Decision ID: cf984195-4978-43fb-b6dd-068f1c0d22f8
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ M. M., geboren am 10. Oktober 1961, Staatsangehöriger von Serbien, war in erster
Ehe in der Heimat mit Sladjana M. verheiratet. Diese Ehe wurde am 26. November 1999
geschieden und einige Tage später, am 9. Dezember 1999, heiratete er die in der
Schweiz aufenthaltsberechtigte Landsfrau Lena G., geboren am 27. April 1957. Am 11.
Januar 2000 stellte Lena G. ein Gesuch um Nachzug ihres Ehemannes und am 27.
Februar 2000 reiste M. M. in die Schweiz ein, wo ihm die Aufenthaltsbewilligung zum
Verbleib bei der Ehefrau erteilt wurde. Am 1. Dezember 2001 verlegten die Eheleute M.-
G. ihren Wohnsitz in den Kanton St. Gallen. Der Kantonswechsel wurde bewilligt. Am
25. November 2005 wurde das Gesuch von M. M. um Erteilung der
Niederlassungsbewilligung vorab mit der Begründung abgewiesen, er lebe seit
September 2005 von seiner Ehefrau getrennt. In der Folge bestätigten die Eheleute, sie
hätten sich nicht getrennt, worauf M. M. die Niederlassungsbewilligung am 18. Mai
2006 erteilt wurde.
B./ M. M. hat zwei Kinder aus erster Ehe, Damir, geboren am 19. Juni 1983, und
Marina, geboren am 23. August 1989. Mit Scheidungsurteil vom 26. November 1999
übertrug das Amtsgericht Vrsac die Sorge für die Kinder der Mutter.
Am 24. November 2000 wurde die Sorge für Damir M. dem Vater übertragen. In der
Folge, am 30. Januar 2001, ersuchte M. M. um Familiennachzug seines Sohnes. Die
Ausländerbehörde des Kantons Wallis wies das Gesuch am 11. April 2001 ab und die
gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde an den Staatsrat des Kantons Wallis
blieb erfolglos.
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Am 25. August 2005 wurde auch die Sorge für Marina M. dem Vater übertragen. In der
Folge, am 15. September 2005, ersuchte M. M. um Familiennachzug seiner Tochter.
Am 28. Oktober 2005 trat das Ausländeramt auf das Gesuch indessen nicht ein, weil er
die erforderlichen Unterlagen nicht beigebracht hatte.
C./ Am 11. Juli 2006 mietete M. M. per 1. August 2006 an der Zürcherstrasse 46 eine
3-Zimmer-Wohnung und am 2. August 2006 reiste Marina M. als Besucherin in die
Schweiz ein. In der Folge stellte ihr Vater erneut das Gesuch, seiner Tochter sei eine
Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs zu erteilen. Das
Ausländeramt wies das Gesuch am 23. Oktober 2006 ab und verfügte, Marina M. habe
die Schweiz bis spätestens 2. November 2006 zu verlassen.
D./ Gegen die Verfügung des Ausländeramtes vom 23. Oktober 2006 erhob M. M. am
6. November 2006 Rekurs beim Justiz- und Polizeidepartement. Der Rekurs wurde mit
Entscheid vom 26. März 2007 abgewiesen, und das Ausländeramt wurde angewiesen,
Marina M. eine neue Frist zur Ausreise zu setzen.
E./ Am 16. April 2007 erhob M. M. gegen den Entscheid des Justiz- und
Polzeidepartements vom 26. März 2007 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er
stellte das Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die
Vorinstanz sei anzuweisen, den Familiennachzug von Marina M. zu bewilligen. Mit der
Beschwerdeergänzung vom 9. Mai 2007 stellte M. M. sodann den Antrag, es sei davon
Vormerk zu nehmen, dass der Beschwerde aufschiebende Wirkung zukomme, weshalb
Marina M. bis zum rechtskräftigen Entscheid über ihren Aufenthalt in der Schweiz
verbleiben dürfe. Eventuell sei im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme die
Bewilligung zu erteilen, dass sie sich bis zum Abschluss des Beschwerdeverfahrens in
der Schweiz aufhalten dürfe.
Am 16. Mai 2007 verzichtete das Justiz- und Polizeidepartement auf eine
Stellungnahme und beantragte, der Beschwerde sei keine Folge zu geben.
Am 4. Juni 2007 gab der Beschwerdeführer eine Erklärung eines Rechtsanwalts aus
Vrsac vom 9. Mai 2007, einen fachärztlichen Bericht vom 8. Mai 2007 betreffend die
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Grossmutter von Marina M. und Bestätigungen und Zeugnisse betreffend die Tätigkeit
seiner Tochter in der Schweiz zu den Akten.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen:
1.1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP), und M.
M. ist zur Beschwerde legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
Sodann entsprechen die Beschwerdeeingabe vom 16. April 2007 und ihre Ergänzung
vom 9. Mai 2007 zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
1.2. Der Beschwerdeführer stellt das Begehren, es sei Vormerk zu nehmen, dass der
Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukomme bzw. es sei mit
einer vorsorglichen Massnahme sicherzustellen, dass Marina M. die Schweiz bis zum
Abschluss des Beschwerdeverfahrens nicht verlassen müsse.
Nachdem in der Sache entschieden wird, sind diese Begehren gegenstandslos. Dem
Beschwerdeverfahren kommt im übrigen von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung
zu (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 VRP). Weil die Tochter des
Beschwerdeführers über keinen Rechtstitel zum Verbleib in der Schweiz verfügt, hat
die aufschiebende Wirkung indessen nicht zur Folge, dass der Familiennachzug
vorläufig, d.h. bis zum Abschluss des Verfahrens, bewilligt wird. Sodann kann die
Behörde zur Erhaltung des Zustands oder zur Sicherung bedrohter rechtlicher
Interessen auch im Bereich des Ausländerrechts vorsorgliche Massnahmen an-ordnen,
wenn ein Gesuchsteller keinen rechtskräftigen Aufenthaltstitel in der Schweiz hat und
es unverhältnismässig wäre, müsste er für die Dauer des Verfahrens einen neuen
Wohnsitz im Ausland begründen (vgl. Art. 18 Abs. 1 VRP und Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 1108). Das
Ausländeramt nimmt indessen in der Regel während des Beschwerdeverfahrens keine
Vollzugshandlungen vor.
1.3. Auf die Beschwerde ist im Sinn der Erwägungen einzutreten.
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2. Der Beschwerdeführer beruft sich im Rahmen des Beschwerdeverfahrens erstmals
auf Art. 12 des Überein-kommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes
(SR 0.107) und beantragt, Marina M. sei persönlich zu befragen, um Rückschlüsse auf
die Betreuungssituation in der Heimat, ihre Integration in der Schweiz und letztlich die
Notwendigkeit der Übersiedlung zum Beschwerdeführer ziehen zu können.
2.1. Die Kinderrechtekonvention ist anwendbar, weil Marina M. das achtzehnte
Altersjahr erst am 23. August 2007 vollendet haben wird (vgl. Teil I Art. 1 der
Kinderrechtekonvention). Das Bundesgericht hat entschieden, dass das Kind nicht
zwingend persönlich (mündlich), sondern lediglich in angemessener Weise anzuhören
ist. Die Anhörung kann je nach der zu behandelnden Problematik und den Umständen
des Einzelfalls auch schriftlich oder über einen Vertreter vorgenommen werden. So
erachtete es die Anforderungen von Art. 12 der Kinderrechtekonvention in einem Fall
als erfüllt, weil sich die Tochter des Beschwerdeführers in zwei Briefen, die dem
Verwaltungsgericht vorlagen, geäussert hatte und zudem davon ausgegangen werden
konnte, dass der Beschwerdeführer selber ihren Standpunkt vertritt (BGE 124 II 368 mit
Hinweisen). Sodann gebietet der Anspruch auf rechtliches Gehör, dass rechtzeitig und
formrichtig angebotene Beweismittel abzunehmen sind, es sei denn, diese betreffen
eine nicht erhebliche Tatsache oder seien offensichtlich untauglich, über die streitige
Tatsache Beweis zu erbringen (vgl. BGE 124 I 241 E. 2 und BGE 117 Ia 262 E. 4b).
2.2. Abgesehen davon, dass sich der Beschwerde-führer erstmals auf die
Kinderrechtekonvention beruft, obschon ihm dies bereits im Rahmen des Rekurs- und
des Gesuchsverfahrens ohne weiteres möglich gewesen wäre, ist davon auszugehen,
dass Marina M. insbesondere auch bezüglich der Betreuungsverhältnisse in der Heimat
den Standpunkt ihres anwaltlich vertretenen Vaters einnimmt. Ihre Anhörung würde
keine neuen Erkenntnisse bringen. Dem Antrag des Beschwerdeführers, seine Tochter
sei persönlich zu befragen, braucht deshalb nicht entsprochen zu werden.
3. Zu prüfen ist, ob der Familiennachzug von Marina M. zu Recht verweigert worden ist.
3.1. Nach Art. 17 Abs. 2 Satz 3 des Gesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) haben ledige Kinder von Ausländern, die in
der Schweiz niedergelassen sind, Anspruch auf Einbezug in die
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Niederlassungsbewilligung ihrer Eltern, wenn sie mit diesen zusammenwohnen und
noch nicht achtzehn Jahre alt sind. Marina M. wird erst am 23. August 2007 achtzehn
Jahre alt. Insofern ist die Voraussetzung von Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG erfüllt. Zweck
des Familiennachzugs ist es indessen, das familiäre Zusammenleben zu ermöglichen.
Verlangt wird ausdrücklich, dass die Kinder mit ihren
Eltern (Plural) zusammenwohnen werden. Auch die innere Systematik von Art. 17 Abs.
2 Satz 3 ANAG geht vom Zusammenleben mit Mutter und Vater aus. Die
Nachzugsregelung ist somit auf Familien zugeschnitten, in denen die (leiblichen) Eltern
einen gemeinsamen Haushalt führen (vgl. BGE 129 II 14 mit Hinweis auf BGE 126 II 330
mit Hinweisen). Unterschieden wird deshalb zwischen zusammenlebenden und
getrennt lebenden Eltern. Hält sich der eine Elternteil in der Schweiz, der andere aber
im Ausland auf, kann es nicht um die Zusammenführung einer Gesamtfamilie gehen. In
solchen Fällen entspricht es dem Gesetzestext nicht, einen bedingungslosen Anspruch
auf Nachzug der Kinder anzunehmen (vgl. BGE 129 II 15 mit Hinweis auf BGE 125 II
586). Ein Nachzugsrecht setzt in diesem Fall voraus, dass eine vorrangige Bindung des
Kindes zum in der Schweiz lebenden Elternteil nachgewiesen ist und besonders
stichhaltige familiäre Gründe, zum Beispiel die Änderung der Betreuungsmöglichkeiten,
dieses Vorgehen rechtfertigen (vgl. BGE 129 II 15 mit Hinweis auf BGE 126 II 329 E. 2a
und 3b). Die Verweigerung einer Bewilligung lässt sich jedenfalls dann nicht
beanstanden, wenn die Familientrennung freiwillig herbeigeführt worden ist, für die
Änderung der bisherigen Verhältnisse keine überwiegenden familiären Interessen
bestehen bzw. sich ein Wechsel nicht als zwingend erweist und die Fortführung und
Pflege der bisherigen familiären Beziehungen nicht behördlich verhindert wird (vgl. BGE
129 II 15 mit Hinweis auf BGE 124 II 366/367).
3.2. Sodann gewährleisten Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention
(SR 0.101, abgekürzt EMRK) und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101,
abgekürzt BV) die Achtung des Privat- und Familienlebens. Diese Garantien können
verletzt sein, wenn dem Ausländer, dessen Familienangehörige hier weilen, die
Anwesenheit untersagt und damit das Familienleben vereitelt wird. Voraussetzung ist,
dass der sich hier aufhaltende Angehörige über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht
verfügt. Dies trifft zu, wenn ihm, wie im Fall des Beschwerdeführers, die
Niederlassungsbewilligung erteilt worden ist (vgl. BGE 130 II 285 mit Hinweisen).
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Weder Art. 8 Ziff. 1 EMRK noch Art. 13 Abs. 1 BV gewährleisten ein Recht auf Einreise
und Aufenthalt (vgl. B. Ehrenzeller, St. Galler Kommentar zur Schweizerischen
Bundesverfassung, Zürich/Basel/Genf 2002, Rz. 23 und 25 zu Art. 13 BV; vgl. auch
BGE 130 II 285 mit Hinweis auf BGE 126 II 394). Art. 8 Ziff. 1 EMRK verschafft
namentlich dann kein vorbehaltloses Recht auf Nachzug von Kindern, wenn ein
Ausländer selbst die Entscheidung getroffen hat, von seiner Familie getrennt in einem
anderen Land zu leben (vgl. BGE 124 II 366 mit Hinweis auf BGE 122 II 385 E. 4b, 119
Ib 81 E. 4a und 118 Ib 153 E. 2b). Sodann kann sich ein Kind, das während der Dauer
des Verfahrens volljährig wird, nicht auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen (vgl. BGE 129 II 13
E. 2 mit Hinweis auf BGE 120 Ib 257 E. 1f).
3.3. An den Nachweis fehlender Betreuungsmöglichkeit im Heimatland sind umso
höhere Anforderungen zu stellen, je älter das Kind ist bzw. je grösser die ihm in der
Schweiz drohenden Integrationsschwierigkeiten sind, zumal es aus
integrationspolitischer Sicht nicht erwünscht ist, dass Jugendliche erst kurz vor
Erreichung der Altersgrenze in die Schweiz geholt werden (vgl. BGE 129 II 16; vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts vom 22. Mai 2002, 2A.34/2002). Nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts ist zwar zu berücksichtigen, dass altersbedingte Hemmnisse für
den Verbleib eines Kindes bei den Grosseltern in manchen Fällen tatsächlich bestehen
mögen. Es handelt sich dabei aber um Schwierigkeiten, die der emigrierte Elternteil,
der sein Kind - trotz der voraussehbaren zeitlichen Schranken einer solchen Lösung -
der Obhut der Grosseltern überlässt, letztlich von Anfang an in Kauf genommen hat
(vgl. BGE 129 II 17). Sodann sind bei der Prüfung der Frage, zu wem das
nachzuziehende Kind die vorrangige familiäre Beziehung aufrechterhalten hat, nicht nur
die jeweiligen Beziehungen zu den Elternteilen, sondern auch die Beziehungen zu
weiteren Betreuungspersonen in Betracht zu ziehen. Ferner hat das Bundesgericht
darauf hingewiesen, dass es nicht genügt, dass im Verhältnis zwischen Kindern und
ihren Eltern eine vorrangige Beziehung der Kinder zum in der Schweiz wohn-haften
Elternteil besteht; die Bewilligung des Familiennachzugs setzt voraus, dass er sich zu
deren Pflege not-wendig erweisen muss (vgl. BGE 125 II 588 f. mit Hinweisen).
3.4. Der Beschwerdeführer rügt, der angefochtene Entscheid beruhe auf einem
unrichtig und unvollständig festgestellten Sachverhalt.
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3.4.1. Im Verwaltungsverfahren gilt grundsätzlich die Untersuchungsmaxime. Die
Verwaltungsbehörden haben den rechtserheblichen Sachverhalt somit von Amtes
wegen richtig und vollständig zu ermitteln und die Beweise zu erheben (vgl. Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 589 mit Hinweisen). Es sind indessen lediglich die von den
Beteiligten angebotenen und leicht zugänglichen Beweise über erhebliche Tatsachen
abzunehmen, wenn zur Wahrung des öffentlichen Interesses keine besondern
Erhebungen nötig sind (Art. 12 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 50 Abs. 1 VRP). Die
Untersuchungsmaxime wird sodann durch die Mitwirkungspflicht der Parteien
relativiert. Diese greift namentlich dann, wenn eine Partei ein Verfahren durch eigenes
Begehren einleitet oder darin
eigene Rechte geltend macht, und insbesondere für Tat-sachen, die eine Partei besser
kennt als die Behörde und welche diese ohne ihre Mitwirkung gar nicht oder nicht mit
vernünftigem Aufwand erheben kann (vgl. dazu Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2006, Rz. 1630 mit Hinweis auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung; vgl. auch VerwGE vom 16. März 2004 i.S. I.K. mit
Hinweis auf VerwGE vom 27. Oktober 1998 i.S. G.). Dies trifft insbesondere auf
behauptete persönliche Umstände in der Heimat des Ausländers zu. Solche Tatsachen
lassen sich erfahrungsgemäss von den schweizerischen Behörden, wenn überhaupt,
nur mit erschwertem Aufwand abklären (vgl. BGE 122 II 394 mit Hinweis auf ein
unveröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 1996 i.S. S.C.).
3.4.2. Unbestritten geblieben ist die Feststellung der Vorinstanz, wonach Marina M. ihre
vorrangige familiäre Bindung nicht zum Beschwerdeführer, sondern zu ihrer am 12.
Oktober 1934 geborenen Grossmutter, Luca M., hat. Mit ihr hat sie während rund neun
Jahren in der Heimat zusammengelebt, bevor sie im August 2006 zum
Beschwerdeführer in die Schweiz eingereist ist. Fest steht weiter, dass der
Beschwerdeführer die Trennung von seinen Kindern aus erster Ehe, so auch von seiner
Tochter, freiwillig herbeigeführt hat, weil er im Februar 2000 in die Schweiz
übergesiedelt ist, wo er seither lebt. Dement-sprechend erweist sich die Erklärung des
Rechtsanwalts aus Vrsac vom 9. Mai 2007, wonach die Kinder seit der Scheidung im
November 1999 die ganze Zeit beim Vater geblieben seien, als unrichtig.
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3.4.3. Ein Familiennachzug der bald 18 Jahre alten Marina M. setzt voraus, dass
stichhaltige Gründe für die Änderung des Betreuungsverhältnisses bestehen und dass
ihr Verbleib beim Vater zu ihrer Pflege notwendig ist.
3.4.3.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Mutter, Luca M., sei schon
aufgrund ihres Alters nicht mehr in der Lage, sich um ihre Enkelin zu kümmern. Wie
sich aus einem ärztlichen Attest von Dr. med. Zoran Cukanic ergebe, sei sie zudem bei
schlechter Gesundheit. Weil die Vorinstanz die Beurteilung des Arztes in Frage stelle,
seien über die Schweizer Botschaft in Belgrad Abklärungen bezüglich des
gesundheitlichen und altersbedingten Zustands seiner Mutter in die Wege zu leiten und
gegebenenfalls sei das Ausländeramt anzuweisen, Luca M. ein Einreisevisum zu
erteilen, damit sie in der Schweiz ärztlich untersucht und beurteilt werden könne.
Die Tatsache allein, dass die Grossmutter von Marina M., die ihre Enkelin seit Jahren
betreut, mittlerweile rund 72 Jahre alt geworden ist, stellt keinen Grund dar, die Tochter
des Beschwerdeführers aus ihrem gewohnten Umfeld herauszureissen, damit sie
nunmehr mit dem Vater in der Schweiz leben kann. Anders entscheiden hiesse, dass
der Anspruch auf Familiennachzug regelmässig dann entsteht, wenn die das Kind
betreuenden Grosseltern eine bestimmte Altersgrenze erreichen (vgl. dazu VerwGE
vom 27. Februar 2003 i.S. I.B.). Sodann leidet Luca M. nach dem im Oktober 2006
eingereichten fachärztlichen Bericht (act. 261-267) an Bluthochdruck,
Herzbeschwerden und nicht erst seit kurzem, sondern schon seit 10 Jahren, an
Zuckerkrankheit Typus II. Gemäss Anamnesen vom 9. Oktober 2006 und vom 8. Mai
2007 ist die Grossmutter von Marina M. kraftlos und wird schnell müde. Sie aspiriert
bei der kleinsten Anstrengung, hustet nicht, und schläft auf höherem Kopfkissen.
Sodann merkt sie, dass die Kniebeugen anschwellen, spürt Herzklopfen, Schwindel
und hatte einmal Schmerzen in der linken Hand und im Bein, die eine halbe Stunde
andauerten. Im weiteren hat sie festgestellt, dass sie schnell vergisst. Zutreffend ist
zwar, dass dem fachärztlichen Bericht vom Oktober 2006 entnommen werden kann,
die Mutter des Beschwerdeführers sei nicht im Stande, sich um sich und andere zu
kümmern bzw. sie benötige Pflege und Hilfe einer anderen Person. Es ist indessen
anhand der Diagnose und der Anamnesen nicht nachvollziehbar, warum es Luca M.
nicht mehr möglich sein soll, ihre fast achtzehnjährige Enkelin weiterhin zu betreuen,
zumal diese aufgrund ihres Alters keiner intensiven Fürsorge mehr bedarf und
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anzunehmen ist, dass sie tägliche Verrichtungen ohne Unterstützung ihrer Grossmutter
erledigen und diese diesbezüglich sogar unterstützen kann.
An dieser Beurteilung ändert nichts, dass der Beschwerdeführer behauptet, seine
Tochter und ihre Gross-mutter würden alleine eine Wohngemeinschaft bilden, weil sein
Sohn, Damir M., ausgezogen sei. Abgesehen davon ist aufgrund der Aktenlage nicht
davon auszugehen, Marina und Luca M. seien in Vrsac auf sich alleine gestellt. Die
Anschrift von Luca M. lautet: Skadarska 86A, Vrsac (act. 227, 267). Am 13. Oktober
2006, als die Tochter des Beschwerdeführers bereits in der Schweiz weilte, haben
Momir und Milovan M., beide wohnhaft Skadarska 86, Vrsac, auf Antrag von Damir M.,
wohnhaft Skadarska 86A, Vrsac, als Zeugen bestätigt, Luca M. sei zur Zeit schwer
krank und nicht im Stande, sich adäquat um die minderjährige Enkelin zu kümmern
(act. 257-260). Abgesehen davon, dass der Sohn des Beschwerdeführers zum
damaligen Zeitpunkt ebenfalls an der Skadarska 86A wohnhaft war, leben somit
weitere Personen gleichen Namens in unmittelbarer Nachbarschaft. Was die Mutter
von Marina M., Sladjana M., anbetrifft, hat der Beschwerdeführer in der Rekursschrift
vom 11. Dezember 2006 ausgeführt, sie habe die Familie im Jahr 1998 verlassen und
die Kinder seien bei ihm bzw. bei seiner im gleichen Haushalt lebenden Mutter
verblieben. Die erste Ehefrau des Beschwerdeführers hat am 11. Oktober 2006 zudem
bestätigt, sie habe ihm - entgegen dem Scheidungsurteil vom 26. November 1999 - die
Kinder zur Erziehung und Obhut überlassen und diese hätten "die ganze Zeit bei ihm
und seinen Eltern an der gleichen Adresse gelebt" (act. 256). Im weiteren hat ein Anwalt
aus Vrsac am 9. Mai 2007 erklärt, Sladjana M. habe die Kinder nie zu sich genommen.
Gemäss beglaubigter Übersetzung des Urteils des Amtsgerichts Vrsac vom 25. August
2005, mit welchem das Sorgerecht für Marina M. dem Beschwerdeführer übertragen
worden ist, wohnte Sladjana M. zu diesem Zeitpunkt aber an der Skadarska 86A (act.
98). Somit ist zu bezweifeln, ob die Mutter von Marina M. keine familiäre Beziehung zu
ihrer Tochter mehr hat wie behauptet wird bzw. ob sie sich seit dem Jahr 1998 nicht
mehr um sie kümmert.
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Vorinstanz zu Recht davon
ausgegangen ist, die Übersiedlung von Marina M. in die Schweiz sei mangels
Betreuungs-möglichkeit in der Heimat und zu ihrer Pflege nicht zwingend erforderlich
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und es kann darauf verzichtet werden, den Beweisanträgen des Beschwerdeführers zu
entsprechen und diesbezüglich weitere Abklärungen zu treffen.
3.4.3.2. Der Beschwerdeführer begründet sein Be-gehren um Familiennachzug von
Marina M. weiter damit, er wolle seiner Tochter eine adäquate Erziehung zu-kommen
lassen. Sie befinde sich an der Schwelle zum Erwachsenenalter und es würden sich
nun Erziehungsfragen stellen, denen die betagte Grossmutter seit längerem nicht mehr
gewachsen sei.
Weil der Beschwerdeführer im Februar 2000 in die Schweiz übergesiedelt ist und seine
Tochter vor über sieben Jahren freiwillig bei Familienangehörigen in der Heimat
zurückgelassen hat, vermag die Behauptung, er müsse sie nun auf ihrem Weg ins
Erwachsenenleben erzieherisch unter-stützen bzw. er wolle ihr in dieser
Entwicklungsphase
Vater sein, eine Änderung des Betreuungsverhältnisses und damit den Nachzug von
Marina M. in die Schweiz nicht zu rechtfertigen. Hinzu kommt, dass ohnehin fraglich ist,
ob für den Beschwerdeführer das familiäre Zusammenleben mit seiner nunmehr fast
erwachsenen Tochter im Vordergrund steht. Im Jahr 2005 hat er die für die Beurteilung
eines ersten Nachzugsgesuchs erforderlichen Unterlagen nicht eingereicht, was am 28.
Oktober 2005 zu einem Nichteintretensentscheid des Ausländeramtes führte. In
Betracht fällt weiter, dass sich der Beschwerdeführer im Jahr 2001 ausschliesslich um
den Nachzug seines damals fast voll-jährigen Sohnes bemüht hat, nicht aber um
denjenigen seiner Tochter, die zu diesem Zeitpunkt 12 Jahre alt war. Nicht
entscheidend wäre jedenfalls, wenn der Beschwerdeführer davon ausgehen sollte,
seine Tochter könne hier hinsichtlich Lebensstandard, beruflichen Perspektiven und
sozialer Sicherheit ein besseres Leben führen als in der Heimat.
3.4.3.3. Der Beschwerdeführer behauptet weiter, seine Tochter habe die
Grundausbildung in der Heimat abge-schlossen, was es ihr ermögliche, sich in der
Schweiz besser zurechtzufinden. Gemäss einem Zeugnis des Gymnasiums "Borislav
Petrov Braca" vom 22. Juni 2006 hat Marina M. dort indessen nur zwei von insgesamt
vier Ausbildungsjahren absolviert (act. 205). Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer
seine Tochter im Alter von bereits 17 Jahren aus dem ihr vertrauten sozialen Umfeld in
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Vrsac herausgerissen und in ein ihr fremdes Land mit anderer Sprache und Kultur
versetzt hat, in der Meinung, sie solle und werde sich zurechtfinden, auch wenn sie
über keinen ausländerrechtlichen Status verfüge. Er macht zwar geltend, Marina M.
habe sich hier bestens integriert. Er habe sie mit der hiesigen Kultur und Mentalität
vertraut gemacht und sie sei diesbezüglich zu befragen. Der Beschwerdeführer reicht
in diesem Zusammenhang Bestätigungen samt Zeugnissen ein, wonach seine Tochter
die "Deutsch Start 1 Prüfung" bei der Klubschule Migros bestanden hat und wonach
sie in der Zeit vom 28. November 2006 bis 7. Juli 2007 eine Vorlehre absolviert. Die
beantragte Befragung von Marina M. zum Grad ihrer Integration in der Schweiz erübrigt
sich indessen, weil es ihr zumutbar ist, nach rund einem Jahr Aufenthalt in der Schweiz
in die Heimat zurückzukehren, zumal Vater und Tochter die Möglichkeit haben, ihre
familiären Beziehungen so zu pflegen, wie dies vor August 2006 der Fall war.
4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen ist,
die Voraussetzungen für den Familiennachzug von Marina M. seien nicht erfüllt.
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen werden nicht zugesprochen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).