Decision ID: f0976e2c-963a-44f8-99bf-24ae1c12dd9a
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ B.G., geboren 1965, ist Staatsangehöriger von Serbien (Kosovo). Er reiste am 1.
April 1990 illegal in die Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Dieses wurde mit
Verfügung vom 24. Juni 1993 abgewiesen. Eine gegen die Verweigerung des Asyls
erhobene Beschwerde wurde von der Schweizerischen Asylrekurskommission mit
Entscheid vom 27. September 1996 abgewiesen. Mit Beschluss vom 12. August 1997
hiess die Asylrekurskommission ein Revisionsgesuch von B.G. gut und erlaubte
diesem, den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abzuwarten. Am 23. Oktober
1997 hiess das Bundesamt für Flüchtlinge ein Wiedererwägungsgesuch von B.G.
teilweise gut und ordnete die vorläufige Aufnahme in der Schweiz an. In der Folge
wurde das Beschwerdeverfahren von der Asylrekurskommission als gegenstandslos
abgeschrieben. Am 22. Dezember 2000 wurde B.G. aus humanitären Gründen eine
Aufenthaltsbewilligung erteilt. Das Bundesamt für Flüchtlinge stellte in der Folge am 2.
Oktober 2001 fest, dass die vorläufige Aufnahme erloschen sei.
Mit Verfügung vom 22. August 2003 wies das Ausländeramt ein Gesuch von B.G. um
Erteilung der Niederlassungsbewilligung ab mit der Begründung, die zeitlichen
Voraussetzungen seien nicht erfüllt, da das Bundesamt für Migration das
Kontrollentlassungsdatum auf den 22. Dezember 2010 angesetzt habe.
Am 22. Juli 2004 heiratete B.G. in Decan, Kosovo, seine Landsfrau A.B., geboren 1975.
Am 15. November 2004 ersuchte er um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung für seine
Ehefrau im Rahmen des Familiennachzugs. Mit Verfügung vom 17. März 2005 wies das
Ausländeramt das Gesuch ab mit der Begründung, der Gesuchsteller verfüge nicht
über das für den Unterhalt der Familie notwendige Einkommen.
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Am 13. Februar 2006 stellte B.G. erneut ein Familiennachzugsbegehren für seine
Ehefrau. Das Ausländeramt wies dieses Begehren mit Verfügung vom 11. Juli 2006
abermals ab mit der Begründung, der Gesuchsteller verfüge nicht über die von ihm
aufzubringenden Mittel für den Unterhalt der Familie. Der Gesuchsteller müsste über
ein Nettoeinkommen von Fr. 3'190.55 verfügen. Gemäss der Rentenbestätigung der
Sozialversicherungsanstalt sowie den eingereichten Lohnabrechnungen verfüge er über
ein monatliches Einkommen von Fr. 2'777.65. Bei einem allfälligen Nachzug der
Ehefrau würde ein hypothetisches Einkommen angerechnet, weshalb nicht mehr mit
der Auszahlung von Ergänzungsleistungen gerechnet werden könne. Im übrigen könne
sich der Gesuchsteller als Inhaber einer Aufenthaltsbewilligung nicht auf Art. 8 der
Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK) berufen.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob der Betroffene durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 20. Juli 2006 Rekurs, der vom Justiz- und
Polizeidepartement mit Entscheid vom 19. Dezember 2006 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 5. Januar 2007 erhob B.G. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid sei aufzuheben und der
Familiennachzug sei zu gewähren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten
des Staates. Zur Begründung wird im wesentlichen vorgebracht, der Beschwerdeführer
lebe seit 1990 in der Schweiz. Der Aufenthalt von über sechzehn Jahren lasse eine
ausgeprägte und schützenswerte Bindung an den Wohnort entstehen, weshalb von
einem gefestigten Aufenthaltsrecht auszugehen sei. Zu berücksichtigen sei zudem die
überall in der Schweiz geübte Praxis, wonach Ehefrau und Kinder eines vorläufig
Aufgenommenen ebenfalls vorläufig aufgenommen würden. Ausserdem sei zu
berücksichtigen, dass die Ergänzungsleistungen automatisch entsprechend angepasst
würden, sobald ein Ehepartner eines in der Schweiz seit über zehn Jahren lebenden
berenteten Ausländers in der Schweiz sei, sodass überhaupt kein Fehlbetrag resultiere.
Zudem handle es sich bei den Ergänzungsleistungen um gesetzlich zugesicherte
Versicherungsleistungen, welche in keiner Weise Fürsorgeleistungen seien. Auf die
weiteren Vorbringen in der Beschwerde wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden

Erwägungen eingegangen.
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Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 9. Februar 2007 die Abweisung
der Beschwerde. Sie verwies auf die Akten und den angefochtenen Entscheid und hielt
fest, sie gehe von einem Irrtum des Rechtsvertreters aus, soweit in der Beschwerde
von einem Familiennachzug von Kindern gesprochen werde. In seiner Stellungnahme
vom 27. Februar 2007 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers fest, es liege
diesbezüglich ein Versehen vor.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). B.G. ist
zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 5. Februar 2007 entspricht zeitlich, formal
und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher ein-zutreten.
2./ Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die zuständige Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt und Niederlassung.
2.1. Art. 17 Abs. 2 ANAG setzt für den Familiennachzug das Vorliegen einer
Niederlassungsbewilligung voraus. Zwar befindet sich der Beschwerdeführer nunmehr
seit nahezu siebzehn Jahren in der Schweiz, doch hat er nie über eine
Niederlassungsbewilligung verfügt, weshalb er aus dieser Bestimmung nichts zu seinen
Gunsten abzuleiten vermag (BGE 130 II 281 E. 2.2).
2.2. Der Beschwerdeführer beruft sich auf Art. 8 EMRK. Diese Bestimmung
gewährleistet, wie auch Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV),
das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens. Es kann diese Garantien
verletzen, wenn einem Ausländer, dessen Familienangehörige hier weilen, die
Anwesenheit untersagt und damit das Familienleben vereitelt wird. Der sich hier
aufhaltende ausländische Staatsangehörige muss dabei aber über ein gefestigtes
Anwesenheitsrecht verfügen. Dies ist der Fall, wenn er das Schweizer Bürgerrecht oder
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eine Niederlassungsbewilligung besitzt oder über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt,
die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht (BGE 130 II 281 E. 3.1). Der
Inhaber einer Jahresaufenthaltsbewilligung kann sich nicht auf diese Bestimmung
berufen. Das Bundesgericht hat unter Bezugnahme auf den vom Beschwerdeführer
angerufenen Entscheid des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte i.S. Gül
gegen die Schweiz vom 19. Februar 1996 an seiner Praxis festgehalten. Es hielt fest,
Art. 8 EMRK gelte nicht absolut, und es ergebe sich daraus weder ein Recht auf
Einreise oder Aufenthalt in einen bestimmten Staat noch auf Wahl des für das
Familienleben am geeignetsten erscheinenden Orts. Nur wenn ein gesichertes
Anwesenheitsrecht zumindest eines der Familienmitglieder bestehe, sei der Bezug zur
Schweiz in der Regel derart eng, dass die Verweigerung des Aufenthalts oder des
Verbleibs der Angehörigen das Familienleben berühren und eine Interessenabwägung
im Sinn von Art. 8 Ziff. 2 EMRK gebieten könne. Wer selber keinen Anspruch auf
längere Anwesenheit in der Schweiz habe, vermöge einen solchen grundsätzlich auch
nicht einem Dritten zu verschaffen, selbst wenn eine gelebte familiäre Beziehung zur
Diskussion stehe (BGE 130 II 281 E. 3.1 mit Hinweisen).
Das Bundesgericht hat bei Inhabern einer Aufenthaltsbewilligung in besonderen
Ausnahmefällen einen gefestigten Anwesenheitsanspruch angenommen. Bejaht hat es
diese Voraussetzung bei einem Staatsangehörigen von Serbien/Montenegro, der
fliessend deutsch sprach, in Oesterreich geboren war, im Alter von zwölf Jahren in die
Schweiz kam und seit über zwanzig Jahren in der Schweiz lebte. Der Betroffene kannte
seinen Heimatstaat nur von vereinzelten kürzeren Aufenthalten und lebte nie dort.
Seine Beziehung zu seiner in Oesterreich aufgewachsenen Gattin, mit der er rund zwölf
Jahre verheiratet war, lebte er vorwiegend in der Schweiz (BGE 130 II 281 E. 3.3).
Allein der lange Aufenthalt des Beschwerdeführers von knapp siebzehn Jahren in der
Schweiz vermag keinen gefestigten Anwesenheitsanspruch zu begründen. Bis zur
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Dezember 2000 lebte der Beschwerdeführer
als Asylbewerber bzw. als vorläufig Aufgenommener in der Schweiz. Damit verfügte er
lediglich über eine unsichere Anwesenheitsberechtigung. Hinzu kommt, dass er am 22.
Juli 2004 in seiner Heimat eine Landsfrau heiratete, welche mit Ausnahme eines kurzen
Aufenthalts als Asylbewerberin in der Schweiz zeitlebens in Kosovo ansässig war. Dies
zeigt, dass der Beschwerdeführer noch verhältnismässig enge Beziehungen zu seinem
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Herkunftsstaat pflegt. Unter diesen Umständen ist trotz der relativ langen
Aufenthaltsdauer in der Schweiz eine hinreichend gefestigte Anwesenheit, welche
einen Rechtsanspruch auf Verbleib in der Schweiz und davon ausgehend einen
Anspruch auf Familiennachzug zu begründen vermöchte, zu verneinen. Die Berufung
des Beschwerdeführers auf Art. 8 EMRK erweist sich damit als unbegründet.
2.3. Unbehelflich ist im weiteren das Argument des Beschwerdeführers, vorläufig
Aufgenommenen würde der Familiennachzug gestattet, weshalb es grotesk und in
keiner Weise im Sinn des Gesetzes sei, wenn er als Inhaber einer
Jahresaufenthaltsbewilligung in bezug auf den Familiennachzug schlechter gestellt
würde. Die vorläufige Aufnahme ist ein Institut des Asylverfahrens. Nach der Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung kann sich der Beschwerdeführer nicht mehr auf den
Anspruch eines vorläufig Aufgenommenen auf Familiennachzug berufen. Vorläufig
Aufgenommene können zwar grundsätzlich Familienangehörige nachziehen, doch
ändert dies nichts daran, dass die vorläufige Aufnahme beim Wegfall der für die
Anordnung massgebenden Gründe ohne weiteres wieder aufgehoben werden kann.
Die Anwesenheitsberechtigung aufgrund der vorläufigen Aufnahme und die
Aufenthaltsbewilligung unterscheiden sich in wesentlichen Punkten, weshalb der
Beschwerdeführer aus der Berufung auf die für vorläufig Aufgenommene geltende
Regelung nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag (vgl. BGE 2A.8/2005 vom 30.
Juni 2005, E. 3.2.2).
2.4. Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat somit weder aufgrund einer gesetzlichen
Vorschrift noch gestützt auf einen Staatsvertrag einen Rechtsanspruch auf Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. Die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung an
die Ehefrau stand somit im Ermessen der Verwaltung (Art. 4 ANAG). Dem
Verwaltungsgericht ist es verwehrt, Entscheide der Verwaltungsbehörden im Bereich
der Ermessensausübung zu überprüfen. Es kann nur prüfen, ob die Vorinstanz ihr
Ermessen überschritten oder missbraucht hat, als sie die Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung für Ajete Gjikokaj verweigerte (vgl. statt vieler GVP 1996 Nr. 9
und 1998 Nr. 22, 23 und 71).
Ausländeramt und Vorinstanz stützten sich auf die Bestimmungen der Verordnung über
die Begrenzung der Zahl der Ausländer (SR 823.21, abgekürzt BVO). Nach Art. 39 Abs.
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1 lit. c BVO kann einem Jahresaufenthalter der Familiennachzug bewilligt werden, wenn
er genügend finanzielle Mittel für den Unterhalt seiner Familie hat. Bei dieser Vorschrift
handelt es sich um eine typische Kann-Bestim-mung. Sie verschafft dem Gesuchsteller
keinen Rechtsanspruch auf Erteilung einer Bewilligung für den Familiennachzug der
Ehefrau, da die Verordnung keine Ansprüche statuieren kann, die nicht im Gesetz im
formellen Sinn verankert sind (BGE 130 II 281 E. 2.2). Ausserdem sieht Art. 37 BVO vor,
dass die Kantone die Zulassung von nicht erwerbstätigen Ausländern an strengere
Voraussetzungen knüpfen können, als sie in Art. 31 ff. BVO verankert sind.
Das Ausländeramt verweigerte den Familiennachzug wegen der mangelnden
finanziellen Mittel des Beschwerdeführers. Dieser bezieht eine IV-Rente und
Ergänzungsleistungen sowie ein geringes Erwerbseinkommen. Aufgrund der
unbestrittenen Feststellungen der Vorinstanz über seine finanziellen Verhältnisse wäre
er nicht imstande, mit den derzeit erzielten Einkünften aus eigener Kraft den Unterhalt
für sich und seine Ehefrau zu bestreiten. Aufgrund der Rechtsprechung des
Verwaltungsgerichts (VerwGE B 2006/48 vom 14. September 2006 i.S. N.M., in:
www.gerichte.sg.ch) durfte die Vorinstanz den Familiennachzug aufgrund der
mangelnden finanziellen Mittel ohne Ermessensüberschreitung verweigern. Die
Behauptung des Beschwerdeführers, Ergänzungsleistungen würden automatisch
angepasst, sobald ein Ehepartner eines hier seit über zehn Jahren lebenden berenteten
Ausländers in der Schweiz sei, steht mit den Abklärungen des Ausländeramts im
Widerspruch. Diese ergaben, dass aufgrund der Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens der Ehefrau mit einer Aufhebung der Ergänzungsleistungen zu rechnen
sei.
Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die Vorinstanz
die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ohne Missbrauch bzw. Ueberschreitung des
Ermessens verweigern durfte.
2.5. Selbst bei hinreichenden Mitteln könnte dem Gesuch um Familiennachzug nicht
stattgegeben werden. Der Beschwerdeführer hielt gegenüber dem Ausländeramt am
15. Januar 2005 fest, er habe hier seine zweite Heimat gefunden. Im Kosovo würden
üblicherweise die Brautleute durch ihre Eltern vermittelt. In seiner Kultur gelte das Wort
der Eltern, und um nicht aus der Familie ausgestossen zu werden, habe diese Hochzeit
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stattgefunden. Er sei sich der Verantwortung für seine Ehefrau bewusst und möchte sie
deshalb zu sich in die Schweiz nehmen.
Aufgrund dieser Angaben liegen Anhaltspunkte vor, dass es sich um eine Ehe handelt,
die nur zur Erlangung einer Aufenthaltsbewilligung geschlossen wurde. Die Umstände
der Eheschliessung müssten jedenfalls näher abgeklärt werden.
2.6. Aufgrund der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde als unbegründet
abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).