Decision ID: 27e1784f-1087-5383-bee9-58a3731bbfb5
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin ersuchte am 29. Mai 2020 in der Schweiz um Asyl.
Am 8. Juni 2020 fand die Personalienaufnahme, am 12. Juni 2020 das per-
sönliche Gespräch gemäss Art. 5 Verordnung (EU) Nr. 604/2013 und am
29. Juni 2020 die Erstbefragung statt. Anlässlich dieser reichte die Be-
schwerdeführerin ein Universitätsdiplom (BM 6), ein Schreiben ihres türki-
schen Anwalts (mit Übersetzung, BM 5) und ein Sitzungsprotokoll eines
Strafverfahrens in B._ vom (...) 2019 mit Nr. (...) (mit Teilüberset-
zung, BM 4) zu den Akten. Sie machte geltend, dass sie 2019 in einem
Massenprozess wegen Organisationsmitgliedschaft zu einer mehrjährigen
Haftstrafe verurteilt worden sei. Das SEM forderte sie auf, einen Auszug
aus dem e-Devlet/UYAP (türkisches E-Justiz-Informationssystem) mit
Übersicht des Gerichtsverfahrens und weitere wesentliche Gerichtsdoku-
mente einzureichen.
B.
Mit Zwischenverfügung vom 8. Juli 2020 wurde die Beschwerdeführerin
dem erweiterten Verfahren zugewiesen, weil ihr Asylgesuch weiterer Ab-
klärungen bedürfe. Gleichzeitig forderte das SEM sie auf, bis zum 22. Juli
2020 den Auszug aus dem e-Devlet/UYAP, sämtliche relevanten Gerichts-
dokumente (Anklageschrift, Urteil[e], Beschwerdeschrift[en] etc.) und ge-
gebenenfalls weitere Dokumente/Beweismittel einzureichen.
C.
Mit Schreiben vom 22. Juli 2020 ersuchte die Rechtsvertreterin um Erstre-
ckung der Frist zur Einreichung der Beweismittel bis zum 5. August 2020.
Mit Schreiben vom 29. Juli 2020 gewährte das SEM die Fristerstreckung.
D.
Am 4. August 2020 reichte die Beschwerdeführerin einen Auszug des
e-Devlet (BM 2) und eine Anklageschrift aus C._ mit Nr. (...) (mit
Teilübersetzung, BM 3) zu den Akten.
E.
Am 3. November 2020 fand die ergänzende Anhörung statt. Anlässlich die-
ser machte die Beschwerdeführerin geltend, in B._ sei 2019 ein Ur-
teil gegen sie wegen Mitgliedschaft bei der PKK ergangen. Sie sei zu sechs
Jahren und drei Monaten Gefängnis rechtskräftig verurteilt worden. Zudem
sei in C._ ein weiteres Verfahren wegen Mitgliedschaft in einer Or-
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ganisation hängig. Das SEM forderte sie in Anwesenheit ihrer Rechtsver-
tretung auf, bis zum 24. November 2020 Beweismittel zum Verfahren in
B._ (aktueller und vollständiger Auszug aus dem e-Devlet, begrün-
detes Strafurteil) und zum Verfahren in C._ (Auszug aus dem e-
Devlet mit Übersicht über hängige Verfahren und Verhandlungstage, voll-
ständige Anklageschrift) einzureichen.
F.
Am 12. November 2020 reichte die Beschwerdeführerin kommentarlos und
ohne Übersetzungen mehrere türkische Beweismittel beim SEM ein, na-
mentlich Ausschnitte der Anklageschrift betreffend das Verfahren Nr. (...)
in C._ (BM 11 und BM 12), zwei Auszüge aus dem e-Devlet (BM 7
und BM 8), ein Verhandlungsprotokoll eines Verfahrens in B._ mit
Nr. (...) (BM 10) und (abermals) das türkische Anwaltsschreiben vom
16. April 2020 (BM 9).
G.
Am 17. November 2020 leitete die Rechtsvertretung dem SEM eine Mail
der Beschwerdeführerin weiter, in welcher diese sich über den Eingang der
Beweismittel beim SEM informierte. Mit Mail vom 17. November 2020 be-
stätigte das SEM den Eingang der Beweismittel und teilte mit, es werde die
Beweismittel schnellstmöglich übersetzen lassen und über allfällige wei-
tere Schritte informieren.
H.
Mit Schreiben vom 20. Januar 2021 erkundigte sich die Rechtsvertretung
über den Stand des Verfahrens und teilte gleichzeitig mit, seit dem Einrei-
chen der Beweismittel habe sie seitens SEM nichts mehr gehört.
I.
Am 26. Februar 2021 bestätigte das SEM den Eingang der Beweismittel
schriftlich und teilte mit, dass diese zwischenzeitlich übersetzt worden
seien. Es seien weitere Abklärungen in Bezug auf das Asylverfahren der
Beschwerdeführerin hängig und es könne keine verbindliche Zusage zur
weiteren Dauer des Verfahrens machen. Das Asylgesuch werde schnellst-
möglich behandelt und die Beschwerdeführerin werde den Asylentscheid
sobald als möglich erhalten.
J.
Am 10. August 2021 reichte die Beschwerdeführerin ein türkisches Refe-
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renzschreiben eines Freundes und ehemaligen Abgeordneten ihres Ge-
burtsorts ein (mit summarischer Übersetzung, BM 13). Im Schreiben er-
wähnte die Rechtsvertretung, sie könne nicht nachvollziehen, weshalb das
SEM so viel Zeit für weitere Abklärungen benötige und sie behalte sich vor,
demnächst eine Rechtsverzögerungsbeschwerde einzureichen.
K.
Mit Eingabe vom 27. August 2021 reichte die Rechtsvertreterin beim Bun-
desverwaltungsgericht eine Rechtsverzögerungsbeschwerde ein und be-
antragte, die Vorinstanz sei anzuweisen, umgehend einen Entscheid im
Asylverfahren der Beschwerdeführerin zu fällen. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 2. September 2021 hiess der Instruktionsrich-
ter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut
und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig
lud er das SEM ein, eine Vernehmlassung einzureichen.
M.
Mit Mail vom 3. September 2021 teilte das SEM der Beschwerdeführerin
mit, eine amtsinterne Dokumentenanalyse in Auftrag zu geben und infor-
mierte vorab darüber, dass Dokumente betreffend die geltend gemachten
Strafverfahren fehlen würden und es deshalb in den nächsten Tagen mit
einem Instruktionsschreiben an die Rechtsvertreterin gelangen werde.
N.
Am 9. September 2021 reichte das SEM eine Vernehmlassung ein.
O.
Mit Replik vom 23. September 2021 nahm die Beschwerdeführerin Stellung
zur Vernehmlassung.
P.
Mit Schreiben vom 25. November 2021 informierte die Beschwerdeführerin
das Gericht über ein bei ihr eingegangenes Instruktionsschreiben des SEM
vom 11. November 2021. Dieses stellte darin fest, dass sich aus den ein-
gereichten Beweismitteln drei Verfahren ergäben. Es forderte die Be-
schwerdeführerin auf, sich bis zum 25. November 2021 zum aktuellen Ver-
fahrensstand aller drei Verfahren zu äussern und aktuelle Beweismittel ein-
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zureichen. Im Weiteren wurde sie ersucht, falls sie in der Türkei strafrecht-
lich verurteilt worden sei, gleichzeitig ein entsprechendes Urteil ins Recht
zu legen. Dem Schreiben ans Gericht war das Antwortschreiben der Be-
schwerdeführerin an das SEM beigelegt. Die Beschwerdeführerin weist da-
rin auf das hängige Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht hin und
bekräftigt, dass sie alle ihr zur Verfügung stehenden Beweismittel einge-
reicht habe und anlässlich der Befragung alles habe erwähnen können,
was für ihr Asylgesuch relevant sei. Gehe das SEM weiterhin davon aus,
nicht alle entscheidrelevanten Informationen zu haben, ersuche sie um
eine Vorladung zu einer ergänzenden Befragung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Gegen
das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer anfechtbaren Verfü-
gung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung einer Be-
schwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene Verfügung zuständig
wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. dazu auch MARKUS
MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz
über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2018, Rz. 3 zu Art. 46a).
Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zur Beurteilung der vorliegenden
Rechtsverzögerungsbeschwerde zuständig.
1.2 Rechtsverzögerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichterlass
einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdelegitimation setzt voraus,
dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass einer
Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch ist
anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu han-
deln und der ansprechenden Person nach Art. 6 in Verbindung mit Art. 48
Abs. 1 VwVG Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2 m.w.H.).
Vorliegend ersucht die Beschwerdeführerin um Asyl. Über das Gesuch hat
die Vorinstanz in Form einer anfechtbaren Verfügung zu befinden. Die Be-
schwerdeführerin hat daher Anspruch auf den Erlass einer anfechtbaren
Verfügung.
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1.3 Gegen das unrechtmässige Verzögern einer Verfügung kann grund-
sätzlich jederzeit Beschwerde geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Den-
noch steht der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht völlig im Belieben
einer beschwerdeführenden Person. Der Grundsatz von Treu und Glauben
bildet hier eine Grenze. Die beschwerdeführende Person muss zudem dar-
legen, dass sie zur Zeit der Beschwerdeerhebung ein schutzwürdiges –
mithin aktuelles und praktisches – Interesse an der Vornahme der verzö-
gerten Amtshandlung respektive der Feststellung einer entsprechenden
Rechtsverzögerung hat (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCHI/LORENZ
KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl.,
2013, Rz. 5.23).
Das schutzwürdige Interesse der Beschwerdeführerin an der Vornahme
der allenfalls verzögerten Amtshandlung manifestiert sich vorliegend einer-
seits in den bei den Akten liegenden Eingaben, mit welchen sie um Aus-
kunft über den Verfahrensstand ersuchte. Andererseits ergibt es sich aus
der Tatsache, dass die Vorinstanz bis anhin noch nicht in der Sache ent-
schieden hat.
1.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die formgerecht ein-
gereichte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Rechtsverzögerungsbeschwerde einzu-
treten.
1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich
vorliegend auf die Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverzögerungsverbot
verletzt hat. Im Falle einer Gutheissung der Beschwerde weist es die Sa-
che mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück (Art. 61 Abs. 1
VwVG). Hingegen ist das Gericht nicht dazu befugt, sich dazu zu äussern,
wie ein unrechtmässig verzögerter Entscheid inhaltlich hätte ausfallen sol-
len, da es – Spezialkonstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig
gebliebenen Behörde entscheiden darf, andernfalls der Instanzenzug ver-
kürzt und allenfalls Rechte der Verfahrensbeteiligten verletzt würden (vgl.
BVGE 2008/15 E. 3.1.2 m.w.H.).
3.
3.1 Das Verbot der Rechtsverzögerung ergibt sich als Teilgehalt aus der
allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 BV. Danach hat jede
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Person vor Gerichts- und Verfahrensinstanzen Anspruch auf gleiche und
gerechte Behandlung sowie auf Beurteilung innert angemessener Frist
(sog. Beschleunigungsgebot).
3.2 Von einer Rechtsverzögerung im Sinne des Gesetzes ist nach Lehre
und Praxis auszugehen, wenn behördliches Handeln zwar nicht (wie bei
einer Rechtsverweigerung) grundsätzlich infrage steht, aber die Behörde
nicht innert der Frist handelt, die nach der Natur der Sache objektiv noch
als angemessen erscheint. Die Angemessenheit der Dauer eines Verfah-
rens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Umstände zu
beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei namentlich die Komplexität der
Sache, das Verhalten der betroffenen Beteiligten und der Behörden, die
Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Partei sowie einzelfallspezifi-
sche Entscheidungsabläufe (vgl. BGE 130 I 312 E. 5.1 und 5.2 m.w.H.).
Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausge-
setzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann verletzt,
wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert angemes-
sener Frist handelt (vgl. BGE 107 Ib 160 E. 3c; 103 V 190 E. 5c). Spezial-
gesetzliche Behandlungsfristen sind bei der Beurteilung der Angemessen-
heit der Verfahrensdauer zu berücksichtigen.
Es gelangt hier die erstinstanzliche Verfahrensfrist gemäss Art. 37 Abs. 4
AsylG zur Anwendung, wonach Entscheide im erweiterten Verfahren
(Art. 26d AsylG) innerhalb von zwei Monaten nach Abschluss der Vorberei-
tungsphase zu treffen sind.
4.
4.1 In ihrer Rechtsverzögerungsbeschwerde macht die Beschwerdeführe-
rin im Wesentlichen geltend, es sei unklar, ob und was die Vorinstanz seit
dem 4. November 2020 beziehungsweise dem 24. November 2020 unter-
nommen habe. Die Vorinstanz habe wiederholt erklärt, dass Abklärungen
im Gange seien, wobei nicht nachvollziehbar begründet werde, welcher Art
diese seien. Seit der letzten Beweismitteleingabe am 24. November 2020
(recte: 12. November 2020) seien seitens der Vorinstanz keine Verfahrens-
handlungen aus den Akten ersichtlich. Es dürfe davon ausgegangen wer-
den, dass die Dokumentenanalyse innerhalb von sechs Monaten hätte ab-
geschlossen werden können, zumal die meisten Beweismittel bereits an-
lässlich der Anhörung zu den Asylgründen am 29. Juni 2020 eingereicht
und im Beisein eines Dolmetschers besprochen worden seien. Die Dauer
der Abklärungen sei nicht angemessen. Die Beschwerdeführerin leide un-
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ter der unsicheren Aufenthaltssituation. Sie könne nicht arbeiten, ihr Integ-
rationsprozess stocke und sie bekomme aufgrund des unsicheren Aufent-
haltsstatus keine medizinische Behandlung ihrer psychischen Beschwer-
den. Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung der Entscheidfäl-
lung werde schliesslich nicht vorausgesetzt.
4.2 Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung aus, die Beschwerdefüh-
rerin sei anlässlich der Anhörung vom 29. Juni 2020 aufgefordert worden,
die für das Verfahren wesentlichen Beweismittel einzureichen. Mit Zuwei-
sungsentscheid vom 8. Juli 2020 in das erweiterte Verfahren sei sie erneut
aufgefordert worden, weitere Gerichtsdokumente und relevante Beweis-
mittel einzureichen. Die Rechtsvertretung habe daraufhin einen e-Dev-
let/UYAP-Auszug und eine Anklageschrift mit einer Aneinanderreihung von
Nummern zu den Akten gereicht. Anlässlich der ergänzenden Anhörung
am 3. November 2020 sei die Beschwerdeführerin explizit aufgefordert
worden, das begründete Urteil betreffend das geltend gemachte Verfahren
in B._ einzureichen. Daraufhin habe sie erneut Ausschnitte der An-
klageschrift vom Verfahren in C._, einen e-Devlet-Auszug und
abermals das türkische Anwaltsschreiben kommentarlos und ohne Über-
setzung zu den Akten gereicht. Mit Schreiben auf die Verfahrensstandan-
frage der Rechtsvertreterin habe die Vorinstanz den Eingang der bisheri-
gen Rechtsmittel und deren Übersetzung bestätigt und mitgeteilt, dass wei-
tere Abklärungen im Gange seien. In der Folge habe sie eine interne Do-
kumentenprüfung der bis anhin eingereichten Beweismittel vorgenommen
und die Dokumente am 30. Juli 2021 an die interne Dokumentenanalyse
zur eingehenderen Analyse weitergeleitet. Eine im August 2021 erfolgte te-
lefonische Rückmeldung der Dokumentenanalyse habe ergeben, dass die
Aktenlage unvollständig sei und weitere Verfahrensdokumente zwingend
erforderlich seien. Am 10. August 2021 habe die Rechtsvertretung eine
Rechtsverzögerungsbeschwerde in Aussicht gestellt und gleichzeitig ein
weiteres Beweismittel in türkischer Sprache mit einer summarischen Zu-
sammenfassung des Inhalts zu den Akten gereicht. 17 Tage später habe
sie ihre Beschwerde beim Gericht eingereicht. Nach Erhalt des Schreibens
vom 10. August 2021 habe die Vorinstanz einige Male versucht, die
Rechtsvertretung telefonisch zu erreichen, ehe sie diese am 3. September
2021 per E-Mail – in Unkenntnis der Beschwerde – über den erfolgten in-
ternen Zuständigkeitswechsel informiert und ein Instruktionsschreiben in
Aussicht gestellt habe. Die Beschwerde führende Partei sei ihrer Mitwir-
kungspflicht gemäss Art. 8 AsylG nicht genügend nachgekommen. Bis
heute habe die Beschwerdeführerin das angeblich gegen sie ausgespro-
chene Urteil und andere wesentliche Beweismittel nicht eingereicht. Die
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Rechtsvertretung habe sich in ihren Schreiben weder zum besagten Urteil
geäussert noch habe sie dessen Einreichung in Aussicht gestellt. Es seien
türkische Dokumente ohne Übersetzung oder korrekte Bezeichnung ein-
gereicht worden. Der Vorwurf, wonach nicht klar sei, welche Verfahrens-
handlungen seit November 2020 vorgenommen worden seien, sei absolut
unberechtigt. Es wäre der Beschwerdeführerin zumutbar gewesen, sich mit
der Beweismittellage eingehend auseinanderzusetzen und durch eigenes
Prozessverhalten zur Beschleunigung des Verfahrens beizutragen. Die
Dauer des Verfahrens sei – nebst der hohen Arbeitslast und den Konse-
quenzen der Covid-Pandemie – der mangelhaften Mitwirkung der Be-
schwerdeführerin und den erforderlichen Abklärungs- und Instruktions-
massnahmen und nicht der Untätigkeit der Vorinstanz geschuldet, womit
sie klar mit den gesamten Umständen zusammenhänge.
4.3 In ihrer Replik macht die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend,
sie habe der Vorinstanz alle ihr zur Verfügung stehenden Beweismittel ein-
gereicht. Weil sie keine Akteneinsicht in die Befragungsprotokolle erhalten
habe, sei es der Rechtsvertretung nicht möglich gewesen, detailliert und
nachvollziehbar auf die einzelnen Themen, die mit Bezug auf vorhandene
respektive fehlende Beweismittel in den Befragungen besprochen worden
seien, einzugehen. Die Mitwirkungspflicht im Verwaltungsverfahren werde
in Art. 13 VwVG geregelt. Das Ausmass der erforderlichen Mitwirkung
richte sich nach dem jeweiligen Einzelfall und dem Grundsatz der Verhält-
nismässigkeit. Die Verfahrensleitung spiele dabei eine wesentliche Rolle.
Ihr werde die Pflicht auferlegt, genau darzulegen, inwiefern und in welchem
Ausmass erwartet werde, an der Erhebung des Sachverhalts aktiv mitzu-
wirken. Diese instruierende Massnahme habe klar und verständlich zu er-
folgen. Aus dem Schreiben vom 26. Februar 2021 gehe nicht hervor, dass
die Vorinstanz noch auf ein weiteres Beweismittel warte und in der Mail
vom 3. September 2021 sei nicht erwähnt, betreffend welches Verfahren
Beweismittel fehlen würden. Die Argumentation der Vorinstanz, die Rechts-
vertretung sei telefonisch nicht erreichbar gewesen, erstaune. Sie hätten
sich bereits im Beschwerdeverfahren befunden und es habe die Möglich-
keit der internen Post, einer Telefonnotiz über die Hauptnummer des
Rechtsschutzes sowie des Mailverkehrs bestanden. Die Beschwerdefüh-
rerin habe alle ihr zur Verfügung stehenden Beweismittel eingereicht.
5.
5.1 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin sind aus den Akten auch
Verfahrenshandlungen nach der Eingabe der Beweismittel am 24. Novem-
ber 2020 (recte: 12. November 2020) ersichtlich. Die Vorinstanz teilte der
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Rechtsvertretung im Mail vom 17. November 2020 mit, sie würde die neu-
lich eingereichten Beweismittel übersetzen und sie über allenfalls weitere
Schritte informieren. Mit Schreiben vom 21. Februar 2021 informierte sie
sodann darüber, dass die Beweismittel zwischenzeitlich übersetzt worden
seien und derzeit weitere Abklärungen in Bezug auf das Asylverfahren der
Beschwerdeführerin hängig seien. Den Akten ist sodann zu entnehmen –
wie von der Vorinstanz auch in der Vernehmlassung erwähnt – dass sie die
eingereichten Beweismittel einer internen Dokumentenprüfung unterzog
und die Dokumente am 30. Juli 2021 an die interne Dokumentenanalyse
zur eingehenden Analyse weitergeleitet hat. Am 10. August 2021 reichte
die Beschwerdeführerin sodann ein weiteres türkisches Dokument mit
summarischer Übersetzung ins Recht. Die Vorinstanz ist somit nicht untätig
geblieben.
5.2 Die Beschwerdeführerin wurde schon bei ihrer Erstbefragung am
29. Juni 2020 aufgefordert, eine Übersicht über die verschiedenen Ge-
richtsverfahren inklusive Stand der Verfahren aus dem e-Devlet/UYAP ein-
zureichen (SEM-Akte 1066380-19/15 F77). Mit Zwischenverfügung vom
8. Juli 2020 und dem Zuweisungsentscheid in das erweiterte Verfahren
(SEM-Akte 1066380-22/2) wurde sie schriftlich aufgefordert, einen Auszug
aus dem e-Devlet/UYAP, sämtliche relevanten Gerichtsdokumente (Ankla-
geschrift, Urteil[e], Beschwerdeschrift[en] etc.) sowie gegebenenfalls wei-
tere Dokumente oder Beweismittel einzureichen. Die Beschwerdeführerin
reichte daraufhin einen Auszug aus dem e-Devlet sowie ein Gerichtsdoku-
ment aus dem Verfahren in C._ ein. Anlässlich der ergänzenden
Anhörung vom 3. November 2020 wurde die Beschwerdeführerin im Bei-
sein ihrer Rechtsvertretung konkret aufgefordert, bis zum 24. November
2020 nachfolgende Dokumente einzureichen: einen aktuellen und vollstän-
digen Auszug aus dem e-Devlet/UYAP zum Verfahren in B._ (SEM-
Akte 1066380-39/24 F154 f.) und das begründete Urteil zu diesem Verfah-
ren (F163 ff.) sowie einen Auszug aus dem e-Devlet/UYAP (Übersicht über
Verhandlungstage und alle hängigen Verfahren, F170) und die vollständige
Anklageschrift zum Verfahren in C._ (F172 ff.). Am 12. November
2020 reichte die Beschwerdeführerin daraufhin kommentarlos und ohne
Übersetzung diverse türkische Dokumente zu den Akten (BM 7-12). Akten-
kundig ist, dass die Beschwerdeführerin und ihre Rechtsvertretung wuss-
ten, welche Beweismittel sie hätten einreichen müssen. Dieser Aufforde-
rung sind sie nur unvollständig nachgekommen. Auch wurden die Beweis-
mittel nicht – wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht – mehr-
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heitlich anlässlich der Anhörung zu den Asylgründen am 29. Juni 2020 ein-
gereicht, sondern eine Vielzahl davon im späteren Verlauf des Verfahrens.
Letztmals erreichte die Vorinstanz ein Dokument am 10. August 2021.
5.3 Zudem ist für die beschleunigte Behandlung des Asylverfahrens nicht
förderlich, dass die Beschwerdeführerin am 12. November 2020 diverse
Beweismittel in türkischer Sprache kommentarlos einreichte. Es ist darauf
hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin rechtlich vertreten ist. Es muss
ihr somit bekannt sein, dass Asylsuchende verpflichtet sind, Beweismittel
vollständig zu bezeichnen und sie zudem in der Regel für die Übersetzung
der fremdsprachigen Dokumente besorgt sind (Art. 8 Abs. 1 Bst. d und
Abs. 2 AsylG). Die Vorinstanz ist auf Bitten der Beschwerdeführerin von
der Pflicht zur Übersetzung abgewichen und forderte diese hingegen auf,
die sie betreffenden Stellen in den Dokumenten zu markieren. Dieser Auf-
forderung ist sie nur teilweise nachgekommen.
5.4 Sowohl der Beschwerdeführerin als auch ihrer Rechtsvertretung hätte
bewusst sein müssen, dass die Aktenlage für eine Entscheidung nicht voll-
ständig ist, dass mithin insbesondere das begründete Strafurteil zum Ver-
fahren in B._ noch nicht eingereicht wurde. Dessen Einreichung
wäre ihr jedoch zumutbar gewesen. So sind Akten zu einem abgeschlos-
senen Verfahren in der Türkei grundsätzlich im UYAP zugänglich, sofern
die Person ein e-Devlet-Konto mit Passwort besitzt und die Person Partei
im entsprechenden Verfahren war (Schweizerische Flüchtlingshilfe, Türkei:
Zugang zu verfahrensrelevanten Akten, Auskunft vom 1. Februar 2019,
S. 9 f.). Die beiden Bedingungen sind vorliegend gegeben. So war es der
Beschwerdeführerin doch möglich, während des Verfahrens mehrere Aus-
züge aus dem e-Devlet einzureichen. Sie machte zudem geltend, das
Strafverfahren gegen sie in B._ sei abgeschlossen und erwähnte
anlässlich der ergänzenden Anhörung vom 3. November 2020, im Besitz
des rechtskräftigen Urteils zu sein (SEM-Akte 1066380-39/24 F 161 f.).
Dies widerspricht wiederum ihren Ausführungen in der Replik, wonach sie
alle ihr zur Verfügung stehenden Beweismittel eingereicht habe. Eine Be-
gründung, weshalb sie nun doch keinen Zugriff auf das begründete Straf-
urteil habe, blieb sie schuldig. Indem die Beschwerdeführerin das Doku-
ment bis anhin weder zu den Akten gereicht noch begründet hat, weshalb
ihr dies nicht möglich gewesen sein soll, hat sie ihre Mitwirkungspflicht
nach Art. 8 AsylG verletzt und damit ihr Asylverfahren selber in die Länge
gezogen.
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5.5 Vorliegend hat die Vorinstanz die Verfahrensfrist gemäss Art. 37 Abs. 4
AsylG, wonach Entscheide im erweiterten Verfahren innerhalb von zwei
Monaten nach Abschluss der Vorbereitungsphase zu treffen sind, nicht ein-
gehalten. Es erweist sich jedoch, dass die Verzögerungen zum Teil auf das
Verhalten der Beschwerdeführerin zurückzuführen sind. Ihr wäre es mög-
lich gewesen, durch ein entsprechendes eigenes Prozessverhalten das
ihre zu einer Beschleunigung des Verfahrens beizutragen und die explizit
von der Vorinstanz geforderten Dokumente vollständig einzureichen. Die
teilweise umfangreichen Dokumente in türkischer Sprache sind ohne Über-
setzung und oft ohne Bezeichnung bei der Vorinstanz eingegangen. Ange-
sichts der konkreten Verfahrensgeschichte erscheint es deshalb nicht an-
gezeigt, vorliegend allein auf die Gesamtdauer des anhängigen Verfahrens
abzustellen. Aus den Akten ergibt sich auch nicht, dass die von der Vor-
instanz eingeforderten Mitwirkungshandlungen einer Verzögerung dienten
oder nicht notwendig für die Beurteilung des Gesuchs wären.
5.6 Aufgrund der Aktenlage vermag die Beschwerdeführerin daher nicht
darzulegen, dass die Vorinstanz im Zeitpunkt der Erhebung der Rechtsver-
zögerungsbeschwerde am 27. August 2021 den Erlass eines Entscheids
über ihr Asylgesuch unrechtmässig verzögert hat.
6.
Aufgrund des Gesagten erweist sich die Rüge der Rechtsverzögerung im
Zeitpunkt ihrer Erhebung am 27. August 2021 als unbegründet, weshalb
die Beschwerde abzuweisen ist.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr indes mit
Zwischenverfügung vom 2. September 2021 die unentgeltliche Prozess-
führung gewährt wurde, ist von einer Kostenerhebung abzusehen.
(Dispositiv nächste Seite)
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