Decision ID: 4b0b8d6b-df8c-5a44-a42a-097dbb8774b2
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ S. ist Eigentümer des unüberbauten Grundstücks Nr. 0000 Grundbuch
Rorschacherberg. Es liegt gemäss kantonalem Richtplan und der Schutzverordnung
der Gemeinde Rorschacherberg vom 21. April 1993 (im folgenden Schutzverordnung)
in einem Landschaftsschutzgebiet und fällt stark nach Norden ab. Der östliche Teil des
Grundstücks liegt gemäss Teilzonenplan vom 14. Juli 2003 in der Wohnzone (W2), der
westliche Teil gemäss Zonenplan der Gemeinde Rorschacherberg vom 20. Oktober
1982 in der Landwirtschaftszone.
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Am 5. November 2007 reichte S. beim Gemeinderat Rorschacherberg ein Baugesuch
für die Errichtung eines Einfamilienhauses auf dem der Bauzone zugewiesenen Teil des
Grundstücks Nr. 0000 ein. Das Baugesuch wurde vom 29. November bis 12. Dezember
2007 öffentlich aufgelegt.
Innert der Auflagefrist erhob u.a. A. öffentlich-rechtliche und privatrechtliche
Einsprache und stellte das Begehren, die Baubewilligung für das geplante
Einfamilienhaus sei zu verweigern.
Mit Beschluss vom 8. Juli 2008 wies der Gemeinderat Rorschacherberg sowohl die
öffentlich-rechtliche als auch die privatrechtliche Einsprache vom 16. Januar 2008 ab
und erteilte S. die nachgesuchte Baubewilligung unter Auflagen.
A. und weitere Einsprecherinnen erhoben durch ihren Rechtsvertreter Rekurs beim
Baudepartement. Mit Entscheid vom 16. Februar 2009 wies das Baudepartement den
Rekurs ab, soweit es darauf eintrat. Es erwog, den Rekurrentinnen fehle die enge
räumliche Beziehung zum Baugrundstück, und sie seien den Nachweis des eigenen
schutzwürdigen Interesses schuldig geblieben; auf den Rekurs einzutreten sei nur
insoweit, als die mangelnde Einfügung des umstrittenen Bauvorhabens ins
Landschaftsbild gerügt werde.
Gegen den Entscheid des Baudepartements vom 16. Februar 2009 erhoben A. und
eine weitere Einsprecherin Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Dieses hiess die
Beschwerden mit Urteil vom 15. Oktober 2009 gut, soweit es darauf eintrat. Es erwog,
nach Art. 9 Abs. 2 der Schutzverordnung dürften zulässige Bauten nur bewilligt
werden, wenn sie sich gut in das Landschaftsbild einfügen und dem Schutzzweck nicht
widersprechen. Das Hochbauamt habe in seiner Stellungnahme festgehalten, das
geplante Wohnhaus sei zwar in einer schlichten, abstrakten Architektursprache
entwickelt, doch bleibe das Projekt trotz aller Klarheit und schlichten Erscheinung in
einer Art schematisch und gehe wenig auf die Qualitäten des Ortes ein. Der Bau
vermöge nicht ganz die erwarteten ortsbaulichen und architektonischen Qualitäten zu
erfüllen. Das Baudepartement habe entschieden, die geplante Baute füge sich gut in
das Landschaftsbild ein. Die Wortwahl des Hochbauamts stehe im Widerspruch zu
dieser Beurteilung. Das Gebot der guten Einfügung in das Landschaftsbild stelle eine
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Vorschrift dar, welche erhöhte ästhetische Anforderungen an Bauten stelle. Allein die
Vielfalt der bestehenden Bauten und das moderne Erscheinungsbild der geplanten
Baute vermöchten eine gute Einfügung in das Landschaftsbild nicht überzeugend zu
begründen. Namentlich habe sich die geplante Baute nicht nur der bestehenden
Siedlungsstruktur, sondern auch der weiteren Umgebung anzupassen, zumal das
gesamte Gebiet zwischen Heidenerstrasse und Hofstrasse im Norden und bis zur
Gemeindegrenze im Osten als Schutzgebiet bezeichnet sei. Eine gute Einfügung in das
Landschaftsbild sei aufgrund der Beurteilung des Hochbauamts nicht ausgewiesen.
Hinzu komme, dass zulässige Bauten im Sinn der Schutzverordnung nur solche sein
könnten, die auch den Regelbauvorschriften entsprächen. Weil das geplante 30 m
lange Wohnhaus in verschiedenen Punkten Vorschriften des Baureglements verletze,
könne es von vornherein keine zulässige Baute im Sinn der Schutzverordnung sein.
B./ Am 8. Januar 2010 reichte S. der Bauverwaltung Rorschacherberg ein neues bzw.
überarbeitetes Baugesuch ein. Nach den Plänen ist der Neubau eines kleineren
zweigeschossigen Einfamilienhauses mit einem Grundriss von 16 x 16 m vorgesehen,
das neben einer Wohnnutzung auch einen privaten Arbeitsplatz des Gesuchstellers
beinhaltet.
Das Baugesuch wurde vom 19. Januar bis 1. Februar 2010 öffentlich aufgelegt. Innert
der Auflagefrist erhoben A., B. und C. durch ihren gemeinsamen Rechtsvertreter
Einsprache beim Gemeinderat Rorschacherberg und rügten eine Verletzung der
Grenzabstandsvorschriften, der Bestimmung über die notwendigen Autoabstellplätze
sowie der Schutzverordnung. Ausserdem rügten sie den Ausbau des Untergeschosses
sowie die Verletzung der Einfügungsvorschrift für die Landwirtschaftszone. Der
Gemeinderat Rorschacherberg beschloss an seiner Sitzung vom 27. April 2010, die
Einsprachen von A., B. und C. abzuweisen und die nachgesuchte Baubewilligung zu
erteilen. In der Baubewilligung wurde darauf hingewiesen, dass die Wohnnutzung
sowie die Nutzung als privater Arbeitsplatz des Baugesuchstellers bewilligt werde und
eine allfällige Änderung oder Erweiterung der gewerblichen Nutzung
baubewilligungspflichtig sei. Die Entscheide wurden am 3. Mai 2010 eröffnet.
C./ Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 11. Mai und 8. Juni 2010 erhoben die
Einsprecher Rekurs beim Baudepartement und beantragten, der Einspracheentscheid
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des Gemeinderats Rorschacherberg vom 27. April 2010 sei aufzuheben und die
Baubewilligung sei zu verweigern. Zur Begründung wurden eine Verletzung des
Grenzabstands, fehlende Parkplätze und eine Verletzung der Bestimmungen zum
Schutz der Landwirtschaftszone sowie eine Missachtung der kommunalen
Schutzverordnung gerügt.
Das Baudepartement holte in der Folge einen Amtsbericht des Hochbauamts ein.
Dieses äusserte in seinem Bericht vom 16. August 2010, dass das geplante Wohnhaus
die ortsbaulichen und architektonischen Anforderungen erfülle und sich gut in das
Landschaftsbild einfüge.
Mit Entscheid vom 3. September 2010 wies das Baudepartement den Rekurs ab.
D./ Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 8. und 30. September 2010 erhoben A. B.
und C. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid
vom 3. September 2010 sowie der Entscheid des Gemeinderats Rorschacherberg vom
27. April 2010 seien aufzuheben und die Baubewilligung sei zu verweigern, eventuell
sei das Baugesuch zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Beschwerdeführer halten an den im Rekurs
vorgebrachten Rügen fest.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 19. Oktober 2010, die
Beschwerde sei abzuweisen.
Die Beschwerdebeteiligte beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 10. November 2010
ebenfalls die Abweisung der Beschwerde.
Der Beschwerdegegner liess sich nicht vernehmen.
Die Beschwerdeführer erhielten Gelegenheit, sich zu den Vernehmlassungen der
Vorinstanz und der Beschwerdebeteiligten zu äussern. Dies taten sie mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 29. November 2010.
Die von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten
Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
dargelegt und gewürdigt.
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Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 8. und
30. September 2010 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Die Beschwerdeführer haben Kopien einer dem Eidg. Justiz- und Polizeidepartement
eingereichten Aufsichtsbeschwerde gegen das Bundesamt für Justiz sowie eines
Rekurses an das Baudepartement eingereicht. Die Aufsichtsbeschwerde hat offenbar
die Erteilung der Erwerbsbewilligung zum Gegenstand. Ob sie bereits behandelt wurde,
ergibt sich aus den Akten und den Vorbringen der Beschwerdeführer nicht. Im übrigen
beantragten die Beschwerdeführer am 1. Februar 2010, der Teilzonenplan sei
aufzuheben und die davon betroffenen Liegenschaften seien der Landwirtschaftszone
zuzuteilen. Diesem Begehren gab der Gemeinderat Rorschacherberg nicht statt. Das
Baudepartement wies den Rekurs der Gesuchsteller mit Entscheid vom 25. November
2010 ab. Die Rekurrenten erhoben Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Das
Verfahren ist noch hängig. Präjudizierende Wirkung hat dieses Verfahren für die
vorliegende Streitsache aber nicht. Die Beschwerdeführer machen denn auch zu Recht
nicht geltend, die Baubewilligung verstosse gegen weitere Rechtsnormen als gegen
jene, die sie vorliegend als verletzt rügen. Damit sind die vorgebrachten Rügen der
Verletzung des Grenzabstands, der fehlenden Parkplätze, der fehlenden Einfügung in
die Landwirtschaftszone (Verletzung von Art. 23 des Baureglements von
Rorschacherberg, abgekürzt BauR) sowie der Missachtung der kommunalen
Schutzverordnung zu prüfen.
2.1. Die Grenzabstände sind in Art. 10 BauR geregelt. Nach Art. 10 Abs. 1 BauR ist der
grosse Grenzabstand gegenüber der Hauptwohnseite, der kleine Grenzabstand auf die
übrigen Seiten einzuhalten. Bei gleichwertigen Fassaden kann die Aufteilung der
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Summe des grossen und kleinen Grenzabstandes je zur Hälfte auf beide Fassaden
bewilligt werden. In Zweifelsfällen bestimmt die Bewilligungsbehörde die für den
grossen Grenzabstand massgebliche Gebäudeseite.
2.1.1. Die Vorinstanz erwog, das Wohnhaus weise einen quadratischen Grundriss von
genau 16 x 16 m auf. Von aussen betrachtet würden sich West- und Nordfassade mit
ihren beiden nahezu durchgehend verglasten Vollgeschossen völlig identisch
präsentieren. Aus den Grundrissplänen ergebe sich aber, dass sowohl der Schlaf- und
Arbeitsbereich im Erdgeschoss als auch der Wohn-, Ess- und Kochbereich im
Obergeschoss nur zu jeweils gut 9 m an die Nordfassade zu liegen kämen, im übrigen
aber vollständig zur 16 m langen Westfassade hin orientiert seien. In der Nordostecke
des Gebäudes seien in beiden Geschossen jeweils die Nassbereiche, kombiniert mit
Wellness und Fitness, angeordnet. Diese beiden grosszügigen Räume seien auf einer
Länge von gut 6 m zur Nordfassade hin orientiert; auf rund 9,5 m lägen sie an der
Ostfassade. Bei diesem Sachverhalt sei die Auffassung der Rekurrenten, die
Nordfassade bilde die Hauptwohnseite, nicht nachvollziehbar. Einzuräumen sei zwar,
dass die beiden Gebäudeseiten von aussen betrachtet gleich seien und dass auch die
Nassbereiche eines Wohnhauses zu den anrechenbaren Flächen zählten. Weder das
äussere Erscheinungsbild noch die Tatsache, dass die hinter der Fassade
angeordneten Wohnräume zu den anrechenbaren Flächen im Sinn von Art. 61 Abs. 1
des Baugesetzes (sGS 731.1, abgekürzt BauG) zählten, seien aber ausschlaggebend.
Massgebend sei vielmehr, welche Räume objektiv gesehen zentral der Wohnnutzung
dienen würden. Aus dieser Optik sei offensichtlich, dass die Ausrichtung von Koch-,
Ess-, Wohn-, Arbeits- und Schlafbereichen eines Hauses für die Bestimmung seiner
Hauptwohnseite wichtiger seien als die Lage von Nasszellen, Hobbyräumen oder
Erschliessungsanlagen.
2.1.2. Die Beschwerdeführer bringen vor, es sei vorliegend auf die tatsächlichen
Verhältnisse abzustellen. Geplant sei ein Wohnhaus mit zwei gleich grossen
Fensterfronten, wobei eine Seite an schönster Lage direkt auf den Bodensee und die
andere Seite gegen eine Wiese sowie die Heidenerstrasse gerichtet sei. Bei diesen
Verhältnissen sei klar davon auszugehen, dass die Seesicht die zentrale Wohnnutzung
und damit die Hauptwohnseite bilde. Eine andere Auslegung sei lebensfremd. Auch die
Lichtverhältnisse würden keinen anderen Interpretationsspielraum offen lassen. Die an
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die Westfassade anschliessende Südfassade weise lediglich kleine Schlitze auf, welche
kaum Licht durchlassen würden. Die Nordfassade werde jedoch gegen Westen und
Osten mit grossen Fensterfronten weitergeführt. Die Raum- und Lichtverhältnisse seien
damit eindeutig so ausgerichtet, dass die Nordfassade die Hauptwohnseite bilde. Der
grosse Grenzabstand von 10 m sei damit gegen Norden einzuhalten, der vorliegend
massiv unterschritten werde. Es könne nicht mehr von einem Zweifelsfall im Sinn von
Art. 10 Abs. 1 BauR gesprochen werden.
2.1.3. Der Grenzabstand ist in Art. 56 BauG geregelt. Er wird im kantonalen Recht
allerdings nicht quantitativ definiert, und dieses enthält auch keine Regeln über die
Verteilung des kleinen und des grossen Grenzabstands. Die konkrete Regelung der
Grenzabstände ist somit dem kommunalen Baureglement vorbehalten. Art. 56 Abs. 2
BauG bestimmt ausdrücklich, dass im Baureglement und gegebenenfalls in den
Überbauungsplänen der Grenzabstand festzuhalten sei.
Der Grenzabstand regelt zusammen mit den weiteren Regelbauvorschriften die
Nutzungsstärke bzw. die maximal zulässige Nutzung, die sogenannte Baudichte. Die
öffentlichen Interessen an den Grenz- und Gebäudeabständen liegen auf den Gebieten
der Feuer- und der Gesundheitspolizei, der guten Gestaltung der Siedlungen ohne zu
dichte Überbauungen und der Ästhetik. Daneben hat der Grenzabstand, insbesondere
im Zusammenhang mit dem oft von ihm abhängenden Gebäudeabstand, auch
nachbarschützende Funktionen. So sollen durch die Grenzabstände vor allem die
mannigfachen Einflüsse von Bauten und ihrer Benutzung auf Nachbargrundstücke
gemindert werden (vgl. B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003,
Rz. 612 mit Hinweis).
Nach Art. 10 Abs. 1 BauR ist wie erwähnt der grosse Grenzabstand gegenüber der
Hauptwohnseite einzuhalten. Was als Hauptwohnseite gilt, wird im Baureglement nicht
näher umschrieben. Von der äusserlichen Gestaltung her unterscheiden sich die Nord-
und die Westfassade nicht wesentlich. Aufgrund der geplanten Nutzung befindet sich
der Bereich Wohnen/Essen/Kochen in der westlichen Hälfte des Erdgeschosses. Im
Untergeschoss befindet sich der Bereich Schlafen/Arbeiten im Westbereich. Die
Nordfassade verläuft nur etwa zu drei Fünfteln entlang der genannten Bereiche; zu
rund zwei Fünfteln bei den Bereichen Dusche/WC/Sauna/Wellness/Fitness. Aufgrund
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der vorgesehenen Nutzung ist es somit nachvollziehbar, dass die Bewilligungsbehörde
und die Vorinstanz die Westfassade als Hauptwohnseite einstuften. Wohl spielt die
Seesicht gegen Norden eine gewisse Rolle bei der Gestaltung der Wohnnutzung.
Anderseits ist auch zu berücksichtigen, dass das Haus an einen gegen Norden
exponierten Hang zu stehen kommt und die Nachmittags- und Abendsonne gegen
Westen sichtbar ist. Auch ist der See durch die Westfassade ebenfalls sichtbar. Der
Gestaltung der Südfassade kann für die Bestimmung der Hauptwohnseite keine
wesentliche Bedeutung zuerkannt werden; die Belichtung der westlichen
Geschossbereiche erfolgt durch die Nordfassade und die Westfassade. Auch aufgrund
der ausgeprägten Hanglage besteht keine Notwendigkeit, den grossen Grenzabstand
nach Norden im Bereich des abfallenden Nachbargrundstücks zu situieren. Dass
Fitness- und Wellnessräume sowie Bad/Dusche/WC anrechenbare Geschossflächen
im Sinn von Art. 61 Abs. 2 BauG sind, spielt ebenfalls keine wesentliche Rolle. Selbst
wenn Fitness- und Wellnessräume sowie Bad/Dusche/WC von ebenso grosser
Bedeutung für die Hauptwohnseite wären wie die Ess-, Wohn- und Schlafräume,
vermöchte dies allenfalls eine gleichwertige Bedeutung der Nordfassade und der
Westfassade zu begründen, nicht aber eine überwiegende Bedeutung der Nordfassade
als Hauptwohnseite. Bei dieser Betrachtung liegt auch ein Zweifelsfall im Sinn von
Art. 10 Abs. 1 BauR vor, wobei die Bestimmung der Westfassade als Hauptwohnseite
keinen Missbrauch bzw. keine Überschreitung des der Baubehörde zustehenden
Ermessens darstellen würde.
Die Beschwerde erweist sich damit in diesem Punkt als unbegründet.
2.2. Nach Art. 17 BauR ist bei Wohnnutzungen ein Autoabstellplatz je 80 m
anrechenbarer Geschossfläche zu erstellen, wenigstens aber ein Autoabstellplatz je
Wohnung. Bei Einfamilienhäusern mit mehr als drei erforderlichen Autoabstellplätzen
darf der Garagenvorplatz angerechnet werden. Nach Art. 17 Abs. 4 BauR werden die
Divisionsreste bei der Ermittlung des Abstellplatzbedarfs aufgerundet.
2.2.1. Die Beschwerdeführer machen geltend, gemäss dem Urteil des
Verwaltungsgerichts vom 15. Oktober 2009 (B 2009/25, publiziert in:
www.gerichte.sg.ch) sei der Raum "Haustechnik" bei der Ausnützungsziffer ebenfalls
zu berücksichtigen. Damit ergebe sich eine anrechenbare Geschossfläche von 439,2
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m . Dass 44 m als Heiz- und Abstellraum verwendet werden sollten, wie die
Vorinstanz annehme, sei unglaubwürdig. Es sei offensichtlich, dass dieser Raum
mehrheitlich für Arbeitszwecke verwendet werde. Unter Berücksichtigung des
Divisionsrests benötige das Projekt mindestens 6 Parkplätze. Auch sei nicht
nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz den Vorplatz und den Wendeplatz als
Parkplatz berücksichtigt habe. Der Vorplatz sei praktisch gleich gross wie die Garage
(44 m ), weshalb er nicht mehr Abstellfläche als die Garage zur Verfügung stellen
könne. Auch unter Beizug der SN-Norm 640'291a reiche der Vorplatz mit seiner Grösse
nicht aus, um drei Parkfelder sicherzustellen. Wenn auf dem Vorplatz und dem separat
bezeichneten Wendeplatz Fahrzeuge parkiert würden, wie dies gemäss Vorinstanz
zulässig sein solle, müssten ausserdem die Fahrzeuge rückwärts in eine
Gemeindestrasse 1. Klasse manövrieren. Unter Berücksichtigung der unübersichtlichen
Kurve bei der Heidenerstrasse und der meist übersetzten Geschwindigkeit von
Motorradlenkern bzw. Automobilisten führe dies zu einer massiven Gefährdung der
Verkehrssicherheit. Die Verwendung des Vorplatzes mit seiner Steigung als Parkplatz,
wie es von der Vorinstanz dargelegt werde, wäre geradezu fahrlässig. Der Vor- bzw.
Wendeplatz dürfe daher keinesfalls als Parkplatz verwendet werden, weshalb Art. 17
BauR von vornherein verletzt werde.
2.2.2. Zutreffend ist, dass das Verwaltungsgericht im Urteil vom 15. Oktober 2009 beim
damals streitigen Projekt des Beschwerdegegners einen in den Plänen als
"Technikraum" bezeichneten Raum den anrechenbaren Geschossflächen zugeordnet
hat (E. 3.5.4.). Der Grund lag darin, dass im Untergeschoss ein 20,3 m umfassender
Raum ausdrücklich mit "Haustechnik" bezeichnet und nicht ersichtlich war, inwiefern
neben den entsprechenden Räumen im Untergeschoss auch im Erdgeschoss ein
Haustechnikraum notwendig war. Zum vorliegenden Projekt weist aber die Vorinstanz
zutreffend darauf hin, dass keine weiteren Räume für Haustechnik vorgesehen sind. Es
ist aufgrund der vorliegenden Planunterlagen offenkundig, dass im Bereich unter dem
Untergeschoss keine weitere Nutzung mehr stattfinden kann. Selbst wenn ein Teil des
in den Plänen als "Haustechnik" bezeichneten Bereichs als Abstellraum oder ähnliches
genutzt würde, wäre eine Einstufung als anrechenbare Geschossfläche nicht geboten
(Art. 61 Abs. 2 lit. b BauG). Damit ist mit den Feststellungen der Bewilligungsbehörde
und der Vorinstanz von einer anrechenbaren Geschossfläche von weniger als 400 m
auszugehen, was nach Art. 17 BauR fünf Autoabstellplätze erfordert.
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Unbestritten ist, dass die Garage mindestens zwei Personenwagen Platz bietet. Nach
Art. 17 Abs. 1 BauG darf der Garagenvorplatz angerechnet werden, da es sich um ein
Einfamilienhaus handelt. Zutreffend erwog die Vorinstanz im weiteren, dass auf dem
Vorplatz drei solche Fahrzeuge abgestellt werden können. Der Vorplatz ist 7,0 m breit
und weist die Form eines Einlenkers auf. Da beim Vorplatz anders als bei einer Garage
keine Seitenwände vorhanden sind, kann näher an die Begrenzung gefahren und
können die Türen über die Begrenzung hinaus geöffnet werden. Zudem kann der als
Wendeplatz bezeichnete Raum ebenfalls als Abstellplatz genutzt werden. Selbst wenn
auf dem Vorplatz nur zwei Fahrzeuge Platz hätten, liesse sich der Wendeplatz als
Abstellplatz nutzen. Im übrigen ist die Einfahrt rückwärts in eine Gemeindestrasse
1. Klasse nicht zum vornherein unzulässig bzw. ein Grund, um eine fehlende
Erschliessung anzunehmen oder eine Nutzung als Autoabstellplatz zu verbieten. Darauf
hat die Beschwerdebeteiligte mit Berufung auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts
(VerwGE B 2008/107 vom 19. Februar 2009 i.S. R.Z., publiziert in: www.gerichte.sg.ch)
zu Recht hingewiesen. Massgebend ist die konkrete örtliche Situation. Die
Heidenerstrasse ist in jenem Bereich übersichtlich. Die Einfahrt von der Liegenschaft
des Beschwerdeführers in die Heidenerstrasse ist nicht wesentlich schwieriger als die
Einfahrt über das Unterwienachtsträsschen. Für diese Feststellung ist kein
Augenschein durchzuführen, zumal das Verwaltungsgericht bereits im
Beschwerdeverfahren im Zusammenhang mit dem früheren Projekt einen Augenschein
an Ort und Stelle durchgeführt hat (VerwGE B 2009/25 vom 15. Oktober 2009). In der
Baubewilligung des Gemeinderats Rorschacherberg wurde die Zufahrt in die
Gemeindestrasse 1. Klasse bewilligt. Eine Verkehrsgefährdung im Sinn von Art. 63
Abs. 2 des Strassengesetzes (sGS 732.1, abgekürzt StrG), welche erheblich grösser
wäre als jene bei den übrigen direkten Einfahrten der Anstösser in die Heidenerstrasse,
ist nicht ausgewiesen.
2.3. Weiter rügen die Beschwerdeführer eine Verletzung von Art. 23 BauR, wonach sich
Bauten und Anlagen in der Landwirtschaftszone durch die Verwendung von
traditionellen Materialien, der sorgfältigen Lage oder der Bepflanzung besonders gut in
die landschaftliche und bauliche Umgebung einzufügen haben.
Die Beschwerdeführer machen geltend, Art. 23 BauR bezwecke, die
Landwirtschaftszone so gut als möglich von modernen und neuen Einflüssen zu
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schützen. Die gesetzliche Bestimmung bezieht sich aber ausdrücklich auf Bauten "in"
der Landwirtschaftszone. Der kommunale Gesetzgeber hat ausdrücklich darauf
verzichtet, auch Bauten und Anlagen im engeren Grenzbereich von
Landwirtschaftszonen den erhöhten Anforderungen von Art. 23 BauR zu unterstellen.
Im übrigen grenzt die Liegenschaft zwar nur im Osten an überbautes Gebiet, doch
erscheint das Grundstück als Fortsetzung des östlich gelegenen Baugebietes.
Jedenfalls bietet Art. 23 BauR keine Handhabe, um die für die Landwirtschaftszone
geltenden Gestaltungsvorschriften auf Bauten ausserhalb der Landwirtschaftszone
bzw. in der Wohnzone auszudehnen. Ein Augenschein erübrigt sich, da dieser
Streitpunkt ausschliesslich eine Rechtsfrage betrifft. Die Beschwerde erweist sich
daher auch in diesem Punkt als unbegründet.
2.4. Weiter rügen die Beschwerdeführer eine Verletzung der kommunalen
Schutzverordnung. Unbestritten ist, dass das Grundstück des Beschwerdegegners in
einem Landschaftsschutzgebiet liegt, bei dem Art. 9 Abs. 1 der Schutzverordnung der
Gemeinde Rorschacherberg zur Anwendung gelangt. Danach ist das charakteristische
Bild der Landschaft zu erhalten. Bauten und Anlagen, Geländeveränderungen, weitere
Eingriffe in die Landschaft sowie land- und forstwirtschaftliche Massnahmen wie
Strassenbau, Entwässerung, Aufforstung, Rodungen usw. dürfen nur bewilligt werden,
wenn sie sich gut ins Landschaftsbild einfügen und dem Schutzzweck nicht
widersprechen (Art. 9 Abs. 2 der Schutzverordnung).
2.4.1. Die Beschwerdeführer machen geltend, das Einordnungsgebot stelle im
Vergleich zum Verunstaltungs- und zum Beeinträchtigungsverbot die höchsten
Anforderungen an die bauliche Gestaltung. Das Bauvorhaben sei einerseits für sich
allein und anderseits in einem Zusammenhang mit der baulichen und landschaftlichen
Umgebung zu beurteilen. Das Projekt müsse in seiner Gesamtheit und in bezug auf die
einzelnen Teile den Merkmalen der Umgebung Rechnung tragen. Für die Qualität der
Umgebung seien neben den genannten Merkmalen auch landschaftliche Elemente,
Einzelheiten der Dachgestaltung, die Situierung der Baukörper und ihre Masse und
Proportionen massgebend (B. Zumstein, Die Anwendung der ästhetischen
Generalklausel des kantonalen Baurechts, St. Gallen 2001, S. 144).
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2.4.2. Die Vorinstanz hat im Rekursverfahren einen Amtsbericht des Hochbauamts
eingeholt. Darin äussert sich das Hochbauamt zum Projekt des Wohnhauses und
namentlich der Einfügung und Verträglichkeit des Bauvorhabens im
Landschaftsschutzgebiet. Es hält in seinem Amtsbericht vom 16. August 2010
folgendes fest:
"Der Bereich der Landschaftsschutzzone ist vorwiegend geprägt durch eine weitläufige
Landschaftskammer, eine grösstenteils unberührte Nordhandlage mit Wiesland und
Waldflächen und durch punktuell platzierte Bauten; zu charakteristischen Weilern
gruppierte Wohngebäude, einzelne Siedlungen oder grössere landwirtschaftliche
Bauten.
Auch in der Landschaftsschutzzone entsprechen Gebäude dem jeweiligen Zeitgeist,
grössere und bereits seit einigen Jahren oder Jahrzehnten in den Kontext
eingewachsene Gebäude prägen heutzutage ebenfalls den Landschaftsraum wie kleine
Wohnhäuser. Volumen, Ausrichtung und Gebäudehöhen sind genauso verschieden
und zufällig wie deren Baustil, Dachgestaltung und Farbgebung.
Landschaftsschutzgebiete umfassen Landschaften und Landschaftsteile, die sich
durch ihre Vielfalt, Einmaligkeit und Schönheit oder ihre erdgeschichtliche Bedeutung
auszeichnen. Der Landschaftsschutz dient nicht dazu, eine Baukultur durch
Rekonstruktionen, sondern um den ganzheitlichen Charakter eines Gebietes zu
erhalten, um Bauten und Anlagen besonders sorgfältig einzupassen und um den
Landschaftscharakter nicht zu verändern.
Der Neubau setzt sich in das unüberbaute, abfallende Wiesland unmittelbar nördlich
der Heidenerstrasse auf Grundstück Nr. 0000, welches sich in der Wohnzone W2
befindet. Das Grundstück selber als auch das Umland befindet sich in der
Landschaftsschutzzone.
Das geplante Wohnhaus kommt unterhalb der Heidenerstrasse zu liegen und wird
weitgehend in den steilen Hang integriert. Das geplante Wohnhaus weist einen
schlichten, kubischen Baukörper auf. Die in der Grösse angemessene quadratische
Grundform mit 16 Metern Kantenlänge wird parallel zur Heidenerstrasse gestellt. Die
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Nord- und Westfassade ist vollständig verglast, die Ostfassade teilweise. Die Fenster
werden mit grauen Metallprofilen ausgeführt. Die Fassaden werden mit einheimischem
Buechberger Sandstein verkleidet. Das Flachdach wird extensiv begrünt.
Das bis auf wenige Elemente reduzierte Gebäude wirkt in seiner Gestaltung modern,
zurückhaltend und unaufdringlich und weist einen eigenständigen Charakter auf. Mit
seiner Materialwahl und Formensprache kann das Gebäude nachhaltig bezeichnet
werden.
Ohne landschaftsverändernde Gartengestaltung läuft das gewachsene Gelände und
die umgebende Wiese bis direkt an das Gebäude und wird nur partiell im Bereich der
Zufahrt verändert.
Im Vergleich mit dem ersten Projekt ist nicht nur die Längenausdehnung fast halbiert,
die Grundform ist nun orthogonal und das Gebäude parallel zur Strasse ausgerichtet.
In den Unterlagen sind der Fassadenaufbau und die Materialisierung ersichtlich.
Das geplante Wohnhaus, in seiner zeitgemässen und einfachen, zurückhaltenden
Gestaltung und seiner nachhaltigen Materialwahl erfüllt die ortsbaulichen und
architektonischen Anforderungen und es fügt sich gut in das Landschaftsbild ein."
Die Beschwerdeführer machen geltend, bezüglich Bauart und Wirkung hätten sich
gegenüber dem früheren, vom Verwaltungsgericht als unzulässig beurteilten Projekt
keine Änderungen ergeben. Das Verwaltungsgericht kann sich dieser Auffassung nicht
anschliessen. Anlässlich des Augenscheins vom 15. Oktober 2009 wurde auch die
Umgebung bzw. die Landschaftsschutzzone beurteilt. Ein weiterer Augenschein
erübrigt sich, da dem Gericht der massgebende Sachverhalt bekannt ist und die
Umgebung sich nicht wesentlich verändert hat. Das nunmehr geplante Gebäude ist
erheblich kleiner dimensioniert als das frühere Projekt. Offenbar gilt bei der Beurteilung
der Einfügung in Schutzzonen die Praxis, dass auch moderne Gebäude zulässig sind
und die Einfügung nur in die Landschaft zu erfolgen hat und nicht in die bisherige
Besiedlung bzw. den bisherigen Baustil. Landschaftsschutz und gute Einfügung
bedeuten nicht, dass Neubauten nur in einem historisierenden Stil errichtet werden
dürfen. Das Objekt kommt in den Bereich einer bestehenden Häusergruppe zu stehen.
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Auch diese Häusergruppe besteht aus Bauten, die zum Teil im Zeitpunkt ihrer
Erstellung modern konzipiert waren. Aufgrund der Dimensionierung und der Bauart ist
die Auffassung der Vorinstanz nicht unhaltbar. Indem diese eine gute Einordnung als
erfüllt betrachtet, ist ihr keine Rechtsverletzung vorzuwerfen. Folglich ist die
Beschwerde auch in diesem Punkt abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher
Höhe ist anzurechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen. Die Beschwerdeführer sind
unterlegen (Art. 98bis VRP), und die Beschwerdebeteiligte hat keinen Anspruch auf
Kostenersatz (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 176). Der Beschwerdegegner
hat sich am Beschwerdeverfahren nicht beteiligt.
Demnach hat das Verwaltungsgericht