Decision ID: 0d3e76a5-4244-550d-8db9-efcdc2476ea8
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer sein Hei-
matland Somalia am 8. August 2018 und gelangte via Italien in die
Schweiz, wo er am 16. August 2018 ein Asylgesuch stellte.
A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro-
dac) ergab, dass er am (...) in B._ und am (...) in C._ um
Asyl nachgesucht hatte.
A.c Am 8. Oktober 2018 ersuchte das SEM die (...) Behörden um Rück-
übernahme des Beschwerdeführers. Diese hiessen das Ersuchen am 15.
Oktober 2018 gut.
A.d Mit Verfügung vom 19. Oktober 2018 trat das SEM gestützt auf Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers nicht ein, verfügte die Wegweisung nach B._ und beauftragte
den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Diese Verfü-
gung blieb unangefochten.
B.
B.a Mit Verfügung vom 28. November 2018 hob das SEM seinen Entscheid
vom 19. Oktober 2018 wieder auf und beendete das Dublin-Verfahren. Zur
Begründung führte es aus, am 5. November 2018 hätten die italienischen
Behörden das SEM darüber informiert, dass dem Beschwerdeführer in Ita-
lien subsidiärer Schutz gewährt worden sei. Aus diesem Grund sei die Dub-
lin-Verordnung nicht anwendbar und sein Asylgesuch in der Schweiz zu
behandeln. Gleichzeitig führte das SEM aus, es beabsichtige gestützt auf
Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG nicht auf das Asylgesuch einzutreten und den
Beschwerdeführer nach Italien wegzuweisen. Hierzu gab es dem Be-
schwerdeführer die Möglichkeit, sich innert Frist schriftlich zu äussern.
B.b In der schriftlichen Stellungnahme vom 12. Dezember 2018 wurde im
Wesentlichen ausgeführt, in Italien herrschten katastrophale Aufnahmebe-
dingungen, was der Beschwerdeführer auch mit entsprechenden Videoauf-
nahmen, die er während seines Aufenthaltes in Italien gemacht habe, be-
legen könne. Er sei vor sehr langer Zeit in Italien gewesen und könne auch
deshalb nicht dorthin zurückkehren. Es sei zu befürchten, dass dort nie-
mand für ihn zuständig sein würde und er wieder auf der Strasse leben
müsste. In Italien habe er auf der Strasse geschlafen und teilweise nichts
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zu Essen erhalten. Sodann wurde auf das «Salvini-Dekret» verwiesen, wel-
ches in Kraft getreten sei.
C.
Mit Verfügung vom 19. Juni 2019 trat das SEM in Anwendung von Art. 31a
Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein
und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien.
D.
Die dagegen erhobene Beschwerde vom 2. Juli 2019 hiess das Bundes-
verwaltungsgericht mit Urteil D-3367/2019 vom 19. August 2019 gut, hob
die vorinstanzliche Verfügung auf und wies die Sache zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurück. Zur Begründung führte das Bundesverwaltungs-
gericht im Wesentlichen aus, das SEM stütze sich auf die Mitteilung des
italienischen Innenministeriums vom 5. November 2018, aus welcher er-
sichtlich sei, dass dem Beschwerdeführer in Italien in der – nicht näher
bestimmten – Vergangenheit subsidiärer Schutz gewährt worden sei, wes-
halb der Fall nicht mehr in die Kompetenz der Dublin-Behörde falle, zumal
in Italien ein Asylverfahren durchgeführt worden sei. Indessen weise das
Schreiben keinerlei Angaben zur Dauer des gewährten Schutzstatus be-
ziehungsweise über dessen aktuelle Gültigkeit oder allenfalls Erneuerung
auf. Das SEM habe das Schreiben zu Unrecht als explizite Bestätigung,
dass dem Beschwerdeführer subsidiärer Schutz gewährt worden sei und
die italienischen Behörden diesen Schutzstatus weiterhin als gültig erach-
ten würden, verwendet. Damit sei der Sachverhalt bezüglich der Frage, ob
eine Überstellung nach Italien rechtmässig sei, nicht rechtsgenüglich er-
stellt.
E.
E.a Auf entsprechende Nachfrage teilten die italienischen Behörden dem
SEM am 6. Juli 2020 mit, in Anbetracht des Umstands, dass der Beschwer-
deführer in Italien letztmals am (...) behördlich in Erscheinung getreten sei,
seien die Voraussetzungen für einen Zuständigkeitsübergang gemäss Art.
2 Abs. 1 der Europäischen Vereinbarung über den Übergang der Verant-
wortung für Flüchtlinge vom 16. Oktober 1980 (EATRR) erfüllt.
E.b Mit Verweis auf das bereits seit dem 6. Dezember 2018 hängige Rück-
übernahmeverfahren ersuchte das SEM die italienischen Behörden um
Wiedererwägung und hielt fest, die Voraussetzungen für einen Zuständig-
keitsübergang gemäss der vorerwähnten Bestimmung seien nicht erfüllt.
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E.c In der Folge stimmten die italienischen Behörden dem Rückübernah-
meersuchen am 30. November 2020 zu. Im Zustimmungsschreiben ver-
merkten sie, der Beschwerdeführer sei in Italien als Flüchtling anerkannt.
E.d Dem Beschwerdeführer wurde dazu mit Schreiben vom 21. Dezember
2020 das rechtliche Gehör gewährt, welches er innert erstreckter Frist mit
Eingabe vom 15. Februar 2021 wahrnahm.
E.e Abklärungen des SEM mittels einer Verbindungsperson in Italien erga-
ben, dass es sich beim gewährten internationalen Schutzstatus nicht um
den Flüchtlingsstatus, sondern um den subsidiären Schutzstatus handle.
E.f Dem Beschwerdeführer wurde am 12. März 2021 auch hierzu das
rechtliche Gehör gewährt. Er äusserte sich mit Eingabe vom 29. März
2021.
F.
Mit Verfügung vom 31. März 2021 trat das SEM gestützt auf Art. 31a Abs. 1
Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers erneut nicht ein
und verfügte dessen Wegweisung aus der Schweiz nach Italien.
G.
Mit Eingabe vom 13. April 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, auf das Asylgesuch
einzutreten und dem Beschwerdeführer ein nationales Asylverfahren zu er-
öffnen. Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, sich für das vorlie-
gende Asylverfahren für zuständig zu erklären. Subeventualiter sei die Sa-
che wegen ungenügender Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie den Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses. Sodann sei im Sinne vorsorglicher Mass-
nahmen die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden
anzuweisen, von einer Überstellung nach Italien abzusehen, bis das Bun-
desverwaltungsgericht über die vorliegende Beschwerde entschieden
habe.
H.
Mit Schreiben vom 14. April 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
dem Beschwerdeführer den Eingang der Beschwerde.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Das genaue Eröff-
nungsdatum der angefochtenen Verfügung vom 31. März 2021 erschliesst
sich aus dem bei den Akten liegenden offensichtlich nicht unterzeichneten
und von der Post nicht abgestempelten Rückschein nicht. Angesichts des
Versanddatums (1. April 2021), des Eingangsdatums des Rückscheins bei
der Vorinstanz (7. April 2021) sowie der Osterfeiertage ist davon auszuge-
hen, dass die Eröffnung der vorinstanzlichen Verfügung am 6. April 2021
erfolgte. Auf die somit frist- und formgerecht (aArt. 108 Abs. 2 AsylG;
Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte
Beschwerde ist unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung einzutreten.
1.4 Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung
zu (vgl. Art. 55 Abs. 1 VwVG) und das SEM hat diese nicht entzogen. Auf
den Antrag, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, ist
deshalb mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten.
1.5 Ebenfalls nicht einzutreten ist auf den Eventualantrag, die Vorinstanz
sei anzuweisen, sich gestützt auf Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom
11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) für zuständig zu erklären. Dieser
Gesetzesartikel ist im vorliegenden nationalen Verfahren nicht anwendbar,
regelt er doch die Zuständigkeitsprüfung nach Dublin. Wie das SEM dem
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Beschwerdeführer bereits mit Schreiben vom 28. November 2018 (vgl.
Akte SEM 1029283-35/3) mitteilte, kommt die Dublin-Verordnung in sei-
nem Fall nicht (mehr) zur Anwendung, vielmehr wurde der angefochtene
Nichteintretensentscheid im nationalen Verfahren gefällt.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das
Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Bei Beschwerden gegen einen Nichteintretensentscheid ist die Beur-
teilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage be-
schränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten
ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
4.2 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
5.
5.1 Das SEM stellte im angefochtenen Entscheid fest, dass der Bundesrat
ltalien als sicheren Drittstaat bezeichnet habe und Abklärungen ergeben
hätten, dass ltalien dem Beschwerdeführer subsidiären Schutz gewährt
habe. Nachdem sich ltalien am 30. November 2020 bereit erklärt habe, den
Beschwerdeführer zurückzunehmen, sei der entscheidrelevante Sachver-
halt im Hinblick auf den vorliegenden Entscheid als rechtsgenüglich erstellt
zu erachten. Zwar enthalte die Rückübernahmezusicherung einen Kanz-
leifehler, indem darin von einer Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft
(permesso di soggiorno per asilo) die Rede sei, dem Beschwerdeführer
gemäss korrekter Mitteilung der italienischen Behörden vom 5. November
2018 und gemäss Klarstellung gegenüber der Verbindungsperson des
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SEM in ltalien aber lediglich subsidiärer Schutz gewährt worden sei. Dieser
Umstand vermöge an der Gültigkeit der Rückübernahmezusicherung indes
nichts zu ändern, da für die Rückübernahmeverpflichtung ltaliens lediglich
der Umstand, dass ein internationaler Schutzstatus gewährt worden sei,
nicht jedoch die Art des internationalen Schutzes – also die Flüchtlingsei-
genschaft oder der subsidiäre Schutz – ausschlaggebend sei. Die italieni-
schen Behörden hätten die Rückübernahmezusicherung nach der Kontakt-
aufnahme durch die Verbindungsperson des SEM in ltalien denn auch nicht
widerrufen.
Die Einwendungen des Beschwerdeführers im Rahmen seiner Stellung-
nahmen vom 15. Februar 2021 und 29. März 2021 qualifizierte das SEM
teilweise als tatsachenwidrig, unbelegt gebliebene Behauptungen bezie-
hungsweise Schutzbehauptung sowie nicht nachvollziehbare Aussagen.
Auch vermöge er aus dem Hinweis auf die nun gut (...) Verfahrensdauer
nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
Zwar bestünden Anzeichen, dass der Beschwerdeführer die Bedingungen
für eine vorläufige Aufnahme nach Art. 83 AIG (SR 142.20) erfülle, da er in
Italien subsidiären Schutz erhalten habe. Gemäss Art. 25 Abs. 2 VwVG sei
einem Begehren um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder von
Wegweisungshindernissen in den Heimat- oder Herkunftsstaat in der
Schweiz nur dann zu entsprechen, wenn ein schutzwürdiges Interesse
nachgewiesen werde. Dieser Nachweis könne aber nicht gelingen, wenn
bereits ein Drittstaat dem Beschwerdeführer einen Schutzstatus erteilt
habe. Da er über einen subsidiären Schutzstatus verfüge, könne er nach
Italien zurückkehren, ohne eine Rückschiebung in Verletzung des Non-Re-
foulement-Prinzips zu befürchten. Auf sein Asylgesuch werde somit nicht
eingetreten.
Sodann führte die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer habe geltend ge-
macht, in der Schweiz seit (...) eine neue Partnerin zu haben, welcher hier
Asyl gewährt worden sei und die er am (...) nach (...) habe. Nach einge-
hender Prüfung sei festzustellen, dass es sich bei der geltend gemachten
Beziehung zu einer in der Schweiz aufenthaltsberechtigten Ausländerin
nicht um eine von Art. 8 EMRK geschützte Familiengemeinschaft handle,
zumal der Beschwerdeführer und seine Partnerin gemäss Zentralem Mig-
rationsinformationssystem (ZEMIS) über keinen (...) verfügten. Er könne
sich auch nicht auf den Grundsatz der Einheit der Familie gemäss Art. 44
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AsylG berufen. Er sei zur Ausreise aus der Schweiz verpflichtet. Den Voll-
zug der Wegweisung erachtete das SEM als zulässig, zumutbar, technisch
möglich sowie praktisch durchführbar.
5.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen gerügt, das SEM habe den
Sachverhalt unvollständig festgestellt. Nach wie vor sei nicht abschlies-
send geklärt, über welchen Schutzstatus der Beschwerdeführer in Italien
verfüge. Angesichts des ohnehin notorisch schwierigen Behördenzugangs
in Italien sei nicht ohne weiteres einsichtig, dass ein subsidiärer Schutzsta-
tus aus dem Jahr (...) dem Beschwerdeführer heute effektiven Schutz
durch die italienischen Behörden gewährleisten würde. Zudem sei davon
auszugehen, dass ein allfälliger Schutzstatus mittlerweile erloschen und
dementsprechend die Rückübernahmerichtlinie nicht anwendbar sei.
Das Bundesverwaltungsgericht habe die Vorinstanz in seinem Kassations-
urteil vom 19. August 2019 angewiesen, den rechtserheblichen Sachver-
halt abzuklären, insbesondere, über welchen Status der Beschwerdeführer
in Italien verfüge bzw. ob ein solcher wiedererlangt werden könnte. Wie
aus der angefochtenen Verfügung hervorgehe, stelle sich die Vorinstanz
nun auf den Standpunkt, dass der Beschwerdeführer in Italien über sub-
sidiären Schutz verfüge. Zu diesem Schluss sei das SEM gelangt, nach-
dem die italienischen Behörden am 6. Juli 2020 zunächst davon ausge-
gangen seien, dass der Beschwerdeführer in Italien zuletzt am (...) in Er-
scheinung getreten sei und demnach die Voraussetzungen für einen Zu-
ständigkeitsübergang gemäss Art. 2 Abs. 1 EATRR erfüllt seien, mithin die
Schweiz zuständig sei. Nach Hinweis des SEM, dass bereits seit dem 6.
Dezember 2018 ein Rückübernahmeverfahren hängig sei und damit die
Voraussetzungen für einen Zuständigkeitsübergang nicht erfüllt seien, hät-
ten die italienischen Behörden dem Rückübernahmeersuchen des SEM
am 30. November 2020 explizit zugestimmt. Der Zustimmung sei zu ent-
nehmen, dass der Beschwerdeführer in Italien als Flüchtling anerkannt
worden sei. Obschon die italienischen Behörden dem Rückübernahmeer-
suchen des SEM am 30. November 2020 zugestimmt hätten, habe das
SEM weitere Abklärungen über ihre Verbindungsperson getätigt. Diese
hätten ergeben, dass es sich beim in Italien gewährten internationalen
Schutzstatus um subsidiären Schutz, jedoch nicht um den Flüchtlingssta-
tus handle. Das SEM schreibe sodann salopp in seiner Verfügung, dass es
sich diesbezüglich um einen «Kanzleifehler» handeln würde. Tatsache sei
jedoch, dass der angebliche subsidiäre Schutz in Italien nunmehr lediglich
durch Angaben der Verbindungsperson seitens des SEM in einem Telefon-
gespräch bestätigt worden sei. Nach wie vor sei somit nicht abschliessend
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geklärt, über welchen Schutzstatus der Beschwerdeführer in Italien ver-
füge. Es sollte möglich sein, einen erteilten Schutzstatus rechtsgenüglich
belegen zu können. Der Umstand, dass ebendies den italienischen Behör-
den vorliegend nicht gelinge, sowie die Begebenheit, dass der Beschwer-
deführer auch in B._ ein Asylverfahren durchlaufen habe und die
(...) Behörden der Übernahme des Beschwerdeführers auch zugestimmt
hätten, bestätige, dass der Status des Beschwerdeführers für die italieni-
schen Behörden ungeklärt sei. Davon ausgehend, dass dem Beschwerde-
führer (...) ein subsidiärer Schutzstatus erteilt wurde, sei zu berücksichti-
gen, dass sich die Rechtslage in Italien 2008 – also nach der Gewährung
des subsidiären Schutzstatus des Beschwerdeführers – entscheidend ver-
ändert habe. Der ihm gewährte Schutzstatus sei in den neuen humanitären
Schutzstatus überführt worden, der von der Salvini-Regierung abgeschafft
worden sei, weshalb davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer
in Italien keinerlei Schutzstatus erhalten würde.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht, die Vorinstanz habe
den Sachverhalt in Bezug auf seinen effektiven Schutzstatus in Italien nicht
rechtsgenüglich abgeklärt. Dieser sei nach wie vor unklar. Das SEM sei
deshalb zu Unrecht vom Vorliegen der Voraussetzungen für einen Nicht-
eintretensentscheid gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG ausgegan-
gen.
6.2 Die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Kritik überzeugt angesichts
der Aktenlage nicht. In seiner Antwort auf das Informationsersuchen teilten
die italienischen Behörden dem SEM am 5. November 2018 mit, dem Be-
schwerdeführer sei subsidiärer Schutz gewährt worden (vgl. SEM-Akte
1029283-33/1). Dass dieses Schreiben als Grundlage für den früheren
Nichteintretensentscheid nicht genügte, wie dies im Urteil des BVGer
D-3367/2019 festgestellt worden war, bedeutet nicht, dass es völlig ausser
Acht gelassen werden muss. Am 6. Dezember 2018 richtete das SEM ein
Rückübernahmeersuchen an die italienischen Behörden (vgl. SEM-Akte
1029283-45/1), welches am 6. Juli 2020 zunächst abschlägig beantwortet
wurde (vgl. SEM-Akte 1029283-61/1). Auf entsprechendes Ersuchen des
SEM vom gleichen Tag (vgl. SEM-Akte 1029283-63/1), stimmten die italie-
nischen Behörden dem Rückübernahmeersuchen am 30. November 2020
zu (vgl. SEM-Akte 1029283-64/1). Da die italienischen Behörden in diesem
Schreiben festhielten, dem Beschwerdeführer sei internationaler Schutz
"con il rilascio di un permesso di soggiorno per asilo" gewährt worden, und
der Beschwerdeführer dies in seiner Stellungnahme vom 15. Februar 2020
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in Frage stellte, tätigte das SEM via seiner Verbindungsperson mit den ita-
lienischen Behörden diesbezüglich weitere Abklärungen. Diese ergaben,
dass dem Beschwerdeführer von den italienischen Behörden tatsächlich
subsidiärer Schutz gewährt worden war und nicht – wie im Schreiben vom
30. November 2020 erwähnt – ein Flüchtlingsstatus. Dieses Ergebnis wur-
de dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht und ihm dazu das recht-
liche Gehör gewährt (vgl. SEM-Akte 1029283-A77/2). Bei Berücksichti-
gung sämtlicher Akten ergibt sich damit, dass das SEM einerseits nunmehr
zutreffend davon ausgegangen ist, der Beschwerdeführer verfüge in Italien
über subsidiären Schutz. Entsprechend ist nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz davon ausging, im Schreiben der italienischen Behörden sei irr-
tümlich aufgeführt worden, der Beschwerdeführer sei anerkannter Flücht-
ling. Die formelle Beantwortung der Rückübernahmeanfrage durch die ita-
lienischen Behörden vom 30. November 2020 ist im Übrigen ebenfalls nicht
zu beanstanden. Im entsprechenden Dokument der italienischen Behörden
sind die vom Beschwerdeführer angegebenen Personalien aufgeführt, so-
dass die Identifizierung zweifelsfrei feststeht. Weder hat die Vorinstanz den
Sachverhalt nicht genügend abgeklärt, noch hat sie die vorliegenden Do-
kumente unzutreffend gewürdigt. Es besteht somit keine Veranlassung für
eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz.
7.
7.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der Re-
gel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a
Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann,
in welchem sie sich vorher aufgehalten hat.
7.2 Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Italien, als Mitglied der Europäischen Union (EU), um ei-
nen verfolgungssicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG
handelt. Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer in Italien
subsidiären Schutzstatus erlangt hat und die italienischen Behörden seiner
Rückübernahme am 30. November 2020 ausdrücklich zustimmten. Dem-
nach sind die Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid nach
Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG erfüllt, weshalb das SEM auf das Asylgesuch
des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten ist.
8.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt
oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine
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Seite 11
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je
m.w.H.). Die Wegweisung wurde somit zu Recht angeordnet.
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die Ver-
mutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen, darunter im We-
sentlichen das Refoulement-Verbot und grundlegende menschenrechtli-
che Garantien, einhalten (vgl. FANNY MATTHEY, in: Cesla Amarelle / Minh
Son Nguyen, Code annoté de droit des migrations, Bern 2015, Art. 6a
AsylG N 12 S. 68). Ferner hält Art. 83 Abs. 5 AIG die Vermutung fest, dass
eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist.
Es obliegt der betroffenen Person, diese zwei Legalvermutungen umzu-
stossen. Dazu muss sie ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorbringen, dass
die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten Fall das Völ-
kerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie
menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden respektive,
dass sie dort aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftli-
cher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde
(vgl. statt vieler das Urteil BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4).
9.3
9.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-2617/2016
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Seite 12
9.3.2 Keine Person darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK).
9.3.3 Der Vollzug der Wegweisung ist vorliegend auch im heutigen Zeit-
punkt in Beachtung dieser massgeblichen völker- und landesrechtlichen
Bestimmungen zulässig, da der Beschwerdeführer in den sicheren Dritt-
staat Italien ausreisen kann, wo er einen subsidiären Schutzstatus erhalten
hat. Es droht im Falle einer Rücküberstellung keine Verletzung des Refou-
lement-Verbots und keine damit verbundene Gefahr einer menschen-
rechtswidrigen Behandlung (vgl. etwa Urteil des BVGer E-1498/2021 vom
15. April 2021 E. 12).
9.3.4 Hinsichtlich der vor der Vorinstanz geltend gemachten familienrecht-
lichen Thematik (Art. 8 EMRK) kann auf die zutreffenden Ausführungen in
der angefochtenen Verfügung verwiesen werden, denen der Beschwerde-
führer auf Beschwerdeebene nichts entgegenhält.
9.3.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung so-
wohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als
zulässig.
9.4 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AIG für Auslän-
derinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Her-
kunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner
Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs mit zutreffender Begründung bejaht. Die Be-
schwerde führt zu keiner anderen Betrachtungsweise. Sodann ist zu be-
stätigen, dass weder die in Italien herrschende Situation noch andere
Gründe – namentlich auch nicht die Verfahrensdauer von gut (...) und die
von ihm geltend gemachte Beziehung zu einer in der Schweiz aufenthalts-
berechtigten Ausländerin – gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung nach
Italien sprechen. Der Beschwerdeführer ist hinsichtlich allfälliger Anliegen
betreffend finanzielle oder anderweitige Unterstützung darauf hinzuweisen,
sich er sich diesbezüglich an die in Italien zuständigen staatlichen Instan-
zen wenden kann. Somit besteht auch in Nachachtung der gefestigten
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Seite 13
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts kein Anlass zur An-
nahme, er würde im Falle einer Rückführung nach Italien in eine existenzi-
elle Notlage geraten.
9.5 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz als möglich zu erachten; die italienischen Behörden haben
einer Rückübernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zugestimmt
(vgl. Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (vgl. Art. 83 Abs. 1–4
AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutre-
ten ist.
11.
Das mit der Beschwerde gestellte Begehren um Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses ist mit dem vorliegenden Entscheid gegen-
standslos geworden.
12.
12.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde als von
vornherein aussichtslos zu erachten, weshalb das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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D-1671/2021
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