Decision ID: 75499a6e-c65e-44e9-9b0d-7dca4ebef3cb
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1962 geborene X._
ist gelernter Strassenbauer und arbeitete zuletzt als
Magaziner
und Produktionsmitarbeiter im Schichtbetrieb (vgl.
Urk.
5/29, Urk.
5/12). Seit 2011 ist er arbeitslos bzw. nichterwerbstätig (Urk. 5/94). An
lässlich eines Unfalles am 1. April 2002
hatte
der Versicherte eine
Tibia
pla
teaufraktur
erlitten
(Urk. 5/16/52-64), woraus sich eine posttraumatische Gon
ar
throse rechts entwickelte. Die zuständige Unfall
versicherung Suva sprach X._
für die Folgen dieses Unfalles eine Invalidenrente gestützt auf eine 26%ige Erwerbsunfähigkeit mit Wirkung ab 1. August 2011 nebst einer Integritätsent
schädigung zu (
Einspracheentscheid
vom 3. Oktober 2012, Urk. 5/38/1-10). Da
neben leidet der Beschwerdeführer seit 2011 auch an Ellbogenarthrosen beidseits (Urk. 5/19-20), weshalb er sich im
Juli
2011 ein erstes Mal bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 5/7). Nach erwerblichen und medizinischen Abklärungen, insbesondere dem
Beizug
der Unfallversiche
rungs
akten und einer Untersuchung beim Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
, wies die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, das Rentengesuch mit Verfügung vom 25. Januar 2013 ab (Urk. 5/46). Im Frühjahr 2016 liess der mittlerweile
verbeiständete
Versicherte erneut Leistungsgesuche einreichen, am 17. Oktober 2016 mittels Anmeldeformular (Urk. 5/65). Im Zuge ihrer medizini
schen Abklärungen gab die IV-Stelle bei Prof. Dr. m
ed. Y._
,
FMH Neurologie sowie Psychiatrie und Ps
ychotherapie, und Dr. med. Z._
, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
ein
bidisziplinäres
(orthopä
disch/psychiatrisches) Gutachten in Auftrag, welches am 7. April 2017 erstattet wurde (Urk. 5/81/1-133). Gestützt hierauf verneinte die IV-Stelle den Leistung
s
anspruch mit Verfügung vom 26.
Juni 2017 erneut (Urk. 5/85).
Am 25. November 2019 meldet
e sich X._
ein weiteres Mal zum Leis
tungsbezug an (Urk. 5/87). Die IV-Stelle zog einen Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) des Versicherten bei (Urk. 5/94) und holte bei den behandelnden
Fachpersonen
Auskün
fte
ein (Bericht von Dr. med. A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, Oberärztin des Psychiatrie
zentrums
B
._, Klinik C._
, vom 19. Dezember 2019, Urk. 5/93).
Hierzu n
ahm RAD-Arzt Dr. med. D._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, am 20. März 2020 Stellung (Urk. 5/95/3 f.). Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(Vorbescheid vom 23.
März
2020 [Urk.
5/96], Einwand vom 21. April 2020 [Urk.
5/
97], einschliesslich Begründung [Urk. 5/99]) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 13. Juli 2020 einen Ren
tenanspruch (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob X._
am 14.
September
2020 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, es sei ihm in Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine
ganze Invalidenrente auszurichten (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Oktober 2020 auf Ab
weisung der Beschwerde
(Urk. 4). Diese wurde
dem Beschwerdeführer zur Kenntnis
nahme
zugestellt (Urk. 6).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Ver
änderung des Invaliditätsgrades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Inva
lidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die
gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.3
Eine Rentenrevision im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG setzt eine Änderung in
den tatsächlichen Verhältnissen voraus, die sich auf den Anspruch als solchen oder
den Umfang auswirken kann und Anlass gibt, den Invaliditätsgrad neu zu ermit
teln. Dazu gehört namentlich der Gesundheitszustand. Dabei ist nicht die Dia
gnose massgebend, sondern in erster Linie der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik. Aus einer anderen Diagnose oder einer unter
schiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann somit nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachen
än
derung geschlossen werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_602/2016 vom 14. Dezember 2016
E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
Eine revisionsbegründende Änderung kann nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts auch gegeben sein, wenn sich ein Leiden bei gleicher Diagnose in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3 und 6.3.2; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_339/2015 vom 25. August 2015 E. 3.1 und 9C_330/2014 vom 23. Juli 2
014 E. 5.2, je mit Hinweisen).
Das Hinzutreten einer neuen Dia
gnose stellt
demnach
nicht per se einen Revisionsgrund dar, weil damit das quan
titative Element der (erheblichen) Gesundheitsverschlechterung nicht zwingend ausgewiesen ist (BGE 141 V 9 E. 5.2 mit Hinweisen). Massgebend ist einzig, ob bzw. in welchem Ausmass – unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie – den medizinischen Akten eine Verschlechterung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit im relevanten Zeitraum entnommen werden kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_664/2017 vom 25. Januar 2018 E.
9 und 9C_799/2016 vom 21. März 2017 E. 5.2.1 mit weiteren Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet
e
ihre
n
Entscheid damit, dass seit der letzt
maligen Abweisung des Rentengesuchs keine neuen Einschränkungen eingetreten seien. Zwar seien zwischenzeitlich neue Diagnosen gestellt worden, welche jedoch eine andere Interpretation des gleichen Sachverhalts darstellen würden (Urk. 2). Sämtliche im Bericht von Dr.
A._
festgehaltenen Diagnosen hätten entweder schon seit Geburt oder bereits seit 2016 bestanden. Es werde in ihrem Bericht ausdrücklich ein stationärer Gesundheitszustand bestätigt. Damit sei im Vergleich
zur letzten rentenabweisenden Verfügung vom 26. Juni 2017 keine Verschlech
terung des Gesundheitszustandes ersichtlich (Urk. 4).
2.2
Der Beschwerdeführer
hielt
dem entgegen, dass sich der Gesundheitszustand verändert habe. Die im Gutachten attestierte
,
damals remittierte depressive Epi
sode habe sich mittlerweile zu einer rezidivierenden Störung entwickelt, die dem Beschwerdeführer in Zusammenhang mit den übrigen Beschwerden wesentliche Ressourcen
für die Arbeitsfähigkeit entziehe. Dr.
A._
berichte
über
eine fehlende Tagesstruktur und ein
en verschobenen
Tag-Nacht-Rhythmus, wogegen der psychiatrische Gutachter noch einen geregelten Tagesablauf geschildert habe; ferner bestehe nach Auskunft der
Beiständin
eine zunehmende Verwahrlosung des Haushaltes. Angesichts der eingehenden Untersuchungen im Psychiatrie
zen
trum B._
sei am Vorliegen einer Autismus-Spektrum-Störung nicht zu zweifeln. Die Folgen des
Asperger
-Syndroms seien zweifellos wesentlich ein
schrän
kender als noch
die
im Juni 2017
diagnostizierten Störungen. Offensicht
lich sei es zu
einer Veränderung im Verhalten
des Beschwerdeführers gekommen (Urk. 1 S. 5 f.).
3.
3.1
Der
in Rechtskraft erwachsenen, anspruchsverneinenden Verfügung vom 26. Juni 2017 (Urk. 5/85) lag das
bidisziplinäre
Gutachten von Prof. Dr.
Y._
und Dr.
Z._
vom 7. April 2017 (Urk. 5/81)
zugrunde; dieses beruhte
auf eigenen Untersuchungen vom 28. März 2017 sowie der bis dato vorliegenden Aktenlage.
3.1.1
Dr.
Z._
diagnostizierte aus orthopädisch-chirurgischer Sicht (1) eine Bewe
gungseinschränkung im Bereich des linken Ellenbogengelenkes bei ätiologisch unklarer Arthrose und zweifach erfolgter offener Revision in den Jahre 1999 und 2011, (2) eine Bewegungseinschränkung im Bereich des rechten Ellenbogenge
lenkes bei ätiologisch unklarer Arthrose und 2011 erfolgter Arthroskopie und Bergung von freien Gelenkskörpern
, (3) eine multidirektionale Bewegungsein
schrän
kung des rechten Hüftgelenkes bei
femoroacetabulärem
Impingement
(Cam-
Impingement
) mit Pistolengriff-Deformität des rechten Schenkelhalses und be
gin
nen
der
Coxarthrose
sowie (4) eine
Pangonarthrose
im Bereich des rechten Kniegelenkes mit einer lateralen
Chondropathie
Grad
Kellgren
III sowie einer begleitenden Kniescheibenrückflächenarthrose Grad
Kellgren
II nach 2002 erlitte
ner
Tibiakopftrümmerfraktur
mit lateraler und medialer Meniskusläsion. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vermerkte er einen Senk-Spreizfuss beidseits sowie den Status nach 2016 erlittener linksseitiger Distorsion des oberen Sprung
gelenkes (OSG), gegenwärtig ohne Beschwerdevortrag sowie ohne Funktionsein
schränkung
(Urk. 5/81/115 f.)
. Er (Dr.
Z._
) gehe mit den behandelnden Ärzten der Orthopädis
chen Universitätsklinik E._
sowie
des
Spital
s
F._
unein
geschränkt einig hinsichtlich Untersuchungsbefunde und daraus abgeleiteten Dia
gnosen. Der Beschwerdeführer habe zuletzt in der Produktion v
on
Bitumwell
platten
gearbeitet. In
dieser als körperlich mittelschwer bis schwer einzustufen
den, überwiegend stehenden Tätigkeit sei der Beschwerdeführer sicherlich seit der
(
damals vorliegenden)
Wiederanmeldung
nicht mehr arbeitsfähig. Nicht einig ge
he er mit der Einschätzung des betreuenden orthopädischen Chirurgen, wonach in adaptierter Tätigkeit eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit bestehe
(Urk. 5/81/119). In einer hüft-
und knieadaptierten, leichten, wechselbelastenden, überwiegend sitzenden Tätigkeit ohne vermehrte Beanspruchung der Ellenbogengelenke erachte er den Beschwerdeführer aus orthopädisch-versicherungsmedizi
nischer Sicht zu 80 % arbeits
fähig (Urk. 5/81/120). Die qualitativen Leistungsein
schrän
kungen führte Dr.
Z._
anschliessend eingehend einzeln auf (Urk. 5/81/123 f.). Die quantitative Einschränkung von 20 % ergebe sich in der Folge der reduzierten Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit, vermehrten Pausen sowie der reduzierten Arbeitsschnelligkeit. In der zuletzt ausgeübten, körperlich schweren Tätigkeit sei der Beschwerdeführer seit 21. Juli 2011 durchgehend nicht mehr arbeitsfähig. Die sowohl qualitativ
e
als auch quantitative Leistungsminderung in adaptierter Tätig
keit bestehe seit spätestens 14. Oktober 2016
(Urk. 5/81/124 f.).
3.1.2
In psychiatrischer Hinsicht diagnostizierte Prof. Dr.
Y._
(Urk. 5/81/67)
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Minderung der Intelligenz im Bereich der Lernbehinderung (ICD-10: F79) sowie ohne Einfluss ein
en chronischen
Schmerz (R52), eine Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2), eine Persönlichkeitsakzentu
ie
rung mit impulsiv-fremdaggressivem Verhalten (ICD-10: Z73.1), differentialdia
gnostisch eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus (ICD-10: F60.30), eine depressive Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F32.4), Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10: Z56),
Probleme in Verbindung mit Wohnbedingungen und ökonomischen Verhält
nissen
(ICD-10: Z59) sowie chronische Probleme in der Beziehung zum Ehepartner
(ICD-10
: Z60.3).
Im September 2014
sei eine neuropsychologische Un
tersuchung in der Klinik C._
zur Fragestellung einer Minderbegabung erfolgt. Als psychiatrische Dia
gnose sei eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (F33.1),
angegeben.
Als
Ergebnis dieser Untersuchung, die ohne Symptomvalidierung durchgeführt worden sei, habe sich ein niedriges intellektuelles Niveau sowohl im verbalen (IQ-Wert 77) sowie auch im Handlungsteil (IQ-Wert 78) gezeigt. Bei
der Betrachtung von Teilleistungen hätten sich ein niedriges Sprachverständnis (Index-Wert 79) und eine durchschnittliche Fähigkeit zur Wahrnehmungs
organi
sation (Index-Wert 89)
gezeigt. Weiter
hätten sich kognitive Minderleistungen im Bereich der exekutiven Funktionen (schwer reduzierte Verarbeitungsge
schwin
digkeit und
visuoverbale
Interferenzkon
trolle, leicht bis mittelschwer
reduzierte Ideenproduktion) und im Bereich des verbalen episodischen Gedächtnisses (mittel bis schwer reduzierter Abruf nach dem Lernen einer Interferenzliste und Wie
dererkennung) gefunden
.
In einigen computergestützten Aufgaben zur Prüfung der Aufmerksamkeit (selektive und geteilte Aufmerksamkeit) habe der Beschwer
deführer altersentsprechende Reaktionszeiten und Fehlerhäufigkeiten, jedoch eine erhöhte Anzahl Auslassungen gezeigt. Das figurale Gedächtnis sei überdurch
schnittlich gewesen. Hingegen habe der Beschwerdeführer in einem Selbstbeur
teilungsverfahren zur Erfassung der depressiven Symptomatik einen unauffälli
ge
n Wert erreicht. Insgesamt seien die Ergebnisse als unterdurchschnittliche Intelli
genz im Sinne einer leichten Lernbehinderung interpretiert worden. Im Rahmen dieser Lernbehinderung komme es zu Teilleistungsbeeinträchtigungen im Bereich der Exekutivfunktionen sowie beim verbalen Gedächtnis. Ätiologisch seien die objektivierten kognitiven Defizite zusammen mit den anamnestischen Angaben zu Schwierigkeiten bereits seit der Kindheit am ehesten als vorbestehend im Rahmen der Lernbehinderung zu interpretieren (Urk. 5/81/61).
Zu der
im Austrittsbericht
des Psychiatriezentrums B._
vom 23. Mai 2016
unter anderen aufgeführten Diagnose einer rezidivierende
n
depressiven Störung, gegenwärtig leichtgradig (F33.0)
,
vermerkte der Gutachter, da nie zuvor depres
si
ve Episoden dokumentiert worden seien, wäre von einer depressiven Episode aus
zugehen und nicht von einer rezidivierenden depressiven Störung (Urk. 5/81/61 f.).
Aus psychiatrischer Sicht hätten sich keinerlei Hinweise auf Verdeutlichung, Aggravation oder Simulation ergeben. Der Beschwerdeführer habe während der Zeit der Persönlichkeitsbildung durch
den Unfall
seines Vaters eine Überforde
rung erfahren; es hätten zudem schulische Schwierigkeiten bestanden, weshalb vorübergehend eine Sonderbeschulung
in der Primarschulzeit erfolgt
sei. Im weiteren biographischen Verlauf seien keine psychiatrischen Auffälligkeiten bis zum Jahre 2014 berichtet. Beim hiesigen Untersuch hätten sich in der Persönlich
keit impulsiv-fremdaggressive Züge gezeigt, die im Rahmen der eingetretenen Verbitterung des Exploranden bei anhaltenden Eheproblemen eine Generalisie
rungstendenz aufweisen würden und durchaus nicht ungefährlich s
eien. In der Beurteilung der Ich
-Strukturen müs
se konstatiert werden, dass der
Beschwerde
führer inzwischen eine gewisse Störung der Realitätsbeurteilung aufweise. Diese werde stark durch seine psychosozialen Probleme inhaltlich gefärbt und erführe
im Zusammenwirken der Verbitterungsstörung
(nachfolgend als Anpassungs
stö
rung klassifiziert)
mit den eingeschränkten intellektuellen Fähigkeiten eine Stö
rung der Impulskontrolle. Die Ressourcenlage des Beschwerdeführers sei grund
sätzlich nicht
frustran
. Er habe einen Beruf erlernt und sei in der Lag
e, einfache Tätigkeiten zu verr
ichten
(Urk. 5/81/62 f.). Aus psychiatrisch-gutachterlicher Sicht liege ein leicht- bis
mässiggradiger
IV-relevanter Gesundheitsschaden vor.
Die Minderleistungen in der Intelligenz und die Persönlichkeitszüge des Beschwe
r
deführers würden qualitative Einschränkungen in seinem Leistungsbild bedingen, eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit liege jedoch nicht vor (Urk.
5/81/65). Tätigkeiten, in denen der Beschwerdeführer Verantwortung für Menschen tragen müsse und die den Umgang mit Waffen e
rforderten, seien aus
zuschliessen
. Ebenso könne der Beschwerdeführer nicht für Arbeiten eingesetzt werden, die überdurchschnittliche intellektuelle Anforderungen an ih
n stellten. Auch nicht leistbar
seien stressbesetzte Tätigkeiten. Das positive Leistungsbild beinhalte kognitiv einfache, repetitive Tätigkeiten ohne hohe Verantwortlich
kei
ten für Menschen und prozessuale Abläufe. Die qualitativen Einschränkungen würden offenbar schon länger bestehen (die verminderte Intelligenz sei ange
bo
ren), die Anpassungsstörung habe sich nach der depressiven Phase 2014/15 aus
gebildet. Die depressive Episode selbst sei remittiert und bewirke keine Arbeits
unfähigkeit (Urk. 5/81/66).
3
.2
Dem Austrittsbericht des
Psychiatriezentrum
s
B._
vom 23. Mai 2016
, unt
erze
ichnet von Dr. med. univ. G._
,
Oberärztin, und
lic
. phil. H._
, Psychologin, (Urk. 5/75) ist ausserdem Folgendes zu entneh
men: Der Beschwerdeführer befinde sich seit 17. März 2014 in ambulanter Behandlung. Es hätten meist monatlich stützende Gespräche stattgefunden, in Einzelgesprächen hätten der Umgang mit der Ehefrau und den Erpressungen, die Reduktion der Schlafstörungen und des Grübelns, eine bessere Tagesstrukturierung (selbständig und im Rahmen einer allfälligen geschätzten Arbeitsstelle) und die Aufnahme positiver Aktivitäten im Zentrum gestanden. Nach Abklingen der depressiven Symptomatik sei im September 2014
,
aufgrund eines Verdachts auf Intelligenz
minderung, eine neuropsychologische Untersuchung durchgeführt worden (hier
zu vgl. E. 3.1.2
). Vor der Trennung (Anmerkung
: von der Ehefrau) hätten sich wiederholt Situationen ergeben, dass der Beschwerdeführer durch seine Ehefrau unter Druck gesetzt worden sei, ihr grössere Geldsummen auszuhändigen. Im Juli 2013 habe sie den Beschwerdeführer drei Tage lang zu Hause eingesperrt, bis er ihr die verlangte Summe ausbezahlt habe. Der Beschwerdeführer zeige sich in diesen Situationen gegenüber seiner Ehefrau nicht durchsetzungsfähig. Er habe
Ende 2014 beschlossen,
«
die Ehescheidung aufzuheben»
,
und wohne seither wieder
gemeinsam mit seiner Ehefrau
(aus finanziellen Gründen, um Unterhalts
zah
lun
gen zu vermeiden). Eine Tagesstrukturierung im Rahmen einer geschützten Arbeits
stelle hätte noch nicht etabliert werden können. Sie (die
Behandlerinnen
) hielten eine externe Struktur
für
äusserst wichtig und würden seit langer Zeit die Aufnahme einer geschützten Tätigkeit empfehlen. Ebenso würden sie empfehlen, anstelle einer psychotherapeutischen Begleitung eine Begleitung durch die psy
chiatrische Spitex zu Hause zu etablieren, was vom Beschwerdeführer jedoch noch nicht habe angenommen werden können. Sie bäten die Hausärztin diese Thematik nochmals aufzunehmen, da der Beschwerdeführer möglicherweise in der Haushaltsführung Unterstützung benötigen könnte.
4.
Die angefochtene Verfügung vom 13.
Juli 2020 stützt sich auf folgende medi
zinische Aktenlage:
4.1
Im
Verlaufsberi
cht
vom 5.
Februar 2020 (Urk. 5/93)
führt
e
Dr.
A._
gestützt
auf die neuropsychologische Abklärung
(vgl. nachstehend E. 4.2)
neu
ein
Asperger
-Syndrom (ICD-10: F84.0), eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne Hyperakti
vität (ICD-10: F98.8) sowie eine sonstige Störung schulischer Fertigkeiten mit Lese- und Rechtschreibschwäche sowie Rech
e
nschwäche (ICD-10: F81.8) auf. Die aktuellen Diagnosen erklärten die schulische und berufliche Entwicklung bzw. die dabei aufgetretenen Probleme, die sozialen Probleme des Beschwerdeführers (dysfunktionale Beziehungen zu Frauen, Verkehren im Milieu der Prostitution, Scheidung, tätliche Übergriffe, inkl. des letzten Deliktes wegen
Körperverletzung, soziale Inter
aktion, Konflikt-Missmanagement, Impulsivität etc.) und damit den Verlauf des bisherigen Lebens sowie die aktuelle Lebenssit
uation sehr gut. Der psychopathologische Befund
entspreche den Diagnosen, mit starker emotionaler
Instabilität, mit depressiven Einbrüchen, Selbstabwertung mit Schuldzuwei
sun
gen, Insuffizienzgefühlen, Gerei
z
theit, Impulsivität mit Ko
ntrollverlust, stark redu
zier
tem
Introspektions- und Reflexionsvermögen, sehr geringen Ressourcen, deut
liche
r
Neigung zu Desorganisation, Schwierigkeiten mit Planen und Strukturie
ren, inkl. des eigenen Tagesablaufes, Tend
enz zur Somatisierung, verstärkt unter
psychischem Druc
k, dysfunktionale
n
Denkkreise
n
mit vermehrtem Grübeln, nega
tiven Zuku
nftsperspe
ktiven
und Auslö
sen von Selbstwertkrisen im Sinne eines sich selbst erhaltenden und verstärkenden negativen Teufelskreises. Es bestehe ein stark fixiertes,
negativistisches
Denken, welches durch negative Lebenser
fahrungen unterhalten werde und kaum unterbrochen werden könne. Ausserdem bestünden Schlafstörungen. Es sei ein deutlicher sozialer Rückzug vorhanden, kein funktionierendes soziales Netz, reduzierte soziale Kompetenzen. Die Thera
pie
fähigkeit im engeren Sinn sei nicht gegeben, weil der Beschwerdeführer be
sprochene Interventionen nicht ausreichend verstehe und vor allem nicht oder kaum umsetzen können, was als adäquat angesichts der unterdurchschnittlichen Intelligenz und der Teilleistungsstörungen zu bewerten sei. Allenfalls sei im ge
schützten Rahmen (2. Arbeitsmarkt) eine Tätigkeit zu 50 % möglich. Das wäre eine sehr wichtige Ressource, die der Beschwerdeführer nutzen könnte, um die u.a. negativen Denkspiralen durch Struktur zu unterbrechen und Selbstwirk
sam
keit zu erleben. Im erste
n Arbeitsmarkt sei er zu 100 % l
eistungsunfähig. Prog
nos
t
isch sei zu empfehlen, eine leidensangepasste Tätigkeit im geschützten Rah
men zu etablieren, um eine geregelte Tagesstruktur und damit Stabilität herzustellen und um einer Verschlechterung vorzubeugen. Die vordiagnostizierte rezidivie
rende depressive Störung sei aktuell in le
ichter bis mittelgradiger Ausprä
gung vorhanden, allerdings am e
hesten im Rahmen der
Autismus-Spektrum-Störung (
ASS
)
einzuordnen, differentialdiagnostisch sei eine
komorbide
Störung möglich. Die Motivation des Beschwerdeführer
s
sei eher sehr hoch (bei 8 von 10
der Punkteskala
)
, jedoch schwer einzuschätzen bei den Diagnosen
,
und die kogni
ti
ven Ressourcen seien gering. Die psychosozialen Probleme seien direkte Folgen/
Symptome der Erkrankung.
4.2
Dr.
A._
stützt
e
sich hierbei auf den n
europsychologische
n
Bericht des psy
c
hologischen Dienstes des Psychiatriezentrums B._
vom 2. Juli 2019 (Urk. 5/86), welcher
auf Untersuchungen vom 14., 17. und 21. Mai 2019
basiert. Diese
wurde
n
bei Verdacht auf Vorliegen eines AD(H)S sowie einer Autismus-Spektrum-Störung in Auftrag gegeben, ebenfalls mit der Frage nach Vorliegen einer Legasthenie und Dyskalkulie. Nach einer
kriteriengeleiteten
Dia
gnostik gemäss
dem
Diagnostic
and
Statistical Manual
of
Mental
Disorders
(DSM)-5 in Bezug auf
die
Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung, einer
kriteriengeleiteten
Diagnostik gemäss ICD-10 in Bezug auf Autismus und
Asperger
-Syndrom, den Verhaltensbeobachtungen w
ährend der Untersuchung, einer t
estpsychologischen Prüfung der kognitiven Funktionen, verschiedenen psychopathologischen Selbstbeurteilungsinstrumente
n
und eines Fremdbeurtei
lungs
instrumentes kamen die untersuchenden Psychologinnen zum Schluss, die Ergebnisse der Untersuchung liessen an ein
Asperger
-Syndrom denken. Zumin
dest aus eigenanamnestischen Angaben hätten sich keine Hinweise auf kognitive oder Sprachentwicklungsstörungen vor dem 3. Lebensjahr ergeben, was gemäss ICD-10 ein Ausschlusskriterium darstelle. Der Beschwerdeführer sei normal ein
ge
schult worden und habe erst ab der 3. Klasse eine Sonderschule besucht. Hin
gegen hätten sich Hinweise auf qualitative Beeinträchtigungen der gegenseitigen
sozialen Interaktionen sowie intensive umschriebene Interessen (Modellbau) erge
ben. Die neuropsychologischen Untersuchungsergebnisse mit teils deutlichen Ein
schränkungen der sozialen Kognitionen (Interpretieren von emotionalen Ge
sichts
ausdrücken,
Theory
of
Mind
) würden die Diagnose eines
Asperger
-Syndroms unterstützen. Im Kontaktverhalten ha
be der Beschwerdeführer teilweise den Blickkontakt vermieden. Im Bereich der Aufmerksamkeit und Konzentration hätte
n
sich stabil zur Voruntersuchung leichte Einschränk
ungen ergeben, ver
einbar mit dem
Vorliegen eines
AD(H)S. Laut eigen- und fremdanamnestischen Angaben (Eigenanamnese, ADHS-SB, CAARS) wären die Kriterien für eine Auf
merksamkeitsdefizitstörung ohne Hyperaktivität erfüllt.
Dagegen sprechen
würde
n jedoch die retrospektiven Angaben über ADHS-Symptome in der Kind
heit, welche unauffällig ausgefallen seien. Bei genauerer Befragung der Angaben des Be
schwerdeführers in diesem Fragebogen sei jedoch ersichtlich geworden, dass ins
besondere die Aufmerksamkeitsdefizite bereits in der Kindheit vorhanden gewe
sen seien. Demzufolge sei es gerechtfertigt, die Diagnose eines ADS (ICD-10: F98.8; DSM-5: F90.0 vorwiegend unaufmerksames Erscheinungsbild) zu stellen. Differenzialdiagnostisch könnten die Aufmerksamkeitsdefizite auch im Rahmen der depressiven Symptomatik oder der unterdurchschnittlichen Intelligenz zu interpretieren sein.
4.3
Die Beschwerdegegnerin
beruft
sich in ihrem Entscheid auf die Stellungnahme ihres RAD-Arztes Dr.
D._
vom 20. März 2020
(Urk. 5/95/3 f.).
Dieser erachtete die im neuropsychologischen Bericht festgehaltenen Auffälligkeiten in Kommunikation und Kontaktstörungen als solche, welche bereits im Rahmen der Begutachtung als qualitative Beeinträchtigungen festgestellt worden waren und unter der Persönlichkeitsakzentuierung bzw. -
störung
subsumiert
worden seien
. Stereotype Verhaltes- und Interessemuster liessen sich nicht eruieren. Die Auffäl
lig
keit in der verbalen und nonverbalen Kommunikation könnten durchaus bei
Menschen mit einer Lernbehinderung und einer Persönlichk
eitsakzentuierung bzw.
-störung
auftreten. Die Auffälligkeiten der Aufmerksamkeit seien schon
im
Rah
men der ne
u
ropsychologischen Untersuchung 2014 festgestellt worden und seien damals im Rahmen der Lernbehinderung interpretiert worden. In der Ge
samt
schau würden neue Diagnosen gestellt, welche jedoch eine andere Interpre
tation des gleichen Sachverhalts darstellen wür
den. Die beschriebenen Auffällig
k
e
i
ten könnten durch die schon im Gutachten 2017 gestellten Diagnosen aus
reichend erklärt werden.
5.
5.1
Aus den medizinischen Akten ergibt sich, dass seit der Verfügung vom 26. Juni 2017 (Urk. 5/85) in somatischer Hinsicht keine wesentliche Änderung
ausge
wie
sen
ist, was
unbestritten blieb.
Festzuhalten bleibt, dass der Beschwerdeführer seit
seinem Unfall im August 2002 in seinem gelernten Beruf als Strassenbauer arbeits
unfähig ist und
seit Juli 2011
auch in anderen mittelschweren od
er
schweren körperlichen Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr besteht.
Für i
n mehrfacher Hinsicht
(auch intellektuell)
angepasste,
körperlich
l
eichte
Tätigkeiten ist der Be
schwerdeführer überdies
seit jedenfalls Oktober 2016
zu 20 %
a
r
beitsunfähig
(E.
3.1.1).
Strittig und zu prüfen ist, ob seit dem 26. Juni 2017 in psychisch/
psy
chiatri
scher oder
in neurologischer Hinsicht eine wesentliche Leistungsminde
rung eingetreten ist, die zu einer rentenbegründenden Erwerbsunfähigkeit führte.
5.2
Die neuropsychologischen Abklärungen im Mai 2019 mögen auf umfassenden Untersuchungen basieren, hieraus ergibt sich jedoch noch keine
schlüssig be
gründete
,
nachvollziehbare
Diagnostik.
In de
n Ausführungen
über die
krite
rien
geleitete
Diagnostik
fällt unter anderem auf, dass hinsichtlich des ADS nicht sämtliche erforderlichen Kriterien als erfüllt
bezeichnet
wurden (Urk. 5/86/2)
und auch in der Selbstbeurteilung fehlten Hinweise auf wesentliche Beeinträch
tigun
gen hinsichtlich der
Hau
ptkriteriengruppe
eines AD(H)S,
konkret hinsichtlich
Üb
eraktivität und Impulsivität, bei unauffälligen Ergebnisse der Wender-
Utha
-Ratin
g
-
Scale
(Urk. 5/86/5). A
uch hinsichtlich des
Asperger
-Syndroms
r
äumt
en die Psychologinne
n
ein,
dass sich in der frühkindlichen Entwicklung sowie den ersten Schuljahren keine Hin
weise für ein solches ergeben hä
tten
, was als Ausschlusskriterium gelte
(Urk. 5/86/6
f.
).
Beispielsweise nicht nachvollziehbar bleibt,
weshalb
sich
aus dem vom Beschwerdeführer geschilderten Spielverhalten (aufgrund der Arbeit zuhause hätte er keine Zeit zum Spielen gehabt) und
man
gelndem
Leseinteresse (Geschichten zu erfinden finde er schwer; er habe auch kein Interesse am Lesen von Büchern und lese höchstens die Zeitung oder Töff-Zeitschriften)
angesichts der
Lebensgeschichte
und
den bekannten
kognitiven Einschränkungen
eine Beeinträchtigung des Vorstellungsvermögens
ergeben soll
oder aus dem Modellbau-Hobby und der Tendenz, in Diskussionen zu sehr den eigenen Standpunkt zu vertreten, stereotype Verhaltens- und Interessemuster
. Trotzdem wurde
n diese Kriterien
als erfüllt vermerkt
(Urk. 5/86/3)
.
Hinweise auf das Vorliegen autistischer Züge, die auch
subsyndromaler
Natur sein
könnt
en, vermögen
keinen schlüssigen Nachweis
zu erbringen
(Urk. 5
/86/5).
Die Familien
anamnese scheint
ausserdem
bland
(Urk. 5/86/2), womit sich die Psychologinnen
nicht auseinandersetzten.
Die
neuropsychologischen
Minderleistungen waren ver
einbar mit den anlässlich der Untersuchung vom
September 2014
objektivier
baren Defizite
n
in den Bereichen Aufmerksamkeit, Exekutivfunktionen und Ge
dächtnis (Urk.
5
/86/6)
und die Störungen schulischer Fertigkeiten mit Lese- und Rechtschreibschwäche sowie Rechenschwäche scheinen - ungeachtet ihrer Ätio
logie - nicht neu.
Dem Gericht erschliesst sich daher nicht,
aus welchen
Gründen schliesslich
eine gesicherte
neue
Diagnostik
gestellt
und beispielsweise nicht
bloss
Verdachtsdiagnosen gestellt wurden. Daran ändert nich
ts, dass Dr.
A._
diese neu gestellten
Diagnosen als gut vereinbar mit den lebensgeschichtlichen Problemen und neuropsychologis
chen Einschränkungen erachtete.
Weitere medizinische Abklärungen zur Plausibilisierung der neu gestellten Dia
gnosen können indes unterbleiben. Wie der Beschwerdeführer zu Recht einwe
n
det
e,
ist einzig massgebend, ob sich hinsichtlich der Auswirkungen auf die Leis
tungsfähigkeit neue oder schwerere Beeinträchtigungen
eingestellt
haben, die
eine relevante
Verminderung der Erwerbsfähigkeit
zur Folge haben
.
5.3
Diesbezüglich ergibt sich aus dem neuro
psycho
logischen Bericht vom 2. Juli 2019 keine Verschlechterung. Die testpsychologische Prüfung der kognitiven Funktio
nen ergaben vergleichbare Defizite in den Bereichen Aufmerksamkeit, Exekutiv
funktionen und Gedächtnis, wie sie bereits anlässlich der früheren neuropsycho
logischen Untersuchung im September 2014
befundet
worden war
en
.
Bei der
nunmehr
gezielte
n
Überprüfung der Lese-, Rechtschreib
e
- und Rechenleistungen
liessen sich jeweils leichte Defizite objektivieren, die im Rahmen einer sonstigen Störung schulischer Fertigkeiten interpretiert wurden und zum übrigen Leis
tungs
profil passten. D
as Vorliegen einer Legastheni
e
bzw. Dyskalkulie
wurde
ver
worfen
(Urk. 5/86/6)
.
Bereits
anlässlich der ersten Abklärung im September 2014
fand sich
generell eine unterdurchschnittliche Intelligenz im Sinne einer leichten Lernbehinderung (Urk. 5/61/5), weshalb sich aus der neu festgehaltenen Lese-, Rechtschreibe- und Rechenschwäche keine massgebliche Veränderung ableiten lässt
. Anlässlich der Begutachtung durch
Prof.
Dr.
Y._
waren ausserdem die schulischen Schwierigkeiten, insbesondere im Rechnen, bekannt (Urk. 5/81/49)
.
Auch die während der Testuntersuchungen festgehaltenen Verhaltens
beo
bach
tun
gen implizieren keine
allenfalls näher abzuklärende Veränderung der arbeits
relevanten Funktionen: So wird im Mai 2019 von einem gepflegten, äusseren Erscheinungsbild und freundlichem Kontaktverhalten berichtet; vereinzelt sei aufgefallen, dass der Beschwerdeführer den Blickkontakt vermeide. Er arbeite
te
kooperativ, wenn auch wenig begeistert mit. Affektiv wirk
t
e er leicht nieder
ge
schlagen und wenig schwingungsfähig. Das Arbeitstempo sei langsam gewesen und die Konzentrationsfähigkeit habe über den Verlauf der Untersuchung leicht
nachgelassen. Eine erhöhte motorische Unruhe oder Impulsivität habe nicht beob
achtet werden können. Die Instruktionen hätten seinen Fähigkeiten entsprechend umgesetzt werden können (Urk. 5/86/4)
. Dies weicht von den im September 2014 festgehaltenen Beobachtungen, soweit infolge ihrer Knappheit vergleichbar (Urk.
5/61), nicht ab.
Aus dem allenfalls neu aufgetretenen teilweisen Unver
mö
gen, Blickkontakt zu halten, ergibt sich im medizinisch zumutbaren Tätigkeitsfeld keine wesentliche Verminderung der Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit.
D
er p
sychiatrischen Beurteilung
lässt
sich hinsichtlich der affektiven Störung keine Än
derung
entnehmen
. Dr.
A._
diagnostiziert in ihrem Bericht
vom 5.
Februar 2020 (Urk. 5/93) weiterhin eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
leichgradige
(Episode
;
ICD-10: F33.0), was keine Verschlechterung darstellt. Soweit Dr.
A._
neu diese Störung am
e
hesten im Rahmen der ASS einordnet, differentialdiagnostisch eine
komorbide
Störung jedoch nicht aus
schliesst
,
(Urk. 5/93/8, Urk. 5/93/14) betriff
t
dies die diagnostische Einordnung derselben Symptomatik, womit hinsichtlich der Ausprägung und den funktio
nel
len Einschränkungen keine massgebliche Verschlechterung postuliert wird.
In
ihren weiteren Ausführungen legt sie dar, weshalb der bisherige Le
benslauf ein
schliesslich der fehlenden
Introspektionsfähigkeit und des
mangelnden Refle
xions
vermögen
s
gut vereinbar
sei
mit den neu gestellten Diagnosen
(Urk. 5/93/8)
. Dies impliziert jedoch offensichtlich schon in frühen Jahren, zumindest seit längerer Zeit bestehende oder gar angeborene neurologische Auffälligkeiten.
Unter dem Titel «veränderte Befunde» wiederholt sie denn auch, wie gut die aktuellen Dia
gnosen die schulische und berufliche Entwicklung bzw. die dabei aufgetretenen Probleme
erklären würden (Urk. 5/93/12). Hierbei lässt sie jedoch
eine Erklärung für
einen letztlich gelungenen Ausbildungsabschluss,
die langjährigen Arbeits
verhältnis
se mit guten Arbeitszeugnissen (Urk. 5/29/1-4) und das
offensichtlich unauffällige
Funktionieren bis zur Erwerbsaufgabe infolge körpe
rlicher
Ein
schrän
kungen und
den anschliessenden
finanziellen und ehelichen
Schwierig
keiten
vermissen (Urk. 5/21)
. Auch die schwierige Kindheit mit der
Überforderung
als Jugendlicher
wäre mindestens ebenso
dem schicksalhaften Unfall seines Vater
s zuzurechnen.
Soweit sie unter Beachtung der Komorbidität eine vollständige Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt postuliert
(Urk. 5/93/9)
, ist dies die Einschätzung eines unverändert gebliebenen Sachverhalts. Dr.
A._
hält in diesem Zusammenhang fest, dass der Beschwerdeführer kein funktionierendes soziales Netz habe, keine Tagesstruktur, und daher immer wieder in einen ver
schobenen Tag-Nacht-Rhythmus rutsche (Urk. 5/93/8
f.
).
Davon, dass diese Um
stände krankheitsbedingt irreversibel wären bei entsprechend vorgegebener Tages
struktur, ist angesichts der von ihr als wichtige Ressource dargestellte Arbeits
tätigkeit (Urk. 5/93/9) jedoch nicht auszugehen.
Ferner ist darauf hinzuweisen, dass bereits im Bericht vom 23. Mai 2016 auf die Notwendigkeit einer externen
Tagesstrukturierung im Rahmen einer geschützten Arbeitsstelle und möglicher
weise
einer Unterstützung in der Haushaltführung hingewiesen wurde (Urk.
5/75/7).
Bereits anlässlich der gutachterlichen Exploration berichtete der Beschwerde
füh
rer über seit jeher wenig freundschaftliche Beziehungen (Urk.
5/81/49 f.) und der
damals geschilderte Tagesablauf
mit Barbesuchen bis früh morgens lässt auf einen
un
stet
en bzw. wenig strukturierten Tag-Nacht-Rhythmus schliessen (Urk.
5/81/
53
f.).
Die beschwerdeweise vorgebrachte Verwahrlosung bzw. Zunah
me
von
krankheitsbedingten Einschränkungen arbeitsrelevanter Funktionen
seit Juni 2017
ist damit nicht erstellt.
5.4
Insgesamt lässt sich den vorliegenden Akten keine relevante Veränderung im gesundheitlichen Sachverhalt seit der Verfügung vom 26. Juni 2017 entnehmen.
Weitere Abklärungen hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen der medizi
nisch
ausgewiesenen Einschränkungen somatischer und neurologischer oder psychia
trischer Natur erübrigen sich daher, weil eine andere Beurteilung desselben Sachverhalts invalidenversicherungsrechtlich unmassgeblich
wäre
. Ebenso hat ein neuer Erwerbsvergleich in Gesamtschau sämtlicher Einschränkungen
ein
schliesslich des mittlerweile fortgeschrittenen Alters
zu unterbleiben.
Nach diesen Erwägungen besteht die angefochtene Verfügung vom 13. Juli 2020 zu Recht. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
D
as Verfahren ist gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) in Verbindung mit Art.
61
lit
. a ATSG, in der vorliegend anwendbaren, bis Ende 2020 gültig gewesenen Fassung, im Rahmen zwischen Fr.
200.-- bis Fr. 1'000.-- kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind vorliegend auf Fr. 600.-- festzulegen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.