Decision ID: 98dce66b-04ae-5c60-a175-2e0833aaa138
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 28. Mai 2014 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und beantragte
Arbeitslosenentschädigung ebenfalls per 28. Mai 2014 (act. G3.1/82; G3.1/75). Der
Versicherte war seit 1. März 2009 bei der B._ AG unbefristet als Geschäftsführer
angestellt (act. G3.1/68; G3.1/76) und war seit 2. Mai 2013 als deren einziges Mitglied
des Verwaltungsrats im Handelsregister eingetragen (Internet-Auszug, abgerufen am 5.
November 2015). Mit den jeweiligen Schreiben vom _. Mai 2014 kündigte der
Versicherte als Vertreter der Arbeitgeberin seine Anstellung als Geschäftsführer und
erklärte seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat, beides mit sofortiger Wirkung (act.
G3.1/67; G3.1/80). Ebenfalls am _. Mai 2014 beantragte der Versicherte die
Konkurseröffnung für die B._ AG wegen Zahlungsunfähigkeit beim Kantonsgericht
C._ (act. G3.1/78).
A.b Mit Schreiben vom 20. Juni 2014 stellte die kantonale Arbeitslosenkasse in
Aussicht, den Antrag auf Arbeitslosenentschädigung abzulehnen. Es sei aus dem
Handelsregisterauszug ersichtlich, dass der Versicherte bis dato als einziges Mitglied
des Verwaltungsrates mit Einzelunterschrift der B._ AG fungiere. Personen, die in
ihrer Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als
Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidgremiums die Entscheidungen des
Arbeitgebers bestimmen oder massgeblich beeinflussen könnten, mithin eine
arbeitgeberähnliche Stellung hätten, hätten keinen Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung (act. G3.1/65). In der Stellungnahme vom 28. Juni 2014
hielt der Versicherte fest, er sei mit seinem Rücktrittsschreiben per 28. Mai 2014 aus
dem Verwaltungsrat ausgeschieden. Er habe keinen Einfluss auf das Datum der
Löschung aus dem Handelsregister. Gemäss seiner Nachfrage beim
Handelsregisteramt D._ werde die Löschung erst vorgenommen, wenn die der B._
AG in Rechnung gestellten Gebühren bezahlt seien. Im Anschluss habe er die
Rechnung per Online-Überweisung bezahlt und die Löschung sei gemäss mündlicher
Auskunft des Handelsregisteramts auf den _. Juni 2014 erfolgt. Zudem sei er zum
Zeitpunkt seines Rücktritts aus dem Verwaltungsrat nicht Aktionär der B._ AG
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gewesen, noch sei er es heute. Er habe seit seinem Rücktritt auch keinen Einfluss auf
die Geschäftsführung oder Liquidation der Gesellschaft. Weiter gab er an, der
Buchhalter und Treuhänder der B._ AG habe die Buchhaltung der Gesellschaft nur
unvollständig oder gar nicht angefertigt und habe dazu sämtliche
Buchhaltungsunterlagen unterdrückt. Hierüber seien die Steuerverwaltung und die
Staatsanwaltschaft informiert. Ein Verkauf der Gesellschaft sei ohne ordentliche
Buchhaltung nicht möglich gewesen, obwohl dies mit aller Kraft bis zuletzt versucht
worden sei. Ihn treffe jedoch keine Schuld an der Unseriosität des Buchhalters noch an
seiner eigenen Arbeitslosigkeit. Er habe keinerlei Rücklagen und sei deshalb auf die
Arbeitslosenentschädigung angewiesen (act. G3.1/58).
A.c Die Arbeitslosenkasse forderte den Versicherten mit Schreiben vom 3. Juli 2014
auf, eine Kopie des Aktienverzeichnisses der B._ AG und, sofern er Aktien veräussert
habe, Kopien der entsprechenden Verträge einzureichen (act. G3.1/57). Im
Antwortschreiben vom 4. Juli 2014 warf der Versicherte der Arbeitslosenkasse vor,
Tatsachen zu verdrehen. Wie er es im Schreiben vom 20. Juni 2014 angegeben habe,
habe er weder zum Zeitpunkt seines Rücktritts Aktien der B._ AG besessen noch
besitze er heute solche. Es gebe kein Aktienbuch, da nur Inhaberaktien und keine
Namensaktien vorlägen. Die offensichtlichen Bemühungen der Arbeitslosenkasse, ihm
missbräuchliches Verhalten zu unterstellen, irritiere und verletze ihn schwer -
insbesondere angesichts seiner momentan schwierigen Lebenslage. Weiter fügte er an,
er habe am 3. Juli 2014 ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle, die bei weitem nicht
seinen Kernkompetenzen und Berufserfahrungen entspreche. Er versuche mit allen
Mitteln, die Arbeitslosigkeit zu vermeiden (act. G3.1/56).
A.d Mit Verfügung vom 16. Juli 2014 wies die Arbeitslosenkasse den Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung für den Zeitraum vom _. Mai bis _. Juni 2014 ab. Sie
begründete die Abweisung damit, dass der Versicherte im Handelsregister bis zum _.
Juni 2014 bei der B._ AG als einziger Verwaltungsrat mit Einzelunterschrift
eingetragen gewesen sei und somit bis dahin eine arbeitgeberähnliche Stellung
bestanden habe. Der Leistungsausschluss solcher Personen habe bereits dann zu
erfolgen, wenn aufgrund der arbeitgeberähnlichen Stellung lediglich das Risiko bzw.
die Möglichkeit eines Missbrauchs oder einer Gesetzesumgehung bestehe (act. G3.1/
52).
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A.e Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 14. August 2014 Einsprache
und beantragte, die Verfügung vom 16. Juli 2014 sei aufzuheben und die
Arbeitslosenkasse sei zur Zahlung von Arbeitslosenentschädigung ab dem Zeitpunkt
des tatsächlichen Verwaltungsratsrücktritts am _. Mai 2014, hilfsweise ab _. Mai
2014, zu verpflichten. Er machte geltend, er habe seinen Rücktritt aus dem
Verwaltungsrat mit den eingereichten Unterlagen glaubhaft nachgewiesen und auch
darauf hingewiesen, dass er auf den Zeitpunkt der Löschung im Handelsregister keinen
Einfluss gehabt habe. Nach herrschender Rechtsmeinung sei für das Ausscheiden aus
dem Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft der Zeitpunkt des tatsächlichen Rücktritts
aus dem Verwaltungsrat und nicht derjenige der Löschung des Handelsregistereintrags
oder der Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) massgebend. Die
Löschung des Eintrags könne sich, aus welchen Gründen auch immer, verzögern.
Herrschende Rechtsmeinung sei es auch, dass nicht jede Person in
arbeitgeberähnlicher Stellung vom Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
ausgeschlossen sei. Vielmehr setze ein solcher Ausschluss voraus, dass ein
Sachverhalt vorliege, der demjenigen einer Kurzarbeit gleichkomme. Wenn die
tatsächlichen Gegebenheiten eindeutig und nachweislich dem Handelsregistereintrag
widersprächen, sei von den tatsächlichen Gegebenheiten auszugehen.
Ausschlaggebend für die Beendigung der Verwaltungsratsstellung sei deshalb das mit
seinem Rücktrittschreiben vom _. Mai 2014 erfolgte effektive Ausscheiden aus dem
Verwaltungsrat und nicht die Löschung im Handelsregister. Der Ablehnungsentscheid
der Arbeitslosenkasse sei weder aus rechtlichen noch aus ethischen Gründen
nachvollziehbar (act. G3.1/40).
A.f Mit Schreiben vom 9. Oktober 2014 forderte die Arbeitslosenkasse den
Versicherten auf, eine Kopie der Statuten der B._ AG und eine Kopie des Protokolls
der Generalversammlung, in welchem sein Rücktritt akzeptiert wurde, zuzustellen (act.
G3.1/17). Im Antwortschreiben vom 21. Oktober 2014 hielt der Versicherte fest, der
Verwaltungsratsrücktritt sei nicht zustimmungspflichtig. Er bitte um eine Erklärung,
wieso die Arbeitslosenkasse vor diesem Hintergrund einen Zustimmungsbeschluss
fordere. Ausserdem seien die Statuten einer Aktiengesellschaft für den von ihm geltend
gemachten Anspruch irrelevant. Er bitte deshalb um Bestätigung, dass er gesetzlich
dazu verpflichtet sei, die gewünschten Unterlagen zuzustellen (act. G3.1/15).
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A.g Mit Schreiben vom 23. Oktober 2014 führte die Arbeitslosenkasse aus, der
Eintrag im Handelsregister werde von der Rechtsprechung als wichtiges und einfach zu
handhabendes Kriterium berücksichtigt, um eine arbeitgeberähnliche Stellung zu
beurteilen. Widersprächen die tatsächlichen Gegebenheiten eindeutig und nachweislich
dem Handelsregistereintrag, sei von den tatsächlichen Gegebenheiten auszugehen.
Könne z.B. der tatsächliche Rücktritt in zeitlicher Hinsicht anhand eines Beschlusses
der Generalversammlung (Rücktritt aus dem Verwaltungsrat) oder einer notariellen
Urkunde (z.B. Übertragung der GmbH-Stammanteile an eine Drittperson)
nachgewiesen werden, sei bereits dieser Zeitpunkt für das definitive Ausscheiden
entscheidend. Nachdem der Versicherte alleiniges Verwaltungsratsmitglied gewesen
sei, habe er sich selber im Namen der Gesellschaft angestellt wie auch gekündigt.
Solange er nicht belegen könne, dass er seine Eigenschaft als Verwaltungsratsmitglied
endgültig und unwiderruflich verloren habe, müsse davon ausgegangen werden, dass
er sich wieder anstellen könne. Aus diesem Grund sei auf das Datum des Eintrages im
Tagebuch des Handelsregisters abzustellen, da er bisher nicht anhand eines Protokolls
der Generalversammlung habe belegen können, dass er seine Eigenschaft als Mitglied
des Verwaltungsrats schon vorher verloren habe. Im Übrigen sei festzustellen, dass
gemäss Handelsregister bis dato kein Konkurs über die B._ AG gesprochen worden
sei. Falls er seinen Austritt vom _. Mai 2014 mittels Protokoll der Generalversammlung
belegen könne, werde er gebeten, dieses zusammen mit den Statuten und dem
entsprechenden Reglement einzureichen. Andernfalls würde voraussichtlich ein
negativer Einspracheentscheid ergehen (act. G3.1/16).
A.h Mit Schreiben vom 05. November 2014 reichte der Versicherte die Statuten der
B._ AG ein und brachte vor, es sei aufgrund seines bisherigen Sachvortrags
zweifelsfrei erkennbar, dass die tatsächlichen Gegebenheiten in seinem Fall eindeutig
dem Handelsregister widersprächen. Die Tatsache, dass über die B._ AG bis heute
noch kein Konkurs gesprochen worden sei, habe er nicht zu verantworten, da er, wie
vorgebracht, bereits am _. Mai 2014 als Verwaltungsrat zurückgetreten sei. Ein
schriftlicher Generalversammlungsbeschluss über seinen Rücktritt liege nicht vor, da
dies gesetzlich nicht vorgeschrieben sei und ihm zum damaligen Zeitpunkt nicht
bekannt gewesen sei, dass ihm das RAV aus diesem Grund die Leistung verweigern
werde. Allerdings seien die wichtigsten Aktionäre am _. Mai 2014 über seinen
Rücktritt informiert worden. Deren Zustimmung habe er auch erhalten. Eine
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entsprechende Auskunft könne beim Haupt- und Mehrheitsaktionär eingeholt werden
(act. G3.1/13).
A.i Im Einspracheentscheid vom 19. November 2014 wurde die Einsprache durch
die Arbeitslosenkasse abgewiesen. Sie hält dabei an ihrer bisherigen Begründung fest.
Der Versicherte sei mit Schreiben vom 23. Oktober 2014 aufgefordert worden, das
Protokoll der Generalversammlung einzureichen, um belegen zu können, dass er seine
Eigenschaft als Verwaltungsratsmitglied bereits vor dem _. Juni 2014 verloren habe.
Da gemäss dem Versicherten kein entsprechendes Protokoll vorliege, könne der
tatsächliche Rücktritt vor dem _. Juni 2014 nicht eindeutig nachgewiesen werden. Es
reiche bereits das Risiko eines Missbrauchs aus, um die Arbeitslosenentschädigung
abzulehnen. Sein Anspruch sei dementsprechend für den Zeitraum vom _. Mai bis _.
Juni 2014 zu Recht abgelehnt worden (act. G3.1/8).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 18. Dezember 2014 (Datum Postaufgabe) beantragt der
Beschwerdeführer, der Einspracheentscheid sei aufzuheben und die Arbeitslosenkasse
sei zur Zahlung von Arbeitslosenentschädigung ab dem Zeitpunkt des tatsächlichen
Verwaltungsratsrücktritts am _. Mai 2014, hilfsweise ab _. Mai 2014, zu verpflichten.
Er macht im Wesentlichen die gleichen Gründe wie in der Einsprache geltend.
Ausserdem wirft er der Arbeitslosenkasse vor, sie sei im Einspracheentscheid nicht auf
die substantiierten Ausführungen in seiner Einsprache und in seinem Schreiben vom 5.
November 2014 eingegangen, sondern habe lediglich pauschal argumentiert. Weiter
gibt er an, er sei seit dem 1. August 2014 wieder bei einem Unternehmen angestellt,
wofür er Einarbeitungszuschüsse erhalte (act. G1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 9. Februar
2015 Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer bringe keine neuen Belege
vor, welche den Entscheid der Arbeitslosenkasse als unzutreffend erscheinen liessen
(act. G3).
B.c Mit Replik vom 26. Februar 2015 beantragt der Beschwerdeführer Gutheissung
der Beschwerde und hält im Wesentlichen an seiner in der Beschwerde vorgebrachten
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Gründe fest. Zudem wirft er der Beschwerdegegnerin vor, sie versuche mit allen
Mitteln, Geldzahlungen zu vermeiden. Eine interne Notiz der Beschwerdegegnerin
scheine dies zu bestätigen (act. G5).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik.

Erwägungen
1.
1.1 Gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) haben
Personen, die in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte
oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die
Entscheidungen des Arbeitgebers bestimmen oder massgeblich beeinflussen können,
sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten, keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung.
In BGE 123 V 234 ff. hat das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG, seit 1. Januar
2007: Bundesgericht) entschieden, dass Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG, obwohl dem
Wortlaut nach nur auf Kurzarbeitsfälle zugeschnitten, auch im Bereich der
Arbeitslosenentschädigung nach Art. 8 ff. AVIG anwendbar sei. Die betreffende
Bestimmung diene der Vermeidung von Missbräuchen (Selbstausstellung von für
Kurzarbeitsentschädigung notwendigen Bescheinigungen,
Gefälligkeitsbescheinigungen, Unkontrollierbarkeit des tatsächlichen Arbeitsausfalls,
Mitbestimmung oder Mitverantwortung bei der Einführung von Kurzarbeit u.ä. vor allem
bei Arbeitnehmern mit Gesellschafts- oder sonstiger Kapitalbeteiligung in
Leitungsfunktion des Betriebes). Weiter führte das EVG aus, Kurzarbeit könne nicht
allein in einer Reduktion der täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Arbeitszeit,
sondern auch darin bestehen, dass ein Betrieb (bei fortbestehendem Arbeitsverhältnis)
für eine gewisse Zeit vollständig stillgelegt werde (100%-ige Kurzarbeit; Gerhard
Gerhards, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], Bd. 1, Bern 1988,
S. 383 f., N 21 der Vorbemerkungen zu Art. 31-41). In einem solchen Fall sei eine
Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer mit arbeitgeberähnlicher Stellung nicht
anspruchsberechtigt. Werde das Arbeitsverhältnis jedoch gekündigt, liege
Ganzarbeitslosigkeit vor, und es bestehe unter den Voraussetzungen von Art. 8 ff. AVIG
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grundsätzlich Anspruch auf Entschädigung. Dabei könne nicht von einer
Gesetzesumgehung gesprochen werden, wenn der Betrieb geschlossen werde, das
Ausscheiden der betreffenden Person mithin definitiv sei. Entsprechendes gelte für den
Fall, dass das Unternehmen zwar weiterbestehe, die Arbeitnehmerin oder der
Arbeitnehmer aber mit der Kündigung endgültig auch jene Eigenschaft verliere,
derentwegen sie oder er bei Kurzarbeit auf Grund von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG vom
Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung ausgenommen wäre. Eine grundsätzlich
andere Situation liege jedoch dann vor, wenn die Arbeitnehmerin oder der
Arbeitnehmer nach der Entlassung die arbeitgeberähnliche Stellung im Betrieb
beibehalte und dadurch die Entscheidungen des Arbeitgebers weiterhin bestimmen
oder massgeblich beeinflussen könne (BGE 123 V 238 f. mit Hinweisen).
1.2 Das geforderte Ausscheiden muss anhand eindeutiger Kriterien gemessen
werden können, welche keinen Zweifel am definitiven Austritt aus der Gesellschaft
übrig lassen. Die Rechtsprechung berücksichtigt dabei den Eintrag im Handelsregister
als wichtiges und einfach zu handhabendes Kriterium, um die arbeitgeberähnliche
Stellung zu beurteilen. Widerspricht der Zeitpunkt des tatsächlichen Ausscheidens
demjenigen der Löschung des Handelsregistereintrags, ist für die Beendigung der
Verwaltungsratsstellung jedoch der Zeitpunkt des tatsächlichen Ausscheidens
ausschlaggebend (Urteil des EVG vom 3. April 2006, C 267/04 E. 4.2 mit Hinweisen;
BGE 126 V 134 E. 5b mit Hinweisen). Bei einem Rücktritt findet dieser mit sofortiger
Wirkung auf den Zeitpunkt statt, zu welchem die Gesellschaft vom Rücktritt Kenntnis
nimmt (Marc Bauen/Silvio Venturi, Der Verwaltungsrat, Zürich/Basel/Genf 2007, N. 41
ff.).
2.
2.1 Vorliegend steht unbestrittenermassen fest, dass der Beschwerdeführer als
einziger Verwaltungsrat der B._ AG arbeitgeberähnliche Stellung besessen hat.
Bestritten ist hingegen der Zeitpunkt der Beendigung der arbeitgeberähnlichen
Stellung durch sein Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat und somit der Zeitpunkt, ab
welchem er Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat.
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2.2 Sowohl der Beschwerdeführer als auch die Beschwerdegegnerin stimmen
entsprechend den Ausführungen in der Erwägung 1.2 überein, dass für das
Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat nicht der Zeitpunkt der Löschung des
Handelsregistereintrags, sondern derjenige des tatsächlichen Rücktritts massgebend
ist. Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei mit seinem Rücktrittsschreiben vom
_. Mai 2014 definitiv aus dem Verwaltungsrat ausgeschieden und habe seither keinen
Einfluss mehr auf die Entscheidungen der Gesellschaft. Es sei aufgrund seines
bisherigen Sachvortrags auch zweifelsfrei erkennbar, dass die tatsächlichen
Gegebenheiten eindeutig dem Handelsregister widersprächen, sodass der _. Mai
2014 bzw. der _. Mai 2014 als Zeitpunkt für sein Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat
massgebend sei. Die Beschwerdegegnerin hält dagegen, der Beschwerdeführer bringe
keine Unterlagen vor, welche sein definitives Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat vor
der Löschung des Handelsregistereintrags am _. Juni 2014 ausreichend belegen
würden. Es könne in diesem Fall nicht alleine auf sein Rücktrittsschreiben, welches er
selbst unterzeichnet habe, abgestellt werden. Der tatsächliche Rücktritt aus dem
Verwaltungsrat könne entgegen dem Handelsregister z.B. anhand eines Protokolls der
Generalversammlung nachgewiesen werden. Der Beschwerdeführer aber wies diese
Möglichkeit des Nachweises mit der Begründung zurück, ein solches Protokoll liege
mangels gesetzlicher Vorschrift nicht vor. Allerdings seien die wichtigsten Aktionäre am
_. Mai 2014 über seinen Rücktritt informiert worden und er habe auch deren
Zustimmung erhalten. Eine entsprechende Auskunft könne beispielsweise beim Haupt-
und Mehrheitsaktionär eingeholt werden (act. G5.1/13).
2.3 Das durch den Beschwerdeführer unterzeichnete Rücktrittsschreiben vom _.
Mai 2014 ist an die B._ AG adressiert und beinhaltet neben einer kurz gehaltenen
Rücktrittserklärung keine weiteren Ausführungen (act. G3.1/80). Auch wenn die
Rücktrittserklärung formlos gültig ist (Bauen/Venturi, a.a.O., N. 41 ff.), ist mangels einer
Empfangsbescheinigung oder eines Poststempels nicht nachgewiesen, ob und wie
dieses Schreiben zugestellt wurde. Angesichts der allgemeinen Adressierung an die
Gesellschaft kann auch bei Annahme einer erfolgten Zustellung nicht festgestellt
werden, von wem es hätte zu Kenntnis genommen werden können.
2.4 Vorliegend zu beachten ist der Umstand, dass der Beschwerdeführer zum
Zeitpunkt seines angeblichen Rücktritts am _. Mai 2014 einziger Verwaltungsrat der
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B._ AG war. Ein Rücktrittsschreiben ist grundsätzlich an die Generalversammlung
bzw. an den Verwaltungsratspräsidenten zu richten (Peter Forstmoser/Arthur Meier-
Hayoz/ Peter Nobel, Schweizerisches Aktienrecht, Bern 1996, S. 284). Tritt der einzige
Verwaltungsrat zurück, erscheint die in der Lehre vertretene Meinung überzeugend,
wonach die Rücktrittserklärung an die - gegebenenfalls zu diesem Zweck
einzuberufende - Generalversammlung oder an alle Aktionäre zu richten sei (Martin K.
Eckert, N4 zu Art. 938b OR, in: Honsell/Vogt/Watter (Hrsg.), Basler Kommentar, OR II,
Basel 2012; Roland Müller/Lorenz Lipp/Adrian Plüss, Der Verwaltungsrat, Zürich 2014,
S. 149). Diese Lehrmeinung ist gerade im Hinblick auf die für die Wirksamkeit des
Rücktritts erforderliche Kenntnisnahme der Rücktrittserklärung durch die Gesellschaft
nachvollziehbar, da eine solche Kenntnisnahme nur eine zur Vertretung der
Gesellschaft befugte Person bzw. ein Organ wahrnehmen kann, was auf die
Generalversammlung bzw. die Gesamtheit der Aktionäre zutrifft. Im Gegensatz dazu
reicht die Kenntnisnahme durch den Hauptaktionär oder durch die wichtigsten
Aktionäre nicht aus, weil ihnen keine Vertretungsbefugnis bzw. Organstellung
zukommt.
2.5 Nach dem Gesagten hat der Beschwerdeführer mit seinem Rücktrittsschreiben
vom _. Mai 2014 samt Information der „wichtigsten“ Aktionäre – sofern diese
tatsächlich stattgefunden hat – seinen Rücktritt als Verwaltungsrat der Gesellschaft
nicht zur Kenntnis gebracht. Nachdem gemäss den Statuten der B._ AG und dem
Handelsregister Mitteilungen an die Aktionäre durch die Publikation im
Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) erfolgen (Internet-Auszug, abgerufen am 5.
November 2015), wurde sein Rücktritt vielmehr durch die Publikation der Löschung des
Handelsregistereintrags im SHAB am _. Juli 2014 sämtlichen Aktionären mitgeteilt. Der
Rücktritt aus dem Verwaltungsrat wurde somit frühestens durch die Eintragung
desselben beim Handelsregisteramt, d.h. per _. Juni 2014, gültig.
2.6 Die in der Beschwerde neben dem Rücktrittsschreiben und der Kündigung des
Arbeitsvertrages eingereichten Unterlagen vermögen das definitive Ausscheiden des
Beschwerdeführers aus dem Verwaltungsrat per _. Mai 2014 ebenfalls nicht zu
belegen (vgl. act. G1). Diese beziehen sich allesamt auf die Insolvenzerklärung der
B._ AG und stehen somit in keinem direkten Zusammenhang mit der Beendigung
des Verwaltungsratsmandats. Die Liquidation einer Aktiengesellschaft wird nämlich
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durch den Verwaltungsrat besorgt, sofern sie nicht in den Statuten oder durch einen
Beschluss der Generalversammlung anderen Personen übertragen wird (Art. 740 Abs.
1 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches [OR; SR 220]). Die Statuten der B._ AG halten fest, dass die
Liquidation durch den Verwaltungsrat besorgt wird, falls sie nicht durch einen
Beschluss der Generalversammlung anderen Personen übertragen wird (vgl. G5.1/12
Art. 21 Abs. 2). Somit hätte der Beschwerdeführer auch während der Liquidation eine
arbeitgeberähnliche Stellung inne gehabt, sofern er nicht schon vorher aus dem
Verwaltungsrat ausgeschieden wäre. Gemäss Handelsregisterauszug trat die B._ AG
ohnehin erst mit Entscheid des Kantonsgerichts C._ vom _. März 2015 gemäss Art.
731b OR in Liquidation.
2.7 Der Beschwerdeführer konnte nach dem Gesagten nicht nachweisen, dass er
seine arbeitgeberähnliche Stellung durch ein definitives Ausscheiden aus dem
Verwaltungsrat bereits am _. Mai 2014 beendet hat. Der Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung ist dementsprechend von der Beschwerdegegnerin für den
fraglichen Zeitraum vom _. Mai bis _. Juni 2014 zu Recht abgelehnt worden.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).