Decision ID: 6194335e-e2a1-5469-b21c-46bc4681daff
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt:
A.
Der 1948 geborene L._ meldete sich am 13./17. September 2002 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich Umschulung und
eine Rente. Er gab in der Anmeldung an, er sei seit 1990 als Magaziner tätig. Seit
Jahren trete rezidivierend eine Lumbalgie auf, verstärkt seit Februar 2002, mit
Ausstrahlung in beide Beine, verstärkt bei Heben und Tragen. Dr. med. A._, Innere
Medizin FMH, gab in seinem Arztbericht vom 3. Oktober 2002 an, es liege als Diagnose
ein Lumbovertebral-Syndrom vor, zeitweilig mit radikulärer Komponente links bei
Spondylolisthesis S1 sowie Osteochondrose L4/L5 mit leichter Discopathie. Der
Versicherte sei vom 6. bis 16. Februar 2002 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen und sei
seit dem 9. September 2002 zu 50 % arbeitsunfähig. Die bisherige Tätigkeit sei im
Rahmen eines halbtägigen Pensums noch unvermindert zumutbar. In körperlich nicht
belastenden Arbeiten, also solchen unter Meiden von schwerem Tragen und Heben,
wäre ein voller Arbeitseinsatz zumutbar. Der Arbeitgeberbescheinigung vom 15. Okto
ber 2002 war zu entnehmen, dass der Versicherte seit November 1990 als Magaziner
angestellt sei und sein Lohn seit April 2001 Fr. 63'700.-- betrage. Seit dem 29. Mai
2002 sei er beschränkt einsatzfähig (Dispens vom Heben und Tragen von Gewichten
über 5 kg) und seiner Leistung würde ein Lohn von Fr. 45'500.-- entsprechen. Der IV-
Eingliederungsberater stellte am 25. November 2002 einen Einkommensvergleich an,
bei welchem er einem Valideneinkommen von Fr. 63'700.-- ein Invalideneinkommen
von Fr. 51'450.-- (errechnet nach dem Tabellenlohn mit 10 % Leidensabzug wegen
Wechsels auf leichtere Arbeit) gegenüberstellte. Mit Verfügung vom 8. Juli 2003 wies
die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch
ab. Der Invaliditätsgrad liege bei 19 %.
B.
B.a Am 2./3. Februar 2004 meldete sich der Versicherte erneut an. Er leide an
progredienten Rückenschmerzen im Kreuzbereich und sei in einem Stimmungstief. Seit
Oktober 2003 sei er arbeitslos.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.b Dr. A._ erklärte am 15. März 2004, es liege zusätzlich zur früher genannten
Diagnose seit Juni 2003 eine reaktiv bedingte chronische Depression vor. Der
Versicherte sei bis zum 19. Juni 2003 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen und sei seither
zu 100 % arbeitsunfähig. Im Frühling und Frühsommer 2003 habe es Friktionen am
Arbeitsplatz gegeben, in deren Zusammenhang sich die schon vorher belastete
Stimmungslage verschlechtert habe. Am 20. Juni 2003 habe der Versicherte die Arbeit
niedergelegt. Die bisherige Arbeit sei wegen einer Zunahme der Rückenschmerzen
beim Tragen nicht mehr zumutbar. Angepasste Tätigkeiten seien an vier bis fünf
Stunden pro Tag zumutbar. Auf Ergänzungsfrage teilte er später (act. 44-2/2) mit, die
markante Verschlechterung des Gesundheitszustandes zufolge zusätzlich eingetretener
depressiver Verstimmung sei ab 20. Juni 2003 eingetreten.
B.c Aus der Arbeitgeberbescheinigung vom 13. Mai 2004 ging hervor, dass die
Arbeitgeberin dem Versicherten das Arbeitsverhältnis gekündigt habe, weil keine
andere Einsatzmöglichkeit für eine Beschäftigung von 100 % ohne Einschränkung im
Unternehmen bestanden habe. Der letzte effektive Arbeitstag des Versicherten sei der
19. Juni 2003 gewesen.
B.d Dr. med. B._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, der den Versicherten einmal
im Auftrag der Krankenversicherung untersucht hatte, gab in seinem Arztbericht vom
21. Juli 2004 bekannt, es lägen eine langanhaltende psychogene Belastungssituation
bei chronischer Überlastung im psychosozialen Rahmen mit Angst, Depression und
anderen Gefühlen gemischt (schleichend entwickelt seit ca. 2002) und ein
Lumbovertebralsyndrom vor. Der Versicherte sei zu 100 % arbeitsunfähig und auch
andere Tätigkeiten seien ihm nicht zumutbar.
B.e Am 25. November 2004 erkundigte sich die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle bei
Dr. B._ nach der Restarbeitsfähigkeit des Versicherten aus psychiatrischer Sicht und
danach, ob sich die entsprechende Arbeitsunfähigkeit zu der Arbeitsunfähigkeit aus
somatischer Sicht addiere oder sie überlagere. Dr. B._ berichtete am 22. Dezember
2004, es liege eine chronifizierte Anpassungsstörung mit Angst, Depression und
anderen Gefühlen gemischt vor. Die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht betrage 50 %. Es handle sich beim psychiatrischen Leiden
einerseits um ein reaktives Geschehen im Hinblick auf das Rückenleiden, wobei wegen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Länge der Arbeitslosigkeit eine Tendenz zur Verschlechterung festzustellen sei. Es
sei fraglich, ob der Versicherte in diesem Zustand dem Druck eines Arbeitsplatzes auf
dem freien Markt überhaupt noch gewachsen sei. Anderseits spielten wahrscheinlich
invaliditätsfremde Faktoren im Sinne einer psychischen Überlagerung mit.
B.f Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung befürwortete am
4. Februar 2005 die Annahme einer Arbeitsfähigkeit des Versicherten für eine adaptierte
Tätigkeit von 50 % (aus psychischer und somatischer Sicht) ab 20. Juni 2003.
B.g Der IV-Eingliederungsberater verglich am 22. März 2005 ein Valideneinkommen
von Fr. 64'400.-- mit einem Invalideneinkommen von Fr. 29'400.--, das er nach dem
Tabellenlohn bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % (ohne Abzug) ermittelt hatte.
B.h Am 24. März 2005 eröffnete die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der
Rechtsvertretung des Versicherten, es sei die Ausrichtung einer halben Rente ab
1. Juni 2004 beschlossen worden. Am 30. Juni 2005 erging die entsprechende
Verfügung (Invaliditätsgrad 54 %).
B.i Der Versicherte liess gegen diese Verfügung am 10. August 2005 Einsprache
erheben und am 16. September 2005 den Antrag stellen, ihm ab 1. Juni 2004 eine
ganze Rente zuzusprechen und abzuklären, ob sich die Restarbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht mit derjenigen aus somatischer Sicht überlagere oder nicht,
eventualiter, es sei ihm eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Dr. B._ habe in einem
beigelegten Schreiben vom 7. September 2005 festgehalten, er habe die
Arbeitsunfähigkeit allein aus psychiatrischer Sicht beurteilt.
B.j Weil sie einen Begutachtungsauftrag plante, widerrief die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die Verfügung am 3. Oktober 2005 und erklärte
das Einspracheverfahren am 4. Oktober 2005 als geschlossen.
B.k Die Klinik Valens erstattete am 17. Juli 2006 das multidisziplinäre Gutachten. Als
Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein chronisches
unspezifisches Panvertebralsyndrom benannt mit leichter Fehlform der Wirbelsäule,
muskulärer Dysbalance/Dekonditionierung, degenerativen Veränderungen der unteren
HWS mit Osteochondrosen und Spondylosen C5/6 und C6/7 mit begleitenden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Unkovertebralarthrosen C5/6 rechts und Spondylarthrosen, diskreter Chondrose L4/5,
leichtgradigen nach kaudal etwas zunehmenden lumbalen Spondylarthrosen, in
Verbindung mit verlaufsbestimmenden psychologischen Faktoren und
Verhaltensfaktoren, namentlich Problemen in Verbindung mit Berufstätigkeit und
Arbeitslosigkeit, mit ökonomischen Verhältnissen und mit der sozialen Umgebung, bei
maladaptiv-kinesiophobischem Schmerzbewältigungsstil, und mit ICD-10 M54.8, F54,
Z56, Z59, Z60.8. Die bisherige Tätigkeit sei dem Versicherten (seit Juni 2003) nicht
mehr zumutbar. Andere, körperlich leichte Tätigkeiten in Wechselbelastung mit
maximalen Gewichtsbelastungen bis 7.5 kg in ausgeglichenem Raumklima, wo
statische Körperpositionen immer wieder durch Positionswechsel unterbrochen
werden könnten und das Arbeitstempo nicht durch eine Maschine oder ein Fliessband
vorgegeben werde, seien dem Versicherten bei ganztägiger Präsenz zumutbar.
Angesichts der langen Arbeitsunfähigkeit und der beobachteten Dekonditionierung
sollten dem Versicherten im Verlauf eines normalen Arbeitstages zusätzliche Pausen im
Umfang von etwa zwei Stunden gewährt werden. Es sei davon auszugehen, dass der
Versicherte eine Verweistätigkeit ganztags mit einem Pensum von ca. 75 % ausüben
könnte. Die Einschränkung sei durch die ausgeprägte Dekonditionierung erklärt. Es
liege weder ein psychisches noch ein somatisches Leiden mit erheblichem
Krankheitswert bezüglich einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit vor.
Psychosoziale Faktoren beeinflussten den Krankheitsverlauf negativ.
B.l Der RAD hielt am 14. September 2006 dafür, der Versicherte sei in adaptierter
Tätigkeit zu 75 % arbeitsunfähig.
B.mDer IV-Eingliederungsberater berichtete am 27. September 2006, das
Invalideneinkommen sei mit einer Arbeitsfähigkeit von 75 % und einem Leidensabzug
von 10 % zu bestimmen, und zwar auf Fr. 39'690.--. Das Valideneinkommen mache
Fr. 64'400.-- aus.
B.n Mit Vorbescheid vom 12. Dezember 2006 wurde dem Rechtsvertreter des
Versicherten in Aussicht gestellt, dem Versicherten ab 1. Juni 2004 eine Viertelsrente
auszurichten und auf eine Rückforderung der zuviel bezahlten Rentenleistungen zu
verzichten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.o Der Rechtsvertreter des Versicherten wandte am 22. Januar 2007 ein, der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich nicht verbessert. Dass früher eine
Anpassungsstörung vorgelegen habe, die nun nicht mehr bestehen sollte, sei nicht
stichhaltig begründet. Der Gutachter habe verkannt, dass die Existenzängste des
Versicherten durch den Bezug der halben Rente abgeschwächt worden seien und nur
deshalb keine depressive Verstimmung mehr bestanden habe. Ausserdem sei
illusorisch anzunehmen, der Versicherte, der stets grobmotorisch gearbeitet habe,
werde im Alter von 60 Jahren eine Stelle in einem feinmotorischen Bereich ausüben
können. Die notwendige Einarbeitungszeit sei für einen potentiellen Arbeitgeber in
Anbetracht der verbleibenden Aktivitätsdauer nicht wirtschaftlich. Es sei auch nie
geprüft worden, welche Tätigkeiten in Frage kommen könnten. Ausserdem fehle dem
Versicherten auch die erforderliche Flexibilität. Deshalb sei dem Versicherten weiterhin
mindestens eine halbe, eventualiter eine ganze Rente auszurichten.
B.p Mit Verfügung vom 29. März 2007 ("ersetzt die Verfügung vom 30.06.2005") setzte
die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen den Rentenanspruch
ab 1. Mai 2007 auf eine Viertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 40 % fest und
entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Ab 1. Juni 2004 habe
der Versicherte Anspruch auf eine Viertelsrente. Auf eine Rückforderung werde
verzichtet.
C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Fürsprecher Marco Büchel für den
Betroffenen am 8. Mai 2007 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer sei eine ganze Invalidenrente auszurichten, eventualiter sei eine
Oberexpertise in Auftrag zu geben und daraufhin neu zu entscheiden. Die
gutachterliche Beurteilung stehe in krassem Gegensatz zu den Berichten von Dr. A._
vom 15. März 2004 und von Dr. B._ vom 7. September 2005. Weshalb die
Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht von 50 auf 75 % zugenommen haben sollte, sei
nicht einzusehen. Eine Verbesserung lasse sich objektiv nicht feststellen. Die
Beurteilung, dass der Beschwerdeführer bei der Begutachtung kaum mehr psychisch
auffällig gewirkt habe, sei als falsch zu taxieren. Dr. A._ habe ausserdem in einem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zeugnis vom 23. April 2007 festgehalten, es habe sich eine erhebliche
Verschlechterung eingestellt, weshalb eine Arbeitsfähigkeit nicht mehr bestehe. Diese
Verschlechterung habe die Beschwerdegegnerin nicht berücksichtigt. Der
Beschwerdeführer befinde sich auch in einer antidepressiven Therapie, und zwar seit
Februar 2007. Auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Gutachten könne daher ohnehin
nicht mehr abgestellt werden. Obwohl die Gutachter bezüglich einer
Wiedereingliederung eine ungünstige Prognose gestellt hätten, habe die
Beschwerdegegnerin nicht für nötig erachtet abzuklären, welche Arbeiten der
Beschwerdeführer noch ausführen könnte. Es werde sich kein Arbeitgeber finden
lassen, der eine Stelle anbiete, wo der Beschwerdeführer zusätzliche Pausen von zwei
Stunden machen könne. Dieser werde seine Restarbeitsfähigkeit auch wegen des
Alters sowie der mangelnden Vorkenntnisse und Flexibilität sicherlich nicht mehr
verwerten können. Die Erwerbsunfähigkeit sei deshalb eine volle. Auch wenn von einer
Arbeitsfähigkeit von 75 % auszugehen wäre, sei der Abzug von 10 % vom statistischen
Lohn zu gering. Der Beschwerdeführer habe nur vier Jahre lang die Schule besucht
und verfüge deshalb nur über eine lückenhafte Grundausbildung. Er habe nur
rudimentär Lesen und Schreiben gelernt. Auch das Rechnen sei ein Problem. Ein
Abzug von 25 % sei angemessen. Das Valideneinkommen betrage ausserdem
Fr. 67'025.-- und der Invaliditätsgrad 50.7 %.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Juni 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin, die
Beschwerde sei abzuweisen und es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer
keinen Anspruch auf eine Rente habe. Die Einschätzung des Internisten Dr. A._ sei
für die psychiatrische Gesundheitsschädigung nicht relevant. Er stelle ausserdem auf
die pessimistischen Schilderungen des Beschwerdeführers ab. Dr. A._ setze sich
auch nicht mit dem Gutachten auseinander. Die Berichte von Dr. B._ seien ebenfalls
nicht schlüssig. Der Arzt stelle wesentlich auf die Rückenbeschwerden ab. Erhebliche
psychopathologische Befunde würden nicht genannt. Beim depressiven Zustandsbild
handle es sich um eine Reaktion auf den Arbeitsplatzverlust per Ende September 2003.
Das sei nicht invalidisierend, sondern stelle eine "Wohlfühlproblematik" ohne
psychische Funktionsausfälle dar. Auf das Gutachten könne abgestellt werden. Es sei
ein Abzug von 10 % vorzunehmen, weil der Beschwerdeführer nur noch leichte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Hilfstätigkeiten ausüben könne. Es sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen,
weil die Reduktion um 25 % lediglich durch die ausgeprägte Dekonditionierung bedingt
sei, die ausser Acht zu lassen sei. Das Invalideneinkommen betrage Fr. 51'307.--, das
Valideneinkommen (2002) Fr. 63'700.-- und der Invaliditätsgrad 19 %.
E.
Mit Replik vom 17. August 2007 beanstandet der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers die Nichtberücksichtigung der Dekonditionierung. Die körperlichen
Voraussetzungen des Beschwerdeführers seien nicht vergleichbar mit denjenigen des
vom zitierten Urteil Betroffenen. Die Dekonditionierung lasse sich auch nicht einfach so
beseitigen. Die Beschwerdegegnerin habe dem Beschwerdeführer diesbezüglich ferner
nie Anweisungen erteilt und sie habe nicht geprüft, ob sie auf eine Krankheit
zurückzuführen sei. Die Gutachter seien davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer nicht integrierbar sei. Ihm stehe auch nicht eine Vielzahl von
Beschäftigungen offen.
F.
Die Beschwerdegegnerin hat am 27. August 2007 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Da ein Sachverhalt zu beurteilen ist, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung am 29. März 2007 entwickelt hat, sind die auf den 1. Januar 2008 in Kraft
getretenen gesetzlichen Änderungen nicht anwendbar.
1.2 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer - im Sinn der erstmaligen Leistungsfestsetzung - ab 1. Juni 2004
eine Viertelsrente zugesprochen (und auf eine Rückforderung der zwischenzeitlich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
faktisch ausgerichteten Renten verzichtet). Diese Verfügung bildet den
Streitgegenstand. In der Beschwerdeantwort beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde und die Feststellung, dass kein Anspruch auf eine Rente
bestehe. Vom Abverlangen beruflicher Massnahmen hat die Beschwerdegegnerin nach
der Aktenlage abgesehen, was angesichts der (teilweise aus invaliditätsfremden
Gründen) mangelnden Voraussetzungen nicht zu beanstanden ist.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente. Für die Bemessung der Invalidität von
erwerbstätigen Versicherten ist gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG Art. 16 ATSG anwendbar.
2.2 Im Falle einer rückwirkenden Rentenfestsetzung ist es unter Umständen
notwendig, den Invaliditätsgrad für verschiedene zurückliegende Zeitabschnitte nach
Massgabe der jeweiligen Erwerbsunfähigkeit unterschiedlich hoch zu bemessen (vgl.
BGE 106 V 16; BGE 109 V 125). Bei der rückwirkenden stufenweisen
Rentenzusprechung richtet sich der Zeitpunkt einer Rentenherabsetzung oder -
aufhebung ausschliesslich nach Art. 88a Abs. 1 IVV. Art. 88 Abs. 2 IVV findet keine
Anwendung (BGE 106 V 16). Nach Art. 88a Abs. 1 IVV ist die anspruchsbeeinflussende
Änderung bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder
Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem
angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in
jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei
Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird.
2.3 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in
der Folge eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit auch
tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich (Rz 3046
des vom Bundesamt für Sozialversicherung erlassenen Kreisschreibens über Invalidität
und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH).
2.4 Über den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers liegt ein multidisziplinäres
Gutachten vom Juli 2006 vor. Danach entspricht die aktuelle Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers medizinisch-theoretisch einer 75-prozentigen Arbeitsfähigkeit in
leichten und wechselbelastenden Tätigkeiten. Aufgrund internistischer,
rheumatologischer und ergonomischer Untersuchung sei eine volle Arbeitsfähigkeit
gegeben und auch aus psychiatrischer Sicht sei keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit
mehr zu attestieren. In Anbetracht der langen Arbeitsunfähigkeit und der beobachteten
Dekonditionierung seien dem Beschwerdeführer täglich zusätzliche Pausen von ca.
zwei Stunden zu gewähren. Rein ergonomisch betrachtet sei nach einer gewissen
Angewöhnungszeit an die Arbeit sogar von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit basiere auf dem Fehlen von schwerwiegenden
objektiven klinisch-somatischen, radiologischen und psychiatrischen Befunden, die
eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit begründen könnten. Die psychologischen und
Verhaltens-Faktoren, welche die Arbeitsfähigkeit kaum einschränkten, seien indessen
geeignet zu erklären, weshalb bis anhin eine Rückkehr an einen Arbeitsplatz nicht habe
gelingen können und wohl auch künftig nicht gelingen werde.
2.5 Gegen die Stichhaltigkeit dieses Begutachtungsergebnisses bringt der
Beschwerdeführer vor, es stehe im Gegensatz zu den Beurteilungen von Dr. A._ und
Dr. B._ und eine Verbesserung des Gesundheitszustandes (und der Arbeitsfähigkeit
von 50 auf 75 %) lasse sich nicht feststellen. Die Beschwerdegegnerin ihrerseits
wendet in der Beschwerdeantwort ein, es sei von einer Arbeitsfähigkeit von 100 %
auszugehen, da die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit einzig durch die ausgeprägte
Dekonditionierung bedingt sei, welche rechtsprechungsgemäss ausser Acht zu lassen
sei. Aus dem Gutachten geht hervor, dass die medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bei 75 % liege, weil er zusätzliche Pausen
benötigt. Dieser Pausenbedarf wird mit der langen vorangegangenen
Arbeitsunfähigkeit und der Dekonditionierung begründet, diese ausserdem wiederum
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mit dem maladaptiven Schmerzbewältigungsstil (act. 88-20/57). Dass die Gutachter
beschrieben, es könne "aus psychiatrischer Sicht dem Patienten keine anhaltende
Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert werden" und es bestehe aus ihrer "interdisziplinären
Sicht bei Herrn L._ medizinisch-theoretisch eine Arbeitsfähigkeit", aber auf der
anderen Seite doch wieder eine Einschränkung dieser medizinisch-theoretischen
Arbeitsunfähigkeit um 25 % feststellten, mag den Aussagewert des Gutachtens
bezweifeln lassen. Im Unterschied zu dem Sachverhalt, welchen das Eidgenössische
Versicherungsgericht im Entscheid i/S M. vom 11. August 2006 (I 601/05) beurteilt hat,
standen hier medizinisch-theoretisch doch 25 % und nicht 0 % Einschränkungen aus
Dekonditionierung zur Diskussion. Für das Gericht entscheidend interpretierte der RAD
am 14. September 2006 das Gutachten eindeutig: Es steht nach seiner
Gesamtbeurteilung ausser Zweifel, dass von einer Restarbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers von 75 % in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen ist. Der RAD
bekräftigte diesen Standpunkt auf Vorhaltung der Einwände des Beschwerdeführers
hin am 1. Februar 2007 nochmals. Hierauf kann demnach abgestellt werden. Auch der
Hinweis, aus rein ergonomischer Sicht sei nach einer gewissen Angewöhnungszeit an
die Arbeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen, rechtfertigt - für den vorliegend
zu beurteilenden Zeitraum - nicht, von der gutachterlich attestierten Arbeitsfähigkeit
von 75 % abzuweichen. Denn zum einen wird lediglich auf einen dies zulassenden
Teilbereich (Ergonomie) verwiesen. Zum andern bestehen psychologische und
Verhaltens-Faktoren, welche die Gutachter die Prognose für eine Eingliederung in den
Arbeitsprozess als ungünstig beurteilen liessen. Eine allfällige Entwicklung des
Sachverhalts nach Erlass der angefochtenen Verfügung wird gegebenenfalls in einem
Anpassungsverfahren berücksichtigt werden können.
2.6 Die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter weicht von den Beurteilungen von
Dr. A._ und von Dr. B._ ab. Indessen ist aufgrund des Gutachtens von einer
Sachverhaltsentwicklung im Zeitablauf auszugehen, wird dort doch festgehalten, die
Anpassungsstörung, die sicherlich früher bestanden habe, sei ausgeheilt. Auf das
begründete Ergebnis der multidisziplinären Begutachtung kann vorliegend abgestellt
werden. Es basiert auf einer Kenntnisnahme von Anamnese und Vorakten sowie der
Beschwerdeschilderungen des Beschwerdeführers und erscheint verlässlich. Die
Resultate der ausserdem durchgeführten ergonomischen Abklärungen waren zwar
gemäss dem Gutachten infolge der erheblichen Symptomausweitung und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Selbstlimitierung sowie der Inkonsistenzen in den Tests nicht verwertbar, doch hielten
die Gutachter überzeugend fest, aufgrund ihrer grossen Erfahrung mit der EFL-
Testmethode könne davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer mehr
leisten könnte, als er gezeigt habe. Im Zeitpunkt der Begutachtung 2006 machte die
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers demnach bis auf weiteres 25 % aus.
2.7 Für den Zeitraum ab dem 20. Juni 2003 ist dagegen von einer Arbeitsunfähigkeit
von 50 % auszugehen, wie sie neben dem Gutachten auch Dr. A._ (insgesamt) und
Dr. B._ (aus rein psychiatrischer Sicht) dem Beschwerdeführer attestiert haben. Eine
(wegen des Zusammenfallens von somatischer und psychiatrischer Komponente mit
einer allfälligen additiven Wirkung) dieses Mass übersteigende Arbeitsunfähigkeit lag
demnach nicht vor.
2.8 Der Beschwerdeführer macht des Weiteren eine Verschlechterung seit Herbst 2006
geltend. Dr. A._ hatte am 23. April 2007 berichtet, es habe sich seit diesem Zeitpunkt
eine Verschlechterung der psychischen Befindlichkeit eingestellt. Es habe sich eine
eigentliche Depression mit Angststörungen, Rückzugstendenz, stark gedrückter
Grundstimmung und Reizbarkeit entwickelt, und zwar sukzessiv progredient. Seit
Februar 2007 habe er eine antidepressive Therapie installiert. Allenfalls werde der
Beschwerdeführer noch einem Facharzt überwiesen werden, da sich der Verlauf bis
dahin nicht günstig verändert habe. Diese Angaben sind nicht geeignet, bereits für den
Sachverhalt, der vorliegend massgebend ist (März 2007), von einer relevanten
Veränderung der Arbeitsfähigkeit auszugehen, da doch bis dahin noch keine
fachärztliche Behandlung der psychischen Beschwerden erforderlich erschien. Eine
allfällige wesentliche Verschlechterung wäre vielmehr in einem späteren Verfahren von
Bedeutung.
3.
3.1 Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grundsätzlich auf die
Gegebenheiten im Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V
222), vorliegend somit auf jene im Jahr 2004. Es rechtfertigt sich indessen vorliegend,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
den Einkommensvergleich auf das Jahr 2002 zu beziehen, nämlich das letzte Jahr vor
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in der bisherigen Tätigkeit.
Damals erzielte der Beschwerdeführer ein Jahreseinkommen von Fr. 63'700.--. Dieser
Betrag kann als Valideneinkommen betrachtet werden.
3.2 Seit Ende Juni 2003 ist der Beschwerdeführer nicht mehr erwerbstätig. Ihm ist eine
angepasste Tätigkeit allerdings medizinisch zumutbar. Sein Alter - er war bei Erlass der
angefochtenen Verfügung 58 Jahre alt - steht der Annahme, eine Erwerbsarbeit in einer
leichten Tätigkeit sei ihm grundsätzlich zumutbar, nicht entgegen. Der ausgeglichene
Arbeitsmarkt, welcher bei der Invaliditätsbemessung massgebend ist, beinhaltet von
seiner Struktur her nämlich sowohl bezüglich der beruflichen und intellektuellen
Voraussetzungen als auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes einen Fächer
verschiedenartiger Stellen (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S
O. vom 22. November 2006, U 303/06). Er hat rein hypothetischen Charakter und dient
dazu, die Risiken Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl.
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S C. vom 16. Juli 2003,
I 758/02; BGE 110 V 276 E. 4b). Die gesundheitlichen Rahmenbedingungen für eine
dem Beschwerdeführer medizinisch zumutbare Arbeit sind nicht so einschränkend,
dass seine Einsatzmöglichkeiten dort als realitätsfremd zu betrachten wären. Es muss
auch nicht angenommen werden, dass er für die in Frage kommenden leichten
Hilfstätigkeiten einer Einarbeitungszeit bedürfte, die eine Anstellung für einen
Arbeitgeber unwirtschaftlich erscheinen lassen müsste. Für die Invaliditätsbemessung
ist ferner nicht darauf abzustellen, ob der Beschwerdeführer unter den konkreten
Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich eine Anstellung in einer angepassten Tätigkeit
finden könnte, sondern einzig darauf, ob und in welchem Rahmen er die ihm
verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren
Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprächen
(AHI 1998 S. 291 E. 3b). Es lässt sich demnach nicht beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin für die Bemessung des Invalideneinkommens auf die
statistischen Durchschnittseinkommen abgestellt hat.
3.3 Im statistischen Mittel (Zentralwert; vgl. AHI 1999 S. 50) konnten Männer im Jahr
2002 mit einfachen und repetitiven Tätigkeiten im privaten Sektor Fr. 54'684.-- (12x
Fr. 4'557.--) erzielen (vgl. Tabelle A1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2002 des Bundesamtes für Statistik), und zwar bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden pro
Woche. Bei der betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2002 von 41.7
Stunden (vgl. T2.5.2) entspricht dies einem Betrag von Fr. 57'008.--.
3.4 In der Praxis werden die zur Bestimmung des Invalideneinkommens
herangezogenen Tabellenlöhne gekürzt, wenn Versicherte, die in ihrer letzten Tätigkeit
körperliche Schwerarbeit verrichteten, nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für
leichtere Arbeiten nur beschränkt einsatzfähig sind, wenn sie - unabhängig von der
früher ausgeübten Tätigkeit - als gesundheitlich Beeinträchtigte im Rahmen leichter
Hilfsarbeitertätigkeiten nicht mehr voll leistungsfähig sind oder wenn weitere
persönliche und berufliche Merkmale wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit,
Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die
Lohnhöhe haben. Der Abzug ist nicht schematisch vorzunehmen. Vielmehr ist der
Einfluss aller Merkmale (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) auf das Invalideneinkommen unter
Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu
schätzen. Letztlich ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung aller
jeweils in Betracht fallenden Merkmale auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen
(vgl. BGE 126 V 75). Die Beschwerdegegnerin hat einen Abzug von 10 %
vorgenommen. Es gibt keinen Anlass zu einer diesbezüglichen Korrektur. Ein Abzug
erscheint schon deswegen gerechtfertigt, weil die Tabellenlöhne von gesunden
Arbeitskräften erhoben werden. Der Pausenbedarf des Beschwerdeführers ist
allerdings bereits als Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt worden.
3.5 Damit ergeben sich für die Zeit mit einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in adaptierter
Tätigkeit ein Invalideneinkommen von Fr. 25'654.-- und ein Invaliditätsgrad von 59.72
bzw. (gerundet) 60 %. Dem Beschwerdeführer steht somit nach Ablauf der Wartezeit
ab 1. Juni 2004 eine Dreiviertelsrente zu.
3.6 Mit einer Arbeitsfähigkeit von 75 %, wie sie ab der Erstattung des Gutachtens im
Juli 2006 anzunehmen ist, ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr. 38'480.--, das
einem Invaliditätsgrad von 39.59 bzw. (gerundet) 40 % entspricht, sodass nach Ablauf
von drei Monaten (vgl. Art. 88a IVV) - also ab 1. Oktober 2006 - noch Anspruch auf eine
Viertelsrente besteht, wie in der angefochtenen Verfügung abgesehen vom Zeitpunkt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
richtig festgehalten wurde. Da es sich um eine erstmalige rückwirkende, abgestufte
Rentenzusprechung handelt, ist allein Art. 88a IVV massgebend.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 29. März 2007 teilweise zu schützen und dem
Beschwerdeführer für die Zeit ab 1. Juni 2004 (bis 30. September 2006) eine
Dreiviertelsrente und ab 1. Oktober 2006 eine Viertelsrente zuzusprechen.
4.2 Angesichts des teilweisen Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es
sich, ihr die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), und zwar vorliegend auf Fr. 600.--,
zum Teil aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Der Beschwerdeführer hat
ermessensweise eine Entscheidgebühr von Fr. 240.--, die Beschwerdegegnerin eine
solche von Fr. 360.-- zu bezahlen. Dem Beschwerdeführer ist vom geleisteten
Kostenvorschuss der Restbetrag von Fr. 360.-- zurückzuerstatten.
4.3 Der Beschwerdeführer hat bei teilweisem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Die Entschädigung ist ermessensweise auf
Fr. 2'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG