. 112.-- und in einer zusätzlichen Spesenpauschale von 10 Prozent. Die Be-
rechnung der Entschädigung der Forderung ist auch hier gemäss dem obge-
nannten Anwaltstarif des Bundes (Stundenansatz von Fr. 230.--, Reisezeit
Fr. 200.--) und der üblichen Spesenpauschale von 3% anzupassen. Für die
Dauer der Hauptverhandlung vom 17. Juni 2019, die an jenem Tag erfolgten Be-
sprechungen mit dem Beschuldigten und die Bearbeitung des Urteils ist ein Ar-
beitsaufwand von neun Stunden und eine Reisezeit von einer Stunde dazuzu-
rechnen. Insgesamt ergibt dies für das Jahr 2019 (inkl. MWSt) eine Entschädi-
gung von Fr. 8'702.55 (31.5 Stunden à Fr. 230.--, 3 Stunden à Fr. 200.--, 3% pau-
schale Spesenentschädigung, 7.7% MWSt).
6.6.3 Zusammengefasst ist der Beschuldigte gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO mit
insgesamt Fr. 15'960.85 für seine Aufwendungen im Verfahren zu entschädigen.
- 42 -
6.7 Die vom Beschuldigten beantragte Entschädigung der wirtschaftlichen Einbus-
sen gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO in der Höhe von Fr. 3‘000.-- ist weder
substantiiert noch ausgewiesen. Der Antrag ist abzuweisen.
7. Entschädigungsforderung der Privatklägerschaft
7.1 Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf
angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren,
wenn (a.) sie obsiegt oder (b.) die beschuldigte Person nach Art. 426 Abs. 2 StPO
kostenpflichtig ist. Die Privatklägerschaft hat ihre Entschädigungsforderung bei
der Strafbehörde zu beantragen, zu beziffern und zu belegen. Kommt sie dieser
Pflicht nicht nach, so tritt die Strafbehörde auf den Antrag nicht ein (Art. 433
StPO). Für die Berechnung der Entschädigung sind die Bestimmungen über die
Entschädigung der amtlichen Verteidigung anwendbar (Art. 10 ff. BStKR), sie
umfasst analog den notwenigen und ausgewiesenen Zeitaufwand der rechtlichen
Vertretung und die notwendigen Auslagen. Der Stundenansatz für Praktikanten
beträgt praxisgemäss Fr. 100.-- (s. anstatt vieler Urteil des Bundesstrafgerichts
SK.2015.4 vom 18. März 2015 E. 9.2; s. auch Urteil Bundesgericht 6B_118/2016
vom 20.03.2017 E. 4.4.1).
7.2 Die Privatklägerin machte anlässlich der Hauptverhandlung vom 17. Juni 2019
eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 31'393.70 (inkl. MWSt) geltend (Hono-
rarnote der Kanzlei Kunz Schmid vom 13. Juni 2019, TPF pag. 6.721.35 ff.).
7.3 Die Berechnung der Entschädigung der Forderung der Privatklägerschaft (wel-
che sich auf einen Stundenansatz von Fr. 280.-- bzw. Fr. 200.-- für Praktikanten-
tätigkeit bezieht) ist den reglementarischen Vorgaben und der Praxis des Ge-
richts (Fr. 230.--/Fr. 200.-- und Fr. 100.--, s. E. 6.5 und 7.1) anzupassen. In Be-
rücksichtigung des Gesagten belaufen sich die im Rahmen der Entschädigung
zu berücksichtigenden Aufwendungen und Spesen (Auslagepauschale 3%) von
Rechtsanwalt Weingart auf Gesamthaft Fr. 25'477.35 (inkl. MWSt), wobei
Fr. 20'775.60 auf die Zeit bis 17. Mai 2017 und Fr. 4'701.75 auf die Zeit ab 17. Mai
2017 anfallen.
7.4 Für das Verfahren SK.2016.14, mithin alle Aufwände bis und mit 16. Mai 2017,
hat die Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten einen Anspruch auf ange-
messene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, soweit sie
obsiegt hat oder soweit der Beschuldigte kostenpflichtig ist, vorliegend somit in
Bezug auf 85 Prozent (vgl. E. 5.6) bzw. Fr. 17'659.25. Auch hier hat der Beschul-
digte jene Aufwendungen nicht zu vertreten, die durch die Verletzung von Grund-
- 43 -
rechten und Verfahrensprinzipien einen entsprechenden prozessualen Zusatz-
aufwand verursacht und somit auch zu einem entsprechenden Mehraufwand der
Parteivertreter geführt haben.
7.5 Für das Verfahren ab 17. Mai 2017 bzw. SK.2018.48 sind dem Beschuldigten
keine Kosten aufzuerlegen (s. oben E. 5.8.5). Ferner hat die Privatklägerin bloss
teilweise obsiegt, deren Anträgen auf Verurteilung wegen Versands einer E-Mail
vom 25. Januar 2012 und Verrats sämtlicher bei der Firma F. SagI sichergestell-
ten Unterlagen (s. TPF pag. 6.721.28) wurde keine Folge geleistet. Somit ist der
Beschuldigte zu verpflichten, bloss rund 10% der Aufwendungen der Privatklä-
gerin ab 17. Mai 2017, mithin Fr. 470.--, zu deren Gunsten zu entschädigen.
7.6 Insgesamt hat der Beschuldigte der Privatklägerin eine Entschädigung in der
Höhe von Fr. 18'129.25 zu entrichten.
8. Beschlagnahmen/Einziehungen
8.1 Das Gericht verfügt ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit einer bestimmten Person
die Einziehung von Gegenständen, die zur Begehung einer strafbaren Handlung
gedient haben oder bestimmt waren, oder die durch eine strafbare Handlung her-
vorgebracht worden sind, wenn diese Gegenstände die Sicherheit von Men-
schen, die Sittlichkeit oder die öffentliche Ordnung gefährden. Das Gericht kann
anordnen, dass die eingezogenen Gegenstände unbrauchbar gemacht oder ver-
nichtet werden (Art. 69 StGB). Ist der Grund für die Beschlagnahme weggefallen
so hebt das Gericht die Beschlagnahme auf und händigt die Gegenstände oder
Vermögenswerte der berechtigten Person aus (Art. 267 Abs.1 StPO). Ist die Be-
schlagnahme eines Gegenstandes oder Vermögenswertes nicht vorher aufgeho-
ben worden, so ist über seine Rückgabe an die berechtigte Person, seine Ver-
wendung zur Kostendeckung oder über seine Einziehung im Endentscheid zu
befinden (Art. 267 Abs. 3 StPO).
8.2 Am 30. April 2013 wurde am Wohnort des Beschuldigten in W. und in den Räum-
lichkeiten der F. Sagl in Z. eine Hausdurchsuchung durchgeführt (pag. 8.1.4 ff.
und 8.2.1. ff.). Dabei wurden verschiedene Gegenstände sichergestellt (pag.
8.1.16-17 und 8.2.10 ff.) und mit Verfügung vom 24. November 2014, gestützt
auf Art. 263 Abs. 1 lit. a und c StPO, durch die Bundesanwaltschaft beschlag-
nahmt (pag. 8.4.1 ff.; insb. 8.4.3 Ziffer 2). Einige dieser Gegenstände wurden im
weiteren Verlauf des Vorverfahrens schliesslich wieder herausgegeben (pag.
8.3.1 und 8.3.3). Insgesamt sind weiterhin 15 Asservate, welche in den Räum-
lichkeiten der F. SagI sichergestellt wurden, beschlagnahmt.
- 44 -
8.2.1 Beim Asservat Nr. 02.03.0015, umschrieben mit «6 Pläne (Zahnrad Motor) B.
AG, 10- 00-599» (pag. 8.4.3), handelt es sich offensichtlich um die sechs techni-
schen Zeichnungen der Privatklägerin, welche anlässlich der Hausdurchsuchung
in den Räumlichkeiten der F. SagI sichergestellt wurden, somit auch um die drei
Objekte des vorliegenden Schuldspruchs. Die Kopien/Doppel dieser Zeichnun-
gen befinden sich zwar in den Akten, jedoch sind die Originalausdrucke der Be-
rechtigten bzw. der Privatklägerin herauszugeben.
8.2.2 Die übrigen Beschlagnahmungen sind vom Rückweisungsurteil nicht betroffen,
weshalb der entsprechende Entscheid gemäss Urteil TPF vom 16. Mai 2017 be-
stätigt wird. Somit werden die nachgenannten Asservate wie folgt an den Berech-
tigten herausgegeben:
 Nr. 01.01.0001-0005 (fünf externe Festplatten [iomega, 21B, Beschriftung:
#5’, Originalbackup Server (linux); iomega, 2TB, Beschriftung: “#Monat’,
Originalbackup Server vom 28.02.2012 Gesamtes System Daten /MaiI
(linux); iomega, 3TB, Beschriftung: Acronis/Mailboxen 28.2.2012 DHCO,
Extraktion der Mailboxen .edb file 44 GB, Acronis Image ganzer Server
1TB; iomega, 315, Beschriftung: Dienstag 192.168.1.181 ‘Mailboxen von
17.4.2013, Acronis tib Files Aktuelle Mailbox. edb File 50GB, Name: SI-
CHERUNGENO2.tip File User: admin PW: Sihd7Ol2fe; Externe Festplatte
Seagate 160GB, SN 5RF19FN9m aus Laptop HP 6710b, A.], an die Pri-
vatklägerin;
 Nr. 02.02.0006 (Mailbox PST Export Postfach J.),
 Nr. 02.02.0014 (Benutzerprofil ab Notebook HP Probook 4530S, J. [Buch-
haltung und Bananasoftware])
 Nr. 02.03.0001 und 02.03.0002 (Physisches Image ab Server, Harddisk
1 und 2, SVHPProliantMLI 10G7 500GB)
 Nr. 02.03.0004 (Mailbox PST Export Postfach K.)
 Nr. 02.03.0005 (Mailbox PST Export Postfach L.)
 Nr. 02.04.0007 (Mailbox PST Export Postfach M.)
 Nr. 02.01.0009 (Kopie „Contratto di locazione“)
 Nr. 02.01.0011 („Kuvert mit Contratto G. S.p.A.“)
 Nr. 02.01.0008 („Sichtmappe mit Mailunterlagen von A., B. AG, H. S.r.l.,
QUOTATION No. 12-5040, vom 05.07.2012“)
 Nr. 02.01.0010 („Sichtmappe mit Mailunterlagen von I. an A. bezüglich
Tecnici B. AG vom 20.10.2011“)
 Nr. 02.03.0016 (2 „Klarsichtmappen, Trasmissione, mit diversen Planskiz-
zen und Zeichnungen“)
 Nr. 02.03.0017 („Klarsichtmappe mit Skizzen Reibriemen Spanner“) und
- 45 -
 Nr. 02.01.0003 (Physisches Image Laptop HP ProBook 4730 S, 750 GB),
nach Löschung der E-Mails vom 22. März 2011, 14.36 Uhr, und 15. August
2011, 11.04 Uhr) an den Berechtigten.
Zur Begründung wird auf das Urteil TPF vom 16. Mai 2017 E. 8 verwiesen.
- 46 -