Decision ID: 41559c75-76a5-5521-b121-058b606ac6cd
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, infizierte sich in den frühen 90iger Jahren mit HIV. Vom
1.
Juli 2008 bis zum 3
1.
März 2011 arbeitete er bei der B
ank
A._
und war damit be
i der Pensionskasse der Bank Z._
AG
(folgend: Beklagte 1) berufsvorsorgeversichert
(Fragebogen für
Arbeitgebende
vom
9.
April 2013,
Urk.
18/20.1)
. Danach übte er verschiedene
Tätigkeiten
aus,
bezog von
Juni
2011 bis Januar 2012 Arbeitslosenentschädigung
(
Urk.
18/24
; vgl.
Urk.
14/9
)
und arbeitete seit dem 2
7.
Juni 2011 auf Abruf bei der
B._
AG (
Urk.
18/7.1).
Ab Februar 2012 arbeitete
er nebst der Tätigkeit bei
B._
beim Hörgerätehersteller
C._
AG in einem Pensum von 70
%
und war
in dieser Eigenschaft
bei der AXA Stiftung Berufliche Vorsorge (folgend: Beklagte 2) berufsvorsorgeversichert
(
Urk.
18/18.1)
.
Am 1
7.
Januar 2013 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der Sozial
versicherungsanstalt Aargau, IV-Stelle, unter Hinweis auf HIV, eine chronische
Leberentzündung, Diabetes und chronisch wiederkehrende Depressionen und Ang
st
zustände zum Leistungsbezug an (
Urk.
18/4).
Mit Verfügung vom 2
3.
Mai 2013 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf berufliche Massnahmen (
Urk.
18/26).
Nachdem die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen getätigt und insbesondere das polydisziplinäre Gutachten des
D._
vom 2
0.
Okto
ber 2015 (
Urk.
18/80.1) eingeholt hatte, sprach sie dem V
ersicherten mit Ver
fügung vom 2
9.
April 2016 ab dem
1.
Juli 2013 eine hal
be Invalidenrente
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 58
%
zu (
Urk.
18/101; vgl. auch Verfügung vom 1
3.
April 2016,
Urk.
18/96
).
2.
Am
2.
Mai 2017 reichte der Versicherte Klage gegen die Beklagte 1 und 2 ein und stellte den Antrag, dass ihm eine halbe Invalidenrente der beruflichen Vorsorge rückwirkend ab dem
1.
Juli 2013 samt Zinsen auszurichten sei (
Urk.
1). Mit Klage
antwort vom
7.
Juli 2017 schloss die Beklagte 2 auf Abweisung der Klage gegen sie (
Urk.
11). Die Beklagte 1 beantragte mit Klageantwort vom
8.
Septem
ber 2017 (
Urk.
13), dass nicht auf die Klage einzutreten sei. Eventualiter sei die Klage vollumfänglich abzuweisen (
Urk.
13). Nach
Beizug
der Akten der Sozialver
sicherungsanstalt Aargau, IV-Stelle (
Urk.
18
/1-107
), hielt der Kläger mit Replik vom 2
6.
Oktober 2017 an seinen Anträgen fest (
Urk.
20). Die Beklagte 1 hielt
duplicando
an ihren Anträgen fest (
Urk.
23) und die Beklagte 2 verzichtete auf Einreichen einer Duplik (
Urk.
25). Hierüber wurde der Kläger am
9.
Januar 2018 in Kenntnis gesetzt (
Urk.
26).
Die Beklagte
1
reichte auf Aufforderung des Ge
richtes vom
4.
September 2018 (
Urk.
27) mit Eingabe vom 1
7.
September 2018 die anwendbaren Statuten und Reglemente ein (
Urk.
29 und
Urk.
30/1-3).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Kläg
er brachte vor (
Urk.
1
), dass er – gestützt auf die Verfügung der IV-Stelle bzw. das Gutachten des
D._
- seit Oktober 2010 seine bisherige Tätigkeit als Bank
mitarbeiter nur noch eingeschränkt bzw. zu 50
%
ausüben könne. Auch eine angepasste Tätigkeit sei ihm nur noch zu 50
%
zumutbar. Aus dem
D._
-Gutachten gehe klar hervor, dass die gesundheitlichen Probleme, welche zur Invalidität geführt hätten, im Oktober 2010 bego
nnen hätten. Der Kläger habe
Dr.
E._
wegen Angstzuständen, Zitteranfällen und Schlafstörungen konsultiert, die zeitweilig zu einer Blockierung seiner Arbeit geführt hätten. Zum damaligen Zeitpunkt
sei sein Pensum mit Unters
tützung der Vorgesetzten auf 80
% reduziert worden, um ihn zu entlasten. Diese Massnahmen hätten allerdings nur kurzzeitige Verbesserung gebracht. Ein Arbeitsversuch im Februar 2011 habe abgebrochen werden müssen,
woraufhin er sich zur Kündigung entschieden habe. Er habe dann eine neue Anstellung im Call-Center bei
B._
gefunden, wo er bis heute im
Stundeinsatz
tätig sei und ab Februar 2012 habe er bei
C._
in einem Pensum von 70
%
begonnen zu arbeiten, woraus ein Pensum von total 80-90
%
resultiert
habe
. Bereits im Sommer 2012 seien dann wieder die gleichen Symptome wie im Oktober 2010 aufgetreten und er sei nicht mehr in der Lage gewesen, weiter zu arbeiten. Er habe daraufhin die Stell
e
bei
der
C._
AG
gekündigt. Nach der gesundheitlichen Stabilisierung habe er wieder begonnen beim
B._
Call-Center in einem Pensum von 50
%
zu arbeiten. Damit sei die zur Invalidität führende Arbeitsunfähi
gkeit während der Zeit bei der
A._
eingetreten, womit die Beklagte 1 leistungspflichtig sei.
Sollte das Gericht zum Schluss kommen, dass die invaliditätsbegründende Ar
beits
unfähigkeit nicht zum Zeitpunkt der Versicherungszeit bei der Beklagten 1 eingetreten sei, so sei die die nachfolgende Vorsorgeeinrichtung zur Entrichtung der Invalidenrente zu verpflichten. Die Arbeitsunfähigkeit sei spätestens im Zeitpunkt erfolgt, bei dem der Kläger bei der Beklagten 2 versichert gewesen sei. Eventualiter sei somit die Beklagte 2 zur Ausrichtung einer Invalidenrente zu verpflichten.
1.2
Die Beklagte 1 führte demgegenüber aus (
Urk.
13), dass der Kläger eine unbe
zifferte Forderungsklage gestellt habe, welche nur möglich sei, wenn es dem Kläger unmöglich oder unzumutbar sei, seine Forderung bereits zu Beginn des Pro
zesses zu beziffern. Zudem müsste er einen Mindestwert angeben, der als vor
läufiger Streitwert gelte. Da der Kläger das Rechtsbegehren nicht beziffere, sei auf seine Klage nicht einzutreten.
Der Arbeitgeber des Klägers, die
A._
, sei mit dem Leistungs
vermögen des Klägers vollständig zufrieden gewesen und habe keine Defizite gesehen. Diese Tatsache sei wiederholt festgehalten worden. Das Arbeitspensum sei auf Gesuch des Klägers reduziert worden und kurz darauf sei per 3
1.
März
2011
die Kündigung seitens des Klägers erfolgt, ohne dass der Arbeitgeber eine Einbusse hätte feststellen können. Die rückwirkend attestierte Arbeitsunfähigkeit durch das
D._
sei spekulativ und könne gestützt auf die Aktenlage nicht bestätigt
werden. Echtzeitliche Arztberichte würden dies auch nicht bestätigen. Selbst unter
Annahme der Reduktion des Pensums um 10
%
aus gesundheitlichen Gründen
würde dies die Schwelle der Erheblichkeit nicht erreichen.
Selbst wenn eine massgebliche Arbeitsunfähigkeit während der Arbeitszeit bei der
A._
bejaht würde, wäre eine Leistungspflicht der Beklagten 1 infolge mangelnden sachlichen und zeitlichen Zusammenhangs zu verneinen: Nach der Kündigung habe
der Kläger verschiedene Arbeitsstellen innegehabt und habe nebst der Tätigkeit bei
B._
für die Zeit von September 2011 bis Januar 2012 Arbeitslosenentschädigung bezogen bei einer verbleibenden Vermittel
bar
keit von 80
%
.
Ab Februar habe er nebst der T
ä
t
igkeit bei der
B._
AG
noch bei der
C._
AG in einem Pensum von 70
%
gearbeitet. Damit sei der zeitliche Zusammenhang unterbrochen worden. Sachlich sei der Zusammenhang ebenfalls unterbrochen, da erst die Auswirkungen der Hepatitis C-Therapie sowie die Arbeitssituation bei der
C._
AG
im Jahr 2012
zur Einbusse im Arbeitsvermögen geführt hätten.
1.3
Die Beklagte 2 führte aus
(
Urk.
11)
, dass der sachliche Konnex zwischen der Arbeitsunfähigkeit während des Anstellungsverhältnisses bei der
A._
und der eingetretenen Invalidität
zu bejahen sei, da jeweils eine Kombination aus somatischen und psychischen Gegebenheiten zur reduzierten Leistungs
fähig
keit geführt h
ab
e.
Auch der zeitliche Konnex sei zu bejahen, da die Reduktion des Pensums nach dem Auftreten der Beschwerden nicht erfolgreich
gewesen
und es beim Versuch geblieben sei. Die Arbeitsunfähigkeit sei dadurch nicht unter
brochen worden. Deshalb sei auch davon auszugehen, dass der Kläger bei der freiwilligen Beendigung seines Arbeitsverhältnisses im März 2011 immer noch arbeitsunfähig gewesen sei. Auch die Zeit, in welcher er Arbeitslosentaggelder bezogen habe, habe den zeitlichen Zusammenhang nicht unterbrochen, weil der Kläger in dieser Zeit nicht mit den Anforderungen der Arbeitswelt konfrontiert gewesen sei. Der Krankheitsverlauf zeige klar, dass er sich nach seinem Zu
sammenbruch im Oktober 2010 nie mehr vollständig erholt habe. Damit sei der sachliche und zeitliche Zusammenhang seit Oktober 2010 nie unterbrochen worden, so dass die Beklagte 2 nicht leistungspflichtig sei.
1.4
Der Kläger führte
replicando
ergänzend aus (
Urk.
20), dass der Beginn der rentenbegründenden Invalidität von der IV-Stelle festgesetzt worden sei und es bestehe kein Anlass, diese Beurteilung zu bezweifeln. Auch sei er entgegen den Ausführungen der Beklagten 1 zwischen Dezember 2010 und März 2011 krank
geschrieben gewesen, woraufhin ein Arbeitsversuch stattgefunden habe, der kurz darauf wieder habe abgebrochen werden müssen.
1.5
Mit Duplik vom
4.
Dezember 2017 ergänzte die Beklagte
1
(
Urk.
23)
, dass die ehemalige Arbeitgeberin
A._
gestützt auf die Personalakte keine Kenntnis einer Arbeitsunfähigkeit gehabt habe. Es seien im Dossier keine Arzt
besuche, Abwesenheiten etc. vermerkt. Auch sei die
Pensumsreduktion
von 10
%
nicht gesundheitsbedingt erfolgt
und sie erreiche die
Erheblichkeitsschwelle
von 20
%
ohnehin nicht.
2.
Vorab ist zu prüfen, ob auf die Klage ein
zu
treten
ist
. Die Beklagte 1 führte dies
bezüglich aus, dass der Kläger eine unbezifferte Forderungsklage gestellt habe, welche allerdings lediglich bei Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit der Beziffe
rung der Forderung zulässig sei. Zudem müsste der Kläger zumindest einen Min
destwert angeben, der als vorläufiger Streitwert gelte (
Urk.
13; Urk.
23).
Gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung steht es in berufsvor
sorge
rechtlichen Verfahren aufgrund der Dispositionsmaxime im Belieben der kläge
rischen Partei, den Streit zu definieren, den sie vortragen will.
Dabei ist es dem Kläger unbenommen, mittels Klage einen berufsvorsorgerechtlichen Anspruch gegenüber der Vorsorgeeinrichtung dem Grundsatz nach geltend zu machen, ohne eine Bezifferung dessen vorzunehmen. Entsprechend
besteht für das Gericht keine Möglichkeit, den Streit auf nicht eingeklagte Punkte, wie die
franken
mässige
Bezifferung des allenfalls bejahten Anspruchs, auszudehnen
(vgl. BGE 129 V 450 E. 3).
Das vom Kläger gestellte Rechtsbegehren auf
Zusprache
einer halben Inva
liden
rente rückwirkend ab dem
1.
Juli 2013 samt Zinsen ist somit ohne Weiteres zulässig und es ist auf die Klage einzutreten.
3.
3.1
Nach
Art.
24
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die berufliche Alter-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge (
BVG
)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er min
destens zu 40 % invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestim
mungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
Art.
29
des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den An
spruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer
längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG in Ver
bindung mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausge
schieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
unterstanden hat (
BGE
123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
3.2
Von einer relevanten Arbeitsunfähigkeit ist rechtsprechungsgemäss dann auszu
gehen, wenn diese mindestens 20 % beträgt und sich auf das Arbeits
verhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an Leis
tungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, gesund
heitlich bedingte Arbeitsausfälle. Eine erst nach Jah
ren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Vielmehr muss der Zeitpunkt des Eintritts der berufsvorsorge
rechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche Annah
men und spekulative Überlegungen ersetzt werden (vgl. hierzu etwa Urteile des Bundesgerichts 8C_380/2009 vom 17. September 2009 E. 2.1 und 9C_178/2008 vom 15. Juli 2008 E. 3.2, je mit Hinweisen).
3.3
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorge
ein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit be
reits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenver
siche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach
Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidi
sierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht
liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Inva
lidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeit
lichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krank
heit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitlichen Zusam
men
hangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zu
sammenhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität in schematischer (ana
loger) Anwendung der Regeln von
Art.
88a
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbe
einflus
sende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen ist, wenn
sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussicht
lich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prog
nostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hinweisen).
3.4
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invaliden
versicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des
Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer
gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklä
rung
en freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festle
gung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der
Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des
leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung beziehungs
weise
das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
a
Art
.
73
bis
der Verordnung über die Invalidenver
siche
rung,
IVV; seit
1.
Juli 2006:
Art.
73
ter
IVV) einbezogen und ihr die Rentenver
fügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbstän
diges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Ein
beziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Inva
liditätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungs
weise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente ent
schei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditäts
bemessung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
3.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psy
chischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die
Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
4
.
Die medizinische Aktenlage stellt sich
im Wesentlichen
folgendermassen
dar:
4
.1
Dr.
F._
, Facharzt für Allgemeine Medizin und Delegierte Psychotherapie (FMPP),
attestierte dem
Kläger
mit Arbeitsunfähigkeit-Zeugnis vom
4.
Januar 2011
eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit vom 2
7.
Dezember 2010 bis zum 1
4.
Januar 2011 (
Urk.
2/7).
4.2
Dr.
F._
hielt in seinem Bericht vom 1
9.
November 2012
zuhanden der Krankentaggeldversicherung
folgende Diagnosen fest (
Urk.
18/9):
-
Schwere depressive Episode mit ausgeprägter Angstsymptomatik (ICD-10 F32.3) im Zusammenhang mit Problemen am Arbeitsplatz
-
HIV-Infektion CDC-Stadium A1
-
Chronische Hepatitis C
-
Diabetes mellitus, Erstdiagnose April 2006
-
Leichte Niereninsuffizienz
Vom
3.
September 2012 bis zum 3
1.
Oktober 2012 habe eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab dem
1.
November 2012 sei mit einem 30%igen Arbeitsversuch begonnen worden.
Der
Kläger
werde seit 1991 wegen einer AIDS-Erkrankung mit einer anti
re
tro
viralen Therapie behandelt. Seit Oktober 2010 sei er im Zusammenhang mit dieser HIV-Erkrankung und immer wieder rezidivierenden depressiven Symptome
n
in psychologischer Behandlung bei
Dr.
E._
. Im Zusammenhang mit einer neuen Arbeitsstelle sei es zu einer Überforderung am Arbeitsplatz mit konsekutiver Exazerbation der angstbetonten Depression gekommen, weshalb der
Kläger
die Stelle per 3
1.
Oktober 2012 beim jetzigen Arbeitgeber gekündigt habe.
4
.3
Dr.
E._
diagnostizierte in seinem zuhanden der IV-Stelle erstellten Bericht vom
7.
Februar 2013
(
Urk.
18/14)
1) eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig
remittiert (ICD-10 F33.4), 2) eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) und 3) ein Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0).
Der
Kläger
sei im Jahr 1992 bereits bei ihm in Behandlung gewesen. Für viele Jahre hätten sie keinen Kontakt mehr gehabt. Er habe sich anfangs Oktober 2010 wieder zur medizinischen und psychotherapeutischen Behandlung gemeldet. Er habe auf einer Bank im unteren Kader gearbeitet und sich von der Hektik und Leistungserwartung stark überfordert gefühlt. Er habe über Angstzustände, Zitter
anfälle und Schlafstörungen geklagt, die zeitweilig zu einer Blockierung seiner beruflichen Arbeit geführt hätten. Er habe sich nicht mehr in der Lage gesehen, die anfallenden Probleme schnell genug erledigen zu können
,
und habe geglaubt, im Stapel des Unerledigten ertrinken zu müssen.
In der Psychotherapie seien Strategien entwickelt worden, mit dieser Situation besser umgehen zu können. Das habe neben einer klareren Strukturierung der Arbeit, vermehrter Abgrenzung gegenüber zu grosser Arbeitsübergaben und eine realistischere Einstellung gegenüber dem, was er an Arbeitsvolumen überhaupt leisten könne, beinhaltet. Mit psychotherapeutischer Unterstützung sei auch das Gespräch mit dem Vorgesetzten gesucht worden. Dieser sei mit der Leistung voll
ständig zufrieden gewesen und habe keine Defizite gesehen. Er habe die Mass
nahmen unterstützt, die sie in der Therapie erarbeitet gehabt hätten
,
und habe die psychischen Symptome sehr bedauert. Im Rahmen seiner Möglichkeiten habe er weitere Hilfestellung seitens der Bank angeboten.
Es seien mit Unterstützung
seiner Vorgesetzten rasch Massnahmen zur Entlastung
eingeleitet worden, die leider nur kurze Erfolge aufgewiesen hätten. Schnell seien die ursprünglichen Symptome wieder da gewesen. Die Situation habe sich immer weiter zugespitzt und es
seie
n gar neue, typische Symptome von
Burn
out
au
f
getreten, wie völlig überraschende Panikattacken, Handlungsunfähigkeit mit Weinen und Schweissausbrüchen. Er habe berichtet, manchmal stundenlang zu Hause grübelnd auf dem Stuhl gesessen zu haben. Dabei hätten seine Beine unkontrolliert so stark gezittert, dass es bald eher ein Schütteln gewesen sei. Auch in der Sitzung habe es geschehen können, dass er nicht mehr habe reden können, seine Beine so stark gezittert hätten und es kaum mehr habe unter Kontrolle gebracht werden können.
Als nächste Massnahme hätten sie eine Reduktion der Arbeitszeit auf 80
%
eingeleitet. Auch damit sei sein Arbeitgeber sofort einverstanden gewesen. Der
Kläger
sei bereit gewesen, eine entsprechende Lohnreduktion hinzunehmen.
Leider habe auch das nur zu einer kurzen Verbesserung geführt. Schnell hätten sich wieder starke psychische Symptome gezeigt. Zudem habe ein Trend einge
setzt, die Angst zu generalisieren. Er habe nicht nur Angst vor Depression, Arbeitsunfähigkeit und körperlichem Zerfall gehabt, sondern auch vor dem Untergang der Gesellschaft und der Welt. Alte Glaubenskonzepte seien wieder ins
Bewusstsein durchgedrungen und hätten Verunsicherung bis zu Momenten grosser
Verstörung und Verzweiflung gebracht.
Der Lebenspartner habe sich dann bei ihm gemeldet und erklärt, dass er nicht mehr wisse, wie er mit den Situationen zu Hause
umgehen solle. Sie hätten ihn zu einer Sitzung eingeladen, wo sie gemeinsam für beide hilfreiche Strategien entwickelt hätten. Es habe sich aber nicht mehr abwenden lassen, den
Kläger
sofort wieder 100
%
krank zu schreiben.
Nach einer Verbesserung des psychischen Zustandes sei im Februar 2011 ein Arbeits
versuch erfolgt. Dieser habe aber bereits im folgenden März wieder abge
brochen werden müssen. Dieselben Symptome hätten sich wieder gemeldet, zur Überraschung eher noch stärker. Sie hätten ihn per sofort wieder krankschreiben müssen. Der
Kläger
habe sich dann entschlossen, die Anstellung bei der Bank sofort zu kündigen. Obwohl das Bankinstitut und seine Vertreter freundlich und sehr hilfsbereit agiert hätten, sei nicht mehr an Arbeit zu denken gewesen. Sowohl seine Vorgesetzten wie auch er selbst hätten dies sehr bedauert.
Ab Mai 2011 habe er vom Ersparten gelebt, ab Juni habe er begonnen bei der Versandfirma
B._
im Stundeneinsat
z Geld zu verdienen. Er habe von
der Unter
stützung des RAV und diesem Zwischenverdienst gelebt.
Eine neue vielversprechende Arbeit habe er ab Februar 2012 bei der
C._
AG gefunden gehabt. Er habe geglaubt, als Berater und Verkäufer von Geräten für Hörbehinderte eine sinnvolle, seinen Fähigkeiten angepasste Arbeit gefunden zu haben. Er habe sich sicher vor Überforderung gefühlt und dies als sinnvolle Tätigkeit gesehen.
Sie hätten darauf geachtet, dass er von Anfang an nur 70
%
gearbeitet habe.
Da die
Entlöhnung
extrem tief
gewesen sei
, habe er bei der Firma
B._
weiterhin ein Zusatzgeld verdient (ca. 10
%
).
Er sei aber schnell wieder überfordert gewesen und die üblichen Symptome seien wieder aufgetreten. Wiederum sei der Arbeitgeber zufrieden gewesen mit Leistung und Qualität der Arbeit. Nach den Sommerferien 2012 sei er trotz Einsatz von
Beruhigungsmitteln, Antidepressiva und massiver Psychotherapie derart depressiv
und verängstigt gewesen, dass sie ihn per sofort wieder hätten krankschreiben müssen.
Nun arbeite er zu 50
%
bei
B._
. Da fühle er sich wohl und es gelinge ihm, eine psychische Balance (mit Antidepressiva aber ohne
Xanax
) aufrecht zu erhalten.
4
.4
Dr.
F._
führte in seinem zuhanden der IV-Stelle erstellten Bericht vom 1
5.
Februar 2013 aus, dass sich der
Kläger
seit Oktober 2010 im Zusammenhang mit der HIV-Erkrankung und immer wieder rezidivierenden depressiven Symp
tomen, meist in Begleitung mit Überlastung bei der Arbeit in psychothe
ra
peu
tischer Behandlung bei
Dr.
E._
befinde. Im Zusammenhang mit einer neuen Arbeitsstelle sei es im Herbst 2012 zu einer Überforderung mit konse
kutiver
Exacerbation
der angstbetonten Depression gekommen, weshalb der
Kläger
die Stelle per 3
1.
Oktober 2012 gekündigt habe. Vom
3.
September bis zum 3
1.
Oktober 2012 habe eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. Nur d
ank
ausgedehnter Psychopharmaka-
Therapie und intensiver Psychotherapie, zeitweise
zwei
-
bis dreimal wöchentlich habe eine psychiatrische
Hospitalisation
abge
wendet werden können. Zwischenzeitlich habe sich das psychische Zustandsbild stabilisiert. Seit dem
1.
November 2012 habe er seine Arbeitstätigkeit langsam
wiederaufgenommen
und bestreite zurzeit ein 50%-Pensum an einer anderen Stelle (Telefondienst bei
B._
Versand). Daneben werde die intensive psycho
the
rapeutische Behandlung mindestens einmal wöchentlich, die Psychopharmaka- und HIV-Therapie sowie die Behandlung des Diabetes Mellitus und der Pankreas Insuffizienz weitergeführt.
Aufgrund der chronischen Hepatitis C mit zurzeit hohen Transaminasen habe er den
Kläger
an einen Hepatologen zwecks Beurteilung der Therapiemöglichkeiten der chronischen Hepatitis C überwiesen, welche auch einen gewissen Anteil am chronischen Erschöpfungszustand beitrage (
Urk.
18/15).
In Anbetracht der langjährigen rezidivierenden depressiven Störungen, welche meist im Zusammenhang mit der Überlastung bei der Arbeit stünden, sei eine 50%ige Invalidenrente unumgänglich, damit er im Arbeitsprozess bleiben könne.
4.5
Die Ärzte der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
des Universi
tätsspitals
G._
hielten in ihrem zuhanden der IV-Stelle erstellten Bericht vom 1
4.
Oktober 2013 fo
l
gende, gekürzt wiedergegebenen Diagnosen mit Auswir
kung
en auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
18/35):
-
Depressive Episoden
-
Leberfibrose
bei chronischer Hepatitis C, Genotyp 2B, Erstdiagnose 1996
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie 1) eine HIV-Infektion und 2) einen Diabetes mellitus Typ
2.
Der
Kläger
befinde sich aufgrund einer HIV- und
HCV-Coinfektion
in
ih
rer ambulanten Behandlung. Bei nachgewiesener
Leberfibrose
, steigenden Leber
werten und zunehmend eingeschränkter Nierenfunktion
sei
am 2
0.
Juni 2013 eine Therapie der HCV-Infektion mit Interferon-Injektionen und
Ribavirin
-Tab
letten etabliert
worden
. Im Vorfeld sei die HIV-Therapie angepasst worden
,
um die Nierenfunktion zusätzlich zu verbessern und Interaktionen mit der HCV-The
rapie zu vermeiden. Der
Kläger
nehme die HCV-Therapie konsequent ein und stelle sich zu wöchentlichen Kontrollen des Blutbildes bei ihnen vor. Bisher sei die Verträglichkeit akzeptabel. Er gebe Müdigkeit und Schwäche sowie intermit
tierend Nausea an, was bekannte Nebenwirkungen der Therapie darstellten und zumeist eine normale Arbeitsfähigkeit unter Therapie erschwerten. Zu Beginn der Therapie sei er zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen, aktuell arbeite er 70
%
.
Vom
1.
Juli bis zum 3
1.
August 2013 sei er zu 100
%
arbeitsunfähig durch Nausea mit Erbrechen, Schwäche und
Kraflosigkeit
bei
HCV
-Therapie gewesen, ab dem
1.
September 2013 sei er aus den gleichen Gründen zu 80
%
arbeits
un
fähig gewesen und aktuell arbeite er 30
%
seit dem
1.
Oktober 201
3.
Der Verlauf bleibe abzuwarten. Nach Abschluss der Therapie sei aus
infektiologischer
Sicht nicht mit einer weiteren Arbeitsunfähigkeit zu rechnen, allerdings bestehe aus psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit, welche sie nachvollziehen könnten.
4.6
Dr.
E._
führte in seinem von der IV-Stelle eingeholten Bericht vom
8.
April 2014 aus (
Urk.
18/44), dass der Therapieverlauf in diesem Jahr stark ge
prägt gewesen sei von den massiven Nebenwirkungen der Hepatitis-C-Therapie. Die Erschöpfungszustände hätten einen so destruktiven Einfluss auf
di
e psy
chische Befindlichkeit
des Klägers
ausgeübt, dass zeitweise kaum andere Themen hätten bearbeitet werden können. Zudem habe er auch unter der Tatsache ge
litten, dass er kaum mehr Geld in den gemeinsamen Haushalt mit seinem Partner habe einspeisen können und dabei nicht mehr in der Lage gewesen sei, die geringsten Haushaltsarbeiten auszuführen. In der Therapie sei es wieder wichtig geworden, an seiner Selbstwertthematik zu arbeiten.
Eine grosse Belastung bleibe die Tatsache, dass er nach dem zweiten
Burn
out
viel längere Erholungszeiten benötige nach seinen Arbeitseinsätzen. Stress könne er kaum
mehr bewältigen, aber dank seines ausserordentlichen Leistungs
be
dürf
nisses sei er imstande, im vorgeschlagenen beschränkten Rahmen zu arbeiten.
4.7
In der Nacht vom 11.-1
2.
Oktober 2014 wurde der
Kläger
mit stechenden Schmerzen
ins Kantonsspital
H._
zugewiesen. In einem vorgängigen
Koro
-CT
wurde bereits eine koronare Herzkrankheit (KHK) beschrieben.
Dr.
I._
_
,
Oberarzt Kardiologie des Kantonsspitals
H._
,
diagnostizierte in seinem Bericht vom 1
3.
Oktober 2014 eine koronare 3-Gefässerkrankung, NSTEMI. Als Ursache des aktuellen NSTEMI zeige sich eine subtotale proximale RCX-Läsion, welche mit einem DES erfolgreich habe behandelt werden können. Der RIVA zeige eine 30-50%ige Stenose, welche
hämodynamisch
nicht relevant sei (FFR 0.89). Die signifikante ACD-Stenose werde elektiv behandelt werden. Die LV-EF sei normal (
Urk.
18/48).
4.8
Die Ärzte des
D._
hielten
im Gutachten vom 2
0.
Oktober 2015
folgende Diag
nosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
18/80.1/27 f.):
-
Er
schöpfungssyndrom, ICD-10
Z73.0
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
, ICD-10
F33.4
-
Zustand nach mittelgradiger bis schwerer Panikstörung, ICD-10 F41.0
-
HIV-
lnfektion
,
CDC
A2,
Erstdiagnose
1993
-
Infektion via ungeschützten Geschlechtsverkehr, MSM
-
Lipodystrophie
mit Status nach
operativer Versorgung faszial 09/14
-
antiretrovirale Therapie: 05/97-10/99 3TC,
Zerit
,
Viracept
(
Lipodystrophie
), 11/99-05/00 3TC,
Zerit
(
Lipodystrophie
),
Efavirenz
(Schwindel), 05/00
-01/01 3TC, AZT,
Viramune
(
Lipo
dystrophie
), 01/08-04/13
Viramune
,
Truvada
(
TDF
-assoziierte
Tubulopathie
, steigende Tran
sa
minasen), 04/13-08/13
Prezista
,
Norvir
,
Kivexa
(gastro
inte
sti
nale Beschwerden), 08/13-ca. 02/15
Isentress
,
Kivexa
(
KHK
)
-
aktuell seit ca. 02/15:
Tivicay
,
Edurant
,
Emtriva
-
aktuell: Virusl
ast < 20 Kopien/ml, CD4-Zellzahl 917 Zellen/
ul
(32%)
-
Chroni
sche Hepatitis C, Genotyp 2b (Erstdiagnose
1996) mit
Leberfibrose
METAVIR
-Stadium F2
-
Status nach
erfolgreicher Therapie mit Interferon und
Ribavirin
2013
-
Diabetes mellitus Typ II, Erstdiagnose
04/2006
-
unter oralen Antidiabetika und Insulin
-
Spätkomplikationen: leichte, nicht proliferative Retinopathie
-
aktuell: HbA1c 8.7%
Als weitere Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit notierten sie folgende:
-
Koronare Herzkrankheit
-
Status nach
NSTEMI 10/2014
-
Status nach
DES subtotale RCX-Stenose 10/12 und DES proximale ACD-Stenose 12/12
-
c
vRF
: Diabetes mellitus, Ni
kotinabusus,
Dyslipidämie
, HIV-I
nfektion
-
Chronische Niereninsuffizienz
-
aktuell: Kreatinin 130
umol
/l,
GFR
54ml/min
-
Status nach Ulcus
ventriculi
(nach Angaben
des
Klägers
)
-
Status nach
Analfissur (vor ca. 20 Jahren)
Die Gutachter führten aus, dass
in der angestammten Tätigkeit
aus gesamtme
dizinischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestehe. Diese Einschränkung ergebe
sich aus dem Erschöp
fungssyndrom, welches durch ver
schiedene soma
tische und
psychische Faktoren bedingt sei
. Ebenso
schränke
die rezidivierende depressive Störung die Arbeitsfähigkeit ein. Die Symptome reduzier
t
en die Durch
haltefähigkeit, Flexibilität und die Umstellungsfähigkeit des
Kläger
s
stark. Bei einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit
über
50
%
sei davon auszugeh
en, dass die Symptome zun
ä
hmen und eine erneute depressive Episo
de und/oder eine erneute Panik-Störung auftrete
und es zu einer
psychischen Dekompensation komme
.
Auch i
n jeder Verweistätigkeit bestehe
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Im Rahmen einer Ver
weistätigkeit sollten Tätigkeiten mit hohem Arbeitsdruck ver
mieden werden. Auf Grund des Diabetes mellitus mit anamnestisch rezidivie
renden Hypoglykämien sollten Tätigkeiten mit Eigen-
oder Fremdgefährdung (z.B. Arbeit auf Gerüsten, Personentransport) vermieden werden.
Die Arbeitsunfähigkeit von 50
%
bestehe seit mindestens Oktober
201
0.
Die Beschwerden
des
Kläger
s bestünden
seit mindestens 5 Jahren. Im Oktober 2010
habe er
wegen Symptomen eines Erschöpfungssyndroms erstmals psychologische Hilfe in Anspruch genommen. Anpassungen der Arbeitszeit
seien
vorgenommen
worden
, Arbeitsversuche
seien
jedoch nach kurzer Zeit
gescheitert
. Erst eine neue Tätigkeit in einem reduzierten Arbeitspensum an einer Arbeitsstelle ohne grosse Verantwortung und ohne Pendenzen
sei für den
Kläger
nachvollziehbar möglich
gewesen
. Im Rahmen einer schweren depressiven Episode
habe zusätzlich respek
tive
zwischenzeitlich eine vollst
ändige Arbeitsunfähigkeit von September
2012 bis
Oktober
2012
bestanden
. Zudem
habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
im Juli und August 2013 auf Grund schwerer Nebenwirkungen der Hepatitis-C-The
rapie
bestanden
.
5.
Es gilt vorab zu prüfen, ob im vorliegenden berufsvorsorgerechtlichen Verfahren eine
Bindungswirkung
an die
Verfügung der IV-Stelle vom 2
9.
April 2016 (Urk. 18/101) besteht, mit welchen
de
m Kläger
mit Wirkung ab dem
1.
Juli 2013
basierend auf einem In
validitätsgrad von
58
% eine
halbe
Invalidenrente zuge
sprochen worden ist. Die
Verfügung wurde den
Beklagten
eröffnet
(Urk.
18/101
).
Nachdem sich der Kläger im
Januar 2013
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet hatte (Urk.
18/4
), ein Rentenanspruch somit früh
es
tens per
Juli 2013
entstehen konnte (Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG), war die IV-Stelle einzig verpflichtet zu prüfen, ob das Erfordernis einer durchschnittlich 40%igen Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG) im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Renten
beginns erfüllt war. Eine Notwendigkeit, eine frühere Eröffnung des Wartejahrs zu prüfen, bestand nicht. Eine Bindungswirkung des IV-Entscheides entfällt damit und d
er Eintritt der für die berufliche Vorsorge massgebenden Arbeitsunfähigkeit ist dementsprechend frei zu prüfen.
6.
Von den Parteien unbestritten und aufgrund der Akten schlüssig nachvollziehbar ist, dass dem
Kläger
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 58
%
eine Inva
lidenrente
ab dem
1.
Juli 2013
zusteht.
Aufgrund der Aktenlage plausibel und des Weiteren unbestritten ist entsprechend, dass die invaliditätsbegründende Arbeitsunfähigkeit spätestens per
1.
Juli 2012 eingetreten ist.
Strittig und zu prüfen ist hingegen,
ob
die invaliditätsbegründende Arbeits
un
fähigkeit
bereits früher
eingetreten ist und allenfalls, ob der zeitliche und sach
liche Zusammenhang
gegeben ist
.
6.1
Vorab zu prüfen ist, wann sich eine berufsvorsorgerechtlich relevante Arbeitsun
fähigkeit erstmals manifestierte.
Im Arbeitgeberfragebogen der
A._
vom
9.
April 2013 wurde ver
merkt, dass während der Zeit der Anstellung keine gesundheitlichen Einschrän
kungen vermerkt seien (
Urk.
18/20.1/5). Im E-Mail vom 1
5.
November 2017 führte
die Personalverantwortliche der
A._
aus, dass die
A._
keine Kenntnis von einer gesundheitlich bedingten Arbeitsunfähigkeit in der Zeit zwischen Ende 2010
und anfangs 2011 gehabt habe. Der Kläger
habe auf eigenen Wunsch hin sein Pensum ab Januar
2011 von 90
%
auf 80
%
reduziert (
Urk.
24/2).
Dem steht die echtzeitliche Bestätigung von
Dr.
F._
vom
4.
Januar 2011 entgegen, worin er
dem Kläger e
ine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit vom
2
7.
Dezember 2010 bis zum 1
4.
Januar 2011
attestierte
(vgl. E. 4.1).
Dr.
F._
konstatierte dazu im Bericht vom 1
9.
November 2012, dass der Kläger seit Oktober 2010 im Zusammenhang mit der HIV-Erkrankung und immer wieder rezidivierenden depressiven Symptome in psychologischer Behandlung bei
Dr.
E._
sei (E.
4.2).
Dr.
E._
erläuterte im Bericht vom
7.
Februar 2013 die Anamnese ausführlich und schilderte, dass der Vorgesetzte bei der
A._
vollständig mit der Leistung des Kl
ägers zufrieden ge
wesen sei,
die Massnahmen unterstützt habe, welche in der Therapie e
rarbeitet worden seien und
die psychischen Symptome bedauert
habe
. So seien rasch Mass
nahmen zur Entlastung umgesetzt worden, die leider nur kurze Erfolge aufge
wiesen hätten. Als nächste Massnahme sei eine Reduktion der Arbeitszeit auf 80
%
eingeleitet worden, womit der Arbeitgeber wieder einverstanden gewesen sei. Trotzdem sei der
Kläger
weiter
dekompensiert
und man habe ihn sofort wieder 100
%
krankschreiben müssen. Nach einer Verbesserung des Zustandes sei im Februar 2011 ein Arbeitsversuch erfolgt, welcher allerdings wieder habe abge
brochen werden müssen und sie hätten ihn wieder per sofort krankgeschrieben. Der Kläger habe dann von sich aus gekündigt, da nicht mehr an Arbeit zu denken gewesen sei (E. 4.3).
Dies wurde seitens
Dr.
E._
im Bericht vom
7.
April
2017 dahingehend präzisiert, dass der Kläger im Zeitraum vom 2
4.
Febru
ar bis zum 1
8.
März 2011 wiederum krankgeschrieben worden sei (
Urk.
2/15).
6.2
Unter Berücksichtigung der
Pensumsreduktion
von 1
0
%
,
der ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeiten
und den zusammen mit
Dr.
E._
und dem Vorgesetzten umgesetzten Massnahmen zur Entlastung
ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass erstmals eine relevante Arbeitsun
fähigkeit von mindestens 20
%
während den letzten Monaten des Anstellungs
verhältnisses bei der
A._
aufgetreten ist.
7
.
Zu prüfen
ist
, ob der sachliche Zusammenhang zur berufsvorsorgerechtlich rele
vanten Arbeitsunfähigkeit
während des Anstellungsverhältnisses bei der
A._
und der eingetretenen Invalidität
mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt ist.
7
.1
Das
D._
-Gutachten vom 2
0.
Oktober 2015
erfüllt sämtliche rechtsprechungs
gemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Ents
cheidungs
grund
lagen (vgl. E. 3.5
). Es beruht auf fachärztlichen Untersuchungen durch die Gut
achter und wurde in
Kenntnis der relevanten
Vorakten
abgegeben. Es würdigt die vorhandenen Arztberichte sorgfältig
,
berücksichtigt die vom
Kläger
geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen hinreichend auseinander. Die Darlegung
der medizinischen Zusammenhänge ist einleuchtend und das Gutachten ist schlüssig
.
7
.2
Gestützt auf das
D._
-Gutachten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch das Erschöpfungssyndrom und die rezidivierende depressive Störung
bedingt ist (vgl. E. 4.8). Ursächlich für das Erschöpfungssyndrom seien einerseits die seit 1996 bestehende chronische Hepatitis C. Unter der Interferontherapie hätten sich die depressiven Symptome, wegen welchen
sich
der
Kläger
seit 2010 in Behandlung befand, verstärkt. Nach Stoppen der Interferontherapie habe sich die depressive Symptomatik gebessert und die rezidivierende depressive Störung sei aktuell teilremittiert.
Z
um Erschöpfungssyndrom
trügen
ferner die HIV-Infektion sowie in geringerem Masse die weiteren somatischen Erkrankungen wie der Diabetes mellitus und die chronische Niereninsuffizienz
bei
. Neben der zumindest teilre
mittierten Depression als psychischer Faktor des Erschöpfungssyndroms bestehe aus psychiatrischer Sicht zudem ein Status nach mittelschwerer bis schwerer Panikstörung. Eine klare Abgrenzung zwischen somatischen und psychischen Faktoren des Erschöpfungssyndroms sei nicht möglich, es schränke die Arbeits
fähigkeit in jedem Falle aber deutlich ein. Es bestehe ferner kein Zweifel, dass sich die depressiven Symptome wieder verschlechtern würden, wenn die Arbeits
tätigkeit gesteigert würde, was bereits mehrfach versucht worden sei (
Urk.
18/80.1/30
f.).
Die chronischen somatischen Erkrankungen wie auch die rezidivierende depres
sive Störung bestanden nachweislich bereits im Jahr 2010
(vgl. E. 4)
, womit der sachliche Zusammenhang zu bejahen ist.
7.
3
Die Beklagte 1 brachte dagegen vor, dass erst die
Hepatit
i
s C-Therapie und die Arbeitssituation bei der
C._
AG zur Einbusse im Leistungsvermögen geführt hätten. Richtig ist, dass sich der Gesundheitszustand des Klägers während der Interferon-Therapie verschlechterte, allerdings bestand der zur Invalidität führende Gesundheitsschaden –
wie gezeigt (vgl. E. 4; vgl. E. 6-7
)
- bereits zuvor. Der sachliche Zusammenhang ist damit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt.
8.
Z
u prüfen
bleibt
, ob ein
zeitliche
r
Zusammenhang zwischen der berufs
vorsorge
rechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit während der Anstellung bei der
A._
und der eingetretenen Invalidität besteht oder dieser allenfalls unterbrochen wurde.
8
.1
Der Kläger
arbeitete von Mai bis J
uli 2011 beim
Obsthaus
J._
, von
Mai bis Juni
2011
bei der Personalberatung
K._
AG, ab Juni 2011 bei
B._
(
Urk.
14/9
)
und bezog von Juni 2011 bis Januar 2012 Arbeitslosenentschädigung bei einer Vermittlungsfähigkeit von 80
%
(vgl.
Urk.
18/24).
8.1.1
Vorab ist festzuhalten, dass der Kläger
ausweislich des
IK
-Auszugs
beim
Obsthaus
J._
in zwei Monaten
Fr.
1'920.-- und bei der Perso
nalberatung
K._
AG
Fr.
65.--
verdiente (
Urk.
14/9). Diese zwei kurzen und wohl nur in einem äusserst niedrigen Pensum ausgeführten Tätigkeiten
sind als Arbeitsversuche zu werten
und
vermögen den zeitlichen Zusammenhang zweifelsohne nicht zu unter
brechen
.
8.1
.2
Der
Kläger
bezog von Juni 2011 bis Januar 2012 Arbeitslosenentschädigung bei einer Vermittlungsfähigkeit von 80
%
und arbeitete daneben stundenweise für
B._
, wobei er vom 2
7.
Juni bis Dezember 2011 ein Einkommen in Höhe von
Fr.
15'124.--
erwi
rtschaftete (vgl.
Urk.
18/13/5). Dies entspricht
einem durch
schnittlichen Einkommen von monatlich
Fr.
2
'520.65
(ohne Berücksichtigung der drei Tage im Juni 2011;
Fr.
15'124.
-- :
6 =
Fr.
2'520.65).
Unter Berücksichtigung eines Stunde
n
lohnes von
Fr.
26.90 resultieren
daraus durchschnittlich 93.7
Stunden monatlich, was – ausgehend von 22 Arbeitstagen im Monat und einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41 Stunden (vgl.
Urk.
18/7.1) – rund einem
50
%-Pensum entspricht. Die A
usführung der Tätigkeit bei
B._
in einem ca. 50%-Pensum ist dem
Kläger
auch nach Eintritt der Invalidität bis heute noch möglich
– was auch seitens der Beklagten unbestritten blieb
. Damit vermag diese Tätigkeit den zeitlichen Zusammenhang nicht zu unterbrechen.
8.1.3
Zu prüfen bleibt, ob der Bezug der Arbeitslosentschädigung von Juni 2011 bis Januar 2012 bei einer Vermittlungsfähigkeit von 80
%
den zeitlichen Zusammen
hang unterbrach.
Zur Beurteilung des zeitlichen Zusammenhanges sind neben den ärztlichen Attesten vor allem auch die in der Arbeitswelt nach
aussen
in Erscheinung tretenden Verhältnisse zu berücksichtigen, so zum Beispiel die Angaben der ver
sicherten Person gegenüber der Arbeitslosenversicherung. Zwar kann dem Bezug von Arbeitslosentaggeldern als voll vermittlungsfähiger Stellensuchender nicht die gleiche Bedeutung zugemessen werden wie der Zeit, während welcher die Wiedererlangung
der Arbeitsfähigkeit durch tatsächlich geleistete Arbeit belegt wird, da im Bereich der Arbeitslosenversicherung für körperlich oder geistig Behinderte ein weiter Begriff der Vermittlungsfähigkeit festgelegt wird, was auch bei der Beurteilung des zeitlichen Zusammenhanges berücksichtigt werden muss. Doch gibt der Leistungsansprecher durch seine eigene Bezeichnung der vollstän
digen Vermittlungsfähigkeit das Bestehen einer uneingeschränkten Arbeitsfähig
keit nach
aussen
unmissverständlich kund, worauf er gegebenenfalls zu behaften ist. Wenn die versicherte Person
bloss
auf Grund der schwierigen wirtschaftlichen Lage keine neue Anstellung findet, darf sich dies nicht zu Lasten der Vorsorge
einrichtung auswirken. Einem Bezug von Arbeitslosentaggeldern bei voller Ver
mittlungsfähigkeit sollte in Bezug auf den zeitlichen Zusammenhang jedenfalls dann erhöhte Bedeutung zugemessen werden, wenn er sich an eine Erwerbs
tätigkeit
anschliesst
und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die ver
sicherte Person während ihrer Arbeitslosigkeit erneut arbeitsunfähig geworden wäre. Dies ist beispielsweise dann nicht der Fall, wenn sich die versicherte Person kurz nach der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung in einen länger dau
ernden Spitalaufenthalt begeben muss und bereits während des vorangegangenen Arbeitsverhältnisses in ihrer Leistungsfähigkeit teilweise eingeschränkt war (
Hürzeler
in: Schneider/Geiser/
Gächter
, BVG und FZG, 2010, Art. 23 N 30).
In
casu
kündigte der Kläger die letzte in hohem Pensum ausgeübte Arbeitsstelle bei der
A._
überwiegend wahrscheinlich aufgrund seines Gesund
heits
zustandes und war die letzten Monate seiner Anstellung zweimal während mehrerer Wochen krankgeschrieben (vgl. E. 6.1). Hinzu kommt, dass gestützt auf die medizinische Aktenlage davon auszugehen ist, dass der
Kläger
– hätte er wiederum eine ähnliche Tätigkeit wie bei der
A._
in einem 80%-Pensum aufgenommen – erneut arbeitsunfähig geworden wäre (vgl. E. 4).
Dafür spricht auch, dass die
D._
-Gutachter eine durchgehende 50%ige Arbeitsun
fähig
keit seit Oktober 2010 attestierten (vgl. E. 4.8).
Zusammenfassend vermögen damit weder die in kleinem Pensum ausgeübten Tätigkeit
en
im Jahr 2011 als auch der Bezug von Arbeitslosentaggeldern bei einer Vermittlungsfähigkeit von 80
%
den zeitlichen Zusammenhang zu unterbrechen.
8.2
Ab dem
1.
Februar bis zum 3
1.
Oktober 2012 war
d
er
Kläger
in einem Pensum von 70
%
bei der
C._
AG
angestellt. Seinen letzten Arbeitstag hatte der Kläger am 2
7.
August 2012, danach war er krankgeschrieben und hatte Ferien (vgl.
Urk.
18/18.1/2). Gleic
hzeitig arbeitete er noch für
B._
(
Urk.
18/7.1)
.
8.2.1
In den Monaten Februar bis August 2012 erzielte der Kläger bei
B._
ein durchschnittliches monatliches Bruttoeinkommen von
Fr.
873.62
(
[
Fr.
1‘941.60 +
Fr.
456.60 +
Fr.
596.50+
Fr.
878.40 +
Fr.
848.80 +
Fr.
206.40 +
Fr.
1‘187.05
] :
7 =
Fr.
873.62), was unter Annahme eines Bruttostundenlohnes von
Fr.
26.90 durch
schnittlich 32.47 Stunden monatlich entspricht (vgl.
Urk.
18/7.1). Unter Annahme einer üblichen Wochenarbeitszeit von 41 Stunden und 22 Arbeitstagen pro Monat entspricht dies einem Pensum von
rund 18
%
.
Bei der
C._
AG arbeitete der Kläger in einem Pensum von 70
%
. Dabei erzielte er ein Einkommen von
Fr.
3‘150.-- brutto. Zusammen mit dem du
rch
schnittlichen Einkommen bei
B._
erzielte er damit in den Monaten Februar bis August 2012 ein durchschnittliches Bruttoeinkommen
in Höhe von
Fr.
4‘023.62 (
Fr.
8
7
3
.62 +
Fr.
3‘150.-- = 4‘023.62).
Im Jahr 2010, das
heisst
noch vor der mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gesundheitlich begründeten
Pensumsreduktion
auf 80
%
(vgl. E. 6), erzielte der
Kläger
bei einem Pensum von 90
%
ein Bruttoeinkommen in Höhe von
Fr.
82‘147.-- (vgl.
Urk.
18/13/5;
Urk.
18/20.1). Dies entspricht einem monatlichen Bruttoeinkommen von
Fr.
6‘845.5
8.
Stellt man das Einkommen in den Monaten Februar bis August 2012 in Höhe von
Fr.
4‘023.62 dem Einkommen bei der
A._
gegenüber, so resultiert daraus eine
Einkommenseinbusse
von
Fr.
2‘821.96 (
Fr.
6‘845.58 –
Fr.
4‘023.62) bzw. rund 41
%
.
8.2.2
Nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung
muss die angepasste Tätigkeit, in wel
cher Arbeitsfähigkeit besteht, ein
rentenausschliessendes
Einkommen erlau
ben, damit von einer Unterbrechung des zeitlichen Zusamm
enhanges gesprochen werden kann, wobei
eine
Erwerbseinbusse
nicht einfach mit einer entsprechenden Erwerbsunfähigkeit gleichgesetzt werden
kann
. Auch in diesem Fall ist vielmehr für die Annahme einer Erwerbsunfähigkeit verlangt, dass die Einschränkung durch ärztlichen Befund objektiv nachweisbar durch Krankheit verursacht ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_15/2009 vom 2
8.
Mai 2009 E. 3.3).
In
casu
erzielte der Kläger mit den beiden Tätigkeiten bei der
C._
AG und der
B._
kein rentenausschliessendes Einkommen. Des Weiteren hielt
Dr.
E._
in seinem Bericht vom
7.
Februar 2013 fest, dass
der Kläger geglaubt habe, dass er als Verkäufer von Hörgeräten eine sinnvolle, seinen Fähigkeiten angepasste Tätigkeit gefunden habe. Da die
Entlöhnung
extrem tief gewesen sei, habe er weiterhin bei der Firma
B._
ein Zusatzgeld verdient. Der Kläger sei allerdings
schnell wieder überfordert
gewesen und die üblichen Symptome seien wieder aufgetreten. Wiederum sei der Arbeitgeber zufrieden gewesen mit Leistung und Qualität der Arbeit. Nach den Sommerferien 2012 sei er trotz Einsatz von
Beruhigungsmitteln, Antidepressiva und massiver Psychotherapie derart de
pressiv
und verängstigt gewesen, dass sie ihn per sofort wiede
r hätten krankschreiben müssen (vgl. E. 4.3 und E. 4.2).
Unter Berücksichtigung des Berichts von
Dr.
E._
vom
7.
Februar 2013
als auch der weiteren medizinischen Unterlagen (vgl. E. 4)
, ist mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Kläger infolge seines Gesund
heits
zustandes eine Tätigkeit annahm, welche seines Erachtens eine leidensange
passte Tätigkeit darstellte, wofür er auch eine erhebliche Erwerbseinbusse in Kauf nahm (vgl. E. 8.2.1).
8.2.3
Hinzu kommt, dass g
estützt auf die bundesgerich
tliche Rechtsprechung
selbst die im Rahmen einer Selbsteingliederung an einer neuen Arbeitsstelle in einer leidensangepassten Tätigkeit während einem Jahr erreichte volle Arbeitsfähigkeit den zeitlichen Zusammenhang zwischen der ursprünglichen Arbeitsunfähigkeit und dem Eintritt der Invalidität im Verlauf eines späteren Arbeits- und Vor
sorge
verhältnisses nicht zu durchbrechen
vermag
(Stauffer, Rechtsprechung des Bun
des
gerichts zur beruflichen Vorsorge, Zürich/Basel/Genf 2013, S. 75).
Der Kläger war lediglich während rund 7 Monaten in der Lage, die vermeintlich angepassten Tätigkeiten bei der
C._
AG sowie der
B._
AG in einem Pensum von rund 90
%
, auszuführen, bevor er erneut
dekompensierte
und krankgeschrieben werden musste (vgl. E. 4.2).
Entsprechend
vermag
auch die Tatsache des hohen Pensums des Klägers, welches aus der kumulativen Tätigkeit für die
C._
AG und die
B._
resultierte,
den zeit
lichen Zusammenhang nicht zu unterbrechen.
8.3
Nach dem Gesagten und in Anbetracht dessen, dass die Parteien zu Recht nicht in Frage stellen,
dass der zeitliche Zusammenhang ab
Beendigung der Anstellung bei der
C._
AG
nicht mehr unterbrochen wurde, steht mit dem Beweisgrad der überwiegende
n Wahrscheinlichkeit fest, dass
weder
d
er zeitliche
noch der sachliche
Zusammenhang
(vgl. E. 7)
zwischen der im
Oktober 2010
eingetretenen Arbeits
unfähigkeit und der Invalidität
unterbrochen
wurde
.
Die Beklagte
1
ist dementsprechend leistungspflichtig.
9.
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art. 105 Abs. 1 des Obligationenrechts (OR) anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4). Danach ist
der Verzugszins vom Tage der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5 %, sofern das Reglement
der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c
; vgl.
Urk.
30/1
). Dem Kläger sind folglich für die bis zur Klageerhebung am
2.
Mai 2017 (vgl. Urk. 1) fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
ab diesem Zeitpunkt und für die weiteren Rentenleistungen ab deren jeweiligem Fälligkeitsdatum Verzugs
zinsen von 5 % zuzusprechen.
10.
Zusammenfassend ist die Beklagte 1 in
Gutheissung
der
gegen sie gerichteten
Klage zu verpflichten, dem Kläger ab
1.
Juli 2013
eine
Invalidenrent
e
basierend a
uf einem Invaliditätsgrad von 58
% auszurichten, jeweils zuzüglich Verzugszins wie vorstehend dargelegt.
Die Klage gegen die Beklagte 2 ist abzuweisen.
11
.
Das Verfahren ist kostenlos.
Dem Kläger steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rück
sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Die Beklagte 1
ist deshalb zu verpflichten, dem Kläger
eine Prozessentschädigung von Fr.
1‘800
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.