Decision ID: 454ebda0-5f70-569b-b74f-a3d8392a4099
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision
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Sachverhalt:
A.
A.a B._, Jahrgang 1960, meldete sich im Jahr 1997 erstmals zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Dr. med. A._, Facharzt FMH für
Innere Medizin, nannte im Arztbericht vom 29. September 1997 die Diagnose schwere
degenerative Störung der Wirbelsäule L3/S1 mit breitbasiger flacher Hernie L4/S1 und
Protrusion L3/4 mit Anulusriss (IV-act. 7). Der Versicherte erbrachte in einer von Mai bis
Juli 1998 dauernden Abklärung in körperlich leichten Tätigkeiten eine Leistung von
maximal 60% bei einer täglichen Präsenzzeit von sieben Stunden (IV-act. 19-2). In
einem von der IV-Stelle bei der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals
St. Gallen in Auftrag gegebenen Gutachten vom 23. August 1999 nannten Dr. med.
C._ und Dr. med. D._ die Diagnosen Thorako-Lumbalgien bei linkskonvexer
thorakaler Fehlhaltung von 11° mit rechtskonvexem Gegenschwung und Verdacht auf
Status nach Morbus Scheuermann, chronische Mikrohämaturie unklarer Ursache,
bekannte multiple Nierenzysten und Akne vulgaris. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als Marktfahrer sei schon seit 1993 von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% und seit 1998
von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. In einer weniger belastenden Tätigkeit
mit der Möglichkeit, häufig die Position vom Stehen zu Sitzen und Gehen wechseln zu
können, sei eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50% gegeben, unter günstigen
Bedingungen auch mehr (IV-act. 30-5).
A.b Gestützt auf diese Einschätzung verfügte die IV-Stelle schliesslich am 9. März 2000
rückwirkend ab 1. Januar 1998 eine Viertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 41%
zuzüglich Kinderrente (IV-act. 36 f.). Ein im Dezember 2001 von Amtes wegen
eingeleitetes Rentenrevisionsverfahren ergab keine rentenrelevante Änderung des
Invaliditätsgrads (vgl. IV-act. 40, 44). Mit Wirkung ab 1. Januar 2001 wurde dem
Versicherten am 5. Dezember 2002 eine halbe Rente infolge Härtefalls bei einem
Invaliditätsgrad von unverändert 41% und mit Verfügung vom 9. Januar 2004 infolge
gesetzlichen Wegfalls der Härtefallrente erneut eine Viertelsrente zugesprochen (IV-
act. 45, 46). Ein weiteres von Amtes wegen im März 2005 eingeleitetes
Revisionsverfahren ergab nach Rückfrage bei Dr. med. E._, Facharzt FMH für Innere
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Medizin, eine unveränderte Rentenberechtigung beim Invaliditätsgrad von nach wie vor
41% (IV-act. 51; 53).
A.c Mit Schreiben vom 11. Februar 2006 schlug Dr. E._ der IV-Stelle vor, den
Versicherten nochmals ausführlich evaluieren zu lassen (IV-act. 54). Der Versicherte
selbst beantragte am 28. April 2006 eine Rentenerhöhung (IV-act. 59). Ärzte der Klinik
Valens hielten in einem Bericht vom 12. Mai 2006 über eine interdisziplinäre
arbeitsspezifische Abklärung fest, aufgrund einer mittelgradigen depressiven Störung
liege eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% vor (IV-act. 62-12). Die IV-Stelle gab
daraufhin bei der Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) des Universitätsspitals
Basel eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag. Im Gutachten vom 29. Dezember
2006 werden insbesondere die folgenden Diagnosen genannt: chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit nicht-radikulärer Schmerzausstrahlung in beide
Beine, mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom, akzentuierte
Persönlichkeit mit paranoiden und zwanghaften Zügen sowie multiple Zystennieren. In
einer optimal adaptierten Verweistätigkeit sei der Versicherte zu 60% arbeitsfähig (IV-
act. 69-15; 69-18).
A.d Im Vorbescheid vom 11. April 2007 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie
gedenke, die laufende Viertelsrente nicht zu erhöhen (IV-act. 78-3 f.). Der Versicherte
beantragte im Einwand vom 8. Mai 2007 die Erhöhung der Rente auf 75% (IV-
act. 78-2). Mit Verfügung vom 22. Mai 2007 lehnte die IV-Stelle die Erhöhung ab. In der
bisherigen Tätigkeit als selbstständigerwerbender Marktfahrer bestehe eine zumutbare
Restarbeitsfähigkeit von 50%, in einer optimal adaptierten Verweistätigkeit von 60%.
Im Vergleich zur Rentenzusprache liege somit weiterhin eine Erwerbseinbusse im
Rahmen der Viertelsrente vor (IV-act. 79).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde des Versicherten vom 18. Juni
2007. Er beantragt sinngemäss die Aufhebung der Verfügung. Die Rente sei
wenigstens soweit zu erhöhen, dass er von der Pein des Sozialamts erlöst werde und
endlich für alle Entbehrungen und Schmerzen in den Jahren, in denen er auf eine Rente
verzichtet habe, eine Genugtuung resp. Entschädigung erhalte. Bereits von seinem
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Lehrbetrieb sei ihm dreimal verdeutlicht worden, dass eine IV-Anmeldung die
vernünftigste Lösung sei. Er habe sich damals jedoch geschämt, als Invalider
dazustehen, und habe aus Stolz dreimal abgelehnt. Er habe sich schliesslich als
Markthändler selbstständig gemacht und 17 Jahre lang unter grosser finanzieller
Entbehrung und erheblichem Schmerzpegel durchgehalten. Nun sei ihm nichts anderes
übrig geblieben, als sich doch bei der IV anzumelden. Die Abklärungen hätten ergeben,
dass die Tätigkeit als Markthändler nicht mehr zumutbar sei, und es sei ihm eine
Minimalrente zugesprochen worden. So habe er in den folgenden Jahren als
Angestellter diverse Teilzeitarbeiten ausgeführt, bis er im Herbst 2002 einen
Nervenzusammenbruch erlitten habe. Seit vier Jahren sei er ohne Arbeit und seit zwei
Jahren ausgesteuert. Er sei nun restlos am Ende und nach 30 Jahren Schmerzen und
Unverständnis vollends traumatisiert. Passiere nun noch immer nichts Entlastendes,
sehe er als nächste Station nur noch die Einweisung in die Psychiatrie oder ein
abruptes Ende dieses erbärmlichen Lebens (act. G 1).
B.b Der Beschwerdeführer stellte am 2. Juli 2007 ein Gesuch um Befreiung von den
Gerichtskosten und reichte am 6. August 2007 das entsprechende Gesuchsformular
samt Beilagen ein (act. G 3; 6).
B.c In der Beschwerdeantwort vom 21. August 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Schlussfolgerungen der
asim-Gutachter leuchteten ein und seien überzeugend begründet. An der
Arbeitsfähigkeitsschätzung sei nicht zu zweifeln. Es stelle sich die Frage, ob die
ursprüngliche Arbeitsfähigkeitsschätzung der Spitalärzte nicht zu pessimistisch
gewesen sei. Die Frage könne aber offen bleiben. Im vorliegenden Verfahren sei
nämlich einerseits nicht zu beurteilen, ob die Voraussetzungen für das Zurückkommen
auf die Rentenzusprache im Rahmen der Wiedererwägung gegeben seien. Andererseits
stehe aufgrund der überzeugenden Arbeitsfähigkeitsschätzung des asim-Gutachtens
im Revisionszeitpunkt fest, dass trotz des hinzugetretenen psychischen Krankheitsbilds
bei einer zumutbaren Restarbeitsfähigkeit von 60% der Invaliditätsgrad unter 50% zu
liegen komme. Im Licht der Rechtsprechung sei davon auszugehen, dass die
zumutbare Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers verwertet werden könne
(act. G 7).
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B.d Am 23. August 2007 bewilligte der zuständige Abteilungspräsident das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten; act. G 9). Der
Beschwerdeführer verzichtete auf das Einreichen einer Replik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 132 V 215
Erw. 3.1.1; Urteil 8C_589/2007 vom 14. April 2008, Erw. 3), sind vorliegend die bis zum
31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente. Für die Bemessung der Invalidität
von erwerbstätigen Versicherten ist gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG Art. 16 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) anwendbar. Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
2.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
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entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt nach der auch unter dem ATSG massgeblichen Rechtsprechung
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist
nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustands, sondern auch
dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustands erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f.
Erw. 3.5). Eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich
gebliebenen Sachverhaltes stellt dagegen praxisgemäss keine revisionsbegründende
Änderung dar (BGE 112 V 372 Erw. 2b). Ob eine revisionsbegründende Änderung
eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der
letzten (der versicherten Person eröffneten) rechtskräftigen Verfügung bestand, die auf
einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen
Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108), mit dem Sachverhalt
zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 Erw. 2).
3.
3.1 Im vorliegenden Fall ist der Sachverhalt bei der erstmaligen Rentenzusprache im
März 2000 zu vergleichen mit jenem, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung zugetragen hat, zumal seit März 2000 keine umfassende materielle Prüfung
mehr stattfand.
3.2 Dr. med. F._, Facharzt FMH für Rheumatologie und Innere Medizin, verwies am
26. April 2006 auf eine Beurteilung der interdisziplinären Schmerzsprechstunde der
Rheumaklinik Valens vom Januar 2003. Weiter gab er die Schilderung des
Beschwerdeführers wieder, wonach dieser während zwei bis drei Monaten in Pfäfers
ambulant abgeklärt worden sei. Diese Abklärungen seien wahrscheinlich Anfang 2005
erfolgt (IV-act. 62-4 f.). Weder die Beurteilung der Rheumaklinik vom Januar 2003 noch
ein Bericht über die erwähnte mehrmonatige Abklärung sind aktenkundig. Diese lagen
auch den Gutachtern der asim im Jahr 2006 offenbar nicht vor.
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3.3 Sowohl gegenüber Dr. F._ als auch gegenüber dem rheumatologischen asim-
Teilgutachter Dr. med. G._, Facharzt FMH für Rheumatologie und Innere Medizin,
sagte der Beschwerdeführer aus, bei Arbeitseinsätzen seien die Rückenschmerzen
jeweils stärker gewesen, ohne Arbeitsbelastung bzw. seit Aufgabe der Erwerbstätigkeit
seien diese besser (IV-act. 62-5; 69-31). Dr. G._ hielt in seinem Teilgutachten fest, bei
Schmerzexazerbation würde der Beschwerdeführer tageweise im Bett liegen bleiben,
was ca. alle zwei Wochen ein bis zwei Tage lang vorkomme (IV-act. 69-31). Dies
erklärte Dr. G._ damit, dass möglicherweise nicht rein muskuloskelettäre, sondern
andere Faktoren mit betroffen sein könnten, wobei er in Klammern auf "depressive
Verstimmung?" hinwies und betonte, es sei auffällig, dass der Beschwerdeführer nicht
unter die Leute wolle und offenbar soziale Kontakte nur mehr gering vorhanden seien
(IV-act. 69-33). Dr. G._ nahm in Bezug auf diese Vermutung jedoch nicht etwa
Rücksprache mit den psychiatrischen Teilgutachtern. Gegenüber diesen hatte der
Beschwerdeführer zwar auch ausgesagt, er habe sich sozial zurückgezogen und
vermeide den Kontakt zu Freunden (IV-act. 69-37). Dass er aus psychischen Gründen
regelmässig alle zwei Wochen während ein bis zwei Tagen das Bett nicht verlassen
können soll, lässt sich aber weder dem psychiatrischen Teilgutachten noch den
übrigen medizinischen Akten entnehmen. Der zitierte Erklärungsansatz von Dr. G._ in
Bezug auf die häufige Notwendigkeit des Beschwerdeführers, sich tagelang
hinzulegen, erscheint somit lediglich als Mutmassung ohne Überzeugungskraft, dies
umso mehr, als Dr. G._ selbst nicht über eine psychiatrische Ausbildung verfügt.
3.4 Bereits Dr. C._ und Dr. D._ von der Klinik für Orthopädische Chirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen hatten im Verwaltungsgutachten vom 23. August 1999 die
Tätigkeit als Marktfahrer mit der Notwendigkeit, den Stand auf- und abzubauen sowie
häufig mehrere Stunden bei jedem Wetter zu stehen, als ungünstig bezeichnet. Es sei
zu erwarten, dass der Beschwerdeführer, selbst wenn er unbedingt wollte, diesen Beruf
nicht mehr ausüben könne (IV-act. 30-5). In seiner Beurteilung hielt auch Dr. G._ fest,
die Tätigkeit als Marktfahrer erscheine aufgrund der rückenbelastenden
Tätigkeitsanteile kaum mehr zumutbar. Im Widerspruch dazu schätzte er den
Beschwerdeführer schliesslich jedoch für die Marktfahrertätigkeit mit
rückenbelastenden Tätigkeitsanteilen (Standbau) für 50% arbeitsfähig, "dies wie schon
im orthopädischen Gutachten 1999 festgehalten, ab ca. 1993" (IV-act. 69-33). In jenem
Gutachten vom 23. August 1999 hatten Dr. C._ und Dr. D._ den Beschwerdeführer
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jedoch nur für die Zeit von 1993 bis 1998 als Marktfahrer für 50% arbeitsfähig
bezeichnet, insbesondere, weil er damals die Herbst- und Wintermärkte
gesundheitsbedingt bereits seit 1993 nicht mehr besuchen konnte. Seit 1998 hielten sie
den Beschwerdeführer als Marktfahrer für 100% arbeitsunfähig (IV-act. 30-5). Dr. G._
setzte sich mit seiner Einschätzung, der Beschwerdeführer sei als Marktfahrer nach wie
vor 50% arbeitsfähig, also in Widerspruch zu Dr. C._ und Dr. D._, ohne dies zu
begründen. Eine Verbesserung des Rückenleidens seit 1999 erkannte jedenfalls auch
Dr. G._ nicht. Seine Beurteilung ist nicht konsistent, zumal er selbst davon
ausgegangen war, die Marktfahrertätigkeit sei dem Beschwerdeführer kaum mehr
zumutbar. Wenn er sich auf den Standpunkt stellen wollte, unter Ausklammerung
sämtlicher rückenbelastender Tätigkeiten verbleibe als Marktfahrer eine Arbeitsfähigkeit
von 50%, so vermöchte auch dies nicht zu überzeugen, könnte der Beschwerdeführer
als Marktfahrer stundenlanges, aufgrund seiner Rückenprobleme ungeeignetes Stehen
während der Märkte, oftmals bei bereits von den Gutachtern 1999 für unzumutbar
erachteter Kälteexposition, sowie regelmässiges langes Autofahren zu den Marktorten
nicht vermeiden.
3.5 Gemäss persönlicher Anamnese im asim-Gutachten arbeitete der
Beschwerdeführer von Februar 2000 bis Oktober 2002 zu 60% als Montagearbeiter. Er
habe Decken und Lampen in der Gastronomie montiert (IV-act. 69-9). Dr. G._ hatte
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit des Beschwerdeführers nicht näher bezeichnet,
sondern lediglich Arbeit "in der Produktion (Vormontage von Einzelteilen)" erwähnt.
Diese Tätigkeit habe glaubhaft zu einer Schmerzexazerbation geführt. Die
Arbeitsfähigkeit für diese Arbeit betrage 0%. Dr. G._ begründet nicht, weshalb diese
Vormontagearbeit gar nicht mehr möglich, die Tätigkeit als Marktfahrer jedoch noch im
Ausmass von 50% realisierbar sein sollte. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die
Akten in Bezug auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit widersprüchlich sind: Während im
Gesamtgutachten von der Montage von Decken und Lampen in der Gastronomie
berichtet wird (IV-act. 69-9), wird im psychiatrischen Teilgutachten die Montage von
Grossküchen erwähnt (IV-act. 69-38) und gemäss Klinik Valens soll der
Beschwerdeführer vor Eintritt der Arbeitslosigkeit zu 60% in einer Malerei beschäftigt
gewesen sein, wo er Bretter angemalt habe (IV-act. 62-5).
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3.6 Dr. G._ hielt fest, die aktuelle klinische Untersuchung zeige ein recht frei
bewegliches Achsenskelett, keine neurologischen Zeichen, eine mässige skoliotische
Fehlform des thorakolumbalen Übergangs, keine Behinderung der Motilität, keine
neurologischen Auffälligkeiten. Die Bildgebung der Jahre 1993 bis 1999 (neuere
Bildgebung liege nicht vor) demonstriere deutlichste degenerative
Bandscheibenveränderungen tieflumbal mit "Aufbrauchen des Bandscheibenspaltes"
bis um die Hälfte. Aus klinischer Sicht scheine sich die skoliotische Fehlform kaum
signifikant weiterentwickelt zu haben, sodass auf erneute Bildgebung zurzeit verzichtet
werden könne. Es sei kaum davon auszugehen, dass deren Befunde das Ausmass der
zugemuteten Arbeitsfähigkeit resp. das Spektrum an noch zumutbaren
Verweistätigkeiten signifikant beeinflussen würden. Auch der Nachweis allenfalls
progredienter degenerativer Segmentveränderungen im Vergleich zu den früheren
Aufnahmen hätte keine entsprechenden gutachterlichen Konsequenzen (IV-act. 69-33
f.). Diese Beurteilung wirkt spekulativ. Die aktuellsten Bilder, die Dr. G._ zur
Verfügung standen, stammten vom April 1999, waren im Begutachtungszeitpunkt also
bereits knapp 71⁄2 Jahre alt. Die von Dr. G._ festgestellte recht freie Beweglichkeit
des Achsenskeletts bzw. die fehlende Behinderung der Motilität reichen allein nicht
aus, um zuverlässig zu beurteilen, dass der Beizug und die sorgfältige Würdigung
neuer Bilder nicht notwendig sind. Bereits der Hinweis des Beschwerdeführers, er leide
häufig an doch massiven Schmerzexazerbationen, drängt die Durchführung
bildgebender Verfahren auf. Der Beschwerdeführer konnte offenbar ab Februar 2000
noch während 23⁄4 Jahren als Montagearbeiter tätig sein. Schliesslich wurde er auch für
diese Arbeit aus somatischen Gründen arbeitsunfähig; ob sich seine Rückensituation
also seit 1999 – möglicherweise dauerhaft – verschlechterte, kann ohne neue Bilder
nicht zuverlässig ausgeschlossen werden. Die Beweglichkeit im
Untersuchungszeitpunkt alleine lässt keine hinreichend zuverlässigen Rückschlüsse auf
die Arbeitsfähigkeit zu.
4.
4.1 Die Sache ist gestützt auf die obenstehenden Erwägungen bei teilweiser
Gutheissung der Beschwerde und Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese ein neues bildgebendes Verfahren
veranlasse und die Bilder beispielsweise durch den RAD, das asim oder eine andere
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Begutachtungsstelle beurteilen und die Arbeitsfähigkeit erneut schätzen lasse. Je nach
Ergebnis drängt sich allenfalls eine gesamthafte Neubeurteilung auf. Dazu wären
zweckmässigerweise sämtliche Akten, so etwa auch die Beurteilung der Rhemaklinik
Valens vom Januar 2003 und ein allfälliger Bericht über die vom Beschwerdeführer
erwähnte mehrmonatige Abklärung in Pfäfers ca. Anfang 2005, beizuziehen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 Erw. 5a). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich, sodass ihr als nicht von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten
befreiter selbstständiger öffentlich-rechtlicher Anstalt die ganze Gerichtsgebühr
aufzuerlegen ist. Die am 23. August 2007 bewilligte unentgeltliche Prozessführung
(Befreiung von den Gerichtskosten) wird damit gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG