Decision ID: 0fe6422a-2bb0-5f82-82f8-37b2f231e294
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Der in Österreich wohnhafte X erwarb am 4. März 2009 den österreichischen
Führerausweis für die Fahrzeugkategorie B. Am 31. Oktober 2015 überschritt er mit
seinem Personenwagen in Diepoldsau die innerorts erlaubte Höchstgeschwindigkeit
von 50 km/h um 25 km/h und am 28. November 2015 in Murg die auf der Autobahn
signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h um 40 km/h. Deshalb wurde ihm mit
rechtskräftiger Verfügung des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons
St. Gallen vom 22. Februar 2016 der Führerausweis für die Dauer von vier Monaten
aberkannt; die Aberkennung wurde vom 20. März bis zum 19. Juli 2016 vollzogen.
B.- X wurde am 19. Juni 2016 am Grenzübergang Diepoldsau am Steuer seines
Personenwagens angehalten. Das Untersuchungsamt Altstätten verurteilte ihn mit
Strafbefehl vom 1. September 2016 wegen Führens eines Motorfahrzeugs trotz
Aberkennung des Führerausweises zu einer bedingt aufgeschobenen Geldstrafe von
40 Tagessätzen zu je Fr. 110.– sowie einer Busse von Fr. 800.–. Mit Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 23. November 2016 wurde ihm der Führerausweis für die
Dauer von zwölf Monaten aberkannt. Das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien
und Unterkategorien sowie der Spezialkategorie F wurde ihm für die Dauer der
Aberkennung mit Wirkung vom 23. Februar 2017 bis zum 22. Januar 2018 untersagt,
was auch für internationale Führerausweise gelte. Im Weiteren hielt das
Strassenverkehrsamt fest, dass diese Aberkennung ab Datum der Widerhandlung bis
zum Ablauf der Aberkennung der rechtskräftigen Verfügung vom 22. Februar 2016 an
deren Stelle trete.
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C.- Dagegen erhob der Vertreter von X am 12. Dezember 2016 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen und beantragte die Aufhebung
der Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 23. November 2016 sowie eine starke
Reduktion der Dauer der Aberkennung des Führerausweises nach richterlichem
Ermessen auf höchstens zwei Monate, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Das
Strassenverkehrsamt verzichtete am 15. Februar 2017 auf eine Vernehmlassung. Mit
Eingabe vom 2. März 2017 reichte der Vertreter von X zusätzliche Unterlagen ein.
Auf die Ausführungen im Rekurs zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich,
in den rechtlichen Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 12. Dezember 2016 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und materieller Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen von Art. 41 lit. g , Art. 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1; abgekürzt VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Streitig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz dem Rekurrenten den ausländischen
Führerausweis zu Recht für die Dauer von zwölf Monaten aberkannte.
a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01; abgekürzt SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03) ausgeschlossen ist, der
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Das Führen eines Motorfahrzeugs trotz
Ausweisentzug stellt eine schwere Widerhandlung dar (Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG). Nach
einer schweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens zwölf Monate
entzogen, wenn er in den vorangegangenen fünf Jahren einmal wegen einer schweren
Widerhandlung oder zweimal wegen mittelschweren Widerhandlungen entzogen war
bis
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(Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG). Bei der Festsetzung der Dauer des Führerausweisentzugs
sind die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen. Die Mindestentzugsdauer darf
jedoch nicht unterschritten werden, ausser wenn die Strafe nach Art. 100 Ziff. 4 Satz 3
SVG gemildert wurde (Art. 16 Abs. 3 SVG).
Ausländische Führerausweise können nach den gleichen Bestimmungen aberkannt
werden, die für den Entzug des schweizerischen Führerausweises gelten (Art. 45 Abs. 1
der Verkehrszulassungsverordnung [SR 741.51; abgekürzt VZV]). Dadurch wird dem
Inhaber des ausländischen Führerausweises das Recht aberkannt, diesen auf dem
Hoheitsgebiet der Schweiz zu verwenden (siehe Art. 42 Abs. 1 Ingress des
Übereinkommens über den Strassenverkehr [SR 0.741.0]).
b) Die Vorinstanz führt aus, der Rekurrent habe am 19. Juni 2016 trotz Aberkennung
des ausländischen Führerausweises in Diepoldsau einen Personenwagen gefahren,
was eine schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften darstelle.
Deswegen sei ihm der Führerausweis für mindestens zwölf Monate abzuerkennen, weil
ihm dieser bereits mit Verfügung vom 22. Februar 2016 wegen einer schweren
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften aberkannt worden sei.
c) Der Vertreter des Rekurrenten bestreitet die vorinstanzlichen Ausführungen in
tatsächlicher Hinsicht nicht, hält zum massgebenden Sachverhalt aber folgendes fest:
Aufgrund der angeordneten Aberkennung des Führerausweises habe der Rekurrent bei
Fahrten in die Schweiz das Führen des Fahrzeugs jeweils vor der Schweizer Grenze
einer mitfahrenden Begleitperson überlassen. Dies sei auch am 19. Juni 2016
vorgesehen gewesen. Dabei habe er allerdings den Grenzverlauf falsch eingeschätzt
und einige Meter zu spät angehalten. Angesichts dieser Umstände handle es sich um
einen besonders leichten Fall des Fahrens trotz Ausweisaberkennung, weshalb unter
Berücksichtigung der diesbezüglichen Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission eine differenzierte Handhabung der anwendbaren
Bestimmungen angezeigt sei; namentlich sei ein Unterschreiten der
Mindestaberkennungsdauer zuzulassen.
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d) Indem der Rekurrent am 19. Juni 2016 seinen Personenwagen in Diepoldsau trotz
Aberkennung des Führerausweises lenkte, beging er eine schwere Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG. Deshalb
ist ihm der Führerausweis gestützt auf Art. 16 Abs. 2 SVG in Verbindung mit
Art. 16 Abs. 3 SVG und Art. 45 Abs. 1 VZV abzuerkennen, wobei die Dauer der
Aberkennung unter Berücksichtigung der konkreten Umstände der vorliegenden
Angelegenheit, namentlich dem Verschulden und des motorfahrerischen Leumunds
des Rekurrenten sowie seiner beruflichen Angewiesenheit auf ein Motorfahrzeug,
festzusetzen ist. Nachdem ihm der Führerausweis unbestrittenermassen bereits mit
Verfügung vom 22. Februar 2016 wegen einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften aberkannt wurde, kommt Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VZV zur Anwendung, wonach die Aberkennungsdauer
mindestens zwölf Monate beträgt, wenn der Führerausweis in den vorangegangenen
fünf Jahren bereits einmal wegen einer schweren Widerhandlung aberkannt wurde. Ein
Unterschreiten der Mindestaberkennungsdauer infolge Strafminderung nach Art. 16
Abs. 3 Satz 2 SVG kommt vorliegend nicht in Frage. Die Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission zum Ausweisentzug bei schwerer Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften geht allerdings davon aus, dass die jeweiligen
Mindestentzugsdauern von Art. 16c Abs. 2 SVG bei Fahrens trotz Ausweisentzugs in
erster Linie auf Fälle des vorsätzlichen Ungehorsams abzielen. Bei einfacher
Fahrlässigkeit besteht hingegen ungeachtet des Wortlauts von Art. 16 Abs. 3 Satz 2
SVG die Möglichkeit, die Mindestentzugsdauer je nach Ausmass des Verschuldens zu
unterschreiten (VRKE IV 2006/174 vom 19. April 2007, E. 2b = GVP 2007 Nr. 20, E. 2b).
Mit Blick auf Art. 45 Abs. 1 VZV muss diese Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission gleichermassen für den Entzug schweizerischer und die
Aberkennung ausländischer Führerausweise gelten.
3.- Zwecks Festsetzung der Aberkennungsdauer sind nachfolgend die tatsächlichen
Umstände der vorliegenden Angelegenheit zu würdigen. Dabei ist vorab zu prüfen, ob
das Verschulden des Rekurrenten als derart geringfügig eingestuft werden kann, dass
in Anwendung oben genannter Rechtsprechung der Verwaltungsrekurskommission
eine Unterschreitung der gesetzlichen Mindestaberkennungsdauer von zwölf Monaten
geboten ist.
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a) Die Vorinstanz bringt diesbezüglich vor, dass der Rekurrent mit rechtskräftigem
Strafbefehl des Untersuchungsamts Altstätten vom 1. September 2016 wegen Fahrens
ohne Berechtigung gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG zu einer Busse in der Höhe von
Fr. 800.– verurteilt worden sei. Dabei seien keine Hinweise auf Strafmilderungsgründe
ersichtlich, weshalb die bei einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften in Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VZV vorgesehene Mindestaberkennungsdauer von zwölf Monaten gestützt auf
Art. 16 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VZV nicht unterschritten werden
könne. Aufgrund einer kursorischen und nicht näher dokumentierten Prüfung der
Umstände ist die Vorinstanz allerdings bereit, die Aberkennungsdauer auf das
gesetzliche Minimum von zwölf Monaten zu beschränken.
b) Der Vertreter des Rekurrenten entgegnet mit einer Erläuterung der tatsächlichen
Umstände der vorliegenden Angelegenheit: Vor dem Grenzübertritt in Diepoldsau sei
keine natürliche Grenze erkennbar; wegen der Rheinkorrektur fehle es insbesondere an
einer natürlichen Flussgrenze. Daher sei der Rekurrent davon ausgegangen, der
Fahrerwechsel könne bei der Zollstation vollzogen werden und anschliessend könne
die Begleitperson schweizerisches Staatsgebiet befahren. Es sei erstellt, dass die
Freundin des Rekurrenten mit diesem mitgefahren sei, um das Motorfahrzeug an
dessen Stelle in der Schweiz zu fahren. Dies belege, dass sich der Rekurrent
keinesfalls um das Fahrverbot foutiert habe. Er habe schlicht in flüchtiger Weise den
Grenzverlauf falsch eingeschätzt und sich um einige Meter geirrt. Aus dem Strafbefehl
des Untersuchungsamts Altstätten vom 1. September 2016 gehe denn auch hervor,
dass der Grenzwachtbeamte erkannt habe, wie der Rekurrent das Fahrzeug auf den
Amtsplatz gelenkt habe, um das Steuer seiner mitfahrenden Freundin zu überlassen.
Weil der Rekurrent den genauen Grenzverlauf aber nicht habe erkennen können, habe
dieser offensichtlich zu spät angehalten. Entsprechend habe der Sachbearbeiter mit
staatsanwaltlichen Befugnissen auf fahrlässige Tatbegehung mit geringem Verschulden
erkannt. Es werde klar festgehalten, dass von einer pflichtwidrigen Unvorsicht des
Rekurrenten auszugehen sei; die Geringfügigkeit des Verschuldens werde wiederholt
betont. Konsequenterweise sei auf einen Widerruf der bedingt ausgesprochenen
Vorstrafe verzichtet und lediglich eine Busse von Fr. 800.– ausgesprochen worden. Zur
Einsprache gegen diesen Strafbefehl habe kein Anlass bestanden, weil der damit
verbundene Aufwand unverhältnismässig gewesen wäre und die Strafrichter
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bekanntlich nur mit grösster Zurückhaltung wegen besonders leichter Fahrlässigkeit
gänzlich von einer Strafe absehen würden. Im Übrigen sei eine Aberkennungsdauer
von zwölf Monaten unverhältnismässig, weil der Rekurrent die Verkehrssicherheit zu
keiner Zeit gefährdet habe und von Berufs wegen in der Schweiz auf ein Motorfahrzeug
angewiesen sei. Als selbständig erwerbender Künstler halte er einen bedeutenden Teil
seiner jährlich rund zweihundert Auftritte in der Schweiz ab; mit öffentlichen
Verkehrsmitteln seien diese Termine nicht in der erforderlichen Dichte wahrnehmbar.
Gestützt auf diese Ausführungen beantragt der Vertreter des Rekurrenten eine starke
Reduktion der Aberkennungsdauer auf höchstens zwei Monate.
c) aa) Beim Führen eines Motorfahrzeugs trotz Entzugs oder Aberkennung des
Führerausweises ist praxisgemäss von einem leichten Verschulden auszugehen, wenn
der Betroffene glaubhaft darlegen kann, sich über den zeitlichen Geltungsbereich der
Massnahme in geringfügiger Weise geirrt zu haben. So wertete es die
Verwaltungsrekurskommission als einfache Fahrlässigkeit und stufte das Verschulden
als entsprechend gering ein, als Fahrzeuglenker irrtümlicherweise bereits am letzten
Tag des noch andauernden Entzugs des Führerausweises einen Personenwagen
(VRKE IV 2006/174 vom 19. April 2007, E. 2c = GVP 2007 Nr. 20, E. 2c; VRKE
IV-2011/57 vom 18. August 2011, E. 3; siehe auch VRKE IV-2011/44 vom 25. August
2011, E. 2e) oder noch frühmorgens am ersten Tag nach Ablauf des entsprechenden
Lernfahrausweises ein Motorrad lenkten (VRKE IV-2013/18 vom 30. Mai 2013, E. 2e).
Vorliegend hat sich der Rekurrent weder über den zeitlichen noch über den räumlichen
Geltungsbereich der Aberkennung seines ausländischen Führerausweises geirrt; es war
ihm sehr wohl bewusst, dass ihm vom 20. März 2016 bis zum 19. Juli 2016 das Führen
eines Motorfahrzeug auf schweizerischem Hoheitsgebiet verboten war. Aus dem
Strafbefehl des Untersuchungsamts Altstätten vom 1. September 2016 geht hervor,
dass der Rekurrent bei der Fahrt in die Schweiz vom 19. Juni 2016 bemüht war,
diesem Verbot Nachachtung zu verschaffen. Ab der österreichisch-schweizerischen
Landesgrenze sollte seine Begleitperson den Personenwagen fahren und dazu
unmittelbar vor der schweizerischen Zollstelle in Diepoldsau das Steuer übernehmen.
In irriger Vorstellung über den Grenzverlauf fuhr der Rekurrent dabei aber selber
kurzzeitig auf schweizerischem Hoheitsgebiet, dessen Grenze zu Österreich an
besagter Stelle einige Meter vor der schweizerischen Zollstelle im Alten Rhein verläuft.
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Mangels entsprechenden Wissens und Willens ist dem Rekurrenten in Bezug auf diese
kurze Fahrt trotz aberkanntem Führerschein kein Vorsatz, sondern vielmehr
Fahrlässigkeit vorzuwerfen. Bei deren Beurteilung fällt ins Gewicht, dass der
Grenzverlauf im Strafbefehl vom 1. September 2016 als "klar und deutlich" angesehen
wird, selbst wenn gemäss den Ausführungen des Rekurrenten infolge der
Rheinkorrektur eine deutlich wahrnehmbare Flussgrenze fehle. Insbesondere dürfte
hinlänglich bekannt sein, dass das Gebäude einer Zollstelle kaum je genau auf der
jeweiligen Landesgrenze gelegen sein wird und dessen geographische Lage insofern
keine Markierung des exakten Grenzverlaufs darstellt. Dies gilt umso mehr, wenn – wie
im vorliegenden Fall – zwei sich angrenzende Länder bei einem Grenzübergang je eine
eigene Zollstelle betreiben und die Landesgrenze folglich irgendwo dazwischen
verlaufen muss. Insofern wäre der Grenzverlauf an der genannten Stelle auf einfache
Weise mit hinreichender Genauigkeit abzuschätzen gewesen und der Rekurrent hätte
das Steuer des Personenwagens spätestens bei der österreichischen Zollstelle seiner
Beifahrerin überlassen müssen, um die gebührende Beachtung des ihm in der Schweiz
obliegenden Fahrverbots sicherzustellen. Die Verfehlung des Rekurrenten ist einer
gedankenlosen Einordnung der tatsächlichen Gegebenheiten geschuldet, die bei
pflichtgemässer Vorsicht hätte vermieden werden können. Zumal dem Rekurrenten
aber keine Missachtung elementarer Vorsichtsgebote vorzuwerfen ist, ist in
Übereinstimmung mit der Strafbehörde von einer einfachen Fahrlässigkeit, also einem
geringen Verschulden auszugehen. Die Voraussetzungen zur Unterschreitung der
Mindestaberkennungsdauer von zwölf Monaten sind somit grundsätzlich erfüllt. Daran
ändert nichts, dass der Rekurrent vermutungsweise zahlreiche Fahrten in die Schweiz
unternahm, anlässlich derer er am besagten Grenzübergang wiederholt auf dieselbe
Weise trotz aberkanntem Führerausweis kurzzeitig ein Fahrzeug auf schweizerischem
Hoheitsgebiet führte.
bb) Wenn die Aberkennung des Führerausweises wegen Fahrens trotz Aberkennung
und nicht wegen einer gefahrenträchtigen Verkehrsregelverletzung anzuordnen ist,
kommt dem Kriterium der Gefährdung der Verkehrssicherheit bei der Bemessung der
Aberkennungsdauer nach der Rechtsprechung der Verwaltungsrekurskommission
keine eigenständige Bedeutung zu (vgl. VRKE IV-2011/57 vom 18. August 2011, E. 3b).
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cc) Der Rekurrent erwarb den österreichischen Führerausweis der Kategorie B am
4. März 2009. Im Eidgenössischen Administrativmassnahmen-Register ist einzig die
viermonatige Aberkennung des ausländischen Führerausweises wegen der beiden im
Jahr 2015 begangenen Geschwindigkeitsübertretungen verzeichnet. Die Missachtung
jener Aberkennung ist vorliegend zu beurteilen und gibt gestützt auf Art. 16c Abs. 2
lit. c SVG in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VZV die massgebende – infolge geringen
Verschuldens allerdings unverbindliche – Mindestaberkennungsdauer vor.
Entsprechend ist die verzeichnete Administrativmassnahme bei der Würdigung des
automobilistischen Leumunds lediglich am Rande zu berücksichtigen, andernfalls sie
sich doppelt zu Lasten des Rekurrenten auswirken würde (vgl. VRKE IV 2006/174 vom
19. April 2007, E. 2c = GVP 2007 Nr. 20, E. 2c).
dd) Nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichts ist bei der Prüfung der
Massnahmeempfindlichkeit dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit Rechnung zu
tragen und deshalb zu berücksichtigen, in welchem Masse der Fahrzeugführer infolge
beruflicher Angewiesenheit auf ein Motorfahrzeug stärker als andere Fahrer von der
Aberkennung des Führerausweises betroffen ist (vgl. BGE 128 II 285, E. 2.4). Ein
gewisser organisatorischer, zeitlicher oder finanzieller Mehraufwand ist aber Folge einer
jeden Aberkennung des Führerausweises und deshalb in Kauf zu nehmen, ohne dass
dies eine massnahmemildernde Berücksichtigung rechtfertigen würde (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6A.31/2004 vom 6. August 2004, E. 1.4; VRKE IV-2013/123 vom
9. Januar 2014, E. 6c; VRKE IV-2011/57 vom 18. August 2011, E. 3b).
Aus einer Aufstellung des Rekurrenten geht hervor, dass er in den Jahren 2015 und
2016 jeweils fünf und neunzehn Auftritte als Künstler in der Schweiz (vornehmlich in A
und dem Grossraum B, vereinzelt in C) wahrnahm. Für das Jahr 2017 beläuft sich die
Anzahl bereits absolvierter und noch geplanter Auftritte derzeit insgesamt auf
sechzehn. Durchschnittlich tritt er somit etwa alle drei Wochen einmal in der Schweiz
auf. Es mag zutreffen, dass die Anreise an die Auftrittsorte und insbesondere die
Rückreise an den Wohnort des Rekurrenten und die eher peripher gelegenen
Grenzübergänge zu Österreich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nur umständlich
und wegen deren eingeschränkten Betriebszeiten teilweise nicht mehr gleichentags zu
bewerkstelligen wären. Angesichts der Anzahl der Auftritte in der Schweiz ist es dem
Rekurrenten aber ohne Weiteres zumutbar, schlecht erschlossene Strecken mit einem
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Taxi zurückzulegen oder nötigenfalls eine geeignete Übernachtungsgelegenheit am
jeweiligen Auftrittsort zu organisieren und die Rückreise am Folgetag anzutreten.
Zudem steht es ihm – wie in der Vergangenheit – offen, für die fraglichen Fahrten auf
Begleitpersonen mit gültigem Führerausweis zurückzugreifen, die den Personenwagen
des Rekurrenten auf den in der Schweiz gelegenen Streckenabschnitten fahren
können. Insgesamt hält sich daher sowohl die berufliche Einschränkung des
Rekurrenten als auch sein organisatorischer, zeitlicher und finanzieller Mehraufwand
durch die Aberkennung des Führerausweises in Grenzen und es ist diesbezüglich
höchstens von einer leicht erhöhten Sanktionsempfindlichkeit auszugehen.
d) In Würdigung aller Umstände, insbesondere des geringen Verschuldens, des –
abgesehen von der missachteten Aberkennung des Führerausweises – ungetrübten
automobilistischen Leumunds und der leicht erhöhten Sanktionsempfindlichkeit des
Rekurrenten, erscheint mit Blick auf die Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission in vergleichbaren Fällen (siehe VRKE IV 2006/174 vom
19. April 2007, E. 2d = GVP 2007 Nr. 20, E. 2d; VRKE IV-2011/57 vom 18. August 2011,
E. 3b) eine Aberkennung des Führerausweis für die Dauer von zwei Monaten als
angemessen und verhältnismässig.
4.- Dementsprechend ist der Rekurs gutzuheissen und die angefochtene Verfügung der
Vorinstanz vom 23. November 2016 ist aufzuheben. Der ausländische Führerausweis
des Rekurrenten ist für die Dauer von zwei Monaten abzuerkennen. Nach Eintritt der
Rechtskraft hat die Vorinstanz den Vollzugsbeginn festzusetzen. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass die Dauer der Ausweisaberkennung wegen Führens eines
Motorfahrzeugs trotz Ausweisaberkennung gemäss Art. 16c Abs. 3 SVG in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VZV an die Stelle der noch verbleibenden Dauer der (im Zeitpunkt
des Fahrens trotz Führerausweisaberkennung noch) laufenden Aberkennung tritt.
Der sich auf Art. 16c Abs. 3 SVG stützende Hinweis der Vorinstanz in der
angefochtenen Verfügung, wonach die missachtete Aberkennung gemäss Verfügung
vom 22. Februar 2016 unterbrochen worden und die dabei verbleibende
Aberkennungsdauer im Anschluss an die neu zu verfügende Aberkennung noch zu
vollziehen sei, ist unzutreffend. Die neue Aberkennung wird nicht an die laufende
angehängt, sondern ersetzt diese, sodass nicht beide Aberkennungen ganz verbüsst
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werden müssen (vgl. Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom
31. März 1999, BBl 1999, S. 4491). Praxisgemäss beginnt die mit vorliegendem
Entscheid festzusetzende Aberkennung (und ersetzt damit die damals laufende
Aberkennung) an demjenigen Tag, an dem der Rekurrent das Fahrzeug trotz
Ausweisaberkennung geführt hat, mithin am 19. Juni 2016. Die damals noch
verbliebene (und inzwischen verbüsste) Aberkennungsdauer vom 19. Juni bis zum
19. Juli 2016 (ein Monat und ein Tag) ist an die neue Aberkennungsdauer von zwei
Monaten anzurechnen, womit die neue Aberkennung noch einen Monat abzüglich
eines Tages dauert (vgl. BGer 1C_171/2015 vom 28. Oktober 2015, E. 3.7). Der sich
durch die Sonderregel von Art. 16c Abs. 3 SVG vermeintlich ergebende Vorteil
relativiert sich erheblich dadurch, dass sich der Fahrzeuglenker bei einer
Widerhandlung nach Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG im Kaskadensystem eine Stufe weiter
befindet, wenn der Grund für die frühere Aberkennung eine mittelschwere oder
schwere Widerhandlung war (Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes
vom 31. März 1999, BBl 1999, S. 4491). Im Übrigen handelt es sich bei den Ziffern 2
und 3 der angefochtenen Verfügung ohnehin um Vollzugsfragen, die nicht in der
materiellen Verfügung zu regeln sind. Die entsprechenden Ziffern sind auch aus diesem
Grund aufzuheben.
5.- a) Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten dem Staat
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung [sGS 941.12]). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten.
b) Der vollständig obsiegende Rekurrent liess sich anwaltlich vertreten. Er hat gemäss
Art. 98 Abs. 2 und Art. 98 VRP Anspruch auf eine vollständige Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten, soweit diese als notwendig und angemessen erscheinen. Der
Beizug eines Rechtsvertreters war im vorliegenden Rekursverfahren geboten.
Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet. Es beträgt zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 12'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten [sGS 963.75; abgekürzt
HonO]). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen
Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeiten
bis
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des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19
HonO). Eine Kostennote wurde nicht eingereicht. Angesichts der sich stellenden
Fragen in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht sowie des Umfangs der Akten und des
Rekurses erscheint eine Entschädigung von Fr. 1'800.– zuzüglich Fr. 72.– Barauslagen
(4 % von Fr. 1'800.–) und Fr. 149.75 Mehrwertsteuer (8 % von Fr. 1'872.–) als
angemessen (Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO). Entsprechend der Verlegung der
amtlichen Kosten sind dem Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten vollständig zu
entschädigen (Art. 98 Abs. 1 VRP); entschädigungspflichtig ist der Staat
(Strassenverkehrsamt).