Decision ID: 9836889b-f4e8-5daf-ba76-9b776a8cef35
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 13. Oktober 2015 in der Schweiz um
Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 26. Oktober
2015 und der Anhörung vom 7. Juli 2017 machte er im Wesentlichen Fol-
gendes geltend:
Er sei kurdischer Ethnie und sei in F._, Provinz G._, gebo-
ren. Nach der achten Schulklasse habe er als (...) zu arbeiten begonnen.
Im Jahr 20(...) habe er sich ein (gelbes) Militärdienstbüchlein ausstellen
lassen müssen. Dabei habe er einem Beamten im Rekrutierungszentrum
namens H._ viel Geld bezahlt, damit ihn dieser durch einen ent-
sprechenden Eintrag im Dienstbüchlein definitiv vom Militärdienst befreie.
Nach seiner Heirat im Jahr 20(...) habe er in der Stadt I._ eine ei-
gene Wohnung gekauft und sei etwa im Jahr 20(...) mit seiner Ehefrau so-
wie den zwei Kindern dorthin gezogen. Ab dem Jahr 20(...) habe er ein
eigenes [Geschäft] betrieben und gut bis sehr gut verdient. 20(...) und
20(...) habe er sich an Demonstrationen gegen das syrische Regime in
I._ beteiligt. Dabei sei er wie alle anderen Teilnehmer einfach mit-
gelaufen. Er habe Flaggen getragen und Parolen skandiert. Er habe sich
mit seinem besten Freund und anderen Freunden in seinem [Geschäft] ge-
troffen, um über die politische Lage und die Situation der Kurden zu spre-
chen. Irgendwann in der Zukunft hätten sie vorgehabt, einmal eine Gruppe
von etwa 20 Personen mit eigenem Namen zu gründen. Von einem arabi-
schen Ladenbesitzer in der direkten Nachbarschaft seines [Geschäfts] sei
für jedermann bekannt gewesen, dass er ein bekannter Spitzel der syri-
schen Regierung sei und Berichte an die Regierung schreibe. Dieser Nach-
bar habe wohl den Behörden mitgeteilt, dass er in seinem Geschäft Sitzun-
gen abhalte. Im (...) 20(...) seien drei bewaffnete Personen in Zivil – er
habe später erfahren, dass es sich dabei um Leute des Staatssicherheits-
dienstes gehandelt habe – bei seinem Geschäft erschienen, hätten ihn und
seinen besten Freund festgenommen und an einen unbekannten Ort ge-
bracht, wo sie etwa eine Woche lang festgehalten worden seien. Man habe
ihn verhört und geschlagen. Ihm sei vorgeworfen worden, eine politische
Gruppierung gründen zu wollen und an Demonstrationen teilgenommen zu
haben. Anschliessend sei er ins Gefängnis J._ in I._ verlegt
worden. Die dortigen Angestellten hätten gegen Bezahlung Gefälligkeiten
und Verbesserungen der Haftbedingungen ermöglicht. Manchmal habe ei-
ner dieser Angestellten ihn telefonieren lassen. Nach (...) Monaten Haft
habe dieser ihm mitgeteilt, dass seine Papiere gekommen seien. Dies habe
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bedeutet, dass ihn die Militärpolizei an einen anderen Ort verlegen würde.
Er habe seinem Vater davon berichtet und ihn gebeten, mit den bestechli-
chen Angestellten eine Vereinbarung zu treffen, damit er fliehen könne.
Nachdem sein Vater (...) syrische Lira bezahlt habe, sei er mit einem Auto
aus dem Gefängnis und zu einer ihm unbekannten Familie gebracht wor-
den, wo er von seinem Vater abgeholt worden sei. Mit ihm sei er zu seiner
Familie nach F._ gefahren. Nach einem zweistündigen Aufenthalt
sei er von dort mit dem Studentenausweis seines Bruders mit dem Bus
nach Damaskus und mit einem Taxi weiter in den Libanon gefahren. Dort
habe er sich von (...) 20(...) bis zur Reise Richtung Europa im (...) 2015
aufgehalten. Im (...) 2013 sei seine Frau mit den nun drei Kindern ebenfalls
in den Libanon gelangt.
2013 seien die Büros der syrischen Regierung von K._ nach
I._ verlegt worden, wobei die alten Militärakten einer Revision un-
terzogen worden seien. Mittels Textnachrichten habe ihm der Rekrutie-
rungsbeamte H._ mitgeteilt, dass er weitere 4'000 Dollar bezahlen
müsse, um eine Überprüfung seiner Akte zu verhindern. Auf diese Nach-
richten habe er nicht reagiert. In der Folge habe H._ seinen Vater
als Geisel nehmen lassen, um Druck auf ihn auszuüben. H._ habe
von ihm verlangt, gegenüber dem Leiter der Rekrutierungsstelle anzuge-
ben, dass nicht H._ im Jahr 20(...) den Dienstbefreiungs-Eintrag im
Militärbüchlein vorgenommen habe, sondern er selber. Daraufhin habe er
dies wie verlangt dem Leiter des Rekrutierungsbüros telefonisch mitgeteilt.
Nach drei Tagen Gewahrsam habe H._ seinen Vater freigelassen.
Kurze Zeit später habe sein Vater an seiner Stelle ein neues (weisses) Mi-
litärbüchlein entgegengenommen. Da er nun (aufgrund des neuen Dienst-
büchleins) den Militärdienst hätte leisten müssen, hätten die syrischen Be-
hörden seinen Vater aufgesucht und ihm einen Marschbefehl des Aushe-
bungsbüros L._ ausgehändigt. Gemäss diesem Dokument hätte er
sich am (...) 2015 in diesem Büro einfinden sollen. Da er dem Aufgebot
keine Folge geleistet habe, sei seinem Vater daraufhin ein ebenfalls vom
Rekrutierungsbüro L._ ausgestellter Suchbefehl ausgehändigt wor-
den. Von seinem eigenen Vater hätten die Behörden dann seine Adresse
im Libanon erfahren. Sein Vater habe ihn aber angerufen und ihm nahege-
legt, den Libanon zu verlassen. Über den Cousin eines Nachbarn, der im
Auswanderungs- und Passamt arbeite, habe er einen Pass erworben.
Im (...) 2015 sei er alleine mit seinem Pass legal von Beirut nach Istanbul
gereist. Über Griechenland und die Balkanroute sei er am (...) 2015 illegal
mit dem Zug von Österreich in die Schweiz gelangt.
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A.b Die Beschwerdeführerin und die drei Kinder erhielten von den Schwei-
zer Behörden im Libanon am (...) 2016 ein humanitäres Visum zur Einreise
in die Schweiz zwecks Familiennachzug. Am (...) 2016 flogen sie von Bei-
rut nach Zürich und ersuchten gleichentags in der Schweiz um Asyl. An-
lässlich der BzP vom 22. Juni 2016 und der Anhörung vom 1. September
2017 machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend:
Sie sei kurdischer Ethnie und in G._ geboren. Bis zur Heirat im Jahr
20(...) habe sie in F._ bei ihren Eltern und Geschwistern gelebt,
danach mit dem Beschwerdeführer und den beiden Kindern in I._.
Sie habe sechs Jahre lang die Schule besucht und sei danach Hausfrau
gewesen. Im (...) 20(...) habe sie nicht zusammen mit dem Beschwerde-
führer in den Libanon gehen können, weil sie schwanger gewesen sei. Sie
persönlich habe keinerlei Probleme mit den syrischen Behörden gehabt.
Zwei Tage nach der Flucht des Beschwerdeführers sei jedoch die Polizei
zum Haus ihres Schwiegervaters in F._ gekommen, wo sie seit der
Festnahme des Beschwerdeführers ebenfalls gelebt habe. Die Beamten
hätten sie nach dem Verbleib ihres Ehemannes gefragt. Die Polizei sei ins-
gesamt zwei- bis dreimal auf der Suche nach dem Beschwerdeführer vor-
beigekommen. Dabei hätten sie mindestens einmal dessen Vater für ein
Verhör mitgenommen. Nach der Geburt des dritten Kindes sei sie dann
dem Beschwerdeführer (...) 2013 nachgefolgt; dies wegen der schlechten
Lage in Syrien. Bis zu ihrer Ausreise aus dem Libanon im (...) 2016 sei sie
mit der Ausnahme von zwei Tagen im Jahr 2016, als sie sich in Damaskus
für sich und ihre drei Kinder Pässe habe ausstellen lassen, immer im Liba-
non gewesen. Nach Erhalt des humanitären Visums hätten sie den Libanon
am (...) 2016 verlassen und seien nach Zürich geflogen.
A.c Die Beschwerdeführenden reichten ihre Pässe, das Familienbüchlein
sowie den Eheschein zu den Akten. Der Beschwerdeführer reichte über-
dies seine Identitätskarte ein und gab als Beweismittel zwei Dienstbüch-
lein, einen Marschbefehl (datiert auf den [...]) und einen Suchbefehl (datiert
auf den [...]) jeweils im Original sowie Kopien von einer Registrierungsbe-
stätigung des UNHCR im Libanon zu den Akten.
B.
B.a Mit Schreiben vom 29. Mai 2018 gewährte das SEM dem Beschwer-
deführer das rechtliche Gehör zu festgestellten Widersprüchen und Un-
stimmigkeiten betreffend seine Dienstbüchlein, den Marschbefehl sowie
den Strafbefehl (recte: Suchbefehl). Aus den festgestellten inhaltlichen
Mängeln und aus seinen Aussagen anlässlich der Anhörung sei zwingend
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zu schliessen, dass es sich beim Marsch- und Suchbefehl sowie beim
weissen Dienstbüchlein um Fälschungen handle. Das SEM beabsichtige
daher, das weisse Dienstbüchlein sowie den Marsch- und Suchbefehl als
Fälschungen einzuziehen.
B.b Mit Schreiben vom 11. Juni 2018 nahm der Beschwerdeführer sein
rechtliches Gehör wahr und äusserte sich wie folgt:
Um eine Revision seiner Militärakten zu vermeiden, habe H._ Be-
stechungsgeld verlangt und damit gedroht, ihm und seinem Vater etwas
anzutun. Schlussendlich habe sein Vater an seiner Stelle auf dem Rekru-
tierungsamt eine schriftliche Erklärung des Inhalts unterschrieben, dass
H._ mit der Scheinbefreiung vom Militärdienst nichts zu tun habe.
Daraufhin sei das zweite Dienstbüchlein ausgestellt worden. Er sei zudem
aufgefordert worden, das erste Militärdienstbüchlein zu vernichten. Als Mi-
litärdienstverweigerer, als der er nun gelte, drohe ihm in Syrien eine Ver-
haftung. Weiter sei das Rekrutierungsamt L._ lediglich verlegt wor-
den. Bei einem Standortwechsel blieben die Aufgaben, der Briefkopf und
Stempel unverändert. Seine Militärdokumente seien sehr wohl echt.
C.
Mit Verfügung vom 18. Juni 2018 – eröffnet am 22. Juni 2018 – verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden und lehnte
ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es ihre Wegweisung aus der
Schweiz, deren Vollzug es jedoch aufgrund der Unzumutbarkeit zugunsten
einer vorläufigen Aufnahme aufschob.
Gleichzeitig ordnete die Vorinstanz die Einziehung der als Fälschung er-
kannten Dokumente (die beiden Dienstbüchlein, das militärische Aufgebot
sowie den Suchbefehl) an.
D.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 19. Juli 2018 be-
antragten die Beschwerdeführenden die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft und die vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge. In pro-
zessualer Hinsicht beantragten sie die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sowie – im Fliesstext – die Einräumung einer Frist zur Nachreichung wei-
terer Beweismittel (Belege für Aushebung, Einberufung und Haftausschrei-
bung sowie Übersetzungen von Gesetzesrevisionen) und schliesslich die
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Vornahme einer „offiziellen Übersetzung der beiden Militärdienstbüchlein“.
Auf die Begründung wird – soweit wesentlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen eingegangen.
Der Beschwerdeführer reichte die Kopie eines Online-Zeitungsartikels, vier
Auskünfte der Länderanalyse der SFH (Schweizerische Flüchtlingshilfe)
sowie eine Meldung der Nachrichtenagentur des syrischen Regimes über
die Revision eines Gesetzesartikels ein.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 6. August 2018 wies die vormals zuständige
Instruktionsrichterin die Anträge betreffend Einräumung einer Frist zur
Nachreichung weiterer Beweismittel und zur Übersetzung der beiden Mili-
tärdienstbüchlein ab. Gleichzeitig wies sie unter Hinweis auf die Aussichts-
losigkeit der Beschwerde auch das Gesuch um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung ab und erhob einen Kostenvorschuss. Letzterer
wurde in der Folge fristgerecht bezahlt.
F.
Aus organisatorischen Gründen ist die Verfahrensleitung seit dem letzten
Schriftenwechsel auf den vorsitzenden Richter als neuen Instruktionsrich-
ter übergegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder
Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht
haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
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Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen
in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis.
Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11
E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.).
5.
5.1 Die Vorinstanz befand die Vorbringen der Beschwerdeführenden für
unglaubhaft.
5.1.1 Zum einen seien erhebliche Zweifel an der Authentizität der einge-
reichten Beweismittel (zwei Dienstbüchlein, Marschbefehl und Suchbefehl)
anzubringen. Das militärische Aufgebot sowie der Strafbefehl (recte: Such-
befehl) seien dem Beschwerdeführer angeblich von der militärischen Rek-
rutierungsstelle in L._ ausgestellt worden. Die Dokumente wiesen
jedoch keinerlei fälschungssichere Merkmale auf und es sei allgemein be-
kannt, dass in Syrien praktisch jegliche Art von Dokumenten käuflich er-
worben werden könne. Die Beweiskraft solcher Dokumente sei dement-
sprechend gering. Die Glaubhaftigkeit der behaupteten Rekrutierung sei
auch deshalb in Frage zu stellen, da sich die syrische Regierung im Juli
2012 aus den kurdischen Gebieten Nordsyriens – mit Ausnahme der
Städte Al-Hasaka und Al-Kamishli – zurückgezogen habe. Mithin sei nicht
davon auszugehen, dass in L._ nach wie vor ein Rekrutierungsbüro
des syrischen Regimes existiere. Sodann erscheine es unwahrscheinlich,
dass im Wirkungsgebiet der kurdischen Truppen noch Rekrutierungsmass-
nahmen für die staatliche Armee durchgeführt würden. Beim Suchbefehl
handle es sich zudem um ein internes Dokument, das keinesfalls seinem
Vater übergeben worden wäre.
Zum anderen stünden seine Angaben zu den beiden Militärdienstbüchlein
im Widerspruch zu den darin enthaltenen Einträgen. Im gelben Büchlein
stehe mit dem Datum vom (...) lediglich, dass er nur bis zum Abschluss
des regulären Dienstes seines Bruders am (...) freigestellt sei. Zudem habe
gemäss seinen Aussagen H._ diesen Eintrag erst 20(...) oder
20(...) vorgenommen. Zu diesem Zeitpunkt hätte er gemäss dem erwähn-
ten Eintrag aber längst den obligatorischen Militärdienst leisten müssen.
Sodann gebe es betreffend das weisse Büchlein zunächst keinen logisch
nachvollziehbaren Grund, weshalb das Büchlein seinem Vater hätte aus-
gehändigt werden und er dieses hätte entgegennehmen sollen, zumal er
(der Beschwerdeführer) sich damals bereits im Ausland aufgehalten habe.
Sodann habe er abweichende Angaben zu den Umständen der Ausstellung
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des weissen Büchleins gemacht. Diesbezüglich habe er unter anderem an
der Anhörung berichtet, dass er dem Leiter des Rekrutierungsbüros telefo-
nisch mitgeteilt habe, dass er selbst das Dienstbüchlein manipuliert habe.
Im rechtlichen Gehör habe er demgegenüber ausgeführt, dass sein Vater
an seiner statt auf dem Rekrutierungsamt diesbezüglich eine schriftliche
Erklärung unterschrieben habe.
Aufgrund der formalen und inhaltlichen Mängel sowie seiner abweichen-
den Angaben zum Inhalt beziehungsweise Erwerb dieser Dokumente sei
zwingend zu folgern, dass es sich dabei um Fälschungen handle. Die Do-
kumente würden daher zu den Akten eingezogen. Demnach habe er nicht
glaubhaft machen können, in den Militärdienst einberufen worden und aus
diesem Grund geflohen zu sein.
5.1.2 Weiter seien die Schilderungen zum angeblichen politischen Enga-
gement und zum Gefängnisaufenthalt als unglaubhaft zu qualifizieren.
Zu den Zielen und zum Zweck der angeblich geplanten politischen Gruppe
mit seinen Freunden habe er nur sehr vage und zum Teil gänzlich unver-
ständliche Aussagen machen können. Auch einen künftigen Namen für die
Gruppe habe er nicht nennen können. Unpräzise und schwammig habe er
sich auch zur Organisation der Gruppe und den Mitgliedern geäussert.
Seine vagen, unartikulierten und zusammenhangslosen Angaben zu sei-
nem angeblichen politischen Engagement liessen darauf schliessen, dass
sie nicht den tatsächlichen Begebenheiten entsprächen. Es könne von ei-
ner Person, welche angebe, sich politisch betätigt zu haben und die sogar
eine eigene politische Gruppe habe gründen wollen, berechtigterweise er-
wartet werden, dass sie diesbezüglich konzise und überzeugende Aus-
künfte zu geben vermöge. Dies sei vorliegend in keiner Weise der Fall.
Ähnlich ungenau und wenig erhellend seien seine Aussagen zur (...) Haft
und zur Flucht ausgefallen. Seine Erläuterungen auf die Fragen nach dem
Gefängnisalltag und seinem Verhalten in dieser Zeit seien ebenfalls äus-
serst knapp und detailarm ausgefallen, obwohl es sich dabei um ein ein-
schneidendes Erlebnis gehandelt haben müsste. Auch im Zusammenhang
mit der Flucht habe er keine genaueren, nachvollziehbaren Angaben ma-
chen können und weder gewusst, welche Dokumente den Transfer in ein
anderes Gefängnis ausgelöst hätten, noch was überhaupt die Vereinba-
rung seines Vaters mit dem Polizisten gewesen sei. Auch die Flucht selber
habe er oberflächlich und unpersönlich beschrieben.
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Seinen Schilderungen mangle es an typischen Realkennzeichen wie die
Beschreibung von Emotionen und Gedankengängen, die räumliche und
zeitliche Verknüpfung der Ereignisse sowie die Schilderungen von neben-
sächlichen und ausgefallenen Einzelheiten. Insgesamt entstehe nicht der
Eindruck, dass er das Vorgetragene tatsächlich erlebt habe.
Im Übrigen befänden sich in seinem Pass verschiedene Ein- und Ausrei-
sestempel der libanesischen Behörden für die Zeitspanne vom (...) 20(...)
bis zum (...) 2015. Dies, obwohl er klar zu Protokoll gegeben habe, den
Libanon in dieser Zeit überhaupt nie verlassen zu haben.
5.2
5.2.1 Hiergegen brachten die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde-
eingabe vor, dass sich das SEM ihrer Auffassung zufolge auf Spekulatio-
nen stütze. Aufgrund sprachlicher Unterschiede sei wohl einiges falsch
übersetzt worden. Es sei eine Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer
nur durch Flucht der Militärdienstleistung habe entziehen können. Eine
Ausreise im dienstpflichtigen Alter ohne Wissen der Militärbehörden werde
als regierungsfeindliche Haltung interpretiert.
5.2.2 Hinsichtlich der Dienstbüchlein führten die Beschwerdeführenden
aus, dass das SEM die entsprechenden Rubriken in den Büchlein vermut-
lich nicht genau betrachtet habe und zu falschen Schlussfolgerung gelangt
sei. Der Beschwerdeführer habe in seinem rechtlichen Gehör erklärt, wes-
halb zwei Büchlein ausgestellt worden und was seine Befürchtungen ge-
wesen seien. Die unzutreffenden Eintragungen im ersten Büchlein seien
vermutlich einfach auf eine unsorgfältige Arbeit der ausstellenden Person
zurückzuführen. Den beiden Büchlein könne aber entnommen werden,
dass er in Syrien keinen Militärdienst geleistet habe und diesen früher oder
später nachholen müsste. Dass syrische Dokumente leicht käuflich seien
und gefälscht werden könnten, sei eine Behauptung der Vorinstanz. So-
dann würden die kurdischen Behörden und die syrische Regierung eng zu-
sammenarbeiten. Es komme nach wie vor zu Rekrutierungen der syrischen
Behörden in den kurdischen Gebieten. Da sich der Beschwerdeführer zum
Zeitpunkt der Ausstellung des zweiten Militärdienstbüchleins im Ausland
befunden habe, habe sein Vater dieses entgegennehmen müssen.
5.2.3 Sodann hätten Demonstrationsteilnehmer, die verhaftet worden
seien, Namen anderer Teilnehmer den Behörden verraten müssen. Er
gehe daher davon aus, dass er registriert sei. Sodann seien ihres Erach-
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tens ihre «Umstände und persönlichen Verhältnisse» vergleichbar zu an-
deren Fällen, in denen das SEM die vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge
verfügt habe. Sie seien daher ebenfalls als Flüchtlinge aufzunehmen.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Einschätzung der Vorinstanz zu stützen ist, wonach die
Vorbringen der Beschwerdeführenden den Anforderungen an die Glaub-
haftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht genügen. Die Beschwerdeführen-
den vermögen den ausführlichen und überzeugenden Argumenten der Vor-
instanz in ihrer Beschwerdeeingabe nichts Stichhaltiges zu entgegnen.
Ihre Eingabe erschöpft sich vielmehr im Wesentlichen aus simplen Gegen-
behauptungen ohne substanziellen Gehalt. Die Beschwerdeführenden set-
zen sich mit der von der Vorinstanz zu Recht festgestellten Unglaubhaf-
tigkeit ihrer Aussagen sowie den erheblichen Unstimmigkeiten bei den Be-
weismitteln faktisch gar nicht auseinander. Zur Vermeidung von Wiederho-
lungen kann daher auf die entsprechenden Erwägungen in der angefoch-
tenen Verfügung (dort E. II) und auf obige Zusammenfassung (E. 5.1) ver-
wiesen werden.
6.2
6.2.1 Die seitens der Beschwerdeführenden behaupteten, angeblich mit
politischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers in Zusammenhang stehen-
den Ereignisse erweisen sich als nicht glaubhaft.
6.2.2 Die im Rahmen der Beschwerde hierzu getätigten Argumente zielen
von allem Anfang an am Ziel vorbei, indem diese in der vorweggenomme-
nen irrigen Prämisse einer Glaubhaftigkeit ihrer Asylschilderungen vorge-
tragen werden. Damit verkennen die Beschwerdeführenden jedoch, dass
sie sich in einem ersten Schritt zunächst mit den von der Vorinstanz be-
rechtigterweise und sehr zahlreich angeführten Unglaubhaftigkeitselemen-
ten (vgl. angefochtene Verfügung S. 8 f.) auseinanderzusetzen gehabt hät-
ten. Entsprechendes haben sie aber gänzlich unterlassen. Ihre Vorbringen
sind somit als undifferenziert vorgetragene, einfache Gegenbehauptungen
einzustufen, die ungeeignet sind, andere Blickwinkel aufzuzeigen oder die
von der Vorinstanz aufgezeigten zahlreichen Unglaubhaftigkeitselemente
gar umzustossen.
6.2.3 In der Beschwerde äusserten sie die pauschale Vermutung, der Be-
schwerdeführer sei den syrischen Behörden vielleicht aufgrund seiner De-
monstrationsteilnahmen bekannt, da allgemein ja nicht ausgeschlossen
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Seite 12
werden könne, dass jemand seinen Namen bei einem Geständnis er-
wähnte haben könnte (vgl. a.a.O., S. 7 f.). Mit diesem rein spekulativen
Vorbringen vermögen sie jedoch nicht aufzuzeigen, inwiefern das geltend
gemachte politische Engagement – das von der Vorinstanz ausdrücklich
als unglaubhaft eingestuft worden ist – überhaupt glaubhaft sein soll. Mit
den entsprechenden Begründungen der Vorinstanz hierzu setzten sie sich
gar nicht erst auseinander.
6.2.4 Als wenig lebensnah ist die Schilderung des Beschwerdeführers ein-
zustufen, wonach er und seine Gruppe angeblich ausgerechnet in seinem
Laden heikle Treffen für die Besprechung der Demonstrationen abgehalten
hätten, obwohl allgemein bekannt war, dass sein Ladennachbar ein Spitzel
sei, der zuhanden der Regierung Berichte schreibe (vgl. vorinstanzliche
Akten A32, F123, F127, F135 f.). Es erscheint nicht nachvollziehbar, dass
eine angeblich politische Gruppe wissentlich und willentlich ihre heimlichen
Treffen just an jenem Ort durchführt, wo sie genau weiss, dass sie dort
beobachtet werden und dort die Gefahr, an die Regierung verraten zu wer-
den, immens hoch ist. Ein entsprechendes Verhalten lässt sich mit dem
Gebaren und den Vorsichtsmassnahmen von Gruppen, die effektiv im Ver-
borgenen politisch agitieren, nicht in einen sinnbringenden Einklang brin-
gen. Zusätzlich fällt auch ins Auge, dass der Beschwerdeführer hinsichtlich
dieser angeblichen verborgenen Treffen in seinem Laden keinerlei sub-
stanzielle Angaben machen kann. Weder geht aus seinen Angaben hervor,
was überhaupt seine Rolle gewesen sein soll, noch was die Gruppe in sei-
nem Laden überhaupt gemacht habe. Trotz mehrfachen Nachfragen er-
schöpfen sich die Angaben des Beschwerdeführers in Allgemeinplätzen
oder in ausweichenden Aussagen. Nach mehrmaliger Nachfrage brachte
der Beschwerdeführer beispielsweise hierzu vor, sie hätten in seinem La-
den ganz einfach nur allgemein über ihre Arbeit und die Demonstrationen
gesprochen und hätten über die neuen Personen beraten, die sich ihnen
angeschlossen hätten; um jedoch sogleich in der Folgeantwort auszufüh-
ren, dass sie die angeblich neuen Personen gar nie gesehen hätten (A32,
F113-118). Ihre Gruppe habe auch gar keinen Namen gehabt. Eigentlich
hätten sie der Gruppe später einen Namen geben wollen, er könne sich
aber nicht mehr erinnern, wie der hätte lauten sollen (vgl. A32, F119). Diese
Schilderungen weisen augenscheinlich nicht die Struktur selbst erlebter
Geschehnisse auf.
6.2.5 Der vom SEM zu Recht gemachten Feststellung, wonach die Schil-
derung der angeblichen Haft des Beschwerdeführers mit der anschliessen-
den Flucht – mithin also der eigentliche Kern ihrer Asylvorbringen und der
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Seite 13
eigentliche Grund für ihre Flucht aus Syrien – unsubstanziiert und nicht
nachvollziehbar ausgefallen ist, haben sich die Beschwerdeführenden in
ihrer Rechtsmitteleingabe sogar sillschweigend unterzogen. Die Rechts-
mitteleingabe ist auch in diesem Punkt ungeeignet, den argumentativ gut
belegten Ausführungen der Vorinstanz etwas entgegenzuhalten oder diese
gar umzustossen. Den entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz
schliesst sich das Gericht vollumfänglich an. Der Beschwerdeführer beant-
wortete konkrete Fragen zu seiner angeblichen Haft platt und praktisch
ohne jegliche Realkennzeichen (vgl. A32, F147, F149-155). Seine diesbe-
züglichen Ausführungen erschöpften sich stellenweise gar bloss in einzel-
nen Wörtern oder in einfach gehaltenen Einzelsätzen ohne Substanz. Auch
seine angebliche Verhaftung schilderte er kurz als einfach gestrickte Ab-
folge von simplen Handlungsketten. Die entsprechenden Ausführungen er-
weisen sich überdies nicht nur als substanzarm, sondern zusätzlich auch
als wenig lebensnah. So ist beispielsweise nur sehr schwer nachvollzieh-
bar, dass die Männer der Staatssicherheit angeblich ohne auch nur ein
Wort zu sagen einfach schweigend in den Laden gekommen seien und der
Beschwerdeführer und sein Freund sich sodann ohne jegliche Gegenwehr
oder andere Reaktionen schwarze Taschen über die Köpfe hätten ziehen
lassen (vgl. A32, F128-130). Es fehlen mithin die zu erwartenden Kompli-
kationsschilderungen oder andere Realkennzeichen (bspw. direkte Rede,
Schilderung seiner damaligen Gefühlssituation oder Denkprozesse, insb.
Ängste, Hilflosigkeit). Die entsprechenden Schilderungen sind mit den viel-
schichtigen Abläufen von effektiv selbsterlebten Geschehnissen nicht in ei-
nen sinnbringenden Einklang zu bringen.
6.2.6 Insgesamt vermögen die Beschwerdeführenden den zutreffenden Er-
wägungen der Vorinstanz nichts entgegenzusetzen. Damit ist mit der Vor-
instanz nicht davon auszugehen, die Beschwerdeführenden seien den sy-
rischen Behörden als Regimegegner bekannt.
Im Übrigen ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden aus ihrem pau-
schalen Verweis auf verschiedene Asylentscheide der Vorinstanz nichts zu
ihren Gunsten abzuleiten vermögen. In Asylverfahren sind stets Einzelfälle
und die individuellen Umstände zu beurteilen.
6.3
6.3.1 Im Weiteren sind die von der Vorinstanz festgestellten erheblichen
Widersprüche betreffend die Militärdienstbüchlein und die Umstände der
Ausstellung des weissen Dienstbüchleins zu bestätigen; zur Vermeidung
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von Wiederholungen kann diesbezüglich vollumfänglich auf die vorinstanz-
lichen Erwägungen verwiesen werden. Die Rüge des Beschwerdeführers,
er sei gar nie mit diesen Widersprüchen konfrontiert worden, ist offensicht-
lich aktenwidrig, zumal ihm ja gerade aufgrund dieser Widersprüche be-
treffend die Dienstbüchlein am 29. Mai 2018 das rechtliche Gehör gewährt
wurde (vgl. A44). Mit seiner schriftlichen Stellungnahme vom 11. Juni 2018
(vgl. A47) wiederholte er im Wesentlichen seine bisherigen, an der Anhö-
rung getätigten Aussagen betreffend die Ausstellung der Dienstbüchlein
und den Befreiungsvermerk (vgl. A32, F71 ff., F168-196. F207-216), ohne
sich mit den vom SEM angeführten Unstimmigkeiten zum Ausstellungsda-
tum des gelben Dienstbüchleins oder den inhaltlichen Abweichungen des
Befreiungsvermerks in irgendeiner Weise auseinanderzusetzen. Dass die
unterschiedlichen Angaben auf die unsorgfältige Arbeitsweise des Beam-
ten zurückzuführen seien, stellt eine reine Schutzbehauptung dar. Mit sei-
nem pauschalen Einwand, das SEM habe die Rubriken der Dienstbüchlein
wohl nicht genau angeschaut, kann er nichts zu seinen Gunsten ableiten,
zumal er nicht einmal konkretisiert, auf welche Rubriken er sich bezieht und
was die Schlussfolgerung daraus sein sollte.
Sodann entstand der Widerspruch betreffend die Umstände der Ausstel-
lung des zweiten Dienstbüchleins gar erst mit seiner schriftlichen Stellung-
nahme. Darin führte er aus, dass H._ ihm gedroht habe, ihm und
seinem Vater etwas anzutun. Dies habe dazu geführt, dass sein Vater an
seiner Stelle auf dem Rekrutierungsamt eine schriftliche Erklärung habe
unterschreiben müssen, wonach H._ mit der im gelben Büchlein
eingetragenen Scheinbefreiung vom Militärdienst nichts zu tun gehabt
habe (vgl. a.a.O.). Im klaren Widerspruch hierzu gab er an der Anhörung
zu Protokoll, H._ habe seinen Vater gefangengenommen, worauf-
hin er (der Beschwerdeführer) telefonisch gegenüber dem Leiter des Rek-
rutierungsbüros H._ Unschuld habe beteuern müssen (vgl. A32,
F192 ff., F207 ff.). Ein blosses Missverständnis ist bei derart widersprüch-
lichen Schilderungen klar auszuschliessen. Sodann vermag der Beschwer-
deführer mit seiner pauschalen Rüge, der Dolmetscher habe anlässlich der
Anhörung wohl unpräzise übersetzt, nicht aufzuzeigen, inwiefern dies der
Fall gewesen sein sollte.
6.3.2 In Bezug auf das Aussageverhalten der Beschwerdeführenden ist an
dieser Stelle festzuhalten, dass die einschlägigen Aussagen auch gegen-
seitige Widersprüche aufweisen. So gab beispielsweise die Beschwerde-
führerin zu Protokoll, dass ihr Schwiegervater (also der Vater des Be-
schwerdeführers) zwei Tage nach der Flucht des Beschwerdeführers im
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Jahr 2013 von der Polizei zu einem Verhör mitgenommen worden sei (vgl.
A36, F42, F46). In Widerspruch hierzu brachte der Beschwerdeführer vor,
dass sein Vater erst im Jahr 20(...) – mithin 2 Jahre später – auf Geheiss
von H._ nach Erhalt des Marsch- und Suchbefehls von einer loka-
len Gruppierung von Arabern mitgenommen worden sei, um auf ihn Druck
auszuüben (vgl. A32, F64, F192-194 und F207 f.). Die entsprechenden An-
gaben der beiden Beschwerdeführerenden weisen klare Widersprüche hin-
sichtlich der zeitlichen Einordnung des Geschehens wie auch hinsichtlich
der behauptungsweise involvierten Aggressoren auf.
Betreffend die (...) Haft des Beschwerdeführers und dessen Freilassung
gegen eine Geldzahlung stimmen die Aussagen der Beschwerdeführenden
überein (vgl. A36, F35 ff.). Gesamthaft betrachtet vermag dies die Aspekte,
welche gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen sprechen, aber nicht
aufzuwiegen.
6.3.3 Schliesslich sind die Ausführungen des SEM zur zweifelhaften Au-
thentizität und geringen Beweiskraft des angeblichen militärischen Aufge-
bots und des Suchbefehls im Resultat zu stützen.
Eine – zwar nicht ausschlaggebende, aber dennoch zumindest zur Klar-
stellung anzuführende – Einschränkung erfährt die vorinstanzliche Argu-
mentation einzig mit Bezug auf die pauschale Feststellung, wonach die
vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verlegung des Rekrutierungs-
amtes L._ mit unverändert gebliebenen Aufgaben, Briefkopf und
Stempel offensichtlich jeglicher Plausibilität entbehre. Nach Kenntnis des
Gerichts kann auch in kurdischen Gebieten die Möglichkeit der Zustellung
von mit der Rekrutierung in Zusammenhang stehenden Dokumenten durch
das syrische Regime nicht gänzlich ausgeschlossen werden, selbst wenn
das betreffende Kreiskommando respektive Rekrutierungsbüro nicht mehr
existieren sollte. So kann es durchaus zu Verlegungen von Kreiskomman-
dos kommen, wobei teilweise überholte Formulare und Stempel verwendet
werden.
Aufgrund des bereits Ausgeführten vermag dieser vorliegend nebensäch-
lich bleibende Aspekt aber nichts an der im Resultat ansonsten vollständig
zu stützenden Schlussfolgerung des SEM zu ändern, wonach es sich bei
diesen Dokumenten um mutmassliche Fälschungen handelt.
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6.3.4 Nach dem Gesagten ist es den Beschwerdeführenden nicht gelun-
gen, eine Einberufung des Beschwerdeführers in den Militärdienst der sy-
rischen Armee und einer Suche nach ihm glaubhaft zu machen.
Im Übrigen wäre selbst bei Wahrunterstellung einer Einberufung respektive
bei Annahme einer nach wie vor vorhandenen Dienstpflicht, derer er sich
angeblich entzogen hat, entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden
nicht von einer Asylrelevanz auszugehen. Das Bundesverwaltungsgericht
geht in ständiger Praxis davon aus, dass bei Wehrdienstverweigerung und
Desertion im syrischen Kontext nur dann eine asylrelevante Strafe zu be-
fürchten ist, wenn zusätzliche exponierende Faktoren gegeben sind. Hin-
gegen droht Wehrdienstverweigerern und Deserteuren, die nicht zusätzlich
politisch exponiert sind, nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit eine
Strafe, welche die Schwelle der Asylrelevanz erreichen würde (vgl. statt
vieler Urteile des BVGer E-2188/2019 vom 30. Juni 2020 E. 6 [zur Publika-
tion vorgesehen], D-3914/2018 vom 19. August 2019 E. 4.2.4; E-234/2019
vom 25. November 2019 E. 7.3.1; E-4648/2019 vom 2. Dezember 2019
S. 9). Wie vorstehend ausgeführt (vgl. E. 6.2), sind die in der Beschwerde
zur Schärfung des Profils des Beschwerdeführers angeführten Faktoren
respektive Ereignisse (das politische Engagement des Beschwerdeführers
und die anschliessende Inhaftierung) als unglaubhaft zu qualifizieren. Der
entsprechenden Argumentation auf Beschwerdeebene kann nicht gefolgt
werden.
6.4 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführenden nichts vorge-
bracht, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder
zumindest glaubhaft zu machen. Es bestehen keine konkreten Anhalts-
punkte dafür, dass sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Syrien einer asylre-
levanten Verfolgung ausgesetzt waren. Gleichzeitig ist auch nicht davon
auszugehen, dass sie im Falle einer Wiedereinreise nach Syrien eine asyl-
relevante Verfolgung zu befürchten hätten. Die Vorinstanz hat daher ihre
Asylgesuche zu Recht abgelehnt.
7.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der anerkannten konkreten
Gefährdung aufgrund des in Syrien herrschenden Bürgerkrieges mit der
Anordnung der vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführenden in der
Schweiz aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rech-
nung getragen worden ist. Praxisgemäss erübrigen sich damit weitere Aus-
führungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
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8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvor-
schuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
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