Decision ID: 4aaa7b7b-5d73-5436-bfa2-d77b4eb44104
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
X. _,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Roland Ilg, Rämistrasse 5, Postfach 462, 8024 Zürich,
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St.Galler Gerichte
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (Nichteintreten auf neues Leistungsbegehren)
Sachverhalt:
A.
A.a X._ meldete sich am 1. Juni 2001 zum Bezug von IV-Leistungen an. Die MEDAS
St. Gallen berichtete in ihrem Gutachten vom 3. Juni 2002, die Versicherte habe
angegeben, seit dem Auffahrunfall seien unverändert Nackenschmerzen vorhanden.
Diese strahlten häufig in die Stirn und in den Schläfenbereich aus. Ausserdem
bestünden chronische Rückenschmerzen, die sich anfänglich im Halsbereich auf den
ganzen Rücken ausbreiteten. Die Versicherte habe zudem angegeben, sie habe in den
Armen häufig wenig Kraft und sie sei zittrig. Im Hals habe sie ein anhaltendes,
wechselnd starkes Schwellungsgefühl mit Schluckbeschwerden für feste Nahrung.
Trinken sei problemlos möglich. Häufig sei es ihr schwindelig und beim Aufstehen
werde es ihr schwarz vor Augen. Nachts erwache sie häufig wegen der
Nackenschmerzen. Diese Schmerzen seien auch tagsüber belastungsabhängig stark
vorhanden. Sie strahlten häufig in den Rücken und in die Arme beidseits aus. Der
Schluckauf verschwinde in der Nacht, trete aber nach dem Erwachen meistens rasch
wieder auf. Die Gutachter der MEDAS gaben folgende Diagnosen an: St. n.
mittelschwerem HWS-Distorsionstrauma mit/bei chronischem zervikozephalem
Schmerzsyndrom bei brachialer und panvertebraler Ausstrahlung, somatoformer
Schmerzstörung, psychosozialer Belastung und chronischen Schulterbeschwerden mit
Kaufunktionsstörung sowie mittelgradige depressive Störung mit ausgeprägtem
somatischem Syndrom mit psychogenem Singultus und Kaufunktionsstörung. Sie
waren der Auffassung, dass aus polydisziplinärer Sicht vor allem aufgrund des sozial
stigmatisierenden Singultus eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft
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bestehe. Im eigenen Haushalt sei der Versicherten aus psychiatrischer Sicht eine
Tätigkeit im Umfang von 50% zumutbar.
A.b Die IV-Stelle qualifizierte die Versicherte als nichterwerbstätig. Sie stellte die von
der MEDAS für die Betätigung im eigenen Haushalt angegebene Arbeitsunfähigkeit von
50% dem Invaliditätsgrad gleich und sprach der Versicherten eine halbe Invalidenrente
zu. Die Versicherte erhob Einsprache gegen diese Verfügung. Die IV-Stelle widerrief die
Rentenverfügung, um weitere Abklärungen vorzunehmen. Anlässlich einer
Haushaltabklärung gab die Versicherte am 5. April 2006 an, sie wäre nicht
erwerbstätig, auch wenn sie gesund wäre, auch wenn ihr Ehemann invalid sei und zu
seiner Rente eine Ergänzungsleistung erhalte. Die anhand der Angaben der
Versicherten bzw. des übersetzenden Ehemannes ermittelte behinderungsbedingte
Einschränkung im Haushalt betrug 72%. Der abklärende Sachbearbeiter der IV-Stelle
hielt dazu fest, mit der Anerkennung einer hälftigen Einschränkung sei der
gesundheitlichen Problematik wohlwollend Rechnung getragen. Mit einer Verfügung
vom 22. Juli 2004 sprach die IV-Stelle erneut eine halbe Invalidenrente bei einem
Invaliditätsgrad von 50% zu. Die Versicherte erhob Einsprache, worauf die IV-Stelle die
MEDAS ersuchte, sich detailliert zum Ergebnis der Haushaltabklärung zu äussern. Die
MEDAS teilte am 19. November 2004 mit, für eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft sei
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% angegeben worden, weil das auffällige, die
Aufmerksamkeit auf sich ziehende Verhalten der Versicherten weder den Mitarbeitern
noch den Arbeitgebern zumutbar sei. Die Angaben der Versicherten zu den
Einschränkungen im eigenen Haushalt seien subjektiver Natur. Wenn die Versicherte
angebe, sie könne etwas nicht machen, heisse das medizinisch-psychiatrisch nicht,
dass sie es tatsächlich nicht machen könne. Die Versicherte lege ein sehr passives
Verhalten an den Tag, ziehe sich in die Krankheit zurück und bemühe sich nicht um
Behandlungsmöglichkeiten. Dabei spielten viele nichtinvalidisierende Faktoren eine
Rolle (soziokulturelle Eigenheiten, Entwurzelung, mangelnde Deutschkenntnisse,
mangelnde Bemühungen, sich den hiesigen Gepflogenheiten anzupassen). Die
Reduktion der Arbeitsfähigkeit im Haushalt beruhe hauptsächlich nicht auf
körperlichen, sondern auf psychischen Gründen. Im eigenen Haushalt sei eine
Arbeitsfähigkeit von mindestens 50% zumutbar. Die entsprechende
Willensanstrengung sei der Versicherten zumutbar. Die IV-Stelle wies die Einsprache
am 27. Dezember 2004 ab. Eine dagegen erhobene Beschwerde wurde vom
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Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen am 11. August 2005 abgewiesen. Das
Bundesgericht bestätigte dieses Urteil am 8. Februar 2006.
B.
Die Versicherte stellte am 11. Mai 2006 ein Rentenrevisionsgesuch. Sie beantragte die
Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente. Zur Begründung verwies sie auf ein Zeugnis
von Dr. med. A._, laut dem sie seit dem 17. März 2006 bis auf weiteres zu 100%
arbeitsunfähig war. Sie führte aus, die Verschlechterung sei dramatisch. Es sei keine
Arbeitsfähigkeit mehr vorhanden. Die IV-Stelle forderte die Versicherte am 16. Mai 2006
auf, die behauptete Verschlechterung mit ausführlichen Arztberichten, Lohnausweisen
usw. glaubhaft zu machen. Am 13. September 2006 reichte die Versicherte u.a. ein
Zeugnis von Dr. med. A._ vom Vortag ein, laut dem sie seit 1998 wegen eines
chronischen Zervikobrachialsyndroms bei St. n. HWS-Distorsionstrauma 1998, wegen
chronischen Spannungskopfschmerzen, wegen eines therapieresistenten Singultus
und wegen einer Somatisierungsstörung bei mittelgradig depressiver Entwicklung mit
somatischem Syndrom erfolglos mit SSRI, Analgetika, NSAR, IPI und wiederholten
Physiotherapien behandelt worden war. Dr. med. A._ gab an, dass keine Besserung
des Beschwerdebildes erreicht worden sei. Die Versicherte beantragte der IV-Stelle die
Anordnung eines MEDAS-Begutachtung und die Einholung eines Berichts von Dr. med.
B._, da sie nur durch die immer gesteigerte Einnahme eines Medikamentencocktails
ihre Beschwerden aushalten könne.
C.
Mit einem Vorbescheid vom 29. November 2006 kündigte die IV-Stelle der Versicherten
an, dass sie nicht auf das Leistungsbegehren eintreten werde, weil keine neuen
Tatsachen geltend gemacht seien. Die Versicherte wandte am 16. Januar 2007 ein, die
IV-Stelle müsse eine umfassende Abklärung vornehmen, um dem
Untersuchungsgrundsatz Genüge zu tun. Der Bericht von Dr. med. A._ vom 12.
September 2006 sei eindeutig. Die Schmerzen seien derart umfassend und schlimm,
dass zwischen dem 21. November 2006 und dem 26. Januar 2007 fünf Arzt- oder
Spitalbesuche nötig gewesen seien. Das sei ein deutliches Zeichen für die äusserst
schlimme Situation. Der Stellungnahme der Versicherten lag ein Bericht des
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Kantonsspitals St. Gallen vom 8. Dezember 2000 bei. Die IV-Stelle forderte am 18.
Januar 2007 einen Bericht des Kantonsspitals St. Gallen an. Die Neurologen des
Kantonsspitals führten am 6. Februar 2007 aus, die Versicherte leide an einer
Somatisierungsstörung mit/bei DD: mittelgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom, St. n. HWS-Distorsionstrauma 3.98, chronischen Spannungskopfschmerzen,
therapieresistentem Singultus und chronischem Zervikalsyndrom. Die Versicherte habe
über eine aktuelle Zunahme der bekannten Beschwerdesymptomatik berichtet. Sie
habe über einen therapieresistenten Schluckauf und begleitende Schluckstörungen,
über chronische Schmerzen im Bereich des Kopfes, beider Schultern, des Nackens
und beider Arme geklagt. Ausserdem habe sie angegeben, sie sei chronisch müde,
fühle sich kraftlos, bemerke gelegentlich ein Zittern beider Hände und habe eine
belastungsabhängige Schwäche im Bereich beider Arme. Die Neurologen des
Kantonsspitals führten aus, wegen des fortbestehenden chronischen Singultus sei eine
neurologische Beurteilung erfolgt. Die klinische Untersuchung, die auf Grund der
mangelnden Mitwirkung der Versicherten nur beschränkt aussagekräftig sei, habe
einen altersentsprechend unauffälligen Befund ergeben. Im Bereich der Schulter-,
Nacken- und oberen Rückenmuskulatur sei eine muskuläre Dysbalance festzustellen
gewesen. Die Beschwerdesymptomatik sei im Gesamtkontext als chronische
Somatisierungsstörung zu interpretieren. Nötig sei eine interdisziplinäre, multimodale
Therapie durch einen Psychosomatiker oder Psychiater. Die Eingliederungsfähigkeit
oder der Rentenanspruch könnten aus neurologischer Sicht nicht beurteilt werden. Dr.
med. C._ vom RAD Ostschweiz wies am 14. Februar 2007 darauf hin, dass durch
diesen Bericht weder diagnostisch noch von Seiten der Beschreibung der
Funktionsausfälle eine objektive Verschlechterung ausgewiesen sei. Mit einer
Verfügung vom 14. Februar 2007 trat die IV-Stelle nicht auf das Rentenrevisionsgesuch
vom 11. Mai 2006 ein.
D.
D.a Die Versicherte erhob am 19. März 2007 Beschwerde gegen diese
Nichteintretensverfügung. Sie beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und die Rückweisung an die IV-Stelle mit dem Antrag (richtig wohl: Auftrag), auf das
Leistungsbegehren einzutreten, es zu prüfen und gutzuheissen. Eventualiter beantragte
die Versicherte die Rückweisung des Falles an die IV-Stelle zur weiteren medizinischen
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und beruflichen Abklärung und zur Einholung eines Obergutachtens. Schliesslich
ersuchte die Versicherte um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsverbeiständung. Zur Begründung machte die Versicherte geltend, Dr. med.
A._ habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert. Der Gesundheitszustand habe
sich klar verschlechtert. Sie beantrage den Beizug der Akten von Dr. med. A._, von
Dr. med. D._, des Kantonsspitals St. Gallen und der Physiotherapie. Sie würde nicht
dauernd vom Kantonsspital aufgeboten, wenn sie nichts hätte, und man hätte ihr keine
Physiotherapie verordnet, wenn sie nicht unerträgliche Schmerzen hätte. Die
Abklärungen zur Glaubhaftmachung der Verschlechterung des Gesundheitszustandes
habe die IV-Stelle und nicht sie selbst zu machen. Aufgrund der Abklärungspflicht
müsse auch der neuste Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 15. Januar 2007
Berücksichtigung finden. Die IV-Stelle setze sich nicht seriös mit den medizinischen
Unterlagen auseinander, sie halte sich nur an gewisse Akten und messe anderen,
ebenso wichtigen Unterlagen keine Bedeutung zu. Wenn die IV-Stelle nicht alle Akten
berücksichtige, erwecke sie den Eindruck, sie sei gar nicht an der Feststellung des
tatsächlichen Gesundheitszustandes interessiert. Wenn keine ganze Rente
zugesprochen werde, müsse eine Oberbegutachtung unter Einschluss einer
psychiatrischen Beurteilung erfolgen.
D.b Die Versicherte legte der Beschwerde eine Reihe von Unterlagen bei, u.a. ein
Zeugnis von Dr. med. A._ vom 13. März 2007, laut dem weiterhin ein deutlich
reduzierter AZ vorlag. Dr. med. A._ hatte weiter angegeben, die Versicherte werde
durch die chronischen zervikozephalen und bds. brachialen Schmerzen und durch den
seit bald zehn Jahren anhaltenden chronischen Singultus geplagt. Für letzteren werde
nochmals eine therapeutische Lösung gesucht. Die Versicherte sei weiterhin auch in
einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig. Dr. med. D._ hatte am 9.
März 2007 berichtet, bei der auf 1998 zurückgehenden Schmerzproblematik
zervikozephal und brachial beidseits fänden sich bei der klinischen Untersuchung keine
sicheren Ausfälle. Sie nehme eine somatoforme Problematik an. Eine strukturelle
Läsion zervikal oder eine Systemerkrankung hätten sich im Lauf der Jahre klinisch
anders manifestiert. Auch eine prozesshaft-organische Ursache des Singultus sei
extrem unwahrscheinlich. Das Kantonsspital St. Gallen hatte am 15. Januar 2007
berichtet, die Versicherte gebe eine aktuelle Zunahme der bereits bekannten
Beschwerdesymptomatik an. Sie klage über einen tags und nachts vorhandenen
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Schluckauf mit Schluckstörungen, weshalb sie nur weiche Kost zu sich nehmen könne,
über chronische Schmerzen im Bereich des Kopfes, beider Schultern, des Nackens
und beider Arme. Der Kopfschmerz werde als dumpf-drückend beschrieben, er strahle
bis hinter beide Augen aus und sei täglich vorhanden. Die Versicherte nehme täglich
Schmerzmittel. Sie sei chronisch müde, fühle sich kraftlos, bemerke gelegentlich ein
Zittern in beiden Händen und habe eine belastungsabhängige Schwäche im Bereich
beider Arme. Die Neurologen des Kantonsspitals wiesen darauf hin, dass die
Versicherte zwar über eine Zunahme der bekannten Beschwerdesymptomatik klage,
dass die klinisch-neurologische Untersuchung aber einen altersentsprechend
unauffälligen Befund ergeben habe. Es sei nur eine muskuläre Dysbalance im Bereich
der Schulter-, Nacken- und Rückenmuskulatur festzustellen gewesen. Die
Beschwerdesymptomatik sei als chronische Somatisierungsstörung zu interpretieren.
Die Kopfschmerzsymptomatik sei in diesem Zusammenhang als chronischer
Spannungskopfschmerz zu betrachten.
E.
Die IV-Stelle beantragte am 10. April 2007 die Abweisung der Beschwerde und
Verweigerung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Sie machte geltend, dass das
von den Neurologen des Kantonsspitals St. Gallen angegebene Leiden bereits im
Zeitpunkt der rechtskräftigen Rentenverfügung (29. August 2003) vorgelegen habe.
Eine wesentliche Änderung des Sachverhalts gehe aus dem Bericht des Kantonsspitals
St. Gallen nicht hervor. Das Gleiche gelte für das "Schreiben D._". Auch aus den
beiden rudimentären Zeugnissen von Dr. med. A._ ergebe sich keine wesentliche
Änderung des medizinischen Sachverhalts. Die abweichende
Arbeitsfähigkeitsschätzung beruhe einzig auf einer anderen Beurteilung des gleichen
Gesundheitszustandes. Da offensichtlich kein Revisionsgrund gegeben sei, erscheine
die Beschwerde als aussichtslos. Damit sei die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu
verweigern. Am 24. April 2007 bewilligte die Gerichtsleitung das Gesuch um die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung.
F.
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In ihrer Replik vom 14. Juni 2007 wandte die Versicherte ein, auch die erwerbliche
Auswirkung ein und derselben Diagnose könne sich durch die Verstärkung des Leidens
verändern und einen Revisionsgrund darstellen. Die MEDAS habe eine ungünstige
Prognose gestellt. Im übrigen würde sie heute, da die Kinder älter seien, ganztags einer
Erwerbstätigkeit nachgehen. In der freien Wirtschaft sei sie gemäss dem MEDAS-
Gutachten zu 100% arbeitsunfähig.
G.
Die IV-Stelle verzichtete am 18. Juni 2007 auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
1.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen
oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Wird ein Gesuch um Revision eingereicht, ist darin
glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 IVV). Der Wortlaut der letztgenannten
Verfahrensbestimmung ist lückenhaft. Es wird nämlich weder die Konsequenz der
erfolgreichen Glaubhaftmachung einer leistungserheblichen Sachverhaltsveränderung
noch diejenige einer misslungenen Glaubhaftmachung geregelt. Zweck des Art. 87
Abs. 3 IVV ist es, die IV-Stelle davor zu bewahren, "sich immer wieder mit gleich
lautenden und nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts
darlegenden Gesuche befassen" zu müssen (vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG],
bearbeitet von Ulrich Meyer-Blaser, S. 264). Gemeint ist damit das materielle
"Befassen", d.h. das vollumfängliche Erheben des aktuellen leistungserheblichen
Sachverhalts und gestützt darauf die Ermittlung des Invaliditätsgrades. Die IV-Stelle
muss also nur dann den aktuellen Sachverhalt ermitteln und den Invaliditätsgrad des
Gesuchstellers prüfen, wenn dieser die behauptete erhebliche
Sachverhaltsveränderung hat glaubhaft machen können. Trotzdem muss sich die IV-
Stelle zu jedem Revisionsgesuch äussern. Sie muss nämlich jedes Gesuch darauf
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prüfen, ob sie auf es einzutreten und es materiell zu behandeln habe. Art. 87 Abs. 3 IVV
regelt somit die Eintretensvoraussetzungen: Auf ein Rentenrevisionsgesuch ist
einzutreten, wenn eine leistungserhebliche Veränderung des Invaliditätsgrades
glaubhaft gemacht ist; andernfalls muss die IV-Stelle eine Nichteintretensverfügung
erlassen. Der Wortlaut des Art. 87 Abs. 3 IVV ist entsprechend zu ergänzen.
1.2 Gegenstand der vorliegend angefochtenen Verfügung bildet demnach
ausschliesslich der Entscheid der Beschwerdegegnerin, nicht auf das
Rentenrevisionsgesuch der Beschwerdeführerin einzutreten. Soweit das
Beschwerdebegehren über die Frage des Eintretens auf das Rentenrevisionsgesuch
hinausgeht und die Zusprache einer höheren Rente oder auch nur die Anordnung von
Beweismassnahmen verlangt, die nicht der Glaubhaftmachung der
Sachverhaltsveränderung, sondern der Bestimmung der Invaliditätsgrades dienen soll,
darf nicht auf es eingetreten werden. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann
also nur sein, ob die beim Erlass der angefochtenen Nichteintretensverfügung
vorliegenden Indizien ausgereicht haben, die von der Beschwerdeführerin behauptete
erhebliche Erhöhung des Invaliditätsgrades als glaubhaft erscheinen zu lassen. Diese
Begrenztheit des Verfahrensgegenstandes schliesst es aus, allfällige während des
Beschwerdeverfahrens nachgereichte Indizien zu würdigen. Würde das Gericht diese
neuen Indizien in die Beurteilung der Nichteintretensverfügung einbeziehen und ginge
es davon aus, dass damit die behauptete erhebliche Erhöhung des Invaliditätsgrades
schliesslich doch noch glaubhaft gemacht worden sei, müsste es eine rechtmässige
Nichteintretensverfügung aufheben und durch einen Eintretensentscheid ersetzen. Dies
lässt sich damit erklären, dass eine im Zeitpunkt des Erlasses einer
Nichteintretensverfügung unvollständige Indizienlage - anders als eine unvollständige
Abklärung des Sachverhalts im Rahmen einer materiellen Gesuchsprüfung - nicht auf
einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und damit auf einem rechtswidrigen
Verhalten der IV-Stelle beruht. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
beschränkt sich Art. 87 Abs. 3 IVV nämlich nicht darauf, einem Gesuchsteller nur eine
Behauptungslast aufzuerlegen. Es reicht also nicht, eine erhebliche
Sachverhaltsveränderung zu behaupten, um es dann der IV-Stelle zu überlassen, jene
Indizien zu sammeln, die diese Behauptung als glaubhaft erscheinen lassen könnten.
Art. 87 Abs. 3 IVV auferlegt dem Gesuchsteller vielmehr eine "Beweisführungslast", d.h.
er muss selbst, ohne Hilfe der IV-Stelle, jene Indizien sammeln und der IV-Stelle
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vorlegen, die seine Behauptung einer erheblichen Sachverhaltsveränderung als
glaubhaft erscheinen lassen. Die Anwendbarkeit des Untersuchungsgrundsatzes wird
von Art. 87 Abs. 3 IVV ausdrücklich ausgeschlossen. Unterstützt die IV-Stelle einen
Gesuchsteller trotzdem bei der Sammlung von Indizien, so handelt es sich um ein
reines Entgegenkommen, aus dem kein Anspruch auf die Weiterführung dieser
Unterstützung bis zur erfolgreichen Glaubhaftmachung der behaupteten erheblichen
Sachverhaltsveränderung abgeleitet werden kann.
2.
2.1 Der Einspracheentscheid, mit dem die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin eine halbe Invalidenrente zugesprochen hat, datiert vom 27.
Dezember 2004. Damit hat die für den Rentenentscheid massgebende
Sachverhaltsentwicklung geendet. Die beiden Gerichtsurteile vom 11. August 2005 und
vom 8. Februar 2006 haben nur den Sachverhalt, wie er sich zum 27. Dezember 2004
entwickelt hat, gewürdigt. Massgebend ist deshalb die Sachverhaltsentwicklung nach
dem 27. Dezember 2004. Für diesen Zeitraum muss eine erhebliche
Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht werden. Mit dem Revisionsgesuch vom
11. Mai 2006 hat die Beschwerdeführerin eine von Dr. med. A._ am 28. April 2006
ausgestellte Verordnung zur Physiotherapie und ein ärztliches Zeugnis von Dr. med.
A._ vom 17. März 2006 (Arbeitsunfähigkeit 100% ab Ausstellungstag) eingereicht. Dr.
med. A._ hat der Beschwerdeführerin bereits früher Verordnungen zur Physiotherapie
ausgestellt. Eine entsprechende Verordnung ist im Einspracheverfahren am 16.
Dezember 2004 der Beschwerdegegnerin vorgelegt worden. Aus der neuen
Verordnung kann also nicht auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
geschlossen werden. Dem Zeugnis vom 17. März 2006 lässt sich nicht entnehmen, auf
welche Art von Tätigkeit (Erwerb, Besorgung des eigenen Haushalts) sich die
angegebene vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit bezieht. Es ist aber anzunehmen, dass
eine Erwerbstätigkeit gemeint ist. Schon im Verfahren, das zur Zusprache einer halben
Invalidenrente geführt hat, ist für eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% angegeben worden. Wäre das Verfahren zur Prüfung des
Eintretens auf die Würdigung des Rentenrevisionsgesuches und seiner Beilagen
beschränkt, so wäre die behauptete erhebliche Sachverhaltsveränderung also nicht
glaubhaft gemacht.
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2.2 Die Beschwerdegegnerin hat das Verfahren der Eintretensprüfung weitergeführt,
indem sie der Beschwerdeführerin am 16. Mai 2006 die Möglichkeit eingeräumt hat,
weitere Indizien für die behauptete erhebliche Sachverhaltsveränderung beizubringen.
Am 13. September 2006 hat die Beschwerdeführerin weitere medizinische Unterlagen
eingereicht, nämlich Dosierungsanweisungen für verschiedene Medikamente,
Terminangaben für Konsultationen bei Dr. med. A._ und ein ärztliches Zeugnis von
Dr. med. A._ vom 12. September 2006. Laut diesem Zeugnis hatte trotz aller
therapeutischen Massnahmen keine Besserung des Beschwerdebildes erreicht werden
können und die Beschwerdeführerin war schon seit Jahren nicht mehr fähig gewesen,
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die regelmässigen Konsultationen von Dr. med.
A._ und die Verschreibung verschiedener Medikamente sind nicht geeignet, eine
erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes und eine weitere Reduktion
der Arbeitsfähigkeit glaubhaft zu machen, denn darin kann keine Veränderung
gegenüber der Situation am 27. Dezember 2004 erblickt werden. Dasselbe gilt für das
Zeugnis von Dr. med. A._, denn dieses deutet sogar darauf hin, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit Jahren nicht mehr verändert hat.
Auch die Unterlagen, welche die Beschwerdeführerin mit ihrer Stellungnahme vom 16.
Januar 2007 zum Vorbescheid eingereicht hat, vermögen die behauptete erhebliche
Sachverhaltsveränderung nicht glaubhaft zu machen. Der Bericht von Dr. med. E._
vom 8. Dezember 2000 stammt aus der Zeit vor der Zusprache der halben
Invalidenrente und ist deshalb offensichtlich nicht geeignet, eine nach dem 27.
Dezember 2004 eingetretene Veränderung zu belegen. Da auch mit den Ausführungen
der Beschwerdeführerin in der Stellungnahme zum Vorbescheid keine erhebliche
Veränderung glaubhaft gemacht worden ist, hat bis zu diesem Zeitpunkt keine
Möglichkeit bestanden, auf das Rentenrevisionsgesuch einzutreten. Mit der
Anforderung eines Berichtes der Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen hat die
Beschwerdegegnerin deshalb nicht - nach einem vorausgegangenen "unbewussten"
Eintretensentscheid - eine Abklärungsmassnahme im Rahmen eines materiellen
Rentenrevisionsverfahrens angeordnet. Sie hat vielmehr versucht, die
Beschwerdeführerin bei der Glaubhaftmachung zu unterstützen. Im Bericht des
Kantonsspitals St. Gallen vom 6. Februar 2007 ist zwar ausgeführt worden, die
Beschwerdeführerin habe über eine aktuelle Zunahme der bekannten
Beschwerdesymptomatik geklagt. Objektive Anhaltspunkte dafür, dass diese Klage
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berechtigt gewesen wäre, finden sich aber in diesem Bericht nicht. Weder die
bildgebende noch die klinische neurologische Untersuchung hat eine Verschlechterung
des Gesundheitszustandes aufgezeigt. In dem mit der angefochtenen
Nichteintretensverfügung abgeschlossenen Verfahren zur Prüfung des Eintretens auf
das Rentenrevisionsgesuch vom 11. Mai 2006 ist es der Beschwerdeführerin also nicht
gelungen, die behauptete erhebliche Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen.
Die angefochtene Verfügung erweist sich deshalb als rechtmässig.
2.3 Mit dem Erlass der Nichteintretensverfügung am 14. Februar 2007 endete die
Möglichkeit der Beschwerdeführerin, die behauptete Veränderung glaubhaft zu
machen. Da sich die Beschwerdegegnerin beim Erlass dieser Verfügung nur auf die
damalige Indizienlage hat stützen können, muss eine Nachholung der
Glaubhaftmachung gestützt auf das Novenrecht im Beschwerdeverfahren
ausgeschlossen sein. Gegenstand der angefochtenen Nichteintretensverfügung und
damit des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist nur die Feststellung, dass die
Indizienlage am 14. Februar 2007 nicht geeignet gewesen sei, die behauptete
erhebliche Sachverhaltsveränderung als glaubhaft erscheinen zu lassen. Mit der
Zulassung von Indizien, die erstmals im Beschwerdeverfahren vorgelegt worden sind,
würde also unzulässigerweise über den Streitgegenstand hinausgegangen. Ein
gerichtlicher Entscheid, auf das Rentenrevisionsgesuch einzutreten, weil die erst im
Beschwerdeverfahren eingereichten Indizien die behauptete erhebliche
Sachverhaltsveränderung als glaubhaft erscheinen liessen, hätte nämlich zur Folge,
dass vorgängig die rechtmässige Nichteintretensverfügung vom 14. Februar 2007
aufgehoben werden müsste. Das ist verfahrensrechtlich nur als Folge einer
Ausdehnung des Beschwerdeverfahrens auf eine ausserhalb des Streitgegenstandes
liegende Frage zulässig. Im vorliegenden Fall besteht keine Veranlassung, eine
derartige Ausdehnung auf die Frage, ob die erst im Beschwerdeverfahren vorgelegten
Indizien die behauptete erhebliche Sachverhaltsveränderung glaubhaft machen
könnten, vorzunehmen, denn damit wäre kein verfahrensökonomischer Vorteil für beide
Parteien des Beschwerdeverfahrens verbunden. Im übrigen steht es der
Beschwerdeführerin frei, ein neues Rentenrevisionsgesuch zu stellen und die
behauptete erhebliche Sachverhaltsveränderung gegenüber der Beschwerdegegnerin
mit denjenigen Indizien zu belegen, die sie im Beschwerdeverfahren eingereicht hat. Im
Beschwerdeverfahren können die erst mit der Beschwerde und der Replik
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eingereichten Unterlagen also nicht gewürdigt werden. Das Beweisverfahren ist auf die
Indizienlage am 14. Februar 2007 beschränkt. Das gilt auch für die in der Replik
enthaltene Aussage der Beschwerdeführerin, sie wäre aktuell ohne den
Gesundheitsschaden vollzeitlich in der freien Wirtschaft erwerbstätig, da ihre Kinder
nicht mehr so klein seien. Ob diese Aussage geeignet ist, die entsprechende
Sachverhaltsveränderung als glaubhaft erscheinen zu lassen, muss offen bleiben. Der
mit einer solchen Veränderung verbundene Wechsel der Methode zur Bemessung des
Invaliditätsgrades könnte zwar eine erhebliche Veränderung des Invaliditätsgrades der
Beschwerdeführerin bewirken, wenn die Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS für
eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft als überzeugend zu qualifizieren wäre. Ob dies
der Fall wäre, ist aber eher zu bezweifeln, denn die Frage, ob die Restarbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin auf dem freien Arbeitsmarkt verwertbar wäre, ist nicht durch
den medizinischen Sachverständigen, sondern durch den Berufsberater zu
beantworten. Auch der behauptete Statuswechsel hätte von der Beschwerdeführerin
also vor dem Erlass der angefochtenen Nichteintretensverfügung glaubhaft gemacht
werden müssen.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit auf
sie eingetreten werden kann, d.h. soweit sie sich gegen die Aufhebung des
Nichteintretensentscheides der Beschwerdeführerin richtet und das Eintreten auf das
Rentenrevisionsgesuch vom 11. Mai 2006 anstrebt. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens trägt grundsätzlich die unterliegende Partei die Verfahrenskosten. Diese
betragen zwischen Fr. 200.- und Fr. 1000.-. Bemessen werden sie nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser rechtfertigt im vorliegenden Fall eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-. Da der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Prozessführung bewilligt worden ist, ist ihr diese Gerichtsgebühr zwar aufzuerlegen,
aber sie wird von der Bezahlung befreit. Die Beschwerdeführerin ist jedoch zur
Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet, wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse
dies später gestatten sollten. Dasselbe gilt für die als Folge der Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung vom Staat zu übernehmenden Parteikosten.
Diese bemessen sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit
des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Entsprechend der unterdurchschnittlichen
bis
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St.Galler Gerichte
Schwierigkeit des Prozesses rechtfertigt es sich, die Parteikosten auf Fr. 3000.-
festzusetzen. Die Entschädigung dieser Parteikosten beläuft sich gemäss Art. 31 Abs. 3
des st. gallischen Anwaltsgesetzes auf 80%. Der Staat hat den Rechtsbeistand der
Beschwerdeführerin also mit Fr. 2400.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG