Decision ID: 854d2697-81bd-4614-8ca4-001291071ecf
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958, meldete sich am
1.
November 2012 (Ein
gangsdatum) unter Hinweis auf Arthritis und Schmerzen
,
insbesondere in den Füssen, bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/3).
Nach medizinischen und erwerblichen Abklärun
gen,
insbesondere der Einholung des
Abklärungsberichtes für
Selbständigerwer
bende
vom 2
0.
August 2013 (
Urk.
8/18) sowie durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Vorbescheid vom 2
2.
Oktober 2013,
Urk.
8/20; Einwand vom 1
9.
November 2013,
Urk.
8/31) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
0.
September 2014 (
Urk.
2) einen Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 1
3.
Oktober 2014 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, die Verfügung vom 1
0.
September 2014 sei aufzuheben und es sei ihr eine halbe IV-Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz mit der Auflage zurückzuweisen, einen aktuellen ärztlichen Bericht zu verfassen oder in Auftrag zu geben. Mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
No
-
vember
2014 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung
der Beschwerde
(
Urk.
7 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
8/1-42).
Am 2
6.
Januar 2015 replizierte die Beschwerdeführerin und hielt vollumfänglich an den Anträgen fest (
Urk.
11). Die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 1
1.
Februar 2015
(
Urk.
15)
ebenfalls an ihren Ausführungen fest
, was der Beschwerdeführerin am 2
6.
Februar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
16)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
In der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
hielt die Beschwerdegegnerin
anfäng
lich
dafür, dass die Beschwerdeführerin seit dem 2
7.
April 2012 teilweise erheb
lich in ihrer Erwerbsfähigkeit eingeschränkt sei. Das Blumengeschäft der Beschwerdeführerin sei trotz der Erkrankung im Aufschwung und ein effektives
Valideneinkommen
lasse sich demnach nicht aus den Buchhaltungsabschlüssen errechnen. Gestützt auf das ausserordentliche Bemessungsverfahren resultiere ein Invaliditätsgrad von 22
%
.
Nach Prüfung des Einwandes
sei allerdings fest
zuhalten
, dass sich das Geschäft im Aufbau befinde und die Beschwerdeführerin nur zu 50
%
anwesend sei, so dass dies nicht erfolgreich geführt werden könne. Im Sinne der Schadenminderungspflicht sei es ihr zumutbar, die selbständige
Tätigkeit aufzugeben und die restliche Arbeitsfähigkeit behinderungsangepasst zu verwerten. Aufgrund der medizinischen Beurteilung sei ihr eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne längerem, ununterbrochenen Stehen und Gehen, ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg unter Berücksichti
gung des vermehrten Pausenbedarfs zu 80
%
zumutbar. Das
Invalideneinkom
men
sei demnach gestützt auf die Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik
(LSE)
zu ermitteln, so dass beim Einkommensvergleich ein
rentenaus
schliessender
Invaliditätsgrad von 38
%
resultiere.
1.2
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber
in der Beschwerde (
Urk.
1)
im Wesentlichen vor, dass weitere medizinische Unterlagen hätten eingeholt wer
den müssen, da die Krankheit in Schüben auftrete und sich langsam steigernd entwickeln könne und keine aktuellen Unterlagen vorgelegen hätten.
Erst nach Abklärung der Beeinträchtigung aus medizinischer Sicht könne im ausseror
dentlichen Bemessungsverfahren die erwerbliche Gewichtung der ohne und mit Gesundheitsschaden
ausübbaren
Tätigkeit ermittelt werden (
Urk.
1 S. 4 f.).
Si
e
habe mittlerweile das 5
6.
Altersjahr vollendet und sei keine gelernte Floris
tin, was bei der Bemessung des Invalideneinkommens zu berücksichtigen sei. Auch sei ihr
in einer leidensangepassten Tätigkeit
kein 80%-Pensum zumutbar, dieses sei aufgrund der Abklärungen in ihrem Bereich als
Selbständigerwer
bende
ermittelt worden. Eine aktuelle Abklärung der Zumutbarkeit für ange
passte Tätigkeiten sei nicht erfolgt. Aufgrund der ärztlichen Atteste von
Dr.
Y._
sei davon auszugehen, dass die Arbeitsunfähigkeit seit dem
1.
Dezember 2012 b
ei 50
%
liege. Die Beschwerdeführerin befinde sich bei
Dr.
med.
Z._
, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, in Behandlung, welche sie ab dem 2
5.
Oktober 2013 bis zum heutigen Tag 40
%
arbeitsunfähig geschrieben habe. Es könne damit davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin in einer behinderungsangepassten, körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit zu 60
%
arbeitsfähig sei. Gestützt auf einen Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 53.51
%
(
Urk.
1 S. 5 f
f
.).
1.3
In der Beschwerdeantwort vom 1
7.
November 2014 (
Urk.
7) konstatierte die Beschwerdegegnerin, dass die Beschwerdeführerin gemäss IK-Auszügen gröss
tenteils Einkommen von weniger als
Fr.
10‘000.-- pro Jahr abgerechnet habe. Demnach sei auch nicht geltend zu machen, das fortgeschrittene Alter der im Verfügungszeitpunkt 56-jährigen Beschwerdeführerin sei bei einer beruflichen Umstellung bei der Berechnung des Invalideneinkommens zusätzlich zu berücksichtigen. Hingegen sei bezüglich des viel zu hoch veranschlagten
Vali
deneinkommens
zu bemerken, dass sich keine Anhaltspunkte ergäben, dass
mit
der Übernahme des Blumengeschäftes im Jahr 2009 im Gesundheitsfalle und künftig ein Erwerbseinkommen in dieser Höhe
hätte
erzielt werden
können
, nachdem gemäss Abklärungsbericht bereits mit der vorher seit dem Jahr 2007 ausgeübten selbständigen Erwerbstätigkeit kein existenzsicherndes Einkommen erzielt worden sei. Auch sei der
Weiterbestand des Blumenladens aufgrund der Gesamtrenovierung der Liegenschaft ungewiss, weshalb sich frage, ob über
haupt ein Gesundheitsschaden für die niedrigen Erwerbseinkünfte herangezogen werden könne oder ob hierfür immer schon andere invaliditätsfremde Gründe verantwortlich gewesen seien.
1.4
Die Beschwerdeführerin replizierte, dass die Ausführungen der
Beschwerdegegne
rin
,
das Invalideneinkommen (richtig:
Valideneinkommen
) sei viel zu hoch veranschlagt worden, als
venire
contra
factum
proprium
nicht zu hören sei. Das Invalideneinkommen (
richtig:
Valideneinkommen
) sei richtig betrachtet im Vergleich zu den tatsächlichen Buchhaltungszahlen zu ihrem Ein
kommen nicht inadäquat hoch. Allein die AHV-abgerechneten
Einkommens
zahlen
seien natürlich nicht relevant, da die Beschwerdeführerin aus ihrer pri
vaten Taggeldversicherung den Lohnausfall habe kompensieren müssen und können. Auch sei die Zukunft des Zentrums nicht ungewiss, sondern das Blu
mengeschäft werde durch die Umleitung des
Hauptpassantenstroms
sogar noch aufgewertet (
Urk.
11).
1.5
Mit Duplik vom 1
1.
Februar 2015 (
Urk.
15) führte die Beschwerdegegnerin aus, es sei aus dem IK-Auszug ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin seit 1987 nie ein Einkommen von mehr als
Fr.
15‘000.-- erzielt habe.
Aufgrund der
Unsicher
heit
der Auswirkungen
des Umbaus des Zentrums sei es zumutbar, die selbstän
dige, bis anhin kaum existenzsichernde Tätigkeit zu Gunsten einer besser
ent
löhnten
Angestelltentätigkeit aufzugeben.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder
Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Der Einkommensvergleich hat auch bei
Selbständigerwerbenden
in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen zif
fernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu verglei
chen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuver
lässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige ein Betätigungsvergleich anzustellen und der
Invalidi
tätsgrad
nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen. Der grundsätzliche Unterschied des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zur spezifischen Methode (
Art.
28a
Abs.
2 IVG) besteht darin, dass die Invalidität nicht unmittelbar nach Massgabe des Betätigungsvergleichs als solchen bemes
sen wird. Vielmehr ist zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die
leidens
bedingte
Behinderung festzustellen; sodann ist aber diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschrän
kung im funktionellen Leistungsvermögen einer erwerbstätigen Person kann zwar, muss aber nicht notwendigerweise eine Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge haben. Wollte man bei Erwerbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis des Betätigungsvergleichs abstellen, so wäre der gesetzliche Grundsatz verletzt, wonach bei dieser Kategorie von Versicherten die Invalidität
nach Massgabe der Erwerbsunfähigkeit zu bestimmen ist (ausserordentliches Bemessungsverfahren; BGE 128 V 29 E. 1; AHI 1998 S. 120 E. 1a und S. 252
E.
2b je mit Hinweisen). Die ausserordentliche Bemessungsmethode des erwerblich gewichteten Betätigungsvergleichs unterscheidet sich von der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs
Unselbständigerwerbender
gerade dadurch, dass bei der Einkommensermittlung nicht auf die
LSE
abgestellt wird, sondern deren Festsetzung unter Berücksichtigung der einzelfallbezogenen Kriterien (Betriebsgrösse, Branche, Erfahrung des Betriebsinhabers usw.) zu erfolgen hat (Urteil des Bundesgerichts I 707/06 vom 9. Juli 2007 E. 3.3.1 mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kann die Aufnahme einer unselbständigen Erwerbstätig
keit als zumutbar erscheinen, wenn davon eine bessere erwerbliche Verwertung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann und der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände (Alter, Aktivitätsdauer, Ausbildung, Art der bisherigen Tätigkeit, persönliche Lebensumstände) als zumutbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
2.4
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
von selbständig erwerbstätig gewese
nen Personen, das der Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG zugrunde zu legen ist, sollten in erster Linie die aus dem Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) ersichtlichen Löhne herangezogen werden. Weist das bis Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den wäh
rend einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteil des Bundesgerichts 8C_626/2011 vom 29. März 2012 E. 3, E. 4.1 f.).
Bei selbständig Erwerbenden wird namentlich dann nicht auf das zuletzt erzielte Einkommen abgestellt, wenn aufgrund der Umstände mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass der Versicherte im Gesundheitsfall seine nicht einträgliche selbständige Tätigkeit aufgegeben und eine besser
ent
löhnte
andere Tätigkeit angenommen hätte, oder dann, wenn die vor der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeübte selbständige Tätigkeit wegen ihrer kur
zen Dauer keine genügende Grundlage für die Bestimmung des
Validenein
kommens
darstellt, zumal in den ersten Jahren nach Aufnahme der selbständi
gen Erwerbstätigkeit üblicherweise aus verschiedenen Gründen (hohe
Abschrei
bungsquote
auf Neuinvestitionen usw.) die Betriebsgewinne gering sind. Wenn sich hingegen der Versicherte, auch als seine Arbeitsfähigkeit noch nicht beein
trächtigt war, über mehrere Jahre hinweg mit einem bescheidenen Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit begnügt hat, ist dieses für die Festlegung des
Valideneinkommens
massgebend, selbst wenn besser
entlöhnte
Erwerbsmög
lichkeiten bestanden hätten. Das Bundesgericht hat denn auch eine Paralleli
sierung der Einkommen bei selbständig Erwerbenden in der Regel abgelehnt (Urteil des Bundesgerichts 8C_626/2011 vom 2
9.
März 2012 E. 4.4 mit Hinwei
sen auf
BGE 135 V 58
E. 3.4.6-7).
2.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
2.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
3.
Die
medizinische Aktenlage präsentiert sich wie folgt:
3.1
Die Beschwerdeführerin war vom 1
2.
bis zum 1
9.
Mai 2012 im Spital
A._
hospitalisiert
(Austrittsbericht vom 2
4.
Mai 2012,
Urk.
8/14)
. Die behan
delnden Ärzte notierten folgende Diagnosen (
Urk.
8/14 S. 15 ff.):
Lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
MRI Lendenwirbelsäule (LWS) 1
4.
Mai 2012: degenerative Veränderun
gen,
Neuroforamen
L5 beidseits eingeengt, keine
Spon
dylodiszitis
Pneumonie Unterlappen links mit Begleiterguss
Sono
vom 1
6.
Mai 2012: kleine
Pleuraergüsse
beidseits
Ciprofloxacin
5.
-
1
2.
Mai 2012;
Tazob
ac
1
2.
-
1
8.
Mai 2012,
Carithro
mycin
seit 1
6.
Mai 2012
Aktivierte
Periarthropathia
Humeroscapularis
Calcarea
rechts
s
ubakromiale
Infiltration
6.
Mai 2012 (
B._
)
Kolitis des Colon
descendens
Transaminaseerhöhung
Uveitis
anterior
rechts
Die notfallmässige Zuweisung via Sanität sei aufgrund einer
Schmerzexacerba
tion
bei lumbalen Schmerzen erfolgt. Die Beschwerdeführerin klage seit ca. einer Woche über zunehmende lumbale Schmerzen und Schmerzen im Bereich der rechten Schulter. Es sei bereits eine Vorstellung in der rheumatologischen Ambulanz am
B._
erfolgt, wo bei Verdacht auf
Frozen
Shoulder
rechts eine
subacromiale
Infiltration mit
Kenacort
durchgeführt worden sei. Die
Schulter
schmerzen
seien daraufhin
regredient
gewesen. Zudem sei eine konventionelle radiologische Bildgebung der Wirbelsäule erfolgt, welche
Wirbelkörperzwi
schenraumminderungen
zwischen LWK 4 und 5 sowie eine
Facettengelenks
arthrose
LWK 4 und SWK 1 gezeigt habe. Eine symptomatische Therapie mit NSAID,
Tramal
und
Novalgin
sei etabliert worden, worunter sich die Schmerzen nicht gebessert hätten. Darüber hinaus sei die Beschwerdeführerin noch bis zum
4.
Mai aufgrund einer Kolitis im Colon
descendens
auf der chirurgischen Abteilung im Spital
A._
hospitalisiert gewesen (
Urk.
8/14 S. 17).
3.2
Dr.
Z._
hielt in ihrem Arztbericht vom 2
7.
Juni 2012 folgende Diagnosen fest (
Urk.
8/7 S. 17 f.):
Spondyloarthritis
mit peripherem Gelenkbefall, Daktylitis, Erstdiagnose
(ED)
Juni 2012
ANA, ANCA negativ (05/2012)
Synovitiden
der MTP-G
elenke II, II rechts und der
Daumengrundge
lenke
, Daktylitis II Fuss links
Thorakolumbovertebrales
Syndrom von entzündlichem
Schmerzcharak
ter
, ED 05/2012
Uveitis
anterior
rechts
Colitis
, ED 05/2012
PHS
tendinopathica
calcarea
vom SSP-Typ rechts, ED 2011
s
ubacromiale
Infiltration mit
Triamcinolon
6.
Mai 2012 (
B._
)
Anlässlich der kl
inischen Untersuchung fand
Dr.
Z._
im Vergleich zur Unter
suchung
eine Woche zuvor
am 2
0.
Juni 2012
regrediente
Synovitiden
der MCP-Gelenke I beider Hände. Die
Synovitiden
der MTP-Gelenke II, III rechts und die Daktylitis II des linken Fusses seien ebenfalls deutlich rückläufig. Es bestehe ein diskreter endphasiger Flexionsschmerz beider Kniegelenke. Die MRI-Untersuchung der Brustwirbelsäule (BWS), der Lendenwirbelsäule (LWS) und des
Sakroiliakalgelenkes
(SIG) vom 2
5.
Juni 2012 zeige keine eindeutigen Hin
weise für entzündlich bedingte Veränderungen. Zusammengefasst liege eine Spondylarthritis mit peripherem Gelenkbefall sowie einer Daktylitis vor.
Diffe
rentialdiagnostisch
sei eine
Colitis
assoziierte Spondylarthritis nicht ausge
schlossen. Nächste Woche sei eine diagnostische
Kolonoskopie
(inklusive einer histologischen Untersuchung) vorgesehen.
3.3
Dr.
med.
Y._
, FMH Innere Medizin, hielt
im
von der
Beschwerde
gegnerin
eingeholten Arztbericht vom
7.
Januar 2013 (Eingangsdatum,
Urk.
8/14 S.
5
ff.) folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit fest:
Seronegative
Spondylarthropathie
mit/bei
p
eriphere
m
Gelenksbefall, Daktylitis
e
ntzündliche
m
thorakolumbale
m
Syndrom ohne e
n
t
zündliche Verände
rungen im MR
Status nach
anteriorer
Uveitis
rechts
Die Beschwerdeführerin leide unter belastungsabhängigen Schmerzen vor allem in den Füssen mit Nachtschmerzen und Morgensteifigkeit bis zu zwei Stunden. Die Finger seien aktuell beschwerdefrei, bei längerem Stehen habe sie
belas
tungsabhängige
Schmerzen im Rücken, allerdings ohne Nachtschmerz. Aktuell seien keine
Synovitiden
palpabel. Sie leide an einer
Druckdolenz
an den
Fuss
wurzelgelenken
, links mehr als rechts. Das
Gänsle
n
zei
chen
an den Füssen sei schwach und d
ie Beweglichkeit der Wirbelsäule sei global kaum eingeschränkt.
Aufgrund der Gelenksschmerzen sei sie vermindert belastbar. Als
Dekorationsge
stalterin
bzw. Inhaberin des Blumengeschäfts attestierte
Dr.
Y._
folgende Arbeitsunfähigkeiten:
100
%
vom 2
7.
April bis zum 1
1.
Juni 2012
75
%
vom 1
2.
Juni bis zum 1
6.
Juli 2012
50
%
vom 1
7.
Juli bis zum
6.
September 2012
100
%
vom
7.
September bis zum 2
1.
September 2012
50
%
vom 2
2.
September bis zum 3
0.
September 2012
25
%
vom
1.
Oktober bis zum 3
0.
November 2012
50
%
seit dem
1.
Dezember 2012
4.
Vorliegend
kann offen bleiben, ob das Invalideneinkommen gestützt auf den
erwerblich gewichteten Betätigung
svergleich, bzw. gestützt auf die Annahme der Weiterführung des Blumenladens, oder ausgehend von einer unselbständi
gen Erwerbstätigkeit zu ermitteln ist
, da die medizinische Aktenlage
keine Beurteilung allfälliger
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zulässt
:
4.
1
Im
zuhanden der
Innova
Versicherungen erstellten Arztbericht vom 1
4.
August 2012 führte
Dr.
Y._
aus, dass die Beschwerdeführerin als selbständig Erwerbende im Blumenfachgeschäft die anstehenden Arbeiten in reduziertem Pensum ausführen könne. Schwere körperliche Arbeiten, wie auch nur das kurzzeitige Heben von Lasten seien aktuell und bis auf weiteres nicht zumutbar. Solange unklar sei, wie die Beschwerdeführerin auf die rheumatologische
Basistherapie reagiere, werde die Arbeitsunfähigkeit bei 50
%
belassen (
Urk.
8/7 S. 15 f.). In seinem Bericht vom
7.
Januar 2013 attestierte
Dr.
Y._
der Beschwerdeführerin
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit als Dekorationsgestalterin, bzw. Inhaberin des Blumengeschäftes (
Urk.
8/14 S. 7). Er äusserte sich
aller
dings
in beiden Berichten
weder
zu
r Arbeitsfähigkeit in
den einzelnen Aufga
benberei
chen b
zw. deren Anforderungsprofilen
entsprechend dem
Betätigungs
vergleich
noch zu
einem allfällige
n allgemeinen Belastungsprofil
für eine ange
passte Tätigkeit
, so dass dies
e
keine ausreichende medizinische
Beurt
eilungs
grundlage
bilden
.
Des Weiteren ist i
n Bezug auf Berichte von behandelnden Arztpersonen auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
4.2
Aus
der
im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten
Bestätigung der Arbeitsunfähigkeit durch
Dr.
Y._
bzw.
Dr.
Z._
geht lediglich hervor, dass sie der Beschwerdeführerin ab dem 1
2.
Dezember 2012 bis zum 2
4.
Oktober 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
und ab dem
2
5.
Oktober 2013 eine Arbeitsunfähigkeit
von 40
%
attestieren (
Urk.
3). Befunde, eine Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit oder konkrete Einschränkungen werden keine angeführt.
4.3
Auch d
ie weiteren vorliegenden Arztberichte
der behandelnden Arztpersonen
nehmen weder eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
in der angestammten oder einer angepassten Tätigkeit
vor, noch äussern sie sich zu allfälligen Ein
schränkungen
(vgl.
E. 3.1 und 3.2;
Urk.
8/7 S. 7 ff.;
Urk.
8/14 S. 13 f.;
Urk.
8/23;
Urk.
8/24;
Urk.
8/25;
Urk.
8/26;
Urk.
8/27;
Urk.
8/
28;
Urk.
8/29;
Urk.
8/30
).
4.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Rheumatolo
gie, Hämatologie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
beschrieb
das Belastungsprofil
in seiner St
ellungnahme vom 2
4.
April 2014 gestützt auf eine reine Aktenbeurteilung folgendermassen (
Urk.
9/19 S. 3): „Körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne längerem ununterbrochenem (> 20 Minuten) Stehen, Gehen, Heben und Tragen. Vermehrter Pausenbedarf.
Gewichtslimite
10 kg.“ In einer dem Belastungsprofil angepassten Tätigkeit sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Arbeitsunfähigkeit von 20
%
seit April 2012 aus
zugehen.
Das Ausmass der Einschränkungen in der Tätigkeit als
Selbständiger
werbende
sei
allerdings
durch den Abklärungsdienst zu erheben (
Urk.
9/19).
Eine Aktenbeurteilung des RAD hat sich grundsätzlich auf beweiskräftige
Arztbe
richte
abzustützen. Soweit ein RAD-Arzt wie hier nicht selber medizini
sche Befunde erhebt, sondern die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht
würdigt, müssen die Akten für die streitigen Belange beweistaugliche Unterla
gen enthalten. Ist dies nicht der Fall, kann die RAD-Stellungnahme in der Regel keine abschliessende Beurteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weiterge
henden Abklärungen Anlass geben (Urteil des Bundesgericht 9C_58/2011 vom 2
5.
März 2011 E. 3.3 mit Hinweisen). Wie bereits gezeigt, äussern sich die vor
liegenden Arztberichte nicht zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
oder abschliessend zu den
konkreten Einschränkungen.
Auch die erhobenen Befunde wurden durch die behandelnden Arztpersonen nur oberflächlich dar
gestellt, so dass gestützt darauf keine abschliessende Aktenbeurteilung der Arbeitsunfähigkeit durch einen RAD-Arzt möglich ist.
4.5
Eine ärztliche Einschätzung, inwieweit die Beschwerdeführerin in den einzelnen Teilbereichen ein
geschränkt ist, liegt
demnach
nicht vor.
D
ie Annahme im Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende
, dass
die Beschwerdeführerin
in zwei Teilbereichen
zu
je
50
%
eingeschränkt sei,
ist
in medizinischer Hinsicht
entsprechend
nicht nachvollziehbar.
D
as gestützt auf den erwerblich gewichte
ten Betätigungsvergleich festgesetzte Invalideneinkommen
kann somit
nicht zur Ermittlung des Invaliditätsgrades herangezogen werden.
In Bezug auf eine angepasste Tätigkeit bleiben s
owohl das Belastungsprofil als auch das zumutbare Pensum
in medizinischer Hinsicht unklar, so dass auch das
Invalideneinkommen, welches gestützt auf das durch
Dr.
C._
angegebene Belastungsprofil und Pensum sowie die LSE festgesetzt wurde, nicht zur Ermittlung des Invaliditätsgrades herangezogen werden kann.
4.
6
Nach dem Gesagten lässt sich die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gestützt auf die vorliegenden Arztberichte in der angestammten Tätigkeit als allenfalls auch in einer angepassten Tätigkeit
nicht schlüssig beurteilen. Die Sache ist demnach an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (E
.
2.6
), damit sie
den m
edizinischen Sachverhalt
rechts
genüglich
selber abklärt od
er gut
achterlich abklären lässt
und
anschliessend
über einen allfälligen
Leistungsan
spruch
entscheidet. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die
Verwal-tung
zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (B
GE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter
Berücksichti-gung
der Bedeutung der Streitsache und der Schw
ierigkeit des Prozesses auf
Fr. 2‘0
00.-- (inklusive
Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.