Decision ID: c00a910f-4827-4f63-bbef-8c7a299563e5
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1976, befand sich in den Jahren 2011 bis 2017
aufgrund ihrer Alkoholabhängigkeit mehrmals in stationärer
Entzugsbehandlung in den Kliniken der Psychiatrischen Dienste
Graubünden (PDGR). Zuvor arbeitete sie während mehreren Jahren als
Serviceangestellte im Gastgewerbe.
2. Am 19. Januar 2017 meldete sich A._ unter Hinweis auf eine
emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ, eine
psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom,
und eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode,
erstmals bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-
Stelle) zum Leistungsbezug an.
3. Nachdem die IV-Stelle in der Folge erwerbliche Abklärungen durchgeführt,
medizinische Berichte eingeholt und A._ mit Schreiben vom
22. Februar 2017 zur Suchtmittelabstinenz aufgefordert hatte, erfolgte am
10. Oktober 2017 eine monodisziplinäre Abklärung beim Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) Ostschweiz durch Dr. med. B._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH. In dem am 27. Oktober 2017
erstatteten Bericht stellte Dr. med. B._ als Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradig depressive Episode (ICD:10 F33.1),
und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD:10 F10.2), gegenwärtig abstinent.
Während er die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im
Gastgewerbe als aufgehoben erachtete, wies er in einer
leidensadaptierten Tätigkeit eine ab dem Zeitpunkt der Abklärung
bestehende 50%ige Arbeitsfähigkeit aus. Unter adäquater antidepressiver
Behandlung rechnete er mit der Wiedererlangung einer 80%igen
Arbeitsfähigkeit innert sechs bis zwölf Monaten.
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4. Am 12. September 2018 führte die IV-Stelle eine Haushaltsabklärung
durch. Dabei gab A._ an, ohne Gesundheitsschaden zu 100 % im
Service oder Verkauf erwerbstätig zu sein.
5. Nachdem die IV-Stelle am 30. Juni 2020 einen Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen verneint hatte, stellte sie A._ mit
gleichentags erlassenem Vorbescheid die Ausrichtung einer ganzen
Invalidenrente für den Zeitraum vom 1. September 2017 bis zum 31.
Januar 2018 und einer Viertelsrente für den Zeitraum vom 1. Februar 2018
bis zum 31. März 2018 in Aussicht. Ab dem 1. April 2018 bestehe aufgrund
eines unter 40 % liegenden Invaliditätsgrads kein Anspruch mehr auf eine
Invalidenrente. Mit Verfügungen vom 24. November 2020 sprach die IV-
Stelle A._ für den Zeitraum vom 1. September 2017 bis zum
31. März 2018 eine ganze Invalidenrente zu. Diese Verfügungen
erwuchsen unangefochten in Rechtskraft.
6. Am 23. Juni 2021 meldete sich A._ unter Hinweis auf psychische
und Verhaltensstörungen durch Alkohol, Entzugssyndrom (ICD:10 F10.3),
Rückenschmerzen, eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung,
Borderline-Typ (ICD:10 F60.31), psychische und Verhaltensstörungen
durch Sedativa oder Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom (ICD:10 F13.2),
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode (ICD:10 F33.1), und eine posttraumatische Belastungsstörung
(ICD:10 F43.1) erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an.
7. In der Folge forderte die IV-Stelle A._ mit Schreiben vom 25. Juni
2021 auf, bis zum 31. August 2021 Unterlagen einzureichen, die auf eine
wesentliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustands hindeuten
würden.
8. Mit Vorbescheid vom 8. November 2021 stellte die IV-Stelle A._
in Aussicht, mangels Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung
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in den tatsächlichen Verhältnissen nicht auf ihr Leistungsbegehren
einzutreten. Die IV-Stelle entschied mit Verfügung vom 17. Dezember
2021 wie vorbeschieden und trat auf das Leistungsbegehren nicht ein.
9. Am 17. Januar 2022 teilte der Hausarzt Dr. med. C._, Allgemeine
Medizin FMH, der IV-Stelle per E-Mail unter anderem mit, dass
A._ das Schreiben vom 25. Juni 2021 betreffend Nachreichung
eines ärztlichen Berichts aufgrund mehrerer Klinikaufenthalte erst letzte
Woche gesehen habe. Zudem sei auch die Emser Postadresse seit letzten
Herbst nicht mehr korrekt.
10. Gegen die Verfügung vom 17. Dezember 2021 erhob A._
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 20. Januar 2022 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und beantragte, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die IV-Stelle anzuweisen, ihr
Leistungsbegehren vom 23. Juni 2021 zu bearbeiten und die
erforderlichen Berichte und gegebenenfalls ein psychiatrisches Gutachten
einzuholen. Prozessual ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass sie
vom 9. Juni 2021 bis zum 26. Juli 2021 in der Klinik D._
hospitalisiert gewesen sei. Während dieses Aufenthalts habe die Klinik für
sie die Anmeldung bei der IV-Stelle vorgenommen. Sie habe nicht
gewusst, dass sie ärztliche Berichte hätte nachreichen sollen. Das
entsprechende Schreiben vom 25. Juni 2021 habe sie erst mit Erhalt der
Nichteintretensverfügung gesehen. Es sei ihr nicht nachgeschickt worden.
Dass sie die Frist gemäss Schreiben vom 25. Juni 2021 verpasst habe,
sei nicht ihre Schuld. Ab dem 23. August 2021 sei sie bereits wieder im
Spital und erneut in der Klinik D._ gewesen. Gleichzeitig reichte
sie zwei Berichte der PDGR vom 2. August 2021 und 26. Oktober 2021
sowie eine Stellungnahme ihres Hausarztes Dr. med. C._ vom
16. Januar 2022 ein.
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11. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer
Vernehmlassung vom 15. Februar 2022 auf Abweisung der Beschwerde
und verwies dabei zur Begründung primär auf die angefochtene Verfügung
vom 17. Dezember 2021. Ausserdem brachte sie vor, dass der Bericht von
Dr. med. C._ vom 16. Januar 2022 sowie die mit Beschwerde
eingereichten Berichte der PDGR vom 2. August 2021 und 26. Oktober
2021 für die Beantwortung der vorliegend relevanten Frage nicht
herangezogen werden könnten, zumal diese ihr im Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung nicht zur Verfügung gestanden hätten. Die
Beschwerdeführerin habe im Verwaltungsverfahren nicht glaubhaft
dargelegt, dass sich der Sachverhalt in einer für den Anspruch erheblichen
Weise verändert habe, weshalb auf die Neuanmeldung vom 23. Juni 2021
zu Recht nicht eingetreten worden sei. Selbst wenn die
Beschwerdeführerin das Schreiben vom 25. Juni 2021 erst im Dezember
2021 gesehen habe, hätte sie ohne weiteres die Möglichkeit gehabt,
gegen den Vorbescheid vom 8. November 2021 Einwand zu erheben und
dabei entsprechende Unterlagen zur Glaubhaftmachung einer
wesentlichen Veränderung des anspruchsrelevanten Sachverhalts
einzureichen.
12. Die Beschwerdeführerin liess sich trotz der ihr eingeräumten Frist zur
freigestellten Stellungnahme nicht mehr vernehmen.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die
angefochtene Verfügung sowie die weiteren Akten wird, sofern
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
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anfechtbar. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 17.
Dezember 2021 stellt eine solche anfechtbare Verfügung der
Invalidenversicherung und folglich ein taugliches Anfechtungsobjekt für
ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus
Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. mit Art. 49 Abs. 2 lit. a
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als
Adressatin der strittigen Verfügung ist die Beschwerdeführerin berührt und
sie weist ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung auf (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Die Beschwerde
wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m.
Art. 60 Abs. 1 und 2, Art. 38 f. sowie Art. 61 lit. b ATSG). Darauf ist somit
einzutreten.
1.2. Nach Art. 43 Abs. 3 lit. b VRG entscheidet das Verwaltungsgericht in
einzelrichterlicher Kompetenz, wenn ein Rechtsmittel offensichtlich
unzulässig oder offensichtlich begründet oder unbegründet ist. Bei der
vorliegenden Beschwerde handelt es sich – wie nachfolgend dargelegt
wird – um ein offensichtlich unbegründetes Rechtsmittel, weshalb das
Urteil in einzelrichterlicher Kompetenz ergeht.
2. Der Streitgegenstand erschöpft sich in der Frage, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht mangels glaubhaft gemachter
wesentlicher Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen durch die
Beschwerdeführerin nicht auf deren Leistungsbegehren eingetreten ist.
3.1. Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert,
so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn damit glaubhaft gemacht
wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]; vgl. Urteil
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des Bundesgerichts 8C_481/2020 vom 15. Dezember 2020 E.2.2). Eine
solche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse kann namentlich in einer
Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit entsprechend
verminderter Arbeitsfähigkeit oder in geänderten erwerblichen
Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich gebliebenen Beeinträchtigung
der Gesundheit liegen. Dagegen stellt eine bloss abweichende Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts keine relevante
Änderung dar (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_541/2019 vom 23.
Dezember 2019 E.3.1 und 8C_606/2019 vom 5. Dezember 2019 E.3.2 mit
Hinweis). Es obliegt der versicherten Person, die Voraussetzung des
veränderten Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_455/2020 vom 20. Oktober 2020 E.3.1 mit Hinweis).
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte
Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss
also nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Grad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 144 V 427 E.3.2) erstellt
sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten
rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte
bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist,
bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht
erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn
angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente (oder
deren Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend gemachten
Umstände als richtig erweisen sollten (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_725/2019 vom 27. Januar 2020 E.2.2 und 9C_733/2019 vom
2. Dezember 2019 E.2.2.).
3.2. Der Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts zu sorgen hat, spielt insoweit nicht (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_725/2019 vom 27. Januar 2020 E.2.2). Dieser greift
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rechtsprechungsgemäss erst, wenn die Verwaltung auf ein Gesuch eintritt,
folglich ein Verfahren eröffnet und verpflichtet ist, den massgeblichen
Sachverhalt abzuklären (vgl. BGE 130 V 64 E.5.2.5 und Urteil des
Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.5).
3.3. Für die beschwerdeweise Überprüfung einer Nichteintretensverfügung ist
nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts der Sachverhalt, wie er sich
der Verwaltung bot, resp. die Aktenlage bei Erlass dieser Verfügung mass-
geblich (vgl. BGE 130 V 64 E.5.2.5; Urteile des Bundesgerichts
8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.1 und 8C_183/2016 vom 9. Mai
2016 E.2.1). Bei der Frage des Eintretens auf die Neuanmeldung kann
somit nur auf jene ärztlichen Berichte abgestellt werden, die der
Verwaltung im Zeitpunkt ihres Nichteintretensentscheids auch vorgelegen
haben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August 2019
E.6.4). Insofern sind die erst im vorliegenden Beschwerdeverfahren ins
Recht gelegten Berichte der PDGR vom 2. August 2021 und 26. Oktober
2021 (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 3 und 4) sowie die erst
nach Erlass der angefochtenen Nichteintretensverfügung vom 17.
Dezember 2021 bei der Beschwerdegegnerin und auch im Rahmen des
kantonalen Beschwerdeverfahrens eingereichte Stellungnahme des
Hausarztes Dr. med. C._ vom 16. Januar 2022 (vgl.
beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 116 und Bf-act. 2) für die
Beantwortung der hier relevanten Frage unbeachtlich.
3.4. Die zeitliche Vergleichsbasis für die Frage, ob eine rentenrelevante
Veränderung des Sachverhalts glaubhaft ist, bildet der Zeitpunkt der
letzten umfassenden materiellen Prüfung (mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs). Der Vergleichszeitraum erstreckt sich
grundsätzlich bis zur Prüfung und Beurteilung des Gesuchs, d.h. bis zum
Erlass der Verfügung betreffend die Neuanmeldung (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.1).
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4.1. Vorliegend sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit
Verfügungen vom 24. November 2020 eine befristete ganze
Invalidenrente für den Zeitraum vom 1. September 2017 bis zum 31. März
2018 zu (vgl. Bg-act. 95 und 99). Diese Verfügungen erwuchsen
unangefochten in Rechtskraft. Am 23. Juni 2021 meldete sich die
Beschwerdeführerin erneut bei der Beschwerdegegnerin zum
Leistungsbezug an (vgl. Bg-act. 107). Daraufhin wurde die
Beschwerdeführerin mit Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 25. Juni
2021 aufgefordert, bis zum 31. August 2021 Unterlagen (z.B. einen
ärztlichen Bericht zusammen mit aktuellen Laborwerten) einzureichen, die
auf eine wesentliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustands
hindeuten würden (vgl. Bg-act. 109). In der Folge reichte die
Beschwerdeführerin unstreitig keine entsprechenden Unterlagen ein, so
dass die Beschwerdegegnerin – nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (vgl. Bg-act. 110) – mit Verfügung vom 17.
Dezember 2021 mangels Glaubhaftmachung einer wesentlichen
Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen nicht auf ihr
Leistungsbegehren vom 23. Juni 2021 eintrat (vgl. Bg-act. 111). Da die
Beschwerdeführerin mangels Einreichung entsprechender ärztlicher
Unterlagen im Verwaltungsverfahren somit nicht glaubhaft dargelegt hat,
dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten rechtskräftigen
Entscheidung in einem für den Leistungsanspruch erheblichen Mass
verändert haben, ist die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf deren
Leistungsbegehren eingetreten. Was die Beschwerdeführerin und ihr
Hausarzt Dr. med. C._ dagegen vorbringen, überzeugt nicht.
4.2. Soweit die Beschwerdeführerin sinngemäss geltend machen sollte, die
Klinik D._ habe sie am 23. Juni 2021 ohne ihr Wissen bei der
Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug angemeldet, ist dies nicht zu
hören. Zwar erfolgte die besagte Anmeldung zu einem Zeitpunkt, in
welchem sich die Beschwerdeführerin in stationärer Behandlung in der
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Klinik D._ befand (vgl. Bf-act. 3). Allerdings kann den Akten
entnommen werden, dass die Anmeldung zum Leistungsbezug von der
Beschwerdeführerin selbst unterzeichnet wurde und dieser zudem Pass-
und Aufenthaltsbewilligungskopien beigelegt wurden (vgl. Bg-act. 107 und
108). Sodann erweist sich der Einwand des Hausarztes Dr. med.
C._ in seiner E-Mail vom 17. Januar 2022 an die
Beschwerdegegnerin, wonach die Emser Postadresse der
Beschwerdeführerin seit letztem Herbst nicht mehr korrekt sei (vgl. Bg-act.
115), als unbegründet. Denn die im Rahmen des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens getätigten Recherchen zeigen, dass die
Beschwerdeführerin vom 1. Dezember 2001 bis am 16. Januar 2022 in
E._ an der F._ wohnhaft war und erst per 17. Januar
2022 nach G._ zog (abgerufen auf der Einwohnerdatenplattform
Geres am 21. Februar 2022). Vor diesem Hintergrund ist nicht zu
beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin ihr Schreiben vom 25. Juni
2021, den Vorbescheid vom 8. November 2021 sowie die
Nichteintretensverfügung vom 17. Dezember 2021 an diese Adresse
zustellte (vgl. Bg-act. 109, 110 und 111). Des Weiteren ist die Behauptung
der Beschwerdeführerin, sie habe das Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 25. Juni 2021 aufgrund ihrer Aufenthalte in der
Klinik D._ erst im Dezember 2021 – zusammen mit der
angefochtenen Nichteintretensverfügung – gesehen, wenig glaubhaft.
Abgesehen davon, dass der Hausarzt Dr. med. C._ in seiner E-
Mail vom 17. Januar 2022 abweichend von der Beschwerdeführerin
vorbrachte, dass sie das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 25. Juni
2021 erst letzte Woche gesehen habe (vgl. Bg-act. 115), musste die
Beschwerdeführerin aufgrund der am 23. Juni 2021 erfolgten Anmeldung
zum Leistungsbezug mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit mit der
Zustellung eines behördlichen Aktes seitens der Beschwerdegegnerin
rechnen, weshalb sie während ihres Klinikaufenthalts nach Treu und
Glauben verpflichtet gewesen wäre, dafür zu sorgen, dass sie von ihrer an
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die Adresse in E._ gelangenden Korrespondenz und damit vom
Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 25. Juni 2021 Kenntnis erlangt
(vgl. BGE 141 II 429 E.3.1, 139 IV 228 E.1.1, 138 III 225 E.3.1, 130 III 396
E.1.2.3; Urteile des Bundesgerichts 2C_364/2021 vom 5. August 2021
E.3.3.2, 2C_35/2016 vom 18. Juli 2016 E.3.1 und 2C_286/2008 vom
6. Mai 2008). Dies hat die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen
unterlassen, weshalb sie – entgegen ihrer Auffassung – ein Verschulden
an der verpassten Frist gemäss Schreiben vom 25. Juni 2021 trifft.
Schliesslich hätte die Beschwerdeführerin die Möglichkeit gehabt, gegen
den Vorbescheid der Beschwerdegegnerin vom 8. November 2021
Einwand zu erheben und dabei – wie im Vorbescheid festgehalten (vgl.
Bg-act. 110) – anhand von entsprechenden Unterlagen eine wesentliche
Veränderung des anspruchsrelevanten Sachverhalts glaubhaft zu
machen. Dass die Beschwerdeführerin den besagten Vorbescheid nicht
erhalten bzw. erst später gesehen hat, bringt sie nicht vor.
4.3. Der Vollständigkeit halber ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten,
dass es der Beschwerdeführerin offen steht, die Berichte der PDGR vom
2. August 2021 und 26. Oktober 2021 sowie die Stellungnahme des
Hausarztes Dr. med. C._ vom 16. Januar 2022 im Rahmen einer
erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug einzureichen.
5. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde als offensichtlich unbegründet
und ist abzuweisen.
6.1. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Da dieser Fall nur einen geringen Aufwand verursacht hat,
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werden die Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen
Kostenrahmens auf CHF 200.-- festgesetzt.
6.2. Bei diesem Prozessausgang wird die Beschwerdeführerin grundsätzlich
kostenpflichtig. Allerdings hat sie um unentgeltliche Rechtspflege ersucht.
Gemäss Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die
erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (vgl. auch Art. 76
Abs. 1 VRG). Aussichtslos ist ein Prozess, dessen Gewinnchancen
beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahr und kaum als ernsthaft
bezeichnet werden können. Hingegen darf nicht von Aussichtslosigkeit
ausgegangen werden, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahr
ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese
(vgl. BGE 122 I 267 E.2b). Da die Beschwerde nach dem Gesagten als
aussichtlos einzustufen ist, kann dem Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege nicht stattgegeben werden.
6.3. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).