Decision ID: b7a3cca2-4880-5589-9cdf-65e27521dec4
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 5. Novem-
ber 2018 in die Schweiz, wo er am Folgetag um Asyl nachsuchte.
B.
B.a Am 19. November 2018 fand die Befragung zur Person (BzP) statt und
am 10. September 2020 wurde der Beschwerdeführer vom SEM einläss-
lich zu seinen Asylgründen angehört.
Dabei brachte er vor, er stamme aus dem Dorf B._ (Provinz [...]),
wo er von seiner Geburt bis zur Ausreise mit seiner Familie gelebt habe.
Er habe dort die Schule bis zur (...). Klasse besucht und danach im eige-
nen Landwirtschaftsbetrieb gearbeitet. Ausserdem habe er eine Hühner-
farm betrieben. In den letzten ungefähr (...) Jahren vor seiner Ausreise aus
Pakistan habe er zudem in seinem Heimatdorf eine (...) geführt, wo er auch
elektronische Geräte, Papeterieartikel und Sportsachen verkauft habe. Mit
seinen verschiedenen Geschäftstätigkeiten habe er gut verdient. Er sei ver-
heiratet und Vater von vier Töchtern und einem Sohn; seine Familie halte
sich seit seiner Ausreise in C._ (Provinz [...]) auf.
Am (...) sei sein Freund vor seinen Augen mit einer Eisenstange erschla-
gen worden. Die drei Hauptverantwortlichen für den Mord seien zunächst
geflüchtet. Wenig später sei einer von ihnen verhaftet worden. Am (...)
habe er (Beschwerdeführer) vor dem zuständigen Gericht ([...]) gegen die
Mörder ausgesagt. Nebst ihm habe ein zweiter Zeuge namens D._
vor Gericht ausgesagt, dieser sei mittlerweile nach E._ ausgereist.
Am Tag nach seiner Aussage seien die zwei geflüchteten Täter zusammen
mit anderen Personen in seine (...) gekommen und hätten ihn aufgefordert,
seine Aussage zurückzuziehen. Sie hätten sein Geschäft beschädigt, ihm
gedroht und auch geschossen. Danach seien diese Leute jeden Tag in sein
Geschäft gekommen und hätten ihm gedroht beziehungsweise habe er
diese Personen nach dem (...) nicht mehr gesehen. Er habe den Vorfall
gleichentags der Polizei gemeldet, welche ihm gesagt habe, dass gegen
diese Personen bereits Ermittlungen im Gang seien. Danach habe er einen
Käufer für seine (...) gesucht, habe seinen landwirtschaftlichen Betrieb und
seine Hühnerfarm verpachtet und sei am (...) ausgereist.
B.b Der Beschwerdeführer reichte Kopien des Polizeiberichts über den
Vorfall mit seinem Freund und seine Anzeige zum Vorfall in seiner (...) als
Beweismittel ein.
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C.
Mit Verfügung vom 7. Oktober 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungs-
vollzug an.
D.
Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
27. Oktober 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlings-
eigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die
Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvoll-
zugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventua-
liter sei die Sache zur erneuten Beurteilung an das SEM zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes. Eventualiter sei die
aufschiebende Wirkung wiederherzustellen.
Der Beschwerde lagen die Originale der bei der Vorinstanz eingereichten
Dokumente (vgl. Bst. B.b) samt Übersetzung und eine Fürsorgebestäti-
gung bei.
E.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am
29. Oktober 2020 den Eingang seiner Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG
(SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bis-
herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Das Verfahren
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richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG
nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1
sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
1.4 Der vorliegenden Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschie-
bende Wirkung zu (Art. 55 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a AsylG).
4.
Der Beschwerdeführer beantragt subeventualiter die Rückweisung der an-
gefochtenen Verfügung zur erneuten Beurteilung, begründet diesen Antrag
in seiner Rechtsmittelschrift indes nicht. Eine Verletzung von Verfahrens-
rechten ergibt sich auch nicht aus den Akten. Der Kassationsantrag ist ab-
zuweisen.
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihre Verfügung dahingehend, dass die Vor-
bringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlingsei-
genschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht standhielten. Übergriffe durch
Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, seien nur
dann flüchtlingsrechtlich relevant, wenn der Staat nicht schutzwillig oder
schutzfähig sei. Generell sei Schutz gewährleistet, wenn funktionierende
und wirksame Polizei- und Justizorgane zur Ermittlung, Strafverfolgung
und Ahndung von Verfolgungshandlungen bestehen würden. Eine verfolgte
Person müsse Zugang zu diesem Schutz haben und dessen Inanspruch-
nahme müsse zumutbar sein. Bei den vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten Problemen handle es sich nicht um asylrelevante Vorbringen, da
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diese Nachteile nicht aufgrund seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder seiner politischen An-
schauung entstanden seien.
Bei fehlender Asylrelevanz könne auf die Prüfung der eingereichten Be-
weismittel – ein Polizeibericht über den Vorfall, bei welchem sein Freund
getötet worden sei und die Anzeige bezüglich des Vorfalls vom (...) in sei-
ner (...) – verzichtet werden. Die von ihm geltend gemachten Vorfälle wür-
den ohnehin nicht in Frage gestellt.
Seine Vorbringen würden von Übergriffen Dritter handeln, welche unter
dem Punkt der Zulässigkeit der Wegweisung abzuhandeln seien. Die gel-
tend gemachten Übergriffe würden von den pakistanischen Behörden ge-
ahndet. Einer der Täter sei bereits festgenommen worden und die anderen
zwei Hauptverdächtigen befänden sich auf der Flucht. Zudem hätten die
Behörden anlässlich der Anzeige durch den Beschwerdeführer in Bezug
auf den Vorfall in seiner (...) gesagt, dass gegen die Verantwortlichen be-
reits Ermittlungen im Gang seien. Sollte er sich trotz der behördlich ergrif-
fenen Massnahmen gegen die Täter in seinem Heimatort weiterhin unsi-
cher fühlen, so könne er sich auch in C._ niederlassen, einer Stadt,
die bereits im Jahr (...) über (...) Millionen Einwohner gezählt habe, oder
in einen anderen Teil seines Heimatlandes gehen und sich so einer allfälli-
gen Gefahr entziehen. Damit wäre er selbst bei einem Versagen der pakis-
tanischen Behörden nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen. Diese
Feststellung habe der Beschwerdeführer in der Anhörung selber bestätigt,
indem er angegeben habe, dass seine Familie nach C._ zu den
Verwandten seiner Ehefrau umgezogen sei, wo sie immer noch leben
würde. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben
im letzten Monat vor seiner Ausreise die Zeit vor allem damit verbracht
habe, einen Käufer für seine (...) zu finden und um seine anderen Betriebe
zu verpachten, sei ein Hinweis dafür, dass sich die Situation nach dem Ein-
greifen der Behörden beruhigt habe. Seine Wegweisung sei somit zulässig.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in seiner Rechtsmitteleingabe, es sei
ihm ein Anliegen gewesen, dass die Mörder seines Freundes zur Rechen-
schaft gezogen würden, deshalb habe er im Prozess mitwirken und seine
Pflichten als Zeuge erfüllen wollen. Da die Mörder in seinem Laden Schüs-
se abgefeuert hätten, sei ihm bewusst geworden, dass ihre Drohung ernst
gewesen sei und sie nicht von ihm ablassen würden, wenn er weiterhin im
Prozess als Zeuge aussagen würde. Die Polizei habe nach der Anzeige
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nichts unternommen, um ihm Schutz zu gewähren. Sie habe lediglich ge-
sagt, dass bereits Ermittlungen am Laufen seien. In den darauffolgenden
Tagen habe er ständig Angst gehabt, die Personen könnten ihn erneut auf-
suchen und ihn umbringen.
Die Behauptung der Vorinstanz, dass er sich in C._ dank der hohen
Einwohnerzahl der Gefahr hätte entziehen können, sei nicht zutreffend und
unlogisch. Eine hohe Einwohnerzahl bedeute nicht automatisch Schutz,
falls die Mörder seines Freundes ihn dort aufsuchen würden. Jene Sicher-
heitsbehörden seien nicht fähiger oder gewillter als die Behörden in seinem
Heimatdorf. Im Gegenteil – in einer Grossstadt wie C._ sei die Si-
cherheitslage viel schlechter als in kleineren Ortschaften. Die Kriminalität
sei höher und die Sicherheitsbehörden seien mit der Arbeit masslos über-
lastet. So hätten die Behörden nicht die Kapazität, jeden einzelnen Todes-
fall zu untersuchen.
Nach der Anzeige des Vorfalls vom (...) bei der Polizei sei er von den Mör-
dern seines Freundes weiterhin bedroht worden. Er habe sich vor allem zu
Hause versteckt und den Verkauf seines Ladens rasch organisiert. Wenn
er zurückginge, würden die Mörder seines Freundes ihn finden und ihn um-
bringen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 7
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass – unabhängig davon, ob die Vorfluchtvorbringen glaubhaft
sind – die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Furcht, von den Mör-
dern seines Freundes aufgrund seiner (diese belastenden) gerichtlichen
Aussage verfolgt zu werden, asylrechtlich als nicht relevant zu bezeichnen
ist.
7.2 Bei den geltend gemachten Übergriffen handelt es sich um solche sei-
tens privater Drittpersonen. Eine Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure
kann dann flüchtlingsrechtlich relevant sein, wenn es der betroffenen Per-
son nicht möglich ist, davor im Heimatstaat adäquaten Schutz zu finden.
Nach der sogenannten Schutztheorie (vgl. hierzu Entscheidungen und Mit-
teilungen der [ehemaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 2006 Nr. 18) ist nichtstaatliche Verfolgung flüchtlingsrechtlich nur
dann relevant, wenn der Staat unfähig oder nicht willens ist, Schutz vor
einer solchen Verfolgung zu bieten. Eine Garantie für langfristigen indivi-
duellen Schutz der von nichtstaatlicher Verfolgung bedrohten Person kann
dabei nicht verlangt werden. So kann es keinem Staat gelingen, jederzeit
und überall die absolute Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger zu ge-
währleisten. Hingegen muss der Staat eine funktionierende und effiziente
Schutzinfrastruktur zur Verfügung stellen. Zudem muss die Inanspruch-
nahme des Schutzsystems der betroffenen Person objektiv zugänglich und
individuell zumutbar sein, was jeweils im Rahmen einer Einzelfallprüfung
unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu beurteilen ist
(vgl. BVGE 2011/51 E. 7.3 f. m.w.H. und Urteil des BVGer E-4446/2018
vom 29. August 2018 E. 6.2.1).
7.3 Der Beschwerdeführer vermag nicht überzeugend darlegen, dass er
wegen fehlender Schutzfähigkeit und fehlenden Schutzwillens der pakista-
nischen Behörden einer asylrelevanten Verfolgungsgefahr durch Dritte
ausgesetzt gewesen wäre und aus diesem Grund eine Gefährdung seiner
Person im Falle einer Rückkehr nach Pakistan anzunehmen sei. Vielmehr
ist aufgrund der entsprechenden Schilderungen des Beschwerdeführers
vom Schutzwillen der Polizei in Pakistan auszugehen. So hat diese seinen
Angaben zufolge den gemeldeten Vorfall in seinem Buchladen aufgenom-
men, einen Rapport erstellt und mitgeteilt, dass gegen die Verantwortlichen
bereits Ermittlungen im Gang seien (vgl. SEM act. A13 F72). Die im vorlie-
genden Verfahren zu den Akten gereichte Anzeige untermauert diese An-
gaben und macht die Anhandnahme von polizeilichen Ermittlungen im Vor-
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feld eines allenfalls anschliessenden Strafverfahrens deutlich und wider-
spricht damit gerade der Darstellung des Beschwerdeführers, die Polizei
habe nichts unternommen, um ihm Schutz zu gewähren (vgl. Beschwerde,
S. 2). Schliesslich kann der pakistanische Staat – bis auf gewisse Gebiete
im Nordwesen des Landes – auch als schutzfähig bezeichnet werden (vgl.
Urteil des BVGer E-5597/2020 vom 25. November 2020 E. 5.3.4 m.w.H.).
Im Übrigen hat der Beschwerdeführer selbst ausgeführt, dass die Angreifer
nicht mehr in seinen Laden gekommen seien, nachdem er den Vorfall der
Polizei gemeldet hatte (vgl. a.a.O., F83). Abgesehen davon wäre es dem
Beschwerdeführer – wie die Vorinstanz zu Recht ausführt – auch möglich
gewesen, sich an einem anderen Ort auf dem Staatsgebiet Pakistans nie-
derzulassen, zumal seine Frau und die fünf Kinder gemäss eigenen Anga-
ben unbehelligt in C._ leben (vgl. SEM act. A13 F11 f., 20 und 37).
Seine Behauptung, wonach eine hohe Einwohnerzahl nicht automatisch
Schutz biete und die dortigen Sicherheitsbehörden nicht fähiger oder ge-
willter als die Behörden in seinem Heimatdorf seien, vermag daran nichts
zu ändern, zumal in den Grossstädten Pakistans – so auch in C._
– potentiell Verfolgte aufgrund der dortigen Anonymität sicherer sind als
auf dem Land (vgl. Urteil des BVGer D-3383/2017 vom 20. Juli 2017 S. 6).
7.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, darzulegen, asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt gewesen
zu sein oder solche künftig befürchten zu müssen. Nach dem Gesagten
hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde-
führers verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
8.
Lehnt die Vorinstanz das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
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Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (flüchtlingsrechtli-
ches Refoulementverbot; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 [FK, SR 0.142.30] und Art. 5
Abs. 1 AsylG). Zudem darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden (menschen-
rechtliches Refoulementverbot; Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 EMRK und Art. 3
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe
[FoK, SR 0.105]). Gemäss Rechtsprechung des Europäischen Gerichtsho-
fes für Menschenrechte (EGMR) und des UN-Anti-Folterausschusses liegt
eine Verletzung des menschenrechtlichen Refoulementverbots vor, wenn
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") dafür nachweisen
oder glaubhaft machen könne, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Fol-
ter oder unmenschliche Behandlung drohe (vgl. Urteil des EGMR Saadi
gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.).
9.3 Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, eine flüchtlingsrechtlich
relevante Gefährdung darzulegen, weshalb das flüchtlingsrechtliche Re-
foulementverbot vorliegend keine Anwendung findet. Unabhängig von den
hohen Anforderungen an die Feststellung eines "real risk" kann sich der
Beschwerdeführer nach einer Rückkehr in seinen Heimatstaat an die pa-
kistanischen Sicherheitsbehörden wenden, sollte er tatsächlich entspre-
chenden Schutzes bedürfen. Demnach ist er bei einer Rückkehr auch nicht
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt. Auch die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Pakistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
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Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
In Pakistan herrscht nach konstanter Rechtsprechung, trotz teilweise an-
gespannter Lage, keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt, die zur
Annahme führen müsste, jede dorthin zurückkehrende Person sei mit er-
heblicher Wahrscheinlichkeit konkret gefährdet. Der Wegweisungsvollzug
ist daher nicht generell unzumutbar (vgl. dazu etwa das Referenzurteil des
BVGer E-3258/2018 vom 2. Juni 2020 E. 12.4.1 sowie die Urteile des
BVGer D-4418/2018 vom 13. November 2019 E. 7.3.1 und E-5352/2017
vom 12. Februar 2019 E. 9.3.1, m.w.H.). In Fällen der grundsätzlichen Zu-
mutbarkeit ist die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nur anzuneh-
men, wenn konkrete, in der Person des Beschwerdeführers liegende Ge-
gebenheiten eine individuelle Gefährdung zu begründen vermögen. Solche
sind vorliegend nicht ersichtlich, weshalb vollumfänglich auf die diesbezüg-
lichen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden
kann. Soweit der Beschwerdeführer in der Beschwerde vorbringt, seinen
(...) verkauft zu haben und damit keine Lebensgrundlage mehr zu haben
(vgl. Beschwerde, S. 3), ist ihm entgegenzuhalten, dass er darüber hinaus
einen landwirtschaftlichen Betrieb und eine Hühnerfarm verpachtet hat.
Dies wird ihm bei der Rückkehr als Grundlage für den Wiederaufbau seiner
wirtschaftlichen Existenz helfen.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12).
Die aktuelle Corona-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug ebenfalls
nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus,
dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern
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voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Mo-
nate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hin-
dernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. EMARK 1995
Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn
überhaupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im
Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rech-
nung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im
Heimatland angepasst wird.
Der Vollzug der Wegweisung ist somit auch als möglich zu bezeichnen
(Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Das mit der Beschwerde gestellte Begehren um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses ist mit dem vorliegenden Direktent-
scheid gegenstandslos geworden.
11.2 Der Beschwerdeführer ersucht um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren
als aussichtlos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden
Voraussetzungen gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht gegeben, weshalb die
Gesuche abzuweisen sind.
11.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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