Decision ID: d05aa109-1687-4c62-a19f-d73947eea6f9
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1981 geborene
X._
erlitt am 2. Mai 2000 einen Autounfall (vgl. Urk. 11/37/4)
,
worauf sie
ihre Lehre als Zimmerin (Zimmermann)
abbrach
(vgl. Urk. 11/39
/2
). Im Dezember 2001 meldete sie sich bei der Invalidenversicherung (
der damalig zuständigen Sozialversicherungsanstalt Schaffhausen, IV-Stelle
) zum Leistungsbezug an (Urk. 11/10). Im März 2004 wurde ihr mit Wirkung ab Juni 2002 eine halbe sowie mit W
irkung ab Januar 2004 eine Drei
viertelsrente der Invalidenversicherung zugesprochen (Urk. 11/69
70). Die dage
gen erhobene Einsprache wurde im Juli 2004 abgewiesen (Urk. 11/80).
1.2
Im Juli 2008 wurde ein Rentenrevisionsverfahren eingeleitet (vgl. Urk. 11/121). Da die Versicherte im Rahmen dieses Verfahrens ihren Mitwirkungspflichten nicht nachgekommen war, wurde die Rente mit Verfügung vom
11. Februar 2009
eingestellt
(
Urk. 11/126
)
. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Im Juli 2010 meldete sich
X._
erneut (nun bei der Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle) zum Leistungsbezug an (Urk. 11/129). In der Folge liess die IV-Stelle die Versicherte orthopädisch und psychiatrisch begutachten (Gutachten vom 15. April 2011, Urk. 11/144). Gestützt darauf sprach sie der Versicherten mit Wirkung ab 1. Juli 2010
erneut eine Dreiviertelsrente der Invaliden
versicherung zu (
Verfügung vom 26. September 2011,
Urk. 11/167). Diese Verfügung hob
die IV-Stelle
am 9. Januar 2013 wiedererwägungsweise auf (Urk. 11/179)
und tätigte
weitere Abklärungen. Mit Verfügung vom 30. April 2013 sprach sie der Versicherten schliesslich (mit Wirkung ab 1. Juli 2010) eine halbe Rente der Invalidenversicherung zu (Urk. 11/184
und
11/180
[Verfü
gungs
teil 2]
).
1.4
Im August 2013 leitete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren ein (Urk. 11/190). Den ausgefüllten Revisionsfragebogen reichte die Versicherte im März 2014 ein und teilte dabei mit, dass sie Zwillinge geboren habe (Urk. 11/193). Nachdem die IV-Stelle die Versicherte auf ihre Mitwirkungspflicht aufmerksam gemacht hatte (
Urk.
11/198)
,
diese weiterhin keine Angaben zu den sie behan
delnden Ärzten machte, verfügte die IV-Stelle am 8. Juli 2014 (
Urk.
11/204) die rückwirkende Einstellung der Rente per Mai 2013 (Geburt der Zwillinge)
, wobei die R
entenleistungen
bis Februar 2015 weiter ausge
richt
et wurden (vgl. Urk. 11/221,
11/223/99).
1.5
Am 5. März 2015 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 11/208).
In der Folge wurde sie auf die
rückwirkende Rentenaufhebung per Mai 2013 aufmerksam gemacht,
worauf
die Versicherte anführte, ihr seien weder der Vorbescheid noch die Verfügung vom 8. Juli 2014 zugestellt worden. Die Versicherte erhob daher am 27. April 2015 beim hiesigen Gericht Beschwerde (Urk. 11/223) gegen die Verfügung vom 8. Juli 2014. Mit Urteil vom 21. August 2015 wurde die Beschwerde in dem Sinne gut
geheissen, dass die Verfügung vom 8. Juli 2014 aufgehoben und die Beschwer
de
gegnerin angewiesen wurde, die Rentenleistungen ab März 2015 weiterhin aus
zurichten sowie das im August 2013 eingeleitete Rentenrevisions
verfahren weiterzuführen und hernach erneut über den Leistungsanspruch der Versicherten zu entscheiden
(
Urk.
11/226)
.
1.6
Nachdem die IV-Stelle das Rentenrevisionsverfahr
en wieder
aufgenommen und erste medizinische Abklärungen (Urk. 11/238 und 11/241) getätigt hatte, forderte sie die Versicherte mit Schreiben vom 2. März 2016 (Urk. 11/242) auf, im Rahmen der Schadenminderungspflicht eine psychiatrisch-psychologische Behandlung aufzunehmen. In der Folge liess die Versicherte im April 2017 mitteilen, dass sie in der
Y._
eine Behandlung aufnehmen werde (Urk. 11/260). Nachdem die Versicherte nach Angaben der behandelnden Ärzte dort lediglich vier Termine wahrgenommen hatte (vgl. Urk. 11/265), veran
lasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre (allgemeine innere Medizin, Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie) Begutachtung der Versicherten. Gestützt
auf das im August 2018 erstattete Gutachten (
Urk.
11/303)
teilte die IV-Stelle mit Vor
be
scheid vom 25. Januar 2019 mit, dass sie die Aufhebung der Rente vorsehe (Urk. 11/307), wogegen die Versicherte am 7. Februar 2019 (Urk. 11/308; mit Ergänzung vom 1. April 2019, Urk. 11/314) Einwand erhob. Mit Verfügung vom 11. April 2019 entschied die IV-Stelle im angekündigten Sinn und hob die Rente der Versicherten auf Ende des auf die Verfügung folgenden Monats auf, wobei sie einer allfälligen dagegen gerichteten Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzog (Urk. 2 [= Urk. 11/316]).
2.
2.1
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 25. Mai 2019 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihr weiterhin mindestens eine halbe Rente der Invalidenversicherung auszu
richten. Eventualiter sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie die unent
geltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Mit Beschwerde
antwort vom 4. Juli 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 10).
2.2
Mit Verfügung vom 1
9.
Juli 2019 (
Urk.
12) wurde das Gesuch um Wiederherstel
l
ung der aufschiebenden Wirkung
der Beschwerde abgewiesen. Im Weiteren wurde der Beschwerdeführer
in
die unent
geltliche Prozessführung gewährt und es wurde ihr Rechtsanwalt Chris Bräutigam als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
ü
ber die Invalidenversicherung [IVG]
).
1.3
1.3.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu
beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hin
sicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurtei
lungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3.2
Ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG ist unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität (vgl. Art. 28a IVG) zur Anwendung gelangt (BGE 144 I 21 E. 2.2). Die in einem bestimmten Zeitpunkt massgebende Methode der Invaliditätsbemessung präjudiziert die künf
tige Rechtsstellung der versicherten Person somit grundsätzlich nicht (vgl. BGE 117 V 198 E. 3b, 113 V 273 E. 1a, 104 V 148; vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014, Rn 27 f. zu Art. 30–31).
Durch das Urteil des EGMR Di Trizio gegen die Schweiz vom 2. Februar 2016 musste eine rasche Übergangslösung bis zum Inkrafttreten eines neuen Berech
nungsmodells bei der gemischten Methode gefunden werden. Aus diesem Grund hielt das IV-Rundschreiben Nr. 355 vom 31. Oktober 2016 fest, dass in Fällen, in welchen allein wegen eines familiär bedingten Grundes ein Statuswechsel von einer Vollerwerbstätigkeit (bzw. von einer Nichterwerbtätigkeit) auf eine Teiler
werbstätigkeit mit Aufgabenbereich erfolgte, dieser Statuswechsel entgegen der gängigen Praxis nicht als Revisionsgrund herangezogen werden darf. Weil mit dem neuen Berechnungsmodell Teilerwerbstätige mit Aufgabenbereich nun grundsätzlich nicht mehr schlechter gestellt werden, gilt zukünftig der Wechsel des Status einer versicherten Person wieder als möglicher Revisionsgrund (IV-Rundschreiben Nr. 372 vom 9. Januar 2018).
1.4
1.4.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsl
eistung zu erbringen (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4.2
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt haben, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden eingetre
ten war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund
heitsschadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender psychi
scher Gesundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wesentlichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinrei
chende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung in BGE 145 V 215 E. 4.1).
Diese bisherige Rechtsprechung än
derte das Bundesgericht mit BGE
145 V 215 dahingehend, dass - fachärztlich einwandfrei diagnostizierten - Abhängigkeitssyndromen beziehungsweise Substanzkonsumstörungen nicht zum vornherein jede invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen werden kann (E. 5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fallen (E. 6).
Diese neue Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledig
ten Fälle anzuwenden
(Urteil des Bundesgerichts 8C_453/2019 vom
3.
Februar 2020 E. 3.3).
Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu
beantworten. Hierzu gehören nach dem oben Ausgeführten auch Abhängigkeits
syndrome (E. 6.2).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig
keitserkrankungen - wie auch bei anderen psychischen Störungen - oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und sozio
kulturellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhän
gigkeitserkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funktionelle Fol
gen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff. E. 4.5.2). Eine krankheitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem struktu
rierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hin
weise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E. 7).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
hob - unter Verweis auf einen medizinischen Revisions
grund - die halbe Invalidenrente mit der Begründung auf, das in Auftrag gege
bene polydisziplinäre Gutachten habe zutage
gebracht
, dass
gestützt auf die
ob
jektiven klinischen Befunde keine namhafte Limitation
anzunehmen
sei
. Darüber hinaus seien keine ausreichenden Hinweise vorhanden, die auf eine
-
von einer Traumastörung
und
von
einem chronischen Drogenkonsum
-
abgrenzbare Per
sönlichkeitsstörung hinwiesen. Auch eine vom chronischen Drogenkonsum unabhängige invalidisierende psychiatrische Gesundheitsstörung sei nicht hinrei
chend belegt (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber vor,
sie leide - e
ntgegen der im Gutachten vom
7.
August 2018 getroffenen Annahme
-
nach wie vor an diversen somatischen und psychischen Beschwerden, die sich negativ auf ihre Arbeitsfä
higkeit auswirkten. Ihre Arbeitsunfähigkeit sei in der Vergangenheit mehrfach festgestellt worden. Ihr Gesundheitszustand habe sich nicht auf wundersame Weise
plötzlich
um ein Vielfaches verbessert, weshalb ihr weiterhin eine halbe Invalidenrente auszurichten sei (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
2). Eventualiter bedürfe es weiterer Untersuchungen, die
ihren
tatsächlichen Gesundheitszustand gesamthaft ergründeten sowie den neuen psychiatrischen, von
Dr.
med. Z._
, Facharzt für Neurologie
und
für Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem Gut
achten genannten Befunden Rechnung trügen (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
2).
3.
3.1
Die Verfügung vom
30. April 2013
(
Urk. 11/184
und
Urk. 11/180
[Verfügungs
teil
2]
)
, welche Vergleich
s
basis bildet
,
basierte in medizinischer H
insicht
(vgl.
Urk.
11
/153/4)
im Wesentlichen auf der am 1
8.
und 2
1.
Februar 2011 durchge
führten
psychiatrisch
en
und orthopädisch
en Untersuchung respektive dem
Gut
achten der
A._
(
Gutac
hten vom 1
5.
April 2011 [
Urk.
11
/144]
; vgl. auch Feststellungsblatt für den Beschluss [
Urk.
11/153]
), wobei damals folgende Diagnosen gestellt wurden
(
Urk.
11
/144/18)
:
Mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Leichte depressive Störung mit prolongier
tem und protrahiertem Verlauf (ICD-10, F32.0)
-
Anhaltendes lumbovertebrales und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit/bei
-
im MRI gesicherter DH L5
/S1 mit zeitweiser Reizung der S
1-Wurzel links
-
Status nach operativer Revision eines Osteoidosteoms S2 links 07.11.2002
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Anamnesti
scher Cann
abisabusus (ICD-10, F12.1 Z)
-
Status nach erfolgreicher konservativer Behandlung eines P
e
s adductus im Säuglingsalter, keine Folgen
-
Status nach Verkehrsunfall 2000 mit Wirbelsäulenkontusion und Distorsion, keine Folgen
Die Gutachter hielten fest, die bisherige Tätigkeit als
Zimmerin
überfordere das vorhandene Restleistungsvermögen vol
lständig und könne nicht wieder
aufge
nommen respektive fortgeführt werden
, weshalb, bezogen auf die
angestammte Tätigkeit
,
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen
sei
(
Urk.
11
/144/20).
Hinsichtlich einer
adaptierte
n
Tätigkeit
sei demgegenüber von einer
70%ige
n
Arbeitsfähigkeit
auszugehen
(
Urk.
11
/144/21).
Zur Beurteilung und Synthese hielt die orthopädische Gutachterin fest, der B
ericht vom 2
2.
Juni 2010 (
Urk.
11/137/11, vgl. auch
Urk.
11
/144/19, 11/144/29
)
weise auf das Vorliegen degenerativer Veränderungen im Bereich der unteren BWS und der oberen LWS hin.
Zudem gehe aus diesem Bericht hervor, dass sich im Segment L5/S1 eine fokale Diskushernie links mit Kontakt und geringer Ver
lagerung der Wurzel S1 linksseitig gezeigt habe, so dass eine Reizung im Bereich der genannten Wurzel anzunehmen sei.
Demgegenüber sei
en
in der orthopädi
schen Begutachtung ein normaler Reflexstatus, eine normale Sensibilität und eine normale Motorik festzustellen gewesen. Gleichwohl seien die angegeben
en
Beschwerden als topisch plausibel anzusehen (
Urk.
11
/144/19). Prognostisch schloss die orthopädische Gutachterin auf eine Besserung innert
circa eines Jahres
, sofern die therapeutischen Empfeh
lungen realisiert würden (
Urk.
11
/144/30)
.
In der interdisziplinären Konsensbeurteilung hielten
die Gut
achter
fest
,
eine - prospektiv nicht näher zu validierende - Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei mit relativ hoher Probabilität realisierbar,
sofern die
elektro
th
erapeutisch-krankengymnastische
Behandlung
intensiviert
sowie
eine
psycho
therapeutische initiiert würde
(
Urk.
11
/144/22-23).
3.2
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) basiert in medizinischer Hinsicht im Wesentlich
en
auf den
am 4.,
7.
und 1
5.
Mai 2018 durchgeführten internistischen, neurologischen, orthopädischen und psychiatrischen Untersuchung
en
respektive dem G
utachten der
B._
(
Gutachte
n vom
7.
August 2018 [
Urk.
11/30
3
]
), wobei folgende Diagnosen gestellt wurden (
Urk.
11/303
/7):
Mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Bildmorphologische degenerative lumbale spinale Veränderungen
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Zustand nach Extirpation eines Osteoidosteoms S2 links in 2002, ohne resi
duelle neurologische Ausfälle
-
HWS-Distorsionen ohne objektive neurologische Folgeschäden und ohne Anhalt für assoziierte traumatypische strukturelle spinale Läsionen
-
Differentialdiagnosen: Mögliche chronifizierte Traumafolgestörung, ICD-10 F43.1, psychische Folgestörung eines chronischen Drogenkonsums (Cannabis)
D
ie Gutachter
bescheinigten
der Beschwerdeführerin
in Bezug au
f die von ihr bislang ausgeübte
angestammte Tätigkeit
aus orthopädischer Sicht
eine
vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit
,
indes
i
n
internistischer, neurologischer und psychiatri
scher
Hinsicht
keine Einschränkungen festgestellt
wurden
(
Urk.
11/303
/8).
In Bezug
auf
eine adaptierte Tätigkeit
schlossen
die Gutachter auf eine Arbeitsfä
higkeit von 100 %
, wobei sie
hierzu
ergänzend festhielten, dass
körperlich schwere Arbeiten aufgrund des spinalen Bildbefundes sowie infolge der schmäch
tigen Konstitution der Beschwerdeführerin ungeeignet
seien
(
Urk.
11/303
/7-8).
Zum Befund hielt der
internistische
Gutachter fest, dieser habe sich
unauffällig
gestaltet
(
Urk.
11/303
/35
)
.
Der neurologische Gutachter vermerkte,
ein namhaftes spinales Syndrom
sei
nicht zu objektivieren
und d
ie
spontane Mobilität
sei
regel
recht gewesen
. E
in namhafter schmerzgeplagter Eindruck habe nicht bestanden, ebenfalls
hätten
keine nervale
n
Defizite
erhoben werden könne
n
. Die Bildgebung habe alterstypische degenerative Veränderungen ohne klinisches Befundkorrelat und ohne epidemiologisch belegten eigenständigen Krankheitswert gezeigt
(
Urk.
11/303
/66).
Der orthopädische
Gutachter
wies - mit Bezug auf eine MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule
vom 1
6.
Mai 2018 (vgl. Urk. 11/303/100)
- darauf hin, es hätten degenerative Alterationen ohne mani
festen neurokompressiven Befund des Spinalkanals oder der Neuroforamina nachgewiesen werden können. In der klinischen Untersuchung habe sich ein im Wesentlichen unauffälliger Befund des Bewegungsapparates gezeigt. So seien
die reklamierten lokalen lumbosacralen Schmerzen linksseit
ig mit Angabe einer Druckdolenz sowie
funktionelle
n
Beeinträchtigungen
,
insbesondere des Ach
senskelett
s
nicht zu objektivieren
gewesen
. Die Spontanmotorik
sei als
unauffäl
lig
zu bezeichnen
, wobei auch keine
peripheren neurologischen Pathologien
hät
ten festgestellt werden können
. Auch
in Bezug auf die
oberen Extremitäten
sei ein
namhafte
r
pathologische
r
Befund
zu verneinen
(
Urk.
11/303
/102).
Der psychiatrische Gutachter hielt zum Befund fest
, es
seien allenfalls leichtgra
dige Beeinträchtigungen
der
Stimmung,
des
Antrieb
s
und
der
affektive
n
Schwin
gungsfähigkeit zu objektivieren
gewesen
. Ein
höhergradiges depressives Syndrom
habe
infolge fehlender
Achsenkriterien
nicht
attestiert werden könne
n
.
Die
Beschwerdeführerin habe in der Exploration verneint, Opfer von Gewalt oder Missbrauch gewesen zu sein. Hier läge allerdings eine Dissimulation vor. Der zunächst
blande Verlauf sei nämlich
infolge der
als belastend
empfundenen
Zwil
lingsschwangerschaft sowie
des
später erfolgte
n
Obhutsentzug
e
s
über die Kinder reaktiviert worden. Die beklagte affektive Irritabilität und Störung der emotiona
len Regulationsfähigkeit mit Anspannungs- und Unruhezustände
n
, die schlüssig und plausibel berichtet
worden seien
, sei
en
deshalb
verständlich. Im Weiteren sei von einem - laborchemisch nachgewiesenen - Cannabismissbrauch auszugehen.
Die berichtete Symptomatik und die Befunde seien im Kontext des Drogenkon
sums verstehbar. Notwendig sei zunächst eine stabile Drogenabstinenz, wider
spreche der Laborbefund doch der anamnestischen Angabe eines mehr als vier Wochen zurückliegenden letzten Drogenkonsums.
Eine darüberhinausgehende psychiatrische Erkrankung liege
demgegenüber
nicht vor. So sei ein
e Persönlich
keitsstörung wenig
wahrscheinlich, da sich keine in der Kindheit und Jugend beginnende eigenständige störende Auffälligkeit
habe herausarbeiten lassen, d
ie
sich
von einer Traumastörung oder
den Folgen
eines Drogenkonsums
habe
abgrenzen lassen können
.
Auch
Hinweise auf eine eigenständige Angster
krankung, eine Zwangserkrankung oder anderweitige psychiatrische Erkrankun
g
en
seien nicht zu erheben gewesen
.
Im Weiteren
liege auch k
eine somatoforme Schmerzstörung vor, da
sich
ein den Schmerzen zugrundeliegender erheblicher unbewältigter seelischer oder psychosozialer sowie zeitlich mit dem Schmerzbe
ginn assoziierter Konflikt anamnestisch nicht
habe herausarbeiten lassen
.
Eine ICD-10-konforme Diagnosestellung sei deshalb nicht möglich.
Eine anteilige Genese der Schmerzen im Rahmen einer Traumafolgestörung oder eines Drogen
konsums sei jedoch möglich
und sollte therapeutisch berücksichtigt werden
. So seien psychische Folgestörungen im Sinne der hier vorliegenden Symptomatik im Rahmen eines chronischen intensiven Cannabiskonsums schulmedizinisch bekannt. Die Frage einer Reversibilität sei indes nur unter Abstinenzbedingungen verlässlich prüfbar. Ein sekundärer Drogenkonsum auf dem Boden einer Trauma
folgestörung bleibe möglich. Allerdings sei auch hier eine Abstinenz anzustreben, andernfalls die Therapieaussichten reduziert seien sowie eine differenzielle Abgrenzung von Drogenkonsumfolgen und einer primären Traumafolgestörun
gen nicht möglich sei
(
Urk.
11/303
/134-135).
Zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten wie auch einer angepassten Tätigkeit äusserte sich der psychiatrische Gutachter dahingehend, dass eine vom revidierbaren Drogenkonsum unabhängige psychische Beeinträch
tigung mit invalidisierendem Effekt auf die Arbeitsfähigkeit bei fortgesetztem schädlichem
Drogenkonsum nicht mit der gebotenen Wahrscheinlichkeit attes
tierbar sei (
Urk.
11/303/138 f.)
.
Die
Frage
, ob sich im Vergleich zur medizinischen Aktenlage, die der Verfügung vom 30. April 2013 zugrunde
lag
(vgl. E. 3.1), eine Veränderung des Gesund
heitszustandes ergeben habe,
wurde von sämtlichen Gutachtern verneint.
Zur Begründung
hielt der internistische Gutachter fest, es
würden keine Hinweise auf eine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende internistische Erkrankung bestehen (
Urk.
11/303/39).
Der
neurologischen Gutachter
vermerkte, es
ergebe sich keine Läsion am Nervensystem, die die reklamierten Beschwerden schlüssig erklären und eine Minderung der Arbeitsfähigkeit begründen lasse. Auch rückblickend sei kein nervales klinisches Defizit schlüssig zu objektivieren gewesen (
Urk.
11/303/70-71).
Der orthopädische Gutachter hielt
fest
, es
hätten sich auf dem orthopädischen Fachgebiet keine namhaften objektiven Befundveränderun
gen ergeben
.
Im Rahmen des ossären Tumors 2002 und 2003 habe wahrscheinlich eine passagere Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden; das Leiden dürfe jedoch als ausgeheilt gelten
(
Urk.
11/30
3
/107).
Der
psychiatrische Gutachter
verneinte eine Veränderung des Gesundheitszustandes
insbesondere
unter Hinweis darauf
, dass
eine mögliche Traumafolgestörung und der Drogenkonsum im Vergleichs
gutachten der
A._
nicht ausreichend einbezogen worden seien
(
Urk.
11/303/140).
Eine höhergradige depressive Störung lasse sich aus dem aktuellen Befund nach AMDP nicht mehr ableiten (
Urk.
11/303/136).
4.
Die hier zu prüfende
Aufhebung
der mit Verfügung vom 30. April 2013 (Urk. 11/184 und Urk. 11/180 [Verfügungsteil 2])
zugesprochenen
halben Rente setzt voraus, dass eine wesent
liche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse - namentlich des Gesundheits
zu
standes oder seiner erwerblichen Auswirkungen - mit überwiegender Wahr
schein
lic
hkeit
erstellt
ist (E. 1.3
.1
).
Vergleicht
man die Gutachten vom 1
5.
April 2011 (E. 3.1) und vom
7.
August 2018 (E. 3.2) miteinander,
ist -
ungeachtet dessen
, dass die Frage nach einer Ver
änderung des Gesundheitszustandes von den Gutachtern verneint wurde (E. 3.2) -
von einer
substanziellen Veränderung der vorbestandenen Tatsachen
respektive des Gesundheitszustandes auszugehen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_244/2017 vom 2
6.
Oktober 2017 E. 4.2.2,
vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_168/2014 vom
5.
September 2014 E. 4.1.2)
. So wies
die
damalige
orthopädi
sche
Gutachter
in
noch
darauf hin
, allfällige lumbosakrale Rückenschmerzen seien bei dem beschriebenen MRI-Befund und den korrelierenden klinischen Aspekten nicht durchgehend
vermeidbar
.
Zudem gehe aus
dem
MRI
hervor, dass sich im Segment L5/S1 eine fokale Diskushernie links mit Kontakt und geringer Verlage
rung der Wurzel S1 linksseitig gezeigt habe, so dass eine Reizung im Bereich der genannten Wurzel anzunehmen sei.
Auch
wurden
die angegebenen Beschwerden
dannzumal noch
als topisch plausibel an
ge
sehen (E. 3.1).
Dabei
prognostizierte sie
aber bereits
eine Verbesserung des Gesundheitszustandes
(
Urk.
11/144/30
,
E.
3.1
), welche nunmehr eingetreten
scheint
.
So wird im Vergleichsgutachten (E.
3.2) darauf hingewiesen
,
die reklamierten starken lumbalen Rückenschmerzen
hätten
nicht
(mehr)
objektiviert werden können
(
Urk.
11/303
/104).
Auch
hätten
sich in der
(aktuell) veranlasste
n
MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule
zwar
dege
nerative Alterationen
,
aber keine
manifesten neurokompressiven Befund
e
des Spi
nalkanals oder der Neuroforamina
mehr
gezeigt
.
Auch i
n der klinischen Untersu
chung
sei
ein im Wesentlichen unauffälliger Befund des Bewegungsapparates
vorgefunden worden
. So seien die reklamierten lokalen lumbosacralen Schmer
zen linksseitig mit Angabe einer Druckdolenz sowie funktionelle Beeinträchti
gungen, insbesondere des Achsenskeletts nicht zu objektivieren gewesen. Die Spontanmotorik sei als unauffällig zu bezeichnen, wobei auch keine peripheren neurologischen Pathologien hätten festgestellt werden können.
Der im Befund im Gutachten der
A._
noch notierte lumbosakrale Federungsschmerz (
Urk.
11/144/28) konnte in der orthopädischen Begutachtung der
B._
nicht mehr verifiziert werden (
Urk.
11/303/95), und der im
A._
-Gutachten ange
führte paralumbale Palpationsschmerz im Bereich des lumbosakralen Übergangs (
Urk.
11/144/28) imponierte lediglich noch als Druckdolenz über der lumbosakra
len Facette L5/S1 (
Urk.
11/303/95).
Auch in Bezug auf die oberen Extremitäten sei ein namhafter pathologischer Befund zu verneinen
(
E. 3.2
).
Damit
ist
, insbesondere da im MRI kein neurokompressiver
Befund des Spinal
kanals oder der Neuroforamina
mehr
hatte nachgewiesen werden können,
von
einer Änderung des medizinischen Sachverhaltes
und dem Eintritt der prog
nos
tizierten Verbesserung des somatischen Gesundheitszustandes
auszugehen
.
Infolge dessen
ist der
Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht um
fassend («allseitig») zu prüfen
(
E. 1.3.1
).
Damit kann offenbleiben
, ob infolge der Geburt der
beiden
Kinder
und einem damit allenfalls einhergegangenen Sta
tuswechsel
eine weitere revisionsrechtlich relevante Sachverhal
tsänderung vor
liegt (E. 1.3.2).
Nicht abschliessend zu klären ist unter diesem Titel zudem, ob der Ausschluss einer relevanten depressiven Störung im psychiatrischen Gutach
ten der
B._
(
Urk.
11/303/136) ebenfalls die Annahme einer revisionsrechtlich relevanten Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes rechtfertigen würde.
5.
Nachdem der Beschwerdeführerin die Tätigkeit als Zimmerin unbestrittenermas
sen nicht mehr zumutbar ist (
Urk.
1,
11
/303/8), ist strittig und im Folgenden zu prüfen, in welchem Umfang sie eine Verweistätigkeit auszuüben vermag.
5.1
In internistischer, neurologischer und orthopädischer Fachrichtung vermag das Gutachten zu überzeugen und erfüllt
es
die rechtsprechungsgemässen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (E. 1.5).
So tätigten die
Gutachter
sorgfältige, umfassende Abklärungen, berücksichtigten die geklagten Beschwerden und begründeten ihre Einschätzung in nachvollziehbarer Weise (
Urk.
11/303/33-
34, 11/303/62-65, 11/303/95-101
), wobei sie namentlich auch die Herleitung und Begründung der aktuellen Diagnosen schlüssig darlegten (
Urk.
11/303/6-7). Die von der Beschwerdeführerin gegen das
somatische
Gut
achten erhobene Kritik verm
ag nicht zu überzeugen.
So kann
ihrer
Behauptung
, es sei weiterhin mit einer längeren vollständigen Arbeitsunfähigkeit zu rechnen (
Urk.
1 S. 7), nicht gefolgt werden,
hatten die Gutachter der
B._
überz
eugend dargelegt, weshalb eine angepasste
Tätigkeit, welche sich dadurch auszeichne, dass keine körperlich schwere Arbeit verrichtet werden müsse, uneingeschränkt nachgegangen werden könne (
Urk.
11/303/7).
Mithin
können aufgrund der
fest
gestellten
weitgehend unauffälligen
Befund
e
(E. 3.2) keine sich daraus ergeben
den
,
die Leistungsfähigkeit beeinträchtigenden Auswirkungen abgeleitet werden
.
5.2
Zu den Ausführungen
der
B._
-
Gutachter
in psychiatrischer Fachrichtung
ist festzuhalten
,
dass ihre Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Lichte der bisherigen Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung einer reinen Suchterkrankung erfolgte
(E. 1.4.2)
.
So vermerkte der psychiatrische Gutachter, eine
vom
Drogen
konsum unabhängige psychische Beeinträchtigung mit invalidisierendem Effekt und Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei fortgesetztem schädlichen Drogenkonsum sei nicht mit der gebotenen Wahrscheinlichkeit attestierbar (
Urk.
11/303/138).
Da gemäss seiner
Beurteilung
die psychiatrischen Befunde nicht vom Suchtgeschehen abgrenzbar seien, mithin kein vom Suchtgeschehen
unterscheidbarer
,
invalidisierender Gesundheitsschaden feststellbar sei, verzich
tete der Gutachter in Nachachtung der bisherigen Rechtsprechung zu den Sucht
geschehen (BGE 124 V 265 E. 3c; vgl. auch:
E. 1.4.2) nicht nur auf eine Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit, sondern auch auf eine abschliessende Einschätzung der relevanten Störungsbilder.
Nachdem die mit BGE 145 V 215 geänderte Rechtsprechung zu den Suchtgesche
hen
auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzu
wenden
ist (E. 1.4.2) und im Lichte derselben Substanzkonsumstörungen wie jede andere psychische Störung grundsätzlich als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche Gesundheitsschäden in Betracht fallen (E. 1.4.2), hält die psychiatri
sche Beurteilung im Gutachten der
B._
den rechtlichen Vorgaben an eine beweiswertige psychiatrische Einschätzung nicht stand.
Nach dem Gesagten
ergibt sich, dass der medizinische Sachverhalt unzureichend abgeklärt wurde, was einer abschliessenden Beurteilung der Leistungsfähigkeit entgegensteht. Insbesondere fehlt es an einer
psychiatrischen
Arbeitsfähigkeits
schätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen), was rechtsprechungsgemäss zwingend erforderlich ist (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3
, E.
1.4.1 und 1.4.2
).
Eine solche abschliessende Beurteilung
lassen auch die übri
gen Akten
, mithin
de
r
Bericht
der
Y._
(
Urk.
11/265)
sowie
das
Gutachten
von
Dr.
Z._
(
Urk.
3/4)
,
nicht zu
. So nahmen diese
zur
Suchtproblematik
gar keine Stellung (
Urk.
11/265) respektive schlossen eine aktuelle Suchterkrankung ohne weitere Verifizierung der behaupteten Abstinenz aus (
Urk.
3/4 S. 9 und 29). Eine wie vom Bundesgericht
geforderte
vertiefte Auseinandersetzung ärztlicher
seits mit den gemäss BGE 141 V 281 massgeblichen Gesichtspunkten
liegt damit nicht
vor
(E. 1.4, vgl. zum Ganzen auch Urteil des Bundesgerichts 8C_245/2019 vom 1
6.
September 2019 E. 5.2.2).
Die Sache ist deshalb an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen, damit sie die Beschwerdeführerin im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung unter Berücksichtigung der geänderten Rechtspre
chung zur invalidenversicherungs
rechtlichen Relevanz von Abhängigkeitssyn
dromen abklärt.
Dabei
wird
ebenfalls
zu klären
sein, ob Anhaltspunkte für die vom psy
chiatrischen Gutachter erwogene
Traumafolgestörung sowie die von ihm
verneinte, jedoch im Gutachten
von Dr.
Z._
(
Urk.
3/4
/22
) und im Bericht der
Y._
vom 1
7.
November 2017 (
Urk.
11/265
/1
) verdachtswe
ise
diagnostizierte
Persönlichkeitsstörung vorliegen.
Alsdann wird -
da die Beschwerdeführerin
2013
Zwillinge
gebar
, welche
indes
fremdplatziert sind
(
Urk.
11/303/31, 11/303/93, 11/303/130])
-
,
gegebenenfalls
die
Statusfrage
abzuklären
sein (BGE 144 I 28
,
Art.
28a IVG
).
Die
angefochtene Verfügung vom 1
1.
April 2019 (Urk. 2)
ist somit
aufzuheben und die
Sache ist zu einer neuerlichen psychiatrischen Beurteilung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzu
heissen.
6.
6.
1
Die
Verfahrenskosten sind auf Fr. 8
00.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen; nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Ab
klärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57).
6.2
6
.2.1
Ausgangsgemäss steht der
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer
in
gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3
des
Gesetz
es
über das Sozialversi
che
rungsgericht (GSVGer)
eine Prozessentschädigung zu
.
Diese bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses, wobei namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt wird (§ 34 Abs. 3 GSVGer in Ver
bindung mit § 7 Abs. 1 und § 8 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Ent
schädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht, [GebV SVGer
]
).
6
.2.2
Rechtsanwalt Chris Bräutigam machte mit seiner Honorarnote vom 2
4.
Mai 2019 (
Urk.
3/6
) einen Aufwand von 15.5 Stunden
zu einem Stundenansatz von Fr.
220.-- und Barauslagen von Fr. 14.-- zuzüglich Mehrwertsteuer entsprechend einem G
esamthonorar von
Fr.
3'687.65
geltend.
Indes ist der im
Zusammenhang mit dem Vorbescheidverfahren angefallene Aufwand (Zeitraum vom 3
0.
Januar bis
1.
April 2019) nicht
in diesem Verfahren
zu
entschädigen.
Demgegenüber ist
eine halbe Stunde für die Instruk
tion
(Position vom 2
3.
Mai 2019)
, dreiviertel Stunden für die Vorbereitung der Beschwerde
(Position vom 2
1.
Mai 2019)
sowie acht Stunden für das Ab
fassen der (rund zehnseitigen) Beschwerde (
Urk.
1
; Position vom 2
4.
Mai 2019
)
- gerade noch -
als gerecht
fertigt
zu betrachten.
Darin miteingerechnet ist auch der Aufwand für das Studium und die Besprechung des Urteils mit der Beschwerdeführerin. Zu ent
schädigen ist somit ein Zeitaufwand von insgesamt neuneinviertel Stunden zum gerichtsüblichen Ansatz von Fr. 220.-
-, weshalb von einem zu entschädigenden
Honorar
in der Höhe
von Fr.
2’035
.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) auszugehen ist.
Die geltend gemachten
Bara
uslagen von
Fr.
14.--
(
Urk.
3/6) werden ebenfalls vergütet.
Nach dem Gesagten ist
dem unentgeltlichen Rechtsvertreter der Beschwerdefüh
rerin (
Urk.
12),
Rechtsanwalt Chris Bräutigam
,
deshalb
eine Prozessentschädigung im Umfang von
Fr.
2'206.
80
(Honorar von Fr.
2’035
.-- plus Barauslagen von Fr.
14.--
, zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7 %)
zuzusprechen
.