Decision ID: 5fcf6cd0-c3c9-5161-9363-1a4ad36c7074
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Invalidenrente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: der Versicherte) war seit 1. Januar 2004 bei der B._ als
Bauarbeiter angestellt und dadurch obligatorisch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von Unfällen
versichert, als er am 10. Dezember 2004 einen Fehltritt auf ein Vierkanteisen machte
und ihn eine Eisenstange am "Thorax rechts (Rippen, Brustkorb)" traf (Suva-act. 1). Der
erstbehandelnde Arzt Dr. med. C._ attestierte dem Versicherten vom 10. bis
24. Dezember 2004 eine volle Arbeitsunfähigkeit. Ab 17. Mai 2005 legte der Versicherte
aufgrund zunehmender Schmerzen die Arbeit nieder und machte einen Rückfall
geltend. Dr. C._ bestätigte eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit bis 20. Mai 2005. Die
danach bestehende 50%-ige Arbeitsfähigkeit könne am Arbeitsplatz nicht verwertet/
realisiert werden. Am 16. Juni 2005 wurde eine Arthro-MRI der rechten Schulter
durchgeführt und dabei eine erhebliche Rotatorenmanschetten-Läsion festgestellt
(Suva-act. 12). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht (Suva-act. 13, 15, 19).
A.b Bei der ambulanten Untersuchung vom 14. Juli 2005 wurden im Kantonsspital
St. Gallen (KSSG) die Diagnosen einer ausgedehnten Rotatorenmanschetten-Ruptur
der rechten Schulter (Supraspinatus- und Subscapularissehne) sowie einer AC-
Gelenksarthrose gestellt (Suva-act. 20). Am 19. August 2005 wurden eine Arthroskopie
der rechten Schulter sowie eine offene Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion rechts
durchgeführt, danach wurde seitens des KSSG bis 9. Oktober 2005 eine volle
Arbeitsunfähigkeit attestiert (Suva-act. 21ff.).
A.c Das Arbeitsverhältnis des Versicherten wurde gemäss Schreiben des Arbeitgebers
vom 16. November 2005 in gegenseitigem Einvernehmen auf den 31. Dezember 2005
aufgelöst (Suva-act. 29, 30, 32). Der Versicherte akzeptierte dies nicht, da mit
Einstelltagen seitens der Arbeitslosenkasse zu rechnen war (Suva-act. 34, 37).
A.d Im Februar 2006 wurde ein Cervico-Brachialgie-Syndrom festgestellt (Suva-
act. 48). Vom 10. April bis 24. Mai 2006 wurde ein stationärer Rehabilitationsaufenthalt
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in der Rehaklinik Bellikon durchgeführt (Suva-act. 62). Dabei erhärtete sich aufgrund
von konventionellen radiologischen Aufnahmen und einer Skelettszintigrafie der
Verdacht auf ein Complex Regional Pain Syndrome (CRPS; Suva-act. 63). Am
7. September 2006 wurde eine Frozen shoulder rechts diagnostiziert und eine 50%-ige
Arbeitsfähigkeit ab 6. September 2006 attestiert (Suva-act. 75). Im Bericht über die
kreisärztliche Untersuchung vom 1. Dezember 2006 ging Dr. med. D._, Facharzt
FMH für Chirurgie, speziell Allgemein- und Unfallchirurgie, von einer Arbeitsunfähigkeit
für körperlich schwere Tätigkeiten im angestammten Beruf als Bauarbeiter aus (Suva-
act. 89).
A.e Mit Verfügung vom 17. Januar 2007 (Suva-act. 94) teilte die Suva dem
Versicherten mit, dass entsprechend der kreisärztlichen Untersuchungsergebnisse eine
Rückkehr in den Betrieb bei körperlich belastender Tätigkeit kaum mehr realistisch und
deshalb eine sofortige Kündigung möglich sei. Im allgemeinen Arbeitsmarkt sei von
einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Das Arbeitsverhältnis bei der B._ GmbH
wurde daraufhin am 25. Januar 2007 mit zweimonatiger Kündigungsfrist auf den
31. März 2007 gekündigt (Suva-act. 97).
B.
B.a Die gegen die Verfügung vom 17. Januar 2007 erhobene Einsprache vom
16. Februar 2007 (Suva-act. 98) wurde gutgeheissen und die angefochtene Verfügung
mit Schreiben vom 5. April 2007 (Suva-act. 102) wieder zurückgezogen; es wurde
weiterhin ein Taggeld für eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit ausgerichtet.
B.b Mit Verfügung vom 11. April 2008 (Suva-act. 174) sprach die Suva dem
Versicherten ab 1. Dezember 2007 eine Invalidenrente von Fr. 570.05, gründend auf
einen Invaliditätsgrad von 13%, sowie eine Integritätsentschädigung von Fr. 13'350.--,
gründend auf einer Integritätseinbusse von 12,5%, zu.
C.
Die dagegen erhobene Einsprache vom 14. Mai 2008 (Suva-act. 175) wurde mit
Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2008 abgewiesen (Suva-act. 183).
D.
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D.a Mit Beschwerde vom 5. November 2008 und Beschwerdebegründung vom
1. Dezember 2008 liess der Versicherte die Aufhebung des Einspracheentscheids vom
3. Oktober 2008 sowie die Zusprache einer Invalidenrente, basierend auf einem
Erwerbsunfähigkeitsgrad von mindestens 57%, und einer Integritätsentschädigung,
basierend auf einer Integritätseinbusse von mindestens 20%, beantragen (Suva-
act. 185). Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, zusätzlich
medizinische Abklärungen hinsichtlich des Leistungsfähigkeitsgrads des
Beschwerdeführers in Auftrag zu geben. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
D.b Mit Schreiben vom 13. März 2009 hob die Suva den angefochtenen
Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2008 auf und nahm die Sache ins
Verwaltungsverfahren zurück, weshalb der Prozess UV 2008/121 mit
einzelrichterlichem Entscheid vom 6. April 2009 abgeschrieben werden konnte (Suva-
act. 186).
D.c Es wurde eine orthopädische und neurologische Begutachtung des Versicherten
bei der Klinik E._ in die Wege geleitet, die das Gutachten am 18. August 2010 und
am 2. September 2010 erstellte (Suva-act. 187ff.; 210, 217). Die Suva-internen Ärzte
empfahlen, nicht auf dieses Gutachten abzustellen (Suva-act. 222, 228, 230), weshalb
eine Oberbegutachtung bei Dr. med. F._ veranlasst wurde (Suva-act. 232f.),
D.d Gestützt auf das orthopädische Gutachten vom 16. Februar 2012 von Dr. F._
(Suva-act. 262) schloss die Suva mit Verfügung vom 29. Mai 2012, dass weder ein
Anspruch auf die seit 1. Dezember 2007 entrichteten Rentenleistungen von
Fr. 30'233.50, noch auf die Integritätsentschädigung von Fr. 13'350.-- bestanden habe,
diese Beträge zu Unrecht ausgerichtet worden seien und nun zurückgefordert würden
(Suva-act. 266).
E.
Die dagegen erhobene Einsprache vom 29. Juni 2012 (Suva-act. 270) wurde mit
Einspracheentscheid vom 10. Oktober 2012 (act. G 1.1; Suva-act. 273) abgewiesen.
F.
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F.a Mit Beschwerde vom 12. November 2012 (act. G 1) liess der Versicherte durch
Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, St. Gallen, die Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 10. Oktober 2012 sowie die Zusprache einer Invalidenrente
ab 1. Juni 2012, gründend auf einem Invaliditätsgrad von 13%, beantragen.
Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, eine psychiatrische und
neurologische Oberbegutachtung in Auftrag zu geben. Subeventualiter sei
festzustellen, dass die Voraussetzungen für eine Rückforderung der ausgerichteten
Versicherungsleistungen nicht erfüllt seien. Dem Beschwerdeführer sei für das
vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung liess der Beschwerdeführer
insbesondere vorbringen, die Beschwerdegegnerin sei ihrer Verpflichtung, nebst dem
orthopädischen Obergutachten ebenfalls ein neurologisches Gutachten in Auftrag zu
geben, nicht nachgekommen. In Bezug auf das Vorliegen eines CRPS seien weitere
Abklärungen durch einen Neurologen unumgänglich. Der orthopädische Gutachter
habe aus der von ihm festgestellten erheblichen Symptomausweitung gefolgert, dass
ein psychiatrisches Gutachten anzuordnen sei. Die Beschwerdegegnerin habe auf die
Einholung eines solchen Gutachtens verzichtet, obwohl der Beschwerdeführer nach
wie vor auf eine Therapie angewiesen sei und trotz offensichtlicher
Kooperationsbereitschaft noch immer an erheblichen psychischen Beschwerden leide,
die ihm eine Reintegration in den Arbeitsprozess bisher verunmöglichten. Da die
Voraussetzungen zur Bejahung der adäquaten Kausalität gegeben seien, werde am
Antrag auf Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens festgehalten. Selbst wenn die
Voraussetzungen zur Einstellung der Rentenleistungen gegeben wären, wäre eine
Rückforderung der bezogenen Leistungen unstatthaft, da aus dem Gutachten nicht
hervorgehe, ab welchem Zeitpunkt wieder eine Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe. Der
Beschwerdeführer habe die Leistungen klarerweise in gutem Glauben empfangen und
sei bedürftig, so dass eine Rückerstattung der Leistungen für ihn eine grosse Härte
bedeuten würde.
F.b Mit Beschwerdeantwort vom 13. Dezember 2012 (act. G 5) schloss die
Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf
die Erwägungen des angefochtenen Einspracheentscheids und führte im Wesentlichen
an, die Oberexpertise von Dr. F._ erläutere nachvollziehbar und schlüssig, dass sich
ein CRPS röntgenologisch nicht habe objektivieren lassen und die massgebenden
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Kriterien nicht erfüllt seien. Zum gleichen Ergebnis gelangten auch Dr. med. G._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, und Dr. med. H._, Fachärztin für
Neurologie FMH und Psychiatrie. Selbst wenn man vom Bestand eines CRPS
ausginge, stände dem Beschwerdeführer die beantragte Rente nicht zu, da dieses in
einem natürlichen Kausalzusammenhang zur Supraspinatusläsion bzw. zu deren
operativen Versorgung stehe. Diese seien aber ihrerseits nicht kausale Folge des
Unfalls vom 10. Dezember 2004. Das Gutachten von Dr. F._ geniesse volle
Beweiskraft. Zu den psychischen Problemen des Beschwerdeführers erübrigten sich
beweismässige Weiterungen, da der adäquate Kausalzusammenhang fehle. Die
Rückerstattungspflicht der zurückgeforderten Leistungen sei gegeben, da diese vom
Beschwerdeführer mangels Unfallkausalität des Schulterschadens zu Unrecht bezogen
worden seien. Ob die Voraussetzungen für einen Erlass der Rückerstattung erfüllt
seien, sei nicht im Rahmen des vorliegenden Prozesses zu entscheiden. Rein
vorsorglich werde bezüglich gutem Glauben bemerkt, dass der Einspracheentscheid im
Rahmen eines hängigen Gerichtsprozesses wiedererwägungsweise aufgehoben
worden sei und mangels abschliessender medizinischer Abklärung keine rechtskräftige
Verfügung vorgelegen habe, weshalb der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer mit
einer abschlägigen Verfügung habe rechnen müssen.
F.c Mit Replik vom 30. Januar 2013 (act. G 8) hielt der Beschwerdeführer an seinem
bisherigen Standpunkt fest.
F.d Nach unbenutztem Ablauf der Frist zur Einreichung einer Duplik wurde der
Schriftenwechsel am 12. April 2013 abgeschlossen (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Anspruch des Beschwerdeführers
auf eine Invalidenrente. Die Verneinung des Anspruchs auf Integritätsentschädigung
blieb insofern unangefochten, als sich der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
diesbezüglich weder in der Einsprache vom 29. Juni 2012 (vgl. Suva-act. 270) noch in
der Beschwerde vom 12. November 2012 (vgl. act. G 1) äusserte und sowohl in den
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jeweiligen Anträgen als auch in den Begründungen ausschliesslich die verfügte
Rentenaufhebung thematisierte. Die Integritätsentschädigung wird im
Beschwerdeverfahren lediglich in Zusammenhang mit der verfügten Rückforderung
erwähnt. Darauf ist indessen vorliegend nicht einzugehen. Ob die Voraussetzungen für
einen Erlass der Rückforderung gegeben sind, lässt sich erst nach Rechtskraft der
vorliegend streitigen Angelegenheit entscheiden und ist entsprechend nicht
Prozessgegenstand dieses Verfahrens, weshalb auf den entsprechenden
Eventualantrag nicht einzutreten ist.
2.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht
demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem
versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra Rumo-Jungo,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53ff.). Während es
Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu
beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage nach dem adäquaten
Kausalzusammenhang zu beantworten (Rumo-Jungo, a.a.O., S. 55, 58; BGE 125 V
456; 123 III 110; 112 V 30). Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im
Sinn von nachweisbaren strukturellen Veränderungen spielt die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung
des Unfallversicherers praktisch keine Rolle (vgl. BGE 117 V 359, E. 5d/bb, unten, mit
Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; 118 V 286, E. 3a). Sind dagegen die
Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, bewirkt die Bejahung der natürlichen
Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung des adäquaten
Kausalzusammenhangs. In diesen Fällen ist eine eigenständige Adäquanzbeurteilung
nach der Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133, E. 6c/aa vorzunehmen.
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2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351, E. 3a mit
Hinweis). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen
Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den
Prozess ohne Weiterungen – insbesondere ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens
– abschliessen (RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 E. 1a).
3.
3.1 Ein rechtskräftiger Entscheid über den Anspruch auf Rentenleistungen und eine
Integritätsentschädigung liegt bislang nicht vor; insbesondere erwuchs die Verfügung
vom 11. April 2008 (Suva-act. 174) nie in Rechtskraft, da dagegen Einsprache (Suva-
act. 175), und gegen den Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2008 (Suva-act. 183)
Beschwerde erhoben wurden (Suva-act. 185) und die Beschwerdegegnerin die Sache
anschliessend zur Vornahme weiterer Abklärungen in das Verwaltungsverfahren
zurückgenommen hatte (Suva-act. 186). Daher erfolgten die bisherigen
Rentenzahlungen sowie die Leistung der Integritätsentschädigung auf vorläufiger
Basis.
3.2 Mit Verfügung vom 29. Mai 2012 (Suva-act. 266) bzw. Einspracheentscheid vom
10. Oktober 2012 (act. G 1.1, Suva-act. 273) verneinte die Beschwerdegegnerin
gestützt auf das Gutachten von Dr. F._ vom 16. Februar 2012 (Suva-act. 262) einen
natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 10. Dezember
2004 und der Supraspinatusruptur. Auch der Beschwerdeführer ist der Ansicht, dass
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dieses Gutachten als einziges die Voraussetzungen, die an ein Gutachten gestellt
werden, erfülle (vgl. act. G 1 S. 10f.). Angesichts der vorliegenden Aktenlage und auch
von Seiten der Parteien ergibt sich hieraus, dass das neurologisch-orthopädische
Gutachten von Dr. med. I._, Leiter Gutachtenzentrum, Facharzt Neurologie und
Neurochirurgie, Rehabilitationswesen, Klinik E._, und Dr. med. J._, Orthopäde
FMH, den beweismässigen Anforderungen an ein Gutachten nicht genügt und
entsprechend nicht verwertbar ist. Dass die Beschwerdegegnerin unter diesen
Umständen zur Einholung eines Ober-Gutachtens befugt war, steht ausser Frage (vgl.
SVR 2007 UV Nr. 33 S. 111, wonach die Einholung einer second opinion nur bei
Vorliegen eines den inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen genügenden
ärztlichen Expertise nicht erlaubt ist).
3.3 Der vom Beschwerdeführer anfänglich beschriebene Unfallmechanismus umfasste
einen Fehltritt auf einem Vierkanteisen, welches ihn am Thorax rechts (Rippen,
Brustkorb) traf (Suva-act. 1). An dieser Sachverhaltsdarstellung änderte sich auch bei
der Rückfallmeldung durch die Arbeitgeberin am 18. Mai 2005 noch nichts (Suva-
act. 2). Erst bei seiner Vorsprache am Schalter am 30. Mai 2005 erwähnte der
Beschwerdeführer erstmals eine Beteiligung des Rückens und des Schulterblatts
(Suva-act. 3). Auch seitens des Hausarztes Dr. med. C._ wurde dies erstmals im
Arztzeugnis vom 27. Mai 2005 festgehalten (Suva-act. 7). Bei der kreisärztlichen
Untersuchung vom 8. Juni 2005 (Suva-act. 8) stellte Dr. med. K._ mit Hinweis auf die
(nicht bei den Akten liegende) Thoraxaufnahme vom 13. Dezember 2004 fest, dass die
Markierung des Schmerzpunktes caudal Höhe 10./11. Rippe erfolgt sei. Insgesamt
brachte er grosse Zweifel am Kausalzusammenhang zwischen den als Rückfall geltend
gemachten Beschwerden und dem Unfallereignis vom 10. Dezember 2004 zum
Ausdruck. Eine Mitbeteiligung der Schulter an diesem Ereignis ist aufgrund des
Unfallmechanismus bzw. den Aussagen der ersten Stunde des Beschwerdeführers
somit fraglich. Zweifellos wurde durch das Unfallereignis vom 10. Dezember 2004 eine
Thoraxkontusion verursacht. Demgegenüber fällt die Supraspinatusläsion auch
aufgrund der nachvollziehbaren Begründung von Dr. F._ – wonach dafür eine
degenerative Ursache überwiegend wahrscheinlich erscheine – als Unfallfolge
beweismässig ausser Betracht (vgl. Suva-act. 262 S. 24, 28, 30). Der
Beschwerdeführer rügt in diesem Zusammenhang lediglich, dass in Bezug auf die in
den Raum gestellte Diagnose eines CRPS eine neurologische Begutachtung
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unumgänglich sei und vorliegend unterlassen wurde. Zudem habe Dr. F._ eine
psychiatrische Begutachtung ausdrücklich empfohlen. Dieses sei aufgrund des
Vorliegens einer adäquaten Kausalität ebenfalls noch einzuholen.
3.4
3.4.1 Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Liegt kein solches vor, wird häufig davon ausgegangen, dass der
Schmerz durch eine psychische Komponente unterhalten wird. Darüber hinaus gibt es
aber auch anerkannte unfallkausale Schmerzsyndrome, wie das CRPS bzw. den
Morbus Sudeck, die auftreten, obwohl die Verheilung einer strukturellen Läsion
grundsätzlich günstig verlaufen ist (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie,
Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 695 ff.). Die Diagnose eines CRPS
erfolgt mittlerweile anhand der Budapest-Kriterien, welche aus einer
Konsensuskonferenz im Jahr 2006 resultieren. Typischerweise treten die Beschwerden
innerhalb kurzer Zeit nach einem auslösenden Ereignis – nach der Rechtsprechung
wird für eine Leistungspflicht des Unfallversicherers eine Latenzzeit von sechs bis acht
Wochen vorausgesetzt – auf (vgl. <http://rheumatologie.universimed.com/artikel/
komplexes-regionales-schmerzsyndrom-typ-1-crps-1>, abgerufen am 10. Mai 2013;
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 6. September 2006, U 23/06,
E. 2.3 mit Hinweis).
3.4.2 Ein allenfalls nach der offenen Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion der rechten
Schulter vom 19. August 2005 diagnostiziertes CRPS ist nicht geeignet, einen
natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 10. Dezember 2004 zu
begründen, da ein solcher in Zusammenhang mit der unfallfremden Supraspinatus-
Läsion bzw. deren Folgen steht. Somit können Bestand und Ausmass eines allenfalls
bestehenden CRPS vorliegend offen bleiben. Im Übrigen stellt Dr. H._ in
nachvollziehbarer und glaubwürdiger Weise fest, dass die Diagnose eines CRPS aus
neurologischer Sicht ohnehin nicht zu stellen sei, da sowohl entsprechende Befunde
bei der jetzigen Untersuchung als auch im dargestellten Verlauf unter Anwendung der
international anerkannten Budapest/IASP Kriterien fehlten und Dr. F._ äussert sich
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dahingehend, dass seiner Ansicht nach die Erwähnung eines einzigen, sehr subjektiv
gefärbten klinischen Zeichens (livide Verfärbung der Haut) und eines
Skelettszintigramms, welches die klinische Vermutung nur verdichte, jedoch nicht
bestätige, zur Festlegung einer klaren Diagnose zu dürftig sei. Unter diesen Umständen
durfte die Beschwerdegegnerin auf die Einholung eines neurologischen Gutachtens
verzichten. Ein solches vermöchte auch zum jetzigen Zeitpunkt nichts an dem mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit fehlenden natürlichen Kausalzusammenhang zu
ändern.
3.5
3.5.1 Dr. F._ wies mehrmals auf einen Verdacht auf depressive Entwicklung mit
schwerer somatoformer Schmerzverarbeitungsstörung sowie auf die Entwicklung eines
chronischen Cervikobrachialsyndroms rechts hin und empfahl eine psychiatrische
Begutachtung (Suva-act. 262 S. 24, 30, 33). Ob deren Notwendigkeit vorliegend
tatsächlich gegeben ist, ist davon abhängig, ob auch der kumulativ erforderliche
adäquate Kausalzusammenhang gegeben ist. Die Adäquanzbeurteilung ist dabei
anhand der sogenannten Psycho-Praxis (BGE 115 V 133, E. 6c/aa) vorzunehmen.
3.5.2 Zunächst ist dabei zu prüfen, ob dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die
Entstehung der psychischen Beschwerden zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er
eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für
die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend
vom augenfälligen Geschehensablauf – zwischen banalen bzw. leichten Unfällen
einerseits, schweren Unfällen andererseits und schliesslich dem dazwischen liegenden
mittleren Bereich unterschieden wird. Während der adäquate Kausalzusammenhang in
der Regel bei schweren Unfällen ohne weiteres bejaht und bei leichten Unfällen
verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem
mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es
sind weitere, objektiv fassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in
Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in
eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Dabei müssen rechtsprechungsgemäss (vgl.
BGE 115 V 133 E. 6c; SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31 E. 2; 2001 UV Nr. 8 S. 32 E. 3, je mit
Hinweisen) die weiteren unfallbezogenen Kriterien entweder in gehäufter oder
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auffallender Weise oder ein einziges Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt
sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Als in die Adäquanzbeurteilung
einzubeziehende Kriterien nennt die Rechtsprechung (BGE 115 V 133 E. 6c/aa):
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls,
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, ungewöhnlich
lange Dauer der ärztlichen Behandlung, körperliche Dauerschmerzen, ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, schwieriger
Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen und Grad und Dauer der physisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit. Bei der Beurteilung der Frage, ob diese Kriterien erfüllt
sind, ist die psychisch bedingte Beeinträchtigung auszuklammern und nur der
somatische Anteil zu berücksichtigen.
3.5.3 Den eigenen sachbezüglichen Angaben zufolge erlitt der Beschwerdeführer am
10. Dezember 2004 eine Prellung durch eine 20-30kg schwere Leitschiene, welche
nach einem Fehltritt nach oben vorschnellte und ihn in der Folge im Bereich des Thorax
traf (Suva-act. 1). Dieser Unfall ist mit Blick auf den augenfälligen Geschehensablauf
und Ereignisse mit ähnlich gelagerter Kräfteeinwirkung (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_168/2011 vom 11. Juli 2011 E. 5.1 mit Hinweisen) als mittelschweres Ereignis im
Grenzbereich zu den leichten Fällen einzuordnen. Die adäquate Unfallkausalität des
Gesundheitsschadens kann somit nur bejaht werden, wenn vier der sieben
Adäquanzkriterien erfüllt sind oder eines besonders ausgeprägt vorliegt (Urteil des
Bundesgerichts 8C_46/2011 vom 18. April 2011 E. 5.1).
3.5.4 Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit
des Unfalls sind bestenfalls darin zu erblicken, dass die Leitschiene beim Abstieg vom
Anhänger unerwartet nach oben schnellte. Wenn überhaupt ist das Kriterium jedoch
sicherlich nicht als in besonders ausgeprägter Weise erfüllt zu betrachten.
3.5.5 Eine schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere deren
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, kann bei
einer Thoraxkontusion klarerweise verneint werden. Mangels natürlicher Kausalität
haben bei dieser Beurteilung die die Schulter betreffenden Diagnosen – insbesondere
die Supraspinatusläsion – ausser Acht zu bleiben.
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3.5.6 In Bezug auf die Thoraxkontusion liegen weder eine ungewöhnlich lange Dauer
der ärztlichen Behandlung noch körperliche Dauerschmerzen noch eine ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte, noch ein
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen vor. Als der
Beschwerdeführer im Mai 2005 einen Rückfall mit Beschwerden in der rechten Schulter
geltend machte, waren die Schmerzen im Brustkorb bereits völlig in den Hintergrund
getreten (Suva-act. 8). Da diesbezüglich bereits am 3. Januar 2005 wieder eine volle
Arbeitsfähigkeit bestand, ist auch das Kriterium des Grads und der Dauer der physisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit zu verneinen.
3.5.7 Da damit höchstens ein Kriterium, und dieses in nicht besonders ausgeprägter
Weise erfüllt ist, muss die Adäquanz verneint werden. Entsprechend erübrigen sich
weitere Abklärungen, insbesondere eine psychiatrische Begutachtung des
Beschwerdeführers.
4.
Im Sinn der obigen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ein Anspruch auf Parteientschädigung besteht
für den unterliegenden Beschwerdeführer nicht.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 11.06.2013 Art. 6 Abs. 1 UVG. Natürlicher Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und Supraspinatusruptur verneint. Adäquanz psychischer Beschwerden bei Anwendung der Psycho-Praxis verneint (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Juni 2013, UV 2012/90). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_572/2013.
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2021-09-19T12:38:40+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen