Decision ID: 2b88e2b9-6047-402f-854e-a94b419d6b7f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfacher gewerbsmässiger Betrug
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 6. November 2019 (DG190191)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 8. Juli 2019 ist die-
sem Urteil beigeheftet (Urk. 17).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 80 S. 45 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig des mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs im Sinne
von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, wovon bis und mit
heute 239 Tage durch Sicherheitshaft und vorzeitigen Strafvollzug erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festge-
setzt.
4. Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. c und e StGB für die Dauer von
7 Jahren aus dem Gebiet der Schweiz verwiesen.
Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS)
angeordnet.
5. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, der Privatklägerin 1 den
Betrag von Fr. 987'584.75 zu bezahlen.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'400.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.– Gebühr Beschwerdeverfahren Geschäfts- Nr. UB190034
Fr. 3'500.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 480.– Kosten Kantonspolizei Zürich
Fr. 20'197.35 amtliche Verteidigung (inkl. MWST und Barauslagen)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
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8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 eine Prozessentschädigung im Be-
trag von Fr. 10'715.90 (inkl. MWST und Barauslagen) zu bezahlen.
9. (Mitteilungen.)
10. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 6 f.)
a) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 81 und Urk. 113 S. 1)
1. In Abänderung von Ziff. 2 des vorinstanzlichen Urteils sei der Beschuldigte
mit einer Freiheitsstrafe von 50 Monaten zu bestrafen.
2. In Abänderung von Ziff. 3 des vorinstanzlichen Urteils sei der Vollzug der
Strafe nicht aufzuschieben.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 83 und Urk. 114 S. 2, teilweise sinngemäss)
1. Unter vollständiger Ersetzung der Dispositiv-Ziffern 1, 2 und 7 des Urteils
des Bezirksgerichts Zürich vom 6. November 2019 und der zugehörigen
Erwägungen sei im Sinne der nachfolgenden Anträge zu entscheiden.
2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne
von Art. 146 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 StGB (Dossier 2) freizusprechen.
3. Der Beschuldigte sei des (einfachen) gewerbsmässigen Betrugs im Sinne
von Art. 146 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 StGB (Dossier 1) für schuldig zu befinden.
4. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten zu bestrafen.
5. Der vom Beschuldigten erstandene Freiheitsentzug im Umfang von 245 Ta-
gen (239 Tage + 6 Tage) sei auf die Strafe anzurechnen.
6. Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens – mit Ausnahme der Kosten der
amtlichen Verteidigung – seien zu 1/2 auf die Gerichtskasse zu nehmen und
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im Umfang von 1/2 dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten der amt-
lichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7. Dies unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für das Berufungsverfahren
zulasten des Kantons Zürich.
c) Der Privatklägerin B._:
Keine Anträge.

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte, Berufungsumfang
1. Prozessgeschichte
1.1. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 6. November 2019 wurde den
Parteien gleichentags mündlich eröffnet (Prot. I S. 15 ff.). Die Staatsanwaltschaft
meldete vor Schranken mündlich Berufung an, der Beschuldigte mit Schreiben
vom 8. November 2019 ebenfalls innert Frist (Prot. I S. 17; Urk. 73). Am
6. November 2019 ordnete die Vorinstanz die Fortdauer der Haft bis längstens
11. November 2019 an (Prot. I S. 18). Mit Präsidialverfügung vom 12. November
2019 wurde der Antrag der Staatsanwaltschaft vom 7./8. November 2019 auf
Fortsetzung des vorzeitigen Strafvollzugs abgewiesen und der Beschuldigte per
sofort auf freien Fuss gesetzt (Urk. 74).
1.2. Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 77 und Urk. 79) reichten
die Staatsanwaltschaft und der Beschuldigte am 4. Februar 2020 respektive
6. Februar 2020 fristgerecht die Berufungserklärungen ein (Urk. 81 und Urk. 83).
Mit Präsidialverfügung vom 24. Februar 2020 wurden die Berufungserklärungen in
Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 und Art. 401 StPO der Gegenpartei zuge-
stellt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf
die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten in Anwen-
dung von Art. 34 StGB Frist gesetzt, um seine finanzielle Leistungsfähigkeit zu
belegen (Urk. 86). Die Staatsanwaltschaft verzichtete am 28. Februar 2020 auf
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Anschlussberufung (Urk. 88), ebenso der Beschuldigte mit Schreiben vom
16. März 2020. Letzterer reichte gleichzeitig verschiedene Unterlagen ein, unter
anderem zu seiner finanziellen Situation (Urk. 90 und Urk. 92).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 30. März 2020 wurde der Privatklägerin
B._ und der Staatsanwaltschaft Frist gesetzt, um zum – im Rahmen der Be-
rufungserklärung gestellten – Beweisantrag des Beschuldigten betreffend Beizug
der E-Mail-Korrespondenz zwischen ihm und der Privatklägerin B._ im Zeit-
raum 2007 bis zum 3. Oktober 2015 Stellung zu nehmen (Urk. 93). Die Staatsan-
waltschaft verzichtete auf Stellungnahme, die Privatklägerin B._ beantragte
die Abweisung des Beweisantrags (Urk. 95 und Urk. 97). Am 17. April 2020 wies
die Verfahrensleitung den Beweisantrag ab (Urk. 99).
1.4. Am 21. Dezember 2020 wurde auf den 4. März 2021 zur Berufungs-
verhandlung vorgeladen (Urk. 101).
1.5. Mit Eingabe vom 19. Februar 2021 stellte die Verteidigung im Hinblick auf
die Berufungsverhandlung den Antrag um Dispensation des Beschuldigten. Die-
ser habe vor einiger Zeit die Schweiz verlassen und lebe in seinem Heimatland,
den USA. Unter anderem erschwerten die Einreisebestimmungen aufgrund der
aktuellen Pandemie die kurzfristige Einreise. Zudem sei die persönliche Anwe-
senheit des Beschuldigten nicht nötig (Urk. 105). Die Verfahrensleitung dispen-
sierte den Beschuldigten am 22. Februar 2021 vom persönlichen Erscheinen
(Urk. 105).
1.6. Am 4. März 2021 fand die Berufungsverhandlung statt. Es erschienen der
amtliche Verteidiger des Beschuldigten sowie der Vertreter der Staatsanwalt-
schaft (Prot. II S. 6). Anlässlich der Berufungsverhandlung reichte die Verteidi-
gung eine E-Mail der C._ [Telekommunikationsunternehmen] als Beweismit-
tel ins Recht und hielt an ihrem bereits zuvor im Verfahren gestellten Beweisan-
trag auf Beizug der gesamten E-Mail-Korrespondenz zwischen dem Beschuldig-
ten und der Privatklägerin B._ fest. Im Einverständnis mit den Parteien wurde
vereinbart, dass über diesen Antrag im Rahmen der Beratung in der Hauptsache
entschieden werde. Im Übrigen wurden keine weiteren Beweisanträge gestellt
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(Prot. II S. 8). Das Verfahren ist spruchreif. Auf den genannten Beweisantrag ist
nachfolgend an gegebenem Orte näher einzugehen (vgl. E. III.3.6.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte verlangt, er sei vom Vorwurf des gewerbsmässigen
Betrugs (Dossier 2) freizusprechen. Er sei wegen gewerbsmässigen Betrugs
(Dossier 1) zu verurteilen und mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten zu be-
strafen, unter Anrechnung des erstandenen Freiheitsentzugs von 245 Tagen
(Urk. 114 S. 2). Zwar anerkennt der Beschuldigte grundsätzlich den Schuldspruch
des gewerbsmässigen Betrugs zum Nachteil der Sozialen Dienste D._ ge-
mäss Dossier 1, jedoch wendet er sich ausdrücklich gegen die Verurteilung we-
gen mehrfacher Tatbegehung. Deshalb hat die gesamte Dispositivziffer 1 als an-
gefochten zu gelten. Die Staatsanwaltschaft wendet sich gegen das Strafmass
und den bedingten Vollzug der Freiheitsstrafe (vgl. Urk. 81 S. 1 und Urk. 113
S. 1). Unangefochten blieben somit die Landesverweisung und die Ausschreibung
im Schengener Informationssystem SIS (Dispositivziffer 4), die Verpflichtung des
Beschuldigten, der Privatklägerin B._ Fr. 987'584.75 sowie eine Prozessent-
schädigung von Fr. 10'715.90 zu bezahlen (Dispositivziffern 5 und 8) und die erst-
instanzliche Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 6; vgl. Prot. II S. 8). In diesem
Umfang ist der vorinstanzliche Entscheid in Rechtskraft erwachsen, was vorab
vorzumerken ist (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 437 StPO).
2.2. Im Übrigen steht der angefochtene Entscheid unter Berücksichtigung des
Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO zur Disposition.
2.3. Soweit die Verteidigung in diesem Zusammenhang sinngemäss vorbringt,
die Staatsanwaltschaft habe ihre Berufung auf die Sanktion beschränkt, weshalb
es ihr verwehrt sei, Ausführungen zum Sachverhalt und zur rechtlichen Würdi-
gung zu machen, so kann dieser Rechtsauffassung nicht gefolgt werden (vgl.
Urk. 114 N 1-5). Die Staatsanwaltschaft hat zutreffend dargelegt, dass die Vor-
instanz den Deliktszeitraum und Deliktsbetrag gemäss Dossier 2 zwar ein-
schränkte, hierfür aber kein formeller Freispruch erfolgte, welcher hätte angefoch-
ten werden können (Prot. II S. 9). Im Falle einer Beschränkung der Berufung auf
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die Strafzumessung kann das Berufungsgericht als Rechtsmittelbehörde seine
Prüfung mit voller Kognition auch auf jene Punkte des Urteils ausdehnen, die in
engem Zusammenhang mit der angefochtenen Strafhöhe stehen. Die Prüfungs-
befugnis bezieht sich hierbei insbesondere auf straferhöhende oder strafmindern-
de Umstände (zum Ganzen: Urteil 6B_1167/2015 vom 25. August 2016 E. 1.3.
mit Hinweisen). Die vorliegend seitens der Staatsanwaltschaft mit Blick auf die
Strafzumessung geltend gemachten Tatumstände (längerer Deliktszeitraum und
höherer Deliktsbetrag) sind zweifellos geeignet, die Strafhöhe zu beeinflussen.
Aufgrund des lediglich implizit erfolgten Freispruchs der Vorinstanz hinsichtlich
des Vorwurfs des gewerbsmässigen Betrugs für den Zeitraum 2009 bis März
2019 gemäss Dossier 2 war die Staatsanwaltschaft nicht gehalten, formell auch
den – aus ihrer Sicht korrekten – Schuldpunkt anzufechten. Eine mangelnde
Rügebefugnis liegt entgegen der Verteidigung somit nicht vor.
II. Sachverhalt
1. Allgemeines
1.1. Nach Art. 10 Abs. 2 StPO würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner
aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Die Organe der Straf-
rechtspflege sollen frei von Beweisregeln und nur nach ihrer persönlichen Über-
zeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung der vorliegenden Beweise darüber
entscheiden, ob sie eine Tatsache für bewiesen halten (BGE 144 IV 345
E. 2.2.3.1 S. 348 ff. mit Hinweis). Als Beweiswürdigungsregel besagt der Grund-
satz "in dubio pro reo", dass sich das Strafgericht nicht von der Existenz eines für
die beschuldigte Person ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn
bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel
bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE 127 I 38 E. 2a S. 41
mit Hinweisen).
1.2. Weigert sich ein Beschuldigter, zu seiner Entlastung erforderliche Angaben
zu machen, obschon eine Erklärung angesichts der belastenden Beweiselemente
vernünftigerweise erwartet werden dürfte, ist dies der Beweiswürdigung zugäng-
lich. Dies gilt auch, wenn der Beschuldigte vom Schweigerecht (vgl. Art. 113
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Abs. 1 und Art. 158 Abs. 1 lit. b StPO) nur punktuell Gebrauch macht. Darin liegt
weder eine Verletzung des Aussageverweigerungsrechts des Beschuldigten noch
eine verfassungswidrige Umkehr der Beweislast (Urteile 6B_453/2011 vom
20. Dezember 2011 E. 1.6, nicht publ. in BGE 138 IV 47; 6B_825/2014 vom
30. Oktober 2014 E. 3.2; 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014 E. 4.4; 6B_843/2011
vom 23. August 2012 E. 3.3.2; 6B_941/2013 vom 18. September 2014 E. 1.4; je
mit Hinweisen; vgl. zur zulässigen Verwertung des teilweisen Schweigens:
REGULA SCHLAURI, Das Verbot des Selbstbelastungszwangs im Strafverfahren,
Zürich 2003, S. 337 ff.).
1.3. Der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer Person im Sinne einer dauerhaften
personalen Eigenschaft kommt bei der Aussagewürdigung nur untergeordnete
Bedeutung zu. Wichtiger für die Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwür-
digkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche durch methodische
Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen
bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben entspringen (BGE 133 I 33
E. 4.3 S. 45 mit Hinweisen).
1.4. Die Berufungsinstanz kann sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken (vgl. BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 S. 253; Urteil 1B_242/2020
vom 2. September 2020 E. 2.2.).
2. Gewerbsmässiger Betrug zum Nachteil der Sozialen Dienste D._ (Dossier 1)
Der vorinstanzliche Entscheid umfasst in Dispositivziffer 1 beide Dossiers respek-
tive den Schuldspruch des gewerbsmässigen Betrugs zum Nachteil der Sozialen
Dienste D._ (nachfolgend: Soziale Dienste) sowie denjenigen zum Nachteil
der Privatklägerin B._ ("[...] schuldig des mehrfachen gewerbsmässigen Be-
trugs"; vgl. auch Urk. 80 S. 22 und 28). Der Beschuldigte wendet sich einzig ge-
gen die Verurteilung wegen gewerbsmässigen Betrugs zum Nachteil der Privat-
klägerin B._ (Dossier 2) und beantragt, er sei des einfachen gewerbsmässi-
gen Betrugs schuldig zu sprechen (Urk. 114 S. 2). Die Berufung kann auf den
Schuldpunkt und dort allenfalls auf einzelne Handlungen beschränkt werden
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(Art. 399 Abs. 4 lit. a StPO). Eine bloss teilweise Aufhebung der angefochtenen
Dispositivziffer 1 ist bei gegebener Ausgangslage (formell) jedoch nicht möglich.
Da die Verurteilung wegen gewerbsmässigen Betrugs zum Nachteil der Sozialen
Dienste (Dossier 1) von der Berufung des Beschuldigten aber explizit ausge-
nommen wurde und daher nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens bildet, ist
der diesbezügliche Schuldspruch ohne Weiterungen zu bestätigen (Urk. 114 S. 2
und S. 5).
3. Gewerbsmässiger Betrug zum Nachteil der Privatklägerin B._ (Dossier 2)
3.1. Die Vorinstanz kommt in tatsächlicher Hinsicht zusammengefasst zum
Schluss, der Beschuldigte habe die Privatklägerin B._ (nachfolgend: Privat-
klägerin) im Zeitraum ab 12. November 2007 bis zum 7. März 2019 überzeugt,
ihm ein Darlehen von insgesamt Fr. 987'584.75 zu gewähren. Der schriftliche
Darlehensvertrag vom 3. August 2008 sei ausdrücklich als "Überbrückungskredit"
bis zum "Erhalt der geerbten Summe aus den USA" abgeschlossen worden. Für
einen entsprechenden Erbschaftsprozess in den USA habe der Beschuldigte aber
keinen einzigen Beleg einreichen können. Auch die Abklärungen der Sozialen
Dienste hätten keine Hinweise ergeben, dass dem Beschuldigten Immobilien oder
Vermögenswerte hinterlassen worden oder dass entsprechende Erbschafts-
prozesse hängig wären. In den Akten befände sich mithin kein einziges Doku-
ment, das die Existenz eines Prozesses in den USA mit einem umgerechneten
Streitwert von mehreren hunderttausend Franken belegen oder zumindest als
glaubhaft erscheinen lassen würde. Der Beschuldigte habe gegenüber der Privat-
klägerin immer wieder erklärt, er brauche Geld für Essen und Medikamente, für
das Leben generell, für Rechnungen, Reisen sowie für nicht weiter konkretisierte
Prozesse und Projekte. Er habe die Privatklägerin mündlich und durch E-Mails
bewusst über die Existenz der Erbschaftsprozesse in den USA irregeführt und ihr
vorgespielt, in naher Zukunft wieder zahlungsfähig zu sein. Seine Behauptungen
habe er nie durch Dokumente belegt. Der Beschuldigte sei nicht in der Lage
gewesen, die Darlehenssumme aus anderweitigem Einkommen oder Vermögen
zurückzuzahlen. Ebenso wenig sei er rückzahlungswillig gewesen. Nebst den
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behaupteten Erbschaftsprozessen habe er die Privatklägerin deshalb auch über
die fehlende Rückzahlungsfähigkeit und -willigkeit getäuscht.
Die Privatklägerin habe – so die Vorinstanz weiter – zumindest in einer Anfangs-
phase an die Existenz der vom Beschuldigten behaupteten Prozesse geglaubt.
Sie sei sich seiner Mittellosigkeit von Anfang an bewusst gewesen. Es sei ihr nicht
möglich gewesen, eigene Nachforschungen über die angeblichen Erbrechts-
prozesse anzustellen. Sie habe denn auch nichts unternommen, ausser dem
Beschuldigten die Verweigerung weiterer finanzieller Unterstützung anzudrohen
(Urk. 80 S. 11 ff.).
3.2. Der Beschuldigte bezeichnete die Privatklägerin als Kollegin respektive als
frühere Chefin und sein Verhältnis zu ihr als freundschaftlich. Im Übrigen machte
er zur Sache im Untersuchungsverfahren keine Aussagen (Urk. 1/7/1 und
Urk. 1/7/3-5; Ordner 3). Vor Vorinstanz anerkannte er, von der Privatklägerin ein
Darlehen von insgesamt Fr. 987'584.75 erhalten und davon noch nichts zurück-
bezahlt zu haben. Weiter anerkannte er, den schriftlichen Darlehensvertrag vom
3. August 2008 abgeschlossen zu haben. Die Vorinstanz hält zutreffend fest, dass
auch weitere in der Anklage aufgeführte Umstände (Kennenlernen und ge-
meinsame Arbeitstätigkeit, mehrjährige Kontaktpause, Erkrankung der Mutter des
Beschuldigten, freundschaftliches Verhältnis, Umstände des ersten Darlehens,
Kommunikation zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin, Erklärung
des Beschuldigten im Verlaufe des Jahres 2012, sich in den USA aufzuhalten und
die in diesem Zeitraum erfolgte Korrespondenz) vom Beschuldigten anerkannt
wurden (vgl. Urk. 50 S. 3 f.; Urk. 58 S. 14 ff.). Vor Vorinstanz unterstrich der
Beschuldigte, er würde das Geld zurückzahlen, "sobald der Prozess in den USA
abgeschlossen" sei (Urk. 58 S. 16). Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden
diese Umstände seitens der Verteidigung nicht weiter thematisiert (vgl. Urk. 114).
3.3. Im Darlehensvertrag vom 3. August 2008 vereinbarten die Privatklägerin
und der Beschuldigte eine Rückzahlung "bei Erhalt der geerbten Summe aus den
USA" (Urk. 2/5/5/1; Ordner 7). Die Vorinstanz setzt sich mit der Darstellung des
Beschuldigten betreffend die darin implizit erwähnten, in den USA hängigen Erb-
schaftsprozesse auseinander. Sie gelangt zur Überzeugung, dass der behauptete
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Erbrechtsstreit, der die Deckung von Darlehen über mehrere Fr. 100'000.–
ermöglicht hätte, nicht bestanden hat, entsprechende Erbschaftsprozesse nicht
existierten und der Beschuldigte die Privatklägerin hinters Licht geführt hat. Auf
die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz kann verwiesen werden (Urk. 80
S. 11 ff.). Insbesondere ist richtig, wenn die Vorinstanz festhält, dass bei einem
mehrjährigen Erbschaftsprozess mit zahlreichen Beteiligten viele Unterlagen,
Kopien eigener Eingaben, Reaktionen der Prozessbeteiligten, Verfahrensanord-
nungen und Entscheide sowie Rechnungen von Anwälten vorliegen müssten.
Auch die Verteidigung stellt sich sinngemäss auf den Standpunkt, es wäre für
eine an einem Erbschaftsprozess beteiligte Person "ein Leichtes" gewesen, sol-
che Dokumente erhältlich zu machen (Urk. 114 N 23). Kann der Beschuldigte kein
einziges Dokument aufbringen, ist dies dahingehend zu würdigen, dass es entge-
gen seiner Darstellung keinen solchen Prozess gibt. Dies stimmt auch zwanglos
mit dem Umstand überein, dass der Beschuldigte die seit mindestens 2008
thematisierten Prozesse gegenüber der Privatklägerin ohne Ausnahme völlig
vage umschrieb. Auch vor Vorinstanz wollte er sich nicht dazu äussern (Urk. 58
S. 13 [auf Frage, ob der Beschuldigte die Anwartschaften in den USA etwas
erläutern könnte:] "Ich sage dazu momentan nichts"; Urk. 58 S. 16 f. [auf Frage,
um was es bei diesem Prozess in den USA gehe]: "Ich sage nichts dazu"; Urk. 58
S. 17 [auf Frage, wer den Prozess in den USA führe]: "Momentan sage ich nichts
dazu"). Wenn die Vorinstanz unter anderem angesichts der fehlenden Belege und
des Aussageverhaltens des Beschuldigten schlussfolgert, der Erbrechtsstreit in
den USA sei ein blosses gedankliches Konstrukt und eine Schutzbehauptung des
Beschuldigten, so ist dem beizupflichten.
3.4. Zu seiner finanziellen Situation hielt der Beschuldigte am 6. November
2019 anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung fest, die Aushilfstätigkeit
bei der E._ Ende Oktober 2006 sei seine letzte Arbeitsstelle gewesen. Seit-
her habe er seinen Lebensunterhalt durch die Unterstützung des Sozialamts und
die Zuwendungen der Privatklägerin bestritten (Urk. 58 S. 5). Aus den Akten ge-
hen 116 Verlustscheine im Gesamtbetrag von rund Fr. 285'000.– hervor
(Urk. 1/2/15/3; Ordner 1). Stellt die Vorinstanz fest, dass der Beschuldigte abge-
sehen von der (wahrheitswidrig) behaupteten Anwartschaft über keine weiteren
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finanziellen Mittel zur Rückzahlung des Darlehens verfügte, ist dies zutreffend
(Urk. 80 S. 17 f.). Die Mittellosigkeit war der Privatklägerin bekannt und (zumin-
dest zu Beginn) der Grund ihrer Zuwendungen (Urk. 1/8/2 S. 3, 6, 10, Ordner 3;
Urk. 80 S. 19).
3.5. Indem der Beschuldigte gegenüber seiner Geldgeberin einträgliche Erb-
schaftsprozesse in den USA vorspiegelte, bewirkte er bei der Privatklägerin einen
entsprechenden Irrtum. Die Privatklägerin glaubte mithin – zumindest zu Beginn
der Zahlungen – an die Existenz der behaupteten Erbschaftsprozesse. Die Vor-
instanz würdigt in diesem Zusammenhang die zwischen dem Beschuldigten und
der Privatklägerin ausgetauschte E-Mail-Korrespondenz, die Formulierung des
Darlehensvertrags vom 3. August 2008 (als "Überbrückungskredit" in der Höhe
von Fr. 100'000.– bis zum "Erhalt der geerbten Summe aus den USA") wie auch
die Tatsache, dass die Geldbeträge trotz bekannter Mittellosigkeit geleistet
wurden (Urk. 80 S. 19). Dem ist nichts beizufügen.
Irrte die Privatklägerin über die Erbschaftsprozesse und wusste sie von der
Mittellosigkeit des Beschuldigten, so irrte sie auch über die zukünftige Zahlungs-
fähigkeit des mittellosen Beschuldigten.
3.6. Die Privatklägerin forderte den Beschuldigten wiederholt auf, ihr gegenüber
die Rechtsstreitigkeiten in den USA zu belegen. Teilweise stellte sie ihm in
Aussicht, ansonsten keine weiteren Zahlungen zu leisten (vgl. beispielsweise
Urk. 2/5/5/6 S. 3 [E-Mail vom 24. April 2018]; Urk. 2/5/5/10 S. 8 ff. [E-Mails vom
1. August 2017, 25. Juli 2017, 18. Mai 2017]; Urk. 2/5/5/12 S. 1, 7, 8 [E-Mails
vom 2. April 2017, 22. November 2016, 19. September 2016, 21. Juli 2016];
Urk. 2/5/5/13 S. 1, 6, 7, 8, 9 [E-Mails vom 14. Oktober 2017, 14. Mai 2017, 8. Mai
2017, 3. Mai 2017 [18:49 + 22:11]; Urk. 2/5/5/16 S. 10 [E-Mail vom 7. Oktober
2015]; Ordner 7). Ihre E-Mails zeigen nicht nur auf, dass die Aufforderungen
mehrmals erfolgten und sie gleichwohl keine Dokumente oder näheren Angaben
erhältlich machen konnte, sondern auch, dass es die Privatklägerin bei ihren
Appellen bewenden liess. Die Vorinstanz hält richtig fest, dass es der Privatkläge-
rin nicht möglich war, eigene Nachforschungen über die angeblichen Erbrechts-
prozesse anzustellen (Urk. 80 S. 18). Nicht nur war sie unbeteiligte Dritte. Ihr
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waren auch keine weiteren Details bekannt (Urk. 2/5/5/6 S. 3 [E-Mail vom
24. April 2018]: "I cannot accept why I am not involved in your case with details
after such a long time? I still have not any documents, or a confirmation from your
lawyers like a letter, I still have nothing in my hands?"; Urk. 2/5/5/10 S. 8 [E-Mail
vom 1. August 2017]: "I am still waiting for your docus, your address in DC and
your tel. number"; Ordner 7).
3.7. Zusammenfassend ist der anklagerelevante Sachverhalt im Zusammen-
hang mit den dem Beschuldigten gewährten Darlehen im Umfang von insgesamt
Fr. 987'584.75 im oben genannten Sinne erstellt. Soweit die Verteidigung in
diesem Zusammenhang vorbringt, es sei in tatsächlicher Hinsicht davon auszu-
gehen, dass die Privatklägerin von allem Anfang an grösste Zweifel an den
Darstellungen des Beschuldigten gehabt habe, betrifft dies primär die Frage des
Vorliegens einer arglistigen Täuschung und damit die rechtliche Würdigung des
Sachverhalts (Urk. 114 N 20 ff. und N 27). Es rechtfertigt sich deshalb, sowohl
diesen Einwand als auch den Beweisantrag der Verteidigung betreffend Beizug
der E-Mail-Korrespondenz zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin,
aus welcher nach Ansicht der Verteidigung Rückschlüsse auf den Irrtum und die
Opfermitverantwortung der Privatklägerin möglich seien, im Rahmen der recht-
lichen Würdigung zu thematisieren (vgl. nachfolgend E. III.3.6.).
III. Rechtliche Würdigung
1. Rechtliche Grundlagen
1.1. Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich des Betrugs schuldig, wer in der
Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch
Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in
einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt,
wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt.
1.2. Angriffsmittel beim Betrug ist die Täuschung des Opfers. Als Täuschung
gilt jedes Verhalten, das darauf gerichtet ist, bei einem andern eine von der Wirk-
lichkeit abweichende Vorstellung hervorzurufen. Sie ist eine unrichtige Erklärung
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über Tatsachen, das heisst über objektiv feststehende, vergangene oder gegen-
wärtige Geschehnisse oder Zustände. Auch Äusserungen oder Prognosen über
künftige Vorgänge können zu einer Täuschung führen, wenn sie innere Tatsachen
wiedergeben. Der Tatbestand erfordert eine arglistige Täuschung. Betrügerisches
Verhalten ist strafrechtlich erst relevant, wenn der Täter mit einer gewissen
Raffinesse oder Durchtriebenheit täuscht (BGE 143 IV 302 E. 1.2 S. 303 f.;
BGE 135 IV 76 E. 5.1 S. 78 f.; je mit Hinweisen).
1.3. Arglist ist nach ständiger Rechtsprechung gegeben, wenn der Täter sich
mehrfachen, raffiniert aufeinander abgestimmten Lügen bedient (sogenanntes
Lügengebäude), durch welche sich selbst ein kritisches Opfer täuschen lässt,
oder bei besonderen Machenschaften im Sinne von Inszenierungen, die durch in-
tensive, planmässige und systematische Vorkehrungen, nicht aber notwendiger-
weise durch eine besondere tatsächliche oder intellektuelle Komplexität gekenn-
zeichnet sind. Dagegen genügen einfache Lügen, plumpe Tricks oder leicht über-
prüfbare falsche Angaben als solche nicht. Bei einfachen falschen Angaben ist
das Merkmal erst erfüllt, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer
Mühe möglich oder nicht zumutbar ist und wenn der Täter den Getäuschten von
der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraussieht, dass
dieser die Überprüfung der Angaben auf Grund eines besonderen Vertrauens-
verhältnisses unterlassen werde (BGE 143 IV 302 E. 1.3.1 S. 304; BGE 135 IV 76
E. 5.2 S. 79 ff. mit Hinweisen).
Arglist scheidet aus, wenn der Getäuschte den Irrtum mit einem Mindestmass an
Aufmerksamkeit hätte vermeiden können. Auch unter dem Gesichtspunkt der
Opfermitverantwortung erfordert die Erfüllung des Tatbestands indes nicht, dass
das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und alle erdenk-
lichen Vorkehren trifft. Arglist scheidet lediglich aus, wenn es die grundlegendsten
Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet. Entsprechend entfällt der strafrechtliche
Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Getäuschten, sondern nur bei Leicht-
fertigkeit, welche das betrügerische Verhalten des Täters in den Hintergrund
treten lässt (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2 S. 155 mit Hinweis).
- 15 -
1.4. Nach der Rechtsprechung ist die Vorspiegelung des Leistungswillens
grundsätzlich arglistig im Sinne von Art. 146 StGB, weil sie eine innere Tatsache
betrifft, die vom Vertragspartner ihrem Wesen nach nicht direkt überprüft werden
kann. Arglist scheidet lediglich aus, wenn die Behauptung des Erfüllungswillens
mittels Nachforschungen über die Erfüllungsfähigkeit des Täuschenden überprüf-
bar ist und sich aus einer möglichen und zumutbaren Prüfung ergeben hätte, dass
jener zur Erfüllung gar nicht in der Lage war. Dies folgt aus dem Gedanken, dass,
wer zur Erfüllung offensichtlich nicht fähig ist, auch keinen ernsthaften Erfüllungs-
willen haben kann (BGE 118 IV 359 E. 2 S. 361; Urteil 6B_572/2020 vom
8. Januar 2021 E. 3.3; je mit Hinweisen).
1.5. Der Tatbestand des Betrugs setzt einen Vermögensschaden voraus. Ein
Vermögensschaden liegt vor, wenn das Vermögen des Täuschungsopfers nach
Vornahme der irrtumsbedingten Vermögensverfügung in seinem Gesamtwert
– durch Verringerung der Aktiven oder Vermehrung der Passiven – tatsächlich
vermindert ist. Das ist auch der Fall, wenn das Vermögen in einem Masse
gefährdet wird, dass es in seinem wirtschaftlichen Wert herabgesetzt ist, mithin
wenn der Gefährdung im Rahmen einer sorgfältigen Bilanzierung durch
Wertberichtigung oder Rückstellung Rechnung getragen werden muss (BGE 142
IV 346 E. 3.2 S. 350; BGE 129 IV 124 E. 3.1 S. 125 f.; Urteil 6B_97/2019 vom
6. November 2019 E. 2.1.1; je mit Hinweisen; eingehend MARKUS BOOG, Die
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Begriff des Vermögensschadens beim
Betrug, 1991, S. 13 ff.).
1.6. Beim Kreditbetrug täuscht der Borger beim Abschluss des Darlehensver-
trages über seine Rückzahlungsfähigkeit, das heisst seine Kreditwürdigkeit und
damit die Sicherheit der Forderung, respektive über seinen Rückzahlungswillen.
Der Vermögensschaden ist gegeben und der Betrug vollendet, wenn der Borger
entgegen der beim Darleiher geweckten Erwartung im Zeitpunkt der Kreditgewäh-
rung dermassen wenig Gewähr für eine vertragsgemässe Rückzahlung des Gel-
des bietet, dass die Darlehensforderung erheblich gefährdet und infolgedessen in
ihrem Wert wesentlich herabgesetzt ist (Urteile 6B_1081/2019 vom 15. Mai 2020
E. 1.2.3 und 6B_1241/2017 vom 19. März 2018 E. 3.3, je mit Hinweisen).
- 16 -
1.7. In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand Vorsatz und Handeln in
unrechtmässiger Bereicherungsabsicht.
2. Täuschungen
2.1. Indem der Beschuldigte der Privatklägerin einträgliche Erbschaftsprozesse
in den USA vorspiegelte, täuschte er über seine finanziellen Möglichkeiten, die
Kredite vereinbarungsgemäss zurückzuzahlen. Er täuschte über seine Kreditwür-
digkeit respektive seine Zahlungsfähigkeit und damit auch über seine Zahlungs-
willigkeit. Die Lügen erfolgten mündlich, per E-Mails und im Rahmen des schrift-
lichen Darlehensvertrages vom 3. August 2008. Der schriftliche Darlehensvertrag
schliesst den fehlenden Rückzahlungswillen nicht etwa aus (vgl. Urteil
6B_1081/2019 vom 15. Mai 2020 E. 1.3.2). Vielmehr war er Teil der Täuschungs-
handlung. Darüber hinausgehende Vorkehrungen oder eigentliche Inszenie-
rungen werden dem Beschuldigten aber nicht vorgeworfen. Es kann der Staats-
anwaltschaft daher nicht gefolgt werden, wenn sie sich auf den Standpunkt stellt,
die einzelnen Täuschungen seien aufeinander abgestimmt worden und hätten
sich über den Zeitverlauf betrachtet zu einem regelrechten Lügengebäude
zusammengefügt (Urk. 113 S. 2). Ein Lügengebäude liegt nicht schon vor, wenn
mehrere jeweils durchschaubare Lügen aneinandergereiht werden, sondern ist
erst anzunehmen, wenn die Lügen von besonderer Hinterhältigkeit und Raffines-
se zeugen (TRECHSEL/CRAMERI in: StGB Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 146
N 8 mit Hinweisen). Der Beschuldigte täuschte vorliegend nicht mit komplizierten,
aufeinander abgestellten Konstrukten. Bei seinen wiederholten mündlichen und
schriftlichen Behauptungen handelt es sich somit auch in einer Gesamtschau um
einfache (schriftliche) Lügen.
3. Arglist und Irrtum
3.1. Hauptkritikpunkt des vorinstanzlichen Entscheids bildet sowohl nach An-
sicht der Staatsanwaltschaft als auch der Verteidigung die Frage der Arglist. Die
Verteidigung macht sinngemäss und im Wesentlichen geltend, das Verhalten des
Beschuldigten sei nicht arglistig gewesen, da die Privatklägerin grosse Zweifel an
der behaupteten Verwendung des Darlehens und in Bezug auf das bestehende
- 17 -
Rückzahlungsrisiko gehabt habe (Urk. 114 N 20). So sei anhand einer aktenkun-
digen E-Mail insbesondere erstellt, dass die Privatklägerin bereits vor Gewährung
des Darlehens vom Beschuldigten schriftliche Beweise für den behaupteten
Erbschaftsprozess verlangt habe. Zudem sei – so die Verteidigung weiter – jede
in einen Erbschaftsprozess involvierte Person im Besitze von diesbezüglichen
Dokumenten oder könne solche problemlos erhältlich machen, was auch der im
Finanzbereich als Geschäftsfrau tätigen Privatklägerin bewusst gewesen sein
müsse (Urk. 114 N 21-24). Das Verhalten der Privatklägerin sei deshalb von
Anfang an als äusserst unvorsichtig zu qualifizieren und verdiene keinen straf-
rechtlichen Schutz (Urk. 114 N 28).
Demgegenüber hält die Staatsanwaltschaft dafür, selbst bei Vorliegen von
einfachen Lügen habe der Beschuldigte über den gesamten Zeitraum arglistig
getäuscht. Dies, da sich die Täuschungen auf innere Tatsachen bezogen hätten
und deshalb nicht überprüfbar gewesen seien, der Beschuldigte die Privatklägerin
von der Überprüfung der angeführten Täuschungen abgehalten respektive dafür
nicht Hand geboten habe und es für den Beschuldigten voraussehbar gewesen
sei, dass die Privatklägerin aufgrund des Vertrauensverhältnisses von einer
Überprüfung derselben absehen werde. Die seitens der Vorinstanz unter dem
Gesichtspunkt der Opfermitverantwortung vorgenommene Beschränkung des
deliktsrelevanten Zeitraums auf rund fünf Monate sei willkürlich erfolgt. Die ge-
schäftserfahrene Privatklägerin, welche in einem freundschaftlichen Vertrauens-
verhältnis zum Beschuldigten gestanden sei, habe zwar nicht die grösstmögliche
Sorgfalt walten lassen, jedoch keinesfalls leichtfertig gehandelt und aufgrund des
in Aussicht gestellten Vermögens aus dem Erbschaftsprozess an die Rück-
zahlungsfähigkeit des Beschuldigten glauben dürfen (Urk. 113 S. 2 ff.).
3.2. Die Vorinstanz kommt in ihrer rechtlichen Würdigung zum Schluss, dass
die Täuschung zu Beginn als arglistig zu qualifizieren ist (Urk. 80 S. 24). Dies ist
zutreffend. Das Merkmal der Arglist ergibt sich in dieser Phase mit der Staatsan-
waltschaft bereits aus der mangelnden Überprüfbarkeit der Zahlungsfähigkeit und
damit des Erfüllungswillens des Beschuldigten als Borger. Die Privatklägerin war
ausser Stande, eigene Nachforschungen über die angeblichen Erbrechtsprozesse
- 18 -
in den USA anzustellen. Sie verfügte über keinerlei Informationen, welche Stellen
mit der Sache überhaupt hätten betraut sein können. Zudem war sie unbeteiligte
Dritte und hätte von Behörden oder Anwaltskanzleien mit grosser Wahrschein-
lichkeit keine Auskünfte erhältlich machen können. Entsprechende Auskünfte
oder Unterlagen hätte sie deshalb einzig vom Beschuldigten einverlangen
können. Dazu hatte sie zumindest zu Beginn der ersten Zahlungen keine Veran-
lassung. Sie und der Beschuldigte hatten ein enges freundschaftliches Verhältnis.
Wenngleich dies auf eine gemeinsame Arbeitstätigkeit in den Jahren 1994 bis
1996 zurückging, gelang es dem Beschuldigten offensichtlich, über zehn Jahre
später an die gemeinsame Zeit anzuknüpfen und Vertrauen aufzubauen. Nach-
dem die Privatklägerin dem (arbeitslosen und laut eigenen Angaben die kranke
Mutter pflegenden) Beschuldigten ein erstes Darlehen gewährt hatte, setzte der
Beschuldigte darauf, dass die Privatklägerin auch seine weiteren Angaben nicht
überprüfen würde. Darauf konnte er aufgrund des freundschaftlichen Verhältnis-
ses vertrauen. Nachforschungen beim Beschuldigten waren der Privatklägerin zu
Beginn nicht zumutbar. Unterstreicht die Verteidigung, die Privatklägerin habe
stets Zweifel gehabt (Urk. 64 N 31 ff.; Urk. 114 N 27), vermag dies den Beschul-
digten nicht zu entlasten. Eine allfällige Unsicherheit oder gar Misstrauen der
Privatklägerin vermochte er mit seinen Behauptungen und dem schriftlichen
Darlehensvertrag aus der Welt zu schaffen.
3.3. Für die Zeit ab dem Jahre 2009 verneint die Vorinstanz eine arglistige Täu-
schung. Sie trägt zusammengefasst folgenden Umständen Rechnung. Der be-
zahlte Gesamtbetrag habe Ende 2008 Fr. 161'054.75 betragen und damit die ver-
einbarte Darlehenssumme um über 50% überschritten. Es sei keine Anpassung
des schriftlichen Darlehensvertrags erfolgt und die Privatklägerin habe sich wei-
terhin auf bloss mündliche Zusicherungen verlassen. Sie habe sehr bald Belege
vom Beschuldigten verlangt, ohne dass der Beschuldigte solche geliefert hätte.
Da es ihr ein Leichtes gewesen wäre, die Zahlungen bis zum Erhalt entsprechen-
der Dokumente auszusetzen, sei ihr Verhalten ab dem Jahre 2009 als leichtsinnig
zu bezeichnen. Als Geschäftsfrau aus dem Finanzbereich sei sie zudem auch
nicht ein besonders schwaches Opfer gewesen (Urk. 80 S. 24 ff.).
- 19 -
3.3.1. Richtig ist, dass die Privatklägerin und der Beschuldigte am 3. August 2008
einen schriftlichen Darlehensvertrag abschlossen. Das Darlehen von
Fr. 100'000.– wurde "von der Darlehensgeberin als Überbrückungskredit gewährt,
zur freien Verfügung des Darlehensnehmers" (Urk. 2/5/5/1; Ordner 7). Die dem
Beschuldigten überwiesene Summe betrug im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses
insgesamt Fr. 90'900.– und per Ende 2008 Fr. 161'054.75 (Urk. 2/5/5/17 S. 1;
Ordner 7). Die Vorinstanz nimmt implizit an, die Parteien hätten am 3. August
2008 nicht nur zukünftige, sondern bereits erfolgte Zahlungen vertraglich geregelt
(vgl. Urk. 80 S. 24). Dies kann übernommen werden. Zwar bedarf ein Darlehens-
vertrag keiner Schriftform (Art. 11 Abs. 1 und Art. 312 OR) und ist es nicht ausge-
schlossen, dass die Parteien am 3. August 2008 nur zukünftige (und nicht auch
die bereits gewährten) Darlehen verbriefen wollten. In diesem Fall hätte die Pri-
vatklägerin von der schriftlich vereinbarten Summe von Fr. 100'000.– Ende 2008
erst einen Teil (Fr. 70'154.75) und nicht einen höheren als den vertraglich verein-
barten Betrag (Fr. 161'054.75) überwiesen. Mit der Vorinstanz und zugunsten des
Beschuldigten ist aber anzunehmen, dass die Parteien am 3. August 2008 auch
die bereits erfolgten Zahlungen (Fr. 90'900.–) schriftlich regeln wollten. Gegen-
teiliges geht aus den Untersuchungsakten nicht hervor. Damit kann mit der
Vorinstanz festgehalten werden, dass die Parteien am 3. August 2008 eine Dar-
lehenssumme von Fr. 100'000.– vereinbart hatten und Ende 2008 das "Kosten-
dach" bereits um über 50% überschritten war.
3.3.2. Dass die Privatklägerin mit dem Beschuldigten einen schriftlichen Darle-
hensvertrag abschloss und sich darin zur Leistung einer bestimmten Geldsumme
verpflichtete, zeitigte auf Seiten der Darleiherin keine erkennbaren Konsequen-
zen. Die ausbezahlten Beträge überschritten die schriftlich vereinbarte Summe
Ende 2008 und damit bereits nach wenigen Monaten um über die Hälfte und
betrugen am 20. März 2009 das Doppelte (vgl. Urk. 2/5/5/17 S. 1 f.; Ordner 7).
Die Privatklägerin stellte dem Beschuldigten ungeachtet dessen weiterhin hohe
(in den Jahren 2009 bis 2011 sechsstellige) Beträge zur Verfügung. Dies ist im
Nachhinein nicht nur schwer nachvollziehbar.
- 20 -
Vielmehr muss der Umstand, dass eine schriftlich vereinbarte Summe um mehr
als die Hälfte überschritten wird und die Vertragsparteien dies unbesehen
hinnahmen, als Zäsur bezeichnet werden. Gegenüber der Staatsanwaltschaft hielt
die Privatklägerin am 11. April 2019 fest, vor etwa drei Jahren habe sie erste
Zweifel gehabt. Sie habe dem Beschuldigten immer wieder die gleiche Frage ge-
stellt, ob er ihr etwas liefern könne. Die Papiere seien aber laut dem Beschuldig-
ten bei der Richterin in den USA unter Verschluss gewesen (Urk. 1/8/2 S. 5;
Ordner 3). Demgegenüber lässt sich aus der E-Mail-Korrespondenz herauslesen,
dass die Privatklägerin dem Beschuldigten am 3. Mai 2017 (und nicht wie von der
Verteidigung und der Vorinstanz angeführt am 3. Mai 2015) vorhielt, seit über
9 1⁄2 Jahren, mithin seit etwa November 2007, auf Dokumente in Bezug auf die
Gerichtsverfahren in den USA zu warten (Urk. 2/5/5/13 S. 9; Ordner 7). Wörtlich
schrieb die Privatklägerin: "I wait for more than 9 1/2 years for any paper re your
case????? It is still unbelievable, but I know that I am nothing, just good enough
to pay during this time and to loose what I have had! That is hard to understand!!".
Bereits aufgrund des tatsächlichen Datums der fraglichen E-Mail (Versand am
3. Mai 2017 und nicht 3. Mai 2015) kann die genannte Äusserung der Privatkläge-
rin nicht dahingehend interpretiert werden, dass diese schon vor den ersten Zah-
lungen im November 2007 schriftliche Beweise für den behaupteten Erbschafts-
prozess verlangt hatte, wie dies die Verteidigung ins Feld führt (Urk. 114 N 22).
Solches lässt sich auch nicht aus dem Wortlaut der E-Mail entnehmen. Wenn die
Privatklägerin in besagter E-Mail rückblickend festhält, sie warte seit rund
9 1⁄2 Jahren auf ein Dokument des Erbschaftsprozesses, ist schlechterdings nicht
vorstellbar, dass sie damit kundtun wollte, seit jeher ausdrücklich entsprechende
Beweise verlangt zu haben. Vielmehr kann anhand der gesamten Umstände ohne
Zweifel davon ausgegangen werden, sie habe damit ihren Unmut darüber aus-
drücken wollen, seit Anbeginn der Zahlungen nie ein entsprechendes Dokument
gesehen zu haben. So fällt nicht nur der in der E-Mail angeführte Zeitraum (9 1⁄2
Jahre vor dem 3. Mai 2017) deckungsgleich mit dem Zeitpunkt des Beginns der
ersten Zahlungen im November 2007 zusammen, sondern auch der schriftliche
Darlehensvertrag vom 3. August 2008 stützt diese Interpretation (Urk. 2/5/5/1).
Hätte die Privatklägerin bereits von Beginn an Belege für den Prozess in den USA
- 21 -
verlangt, liesse sich dies nicht mit dem Umstand in Einklang bringen, dass sie das
Darlehen gemäss Formulierung allgemein als Überbrückungskredit und ausdrück-
lich ohne Zweckbindung gewährte. Der seitens der Verteidigung gezogene
Schluss, wonach die Privatklägerin bereits seit November 2007 respektive seit
Anbeginn der entrichteten Geldleistungen entsprechende Dokumente verlangt
und deshalb am behaupteten Prozess ernsthaft gezweifelt habe, ist daher auf-
grund der vorliegenden Beweismittel unzulässig. Der Verteidigung ist aber zuzu-
stimmen, dass zugunsten des Beschuldigten davon ausgegangen werden kann,
die Privatklägerin habe zumindest in einer frühen Phase den Beschuldigten ange-
halten, entsprechende Belege zu liefern.
3.3.3. Nicht zweifelhaft ist, dass die Privatklägerin grundsätzlich von Anfang an
wusste, dass der Beschuldigte bei Richtigkeit seiner Angaben über solche Doku-
mente hätte verfügen müssen. Diese hätten in kurzer Zeit elektronisch übermittelt
werden können. Der Privatklägerin wäre es deshalb möglich gewesen, weitere
Zahlungen kurzfristig zu verzögern, ohne die behaupteten Prozessaussichten in
den USA ernsthaft zu beeinträchtigen. Darauf verweist die Vorinstanz zu Recht
(Urk. 80 S. 25 f.). Die Aufforderungen der Privatklägerin verhallten ungehört,
worauf sie den kurz darauf folgenden neuen Bitten um Geld ohne Weiteres und
immer wieder nachkam. Die in den Akten liegende E-Mail-Korrespondenz aus den
Jahren 2015 bis 2019 ergibt ein Bild, das die Privatklägerin in einer E-Mail vom
18. Mai 2017 in eigenen Worten treffend umschreibt: "Yes, that is still the same
answer. You have stress, you are tire of stressing me, you are tire of running after
money, but I still pay...!! [...]" (Urk. 2/5/5/10 S. 9; Ordner 7). Die Privatklägerin
überwies dem Beschuldigten weiterhin erhebliche Geldsummen, selbst als die
vereinbarte Kredithöhe um über die Hälfte überschritten war und obwohl der
Beschuldigte die verlangten Dokumente nicht vorlegte. Trotz des bestehenden
freundschaftlichen Verhältnisses muss ein solches Verhalten als leichtfertig
bezeichnet werden, welches die blossen Lügen des Beschuldigten in den Hinter-
grund treten lässt. Zwar ist mit der Staatsanwaltschaft zu konstatieren, dass ein
Täuschungsopfer jeweils nicht die grösstmögliche Sorgfalt an den Tag legen
muss (Urk. 113 S. 3). Das Mass der zu erwartenden Aufmerksamkeit und die da-
mit einhergehende Vermeidbarkeit des Irrtums sind jedoch individuell zu bestim-
- 22 -
men (BGE 143 IV 302 E. 1.4.1 S. 306 f.). Es gilt hier deshalb zu berücksichtigen,
dass die Privatklägerin geschäftserfahren sowie langjährig in der Vermögens-
verwaltung einer Bank tätig war und es sich bei ihr nicht um ein besonders
schwaches Opfer handelte (Urk. 1/8/1 S. 3 f.; Urk. 1/8/2 S. 7; Ordner 3).
3.3.4. Soweit die Staatsanwaltschaft auf das Urteil 6B_518/2012 vom 5. Februar
2013 E. 3.3.2 verweist, hält die Vorinstanz zu Recht fest, dass die Beziehung zwi-
schen dem Beschuldigten und der Privatklägerin mit dem im Bundesgerichtsurteil
umschriebenen vorgetäuschten Liebesverhältnis nicht vergleichbar ist (Urk. 113
S. 4; Urk. 80 S. 26). Der Beschuldigte gab an, sie hätten nur eine freundschaft-
liche Beziehung geführt. Auch die Privatklägerin bestätigte, sie sei nicht verliebt
gewesen und sie hätten keine amouröse Beziehung gehabt (Urk. 1/7/3 S. 2; Ord-
ner 3; Prot. I S. 6; Urk. 1/8/1 S. 1 f.; Urk. 1/8/2 S. 2, 5 f. und 7; Ordner 3). Aus den
gleichen Gründen dringt die Argumentation der Staatsanwaltschaft nicht durch,
soweit sie den Betrug eines Heiratsschwindlers thematisiert (Urteil 6S.45/2004
vom 10. März 2004 E. 2.4; vgl. Urk. 61 S. 7 ff.). Zum ebenfalls angeführten Urteil
6S.431/2001 vom 11. März 2003 (gemeint: 6S.431/2002 vom 11. März 2003) ist
Folgendes zu bemerken. Das Bundesgericht erwog, der Beschwerdeführer und
der Geschädigte seien ehemalige Studienkollegen gewesen, die eine enge Be-
ziehung gepflegt hätten. Es sei nicht ersichtlich, dass der Geschädigte (der einen
einmaligen Betrag von Fr. 75'000.– leistete) über Indizien verfügt habe, die sein
Vertrauen hätten erschüttern sollen (Urteil a.a.O., E. 3.2). Dieser Entscheid ist nur
(aber immerhin) insoweit mit dem vorliegenden Fall vergleichbar, als dass die hier
zur Diskussion stehende Täuschungshandlung des Beschuldigten zu Beginn
aufgrund des Freundschafts- und Vertrauensverhältnisses ebenfalls als arglistig
zu beurteilen ist. Nachdem aber wie ausgeführt die vereinbarte Kreditsumme
nach zahlreichen Überweisungen massgeblich überschritten war und der Be-
schuldigte keinerlei Dokumente präsentierte, lagen – im Gegensatz zum zitierten
Entscheid – Hinweise vor, welche die Richtigkeit der Geschichte erschütterten
und die Privatklägerin nicht ausklammern durfte.
- 23 -
3.4. Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz den
deliktsrelevanten Zeitraum einschränkte. Das Tatbestandsmerkmal der Arglist ist
in Bezug auf die Zahlungen bis Ende 2008 zu bejahen.
3.5. Die Vorinstanz hielt weiter fest, man könne sich fragen, ob die Privatkläge-
rin ab einem gewissen Zeitpunkt überhaupt noch einem Irrtum hinsichtlich des
einträglichen Prozesses in den USA unterlegen sei, habe sie doch ab dem Jahr
2015 erheblich daran gezweifelt (Urk. 80 S. 26). Mit der Vorinstanz kann dies
mangels fortdauernder Arglistigkeit der Täuschungen grundsätzlich offenbleiben.
Entscheidend ist allein, dass die Privatklägerin im relevanten Zeitraum bis Ende
2008 aufgrund des seitens des Beschuldigten angeführten Prozesses in den USA
über dessen Rückzahlungsfähigkeit und Rückzahlungswillen irrte. Dies ergibt sich
zweifellos aus dem im Recht liegenden Darlehensvertrag, dessen Wortlaut den
Irrtum über die vorhandene Zahlungsfähigkeit des Beschuldigten illustriert (Rück-
zahlung per sofort bei Erhalt der geerbten Summe; vgl. Urk. 2/5/5/1) und welchen
Vertrag die Privatklägerin erst gar nicht geschlossen hätte, wenn in diesem
Zeitpunkt an der Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit des Beschuldigten
ernsthafte Zweifel vorhanden gewesen wären.
3.6. Das Beweisergebnis lässt keine vernünftigen Zweifel offen. Die Beweis-
anträge der Verteidigung betreffend Beizug der E-Mail-Korrespondenz zwischen
dem Beschuldigten und der Privatklägerin im Zeitraum 2007 bis zum 3. Oktober
2015 sind abzuweisen.
3.6.1. Gemäss Art. 6 StPO klären die Strafbehörden von Amtes wegen alle für die
Beurteilung der Tat und der beschuldigten Person bedeutsamen Tatsachen ab
(Abs. 1). Sie untersuchen die belastenden und entlastenden Umstände mit
gleicher Sorgfalt (Abs. 2). Beim Verzicht auf weitere Beweisabnahmen muss die
Strafbehörde das vorläufige Beweisergebnis hypothetisch um die Fakten des
Beweisantrags ergänzen und würdigen. Die Ablehnung des Beweisantrags ist zu-
lässig, wenn die zu beweisende Tatsache nach dieser Würdigung als unerheblich,
offenkundig, der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen
anzusehen ist (Art. 139 Abs. 2 StPO; Urteil 6B_644/2014 vom 28. Januar 2015
E. 3.1 mit Hinweisen). Gleich verhält es sich im Fall der sogenannten Wahr-
- 24 -
unterstellung, bei der die Strafbehörde die mit dem Beweisantrag verbundene
Tatsachenbehauptung zugunsten des Antragstellers als wahr ansieht (BSK StPO-
HOFER, 2. Auflage 2014, Art. 10 N 68). Lehnt die Strafbehörde den Beweisantrag
ab, hat sie nicht nur darzulegen, weshalb sie aufgrund der bereits abge-
nommenen Beweise eine bestimmte Überzeugung gewonnen hat, sondern auch,
weshalb die beantragte Beweismassnahme aus ihrer Sicht nichts an ihrer
Überzeugung zu ändern vermag (Urteil 6B_479/2016 vom 29. Juli 2016 E. 1.4 mit
Hinweis).
3.6.2. Soweit der Beweisantrag der Verteidigung (Urk. 83 S. 3; Prot. II S. 8) als
Editionsbegehren zu verstehen ist, leuchtet mit der Vorinstanz nicht ein, weshalb
die entsprechenden entlastenden Dokumente nicht bereits früher vom Beschul-
digten hätten eingereicht werden können. Die Verteidigung bringt zwar nunmehr
vor, es sei am 24. April 2020 von der C._ bestätigt worden, dass der Be-
schuldigte keine E-Mails vor 2014 in seinem Postfach habe. Dies schliesst jedoch
nicht per se aus, dass der zuvor stattgefundene E-Mailverkehr nicht schon in
einem früheren Zeitpunkt und anderweitig abgespeichert oder erhältlich gemacht
hätte werden können (s.a. Urk. 80 S. 6 f.). Kommt hinzu, dass die Verteidigung
moniert, die in den Akten liegende Korrespondenz umfasse lediglich den Zeitraum
ab 3. Oktober 2015 (Urk. 83 S. 3). Die anlässlich der Berufungsverhandlung ein-
gereichte Bestätigung erklärt demnach nicht, weshalb seitens des Beschuldigten
auch die E-Mails zwischen 2014 und Oktober 2015 nicht erhältlich gemacht
werden können.
3.6.3. Unbesehen davon kann aber auch in der Sache darauf verzichtet werden,
die Privatklägerin zur Herausgabe der fraglichen E-Mail-Korrespondenz aufzufor-
dern (Urk. 114 S. 4). Die E-Mail-Korrespondenz ab 2007 bis zum 3. Oktober 2015
könne laut Verteidigung Aufschluss geben im Zusammenhang mit dem "angeblich
vorhandenen Irrtum sowie der von ihr zu verantwortenden Opfermitverantwor-
tung" (Urk. 83 S. 4). In antizipierter Beweiswürdigung ist nach dem zuvor Ausge-
führten festzuhalten, dass entsprechende Zweifel, welche die Privatklägerin mög-
licherweise bereits in den Jahren 2007 und 2008 in den E-Mails geäussert hätte,
am Beweisergebnis nichts ändern würden. Mithin würde sich das Beweisergebnis,
- 25 -
wonach die Privatklägerin zu Beginn über die Erbschaftsprozesse, die zukünftige
Zahlungsfähigkeit des Beschuldigten und seine Zahlungswilligkeit irrte, in un-
verändertem Licht präsentieren. Allfällige Zweifel ab 2009 wären, nachdem eine
arglistige Täuschung nur für eine erste Phase bis Ende 2008 bejaht wird,
unerheblich. Darüber ist deshalb nicht Beweis zu führen (Art. 139 Abs. 2 StPO).
4. Vermögensdisposition und Vermögensschaden
Aufgrund der falschen Vorstellung der Privatklägerin über die Erbschaftsprozesse,
die zukünftige Zahlungsfähigkeit des Beschuldigten und seine Zahlungswilligkeit
überwies die Privatklägerin dem Beschuldigten die angeklagten und vom
Beschuldigten eingestandenen Geldsummen. Da der Beschuldigte entgegen den
bei der Privatklägerin geweckten Erwartungen im Zeitpunkt der Kreditgewährung
dermassen wenig Gewähr für eine vertragsgemässe Rückzahlung des Geldes
bot, war die Darlehensforderung von Beginn an erheblich gefährdet und infolge-
dessen in ihrem Wert wesentlich herabgesetzt. Nachdem eine arglistige
Täuschung bis Ende 2008 vorliegt, ist der Vermögensschaden auf insgesamt
Fr. 161'054.75 zu beziffern. Wäre die Privatklägerin nicht hinters Licht geführt
worden, hätte sie das Darlehen nicht gewährt. Eine Vermögensminderung und ein
Motivationszusammenhang zwischen Täuschung, Irrtum und Vermögensdisposi-
tion sind zu bejahen.
5. Subjektiver Tatbestand
Betreffend die objektiven Tatbestandsmerkmale handelte der Beschuldigte
gestützt auf das Beweisergebnis mit Wissen und Willen und damit vorsätzlich.
Zudem wollte er sich aus dem Vermögensschaden unrechtmässig bereichern.
6. Gewerbsmässigkeit
6.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, im Sinne von Art. 146 Abs. 2 StGB
gewerbsmässig gehandelt zu haben (Urk. 17 S. 2 und 9).
6.2. In der Zeit ab 12. November 2007 bis Ende 2008 überwies die Privatkläge-
rin dem Beschuldigten 68 Zahlungen von insgesamt Fr. 161'054.75 (Urk. 2/5/5/17;
- 26 -
Ordner 7). Nicht zweifelhaft ist, dass der Beschuldigte dazu die Privatklägerin
wiederholt (und wahrscheinlich in gleich penetranter Weise) anging, wie dies die
E-Mail-Korrespondenz ab dem Jahre 2015 offenbart. Mit Blick auf die ihm im
Durchschnitt wöchentlich ausgerichteten Gelder kann ferner nicht bezweifelt
werden, dass der Beschuldigte mit seiner Delinquenz regelmässige Einnahmen
erzielen wollte und auch tatsächlich erzielte. Diese stellten einen wesentlichen
Beitrag an die Kosten der Lebensgestaltung dar. Es ist deshalb erstellt, dass der
Beschuldigte die deliktische Tätigkeit gewerbsmässig betrieb (vgl. zur
Gewerbsmässigkeit BGE 129 IV 188 E. 3.1.2 S. 191; 119 IV 129 E. 3a S. 132 f.;
Urteil 6B_860/2018 vom 18. Dezember 2018 E. 4.3; je mit Hinweisen).
7. Fazit
Der Beschuldigte ist schuldig zu sprechen des mehrfachen gewerbsmässigen Be-
trugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 146 Abs. 2 StGB
(Dossier 1 sowie Dossier 2 betreffend den Zeitraum 12. November 2007 bis
31. Dezember 2008). Wird nicht wegen aller Delikte verurteilt, die nach Auf-
fassung der Anklage in Tatmehrheit begangen worden sein sollen, muss – soweit
es nicht zur Verurteilung oder einer Einstellung kommt – ein Freispruch erfolgen,
um die Anklage erschöpfend zu behandeln (BGE 142 IV 378 E. 1.3 S. 381 f.). In
Bezug auf den angeklagten Zeitraum ab 1. Januar 2009 bis zum 7. März 2019 ist
der Beschuldigte daher vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs zum Nachteil
der Privatklägerin freizusprechen (Dossier 2).
IV. Strafzumessung
1. Anträge/Anwendbares Recht/Grundsätze
1.1. Die Vorinstanz bestraft den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
24 Monaten unter Anrechnung des ausgestandenen Freiheitsentzugs von
239 Tagen.
Während die Verteidigung beantragt, der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe
von 15 Monaten zu bestrafen (Urk. 83 S. 2; Urk. 114 N 31 ff.), sieht die Staats-
anwaltschaft vor dem Hintergrund des von ihr geforderten vollumfänglichen
- 27 -
Schuldspruchs eine Freiheitsstrafe von 50 Monaten als angemessen an (Urk. 81
S. 2; Urk. 113 S. 1 ff.).
1.2. Der Beschuldigte beging die Delikte teilweise vor Inkrafttreten der seit
1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des
Strafgesetzbuches (Änderungen des Sanktionenrechts; AS 2016 1249). Stehen
mehrere Taten zur Beurteilung an, sind sie je einzeln unter die beiden Rechte zu
subsumieren und ist in einem zweiten Schritt gegebenenfalls eine Gesamtstrafe
zu bilden (BGE 134 IV 82 E. 6.2.3 S. 88 f.). In Bezug auf ein und dieselbe Tat
kann nur entweder das alte oder das neue Recht zur Anwendung gelangen. Das
Gericht hat aufgrund eines konkreten Vergleichs zu prüfen, welches Recht das
mildere ist (Urteil 6B_287/2020 vom 17. August 2020 E. 1.5 mit Hinweisen). In
Bezug auf den gewerbsmässigen Betrug (2006 bis 2019 respektive 2007 bis
2008) rechtfertigt es sich (wie bei einem Dauerdelikt), gesamthaft das neue Recht
anzuwenden. Im Übrigen ist, wie noch zu zeigen ist, eine teilbedingte Freiheits-
strafe auszusprechen. Die Änderungen des Sanktionenrechts führen hier nicht zu
unterschiedlichen Beurteilungen. Damit ist im Folgenden ausschliesslich auf das
neue Recht abzustellen.
1.3. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt
(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59 ff. mit Hinweisen). Entsprechendes gilt für die Bil-
dung der Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung
des Asperationsprinzips (BGE 144 IV 313 E. 1.1 S. 316 ff.; BGE 141 IV 61
E. 6.1.2 S. 67 f.; je mit Hinweisen). Darauf sowie auf die zutreffenden vorinstanz-
lichen Erwägungen (Urk. 80 S. 28 ff.) kann verwiesen werden.
1.4. Die Bildung einer Gesamtstrafe ist nur bei gleichartigen Strafen möglich.
Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip
nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Mehrere
gleichartige Strafen liegen vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden
einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällen würde. Dass die anzu-
wendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt
- 28 -
nicht (BGE 142 IV 265 E. 2.3.2 S. 267 f.; BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 122 f.; je
mit Hinweisen).
Wie noch zu zeigen ist, wäre für jeden einzelnen Normverstoss eine Freiheits-
strafe auszufällen, weshalb die Voraussetzungen für die Bildung einer Ge-
samtstrafe gegeben sind.
2. Wahl Sanktionsart/Strafrahmen
2.1. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässig-
keit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein sozia-
les Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97
E. 4.2 S. 100 mit Hinweisen). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll
nach konstanter Rechtsprechung bei alternativ zur Verfügung stehenden und hin-
sichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige
gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen
eingreift (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; Urteil 6B_125/2018 vom 14. Juni 2018
E. 1.3.2; je mit Hinweis).
Die Geldstrafe stellt die Hauptsanktion dar (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2 S. 101).
Sie wiegt als Vermögenssanktion prinzipiell weniger schwer als ein Eingriff in
die persönliche Freiheit (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; BGE 134 IV 97
E. 4.2.2 S. 101). Am Vorrang der Geldstrafe hat der Gesetzgeber im Rahmen
der erneuten Revision des Sanktionenrechts entgegen der ursprünglichen
Stossrichtung festgehalten (BGE 144 IV 217 E. 3.6 S. 237 f. mit Hinweisen).
2.2. Für den gewerbsmässigen Betrug zum Nachteil der Sozialen Dienste
(Dossier 1) fällt aufgrund der Tatschwere und des im konkreten Fall auszufällen-
den Strafmasses eine Geldstrafe nicht in Betracht. Gleiches gilt für den ge-
werbsmässigen Betrug zum Nachteil der Privatklägerin B._ (Dossier 2). Auf-
grund der insgesamt mehrjährigen Delinquenz bestehen zudem erhebliche Zwei-
fel an der spezialpräventiven Wirkung einer Geldstrafe. Insbesondere aber wäre
sie weder schuldangemessen noch zweckmässig. Mithin kommt sie auch unter
dem Gesichtspunkt des Schuldausgleichs nicht in Frage. Bei separater Beurtei-
- 29 -
lung jeder Tat scheint es geboten, für jedes der begangenen Delikte je eine Frei-
heitsstrafe auszufällen.
2.3. Das Gesetz sieht für den gewerbsmässigen Betrug eine Strafandrohung
von Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 90 Tages-
sätzen vor. Mit Blick auf die Deliktsdauer und den Vermögensschaden erweist
sich der gewerbsmässige Betrug zum Nachteil der Sozialen Dienste als
schwerste Tat im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Strafschärfungs- und Straf-
milderungsgründe führen mangels aussergewöhnlicher Umstände nicht dazu,
die Grenzen des ordentlichen Strafrahmens zu verlassen und sie nach oben
oder unten zu erweitern (BGE 136 IV 55 E. 5.8 S. 63 mit Hinweisen).
Strafschärfungsgründe (mehrfache Tatbegehung) sind aber straferhöhend zu
berücksichtigen. Strafmilderungsgründe liegen keine vor. Der ordentliche
Strafrahmen reicht deshalb von 90 Tagessätzen Geldstrafe bis zu zehn Jahren
Freiheitsstrafe.
3. Gewerbsmässiger Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung
mit Art. 146 Abs. 2 StGB zum Nachteil der Sozialen Dienste (Dossier 1)
3.1. Die objektive Tatschwere des vom Beschuldigten begangenen Betrugs
ist innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens zu bemessen und
damit zum breiten Spektrum von denkbaren Betrugshandlungen in Relation zu
setzen. Der Beschuldigte deklarierte wahrheitswidrig, über kein Einkommen
und keine Vermögenswerte zu verfügen, worauf ihm erstmals für das Jahr
2006 ein Unterstützungsbetrag von rund Fr. 23'000.– ausgerichtet wurde. In
der Folge wurden ihm aufgrund seiner falschen Angaben jährlich bis 2019
(ohne die Jahre 2010 und 2011 während mehr als 11 Jahren) Sozialhilfe-
leistungen von insgesamt Fr. 338'306.80 ausgerichtet. Die zu Unrecht bezoge-
ne Sozialhilfe respektive der Schaden der Sozialen Dienste belief sich auf
Fr. 212'967.55 (Urk. 17 S. 2 ff.; Urk. 80 S. 7). Die lange Zeitdauer ist negativ zu
gewichten. Klar straferhöhend fällt auch der erhebliche Deliktsbetrag von rund
Fr. 213'000.– ins Gewicht. Dieser ist laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung
ein wichtiger strafzumessungsrelevanter Gesichtspunkt neben anderen (vgl.
Urteile 6B_866/2009 vom 22. Februar 2010 E. 1.2.2 und 6P.66/2006 vom
- 30 -
16. Februar 2007 E. 5.2; je mit Hinweisen). Zwar musste der Beschuldigte für
seine Lügen keinen ausserordentlichen Aufwand betreiben. Dennoch setzte
sein System voraus, dass er die Sozialen Dienste wiederholt und während
mehr als 11 Jahren hinters Licht führte. In diesem Sinne muss ihm ein skrupel-
loses und unverfrorenes Vorgehen vorgeworfen werden. Hingegen war sein
Verhalten mit der Vorinstanz plump. Eine besondere Raffinesse war aber nicht
nötig, weshalb sich dieser Umstand nicht zugunsten des Beschuldigten
auswirkt. Insgesamt zeugt die Vorgehensweise des Beschuldigten von einer
nicht unerheblichen kriminellen Energie.
Das objektive Verschulden des Beschuldigten ist innerhalb des weiten Straf-
rahmens insgesamt als noch leicht einzuordnen.
3.2. In subjektiver Hinsicht ist von direktem Vorsatz auszugehen. Dass der
Beschuldigte aus finanziellen Gründen handelte, ist der (unrechtmässigen)
Bereicherungsabsicht und der Gewerbsmässigkeit seines Tuns immanent.
Gleichwohl handelte er aus egoistischen Motiven, selbst wenn er sich (im Ver-
gleich mit anderen gewerbsmässigen Betrügern) nicht einen geradezu luxuriö-
sen, verschwenderischen Lebenswandel geleistet hat. Zumindest ist Letzteres
nicht erstellt. Hingegen müssen seine Beweggründe als niedrig und sein
Verhalten als niederträchtig bezeichnet werden, weil der Sozialhilfe die
Aufgabe zukommt, Menschen, die sich in einer echten Notlage befinden, zu
unterstützen und denen nicht zuletzt wegen Personen wie dem Beschuldigten
nicht selten mit Misstrauen begegnet wird. Insgesamt wird das objektive
Tatverschulden durch das subjektive Tatverschulden erhöht.
3.3. Insgesamt ist das Gesamtverschulden (mit Blick auf einen ordentlichen
Strafrahmen bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe) als knapp noch leicht zu be-
zeichnen. Die Staatsanwaltschaft moniert in diesem Zusammenhang zu Recht,
die Vorinstanz habe unter Annahme eines nicht mehr leichten Verschuldens
die Einsatzstrafe mit 18 Monaten merklich zu tief angesetzt (Urk. 113 S. 5). Es
rechtfertigt sich vorliegend, die Einsatzstrafe im oberen Bereich des unteren
Strafrahmendrittels auf 30 Monate festzusetzen.
- 31 -
4. Gewerbsmässiger Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung
mit Art. 146 Abs. 2 StGB zum Nachteil der Privatklägerin B._ (Dossier
2)
4.1. Zur objektiven Tatschwere lässt sich festhalten, dass der Beschuldigte die
Privatklägerin in rund 13 Monaten um insgesamt Fr. 161'054.75 betrog. Nachdem
er sie (aufgrund seiner Arbeitslosigkeit und der behaupteten Pflege seiner Mutter)
zu einem ersten Darlehen überzeugen konnte, spannte er die Geschichte weiter
und gaukelte ihr Erbrechtsstreitigkeiten in den USA vor. Ihm gelang es dabei
offensichtlich, an das frühere enge freundschaftliche Verhältnis anzuknüpfen und
das Vertrauen wieder aufzubauen. Dieses Vertrauen nutzte er für die eigenen
Zwecke schamlos aus. Die in den Akten liegenden E-Mails aus den Jahren 2015
bis 2019 zeichnen das Bild eines Beschuldigten, der die Privatklägerin immer
wieder mit knappen, aber dringenden Sätzen um Geldüberweisungen bittet, dabei
mit vagen und wenig greifbaren Aussagen Projekte und Meetings erwähnt, leere
Versprechen im Hinblick auf weitere Informationen oder Anrufe macht und vorgibt,
viel beschäftigt zu sein und das erbetene Geld dringend zu benötigen. Dass der
Beschuldigte während der hier interessierenden Zeitspanne (12. November 2007
bis zum 31. Dezember 2008) ein zumindest ähnliches Verhalten an den Tag leg-
te, kann ohne Not angenommen werden. Dies zeigen auch die 68 Überweisungen
innerhalb von rund 13 Monaten. Der Beschuldigte missbrauchte deshalb nicht nur
gezielt das Vertrauen, welches die Privatklägerin ihm wiederholt entgegenbrachte.
Vielmehr gelang es ihm, die Privatklägerin in eine Situation zu manövrieren, die
sie offensichtlich als Dilemma empfand. In diesen Umständen offenbart sich die
Verwerflichkeit des Tuns des Beschuldigten. Gleichwohl und relativierend sind
auch hier hinsichtlich der Höhe des Deliktsbetrages, der Dauer der deliktischen
Tätigkeit, der Zahl der Einzelhandlungen und der Anzahl der Opfer noch weit
gravierendere gewerbsmässige Betrugshandlungen denkbar. Das Verschulden
des Beschuldigten wiegt in objektiver Hinsicht knapp noch leicht.
4.2. Unter Berücksichtigung der direkt vorsätzlichen Tatbegehung vermögen
die Elemente der subjektiven Tatkomponente die objektive Tatschwere nicht zu
relativieren. Für den gewerbsmässigen Betrug zum Nachteil der Privatklägerin
- 32 -
B._ ist eine Einzelstrafe von 18 Monaten festzusetzen. Die Einsatzstrafe
ist in Anwendung des Asperationsprinzips um 12 Monate auf 42 Monate zu erhö-
hen.
5. Täterkomponenten
5.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse und den Werdegang
des Beschuldigten korrekt wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden
(Urk. 80 S. 33 f.). Es ist allseits unbestritten, dass sich aus den persönlichen
Verhältnissen nichts für die Strafzumessung Relevantes ergibt (Urk. 64
N 56 ff.; Urk. 113 S. 5). Jedoch bringt die Staatsanwaltschaft vor, die "beiden
Vorstrafen" würden sich leicht straferhöhend auswirken und die Vorinstanz
habe das Geständnis des Beschuldigten zu stark strafmindernd berücksichtigt
(Urk. 113 S. 5).
5.2. Der Beschuldigte wurde am 29. Februar 2012 von der Staatsanwaltschaft
Zürich-Limmat wegen mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis oder trotz Entzug
und Verletzung der Verkehrsregeln mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 200.– bestraft. Diese nicht einschlägige Vorstra-
fe fällt indes mit Blick auf das hier zu beurteilende Verschulden nicht ins Gewicht,
weshalb vorliegend von einer Straferhöhung aufgrund der Vorstrafe abzusehen
ist. Die Vorstrafe vom 11. Oktober 2010 ist inzwischen aus dem Strafregister
gelöscht worden, weshalb sie entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht
mehr berücksichtigt werden darf (Urk. 107; Art. 369 Abs. 3 und Abs. 6 lit. a StGB;
Schlussbestimmungen der Änderung vom 13. Dezember 2002 Ziff. 3 Abs. 1 [AS
2006 3459; BBl 1999 1979]). Darauf hat auch die Verteidigung zu Recht
hingewiesen (Urk. 114 N 36). Soweit die Vorinstanz auf einen Strafbefehl des
Statthalteramts des Bezirks Zürich vom 6. Oktober 2014 verweist (Urk. 80 S. 34;
Urk. 1/2/9, Ordner 1), ist diese Bestrafung wegen Übertretung eines kantonalen
Gesetzes (Sozialhilfegesetz des Kantons Zürich vom 14. Juni 1981 [SHG;
LS 851.1]) nicht in das Strafregister einzutragen (Art. 366 Abs. 2 lit. b StGB
e contrario). Obwohl die Vorinstanz den Strafbefehl vom 6. Oktober 2014 unter
dem Titel des Vorlebens erwähnt, hält sie gleichwohl und zutreffend fest, dass
- 33 -
sich aus dem Vorleben (und den persönlichen Verhältnissen) keine straf-
zumessungsrelevanten Faktoren ergeben (Urk. 80 S. 34).
Wenn die Staatsanwaltschaft moniert, die Vorinstanz habe die Strafe aufgrund
der Täterkomponente zu stark reduziert, so lässt sie ausser Betracht, dass das
vollumfängliche Geständnis anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung in
Bezug auf das Dossier 1 und das teilweise Geständnis in Bezug auf das Dossier
2 das Verfahren doch wesentlich erleichterte. Die Privatklägerin B._
dokumentierte zwar die einzelnen Überweisungen im Detail. Hingegen erfolgten
diese in der hier interessierenden Zeitspanne mehrheitlich (42 von 68 Überwei-
sungen) in bar (Urk. 2/5/5/17 S. 1; Ordner 7). Zugunsten des Beschuldigten wirkt
sich weiter aus, dass er sich vor Vorinstanz für den Betrug zum Nachteil der
Sozialen Dienste entschuldigte (Prot. I S. 14). Richtig ist zwar auch, wenn die
Vorinstanz dem Beschuldigten in Bezug auf das Dossier 2 keine Einsicht und
Reue zubilligt (vgl. Urk. 80 S. 35; Prot. I S. 18). Immerhin anerkannte er aber die
gesamte Darlehenssumme (Prot. I S. 14 f.). Insgesamt wirkt sich das Nachtat-
verhalten merklich strafmindernd aus (so auch die Verteidigung; vgl. Urk. 114
N 32). Es rechtfertigt sich unter diesem Titel eine Reduktion der Strafe um rund
einen Fünftel bzw. 9 Monate auf 33 Monate.
6. Weitere tatunabhängige Strafzumessungsfaktoren
6.1. Die Verteidigung macht geltend, es liege bezüglich des gewerbsmässi-
gen Betrugs zum Nachteil der Privatklägerin B._ ein Anwendungsfall des
Strafmilderungsgrundes von Art. 48 lit. e StGB vor (Urk. 114 N 35). Der ange-
führte Strafmilderungsgrund kann jedoch bereits aufgrund der Vorstrafe vom
29. Februar 2012 sowie des gewerbsmässigen Betrugs zulasten der Sozialen
Dienste D._ bis ins Jahr 2019 keine Anwendung finden. Die geforderte Vo-
raussetzung des "Wohlverhaltens" ist aufgrund des delinquenten Verhaltens des
Beschuldigten nicht erfüllt. Eine Milderung der Strafe im Sinne von Art. 48 lit. e
StGB steht deshalb ausser Frage.
6.2. Entgegen der Ansicht der Verteidigung liegt auch kein Grund vor, die Zeit-
dauer zwischen der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 6. November 2019
- 34 -
und der heutigen Berufungsverhandlung strafmindernd zu berücksichtigen. Die
Berufungserklärungen der Parteien datieren vom 4. bzw. 6. Februar 2020
(Urk. 81 und Urk. 83). Zeiten, in denen das Verfahren stillsteht, sind unumgäng-
lich. Solange keine einzige dieser Zeitspannen stossend wirkt, greift eine Ge-
samtbetrachtung. Zeiten mit intensiver Tätigkeit der Behörden oder von Gerichten
können andere Zeitspannen kompensieren, in denen wegen der Geschäftslast
keine Verfahrenshandlungen erfolgten. Dass eine einzelne Verfahrenshandlung
hätte vorgezogen werden können, verletzt das Beschleunigungsgebot noch nicht
(BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, 4. Auflage 2019, Art. 47 N 179). Weder bei
isolierter Betrachtung der Dauer des Berufungsverfahrens noch unter Berück-
sichtigung der gesamten Verfahrensdauer ist anhand der konkreten Umstände
(Komplexität des Falls, Verhalten des Beschuldigten, Behandlung durch die
Behörden) eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes auszumachen
(Urk. 114 N 33 f.).
7. Fazit
Zusammenfassend erscheint eine Freiheitsstrafe von 33 Monaten als ange-
messen. Der erstandene Freiheitsentzug von 246 Tagen (240 Tage zuzüglich
6 Tage Sicherheitshaft nach der erstinstanzlichen Urteilseröffnung) ist anzu-
rechnen (Art. 51 StGB).
V. Vollzug
1. Nach Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe
oder einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine
unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung
weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Für den bedingten Vollzug nach
Art. 42 Abs. 1 StGB genügt das Fehlen einer ungünstigen Prognose, das heisst
die Abwesenheit der Befürchtung, der Täter werde sich nicht bewähren (BGE 134
IV 1 E. 4.2.2 S. 5 f.). Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters ist
anhand einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen (vgl.
dazu im Einzelnen: BGE 134 IV 1 E. 4.2.1 S. 5 mit Hinweisen).
- 35 -
Nach Art. 43 Abs. 1 StGB kann das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe von
mindestens einem Jahr und höchstens drei Jahren teilweise aufschieben, wenn
dies notwendig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu
tragen. Für die Festsetzung des aufzuschiebenden und des zu vollziehenden
Strafteils gemäss Art. 43 StGB gelten die gleichen Massstäbe. Als Bemessungs-
regel ist das Ausmass des Verschuldens zu beachten, dem in genügender Weise
Rechnung zu tragen ist. Das Verhältnis der Strafteile ist so festzusetzen, dass da-
rin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des Täters einerseits und dessen
Einzeltatschuld anderseits hinreichend zum Ausdruck kommen. Je günstiger die
Prognose und je kleiner die Vorwerfbarkeit der Tat, desto grösser muss der auf
Bewährung ausgesetzte Strafteil sein. Der unbedingte Strafteil darf das unter
Verschuldensgesichtspunkten (Art. 47 StGB) gebotene Mass nicht unterschreiten
(BGE 134 IV 1 E. 5.6 S. 15).
Die teilbedingte Strafe ist als Mittellösung zwischen dem vollständigen Aufschub
der Strafe und deren Vollzug eingeführt worden. Grundvoraussetzung für eine
teilbedingte Strafe gemäss Art. 43 StGB ist wie bei Art. 42 StGB, dass die Legal-
prognose des Täters nicht schlecht ausfällt. Der Hauptanwendungsbereich der
teilbedingten Strafe liegt bei Freiheitsstrafen zwischen zwei und drei Jahren. Fällt
die Legalprognose nicht negativ aus, tritt der teilbedingte Freiheitsentzug an die
Stelle des in diesem Bereich nicht mehr möglichen vollbedingten Strafvollzuges
(BGE 144 IV 277 E. 3.1.1 S. 280 f. mit Hinweisen).
2. Die auszufällende Freiheitsstrafe von 33 Monaten bewegt sich im Haupt-
anwendungsbereich der teilbedingten Strafe. Der Beschuldigte hat eine nicht
einschlägige Vorstrafe aus dem Jahre 2012. Seit den heute zu beurteilenden
Vorfällen ist er nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten. Das vorliegende
Strafverfahren und der lange Freiheitsentzug von 246 Tagen dürften ihn genü-
gend beeindruckt haben. Deshalb ist nicht davon auszugehen, er werde in Zu-
kunft erneut straffällig und sich nicht bewähren. Damit fällt die Legalprognose
nicht negativ aus und ist ihm in Übereinstimmung mit dem Eventualstandpunkt
der Verteidigung der teilbedingte Vollzug zu gewähren (vgl. Urk. 114 N 40).
Unter Berücksichtigung des Strafmasses und der gesetzlichen Vorgaben
- 36 -
(Art. 43 Abs. 2 und 3 StGB) ist der unbedingt vollziehbare Teil auf mindestens
6 und höchstens 16 1⁄2 Monate festzusetzen. Rechnung zu tragen gilt es dabei
der Art des Delikts und dem knapp noch leichten Tatverschulden. Es rechtfertigt
sich, den unbedingt vollziehbaren Teil der Freiheitsstrafe auf 12 Monate und
den aufgeschobenen Teil auf 21 Monate festzulegen. Die mehrfache und
langjährige Delinquenz rechtfertigt mit der Vorinstanz eine Probezeit von
drei Jahren.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kostenfolgen im erstinstanzlichen Verfahren
Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung ist wie ausgeführt in Rechtskraft erwach-
sen (Dispositivziffer 6). Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanz-
liche Kostenauflage (Dispositivziffer 7) zu bestätigen. Obwohl der Deliktszeitraum
in Bezug auf das Dossier 2 bereits von der Vorinstanz enger gefasst wurde und
für die Zeitspanne ab 1. Januar 2009 bis zum 7. März 2019 formell ein Freispruch
zu erfolgen hat, ist von einer teilweisen Kostenbefreiung abzusehen. Der be-
schuldigten Person können die gesamten Kosten des Untersuchungsverfahrens
und des erstinstanzlichen Verfahrens auferlegt werden, wenn die ihr zur Last ge-
legten Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang stehen und alle
Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunkts notwendig waren.
Bei einem einheitlichen Sachverhaltskomplex ist vom Grundsatz der vollständigen
Kostenauflage nur abzuweichen, wenn die Strafuntersuchung im freisprechenden
Punkt zu Mehrkosten geführt hat (Urteil 6B_115/2019 vom 15. Mai 2019 E. 4.3 mit
Hinweisen). Der Beschuldigte ist vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs ab
1. Januar 2009 mangels arglistiger Täuschung freizusprechen. Die in einen Frei-
spruch mündenden Täuschungshandlungen stehen mit den tatbestandsmässigen
Handlungen in engem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang. Erstere haben
das Ausmass der Strafuntersuchung nicht in relevanter Weise tangiert. Eine
teilweise Kostenbefreiung drängt sich nicht auf.
- 37 -
2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
2.1. Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 3'000.– zu veranschlagen (Art. 424
Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebührenverordnung
des Obergerichts). Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien
nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob
eine Partei im Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt,
hängt davon ab, in welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Beru-
fungsgericht gestellten Anträge gutgeheissen wurden (BSK StPO-DOMEISEN,
2. Auflage 2014, Art. 428 N 6).
2.2. Der Beschuldigte richtete sich mit seiner Berufung gegen den Schuld-
spruch des gewerbsmässigen Betrugs gemäss Dossier 2. Er beantragte dies-
bezüglich einen Freispruch und eine tiefere Freiheitsstrafe. Er unterliegt mit
seinen Anträgen vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft unterliegt ihrerseits in
Bezug auf den Schuldpunkt, soweit sie den gewerbsmässigen Betrug auch für
die Zeitspanne ab 1. Januar 2009 bis zum 7. März 2019 als erfüllt sieht. Zudem
beantragte sie eine deutlich höhere Strafe. Sie unterliegt im Schuldpunkt voll-
ständig und grösstenteils auch im Strafpunkt. Ausgangsgemäss rechtfertigt es
sich, dem Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme
der Kosten für die amtliche Verteidigung, zu 1/4 aufzuerlegen und zu 3/4 auf
die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amt-
lichen Verteidigung für das Berufungsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Eine allfällige Rückerstattungspflicht im Umfang von 1/4 bleibt vorbe-
halten (Art. 135 Abs. 4 StPO).
2.3. Der seitens der amtlichen Verteidigung geltend gemachte Aufwand ist
grundsätzlich ausgewiesen und erscheint angemessen (Urk. 110 und Urk. 115/2).
Der geltend gemachte Betrag von Fr. 5'224.85 (inkl. MwSt.), welcher bereits die
Aufwendungen im Zusammenhang mit der Berufungsverhandlung und Nach-
besprechung des Urteils enthält, ist aufgrund der effektiven Dauer der heutigen
Verhandlung jedoch um rund eine Stunde zu kürzen. Es rechtfertigt sich daher,
Rechtsanwalt lic. iur. X._ für seine Aufwendungen im Berufungsverfahren
- 38 -
pauschal und gesamthaft mit Fr. 5'000.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschä-
digen.
2.4. Die Privatklägerschaft macht gegenüber dem Beschuldigten für ihre Auf-
wendungen im Berufungsverfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 1'031.65
(inkl. MwSt.) geltend (Urk. 112/1-2). Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO richten sich
Ansprüche auf Entschädigung im Rechtsmittelverfahren nach den Art. 429-434
StPO. Auch wenn keine direkte Verweisungsnorm besteht, gilt hinsichtlich des
Entschädigungsanspruches und der Entschädigungspflicht jedoch der Grundsatz
des Obsiegens bzw. Unterliegens, welcher in Art. 428 StPO Niederschlag gefun-
den hat (BSK StPO-WEHRENBERG/FRANK, 2. Auflage 2014, Art. 436 N 6). Die gel-
tend gemachten Aufwendungen der Privatklägerin, insbesondere im Zusammen-
hang mit der Stellungnahme zum Beweisantrag des Beschuldigten, waren ge-
rechtfertigt und erscheinen angemessen (Art. 433 Abs. 1 StPO). Eigene Anträge
in der Sache liess die Privatklägerin nicht stellen. Da der Beschuldigte zu 1/4
unterliegt, ist er ausgangsgemäss zu verpflichten, der Privatklägerin B._ eine
reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 260.– (inkl. MwSt.) zu bezahlen.