Decision ID: 8de3366d-e43d-4713-b767-ad21c4926862
Year: 2001
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. Mit Schreiben vom 11. Dezember 2000 sandte die Kantonale Heilmittelkontrolle Zürich dem Kantonalen Laboratorium Zürich als Aufsichtsbehörde einen anlässlich der Inspektion einer Arztpraxis beschlagnahmten Prospekt der Firma A GmbH betreffend das Produkt G zu mit dem Hinweis, dass mit dem Verkauf dieser Lebensmittel aus den Händen eines Arztes der Anschein der Arzneimitteleigenschaft erweckt werde. Am 21. Dezember 2000 übermittelte die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich denselben Prospekt der A GmbH dem Kantonalen Laboratorium zur Prüfung. Gemäss dem erwähnten Prospekt sind die Produkte G-Einstieg und G-Spezial Teil des G-Programmes, das dazu dienen soll, die zu hohe Fettaufnahme beim Essen auf ein vernünftiges Mass zu senken und damit das wünschenswerte Körpergewicht zu erreichen bzw. zu erhalten, wobei u.a. mit G-Einstieg und G-Spezial vorübergehend mehrere Hauptmahlzeiten ersetzt werden können. Am 16. Januar 2001 traf das Kantonale Laboratorium folgende Verfügung:
"I. Die Prospekte entsprechend Protokoll-Nr. 1 dürfen ab sofort nicht mehr abgegeben werden. Sie sind sachgerecht zu entsorgen.
II. Sämtliche Abnehmer des Prospektes Prot.-Nr. 1 sind über das Abgabeverbot schriftlich zu informieren. Dem Kantonalen Labor ist eine Kopie dieses Schreibens sowie eine Liste der Abnehmer zuzustellen.
III. Jegliche Hinweise zur Verwendung der im Prospekt Prot.-Nr. 1 beworbenen Produkte zum Zwecke der Gewichtsreduktion sind zu unterlassen.
IV. Der Vertrieb der Produkte der A GmbH über die Ärzteschaft ist ab sofort einzustellen.
V. Gestützt auf Art. 45 des Lebensmittelgesetzes vom 9. Oktober 1992 werden die Kosten von Fr. 250.- gemäss der untenstehenden Zusammenstellung dem Wareninhaber auferlegt.
VI. Gegen diese Verfügung kann innert 5 Tagen, von der Mitteilung an gerechnet, beim Kantonalen Labor Zürich schriftlich Einsprache erhoben werden. (...)"
Mit Eingabe vom 22. Januar 2001 erhob die A GmbH Einsprache gegen die Verfügung vom 16. Januar 2001 beim Kantonalen Laboratorium, verlangte deren Aufhebung und bestritt, dass G-Spezial als Schlankheitsmittel angepriesen werde. Mit Verfügung vom 7. Februar 2001 wies das Kantonale Laboratorium die Einsprache ab, setzte eine Frist von 10 Tagen zum Rekurs bei der Gesundheitsdirektion an und entzog einem allfälligen Rekurs die aufschiebende Wirkung. Am 13. Februar 2001 verlangte die A GmbH die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung, was mit Verfügung vom 28. Februar 2001 geschah.
II. Am 19. Februar 2001 erhob die A GmbH Rekurs bei der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich und verlangte die Aufhebung der Verfügung vom 16. Januar 2001 und des Einspracheentscheides vom 7. Februar 2001. Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich wies den Rekurs mit Verfügung vom 7. September 2001 ab und setzte der A GmbH eine Frist von 30 Tagen zur Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich an. Dieser Entscheid ging dem Vertreter der A GmbH am 11. September 2001 zu.
III. Die A GmbH wandte sich am 11. Oktober 2001 gegen den Rekursentscheid mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht. Die Gesundheitsdirektion beantragte mit Eingabe vom 18. Oktober 2001 die Abweisung der Beschwerde und verwies im Wesentlichen auf die Begründung im angefochtenen Entscheid. Das Kantonale Laboratorium liess sich mit Eingabe vom 14. November 2001 vernehmen und ebenfalls Abweisung der Beschwerde beantragen.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. a) Vorab hat das Verwaltungsgericht seine Zuständigkeit zu prüfen (§ 70 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1958/8. Juni 1997 [VRG]). Rekursinstanz ist die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich. Deren Anordnungen können unmittelbar mit Beschwerde beim Verwaltungsgericht angefochten werden (§ 41 VRG in Verbindung mit § 70 und § 19 b Abs. 1 VRG). Das Verwaltungsgericht ist für die vorliegende Beschwerde daher grundsätzlich zuständig.
b) Für Beschwerden gegen Verfügungen über Massnahmen im Rahmen der Lebensmittelkontrolle sieht Art. 55 Abs. 2 des Lebensmittelgesetzes vom 9. Oktober 1992 (LMG) eine Beschwerdefrist von 10 Tagen vor. Gemäss § 53 VRG ist die Beschwerde innert 30 Tagen seit Mitteilung der weiterziehbaren Anordnung beim Verwaltungsgericht einzureichen. Die Vorinstanz gab die Rechtsmittelfrist im angefochtenen Entscheid mit 30 Tagen an; auch die Beschwerdeführerin ging von 30 Tagen aus. Die (kantonale) Verordnung zum eidgenössischen Lebensmittelgesetz vom 28. Juni 1995 (VO LMG) statuiert in § 20 vorbehaltlos eine Frist von 30 Tagen zur Beschwerdeerhebung an das Verwaltungsgericht gegen Rekursentscheide der Direktionen des Regierungsrates. Es fragt sich daher, welche Beschwerdefrist gilt und ob sie eingehalten ist.
aa) Nach Art. 53 Abs. 1 LMG regeln die Kantone das Einsprache- und Beschwerdeverfahren nach kantonalem Recht
im Rahmen dieses Gesetzes
. Diese Einschränkung betrifft in erster Linie die formellen Beanstandungen (Art. 27 LMG) und die Fristen (Art. 55 LMG; Botschaft zum Lebensmittelgesetz vom 30. Januar 1989, BBl 1989 I 965). Die Beschwerdefrist von 10 Tagen gilt dann, wenn die fragliche Verfügung eine im Rahmen der Lebensmittelkontrolle getroffene Massnahme nach Art. 24 und 28-30 LMG darstellt (Art. 55 Abs. 2 LMG; BGE 124 IV 297 E. 4 II. 4 b). Die Lebensmittelkontrolle verfolgt den Zweck, die Konsumenten vor Gefahren zu schützen, die durch qualitativ ungenügende Lebensmittel und durch irreführende Bezeichnungen oder Werbung entstehen können (BBl 1989 I 940 f.). Dies verlangt, dass sich Beanstandungen nicht nur auf die Lebensmittel selber und deren Verpackungen beziehen können, sondern dass die zuständigen Behörden diese Massnahmen auch gegenüber der Werbung ergreifen können. Art. 55 Abs. 2 LMG derogiert demnach in seinem Anwendungsbereich die dreissigtägige Beschwerdefrist von § 53 VRG.
Es ist unbestritten, dass es sich bei den Produkten G-Einstieg und G-Spezial um Lebensmittel handelt. Hinweise irgendwelcher Art, die einem Lebensmittel Eigenschaften der Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer menschlichen Krankheit oder als
Schlankheitsmittel
zuschreiben oder den Eindruck entstehen lassen, dass solche Eigenschaften vorhanden sind (...), sind nicht erlaubt (Art. 19 Abs. 1 lit. c der Lebensmittelverordnung vom 1. März 1995 [LMV] in Verbindung mit Art. 18 LMG).
Die Vorinstanz ging im angefochtenen Entscheid gerade davon aus, dass Produkt und Werbetext den Eindruck erweckten, bei G handle es sich um ein Mittel, welches der Reduktion des Körpergewichtes selber diene und nicht bloss dessen Erhaltung. Ferner werde den nur vom Arzt empfohlenen und ausschliesslich über die Ärzteschaft vertriebenen Produkten der Beschwerdeführerin ein erhöhter Stellenwert beigemessen, indem ein höherer gesundheitlicher und ein gesundheitsfördernder Wert vorgetäuscht würden, obwohl es sich nur um Lebensmittel handle. Dasselbe geht aus dem zugrundeliegenden Entscheid des Beschwerdegegners vom 16. Januar 2001, aus dessen Einspracheentscheid vom 7. Februar 2001 und aus dessen Stellungnahme zum Rekurs vom 1. Juni 2001 hervor. Der angefochtene Akt ist daher als Massnahme nach Art. 28 Abs. 1 LMG zu qualifizieren. Damit gilt grundsätzlich Art. 55 Abs. 2 LMG. Die Beschwerdefrist beträgt daher 10 und nicht 30 Tage, weshalb die am 11. Oktober 2001 erhobene Beschwerde als verspätet zu betrachten ist.
Daran ändert nichts dadurch, dass für die – nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gegen eine auf der eidgenössischen Lebensmittelgesetzgebung beruhende Verfügung eines Kantonalen Laboratoriums – letztinstanzlich zur Verfügung stehende Verwaltungsgerichtsbeschwerde eine Beschwerdefrist von 30 Tagen nach Art. 106 Abs. 1 des Bundesrechtspflegegesetzes vom 16. Dezember 1943 (OG) gilt und nicht von 10 Tagen gemäss Art. 55 Abs. 2 LMG (BGE 127 II 91 E. 1). Denn dabei war der Vorrang der Bestimmungen eines Bundesgesetzes (OG) gegenüber denjenigen eines anderen Bundesgesetzes (LMG) wegen unterschiedlicher Rechtsmittelfristen festzulegen, während vorliegend auf kantonaler Ebene der Vorrang des Bundesrechtes gegenüber kantonalem Recht im Anwendungsbereich von Art. 55 Abs. 2 LMG zu beachten ist (Art. 49 Abs. 1 der Bundesverfassung vom 18. April 1999; Tobias Jaag, Verwaltungsrecht des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, Rz. 103).