Decision ID: e465d542-8edf-464a-b3dd-199d386604b1
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 15. Mai 2000 wegen Oberbauchschmerzen,
Rückenschmerzen und Handgelenksschmerzen zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Gestützt
auf ein Gutachten der Medizinischen Abklärungsstelle der Universitätskliniken Basel
(MEDAS Basel) vom 13. Juni 2001 (IV-act. 15) wurde der Versicherten mit Verfügungen
vom 20. November 2002 unter Anwendung der gemischten Methode (43% Haushalt,
57% Erwerb) bei einem IV-Grad von 41% von Juli 1999 bis Januar 2001 eine
Viertelsrente (bzw. eine halbe Härtefallrente) und ab 1. Februar 2001 bei einem IV-Grad
von 50% eine halbe Rente zugesprochen (IV-act. 53 f., 58).
A.b Im Rahmen einer von Amtes wegen eingeleiteten Revision erstellte die MEDAS
Basel am 27. September 2004 ein neues Gutachten, wobei eine Arbeitsfähigkeit von
50% ermittelt wurde (IV-act. 82). Mit Verfügung vom 6. April 2005 wurde die Rente in
Anwendung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur gemischten Methode auf
Ende Mai 2005 aufgehoben (IV-act. 93). Die dagegen erhobene Einsprache vom 9. Mai
2005 (IV-act. 97) wurde mit Einspracheentscheid vom 7. Juni 2005 abgewiesen (IV-act.
106). Mit Entscheid vom 9. Mai 2006 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
(IV-act. 127) und mit Urteil vom 2. April 2007 des Bundesgerichts (IV-act. 132) wurde
diese Abweisung bestätigt.
A.c Auf die Wiederanmeldung vom 16. Juli 2007 trat die IV-Stelle am 31. August 2007
nicht ein (IV-act. 140).
B.
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B.a Am 24. Mai 2011 / 24. August 2011 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf
Rückenschmerzen, Depression, Beinschmerzen, Gelenkschmerzen und Angstgefühlen
erneut zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle an (IV-
act. 144, 146).
B.b Im von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen bidisziplinären (orthopädischen und
psychiatrischen) Gutachten vom 15. März 2012 der MEDAS Ostschweiz, welches sich
auf Untersuchungen vom 24. und 25. Januar 2012 stützte, kamen die Experten zum
Schluss, dass bei der Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit von höchstens 40 bis 50%
anzunehmen sei (IV-act. 164).
B.c Im Fragebogen betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die Versicherte am 2.
April 2012 an, dass sie ohne Behinderung eine Erwerbstätigkeit von bis zu 100%
ausüben würde (IV-act. 167).
B.d Am 28. August 2012 wurde eine Haushaltsabklärung bei der Versicherten
durchgeführt. Die Abklärungsperson kam im Bericht vom 9. Oktober 2012 zum
Schluss, dass die Versicherte als Vollerwerbstätige einzustufen sei (IV-act. 181).
B.e Mit Vorbescheid vom 14. März 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Entgegen der gutachterlichen
Einschätzung von Dr. B._ könne die leichte bis mittelgradige Depression nicht als
eigenständiges Leiden gelten. Das Vorliegen eines invalidisierenden
Gesundheitsschadens müsse verneint werden. Die somatoforme Schmerzstörung und
die als Begleiterscheinung auftretende rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
leicht- bis mittelgradig depressive Episode, seien überwindbar. Es wurde ein
Invaliditätsgrad von 0% ermittelt (IV-act. 191).
B.f Mit Einwand vom 27. März 2013 beantragte die Versicherte die Zusprache einer
ganzen Invalidenrente ab spätestens Dezember 2011. Dr. B._ betone die depressive
Störung als eigenständiges Leiden, dies auch, indem er sie primär aufführe und dann
darauf hinweise, dass zudem weiterhin eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu diagnostizieren sei. Dr. B._ schildere sodann
anhand der Foersterschen Kriterien nachvollziehbar und einleuchtend, weshalb es der
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Versicherten nur teilweise möglich sei, bei zumutbarer Willensanstrengung ihre
Schmerzen zu überwinden. Es bestehe keine Veranlassung, von der gutachterlich
festgehaltenen Arbeitsunfähigkeit von 40 bis 50% abzuweichen. Zudem würde auch
aus somatischen Gründen (nur) eine Arbeitsfähigkeit von 70% bestehen. Ohne auf das
Valideneinkommen näher einzugehen habe die Versicherte Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, da es ihr aufgrund ihrer Verhältnisse nicht möglich sei, ein Einkommen
zu erzielen (IV-act. 192).
B.g Mit Verfügung vom 27. Mai 2013 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Ver
sicherten ab. Die somatoforme Schmerzstörung und die als Begleiterscheinung
auftretende rezidivierende depressive Störung seien überwindbar. Weiter sei die
Versicherte weder aufgrund der medizinisch theoretischen Arbeitsfähigkeit noch aus
einem anderen Grund so eingeschränkt, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
keine Stellen vorhanden wären (IV-act. 194).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 3. Juni 2013. Die Beschwerdeführerin beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolge die Aufhebung der Verfügung vom 27. Mai 2013 und die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente wann rechtens, spätestens ab Dezember 2011.
Bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (psychiatrischerseits höchstens 50 bis 60%)
hätten die Gutachter der MEDAS die der Beschwerdeführerin zumutbare
Willensanstrengung ausdrücklich mitberücksichtigt. Es bestehe kein Grund davon
abzuweichen. Die Foersterschen Kriterien seien zutreffend angewendet worden. Bei
der diagnostizierten depressiven Störung handle es sich um ein eigenständiges Leiden.
Es sei deshalb auf die Arbeitsfähigkeitseinschätzung der MEDAS abzustellen. Beim
Invalideneinkommen sei zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin aus
einfachsten Verhältnissen aus C._ stamme. Für die Begutachtung habe eine
Dolmetscherin beigezogen werden müssen und aus dem Erwerbsleben sei sie seit sehr
langer Zeit ausgeschieden. Zudem werde sie 5_ Jahre alt. Unter Berücksichtigung
sämtlicher massgeblicher Umstände sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin
kein Einkommen erzielen könne. Damit habe sie Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente (act. G 1).
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C.b Mit Beschwerdeantwort vom 23. August 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie auf die angefochtene
Verfügung (act. G 4).
C.c Mit Replik vom 28. August 2013 hält die Beschwerdeführerin unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 3.
September 2013 auf die Einreichung einer Duplik (act. G 8).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Die Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
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Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen).
3.
3.1 In der Verfügung vom 27. Mai 2013 stützte sich die Beschwerdegegnerin
grundsätzlich auf das Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 15. März 2012. Aus
psychiatrischer Sicht wurde eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
leichte bis mittelgradige depressive Episode, und ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert (vgl. IV-act. 194). Gemäss
diesem Gutachten ist die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Näherin –
wobei es sich offensichtlich um eine leichte körperliche Arbeit handle, die im Sitzen
ausgeführt worden sei – aus orthopädisch-somatischer Sicht mindestens zu 70%
arbeitsfähig; adaptierte Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin ohne wesentliche
Einschränkungen zumutbar. Dabei handle es sich um leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten ohne die Notwendigkeit des Hebens schwerer Gegenstände (bis 10 kg
möglich) und ohne dauernde Zwangshaltungen. Körperlich belastende Tätigkeiten wie
kniende oder hockende Arbeiten seien zu meiden. Psychiatrischerseits sei eine
Arbeitsunfähigkeit von höchstens 40-50% festgestellt worden, sowohl in der
angestammten Tätigkeit wie bei adaptierten Tätigkeiten. Adaptiert seien einfache und
angelernte Tätigkeiten, die keine speziell erhöhten Anforderungen an die Stress- und
Frustrationstoleranz, die emotionale Belastbarkeit, die Konzentrationsfähigkeit oder die
sozialen Kompetenzen stellen würden (IV-act. 164-26).
3.2 Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung können psychische
Beeinträchtigungen der Gesundheit in gleicher Weise wie körperliche
Gesundheitsschäden Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 ATSG
bewirken (BGE 139 V 562 E. 7.1.4, Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2007, I
290/06, E. 4.2.1). Ein geistiger oder psychischer Gesundheitsschaden liegt dann vor,
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wenn aufgrund eines Geburtsgebrechens, eines Unfalles oder einer Krankheit eine
bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der mentalen, intellektuellen,
kognitiven oder emotionalen Funktion besteht, die durch therapeutische Massnahmen
nicht ausreichend behoben werden kann und die Arbeitsfähigkeit langdauernd
vermindert oder die Arbeitstätigkeit verunmöglicht (Kreisschreiben über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], Rz 1007). Zur Annahme einer
Invalidität braucht es in jedem Fall ein medizinisches Substrat, welches schlüssig von
einem Facharzt festgestellt wird und nachweislich die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
wesentlich beeinträchtigt (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juni 2012, 9C_537/2011,
E. 3.2). Das klinische Beschwerdebild darf nicht einzig in Beeinträchtigungen bestehen,
die von belastenden soziokulturellen und psychosozialen Faktoren herrühren, sondern
es hat davon unterscheidbare Befunde zu umfassen, zum Beispiel eine von
depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im
fachmedizinischen Sinn oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand.
Damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann, muss eine von
soziokulturellen oder psychosozialen Belastungssituationen zu unterscheidende und in
diesem Sinne verselbständigte psychische Störung mit Auswirkungen auf die Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit vorliegen (Urteil des Bundesgerichts vom 20. September 2011,
8C_302/2011, E. 2.5.1).
3.3 Der psychiatrische Gutachter hielt explizit fest, dass die depressive Symptomatik
als eigenständige (=primäre) psychische Störung einzustufen sei. Ursächlich sei neben
anderen Faktoren eine tiefgreifende Selbstwertproblematik, welche aufgrund
verschiedener Erfahrungen in der Herkunftsfamilie entstanden sei. Ein wesentlicher
Faktor sei unter anderem auch die sehr geringe Schulbildung sowie auch geringe
berufliche Erfahrungen, wodurch die Beschwerdeführerin in eine inzwischen langjährige
Abhängigkeit vom Ehemann geraten sei (IV-act. 164-18). Weiter sei festzustellen, dass
der Beschwerdeführerin in Aufwendung der zumutbaren Willensanstrengung möglich
sei, die Schmerzen zumindest teilweise zu überwinden und teilwiese wieder in den
Arbeitsprozess einzusteigen. Sowohl in der angestammten als auch in einer adaptierten
Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 40 bis 50%. Die Restarbeitsfähigkeit sei in
der freien Wirtschaft realisierbar (vgl. IV-act. 164-19 f.).
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3.4 Die Beschwerdegegnerin wendet dagegen ein, dass die leichte bis mittelgradige
Depression entgegen dem Gutachten nicht als eigenständiges Leiden gelten könne.
Aus den bisherigen Unterlagen habe sich ergeben, dass die somatoforme
Schmerzstörung seit Langem im Vordergrund stehe, auch im aktuellen Gutachten
beschreibe die Beschwerdeführerin vordergründig ihre Schmerzen und keine grossen
Einschränkungen in psychischer Hinsicht (IV-act. 194-2).
3.5 Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin stehen im aktuellen Gutachten
nicht die Schmerzen im Vordergrund. Gemäss der Beschwerdeführerin steht ihre
psychische Befindlichkeit im Vordergrund. Seit über 10 Jahren leide sie an Nervosität,
Depression und allgemeiner Missstimmung (IV-act. 164-10).
3.6 Aus medizinischer Sicht ergeben sich aus den Akten keine Aspekte, die gegen
das Vorliegen einer eigenständigen psychischen Störung sprechen. Die Gutachter
haben dies auch explizit festgehalten. Zudem erachtet auch der RAD das Gutachten für
vollumfänglich beweiskräftig. Es berücksichtige unter anderem die
versicherungsmedizinischen Regularien und die geltende Rechtsprechung (IV-act.
169-2). Das psychiatrische Gutachten basiert denn auch auf umfassenden
Untersuchungen und erging in Kenntnis der vollständigen Aktenlage und in
Berücksichtigung des gesamten Leidensbildes. Die Schlussfolgerungen des Experten
sind schlüssig und nachvollziehbar begründet. Aus dem Gutachten geht eindeutig
hervor, dass die Beschwerdeführerin allein aufgrund der psychischen Störung als nur
teilweise arbeitsfähig eingeschätzt wurde. Die anhaltende somatoforme
Schmerzstörung wurde lediglich als Nebendiagnose aufgeführt. Auch unter
Berücksichtigung der neuen Rechtsprechung gemäss Urteil des Bundesgerichts vom
3. Juni 2015 (9C_492/2014, BGE 141 V 281 ff.) ergeben sich keine Gesichtspunkte, die
Zweifel an der gutachterlichen Einschätzung aufkommen lassen.
3.7 Zusammenfassend ist auf das MEDAS-Gutachten vom 15. März 2012 abzustellen,
wonach sowohl in der angestammten als auch in einer adaptierten Tätigkeit von einer
Arbeitsunfähigkeit von höchstens 40-50% auszugehen sei. Rechtsprechungsgemäss
ist folglich auf den Mittelwert und somit auf eine Arbeitsunfähigkeit von 45%
abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2009, 9C_193/2009, E.
1.3.1 mit Hinweisen).
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4.
4.1 Bezüglich des Invalideneinkommens bringt die Beschwerdeführerin vor, dass sie
aus einfachsten Verhältnissen aus C._ stamme und dort nur 2 Jahre in die Schule
gegangen sei. Obwohl sie seit dem Jahr 198_ in der Schweiz wohne, habe für die
Begutachtung eine Dolmetscherin beigezogen werden müssen. Aus dem Erwerbsleben
sei sie seit sehr langer Zeit ausgeschieden. Zudem sei sie im Jahr 2013 5_ Jahre alt
geworden. Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände sei festzustellen, dass die
Beschwerdeführerin überhaupt kein Einkommen erzielen könne (act. G 1, S. 7 f.).
4.2 Aufgrund der Adaptationskriterien stehen der Beschwerdeführerin noch leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten ohne die Notwendigkeit des Hebens schwerer Gegenstände
(bis 10 kg möglich) und ohne dauernde Zwangshaltungen und ohne körperlich
belastende Tätigkeiten wie kniende oder hockende Arbeiten offen. Zudem sind aus
psychiatrischer Sicht einfache und angelernte Tätigkeiten möglich, soweit diese keine
speziell erhöhten Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz, die
emotionale Belastbarkeit, die Konzentrationsfähigkeit oder die sozialen Kompetenzen
stellen. Mit diesen Einschränkungen stehen der Beschwerdeführerin im Bereich der
Hilfsarbeiten noch genügend Tätigkeiten offen. Die geringe Schulbildung und die
geltend gemachten sprachlichen Probleme stehen der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit nicht entgegen. Schliesslich war es der Versicherten in der
Vergangenheit ebenfalls möglich, unter diesen Voraussetzungen mehreren
Arbeitstätigkeiten nachzugehen. Zudem stellen Hilfsarbeiten generell geringe
Anforderungen an die sprachliche Kommunikation und auch eine entsprechende
Schulbildung wird nicht vorausgesetzt. Im Zeitpunkt des Gutachtens vom 15. März
2012 (zum massgebenden Zeitpunkt vgl. BGE 138 V 457) war die Beschwerdeführerin
5_-jährig. Damit hatte sie noch eine verbleibende Aktivitätsdauer von rund _ Jahren.
Trotz des bereits fortgeschrittenen Alters ist die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
gegeben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juli 2010, 9C_427/2010, E. 2.4 f.).
5.
5.1 Im Rahmen des Einkommensvergleichs hat die Beschwerdegegnerin das
Invalideneinkommen gleich hoch wie das Valideneinkommen bestimmt (IV-act. 194-4).
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Das ist nicht zu beanstanden. Somit kann vorliegend ein Prozentvergleich
vorgenommen werden. Zu klären ist noch die Frage, ob und in welchem Ausmass ein
Tabellenlohnabzug vorzunehmen ist.
5.1.1 Nach der Rechtsprechung hängen die Fragen, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen des konkreten Einzelfalls ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter
und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu
schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25% festzusetzen ist. Eine
schematische Vornahme des Tabellenlohnabzugs ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b
und 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
5.1.2 Die leidensbedingten Einschränkungen sind wohl in die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des MEDAS-Gutachtens eingeflossen, so wurde auch die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Näherin in einer Schirmfabrik als offenbar leichte
körperliche Arbeit, die im Sitzen ausgeführt worden sei, umschrieben. Hierbei wurde
eine Einschränkung aus orthopädisch-somatischer Sicht von 30% berücksichtigt (vgl.
IV-act. 164-26), womit diese geringer ausfällt als die Arbeitsunfähigkeit insgesamt.
Somit ist bezüglich der leidensbedingten Einschränkungen kein Tabellenlohnabzug
gerechtfertigt.
5.1.3 Wie bereits vorgängig dargelegt (vgl. E. 4.2) wird bei Hilfsarbeiten keine
Ausbildung vorausgesetzt und die sprachlichen Anforderungen sind gering, weshalb
die lediglich zweijährige Schulbildung und die mangelnden Sprachkenntnisse auch
keinen Tabellenlohnabzug rechtfertigen.
5.1.4 Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 27. Mai 2013 verblieb der
195_ geborenen Beschwerdeführerin eine Aktivitätsdauer von ca. _ Jahren. Das
fortgeschrittene Alter dürfte sich in der Regel lohmindernd auswirken, weshalb unter
dem Aspekt des Alters ein Abzugsgrund erblickt werden könnte (vgl. BGE 126 V 75,
Urteile des Bundesgerichts vom 29. November 2012, 9C_655/2012, E. 3, und vom 24.
Juli 2013, 9C_334/2013, E. 3 mit Hinweis auf die Literatur). Vorliegend ist jedoch zu
berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin ihre letzte Arbeitsstelle im Jahr 1996 aus
wirtschaftlichen Gründen verloren hat (vgl. IV-act. 20). Bereits im MEDAS-Gutachten
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vom 27. September 2004 wurde der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von 50%
in der angestammten und in einer adaptierten Tätigkeit attestiert (vgl. IV-act. 113-8 f.).
Dieses Gutachten wurde im Urteil des Bundesgerichts vom 2. April 2007 (I 551/06)
bestätigt (vgl. IV-act. 133). Die Beschwerdeführerin fühlte sich jedoch nicht arbeitsfähig
(vgl. IV-act. 113-4). Auch im MEDAS-Gutachten vom 15. März 2012 gab die
Beschwerdeführerin an, dass sie seit 10 Jahren an einer Depression und Nervosität
leide, eine berufliche Tätigkeit sehe sie als ausgeschlossen an (IV-act. 164-10 f.). Da die
Beschwerdeführerin somit seit 2004 – trotz Vorliegen einer 50%igen Arbeitsfähigkeit –
offensichtlich keine Anstrengungen unternommen hat wieder ins Berufsleben
einzusteigen, ist der Aspekt des Alters zu relativieren.
5.1.5 Insgesamt erscheint ein Tabellenlohnabzug von maximal 5% als
angemessen.
5.2 Unter Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs von 5% resultiert in
Anwendung eines Prozentvergleichs bei einer Arbeitsfähigkeit von 55% ein
Invaliditätsgrad von gerundet 48% (100% - [55% x 0.95]).
6.
Die IV-Anmeldung der Beschwerdeführerin erfolgte im Mai 2011; lediglich das Formular
wurde (erst) am 24. August 2011 ausgefüllt (vgl. IV-act. 144, 146). Der Rentenanspruch
entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des
Leistungsanspruchs (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) und somit frühestens ab 1. November
2011. Gemäss MEDAS-Gutachten ist seit dem Referenzzeitpunkt September 2004 von
einer unveränderten Arbeitsunfähigkeit von 50%, allenfalls seit spätestens 2008 von
einer leicht verbesserten Arbeitsunfähigkeit von höchstens 40-50% auszugehen (IV-
act. 164-26). Damit war die Beschwerdeführerin im Jahr vor Dezember 2011
durchgehend über 40% arbeitsunfähig, womit die einjährige Wartezeit gemäss Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG erfüllt ist. Somit hat die Beschwerdeführerin ab 1. November 2011
Anspruch auf eine Viertelsrente.
7.
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7.1 Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Verfügung
vom 27. Mai 2013 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1.
November 2011 eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
(vgl. betreffend Überklagung Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 19. Dezember 2011, IV 2009/459, E. 5.2 f.). Der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
7.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer als angemessen.