Decision ID: c45f0c1e-2c22-4861-bacf-3600e5000099
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war seit 1. Juli 1995 als Plattenleger bei B._ angestellt und dadurch bei
der Suva obligatorisch unfallversichert, als er am 1. Juni 2001 einen Zeckenstich erlitt
(Suva-act. 1). Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, diagnostizierte
eine frische Borrelioseerkrankung im Generalisierungsstadium (Schreiben vom 1.
Oktober 2001; Suva-act. 4). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte
die gesetzlichen Versicherungsleistungen. Nachdem Dr. C._ die Behandlung mit
Schreiben vom 28. November 2001 als abgeschlossen erklärt hatte (Suva-act. 7),
meldete der Versicherte am 25. März 2002 einen Rückfall (Suva-act. 11). Im Bericht
vom 24. Juni 2002 stellte Dr. med. D._, Facharzt für Neurologie, St. Gallen, die
Diagnose einer Neuroborreliose (Suva-act. 18). Dr. med. E._, Facharzt für
Rheumatologie FMH, diagnostizierte eine wahrscheinliche Post-Lyme-Erkrankung mit
Fibromyalgiesyndrom sowie Status nach vierwöchiger Rocephin-Therapie wegen einer
Neuroborreliose im Sommer 2002 (Suva-act. 68). Vom 18. Februar bis 11. März 2003
war der Versicherte in der Klinik F._ hospitalisiert. Im Austrittsbericht wurde eine
Neuroborreliose und eine chronische, diffus wechselnde Schmerzsymptomatik
diagnostiziert (Suva-act. 83). Dr. med. G._, Facharzt für Innere Medizin FMH, führte
im Bericht vom 12. November 2003 aus, es bestehe anamnestisch ein Status nach
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Lyme-Borreliose. Auf Grund der aktuellen Resultate könne keine Erregeraktivität mehr
festgestellt werden (Suva-act. 93). Im polydisziplinären Gutachten der MEDAS der
Universitätskliniken Basel vom 21. September 2004 wurde der Verdacht auf ein Post-
Lyme-Disease-Syndrom und ein chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom unklarer
Ätiologie geäussert (Suva-act. 126). In einer weiteren Stellungnahme vom 26.
September 2005 hielt der rheumatologische Gutachter der MEDAS der
Universitätskliniken Basel fest, die Diagnose eines Post-Lyme-Disease-Syndroms, das
ähnlich wie das Fibromyalgiesyndrom umstritten sei, werde annähernd synonym mit
letzterer Entität verwendet und sei vergleichbar schlecht definiert. Wie vom
Infektiologen aufgeführt seien derartige Spätmanifestationen einer behandelten
Borreliose ohne entsprechende Serologie selten, sodass derzeit nicht von einer aktiven
Borreliose als entschädigungspflichtiger Ursache der Beschwerden ausgegangen
werden könne. Für das schlecht definierte generalisierte Beschwerdebild wolle er nach
nochmaliger Durchsicht der Literatur und der vorliegenden Akten seine Beurteilung
einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit revidieren in dem Sinne, dass ihm ein
Zusammenhang vor dem Hintergrund seiner persönlichen Erfahrung zumindest möglich
bis wahrscheinlich erscheine (Suva-act. 165). In einer weiteren Stellungnahme vom 7.
Oktober 2005 führte der fallführende Gutachter aus, er würde seine Einschätzung, dass
die bestehenden Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
borreliosebedingt seien, in dem Sinne revidieren, dass hier nur ein möglicher, nicht
aber ein wahrscheinlicher Kausalzusammenhang mit der Borreliose bestehe (Suva-act.
166).
A.b Mit Verfügung vom 20. März 2006 lehnte die Suva das Erbringen von
Versicherungsleistungen für die ca. im März 2002 (Rückfall) aufgetretene
Gesundheitsschädigung ab (Suva-act. 173). Die dagegen erhobene Einsprache vom
19. April 2006 bzw. 31. Mai 2006 (Suva-act. 176 und 181) wurde mit
Einspracheentscheid vom 30. März 2007 abgewiesen (Suva-act. 185). Die dagegen
erhobene Beschwerde vom 10. Mai 2007 wurde vom Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 27. Februar 2008 gutgeheissen. Die Suva wurde
verpflichtet, dem Versicherten bis am 21. September 2004 weiterhin die gesetzlichen
Versicherungsleistungen auszurichten. Zur Kausalitätsprüfung ab dem 21. September

2004 wurde die Sache im Sinne der Erwägungen und zur allfälligen Neuverfügung über
die Leistungseinstellung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Die Frage, ob das
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Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung zwischen Beschwerden und Zeckenstich mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden könne, sei umstritten. Im
vorliegenden Fall sei durch die Suva noch kein rechtsgenüglicher Fallabschluss
vorgenommen und die Kausalität nur unter der Annahme eines Rückfalls und nicht
eines Grundfalls geprüft worden. Dies werde die Suva vorerst im Verwaltungsverfahren
nachzuholen und sich dafür zur Leistungseinstellung nochmals zu äussern haben (UV
2007/64; Suva-act. 196).
A.c Am 30. Mai 2008 führte Dr. G._ beim Versicherten eine Nachkontrolle durch und
diagnostizierte im Bericht vom 9. März 2009 ein Post-Lyme-Syndrom bei Status nach
Neuroborreliose mit fibromyalgieformen Beschwerden, Residuen der ZNS-Beteiligung
Konzentrations-/Gedächtnisstörungen/Erschöpfbarkeit/etc. und Allgemeinsymptomen
(Suva -act. 236).
A.d Ein von der Suva in Auftrag gegebenes Gutachten vom 8. März 2010 der
Universitätsklinik für Infektiologie des Inselspitals Bern ergab ein chronisches
Schmerzsyndrom und anamnestisch einen Status nach Borrelieninfektion. Ob 2001
eine Borreliose vorgelegen habe, könne retrospektiv nicht mit genügender Sicherheit
beurteilt werden. Die klinischen Symptome seien unspezifisch gewesen und die
Liquorbefunde hätten keine klaren Hinweise für eine Neuroborreliose ergeben.
Prinzipiell könnten fibromyalgie-ähnliche Beschwerden im Rahmen eines Post-Lyme-
Syndroms auftreten, allerdings seien die vorliegenden Symptome unspezifisch und
auch mit einer nicht-infektiösen Ätiologie vereinbar. Zusammenfassend müsse die
Frage, ob mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein kausaler Zusammenhang mehr
zu einem früheren oder aktuellen Zeckenstich bestehe, verneint werden. Dieser
Zusammenhang sei möglich, aber es sei in dieser Situation unmöglich, eine kausale
Beziehung zwischen Zeckenstich und klinischem Bild zu beweisen (Suva-act. 258).
A.e In der von der Suva eingeholten neurologischen Beurteilung vom 4. Oktober 2011
hielt Dr. med. H._, Facharzt für Neurologie FMH, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, Versicherungsmedizin Suva, fest, die Frage, ob der Versicherte im
Jahr 2001 die klinischen Symptome einer Borrelioseerkrankung, welche eine durch
Zecken übertragene bakterielle Infektionskrankheit darstelle, ausserhalb des
Nervensystems (sog. „Lyme-disease“) gezeigt habe, könne im Rahmen einer
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neurologischen Beurteilung nicht beantwortet werden. Unter Berücksichtigung der
Laborbefunde könne mit Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass der
Versicherte in den Jahren 2001 und 2002 oder davor Kontakt mit dem Erreger Borrelia
burgdorferi gehabt habe. Aus rein neurologischer Sicht beurteilt, sei keine ausgeprägte
oder schwere Erkrankung an einer Borreliose anzunehmen, unter anderem da der
Versicherte oral frühzeitig mit einem gut gegen die Borrelien-Erreger wirksamen
Antibiotikum behandelt worden sei und da in den dokumentierten körperlichen
Untersuchungsbefunden der Jahre 2001 und 2002 keine erheblichen objektivierbaren
pathologischen Befunde dokumentiert worden seien. Aus neurologischer Sicht könne
die Frage, ob beim Versicherten das Krankheitsbild einer Neuroborreliose vorgelegen
habe, unter Berücksichtigung der gesamten vorliegenden Dokumente mit hinreichender
Sicherheit verneint werden (Suva-act. 277).
A.f Die Suva liess am 6. November 2012 eine psychiatrische Beurteilung durch Dr.
med. I._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Leiterin
Versicherungspsychiatrischer Dienst der Suva, vornehmen, welche eine organisch-
psychische Störung aufgrund einer Neuroborreliose klar verneinte, da schon die
Neuroborreliose selbst allenfalls möglich, aber nicht wahrscheinlich sei. Die Variante
einer in teilkausalem natürlichem Zusammenhang mit der Borrelieninfektion stehenden
psychischen Störung könne allein aufgrund der Aktendokumentation nicht beantwortet
werden (Suva-act. 293).
A.g Mit Schreiben vom 17. Juni 2013 stellte die Suva den Gutachtern des Inselspitals
Bern mehrere Zusatzfragen (Suva-act. 300). Mit Schreiben vom 1. November 2013
führten diese aus, dass die Beurteilung vom 8. März 2010 zu Missverständnissen
geführt habe. Die Beschwerden des Versicherten seien nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit Folge des Zeckenstichs. Das „Post-Lyme-Syndrom“ sei ein
ungenügend definiertes Krankheitsbild, welches in vielen Fällen nicht mit Sicherheit
ausgeschlossen werden könne. Dies bedeute aber nicht, dass die Diagnose mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit vorliege. Alternative Ätiologien als Ursache der
Beschwerden seien aus klinischen und epidemiologischen Gründen wahrscheinlicher.
Zusammenfassend seien die Beschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
Folgen des Zeckenstiches (Suva-act. 303).
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A.h Mit Verfügung vom 17. Juni 2014 hielt die Suva fest, dass aufgrund der
durchgeführten medizinischen Abklärungen und der Beurteilung der Unterlagen die
Beschwerden des Versicherten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Folge des
Zeckenstichs vom 1. Juni 2001 seien. Es würden weder Folgen eines Unfalles noch
eine unfallähnliche Körperschädigung vorliegen. Der Fall müsse betreffend Unfallfolgen
abgeschlossen und die Versicherungsleistungen per 21. September 2004 wegen eines
fehlenden überwiegend wahrscheinlichen Kausalzusammenhangs der psychischen
Beschwerden zum Zeckenstich eingestellt werden. Die Suva könne für die weitere
ärztliche Behandlung nicht mehr aufkommen (Suva-act. 311).
B.
B.a Mit Schreiben vom 23. Juli 2014 erhob die Avanex Versicherungen AG als
Krankenversicherer des Versicherten Einsprache gegen die Verfügung vom 17. Juni
2014 (Suva-act. 316). In der Begründung vom 15. September 2014 machte sie unter
anderem Zweifel am Gutachten des Inselspitals Bern geltend (Suva-act. 324).
B.b Mit Schreiben vom 12. August 2014 erhob auch der Versicherte Einsprache gegen
die Verfügung vom 17. Juni 2014. Die beiden Berichte des Inselspitals Bern würden die
Anforderungen an die Minimalbedingungen eines medizinischen Gutachtens nicht
erfüllen. Es könne nicht auf diese Beurteilungen abgestellt werden. Der Versicherte
legte der Einsprache einen Bericht von Dr. G._ vom 23. Juni 2014 (Suva-act. 321)
und von Dr. E._ vom 14. Mai 2014 (Suva-act. 329) bei.
B.c Mit Einspracheentscheid vom 22. Mai 2015 wies die Suva die Einsprachen ab und
entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Entgegen der
Auffassung des Versicherten und dessen Krankenversicherers bestehe kein Anlass,
von der Beurteilung des Inselspitals Bern abzuweichen. Vorliegend sei ein leichter
Unfall gegeben, weshalb ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen diesem und
allfälligen psychischen Störungen des Versicherten verneint werden müsse. Die
Versicherungsleistungen seien zu Recht per 21. September 2004 eingestellt worden
(Suva-act. 330).
C.
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C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegend zu beurteilende
Beschwerde vom 25. Juni 2015. Der Beschwerdeführer beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolge die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 22. Mai 2015.
Stattdessen sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm auch ab dem 21.
September 2004 die gesetzlichen Versicherungsleistungen auszurichten. Eventualiter
sei die Sache zur Ergänzung des medizinischen Sachverhalts an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Diese sei im Einspracheentscheid nicht „im Entferntesten“ auf die
vorgetragenen Einsprachegründe eingegangen. Damit liege eine eklatante Verletzung
des rechtlichen Gehörs vor. Das Gutachten des Inselspitals Bern sei derart formell und
materiell mangelhaft, dass es ohne jeden Beweiswert sei. Der Wegfall der Kausalität sei
durch das Gutachten des Inselspitals Bern nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erbracht worden (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 7. August 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung sei der Status
quo ante aus rein organischer Sicht mit Sicherheit erreicht gewesen. Auch im organisch
nicht objektivierbaren Bereich habe im Zeitpunkt der Leistungseinstellung mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit keine borreliosebedingte Gesundheitsschädigung
mehr vorgelegen. Selbst wenn man die Beschwerden als natürlich unfallkausal
betrachten würde, sei die Leistungseinstellung als rechtmässig zu qualifizieren. Die
organisch nicht objektivierbaren Gesundheitsprobleme würden einer separaten
Adäquanzprüfung nach Psycho-Praxis unterliegen. Beim Zeckenstich handle es sich
klarerweise um einen leichten Unfall, womit die Leistungsvoraussetzung der adäquaten
Unfallkausalität in Bezug auf die organisch nicht objektivierbaren Beschwerden klar zu
verneinen sei (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 26. Oktober 2015 hält der Beschwerdeführer an seiner Beschwerde
fest. Weiter führt er aus, dass die Beschwerdegegnerin, wenn sie eine durchgemachte
Neuroborreliose bestreite, sich in Widerspruch zu früheren Feststellungen des
Versicherungsgerichts setze (act. G 9).
C.d Mit Duplik vom 20. November 2015 hält die Beschwerdegegnerin unverändert am
Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (act. G 11).
Erwägungen
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1.
1.1 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf Versicherungsleistungen gegenüber der Beschwerdegegnerin
aus der obligatorischen Unfallversicherung für die Folgen des Zeckenstichs vom 1. Juni
2001 ab dem 21. September 2004.
1.2 Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über
die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss den
Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben,
und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher die bis 31. Dezember 2016 gültigen
Bestimmungen Anwendung.
1.3 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten
gewährt. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt zunächst voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht. Ursache im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht
zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Die Leistungspflicht des
Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und
dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V
181 E. 3.1 f.).
1.4 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
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Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
2.
2.1 Im Entscheid vom 27. Februar 2008 führte das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen aus, dass formell kein Fallabschluss vorgenommen worden sei und dieser
auch materiell zu früh erfolgt wäre. Es sei von einem fortdauernden Grundfall und nicht
von einem Rückfall auszugehen. Dies habe zur Folge, dass die Leistungspflicht des
Unfallversicherers erst entfalle, wenn das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sei. Da es sich um eine anspruchsaufhebende
Tatfrage handle, liege die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein
leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben sei – nicht bei der
versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer. Aufgrund der medizinischen
Akten sei rechtsgenüglich erstellt, dass bis zum Vorliegen des MEDAS-Gutachtens
vom 21. September 2004 die fortbestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf andere Ursachen als den Zeckenstich
zurückgeführt werden könnten. Nachdem die Beschwerdegegnerin bis zumindest am
21. September 2004 einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den geklagten
Beschwerden und dem Zeckenstich nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu
verneinen vermöge, habe sie bis zu diesem Zeitpunkt die gesetzlichen
Versicherungsleistungen zu erbringen. Ob die revidierte Beurteilung der MEDAS-
Gutachter das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung beweise, sei umstritten, könne
jedoch offengelassen werden, da kein rechtsgenüglicher Fallabschluss vorliege und die
Kausalität unter der Annahme eines Rückfalls und nicht unter der Annahme eines
Grundfalls geprüft worden sei. Bezüglich der Kausalitätsprüfung ab dem 21.
September 2004 werde die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen, um über eine
allfällige Leistungseinstellung neu zu verfügen (UV 2007/64, E. 4 f.; Suva-act. 196, S. 8
ff.).
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2.2 Vorliegend geht es mithin um die Frage, ob und gegebenenfalls wann die Taggeld-
und Heilbehandlungsleistungen eingestellt werden durften. Die entscheidende Frage ist
hierbei, ob über den 21. September 2004 hinaus und gegebenenfalls bis wann natürlich
kausale Folgen des Zeckenstiches vom 1. Juni 2001 bestehen. Der sogenannte
„Fallabschluss“, der zu erfolgen hat, wenn keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes mehr erreicht werden kann, ist vorliegend nicht relevant, denn
es geht nicht darum, eine Rentenprüfung vorzunehmen, was gegebenenfalls einen
Wegfall der Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen zur Folge hätte (vgl. dazu Art. 19
UVG). Die Einstellung dieser Leistungen muss mit dem Dahinfallen der Kausalität
begründet werden können. Diese Prüfung ist unabhängig von der Möglichkeit der
Besserung des Gesundheitszustandes jederzeit möglich. Mit der dem hier
angefochtenen Einspracheentscheid vom 22. Mai 2015 zugrunde liegenden Verfügung
vom 17. Juni 2015 hat die Beschwerdegegnerin den Zeitpunkt des Dahinfallens der
Unfallkausalität nach Durchführung weiterer Abklärungen auf den 21. September 2004
festgelegt.
3.
3.1 Bei der Lyme-Borreliose handelt es sich um eine Infektionskrankheit mit
komplexem Krankheitsbild, das aus unspezifischen Allgemein- und spezifischen
Symptomen besteht, die aus dem Befall einzelner Organe resultieren. Zu den
wichtigsten Symptomen gehören Müdigkeit, Unbehagen, Kopfschmerzen,
Schlafstörungen, Fieber, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Heiserkeit, Übelkeit,
Erbrechen, Bindehautentzündung, Gewichtsverlauf und Durchfall. Bekannt sind auch
Beeinträchtigungen der Psyche wie insbesondere depressive Verstimmungen. Als
Folge kann ferner ein Chronic Fatigue Syndrom auftreten, wobei für dessen Diagnose
andere Krankheiten ausgeschlossen sein müssen (vgl. NORBERT SATZ, Klinik der
Lyme-Borreliose, 2. Aufl., Bern 2002, S. 95 ff. und 190 ff.; vgl. auch Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilung des Bundesgerichts] vom 14. März 2005 U 282/04, E. 2.2). Gemäss der
medizinischen Literatur gibt es sodann verschiedene Formen und Stadien der Lyme-
Borreliose (u.a. Neuroborreliose, Post-Lyme-Syndrom, Lyme-Arthritis; Stadium I: akute
lokale Reaktion nach Zeckenstich, Erythema migrans, serologische Untersuchung
i.d.R. nicht indiziert [frühes lokalisiertes Stadium; Tage bis Wochen]; Stadium II: aktiv
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bzw. florid; Durchführung einer Lyme-Serologie ist indiziert, rheumatologische
Beschwerden oder neurologische Manifestationen [frühes disseminiertes Stadium,
Wochen bis sechs Monate]; Stadium III: chronische Manifestationen, wie die
chronische Neuroborreliose und die chronisch-rezidivierende Lyme-Arthritis [spätes
oder chronisches Stadium, länger als ein halbes Jahr andauernd]; PSCHYREMBEL,
Klinisches Wörterbuch, 262. Aufl. Berlin 2010, S. 1227 f. und 1267, SCHWEIZERISCHE
ÄRZTEZEITUNG, 2005; 86: Nr. 43; https:// www.rheuma-online.de/krankheitsbilder/
borreliose/, Abfrage vom 11. Oktober 2017). Während der erfolgte Kontakt mit dem
Borreliose-Erreger mittels serologischen Untersuchungen belegt werden kann,
genügen diese für den Schluss auf eine daraus entstandene Lyme-Borreliose nicht. Die
Diagnose einer Lyme-Borreliose – gleich welchen Stadiums – setzt ein entsprechendes
klinisches Beschwerdebild und den Ausschluss von Differentialdiagnosen voraus,
wobei je nach Krankheitsstadium ein pathologischer laborchemischer Test die
Wahrscheinlichkeit der Diagnose erhöhen kann (NORBERT G.SATZ, a.a.O., S. 70; SVR
2008 UV Nr. 3, S. 12, E. 4.3).
3.2 Selbstredend sind mit der Verneinung einer Lyme-Borreliose auch die
verschiedenen Formen bzw. Stadien der Lyme-Borreliose auszuschliessen, d.h. wer
zum Beispiel keine Lyme-Borreliose durchmachte, kann auch kein Post-Lyme-Syndrom
haben.
3.3 Nachdem das Versicherungsgericht in seinem Urteil vom 27. Februar 2008 (E. 5.2)
zum Schluss gelangt ist, aufgrund der medizinischen Aktenlage sei bis zumindest am
21. September 2004 ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den geklagten
Beschwerden und dem Zeckenstich nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu
verneinen und die Beschwerdegegnerin habe mithin bis zu diesem Zeitpunkt die
gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen, kann mit Blick auf die Zeitrahmen
der in Erwägung 3.1 genannten Stadien und den konkreten Sachverhalt (Zeckenstich 1.
Juni 2001; Leistungspflicht streitig erst ab 21. September 2004) eine Leistungspflicht
der Beschwerdegegnerin nur dann noch in Frage kommen, wenn das Stadium III
eingetreten ist bzw. der Beschwerdeführer unter einem Post-Lyme-Syndrom leidet.
Kann das Vorliegen eines Post-Lyme-Syndroms bestätigt werden, dann ist auch die
natürliche Kausalität zwischen den geltend gemachten Beschwerden und dem
Zeckenstich zu bejahen.
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3.4 Die Prüfung des Vorliegens eines Post-Lyme-Syndroms orientiert sich an den
Kriterien gemäss schweizerischen Guidelines der Abklärung und Therapie der Lyme-
Borreliose (SAEZ 2005). Die Gutachter der Universitätsklinik des Inselspitals Bern
prüften im Gutachten vom 8. März 2010 das Vorliegen eines Post-Lyme-Syndroms
anhand dieser Kriterien. Sie bestätigten die klinisch dokumentierte Evidenz für eine
frühere Lyme-Borreliose, die adäquat therapiert worden sei. Die geforderte
labormässige Evidenz sei nur teilweise erfüllt bei negativem IgG; die Therapie des
vermuteten Erythema migrans könnte möglicherweise die fehlende IgG-Serokonversion
erklären. Es würde zudem keine Evidenz für eine aktive Infektion vorliegen. Weiter
bestätigten sie persistierende, den Beschwerdeführer in seinen täglichen Aktivitäten
beeinträchtigende Symptome während mehr als sechs Monaten nach Abschluss der
Antibiotikatherapie. Der Beginn der Beschwerden sei aufgrund des Verlaufs der Lyme-
Borreliose plausibel und es seien andere rheumatologische, neurologische oder
internistische Krankheiten ausgeschlossen worden. Nicht ausgeschlossen worden sei
eine psychiatrische Erkrankung. Zusammenfassend hielten sie fest, dass die Frage, ob
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein kausaler Zusammenhang mehr zu einem
früheren oder aktuellen Zeckenstich bestehe, verneint werden müsse. Dieser
Zusammenhang sei möglich – aber es sei in dieser Situation unmöglich, eine kausale
Beziehung zwischen Zeckenstich und klinischem Bild zu beweisen (Suva-act. 258).
3.5 Im Zusatzbericht vom 1. November 2013 bestätigten die Gutachter des Inselspitals
Bern, dass einige der Kriterien des Post-Lyme-Syndroms erfüllt seien. Nur teilweise
oder nicht erfüllt seien die labormässig dokumentierte Lyme-Borreliose (IgM Antikörper
positiv, IgG Antikörper in mehreren Bestimmungen negativ) und der Ausschluss einer
psychiatrischen Erkrankung. Die Gutachter hielten fest, dass die Beschwerden nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Folgen des Zeckenstiches seien (Suva-act. 303).
Bezüglich der Frage ob mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein kausaler
Zusammenhang mehr zu einem früheren oder aktuellen Zeckenstich bestehe, äussern
sich die Gutachter in diesem Zusatzbericht jedoch nicht, weshalb davon ausgegangen
werden kann, dass sie an ihrer ursprünglichen Beurteilung im Gutachten vom 8. März
2010 festhalten.
3.6 Bezüglich der negativen IgG Antikörper-Bestimmungen kamen die MEDAS-
Gutachter in ihrem Gutachten vom 21. September 2004 zum Schluss, die Diagnose
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einer Lyme Borreliose sei mittels Nachweis von IgM Antikörper gegen Borrelien (inkl.
positivem Western Blot) bestätigt. Der fehlende Nachweis von IgG Antikörpern spreche
nicht gegen das Vorliegen einer Lyme Borreliose, weil bekannt sei, dass nach einer
antibiotischen Behandlung die IgG Produktion reduziert werde oder sogar ausbleiben
könne (Suva-act. 126, S. 17). Diesbezüglich führte auch Dr. G._ im Bericht vom 23.
Juni 2014 aus, der Beschwerdeführer habe 2001 eine Erythema migrans
durchgemacht. Dieses Beschwerdebild, nach dem auch ein Post-Lyme-Syndrom
entstehen könne, habe mehrheitlich nur einen erhöhten IgM Antikörpertiter zur Folge,
und mehrheitlich keinen IgG Titeranstieg. Ein erhöhter IgM Antikörpertiter habe
nachgewiesen werden können und sei durch den Western Blot bestätigt worden. Auch
sei zu erwähnen, dass 2002 am Kantonsspital St. Gallen bei erhöhtem IgG Titer im
Liquor eine Neuroborreliose nachgewiesen und diagnostiziert worden sei, die zur
vierwöchigen antibiotischen Therapie geführt habe. Dass bei den späteren
Untersuchungen der IgG Antikörpertiter im Serum immer negativ ausgefallen sei, sei
aus dem zeitlichen Verlauf mit Titerrückgang einer erfolgreich behandelten
Neuroborreliose erklärbar. Ein Status nach Erythema migrans und eine erfolgreich
behandelte Neuroborreliose würden aber die Entstehung eines Post-Lyme-Syndroms
nicht ausschliessen. Dieser Punkt sei klinisch und laborchemisch genügend
dokumentiert (Suva-act. 321). Insgesamt kann somit einzig aufgrund der negativen IgG
Antikörpertitermessungen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das Vorliegen
eines Post-Lyme-Syndroms ausgeschlossen werden.
3.7 Dr. H._ kam in der neurologischen Beurteilung vom 4. Oktober 2011 zum
Schluss, dass von neurologischer Seite die Frage, ob beim Versicherten das
Krankheitsbild einer Neuroborreliose (Beteiligung des Nervensystems im Rahmen einer
Borrelien-Infektion) vorgelegen habe, unter Berücksichtigung der gesamten Dokumente
mit hinreichender Sicherheit verneint werden könne. Zudem hielt er fest, dass die Frage
über das Vorliegen einer Erkrankung an einer Borreliose ausserhalb des
Nervensystems im Rahmen der neurologischen Beurteilung nicht beantwortet werden
könne (Suva-act. 277, S. 7). Vor diesem Hintergrund kann den Ausführungen von Dr.
H._, die sich nicht nur auf die Neuroborreliose sondern auch auf ein Post-Lyme-
Syndrom beziehen, kein Beweiswert zugemessen werden. Zumindest kann daraus
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein Wegfall jeder kausalen Bedeutung
zwischen den Beschwerden und dem Zeckenstich hergeleitet werden.
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3.8 In der psychiatrischen Beurteilung vom 6. November 2012 stellt Dr. I._ keine
Diagnose und sie äussert sich auch nicht zur Frage, ob und falls ja welche
psychiatrische Erkrankung beim Beschwerdeführer vorliegt. Das Vorliegen einer
psychischen Erkrankung wird lediglich vor dem Hintergrund diskutiert, ob allenfalls eine
psychische Symptomatik in Form einer psychischen Reaktion auf die Infektion und die
vorübergehend bestehende Symptomatik vor allem von Schmerzen entstanden sei. Die
Frage zur natürlichen Teilkausalität einer allfälligen psychischen Störung zur
Borrelieninfektion könne mangels psychiatrischer Untersuchung (Weigerung des
Beschwerdeführers) nicht geklärt werden (Suva-act. 293).
3.9 Mit Schreiben vom 25. Juni 2012 wurde der Beschwerdeführer von der
Beschwerdegegnerin zu einer psychiatrischen Untersuchung aufgeboten (Suva-act.
285). Mit Schreiben vom 29. Juni 2012 entgegnete der Beschwerdeführer, dass er sich
keiner weiteren Untersuchung unterziehen werde, bis der schriftliche Bericht des
Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vorliege. Zudem könne der Termin
aufgrund des kurzfristigen Aufgebots ohnehin nicht eingehalten werden (Suva-act.
286). Der Beschwerdeführer war im Anschluss an die neurologische Beurteilung durch
Dr. H._ zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit ans Institut für Rechtsmedizin,
Abteilung Verkehrsmedizin und klinische Forensik, der Universität Zürich überwiesen
worden (vgl. Suva-act. 279 und 283). Mit Schreiben vom 3. Juli 2012 orientierte die
Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer, dass eine psychiatrische Untersuchung
unabhängig der bisherigen Abklärungen notwendig sei. Zudem stellte sie ihm den
Bericht des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 14. Juni 2012 zu
(Suva-act. 287 f.). Mit Schreiben vom 16. August 2012 hielt der Beschwerdeführer fest,
dass er für weitere medizinische Untersuchungen zur Verfügung stehe, eine
Untersuchung auf der Agentur der Beschwerdegegnerin jedoch nicht für richtig halte,
sondern eine gutachterliche Untersuchung bevorzuge (Suva-act. 290). Dass mangels
entsprechender Untersuchung kein Ausschluss einer psychiatrischen Erkrankung
erfolgte und somit ein Kriterium für das Vorliegen eines Post-Lyme-Syndroms nicht
gegeben ist, kann nicht zum Nachteil des Beschwerdeführers ausgelegt werden.
Immerhin ergeben sich aus der psychiatrischen Beurteilung von Dr. I._ keine
konkreten Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Psychischen Erkrankung und auch im
früheren psychiatrischen Fachgutachten der MEDAS Basel vom 22. Juni 2004 hatten
die Gutachter festgehalten, dass sich im Wesentlichen ein unauffälliges psychisches
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Zustandsbild zeige (Suva-act. 126, Psychiatrisches Fachgutachten [Beilage 5], S. 5).
Somit gelingt es der Beschwerdegegnerin nicht, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachzuweisen, dass eine psychiatrische Erkrankung nicht ausgeschlossen werden
könne.
3.10 Zusammenfassend kann aufgrund sämtlicher Unterlagen nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass kein Post-Lyme-Syndrom
vorliege, womit ein Dahinfallen der Kausalität nicht nachgewiesen ist.
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin bringt weiter vor, dass vorliegend die adäquate
Kausalität anhand der „Psycho-Praxis“ zu prüfen sei, da es sich um organisch nicht
objektivierbare Gesundheitsprobleme handle. Da es sich bei einem Zeckenstich
klarerweise um einen leichten Unfall handle, müssten die Leistungsvoraussetzung der
adäquaten Unfallkausalität in Bezug auf die organisch nicht objektivierbaren
Beschwerden klar verneint werden (act. G 3, S. 5 f.).
4.2 Psychische Beeinträchtigungen können eine direkte Folge der durch einen
Zeckenstich übertragenen Infektionskrankheit sein. Die Adäquanz des
Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und dem Gesundheitsschaden
kann diesfalls ohne weiteres bejaht werden, weil die Infizierung mit dem Borreliose-
Erreger nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung,
wozu in erster Linie die wissenschaftlichen Erkenntnisse gehören, einen Erfolg von der
Art des eingetretenen zu bewirken vermag. Handelt es sich dagegen um sekundäre
Folgen in dem Sinne, dass die betroffene Person mit der Krankheit insgesamt oder mit
Folgen davon psychisch nicht fertig wird und deshalb erkrankt, hat die
Adäquanzprüfung nach den für psychische Fehlentwicklungen nach Unfällen
massgebenden Kriterien zu geschehen. Die Qualifikation der psychischen
Beschwerden als direkte Auswirkung der Erkrankung oder aber als sekundäre Folge
davon bzw. als rein psychische Erkrankung hat aufgrund der ärztlichen Berichte zu
erfolgen (Urteil des EVG vom 14. März 2005, U 282/04, E. 2.2 f. mit Hinweisen).
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4.3 Vorliegend sind jedoch keine (insbesondere auch keine sekundären) Folgen einer
psychischen Beeinträchtigung ausgewiesen (vgl. E. 3.8 f.), weshalb sich eine
Adäquanzprüfung von vorneherein erübrigt.
5.
5.1 Zusammenfassend konnte die Beschwerdegegnerin das Dahinfallen der Kausalität
zwischen dem Zeckenstich und den Beschwerden des Beschwerdeführers nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen. Somit sind die Voraussetzungen für
eine Einstellung der Versicherungsleistungen nicht erfüllt. Die Beschwerde ist unter
Aufhebung des Einspracheentscheids vom 22. Mai 2015 gutzuheissen und die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer auch über den 21.
September 2004 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.