Decision ID: 79851c61-b08d-46fe-ba90-aebebd930601
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965,
meldete sich per
1.
Februar 2015 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermitt
lung und beantragte
ab
ebendiesem
Datum Arbeitslosenentschädigung (vgl.
Urk.
2 S. 1
und
Urk.
1 S. 2
). Mit Kassenverfügung vom 2
3.
Oktober 2015 ver
neinte die
Unia
Arbeitslosenkasse einen Anspruch des Versicherten auf Arbeits
-
losenentschädigung
ab dem 1.
Februar 2015
mit der Begründung, dass die Mindestbeitragszeit nicht erfüllt und der Versicherte von der Erfüllung der Bei
-
tragszeit
nicht befreit sei (Urk.
8/5). Die dagegen vom Versicherten am 1
9.
November 2015 erhobene Einsprache (
Urk.
8/4) wies die
Unia
Arbeitsl
osen
kasse
mit Entscheid vom 11.
Februar 2016 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
0.
März 2016 Beschwe
rde und beantragte, es seien
in Aufhebung des angefochtenen Entscheid
s
die gesetzlichen Leistun
gen
gestützt auf
Art.
13 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslo
senversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
zu erbringen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
März 2016 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer am 2
2.
März 2016 angezeigt wurde (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
9
Abs.
1 AVIG
gelten - soweit das Gesetz nichts anderes vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit zweijährige Rahmenfristen. Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämt
liche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (
Art.
9
Abs.
2 AVIG), und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (
Art.
9 Abs.
3 AVIG)
.
Eine der gesetzl
ichen Voraussetzungen für den Anspruch auf
Arbeitslosenent
-
schä
digung
besteht darin, dass die versicherte Person die
Bei
tragszeit
erfüllt hat
oder von der Beitragspflicht befreit ist
(Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG). Die Beitrags
-
zeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen
Rah
menfrist
für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die Rah
-
menfrist
für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die versicherte Person sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG).
1.2
Als Beitragszeit
a
ngerechnet werden auch Zeiten, in denen der Versicherte zwar in einem Arbeitsverhältnis steht, aber wegen Krankheit (
Art.
3
des Bundesgeset
zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) oder Unfalls (
Art.
4 ATSG) keinen Lohn erhält und daher keine Beiträge bezahlt (
Art.
13
Abs.
2
lit
. c AVIG).
1.3
Bei
der Ermittlung der Dauer eines Arbeitsverhältnisses
mit einer
Arbeitsvermitt
lungsfirma
gilt nicht der abgeschlossene Rahmen
arbeits
vertrag, sondern es gelten die individuellen Arbeitsverträge
, mit denen der Einsatz bei den verschiedenen Kundenfirmen geregelt wird
(Urteil des Bundesgerichts 8C_403/2009 vom
1.
September 2009 E. 3 mit Verweis auf BGE 121 V 167; Kupfer Bucher, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungs
recht
, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und
die Insolvenzentschädigung, 4.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2013, S. 53)
.
Kein beitragszeitrelevantes Arbeitsverhältnis begrün
det grundsätzlich der
Rah
menver
trag
mit einer
Temporärfirma
, da der Rahmenvertrag in der Regel keinen Anspruch auf Beschäftigung auslöst und die versicherte Person berechtigt ist, Einsätze abzulehnen. Dagegen begründen die einzelnen Einsatzverträge
jeweils ein neues, in sich abge
schlossenes Arbeitsverhältnis. Massgebend für die Ber
echnung der Beitragszeit ist so
mit die Dauer jedes ei
nzelnen Arbeitseinsatzes
(AVIG-Praxis ALE
des Staatssekretariats für Wirtschaft [SECO]
,
Rz
. B160
).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob
der
Beschwerdeführer
ab dem
1.
Februar 2015 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat.
2.2
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entsch
eid
damit, dass
i
n der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom
1.
Februar 2013 bis zum 3
1.
Januar 2015 insgesamt 11,827 Monate Be
itragszeit
nachgewiesen sei
en
. Der
letzte
Einsatz
des Beschwerdeführers,
der
geltend mache,
am
3.
September 2014 einen Unfall erlitten
zu haben
,
sei auf den
5.
September 2014 beendet worden. Im Februar 2015 habe die
Y._
AG lediglich noch den
Rahmenarbeits
vertrag
gekündigt.
Die Zeit vom
6.
September 2014
bis zum
1
3.
Februar 2015
gelte daher nicht als Beitragszeit (
Urk.
2
S. 2-3
).
2.3
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass vorliegend
Art.
13
Abs.
2
lit
. c AVIG zur Anwendung gelange und die Zeit der Arbeitsunfähigkeit, während
der
er nach wie vor bei der
Y._
AG angestellt gewesen sei, ebenfalls als Beitragszeit anzurechnen sei. Mit
der Anrechnung der Zeit vom 6.
September 2014 bis zum 1
3.
Februar 2015 erreiche er die
Mindestbeitrags
zeit
. Die Beschwerdegegnerin habe im Übrigen nicht dargelegt, weshalb
Art.
13
Abs.
2
lit
. c AVIG nicht zur Anwendung kommen sollte. Dies stelle eine Verlet
zung des rechtlichen Gehörs dar
(
Urk.
1
S. 3
).
3.
3.1
Gemäss
der Darstellung der Beschwerdegegnerin sind in der
massgebenden
Rah
menfrist
für die Beitragszeit
vom
1.
Februar 2013 bis zum 3
1.
Januar 2015
folgende beitrag
spflichtigen Beschäftigungen des Beschwerdeführers
nachge
wiesen (Urk. 2
S. 3
):
18.08.14 bis 05.09.14
0,700 Monate
Y._
AG
16.06.14 bis 25.07.14
1,400 Monate
Y._
AG
31.03.14 bis 08.05.14
1,327 Monate
Y._
AG
24.03.14 bis 28.03.14
0,233 Monate
Y._
AG
01.10.13 bis 13.12.13
2,467 Monate
Z._
10.04.13 bis 30.09.13
5,700 Monate
Y._
AG
Gestützt darauf ermittelte die Beschwerdegegnerin eine Beitragszeit von total 11,827 Monaten
.
Diese von der Beschwerdegegnerin anerkannte Beitragszeit i
st ausgewiesen
(vgl.
Urk.
8/3,
Urk.
8/7,
Urk.
8/10,
Urk.
8/11
und
Urk.
8/12
).
3.2
Streitig und zu prüfen ist nun,
wie es sich mit dem Zeitraum vom
6.
September 2014 bis zum
3
1.
Januar
2015
verhält.
Aktenkundig
und unbestritten
ist, dass
der Beschwerdeführer
mit der
Personal
verleiherin
Y._
AG
einen Rahmenarbeitsvertrag
abgeschlossen hat
,
gemäss
welchem er ab dem 2
4.
März 2014 in einem unbefristeten
Temporärar
beitsverhältnis
als Gärtner angestellt
war
(vgl. Arbeitgeberbescheinigung vom
2
7.
November 2015,
Urk.
8/3)
.
Im Weiteren schloss
er
mit der
Y._
AG a
m 2
1.
März
,
2
2.
April
,
1
3.
Juni und
21.
August 2014
jeweils
individuelle Arbeitsv
erträge bzw. Einsatzverträge ab
, im Rahmen derer er bei der
A._
GmbH,
der
B._
AG und
Z._
verschiedene
Arbeitseinsätze
hatte, die zwischen einer und se
ch
s Wochen dauerten (vgl. Urk.
8/7,
Urk.
8/9
und E. 3.1
).
Gemäss
dem letzten Einsatzvertrag vom 2
1.
August 2014 war Einsatzbeginn
bei
Z._
der 1
8.
August 2014 und die Einsatzdauer voraussichtlich kürzer als drei Monate
(
Urk.
8/9)
. Am 3.
September 2014 wurde dieses Arbeitsverhältnis seitens der
Y._
AG auf den
5.
September 2014 gekündigt
(
Urk.
8/2 und
Urk.
8/7
;
gemäss
Art.
11
Abs.
2 des
vorliegend anwendbaren
Gesamtar
beitsvertrags
[GAV]
Personalverleih
vom 2
1.
Dezember 2011
beträgt
die Kündi
gungsfrist
bei unbefristeten Einsätzen während der ersten drei Monate
des Arbeitsverhältnisses
zwei Arbeitstage
).
Ebenfalls am
3.
September 2014 erlitt der Beschwerdeführer einen Unfall
und war daraufhin
bis zum Ende der
Rah
menfrist
für die Beitragszeit am 3
1.
Januar 2015 unfall
bedingt
arbeitsunfähig
(
vgl.
Urk.
8/19).
Am 1
5.
Januar 2015 kündigte die
Y._
AG
den Rahmenarbeitsvertrag
mit dem Beschwerdeführer
per 13.
Februar 2015 (
Urk.
8/6).
3.3
Wie die Beschwerdegegnerin
zutreffend feststellte (
Urk.
2 S. 2 f.
), gilt bei der Ermittlung der Dauer eines Arbeitsverhältnisses nicht der abgeschlossene
Rah
men
arbeits
vertrag
, sondern es gelten die individuellen Arbeitsverträge (
vgl.
E.
1.3
).
Massgebend
für
die
Beitragszeit
ist vorliegend somit
die
Kündigung des Einsatzvertrages
des
Beschwerdeführer
s
bei
Z._
per
5.
September 2014
-
und
nicht die Beendigung des Rahmenarbeits
-
vertrags per 1
3.
Februar 201
5.
Daran vermag auch der Umstand nicht
s
zu ändern
,
dass
der Beschwerdeführer
über d
en
5.
September 2014 hinaus
Taggeldzahlungen der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA)
, der
Unfallversicherung
der
Y._
AG, erhalten hat (vgl.
Urk.
8/6 und
Urk.
8/19
)
.
Gemäss
Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Unfallver
-
sicherung (UVG) endet die Versi
cherung erst mit dem 30. Tag nach dem Tage, an dem der Anspruch auf min
destens den halben Lohn aufhört. Somit war die
SUVA
nachdeckungspflichtig und die Leistungsabwicklung über die
Y._
AG als letzte
Arbeitge
ber
in
vor dem Unfall rein administrativ bedingt. Auch
daraus lässt sich folglich
kein über
den
5.
September 2014
andauerndes Arbeitsverhältnis
ableiten
(vgl. Urteil des Sozialversicherungsgerichts AL.2013.00096 vom
1
2.
September 2014 E. 3.4.2).
Im Weiteren
kann sich der Beschwe
rdeführer auch
nicht auf
Art.
13
Abs.
2
lit
. c AVIG berufen,
gemäss
welchem auch Zeiten angerechnet werden, in den
en
der Versicherte zwar in einem Arbeitsverhältnis steht, aber wegen Krankheit oder
Unfalls keinen Lohn erhält und daher keine Beiträge bezahlt.
Denn die
Anrechnung von solchen Sonderzeiten ist an das Bestehen eines Arbeitsverhältnisses geknüpft, das nach dem
5.
September 2014 jedoch nicht mehr
vorgelegen hat. Die Kündigung mit der Kündigungsfrist von zwei Tagen war trotz Unfall zulässig, da sich der Beschwerdeführer noch in der Probezeit befand (
Art.
336
c des Schweizerischen Obligationenrechts
i.V.m
. Art. 10 GAV Personalverleih vom 21. Dezember 2011).
Nach dem
5.
September 2014 hat der Beschwerdeführer daher k
eine weitere Beitragszeit nach
Art.
13 AVIG erworben.
3.4
Schliesslich
findet
auch
Art.
14
Abs.
1
lit
. b AVIG,
gemäss
welchem
Personen
von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind
,
die innerhalb der Rahmenfrist
(
Art.
9
Abs.
3 AVIG)
während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und die Beitragszeit nicht erfüllen konnten wegen
Krankheit
(
Art.
3 ATSG)
oder Unfall
(
Art.
4 ATSG)
,
keine Anwendung.
Die Sonderregelung von
Art.
14 AVIG kann nur gelten, wen
n die
Mindestbei
tragszeit
gemäss
Art.
13 AVIG nicht erfüllt werden konnte und dafür Gründe
gemäss
Art.
14 AVIG vorliegen.
Wer in einer Rahmenfrist
etwa
12,1 Monate krank war und 11,9 Monate arbeitete, erfüllt die Anspruchsvoraussetzungen, nicht aber, wer 11,9 Monate arbeitete und weniger als 12 Monate krank war (Kupfer Bucher, a.a.O., S. 57
mit Hinweisen
).
Vorliegend hat der Beschwerde
führer
in der
massgebenden
Rahmenfrist für die Beitragszeit
11,827 Monate gearbeitet und
war
ausweislich der Akten vo
m 4.
September 2014 bis zum
3
1.
Januar 2015 - das
heisst
lediglich
knapp fünf Monate
–
unfallbedingt arbeitsunfähig
(vgl.
Urk.
8/19).
3.5
Zusammenfassend ist
demnach festzuhalten, dass der Beschwerdeführer d
ie Mindestbeitragszeit von zwölf Monaten nicht erfüllt.
3.6
Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des Beschwerdeführers wegen der gel
tend gemachten ungenügenden Begründung
des
Einspracheentscheids
vom
1
1.
Februar 2016
(
Urk.
2
)
, die eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin
rechtfertigen würde
(vgl.
BGE 132 V 387 E. 5.1 und 127 V 431 E. 3d/
aa
)
, ist
im Übrigen
zu verneinen
.
Wie die Beschwerdegegnerin
zu Recht
bemerkte (
Urk.
7
), hat
sie im
Einspracheentscheid
-
unter Hinweis auf die
ma
ssgeblichen
Gesetzes
bestimmungen sowie die der Konkretisierung dieser Bestimmungen dienende AVIG-Praxis ALE
-
hinreichend begründet
, weshalb die
Zeit vom 6.
September 2014 bis zum
3
1.
Januar
2015 nicht als Beitragszeit gilt.
4.
Der a
ngefochtene
Einspracheentscheid
, mit dem die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbe
itslosenentschädigung ab dem 1.
Februar 2015 verneint hat,
e
rweist sich damit als rechtens.
Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.