Decision ID: 33f48247-ab69-4dbd-af95-5b78ab3f01b4
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1982,
war zuletzt vom
1.
September 2014 bis am 3
1.
Oktober 2015 bei der
Y._
Gmbh
,
Z._
,
als
Fassadenisoleur
angestellt, wobei er ab dem 2
4.
April 2015 bis auf weiteres arbeitsunfähig war. Am 1
8.
November 2015 meldete er sich unter Hinweis auf ein
e durch einen Unfall
am
2
4.
April 2015
ausgelöste
Beeinträchtigung des Rückens und der Beine bei
der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/
3
).
Der Unfall
versicherer Suva, der aufgrund dieses Unfalls zunächst Leistungen erbracht hatte, stellte diese mit Verfügung vom 2
6.
November 2015 per 3
1.
Dezember 2015 ein, da er die Beschwerden nicht mehr für unfall-, sondern für ausschliesslich krank
heitsbedingt erachtete (
Urk.
8/12/46 f.).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte in der Folge medizinische (
Urk.
8/5 ff.,
Urk.
8/13
)
und erwerbliche (
Urk.
8/8,
Urk.
8/15)
Abklärungen
durch
und liess
den Versicherten
am 2
1.
Juni 2016
durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Chirurgie vom Regionalärztlichen Dienst (RAD
)
, untersuchen (
Urk.
8/27).
Zudem
gab
sie ein polydisziplinäres Gutachten in den Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie,
Psychiatrie
und Orth
opädie bei der
B._
AG
in Auf
trag
, das am 1
0.
Januar 2018 erstattet wurde (
gutachterliche Untersuchungen im November 2017;
Urk.
8/53)
. Mit Mitteilung
en
vom
3.
April 2018
und 1
3.
November 2018
forderte die IV-Stelle den Versicherten zur Durchführung einer mindestens sechsmonatigen ambulanten multimodalen S
chmerztherapie
(
Urk.
8/60)
beziehungsweise einem mindestens dreiwöchigen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik mit anschliessender Fortsetzung der regelmässigen psychiatrisch-psychotherapeutischen Therapie (
Urk.
8/72) auf. Die IV-Stelle holte in der Folge ein po
l
ydisziplinäres Verlaufsg
utachten in den Fachrichtungen A
ll
g
emeine I
nnere Medizin, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Orthopädie bei der MEDAS
C._
AG ein, das am
7.
August 2019 erstattet wurde (
Urk.
8/98).
Mit Vorbescheid vom 1
3.
Februar 2020
stellte sie dem Versicherten die Zusprache einer vom
1.
Mai 2016 bis Ende Februar 2018 befristeten halben Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
8/117).
Nachdem der Versicherte dagegen am 1
1.
März 2020 Einwand erhoben (
Urk.
8/119) und diesen am
5.
Mai 2020 begründet hatte (
Urk.
8/128)
,
sprach
die IV-Stelle
in der Verfügung vom
2
1.
August 2020
eine halbe Rente für den Zeit
raum vom
1.
Mai 2016 bis 2
8.
Februar 2018 zu
.
Sie verfügte einen monatlichen Rentenbetrag für den Versicherten von
Fr.
911.— und zwei Kinderrenten von monatlich je
Fr.
365.--. Dies ergab
eine Nachzahlung in der Höhe von gesamthaft
Fr.
40'122.-- (inklusive Verzugszinsen von
Fr.
4'020.--), die mit einer Forderung der Stadt
D._
von
Fr.
1'641.
--
für im Februar 2018 erbrachte Vorschuss
leistungen
zu verrechnen und im Restbetrag im Rahmen einer Drittauszahlung an die Stadt
D._
auszuzahlen sei
(
Urk.
8/130 und
Urk.
8/133 =
Urk.
2).
1.2
Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Patrick Lerch, am 1
6.
September 2020 Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung vom 2
1.
August 2020 sei aufzuheben und es seien ihm ab
1.
Mai 2016 Renten
leistungen basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 70
%
und ab
1.
Dezember 2016 von 60
%
,
zuzüglich 5
%
Verzugszins auszurichten (
Urk.
1).
Das Verfahren wurde u
nter der
vorliegenden
Prozessnummer IV.2020.
00636 an
gelegt.
Mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
November 2020 schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7)
, wovon dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
2.
Dezember 2020 Kenntnis
gegeben
wurde (
Urk.
9)
.
2.
2.1
Mit Verfügung vom 3
0.
September 2020
, und damit während des ersten laufenden Verfahrens
,
forderte die IV-Stelle die gesamte
Aus
zahlung
der in der Verfügung vom 2
1.
August 2020 zugesprochenen Leistungen
inklusive Verzugs
zins
«
vom Leistungsempfänger oder dessen Vertreter
»
zurück (
Urk.
18/137 =
Urk.
10/2).
Hiergegen erhob der Versicherte am
9.
Oktober 2020 Beschwerde mit dem Antrag, die Verfügung vom 3
0.
September 2020 sei aufzuheben (
Urk.
10/1). Diesem Verfahren wurde die Prozessnummer IV.2020.00698 beigegeben.
2.2
Mit Verfügung vom 2
8.
Oktober 2020
hob
die
IV-Stelle
schliesslich
die Verfügung vom 2
1.
August 2020
auf, sprach dem
Versicherten
erneut eine halbe Rente für den Zeitraum von
1.
Mai 2016 bis 2
8.
Februar 2018 zu und
berechnete erneut die gleichen monatlichen Rentenbetreffnisse für den Versicherten und die beiden Kinderrenten
.
Sie legte
die Nachzahlung der Rentenleistungen auf gesamthaft
Fr.
36'
102
.--
(inklusive Verzugszins
von
Fr.
205.--
) fest
. Von diesem Nach
zahlungsbetrag verrechnete die IV-Stelle
wiederum
Fr.
1'641.--
mit einer Forderung der
Stadt
D._
und neu
Fr.
32'820.--
mit einer Forderung
der Innova
Versicherungen AG und verfügte hinsichtlich des Restguthabens von
Fr.
1'846.-- die Drittauszahlung an die Stadt
D._
(
Urk.
18/140 =
Urk.
11/2).
Der Versicherte
reichte
am 2
5.
November
2020
auch
dagegen Beschwerde
ein
mit dem Antrag
, die Verfügung vom 2
8.
Oktober 2020 sei aufzu
heben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen (
Urk.
11/1). Dieses Verfahren wurde unter der Prozessnummer IV.2020.00822 angelegt.
3
.
Am
1
5.
Dezember 2020
vereinigte
das Gericht
die drei Verfahren unter der Proz
essnummer IV.2020.00636
und
schrieb
die Prozesse Nr. IV.2020.00698 und IV.2020.00822 al
s dadurch erledigt ab. Mit Stellungnahme vom 1
5.
April 2021 be
a
ntragte die Beschwerdegegnerin, di
e Beschwerde sei abzuweisen, so
weit da
rauf einzutreten sei (
Urk.
17)
,
und schloss sich hinsichtlich der Rückforderungs
verfügung der Stellungnahme der zuständigen Ausgleichkasse vom
2.
Dezember 2020 an (
Urk.
20).
Der Beschwerdeführer
beantragte in der
Replik vom 2
7.
Mai 2021
die Aufhebung aller drei Verfügungen und die Zusprechung einer Rente ab
1.
Mai 2016, basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 70
%
sowie ab
1.
Dezember 2016 von 60
%
; sodann sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, den Nach
zahlungsbetrag an ihn ohne den von der involvierten Krankentaggeld
versicherung Innova Versicherungen AG verspätet angemeldeten Verrechnungs
betrag sowie zuzüglich 5
%
Verzugszins festzulegen
(
Urk.
24)
. Er legte seiner
Replik
einen Bericht des Kantonsspitals
E._
vom
8.
Januar 2021 bei (
Urk.
26).
D
ie Beschwerdegegnerin
verzichtete
auf das Einreichen einer Duplik (
Urk.
27). Hiervon wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
3.
Juni 2021 Kenntnis
gegeben
(
Urk.
28).
Mit Verfügung vom 2
6.
August 2021 wurde die Sammelstiftung BVG der Allianz Suisse Lebensversicherungs-Gesellschaft zum Verfahren beigeladen (
Urk.
29). Nachdem diese am.
9.
September 2021 erklärt hatte, dass sie sich nicht für leistungspflichtig erachte (
Urk.
31), wurde sie mit Beschluss vom 1
1.
Oktober 2021 wieder aus dem Verfahren entlassen. Gleichzeitig teilte das Gericht
dem Beschwerdeführer mit, es könnte zum Schluss kommen, die angefochtene Ver
fügung sei aufzuheben und der medizinische Sachverhalt sei durch die Beschwerdegegnerin weiter abzuklären, und räumte dem Beschwerdeführer an
gesichts der möglichen Schlechterstellung als Folge einer allfälligen Rückweisung die Möglichkeit zur Stellungnahme und zum Beschwerderückzug ein (
Urk.
33). Der Beschwerdeführer hielt mit Eingabe vom 2
5.
Oktober 2021 an
der Beschwerde fest (
Urk.
35
)
und reichte neue
medizinische Bericht
e
vom
9.
September
und
8.
Oktober
2021 ein (
Urk.
36
,
Urk.
37
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40
% arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
% besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60
% auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70
% auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG)
.
1.3
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen (Art.
17 ATSG in Verbindung mit Art.
88a
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV) analog anzuwenden (BGE
133
V
263 E.
6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18.
Januar 2017 E.
4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sach
verhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art.
88a Abs.
1
IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl.
BGE
125
V
413 E.
2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25.
August 2017 E.
2.2 und 8C_350/2013 vom 5.
Juli 2013 E.
2.2 mit Hinweis).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie
haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE
134 V 231 E.
5.1; 125 V 351 E.
3a).
2.
2.1
2.1.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der
Verfügung
vom 2
1.
August 202
0
aus, der Beschwerdeführer sei im November 2017 und im Juni 2019 begut
achtet worden, wobei sich ergeben habe, dass er seit April 2015 in seiner Arbeits
fähigkeit eingeschränkt gewesen sei. Da ein Anspruch auf Rentenleistungen frühestens sechs Monate nach der Anmeldung entstehen könne, habe sie einen Anspruch ab Mai 2016 geprüft. In diesem Zeitpunkt sei es dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht zumutbar gewesen, eine angepasste Tätigkeit in einem Pensum von 50
%
auszuüben. Der gestützt darauf durchgeführte Einkommens
vergleich habe einen Invaliditätsgrad von 50
%
ergeben, weshalb ab Mai 2016 Anspruch auf eine halbe Rente bestehe. Spätestens im Zeitpunkt der Begutachtung im November 2017 habe sich die gesundheitliche Situation verbessert und dem Beschwerdeführer sei eine angepasste Tätigkeit in einem vollen Pensum mit einer Leistungseinbusse von 20-30
%
, gemittelt 25
%
, zumut
bar gewesen, die nach drei Monaten
, mithin
per März 2018
,
zu berücksichtigen sei. Ein in diesem Zeitpunkt durchgeführter Einkommensvergleich habe einen Invaliditätsgrad von 25
%
ergeben, weshalb ab März 2018 kein Anspruch auf Rentenleistungen mehr bestehe (
Urk.
2
S.
5 f.).
2.1.2
Die Rückforderungsverfügung vom 3
0.
September 2020 begründete sie damit, dass die Innova Versicherungen AG im Nachtrag eine Verrechn
ung wünsche und daher der
Betrag
von
Fr.
40'122.--
zurückzuerstatten
sei (
Urk.
10/2 S. 1).
Die Ver
fügung
vom 2
8.
Oktober 2020
erliess
die Beschwerdegegnerin,
weil
sich der An
spruch
aufgrund einer Veränderung
bei den
Verrechnungen
geändert habe und deshalb diese Verfügung
die Verfügung vom 2
1.
August 2020
ersetze
(
Urk.
11/2/1). Bei ansonsten gleichbleibender Begründung
betreffend die Renten
zusprechung
,
führte sie neu eine Verrech
n
ungsforderung der Innova
Versicherungen
AG
von
Fr.
32'820.-- auf und reduzierte den
dem Beschwerde
führer
nachzuzahlenden Betrag
auf
Fr.
1'846
.-- (
Urk.
11/2 S. 2)
.
2.2
2.2.1
Der
Beschwerdeführer brachte gegen die Verfügung vom 2
1.
August 202
0
vor,
wenn die Beschwerdegegnerin bereits ab
1.
Mai 2016 von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
ausgehe, widerspreche sie damit den Feststellungen ihres eigenen Regionalärztlichen Dienstes, der die
Arbeitsfähigkeit
am 2
1.
Juni 2016 auch in einer angepassten Tätigkeit auf höchstens 20-30
%
eingeschätzt habe
. Es sei da
her davon auszugehen, dass ab
1.
Mai 2016 ein zumindest vorübergehender
An
spruch
auf eine ganze Rente bestanden habe, was im Übrigen damit
über
einstimme
, dass der Krankentaggeldversicherer die Leistungen erst per
1.
November 2016 auf 50
%
gekürzt habe (
Urk.
1 S. 8).
Anlässlich der ersten polydisziplinären Abk
lärung durch die
B._
seien die Gutachter zum Schluss gekommen, dass sowohl somatische wie auch psychiatrische Beschwerden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen und er aktuell, also im November 2017 nur noch als zu 50
%
erwerbsfähig zu betrachten sei. Eventuell könne eine Steigerung bis auf eine 80
%
-
Erwerbstätigkeit erreicht werden, sofern eine multimodale Schmerztherapie eingeleitet werde (
Urk.
1 S. 8). Die Beschwerdegegnerin habe ihm in der Folge zweimalig medizinische Mass
nahmen auferlegt, die jedoch gescheitert seien. Daraufhin sei er im Rahmen eines polydisziplinären Verlaufsgutachtens von den Gutachtern der
C._
untersucht worden, die die lumb
ale Problematik bestätigt,
neu eine leichte depressive Episode und eine schwere Panik
störung diagnostiziert
und der abermals bestätigten Schmerzstörung keinen Einfluss mehr auf die Arbeitsfähigkeit zugemessen hätten. Sie seien zum Schluss gekommen, er sei dauerhaft arbeitsunfähig in seiner bisherigen Tätigkeit als
Fassadenisoleur
, angepasst sei er in Übereinstimmung mit dem
B._
Gutachten seit Januar 2018 zu 70-80
%
arbeitsfähig. Diese Beurteilung sei unzutreffend und in der Begründung mehrfach nicht schlüssig, weshalb sie nicht verwertbar sei. So sei es unzutreffend, dass
die Einschätzung mit jener der
B._
übereinstimme, diese sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
ausgegangen. Ebenso sei fragwürdig, dass
neu eine Panikstörung diagnostiziert worden sei,
was eine
Verschlechterung der Gesamtarbeitsfähigkeit
nahelege
. Eine Erklärung dafür, weshalb die wiederholt bestätigte Schmerz
störung nun plötzlich keinen Einfluss mehr auf die Arbeitsfähigkeit haben solle, suche man sodann vergebens. Indem die Beschwerdegegnerin auf das Gutachten der
C._
abstelle, vermöge der Rentenentscheid nicht zu
überzeugen. Es sei auf die im
B._
-Gutachten festgestellte Arbeitsunfähigkeit von 50
%
abzu
stellen (
Urk.
1 S. 9 f.).
Ferner sei bei der Berechnung des Invaliditätsgrades ein Tabellenlohnabzug zu gewähren, da ihm eine körperlich anspruchsvolle Tätigkeit nicht mehr möglich sei und die schwere Panikstörung es ihm verunmögliche oder zumindest erschwere, eine leidensangepasste Tätigkeit zu finden. Zudem
rechtfertige
eine
ganztägige
Einsatzmöglichkeit mit - wie vorliegend - leidensbedingten Ein
schränkungen rechtsprechungsgemäss die Vornahme eines T
a
bellenlohnabzuges.
Sodann
sei zu
berücksichtigen
, dass er in ein komplett neues Tätigkeitsfeld wechseln müsse
. Bei einem angemessenen Abzug von 20
%
resultiere bei einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
frühestens ab Dezember 2016 ein Invaliditätsgrad von 60
%
(
Urk.
1 S. 11 f.).
2.2.2
Der Beschwerdeführer brachte gegen die
Rückforderungsv
erfügung vom 3
0.
September 2020 vor,
dass vor deren Erlass ein
Vorbe
scheidverfahren
hätte durchgeführt werden müssen. Er sei zu keinem Zeitpunkt betreffend
die Rück
forderung
angehört worden. Dies sei eine klare Verletzung seines Gehörs
anspruchs, die einer Hei
lung nicht zugänglich sei, weshalb
die Verfügung aufzu
heben sei (
Urk.
10/1 S. 3 f.).
Er bestreite der Vollständigkeit halber bereits jetzt,
gegenüber der
Beschwerdegegnerin rückerstattungspflic
htig zu sein und zwar so
wohl im
Grundsatz als auch in der Höhe
(
Urk.
10/1 S. 4).
Da sich die Beschwerdegegnerin zum wiederholten Male nicht an das Recht und die dazugehörige klare Rechtsprechung gehalten habe, sei sie zum vollen Kosten
ersatz zu verpflichten (
Urk.
10/1 S. 4).
2.2.3
Der Beschwerdeführer machte bezüglich der Verfügung vom 2
8.
Oktober 2020 geltend, diese stelle eine Wiedererwägung
lite
pendente der
mit Beschwerde vom 1
6.
September 2020 angefochtenen Verfügung
dar. Aufgrund de
s
Devoluti
v
effekts sei dies nur möglich, w
enn d
ie Behörde damit zugunsten der
b
eschwerdeführenden
Partei entscheide. Indem die Beschwerdegegnerin die Nachzahlung um
Fr.
36'635.-- kürze, handle sie dieser Bedingung zuwider, weshalb die Verfügung vom 2
8.
Oktober 2020 unzulässig sei. Die Beschwerdegegnerin hätte die Ve
ränderungen bei der Verrechnung - die bestritten würden -
im Rahmen
des Verfahrens
dem Gericht
beantragen müssen, statt einfach neu zu verfügen. Materiell verweise er auf die Begründung der Beschwerde vom 1
6.
September 2020 (
Urk.
11/1 S. 4).
Da die Beschwerdegegnerin das vorliegende Verfahren mutwillig verursacht habe, sei sie zum vollen Kosteners
atz zu verpflichten (Urk
.11/1 S. 4).
2.3
In ihrer Stellungnahme vom 1
5.
April 2021
zur Rückforderungsverfügung
ver
wies die Beschwerdegegnerin auf die Schreiben der Ausgleichskasse Zug vom
2.
Dezember 2020 und
9.
März 2021 (
Urk.
17). Darin führte diese aus,
der Beschwerdeführer habe
die Rückforderungsverfügung
vom 3
0.
September 2020 nur in Kopie erhalten und sei daher gar nicht beschwerdeberechtigt, weshalb nicht auf die Beschwerde einzutreten sei. In materieller Hinsicht erfolgten in
der angefochtenen Verfügung ledi
glich Verrechnungskorrekturen, welche nicht in den vom
Vorbescheidverfahren
erfassten Aufgabenbereich der IV-Stellen falle, sondern lediglich die Auszahlung der Rente tangiere, die zum Aufgabenbereich der Ausgleichskasse gehöre (
Urk.
20). Die Rente sei wegen der erwähnten Veränderungen bei der Verrechnung am 2
8.
Oktober 2020 neu verfügt worden (
Urk.
22).
Zum Invaliditätsgrad äusserte sich die Beschwerdegegnerin nicht mehr (
Urk.
7,
Urk.
17).
2.4
In der Replik vom 2
7.
Mai 2021
hielt der
Beschwerdeführer
an seinen Aus
führungen in der Beschwerde vom 1
6.
September 2020 fest
. Zum
Nichteintretens
antrag
der Beschwerdegegnerin hinsichtlich der Rückforderungsverfügung führte er aus, d
ie Verfügung vom 3
0.
Sep
tember 2020 verpflichte den Leis
tungs
empfänger oder dessen Vertreter
,
Fr.
40'122.-- an die Beschwerdegegnerin zurückzuerstatten. Diese Verfügung hätte zur Folge, dass er der Stadt
D._
eben diesen Betrag mehr schulde. Sein schutzwürdiges Interesse und folglich auch die materielle Beschwer lägen daher auf der Hand, auch wenn er formal nicht der Verfügungsadressat wäre. Ohnehin sei es der Beschwerdegegnerin nicht mehr gestattet gewesen, den bereits vor Gericht hängigen Streitgegenstand verfügungs
weise abzuändern, da sie ihn damit
schlechter gestellt
habe (
Urk.
24 S. 3).
Den Akten sei zu entnehmen, dass die Innova
Versicherungen
AG gehörig und rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass Rentenleistungen zuge
sprochen würden, worauf diese ausdrücklich auf einen Verrechnungsantrag ver
zichtet habe. Die Beschwerdegegneri
n
hab
e
damit befreiend an ihn beziehungs
weise die
Stadt
D._
leisten dürfen, was sie dann auch getan habe. Weshalb sich die Beschwerdegegnerin in der Folge von der Innova
Versicherungen AG habe
einspannen lassen, um deren Irrtum zu korrigieren
,
erschliesse sich nicht restlos aus den Akten. Er halte daran fest, dass die Beschwerdegegnerin es der Innova
Versicherungen AG
hätte überlassen müssen, die von ihr erbrachten
Vor
leistungen
bei ihm zurückzufordern, soweit dies gesetzlich zulässig sei (
Urk.
24 S. 3 f.).
Bezüglich der Resterwerbsfähigkeit hielt er ergänzend fest, er habe sich
mittler
weile
am Rücken operieren lassen müssen. Von einem seit Jahren stabilen End
zustand, einem fehlenden somatischen Korrelat für die Beschwerden und der An
nahme, es bestehe ein rentenausschliessender Erwerbsfähigkeitsgrad, könne da
her weiterhin nicht die Rede sein (
Urk.
24 S. 4).
2.5
Wie der Beschwerdeführer richtig dargelegt hat, wurde die ursprüngliche, renten
zusprechende Verfügung vom 2
1.
August 2020 (
Urk.
2)
litis
pendente noch vor der Beschwerdeantwort mit der Verfügung vom 2
8.
Oktober 2020 wiedererwogen (
Art.
53
Abs.
3 ATSG;
Urk.
11/2).
Weil sich der Nachzahlungsbetrag verringerte und auch hinsichtlich des Rentenanspruchs nicht dem Begehren des Beschwerde
führers entsprochen wurde, stellt diese zweite Verfügung nur einen Antrag an das Gericht dar, wie zu entscheiden
ist
(Kieser, ATSG-Kommentar,
4.
A.,
Rz
. 90 zu
Art.
53 ATSG).
Es ist vorab über diesen Rentenentscheid zu befinden.
3.
3.1
Dr.
med.
F._
, Oberarzt W
i
r
belsäulenchirurgie, und
Dr.
med.
G._
,
Assistenzarzt
Orthopädie, an der Universitätsklinik
H._
, stellten in ihrem Bericht vom
9.
Dezember 2015 die Diagnosen einer
Lumboischialgie
rechts bei medio-rechts-lateraler lumbaler Diskushernie L5/S1 und einer medianen lumbalen Diskushernie L4/5 mit
birez
essaler
, rechtsbetonter
Rezessuseine
ngung
(
Urk.
8/5/6). Sie führten aus, der Beschwerdeführer habe über
seit einem Sturz beim Heben eines schweren Eimers am 2
4.
April 2015
bestehende,
von der Lendenwirbelsäule in beide Beine ausst
rahlende Schmerzen geklagt
(
Urk.
8/5/7). Er sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit vom 1
5.
Mai 2015
bis am
2.
August 2015 sowie vom
1.
bis 3
0.
November 2015 zu 100
%
arbeitsunf
ähig. Aufgrund von relevanten R
estbeschwerden, vor allem
der bestehenden Schmerz
symptomatik und der dadurch deutlich reduzierten Belastbarkeit
,
sei dem Beschwerdeführer die Wiederaufnahme der körperlichen Arbeit bisher nicht zumutbar gewesen. Aufgrund der
bisegmentalen
Degeneration der unteren Lendenwirbelsäu
l
e und den nervalen
Reizerscheinungen mit radikulä
rer Sympto
matik sei die bisherige Tätigkeit aus medizinischer Sicht eher nicht mehr zumut
bar. Die Leistungsfähigkeit sei
gegenwärtig
sicherlich eingeschränkt, so dass längere monotone
Tätigkeiten
oder das Heben von Lasten über 5 kg auf Dauer zu einer Schmerzpersistenz oder -zunahme
führen
würden. Für eine genaue Erfassung der arbeitsergonomischen
Belastbarkeit
sei eine
gutachterliche U
nter
suchun
g durch einen Arbeitsmediziner
empfehlenswert
(
Urk.
8/5/8 f.).
3.2
Med.
pract
.
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte in seinem Bericht vom
5.
Februar 2016 ebenfalls eine
Lumboischialgie
rechts
mit medianer rechts-lateraler lumbaler Diskushernie L5/S1 und medianer lumbaler Diskushernie L4/5 mit
birezessaler
rechtsbetonter
Rezessuseinengung
, ferner stellte er eine unklare Schwellung im Bereich der Wade des rechten Beines fest (
Urk.
8/13/6). Bei weiterhin bestehenden Rücken
beschwerden attestierte er dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit dem Unfalldatum am 2
4.
April 2015 und hielt sowohl die bisherige als auch eine leichte angepasste Tätigkeit für unzumutbar (
Urk.
8/13/9).
3.
3
Am
4.
Februar 2016 führten PD.
Dr.
med.
J._
, leitender Ar
zt Parap
legie und Facharzt für Neurologie
,
und
Dr.
med.
K._
, Assistenzärztin, von der Universitätsklinik
H._
,
eine neurologische und neurophysiologische Untersuchung des Beschwerdeführers durch, wobei sich klinisch-
neurologisch
und elektrophysiologisch
aus
den
Nervus
tibialis
-Neurographien und den Myographen rechtsseitig keine Hinweise auf Nervenschädigungen oder akute beziehungsweise chronische radikuläre Veränderungen ergaben (
Urk.
8/20/2).
Gestützt auf diese Untersuchung kamen
Dr.
F._
und med.
pract
.
L._
in ihrem Bericht vom 1
0.
Februar 201
6
zu
m
Schluss, es könne keine floride Radikulopathie diagnostiziert werden (
Urk.
8/20/5).
3.4
Dr.
A._
vom RAD
untersuchte
den Beschwerdeführer
am 2
1.
Juni 2016
und
nannte als
Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
eine ausgeprägte
Lumboischialgie
rechts bei Diskushernie L5/S1, medianer lumbaler Diskushernie L4/5 mit
birezessaler
, rechtsbetonter
Rezessuseinengung
und
Fussheberschwäche
rechts sowie eine unklare Schwellung im Bereich der rechten Wade bei unauf
fälligem Ultraschall- und Weichteil-MRI-Befund (
Urk.
8/27/7)
.
Dr.
A._
kam zum Schluss, ein somatischer Gesundheitsschaden, der die Arbeitsf
ähigkeit beeinträchtige, sei ausgewiesen
,
und
attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von 0
%
für die bisherige Tätigkeit als
Isoleur
. In einer leichten, angepassten Tätigkeit in Wechselbelastung, unter Ausschluss ungünstiger Witterungsbedingungen, auch mit gelegentlichem Heben, Tragen und Trans
portieren von Lasten bis maximal 10 kg körpernah, ohne Verharren in Zwangs
haltungen
,
bestehe aktuell
aufgrund der erheblichen Schmerz- und Wurzel
symptomatik
nur eine
Arbeitsfähigkeit
von 20-30
%
. Es bleibe der Erfolg der ein
geleiteten konservativen Therapie (chiropraktische Therapie) abzuwarten. Auf
grund der zunehmenden neurologischen Symptomatik (
Fussheberschwäche
) werde wahrscheinlich ein chirurgischer Eingriff notwendig.
Eine vorzeitige medizinische Überprüfung sei in sechs bis zwölf Monaten zu empfehlen
(
Urk.
8/27/8).
3.5
Im R
ahmen der
durch den Krankentaggeldversicherer in Auftrag gegebenen Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
vom
3.
Oktober 2016
brach der Beschwerdeführer praktisch alle vorgesehenen Tests ab (
Urk.
8/34/5). Infolge geringer Leistungsbereitschaft und Selbstlimitierung waren die Voraussetzungen
für eine Bewertung der arbeitsrelevanten Belastbarkeit im Rahmen eines Arbeits
tages
gemäss den untersuchenden Fachpersonen nicht gegeben (
Urk.
8/34/7).
3.6
PD
Dr.
med.
M._
, Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie am Universitäts
spital
H._
,
und
Dr.
F._
hielte
n im Sprechstundenbericht vom 1
4.
Oktober 2016 fest, die Beschwerdesymptomatik zeige sich unverändert und in der aktuellen MRI-Untersuchung hätten sich stationäre Befunde im Sinne einer
D
iskusprot
r
usion
auf den Höhen L4
/5 und L5/S1 mit möglicher Kompression der deszendierenden L5- und S1-Wurzel rechts gezeigt. Bei nun seit vielen Monaten therapieresistenten Beschwerden würden sie eine mikrochirurgische D
ekompressio
n L4/5 und L5/S1 rechts empfehlen, deren Behandlungserfolg in
dessen
wegen fehlenden Ansprechens auf die S1-Nervenwurzelinfiltration und normaler neurophysiologischer Untersuchung in der Vergangenheit
ungewiss sei (
Urk.
8/35/6). Im an die Beschwerdegegnerin gerichteten Verlaufsbericht vom 1
9.
Dezember 2016 hielten sie zusätzlich fest, den
möglichen zeitlichen Umfang der bisherigen beziehungsweise einer angepassten Tätigkeit
könnten sie
nicht beurteilen (
Urk.
8/35/3).
3.7
Auch
med.
pract
.
I._
erachtete den Gesundheitszustand des Beschwerde
führers in seinem Verlaufsbericht vom 2
9.
Dezember 2016
als
unverändert und attestierte ihm weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Urk.
8/36).
In einem weiteren Verlaufsbericht vom
6.
Juni 2017 stellte
med.
pract
.
I._
einen verschlechterten Gesundheitszustand
bei neu diagnostizierter psychischer Starkbelastung mit einer schweren depressiven Entwicklungsepisode bei chronischen Schmerzen und schwierigen psychosozialen Verhältnissen sowie Schlafstörungen fest (
Urk.
8/38/4). Die Arbeitsunfähigkeit betrage weiterhin 100
%
für jegliche Tätigkeiten (
Urk.
8/38/5).
3.8
Der Beschwerdeführe
r begab sich ab dem 1
0.
Mai 2017
in Behandlung
zu
Dr.
med.
N._
, Oberärztin in der
O._
. Diese diagnostizierte in ihrem Bericht vom 1
1.
August 2017 eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) sowie einen Verdacht auf eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41;
Urk.
8/41/1). Sie attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab dem 1
0.
Mai 2017 und
hielt aufgrund der ausgeprägten depressiven Symptomatik aktuell auch keine behinderungsangepasste Tätigkeit für möglich (
Urk.
8/41/3).
3.9
Im polydisziplinären Gutachten der
B._
vom 1
0.
Januar 2018
stellten
Dr.
med.
P._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Dr.
med.
Q._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med. univ.
R._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
und
Dr.
med.
S._
, Fachärztin für Neurologie, gestützt auf im November 2017 durchgeführte Untersuchungen
die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
8/53/54)
:
-
c
hronische
lumbovertebragene
Schmerzen rechtsbetont mit eingeschränkter Belastbarkeit bei Diskushernie L4/5 und L5/S1 mit
rez
essal
er
Kompression der Nerve
nwurzel L5 rechts
und S1 beidseits (rechtsbetont
)
, leichtgradigen
Osteoch
o
ndrosen
LWK3-SWK1 mit begleitender Spondylarthrose und Status nach einer LWS- und Oberschenkelp
rellung bei einem Arbeitsunfall
am 2
4.
April 2015
-
Hüftfunktionsstörung beidseits (rechts mehr als links) bei radiologischen Zeichen eines Cham-
Impingements
beidseits und leichtgradiger
Coxarthrose
beidseits bei muskulärer Dysbalance der Lenden-Becken-Beinregion
-
Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten (DSM-5: 309.4)
-
c
hronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Den folgenden Diagnosen massen sie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu (
Urk.
8/53/54):
-
Hemihypertrophie
Bein rechts mit Beinumfangsverm
ehr
ung rechter Unter
schenkel + 3 cm, ätiologisch unklar, Differentialdiagnose Myopathie
-
r
adiale
Epicondylopathie
links
-
e
pisodischer Kopfschmerz vom Spannungstyp, Differentialdiagnose
zerviko
zephales
Syndrom, myofaszial unterhalten
-
Adipositas mit BMI 37.4 kg/m2
-
s
pezifische (isolierte) Phobie (ICD-10 F40.2 - Aviophobie und Klaustrophobie)
Die Experten hielten fest, aus orthopädischer Sicht seien die
anhaltenden
chronifizierten Rückenschmerzen teilweise nachvollziehbar. Aktuell sei die Funktion der Lendenwirbelsäule leicht b
is mittelgradig eingeschränkt
(
Urk.
8/53/57)
.
Unter Berücksichtigung des radiologischen Befundes sei ein chronisches
lumbovertebragenes
/
spondylogenes
Schmerzsyndrom zu diagnostizieren,
pathomorphologisch liege
eine Zweietagenerkrankung bei B
and
scheibendegenerationen vor. Die im MRI nachgewiesenen Bandscheibenvorfälle L4/5 und L5/S
1 seien aktuell ohne eindeutige
radikuläre Kompressionszeichen. Es handle sich aktuell um ein chronifiziertes
,
eher pseudoradikuläres
,
lumbales Schmerzsyndrom bei deutlicher muskulärer Dysbalance der Lenden-Becken-Beinregion und
ei
ner Hüftfunktionsstörung
bei leichtgradiger
Coxarthrose
beid
seits
.
Aus internistischer Sicht werde bei einer Adipositas mit einem aktuellen BMI von 37.4 kg/m2 keine Erkrankung
oder Funktionsstörung gefunden
. Aus neurologischer Sicht hätten sich keine eindeutigen organischen Störungen fest
stellen lassen. Psychiatrisch habe sich der Beschwerdeführer in der aktuellen Exploration enttäuscht und verärgert bis verbittert gezeigt und zum Teil auf Fragen
dy
s
phor
gereizt reagiert, wobei er sich sel
bst
schnell
wieder beruhigt hab
e. Eine
ausgeprägt
depressiv anmutende Symptomatik habe sich nicht
gezeigt
. A
uf
grund der typischen Symptome und Diagnosekriterien
sei eine Anpassungs
störung
festgestellt worden. Eine psychiatrische Symptomatik sei erst aufgrund von psychosozialen Belastungen ab etwa Ende 2016 beziehungsweise Anfang 2017 aufgetreten, so dass ab diesem Zeitpunkt von einer Reduktion der
Arbeits
fähigkeit
in angestammter und adap
tierter Tätigkeit ausgegangen we
rd
e
. Die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sei aus aktueller gutachterlicher Sicht erfüllt. Aus rein psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer zu 20
%
arbeitsunfähig
in seiner zuletzt ausge
übten und einer adaptierten Tätigkeit (
Urk.
8/53/58). Aus rein psychiatrischer und orthopädischer Sicht könne die vollständige Arbeitsunfähigkeit
d
es Beschwerde
führers in adaptierter Tätigkeit nicht nachvollzogen werden. Es werde auch von einer gewissen Selbstlimitierung
ausgegangen
. Der Beschwerdeführer sollte so rasch wie möglich wieder eingegliedert werden, nach erfolgter Rehabilitation
(
Urk.
8/53/59)
.
Die Gutachter kamen zum Sch
luss, der Beschwerdeführer sei
in der zuletzt aus
geübten Tätigkeit als
Fassadenisoleur
aufgrund der Mehretagen-Bandscheiben
erkrankung mit eingeschränkter Belastbarkeit für schweres Heben und Tragen sowie einseitige Zwangshaltungen der Wirbelsäule in seiner Arbe
its- und Leistungsfähigkeit
mit
telstark eingeschränkt
. Die hinzukommende
Coxarthrose
beidseits schränke
ihn
bei regelmässigem
Klettern und Leitersteigen ein. Er werde daher in dieser Tätigkeit
als
zu 50
%
arbeitsunfähig beurteilt. Unzumutbar seien schwere Arbeiten, Tätigkeiten in gebückter oder kauernder P
osition,
das
Heben und Tragen
von
über 10-20 kg sowie regelmässiges
und gehäuftes Treppen-, Leiter- und
Gerüstesteigen
. Aus
gutachterlicher
Sicht seien die Arbeits
unfähigkeitszeiten retrospektiv schwierig festzulegen. Die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit werde in somatischer Hinsicht ab dem Unfallereignis vom 2
4.
April 2015
bis Ende Dezember 2015 mit 100
%
beurteilt. Ab Januar 2016 gelte für die Verweistätigkeit die 50%ige Arbeitsfähigkeit bis auf weiteres (
Urk.
8/53/59). In einer
adaptierten
Tätigkeit werde die
Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführer
s
aus psychiatrischer und orthopädischer Sicht als
insgesamt
um 50
%
reduziert
eingeschätzt
. Der Beginn der adaptierten Tätigkeit werde auf
grund der psychosozialen Belastungen ab circa Ende 2016 beziehungsweise An
fang 2017 angenommen. Ab diesem Zeitpunkt werde polydisziplinär von einer Reduktion der Arbeitsfähigkeit von zunächst 50
%
in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen. Eine Steigerung auf 80
%
sollte mittelfristig nach Durchführung der vorgeschlagenen Massnahmen möglich sein und angestrebt werden. Als voll adaptierte Tätigkeit werde eine leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne ein
seitige Wirbelsäulenzwangshaltungen, ohne Heben und Tragen von schweren Gewi
chten über 10-20 kg, regelmässiges
Klettern, Leitersteigen und Gehen auf unebenem Gelände sowie ohne Kälte- und Nässeexposition definiert. Zur Ver
besserung der Arbeitsfähigkeit werde die Einleitung einer
ambulanten oder gegebenenfalls im Rahmen einer stationären Rehabilitation durchgeführten
multimodalen Schmerztherapie
mit einem aktivierenden
multimodalen Therapie
ansatz empfohlen mit ambulanter Weiterbehandlung durch einen Rheumatologen im Anschluss. Es sollte eine langsame, stufenweise Wiedereingliederung erfolgen (
Urk.
8/53/60)
.
3.10
Der Beschwerdeführer war vom 2
8.
August bis am 1
1.
September
2018
zur multimodalen Schmerztherapie
in der Klinik für Rheumatologie des
Universitätsspitals T._
hospitalisiert (
Urk.
8/69/1). Die behandelnden Ärzte konnten trotz
umfangreiche
r
Abklärungen kein
Korrelat für die angegebenen Beschwerden und die Umfangsvermehrung des rechten Unterschenkels finden und kamen zum Schluss, dass die psychosomatische Komponente eindeutig im Vordergrund stehe (
Urk.
8/69/2). Der Verlauf habe sich wenig erfreulich gezeigt. Die Schmerzen hätten nicht abgenommen und die Gehstrecke habe nicht erhöht werden können. Insgesamt habe sich ein psychisch sehr belasteter Patient gezeigt. Trotz mehr
facher intensiver Empfehlung habe er eine psychosomatische Anschluss
rehabilitation abgelehnt und sei am 1
1.
September
2018 nach Hause entlassen worden (
Urk.
8/69/3).
3.11
Med.
pract
.
I._
ging in seinem Verlaufsbericht
vom 1
7.
Oktober 2018
von einem stationären Gesundheitszustand aus und hielt den Beschwerdeführer weiterhin für 100
%
arbeitsunfähig für jegliche
Tätigkeiten
. Er stellte eine schlechte Prognose, da sich die Rückenbeschwerden und die Beinsc
hmerzen chronifiziert
hätten und sich ein generalisiertes Schmerzsyndrom entwickelt habe. Alle
therapeutischen
Massnahmen hätten keinerlei Erfolg gebracht, der Beschwerdeführer habe nicht
lernen
können
, wie er mit seinen Schmerzen um
gehen solle. Z
udem leide er unter
einer ausgeprägten
schwere
n
depressive
n
Episode, Angstsymptome
n
, teilweise Panikattacken und eine
r
ausgeprägte
n
Schlafstörung (
Urk.
8/70/7).
3.12
Auch gemäss
Dr.
N._
war der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers am 2
9.
Okt
ober 2018 stationär, bei weiter
bestehender schwerer depressiver Episode sowie einem generalisierten chronischen muskuloskelettalen S
chmerzsyndro
m (ICD-10 F45.41). Eine angepasste Tätigkeit mit Begleitung in einem verständnis
vollen Umfeld sei zur Steigerung des Selbstvertrau
ens
dreimal
die Woche während zwei
Stunden
vorstellbar
und hilfreich, die
Leistungsfähigkeit
sei
um 100
%
vermindert (
Urk.
8/71/2).
3.13
Vom 1
0.
bis 3
0.
Januar 2019 hielt sich der Beschwerdeführer zur psycho
somatischen Rehabilitation im
U._
auf (
Urk.
8/87/1).
Ge
mäss dem Austrittsbericht vom 1
8.
Februar
2019
habe er
das Wärmebad als
schmerzlindernd
empfunden
,
ansonsten
habe
er durch andere Therapien kaum eine Besserung seiner Symptomatik verspürt, weshalb er auch seinen Prozess nur bedingt profitierend habe gestalten können. Beim Austritt habe er psychisch unverändert
geschienen
und auch
die Schmerzen hätten sich nicht verbessert. Insbesondere sei
en
während de
s
gesamten Aufenthalt
s
die ausgeprägte
Antriebs
losigkeit
,
Perspektivlosigkeit
und gedankliche Einengung auf Konflikte/
Probleme
aufgefallen, so dass von einer schweren depressiven Episode ausgegangen werde. Eine berufliche Reintegration er
sc
heine aufgrund der Schmerzlimitationen und des psychischen Befundes mittelfristig kaum realistisch (
Urk.
8/87/4).
3.14
Im Juni 2019 wurde eine erneute polydisziplinäre Begutachtung des Beschwerdeführers durch
Dr.
med.
V._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Dr.
med.
W._
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
AA._
, Facharzt für All
gemeine Innere Medizin
,
und
Dr.
med.
AB._
, Facharzt für Neurologie, von der
C._
durchgeführt. In
der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
vom
7.
August 2019
stellten
die Gutachter
die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits
fäh
igkeit (
Urk.
8/98/7
):
-
b
elastungsabhängige Lumbago bei
Diskusprot
r
usionen
LWK4 - SWK1 mit Kontakt zu den
rezessalen
Nervenwurzeln L5 und S1 beidseits
-
l
eichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
(schwere) Panikstörung (ICD-10 F41.01)
Den folgenden Diagnosen massen die Experten keinen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit zu (
Urk.
8/98/7):
-
u
ndifferenzierte Schmerzstörung (ICD-10 F45.1), Differentialdiag
n
ose chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
s
pezifische isolierte Phobie (enge Räume, Fliegen; ICD-10 F40.2)
-
Haltungsinsuffizienz
-
Adipositas Grad II (BMI 38.1 kg/m2)
-
Senk-Spreiz-Plattfuss beidseits
Die Gutachter führten aus, der Beschwerdeführer
habe
ständige halbseitige Ganz
körperschmerzen rechts angegeben
.
Von orthopädischer S
eite bes
te
he
anhand der klinischen und radiologischen
Untersuchungsbefunde
für das angegebene Halb
seiten-Schmerzsyndrom kein entsprechendes objektivierbares Korrelat. Aufgrund der
degenerativen
Veränderungen der beiden unteren lumbalen Bandscheiben
segmente werde jedoch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen körperlichen Tätigkeit als
Fassadenisoleur
geschätzt, da das Belastungsprofil dieser Tätigkeit das vorhandene Restleistungsvermögen übersteige. Bei der neurologischen Untersuchung hätten keine neurologischen Ausfälle festgestellt werden können. Zum Zeitpunkt der psychiatrischen Untersuchung seien die Kriterien für eine leichte depressive Episode erfüllt gewesen. Aufgrund der anamnestischen Ang
a
ben sei auch von einer Panikstörung auszugehen. So habe der Beschwerdeführer einzelne Episoden von intensiver Angst, die abrupt beg
i
nnen und mindestens einige Minuten dauern
würden
, angegeben und wie von der ICD-10 gefordert eine körperliche B
eglei
tsymptomatik beschrieben. Diese Attacken würden
gemäss dem Beschwerdeführer täg
lich auftreten, so dass gemäss ICD-10 eine schwere Panikstörung zu diagnostizieren sei. Zudem sei von einer spezifischen
isolierten
Phobie (enge Räume, Fliegen) auszugehen, die keinen Ein
fluss auf die A
rbeitsfähigkeit habe
. Hinsichtlich der angegebenen Schmerzen ergebe sich, dass diese nicht vollständig organmedizinisch erklärbar seien. Die
prinzipiell
in Frage
kommende
Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) liege nicht vor.
Vielmehr sei von einer undifferenzierten Somatisierungsstörung, differentialdiagnostisch auch von einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren auszu
gehen
. Gemäss ICD-10 sei die Diagnose einer undifferenzierten Somatisierun
gs
störung
dann zu stellen, wenn - wie beim Beschwerdeführer -
zahlreiche unter
schiedlich
e
und hartnäckige k
örperliche Beschwerden vorlägen
, das vollständige und typische klinische Bild der Somatisierun
gsstörung aber nicht erfüllt sei. Auch mü
ss
e
eine psychologische Verursachung nicht zwingend
vorliegen. Der Schweregrad der Schmerzstörung werde
als leicht eingeschätzt. Von internistischer Seite
her
liege formal eine Adipositas bei einem BMI von 38.1 kg/m2 vor (
Urk.
8/98/6 f.).
Die Experten kamen zum Schluss, der Beschwerdeführer sei in der bisherigen Tätigkeit zu 0
%
und in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 70-80
%
(8.5 Stunden mit einer Leistungsminderung von 20-30
%
) arbeitsfähig. Die Ein
schätzung der
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit mit einer Einschränkung von ungefähr 20-30
%
sei weitgehend übereinstimmend mit der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Gutachten vom Janua
r
2018, so dass diese Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
seit Januar 2018 gelte. Eine Addition der Arbeitsunfähigkeiten der einzelnen Fachgebiete
entfalle
, da in der bisherigen Tätigkeit sowohl von orthopädisch-traumatologischer als auch von psychiatrischer Seite eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit eingeschätzt werde. In einer leidensadaptierten Tätigkeit bestehe lediglich von psychiatrischer Seite eine Teil-Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
8/98/10).
3.15
Da der Beschwerdeführer Schmerzen und eine Schwellung des rechten Hand
gelenks verspürte, wurde er an die Klink für Hand- und plastische Chirurgie des
Kantonsspitals E._
überwiesen
(
Urk.
8/103/2). Gemäss
dem Bericht von
Dr.
med.
AC._
, Oberarzt,
vom 2
9.
Oktober 2019
habe sich die angegebene Schwellung nicht nachvollziehen lassen. Die im MRI beschriebene Partialruptur des TFCC habe sich klinisch auch nicht eindeutig nachvollziehen lassen. Insgesamt bestünden diffuse Druckschmerzen am ganzen Handgelenk (
Urk.
8/103/3).
3.16
Eine von
Dr.
med.
AD._
, Facharzt für Neurologie, am 1
5.
November 2019 durchgeführte Elektroneurographie ergab ein leichtes
Sulcus
ulnaris
Syndrom rechts (
Urk.
8/111/2). Aus neurologischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
8/111/3).
3.17
Am
8.
Januar 2021 führte Prof.
Dr.
med.
AE._
, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie des
Kantonsspitals E._
.
bei Diagnose eines inkompletten
Cauda
-
equina
-Syndroms aufgrund eines Massenvorfalles LWK5/SWK1
e
ine not
fallmässige Mikrodiskektomie L5/S1 durch. Diese verlief komplikationslos (
Urk.
25 S. 1 f.).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu Recht eine vom
1.
Mai 2016 bis am 2
8.
Februar 2018 befristete halbe Rente zu
gesprochen und einen darüberhinausgehenden Rentenanspruch verneint hat.
Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers liegen insbesondere die polydisziplinären Gutachten der
B._
vom 1
0.
Januar 2018 (
Urk.
8/53) und der
C._
vom
7.
August 2019 (
Urk.
8/98) vor.
D
iesen,
vo
m
Versicherung
sträger im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezialärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise
n
sprechen
(BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11.
Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
4.2
4.2.1
Dem
B._
-Gutachten vom 1
0.
Januar 2018 lässt sich zur Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
in der bisherigen Tätigkeit als
Fassadenisoleur
entnehmen, dass
aufgrund der Mehretagen-Bandscheibenerkrankung Einschränkungen bezüglich der Belastbarkeit für schweres Heben und Tragen und für einseitige Zwangshaltungen der Wirbelsäule sowie aufgrund der
Coxart
h
rose
beidseits für regelmässiges Klettern und Leiter
n
steigen bestehen.
D
er Beschwerdeführer
wurde
durch die Gutachter
in seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit als mit
telgradig eingeschränkt und
zu 50
%
arbeitsunfähig beurteilt. Schwere Arbeiten, Tätig
keiten in gebückter und kauernder Position, Heben und Tragen von über 10-20 kg sowie gehäuftes Treppen-, Leiter- und
G
erüstesteigen
h
i
e
lten die Gutachter
gleichzeitig
für unzumutbar (
Urk.
8/53/59). Diese Aufzählung der unzumutbaren Tätigkeiten steht dem Tätigkeitsprofil der bisherigen Tätigkeit
als
Fassadenisoleur
jedoch diametral entgegen.
Die
Gutachter
beschrieben dieses dahingehend, dass
der
Beschwerdeführer
häufig schwere Gerüstteile und Isolationsmaterial mit mehr als 25 kg Gewicht
habe
heben müssen. Er habe überwiegend im Stehen und Gehen gearbeitet, häufig in vornübergebeugter Haltung auf den Gerüsten. Er habe Dämmplatten und Verputzmaterial transportiert und auch bei Kälte und Nässe verputzt.
Sie fügten an, d
iese Tätigkeiten seien aufgrund der
vorhandenen Gesundheitsstörungen mittel- bis langfristig vermutlich nicht leistbar. Das aktuelle Leistungsprofil sei mit der zuletzt ausgeübten Tätigkeit nur schwer ver
einbar (
Urk.
8/53/58).
Somit erweist s
ich das
B._
-Gutachten bezüglich
der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als widersprüchlich
, die Einschätzung
,
der Beschwerdeführer sei
in seiner bisherigen Tätigkeit
zu 50
%
arbeitsfähig, ist nicht nachvollziehbar
.
4.2.2
Was die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit betrifft, hielten die
B._
-Gutachter sodann einerseits fest, für eine Verweistätigkeit gelte ab Januar 2016 bis auf weiteres eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Urk.
8/53/59). Andererseits schätzten sie die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychiatrischer und orthopädischer Sicht als um 50
%
reduziert ein, den Beginn dieser Arbeits
un
fähigkeit nahmen sie ab etwa Ende 2016 beziehungsweise An
fang 2017 an
(
Urk.
8/53/60)
. Ab wann dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit zumutbar ist, erweist sich somit als unklar.
Ebenfalls ungeklärt bleibt die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit vor Januar
beziehungsweise Dezember 201
6.
O
bwohl sich der Unfall
,
der die Beschwerden auslöste
,
bereits am 2
4.
Apri
l 2015 ereignet
hatt
e
,
führten
die
Gutachter
zu diesem Zeitraum einzig aus, die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit werde aus
somatischer Sicht ab dem Unfallereignis bis Dezember 2015 mit 100
%
beurteilt, zur Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
äusserten
sie
sich nicht
(
Urk.
8/53/59)
.
Darüber hinaus erweist sich die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit auch inhaltlich als nicht überzeugend begründet.
So sei der Beschwerdeführer aus rein psychiatrischer Sicht
lediglich
zu 20
%
arbeitsunfähig (
Urk.
8/53/58)
, a
us orthopädischer Sicht sind einzig
Einschränkungen für gewisse Tätigkeiten, insbesondere das Heben von Lasten und das Einnehmen von Zwangshaltungen (
Urk.
8/53/57) sowie das Besteigen von Treppen, Leitern und Gerüsten (
Urk.
8/53/58) beschrieben
. Eine zeitliche Einschränkung der Arbeits
fähigkeit
aus orthopädischer Sicht
ist nicht dargelegt.
Weshalb die Gutachter den Beschwerdeführer d
ennoch als nur zu 50
%
arbeits
fähig für adaptierte Tätigkeiten erachteten,
leuchtet
demnach
nicht
ein
.
Zudem gingen die Gutachter von nur teilweise nachvollziehbaren Beschwerden und einer gewissen Selbstlimitierung aus,
beschrieben dazu jedoch keine weiteren Abklärungen (wie zum Beispiel eine Prüfung der
Waddell
-Zeichen) und
äusserten sich
insbesondere
nicht dazu, ob und inwiefern sie diese bei der Beurteilung der Arbeits
fähigkeit ausgeschlossen hätten, so dass nicht beurteil
t werden kann, welches Ausmass
diese in
validitäts
fremden Faktoren annehmen
und ob sie bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden sind.
4.2.3
Schliesslich berücksichtigten die
B._
-Gutachter
den B
ericht von RAD-Arzt
Dr.
A._
vom 2
1.
Juni 2016 bei der Erstellung des Gutachtens nicht (vgl.
Urk.
8/53/6 ff.).
Dr.
A._
hatte den Beschwerdeführer am 2
1.
J
uni 2016
orthopädisch
untersucht und
war zum Schluss gekommen, dass dieser
im Untersuchungszeitpunkt in der bisherigen Tätigkeit gar nicht und in einer ange
passten Tätigkeit zu 20-30
%
arbeitsfähig war (
Urk.
8/27/8). Somit wäre der Bericht
für die retrospektive Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
von
Relevanz
gewesen, hielten die Gut
achter doch fest, dass der Verlauf der Arbeitsfähigkeit nach Dezember 2015 schwierig zu beurteilen sei, da hierfür nur wenig aussagekräftige Befundberichte vorlägen (
Urk.
8/53/56)
.
und erachteten die retrospektive Beurteilung der Arbeits
fähigkei
t allgemein als schwierig (
Urk.
8/53/56
)
.
D
ie mangelnde Kenntnis
des
RAD-
Untersuchungsberichtes vom 2
1.
Juni 2016
vermag daher weitere Zweifel am
B._
-
Gutachten zu erwecken, kann doch nicht gesagt werden, dass es unter Berücksichtigung sämtlicher relevanter Akten erstellt wurde.
4.2.4
Nach dem Gesagten stützt sich die Expertise der
B._
vom 1
0.
Januar 2018 nicht auf die vollständige
n medizinischen Grundlagen
, darüber hinaus erweist sich
ihre
Arbeitsfähigkeitseinschätzung sowohl für die bisherige als auch eine angepasste Tätigkeit als nicht nachvollziehbar und daher
als
nicht überzeugend. Es sprechen somit konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der genannten Expertise
(BGE 137 V 210 E. 1.3.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 2
0.
April 2021 E. 3 mit Hinweisen)
. Sie
erfüllt
insgesamt
die bundesgerichtlichen Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten
(vgl. E. 1.4
)
nicht
und
stellt keine hinreichende Grundlage für
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
dar
.
4.3
4.3.1
Zum
C._
-Gutachten vom
7.
August 2019
ist zunächst festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin ausdrücklich ein Verlaufsgutachten eingeholt und nur um eine Beurteilung des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit für den Zeitraum seit der Begutachtung durch die
B._
ersucht hat (
Urk.
8/98/4
). Die
C._
-Gutachter äusserten sich dementsprechend nicht zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vor diesem Zeitpunkt, wodurch sich dieses Gutachten von
v
ornherein nicht zur rechtsgenüglichen Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers über den gesamten fraglichen Zeitraum eignet.
4.3.2
Ferner
lässt sich
dem
C._
-Gutachten
zur Arbeitsfähigkeit
des Beschwerde
führers entnehmen, dass dieser
in der bisherigen Tätigkeit zu 0
%
und in einer angepassten Tätigkeit zu 70-80
%
(8.5 Stunden mit einer Leistungsminderung von 20-30
%
) arbeitsfähig sei. Dies sei weitgehend übereinstimmend mit der
Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit im Gutachten vom Januar 2018, so dass diese Einschätzung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit Januar 2018 gelte (
Urk.
8/98/10). Die Leistungseinschränkung für eine angepasste Tätigkeit sei psychiatrisch begründet, in den weiteren untersuchten Fachgebieten hielten die jeweiligen Gutachter eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten fest
(
Urk.
8/98/6 f.)
.
Die Beschwerdegegnerin interpretierte diese Ein
schätzung dahingehend, dass bereits im Zeitpunkt der
B._
-Begutachtung vom November 2017 eine Verbesserung der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers eingetreten sei (
Urk.
2 S. 5). Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, die von den
C._
-Gutachtern angenommene Übereinstimmung mit dem
B._
-Gutachten beruhe auf einem Irrtum, da die
B._
-Gut
achter klarerweise von einer im Gutachtenszeitpunkt verbleibenden Arbeits
un
fähigkeit von noch 50
%
ausgegangen seien (
Urk.
1 S. 9 f.).
4.3.3
D
ie Gutachter der
B._
schätzten die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers
in einer angepassten Tätigkeit
aus psychiatrischer und orthopädischer Sicht
als insgesamt um
50
%
reduziert ein
,
eine Steigerung auf 80
%
sollte
mittelfristig
erst
nach Durchführung der vorgeschlagenen Massnahmen
- namentlich der Einleitung einer ambulanten oder gegebenenfalls im Rahme
n
einer stationären Rehabilitation durchgeführten multimodalen Schmerztherapie mit einem aktivierenden multimodalen Therapieansatz und ambulanter Weiter
betreuung durch einen Rheumatologe
n - möglich sein
(
Urk.
8/53/60).
Somit gingen die
B._
-Gutachter von einer im Gutachtenszeitpunkt bestehenden Arbeitsunfähigkeit von 50
%
aus.
Die Einschätzung der
C._
-Gutachter
, der Beschwerdeführer sei seit Januar 2018 zu 70-80
%
arbeitsfähig, beruht
somit auf einer falschen Annahme
und erweist sich als mit der Einschätzung der
B._
-Gutachter
nicht vereinbar
.
Der Versuch der Beschwerdegegnerin, diesen Widerspruch aufzulösen, indem sie von einer im Zeitpunkt der Begutachtung durch die
B._
-Gutachter ein
getretenen Verbesserung des
Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers
aus
geht
(
Urk.
2 S. 5)
,
entbehrt einer medizinischen Grundlage.
So hielten die
C._
-Gutachter zum zeitlichen Verlauf des Gesundheitszustandes fest, es sei schwierig abschliessend zu beurteilen, ob es sich bei der
anlässlich der
aktuellen gut
achterlichen Untersuchung
gestellten
Diagnose
eine
r
leichte
n
depressive
n
Episode
, die
anstelle
der von den
B._
-Gutachtern diagnostizierten
Anpassungsstörung
gestellt wurde
, tatsächlich um eine leichte Verschlechterung der depressiven Symptomatik handle oder einfach um eine andere Einschätzung bei ähnlicher Symptomatik. Im Gutachten der
B._
würden die aktuell vom Beschwerdeführer angegebenen Panikattacken nicht aufgeführt, obwohl bereits im psychopathologischen Befund der behandelnden Psychiaterin
vom 1
0.
Mai 2017
Panikgefühle mit Herzklopfen und At
embeschwerden beschrieben worden seien
. Sollten zum Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung
im
Januar 2018 tatsächlich noch keine Pani
kattacken vorgelegen haben, sei
von einer Ver
schlechterung des psychischen Zustandes auszugehen (
Urk.
8/98/11).
In psychischer Hinsicht gingen die
C._
Gutachter somit von einem gleich
bleibenden Gesundheitszustand oder allenfalls von einer Verschlechterung aus, in somatischer Hinsicht äusserten sie sich nicht
konkret
zu einer allfälligen Veränderung. Die von der Beschwerdegegnerin erblickte Verbesserung des Gesundheitszustandes ist jedenfalls nicht ersichtlich. Insbesondere bestehen auch keine Hinweise auf eine zwischen den beiden Gutachten
eingetretene
Verbesserung des Gesundheitszustandes, hielten doch die Ärzte der Klinik für Rheumatologie des
Universitätsspitals T._
und des
U._
, wo sich der Beschwerdeführer zwischenzeitlich in Behandlung begeben hatte, jeweils fest, dass die Symptomatik nicht habe
verbessert werden können (
Urk.
8/69/3,
Urk.
8/87/4)
,
und
es
gingen auch der Hausarzt
med.
pract
.
I._
sowie die behandelnde Psychiaterin
Dr.
N._
von einem stationären
Gesundheits
zustand
aus (
Urk.
8/70/7,
Urk.
8/71/2).
Der Widerspruch zwischen den Arbeitsfähigkeitseinschätzungen der beiden Gut
achter
teams
kann somit nicht aufgelöst werden. Da nicht geklärt wurde, ob die Gutachter der
C._
bei einer korrekten Interpretation der Ergebnisse des
B._
-Gutachtens ihre Einschätzung der Arbeitsfähigkeit angepasst hätten oder allenfalls von einer abweichenden Beurteilung eines gleich gebliebenen Sachverhalts auszugehen wäre, kann auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der
C._
-Gutachter
auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass sich die Beurteilung der
B._
-Gutachter nicht als überzeugend erwiesen hat
,
nicht abgestellt werden.
4.4
Zusammenfassend erweist sich sowohl das
eingeholte
Gutachten der
B._
als auch dasjenige der
C._
für den vorliegend strittigen Zeitraum
als unvoll
s
tändig und nicht überzeugend. Sie erfüllen
daher die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine
beweiskräftige ärztliche Expertise nicht
(vgl. E. 1.4
), wes
halb darauf nicht
abgestellt werden kann.
4.5
Auch die
weiteren aktenkundigen ärztlichen
Berichte lassen keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit über den gesamten Zeitraum seit der Anmeldung vom
1
8.
November 2015
beziehungsweise seit einem allfälligen Rentenbeginn am
1.
Mai 2016
zu.
So ging
RAD-Arzt
Dr.
A._
bei seiner Beurteilung
vom 2
1.
Juni 2016
davon aus, dass
eine erhebliche Wurzelsymptomatik vorliege (
Urk.
8/27/8)
,
obwohl im Untersuchungszeitpunkt
eine floride
R
adikulopathie von den behandelnden Ärzten
bereits ausgeschlossen worden war
(
Urk.
8/20/5). Seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit erweist sich daher ebenfalls als nicht über
zeugend und es kann darüber hinaus daraus keine Aussage für den gesamten fraglichen Zeitraum abgelesen werden, da er den Gesundheitszustand noch nicht für stabil und eine vorzeitige medizinische Prüfung sechs bis zwölf Monate später für notwendig erachtete (
Urk.
8/27/8).
Von den behandelnden Ärzten erstellten sodann einzig
der
Hausarzt
med.
pract
.
I._
und die Psychiaterin
Dr.
N._
über einen längeren Zeitraum Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit, wodurch es an einer fachärztlichen Beurteilung der somatischen Gesundheitsbeeinträchtigung fehlt. Zudem diskutierten die be
handelnden Ärzte die bereits
anlässlich der am
3.
Oktober 2016 im Rahmen der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit und in der Folge auch in beiden Gutachten festgestellte Tendenz zur Selbst
limitierung des Beschwerdeführers nicht
, so dass nicht davon ausgegangen wer
den kann, dass sie eine allfällige geringe Leistungsbereitschaft bei ihrer Beurteilung ausschlossen
und nur die tatsächlichen Folgen der Gesundheits
schädigung berücksichtigten
.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders, wenn mit dem angefochtenen Entscheid
d
er Sach
verhalt ungenügend festgestellt wurde (§
26 Abs.
1 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht,
GSVGer
). Im Prozess um
die
Zusprechung oder Verweigerung von Sozialversicherungsleistungen holt die Beschwerdeinstanz in der Regel ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie im Rahmen der Beweiswürdigung zum Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer Sachverhalt müsse (ins
gesamt oder in wesentlichen Teilen) noch gutachtlich geklärt werden oder eine Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig. Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn es darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen. Ebenso steht es dem Versicherungsgericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn allein eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Aus
führungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4).
Vorliegend steht die Rechtsprechung gemäss BGE 137 V 210 einer Rückweisung an die Beschwerdegegnerin nicht entgegen, änderte BGE 137 V 210 doch nichts an der gesetzlichen Ordnung, wonach der Beweis über sozialversicherungs
rechtliche Ansprüche primär auf der Stufe des Administrativverfahrens (vgl. Art.
43 f. ATSG) und nicht im gerichtlichen Prozess geführt wird (vgl. BGE 137 V 210 E.
2.2.2 und 4.2). Wie das Bundesgericht festgestellt hat, litte die Rechts
staatlichkeit der Versicherungsdurchführung empfindlich und wäre von einem Substanzverlust bedroht, wenn die Verwaltung von vornherein darauf bauen könnte, dass ihre Arbeit ohnehin in jedem verfügungsweise abgeschlossenen Sozialversicherungsfall auf Beschwerde hin gleichsam gerichtlicher Nach
besserung unterläge (BGE 137 V 210 E. 4.2).
5.2
Wie sich aus dem Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI) ergibt, obliegt es dem RAD, nach Eingang eines polydisziplinären Gut
achtens zu prüfen, ob dieses den Qualitätsanforderungen entspricht, namentlich ob die Leitlinien zur versicherungsmedizinischen Begutachtung der Fachgesell
schaften eingehalten wurden, und er hat eine Bewertung der Nachvollziehbarkeit des Gutachtens anhand der versicherungsmedizinischen Argumentationskette (Fragestellung, Informationsbeschaffung, Informationsbewertung, Beantwortung der Fragestellung) vorzunehmen (
Rz
.
2080 KSVI). Deutliche Brüche in der Argumentationskette erfordern Erläuterungs- oder Ergänzungsfragen bei der Gutachterin, dem Gutachter oder der Gutachtensstelle (
Rz
.
2081 KSVI). Der RAD hält in einer kurzen Stellungnahme das Ergebnis seiner versicherungs
medizinischen Prüfung fest. Er erklärt bzw. ergänzt kleinere Lücken in der Argumentationsfolge mit seinem versicherungsmedizinischen Wissen (
Rz
.
2082 KSVI).
5.3
Vorliegend ist der RAD seiner
Pflicht nicht genügend nachgekommen, die
ein
gegangene
n
Gutachten beziehungsweise der
en Schlussfolgerungen zu überprü
fen (vgl.
Urk.
8/115/10 f.,
Urk.
8/115/16 f.
). Andernfalls hätte ihm ohne Weiteres auf
fallen müssen, dass
die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
im
B._
-Gutachten nicht nachvollziehbar war und diejenige im
C._
-Gutachten auf falschen An
nahmen beruhte.
Dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer im
Einwand
verfahren
explizit auf
letzteren Umstand
hi
n
gewiesen hatte
(
Urk.
8/128/3 f.
)
und der im damali
gen Zeitpunkt neu hinzugezogene
RAD-Arzt
Dr.
med.
AF._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie, dennoch einzig auf die im
Ein
wandverfahren
eingegangenen ärztlichen Berichte Bezug nahm und die Zuverlässigkeit der Gutachten nicht mehr überprüfte (
Urk.
8/129/3)
.
Vor diesem Hintergrund rechtfertigt sich vorliegend eine Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin, damit sie die Leistungsfähigkeit des Beschwerde
führers rechtsgenügend abklärt und anschliessend über den Leistungsanspruch neu verfügt.
In diesem Sinne ist die Beschwerde betreffend die Verfügungen vom 2
1.
August 2020
und vom 2
8.
Oktober 2020 gutzuheissen.
5.4
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweist es sich mangels Bestimmbarkeit des auszuzahlenden Betrags nicht als möglich, über den mit der Verfügung
vom 2
8.
Oktober 2020 (
Urk.
11/2)
gestellten Antrag um eine von der Verfügung vom 2
1.
August 2020 abweichende Regelung der Auszahlung der Rente abschliessend zu entscheiden
.
6.
6.1
Es bleibt die
Rückforderungsverfügung vom
3
0.
September 2020
zu überprüfen
(
Urk.
10/2).
Die Beschwerdegegnerin stellte
diesbezüglich
einen
Nichteintretens
antrag
, da der Beschwerdeführer nicht Adressat der Verfügung vom 3
0.
September 2020 und daher nicht beschwerdelegitimiert sei
(
Urk.
17,
Urk.
20)
.
6.2
Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat
(
Art.
59 ATSG)
. Die Rechtsprechung betrachtet als schutzwürdiges Interesse jedes praktische oder rechtliche Interesse, welches eine von einem Entscheid betroffene Person an dessen Änderung oder Aufhebung geltend machen kann. Das schutz
würdige Interesse besteht somit im praktischen Nutzen, den die Gutheissung der Beschwerde dem
Entscheidadressaten
verschaffen würde, oder – anders aus
gedrückt – im Umstand, einen Nachteil wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderweitiger Natur zu vermeiden, welchen der angefochtene Entscheid mit sich bringen würde. Das rechtliche oder auch bloss tatsächliche Interesse braucht so
mit
mit dem Interesse, das durch die von der
beschwerdeführenden
Person als verletzt bezeichnete Norm geschützt wird, nicht übereinzustimmen. Immerhin wird verlangt, dass die Person durch den angefochtenen Entscheid stärker als jedermann betroffen sei und in einer besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache stehe (BGE 133 V 188 E. 4.3.1, 239 E. 6.2; 131 II 361 E. 1.2; 131 V 298 E. 3; 130 V 560 E. 3.3).
Verpflichtet zur Rückzahlung wurde gemäss Dispositiv in der Verfügung «Der Leistungsempfänger oder dessen Vertreter». Adressat war
die Stadt
D._
als Empfängerin der Nachzahlung,
die sich selber nicht gegen die Rückforderung gewehrt hat. D
em
Rechtsvertreter des Versicherten
wurde
eine K
opie
der Ver
fügung
zugestellt
(
Urk.
10/2). Beim Betrag, den die Beschwerdegegnerin
von der Stadt
D._
zurückforderte, handelte es sich um eine grundsätzlich dem Beschwerdeführer zustehende Rentennachzahlung, wobei diese im Rahmen der
Verrechnung bzw.
Drittauszahlung an die S
tadt
D._
ausbezahlt worden war
. Wie der Beschwerdeführer richtig vorbringt, führt eine Rückforderung dieses Betrages zu einer Erhöhung seiner Schulden bei der Stadt
D._
(
Urk.
24 S. 3)
beziehungsweise
könnte
ihm ein allenfalls verbleibender Betrag
der Nach
zahlung
dadurch nicht ausbezahlt
werden
. Er hat somit ein schützenswertes Interesse an der Aufhebung der Verfügung vom 3
0.
September 2020 und es ist auf die dagegen gerichtete Beschwerde
einzutreten.
6.
3
6.3
.1
Der Besch
werdeführer macht geltend,
die Beschwerdegegnerin
habe
sein
recht
liches Gehör verletzt
, indem sie kein
Vorbescheidverfahren
durchgeführt habe (
Urk.
10/1 S. 3). Die Beschwerdegegnerin ist d
agegen der Ansicht, dass durch die angefochtene
Verfügung lediglich die Auszahlung der Rente tangiert sei, die nach
Art.
60
Abs.
1
lit
. c IVG zum Aufgabenbereich der Ausgleichskasse gehöre und daher nicht dem
Vorbescheidverfahren
unterliege (
Urk.
20).
6.3
.2
Die IV-Stelle teilt der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit. Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör
im Sinne von
Art.
42 ATSG (
Art.
57a
Abs.
1 IVG
, in der hier anwendbaren, bis
3
1.
Dezember 2020
gültig gewesenen Fassung
)
.
Gegen
stand des Vorbescheids sind nach
Art.
73
bis
Abs.
1 IVV Fragen, die in den Auf
gabenbereich gemäss
Art.
57
Abs.
1
lit
.
c-f
IVG der IV-Stellen fallen.
E
c
ontrario muss k
ein
Vorbescheidverfahren
durchgeführt werden bei Fragen, die in den Zuständigkeitsbereich der Ausgleichskassen fallen (Berechnung von Renten, Tag
geldern sowie der Entschädigung für Betreuungskosten, Festsetzung des
Nach
zahlungs
- und Verrechnungsbetrags).
Diese Regelung in
Art.
73
bis
Abs.
1 IVV wurde von der Rechtsprechung als
gesetzmä
ssig befunden.
Es ist
einer Partei
aber
gegebenenfalls
das rechtliche Gehö
r
zu gew
ä
hren (BGE 134 V 97 E. 2.8.2 f.).
6.3
.3
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verfügung vom 3
0.
September 2020 da
mit, dass nachträglich ein Verrechnungsantrag der Inn
ov
a Versicherungen AG eingegangen sei (
Urk.
10/2). Die Rückforderung
gegenüber der Stadt
D._
als Leistungsempfängerin (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_216/2013 vom 1
6.
Juli 2013)
erfolgte zur Korrektur der zu berücksichtigenden Verrechnungs
forderungen und zur Neu
festsetzung
des
Nachzahlungsbetrags. D
iese Frage
stellungen
f
allen
als solche
klar
in den Kompetenzbereich
d
er Ausgleichskasse. Ein
Vorbescheidverfahren
war demnach
jedenfalls
nicht durchzuführen.
Ob dem Beschwerdeführer dennoch vor Erlass der Verfügung das rechtliche Gehör zu gewähren gewesen wäre, kann
in Anbetracht des Verfahrensausgangs betreffend den materiellen Leistungsanspruch aus prozessökonomischen Gründen
offen bleiben
. Denn auch wenn der Gehörsanspruch verletzt worden wäre, würde
zudem
die Tatsache, dass der Beschwerdeführer nicht unmittelbar
,
sondern mittelbar von der Rückzahlung betroffen wäre, die Gehörsverletzung als
eher
nicht schwerwiegend
erscheinen lassen,
so dass
die
se
vorliegend
enfalls
durch die umfassende Rechts-
und Sachverhaltsüberprüfung durch das Gericht als geheilt angesehen werden
könnte (vgl. BGE 126 V 13
0 E.
2).
6.
4
6.
4
.1
Nach
Art.
25 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (
Abs.
1). Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Ent
richtung der einzelnen Leistung (
Abs.
2 Satz 1 in der hier anwendbaren, bis am 3
1.
Dezember 2020 in Kraft gewesenen Version).
6.
4
.
2
Art.
25
Abs.
1 ATSG knüpft die Rückerstattungspflicht an einen unrechtmässigen Leistungsbezug. Die Unrechtmässigkeit der Leistung kann sich aus verschiedenen Gründen ergeben. Sie kann nach der Rechtsprechung vorliegen, wenn die Bedingungen für eine prozessuale Revision (
Art.
53
Abs.
1 ATSG) oder eine Wiedererwägung (
Art.
53
Abs.
2 ATSG) der ursprünglichen Verfügung erfüllt sind (BGE 130 V 380 E. 2.3.1, 142 V 259 E. 3.2). Auch kann die Ausrichtung einer Leistung unter einer (in der Folge nicht erfüllten) Bedingung zur Rückerstattungs
pflicht führen (BGE 126 V 42 ff.).
6.
4
.3
Mit Schreiben vom 1
6.
März 2016 meldete die
I
nnova
Versicherungen AG
der Beschwerdegegnerin ihren Anspruch auf Verrechnung ihrer Rückforderung der Vorschussleistungen mit voraussichtlichen Nachzahlungen von IV-Renten an und ersuchte um die Zustellung des Formulars «Verrechnungsanspruch» zu gegebener Zeit (
Urk.
8/18). Nachdem die Beschwerdegegnerin am 1
3.
Februar 2020 den Vorbescheid erlassen hatte, überwies sie die Sache zur Vorbereitung der Leistungsberechnung an die Ausgleichskasse des Kantons Zug, worauf diese der
I
nnova
Versicherungen AG
am 2
9.
Juni 2020 das Formular «
Verrechnu
ng von Nachzahlungen der AHV/IV»
zustellte (
Urk.
21/15). Die
I
nnova
Versicherungen AG
retournierte dieses am 1
5.
Juli 2020 mit dem Vermerk, keinen Antrag auf Verrechnung zu stellen (
Urk.
21/17/4 f.). Am 2
1.
August 2020 erging die Renten
verfügung (
Urk.
2
), in der Folge wurde der Betrag von
Fr.
40'122.
--
offenbar
an
die
Stadt
D._
ausbezahlt. Gemäss einer Aktennotiz vom 2
5.
September 2020 wies der Sozialdienst der Stadt
D._
die Ausgleichskasse darauf hin, dass die Innova
Versicherungen AG
einen Verrechnungsantrag gestellt habe, je
doch den Verrechnungsantrag fälschlicherweise «ohne Verrechnung» retourniert habe (
Urk.
21/30). Am 3
0.
September 2020 reichte die
I
nnova
Versicherungen AG
das Verrechnungsformular erneut ein und machte eine Verrechnung in der Höhe von
Fr.
32'820.-- geltend (
Urk.
21/34/4 ff.).
Die Leistungsausrichtung an die Stadt
D._
war vor
Eintritt
der Rechtskraft des ihr zugrunde liegenden Entscheids vom 2
1.
A
ugust 2020 erfolgt, war doch am 1
6.
September 2020 das vorliegende Verfahren anhängig gemacht worden. Zufolge Fehlens eines rechtskräftigen Verwaltungsaktes erfolgte die Zahlung also ohne Rechtsgrund. Mit der Aufhebung und Rückweisung der Hauptsache an die Beschwerdegegnerin (unter Wahrung des rechtlichen Gehörs des Beschwerde
führers) im vorliegenden V
erfahren bleiben
bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Rentenberechtigung und damit die Grundlage jeglicher Verrechnung und Nach
zahlung
weiterhin
offen. Damit sind die
Rentennachzahlungen an die öffentliche Hand zu Unrecht erfolgt (Urteil des Bundesgerichts 9C_877/2010 vom 2
8.
März 2011 E. 3.2)
und die Rückerstattungsverfügung erging zu Recht.
Damit ist die Beschwerde gegen die Verfügung vom
3
0.
September 2020 abzu
weisen.
7
.
7
.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG in der hier anwendbaren, bis am 3
1.
Dezember 2020 in Kraft gewesenen Fassung
,
ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor
dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG (ebenfalls in der hier anwendbaren, bis am 3
1.
Dezember 2020 in Kraft gewesenen Fassung;
Art.
83 ATSG) kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis Fr.
1'000.-- und vorliegend auf
Fr.
1‘000.-- festgesetzt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
zu einem
Viertel
dem Beschwerdeführer und zu
drei Vierteln
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7
.2
7.2.1
Ausserdem
hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
(
GSVGer
)
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses,
dem
Mass
des Obsiegens sowie
dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzen.
Der Beschwerdeführer beantragte
,
die Beschwerdegegnerin sei zum vollen Kostenersatz für den
für die Beschwerden gegen die Verfügungen
vom 3
0.
September 2020 (
Urk.
10/2) und
2
8.
Oktober 2020 (
Urk.
11/2)
n
otwendig gewordenen
Aufwand zu verpflichten
, da sie damit gegen das Recht
verstossen
und die Verfahren mutwillig verursacht habe (
Urk.
10/1 S
.
4,
Urk.
11/1 S. 4)
.
Mit Honorarnoten vom
9.
Oktober und 2
5.
November 2020 machte er
einen deswegen
entstandenen Aufwand von jeweils
Fr.
1‘680.
10
(5 Stunden à
Fr.
300.--
z
zgl. Kleinspesenpauschale von 4
%
und Mehrwertsteuer;
Urk.
10/3,
Urk.
11/3) geltend.
7.2.2
Gemäss
Art.
108 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO), in Verbindung mit
§
28
lit
. a
GSVGer
hat unnötige Kosten zu bezahlen, wer sie verursacht hat.
Die Rückerstattungsverfügung musste die Beschwerdegegnerin zeitnahe erlassen und der Beschwerdeführer unterliegt in diesem Verfahren, weshalb er für dieses Unterliegen keine Entschädigung erhält (Honorarnote vom
9.
Oktober 2020,
Urk.
10/3).
7.2.3
Der Beschwerdeführer
obsiegt
hingegen
in der Hauptsache in dem Sinne, dass die beiden Verfügungen vom 2
1.
August und 2
8.
Oktober 2020 aufgehoben werden und neue Abklärungen getroffen werden müssen, was einem gänzlichen Obsiegen
des Beschwerdeführers
entspricht.
Der Beschwerdeführer
hat am
1
6.
September 2020 Beschwerde gegen die Ver
fügung vom 2
1.
August 2020 erhoben, worauf die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 1
8.
September 2020 zur Einreichung der Beschwerdeantwort auf
gefordert worden war (
Urk.
4). Obwohl ihr somit bekannt
war
, dass hinsichtlich des gesamten, in der Verfügung vom 2
1.
August 2020 geregelten
Leistungs
anspruchs
-
mithin auch den Auszahlungsmodalitäten - ein Rechtsmittel
verfahren hängig war
,
zog sie diese während des laufenden Beschw
erde
verfahrens mit Verfügung
vom
2
8.
Oktober 2020 (
Urk.
11/2)
in
W
iedererwägung
.
Da die Beschwerdegegnerin
damit
den Anträgen des Beschwerdeführers
jedoch
nicht entsprach
und die
neu erlassene Verfügung
in der Beschwerdeantwort
vom 2
3.
November 2020
mit keinem Wort erwähnte
(vgl.
Urk.
7)
, war
der Beschwerdeführer zur
Klärung der Sache
gezwungen, dagegen Beschwerde ein
zureichen.
Zwar
war die Beschwerdegegnerin
gemäss
Art.
53
Abs.
3 ATSG grund
sätzlich berechtigt, die Verfügung vom 2
1.
August 2020 in Wi
edererwägung zu ziehen. Da dies
im vorliegenden Fall eine Schlechterstellung des Beschwerde
führers zur Folge hatte
,
hätte sie indessen
im gerichtlichen Verfahren
Anträge
auf Abänderung der Verfügung vom 2
1.
August 2020 stellen müssen
.
Hätte sie dies getan, wäre dem Beschwerdeführer vom Gericht Frist zur Stellungnahme zu den Anträgen der Beschwerdegegnerin angesetzt beziehungsweise ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet worden, im Rahmen dessen sich der Beschwerde
führer zu den Anträgen der Beschwerdegegnerin zu
äussern
gehabt hätte, wodurch ihm der für das Verfassen der Beschwerde
n
aufgewendete Aufwand ebenfalls entstanden wäre.
Richtig ist jedoch, dass er durch das Vorgehen der Beschwerdegegnerin
nach
der Vereinigung der Verfahren zu einer zusätzlichen Eingabe aufgefordert wurde
(
Urk.
24)
, die andernfalls nicht notwendig gewesen wäre. Es ist ihm somit der
gerechtfertigte,
gesamte Aufwand
für das Verfahren betreffend die beiden Rentenverfügungen zu entschädigen.
7.2.4
Der Beschwerdeführer
machte
in der
Honorarnote vom 2
5.
November 2020 (
Urk.
11/3)
betreffend die Beschwerde vom 2
5.
November 2020
gegen
die dritte Verfügung
einen Aufwand von fünf Stunden bei einem Stundenansatz von
Fr.
300.
— (vier Stunden für
das Verfassen der Beschwerde
, Eingabe an das Gericht und
E-M
ail an den Klienten
sowie eine Stunde für das Studium der Verfügung und ein Telefonat mit der IV-Stelle)
sowie eine Kleinspesenpauschale von 4
%
geltend. Dieser Aufwand erscheint für das Verfassen
dieser
Beschwerdeschrift von rund drei Seiten als überhöht beziehungsweise als nicht notwendig, zumal die Sachlage sowie die Akten dem Rechtsvertrete
r
bereits bekannt waren. Es können dafür
insgesamt
drei
Stunden als gerechtfertigt betrachtet werden. Dies ergibt beim gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
220.-- ein Hono
rar von
Fr.
660.--
zuzüglich
Barauslagen von gerichtsüblich 3
%
und Mehrwertsteuer von 7.7
%
, woraus insgesamt eine Entschädigung von
Fr.
732.--
resultiert.
Die
Kosten für das restliche Verfahren (ohne Verfahren Rückforderung) sind mangels einer Kostennote u
nd
aufgrund des
zu schätzenden
,
gerechtfertig
t
en
Au
fwand
s
ermessensweise auf
Fr.
3‘000
.--
(inklusive
Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen
.
Demzufolge ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer
eine Prozessentschädigung von
insgesamt
Fr.
3‘
732
.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.