Decision ID: a1af97fa-64e1-5638-8653-4d18f2822323
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 30. September 2016 erstmals zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung, insbesondere beruflichen Eingliederungsmassnahmen, an
(IV-act. 1 f.).
A.a.
Aufgrund einer Myopathie bei hochgradiger Myopie mit beidseitiger Hebungs- und
Abduktionseinschränkung und einem Status nach zwei Schieloperationen beidseits
hatte sich die Versicherte in den Jahren 2007 und 2008 im Kantonsspital St. Gallen
(nachfolgend: KSSG) zwei Augenoperationen unterzogen (IV-act. 12-2 f.). Nach einer
Phakoemulsifikation und Implantation von intrasakkalen Hinterkammerlinsen beidseits
im Juni 2015 (IV-act. 12-4 f.) war am 18. Mai 2016 aufgrund eines Nachstars im Auge
links eine YAG-Kapsulotomie durchgeführt worden (IV-act. 12-6). Bei den Diagnosen
ausgeprägte vitreoretinale Traktion am Auge links, Pseudophakie und Myopie beidseits
sowie Hyperthyreose hatte sich die Versicherte am 8. Juli 2016 im KSSG einer weiteren
A.b.
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Augenoperation unterzogen (IV-act. 12-7 ff., IV-act. 23-19 f.). Der behandelnde Arzt des
KSSG attestierte der Versicherten vom 8. Juli bis 14. August 2016 eine
Arbeitsunfähigkeit. Tätigkeiten, die kein ausgeprägtes Konvergenz- oder Stereosehen
erforderten, wären in normalem Arbeitspensum zumutbar. Lange Arbeitszeiten am
Computer seien zu reduzieren (Bericht vom 19. Oktober 2016; IV-act. 12-14 f.).
Aufgrund der stark eingeschränkten Sehfähigkeit und der auftretenden
Beschwerden bei Bildschirmarbeit kündigte die Versicherte ihre in einem Pensum von
20 % ausgeübte Stelle als Fachspezialistin e-business bei der Bank I._ per 30.
September 2016 (IV-act. 1 f., 14). Sie war jedoch weiterhin als Gemeinderätin tätig und
betreute ihre beiden Kinder (Jahrgänge 2002 und 2005; vgl. IV-act. 1 f., 29-3, 38, 95).
Ab 1. Januar 2017 lebte sie getrennt von ihrem Ehemann (vgl. IV-act. 9, 26, 97).
A.c.
Am 20. Januar 2017 unterzog sich die Versicherte im KSSG aufgrund eines
Tuberculum sellae Meningeoms mit Chiasmakompression einer rechtsseitigen
osteoplastischen, frontalen Kraniotomie mit leichter Ausdehnung temporal und einer
Resektion des Meningeoms (Simpson III). Die behandelnden Ärzte attestierten der
Versicherten vom 19. Januar bis 15. März 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (IV-
act. 23-12 ff.).
A.d.
Am 9. Mai 2017 teilte die IV-Stelle St. Gallen der Versicherten mit, aufgrund ihres
Gesundheitszustandes seien derzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich (IV-act. 18).
A.e.
Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, hielt in seinem Bericht vom
20. Mai 2017 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Tuberculum
sellae Meningeom, einen Status nach Resektion eines Tuberculum sellae Meningeoms
mit Chiasmakompression, eine Optikusatrophie links, einen Status nach YAG-
Kapsulotomie am Auge links am 1. Mai 2016, einen Status nach hoher Myopie
beidseits, einen Status nach Pars plana Vitrektomie mit ERF und ILM Peeling am 8. Juli
2016 bei vitreoretinaler Traktion links sowie einen rezidivierenden Eisenmangel seit
Jahren fest. In der angestammten Tätigkeit als Betriebsökonomin bei einer Bank sei die
Versicherte seit 1. September 2016 zu 100 % arbeitsunfähig (IV-act. 23-2 ff.).
A.f.
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RAD-Arzt Dr. med. C._ befand am 27. Juni 2017, die Eingliederung könne auf
der Basis einer anfänglich 50%igen Arbeitsfähigkeit erfolgen. Die endgültige Quote
müsse berufspraktisch ermittelt werden (IV-act. 28).
A.g.
Die IV-Stelle St. Gallen übernahm vom 21. August 2017 bis 28. Februar 2018
Coachingstunden, durchgeführt durch Pro Arbeit. Zudem gewährte sie der
Versicherten Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 47 f.). Am 13.
Dezember 2017 teilte die IV-Stelle St. Gallen der Versicherten mit, die Voraussetzungen
für die Zusprache eines Arbeitsversuchs seien erfüllt. Dieser finde vom 3. Januar bis
30. Juni 2018 bei der IV-Stelle J._ statt. Der Arbeitsversuch werde durch die Pro
Arbeit in Form von Coaching begleitet (IV-act. 64). Für die Dauer der Massnahme
entrichtete die IV-Stelle St. Gallen der Versicherten ein Taggeld (IV-act. 67).
A.h.
Im Schlussbericht vom 20. Juni 2018 hielt der Coach von Pro Arbeit fest, der
Arbeitsversuch bei der IV-Stelle J._ im Bereich "Berufs-/Eingliederungsberatung"
werde am 30. Juni 2018 beendet. Vom 9. Juli bis 14. Oktober 2018 finde dort ein RAV-
Einsatzprogramm statt und ab 15. Oktober 2018 erhalte die Versicherte bei der IV-
Stelle J._ eine unbefristete Festanstellung mit einem Pensum von 40 % (IV-act. 81,
vgl. IV-act. 84 f.).
A.i.
Am 27. September 2018 teilte die IV-Stelle St. Gallen der Versicherten mit, sie
übernehme die Kosten für das erste Modul des CAS "Interdisziplinäre Perspektiven auf
die Arbeitswelt" vom 20. September 2018 bis 23. März 2019 im Betrag von Fr. 6'000.--
im Hinblick auf die Ausübung einer angepassten Erwerbstätigkeit (IV-act. 92, vgl. auch
IV-act. 68, 70). Gleichentags wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um (weitere)
berufliche Massnahmen ab (IV-act. 93).
A.j.
Am 8. November 2018 (Posteingang IV-Stelle) reichte die Versicherte den
ausgefüllten Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt
ein. Sie gab an, ohne Gesundheitsschaden wäre sie in einem Pensum von 100 % tätig
(IV-act. 97).
A.k.
Dr. med. D._, Klinik für Neurochirurgie des KSSG, berichtete am 6. Dezember
2018 über ein Rezidiv-Meningeom an der Clivusspitze. Es seien für den 10. Dezember
2018 ein operativer Eingriff und im weiteren Verlauf eine Bestrahlung geplant (IV-act.
A.l.
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103-12 f., vgl. IV-act. 103-14 f.). Bei der Operation kam es zu einer akzidentellen Läsion
der Arteria basilaris. Die Versicherte wurde darauf bis zum 9. Januar 2019 auf der
Intensivstation des KSSG behandelt (IV-act. 107, 111 f., 137-7 ff.).
Vom 9. Januar bis 12. März 2019 befand sich die Versicherte stationär im
Rehazentrum E._. Die behandelnden Ärzte berichteten am 12. März 2019 unter
anderem über mehrzeitige Infarkte im Thalamus beidseits, im Mesencephalon
(Mittelhirn) und Pons, sowie multipel im Cerebellum bei Status nach akzidenteller
Läsion der Arteria basilaris am 10. Dezember 2018. Für die Dauer des Aufenthalts und
bis auf weiteres bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (IV-act. 137-7 ff.). Am 11.
Februar 2019 hatte die Versicherte, vertreten durch ihren Vater, ein Gesuch um
Hilflosenentschädigung stellen lassen (IV-act. 114). Zusätzlich liess sie im März 2019
die Kostenübernahme eines Hilfsmittels (Rollstuhl) beantragen (IV-act. 123).
A.m.
Ab 12. März 2019 befand sich die Versicherte stationär in der Klinik F._. Die
behandelnde Oberärztin hielt am 24. April 2019 fest, aufgrund eines ausgeprägten
Hydrocephalus sei am 9. April 2019 eine VP Shunt-Implantation erfolgt. Die Versicherte
sei im "minimally conscious state" und zeige Ansätze von nonverbaler Kommunikation
mit Hilfe von Fussbewegungen, die noch nicht konsistent reproduzierbar seien.
Aufgrund einer neurogenen Schluckstörung werde sie noch mit einer Trachealkanüle
versorgt. Das Wiedererlangen einer Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der ausgeprägten
cerebralen Läsion nicht zu erwarten, eine Eingliederung sei nicht möglich. Auch bei den
Aufgaben im Haushalt sei sie komplett eingeschränkt (IV-act. 144).
A.n.
Mit Schreiben vom 27. Mai 2019 schätzte Dr. B._ die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten im Zeitraum vom 29. September 2016 bis 9. Dezember 2018 als
Fachspezialistin e-business auf 0 %. Als IV-Berufsberaterin habe ab dem Zeitpunkt der
Anstellung im Oktober 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 40 %, davor eine solche von 0 %
bestanden. Als Gemeinderätin sei die Versicherte zwischen 0 und 30 % arbeitsfähig
gewesen, je nach dem effektiv möglichen und damit auch erfolgten Pensum. Sicherlich
habe nach der Gehirnoperation im Januar 2017 eine mindestens dreimonatige
Arbeitsfähigkeit von 0 % bestanden. In einer dem Leiden angepassten Tätigkeit sei die
Arbeitsfähigkeit nicht höher als diejenige für die Tätigkeit als IV-Beraterin (IV-act. 152,
vgl. auch IV-act. 153).
A.o.
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Mit Verfügung vom 1. Juli 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren auf eine
Hilflosenentschädigung ab, da die Wartefrist von einem Jahr noch nicht abgelaufen sei
(IV-act. 157).
A.p.
RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt Innere Medizin FMH, beurteilte am 23. Juli
2019, in der Tätigkeit als Fachspezialistin e-business bestehe seit 27. September 2016
eine Arbeitsfähigkeit von 0 %. Als Berufsberaterin habe von Oktober bis zum 10.
Dezember 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 40 % vorgelegen. Als Gemeinderätin habe
von Juni 2018 bis 10. Dezember 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 30 % bestanden. In
einer adaptierten Tätigkeit wäre mit keiner höheren Arbeitsfähigkeit als in den
erwähnten Tätigkeitsfeldern zu rechnen gewesen (IV-act. 159).
A.q.
Die behandelnden medizinischen Fachpersonen der Klinik F._ stellten am 26. Juli
2019 einen Antrag auf Kommunikationshilfsmittel für die Versicherte. Es sei nicht damit
zu rechnen, dass sich die verbale Kommunikation vollständig erholen werde, weshalb
die Versicherte dauerhaft auf entsprechende Hilfsmittel angewiesen sei (IV-act. 162).
Die IV-Stelle erteilte eine entsprechende Kostengutsprache (IV-act. 188).
A.r.
Mit Vorbescheid vom 19. August 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Zusprache einer ganzen Rente mit Wirkung ab 1. Juli 2018 in Aussicht (IV-act. 166).
A.s.
Dagegen liess die Versicherte am 16. September 2019 Einwand erheben und eine
ganze Rente mit Wirkung bereits ab 1. September 2017 beantragen (IV-act. 182).
A.t.
Am 4. November 2019 trat die Versicherte aus der Klinik F._ aus und wurde
stationär in ein Pflegeheim verlegt. Die behandelnden Ärztinnen der Klinik F._
berichteten am 4. November 2019, im Verlauf der Rehabilitation sei es zu einer
deutlichen neurologischen Besserung gekommen. Zum Zeitpunkt des Austritts habe
die Versicherte verschiedene Kommunikationskanäle genutzt. Sie sei weiterhin zu 100
% arbeitsunfähig (IV-act. 200).
A.u.
Am 12. November 2019 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid (IV-
act. 196, vgl. IV-act. 183).
A.v.
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B.
Gegen die Verfügung vom 12. November 2019 erhob die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. H. Landolt,
Glarus, am 6. Dezember 2019 die vorliegende Beschwerde. Sie liess darin die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache einer ganzen
Invalidenrente mit Wirkung ab 1. September 2017 beantragen. Eventualiter sei die
Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit an die IV-Stelle St. Gallen (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge
(act. G1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 9. Januar 2020 die Abweisung der
Beschwerde (act. G4).
B.b.
Die Verfahrensleitung teilte Rechtsanwalt Landolt am 15. Januar 2020 mit, über
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (vgl. act. G5) werde mit der Hauptsache
entschieden. Auf die Erhebung eines Gerichtskostenvorschusses verzichte sie
umständehalber. Auch über die beantragte Beiladung der beiden
Vorsorgeeinrichtungen (vgl. act. G1) werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden
(act. G6).
B.c.
Die Beschwerdeführerin liess am 20. Januar 2020 ein Schreiben der IV-Stelle J._
vom 14. Januar 2020 einreichen (act. G8, G8.1).
B.d.
Mit Replik vom 4. Februar 2020 liess die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
festhalten (act. G10).
B.e.
Die Beschwerdegegnerin liess die Frist zur Einreichung einer Duplik unbenützt
ablaufen (act. G11).
B.f.
Mit Eingabe vom 26. Januar 2021 reichte Rechtsanwalt Landolt diverse
Unterlagen ein (act. G12). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme
(act. G13).
B.g.
Am 24. Februar bzw. 25. März 2021 lud die Verfahrensleitung die Pensionskasse
G._ (nachfolgend: Beigeladene 1) und die Pensionskasse H._ (nachfolgend:
B.h.
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Erwägungen
1.
Die Beigeladene 2 machte in ihrer Eingabe vom 15. April 2021 geltend, eine Beiladung
sei in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren mangels gesetzlicher Grundlage
unzulässig (act. G25). Obwohl in den einschlägigen Bundesgesetzen keine
Bestimmungen zur Beiladung selbst enthalten sind, ist das Institut der Beiladung im
Sozialversicherungsprozess jedoch etabliert und entspricht gängiger Praxis (vgl. Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N 126 zu Art. 61, Katja Meili, Die rechtlichen
Wirkungen der Beiladung, in Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.]: Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht 2019, S. 223; zur Beiladung im Sozialversicherungsprozess
zudem etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2017, 9C_198/2017,
E. 3.2). Im Übrigen hat sich die die Beigeladene 2 gegen ihre Beiladung nicht förmlich
gewehrt und derentwegen keine anfechtbare Zwischenverfügung verlangt, sodass sich
weitere Ausführungen zu dieser Thematik von Vornherein erübrigen.
Beigeladene 2) zum Verfahren bei (act. G14, G21; bzgl. der ursprünglich beigeladenen
Personalvorsorgestiftung der Bank I._ vgl. act. G14, G20).
Die Beigeladene 2 beantragte am 15. April 2021, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und der Beschwerdeführerin ab September 2017 eine Viertelsrente, für
Dezember 2017 und ab Juli 2018 eine Dreiviertelsrente sowie ab März 2019 eine ganze
Rente zuzusprechen (act. G25).
B.i.
Die Beigeladene 1 reichte am 12. Mai 2021 eine Stellungnahme ein und führte aus,
der Entscheid der Beschwerdegegnerin sei für sie nicht nachvollziehbar. Bei voller
Arbeitsfähigkeit ab spätestens Juli 2018 müsste die IV-Rente für die Zeit ab Juli 2018
(resp. allenfalls Oktober 2018) bis Dezember 2018 (resp. allenfalls März 2019)
eingestellt werden (act. G26).
B.j.
Die Beschwerdeführerin liess am 14. Juni 2021 an ihren Anträgen festhalten (act.
G28).
B.k.
Die Beschwerdegegnerin liess die Frist zur Einreichung einer Stellungnahme zu den
beiden Eingaben der Beigeladenen (vgl. act. G25 f.) unbenützt ablaufen (act. G27,
G29).
B.l.
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2.
In materieller Hinsicht zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist
der Rentenbeginn. Die Beschwerdegegnerin sprach der Beschwerdeführerin eine
ganze Rente mit Wirkung ab 1. Juli 2018 zu (IV-act. 196, vgl. IV-act. 183). Diese lässt
jedoch eine ganze Rente bereits mit Wirkung ab 1. September 2017 beantragen (act.
G1, G10).
Gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können,
Anspruch auf eine Rente, wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind. Die seit vielen Jahren
bestehende, gerichtlich bestätigte Verwaltungspraxis lässt zur Eröffnung der Wartezeit
eine Einschränkung (Arbeitsunfähigkeit) von 20 % genügen (Ulrich Meyer/Marco
Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, in: Hans-Ulrich Stauffer/
Basile Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014,
S. 303). Laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %,
auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn
sie mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
2.2.
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(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG). Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität
in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei Versicherten, die nur
zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG
festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für
diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG; so genannte
"gemischte Methode"). Per 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Art. 27
Abs. 2-4 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft
getreten. Das dort vorgesehene Berechnungsmodell gilt ab Inkrafttreten der
entsprechenden Verordnungsregelung. Für die Zeit bis zum 31. Dezember 2017 gilt
nach wie vor die damals gültige Regelung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18.
Dezember 2017, 9C_553/2017, E. 5.2; IV-Rundschreiben Nr. 372 vom 9. Januar 2018).
bis
Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss, BGE 117 V 282 E. 4.a).
2.3.
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
2.4.
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3.
Vorerst ist die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Verlauf zu beurteilen.
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
Die Beschwerdeführerin unterzog sich am 8. Juli 2016 im KSSG einer
Augenoperation (vgl. IV-act. 12-7 ff., 23-19 f.). Der behandelnde Arzt des KSSG
attestierte ihr vom 8. Juli bis 14. August 2016 eine Arbeitsunfähigkeit. Tätigkeiten, die
kein ausgeprägtes Konvergenz- oder Stereosehen erforderten, wären in normalem
Arbeitspensum zumutbar. Lange Arbeitszeiten am Computer seien zu reduzieren (IV-
act. 12-14 f.). Aufgrund der stark eingeschränkten Sehfähigkeit und der auftretenden
Beschwerden bei Bildschirmarbeit kündigte die Beschwerdeführerin darauf ihre
20%ige Stelle als Fachspezialistin e-business bei der Bank I._ per 30. September
2016 (IV-act. 1 f., 14). Es ist damit davon auszugehen, dass das Wartejahr im Sinne von
Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit per 8. Juli 2016 anlief.
Damit fällt ein Rentenanspruch grundsätzlich frühestens ab 1. Juli 2017 in Betracht (die
Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin erfolgte am 30. September 2016; IV-act. 1 f.).
Im Folgenden ist jedoch auch zu prüfen, ob damals das Wartejahr bereits erfüllt war.
Da die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns bereits
seit einem halben Jahr von ihrem Ehemann getrennt lebte (vgl. IV-act. 9, 26, 97) und
glaubhaft angab, sie würde ohne Behinderung eine Erwerbstätigkeit von 100 %
ausüben (vgl. IV-act. 97; die beiden Kinder befanden sich damals bereits im
Teenageralter und die – wohl nur noch geringfügig nötige – Fremdbetreuung derselben
war gesichert), ist sie als Vollerwerbstätige zu qualifizieren. Eine Prüfung der
Einschränkung im Aufgabenbereich erübrigt sich damit.
3.1.
Die Beschwerdeführerin war spätestens seit der Operation vom 8. Juli 2016
dauerhaft in ihrer angestammten Tätigkeit als Fachspezialistin e-business
eingeschränkt. Wie RAD-Arzt Dr. C._ am 23. Juli 2019 zutreffend ausführte, wurde
bei der Beschwerdeführerin im Dezember 2016 ein Tuberculum sellae Meningeom
diagnostiziert, welches jedoch schon früher aktiv war und angesichts einer
konkomitierenden Nebenniereninsuffizienz auch mit Müdigkeit einherging. Dr. C._
hielt weiter fest, das Meningeom sowie dessen erforderliche Resektion hätten zu einer
noch komplexeren Sehstörung geführt, welche eine "computer-lastige" Tätigkeit
verunmöglicht habe. Er datierte den Beginn einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % in der
angestammten Tätigkeit entsprechend der Fragestellung der Beschwerdegegnerin auf
den 27. September 2016 (IV-act. 159). Von Ende September 2016 bis zur Hirnoperation
3.2.
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vom 20. Januar 2017 (IV-act. 23-12 ff.) kann aufgrund der Einschätzungen von Dr.
C._ und Dr. B._ von einer Arbeitsfähigkeit von 30 % als Gemeinderätin (oder in
einer anderen adaptierten Tätigkeit) ausgegangen werden (IV-act. 152, 159). Nach der
Operation war die Beschwerdeführerin sodann - wie Dr. B._ nachvollziehbar
beurteilte - für rund drei Monate, mithin bis Ende April 2017, zu 100 % arbeitsunfähig in
sämtlichen Tätigkeiten (IV-act. 152). Danach ist in der Tätigkeit als Gemeinderätin
wieder von einer Arbeitsfähigkeit von 30 % auszugehen. Insgesamt bestand seit der
erstmalig am 8. Juli 2016 eingetretenen Arbeitsunfähigkeit bis zum Ablauf des
Wartejahres per 30. Juni 2017 damit ohne Unterbruch eine Arbeitsunfähigkeit von mehr
als 40 %. Damit ist im Folgenden die Arbeitsfähigkeit ab dem frühestmöglichen
Rentenbeginn vom 1. Juli 2017 zu prüfen.
Dr. C._ hielt am 23. Juli 2019 fest, er habe der Beschwerdeführerin am 27. Juni
2017 eine Arbeitsfähigkeit von ca. 50 % attestiert, wobei er empfohlen habe, die
"endgültige Quote berufspraktisch zu ermitteln" (vgl. IV-act. 28). In der Rückschau
ergebe sich, dass diese Einschätzung in etwa zutreffe, da die sicher sehr kooperative
Versicherte von diesem Zeitpunkt bis zur fatalen Arteria basilaris-Läsion als
Gemeinderätin eine 30%ige Tätigkeit wahrgenommen habe. Dies sei eine Quote, die
vor dem Hintergrund der zu dieser Zeit bestehenden, durch die Grundkrankheit
bedingten funktionellen Einschränkungen als korrekt bezeichnet werden könne. Er
gehe von einer Arbeitsfähigkeit als Gemeinderätin von "30 % von 06/2018 bis
10.12.2018" aus (IV-act. 159-2). Angesichts der zitierten einleitenden Ausführungen Dr.
C._s sowie der Aktenlage ist jedoch davon auszugehen, dass es sich bei dieser
Datumsangabe "06/2018" um einen Verschrieb handelt und Dr. C._ Juni 2017, nicht
2018 meinte (IV-act. 159, vgl. IV-act. 152). Aus der Aussage von Dr. C._ kann -
entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (vgl. IV-act. 160, 213) - nicht
geschlossen werden, dass seit Ende Juni 2017 eine Arbeitsfähigkeit von 50 %
bestanden habe, zumal Dr. C._ am 23. Juli 2019 seine frühere prognostische
Einschätzung – die er überdies lediglich unter dem Vorbehalt der praktischen
Arbeitserprobung abgegeben hatte – selbst relativierte bzw. einschränkte (IV-act. 159).
Er pflichtete überdies explizit Dr. B._ darin bei, dass die Beschwerdeführerin in keiner
Tätigkeit eine höhere Arbeitsfähigkeit habe erlangen können als in jenen, die sie im
erfragten Zeitraum (29. September 2016 bis 9. Dezember 2018, vgl. IV-act. 152)
wahrgenommen habe (IV-act. 159-2). Ab 21. August 2017 erhielt die
Beschwerdeführerin von der Beschwerdegegnerin finanzierte Coachingstunden,
durchgeführt durch Pro Arbeit, sowie Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche
(IV-act. 47 f.). Gemäss der übereinstimmenden Einschätzung von Dr. B._ und Dr.
C._ bestand aber vorerst keine Arbeitsfähigkeit, welche über ihr damals ausgeübtes
3.3.
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30%iges Pensum als Gemeinderätin hinausgegangen wäre (vgl. IV-act. 152, 159).
Demzufolge ist im Zeitraum vom 1. Juli 2017 bis 31. Dezember 2017 von einer
Arbeitsfähigkeit von insgesamt 30 % (als Gemeinderätin) auszugehen.
Ab Januar 2018 erfolgte sodann ein Arbeitsversuch bei der IV-Stelle J._ mit
zunächst einem Pensum von 40 %. Bis Ende April 2018 hatte die Beschwerdeführerin
dieses auf 50 % gesteigert (IV-act. 81, vgl. IV-act. 73-1, 78-1). Daneben war sie
weiterhin in einem Pensum von rund 30 % als Gemeinderätin tätig und plante eine
Weiterbildung (diese begann erst im September 2018; vgl. IV-act. 92). Die
Arbeitsfähigkeit während des vom 3. Januar bis 30. Juni 2018 dauernden
Arbeitsversuches lässt sich aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten nicht exakt
ermitteln. Es ist aber jedenfalls davon auszugehen, dass eine stabile - über das
Pensum als Gemeinderätin hinausgehende - Arbeitsfähigkeit erst nach Ende des
Arbeitsversuches wieder hinreichend feststand.
3.4.
Dr. B._ und Dr. C._ gingen ab Oktober 2018 von einer Arbeitsfähigkeit von 40
% als IV-Beraterin aus, zuvor von einer solche von 0 % (IV-act. 152, 159). Wie
nachfolgend ausgeführt, ist jedoch bereits ab Juli 2018 von einer vollen Arbeitsfähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen. Vom 9. Juli bis 14. Oktober 2018 war die
Beschwerdeführerin im Rahmen eines RAV-Einsatzprogrammes bei der IV-Stelle J._
tätig, bis sie dann dort ab 15. Oktober 2018 eine Festanstellung in einem Pensum von
40 % erhielt (IV-act. 81-3). Aufgrund der vorliegenden Akten ist davon auszugehen,
dass die vorübergehende Finanzierung durch das RAV darin begründet lag, dass die
Festanstellung der Beschwerdeführerin ein Sonderbudget des Bundesamtes für
Sozialversicherungen (BSV) bedingte und sich die Bewilligung des entsprechenden
Antrages verzögerte (vgl. IV-act. 78-1, 89-9). Den Anforderungen bei der IV-Stelle J._
war die Beschwerdeführerin bereits seit spätestens Juli 2018 gewachsen (vgl. IV-act.
81-3, 89-9, act. G12.2). Abweichend von den Beurteilungen von Dr. B._ und Dr.
C._ hielt der Vorgesetzte der Beschwerdeführerin bei der IV-Stelle J._ in einer E-
Mail vom 14. Januar 2020 an Rechtsanwalt Landolt fest, ab Juli 2018 könne von einer
Arbeitsfähigkeit von 100 % ausgegangen werden. Die Beschwerdeführerin habe ihre
Einarbeitung mit sehr viel Einsatz und Motivation absolviert. Es sei ihr gut gelungen, die
verschiedenen Anforderungen der Einarbeitung bei der IV-Stelle J._, den Beginn der
Weiterbildung und ihren zweiten Job als Gemeinderätin unter einen Hut zu bringen. Die
Beschwerdeführerin sei ab 15. Oktober 2018 zu einem Pensum von 40 % angestellt
gewesen. Es sei geplant gewesen, das Pensum weiter zu steigern, sodass nach der
abgeschlossenen Ausbildung eine Tätigkeit von 80-100 % bei der IV-Stelle J._
möglich gewesen wäre (act. G12.2). Der Gemeindepräsident von Walenstadt hielt
3.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/18
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4.
anlässlich eines Telefongesprächs mit der Beschwerdegegnerin vom 20. Dezember
2019 fest, dass die Beschwerdeführerin bis zu ihrer Operation vom 10. Dezember 2018
in ihrer Tätigkeit als Gemeinderätin noch voll leistungsfähig gewesen sei (IV-act. 212,
vgl. act. G12.3). Mit Schreiben vom 20. Januar 2021 bestätigten der
Gemeindepräsident und der Gemeinderatsschreiber, dass die Beschwerdeführerin bis
zum 9. Dezember 2018 im Rahmen ihres Pensums als Gemeinderätin vollumfänglich
arbeitsfähig gewesen sei und ihre Aufgaben auf höchstem Niveau habe erledigen
können (act. G12.4). Weiter liegt ein Schreiben der K._ AG vom 19. Januar 2021 im
Recht. Gemäss diesem war die Beschwerdeführerin dort seit 15. August 2018 als
Verwaltungsrätin tätig und erledigte dabei ihre Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit und
ohne Beeinträchtigung (act. G12.5). Laut den Ausführungen ihres Vaters war die
Beschwerdeführerin massgeblich an der Gründung der Firma beteiligt (act. G12.1),
sodass davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin einiges an Arbeitszeit
dafür aufwendete. Schliesslich konnte die Beschwerdeführerin die Weiterbildung an der
Hochschule L._ ab 21. September 2018 bis zur Operation vom 10. Dezember 2018
ohne Minderleistung und Probleme absolvieren, wie seitens des dortigen Instituts für
M._ mit Schreiben vom 18. Januar 2021 bestätigt wurde (vgl. act. G12.6). Die
Weiterbildung erforderte eine Präsenzzeit von rund 20 % sowie Selbststudium (vgl. IV-
act. 53-2). Insgesamt ist damit davon auszugehen, dass ihr damaliger gesundheitlicher
Zustand der Beschwerdeführerin erlaubt hätte, vom 1. Juli bis 10. Dezember 2018 statt
des tatsächlich ausgeübten Pensums von 40 % bei der IV-Stelle J._ wie bereits
zuvor ein solches von 50 % auszuüben. Bei einem zusätzlichen Pensum von 10 bis 30
% als Gemeinderätin, rund 10 % für das Verwaltungsratsmandat und mindestens 20 %
für die Weiterbildung, rechtfertigt es sich, von einer Arbeits- und Leistungsfähigkeit von
100 % in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen. Dies erscheint stimmig mit der
Tatsache, dass die Beschwerdeführerin ihren Hausarzt zwischen Mai 2018 und dem
3. Dezember 2018 nie konsultiert hatte (IV-act. 152) und entspricht im Übrigen auch der
Einschätzung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin (vgl. act. G8, G10, G28).
Zusammengefasst ist damit vom 1. Juli 2017 bis 30. Juni 2018 von einer Arbeits
fähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 30 % und vom 1. Juli bis 9. Dezember 2018
sodann von einer solchen von 100 % auszugehen. Seit der Operation vom 10.
Dezember 2018 besteht unbestritten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für sämtliche
Tätigkeiten. Weitere medizinische Abklärungen erübrigen sich. Vorliegend fielen nur
zusätzliche retrospektive ärztliche Beurteilungen in Betracht, welche ohnehin von
beschränkter Aussagekraft wären.
3.6.
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Basierend auf den vorgenannten Arbeitsfähigkeiten ist nachfolgend der Invaliditätsgrad
zu bestimmen.
Massgebend für das Valideneinkommen ist, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen Renten
beginns verdient hätte. Für die Bestimmung des Valideneinkommens wird
grundsätzlich am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 139 V 28
E. 3.3.2, 125 V 58 E. 3.1; Urteile des Bundesgerichts vom 18. März 2015,
8C_590/2014, E. 5.1, und 21. August 2013, 8C_196/2013, E. 3.1). Die
Beschwerdeführerin war bis Ende September 2016 in einem Pensum von 20 % als
Fachspezialistin e-business bei der Bank I._ tätig. Im Jahr 2015 erzielte sie dort ein
Einkommen von Fr. 21'805.-- (IV-act. 6). Bei hypothetischer Vollerwerbstätigkeit ist für
das Jahr 2015 von einem (hypothetischen) Einkommen von Fr. 109'025.-- (Fr. 21'805.--
x 100 / 20) auszugehen. Angepasst an die Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2017
resultiert ein massgebliches Valideneinkommen von Fr. 110'364.-- (Index 2015: 2'686,
2017: 2'719) bzw. bis ins Jahr 2018 ein solches von Fr. 110'892.-- (Index 2015: 2'686,
2018: 2'732). Bei dieser Betrachtungsweise rechtfertigt es sich nicht, das Einkommen
als Gemeinderätin (vgl. IV-act. 6) zusätzlich zu berücksichtigen, zumal ein
hypothetisches Pensum von deutlich über 100 % resultiert hätte. Wie die Beigeladenen
zu Recht vorbringen (vgl. act. G25 f.), wäre dies der Beschwerdeführerin insbesondere
neben der alleinigen Betreuung der beiden Kinder und der Erledigung des Haushalts
nicht zumutbar gewesen. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass das Einkommen in den
beiden Tätigkeiten bei der Bank I._ und als Gemeinderätin ähnlich hoch war, zumal
die Beschwerdeführerin für ihr rund 20%iges (abweichende Angaben von 10 bis 30 %)
Pensum als Gemeinderätin im Jahr 2015 ein Einkommen von Fr. 24'476.-- generierte
(vgl. IV-act. 6). Wie die Beschwerdeführerin vorbringt, war sie seit Geburt eingeschränkt
und sie hätte möglicherweise ohne Sehstörung ein höheres Einkommen erwirtschaften
können, als sie tatsächlich bis September 2016 erzielte (act. G1). Diese Frage kann
jedoch insofern offenbleiben, als - wie nachfolgend ausgeführt - auch bei
Berücksichtigung des tatsächlichen (allenfalls zu tiefen) Einkommens als
Valideneinkommen für den Zeitraum vom 1. Juli 2017 bis 30. Juni 2018 ein Anspruch
auf eine ganze Rente resultiert. Insofern muss auch der – prima vista einleuchtende –
Vorschlag der Beigeladenen 1, das Valideneinkommen anhand eines hypothetischen
Pensums von 80% bei der Bank I._ und 20% als Gemeinderätin festzusetzen (act. G
26 Ziff. 5), nicht näher geprüft werden.
4.1.
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Art. 16 ATSG umschreibt das Invalideneinkommen als hypothetisches Einkommen.
Nach der ständigen Verwaltungspraxis und Rechtsprechung steht der Beizug von
Tabellen und vergleichbaren Übersichten im Vordergrund. Die Rechtsprechung lässt
das Abstellen auf das tatsächlich erzielte Invalideneinkommen nur dann zu, wenn ein
besonders stabiles Arbeitsverhältnis den Bezug auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
erübrigt, wenn die verbleibende Arbeitsfähigkeit zumutbar voll ausgeschöpft wird und
wenn kein Soziallohn ausgerichtet wird. Die genannten Voraussetzungen müssen
kumulativ erfüllt sein (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 66 f., 70 zu Art.
16). Diese Bedingungen treffen im Zeitraum vom 1. Juli bis 31. Dezember 2017 (bzw.
30. Juni 2018) auf die Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Gemeinderätin zu. Sie war
seit 2013 in dieses Amt gewählt und die damals laufende Amtsdauer hätte noch bis
2020 gedauert (vgl. IV-act. 1). Es kann damit als besonders stabil angesehen werden.
Die Beschwerdeführerin schöpfte mit dieser Tätigkeit im genannten Zeitraum ihre
Arbeitsfähigkeit von 30 % voll aus und es wurde kein Soziallohn ausgerichtet. Da die
Einkommen als Gemeinderätin in den Jahren 2013 bis 2015 leicht geschwankt haben,
erscheint es angezeigt, vom Durchschnitt dieser drei Jahre auszugehen. Dieser beläuft
sich bei jeweiliger Nominallohnbereinigung bis 2017 auf Fr. 24'630.-- (2013:
Fr. 22'005.-- [Fr. 21'430.-- / 2'648 x 2'719]; 2014: Fr. 27'109.-- [Fr. 26'650.-- / 2'673 x
2'719]; 2015: Fr. 24'777.-- [Fr. 24'476.-- / 2'686 x 2'719]; IV-act. 6-1). Vom 1. Juli 2017
bis 30. Juni 2018 ist damit von einem Invalideneinkommen von Fr. 24'630.--
auszugehen. Vom 1. Juli bis 9. Dezember 2018 war die Beschwerdeführerin sodann in
einer adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig. In ihrer adaptierten Tätigkeit bei der IV-
Stelle J._ hätte sie bei einem hypothetischen Beschäftigungsgrad von 100 % ein
Einkommen von Fr. 90'025.-- (Fr. 2'770.-- x 13 / 40 x 100; IV-act. 85) erzielen können.
Selbst bei einem Pensum von lediglich 80 %, welches auch mit der Beeinträchtigung
der Augen als bewältigbar betrachtet wurde (vgl. dazu act. G12.2), hätte sie bei der IV-
Stelle J._ ein (nicht rentenbegründendes; vgl. E. 3.3) Einkommen von Fr. 72'020.--
erzielt. Zusätzlich generierte sie ab August 2018 auch noch ein Verwaltungsratshonorar
in unbekannter Höhe. Der Verdienst als Gemeinderätin ist ab 1. Juli 2018 insofern nicht
zu berücksichtigen, als dieser auch beim Valideneinkommen nicht einberechnet wurde.
Zudem wäre dieser höher als das Einkommen bei der IV-Stelle J._ (vgl. IV-act. 6, E.
3.1) und würde aufgerechnet auf ein Vollpensum ohnehin nicht zu einem
rentenbegründenden Invaliditätsgrad führen.
4.2.
Für den Zeitraum vom 1. Juli 2017 bis 30. Juni 2018 ergibt sich ausgehend von
einer Arbeitsfähigkeit von 30 % in der Tätigkeit als Gemeinderätin bzw. einer
adaptierten Tätigkeit, einem Valideneinkommen von Fr. 110'364.-- und einem
Invalideneinkommen von Fr. 24'630.-- ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von
4.3.
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5.
rund 78 %. Die Beschwerdeführerin hat daher unter Berücksichtigung der
dreimonatigen Frist von Art. 88a IVV vom 1. Juli 2017 bis 30. September 2018 einen
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Vor diesem Hintergrund kann offenbleiben, ob
Art. 18a Abs. 2 IVG auch bei der vorliegenden retrospektiven Rentenzusprache
Anwendung finden würde, die Beschwerdeführerin während des Arbeitsversuchs also
unabhängig von der konkreten Arbeitsunfähigkeit einen Rentenanspruch gehabt hätte
(statt der ausgerichteten Taggelder; vgl. IV-act. 67, nachfolgende E. 5.1). Vom 1.
Oktober 2018 bis 9. Dezember 2018 resultiert bei einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in
einer adaptierten Tätigkeit, einem Valideneinkommen von Fr. 110'892.-- und einem
Invalideneinkommen von mindestens Fr. 72'020.-- ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 35 %. Vom 1. Oktober bis 30. November 2018 entfällt damit ein
Rentenanspruch. Ab 1. Dezember 2018 (bzw. der Operation vom 9. Dezember 2018)
bestand sodann unbestritten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % in sämtlichen
Tätigkeiten und damit ein Invaliditätsgrad von ebenfalls 100 %. Gestützt auf Art. 29
IVV hatte die Beschwerdeführerin trotz zwischenzeitlicher Renteneinstellung damals
das Wartejahr im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG nicht erneut zu erfüllen. Die
Arbeitsunfähigkeit während der ersten Phase des Rentenanspruchs vom 1. Juli 2017
bis 30. September 2018 war neben den Augenproblemen auch auf den Hirntumor bzw.
dessen Entfernung am 20. Januar 2017 sowie die daraufhin notwendigen
Behandlungen und noch bestehenden Beeinträchtigungen zurückzuführen (vgl. IV-act.
23-2 ff., 23-12 ff.). Die am 9. Dezember 2018 aufgrund des Tumor-Rezidivs bzw.
dessen operative Entfernung erneut eingetretene Arbeitsunfähigkeit ist damit
ausreichend auf dasselbe Leiden zurückzuführen, sodass das Wartejahr nicht erneut zu
erfüllen ist. Dies ist bei den Parteien denn auch unstrittig. Dementsprechend hat die
Beschwerdeführerin ab 1. Dezember 2018 wieder einen Anspruch auf eine ganze
Rente.
bis
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 12. November 2019
aufzuheben und der Beschwerdeführerin vom 1. Juli 2017 bis 30. September 2018
sowie ab 1. Dezember 2018 eine ganze Rente zuzusprechen. Die Sache ist zur
Berechnung, Verfügung und Auszahlung der Invalidenrente an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Bei der Ausrichtung der Rentenleistungen wird die
Beschwerdegegnerin zu beachten haben, dass die Beschwerdeführerin im Zeitraum
vom 3. Januar bis 1. Juli 2018 IV-Taggeldleistungen bezogen hat (IV-act. 67).
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
5.2.
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