Decision ID: 74f9a21e-cf78-4bc8-86ef-39d9e43c6878
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Studer, Hauptstrasse 11a,
8280 Kreuzlingen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich im März 2007 zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an
(IV-act. 1). Dr. med. B._, Innere Medizin FMH, diagnostizierte bei der Versicherten im
Bericht vom 27. April 2007 eine chronische Depression mit Somatisierungstendenz und
Angststörungen, einen Verdacht auf Fibromyalgie-Syndrom und rezidivierende
Kopfschmerzen unklarer Ätiologie. In der bisherigen Tätigkeit bestehe seit 27.
September 2005 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 15). Dr. med. C._,
Psychiatrie/Psychotherapie, bestätigte am 12. September 2007 eine mittel- bis
schwergradige depressive Störung mit somatischen Symptomen auf dem Boden einer
ängstlichen Persönlichkeit, eine Panikstörung und eine Fibromyalgie. Die Versicherte
sei seit 28. Januar 2006 bis auf weiteres zu 70 % arbeitsunfähig (IV-act. 21). Nach
Durchführung von weiteren Abklärungen stellte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen der
Versicherten mit Vorbescheid vom 23. Oktober 2009 mit Wirkung ab 1. September
2006 die Ausrichtung einer Viertelsrente in Aussicht. Sie sei seit 26. September 2005 in
der Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Die Gegenüberstellung eines
Valideneinkommens von Fr. 50'050.-- und eines Invalideneinkommens von Fr.
26'026.-- ergeben einen Invaliditätsgrad von 48 % (IV-act. 47). Nachdem die
Versicherte durch ihren Rechtsvertreter einen Einwand vom 23. November 2009 hatte
einreichen lassen (IV-act. 51), verfügte die IV-Stelle am 5. Januar 2010 im Sinn des
Vorbescheids (IV-act. 57).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt lic. iur. D. Studer, Kreuzlingen, für die
Versicherte am 5. Februar 2010 Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung sei
aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei mit Wirkung ab 1. September 2006 eine
halbe Rente zuzusprechen. Zur Begründung führte der Rechtsvertreter unter anderem
aus, die Beschwerdegegnerin habe keinen Abzug am Invalideneinkommen gelten
lassen, obwohl die Beschwerdeführerin bei der zugemuteten leichten Hilfstätigkeit zu
50 % weitere (rheumatologische) Einschränkungen in Kauf nehmen müsse. Auch wenn
aus psychiatrischer Sicht keine direkte Arbeitsunfähigkeit anerkannt worden sei, so
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müsse ein potentieller Arbeitgeber der deutlichen Vermeidung von phobischen
Situationen durch die Beschwerdeführerin Rechnung tragen können. Sodann sei die
gutachterlich festgehaltene Progredienz der (rheumatologischen) Beschwerden mit
einzubeziehen. Ein leidensbedingter Abzug beim Invalideneinkommen von mindestens
15 % sei nicht überrissen. Die Begründungspflicht gelte auch im Fall der Verwerfung
eines leidensbedingten Abzugs. Im angefochtenen Entscheid sei aber keine
entsprechende Begründung ersichtlich. Er setze sich mit den Einwänden vom 23.
November 2009 in Bezug auf den dort geforderten Abzug von 15 % nicht auseinander.
Der angefochtene Entscheid sei somit auch unter dem Gesichtspunkt der Verletzung
des rechtlichen Gehörs aufzuheben.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 15. März 2010 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie unter
anderem aus, die angefochtene Verfügung erfülle die Mindestbedingungen an die
Begründungspflicht. Eine allfällige Gehörsverletzung wäre zudem praxisgemäss geheilt,
da sie in der Beschwerdeantwort zu den Einwänden der Beschwerdeführerin Stellung
genommen habe. Weil das Invalideneinkommen (Tabellenlohn 2005) von Fr. 49'120.--
höher sei als das Valideneinkommen 2005 von Fr. 44'590.-- (monatliches Einkommen
2005 von Fr. 3'430.-- x 13), sei der entsprechende Wert bis zu einer positiven Differenz
von 5 % zu kürzen, weil nicht davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin sich
freiwillig mit diesem bescheidenen Einkommen habe begnügen wollen. Sämtliche von
der Beschwerdeführerin angeführten invaliditätsfremden Faktoren seien mit der
erwähnten Parallelisierung bereits berücksichtigt worden, weshalb sich diesbezüglich
zum vornherein kein weiterer Abzug beim Invalideneinkommen rechtfertige. Weil die
Beschwerdeführerin auch noch körperlich mittelschwere Hilfstätigkeiten ausführen
könne, sei kein Leidensabzug vorzunehmen. Ein Abzug sei auch deshalb nicht
gerechtfertigt, weil die gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin mit
einer Arbeitsfähigkeitsschätzung von lediglich 50 % in einer adaptierten Tätigkeit
bereits grosszügig berücksichtigt worden seien. Mit einem Leidensabzug würde der
Gesundheitsschaden mehrfach berücksichtigt.
B.c Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (act. G 7).

Erwägungen:
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1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der
Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids bzw. im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 127 V 467
Erw. 1, 126 V 136 Erw. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
5. Januar 2010 ergangen, wobei im Wesentlichen ein Sachverhalt zu beurteilen war,
der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am
1. Januar 2008 begonnen hat. Daher ist für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des EVG
[Eidgenössisches Versicherungsgericht; seit 1. Januar 2007: sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 7. Juni 2006 [I 428/04] Erw. 1). Diese
übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen keine materiell-rechtlichen Folgen, da die
5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine
substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage
brachte. Nachfolgend werden die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des
ATSG und IVG wiedergegeben.
1.2 Mit den angefochtenen Verfügungen sprach die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin eine Viertelsrente zu. Zum Streitgegenstand gehört unter diesen
Umständen notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung den Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" beachtet und die Beschwerdeführerin zu allfälligen
geeigneten und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen angehalten habe. Denn wie
sich aus Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ergibt, ist der Einkommensvergleich zur
Bemessung des Invaliditätsgrads erst nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen vorzunehmen und hat die
versicherte Person, wenn ohne berufliche Massnahmen ein Rentenanspruch in
Aussicht steht, die Pflicht, sich geeigneten und zumutbaren
Eingliederungsmassnahmen zu unterziehen. Die Verwaltung ihrerseits hat die Pflicht,
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vor dem Entscheid über die Rentenfrage von Amtes wegen alle
Eingliederungsmöglichkeiten zu prüfen und hierüber zu entscheiden (vgl. das Urteil IV
2006/111 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Juni 2007, Erw. 2).
Die Gutachter der Klinik Valens erachteten im Gutachten vom 20. April 2009 berufliche
Massnahmen bezogen auf die von ihnen als zumutbar bezeichnete Verweistätigkeit im
Umfang von 50 % als sinnvoll (IV-act. 32-56/70). Der Eingliederungsberater der IV war
im Bericht vom 26. April 2007 zum Schluss gekommen, die Beschwerdeführerin habe
mehrmals den Willen geäussert, wieder arbeiten zu wollen. Sie habe sich jedoch seit
der Arbeitsaufgabe nicht dafür bemüht - auch nicht für eine Teilzeitstelle (IV-act.
13-11/11). Den Schluss, dass berufliche Massnahmen aktuell nicht angezeigt seien,
begründete die Beschwerdegegnerin am 27. April 2007 im Wesentlichen mit Hinweis
auf die subjektive (vollständige) Arbeitsunfähigkeit. Am 24. Juli 2009 teilte die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit, ihre Eingliederungsfähigkeit sei
geprüft worden. Es werde nun über den Rentenanspruch befunden (IV-act. 36). Am 25.
August 2009 gab die Beschwerdeführerin unter anderem bekannt, sie habe sich
krankheitsbedingt nicht um Stellen beworben (IV-act. 38-2/10). Unter den geschilderten
Umständen lässt es sich nicht beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin von der
Durchführung von beruflichen Massnahmen (Arbeitsvermittlung, Hilfe bei der
Stellensuche) absah.
1.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente. Für die Bemessung der Invalidität
von erwerbstätigen Versicherten ist gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG Art. 16 ATSG
anwendbar. Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Der Einkommensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
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gegenübergestellt werden; sie können aber auch nach Massgabe der im Einzelfall
bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 119). Es kann ferner auch eine
Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen (Prozentvergleich; vgl. BGE 114 V
312 Erw. 3a).
2.
2.1 Eine rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung der Beschwerdeführerin in
der Klinik Valens ergab gemäss Bericht vom 20. April 2009 als Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein fortgeschrittenes zervikovertebrales und -
brachiales Schmerzsyndrom rechtsbetont, fortgeschrittene Fingerpolyarthrosen, ein
Impingement-Syndrom und eine Agoraphobie. Die Gutachter kamen unter anderem
zum Schluss, aus psychiatrischer Sicht lasse sich die aktenanamnestisch
dokumentierte Arbeitsunfähigkeit retrospektiv nicht zuverlässig beurteilen. Aus
rheumatologischer Sicht und somit auch interdisziplinär bestehe seit Beginn des
Jahres 2006 eine mindestens 70 %ige Arbeitsunfähigkeit für die frühere Tätigkeit.
Letztere sei aus rheumatologischer Sicht (aktuell) nicht mehr zumutbar. Aus
psychiatrischer Sicht seien der Beschwerdeführerin sämtliche Tätigkeiten, die als
rheumatologisch-orthopädisch adaptiert zu qualifizieren seien, zumutbar. In einer
körperlich leichten bis mittelschweren wechselbelastenden Arbeit mit Einschränkungen
in Tätigkeiten über Schulterhöhe, beim Treppen- oder Leiternsteigen, bei wiederholten
Kniebeugen und Stehen an Ort sei die Beschwerdeführerin zu 50 % (an vier bis
viereinhalb Stunden pro Tag) arbeitsfähig (IV-act. 32 S. 10 und 25-32). Der RAD-Arzt
Dr. D._ hielt in der Stellungnahme vom 24. Juli 2009 unter anderem fest, in der
angestammten Tätigkeit bestehe seit 26. September 2005 eine volle Arbeitsunfähigkeit.
In einer adaptierten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin seit Gutachtenerstellung (März
2009) zu 50 % arbeitsfähig (IV-act. 33).
2.2 Gestützt auf die vorstehend geschilderte medizinische Aktenlage ist
unbestrittenermassen von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in
einer adaptierten Arbeit auszugehen. Streitig und zu prüfen sind jedoch die der
Bemessung des IV-Grads zugrunde liegenden Vergleichseinkommen. Bei der
Ermittlung des ohne Gesundheitsschadens mutmasslich erzielten Verdienstes
(Valideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung entscheidend, was die versicherte
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Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit im Gesundheitsfall tatsächlich verdienen würde.
Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre. Hat eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen
wie geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde
Deutschkenntnisse oder beschränkte Anstellungsmöglichkeiten zufolge
Saisonnierstatus ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen bezogen, ist diesem
Umstand bei der Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern
keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem
bescheideneren Einkommen begnügen wollte. Praxisgemäss wird diese so genannte
Parallelisierung der Vergleichseinkommen entweder auf Seiten des Valideneinkommens
durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Lohns oder durch
Abstellen auf statistische Werte oder aber auf Seiten des trotz Invalidität realisierbaren
Verdienstes durch eine entsprechende Herabsetzung des statistischen Werts
vorgenommen. (BGE 135 V 297 Erw. 5.1). Den Erheblichkeitsgrenzwert der
Abweichung des ohne Gesundheitsschaden effektiv erzielten Verdienstes vom
branchenüblichen LSE-Tabellenlohn, ab welchem sich eine Parallelisierung der
Vergleichseinkommen rechtfertigen kann, setzte das Bundesgericht auf 5 % fest (BGE
135 V 297 Erw. 6.1.2). Zur Vermeidung eines willkürlich erscheinenden, sprunghaften
Anstiegs des Invaliditätsgrads gleich um mehrere Prozentpunkte bei im Grenzbereich
des 5%igen Erheblichkeitswerts liegenden Abweichungen befand es - in Änderung der
Rechtsprechung -, dass jeweils nur in dem Umfang zu parallelisieren sei, in welchem
die prozentuale Abweichung den Erheblichkeitswert von 5 % übersteige. Weil die
Parallelisierung nur den Ausgleich einer deutlichen - also nicht jeder kleinsten -
Abweichung des tatsächlich erzielten Verdienstes vom tabellarisch bestimmten
branchenüblichen Referenzlohn bezwecke, sei an der bisherigen Praxis, welche bei
gegebenen Voraussetzungen - insbesondere einer ausreichend deutlichen Abweichung
des Valideneinkommens vom branchenüblichen LSE-Tabellenlohn - die Parallelisierung
jeweils im vollen Ausmass der ganzen prozentualen Unterdurchschnittlichkeit vornahm,
nicht länger festzuhalten (BGE 135 V 297 Erw. 6.1.3).
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2.3 Für die Festlegung des Valideneinkommens 2009 von Fr. 50'050.-- ging die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung von den Angaben der
ehemaligen Arbeitgeberin für 2009 (Fr. 3'850.-- pro Monat x 13; IV-act. 40) aus (IV-act.
52). Der Umstand, dass sie nicht die Einkommensverhältnisse für das Jahr des
Rentenbeginns (2006) zugrunde legte (vgl. BGE 129 V 222), ist insofern nicht zu
beanstanden, als sie auch für das Invalideneinkommen die Verhältnisse des Jahres
2009 berücksichtigte. Das erwähnte Valideneinkommen 2009 von Fr. 50'050.--
erscheint auch insofern als ausgewiesen und realistisch, als die Beschwerdeführerin
bereits in den Jahren 2002 und 2003 Einkommen von gut Fr. 45'000.-- erzielte (IV-act.
5; Nominallohn-Index Frauen 2002: 2296, Index Frauen 2009: 2552). Die Frage einer
allfälligen Unterdurchschnittlichkeit des Valideneinkommens bzw. deren Umfang ist
anhand der gesamtschweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für
Statistik zu ermitteln. Die Beschwerdeführerin verfügt über keine Berufsausbildung und
war seit 1997 für rund 10 Jahre in einem Fabrikationsbetrieb tätig (vgl. IV-act. 9). Aus
der LSE 2008 TA 1 ist als Durchschnittslohn aller Branchen im Niveau 4 für Frauen ein
Monatssalär von Fr. 4'116.-- ersichtlich. Das hieraus errechnete Jahressalär von
Fr. 49'392.-- basiert auf 40 Wochenstunden und ist auf die betriebsübliche
durchschnittliche branchenspezifische Arbeitszeit 2008, d.h. auf 41.6 Stunden,
aufzurechnen, woraus sich ein Betrag von Fr. 51'368.-- ergibt. Für 2009 resultiert unter
Berücksichtigung der Nominallohnerhöhung von 2.1 % ein Betrag von Fr. 52'447.--.
Das bei der früheren Arbeitgeberin im Gesundheitsfall effektiv erzielte Einkommen liegt
4.6 % unter diesem Tabellenwert. Eine Unterdurchschnittlichkeits-Korrektur ist bei
diesem Sachverhalt aufgrund der dargelegten höchstrichterlichen Rechtsprechung
nicht vorzunehmen.
3.
3.1 Das zumutbare Invalideneinkommen ist ebenfalls anhand der
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik zu ermitteln. Dabei ist auf
Tabelle 1 (Privater Sektor) Niveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) abzustellen.
Zugrunde zu legen sind - wie beim Valideneinkommen - die Zahlen des Jahres 2009.
Die Beschwerdeführerin ist zwar auf leichtere Hilfsarbeiten beschränkt, aber sie wäre in
der Lage, ihre Restarbeitsfähigkeit in vielen Branchen zu verwerten, sowohl im Sektor
Produktion als auch im Sektor Dienstleistungen. Auszugehen ist deshalb vom
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Durchschnittslohn von Fr. 52'447.--, wie er vorangehend berechnet wurde. Unter
Zugrundelegung eines Arbeitsfähigkeitsgrades von 50 % errechnet sich ein
Invalideneinkommen von Fr. 26'224.--.
3.2 Im Urteil 8C_652/2008 vom 8. Mai 2009 hielt das Bundesgericht fest, dass
bestimmte einkommensbeeinflussende Merkmale im Sinn von BGE 126 V 75 Erw. 5b/
aa S. 79 nicht mehr als ursächliche Faktoren für einen Leidensabzug berücksichtigt
werden dürfen, wenn denselben invaliditätsfremden Aspekten bereits bei der
Parallelisierung der Vergleichseinkommen Rechnung getragen worden ist. Der Abzug
werde sich daher in der Regel auf rein leidensbedingte Aspekte beschränken (BGE 135
V 297 Erw. 5.3 mit Hinweisen). Diese Beschränkung kommt vorliegend insofern nicht
zum Tragen, als es wie dargelegt an einem Parallelisierungs-Tatbestand fehlt. Nach der
Rechtsprechung ist ein Abzug vom Invalideneinkommen gerechtfertigt, wenn im
Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass eine versicherte Person, die
gesundheitsbedingt lediglich noch leichtere Hilfsarbeiten ausführen kann, ihre
Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage ist. Zudem können weitere persönliche
und berufliche Merkmale (Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad) Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben (vgl. BGE 126 V 75 Erw. 5a mit Hinweisen). Bei der Überprüfung des Abzugs,
der eine Schätzung darstellt und von der Verwaltung kurz zu begründen ist, darf das
Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen (BGE 126 V 75 Erw. 6). Die Beschwerdeführerin
verfügt über eine Niederlassungsbewilligung C (IV-act. 7-2/11). Sie ist bei leichten bis
mittelschweren Tätigkeiten für Arbeiten über Schulterhöhe, beim Treppen- oder
Leiternsteigen, bei wiederholten Kniebeugen und beim Stehen an Ort eingeschränkt.
Solche Tätigkeiten sind nur manchmal, d.h. maximal drei Stunden eines Arbeitstages,
zumutbar. Langdauernde repetitive Arbeitsabläufe sollten nicht vorkommen (IV-act.
32-59/70). Die gesundheitliche Prognose ist geprägt durch das weitere Fortschreiten
der ausgeprägten degenerativen Veränderungen (IV-act. 32-56/70). Als
(invaliditätsfremde) Gegebenheit ist sodann das Alter der Beschwerdeführerin (58 Jahre
im Verfügungszeitpunkt) zu berücksichtigen. Auf dem Arbeitsmarkt für Hilfsarbeiter
dürften deswegen einige Schwierigkeiten bestanden haben, eine Arbeitsstelle zu
finden. Im Fall einer Anstellung wäre dabei auch mit einer Lohneinbusse zu rechnen
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gewesen. Es erscheint gerechtfertigt, diesen Umständen insgesamt mit einem Abzug
von 10% Rechnung zu tragen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (act.
G 4 S. 5) können die geschilderten Gesichtspunkte nicht dadurch als berücksichtigt
gelten, dass die gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin mit einer
Arbeitsfähigkeitsschätzung von 50 % bereits grosszügig berücksichtigt worden seien;
für eine "grosszügige" Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten der Klinik Valens
bestehen denn auch keine konkreten Anhaltspunkte. Demgegenüber rechtfertigt die
Limitierung auf ein Teilzeitpensum bei Frauen nach der Rechtsprechung keinen Abzug
(Urteil des EVG vom 18. Juli 2005 i/S A.P.-G. [I 104/05] Erw. 3 mit Hinweisen). Dem
Valideneinkommen von Fr. 50'050.-- steht demgemäss ein Invalideneinkommen von
Fr. 23'602.-- gegenüber, woraus sich ein Erwerbsunfähigkeitsgrad von 53% errechnet.
Die Beschwerdeführerin hat daher ab 1. September 2006 Anspruch auf eine halbe
Rente. Kein anderes Resultat ergäbe sich im Übrigen bei Zugrundelegung eines
Leidensabzuges von 5 % oder des von der Beschwerdeführerin geltend gemachten
Abzugs von 15%. Eine Prüfung der gerügten Gehörsverletzung (act. G 1 S. 7) kann bei
diesem Ergebnis unterbleiben.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
Verfügung vom 5. Januar 2010 gutzuheissen und der Beschwerdeführerin ab 1.
September 2006 eine halbe Rente zuzusprechen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1 IVG). Unter Berücksichtigung des
Verfahrensaufwandes wird die der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu
auferlegende Gerichtsgebühr auf Fr. 600.-- festgesetzt. Der Beschwerdeführer hat bei
diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g
ATSG). Es rechtfertigt sich, diese auf pauschal Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP