Decision ID: 754668ff-0c31-526b-b86c-cd392e6b13f7
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1996 geborene
X._
wurde a
m
26.
Juni 2000
unter Hinweis auf
eine
n
allgemeinen
psychomotorische
n
Entwicklungs
rückstand
und
eine
Sprachentwicklungsstörung
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbe
zug an
gemeldet
(Urk. 13/3)
.
In der Folge gewährte d
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
Kostengutsprache für
Sonderschulmassnahmen
(Urk. 13/6, Urk. 13/11). Am 5.
Juli 2002 wurde der Versicherte
erneut angemeldet (Urk. 13/16), woraufhin die IV-Stelle Kostengutsprache für Sonderschulmassnah
men (Urk. 13/26
, Urk.
13/43,
Urk. 13/47,
Urk. 13/49
) sowie für medizinische Mass
nahmen (Urk. 13/27
, Urk.
13/34, Urk. 13/39
, Urk. 13/53-54
) gewährte.
1.2
Am
7.
Februar 2011
wurde der Versicherte
zur beruflichen Eingliederung
ange
meldet
(Urk.
13/56).
Die IV-Stelle gewährte am 3. Juli 2012 Kostengutsprache
für
eine erstma
lige berufliche Ausbildung zum Praktiker Malerei (
Urk. 13/69;
2.
Aus
bildungsj
ahr Urk.
13/73), welche der Versicherte
im Juli 2014
erfolgreich abge
schlossen
hat
(
Urk. 13/88, Urk.
13/145/5).
Am
6.
Januar 2014 wurde Kostengut
sprache für medizinische Massnahmen geleistet (Urk. 13/82)
.
1.3
Mit Eingang am 3. Oktober 2014 meldete sich der Versicherte erneut
bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an (Urk. 13/94).
A
m 11.
Dezember 2014
reichte er
eine weitere Anmeldung
ein
(Urk.
13/96)
.
Die IV-Stelle gewährte in der Folge
Kostengutsprache
für eine
Abklärung
(Urk. 13/97)
und
ein Jobcoaching (Urk. 13/107)
.
Zudem gewährte sie Kostengutsprache für medizini
sche Massnahmen (Urk. 13/135).
Am 28.
Oktober 2016 beantragte der Versicherte Unterstützung bei der Stellensuche
(Urk. 13/146)
. Die IV-Stelle gewährte am 25. Oktober 2017
Kostengutsprache für eine
Arbeitsvermitt
lung (Urk.
13/158)
.
Am 2
5.
Juli 2018 (Urk. 13/164) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, die Arbeitsvermittlung werde abgeschlossen.
Betreffend Rente erhalte er später eine separate Verfügung.
1.4
Mit Schreiben vom 7.
August 2018 ersuchte die
IV-Stelle
den Versicherten um Mi
tteilung, bei welchen Ärztinnen und
Ärzten, Institutionen, Spitälern etc. er sich derzeit in Behandlung befinde (Urk.
13/169)
.
Da eine Antwort ausblieb, bat die IV-Stelle ihn mit Schreiben vom
17.
September 2018 (
Urk.
13/170)
erneut um Beantwortung der Anfrage.
Mit Einschreiben vom
8.
Oktober 2018 (Urk. 13/171
) forderte die IV-Stelle den Versicherten schliesslich ein letztes Mal auf, die gewünschten
Informationen
bis spätestens am
7.
November 2018
zuzustellen.
Dabei wies sie ihn auf seine Auskunftspflicht hin
und darauf,
dass aufgrund
der
Akten entschieden und
ein
Rent
enanspruch verneint werden k
ö
nn
e
.
Am
23. Oktober 2018 ersuchte die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bezirk Dielsdorf um Akteneinsicht (Urk. 13/172).
A
m 12.
November 2018
informierte
die
IV-Stelle
die Gemeinde
Z._
, Abteilung Soziales und Gesundheit,
über die fehlende Mitwirkung des Versicherten und ersuchte sie
um
Zustellung der ent
sprechenden Informationen, unter Hinweis darauf, dass ein allfälliger Rentenan
spruch abgewiesen werden könnte, falls die Anfragen weiterhin unbeantwortet blieben (Urk.
13/174)
.
Dem Versicherten wurde eine Kopie dieses Schreibens zu
gestellt (vgl. Urk. 13/174).
Eine telefoni
sche
Besprechung vom
14.
November 2018
mit der Gemeinde
Z._
, Abteilung Soziales und Gesundheit, ergab, dass der Versicherte nicht mehr von ihnen
unterstütz
t werde
wegen fehlender Mitwir
kung
bei der Prüfung der Bedürftigkeit (Urk.
13/175).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 13/179, Urk. 13/180)
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 21
. März 2019 (Urk. 13/183 = Urk.
2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am
3
0.
April 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
21.
März 2019 (Urk.
2) und beantragte die Fortsetzung der Prüfung eines Renten
anspruchs (Urk. 1 S. 1)
und die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege S.
3)
.
Am
27.
Juni 2019
(Urk.
12
) beantragte die IV-Stel
le die Abweisung der
Beschwerde. Mit Replik vom 21.
August 2019 wurde vom neu legitimierten Rechtsvertreter beantragt, die Verfügung vom 2
1.
März 2019 aufzuheben und die Angelegenheit zur Fortsetzung des Abklärungsverfahrens und zum Neuentscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
. In prozessualer Hinsicht wurde die unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertretung beantragt (Urk. 15 S. 5). Am 30.
August 2019 erstattete die Beschwerdegegnerin die Duplik (Urk. 19), welche
dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
6.
September 2019
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
21
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wer Versicherungsleistungen beansprucht, muss unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versiche
rungsleistungen erforderlich sind (
Art.
28
Abs.
2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
1.2
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspru
chen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (
Art.
43
Abs.
3 ATSG).
1.3
Die Leistungen können gemäss
Art.
7b
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG gekürzt oder verweigert wer
den, wenn die versicherte Person den Pflichten nach
Art.
7 dieses Gesetzes oder nach
Art.
43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist.
Gestützt auf
Art.
7b
Abs.
2 IVG können die Le
istungen in Abweichung von Art.
21
Abs.
4 ATSG ohne Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
gekürzt oder verwei
gert werden, wenn die versicherte Person:
a.
trotz Aufforderung der IV-Stelle nach
Art.
3c
Abs.
6 nicht unverzüglich eine Anmeldung vorgenommen hat und sich dies nachteilig auf die Dauer oder das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit oder der Invalidität auswirkt;
b.
der Meldepflicht nach
Art.
31
Abs.
1 ATSG nicht nachgekommen ist;
c.
Leistungen der Invalidenversicherung zu Unrecht erwirkt oder zu erwirken versucht hat;
d.
der IV-Stelle die Auskünfte nicht erteilt, welche diese zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgabe benötigt.
Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (
Art.
7b
Abs.
3 IVG).
1.4
Die Leistungsverweigerung oder –
einstellung
wegen unterlassener Mitwirkung im Sinne von
Art.
43
Abs.
3 ATSG ist in dem Sinne als
resolutiv
bedingter Endent
scheid zu verstehen, als die Leistungen ab demjenigen Zeitpunkt wieder zu erbringen sind, ab dem die Mitwirkung nachträglich geleistet wird, sofern sich die Anspruchsvoraussetzungen alsdann als erfüllt erweisen
(vgl. BGE 139 V 585 E. 6.3.7.5)
Wird die verweigerte Mitwirkung in einem späteren Zeitpunkt erbracht, kann sich die festgelegte Sanktion – Nichteintreten, Entscheid aufgrund der Akten – nur auf diejenige Zeitspanne beziehen, während der die Mitwirkung verweigert wurde
(Kieser, ATSG-Kommentar,
4.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 20
20
,
Art.
43 Rz 1
14
mit Hinweisen).
Wenn die Verweigerung sich auf eine erstmalige Abklärung des Leistungsan
spruchs bezieht, ist die spätere Aufgabe der Verweigerung als Neuanmeldung zu qualifizieren, was mit sich bringt, dass sich die Abklärung beziehungsweise der Leistungsanspruch auf die Zeitspanne nach der Neuanmeldung bezieht (Kieser, a.a.O.,
Art.
43 Rz 116).
1.5
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent
scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fest, der Beschwerdeführer
sei mehrmals gebeten worden mitzuteilen, wo er in ärztlicher Behandlung stehe. Die Anfragen seien unbeantwortet geblieben. Zudem sei er
wiederholt
auf seine Mitwirkungspflichten hingewiesen worden. Der Beschwer
deführer sei
seinen
Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach
gekommen, indem er auf die Anfragen nicht reagiert habe. Es sei deshalb nicht möglich, einen allfälligen Anspru
ch auf eine Rente zu prüfen (S.
1 f.).
I
n der Beschwerdeantwort (Urk. 12
)
wurde
ergänzend aus
geführt
,
auch wenn der Beschwerdeführer Hilfe bei der Erledigung der administrativen Angelegenheiten benötigte, sei nicht ersichtlich, wieso diese so weit gehen sollte, dass er nicht in der Lage sei, zumindest mündlich die erforderlichen Angaben zu machen
. Aus
serdem sei der Beschwerdeführer nun sogar fähig, ein Einkommen zu erzielen, weshalb er nicht mehr von der Sozialhilfe abhängig sei
(S. 2)
.
Mit Duplik (Urk. 19) reichte die Beschwerdegegnerin einen
Zustellnachweis
für das Schreiben vom
8.
Oktober 2018 betreffend Mitwirkungspflicht ein
(
Urk.
20)
.
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentli
chen auf den Stand
punkt, er sei aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung nicht in der Lage gewesen
,
seiner Mitwirkungspflicht gerecht zu werden. Mit Entscheid der Kindes- und E
rwachsenenschutzbehörde vom 17.
Januar 2019 sei eine Vertretungsbei
standschaft mit Verm
ögensverwaltung gemäss Art. 394 Abs.
1 und
3
i.V.m
. Art. 395
Abs.
1 und 2
des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB)
errichtet wor
den, weil er nicht in der Lage sei, seine administrativen Angelegenheiten selb
ständig zu erledigen (S. 1).
Aus näher genannten Gründen (S. 1 ff.) sei er dauer
haft teilweise erwerbsunfähig.
Mit Re
plik (Urk.
15) führte der Beschwerdeführer ergänzend aus,
er bestreite
, dass er die Schreiben der Beschwerdegegnerin erhalten habe (S. 1 f. Rz 1). Er sei mit Ausnahme von April 2019 auch in den letzten Monaten auf Sozialhilfe bezie
hungsweise Übernahme der Krankenkasse
nprämien angewiesen gewesen (S.
3 Rz 4).
Er stehe erst seit Mai 2019 bei der Psychotherapeutin lic. phil.
A._
in Behandlung (S. 4 Rz 5).
Es habe kein Grund bestanden, die Abklärun
gen einfach abzubrechen und einen Rentenanspruch zu verneinen (S. 4 Rz 6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der
Verneinung eines Rentenan
spruchs
infolge einer Verletzung der Auskunfts- und Mitwirkungspflicht
.
3.
3.1
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 2
1.
März 2019
(Urk.
2) lagen die folgenden Berichte vor:
Die Fachpersonen des Universitätsspital
s
B._
, Klinik für Neurologie, ber
ichte
ten am 15.
März 2016 (Urk.
13/134/5-9) über eine
gleichentags
durchgeführte neuropsychologisch-logopädische Untersuchung, und nannten folgende Diagno
sen
(S. 1):
-
Residuum eines frühkindlichen Psychoorganischen Syndroms
(ICD-10 F06.8/F07.9)
mit/bei
-
Aufmerksamkeitsstörung mit Hyperaktivität
-
Intelligenzeinschränkung (IQ 76 aus 2008), depressive Entwicklung (seit 2008 ohne medikamentöse Behandlung), Störung der Motorik und Spracherwerb in der Vorgeschichte
-
r
ezidivierende depressive Erkrankung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) mit/bei
-
zahlreichen psychosozialen Stressoren
(ICD-10 Z60, ICD-10 Z56, ICD-10 Z59)
Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer dank seiner zahlreichen Stärken eine wertvolle Arb
eitskraft sein könne, sofern er
sich in seinem Arbeits
umfeld beziehungsweise mit verständnisvollen Kollegen und Vorgesetzten wohl fühle, die kognitiven Anforderungen nicht zu hoch seien und er nicht unter Zeit
druck arbeiten müsse. Es werde eine Berufs-Potentialabklärung, ein anschliessen
des intensives Jobcoaching und ein kognitives Training im Rahmen einer Ergo
therapie
oder eines neuropsychologischen Trainings empfohlen. Die psychothe
rapeutische Begleitung des Beschwerdeführers werde als weitere zentrale Inter
vention erachtet
(S. 4)
.
3.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, nannte mit undatiertem Bericht (Urk.
13/1
3
4/1-4; Eingang bei der Beschwerdegegnerin am 2
0.
April 2016, vgl. Aktenverzeichnis) folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
Residuum eines frühkindlichen
Psychoorganischen Syndrom
s
(ICD-10 F06.8/F07.9)
mit/bei
-
Aufmerksamkeitsstörung mit Hyperaktivität
-
Störung der Feinmotorik, Sprache, Kognition, Rechnen und auditive Erfassungsspanne
-
leichte Intelligenzminderung (I
Q
Wert
80
, Universitätsspital
B._
15.
März 2016)
-
r
ezidivierende depressive Erkrankung, gegenw
ärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1; 9.
Dezember 2015) mit/bei
-
zahlrei
chen psychosozialen Stressoren (
ICD-10 Z60, ICD-10 Z56, ICD-10 Z59
)
-
Kurzsichtigkeit (Januar 2016) gegenwärtig mit Sehhilfe versorgt
-
Tabakabhängigkeit (ICD-10 F17.2)
-
problematischer Konsum von Cannabis (ICD-10 Z72.2)
Bei Intensivierung medizinischer Massnahmen (psychiatrisch
e
und psychothera
peutische
Behandlung
, Ergotherapie,
gegebenenfalls Einstieg kognitives Training, Sporttherapie etc.) und sozialer Interventionen (IV Beratung, Jobcoach, erneute Klärung/Platzierung in geeigneter Wohnform etc.) sei noch genügend Luft nach oben
,
um eine Prognose deutlich zu verbessern (
Ziff.
2.5).
4.
4.1
Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdegegnerin nach
erfolgloser Arbeit
svermittlung (Verfügung vom 25.
Juli 2018,
Urk.
13/164)
zunächst D
r.
C._
(vgl. vorstehend E.
3.2) um einen aktuellen Bericht über den Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers gebeten hat
(vgl. Urk. 13/178/2)
. Nachdem
Dr.
C._
mit Telefon vom
7.
August 2018 mitgeteilt hat
te
, dass er den Beschwerdeführer seit drei Jahren nicht mehr gesehen habe (Urk. 13/168), ersuchte
die Beschwerdegegnerin
gleichentags
den Beschwerdeführer um Mittei
lung, bei welchen
Ärztinnen und Ärzten, Institutionen, Spitälern etc. er sich der
zeit in Behandlung befinde (Urk. 13/169). D
a eine Antwort ausblieb, bat
sie
ihn mit Schreiben vom
17.
September 2018 (
Urk.
13/170)
erneut um Beantwortung der Anfrage.
Wiederum blieb eine Antwort aus.
Mit Einschreiben vom
8.
Oktober 2018
(Urk. 13/171
) forderte die
Beschwerdegegnerin
den
Beschwerdeführer
schliesslich ein letztes Mal auf, die gewünschten
Informationen
bis spätestens am
7.
November 2018
zuzustellen.
Dabei wies sie ihn auf seine Auskunftspflichten hin
und darauf,
dass aufgrund der Akten entschieden und ein Rentenanspruch verneint werden k
ö
nn
e
.
Entgegen der
vom Beschwerdeführer
vorgebrachten Behauptung,
die
Schreiben
der Beschwerdegegnerin
nicht erhalten zu haben (vgl. vorstehend E. 2.2), geht aus dem mit Duplik nachgereichten Zustellnachweis
her
vor, dass
ihm
das
eingeschrieben versandte Schreiben vom 8. Oktober 2018 am
9. Oktober 2018 zugestellt wurde
(
vgl. Urk. 20
)
.
Am 12. November 2018 ersuchte die
Beschwerdegegnerin
die Gemeinde
Z._
, Abteilung Soziales und Gesund
heit, um Zustellung der entsprechenden Informationen, unter Hinweis darauf, dass ein allfälliger Rentenanspruch abgewiesen werden könnte, falls die Anfragen weiterhin unbeantwortet blieben (Urk. 13/174). Eine telefonische
Rückmeldung
vom
14.
November 2018
ergab, dass der
Beschwerdeführer
wegen fehlender Mit
wirkung
nicht mehr von
der Gemeinde
unterstützt werde (
Urk.
13/175).
Bis zum am
1.
Februar 2019
erlassenen Vorbescheid (
Urk.
13/179) und schliesslich der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
21.
März 2019
(Urk.
2) gingen die angeforderten Unterlagen nicht bei der Beschwerdegegnerin ein.
Auch aus der Beschwerde
geht
nicht eindeutig hervor, ob oder wo sich
der Beschwerdeführer
derzeit in Behandlung befinde
t
. Erst mit Replik teilte
er
mit, dass er
erst seit Mai 2019 in Behandlung bei
der Psychotherapeutin lic. phil.
A._
stehe (
vorstehend E. 2.2
).
4.2
Das soeben Ausgeführte zeigt eindrücklich, wie der Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin über mehrere Monate wiederholt
zur Information darüber, wo er sich derzeit in ärztlicher Behandlung befinde, aufgefordert wurde.
Überdies versuchte die Beschwerdegegnerin
,
die
gewünschten
Informationen von der Gemeinde zu
bekommen, was daran scheiterte, dass der Beschwerdeführer von der Gemeinde nicht mehr unterstützt wurde
.
Eine Reaktion erfolgte erstmals nach Erhalt des Vorbescheides, als die
am 1
7.
Januar 2019 ernannte
Beistän
din des Beschwerdeführers
(vgl. Urk. 13/181)
am 4.
März 2019 Akteneinsicht verlangt
(Urk.
13/180) und in
der Folge Beschwerde
erhoben hat
(vorstehend E. 2.2).
4.3
Die Verletzung der Mitwirkungspflicht ist nur relevant, wenn sie in
un
entschuld
barer Weise erfolgt.
Es muss sich
mithin jedenfalls
um eine schuldhafte Verlet
zung handeln
(
BBl
1991 II 261). Eine solche Verletzung kann angenommen wer
den, wenn das Verhalten der Person
nicht mehr nachvollziehbar
ist
, was etwa dann gegeben ist, wenn ein Rechtfertigungsgrund nicht einmal ansatzweise erkennbar ist oder wenn das Verhalten schlechthin unverständlich ist (
Kieser, a.a.O
.
,
Art.
43 Rz
103
).
Beschwerdeweise wurde vorgebracht, der Beschwerdeführer
sei aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung nicht in der Lage gewesen, seiner Mitwirkungs
pflicht gerecht zu werden
(vorstehend E. 2.2).
4.4
G
estützt auf die vorliegenden Akten
ist ein Rechtfertigungsgrund
nicht
überwie
gend wahrscheinlich
ersichtlich. Es erscheint nicht nachvollziehbar
,
dass
der Beschwerdeführer
aus gesundheitlichen Gründen nicht hätte in der Lage sein sollen, die
gewünschten Angaben zu machen.
Soweit
sich
der Beschwerdeführer
auf die Berichte von Dr.
C._
und den Bericht der neuropsychologischen Untersuchung aus dem Jahr 2016 beruft (vorstehend E. 3.1 f.)
,
kann aus den darin genannten Diagnosen nicht abgeleitet werden, er sei bezüglich administrativen Angelegenheiten ganz erheblich eingeschränkt. So war es dem Beschwerdeführer im Oktober 2016 denn auch möglich, die Beschwerdegegnerin schriftlich um Unterstützung bei der Stellensuche zu bitten (Urk. 13/146).
Auch geht aus dem
Entscheid der Kindes- und E
rwachsenenschutzbehörde vom 17.
Januar 2019, womit
eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung gemäss
Art.
394
Abs.
1 und
3
i.V.m
.
Art.
395
Abs.
1 und 2 ZGB errichtet
worden ist, hervor
, dass der Beschwerdeführer
am 4. September 2018, und somit
im Zeitpunkt, als die Beschwerdegegnerin
ihn
um Auskunft ersucht hatte,
offenbar fähig war, die KESB schriftlich um Unterstützung zu bitten (Urk.
3/1 S.
1
Ziff.
I.1
).
Zudem
stellt die Mitteilung, wo er in ärztlicher Behandlung stehe, keinen komplexen Vorgang dar. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer sogar einen Antwortbrief zu
kommen lassen (vgl.
Urk.
13/169/3).
Schliesslich
hätte die Beiständin des Beschwerdeführers noch vor Beschwerdeerhebung die erforderlichen Angaben machen können, indem sie beispielsweise mitgeteilt hätte, dass keine Behandlung stattfinde.
4.
5
Nach dem Gesagten
kam der Beschwerdeführer seinen Pflichten in unentschuld
barer Weise nicht rechtsgenügend nach, weshalb eine schuldhafte Verletzung der Auskunfts- und Mitwirkungspflicht vorliegt
und die
von der Beschwerdegegnerin
verfügte
Leistungsabweisung
zu Recht erfolgte. Die Beschwerde ist daher
abzu
weisen
.
Nachdem der Beschwerdeführer mit Replik mitgeteilt hat, dass seit Mai 2019 eine Behandlung bei
der Psychotherapeutin lic. phil.
A._
bestehe, kann die Beschwerdegegnerin -
entsprechende Mitwirkung des Beschwerdeführers vorausgesetzt - den Sachverhalt ab diesem Zeitpunkt weiter abklären (vgl. vor
stehend E. 1.4).
5.
5.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeistän
dung notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
5.2
Die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung sind erfüllt; der Beschwerdeführer ist bedürftig und die Sache ist nicht
nachge
rade
aussichtslos.
Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
500.-- anzusetzen. Ent
sprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwer
deführer aufzuerlegen, infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.3
Gemäss
Art.
61
Abs.
1 lit. f Satz 2 ATSG wird
, wo es die Verhältnisse rechtferti
gen,
der Beschwerde führen
den Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewil
ligt. Gemäss
§
16
Abs.
2 des Gesetzes übe
r
das Sozialversicherungsgericht
(
GSVGer
)
wird ihr auf Gesuch e
ine unentgeltliche Rechtsvertre
tung bestellt, wenn sie nicht in der Lage ist, ihre Rechte im Verfahren selbst zu wahren.
Ob die anwaltliche
Verbeiständung
notwendig oder doch geboten ist, beurteilt sich nach den konkreten objekti
ven und subjektiven Umständen. Praktisch ist im Ein
zelfall zu fragen, ob eine nicht bedürftige Partei unter sonst glei
chen Umstän
den vernünftigerweise eine Rechts
anwältin oder einen Rechtsanwalt beizie
hen würde, weil sie selber zu wenig rechtskun
dig ist und das Interesse am Prozess
ausgang den Aufwand rechtfertigt (BGE 103 V 46, 98 V 115; vgl. auch BGE 130 I 180 E. 2.2, 128 I 225 E. 2.5.2 mit Hinweisen).
5.4
Vorliegend war der Beschwerdeführer bei Beschwerdeerhebung durch eine fach
kundige
Berufsbeiständin
vertreten und die Beschwerdeschrift war genügend (vgl.
Urk.
1). Die Notwendigkeit des Beizugs eines Rechtsanwalts zur Einreichung der Replik erschliesst sich deshalb nicht ohne weiteres, zumal nicht der Beschwerde
führer, sondern die Beiständin als Vertreterin der Sozialdienste des Bezirks Dielsdorf den Rechtsanwalt mandatierte (vgl.
Urk.
17). Die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung
durch das Gericht
läuft somit auf eine Finan
zierung von Aufgaben hinaus, die den Sozialdiensten obliegen und auch von diesen wahrgenommen werden können. Das Gericht behält sich deshalb vor, in einem weiteren vergleichbaren Fall das Gesuch um Gewährung der unentgeltli
chen Rechtsvertretung ma
ngels Notwendigkeit abzuweisen.
5.
5
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der seit 1. Juli 2011 in Kraft stehenden Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
5.6
Der von Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler
mit Eingabe vom
3
0.
April 2020 (Urk. 22
) geltend gemachte Aufwand von insgesamt 9 Stunden ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit
des Prozesses nicht angemessen. Namentlich erscheint
der Aufwand
von insgesamt
355 Minuten f
ür die
Replik
als überhöht
.
Angesichts der zu studierenden Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der sechs
seitigen Rechtsschrift, den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung sowie der in ähnlichen Fällen zugespro
chenen Beträge ist die Entschädigung von Rechtsanwalt
Dr.
Peter
Stadler
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 2
2
0.-- (zuzüglich Mehr
wertsteuer) auf
Fr. 1‘800.
-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen.
Der
Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach
er
zur Nachzahlung der Auslagen für die
unentgeltliche Rechtspflege
verpflichtet wer
den kann, sofern
er
dazu in der Lage ist.