Decision ID: f0638fdc-d19d-5b00-9693-ff36af8d83eb
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 28. Januar 2016 in der Schweiz um
Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 8. Februar 2016
und der Anhörung vom 31. Juli 2019 machte er im Wesentlichen Folgendes
geltend:
Er sei tamilischer Ethnie und stamme aus B._, Distrikt C._.
Im (...) 2008 sei er bei einem Round-up festgenommen und ins Camp ge-
bracht worden. Dort habe man ihn – insbesondere auch auf die Fusssohlen
– geschlagen und seinen Ellenbogen gebrochen. Bis heute habe er des-
halb Schmerzen beim Gehen. Nach seiner Freilassung sei er einen Monat
lang in medizinischer Behandlung gewesen. Er habe damals Unterschrift
leisten müssen, jedoch Angst davor gehabt. Um allfällige Probleme zu ver-
meiden, sei er danach nach D._ gegangen. Im (...) 2010 sei er nach
B._ zurückgekehrt und erneut bei einem Round-up festgenommen
worden. Dies, weil er (...) an ein Mitglied der Liberation Tigers of Tamil
Eelam (LTTE) vermietet habe. Er selber sei aber kein Anhänger der Bewe-
gung gewesen und habe keine Verbindung zu den LTTE gehabt. Er habe
die (...) auch an sri-lankische Soldaten vermietet. Bis 2015 habe er keine
Schwierigkeiten in seinem Dorf gehabt.
Am (...) 2015 hätten ein Kunde namens E._ sowie zwei bezie-
hungsweise drei seiner Kollegen mit seinem Tuck-Tuck an diverse Orte ge-
fahren werden wollen. Unterwegs habe er auch anhalten müssen. Am (...)
2015 seien frühmorgens Soldaten in Zivil beziehungsweise Armeeleute
und zwei Personen in Zivil beziehungsweise die Behörden zu ihm gekom-
men und hätten ihn zu einer Befragung ins Camp bestellt. Er sei in Beglei-
tung seiner Ehefrau und seines Kindes zum Camp gegangen. Dies, weil er
Angst gehabt habe, alleine dorthin zu gehen. Die Beamten hätten ihn be-
schuldigt, Sympathisant der LTTE zu sein. Sie hätten Flugblätter in seinem
Tuck-Tuck gefunden, von denen er nichts gewusst habe. Er sei auch über
seine Fahrgäste befragt worden. Nach seiner Freilassung habe er Unter-
schrift leisten müssen, was er auch einige Male getan habe. Fortan hätten
jeden Abend Armee-Leute auf der Strasse auf ihn gewartet respektive sein
Haus beobachtet, was ihm Angst gemacht habe. Seit seiner Entlassung bis
zu seiner Ausreise habe er nachts Motorradgeräusche gehört und einige
Male sei er unterwegs verfolgt worden. Am (...) 2015 sei er nach
C._ beziehungsweise nach Colombo gegangen. Während seiner
Abwesenheit hätten Leute zuhause nach ihm gesucht. Daraufhin habe ihn
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seine Frau informiert. Er sei nicht mehr nach Hause zurückgekehrt, son-
dern habe sich nach Colombo begeben, wo er in der Folge die Ausreise
organisiert habe. Am (...) 2015 sei er unter Verwendung seines echten Rei-
sepasses von Colombo via F._ in die Türkei geflogen. Dort habe er
sich einen Monat lang aufgehalten und sei dann über Serbien in die
Schweiz weitergereist.
Nach seiner Ausreise aus Sri Lanka habe ihm seine Frau am 27. Januar
2016 telefonisch mitgeteilt, dass er einige Male gesucht und das Haus
durchsucht worden sei. Die sri-lankischen Behörden hätten ihr überdies am
(...) 2018 einen Haftbefehl respektive ein Befragungsaufgebot für ihn aus-
gehändigt.
A.b Der Beschwerdeführer reichte folgende Dokumente und Beweismittel
ein (als Kopie, sofern nicht anders spezifiziert):
– Seine Geburtsurkunde sowie diejenige seiner Ehefrau und seines Kin-
des,
– einen Eheschein,
– Todesurkunden der Schwiegermutter und des Onkels,
– Arztunterlagen Ehefrau,
– einen Zeitungsartikel,
– einen gefälschten Reisepass,
– eine Vermisstenanzeige
– einen Haftbefehl («Warrant of Arrest»),
– eine Identitätskarte (in Kopie und im Original).
B.
Die Vorinstanz führte eine Echtheitsüberprüfung des eingereichten Haftbe-
fehls durch. Aufgrund der dabei festgestellten inhaltlichen und formellen
Fehler des Dokuments wurde der eingereichte Haftbefehl als Fälschung
erkannt. Zu diesem Überprüfungsergebnis wurde dem Beschwerdeführer
am 6. Oktober 2020 das rechtliche Gehör gewährt. Mit Stellungnahme vom
16. Oktober 2020 nahm er dieses wahr.
C.
Mit Verfügung vom 28. Oktober 2020 – eröffnet tags darauf – verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte
sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte sie seine Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug an. Auf die Begründung wird – soweit
relevant – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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D.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 27. November
2020 beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung
von Asyl, eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit und / oder Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs unter Verfügung der vorläufigen Auf-
nahme sowie subeventualiter die Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz zur Neubeurteilung. Auf die Begründung wird – soweit relevant – in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Der Beschwerdeführer reichte unter anderem eine Sprachkursbestätigung
sowie Arbeitszeugnisse ein.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 1. Dezember 2020 stellte das Bundesverwal-
tungsgericht den einstweiligen legalen Aufenthalt des Beschwerdeführers
in der Schweiz für die Dauer des Verfahrens fest und erhob einen Kosten-
vorschuss. Dieser wurde in der Folge vom Beschwerdeführer fristgerecht
bezahlt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
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1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 In seiner Beschwerdeeingabe erhebt der Beschwerdeführer diverse
formelle Rügen. Diese sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet
wären, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken.
4.2 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs sowie von Art. 12 VwVG aufgrund unvollständiger und
unrichtiger Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes. Das SEM
habe sich nicht mit sämtlichen Vorbringen auseinandergesetzt und es un-
terlassen, die vorhandenen Beweismittel korrekt zu würdigen. Bei der Prü-
fung der Gefährdungslage habe es zudem nicht alle Risikofaktoren berück-
sichtigt. Es sei sodann rechtswidrig, dem eingereichten «Warrant of Arrest»
jeglichen Beweiswert abzusprechen. Ausserdem habe das SEM auch hin-
sichtlich der Asylrelevanz der Vorbringen den Sachverhalt unrichtig festge-
stellt. Auch gehe aus der Begründung nicht hervor, inwiefern im konkreten
Fall eine Wegweisung zulässig und zumutbar sei; es fehle eine konkrete
Beurteilung des Falles anhand der durch das Bundesverwaltungsgericht
vorgegebenen Risikofaktoren unter Einbezug der aktuellen sicherheitspo-
litischen Entwicklung. Eine eingehende individuelle Prüfung der Zumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs fehle ebenso; das SEM habe lediglich eine
pauschale Einschätzung vorgenommen. Damit sei das rechtliche Gehör
beziehungsweise die Begründungspflicht verletzt worden.
4.3 Es ist nicht erforderlich, dass sich die Vorinstanz mit allen Parteistand-
punkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus-
drücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Vielmehr kann sie sich auf
die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Insgesamt hat die
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Vorinstanz ihren Entscheid so begründet, dass der Beschwerdeführer sich
über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen und diesen entspre-
chend sachgerecht anfechten konnte, wie dies mit der vorliegend ausführ-
lichen Beschwerde manifestiert wird. Seine Behauptung, das SEM habe im
Vollzugspunkt weder eine konkrete Prüfung der Zulässigkeit respektive Ri-
sikofaktorenprüfung noch eine individuelle Prüfung der Zumutbarkeit vor-
genommen, ist klar aktenwidrig. So geht aus der angefochtenen Verfügung
offensichtlich hervor, dass das SEM die bemängelten Punkte ausführlich
und unter Bezugnahme auf die vorliegenden Akten geprüft hat (vgl. ange-
fochtene Verfügung E. II Ziff. 3 und E. III Ziff. 4). Die Prüfung der Risikofak-
toren erfolgt dabei generell im Asylpunkt, zumal diese Asylrelevanz entfal-
ten könnten. Vorliegend wurden die Vorbringen vom SEM für unglaubhaft
befunden, weshalb es zu Recht nur noch die unbestrittenen Risikofaktoren
prüfte. Bei der individuellen Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs berücksichtigte das SEM die persönliche Situation des Beschwer-
deführers (inkl. seinen Gesundheitszustand). Es handelt sich dabei mit-
nichten – wie in der Beschwerde behauptet – um eine lediglich pauschale
Einschätzung. Insofern er rügt, das SEM habe die Beweismittel nicht kor-
rekt gewürdigt und die Gefährdungslage nicht korrekt geprüft, verwechselt
er hier eine Verletzung des rechtlichen Gehörs mit der von der Vorinstanz
vorgenommenen Beweiswürdigung. Das SEM hat im angefochtenen Ent-
scheid eine ausführliche Risikofaktorenprüfung unter Berücksichtigung der
eingereichten Beweismittel und der (für unglaubhaft befundenen) Asylvor-
bringen vorgenommen. Dabei handelt es sich aber um eine materielle –
und nicht um eine formelle – Frage. Ob die Würdigung des SEM rechts-
konform ausgefallen ist, wird nachfolgend materiell zu prüfen sein. Wie
überdies nachfolgend ebenfalls auszuführen sein wird, ist die Schlussfol-
gerung des SEM, dass es sich beim eingereichten «Warrant of Arrest»
nicht um ein echtes Dokument handelt, nicht zu beanstanden.
4.4 Nach dem Gesagten ist weder eine Verletzung der Begründungspflicht
(vgl. BVGE 2016/9 E. 5.1) noch eine unrichtige oder unvollständige Sach-
verhaltsfeststellung (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3) zu bejahen. Eine Rückwei-
sung der angefochtenen Verfügung an die Vorinstanz ist daher nicht ange-
zeigt und das Gericht hat materiell zu urteilen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Nach Ansicht der Vorinstanz genügten die Vorbringen des Beschwer-
deführers weder den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingsei-
genschaft noch denjenigen von Art. 7 AsylG an das Glaubhaftmachen.
6.1.1 Die Vorbringen seien teilweise widersprüchlich ausgefallen. So habe
er an der BzP zu Protokoll gegeben, E._ sei ein Stammkunde ge-
wesen. Diese Aussage habe er an der Anhörung jedoch relativiert und an-
gegeben, E._ nicht so gut zu kennen und lediglich drei Aufträge von
ihm bekommen zu haben. An der BzP habe er überdies angegeben, dass
E._ am (...) 2015 mit zwei Kollegen in seinem Tuck-Tuck mitgefah-
ren sei – insgesamt seien es drei Männer gewesen. An der Anhörung habe
er hingegen davon gesprochen, dass E._ mit drei weiteren Perso-
nen erschienen sei. Ferner stimmten die angegebenen Ortschaften, wo die
Personen ein- und ausgestiegen seien und hätten hingefahren werden wol-
len, nicht überein. Auch diesen Widerspruch habe er nicht zu entkräften
vermocht. Weiter habe er an der BzP angegeben, dass am (...) 2015
Armee-Leute in Zivil zu ihm gekommen seien und ihn für den gleichen Tag
ins (...)-Camp bestellt hätten. An der Anhörung habe er demgegenüber gel-
tend gemacht, die Armee, Leute vom Criminal Investigation Department
(CID) und zwei Leute in Zivil, welche draussen gewartet hätten, seien zu
ihm gekommen. Insgesamt seien zehn bis zwölf Personen gekommen und
hätten im Hof gewartet. Lediglich ein Armeesoldat habe mit ihm gespro-
chen und sein Fahrzeug kontrolliert. Ferner habe er sich auch bezüglich
des Zeitpunktes der Befragung im Camp widersprochen (BzP: 16 Uhr; An-
hörung: 10 Uhr). Weiter sei es zu zusätzlichen Ungereimtheiten gekom-
men.
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Ferner sei erstellt, dass der eingereichte Haftbefehl nicht echt sei. Es
müsse deshalb ausgeschlossen werden, dass er damit gesucht worden
sein könnte, was die bereits bestehenden Zweifel an der Glaubhaftigkeit
seiner Vorbringen weiter erhärte. In seiner Stellungnahme hierzu habe er
keine stichhaltigen und überzeugenden Argumente präsentieren können.
Er habe sich lediglich darauf beschränkt, gewisse Dinge zu wiederholen
und habe angegeben, nicht zu wissen, wer dieses Dokument seiner Frau
zugestellt habe.
Es sei somit auszuschliessen, dass er seine Vorbringen im vorgebrachten
Kontext und Umfang erlebt habe. Vielmehr sei davon auszugehen, dass er
sich auf eine konstruierte Asylbegründung abstütze und aus einem ande-
ren als den geltend gemachten Gründen Sri Lanka verlassen habe.
6.1.2 Beim Beschwerdeführer lägen weiter keine Risikofaktoren im Sinne
der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung (Referenzurteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8 f.) vor, welche ihn bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka gefährden könnten. Seine Zugehörigkeit zur tamilischen
Ethnie und seine Landesabwesenheit reichten gemäss der herrschenden
Praxis nicht aus, um von Verfolgungsmassnahmen bei einer Rückkehr aus-
zugehen. Eine allfällige Befragung alleine und das mögliche Eröffnen eines
Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise stellten keine asylrelevante Ver-
folgungsmassnahme dar. Auch Kontrollmassnahmen am Herkunftsort näh-
men grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass an. Er habe zudem ange-
geben, mit seinem eigenen Reisepass Sri Lanka verlassen zu haben. So-
dann habe er keine effektive Beziehungen zu den LTTE gehabt. Die in die-
sem Zusammenhang vorgetragenen Aspekte seien nicht relevant. So habe
er angegeben, seiner Familie und seinem Bruder geholfen zu haben, der
Bewegung (...) zu vermieten, während des Waffenstillstandes auf einem
von den LTTE kontrollierten Markt gearbeitet zu haben und in diesem Kon-
text einmal anlässlich einer Razzia festgenommen worden zu sein. Diese
Aspekte müssten als nicht relevant angesehen werden und stellten auch
keinen persönlichen Kontakt dar, der befürchten lassen könnte, dass er
deswegen in den Fokus der sri-lankischen Behörden geraten sei oder noch
geraten könnte. Er sei auch nie Mitglied der LTTE gewesen und habe an-
gegeben, ab 2010 keine Probleme erfahren zu haben. Schliesslich habe er
auch keine exilpolitischen Aktivitäten geltend gemacht und weise kein po-
litisches Profil auf. Auch die aktuelle politische Lage in Sri Lanka stelle kein
solches Risiko dar.
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6.2 Der Beschwerdeführer äusserte sich in seiner Beschwerdeschrift wie
folgt zu den (materiellen) Argumenten der Vorinstanz:
6.2.1 Hinsichtlich seiner Aussagen, ob E._ ein Stammkunde gewe-
sen sei respektive er diesen nicht gut gekannt habe, sei kein Widerspruch
zu erkennen. Es sei eine relative Frage, ob man einen Kunden nach drei-
maligem Transport als «Stammkunde» bezeichnen könne. Der Wider-
spruch betreffend die Anzahl Freunde von E._ könne ihm nicht ent-
gegengehalten werden, weil es anlässlich der BzP vermutlich bloss zu ei-
ner fehlerhaften Übersetzung oder Protokollierung gekommen sei. Ausser-
dem handle es sich dabei um ein irrelevantes Sachverhaltselement; es
könnte auch zu einer unabsichtlichen Falschangabe gekommen sein. Be-
treffend die Frage, wer tags darauf zu ihm gekommen sei und ihn ins Camp
bestellt habe, bestehe ebenfalls kein Widerspruch. Bei beiden Befragun-
gen habe er von «Armee-Soldaten» gesprochen, wobei er an der Anhörung
zusätzlich konkretisierte, dass es sich vermutlicherweise um CID-Beamte
gehandelt habe. Es sei für die Bevölkerung zumeist nicht ersichtlich, um
welche konkrete Behörde es sich nun handle. Auch das Datum der Aufsu-
chung der Behörden habe er beide Male identisch angegeben. Bezüglich
den weiteren Ausführungen zur Anzahl Personen und der Behelligungen
durch die Behörde handle es sich um zusätzliche Informationen, die er an-
lässlich der BzP wegen Zeitknappheit nicht habe schildern können. Ferner
sei die Ansicht des SEM betreffend seine Aussagen zur Unterschriftenleis-
tung nicht haltbar und abzuweisen. Er habe erklärt, zwischen dem (...)
2015 seien keine Soldaten vorbeigekommen. Die entsprechende Nach-
frage des SEM an der BzP habe sich somit allein auf Behelligungen der
sri-lankischen Armee während dieser Zeitspanne, nicht jedoch auf die Leis-
tung von Unterschriften, zu denen er selbständig gegangen sei, bezogen.
Zur Unterschriftenleistung in dieser Zeit habe er separat im Detail an der
Anhörung berichtet.
6.2.2 Betreffend die Beweismittel habe er lediglich die von seiner Ehefrau
geschickten Dokumente eingereicht – ihm sei mithin kein Verschulden be-
ziehungsweise Mitwirkung an einer Fälschung von Beweismitteln anzulas-
ten. Der Haftbefehl dürfe daher nicht bereits aufgrund der Feststellung der
angeblichen Unechtheit «weggewiesen» werden. Auch wenn es sich dabei
nicht um ein durch offizielle Stellen erlassenes Dokument handle, dürfe die
Bedrohung, die aus dem Dokument hervorgehe, nicht ausser Acht gelas-
sen werden. Die CID und die Armee in Sri Lanka bedienten sich vieler Mit-
tel, um Zielpersonen einzuschüchtern. Es sei für einen Laien beziehungs-
weise einen normalen Bürger unmöglich, die Unechtheit des Dokuments
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zu erkennen. Es gebe in Sri Lanka zahlreiche Fälle, in denen Mitglieder
des Staatsapparates solche Dokumente exponierten Personen zustellten,
um anschliessend Lösegelder zu erpressen. Ein solches Vorgehen sei im
vorliegenden Fall möglich; dies würde auch die Nichtauthentizität des Do-
kuments erklären. In Betracht zu ziehen sei überdies, dass seine Angaben
zum Haftbefehl anlässlich der Anhörung mit den Angaben im Haftbefehl
selbst übereinstimmten.
6.2.3 Sodann habe das SEM gewisse Glaubhaftigkeitselemente ausser
Acht gelassen. Insbesondere habe es die LTTE-Verwandtschaft des Be-
schwerdeführers nicht erwähnt. Die anlässlich der beiden Befragungen
identisch widergegebenen Sachverhaltsschilderungen zementierten die
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Mithin habe das SEM keine Reflexverfol-
gung geprüft.
6.2.4 Hinsichtlich der Asylrelevanz seiner Vorbringen äusserte sich der Be-
schwerdeführer wie folgt:
Aufgrund der Vermietung von (...) und dem Transport von LTTE-Mitglie-
dern im Tuck-Tuck sei er wohl ins Visier des Staatsapparates gelangt. Des-
halb könnte er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gefährdet sein. Bei einer
Rückreise würde er bereits am Flughafen als verdächtige Person verhört
und gefoltert, da er das Risikoprofil ohne weiteres erfülle. Damit sei nach-
gewiesen, dass er im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka eine asylrele-
vante Verfolgung zu befürchten habe
Er sei zudem bereits einmal inhaftiert worden. Dies habe die Vorinstanz
nicht berücksichtigt. Schliesslich gehöre er zur bestimmten sozialen
Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylgesuchsteller, welche bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka vermutlich systematisch aufgrund eines Gene-
ralverdachts der Unterstützung der LTTE verhaftet sowie unter Anwendung
von Folter auf unbestimmte Zeit inhaftiert würden.
7.
7.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-
nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich
nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht
widersprüchlich sein, nicht der inneren Logik entbehren oder den Tatsa-
chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind sub-
stantiiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderun-
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gen stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer An-
hörung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine
Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü-
che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in
die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung
für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die
gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe-
sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt
oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus-
wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, gefälschte Beweismittel
einreicht oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaft-
machen bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein redu-
ziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und
Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist,
ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung spre-
chen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise
abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; ANNE
KNEER und LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfah-
ren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts, Asyl 2/2015 S. 5).
7.2 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Verfügung der Vorinstanz zu stützen ist. Sie hat darin mit
im Wesentlichen überzeugenden und breit auf die Akten und die geltende
Rechtsprechung abgestützten Argumenten dargelegt, weshalb die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers unglaubhaft respektive asylirrelevant sind. Mit
seiner Beschwerdeeingabe vermag er der vorinstanzlichen Argumentation
nichts Stichhaltiges entgegenzuhalten, zumal sich diese über weite Teile in
einfacher Spekulation erschöpft und gar aktenwidrige Behauptungen auf-
stellt. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann daher mit den nachfol-
genden Ergänzungen auf die im Übrigen zutreffenden Erwägungen der Vo-
rinstanz gemäss angefochtener Verfügung (dort E. II) verwiesen werden.
7.3 Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, das zentrale Beweismittel («War-
rant of Arrest» resp. Haftbefehl vom [...] 2018) sei aufgrund der anlässlich
der Dokumentprüfung festgestellten inhaltlichen Fehler nicht echt, ist nicht
zu beanstanden. Weder im rechtlichen Gehör hierzu vom 16. Oktober
2020, in welchem der Beschwerdeführer sich auf die Wiederholung von
bereits Vorgebrachtem beschränkte, noch in der Beschwerdeeingabe, in
welcher die Unechtheit des Beweismittels gar nicht erst bestritten wird
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(sondern lediglich behauptet wird, der Beschwerdeführer oder seine Fami-
lie werde vermutlich von korrupten Beamten mittels gefälschten Haftbefeh-
len erpresst), gelingt es ihm, den konkreten vorinstanzlichen Argumenten
etwas Überzeugendes zu entgegnen. Für eine etwaige Erpressung erge-
ben sich keinerlei Anhaltspunkte aus den Akten, womit es sich um reine
Spekulation respektive um eine Schutzbehauptung handelt.
Sodann ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Behörden am (...) 2018 nun
einen «Warrant of Arrest» aushändigen sollten, nachdem er seit dem (...)
2016 nicht mehr gesucht worden sei (vgl. A13 F40). Bezeichnenderweise
scheint sich der Beschwerdeführer selber nicht sicher zu sein, ob es sich
bei diesem Dokument nun um eine einfache Vorladung oder um einen Haft-
befehl handelt (vgl. A13 F16, F112 f. sowie Anmerkungen betreffend Rück-
übersetzung auf S. 20). Dieses zu Recht als überwiegend wahrscheinliche
Fälschung erkannte Beweismittel ist jedenfalls nicht geeignet, die Glaub-
haftigkeit seiner Vorbringen zu stützen, sondern spricht im Gegenteil gegen
seine persönliche Glaubwürdigkeit.
7.4 Sodann bestehen – wie vom SEM zu Recht festgestellt – einige Wider-
sprüche in zentralen Punkten. Der Beschwerdeführer hat sich insbeson-
dere hinsichtlich der Anzahl Personen, welche E._ begleitet hätten,
den Ort, von wo er E._ abgeholt und die Tour gestartet habe sowie
der Personen, welche ihn im Nachgang an diese Tuck-Tuck-Fahrt aufge-
sucht hätten, widersprochen.
An der BzP gab er an, dass E._ mit zwei weiteren Männern in sei-
nem Tuck-Tuck gefahren sei; insgesamt seien es drei Männer gewesen
(vgl. vorinstanzliche Akten A3, Ziff. 7.01 f.). Demgegenüber gab er an der
Anhörung an, er habe E._ und drei seiner Freunde – somit vier Per-
sonen – gefahren (vgl. A13, F54, F58 f.). Angesichts der geringen Anzahl
an Personen wäre zu erwarten gewesen, dass er diesbezüglich überein-
stimmende Angaben hätte machen können. Es gibt keinen Anlass zur An-
nahme einer fehlerhaften Übersetzung oder Protokollierung, wie vom Be-
schwerdeführer geltend gemacht wird. Das Protokoll der BzP wurde ihm
rückübersetzt und er hat die Vollständigkeit und Richtigkeit seiner Angaben
anlässlich der BzP unterschriftlich bestätigt und sich damit darauf behaften
zu lassen.
Weiter gab er unterschiedliche Startpunkte seiner Tuck-Tuck-Fahrt mit
E._ und dessen Kollegen an (BzP: mit E._ nach G._,
wo zwei weitere Personen eingestiegen seien; Anhörung: E._ sei
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mit drei weiteren Personen in B._ eingestiegen). Mit dieser Unstim-
migkeit an der Anhörung konfrontiert, hielt er entgegen dem Befragungs-
protokoll lediglich daran fest, er habe bereits an der BzP gesagt, diese Per-
sonen in B._ abgeholt zu haben (vgl. A13, F122). Es ist zwar fest-
zustellen, dass es sich bei G._ seinen Wohnortsangaben zufolge
um ein Quartier in B._ handelt (vgl. A3, Ziff. 2.01). Die Widersprü-
che betreffend welche Personen wann und wo zugestiegen seien, können
damit jedoch nicht erklärt werden.
Im Weiteren überzeugt auch seine Erklärung in der Beschwerde hinsicht-
lich des Widerspruchs nicht, wer respektive welche Beamten ihn am nächs-
ten Tag aufgesucht hätten. An der BzP gab er diesbezüglich an, Armee-
Leute in Zivil seien gekommen und hätten ihm gesagt, dass er am nächsten
Tag für eine Befragung ins Camp kommen müsse (vgl. A3 Ziff. 7.01). Es
trifft zwar zu, dass er an der Anhörung hierzu detaillierter und ausführlicher
berichtete und unter anderem auch erwähnte, dass Soldaten, Leute vom
CID sowie zwei Leute in Zivil – welche jedoch draussen gewartet hätten –
gekommen seien. Persönlichen Kontakt habe er jedoch einzig mit einem
uniformierten Soldaten der sri-lankischen Armee gehabt, welcher auch sein
Tuck-Tuck kontrolliert habe (vgl. A13 F61 ff.). Dass er vor diesem Hinter-
grund an der BzP lediglich erwähnte, es seien Armee-Leute in Zivil gekom-
men und hätten mit ihm gesprochen, ist nicht nachvollziehbar.
Hinzu kommt, dass er weder an der BzP noch in der freien Schilderung
seiner Asylgründe erwähnte, zwischen der ersten Befragung am (...) 2015
und der Flucht nach Colombo dreimal Unterschrift leisten gegangen und
dabei befragt worden zu sein – dies erwähnte er erst im späteren Verlauf
der Anhörung (vgl. A13 F92 f.). Beim letzten Mal sei ihm gar massiv gedroht
worden (u.A. damit, dass man ihn und seine Frau erschiessen würde) und
die Beamten hätten bedrohlich Holzlatten in den Händen gehalten
(vgl. A13 F98). Es wäre zu erwarten gewesen, dass er diesen – für seine
Flucht zentralen – Sachverhalt bereits früher erwähnt hätte. Sein Be-
schwerdeeinwand, dies an der BzP aus Zeitgründen nicht getan zu haben,
überzeugt nicht. Überdies sind seine Schilderungen der Befragungen aus-
gesprochen substanzarm ausgefallen (vgl. A13 F72 ff. und F94 ff.).
Letztlich sind gewisse Sachverhaltsaspekte auch nur schwer nachzuvoll-
ziehen, so beispielsweise das angebliche erhebliche Interesse der Behör-
den an seiner Person trotz vorgängig kaum nennenswerten Vorkommnis-
sen ([...]vermietung) und einer ereignislosen Zeit seit 2010, die lange Zeit-
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spanne zwischen dem letzten Hausbesuch im (...) 2016 und der Aushän-
digung des Haftbefehls im (...) 2018 oder das geschilderte Verhalten der
Behörden, ab dem (...) respektive (...) bis zum (...) jeden Abend vor sei-
nem Haus zu warten und ihm nachzustellen, obwohl er zu dieser Zeit jeden
Tag Unterschrift leisten gegangen sei, um dann zufälligerweise erst dann
im Haus nach ihm zu suchen, als er gerade nicht anwesend gewesen sei
(vgl. A13 F105f.).
Im Übrigen spricht auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer mit sei-
nem eigenen Pass ohne Schwierigkeiten legal über den Flughafen Co-
lombo ausgereist ist (vgl. A3, Ziff. 5.02; A13 F16, F108), klar gegen das
Vorhandensein sowohl einer subjektiven Verfolgungsfurcht als auch eines
objektiven Verfolgungsinteresses der Behörden.
Im Übrigen existiert vorliegend kein Anlass zur Annahme einer Reflexver-
folgung. Weder der Umstand, dass zwei seiner Onkel, welche bei den LTTE
gewesen seien, seit den 90er-Jahren verstorben beziehungsweise ver-
schollen seien noch die ehemalige LTTE-Mitgliedschaft seines Bruders und
dessen Ehefrau sind in dieser Hinsicht relevant, zumal weder die Familie
des Beschwerdeführers – und insbesondere auch nicht der Bruder – von
Verfolgungsmassnahmen seitens der sri-lankischen Behörden betroffen
sind (vgl. A13 F34 f.).
7.5 Das Bundesverwaltungsgericht hält im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 (als Referenzurteil publiziert) fest, bestimmte Risikofaktoren (frühere
Verhaftungen, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien
als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid
dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung
einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das
Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respektive
durch die IOM begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben
schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass diese
in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernst-
haften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft gemach-
ten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwir-
kung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer Ein-
zelfallprüfung zu berücksichtigen mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung be-
jaht werden müsse (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 8.5.5).
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Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, ein effektives Verfolgungsin-
teresse der sri-lankischen Behörden an seiner Person glaubhaft zu ma-
chen. Er weist auch keine direkten Verbindungen zur LTTE auf und machte
keine regimekritischen exilpolitischen Aktivitäten geltend. Damit erfüllt er
keine der stark risikobegründenden Faktoren. Er verfügt zwar in der Person
seines Bruders über einen Verwandten, der angeblich früher Mitglied bei
den LTTE gewesen sei, selber jedoch keine Probleme mit den Behörden
habe (vgl. A13 F34 f.). Seine angeblichen und bis dato unbelegt gebliebe-
nen früheren Verhaftungen anlässlich von Round-Ups in den Jahren 2008
und 2010 zeitigten keine weiteren Folgen für ihn respektive vermochten
damals kein weitergehendes Verfolgungsinteresse zu begründen. Da es
ihm nicht gelungen ist, Vorfluchtgründe glaubhaft zu machen, ist nicht da-
von auszugehen, dass er vor seiner Ausreise deswegen Nachteile erlitten
hatte. Allenfalls zum Zeitpunkt seiner Ausreise bereits vorhandene Risiko-
faktoren begründeten somit keine Verfolgung seitens der sri-lankischen
Behörden. Die tamilische Ethnie des Beschwerdeführers sowie die längere
Landesabwesenheit stellen bloss schwach risikobegründende Faktoren
dar. Gesamthaft betrachtet ist kaum davon auszugehen, dass er von den
sri-lankischen Behörden als Gefahr wahrgenommen würde und somit ge-
fährdet wäre. Eine allfällige Strafe und Überprüfung respektive Befragung
aufgrund der Einreise ohne ordentliche Identitätspapiere stellt keinen
ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG dar.
7.6 Das SEM hat folglich das Bestehen einer Verfolgungssituation des Be-
schwerdeführers und mithin dessen Flüchtlingseigenschaft und die Ge-
währung des Asyls zu Recht verneint.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
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Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Das SEM befand den Vollzug der Wegweisung für zulässig, zumutbar
und möglich. Es sprächen weder völker- noch landesrechtliche Bestim-
mungen gegen die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Auch sei nicht
von einer Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG
auszugehen. Gemäss der Rechtsprechung sei der Wegweisungsvollzug in
die Nordprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbar-
keitskriterien bejaht werden könne. Dies sei vorliegend der Fall: Es könne
zusammengefasst davon ausgegangen werden, dass er bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka auf die Unterstützung seiner Familie werde zählen
können. Ebenso sei davon auszugehen, dass er auch wirtschaftlich wieder
Fuss fassen und seinen Lebensunterhalt werde verdienen können. So
gehe aus seinen Schilderungen hervor, dass seine Ehefrau in der (...) ar-
beite und vier Arbeiter beschäftige. Es sei daher davon auszugehen, dass
ihn seine Ehefrau in der Anfangszeit finanziell und materiell unterstützen
können werde. Es könne davon ausgegangen werden, dass er wieder im
(...) werde arbeiten können, so dass ausgeschlossen werden könne, dass
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er bei einer Rückkehr in eine materielle Notlage gerate. Die von ihm ge-
nannten gesundheitlichen Beschwerden seien sodann nicht geeignet, ei-
nem allfälligen Wegweisungsvollzug entgegen zu stehen. Insbesondere
sei auch die Depression in Sri Lanka behandelbar.
9.4 Nach Ansicht des Beschwerdeführers ist der Vollzug der Wegweisung
weder zulässig noch zumutbar. Er befürchte, dass jeder nach Sri Lanka
zurückgeschaffte tamilische Asylgesuchsteller Opfer einer Verhaftung und
von Verhören unter Anwendung von Folter werden könne. Da er mit seiner
Vorgeschichte sowie durch seinen Aufenthalt im Ausland seines Erachtens
in diese bestimmte Gruppe falle, sei auch bei ihm von einer solchen Gefahr
auszugehen. In Sri Lanka könne er auch keinen Schutz von den Behörden
erwarten. Aufgrund des dort derzeit herrschenden Notstandes habe der
Staatsapparat nun freie Hand jede verdächtige Person auch ohne gericht-
lichen Entscheid zu inhaftieren oder gar verschwinden zu lassen.
Er verfüge über keinerlei richtige berufliche Ausbildung, müsse aber eine
Familie ernähren. Auch sein mentaler Zustand sei zu berücksichtigen. An-
gesichts seiner bisher erfolgreichen Integration in der Schweiz sowie den
traumatischen Erlebnissen in Sri Lanka habe er sich von seinem Heimat-
staat entfremdet. Es sei ihm daher kaum zuzumuten, sich im Falle einer
Wegweisung erfolgreich in das soziale, kulturelle und wirtschaftliche Leben
in Sri Lanka einzugliedern. Die Unzumutbarkeit sei zudem auch aufgrund
der aktuellen sicherheitspolitischen Lage gegeben.
9.5 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
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müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka für sich alleine lässt
den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht unzulässig
erscheinen (vgl. Urteil BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2).
Auch der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine
EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-
ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst
(vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be-
schwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen
Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. ge-
gen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08;
Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom
11. Juli 2017, Beschwerde Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichts-
hof – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – dass nicht in gene-
reller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine
unmenschliche Behandlung. Daran vermögen der Regierungswechsel
vom November 2019 sowie die aktuelle Situation in Sri Lanka nichts zu
ändern (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-1781/2020 vom 2. August 2021
E. 11.2).
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.6 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.6.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehen-
den Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundes-
verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvoll-
zug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen
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Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä-
ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte
Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil des
BVGer E-1866/2015 E. 13.2). In einem als Referenzurteil publizierten Ent-
scheid erachtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungs-
vollzug ins „Vanni-Gebiet“ als zumutbar (vgl. Urteil des BVGer
D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5).
9.6.2 Hinsichtlich der individuellen Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs nach Sri Lanka kann auf die zutreffenden und ausführlichen Erwä-
gungen der Vorinstanz verwiesen werden, denen sich das Gericht vollum-
fänglich anschliesst (vgl. a.a.O. E. III Ziff. 4). Mit seinen wenig konkreten
und in nur wenigen Sätzen vorgetragenen Gegenbehauptungen in materi-
eller Hinsicht vermag der Beschwerdeführer diesen Argumenten nichts
Überzeugendes entgegenzuhalten. Insbesondere ist festzuhalten, dass
der Grad der Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz grundsätz-
lich kein Kriterium für die Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darstellt. Auf die diesbezüglichen
Vorbringen und die eingereichten Unterlagen ist daher nicht weiter einzu-
gehen.
9.6.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
9.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der bereits geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe
wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet.
(Dispositiv nächste Seite)
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