Decision ID: 873a7050-d3f3-5ed1-9d16-34d22a3a047e
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a M._, Jahrgang 1972, meldete sich im April 2001 zum Bezug von IV-Leistungen
an. Im Arztbericht vom 5. Juni 2001 (IV-act. 10 - 1/17) diagnostizierte Dr. med. A._,
FMH Allgemeine Medizin, ein chronisches zervikozephales und lumbospondylogenes
Syndrom rechtsbetont bei BWS Hyperkyphose und muskulärer Dysbalance. Als
Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden arterielle Hypotonie und
rezidivierende Lumboischialgie angeführt. Für die Tätigkeit als Putzfrau attestierte Dr.
A._n ab 26. September 2000 bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die
polydisziplinäre Begutachtung durch die MEDAS Zentralschweiz ergab gemäss
Gutachten vom 12. September 2002 (IV-act. 25) keine Diagnosen mit wesentlicher
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit. Die Versicherte sei in sämtlichen
bisher ausgeübten Tätigkeiten (Putzfrau, Magazinerin) voll arbeitsfähig.
A.b Mit Verfügung vom 18. November 2002 (IV-act. 29) wurde das Rentenbegehren bei
einem Invaliditätsgrad von 0% abgelehnt. Die Verfügung ist unangefochten in
Rechtskraft erwachsen.
B.
B.a Im Januar 2005 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von IV-Leistungen
an (IV-act. 30). Sie machte chronische Nackenschmerzen, chronische Schmerzen im
ganzen Rückenbereich und im rechten Bein sowie eine depressive Verstimmung
geltend. Im Arztbericht vom 18. Februar 2005 (IV-act. 36) hielt Dr. A._ fest, dass sich
die volle Arbeitsunfähigkeit vor allem auf die schwere psychogene Störung beziehe. Am
20. Dezember 2005 gab die IV-Stelle eine weitere polydisziplinäre Begutachtung bei
der MEDAS Zentralschweiz in Auftrag. Im Gutachten vom 14. Juni 2007 (IV-act. 57)
wurden erneut keine Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit gestellt. Es bestehe weiterhin eine volle Arbeitsfähigkeit in den bisher
ausgeübten Tätigkeiten.
B.b Im Vorbescheid vom 27. Juli 2007 (IV-act. 62) stellte die IV-Stelle die Ablehnung
eines Rentenanspruchs in Aussicht, da für alle Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit
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bestehe. Eine Veränderung oder Verschlechterung seit der letzten Verfügung vom 18.
November 2002 sei nicht festgestellt worden, weshalb kein Revisionsgrund bestehe.
B.c Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte am 4. September 2007 (IV-act. 67)
durch ihre Rechtsschutzversicherung Einwand erheben. In der Einwandbegründung
vom 17. Oktober 2007 (IV-act. 69) wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass obwohl
mindestens drei Arztberichte von einer mittelgradig depressiven Episode ausgehen
würden, das MEDAS-Gutachten nicht auf diese Arztberichte eingehe. Es seien
zusätzliche medizinische Abklärungen durchzuführen.
B.d Mit Verfügung vom 15. November 2007 (IV-act. 71) eröffnete die IV-Stelle
entsprechend dem Vorbescheid, dass kein Anspruch auf IV-Leistungen bestehen
würde.
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Robert Baumann, St.
Gallen, eingereichte Beschwerde vom 13. Dezember 2007 mit den Anträgen, die
Verfügung vom 15. November 2007 sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei ab
spätestens 1. Januar 2006 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen und auszurichten.
Eventualiter sei die Streitsache zur Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird in der Beschwerdeergänzung vom 28.
Februar 2008 im Wesentlichen ausgeführt, das MEDAS-Gutachten vom 14. Juni 2007
genüge bezüglich Vollständigkeit, Nachvollziehbarkeit und Schlüssigkeit nicht den
Anforderungen an ein Gutachten gemäss Rechtsprechung. Mehrere Ärzte und Kliniken
würden von einem mittelgradigen, z.T. gar bis schweren depressiven Zustandsbild der
Beschwerdeführerin ausgehen. Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, gehe von einem mittelgradigen depressiven Zustandsbild,
möglicherweise von einer Anpassungsstörung aus. Dr. A._ spreche in seinem Bericht
vom 18. Februar 2005 von einer Entwicklung eines schweren psychosomatischen
Syndroms mit ausgeprägter Somatisierungstendenz wahrscheinlich im Rahmen einer
lavierten Depression bzw. depressiven Verstimmung mit Anpassungsstörung.
Insbesondere weise er daraufhin, dass Dr. med. C._, Facharzt FMH für
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Neurochirurgie, anlässlich der Untersuchung vom 15. November 2004 von einem
Panvertebralsyndrom und einem deutlich depressiven Zustandsbild gesprochen habe.
Nach einem stationären Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik Wil vom 31. Oktober
bis 29. November 2006 seien die Diagnosen der mittelgradig depressiven Episode mit
somatischem Syndrom, Störung durch Sedativa oder Hypnotika, Abhängigkeits-
Syndrom, ständiger Substanzgebrauch und Verdacht einer Somatisierungsstörung
gestellt worden. Die Psychiatrische Klinik Wil habe für den Zeitraum des stationären
Aufenthalts sowie für die Zeit danach eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit festgestellt. Die
Feststellungen und Arbeitsunfähigkeitseinschätzungen dieser Ärzte und Kliniken
würden auf einem längeren Beobachtungs- und Behandlungszeitraum basieren,
wogegen das MEDAS-Gutachten auf einer einmaligen Untersuchung beruhe, das
Ergebnis also eine Momentaufnahme darstelle, insbesondere auch keine
Schwankungen des psychischen Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin zu
berücksichtigen vermöge. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der MEDAS-Psychiater
drei Monate nach dem stationären Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik Wil keine
psychischen Leiden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt habe. Es
fehle im MEDAS-Gutachten eine eigentliche Auseinandersetzung mit den
Feststellungen der Ärzte der Psychiatrischen Klinik Wil und eine Begründung, weshalb
die Feststellungen nicht zutreffend sein sollen. Bei der Psychiatrischen Klinik Wil sei
deshalb zur Qualifikation ihres Austrittsberichts durch den MEDAS-Psychiater eine
Stellungnahme einzuholen. Die Diagnosen und Arbeitsunfähigkeitseinschätzungen der
Psychiatrischen Klinik Wil, Dr. A._ und Dr. C._ seien nachvollziehbar, umfassend
und in sich schlüssig. Sollte dieser Auffassung nicht gefolgt werden können, wären
zwingend weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen, um die effektive
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen festzustellen. In dem Sinn wäre ein
ergänzendes psychiatrisches Gutachten/Obergutachten einzuholen. Die organischen
Leiden würden im MEDAS-Gutachten zu wenig Berücksichtigung finden. Deshalb, aber
auch weil die Wechselwirkung der organischen und psychischen Leiden berücksichtigt
werden müssen, werde beantragt, ein erneutes rheumatologisches, orthopädisches
und neurochirurgisches Gutachten einzuholen. Eventuell sei die Beschwerdeführerin
auch erneut polydisziplinär begutachten zu lassen. Gleichzeitig mit der
Beschwerdeergänzung legte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin den
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Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik Wil vom 30. November 2006 (act. G 5.1) über
den stationären Aufenthalt vom 31. Oktober bis 29. November 2006 ins Recht.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 8. Mai 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Die Schlussfolgerung des psychiatrischen
Sachverständigen im MEDAS-Gutachten leuchte ein und sei aufgrund des erhobenen
psychischen Befundes nachvollziehbar. Da er über sämtliche medizinische Vorakten
verfügt habe, sei die Abklärung keineswegs nur die behauptete Momentaufnahme. Der
psychiatrische Sachverständige habe sich mit dem Austrittsbericht der Klinik Wil vom
30. November 2006 auseinandergesetzt. Die von den Klinikärzten beim Austritt
attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit vermöge nicht zu überzeugen. Selbst beim
Vorliegen einer mittelschweren depressiven Episode sei von der grundsätzlichen
Fähigkeit zu einer Willensanstrengung auszugehen, die eine vollumfängliche
Überwindung der subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung erlaube. Die im Bericht
von Dr. B._ geschilderte, auf die Schmerzen fixierte klagende Haltung der
Beschwerdeführerin lasse sich mit der Beurteilung des psychiatrischen Konsiliarius
durchaus in Einklang bringen. Eine Arbeitsfähigkeitsschätzung enthalte der Bericht
nicht. Dem umfassenden MEDAS-Gutachten sei volle Beweiskraft zuzuerkennen, es
bestehe keine Notwendigkeit für ergänzende medizinische Abklärungen. Sodann läge
regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, wenn die
Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruhe.
C.c Mit Replik vom 3. Juli 2008 ändert der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin das
Rechtsbegehren dahingehend, dass der Beschwerdeführerin spätestens ab 1. Juni
2004 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen und auszurichten sei. Die
Beschwerdegegnerin hat sinngemäss auf die Einreichung einer Duplik verzichtet.

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
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der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
E. 1b), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen
Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Die Rentenabstufungen des Art. 28 Abs. 1 aIVG geben bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
2.3 Für die Bemessung der Invalidität bei einer erwerbstätigen versicherten Person
wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen
ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im
Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und sind die so gewonnenen
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Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Lassen sich die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an
die spezifische Methode für Nichterwerbstätige ein Betätigungsvergleich anzustellen
und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der
verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen
(BGE 128 V 30 f. E. 1).
2.4 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b).
2.5 Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
2.6 Was Berichte von Hausärzten angeht, darf und soll die Erfahrungstatsache
mitberücksichtigt werden, dass Hausärzte mitunter aufgrund ihrer auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher dazu neigen, zu Gunsten ihrer Patienten
auszusagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Dies gilt sowohl für den allgemein
praktizierenden Hausarzt als auch für den behandelnden Spezialarzt und namentlich für
den therapeutisch tätigen Psychiater mit seinem besonderen Vertrauensverhältnis zum
Patienten (Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2008 i.S. M., 9C_420/2008, E.
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3). Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden
Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte
behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine
Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von
vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und
umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse
hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits
(BGE 124 I 175 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage
zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007 i.S. M., I 514/06, E. 2.2.1 mit
Hinweisen).
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin stellte in der Beurteilung des Leistungsanspruchs auf die
Einschätzungen des MEDAS-Gutachtens vom 14. Juni 2007 ab. Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin ist hingegen der Ansicht, dass aufgrund der bisherigen
Untersuchungen und Berichte zahlreicher anderer Ärzte die Feststellungen im MEDAS-
Gutachten sowohl in Bezug auf Diagnosen als auch Arbeitsunfähigkeitsschätzungen
als widerlegt betrachtet, oder zumindest ernsthaft angezweifelt werden müssen.
Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die
Einschätzung der MEDAS abgestellt hat.
3.2 Im MEDAS-Gutachten wurde festgehalten, dass kein Gesundheitsschaden
erkennbar sei, welcher die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin einschränken
würde. Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit
Krankheitswert, wurden chronische Spannungskopfschmerzen, anamnestisch
chronische Unterbauchbeschwerden, anamnestisch einen Status nach mehreren
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laparoskopischen Eingriffen wegen Ovarialzysten sowie ein narbiges Trommelfell links,
mit Verdacht auf alte, kleine, gedeckte Perforation gestellt. Im rheumatologischen
Konsilium vom 20. März 2007 (IV-act. 57 - 21/30) wurde sodann als Diagnose ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronifiziertes, therapierefraktäres zerviko-
lumbal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom ohne adäquates organisches
Korrelat am Bewegungsapparat festgehalten. Der Rheumatologe fand bei der
klinischen Untersuchung im Vergleich zu derjenigen aus dem Jahr 2002 keine
nennenswerte Befund-Änderung. Die radiologischen Befunde seien
altersentsprechend. Von Seiten des Bewegungsapparates her habe keine
Verschlechterung stattgefunden, die Beschwerdeführerin sei diesbezüglich voll
arbeitsfähig. Der psychiatrische Konsiliarius hat eine gepflegte und ordentlich
differenziert wirkende Frau, psychisch in keiner Weise gestört, vorgefunden. Sie setze
alles daran, krank und leistungsunfähig zu wirken. Die Beschwerdeschilderung bleibe
auf der ganzen Linie diffus. In ihrer Darstellung drücke sich eine unverkennbare
Aggravation aus. Diagnostisch im Vordergrund stehe ein rentenbegehrliches Verhalten.
Für eine somatoforme Störung fehle der dazu gehörige Leidensdruck sowie der
psychosoziale Konflikt. Ein psychisches Leiden sei nicht erkennbar, welches die
Arbeitsfähigkeit einschränken würde. Die Beschwerdeführerin sei in sämtlichen bisher
ausgeübten Tätigkeiten (auch im Haushalt) voll arbeitsfähig.
3.3 Im Hinblick auf die Würdigung der medizinischen Aktenlage ist festzustellen, dass
das MEDAS-Gutachten auf eigenständigen interdisziplinären Abklärungen
(rheumatologische und psychiatrische Begutachtung), mithin auf allseitigen
Untersuchungen beruht und damit für die streitigen Belange umfassend ist. Entgegen
der Auffassung der Beschwerdeführerin hat sich das MEDAS-Gutachten somit auch
hinreichend mit den organischen Leiden beschäftigt und auch eine Wechselwirkung
zwischen organischen und psychischen Leiden berücksichtigt. Die diagnostizierten
somatischen Beschwerden stehen mit der medizinischen Aktenlage weitgehend im
Einklang, weshalb von weiteren Abklärungen keine entscheidrelevanten Erkenntnisse
zu erwarten sind und darauf verzichtet werden kann. Eine auf somatischen
Beschwerden beruhende Arbeitsunfähigkeit ist nicht ausgewiesen, nachdem auch Dr.
A._ im Bericht vom 18. Februar 2005 aus somatischer Sicht jede Tätigkeit - welche
den Rücken nicht allzu sehr belastet - als zumutbar erachtete (IV-act. 36 - 4/15). Im
MEDAS-Gutachten wurden die Vorakten miteinbezogen und die von der
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Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden berücksichtigt. Die Gutachter haben sich
auch ausreichend mit dem Austrittsbericht der Klinik Wil vom 30. November 2006
befasst. Im psychiatrischen Konsilium vom 20. Mai 2007 (IV-act. 57 - 27/30) wurde
festgehalten, dass der Austrittsbericht höchstens auf eine leichte depressive
Verstimmung hinweise und auf keinen lang andauernden, schweren
Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit schliessen lasse.
Begründet wurde diese Aussage mit dem Widerspruch zwischen der gestellten
Diagnose einer mittelgradig depressiven Episode mit somatischem Syndrom und dem
Eintritts- bzw. Austrittsbefund, wonach die Beschwerdeführerin im Antrieb und in der
Psychomotorik unauffällig sei, keine zirkadianen Besonderheiten aufweise, wach,
orientiert, aufmerksam und unauffällig im Gedächtnis sei. Der Affekt werde immerhin
als mittel ausgeprägt dargestellt bei leicht ausgeprägter Deprimiertheit und mittel
ausgeprägter dysphorischer Verstimmung. Der Antrieb sei bei Austritt mittelmässig
ausgeprägt gestört gewesen und es wurde ein leicht ausgeprägter sozialer Rückzug
erwähnt. Das MEDAS-Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Vor diesem
Hintergrund vermögen auch die darin enthaltenen Schlussfolgerungen, namentlich die
Einschätzung einer vollen Arbeitsfähigkeit in sämtlichen bisherigen Tätigkeiten, zu
überzeugen. Das Konsilium erfüllt mithin alle praxisgemässen Kriterien für
beweiskräftige Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a), so dass grundsätzlich darauf
abzustellen ist.
3.4 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht geltend, dass mehrere ihrer
behandelnden Ärzte von einem mittelgradigen, z.T. gar bis schweren depressiven
Zustandsbild der Beschwerdeführerin ausgehen würden. Diese Feststellungen und
Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit würden auf einem längeren Beobachtungs- und
Behandlungszeitraum basieren, wogegen das MEDAS-Gutachten auf einer einmaligen
Untersuchung beruhe.
3.4.1 Im Bericht vom 14. August 2004 diagnostizierte Dr. B._ ein mittelgradiges
depressives Zustandsbild. Unter Berücksichtigung der Anamnese sei das ganze
Erscheinungsbild möglicherweise als Anpassungsstörung zu bezeichnen. Eine
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ist dem Schreiben allerdings nicht zu entnehmen. Am
5. März 2005 teilte Dr. B._ mit (IV-act. 39 - 2/6), dass in diesem Fall zu einem
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erheblichen Teil ein Rentenbegehren vorliege. Nachdem eine Diagnose nicht
zwangsläufig eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben muss, steht die Einschätzung
nicht im Widerspruch zum MEDAS-Gutachten.
3.4.2 Dr. C._ hat die psychische Diagnose (mittelgradiges, depressives Zustandsbild)
von Dr. B._ übernommen. Darauf wird im Bericht vom 16. November 2004 explizit
hingewiesen. Als Facharzt für Neurochirurgie käme einer psychiatrischen Diagnose
ohnehin nur geringer Beweiswert zu. Zudem ist dem Bericht auch keine Einschätzung
der Arbeitsunfähigkeit zu entnehmen, weshalb er insgesamt betrachtet keine Zweifel
am Beweiswert des MEDAS-Gutachtens aufkommen lässt.
3.4.3 Auch die Arztberichte von Dr. A._ vermögen an der Beweiskraft des MEDAS-
Gutachtens nichts zu ändern. Als Allgemeinmediziner kann auch seiner psychiatrischen
Einschätzung im Gegensatz zum MEDAS-Gutachten keine höhere Beweiskraft
zukommen. Sodann ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass Hausärzte mitunter
aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher dazu
neigen, zu Gunsten ihrer Patienten auszusagen.
3.4.4 Im Austrittsbericht der Klinik Wil vom 30. November 2006 wurde u.a. eine
mittelgradig depressive Episode mit somatischem Syndrom diagnostiziert. Der
Beschwerdeführerin wurde im Austrittszeitpunkt eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Die MEDAS-Gutachter haben nachvollziehbar dargelegt (vgl. vorstehend E. 3.3),
inwiefern der Diagnose nicht gefolgt werden kann. Im Gegensatz zum MEDAS-
Gutachten ist die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit im Austrittsbericht der Klinik Wil
auch nicht weiter begründet und es ist nicht ersichtlich, ob für sämtliche Tätigkeiten
eine volle Arbeitsunfähigkeit besteht. Aufgrund der Diagnosen und der Befunderhebung
ist eine vollständige Arbeitsunfähigkeit kaum nachvollziehbar. Vielmehr ist davon
auszugehen, dass bei der Einschätzung die kurzfristigen therapeutischen Ziele der
behandelnden Fachärztinnen bestimmend waren und dabei angesichts der subjektiven
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der Beschwerdeführerin eine gewisse momentane
Schonungsbedürftigkeit zugestanden wurde. Die Arbeitsfähigkeit, die der Ermittlung
des zumutbaren Invalideneinkommens und damit der Bemessung des
Invaliditätsgrades zugrunde zu legen ist, definiert sich allerdings als längerfristige und
auch unter Berücksichtigung der allgemeinen Schadenminderungspflicht. Das
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bedeutet, dass nicht auf die subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der
versicherten Person, sondern darauf abgestellt werden muss, in welchem Ausmass die
Ausübung einer Erwerbstätigkeit objektiv nicht mehr möglich und zumutbar ist. In
Erfüllung der Schadenminderungspflicht muss die versicherte Person allen guten Willen
aufbringen, um die objektiv verbliebene Arbeitsfähigkeit so weit als möglich in einer
Erwerbstätigkeit zu verwerten. Dieser Pflicht zu einer möglichen und zumutbaren
Willensanstrengung ist bei der Bemessung der Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen,
d.h. die massgebende Arbeitsfähigkeit entspricht jener Leistungsfähigkeit am
Arbeitsplatz, die eine versicherte Person aufweisen würde, wenn sie sich unter
Aufbietung allen guten Willens bemühen und einsetzen würde. Diese unterschiedliche
Auffassung des Arbeitsfähigkeitsbegriffs dürfte vorliegend der Grund für die Diskrepanz
in der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sein. Weder die in der Klinik Wil gestellten
Diagnosen noch der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt des
Austritts aus der Klinik bietet eine Erklärung für die Annahme, es sei ihr selbst bei
Aufbietung aller Willenskraft nicht möglich oder zumutbar, auch nur teilweise einer
Arbeit nachzugehen. Die Fähigkeit, die Schmerzen und die Begleiterscheinungen einer
Depression zu überwinden und die Arbeit soweit als möglich wieder aufzunehmen,
hängt von den Mitteln ab, über die eine Person verfügt, um ihren Willen zu
beeinflussen. Da sich diese Mittel nicht im Einzelfall messen lassen, muss ein
allgemeiner Massstab angelegt werden. Bei leichten bis mittelschweren depressiven
Episoden oder bei somatoformen Schmerzstörungen ist von der grundsätzlichen
Fähigkeit zu einer Willensanstrengung auszugehen, die eine vollumfängliche
Überwindung der subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung erlaubt. Eine Ausnahme
von dieser Vermutung ist dann gegeben, wenn "eine mitwirkende, psychisch
ausgewiesene Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und
Dauer vorliegt oder andere qualifizierte, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte
Kriterien vorliegen ..." (Renato Marelli, Nicht können oder nicht wollen? Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit bei somatoformen Störungen, typische Schwierigkeiten und ihre
Überwindung, SZS 2007 S. 326ff.). Solche qualifizierten Umstände sind vorliegend den
Akten eindeutig nicht zu entnehmen. Unter Berücksichtigung der gesamten
medizinischen Aktenlage ist die Schlussfolgerung im Austrittsbericht der Klinik Wil,
namentlich die Attestierung einer vollen Arbeitsunfähigkeit, nicht nachvollziehbar. Damit
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ist auch dieser Bericht nicht geeignet, die Schlussfolgerung des MEDAS-Gutachtens zu
widerlegen.
3.5 Zusammenfassend kann auf das schlüssige und beweistaugliche MEDAS-
Gutachten abgestellt werden. Der Sachverhalt ist als ausreichend abgeklärt zu
betrachten. Eine verlässlichere Arbeitsfähigkeitsschätzung wäre auch von weiteren
medizinischen Abklärungen nicht zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist
(antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157, E. 1d). Den entsprechenden
Beweisanträgen der Beschwerdeführerin ist nicht stattzugeben.
4.
Die Zusprechung einer Invalidenrente setzt zunächst Arbeitsunfähigkeit voraus. Wer
nicht mindestens teilweise arbeitsunfähig ist, kann auch nicht invalid und
erwerbsunfähig im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 1 ATSG
sein. Der Beschwerdeführerin wurde im MEDAS-Gutachten für sämtliche Tätigkeiten
(inkl. Haushalt) eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert, weshalb die Beschwerdegegnerin
den Rentenanspruch zu Recht verneint hat.
5.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 13. Dezember 2007
unter Bestätigung der angefochtenen Verfügung vom 15. November 2007 abzuweisen.
Als unterliegende Partei hat die Beschwerdeführerin die Gerichtskosten zu bezahlen,
die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festgelegt werden
(Art. 69 Abs. 1 IVG, vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP). Diese sind ermessensweise auf
Fr. 600.-- zu veranschlagen. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist damit
zu verrechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG