Decision ID: 306126c0-eb05-5da8-a747-3687c61a5893
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 10.10.2012 Art. 15 Abs. 1 AVIG; Art. 14 Abs. 3 AVIV: Vermittlungsfähigkeit. Bereitschaft zur Annahme einer Dauerstelle aufgrund des Verhaltens und der Arbeitsbemühungen des Beschwerdeführers bejaht. Die Vermittlungsbereitschaft kann nicht schon deswegen verneint werden, weil das RAV verfügungsweise eine ununterbrochene Stellensuchpflicht bei einer temporären oder saisonalen Beschäftigung verlangt. Denn eine solche Anweisung ist unverhältnismässig und widerspricht der Praxis (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. Oktober 2012, AVI 2012/16).Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 8C_937/2012.Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterin Miriam Lendfers, a.o. Versicherungsrichter Christian Zingg; a.o. Gerichtsschreiberin Karin KastEntscheid vom 10. Oktober 2012in SachenA._,Beschwerdeführer,vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte, Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,gegenRAV B._,Beschwerdegegner,vertreten durch Amt für Wirtschaft und Arbeit, Rechtsdienst, Davidstrasse 35, 9001 St. Gallen,betreffendVermittlungsfähigkeit (Vermittlungsbereitschaft)Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich erstmals am 4. November 2009 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) B._ zum Bezug von Arbeitslosenleistungen ab 1.
Januar 2010 an (act. G 3.1/A13, A15). Der Arbeitgeberbescheinigung ist zu entnehmen,
dass der Versicherte vom 3. September 2007 bis 31. Dezember 2009 als Eisenleger-
Gruppenchef/Bauarbeiter B bei der C._ AG beschäftigt war und die Arbeitgeberin
das Arbeitsverhältnis wegen der unsicheren Auftragslage über den Winter 2009/2010
am 29. Oktober 2009 per 31. Dezember 2009 kündigte (act. G 3.1/A22). In der ihm vom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2011 eröffneten Leistungsrahmenfrist bezog der
Versicherte vom Januar 2010 bis April 2010 Arbeitslosenentschädigung (act. G 3.1/
B23, B27, B30, B37), unter Berücksichtigung von Zwischenverdiensten bei der C._
AG (act. G 3.1/B21, B29, B36). Am 30. April 2010 meldete sich der Versicherte von der
Arbeitsvermittlung ab, da er ab 3. Mai 2010 eine unbefristete Anstellung bei der C._
AG erhalten hatte (act. G 3.1/A30, A31).
A.b Am 25. Oktober 2010 meldete sich der Versicherte erneut beim RAV B._ zum
Bezug von Arbeitslosenleistungen ab 1. Dezember 2010 an (act. G 3.1/A41, B50).
Gemäss Arbeitgeberbescheinigung war der Versicherte vom 3. Mai bis 30. November
2010 wiederum für die C._ AG tätig. Diese kündigte das Arbeitsverhältnis am
28. Oktober 2010 per 30. November 2010 erneut aufgrund der unsicheren Auftragslage
über den Winter 2010/2011 (act. G 3.1/A50).
A.c Mit Verfügung vom 4. Januar 2011 bejahte das RAV B._ die
Vermittlungsfähigkeit des Versicherten ab 1. Dezember 2010. Es wies den Versicherten
daraufhin, dass die Arbeitslosenkasse grundsätzlich keine Arbeitslosenentschädigung
ausrichte, wenn der Arbeitgeber ihn jeweils nur zeitlich begrenzt einstelle und dieser
Arbeitsmodus in seinem Sinne sei. Gemäss geltender Rechtsprechung könne ein
Anspruch auf Entschädigung nur bejaht werden, wenn er sich nachweislich über das
ganze Jahr und nicht nur während der beschäftigungslosen Zeit ernsthaft um eine
Festanstellung bemühe. Sollte er keine Festanstellung finden und erneut bei der C._
AG eine Stelle auf unbestimmte Zeit oder eine andere Saisonstelle antreten, müsse er
ununterbrochen Arbeitsbemühungen für eine Festanstellung tätigen. Diese
Arbeitsbemühungen hätte er im Falle einer erneuten Arbeitslosigkeit nachzuweisen.
Sollte er im Falle einer Wiederanmeldung keine intensiven und überprüfbaren
Arbeitsbemühungen vorweisen können, sei davon auszugehen, dass es sich bei der
Saisontätigkeit um die von ihm gewünschte Lebensform handle. In diesem Fall hätte er
das Risiko der Arbeitslosigkeit selber zu tragen und wäre die Vermittlungsfähigkeit bei
einer erneuten Anmeldung zu verneinen (act. G 3.1/A55). Der Versicherte bezog vom
Dezember 2010 bis März 2011 Arbeitslosentaggelder (act. G 3.1/B61, B64, B67, B73),
unter Berücksichtigung der von Januar bis März 2011 erzielten Zwischenverdienste bei
der C._ AG (act. G 3.1/B63, B66, B71).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.d Per 1. April 2011 schloss der Versicherte wiederum einen unbefristeten
Arbeitsvertrag mit der C._ AG ab (act. G 3.1/A65), weshalb er sich per 1. April 2011
von der Arbeitsvermittlung abmeldete (act. G 3.1/A67). Am 7. November 2011 erfolgte
beim RAV B._ eine erneute Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung
ab 1. Dezember 2011 (act. G 3.1/A77, B78). Die Arbeitgeberin hatte das
Arbeitsverhältnis am 28. Oktober 2011 mit derselben Begründung (unsichere
Auftragslage über den Winter bzw. Anfang 2012) per 30. November 2011 aufgelöst
(act. G 31/A92). Im Januar und Februar 2012 war der Versicherte erneut im
Zwischenverdienst bei der C._ AG tätig (act. G 3.1/B101, B103).
A.e Das RAV B._ wurde mit der Prüfung der Vermittlungsfähigkeit des Versicherten
ab 1. Dezember 2011 beauftragt (act. G 3.1/A81, A82). Mit Schreiben vom 29.
November 2011 forderte dieses den Versicherten zur Stellungnahme betreffend
Vermittlungsfähigkeit auf (act. G 3.1/A83). Dieser Aufforderung kam der Versicherte mit
Schreiben vom 5. Dezember 2012 (richtig: 2011) nach. Darin macht er geltend, er und
seine Beraterin beim RAV B._ hätten keine freie Stelle für ihn gefunden. Deshalb
habe er bei seiner ehemaligen Arbeitgeberin nachgefragt, ob sie eine Stelle für ihn
habe. Er habe dann seiner Beraterin Bescheid gegeben, dass er wieder bei der C._
AG arbeiten könne. Er habe arbeiten und nicht mehr vom RAV B._ abhängig sein
wollen, denn er habe 2 Kinder zu ernähren. Seine Beraterin habe ihm dann gesagt,
lieber eine Arbeit als keine. Deshalb habe er sich bereits nach drei Monaten wieder
vom RAV abgemeldet, obwohl er 18 Monate dort hätte bleiben können. Er habe bei
Vertragsabschluss am 1. April 2011 (richtig: 4. März 2011) nicht gewusst, dass der
Vertrag nur für so eine kurze Zeit abgeschlossen werde. Er habe es ehrlich gemeint und
so schnell als möglich wieder arbeiten wollen. Es seien insgesamt 15 Mitarbeitende
entlassen worden; unter anderem aufgrund der Eurokrise. Er hoffe auf eine positive
Antwort (act. G 3.1/A86).
A.f Mit Verfügung vom 20. Dezember 2011 verneinte das RAV B._ die
Vermittlungsfähigkeit ab Antragstellung vom 1. Dezember 2011 und verneinte damit
einen Anspruch auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung. Mit Verfügung vom 4.
Januar 2011 sei der Versicherte darauf hingewiesen worden, dass sein Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung nur dann bejaht werden könne, wenn er das ganze Jahr
über Arbeitsbemühungen für eine Festanstellung tätige. Die C._ AG stelle den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Versicherten seit Jahren jeweils mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag an und kündige
diesen im Winter wieder. Dieses Vorgehen sei dem Versicherten mittlerweile bekannt,
und wenn er nicht versuche, etwas daran zu ändern, werde sich dies jedes Jahr
wiederholen. Trotz klarem Hinweis habe der Versicherte wiederum nichts geändert und
das Risiko der Arbeitslosigkeit in Kauf genommen (act. G 3.1/A87).
A.g Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 23. Dezember 2011 Einsprache.
Er habe, wie bereits gesagt, nicht gewusst, dass das Arbeitsverhältnis nur von so
kurzer Dauer sei. Hätte er es drei bis vier Monate vorher gewusst, hätte er
entsprechend Arbeitsbemühungen getätigt. Sollte er im kommenden Jahr wieder eine
Anstellung bei der C._ AG bekommen, werde er seine Arbeitsbemühungen dem RAV
B._ jeden Monat zukommen lassen. Er brauche dazu aber die Hilfe des RAV B._.
Er habe sich auch 2011 persönlich bei Firmen als Eisenleger und Betriebsmitarbeiter
beworben. Er habe seine Arbeitsbemühungen im letzten Jahr nicht zugeschickt, weil er
es falsch verstanden habe. Er sei auf ein regelmässiges Einkommen angewiesen, da er
eine Familie zu versorgen habe (act. G 3.1/A93). Diese Einsprache wies das RAV B._
mit Entscheid vom 23. Januar 2012 ab. Seit Jahren stelle die C._ AG den
Versicherten jeweils mit einem unbefristeten Vertrag an und kündige diesen im Winter
wieder. Es sei nicht Sache der Arbeitslosenversicherung, die Überwinterung der
Angestellten einer Firma zu übernehmen. Dieses Vorgehen der C._ AG sei dem
Versicherten mittlerweilen bekannt gewesen. Wenn er nicht selber versuche, etwas
daran zu ändern, werde sich dies jedes Jahr wiederholen. Dass der Versicherte die
klaren Bedingungen nicht richtig verstanden habe, könne leider nicht zu seinen
Gunsten berücksichtigt werden. Er habe nicht ununterbrochen Stellen gesucht, mit
dem Ziel, diesen Beschäftigungsmodus zu ändern (act. G 1.2).
B.
B.a Dagegen richtet sich die vorliegende von Fürsprecher Marco Büchel, LL.M, Uzwil,
für den Versicherten eingereichte Beschwerde vom 22. Februar 2012. Es wird
beantragt, der Einspracheentscheid vom 23. Januar 2012 sei aufzuheben, dem
Beschwerdeführer sei die Vermittlungsfähigkeit anzuerkennen und der
Beschwerdegegner sei zu verpflichten, die entsprechenden Leistungen auszurichten;
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Der Beschwerdeführer habe nicht damit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gerechnet, dass er erneut auf Ende Saison hin gekündigt werde. Er sei deshalb nicht
verpflichtet gewesen, während der Anstellung eine Dauerstelle zu suchen, habe er
doch diese bereits inne gehabt. Auch sei sein Wille, jede Festanstellung anzunehmen,
deutlich erkennbar. Es lasse sich den persönlichen Arbeitsbemühungen entnehmen,
dass sich der Beschwerdeführer stets auf eine Vollzeitstelle hin beworben habe. Eine
ihm angebotene Festanstellung habe er nie abgelehnt (act. G 1)
B.b Der Beschwerdegegner beantragt in der Beschwerdeantwort vom 23. April 2012
die Abweisung der Beschwerde. Die Begründung lautet im Wesentlichen gleich wie im
Einspracheentscheid (act. G 3).
B.c Der Beschwerdeführer verzichtet auf das Einreichen einer Replik (act. G 5).

Erwägungen:
1.
1.1 Eine der Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ist
die Vermittlungsfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 lit. f des Bundesgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR
837.0]). Die arbeitslose Person ist vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und
berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen
teilzunehmen (Art. 15 Abs. 1 AVIG). Zur Vermittlungsfähigkeit gehört demnach auch die
persönliche Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen
während der üblichen Arbeitszeit einzusetzen (BGE 120 V 388 E. 3a mit Hinweisen).
Wesentliches Merkmal der Vermittlungsbereitschaft ist dabei im Allgemeinen die
Bereitschaft zur Annahme einer Dauerstelle (ARV 2004 Nr. 13 S. 126 E. 2.3 mit Hinweis
= Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; ab 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 17. Juni 2003, C 272/02). Die
Bereitschaft der versicherten Person, eine neue Stelle anzutreten, ist aufgrund
objektiver Kriterien zu prüfen. Der Wille allein oder die bloss verbal erklärte
Vermittlungsbereitschaft der versicherten Person genügen nicht (BGE 122 V 266 f. E.
4).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.2 Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung sind Personen, die bewusst nur
saisonale Arbeitsverhältnisse eingehen und deren Arbeitsbemühungen sich stets auf
zeitlich befristete Stellen beschränken, nicht vermittlungsfähig (ARV 2000 Nr. 29 S. 150;
ARV 2005 Nr. 19 S. 212, E. 2.2). Disponiert ein Arbeitnehmer bewusst so, dass sich
immer wieder kurze Unterbrüche der Erwerbstätigkeit ergeben, nimmt er die
entsprechenden Verdiensteinbussen freiwillig in Kauf (ARV 2005 Nr. 19 S. 213, E. 2.3).
Um der Schadenminderungspflicht zu genügen, muss eine versicherte Person ihre
Arbeitsbemühungen auf berufsfremde Dauerstellen ausdehnen, wovon sie weder Alter
noch Ausbildung und bisherige Tätigkeit oder die wirtschaftliche Lage entbinden (ARV
2000 Nr. 29 S. 150). Dasselbe gilt gemäss Art. 14 Abs. 3 der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV; SR
837.02) für Versicherte, die vor ihrer Arbeitslosigkeit temporär beschäftigt waren. Diese
gelten nur dann als vermittlungsfähig, wenn sie bereit und in der Lage sind, eine
Dauerstelle anzunehmen. Unter diese Sonderbestimmung fallen diejenigen
Arbeitnehmenden, die sich lediglich für Arbeitseinsätze von unregelmässiger Dauer und
Häufigkeit zur Verfügung stellen, aber keine feste Stelle annehmen wollen; sie haben
das damit verbundene Risiko des Beschäftigungsausfalls zwischen zwei Arbeitsstellen
unter dem Gesichtspunkt der Vermittlungsfähigkeit grundsätzlich selbst zu tragen (BGE
120 V 388 E. 3b mit weiteren Hinweisen).
2.
Zu prüfen ist die vom Beschwerdegegner bejahte Frage, ob der Beschwerdeführer
freiwillig ausschliesslich solche Arbeitsverhältnisse eingeht bzw. einzugehen bereit ist,
die mit beschäftigungslosen Zeiten verbunden sind, sodass dies als Ausdruck für die
subjektiv fehlende Vermittlungsbereitschaft für Dauerstellen zu werten ist.
3.
3.1 Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer vom 3. September 2007
bis 31. Dezember 2009, vom 3. Mai bis 30. November 2010 und vom 1. April bis 30.
November 2011 bei der C._ AG in festen Arbeitsverhältnissen beschäftigt war
(act. G 3.1/A22, A50, A92). Die Arbeitgeberin kündigte dem Beschwerdeführer jeweils
im Herbst aufgrund der unsicheren Auftragslage über den Winter und beschäftigte ihn
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
in reduziertem Umfang weiter. Der Beschwerdeführer beantragte daher in den
Frühjahrs- bzw. Wintermonaten 2010 (Januar bis April 2010, Dezember 2010) und 2011
(Januar bis März 2011, Dezember 2011) Arbeitslosentaggelder und nahm jeweils im
Frühling die Arbeit bei der angestammten Arbeitgeberin wieder zu 100% auf.
3.2 Den Dokumentationen zu den Arbeitsbemühungen ist zu entnehmen, dass sich
der Beschwerdeführer sowohl telefonisch und persönlich wie auch schriftlich als
Betriebsmitarbeiter, Bauarbeiter, Eisenleger, Lagerist, Facharbeiter, Aushilfsverkäufer,
Übersetzer und KV-Mitarbeiter bei verschiedenen potenziellen Arbeitgebern beworben
hat (act. G 3.1/A19, A24, A25, A26, A28, A29, A47, A52, A54, A59, A63, A66, A85, A95,
A100, A108). Seine Suche beschränkte sich somit nicht nur – entsprechend seiner
Berufsbiographie (vgl. act. G 3.1/A80) – auf Eisenleger- und Bauarbeitertätigkeiten.
Auch waren seine Arbeitsbemühungen nicht auf befristete Anstellungen beschränkt,
sondern umfassten durchaus Festanstellungen. Dass der Beschwerdeführer qualitativ
und quantitativ genügende Arbeitsbemühungen getätigt hat, geht sodann aus der
Tatsache hervor, dass das RAV B._ auf die dem Beschwerdeführer mit Schreiben
vom 20. Dezember 2010 in Aussicht gestellte Einstellung in der Anspruchsberechtigung
wegen ungenügender Arbeitsbemühungen verzichtete (act. G 3.1/A53, A56). Die
Aktenlage zeigt des Weiteren, dass der Beschwerdeführer hauptsächlich auf eigene
Initiative Arbeitsbemühungen tätigte, denn ihm wurden seit seiner ersten Anmeldung
zum Bezug von Arbeitslosenleistungen im November 2009 lediglich drei Stellen
zugewiesen (am 12. November 2010 [act. G 3.1/A44], am 25. Januar 2011 [act. G 3.1/
A62] und am 17. November 2011 [act. G 3.1/A84]), auf welche er sich auch beworben
hat. Der Beschwerdeführer betont denn auch, dass er lieber arbeiten gehe als beim
RAV angemeldet zu sein, denn er habe 2 Kinder zu ernähren. Er habe sich bereits nach
drei Monaten vom RAV abgemeldet und am 1. April 2011 die Stelle bei der C._ AG
angetreten, obwohl er berechtigt gewesen wäre, 18 Monate beim RAV zu bleiben. Er
habe es ehrlich gemeint und so schnell als möglich eine Arbeit angenommen. Aus all
diesen Umständen kann dem Beschwerdeführer der Wille, eine Dauerstelle
anzunehmen, nicht zum Vornherein abgesprochen werden.
3.3 Der Beschwerdegegner verneint die Vermittlungsbereitschaft des
Beschwerdeführers mit Hinweis auf die Verfügung vom 4. Januar 2011. Darin sei der
Beschwerdeführer darauf hingewiesen worden, dass sein Antrag auf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitslosenentschädigung nur bejaht werden könne, wenn er bei einer
Wiederanstellung bei der C._ AG ununterbrochen Arbeitsbemühungen für eine
"Festanstellung" tätige. Trotz dieses klaren Hinweises habe der Versicherte nichts
geändert und das Risiko der Arbeitslosigkeit in Kauf genommen.
3.4 Es ist fraglich, welche Bedeutung dem Hinweis in der Verfügung vom 4. Januar
2011 beigemessen werden kann. Wollte man darin eine förmliche Auflage sehen, so
würde dafür die gesetzliche Grundlage fehlen. Letztlich würde damit nämlich eine
Anspruchsvoraussetzung für die Bejahung der Vermittlungsbereitschaft geschaffen
werden. In jedem Fall erscheint der Hinweis bzw. die Auflage als unverhältnismässig
und von daher unbeachtlich. Selbst wenn die Stelle bei der C._ AG von vornherein
befristet gewesen wäre, so wären praxisgemäss nur Arbeitsbemühungen etwa drei
Monate vor Ablauf der Befristung einforderbar gewesen (vgl. act. G 3.1/A67). Der
Hinweis kann einzig zum Ausdruck bringen, dass bei einer Wiederanmeldung der
Beschwerdeführer sich nicht darauf berufen kann, die Vermittlungsfähigkeit sei in der
Vergangenheit vorbehaltlos bejaht worden. Hingegen lässt sich daraus nicht ableiten,
fehlende Arbeitsbemühungen ab Wiederanstellung könne mit fehlender
Vermittlungsbereitschaft gleichgesetzt werden. Dem steht auch das Verhalten der
Personalberaterin des Beschwerdeführers entgegen. Wie der Beschwerdegegner nicht
in Frage stellt, hat die Personalberaterin dem Beschwerdeführer auf seine Mitteilung, er
könne wieder bei der C._ AG arbeiten, mitgeteilt, er solle die Arbeitsstelle annehmen.
Der Beschwerdeführer war demnach auch in den Augen der Personalberaterin im
Rahmen seiner Schadenminderungspflicht verpflichtet, diese Arbeitsmöglichkeit
wahrzunehmen, selbst wenn diese nur eine saisonale Beschäftigung darstellen sollte.
Sodann hat sie den Beschwerdeführer mittels üblichem Schreiben von der
Arbeitsvermittlung abgemeldet (act. G 3.1/A67). Im Widerspruch zum Hinweis in der
Verfügung vom 4. Januar 2011 hat sie dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er bei
Annahme eines befristeten oder temporären Arbeitsverhältnisses für die letzten drei
Monate vor der Anmeldung bzw. bei Annahme eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses
ab Erhalt der Kündigung wieder die üblichen Arbeitsbemühungen vorzuweisen habe. In
diesem Zusammenhang hält der Beschwerdegegner zu Recht fest, dass trotz formell
unbefristetem Arbeitsvertrag dem Beschwerdeführer in der Vergangenheit das
Arbeitsverhältnis wiederholt im Herbst/ Winter gekündigt worden war, weshalb er nicht
ohne weiteres damit rechnen konnte, dass es sich nunmehr neu anders verhalten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
würde. Von daher hätte sich der Beschwerdeführer bei der Arbeitgeberin im Verlauf des
Spätsommers erkundigen sollen, wie es im laufenden Jahr aussieht bzw. ob er
frühzeitig mit der Arbeitssuche beginnen müsste. Dabei würde sich aber höchstens die
Frage nach ungenügenden Arbeitsbemühungen stellen, was allenfalls zu einer
Einstellung in der Anspruchsberechtigung führen könnte.
3.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass unter Berücksichtigung der gegebenen
Umstände davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer unfreiwillig bzw. in
Erfüllung der Schadenminderungspflicht im Rahmen saisonaler Beschäftigungen
erwerbstätig gewesen ist. Damit ist seine Vermittlungsfähigkeit ab Antragstellung zu
bejahen.
4.
Im Übrigen sei angemerkt, dass in Fällen wie dem vorliegenden, d.h. Festanstellung
über die Sommermonate mit Kündigung im Herbst und Weiterbeschäftigung in
reduziertem Beschäftigungsumfang während der Winter-/Frühjahrsmonate, allenfalls
die Frage nach dem Vorliegen von unzulässigen Kettenarbeitsverträgen mit
entsprechenden arbeitsvertraglichen Ansprüchen zu prüfen wäre, was bei Bejahung zu
einer Vorleistungspflicht der Arbeitslosenkasse im Sinne von Art. 29 AVIG führen
könnte.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 23. Januar 2012 gutzuheissen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
5.3 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung der Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO;
sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers verzichtete auf das Einreichen einer Kostennote. Im vorliegenden
Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht