Decision ID: 8aa7f6a6-737f-5091-8901-10305e0746b5
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein iranischer Staatsangehöriger persischer
Ethnie mit letztem Wohnsitz B._, verliess seinen Heimatstaat eige-
nen Angaben zufolge am 4. April 2017 auf dem Luftweg und reiste glei-
chentags legal mit einem von der schweizerischen Vertretung in Teheran
ausgestellten Schengen-Tourismusvisum in die Schweiz ein. Er unternahm
diese Reise zusammen mit seiner Ehefrau und den drei Kindern
(C._, geb. (...) [vgl. D-3325/2019, N (...)]; D._, geb. (...) [vgl.
D-3321/2019, N (...)]; E._, geb. (...) [vgl. D-3323/2019, N (...)] und
F._, geb. (...) [vgl. D-3327/2019, N (...)]). Am 7. April 2017 suchte
er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) G._ um Asyl nach
und wurde dort am 5. Mai 2017 zu seiner Identität, zum Reiseweg sowie
summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person
[BzP]). Ausserdem wurde ihm das rechtliche Gehör zu allfälligen gesund-
heitlichen Beeinträchtigungen gewährt. Das SEM hörte den Beschwerde-
führer sodann am 14. und 15. Februar 2019 ausführlich zu seinen Asyl-
gründen an.
A.b Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er habe ab dem Jahr 2007
(iranischer Kalender: 1386) in einer (...) in B._ als Buchhalter und
Kommunikationsbeauftragter gearbeitet. Damals sei Dawoud Ahmadine-
schad (der Bruder des damaligen Präsidenten Mahmoud Ahmadineschad)
Vorstandsvorsitzender (...) gewesen. Im November/Dezember 2007 habe
Dawoud ihn als zweiten – neben dem vom Staat bezahlten – (...) einge-
stellt. Er habe Ahmadineschad jeweils ungefähr zehn Mal pro Monat her-
umgefahren. Durch diese Tätigkeit sei er für Dawoud zu einer Vertrauens-
person geworden; daher habe er diesen auch ab und zu an Sitzungen und
andere Treffen begleitet. Im Grunde genommen sei er jedoch ein Gegner
des iranischen Regimes gewesen. Er habe Menschenrechtsaktivisten und
die Familien von politischen Gefangenen mit Geldspenden unterstützt und
sei mit Regimekritikern befreundet gewesen, so beispielsweise mit dem in
Grossbritannien lebenden Sohn von Mehdi Karoubi (Mohammad Taghi
Karoubi). Einmal habe er den Ahmadineschads die Geburtsurkunden von
Verwandten bringen müssen; sie hätten diese für Wahlfälschungen bei den
Wahlen vom Jahr 2009 benutzen wollen. Zudem habe er ein Gespräch be-
treffend die Wahlfälschung belauscht und auf Band aufgenommen. Danach
habe er diese Informationen dem Kampagnenchef des Konkurrenzkandi-
daten Mir Hossein Mussawi zukommen lassen. Auch Mohammad Taghi
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Karoubi sowie andere Personen habe er via Messenger über die Wahlfäl-
schung in Kenntnis gesetzt. Wenn er von Verhaftungen bei Demonstratio-
nen erfahren habe, habe er diese Information an Menschenrechtsaktivis-
ten, namentlich an Nasrin Sotoudeh, Mohammad Nourizad und Narges
Mohammadi, weitergeleitet. Am 1. Februar 2016 sei er dann vom Geheim-
dienst festgenommen und in Untersuchungshaft versetzt worden. Er sei
dabei insbesondere zu seiner Anstellung bei Dawoud Ahmadineschad be-
fragt worden. Nach 22 Tagen sei er entlassen worden. Zuvor habe er ver-
sprechen müssen, nicht mehr für Dawoud zu arbeiten. In der (...) habe er
in der Folge nur noch als Buchhalter gearbeitet. Vom 17. bis 30. Juli 2016
habe er sich, ohne seine Familie, als Tourist, in der Schweiz aufgehalten.
Nach seiner Rückkehr sei er am 10. Oktober 2016 von vier Personen des
Geheimdienstes zuhause aufgesucht worden. Sie hätten das Haus durch-
sucht, Mobiltelefone, Laptops, CDs und Notizen beschlagnahmt und ihn
mitgenommen. Noch im Wagen hätten sie ihn geschlagen und danach in
einen Keller gesperrt. Sie hätten ihn – zu Unrecht – beschuldigt, ein Spion
für Israel und die USA zu sein und in dieser Funktion in der Schweiz gewe-
sen zu sein. Er sei verdächtigt worden, über Informationen und Dokumente
betreffend die Regierung von Ahmadineschad zu verfügen und diese an
ausländische Botschaften weitergeleitet zu haben. Nach dem Ende der
Präsidentschaft von Mahmoud Ahmadineschad seien viele Personen, wel-
che der Familie Ahmadineschad nahegestanden hätten, festgenommen
und gefoltert worden, wobei meistens der Vorwurf der Spionage erhoben
worden sei. Während seiner Haft sei er zu seinen Kontakten befragt wor-
den, zudem habe man ihn gedrängt, in einem TV-Interview eine falsche
Anschuldigung gegen zwei andere, öffentlich bekannte, dem ehemaligen
Präsidenten nahestehende Personen zu erheben, was er verweigert habe.
Hingegen habe er eingewilligt, bei laufender Kamera zu erklären, dass er
nicht gefoltert worden sei. Daraufhin sei er jedoch nicht wie versprochen
freigelassen, sondern misshandelt worden. Er sei gefesselt und entkleidet
gewesen, und über seinen Kopf sei ein Sack gestülpt worden. Seine Pei-
niger hätten ihn geschlagen, beschimpft und ihm gedroht, sie würden auch
seine Frau holen. Die Fragen, die sie gestellt hätten, habe er nicht beant-
worten können. Er habe durchaus Informationen über Bekannte von Daw-
oud Ahmadineschad gehabt und Kontakte zu Menschenrechtsaktivisten
unterhalten, aber danach sei er nicht gefragt worden. Schliesslich sei er in
einen Käfig gesteckt und ungefähr einen Tag später in einen Strassengra-
ben geworfen worden. Er sei insgesamt zwei Wochen lang inhaftiert gewe-
sen. Wie er später erfahren habe, hätten ihn die Sicherheitskräfte offenbar
für tot gehalten. Er habe sich nicht selber fortbewegen können. Ein Stras-
senreiniger habe ihn gefunden und nach Hause gebracht. Aus Angst vor
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negativen Konsequenzen habe er trotz seiner Verletzungen und Schmer-
zen nicht ins Krankenhaus gehen wollen und seiner Frau verboten, irgend-
jemandem von diesem Vorfall zu erzählen. Ein befreundeter Arzt habe sich
um ihn gekümmert. Nach seiner Genesung sei er nur noch zweimal in der
Woche zur Arbeit in die Klinik gegangen. Am 14. Januar 2017 hätten die
Sicherheitskräfte das Haus ein weiteres Mal durchsucht und die neu ge-
kauften Laptops und Computer sowie Vorlesungsunterlagen der Kinder
mitgenommen. Seine Frau und er seien zudem geschlagen und beschimpft
worden, er sei aber nicht mitgenommen worden. Auf den eingereichten Fo-
tos seien die Verletzungen zu sehen, welche ihnen damals zugefügt wor-
den seien. Man habe ihnen ausserdem den Tod eines Kindes angedroht.
Aus diesem Grund hätten sie sich endgültig zur Ausreise aus Iran ent-
schlossen. Am 15. Januar 2017 hätten sie ihr Haus verlassen und seien
nach H._ zu seiner Schwiegermutter gegangen. In der Folge hätten
sie auf der Schweizer Botschaft Visa erhalten. Am 14. April 2017 seien sie
dann alle zusammen aus Iran ausgereist. Major K. respektive ein Bekann-
ter von diesem habe gegen Bezahlung einer grösseren Geldsumme dafür
gesorgt, dass sein Name am Ausreisetag während einiger Stunden nicht
auf der Liste der mit einem Ausreiseverbot belegten Personen erschienen
sei. Bei einer Rückkehr nach Iran befürchte er, erneut festgenommen und
gefoltert zu werden. Er habe Angst, dass auch seine Frau und Kinder ge-
foltert werden würden. Der Beschwerdeführer fügte an, er halte sich mit
exilpolitischer Tätigkeit zurück, um seine Angehörigen in der Schweiz und
in Iran nicht zu gefährden. Er habe nur Fotos seiner Folterverletzungen
veröffentlicht sowie Meldungen betreffend die Festnahme von Sepideh
Ghalian geteilt (auf Facebook und Twitter). Bezüglich seiner gesundheitli-
chen Situation machte der Beschwerdeführer geltend, er leide unter Ma-
genproblemen sowie an den Folgen der erlittenen Folterungen. Ein Menis-
kus sei gerissen, ausserdem sei ein Gesässknochen entzündet und die
Bandscheibe verletzt. Er sei in der Schweiz operiert und mit Kortison be-
handelt worden. Ausserdem habe er Kopf-, Zahn- und Augenschmerzen
sowie Schlafstörungen und Angstzustände.
A.c In der ergänzenden Anhörung vom 30. April 2019 führte der Beschwer-
deführer aus, sein Bruder sei nach seiner Ausreise zweimal verhaftet und
gefoltert worden, um ihn zu Aussagen zu seinem Verbleib und dessen
Freunde zu zwingen. Er (der Beschwerdeführer) habe nur noch mit seiner
Mutter Kontakt, die anderen in Iran lebenden Angehörigen hätten aus
Angst den Kontakt zu ihm abgebrochen. Er machte im Weiteren geltend,
er sei im Rahmen der Inhaftierung vom 10. Oktober 2016 nackt ausgezo-
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gen worden und habe einen Schleier über dem Kopf gehabt. Er sei ge-
schlagen und vergewaltigt worden. Die Sicherheitsbeamten hätten ge-
droht, auch seine Frau und seine Kinder zu vergewaltigen. Sein Sexualle-
ben sei seit diesen Vorfällen gestört, und er schäme sich vor seiner Frau
und seinen Kindern. Grundsätzlich sei er aber stolz darauf, dass er die
Menschenrechte verteidigt und sich für die politischen Gefangenen einge-
setzt habe, indem er die Informationen, welche er als (...) von Dawoud
Ahmadineschad mitbekommen habe, an andere Personen (Taghi Karoubi,
Nurizad, Sotoudeh) weitergeleitet habe. Inzwischen habe er jedoch zu
Taghi Karoubi keinen Kontakt mehr, da er die Meinung geäussert habe, nur
Reza Pahlavi (ein im Exil lebender Sohn des ehemaligen Shahs) könne
das iranische Regime stürzen, worauf Karoubi ihm vorgeworfen habe, er
sei ein Monarchist, was jedoch nicht stimme. Der Beschwerdeführer wie-
derholte sodann seine Aussage, wonach er ein Gespräch mitgehört und
auf Tonband aufgenommen habe, worin Andeutungen zu Wahlfälschungen
gemacht worden seien, und diese Information an die Entourage von
Mussawi weitergeleitet habe. Er fügte an, er habe die Tonaufnahme da-
nach gelöscht, und ausser Mussawi und Karoubi wisse niemand davon. Er
habe aber deswegen immer noch Angst um sein Leben. Auf entsprechende
Fragen hin erklärte der Beschwerdeführer weiter, bei der ersten Festnahme
durch den Geheimdienst sei er nur befragt, nicht gefoltert worden. Die Be-
amten hätten wissen wollen, wie er es geschafft habe, von Dawoud ange-
stellt zu werden, was er über diesen wisse und mit wem dieser Kontakt
habe. Bei der zweiten Inhaftierung sei ihm Spionage für Amerika und Israel
vorgeworfen worden. Die Beamten hätten ihn gefragt, mit wem er sich ge-
troffen und ob er Nuklearinformationen weitergegeben habe. Sie hätten ihn
dabei gefoltert und vergewaltigt. Beim dritten Vorfall (der zweiten Haus-
durchsuchung) hätten sie ihn und seine Frau übel beschimpft und Drohun-
gen gegen die Kinder ausgestossen. Der Beschwerdeführer führte ausser-
dem aus, seine Stelle als (...) von Dawoud sei dadurch beendet worden,
dass er am 1. Februar 2016 verhaftet worden sei. Er habe dem Geheim-
dienst schriftlich versprechen müssen, diese Tätigkeit aufzugeben, und Da-
woud habe von sich aus gemeint, es sei wohl besser, wenn er diese Auf-
gaben nicht mehr machen würde. Nach seiner zweiten Inhaftierung habe
er aufgrund seiner Verletzungen eine Zeitlang nicht arbeiten können. Da-
nach sei er bis zur Ausreise ungefähr zweimal in der Woche in die (...)
gegangen, um den Anschein der Normalität zu erwecken, und habe auch
den Lohn erhalten, aber er habe nicht mehr richtig gearbeitet. Er habe in
dieser Zeit zudem noch zwei Wochen Ferien bezogen. Dawoud habe er
zum letzten Mal am 20. März 2017 in der (...) gesehen. Dieser sei später
an einem Herzinfarkt gestorben.
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A.d Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des vorinstanzlichen Ver-
fahrens folgende Unterlagen zu den Akten: den Reisepass, die Melli-Karte,
seine Shenasnameh (inkl. Übersetzung), ein Heiratszertifikat (Kopie, mit
Übersetzung), eine Reiseversicherung, mehrere Fotos, Kopien von Mess-
enger-Mitteilungen, eine Vollmacht vom 20. März 2019, eine E-Mail von
A. Z. an die Rechtsvertreterin vom 20. März 2019 sowie mehrere Unterla-
gen betreffend seine medizinische/psychotherapeutische Behandlung in
der Schweiz.
B.
Mit Verfügung vom 31. Mai 2019 – eröffnet am 3. Juni 2019 – erwog das
SEM, die Asylvorbringen seien unglaubhaft. Daher verneinte es die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab und
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvoll-
zug.
C.
Mit Beschwerde vom 28. Juni 2019 an das Bundesverwaltungsgericht liess
der Beschwerdeführer den vorinstanzlichen Asylentscheid anfechten. Da-
bei wurde beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und es
sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren. Even-
tuell sei der Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, sub-
eventuell sei der Vollzug der Wegweisung infolge Unzulässigkeit oder Un-
zumutbarkeit auszusetzen und die vorläufige Aufnahme zu verfügen. Sub-
subeventuell sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der vollumfäng-
lichen unentgeltlichen Rechtspflege sowie Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses ersucht.
Der Beschwerde lagen folgende Unterlagen bei: die angefochtene Verfü-
gung, eine Vollmacht vom 20. März 2019, zahlreiche Fotos (unter anderem
Fotos von Personen, von Verletzungen, Fotos der Taufen der Familienmit-
glieder sowie Screenshots von Twitter, Facebook und Messenger), ein
USB-Stick, mehrere Arztberichte (auch betreffend die Tochter D._)
sowie ein Bericht einer Psychologin, ein Taufbekenntnis vom 3. September
2017, eine Unterstützungsbestätigung vom 27. Juni 2019 sowie eine Kos-
tennote vom 28. Juni 2019.
D.
Mit Verfügung vom 5. Juli 2019 hiess der Instruktionsrichter die Gesuche
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG),
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unentgeltliche Verbeiständung (aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG) und Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut und ordnete dem Be-
schwerdeführer antragsgemäss seine Rechtsvertreterin als amtliche
Rechtsbeiständin bei. Im Weiteren wurde das SEM zur Einreichung einer
Vernehmlassung innert Frist eingeladen.
E.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 25. Juli 2019 vollumfänglich
an seiner Verfügung fest. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
replizierte darauf mit Eingabe vom 13. August 2019 und ersuchte dabei
sinngemäss um Gutheissung der Beschwerde. Der Replik lagen Kopien
der Taufurkunden aller Familienmitglieder bei.
F.
Mit Eingabe vom 16. Januar 2020 liess der Beschwerdeführer Unterlagen
zur exilpolitischen Tätigkeit in der Schweiz nachreichen (ein USB-Stick,
ausgedruckte Fotos und Links zu Beiträgen auf sozialen Medien).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, die von einer Vorinstanz
im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet
betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach ist das
Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung von Beschwerden
gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls und entscheidet in
diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105
AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
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durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist demnach einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Antragsgemäss wurden im vorliegenden Beschwerdeverfahren die vorste-
hend unter A.a bezeichneten Akten der übrigen Familienmitglieder beige-
zogen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-
schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl.
Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings-
eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach
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Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss-
bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden
Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft
machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu
BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H., und 2009/29 E. 5.1).
4.4 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die we-
gen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und die weder
Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat
bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind. Vorbehalten bleibt die
Flüchtlingskonvention vom 28. Juli 1951 (vgl. Art. 3 Abs. 4 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids
im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe oftmals die ihm gestell-
ten Fragen nicht oder nur kurz beantwortet und stattdessen allgemeine
Ausführungen gemacht oder über Erlebnisse von anderen Personen be-
richtet. Seine Aussagen zu selbsterlebten Ereignissen würden zwar Real-
kennzeichen enthalten, jedoch würden diese nicht die zu erwartende Qua-
lität aufweisen. Auch in der zusätzlichen Anhörung habe er lediglich in we-
nigen Sätzen über die selbsterlebten Ereignisse berichtet und im Übrigen
in sehr allgemeiner Art und Weise seine persönliche Zerrissenheit als Vater
geschildert. Für das SEM sei daher nicht nachvollziehbar, wie sich die an-
gebliche selbsterlebte Situation zugetragen habe. Seine Darstellung, wie
er von den Wahlfälschungen erfahren habe, lasse ebenfalls jeglichen Er-
lebnisbezug vermissen. Seine diesbezüglichen Aussagen seien zudem wi-
dersprüchlich ausgefallen. Ohnehin habe er selber eingeräumt, dass die
ganze Welt von den Wahlfälschungen gewusst habe. Es entstehe daher
der Eindruck, dass er bei seinen Schilderungen auf allgemein zugängliches
Wissen zurückgegriffen habe. Von einer Person mit seiner Bildung und po-
litischen Haltung wäre bei der Schilderung von selbsterlebten Ereignissen
eine höhere Aussagequalität zu erwarten gewesen. Insgesamt seien daher
die Vorbringen, wonach der Beschwerdeführer mehrere Tage festgehalten
und gefoltert worden sei und aufgrund der Weiterleitung von sensiblen In-
formationen zu Wahlfälschungen gefährdet sei, wenig glaubhaft. Im Weite-
ren sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer in Bezug auf den Vorfall
vom 1. Februar 2016 (Untersuchungshaft) unterschiedliche Angaben zum
Ablauf der Verhaftung, zur Haftdauer sowie zu den ihm gestellten Fragen
gemacht habe. Dieses Ereignis sei daher zu bezweifeln. Auch die Vorfälle
ab dem 10. Oktober 2016 habe er uneinheitlich geschildert. Insbesondere
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habe er nicht in allen Befragungen dieselben Sachverhaltselemente er-
wähnt und unterschiedliche Angaben zur Dauer der Inhaftierung sowie den
ihm gestellten Fragen gemacht, weshalb seine Vorbringen zu bezweifeln
seien. Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, sein Bruder sei kurz
nach seiner Ausreise seinetwegen verhaftet worden; allerdings habe er
dies erst in der letzten Anhörung vorgebracht, obwohl er schon früher nach
dem Befinden seiner Angehörigen gefragt worden und in regelmässigem
Kontakt zu seiner Mutter gestanden sei. Daher bestünden auch an diesem
Vorbringen Zweifel. Im Weiteren sei nicht nachvollziehbar, dass die Familie
des Beschwerdeführers angesichts der behaupteten staatlichen Verfol-
gung dennoch legal und problemlos habe ausreisen können. Die Erklä-
rung, wonach ein Bekannter den Namen des Beschwerdeführers für einige
Stunden von der «Ausreisesperrliste» entfernt habe, vermöge im Lichte der
geltend gemachten Verfolgungssituation nicht zu überzeugen. Ferner sei
nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer infolge seiner Unter-
stützung von Menschenrechtsaktivisten und Regimegegnern einer asylbe-
achtlichen Gefährdung ausgesetzt gewesen sei, zumal seinen Aussagen
zufolge niemand davon gewusst und er auch keine entsprechenden Be-
weise hinterlassen habe. Es sei zudem davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer lediglich allgemein verfügbare Informationen geteilt habe;
dies ergebe sich aus den eingereichten Messenger-Protokollen. Es sei da-
her nicht ersichtlich, dass er sich damit in eine reelle und asylbeachtliche
Gefährdungslage gebracht habe. Den Vorbringen des Beschwerdeführers
fehle es insgesamt an Schlüssigkeit und innerer Konsistenz. Aus den ein-
gereichten Fotos, auf welchen der Beschwerdeführer mit den Ahmadine-
schad-Brüdern abgebildet sei, lasse sich nicht der Schluss ziehen, dass
der Beschwerdeführer in Iran in asylbeachtlicher Weise gefährdet gewesen
sei. Auch die übrigen Fotos und weiteren Beweismittel seien nicht geeig-
net, die geltend gemachte Verfolgungssituation zu belegen. Insgesamt sei
es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine Asylvorbringen glaubhaft
zu machen, weshalb die Flüchtlingseigenschaft zu verneinen und das Asyl-
gesuch abzulehnen sei.
5.2 In der Beschwerde wird zunächst der Sachverhalt wiederholt und dabei
angefügt, der Beschwerdeführer habe an den Protesten im Nachgang an
die Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni 2009 teilgenommen, ebenso
seine Ehefrau (Verweis auf die als Beweismittel eingereichten Fotos und
Videos). Er habe sich auch dadurch stark exponiert, dass er Informationen
in Bezug auf politische Gefangene an Menschenrechtsaktivisten weiterge-
leitet habe (Verweis auf ausgedruckte Screenshots von Facebook und
Twitter). Er habe eigentlich schon anlässlich seines ersten Aufenthalts in
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der Schweiz ein Asylgesuch stellen wollen, sei aber dann aus Sorge um
seine Familie nach Iran zurückgekehrt, obwohl er Angst gehabt habe, ge-
foltert oder getötet zu werden. Anlässlich der Hausdurchsuchungen im Ok-
tober 2016 und Januar 2017 habe der Geheimdienst die elektronischen
Geräte der Familie mitgenommen. Darauf seien Hinweise auf die politi-
schen Aktivitäten des Beschwerdeführers gespeichert gewesen. Der Ge-
heimdienst verfüge somit über umfangreiche Informationen zur Person des
Beschwerdeführers. In der Schweiz sei der Beschwerdeführer weiterhin
aktiv auf Facebook und Twitter und habe dort Freunde und Follower. Er
und seine Familie hätten im Mai/Juni 2019 auf Twitter Drohungen erhalten
(vgl. die entsprechenden Beweismittel Beilage 7 und 7a). In der Schweiz
habe er bisher an zwei Demonstrationen in I._ teilgenommen, diese
seien wie üblich von den iranischen Behörden gefilmt worden. In Bezug auf
den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wird vorgebracht, dieser
befinde sich in ärztlicher und psychologischer Behandlung. Wie den einge-
reichten Arztberichten zu entnehmen sei, seien mehrere Diagnosen ge-
stellt worden (posttraumatische Belastungsstörung nach Folter, Band-
scheibenvorfall, Hüftgelenkproblem, Knieverletzung aufgrund der Folterun-
gen). Sodann wird ausgeführt, der Beschwerdeführer und seine Angehöri-
gen hätten sich am 3. September 2017 in der Schweiz taufen lassen. Es
seien viele Personen anwesend gewesen, weshalb davon auszugehen sei,
dass die Konversion bekannt sei. Im Asylrecht genüge es, dass die Flücht-
lingseigenschaft glaubhaft gemacht werden könne. Vorliegend würden die
Aussagen des Beschwerdeführers mit denjenigen seiner Familienmitglie-
der übereinstimmen; deren Akten seien beizuziehen. Entgegen den wider-
sprüchlichen und oberflächlichen Erwägungen des SEM seien die Ausfüh-
rungen des Beschwerdeführers zu seinen persönlichen Asylgründen aus-
führlich und spezifisch ausgefallen und hätten ausreichend Realkennzei-
chen enthalten, womit von einer erhöhten Aussagequalität auszugehen sei.
Bei den zusätzlichen Aussagen des Beschwerdeführers zum generellen
Kontext habe es sich um wichtige Informationen gehandelt, welche zeig-
ten, dass der Beschwerdeführer gefährdet sei. Dies spreche für die hohe
Aussagequalität. Bei der ergänzenden Anhörung sei der Beschwerdefüh-
rer unterbrochen worden, weshalb der Vorwurf des SEM, der Beschwerde-
führer habe nur in wenigen Sätzen über die selbsterlebten Ereignisse ge-
sprochen, nicht haltbar sei. Die vom SEM aufgezählten Widersprüche
seien dadurch erklärbar, dass der Beschwerdeführer Angst gehabt habe,
dem SEM von seinen Kontakten zu Menschenrechtsaktivisten und von der
Aufzeichnung eines Gesprächs zwischen Mahmoud Ahmadineschad und
Herrn Mashaei zu erzählen, da er befürchtet habe, die iranischen Behör-
den könnten davon erfahren. Er habe in der Anhörungsfortsetzung vom
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15. Februar 2019 von sich aus seine Aussagen in der Anhörung vom
14. Februar 2019 ergänzt und präzisiert. Obwohl Thagi Karoubi ihm am
7. November 2018 vorgeworfen habe, ein Monarchist zu sein, habe er die-
sem am 14. November 2018 mitgeteilt, er habe damals (im Jahr 2009) die
Informationen über die Wahlfälschungen weitergeleitet. Der Beschwerde-
führer habe damit Mahmoud Ahmadineschad verraten, weshalb seine
Furcht vor Konsequenzen seitens der Ahmadineschads nachvollziehbar
sei. Er habe Karoubi im Weiteren am 12. Mai 2017 über seine Flucht aus
Iran informiert. Dies spreche für die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen. Es
sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer entscheidend dazu
beigetragen habe, dass die Öffentlichkeit von den Wahlfälschungen erfah-
ren habe und das Leben von vielen Gefangenen gerettet worden sei. Im
Weiteren sei darauf hinzuweisen, dass sich das SEM nicht spezifisch mit
der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Inhaftierung und Folterung
auseinandergesetzt und die Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens ohne
nachvollziehbare Begründung und ohne Berücksichtigung der eingereich-
ten Arztberichte verneint habe. Entgegen der Auffassung des SEM sei es
glaubhaft, dass der Beschwerdeführer gefoltert worden sei. Bezüglich der
Verhaftung vom 1. Februar 2016 sei zu bemerken, dass dies sein letzter
Arbeitstag als (...) gewesen sei. Er habe in der BzP keine Zeit gehabt zu
erklären, dass er vor der Haustüre von Dawoud von mehreren Personen
festgenommen worden sei. Und in der Bundesanhörung habe er dann nicht
noch einmal erwähnt, dass er vor der Verhaftung noch kurz mit Dawoud
gesprochen habe. Während der Untersuchungshaft seien ihm sehr viele
Fragen gestellt worden. Er habe nicht in allen vier Anhörungen/Befragun-
gen immer alle Fragen vollständig widergeben können. Der Geheimdienst
habe generell wissen wollen, ob er im Rahmen seiner Tätigkeit für Dawoud
Ahmadineschad Informationen erlangt habe, welche das Regime gefähr-
den könnten. Dazu hätten auch Fragen über Nuklearangelegenheiten ge-
hört. Zur Inhaftierung ab dem 10. Oktober 2016 habe sich der Beschwer-
deführer entgegen den Ausführungen in der angefochtenen Verfügung
nicht widersprüchlich geäussert. Ausserdem habe das SEM den diesbe-
züglichen Sachverhalt im Entscheid falsch wiedergegeben. Auch die Zeit-
angaben habe das SEM nicht korrekt erfasst. Der Beschwerdeführer habe
übereinstimmend ausgesagt, dass er ab dem 1. Februar 2016 für 22 Tage
respektive einen Monat in Untersuchungshaft gewesen sei. Er habe in der
Anhörung «circa einen Monat» gesagt, aber dies sei nicht übersetzt wor-
den, und der Beschwerdeführer habe dies nicht gemerkt. Sodann sei er
vom 10. bis 25. Oktober 2016 festgehalten worden, somit 16 Tage respek-
tive zwei Wochen. Die ersten beiden Tage sei er nicht gefoltert worden, die
folgenden 14 Tage dafür massiv. Die zweite Hausdurchsuchung habe am
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14. Januar 2017 stattgefunden. Somit bestünden keine Widersprüche be-
züglich der Zeitangaben. Zudem würden die Aussagen der Familienange-
hörigen mit denjenigen des Beschwerdeführers übereinstimmen. Sodann
sei es verständlich, dass der Beschwerdeführer das SEM erst in der ergän-
zenden Anhörung über die Reflexverfolgung (Verhaftung) seines Bruders
informiert habe. Er habe nämlich seine Frau nicht beunruhigen wollen. In
der Beschwerde wird ferner ausgeführt, es sei zu vermuten, dass der Be-
schwerdeführer auf der Liste von Personen mit Auslandreiseverbot gestan-
den habe, da er zuvor mehrmals verhaftet worden sei. Er habe dem Major
K. Geld bezahlt, und dieser habe während sechs Stunden seinen Namen
von der Liste entfernt. Es sei im iranischen Kontext glaubhaft, dass sich
dies so abgespielt habe. Somit habe er Iran letztlich nicht legal, sondern
illegal verlassen. Weiter wird gerügt, das SEM habe in seinem Entscheid
nicht berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer auf Facebook und Twitter
politisch aktiv sei, und dass er und seine Angehörigen zum Christentum
konvertiert seien. Es sei keine gesamthafte Betrachtung vorgenommen
worden. Das SEM erwäge im Weiteren, es könne nicht ausgeschlossen
werden, dass die eingereichten Fotos mittels Fotomontage hergestellt wor-
den seien. Dabei handle es sich um eine reine Behauptung des SEM, wel-
che bestritten werde. Auf den Fotos mit den Verletzungen seien der Be-
schwerdeführer und seine Ehefrau klar zu erkennen. Die damit zu bewei-
senden Sachverhalte seien daher als glaubhaft zu erachten. Bezüglich der
Konversion zum Christentum sei darauf hinzuweisen, dass die Konversion
in Verbindung mit oppositioneller Tätigkeit gemäss Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts zur Asylgewährung führe (Verweis auf meh-
rere Urteile des Bundesverwaltungsgerichts). Im vorliegenden Fall sei da-
von auszugehen, dass der Beschwerdeführer schon vor seiner Ausreise
infolge oppositioneller Tätigkeit, seiner Tätigkeit für Dawoud Ahmadine-
schad und seiner Reise in die Schweiz ins Visier der iranischen Behörden
geraten sei. Er habe auf Facebook und Twitter das Regime kritisiert und im
Jahr 2009 an Demonstrationen gegen das Regime teilgenommen. Auch in
der Schweiz habe er bereits an zwei Demonstrationen teilgenommen. Es
sei davon auszugehen, dass die iranischen Behörden dies zur Kenntnis
genommen und auch von der Konversion erfahren hätten. Damit habe sich
der Beschwerdeführer überdurchschnittlich exponiert. Die Flüchtlingsei-
genschaft sei zumindest glaubhaft gemacht worden. Eventuell sei die Sa-
che an die Vorinstanz zurückzuweisen. Da die Flüchtlingseigenschaft er-
füllt sei, sei zudem der Wegweisungsvollzug unzulässig; dem Beschwer-
deführer würde bei einer Rückkehr eine unmenschliche Behandlung im
Sinne von Art. 3 EMRK drohen.
D-3317/2019
Seite 14
5.3 In seiner (alle fünf Familienmitglieder betreffenden) Vernehmlassung
führt das SEM in Bezug auf den Beschwerdeführer aus, es könne aus den
eingereichten Ausdrucken von Facebook- und Twitterposts sowie Messen-
ger-Mitteilungen nicht geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer
deswegen respektive aufgrund seines regimekritischen Engagements in
Iran und in der Schweiz und seiner Kontakte zu Menschenrechtsaktivisten
einer asylrelevanten Gefährdung ausgesetzt gewesen sei. Der Beschwer-
deführer habe selber eingeräumt, er sei in Iran nie auf seine Kontakte zu
Regimekritikern angesprochen worden, dies sei den Behörden nicht be-
kannt gewesen. Den eingereichten Unterlagen seien auch keine Hinweise
darauf zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer anlässlich der Teil-
nahme an der Demonstration im Jahr 2009 in besonderem Masse expo-
niert oder eine öffentlich erkennbare, wichtige Funktion wahrgenommen
habe. Es sei ausserdem festzustellen, dass die Fotos betreffend die De-
monstration im Jahr 2009 zwar datiert, aber angeblich im Januar 2000 auf-
genommen worden seien. Dies zeige, dass solche Fotos leicht manipulier-
bar seien, weshalb deren Beweiswert gering sei. Aufgrund der Aktenlage
sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer über kein herausragendes
politisches Profil verfüge. Die eingereichten Beweismittel seien auch nicht
geeignet zu belegen, dass der Beschwerdeführer aufgrund eines Twitter-
posts gezielt (mittels Drohungen) verfolgt worden sei. Die in der Be-
schwerde geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten seien sodann bis
anhin nicht aktenkundig gewesen, weshalb davon auszugehen sei, diese
seien vom Beschwerdeführer für die Asylbegründung nicht als wesentlich
erachtet worden. Die vorgebrachte regelmässige Teilnahme an Veranstal-
tungen werde vom Beschwerdeführer ausserdem nur in allgemeiner Weise
dargetan. Die angebliche Demonstration vor der iranischen Botschaft in
Bern werde durch die eingereichten Fotos nicht belegt. Die behauptete exil-
politische Tätigkeit sei insgesamt nicht geeignet, eine begründete Furcht
vor Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. Es sei da-
her nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der gel-
tend gemachten Äusserungen in den sozialen Medien oder seiner exilpoli-
tischen Tätigkeit im Falle einer Rückkehr nach Iran in flüchtlingsrechtlich
relevanter Weise verfolgt würde. Das SEM stellt sodann fest, der Be-
schwerdeführer habe offensichtlich nicht alle ärztlichen Berichte bereits im
erstinstanzlichen Verfahren eingereicht. Seine psychischen und physi-
schen Beschwerden seien jedoch aktenkundig gewesen und in der ange-
fochtenen Verfügung angemessen berücksichtig worden. Aus einem erst
jetzt eingereichten Arztbericht gehe nun neu hervor, dass der Beschwerde-
führer an einer Epicondylitis («Tennisarm») leide. Dieser Befund sei indes-
D-3317/2019
Seite 15
sen nicht relevant in Bezug auf den angeordneten Vollzug der Wegwei-
sung. Im Weiteren werde auf Beschwerdeebene erstmals vorgebracht, der
Beschwerdeführer sei zum Christentum konvertiert. Es treffe nicht zu, dass
aus der Aussage des Beschwerdeführers in der BzP, er sei konfessionslos,
auf die bevorstehende Konversion zum Christentum sowie einer damit ein-
hergehenden flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung hätte geschlos-
sen werden können. Daher sei auch nicht nachvollziehbar, weshalb dieses
Ereignis nicht bereits im erstinstanzlichen Verfahren thematisiert worden
sei. Unter Hinweis auf die diesbezügliche Rechtsprechung des Bundesver-
waltungsgerichts (Verweis auf das Urteil D-3357/2006 vom 9. Juli 2009
[publiziert als BVGE 2009/28]) sei sodann festzustellen, dass den einge-
reichten Ausführungen und Beweismitteln nicht entnommen werden könne,
dass sich der Beschwerdeführer bei der Ausübung seiner christlichen Ge-
sinnung besonders engagiert oder gar exponiert habe. Es sei daher davon
auszugehen, dass er ein einfaches Mitglied einer christlichen Vereinigung
sei. Demnach sei nicht von einer konkreten Gefährdung infolge der Kon-
version auszugehen. Im Weiteren sei festzustellen, dass die mit der Be-
schwerde eingereichten Fotos mehrheitlich schon im erstinstanzlichen Ver-
fahren aktenkundig gewesen seien. Wie bereits in der angefochtenen Ver-
fügung erwähnt, seien Fotos von Personen, welche zu einem beliebigen
Zeitpunkt an einem beliebigen Ort entstanden seien, nicht geeignet, die
geltend gemachte Vorverfolgung glaubhaft zu machen. Die Videoauf-
nahme der Blutdrainage lasse ihrerseits keine klare Identifizierung einer
Person zu und vermöge die Umstände der vom Beschwerdeführer geltend
gemachten Vorfälle ohnehin nicht zu belegen. Im Weiteren habe der Be-
schwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren hinsichtlich seiner ersten
Reise in die Schweiz geltend gemacht, er habe sich damals aus touristi-
schen respektive beruflichen Gründen hier aufgehalten. In der Beschwerde
werde nun vorgebracht, er habe bereits damals ein Asylgesuch einreichen
wollen, sei aber dann trotz Todesangst nach Iran zurückgekehrt, um seine
Familie nicht alleine zu lassen. Es sei allerdings nicht nachvollziehbar, wes-
halb der Beschwerdeführer dies nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt
geltend gemacht habe; zudem sei unklar, gestützt auf welche Gründe er
damals um Asyl hätte ersuchen wollen. Die Glaubhaftigkeit dieses Vorbrin-
gens sei daher zu bezweifeln.
5.4 In der (ebenfalls alle fünf Familienmitglieder betreffenden) Replik wird
in Bezug auf den Beschwerdeführer entgegnet, das SEM habe offensicht-
lich anerkannt, dass der Beschwerdeführer in Iran und in der Schweiz mit
Menschenrechtsaktivisten, Regimegegnern und politischen Gefangenen in
Kontakt gestanden sei oder diese unterstützt habe. Das SEM habe auch
D-3317/2019
Seite 16
anerkannt, dass der Beschwerdeführer wegen seiner Tätigkeit für die Fa-
milie Ahmadineschad und der somit von ihm möglicherweise erlangten
Nuklearinformationen respektive des Verdachts auf Spionagetätigkeit ins
Visier des iranischen Geheimdienstes geraten sei. Der Geheimdienst habe
jedoch keine entsprechenden Beweise bei ihm gefunden. Der Beschwer-
deführer habe aber nie gesagt, dass er nicht über anderweitige Beweismit-
tel betreffend seine Asylgründe verfüge. Die eingereichten Fotos aus den
Jahren 2013 bis 2019 würden weitere politische Aktivitäten belegen. Damit
sei glaubhaft gemacht, dass sich der Beschwerdeführer in Iran und in der
Schweiz gegen das iranische Regime engagiert habe. Diese Vorbringen
seien zu berücksichtigen, zumal das SEM nicht bewiesen habe, dass es
sich beim fraglichen Bildmaterial um Montagen handle. Im Weiteren habe
das SEM anerkannt, dass der Beschwerdeführer persönliche Drohungen
auf Twitter erhalten habe. Facebook und Twitter seien öffentlich, daher
treffe das SEM eine Abklärungspflicht. Es könne nicht ausgeschlossen
werden, dass die Drohungen gezielt seien und vom iranischen Geheim-
dienst stammten, welcher auch in der Schweiz seine Spitzel habe. Der Be-
schwerdeführer habe im Übrigen bereits in Iran auf Twitter und Facebook
gepostet, was bei der Beurteilung der Asylgründe zu berücksichtigen sei.
Angesichts der vom SEM grundsätzlich anerkannten Asylvorbringen des
Beschwerdeführers (Nähe zur Familie Ahmadineschad, Kontakt zu respek-
tive Unterstützung von Menschenrechtsaktivisten, Regimegegnern und po-
litischen Gefangenen, regimekritische Äusserungen in den sozialen Me-
dien und Erhalt von Drohungen deswegen, Teilnahme an Kundgebungen
in Iran und in der Schweiz) sei die Schlussfolgerung des SEM, wonach der
Beschwerdeführer über kein herausragendes politisches Profil verfüge und
sich nicht übermässig exponiert habe, nicht nachvollziehbar. Das SEM
habe die Asylgründe nicht gesamtheitlich gewürdigt. Ferner seien beim Be-
schwerdeführer eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sowie
Folterverletzungen diagnostiziert worden. Demnach sei es plausibel, dass
er vom Geheimdienst gefoltert worden sei. Für ihn sei wichtig, dass er nun
Sicherheit und Schutz erhalte. Im Falle einer Rückkehr nach Iran wäre
diese Voraussetzung nicht erfüllt und die PTBS könnte nicht heilen. Die
Rückkehr nach Iran sei daher unzumutbar. Sodann sei auf die Konversion
des Beschwerdeführers zu verweisen. Diese sei belegt, und es sei uner-
heblich, dass dies erst auf Beschwerdeebene geltend gemacht werde. Der
Beschwerdeführer sei nicht erst nach dem negativen Asylentscheid (aus
asyltaktischen Gründen) konvertiert, sondern bereits im Jahr 2017 und aus
Überzeugung. Die Taufe sei auch von Drittpersonen gefilmt und fotografiert
worden, es seien viele Personen anwesend gewesen. Es könne daher
nicht ausgeschlossen werden, dass Aufnahmen der Taufe in die Hände des
D-3317/2019
Seite 17
iranischen Geheimdienstes geraten oder gar Spitzel bei der Taufe anwe-
send gewesen seien. Die Konversion müsse kumulativ zu den übrigen
Asylgründen berücksichtigt werden. Hinsichtlich der eingereichten Fotos
und Videos sei festzuhalten, dass diese die geltend gemachten Asylgründe
dokumentierten. Diese Unterlagen seien bei der Beurteilung der Glaubhaf-
tigkeit zu berücksichtigen. Die Fotos würden unter anderem das Vorbrin-
gen belegen, wonach der Beschwerdeführer für Dawoud Ahmadineschad
gearbeitet und auch Kontakt mit Mahmoud Ahmadineschad gehabt und,
dass zwischen ihnen ein Vertrauensverhältnis geherrscht habe. Auf der Vi-
deoaufnahme der Blutdrainage sei das Gesicht des Beschwerdeführers zu
erkennen. Die Videoaufnahme untermauere die diesbezüglichen Ausfüh-
rungen des Beschwerdeführers in der Anhörung und müsse daher bei der
Glaubhaftigkeitsprüfung berücksichtigt werden. Weiter wird vorgebracht,
der Beschwerdeführer sei am 1. Februar 2016 infolge seiner Verbindung
zur Familie Ahmadineschad in Untersuchungshaft versetzt worden. Er
habe Angst um sein Leben gehabt, daher habe er in der Schweiz ein Asyl-
gesuch einreichen wollen. Weil er seiner Familie gegenüber ein schlechtes
Gewissen gehabt habe, habe er im Asylverfahren zunächst gesagt, er sei
damals aus touristischen und beruflichen Gründen in die Schweiz gegan-
gen. Der Geheimdienst habe ihm dann aufgrund seines Aufenthalts in der
Schweiz Spionageaktivitäten vorgeworfen. Der Beschwerdeführer habe
insgesamt mehrere Asylgründe vorgebracht. Dem SEM fehle der Wille, den
Sachverhalt korrekt und vollständig festzustellen. Es sei schliesslich fest-
zustellen, dass die Aussagen des Beschwerdeführers mit denjenigen sei-
ner Familienmitglieder übereinstimmten.
5.5 In der Eingabe vom 16. Januar 2020 wird geltend gemacht, der Be-
schwerdeführer habe im November und Dezember 2019 an zwei Kundge-
bungen in K._ teilgenommen, welche sich gegen das iranische Re-
gime gerichtet hätten. Er habe dabei eine tragende Rolle innegehabt, in-
dem er Sprechchöre angeleitet und ein Foto von Ajatollah Ali Khamenei
angezündet habe. Diese Aktivitäten seien in den sozialen Medien verbreitet
und tausendfach angesehen worden. Auf den eingereichten Videos und
Fotos sei der Beschwerdeführer klar erkennbar. Die Rückkehr nach Iran
sei auch aus diesen Gründen ausgeschlossen.
6.
Nachfolgend ist zunächst zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund
der geltend gemachten Vorfluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft erfüllt
(vgl. Art. 3 und 7 AsylG).
D-3317/2019
Seite 18
6.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei im Zusammenhang mit
seiner früheren Anstellung als (...) von Dawoud Ahmadineschad am 1.
Februar 2016 durch den Geheimdienst verhaftet und zu seinem Verhältnis
zu sowie seiner Tätigkeit für Dawoud befragt worden. Nach 22 Tagen res-
pektive einem Monat sei er wieder freigelassen worden. Zu diesem Vor-
bringen ist zunächst zu bemerken, dass namentlich auch aufgrund der ein-
gereichten Fotos nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich der Be-
schwerdeführer ab und zu im Umfeld von Dawoud Ahmadineschad aufge-
halten hat. Demnach ist auch nicht auszuschliessen, dass der iranische
Geheimdienst davon erfahren und den Beschwerdeführer zu dessen Ver-
hältnis zu Dawoud und allenfalls auch Mahmoud Ahmadineschad befragt
hat. Trotz gewisser Ungereimtheiten in den diesbezüglichen Aussagen des
Beschwerdeführers (vgl. dazu die Erwägungen des SEM auf S. 7 der an-
gefochtenen Verfügung) ist die geltend gemachte Inhaftierung im Februar
2016 daher als überwiegend glaubhaft zu erachten. Allerdings weist diese
Haft weder in zeitlicher noch in sachlicher Hinsicht einen genügend engen
Zusammenhang zur Ausreise des Beschwerdeführers im April 2017 auf.
Den Akten zufolge führte der Beschwerdeführer sein Leben nach der Haft-
entlassung zunächst unbehelligt fort und unternahm im Juli 2016 sogar
eine zweiwöchige Ferienreise in die Schweiz und nach Frankreich (vgl. A21
F45 ff.). An dieser Stelle ist anzufügen, dass das Vorbringen in der Be-
schwerde, wonach der Beschwerdeführer eigentlich schon anlässlich sei-
nes damaligen, ersten Aufenthalts in der Schweiz ein Asylgesuch habe
stellen wollen, dann aber davon abgesehen habe, weil er seine Familie
nicht habe in Iran zurücklassen wollen, nicht glaubhaft erscheint, zumal
dies ohne überzeugenden Grund erst auf Beschwerdeebene nachgescho-
ben wurde. Mangels anderweitiger Hinweise ist im Weiteren davon auszu-
gehen, dass sowohl die damalige Ausreise in die Schweiz als auch die
spätere Rückkehr nach Iran problemlos erfolgten, was darauf schliessen
lässt, dass im damaligen Zeitpunkt kein Verfolgungsinteresse der irani-
schen Behörden an der Person des Beschwerdeführers (mehr) bestand.
Die geltend gemachte Untersuchungshaft im Februar 2016 ist demnach
nicht als asylrelevant zu erachten.
6.2 Sodann bringt der Beschwerdeführer vor, der Geheimdienst habe am
10. Oktober 2016 sein Haus durchsucht, Gegenstände (Mobiltelefone,
Laptops etc.) beschlagnahmt und ihn mitgenommen. In der Folge sei ihm
Spionage für Israel und die USA vorgeworfen worden, und er sei massiv
gefoltert und auch vergewaltigt worden. Nach zwei Wochen sei er an einem
Strassenrand ausgesetzt worden; man habe ihn offenbar für tot gehalten.
Grund für die Verhaftung sei seine frühere Nähe zu den Ahmadineschads
D-3317/2019
Seite 19
sowie seine Reise in die Schweiz (im Juli 2016) gewesen. Der Geheim-
dienst habe vermutet, er wisse, über welche für Ali Khamenei schädlichen
Informationen die Ahmadineschads verfügten, und ihn ausserdem ver-
dächtigt, Dokumente an ausländische Botschaften übermittelt zu haben.
Am 14. Januar 2017 hätten die Sicherheitskräfte sein Haus erneut durch-
sucht und ihn und seine Frau geschlagen. Ausserdem seien wiederum Sa-
chen beschlagnahmt worden. Dazu ist Folgendes festzustellen:
6.2.1 Der Beschwerdeführer schilderte eindringlich und detailreich die von
ihm erlittenen Misshandlungen (vgl. insbesondere A21 F73 und F74; A32
F17). Den eingereichten Arztberichten zufolge leidet er bis heute unter kör-
perlichen und psychischen Problemen, welche grundsätzlich von Folter
herrühren können. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass der
Beschwerdeführer in Iran Opfer von schweren Misshandlungen geworden
ist. Allerdings ist der von ihm geltend gemachte Kontext zu bezweifeln: Der
Beschwerdeführer befand sich eigenen Angaben zufolge schon im Februar
2016 22 Tage respektive einen Monat lang in Untersuchungshaft, weil er
als (...) für Dawoud Ahmadineschad gearbeitet habe (vgl. dazu vorstehend
E. 6.1). Es ist demnach davon auszugehen, dass die Behörden seine Ver-
bindung zu den Ahmadineschads bereits damals eingehend abgeklärt und
die für notwendig erachteten Untersuchungsmassnahmen ergriffen haben.
Bei dieser Sachlage erscheint es realitätsfremd, dass der Beschwerdefüh-
rer im Oktober 2016 erneut aufgrund seiner Anstellung bei Dawoud (wel-
che per 1. Februar 2016 [12. Bahman 1394] beendet worden war; vgl. A22
F32) – verhaftet wurde. Ausserdem ist davon auszugehen, dass eine all-
fällige Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit dem angeblich vermute-
ten Besitz von Dokumenten betreffend die Ahmadineschads bereits im
Rahmen der ersten Haft im Februar 2016 vorgenommen worden wäre, falls
eine solche von den Behörden als opportun angesehen worden wäre, zu-
mal die Präsidentschaft von Mahmoud Ahmadineschad bereits Anfang Au-
gust 2013 geendet hatte. Sodann kann auch die zweiwöchige Ferienreise
in die Schweiz und nach Frankreich im Juli 2016 (vgl. A21 F46) nicht als
plausibler Grund für die fragliche Verhaftung im Oktober 2016 angesehen
werden. Angesichts der geltend gemachten Inhaftierung im Februar 2016
ist nämlich davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bereits im Zeit-
punkt seiner Rückkehr Ende Juli 2016 verhaftet und befragt worden wäre,
wenn die Behörden ihn tatsächlich verdächtigt hätten, heikle Informationen
an ausländische Behörden weitergeleitet zu haben. Es ist nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb die iranischen Behörden damit bis im Oktober 2016 hät-
ten zuwarten sollen, insbesondere da sie bei einem solchen Vorgehen hät-
D-3317/2019
Seite 20
ten damit rechnen müssen, dass sich der Beschwerdeführer in der Zwi-
schenzeit von allfälligen kompromittierenden Beweismitteln getrennt hätte.
Aus diesen Gründen bestehen erhebliche Zweifel an der ersten Haus-
durchsuchung und darauffolgenden Inhaftierung. Gegen die Glaubhaf-
tigkeit dieses Vorbringens spricht im Übrigen auch die Tatsache, dass der
Beschwerdeführer einerseits aussagte, er sei nach zweiwöchiger Haft mit
schweren Folterverletzungen auf die Strasse geworfen worden, und ande-
rerseits geltend machte, er habe während der Haft eine Videoerklärung ab-
geben müssen, wonach er nicht gefoltert worden sei (vgl. A21 F73); dies
ist nicht plausibel. Unter den erwähnten Umständen wäre nämlich vielmehr
zu erwarten gewesen, dass der Geheimdienst den Beschwerdeführer spur-
los hätte verschwinden lassen, zumal er angeblich für tot gehalten worden
sei (vgl. A21 F74 am Ende). Weiter fällt auf, dass der Beschwerdeführer
zwar geltend machte, die Beamten hätten unter anderem sein Mobiltelefon
beschlagnahmt (vgl. A5 S. 7), gleichzeitig aber erklärte, er sei während der
Inhaftierung nie auf seine Messenger-Nachrichten respektive seine Kon-
takte zu Menschenrechtsaktivisten angesprochen worden (vgl. A21 F77
ff.). Dies erscheint realitätsfremd, da davon auszugehen ist, dass die Akti-
vitäten des Beschwerdeführers in den sozialen Medien vom Geheimdienst
thematisiert worden wären, falls sein Mobiltelefon tatsächlich beschlag-
nahmt worden wäre. Diese Ungereimtheit spricht somit ebenfalls gegen die
Glaubhaftigkeit des Vorfalls vom 10. Oktober 2016. Anzufügen ist, dass
demnach auch dem Vorbringen in der Beschwerde, wonach der Beschwer-
deführer gefährdet sei, weil die Behörden im Besitz von elektronischen Ge-
räten seien, auf welchen Hinweise auf seine politischen Aktivitäten gespei-
chert seien, keinen Glauben geschenkt werden kann. Schliesslich ist fest-
zustellen, dass der Beschwerdeführer zur Dauer der angeblichen Inhaftie-
rung im Oktober 2016 unterschiedliche Angaben gemacht hat: In der BzP
gab er zunächst an, die Haft habe 7-10 Tage gedauert (vgl. A5 S. 7), an-
schliessend machte er geltend, sie habe vom 10. bis am 25. Oktober 2016
(und damit 15 Tage) gedauert (vgl. A5 S. 8). In der Anhörung sprach er
dann von zwei Wochen respektive 16 Tagen (vgl. A21 F73). Diese wider-
sprüchlichen Angaben werden durch die diesbezüglichen Ausführungen in
der Beschwerde (vgl. S. 20) nicht entkräftet. Insgesamt kann die geltend
gemachte Hausdurchsuchung und Inhaftierung im Oktober 2016 daher
nicht als glaubhaft erachtet werden.
6.2.2 Im Weiteren ist festzustellen, dass aufgrund der vorstehenden Erwä-
gungen auch das angebliche Folgeereignis – die zweite Hausdurchsu-
chung vom 14. Januar 2017 – nicht geglaubt werden kann. An dieser Stelle
ist anzufügen, dass der Umstand, dass die Familienmitglieder zu einem
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Seite 21
grossen Teil deckungsgleiche Angaben zur Hausdurchsuchung und Mit-
nahme des Beschwerdeführers am 10. Oktober 2016, seiner Rückkehr so-
wie der Hausdurchsuchung vom 14. Januar 2017 gemacht haben (vgl.
dazu die beigezogenen Akten der vier Familienangehörigen), zwar grund-
sätzlich ein Indiz für die Glaubhaftigkeit dieser Asylvorbringen sein kann;
im vorliegenden Fall ist dieser Umstand jedoch nicht geeignet, die darge-
legten Zweifel an der Glaubhaftigkeit nachhaltig zu zerstreuen, zumal die
Schilderungen der Angehörigen trotz einzelner aus der subjektiven Per-
spektive gemachten Aussagen insgesamt eine hohe Ähnlichkeit aufwei-
sen, weshalb die bereits vom SEM geäusserte Vermutung, die Aussagen
seien abgesprochen worden, nicht gänzlich von der Hand zu weisen ist.
Die diesbezüglich eingereichten Fotos und Videos sind sodann bestenfalls
geeignet, die geltend gemachten Verletzungen zu belegen, nicht jedoch die
Umstände, welche dazu geführt haben.
6.2.3 Nach dem Gesagten ist es als unglaubhaft zu erachten, dass der Be-
schwerdeführer im Oktober 2016 unter den von ihm genannten Umständen
und aus den von ihm genannten Gründen inhaftiert und gefoltert wurde und
dass sowohl am 10. Oktober 2016 als auch am 14. Januar 2017 sein Haus
durchsucht und dabei Laptops sowie weitere Gegenstände beschlagnahmt
wurden. An dieser Einschätzung vermag auch die als Beweismittel zu den
Akten gereichte Messenger-Nachricht des Beschwerdeführers an Moham-
mad Taghi Karoubi vom 12. Mai 2017, worin er Karoubi seine Probleme
schildert, nichts zu ändern, zumal die blosse Tatsache, dass der Beschwer-
deführer Entsprechendes geschrieben hat, kein Beweis dafür ist, dass sich
der fragliche Sachverhalt tatsächlich zugetragen hat.
6.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist nicht davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer im Ausreisezeitpunkt einer aktiven Verfolgung
durch die iranischen Behörden ausgesetzt war. Gegen ein im damaligen
Zeitpunkt bestehendes ernsthaftes Verfolgungsinteresse der iranischen
Behörden an seiner Person spricht im Übrigen auch die Tatsache, dass der
Beschwerdeführer zwischen der angeblichen zweiten Hausdurchsuchung
Mitte Januar 2017 und der Ausreise im April 2017 nicht weiter behelligt
wurde (vgl. A22 F72), obwohl es für den Geheimdienst mit Sicherheit ein
Leichtes gewesen wäre, ihn bei der Schwiegermutter in H._ oder in
der (...), wo er weiterhin ein- und ausging (vgl. A32 F90 f. und F125), aus-
findig zu machen. Demzufolge ist es auch als unwahrscheinlich zu erach-
ten, dass der Name des Beschwerdeführers auf der Liste der mit einem
Ausreiseverbot belegten Personen stand und er nur dank der Bezahlung
D-3317/2019
Seite 22
eines Geldbetrags und der Hilfe von Major K., welcher die temporäre Ent-
fernung seines Namens von der Liste veranlasst habe, ausreisen konnte
(vgl. dazu A22 F70). Bezeichnenderweise machte er dies auch erst in der
Anhörung geltend, während er in der BzP weder ein Ausreiseverbot noch
die angebliche Hilfe von Major K. erwähnte, sondern seine legale Ausreise
damit erklärte, dass die Behörden nichts gegen ihn in der Hand gehabt und
gedacht hätten, er sei tot (vgl. A5 S. 8). Aufgrund des Gesagten ist dem-
nach von einer legalen Ausreise des Beschwerdeführers auszugehen.
Schliesslich ist festzustellen, dass die iranischen Behörden offensichtlich
bis heute keine Strafverfolgung gegen den Beschwerdeführer eingeleitet
haben und ihn offensichtlich auch nicht aktiv suchen; denn seine in Iran
wohnhaften Angehörigen, zu welchen der Beschwerdeführer weiterhin –
zumindest teilweise – in Kontakt steht, hätten davon mit Sicherheit erfahren
und ihm dies mitgeteilt (vgl. A22 F74). Auch aus diesem Grund ist nicht von
einem anhaltenden Verfolgungsinteresse des iranischen Geheimdienstes
auszugehen.
6.4 In Anbetracht der vorstehenden Erwägungen ist sodann auch das Vor-
bringen des Beschwerdeführers in der ergänzenden Anhörung vom 30. Ap-
ril 2019, wonach sein jüngster Bruder, J._, im ersten Jahr nach sei-
ner Ausreise (d.h. im Jahr 2018) zweimal verhaftet und gefoltert worden
sei, da man ihn zu Aussagen über den Beschwerdeführer habe nötigen
wollen (vgl. A32 F3 ff.), als unglaubhaft zu erachten. Ergänzend ist zu be-
merken, dass dieses Vorbringen nicht näher substanziiert und ohne zu-
reichenden Grund nachgeschoben wurde; der Beschwerdeführer erklärte
nämlich in der Anhörung vom 15. Februar 2019 noch, er telefoniere einmal
pro Monat mit seinem jüngsten Bruder (A22 F73), und dabei erwähnte er
die angeblichen Verhaftungen des Bruders mit keinem Wort.
6.5 Seitens des Beschwerdeführers wird ferner geltend gemacht, er müsse
im Falle einer Rückkehr nach Iran mit Verfolgung rechnen, weil er im Jahr
2009 an einer Kundgebung gegen das Regime teilgenommen und zudem
in den Jahren vor der Ausreise mit Regimekritikern und Menschenrechts-
aktivisten in Kontakt gestanden und politische Gefangene mit Geldspen-
den unterstützt habe. Diese Verfolgungsfurcht ist indessen als unbegrün-
det zu erachten. Seine Teilnahme an einer Kundgebung im Jahr 2009
wurde ihm den Akten zufolge schon anlässlich der ersten Haft im Februar
2016 vorgehalten (vgl. A5 S. 7). Offensichtlich erachteten die Behörden
dies jedoch nicht als relevant, da er in der Folge ohne Anklage aus der Haft
entlassen wurde. Sodann ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer bis-
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Seite 23
her nie von den Behörden auf seine Kontakte zu Regimekritikern und Men-
schenrechtsaktivisten in den sozialen Medien sowie seine Spenden zu-
gunsten von politischen Gefangenen angesprochen (vgl. dazu A21 F77 ff.)
und demnach auch nie aus diesem Grund verfolgt wurde. Es wird auch
nicht glaubhaft gemacht, dass den iranischen Behörden diese Aktivitäten
inzwischen bekannt geworden sind. An dieser Einschätzung vermögen die
eingereichten Screenshots von Twitter- und Facebook-Posts nicht zu än-
dern. Das Bestehen einer begründeten Verfolgungsfurcht in diesem Zu-
sammenhang ist daher zu verneinen.
6.6 Weiter wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer befürchte eine zu-
künftige Verfolgung durch die Ahmadineschads, weil er Informationen be-
treffend die Wahlfälschung bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009
an die Konkurrenz (Mir Hossein Mussawi) sowie an Mohammad Taghi
Karoubi (einem im Exil lebenden Regimekritiker) weitergeleitet habe. Auch
diese Verfolgungsfurcht muss als unbegründet bezeichnet werden. Zu-
nächst ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Aussage des Beschwerdefüh-
rers niemand – abgesehen von Mussawi beziehungsweise dessen dama-
ligen Wahlkampagnenleiter sowie später Karoubi – von seiner angeblichen
Weitergabe dieser Informationen erfahren hat (vgl. A22 F16) und er somit
auch nie aus diesem Grund von Mahmoud, Dawoud (welcher am 4. Okto-
ber 2017 verstorben ist) oder anderen Personen aus dem Umfeld der
Ahmadineschads verfolgt wurde (vgl. auch A22 F16 und A32 F51). Abge-
sehen davon ist die Darstellung des Beschwerdeführers, wonach er ein
Gespräch betreffend 8 Millionen «Imam Zaman-Wahlzettel» mitgehört und
diese Information an den Wahlkampagnenleiter von Mussawi weitergeleitet
habe, ohnehin zu bezweifeln, da die diesbezüglichen Aussagen des Be-
schwerdeführers in mehreren Punkten widersprüchlich ausgefallen sind.
So gab er an einer Stelle zu Protokoll, er habe ein Gespräch zwischen Prä-
sident Ahmadineschad und Mashaei mitgehört (vgl. A22 F6), andernorts
erklärte er dagegen, das fragliche Gespräch habe zwischen Mahmoud und
Dawoud Ahmadineschad stattgefunden (vgl. A32 F45). Ferner gab er zu-
nächst an, er habe diese Information nicht aufgezeichnet und auch nicht
weitergeleitet (vgl. A21 F87), andernorts machte er jedoch geltend, er habe
das Gespräch aufgezeichnet und die Information sowie die Aufzeichnung
umgehend an den Wahlkampagnenchef von Mussawi weitergegeben (vgl.
A22 F7; A32 F45). Später habe er ausserdem Karoubi darüber informiert
(A22 F10). Der Beschwerdeführer macht geltend, die Widersprüche seien
entstanden, weil er im Asylverfahren aus Angst vor negativen Konsequen-
zen zunächst nicht habe sagen wollen, dass er diese Information weiterge-
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leitet habe. Angesichts dessen, dass er die Wahlfälschungsinformation je-
doch angeblich bereits im Jahr 2009 an das Umfeld von Mussawi und spä-
ter ausserdem an Karoubi weitergegeben hat, vermag diese Erklärung in-
dessen nicht zu überzeugen. Auch der als Beweismittel eingereichte
Screenshot der Messenger-Mitteilung an Karoubi vom 14. November 2018,
worin der Beschwerdeführer – nota bene fast zehn Jahre später – geltend
macht, er habe seinerzeit Informationen betreffend die Wahlfälschung an
Mussawi weitergeleitet, ist nicht geeignet zu belegen, dass der Beschwer-
deführer tatsächlich derjenige war, welcher damals das Kampagnenbüro
von Mussawi über die Wahlfälschung orientiert hat, zumal dies jedermann
behaupten kann. Im Übrigen ist es grundsätzlich nicht glaubhaft, dass der
Beschwerdeführer massgeblich dazu beigetragen hat, dass die Öffentlich-
keit von den Wahlfälschungen im Jahr 2009 erfahren hat; denn es gab da-
mals zahlreiche Hinweise darauf, dass die Wahlen manipuliert worden wa-
ren, unter anderem sogar ein (nicht verifiziertes) Schreiben des damaligen
Innenministers Sadegh Mashouli an Khamenei, worin die effektiven Wahl-
ergebnisse aufgeführt waren (vgl. dazu Wikipedia, Results of the 2009 Ira-
nian presidential election, Ziff. 1.2, m.w.H. [https://en.wikipedia.org/wiki/Re-
sults_of_the_2009_Iranian_presidential_election, zuletzt besucht am
5. März 2020]). Insgesamt ist daher nicht davon auszugehen, dass dem
Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Iran infolge der angeblichen
Weiterleitung von Informationen betreffend Wahlfälschungen im Jahr 2009
eine asylbeachtliche Verfolgung aus dem Umfeld der Ahmadineschads
droht.
6.7 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass gestützt auf die dargelegten
Vorfluchtgründe sowohl das Bestehen einer asylbeachtlichen Verfolgung
respektive Verfolgungsgefahr im Ausreisezeitpunkt als auch die geltend
gemachte, angeblich weiterhin bestehende Gefahr einer asylbeachtlichen
Verfolgung im Falle einer Rückkehr nach Iran zu verneinen ist. Das SEM
hat diesbezüglich zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das
Asylgesuch abgelehnt.
7.
Im Folgenden sind die vom Beschwerdeführer geltend gemachten subjek-
tiven Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG; vgl. dazu vorstehend E. 4.3) zu prü-
fen. Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei in der Schweiz exilpolitisch
tätig: Er habe an mehreren regimekritischen Kundgebungen in I._
und K._ (zuletzt im November und Dezember 2019) teilgenommen
und sei in den sozialen Medien aktiv. Ausserdem sei er in der Schweiz zum
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Christentum konvertiert. Aus diesen Gründen müsse er bei einer Rückkehr
nach Iran mit flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung rechnen.
7.1 Es ist bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten
ihrer Staatsbürger auch im Ausland überwachen und erfassen (vgl. dazu
beispielsweise die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-5292/2014
und E-5296/2014 vom 25. Februar 2016 E. 7.4 m.w.H.). Es bleibt jedoch
im Einzelfall zu prüfen, ob die konkret geltend gemachten exilpolitischen
Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr nach Iran mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im asylrechtlichen Sinn nach sich
ziehen. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist dabei davon
auszugehen, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung
von Personen konzentrieren, die über die massentypischen, niedrigprofi-
lierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen aus-
geübt und/oder Aktivitäten vorgenommen haben, welche die jeweilige Per-
son aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausstechen und
als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen. Dabei
darf davon ausgegangen werden, dass die iranischen Sicherheitsbehörden
zu unterscheiden vermögen zwischen tatsächlich politisch engagierten Re-
gimekritikern und Exilaktivisten, die mit ihren Aktionen in erster Linie die
Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen (vgl.
BVGE 2009/28 E. 7.4.3).
7.2 Gemäss der Praxis der schweizerischen Asylbehörden führt der Über-
tritt vom muslimischen Glauben zum Christentum per se grundsätzlich
nicht zu einer (individuellen) Verfolgung durch die iranischen Behörden.
Die christliche Glaubensausübung vermag gegebenenfalls dann flücht-
lingsrechtlich relevante Massnahmen auszulösen, wenn sie in der Schweiz
aktiv und sichtbar nach aussen praktiziert wird und im Einzelfall davon aus-
gegangen werden muss, dass das heimatliche Umfeld von einer solchen
aktiven, allenfalls gar missionierende Züge annehmenden Glaubensaus-
übung erfährt. Eine Verfolgung durch den iranischen Staat kommt somit
erst dann zum Tragen, wenn der Glaubenswechsel aufgrund aktiver oder
missionierender Tätigkeiten bekannt wird und zugleich Aktivitäten der
konvertierten Person vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat
angesehen werden. Bei Konversionen im Ausland muss daher bei der Prü-
fung im Einzelfall neben der Glaubhaftigkeit der Konversion auch das Aus-
mass der öffentlichen Bekanntheit für die betroffene Person in Betracht ge-
zogen werden (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.3.4 f.; Urteile des BVGer
D-7222/2013 vom 31. Oktober 2014 E. 6.5, D-2496/2018 vom 22. Mai
2018 E. 5.5, D-2407/2019 vom 27. Juni 2019 E. 7.2).
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7.3 Den Akten zufolge wurde der Beschwerdeführer am 3. September
2017 von einem Pastor der persisch-christlichen Gemeinde in der Schweiz
getauft. Es ist demnach von einer erfolgten Konversion zum Christentum
auszugehen. Allerdings deutet nichts auf ein exponiertes christliches En-
gagement des Beschwerdeführers in der Schweiz hin. Es ist daher grund-
sätzlich nicht von einer aktiven und sichtbar nach aussen praktizierten
Glaubensausübung auszugehen, und es liegen im Übrigen auch keine
konkreten Hinweise darauf vor, dass seine Abkehr vom muslimischen
Glauben in seinem heimatlichen Umfeld öffentlich bekannt geworden ist.
Die geltend gemachte Konversion zum Christentum vermag daher keine
ernsthafte Verfolgungsfurcht zu begründen.
7.4 In Bezug auf die vorgebrachte exilpolitische Tätigkeit ist unter Berück-
sichtigung der eingereichten Beweismittel festzustellen, dass der Be-
schwerdeführer offenbar im letzten Jahr an vier regimekritischen Kundge-
bungen in I._ und K._ teilgenommen hat, zuletzt im Novem-
ber und Dezember 2019. Er ist auf den eingereichten Fotos und Videos,
welche auch in den sozialen Medien (Twitter, Instagram etc.) kursieren,
ohne weiteres erkennbar. Bei der Kundgebung vom 26. Dezember 2019
hat er nicht nur passiv teilgenommen, sondern hält eine kurze Ansprache
und leitet Sprechchöre an, ausserdem verbrennt er ein Foto von Khamenei.
Der Beschwerdeführer unterhält zudem seit mehreren Jahren einen Twit-
ter- sowie einen Facebook-Account. Auf Twitter ist er unter seinem vollen
Namen und mit seinem Wohnort (L._) registriert, hat aktuell 57
Follower und ist sehr aktiv. Er verbreitet überwiegend regimekritische Posts
von anderen Personen und Organisationen, beispielsweise von Reza Pahl-
avi sowie der Farashgard Foundation (einer Vereinigung von exiliranischen
Aktivisten, welche den zivilen Ungehorsam in Iran fördern wollen und für
einen Sturz des Regimes und die Einführung einer säkularen Demokratie
plädieren). Auf Facebook ist er unter dem Namen M._, geb. (...),
Wohnort L._, aktiv. Aktuell zeigt sein Profilbild ein Foto von ihm und
seiner Familie. Seine Freundesliste ist privat. Er veröffentlich eigene und
fremde Beiträge, wobei er sich mit Menschenrechtsaktivisten und politi-
schen Gefangenen solidarisiert und Khamenei, die Mullahs und das irani-
sche Regime verurteilt und teilweise auch beschimpft. Der Beschwerde-
führer bringt mit seinem exilpolitischen Engagement seine persönliche Ab-
neigung gegen das iranische Regime deutlich zum Ausdruck und hält sich
mit Kritik nicht zurück. Zwar kommt ihm innerhalb der Gemeinschaft der
politisch aktiven Exiliraner keine Führungsposition zu, aber sein Aktivis-
mus, insbesondere in den sozialen Medien, übersteigt jenes Ausmass, wel-
ches noch als massentypisch bezeichnet werden kann. Es kann bei dieser
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Sachlage jedenfalls nicht völlig ausgeschlossen werden, dass er – wenn
auch nur am Rande – namentlich durch seine Posts in den sozialen Medien
das Interesse der iranischen Behörden, insbesondere der FATA («Cyber
Police»), auf sich gezogen hat, zumal die FATA durch ein Heer von freiwil-
ligen, zivilen Informanten unterstützt wird, welche die Aktivitäten von Irane-
rinnen und Iranern im Internet beobachten und gegebenenfalls Meldung
erstatten (vgl. dazu den Artikel von Kaveh Azarhoosh vom 18. Februar
2019 auf https://medium.com/filterwatch/irans-cyber-police-society-based-
policing-and-the-rise-of-peer-surveillance-6f0bb3744893).
7.5 Um zu beurteilen, ob der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr
nach Iran einer flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung ausgesetzt
wäre, muss im vorliegenden Fall zusätzlich berücksichtigt werden, dass
zwar vorstehend (vgl. E. 6) das Bestehen einer asylbeachtlichen Vorverfol-
gung verneint, die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Inhaftierung
vom Februar 2016 im Zusammenhang mit seiner früheren Anstellung als
(...) von Dawoud Ahmadineschad aber als überwiegend glaubhaft erachtet
worden ist (vgl. E. 6.1). Wie erwähnt (vgl. E. 6.2.1) kann ausserdem nicht
ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit
gefoltert wurde. Angesichts der – auch vom SEM – nicht angezweifelten
beruflichen Verbindung zu Dawoud Ahmadineschad liegt die Vermutung
nahe, dass die vom Beschwerdeführer erlittenen Misshandlungen vom ira-
nischen Geheimdienst verübt worden sind, allerdings unter anderen als
den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Umständen (vgl. E. 6.2.1).
Demnach ist es nach dem Gesagten als wahrscheinlich zu erachten, dass
der Beschwerdeführer in der Vergangenheit ins Visier des iranischen Ge-
heimdienstes geraten und sein Name allenfalls registriert worden ist. Folg-
lich muss damit gerechnet werden, dass der Beschwerdeführer im Falle
seiner Rückkehr nach Iran bereits im Zeitpunkt der Einreise einer einge-
henden Befragung und Überprüfung unterzogen würde. Die Wahrschein-
lichkeit, dass dabei sein exilpolitisches, regimekritisches Engagement be-
kannt würde, muss selbst dann als hoch bezeichnet werden, wenn die
FATA den Beschwerdeführer nicht bereits auf dem Radar hat, da seine
Posts auf Facebook und Twitter ohne weiteres im Internet auffindbar sind
(vgl. vorstehend E. 7.4; vgl. dazu die Schnellrecherche der SFH-Länder-
analyse vom 25. April 2019, Iran: Risiken im Zusammenhang mit der Ver-
öffentlichung von «kritischen» Informationen in sozialen Netzwerken, Ziff.
2 Abs. 4). Die Gefahr einer Verhaftung ist unter diesen Umständen nicht
von der Hand zu weisen (vgl. dazu die vorgenannte Schnellrecherche der
SFH-Länderanalyse vom 25. April 2019, Ziff. 3). Angesichts des notorisch
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menschenrechtswidrigen und willkürlichen Vorgehens der iranischen Be-
hörden gegen Regimekritiker und Personen, welchen «Beleidigung des
obersten Führers», «Propaganda gegen den Staat» oder «Beleidigung des
Islam» vorgeworfen wird, ist daher objektiv nachvollziehbar, dass der Be-
schwerdeführer befürchtet, er könnte im Falle einer Rückkehr nach Iran
einer Behandlung ausgesetzt werden, die einer flüchtlingsrechtlich rele-
vanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkäme.
7.6 Dem Beschwerdeführer ist es nach dem Gesagten gelungen, subjek-
tive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG glaubhaft zu machen.
Aufgrund der eingereichten Beweismittel, welche vor April 2017 datierende
Aktivitäten in den sozialen Medien belegen, ist davon auszugehen, dass
das exilpolitische Engagement als Fortsetzung einer bereits im Heimatland
bestandenen regimekritischen Haltung zu qualifizieren ist. Die Ausschluss-
klausel von Art. 3 Abs. 4 AsylG ist daher bereits aus diesem Grund nicht
anwendbar. Somit ist die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu
bejahen. Hingegen schliesst Art. 54 AsylG die Gewährung von Asyl aus
(vgl. dazu bereits vorstehend E. 4.3).
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; BVGE 2011/24 E. 10.1 S. 502 m.w.H.).
9.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.1 Die Wegweisungsvollzugshindernisse (Unzulässigkeit, Unzumutbar-
keit, Unmöglichkeit; vgl. Art. 83 Abs. 2-4 AIG) sind alternativer Natur: Ist
eines von ihnen erfüllt, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar
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zu erachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Best-
immungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51
E. 5.4).
9.2 Für den vorliegenden Fall ergibt sich aus den vorstehenden Erwägun-
gen, dass der Beschwerdeführer eine begründete Furcht vor zukünftiger
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft machen konnte. Der Voll-
zug der Wegweisung nach Iran erweist sich daher wegen drohender Ver-
letzung des flüchtlingsrechtlichen Gebots des Non-Refoulements (Art. 5
AsylG; Art. 33 Abs. 1 FK) als unzulässig im Sinne von Art. 83 Abs. 3 AIG.
Ausserdem ist der Vollzug der Wegweisung nach Iran auch mit Blick auf
Art. 3 EMRK als unzulässig zu erachten, da davon ausgegangen werden
muss, dass der Beschwerdeführer im Falle seiner Rückkehr mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit einer menschenrechtswidrigen Behandlung aus-
gesetzt würde.
10.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit damit die Ge-
währung von Asyl beantragt wurde. Hingegen ist die Beschwerde insoweit
gutzuheissen, als damit die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme als
Flüchtling beantragt wurde (vgl. Ziff. 3 der Rechtsbegehren). Die weiteren
Eventualanträge sind damit gegenstandslos geworden, weshalb darauf
respektive auf deren Begründung nicht mehr näher einzugehen ist. Die
vorinstanzliche Verfügung vom 31. Mai 2019 ist demnach aufzuheben, so-
weit damit die Flüchtlingseigenschaft verneint und der Vollzug der Wegwei-
sung angeordnet wurde (Ziffern 1, 4 und 5 des Dispositivs der angefochte-
nen Verfügung), und das SEM ist anzuweisen, den Beschwerdeführer als
Flüchtling vorläufig aufzunehmen.
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11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens (teilweises Obsiegen) wären
dem Beschwerdeführer grundsätzlich die reduzierten Kosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Ver-
fügung vom 5. Juli 2019 gutgeheissen worden ist, sind vorliegend keine
Verfahrenskosten zu erheben.
11.2 Praxisgemäss ist von einem Obsiegen des Beschwerdeführers zu
zwei Dritteln auszugehen. Somit ist ihm in Anwendung von Art. 64 VwVG
und Art. 7–13 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE,
SR 173.320.2) eine reduzierte Entschädigung für die ihm notwendiger-
weise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. In der Kostennote vom
28. Juni 2019 weist die Rechtsvertreterin einen zeitlichen Aufwand von 29
Stunden sowie Auslagen in der Höhe von total Fr. 70.– aus, was im kon-
kreten Fall angemessen erscheint. Der ausgewiesene Stundenansatz von
Fr. 200.– bewegt sich im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Demnach hat
das SEM dem Beschwerdeführer eine reduzierte Parteientschädigung in
der Höhe von Fr. 3’913.– (nicht mehrwertsteuerpflichtig) auszurichten.
11.3 Mit Verfügung vom 5. Juli 2019 wurde dem Beschwerdeführer die un-
entgeltliche Verbeiständung (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) gewährt. Das Bun-
desverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung in der Regel von ei-
nem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nichtanwaltliche Vertre-
terinnen und Vertreter aus (vgl. dazu bereits die entsprechenden Ausfüh-
rungen in der erwähnten Verfügung). Das amtliche Honorar für die als amt-
liche Rechtsbeiständin eingesetzte Rechtsvertreterin ist demnach auf
Fr. 1’473.– festzusetzen und geht zulasten der Gerichtskasse des Bundes-
verwaltungsgerichts.
(Dispositiv nächste Seite)
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