Decision ID: 6f58c027-d82a-4a81-8323-3fd6993ca876
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Vernachlässigung von Unterhaltspflichten
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Einzelgericht in Strafsachen, vom 29. Oktober 2019 (GG190012)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 16. April 2019
(Urk. 29) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte Ronald A._ ist schuldig der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten im Sinne von Art. 217 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
CHF 200.– und einer Busse von CHF 5'000.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 25 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
CHF 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 1'500.– für das Vorverfahren
CHF 4'500.– Total
6. Die Kosten und Auslagen des Vorverfahrens sowie des gerichtlichen Verfah-
rens werden dem Beschuldigten auferlegt.
7. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Privatklägerin keine Entschä-
digung verlangt hat.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 79 S. 1)
"Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen."
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b) Der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 72, schriftlich und sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I.
a) aa) Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, seinen mit Entscheid des Zür-
cher Obergerichts vom 25. Juni 2013 festgesetzten Unterhaltsverpflichtungen ge-
genüber seiner damaligen Ehefrau (nachstehend: Privatklägerin) und den beiden
gemeinsamen Töchtern trotz Leistungsfähigkeit nur teilweise nachgekommen zu
sein. Im Einzelnen habe er zunächst während der Zeitspanne von Juli 2013 bis
Dezember 2017 regelmässig statt der monatlich geschuldeten Fr. 30'855.– nur
Fr. 30'000.– bezahlt, und dies meistens nicht pflichtgemäss am Anfang des Mo-
nats, sondern mit Verzug und in zwei oder drei Tranchen von 10'000 oder 15'000
Franken. In den Monaten Januar bis Mai 2018 habe er sodann insgesamt nur
Fr. 82'829.– bezahlt, wodurch sich ein Alimentenausstand von Fr. 71'446.– erge-
ben habe. Ab Juni 2018 bis Februar 2019 schliesslich habe er über den direkt an
die Privatklägerin ausbezahlten Lohnanteil von monatlich Fr. 3'543.– hinaus gar
nichts mehr bezahlt und sei damit den Unterhaltsberechtigten weitere
Fr. 245'808.– schuldig geblieben, so dass sich die ausstehenden Unterhaltsleis-
tungen auf total Fr. 363'424.– erhöht hätten.
bb) Die Anklage geht davon aus, dass der Beschuldigte über die nötigen
Mittel zur Bezahlung der vollen Unterhaltsbeiträge verfügt habe oder zumindest
hätte verfügen können. Er habe selber die folgenden Jahreseinkommen aus
Lohn, Verwaltungsratsentschädigungen und Vermögenserträgen deklariert: 2013:
Fr. 479'360.–, 2014: Fr. 493'479.–, 2015: Fr. 525'472.–, 2016: Fr. 592'649.–,
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2017: Fr. 318'618.– und 2018: mindestens Fr. 378'061.– (zzgl. Bonus). Sodann
habe er in den Jahren 2006 bis 2010 aus dem Verkauf von B._-Aktien einen
Erlös von 7,3 Mio. Franken erhalten, der ihm bei der Festsetzung der Unterhalts-
beiträge als Einkommen angerechnet worden sei. In den Jahren 2014 bis 2016
habe er selbst ein Vermögen von Fr. 1'654'750.–, Fr. 1'704'295.– bzw.
Fr. 862'795.– deklariert. Daraus hätte er neben dem eigenen Bedarf von monat-
lich Fr. 30'000.– die geschuldeten Unterhaltsbeiträge entrichten können. Selbst
nach der im Jahre 2018 erfolgten Lohnpfändung wäre es ihm möglich und zumut-
bar gewesen, sich rechtzeitig das dazu nötige Geld zu beschaffen. Hierzu hätte er
seine gebundenen Mittel mittels einer rechtzeitigen Anweisung liquid machen
oder mit der Vermietung oder dem Verkauf seiner Liegenschaft in C._/GR
weitere Einkünfte generieren müssen. Zudem hätte er damit aufhören können,
seine frühere Ehefrau mit der unentgeltlichen Überlassung der Wohnungen in
C._/GR zu unterstützen, und die Zahlungen an seine Partnerin reduzieren
können (Urk. 29 S. 2/3).
b) Das Bezirksgericht Meilen, Einzelgericht in Strafsachen, sprach den Be-
schuldigten am 29. Oktober 2019 anklagegemäss der Vernachlässigung von Un-
terhaltspflichten (Art. 217 Abs. 1 StGB) schuldig und bestrafte ihn mit 90 Tages-
sätzen zu Fr. 200.– Geldstrafe, bedingt vollziehbar mit zwei Jahren Probezeit, und
mit Fr. 5'000.– Busse. Die gesamten Verfahrenskosten wurden dem Beschuldig-
ten auferlegt (Urk. 65 S. 45).
c) Gegen dieses mit Begründung schriftlich eröffnete Urteil (vgl. Prot. I
S. 42/43) liess der Beschuldigte fristgerecht (vgl. Urk. 64/2) die Berufung erklären
und beantragen, dass auf die Anklage nicht einzutreten, eventualiter der Beschul-
digte vollumfänglich freizusprechen sei (Urk. 66; Urk. 79 S. 1 und 7). Die Staats-
anwaltschaft teilte dem Obergericht nach entsprechender Fristansetzung (Urk. 70)
mit, dass sie auf Anschlussberufung verzichte und die Bestätigung des vor-
instanzlichen Urteils beantrage (Urk. 72). Die Privatklägerin liess ebenfalls mittei-
len, dass sie keine Anschlussberufung erhebe (Urk. 73). Im Berufungsverfahren
wurden keine Beweisanträge gestellt. Nach der heutigen Berufungsverhandlung
erweist sich der Prozess als spruchreif.
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II.
Das bezirksgerichtliche Urteil blieb hinsichtlich der Dispositivziffern 5 (Kos-
tenaufstellung) und 7 (Verzicht der Privatklägerin auf Prozessentschädigung) un-
angefochten und ist somit insoweit in Rechtskraft erwachsen (Art. 402 StPO).
Dies ist vorab in einem Beschluss festzustellen.
III.
1. Die Verteidigung machte vor Vorinstanz geltend, dass auf die Anklage
nicht einzutreten sei, weil darin insbesondere nicht dargetan werde, ob der Be-
schuldigte Unterhaltsbeiträge für die Privatklägerin persönlich oder Kinderunter-
haltsbeiträge schuldig geblieben sei (Urk. 59 S. 4/5). Auch fehlten substanzielle
Angaben, wie der Beschuldigte seine Lebenshaltungskosten hätte reduzieren sol-
len (Urk. 59 S. 9 Rz 3.6.3 und Prot. I S. 33, Ergänzung 14). Nach wie vor lässt der
Beschuldigte auch in Frage stellen, ob die Privatklägerin für die Kinderunterhalts-
beiträge einen gültigen Strafantrag habe stellen können, obwohl die beiden Töch-
ter diesbezüglich urteilsfähig gewesen seien (Urk. 66 S. 3). Zudem sei der Straf-
antrag rechtsmissbräuchlich gestellt worden (a.a.O.), da zwischen den Parteien
schon im Jahre 2015 über Alimentenausstände korrespondiert worden sei und die
Privatklägerin diese auch im Scheidungsverfahren geltend gemacht, dann aber
während mehrerer Jahre keine Beanstandungen mehr vorgebracht habe. Wenn
sie nun plötzlich einen viel höheren Betrag in Betreibung setze und darüber hin-
aus auch noch einen Strafantrag stelle, handle sie wider Treu und Glauben
(Urk. 59 S. 5 Rz 2.8; vgl. auch Urk. 79 S. 5, 10). Anlässlich der heutigen Beru-
fungsverhandlung brachte die Verteidigung zudem vor, dass der Beschuldigte den
für den Monat April 2018 geschuldeten Unterhaltsbeitrag vollständig bezahlt habe.
Folglich sei der Strafantrag der Privatklägerin für den Zeitraum von Januar bis Ap-
ril 2018 verspätet gestellt worden. Diesbezüglich müsse ein Nichteintretensent-
scheid ergehen (Urk. 79 S. 7).
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2. a) In der Anklageschrift sind die dem Beschuldigten angelasteten Strafta-
ten möglichst kurz aber genau und unter Angabe von Ort, Datum, Zeit sowie Art
und Folgen der Tatausführung zu beschreiben (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Damit
soll sichergestellt werden, dass der Beschuldigte weiss, welche Vorwürfe ihm
gemacht werden, und er sich dagegen verteidigen kann. Solange dies gewährleis-
tet ist, haben Unbestimmtheiten oder Ungenauigkeiten in der Anklageschrift nicht
zur Folge, dass die Sache an die Untersuchungsbehörde zurückgewiesen werden
muss oder das Verfahren in den betroffenen Punkten einzustellen ist (Heim-
gartner / Niggli, Basler Kommentar, N 7 und 20 zu Art. 325 StPO mit Hinweisen).
Das Gericht ist indessen an den in der Anklage umschriebenen Sachverhalt ge-
bunden (Art. 350 Abs. 1 StPO). Es darf also eine Verurteilung nicht auf Tatsachen
stützen, die in der Anklageschrift keine Erwähnung gefunden haben.
b) Mit dem obergerichtlichen Urteil vom 25. Juni 2013 wurde der Beschuldig-
te verpflichtet, der Gesuchstellerin, d.h. der heutigen Privatklägerin monatlich im
voraus Unterhaltsbeiträge von je Fr. 4'000.– für die beiden Kinder und von
Fr. 22'855.– für sie persönlich zu bezahlen (Urk. 3/2 S. 20). Wenn der Beklagte
die Unterhaltsbeiträge für die Ehefrau und die Kinder nicht separat bezahlt, lässt
sich naturgemäss der bei einer unvollständigen Zahlung entstehende Ausstand
nicht den Frauen- oder den Kinderalimenten zuordnen. Dies ist aber im Hinblick
auf den Straftatbestand von Art. 217 StGB auch nicht erforderlich, da dieser die
schuldhafte Nichtbezahlung sowohl der Frauen- als auch der Kinderalimente er-
fasst. Eine Verletzung des Anklageprinzips liegt diesbezüglich nicht vor.
c) Dieses Prinzip kommt aber vorliegend insofern zum Tragen, als ein allfäl-
liger Schuldspruch in tatsächlicher Hinsicht nur auf die in der Anklage umschrie-
benen Einkommens- und Vermögensverhältnisse gestützt werden darf. Vorbrin-
gen der Privatklägerschaft zu eventuellen weiteren Einkommensquellen und Ver-
mögenswerten, so etwa zu einem Motorboot auf dem Zürichsee, zu einem Bild
von Manolo Valdés (Urk. 6 S. 5) oder zur Bilanz und Erfolgsrechnung der
D._ AG (Urk. 8 S. 6/7) stossen, nachdem derlei in der Anklage nicht erwähnt
wurde, ins Leere.
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d) Weil die Anklageschrift den Prozessgegenstand abschliessend um-
schreibt, ist es dem Gericht sodann verwehrt, bezüglich der Einkünfte des Be-
schuldigten aus Lohn, Verwaltungsratshonoraren und Vermögenserträgen und
hinsichtlich seines Nettovermögens zu seinem Nachteil von den in der Anklage
genannten Zahlen abzuweichen. Ebenso muss darauf abgestellt werden, dass
dem Beschuldigten für sich selbst ein Bedarf von ca. Fr. 30'000.– pro Monat zu-
zubilligen war (vgl. Urk. 29 S. 3).
e) Beim Straftatbestand von Art. 217 StGB besteht die Tathandlung im Un-
terlassen der rechtzeitigen und vollständigen Leistung der Unterhaltsbeiträge trotz
vorhandener Leistungsfähigkeit des Pflichtigen (Trechsel / Pieth, StGB-
Praxiskommentar, 3.A., Zürich / St. Gallen 2018, N 11 f. zu Art. 217). In der An-
klageschrift muss demgemäss nicht nur stehen, wann und in welchem Umfang
der Beschuldigte die Alimente nicht bezahlt hat, sondern auch konkret angegeben
werden, aus welchen Quellen ihm die Mittel zur pflichtgemässen Zahlung zur Ver-
fügung gestanden hätten bzw. er diese hätte erhältlich machen können. Das Ge-
richt hat auch diesbezüglich nur die in der Anklage enthaltenen Vorwürfe zu beur-
teilen und nicht zu prüfen, ob dem Beschuldigten noch andere Möglichkeiten zur
gehörigen Erfüllung seiner Unterhaltspflicht offen gestanden hätten.
3. a) Weil die gesamten Unterhaltsbeiträge an die Privatklägerin zu bezahlen
waren, war auch sie im Falle der Nichtbezahlung die Geschädigte und als solche
hinsichtlich der Frauen- und der Kinderalimente zum Strafantrag berechtigt
(Art. 30 Abs. 1 StGB). Sie wäre dies als gesetzliche Vertreterin der unmündigen
und somit handlungsunfähigen (Art. 13 ZGB) Kinder im Übrigen auch dann gewe-
sen, wenn man annehmen wollte, dass diese bezüglich der für ihren Unterhalt be-
stimmten Zahlungen Geschädigte seien (Art. 30 Abs. 2 ZGB). Die von der Privat-
klägerin gestellten Strafanträge (Urk. 2 und 14) sind demnach gültig.
b) Es steht der unterhaltsberechtigten Person frei, den Pflichtigen bei Zah-
lungsrückständen zunächst nur zu mahnen, ihn erst später, wenn dies nichts
fruchtet, zu betreiben und – soweit dies rechtzeitig geschieht, was vorliegend zu-
mindest für den Zeitraum von Juli 2013 bis Dezember 2017 sowie von Mai 2018
bis Februar 2019 unbestritten ist (vgl. Urk. 79 S. 7 und nachstehend lit. c) – auch
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parallel dazu seine Bestrafung wegen Vernachlässigung von Unterhaltspflichten
(Art. 217 StGB) zu beantragen. Sie darf bei andauernder Säumnis des Zahlungs-
pflichtigen sogar längere Zeit ganz untätig bleiben, ohne dass sie deswegen ihres
Antragsrechts verlustig geht. Wider Treu und Glauben und damit rechtsmiss-
bräuchlich (vgl. Riedo, Basler Kommentar, 4.A., Basel 2019, N 63 zu Art. 30 StGB
mit Hinweisen auf die Rechtsprechung) handelte sie nur, wenn sie das Verhalten
des Alimentenschuldners zunächst aktiv billigte und hernach doch noch einen
Strafantrag stellte oder wenn sie diesen trotz Zusicherung des Rückzugs auf-
rechterhielte (a.a.O., N 65). Vorliegend liess der Beschuldigte selber vorbringen,
dass zwischen den Parteien schon 2015 über die (damals noch relativ geringen)
Zahlungsausstände korrespondiert worden sei und die Privatklägerin diese dann
(zumindest teilweise) auch zivilprozessual geltend gemacht habe (Urk. 59 S. 5 Rz
2.8). Von Rechtsmissbrauch kann somit nicht die Rede sein.
c) Die Verteidigung begründet ihren Antrag auf Nichteintreten auf die An-
klage bezüglich des Zeitraums von Januar bis April 2018 sinngemäss damit, dass
der Fortsetzungszusammenhang des als Dauerdelikt ausgestalteten Art. 217
StGB mit der am 3. April 2018 erfolgten vollständigen Begleichung des geschul-
deten Unterhaltsbeitrages für diesen Monat unterbrochen worden sei (Urk. 79
S. 7). Dieser Einwand der Verteidigung verfängt nicht. Denn zum einen beglich
der Beschuldigte nicht den vollen Unterhaltsbetrag, sondern blieb der Privatkläge-
rin weiterhin Fr. 12.– schuldig. Zum anderen ist unbestritten, dass er die Unter-
haltsbeiträge von Januar bis März 2018 (ganz zu schweigen von den vorherigen)
nicht bzw. nicht vollständig gezahlt hatte. Gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung kommt in einer solchen Konstellation – entgegenstehende Erklärungen
vorbehalten – in der Regel Art. 87 OR zum Zug (BGer 6B_72/2011 E. 3.4). Da-
nach ist die Zahlung auf die fällige Schuld anzurechnen, unter mehreren fälligen
auf diejenige Schuld, für die der Schuldner zuerst betrieben worden ist, und hat
keine Betreibung stattgefunden, auf die früher verfallene (Abs. 1). Sind sie gleich-
zeitig verfallen, so findet eine verhältnismässige Anrechnung statt (Abs. 2). Aus
dem Gesagten folgt, dass die im April geleistete Zahlung von insgesamt Fr.
30'843.– auf einen seiner früheren Unterhaltsausstände anzurechnen ist, was
gleichzeitig bedeutet, dass diese Unterhaltsschuld zu spät und diejenige für den
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Monat April 2018 überhaupt nicht beglichen worden ist. Ein Unterbruch des Fort-
setzungszusammenhanges liegt demnach nicht vor. Der Strafantrag ist auch für
den Zeitraum von Januar bis April 2018 rechtzeitig erfolgt.
IV.
1. Im Hinblick auf die Sachverhaltserstellung ist vorab festzuhalten, dass im
Zusammenhang mit Art. 217 StGB rechtskräftige Zivilurteile, auch Entscheidun-
gen über vorsorgliche Massnahmen im Scheidungsprozess, für den Strafrichter
verbindlich sind (Trechsel / Pieth, a.a.O., N 9 zu Art. 217 StGB mit Hinweisen).
Aus dem Umstand, dass ein im Rahmen vorsorglicher Massnahmen unterhalts-
pflichtiger Ehegatte erfolglos versucht hat, eine Herabsetzung der Unterhaltsbei-
träge zu erreichen, kann indessen nicht ohne weiteres geschlossen werden, dass
er auch weiterhin in der Lage sei, seiner Zahlungspflicht vollumfänglich nachzu-
kommen. Im Abänderungsverfahren vor dem Zivilrichter trug er nämlich bezüglich
des Erfordernisses erheblich veränderter wirtschaftlicher Verhältnisse die Beweis-
last (Art. 8 ZGB). Im Strafverfahren hingegen hat nicht der Beschuldigte seine
Unschuld, sondern der Staat dessen Schuld zu beweisen. Dazu gehört auch der
Nachweis, dass der Beschuldigte trotz bestehender Leistungsfähigkeit nicht be-
zahlt hat. Soweit sich dieser Beweis nicht in rechtsgenügender Weise erbringen
lässt, ist zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass er im entspre-
chenden Umfang nicht leistungsfähig gewesen sei, und hat insoweit ein Frei-
spruch zu ergehen.
2. a) Hinsichtlich der Zeit von Juli 2013 bis Ende 2017 hat der Beschuldigte
zugegeben, dass er pro Monat bewusst (Urk. 12/1 S. 9) statt der geschuldeten
Fr. 30'855.– nur Fr. 30'000.– bezahlte, und dies nicht pflichtgemäss zu Monatsbe-
ginn, sondern meistens mit etwas Verspätung und in der Regel in zwei Tranchen
(a.a.O., S. 4, Prot. I S. 16/17; Prot. II S. 15). Zur Begründung führte er u.a. aus,
dass er ständig Liquiditätsprobleme gehabt habe, seit er – glaublich 2015 – im
Zusammenhang mit dem Verkauf von Aktien (der B._ AG) unerwartet ca. 2
bis 3 Mio. Franken an Steuern habe bezahlen müssen (Urk. 21/1 S. 5; Prot. I
S. 10/20; vgl. auch Urk. 79 S. 8). Dass es solche Engpässe gab, ist deswegen
und in Anbetracht des von Jahr zu Jahr erheblich schwankenden (Urk. 29 S. 3)
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und auch innerhalb der einzelnen Jahre nicht gleichmässig anfallenden Einkom-
mens – Boni werden in der Regel einmal jährlich ausgerichtet – durchaus glaub-
haft. Dies hinderte aber den Beschuldigten nicht daran, seine Unterhaltspflicht bis
Ende 2017 zu 97 % zu erfüllen, und vermag den in dieser Zeit aufgelaufenen Ali-
mentenrückstand nicht zu erklären, zumal der Fehlbetrag ungeachtet der jeweili-
gen Liquiditätssituation stets exakt Fr. 855.– betrug. Der Beschuldigte räumte
denn in der Untersuchung und vor Vorinstanz auch ein, dass er in der Lage ge-
wesen wäre, diesen Betrag zu bezahlen (Urk. 12/1 S. 9, Prot. I S. 19/20). Dabei
ist er zu behaften.
b) Zur Begründung der Minderzahlung führte der Beschuldigte weiter aus,
dass er in diesem Umfang "in Vorleistung gegangen" sei (Prot. I S. 20), indem er
beispielsweise jahrelang Swisscom-Rechnungen, Krankenkassenprämien, Ski-
und Generalabonnemente der beiden Töchter (direkt) bezahlt habe, wozu er nicht
verpflichtet gewesen sei (a.a.O., S. 17; Prot. II S. 15; vgl. auch Urk. 79 S. 3 ff.).
Mit diesem Vorbringen ist er indessen nicht zu hören, da gerichtlich festgesetzte
Unterhaltsbeiträge der berechtigten Person zu bezahlen sind. Der Alimenten-
schuldner ist nicht befugt, eigenmächtig Direktzahlungen an Dritte zu leisten und
diese dann von den Unterhaltsbeiträgen abzuziehen (BGE 106 IV 36 f.). Solche
Zahlungen haben gegenüber dem Alimentengläubiger keine schuldbefreiende
Wirkung, ansonsten es der Unterhaltspflichtige im Ergebnis in der Hand hätte,
über die Verwendung der Alimente zu entscheiden. Soweit der Beschuldigte mit
seiner Aussage anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung, dies nicht ge-
wusst zu haben, einen Rechtsirrtum geltend machen will, ist er damit ebenso we-
nig zu hören. Er war im Scheidungsverfahren immer anwaltlich vertreten und hat
sich zugegebenermassen nicht bei seinem Anwalt erkundigt (Prot. II S. 15).
c) Der Beschuldigte wandte ausserdem ein, dass er vor dem Entscheid über
vorsorgliche Massnahmen im Scheidungsprozess Zahlungen unter dem Vermerk
"Akonto Güterrecht" geleistet habe, wobei es sich aber in Wirklichkeit um Unter-
haltszahlungen gehandelt habe (Urk. 12/1 S. 4; vgl. Urk. 79 S. 3). Tatsächlich
stellte das Bezirksgericht Meilen in seinem Urteil vom 20. August 2012 fest, dass
der Beschuldigte zwischen dem 29. August 2011 und dem 31. Mai 2012 nebst
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Unterhaltszahlungen von insgesamt Fr. 145'500.– güterrechtliche Akontozahlun-
gen von Fr. 137'240.– geleistet habe. Der Beschuldigte wurde für berechtigt er-
klärt, diese Zahlungen mit den nun festgesetzten Unterhaltsbeiträgen zu verrech-
nen (Urk. 3/5 S. 70/73). Dieser Entscheid wurde rechtskräftig. Der Beschuldigte
wurde zugleich verpflichtet, der Privatklägerin mit Wirkung ab 1. Juni 2011 monat-
liche Unterhaltsbeiträge von insgesamt Fr. 30'855.– zu bezahlen (a.a.O., S. 73).
Das Obergericht bestätigte am 25. Juni 2013 diese Festsetzung der Unterhalts-
beiträge (Urk. 3/2 S. 20). Bis Ende Mai 2012 beliefen sich diese also auf insge-
samt Fr. 370'260.– und überstiegen damit den vom Beschuldigten bis dahin be-
zahlten, für verrechnungsfähig erklärten Gesamtbetrag. Daraus erhellt, dass der
Beschuldigte im anklagerelevanten Zeitraum kein diesbezügliches Guthaben
mehr hatte, das er mit seiner Alimentenschuld hätte verrechnen können.
d) Es bleibt somit dabei, dass der Beschuldigte von Juli 2013 bis Dezember
2017 bewusst jeden Monat Fr. 855.– zu wenig bezahlte, weil er fand, dies sei in
Anbetracht seiner zusätzlich zu erbringenden Direktzahlungen (namentlich im Zu-
sammenhang mit der Liegenschaft in E._/ZH) und weiterer, freiwillig geleiste-
ter Zahlungen nun genug. Dabei wäre er zugegebenermassen in der Lage gewe-
sen, jeweils auch diese Fr. 855.– zu bezahlen. Mit diesem Verhalten machte er
sich der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten (Art. 217 Abs. 1 StGB) schul-
dig.
3. a) Der Beschuldigte anerkannte in der Untersuchung und vor Vorinstanz,
dass er in den Monaten Januar bis Mai 2018 insgesamt statt der geschuldeten
Fr. 154'275.– nur Fr. 82'829.– bezahlt hatte. Er gab auch zu, dass er ab Juni 2018
bis Februar 2019 ausser dem Betrag von monatlich Fr. 3'543.–, der aufgrund
einer gerichtlichen Anordnung (Urk. 4/6/1 S. 22) direkt an die Privatklägerin über-
wiesen wurde, und den (nicht Gegenstand der Anklage bildenden) direkt von ihm
zu tragenden Hypothekarzinsen und Versicherungsprämien keine Alimente mehr
bezahlt hatte (Urk. 12/1 S. 9, Prot. I S. 18; Prot. II S. 14).
b) Die Anklage geht davon aus, dass sich das Einkommen des Beschuldig-
ten aus Lohn, Verwaltungsratshonoraren und Vermögenserträgen im Jahre 2018
auf "mindestens Fr. 378'061.– zuzüglich Bonus" belaufen habe. Gemäss der bei
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den Akten liegenden Steuererklärung (Urk. 41/3) hatte der Beschuldigte im Jahre
2018 allerdings nur Einkünfte von insgesamt 309'380.–, wovon zudem
Fr. 95'200.– auf Eigenmietwerte entfielen und somit dem Beschuldigten nicht zu-
flossen. Vom genannten Einkommen bezahlte der Beschuldigte Fr. 82'829.– der
Privatklägerin. Weitere Fr. 35'430.– wurden von seiner Arbeitgeberin in den Mo-
naten März bis Dezember 2018 direkt an die Privatklägerin überwiesen
(Erw. IV/3a). Dem Beschuldigten verblieben somit im Jahre 2018 vom Einkom-
men gemäss Anklage noch Fr. 259'802.– bzw. von den Einkünften gemäss Steu-
ererklärung noch Fr. 95'921.–, womit der Eigenbedarf von monatlich Fr. 30'000.–,
den ihm die Anklage ausdrücklich zubilligt (Urk. 29 S. 3), bei weitem nicht gedeckt
war. Für die Monate Januar und Februar 2019 fehlen Einkommenszahlen, doch
war der Beschuldigte weiterhin bei der F._ AG angestellt (Urk. 60/1 S. 6,
Prot. I S. 12: Stellenwechsel erst per 1. April 2019) und fehlen Anhaltspunkte,
dass sich seine Einkommensverhältnisse in dieser Zeit wesentlich verändert hät-
ten.
c) Hinsichtlich des Bonus für das Jahr 2018 ist vorab festzuhalten, dass die-
ser in der Anklageschrift nicht beziffert wurde, weshalb es schon unter dem As-
pekt des Anklageprinzips problematisch wäre, dem Beschuldigten diesbezüglich
etwas anzulasten. Erstellt ist sodann, dass am 3. Juli 2018 die Konti des Beschul-
digten bei der G._, der H._ und der Bank I._ mit Arrest belegt wur-
den (Urk. 9/5). Zumindest das Guthaben auf dem Konto bei der G._ wurde
überdies am 18. September 2018 gepfändet (13/3/5). Glaubhaft ist demzufolge
das Vorbringen der Verteidigung (Urk. 59 S. 7 Rz 3.5), dass der (im Januar 2019
ausbezahlte) Bonus zufolge Pfändung direkt ans Betreibungsamt geflossen sei.
Ausserdem ist nicht aktenkundig, wie hoch dieser Bonus war und ob dieser, wenn
er nicht gepfändet worden wäre, nur schon ausgereicht hätte, um das erwähnte
Manko beim Eigenbedarf des Beschuldigten auszugleichen. Insgesamt ergibt sich
somit, dass der Beschuldigte ab Januar 2018 nicht in der Lage war, aus seinem
laufenden Einkommen die Unterhaltsbeiträge zu bezahlen, welche Gegenstand
des vorliegenden Strafprozesses sind.
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4. a) Zu prüfen bleibt, ob er über Vermögen verfügte, aus dem er diese Un-
terhaltsbeiträge hätte leisten können. Bezüglich des Vermögens stellt die Anklage
auf die Steuererklärungen des Beschuldigten ab (vgl. Urk. 15/8), wobei aber die
Zahlen für die Jahre 2017 und 2018 in der Anklageschrift fehlen und im Übrigen
nur einzelne Vermögensbestandteile (Liegenschaft in C._, Erlös aus einem
Aktienverkauf) genannt werden. Mit anderen als den in den Steuererklärungen
2017 und 2018 (Urk. 41/2 und 41/3) verzeichneten Vermögenswerten dürfte ein
Leistungsvermögen des Beschuldigten unter dem Blickwinkel des Anklageprinzips
selbst dann nicht begründet werden, wenn das für 2017 bzw. 2018 steuerbare
Vermögen des Beschuldigten in der Anklageschrift beziffert worden wäre.
b) Was zunächst die von der Vorinstanz erwähnten (Urk. 65 S. 7) gegenüber
den Steuerbehörden (Urk. 41/2) per Ende 2017 ausgewiesenen Guthaben bei der
J._ betrifft, zeigt die Steuererklärung 2018 (Urk. 41/3), dass davon Ende
2018 nur noch Fr. 461.– vorhanden waren. Es ist demnach davon auszugehen,
dass der Beschuldigte diese Mittel heranziehen musste, um seine Unterhalts-
pflicht wenigstens teilweise zu erfüllen. Diesbezüglich ist ihm nichts vorzuwerfen.
c) Der Beschuldigte besass Ende 2017 verschiedene Wertschriften. Dazu
gehörten Papiere von "K._, L._" mit einem Steuerwert von insgesamt
Fr. 160'520.–, solche von "M._" mit einem Steuerwert von insgesamt
Fr. 392'029.– und weitere von "N._" mit einem Steuerwert von Fr. 583'918.–
(Urk. 41/2, Wertschriften- und Guthabenverzeichnis samt Beiblättern). Von diesen
Papieren waren die erstgenannten ein Jahr später nicht mehr vorhanden und hielt
der Beschuldigte die beiden letztgenannten mit einem reduzierten Wert von
Fr. 359'393.– bzw. 367'519.– noch immer in seinem Besitz. Die Akten geben über
die Ursachen des Wertverlusts keinen Aufschluss. Bezüglich "K._" erklärte
der Beschuldigte vor Bezirksgericht, dass eine Rückzahlung von Fr. 60'000.– bis
Fr. 70'000.– erfolgt sei (Prot. I S. 24/25) und gab an, mit dem Geld Steuer- oder
andere "Löcher" gestopft zu haben (a.a.O., S. 25). Da sein Erwerbseinkommen im
Jahre 2018 bei weitem nicht ausreichte, um neben den erfolgten Alimentenzah-
lungen den ihm zugestandenen Eigenbedarf zu decken (Erw. IV/3b), ist dies nicht
zu beanstanden. Ausserdem finden sich keine Anhaltspunkte dafür, dass dem
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Beschuldigten aus den genannten Wertpapieren liquide Mittel zugeflossen wären.
Er machte im Übrigen geltend, dass es sich bei den vorstehend erwähnten Wert-
papieren um sogenannte Private Equity Funds handle, die eine Laufzeit von 9-
12 Jahren hätten und nicht verkäuflich seien (Prot. I S. 22/23; Prot. II S. 12 f.; Urk.
79 S. 9). Dies lässt sich anhand der Akten nicht widerlegen und erscheint insofern
sogar als plausibel, als einer Verfügung des Bezirksgerichts Meilen vom
4. Oktober 2019 zu entnehmen ist, dass die Papiere, welche der Beschuldigte
auch im Oktober 2019 noch besass (Prot. I S. 11), von einer am 17. Juni 2019 er-
folgten Pfändung nicht erfasst wurden (Urk. 60/1 S. 12 Erw. 2.6.2.3 und 2.6.2.4).
Letzteres weist – mit der Verteidigung – darauf hin, dass auch das Betreibungs-
amt, welches Kenntnis von den Steuererklärungen 2017 und 2018 hatte (a.a.O.),
zum Schluss gelangt war, dass eine Verwertung dieser Papiere nicht möglich
bzw. davon kein Erlös zu erwarten sei (vgl. Urk. 79 S. 9). Damit ist zugunsten des
Beschuldigten davon auszugehen, dass auch er diese kurz- bis mittelfristig nicht
hätte zu Geld machen und damit Unterhaltsbeiträge hätte bezahlen können.
d) Gleiches gilt für die Aktien der O._ AG im Steuerwert von
Fr. 306'350.–, zu denen der Beschuldigte angab, dass diese nicht börsenkotiert
und kaum verkäuflich seien, da es sich bei der besagten Gesellschaft (vormals
P1._ AG und dann P2._ AG) um eine Familienunternehmung handle.
Dies erscheint als glaubhaft und blieb jedenfalls unwiderlegt. Auch diese Aktien
wurden ebenso nicht gepfändet wie auch eine Darlehensforderung gegenüber der
Q._ AG, über deren Grundlage (und insbesondere den Fälligkeitstermin)
nichts bekannt ist. Diesbezüglich ist deshalb wiederum zugunsten des Beschul-
digten davon auszugehen, dass diese Vermögensbestandteile nicht innert nützli-
cher Frist hätten liquidiert und zur Alimentenzahlung eingesetzt werden können.
e) Bezüglich Liquidierungsmöglichkeiten verhält es sich zwar mit den 2'000
Aktien der R._ AG anders, räumte der Beschuldigte doch diesbezüglich ein,
dass er sie hätte verkaufen können (Prot. I S. 24; Prot. II S. 15 f.). Allerdings
drängen sich angesichts der Umstände unüberwindbare Zweifel daran auf, dass
der Beschuldigte dies nur deshalb nicht tat, weil er seine Unterhaltspflicht trotz
Leistungsfähigkeit nicht oder nicht gehörig erfüllen wollte, bzw. dies in Kauf nahm.
- 15 -
Der Beschuldigte bestritt dies immer und führte aus, dass er die Aktien nur des-
wegen nicht verkauft habe, weil er sie damals zu einem Schundpreis von
Fr. 30'000.– und mit einem Verlust von Fr. 170'000.– hätte verkaufen müssen,
obwohl er damit nicht einmal einen Monatsunterhaltsbeitrag hätte begleichen
können und gleichzeitig die güterrechtlichen Ansprüche der Privatklägerin erheb-
lich geschmälert hätte, was auch nicht im Interesse der Privatklägerin gewesen
sein könne. Er habe gewusst, dass die R._-Aktien zu einem deutlich höheren
Preis verkauft werden könnten, sobald die R._ AG an die Börse gehen wer-
de. Heute ergänzte er, dass dies offenbar nächste Woche geschehen werde und
die Aktien einen Marktwert von ca. je Fr. 300.– haben werden (Prot. II S. 16; Urk.
79 S. 9 f.). Vor dem Hintergrund also, dass die R._-Aktien nunmehr zu einem
Preis von Fr. 600'000.–, statt Fr. 30'000.–, verkauft werden könnten, leuchten die-
se Beweggründe und Überlegungen ein und lassen sich auch nicht widerlegen.
Zu Gunsten des Beschuldigten ist daher diesbezüglich von fehlendem (Eventual-)
Vorsatz auszugehen.
f) Die Anklage enthält den Vorwurf, dass der Beschuldigte zwischen 2006
und Mai 2010 insgesamt 7,3 Mio. Franken aus dem Verkauf von B._-Aktien
erhalten habe. Dieser Erlös sei ihm bei der Festsetzung der Unterhaltsbeiträge als
Einkommen angerechnet worden, weshalb er ihn nun auch zur Bezahlung der
Alimente hätte verwenden müssen. Unabhängig von dieser Anrechnung hätte der
Beschuldigte mit diesem Geld in der Zeitspanne von Januar 2018 bis Februar
2019 nur Alimente bezahlen können, wenn davon neben seinen anderen, in den
Steuererklärungen ausgewiesenen und von der Anklage erfassten Vermögens-
werten noch etwas vorhanden gewesen wäre. Dies war offensichtlich nicht der
Fall. Der Beschuldigte gab hierzu an, dass die Steuerbehörden den Erlös aus
dem Verkauf von B._-Aktien nicht als steuerfreien Kapitalgewinn anerkannt,
sondern als Einkommen qualifiziert hätten. Er habe deshalb ca. 3 Mio. Franken an
Steuern bezahlen müssen (Urk. 12/1 S. 5; Prot. I S. 20), wobei die Verteidigung
heute diesbezüglich von 2 Mio. sprach (Urk. 79 S. 8). Weitere 3,3 Mio. Franken
seien als Eigenkapital für den Kauf der Liegenschaft in S._ (hierzu nachste-
hend Erw. IV/4g) verwendet worden und insofern noch vorhanden, aber nicht li-
quide (Prot. I S. 31). Im Übrigen habe er (ausser den Aktien der R._ AG,
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Prot. I S. 24) Ende 2017 keine liquiden Vermögenswerte mehr gehabt (Urk. 12/1
S. 10). Diese Aussagen sind glaubhaft, da sich in der Steuererklärung 2017 aus-
ser den Liegenschaften und allenfalls den vorstehend beurteilten Fonds und
R._-Aktien (Erw. IV/4/b,d) keine Vermögensbestandteile finden, die mit dem
vor etlichen Jahren angefallenen Verkaufserlös für B._-Aktien in Verbindung
gebracht werden könnten. Anhaltspunkte für das Vorhandensein nicht deklarierter
Vermögenswerte fehlen. Plausibel ist schliesslich auch, dass der Restbetrag von
ca. 1 bis 2 Mio. Franken, der nicht ans Steueramt oder in die Liegenschaft in
S._ floss, bis 2017 verbraucht wurde, weil die Summe der geschuldeten Ali-
mente und des Eigenbedarfs des Beschuldigten dessen laufendes Einkommen
regelmässig überstiegen. Was vom Erlös aus dem Aktienverkauf (wertmässig)
noch vorhanden ist, steckt in der besagten Liegenschaft. Es ist deshalb auch im
Zusammenhang mit dieser zu prüfen, ob der Beschuldigte daraus hätte Alimente
bezahlen können.
g) Die Liegenschaft "T._" in S._/GR (Gemeinde U._/GR) steht
im je hälftigen Miteigentum des Beschuldigten und der Privatklägerin (Urk. 3/5
S. 66). Der Kaufpreis betrug gemäss den Angaben des Beschuldigten (Prot. I
S. 31) seinerzeit ca. 5,5 Mio. Franken, wovon 3,3 Mio. Franken mit Eigenkapital
(aus dem Verkauf von B._-Aktien) und der Restbetrag mit einer Hypothek fi-
nanziert wurden. Es bestehen keine Anhaltspunkte für einen seither eingetretenen
Wertzerfall der Liegenschaft. Demzufolge ist davon auszugehen, dass dem Be-
schuldigten bei einem Verkauf der Liegenschaft etwa 1,6 Mio. Franken zuflössen.
Der Verkauf wäre allerdings nur unter Mitwirkung der Privatklägerin möglich und
nähme wohl auch einige Zeit in Anspruch (vgl. Urk. 79 S. 8). Hinzu kommt, dass
das Haus vom Beschuldigten selbst genutzt wurde (und inzwischen sein Wohnsitz
ist), während die Privatklägerin eine (mit 5,2 Mio. Franken belehnte [Urk. 3/5
S. 57] und demnach luxuriöse) ebenfalls im hälftigen Miteigentum stehende
(a.a.O., S. 66) Liegenschaft in E._/ZH bewohnt. Man könnte sich insoweit
fragen, ob dem Beschuldigten ein Verkauf des Hauses in S._/GR zumutbar
gewesen wäre. Dies braucht aber ebenso wie die Möglichkeit einer zusätzlichen
Belehnung der Liegenschaft nicht weiter geprüft zu werden, da die Anklage gar
keinen diesbezüglichen, sondern ausdrücklich nur den nachstehend (Erw. IV/4h)
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zu prüfenden Vorwurf enthält, der Beschuldigte hätte seine drei Wohnungen in
C._/GR verkaufen oder vermieten müssen.
h) aa) Der Beschuldigte ist alleiniger Eigentümer von drei Wohnungen mit
fünf Autoabstellplätzen in C._/GR (Urk. 76/3 S. 4/5, Urk. 11/5 S. 1, Prot. I
S. 21). Diese sind mit einer Hypothek von 2,3 Mio. Franken und mit einem Rah-
menkredit von 1 Mio. Franken belastet, der im November 2018 im Umfang von
Fr. 875'239.76 ausgeschöpft war (Urk. 13/3/10). Wann dieser Kredit beansprucht
wurde, ist den Akten nicht zu entnehmen, weshalb zugunsten des Beschuldigten
zu unterstellen ist, dass dies schon vor dem 1. Januar 2018 geschah. Am
18. September 2018 wurde die Pfändung (Urk. 13/3/1–2) und am 21. Juni 2019
deren Vollzug verfügt, wobei das Betreibungs- und Konkursamt der Region Malo-
ja im Juni 2019 von einem Bruttowert von Fr. 3'399'300.– ausging (Urk. 76/3 S. 5).
Die Liegenschaft wurde seit Jahren und auch im anklagerelevanten Zeitraum von
der früheren Ehefrau des Beschuldigten und den Kindern aus jener Ehe bewohnt.
Zu diesem Zweck waren die drei Wohnungen zu einer grossen Wohnung zusam-
mengelegt worden (Prot. I S. 10/11), was ihre Verkäuflichkeit eher erschwerte.
Der Beschuldigte erteilte im August 2018 einem Makler den Auftrag zum Verkauf
der Liegenschaft, wobei der Richtpreis mit Fr. 3'200'000.– beziffert wurde
(Urk. 11/5 S. 1), ein Verkauf aber in der Folge nicht zustande kam. Der Beschul-
digte führte dies u.a. darauf zurück, dass die Liegenschaft wegen der geltenden
Beschränkung von Zweitwohnungen nur an einen einheimischen Käufer veräus-
sert werden dürfe, der sie selber nutzen wolle (Prot. I S. 10; Prot. II S. 10; Urk. 79
S. 7). Dies erscheint als plausibel. Erst nachdem der Beschuldigte – gemäss sei-
nen heutigen Aussagen – die Liegenschaft baulich in zwei Wohnungen habe un-
terteilen lassen, habe er eine dieser Wohnungen vor kurzem verkaufen können
(Prot. II S. 10). Der Beschuldigte muss sich zwar den Vorwurf gefallen lassen,
dass er die Liegenschaft früher hätte zum Verkauf ausschreiben müssen, da er
schon ab Januar 2018 die Unterhaltsbeiträge nur noch teilweise zu bezahlen
vermochte. Sehr zu bezweifeln und vom Beschuldigten, der anlässlich der heuti-
gen Befragung von einem Verlust von Fr. 700'000.– sprach, auch in Abrede ge-
stellt (Prot. II S. 10) ist aber, dass er innert kurzer Zeit nicht nur einen Käufer hätte
finden, sondern auch einen Verkaufspreis hätte erzielen können, von dem nach
- 18 -
Tilgung der auf der Liegenschaft lastenden Schulden von fast 3,2 Mio. Franken,
Bezahlung der Maklerprovision, der Handänderungskosten und allenfalls anfal-
lender Instandstellungsarbeiten noch etwas übrig geblieben wäre. Unter diesem
Gesichtspunkt kann deshalb keine Verurteilung des Beschuldigten erfolgen.
bb) Begründet ist hingegen der Vorwurf, dass der Beschuldigte die Liegen-
schaft in C._ nicht weiterhin seiner früheren Ehefrau zur unentgeltlichen Be-
nützung hätte überlassen dürfen (Urk. 12/1 S. 5), denn dazu war er nicht ver-
pflichtet (vgl. Prot. II S. 16). Er hätte sich zumindest bemühen müssen, von ihr
einen angemessenen Mietzins erhältlich zu machen, und andernfalls das beste-
hende Benützungsverhältnis kündigen und eine andere Mieterschaft suchen müs-
sen. Wann und in welchem Umfang er damit zu Geld gekommen wäre, lässt sich
allerdings nicht beziffern.
i) Nicht widerlegbar ist demgegenüber die Aussage des Beschuldigten, dass
er seit Ende 2017 seiner jetzigen Ehefrau nichts mehr an die Kosten des gemein-
samen Haushalts bezahle (Prot. I S. 15). Der Vorwurf, er hätte diese Kosten re-
duzieren und so die Alimentenausstände ab Januar 2018 vermindern können,
zielt deshalb ins Leere.
5. Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschuldigte in der Zeit von
Juli 2013 bis Dezember 2017 Unterhaltsbeiträge im Gesamtbetrag von
Fr. 46'170.– schuldhaft nicht bezahlte. Ab Januar 2018 unterliess er es trotz
Kenntnis seiner ungenügenden Zahlungsfähigkeit, aus seiner Liegenschaft in
C._/GR einen Mietertrag zu generieren, wobei sich nicht betragsmässig be-
stimmen lässt, wie hoch ein solcher ausgefallen wäre. In diesem Umfang ist er
der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten im Sinne von Art. 217 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen. Bezüglich der weiteren für den Zeitraum von Januar 2018
bis Februar 2019 eingeklagten Alimentenausstände hingegen muss ein Frei-
spruch ergehen.
V.
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1. Wer im Sinne von Art. 217 Abs. 1 StGB seine familienrechtlichen Unter-
haltspflichten schuldhaft vernachlässigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder Geldstrafe bestraft. Innerhalb dieses Rahmens misst das Gericht die Strafe
nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt dabei dessen Vorleben
und persönliche Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf sein Leben. Das
Verschulden wird nach der Schwere der Rechtsgutverletzung, der Verwerflichkeit
des Handelns und den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach be-
stimmt, wie weit er nach den gesamten Umständen in der Lage war, rechtskon-
form zu handeln (Art. 47 Abs. 1 und 2 StGB).
2. Der Beschuldigte kürzte zunächst während viereinhalb Jahren eigen-
mächtig die an die Privatklägerin zu bezahlenden Unterhaltsbeiträge um Fr. 855.–
pro Monat und blieb ihr damit insgesamt Fr. 46'170.– schuldig. Er tat dies, weil er
fand, dass seine Alimentenverpflichtung ohnehin zu hoch festgesetzt worden sei
(vgl. seine Berufungsanträge in Urk. 3/2 S. 4) und er wenigstens weitere, für die
Töchter direkt erbrachte Leistungen sollte "verrechnen" können (Prot. I S. 17).
Sein laufendes Einkommen reichte, wenn man auf die diesbezüglichen Angaben
in der Anklageschrift abstellt, schon ab 2013 regelmässig nicht aus, um die zu be-
zahlenden, in der Tat als horrend zu bezeichnenden Unterhaltsbeiträge aufzu-
bringen. Diese waren so hoch ausgefallen, weil bei deren Festsetzung dem Be-
schuldigten ein einmaliger Mittelzufluss von 7,3 Mio. Franken, der schon mehrere
Jahre zurücklag, als Einkommen angerechnet worden war. Davon waren indes-
sen 3,3 Mio. Franken längst in einer den Eheleuten gemeinsam gehörenden Lie-
genschaft gebunden bzw. gingen in der Folge ca. 2 bis 3 Mio. Franken an die
Steuerbehörden. Bei dieser Sachlage musste der Beschuldigte zunehmend
Schwierigkeiten haben, das für die Unterhaltszahlungen nötige Geld zu beschaf-
fen bzw. flüssig zu machen. Der Scheidungsprozess zog sich derweil über Jahre
hin. Unter solchen Umständen war zwar unkorrekt und rechtlich nicht entschuld-
bar, aber immerhin bis zu einem gewissen Grade einfühlbar, dass der Beschuldig-
te schliesslich fand, Unterhaltsbeiträge von monatlich Fr. 30'000.– seien genug.
Er bezahlte bis Ende 2017 stets 97 % der geschuldeten Alimente. Wegen der feh-
lenden 3 % drohte der Privatklägerin keine Not. Dem Beschuldigten ist hinsichtlich
des Zeitraums von Juli 2013 bis Ende 2017 letztlich nur ein sehr leichtes Ver-
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schulden anzulasten. Danach bezahlte er während einiger Monate nur noch einen
Teil der Alimente und schliesslich ausser einem monatlichen Betrag von
Fr. 3'543.–, den seine Arbeitgeberin direkt an die Privatklägerin zu bezahlen hat-
te, gar nichts mehr. Im vorliegenden Verfahren konnte ihm indessen nur konkret
nachgewiesen werden, dass er sich – offensichtlich aus Rücksicht auf seine
frühere Familie, die dort wohnte – nicht darum kümmerte, mit seiner Liegenschaft
in C._/GR wenigstens einen gewissen Mietertrag zu erwirtschaften, wobei
unklar bleibt, wie hoch dieser ausgefallen wäre. Damit liegt für den Zeitraum ab
Januar 2018 lediglich eine punktuelle Verfehlung vor, die nur einen kleinen Teil
der eingeklagten Deliktssumme ausmachen. Zudem handelte der Beschuldigte
zwar falsch, aber immerhin aus einem einigermassen verständlichen Beweg-
grund. Sein Verschulden wiegt auch bezüglich der Zeit nach Neujahr 2018 sehr
leicht. 30 Tagessätze Geldstrafe erscheinen dafür als angemessene Einsatzstra-
fe.
3. a) A._ wurde 1954 in V._ geboren, wuchs auch dort auf und be-
suchte die Schulen bis zur Maturität. Danach studierte er an den Universitäten in
Zürich und Bern, wo er einen Abschluss als lic.rer.pol. erlangte. Mit 25 Jahren trat
er in die Dienste der damaligen W'._ (heute W._) und war in der Folge
an verschiedenen Stellen, zu Beginn vor allem im Ausland, im Investmentbanking
tätig. Danach übernahm der Beschuldigte für ein paar Jahre die Leitung des Fa-
milienunternehmens (A._ AG, nun O._ AG) bzw. der Tochterfirma, be-
vor er wieder ins Investmentbanking zurückkehrte. Zuletzt arbeitete er von 2011
bis 2014 bei AA._. in Zürich und dann ab 2015 bis zur Erreichen des Pensio-
nierungsalters als Managing Director bei der F._ AG. Nun ist der Beschuldig-
te noch als Senior Advisor für die AB._ AG tätig. Er bezieht dort bei einem
aktuellen Pensum von 70 % ein festes Salär von ca. 9'000.– pro Monat und erhält
jährlich einen vom Geschäftserfolg abhängigen Bonus, wobei er für das Jahr 2019
und 2020 einen solchen von je Fr. 250'000.– erhielt bzw. erhalten wird. Er erhält
inzwischen auch Fr. 2'340.– Monatsrente von der AHV. Der Beschuldigte ist in
dritter Ehe verheiratet und hat aus den früheren Ehen insgesamt sechs Kinder.
Seine jetzige Ehefrau ist nicht erwerbstätig. Das Ehepaar ist im April 2019 von
AC._/ZH nach U._/GR umgezogen. Die Hypothek für das von der Pri-
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vatklägerin bewohnte Haus in E._/ZH kostet monatlich Fr. 4'500.–, diejenige
für das Haus in U._ ca. Fr. 2'500.– (Prot. II S. 5 ff.). Für die Krankenversiche-
rung muss der Beschuldigte ca. Fr. 600.– pro Monat bezahlen. Vom Einkommen
des Beschuldigten gehen ausserdem Fr. 2'300.– pro Monat aufgrund einer ge-
richtlichen Anweisung direkt an die Privatklägerin. Im Übrigen ist er mit dem lau-
fenden Einkommen nicht in der Lage, die weiterhin noch geltenden Unterhaltsbei-
träge in der Höhe von Fr. 30'855.– zu bezahlen. Die Aktien der O._ AG hat
der Beschuldigte seiner Ehefrau verkauft (Prot. II S. 10 f.). Er besitzt noch die vor-
stehend erwähnten Private Equity Fonds (vgl. Erw. IV/4c), von welchen ab und zu
eine Auszahlung erfolgt (Urk. 5/5 S. 2/8, Urk. 25/3, Urk. 41/4, Urk. 76/2-3, Prot. I
S. 8-16). Aus dem Lebenslauf des Beschuldigten ergeben sich keine straferhö-
hend oder strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren.
b) Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Urk. 69).
c) Der Beschuldigte bestritt zwar nie, die in Frage stehenden Unterhaltsbei-
träge nicht bezahlt zu haben, ist aber ansonsten, insbesondere hinsichtlich seiner
nach dem vorstehend Gesagten zumindest teilweise vorhanden gewesenen Leis-
tungsfähigkeit, nicht geständig. Auch im Übrigen sind keine Straferhöhungs- oder
Strafminderungsgründe ersichtlich. Der Beschuldigte ist mit 30 Tagessätzen
Geldstrafe zu sanktionieren.
d) Sein laufendes Einkommen aus Erwerbstätigkeit und AHV beträgt ca.
Fr. 11'300.– pro Monat. Der jährlich anfallende Bonus und allfällige Auszahlungen
aus Private Equity Fonds sind bei der Festsetzung des Tagessatzes nicht als Ein-
kommen anzurechnen, weil davon auszugehen ist, dass dieses Geld sogleich für
die beträchtlichen Alimentenrückstände gepfändet wird. In Abzug zu bringen sind
sodann monatlich Fr. 2'300.–, welche direkt an die Privatklägerin überwiesen
werden, Fr. 4'500.– für die Hypothekarzinsen betreffend die Liegenschaft in
E._, zu deren Bezahlung der Beschuldigte verpflichtet ist (Urk. 3/5 S. 73 und
Urk. 3/2 S. 20), Fr. 600.– für Krankenkassenprämien und (geschätzt) Fr. 400.– für
Steuern. Der Beschuldigte hat zwar nach wie vor sehr hohe Ausgaben. Allerdings
stehen diese teilweise auch in Zusammenhang mit einer eher luxuriösen Lebens-
- 22 -
führung, weshalb sich mit der Vorinstanz ein Tagessatz von Fr. 200.– als ange-
messen erweist.
VI.
Da der Beschuldigte erstmals strafrechtlich verurteilt werden muss, ist ihm
der bedingte Strafvollzug unter Ansetzung der minimalen Probezeit von zwei Jah-
ren zu gewähren (Art. 42 Abs. 1 und Art. 44 Abs. 1 StGB). Zur Ausfällung einer
Verbindungsbusse besteht kein Anlass.
VII.
a) Der Beschuldigte wird zwar auch in zweiter Instanz schuldig gesprochen,
dies aber nur bezüglich eines kleinen Teils der eingeklagten Alimentenausstände.
Bei diesem Prozessausgang sind die Kosten der Untersuchung und des gerichtli-
chen Verfahrens beider Instanzen zu einem Drittel dem Beschuldigten aufzuerle-
gen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 und
Art. 428 Abs. 1 StPO).
b) Da weder die Privatklägerin noch der Beschuldigte konkrete Anträge auf
Prozessentschädigung stellten bzw. solche begründeten, werden den Parteien
keine solchen zugesprochen (vgl. Art. 429 Abs. 2 und Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO).