Decision ID: 1fe7f224-65d2-4199-a8b6-a12cad9c66e2
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1949, Bezüger einer Altersrente, meldete sich am
1.
Mai 2012 bei der Stadt
O._
, Zu
satzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend:
Durch
führungsstelle), zum Bezug von Zusatzleistungen an
(vgl. zum Sachverhalt im Folgenden Urteil des Sozialversicherungsgerichts ZL.2013.00106 vom 2
5.
Februar 2014, Urk. 21/1)
.
Auf dieses Gesuch trat die Durchführungsstelle nach Durchf
ührung des Mahn- und Bedenkzeit
verfahrens
mangels Erfüllung der Auflage nicht ein (
Mahnschreiben vom 27. Juli 2012;
Nicht
eintretensverfügung vom 4. September 2012). Die in diesem Zusammen
hang
erhobenen Beschwerden des Versicherten wies
en
das Sozialversicherungsgericht mit Urteilen ZL.2012.00065 vom 3
1.
Oktober 2012 und ZL.2013.00008 vom 2
8.
März 2013
sowie das Bundesgericht
mit Urteil 9C_390/2013 vom 1
9.
August 2013
jeweils
ab, soweit darauf
eingetreten wurde (Urk. 21/2-4
).
1.2
Mit Eingabe vom 28. August 2013 meldete sich der Versicherte erneut bei der Durchführungsstelle zum Bezug von Zusatzleistungen an (
Urk.
3/12
).
Nach
der
Aufforderung der Durchführungsstelle, alle erforderlichen Unterla
gen
einzu
reichen (Schreib
en vom 3. September 2013, Urk. 14
/1), reichte der Ver
si
cher
te
wiederum
nicht alle Belege ein (Formular vom 10. Sep
tember 2013 mit Beila
gen, Urk. 14/2 und Urk. 14
/2/1-7). Dieses Vorgehen rechtfertigte er in sei
nem Begleitschreiben vom 10. September 2013 mit dem Hinweis a
uf seine Pri
vats
phä
re (Urk. 14
/3). Nachdem die Durchführungsstelle ihn in der Folge aufge
for
dert
hatte, verschiedene noch fehlende Unterlagen bis zum 22. November 2013 einzu
reichen, verbunden mit der Androhung des Nichteintretens bei Nichterfül
lung der
A
uflage (Schreibe
n vom 25. September 2013, Urk. 14/4), ver
langte der Versicher
te
den unverzüglichen Erlass einer anfechtbaren
Verfügung betreffend die aufer
legte
Pflicht zur
Einreichung von bestimmten Unterlagen (Schreiben vom 3. Oktober 2013,
Urk. 3/6b
). Daraufhin erneuerte die Durchführungsstelle mit Schreiben vom 18. Ok
to
ber 2013 (Urk. 14/6
) ihre Androhung d
es Nichtein
tretens bei Nichterfüll
ung der Auflage und hielt daran, nach einem erneuten Gesuch das Versicherten
um unverzüglichen Erlass der beantragten Verfügung, fest (Schreiben vom 2
4.
und
29. Oktober 2013, Urk. 3/10-11
).
Eine
auf die Mahnschreiben vom 25. September und 18. Oktober 2013
und die damit zusam
menhängende Korrespondenz
Bezug nehmende Beschwerde des Versicherten
vom
6.
November 2013 schrieb das Sozialversicherungsgericht mit Verfügung ZL.2013.00106 vom 2
5.
Februar 2014 (Urk. 21/1) als gegenstandslos geworden ab.
Mit
V
erfügung vom 2
5.
November 2013 (Urk. 14/10) trat
die Durchfüh
rungsstelle
androhungsgemäss auf das Gesuch des Versicherten vom 2
8.
August
und 1
0.
September 2013 um Zusprechung von Zusatzleistungen nicht ein und wies die dagegen am 1
1.
Dezember 2013 erhobene Einsprache (Urk. 3/14) nach einer weiteren Korrespondenz mit
dem Versicherten
(Urk. 11/16
, Urk. 11/13-14, Urk. 11/17) mit
Einsprachee
ntscheid vom
3.
Juni 2014 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
2.
Juni 2014 Beschwerde (Urk. 1) mit dem Antrag
, in Aufhebung des angefochtenen Entscheids sei
en
ihm unverzüglich ab
1.
Juli 2012 Zusatzleistungen zuzusprechen. In ihrer Beschwerdean
t
wort vom 1
8.
August 2014 schloss die Durchführungsstelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 10). Gleichzeitig beantragte sie, der Versicherte sei zu ver
pflichten, ihr eine Parteientschädigung auszurichten, und es seien ihm die Ver
fahrenskosten aufzuerlegen.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbe
schwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht, indem Ver
waltung und Sozialversicherungsgericht von sich aus für die richtige und voll
ständige Abklärung des Sachverhaltes zu sorgen haben. Dieser Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt, sondern findet sein Korrelat (unter anderen) in der Mitwirkungspflicht der versicherten Person (BGE 120 V 357 E. 1a mit zahlrei
chen Hinweisen = RKUV 1995 Nr.
U 209 S. 27 f. E. 1a).
Die Mitwirkungspflicht der Parteien erstreckt sich auf sämtliche für den Entscheid wesentlichen Tatsa
chen und umfasst auch die Pflicht der Partei zur Edition von Urkunden, we
lche sich in ihren Händen befin
den. Sie gilt insbesondere für Tatsachen, welche d
ie Behörde ohne die Mitwir
kung der Partei gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand er
heben könnte (BGE 124 II 365 E
. 2b mit Hinweis; Urteil des
Bundes
gerichts K 150/03
vom 1
8.
Mai 2004, E. 5.1
mit Hinweisen).
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspru-chen, den Auskunfts- und Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen
oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen
. Er muss diese Perso
nen vorher schriftlich mah
nen und auf die Rechtsfolge hin
weisen; ihnen ist eine
angemessene Bedenkzeit einzuräumen (Art. 43 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht wegen Verlet
zung der Mitwirkungspflichten im Sinne von Art. 43 Abs. 3 ATSG auf
das
erneute
Gesuch
des Beschwerdeführers
vom
2
8.
August und 1
0.
September
2013 um Zusprechung von
Zusatzleistungen
(
Urk. 3/12,
Urk. 14/2-3) nicht eingetre
ten ist.
Gemäss der
Akten
lage
hat d
er Beschwerdeführer
der Beschwerdegegnerin
trotz mehrfacher schriftlicher Aufforderung und nach unmissverständlicher Andro
hung entsprechender Rechtsnachteile
(Mahnschreiben der Beschwerdegegnerin vom 2
5.
September und 1
8.
Oktober 2013; Urk.
14/4
, Urk. 14/6) die geforderten Unterlagen betreffend die Bank- und Postkonten sowie das Scheidungsurteil nicht eingereicht, was unbestritten ist. Es ist nicht ersichtlich und wird vom Versicherten auch nicht substantiiert dargetan, inwiefern es ihm nicht zumutbar gewesen wäre, die geforderten Akten zu beschaffen und der Beschwerdegegne
rin einzureichen.
Sein hauptsächlicher Einwand, es gebe für die
se Beweisauflage
keinen hinreichenden
Anlass (Urk. 1), ist unbegründet. Ohne umfassende Ab
klärung der wirtschaftlichen und
persönlichen Verhältnisse
– wozu auch die Einholung
des Scheidungsurteils und
der geforderten Unterlagen betreffend die Bank- und Postkonten gehört (dazu
Carigiet/Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV,
2.
Auflage, Zürich 2009, S.
82 f.) – ist es nicht möglich, die Anspruchsvoraussetzungen des Beschwerdeführers betreffend Ergänzungsleis
tungen un
d allfällig
weitere Zusatzleistungen rechtsgenüglich abzuklären.
Die geforderten Belege waren somit für die Beurteilung des geltend gemachten Leistungsanspruchs keineswegs unnötig oder überflüssig.
Daran ändert auch der Hinweis des Versicherten auf den Datenschutz und die Privatsphäre
nichts
.
S
oweit die Abklärung
des
Anspruchs auf Zusatzleistungen die Vorlegung von Dokumenten erforderlich macht,
sind allfällige mit dieser Offenlegung persönli
cher Daten
verknüpfte
Rechtspositionen des
Versicherten
im Zusammenhang mit dem Datenschutz oder
seiner
Privatsphäre
eingeschränkt
.
Die
weiteren, in diesem Zusammenhang vorgebrachten Einwände des Versicher
ten (
Urk.
1)
sind
ebenfalls
nicht stichhaltig. Entgegen seiner Auffassung umfasst die Mitwirkungspflicht nach der dargelegten Rechtsprechung
(E. 1)
nicht bloss mündliche Auskünfte, sondern auch die Einreichung von entsprechenden Bele
gen. Sein Einwand, die Fürsorgekommission verfüge über alle für die Beurtei
lung des Gesuchs notwendigen Informationen, ist
unbegründet
.
Denn es
gehört
zur Mitwirkungspflicht der versicherten Person, dass sie die einverlangten Belege
ordnungsgemäss
der Durchführung
s
stelle
einreicht
, respektive dass sie auf diese Weise ihre wirtschaftliche Lage
inklusive Einkommen und Vermögen
als
anspruchsb
egründende Tatsache
dartut
und
belegt
(BGE 121 V 204 E. 6a).
Kommt eine versicherte Person dieser Pflicht wie im vorliegenden Fall in grundsätzlicher Hinsicht nicht nach, treten die in Art. 43 Abs. 3 ATSG vorgese
henen Sa
nktionen ein, was den
Untersuchungsgrundsatz der Verwaltung
ent
sprechend ein
schränkt
(E. 1). Der
Beschwerdeführer
verhält sich zudem
wider
sprüchlich,
wenn
er
sich
einerseits
auf den Datenschutz beruft,
gleichzeitig
aber
der
Beschwerdegegnerin
Untätigkeit
vorwirft,
weil
sie
bei anderem Behörden oder Ämtern kein
e Nachforschungen anstelle
.
Seine Vorbringen betreffend Formu
ngültigkeit der Verwaltungsakte
entbehren
sodann
jeglicher Grundlage.
Denn
die Verfügung vom 2
5.
November 2013 (
Urk.
14/10) und der angefoch
tene Entscheid (
Urk.
2)
enthalten
alle für einen rechtsgültigen Entscheid erfor
derlichen
Elemente (Art. 49 Abs. 3 ATSG)
. Der
Beschwerdeführer
legt
denn auch
nicht dar, inwiefern er an einer fristgerechten Anfechtung der Entscheide gehindert
worden sein soll
.
Nachdem es
sich
bei der Auflage, die erforderlichen Belege einzureichen,
darum handelte,
die
tatsächlichen Verhältnisse
des
Versi
cherten
abzuklären, kann entgegen
dessen
Auffassung
nicht
von einer „Leben
führungskontrolle“ (BGE 115 V 352 E. 5.d)
gesprochen werden.
2.2
Nach dem Gesagten ist d
er Beschwerdeführer
seiner Mitwirk
ungspflicht trotz rechtsgenüglicher Mahnschreiben vom 2
5.
September und 1
8.
Oktober 2013 (
Urk.
14/4
,
Urk.
1
4
/6) in unentschuldbarer Weise nicht nachgekommen.
Der angefochtene Entscheid (
Urk.
2) ist daher zu bestätigen
(Art.
43 Abs. 3 ATSG).
Der Antrag des Beschwerdeführers
, es sei
en
ihm
unverzüglich
respektive ohne Aufschub
Zusatzleistungen ab
1.
Juli 2012
zuzusprechen,
erweist sich damit als unbegründet.
Seine
Vorbringen
, wonach die Beschwerdegegnerin eine erhebli
che Rechtsverzögerung oder Rechtsverweigerung
begangen
habe oder
begehe
(
Urk.
1)
sind
einerseits
durch den Erlass der angefochtenen Entscheide
gegen
standslos geworden
und
andererseits – soweit
damit
noch kein materieller Ent
scheid betreffend Zusatzleistungen erlassen wurde
–
nicht stichhaltig,
hat er
dies
doch selber durch eine unentschuldbare Verletzung der Mitwirkungspflicht
veranlasst.
3.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
Die Voraussetzungen sind nicht gegeben, um dem Beschwerdeführer die Verfah
renskosten aufzuerlegen (§ 33 Abs. 2 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht; GSVGer). Ebenfalls besteht kein Anlass dazu, der Beschwerdegeg
nerin ausnahmsweise eine Parteientschädigung zuzusprechen, zumal sich deren Aufwendungen im Rahmen des Üblichen gehalten haben (§ 34 Abs. 2 GSVGer; BGE 127 V 205 E. 4b-c).