Decision ID: a9f639e8-88e1-4f79-b26a-02a7b3a37ed1
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
1975 geborene X._
war
nach einer Ausbildung zur Ser
vice
fachangestellten
zuletzt
seit 1999 als Hausfrau tätig.
Am
6. Mai 2010 meldete sie sich unter Hinweis auf eine emotionelle Persönlichkeitsstörung, Anorexie/Bu
limie, ADHS in Abklärung und Suchtproblematik bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/10). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen, veranlasste eine Abklärung im Haushalt (Bericht vom 4. Mai 2011; Urk. 10/61) und sprach ihr mit Verfügung vom 27. Februar 2012 ab
dem 1. Dezember 2010 eine ganze Rente zu (
Urk.
10/102). Am 2
7.
August 2013
teilte die nunmehr zuständige IV-Stelle des Kantons Aargau der Versicherten mit, dass weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente bestehe (Urk. 10/12).
Am 5. November 2015 machte der ehemalige Freund der Versicherten gegenüber der IV-Stelle des Kantons Zürich geltend, dass die Versicherte weder psychisch krank sei noch ein Alkoholproblem habe und überdies jeden zweiten Samstag im Y._ arbeite (Urk. 10/167, Urk. 10/174 und Urk. 10/184). Die wieder zuständige IV-Stelle des Kantons Zürich tätigte daraufhin erneut medizinische und erwerb
liche Abklärungen und liess die Versicherte insbesondere durch Dr. med.
Z._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, psychiatrisch begutachten
(Expertise vom 16. Januar 2017; Urk. 10/196). Nach durchgeführtem Vorbe
schei
d
verfahren (
Urk.
10/198
und Urk.
10/199) hob sie die bislang ausgerichtete ganze Rente mit Verfügung vom
17.
Juli 2017 rückwirkend per 1. Januar 2014 (Urk. 2) auf.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 14. September 2017 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom 17. Juli 2017 sei aufzuheben. Eventualiter sei sie insoweit aufzuheben, als dass darin eine rückwirkende Renteneinstellung ange
ordnet werde. Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung zu bewilligen (S. 2). Am 25. Oktober 2017
(Urk. 9) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen, was der Be
schw
er
deführerin mit Verfügung vom 13. November 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
che
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
träch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fern
er kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wes
ent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
achtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor-
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene rentenaufhebende Verfü
gung vom 17. Juli 2017 (Urk. 2) damit, dass die Beschwerdeführerin ihre An
stellung per 1. Januar 2014 bei der A._ nicht gemeldet habe. Seit diesem Zeitpunkt habe sich sowohl ihr Gesundheitszustand verbessert als auch
die Arbeitsfähigkeit erhöht. Eine invalidenversicherungsrechtlich relevante ge
sund
heitliche Einschränkung liege nicht mehr vor. Die Rente werde deshalb ab dem 1. Januar 2014 rückwirkend aufgehoben. Die seither zu Unrecht bezogenen Leistungen seien zurückzuerstatten (S. 1 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
gemäss dem psychiatrischen Gutachten sei sie zu 60 % arbeitsfähig. Es sei nicht Sache der Beschwerdegegnerin, aus juristischer Sicht gestützt auf eine von ihr durchgeführte Ressourcenprüfung von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszu
gehen, zumal der Gutachter bereits selbst eine Einschätzung der noch vorhan
de
nen Ressourcen gemacht habe (S. 6 f.). Ihre langjährige Alkoholabhängigkeit falle im Rahmen einer Ressourcenprüfung zudem negativ ins Gewicht (S. 8). Sie habe
überdies nie ein mehr als 50%iges Pensum absolvieren können, weshalb höchs
tens
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (S. 9). Das bei ihrer Arbeits
tätigkeit für die A._ erzielte Einkommen sei bei der Ermittlung des Invaliden
einkommens beizuziehen, womit ein Invaliditätsgrad von 62 % und ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente resultiere (S. 9 f.). Eventualiter sei ein Prozentvergleich vorzunehmen, womit - bei einer 50%igen Arbeitsfähigkeit - Anspruch auf Aus
richtung einer halben Rente bestehe. Subeventualiter sei auf die gemäss Gutachter vorliegende Arbeitsfähigkeit von 60 % abzustellen, was bei einem Prozent
ver
gleich Anspruch auf eine Viertelsrente ergebe (S. 10 f.). Sie habe im Jahr 2014 dem Amt für Zusatzleistungen in O._ die Aufnahme einer Er
werbs
tätigkeit gemeldet und im gleichen Zeitraum ihren Wohnsitz vom Kanton Aargau in den Kanton Zürich gewechselt. Auch die IV-Stelle habe sie telefonisch
über die Arbeitsaufnahme unterrichtet, könne dafür jedoch keinen Nachweis m
ehr erbringen. Diesbezüglich sei eine amtliche Erkundigung bei der SVA Aargau einzu
holen. Habe die Beschwerdeführerin ihren Stellenantritt gemeldet, so sei eine
Änderung des Rentenanspruchs frühestens per 1. September
2017 zulässig (S.
11
f.).
3.
3.1
Bei der erstmaligen Rentenzusprache stützte sich die Beschwerdegegnerin unter anderem auf den Bericht von Oberarzt med. pract. B._ von der Klinik C._ vom 19. Juli 2010 (Urk. 10/21), welcher folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festhielt (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0) ungefähr seit 1993
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und histrionischen Zügen (ICD-10 F61.90) bestehend seit der Adoleszenz
-
Bulimia nervosa (ICD-10 F50.2) Beginn im 12. Lebensjahr
Zudem stellte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.21)
-
Tabakabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.24)
Dazu führte er aus, die Beschwerdeführerin sei vom 6. April bis 4. Juni 2010 in einer stationären suchtspezifischen Entwöhnungsbehandlung gewesen. In geistig psychischer Hinsicht leide sie an ausgeprägten Stimmungsschwankungen, Essstö
rungen und Auffälligkeiten des Verhaltens. Die oben genannten Diagnosen wür
den zu einer generellen Einschränkung der Stabilität führen. Sie habe weniger Durchhaltevermögen und es träten emotionale Schwankungen auf. Derzeit sei höchstens eine 50%ige Arbeit möglich. Dies hange sehr von ihrem aktuellen Zu
stand ab. Bei Krisen, auch im Rahmen der Suchterkrankung, könne es sehr leicht sein, dass gar keine Arbeitsfähigkeit bestehe (S. 3). Ab wann mit einer Wie
der
aufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden könne, könne nicht genau gesagt werden, da sie von der Klinik C._ im Rahmen eines Rückfalles in die Klinik D._ ausgetreten sei. Zudem beständen durch die vier Kinder soziale Anforderungen, die ihre Arbeitsfähigkeit ebenfalls behindern würden (S. 4).
3.2
Dr. med.
E._
von der Fachstelle für Alkoholprobleme des Bezirks Bülach stellte
in seinem im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens eingeholten Bericht vom 5. Oktober 2015 (Urk. 10/163) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und histrionischen Zügen (ICD-10 F61.0) mit Depersonalisations-Zuständen
-
Bulimia nervosa (ICD-10 F50.2), aktuell mit täglichem einmaligem Erbrechen abends
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit soma
tischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, episodischer Substanzgebrauch (ICD-10 F10.
25), intermittierende Abstinenzphasen unter aversiver Therapie mit Antabus (ICD-10 F10.23)
Dazu führte er aus, aufgrund der erheblichen affektiven Labilität, raschen Erschöpfbarkeit und der bulimischen Attacken sei die Belastbarkeit der Beschwer
de
führerin als stark reduziert einzustufen. Ferner beständen Einschränkungen in
der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, unter anderem wegen reduzierter Stres
s
toleranz, Affektschwankungen, Impulsivität sowie herabgesetzter Konzentration und Aufmerksamkeit. Aus psychiatrischer Sicht sei keine angepasste Tätigkeit im primären Arbeitsmarkt möglich. Nach dem letzten Umzug 2015 sei die Belast
barkeit nochmals herabgesetzt worden. Aktuell sei es ihr nicht möglich, neben der Betreuung ihrer Tochter und der regelmässigen Psychotherapie sich noch in einer geschützten Stelle zu betätigen. Es bestehe eine zu 100 % verminderte Leistungsfähigkeit (S. 2). Die Beschwerdeführerin stehe seit Januar 2012 in ihrer Behandlung, die Konsultationsfrequenz betrage einmal pro Woche (S. 3).
3.3
Dr.
Z._
führte in seinem Gutachten vom 16. Januar 2017 (Urk. 10/196/2-38
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 21):
-
gemischte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen Anteilen und dissozialen Anteilen (ICD-10 F61.0)
-
Bulimia nervosa (ICD-10 F50.2)
Zudem hielt er folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 21):
-
Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.2)
Dazu führte er aus, die Alkoholabhängigkeit sei insgesamt als sekundäre Erkran
kung der mittelgradig ausgeprägten Persönlichkeitsstörung anzusehen. Der Sub
stanzabusus sei Teil der Erkrankung (S. 21).
Die gesamte Darstellung der Anamnese und der aktuellen Lebenssituation wirk
e
in der Gegenübertragung wie eine gekonnte schauspielerische Darstellung. Es f
ä
nde
n
sich nur wenig emotionale Beteiligung und emotionale Tiefe. Insgesamt wirk
e
es, als w
ürde ein schon häufig geübter Vo
rtrag erneut abgespielt. Die Ein
lassungen der
Beschwerdeführerin würden nur w
enig glaubhaft
wirken
. Eine end
gültige Darstellung bezüglich der Glaubhaftigkeit der gesamten anamnestischen Darstellung
sei
nicht zu treffen. Zusätzlich
fänden
sich hoch manipulative Ele
mente. Beeindruckend
sei
die Darstellung einer dissoziativen Episode von etwa einer Minute.
Diese
wirk
e
gespielt und gekünstelt. Auch hier
bleibe
offen und fraglich, ob es sich um
eine dissoziative Episode hand
l
e
oder ob hier manipulativ die Darstellung einer durchaus vorher basierenden dissoziativen Episode inner
halb der Untersuchungssituation dargestellt
werde
. Die
Beschwerdeführerin
gebe
bei der Darstellung von Haushalt, Freizeit und sozialen Aktivitäten vor der kon
frontativen Darstellung der Aktenl
a
ge in keiner Weise die realistisch einzu
schät
zende Arbeitstätigkeit an. Es
werde
angegeben, sie könne den Haushalt grossteils selber machen,
sie brauch
e jedoch teilweise Hilfe. Freizeitaktivitäten
würden
nur bei wiederholter und genauer Rückfrage dargestellt
(S
. 29
).
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit
fänden
sich ausgeprägte Diskrepanzen zwischen den Angaben der
Beschwerdeführerin
und der Aktenlage.
Sie
gebe
an, sie
habe
jeweils nur 5 - 8 Stunden die Woche, also etwa 20 bis maximal 32 Stunden
im
Monat gearbeitet. Mit Blick auf die Lohnabrechnungen habe sie
aber
im gesamten Dokumentationszeitraum fast nie 32 Stunden oder darunter gearbeitet. Sie mache
hier falsche Angaben trotz der eindeutigen Konfrontation. Als psychiatrische Rel
e
vanz
seien auch
die fehlende Reue und das absolut fehlende Schuldbe
wusstsein
zu werten.
Sie finde
Ausflüchte und Entschuldigungen,
z
usätzlich bleib
e
es bei dem pathologischen Lügen bezüglich der anderen Darstellungen. Innerhalb der anamnestischen Darstellung
fänden
sich Diskrepanzen, die auch erhebliche Hin
weise auf Fehldarstellungen
gäben
. In der Tätigkeitsanalyse innerhalb der Unter
su
chung
gebe sie
an, sie würde Gestelle einräumen und teilweise an der Kasse sitzen. Der Arbeitgeber beschreibe die individuelle Tätigkeit jedoch damit, dass sie oft Kundenkontakte
habe
und oft Verkaufsgespräche
führe und dass
das dur
ch
schnittliche Pensum 50 % betrage (S. 35).
Bei der Konfrontation mit
ihren
erheblichen Fehldarstellungen im Gegensatz zur Dokumentation in der Akte bleib
e
sie
charmant, oberflächlich und
könne
ihrer Meinung nach alle problematischen Punkte gut erklären.
Sie
sehe
bei sich keinerlei Fehler oder Schuldbewusstsein. Es
fänden
sich erhebliche Hinweise für Simulation und Aggravation der Symptome.
Zudem finde
sich eine erhebliche Diskrepanz mit dem Verlaufsbericht der Fachstelle für Alkoholprobleme vom 5
. Oktober
2015
(E. 3.2 hievor)
sowohl gemäss den Diagnosen als auch gemäss der verminderten Leistungsfähigkeit von 100
%
und zusätzlich der Darstellung, dass es der
Beschwerdeführerin
noch nicht einmal zumutbar sei, in einer ge
schützten Arbeitsstelle zu arbeiten
. Zu
dieser Zeit
habe sie
bereits zu etwa 50
%
gearbeitet
. Es
sei
damit explizit von einer faktischen Inkongruenz auszuge
h
en bezüglich der Darstellung der 100%igen verminderten Leistungsfähigkeit und der Unfähigkeit, in einer geschützten Stelle tätig zu sein
,
bei gleichzeitiger Tätigkeit von bis zu 50
%
im ersten Arbeitsmarkt
. D
ie
Beschwerdeführerin habe
offen
sicht
lich ihre
m
Therapeuten nicht wahrheitsgemässe Angaben gemacht. Daher
seien dessen
Akten nur bedingt verwertbar
(S. 27 f.
und S. 35
).
Als angestammte Tätigkeit
sei
eine Hilfsarbeiter
arbeit in angelernter
Tätigkeit an
zu
sehen (S. 30). Die Beschwerdeführerin s
ei in jeglicher Tätigkeit zu 60
% arbeits
fähig. Die 40%ige Arbeitsunfähigkeit basiere auf den Problemen mit Durchhalte
fähigkeit und Antrieb und den Diagnosen
einer
Alkoholabhängigkeit und Bulimia nervosa. Diese Arbeitsfähigkeit finde sich ab
1.
Januar 2014 mit ausreichender Genauigkeit (S. 33 f.).
Es handle sich um eine deutliche Verbesserung des Ge
sundheitszustands im Vergleich zur letzten Befundung. Es komme zu erheblichen anderen Diagnosen mit einem deutlich anderen Einschränkungsgrad
(
S. 35
).
4
.
Die Mitteilung vom
2
7.
August 2013
(Urk. 10/12) beruhte nicht auf einer
rechts
konformen Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung
und
bildet deshalb keinen Vergleichszeitpunkt für eine revisionsrechtlich relevante Veränderung des Gesundheitszustands
der Beschwerdeführerin. Vielmehr ist dafür der Zustand zum Zeitpunkt des Erlasses der der ursprünglichen Rentenzusprache zugrunde
liegenden Verfügung vom 27. Februar 2012 (Urk. 10/102) massgeblich.
Die depressive Symptomatik hat sich seit der ursprünglichen Rentenzusprache verbessert. Anlässlich der Begutachtung gab die Beschwerdeführerin auch bei ge
nauer Abfrage keine depressiven Symptome an (Urk. 10/196/23).
Ein Revisions
grund ist
folglich
ausgewiesen
,
so dass der Invaliditätsgrad auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts neu und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu ermitteln ist (BGE 141 V 9 E. 2.3). Dies wird denn auch von der Beschwerdeführerin nicht in Frage gestellt.
5.
5.1
Das psychiatrische Gutachten von
Dr. Z._
vom 1
6.
Januar 2017 (E. 3.3 hievor) beruht auf den erforderlichen Untersuchungen, ist für die streitigen Be
lange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorakten erstellt.
Der Gutachter legte
die medizinischen Zusam
men
hän
ge einleuchtend dar, beurteilte
die medizinische Situation überzeugend und setzte sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten
der Be
schwer
deführerin auseinander. Er gelangte zum begründeten Schluss, dass sie aufgrund ihrer psychischen Beschwerden in jeglicher Tätigkeit zu 40
%
arbeitsunfähig ist
,
und dass sich der Gesundheitszustand spätestens ab 1. Januar 2014 verbessert hat
. Das Gutachten entspricht damit den rechtsprechungsgemässen Anforde
rungen an eine beweiskräftige medizinische
Entscheidungsgrundlage (vgl. E.
1.4 hievor).
Dies ist auch zwischen den Parteien grundsätzlich unbestritten. Die Beschwerde
gegnerin ist jedoch der Ansicht, dass von der gemäss Gutachter bestehenden 40%igen Arbeitsunfähigkeit abzuweichen sei und dass keine solche vorliege.
5.2
Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die ärztliche Arbeitsfähig
keitsschätzung, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den spezifischen normativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, zwar den rechtlich geforderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG) nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-psychia
tri
schen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Einschätzung der Arbeits
fähig
keit ist aber eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2). Dabei gilt, dass die versicherte Person als grundsätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen
kann (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeits
fähi
g
keit haben sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den nor
mativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall gemäss der ent
sprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsanwen
der prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheb
lichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 6). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechtsanwendern zu überprüfen, ob in concreto ausschliesslich funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Ein
schätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281 E. 5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des struk
turierten Beweisverfahrens stattfinden (BGE 141 V 281 E. 5.2.3; vgl. auch Andreas
Traub, in: Ueli Kieser [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2016, S. 142 Ziff. 3.3.3), sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rech
nung tragen (BGE 141 V 281 E. 6; Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.4). Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialver
si
cherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann
.
Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhe
b
liche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrach
tet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenan
spre
chenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3, 143 V 418 E. 6
).
V
on einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähi
gkeit kann damit aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne dass ein
wie vorliegend grundsätz
lich beweiskräftiges
Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3).
Daran ändert nichts, wenn - wie vorliegend - nach Ansicht des Regionalen Ärztlichen Dienstes auf das Gutachten abzustellen sei (vgl. Urk. 10/197/5 f.). Eine diesbezüglich ergän
zende Stellungnahme seitens des Gutachters - wie von der Beschwerde
führerin beantragt (Urk. 1 S. 9) - ist damit nicht erforderlich,
weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E.
1d mit Hinweisen)
zu
verzichten
ist
.
6.
6.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung
allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kommen
zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
6.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Mass
gabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren
einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
be
n, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7. März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
6.3
6.3.1
Was den K
omplex
«
Gesundheitsschädigung
»
respektive den Indikator
der
«
Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde
»
angeht, ist festzuhalten, dass
nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen
Auswirkungen (
vorgenannter BGE 143 V 418
E. 5.2.2). Die Beschwerdeführerin
leidet an
einer
gemischten Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und dissozialen Anteilen, welche gemäss Dr. Z._ im niedrigen bis mittleren Störungsbereich anzusiedeln sei, die Symptome der zusätzlich bestehenden Bulimia nervosa fänden sich in abgeschwächtem Ausprägungsgrad (Urk. 10/196/24).
In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Indikator der
diagnoserelevanten Befunde damit als höchstens mittelgradig ausgeprägt.
6.3.2
Bezüglich des Indikators
«Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resi
stenz
»
hat sich der Gesundheitszustand dank der regelmässigen Therapie der Alkohol
abhängigkeit deutlich verbessert. Dies spricht gegen eine erhebliche Ausprägung der Symptomatik.
Die Beschwerdeführerin hat zudem erfolgreich eine Selbstein
gliederung in eine durchschnittlich knapp 50%ige Erwerbstätigkeit vorgenommen.
6.3.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be
deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hemmende Wirkung beizumessen ist (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 8.1). Die Beschwerdeführerin leidet nebst
der Persönlichkeitsstörung und Bulimie
an keinen Erkrankungen, welche sie zusätzlich in ihrer Arbeitsfähigkeit einschrän
ken. Es sind damit keine als
«
Komorbiditäten
»
zu berücksichtigende krankheits
wertige Störungen ausgewiesen.
Die Alkoholabhängigkeit bleibt im Rahmen der Komorbidität ohne Belang, legte doch der Gutachter dar, diese habe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (E. 3.3), was mit Blick auf den von Dr. E._ erwähnten bloss episodischen Substanzgebrauch und der erfolgreichen Antabustherapie (E. 3.2) nachvollziehbar ist. Zudem beschrieb der Gutachter die Alkoholproblematik lediglich als sekun
däre Erkrankung zur Persönlichkeitsstörung, so dass ihr keine eigenständige Be
deutung beigemessen werden kann.
6
.3.4
Bei den Komplexen
«
Persönlichkeit
»
und
«
sozialer Kontext
»
ergibt
sich Folgen
des:
den Eltern und Geschwistern der Beschwerdeführerin wurde nach ihrem Aus
schluss aus der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas als Jugendliche
jeg
licher Kontakt zu ihr untersagt. Eine ihrer Töchter ist kurz nach der Geburt ver
storben,
worunter sie nachvollziehbar noch heute leidet
(
Urk.
10/196/12
und Urk. 10/196/20
). Die Beschwerdeführerin wohnt zusammen mit ihrer Tochter und ihrem Partner in einem Einfamilienhaus, ihre drei Söhne besuchen
sie regelmässig und verbringen auch die Hälfte der Ferien mit ihr, auch die beiden Kinder ihres Partners kommen zu Besuch (Urk. 7). Zudem hat sie einen Hund, mit dem sie gerne spazieren geht (Urk. 10/196/12).
Durch ihre Einbettung in die Familie und die ihr obliegenden Aufgaben erhält
sie
eine Tagesstruktur. Der soziale Lebens
kontext
enthält
somit
einerseits belastende, aber andererseits auch
bestätigende, sich potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren.
Als persönliche Ressourcen nannte Dr. Z._ zudem, dass sie Kompensationsstrategien der als schwierig empfundenen Lebensbewältigung teilweise habe ausbilden können, der Alkohol jedoch eine seit Jahren bestehende dysfunktionale Bewältigungsstrategie sei (Urk. 10/196/15).
6
.3.5
In der
Kategorie
«
Konsistenz
»
(bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezügen zu den Komplexen
«
Persönlichkeit
»
und
«sozialer Kontext» eingehend Mi
chael E.
Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016, S. 28 ff. [nachfolgend: Ein Jahr Schmerzrechtsprechung], vgl. auch Michael
E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in: Riemer-Kafka/Hürzeler [Hrsg.], Das indikatorenorientierte Abklärungsverfahren, 2017, S.
105-148, S. 136
ff.
[nachfolgend: Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung])
zielt
der Indikator
«
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
»
auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (
beispielsweise
Frei
zeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Ver
hältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/20
16 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Beschwerdeführerin stehe nach eigenen Angaben morgens jeweils um 6:30 Uhr auf und mache ihrer Tochter das Frühstück. Anschliessend erledige sie den Haushalt und administrative Aufgaben und gehe teilweise arbeiten. Mit ihrem Hund gehe sie mindestens dreimal pro Tag spazieren. Meistens komme die Tochter mittags nach Hause und sie habe dann für sie gekocht. Nachmittags gehe sie nicht immer arbeiten. Ab etwa 18 Uhr bereite sie das Abendessen vor, man esse ge
meinsam und schaue gemeinsam fern. Etwa um 22:30 Uhr schlafe sie ein. Zudem spiele sie gerne Klavier. Teilweise begleite sie ihre Tochter, welche einmal pro Woche in die Psychotherapie müsse (Urk. 10/196/20). Die Beschwerdeführerin beschreibt damit einen geregelten Tagesablauf, v
on einer gleichmässigen Ein
schränkung des Aktivitätsniveaus kann
trotz der Angabe eines sozialen Rück
zuges
keine Rede sein
.
Obwohl die Beschwerdeführerin seit 1. Januar 2014 offensichtlich einer durch
schnittlich knapp 50%igen Erwerbstätigkeit nachgeht (vgl. etwa Urk. 10/179), bestritt sie dies anlässlich der Begutachtung trotz entsprechender Konfrontation seitens des Gutachters vehement und gab durchgehend an, pro Woche höchstens 5 bis 8 Stunden zu arbeiten. Aufgrund der expliziten Fehlangaben und den patho
logischen Reaktionen auf die Konfrontation erachtete Dr. Z._ die anam
nes
tischen Angaben der Beschwerdeführerin als nur bedingt verwertbar. Er wies zu
dem auf erhebliche Hinweise für Simulation und Aggravation der Symptome hin (Urk. 10/196/28 und Urk. 10/196/36).
6.
3.6
Im Rahmen des Indikators
«
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus
gewiesener Leidensdruck
»
(zur Abgrenzung vom Indikator
«
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
»
vgl. Mic
hael E. Meier, Ein Jahr Schmerz
rechtsprechung, S. 25 Rz 60 und Michael E. Meier, Zwei Jahre
Schmerzrecht
sprechung, S. 129)
weist d
ie Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver
nachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und
Eingliede
rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex
«
Gesundheitsschädigung
»
) auf
den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Einglie
de
rung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemacht
e Ein
schränkung sei anders begründet als durch ein
e ver
sicherte Gesundheitsbe
ein
trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Die Beschwerdeführerin wird seit
Januar 2012 wöchentlich wegen ihrer Alko
holabhängigkeit behandelt, zudem fand im Jahre 2010 ein stationärer Entzugs
versuch statt (Urk. 10/196/18 und E. 3.1 hievor). Die Therapie ist aber gemäss Dr. Z._ zu hinterfragen, verschwieg sie doch ihrem Therapeuten während fast zwei Jahren, dass sie wieder einer durchschnittlich fast 50%igen Arbeits
tätigkeit nachgeht, währenddem der Behandler von einer gar auf dem zweiten Arbeitsmarkt bestehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausging. Auch trinkt sie nach wie vor regelmässig Alkohol, wobei unklar ist, ob dies dem Therapeuten bekannt ist. Die Beschwerdeführerin verhält sich damit erheblich vermindert koope
rativ (Urk. 10/196/26). Seit etwa 20 Jahren erhält sie zudem unverändert ein Medikament aus dem Formenkreis der Behandlung für Depressionen, obwohl seither leichte und mittelgradige depressive Episoden dokumentiert wurden und sich aktuell keine depressive Erkrankung findet, der Gesundheitszustand also erheblich schwankt. Weder die Persönlichkeitsstörung noch die Essstörung werden psychotherapeutisch behandelt, obwohl eine solche Behandlung indiziert wäre (Urk. 10/196/
25 f.). Von einem ausgewiesenen Leidensdruck kann in Anbe
tracht der fehlenden Behandlung ihrer psychischen Haupterkrankungen offen
sicht
lich nicht gesprochen werden. Gescheiterte Selbsteingliederungsbe
müh
unge
n sind zudem nicht ersichtlich, vielmehr führte die Beschwerdeführerin eine hervor
ragende Selbsteingliederung durch und ist seit
1.
Januar 2014 in eine
m
durch
schnittlich knapp
50
%
-Pensum erwerbstätig. Auch eingliederungsanam
nestisch ist
somit
kein Leidensdruck ausgewiesen.
6.3.7
Zusammenfassend ist bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indi
katoren
und
insbesondere aufgrund der
ausgeprägten Diskrepanzen sowohl in Bezug auf das dem Gutachter geschilderte Aktivitätenniveau beziehungsweise Arbeitspensum als auch auf die gegenüber dem Therapeuten
vorgebrachte
Arbeits
fähigkeit
eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur Anerkennung einer Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht führen könnte, weder
im Umfang der
gemäss
Dr. Z._
bestehenden Arbeitsunfähigkeit von 40 % noch
entsprechend der geltend gemachten 50%igen Arbeitsunfähigkeit
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
6.4
Vielmehr ist von einer seit 1. Januar 2014 bestehenden 100%igen Arbeits
fähig
keit in jeglicher Tätigkeit auszugehen. Bei einem Invaliditätsgrad von demzufolge 0 % hob die Beschwerdegegnerin die der Beschwerdeführerin bislang ausgerich
tete Invalidenrente zu Recht auf.
7.
7.1
Zu prüfen bleibt, ab welchem Zeitpunkt die Rente aufzuheben ist. Die Beschwer
degegnerin stellte die Rentenzahlungen rückwirkend per 1. Januar 2014 ein und begründete dies mit einer (unbestrittenen und ausgewiesenen) Verbesserung des Gesundheitszustandes spätestens ab jenem Zeitpunkt (vgl. E. 5.1 hievor) sowie einer Meldepflichtverletzung (Urk. 2). Letztere wird von der Beschwerdeführerin bestritten (Urk. 1 S. 11 f.).
7.2
Jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen ist von den Bezügern, ihren Angehörigen oder Dritten, denen die Leistung zu
kommt, dem Versicherungsträger oder dem jeweils zuständigen Durchführungs
organ zu melden (Art. 31 Abs. 1 ATSG).
Der Berechtigte oder sein gesetzlicher Vertreter sowie Behörden oder Dritte, denen die Leistung zukommt, haben jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche des Ge
sundheitszustandes, der Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit, des Zustands der Hilflo
sigkeit, des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwandes oder Hilfebedarfs, des für den Ansatz der Hilflosenentschädigung und des Assistenzbeitrages massgebenden Aufenthaltsortes sowie der persönlichen und gegebenenfalls der wirtschaftlichen Verhältnisse des Versicherten unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen (Art. 77 der Verordnung
über die Invalidenversicherung,
IVV).
Die Herabsetzung oder Aufhe
bung der Renten erfolgt rückwirkend ab Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu Unrecht erwirkt hat oder der ihm nach Art. 77 zumutbaren
Meldepflicht
nicht nachgekommen ist, unabhängig da
von, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war (Art. 88
bis
Abs. 2 lit. b IVV in der – mit Blick auf den Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung – hier massgebenden, am 1. Januar 2015 in Kraft getretenen Fassung).
7.3
Nach ihrem Umzug in den Kanton Aargau per
1.
Januar 2013 (
Urk.
10/121) nahm die Beschwerdeführerin am
1.
Januar 2014 eine Erwerbstätigkeit im
Y._
auf (
Urk.
10/175) und zog per
1.
März 2014 zurück in den Kanton Zürich (
Urk.
10/149/2). Die Aufnahme der Erwerbstätigkeit meldete sie am 1
8.
März 2014 dem an ihrem neuen Wohnort im Kanton Zürich zuständigen Amt für Zusatzleistungen (Urk. 10/197/4). Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie habe die Arbeitsaufnahme zudem der IV-Stelle des Kantons Aargau gemeldet (
Urk.
1 S. 11). Eine entsprechende Meldung ist den Akten jedoch nicht zu ent
nehmen. Die IV-Stelle des Kantons Aargau vermerkte in ihren Unterlagen ledig
lich, dass
sie
ihr am 2
4.
Februar 2014 ihren Wohnsitzwechsel mitgeteilt habe (
Urk.
10/149/2). Es ist davon auszugehen, dass die Sachbearbeiterin der IV-Stelle des Kantons Aargau die Meldung einer - zu diesem Zeitpunkt bereits vor knapp zwei Monaten erfolgten - Arbeitsaufnahme in ihrer Aktennotiz ebenfalls ver
merkt und zudem der Beschwerdegegnerin in ihrem Übermittlungsschreiben vom
5. März 2014 (Urk. 10/150) nicht eine Rentenrevision per 1. August 2015, son
dern
per sofort empfohlen hätte. Dass die Beschwerdeführerin der
IV-Stelle des Kan
tons Aargau
die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit sowie die verbesserte Arbeits
fähigkeit gemeldet hat, ist
somit
nicht überwiegend wahrscheinlich. Überdies gab sie im Fragebogen vom 2
1.
Juni 2015
gegenüber der Beschwerdegegnerin
an, sich einen Versuch, in Teilzeit zu arbeiten oder das Pensum zu erhöhen, nicht vor
stellen zu können, da sie mit ihren Kindern und dem Alltag genug ausgelastet sei (
Urk.
10/154 S. 2). Angaben zu ihrer zu diesem Zeitpunkt knapp 50%igen Erwerbstätigkeit machte sie trotz entsprechender Aufforderung im Fragebogen (Ziffer 4 S. 3) keine.
Sie hat demnach
qualifiziert unrichtige
Ausführungen
zu ihrer Arbeitstätigkeit und damit einhergehend zu ihrem gesundheitlichen Zustand gemacht und ihre Meldepflicht verletzt. Die Rente ist deshalb gestützt auf Art. 88
bis
Abs. 2 lit. b IVV ab dem Zeitpunkt der Verbesserung des Gesundheits
zus
tandes, also rückwirkend per 1.
Januar 2014
(vgl. E. 5.1 und E. 6 hievor)
auf
zu
heben.
Von
d
er - von der Beschwerdeführerin beantragt
en
(Urk. 1 S.
12)
–
amt
lichen Erkundigung bei der SVA Aargau
sind in diesem Zusammenhang
keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweis
würdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen) zu
verzichten ist.
7.4
Bei diesem Resultat ist auch die Rückforderung der zu Unrecht ausbezahlten Ren
tenleistungen (im Grundsatz, vgl. Urk. 2 S. 1) rechtens, sind doch nach Art. 25 Abs. 1 ATSG unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8.
8.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die Gerichtskosten gemäss Art. 69
Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr. 1’000.-- festzusetzen und ausgangsgemäss
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Da die Voraussetzungen für die unentgelt
liche Prozessführung gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungs
gericht (GSVGer) erfüllt sind, sind sie jedoch
einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
8
.2
Ebenso sind die Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechtsvertretung erfüllt
und es ist Rechtsanwältin Aurelia Jenny aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Nachdem die Beschwerdeführerin keine Honorarnote eingereicht hat, wird die Ent
schädigung vom Gericht nach Ermessen (vgl. dazu Urk. 13 S. 2) und
ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwie
rigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt (§ 34 Abs. 1 und 3
GSVGer). Entsprechend ist ihr eine Prozessentschädigung von
Fr. 2‘
9
00.--
(inkl. Barauslagen und MWSt) auszurichten.
8.3
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichtskosten sowie der Auslagen für die Vertretung verpflich
tet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.