Decision ID: aa088173-6e53-4277-a454-8e8f95b8bd69
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- Die Genossenschaft T. ist Eigentümerin des Grundstücks Nr. 0000 in der Gemeinde
X. mit der Tennishalle Vers. Nr. 0000. In den Jahren 2010 bis 2012 erstellte die
Genosschenschaft als Anbauten ein Materiallager an der Westseite des Gebäudes und
WC-Anlagen an der Südseite des Gebäudes sowie eine Photovoltaikanlage. Am 26.
September 2012 wurde das Grundstück Nr. 0000 neu geschätzt. Dabei wurde der
Zeitwert des Gebäudes Vers. Nr. 0000 auf Fr. 3'625'000.-- festgesetzt. Davon entfielen
Fr. 2'622'000.-- auf die bestehende Baute, Fr. 192'000.-- auf den Anbau West und
Fr. 351'000.-- auf den Anbau Süd sowie Fr. 460'000.-- auf die Photovoltaikanlage.
Am 29. Oktober 2012 stellte die Wasserkorporation X. der Genossenschaft für die
Photovoltaikanlage einen Anschlussbeitrag von Fr. 4'600.-- zuzügl. 2,5% MWSt,
insgesamt Fr. 4'715.-- in Rechnung. Der Beitrag stützte sich auf Art. 42 des
Wasserreglements (abgekürzt: WR) und betrug 1% des Mehrwertes gemäss der
Schätzung von Fr. 460'000.--.
B.- Gegen die Beitragsveranlagung erhob die Genossenschaft T. Einsprache. Der
Verwaltungsrat der Wasserkorporation X. hiess diese mit Entscheid vom 5. Dezember
2012 teilweise gut, indem er einen Abzug von Fr. 50'000.-- beim massgebenden
Mehrwert machte. Zur Begründung hielt er fest, er würdige das umweltbewusste
Bestreben der Einsprecherin und gewähre für die Photovoltaikanlage einen Abzug von
Fr. 50'000.-- gemäss Art. 42 Abs. 3 WR.
C.- Mit Eingabe vom 19. Dezember 2012 erhob die Genossenschaft T. Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, der Entscheid des Verwaltungsrates
vom 5. Dezember 2012 sei aufzuheben und auf die Erhebung eines Beitrages sei zu
verzichten, eventualiter sei die Anschlusstaxe auf maximal Fr. 500.-- festzulegen. Zur
Begründung wird vorgebracht, der angefochtene Entscheid stehe im Widerspruch zu
Art. 37 WR und zur Rechtsprechung des Bundesgerichts. Der Beitrag dürfe nicht
ausschliesslich nach dem Zeitwert bemessen werden. Weder die Gebäudefläche noch
das Gebäudevolumen seien vergrössert worden. Es werde zudem kein zusätzliches
Wasser genutzt oder zusätzliches Abwasser verursacht. Im Abwasserreglement der
Gemeinde X. seien bspw. Regelungen für Ausnahmefälle verankert.
Die Vorinstanz übermittelte der Verwaltungsrekurskommission am 15. Februar 2013 die
Akten und hielt fest, sie verzichte auf eine Vernehmlassung.
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Auf weitere Einzelheiten wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis der
Genossenschaft T. zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 19. Dezember
2012 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht
die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. h Ziff. 5, 45 Abs. 1, 47 Abs. 1 und 48 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist daher einzutreten.
2.- Die streitige Abgabe stützt sich auf Art. 37 WR. Danach setzt sich der
Anschlussbeitrag aus einer festen Grundquote sowie einem nach der Nutzungsart und
dem Zeitwert des Objekts abgestuften Zuschlag zusammen (Art. 37 Abs. 3 WR). Der
Anschlussbeitrag wird auch für Umbauten, Erweiterungen und dergleichen erhoben
(Art. 37 Abs. 4 WR). Massgebend für die Bemessung des Anschlussbeitrags ist das
Primärsteuerdomizil, die Nutzungsart sowie der Zeitwert des Objektes (Art. 37 Abs. 5
WR). Der Nutzungsart des Gebäudes wird insoweit Rechnung getragen, als in Art. 39
WR der Gebäudezuschlag für verschiedene Gebäudearten unterschiedlich festgelegt
ist. Für Industrie- und Gewerbebetriebe, Ferienheime, Ferienhäuser und
Zweitwohnungen beträgt er 1 % (Art. 39 Abs. 1 lit. a WR) und für die übrigen
Wohnbauten 3⁄4 % des Zeitwertes (Art. 39 Abs. 1 lit. b WR). Für landwirtschaftliche
Ökonomiegebäude sowie für Kirchen, Kapellen, Schulhäuser und andere öffentliche
Bauten beträgt der Ansatz 2⁄3 % des Zeitwertes (Art. 39 Abs. 1 lit. c WR). Anbauten
ausserhalb der bestehenden Gebäudehülle gelten als Neubauten (Art. 42 Abs. 2 WR).
a) Die Rekurrentin bemängelt unter Hinweis auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung, dass es bei Industriebauten zu sachwidrigen Ergebnissen führen
könne, wenn die Anschlussgebühr bzw. der Anschlussbeitrag allein an den
Gebäudeversicherungswert anknüpfe. Die Vorinstanz habe offenbar den Zeitwert als
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einziges Kriterium erachtet. Die Nutzung sei in verschiedener Hinsicht ein wesentliches
Kriterium. Zudem sei weder die Gebäudefläche noch das Gebäudevolumen vergrössert
worden. Auch sei keine zusätzliche Wassernutzung erfolgt und kein zusätzliches
Abwasser angefallen.
b) Die Tennishalle wurde als Industrie- bzw. Gewerbebetrieb nach Art. 39 Abs. 1 lit. a
WR eingestuft, was im Rekurs grundsätzlich nicht beanstandet wird. Im Übrigen stützt
sich die Bemessung der Abgabe im Grundsatz auf das WR. Der im
Einspracheentscheid gewährte Abzug von Fr. 50'000.-- erfolgte offenbar aus
Billigkeitsüberlegungen. Da die Photovoltaikanlage ausserhalb des bestehenden
Gebäudevolumens errichtet wurde, kam nicht der Abzug nach Art. 42 Abs. 3 WR zum
Tragen.
Der Beitrag wurde nicht ausschliesslich nach dem Zeitwert bemessen. Das WR
unterscheidet auch nach der Nutzungsart, indem je nach Art der Nutzung eines
Gebäudes unterschiedliche Ansätze zwischen 0,66 und 1,0 % des Zeitwertes zur
Anwendung gelangen. Die Tennishalle wurde als Industrie- bzw. Gewerbebetrieb
eingestuft, was unangefochten blieb. Das Bundesgericht hat im Urteil 2C_722/2009
vom 8. November 2010 E. 3.3., festgehalten, das für Wasseranschlussgebühren bei
Wohnbauten gewählte Bemessungskriterium der anrechenbaren Geschossfläche bilde
- ebenso wie der Gebäudeversicherungswert - einen zwar pauschalen, aber im
Normalfall einigermassen verlässlichen Massstab zur Ermittlung des dem
Grundeigentümer aus dem Anschluss erwachsenden Vorteils. Eine Abweichung von
einer derartigen schematischen Bemessung sei lediglich dann geboten, wenn - wie
dies etwa bei Industriebauten der Fall sein könne - die Baute einen ausserordentlich
hohen oder ausserordentlich niedrigen Wasserverbrauch aufweise. Das Bundesgericht
hat also für den Regelfall das Abstellen auf den Zeitwert als zulässig erachtet. Bei der
Tennishalle handelt es sich im Weiteren nicht um eine Baute, die einen
überdurchschnittlich tiefen Wasserverbrauch oder Abwasseranfall aufweist. Unter
solche Ausnahmen fallen z.B. Lagerhallen, die ausschliesslich eine WC-Anlage und
einen unbedeutenden Wasseranschluss aufweisen. Die Tennishalle der Rekurrentin
weist dagegen WC-Anlagen und Duschen sowie ein Restaurant auf. Zudem dürfte bei
einer solchen Sporthalle ein erheblicher Aufwand für die Reinigung nötig sein, der sich
auch im Wasserverbrauch bzw. Abwasseranfall niederschlägt.
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Da das WR neben der Nutzungsart auch auf den Zeitwert abstellt, ist es nicht
ausschlaggebend, ob die Gebäudefläche bzw. das Gebäudevolumen durch die Photo-
voltaikanlage erhöht wurde oder nicht. Die Rekurrentin beruft sich auf einen
Bundesgerichtsentscheid, in welchem festgehalten wurde, dass bei einer Anknüpfung
der Anschlussgebühr an ein Volumen- oder Flächenmass die Erhebung einer
ergänzenden Anschlussgebühr anlässlich eines Umbaus oder einer Sanierung eines
bereits angeschlossenen Gebäudes prima vista nur dann systemkonform und damit
gerechtfertigt erscheine, wenn die betreffenden baulichen Vorkehren mit einer
tatsächlichen Vergrösserung der massgeblichen Gebäudefläche bzw. des
massgeblichen Gebäudevolumens einhergehen würden (BGer 2C_722/2009 vom 8.
November 2010 E. 3.5.). Dass das Gebäudevolumen nicht erhöht wurde, ist übrigens
eine Behauptung der Rekurrentin, auf die mangels Relevanz hier nicht weiter
einzugehen ist. Im vorliegenden Fall ist nicht die Fläche oder das Volumen der
massgebende Anknüpfungspunkt, sondern der Zeitwert. Diese hier massgebende
Einheit stieg jedenfalls durch die Photovoltaikanlage an. Dass unmittelbar durch die
Photovoltaikanlage der Wasserverbrauch oder Abwasseranfall nicht erhöht wird, spielt
ebenfalls keine entscheidende Rolle. Nur die Verbrauchsgebühren bemessen sich in
erster Linie nach diesen Kriterien, nicht aber die Beiträge. Massgebend ist der Zeitwert
des gesamten Gebäudes. Es kann nicht jeder Gebäudeteil separat danach beurteilt
werden, ob er verbrauchsmässig einen bestimmenden oder weniger bedeutenden
Einfluss hat oder nicht. Dies würde dem Wesen der Schätzung des Sondervorteils
eines Gebäudes widersprechen. Nicht ausschlaggebend ist schliesslich, dass
Reglemente anderer Körperschaften abweichende Regelungen enthalten, die
möglicherweise für die Rekurrentin vorteilhaft wären
c) Der Kanton St. Gallen hat am 26. Mai 2000 ein Energiegesetz (sGS 741.1, abgekürzt:
EnG) erlassen. Dieses bezweckt die Umsetzung einer nachhaltigen Energiepolitik durch
Förderung einer ausreichenden, wirtschaftlichen, umweltschonenden und sicheren
Energieversorgung (Art. 1 lit. a EnG). Nach Art. 1a Abs. 1 EnG wird erneuerbare Energie
wie Sonnenenergie besonders gefördert.
Das der Beitragserhebung zugrundeliegende WR enthält keine den kantonalen
Förderungsgedanken konkretisierenden Bestimmungen, wonach energiesparende
Investitionen nur teilweise oder überhaupt nicht von der Anschlussbeitragspflicht
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erfasst werden. Dies wurde vom Verwaltungsgericht des Kantons Basel-Land im Jahre
1995 als rechtswidrig qualifiziert (Entscheid des Enteignungsgerichts vom 31.8.1995
i.S. W. L., unter: /www.baselland.ch/Gerichte/Rechtsprechung). Diese Rechtsprechung
kann aber nicht ohne weiteres auf den vorliegenden Fall angewendet werden. Es ist
vielmehr zu berücksichtigen, dass jenes Gericht bereits früher eine Regelung als
unzulässig erachtete und der Gesetzgeber in der Folge untätig blieb. Die Vorinstanz hat
im Einspracheentscheid in Anerkennung der Aufwendungen der Rekurrentin für
energiesparende Aufwendungen eine Reduktion des massgebenden Zeitwertes um
Fr. 50'000.-- vorgenommen. Sie berücksichtigte damit Art. 1 Abs. 1 lit. a EnG, wonach
eine ausreichende, wirtschaftliche, umweltschonende und sichere Energieversorgung
zu fördern ist. Im Grundsatz kann die Beitragserhebung damit nicht als rechtswidrig
qualifiziert werden. Zur Sicherstellung einer rechtsgleichen Behandlung aller von
derartigen Abgaben betroffenen Personen, ist eine solche Regelung jedoch im WR zu
verankern. Nur so kann dem für alle Abgaben gültigen Verfassungsgrundsatz
Rechnung getragen werden, wonach der Gesetzgeber nebst dem Kreis der
Abgabepflichtigen und dem Gegenstand der Abgabe auch die Bemessungsgrundlage
festzulegen hat (Art. 127 Abs. 1 der Bundesverfassung; vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage 2010, N 2695).
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu verrechnen.