Decision ID: d56b05d8-4e0d-4d49-9a3a-e2624a98e0bc
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Entscheid Verwaltungsgericht, 24.03.2015 Zuständigkeit für Sozialhilfe. Art. 7 Abs. 1, Abs. 2 und Abs. 3 lit. c ZUG (SR 851.1).Fremdplatzierung eines Kindes während der Dauer des Strafverfahrens gegen den Stiefvater. Kein selbständiger Unterstützungswohnsitz des Kindes, da keine dauernde Fremdplatzierung (Verwaltungsgericht, B 2014/5).Entscheid vom 24. März 2015 BesetzungPräsident Eugster; Verwaltungsrichter Heer, Rufener, Bietenharder; Ersatzrichter Somm; Gerichtsschreiber SchmidVerfahrensbeteiligtePolitische Gemeinde A., Gemeinderat,Beschwerdeführerin,vertreten durch Sozialhilfekommission,gegenDepartement des Innern des Kantons St. Gallen, Regierungsgebäude, 9001 St. Gallen,Vorinstanz,Politische Gemeinde B., Gemeinderat,Beschwerdegegnerin,GegenstandUnterstützung von X.Y.; örtliche ZuständigkeitDas Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. X.Y., geb. 1998, ist die Tochter von K.Y. Gemäss Beschluss der
Vormundschaftsbehörde B. vom 30. Juni 2011 wurde der Mutter in Anwendung von
Art. 310 Abs. 1 ZGB die elterliche Obhut über X.Y. entzogen und die bereits erfolgte
Unterbringung der Tochter bei der Pflegefamilie L., in C., bestätigt. Diese Massnahme
werde bis zum Ende des Strafverfahrens (gegen den Stiefvater) aufrechterhalten. Das
weitere Vorgehen werde danach aufgrund des gerichtlichen Urteils oder der Einstellung
des Strafverfahrens neu beurteilt (act. G 7/1/1 Ziff. 1). Der persönliche Kontakt sowie
Besuche der Mutter würden im Sinn von Art. 273 des Schweizerischen
Zivilgesetzgebuches (ZGB; SR 210) und unter Berücksichtigung von Art. 275a ZGB bis
31. Juli 2011 untersagt und danach beschränkt. Ab August 2011 würden mindestens
ein telefonischer Kontakt pro Woche sowie begleitete Besuche an mindestens zwei
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Tagen pro Monat angeordnet (act. G 7/1/1 Ziff. 4). Mit Schreiben vom 20. März 2013
gab der Leiter des Sozialamtes B. dem Sozialamt der Gemeinde A. bekannt, dass X.Y.
per 1. Januar 2013 in B. abgemeldet und in A. am 2. Januar 2013 angemeldet worden
sei. Da die elterliche Sorge und somit auch der Unterstützungswohnsitz bei der Mutter
liege und keine dauernde Fremdplatzierung angeordnet worden sei, sondern lediglich
eine solche während der Dauer des Strafverfahrens gegen den Stiefvater, sei die
Gemeinde B. für die Zahlung der Platzierungskosten nicht mehr zuständig (act. G
7/1/2). Das Sozialamt A. teilte hierauf im Schreiben vom 5. April 2013 mit, dass kein
Unterstützungswohnsitz von X.Y. in A. gegeben sei, da sie bereits seit dem 16. Juni
2011 bei einer Pflegefamilie untergebracht und auf der Rechnung der Vermittlerin des
Pflegeverhältnisses von einer Langzeittherapie die Rede sei (act. G 7/1/3).
b. Mit Beschluss vom 1. Mai 2013 hob die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde
(KESB) unter anderem den Obhutsentzug sowie die Fremdplatzierung von X.Y. bei der
Pflegefamilie L. auf (act. G 7/1/4). Mit Beschluss vom 30. Mai 2013 wies der
Gemeinderat B. die als Einsprache entgegengenommene Eingabe der Gemeinde A.
vom 5. April 2013 ab und forderte sie auf, ihr die seit dem Jahr 2013 angefallenen
Kosten für die Fremdplatzierung zurückzuerstatten. Die Fremdplatzierung sei für die
Dauer des Strafverfahrens gegen den Stiefvater angeordnet worden und habe somit
keinen dauernden Charakter. Massgebend sei diesbezüglich die Absicht betreffend
Dauer der Platzierung bei der Beschlussfassung. Der Umstand, dass die KESB den
Obhutsentzug und die damit verbundene Fremdplatzierung nach Abschluss des
Strafverfahrens aufgehoben habe, bestätige die vorübergehende Natur der
Fremdplatzierung (act. G 7/1/5). Den gegen diesen Beschluss von der
Sozialhilfekommission A. mit Eingabe vom 28. Juni 2013 erhobenen Rekurs (act. G 7/1)
wies das Departement des Innern des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 17.
Dezember 2013 ab mit der Feststellung, dass X.Y. ihren Unterstützungswohnsitz seit 1.
Januar 2013 in A. habe (act. G 2).
B.
a. Gegen diesen Entscheid erhob die politische Gemeinde A., vertreten durch die
Sozialhilfekommission, mit Eingabe vom 10. Januar 2014 Beschwerde mit den
Rechtsbegehren, der Entscheid sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass sich der
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Unterstützungswohnsitz von X.Y. für die Dauer ihrer Fremdplatzierung bei der
Pflegefamilie in der politischen Gemeinde B. befinde (Ziff. 1). Der Gemeinderat B. sei
anzuweisen, die sozialhilferechtliche Finanzierung des Pflegeplatzes und des
Lebensbedarfs von X.Y. für die gesamte Dauer ihrer Fremdplatzierung bei der
Pflegefamilie in C. sicherzustellen (Ziff. 2). Unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zulasten der Beschwerdegegnerin (Ziff. 3).
b. In der Vernehmlassung vom 4. Februar 2014 beantragte die Vorinstanz unter
Bestätigung der Darlegungen im angefochtenen Entscheid Abweisung der Beschwerde
(act. G 6). Die Beschwerdegegnerin stellte in ihrer Vernehmlassung vom 6. Februar
2014 die folgenden Anträge: Die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei; unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin, soweit in diesem
Verfahren überhaupt vorgesehen (act. G 9).
c. Mit Eingabe (Replik) vom 18. Februar 2014 bestätigte die Beschwerdeführerin ihre
Anträge und Ausführungen (act. G 11).
d. Auf die Darlegungen der Parteien in den Eingaben des vorliegenden Verfahrens wird,

soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2.
2.1. Das unmündige Kind teilt nach Art. 7 Abs. 1 ZUG den Unterstützungswohnsitz
der Eltern oder jenes Elternteils, unter dessen Sorge es steht. Wenn die Eltern keinen
gemeinsamen zivilrechtlichen Wohnsitz haben, teilt das Kind nach Art. 7 Abs. 2 ZUG
den Unterstützungswohnsitz jenes Elternteils, bei dem es wohnt. Einen selbständigen
Unterstützungswohnsitz am letzten Unterstützungswohnsitz nach den Absätzen 1 und
2 hat das Kind nach Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG dann, wenn es dauernd nicht bei den Eltern
oder einem Elternteil wohnt. Diese Bestimmung gilt nur für das unmündige Kind, das
unter elterlicher Sorge steht, wirtschaftlich unselbständig ist und dauernd nicht bei den
Eltern oder einem Elternteil lebt. Erfasst werden freiwillige und behördliche
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Fremdplatzierungen ohne Entzug der elterlichen Sorge (BGer 2A.134/2006 vom 29.
Juni 2006, E. 2.2 und 4.3.1; W. Thomet, Kommentar zum Bundesgesetz über die
Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger, Zürich 1994, Rz. 125, 127 und 132).
2.2. Fest steht vorliegend, dass K.Y. (Mutter von X.Y.) mit dem Wegzug von D. per
1. Januar 2013 ihren Unterstützungswohnsitz in A. begründete (Art. 4 Abs. 1 ZUG). Als
eigener Unterstützungswohnsitz eines minderjährigen Kindes gemäss Art. 7 Abs. 3 lit. c
in Verbindung mit Abs. 1 und 2 ZUG gilt der Ort, an dem es unmittelbar vor der
Fremdplatzierung gemeinsam mit den Eltern oder einem Elternteil gelebt bzw. Wohnsitz
gehabt hat. Der derart definierte Unterstützungswohnsitz bleibt künftig für die gesamte
Dauer der Fremdplatzierung der gleiche, auch wenn die Eltern oder der
sorgeberechtigte Elternteil den Wohnsitz wechseln (BGer 8C_701/2013 vom 14. März
2014, E. 3.2.2.1). Als lediglich vorübergehend - und damit keinen eigenen
Unterstützungswohnsitz des minderjährigen Kindes nach Art. 7 Abs. 3 lit. c in
Verbindung mit Abs. 1 und 2 ZUG begründend - gelten Fremdaufenthalte in
auswärtigen Institutionen, die entweder nur von kurzer Dauer sind oder bei denen ein
Kontakt zwischen Kindern und Eltern aufrecht erhalten wird und die Absicht besteht,
dass die Kinder nach einer bestimmten Zeit wieder zu den Eltern ziehen. Kümmern sich
die Eltern hingegen nicht ernstlich um ihre Kinder bzw. nehmen sie ihre elterliche Sorge
nicht wahr und erfolgt die Fremdplatzierung auf unbestimmte Zeit oder für mehr als
sechs Monate, spricht dies in der Regel für die Dauerhaftigkeit des Fremdaufenthaltes
(vgl. Thomet, a.a.O., Rz. 132). Ob dabei die elterliche Sorge entzogen wird oder
entsprechende Bestrebungen bestehen, ist nicht massgeblich. Genauso wenig kommt
es auf die tatsächliche Dauer des Fremdaufenthaltes an. Entscheidend ist einzig, ob bei
Beginn der Fremdplatzierung von Dauerhaftigkeit auszugehen oder nur eine
vorübergehende Lösung beabsichtigt war. Andernfalls könnte immer erst nach einer
bestimmten Dauer des Fremdaufenthalts darüber entschieden werden, welcher Kanton
letztlich die Kosten zu tragen hat, was nicht dem Sinn des Gesetzes entsprechen kann,
will dieses doch gerade für klare Verhältnisse bei der interkantonalen
Zuständigkeitsausscheidung sorgen (BGer 8C_701/2013 a.a.O., E. 3.2.2.2 mit
Hinweisen).
2.3. Zu klären ist, ob X.Y. im Zeitpunkt der Unterbringung bei der Pflegefamilie L.
am 11. Juni 2011 einen eigenen (dauernden) Unterstützungswohnsitz im Sinn von Art. 7
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Abs. 3 lit. c ZUG in B. begründet hatte oder ob es sich dabei um einen abgeleiteten
Unterstützungswohnsitz handelte, den sie mit dem Umzug von D. nach A. im Januar
2013 zusammen mit ihrer Mutter wechselte. Die Beschwerdeführerin macht unter
anderem geltend, die Tochter habe aufgrund eines Obhutsentzugs für unbestimmte
Zeit während knapp zwei Jahren und somit dauernd nicht bei der Mutter gewohnt.
Damit habe sie einen eigenen Unterstützungswohnsitz in B. begründet. Der Umzug der
Mutter habe diesen Unterstützungswohnsitz nicht tangiert. Die Vorinstanz gehe
fälschlicherweise davon aus, dass der Obhutsentzug nicht auf unbestimmte Zeit
angeordnet worden sei, weil er an die Dauer des Strafverfahrens gegen den Stiefvater
gekoppelt worden sei. Gemäss Beschluss-Dispositiv 1 Satz 1 der
Vormundschaftsbehörde B. vom 30. Juni 2011 habe es sich um einen definitiv und auf
unbestimmte Zeit angeordneten Obhutsentzug gehandelt. Eine Befristung auf die
Dauer des Strafverfahrens habe nicht vorgelegen. Es sei offen geblieben, ob die
Vormundschaftsbehörde nach Beendigung des Strafverfahrens eine Weiterführung der
Fremdplatzierung in Betracht ziehe oder den bestehenden Obhutsentzug aufheben und
die elterliche Obhut der Mutter wieder herstellen werde. Die Vorinstanz habe selbst
eingeräumt, dass erst nach Abschluss des Strafverfahrens entschieden werden könne,
wo und bei wem X.Y. inskünftig wohnen werde. Die Wiederherstellung der elterlichen
Obhut sei erst zulässig, wenn sich die Verhältnisse inzwischen derart geändert hätten,
dass das Kindeswohl bei einer Rückgabe des Kindes an die Eltern nicht mehr
gefährdet erscheine. Es sei sodann hinlänglich bekannt, dass solche Strafverfahren bis
zum Vorliegen eines rechtskräftigen Abschlusses in aller Regel Monate bis Jahre
dauern würden. Von daher könne nicht von einer bloss vorübergehenden
Fremdplatzierung die Rede sein. X.Y. habe ab 11. Juni 2011 dauernd von ihrer Mutter
getrennt bei der Pflegefamilie gelebt. Das Pflegeverhältnis habe annähernd zwei Jahre
gedauert. Während dieser Zeitspanne hätten über mehrere Wochen überhaupt keine
persönlichen Kontakte zwischen Mutter und Kind und über lange Zeit nur sehr
beschränkte telefonische Kontakte mit begleiteten Besuchstagen bestanden (act. G 1
S. 7-16).
2.4. Wird das Wohl des Kindes durch den persönlichen Verkehr gefährdet, üben
die Eltern ihn pflichtwidrig aus, haben sie sich nicht ernsthaft um das Kind gekümmert
oder liegen andere wichtige Gründe vor, so kann ihnen gemäss Art. 274 Abs. 2 ZGB
das Recht auf persönlichen Verkehr verweigert oder entzogen werden. Wichtige
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Gründe im erwähnten Sinn zur Beschränkung des Besuchsrechts können unter
anderem bei Strafverfahren gegen einen Elternteil vorliegen (vgl. Ingeborg Schwenzer,
in: Basler Kommentar zum ZGB, 4. A., Rz 10 f. zu Art. 274). - Gemäss Beschluss der
Vormundschaftsbehörde B. vom 30. Juni 2011 wurden der persönliche Kontakt sowie
Besuche der Mutter im Sinn von Art. 273 ZGB und unter Berücksichtigung von
Art. 275a ZGB bis 31. Juli 2011 untersagt und danach beschränkt. Ab August 2011
wurden mindestens ein telefonischer Kontakt pro Woche sowie begleitete Besuche an
mindestens zwei Tagen pro Monat angeordnet. Der Kontakt musste - zur Erkennbarkeit
einer allfälligen Einflussnahme der Mutter auf die Tochter für die Begleitperson - jeweils
in deutscher Sprache erfolgen (act. G 7/1/1 Ziff. 4). Nach Lage der Akten war diese
Massnahme aufgrund der Beeinflussungsgefahr im damals laufenden Strafverfahren
erforderlich (vgl. Darlegungen der Beschwerdegegnerin in act. G 7/3).
Unbestritten ist, dass X.Y. bis zur Aufhebung der Massnahme Anfang Mai 2013 bzw.
darüber hinaus bis 7. Juni 2013 (act. G 1 S. 5) knapp zwei Jahre bei der Pflegefamilie L.
platziert war (act. G 7/3/4). Entscheidend für die Beantwortung der Frage der
Dauerhaftigkeit der Fremdplatzierung im Sinne des Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG ist nach dem
hiervor Dargelegten jedoch, ob bereits bei Beginn der Fremdplatzierung von einer
anhaltenden Vorkehr auszugehen war. Im Beschluss vom 30. Juni 2011 wurde
festgehalten, dass die Unterbringung bei der Pflegefamilie L. bis zum Ende des
Strafverfahrens gegen den Stiefvater aufrecht erhalten bleibe und das weitere
Vorgehen aufgrund des Strafurteils bzw. der Verfahrenseinstellung neu beurteilt werde
(act. G 7/1/1 S. 5). Die damalige Situation machte offensichtlich ein rasches
Einschreiten seitens der zuständigen Behörden notwendig, ohne dass die Sachlage
vorgängig hätte geklärt werden können. Die Fremdplatzierung stellte demnach eine
einstweilige vorsorgliche Vorkehr dar, um X.Y. durch örtliche Trennung von Mutter und
Stiefvater vor weiteren negativen Einflüssen zu schützen. Die Anordnung der
Fremdplatzierung erfolgte nach dem klaren Beschluss-Wortlaut (Dispositiv Ziff. 1 in act.
G 7/1/1) nicht auf unbestimmte Zeit, sondern wurde von der - nicht im Voraus
bekannten, aber zeitlich absehbaren - Dauer des Strafverfahrens abhängig gemacht.
Eine diesbezüglich dauerhafte Lösung konnte zu Beginn denn auch noch gar nicht
beabsichtigt sein, fehlte es dafür doch klarerweise am vertieften Wissen um die
Sachumstände. Dies hat umso mehr zu gelten, als es sich bei der Fremdplatzierung
aus Sicht aller Verfahrensbeteiligten um einen erheblichen Eingriff in die Rechtsstellung
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der Direktbetroffenen handelt und deshalb regelmässig erst nach Klärung der
Umstände zur dauerhaften Massnahme erklärt werden kann (vgl. BGer 8C_701/2013
a.a.O., E. 4.2.2).
2.5. Aus den geschilderten Umständen zog die Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid unter anderem den Schluss, dass X.Y. in irgendeiner Art und Weise in das
Strafverfahren involviert gewesen sei, weshalb es nur folgerichtig sei, dass nach
förmlicher Beendigung des Strafverfahrens eine Lagebeurteilung vorgenommen und
dann entschieden werden sollte, wo und bei wem sie inskünftig wohnen werde.
Ausserdem sei bei einem Kind im Alter von zwölfeinhalb Jahren (im Zeitpunkt des
Obhutsentzugs) die Gefahr einer Entfremdung von der Mutter durch die Beschränkung
des Besuchsrechts weniger immanent als bei einem Säugling oder Kleinkind. Im Alter
von zwölf Jahren sollten die Bande zwischen Mutter und Tochter so eng geknüpft sein,
dass auch eine zeitweilige Kontaktsperre diese nicht zu lösen vermöchten. Zudem sei
X.Y. in jenem Zeitpunkt aufgrund ihres Alters wohl in der Lage gewesen zu erkennen,
weshalb ihr der Kontakt zur Mutter verwehrt worden sei. Ausserdem habe sich die
Mutter vehement dafür eingesetzt, dass ihr Kind zu ihr zurückkomme. All dies spreche
dafür, dass X.Y. nicht dauernd fremdplatziert worden sei (act. G 2 S. 7 f. mit Hinweis
auf act. G 7/3).
2.6.
2.6.1. Vorab ist zur Tatsache, dass die Tochter in der Zeit von Juni 2011 bis Juni
2013 nicht bei der Mutter, sondern bei der Pflegefamilie wohnte (vgl. Bestätigung vom
17. Februar 2014, act. G 11 Beilage), festzuhalten, dass dieser Umstand einzig über die
Quantität, nicht jedoch über die Qualität des Kontakts zwischen Mutter und Tochter
etwas aussagt. Die Qualität des Kontakts wird denn auch von keiner Seite in Frage
gestellt. Nach Lage der Akten blieb ein Kontakt der Tochter zur Mutter während der
Dauer der Massnahme - mit Ausnahme des ersten Monats (Juli 2011; vgl. act. G 7/1/1)
- aufrechterhalten. Die verfügten Beschränkungen des Kontakts waren ausschliesslich
Folge des Strafprozesses gegen den Stiefvater. Damit war auch zu keinem Zeitpunkt in
Frage gestellt, dass die Tochter nach Aufhebung der Massnahme wieder bei der Mutter
wohnen wird. Überdies bestätigte sich im Nachhinein durch die unmittelbar nach
Beendigung des Strafverfahrens erfolgte Aufhebung der Massnahme deren
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vorübergehender Charakter. Die in der Rechtsprechung jeweils angeführte
"Normdauer" von sechs Monaten als Anhaltspunkt/Indiz für die Dauerhaftigkeit einer
Massnahme kommt nur dann zum Tragen, wenn nicht andere bzw. gewichtigere
Umstände einen gegenteiligen Schluss nahelegen bzw. belegen. Die Tatsache, dass
die Massnahme effektiv rund zwei Jahre andauerte, vermag nichts an dem hier
ausschlaggebenden Umstand zu ändern, wonach die Massnahme lediglich aufgrund
und für die Dauer des Strafverfahrens angeordnet worden war. Andere Gründe für den
Obhutsentzug liegen unbestritten nicht vor. Die Tatsache, dass im Zeitpunkt der
Anordnung des Obhutsentzugs die Dauer und der Ausgang des strafrechtlichen
Verfahrens gegen den Stiefvater nicht bestimmt waren, vermag den vorübergehenden
Charakter des Obhutsentzugs bzw. die Endlichkeit jedes Strafverfahrens ebenfalls
nicht in Frage zu stellen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (act. G 1 S.
8 unten) kann nicht von einem definitiv angeordneten Obhutsentzug für unbestimmte
Zeit ausgegangen werden. Offensichtlich unzutreffend ist ihr Hinweis, dass es sich bei
den Sätzen 2 und 3 der Dispositiv-Ziffer 1 des Beschlusses der
Vormundschaftsbehörde vom 30. Juni 2011 (act. G 7/1/1 S. 5) lediglich um eine nicht
vollstreckbare Erläuterung handle (act. G 1 S. 10). Unzutreffend ist auch ihre
Feststellung, wonach von der Vormundschaftsbehörde verfügt worden sei, dass der
Obhutsentzug mindestens bis zum Ende des Strafverfahrens dauere (act. G 1 S. 10).
Solches lässt sich Satz 2 der Dispositiv-Ziffer 1 des Beschlusses vom 30. Juni 2011
nicht entnehmen. Zutreffend erscheint demgegenüber das Vorbringen der
Beschwerdeführerin (act. G 1 S. 12 mit Hinweis auf Breitschmid, Basler Kommentar
zum ZGB, 4. A. 2010, Rz 15 zu Art. 310 ZGB, BGer 5A_478/2008 vom 20. August 2008,
E. 4.2, und 5C.27/2002 vom 21. Februar 2002), wonach der Obhutsentzug erst
aufgehoben werden dürfe, wenn er aufgrund veränderter Verhältnisse nicht mehr nötig
sei. Letzteres war mit der Beendigung des Strafverfahrens gegen den Stiefvater der
Fall.
2.6.2. Im Weiteren ist festzuhalten, dass dem von der Beschwerdeführerin zitierten
BGer 2A.504/1999 vom 9. März 2000 (E. 4a) - in Abweichung zum vorliegenden Fall -
als Sachverhalt eine (unbestrittene) dauernde Fremdplatzierung eines Kindes in einem
Heim zugrunde lag. An einer Befristung der Fremdplatzierung fehlte es sodann im
Sachverhalt, welcher dem von der Beschwerdeführerin angeführten Urteil des
Verwaltungsgerichts B 2012/53 vom 15. Oktober 2012 zugrundelag: Hier ging es um
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die Fremdplatzierung eines Kindes im Wocheninternat einer internen Sonderschule, wo
es sich (auch wegen familiärer Probleme bzw. unsicherer Familiensituation) unter
dauernder Obhut von Drittpersonen befand (VerwGE B 2012/53 a.a.O., E. 2.2.2,
www.gerichte.sg.ch). Sodann lag dem von der Beschwerdeführerin angeführten (act. G
11 S. 2) VerwGE B 2002/144 vom 24. März 2003 (GVP 2003 Nr. 13) als Sachverhalt
zugrunde, dass sich eine zunächst als Wochenpflege beabsichtigte Fremdplatzierung
eines Kindes im Verlauf der Unterbringung zur Dauerpflege entwickelte. Im konkreten
Fall gab es insofern keine solche Entwicklung des Sachverhalts, als die
Fremdplatzierung zum vornherein und explizit für die Dauer des Strafverfahrens gegen
den Stiefvater vorgesehen war. Auch die weiteren von der Beschwerdeführerin zitierten
Gerichtsentscheide (vgl. act. G 1 S. 8-16 unter anderem mit Hinweis auf GVP 1998 Nr.
78, S. 200, BGer 2A.253/2003 vom 23. September 2003, BGer 2A.134/2006 a.a.O.,
BGE 135 V 134, Urteil Verwaltungsgericht Graubünden 20130618 vom 18. Juni 2013,
E. 4, Urteil Verwaltungsgericht Zürich VB.2002.00046 vom 11. April 2002) sind nicht
einschlägig bzw. liefern für den vorliegenden Sachverhalt keinen konkreten Anlass, der
auf eine dauernde Fremdplatzierung von X.Y. schliessen liesse. Die dargelegten
Umstände machen insgesamt deutlich, dass X.Y. auch während ihres Aufenthalts bei
der Pflegefamilie L. einen (von ihrer Mutter) abgeleiteten Wohnsitz hatte und sie
zusammen mit ihrer Mutter am 1. Januar 2013 in A. einen Unterstützungswohnsitz
begründete. Weitere Gründe dafür, aufgrund welcher die vorinstanzliche Bestätigung
eines Unterstützungswohnsitzes von X.Y. in A. ab 1. Januar 2013 in Frage zu stellen
wäre, lassen sich den Akten und den Eingaben der Beschwerdeführerin nicht
entnehmen. Bei fehlendem Nachweis einer Ermessensüberschreitung bzw. eines
Ermessensmissbrauchs oder von fehlerhaften Sachverhaltsannahmen (vgl. Art. 61 Abs.
1 und 2 VRP) lässt sich der angefochtene Entscheid nicht beanstanden. Die
Befürchtung der Beschwerdeführerin, dass die Annahme einer vorübergehenden
Fremdplatzierung zu einer völligen Verunsicherung der rechtsanwendenden
Sozialhilfebehörden führe (act. G 11 S. 3), erscheint gerade in einem Fall wie dem
vorliegenden insofern nicht berechtigt, als im Beschluss vom 30. Juni 2011 die
Aufrechterhaltung der Massnahme bis zum Ende des Strafverfahrens klar fixiert und
damit befristet wurde (act. G 7/1/1 Dispositiv-Ziffer 1).
3.
3.1. (...).
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