Decision ID: 34cc188f-2153-52e0-9fe7-16b9c84e1c8b
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich per 1. Juni 2014 zum Bezug von Arbeitslosentaggeldern und
zur Stellenvermittlung an (act. G 3.1/125 und 131 ff.). Ihre Teilzeitbeschäftigung als
Rezeptionistin in der Zahnarztpraxis ihres Ehemannes Dr. A._ wurde von diesem
infolge Praxisaufgabe per 30. Mai 2014 gekündigt (act. G 3.1/130). Der Arbeitgeber gab
an, der ahv-pflichtige Gesamtverdienst habe in den Jahren 2012 und 2013 je Fr.
36'000.--, im Jahr 2014 (bis Mai) Fr. 15'000.-- betragen (act. G 3.1/137). Am 18.
September 2014 teilte die damalige Rechtsvertreterin von A._, die B._ Treuhand,
auf Nachfrage der Kantonalen Arbeitslosenkasse mit, der geltend gemachte Lohn (von
Fr. 3'000.-- pro Monat) sei bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen
sowie bei den Steuerbehörden ordnungsgemäss abgerechnet worden. Da in einer
Einzelfirma kein entsprechender Lohn bezogen werden könne, sondern der Gewinn der
Einzelfirma schlussendlich das Einkommen aus der Einzelfirma widerspiegle, hätten die
Eheleute A._ von Barbezügen aus der Einzelfirma gelebt, welche am Ende des
Jahres mit dem Gewinn der Einzelfirma verrechnet worden seien. Deshalb sei der Lohn
von A._ nicht monatlich ausbezahlt, sondern der Einzelfirma belastet und dem
Eigenkapital gutgeschrieben worden (act. G 3.1/90).
A.b Mit Verfügung vom 22. Oktober 2014 wies die Kantonale Arbeitslosenkasse den
Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab, da die Antragstellerin den tatsächlich
realisierten Lohn nicht nachweisen könne. Die Anstellung bei Dr. A._ könne somit
nicht als Beitragszeit angerechnet werden. Der Anspruch auf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitslosenentschädigung müsse infolge fehlender Beitragszeit abgewiesen werden
(act. G 3.1/76 ff.).
A.c Mit Einsprache vom 18. November 2014 liess die Versicherte geltend machen, das
fragliche Arbeitsverhältnis sei effektiv gelebt worden. Dies könne ohne weiteres durch
neutrale Drittpersonen bestätigt werden. Der jeweilige Jahres-Bruttolohn sei gemäss
gängiger Praxis bei Einzelfirmen mit Lohnbezug der Ehefrau im Lohnkonto Nr. 5000
verbucht und dem Eigenkapital, konkret den Konten Nr. 2820 und 2850,
gutgeschrieben worden, die A._ für entsprechende Gehaltsbarentnahmen auch
mittels eigener Kontovollmacht jeweils zur Verfügung gestanden hätten (act. G 3.1/57
ff.). Im Einspracheverfahren anerkannte die Arbeitslosenkasse, dass die Versicherte
vom 1. September 2003 bis zum 30. Mai 2014 bei Dr. A._ gearbeitet habe (act. G
3.1/48). Nach weiteren Abklärungen verneinte sie jedoch mit Einspracheentscheid vom
4. März 2015 einen nachweisbaren Lohnfluss. Aus den eingereichten Unterlagen gehe
hervor, dass dem Sparkonto (lautend auf A._) letztmals am 16. Mai 2013 ein Betrag
von Fr. 40'000.-- gutgeschrieben worden sei, welcher von der Einsprecherin als
Lohnzahlung angegeben worden sei. Die Zahlung liege jedoch ausserhalb des für den
versicherten Verdienst massgebenden Bemessungszeitraums vom 2. Juni 2013 bis
zum 1. Juni 2014. Im Jahr 2012 sei für die Einsprecherin ein Lohnaufwand von Fr.
36'000.-- verbucht worden. Die Gegenbuchung sei sodann auf dem Konto 2850
(Privatbezüge) erfolgt. Für das Jahr 2013 sei die Gegenbuchung sodann auf dem Konto
2820, von welchem der Arbeitslosenkasse keine Unterlagen vorliegen, getätigt worden.
Gegenüber der Steuerbehörde sei für 2012 ein Einkommen von Fr. 31'130.-- deklariert
worden, für 2013 sei weder die Steuererklärung noch die definitive Steuerveranlagung
eingereicht worden. Das vom 2. Juni 2014 datierende Lohnblatt für 2013 weise zwar
ebenfalls einen Bruttolohn von Fr. 36'000.-- aus, daraus könne aber nicht gefolgert
werden, dass der Lohn effektiv bezogen worden sei. Zusammenfassend sei
festzuhalten, dass nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem tatsächlichen
Lohnbezug des geltend gemachten Jahresbruttolohns von Fr. 36'000.-- im Zeitraum
2013/2014 ausgegangen werden könne. Der geltend gemachte Jahreslohn sei damit
nicht rechtsgenüglich nachgewiesen und die Voraussetzung des Mindestbezugs von
effektiv Fr. 500.-- im Durchschnitt der letzten 12 Monate sei damit nicht erfüllt, weshalb
kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung bestehe (act. G 3.1/34 ff.).
B.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 2. April
2015 mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Sodann sei der
Antrag der Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenentschädigung gutzuheissen.
Vorliegend werde der Lohnbezug durch Lohnbuchungen auf das Konto 2820
Kapitalbezüge/-einlagen bewiesen. Für das Jahr 2014 seien bis Mai Fr. 15'000.--
verbucht worden, monatlich somit Fr. 3'000.--. Im Jahr 2013 seien Fr. 36'000.--
verbucht worden, also ebenfalls monatlich Fr. 3'000.-- brutto. Mit den entsprechenden
Buchungen sei der Lohnbezug verwirklicht, seien die entsprechenden Beiträge doch
aus dem Verfügungsbereich des Betriebs des Ehemannes in den Verfügungsbereich
der Beschwerdeführerin verschoben worden. Damit betrage der versicherte Verdienst
gemäss Art. 23 Abs. 1 AVIG Fr. 3'000.-- brutto. Diese Form des Lohnbezugs sei bei
einem mitarbeitenden Aktionär hinsichtlich der Überweisung des Verdienstes auf ein
Aktionärsdarlehenskonto bereits vom Eidgenössischen Versicherungs¬gericht
gutgeheissen worden (EVG C 258/04, Urteil vom 29. Dezember 2005, E. 3.3). Die
Beschwerdeführerin sei von der Steuerbehörde für die Steuerperiode 2013 mit einem
Einkommen aus unselbstständigem Haupterwerb von Fr. 30'778.-- veranlagt worden.
Gleiches habe die Veranlagung für die Steuerperiode 2012 ergeben und werde die
Veranlagung für die Steuerperiode 2014 ergeben, welche aber noch nicht vorliege. Die
Differenz zum Bruttolohn von Fr. 36'000.-- ergebe sich daraus, dass in der
Steuererklärung Nettolöhne auszuweisen seien. Ausserdem sei auch gegenüber der
Sozialversicherungsanstalt St. Gallen für die Beschwerdegegnerin sowohl für das Jahr
2013 als auch für das Jahr 2014 (Januar bis Mai) ein monatlicher Lohn von Fr. 3'000.--
brutto ausgewiesen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 13. Mai 2015 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Nach wie vor müsse ein Lohn effektiv ausbezahlt worden sei, um als
versicherter Verdienst in Betracht gezogen zu werden. Die Verbuchung von Löhnen
bedeute noch nicht, dass sie effektiv überwiesen worden seien. In der Beschwerde
werde ebenfalls ausdrücklich die Verbuchung erwähnt, womit ein Guthaben wohl
vorliege. Eine effektive Zahlung werde jedoch damit weder belegt noch glaubhaft
gemacht. Der Hinweis auf das Urteil EVG C 258/04 E. 3.3 sei unbehelflich, beziehe sich
dieses auf einen anderen Sachverhalt. Da kein versicherter Verdienst belegt sei, sei der
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung wegen Nichterreichens der Mindestgrenze
von Fr. 500.-- (Art. 40 AVIV) abzuweisen (act. G 3).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.c Mit Replik vom 18. Juni 2015 lässt die Beschwerdeführerin nochmals ausführen,
dass der Lohnbezug durch die Buchungen im Konto 2820 Kapitalbezüge/-einlagen
bewiesen sei. Die Beschwerdeführerin habe auch nicht behauptet, dass der
Sachverhalt von EVG C 258/04 dem vorliegenden entspreche. Sie habe lediglich
ausgeführt, dass es eben nicht auf den Lohnfluss ankomme, sondern dass die Art der
Lohnzahlung und der Verwendungszweck grundsätzlich frei seien. Diese Feststellung
müsse auch im vorliegenden Fall gelten (act. G 5). Die Beschwerdegegnerin verzichtet
auf eine Duplik (act. G 7).

Erwägungen
1.
1.1 Die versicherte Person hat Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung wenn sie
unter anderem die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit
ist (Art. 8 Abs. 1 lit. e in Verbindung mit Art. 13 und 14 des Bundesgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR
837.0]). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist
für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine
beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Nach der
Rechtsprechung ist einzig massgebend, dass eine solche Beschäftigung
rechtsgenüglich dargetan ist. Dem Nachweis tatsächlicher Lohnzahlung kommt dabei
nicht der Sinn einer selbstständigen Anspruchsvoraussetzung zu, sondern lediglich
derjenige eines bedeutsamen, in kritischen Fällen unter Umständen
ausschlaggebenden Indizes. Soweit eine beitragspflichtige Beschäftigung
nachgewiesen, der exakte ausbezahlte Lohn jedoch unklar geblieben ist, hat eine
Korrektur über den versicherten Verdienst zu erfolgen (EVG C 83/2006 E. 2.2 mit
Hinweisen auf BGE 131 V 451 E. 3.2.3; Urteil N. vom 25. April 2006, C 284/05). Die
Ausübung einer an sich beitragspflichtigen Beschäftigung ist jedoch nur Beitragszeiten
bildend, wenn und soweit hierfür effektiv ein Lohn ausbezahlt wird (BGE 131 V 444 E.
1.2 mit Hinweisen).
1.2 Als versicherter Verdienst nach Art. 23 Abs. 1 AVIG gilt der im Sinn der AHV-
Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeitraums aus
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wurde; eingeschlossen
sind die vertraglich vereinbarten regelmässigen Zulagen, soweit sie nicht
Entschädigung für arbeitsbedingte Inkonvenienzen darstellen. Aus dieser gesetzlichen
Umschreibung ergibt sich, dass der versicherte Verdienst an den massgebenden Lohn
im Sinn von Art. 5 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) anknüpft. Bei der Ermittlung des
versicherten Verdiensts gemäss Art. 23 Abs. 1 AVIG ist der tatsächlich bezogene Lohn
massgebend; eine davon abweichende Lohnabrede zwischen Arbeitgebenden und
Arbeitnehmenden hat grundsätzlich unbeachtlich zu bleiben (BGE 131 V 450 f. E. 3.2.1
mit Hinweisen). Für den Nachweis der Lohnbezüge trägt die versicherte Person die
Beweislast. Sie hat darzutun, welchen Lohn sie erhalten hat. Als Beweis für den
tatsächlichen Lohnfluss genügen Belege über entsprechende Zahlungen auf ein Post-
oder Bankkonto der versicherten Person. Bei behaupteter Barzahlung fallen
Lohnquittungen und Auskünfte von ehemaligen Mitarbeitenden in Betracht.
Arbeitgeberbescheinigungen, unterzeichnete Lohnabrechnungen und
Steuererklärungen sowie Eintragungen im individuellen Konto bilden blosse Indizien für
tatsächliche Lohnzahlungen (BGE 131 V 447 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.
2.1 Mit Schreiben vom 23. Januar 2015 anerkannte die Beschwerdegegnerin zwar,
dass die Beschwerdeführerin vom 1. September 2003 bis zum 30. Mai 2014 in der
Praxis Dr. A._ gearbeitet hat (act. G 3.1/48). Dies erscheint auf Grund der Aktenlage
plausibel. Nachdem zumindest ab 2008 auch tatsächlich Sozialversicherungsbeiträge
abgeführt und entsprechende Einträge im IK vorgenommen sowie von der
Steuerbehörde ein Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit veranlagt
worden sind (act. G 3.1/27 und 101 f.), ist grundsätzlich vom Vorliegen einer
beitragspflichtigen Beschäftigung auszugehen. Die Beschwerdegegnerin stellt sich nun
aber auf den Standpunkt, der tatsächlich erzielte Verdienst betrage mangels
Nachweises eines höheren Einkommens weniger als Fr. 500.-- und sei deshalb nicht
versichert (Art. 40 der Verordnung über die Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2 Die Beschwerdeführerin macht einen Jahreslohn von Fr. 36'000.-- bzw. einen
monatlichen Bruttolohn und damit einen versicherten Verdienst von Fr. 3'000.--
geltend. Sie führt dazu aus, mit der Gegenbuchung des Lohnaufwands im Konto 2820
(Kapitalbezüge/-einlagen) bzw. 2850 (Privatbezüge) sei dieser Lohnbezug verwirklicht
worden, seien doch die entsprechenden Beträge aus dem Verfügungsbereich des
Betriebs des Ehemannes in jenen der Beschwerdeführerin übergegangen. Dem ist
jedoch mit der Beschwerdegegnerin entgegen zu halten, dass allein auf Grund dieser
Ausführungen nicht ohne weiteres auf einen effektiv bezogenen Lohn geschlossen
werden kann. Wie auch die frühere Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (B
Treuhand) in ihrer Einsprache vom 18. November 2014 ausführte, erfolgte die
Gegenbuchung des Lohnaufwandes (Konto 5000) im Jahr 2012 im Konto 2850
(Privatbezüge). Für das Jahr 2010 erfolgte auf diesem Konto keine Gegenbuchung (act.
G 3.1/42 f. und 106). Ab dem Jahr 2013 erfolgte die Gegenbuchung jeweils im Konto
2820 (Kapitalbezüge/-einlagen [act. G 1.3 und 1.4] und G 3.1/96). Dabei handelte es
sich - wie die Hasler Treuhand ebenfalls ausführte - um Eigenkapitalkonten (Konten
2800 [vgl. Sterchi/Mattle/Helbling, Schweizer Kontenrahmen KMU]; vgl. auch act. G
3.1/58). Damit verhält es sich anders als im genannten Beispiel des Entscheids des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts C 258/04 E. 3.3, erfolgte dort die
Gegenbuchung des Lohnaufwands im Aktionärsdarlehenskonto, mithin in einem
Fremdkapitalkonto. Die Lohnbetreffnisse wurden damit buchhalterisch aus dem
Vermögen der AG ausgeschieden und bis zum effektiven Bezug durch den Aktionär als
Schulden des Unternehmens geführt.
2.3 Vorliegend verblieben jedoch die Lohnbetreffnisse als Eigenkapital im Vermögen
und unter der Verfügungsgewalt der Einzelunternehmung, sodass schon rein
buchhalterisch keine Abtrennung des der Beschwerdeführerin zustehenden Lohnes
vom Vermögen der Unternehmung erfolgte. Aber auch physisch erfolgte keine
Trennung, tätigte die Beschwerdeführerin - wenn auch mit eigener Karte - offenbar
jeweils Bezüge in unbekannter Höhe vom Geschäftskonto bzw. vom Konto ihres
Ehemannes (Bank D._ Kto . Nr. XXXXXX, lautend auf Dr. A._ [act. G 3.1/107]). Die
ehemalige Rechtsvertreterin führte dazu in ihrer Stellungnahme vom 18. September
2014 aus, es seien in der Einzelfirma keine entsprechenden Löhne ausbezahlt worden.
Vielmehr hätten die Eheleute A._ von Barbezügen aus der Einzelfirma gelebt, die am
Ende des Jahres mit dem Gewinn der Firma verrechnet worden seien (act. G 3.1/90).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dafür spricht auch die Buchhaltung, sind doch im Konto 2820 (Kapitalbezüge/-
einlagen) in den Jahren 2013 und 2014 keine Gegenbuchungen in einem Kassa- oder
Bankkonto (Kontonummern 1000 oder 1020 [vgl. Sterchi/Mattle/Helbling, a.a.O.])
ersichtlich, die einen Barbezug belegen würden. Vielmehr wurden von diesem Konto
lediglich die Sozialversicherungsbeiträge abgebucht (auf die Konten 5700 bis 5740
[diesbezüglich fällt auch auf, dass die Arbeitgeberbeiträge nicht als Lohnaufwand im
Konto 5000 verbucht wurden]) und der Saldo auf das Eigenkapitalkonto 2800
umgebucht (act. G 1.3 und 1.4). Beim Konto 2850 (Privatbezüge), auf welches im Jahr
2012 auch das Lohnbetreffnis von Fr. 36'000.-- gebucht worden ist, sind zwar viele
Privatbezüge mit Gegenkonto 1000 oder 1020 (Kassa oder Bank) ersichtlich. Indessen
ergibt sich daraus wiederum nicht, dass nur die Beschwerdeführerin über diese
Beträge verfügen konnte. In Anbetracht der Höhe der getätigten jährlichen Bezüge -
selbst bei unvollständigen Kontoblättern 2012 und 2013 weit über Fr. 36'000.-- - ist
anzunehmen, dass auch ihr Ehemann solche vorgenommen hat (act. G 3.1/42 bis 44).
Ein effektiver Lohnfluss lässt sich schliesslich auch nicht aus der Tatsache ableiten,
dass der Beschwerdeführerin sporadisch grössere Beträge auf das auf ihren Namen
lautende Sparkonto zu Lasten des genannten Kontos 2850 überwiesen wurden. So
weisen weder die Überweisungsdaten (23. Dezember 2010, 16. August 2012 und 16.
Mai 2013) noch die Beträge (Fr. 20'000.--, Fr. 10'000.-- und Fr. 40'000.--) auf einen
Lohncharakter hin (act. G 3.1/41 - 44). Vielmehr ist der Rechtsgrund für diese
Überweisungen völlig offen; es könnte sich ebenso gut um freiwillige Zuwendungen
durch den Ehemann (Schenkungen) handeln.
2.4 Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die Eheleute A._ das letztlich
gemeinsam in der Praxis Dr. A._ erwirtschaftete Einkommen auch gemeinsam
verwaltet und bezogen bzw. für ihren Lebensunterhalt verwendet haben. Eine klare
Abtrennung eines der Beschwerdeführerin zustehenden und in ihrer alleinigen
Verfügungsgewalt stehenden Lohnes von monatlich Fr. 3'000.-- (brutto) ist jedenfalls in
arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ausgewiesen. Die Bezüge der Beschwerdeführerin vom Konto des Ehemannes
unterscheiden sich denn wohl kaum von denen einer nicht mitarbeitenden Ehefrau.
Daran ändert auch nichts, dass gegenüber Sozialversicherungsanstalt St. Gallen und
BVG-Einrichtung ein Lohneinkommen von Fr. 36'000.-- deklariert und abgerechnet
wurde. Sodann ist es steuerlich nicht von grossem Belang, ob das gesamte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einkommen (Gewinn der Einzelunternehmung) als solches aus selbstständiger
Erwerbstätigkeit des Ehemannes oder ob ein Teil davon als Einkommen aus
unselbstständiger Erwerbstätigkeit der Ehefrau versteuert wird, wobei bei letzterer
Variante zusätzlich die Sozialversicherungsbeiträge der Ehefrau abgezogen werden
können. Anzumerken bleibt, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann keinen
schriftlichen Arbeitsvertrag abgeschlossen haben (act. G 3.1/136). Damit muss offen
bleiben, ob die Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin überhaupt auf einem
Arbeitsvertrag mit entsprechender Lohnvereinbarung beruht oder ob sie ihre Mitarbeit
im Betrieb des Ehemannes auf der Basis von Art. 165 Abs. 1 ZGB - ohne vorgängige
Lohnvereinbarung - erbracht hat. Im Ergebnis resultieren aus der Tätigkeit bei Dr. A._
- selbst unter Annahme einer an sich beitragspflichtigen Beschäftigung - mangels
Nachweises eines tatsächlich ausbezahlten Lohnes keine Beitragszeiten (vgl.
Erwägung 1.1, letzter Satz). Mithin ist die Anspruchsvoraussetzung des Art. 8 Abs. 1 lit.
e AVIG nicht erfüllt, weshalb die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung im Ergebnis zu Recht abgewiesen hat.
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).