Decision ID: e2954f25-063a-4a48-8d0e-d494d0a8bffd
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1. 1.1. Die Staatsanwaltschaft Baden führt gegen den Beschwerdeführer eine Strafuntersuchung wegen des Verdachts auf gewerbsmässigen Diebstahl, ev. Veruntreuung.
1.2. Der Beschwerdeführer wurde am 3. Februar 2022 festgenommen und mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau vom 7. Februar 2022 einstweilen bis zum 3. Mai 2022 in Untersuchungshaft . Die Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts wies eine hiergegen erhobene Beschwerde mit Entscheid SBK.2022.55 vom 2. März 2022 ab.
1.3. Der Beschwerdeführer beantragte mit Gesuch vom 6. April 2022 seine  Entlassung aus der Untersuchungshaft, unter Kosten- und . Die Staatsanwaltschaft Baden überwies dieses  am 8. April 2022 (mit dem Antrag auf Abweisung) dem Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau und beantragte zugleich eine Verlängerung der Untersuchungshaft um drei Monate.
1.4. Das Bundesgericht hob den Entscheid der Beschwerdekammer in  des Obergerichts SBK.2022.55 vom 2. März 2022 mit Urteil 1B_156/2022 vom 13. April 2022 auf und wies die Staatsanwaltschaft  an, den Beschwerdeführer unverzüglich aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Zudem wies es die Sache zur Neuverlegung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des kantonalen Beschwerdeverfahrens an die  in Strafsachen des Obergerichts zurück.
2. 2.1. Der Beschwerdeführer stellte mit Eingabe vom 14. April 2022 beim Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau den Antrag, das noch pendente Verfahren betreffend Haftentlassung bzw. Haftverlängerung sei (unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse)  Gegenstandslosigkeit von der Verfahrenskontrolle abzuschreiben. Eventualiter sei sein Haftentlassungsgesuch gutzuheissen und das  der Staatsanwaltschaft Baden abzuweisen.
- 3 -
2.2. Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau schrieb mit  vom 14. April 2022 das bei ihm hängige Verfahren betreffend  bzw. Haftverlängerung als zufolge Haftentlassung des  gegenstandslos geworden von der Kontrolle ab. Zur - und Entschädigungsfrage äusserte es sich nicht.
3. 3.1. Der Beschwerdeführer erhob gegen die ihm am 25. April 2022 zugestellte Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau vom 14. April 2022 mit Eingabe vom 5. Mai 2022 Beschwerde mit folgenden :
" 1. Die Verfügung (Endentscheid) des ZMG (Vorinstanz) vom 14.04.2022 sei
in Gutheissung der Beschwerde dahingehend zu ergänzen, als ein  (Festsetzung der Gerichts- und Parteikosten) mit  (Prozesskostenliquidation) zu erfolgen habe.
2. Eventualiter habe in Gutheissung der Beschwerde Rückweisung an die
Vorinstanz zu erfolgen mit der Anweisung, die Verfügung (Endentscheid) vom 14.04.2022 dahingehend zu ergänzen, als ein Kostenentscheid ( der Gerichts- und Parteikosten) mit Kostenverteilung () zu erfolgen habe.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 7.7 % MWST zu Lasten der Staatskasse."
3.2. Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau teilte mit Eingabe vom 12. Mai 2022 mit, unter Hinweis auf die Begründung der  Verfügung auf eine Vernehmlassung zu verzichten.
3.3. Die Staatsanwaltschaft Baden teilte mit Eingabe vom 16. Mai 2022 mit, auf eine Stellungnahme zu verzichten.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1. Gegen Entscheide des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau ist die Beschwerde nur in den gesetzlich vorgesehenen Fällen zulässig (Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO).
- 4 -
1.2. Die verhaftete Person kann Entscheide über die Anordnung, die  und die Aufhebung der Untersuchungs- oder Sicherheitshaft bei der Beschwerdeinstanz anfechten (Art. 222 Satz 1 StPO). Der angefochtene Erledigungsentscheid ist an sich kein solcher Entscheid, wurde darin  doch weder angeordnet noch verlängert noch . Gerade weil solch ein (materieller) Entscheid in Beachtung der  des zuvor ergangenen Bundesgerichtsentscheids gar nicht mehr möglich war, erging stattdessen der hier angefochtene . Ob auch dieser zumindest sinngemäss von Art. 222 Satz 1 StPO mitumfasst ist, kann offen bleiben, weil die (Rechtsverweigerungs-) abzuweisen ist, soweit darauf überhaupt einzutreten ist.
2. 2.1. Der Beschwerdeführer begründete seine Beschwerde im Wesentlichen , dass der angefochtene Entscheid ein Endentscheid i.S.v. Art. 81 StPO sei, weshalb darin (gestützt auf Art. 81 Abs. 3 lit. a StPO) die Kosten- und Entschädigungsfolgen hätten geregelt werden müssen (Beschwerde Ziff. 3.2).
2.2. Der Haftprüfungsentscheid schliesst das Strafverfahren nicht ab. Die  von Art. 423 Abs. 1 i.V.m. Art. 426 bzw. Art. 428 StPO gelten auch für das Haftprüfungsverfahren (Art. 416 i.V.m. Art. 421 Abs. 2 lit. a StPO). Art. 428 StPO, welcher die Kostentragung im StPO- regelt, ist auf erstinstanzliche Entscheide aber nicht anwendbar. Damit besteht in einer solchen Konstellation keine gesetzliche Grundlage für die Auferlegung der Verfahrenskosten an die beschuldigte Person. Eine Auferlegung von solchen Kosten an sie kommt erst nach Abschluss des Strafverfahrens nach Massgabe von Art. 426 StPO in Frage. Bis dahin hat gemäss Art. 423 Abs. 1 StPO der Kanton die angefallenen  (vorläufig) zu tragen (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 1B_179/2014 vom 5. Juni 2014 E. 5.3 mit Hinweis auf BGE 138 IV 225 E. 8.2).
2.3. Demnach richtet sich die Beantwortung der Frage, ob der  die Kosten des Haftprüfungsverfahrens zu tragen hat, nicht nach Art. 428 StPO und kommt es damit für die Kostenregelung nicht darauf an, ob der Beschwerdeführer mit seinen Anträgen vor dem  des Kantons Aargau als (mutmasslich) obsiegend oder  zu betrachten ist. Vielmehr bestimmt sich die Kostentragungspflicht des Beschwerdeführers für das Haftprüfungsverfahren nach Art. 426 StPO. Damit hängt sie auch vom (noch offenen) Ausgang des eigentlichen Straf-
- 5 -
verfahrens ab, weshalb das Zwangsmassnahmengericht des Kantons  noch gar keinen endgültigen Kostenentscheid fällen konnte, womit auch gesagt ist, dass es gar nicht in seiner Kompetenz lag, den  sozusagen prophylaktisch von einer allfälligen Rückerstattung von ihm noch gar nicht auferlegten Verfahrenskosten – einschliesslich der  für seine amtliche Verteidigung im Haftprüfungsverfahren (Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO) – zu befreien. Vielmehr werden die Kosten des  am Ende des Strafverfahrens von der dannzumal zuständigen Instanz nach Massgabe von Art. 426 StPO zu verlegen sein, was im  im Einklang damit steht, dass die Kosten für die amtliche Verteidigung (die wie ausgeführt Teil der Verfahrenskosten sind) gestützt auf Art. 135 Abs. 2 StPO auch erst am Ende des eigentlichen Strafverfahrens von der dannzumal zuständigen Instanz festzulegen sind. Es entspricht denn auch der konstanten Praxis hiesiger Zwangsmassnahmengerichte, die Kosten und Entschädigungen für Haftprüfverfahren in ihren Entscheiden nicht  zu regeln.
2.4. Überzeugende Gründe, weshalb vorliegend entgegen dem Gesagten die Kosten- und Entschädigungsfrage für das Haftprüfungsverfahren () vorab vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau hätte geregelt werden müssen, sind keine ersichtlich. Der  begründete seinen diesbezüglichen Antrag weder in seinem  vom 6. April 2022 noch in seiner Eingabe vom 14. April 2022. Wie seiner Beschwerde zu entnehmen ist, scheint der Beschwerdeführer zwar der Auffassung zu sein, dass sich nur durch einen vom  des Kantons Aargau vorgezogenen Kostenentscheid ( im Sinne eines Ausschlusses der Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO) verhindern lasse, dass er im Falle eines  zu Unrecht auch für die Kosten seiner amtlichen Verteidigung für das abgeschriebene Haftprüfungsverfahren (in welchem er de facto obsiegt habe) aufzukommen habe (Beschwerde Ziff. 4.4). Dem ist aber nicht so, zumal die Kosten für das Haftprüfungsverfahren jedenfalls in Anwendung von Art. 426 StPO zu regeln sind und es dem Beschwerdeführer  und ohne Weiteres zumutbar ist, seinen diesbezüglichen Standpunkt auch noch am Ende des Strafverfahrens vor der dannzumal zuständigen Instanz zu vertreten.
2.5. Richtig ist, dass das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau nicht näher begründete, weshalb es die Kostenfolgen nicht regelte (vgl. hierzu Beschwerde Ziff. 1). Hierzu war es aber auch nicht gehalten, zumal  und praxisgemässe "Nichtregelungen" in aller Regel nur bei Vorliegen eines hinreichenden Grundes zu begründen sind, namentlich bei Vorliegen eines entsprechend begründeten Antrags. Ein solcher lag
- 6 -
hier aber nicht vor, liess der Beschwerdeführer seinen mit  vom 6. April 2022 nur floskelhaft gestellten Antrag ("Unter  Entschädigungsfolgen.") doch gänzlich unbegründet.
Aus den gleichen Gründen ist auch nicht ersichtlich, warum das  des Kantons Aargau begründeten Anlass gehabt  soll, den Beschwerdeführer vor Erlass des Erledigungsentscheids zur Kosten- und Entschädigungsfrage noch anzuhören bzw. dessen  vom 14. April 2022 abzuwarten und zu berücksichtigen ( Ziff. 3.1), zumal der Beschwerdeführer darin im Wesentlichen einzig den gleichen unbegründeten Antrag wie bereits am 6. April 2022 stellte ("Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der .").
Weiter steht ausser Frage, dass das Zwangsmassnahmengericht des  Aargau seinen Erledigungsentscheid in zutreffender und  Kenntnis des Dispositivs des Urteils des Bundesgerichts 1B_156/2022 vom 13. April 2022 fällte und dass es hierzu befugt war (vgl. hierzu  Ziff. 3.1). Weshalb es die Begründung des Urteils des  hätte abwarten müssen oder weshalb es von Belang sein soll, dass sich den Akten nicht entnehmen lässt, wie es von diesem Urteil Kenntnis erhalten hat, ist nicht einsichtig. Der Beschwerdeführer erkannte denn auch richtig, dass das Bundesgericht mit seinem Urteil die Sache zur  der Kosten- und Entschädigungsfrage des (vorinstanzlichen)  an die Beschwerdekammer in Strafsachen des  zurückgewiesen hat. Zur Frage, ob das  des Kantons Aargau in seinem Erledigungsentscheid die Kosten- und Entschädigungsfrage hätte regeln müssen, lässt sich dem Urteil des  aber nichts entnehmen, was die Sichtweise des  stützen könnte (vgl. hierzu Beschwerde Ziff. 4.5).
2.6. Damit erweist sich die Beschwerde insgesamt als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sind ausgangsgemäss dem mit  Beschwerde unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Entschädigung seines amtlichen Verteidigers ist am Ende des Strafverfahrens von der dannzumal zuständigen Instanz  (Art. 135 Abs. 2 StPO).
- 7 -