Decision ID: 39264194-5705-53b2-82cc-fdfbe9a24a8e
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
V._,
Klägerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. E. Ronald Pedergnana, Rorschacher Strasse 21,
9000 St. Gallen,
gegen
M._
Beklagte,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Isabelle Vetter-Schreiber, Seestrasse 6,
8027 Zürich,
betreffend
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Invaliden- und Kinderrente / Überversicherungsberechnung
Sachverhalt:
A.
A.a V._ (nachfolgend: Versicherte) arbeitete vom 1. Juli 2000 bis 31. Juli 2004 für die
A._ und war dadurch bei der M._ (nachfolgend: Pensionskasse) vorsorgeversichert.
Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen sprach der Versicherten mit Verfügung vom
7. Februar 2006 auf der Basis eines IV-Grades von 54% mit Wirkung ab 1. Dezember
2003 eine halbe Rente zu. Hierbei ging sie von einem Valideneinkommen von Fr.
49'385.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 22'376.-- pro Jahr aus (IV-act.
46-48). Am 23. Februar 2009 bestätigte die IV-Stelle diesen Rentenanspruch (IV-act.
62).
A.b Die Pensionskasse erbrachte der Versicherten gestützt auf die IV-Verfügung mit
Wirkung ab 1. März 2005 Rentenleistungen aus beruflicher Vorsorge. In der
Überentschädigungsberechnung per 1. Januar 2008 rechnete sie neben der Rente der
IV von Fr. 1'424.-- pro Monat (einschliesslich Kinderrente) das von der Versicherten
tatsächlich erzielte Erwerbseinkommen von Fr. 1'009.-- pro Monat an und richtete
ungekürzte Vorsorgeleistungen im Betrag von Fr. 1'229.-- pro Monat (Fr. 997.--
zuzüglich Kinderrente von Fr. 232.--) aus (act. G 1.1/6). Auf den 1. März 2008 nahm sie
eine Neuberechnung der Überentschädigung vor, in welcher sie neben der Rente der IV
von Fr. 1'424.-- sowie dem tatsächlich erzielten Erwerbseinkommen von Fr. 1'009.--
überdies ein zumutbarerweise noch erzielbares Erwerbseinkommen im Betrag von Fr.
973.-- pro Monat anrechnete (Fr. 1'982.-- [= 46 % von Fr. 4'308.--] abzüglich effektiv
erzieltes Einkommen von Fr. 1'009.--). Hieraus resultierten gekürzte Rentenleistungen
von Fr. 471.-- monatlich (act. G 1.1/7). Auf ein Schreiben des Rechtsvertreters der
Versicherten vom 4. Juni 2008, mit welchem er die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens beanstandete (act. G 7.1), bestätigte die Rechtsvertreterin der
Pensionskasse die Überentschädigungsberechnung mit Schreiben vom 5. August 2008
(act. G 7.2).
B.
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B.a Mit Eingabe vom 10. September 2008 erhob Rechtsanwalt Dr. E. Ronald
Pedergnana, St. Gallen, für die Versicherte Klage gegen die Pensionskasse mit dem
Rechtsbegehren, die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin die ungekürzte Pen
sionskassenrente von Fr. 997.-- auszurichten sowie die ungekürzte Kinderrente für
B._ von Fr. 232.--. Zur Begründung führte er unter anderem aus, die Klägerin habe
im Rahmen ihrer gesundheitlichen Möglichkeiten immer gearbeitet. Das
Durchschnittseinkommen 2007 habe netto Fr. 1'164.-- pro Monat betragen. Es könne
kein hypothetisches Einkommen angerechnet werden, wenn die Klägerin ein
tatsächliches Einkommen erziele. Sie habe sich in den Jahren 2007 und 2008 um
Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit bemüht, wobei zum Teil Arbeitseinsätze bei der
C._ geleistet worden seien. Dass dabei nicht immer just diese 46 % in Arbeitszeit
resultieren könnten, daraus könne die Beklagte nichts zu ihren Gunsten ableiten. Es
handle sich um eine Überentschädigungsberechnung, die ungerechtfertigte Vorteile
verhindern solle, nicht um einen Sparvertrag für die Beklagte. Wenn die K._ in der
Pensionskasse Geld sparen wolle, könne sie dies tun, indem sie Teilinvalide weiter
beschäftige und ihnen ermögliche, im Rahmen ihrer teilweisen Arbeitsfähigkeit ein
angemessenes Einkommen zu generieren.
B.b In der Klageantwort vom 16. Dezember 2008 beantragte Rechtsanwältin Dr. I.
Vetter-Schreiber, Zürich, für die Beklagte Abweisung der Klage, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Klägerin. Zur Begründung legte sie unter anderem
dar, der Umfang der zumutbaren Resterwerbsfähigkeit werde im
invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren festgelegt und könne im Rahmen der
Überentschädigungsberechnung der zweiten Säule nicht mehr in Frage gestellt
werden. Der Zweck der Gleichbehandlung könne nur erreicht werden, wenn von allen
betroffenen versicherten Personen verlangt werde, dass sie ihre zumutbare
Restarbeitsfähigkeit vollumfänglich verwerten. Die Beklagte dürfe vermutungsweise
davon ausgehen, dass das IV-rechtlich festgelegte Invalideneinkommen dem
zumutbarerweise noch erzielbaren Resterwerbseinkommen entspreche. In Abzug zu
bringen seien selbstverständlich effektiv erzielte Resterwerbseinkommen. Wenn die
Klägerin der Auffassung sei, dass das von der Invalidenversicherung bezifferte
Invalideneinkommen zu hoch sei, dann habe sie sich auf dem Wege der IV-Revision an
die zuständigen Organe zu wenden. Die Klägerin habe bloss in vier Monaten (des
Jahres 2007) allenfalls in zeitlicher Hinsicht in dem von ihr zu erwartenden Rahmen
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gearbeitet. Es obliege der versicherten Person, im Überentschädigungsverfahren die
Tatsachen zu behaupten und zu substantiieren sowie Beweise zu offerieren, welche die
Vermutung zu entkräften vermöchten, dass das zumutbarerweise erzielbare
Erwerbseinkommen dem Invalideneinkommen entspreche. Von der Erfüllung dieser
Verpflichtung könne konkret keine Rede sein, begnüge sich die Klägerin doch mit dem
Hinweis, dass sie sich im Jahr 2007 um die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit
bemüht und dies auch im Jahr 2008 gemacht habe. Es bestehe kein Anlass, vom
Invalideneinkommen abzuweichen.
B.c Mit Replik vom 22. Januar 2009 stellte der Rechtsvertreter des Klägers das
Rechtsbegehren, die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin ab 1. März 2008 die
ungekürzte Pensionskassenrente von Fr. 997.-- auszurichten sowie die ungekürzte
Kinderrente für B._ von Fr. 232.--. In der Begründung bestätigte er den in der
Klageschrift dargelegten Standpunkt und wies unter anderem darauf hin, dass es in
BGE 134 V 64 im Gegensatz zum konkreten Sachverhalt um eine Versicherte gegangen
sei, welche kein Resterwerbseinkommen erzielt habe. Die Klägerin versuche, ihre
Resterwerbsfähigkeit möglichst optimal zu verwerten. Die Beklagte wolle sich mit der
Verordnungsänderung zunächst einmal selber sanieren, indem sie laufende (und
kalkulierte) Renten stoppe. Dies sei wohl nicht Zweck der Änderung gewesen. Wenn
sich deshalb Arbeitnehmerinnen um Arbeit bemühen würden und ein angemessenes
Arbeitspensum hätten, sei der Beweis, dass sie ihre Restarbeitsfähigkeit nicht
verwerten würden, der Pensionskasse zu auferlegen. Die Klägerin habe teilweise
während des Jahres im zeitlichen Rahmen ihrer verfügbaren Ressourcen gearbeitet.
Während der restlichen Zeit hätten die Aufträge gefehlt und habe sie keine Arbeit
gefunden; ein kleiner Teil seien noch Ferien gewesen (act. G 9).
B.d In der Duplik vom 8. Mai 2009 hielt die Rechtsvertreterin der Beklagten an ihrem
Antrag und ihren Ausführungen fest (act. G 17). Mit Eingabe vom 15. Mai 2009 reichte
der Rechtsvertreter der Klägerin ein ärztliches Zeugnis von Dr. med. D._,
Gynäkologie und Geburtshilfe, vom 17. Dezember 2008 ein (act. G 19). Das
Versicherungsgericht zog die Akten der Invalidenversicherung betreffend die Klägerin
bei. Der Rechtsvertreter der Klägerin nahm dazu mit Eingabe vom 11. Dezember 2009
Stellung (act. G 27). Mit Schreiben vom 20. Januar 2010 legte ihm das
Versicherungsgericht Fragen bezüglich der erwerblichen Situation der Klägerin im Jahr
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2008 vor (act. G 30). Diese beantwortete der Rechtsvertreter mit Eingaben vom 4. und
10. März 2010 (act. G 37, 39). Hierzu und zu den IV-Akten äusserte sich die
Rechtsvertreterin der Beklagten mit Schreiben vom 23. März 2010 (act. G 43).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2005 trat die 1. BVG-Revision, welche auch eine Änderung der Regelung
der Überentschädigungsabschöpfung (insbesondere Art. 24 Abs. 2 BVV 2) mit sich
brachte, in Kraft. - In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 127 V 467; vorliegend: Überversicherungsberechnung ab 1. März
2008). Grundlage des vorliegenden Klageverfahrens bildet nicht ein
Rechtsmittelentscheid einer Vorinstanz. Hingegen steht fest, dass die Beklagte in der
Überversicherungsrechnung per 1. März 2008 ein zumutbarerweise erzielbares
(hypothetisches) Einkommen anrechnete (act. G 1.1/7) und ihren Standpunkt im
Schreiben vom 5. August 2008 bestätigte (act. G 7.2). Hierauf leitete die Klägerin am
10. September 2008 das Klageverfahren vor Versicherungsgericht ein. Mit Blick auf
diese Gegebenheiten ist konkret das ab 1. Januar 2005 gültige Recht der
obligatorischen beruflichen Vorsorge anzuwenden, soweit ihm neben dem
Vorsorgereglement der Beklagten (in der ab 1. Januar 2008 gültigen Fassung; act. G
7.3) eine eigenständige Bedeutung zukommt.
2.
2.1 Die Vorsorgeeinrichtung kann die Hinterlassenen- und Invalidenleistungen kürzen,
soweit sie zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 90 Prozent des
mutmasslich entgangenen Verdienstes übersteigen (Art. 24 Abs. 1 BVV 2). Als
anrechenbare Einkünfte gelten Leistungen gleicher Art und Zweckbestimmung, die der
anspruchsberechtigten Person aufgrund des schädigenden Ereignisses ausgerichtet
werden, wie Renten oder Kapitalleistungen mit ihrem Rentenumwandlungswert in- und
ausländischer Sozialversicherungen und Vorsorgeeinrichtungen mit Ausnahme von
Hilflosenentschädigungen, Abfindungen und ähnlichen Leistungen. Bezügern von
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Invalidenleistungen wird überdies das weiterhin erzielte oder zumutbarerweise noch
erzielbare Erwerbseinkommen angerechnet (Art. 24 Abs. 2 BVV2). Die
Vorsorgeeinrichtung kann die Voraussetzungen und den Umfang einer Kürzung
jederzeit überprüfen und ihre Leistungen anpassen, wenn die Verhältnisse sich
wesentlich ändern (Art. 24 Abs. 5 BVV2). Gemäss Art. 20 Abs. 1 des ab 1. Januar 2008
gültigen Reglements der Beklagten werden Hinterlassenen- und Invalidenleistungen
gekürzt, soweit sie zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 90 Prozent des
mutmasslich entgangenen Verdienstes der versicherten Person übersteigen. Als
anrechenbare Einkünfte gelten nach Art. 20 Abs. 2 des Reglements unter anderem das
weiterhin erzielte sowie das zumutbarerweise noch erzielbare Erwerbseinkommen (und/
oder Ersatzleistungen) bei teilinvalidenrentenberechtigten Personen. Die Kasse kann
die Voraussetzungen und den Umfang einer Kürzung jederzeit überprüfen und ihre
Leistungen anpassen, wenn die Verhältnisse sich wesentlich ändern (Art. 20 Abs. 9 des
Reglements 2008).
2.2 Nach der Rechtsprechung besteht der Zweck der in Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2
vorgeschriebenen Anrechenbarkeit des zumutbarerweise erzielbaren
Erwerbseinkommens darin, teilinvalide Versicherte, welche die ihnen zumutbare
Restarbeitsfähigkeit nicht verwerten, finanziell denjenigen gleichzustellen, die - in
Erfüllung der Schadenminderungspflicht - das ihnen zumutbare Invalideneinkommen
tatsächlich erzielen. So habe das BSV in seinen Mitteilungen über die berufliche
Vorsorge Nr. 75 vom 2. Juli 2004 in den Erläuterungen zur Änderung der BVV 2 zu Art.
24 Abs. 2 festgehalten, mit dem 2. Satz des Absatzes 2 werde mit der Ergänzung
"zumutbarerweise noch erzielbare Einkommen" sichergestellt, dass Teilinvalide im
Rahmen der Schadenminderung Erwerbseinkommen erzielen müssten, und dass das
Ersatzeinkommen, beispielsweise die Taggelder der Arbeitslosenversicherung (ALV),
bei Vermittelbarkeit ebenfalls angerechnet werden müsse (BGE 134 V 64 Erw. 4.1.1).
Zu berücksichtigen sei weiter der funktionale Zusammenhang zwischen erster
(Invalidenversicherung) und zweiter Säule (berufliche Vorsorge), wie er in den Art. 23,
24 Abs. 1 und Art. 26 Abs. 1 BVG positivrechtlich verankert sei. Zweck dieser
gesetzlichen Konzeption sei es, einerseits eine weitgehende materiellrechtliche
Koordination zwischen erster und zweiter Säule zu erreichen. Anderseits sollten damit
die Organe der beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen bezüglich
der Voraussetzungen des Umfangs und des Beginns des Invalidenrentenanspruchs in
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der zweiten Säule möglichst freigestellt werden (BGE 134 V 64 Erw. 4.1.2 mit Hinweis
auf BGE 133 V 67 Erw. 4.3.2; BGE 132 V 1 Erw. 3.2 S. 4). Seien nach der gesetzlichen
Konzeption der Invalidenleistungen aus der ersten und zweiten Säule die Festlegungen
der IV-Stelle bezüglich Entstehung, Höhe und Beginn des Rentenanspruchs
grundsätzlich für die Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge
massgebend und verbindlich, müsse das im invalidenversicherungsrechtlichen
Verfahren festgelegte Invalideneinkommen dem Grundsatz nach auch in der
berufsvorsorgerechtlichen Überentschädigungsberechnung Berücksichtigung finden.
Ausgangspunkt sei daher der Grundsatz der Kongruenz von Invalideneinkommen und
zumutbarerweise noch erzielbarem Erwerbseinkommen im Sinne des Art. 24 Abs. 2
Satz 2 BVV 2. Im gleichen Verhältnis stünden Valideneinkommen und mutmasslich
entgangener Verdienst (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1.
Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] B 17/03 vom 2.
September 2004, zusammengefasst in: SZS 2005 S. 321). Damit sei im Sinne einer
Vermutung davon auszugehen, dass das von der IV-Stelle festgelegte
Invalideneinkommen dem zumutbarerweise noch erzielbaren Erwerbseinkommen nach
Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2 entspreche (BGE 134 V 64 Erw. 4.1.3).
2.3 Das invalidenversicherungsrechtlich festgelegte Invalideneinkommen wird auf der
Grundlage eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes (Art. 16 ATSG) ermittelt. Der
ausgeglichene Arbeitsmarkt ist ein theoretischer und abstrakter Begriff. Er
berücksichtigt die konkrete Arbeitsmarktlage nicht, umfasst in wirtschaftlich
schwierigen Zeiten auch tatsächlich nicht vorhandene Stellenangebote und sieht von
den fehlenden oder verringerten Chancen Teilinvalider, eine zumutbare und geeignete
Arbeitsstelle zu finden, ab (BGE 110 V 273 Erw. 4b). Das zumutbarerweise erzielbare
Erwerbseinkommen im Sinn von Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2 basiert nach der
Rechtsprechung demgegenüber auf dem Zumutbarkeitsgrundsatz, der die
Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Umstände, auch in
arbeitsmarktlicher Hinsicht, verlange (BGE 134 V 64 Erw. 4.2.1 mit Hinweis auf Ueli
Kieser, Bemerkungen, in: AJP 2005 S. 228, Ziff. 5.4.1; Stefan Hofer, Überlegungen zum
revidierten Art. 24 Abs. 2 BVV 2, in: HAVE 2005, 167ff). Bei der Würdigung der
subjektiven Gegebenheiten und Möglichkeiten einer bestimmten versicherten Person
sei ein objektiver Massstab anzulegen. Bezogen auf das zumutbarerweise erzielbare
Erwerbseinkommen verlange der Zumutbarkeitsgrundsatz, dass die
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Vorsorgeeinrichtung, welche eine Kürzung ihrer obligatorischen Invalidenleistungen
beabsichtige, dem teilinvaliden Versicherten vorgängig das rechtliche Gehör
hinsichtlich jener arbeitsmarktbezogenen und persönlichen Umstände gewähren
müsse, die ihm die Erzielung eines Resterwerbseinkommens in der Höhe des
Invalideneinkommens erschweren oder verunmöglichen würden. Solche subjektiven
Gegebenheiten, denen unter Zumutbarkeitsgesichtspunkten Rechnung zu tragen sei,
seien alle Umstände, welche - im Rahmen einer objektivierenden Prüfung - für die
effektiven Chancen des betreffenden Versicherten, auf dem jeweiligen tatsächlichen
Arbeitsmarkt eine geeignete und zumutbare Arbeitsstelle zu finden, von wesentlicher
Bedeutung seien (BGE 134 V 64 Erw. 4.2.1). Verfahrensrechtlich stehe dem Recht der
versicherten Person, mit subjektiven Gegebenheiten und tatsächlichen
Arbeitsmarktchancen, welche die Erzielung eines dem Invalideneinkommen quantitativ
entsprechenden Resterwerbseinkommens erschweren oder verunmöglichen würden,
gehört zu werden, eine diesbezügliche Mitwirkungspflicht gegenüber. Die versicherte
Person habe die massgebenden persönlichen Umstände und tatsächlichen
Arbeitsmarktchancen, welche der Erzielung eines mit dem Invalideneinkommen
äquivalenten Resterwerbseinkommens entgegenstünden, im
Überentschädigungsverfahren zu behaupten, zu substantiieren und hierfür soweit
möglich Beweise anzubieten, namentlich durch den Nachweis erfolglos gebliebener
Stellenbemühungen (BGE 134 V 64 Erw. 4.2.2).
2.4 Nach der - vor BGE 134 V 64 publizierten - Meinung des Bundesamtes für
Sozialversicherung war das zumutbarerweise noch erzielbaren Erwerbseinkommen
unter Berücksichtigung der Umstände (Art und Ausmass der Behinderung) und des
tatsächlichen Arbeitsmarktes (tatsächliche Situation auf der lokalen und regionalen
Ebene, Anzahl der angebotenen Stellen im Verhältnis zu Stellensuchenden etc.)
festzulegen. Das Bundesamt stellte sich auf den Standpunkt, es handle sich dabei
nicht um das Einkommen, welches auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt erzielt
werden könne, und es sei auch nicht zulässig, auf das Durchschnittseinkommen der
betreffenden Branche oder auf das Einkommen, welches die IV-Stellen sowie die Suva
für die Vornahme des Einkommensvergleichs bei der Berechnung des IV-Grades
annehmen würden, abzustellen. Dies bedeute, dass die Vorsorgeeinrichtung, welche
eine Einkommensanrechnung machen wolle, zur Verhinderung von ungerechtfertigten
Kürzungen jeden Fall einzeln beurteilen müsse (Mitteilungen über die berufliche
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Vorsorge Nr. 82 Rz 478). Die Auffassung des Bundesamtes wurde nunmehr durch BGE
134 V 64 insofern nicht bestätigt, als dort die Vermutung der Erzielbarkeit des von der
IV festgelegten Invalideneinkommens aufgestellt wurde (vgl. auch Mitteilungen über die
berufliche Vorsorge Nr. 106 Rz 645). Demgegenüber sind auch gemäss der
vorerwähnten Rechtsprechung persönliche Umstände und tatsächliche
Arbeitsmarktchancen, welche der Erzielung eines mit dem Invalideneinkommen
äquivalenten Resterwerbseinkommens entgegenstehen, ebenfalls zu berücksichtigen
(vgl. vorstehende Erw. 2.3). Abzuklären ist, in welcher Form und unter welchen
Voraussetzungen dies konkret zu geschehen hat.
3.
3.1 Ausgehend von der von der Rechtsprechung aufgestellten Vermutung der
Erzielbarkeit des von der IV festgelegten Invalideneinkommens ist in beweisrechtlicher
Hinsicht vorweg festzuhalten, dass es grundsätzlich an der versicherten Person liegt,
im Rahmen des rechtlichen Gehörs und ihrer Mitwirkungspflicht eine allfällige
Nichterzielbarkeit darzutun und die Vermutung dadurch umzustossen. Die Klägerin
erhielt mit der Zustellung der Überentschädigungsberechnung per 1. März 2008
Kenntnis von der Anrechnung eines hypothetischen Resterwerbs. Ein Hinweis auf die
Einräumung des rechtlichen Gehörs zur Geltendmachung von arbeitsmarktlichen und
persönlichen Gegebenheiten hinsichtlich der Erzielung eines höheren hypothetischen
Resterwerbseinkommens als des tatsächlich erzielten fehlt im erwähnten Schreiben
(act. G 1.1/7). Immerhin wurden darin die Modalitäten der
Überentschädigungsberechnung umfassend dargelegt, so dass die Klägerin - auch
wenn keine entsprechende Aufforderung der Beklagten vorlag - von sich aus dazu
Stellung nehmen konnte. Sie liess denn auch ihren Standpunkt im Schreiben vom 4.
Juni 2008 (act. G 7.1) sowie in den Eingaben dieses Verfahrens darlegen. Auch wenn
das rechtliche Gehör bei diesem Verfahrensablauf als nicht vollumfänglich gewährt
angesehen werden könnte (vgl. act. G 9 S. 2f), hätte eine allfällige Verletzung desselben
als geheilt zu gelten, da sich die Klägerin - wenn auch erst im Nachhinein -
insbesondere auch im Rahmen der vom Gericht getroffenen Beweismassnahmen
umfassend zur Einkommensanrechnung äussern konnte.
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3.2 Die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens würde im Fall der
Klägerin bis zum monatlichen Betrag von Fr. 1'224.-- (Überentschädigungsgrenze von
Fr. 3'877.-- abzüglich IV-Rente von Fr. 1'424.-- sowie abzüglich ungekürzte BV-Rente
von Fr. 1'229.-- [Fr. 997.-- zuzüglich Kinderrente von Fr. 232.--]; vgl. act. G 1.1/7) zu
keiner Kürzung der Rente der Beklagten führen. Zu prüfen ist somit die Frage, ob die
Klägerin ein höheres Einkommen als Fr. 1'224.-- pro Monat erzielen könnte bzw. ob ihr
- in Ergänzung zu dem von ihr effektiv erzielten Erwerbs- oder Ersatzeinkommen - ein
hypothetisches Einkommen angerechnet werden kann. Mit Wirkung ab 1. Dezember
2003 erhielt sie eine halbe IV-Rente wegen einer beidseitigen Schulterproblematik mit
Impingementsymptomatik, einer rezidivierenden depressiven Störung, eines Zustandes
nach osteosynthetisch versorgter Fraktur am linken Sprunggelenk und eines Verdachts
auf Hypothyreose (IV-act. 27-5 und 27-9). Für die Verfügung vom 7. Februar 2006
(halbe Rente gestützt auf einen IV-Grad von 54% seit 1. Dezember 2003; IV-act. 48)
stellte die IV-Stelle insbesondere auf die interdisziplinäre RAD-Untersuchung vom 9.
Mai 2005 ab. Im entsprechenden RAD-Bericht vom 17. Mai 2005 wurde festgehalten,
dass die Arbeitsfähigkeit der Klägerin rein bezogen auf die psychiatrische Erkrankung
in der angestammten Tätigkeit als Mitarbeiterin in einem Restaurant nicht höher als
zwei bis drei Stunden täglich eingeschätzt werde. Die Arbeitsfähigkeit adaptiert in einer
leichten körperlichen Tätigkeit ohne Stress, Hektik und Zeitdruck, ohne Schichtarbeit
und ohne nennenswerte Arbeitsplatzkonflikte liege rein bezogen auf die psychiatrische
Erkrankung schätzungsweise bei drei bis maximal vier Stunden täglich (IV-act. 27). Im
Rahmen eines IV-Revisionsverfahrens erklärte die Klägerin am 12. Dezember 2008, ihr
Gesundheitszustand habe sich seit 1. September 2008 verschlimmert. Es seien
Gebärmuttermyome diagnostiziert worden. Im Dezember 2008 sei die Gebärmutter
entfernt worden. Vor Änderung des Gesundheitszustands sei sie während ca. 50
Stunden pro Monat erwerbstätig gewesen. Seit Anfang November 2008 übe sie keine
Erwerbstätigkeit mehr aus (IV-act. 53). Der Hausarzt Dr. med. E._, FMH Allgemeine
Medizin, berichtete demgegenüber am 6. Februar 2009, der Gesundheitszustand der
Klägerin sei stationär mit weiterhin chronifizierten Schmerzen und psychischer
Überlagerung. Die bisherige Tätigkeit sei der Klägerin weiterhin in demselben
reduzierten Rahmen (50 %) zumutbar (IV-act. 60; vgl. auch act. G 19.1). Hierauf
bestätigte die IV-Stelle am 23. Februar 2009 den unveränderten Rentenanspruch (IV-
act. 62). Dieses Revisions-Ergebnis blieb unangefochten.
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4.
4.1 Bei der in Art. 24 Abs. 2 BVV 2 vorgesehenen Anrechnung des weiterhin erzielten
oder des zumutbarerweise noch erzielbaren Erwerbs- oder Ersatzeinkommen handelt
es sich nach dem klaren Wortlaut dieser Bestimmung grundsätzlich um eine Entweder-
oder-Lösung in dem Sinn, dass im Fall, wo ein tatsächlich erzieltes Erwerbs- oder
Ersatzeinkommen vorliegt, dieses auch anzurechnen ist und nicht wahlweise ein
(höheres) hypothetisch erzielbares Einkommen (gemäss IV-Verfügung) berücksichtigt
werden darf. Diese Sichtweise dürfte auch mit der einschlägigen Rechtsprechung in
Einklang stehen (vgl. BGE 134 V 64 Erw. 4.1.1 am Schluss). Während Art. 20 Abs. 2
des vom 1. Januar 2005 bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Kassenreglements
der Beklagten für die Überentschädigungsberechnung noch im Wesentlichen die
Regelung von Art. 24 Abs. 2 BVV 2 übernommen hatte (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. Dezember 2006 i/S B.M. [BV
2005/33] Erw. 2a), sieht das Reglement 2008 - in Abweichung zur Regelung in Art. 24
Abs. 2 BVV 2 - in Art. 20 Abs. 2 nunmehr eine "Wahlfreiheit" in der Weise vor, dass ein
tatsächlich erzieltes Erwerbs- und/oder Ersatzeinkommen sowie ein zumutbarerweise
erzielbares Einkommen in die Überentschädigungsrechnung einzubeziehen sind.
Die Anwendung von Art. 20 Abs. 2 des Reglements 2008 könnte dann zu stossenden
Ergebnissen führen, wenn sowohl ein von der versicherten Person tatsächlich erzieltes
Erwerbs- oder Ersatzeinkommen als auch - ergänzend oder "auffüllend" - ein
hypothetisches Einkommen angerechnet bzw. im Ergebnis in jedem Fall das
Invalideneinkommen gemäss IV-Verfügung eingesetzt würde. Insbesondere beim
Bezug von ALV-Taggeldern, welche Ersatzeinkommen im erwähnten Sinn darstellen,
hat die versicherte Person (auch hypothetisch) keine Möglichkeit, für den jeweils in
Frage stehenden konkreten Zeitraum ein (hypothetisch festgelegtes) höheres
Einkommen zu generieren. Eine betragliche Ergänzung des ALV-Taggeldes bis zur
Höhe des zumutbarerweise erzielbaren Einkommens wäre diesfalls offensichtlich nicht
gerechtfertigt. Diese Lösung hätte auch zur Folge, dass die Höhe des effektiv erzielten
Einkommens überhaupt nur noch dann von Bedeutung wäre, wenn es höher als das
zumutbarerweise erzielbare Einkommen wäre. Läge das effektiv erzielte Einkommen
tiefer, würde immer auch eine betragliche Ergänzung bis zur Höhe des
zumutbarerweise erzielbaren Verdienstes vorgenommen. In diesem Zusammenhang ist
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auch zu beachten, dass das ALV-Taggeld lediglich 80 % des versicherten Verdienstes
beträgt (Art. 22 Abs. 1 AVIG). Der Umstand, dass eine versicherte Person ein Erwerbs-
oder ein Ersatzeinkommen erzielt, das tiefer liegt als das auf der Basis des
Invalideneinkommens der IV festgelegte hypothetische Einkommen, vermag zum
vornherein keine Überentschädigung zu bewirken, wenn die versicherte Person die
verbleibende Erwerbsfähigkeit durch ihre Tätigkeit (vom Pensum her) ausschöpft oder
durch ein Ersatzeinkommen entschädigt erhält. In diesem Fall wird die Vermutung der
Erzielbarkeit des Invalideneinkommens dadurch widerlegt, dass die versicherte Person
tatsächlich ein tieferes Einkommen erzielt.
4.2 Die Klägerin war von Februar bis Juli sowie im Oktober 2007 aushilfsweise im
Restaurant - auf Abruf (vgl. act. G 7.1) - beschäftigt. Der Beschäftigungsgrad betrug
unter Zugrundelegung einer 40-Stundenwoche (Vollzeit) zwischen 45 und 54 %, wobei
sich für Februar, Juli und Oktober 2007 jeweils lediglich ein kurzer Einsatz mit
entsprechend tiefen Beschäftigungsgraden ergab (act. G 1.1/1). Im Jahr 2007 erzielte
die Klägerin dort als Service-Aushilfe einen Bruttolohn Fr. 12'105.-- (act. G 1.1/4). Nach
Angaben ihres Rechtsvertreters sei aber am Morgen zu wenig gelaufen, weshalb der
Morgendienst abgeschafft und sie arbeitslos geworden sei (act. G 1 S. 3). Im Jahr 2007
erhielt die Klägerin ALV-Taggelder im Betrag von Fr. 2'038.-- (act. G 1.1/2). Vom 12.
November bis 9. Dezember 2007 war sie für die G._ bei der Jowa tätig und erhielt
einen Bruttolohn von Fr. 1'008.-- (act. G 1.1/3). Die Gesamteinkünfte beliefen sich
somit im Jahr 2007 auf Fr. 15'151.-- brutto (vgl. auch IK-Auszug; IV-act. 56).
Umgerechnet auf einen Monat resultiert ein Betrag von Fr. 1'263.-- (aufgerundet).
Bei einer ersten Überentschädigungsberechnung per 1. Januar 2008 rechnete die
Beklagte der Klägerin das von ihr tatsächlich erzielte Einkommen im Betrag von
Fr. 1'009.-- an und richtete ungekürzte Vorsorgeleistungen im Betrag von Fr. 1'229.--
aus (act. G 1.1/6). Diese Berechnung korrigierte sie auf den 1. März 2008 dahingehend,
dass sie nunmehr neben dem tatsächlich erzielten Einkommen von Fr. 1'009.--
ergänzend noch ein zumutbarerweise erzielbares Einkommen von Fr. 973.-- pro Monat
anrechnete (Fr. 1'982.-- [= 46 % von Fr. 4'308.--] abzüglich effektiv erzieltes
Einkommen von Fr. 1'009.--). Hieraus resultierte eine gekürzte Rente von Fr. 471.--
monatlich (act. G 1.1/7). Zu prüfen ist nachstehend, ob sich die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens - über den Betrag des tatsächlichen Einkommens
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hinaus - für die Zeit ab März 2008 konkret aufrecht erhalten lässt. Dies setzt wie
dargelegt voraus, dass die Klägerin die ihr in gesundheitlicher Hinsicht zumutbare
Leistungsfähigkeit bei der Ausübung der Erwerbstätigkeit nicht zureichend ausschöpft.
4.3 Die Beklagte machte in der Klageantwort geltend, die Klägerin habe bloss in vier
Monaten (des Jahres 2007) allenfalls in zeitlicher Hinsicht in dem von ihr zu
erwartenden Rahmen gearbeitet. Als Service-Aushilfe habe sie nur gerade einen
Bruttolohn von Fr. 23.70 (act. G 1.1/1) erzielt. Bereits als Haushaltshilfe sei die
Erzielung eines höheren Stundenlohnes ohne Weiteres möglich (act. G 7 S. 7). Die
Beklagte nahm die Überentschädigungsberechnung per 1. März 2008 gestützt auf die
Zahlen von 2007 vor, indem sie soweit ersichtlich das von der Klägerin im November/
Dezember 2007 erzielte Bruttoeinkommen von Fr. 1'008.-- (act. G 1.1./3) zugrunde
legte. Ausgehend vom Grundsatz, dass für die Prüfung der Frage der
Einkommensanrechnung die zeitliche Kongruenz der verwendeten Zahlen vorliegen
sollte, nahm das Versicherungsgericht weitere Abklärungen bezüglich des von der
Klägerin im Jahr 2008 erzielten Erwerbs- bzw. Ersatzeinkommens vor. Diese ergaben,
dass sie im Jahr 2008 verschiedene, durch die G._ vermittelte Tätigkeiten ausübte,
wofür sie einen Bruttolohn von insgesamt Fr. 15'314.-- erhielt. Die Arbeitgeberin
erklärte in diesem Zusammenhang, die Klägerin sei bei ihr für ein 50 %-Pensum
gemeldet gewesen. Sie habe von den ihr vermittelten Arbeiten keine abgelehnt (act. G
37.1-37.3). Sodann liess die Klägerin festhalten, sie gehöre nicht zum Fachpersonal im
Service, weshalb es in der heutigen Wirtschaftslage schwierig sei, ihr Aufträge zu
vermitteln. Die G._ vermittle Personal mit Fachabschluss (Köche, Serviceangestellte),
das in erster Linie gefragt sei. Sie habe das doppelte Handicap, dass sie nur Teilzeit
arbeiten könne und eine IV-Rente erhalte. Sobald ein Arbeitgeber davon erfahre, sei
eine Festanstellung nicht mehr gewünscht, weil sie als Risiko gelte. Sie habe auf eine
Festanstellung im zweiten Halbjahr 2008 gehofft, nachdem sie bei der G._ fast acht
Monate angestellt gewesen sei. Bis Mitte 2008 habe sie am gleichen Ort arbeiten
können, zunächst für die F._, danach für die C._; es sei aber der gleiche Betrieb
gewesen. Die 553.6 Arbeitsstunden während dieses halben Jahres hätten etwa einem
Pensum von 50 % entsprochen. Sie habe also im ersten halben Jahr 2008 gar keine
zusätzliche Arbeit annehmen können. Sie habe jede Arbeit angenommen, so auch als
Aushilfsverkäuferin. Sie habe sich weiterhin bemüht um Festanstellungen, dies jedoch
nicht dokumentiert. Die Leute aus Ex-Jugoslawien würden Arbeitsstellen in der Regel
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durch ermittlung von Bekannten und Freunden finden. So habe sie auch ihre letzte
Feststelle gefunden. Die Klägerin sei (von ihrem Rechtsvertreter) instruiert, inskünftig
die Arbeitssuche zu dokumentieren (act. G 37, 37.1, 37.2). Im Jahr 2008 erhielt die
Klägerin keine ALV-Taggelder (act. G 39).
4.4 Aufgrund der medizinischen Akten der IV und des Ergebnisses der Rentenrevision
2008 (vgl. dazu vorstehende Erw. 3.2) ist als erstellt zu erachten, dass die Klägerin in
einer ihrem Gesundheitsschaden angepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig ist. Ihr
Vorbringen, dass sie zwar Anspruch auf höhere Rente gehabt hätte, jedoch mit Blick
auf die bei Anfechtung des Rentenentscheids in Aussicht stehende Zuweisung an ein
Begutachtungsinstitut und den daran anschliessenden aufreibenden Rechtsstreit auf
Rechtsmittel verzichtet habe (act. G 27 S. 2), hilft im vorliegenden Verfahren nicht
weiter, zumal hier die Rentenprüfung nicht nachgeholt werden kann. Bei 21.7
Arbeitstagen im Monatsdurchschnitt (vgl. Art. 40a AVIV; SR 873.02) resultieren mit
einem 50 %-Pensum (4 Arbeitsstunden pro Tag) 87 Arbeitsstunden pro Monat. Die von
ihr in der Zeit vom 12. November 2007 bis 27. Juni 2008 (rund 7.5 Monate) im Rahmen
des Rahmenarbeitsvertrags bei der G._ geleisteten 553.6 Arbeitsstunden
entsprechen 74 Stunden pro Monat im Durchschnitt, was einem Pensum von ca. 43 %
entspricht. Für die Zeit danach erfolgten bis Ende November 2008 lediglich vereinzelte
Arbeitseinsätze von insgesamt 131.25 Stunden, woraus sich ein entsprechend geringes
Arbeitspensum (von rund 20 %) ergibt (act. G 37.2, 37.3). Der Bruttolohn von
Fr. 15'314.-- für das Jahr 2008 entspricht unter Zugrundelegung des von der G._
verrechneten Stundenlohnes von rund Fr. 23.-- und Berücksichtigung eines
Ferienanteils einem Durchschnitts-Pensum von rund 35 %.
Bei dieser Aktenlage ist festzuhalten, dass die Klägerin im Jahr 2008 das ihr in
gesundheitlicher Hinsicht zumutbare Pensum von 50 % (nicht 46 %; vgl. act. G 9 S. 2)
bzw. vier Stunden pro Tag in zeitlicher Hinsicht durch die unregelmässigen, auf Abruf
erfolgten Einsätze bei der G._ nur teilweise ausfüllte. Der von ihr geltend gemachte
Umstand, dass die Auftragslage für Teilerwerbstätige in ihrem Sektor bei der G._
immer schwieriger werde und die mangelnde Arbeitszuweisung an der Auftragslage
gelegen habe (act. G 9 S. 2), stellt keinen Grund dar, von der Anrechnung des IV-
Einkommens als vermutungsweise erzielbaren Wert abzusehen. Dies umso weniger, als
die Klägerin nicht geltend macht, dass ihr die Erzielung eines Einkommens in der Höhe
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des Invalideneinkommens aus arbeitsmarktlichen und persönlichen Gründen generell
nicht zumutbar sei. Entgegen ihrer Behauptung dürfte gerade im Gastgewerbe
ungelerntes Personal einen erheblichen Teil der Beschäftigten ausmachen. Im Übrigen
kommen aber auch andere Tätigkeiten im Produktions- und Dienstleistungsbereich in
Betracht. Arbeitsbemühungen für eine 50 %-Stelle im Jahr 2008 vermag die Klägerin
jedoch nicht nachzuweisen; allein die Anmeldung bei einer Stellenvermittlungs-Agentur
oder der Hinweis auf nicht dokumentierte Vermittlungsbemühungen von Bekannten
und Freunden vermag einen solchen Nachweis nicht zu leisten (vgl. act. G 37 S. 2). Das
zumutbare Invalideneinkommen 2005 auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt bezifferte
die IV-Stelle mit Fr. 22'376.-- (IV-act. 43-2/2, IV-act. 46). Die Beklagte nahm eine
Aufrechnung auf die Nominallohnverhältnisse 2008 vor und legte der
Überentschädigungsberechnung einen Betrag von Fr. 23'784.-- bzw. Fr. 1'982.-- pro
Monat zugrunde (act. G 1.1/7). Unter Zugrundelegung der Nominallohnentwicklung
gemäss Bundesamt für Statistik resultiert aus der Aufrechnung von 2005 (Index Frauen:
2'386) auf 2008 (Index Frauen: 2499) jedoch lediglich ein Betrag von Fr. 23'436.--. Die
Berechnung der IV für das Revisionsverfahren 2008 ergab sogar lediglich einen Betrag
von Fr. 23'236.-- (IV-act. 61). Mit Blick auf die von der Rechtsprechung statuierte
vermutungsweise Anrechenbarkeit des IV-Einkommens erscheint es sachgerecht, für
das vorliegende Verfahren vom letztgenannten Betrag bzw. von einem monatlichen
Betrag von Fr. 1'936.-- auszugehen.
5.
Vorliegend bildete der in den Jahren 2007 und 2008 bei der Klägerin vorliegende
erwerbliche Sachverhalt Gegenstand der Prüfung. Der Nachweis der Nichterzielbarkeit
eines Erwerbseinkommens steht - wie die Überentschädigungsberechnung als solche
(vgl. Art. 24 Abs. 5 BVV 2) - immer unter dem Vorbehalt einer Neuprüfung für den Fall
einer wesentlichen Veränderung der Verhältnisse. Der Klägerin ist es unbenommen, bei
Vorliegen der Voraussetzungen nach Art. 24 Abs. 5 BVV 2 bzw. Art. 20 Abs. 9 des
Reglements 2008 eine Neuprüfung zu beantragen und entsprechende Belege
einzureichen.
6.
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage abzuweisen. Bei der
Überentschädigungs-Berechnung ab März 2008 ist ein hypothetisches monatliches
Resterwerbseinkommen von Fr. 1'936.-- anzurechnen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
1. Die Klage wird abgewiesen. Bei der Überentschädigungs-Berechnung ab März 2008
ist ein monatliches hypothetisches Resterwerbseinkommen von Fr. 1'936.--
anzurechnen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 08.06.2010 Art. 24 Abs. 2 BVV 2: Überentschädigungsberechnung in der beruflichen Vorsorge. Anrechnung eines hypothetischen Resterwerbseinkommens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. Juni 2010, BV 2008/19).
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2021-09-19T17:51:51+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen