Decision ID: abae08ca-f9cb-5b4d-9972-399821c92dac
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1965 geborene
X._
ist seit
dem 4. April 2013 bei der
Y._
AG als Unterhaltsreinigungsmitarbeiterin im Stundenlohn tätig (Urk. 6/11).
Am 15. Januar 2014 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf Angstzustände, Ohnmacht, Atemnot, Knochenschmerzen, Muskelschmerzen und Bronchitis bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 6/2 und Urk. 6/4).
Diese
liess
einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherten
erstellen
(IK-Auszug, Urk.
6/9
) und tätigte
medizinische
und
erwerbliche
Abklärungen
(Urk. 6/10 und Urk. 6/11)
.
In der Folge holte sie
eine Stellungnahme von
Dr.
med.
Z._
, FMH Orthopädische Chirurgie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) ein (Urk. 6/12 S. 3) und verneinte n
ach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
mit Verfügung vom
8. Januar 2015
einen
Leistungs
anspruch der Versicherten (Urk.
6/19
= Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
11. Februar 2015
Beschwerde und beantragte,
es sei ihr eine halbe Rente der Invalidenversicherung aufgrund eines Invaliditätsgrades von 50 % zuzusprechen. Eventualiter seie
n weitere medizinische
Abklärungen vorzunehmen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 19. März 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Beschwerdeführerin am 20. März 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134
V
231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Den RAD-Berichten, die zu den sogenannten versicherungsinternen Beurteilun
gen gehören, kann
Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich wider
spruchsfrei sind und
keine Indi
zien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014
vom 3.
Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E.
5.2;
135 V 465
E.
4.4
und E.
4.7).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass zwar zeitweilig
behandlungsbedürftige
Ein
schränkungen ausgewiesen seien, jedoch ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Es liege kein Gesundheitsschaden im Sinne der Invalidenversi
cherung vor (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber im Wesentlichen geltend,
ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen seien von verschiedenen Fachärzten diag
nostiziert worden. Es müsse mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem dauerhaften IV-relevanten Gesundheitsschaden ausgegangen werden, da die Prognose ungünstig sei.
Dr.
A._
habe sie am längsten und engsten medi
zinisch begleitet und kenne den Sachverhalt am besten. Es sei deshalb auf seine
Einschätzungen
abzustellen
(Urk. 1 S.
4)
.
3.
3.1
Im Bericht der Klin
i
k für Rheumatologie des
B._
vom 15. Februar 2012 betreffend die
Hospitalisation
vom 1
3.
bis 25. Januar 2012 wurden die folgenden Diagnosen gestellt:
z
ur Generalisierung neigendes
myofasziales
Schmerzsyndrom
muskuläre
Dysbalance
und
Dekonditionierung
ANF 1:160 (27.9.11), anti-
dsDNS
negativ, U1RNP 2.8 U/ml (RF bis U/ml), Scl-70 < 0.1 U/ml (RF < 7 U/ml)
Skelettszintigraphie 12.1.12: kein Hinweis auf entzündliche Veränderun
gen im Rahmen einer rheumatologischen Erkrankung. Arthrose des Os
lunatum
links sowie
Sternoclaviculararthrose
beid
seits
Thorako-lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
Verdacht auf Segmentdysfunktionen der mittleren BWS, klinisch thora
kaler Flachrücken
c
hronisch
asthmoide
Bronchitis
anhaltender Nikotinkonsum
kummulativ
> 18py
aktuell nikotinabstinent
u
nklare kontrollbedürftige Transparenzminderung links im
Thoraxröntgen
bild
Es wurde eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit während der
stationären
Hospitalisa
tion
(
1
3.
bi
s 25.
Januar 2012
)
sowie vom 26. Januar bis 10.
Februar 2012 attes
tiert. Anschliessend wurde eine Arbeitsintegration zu
50 % empfohlen (Urk. 6/10 S. 5
f.).
3.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Chirurgie, diagnostizierte
in seinem Bericht vom 13. November 2012 betreffend die
Hospitalisation
vom 1
1.
bis 13. November 2012 eine symptomatische
Cholezystolithiasis
. Am 12. November 2012 wurde eine
laparoskopische
Cholezystektomie
durchgeführt (Urk. 6/10 S. 11).
3.3
Im Bericht der medizinischen Klinik des Spitals
D._
vom 25. Juni 2013
betref
fend die
Hospitalisation
vom 2
2.
bis 25. Juni 2013
wurde
die Diagnose eines
vertebra
genen
Schmerzsyndrom
s
thorakolumbal
gestellt
.
Es wurde
eine Arbeits
unfähigkeit bis zum 28. Juni 2013 attestiert (Urk. 6/10 S. 9).
3.4
Im Bericht der chirurgischen Klinik des Spitals
D._
vom 17. März 2014 betref
fend die Konsultation vom 13. März 2014
wurde
n
ein unklarer
druckdolenter
Weichteiltumor subkutan Oberschenkel links
dorso
-medial sowie Panikattacken diagnostiziert (Urk. 6/10 S. 12).
3.5
Der Hausarzt der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Medizin,
nannte
in seinem Bericht vom 27. März 2014 die folgen
den Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
c
hronisches generalisiertes Schmerzsyndrom
DD: lumbale oder
cervicale
Discopathie
, enger Spinalkanal
c
hronisch
asthmoide
Bronchitis
Als Dia
g
n
osen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
erwähnte
er die Folgen
den:
Adipositas
St. n.
Cholezystektomie
Weichtei
ltumor Oberschenkel links unklarer Dignität
Als Befund erhob er einen starken Druckschmerz und Hartspann paravertebral entlang der Wirbelsäule. Die Beweglichkeit der
Halswirbelsäule (
HWS
)
und
der Lendenwirbelsäule (
LWS
)
sei schmerzhaft und deutlich eingeschränkt. Die Prog
nose sei ungünstig. Im aktuellen Zustand sei die Beschwerdeführerin für eine körperlich leichte Tätigkeit maximal zu 50
% arbeitsfähig (Urk. 6/10 S. 1
f.).
3.6
In seiner Stellungnahme vom 24. Mai 2014 führte RAD-Arzt
Dr.
Z._
aus, es seien zwar zeitweilig medizinisch
behandlungsbedürftige
Gesundheits
störungen ausgewiesen, jedoch genügten diese hinsichtlich einer allfälligen
IV-Relevanz, d.h. ohne bisher sichere organpathologische Zuordnungen und ohne dokumentierte dauerhafte schlüssig nachvollziehbare Arbeitsunfähigkeit, den erforderlichen Kriterien nicht. Aufgrund der Aktenlage sei kein dauerhafter IV-relevanter Gesundheitsschaden überwiegend wahrscheinlich (Urk. 6/12 S. 3).
4.
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass die Beschwerdefüh
r
erin an
einem
chronischen generalisierten
Schmerzsyndrom leidet.
Die
Skelettszintigra
phie
vom 12. Januar 2012 ergab keinen Hinweis auf entzündliche Veränderun
gen im Rahmen einer rheumatologischen Erkrankung.
Beim klinischen
Ein
trittsuntersuch
im
B._
am 13. Jan
uar 2012
wurde
eine deutliche muskuläre
Dysbalance
bei
Dekonditionierung
festgestellt
(Urk. 6/10 S. 5)
.
Objektive somatische Befunde, welche funktione
lle Auswirkungen zur Folge
hätten
, wurden
nicht erhoben.
Die weiteren
gestellten
Diagnosen
(
chronisch
asthmoide
Bronchitis, Adipositas, Status nach
Cholezystektomie
,
Weichteiltu
mor
Oberschenkel links
)
haben keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und sind somit invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant.
Da sich die Beschwerdeführerin nicht in psychiatrischer Behandlung befindet, ist nicht anzunehmen, dass ein invalidenversicherungsrechtlich bedeutsames psychisches Leiden vorliegt.
Bei den im Bericht der chirurgischen Klinik des Spitals
D._
vom 17. März 2014 erwähnten Panikattacken (Urk. 6/10 S. 10) handelt es sich
jedenfalls
nicht um eine fachärztlich gestellte Diagnose.
Offen
bar erachtete es auch der Hausarzt
der Beschwerdeführerin
bisher nicht
als
not
wendig, eine psychiatrische Abklärung respektive Behandlung zu veranlassen.
Unter diesen Umständen besteht
auch
kein
Grund
für
eine psychiatrische
Begut
achtung.
Die
von
Dr.
A._
aufgrund von Druckschmerz und Hartspann
paraverteb
ral
entlang der Wirbelsäule und schmerzhafter Einschränkung der Beweglichkeit der HWS und LWS attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % für eine körperlich leichte Tätigkeit (Urk. 6/10 S. 2) wird
weder
durch objektive Befunde untermau
ert
noch näher begründet.
Weshalb der Beschwerdeführerin auch eine körperlich leichte Tätigkeit bloss zu 50
%
zumutbar sein soll, geht aus seinem Bericht nicht hervor.
Es entsteht der Eindruck, dass
Dr.
A._
bei seiner Beurteilung auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin abgestellt hat, ohne diese kri
tisch
zu hinterfragen. Es entspricht denn auch einer Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V
351 E. 3b/cc
mit Hinweisen).
Die Beurteilung
von
Dr.
A._
vermag deshalb nicht zu überzeugen.
Eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit ist den Akten im Übri
gen nicht zu entnehmen.
Die Beurteilung des RAD-Arztes
Dr.
Z._
wurde in Auseinandersetzung mit den vorliegenden Arztberichten vorgenommen und erscheint überzeugend, weshalb darauf abge
stellt werden kann.
Somit ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass kein
invaliden
versicherungs
rechtlich
relevanter Gesundheitsschaden
vorliegt
.
Weitere Abklärungen erübri
gen sich
.
Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).