Decision ID: c31bd96b-1571-420c-aa19-39b76677773a
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. A (nachfolgend der Pflichtige), deutscher Staatsangehöriger, lebt seit dem
... ... 2005 in B im Kanton Zürich. Er ist nicht mehr erwerbstätig und erhielt für das Jahr
2012 eine Rente der Deutschen Rentenversicherung Bund (nachfolgend DRV;
früher Bundesversicherungsanstalt für Angestellte [nachfolgend BfA]) in Höhe von
Euro 12'188.28 = Fr. 14'690.62. Diese deklarierte er in der Steuererklärung 2012 nur
zu 40% als steuerbar. Mit Einschätzungsentscheid vom 13. Juni 2014 erfasste der
Steuerkommissär die deutsche Rente zu 100% und schätzte den Pflichtigen für die
Staats- und Gemeindesteuer 2012 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 14'300.-
(satzbestimmend Fr. 18'900.-) und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 276'000.-
(satzbestimmend Fr. 410'000.-) ein.
B. Die dagegen am 24. Juni 2014 erhobene Einsprache wies das kantonale
Steueramt am 9. September 2014 ab, mit der Begründung, die Rente des Pflichtigen
sei mit einer AHV-Rente in der Schweiz vergleichbar und daher wie eine solche zu
100% zu versteuern. Da die Rente keine Kapitalrückzahlungskomponente enthalte, wie
eine Leibrente gemäss § 22 Abs. 3 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG), falle
eine Besteuerung zu 40% ausser Betracht.
C. Mit Rekurs vom 2. Oktober 2014 beantragte der Pflichtige erneut, die aus
Deutschland erhaltene Rente nur im Umfang von 40% zu besteuern. Er sei immer frei-
beruflich und selbstständig erwerbstätig gewesen. Um im Alter eine Rente zu bekom-
men sei er erst später, entsprechend den damaligen rechtlichen Möglichkeiten in
Deutschland, der BfA beigetreten. Daher habe er umfangreiche Nachzahlungen für
vergangene Jahre entrichtet und habe für die laufenden Jahre ebenfalls Rentenbeiträ-
ge bezahlt. Diese Rentenversicherungszahlungen habe er nicht von der Steuer abzie-
hen können.
Das kantonale Steueramt schloss unter Hinweis auf den Einspracheentscheid
am 24. Oktober 2014 auf Abweisung des Rechtsmittels.
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Auf die weiteren Parteivorbringen wird – soweit rechtserheblich – in den nach-
folgenden Erwägungen eingegangen.

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1. a) Aufgrund von Art. 21 des Abkommens zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland zur Vermeidung der Doppel-
besteuerung auf dem Gebiete der Steuern von Einkommen und Vermögen vom
11. August 1971 (DBAD) sind Sozialversicherungsrenten in dem Staat zu besteuern, in
welchem der Rentenbezüger ansässig, d.h. aufgrund persönlicher Zugehörigkeit steu-
erpflichtig ist (Peter Locher, Einführung in das internationale Steuerrecht der Schweiz,
3. A., 2005, S. 467 f.). Dies gilt auch für Renten der DRV, die an eine in der Schweiz
wohnhafte Person ausgerichtet werden (Locher/Meier/von Siebenthal/Kolb, Doppelbe-
steuerungsabkommen Schweiz - Deutschland 1971 und 1978, Loseblattwerk, B 19.1
Nr. 7 und B 21 Nr. 4).
b) Bei den Renten, die durch die DRV ausbezahlt werden, handelt es sich um
Leistungen einer gesetzlichen Rentenversicherung. Die DRV ist zwar einerseits eine
anerkannte Sozialversicherungseinrichtung bzw. eine juristische Person des öffentli-
chen Rechts, andererseits beziehen sich gewisse Aspekte des von ihr wahrgenomme-
nen Versicherungsschutzes auch auf einen Bereich, den in der Schweiz die berufliche
Vorsorge abdeckt. Daher handelt es sich bei den Renten aus der DRV aus schweizeri-
scher Sicht zwar um eine Mischung aus einer Rente der ersten und der zweiten Säule.
Dennoch ist die DRV nicht als Einrichtung der beruflichen Vorsorge anzusehen. Viel-
mehr stehen diese Renten einer AHV-Rente der Schweiz sehr nahe und sind wie eine
solche zu 100% zu besteuern (BGr, 21. März 2011, 2C_530/2010 = StE 2011 B 26.11
Nr. 3 = ASA 80, S. 84 ff., E. 2.2, am Ende, und 3.3.3).
2. a) Der Einkommenssteuer unterliegen alle wiederkehrenden und einmali-
gen Einkünfte (§ 16 Abs. 1 StG). Darunter fallen gemäss § 22 Abs. 1 StG alle Einkünfte
aus der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, aus Einrichtungen der be-
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ruflichen Vorsorge und aus anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsorge, mit
Einschluss der Kapitalabfindungen und Rückzahlungen von Einlagen, Prämien, und
Beiträgen. Als Einkünfte aus der beruflichen Vorsorge gelten nach § 22 Abs. 2 StG
insbesondere Leistungen aus Vorsorgekassen, aus Spar- und Gruppenversicherungen
sowie aus Freizügigkeitspolicen. Diese Regelung steht im Einklang mit Art. 83 in Ver-
bindung mit Art. 80 und 82 des Bundesgesetzes vom 25 Juni 1982 über die berufliche
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) sowie mit Art. 7 Abs. 1 und 2 des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Ge-
meinden vom 14. Dezember 1990 (StHG).
b) Nach § 270 Abs. 1 StG werden bei den Staats- und Gemeindesteuern Ren-
ten aus Einrichtungen beruflicher Vorsorge, die vor dem 1. Januar 2002 zu laufen be-
ginnen oder fällig werden und die auf einen Vorsorgeverhältnis beruhen, dass am
31. Dezember 1985 bereits bestanden hat, zu vier Fünfteln ihres Betrags besteuert,
wenn sie teilweise, mindestens aber zu 20% aus eigenen Mitteln erworben worden
sind.
Diese Ausnahmebestimmung ist historisch begründet (Richner/Frei/Kauf-
mann/Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, § 270 N 3 ff.). Im
Hinblick auf das Inkrafttreten der wesentlichen steuerlichen Bestimmungen des BVG
am 1. Januar 1987 wechselten sowohl der Bund als auch der Kanton Zürich von ihrem
bisherigen System der Besteuerung der beruflichen Vorsorge (beschränkte Abzugsfä-
higkeit der Beiträge – beschränkte Besteuerung der Leistungen) zum so genannten
Waadtländer Modell (vollumfänglicher Abzug der Beiträge – vollumfängliche Besteue-
rung der Leistungen). Art. 204 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom
14. Dezember 1990 (DBG) bzw. § 270 Abs. 1 StG schafften den Ausgleich dafür, dass
die Vorsorgenehmer ihre Beiträge an Vorsorgeeinrichtungen bis zum Steuerjahr 1986
nur in beschränktem Umfang abziehen konnten (im Rahmen des allgemeinen Versi-
cherungsabzugs). Die Bestimmungen bieten eine schematische Lösung, die den Über-
gang zum Waadtländer Modell ermöglicht und somit nur für die Übergangsgeneration
gilt. Deshalb wird die Anwendung dieser Vorschrift auf jene Vorsorgeverhältnisse be-
schränkt, die am 31. Dezember 1985 bzw. 1986 bereits bestanden haben.
c) Mit Entscheid StRK I, 19. November 2009, 1 ST.2009.237/1 DB.2009.117
(www.strgzh.ch) hat die damalige Steuerrekurskommission I die Anwendung von
http://www.strgzh.ch/
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Art. 204 Abs. 1 DBG und § 270 Abs. 1 StG auf deutsche Renten abgelehnt. Sie erwog,
dass die Regelung spezifisch auf die Änderung des Besteuerungssystems aufgrund
der BVG-Revision ausgerichtet sei. Demnach beziehe sie sich – entsprechend dem
Wortlaut der Bestimmungen – auch nur auf Einkünfte aus der beruflichen Vorsorge
nach BVG. Eine durch Erwerbstätigkeit im Ausland – sei diese selbstständig oder un-
selbstständig – nach den Bestimmungen des betreffenden Landes erworbene Rente
werde von der Übergangsproblematik im Zusammenhang mit dem Wechsel zum
Waadtländer Modell nicht berührt, weshalb eine Ausdehnung des Anwendungsbe-
reichs dieser Bestimmungen auf solche Renten abzulehnen sei.
An diesen Erwägungen ist festzuhalten. Der Pflichtige war während der Zeit
des Erwerbs der betreffenden Rente nicht in der Schweiz wohnhaft, weshalb er von der
Übergangsproblematik bei Einführung des Waadtländer Modells nicht betroffen gewe-
sen ist. Art. 204 Abs. 1 DBG und § 270 Abs. 1 StG dienen nicht dazu, bei Wechsel des
internationalen Wohnsitzes auftretende Abgrenzungsprobleme zu lösen, welche im
Zusammenhang mit der steuerlichen Behandlung von Beiträgen und Leistungen aus-
ländischer Vorsorgeeinrichtungen auftreten können.
3. a) Der Pflichtige beantragt zudem, die Rente der DRV gemäss § 22 Abs. 3
StG als Leibrente zu betrachten und diese nur zu 40% zu besteuern.
b) Unter einer Leibrente im Sinn von Art. 516 ff. OR versteht man die vom Le-
ben einer Person (i. d. R. dem Leben des Rentengläubigers) abhängige Verpflichtung
des Rentenschuldners, dem Rentengläubiger zeitlich wiederkehrende Leistungen zu
erbringen, die nicht auf eine Kapitalforderung angerechnet werden (Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 22 N 58 StG; Peter Locher, Kommentar zum DBG,
1. Teil, 2001, Art. 22 N 51). Der gesetzlichen Konzeption für die reduzierte Besteue-
rung von Leibrenten liegt die Überlegung zugrunde, dass sich eine Leibrente aus ei-
nem Kapital- und einem Ertragsteil zusammensetzt, wovon der Kapitalteil von der
steuerpflichtigen Person, ihren Angehörigen oder bestimmten Dritten stammt. Steuer-
bar soll beim Empfänger einzig die Ertragskomponente sein, welche aus Gründen der
Vereinfachung und Praktikabilität bewusst schematisch festgesetzt wurde. Die Rege-
lung gilt unabhängig davon, ob die Rente von einer Versicherungsgesellschaft, von
einem sonstigen Geschäftsbetrieb oder von einer Privatperson ausgerichtet wird (Lo-
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cher, Art. 22 N 52 DBG). Die steuerbare Ertragskomponente von 40% bleibt auch ohne
Rücksicht darauf konstant, ob die Leibrente vom Rentenbezüger selbst finanziert wur-
de oder ob das Kapital von einem Dritten aufgebracht wurde. Leistungen, die im Rah-
men der 1. und 2. Säule sowie der Säule 3a ausbezahlt werden, fallen nicht unter den
Begriff der Leibrente nach § 22 Abs. 3 StG, da sie keine Kapitalrückzahlungskompo-
nente betreffend das vom Pflichtigen einbezahlte Kapital enthalten (Richner/Frei/Kauf-
mann/Meuter, § 22 N 12, 59, 62 StG).
c) Die Rentenansprüche werden in der DRV in erster Linie nach der Beitrags-
dauer berechnet. Die Höhe des einbezahlten Kapitals ist, soweit ersichtlich, nicht allein
entscheidend und insbesondere enthalten die Rentenberechnungen keine Kapitalrück-
zahlungskomponente (BGr, 21. März 2011, 2C_530/2010 = StE 2011 B 26.11 Nr. 3 =
ASA 80, S. 84 ff., E. 2.3; vgl. R-act. 9/1, www.deutsche-rentenversicherung.de]). Dass
das einbezahlte Kapital eine untergeordnete Rolle spielt, lässt sich auch daraus able-
sen, dass die Renten der DRV im sogenannten Umlageverfahren ausbezahlt werden,
d.h. die aktuellen Einnahmen der Rentenversicherungsträger werden für die Auszah-
lung der verfassungsrechtlich geschützten Rentenansprüche verwendet. Die Qualifizie-
rung der strittigen Rentenzahlungen als Leibrente verbietet sich nur schon aus diesem
Grund.
Weiter wird durch die DRV schon vor dem Erwerb der ordentlichen Rente das
Risiko eines Erwerbsausfalls infolge Unfall oder Krankheit (Erwerbsminderung) abge-
deckt. Eine solche Versicherungskomponente ist dem zivilrechtlichen Leibrentenver-
trag fremd und spricht ebenfalls dafür, die im Alter fliessenden Zahlungen nicht als zi-
vilrechtliche Leibrenten anzusehen. Schliesslich werden die Leistungen der DRV von
einer öffentlichrechtlichen Körperschaft erbracht, die einen Zweig der allgemeinen
staatlichen Sozialversicherung darstellt, was ebenfalls nahe legt, die entsprechenden
Renten als der AHV ähnlich anzusehen und entsprechend zu besteuern (vgl. der be-
reits zitierte Bundesgerichtsentscheid BGr. 21. März 2011, 2C_530/2010).
Die Rente des Pflichtigen ist damit keine Leibrente nach § 22 Abs. 3 StG, wel-
che im Umfang von 40% zu besteuern wäre.
http://www.deutsche-/
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4. Diese Erwägungen führen zur Abweisung des Rekurses. Ausgangsgemäss
sind die Verfahrenskosten dem Pflichtigen aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG