Decision ID: 3b2d1fa4-7d96-43ee-b29c-c7029ba1f550
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1986, Hausfrau, Mutter dreier Kinder (geboren 2012, 2013 und 2018), meldete sich am 1
7.
Januar 2019 unter Hinweis auf eine Psychose bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/3 S. 6
Ziff.
6.1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die
medizinische sowie erwerbliche Situation ab und verneinte daraufhin nach durc
h
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/36) mit Verfügung vom 2
2.
Juni 2020 (
Urk.
8/37 =
Urk.
2) einen Rentenanspruch der Versicherten.
2.
Die Versicherte erhob am 2
0.
August 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
2.
Juni 2020 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen, i
nsbesondere eine Invalidenrente
auszurichten. In pro
zes
sualer Hinsicht beantragte sie die
Gewährung der
unentgeltliche
n
Prozessfüh
rung und Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Be
schwer
deantwort vom
2.
Oktober 2020 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde, was der
Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom
1
1.
Dezember 2020 zur Kenntnis ge
bracht
wurde (
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
tu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Die Frage der Notwendigkeit in diesem Sinne beurteilt sich nach dem kon
kre
ten Beweisbedarf. Sie fehlt ganz allgemein in Fällen, die sich durch die Erhebung prägnanter Befunde und übereinstimmende fachärztliche Einschätzungen hin
sicht
lich Diagnose und funktioneller Auswirkungen im Rahmen beweiswertiger Arztberichte und Gutachten auszeichnen. Was die Befunde angeht, ist etwa an
Störungsbilder wie
Schizophrenie
, Zwangs-, Ess- und Panikstörungen zu denken, die sich aufgrund klinischer psychiatrischer Untersuchung bezüglich ihrer Über
prüf- und Objektivierbarkeit mit somatischen Erkrankungen vergleichen lassen. Hier zeigt sich die Beweisproblematik, wenn überhaupt, vor allem bezüglich der funktionellen Auswirkungen. Daher hat auch bei jenen Störungen eine vertie
fende Prüfung hinsichtlich des funktionellen Schweregrades und insbesondere der Konsistenz zu erfolgen, wenn Hinw
e
ise auf Inkonsistenzen, auf Aggravation oder Simulation bestehen (BGE 143 V 418 E. 7.1, vgl. auch Urteil des Bundes
gerichts 9C_721/2018 vom 12. März 2019 E. 3.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder
Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medizi
nischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungs
ergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
-
ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines
externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherun
gsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Rentenanspruch
der Beschwerdefüh
rerin
mit der Begründung, dass
seit April 2019
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als Hausfrau
vorgelegen habe
. Aus ärztlicher Sicht könne
ihr
jedoch
ab November 2019 in ihrem Aufgabenbereich als Hausfrau sowie in einer ange
passten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
zugemutet werden. Das Warte
jahr beginne im Zeitpunkt der Arbeitsunfähigkeit im April 201
9.
Mit einer Arbeits
fähigkeit von 80
%
ab November 2019 sei
en
das Wartejahr sowie eine Arbeits
unfähigkeit von mindestens 40
%
nicht erfüllt, weshalb das Leistungsbegehren abgewiesen werde (vgl.
Urk.
2 S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
auf den Standpunkt (
Urk.
1), die medizinischen Abklärungen seien ungenügend erfolgt. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei weder mit den medizinischen Akten noch mit dem Krankheitsverlauf vereinbar (S. 3). Trotz konkreter Hinweise auf
eine erneute Verschlechterung
des
Gesundheitszustandes habe die Beschwerde
gegnerin
auf
weitere Abklärungen
verzichtet
. Dieses Vorgehen sei nicht nach
voll
ziehbar und verletze den Untersuchungsgrundsatz. Auf die RAD-Stellung
nahme könne nicht abgestellt werden, da diese auf einer unvollständigen Akten
lage basiere. Der aktuell
e Gesundheitszustand sei den RAD
-Ärzten im Beurtei
lungs
zeitpunkt nicht bekannt gewesen, da kein aktueller Bericht eingeholt worden sei. Die Tatsache, dass sie seit Januar 2019 betreut wohne und damit nicht im Stande sei ihren Alltag selbständig zu meistern, werde von den RAD-Ärzten nicht be
rücksichtigt (S. 5 f.). Der aktuellste Bericht der
Psychiatrischen Universitäts
klinik
Y._
begründe erhebliche Zweifel an der Einschätzung des RAD. Eine
Stabilisierung des Gesundheitszustandes habe bislang nicht erreicht werden können
. Es sei offensichtlich, dass sie zu 100
%
in ihrer Arbeitsfähigkeit in jeg
licher Tätigkeit eingeschränkt sei. Das Wartejahr sei damit erfüllt und es bestehe Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (S. 7 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Mit Schreiben vom 1
6.
Januar 2019 (
Urk.
8/5) informierten die Ärzte der
Psychiatrischen Universitäts
klinik Y._
ü
ber die Notwendigkeit einer betreuten Wohnform. Die
Beschwerdeführerin
leide
mindestens
seit November 2016 unter einer anhaltenden psychotischen Sympto
matik und eine Remission der Symptomatik
habe
trotz eines umfassenden leit
liniengerechten Behandlungsangebots nicht vollständig erreicht werden können. Eine betreute Wohnform erscheine als medizinisch dringlich indiziert. Die Be
schwerdeführerin sei aus verschiedenen, allesamt krankheitsbedingten Gründen aktuell nicht in der Lage, sich selbständig zu versorgen. Die betre
ute Wohnform sei zudem wichtig zur Sicherung der
Familiensituation (S. 1).
3.2
Die Ärzte der
Psychiatrischen Universitäts
klinik Y._
n
annten mit Bericht vom 1
5.
April 2019 (
Urk.
8/17) eine seit November 2016 bestehende paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0) als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erwähnten sie eine seit September 2018 bestehende leichte Sinustachykardie (S. 5
Ziff.
2.5-2.6). Die Beschwerdeführerin sei vom 1
1.
Novem
ber bis 2
7.
Dezember 2016, vom
7.
September bis
7.
November 2018 sowie vom 1
2.
November 2018 bis 2
4.
Januar 2019 stationär hospitalisiert
gewesen (S. 2
Ziff.
1.1). In den
Zeit
en
der stationären Behandlungen sei die Beschwerdeführerin
in
sämtliche
n
Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig gewesen (S. 1
lit
. a, S. 2
Ziff.
1.3). Sie sei in teilremittiertem Zustand in Abwesenheit von akuten Gefähr
dungsaspekten ausgetreten (S. 4
Ziff.
2.2). Aufgrund der Schwere der Erkrankung sei aktuell nicht mit einem Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Bei einer weiteren Remission der
Symptomatik könn
e perspektivisch ein schrittweiser Einstieg in den Arbeitsmarkt versucht werden (S. 5 f.
Ziff.
2.7).
3.3
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
A._
AG,
gab mit
Bericht vom 2
2.
November 2019 (
Urk.
8/31)
an,
dass sie die Beschwerdeführerin seit dem 1
0.
April 2019 behandle und eine akute polymorphe psychotische Störung mit Symptomen einer Schizophrenie
(ICD-10 F23.1), Differentialdiagnose (DD) paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.
0), als mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizieren könne (S. 2 f.
Ziff.
1.1,
Ziff.
2.5). Eine Arbeitsunfähigkeit
habe sie
nicht attestiert (S. 2
Ziff.
1.3). Die
floride
Psychose sei durch die Medikation mit Neuroleptika remittiert. Die Beschwerdeführerin müsse weiter beobachtet werden, weil das Risiko von Rezidi
ven nicht ausgeschlossen sei (S. 3
Ziff.
2.2).
Dr.
Z._
gab weiter an, dass sie nicht beantworten könne, wie viele Stunden pro Tag die bisherige Tätigkeit zumutbar sei. Eine angepasste Tätigkeit sei zwischen 80 und 100
%
zumutbar. Eine Eingliederung sei zumutbar. Im Weg stünden die Deutschkenntnisse sowie die Kinderbetreuung (S. 5
Ziff.
4.1-4.4).
Sie könne nicht beantworten, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin bei Aufgaben im Haushalt eingeschränkt sei (S. 5
Ziff.
4.5).
3.4
RAD-Arzt med.
pract
.
B._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psy
chiatrie und Psychotherapie, erwähnte mit Stellungnahme vom 1
2.
März 2020, dass die
Psychiatrischen Universitäts
klinik Y._
b
ei einer weiteren Remission sogar von einer Integration auf dem Arbeitsmarkt gesprochen habe. Da die Beschwerdeführerin drei kleine Kinder habe, kein Deutsch spreche und durch eine Heirat aus
C._
in die Schweiz ge
kommen sei, sei es allerdings fraglich, ob dies eine realistische Perspektive sei. Die Prognose lasse jedoch darauf schliessen, dass Ressourcen vorhanden seien,
die vor allem unter der aktuell remittierten psychotischen Symptomatik im Rahmen
der Schizophrenie (keine akustischen Halluzinationen mehr unter Neurole
ptika)
dafür
sprächen
, dass die Leistungsfähigkeit im Haushalt nicht erheblich beein
trächtigt sein könne
. Die
s
müsste jedoch durch eine AD-Abklärung
näher
evalu
iert werden
(vgl.
Urk.
8/35 S. 4 oben).
3.5
Mit RAD-Stellungnahme vom 1
5.
April 2020 nannte
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, einen Status nach mehrfachen akuten polymorphen psychotischen Störungen mit Symptomen einer Schizophrenie (ICD-10 F23.1),
bestehend
seit
dem Jahr
2012 nach der Geburt des ersten Kindes, als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Differen
tialdiagnostisch erwähnte sie eine paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0)
sowie
eine rezidivierende depressive Störung mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33). Die
floride
psychotische Symptomatik (Halluzinationen) sei unter
der Gabe von
Neuroleptika remittiert. Aktuell seien keine wesentlichen Einschränkungen mehr vorhanden. Wichtig sei eine strukturierte Tätigkeit in einer wohlwollenden Atmosphäre bei ausreichender Anleitung. Die Beschwerdeführerin sei in der bis
herigen sowie einer angepassten Tätigkeit nach vorangegangenen Phasen einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit seit November 2019 zu 20
%
arbeitsunfähig. Ein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden liege seit der Geburt des ersten Kindes im Jahr 2012 vor. Die Beschwerdeführerin sei aktuell unter der Therapie kom
pensiert. Sie laufe jedoch Gefahr, bei Überforderung wieder psychotisch zu
de
kom
pensieren
. Es lägen viele invaliditätsfremde Faktoren vor, die eine Einglie
derung erschweren würden, unter anderem fehlende Deutschkenntnisse, fehlende Berufsausbildung und aktuell wohl alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Aktuell
sei sie zu maximal
80
%
arbeitsfähig
in einer angepassten Tätigkeit be
ziehungsweise als Hausfrau (vgl.
Urk.
8/35 S. 4 f.).
3.6
Dem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Bericht der Ärzte der
Psychiatrischen Universitäts
klinik Y._
v
om 2
6.
Juni 2020 (
Urk.
3/3) ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin vom 2
2.
April 2020 bis dato hospitalisiert gewesen sei und eine paranoide
Schizophrenie (ICD-10 F20.0), DD: Persönlichkeitsakzentuierung
, diagnostiziert werden könne
. Die wahnhaften Denkinhalte seien unter der antipsychotischen Medikation rückläufig gewesen. Es sei jedoch insbesondere nachts regelmässig zu
Situationen gekommen, in denen die Beschwerdeführerin das Stationsmilieu massiv
gestört habe und stark habe begrenzt werden müssen. Zudem sei es auch
zu Drohungen gegenüber dem Pfle
gepersonal gekommen. Nachdem die Beschwer
deführerin
einen Austrittswunsch geäussert habe, sei aufgrund des instabilen Zustandsbildes ein Rückbehalt ausgesprochen und durch
den
Notfallpsychiater eine Fürsorgerische Unterbringung
(FU)
angeordnet worden. Die Beschwerde
führerin habe sich motiviert für die Therapie gezeigt. Die psychotischen Symp
tome seien unter der Medikation rückläufig
gewesen. Bei möglicher Differen
t
ial
diagnose aus dem Spektrum der Persönlichkeitsstörungen werde die Durchfüh
rung
einer SKID
II-Diagnostik empfohlen (S. 1
f.).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Rentenanspruch der Beschwerdefüh
rerin
im Wesentlichen
gestützt auf die RAD-Stellungnahme von
Dr.
D._
(vorste
hend E. 3.5), wonach
– nach einer
kurzen
vorübergehenden vollständigen Arbeit
s
unfähigkeit -
seit November 2019
wiederum
eine Arbeitsfähigkeit von maximal 80
%
in einer angepassten Tätigkeit beziehungsweise als Hausfrau ausgewiesen sei. Diese RAD-Beurteilung vermag indessen nicht zu überzeugen.
4.2
RAD-Ärztin
Dr.
D._
hat die Beschwerdeführerin nicht persönlich unter
s
ucht, sondern eine reine Aktenbeurteilung vorgenommen. Dabei
lagen
ihr
hauptsäch
lich
ein Bericht der Ärzte der
Psychiatrischen Universitäts
klinik Y._
(
vorstehend E. 3.2) sowie ein Bericht von
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.3) vor. Die Ärzte der
Psychiatrischen Universitäts
klinik Y._
e
rachteten die Be
schwerdeführerin im April 2019 noch als vollständig arbeitsunfähig, wogegen
Dr.
Z._
ein paar Monate später – im November 2019 – eine
hochpro
zentige
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit attestierte.
D
er Bericht von
Dr.
Z._
genügt allerdings den Anforderungen an einen beweiskräftigen ärztl
ichen Bericht (vorstehend E. 1.4
)
nicht
.
Zwar lässt sich diesem entnehmen, dass
die
floride
Psychose aktuell remittiert sei und sich die Beschwerdeführerin glaubwürdig von einer Eigen- und Fremdgefährdung distanziere (vgl.
Urk.
8/31 S. 3
Ziff.
2.4). Eine ausführliche objektive Befunderhebung
und Ausführungen zu den funktionellen Auswirkungen lassen
sich dem Bericht
indessen
nicht ent
neh
men. Ausserdem beantwortete
Dr.
Z._
die Fragen nach der Zumutbarkeit der bisherigen Tätigkeit
respektive
nach einer allfälligen Einschränkung bei Auf
gaben im Haushalt nicht (vgl.
Urk.
8/31 S. 5
Ziff.
4.1,
Ziff.
4.5).
Ihre
Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 80 bis 100
%
in einer dem Leiden angepassten Tätig
keit
kann mangels Begründung und Fehlen eines Belastungsprofils nicht nach
voll
zogen werden.
Soweit RAD-Ärztin
Dr.
D._
angab, dass das B
elastungs
profil ausge
testet w
erden müsse (vgl.
Urk.
8/35 S. 5
),
genügt dies einer fachärztlichen Beurteilung in keiner Weise. Die
RAD-
Beurteilung
von
Dr.
D._
kann sich demnach nicht auf eine schlüssige und nachvollziehbare A
ktenlage stützen, wo
mit Zweifel an deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen
und
folglich
nicht darauf abgestellt werden
kann (vorstehend E. 1.5
).
Auch die übrigen aktenkundigen
Arztberichte
erlauben keine
abschliessende Beur
teilung des Rentenanspruchs; so äussern sich die Ärzte der
Psychiatrischen Universitäts
klinik Y._
i
m aktuellen Be
richt
(
Urk.
3/3) insbesondere
nicht zu den funktionellen Auswirkungen (E. 1.3-1.4).
4.3
Ausserdem
hat sich
die
durch
Dr.
Z._
geäusserte
Befürchtung von wei
teren Rezidiven
(vgl.
Urk.
8/31 S. 3
Ziff.
2.4) bestätigt, wurde die Beschwer
de
füh
rerin doch
Ende April 2020 – kurz nach der RAD-Beurteilung
von
Dr.
D._
- wiederum stationär in der
Psychiatrischen Universitäts
klinik Y._
b
ehandelt. Hierauf wurde die
Beschwerdegegnerin
durch eine Mitarbeiterin der
Psychiatrischen Universitäts
klinik Y._
e
xplizit aufmerksam gemacht (vgl.
Urk.
8/32-33).
Dennoch unterliess es die Beschwerdegegnerin einen entsprechenden Bericht einzuholen respektive
das Ergebnis der
stationäre
n
Hospitalisation
und Behand
lung
abzuwarten, sondern erliess kurz darauf
Anfang Mai
2020
ohne weiter
gehende
n
Abklärungen
den
rentenabweisenden
Vorbescheid (
Urk.
8/36
).
Dieses Vorgehen kann nicht nachvollzogen werden.
In dem im Rahmen des Beschwerde
verfahrens nun eingereichten aktuellen Bericht
der Ärzte der
Psychiatrischen Universitäts
klinik Y._
(
vorstehend E.
3.6), welcher die Zeit während der stationären
Hospitalisation
von Ende April bis Ende Juni 2020 und somit
auch
eine Zeit vor Verfügungserlass betrifft (vgl. BGE 121 V 362 E. 1b), ziehen die Ä
rzte
letztlich
auch
eine Diagnose
aus dem Spektrum der Persönlichkeitsstörungen
in Betracht
,
w
omit
sich weitere Abklä
rungen in diag
nostischer Hinsicht aufdrängen.
4.4
Zuletzt
ist darauf hinzuweisen, dass der
Umstand des langjährigen betreuten Wohnens den Schluss nahe
legt
, dass die Beschwerdeführerin bei der Bewältigung ihres Alltags auf eine gewisse Unterstützung angewiesen ist, wobei deren Aus
mass für die Beurteilung ihrer Arbeitsfähigkeit – insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin
seit der Einreise in die Schweiz
einzig im Haushaltsberei
ch tätig war - von Bedeutung sein kann
.
Dieser Umstand wurde von der Beschwerdegegnerin nicht beachtet.
A
uf eine Abklärung im Haushalts
bereich
wurde
– obwohl RAD-Arzt med.
pract
.
B._
eine solche als angezeigt erachtete (v
orstehend E. 3.4) –
ebenfalls
verzichtet.
4.5
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschliessende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als un
zulänglich
, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese
nach erneuter Abklä
rung der medizinischen und erwerblichen Situation eine neue Beurteilung vor
nehme und
über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
Dabei wird e
ine
allfällige
Abklärung der Einschränkungen im Haushalt
die
fach
ärztlich festgestellten psychischen Beeinträchtigungen
zu berücksichtigen haben
(Urteil des Bundesgerichts 8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1).
In diesem Sinne
ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der u
nterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf
eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss
Art.
61
lit
. g
ATSG in Verbindung mit
§
34
GSVGer
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Mit Honorarnote vom
3.
August 2021 (
Urk.
16
) machte
die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
einen zeitlichen Aufwand von 9.8
S
tunden und Barauslagen
von
Fr.
73.50
geltend. Dieser Aufwand erweist sich der Streitsache als ange
m
essen, weshalb der Beschwerdeführerin antragsgemäss eine Ent
schädigung in Höhe von
Fr.
2’400
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zuzusprechen ist.
5.3
Unter diesen Umständen erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (vgl.
Urk.
1 S. 2) als gegen
standslos.