Decision ID: f57f9c89-2ae4-46f3-a38b-a5beae0e1d49
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1
4.
Juni 1960
,
war über ihre
Arbeit
geber
in
die
Z._
,
seit
1.
August 1999
bei
der
Y._
-Pensionskasse
(
Y._
)
berufsvorsorgeversichert (vgl.
Urk.
11/1)
.
Mit dem Hinweis auf eine vor
zeitige Pensionierung per
1.
September 2019
beantragte die Versicherte
am 8. Ma
i 2019
bei der
Y._
eine Kapitalleistung
von 25
%
der kapitalisierten Altersrente anstelle der Altersrente
(
Urk.
2/2)
. Mi
t einem weiteren Gesuch vom
4.
Juni 2019
stellte sie
den Antrag auf Altersleistungen zufolge vorzeitiger
und vollständiger
Pensionierung per
1.
September 2019 (
Urk.
2/3).
Die
Y._
nahm die Anträge entgegen und bestätigte die erste Zahlung per Ende September 2019 (
Urk.
11/4).
Am
3.
Dezember 2020 (recte 2019) meldete die Versicherte
,
ihr sei
auf dem For
mular «Ergänzende Angaben zur Alterspensionierung»
ein Fehler unterlaufen
:
S
ie
habe
bezüglich de
m Antrag auf eine finanzielle Überbrückung versehentlich «Nein
»
angekreuzt
,
und es sei
schon in einer Email vom 13.
November 2019 bestätigt worden, dass sie sich für die freiwillige finanzielle Überbrückung entschieden habe (
Urk.
2/4).
Am 1
1.
Dezember 2019 teilte die
Y._
mit, dass sie dem
Gesuch
nicht stattgeben könne, da
für die freiwillige finanzielle Überbrückung
das Ge
such
zusammen mit dem Pensionierungsantrag vor Beginn der vorzeitigen Pen
sionierung eingereicht werden müsse (
Urk.
2/5).
Am
3.
Februar 2020
ersuchte
die Versicherte ein weiteres Mal
um die Gewährung von
Überbrückung
sleistungen
(
Urk.
2/6). Das Begehren beantwortete die
Y._
am 1
8.
Februar 2020
erneut
abschlägig (
Urk.
2/7).
2.
Am 2
5.
März 2020 erhob die Versicherte Klage gegen die
Y._
mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
1.
Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin die freiwi
llige finanzielle Überbrückung i
n Höhe von monatlich
Fr.
2'370.-
-
gemäss
Art.
29
Abs.
1 des Pensionskassenreglements nebst Zins zu 5
%
zu gewähren.
2.
Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin für die freiwillige finan
zielle Überbrückung vom
1.
September 2019 bis zum 3
1.
März 2020 einen Betrag von CHF 16'450.-
-
(monatlich
Fr.
2'370.--) nebst Zins zu 5
%
zu be
zahlen.
3.
Eventuell sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin die freiwillige finan
zielle Überbrückung in Höhe von mo
natlich
Fr.
2'370.-
-
gemäss Art. 29
Abs.
1 des Pensionskassenreglements ab
3.
Dezember 2019 nebst Zins zu 5
%
zu gewähren.
Die Beklagte b
eantragte mit Klageantwort vom 17
.
August 2020
die
vollum
fängliche Abwei
sung der Klage
unter Kosten- und Entschädigungsfolge
(
Urk. 10 S. 2). Mit Replik vom 25
.
September 2020
und Duplik vom
2
6.
November 2020
hielten die Parteien an ihren An
trägen fest (Urk. 14 und Urk. 18
).
Die Duplik wurde der Klägerin am
3
0
.
November
2020
zugestellt (Urk. 19
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
13
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
haben Anspruch auf Altersleistungen:
a. Männer, die das 6
5.
Altersjahr zurückgelegt haben;
b. Frauen, die das 6
4
.
Altersjahr zurückgelegt haben.
Die reglementarischen Bestimmungen der Vorsorgeeinrichtung können abwei
ch
end davon vorsehen, dass der Anspruch auf Altersleistungen mit der Beendi
gung der Erwerbstätigkeit entsteht. In diesem Fall ist der Umwandlungssatz (
Art.
14) entsprechend anzupassen (
Abs.
2).
1.2
Im Bereich der weitergehenden Vorsorge wird das Rechtsverhältnis zwischen der
Vorsorgeeinrichtung und dem Vorsorgenehmer durch einen privatrechtlichen Vor
sorgevertrag begründet, der rechtsdogmatisch den
Innominatverträgen
(eigener Art) zuzuordnen ist (BGE 130 V 103 E. 3.3, 129 III 305 E. 2.2). Als solcher untersteht er in erster Linie den allgemeinen Bestimmungen des Obligationen
rechts. Das Reglement stellt den vorformulierten Inhalt des Vorsorgevertrages beziehungsweise dessen Allgemeine Versicherungsbedingungen (AVB) dar, denen sich der Versicherte ausdrücklich oder durch konkludentes Verhalten unterzieht (BGE 132 V 149 E. 5, 129 V 145 E. 3.1, 127 V 301 E. 3a). Dies schliesst nicht aus, dass im Einzelfall auch vom Reglement abweichende Abreden getroffen werden können. Allerdings bedarf es
hiefür
einer entsprechenden Vereinbarung zwischen der Vorsorgeeinrichtung und dem versicherten Arbeitnehmer (BGE 131 V 27 E. 2.1, 122 V 142 E. 4b).
1.3
Das Prinzip der Gleichbehandlung der Destinatäre bildet neben den Grundsätzen der Angemessenheit, Kollektivität und Planmässigkeit ein Strukturprinzip der weitergehenden beruflichen Vorsorge. Der Gleichbehandlungsgrundsatz findet auch bei reinen Ermessensleistungen Anwendung und schliesst nicht aus, dass unter den Destinatären nach objektiven Kriterien Kategorien gebildet werden
dürfen. Innerhalb der gebildeten Gruppen (beispielsweise im Rahmen verschie
dener Vorsorgepläne) sind die Destinatäre jedoch einander gleichzustellen. Dies gebietet auch der Grundsatz der Kollektivität, wonach jeweils alle Angestellten einer Kategorie einzubeziehen sind, was Einzellösungen oder Sonderregelungen entgegensteht. Planmässigkeit schliesslich bedeutet, dass sowohl die Finanzie
rung wie auch die Ausgestaltung der Leistungsseite in Statuten oder Reglement im Voraus nach schematischen Kriterien festzulegen sind (BGE 132 V 149 E. 5.2.5 mit Hinweisen).
1.4
1.4.1
Art.
25
Abs.
1
des Vorsorgereglements der Beklagten (Ausgabe 2019)
bestimmt: V
or dem ordentlichen Pensionierungsalter (voll
endetes 6
4.
Altersjahr) ist die
vor
zeitige Pensionierung frühestens auf
den Ersten des Monats nach dem
vollen
deten 5
8.
Altersjahr möglich. Die Alters
rente wird aufgrund der bis zur
vorzei
tigen Pensionierung anrechenbaren V
ersicherungsjahre berechnet und
pro Monat der vorzeitigen Pensionierung um 0.4 Prozent gekürzt
.
1.4.2
Gemäss
Art.
29 Vorsorgereglements wird u
nter dem Titel «Freiwillige
finanzielle Überbrückung» festgehalten:
Zusätzlich zur Altersrente kann ab Beginn der vorzeitigen Pensionierung bis zum vollendeten 6
4.
Altersjahr eine freiwillige finanzielle Überbrückung bis zu dem im Zeitpunkt des Leistungsbeginns gültigen Höchstbetrag der jährlichen maxi
malen AHV-Altersrente frei bestimmt werden. Das Gesuch ist zusammen mit dem
Pensionierungsantrag vor Beginn der vorzeitigen
Pensionierung einzureichen (
Abs.
1).
Die Finanzierung der freiwilligen finanziellen Überbrückung erfolgt in erster Linie zu Lasten des Zusatzkontos, in zweiter Linie zu Lasten der versicherten Person durch eine versicherungstechnisch berechnete lebenslängliche Kürzung der Altersrente ab dem Zeitpunkt der vorzeitigen Alterspensionierung. Massge
bend ist der Tarif im Anhang 7
(
Abs.
2)
.
Stirbt der Bezüger einer freiwilligen finanziellen Überbrückungsrente, so werden die allfälligen
Hinterlassenenleistungen
auf der Grundlage der nach
Abs.
2 hier
vor gekürzten Altersrente berechne
t (
Abs.
3)
.
2.
2.1
Die Klägerin brachte zur Begründung ihrer Klage vor
(
Urk.
1
Ziff.
2
)
,
sie sei seit
1.
August 1999 bei der
Z._
als Küchenhilfe angestellt und bei
der
Beklagten berufsvorsorgeversichert
gewesen
. Sie habe die Absicht gehabt, sich per
1.
September 2019 frühzeitig pensionieren zu lassen. Am
8.
Mai 2019 habe sie deshalb zusammen mit ihrem Ehemann das Gesuch um Ausrich
tung von 25 % der kapitalisierten Altersrente und am
4.
Juni 2019 den Antrag auf Altersleistun
gen gestellt. Auf dem Formular «
Ergänzende
Angaben zur Alters
pensionierung»
sei ihr leider ein Fehler unterlaufen, indem sie das Kreuz bei Frage
2
am falschen Ort angebracht habe und auch den Betrag für die freiwillige finan
zielle Überbrückung nicht beziffert habe. In Tat und Wahrheit habe sie aber eine freiwillige finanzielle Überbrückung von monatlich
Fr.
2'370.-
-
bis zum Alter 64 beantragen wollen. Den Antrag habe sie zusammen mit ihrer Tochter ausgefüllt und
als
der Fehler bemerkt worden sei, habe sie sich bei der Beklagten gemeldet
und
den Fehler berichtigt.
Bereits im Vorfeld habe sie sich über die verschiedenen Modalitäten der Früh
pen
sionierung informiert und
sich
dabei für die Frühpensionierung per
1.
Septem
ber 2019 entschieden, verbunden mit einer freiwilligen finanziellen Über
brück
ung in Höhe von
Fr.
2'370.--
monatlich und dabei wäre eine Kürzung der Alters
rente in Höhe von
Fr.
540.-- monatlich vorgesehen gewesen.
Sie habe die
Beklagte über ihren Irrtum sofort in Kenntnis gesetzt
und spätestens mit Schreiben vom
3.
Dezember 2020
(richtig
2019) sei
durch die damalige Rechtsvertreterin die freiwillige finanzielle Überbrückung schriftlich beantragt
worden. Eine Verwirkung dieses Anspruchs sei reglementarisch nicht vorgesehen und die Verweigerung der Überbrückung aufgrund des fehlerhaften Kreuzes bei Frage 2 des Antrags vom
4.
Juni 2019 erfülle den Tatbestand des überspitzten Formalismus (
Ziff.
4).
2.2
Die Beklagte
stellte sich
demgegenüber
auf den Standpunkt (
Urk.
10 S. 7f.),
d
as Reglement
sehe
vor, dass
das Gesuch
zur
Ausrich
tung
einer
Ü
berbrückungsrente
zusammen mit dem Pensionsantrag
vor Beginn der vorzeitigen Pensionierung einzureichen
sei. Dies sei vorliegend nicht erfolgt, was bereits zum Ausschluss der Leistungen führe. Die Klägerin sei zum Zeitpunkt des Schreibens vom
3.
Dezember 2019 auch bereits seit mehreren Monaten Bezügerin von vorzeitigen Altersleistungen gewesen
.
D
ie Gewährung einer
Überbrückungsrente
hätte somit
nachträglich
erfolgen müssen bzw. nach Beginn der
Pensionierung
und ein solches Vorgehen sei weder reglementarisch vorgesehen noch unter Berücksich
tigung des Grundsatzes der Gleichbehandlung aller versicherten Personen h
alt
bar. Der Wortlaut der Bestimmung
sei
klar
formuliert
und sachlich gerechtfertigt,
da im Zeitpunkt der Pensionierung klar sein müsse, ob eine freiwillige finanzielle Überbrückungsrente ausbezahlt werde
(S. 9)
.
Überspitzte
r Formalismus liege nicht vor. Ein
behauptete
s
Versehen,
das
durch sprachliche Unkenntnis bedingt sei
, sei
eine Parteibehauptung und nicht belegt. Dazu seien auch die Angaben in den
Akten widersprüchlich
. A
us dem Schreiben
der Klägerin
vom 1
1.
Dezember 2019
gehe
hervor
, d
ass die Klägerin über ein genügend
sprachgewandtes Umfeld ver
fügt habe
, welches ihr beim Ausfüll
en des fraglichen Antrages habe
helfen könn
en
(S. 10 f.
). Die Klägerin habe auch am 1
5.
Mai 2019 eine provisorische Berechnung betreffend ihre Altersleistungen erhalten, aus welcher klar hervorgegangen sei, dass ihre Altersrente pro Monat lediglich
Fr.
812.-- betragen werde. Es sei ihr daher bekannt gewesen
,
welche Leistungen sie erhalte, wenn sie keine freiwillige Überbrückungsrente beantrage (S. 13).
Es bestehe daher kein
Anspruch auf
eine
Überbrückungsrente (S. 14).
3.
3.1
Gemäss Akten ersuchte die Klägerin im
Zusammenhang mit einer vorzeitigen Pensionierung mehrfach bei der Beklagten um eine provisorische Altersleistungs
berechnung worauf entsprechen
de Berechnungen erstellt wurden:
So die Berechnung vom 2
9.
März 2018 (
Urk.
11/2
S. 1
)
betreffend
eine
Pensio
nierung
der
Klägerin per
1.
Juli 2020 ohne Kapitalbezug und mit freiwilliger Ü
ber
brückungsrente
;
d
ie Berechnung vom
3.
Dezember 2018 (
Urk.
11/3 S. 2) bei einer Pensionierung per 3
1.
August 2019 ohne Kapitalbezug und mit freiwilliger Überbrückungsrente
;
die Berechnung
vom 1
0.
Januar 2019 (
Urk.
2/8 S. 2) bei einer Pensionierung per 3
1.
August 2019 unter
Berücksichtigung
eines
Kapitalbezug
s
von 25
%
und
mit
freiwillige
r
Überbrückungsrente
,
und d
ie Berechnung vom
1
5.
Mai 2019 (
Urk.
11/1)
bei einer Pensionierung
per 3
1.
August 2019
unter Berücksichtigung
eines
Kapitalbezug
s
von 25
%
ohne freiwillige Überbrückung
srente
.
3.2
Aktenkundig ist
der
von der Klägerin und ihrem Ehegatten am
8.
Mai
2019 (
Urk.
2/3) unterzeichnete
Antrag auf eine Kapitalle
istung anstelle der Altersrente,
mit welchem
die vollständige Pensionierung per
1.
September 2019 bekannt ge
geben und um eine Kapitalleistung von 25
%
der kapitalisierten Altersrente er
sucht wurde
.
Im Weiteren liegt einerseits
der
von der ehemaligen Arbeitgeberin (
Z._
) unterzeichnete «Antrag Altersleistungen»
und anderseits
die
von der Klägerin a
m
4.
Juni 2019
unterschriebenen «Ergänzenden Angaben zur Alterspensionierung durch die versicherte Person auszufüllen»
vor (
Urk.
2/3).
Ge
mäss dem besagten Antrag vermerkte die Klägerin die vol
lständige Pensionierung per 31.
August 201
9.
Dabei waren
auch
fünf
(
respektive für Männer sechs
)
Fragen zu
beantworten. Die Frage 2 lautet
e
: «Beantragen Sie eine freiwillige finanzielle Überbrückung bis Alter 64? (höchstens maximale AHV-Altersrente, mit lebens
länglicher Kürzung der
Altersrente)»
. Diese Frage war entweder mit Ja
zu beant
worten
und der entsprechende monatliche Betrag
einzutragen
oder Nein
anzu
kreuzen
, wobei die Klägerin die Frage mit Nein beantwortet hat.
3.3
D
er Email-Korrespondenz
und dem Antwortschreiben vom 1
3.
November 2019
(
Urk.
11/5/9)
ist zu entnehmen, dass
Frau
A._
als Teamleiterin Personelles
der
Z._
an die Beklagte
gelangte
mit der Bitte
, dass
der Klägerin
rückwirkend die freiwillig
e
finanzielle Überbrückung (
ffÜ
) zu gewäh
ren
sei
.
3.4
Dem
Schreiben
der ehemaligen Rechtsvertreterin der Klägerin
vom
3.
Dezember 2020 (richtig
2019)
ist zu entnehmen (
Urk.
2/4), die Klägerin sei aufgrund sprachlicher Barrieren auf die Unterstützung ihres Arbeitgebers und ihrer Familie angewiesen gewesen und habe den Antrag auf eine Kapi
talleistung sowie das Formular «
Ergänzende
Angaben zur Alterspensionierung»
dennoch selbständig ausgefüllt, da sie sich aufgrund der vorgängigen sorgfältigen Besprechung der Rentenoption dabei sicher gefühlt habe. Dabei sei ihr unglücklicherweise ein Fehler unterlaufen und sie habe bei der zweiten Frage bezüglich dem Antrag auf freiwillige finanzie
lle Überbrückung versehentlich «
Nein
»
angekreuzt. Diese Fehl
angabe habe sie aufgrund ihrer Ferienabwesenheit leider erst mit der zweiten Leistungsabrechnung bemerkt, dann aber umgehend reagiert.
3.5
Gemäss einer weiteren Email-Korrespondenz vom 1
8.
Dezember 2019
(
Urk.
11/5 S. 5 f.
)
führte die Tochter der Klägerin aus,
ihre Mutter sei am
1.
September 2019 frühpensioniert worden und habe bezüglich der verschiedenen Optionen gr
osse Unterstützung von Frau B._
und Frau
A._
erhalten. Es schien, als würde die Frühpensionierung einwandfrei vollzogen, bis ihre
r
Mutter bei der zweiten Auszahlung der fehlende Betrag der freiwilligen finanziellen Überbrückung auf
gefallen sei. Sie sei bei der ersten Auszahlung in ihrem Heimatland gewesen und habe mit der Teilkapitalleistung eine kleine Wohnung gekauft, da sie in ferner Zukunft in ihr Heimatland zurückreisen möchte.
Es sei auch
darauf hin
zu
weisen, dass ihre Mutter weder lesen noch s
chr
eiben könne und ihr Vater, der l
esen könne, zu diesem Zeitpunkt schon in seinem Heimatland gewesen sei. Es sei alles genau besprochen worden, für welche Option sich ihre Mutter entschieden habe, nämlich für die
ffÜ
und die Frühpensionierung aufgrund ihrer gesundheitlichen Lage. Auch habe sich ihre Mutter nach all den Gesprächen mit Frau
B._
in Sicherheit
gewiegt
und
das fehlgesetzte Kreuz leider
zu spät
bemerkt.
4.
4.1
Die
von der Beklagten gemäss ihrem Vorsorgereglement
i
m Zusammenhang mit
einer
vorzeitigen Pensionierung
gewährten
Überbrück
un
gsrenten
sind der weiter
gehenden beruflichen Vorsorge zuzuordnen
(vgl. E. 1.2
f. hiervor)
.
Die Modali
täten dieser Leistungen und die
Finanzierung
richten sich somit
ausschliesslich nach dem
Vorsorgereglement
(vgl. Marc
Hürzeler
, Berufliche Vorsorge, Basel 2020
S. 169
Rz
66).
Das Vorsorgereglement der Beklagten sieht diesbezüglich vor, dass das Gesuch
für eine Überbrückungsrente
zusammen mit dem Pensio
nie
rungsantrag vor Beginn der vorzeitigen Pensionierung einzureichen ist (E. 1.4 hiervor).
Eine Möglichkeit zur Beantragung einer Überbrückungsrente nach Ein
tritt des Versicherungsfalls ist im Reglement nicht vorgesehen, was
mit Blick auf das
allgemeine
Versicherungskonzept
,
wonach Leistungen nach Eintritt des Ver
sicherungsfalls grundsätzlich nicht mehr versicherbar sind,
auch einleuchtet
.
Da
bei ist
belegt
, dass die Klägerin im Hinblick auf eine vorzeitige Pensionierung per 3
1.
August 2019
zwar den Antrag Altersleistungen zusammen mit dem Formular «Ergänzende Angaben zur Alterspensionierung durch die versicherte Person auszufüllen» am
4.
Juni 2019
unterschrieben und
ein
gereicht hat
,
sie
aber
darin
die finanzielle Überbrückung bis Alter 64
ausdrücklich verneint
hat
(
Urk.
2/3
S. 2
)
.
Im Weiteren ist u
nbestritten, dass die Beklagte
folglich
die Gesuche
um
Kapi
tal
zahlung von 25
%
und
die
Pensionierung per
1.
September 2019 mit erster monatlicher Zahlung per Ende September 2019 bestätigt und
die
Ausz
ahlungen vorgenommen hat (vgl.
Urk.
11/4).
Beanstandungen
sind
in diesem Zusammen
hang erstmals im November 2019 durch eine Bekannte der Klägerin
erfolgt
und ein schriftliches Gesuch um Ausrichtung von Überbrückungsrente
reichte die Klägerin
darauf
mit Schreiben vom
3.
Dezember 2019
ein
(vgl. E. 3.3
und E. 3.4
).
Das Gesuch
um Ausrichtung einer Überbrückungsrente wurde
folglich
erst nach der Pensionierung und damit verspätet eingereicht, was grundsätzlich auch von der Klägerin
unbestritten blieb
(vgl. Urk.
11/5
)
.
D
ie Beklagte
wies daher
zu Recht darauf hin, d
ass die
Zusprache
der Überbrückungsrente nach Eintritt der Pensio
nierung
den reglementarischen Bestimmungen
widerspreche
,
solche Leistungen im Nachgang einer Pensionierung nicht vorgesehen seien
und
eine Gewährung
gegen
das
Prinzip der Gleichbehandlung der Destinatäre
und den
Gleichbe
hand
lungsgrundsatz
verstossen würde (vgl. E. 1.3).
4.2
Insofern die Klägerin vorbringt, sie habe irrtümlich
im
Antrag die Frage
«
Bean
tragen Sie eine freiwillige finanzielle Überbrückung bis Aller 64
»
verneint und auch den
gewählten
Betrag
nicht
angegeben, sind ihre Ausführungen inkonsi
stent. Denn einerseits
wurde angegeben
, dass
die Klägerin
und ihr Mann das Formular
aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nic
ht
richtig
verstanden hätten
und
die Klägerin
deshalb das Kreuz am falschen Ort gesetzt habe
(vgl.
Urk.
11/6
S. 8
und
Urk.
2/4 unten
).
An anderer Stelle wiederum wurde ausge
führt, dass die Klägerin weder schreiben noch l
esen könne
(vgl.
Urk.
11/5 S.
6). I
n
einer weiteren Version
legte die Klägerin dar, dass sie
zusammen mit
ihre
r
Tochter
den
Antrag
ausgefüllt habe
(
Urk.
1 S. 3 unten)
.
Die
vorgetragene
Argumentation überzeugt
aber
auch nicht
,
weil
in den Akten
mehrfach
festgehalten
ist
, dass die Klägerin
im Zusammenhang mit ihrer vorzeitigen
Pensionierung von verschiedenen
St
elle
n
Hilfe erhalten hat. S
o von ihrem Arbeitgeber,
von
Arbeitskolleginnen und von ihrer Tochter (vgl.
Urk.
11/5 S. 5 f.). Offensichtlich wurde sie denn auch
–
wie an
andere
r
Stelle ausgeführt
-
von fachkundiger Seite intensiv beraten (vgl.
Urk.
11/
5 S. 4),
was sich unter anderem auch
in den verschiedenen Rentenvoraus
b
erech
nung
en
abbildete
, welche die Beklagte auf Ersuchen der Klägerin
vorgenommen
hat
(vgl. E. 3.1).
Dabei erfolgte die letzte aktenkundige Berechnung vom 1
5.
Mai 2019 ohne
Überbrückungsrente
, weshalb der
Klägerin
die zu erwartenden monat
lichen Rentenleistungen klar sein mussten
(
Urk.
11/1).
Damit ist weder e
in Irrtum
der Klägerin naheliegend
noch
ein
überspitzt
formalistisches Vorgehen der Be
klagten erkennbar.
Im Gegenteil sind klare Formvorschriften im Bereich der über
obligatorischen Berufsvorsorge zulässig (Urteil des Bundesg
eric
hts 9C_196/2018 vom 20. Juli 2018 E. 2.4).
Die Klage erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen.
5.
Art.
73
Abs.
2 BVG schliesst einen Anspruch der obsiegenden Versicherungs
trägerin auf eine Prozessentschädigung zwar nicht aus. Indes werden den Trägern der beruflichen Vorsorge gemäss BVG beziehungsweise den mit
öffentlich
recht
lichen
Aufgaben betrauten Organisationen in Anlehnung an die Rechtsprechung zu
Art.
159
Abs.
2 des bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege (Bundesrechtspfle
gegesetz/OG) praxis
ge
mäss keine
Parteientschädigungen zugesprochen. Es besteht kein Grund, bei der Beklagten - trotz ihres entsprechenden Antrages - anders zu verfahren (vgl. BGE 128 V 133 E. 5b, 126 V 150 E. 4a, 118 V 169 E. 7 und 117 V 349 E. 8, mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 125 E. 5b und 320 E. 1a und b sowie 112 V 356 E. 6).
Der unterliegenden Klägerin steht eine Prozessentschädigung ausgangsgemäss nicht zu.