Decision ID: 283e502a-54df-5e9e-b056-1abb04f94e9d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der am (...) 1961 geborene, verheiratete, deutsche Staatsbürger
A._ lebt in Deutschland. Er war ab August 2002 bis Dezember 2012
(mit Unterbrüchen) in der Schweiz mit dem Status als Grenzgänger als
Pflegefachmann Anästhesie und Intensiv erwerbstätig und leistete dabei
Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenver-
sicherung (IV-act. 1, 13, 78 f., 88 S. 1 und 142). Am 23. Juni 2010 erlitt
A._ eine Intrazerebralblutung und meldete sich in der Folge am
2. Dezember 2010 bei der IV-Stelle des Kantons C._ zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 2).
A.b Mit Verfügung vom 3. Dezember 2018 (IV-act. 226) sprach die IV-
Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz)
A._ für die Zeit vom 1. Juni 2011 bis zum 31. Dezember 2011 eine
befristete Viertelsrente zu, weitergehend wies sie das Leistungsbegehren
ab.
Die IVSTA stellte zur Beurteilung des Gesuchs namentlich auf folgende
Unterlagen ab: das Gesamtgutachten der D._ AG vom 3. August
2012 von Dr. med. E._, Facharzt für Neurologie (IV-act. 64.1), be-
stehend aus den Teilgutachten von Dr. med. F._, Fachärztin für
Ophtalmologie und -chirurgie vom 30. Juli 2012 (IV-act. 64.5), von Dr. phil.
G._, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, vom 12. April
2012 (IV-act. 64.4), von Dr. med. H._, Facharzt für Orthopädie und
Traumatologie, vom 18. April 2012 (IV-act. 64.2) und von
Dr. med. I._, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie
FMH, vom 21. April 2012 (IV-act. 64.3), die Berichte von
Dr. med. J._, Facharzt für Allgemeinmedizin, vom 21. Juli 2015 (IV-
act. 133) und vom 14. Dezember 2015 (IV-act. 160.2 S. 29 ff.), der Bericht
von Dipl.-Med. K._, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psy-
chotherapie, Spezielle Schmerztherapie, vom 11. April 2016 (IV-
act. 160.2), den Bericht von Dr. med. L._, Facharzt für Neurologie,
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 16. Februar 2017 (IV-act. 183
S. 4 ff.), den Bericht von Dr. med. M._, Facharzt für Orthopädie,
vom 7. März 2017 (IV-act. 183 S. 22 ff.), den Bericht des Klinikums
N._, Klinik für Neurodegenerative Erkrankungen und Gerontopsy-
chiatrie, Gedächtnisambulanz (IV-act. 192 S. 3 ff.), den Abklärungsbericht
Haushalt/Erwerb vom 17. Juli 2017 (IV-act. 161), die Stellungnahmen von
Dr. med. O._, Fachärztin für Neurologie beim RAD, vom 8. Januar
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Seite 3
2018 (IV-act. 189 S. 3 ff.) und vom 2. Juli 2018 (IV-act. 200) sowie die Stel-
lungnahme von Dr. med. P._, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie
und Psychotherapie beim RAD, vom 8. März 2018 (IV-act. 199 S. 4 ff.).
Die Ärzte diagnostizierten bei A._ im Wesentlichen 1) einen Status
nach atypischer subkortikal gelegener Intrazerebralblutung okzipital links
mit persistierender komplexer visueller zentraler Verarbeitungsstörung und
leichten neuropsychologischen Störungen, 2) einen Parazentralen Ge-
sichtsfelddefekt beidseits, 3) einen Status nach Kryokoagulation eines
Netzhautloches links (09/2010), 4) Arterielle Hypertonie, 5) Adipositas,
6) Hypercholesterinämie, 7) Substituierte Hypothyreose, 8) Astigmatismus
myopicus, Presbyopie und 9) einen Zustand nach Strahlenschaden mit re-
zidivierenden Osteolysen, Bandscheibenprolaps L3/L4.
Aus den gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiteten die Ärzte seit der
Hirnblutung am 23. Juni 2010 eine volle Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tä-
tigkeiten ab. Seit Januar 2012 bestehe in einer angepassten Tätigkeit (kör-
perlich leicht, mit geringer Anforderung an das visusensorische System ins-
besondere im Nahvisus-Bereich, mit geringer Anforderung an feinmotori-
sche Funktionen der rechten Hand) eine Arbeitsfähigkeit von 70-80 %. Die
bisherige Tätigkeit als Pflegefachmann Anästhesie und Intensiv erachteten
sie indes als nicht mehr zumutbar. Nach einer anfänglich durch den Haus-
arzt attestierten und später durch ein Gutachten festgestellten Verschlech-
terung wurde A._ als nicht mehr arbeitsfähig eingestuft.
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 3. Dezember 2018 erhob A._ (nach-
folgend: Beschwerdeführer), vertreten durch B._, mit Eingabe vom
11. Dezember 2018 (BVGer-act. 1) Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht. Er beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Ent-
scheids und die Zusprache einer (unbefristeten) Invalidenrente. Zur Be-
gründung führte er aus, seit der Hirnblutung im Jahr 2010 habe sich sein
Gesundheitszustand zunehmend verschlechtert; er sehe sich aus gesund-
heitlichen Gründen nicht mehr in der Lage, einer Arbeit nachzugehen, ob-
wohl er immer sehr gerne gearbeitet habe und weiterhin gerne arbeiten
würde.
B.b Der mit Zwischenverfügung vom 11. Januar 2019 (BVGer-act. 3) ein-
verlangte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.- sowie ein Mehrbetrag
C-7270/2018
Seite 4
von Fr. 27.76 sind am 24. Januar 2019 beim Bundesverwaltungsgericht
eingegangen (vgl. BVGer-act. 4).
B.c Mit Vernehmlassung vom 26. März 2019 (IV-act. 6) beantragte die Vor-
instanz die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf
die Stellungnahme der IV-Stelle des Kantons C._ vom 22. März
2019. Diese führte aus, zur Prüfung der Leistungspflicht sei das polydiszip-
linäre Gutachten vom 3. August 2012 eingeholt worden, welches voll be-
weiskräftig sei. Das eingereichte Gutachten von Dr. med. L._ vom
16. Februar 2017 erfülle die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an
den Beweiswert von Berichten nicht, weshalb nicht darauf abgestellt wer-
den könne; dies habe die RAD-Ärztin Dr. med. O._ in ihrer Stellung-
nahme vom 8. Januar 2018 festgestellt.
B.d Mit Replik vom 1. Mai 2019 (BVGer-act. 8) hielt der Beschwerdeführer
an seinem Antrag auf Zusprache einer Rente fest und führte zur Begrün-
dung aus, er wolle grundsätzlich arbeiten, sehe sich aber aus gesundheit-
lichen Gründen nicht mehr dazu in der Lage; sein Gesundheitszustand ver-
schlechtere sich zunehmend.
B.e Mit Duplik vom 12. Juni 2019 (BVGer-act. 10) hielt die Vorinstanz an
ihrem bisherigen Antrag fest. Zur Begründung verwies sie auf das Schrei-
ben der IV-Stelle C._ vom 5. Juni 2019, mit welchem diese auf die
Stellungnahme vom 22. März 2019 verwies und auf weitere Ausführungen
verzichtete.
C.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Beweis-
mittel ist – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nachfolgen-
den Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG (SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG
und Art. 69 Abs. 1 Bst. b des IVG (SR 831.20) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügungen
der IV-Stelle für Versicherte im Ausland. Eine Ausnahme im Sinne von
Art. 32 VGG liegt nicht vor.
C-7270/2018
Seite 5
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG (SR 172.021), soweit das VGG nichts anderes bestimmt
(Art. 37 VGG). Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversiche-
rungsrechtlichen Verfahren die besonderen Bestimmungen des ATSG
(SR 830.1) vorbehalten. Gemäss Art. 2 ATSG sind die Bestimmungen die-
ses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten Sozialversicherungen
anwendbar, wenn und soweit die einzelnen Sozialversicherungsgesetze es
vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Inva-
lidenversicherung anwendbar (Art. 1a bis 26bis und Art. 28 bis 70), soweit
das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Dabei
finden nach den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln in formell-
rechtlicher Hinsicht mangels anderslautender Übergangsbestimmungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze Anwendung, welche im Zeitpunkt der
Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Als direkter Adressat ist der Beschwerdeführer von der angefochtenen
Verfügung berührt und er kann sich auf ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung berufen (Art. 59 ATSG; Art. 48 Abs. 1
VwVG).
1.4 Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht (Art 60 Abs. 1
ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht und der Kostenvorschuss frist-
gerecht geleistet wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten. Auf die be-
schwerdeweise gemachten Ausführungen des Beschwerdeführers in Be-
zug auf die (vermeintlich) «verkürzte Beschwerdefrist» zufolge Postzustel-
lung nach Deutschland ist nicht weiter einzugehen, zumal die Beschwer-
defrist eingehalten wurde und der Beschwerdeführer replikweise noch ein-
mal Gelegenheit erhalten hat, seine Ausführungen zu präzisieren respek-
tive weiter auszuführen.
2.
2.1 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 3. Dezember 2018 in Kraft standen; weiter aber auch
Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren,
die aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprü-
che von Belang sind.
C-7270/2018
Seite 6
2.2 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie Unangemes-
senheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).
2.3 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 3. Dezember 2018) eingetretenen Sachver-
halt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither
verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal-
tungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
2.4 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger und wohnt in
Deutschland. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni
1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des
FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen
Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009
(SR 0.831.109.268.11), zur Anwendung. Seit dem 1. Januar 2015 sind
auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und
Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 4).
3.
Vorab ist zu prüfen, ob die IVSTA angesichts der bei der IV-Stelle
C._ eingereichten Anmeldung zum Rentenbezug und die durch
jene durchgeführten Abklärungen die zuständige Verfügungsbehörde war.
3.1 Zuständig ist in der Regel die IV-Stelle, in deren Kantonsgebiet der Ver-
sicherte im Zeitpunkt der Anmeldung seinen Wohnsitz hat. Der Bundesrat
ordnet die Zuständigkeit in Sonderfällen (Art. 55 Abs. 1 IVG und Art. 40
Abs. 1 Bst. a IVV). Zuständig zur Entgegennahme und Prüfung der Anmel-
dungen von Grenzgängern ist die IV-Stelle, in deren Tätigkeitsgebiet der
Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit ausübt. Dies gilt auch für ehemalige
Grenzgänger, sofern sie bei der Anmeldung ihren ordentlichen Wohnsitz
noch in der benachbarten Grenzzone haben und der Gesundheitsschaden
C-7270/2018
Seite 7
auf die Zeit ihrer Tätigkeit als Grenzgänger zurückgeht. Die Verfügungen
werden von der IV-Stelle für Versicherte im Ausland erlassen (Art. 40
Abs. 2 IVV).
3.2 Der Beschwerdeführer war Grenzgänger und hatte seine letzte Arbeits-
stelle im Kanton C._. Der Beschwerdeführer wohnt aktuell in DE-
(...) und davor wohnte er in DE-(...). Diese beiden Ortschaften liegen nahe
beieinander, aber beide liegen über 400 Kilometer weg von der Schweizer
Grenze, weshalb nicht von einem Wohnsitz «direkt im benachbarten
Grenzgebiet» auszugehen ist. Der Beschwerdeführer übte seine Erwerbs-
tätigkeit dennoch als Grenzgänger (mit Wochenaufenthalt am Arbeitsort)
aus. Seinen Wohnsitz, den Wohnsitz der Familie (Ehefrau und Kinder),
hatte er unbestritten stets in Deutschland. Es liegt somit aufgrund der Dis-
tanz des Wohnortes zur Grenze keine «klassische» Grenzgänger Konstel-
lation vor. Es ist dennoch davon auszugehen, dass sich der Beschwerde-
führer zu Recht gemäss der obgenannten «Grenzgänger-Regelung» bei
der IV-Stelle des Kantons C._ zum Leistungsbezug angemeldet
hat, da er trotz der grossen Distanz zur Grenze Grenzgänger war und je-
weils zum Arbeiten tage- respektive wochenweise in die Schweiz kam und
danach wieder zu seiner Familie zurückkehrte. Die Anmeldung bei der IV-
Stelle C._ und der Erlass der Verfügung durch die IVSTA ist gemäss
obenstehenden Ausführungen nicht zu beanstanden. Die Zuständigkeit
wurde überdies von keiner Partei bestritten.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer hat während mehr als drei Jahren Beiträge im
Sinn von Art. 36 Abs. 1 IVG geleistet, so dass die Anspruchsvoraussetzung
der Mindestbeitragsdauer erfüllt ist (IV-act. 13 und 88 S. 1, vgl. A.a hiervor).
4.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
C-7270/2018
Seite 8
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
4.3 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede-
rungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können
(Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
(Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8
ATSG) sind (Bst. c).
4.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf-
gabe des Arztes im schweizerischen Invalidenverfahren ist es, den Ge-
sundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und gegebenenfalls bezüglich welcher Tätigkeiten der Versicherte
arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen dem
Versicherten konkret noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256
E. 4, 115 V 134 E. 2; AHI-Praxis 2002, S. 62, E. 4b/cc).
Die Arbeitsunfähigkeit stellt einen unbestimmten Rechtsbegriff des formel-
len Gesetzes (Art. 6 ATSG) dar. Die medizinische Beurteilung stellt keinen
abschliessenden Entscheid über die Folgen der erhobenen gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen dar. Vielmehr ist sie durch die rechtsanwenden-
den Behörden im Rahmen der rechtlichen Vorgaben zu würdigen (BGE 140
V 193 E. 3.1 und 3.2). Weil die gesetzliche Definition der Arbeitsfähigkeit
somit keine rein medizinische ist, können sich Konstellationen ergeben, bei
welchen von der im medizinischen Gutachten festgestellten Arbeitsunfä-
higkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verliert (SVR
2013 IV Nr. 9 S. 21, 8C_842/2011 E. 4.2.2; vgl. auch BGE 130 V 352 E. 3
S. 356 sowie Urteile des Bundesgerichts [BGer] 9C_128/2018 vom 17. Juli
2018 E. 2.2 und 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 5.1.).
C-7270/2018
Seite 9
4.4.1 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel
zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfah-
ren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versi-
cherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, das
heisst ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss
zu würdigen. Dies bedeutet für das Gericht, dass es alle Beweismittel, un-
abhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu ent-
scheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung
des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei ei-
nander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht er-
ledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische
These abstellt.
Es ist in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beeinträchtigungen keines-
wegs allein Sache der mit dem konkreten Einzelfall (gutachtlich) befassten
Arztpersonen, selber abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle
(Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch fest-
gestellte Leiden zu einer (andauernden oder vorübergehenden) Arbeitsun-
fähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt (BGE 140 V 193 E. 3.1).
Zwischen ärztlich gestellter Diagnose und Arbeitsunfähigkeit besteht – so-
wohl bei somatisch dominierten als auch bei psychisch dominierten Leiden
– keine Korrelation, weshalb die medizinische Folgenabschätzung notge-
drungen eine hohe Variabilität und unausweichlich Ermessenszüge auf-
weist (BGE 140 V 193, 195 E. 3.1).
4.4.2 Bezüglich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi-
zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Exper-
ten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich
somit weder die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der ein-
gereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder als
Gutachten (vgl. dazu das Urteil des BGer I 268/2005 vom 26. Januar 2006
E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 125 V 352 E. 3a).
Gleichwohl erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung in Be-
C-7270/2018
Seite 10
zug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten aufzu-
stellen (vgl. hierzu BGE 125 V 352 E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b; Urteil des
BGer I 128/98 vom 24. Januar 2000 E. 3b). So ist den im Rahmen des Ver-
waltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzte, welche
aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach
Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Be-
weiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuver-
lässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb, mit weiteren
Hinweisen). Berichte der behandelnden Ärzte schliesslich sind aufgrund
deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt
zu würdigen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Dies gilt für den allgemein prakti-
zierenden Hausarzt wie auch für den behandelnden Spezialarzt (Urteil des
BGer I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4 mit Hinweisen, vgl. aber
9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.2).
Die Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der IVSTA,
welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen, können wie Aktengut-
achten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich festste-
henden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Be-
fassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile
des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 vom
8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je mit Hin-
weisen). Die Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht
insbesondere darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfe-
stellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche
in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den me-
dizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizi-
nisch zu würdigen (vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil 8C_756/2008] E. 4.4 mit
Hinweis; Urteil des BGer 9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3). Sie
haben die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht zu würdigen,
wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten
eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die an-
dere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu-
nehmen ist (BGE 142 V 58 E. 5.1). Enthalten die Akten für die streitigen
Belange keine beweistauglichen Unterlagen, kann die Stellungnahme ei-
ner versicherungsinternen Fachperson in der Regel keine abschliessende
Beurteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehenden Abklärun-
gen Anlass geben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011
E. 3.3).
C-7270/2018
Seite 11
4.4.3 Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt
eines Versicherten sind – analog zur vorerwähnten Rechtsprechung betref-
fend die Beweiskraft von Arztberichten – verschiedene Faktoren zu berück-
sichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person
verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen
sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträch-
tigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicher-
ten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Betei-
ligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext muss schliesslich plau-
sibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Ein-
schränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle
erhobenen Angaben stehen (in BGE 134 V 9 [Urteil des BGer I 246/05 vom
30. Oktober 2007] nicht publizierte E. 5.2 mit Hinweisen). Trifft all dies zu,
ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig. Diese Beweiswürdigungskrite-
rien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art
und Umfang der Behinderung im Haushalt massgebend, sondern gelten
analog für den Teil des Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Um-
fang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versicherten mit
häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (vgl. Urteil des
BGer I 236/2006 vom 19. Juni 2006 E. 3.2 mit Hinweisen).
Auch wenn bei den im Ausland wohnenden Versicherten mangels geeig-
neten Abklärungspersonen keine Haushaltabklärung (im Sinne einer Ab-
klärung an Ort und Stelle gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV) durchgeführt werden
kann, muss die Beurteilung einer Beeinträchtigung im Haushalt nach ana-
logen Grundsätzen erfolgen (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts
[BVGer] C-4781/2008 vom 28. Juni 2010 E. 4.2 und C-5131/2007 vom
16. März 2009 E. 4.2.5). Ob eine solche Abklärung im einzelnen Fall ge-
nügt, ist anhand der konkreten Verhältnisse zu entscheiden.
4.5 Vor der Berechnung des Invaliditätsgrades muss jeweils beurteilt wer-
den, ob die versicherte Person als (teil-)erwerbstätig oder nichterwerbstätig
einzustufen ist, was entsprechenden Einfluss auf die anzuwendende Me-
thode der Invaliditätsgradbemessung hat (allgemeine Methode des Ein-
kommensvergleichs, gemischte Methode, spezifische Methode des Betäti-
gungsvergleichs, vgl. Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a IVG).
Zu prüfen ist, was die versicherte Person bei im Übrigen unveränderten
Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde.
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie
sie sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung entwickelt haben,
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Seite 12
wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten
(Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausreicht (vgl. BGE 133 V 504
E. 3.3, 133 V 477 E. 6.3, 125 V 146 E. 2c, je mit Hinweisen).
4.6 Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf
eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindes-
tens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine
ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als
50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Versicherte ausbe-
zahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG)
in der Schweiz haben (Art. 29 Abs. 4 IVG). Diese Einschränkung gilt jedoch
nicht für die Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der EU und der
Schweiz, sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (Art. 7
VO [EG] 883/2004; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.3 und E. 3.1).
4.7 Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Mona-
ten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1
ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters-
jahres folgt (Art. 29 Abs. 1 IVG; vgl. auch BGE 138 V 475 E. 3). Somit ist
vorliegend aufgrund der im Dezember 2010 eingereichten Anmeldung ein
Leistungsanspruch frühestens ab 1. Juni 2011 zu prüfen.
5.
Wird eine befristete Invalidenrente verfügt und diese Rente unmittelbar ab
dem Ende der Befristung aufgehoben oder abgeändert, so stellt diese
zweite Anordnung materiell eine Rentenrevisionsverfügung dar, auf die
folglich die entsprechenden Bestimmungen anwendbar sind. Dies gilt auch
dann, wenn die beiden Anordnungen zum selben Zeitpunkt und sogar in
derselben Verfügung getroffen werden. Deshalb müssen nach der Recht-
sprechung und Lehre bei einer solchen Verfügung Revisionsgründe erfüllt
sein (vgl. BGE 125 V 417 E. 2d, 112 V 372 E. 2b; URS MÜLLER, Die mate-
riellen Voraussetzungen der Rentenrevision in der Invalidenversicherung,
Freiburg 2003, S. 207 f.).
5.1 Gemäss Art. 17 ATSG wird eine Rente von Amtes wegen oder auf Ge-
such hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho-
ben, wenn sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich ver-
ändert hat. Eine Änderung des Invaliditätsgrades wird namentlich durch
eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes impliziert. Da-
C-7270/2018
Seite 13
gegen ist die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unverän-
dert gebliebenen Sachverhalts kein Revisionsgrund; unterschiedliche Be-
urteilungen sind revisionsrechtlich nur dann beachtlich, wenn sie Ausdruck
von Änderungen der tatsächlichen Verhältnisse sind (BGE 117 V 199
E. 3B, 112 V 390 E. 1B; ZAK 1987 S. 36 ff.).
5.2 Ob eine rentenrelevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten
ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im zeitlichen Geltungs-
bereich der ursprünglichen Verfügung mit demjenigen der streitigen Verfü-
gung (BGE 125 V 369 E. 2).
Nach Art. 88a Abs. 1 IVV ist die anspruchsbeeinflussende Änderung vom
Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass
sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berück-
sichtigen, nachdem sie ohne wesentlichen Unterbruch drei Monate gedau-
ert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird.
6.
Aus den Einträgen im individuellen Konto (vgl. IV-act. 13, 78 f. und 88 S. 1)
ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer die dreijährige Mindestbeitrags-
zeit erfüllt hat. Unter den Parteien sind vorliegend im Wesentlichen die Be-
urteilung der Arbeitsfähigkeit und die Berechnung des IV-Grades, insbe-
sondere die genaue Umschreibung einer noch möglichen Tätigkeit, strittig.
Aufgrund des hier geltenden Untersuchungsgrundsatzes ist nachfolgend
umfassend zu prüfen, welche Ansprüche der Beschwerdeführer gegenüber
der Invalidenversicherung hat. Es bleibt demnach abzuklären, ob der Be-
schwerdeführer grundsätzlich Anspruch auf eine Rente hat und, falls ja, in
welcher Höhe und ab wann.
Vorweg ist festzuhalten, dass die durch die Deutsche Rentenversicherung
inzwischen erfolgte Rentenzusprache (vgl. IV-act. 181) für die Beurteilung
des Anspruchs auf eine schweizerische Invalidenrente nicht verbindlich ist
(vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4 und AHI 1996 S. 179), so dass der Beschwer-
deführer daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. Der Anspruch auf
eine schweizerische Invalidenrente ist demnach in freier Würdigung der
vorhandenen medizinischen Unterlagen und in Anwendung der schweize-
rischen Rechtsvorschriften zu prüfen.
6.1 Dem Gesamt-Gutachten der D._ AG vom 3. August 2012 (IV-
act. 64.1), welches unter der Leitung von Dr. med. E._, Facharzt für
Neurologie, erstellt worden ist, sind folgende Diagnosen mit Auswirkungen
C-7270/2018
Seite 14
auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen: 1) St.n. atypischer subkortikal gele-
gener Intrazerebralblutung okzipital links mit persistierender komplexer vi-
sueller zentraler Verarbeitungsstörung und leichten neuropsychologischen
Störungen, 2) Parazentraler Gesichtsfelddefekt beidseits und 3) St.n. Kry-
okoagulation eines Netzhautloches links (09/2010). Weiter stellten die un-
tersuchenden Ärzte folgende Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Ar-
beitsfähigkeit: Arterielle Hypertonie, Adipositas, BMI 34 kg/m2, Hypercho-
lesterinämie, Substituierte Hypothyreose, Astigmatismus myopicus und
Presbyopie. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, die
selbständige Tätigkeit im Bereich Anästhesie/Intensivmedizin sei aufgrund
der Sehstörungen (Fehleranfälligkeit, erhöhter Zeitaufwand) als zu riskant
zu beurteilen. Als Fachkrankenpfleger in diesem Bereich bestehe somit
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Für Tätigkeiten mit weniger visuellen
Anforderungen oder bei überwiegender Tätigkeit im Fernvisusbereich sei
von einer leichten Leistungsminderung infolge der leichten neuropsycholo-
gischen Störungen und der Feinmotorikstörung der rechten Hand auszu-
gehen. Je nach Tätigkeit und Anpassungsgrad sei in Verweistätigkeiten
von einer Arbeitsfähigkeit von 70-80 % auszugehen. Diese Einschätzung
gelte ab Januar 2012; davor bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit in allen
Tätigkeiten.
6.2 Den Berichten von Dr. med. J._, Facharzt für Allgemeinmedizin
und behandelnder Hausarzt des Beschwerdeführers, vom 21. Juli 2015
(IV-act. 133) und vom 14. Dezember 2015 (IV-act. 160.2 S. 29 ff.) ist Fol-
gendes zu entnehmen: Der Beschwerdeführer leide seit der Hirnblutung an
Gedächtnis-, Konzentrations- und Sehstörungen, weiter bestünden
Schmerzen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule, ein Zittern im
rechten Arm und regelmässig Kopfschmerzen. Für die bisherige Arbeit als
Fachkrankenpfleger attestierte er dem Beschwerdeführer eine volle Ar-
beitsunfähigkeit. Zur Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit äusserte er
sich nicht.
6.3 Dipl.-Med. K._, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psy-
chotherapie und Spezielle Schmerztherapie, attestierte dem Beschwerde-
führer in seinem Bericht vom 11. April 2016 (IV-act. 160.2 S. 1 ff.) 1) Per-
sönlichkeits- und Verhaltensstörungen (F68.8), 2) spezifische Phobien
(F40.2), 3) analgetikainduzierter Kopfschmerz (G44.8) und 4) Verdacht auf
dissoziative Amnesie (F44.88). Unter Berücksichtigung des hohen Verant-
wortungsniveaus im Rahmen der letzten Tätigkeit als Fachkrankenpfleger
erachtete er den Beschwerdeführer in dieser Tätigkeit als nicht mehr ar-
C-7270/2018
Seite 15
beitsfähig. Für Tätigkeiten mit durchschnittlichem intellektuellem Anforde-
rungsniveau, die unterdurchschnittliche Anforderungen an Verantwortlich-
keit, psychische Belastbarkeit, geistige Flexibilität und Wissensneuerwerb
stellen, erachtete er den Beschwerdeführer auf dem allgemeinen Arbeits-
markt für mehr als sechs Stunden arbeitsfähig.
6.4 Dr. med. L._, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psycho-
therapie, stellte in seinem Gutachten vom 16. Februar 2017 (IV-act. 183
S. 4 ff.) fest, beim Beschwerdeführer bestünden erhebliche Defizite beim
Erkennen von Gesichtern (Prosopagnosie), bei der Raumorientierung und
bei der Fähigkeit, Ereignisse mit Emotionen zu verknüpfen (visuelle Agno-
sie). Der Gutachter schloss daraus, dass der Beschwerdeführer insbeson-
dere wegen der ausgeprägten Störungen der visuellen Assoziationsleistun-
gen nicht in der Lage sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, da für jegli-
che Art der Erwerbstätigkeit das visuelle Assoziieren inkl. Erkennen von
Gesichtern erforderlich sei.
6.5 Dem Bericht von Dr. med. M._, Facharzt für Orthopädie, vom
7. März 2017 (IV-act. 183 S. 22 ff.) ist zu entnehmen, dass in orthopädi-
scher Hinsicht eine rechtsseitige Lumboischialgie/Pseudoischialgie bei en-
gem Spinalkanal der LWS und Wirbelgelenksdegeneration vorliegt. Des-
halb sei der Beschwerdeführer beim Heben und Tragen von schweren Ge-
wichten eingeschränkt. Er könne keine Arbeiten in Zwangshaltungen oder
dauernd stehend oder sitzend verrichten. Er empfehle eine Arbeit in ge-
schlossenen temperierten Räumen.
6.6 Aus dem Bericht des Klinikums N._, Klinik für Neurodegenera-
tive Erkrankungen und Gerontopsychiatrie, Gedächtnisambulanz, vom
24. April 2017 (IV-act. 192 S. 3 ff.) geht hervor, dass beim Beschwerdefüh-
rer eine subjektive kognitive Beeinträchtigung (subjectiv cognitive decline
«SCD») vorliegt. In Bezug auf die Befunde ist dem Bericht Folgendes zu
entnehmen: «Die Ergebnisse der neuropsychologischen Testung zeigen
normgerechte Leistungen in den Bereichen Sprache, visuelle und verbale
episodische Neugedächtnisbildung, Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis sowie
Aufmerksamkeit und Exekutivfunktion. Die visuo-konstruktive Leistung ist
weit unterdurchschnittlich (klinische Relevanz jedoch fraglich) und die kog-
nitive Geschwindigkeit ist diskret reduziert. Angesichts der normgerechten
Abrufleistung mit und ohne Hinweisreize sind Encodierungsstörungen und
ein hippocampales Funktionsdefizit eher unwahrscheinlich. Die geschilder-
ten Defizite u.a. in der visuellen und verbalen episodischen Neugedächt-
C-7270/2018
Seite 16
nisbildung konnten mit Hilfe der neuropsychologischen Testung nicht ob-
jektiviert werden. Anhand der vorliegenden Befunde lassen sich die be-
schriebenen Defizite am ehesten in Folge der stattgehabten Hirnblutung
2010 erklären.». Angaben zur Arbeitsfähigkeit finden sich in diesem Bericht
keine.
6.7 Dr. med. O._, Fachärztin für Neurologie beim RAD, äusserte
sich in ihren Stellungnahmen vom 8. Januar 2018 (IV-act. 189 S. 3 ff.) so-
wie vom 2. Juli 2018 (IV-act. 200) unter Berücksichtigung der Stellung-
nahme von Dr. med. P._, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und
Psychotherapie beim RAD, vom 8. März 2018 (IV-act. 199 S. 4 ff.) wie
folgt: Das Gutachten von Dr. med. L._ vom 16. Februar 2017 be-
zeichnete sie als oberflächlich und mangelhaft und ausserdem berücksich-
tige es die Untersuchungsergebnisse des Klinikums N._ nicht, wes-
halb nicht darauf abzustellen sei. Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit hielt Dr. med. O._ fest: 1) Status nach atypischer
subkortikal gelegener Intrazerebralblutung okzipital links mit persistieren-
der komplexer visueller zentraler Verarbeitungsstörung (23.06.2010),
2) Nicht näher bezeichnete organische Persönlichkeits- und Verhaltensstö-
rung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Ge-
hirns (F07.9) und 3) Rechtsseitige Lumboischialgie/Pseudoischialgie bei
engem Spinalkanal der LWS und Wirbelgelenksdegeneration. Sie hielt fest,
dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes vorliege, jedoch
unklar sei seit wann. Spätestens jedoch seit der Kündigung der bisherigen
Tätigkeit sei eine vergleichbare Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Eine ganz-
tägige, angepasste Tätigkeit sei jedoch mit einer Leistungsminderung von
20 % und ohne Verantwortung für Personen und Maschinen, ohne Zeit-
druck und ohne häufig wechselnde Arbeitszeiten, ohne Anspruch an die
Konfliktfähigkeit, geistige Flexibilität oder der Notwendigkeit des Wissens-
neuerwerbs und ohne Heben und Tragen von schweren Lasten, langem
Stehen und ohne Zwangshaltungen zumutbar.
6.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer auf-
grund der erlittenen Hirnblutung im Juni 2010 und der daraus resultieren-
den Beeinträchtigungen wie Migräne, Sehstörungen, Konzentrations-
schwäche etc. in seiner bisherigen Tätigkeit als Fachkrankenpfleger Anäs-
thesie und Intensivmedizin nicht mehr arbeitsfähig ist. Dies wurde durch
das Gesamt-Gutachten der D._ AG, Dr. med. E._, vom
3. August 2012 festgestellt und ist im Ergebnis unbestritten. Der Beschwer-
deführer hatte zwar zwischenzeitlich seine bisherige Arbeit wieder aufge-
C-7270/2018
Seite 17
nommen (vgl. IV-act. 25), was ihm dank reduziertem Pensum, viel Unter-
stützung der Arbeitskolleginnen und -kollegen und Kompensation von
Überstunden einigermassen gelang. Es ist indes nicht davon auszugehen,
dass seit der Hirnblutung angesichts der ärztlicherseits geschilderten Ein-
schränkungen (und der daraus resultierenden Gefahren für die behandel-
ten Patienten sowie einem Mehraufwand für die Arbeitskollegen in Bezug
auf Kontrolle und Unterstützung des Beschwerdeführers) eine effektive Ar-
beitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit bestanden hat. In einer angepass-
ten Tätigkeit erachteten ihn die Ärzte der D._ AG in ihrem Gutach-
ten vom 3. August 2012 seit der Hirnblutung als vollständig arbeitsunfähig
und ab dem 1. Januar 2012 wieder zu 70-80 % arbeitsfähig. Mit Schreiben
vom 9. April 2015 (IV-act. 115 S. 3 f.) teilte der Beschwerdeführer der IV-
Stelle mit, sein Zustand habe sich verschlechtert. Dr. med. J._,
Facharzt für Allgemeinmedizin und behandelnder Hausarzt des Beschwer-
deführers, attestierte dem Beschwerdeführer in seinem Bericht vom
21. Juli 2015 (IV-act. 133) eine volle Arbeitsunfähigkeit, da bei der aktuel-
len Arbeit wegen Gedächtnisstörungen ein hohes Fehlerrisiko bestehe. Zur
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit äusserte sich
Dr. med. J._ nicht. Dipl.-Med. K._ bestätigte in seinem Be-
richt vom 11. April 2016 (IV-act. 160.2), dass beim Beschwerdeführer in der
bisherigen Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe und die Arbeitsfä-
higkeit in einer angepassten Tätigkeit bei über sechs Stunden liege. Auch
wenn die Angabe «über sechs Stunden» nicht präzise und für die Bemes-
sung von Arbeitsfähigkeit im schweizerischen System nicht gebräuchlich
ist, so ist doch immerhin festzuhalten, dass diese Angabe der Einschätzung
der D._ AG vom 3. August 2012 nicht widerspricht, weshalb davon
auszugehen ist, dass (mindestens) bis zum Zeitpunkt des Berichts von
Dipl.-Med. K._ gemäss der Einschätzung der D._ AG wei-
terhin von einer Restarbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit von 70-80 %
auszugehen ist. Anders sieht es allerdings gemäss der (späteren) Ein-
schätzung von Dr. med. L._, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie
und Psychotherapie, vom 16. Februar 2017 (IV-act. 183 S. 4 ff.) aus. Er
verneinte eine Arbeitsfähigkeit für jegliche Tätigkeiten und begründete dies
mit einer ausgeprägten Störung der visuellen Assoziationsleistungen. Es
bestünden erhebliche Defizite beim Erkennen von Gesichtern (Prosopag-
nosie), bei der Raumorientierung und bei der Verknüpfung von Ereignissen
mit Emotionen (visuelle Agnosie); dies verunmögliche, dass der Beschwer-
deführer einer Erwerbstätigkeit nachgehen könne. Die späteren Berichte
von Dr. med. M._, Facharzt für Orthopädie, vom 7. März 2017 (IV-
act. 183 S. 22 ff.) und des Klinikums N._ vom 24. April 2017 (IV-
act. 192 S. 3 ff.) äussern sich nicht zur Arbeitsfähigkeit. Die konsultierte
C-7270/2018
Seite 18
RAD-Ärztin, Dr. med. P._, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie
und Psychotherapie, hielt in ihrer Stellungnahme vom 8. März 2018 (IV-
act. 199 S. 4 ff.) fest, die verschiedenen Gutachten, zumeist auf neurologi-
schem Fachgebiet, wiesen Inkonsistenzen bezüglich des schulischen und
beruflichen Werdegangs im Vergleich zu den durch den Beschwerdeführer
gemachten Angaben anlässlich seines Gesuchs im Jahr 2010 auf. Ferner
kritisierte sie, dass die durch Dipl.-Med. K._ gestellte Persönlich-
keits- und Verhaltensstörung, nicht nachvollziehbar sei, da weder die erho-
bene Anamnese noch anamnestische Angaben in anderen Gutachten zum
Teil auch anderer Fachrichtung diese rechtfertigten. Weiter wies sie darauf
hin, dass die Verdachtsdiagnose «dissoziative Amnesie» (F44.88) nicht
nachvollziehbar sei, da sie sich meistens auf psychotraumatische Ereig-
nisse beziehe und derartiges gemäss Aktenlage nicht auszumachen sei
und im Übrigen eine solche Diagnose nicht bei hirnorganischen Störungen
gestellte werden sollte. Schliesslich liess sie mit der Formulierung «Auch
die Verdachtsdiagnose in einem Gutachten (!)...» durchblicken, dass eine
solche, ihrer Meinung nach, nicht in ein Gutachten gehöre.
Dr. med. P._ hielt ferner fest, aus den Gutachten von Dipl.-Med.
K._ sowie des Klinikums N._ ergebe sich die Notwendigkeit
der differentialdiagnostischen Diskussion einer psychischen und Verhal-
tensstörung durch Benzodiazepine. Der Versicherte scheine eher unkon-
trolliert Lexotanil konsumiert zu haben. Die beschriebenen Symptome
stünden somit möglicherweise mit einem schädlichen Gebrauch oder gar
einer Abhängigkeit von Benzodiazepinen im Zusammenhang. Dies gelte
insbesondere, da die psychische Symptomatik doch deutlich zeitversetzt
posthämorrhagisch auftrat. Sie erachtete den Beschwerdeführer in einer
angepassten Tätigkeit ganztags mit einer Leistungsminderung von 20 %
arbeitsfähig. Zur divergierenden Einschätzung von Dr. med. L._
äusserte sie sich nicht. Zu dieser äusserte sich indes Dr. med. O._,
Fachärztin für Neurologie FMH beim RAD, in ihrer Stellungnahme vom
8. Januar 2018 (IV-act. 189 S. 3 ff.), indem sie das Gutachten als ober-
flächlich und mangelhaft bezeichnete. Sie bemängelte am Gutachten von
Dr. med. L._ namentlich, dass dieser nicht alle Vorakten, insbeson-
dere den Bericht des Klinikums N._, berücksichtigt habe. Hierzu ist
festzuhalten, dass der Bericht des Klinikums N._ vom 24. April
2017 datiert, wogegen der Bericht von Dr. med. L._ bereits am
16. Februar 2017 erstellt worden ist. Wie aus den vorgenannten Ausfüh-
rungen hervorgeht, konnten die RAD-Ärztinnen den Gesundheitszustand
nicht zuverlässiger beurteilen, als die begutachtenden Ärzte. Einerseits
stellen auch jene Verdachtsdiagnosen (vgl. schädlicher Gebrauch oder gar
eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen) andererseits bezweifeln sie die
C-7270/2018
Seite 19
gestellten Diagnosen, und nennen aber gleichzeitig keine anderen, über-
zeugenderen Diagnosen für die erhobenen Befunde. Die Kritik der beiden
RAD-Ärztinnen an den Berichten der begutachtenden Ärzte überzeugt ins-
gesamt nicht. Da sie den Beschwerdeführer nicht persönlich untersucht
haben, ist nicht davon auszugehen, dass sie gestützt auf die vorhandenen
Akten in der Lage sind, eine treffendere Beurteilung abzugeben, als die
untersuchenden Ärzte. Eine pauschale Kritik an den Berichten der unter-
suchenden Ärzte, die notabene unabhängige Gutachter und nicht behan-
delnde Ärzte sind, ist nicht angebracht, zumal die kritisierten Punkte teil-
weise sogar offensichtlich unzutreffend sind. Die begutachtenden Ärzte ha-
ben ihre Einschätzung nach persönlicher Untersuchung des Beschwerde-
führers abgegeben und dem Beschwerdeführer ein kooperatives Verhalten
und eine hohe Leistungsbereitschaft attestiert (vgl. Gutachten D._
AG vom 3. August 2012 [IV-act. 64.1] S. 14, 16 und 17 und Gutachten Dr.
med. M._, Facharzt für Orthopädie, vom 7. März 2017 [IV-act. 183
S. 33]). Auch wenn nicht für alle beim Beschwerdeführer erhobenen Defi-
zite klar ist, welchen Ursprung sie haben (vgl. namentlich das Gutachten
der D._ AG vom 3. August 2012 S. 19), sind diese dennoch zu be-
rücksichtigen, zumal deren Vorliegen durch die Ärzte glaubhaft bestätigt
wurde und nicht davon auszugehen ist, dass ein aggravierendes Verhalten
des Beschwerdeführers vorliegt. Es ist somit für die Beurteilung der Ar-
beitsfähigkeit für die jeweiligen Zeitabschnitte auf die Einschätzung der be-
gutachtenden Ärzte abzustellen und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde-
führers wie folgt festzustellen: Seit der Hirnblutung im Juni 2010 bestand
beim Beschwerdeführer eine volle Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tä-
tigkeit und in Verweistätigkeiten. Mit Wirkung ab 1. Januar 2012 ist dage-
gen von einer Arbeitsfähigkeit von 70-80 % in Verweistätigkeiten auszuge-
hen (vgl. Gutachten D._ AG vom 3. August 2012 [IV-act. 64.1]). Der
Beschwerdeführer meldete zwar am 9. April 2015 (vgl. IV-act. 115 S. 3)
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes, jedoch lässt sich dies
gestützt auf die Berichte von Dr. med. J._, Facharzt für Allgemein-
medizin vom 21. Juli 2015 (IV-act. 133) und vom 14. Dezember 2015 (IV-
act. 160.2 S. 29 ff.) nicht quantifizieren, da in den Berichten jeweils nur eine
volle Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde und aufgrund der Begründung «zu
Hohes Fehlerrisiko bei jetziger Arbeit wegen Gedächtnisstörungen» davon
auszugehen ist, die attestierte Arbeitsunfähigkeit beziehe sich lediglich auf
die bisherige Arbeit. Angaben zu einer allfälligen Verweistätigkeit fehlen
und aus der Bemerkung «Verschlechterung seit 1-2 Jahren» lässt sich kein
zuverlässiger Schluss in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in Verweistätigkei-
ten ziehen. Der Bericht von Dipl.-Med. K._, Facharzt für Neurologie
und Psychiatrie, Psychotherapie, Spezielle Schmerztherapie, vom 11. April
C-7270/2018
Seite 20
2016 (IV-act. 160.2) stützt mit der Angabe «mehr als 6 Stunden» in Bezug
auf die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit die Angaben der
D._ AG, die die Arbeitsfähigkeit mit 70-80 % bezifferte. Erst mit dem
Gutachten von Dr. med. L._, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie
und Psychotherapie, vom 16. Februar 2017 (IV-act. 183 S. 4 ff.) ist davon
auszugehen, es sei eine wesentliche Verschlechterung eingetreten und es
bestehe auch in einer Verweistätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr.
7.
Es bleibt noch der Invaliditätsgrad zu ermitteln. Es ist davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer heute als Nichtinvalider zu 80 % erwerbstätig
und zu 20 % im Haushalt tätig wäre. Dies wurde durch den Abklärungsbe-
richt Haushalt und Erwerb vom 17. Juli 2017 (IV-act. 161) so erhoben und
ist unbestritten. Der Invaliditätsgrad ist daher mit der gemischten Methode
zu ermitteln. Dabei ist zu beachten, dass sich die Arbeitsfähigkeit im zeitli-
chen Verlauf – wie oben festgestellt – verändert hat, so dass unterschied-
liche Berechnungen anzustellen sind.
7.1 Beim Einkommensvergleich wird das Erwerbseinkommen, das die ver-
sicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der me-
dizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch
eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Er-
werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (sogenanntes Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in
der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er-
werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenüber gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommens-
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1). Für den Einkommens-
vergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns
des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkom-
men auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirk-
same Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass
respektive bis zum Einspracheentscheid zu berücksichtigen sind
(BGE 129 V 222 E. 4). Für die Ermittlung des Einkommens, welches der
Versicherte ohne Invalidität erzielen könnte (Valideneinkommen), ist ent-
scheidend, was er im fraglichen Zeitpunkt nach dem im Sozialversiche-
rungsrecht allgemein gültigen Beweisgrad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hin-
weisen) als Gesunder tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel
C-7270/2018
Seite 21
am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom-
mensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsscha-
den fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen von diesem Grundsatz müssen
ebenfalls mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erwiesen sein, damit sie
berücksichtigt werden können. Für die Bestimmung des Invalideneinkom-
mens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in
welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der In-
validität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders stabile
Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr ver-
bleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und er-
scheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen
und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst
als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesund-
heitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Er-
werbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung ins-
besondere die Tabellen der vom Bundesamt für Statistik (BFS) periodisch
herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden
(statt vieler: BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296 f; 139 V 592 E. 2.3 S. 593 f.).
Massgebend sind dabei die monatlichen Bruttolöhne (Zentralwerte) im je-
weiligen Wirtschaftssektor. Für die Bestimmung des Invalideneinkommens
anhand von Tabellenlöhnen bei Versicherten, die nach Eintritt des Gesund-
heitsschadens lediglich noch leichte und intellektuell nicht anspruchsvolle
Arbeiten verrichten können, ist in der Regel vom durchschnittlichen monat-
lichen Bruttolohn für Männer oder Frauen bei einfachen und repetitiven Tä-
tigkeiten (Anforderungsniveau 4 des Arbeitsplatzes) auszugehen. Dabei
sind in erster Linie die Lohnverhältnisse im privaten Sektor massgebend
(SVR 2002 UV Nr. 15 E. 3c cc). Da den Tabellenlöhnen generell eine Ar-
beitszeit von 40 Wochenstunden zu Grunde liegt, ist eine Umrechnung auf
eine betriebsübliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit erforderlich
(BGE 126 V 75 E. 3b bb).
7.2 Berechnung des IV-Grades ab 1. Juni 2011 (frühestmöglicher Renten-
beginn unter Berücksichtigung des Anmeldedatums und nach Ablauf des
Wartejahrs, vgl. E. 4.3 und 4.7 hiervor):
7.2.1 Die Vorinstanz berücksichtigte als Valideneinkommen das Einkom-
men gemäss Lohnausweis 2009, inkl. Zulagen, aufindexiert auf das Jahr
2011. Dies entspricht einem Jahreslohn von Fr. 71'614.- und ist nicht zu
beanstanden.
C-7270/2018
Seite 22
7.2.2 Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens hat die Vorinstanz auf
das im Jahr 2011 tatsächlich erzielte Einkommen von Fr. 30'733.- in der
bisherigen Erwerbstätigkeit (in einem reduzierten Pensum) abgestellt.
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer gemäss Wür-
digung der medizinischen Unterlagen im damaligen Zeitpunkt zwar keine
Erwerbstätigkeit zumutbar war, dennoch ist der Beschwerdeführer mit der
Unterstützung von Arbeitskolleginnen und -kollegen und des Arbeitgebers
weiterhin seiner bisherigen Arbeit nachgegangen.
Die Rente der Invalidenversicherung ist grundsätzlich eine Erwerbsausfall-
Versicherungsleistung. Versichert ist nicht der Gesundheitsschaden an
sich, sondern der durch den Gesundheitsschaden verursachte Verlust der
Erwerbsmöglichkeit (Art. 1a lit. b IVG; Art. 7 Abs. 1, Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Umgekehrt deckt die Invalidenversicherung nur diejenigen Erwerbsver-
luste ab, die durch Gesundheitsbeeinträchtigungen verursacht sind, nicht
Einbussen, die auf andere Gründe (z.B. wirtschaftliche, persönliche usw.)
zurückzuführen sind. Der Invaliditätsgrad wird deshalb bei Erwerbstätigen
so bestimmt, dass das Einkommen, welches der Versicherte ohne Gesund-
heitsbeeinträchtigung erzielen könnte, demjenigen Einkommen gegen-
übergestellt wird, das er nach Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt
bzw. bei zumutbarer Tätigkeit erzielen könnte (Art. 16 ATSG; Art. 28a
Abs. 1 IVG; BGE 135 V 58 E. 3.4.1).
Aufgrund des soeben Ausgeführten ist bei der Berechnung des IV-Grades
darauf abzustellen, was der Beschwerdeführer nach Eintritt des Gesund-
heitsschadens tatsächlich verdient hat. In Übereinstimmung mit der Be-
rechnung der Vorinstanz ist demnach in Bezug auf das Invalideneinkom-
men auf den effektiv erzielten Verdienst abzustellen, auch wenn gemäss
medizinischer Einschätzung eine geringere Arbeitsfähigkeit bestanden
hätte. Der zu berücksichtigende Verdienst betrug gemäss Vorinstanz im
Jahr 2011 Fr. 30'733.-. Dies entspricht dem im IK registrierten Verdienst
und ist nicht zu beanstanden.
7.2.3 Der Vergleich des Valideneinkommens von Fr. 71'614.- und des In-
valideneinkommens von Fr. 30’733.- ergibt im erwerblichen Bereich einen
Invaliditätsgrad von 57,09 %.
7.2.4 Die Haushaltsabklärung vom 17. Juli 2017, welche von einer Abklä-
rungsfachperson der IV-Stelle des Kantons C._ durchgeführt wor-
den ist, ergab keine Einschränkung im Haushalt. Es liegen keine Anhalts-
punkte dafür vor, an dieser Abklärung zu zweifeln.
C-7270/2018
Seite 23
7.2.5 Der Invaliditätsgrad von 57,09 % im Erwerbsbereich beträgt bei einer
Berücksichtigung zu 80 % (Gewichtung) 45,67 % und derjenige von 0 %
im Haushalt beträgt nach der Gewichtung ebenfalls immer noch 0 %. Nach
Gewichtung und Addition der beiden ermittelten IV-Grade ergibt sich somit
mit Wirkung ab 1. Juni 2011 ein Invaliditätsgrad von 45,67 % und damit ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
7.3 Berechnung des IV-Grades ab 1. Januar 2012:
7.3.1 Für die Berechnung des Valideneinkommens kann grundsätzlich auf
die obenstehende Berechnung verwiesen werden (vgl. E. 7.2.1). Das Ein-
kommen (Fr. 71'614) ist jedoch noch zu indexieren (Index 2011: 124,5 und
Index 2012: 125,5) und es ist demnach für das Jahr 2012 von einem Vali-
deneinkommen von jährlich Fr. 72’189.- auszugehen.
7.3.2 Das Invalideneinkommen ab 1. Januar 2012 ist gemäss den medizi-
nischen Berichten unter Berücksichtigung einer Arbeitsfähigkeit von 70-
80 % in einer angepassten Verweistätigkeit zu berechnen. Allerdings war
der Beschwerdeführer noch bis Ende September 2015 beim früheren Ar-
beitgeber in einem 60 %-Pensum angestellt und hat einen entsprechenden
Lohn bezogen, sodass auch hier für das Invalideneinkommen auf das in
dieser Zeit erzielte effektive Einkommen abzustellen ist, zumal nicht davon
auszugehen ist, dass er mit einem Pensum von 70 % in einer Verweistä-
tigkeit in der Lage gewesen wäre, ein höheres Einkommen zu erzielen.
Gemäss IK-Auszug vom 8. März 2013 (IV-act. 78 S. 3) erzielte der Be-
schwerdeführer im Jahr 2012 ein jährliches Einkommen von Fr. 63'666.-.
7.3.3 Der Vergleich des Valideneinkommens von Fr. 72'189.- und des In-
valideneinkommens von Fr. 63’666.- ergibt im erwerblichen Bereich einen
Invaliditätsgrad von 11,81%.
7.3.4 Die Haushaltsabklärung ergab keine Einschränkung im Haushalt, so-
dass in diesem Bereich weiterhin von einem Invaliditätsgrad von 0 % aus-
zugehen ist (vgl. E. 7.2.4 hiervor).
7.3.5 Der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich beträgt bei einer Berücksich-
tigung zu 80 % 9,45 % und derjenige im Haushalt bleibt bei 0 %. Nach Ge-
wichtung und Addition der beiden IV-Grade ergibt sich somit mit Wirkung
ab 1. Januar 2012 ein IV-Grad von 9,45 %, woraus sich kein Rentenan-
spruch mehr ergibt.
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7.4 Berechnung des IV-Grades ab 1. Oktober 2015:
7.4.1 Für die Berechnung des Valideneinkommens kann grundsätzlich auf
die obenstehende Berechnung verwiesen werden (vgl. E. 7.3.1). Das Ein-
kommen (Fr. 72’189.-) ist jedoch noch zu indexieren (Index 2012: 125,5
und Index 2015: 127,7), und es ist demnach für das Jahr 2015 von einem
Valideneinkommen von jährlich Fr. 73'454.- auszugehen.
7.4.2 Das Invalideneinkommen ab 1. Oktober 2015 ist gemäss den medi-
zinischen Berichten unter Berücksichtigung einer Arbeitsfähigkeit von 70-
80 % in einer angepassten Verweistätigkeit zu berechnen. Nachdem der
Beschwerdeführer seine bisherige (bereits reduzierte) Erwerbstätigkeit aus
gesundheitlichen Gründen aufgegeben hatte und keine neue Erwerbstätig-
keit aufgenommen hatte, ist zur Bestimmung des Invalideneinkommens
auf die LSE abzustellen. In der Regel ist auf die LSE-Tabelle TA1 und den
darin enthaltenen Totalwert abzustellen (Urteil des BGer 8C_457/2017 vom
11. Oktober 2017 E. 6.2, vgl. auch Urteil des BGer 9C_358/2017 vom
2. Mai 2018 E. 5.2 mit Hinweisen), wobei aber auf Löhne einzelner Sekto-
ren oder gar einzelner Branchen abgestellt werden kann, wenn dies als
sachgerecht erscheint, um der im Einzelfall zumutbaren erwerblichen Ver-
wertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen. Dies ge-
schieht namentlich bei Personen, die vor der Gesundheitsschädigung
lange Zeit in diesem Bereich tätig gewesen sind und bei denen eine Arbeit
in anderen Bereichen kaum in Frage kommt. Vorliegend besteht kein An-
lass, auf eine einzelne Branche abzustellen, sondern der Berechnung ist
der Totalwert der Tabelle TA1 zugrunde zu legen. Der Zentralwert für Män-
ner für einfache, repetitive Tätigkeiten aller Wirtschaftszweige beträgt im
Jahr 2014 Fr. 5'312.- (basierend auf 40 Arbeitsstunden pro Woche). Unter
Berücksichtigung einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von
41,7 Stunden im Jahr 2014 resultiert ein monatlicher Lohn von Fr. 5'537.75.
Aufindexiert auf das Jahr 2015 (Index 2014: 127,3 und Index 2015: 127,7)
ergibt sich ein monatliches Einkommen von Fr. 5'555.15.Unter Berücksich-
tigung des dem Beschwerdeführer in dieser Zeit zumutbaren Pensums von
70 % ist somit von einem Invalideneinkommen von Fr. 3'888.60 pro Monat
respektive Fr. 46'663.- pro Jahr auszugehen.
7.4.3 Der Vergleich des Valideneinkommens von Fr. 73'454.- und des In-
valideneinkommens von Fr. 46'663.- ergibt im erwerblichen Bereich einen
Invaliditätsgrad von 36,47 %.
C-7270/2018
Seite 25
7.4.4 Die Haushaltsabklärung ergab keine Einschränkung im Haushalt, so-
dass in diesem Bereich weiterhin von einem Invaliditätsgrad von 0 % aus-
zugehen ist (vgl. E. 7.2.4 und 7.3.4 hiervor).
7.4.5 Der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich beträgt bei einer Berücksich-
tigung zu 80 % 29,18% und derjenige im Haushalt bleibt bei 0 %. Nach
Gewichtung und Addition der beiden IV-Grade ergibt sich somit mit Wirkung
ab 1. Oktober 2015 ein IV-Grad von 29,18 %, woraus sich kein Rentenan-
spruch ergibt.
7.5 Berechnung des IV-Grades ab 1. Februar 2017:
7.5.1 Für die Berechnung des Valideneinkommens kann grundsätzlich auf
die obenstehende Berechnung verwiesen werden (vgl. E. 7.4.1). Das Ein-
kommen aus dem Jahr 2015 (Fr. 73'454.-) ist jedoch noch zu indexieren
(Index 2015: 127,7 und Index 2017: 129), und es ist demnach für das Jahr
2017 von einem Valideneinkommen von jährlich Fr. 74’202.- auszugehen.
7.5.2 Ab 1. Februar 2017 ist aus ärztlicher Sicht auch in Verweistätigkeiten
von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Das Invalideneinkommen
beträgt somit Fr. 0.-.
7.5.3 Der Vergleich des Valideneinkommens von Fr. 74'202.- und des In-
valideneinkommens von Fr. 0.- ergibt im erwerblichen Bereich einen Inva-
liditätsgrad von 100%.
7.5.4 Die Haushaltsabklärung ergab keine Einschränkung im Haushalt, so-
dass in diesem Bereich weiterhin von einem Invaliditätsgrad von 0 % aus-
zugehen ist (vgl. E. 7.2.4, 7.3.4 und 7.4.4 hiervor).
7.5.5 Der Invaliditätsgrad von 100 % im Erwerbsbereich beträgt bei einer
Berücksichtigung zu 80 % 80% und derjenige im Haushalt bleibt bei 0 %.
Nach Gewichtung und Addition der beiden IV-Grade ergibt sich somit mit
Wirkung ab 1. Februar 2017 ein IV-Grad von 80 %, woraus sich ein An-
spruch auf eine ganze Rente ergibt.
7.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ab 1. Juni 2011 von einem IV-
Grad von 45,67 % auszugehen ist und der Beschwerdeführer somit mit
Wirkung ab 1. Juni 2011 einen Anspruch auf eine Viertelsrente hat. Die
Veränderung des IV-Grades per 1. Januar 2012 auf 9,45 % ist gestützt auf
Art. 88a Abs. 1 IVV nach Ablauf von drei Monaten zu berücksichtigen, wes-
halb die Rente per 1. April 2012 aufzuheben ist. Ab 1. Oktober 2015 ist von
C-7270/2018
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einem IV-Grad von 29,18 % auszugehen, woraus sich jedoch noch kein
Rentenanspruch ergibt. Ab 1. Februar 2017 ist schliesslich von einem IV-
Grad von 80 % auszugehen und dem Beschwerdeführer ist in Anwendung
von Art. 88a Abs. 1 IVV per 1. Mai 2017 eine ganze Rente auszurichten.
Die Beschwerde ist somit teilweise gutzuheissen und der angefochtene
Entscheid insoweit aufzuheben, als darin ein Rentenanspruch für die Zeit
vom 1. Januar 2012 bis und mit 31. März 2012 sowie mit Wirkung ab 1. Mai
2017 verneint worden ist; weitergehend ist die Beschwerde abzuweisen.
Dem Beschwerdeführer ist für die Zeit vom 1. Januar 2012 bis zum
31. März 2012 eine Viertelsrente und ab 1. Mai 2017 eine ganze Rente
zuzusprechen.
8.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
8.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG). Die Verfahrenskosten sind bei Streitigkeiten um Bewilligung oder Ver-
weigerung von IV-Leistungen nach dem Verfahrensaufwand und unabhän-
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200-1'000 festzulegen (Art. 69
Abs. 1bis IVG). Die Verfahrenskosten sind vorliegend auf Fr. 800.- festzu-
setzen. Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegenden Par-
tei auferlegt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Entsprechend dem Ausgang des Ver-
fahrens ist von einem je hälftigen Unterliegen der Parteien auszugehen.
Da die nachfolgend angeführte Rechtsprechung zur Parteientschädigung
bei «Überklagung» in Rentenangelegenheiten auf die Gerichtskosten nicht
anwendbar ist (vgl. Urteile des BGer 8C_449/2016 vom 2. November 2016
E. 3.2 und 9C_94/2010 vom 26. Mai 2010 E. 4.3), sind die Verfahrenskos-
ten dem teilweise unterliegenden Beschwerdeführer im Umfang von
Fr. 400.- aufzuerlegen. Sein Anteil an den Gerichtskosten ist dem geleiste-
ten Kostenvorschuss von Fr. 800.- zu entnehmen. Der Rest (Fr. 400.-) so-
wie der Mehrbetrag von Fr. 27.76, also insgesamt Fr. 427.76, ist ihm nach
Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Entscheids auf ein von ihm be-
kannt zu gebendes Konto zurückzuerstatten.
Einer (teilweise) unterliegenden Vorinstanz sind gemäss Art. 63 Abs. 2
VwVG keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
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Seite 27
8.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der teilweise obsiegende Be-
schwerdeführer war durch seine Ehefrau und somit nicht berufsmässig ver-
treten, weshalb davon auszugehen ist, dass ihm keine verhältnismässig
hohen Kosten entstanden sind. Ihm ist somit keine Parteientschädigung
zuzusprechen. Als Bundesbehörde hat die IVSTA keinen Anspruch auf Par-
teientschädigung (Art. 7 Abs. 3 VGKE).