Decision ID: 9300aec2-d032-4c22-a56e-2fcccf290b57
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, im ordentlichen Verfahren vom 16. April 2021 (CG160107-L)
- 2 -
Rechtsbegehren: (Urk. 2 S. 2)
"1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger CHF 1'505'729.34 plus 5% Zins seit 17. Juni 2015 zu bezahlen;
2. alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ."
Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 16. April 2021 (Urk. 89 S. 42f.)
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird auf CHF 48'330.– festgesetzt.
3. Die Gerichtskosten werden dem Kläger auferlegt und soweit möglich mit
dem von ihm geleisteten Vorschuss verrechnet.
4. Der von der Beklagen geleistete Vorschuss (CHF 500.–) wird ihr zurücker-
stattet. Das Verrechnungsrecht des Staates bleibt vorbehalten.
5. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung von
CHF 68'800.– (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
6. Schriftliche Mitteilung an die Parteien.
7. Eine Berufung gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen von der  an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge-
richt des Kantons Zürich, Zivilkammer, Postfach, 8021 Zürich, erklärt wer-
den. In der Berufungsschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen.
Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen.
- 3 -
Berufungsanträge:
des Klägers und Berufungsklägers (Urk. 88 S. 2):
1. Es sei das angefochtene Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 16. April
2021 (Beilage A) in den Dispositivziff. 1., 3., 4. und 5. aufzuheben;
2. es sei die Berufungsbeklagte zu verpflichten, dem Berufungskläger
CHF 1'507'465.54.-- plus 5% Zins seit 17. Juni 2015 zu bezahlen;
3. es seien die Kosten vom Obergericht für die beiden Verfahren (vor  und vor Obergericht) gem. Ausgang des Berufungsverfahrens neu zu verlegen, wobei dem Berufungskläger von der Berufungsbeklagten eine  gem. dem anwendbaren Gebührentarif zuzusprechen sei.
der Beklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 95 S. 2):
(1) Die Berufung des Berufungsklägers sei abzuweisen und das Urteil des Be-
zirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 16. April 2021 (Geschäfts-Nr. CG160107-L/U) sei vollumfänglich zu bestätigen.
(2) Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu Lasten des Beru-
fungsklägers.

Erwägungen:
I.
1.a) Der Kläger steht seit über 30 Jahren als Kunde in geschäftlicher Bezie-
hung mit der Beklagten und wickelte für sich bzw. seine drei Söhne Terminge-
schäfte über die Beklagte ab (Urk. 2 S. 3 und S. 12; Urk. 17 S. 5 und S. 25). Hier-
zu schlossen die Parteien am 21. Oktober 2008 eine "Rahmenvereinbarung für
Transaktionen in Derivaten und Termingeschäften" ab. Identische Rahmenverträ-
ge bestehen gemäss Angaben der Parteien auch zwischen den Söhnen des Klä-
gers und der Beklagten (Urk. 2 S. 13 ; Urk. 3/3; Urk. 17 S. 18).
Im Zeitraum zwischen März und September 2014 schloss der Kläger für sich
bzw. seine Söhne über die Beklagte insgesamt fünf RUB-Termingeschäfte ab
(Urk. 2 S. 30; Urk. 17 S. 6):
- RUB/JPY-Termingeschäft vom 26. März 2014 (Vertragspartner: Kläger, Inhalt: JYP
150'000'000 gegen RUB 56'285'178.24, Valuta: 9. April 2015) (Urk. 3/9c);
- 4 -
- RUB/CHF-Termingeschäft vom 30. April 2014 (Vertragspartner: Kläger, Inhalt: CHF
1'500'000 gegen RUB 66'357'000.66, Valuta: 15. Mai 2015) (Urk. 3/9d);
- RUB/CHF-Termingeschäft vom 26. August 2014 (Vertragspartner: A._, Inhalt: CHF
1'000'000 gegen RUB 43'370'776.77, Valuta: 12. Oktober 2015) (Urk. 3/9e);
- RUB/CHF-Termingeschäft vom 30. April 2014 (Vertragspartner: C._, Inhalt: CHF
1'000'000 gegen RUB 44'238'000.44, Valuta: 15. Mai 2015) (Urk. 3/9f);
- RUB/CHF-Termingeschäft vom 2. September 2014 (Vertragspartner: D._, Inhalt: CHF
1'000'000 gegen RUB 44'668'780.99, Valuta: 12. Oktober 2015) (Urk. 3/9g);
Am 16. Dezember 2014 kam es bei den Termingeschäften, begründet durch
einen starken Kursverlust des Rubels, zu einem Close Out, weshalb die Beklagte
die Geschäfte vorzeitig glatt stellte (Urk. 2 S. 11 und S. 34; Urk. 17 S. 5), wodurch
dem Kläger bzw. seinen Söhnen hohe Verluste entstanden.
b) Mit der vorliegenden Klage verlangt der Kläger Schadenersatz wegen
Verletzung vertraglicher Pflichten im Umfang der Differenz der ihm (bzw. seinen
Söhnen) tatsächlich entstandenen Verluste aus der Glattstellung und den theore-
tischen, geringeren Verlusten, welche erwachsen wären, wenn die Geschäfte bis
zum ursprünglich vereinbarten Termin durchgehalten worden wären.
2. Die Klage ging bei der Vorinstanz am 18. November 2016 ein (Urk. 2).
Der weitere Verfahrensverlauf vor Vorinstanz kann dem angefochtenen Entscheid
entnommen werden (Urk. 89 S. 4 f.). Gegen das vorinstanzliche Urteil vom 16.
April 2021 hat der Kläger mit Eingabe vom 25. Mai 2021 fristgerecht Berufung er-
hoben (Urk. 88). Der ihm mit Verfügung vom 1. Juni 2021 (Urk. 92) auferlegte
Kostenvorschuss von Fr. 36'000.-- wurde rechtzeitig geleistet (Urk. 93). Die Beru-
fungsantwort datiert vom 24. August 2021 (Urk. 95); sie wurde der Gegenpartei
mit Verfügung vom 30. August 2021 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 96). Mit
Eingabe vom 13. September 2021 nahm der Kläger sein Replikrecht wahr (Urk.
97). Die Beklage liess sich dazu mit Eingabe vom 24. September 2021 (Urk. 99)
vernehmen. Weitere Eingaben erfolgten nicht. Das Verfahren ist spruchreif.
II.
- 5 -
1. Mit der Berufung kann sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als auch
die unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310
ZPO). In der Berufungsschrift sind die Behauptungen bestimmt und vollständig
aufzustellen. Zudem muss sie – im Gegensatz zur Klageschrift – nicht nur eine
tatsächliche, sondern auch eine rechtliche Begründung enthalten (Reetz/Theiler,
in: Sutter-Somm et al., ZPO Komm., Art. 311 N 36). Der Berufungskläger hat mit-
tels klarer und sauberer Verweisungen auf die Ausführungen vor der Vorinstanz
zu zeigen, wo er die massgebenden Behauptungen, Erklärungen, Bestreitungen
und Einreden erhoben hat. Die Parteien haben die von ihnen kritisierten Erwä-
gungen des angefochtenen Entscheids wie auch die Aktenstücke, auf die sie ihre
Kritik stützen, genau zu bezeichnen (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer 4A_580/2015
vom 11.04.2016, E. 2.2 [nicht publiziert in BGE 142 III 271]; BGer 5A_127/2018
vom 28.02.2019, E. 3, m.w.H.). Was nicht in einer den gesetzlichen Begrün-
dungsanforderungen genügenden Weise beanstandet wird, braucht von der
Rechtsmittelinstanz nicht überprüft zu werden. Es ist nämlich nicht Sache der
Rechtsmittelinstanz, die Akten und die Rechtsschriften der Vorinstanz zu durch-
forsten, um festzustellen, was welche Partei wo ausgeführt hat. Damit ist gesagt,
dass die Berufungsschrift weder eine pauschale Verweisung auf die bei der Vo-
rinstanz eingereichten Rechtsschriften noch eine neuerliche Darstellung der
Sach- oder Rechtslage enthalten darf, welche nicht darauf eingeht, was vor der
Vorinstanz vorgebracht worden ist. Pauschale Verweisungen auf die vor der Vo-
rinstanz eingebrachten Rechtsschriften sind namentlich dann unzulässig, wenn
sich die
Vorinstanz mit den Ausführungen des Berufungsklägers auseinandergesetzt hat.
Stützt sich der angefochtene Entscheid auf mehrere selbständige Begründungen,
muss sich der Berufungskläger in der Berufungsschrift mit allen Begründungen
auseinandersetzen. Das Gleiche gilt im Falle von Haupt- und Eventualbegrün-
dung. Auch hier muss sich der Berufungskläger mit beiden Begründungen ausei-
nandersetzen (Hungerbühler/Bucher, DIKE-Komm-ZPO, Art. 311 N 42 f.). Abge-
sehen von offensichtlichen Mängeln hat sich das Berufungsgericht grundsätzlich
auf die Beurteilung der in der Berufung und Berufungsantwort gegen das erstin-
stanzliche Urteil erhobenen Beanstandungen zu beschränken. Die Rügen der
- 6 -
Parteien geben mithin das Prüfungsprogramm der Berufungsinstanz vor; der an-
gefochtene Entscheid ist grundsätzlich nur auf die gerügten Punkte hin zu über-
prüfen. Das Gericht muss den angefochtenen Entscheid nicht von sich aus auf
Mängel untersuchen, es sei denn, der Sachverhalt sei geradezu willkürlich festge-
stellt oder das Recht sei geradezu willkürlich angewandt worden (Reetz/Theiler,
a.a.O.). Aufgrund der umfassenden Überprüfungsbefugnis ist die Berufungs-
instanz nicht an die mit den Rügen vorgebrachten Argumente oder an die Erwä-
gungen der Vorinstanz gebunden, sie kann die Rügen auch mit abweichenden
Erwägungen gutheissen oder abweisen (vgl. Reetz/Theiler, a.a.O., Art. 310 N 6).
Die Begründungsanforderungen gelten auch für die Berufungsantwort, wenn darin
Erwägungen der Vorinstanz beanstandet werden, die sich für die im kantonalen
Verfahren obsiegende Partei ungünstig auswirken können (BGer 4A_258/2015
vom 21. Oktober 2015, E. 2.4.2; BGer 4A_580/2015 vom 11. April 2016, E. 2.2;
BGer 4A_496/2016 vom 08. Dezember 2016, E. 2.2.2; Reetz/Theiler, a.a.O.,
Art. 312 N 11).
Die Beanstandungen am angefochtenen Entscheid haben die Parteien in-
nert der Berufungs- bzw. Berufungsantwortfrist vollständig vorzutragen. Ein allfäl-
liger zweiter Schriftenwechsel oder die Ausübung des sog. Replikrechts dienen
nicht dazu, die bisherige Kritik zu vervollständigen oder zu ergänzen (BGE 142 III
413 E. 2.2.4). In diesem Sinne sind die unverlangten Replikschriften der Parteien
(Urk. 97 und 99) entgegenzunehmen.
2. Neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) können im Berufungsverfah-
ren nur unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO berücksichtigt wer-
den, d.h. wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden (lit. a) und trotz zumutbarer
Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (lit. b). Diese
Voraussetzungen gelten kumulativ. Handelt es sich um echte Noven, ist das Er-
fordernis der Neuheit ohne Weiteres erfüllt und einzig das des unverzüglichen
Vorbringens ist zu prüfen. Was unechte Noven angeht, so ist es Sache der Partei,
die sie vor der Berufungsinstanz geltend machen will, zu beweisen, dass sie die
erforderliche Sorgfalt an den Tag gelegt hat, was namentlich bedingt, die Gründe
darzutun, warum die Tatsachen und Beweismittel nicht schon vor erster Instanz
- 7 -
vorgebracht werden konnten (BGE 144 III 349 E. 4.2.1; ZK ZPO-Reetz/Hilber,
Art. 317 N 34).
III.
1. Aktivlegitimation
a) Die Vorinstanz prüfte vorab die zwischen den Parteien strittige Aktivlegi-
timation des Klägers bezüglich der Geltendmachung von Schadenersatzansprü-
chen seiner Söhne aus ihren Termingeschäften mit der Beklagten. Der Kläger
hatte vorgebracht, dass seine drei Söhne ihm ihre Ansprüche zwecks Durchset-
zung ihrer Forderungen gegenüber der Beklagten der Einfachheit halber schrift-
lich abgetreten hätten (Urk. 2 S. 12f.; Urk. 3/2). Die Beklagte hatte sich demge-
genüber auf den Standpunkt gestellt, dass diese Abtretung nicht zulässig sei, da
die zwischen den Parteien anwendbaren Vertragsbestimmungen ein Abtretungs-
verbot (pactum de non cedendo) enthalten würden; eine Abtretung wäre nur mit
schriftlicher Zustimmung der Gegenpartei, also der Beklagten, zulässig gewesen
(Urk. 64 S. 37 ff.). Die Vorinstanz kam mit überzeugender Begründung zum
Schluss, dass das Abtretungsverbot nicht in der Rahmenvereinbarung für Trans-
aktionen in Derivate und Termingeschäfte vom 21. Oktober 2008 (Urk. 3/3) ent-
halten gewesen, sondern in den einzelnen Bestätigungen der Devisentransaktio-
nen unter "Verschiedenes" vermerkt worden sei (Urk. 2/9e-f). Es dürfe davon
ausgegangen werden, dass das Abtretungsverbot anlässlich des Telefonge-
sprächs des Klägers mit dem Kundenberater der Beklagten zur Vereinbarung der
fraglichen Transaktion nicht besprochen worden sei. Die Transaktionsbestätigung
enthalte somit einen vom Besprochenen nicht erfassten zusätzlichen Inhalt. Eine
solch weitgehende Abweichung verbiete es, in guten Treuen ohne Weiteres vom
Einverständnis der Gegenseite auszugehen, weshalb die Abtretung vorliegend
nicht rechtswirksam wegbedungen worden sei und demnach die Aktivlegitimation
des Klägers bezüglich aller eingeklagten Einzelforderungen gegeben sei (Urk. 89
S. 8 ff.).
b) Die Beklagte hielt im Rahmen ihrer Berufungsantwort daran fest, dass der
Kläger aufgrund eines Abtretungsverbotes betreffend der Termingeschäfte seiner
- 8 -
Söhne für die Durchsetzung von deren Forderungen gegenüber der Beklagten
nicht aktivlegitimiert sei (Urk. 95 S. 8). Die Beklagte unterliess es jedoch, sich mit
der einlässlichen vorinstanzlichen Begründung auseinanderzusetzen; sie verwies
im Wesentlichen lediglich auf ihre Ausführungen im vorinstanzlichen Verfahren
und wiederholte diese weitgehend (Urk. 95 S. 8f.). Da diese Vorbringen den An-
forderungen an eine Begründung im Berufungsverfahren nicht genügen, ist nicht
weiter darauf einzugehen. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist von der Ak-
tivlegitimation des Klägers auch bezüglich der ihm von seinen Söhnen zedierten
Forderungen auszugehen.
2. Vertragsverletzung
a) Zwischen dem Kläger und der Beklagten bestand unbestrittenermassen
seit Jahren eine Bankverbindung, welche als execution only-Beziehung zu be-
zeichnen ist, da der Kläger die getätigten Termingeschäfte selbständig, d.h. ohne
Beratung durch die Beklagte, abschloss (BGer 4A_593/2015 vom 13. Dezember
2016 E. 7.1.4.; HG150201 vom 16. März 2018, S. 25). Die Aufgabe der Bank be-
schränkt sich bei einer solchen Kundenbeziehung auf blosse Konto- und Depot-
führung (OGer ZH LB150032 vom 11.02.2016, S. 19). Die Parteien machten kei-
ne näheren Angaben zur Art des Vertragsverhältnisses, weshalb die
Vorinstanz die Qualifikation desselben offen liess (Urk. 89 S. 12). Da es den Ban-
kenvertrag an sich nicht gibt, liegen regelmässig verschiedene Vertragstypen vor
und es ist anhand der zwischen den jeweiligen Parteien bestehenden vertragli-
chen Beziehungen allenfalls eine nähere Bestimmung des konkreten Vertragsty-
pus vorzunehmen, was vorliegend jedoch unterbleiben kann, da die Parteien kei-
ne bzw. keine kontroversen Vorbringen zur Vertragsqualifikation machten. Auch
im Berufungsverfahren wurde die Qualifikation des Vertrages von den Parteien
nicht thematisiert, weshalb darauf nicht näher einzugehen ist (Urk. 88; Urk. 95).
aa) Der konkrete Vertragsinhalt ergibt sich im Wesentlichen aus der zwi-
schen den Parteien geschlossenen Rahmenvereinbarung (Urk. 3/3). Der Kläger
traf mit der Beklagten am 21. Oktober 2008 eine "Rahmenvereinbarung für
Transaktionen in Derivaten und Termingeschäften". Identische Vereinbarungen
wurden auch von den drei Söhnen des Klägers unterzeichnet (Urk. 2 S. 13f.;
- 9 -
Urk. 3/3; Urk 17 S. 6f. und S. 18). Die Rahmenvereinbarung hält fest, dass die je-
weils gültigen AGB der Beklagten integrierender Bestandteil der vertraglichen Be-
ziehung seien (Urk. 3/3 Ziff. 1.2). Auf diese AGB wurde von keiner Partei weiter
Bezug genommen. Wie übereinstimmend geltend gemacht wurde, enthält die
Rahmenvereinbarung einschlägige Bestimmungen (Urk. 2 S. 13; Urk. 17 S. 18
und S. 26).
Die Rahmenvereinbarung sieht in Ziff. 1.8 unter anderem vor (act. 3/3 S. 2):
"B._ ist jederzeit berechtigt, die allgemeinen Margenerfordernisse zu ändern.
Zudem ist B._ befugt, während der Laufzeit einer Transaktion die bei Ab-
schluss geltende Marge zu erhöhen oder für eine ohne Marge abgeschlossene
Transaktion eine Marge festzusetzen und zu verlangen. Ebenso hat B._ das
Recht, Nachdeckung ("Margin Calls") zu verlangen, falls sich nach Geschäftsab-
schluss durch Änderungen der Marktpreise oder anderer relevanter Parameter für
den Kunden im Fall der Liquidation der offenen Transaktionen ein Verlust ergäbe
oder falls sich der Wert der geleisteten Marge zwischenzeitlich vermindert hat. Für
diese Fälle verpflichtet sich der Kunde, B._ auf einfache Aufforderung hin
zusätzliche bzw. neue Sicherheiten im verlangten Umfang und in der verlangten
Art zu leisten. Sollte der Kunde einem "Margin Call" nicht innerhalb eines (Zür-
cher) Bankwerktages – oder im Falle von sich verschlechternden Marktbedingun-
gen innerhalb einer von B._ bestimmten kürzeren Frist – Folge leisten, ist
B._ berechtigt, nicht aber verpflichtet, die zu diesem Zeitpunkt offenen
Transaktionen des Kunden durch entsprechende Gegengeschäfte auf die ur-
sprünglichen Verfallsdaten hin glattzustellen und den Kunden für einen allfälligen
Verlust zu belasten".
Die in der Rahmenvereinbarung genannte Deckungsmarge (margin) als Si-
cherheit gegen Kursrückgänge dient in erster Line dazu, das Risiko der Bank und
nicht jenes des Kunden zu begrenzen. Diese Sicherungsrechte richten sich, ab-
gesehen von zwingenden gesetzlichen Bestimmungen, nach den vertraglichen
Abmachungen in den jeweiligen Sicherungsvereinbarungen, den Allgemeinen
Geschäftsbedingungen sowie den Depotreglementen (OGer ZH LB150032 vom
11.02.2016, S. 35; BGer 4C.305/2003 vom 3. Mai 2004, E. 3.2.1.). Es soll verhin-
- 10 -
dert werden, dass potentielle Verluste das eingesetzte Kapital übersteigen kön-
nen und die Bank allenfalls zu Schaden kommt. Die Initial Margin ist nötig, um ei-
ne Position zu eröffnen. Es handelt sich dabei um den Ersteinschuss bei Ge-
schäftsabschluss. Die Initial Marge dient der Bank als Sicherheit für den Fall, dass
für den Kunden aus dem Termingeschäft letztlich ein Verlust resultiert. Bei einer
negativen Kursentwicklung zulasten des Kunden kann die ursprünglich hinterlegte
Sicherheit irgendwann nicht mehr ausreichend sein (K._, Margin Call - Defi-
nition & Erklärung, https//www.L._.de/margin-call; Urk. 17 S. 7). Die Beklagte
ist nach den anwendbaren Vertragsbestimmungen in diesem Fall berechtigt, die
Höhe der zu hinterlegenden Sicherheitsmarge jederzeit anzupassen (vgl. Urk.
3/3). Die Aufforderung an den Kunden zur Beibringung zusätzlicher Sicherheiten
wird als Margin Call bezeichnet (K._, Margin Call - Definition & Erklärung,
https//www.L._.de/margin-call). Der Margin Call tritt dann ein, wenn der Wert
des Marginkontos unter den Betrag der von der Bank geforderten Sicherheiten
fällt. Beim Margin Call handelt es sich um die Aufforderung der Bank an den Kun-
den, seine Sicherheitsleistung zu erhöhen. Sobald ein Anleger die Margin nutzt
und nicht nur Eigenkapital einsetzt, besteht das Risiko eines Margin Calls. Der
Margin Call wird ausgelöst, wenn der Wert des Eigenkapitals einen vorab festge-
legten prozentualen Wert des Kreditbetrages, nämlich die Maintenance Margin,
unterschreitet. Sie ist zum Halten einer Position mindestens notwendig. Ob es zu
einem Margin Call kommt, hängt massgeblich von den geforderten Sicherheits-
leistungen und dem aktuellen Wert der Sicherheiten eines Kontos ab (K._,
Margin Call - Definition & Erklärung, https//www.L._.de/margin-call).
Bei den vorliegend relevanten klägerischen Termingeschäften betrug die Si-
cherheitsmarge 11% des vom Kläger im Valuta-Zeitpunkt zu liefernden Betrages.
Der Kläger hatte für diese Geschäfte die erforderliche Sicherheit (inkl. Sicher-
heitsmarge) gemäss Angaben der Beklagten durch Verpfändung des Wertschrif-
tendepots sowie der Kontoguthaben des Klägers bzw. seiner Söhne bei der Be-
klagten erbracht (Urk. 17 S. 7; Vgl. Urk.18/16).
bb) Die Beklagte war mithin berechtigt, mittels Margin Calls Nachdeckung zu
verlangen, sofern die vereinbarten Voraussetzungen gemäss der Rahmenverein-
- 11 -
barung eintreten sollten. Falls keine oder keine genügende Nachdeckung durch
den Kunden erfolgt und dieser einer Glattstellung des Kontos nicht zustimmen
sollte, war die Beklagte auch befugt, innerhalb einer von ihr allein zu bestimmen-
den Frist die Position glattzustellen (sog. Close out). Weitere Voraussetzungen
beinhalten die vertraglichen Bestimmungen nicht. Wie die Vorinstanz zutreffend
ausführte, ist der Margin Call gesetzlich nicht geregelt, weshalb allein der von den
Parteien verabredete Vertragsinhalt massgebend ist (Urk. 89 S. 25). Der Rechts-
streit der Parteien beinhaltet im Wesentlichen nur die Frage, ob die Glattstellung
der betreffenden Positionen des Klägers durch die Beklagte berechtigt war, indem
ein gültiger Margin Call erfolgte, im Rahmen dessen dem Kläger eine genügende
Frist zur Nachdeckung angesetzt wurde oder der Kläger von sich aus der Glatt-
stellung zustimmte (Urk. 89 S. 12).
b) Der Kläger macht zusammengefasst geltend, die Beklagte habe die
streitgegenständlichen Devisentermingeschäfte am 16. Dezember 2014 zu Un-
recht geschlossen (sog. Close out), einerseits ohne seine Autorisation einzuholen
und andererseits ohne ihm die vertraglich eingeräumte Gelegenheit gegeben zu
haben, innert angemessener Frist für Nachdeckung zu sorgen. Er habe seine Ru-
belpositionen auf keinen Fall liquidiert sehen wollen und sei ohne wenn und aber
bereit gewesen, subitissimo für Nachdeckung zu sorgen. Hierin liege die Pflicht-
verletzung der Beklagten (Urk. 2 S. 12). Obgleich kein Margin Call ergangen sei,
die Beklagte zu jenem Zeitpunkt nicht gewusst habe, wie gross die Unterdeckung
sei, der RUB zu jener Zeit ruhig verlaufen sei und keine Tendenz nach unten ge-
zeigt habe und obgleich für die Beklagte kein nennenswertes Risiko bestanden
habe, dass sie zu Schaden kommt, falls sie die Sache mit dem Kläger am folgen-
den frühen Morgen regeln würde, sei sie zu jener späten Tageszeit noch zur Tat
geschritten; die Vertragswidrigkeit sei offenkundig (Urk. 60 S. 81).
Die Beklagte ist hingegen der Auffassung, sie sei ihren vertraglichen Pflich-
ten nachgekommen. Nachdem der Kläger nicht für sofortige Nachdeckung habe
sorgen können, sei sie zur Glattstellung der Termingeschäfte berechtigt gewesen.
Überdies habe sie mit ausdrücklichem Einverständnis des Klägers gehandelt
(Urk. 17 S. 6), wobei sie aufgrund der geltenden Vertragsbestimmungen auch oh-
- 12 -
ne dessen Zustimmung zur Schliessung der Termingeschäfte berechtigt gewesen
sei (Urk. 17 S. 25). Der Streit dreht sich somit primär um die Frage, wie schnell
die Beklagte die Rubelpositionen am 16. Dezember 2014 unter den gegebenen
Voraussetzungen glattstellen durfte bzw. ob und wie lange die Beklagte dem Klä-
ger hätte Frist einräumen müssen, um für Nachdeckung zu sorgen. M.a.W. ist zu
prüfen, ob am 16. Dezember 2014 ein rechtsgültiger Margin Call durch die Be-
klagte erfolgte.
c) Bereits im Vorfeld der Ereignisse vom 16. Dezember 2014 war der Kläger
am 10. November 2014 und am 2. Dezember 2014 mit Margin Calls sowie am
11. Dezember 2014 mit einem Warning seitens der Beklagten konfrontiert wor-
den. Dabei fand wiederholt eine Risikoaufklärung statt, wobei die Beklagte dem
Kläger weitere Massnahmen zur Risikominimierung nahelegte. Dem Kläger wurde
gemäss dem Kundenjournal "E._" (nachfolgend: E._) ausdrücklich emp-
fohlen, die diesbezüglichen Risiken genauer zu überprüfen (Urk. 3/5 Zeile 89).
Der Kläger musste in diesem Zusammenhang zusätzliche Sicherheiten bereitstel-
len (EUR 28'000.-- für die Konti von zwei Söhnen resp. EUR 43'000.--; Urk. 2 S.
17; Urk. 3/5 Zeile 85 f.). Sodann wurde im E._ anlässlich des Warnings vom
11. Dezember 2014 vermerkt, der Kläger sei sich der Risiken voll und ganz be-
wusst und überlege sich weitere Massnahmen (Urk. 3/5 Zeilen 70-75). In der Fol-
ge unternahm der Kläger jedoch unbestrittenermassen keine weiteren Schritte
und stellte der Beklagten keine Sicherheiten zur Verfügung, die über das Notwen-
dige hinausgingen und zur Stabilisierung der Situation beigetragen hätten (Urk. 2
S. 17 f.; Urk. 64 S. 8). Der Kläger war sich jedoch nach eigenen Angaben be-
wusst, dass der Verlustrisikoabsicherung durch die Beklagte eine zentrale Rolle
zukam (Urk. 2 S. 10).
d) Es steht unbestrittenermassen fest, dass der Rubelkurs am Vormittag des
16. Dezembers 2014 zunächst im frühen Handel um 6% anstieg, dann aber in der
Zeit zwischen 10 und 13 Uhr MEZ einen abrupten Absturz erfuhr, was Auswirkun-
gen auf den Wert der offenen Termingeschäfte des Klägers und seiner Söhne
hatte (Urk. 2 S. 18; Urk. 17 S. 5, 8; Urk. 60 S. 16; Urk. 64 S. 9). Der Kläger selbst
hält fest, dass der Rubelkurs am 16. Dezember 2014 "wie von Geisterhand und
- 13 -
zur Überraschung auch von erfahrenen und professionellen Händlern" um ca. 30
Prozent abgesackt sei (Urk. 2 S. 18). Der Kläger bestritt nicht, dass sich seine
Rubel-Positionen wie auch diejenigen seiner Söhne dadurch im Margin Call-
Status befanden und eine relevante Unterdeckung bestand, so dass die Voraus-
setzungen für einen Margin Call erfüllt waren (Urk. 60 S. 79; Urk. 64 S. 10; Unter-
deckung = Unterschreiten der maximalen Belehnungsgrenze, Kreditüberschrei-
tung, vgl. Urk. 18/16).
e) Es ist unbestritten, dass als Folge dieser Ereignisse mehrere Telefonge-
spräche zwischen dem Kläger und seinem Kundenberater F._ von der Be-
klagten stattfanden, welche im Wesentlichen auch im E._ (Urk. 3/5) festge-
halten sind. Bezüglich der darin aufgeführten Telefongespräche sind sich die Par-
teien einig, dass die ersten beiden Journal-Einträge in zeitlicher Hinsicht ver-
tauscht sind. Beim Eintrag in den Zeilen 51-56 handle es sich um das erste Tele-
fonat vom 16. Dezember 2014 und in den Zeilen 57-68 um das zweite Gespräch
(Urk. 2 S. 20; Urk. 17 S. 29; Urk. 89 S. 15). Vom Kläger wurde verschiedentlich
die Richtigkeit einzelner Aufzeichnungen im E._, welche zu seinen Unguns-
ten lauteten, konkret oder allgemein in Frage gestellt (Urk. 2 S. 15 f.), weshalb
vorab auf die Beweistauglichkeit dieser Urkunde einzugehen ist. Es ist vorab fest-
zuhalten, dass sich jedoch auch der Kläger selbst für gewisse Behauptungen auf
diese Urkunde als Beweismittel zu seinen Gunsten berief (Urk. 33 S. 4). Das
Kundenjournal E._ dient im Einzelfall der internen Aufzeichnung der relevan-
ten Kundenkontakte. Es handelt sich bei diesen Einträgen nicht um eigentliche
Wortprotokolle, sondern um eine Zusammenfassung der wesentlichen Punkte. Es
sind Aufzeichnungen, die zeitnah zu den geschilderten Ereignissen von den zu-
ständigen Bankmitarbeitern erstellt werden (Prot. I S. 23). Das E._ ist als Ur-
kunde zweifellos ein taugliches Beweismittel. Auch diese Urkunde untersteht je-
doch selbstverständlich der freien richterlichen Beweiswürdigung (Art. 157 ZPO).
Es kann jedoch nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass einzelne
Einträge unwahr sind. Der Zeuge F._ bestätigte, dass die Aufzeichnungen
grundsätzlich den Sachverhalt wiedergeben sollten, der sich auch tatsächlich er-
eignet habe. Es gebe klare Prozesse für die Einträge im E._. Soweit er wis-
se, würden die Einträge von der Compliance-Abteilung überprüft. Vorliegend sei-
- 14 -
en die Einträge auch nach dem Vieraugenprinzip vorgenommen worden (Prot. I S.
31). G._, sein Teamleiter, habe die Einträge ebenfalls angesehen (Prot. I S.
32). G._ bestätigte im Rahmen der Zeugenbefragung, dass die Einträge kon-
trolliert würden (Prot. I S. 48). Grundsätzlich ist daher davon auszugehen, dass
das E._ keine unwahren Einträge enthält. Um die Richtigkeit der inhaltlichen
Aufzeichnungen in Frage zu stellen, genügt es jedenfalls nicht, diese einfach zu
bestreiten. Soweit keine begründeten Einwände gegen die darin enthaltenen Ein-
träge vorgebracht werden, ist daher im Folgenden von der Richtigkeit dieser Auf-
zeichnungen auszugehen.
f) Es ist weiter unbestritten, dass aufgrund der Ereignisse am 16. Dezember
2014 zwischen 14 30 und 15 00 Uhr ein erstes Telefongespräch zwischen dem
Kläger und seinem Kundenberater F._ stattfand und dieser den Kläger auf-
forderte, unverzüglich zusätzliche Sicherheiten beizubringen, andernfalls die frag-
lichen Termingeschäfte von der Bank geschlossen würden (Urk. 2 S. 20 f.; Urk.
17 S. 11; Urk. 89 S. 15; Vgl. Urk. 3/5 Zeilen 50 bis 55). Dass die Voraussetzungen
für einen Margin Call im damaligen Zeitpunkt erfüllt waren, wird von keiner Partei
bestritten (Urk. 60 S. 79; Urk. 64 S. 10; Urk. 89 S. 15). Der Kläger meinte gar,
dass dies aufgrund der Verschlechterung des Rubelkurses schon früher, zwi-
schen 9 und 13 40 Uhr der Fall gewesen wäre (Urk. 60 S. 16). Was das von der
Beklagten bestrittene (Urk. 64 S. 53) Argument des Klägers anbelangt, wonach
die Beklagte noch früher - allenfalls am 15. Dezember 2014 - einen Margin Call
hätte erlassen müssen (Urk. 60 S. 104), ist zu bemerken, dass nicht ersichtlich ist,
was der Kläger daraus zu seinen Gunsten ableiten will. Da er zu dieser Behaup-
tung auch keinerlei Beweismittel anbot, ist sie ohnehin beweislos geblieben. Zu-
dem erklärte der Kläger an anderer Stelle selbst, dass die Beklagte vorschrifts-
und vertragsgemäss mit ihm Kontakt aufgenommen habe, nachdem sie eine Un-
terdeckung der Marge festgestellt habe (Urk. 2 S. 37).
Der Kläger brachte vor, dass es für ihn jedoch ausser Frage gestanden sei,
dass die russische Währung niemals ins Bodenlose fallen werde, weshalb für ihn
die Variante der Glattstellung der CHF/RUB-Position zu keinem Zeitpunkt eine
Option gewesen sei. Dass der Kläger fest an die Erholung der russischen Wäh-
- 15 -
rung geglaubt habe, gehe daraus hervor, dass er bei einer zweiten Bank in der
Schweiz und bei einer Bank in Deutschland ebenfalls RUB-Termingeschäfte of-
fengehabt und diese nicht liquidiert habe (Urk. 2 S. 21). Er sei jedoch keineswegs
dagegen gewesen, Nachdeckung beizubringen. Er habe gegenüber F._ da-
her sein Einverständnis erklärt, die ZAR/CHF Position glattzustellen, womit ein
Gewinn von CHF 101'203.87 habe realisiert werden können (Urk. 2 S. 21; Urk.
3/9b). Auch seien H._-Aktien für ihn verkauft worden (Urk. 17 S. 11; Urk. 3/5
Zeile 51-55). Dies wird von der Beklagten so bestätigt; die Schliessung dieses
Geschäfts sei um 14.59 Uhr (MEZ) erfolgt (Urk. 17 S. 11). Nach Einschätzung der
Beklagten konnte die Margensituation dadurch etwas verbessert werden, sie war
aber nach ihren Angaben nach wie vor kritisch, und es bestand weiterhin Hand-
lungsbedarf. Der Kläger behauptete zwar, dass F._ ihm am Telefon erklärt
habe, dass die Angelegenheit mit den getroffenen Massnahmen erledigt sei (Urk.
2 S. 23). Die Beklagte bestritt dies (Urk. 17 S. 11). Der Kläger benannte zu seiner
diesbezüglichen Behauptung keine Beweismittel (Urk. 2 S. 23). Da seine Behaup-
tung somit beweislos blieb, muss davon ausgegangen werden, dass der Kläger
nicht annehmen durfte, dass die Angelegenheit damit erledigt sei, sondern dass
noch weiterer Nachdeckungsbedarf bestand.
Die Beklagte bestritt, dass F._ dem Kläger mitgeteilt habe - wie dieser
behauptet (Urk. 2 S. 20 f.) - , dass bei den Termingeschäften der Söhne keinerlei
Probleme bestehen würden und kein Margin Call erfolgt sei. Dies sei angesichts
des massiven Einbruchs des RUB gar nicht vorstellbar gewesen. F._ habe
dem Kläger lediglich erklärt, dass er bezüglich der Geschäfte der Söhne noch
keine Meldung der Kreditabteilung erhalten habe und daher bei diesen Geschäf-
ten im Moment noch nichts zu unternehmen sei (Urk. 17 S. 12). Der Kläger mach-
te im Rahmen der Parteibefragung geltend, er habe F._ beim ersten Telefo-
nat gefragt, wie es um die Position seiner Söhne stehe. F._ habe ihm erklärt,
dass dort alles in Ordnung sei, dies jedoch nicht begründet. Der Kläger müsse je-
doch zusätzliche Liquidität beschaffen. Es seien dann Titel (H._-Aktien) ver-
kauft worden und die Devisentermingeschäfte ZRF/CH seien geschlossen wor-
den. Betreffend eines weiteren Devisentermingeschäfts in IDR sei ebenfalls die
Schliessung beschlossen worden. An jenem Tag habe F._ nichts wegen der
- 16 -
Positionen seiner Söhne gesagt. Einige Tage zuvor, habe es jedoch Diskussionen
darüber gegeben und F._ habe ihn gebeten, Liquidität für die Söhne bereit-
zustellen, was er dann über sein Konto gemacht habe (Urk. 44 S. 3 f.). Eine halbe
Stunde nach dem ersten Telefon habe F._ erneut angerufen und zu seiner
grossen Überraschung erklärt, dass bei seinen Söhnen ein Close out vorliege und
deren Devisentermingeschäfte geschlossen würden, wie im Übrigen auch seine
eigenen (Urk. 44 S. 5). Im E._ findet sich beim ersten Telefongespräch kein
expliziter Eintrag betreffend der Position der Söhne (Urk. 3/5 Zeilen 51-55). Der
Zeuge F._ vermochte sich nicht zu erinnern, ob anlässlich des ersten Tele-
fongesprächs auch über die Geschäfte der Söhne gesprochen wurde (Prot. I S.
15). Die Aussagen des Klägers überzeugen angesichts der konkreten Umstände
dennoch nicht. Es kann hierzu im Wesentlichen auf die zutreffenden Ausführun-
gen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 89 S. 16f.). Der Kläger konnte auf-
grund der konkreten Situation realistischerweise kaum davon ausgehen, dass nur
seine RUB-Position betroffen sei. Er räumte selbst ein, dass ihm klar gewesen
sei, dass sich der Einbruch des Rubels auch negativ auf die Positionen der Söhne
auswirke und auch dort ein Margin Call erfolge (Urk. 2 S. 20f.; Urk. 44 S. 4). Es ist
zudem unklar geblieben, ob beim ersten Telefongespräch genau zwischen den
RUB-Positionen des Klägers und denjenigen seiner Söhne unterschieden wurde.
Nachdem der Kläger offenbar in dieser Angelegenheit schon zuvor stets für seine
Söhne gehandelt - wie im übrigen auch im vorliegenden Prozess - und wie oben
ausgeführt auch schon zuvor Liquidität für diese aufgebracht hatte (Urk. 44 S. 4)
sowie nach der Glattstellung der Geschäfte der Söhne im konkreten Fall den Ver-
lust ausglich (Prot. I S. 20), bestand offensichtlich keine strikte Trennung zwi-
schen seinen Geschäften und denjenigen seiner Söhne. Ansprechpartner bzw.
bevollmächtigter Stellvertreter für die Bank war immer der Kläger. Der Kläger hat-
te von Beginn weg Vollmachten für die Bankbeziehungen seiner Söhne (Urk. 2 S.
12). Der Kläger behauptete auch nie, dass sich die Beklagte direkt an seine Söh-
ne hätte wenden müssen. Partei des bei den Akten liegenden Rahmenvertrages
waren nur der Kläger und die Beklagte (Urk. 5/3). Er behauptete, dass die Söhne
identische Rahmenverträge unterzeichnet hätten (Urk. 2 S. 13); diese wurden je-
doch im Prozess nicht eingereicht. In den Akten finden sich bezüglich der Söhne
- 17 -
A._, C._ und D._ lediglich drei im eigenen Namen im Jahre 2014
(zwischen Juli und Oktober) unterzeichnete Pfandbestellungsverträge mit der Be-
klagten (Urk. 18/16), welche alle vor dem 1. Dezember 2014 abgeschlossen wur-
den. Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass anlässlich dieses Telefon-
gesprächs auch die Positionen der Söhne des Klägers miteinbezogen waren.
aa) Aufgrund der obigen Ausführungen kann der klägerischen Auffassung,
wonach kein Margin Call erfolgt sei, in keiner Weise gefolgt werden. Die Beklagte
machte geltend, dass sie den Kläger an jenem Tag telefonisch, erstmals zwischen
14 30 Uhr und 15 00 Uhr (MEZ) aufgefordert habe, unverzüglich zusätzliche Si-
cherheiten beizubringen, andernfalls die in Frage stehenden Termingeschäfte von
ihr geschlossen würden (Urk. 17 S. 11, 26). Der Kläger habe sich darauf ent-
schieden, die erwähnten drei Positionen zu verkaufen (Urk. 17 S. 11); anderweiti-
ge zusätzliche Sicherheiten konnte der Kläger nach Angabe der Beklagten nicht
sofort beibringen (Urk. 17 S. 26). Der Zeuge F._ erklärte, dass die Schlies-
sung dieser erwähnten Termingeschäfte zufolge eines Margin Calls erfolgt sei.
Man habe sich in einem Margin Call-Status befunden und er habe von der Kredit-
abteilung die Meldung erhalten, dass man entsprechende Massnahmen ergreifen
müsse (Prot. I S. 15). Der Zeuge bestätigte, dass gemäss konstanter Politik der
Beklagten im Falle eines Margin Calls sofort mit dem Kunden darüber gesprochen
werde, was nun getan werden könne, um den Margin Call aufzuheben (Prot. I S.
27). Was er dem Kläger bei diesem Anruf genau gesagt habe, wisse er nicht
mehr, aber normalerweise teile er einem Kunden bei einem Margin Call mit, dass
eine Unterdeckung bestehe und meistens werde dem Kunden auch ein entspre-
chender Betrag genannt. Bei einem Margin Call habe man auch eine gewisse Zeit
und einen gewissen Handlungsspielraum. Es gebe diesbezüglich gewisse Fristen.
Dies sei auch so gehandhabt worden (Prot. I S. 28). Es besteht kein Anlass, an
diesen Äusserungen des Zeugen F._ zu zweifeln. Diese Aussagen sind da-
her als glaubhaft anzusehen. Sie werden zusätzlich durch die Aufzeichnungen im
E._ bestätigt. Dort ist ausdrücklich vermerkt, dass ein Anruf (erster Anruf) an
den Kunden betreffend Margin Call-Status erfolgt sei und sich der Kunde in der
Folge bereit erklärt habe, verschiedene Positionen (zugunsten der notleidenden
Devisentermingeschäfte) zu schliessen (Urk. 3/5 Zeile 51-55). Der Kläger ver-
- 18 -
mochte keine substantiierten Einwände gegen die Richtigkeit dieses Eintrags gel-
tend zu machen. Aufgrund dieser Umstände und der genannten Beweismittel ist
davon auszugehen, dass die Beklagte anlässlich des ersten Telefonanrufs ge-
genüber dem Kläger einen Margin Call erliess.
bb) Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim Margin Call um die Aufforde-
rung der Bank an den Kunden, seine Sicherheitsleistung zu erhöhen, weil die ver-
einbarte Marge nicht mehr gedeckt ist. Dass die Voraussetzungen für einen sol-
chen im damaligen Zeitpunkt erfüllt waren, wird wie erwähnt von keiner der Par-
teien bestritten. Die Vorinstanz ging im Folgenden zutreffend davon aus, dass am
16. Dezember 2014 im Rahmen des ersten Telefongesprächs ein Margin Call im
Sinne eines Kontakts zwischen dem Kläger und der Beklagten erfolgte (Urk. 89 S.
26). Der Kläger bestätigte dies, indem er anerkannte, dass damals eine sofortige
Kontaktaufnahme mit ihm stattgefunden habe, nachdem die Bank eine Unterde-
ckung bei der Marge festgestellt habe. Es sei mit ihm über konkrete Massnahmen
zur Behebung derselben gesprochen und diese seien auch getroffen worden (Urk.
2 S. 37). Dies entspricht dem üblichen Vorgehen beim Margin Call, wie dies vom
Zeugen F._ auf Frage des klägerischen Anwalts bestätigt wurde (Prot. I S.
27, 35). Der Kläger monierte dennoch, dass dieser Margin Call nicht rechtsgültig
gewesen sei, weil ihm keine genügende Frist zur Nachdeckung eingeräumt und
der konkrete Nachdeckungsbedarf nicht beziffert worden sei. Dies trifft für den
Zeitpunkt des ersten Telefongesprächs nicht zu. Entgegen seiner Ansicht musste
dem Kläger nach dem Margin Call keine Frist zur Nachdeckung angesetzt wer-
den, da er unbestrittenermassen bereits anlässlich dieses ersten Telefonge-
sprächs, mit welchem der Margin Call ausgesprochen wurde, sofort mit der Be-
klagten über Massnahmen diskutierte und sich mit der Schliessung diverser Posi-
tionen zur Abdeckung des erforderlichen Nachschusses bereit erklärte. Dass da-
bei nicht über die Höhe oder die ungefähre Höhe des erforderlichen Nachschus-
ses gesprochen worden wäre, erscheint lebensfremd. Der Kläger musste - wie
der Zeuge F._ zu Recht anmerkte (Prot. I S. 28) - wissen, welche Geschäfte
er schliessen bzw. welchen Betrag er zur Deckung überweisen wollte, damit der
Margin Call geschlossen werde. Da der Kläger in der Folge nicht nur ein, sondern
gleich drei Geschäfte zugunsten der RUB-Positionen schloss, ist ohne Weiteres
- 19 -
anzunehmen, dass er mehr als eine Ahnung vom Umfang der erforderlichen
Nachdeckung hatte. Ausserdem behauptete er auch nie, dass er nachgefragt ha-
be, was ebenfalls ein Indiz ist, dass er über die Höhe des Fehlbetrages zumindest
genügend Bescheid wusste. In diesem Zusammenhang erscheint auch die Aus-
sage des Zeugen F._ glaubhaft, wonach er dem Kunden bei einem Margin
Call mitteile, welcher Betrag ungefähr nachgeliefert oder welche Verkäufe getätigt
werden müssten (Prot. I S. 25, 28). Diese Aussagen erscheinen durchaus plausi-
bel; es ist auch anzunehmen, dass sich ein so versierter Anleger wie der Kläger
nach der Höhe des erforderlichen Betrages erkundigt hätte, wenn ihm dieser nicht
genannt worden wäre oder er diesen nicht gewusst hätte. Dass es für den Kläger
tatsächlich kein Blindflug war, anerkannte der Kläger selbst, indem er anlässlich
seiner Parteibefragung einräumte, dass er sich zumindest überschlagsmässig ha-
be vorstellen können, was der Rubeleinbruch für seine Anlagen bedeutet habe
(Urk. 44 S. 16). Zudem war dem Kläger auch die Marge der Beklagten von 11%
bekannt. Es kann hiezu auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden (Urk. 89 S. 21). Im Übrigen war dem Kläger - wie bereits ausge-
führt - auch klar, dass die RUB-Positionen seiner Söhne ebenfalls betroffen wa-
ren. Diesbezüglich ist noch anzumerken, dass in den von den Söhnen des Klä-
gers abgeschlossenen Pfandbestellungsverträgen für den Fall des Eintritts des
Margin Calls keine Pflicht der Bank zur Bekanntgabe der Höhe der erforderlichen
Sicherheiten vorgesehen ist (vgl. Urk. 18/16 S. 3; Urk. 17 S. 18). Die Anwendbar-
keit dieser Vertragsbestimmungen blieb unbestritten (Urk. 60 S. 84; Urk. 17 S.
18). Soweit die Positionen der Söhne betroffen waren, konnte somit durch die
mangelnde Angabe der Höhe der Nachdeckungsbeträge ohnehin keine Pflichtver-
letzung der Beklagten vorliegen.
cc) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beklagte im Rahmen des
ersten Telefongesprächs einen Margin Call gegenüber dem Kläger für alle Rubel-
positionen des Klägers und seiner Söhn erliess, welcher den vertraglichen Vo-
raussetzungen des Rahmenvertrages sowie der Pfandbestellungsverträge der
Söhne vollumfänglich entsprach. Die vorinstanzlichen Erwägungen erweisen sich
somit insofern als zutreffend (Urk. 89 S. 25 f.). Die Beklagte forderte den Kläger
im Rahmen des ersten Telefongesprächs auf, für die RUB-Geschäfte weitere Si-
- 20 -
cherheiten zu leisten, welcher Aufforderung der Kläger unmittelbar nachkam und
der Bank den Auftrag erteilte, zu diesem Zwecke drei Positionen zu schliessen. In
diesem Sinne hat der Kläger auf einfache Aufforderung der Beklagten hin zusätz-
liche Sicherheiten geleistet. Die Höhe der erforderlichen Nachdeckung war ihm
bekannt bzw. mindestens annähernd bewusst, wobei angesichts der Volatilität
des Rubels keine genauen, für einen gewissen Zeitraum konstant bleibenden
Auskünfte möglich waren. Wie bereits erwähnt, konnte der Kläger im Übrigen
nicht davon ausgehen, dass die Angelegenheit mit der Schliessung der erwähn-
ten Positionen erledigt sei, sondern musste annehmen, dass allenfalls noch weite-
rer Nachdeckungsbedarf bestand. Dem Kläger war nämlich nach eigenem Be-
kunden sehr wohl bewusst, dass der Devisenmarkt fast sekündlichen Fluktuatio-
nen ausgesetzt war (Urk. 2 S. 8) und sich die Situation sofort wieder ändern konn-
te. Die Beklagte erklärte dazu, dass eine auf Franken genaue Angabe aufgrund
der hohen RUB-Volatilität naturgemäss nicht möglich gewesen sei; der Beklagten
sei die Margensituation jedoch jederzeit bekannt gewesen (Urk. 17 S. 28). Durch
die Ergreifung der erwähnten Massnahmen (Schliessung von drei Positionen) war
der Margin Call-Status noch nicht geschlossen; wie oben ausgeführt, konnte der
Kläger nicht davon ausgehen, dass die Angelegenheit mit der Schliessung der
erwähnten Positionen erledigt sei, sondern musste mit weiteren allfälligen Nach-
schussforderungen der Beklagten rechnen.
g) Zwischen 15 30 Uhr und 16 00 Uhr (MEZ) fand ein weiteres Telefonge-
spräch zwischen F._ (und G._) und dem Kläger statt (Urk. 89 S. 17).
aa) Der Kläger behauptet, ihm sei mitgeteilt worden, dass "bzgl. RUB-
Positionen der Söhne soeben ein Close-Out erfolgt sei", woraufhin er sein Unver-
ständnis und Protest geäussert habe, da man ihm eine halbe Stunde zuvor noch
bestätigt habe, dass es bei den Söhnen keinen Margin Call gebe. Der Eintrag im
E._, dass er sein Einverständnis gegeben habe, die Positionen bei den Söh-
nen glattzustellen (Urk. 3/5 Zeile 64), sei eindeutig falsch. Die Positionen der
Söhne seien nie diskutiert worden. Vielmehr sei die Beklagte ohne jede Diskussi-
on gleich von sich aus zur Tat geschritten und habe die RUB-Positionen der Söh-
ne kurzerhand glattgestellt. Von einem Einverständnis seinerseits könne daher
- 21 -
keine Rede sein. Sein Einverständnis habe er nur schon daher nicht erteilt, weil
der Zeuge F._ ihm keinen Approximativwert im Falle einer Glattstellung habe
nennen können (Urk. 2 S. 22; Urk. 44 S. 5 f.).
Die Beklagte behauptet, dem Kläger sei anlässlich des zweiten Telefonats
mitgeteilt worden, dass sich die Margensituation aufgrund der weiteren Kursent-
wicklung nicht verbessert habe. Entsprechend hätten die Zeugen F._ und
G._ dem Kläger mitgeteilt, dass bei den Termingeschäften des Klägers aku-
ter Handlungsbedarf bestehe, da sich die anlässlich des ersten Telefonats ge-
troffenen Massnahmen als nicht ausreichend erwiesen hätten. Betreffend die
Söhne sei sodann die Meldung der Kreditabteilung eingegangen, wonach die hin-
terlegte Sicherheitsmarge durch die Kursentwicklung bereits aufgezehrt worden
sei und auch bei diesen Geschäftsbeziehungen unmittelbarer Handlungsbedarf
bestehe (Urk. 17 S. 13; Urk. 64 S. 13).
bb) Vorab ist darauf hinzuweisen, dass im Zeitpunkt des zweiten Telefonats
- wie oben ausgeführt - trotz der Schliessung diverser Positionen zwecks Nach-
schusses der Margin Call-Status nach wie vor bestand; er war nicht geschlossen
worden. Das erste und die weiteren Telefongespräche sind in einem direkten Zu-
sammenhang zu sehen; das zweite und dritte Telefongespräch waren eine Fort-
setzung des ganzen Margin-Prozederes. Wie oben erwähnt, konnte der Kläger
nicht davon ausgehen, dass die Sache mit der Schliessung der betreffenden drei
Geschäfte erledigt sei. Er wusste - wie oben ausgeführt -, dass das Sicherungs-
problem sowohl bei den Positionen der Söhne als auch seinen eigenen weiterhin
bestand. Gemäss Eintrag im E._ wurde der Kläger dahingehend informiert,
dass sich die Geschäfte aller drei Söhne nunmehr im Close out-Status befänden
und möglicherweise bereits eine Unterdeckung eingetreten sei. Es bestehe daher
sofortiger Handlungsbedarf, im Minimum durch die Schliessung des RUB/CHF-
Termingeschäfts. Da eine Abdeckung durch vorhandenes Vermögen aufgrund der
fehlenden Deckung nicht mehr möglich sei, müssten zwangsläufig bei allen drei
Söhnen die RUB-Termingeschäfte geschlossen werden. Weiter wurde vermerkt,
dass der Kunde (Kläger) das OK gegeben habe, sämtliche Positionen bei den
Kindern zu veräussern sowie die Gegengeschäfte bei den Termingeschäften zu
- 22 -
veranlassen (Urk. 3/5 Zeile 60 bis 65). Der Zeuge F._ bestätigte, dass in die-
sem Zeitpunkt ein Close out bestanden habe. In dieser Situation müssten Sofort-
massnahmen ergriffen werden, ansonsten die Bank vertragsgemäss den Close
out-Status bereinigen und sich schadlos halten könne. Die Informationen, die er
vom Kreditbüro erhalten habe, habe er dem Kläger weitergegeben. Er selbst habe
keinen Spielraum gehabt. Es habe klare Vorgaben des Credit Office gegeben.
Der Übergang vom Margin Call zum Close out sei keine Frage der Zeit, sondern
eine solche der Deckung. Es könne sein, dass Nachschuss angeboten worden
sei, doch sei es zeitlich nicht mehr drin gelegen; die Massnahmen hätten sofort
umgesetzt werden müssen. Er selbst habe keinen Handlungsspielraum gehabt
(Prot. I S. 16 ff.). Es sei praktisch keine Zeit mehr geblieben, um den Close out zu
verhindern (Prot. I S. 29). Der Zeuge G._ erklärte, dass im Zentrum die Prob-
lematik gestanden sei, dass eine Close out-Situation bestanden habe. Gemäss
seiner Erinnerung sei dem Kläger gegenüber auch eine Zahl genannt worden
(Prot. I S. 42). Aufgrund des abrupten Rubelzerfalls sei die Kundenbeziehung
gemäss Aussagen der Kreditabteilung im Close out-Prozess gewesen. In dieser
Situation hätten sie keinen Handlungsspielraum gehabt; es habe glattgestellt wer-
den müssen (Prot. I S. 43, 49). Auf Vorhalt, ob sich der Zeuge daran erinnern
könne, was unter "Kunde gibt uns das OK" (vgl. Urk. 3/5 Zeilen 60 bis 65) zu ver-
stehen sei, meinte der Zeuge, dass der Kläger gemäss seiner Erinnerung den
Bescheid gegeben habe, dass die Beklagte die drei Geschäfte (der Söhne)
schliessen solle und von der Kundenbeziehung des Klägers Geld auf die Kun-
denbeziehungen der Söhne überweisen solle, um dort das Minus abzudecken
(Prot. I S. 44, 46). An diesem Tag sei die Situation derart ausserordentlich gewe-
sen, dass die Kundenbeziehung sofort am entgleiten gewesen sei (Prot. I S. 50).
Wie bereits erwähnt, besteht grundsätzlich kein Anlass, nicht auf die Einträ-
ge im E._ abzustellen. Zwar bestritt der Kläger die Richtigkeit der Aufzeich-
nung, wonach er mit einer Glattstellung der Positionen seiner Söhne einverstan-
den gewesen sei (Urk. 2 S. 22; Urk. 44 S. 5), doch wird vom Zeugen G._ be-
stätigt, dass der Kläger gesagt habe, man solle diese drei Positionen schliessen.
Es besteht kein Anlass, an der Glaubhaftigkeit dieser Aussage zu zweifeln. Es ist
kein Grund ersichtlich, weshalb der Zeuge, welcher schon länger nicht mehr bei
- 23 -
der Beklagten arbeitet, nicht die Wahrheit sagen sollte. Ausserdem entspricht die
Aussage auch dem Eintrag im E._, welcher von F._ und G._ ge-
meinsam vorgenommen wurde. Gemäss dem Eintrag im E._ wurden die
Termingeschäfte auch erst nach oder während des zweiten Telefongesprächs ge-
schlossen (Urk. 3/5 Zeilen 60 bis 65). Auch diesbezüglich bestehen keine An-
haltspunkte, weshalb dieser Eintrag falsch sein sollte. Die Argumentation des
Klägers, dass er sein Einverständnis schon deswegen nicht gegeben habe, weil
der Zeuge F._ ihm keinen Approximativwert im Falle einer Glattstellung habe
nennen können (Urk. 2 S. 22; Urk. 44 S. 5 f.), überzeugt nicht. Wie bereits er-
wähnt, ist anzunehmen, dass der Kläger die Zahlen in etwa kannte und ihm auch
von F._ und G._ Beträge genannt worden waren. Es ist demnach davon
auszugehen, dass der Kläger mit diesem Vorgehen der Beklagten und mit der
Schliessung der Termingeschäfte seiner Söhne einverstanden war bzw. seine
Zustimmung erteilte. Der Beklagten ist somit der ihr für diese Tatsache auferlegte
Beweis gemäss Beweissatz 1 (Prot. I S. 8) bezüglich der Positionen der Söhne
gelungen. Es erübrigt sich deshalb die Prüfung der Frage, ob dem Kläger noch
eine Frist zur Nachdeckung bei den Positionen seiner Söhne hätte eingeräumt
werden müssen. Eine diesbezügliche Vertragsverletzung fällt damit ausser Be-
tracht. Bezüglich der Positionen der Söhne kommt somit eine Haftung der Beklag-
ten mangels Pflichtverletzung nicht in Frage, weshalb auf diese Forderungen des
Klägers nicht weiter einzugehen ist.
cc) Der Kläger macht geltend, dass der Zeuge F._ ihm bezüglich seiner
eigenen Positionen mitgeteilt habe, dass bei ihm nun auch die CHF/RUB sowie
die JPY/RUB-Positionen glattgestellt würden. Es habe ihm jedoch jedes Ver-
ständnis gefehlt, weil er doch bloss eine halbe Stunde früher mit der Beklagten
vereinbart habe, dass per sofort eine Kompensation für die momentane Unterde-
ckung erfolge und die Sache damit erledigt sei. Er sei zu keinem Zeitpunkt mit
den Liquidationen einverstanden gewesen. Einerseits habe er die RUB-Positionen
unter allen Umständen durchhalten wollen, andererseits habe ihm die Beklagte
nicht einmal approximativ sagen können, in welchem Umfang bei ihm die Marge
aktuell geschmolzen sei (Urk. 2 S. 22). Die Beklagte habe ihn damals aufgefor-
dert, "sofort" Nachdeckung beizubringen, wobei klar sei, dass es auch dem ver-
- 24 -
mögendsten Mensch der Welt aus banktechnischen Gründen nicht gelingen wür-
de, sofort Deckung beizubringen. Er wirft der Beklagten vor, sie habe gewusst,
dass es ihm unmöglich gewesen sei, per sofort (innerhalb der nächsten paar Mi-
nuten) Nachdeckung beizubringen (Urk. 60 S. 27 und S. 30). Gemäss dem vorlie-
gend anwendbaren Sicherungsvertrag hätte die Beklagte ihm damals eine Frist
von einem Bankwerktag ansetzen müssen (Urk. 60 S. 27).
Die Beklagte ist hingegen der Auffassung, dass sie gestützt auf Ziffer 1.8 der
Rahmenvereinbarung das Recht hatte, "sofort" Nachdeckung zu verlangen, was
sie auch getan habe (Urk. 17 S. 19). Da die vorhandenen Sicherheiten bei weitem
nicht mehr ausgereicht hätten, um den aus den Geschäften resultierenden Verlust
zu decken, hätte der Kläger noch am selben Tag für zusätzliche Sicherheiten sor-
gen müssen, wozu er jedoch nicht in der Lage gewesen sei. Eine längere Frist sei
angesichts der massiven Unterdeckung nicht möglich gewesen (Urk. 17 S. 5).
Die Ansetzung einer "sofortigen" Frist zur Nachdeckung am selben Handels-
tag sowie der Umstand, dass der Kläger innert dieser kurzen Frist nicht in der La-
ge war, - unabhängig von der Höhe - Nachdeckung zu leisten, ist in Übereinstim-
mung mit der Vorinstanz als unbestritten anzusehen (Urk. 89 S. 22 f.). Nicht be-
stritten ist auch - wie schon erwähnt -, dass am 16. Dezember 2014 bei den Ter-
mingeschäften des Klägers wie auch seiner Söhne der Margin Call-Status und in
der Folge der Close out-Status eingetreten ist (Urk. 60 S. 104; Urk. 64 S. 10, 27;
vgl. Urk. 89 S. 26). Dies geht auch aus dem entsprechenden Eintrag im E._
hervor (Urk. 3/5 Zeilen 60 bis 65). Der Close out-Status wird nicht nur dann er-
reicht, wenn der Kunde nicht innert Frist für Nachdeckung sorgen kann, sondern
auch dann, wenn die Marge über 50 Prozent weggeschmolzen ist, was am 16.
Dezember 2014 der Fall war (Urk. 60 S. 14; Urk. 64 S. 11; vgl. Urk. 89 S. 26). Die
Situation in Bezug auf die Sicherheiten hatte sich somit gegenüber dem Zeitpunkt
des ersten Telefonats nochmals markant verschlechtert, indem eine Unterde-
ckung und somit dringender Handlungsbedarf vorlag. Der Kläger machte geltend,
dass auch bei einer Position, welche sich im Close out-Status befinde, gemäss
Sicherungsvertrag ein Margin Call erfolgen müsse, sofern vorher im Margin Call-
Status noch kein formell gültiger Margin Call ausgesendet worden sei (Urk. 60 S.
14). Da, wie oben ausgeführt, jedoch vorgängig ein formgültiger Margin Call er-
- 25 -
folgte, war ein weiterer Margin Call somit offenbar auch nach Ansicht des Klägers
entbehrlich.
dd) Die Parteien sind sich nicht einig darüber, ob die Beklagte trotz Ver-
schlechterung der Situation zur Ansetzung einer Frist zur sofortigen Nachdeckung
berechtigt gewesen ist. Die Beklagte stellt sich auf den Standpunkt, dass sie ge-
mäss Vertrag zu dieser Vorgehensweise befugt war. Sie führte aus, dass im
Rahmen des Telefonats mit dem Kläger die Möglichkeit des Nachschusses zu-
sätzlicher Sicherheiten besprochen worden sei. Der Kläger habe daraufhin in
Aussicht gestellt, am folgenden Tag zusätzliche Sicherheiten beibringen zu kön-
nen. Angesichts dessen, dass die Verluste die vorhandenen Sicherheiten bereits
massiv überstiegen hätten, habe die Beklagte darauf bestanden, dass der Kläger
sofort zusätzliche Sicherheiten zur Verfügung stelle. Der Kläger sei dazu jedoch
nicht in der Lage gewesen und habe darum gebeten, ob ihm nicht eine längere
Frist gewährt werden könne. Dies sei angesichts der prekären Margensituationen
für die Beklagte nicht denkbar gewesen. Da damit als Option nur die Schliessung
der Termingeschäfte geblieben sei, habe sich der Kläger mit den Glattstellungen
einverstanden erklärt. Die Beklagte habe das übliche Vorgehen bei einem Margin
Call eingehalten und sich vertragskonform verhalten (Urk. 17 S. 13).
ee) Die Berechtigung der Beklagten, eine Position des Klägers in Anwen-
dung der vertraglichen Bestimmung eigenmächtig glattzustellen, verlangt zu-
nächst, dass sie befugt war, vom Kunden eine Nachdeckung zu verlangen. Dies
ist der Fall, "falls sich nach Geschäftsabschluss durch Änderungen der Marktprei-
se oder anderer relevanter Parameter für den Kunden im Fall der Liquidation der
offenen Transaktionen ein Verlust ergäbe oder falls sich der Wert der geleisteten
Marge zwischenzeitlich vermindert hat". Im Weiteren muss sie daraufhin Nachde-
ckung verlangen, indem die Beklagte den Kunden auffordert, "zusätzliche bzw.
neue Sicherheiten im verlangten Umfang und in der verlangten Art innert eines
(Zürcher) Bankwerktages – oder im Falle von sich verschlechternden Marktbedin-
gungen innerhalb einer von der Beklagten "bestimmten kürzeren Frist" – zu leis-
ten" (Urk. 3/3 S. 2). Kommt der Kunde dieser Aufforderung innert der gesetzten
Frist nicht nach – sei es, weil er nicht will oder weil er dazu nicht in der Lage ist -,
- 26 -
hat die Beklagte das Recht, die offenen Transaktionen eigenmächtig glattzustel-
len (sog. Close out). Mehr als diese Voraussetzungen regeln die massgeblichen
vertraglichen Bestimmungen nicht, wie die Vorinstanz zu Recht ausführt (Urk. 89
S. 25). Insbesondere legen die Rahmenbedingungen keinen genauen Ablauf des
Margin Calls fest. Der Margin Call ist auch nicht gesetzlich geregelt. Die vom Klä-
ger behaupteten Regeln zum Ablauf eines Margin Calls entbehren weitestgehend
einer nachprüfbaren Grundlage und sind daher insoweit unbeachtlich (Urk. 60 S.
3 ff.). Der Zeuge G._ gab zu Protokoll, dass ein Devisentermingeschäft ohne
vorangehenden Margin Call in den Close out-Status fallen könne (Prot. I S. 45).
Er erklärte auch, dass es Situationen gebe, in denen die Bank von sich aus ein-
seitig glattstellen könne, ohne den Kunden zu kontaktieren (Prot. I S. 52).
Dass die Beklagte aufgrund der damaligen Ereignisse berechtigt war, vom
Kläger Nachdeckung zu fordern, ist unbestritten (Urk. 60 S. 23). Bestritten ist je-
doch, wieviel Zeit sie ihm dafür zur Verfügung stellen musste. Die Beklagte stellt
sich auf den Standpunkt, dass es sich bei der aussergewöhnlichen Situation am
16. Dezember 2014 um "sich verschlechternde Marktbedingungen" im Sinne der
fraglichen Bestimmung gehandelt habe (Urk. 64 S. 29). Der Kläger erklärt hinge-
gen, es sei der Beklagten an jenem Nachmittag verwehrt gewesen, sich auf den
Sonderfall der "sich verschlechternden Marktbedingungen" zu berufen. Die Be-
klagte sei demnach nicht dazu berechtigt gewesen, den Kläger zur sofortigen
Nachdeckung aufzufordern (Urk. 60 S. 38 f. und S. 106).
Beide Parteien gehen wie erwähnt übereinstimmend davon aus, dass sich
am 16. Dezember 2014 ein aussergewöhnliches Ereignis zugetragen hat, indem
der Rubelkurs innerhalb kürzester Zeit um 30% einbrach. Zu Recht ging die Vor-
instanz davon aus, dass damit "sich verschlechternde Marktbedingungen" im Sin-
ne des Rahmenvertrages (Urk. 5/3 S. 2) vorlagen. Es kann auf ihre zutreffenden
Erwägungen verwiesen werden (Urk. 89 S. 27 ff.). Auch wenn sich der Rubelkurs
gegen Abend wieder etwas erholte (Urk. 60 S. 22, 23, 27, 71), war er doch immer
noch auf sehr tiefem Niveau (Urk. 17 S. 8 f.; Urk. 18/2+3). Da bei den Devisen
zudem von Sonntag, 23 00 Uhr, bis Freitag, 23 00 Uhr, ein durchgängiger Handel
besteht, bemerkte der Kläger selbst zu Recht, dass sich der Kurs über Nacht bis
- 27 -
zum Beginn des nächsten Bankwerktages nochmals (erheblich) hätte (negativ)
verändern können (Urk. 60 S. 82 f., S. 99 f.). Wahrscheinlich zu Recht vermutete
er (Urk. 60 S. 100), dass die Beklagte dieses Risiko nicht eingehen wollte und
deshalb darauf bestand, dass die Nachdeckung noch gleichentags zu erfolgen
habe. Aus welchen Gründen die Beklagte dem Kläger keine Frist zur Beibringung
von Sicherheiten bis zum nächsten Bankwerktag einräumen wollte, kann jedoch
offen gelassen werden. Sie machte dazu keine Äusserungen. Angesichts der
konkreten Umstände waren die vertraglichen Voraussetzungen zur Einräumung
einer sehr kurzen Frist gegeben. Den vorinstanzlichen Erwägungen kann vollum-
fänglich gefolgt werden (Urk. 89 S. 29 f.). Die diesbezüglichen Rügen des Klägers
im Berufungsverfahren sind nicht zu hören (Urk. 88 S. 18 ff., 25, 27). Entgegen
seiner Auffassung handelt es sich dabei nicht um eine Frage der Auslegung, son-
dern der Rechtsanwendung. Lediglich der Bank kommt ein Ermessen bei der
Länge der Fristansetzung angesichts der sich verschlechternden Marktbedingun-
gen zu (vgl. Urk. 89 S. 29). Die Rüge, dass die Beklagte die sich verschlechternde
Marktlage stündlich oder gar minütlich hätte in Betracht ziehen müssen (Urk. 88
S. 22), verfängt nicht. Niemand wusste im damaligen Zeitpunkt, wie sich der Ru-
belkurs bis zum nächsten Tag entwickeln würde; gewisse Schwankungen ändern
nichts daran, dass die Lage dramatisch war, was sich auch in der unbestrittenen
Tatsache der Unterdeckung bei den Positionen des Klägers (und seiner Söhne)
zeigte. Fakt war, dass der Kurs noch am späten Nachmittag sehr tief war. Eine ex
post-Betrachtung wie sie der Kläger vornehmen will, ist nicht angängig. Zwar trifft
es zu - wie der Kläger ausführt -, dass das Close out das Kreditrisiko der Bank
nicht sofort aufhebt (Urk. 88 S. 26; Urk. 78 S. 2), doch kann die Bank dieses zu-
mindest insoweit limitieren, als sie sich vor einer Verschlechterung - z.B. für über
Nacht fallende Kurse - schützen kann, wie dies auch der Kläger selbst ausführte
(Urk. 88 S. 27). Seine Behauptung, dass es unmöglich gewesen sei, dass der
RUB über Nacht quasi ins Bodenlose hätte fallen können (Urk. 88 S. 28), ist neu
und daher nicht zu hören. Ausserdem ist auch unerfindlich, wie der Kläger zu die-
ser Aussage kommt. Wie bereits erwähnt, ist eine ex post-Betrachtung nicht zu-
lässig. Bei diesen sehr hochspekulativen Anlagen muss die Bank keinerlei Risiken
eingehen (BGer 4C.305/2003 vom 3. Mai 2004, E.3.2.1. mit Verweis auf BGer
- 28 -
4C.302/1994 vom 27. Dezember 1995, E. 3c/aa); die vertraglichen Bedingungen
sind auch entsprechend abgefasst (Urk. 3/3; Urk.18/16). Selbst wenn sich der
Rubelkurs am nächsten Tag wieder weitgehend erholt hätte, wäre ihr Vorgehen
nicht zu beanstanden, da solche Umstände nicht voraussehbar sind und eine ex
post-Betrachtung wie mehrfach erwähnt nicht zulässig ist. Wie die Vorinstanz zu-
treffend ausführte, hat sich die Länge der einzuräumenden Frist nicht an den
Möglichkeiten des Kunden für die Beschaffung der Sicherheit zu orientieren, son-
dern an der ausserordentlichen Marktsituation (Urk. 89 S. 29). Die Bank muss bei
einer eingetretenen Unterdeckung nicht das Risiko der weiteren Kursentwicklung
auf sich nehmen (Urk. 89 S. 31 mit Verweis auf BGer 4C.305/2003 vom 3. Mai
2004, E. 3.2.1; Urteil des Handelsgerichts des Kantons Zürich HG100012 vom 26.
März 2012, E. 3.3.3.4.).
Wie oben ausgeführt, steht sachverhaltsmässig fest, dass der Kläger nach
dem ersten Telefongespräch mit der Beklagten und der Schliessung dreier Positi-
onen zur (teilweisen) Abdeckung der von der Bank geforderten Sicherheiten nicht
davon ausgehen konnte, dass die Angelegenheit damit erledigt sei, sondern er
mit weiteren Nachschussforderungen rechnen musste. Der Kläger machte nicht
geltend, dass er darauf bei einer seiner anderen Bankbeziehungen sofort Über-
weisungen an die Beklagte in die Wege geleitet habe, obwohl er wusste, dass er
bei der Beklagten nicht mehr über genügend Mittel verfügte, um weitere Nach-
schüsse zu tätigen. Im Übrigen war der Kläger von der Beklagten wie oben unter
Ziff. 2 c) ausgeführt, bereits vor dem 16. Dezember 2014 mehrfach auf die Risi-
ken bei den Rubel-Positionen hingewiesen worden und waren Margin Calls erfolgt
(vgl. E._ Zeilen 70 bis 95; Urk. 3/5). Der Kläger musste deswegen auch be-
reits mehrmals zusätzliche Sicherheiten bereitstellen (Urk. 2 S. 17 f.; Urk. 3/5 Zei-
len 70 bis 95; Urk. 17 S. 9). Der Kläger wollte jedoch gemäss den Einträgen im
E._ keine entsprechenden Massnahmen ergreifen, obwohl ihm von der Be-
klagten ausdrücklich empfohlen wurde, die Risiken bei diesen Geschäften genau-
er zu prüfen und der Kläger auch erklärte, dass er sich des Risikos bewusst sei
(Urk. 3/5 Zeilen 85-95). Der Kläger wollte auch die Kreditdokumente betreffend
Drittpfand nicht unterschreiben (Urk. 3/5 Zeilen 80 bis 84). Am 11. Dezember
2014 erfolgte ein weiterer Call "wegen Warning-Status Lombardkredit" im Rah-
- 29 -
men eines Rubeldevisentermingeschäfts. Gemäss Eintrag E._ wurde der
Kläger nochmals über die Risiken aufgeklärt und es wurden ihm weitere Mass-
nahmen zur Risikominimierung empfohlen. Es wurde explizit festgehalten, dass
der Kläger sich des Risikos voll und ganz bewusst sei und sich weitere Mass-
nahmen überlege (Urk. 3/5 Zeilen 70 bis 75). Solche traf der Kläger jedoch bis
zum 16. Dezember 2014 nicht. Es ist an dieser Stelle festzuhalten, dass die Be-
klagte in keiner Weise verpflichtet gewesen wäre, den Kläger als execution-only-
Kunden (vgl. dazu Urk. 89 S. 31; Urk. 17 S. 20) in dieser Weise stets auf die Risi-
ken seiner Positionen hinzuweisen. Ihr Verhalten ist daher als vorbildlich und ent-
gegenkommend zu bezeichnen. Dass der Kläger diese Empfehlungen in keiner
Weise befolgte, erscheint angesichts der konkreten Umstände eher erstaunlich.
Eine diesbezügliche Rechtspflicht traf ihn jedoch selbstverständlich nicht. Doch
ging er damit das Risiko ein, dass eine allenfalls eintretende Unterdeckung nicht
innert der von der Beklagten geforderten (kurzen) Frist behoben werden konnte,
was dann auch tatsächlich eintraf.
ff) Es lag daher in der Sphäre des Klägers begründet, dass er innert kürzes-
ter Frist keine Nachdeckung leisten konnte. Wie der Kläger selbst einräumte, be-
fanden sich im fraglichen Zeitpunkt keine bzw. jedenfalls keine genügenden Ver-
mögenswerte mehr bei der Beklagten, welche eine sofortige Beseitigung der Un-
terdeckung ermöglicht hätten. Er machte geltend, dass er der Beklagten von
Drittbanken habe Geld zukommen lassen wollen (Urk. 2 S. 25). Er hätte der Be-
klagten den im Raum stehenden Betrag von CHF 660'000.-- auch erhöht um eine
Marge - auf jeden Fall innert nützlicher Frist zugeführt, wenn man ihm die Chance
gelassen hätte (Urk. 2 S. 26). Es sei anzunehmen, dass die Beklagte gewusst
habe, dass er bei der in Zürich domizilierten Bank I._ AG Kunde war. Die
Beklagte sei darüber orientiert gewesen, dass er bei der genannten Adresse
Vermögenswerte in Millionenhöhe gehalten habe. Weiter sei die Beklagte auch im
Bild gewesen, dass er eine Anlagekunden-Beziehung mit der J._ Bank in Zü-
rich gehabt habe. Damit habe die Beklagte gewusst, dass er problemlos in der
Lage gewesen wäre, die innert kürzester Zeit wegen des Rubel-einbruchs abra-
sierte Marge wieder herzustellen (Urk. 2 S. 27 f.). Im Rahmen der Parteiaussage
erklärte der Kläger dann allerdings, dass das Konto bei der J._ Bank der Be-
- 30 -
klagten sicher nicht bekannt gewesen sei (Urk. 44 S. 12). Die Beklagte bestritt
dies auch. Sie machte geltend, dass ihr nicht im Detail bekannt gewesen sei, über
welche Vermögenswerte der Kläger bei Drittbanken (und welchen) verfügt habe.
Ausserdem sei dies auch irrelevant, da der Kläger am 16. Dezember 2014 nicht in
der Lage gewesen sei, kurzfristig Mittel von Drittbanken einzuschiessen (Urk. 17
S. 19 f., 33; Urk. 64 S. 47). Der Zeuge F._ bestätigte, dass er gewusst habe,
dass der Kläger noch andere Mittel besitze, allerdings nicht in welcher Form und
in welchem Umfang (Prot. I S. 26). Er könne sich erinnern, dass etwas angeboten
worden sei und er dies mit dem Kreditbüro besprochen habe, aber es sei zeitlich
nicht mehr möglich gewesen. Der vom Kläger vorgeschlagene Zeitraum habe
nicht gereicht, die Massnahme sofort umzusetzen (Prot. I S. 37). Der Kläger mein-
te anlässlich der Parteibefragung, dass er von sich aus nichts angeboten habe;
davon sei keine Rede gewesen, sondern nur von der Schliessung der Geschäfte
(Urk. 44 S. 7). Der Zeuge G._ meinte, dass Vermögenswerte bei einer Dritt-
bank nicht unmittelbar greifbar wären (Prot. I S. 54). Wenn bei der Beklagten noch
Vermögenswerte vorhanden bzw. frei gewesen wären, hätte man das sicher dis-
kutiert (Prot. I S. 54). Barmittel hätten allenfalls sofort überwiesen werden können;
ihm sei jedoch kein Fall bekannt, in dem dies so gemacht worden sei (Prot. I S.
55). Der Kläger meinte, die Beklagte sei selbst schuld, wenn sie über seine Mittel
bei anderen Banken nicht Bescheid gewusst habe (Urk. 60 S. 46 f.). Der Kläger
reichte als Beleg über vorhandene Vermögenswerte einen Auszug über den
Stand derselben am 16. Dezember 2014 bei der Bank J._ ein (Urk. 43). Er
machte geltend, dass sich daraus ein Netto-Vermögenswert von knapp CHF 10
Mio ergebe. Es sei anzunehmen, dass sein Kundenberater bei der Bank J._
der Beklagten sofort einen valablen Vorschlag zur Absicherung der Beklagten hät-
te machen können (Urk. 60 S. 51; Urk. 88 S. 31). Dazu ist vorab zu bemerken,
dass es am Kläger gelegen hätte, einen solchen Vorschlag einzuholen und der
Beklagten vorzulegen oder einen Kontakt zu einem andern Bankinstitut herzustel-
len, da er die Nachdeckung zu erbringen hatte. Er machte jedoch nicht substanti-
iert geltend, dass er sich darum bemüht habe. Er machte auch nicht geltend, dass
ein konkreter Vorschlag vorgelegen habe. Zudem ist seine Behauptung, dass die
Beklagte über die Vermögenswerte und deren Höhe bei der Bank J._ Be-
- 31 -
scheid gewusst habe, beweislos geblieben. Sie wurde von keinem der Zeugen
bestätigt. Ausserdem behauptete der Kläger nicht, dass die Beklagte über diese
Vermögenswerte generell oder im Detail Bescheid gewusst habe, sondern nur,
dass sie selbst schuld sei, wenn sie davon keine Kenntnis gehabt habe (vgl. auch
Prot. I S. 65, 66). Es bleibt jedoch bei der Feststellung, dass die Beklagte über
Vermögenswerte bei andern Banken nicht oder höchstens vage Bescheid wusste.
Selbst wenn dem jedoch so gewesen wäre, hätte die Beklagte angesichts der
konkreten Umstände keine vertragliche Verpflichtung gehabt, dem Kläger eine
Frist von einem Bankwerktag einzuräumen, da sie nicht wissen konnte, wie sich
der Rubelkurs innerhalb eines solchen Zeitraumes entwickeln würde und z. B. bei
einem weiteren Einbruch oder gar einem totalen Zerfall möglicherweise auch alle
Vermögenswerte des Klägers nicht ausreichend gewesen wären, das Kreditrisiko
der Beklagten auszugleichen. Entgegen der Auffassung des Klägers (Urk. 88 S.
28) kann jedenfalls nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass der Rubel nicht kurz-
fristig über Nacht ins Bodenlose hätte fallen können. Dies stellt eine reine Vermu-
tung dar, die vom Kläger auch nicht näher begründet wurde. Die Risikoabschät-
zung lag allein im Ermessen der Bank. Sie hatte primär ihre Interessen wahrzu-
nehmen, welche mit denjenigen des Klägers in diesem Moment nicht kongruent
waren (Urk. 88 S. 32). Im Rahmenvertrag ist klar festgehalten, dass die Bank oh-
ne Absprache mit dem Kunden die Dauer der Frist für die Nachdeckung festset-
zen kann (Urk. 3/3 S. 2). Die diesbezüglichen Vorbringen des Klägers sind dem-
gegenüber nicht zutreffend; eine Auslegung des Vertrages erübrigt sich (Urk. 88
S. 30 f.; vgl. auch Urk. 95 S. 16 f.). Der Kläger unterliegt immer demselben Zirkel-
schluss, indem er davon ausgeht, dass die Beklagte über Kenntnisse von Vermö-
genswerten bei andern Banken und deren Umfang verfügt habe und daher ver-
pflichtet gewesen wäre, diesen Umstand bei der Fristansetzung zu berücksichti-
gen. Diese Behauptung ist jedoch beweislos geblieben. Der Kläger konnte somit
weder den Beweis gemäss Beweissatz 3 noch 4 (Prot. I S. 9) erbringen.
All diese Vorbringen und Überlegungen sind jedoch ohnehin obsolet, da der
Kläger schliesslich selbst eingestehen musste, dass er nachmittags um 16 00 Uhr
nicht in der Lage gewesen sei, am selben Tag Nachdeckung herbeizuschaffen
(Urk. 60 S. 76). Insofern konnte er den Beweis (Prot. I S. 9), wonach er der Be-
- 32 -
klagten angeboten habe, sofort oder noch am selben Tag die erforderliche Si-
cherheitsmarge wieder herzustellen, nicht erbringen. Er war dazu nicht in der La-
ge, weil sich kurzfristig verfügbare Sicherheiten bereits bei der Beklagten hätten
befinden müssen und solche bei Dritten nicht schnell genug herbeigeschafft wer-
den konnten. Der Zeuge G._ führte dazu aus, dass es bei sofort zu treffen-
den Massnahmen in der Regel nicht ausreiche, zunächst einen Auftrag an eine
Drittbank zu erteilen, um zum Beispiel Aktien zu verkaufen und dann die liquiden
Mittel, die aus dem Aktienkauf resultierten, mittels einer Überweisung innerhalb
eines Tags zur Beklagten zu transferieren (Prot. I S. 54). Wie bereits erwähnt,
kann der Kläger aus diesem Umstand nichts zu seinen Gunsten ableiten, da er es
trotz des ihm bekannten Risikos und gegen den Ratschlag der Beklagten bewusst
unterliess, vorgängig Massnahmen zur Risikominimierung zu treffen. Es geht
nicht darum, ob der Kläger grundsätzlich über genügend Mittel verfügte, um die
Unterdeckung irgendwann zu beheben, sondern darum, dass er sie innert der ge-
setzten Frist beseitigen musste. Obwohl der Kläger während des ganzen Tages
über den Währungseinbruch des Rubels Bescheid wusste (Urk. 44 S. 16) und ihm
nach eigenem Bekunden auch klar war, dass seine Rubelpositionen betroffen wa-
ren und ein Margin Call drohte, unterliess er es, von sich aus rechtzeitig bei Dritt-
banken für Lösungen zu sorgen. Gemäss dem Zeugen F._ wurde offenbar
auch beim Margin Call (anlässlich des ersten Telefongesprächs am 16. Dezember
2014) über Optionen gesprochen, indem man - wenn genügend Zeit vorhanden
wäre - Vermögenswerte von Drittbanken transferieren könnte (Prot. I S. 19). Ob
der Kläger in der Folge in diese Richtung aktiv wurde, ist nicht klar. Jedenfalls be-
stehen keine Anhaltspunkte und wurde vom Kläger nicht substantiiert dargelegt,
dass er der Beklagten für denselben Tag ein konkretes Angebot für eine sofortige
Nachdeckung unterbreitete, wie auch schon die Vorinstanz ausführte (Urk. 89 S.
31). Die Vorgehensweise des Klägers ist umso unverständlicher, als er als exe-
cution only-Kunde keinen Anspruch auf Beratung durch die Beklagte hatte. Zu
Recht bestritt die Beklagte, dass sie zur Abklärung der Gesamtvermögenssituati-
on und Einschätzung des Kreditrisikos verpflichtet gewesen sei. Der Kläger habe
seine Transaktionen jeweils execution only getätigt und habe keine Beratung oder
Vorschläge zur Beseitigung der Unterdeckung erwarten können. Dies wurde auch
- 33 -
im E._ so noch ausdrücklich festgehalten (Urk. 3/5 Zeilen 50 bis 55, 65 bis
70). Es liege auch keine Verletzung der Know-your-Customer-Regeln vor. Die
Beklagte sei nicht zur Abklärung der Gesamtvermögenssituation und der Ein-
schätzung des Kreditrisikos verpflichtet gewesen (Urk. 64 S. 47). Dieser Auffas-
sung ist beizupflichten. Die "Know-your-Customer-Rule" betrifft den eigentlichen
Vermögensverwaltungsauftrag, welcher hier nicht vorlag (OGer ZH LB150032
vom 11. 02.2016, S. 24). Da die Beklagte über die Gesamtvermögenssituation
keine genaue Kenntnis hatte, kann ihr nicht vorgeworfen werden, dass sie sich
nicht darauf verliess, dass der Kläger eine sich über Nacht allenfalls noch ver-
grössernde Unterdeckung auf jeden Fall werde abdecken können. In diesem Sin-
ne konnte die Bank das Schuldnerrisiko beim Kläger nicht abschliessend ab-
schätzen (Urk. 88 S. 9).
gg) Der Kläger hatte moniert, dass die Beklagte es unterlassen habe, ihm
den Umfang der zu leistenden Sicherheiten bekanntzugeben (Urk. 2 S. 22 f.), was
Voraussetzung für einen korrekten Margin Call gewesen wäre (Urk. 60 S. 74). Die
Vorinstanz führte dazu aus, dass die Bank dem Kunden anlässlich eines Margin
Calls den verlangten Umfang der erforderlichen Sicherheiten kommunizieren
müsste. Im Fall, in dem schon klar wäre, dass der Kunde innert Frist keine Si-
cherheiten mehr nachschiessen könne, da solches beispielsweise technisch gar
nicht möglich wäre, könne es jedoch ausreichen, den Kunden lediglich allgemein
darauf hinzuweisen, dass die Marge nicht mehr eingehalten sei oder sogar eine
Unterdeckung bestehe. Entscheidend sei, ob der Kläger bei Kenntnis des genau-
en Umfangs der zu leistenden Sicherheiten anders reagiert hätte und ob zu er-
warten gewesen wäre, dass er die Unterdeckung seines Portfolios innert Frist hät-
te beseitigen können, so dass die Glattstellung hätte vermieden werden können
(vgl. OGer ZH LB150032 vom 11.02.2016, S. 47). Es sei fraglich, ob dem Kläger
anlässlich des Margin Calls eine Summe für die zu leistenden Sicherheiten ge-
nannt worden sei. Der Umfang der verlangten Sicherheiten sei jedoch vorliegend
ohnehin nicht entscheidend. Aus den Vorbringen der Parteien ergebe sich, dass
der Kläger sehr vermögend war, sprich über ein Gesamtvermögen im mehrstelli-
gen Millionenbereich verfügte. Klar sei aber auch, dass sich bei der Beklagten
zum Zeitpunkt des Margin Calls kein weiteres Vermögen des Klägers befunden
- 34 -
habe. Entscheidend sei daher, dass die Sicherheiten bei der Beklagten nicht mehr
ausreichend gewesen seien und der Kläger innert der von der Beklagten gesetz-
ten Frist keine Nachdeckung von einer anderen Bank habe nachschiessen kön-
nen. Dies sei allen Beteiligten an den Telefongesprächen vom 16. Dezember
2014 klar gewesen, sodass sich eine genaue Bezifferung des erforderlichen Be-
trages erübrigt habe. Selbst wenn der Kläger vom erforderlichen Umfang der
Nachdeckung Kenntnis gehabt hätte, hätte er innert Frist auch nicht die kleinste
zusätzliche Sicherheit leisten können, um die Unterdeckung zu beheben. Der Be-
klagten könne folglich nicht zur Last gelegt werden, sie hätte den Umfang der er-
forderlichen Sicherheiten nicht genannt (Urk. 89 S. 26 f.).
Es genügte im konkreten Fall nach Ansicht der Vorinstanz, dass sie den
Kläger lediglich allgemein darauf hinwies, dass die Marge nicht mehr eingehalten
sei oder sogar eine Unterdeckung bestehe. Dass die Beklagte zumindest dies
gemacht hat, wird vom Kläger nicht bestritten. Wie bereits oben erwähnt, ist aber
auch davon auszugehen, dass der Kläger schon anlässlich des ersten Telefonge-
sprächs über die Höhe oder zumindest die ungefähre Höhe des erforderlichen
Nachschusses Bescheid wusste. Der Kläger rügte im Berufungsverfahren, dass
das Quantum konstitutiv sei und ausnahmslos bei jedem Margin Call als Essentia-
le gegeben sein müsse (Urk. 88 S. 13). Aufgrund der zitierten Rechtsprechung
der Kammer kann dieser Auffassung nicht gefolgt werden, wenn der Kunde er-
klärtermassen ohnehin nicht in der Lage ist, innert der gesetzten Frist Nachde-
ckung zu leisten. Zudem war dem Kläger der Fehlbetrag auch weitestgehend be-
kannt. Aufgrund des volatilen Rubelkurses an jenem Tag war es nicht möglich, ei-
nen genauen Deckungsbetrag für jede Minute zu nennen, was auch der Kläger
sinngemäss anerkannte, indem er ausführte, dass der Devisenmarkt sekündli-
chen Fluktuationen ausgesetzt sei (Urk. 2 S. 8). Dass dem Kläger die genaue Hö-
he der Nachdeckung von der Beklagten nicht genannt wurde, war nicht kausal für
die Nichtleistung. Der Kläger war dazu innert Frist am 16. Dezember 2014 schlicht
nicht in der Lage, woran auch die Kenntnis des Nachdeckungsbetrages nichts
geändert hätte. Der Kläger konnte daher die Glattstellung nicht verhindern. Diese
Sachverhaltsfeststellungen wurden von ihm nicht gerügt (Urk. 88 S. 13 ff.). Den
Ausführungen des Klägers, wonach die Vorinstanz mit dieser Argumentation von
- 35 -
einer nicht vorhandenen Vertragstatsache ausgehe (Urk. 88 S. 17), kann nicht ge-
folgt werden.
Was das dritte Telefongespräch vom 16. Dezember 2014 anbelangt, kann
vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 89 S. 23 ff.). Wie die Vorinstanz aufgrund der von der Beklagten einge-
reichten Belege zu Recht annahm, ist davon auszugehen, dass die Terminge-
schäfte um 16.23 Uhr bzw. 16 33 Uhr geschlossen wurden und der Kläger dar-
über telefonisch informiert war.
hh) Zusammenfassend kann den vorinstanzlichen Schlussfolgerungen, wo-
nach die Beklagte am 16. Dezember 2014 einen vertragsgemässen Margin Call
ausgeübt hat und in der Folge rechtlich zur Glattstellung der Termingeschäfte be-
rechtigt war, weil der Kläger innert der gesetzten Frist keine Nachdeckung liefern
konnte, gefolgt werden (Urk. 89 S. 31). Das Vorliegen einer Pflichtverletzung
durch die Beklagte wurde daher zu Recht verneint, weshalb der vom Kläger gel-
tend gemachte Schadenersatzanspruch wegen Vertragsverletzung nicht gegeben
und die Klage somit abzuweisen ist (Urk. 89 S. 32).
Die Klage wäre im Übrigen auch noch aus einem weiteren Grund abzuwei-
sen. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, lautet die Klage fälschlicherweise
auf Zusprechung des Schadenersatzes in Schweizer Franken. Es kann hiezu
vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 89 S. 37). Auch ist den von der Beklagten geltend gemachten Entgeg-
nungen (Urk. 95 S. 19 f.) auf die unzutreffende klägerische Kritik (Urk. 88 S. 43 ff.)
bezüglich dieses Sachverhaltes zu folgen.
Bei diesem Ergebnis ist die Berufung abzuweisen und das vorinstanzliche
Urteil ist zu bestätigen.
IV.
- 36 -
1. Ausgangsgemäss ist die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfol-
gen des erstinstanzlichen Verfahrens (Dispositivziffern 2- 5) zu bestätigen (Urk.
89 S. 42 f.).
2. Auch im Berufungsverfahren ist der Kläger die unterliegende Partei, wes-
halb ihm die Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen sind. Ausserdem hat
er der Beklagten eine Prozessentschädigung zu bezahlen (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
Die Entscheidgebühr bemisst sich auf Fr. 36'000.-- (§§ 4 Abs. 1, 12 Abs. 1 und 2
GebV OG). Sie ist mit dem vom Kläger geleisteten Vorschuss zu verrechnen (Urk.
92 und 93).
Die Parteientschädigung ist gemäss § 4 Abs. 1, § 11 Abs. 1 und § 13 Abs. 1
und 2 AnwGebV festzusetzen. Sie beträgt Fr. 24'000.-- plus 7,7% Mehrwertsteuer
(Fr. 1'848.--), also insgesamt Fr. 25'848.--.