Decision ID: ca6de1f5-9048-4789-91ec-05ffe31cf857
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X überschritt am Freitag, 26. Februar 2010, um 18.48 Uhr als Lenkerin des
Personenwagens mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000 auf der H-gasse in R/TG die
zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h innerorts um 19 km/h. Mit
rechtskräftiger Strafverfügung vom 14. April 2010 wurde sie deswegen vom Bezirksamt
U mit Fr. 400.-- gebüsst. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St.
Gallen entzog ihr mit Verfügung vom 15. September 2010 den Führerausweis für die
Dauer eines Monats.
B.- Gegen diese Verfügung erhob X durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe vom
28. September 2010 (Eingang: 30. September 2010) Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter Ausrichtung einer
Parteientschädigung von Fr. 9'000.-- sei nach volksöffentlicher mündlicher
Verhandlung die angefochtene Verfügung aufzuheben und von einem
Führerausweisentzug abzusehen, eventualiter die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Die Vorinstanz verzichtete am 3. November 2010 auf eine
Vernehmlassung. Auf die Ausführungen der Rekurrentin und ihres Vertreters in der
Rekurseingabe und anlässlich der heutigen mündlichen Verhandlung wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 30. September 2010 (Eingang) ist
rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs wird unter Hinweis auf ein Urteil der Grossen Kammer des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte vom 10. Februar 2009 (Zolothukin vs. Russland,
Proz.-Nr. 14939/03) vorab geltend gemacht, die doppelspurige strafrechtliche und
administrativrechtliche Sanktionierung von Verkehrsregelverletzungen, wie sie das
schweizerische Recht vorsehe, verstosse gegen das Doppelbestrafungsverbot.
Sachverhaltsstückelungen oder künstlich zergliederte Handlungskomplexe dürfe es
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nicht mehr geben. Wegen desselben Handlungskomplexes dürfe niemand ein zweites
Mal bestraft oder auch nur verfolgt werden. Das Bundesgericht habe dem
Warnungsentzug Strafcharakter im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Konvention
zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt: EMRK)
zuerkannt.
Nach ständiger Rechtsprechung verletzt die im schweizerischen Recht vorgesehene
Doppelspurigkeit von Straf- und Administrativverfahren nach Zuwiderhandlungen
gegen das Strassenverkehrsgesetz das Doppelbestrafungsverbot nicht. Damit wird
niemand "in einem Strafverfahren desselben Staates erneut verfolgt oder bestraft" (Art.
4 des Protokolls Nr. 7 zur EMRK; SR 0.101.07). Es wird lediglich dieselbe Straftat von
zwei verschiedenen Behörden entsprechend ihrer beschränkten sachlichen
Zuständigkeit beurteilt. Die Strafbehörde beurteilt die Tat unter strafrechtlichen und die
Verwaltungsbehörde unter verwaltungsrechtlichen Gesichtspunkten. Dabei sind die
Verwaltungsbehörden in der Regel an den im Strafverfahren festgestellten Sachverhalt
gebunden. Das rechtliche Gehör ist in beiden Verfahren gewährleistet (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6A.65/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.2). Obwohl der
Führerausweisentzug eine gewisse Strafähnlichkeit aufweist, handelt es sich bei dieser
Sanktion wesentlich um eine im Verwaltungsverfahren ausgesprochene Massnahme,
welche primär die Erziehung des fehlbaren, nicht dessen Bestrafung bezweckt. Es
kann deshalb nicht davon die Rede sein, der Betroffene werde, wenn er für ein
Verkehrsdelikt strafrechtlich belangt worden ist, mit dem Führerausweisentzug ein
zweites Mal für dasselbe Verhalten bestraft (BGE 128 II 133 E. 3b/aa). Nur beide
Behörden zusammen können den Sachverhalt in seiner Gesamtheit unter allen
rechtlichen Gesichtspunkten beurteilen. Nach einer Verurteilung durch den Strafrichter
aufgrund des Strassenverkehrsgesetzes (und eventuell zusätzlich des
Strafgesetzbuches) geht es bei der (in der Regel nachträglichen) Anordnung einer
strassenverkehrsrechtlichen Administrativmassnahme durch die Verwaltungsbehörde
"nur" noch um die Bestimmung der Rechtsfolge(n), wobei die Verwaltungsbehörde je
nach Umständen in tatsächlicher und/oder rechtlicher Hinsicht an das Strafurteil
gebunden ist (BGE 125 II 402 E. 1b). Die aufgrund der bestehenden Doppelspurigkeit
angeordneten Sanktionen müssen in ihrer Gesamtheit angemessen sein (vgl. Ph.
Weissenberger, Die Zumessung des Warnungsentzugs von Führerausweisen, in: SJZ
95/1999 S. 457 ff., S. 466). Die vom schweizerischen Recht vorgeschriebene
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Doppelspurigkeit des Straf- und Administrativverfahrens wurde von den EMRK-
Organen gebilligt (vgl. die Abweisung der Beschwerde R.T. gegen die Schweiz vom
30. Mai 2000, in VPB 64/2000 Nr. 152).
Der von der Grossen Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte am
10. Februar 2009 in der Angelegenheit Zolothukin vs. Russland beurteilte Sachverhalt
betraf eine zweimalige Beurteilung desselben Verhaltens durch das gleiche
Bezirksgericht, zunächst nach den Regeln des Verwaltungsstrafrechts, sodann nach
jenen des allgemeinen Strafrechts. Das Verwaltungsstrafrecht sah bis zu 15 Tage
Administrativhaft, das allgemeine Strafrecht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe
bis zu 5 Jahren vor. Der Beschwerdeführer war am 4. Januar 2002 zu 3 Tagen
Administrativhaft und am 2. Dezember 2002 gestützt auf das allgemeine Strafrecht
verurteilt worden, was nach Auffassung des Gerichtshofs das Doppelbestrafungsverbot
verletzte.
Dieser Sachverhalt lässt sich in verschiedener Hinsicht nicht mit der Sanktionierung
von Verkehrsregelverletzungen nach schweizerischem Recht vergleichen. Zwar steht
die zweifache rechtliche Beurteilung desselben Sachverhaltes in Frage. Jedoch
unterscheiden sich – anders als im Entscheid des EGMR vom 10. Februar 2009, bei
dem das Verwaltungsstrafrecht ebenso wie das allgemeine Strafrecht einen
Freiheitsentzug vorsah – bei den Verletzungen von Verkehrsregeln die Sanktionen,
indem das Strafrecht gemäss Art. 90 ff. SVG Bussen sowie Geld- und Freiheitsstrafen,
das Administrativrecht gemäss Art. 16 ff. SVG die Verwarnung und den Entzug des
Führerausweises vorsehen. Anders als im genannten Entscheid steht auch nicht eine
zweimalige Beurteilung durch dieselbe Behörde in Frage. Die Kombination von Bussen
sowie Geld- und Freiheitsstrafen einerseits mit dem Entzug der Fahrberechtigung
anderseits entspricht schliesslich der Ahndung von Verkehrsregelverletzungen wie sie
auch in anderen Staaten üblich ist (vgl. beispielsweise Hilf/Konopatsch, Justiz- und
verwaltungsstrafrechtliche Reaktions- und Sanktionsmöglichkeiten gegenüber
Temposündern und Rasern in Österreich, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht
2010, St. Gallen 2010, S. 503 ff.; Janker/Albrecht, Fahrverbot und
Fahrerlaubnisentziehung in Deutschland nach Verkehrsverstössen im Ausland, in:
Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2008, St. Gallen 2008, S. 149 ff.; vgl. auch
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Godenzi/Hrabek, Zur Rechtsnatur des Führerausweisentzugs zu Warnzwecken, in:
Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2007, St. Gallen 2007, S. 183 ff., S. 223 ff.).
Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass auch die in Art. 67b des Strafgesetzbuches
(SR 311.0, abgekürzt: StGB) vorgesehene Massnahme des strafrichterlich
angeordneten Fahrverbotes nicht auf eine Verletzung des Doppelbestrafungsverbots
hin angelegt ist. Das Fahrverbot findet – entgegen dem weiten Gesetzeswortlaut – nur
Anwendung, soweit mit dem Motorfahrzeug ein Delikt ausserhalb des
Strassenverkehrsrechts begangen wird; Verkehrsregelverletzungen sollen dagegen
ausschliesslich Administrativmassnahmen nach sich ziehen. Das strafrichterliche
Fahrverbot sanktioniert nicht eine Verkehrsregelverletzung, sondern knüpft an die
Neigung von Tätern an, gemeinrechtliche Delikte mit Motorfahrzeugen zu verüben (vgl.
Arquint/Heimgartner, in: Basler Kommentar zum Strafrecht, 2. Aufl. 2007, N 5 und 18
zu Art. 67b StGB). Mit der am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Revision des
Administrativmassnahmerechts konnte deshalb der früher im Strassenverkehrsrecht
vorgesehene Warnungsentzug zur Sanktionierung des Verwendens eines
Motorfahrzeugs zur Begehung eines Verbrechens oder mehrmals zu vorsätzlichen
Vergehen aufgehoben werden (vgl. R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 161 ff., S. 198).
Dementsprechend erweist sich der Rekurs, insoweit damit eine Verletzung des
Doppelbestrafungsverbots gerügt wird, als unbegründet (vgl. auch VerwGE B 2010/94
vom 16. Dezember 2010, publiziert auf www.gerichte.sg.ch, Verwaltungsgericht,
Rechtsprechung).
3.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
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Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind
(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487). Nach Art. 45 Abs. 1 Satz 1 der Verordnung über
die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr
(Verkehrszulassungsverordnung; SR 741.51, abgekürzt: VZV) können ausländische
Führerausweise nach den gleichen Bestimmungen aberkannt werden, die für den
Entzug des schweizerischen Führerausweises gelten.
Im Rekurs wird zutreffend ausgeführt, schweizerische Behörden dürften ausländische
Lenkerberechtigungen nicht entziehen, sondern lediglich deren Gültigkeit im Inland für
eine bestimmte Dauer aussetzen. Aus den Akten ist allerdings zu schliessen, dass die
Rekurrentin ihren Wohnsitz von Deutschland bereits im Jahr 2008 in die Schweiz
verlegt hat (vgl. act. 8/9) und mittlerweile mehr als 12 Monate in der Schweiz wohnt, so
dass sie einen schweizerischen Führerausweis benötigt (vgl. Art. 42 Abs. 3 lit. a VZV).
Der Führerausweis der Rekurrentin ist im automatisierten Fahrberechtigungsregister
(FABER) gemäss Auszug vom 4. Mai 2010 denn auch nicht als ausländischer (Code
24), sondern als neuer (schweizerischer) Führerausweis (Code 22) erfasst (vgl. act. 7/2).
Der Ausweis im Kreditkartenformat, den die Rekurrentin an der heutigen Verhandlung
vorlegte, wurde am 5. Januar 2009 ausgestellt.
Dementsprechend erweist sich die Rüge, die Vorinstanz hätte der Rekurrentin mit der
Verfügung vom 15. September 2010 den Führerausweis nicht entziehen dürfen,
sondern ihr die ausländische Fahrberechtigung aberkennen müssen, als unbegründet.
4.- Die Verwaltungsbehörde hat auf die in der rechtskräftigen Strafverfügung des
Bezirksamts U vom 14. April 2010 festgestellten Tatsachen abgestellt. Die Rekurrentin
bestreitet das Ausmass der Geschwindigkeitsüberschreitung ebenso wie die Bindung
der Verwaltungsbehörde an die strafrichterlichen Feststellungen.
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Im Interesse der einheitlichen Rechtsanwendung darf die Verwaltungsbehörde von den
tatsächlichen Feststellungen im rechtskräftigen Strafurteil nur abweichen, wenn sie
ihrem Entscheid dem Strafrichter nicht bekannte oder von ihm nicht beachtete
Tatsachen zugrunde legt, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu
einem anderen Ergebnis führt oder die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den
feststehenden Tatsachen klar widerspricht oder wenn der Strafrichter bei der
Rechtsanwendung nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt, insbesondere die
Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 124 II 103 E. 1c/aa). Die
Verwaltungsbehörde ist nicht nur dann gebunden, wenn der Strafentscheid im
ordentlichen Verfahren mit öffentlicher Verhandlung unter Anhörung der Parteien und
Einvernahme von Zeugen ergangen ist, sondern unter bestimmten Voraussetzungen
auch dann, wenn er ausschliesslich auf einem Polizeirapport beruht. Dies gilt
insbesondere dann, wenn der Beschuldigte wusste oder angesichts der Schwere des
ihm vorgeworfenen Deliktes voraussehen musste, dass gegen ihn ein
Führerausweisentzugsverfahren eröffnet würde, und er es trotzdem unterlässt oder
darauf verzichtet, im Rahmen des (summarischen) Strafverfahrens die ihm garantierten
Verteidigungsrechte geltend zu machen. Unter diesen Umständen darf der Betroffene
nicht das Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen vorzubringen und
Beweisanträge zu stellen, sondern ist nach Treu und Glauben verpflichtet, dies bereits
im Rahmen des (summarischen) Strafverfahrens zu tun, sowie allenfalls die nötigen
Rechtsmittel zu ergreifen (vgl. BGE 123 II 97 E. 3c/aa; Urteil des Bundesgerichts
1C_71/2007 vom 11. September 2007, E. 4.2 mit Hinweisen).
Die Rekurrentin wurde von der Vorinstanz bereits einmal am 28. Oktober 2008
verwarnt. Dieser Massnahme lag eine am 28. Mai 2008 begangene Überschreitung der
zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um 16 km/h zugrunde. In der
Verfügung vom 28. Oktober 2008 wurde sie zudem ausdrücklich darauf hingewiesen,
im Fall einer erneuten leichten Widerhandlung innert der nächsten 2 Jahren, gerechnet
ab Datum der Verfügung, müsste ihr der Führerausweis mindestens für einen Monat
entzogen werden (vgl. act. 8 Seite 3). An der Verhandlung bestätigte die Rekurrentin,
von dieser Verfügung Kenntnis erhalten zu haben. Unter diesen Umständen war sie mit
der Doppelspurigkeit des schweizerischen Verfahrens nach Verkehrsregelverletzungen
vertraut. Es war ihr auch bekannt, dass Geschwindigkeitsüberschreitungen innerorts in
der fraglichen Grössenordnung – jene vom 26. Februar 2010 betraf eine
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Überschreitung von 19 km/h – mit administrativrechtlichen Folgen verbunden sind.
Deshalb kann sie aus dem Umstand, dass weder auf dem Anzeigerapport der
Kantonspolizei Thurgau vom 8. April 2010 noch auf der Strafverfügung des
Bezirksamts U vom 14. April 2010 darauf hingewiesen wurde, die
Geschwindigkeitsüberschreitung werde auch der zuständigen Administrativbehörde zur
Kenntnis gebracht, nichts zu ihren Gunsten ableiten. Sie hätte dementsprechend ihre
Verteidigungsrechte im Strafverfahren wahrnehmen müssen. Dies gilt umso mehr, als
sie die Korrektheit der Messung bezweifelt und damit an den Grundfesten der
Strafbarkeit ihres Verhaltens rührt. Da sich den Akten keinerlei Anhaltspunkte für die
Fehlerhaftigkeit der Messung und die offensichtliche Unrichtigkeit der
Sachverhaltsfeststellungen in der Strafverfügung entnehmen lassen, besteht auch kein
Anlass für zusätzliche Beweiserhebungen durch die Verwaltungsbehörden. Im Übrigen
trifft die Behauptung in der Rekurseingabe nicht zu, die Rekurrentin habe die
Geschwindigkeitsüberschreitungen stets bestritten; jene vom 28. Mai 2008 anerkannte
sie in der polizeilichen Befragung vom 24. September 2008 ausdrücklich (vgl. act. 8/8).
Dementsprechend ist die Vorinstanz in tatsächlicher Hinsicht zu Recht davon
ausgegangen, die Rekurrentin habe als Lenkerin des Personenwagens mit dem
amtlichen Kennzeichen SG 000 am 26. Februar 2010 um 18.48 Uhr in R auf der H-
gasse die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um 19 km/h
überschritten. Der Rekurs erweist sich deshalb auch insoweit als unbegründet, als
damit eine unzutreffende Sachverhaltsfeststellung gerügt wird.
5.- Zur Sanktionierung von Geschwindigkeitsüberschreitungen hat die Praxis im
Interesse der rechtsgleichen Behandlung Grenzwerte festgelegt. Nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist eine leichte Widerhandlung im Sinn von
Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG gegeben, wenn die Geschwindigkeitsüberschreitung nur
leicht über den Widerhandlungen nach Anhang I der Ordnungsbussenverordnung (SR
741.031, abgekürzt: OBV) liegt (BGE 128 II 86 E. 2). Darunter fallen Überschreitungen
der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts um 16-20 km/h (vgl. Heimgartner/
Schönknecht, Administrativmassnahmen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen nach
bisherigem und neuem Recht – Eine Übersicht, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2005, St. Gallen 2005, S. 233). Die Vorinstanz ist
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dementsprechend zu Recht von einer leichten Widerhandlung im Sinn von Art. 16a
Abs. 1 lit. a SVG ausgegangen.
6.- Gemäss Art. 16a Abs. 2 SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer
leichten Widerhandlung für mindestens einen Monat entzogen, wenn in den
vorangegangenen 2 Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde. Nach Art. 16a Abs. 3 SVG wird die fehlbare
Person verwarnt, wenn in den vorangegangenen 2 Jahren der Ausweis nicht entzogen
war und keine andere Administrativmassnahme verfügt wurde. Eine zweite leichte
Widerhandlung innert 2 Jahren darf nach dieser Konzeption nicht wieder eine
Verwarnung zur Folge haben, sondern muss obligatorisch mit einem mindestens
einmonatigen Führerausweisentzug geahndet werden (vgl. Botschaft, in: BBl 1999
S. 4486 f.). Im Gegensatz zum früheren Recht darf die Mindestentzugsdauer gemäss
Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG nicht mehr unterschritten werden.
Die Rekurrentin wurde mit unangefochten rechtskräftig gewordener Verfügung vom
28. Oktober 2008 wegen einer leichten Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften verwarnt. Vor Ablauf von 2 Jahren beging sie mit der
Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h innerorts um 19
km/h am 26. Februar 2010 erneut eine leichte Widerhandlung. Der Führerausweis ist ihr
dementsprechend für mindestens einen Monat zu entziehen. Die von der Vorinstanz
verfügte Mindestentzugsdauer trägt dem Verschulden der Rekurrentin und der von ihr
verursachten Gefährdung angemessen Rechnung. Die besonderen Umstände des
Einzelfalls, namentlich der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die berufliche
Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen, dürfen nur bis zur gesetzlich
vorgeschriebenen Mindestentzugsdauer berücksichtigt werden (vgl. BGE 135 II 334
E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 1C_445/2010 vom 30. November 2010, E. 2.3). Der
automobilistische Leumund der Rekurrentin ist entgegen der Darlegung in der
Rekurseingabe nicht "völlig ungetrübt", sondern mit der Verwarnung vom 28. Oktober
2008 belastet. Diesem Umstand wird bei der Bemessung der Entzugsdauer indessen
dadurch Rechnung getragen, dass für die leichte Widerhandlung vom 26. Februar 2010
nicht erneut eine Verwarnung ausgesprochen werden kann, sondern der Führerausweis
mindestens für einen Monat entzogen werden muss. Entsprechend ihren Angaben an
der Verhandlung ist die in G wohnhafte Rekurrentin als medizinische Praxisassistentin
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in der Notfallstation des Spitals V tätig. Der Betrieb in drei Schichten erlaube es nicht in
allen Fällen, auf öffentliche Verkehrsmittel auszuweichen. Abgesehen davon, dass wie
dargelegt selbst eine Angewiesenheit auf den Führerausweis zur Ausübung des Berufs
keine Unterschreitung der gesetzlichen Mindestentzugsdauer zulässt, kann die
Rekurrentin, die lediglich den Arbeitsweg mit dem Auto zurücklegt, die mit dem Entzug
verbundenen Beeinträchtigungen mildern, indem sie während des Vollzugs Ferien
bezieht, auf die Schichteinteilung Einfluss nimmt oder sich für die relativ kurze Distanz
mit einem Taxi oder mit einem Velo oder Mofa behilft.
7.- Im Rekurs wird geltend gemacht, ein Warnungsentzug rund 7 Monate nach der
angeblichen zweiten leichten Widerhandlung verletze den
"Unverzüglichkeitsgrundsatz" und damit Art. 6 Ziff. 3 lit. a EMRK. Die Rekurrentin
beging die Geschwindigkeitsüberschreitung am 26. Februar 2010, die Polizei erstattete
den Rapport am 8. April 2010 und die Strafverfügung erging am 14. April 2010. Die
Vorinstanz erhielt am 19. April 2010 Kenntnis vom Polizeirapport und eröffnete das
Administrativverfahren am 10. August 2010. Nachdem sie am 14. September 2010
beim Bezirksamt U die rechtskräftige Strafverfügung beigezogen hatte, verfügte sie am
15. September 2010 den Warnungsentzug. Den dagegen erhobenen Rekurs beurteilte
die Verwaltungsrekurskommission am 24. Februar 2011. Die Verfahrensdauer für das
Strafverfahren einerseits und das Administrativverfahren bis zur erstinstanzlichen
gerichtlichen Beurteilung anderseits von knapp einem Jahr stellt selbst unter
Berücksichtigung der voraussichtlichen Dauer allfälliger Beschwerdeverfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen und dem Bundesgericht keine Verletzung
des Beschleunigungsgebots dar. Eine solche Verletzung hat das Bundesgericht bei
Verfahren festgestellt, in denen das bundesgerichtliche Urteil zum Warnungsentzug 3
Jahre und 4 Monate (BGE 135 II 334), 4 Jahre und 1 Monat (Urteil 1C_383/2009 vom
30. März 2003) und über 5 Jahre (Urteil 1C_445/2010 vom 30. November 2010) nach
der Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschrift ergangen ist. Selbst in diesen
Verfahren liess aber Art. 16 Abs. 3 SVG eine Unterschreitung der Mindestentzugsdauer
nicht zu. Vielmehr liess es das Bundesgericht bei einer Feststellung der Verletzung des
Beschleunigungsgebots im Rechtsspruch bewenden.
8.- Schliesslich beanstandet die Rekurrentin die von der Vorinstanz für die
angefochtene Verfügung erhobene Gebühr mit der Begründung, das Gesetz sehe einen
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Kostenersatz nur für das streitige Verwaltungsverfahren vor. Das Massnahmeverfahren
sei aber jedenfalls in erster Instanz nichtstreitig. Die Vorinstanz hat der Rekurrentin
unter Hinweis auf Art. 206 ff. des Verkehrsgebührentarifs (sGS 718.1, abgekürzt:
VGebT) die Verfahrenskosten von Fr. 300.-- auferlegt. Der Tarif findet in Art. 100 VRP,
wonach die Regierung durch Verordnung insbesondere die Gebührenansätze regelt,
und in Art. 37 des Gesetzes über die Strassenverkehrsabgaben (sGS 711.70), wonach
das Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzip zu beachten ist, eine ausreichende
gesetzliche Grundlage. Für den Entzug des Führerausweises beträgt die Gebühr
Fr. 100.-- bis Fr. 800.-- (Ziff. 206.02.1). Die im Tarif vorgesehene Verlegung der Kosten
trägt dem Grundsatz gemäss Art. 94 Abs. 1 Satz 1 VRP Rechnung, wonach die
vorgeschriebene Gebühr zu entrichten hat, wer eine Amtshandlung zum eigenen Vorteil
oder durch sein Verhalten veranlasst. Die Rekurrentin hat das Administrativverfahren
durch die von ihr am 26. Februar 2010 begangene Verkehrsregelverletzung veranlasst.
Im Rekurs wird die Höhe der Gebühr nicht beanstandet. Mit Fr. 300.-- liegt sie in der
unteren Hälfte des Gebührenrahmens. Sie trägt dem Aufwand der Behörde für die
Prüfung der Akten und insbesondere der Stellungnahme des Vertreters der Rekurrentin
vom 19. August 2010 und damit dem Äquivalenzprinzip angemessen Rechnung. Dafür,
dass der Gebührenertrag insgesamt die Kosten der öffentlichen Leistungen im Bereich
der Administrativmassnahmen übersteigt und dadurch das Kostendeckungsprinzip
verletzt wird, bestehen keine Anhaltspunkte. Damit ist der Rekurs auch insoweit
abzuweisen, als die Aufhebung von Ziff. 5 des Dispositivs der angefochtenen
Verfügung beantragt wird.
9.- Der Rekurs erweist sich in sämtlichen Punkten als unbegründet und ist deshalb
abzuweisen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Rekurrentin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.--
ist angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.