Decision ID: a0513433-1a38-4a8d-95f4-a5cba4531ec0
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis auf Probe der Kategorie B am 31. März 2017. Hinzu
kamen später die Fahrberechtigung für Fahrzeuge der Kategorien A (3. September
2018), C, BE und CE (alle 12. März 2018) sowie der Unterkategorien D1 und D1E (beide
16. März 2020). Am 3. Oktober 2017 verursachte X infolge mangelnder Aufmerksamkeit
einen Verkehrsunfall. Das Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen qualifizierte den
Vorfall als mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften,
entzog den Führerausweis auf Probe mit Verfügung vom 1. Juni 2018 für die Dauer
eines Monats (Vollzug vom 6. Juni bis 5. Juli 2018) und verlängerte die Probezeit um
ein Jahr. Die Verlängerung wurde jedoch auf dem Führerausweis auf Probe nicht
eingetragen, weshalb X den unbefristeten Führerausweis nach Ablauf der ordentlichen
Probezeit von drei Jahren, per 31. März 2020, erhielt.
B.- Am 21. Mai 2020 lenkte X im Ausserortsbereich in Stein/AR ein Motorrad, als er von
einem mobilen Geschwindigkeitsmessgerät der Kantonspolizei Appenzell
Ausserrhoden mit einer Geschwindigkeit von 110 km/h erfasst wurde. Bei einer
zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h und einer Messtoleranz von 4 km/h
ergab sich eine rechtlich relevante Geschwindigkeitsüberschreitung von 26 km/h. Die
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Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden sprach X deswegen der einfachen
Verletzung von Verkehrsregeln schuldig und verurteilte ihn mit Strafbefehl vom 18. Juni
2020 zu einer Busse von Fr. 450.–.
C.- Das Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen erhielt Kenntnis vom Vorfall und
verbot X am 17. Juli 2020 das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien (inklusive
aller Unter- und Spezialkategorien) vorsorglich ab sofort. Gleichzeitig stellte es die
Annullierung des Führerausweises auf Probe in Aussicht mit der Begründung, die
Verlängerung der Probezeit sei auf dem Führerausweis auf Probe irrtümlich nicht
eingetragen worden, weshalb der unbefristete Führerausweis ein Jahr zu früh erteilt
worden sei. Die Probezeit daure bis 31. März 2021. Mit Verfügung vom 18. August
2020 annullierte das Strassenverkehrsamt den Führerausweis auf Probe und machte
die Erteilung eines Lernfahrausweises ab 26. Juli 2020 von einem positiv lautenden
verkehrspsychologischen Gutachten, das nicht älter sei als drei Monate, abhängig.
Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. Das
Strassenverkehrsamt teilte zudem mit, die Spezialkategorien F, G und M seien von
dieser Massnahme nicht betroffen, weshalb ein neuer Führerausweis ausgestellt
werde.
D.- Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 3. September 2020 erhob X bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) Rekurs. Er beantragte, die
Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 18. August 2020 sei aufzuheben, es sei von
einer Annullierung des Führerausweises abzusehen und die Sache sei zur Beurteilung
eines Warnungsentzugs an das Strassenverkehrsamt zurückzuweisen, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. In prozessualer Hinsicht wurde die Wiedererteilung der
aufschiebenden Wirkung beantragt. Das Strassenverkehrsamt trug mit Stellungnahme
vom 2. Oktober 2020 auf Abweisung des Rekurses an und reichte am 8. Oktober 2020
ein Schreiben vom 7. Juni 2018 ein, womit der Vollzug des am 1. Juni 2018 verfügten
Führerausweisentzugs angeordnet wurde. Mit Verfügung des Verfahrensleiters vom
7. Oktober 2020 wurde das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung
abgewiesen (ZV-2020/61). Der Rechtsvertreter des Rekurrenten liess sich am 26.
Oktober 2020 zu den Eingaben des Strassenverkehrsamts vernehmen und reichte eine
Kostennote ein. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer

Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 3. September 2020 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass der Rekurrent am 21. Mai 2020
ausserorts die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um rechtlich relevante 26
km/h überschritt. Aus Gründen der Rechtsgleichheit hat das Bundesgericht für die
Beurteilung der Schwere von Geschwindigkeitsüberschreitungen genaue (objektivierte)
Regeln aufgestellt. Danach ist eine Überschreitung der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ausserorts um mindestens 25 km/h (und
höchstens 29 km/h) grundsätzlich als mittelschwere Widerhandlung gemäss Art. 16b
Abs. 1 lit. a des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) einzustufen,
und zwar auch bei ansonsten günstigen objektiven und subjektiven Umständen des
konkreten Einzelfalls (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_280/2015 vom 2.
Dezember 2015 E. 3.2). Die mittelschwere Widerhandlung vom 21. Mai 2020 wäre
demnach mit einem mindestens einmonatigen Führerausweisentzug zu sanktionieren.
Auch darin scheinen sich die Verfahrensbeteiligten einig zu sein. Namentlich beantragt
der Rekurrent, die Sache sei zur Prüfung eines Warnungsentzugs an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Streitig ist dagegen, ob sich diese zweite zum Ausweisentzug
führende Widerhandlung innerhalb der (verlängerten) Probezeit ereignete, was gemäss
Art. 15a Abs. 4 SVG den Verfall des Führerausweises auf Probe zur Folge hätte. Der
Rekurrent hält dafür, dass die Probezeit am 31. März 2020, mithin vor der
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 21. Mai 2020, abgelaufen sei; er beruft sich
dabei auf den Vertrauensschutz. Es erscheint fraglich, ob sich jemand, der im
Strassenverkehr eine Geschwindigkeitsüberschreitung begangen hat, aufgrund einer
irrtümlichen Zustellung des unbefristeten Führerausweises auf den Vertrauensschutz
berufen kann, um die Folgen eines grundsätzlich rechtswidrigen Verhaltens zu
umgehen. Dasselbe gilt für das Argument des Rekurrenten, wonach er sich defensiver
verhalten hätte und nicht mit überhöhter Geschwindigkeit überholt hätte, wenn er im
damaligen Zeitpunkt mit der Annullierung des Führerausweises auf Probe hätte
bis
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rechnen müssen. Letztlich kann dies jedoch offenbleiben, denn wie zu zeigen sein wird,
kann sich der Rekurrent auch aus einem anderen Grund nicht auf den
Vertrauensschutz berufen.
3.- Der erstmals erworbene Führerausweis für Motorräder und Motorwagen wird
zunächst auf Probe erteilt. Die Probezeit beträgt drei Jahre (Art. 15a Abs. 1 SVG). Wird
dem Inhaber der Ausweis auf Probe wegen einer Widerhandlung entzogen, so wird die
Probezeit um ein Jahr verlängert. Dauert der Entzug über die Probezeit hinaus, so
beginnt die Verlängerung mit der Rückgabe des Führerausweises (Abs. 3). Der
Führerausweis auf Probe verfällt mit der zweiten Widerhandlung, die zum Entzug des
Ausweises führt (Abs. 4).
a) Der Führerausweis auf Probe wurde dem Rekurrenten am 31. März 2017 mit einer
Probezeit bis 30. März 2020 erteilt. Am 3. Oktober 2017 verursachte er einen
Verkehrsunfall. Diese mittelschwere Widerhandlung führte zu einem
Führerausweisentzug von einem Monat, den die Vorinstanz mit Verfügung vom 1. Juni
2018 anordnete. Wie im Gesetz vorgesehen, verlängerte sich die Probezeit um ein
Jahr. Diese Folge war zwingend und lag nicht im Ermessen der Vorinstanz (vgl. BSK
SVG-Bickel, Art. 15a N 40). Die Anordnung in Ziffer 5 des Rechtsspruchs, wonach die
Probezeit um ein Jahr verlängert werde, war deshalb formeller Natur und diente im
Wesentlichen der Klärung der Rechtslage (vgl. Entscheid der VRK [VRKE] IV-2018/155
vom 23. Mai 2019 E. 2d/cc, im Internet abrufbar unter www.sg.ch/recht/gerichte und
dort unter Rechtsprechung). Dass die Vorinstanz das Enddatum der verlängerten
Probezeit in der Verfügung nicht aufführte, ist nicht zu beanstanden, da aus der
Formulierung "um ein Jahr" unmissverständlich erkennbar war, dass die verlängerte
Probezeit bis 30. März 2021 dauern sollte. Der Unfall vom 3. Oktober 2017 bewirkte
demnach eine Verlängerung der Probezeit bis 30. März 2021. Dieses Enddatum wurde
jedoch auf dem Führerausweis auf Probe irrtümlich nicht angepasst. Vielmehr stellte
die Vorinstanz dem Rekurrenten nach dem Vollzug der Massnahme den alten, am 3.
April 2017 ausgestellten Führerausweis auf Probe mit dem Ablaufdatum vom 30. März
2020 (act. 10) zu. Per 31. März 2020 erhielt der Rekurrent sodann den unbefristeten
Führerausweis. Zu prüfen ist deshalb, ob der Rekurrent in guten Treuen davon
ausgehen durfte, die Probezeit sei nach dem am 1. Juni 2018 angeordneten
Führerausweisentzug nicht um ein Jahr verlängert worden.
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b) aa) Die Vorinstanz erwog, mit Verfügung vom 1. Juni 2018 sei der Führerausweis auf
Probe für die Dauer von einem Monat entzogen und die Verlängerung der Probezeit um
ein Jahr verfügt worden. Bei der Wiedererteilung des Führerausweises habe man es
jedoch versäumt, die Probezeit im Führerausweis um ein Jahr (bis 31. März 2021) zu
verlängern. Aus diesem Grund sei der unbefristete Führerausweis irrtümlich bereits am
31. März 2020 ausgestellt worden. Es sei dem Rekurrenten zumutbar gewesen, den
erhaltenen Ausweis auf seine Richtigkeit zu prüfen. In Kenntnis des Verfügungsinhalts
habe er nicht gutgläubig sein können.
Der Rekurrent vertritt dagegen den Standpunkt, er habe darauf vertrauen dürfen, dass
ihm die Vorinstanz den richtigen Ausweis zugestellt habe. Damit sei eine
Vertrauensgrundlage im Sinn von Art. 9 BV (SR 101) geschaffen worden. Entscheidend
sei, dass er keine juristischen Kenntnisse gehabt und der damaligen Verfügung der
Vorinstanz keine grössere Bedeutung beigemessen habe als dem retournierten
Führerausweis auf Probe. Ob ihm hätte auffallen müssen, dass die Probezeit entgegen
der Ankündigung nicht verlängert worden sei, könne dahingestellt bleiben. Er habe so
oder so in guten Treuen davon ausgehen dürfen, dass die Vorinstanz einen korrekten
Führerausweis auf Probe ausgestellt habe und sei nicht gehalten gewesen,
diesbezügliche Nachforschungen anzustellen oder die Handlung der Vorinstanz zu
hinterfragen. Dies gelte umso mehr für die Zustellung des unbefristeten
Führerausweises. Im März 2020 hätte ihm jedenfalls nicht mehr auffallen müssen, dass
der unbefristete Führerausweis allenfalls irrtümlich ausgestellt worden sei. Er habe
darauf vertrauen dürfen, dass die Probezeit mit der Zustellung des definitiven
Führerausweises beendet gewesen sei.
bb) Gemäss Art. 9 und Art. 5 Abs. 3 BV hat jede Person Anspruch darauf, von den
staatlichen Organen ohne Willkür und nach Treu und Glauben behandelt zu werden.
Der Grundsatz von Treu und Glauben verleiht Rechtsuchenden unter gewissen
Umständen Anspruch auf Schutz ihres Vertrauens auf die Richtigkeit behördlichen
Handelns. Dieser Anspruch hindert die Behörden, von ihrem früheren Handeln
abzuweichen, auch wenn sie dieses zu einem späteren Zeitpunkt als unrichtig
erkennen. Potenzielle Vertrauensgrundlage sind dabei alleine jene behördlichen
Handlungen, die sich auf eine konkrete, den Rechtsuchenden berührende
Angelegenheit beziehen und von einer Behörde ausgehen, die für die betreffende
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Handlung zuständig ist oder die der Rechtsuchende aus zureichenden Gründen für
zuständig hält. Individuelle Auskünfte und Zusicherungen sind demnach typische
Beispiele für Verwaltungsakte, die beim Bürger Vertrauen wecken können. Das
Vertrauen ist allerdings nur schutzwürdig, wenn der Rechtsuchende die Unrichtigkeit
der Auskunft nicht ohne Weiteres erkennen konnte und er im Vertrauen auf die
Auskunft Dispositionen getroffen hat, die er nicht ohne Nachteil rückgängig machen
kann. Der Anspruch auf Vertrauensschutz entfällt, wenn die gesetzliche Ordnung
zwischen dem Zeitpunkt der Auskunft und der Verwirklichung des Sachverhalts
geändert hat (BGE 146 I 105 E. 5.1.1). Vom guten Glauben kann nur gesprochen
werden, wenn die Vertrauensbasis mit einem rechtlichen Mangel behaftet ist. Man
umschreibt damit die Vertrauenslage des Bürgers, der die Fehlerhaftigkeit der
Vertrauensgrundlage nicht bemerkt. Der Kenntnis der Fehlerhaftigkeit kommt jene
Unkenntnis des Bürgers gleich, die auf eine Verletzung seiner Sorgfaltspflicht beruht.
Ist Letzteres auf Unachtsamkeit zurückzuführen, verlieren die Motive für den
Gutglaubensschutz an Gewicht. Die Interessenabwägung kann deshalb nicht
zugunsten des Bürgers ausgehen, wenn dieser die Fehlerhaftigkeit bei gehöriger
Sorgfalt hätte erkennen können. Allerdings ist die positive Kenntnis als innere Tatsache
nur schwer oder überhaupt nicht nachzuweisen; einzig über das "Kennensollen"
kommt man einer Person bei, die das "Kennen" abstreitet (vgl. B. Weber-Dürler,
Vertrauensschutz im öffentlichen Recht, Basel 1983, S. 91 ff.). Da die heutige
Gesetzgebung jedoch derart unübersichtlich und komplex ist, kann deren Kenntnis
vom Bürger nicht allgemein erwartet werden. Eigentliche Nachforschungen über die
Richtigkeit behördlichen Handelns werden von den Privaten deshalb nicht erwartet,
sondern sie dürfen sich grundsätzlich darauf verlassen. Anlass zur Überprüfung, etwa
durch eine Rückfrage bei der Behörde, besteht einzig dort, wo die Fehlerhaftigkeit der
Vertrauensgrundlage leicht erkennbar ist, z.B. bei Unklarheiten oder bei offensichtlicher
Unvernünftigkeit einer Verfügung oder einer Auskunft (Häfelin/Müller/Uhlmann,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 657; Weber-Dürler, a.a.O., S. 94).
cc) Die Verfahrensbeteiligten gehen einig, dass sich der Führerausweis auf Probe
hinsichtlich der Probezeit von der Entzugsverfügung vom 1. Juni 2018 unterschied und
somit zwei widersprüchliche behördliche Informationen vorlagen
(Probezeitverlängerung im Rechtsspruch der Verfügung, keine Probezeitverlängerung
auf dem Führerausweis auf Probe). Widersprüchliches Verhalten des
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Strassenverkehrsamts hatte die VRK bereits im Jahr 2013 unter dem Aspekt des
Vertrauensschutzes zu beurteilen. In jenem Fall informierte das Strassenverkehrsamt
einen Fahrzeuglenker zwar über die vorgesehene Verlängerung der Probezeit,
unterliess es jedoch, diese formell zu verfügen. Im Rechtsspruch wurde die
Verlängerung nicht erwähnt. Die VRK erwog, der Lenker habe mit der Verfügung keine
konkreten Informationen über die Massnahme erhalten, insbesondere sei ihm kein
neues Datum hinsichtlich des Ablaufs der Probezeit mitgeteilt worden. Er habe in
jenem Zeitpunkt in guten Treuen davon ausgehen dürfen, dass er der wesentlich
strengeren Probezeitregelung ab 3. März 2012 nicht mehr unterliegen werde. Dass dem
Rekurrenten nach Ablauf der Entzugsdauer ein neuer Ausweis zugestellt worden sei,
auf dem unter der Rubrik „Ablaufdatum" der 2. März 2013 aufgeführt gewesen sei,
ändere daran nichts. Dieser Umstand vermöge jedenfalls die fehlende
Probezeitverlängerung im Rechtsspruch nicht aufzuwiegen (VRKE IV-2013/54 vom 29.
August 2013 E. 5b). In einem weiteren Fall hatte die VRK über eine Entzugsverfügung
zu entscheiden, die vom Strassenverkehrsamt widerrufen und berichtigt worden war,
weil der ursprünglich in Ziffer 1 des Rechtsspruchs angeordnete einmonatige
Führerausweisentzug nicht mit den Erwägungen übereinstimmte. Dort wurde nämlich
ausgeführt, berücksichtige man alle Beurteilungskriterien nach Art. 16 Abs. 3 SVG
(Schwere des Verschuldens, Leumund als Motorfahrzeugführer, berufliche
Angewiesenheit, ein Motorfahrzeug zu führen), sei es möglich, die Entzugsdauer auf
das gesetzliche Minimum von vier Monaten zu beschränken. Das Gericht hielt fest, der
Widerruf der ursprünglichen Verfügung durch das Strassenverkehrsamt sei nicht
rechtmässig. Da nur verbindlich werde, was im Rechtsspruch (Dispositiv) stehe,
komme diesem eine wesentlich grössere Bedeutung zu als den Erwägungen der
Verfügung. Der Fahrzeuglenker habe auf die Richtigkeit des Rechtsspruchs vertrauen
dürfen (nicht publizierter VRKE IV-2015/89 i.S. H. B. vom 26. November 2015 E. 3d).
dd) Im hier zu beurteilenden Fall hielt die Vorinstanz in Ziffer 5 der Verfügung vom
1. Juni 2018 Folgendes fest: "Die Probezeit Ihres auf Probe ausgestellten
Führerausweises wird um ein Jahr verlängert. Aus diesem Grund wird Ihnen nach
Ablauf der Entzugsdauer auf Ihre Kosten ein neuer Führerausweis auf Probe
ausgestellt". Diese Formulierung war unmissverständlich, sodass dem Rekurrenten klar
sein musste, dass die Probezeit neu bis 30. März 2021 dauern würde. Dies entspricht
dem allgemeinen Verständnis, wonach sich bei einer um ein Jahr verlängerten Frist
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zwar die Jahreszahl ändert, nicht aber Tag und Monat. Bei gehöriger Sorgfalt musste
dem Rekurrenten deshalb auffallen, dass der im Juli 2018 wiedererteilte Führerausweis
auf Probe hinsichtlich der Probezeitdauer von der Entzugsverfügung abwich, mithin
widersprüchlich war. Dafür sprach auch, dass ihm am 7. Juni 2018 ausdrücklich
mitgeteilt wurde, er erhalte nach dem Ablauf der (einmonatigen) Entzugsdauer einen
neuen Ausweis. Dass er dann aber den alten Führerausweis auf Probe erhielt, hätte ihm
ebenfalls auffallen müssen. Eine einfache Überprüfung der Angaben auf dem Ausweis
war zumutbar (vgl. BGer 6A.61/2006 vom 23. November 2006 E. 3.2). Der Rekurrent
äussert sich nicht dazu, ob er die Diskrepanz zwischen dem Führerausweis auf Probe
und der Verfügung festgestellt hat, macht jedoch geltend, als juristisch nicht gebildete
Person habe er der damaligen Verfügung keine grössere Bedeutung beimessen
müssen als dem von der Vorinstanz ausgestellten und retournierten Führerausweis auf
Probe. Angesichts der unmissverständlich formulierten Verfügung kann sich der
Rekurrent indessen nicht auf mangelnde Rechtskenntnisse berufen. Er wurde in den
Erwägungen in kurzer und verständlicher Form über die Massnahme informiert.
Namentlich begründete die Vorinstanz die Verfügung unter Verweis auf Art. 35 Abs. 1
der Verkehrszulassungsverordnung (SR 741.51, abgekürzt: VZV) damit, dass nach einer
Widerhandlung, die zu einem Entzug des Führerausweises auf Probe führe, ein neuer
Ausweis mit einer um ein Jahr verlängerten Probezeit ausgestellt werde. Die Lektüre
der dreieinhalbseitigen Verfügung (inkl. Begründung) war dem Rekurrenten zumutbar.
Deren Nichtbeachtung wäre als eine dem bösen Glauben gleichzusetzende
Nachlässigkeit zu werten (vgl. Weber-Dürler, a.a.O., S. 94). Die Fehlerhaftigkeit des
Führerausweises bzw. der Widerspruch zwischen diesem und der Verfügung war für
den Rekurrenten somit leicht erkennbar, weshalb er gehalten gewesen wäre, die
Unklarheit durch eine Anfrage bei der Vorinstanz zu beseitigen (vgl. Weber-Dürler,
a.a.O., S. 95). Im Übrigen werden angehende Neulenker in der Ausbildung regelmässig
auf die Konsequenz von Führerausweisentzügen auf die Dauer der Probezeit
hingewiesen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass auch der Rekurrent darum
wusste.
ee) Dass die Vorinstanz den unbefristeten Führerausweis bereits im März 2020 und
damit ein Jahr zu früh zustellte, war eine Folge der irrtümlichen Nichtverlängerung der
Probezeit bei der Bearbeitung der Führerausweisdaten nach dem ersten
Warnungsentzug. Da es sich beim Verfahren vor der Vorinstanz um ein
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Massengeschäft handelt (vgl. VRKE IV-2014/100 vom 8. Januar 2015 E. 3), war diese
nicht verpflichtet, die in ihrer Datenbank erfassten Informationen auf allfällige Fehler zu
überprüfen. Dies würde erhebliche personelle Ressourcen erfordern. So wurde das
Schreiben vom 3. März 2020 (act. 18), womit die Vorinstanz den unbefristeten
Führerausweis zustellte, denn auch automatisch versandt und nicht persönlich
unterzeichnet. Zudem wurde der Rekurrent darin ausdrücklich gebeten, allfällige
Unstimmigkeiten zu melden. Der Vorinstanz ist deshalb nicht vorzuwerfen, sie habe
denselben Fehler zweimal nicht bemerkt, wie der Rekurrent geltend macht. Sein
Vorbringen, er hätte sich nach eineinhalb Jahren nicht mehr an den Ausweisentzug und
die Verfügung mit der Probezeitverlängerung erinnern können, erscheint
unglaubwürdig. Es widerspricht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass ein Neulenker
das ausdrücklich verfügte Ende seiner Probezeit nicht kennt. Der Rekurrent hätte
demnach bemerken müssen, dass der ursprüngliche Fehler von der Vorinstanz nach
wie vor nicht erkannt worden war und die Erteilung des unbefristeten Führerausweises
im Widerspruch zu der am 1. Juni 2018 rechtskräftig verfügten Probezeitverlängerung
stand. Angesichts dieser Umstände durfte sich der Rekurrent nicht blindlings auf die
Richtigkeit des zugestellten Führerausweises verlassen und auf Tauchstation gehen.
Jedenfalls wurde damit keine Vertrauensgrundlage im Sinn von Art. 9 BV und
insbesondere keine von der gesetzlich zwingenden Rechtsfolge (Verlängerung der
Probezeit um ein Jahr) abweichende Einzelfallregelung geschaffen.
ff) Vor diesem Hintergrund ergibt sich, dass der Rekurrent die Fehlerhaftigkeit der
Führerausweise bei gehöriger Sorgfalt ohne weiteres hätte erkennen können und
deshalb nicht in guten Treuen davon ausgehen durfte, dass die Probezeit tatsächlich
am 30. März 2020 endete. Demnach kann er sich nicht auf den Vertrauensschutz
berufen.
c) Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Probezeit gemäss der rechtskräftigen
Ziffer 5 der Entzugsverfügung vom 1. Juni 2018 bis 30. März 2021 dauert. Dem
Rechtsspruch einer Verfügung ist, wie bereits früher entschieden (vgl. E. 3b/cc),
grösseres Gewicht beizumessen als einem offensichtlich falsch ausgestellten
Führerausweis. Da der Rekurrent die Fehlerhaftigkeit der ihm zugestellten
Führerausweise bei gehöriger Sorgfalt hätte erkennen können, wurde damit keine
Vertrauensgrundlage geschaffen, auf die er sich in guten Treuen verlassen durfte.
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Letztlich hat er aufgrund seines Schweigens mitverantwortet, dass die Probezeit auf
dem Führerausweis auf Probe nicht korrekt eingetragen wurde. Die zu einem erneuten
Ausweisentzug führende Widerhandlung vom 21. Mai 2020 (vgl. E. 2) ereignete sich
demnach innerhalb der verlängerten Probezeit und führt von Gesetzes wegen zum
Verfall des Führerausweises auf Probe (Art. 15a Abs. 4 SVG). Es handelt sich dabei um
die gesetzliche Vermutung fehlender Fahreignung (vgl. Ph. Weissenberger, Kommentar
SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 15a SVG N 21). Folglich ist nicht zu beanstanden,
dass die Vorinstanz den Führerausweis auf Probe annullierte.
4.- Gemäss Art. 15a Abs. 5 SVG kann ein neuer Lernfahrausweis frühestens ein Jahr
nach Begehung der Widerhandlung und nur auf Grund eines verkehrspsychologischen
Gutachtens erteilt werden, das die Eignung bejaht. Diese Frist wird um ein Jahr
verlängert, wenn die betroffene Person während dieser Zeit ein Motorrad oder einen
Motorwagen geführt hat. Der Rekurrent könnte demnach frühestens am 20. Mai 2021
(zwölf Monate nach dem Vorfall vom 21. Mai 2020) einen neuen Lernfahrauseis
erhalten. Das Strassenverkehrsamt wich jedoch davon ab und legte den
frühestmöglichen Zeitpunkt für das Erlangen eines neuen Führerausweises auf Probe
auf den 26. Juli 2021 fest. Dies ist zulässig, da der Führerausweis auf Probe erst mit
der Verfügung vom 17. Juli 2020 vorsorglich entzogen wurde und der Rekurrent den
Verlust des Ausweises am 29. Juli 2020 anzeigte (act. 9/24). Wird der Führerausweis
nicht unmittelbar nach dem auslösenden Vorfall vorsorglich entzogen, beginnt die
Sperrfrist zwar auch ab dem Zeitpunkt der Widerhandlung zu laufen, jedoch muss die
Frist um die Dauer verlängert werden, während der der betroffene Lenker im Besitz des
Führerausweises auf Probe blieb (vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 15a SVG N 29). Die
angefochtene Verfügung erweist sich somit auch hinsichtlich der Bedingungen für die
Wiedererteilung (Ziffer 3 des Rechtsspruchs) als rechtmässig, namentlich darf das
notwendige verkehrspsychologische Gutachten nicht älter als drei Monate sein
(vgl. Art. 11 Abs. 4 VZV; BGer 1C_155/2016 vom 3. August 2016 E. 2.1).
5.- Die Verfügung der Vorinstanz vom 18. August 2020 erweist sich somit als
rechtmässig. Der Rekurs ist abzuweisen. Mit der Annullierung des Führerausweises auf
Probe soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum Schutz der Sicherheit der
übrigen Verkehrsteilnehmer keine Motorfahrzeuge lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet,
wenn der Rekurrent während eines Rechtsmittelverfahrens als Motorfahrzeugführer
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zum Strassenverkehr zugelassen würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die
gesetzlich vorgesehene aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 und Art. 51 VRP).
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.–, worunter die
Kosten von Fr. 200.– für die Zwischenverfügung zur aufschiebenden Wirkung vom
7. Oktober 2020, erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziffn. 111 und 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist
damit zu verrechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).