Decision ID: af3de3a6-651e-5054-a46f-419a0500b0ea
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie
mit letztem Wohnsitz in B._, verliess seinen Heimatstaat eigenen
Angaben zufolge am (...) November 2015 auf dem Luftweg in Richtung
C._. Von dort aus gelangte er über die Türkei und die sogenannte
Balkanroute am 10. März 2016 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl
nachsuchte.
B.
B.a Am 14. März 2016 wurde der Beschwerdeführer im Rahmen der Be-
fragung zur Person (BzP) summarisch befragt. Am 24. Januar 2018 wurde
er eingehend zu seinen Asylgründen angehört. Dabei machte er im We-
sentlichen Folgendes geltend:
B.b Er sei Sympathisant der LTTE-Bewegung (Liberation Tigers of Tamil
Eelam) gewesen. Zwischen 2007 und 2012 habe er jeweils einmal jährlich
den Heldentag zelebriert und anlässlich der Feierlichkeiten Dekorations-
aufgaben übernommen. Ende des Krieges sei er aufgrund seines diesbe-
züglichen Engagements von jemandem denunziert worden. In der Folge
sei er am (...) August 2012 zuhause von Armeeangehörigen festgenom-
men worden. Er sei in einem Militärcamp inhaftiert gewesen und dabei ver-
hört und misshandelt worden. Nach drei Tagen sei er mithilfe seines Vaters
und einer Menschenrechtskommission unter der Bedingung freigelassen
worden, einmal wöchentlich im Militärcamp Unterschrift leisten zu müssen.
Dieser Pflicht sei er drei Mal nachgekommen, ehe er der Anordnung aus
Angst keine Folge mehr geleistet habe. Anfang September 2012 habe er
sich sodann zu Familienangehörigen in D._ begeben, wo er sich
bis zu seiner Ausreise im November 2015 versteckt aufgehalten habe. Zwi-
schen September 2012 und 2014 hätten Soldaten sich zehn bis fünfzehn
Mal bei seinem Vater und in seinem Heimatdorf nach ihm erkundigt. Ein
erster Ausreiseversuch im März 2013 sei gescheitert. Er habe mit seinem
eigenen Reisepass und einer gefälschten Arbeitsbestätigung versucht,
über den Flughafen Colombo auszureisen. Die Arbeitsbestätigung sei als
Fälschung erkannt worden, weshalb er an der Ausreise gehindert worden
sei. Den Reisepass habe er im selben Jahr verloren und aus finanziellen
Gründen keinen neuen beantragt. Im November 2015 sei er schliesslich
mit einem fremden Reisepass ausgereist. Nach seiner Ausreise sei er Mitte
2016 erneut zuhause gesucht worden.
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B.c Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer
eine Geburtsurkunde, ein Bestätigungsschreiben der sri-lankischen Men-
schenrechtskommission vom 14. Oktober 2014 sowie ein undatiertes Be-
stätigungsschreiben eines Friedensrichters (alle in Kopie) zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 17. September 2019 – eröffnet am 20. September 2019
– verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers,
lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug an.
D.
D.a Der Beschwerdeführer liess – handelnd durch seinen mandatierten
Rechtsvertreter – mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom
21. Oktober 2019 Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung erhe-
ben. Er beantragte inhaltlich, die Verfügung vom 17. September 2019 sei
wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör – eventuell wegen
Verletzung der Begründungspflicht – aufzuheben und an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen; eventuell sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur
Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachver-
halts und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen; eventuell sei in
Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung seine Flüchtlingseigenschaft
anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren; eventuell seien die Dispositivzif-
fern 3 und 4 der vorinstanzlichen Verfügung aufzuheben und es sei die
Unzulässigkeit oder mindestens die Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs festzustellen. Der Beschwerdeführer liess mehrere Beweisan-
träge stellen und ersuchte zudem unter anderem um sofortige Bekannt-
gabe des Spruchgremiums und um Bestätigung der Zufälligkeit dessen
Auswahl (andernfalls um Bekanntgabe der Kriterien, nach denen der
Spruchkörper bestimmt worden sei).
D.b Mit der Beschwerde wurden unter anderem mehrere Beweismittel zu
den Akten gereicht (eine CD-ROM mit insgesamt über hundert Unterlagen
zur Lage in Sri Lanka).
E.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Oktober 2019 gab die Instruktionsrichterin
dem Beschwerdeführer bekannt, dass sie als vorsitzende Richterin im Ver-
fahren amte, wer die eingesetzte Gerichtsschreiberin sei und dass die wei-
teren Mitglieder des Spruchgremiums im Zeitpunkt der Zirkulation be-
stimmt würden. Der Beschwerdeführer wurde überdies zur Leistung eines
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Seite 4
Kostenvorschusses in Höhe von Fr. 1500.– bis zum 13. November 2019
aufgefordert.
F.
Der eingeforderte Kostenvorschuss wurde am 13. November 2019 fristge-
recht geleistet.
G.
Mit Eingabe vom 15. November 2019 reichte der Beschwerdeführer eine
Beschwerdeergänzung sowie weitere Beweismittel zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist, vor-
behältlich nachfolgender Einschränkung, einzutreten.
1.4 Hinsichtlich des Antrages, es sei dem Rechtsvertreter die Zusammen-
setzung des Spruchkörpers im vorliegenden Verfahren bekanntzugeben,
wird auf die Verfügung vom 29. Oktober 2019 verwiesen. Die weiteren
beteiligten Gerichtspersonen werden dem Rechtsvertreter mit vorliegen-
dem Urteil bekannt.
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Seite 5
1.5 Auf die Anträge auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkör-
pers (Bestätigung der Zufälligkeit, andernfalls Bekanntgabe der objektiven
Kriterien) ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom
2. Mai 2018 E. 4).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Angesichts
des überdurchschnittlichen Umfangs der Beschwerdeeingabe wurde be-
reits in der Zwischenverfügung vom 29. Oktober 2019 auf die praxisge-
mässe Erhöhung des Kostenvorschusses bei umfangreichen Eingaben
verwiesen. Auf die Mutmassung in der Beschwerdeergänzung vom 14. No-
vember 2019, wonach die Höhe des Kostenvorschusses die Komplexität
des Verfahrens wiederspiegle und die offensichtliche Unbegründetheit der
Beschwerde somit ausgeschlossen sei, ist demnach nicht weiter einzuge-
hen.
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 In der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe das rechtliche Gehör
und die Begründungspflicht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachver-
halt unvollständig und unrichtig abgeklärt, weshalb das Verfahren an die
Vorinstanz zurückzuweisen sei. Ausserdem werden verschiedene Beweis-
anträge gestellt, unter anderem auf erneute Anhörung unter Berücksichti-
gung der vorab abzuklärenden Intelligenzminderung sowie der Antrag auf
Offenlegung der von der Vorinstanz konsultierten Quellen, auf die sie sich
zur Einschätzung der aktuellen Sicherheits- und Menschenrechtslage ge-
stützt habe.
4.2 Entgegen dieser Auffassung liegt vorliegend weder eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs oder der Begründungspflicht (vgl. BVGE 2016/9 E. 5.1)
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noch eine unrichtige oder unvollständige Sachverhaltsfeststellung (vgl.
BVGE 2016/2 E. 4.3) vor.
4.2.1 Zunächst ergeben sich aus den Akten keine Hinweise auf eine kog-
nitive Beeinträchtigung des Beschwerdeführers, die sich potenziell auf sein
Aussageverhalten ausgewirkt haben könnte. Insbesondere entsteht – ent-
gegen der entsprechenden Behauptung in der Beschwerde (vgl. Be-
schwerde S. 8 f., S. 16) – nicht der Eindruck, er habe Mühe damit bekun-
det, dem Gespräch zu folgen. Insofern besteht keine Veranlassung, ent-
sprechende Abklärungen zu den kognitiven Fähigkeiten des Beschwerde-
führers zu treffen (vgl. Beschwerde S. 55) oder ihn deshalb erneut anzu-
hören. Auch für die Vorinstanz gab es keinen Grund zu entsprechenden
Abklärungen, weshalb die diesbezügliche Sachverhaltsfeststellung als voll-
ständig zu erachten und nicht zu beanstanden ist. Selbst unter Berücksich-
tigung des Umstands, dass der Entscheid nicht durch diejenige Person ver-
fasst wurde, welche die Anhörung durchführte, rechtfertigt sich keine an-
dere Einschätzung (vgl. Beschwerde S. 8). Interne Akten, im Rahmen wel-
cher sich die Mitarbeitenden des SEM zum persönlichen Eindruck der
Glaubhaftigkeit geäussert hätten (vgl. Beschwerde S. 9), sind nicht exis-
tent. Die behaupteten Kommunikationshindernisse finden in den Akten so-
dann keine Stütze. Die Beurteilung der Aussagen des Beschwerdeführers
bilden Gegenstand der materiellen Würdigung.
4.2.2 Eine Verletzung der Begründungspflicht erblickt der Beschwerdefüh-
rer weiter darin, dass seine familiären Beziehungen zu Personen mit LTTE-
Verbindungen bei der Beurteilung seines Risikoprofils ausgeklammert wor-
den seien. Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer solche
Verbindungen verneint hat (vgl. act. A5/14 7.02) respektive er zu einem
entfernten Verwandten mit LTTE-Bezug keinen Kontakt mehr habe (vgl.
act. A14/13 F70 ff.). Soweit der Beschwerdeführer nun in seiner Rechtsmit-
teleingabe erstmals die Zugehörigkeit anderer Angehöriger zu den LTTE
vorbringt (vgl. Beschwerde S. 14 und 18), war es der Vorinstanz gar nicht
möglich, entsprechende Verbindungen zu prüfen. Diesbezüglich ist jedoch
festzustellen, dass mindestens die in der Beschwerde gemachten Angaben
zum Namens seines Bruders (vgl. Beschwerde S. 14: E._) nicht mit
denjenigen anlässlich der BzP übereinstimmen (vgl. act. A5/14 3.01:
F._).
4.2.3 Die Berücksichtigung der aktuellen politischen Situation in Sri Lanka
betrifft entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht die Begrün-
dungspflicht, sondern die Sachverhaltsfeststellung (vgl. Beschwerde
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Seite 7
S. 10 ff.). Allein aus dem Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpra-
xis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer ver-
treten, und sie aus sachlichen Gründen auch zu einer anderen Würdigung
der Vorbringen gelangt, ergibt sich keine ungenügende Sachverhaltsfest-
stellung; andere Gründe, welche diese Rüge allenfalls rechtfertigen könn-
ten, sind weder ersichtlich noch werden solche geltend gemacht.
4.2.4 Was das Begehren um Feststellung der Fehlerhaftigkeit des Lage-
bilds des SEM zu Sri Lanka betrifft, so wurde in diesem Zusammenhang
bereits in mehreren – ebenfalls durch den rubrizierten Rechtsvertreter ge-
führten – Verfahren (vgl. etwa Urteil des BVGer D-7345/2017 vom 14. De-
zember 2020 E. 4.3) festgestellt, dass diese länderspezifische Lageana-
lyse des SEM (Focus Sri Lanka, Lagebild – Version vom 16. August 2016)
öffentlich zugänglich ist. Darin werden neben nicht namentlich genannten
Gesprächspartnern und anderen nicht offengelegten Referenzen überwie-
gend sonstige öffentlich zugängliche Quellen zitiert. Damit ist trotz der teil-
weise nicht im Einzelnen offengelegten Referenzen auch dem Anspruch
des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör ausreichend Genüge getan.
Die Frage, inwiefern sich ein Bericht auf verlässliche und überzeugende
Quellen abstützt, ist ebenfalls keine formelle Frage, sondern ist gegebe-
nenfalls im Rahmen der materiellen Würdigung der Argumente der Par-
teien durch das Gericht zu berücksichtigen. Der Antrag, das SEM sei an-
zuweisen, sämtliche nicht öffentlich zugänglichen Quellen seines Lagebil-
des vom 16. August 2016 zu Sri Lanka offenzulegen (vgl. Beschwerde
S. 55) ist demnach abzuweisen.
4.3 Die formellen Rügen erweisen sich somit als unbegründet. Es besteht
keine Veranlassung, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren sind
abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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Seite 8
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Asylentscheid im We-
sentlichen mit der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers. Zunächst lasse der gescheiterte Ausreiseversuch des Beschwerde-
führers im Jahr 2013 mit dessen eigenen Reisepass einerseits darauf
schliessen, dass er sich zu diesem Zeitpunkt keiner Verfolgungsgefahr
durch die Behörden ausgesetzt gesehen habe. Andererseits sei nicht an-
zunehmen, dass er damals tatsächlich einer Meldepflicht unterstanden
habe, habe die gescheiterte Ausreise doch keinerlei Konsequenzen für ihn
nach sich gezogen. Der geltend gemachten Meldepflicht sei insofern be-
reits die Grundlage entzogen, wobei der Beschwerdeführer überdies im
Rahmen der Anhörung widersprüchliche und unsubstanziierte Angaben
bezüglich der Unterschriftsleistung gemacht habe. Auch die dreitägige
Haft, in deren Nachgang ihm diese Meldepflicht auferlegt worden sei, habe
er nicht glaubhaft darzutun vermocht. Somit sei auch die vorgebrachte be-
hördliche Suche als unglaubhaft zu qualifizieren. Die eingereichten Be-
weismittel seien nicht geeignet, diese Einschätzung umzustossen. Somit
sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, asylrelevante Verfolgungs-
massnahmen bis zum Zeitpunkt seiner Ausreise glaubhaft zu machen.
Ebenfalls nicht ersichtlich seien Risikofaktoren, die im Falle einer Rückkehr
ein behördliches Interesse an ihm begründen würden.
6.2 In seinen Eingaben im Beschwerdeverfahren führte der Beschwerde-
führer im Wesentlichen aus, das SEM habe seine Schilderungen und sein
Aussageverhalten nicht unter dem Aspekt gewürdigt, dass bei ihm von ei-
ner Intelligenzminderung auszugehen sei. Er sei ein schlechter Schüler ge-
wesen und habe die Schule nach Abschluss der 10. Klasse verlassen.
Seine kurzen und bisweilen unsubstanziierten Angaben seien damit erklär-
bar, dass er Gesprächen nur schwer folgen könne und seine Aufnahme-
und Merkfähigkeit stark eingeschränkt seien. Er habe – gemessen an sei-
nen persönlichen Fähigkeiten – glaubhaft vorgebracht, im Rahmen von
LTTE-Gedenkfeierlichkeiten Dekorationsarbeiten übernommen zu haben
und deswegen im August 2012 verhaftet worden zu sein. Angesichts der
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Aufforderung der sri-lankischen Sicherheitskräfte, die Organisation solcher
Anlässe zukünftig zu unterlassen, sei jedoch davon auszugehen, dass er
jedenfalls in den Augen der Behörden auch an der Organisation beteiligt
gewesen sei. Diese Vorbringen seien durch Beweismittel belegt, deren
Echtheit sich gegebenenfalls durch eine Botschaftsabklärung überprüfen
lasse. Es gehe nicht an, ihnen pauschal jeglichen Beweiswert abzuspre-
chen. Nebst seinem eigenen Engagement weise er auch familiäre Bezie-
hungen zu Personen mit einer Verbindung zu den LTTE auf und er habe
sich in der Schweiz exilpolitisch betätigt. Angesichts aktueller Entwicklun-
gen und des verschärften Vorgehens der sri-lankischen Behörden gegen-
über Personen tamilischer Ethnie mit Bezug zu den LTTE, sei – entgegen
der veralteten Lageeinschätzung der Vorinstanz – davon auszugehen,
dass ihm im Fall einer Rückkehr ernsthafte Nachteile drohten.
7.
7.1 Nach Prüfung sämtlicher Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht
zum Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers
zu Recht als unglaubhaft qualifiziert hat. Die Ausführungen in der Be-
schwerdeschrift vermögen den Erwägungen des SEM letztlich nichts Stich-
haltiges entgegenzusetzen. Somit kann vorab auf die zutreffenden Erwä-
gungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden.
Als Wesentlich erachtet das Bundesverwaltungsgericht Folgendes:
7.2 Zunächst ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, den Zeitpunkt
und die Umstände seiner angeblichen Festnahme zu plausibilisieren. Der
Beschwerdeführer gab an, zwischen 2007 und 2012 an den Feierlichkeiten
zum Heldengedenktag Ende November teilgenommen zu haben (vgl. act.
A14/13 F23). Anlässlich dieser Feier sei er fotografiert worden, woraufhin
die Aufnahmen den sri-lankischen Sicherheitskräften zugespielt worden
seien. Während er an der BzP einen Bekannten von sich dafür verantwort-
lich machte (vgl. act. A5/14 7.02), mutmasste er in der Anhörung es seien
womöglich Anhänger der sri-lankischen Sicherheitskräfte bei den Feierlich-
keiten zugegen gewesen (vgl. act. A14/13 F77). Jedenfalls wird aus den
Schilderungen des Beschwerdeführers nicht ersichtlich, weshalb maskierte
Personen ihn im August – und somit mehr als acht Monate nach seiner
letzten Teilnahme an einer Gedenkfeierlichkeit – zuhause hätten festneh-
men sollen.
7.3 Sodann ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass die Ausführungen
des Beschwerdeführers zu seiner Festnahme, der Inhaftierung sowie der
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ihm anschliessend auferlegten Meldepflicht unsubstanziiert und detailarm
ausgefallen sind (vgl. act. A14/13 F22, F31 ff., F35, F51 ff.). Insgesamt ent-
steht aus den Schilderungen nicht der Eindruck, der Beschwerdeführer sei
tatsächlich während dreier Tage festgehalten, verhört und misshandelt wor-
den.
7.4 Ferner machte der Beschwerdeführer im Verlauf des erstinstanzlichen
Verfahrens widersprüchliche Angaben bezüglich des Ablaufs der Unter-
schriftsleistung. Anlässlich der BzP gab er zu Protokoll, sich jeweils in Be-
gleitung seines Vaters zum Armeecamp begeben zu haben und aufgrund
dessen weiteren Behelligungen seitens der Militärangehörigen ausgesetzt
gewesen zu sein (vgl. act. A5/14 7.02). Demgegenüber machte er im Rah-
men der Anhörung zunächst geltend, jeweils zusammen mit seinem
Freund und seinem Vater zum Camp gegangen zu sein (vgl. act. A14/13
F49). Erneut auf seine Begleitperson angesprochen führte er anschlies-
send aus, sein Freund sei mitgekommen (vgl. act. A14/13 F91 ff.). Mit dem
Widerspruch konfrontiert, brachte er schliesslich vor, zweimal von seinem
Freund und einmal von seinem Vater begleitet worden zu sein (vgl. act.
A14/13 F94). Ebenfalls abweichende Angaben machte der Beschwerde-
führer zur Menschenrechtskommission, mit deren Hilfe er angeblich freige-
kommen sei. Während er an der BzP von der Human Rights Commission
Sri Lanka sprach, verwies er in der Anhörung auf die "Human Rights Orga-
nisation, UN" (vgl. act. A5/14 7.02; act. A13/14 F41).
7.5 Angesichts der vorstehenden Erwägungen besteht keine Veranlas-
sung, mittels einer Botschaftsabklärung Näheres zu den eingereichten Be-
weismitteln in Erfahrung zu bringen. Wie vom SEM zutreffend festgestellt,
weisen die beiden Dokumente (Human Rights Commission, Friedensrich-
ter) einen geringen Beweiswert auf, da weder die Umstände der Ausstel-
lung der Schreiben noch deren Echtheit überprüfbar ist. Hervorzuheben ist
jedoch das mangelnde Wissen des Beschwerdeführers zur Menschen-
rechtskommission, zu deren Beteiligung an seiner Haftentlassung sowie
zum Inhalt des Bestätigungsschreibens (vgl. act. A5/14 7.02; act. A13/14
F41-F44). Weder das undatierte Schreiben des Friedensrichters noch das
Schreiben der Human Rights Commission vom 14. Oktober 2014 vermö-
gen die Vorbringen des Beschwerdeführers zu untermauern. Hinsichtlich
des Bestätigungsschreibens der Human Rights Commission scheint auch
der Zeitpunkt der Ausstellung über zwei Jahre nach der angeblichen Ver-
haftung unplausibel, zumal der Beschwerdeführer mithilfe dieser Organi-
sation freigekommen sein will. Der Antrag auf Überprüfung der Echtheit
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des Beweismittels 3 (Bestätigung Friedensrichter) mittels Botschaftsabklä-
rung (vgl. Beschwerde S. 55) ist demnach abzuweisen.
7.6 Der Argumentation auf Beschwerdeebene, wonach der Beschwerde-
führer infolge seiner geminderten Intelligenz eine "einfach zu knackende
Informationsquelle" für die Behörden sei, weshalb sie unablässig nach ihm
gesucht und gefragt hätten, kann nicht gefolgt werden (vgl. Beschwerde
S. 18 f.). Aus der gescheiterten Ausreise im Jahr 2013, die nach Aussagen
des Beschwerdeführers keinerlei Konsequenzen für ihn gehabt habe, geht
hervor, dass die sri-lankischen Behörden kein Interesse an ihm gehabt ha-
ben. Andernfalls wäre der Beschwerdeführer wohl nicht unbehelligt geblie-
ben, fiel doch der Ausreiseversuch in die Zeit, in der angeblich bei seinem
Vater und in seinem Heimatdorf mehrmals nach ihm gesucht worden sein
soll. An dieser Einschätzung ändert auch die auf Beschwerdeebene erst-
mals vorgebrachte Geldzahlung, die ihn am Flughafen vor weiteren Mass-
nahmen bewahrt hätten, nichts (vgl. Beschwerde S. 8).
7.7 Die Vorinstanz kam zu Recht zum Schluss, dass der Beschwerdeführer
keine Risikofaktoren im Sinn der bundesverwaltungsgerichtlichen Recht-
sprechung aufweist (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016) und somit im Fall einer Rückkehr keine begründete Furcht
vor zukünftiger Verfolgung anzunehmen ist.
7.7.1 Wie bereits dargelegt konnte der Beschwerdeführer Vorfluchtgründe
nicht glaubhaft machen. Soweit er in der Beschwerde erstmals vorbringt,
verwandtschaftliche Verbindungen zur LTTE zu haben (Beschwerde S. 16
und 18), sind diese Verbindungen als nachgeschoben zu qualifizieren, zu-
mal er sie anlässlich der Anhörung auch auf explizite Nachfrage hin nicht
erwähnte (A14/13 F70 ff.). Andererseits würden die behaupteten familiären
Beziehungen zu LTTE-Angehörigen – ihre Glaubhaftigkeit angenommen –
nicht zur Annahme von relevanten Risikofaktoren führen. Schliesslich soll
es sich um eine Tante und eine Cousine handeln, die seit über zehn Jahren
verstorben respektive verschollen sein sollen. Der konkrete Kontakt zu ei-
ner Grosscousine, die ebenfalls bei der LTTE aktiv gewesen sein soll, wird
überdies nicht substanziiert. Jedenfalls vermochten die behaupteten Kon-
takte während der Anwesenheit des Beschwerdeführers in Sri Lanka kein
behördliches Interesse an ihm zu begründen und es ist nicht ersichtlich,
weshalb sich an dieser Einschätzung etwas geändert haben sollte.
7.7.2 Den Akten sind keine Hinweise zu entnehmen, wonach der Be-
schwerdeführer sich auf einer "Stop-List" befunden haben soll. Wie bereits
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Seite 12
dargelegt steht der Annahme eines solchen Eintrags insbesondere der ge-
scheiterte Ausreiseversuch im März 2013, der ohne weitere Konsequenzen
blieb, entgegen (vgl. E. 7.6).
7.7.3 Der Beschwerdeführer machte anlässlich der Anhörungen kein über
die Dekorationsarbeiten hinausgehendes politisches Engagement – und
insbesondere keine exilpolitischen Tätigkeiten – geltend. Soweit er nun auf
Beschwerdeebene in wenig substanziierter Weise erstmals exilpolitische
Aktivitäten vorbringt (vgl. Beschwerde S. 19), vermögen diese ebenfalls
keine Risikofaktoren zu begründen. Aus der einmaligen Teilnahme an einer
Demonstration im September 2019 sowie an Feierlichkeiten zum Helden-
gedenktag im Jahr 2018 ist jedenfalls nicht auf ein exponiertes exilpoliti-
sches Engagement zu schliessen. Vielmehr handelt es sich dabei lediglich
um niederschwellige Aktivitäten.
7.7.4 Schliesslich ist vorliegend auch aus der mittlerweile rund fünfjährigen
Landesabwesenheit und der tamilischen Ethnie keine Gefährdung im
Sinne der gefestigten Rechtsprechung bei der Prüfung individueller Risiko-
faktoren ableitbar.
7.8 An dieser Einschätzung vermag auch die aktuelle – zwar als volatil zu
bezeichnende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet
die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Ent-
scheidfindung. Aus der Situation seit dem Machtwechsel im Jahr 2019 lässt
sich in Bezug auf den Beschwerdeführer keine konkrete und individuelle
Gefährdungssituation ableiten. Aus den Akten ergeben sich keine Hin-
weise, wonach speziell der Beschwerdeführer einer erhöhten Gefahr aus-
gesetzt wäre. Ebenso gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur
Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs-
gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären.
8.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer aufgrund
des Dargelegten die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und das SEM sein
Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat.
9.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
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Seite 13
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
10.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
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Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
10.2.3 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den
Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Dies gelingt ihm nicht. Die allgemeine Menschenrechtssituation in
Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als
unzulässig erscheinen (vgl. dazu BVGE 2011/24 E. 10.4 und Referenzur-
teil E-1866/2015 E. 12.2). Wie auch der Beschwerdeführer erwähnt, hat
sich der EGMR mit der Gefährdungssituation namentlich für Tamilen, die
aus einem europäischen Land zurückkehren müssen, wiederholt befasst
(vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013,
Nr. 10466/11; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011,
Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011,
Nr. 54705/08; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen, Ent-
scheidung vom 11. Juli 2017, Beschwerde Nr. 44114/14). Der EGMR hat
dabei festgehalten, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei,
zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung.
10.2.4 Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte da-
für, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über
einen sogenannten «Background Check» (Befragung und Überprüfung
von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er
persönlich gefährdet wäre.
10.2.5 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich
die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter
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Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen.
10.2.6 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.3
10.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, dies gilt auch unter
Berücksichtigung der aktuellen dortigen Ereignisse und Entwicklungen und
der vom Beschwerdeführer erwähnten Gefahr, als zurückkehrender Tamile
am Flughafen Verhören ausgesetzt zu werden. Nach einer eingehenden
Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwal-
tungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvollzug in die
Herkunftsregion des Beschwerdeführers zumutbar ist, wenn das Vorliegen
der individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann (vgl. Urteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2).
10.3.3 Die vom Beschwerdeführer erwähnten politischen Entwicklungen,
namentlich der im Nachgang an die Terroranschläge in Sri Lanka im April
2019 ausgerufene Notstand und die Terrorbekämpfung, der beschriebene
Kompetenzzuwachs des Militärs sowie die Präsidentschaftswahl im Jahr
2019, lassen keine andere Einschätzung zu.
10.3.4 In Bezug auf das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien kann
mit Verweis auf die Akten festgehalten werden, dass es sich beim Be-
schwerdeführer um einen gesunden Mann mit einem tragfähigen familiären
und sozialen Beziehungsnetz im Heimatstaat handelt. Sein Vater ist als
Landwirt tätig (vgl. act. A5/14 3.01). Der Beschwerdeführer beschrieb die
wirtschaftliche Situation seiner Familie als dem Mittelstand zugehörig (vgl.
act. A14/13 F13). Obwohl er angab, dass die Finanzierung seiner Ausreise
eine finanzielle Herausforderung gewesen sei (vgl. act. A14/13 F17), ist
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anzunehmen, dass er sich bei seiner Rückkehr auf die finanzielle Unter-
stützung durch seinen Vater und die Geschwister verlassen kann. Der Be-
schwerdeführer hat die 10. Klasse abgeschlossen und konnte – nebst ei-
ner einjährigen Tätigkeit in einem Laden in Sri Lanka – in der Schweiz wäh-
rend mehr als zwei Jahren weitere Berufserfahrung in einem (...)betrieb
sammeln. Insofern ist davon auszugehen, dass es dem Beschwerdeführer
durchaus möglich ist, sich wieder eine Existenz aufzubauen. Auch ange-
sichts der jüngsten politischen Geschehnisse herrscht keine gänzlich unsi-
chere, von bewaffneten Konflikten oder anderen unberechenbaren Unru-
hen dominierte Lage im Heimatstaat, aufgrund derer Rückkehrer unabhän-
gig ihres individuellen Hintergrunds konkret gefährdet sind. An dieser Ein-
schätzung vermag auch der Machtwechsel mit der erfolgten Präsident-
schaftswahl vom 16. November 2019 nichts zu ändern.
10.3.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten zufolge der umfang-
reichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen Bezug
zum Beschwerdeführer praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1'500.– festzuset-
zen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
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