Decision ID: 02284b43-77e1-5815-8448-48a10ae8e491
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
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A./ R. F. (geboren am 15. Juli 1975) ist ledig und lebt zusammen mit seiner
Lebenspartnerin und deren zwei Kindern in einer 4,5 Zimmerwohnung in S. Er ist
unselbständig erwerbstätig.
Im Jahr 2008 wurde er mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 63'500.-- für die
direkte Bundessteuer sowie im Jahr 2009 mit einem steuerbaren Einkommen von
Fr. 60'800.-- für die direkte Bundessteuer veranlagt. Dies führte für die direkte
Bundessteuer zu Steuerbeträgen von Fr. 917.45 für das Jahr 2008 und Fr. 809.85 für
das Jahr 2009.
B./ R. F. stellte am 11. Mai 2010 ein Erlassgesuch für die noch ausstehenden Steuern
der Jahre 2008 und 2009 in der Höhe von Fr. 917.45 resp. Fr. 809.85, also insgesamt
Fr. 1'727.30. Das Kantonale Steueramt lehnte mit Entscheid vom 13. Juli 2010 den
Erlass der direkten Bundessteuer 2008 und 2009 ab. Als Begründung wurde im
Wesentlichen vorgebracht, dass der Steuererlass bestimmungsgemäss dem
Steuerschuldner und nicht seinen Gläubigern zu Gute kommen solle. Die Rückzahlung
der Schulden bei Drittgläubigern dürfe nicht den Forderungen der Steuerbehörden
voran gestellt werden.
C./ Dagegen erhob R. F. mit Eingabe vom 12. August 2010 Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte unter anderem sinngemäss, dass ihm die
noch offenen direkten Bundessteuern der Jahre 2008 und 2009 teilweise zu erlassen
seien. Am 6. September 2010 reichte er das Formular zur Darstellung der
wirtschaftlichen Verhältnisse ein. Die Verwaltungsrekurskommission wies die
Beschwerde mit Entscheid vom 25. August 2011 ab. Als Begründung wurde im
Wesentlichen vorgebracht, dass bei einer Überschuldung ein Steuererlass nur in Frage
komme, wenn sämtliche Gläubiger in gleichem Mass wie die Steuerbehörden auf ihre
Forderung verzichten würden. Vorliegend seien Bemühungen für eine gleichmässige
Befriedigung aller Gläubiger im Rahmen einer Gesamtsanierung nicht nachgewiesen.
Ein Steuererlass würde nur den privaten Gläubigern von R. F. zu Gute kommen.
D./ Mit Eingabe vom 29. September 2011 erhebt R. F. Beschwerde beim
Verwaltungsgericht und beantragt sinngemäss die Aufhebung des Entscheids der
Verwaltungsrekurskommission vom 31. August 2011 und eine neue Beurteilung eines
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(Teil-)Erlasses der direkten Bundessteuer 2008 und 2009 sowie die Erarbeitung einer
Stundungsvereinbarung. Als Begründung wird im Wesentlichen vorgebracht, dass ein
beträchtlicher Teil seiner Gesamtschuld durch grosszügiges Entgegenkommen der
Gläubiger reduziert worden sei. Es gehe ihm nicht darum, nicht Steuern bezahlen zu
wollen oder Drittgläubiger zu bevorteilen, sondern vielmehr darum, eine seit Jahren
missliche Lage zu bereinigen.
Die Verwaltungsrekurskommission liess sich mit Eingabe vom 21. Oktober 2011 zur
Beschwerde vernehmen und beantragt deren Abweisung. Das Kantonale Steueramt
beantragt in seiner Vernehmlassung vom 14. November 2011 ebenfalls die Abweisung.
Die Eidgenössische Steuerverwaltung wurde mit Schreiben vom 24. Oktober 2011 zur
Vernehmlassung eingeladen, diese verzichtete aber mangels fristgerechter Einreichung
einer Stellungnahme auf eine Vernehmlassung. R. F. nimmt mit Eingabe vom
30. November 2011 Stellung zu den Vernehmlassungen und beantragt, den
dargestellten Sachverhalt neu zu beurteilen und sinngemäss eine öffentliche
Verhandlung.
Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird –
soweit erforderlich – in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Sinngemäss beantragt der Beschwerdeführer in der Eingabe vom 30. November
2011 eine mündliche Verhandlung. Unabhängig von der Frage, ob ein solcher Antrag
bereits in der Beschwerdeschrift vom 29. September 2011 hätte erfolgen müssen, ist
zu beachten, dass sich aus Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention
(SR 0.101) kein Anspruch auf eine mündliche Verhandlung für Beschwerdeverfahren in
Steuersachen ergibt (Richner/ Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG,
2. Aufl., Zürich 2009, N 10 zu Art. 142 DBG). Umstritten ist hingegen, ob sich ein
solcher Anspruch aus Art. 30 Abs. 3 der Bundesverfassung (SR 101) ergibt, der den
sachlichen Geltungsbereich gemäss seinem Wortlaut nicht auf bestimmte
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Rechtsgebiete beschränkt (vgl. als Überblick G. Steinmann, in: Ehrenzeller/
Mastronardi/Schweizer/Vallender [Hrsg.], St. Galler Kommentar zur BV, 2. Aufl., Zürich/
St. Gallen 2008, N 34 zu Art. 30; sowie G. Biaggini, Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft, Kommentar, Zürich 2007, N 17 zu Art. 30). Zu
beachten ist aber, dass Art. 30 Abs. 3 BV lediglich garantiert, dass, wenn eine
Verhandlung stattfindet, diese öffentlich sein muss, sofern das Gesetz keine Ausnahme
vorsieht (U. Cavelti, in: Zweifel/Athanas, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer
[DBG], Art. 83-222, 2. Aufl., Basel 2008, N 3a zu Art. 142 mit Hinweis). Der
Beschwerdeführer konnte seinen Gehörsanspruch durch seine schriftlichen Eingaben
vor der Vorinstanz und vor dem Verwaltungsgericht wahren. Dem Begehren um
Durchführung einer öffentlichen Verhandlung wird daher nicht stattgegeben.
3. Der Beschwerdeführer reichte zusammen mit seiner Eingabe vom 29. September
2011 eine Vereinbarung zur Schuldentilgung vom 6./25. Juli 2011 zwischen ihm, der
xxx-bank und A. K. ein. Der Beschwerdegegner und die Vorinstanz machen dagegen
geltend, der Beschwerdeführer hätte diese Vereinbarung bereits im Verfahren vor der
Vorinstanz einreichen müssen, was er unterlassen habe. Der Beschwerdeführer bringt
dagegen vor, dass er diese Vereinbarung am 6. Juli 2011 unterschrieben habe und die
xxx-bank ihrerseits am 25. Juli 2011. A. K. habe seine Unterschrift erst Ende August
und ohne Angabe eines Datums geleistet. Er selbst habe die unterzeichneten
Vertragsdoppel erst am 7. September 2011 erhalten.
Die Vorinstanz hatte keine Kenntnis von dieser Vereinbarung und konnte sie demnach
nicht berücksichtigen. Es liegt daher ein unechtes Novum vor, auch wenn der
Beschwerdeführer die unterzeichneten Vertragsdoppel erst am 7. September 2011,
also nach dem Entscheid der Vorinstanz, erhalten hat. Massgebend ist, dass er bereits
vor dem angefochtenen Entscheid den Inhalt der Vereinbarung kannte und er sowie die
xxx-bank diese Vereinbarung bereits unterzeichnet hatten. Dies hat zur Folge, dass ihm
anzulasten ist, dass er seine tatsächlichen Vorbringen bereits vor der Vorinstanz hätte
geltend machen können. Auch wenn unechte Noven grundsätzlich im
Beschwerdeverfahren vorgebracht und gewürdigt werden dürfen, befreit dies den
Beschwerdeführer nicht davon, Rechtsbegehren zu stellen und diese in tatsächlicher
Hinsicht zu begründen (vgl. VerwGE B 2011/8 vom 18. Oktober 2011 E. 2.3, abrufbar
unter www.gerichte.sg.ch). Der Beschwerdeführer hätte spätestens seit seiner
http://www.gerichte.sg.ch/
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Unterschrift am 6. Juli 2011 der Vorinstanz die Existenz einer Vereinbarung zur
Schuldentilgung mitteilen und beantragen müssen, dass mit dem Entscheid bis zum
Erhalt der Vertragsdoppel abgewartet werden solle.
Zu berücksichtigen ist aber, dass das Novenverbot von Art. 61 Abs. 3 VRP in
steuerrechtlichen Beschwerdeverfahren nicht gilt, da das Verwaltungsgericht gemäss
Art. 145 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 143 Abs. 1 DBG nicht an die Anträge der
Beschwerdeführer gebunden ist. Vorliegend kommt hinzu, dass zwar primär die
wirtschaftlichen Verhältnisse des Steuerpflichtigen im Zeitpunkt des Entscheides durch
die Steuerbezugsbehörde massgebend sind, aber auch die Entwicklung seit der
Veranlagung, auf die sich das Erlassbegehren bezieht, sowie die Aussichten für die
Zukunft zu berücksichtigen sind (Art. 3 Abs. 1 der Verordnung des Eidgenössischen
Finanzdepartements über die Behandlung von Erlassgesuchen für die direkte
Bundessteuer, SR 642.121, abgekürzt Steuererlassverordnung; BVGer A-3663/2007
vom 11. Juni 2009 E. 2.8.1 mit Hinweis). Dies spricht ebenfalls dafür, tatsächliche
Änderungen im Beschwerdeverfahren noch zu berücksichtigen.
Aus dem Gesagten folgt daher, dass die im Beschwerdeverfahren vorgebrachten
neuen tatsächlichen Ausführungen und Aktenstücke in die Entscheidfindung
einzubeziehen sind.
4. Der Beschwerdeführer verlangt einen (Teil-)Erlass seiner direkten Bundessteuer 2008
und 2009. Der Steuererlass beinhaltet einen Verzicht des steuerberechtigten
Gemeinwesens auf einen rechtskräftig gewordenen Steueranspruch (BVGer
A-3663/2007 vom 11. Juni 2009 E. 2.2; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 1 zu
Art. 167).
4.1. Gemäss Art. 167 Abs. 1 DBG bedingt der (Teil-)Erlass der direkten Bundessteuer,
dass für den Steuerpflichtigen infolge einer Notlage die Bezahlung der Steuern, der
Zinsen, der Bussen oder Kosten eine grosse Härte bedeutet. Subjektiv wird demnach
das Vorliegen einer Notlage und einer grossen Härte vorausgesetzt. Dazu ist
erforderlich, dass die Begleichung der vollen Steuerforderung zu einer Gefährdung der
wirtschaftlichen Existenz des Steuerpflichtigen führen und für diesen ein Opfer
bedeuten würde, das in einem vom Gesetz nicht voraussehbaren Missverhältnis zu
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seiner Leistungsfähigkeit stünde und ihm daher billigerweise nicht zugemutet werden
kann (Art. 9 Abs. 1 der Steuererlassverordnung; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O.,
N 20 zu Art. 167; Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st. gallische
Steuerrecht, Muri-Bern 1999, S. 411). Objektiv wird sodann vorausgesetzt, dass die
Veranlagung abgeschlossen ist und eine rechtskräftig festgesetzte Steuer vorliegt, die
noch nicht bezahlt ist.
4.2. Bei der Prüfung, ob eine Notlage oder ein Härtefall vorliegt, werden auch die
Ursachen einer Prüfung unterzogen, die dazu geführt haben. Vorliegend ist
unbestritten, dass das Begehren des Beschwerdeführers um (Teil-)Erlass der Steuern
Folge seiner Überschuldung ist.
4.2.1. Aufgrund von Art. 10 der Steuererlassverordnung ist bei einer Überschuldung
des Steuerpflichtigen hinsichtlich der Voraussetzungen für einen Steuererlass zu
differenzieren. Soweit die Überschuldung Folge von ausserordentlichen Aufwendungen
ist, die in den persönlichen Verhältnissen begründet sind und für die der
Steuerpflichtige einzustehen hat, liegt eine den Steuererlass rechtfertigende Ursache
vor. Bei einer Überschuldung infolge geschäftlicher Misserfolge,
Bürgschaftsverpflichtungen, hoher Grundpfandschulden, Kleinkreditschulden aufgrund
überhöhten Lebensstandards etc. kommt hingegen ein Steuererlass nur in Frage, wenn
neben dem Gemeinwesen auch die übrigen Gläubiger im selben prozentualen Umfang
auf ihre Forderungen verzichten (vgl. auch BVGer A-3663/2007 vom 11. Juni 2009
E. 2.6.2).
Diese Voraussetzungen für einen Steuererlass infolge einer Überschuldung, die nicht
auf ausserordentlichen Aufwendungen aufgrund der persönlichen Verhältnisse beruht,
sind in der Lehre und Rechtsprechung auch ausserhalb der direkten Bundessteuer
anerkannt. Ein Steuererlass ist in solchen Fällen stets nur in demselben prozentualen
Umfang möglich, in dem andere Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten. Andernfalls
profitieren primär die übrigen Gläubiger, die beim Zugriff auf das pfändbare
Einkommen und Vermögen einen Konkurrenten verlieren würden. Der Steuererlass soll
hingegen der Sanierung der Finanzen des Steuerpflichtigen dienen und nicht seinen
Gläubigern zu Gute kommen (BGer 2P.307/2004 vom 9. Dezember 2004, E. 3.2; SGE
2009 Nr. 21; Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 411).
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4.2.2. Aus dem Gesagten folgt daher, dass bei einer Notlage infolge Überschuldung,
die nicht Folge von ausserordentlichen Aufwendungen aufgrund der persönlichen
Verhältnisse ist, ein Erlass der Steuerschuld zugunsten anderer Gläubiger als dem
Steuergläubiger ausgeschlossen ist. In einem solchen Fall wird eine Opfersymmetrie
verlangt. Ob dies auch gilt, wenn allenfalls Gläubiger bevorzugt werden, die über eine
privilegierte Forderung im Sinne von Art. 219 Abs. 4 des Bundesgesetzes über
Schuldbetreibung und Konkurs (SR 281.1, abgekürzt SchKG) verfügen, kann
vorliegend mangels Vorliegen solcher Forderungen offen bleiben.
4.3. Wie bereits erwähnt, ist der Beschwerdeführer offensichtlich überschuldet.
Gemäss den vom Beschwerdeführer eingereichten Akten anerkannte er aufgrund der
Vereinbarung zwischen ihm, A. K. und der xxx-bank insgesamt eine Forderung von
Fr. 750'000.--, während das Gerichtsurteil vom 21. April 2008 auf
Schadenersatzansprüche in der Höhe von Fr. 484'000.-- lautete. Zudem muss er einen
Kleinkredit bei der C. AG im Betrag von Fr. 10'000.--, bei dem per 31. August 2010
noch Fr. 6'196.40 offen waren, sowie Kreditkartenrechnungen bei der U. AG in der
Höhe von Fr. 1'850.45 (per 31. August 2010) durch ratenweise Abzahlung begleichen.
Sodann bestanden per 31. August 2010 noch zwei Darlehen, eines in der Höhe von
Fr. 17'000.-- zu Gunsten von C. M. und eines im Betrag von Fr. 15'000.-- zu Gunsten
von P. H. Alle Darlehen und anderweitigen Schulden weisen unterschiedliche
Rückzahlungsmodalitäten resp. Ratenzahlung in unterschiedlichen zeitlichen
Abständen auf.
Die Notlage des Beschwerdeführers beruht damit offensichtlich auf einer
selbstverschuldeten Überschuldung, da er wegen Veruntreuung, Betrugs, ungetreuer
Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung gerichtlich zur Leistung von
Schadenersatz in der Höhe von Fr. 484'000.-- verurteilt worden ist und weitere
Schadenersatzforderungen auf der Verletzung des Arbeitsvertrags und des privaten
Vermögensverwaltungsauftrags beruhen. Die restlichen Schulden setzen sich sodann
aus Lebenshaltungs- und Luxusausgaben (Kreditkartenrechnungen) und aus
Umschichtungen der Schuldverhältnisse zusammen. Der Beschwerdeführer bestreitet
das Vorliegen einer selbstverschuldeten Überschuldung nicht, sondern beantragt
sinngemäss einen Teilerlass nach den Grundsätzen des Steuererlasses bei
selbstverschuldeter Überschuldung.
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4.3.1. Nach der Ansicht der Vorinstanz sind vorliegend die Voraussetzungen für einen
Steuererlass infolge Überschuldung nicht gegeben, da sich der Beschwerdeführer
bereits in einer wirtschaftlich schwierigen Lage befinde, die durch den Steuererlass
nicht entscheidend zu verbessern sei. Die langfristige und dauernde Sanierung der
wirtschaftlichen Situation als grundlegendes Ziel eines Steuererlasses könne deswegen
nicht erreicht werden. Durch den Steuererlass würden höchstens Dritte begünstigt, da
ihre Chance auf Bezahlung der Forderungen steigen würde.
4.3.2. Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, dass er im Gleichschritt mit dem
Erlassgesuch Anstrengungen für eine Gesamtsanierung an die Hand genommen und in
den letzten Monaten einen beträchtlichen Teil seiner Gesamtschuld durch
grosszügiges Entgegenkommen der Gläubiger reduziert habe. So sei eine
Vereinbarung zur Tilgung der Schadenersatzansprüche (rund Fr. 800'000.--)
unterzeichnet worden. Darin werde der Betrag der Schadenansprüche auf insgesamt
CHF 240'000.-- fixiert und damit um über 50 Prozent reduziert. Auch die privaten
Gläubiger P. H. und C. M. hätten einem Erlass von 50 Prozent der offenen Schuld per
31. Dezember 2010 zugestimmt. Die Schuldsumme betrage daher per dato Fr. 7'500.--
je Gläubiger. Durch einen Teilerlass der Steuern 2008 und 2009 könne sein
Haushaltsbudget wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.
4.3.3. Die Angaben des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner Verschuldung erweisen
sich als widersprüchlich. In den Eingaben an die Vorinstanz vom 12. August 2010 und
6. September 2010 sowie in seiner Schuldenaufstellung per 31. August 2010 bezifferte
er die anstehenden Schadenersatzansprüche aus dem laufenden Strafverfahren auf
rund Fr. 500'000.--, während er in der Beschwerdeschrift an das Verwaltungsgericht
einen Betrag von Fr. 800'000.-- nennt. Aus der Vereinbarung vom 6./25. Juli 2011
ergibt sich ein anerkannter Betrag von Fr. 750'000.--. Der Beschwerdeführer erklärt
diese unterschiedlichen Angaben über die Schuldenhöhe damit, dass bei den
Gesprächen zur Vereinbarung der Schuldtilgung seitens beider Gläubiger eine neue,
bis dahin in diesem Ausmass unbekannte Aufstellung der Schulden gemacht worden
sei. Damit ist aber zugleich auch ausgesagt, dass das in der Aufstellung per 31. August
2010 angegebene Gerichtsurteil nicht sämtliche Schadenersatzansprüche aufzählte,
sondern dass diese teilweise auf der fraglichen Vereinbarung vom 6./25. Juli 2011
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beruhen. Seit dem Erlassgesuch an den Beschwerdegegner haben sich damit die
Schulden des Beschwerdeführers sogar noch weiter erhöht.
4.3.4. Vorliegend ist insbesondere zu berücksichtigen, dass der Schuldverzicht
aufgrund der Vereinbarung zwischen dem Beschwerdeführer, der xxx-bank und A. K.
nicht definitiv ist. Der Schuldverzicht entfällt gemäss Ziff. 2.3 dieser Vereinbarung,
wenn der Beschwerdeführer seine periodischen Zahlungen (12 Jahre à Fr. 20'000.--)
nach erfolgter Verzugsanzeige nicht innert 60 Tagen leistet. Im Falle der Nichtleistung
einer Rate in der genannten Frist wird die gesamte Restschuld von ursprünglich
Fr. 750'000.-- fällig, und es ist ab Fälligkeit ein Verzugszins von 5 Prozent geschuldet.
Folglich liegt kein definitiver und endgültiger Verzicht auf einen Teil der Forderung vor.
Daran ändert auch die in Ziff. 4 der Vereinbarung vorgesehene Änderungsmöglichkeit
der Höhe der jährlichen Rückzahlungsleistungen, falls sich die finanziellen Verhältnisse
des Beschwerdeführers unverschuldet erheblich verschlechtern, nichts. Ein
Steuererlass im Rahmen einer Gesamtsanierung ist aufgrund des Grundsatzes der
Opfersymmetrie nur zulässig, wenn die Gläubiger unwiderruflich auf einen Teil ihrer
Forderungen verzichten.
4.3.5. Zudem ist zu beachten, dass für den angeblichen Gläubigerverzicht von P. H.
und C. M. Aktenstücke fehlen, die den Erlass von 50 Prozent der Schuld belegen
würden. Weiter legt der Beschwerdeführer weder dar, noch macht er geltend, dass
auch die Gläubiger "C. AG" und "U. AG" auf einen Teil ihrer Forderungen verzichtet
hätten resp. dass keine Schulden mehr bei diesen Gläubigern bestehen würden. Dies
ist insbesondere unter dem Aspekt zu betrachten, dass der Beschwerdeführer in der
Vergangenheit immer wieder Schulden bei der U. AG hatte, wie auch die
Steuererklärung aus dem Jahr 2009 aufzeigt. Es ist daher nicht erstellt, dass sämtliche
Gläubiger zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen verzichtet haben.
4.3.6. In der Eingabe vom 30. November 2011 macht der Beschwerdeführer
sinngemäss geltend, dass ein Steuererlass trotz Überschuldung gemäss konstanter
Praxis zulässig sei, wenn die Mehrheit der übrigen Gläubiger der dritten Klasse gemäss
Art. 219 SchKG, die zugleich mindestens zwei Drittel des Gesamtbetrags der
Forderungen vertreten, oder ein Viertel der Gläubiger, die aber mindestens drei Viertel
des Gesamtbetrags der Forderungen vertreten, einem Nachlassvertrag zustimmen
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würden (Art. 305 SchKG). Der Beschwerdeführer hat aber vorliegend höchstens einen
aussergerichtlichen Nachlassvertrag abgeschlossen, der auf rein privaten
Rechtsgeschäften und auf keiner gerichtlichen Mitwirkung beruht (Amonn/Walther,
Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 8. Aufl., Bern 2008, § 53 N 5),
und zwar nicht mit sämtlichen Gläubigern. Der aussergerichtliche Nachlassvertrag
umfasst nicht sämtliche übrigen Gläubiger, sondern lediglich diejenigen, die dem
Nachlassvertrag zugestimmt haben (Amonn/Walther, a.a.O., § 53 N 6). Bei
aussergerichtlichen Nachlassverträgen ist daher zu beachten, dass ein Steuererlass in
der Regel nur gewährt wird, wenn sich die anderen, nicht privilegierten Gläubiger am
Nachlassvertrag mit einheitlicher Dividende beteiligen (Weidmann/ Grossmann/Zigerlig,
a.a.O., S. 411), d.h. wenn jeder Gläubiger auf den gleichen prozentualen Anteil an
seiner ursprünglichen Forderung verzichtet. Gemäss Art. 15 der
Steuererlassverordnung muss dafür die Mehrheit der übrigen gleichrangigen Gläubiger
diesem aussergerichtlichen Nachlassvertrag zustimmen, die mindestens die Hälfte der
gesamten Forderungen der 3. Klasse (Art. 219 SchKG) besitzen (M. Beusch, in: Zweifel/
Athanas, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], Art. 83-222, 2. Aufl.,
Basel 2008, N 22 zu Art. 167). Dies stimmt mit der Praxis überein, wonach die
Möglichkeit eines Steuererlasses trotz Überschuldung besteht, sofern die übrigen
Gläubiger im gleichen Masse wie die Steuerbehörden auf ihre Forderung verzichten. In
einem solchen Fall kann kein Gläubiger vom Verzicht der anderen profitieren und der
Steuererlass trägt zur Sanierung der Finanzen des Steuerpflichtigen bei (BGE 2P.
307/2004 vom 9. Dezember 2004, E. 3.2).
Vorliegend besteht kein einheitlicher aussergerichtlicher Nachlassvertrag mit
sämtlichen Gläubigern, dem die Mehrheit der Gläubiger, die mindestens die Hälfte
sämtlicher Forderungen besitzen, zugestimmt hat. Die vom Beschwerdeführer
eingereichte Vereinbarung vom 6./25. Juli 2011 bezieht sich nur auf die Forderungen
der xxx-bank und von A. K.. Hinzu kommt, dass unterschiedliche prozentuale Verzichte
auf Forderungen existieren. So verzichten A. K. und die xxx-bank – wenn auch nicht
unwiderruflich – auf rund 68 Prozent ihrer ursprünglichen Forderung, während P. H.
und C. M. angeblich in einer separaten Abmachung einem Erlass von je der Hälfte ihrer
Forderungen zugestimmt haben. Es liegt somit kein gemeinsamer aussergerichtlicher
Nachlassvertrag mit einem einheitlichen prozentualen Verzicht auf einen Teil der
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Forderungen vor. Aufgrund des Gesagten ist daher auch ein Steuererlass aufgrund
eines angeblich vorliegenden aussergerichtlichen Nachlassvertrags abzulehnen.
4.4. Sodann verlangt der Beschwerdeführer in der Eingabe vom 29. September 2011
eine Ausarbeitung einer Stundung der Steuerbeträge mit dem Beschwerdegegner, um
sein Haushaltsbudget wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Er legt indessen nicht dar,
inwiefern sich die finanziellen Verhältnisse seit Erlass der Veranlagungsverfügungen der
direkten Bundessteuer 2008 und 2009 verschlechtert haben und inwiefern die
eingetretene Notsituation nur von vorübergehender Natur ist (Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, a.a.O., N 5 zu Art. 166). Ob ein Stundungsgesuch betreffend direkte
Bundessteuer aufgrund von Art. 29a BV einer gerichtlichen Überprüfung zugänglich
sein müsste (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/ Meuter, a.a.O., N 14 zu Art. 166), kann
vorliegend offen bleiben. Der Entscheid über eine Stundung fällt nämlich in die
Kompetenz der Bezugsbehörde (Art. 166 Abs. 1 DBG) und das Verwaltungsgericht
könnte höchstens – wenn überhaupt – eine Rechtskontrolle über einen
Stundungsentscheid vornehmen. Aus diesen Gründen ist auf das Gesuch um
Stundung nicht einzutreten.
5. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass dem Beschwerdeführer aufgrund des
anerkannten Grundsatzes der Opfersymmetrie zuzumuten ist, dass er seinen
Zahlungspflichten gegenüber dem Fiskus im gleichen Umfang wie gegenüber privaten
Gläubigern nachkommt. Da vorliegend nicht sämtliche Gläubiger oder die Mehrheit der
Gläubiger in einem gemeinsamen Nachlassvertrag unwiderruflich und im selben
prozentualen Umfang auf ihre Forderungen verzichtet haben, ist ein Teilerlass der
direkten Bundessteuer 2008 und 2009 nicht möglich, da andernfalls nicht der
Beschwerdeführer, sondern einzelne Gläubiger bevorzugt würden.
6. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 145 Abs. 2 in
Verbindung mit Art. 144 Abs. 1 DBG). Bei der Bemessung wird berücksichtigt, dass
sich im parallelen Verfahren B 2011/202 betreffend Staats- und Gemeindesteuern 2008
und 2009 die gleichen Sach- und Rechtsfragen stellen. Eine Entscheidgebühr von Fr.
500.-- ist für das vorliegende Verfahren angemessen (Art. 145 Abs. 2 in Verbindung mit
Art. 144 Abs. 5 DBG und Art. 7 Ziff. 222 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie
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wird mit dem Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'000.-- verrechnet. Die restlichen
Fr. 500.-- des Kostenvorschusses werden mit den Kosten des Verfahrens B 2011/202
verrechnet.
(...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht