Decision ID: 6a8fe83b-744a-5842-b358-0ceffb38825d
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. A.1
Die am XX.XX.1964 geborene, seit 3. Juli 1996 mit einem IV-Rentner (seit 2001)
verheiratete und seit Oktober 2006 zu 60% an der gewerblichen Berufsschule in St. Gallen
(GBS) tätige A_ meldete sich am 26. November 2015 (IV-act. 1) bei der
Invalidenversicherung an, da sie seit Mitte November 2014 wegen einer seit sieben bis acht
Jahren bestehenden Fibromyalgie, einem seit neun Jahren vorliegenden Diabetes Typ II,
seit ca. zwanzig Jahren anhaltenden Depressionen, Schlafstörungen, Panikattacken (seit
Sommer 2015) und Magen/Darm-Problemen arbeitsunfähig sei.
A.2
Gemäss Austrittsbericht der Klinik Gais vom 22. April 2015 (IV-act. 23/2) über einen
stationären Aufenthalt vom 19. Januar bis 28. Februar 2015 liege u.a. eine gegenwärtig
leichte rezidivierende depressive Störung vor. Seit rund zwanzig Jahren bestünden immer
wieder depressive Einbrüche, die schon lange behandelt würden. Im Vordergrund stünden
aber Schmerzen in den Beinen, Magenbeschwerden und körperliche Erschöpfung.
A.3
Seite 3
Im Austrittsbericht des Psychiatrischen Zentrums Appenzell Ausserrhoden (PZAR) vom
5. Januar 2016 (IV-act. 28/8) über einen stationären Aufenthalt vom 11. September bis
10. Dezember 2015 wurden eine gegenwärtig mittelgradige Episode der depressiven
Störung und zusätzlich eine somatoforme Störung sowie eine Panikstörung diagnostiziert.
Die kontinuierliche Steigerung des Arbeitspensums auf die bisherigen 60% erscheine als
möglich (s. auch den Bericht an die IV-Stelle vom 6. Januar 2016 [IV-act. 13]).
A.4
In der Folge versuchte die IV-Stelle im Rahmen einer Frühintervention, den Arbeitsplatz der
Versicherten zu erhalten. Diese wünschte sich jedoch eine abwechslungsreichere Tätigkeit
mit mehr Kontakt zu Menschen als in der bisherigen in der Buchhaltung, z.B. in der Mensa
oder Rezeption der GBS (s. IV-act. 29, 32, 34/2 und 37).
A.5
Gemäss Austrittsbericht des PZAR vom 26. September 2016 (IV-act. 52/3) wurde sie vom
6. Juni bis 1. September 2016 stationär behandelt, wobei die Medikamente in Anbetracht
des verschlechterten Zustands mit ausgeprägter Erschöpfung, Müdigkeit, Antriebslosigkeit,
Weinerlichkeit und innerer Unruhe neu eingestellt wurden. Trotzdem wurde beim Austritt
weiterhin eine mittelgradige depressive Störung diagnostiziert.
A.6
Mit Schreiben vom 13. Januar 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten den Abschluss der
bisher nicht zielführenden beruflichen Massnahmen und die Prüfung einer Rente mit (IV-
act. 47). Mit Schreiben vom 16. Januar 2017 (IV-act. 63/6) kündigte die GBS das
Arbeitsverhältnis und stellte die Lohnfortzahlung auf den 19. April 2017 ein.
A.7
Gemäss Austrittsbericht des PZAR vom 21. April 2017 (IV-act. 65) über einen stationären
Aufenthalt vom 13. Oktober 2016 bis zum 24. Februar 2017 sei eine Elektrokrampftherapie
trotz positiver Ergebnisse von der Versicherten nach acht Sitzungen abgebrochen worden
und diese in leicht gebessertem Zustand nach Hause entlassen worden.
A.8
Mit Aktennotiz vom 10. März 2017 (IV-act. 58) meinte Psychiaterin FMH Dr. B_ vom
regionalärztlichen Dienst der Invalidenversicherung (RAD), dass - ausgehend von einem
Status mit einem Pensum von 60% in einer Erwerbstätigkeit und von 40% im Haushalt -
eine Haushaltabklärung nötig sei. Diese erfolgte gemäss Bericht vom 1. Mai 2017 (IV-
act. 68) am 21. April 2017 in Anwesenheit von Dr. B_. Demnach sei es der Versicherten
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nach dem Austritt aus dem PZAR schlecht gegangen. Sie habe genug von stationären
Behandlungen, wolle zu Hause bleiben und wünsche auch kein vorübergehendes Wohnen
in einem Wohnheim. Seit dem 24.Februar 2016 komme die Spitex jeden neunten Tag für
zwei Stunden, um im Haushalt zu helfen. Sie fühle sich seit vielen Jahren depressiv und
habe noch einen Wunsch nach Kindern verspürt. Wenn man aber so viel arbeite und Stress
verspüre, könne man nicht schwanger werden. Deshalb habe sie ihr Erwerbspensum
reduziert, sei dann aber trotzdem nicht schwanger geworden.
In der mit 5% zu gewichtenden Haushaltführung bestehe keine Einschränkung und
demzufolge auch keine Behinderung, Die entsprechenden Werte betrügen bei der
Ernährung 45%, 5% und 2.25%, bei der Wohnungspflege 20%, 10% und 2%, beim
Einkaufen 10%, 5% und 0.5% sowie bei der Wäsche 20%, 20% und 4%, sodass insgesamt
von einer Behinderung im Haushalt von 8.75% - bzw. gewichtet mit 40% - von 3.6% [recte:
3.5%] auszugehen sei.
A.9
Bereits mit Bericht vom 2. April 2017 (IV-act. 62) hatte Psychiater FMH Dr. C_, bei dem
die Versicherte Anfang Oktober 2016 eine Behandlung begonnen hatte, den Zustand als
stationär bezeichnet.
A.10
Nachdem Dr. B_ mit Stellungnahme vom 8. Mai 2017 (IV-act. 69; s. auch deren
Kurzbericht vom 10. Mai 2017 [IV-act. 70/2]) den Abklärungsbericht Haushalt und den
erwähnten Bericht von Dr. C_ als plausibel bezeichnet hatte, erging seitens der IV-Stelle
am 17. Mai 2017 ein Vorbescheid (IV-act. 73/3), wonach ab August 2016 aufgrund eines
Invaliditätsgrades von (gerundet) 64% - im mit 40% gewichteten Haushalt betrage dieser
3.5% und im restlichen erwerblichen Bereich 60% - Anspruch auf eine Dreiviertel-
Invalidenrente bestehe.
A.11
Nach einem Einwand der Versicherten vom 8. Juni 2017 (IV-act. 77), wonach sie als
Vollerwerbstätige zu betrachten sei, da sie das Erwerbspensum aus gesundheitlichen
Gründen reduziert habe, verfügte die IV-Stelle am 31. Oktober 2017 (IV-act. 87) gemäss
Vor-bescheid.
B. Dagegen liess die Versicherte mit Schreiben vom 24. November 2017 (act. 1) Beschwerde
erheben. Auf die dortigen Vorbringen wird, wie auch beim weiteren Schriftenwechsel, in
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den Erwägungen eingegangen. Am 4. Januar 2018 wurde die Beschwerdeantwort (act. 4)
erstattet und am 31 Januar 2018 die Replik (act. 8).

Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. Als Invalidität gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom
19. Juni 1959 (IVG; SR 831.20) in Verbindung mit Art. 8 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1)
die durch einen körperlichen oder geistigen Gesundheitsschaden als Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit. Gemäss Art. 28 IVG haben versicherte
Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu siebzig Prozent, auf
eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu sechzig Prozent, auf eine halbe Rente, wenn
sie mindestens zu fünfzig Prozent und auf eine Viertelrente, wenn sie mindestens zu vierzig
Prozent invalid sind.
3. 3.1
Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stützt sich die Verwaltung (und im Beschwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen
medizinischen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind (Urteile des Bundesgerichts
9C_636/2013 vom 25. Februar 2014 E. 4.2.1 und 4.2.2, 9C_922/2013 vom 19. Mai 2014
E. 3.2.1, 9C_644/2015 vom 3. Mai 2016 E. 3.2). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es,
den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren
sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4, 140 V
193 E. 3.2). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a,
134 V 231 E. 5.1, 137 V 210 E. 6.1.2).
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3.2
Vorliegend schloss sich Dr. B_ vom RAD hinsichtlich der wesentlichen Diagnose einer
rezidivierenden depressiven Störung der Einschätzung des behandelnden Psychiaters
Dr. C_ an, der allerdings im Bericht vom 2. April 2017 keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit
gemacht hatte, sondern nur in diversen nicht näher begründeten Arztzeugnissen. Nach
Auffassung von Dr. B_ bestand deswegen bis auf weiteres eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit, was insofern etwas erstaunt, als es im Austrittsbericht
des PZAR vom 5. Januar 2016 noch geheissen hatte, die Versicherte habe bei der
Schilderung der Umstände, die zur Krise geführt hätten, selbstbewusst, wenig belastet
sowie differenziert in den Ausführungen gewirkt. Im Bericht des PZAR an die IV-Stelle vom
6. Januar 2016 ist wiederum nachzulesen, dass auf Anfang 2016 ein beruflicher
Wiedereinstieg mit einem Pensum von 15% zumutbar sei, das bei erfolgreicher ambulanter
Nachbehandlung auf bis 60% steigerbar erscheine. Auch habe die Versicherte gemäss
Bericht der IV-Stelle vom 1. Mai 2017 über die Haushaltabklärung das Erwähnen eines
Wohnheims als Zwischenlösung vor dem Austritt nach Hause "hässig" gemacht, da sie das
nicht wolle. Dies alles scheint zumindest vordergründig nicht unbedingt zu der
diagnostizierten rezidivierenden und mittel- bis schwergradigen Depression zu passen,
zumal die Klinik Gais mit Bericht vom 22. April 2015 nur eine leichte Depression zu
erkennen vermochte. Zugunsten der Beschwerdeführerin ist jedoch im Folgenden von der
Einschätzung von Dr. B_ einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in jeder Erwerbstätigkeit
auszugehen.
4. 4.1
Im Hinblick auf die Bemessung der Invalidität, die als ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG) definiert wird, ist die Arbeitsunfähigkeit von der
Erwerbsunfähigkeit zu unterscheiden. Unter Letzterer ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geis-tigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung sowie Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu
verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG), wobei für die Beurteilung, ob eine Erwerbsunfähigkeit
vorliegt, nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen sind.
4.2
Bei teilzeitlich erwerbstätigen Personen, die - wie die Beschwerdeführerin - zusätzlich im
Haushalt arbeiten, hat die Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (Art. 28a
Abs. 3 IVG) zu erfolgen, im erwerblichen Bereich mittels Einkommensvergleich
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(Art. 16 ATSG) und im Aufgabenbereich mittels Betätigungsvergleich (Art. 28a Abs. 2 IVG;
Urteile des Bundesgerichts 8C_889/2011 vom 30. März 2012 E. 3.2.1, 9C_645/2015 vom
3. Februar 2016 E. 2.3 und 8C_543/2015 vom 12. Februar 2016 E. 4.1). Bei der Festlegung
der sog. Statusfrage, d.h. des jeweiligen Anteils von Erwerbstätigkeit und Tätigkeit im
Haushalt, ist zunächst zu klären, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin ohne
gesundheitliche Beschwerden erwerbstätig wäre, wobei nicht entscheidend ist, welches
Ausmass an Erwerbstätigkeit ihr im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte (BGE 133
V 504 E. 3.3; Urteile des Bundesgerichts 9C_335/2012 vom 17. Juli 2012 E. 3.1,
8C_740/2015 vom 11. Februar 2016 E. 2).
Nach der Rechtsprechung sind dabei namentlich die persönlichen, familiären, sozialen und
erwerblichen Verhältnisse wie Alter, berufliche Fähigkeiten und Ausbildung sowie
persönliche Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Bei dieser zwangsläufig
hypothetischen Beurteilung sind auch mutmassliche Willensentscheidungen der
versicherten Person zu berücksichtigen, welche als innere Tatsachen indessen einer
direkten Beweisführung nicht zugänglich sind und in aller Regel aus äusseren Indizien
erschlossen werden müssen (Urteile des Bundesgerichts 8C_357/2011 vom
8. November 2011 E. 4.1, 8C_724/2012 vom 8. Januar 2013 E. 4.1, 9C_883/2017 vom
28. Februar 2018 E. 4.1.2). Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den
Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben,
wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-
)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 130 V 393 E. 3.3; Urteile des Bundesgerichts
9C_335/2012 vom 17. Juli 2012 E. 3.2, 8C_429/2017 vom 20. Dezember 2017 E. 2.3).
4.3
Während die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung von einem Status von 60% Erwerb
und 40% Haushalt ausgeht, macht die Beschwerdeführerin geltend, sie sei als
vollerwerbstätig zu qualifizieren, da die Reduktion des Erwerbspensums aus einer
Erschöpfungssituation heraus erfolgt sei und zwecks Stressabbau, um schwanger werden
zu können. Dem hält die Verwaltung zu Recht entgegen, dass die gemäss Angaben im
Lebenslauf (IV-act. 19/1) im Jahre 2003 erfolgte Pensumreduktion auf 60% lange, nämlich
dreizehn Jahre vor der erstmaligen stationären Behandlung der nach eigenen Angaben
belastenden langjährigen psychischen Beschwerden erfolgte. Schliesslich unterliess sie es,
eine echtzeitliche medizinische Bestätigung, wonach sie bereits damals aus medizinischen
Gründen nur noch zu 60% erwerbstätig sein konnte, beizubringen; dazu wäre sie aber
gehalten gewesen, nachdem sie aus dieser Behauptung einen Vorteil für sich abzuleiten
versucht.
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Ferner sind bei sich widersprechenden Angaben einer Versicherten die sog. Angaben der
ersten Stunde, welche noch nicht mit Blick auf versicherungsrechtliche Gegebenheiten
erfolgten, in aller Regel beweistauglicher als spätere Darstellungen, die bewusst oder
unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art
beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts 9C_93/2016 vom
21. Dezember 2016 E. 1).
Vor diesem Hintergrund ist vorliegend mit der IV-Stelle im Gesundheitsfall von einem
Pensum der Versicherten von 60% im Erwerb und von 40% im Haushalt auszugehen.
4.4
Im Zusammenhang mit dem Betätigungsvergleich kritisiert die Beschwerdeführerin
zunächst die Position Wohnungspflege, bei der ihrem eine IV-Rente beziehenden Ehemann
eine Schadenminderungspflicht zugemutet werde und ihr nur eine Einschränkung von 10%
statt von 80-100% zugebilligt werde, obwohl die Spitex hier die meiste Arbeit erledige. Dies
treffe übrigens auch auf den Bereich Wäsche und Kleiderpflege zu, sodass dort die
Einschränkung nicht nur 20% betragen könne, sondern ebenfalls 80-100%. Auch bei der
Verrichtung Einkauf etc. falle die von der Verwaltung mit 5% angenommene Einschränkung
allzu gering aus. Insgesamt sei stattdessen von einer gewichteten Einschränkung im
Haushalt von 13.9% auszugehen, sodass zusammen mit dem auch von der IV-Stelle
anerkannten gewichteten Invaliditätsgrad von 60% im erwerblichen Bereich eine
Gesamtinvalidität von gerundet 74% resultiere, die Anspruch auf eine ganze IV-Rente
vermittle.
Dagegen wendet die IV-Stelle zu Recht ein, die Spitex erscheine nur jeden neunten Tag für
zwei Stunden. Es sei nicht anzunehmen, dass sie es schaffe, innert dieser Zeit die
Wohnung vollständig zu reinigen und sämtliche Wäsche zu erledigen. Überdies kann die
Beschwerdeführerin die verschiedenen Tätigkeiten über den Tag verteilen, zumal
zumindest im Fall der Beschwerdeführerin keine wesentlichen körperlichen
Einschränkungen ersichtlich sind, die sie in der Besorgung des Haushaltes beeinträchtigen
würden. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass sie nach eigenen
Angaben Zeit und Kraft findet, am Morgen und am Nachmittag noch je eine Stunde zu
spazieren und ausserdem oft Termine in der Kirche wahrnimmt. Zudem dürften die aus
Parkett, Laminat und Novilon bestehenden Bodenbeläge doch eher leicht zu pflegen sein.
Was die Mithilfe des Ehemannes anbelangt, so ist es nahen Angehörigen unter dem Titel
der Schadenminderungspflicht zuzumuten, gewisse Hilfeleistungen im Haushalt einer
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Rentenansprecherin ohne Abgeltung durch die Sozialversicherungen zu erbringen (BGE
141 V 642 E. 4.3.1 und 4.3.2). Bekanntlich handelt es sich bei der erwähnten Pflicht um
einen allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts (s. auch BGE 129 V 460 E.
4.2), wonach die Auswirkungen des Gesundheitsschadens durch geeignete
organisatorische Massnahmen und die Mithilfe der Familienangehörigen - denen dadurch
allerdings keine unverhältnismässige Belastung entstehen darf - möglichst zu mildern.
Diese Mithilfe geht weiter als die ohne Gesundheitsschaden üblicherweise zu erwartende
Unterstützung. Geht es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist stets danach zu
fragen, wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einrichten würde, sofern keine
Versicherungsleistungen zu erwarten wären. In Anbetracht dessen ist es dem eine ganze
IV-Rente beziehenden und über sehr viel freie Zeit verfügenden Ehemann ohne weiteres
zumutbar, seiner Ehefrau im Haushalt zu helfen.
4.5
Im Haushalt ist nach dem Gesagten mithin von einer Einschränkung von 8.75% bzw. -
gewichtet mit dem Pensum von 40% - von 3.5% auszugehen. Da im erwerblichen Bereich
nach übereinstimmender Auffassung beider Parteien von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit auszugehen ist, kann auf einen Einkommensvergleich
verzichtet werden, und der Invaliditätsgrad beträgt in diesem Bereich mit einem Pensum
von 60% ebenfalls 60%. Insgesamt resultiert somit ein Invaliditätsgrad von gerundet (BGE
130 V 121 E. 3.2, 142 V 178 E. 2.5.8.2) 64%, der ab August 2016 zum Bezug einer
Dreiviertel-Invalidenrente berechtigt. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
5. 5.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Vorliegend
erscheint eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- zulasten der unterliegenden
Beschwerdeführerin als angemessen, unter Verrechnung mit dem von ihr in gleicher Höhe
einbezahlten Kostenvorschuss.
5.2
Es sind keine Parteientschädigungen zuzusprechen, da die Beschwerdeführerin unterliegt
(Art. 61 lit. g ATSG e contrario) und da die obsiegende Vorinstanz eine staatliche
Einrichtung ist (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015, Art. 61 N 200).
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