Decision ID: 39beb772-9030-48c4-b1fe-6c4a77db781a
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre 1954 geborene
X._
erlitt am 2
2.
April 2003 bei ei
nem
Autounfall eine HWS-Distorsion und meldete sich in diesem Zusammen
hang
am 1
0.
November 2004 bei der S
ozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Rentenbezug an (
Urk.
7/4,
Urk.
7/6).
Mit Verfügung vom 2
3.
Juni
2005
wurde der Versicherten ausgehend von einem IV-Grad von 60
%
mit Wir
kung ab
1.
April 2004 eine
Dreiviertelsrente
zugesprochen (
Urk.
7/28,
Urk.
7/2
3
)
.
Die SUVA schloss das Verfahren mit Verfügung vom 2
0.
Juli 2005 vergleichs
weise ab und sprach der Versicherten ausgehend von einer Erwerbsunfähigkeit
von 10
%
eine Rente zu; überdies eine Integritätsentschädigung bei einer Ein
busse
von 5
%
(
Urk.
7/26).
Im Mai 2010 wurde
seitens der IV-Stelle
eine
revisions
weise
Überprüfung des
Rentenanspruchs der Versicherten in die Wege geleitet (
Urk.
7/37). In diesem Zu
sammenhang wurden begleitend berufliche Massnah
men durch
geführt (
Urk.
7/41,
Urk.
7/44). Mit Vorbescheid vom 2
7.
Januar 2012 wurde die Einstellung der Ren
te
mangels
a
nspruchsbegründender Invalidität
in Aussicht gestellt (
Urk.
7/52).
Im Zuge der weiteren Abklärungen wurde am
4.
Juli 2013 eine polydisziplinäre medizinische Untersuchun
g ins Auge gefasst
beziehungsweise als notwendig be
zeichnet
(
Urk.
7/80) und mit
Mitteilung vom 1
5.
Januar 2014 die
Abklärungs
stelle
bekanntgegeben (
Urk.
7/87). Mit Zwischenverfügung vom 3
1.
Januar 2014
hielt die IV-Stelle an der Notwendigkeit der Begutachtung fest, unter Hinweis
darauf, dass die Gutachterstelle nach Eintritt der Rechtskraft
der genannten
Ver
fügung bekannt gegeben werde (
Urk.
7/96 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der Versicherten am
2
8.
Februar
2014 Beschwerde
und beantragte, es sei
das Revisionsverfahren abzuschliessen und der Be
schwer
de
führerin weiterhin die bisherige Rente zuzusprechen; unter
Entschädi
gungs
folge
zu Lasten der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
9.
April
2014 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Mit Replik vom 2
9.
August 2014 hielt der
Vertreter der Beschwerdeführerin
an den bereits gestellten Anträgen fest
(
Urk.
13). Die Beschwerdegegnerin liess sich in der Folge nicht weiter verneh
men
(
Urk.
16), was der
beschwerdeführenden
Partei mit Schreiben vom 2
4.
Septem
ber
2014 zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
17
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand ist die Verfügung vom
3
1.
Januar
2014 (Urk. 2), mit wel
cher die Beschwerdegegnerin an der Notwendigkeit einer polydisziplinären
Begutachtung des Beschwerdeführers festgehalten hat. Hierbei handelt es sich um
eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das
Verwaltungsverfah
ren
(
VwVG
), welche bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grundsätzlich selbständig mit Besc
hwerde angefochten werden kann.
1.2
In
BGE 137 V 210
hielt das Bundesgericht fest,
dass die nicht sachgerechte Be
gutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken könne (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Aus diesem Grund sei die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Rah
men
einer verfassungs- und konventionskonformen Auslegung für das erstin
stanz
liche Verfahren bei der Anfechtung einer umstrittenen
Gutachtensanord
nung
zu bejahen.
1.3
Als Folge der vom Bundesgericht in BGE 137 V 210 aufgestellten Forderungen setzte der Bundesrat den neuen Artikel 72
bis
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) auf den 1. März 2012 in Kraft. Demzufolge haben
polydis
zi
plinäre
medizinische Gutachten, das heisst medizinische Gutachten, an denen drei
und mehr medizinische Fachdisziplinen beteiligt sind (vgl. Kreisschreiben über
das Verfahren in der Invalidenversicherung, KSVI, Stand 1. Januar 2014,
Rz
.
2075
Satz 1), bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundes
amt
für Sozialversicherungen (BSV) eine Vereinbarung getroffen hat (Abs. 1). Die Ver
gabe dieser Aufträge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (Abs.
2).
2.
2.1
Der Verfahrensablauf für die Auftragsvergabe von polydisziplinären Gutachten
wurde im KSVI per 1. Januar 2014 neu geregelt. Nach den bis 31. Dezember 2013
gültig gewesenen
Rz
.
2080 ff. sollte das Verfahren grundsätzlich in zwei Phasen ablaufen, die jeweils mit einer (anfechtbaren) Zwischenverfügung abgeschlossen wurden. Die erste Phase umfasst
e
die
folgenden
Punkte: Entscheid der IV
Stelle darüber, dass eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig ist, Festle
gung
von
Fachdisziplinen und Frage
n
katalog. Die zweite Phase umfasst
e
die Er
mittlung des
Begutachtungsinstituts
(das durch Zufall ermittelt wird)
und di
e Festlegung der
Namen und Fach
arzttitel der mit der Begutachtung betrauten Personen (
KSVI
Rz
.
2081 und 2085.1 in der bis 31. Dez
ember 2013
gültig gewesenen Fassung
).
2
.2
Die seit dem 1. Januar 2014 geltende Regelung
des Verfahrens für die
Auftrags
ver
gabe
von polydisziplinären Gutachten unterscheidet sich von der früheren Fassung im Wesentlichen dadurch, dass erst nach Abschluss von Phase zwei der
Erlass einer anfechtbaren Zwischenverfügung vorgesehen ist (
KSVI
Rz
.
2081.5). Da
mit wurde der im Urteil
IV.2013.00040
des
hiesigen Gerichts
vom 28. März 2013
(E.
4.3)
geäusserten Kritik an einem gestaffelten Weg mit je einer gericht
lich anfecht
baren Zwischenverfügung nach Phase ein
s sowie nach Phase zwei
im
Ergebnis
Rechnung getragen. Im Übrigen ist gemäss BGE 139 V 339 E. 4.5
e
ine Zwischenverfügung, in welcher keine Gutachterstelle benannt wird, son
dern
ledig
lich die Bestim
mung einer solchen in Anwendung von
Art.
72
bis
IVV
durch
das
Zuweisungs
system
"
SuisseMED@P
" angekündigt wird, weder im erstin
stanz
lichen Verfah
ren noch vor Bundesgericht anfechtbar
.
3.
Die angefochtene Zwischenverfügung vom 3
1.
Januar 2014 beschlägt allein die
grundsätzliche Frage, ob eine polydisziplinäre Abklärung durchzuführen ist oder
nicht. So wird in Dispositiv
-
Ziffer 2 ausdrücklich festgehalten, dass die
Gutach
terstelle
nach Eintritt der Rechtskraft dieser Verfügung bekannt gegeben werde;
eine Gutachterstelle oder entsprechende Fachärzte werden in der Verfü
gung
v
om
31. Januar 2014
keine benannt. Vor diesem Hintergrund
hatte die
Mitteilung vom
1
5.
Januar 2014 (
Urk.
7/90), in welcher die Gutachterstelle sowie die Fachärzte bereits genannt w
u
rden,
jedenfalls
kein
en abschliessenden Charakter
.
D
er Ver
treter der Beschwerdeführerin
äusserte sich
in seinem Schreiben vom 2
1.
Januar 2014 dahingehend, dass er schon allein mit der polydisziplinären Begutachtung nicht einverstanden und die Mitteilung der Gutachterstelle sowie der Fachärzte
verfrüht erfolgt sei (
Urk.
7/92).
Wohl gestützt auf diesen Einwand beschränkte sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Zwischenverfügung
auf die grund
sätzliche Festlegung, dass eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig sei.
Nach
der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts
handelt es sich bei
einer solchen Verfügung
aber
- mangels eines nicht wieder
gutzumachenden Nach
teils - nicht um eine anfechtbare Zwischenverfügung
(
Urteil
8C_12/2014 vom 3. Juli 2014
E. 1.2
mit Hinweis auf
BGE 139 V 339 E. 4.5
).
4.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der
Invalidenversicherung geht, ist das Beschwerdeverfahren kostenlos (Art. 61
lit
a ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die In
va
lidenversicherung).
Auf die Beschwerde vom 2
8.
Februar 2014 ist damit nicht einzutreten.
Das Gericht beschliesst
:
1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsanwalt Thomas Wyss
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.