Decision ID: b99c6b92-6741-575a-a040-a4dbd1acc179
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der aus der Türkei stammende Beschwerdeführer (...) Ethnie und seine
ebenfalls türkisch stämmige Ehefrau türkischer Ethnie ersuchten am 9. No-
vember 2018 am Flughafen C._ um Asyl. Mit gleichentags ergan-
gener Zuweisungsverfügung wurde ihnen die Einreise in die Schweiz vor-
läufig verweigert und für die Dauer von maximal 60 Tagen der Transitbe-
reich des Flughafens C._ als Aufenthaltsort zugewiesen. Am 11.
November 2018 erfolgte die summarische Befragung und am 21. Novem-
ber 2018 wurde ihnen die Einreise in die Schweiz zur Durchführung des
Asylverfahrens im Inland gestattet. Die Anhörungen zu den Asylgründen
gemäss Art. 29 AsylG (SR 142.31) erfolgten am 8. Mai 2020 (Beschwerde-
führer) und am 4. Juni 2020 (Beschwerdeführerin).
B.
B.a Der Beschwerdeführer führte aus, er sei bis zur Pensionierung im Jahr
(...) im (...) tätig gewesen. Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er
im Wesentlichen vor, er sei nach der Pensionierung erfolgreich im (...) und
im (...) tätig gewesen, allerdings habe er eines Tages festgestellt, dass von
seinem Schweizer Bankkonto Geld verschwunden sei. Er habe die Firma
(...), mit der er in Geschäftsbeziehung gestanden habe und welche für ihn
das vorerwähnte Konto in der Schweiz eröffnet habe, im Verdacht gehabt,
sein Geld veruntreut zu haben, weshalb er rechtliche Schritte gegen diese
Firma eingeleitet habe. Die Behörden hätten jedoch fehlerhaft gearbeitet,
weshalb das Verfahren immer noch ergebnislos sei. Seitdem er die Firma
angezeigt habe, seien bei ihm zu Hause einige Male anonyme Anrufe ein-
gegangen, wobei jeweils nach ihm gefragt worden sei. Zudem sei er einige
Male von vermummten Personen auf Motorrädern auf der Strasse ange-
halten, verbal provoziert und manchmal auch angerempelt worden. Er
gehe davon aus, dass ihn die unbekannten Bedroher im Auftrag der Firma
(...) verfolgt beziehungsweise diese im Auftrag der Partei (...) gehandelt
hätten. Die Bedrohungen hätten ihn vermutlich an der Einleitung von juris-
tischen Schritten gegen die Firma (...) hindern sollen. Zudem würde ein
pensionierter General, welcher dem (...) D._ nahestehe, für die
Firma (...) arbeiten, woraus ersichtlich sei, dass die Geschäftsaktionen die-
ser Firma letztendlich politisch beeinflusst und gesteuert seien. Kurz vor
der Ausreise im November 2018 sei er via WhatsApp von Unbekannten
gewarnt worden, vorsichtig zu sein, da er gesucht würde. Solche Mitteilun-
gen habe er auch nach seiner Ausreise erhalten. Er gehe davon aus, dass
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diese Mitteilungen im Zusammenhang mit den von ihm erhobenen Anzei-
gen gegen die Firma (...) stünden und von den Behörden selbst kämen.
Nach Erhalt der Drohungen habe er sich nicht mehr sicher gefühlt und sich
deshalb zur Ausreise entschlossen.
B.b Die Beschwerdeführerin stützte sich im Wesentlichen auf die Asyl-
gründe ihres Ehemannes und führte ergänzend aus, die Firma (...), welche
das Geld ihres Ehemannes veruntreut habe, habe selbst darauf verwiesen,
dass ihr ehemaliger (...) die Verantwortung für den Geldverlust trage. Da
dieser zwischenzeitlich verstorben sei, könne er nicht mehr zur Verantwor-
tung gezogen werden. Zeitweise sei sie (die Beschwerdeführerin) als (...)
für die (...) im Einsatz gewesen. Diesbezüglich habe sie keine Probleme
mit den Behörden gehabt. Allerdings hätten sich die Nachbarn von ihr ab-
gewandt, nachdem sie einmal ein Poster des Vorsitzenden der (...) aufge-
hängt habe. Sodann machte sie gesundheitliche Probleme geltend und
führte aus, dass sie unter (...) leide und somit keine (...) nutzen dürfe. Zu-
dem leide sie unter Migräne und habe sich in der Schweiz einer (...) unter-
zogen.
B.c Gemäss Angaben der Beschwerdeführenden in der BzP lebten ihre
beiden volljährigen Kinder zu Studienzwecken seit dem Jahr (...) bezie-
hungsweise (...) in E._. Die Tochter habe (...) beziehungsweise (...)
und der Sohn (...) beziehungsweise (...) studiert. Im Rahmen der Anhörung
erklärten die Beschwerdeführenden, ihre beiden Kinder seien zwischen-
zeitlich in die Türkei zurückgekehrt.
B.d Zum Nachweis ihrer Identität reichten die Beschwerdeführenden zwei
türkische (...), zwei Identitätskarten sowie ein Familienbüchlein im Original
zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 16. März 2021 – eröffnet am 18. März 2021 – stellte die
Vorinstanz fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte deren Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung
aus der Schweiz und deren Vollzug an. Den Beschwerdeführenden wurde
– unter Berücksichtigung der aktuellen COVID-19-Pandemie – eine Aus-
reisefrist bis zum 11. Mai 2021 angesetzt.
D.
Mit Eingabe vom 31. März 2021 erhoben die Beschwerdeführenden beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, wobei sie beantragten, die vorin-
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stanzliche Verfügung sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei anzu-
erkennen und es sei ihnen Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzuläs-
sigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs fest-
zustellen. In prozessualer Hinsicht beantragten sie die Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung, den Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses sowie die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands.
Der Beschwerde lagen fünf fremdsprachige Dokumente sowie eine VHS-
Videokassette bei.
E.
Mit Schreiben vom 1. April 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Beschwerdeführenden den Eingang der Beschwerde.
F.
Am 3. April 2021 reichten die Beschwerdeführenden zwei Fürsorgeabhän-
gigkeitserklärungen (beide datiert vom 1. April 2021, lautend auf
A._ sowie B._) zu den Akten.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 15. April 2021 wurden die Beschwerdeführen-
den aufgefordert, bis zum 30. April 2021 die eingereichten fremdsprachi-
gen Dokumente in eine Amtssprache zu übersetzen sowie die VHS-Video-
kassette auf einen anderen Datenträger zu übertragen und diesen innert
derselben Frist einzureichen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wurde einstweilen verzichtet.
H.
Mit Eingabe vom 26. April 2021 erklärten die Beschwerdeführenden, auf-
grund der ausgewiesenen Bedürftigkeit sei es ihnen nicht möglich, die
Übersetzung der fremdsprachigen Dokumente zu veranlassen. Sie bean-
tragten deshalb eine Übersetzung der Dokumente sowie den Übertrag der
VHS-Kassette auf einen anderen Datenträger von Amtes wegen.
I.
Das Bundeverwaltungsgericht veranlasste am 28. April 2021 die Überset-
zung von vier mit der Beschwerde eingereichten fremdsprachigen Beweis-
mitteln (drei als «Bestätigungsschreiben» und ein als «Reklamation und
Antwort als [...]» bezeichnete Schreiben).
J.
Am 10. Mai 2021 gelangten die Beschwerdeführenden mit zwei weiteren
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Schreiben sowie 23 fremdsprachigen, in die deutsche Sprache übersetzten
Beweismitteln (jeweils in Kopie) ans Bundesverwaltungsgericht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Es entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-
gültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder das
AsylG nichts Anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und Art. 105 ff.
AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel
in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; Art. 21
Abs. 1 VGG). Das Gericht kann – wie vorliegend – auch in solchen Fällen
auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1
AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken.
4.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von
bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen. Die erlittene Verfolgung muss sachlich und zeitlich kausal
für die Ausreise aus dem Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeit-
punkt des Asylentscheids noch aktuell sein. Massgeblich für die Beurtei-
lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entschei-
des, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende
begründete Furcht vor Verfolgung – im Sinne einer Regelvermutung – auf
eine andauernde Gefährdung hinweist. Veränderungen der Situation zwi-
schen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asyl-
suchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 2009/51
E. 4.2.5; 2007/31 E. 5.2 f., je m.w.H.).
Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimatstaat keinen adäquaten Schutz finden
kann, weil dort keine Infrastruktur besteht, die ihr Schutz bieten könnte
(sog. Schutztheorie, vgl. BVGE 2011/51 E. 7, m.w.H.), oder weil der Staat
ihr keinen Schutz gewährt, obwohl er dazu in der Lage wäre (vgl. BVGE
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2011/51 E. 7.1 und E. 7.4 S. 1017 f. m.w.H.). Zudem besteht ein Schutz-
bedürfnis auch dann, wenn die bestehende Schutzinfrastruktur der von
Verfolgung betroffenen Person nicht zugänglich ist oder ihr deren Inan-
spruchnahme aus individuellen Gründen nicht zuzumuten ist. Über das Be-
stehen eines Schutzbedürfnisses ist im Rahmen einer individuellen Einzel-
fallprüfung unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu
befinden, wobei es den Asylbehörden obliegt, die Effektivität des Schutzes
vor Verfolgung im Heimatstaat abzuklären und zu begründen (vgl. BVGE
2011/51 E. 7.4 S. 1018 m.w.H.). Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung im
Heimatstaat ist als ausreichend zu qualifizieren, wenn die betreffende Per-
son effektiv Zugang zu einer funktionierenden und effizienten Schutzinfra-
struktur hat, unabhängig von persönlichen Merkmalen wie Geschlecht oder
Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder religiösen Minderheit, und ihr die
Inanspruchnahme eines solchen innerstaatlichen Schutzsystems individu-
ell zumutbar ist (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.4 sowie statt vieler Urteil des
BVGer E-3772/2020 vom 12. August 2020 E. 4.2).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen der Beschwerdeführenden vermöchten keine flüchtlingsrechtli-
che Relevanz zu entfalten und hielten daher den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
5.1.1 Es stellte dabei fest, dass es sich bei dem geltend gemachten Geld-
verlust im Rahmen einer Transaktion auf dem Börsenmarkt in Zusammen-
arbeit mit einer Privatfirma – unabhängig von der Glaubhaftigkeit dieses
Vorbringens – um ein Problem rein privater Natur handle, welchem es an
einer flüchtlingsrechtlich relevanten Grundlage im Sinne von Art. 3 Abs. 1
AsyIG mangle. Sodann sei festzuhalten, dass die türkischen Behörden ge-
mäss den eingereichten Unterlagen und entgegen der Behauptung der Be-
schwerdeführenden die Anzeigen und Klagen im Zusammenhang mit dem
von ihnen deklarierten Geldverlust bei der Firma (...) sehr wohl entgegen-
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genommen und sich mit diesen auseinandergesetzt hätten. Aus den Doku-
menten gehe zudem hervor, dass die von ihnen gemachten Anzeigen mas-
sgeblich deshalb nicht strafrechtlich hätten weiterverfolgt werden können,
weil die Aktion, welche zum angeführten Geldverlust geführt haben soll,
von einer Person getätigt worden sei, welche zwischenzeitlich verstorben
sei und deshalb nicht mehr belangt werden könne. Ausserdem gehe aus
den Dokumenten der türkischen Strafverfolgungsbehörden hervor, dass
Beweise dafür vorliegen würden, dass die verlustreiche Transaktion an der
Börse zwar von einem Mitarbeitenden der Firma (...) getätigt worden sei,
er diese Aktion jedoch im Auftrag des Beschwerdeführers getätigt habe.
Somit könne den Akten nicht entnommen werden, dass dem geltend ge-
machten Geldverlust eine flüchtlingsrechtlich relevante Motivation im Sinne
des Asylgesetzes zugrunde liegen würde. Auch stelle ein Vermögensdelikt
keine Verfolgungshandlung dar. Insbesondere aber hätten die türkischen
Strafverfolgungsbehörden die von ihnen in diesem Zusammenhang ge-
machte Anzeige entgegengenommen und bearbeitet und seien so ihrer ge-
botenen Bereitschaft zur Aufklärung des Vorfalls nachgekommen. Zwar
habe der Beschwerdeführer behauptet, dass der Umstand, dass er auf
dem Rechtsweg das durch eine Transaktion auf dem Geldmarkt verlorene
Vermögen nicht zurückerhalten habe, einen politischen Hintergrund habe.
Dieser Behauptung könne indessen nicht gefolgt werden, zumal dem SEM
keine Informationen vorliegen würden, welche auf eine Verbindung von be-
stimmten Politikern oder Parteien zur Firma (...) schliessen lassen würden,
also zu derjenigen Firma, von welcher er sich geschädigt wähne. Selbst
wenn jedoch einige Politiker oder Parteien an den Geschäften der erwähn-
ten Firma (...) beteiligt (gewesen) wären, sei nicht ersichtlich, inwiefern die-
ser Umstand für den erwähnten Geldverlust bei dieser Firma bzw. für die
Tatsache, dass der Beschwerdeführer das verlorene Geld auf dem Rechts-
weg nicht zurückerhalten habe, eine politische Motivation aufzeigen sollte.
Zusammenfassend könnten den vorliegenden Akten somit keine konkreten
Hinweise darauf entnommen werden, dass dem geltend gemachten Geld-
verlust eine Motivation gemäss Art. 3 Abs. 1 AsyIG zugrunde liege.
5.1.2 Bezüglich der geltend gemachten, auf der Strasse erfolgten Bedro-
hungen des Beschwerdeführers durch Drittpersonen habe der Beschwer-
deführer angegeben, die behelligenden Personen nicht erkannt zu haben,
da sie Masken getragen und kein Kennzeichen am Motorrad gehabt hät-
ten, indessen nehme er an, dass diese von der Firma (...) ausgesandt wor-
den seien, um ihn einzuschüchtern. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass
seine Vermutung zutreffen könnte, habe er jedoch keine zu liefern ver-
mocht. Sodann habe die Beschwerdeführerin zu den geltend gemachten
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Telefonanrufen durch Unbekannte keine weiteren Angaben machen kön-
nen. Vorliegend stelle sich grundsätzlich die Frage, weshalb es die Verant-
wortlichen der Firma, von welcher sie sich geschädigt wähnten, nötig ge-
habt haben sollten, ihnen zu drohen und sie zu behelligen. Dies angesichts
des Umstandes, dass die türkischen Strafverfolgungsbehörden das ent-
sprechende Verfahren gegen diese Firma eingestellt hätten. Die Begrün-
dung, wonach die unbekannten Urheber der angeführten Behelligungen im
Auftrag der Firma (...), welche Sie geschädigt haben soll, gehandelt haben
sollen, vermöge nicht zu überzeugen.
5.1.3 Überdies vermöchten die Vorbringen der Beschwerdeführenden, wo-
nach bei ihnen zuhause Telefonanrufe von Unbekannten eingegangen
seien und er, der Beschwerdeführer, von Unbekannten auf der Strasse an-
gehalten, verbal belästigt und auch angerempelt worden sei, keine flücht-
lingsrechtliche Relevanz im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zu entfalten. Der
Beschwerdeführer habe keine konkreten Angaben dazu machen können,
von wem er angeblich vor und nach der Ausreise aus der Türkei Warnun-
gen auf dem Handy erhalten haben soll, wonach er gesucht werde. Aus
den eingereichten Unterlagen könnten keine konkreten Hinweise entnom-
men werden, wonach der Beschwerdeführer neben dem geltend gemach-
ten Geldverlust auch die im Asylverfahren angeführten wiederholten Be-
helligungen durch Unbekannte per Telefon beziehungsweise auf der
Strasse bei den zuständigen heimatlichen Behörden zur Anzeige ge-
brachte hätte. Es hätte ihm offen gestanden, diese Vorfälle den Behörden
anzuzeigen und diese um Schutz zu ersuchen, weshalb den heimatlichen
Behörden nicht vorgeworfen werden könne, diese seien ihrer gebotenen
Aufklärungsbereitschaft beziehungsweise -pflicht nicht nachgekommen.
5.1.4 Schliesslich würden sich ihre Aussagen, wonach ihre Kinder durch
den Einfluss von Drittpersonen von F._ in die Türkei zurückgekehrt
seien und nun dort leben und studieren würden, auf blosse Mutmassungen
stützen, weshalb auch diesen Vorbringen keine konkreten Anhaltspunkte
für eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsmotivation zu entnehmen
seien.
5.1.5 Bezüglich des geltend gemachten Einsatzes als (...) sei anzumerken,
dass die Beschwerdeführerin selbst erklärt habe, bis zur Ausreise aus der
Türkei im Jahre 2018 nie Probleme in diesem Kontext mit den heimatlichen
Behörden gehabt zu haben. Der Umstand, dass sich die Nachbarn von ihr
abgewandt haben sollen, nachdem sie ein Poster für die (...) aufgehängt
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habe, stelle sodann ein Problem rein privater Natur dar, welchem keine
flüchtlingsrechtliche Relevanz im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsyIG zukomme.
5.1.6 Die Vorbringen der Beschwerdeführenden erfüllten die Vorausset-
zungen gemäss Art. 3 AsyIG nicht. Auch die zahlreichen Unterlagen ent-
hielten keine weitergehenden konkreten Hinweise darauf, dass die Be-
schwerdeführenden vor der Ausreise aus der Türkei im Jahre 2018 von
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen im Sinne von
Art. 3 des Asylgesetzes betroffen gewesen wären oder bei einer Rückkehr
in den Heimatstaat solche Nachteile zu gewärtigen hätten.
5.2 In der Beschwerdeschrift wird im Wesentlichen geltend gemacht, das
SEM glaube dem Beschwerdeführer nicht, dass er verfolgt werde. Er habe
dem SEM nicht ganz vertrauen und deshalb nicht alle Asylgründe nennen
können. So habe er von (...) bis (...) beim (...) gearbeitet. Gemeinsam mit
dem damaligen (...) habe er gegen (...) gekämpft. Auch deshalb sei klar,
dass ihm «sehr hohe Beamte» drohen würden. Er werde verfolgt, weil er
von den Morden wisse, welche die türkischen Behörden begangen hätten.
Er habe eine Namensliste erstellt, die er dem Schweizer Geheimdienst vor-
legen möchte. Er beantrage deshalb einen Termin mit dem Schweizer Ge-
heimdienst. Diesem wolle er seine Asylgründe schildern und das ins Recht
gelegte «Video erklären». In seiner Beschwerdeergänzung (zwei separate
Schreiben, beide datiert vom 10. Mai 2021) führt der Beschwerdeführer
sodann wiederholt den bereits aktenkundigen Sachverhalt auf, übt Kritik
am türkischen Staat sowie dessen Amtsträgern und führt ergänzend aus,
dass er keine schweizerischen Institutionen für den erlittenen wirtschaftli-
chen Schaden beschuldige. Aufgrund des Verlusts seiner Vermögenswerte
sei «sein Land» für ihn nun «unbewohnbar» geworden.
6.
Soweit in der Beschwerdeschrift vorgebracht wird, der Beschwerdeführer
habe nicht alle Asylgründe nennen können, weil er dem SEM nicht ganz
habe vertrauen können, ist folgendes festzuhalten: Aus den Akten ergeben
sich keine Hinweise auf eine mangelhafte Anhörung oder darauf, dass das
SEM seine Pflicht zur richtigen und vollständigen Abklärung des rechtser-
heblichen Sachverhalts in anderer Hinsicht nicht ausreichend wahrgenom-
men hätte. In seiner Verfügung vom 16. März 2021 hat es sodann hinrei-
chend differenziert darlegt, weshalb die Asylvorbringen der Beschwerde-
führenden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG nicht standhalten. Der pauschale und nicht weiter differenzierte Ein-
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wand, wonach er (der Beschwerdeführer) dem SEM nicht ganz habe ver-
trauen können und deshalb nicht alle Asylgründe habe nennen können,
findet in den Akten keine Stütze. Im Rahmen der Anhörung wurde er expli-
zit darauf hingewiesen, dass seine Aussagen vertraulich behandelt und
nicht an seine heimatlichen Behörden weitergeleitet werden. Sodann
wurde er wiederholt an seine Mitwirkungspflicht erinnert (vgl. A47/22 S. 2
und 6). Er erklärte ferner ausdrücklich, sämtliche Gründe, welche relevant
für sein Gesuch seien, dargelegt und die entsprechenden Unterlagen dazu
eingereicht zu haben. Sodann sah sich auch die dort anwesende Hilfswerk-
vertretung nicht veranlasst, diesbezügliche Einwände anzumelden bezie-
hungsweise weitere Abklärungen anzuregen. Die abschliessende Frage,
ob es noch unerwähnte Gründe gebe, welche gegen eine Rückkehr in sei-
nen Heimatstaat sprechen würden, verneinte der Beschwerdeführer und
bestätigte die Richtigkeit und Vollständigkeit des Protokolls (vgl. A47/22 S.
19 ff), weshalb er sich bei seinen Aussagen zu behaften lassen hat. Es
besteht keine Veranlassung für die Annahme einer unrichtigen oder unvoll-
ständigen Feststellung des Sachverhalts. Soweit die Beschwerdeführen-
den einen Rückweisungsantrag stellen wollten, wäre dieser somit abzuwei-
sen.
7.
7.1 Nach Prüfung der Akten ist sodann festzustellen, dass die Vorbringen
der Beschwerdeführenden – unabhängig von deren Glaubhaftigkeit – den
Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht
standhalten, wobei zur Vermeidung von Wiederholungen auf die ausführli-
chen und zu bestätigenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung
zu verweisen ist.
Wie das SEM zutreffend dargelegt hat, kommt dem geltend gemachten
Vermögensverlust und dem in diesem Zusammenhang stehenden Verfah-
ren gegen die Firma (...), welche gemäss Aussagen des Beschwerdefüh-
rers für den wirtschaftlichen Schaden verantwortlich sei, keine flüchtlings-
rechtliche Relevanz im Sinne von Art. 3 AsylG zu. Ebenso wenig sind die
geltend gemachten Behelligungen unbekannter Dritter sowie der Umstand,
dass die beiden Kinder ihre Studien in F._ beendeten, um diese in
der Türkei fortzusetzen, als flüchtlingsrechtlich relevant zu qualifizieren.
Das Bundesverwaltungsgericht geht von der grundsätzlichen Schutzfähig-
keit und Schutzwilligkeit der türkischen Strafverfolgungs- und Justizbehör-
den aus und es ist nicht ersichtlich, dass und weshalb den Beschwerde-
führenden die bestehende Schutzinfrastruktur nicht zugänglich oder ihnen
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Seite 12
deren Inanspruchnahme aus individuellen Gründen nicht zuzumuten ge-
wesen wäre. Diese Annahme wird durch die Tatsache bestätigt, dass die
türkischen Behörden die vom Beschwerdeführer gemachten Anzeigen in
Sachen Vermögensveruntreuung durch die Firma (...) entgegengenommen
und ein Verfahren eingeleitet, dieses indessen infolge Todesfall des Ver-
antwortlichen besagter Firma eingestellt haben. Es wäre den Beschwerde-
führenden zuzumuten gewesen, auch bezüglich der geltend gemachten
Behelligungen seitens unbekannter Dritter die heimatlichen Behörden um
Schutz zu ersuchen. Indem die Beschwerdeführenden jedoch ihr Heimat-
land ohne die weiteren, im Schweizer Asylverfahren geschilderten Vorfälle
zur Anzeige zu bringen, Richtung Schweiz verliessen, kamen sie dem Er-
greifen von Schutzmassnahmen seitens der türkischen Behörden zuvor.
Es ist darauf hinzuweisen, dass es keinem Staat gelingt, seinen Bürgerin-
nen und Bürgern immer und überall vollumfänglichen Schutz zu gewähr-
leisten. Insofern kann nicht davon ausgegangen werden, nur perfekte hei-
matliche Schutzstrukturen würden die Anwendung des Subsidiaritätsprin-
zips ermöglichen. Deshalb vermag die auf Beschwerdeebene indirekt er-
hobene Kritik am türkischen Justizsystem die Beschwerdeführenden nicht
von ihrer Pflicht zu entbinden, primär bei den heimatlichen Behörden um
Schutz zu ersuchen.
7.2 Auf Beschwerdeebene führen die Beschwerdeführenden den bereits
aktenkundigen Sachverhalt auf und halten in pauschaler Art und Weise an
der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen fest. Damit verkennen sie, dass die Vor-
instanz im angefochtenen Entscheid keine Glaubhaftigkeitsprüfung ihrer
Vorbringen vorgenommen hat – das SEM hat die Vorbringen als nicht asyl-
revant im Sinne von Art. 3 AsylG qualifiziert und gleichzeitig explizit festge-
halten, dass es sich demzufolge erübrige, die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbrin-
gen zu prüfen. Aus diesem Grund sind die Beschwerdevorbringen sowie
die eingereichten Beweismittel, welche sich auf die Glaubhaftigkeit der ge-
machten Aussagen beziehen, insgesamt nicht geeignet, zu einer von der
Vorinstanz abweichenden Beurteilung zu führen. Sodann sind weder der
auf Beschwerdeebene erweitert dargelegte Sachverhalt noch die Ausfüh-
rungen zur allgemeinen politischen Situation in der Türkei geeignet, zu ei-
ner abweichenden Einschätzung zu führen. Das Bundesverwaltungsge-
richt schliesst sich der vorinstanzlichen Einschätzung nach Durchsicht der
Akten und unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Rechtsanwendung
von Amtes wegen an. Bezüglich der eingereichten Videokassette ist so-
dann festzuhalten, dass diese vom Beschwerdeführer entgegen der Auf-
forderung des Gerichts (vgl. Zwischenverfügung vom 15. April 2021) nicht
auf einen lesbaren Datenträger übertragen wurde. Dies von Amtes wegen
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zu veranlassen, erweist sich als nicht notwendig. Aus den vom Beschwer-
deführer gemachten Angaben zum Inhalt der Kassette – (...) der Be-
schwerdeführenden unter Teilnahme des (...) G._ H._, ei-
nes heutigen Mitarbeiters des (...) D._ – kann in antizipierter Be-
weiswürdigung geschlossen werden, dass der erwähnte Inhalt des Beweis-
mittels nichts an der fehlenden Asylrelevanz der Asylvorbringen zu ändern
vermöchte. Die Schlussfolgerung des SEM, die Angaben der Beschwerde-
führenden vermöchten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft
gemäss Art. 3 AsylG nicht zu genügen, ist damit nicht zu beanstanden.
7.3 Nach dem Gesagten hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft
der Beschwerdeführenden verneint und deren Asylgesuche abgelehnt. Die
erst auf Beschwerdeebene geltend gemachte Geheimdiensttätigkeit bezie-
hungsweise eine darauf basierende Bedrohung ist als nachgeschoben zu
qualifizieren. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang (auch) daran zu
erinnern, dass die Beschwerdeführenden ihr Heimatland mit ihnen zu-
stehenden (...) legal verlassen konnten. Die nachgereichten Beweismittel
vermögen sodann zwar eine kritische Einstellung vor allem des Beschwer-
deführers gegenüber verschiedenen staatlichen Akteuren zu belegen, nicht
hingegen eine Verfolgungssituation. Es kann deshalb darauf verzichtet
werden, auf die Ausführungen sowie die Beweismittel weiter einzugehen,
da sie zu keinem anderen Resultat führen.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
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Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Da die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllen, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar.
9.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde-
führenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall
einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Ge-
richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folter-
ausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde
(vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse
Kammer 37201/06, §§ 124127 m.w.H.). Das ist ihnen jedoch nicht gelun-
gen.
9.2.3 Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zulässig.
9.3
9.3.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 Gemäss konstanter Praxis und selbst unter Berücksichtigung der
Entwicklungen im Nachgang des Putschversuchs vom Juli 2016 ist nicht
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davon auszugehen, dass in der Türkei eine landesweite Situation allgemei-
ner Gewalt herrscht. Auch in den vorwiegend von Kurden besiedelten Pro-
vinzen im Osten und Südosten des Landes ist nicht von einer flächende-
ckenden Situation allgemeiner Gewalt oder bürgerkriegsähnlichen Verhält-
nissen auszugehen (vgl. Urteil des BVGer E-3042/2017 vom 28. Juli 2017
E. 6.2.2 sowie das Referenzurteil E-1948/2018 vom 12. Juni 2018 E. 7.3).
Ausgenommen sind die Provinzen Hakkari und Sirnak; den Wegweisungs-
vollzug dorthin erachtet das Bundesverwaltungsgericht aufgrund einer an-
haltenden Situation allgemeiner Gewalt als unzumutbar (vgl. BVGE 2013/2
E. 9.6). Demnach ist der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführen-
den in die Provinz I._, wo sie die letzten (...) Jahre vor dem Verlas-
sen ihres Heimatlandes lebten, als generell zumutbar zu erachten.
9.3.3 Aus den Akten ergeben sich auch keine Hinweise darauf, dass die
Beschwerdeführenden im Falle ihrer Rückkehr in die Türkei aus individuel-
len Gründen in eine existenzbedrohende Situation geraten könnten. Wie in
der angefochtenen Verfügung zutreffend festgestellt wurde, verfügt der Be-
schwerdeführer seit seiner Pensionierung über eine Rente. Gemäss den
Aussagen der Beschwerdeführenden wohnen mittlerweile nicht nur die bei-
den erwachsenen Kinder, sondern weitere Familienmitglieder im Heimat-
land, auf deren Unterstützung sie bei der Rückkehr in ihr Heimatland zäh-
len können dürften.
Schliesslich steht auch der Gesundheitszustand der Beschwerdeführen-
den dem Vollzug der Wegweisung nicht entgegen. Der Beschwerdeführer
gibt an, keine gesundheitliche Probleme zu haben und die Beschwerdefüh-
rerin macht geltend, unter (...) zu leiden, wobei sie diesbezüglich bereits in
der Türkei in Behandlung gewesen sei. Weitere gesundheitliche Beein-
trächtigungen – etwa Folgen der geplanten (...) (vgl. A50 S. 3) – werden
nicht geltend gemacht. Es ist somit davon auszugehen, sollte die Be-
schwerdeführerin im Fall ihrer Rückkehr erneut eine Behandlung in An-
spruch nehmen müssen, dass diese auch weiterhin in der Türkei gewähr-
leistet sein wird.
9.3.4 Demnach erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch nicht als
unzumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
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BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses
(Art. 63 Abs. 4 VwVG) ist mit vorliegendem Direktentscheid gegenstands-
los geworden.
11.2 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären die Kosten den
mit ihren Begehren unterlegenen Beschwerdeführenden zu überbinden
(Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da sie jedoch angesichts der eingereichten
Fürsorgeabhängigkeitsbestätigungen (vgl. Bst. F) als bedürftig zu betrach-
ten sind und sich die Beschwerde zum Zeitpunkt der Einreichung nicht als
aussichtslos präsentierte, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen und auf
die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.
11.3 Aus den diversen Eingaben der Beschwerdeführenden ist ersichtlich,
dass sie über gute Deutschkenntnisse verfügen. Nachdem sie die rechts-
genügliche Beschwerde einerseits und weitere Eingaben sowohl im Be-
schwerdeverfahren als auch bereits vor der Vorinstanz anderseits offen-
sichtlich selbst verfasst haben, und nunmehr keine weiteren Instruktions-
handlungen erforderlich sind, kann auf die Einsetzung einer amtlichen
Rechtsvertretung verzichtet werden, obschon rein prozessual betrachtet
ein Anspruch darauf bestünde. Der diesbezügliche Antrag ist daher abzu-
weisen.
(Dispositiv nächste Seite)
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