Decision ID: 079dae23-d6fa-59fd-9f27-de41940b8c15
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 11.12.2012 Art. 23 und 41 BVG. Bei Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit war die Klägerin nicht mehr bei der Beklagten vorsorgeversichert (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Dezember 2012, BV 2011/12).Präsident Martin Rutishauser, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider, Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin Della BatlinerEntscheid vom 11. Dezember 2012in SachenA._,Klägerin,vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Claudia Eugster, arbeitundversicherung.ch, Bahnhofstrasse 10, Postfach 1491, 8700 Küsnacht ZH,gegenPensionskasse B._,Beklagte,vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Marta Mozar, Seestrasse 6, Postfach 1544, 8027 Zürich,betreffendVersicherungsleistungenSachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) arbeitete seit 1. Juni 1993 bis zur Geburt ihres
Sohnes am 27. April 1997 im Vollzeitpensum als Schwesternhilfe im Alters- und
Pflegeheim C._ und war dadurch bei der Pensionskasse B._ vorsorgeversichert
(act. G 9.4; IV-act. 4). Nach dem Mutterschaftsurlaub nahm sie ihre bisherige Tätigkeit
ab 1. November 1997 im Pensum von ca. 40% wieder auf (act. G 9.4, 9.9; IV-act. 4,
32).
A.b Am 5. Mai 1998 meldete sich die Versicherte bei der IV-Stelle zum Bezug von
Invalidenleistungen an (act. G 9.4).
A.c Gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten vom 5. Juli 1999 des Zentrums für
Medizinische Begutachtung, Basel, (ZMB; act. G 9.8) wurden der Versicherten mit
Verfügungen vom 9. Dezember 1999 mit Wirkung ab 1. November 1998 eine halbe
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Invalidenrente in Höhe von Fr. 869.-- gründend auf einem Invaliditätsgrad von 50%,
sowie mit Wirkung ab 1. Mai 1999 eine ganze Invalidenrente in Höhe von Fr. 1'737.--
gründend auf einem Invaliditätsgrad von 70%, zugesprochen (act. G 9.7).
A.d Mit Entscheid vom 19. September 2001 (Proz. UV 2000/69), verneinte das Ver
sicherungsgericht des Kantons St. Gallen eine Leistungspflicht der Suva im
Zusammenhang mit den psychischen Beschwerden der Versicherten mangels
Adäquanz zum Auffahrunfall vom 25. Mai 1992 (act. G 9.9).
A.e Mit Schreiben vom 4. April 2003 verneinte die Pensionskasse B._ ihre
Leistungspflicht bezüglich der mit Schreiben vom 15. Oktober 2002 beantragten
Leistungen (act. G 9.10, 9.11).
B.
B.a Mit Klage vom 31. Oktober 2011 liess die Versicherte durch Rechtsanwältin lic.
iur. Claudia Eugster, Küsnacht, beantragen, die Beklagte sei zu verpflichten, die
gesetzlichen sowie die reglementarischen Leistungen zu erbringen und die
aufgelaufenen Leistungen spätestens ab Klageeinreichung mit fünf Prozent zu
verzinsen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1). Zur Begründung
brachte sie insbesondere vor, dass zwischen dem Eintritt der massgebenden
Arbeitsunfähigkeit und der daraus folgenden Invalidität die zeitliche und sachliche
Kongruenz gegeben sei. Die Klägerin wisse nichts von einer Auflösung des
Arbeitsverhältnisses nach Ablauf der schon damals geltenden Sperrfrist von 16
Wochen, welche bis 17. August 1997 gedauert habe. Eine Kündigung sei unter
Einhaltung der 2-monatigen Kündigungsfrist frühestens per 31. Oktober 1997 möglich
gewesen, wobei die Klägerin von einer Nachdeckung von 30 Tagen profitiert hätte.
Damit sei die Klägerin bis 30. November 1997 bei der Beklagten zu den bisherigen
reglementarischen Leistungen versichert gewesen.
B.b Mit Klageantwort vom 29. Februar 2012 liess die Beklagte durch Rechtsanwältin
lic. iur. Marta Mozar, Zürich, die vollumfängliche Abweisung der Klage unter
Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin beantragen (act. G 9). Zur Begründung
führte sie im Wesentlichen an, dass die Klägerin ab 1. November 1997 die Tätigkeit
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wieder im Teilzeit-Pensum von 40% aufgenommen und ab Februar 1999 auf 30% und
ab August 1999 auf 28% reduziert habe. Ab 1. November 1997 habe der Jahreslohn
der Klägerin den für die Aufnahme in die Versicherung vorgesehenen Mindestlohn nicht
erreicht. Die Verfügung der IV-Stelle vom 9. Dezember 1999 sei der Beklagten nicht
eröffnet worden. Die durch die Geburt bewirkte Arbeitsunfähigkeit und die Babypause
stünden in keinem Zusammenhang zur heutigen Invalidität. Diese sei ausschliesslich
psychisch bedingt. Es sei erstellt, dass die Klägerin ab November 1997 arbeitsunfähig
geworden sei, sie sei jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bei der Beklagten
vorsorgeversichert gewesen. Es habe eine Lohnfortzahlungspflicht von 2 Monaten
bestanden. Danach habe die Klägerin keinen Lohn mehr bezogen und sei deshalb per
Ende Juni 1997 aus der beruflichen Vorsorge bei der Beklagten ausgeschieden. Unter
Berücksichtigung der Nachdeckungsfrist habe der Versicherungsschutz spätestens
Ende Juli 1997 geendet. Für die Frage der Versicherung sei einzig relevant, ob ein
AHV-Lohn vorliege oder nicht. Die Klägerin sei in der Zeit vom April bis November 1997
nicht arbeitsunfähig gewesen. Es sei von Vornherein zwischen ihr und dem Arbeitgeber
vereinbart worden, dass sie erst im November 1997 zurückkehren sollte. Gemäss
Gutachten der ZMB vom 5. Juli 1999 sei die massgebliche Arbeitsunfähigkeit im
November 1997 eingetreten.
B.c Mit Replik vom 4. Mai 2012 (act. G 13) und Duplik vom 24. Mai 2012 (act. G 15)
hielten die Parteien an ihren jeweiligen Standpunkten fest.
B.d Das Versicherungsgericht zog die Akten der IV-Stelle St. Gallen bei und gab den
Parteien Gelegenheit zur Einsicht- und allfälligen Stellungnahme, worauf diese jedoch
verzichteten (act. G 17).

Erwägungen:
1.
1.1 Die sachliche Zuständigkeit des angerufenen Versicherungsgerichts geht aus
Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) in Verbindung mit Art. 65 Abs. 1 lit. e des bis
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Gesetzes über die Verwaltungspflege (VRP; sGS 951.1) hervor, die örtliche
Zuständigkeit folgt aus Art. 73 Abs. 3 BVG.
1.2 Streitig ist, ob die Beklagte der Klägerin im Zusammenhang mit einer nach der
Geburt ihres Sohns aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit Invalidenleistungen auszurichten
hat.
1.3 Gemäss Art. 41 Abs. 2 BVG verjähren Forderungen auf periodische Leistungen
nach fünf Jahren. Die Artikel 129-142 des Obligationenrechts sind anwendbar. Bei der
Klageeinreichung nach Art. 73 Abs. 1 BVG ist keine Frist zu beachten (Sylvie
Pétremand in: Jacques-André Schneider/Thomas Geiser/Thomas Gächter [Hrsg.],
Handkommentar zum BVG und FZG, Bern 2010, N 23 zu Art. 41). Die einzelnen
Rentenzahlungen unterliegen jedoch der Verjährung (Pétremand, a.a.O., N 10; Jürg
Flütsch, Vollstreckung von Vorsorgeregelungen in ausländischen Scheidungsurteilen
und Verjährung von Vorsorgeansprüchen, Anwaltspraxis 2/2006, S. 56 f.; BGE 117 V
329 E. 4). Mit der Klageeinleitung am 31. Oktober 2011 wurde die fünfjährige
Verjährungsfrist für die laufenden Rentenleistungen unterbrochen. Vorliegend erklärte
die Beklagte zuletzt mit Schreiben vom 14. Dezember 2010, auf die Einrede der
Verjährung bis letztmals zum 31. Oktober 2011 zu verzichten, soweit die Verjährung
nicht bereits eingetreten sei (act. G 9.13). Als die Klägerin mit Schreiben vom
15. Oktober 2002 erstmals bei der Beklagten einen Verjährungsverzicht beantragte,
waren die Leistungen ab 1. November 1999 noch nicht verjährt (act. G 9.10). Doch ist
zu beachten, dass die zulässige Fristverlängerungsvereinbarung auf eine Dauer von
höchstens zehn Jahren begrenzt ist (Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2007,
9C_104/2007, E. 8.2.1 mit Hinweis auf BGE 132 II 226 E. 3.3.8). Bei Anhebung der
Klage am 31. Oktober 2011 sind allfällig geschuldete Rentenzahlungen vor dem
31. Oktober 2001 nicht mehr einklagbar. Gemäss Art. 9.5 des Reglements der
Pensionskasse B._, gültig ab 1. Januar 1986 (nachfolgend: Reglement) werden die
Renten in Jahresbeträgen festgesetzt und in monatlichen Raten jeweils am Anfang
eines Monats ausbezahlt. Die Klägerin hat daher – wenn überhaupt – erst ab
1. November 2001 einen durchsetzbaren Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.
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2.1 Gemäss Art. 23 Abs. 1 BVG in der bis 31. Dezember 2004 gültig gewesenen
Fassung haben diejenigen Personen Anspruch auf Invalidenleistungen, die im Sinn der
Invalidenversicherung zu mindestens 50% invalid sind und bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Am
1. Januar 2005 ist Art. 23 in seiner neuen Fassung in Kraft getreten (Änderung vom
3. Oktober 2003 [1. BVG-Revision]). Danach haben Anspruch auf Invalidenleistungen
unter anderem Personen, die im Sinn der Invalidenversicherung zu mindestens 40 %
invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt
hat, versichert waren (lit. a). In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen
Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Tatbestands Geltung haben (BGE 127 V 466 E. 1; vorliegend: Anspruch auf eine ganze
IV-Rente ab 1. November 1999 bzw. ab 1. November 2001). Es ist hier somit teilweise
ein Sachverhalt zu beurteilen, der sich vor dem Inkrafttreten der Neufassung von
Art. 23 BVG verwirklicht hat, wobei aufgrund der Verjährung lediglich die Ansprüche ab
1. November 2001 einklagbar sind. Da der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über
welche berufsvorsorgerechtlich noch nicht rechtskräftig entschieden wurde, ist
entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis Ende
2004 auf den damals gültig gewesenen Art. 23 BVG und ab diesem Zeitpunkt auf
Art. 23 lit. a BVG abzustellen, soweit ihm neben den reglementarischen Regelungen der
Beklagten eine eigenständige Bedeutung zukommt (vgl. BGE 130 V 445 ff.; Urteile vom
24. August 2006, B 14/06, E. 3.1.1 und 3.1.2 [mit Hinweis] und vom 30. November
2005, B 41/05, E. 2).
2.2 Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG wie auch aus der
einheitlichen Definition in Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff
im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung
grundsätzlich der gleiche ist. Aufgrund von Art. 6 BVG steht es den
Vorsorgeeinrichtungen frei, den Invaliditätsbegriff bereits in der obligatorischen
Versicherung zugunsten des Versicherten zu erweitern oder Invalidenrenten schon bei
einem Invaliditätsgrad von weniger als 50% (bzw. 40%) auszurichten. Die
Vorsorgeeinrichtungen sind frei in der Wahl des Invaliditätsbegriffs; sie haben sich aber
an eine einheitliche Begriffsanwendung zu halten. Gehen sie ausdrücklich oder unter
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Hinweis auf das Gesetz vom gleichen Invaliditätsbegriff aus wie die
Invalidenversicherung, sind sie hinsichtlich des versicherten Ereignisses an die
Invaliditätsbemessung der IV-Stellen (der Kantone und des Bundes) gebunden, es sei
denn, dass diese sich als offensichtlich unhaltbar erweist (vgl. BGE 126 V 308; 115 V
208; 115 V 215; 118 V 35 E. 2b/aa; 120 V 106 E. 3c). Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf
die invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise ab, muss sich die versicherte
Person diese grundsätzlich entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des
Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend war (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 14. August 2000, B 50/99, E. 2b), und zwar ungeachtet dessen,
ob der Vorsorgeversicherer im IV-Verfahren beteiligt war oder nicht (vgl. dazu Urteil des
EVG vom 9. Februar 2004, B 39/03, E. 3.1).
2.3 Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung
geschuldet, der die anspruchsberechtigte Person bei Eintritt des versicherten
Ereignisses angeschlossen ist. Dieser Zeitpunkt fällt mit dem Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat. Die
Versicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein,
dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der
Verschlimmerung der Invalidität. Für eine einmal aus – während der
Versicherungsdauer aufgetretenen – Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung
bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach
Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet
auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft keinen Erlöschungsgrund (BGE 118 V 35
E. 5; BGE 123 V 262 E. 1a). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen,
dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der
Arbeitsunfähigkeit invalid wird. Damit kommt der Schutz der zweiten Säule zum
Tragen, wonach das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein muss, wenn es rechtlich
gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während der die leistungsbegehrende
Person unter Umständen dem Obligatorium nicht mehr unterstanden hat (BGE 118 V
35 E. 2a/bb; BGE 120 V 113 E. 2b). Damit die frühere Vorsorgeeinrichtung jedoch
leistungspflichtig bleibt, ist allerdings nicht nur erforderlich, dass die Arbeitsunfähigkeit
zu einer Zeit einsetzte, als die versicherte Person ihr angeschlossen war, sondern auch,
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dass zwischen dieser Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität sowohl ein sachlicher als
auch ein zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 120 V 112 E. 2b und c).
3.
3.1 Gemäss Art. 12.1 des Reglements ist ein versichertes Mitglied vollinvalid, das
gemäss vertrauensärztlich nachgewiesener Krankheit, Gebrechen oder
Körperverletzung oder gemäss Entscheid der Eidg. IV-Kommission seit mindestens
einem Jahr seine berufliche Tätigkeit oder eine andere, ihm in Anbetracht seiner
Ausbildung und Fähigkeiten zumutbare ähnliche Erwerbstätigkeit nicht mehr ausüben
kann und deshalb kein Erwerbseinkommen mehr erzielt. Teilinvalid ist ein versichertes
Mitglied, das seine Tätigkeit noch teilweise ausüben kann, im übrigen aber gemäss
Art. 12.1 des Reglements als invalid zu betrachten ist (Art. 13.1 des Reglements). Der
Grad der Invalidität wird in Anerkennung des Entscheids einer Eidg.
Invalidenversicherungskommission oder aufgrund des Berichts des Vertrauensarztes
der Kasse, unter Berücksichtigung der tatsächlichen Besoldungseinbusse, festgelegt.
Ein Invaliditätsgrad von weniger als 25% führt zu keiner Leistungspflicht der Kasse; ein
Invaliditätsgrad von 75 und mehr Prozent gibt Anspruch auf eine volle Invalidenrente
nach Art. 12.1 des Reglements (Art. 13.2 des Reglements). Gemäss Art. 2.3 des
Reglements beginnt die Versicherung mit Antritt des Arbeitsverhältnisses bei einer
Mitgliedgemeinde, jedoch frühestens nach Vollendung des 17. Altersjahrs. Die
Versicherung endet, wenn der Anspruch auf eine Altersleistung entsteht oder das
Arbeitsverhältnis aufgelöst wird. Für die Risiken Tod und Invalidität bleibt der
Arbeitnehmer während 30 Tagen nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses versichert
(Nachdeckungsfrist). Beginnt er vorher ein neues Arbeitsverhältnis, so ist die neue
Vorsorgeeinrichtung zuständig.
3.2 Die Beklagte wurde zwar nicht in das Invalidenversicherungsverfahren
miteinbezogen, sie stellt jedoch auf den von der IV-Stelle verfügungsweise angesetzten
Beginn der Wartefrist bzw. Eintritt der massgeblichen Arbeitsunfähigkeit bei der
Klägerin im November 1997 ab (vgl. act. G 9 S. 8, G 15 S 3). Demzufolge ist das
Gericht unter Vorbehalt der offensichtlichen Unrichtigkeit an die Feststellungen der
Invalidenversicherung gebunden. Da die Verfügungen vom 9. Dezember 1999
unangefochten in Rechtskraft erwachsen sind und eine offensichtliche Unrichtigkeit
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nicht zu erblicken ist, hat sich die Klägerin die invalidenversicherungsrechtliche
Betrachtungsweise im Gegenzug entgegenhalten zu lassen. Im Konkreten ist daher die
Frage zu prüfen, ob die Klägerin am 1. November 1997, als die relevante
Arbeitsunfähigkeit eintrat, noch bei der Beklagten vorsorgeversichert war.
3.3 Unbestritten ist, dass die Klägerin seit Arbeitsantritt am 1. Juni 1993 bis zur
Geburt ihres Sohnes am 27. April 1997 beim Alters- und Pflegeheim C._ im
Vollzeitpensum tätig war und dadurch zum Versichertenkreis der Beklagten gehörte
(act. G 9.4). Den übereinstimmenden Angaben der Klägerin und der Arbeitgeberin ist zu
entnehmen, dass während zwei Monaten nach der Geburt, d.h. bis Ende Juni 1997
Lohnfortzahlung geleistet wurde und die Klägerin bis dahin der Vorsorgeversicherung
unterstellt war (act. G 9 S. 3, 13 S. 2; IV-act. 54; zur Lohnfortzahlung bei
Schwangerschaft vgl. auch Edi Class/Rainer Mössinger, Die Rechte der Frau im
Arbeitsverhältnis, Zürich 1996, S. 67 ff.). In den Monaten Juli bis Oktober 1997 befand
sich die Klägerin im (unbezahlten) Mutterschaftsurlaub (act. G 9 S. 8, act. G 13 S. 2).
Eine allfällige während dieses Zeitraums entstandene Krankheit geht nicht aus den
Akten hervor. Gemäss den verbindlichen und nicht offensichtlich unrichtigen
Feststellungen der IV-Stelle bestand die relevante Arbeitsunfähigkeit erst ab
1. November 1997. Ab 1. November 1997 war die Klägerin - wenn auch nur im Umfang
von ca. 40% - weiterhin beim Alters- und Pflegeheim C._ beschäftigt (act. G 9 S. 3
und 7; 9.4; 9.8 S. 5, 7 und 18; 9.9 S. 2; 9.10; 9.11; 13.2 und 13.3; IV-act. 47). Ob
vorliegend eine Änderungskündigung ausgesprochen, das Arbeitspensum im
gegenseitigen Einvernehmen reduziert wurde oder die Klägerin ausschliesslich
krankheitsbedingt nicht in der Lage war, das vereinbarte volle Arbeitspensum zu
leisten, ist aus den Akten nicht klar ersichtlich. Gemäss dem seit 1. Januar 1989
geltenden Art. 336c Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR; SR 220]) darf
der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis während der Schwangerschaft und in den
16 Wochen nach der Niederkunft nicht kündigen. Falls vorliegend von einer
Änderungskündigung auszugehen wäre, hätte diese entweder vor oder während dieser
Sperrfrist erfolgen müssen. Verlängert sich das Arbeitsverhältnis, weil die Kündigung
vor Eintritt einer Sperrfrist erfolgte, verlängert sich auch die Unterstellung unter die
Beitragspflicht (BGE 115 V 27 E. 5). Eine während der Sperrfrist ausgesprochene
Kündigung wäre nichtig (Art. 336c Abs. 2 OR). Da die Klägerin vor Ablauf der Sperrfrist
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sogar das Arbeitsverhältnis durch Aufhebungsvertrag hätte auflösen können, hätte sie
trotz Sperrfrist ohne weiteres auch einer Reduktion des Arbeitspensums zustimmen
können, da der Arbeitgeber dadurch keine Kündigungsschutzbestimmungen
umgangen hätte (Class/Mössinger, a.a.O., S. 64). Die Beklagte stellt sich denn auch auf
den Standpunkt, dass eine Rückkehr an den Arbeitsplatz von vornherein vereinbart
gewesen sei (act. G 9 S. 8). Im Abklärungsbericht Haushalt vom 25. November 1998
wurde jedoch ausgeführt, die Klägerin habe angegeben, sie würde ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung heute ganztags erwerbstätig sein und auch nach der
Geburt ihres Sohnes wäre es wieder zur Vollerwerbstätigkeit gekommen (IV-act. 15).
Die IV-Stelle gelangte gestützt darauf in Anwendung der
Einkommensvergleichsmethode zum Schluss, dass ab November 1997 eine 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit bestanden habe (IV-act. 36). Dieser Umstand spricht dagegen, dass
seitens der Klägerin nach der Geburt überhaupt eine Änderung im Arbeitspensum
vorgesehen war. Insofern erscheinen alle drei Varianten gleich möglich, wobei jedoch
zu beachten ist, dass nicht die Rechtsnatur der Änderung des Beschäftigungsgrads,
sondern lediglich die Dauer des Versicherungsverhältnisses vorliegend massgebend
ist.
3.4 Als Ende der Versicherung legt das Reglement in Art. 2.3 lediglich die Entstehung
eines Anspruchs auf eine Altersleistung oder die Auflösung des Arbeitsverhältnisses
fest. Ebenso wie die Vorsorgeeinrichtungen die Möglichkeit haben, eine von Art. 7
Abs. 1 BVG abweichende tiefere Eintrittsschwelle vorzusehen, können sie in den
Reglementen grundsätzlich auch vorsehen, dass das Unterschreiten des
Mindesteinkommens nicht zu einer Beendigung des Vorsorgeverhältnisses und damit
auch nicht zu einem Freizügigkeitsfall führt (Jürg Brechbühl in: Jacques-André
Schneider/Thomas Geiser/Thomas Gächter [Hrsg.], a.a.O., N 23 zu Art. 10). Dass dies
aufgrund der Nichterwähnung dieses Beendigungsgrunds in Art. 2.3 des Reglements
der Fall gewesen war, ist möglich, da gemäss Art. 2.1 des Reglements der Beitritt auch
Arbeitnehmern mit einem geringeren Lohn offen stand. Unabhängig von dieser
Auslegungsfrage ist die Vorsorgeeinrichtung gemäss Art. 20 des Bundesgesetzes über
die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (FZG;
SR 831.42) jedoch dazu verpflichtet, wie im Freizügigkeitsfall abzurechnen, wenn die
versicherte Person ihren Beschäftigungsgrad für die Dauer von mindestens sechs
Monaten ändert (Abs. 1). Sofern das Reglement eine für die Versicherten mindestens
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ebenso günstige Regelung oder die Berücksichtigung des durchschnittlichen
Beschäftigungsgrads vorsieht, kann eine Abrechnung unterbleiben (Abs. 2). Eine
mindestens gleichwertige Regelung ist dem Reglement der Beklagten nicht zu
entnehmen. Die anrechenbare Besoldung kann bei Änderung des Beschäftigungsgrads
neu festgesetzt werden (Art. 4.5 des Reglements). Auch wenn die Beklagte den
versicherten Verdienst anhand des Jahreslohns ermittelt: soweit die Lohnreduktion
länger als ein Kalenderjahr dauert, kann es nicht darauf ankommen, ob die
Vorsorgeeinrichtung für den versicherten Verdienst eine Durchschnittsrechnung
vornimmt oder nicht. In diesen Fällen muss zwingend eine Abrechnung gemäss Art. 20
FZG stattfinden (Thomas Geiser/Christoph Senti in: Jacques-André Schneider/Thomas
Geiser/Thomas Gächter [Hrsg.], a.a.O., N 14 zu Art. 20).
3.5 Am 11. November 1997 schickte die Beklagte der Klägerin eine
Freizügigkeitsabrechnung und berechnete das Freizügigkeitsguthaben per 30. Juni
1997 (act. G 15.1). Als Verwendungsmöglichkeiten nannte sie die Überweisung an eine
neue Vorsorgekasse, ein Freizügigkeitskonto (oder eine Schweizerische
Lebensversicherungsgesellschaft) oder eine Barauszahlung im Fall des endgültigen
Verlassens der Schweiz, der Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit oder wenn
das Guthaben weniger als einen Jahresbeitrag ausmacht. Die Klägerin füllte das von ihr
am 16. Januar 1998 unterzeichnete Formular "Antrag zur Eröffnung eines
Freizügigkeitskontos" aus und beauftragte darin die Beklagte, ihre Austrittsleistung an
das Konto zu überweisen (act. G 15.2). Damit bekundete sie ihren Willen zur Auflösung
des Versicherungsverhältnisses per Ende Juni 1997. Zwar hätte reglementarisch
durchaus die Möglichkeit bestanden, das Vorsorgeverhältnis durch eine
Einzelmitgliedschaft (Ziff. 2.4 des Reglements) weiterzuführen. Dies hätte jedoch ein
entsprechendes Gesuch der Klägerin erfordert. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ist nicht davon auszugehen, dass die Beklagte der Klägerin im selben Monat, in dem
eine Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit zu 100% geplant gewesen sein soll, eine
Freizügigkeitsabrechnung zukommen lässt und die Klägerin daraufhin über das
Austrittsguthaben disponiert. Die Gründe der Beklagten für die Erstellung der
Freizügigkeitsabrechnung können schliesslich offen bleiben, wobei es jedoch durchaus
möglich erscheint, dass die Beklagte wegen der mehr als sechsmonatigen Änderung
des Beschäftigungsgrads zur Freizügigkeitsabrechnung verpflichtet war (vgl. Erwägung
3.4). Zumindest wirkt sich die Beweislosigkeit zulasten der Klägerin aus, zumal sie auch
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durch ihren Antrag zur Eröffnung eines Freizügigkeitskontos und den
Überweisungsauftrag an die Beklagte vorbehaltlos ihr Einverständnis zur Auflösung des
Versicherungsverhältnisses gab.
3.6 Damit war die Klägerin am 1. November 1997, als die relevante Arbeitsunfähigkeit
eintrat, nicht mehr bei der Beklagten vorsorgeversichert.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP