Decision ID: ac48ec6d-fe07-4988-bdd8-23a6e375bc9a
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 15. Februar 2016 wegen seit
25. September 2015 bestehender Folgen eines Meniskusrisses bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 45).
A.a.
Auf ein erstes Gesuch vom 30. August 1994 wegen psychischer Beeinträchtigung
(IV-act. 2) waren dem Versicherten eine berufliche Abklärung sowie Arbeitstraining
insgesamt vom 6. Juni 1995 bis 31. März 1996 (Verfügungen vom 19. Juni 1995, IV-
act. 13, vom 15. September 1995, IV-act. 19 und vom 1. Februar 1996, IV-act. 24) und
mit Verfügung vom 16. August 1996 (IV-act. 43) eine ganze Rente mit Wirkung vom
1. September 1994 bis zur rentenausschliessenden Eingliederung am 30. Juni 1995
zugesprochen worden.
A.b.
Der Versicherte hatte am 1. Juli 1998 bei der B._ AG eine Stelle als Gipser/
Vorarbeiter angetreten (Angaben Arbeitgeberin vom 26. Februar 2016, IV-act. 54) und
war ab dem 25. September 2015 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben (Taggeldkarte,
IV-act. 54-7). Dr. D._, Orthopädie E._, hatte gemäss Bericht vom 25. September
2015 eine chronisch degenerative LWS mit Diskushernie, einen Innenmeniskus- und
Knorpelschaden mit Bursitis Knie links, einen Meniskus- und Knorpelschaden Knie
A.c.
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rechts sowie Spreizfüsse bds. diagnostiziert (IV-act. 67). Arthroskopische
Teilmeniskektomien waren am 24. November 2015 (Knie rechts, Operationsbericht
Orthopädie E._, IV-act. 56-5) und am 11. Februar 2016 (Knie links, Operationsbericht
Orthopädie E._, IV-act. 73) durchgeführt worden (vgl. hierzu auch Krankengeschichte
Orthopädie E._, IV-act. 76). Der RAD-Arzt Dr. med. F._, Facharzt für Chirurgie
FMH, nahm am 20. Mai 2016 Stellung, die Heilungsphasen von Seiten der Knieeingriffe
seien abgeschlossen. In der bisherigen Tätigkeit als Gipser sei der Versicherte nicht
mehr, in einer rücken- und beinentlastenden Tätigkeit hingegen zu 100 % arbeitsfähig
(IV-act. 81).
Die Arbeitgeberin kündigte auf den 31. Mai 2016 das Arbeitsverhältnis aus
wirtschaftlichen Gründen (Angaben vom 26. Februar 2016, IV-act. 54-2). Im Protokoll
zum Assessment vom 4. Mai 2016 hielt die Eingliederungsverantwortliche fest, der
Versicherte leide unter Arthroseschmerzen am ganzen Körper. Das Ergebnis der
Meniskusoperationen sei nicht befriedigend. Seit Februar 2016 gehe es ihm auch
psychisch schlechter. Die Kündigung sei für den Versicherten ein grosser Schock
gewesen (IV-act. 82).
A.d.
Vom 30. Mai bis 17. September 2016 absolvierte der Versicherte eine berufliche
Abklärung im G._ (Eingliederungsplan, IV-act. 84, Mitteilung Zusprache vom 8. Juni
2016, IV-act. 87). Das Pensum von anfänglich 100 % musste ab 11. Juli 2016 wegen
starker Rückenschmerzen auf 50 % reduziert werden. Die Arbeitsproben mussten
wegen Schmerzen abgebrochen werden bzw. der Versicherte erreichte die
Anforderungen in zeitlicher Hinsicht und teilweise bezüglich der Genauigkeit nicht.
Verständnisschwierigkeiten erschwerten das Assessment. Der Versicherte war nicht
belastbar und erreichte eine durchschnittliche Leistungsfähigkeit von 60 % bei einer
Präsenz von 50 % (Schlussbericht G._ vom 23. September 2016, IV-act. 93).
A.e.
Vom 26. September bis 21. Oktober 2016 war der Versicherte in tagesklinischer
Behandlung in der Klinik H._, wo eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver
Reaktion (ICD-10: F43.22), eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1) und eine
psychophysische Erschöpfung (ICD-10: Z73.0) diagnostiziert wurden (vgl. Gutachten
Dr. I._ vom 7. März 2017, IV-act. 110-3, 10). Ein erneutes Aufbautraining im G._ ab
dem 5. Dezember 2016 (Eingliederungsplan, IV-act. 97; Zusprache Mitteilung vom
A.f.
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8. Dezember 2016, IV-act. 99) musste am 31. Januar 2017 vorzeitig abgebrochen
werden. Die anfängliche Präsenzzeit von 50 % konnte nicht wie geplant gesteigert
werden. Im Schlussbericht der Institution vom 31. Januar 2017 (IV-act. 104) wurde
unter anderem ausgeführt, die Gesamtarbeitsleistung habe in keiner Weise den
Anforderungen der freien Marktwirtschaft entsprochen. Aufgrund der enormen
Konzentrationsschwankungen habe sich der Durchschnitt auf eine 20%ige bis 30%ige
Leistungsfähigkeit bei 50 % Präsenzzeit belaufen. Mit Mitteilung vom 28. Februar 2017
wurden berufliche Massnahmen abgeschlossen (IV-act. 108).
Im Auftrag des Krankentaggeldversichereres wurde der Versicherte in der Folge
bidisziplinär begutachtet (Gutachten vom 7. März 2017, Dr. med. I._, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. J._, Fachärztin für Orthopädie und
Traumatologie des Bewegungsapparates FMH; Untersuchungen 6. März 2017; IV-
act. 110). Die orthopädische Gutachterin hielt fest, die degenerativen Veränderungen
seien zum Teil nur moderat, in Summe hätten sie jedoch negative Auswirkungen auf die
gesamte Belastbarkeit (IV-act. 110-26). Für die Tätigkeit als Vorarbeiter/Gipser ergebe
sich auf Dauer keine Arbeitsfähigkeit mehr. Körperlich leichte und mittelschwere
Tätigkeiten könne der Versicherte aus orthopädischer Sicht ab sofort in vollem Umfang
ohne Einschränkung der Leistungsfähigkeit verrichten (IV-act. 110-27 f.). Der
psychiatrische Gutachter stellte die Diagnosen einer depressiven Episode, gegenwärtig
schweren Grades mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.2), sowie einer Agoraphobie
und sozialphobischer Ängste (ICD-10: F40.00/40.1). Er führte aus, der Versicherte sei
aufgrund seiner ausgeprägten depressiven Symptomatik in seinen emotionalen
(Stimmung, Stabilität, Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Ausdauer), kognitiven
(Konzentration, Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit) und somatischen Funktionen (Antrieb,
Tatkraft, Energie) und damit in seiner Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit in schwerem
Grad eingeschränkt. Aus rein psychiatrischer Sicht sei er derzeit 100 % arbeitsunfähig
(IV-act. 110-14 f.).
A.g.
Dr. med. K._, Psychiatrie-Zentrum L._, hielt im Arztbericht vom 16. Juni 2017
fest, er behandle den Versicherten seit dem 7. April 2017. Dieser leide an einer
schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2) und an
einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10: F45.41). Im Behandlungsverlauf habe eine Besserung der depressiven
A.h.
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Symptomatik erreicht werden können mit Stimmungsaufhellung und Besserung des
Antriebs. Auch der Schlaf habe sich deutlich gebessert. Die Symptomatik entspreche
aktuell einer mittelgradigen depressiven Episode. Seit 7. April 2017 sei der Versicherte
zu 100 % arbeitsunfähig. Es sei davon auszugehen, dass eine Arbeitsfähigkeit für den
allgemeinen Arbeitsmarkt nicht mehr erreicht werden könne. Seit 12. Juni 2017 finde
ein Arbeitsversuch in der M._ mit einem Pensum von 40 % statt. Bereits ab 11 Uhr
liessen Konzentration und Leistungsfähigkeit deutlich nach. Arbeiten unter Leistungs-
und Zeitdruck seien nicht möglich. Die Aufmerksamkeitsspanne sei stark reduziert (IV-
act. 113-6 ff.).
Dr. med. N._, Innere Medizin und Rheumatologie FMH, erhob beim Versicherten
chronischen Nachtschweiss unklarer Aetiologie bei vorübergehend erhöhter
Blutsenkung ohne fassbare entzündlich-rheumatische Erkrankung, ein chronisches
Panvertebralsyndrom mit rechtsbetonter cervico-thoraco-brachialer Komponente bei
Hyperkyphose der BWS, muskulären Dysbalancen und degenerativen Veränderungen,
Gonarthrosen beidseits, klinisch vor allem femoro-patellär, Knick-Senkfüsse beidseits,
sowie Spreizfüsse und Hallux valgus rechtsbetont, chronische Metatarsalgien. Für eine
entzündliche Rheumaerkrankung resp. eine Vasculitis fänden sich keine Hinweise
(Bericht vom 5. Juli 2017, IV-act. 120).
A.i.
In einer Reevaluation seines Gutachtens vom 7. März 2017 kam Dr. I._ am
4. September 2017 zum Schluss, die ein halbes Jahr zuvor schwere Depression sei
zwischenzeitlich remittiert (objektiv viel mehr als subjektiv). Aktuell entsprächen die
Symptome einer leichten Depression. Es bestehe ein auffallendes Klagen mit Neigung
zu (unbewusster) Aggravation, mit deutlicher Diskrepanz zwischen subjektiv
wahrgenommenen (psychischen und körperlichen) Beschwerden und objektiven
Befunden. Aufgrund der deutlichen Verbesserung des Zustandes sei die Arbeits- und
Leistungsfähigkeit aktuell noch um 25 % bis maximal 50 % reduziert (Fremdakten,
act. 5-14 f., 18). Dr. K._ nahm hierzu am 26. September 2017 Stellung, der
Versicherte leide unter einer ausgeprägten depressiven Symptomatik. Konzentration
und Leistungsfähigkeit seien deutlich reduziert. Im geschützten Arbeitsversuch (M._)
sei er im Juni 2017 bereits bei einem Pensum von 40 % an die Grenzen seiner
Leistungsfähigkeit gestossen. Ausserdem habe sich die depressive Symptomatik
A.j.
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zuletzt deutlich verschlechtert, so dass diese im Bereich einer schweren depressiven
Episode liege (IV-act. 123).
RAD-Arzt Dr. F._ nahm am 19. September 2017 Stellung, die Berichte von
Dr. I._ gingen nicht auf die Standardindikatoren ein, weshalb eine polydisziplinäre
Begutachtung angezeigt sei (IV-act. 131).
A.k.
In einem Schreiben vom 19. Oktober 2017 teilte der Krankentaggeldversicherer
dem Versicherten mit, er habe den Bericht von Dr. K._ an Dr. I._ zur Stellungnahme
weitergeleitet. Die Arbeitsfähigkeit von 50 % könne auf dem ersten Arbeitsmarkt noch
nicht umgesetzt werden. Entgegen dem Schreiben vom 11. September 2017
(Fremdakten, act. 5-2 f.) werde das Taggeld weiterhin ausgerichtet (Fremdakten,
act. 6-2).
A.l.
Im Gutachten vom 19. März 2018 kamen die Experten des ärztlichen
Begutachtungsinstituts GmbH (ABI) Basel (Dr. med. O._, FMH Allgemeine Innere
Medizin; Dr. med. P._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie; Dr. med. Q._, FMH
Rheumatologie; Untersuchungen 22. Januar 2018; IV-act. 139) zum Schluss, aus
psychiatrischer Sicht bestehe eine 20%ige Einschränkung aufgrund der depressiven
Verfassung (IV-act. 139-15). In Übereinstimmung mit dem Verlaufsgutachten von
Dr. I._ sei die aktuelle depressive Episode als leicht einzustufen und bestehe der
Verdacht einer Schmerzverarbeitungsstörung (IV-act. 139-15 f., 29). Nach eigener
Angabe habe der Versicherte drei Tage vor der Begutachtung die Medikamente
abgesetzt; die Serumspiegel von Quetiapin und Escitalopram lägen unter der
Nachweisgrenze, weshalb die Compliance nicht intakt sei und sich die Arbeitsfähigkeit
noch steigern liesse (IV-act. 139-12, 16 f.). Der rheumatologische Gutachter attestierte
dem Versicherten für im Wesentlichen körperlich leichte bis sehr selten mittelschwere,
wechselbelastende berufliche Tätigkeiten eine 70%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit,
wobei eine um 30 % reduzierte Leistungsfähigkeit zur Gewährung von regelmässigen
Pausen bereits berücksichtigt sei (IV-act. 139-25). Die Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer und rheumatologischer Sicht könne nicht kumuliert werden, da
dieselben Zeitabschnitte für vermehrt notwendige Pausen und Erholung genutzt
werden könnten (IV-act. 139-25).
A.m.
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RAD-Arzt Dr. F._ nahm am 22. März 2018 Stellung, auf das Gutachten könne
abgestellt werden (IV-act. 140), worauf die IV-Stelle dem Versicherten nach
Durchführung des Einkommensvergleichs und Ermittlung eines IV-Grades von 46 %
mit Vorbescheid vom 8. Juni 2018 die Zusprache einer Viertelsrente ab 1. Juli 2017 in
Aussicht stellte (IV-act. 151). Mit Einwand vom 14. August 2018 liess der Versicherte im
Wesentlichen geltend machen, das psychiatrische ABI-Teilgutachten sei nicht
schlüssig. Dr. I._ habe seine Beurteilung vom 4. September 2017 revidiert. Der
bisherige Verlauf sei nicht korrekt berücksichtigt worden (IV-act. 152-1 ff.). Mit dem
Einwand reichte er einen Verlaufsbericht von Dr. K._ vom 16. Juli 2018 ein, woraus
unter anderem hervorging, dass der Versicherte seit Ende Februar 2018 jeweils
nachmittags an einem geschützten Arbeitsplatz tätig sei (IV-act. 152-4 f.). In einer
Stellungnahme vom 3. September 2018 legte der psychiatrische Gutachter im
Wesentlichen dar, primär seien die Untersuchungsbefunde und nicht die Vorakten
massgebend. Jene sprächen für einen eher leichtgradigen depressiven Zustand. An der
20%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei festzuhalten (IV-act. 157). Der RAD-
Arzt schloss sich dem am 12. September 2018 vollumfänglich an (IV-act. 158), worauf
die IV-Stelle dem Versicherten mit gleichem Datum erneut das rechtliche Gehör zum
vorgesehenen Entscheid gewährte (IV-act. 159). Dagegen brachte der Versicherte am
25. September 2018 unter anderem vor, das ABI habe übersehen, dass Dr. I._ seine
Beurteilung revidiert habe. Die Medikamente habe er drei Tage vor der Begutachtung
abgesetzt, weil er sich einer Zahnoperation habe unterziehen müssen. Auch dass er
Auto fahre und im Vorjahr nach S._ gereist sei, lasse nicht auf ein geringes Ausmass
seiner Beschwerden schliessen. Eventualiter sei ein Leidensabzug von mindestens
10 % ausgewiesen (IV-act. 160).
A.n.
RAD-Arzt Dr. F._ befand am 26. September 2018, die Stellungnahme des
Versicherten enthalte keine neuen medizinischen Erkenntnisse (IV-act. 161). Der
Rechtsdienst der Beschwerdeführerin hielt in einer Stellungnahme vom 19. November
2018 unter anderem fest, die Einwände des Versicherten betreffend Absetzen der
Psychopharmaka seien nicht überzeugend. Es sei weiterhin auf das ABI-Gutachten
abzustellen (IV-act. 162).
A.o.
Mit Verfügung vom 1. April 2019 (in Ersatz einer korrigierten Verfügung vom
4. März 2019, IV-act. 165) sprach die IV-Stelle dem Versicherten ab 1. Juli 2017 eine
A.p.
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B.
Viertelsrente zu, legte den laufenden Rentenanspruch ab dem 1. März 2019 fest und
zitierte zur Begründung aus den Stellungnahmen des RAD und des Rechtsdienstes (IV-
act. 168).
Gegen die Verfügung vom 1. April 2019 lässt A._, vertreten durch Rechtsanwalt
lic. iur. K. Gemperli, am 29. April 2019 Beschwerde erheben. Er beantragt, in
Abänderung der angefochtenen Verfügung sei ihm unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen mindestens eine halbe Rente zuzusprechen. Dazu führt er im
Wesentlichen aus, er habe bei der Begutachtung spontan darauf aufmerksam gemacht,
dass er die Medikamente drei Tage zuvor wegen einer Zahnoperation abgesetzt habe.
Dies sei vom ABI nicht korrekt protokolliert worden und könne durch Auskunft/Zeugnis
des Kieferchirurgen Dr. Z._ bewiesen werden. Sowohl im G._ als auch durch das
Gutachten von Dr. I._ vom 7. März 2017 sei ihm eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
attestiert worden. Der ABI-Gutachter habe diesem Gutachten seine Befunde nicht
entgegengehalten, weshalb die fehlende Berücksichtigung der Berichte des G._
rechtswidrig sei. Unhaltbar sei auch der gezogene Schluss, dass die Arbeitsleistung
durch eine hohe Krankheitsüberzeugung bedingt sei. Für den weiteren Verlauf hätte der
Gutachter nicht auf das Verlaufsgutachten von Dr. I._ vom 4. September 2017
abstellen dürfen, da Dr. I._ dieses revidiert habe. Im Bericht vom 16. Juli 2018 habe
Dr. K._ ausgeführt, dass er bis März 2018 nicht und ab April 2018 zu 20 %
arbeitsfähig gewesen sei. Er sei zu 43,75 % im zweiten Arbeitsmarkt in der R._
angestellt. Bei rezidivierenden depressiven Erkrankungen sei der retrospektive
Längsverlauf für die Beurteilung der zukünftigen Entwicklung wichtig. Das ABI-
Gutachten basiere nicht auf einem regelrecht ermittelten retrospektiven Längsschnitt.
Es habe lediglich eine Reise nach S._ stattgefunden, und diese aus familiären
Gründen. Er fahre nur kurze Strecken mit dem Auto und Kontakte zu einer Reihe von
Cousins und Cousinen bestünden nicht. Wenngleich er sich gelegentlich in den S._-
club mitnehmen lasse, lägen insgesamt keineswegs soziale Beziehungen vor, die auf
intakte Ressourcen schliessen liessen. Aufgrund der umfangreichen
Adaptationskriterien aus rheumatologischer Sicht, seines Alters und Dienstalters und
seiner schlechten Sprachkenntnisse sei ein Tabellenlohnabzug von 10 % ausgewiesen
(act. G 1).
B.a.
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Erwägungen
1.
Angefochten sind vorliegend die Verfügungen vom 1. April 2019 (IV-act. 168) und vom
6. Juni 2019 (act. G 6.2), wonach dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Juli 2017
eine Viertelsrente zugesprochen wurde.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrad gemäss
Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
als glaubhaft gemacht erachtet, indem sie auf das Gesuch vom 15. Februar 2016 (IV-
act. 45) eingetreten ist und schliesslich eine Begutachtung angeordnet hat. Dem
Beschwerdeführer wurde mit rechtskräftig gewordener Verfügung vom 16. August 1996
Mit Beschwerdeantwort vom 3. Juni 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin, die
Beschwerde sei abzuweisen. Sie führt an, die Arbeitsfähigkeit sei ausschliesslich
medizintheoretisch und nicht aufgrund einer beruflichen Abklärung festzulegen.
Aufgrund der subjektiven Krankheitsüberzeugung seien Arbeitsversuche beim
Beschwerdeführer zum Vornherein zum Scheitern verurteilt. Bezüglich der übrigen
Rügen sei auf die Stellungnahmen des ABI vom 3. September 2018 und der
Rechtsabteilung vom 19. November 2018 verwiesen. Da der Beschwerdeführer auch
vereinzelt körperlich mittelschwere Tätigkeiten ausführen könne, sei kein Leidensabzug
vorzunehmen. Zudem seien die gesundheitlichen Einschränkungen bei der attestierten
Arbeitsfähigkeit von 70 % bereits grosszügig berücksichtigt (act. G 4).
B.b.
Mit Eingabe vom 14. Juni 2019 ficht der Beschwerdeführer auch die die
rückwirkende Rentenzusprache für den Zeitraum vom 1. Juli 2017 bis 28. Februar 2019
betreffende Verfügung vom 6. Juni 2019 an (act. G 6).
B.c.
Mit Replik vom 4. Oktober 2019 bringt der Beschwerdeführer vor, vorliegend gehe
es nicht darum, dass der Rechtsanwender nicht alleine auf die Ergebnisse von
Eingliederungsmassnahmen abstellen dürfe. Vielmehr hätten diese vom Gutachter
richtig berücksichtigt werden müssen (act. G 12).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine Duplik (act. G 14).B.e.
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aufgrund von psychischen Problemen lediglich eine bis 30. Juni 1995 befristete Rente
zugesprochen (IV-act. 43). Somit ist bei 100%iger Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit ab 25. September 2015 (Taggeldkarte, IV-act. 54-7) und Wiederanmeldung
am 15. Februar 2016 (IV-act. 45) ein Rentenanspruch ab 1. September 2016 zu prüfen
(vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1 und 3 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]; BGE 142 V 550 f. E. 3.1 f.; Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Februar 2016, 9C_942/2015, E. 3.3.3).
3.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und
vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch
unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte
Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der
Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE
141 V 281 und BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und
erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
3.2.
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Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
3.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
3.4.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
3.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
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4.
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
Gemäss ABI-Gutachten besteht interdisziplinär führend aus rheumatologischer
Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in angepassten Tätigkeiten (IV-act. 139-25). Der
rheumatologische Gutachter führte aus, die segmentale lumbale Untersuchung habe
eine deutliche Bewegungseinschränkung vor allem der Lateralflexion und Reklination
ergeben. Unter Berücksichtigung der MRT-Aufnahmen aus dem Jahr 2015 und der
aktuellen Röntgenbilder könne ein chronisches lumbospondylogenes bis facettogenes
Schmerzsyndrom auf dem Boden von degenerativen Facettengelenksarthrosen und
lumbalen Chondrosen festgestellt werden. Die thorakale Bewegungsfähigkeit sei vor
allem in Extension praktisch aufgehoben im Sinne einer fixierten Kyphose. In der
mittleren HWS bestünden beginnende Osteochondrosen und ventrale Spondylosen.
Diese bildeten ein radiomorphologisches Korrelat zu den angegebenen Beschwerden
und der in der Untersuchung festgestellten leichten Bewegungseinschränkung. Am
subjektiv stark schmerzhaften Ellbogengelenk habe sich eine deutliche
Druckempfindlichkeit am Epikondylus humeri radialis mit schmerzhaftem Stresstest
gefunden. Im Kniegelenkstatus habe sich ein Patellaverschiebungsschmerz mit
subpatellärer Krepitation als klinisches Korrelat zu den in den Akten bereits erwähnten
degenerativen femoropatellären Veränderungen ergeben. Der kursorisch neurologische
Status sei insgesamt völlig unauffällig gewesen (IV-act. 139-24). Die orthopädische
Vorgutachterin hatte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit in adaptierten
Tätigkeiten von 100 % attestiert (Bidisziplinäres Gutachten vom 7. März 2017, IV-
act. 110-28). Der rheumatologische ABI-Gutachter vermerkte dazu, sie habe die bereits
damals dokumentierten degenerativen Veränderungen der LWS nicht adäquat
gewürdigt (IV-act. 139-25). Im Übrigen stimmt die rheumatologische Beurteilung im
Wesentlichen mit dem früheren orthopädischen Teilgutachten überein, ist
nachvollziehbar und schlüssig und wurde weder vom RAD noch von den Parteien in
Frage gestellt.
4.1.
Der psychiatrische Gutachter des ABI attestierte dem Beschwerdeführer eine
Arbeitsfähigkeit von 80 % (IV-act. 139-15). Zum erhobenen Befund führte er aus, die
kognitiven Funktionen wie Wahrnehmung, Auffassung und Gedächtnis imponierten in
der grobklinischen Untersuchung nicht beeinträchtigt. Merkmale einer schwer
depressiven Störung mit vitaler Traurigkeit, Antriebsstörung oder akuter Suizidalität
4.2.
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hätten sich nicht feststellen lassen. Der Versicherte präsentiere sich weiterhin in einer
depressiven Verfassung mit einer bedrückten Stimmungslage, Lustlosigkeit,
Ratlosigkeit und einer Schlafstörung. Das Ausmass des depressiven Zustandes sei als
leichtgradig einzustufen (IV-act. 139-14 f.). Infolge der Depression sei der Versicherte in
seiner Reaktionsfähigkeit leicht verlangsamt und es fehle an Durchhaltevermögen. Die
Störung bestehe seit März 2017 (IV-act. 139-15, 16). Die aktuellen Befunde stünden in
Übereinstimmung mit dem Verlaufsgutachten von Dr. I._ (vom 4. September 2017,
Fremdakten, act. 5-4 ff.). Sie könnten die im G._ gezeigte geringe Leistungsfähigkeit
nicht erklären, weshalb anzunehmen sei, dass diese durch eine hohe
Krankheitsüberzeugung bedingt sei (IV-act. 139-17).
Der Beschwerdeführer hält die Beurteilung des ABI-Gutachters sowohl zum
Begutachtungszeitpunkt als auch retrospektiv für unzutreffend. Gegen die echtzeitliche
Einschätzung führt er zum einen die Berichte von Dr. K._ an. Dieser hatte am
26. September 2017 festgehalten, die depressive Symptomatik habe sich zuletzt
deutlich verschlechtert und die depressive Episode sei schwergradig (IV-act. 123). Am
16. Juli 2018 berichtete er, die Stimmung habe sich geringfügig verbessert, so dass
seit April 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 20 % bestehe. Die depressive Episode sei
gegenwärtig mittelgradig ausgeprägt. Die Stimmung sei gedrückt und traurig bei
reduzierter affektiver Schwingungsfähigkeit. Antrieb und Fähigkeit zur Freude seien
erheblich beeinträchtigt. Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis seien
beeinträchtigt. Ein sozialer Rückzug liege vor, es bestünden keine Sozialkontakte
ausserhalb der Familie (IV-act. 152-4 f.). Zum anderen wendet der Beschwerdeführer
ein, Dr. I._ habe seine Einschätzung vom 4. September 2017, wonach die Depression
noch leichtgradig ausgeprägt sei und er zu 50 % bis 75 % arbeitsfähig sei
(Fremdakten, act. 5-13 ff., 18), revidiert. Zudem sei der ABI-Gutachter zu Unrecht von
einer unzureichenden Compliance bei der Medikamenteneinnahme ausgegangen.
4.2.1.
Im Verlaufsgutachten vom 4. September 2017 kam Dr. I._ zum Schluss, die vor
einem halben Jahr festgestellte schwere Depression sei zwischenzeitlich remittiert.
Aktuell bestünden noch Symptome einer leichten Depression. Aufgrund der deutlichen
Verbesserung des Zustandes sei die Arbeits- und Leistungsfähigkeit aktuell noch um
25 % bis maximal 50 % reduziert. Eine volle Arbeitsfähigkeit sei nach weiterer
Remission in den nächsten zwei bis drei Monaten zumutbar (Fremdakten, act. 5-14 f.,
18 f.). Aufgrund dessen teilte der Krankentaggeldversicherer dem Beschwerdeführer
am 11. September 2017 mit, er werde ab dem 20. September 2017 den
Taggeldanspruch auf 50 % reduzieren und in zwei bis drei Monaten erneut prüfen
(Fremdakten, act. 5-2 f.). In der Folge liess der Krankentaggeldversicherer die
4.2.2.
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Stellungnahme von Dr. K._ vom 26. September 2017 (IV-act. 123) offenbar Dr. I._
zukommen und führte später aus, die Arbeitsfähigkeit von 50 % könne im ersten
Arbeitsmarkt noch nicht umgesetzt werden. Nach einem Arbeitstraining im zweiten
Arbeitsmarkt könne nach zwei bis drei Monaten wieder eine Arbeitsfähigkeit auf dem
ersten Arbeitsmarkt erreicht werden. Das Krankentaggeld werde weiterhin zu 100 %
ausgerichtet und der Beschwerdeführer unter Hinweis auf die
Schadenminderungspflicht aufgefordert, die geplante Massnahme umgehend mit
seinem behandelnden Arzt zu besprechen (Schreiben Krankentaggeldversicherer vom
19. Oktober 2017, Fremdakten, act. 6-2). Entgegen dem Vorbringen des Beschwerde
führers lässt sich aus diesem Schreiben nicht ableiten, dass Dr. I._ von seiner
Einschätzung, dass bei fortgesetzter Therapie von einer 100%ige Arbeitsfähigkeit
auszugehen sei, abgerückt ist. Der Beschwerdeführer wurde lediglich darüber
informiert, dass diesem der Bericht weitergeleitet worden sei und dass das Taggeld
vorderhand weiter ausbezahlt werde. Dementsprechend findet sich auch keine
anderslautende Einschätzung Dr. I._s in den Akten. Deshalb erübrigen sich im Sinne
einer antizipierten Beweiswürdigung diesbezüglich weitere Abklärungen. Hinzu kommt,
dass sich aus einer (befristeten) Weiterausrichtung der Krankentaggeldleistungen in IV-
rechtlicher Hinsicht nichts ableiten lässt.
Auch mit Blick darauf, dass der Beschwerdeführer nach der ersten
Begutachtung von Dr. I._ im März 2017 am 7. April 2017 die Behandlung bei
Dr. K._ aufnahm (Arztbericht Dr. K._ vom 16. Juni 2017, IV-act. 113-6 ff.), erscheint
die Besserung des Gesundheitszustandes bzw. der Anstieg der Arbeitsfähigkeit auf
50 % bis 75 % bis zum 4. September 2017 (Re-Evaluation Dr. I._) und weiter bis zur
Begutachtung im ABI am 22. Januar 2018 auf 80 % kohärent (wobei limitierend
ohnehin die rheumatologisch attestierte Arbeitsfähigkeit von 70 % ist) und auch nicht
im Widerspruch zu den gezeigten Leistungen im G._ im Jahr 2016 und anfangs 2017.
4.2.3.
Der Beschwerdeführer rügt weiter, er habe dem Gutachter mitgeteilt, dass er drei
Tage vor der Begutachtung wegen einer Zahnoperation die Medikamente habe
absetzen müssen. Der Gutachter habe dies nicht vermerkt bzw. berücksichtigt,
sondern zu Unrecht eine mangelhafte Compliance angenommen. Der
Beschwerdeführer beantragt hierzu eine Auskunft/Attest des Kieferchirurgen, der den
Eingriff vorgenommen habe. In der Anamnese des psychiatrischen Gutachters ist
vermerkt, der Beschwerdeführer habe die Medikamente abgesetzt, da er das Gefühl
habe, zu viele Medikamente einzunehmen (IV-act. 139-12). Entsprechend ist
nachvollziehbar, dass der Gutachter nicht von einer intakten Compliance ausging (IV-
act. 139-17). Der internistische Gutachter erhob bezüglich Rachen und Tonsilien einen
4.2.4.
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unauffälligen Befund und vermerkte, die Zähne seien saniert (IV-act. 139-10), was nur
gerade drei Tage nach der geschilderten Zahnoperation doch auffällig erscheint. Indes
schloss der Gutachter aus der von ihm angenommenen nicht optimalen Compliance
nicht auf einen geringen Leidensdruck, sondern führte aus, durch eine regelmässige
Einnahme von Quetiapin und Escitalopram liesse sich die Symptomatik noch aufhellen
und die Arbeitsfähigkeit weiter steigern (IV-act. 139-17). Daraus geht hervor, dass der
Gutachter bei vorhandener Compliance eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit gar über
die attestierten 80 % hinaus als möglich erachtete. Er hat also den Umstand, dass der
Beschwerdeführer die Medikamente abgesetzt hatte, nicht als einen die
Arbeitsfähigkeit erhöhenden Faktor berücksichtigt, so dass bei tatsächlich gegebener
Compliance von einer tieferen Arbeitsfähigkeit auszugehen wäre. Somit gehen der
geltend gemachten Rüge und dem Beweisantrag die Relevanz ab. Mit Blick auf die den
Gutachterstellen von der Rechtsprechung zuerkannte, durch das Zufallsvergabeprinzip
gewährleistete Unabhängigkeit (vgl. dazu BGE 137 V 239 E. 2.4.3 f. und S. 242 E. 3.1.1
sowie Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2020, 9C_25/2020, E. 5.1.2.2) und der
Anwesenheit eines Dolmetschers erscheint zudem fragwürdig, dass der Gutachter den
vom Beschwerdeführer angegebenen Grund für das Absetzen der Medikamente falsch
protokolliert haben sollte.
Die Einschätzung des Gutachters deckt sich nach dem Gesagten im
Wesentlichen mit derjenigen von Dr. I._ vom 4. September 2017. Der Gutachter traf
seine Einschätzung unter Anwendung der Standardindikatoren gemäss dem
strukturierten Beweisverfahren mit dem Ergebnis, dass eine
Symptomverdeutlichungstendenz anzunehmen sei (IV-act. 139-16). Der
Beschwerdeführer mache eher diffuse Angaben und korrigiere diese immer wieder (IV-
act. 139-16). Zum Aktivitätsniveau gab der Beschwerdeführer selbst an, er erledige
leichte Haushaltarbeiten, gehe spazieren, wenn es ihm gut gehe, gehe an den
Wochenenden gemeinsam (wohl mit seiner Ehefrau) einkaufen und suche regelmässig
einen Club von S._ Landsleuten auf, wo er auch Karten spiele. Auch wies er im
Zusammenhang mit seinen Aktivitäten selber darauf hin, dass er in der Schweiz über
Cousins und Cousinen verfüge und im Juli 2017 und vor etwa zwei Jahren (also Anfang
2016) in S._ gewesen sei (IV-act. 139-13 f.). Ein mit einer schweren Depression zu
vereinbarendes Ausmass an Aktivitäten ergibt sich mithin nicht aus der Interpretation
des Gutachters, sondern direkt aus den Schilderungen des Beschwerdeführers. Auch
hier besteht kein Anlass zur Annahme, dass diese nicht korrekt wiedergegeben
wurden. Ebenso Dr. I._ vermerkte im Verlaufsgutachten vom 4. September 2017 ein
auffallendes Klagen mit Neigung zu (unbewusster) Aggravation, mit deutlicher
4.2.5.
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5.
Diskrepanz zwischen den subjektiv wahrgenommenen psychischen und körperlichen
Beschwerden und den objektiven Befunden (Fremdakten, act. 5-14). Passend hielt der
rheumatologische Gutachter fest, es sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass der
Beschwerdeführer trotz der geltend gemachten Beschwerden und der erhobenen
Befunde nicht mehr oder andere Behandlungsmassnahmen durchführe, was für eine
psychosoziale Überlagerung mit sekundärer Selbstlimitierung spreche (vgl. IV-
act. 139-25).
In seiner Stellungnahme vom 3. September 2018 führte der Gutachter aus, für die
Beurteilung seien primär die eigenen Untersuchungsbefunde und erst in zweiter Linie
die Vorberichte relevant (IV-act. 157). Dem ist jedoch mit dem Beschwerdeführer ent
gegenzuhalten, dass die aktuellen Befunde nicht ohne Weiteres einer retrospektiven
Beurteilung zugrunde gelegt werden können. Vielmehr sind für diese die echtzeitlichen
Befunde massgebend. Dabei ist hervorzuheben, dass für den Zeitraum bis zum
4. September 2017 nicht bloss die Einschätzungen des G._ (Schlussberichte vom
23. September 2016, IV-act. 93, und vom 31. Januar 2017, IV-act. 104) und des
behandelnden Dr. K._ (Arztbericht vom 16. Juni 2017, IV-act. 113-6 ff.) dem
Beschwerdeführer keine Arbeitsfähigkeit zuerkannten, sondern auch der zur
Objektivität verpflichtete Gutachter Dr. I._ (Gutachten vom 15. März 2017, IV-
act. 110-15, und dass vom 26. September bis 21. Oktober 2016 eine tagesklinische
Behandlung in der Klinik H._ erfolgte (IV-act. 110-3). Retrospektiv ist daher vom
1. September 2016 bis spätestens 4. September 2017 von einer aus psychiatrischer
Sicht 100%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Vom
5. September 2017 bis Ende Januar 2018 ist aus psychiatrischer Sicht lediglich von
einer 62,5%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (Durchschnitt von 50 % und 75 %, vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juni 2013, 9C_730/2012, E. 4.2). Ab 1. Februar 2018
ist mit dem ABI-Gutachten eine führend rheumatologischerseits limitierte 70%ige
Arbeitsfähigkeit anzunehmen.
4.3.
Der Beschwerdeführer erzielte in den Jahren 2013 und 2014 ein Einkommen von
Fr. 86'190.-- bzw. 13 x Fr. 6'630.-- (Auszug aus dem individuellen Konto [IK], IV-
act. 53-1; Angaben Arbeitgeberin vom 26. Februar 2016, IV-act. 54). Die von der
Arbeitgeberin zusätzlich angegebenen Pauschalspesen von Fr. 262.-- sind nicht zu
berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts vom 12. Mai 2020, 8C_194/2020, E. 4.5).
Zwar hat die Arbeitgeberin angegeben, sie habe das Arbeitsverhältnis aus
wirtschaftlichen Gründen gekündigt (Angaben vom 26. Februar 2016, IV-act. 54-2). Sie
sprach die Kündigung jedoch auf den 31. Mai 2016 aus, nachdem der
5.1.
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Beschwerdeführer seit dem 25. September 2015 arbeitsunfähig war. Dies lässt auf eine
gesundheitsbedingte Kündigung schliessen, weshalb das genannte Einkommen dem
Valideneinkommen entspricht (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016,
8C_728/2016, E. 3.1, mit weiteren Verweisen).
Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist vom Durchschnitt gemäss
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS), Kompetenzniveau 1,
Männer, auszugehen. Dieses betrug für das Jahr 2016 Fr. 66'803.-- (Informationsstelle
AHV/IV, IV 2019, Bern 2019, Anhang 2).
5.2.
Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25 %
gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit
einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau
nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
zu verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden
Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Die Rechtsprechung gewährt
insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte
Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/bb S. 78). Sind hingegen
leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar, ist allein deswegen auch bei
eingeschränkter Leistungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt, weil der
Tabellenlohn Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren
Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 2017, 8C_805/2016, E.
3.4.2).
5.2.1.
Aus rheumatologischer Sicht besteht die 70%ige Arbeitsfähigkeit in körperlich
leichten bis sehr selten mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeiten. Der
Beschwerdeführer sollte vor allem eher sitzende Tätigkeiten an einem ergonomisch gut
eingerichteten Arbeitsplatz mit möglichen regelmässigen Positionswechseln
durchführen. Zu vermeiden seien stereotype, fliessbandähnliche Rotationsbewegungen
5.2.2.
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von HWS und LWS, Arbeiten in anhaltender Vor- oder Rückhalteposition des
Oberkörpers und repetitive Überkopftätigkeiten sowie die regelmässige Benützung von
Treppen, Gerüsten oder Leitern. Manuell verarbeitende Tätigkeiten in
Schulterneutralstellung seien ohne spezifischen Einschränkungen möglich.
Berufsbedingte kürzere Gehstrecken, zum Beispiel für gewisse Kontroll- und
Überwachungsfunktionen, seien möglich, nicht jedoch längere Gehstrecken (IV-
act. 139-25). Aus psychiatrischer Sicht ist der Beschwerdeführer in seiner
Reaktionsfähigkeit leicht verlangsamt (IV-act. 139-15). Interdisziplinär seien die
Arbeitsunfähigkeiten nicht zu addieren, da dieselben Zeitabschnitte für die vermehrt
notwendigen Pausen und Erholung genutzt werden könnten (IV-act. 139-28).
Nicht oder nur bei Vorliegen besonderer Umstände als Grund für einen
Tabellenlohnabzug anerkannt werden im Bereich des Kompetenzniveaus 1 das
fortgeschrittene Alter oder das Dienstalter (Urteile des Bundesgerichts vom 31. Januar
2019, 9C_439/2018, E. 4.3.2, vom 17. Juli 2018, 9C_284/2018, E. 2.2.3, und vom
14. August 2014, 8C_351/2014, E. 5.2.4.2). Bei ganztägiger Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit - welche bei vermehrtem Pausenbedarf vorliegt - kann nach der
Rechtsprechung ein Teilzeitabzug nicht gewährt werden (Urteil des Bundesgerichts
vom 19. Juni 2017, 8C_148/2017, E. 6.2.2). Indem jedoch das rheumatologische
Adaptionsprofil nicht nur mittelschwere Tätigkeiten auf ein "sehr seltenes" Ausmass
beschränkt, sondern auch einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz vorsieht und
zahlreiche vor allem andauernde oder repetitive Positionen oder Bewegungen
ausschliesst, sind die Einschränkungen weiter gezogen als der Kreis der vom
Kompetenzniveau 1 erfassten Arbeiten. Zudem erscheint fraglich, ob die
depressionsbedingt verlangsamte Reaktion durch die zur körperlichen Erholung
vermehrten Pausen vollständig ausgeglichen werden kann. In Anbetracht des eher
fortgeschrittenen Alters sowie der langjährigen ausschliesslichen Tätigkeit als Gipser
bei einem Arbeitgeber ist ein Tabellenlohnabzug von gesamthaft 10 % begründet.
Somit betragen das Invalideneinkommen bei 70%iger Arbeitsfähigkeit Fr. 42'086.-- (0,9
x 0,7 x Fr. 66'803.--) und der Invaliditätsgrad bei einem Valideneinkommen von
Fr. 86'928.-- 51,6 %. Bei 62,5%iger Arbeitsfähigkeit ergibt die analoge Rechnung einen
Invaliditätsgrad von 56,8 %.
5.2.3.
Die Verbesserung des psychiatrischen Zustandes war spätestens im Zeitpunkt der
Verlaufsbegutachtung durch Dr. I._ am 4. September 2017 (Fremdakten, act. 5-4 ff.)
eingetreten. Somit hat der Beschwerdeführer ab 1. September 2016 Anspruch auf eine
ganze (vgl. E. 2) und nach Massgabe von Art. 88a Abs. 1 IVV ab 1. Januar 2018 auf
eine halbe Rente.
5.3.
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6.