Decision ID: 4b30c17d-a781-44f3-a7a5-caf37a20654b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1969
geborene
X._
verfügt über eine Büro
ausbildung bei der
Z._
, einen eidgenössischen Fa
chausweis als Marketingplanerin und
zusätzliche Weiterbildungen
(
Urk.
14/62/25
, 14/62/20, 14/62/17)
sowie
langjährige Berufserfahrung
im Finanzsektor
(vgl. Lebenslauf
Urk.
14/62/1).
Vom
1.
September 2008 bis 3
1.
März 2014 war sie bei der
A._
LTD angestellt
(
Urk.
14/62/5). V
om
1.
April bis 3
1.
Mai
2014
arbeitete
sie bei
der
B._
AG
(
Urk.
14/62/
4
)
.
Ab
1.
Juni
2014 war sie
bei
Arbeitslosenversicherung
gemel
det und bezog bis 2
8.
August 2014 Arbeitslosentaggelder
(
Urk.
14/86/8-9). V
om 1.
September 2014 bis 3
1.
Mai 2015
(
Urk.
14/62/3
)
war sie bei der
Y._
angestellt.
Unter Angabe von
gesundheitlichen Beeinträchtigungen
aufgrund
eine
r
seit dem Jahr 2013 bestehenden ANCA-negativen
Granulomatose
mit
Polyangiitis
meldete sie sich
erstmals
am 2
6.
September 2013 zum Bezug von Leistungen
bei der E
id
genössischen Invalidenversicherung an (
Urk.
14/2
Ziff.
6).
Mit Verfügung vom 2
2.
Mai 2014
verneinte
die
zuständige
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
einen Anspruch auf IV-Leistungen
mit der Begründung
,
das Wartejahr
sei noch
nicht erfüllt und ab
1.
Januar 2014
bestehe wieder
eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
14/24)
.
1.2
Am
8.
Juni 2015
meldete
sich
die Versicherte
erneut zum
Leistungsb
ezug
bei der Invalidenversicherung
an (
Urk.
14/26). D
ie IV-Stelle
, welche vorerst angekündigt hatte
,
auf das Leistung
s
begehren nicht
einzutreten (Vorbescheid vom 1
6.
Juli 2015,
Urk.
14/40),
tätigte
Abklärungen in medizinis
cher und erwerblicher Hin
sicht
und
gewährte
berufliche Eingliederungsmassnahmen im Sinne eines Belast
barkeitstrainings in der
C._
(
Urk.
14/76
,
Urk.
14/81). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
14/102
) sprach sie der Versicherten
mit Verfügung vom
1
1.
Dezember 2017 (
Urk.
14/117
-118
) mit Wirkung
von März bis Juni sowie
ab 1.
November 2016 eine ganze Rente zu. Diesen Entscheid zog die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
1.
Dezember 2017 in dem Sinne in Wi
e
dererwägung
,
als sie
eine
ganze Rente
durchgehend
ab
1.
März 2016 gewährte (
Urk.
14/125 und
Urk.
14/121
-122
).
1.3
Auf entsprechendes Gesuch der
Versicherten hin verneinte die Pensionskasse der
Y._
mit Schreiben vom
1
6.
Mai 2018 eine Leistungs
pflicht
aus der beruflichen Vorsorge
(
Urk.
2/2
).
2.
Mit Eingabe vom 2
8.
September 2018 erhob
X._
Klage
gegen
die Pensionskasse der
Y._
[Beklagte 1] und gegen
die
Fondation
Patrimonia
[Beklagte 2]
mit folgendem Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2):
1.
Es seien der Klägerin zulasten der Beklagten 1 eventuell der Beklagten 2 die gesetzlich und reglementarisch geschuldeten Renten von mindestens Fr.
45'149.--
evtl.
Fr.
60'048.-- pro Jahr zuzusprechen plus Zins zu 5
%
ab heute.
2.
Eventuell seien die Pensionskasse der
B._
und/oder die Stiftung Auffangeinrichtung BVG, Postfach, 8050 Zürich, bei
zuladen.
3.
Die Beklagten seien zu verpflichten, ihre vollständigen Dossiers mit den Berechnungsgrundlagen für eine gesetzliche und eine reglementarische Rente zu edieren und detailliert zu begründen.
4.
Es sei der Klägerin Gelegenheit zu geben, nach Edition der gesamten Akten, Berechnungen und Begründungen zur Höhe der geschuld
eten Renten Stel
lung zu nehmen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklag
ten
1 respek
tive
der Beklagten 2.
Die
Fondation
Patrimonia
ersuchte am 1
0.
Oktober 2018
um Abweisung der gegen sie g
erichteten Klage (
Urk.
6). Mit Klageantwort vom 21
.
Januar 2019 (
Urk.
11
) beantragte die
Pensionskasse der
Y._
die A
bweisung der gegen sie gerichte
ten Klage. Nachdem mit Verfügung
vom 23
.
Januar 2019 (
Urk.
12
) die Akten der IV-Stelle
beigezogen worden waren (
Urk.
14
), hielten
die Parteien
replicando
(
Urk.
18) und
duplicando
(
Urk.
21
und
Urk.
25) an den gestellten An
trägen fest; letzteres wurde der
Kläger
in
am
2
8.
August 2019
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
26).
Am 1
5.
November 2019 reichte die Klägerin weitere Unterlagen ein (
Urk.
27 und
Urk.
28).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
24
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenvorsorge (BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des
Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmun
gen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
Art.
29
des
Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlos
sen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeit
punkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG in Verbin
dung mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausge
schieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
unterstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss
Art.
23 BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40
%
invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach
Art.
23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der relevan
ten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in wel
chem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versi
cherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Ver
schlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetrete
ne
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrich
tung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vorsorge
verhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (
Art.
26
Abs.
3 BVG e
contrario
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
1.3
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorgeein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die
Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversiche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach
Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidi
sierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invali
dität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeit
lichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Zu berücksichtigen sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, nament
lich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hin
weisen).
Eine Unterbrechung des zeitlichen Konnexes ist
etwa
dann anzunehmen, wenn während mehr als dreier Monate eine Arbeitsfähigkeit von über 80
%
gegebe
n ist (BGE 144 V 58 E. 4.5
), sofern sich eine dauerhafte Wiedererlangung der Arbeits
fähigkeit als objektiv wahrscheinlich darste
llt (BGE 134 V 20 E. 3.2.1
). Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als dreimonatige Tätigkeit als Eingliederungsversuch zu werten ist oder massgeblich auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte und eine dauerhafte Wiedereingliederung unwahr
scheinlich war (BGE 134 V 2
0 E. 3.2.1; 123 V 262 E. 1c
; Urteil 9C_245/2017 vom 1
1.
Dezember 2017 E. 4.2).
1.4
Die Arbeitsunfähigkeit ist relevant, wenn sie mindestens 20
%
beträgt und sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leis
tungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Der Zeitpunkt des Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf
nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt wer
den (Urteil des Bundesgerichts 9C_91/2013 vom 1
7.
Juni 2013 E. 4.1.2 mit Hin
weisen).
1.5
Die Vorsorgeeinrichtungen sind im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der Organe der Invalidenversicherung gebun
den, soweit die invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint. Die Bindungswirkung entfällt, wenn die Vorsorgeeinrichtung nicht (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
Art.
73ter
der
Verordnung
über die Inva
lidenversicherung, IVV
) einbezogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen).
2.
2.1
Die
Kläger
in
führte zur
Klagebegründung aus (
Urk.
1 S. 5
f.),
sie sei
über die
Zustellung der Entscheide der Invalidenversicherung
an die Beklagte 1 nicht voll
ständig dokumentiert. Aus der K
orrespondenz
ergebe sich aber, dass
die Beklagte 1
die Akten der IV
gekannt
und
geprüft habe. S
ollte
somit
ein
Eröffnungsmangel vorliegen,
wäre eine Heilung dieses Mangels und eine Bindungswirkung gegen
über der Beklagten 1 denkbar.
Der Gesundheitsschaden, welcher zur Zusprechung der Invalidenrente geführt habe, sei im Wesentlichen der gleiche,
welcher 2013 erstmals aufgetreten
sei und bereits damals Arbe
itsunfähigkeiten begründet habe
.
Vom sachlichen Zusam
menhang
her seien
daher
sowohl die Beklagte 1 wie auch die Beklagte 2
für die Leistungen zuständig und die Leistungspflicht entscheide sich
in d
er Anwendung der Rechtsprechung
zum zeitlichen Konnex
(S. 7 f.)
.
Zwischen September 2014 und März 2015 gebe es keine echtzeitliche Arbeitsunfähigkeit und
sie
habe bei der
Y._
ab
1.
September 2014 als Senior Kundenberaterin in einer ver
gleichbaren Tätigkeit wie zuvor gearbeitet
und sowohl qualitativ als auch quan
titativ gute Leistungen erbracht. Durch diese Wiedererlangung der Erwerbsfähig
keit sei ein Unterbruch des zeitlichen Konnexes erfolgt
(
S. 8 f.). Sollte die Beklagte 1 nicht für zuständig erachtet
werden, so sei
es die Beklagte
2 aufgrund einer
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
zufolge der
Ende 2
012 ausgebrochene
Granulomatose
, welche schliesslic
h als Morbus
Behcet präzisiert worden sei
(S.
11).
Die Anstellung vom
1.
April bis 3
1.
Mai 2014 bei der
B._
mit Kündigung in der Probezeit sei als Arbeitsversuch zu werten
und in der Periode vom
1.
J
uni bis
31.
August 2014, in welcher
sie
beim RAV angemeldet gewesen sei
,
und für die Monate Juli und August
in der sie
Arbeitslosentaggeld bezogen habe, sei sie nicht krankgeschrieben gewesen und sie habe sich um weitere Anstellungen bewerben können
,
bevor sie bei der
Y._
ab
1.
September 2014 die Anstellung angetreten
habe
. Der zeitliche Konnex sei damit kaum unterbrochen. Sollte aber eine andere Ansicht vertreten werden, seien die Pensionskasse der
B._
oder die Auffangeinrichtung BVG betroffen und in diesem Eventualfall beizuladen (S. 1
1 f.
).
Für den Fall der Leistungspflicht der Beklagten 1 ergebe sich aus dem Vorsorge
ausweis vom 2
7.
Februar 2015 eine Invalidenrente von
mindestens
Fr.
45'149.-- pro
Jahr
und gemäss Reglement beginne der Anspruch, sobald die Versicherte keinen Lohn mehr beziehe. Da sie bis 3
1.
Mai 2015 Lohn bezogen habe, beginne der Rentenanspruch ab
1.
Juni 201
5.
Gemäss der
Austrittsabrechnung
der Beklagten 2
betrage die
Invalidenrente per
1.
Januar 2014
Fr.
60'048.--
pro Jahr
.
Daraus ergebe sich eine jährliche Invalidenrente von mindestens
Fr.
60'048.--, spätestens ab März 201
6.
Darüber hinaus seien die Leistung
en
aus beruflicher Vorsorge
entsprechend
reglementarische
r
Bestimmungen
oder bei Fehlen mit 5
%
Verzugszins
auszurichten (S. 13 f.
)
.
I
n ihrer Replik hielt sie fest (
Urk.
18 S.
2
),
in Bezug auf die Beklagte 2 sei
bestrit
ten, dass
sie
nicht
zum übernommenen Rentnerbestand gehö
re und selbst wenn sie nicht
als pendenter Krankheitsfall gemeldet worden wäre
,
so wäre von einem latenten Leistungsfall auszugehen und sie bei der Beklagten 2 versichert.
D
ie Pas
sivlegitimation der Beklagten 2
könne daher
nicht vernein
t werden (S. 2 f.).
Bezüglich Beklagte 1
treffe nicht zu
(S. 10
f.
)
, dass sie ihre Arbeitsleistung bei der
Y._
nicht erbracht habe, ansonsten sie bereits die Probezeit nicht bestanden hätte. Ihre Gesundheitsproblematik sei nie ein Thema gewesen, da sie ihre Leistung immer mindestens zu 100
%
erbracht habe. Sie habe mit
anderen Kundenberatern zusammen
gearbeitet
,
Mitarbeitergespräche mit Vorgesetzten
geführt etc.
Dabei
sei
en
etwa das zu hohe Arbeitsvolume
n und das zu hohe Arbeitspensum
von elf Stunden pro Tag, jedoch nie e
ine Leistungseinschränkung oder
der Gesundheitszustand
diskutiert worden
. Erstmals anlässlich de
r Kündi
gung vom 2
0.
Februar 2015 zufolge
der zu hohen Arbeitsbelastung
sei
auch die Körperschwäche zur Rede
gekommen
.
Nichts
Anderes
ergebe
sich
auch aus dem Arbeitszeugnis.
2.2
2.2.1
Die Beklagte 1 stellte sich demgegen
über auf den Standpunkt (
Urk.
11 S. 6
ff.
),
die Klägerin habe die Stelle bei der
Y._
AG am
1.
September 2014 mit einem Pensum von 100
%
angetreten. Die Ausführungen der Klägerin im
Gesundheitszustandserfassungsblatt liessen aber darauf schliessen, dass nie eine effektive Leistungsfähigkeit/Arbeitsfähigkeit von mehr als 80
%
erreicht worden sei. Ihre Gesundheitsumschreibung illustriere, dass bereits ab Mitte Oktober 2014 klar
gewesen
sei, dass eine dauerhafte Wiedereingliederung objektiv unwahr
scheinlich
geworden sei. S
pätestens ab dem
4.
Dezember 2014 müsse von einem Rückfall beziehungsweise einem missglückten Eingliederungsversuch ausgegan
gen werden.
V
om
3.
Februar bis am 2
7.
Februar
2015
habe die Klägerin
Ferien bezogen, wobei sich aus dem
Gesundheitszustandserfassungsblatt
ergebe, dass sich
auch in dieser Zeit keine gesundh
eitliche Verbesserung ein
ge
stellt habe
und die
Schmerzen und die Schlaflosigkeit dermassen gravierend gewesen
seien
, dass
sie
noch während ihren Ferien, am 2
0.
Februar 2015 gekündigt habe.
Die Krank
heit, welche zur Invalidisierung
geführt habe
, bestehe seit Januar 2013 und Anfang 2014 habe die Klägerin entgegen der Empfehlung ihres Arztes darauf verzichtet, sich weiterhin krankschreiben zu lassen. Sie sei hochmotiviert
gewe
sen
, den Berufseinstieg wieder zu schaffen. Leider sei ihr dies nicht gelungen. Nach einem missglückten Arbeitsversuch bei der
B._
AG habe es die Klägerin bei de
r
Y._
AG versucht
. Die Anstellung bei der
Y._
AG stelle einen missglückten Eingliederungsversuch dar, welche
r
den zeitlichen Konnex nicht zu unterbrechen vermöge.
Zur Bindungswirkung sei anzumerken, dass die IV-Stelle bei einer Anmeldung im Juni 2015 nicht verpflichtet gewesen sei, bis in das Jahr 2012/2013 oder noch weiter zurück Abklärungen zu treffen, da dies auf den Leistungsanspruch gegen
über der Invalidenversicherung keine Auswirkungen gehabt hätte. Damit bestehe keine Bindungswirkung der Verf
ügung der Invalidenversicherung
bezüglich des Eintritts der massgeblichen Arbeitsunfähigkeit, die später zur Invalidität geführt habe.
2.2.2
Die Beklagte 2 machte geltend (
Urk.
6
S.
2
f.),
es treffe zu, dass sie per l. Januar 2017 von der
Fondation
de
prévoyance
en
faveur
du
personnel
de
A._
Ltd. et
sociétés
apparantées
, mit Sitz
in
D._ (nachfolgend "E
._
")
einen Rentnerbestand übernommen habe. Die Klägerin habe jedoch weder zum über
nommenen Rentnerbestand gehört noch sei sie als pendenter Krankheitsfall gemeldet worden, da sie zu diesem Zeitpunkt längst bei der
A._
ausgetreten sei. Aus diesem Grund verfüge sie (Beklagte 2) über keinerlei Akten oder Unterlagen zur Klägerin. Die Klägerin sei auch heute nicht bei ihr versichert. Die Beklagte 2 sei daher im vorliegenden Verfahren nicht passivlegitimiert.
Es tr
effe auch nicht zu, dass die E
._
liquidiert worden sei. Diese Stiftung sei zwar in Liquidation gesetzt worden, aber immer noch im Handels
register einge
tragen und verfüge
auch über einen Liquidator. Wolle die Klägerin Ansprüche im
Zusammenhang mit ihrer früheren Anstellung bei der
A._
geltend machen, müsse sie daher die PK
A._
einklagen. Ein
er
Klage gegen
PK
A._
sei auch kein Erfolg beschieden, da gemäss
den Feststellungen der IV die rent
enauslösende Arbeits
unfähigkeit ab März 2015 eingetreten sei und
die Klägerin nur bis am
3
1.
März
2014 bei der
A._
gearbeitet habe.
3.
3.1
Die Ärzte der Klinik für Rheumatologie
des
Universitätsspitals
F._
wie
sen
im Bericht vom
2
0.
November 2013
(
Urk.
14/15)
auf die stationäre
n
Behand
lungen vom 2
1.
Januar bis
1.
Februar und vom 1
3.
bis
1
5.
August 2013 hin. Als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannten
sie eine
ANCA-negat
ive
Granulomatose
mit
Polyangii
tis
bestehend
seit Januar 2013
und
als
Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
en
Diabetes mellitus Typ 1 mit Erstdiagnose
198
6.
Die 43-jährige Klägerin habe im Dezember 2010 erst
mals unter Halsschmerzen gelitten, welche trotz rezidivierend negativen Abstri
chen am ehesten als Tonsillitis beurteilt worden seien. Auf Antibiotika-Therapie habe sie gut angesprochen, in Folge aber rezidivierende Tonsillitiden erlitten, wobei im Winter 2012/2013 erstmals ein Therapieversagen unter Antibiotika fest
gestellt
worden sei
. Im Verlauf sei die Diagnose einer ANCA-negative
n
Granulo
matose
mit
Polyangiitis
und einer anhaltenden Affektion des HNO-Bereich
s
gestellt und eine kombinierte
immunosuppressive
Therapie mit
Imurek
und Pred
nison etabliert worden. Dieses Therapieregime habe sich ungünstig auf die Blut
zuckerkontrolle bei bekanntem Typ 1 Diabetes ausgewirkt
und es sei ein
ergän
zender Ther
a
pie
versuch mit
Colchic
in
gestartet worden. Unter aktueller immun
suppressiver Therapie und aktuell isoliertem HNO-Befall sei die Prognose grund
sätzlich
gut
, der klinische Verlauf aber abzuwarten. Bei weiterhin günstigem Ver
lauf unter aktueller Therapie könne die angestammte Tätigkeit voraussichtlich
wieder aufgenommen
werden und die aktuelle medikamentöse Therapie sollte die Arbeitsfähigkeit nicht einschränken
.
3.2
Dr.
G._
, Arzt für allgemeine Medizin FMH, führte im Bericht vom 2
6.
März 2014 (
Urk.
14/20)
eine
granulomatö
se
Polyangiiti
s
seit Mai 2013 und ein
reakti
ves
depressives
Zustandsbild seit August 2013 auf
.
Die Behandlung der Klägerin bei ihm erfolge
sei
t
2
3.
Juli 2013
und
bestehe in einer Gesprächspsychotherapie. Die Prognose sei günstig und die Medikation würde von der Universitätsklinik festgelegt. Medizinisch begründete Arbeit
sunfähigkeiten bestünden vom 8.
August bis 3
1.
Dezember 2013 zu 100
%
.
Zur
Frage
, i
st die bish
erige Tätigkeit
aus medizinischer Sicht
noch zumutbar
,
antwortete der Arzt,
«zu 100
%
»
(
Ziff.
1.7) und zur Frage,
ob
mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit
bzw. Erhöhung der Einsatzfähigkeit gerechnet werden
könne
,
hielt er fest
:
«
Ja zu
100 %
ab
1.
Januar 2014
»
(
Ziff.
1.9)
.
3.3
Am 1
9.
August 2014 (
Urk.
19/1)
führte
Dr.
H._
, FMH Innere Medizin, Immunologie, Allergologie
, aus
, er bestätige, dass die Klägerin zum jetzigen Zeit
punkt unter keinen gesundheitlichen Einschränkungen leide.
Im Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 1
2.
März 2015 (
Urk.
14/25/1) attestierte
Dr.
H._
vom
1
3.
März bis
4.
April 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
.
In einem weiteren ärztlichen Zeugnis vom 1
2.
März 2015 (
Urk.
14/42/9) hielt er fest, er bestätige, dass die Klägerin ihre Arbeitsstelle auf seine Empfehlung hin aus gesundheitlichen Gründen gekündigt habe.
3.4
Im Bericht des
F._
über das Konsilium ORL vom 1
4.
April 2015 (
Urk.
14/36/9-10)
bat
die zuständige Assistenzärztin
Dr.
I._
unter Hinweis
auf
beste
hende
rezidivierende Aphten
enoral
und Hypopharynx
seit Dezember 2014
,
a
ktuell im vorderen Gaumenbogen links
,
sowie
eine seit drei Wochen bestehende blutige Rhinitis
um eine
Standortbestimung
.
Die zuständigen Ärzte führten aus, d
ie linksseitigen Halsschmerzen mit Ausstrahlung ins linke Ohr seien am ehesten durch die
aphtöse
Läsion an der
Epiglottis
links und die kleineren Läsionen im
Epipharynx
zu erklären.
Im Austrittsbericht vom 2
2.
April 2015 über die
Hospitalisation
vom 1
4.
bis 22.
April 2015
(
Urk.
14/36/1-8)
gab
en
die
Ärzte
an,
die Z
uw
eisung
sei
zur
Stand
ortbestimmung und Etablierung einer Basistherapie bei ANCA-negativer
Gra
nulomatose
mit
Polyangii
tis
erfolgt
. Seit Dezember 2014
sei
es offenbar zu einer kontinuierli
chen Verschlechterung des zuvor
unter
Col
chicin
relativ stabilen Krankhei
tsbildes gekommen. Die
Klägerin habe insbesondere unter
rezidivierend auftretenden,
enoralen
Aphten und Myalgien der distalen
Extremitäten, betont im linken Unterschenkel
,
gelitten. Zusätzl
ich
seien
seit Ende Februar
(2015)
ma
s
sive, Tag und Nacht andauernde
Kopfschmerzen aufgetreten. Trotz wiederholter, peroraler
Prednisonstösse
n
hätten
sich
die Beschwerden
seit Janua
r 2015 nicht merklich gebessert. L
ediglich die Myalgien
seien unter Prednison
regredient
gewesen,
während die
Aphten auch unter 20mg Prednison täglich weiterhin
auf
getreten seien. Seit drei Wochen habe auch eine
blutige Rhinitis
bestanden.
Bis auf die
glottischen
Granulationen habe sich kein Hinweis auf eine systemische Beteiligung der
Granulomatose
gezeigt. Aufgrund der
glottischen
Beteiligung mit potentieller Gefährdung der Atemwege sei jedoch eine immunmodulierende The
rapie mit
Rituximab
für indiziert erachtet worden. Die Klägerin habe am 2
1.
April 20
15 in gutem Allgemeinzustand entlassen
werden können. Es wurde ein
e
100%ige
Arbeitsunfähigkeit
vom 1
1.
April bis 1
5.
Mai
2015
attestiert.
3
.5
Mit Zeugnis vom 1
1.
Mai 2015 (
Urk.
14/25
/
2-
4)
bescheinigte
n
d
ie Ärzte des
F._
unter Hinweis auf
eine
ambulante Behandlung
eine
Arbeitsunfähigkeit
von 100
% vom
5.
April bis 3
1.
Mai 2015.
Die Psychiaterin
J._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
bescheinigte am
1.
Juni 2015
(
Urk.
14/25/5)
eine
100%ige
Arbeitsunfähigkeit
vom
1.
bis 3
0.
Juni 2015.
Dr.
K._
vom regionalen ä
rztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle hielt in ihrer Aktenbeurteilung vom 1
4.
Juli 2015 (
Urk.
14/39/2) fest, die aktuellen Berichte des
F._
stellten
bei Vorliegen einer
ANCA-negative
n, lokalisierten
Granulo
matose
mit
Polyangiitis
und Anpassung der Medika
tion überwiegend wahr
scheinlich
eine latente und keine dauerhafte Verschlechter
ung des Gesundheits
zustandes dar
.
3.6
Im
Austrittsbericht des
F._
vom 2
4.
Dezember 2015 (
Urk.
14/49) über die
Hos
pitalisation
vom 1
7.
bis
2
4.
Dezemb
er 2015
stellten
die Ärzte
die
fo
l
g
enden Diagnosen
:
1.
Morbus Behcet (Erstdiagnose Dezember
2015
)
2.
Diabetes mellitus Typ 1 (Erstdiagnose
1986
)
3.
R
eaktive Depression im Rahmen der Diagnose 1 und 4
4.
Hordeulum
Unterlid rechts temporal
5.
Cervikocephales
Schmerzsyndrom
6.
Histologisch leicht aktive
helicobacter
pylori
Gastritis
7.
Os
teopenie
Die
Klägerin
sei
von der Immunologie bei Verdacht auf akuten Schub eines Mor
bus Behcet zugewiesen worden. Klinisch habe
sie sich
bei Eintritt in einem deut
lich reduzierten Allgemeinzustand präsentiert.
Es sei
en neu
ein
Erythema
nodosa
an mehreren Körperstellen, Aphten oral und genital sowie invalidisierende
Tendinopathien
und Arthralgien
aufgetreten.
Laboranalytisch hätten deutlich erhöhte Entzündungsparameter imponiert.
Am 2
4.
Dezember
2015
sei
die Kläge
rin in einem gebesser
ten Allge
meinzustand nach Hause ausgetreten.
3
.7
Im Formularbericht zu Händen der Invalide
nversicherung vom 2
8.
Januar 201
6 (
Urk.
14/51) führte die behandelnde Psychiaterin
J._
aus (
Ziff.
1.4),
die Kläge
rin komme mittlerweile seit Mai 2015 regelmässig und zuverlässig in die Sprech
stunde. Der Verlauf sei bisher geprägt von Krisen und Notsituationen auf soma
tischer wie auch psychischer Ebene
gewesen
. Aufgrund ihres schlechten psychi
schen Zustandes seien die Konsultationen anfänglich zweimal pro Woche erfolgt. Begleitend zur psychischen Erkrankung leide sie an einer selten
en
Form einer
Vaskulitis
, im Zuge derer sie bereits im Jahr 2013 me
hrmalig über längere Zeit
räume a
rbeitsunfähig gewes
en sei und auch stationär habe h
ospitalisiert werden müssen. Die Diagnosen seien durch
die
Rheumatologen und Immunologen im Verlauf der letzten Jahre jeweils ge
ändert und angepasst worden und es bestehe eine
andauernde Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit 1
2.
Mai 2015
(
Ziff.
1.6).
3.8
Die zuständigen Ärzte des
F._
wiesen
im Bericht vom
9.
März 2016
(
Urk.
14/55)
auf
einen schweren chronischen Verlauf eines Morbus Behcet mit bipolarer
Aph
tose
mit intermittierend schwere
r
Beeinträchtigung des Schluckens, Fieber, Haut
beteiligung mit Erythema
nodosum
, Myalgien, Arthritiden/Arthralgien,
Te
ndino
pathien
und
Gastrointestinale Blutung (
Zökum
)
hin
. Es wurde eine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 1
3.
März 2015 bis 1
2.
März 2016 attestiert.
Im Bericht vom
6.
April 2017 (
Urk.
14/94) hielt der zuständige Arz
t des
F._
fest, es bestehe
bei chronischer Erkrankung eine reaktive Depression und eine sehr starke Erschöpfbarkeit. Eine Wiederaufnahme der angestammten Tätigkeit sei nicht realistisch, auch nicht niedrigprozentig, da der normal geforderte Arbeits
rhythmus nic
ht eingehalten werden könne.
3.9
Die RAD-Ärztin
Dr.
K._
hielt in ihrer Aktenbeurteilung vom 2
8.
Juni 2017 (
Urk.
14/100/5 f.) fest,
ein Belastbarkeitstraining bei
C._
sei am
3.
Oktober begonnen und am
4.
November 2016 abgebrochen worden, nachdem eine Stei
gerung auf mehr als zwei Stunden pro Tag nicht möglich gewesen sei. D
ie Arzt
berichte stimmten in ihren Beurteilungen weitgehend überein.
Trotz aller Bemü
hungen sei keine verwertbare Arbeitsfähigkeit erreicht worden und es müsse ab 1
3.
März 2015 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden.
4.
4.1
Aufgrund der medizinischen Akten ist erstellt, dass
die
Klägerin bereits im
Dezember 2010
über Schmerzen klagte
, die
als Tonsillitis
beurteilt und
Anfang 2013
der Diagnose einer
ANCA-negative
n
Granulomatose
mit
Polyangiitis
zuge
ordnet wurden
.
Im weiteren Verlauf und n
ach einer
Hospitalisation
im
Dezember 2015
wurde
die
Diagnose eines
Morbus Behcet
(E. 3.4 ff.)
gestellt und bei
schwe
rem
chronischem
Verlauf
letztlich
von einer dauernden 100%igen Arbeitsunfä
higkeit ausgegangen
(E. 3.7 ff.).
Ein sachlicher Zusamm
enhang zwischen der im Jahr 2010
diagnostizierten
Ton
sillitis
und der eingetretenen Invalidität ist damit gegeben, was auch von
beklag
te
r
Seite
nicht bestritten wurde (vgl. E. 2.2 hiervor).
Sodann wurde
auch
die In
validitätsgradbemessung der IV-Stelle und der ermittelte Invaliditätsgrad von
100
%
durch die Beklagte
n
zu Recht nicht in Zweifel gezogen.
4.2
Was den Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit anbe
langt, setzte die IV-Stelle den Beginn der Wartezeit
in ihrer Rentenverfügung vom 2
1.
Dezember 2017
auf den
1
3.
März 2015 fest (vgl.
Urk.
14/
122/1
).
Die Akten ergeben keine Anhaltspunkte, dass die Rentenverfügung der Invali
denversicherung ausser der Stiftung für Auffangeinrichtung BVG weiteren Ein
richtungen der beruflichen Vorsorge
, wie der Beklagten 1 oder der Beklagten 2
zugestellt
(
Urk.
14/121 S. 2) und
sie
ins Verwaltungsverfahren einbezogen wur
den (
Urk.
14/102 S. 3, vgl.
Urk.
14/100/7
)
.
Mit Blick auf den Eintritt der massgeb
lichen Arbeitsunfähigkeit trifft die
Beklagte 1 und die Beklagte 2
somit auch keine Bindungswirkung und einer freien Überprüfbarkeit steht nichts im Wege (vgl.
E.
1.5).
4.3
4.3.1
Nach Lage der Akten steht fest
, dass die Klägerin bereits im Dezember 2010 unter Halsschmerzen gelitten hat, die als Tonsillitis beurteilt wurden. Eine Antibiotika-Therapie zeigte dabei anfänglich gute Erfolge
,
bis die Behandlung im Winter 2012/2013 erstmals versagte. Anfangs 2013 wurde das Leiden stationär behandelt und die Beschwerden der Diagnose einer ANCA-negativen
Granulomatose
mit
Polyangiitis
zugeordnet. Unter immunsuppressiver Therapie wurde dabei von einer guten Prognose und bei weiterhin günstigem Verlauf von einer Wiederauf
nahme der angestammten Tätigkeit ausgegangen (E. 3.1). Im August 2013 stellte der behandelnde Arzt
Dr.
G._
ein im Zusammenhang mit der körperlichen Erkrankung reaktives
depressives
Zustandsbild fest und bescheinigte für die Zeit vom
8.
August bis 3
1.
Dezember 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und bestätigte ab
1.
Januar 2014 wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (E. 3.2). Im August 2014 bestätigte auch
Dr.
H._
, dass die Klägerin aktuell unter keinen gesundheitlichen Einschränkungen leide.
Eine ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit findet
sich folgend erst wieder am 12.
März 2015, wobei
Dr.
H._
ab 1
3.
März 2015 eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit bescheinigte und bestätige, dass die Klägerin ihre Arbeitsstelle auf seine Empfehlung hin aus gesundheitlichen Gründen gekündigt habe (E. 3.3). Nach sta
tionären
Hospitalisation
en
im April und Dezember 2015 im
F._
wurde das Beschwerdebild der Diagnose eines Morbus Behcet zugeordnet (E. 3.4 ff.). Bei schwere
m chronischem
Verlauf mit bipolarer
Aphtose
mit intermittierend schwe
rer Beeinträchtigung des Schluckens, Fieber, Hautbeteiligung mit Erythema
nodosum
, Myalgien, Arthritiden/A
rthralgien,
Tendinopathien
und g
astrointesti
nale
r
Blutung attestierten die Ärzte in der Folge ab 1
3.
März 2015 durchgehend eine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(E. 3.7 ff.).
4.3.2
Der aktenkundige medizinische Verlauf
mit zeitnahen medizinischen Stellung
nahmen zur Arbeitsfähigkeit sowie echtzeitliche
n
Arbeitsunfä
higkeitsbescheini
gungen
lässt somit nicht darauf schliessen
, dass
die Klägerin
ihre Arbeitsfähigkeit
Anfang 2014
nicht
wieder erreicht
hatte. Vom W
iedererreichen
einer
100%igen Arbeitsfähigkeit ging
denn
a
uch die IV-Stelle in ihrer Verfügung vom 2
2.
Mai 2014 (
Urk.
14/24)
aus und im
August 2014 bestätigte auch
Dr.
H._
, dass die Klägerin aktuell unter keinen gesundheitlichen Einschränkungen
leide
t. Echtzeit
liche und von
ärztlich
er
Seite
attes
tierte Arbeitsunfähigkeit
en
finden sich folgend erst wieder ab
1
2.
März 201
5.
4.3.3
Zwar bedarf der
Nachweis einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen nicht zwingend einer echtzeitlich attestierten Arbeitsunfähigkeit, jedoch muss sich bei deren Fehlen die gesundheitliche Beein
trächtigung sinnfällig auf das Arbeitsverhältnis auswirken oder ausgewirkt haben. Die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen muss mit anderen Worten arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten sein, z.B. etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeit
gebers oder durch gehäufte
,
aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle (Urteile 9C_856/2017 vom
7.
September 2018 E. 4.3 und 9C_420/2015 vom 2
6.
Januar 2016 E. 4.2.1 mit Hinweis auf 9C_419/2013 vom
9.
Januar 2014 E. 2.2).
Solches geht für die
Zeit ab Stellenantritt bei
Y._
per
1.
September 2014
, als
die Klägerin ihr
Vollzeitpensum (auch tatsächlich) ausübte, bis zur attestierten Arbeitsunfähigkeit durch
Dr.
H._
ab
1
3.
März 2015 aus den Akten
nicht
her
vor. Zu Recht verweist die
Klägerin
in diesem Zusammenhang auf
das
Arbeits
z
eugnis
,
in dem ihr in der Funktion als
Senior
Relationship
Manager
sowohl
qua
litativ als auch quantitativ gute Leistungen
bescheinigt
wurden
und
festgehalten
wurde, dass
sie
die hohen Anforderungen und Erwartungen in jeder Hinsicht erfüllt
h
a
b
e
(
Urk.
14/62/3).
Zum Nachteil der Klägerin wirkt sich auch nicht aus, dass sie im Zusammenhang mit Einwendungen gegen den V
orbescheid der IV-Stelle am 11.
August 2015 eine
eigene
Zusammenstellung
über
ihr gesundheitli
ches Wohlbefinden
ab dem
Jahr 2010 bis
Juli
2015
zu den Akten reichte (
Urk.
14/42/11
-1
8
) und
dieser
entnommen werden kann, dass
sie
gemäss Selbst
einschätzung
ihre Arbeitsfähigkeit ab Dezember 2014
als fraglich erachtete
(
vgl.
Urk.
14/42/13 f.)
. Denn
, dass die gesundheitliche Beeinträchtigung arbeitsrecht
lich in
Erscheinung getreten ist, ergibt sich daraus nicht
, zumal
die Klägerin
im
Anschluss daran
noch weiter
zu 100
%
gearbeitet hatte, bevor sie
ab 3. Februar 2015 Ferien bezog,
das Arbeitsverhältnis offenba
r am 20.
Februar 2015 (
Urk.
14/42/14) selber
kündigt
e
und ab 1
3.
März 2015 von ärztlicher Seite zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben wurde.
Eine
be
rufsvorsorgerechtlich relevante
Arbeitsunfähigkeit
von
mindestens 20
%
seit Stellenantritt
bei der
Y._
a
b
1.
September 2014 bis
zur ärztlich
b
escheinigten Arbeitsunfähigkeit ab
1
3.
März 2015
ergibt sich aus den Akten nicht.
F
ür den
entsprechenden Zeitraum fehlt es
nicht nur an (echtzeitlichen) medizinischen Bestätigungen einer Arbeitsunfähigkeit, sondern auch an jegli
chem Hinweis einer arbeitsrechtlich in Erscheinung getretenen (sinnfälligen) Leis
tungseinbusse
.
4.3.
4
Zusammenfassend ergibt si
ch, dass bei einer 100
%igen Arbeitsfähigkeit bei einer tatsächlich ausgeübten Tätigkeit von rund
sechseinhalb
Monaten ohne (berufs
vorsorgerechtlich relevante) Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen rechtsprechungsgemäss von einer Unterbrechung des zeitlichen Konnexes auszu
gehen ist (vgl. E.
1.3
).
Damit
steht fest, dass die invalidisierende Arbeitsunfähig
keit während der Dauer des Vorsorgeschutzes bei der Beklagten
1
eingetreten und diese leistungspflichtig ist.
5.
5.1
Der von der IV-Stelle ermittelte Invaliditätsgrad von 100
%
(Verfügu
ng vom 2. März 2018 [Urk. 14/124/1
]) ist aufgrund der Akten ausgewiesen und wurde
,
wie erwähnt,
von den Parteien zu Recht nicht in Zweifel gezogen. Somit hat die Klägerin Anspruch auf eine volle
Invalidenrente der Beklagten 1
.
5.2
5.2.1
Gemäss
Art.
26
Abs.
1 BVG gelten für den Rentenbeginn sinngemäss die Bestim
mungen des IVG. Die Vorsorgeeinrichtung kann in ihre
n
reglementarischen Best
immungen vorsehen, dass der Anspruch aufgeschoben wird, solange der Versi
cherte den vollen Lohn erhält (
Abs.
2). Nach
Art.
26 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV 2) kann die Vor
sorgeeinrichtung den Anspruch auf Invalidenleistungen bis zur Erschöpfung des Taggeldanspruchs aufschieben, wenn: a. der Versicherte anstelle des vollen Loh
nes Taggelder der Krankenversicherung erhält, die mindestens 80 Prozent des entgangenen Lohnes betragen, und b.
die Taggeldversicherung
vom Arbeitgeber mindestens zu Hälfte mitfinanziert wurde.
5.2.2
Gemäss
Art.
47
des Reglements
der Beklagten 1 wird die Invalidenrente der Pen
sionskasse fällig, sobald der Versicherte keinen oder wegen Teilinvalidität nur noch einen Lohn im Sinne von
Art.
7 von weniger als 80
%
bezieht (
Urk.
28/
1
S.
16). Nach
Art.
7 des Reglements
(
Urk.
28
/1
S. 4
)
gelten als Lohn die von der Firma ausgerichteten fixen Lohnteile und Awards
gemäss
Art.
28 (Sparplan) und
Art.
64 (Kapitalplan) sowie die von der Firma ausgerichteten Lohnersatzleistungen (Lohnnachgenuss, Taggeldleistungen aus Krankentaggeld- oder Unfallversiche
rung und Leistungen aus Mutterschaftsentschädigung).
5.2.3
Die
Kläger
in
verlangt
für den
Fall der Leistungspflicht der Beklagten 1
die Aus
richtung der Invalidenrente a
us der beruflichen Vorsorge ab 3
1.
Mai 2015
mit der Begründung, dass sie bis 3
1.
Mai 2015 Lohn bezogen habe
(
Urk.
1 S. 13
). Die
IV-Stelle richtete die Rente der Eidgenössischen Invalidenversicherung ab
März 2016 aus (
Urk.
14/125
).
Die Akten ergeben keinen genügenden Aufschluss darüber, ob die
Klägerin nach ihrem Austritt bei der
Y._
Lohnersatzleistungen
bezogen hat. E
instwei
len
bleibt es deshalb
der Beklagten 1 überlassen
,
den Anspruchsbeginn
unter Berücksichtigung allfälliger Lohnersatzleistungen zu begründen und
festzulegen
,
wobei
in einem allfällig diesbezüglich sich ergebenden Streitfall der Klägerin erneut der Klageweg
offen
steht
(vgl. BGE 129 V 450).
5.3
In
masslicher
Hinsicht beziffert die Klägerin ihren jährlichen Rentenanspruch gegenüber der Beklagten 1 mit mindestens
Fr.
45'149.-- (
Urk.
1 S. 2 und S. 13).
Der e
ntsprechende Betrag ist durch den Versicherungsausweis der
Y._
per
2
8.
Februar 2015 (
Urk.
2/8) ausgewiesen
.
P
raxisgemäss
bleibt
aber
die
genaue
Festsetzung des gesetzlichen und reglemen
tarischen Leistungsanspruchs in
masslicher
Hinsicht einst
weilen der Beklagten
1
überlassen
, wobei auch hier
festzuhalten ist, dass
in einem diesbezüglich sich ergebenden Streitfall
der
Klägerin erneut der
Klageweg
offen st
eht
(vgl. BGE 129 V 450).
5.4
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen gesch
uldet, wobei grundsätzlich Art.
105
Abs.
1 des Obligationenrechts anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4). Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5
%
, sofern das Reglement der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung
kennt (BGE 119 V 131 E. 4c). Der
Kläger
in
sind folglich für
die bis zur Klageerhebung am 2
8.
September 2018
(vgl.
Urk.
1) fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
ab diesem Zeitpunkt und für die weiteren Rentenleistungen ab deren jeweiligem Fälligkeitsdatum – angesichts des Fehlens einer abweichenden reglementarischen Bestimmung – Verzugszinsen von 5
%
zuzusprechen.
In diesem Sinne ist die Klage gutzuheissen.
6.
6.1
Ausgangsgemäss ist die Beklagte 1 gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgeric
ht (
GSVGer
) zu verpflichten, der
anwaltlich ver
tretenen Kläger
in
eine Prozessentschädigung zu entric
hten, wobei ein Betrag von
Fr.
3‘2
00.-- (inkl. Barauslagen und
M
WSt
) als angemessen erscheint.
6.2
Art.
73
Abs.
2 BVG schliesst einen Anspruch der obsiegenden Versicherungsträ
gerin auf eine Prozessentschädigung zwar nicht aus. Indes werden den Trägern der beruflichen Vorsorge gemäss BVG beziehungsweise den mit
öffentlichrecht
lichen
Aufgaben betrauten Organisationen in Anlehnung an die Rechtsprechung zu
Art.
159
Abs.
2 des bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege (Bundesrechtspflegegesetz/OG) praxis
gemäss keine Parteientschädigungen zugesprochen. Es besteht kein Grund, bei der Beklagten 2 – trotz ihres Antrags – anders zu verfahren (vgl. BGE 128 V 124 E. 5b, 126 V 143 E. 4a, 118 V 158 E. 7 und 117 V 349 E. 8, je mit Hinweisen).
Das Gericht
erkennt:
1.
In Gutheissung der Klage wird
festgestellt, dass
die invalidisierende Arbeitsunfähigkeit während der Dauer des Vorsorgeschutzes bei der Beklagten 1 eingetreten
ist
und diese
verpflichtet
ist
, der
Kläger
in
eine
I
nvalidenrente der obligatorischen beruflichen Vor
sorge
basierend auf
einem
Invaliditätsgrad von 100
%
auszurichten, zuzüglich Verzugs
zins von 5
%
für die bis zum
2
8.
September 2018
geschuldeten
Betreffnisse
ab diesem Datum und für die restlichen
Betreffnisse
ab dem jeweiligen Fälligkeitsdatum.
2.
Das Verfahren ist kostenlos
3.
Die Beklagte 1 wird
verpflichtet,
der Klägerin
eine Prozessentschädigung von
Fr.
3’200
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
-
Rechtsanwalt
Dr.
René Schwarzmann
unter Beilage einer Kopie von
Urk.
27 und
Urk.
28/1-2
-
Fondation
Patrimonia
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
5.