Decision ID: 11e0dee6-cfc6-59b6-8e9a-3df52db3303f
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge am
6. Januar 2016 und gelangte per Flugzeug über Singapur und die Verei-
nigten Arabischen Emirate in den Iran und weiter auf dem Landweg über
ihm unbekannte Länder am 20. Januar 2016 in die Schweiz, wo er am
nächsten Tag ein Asylgesuch stellte. Am 27. Januar 2016 wurde er sum-
marisch befragt und am 31. Mai 2018 einlässlich angehört.
Zur Begründung seines Asylgesuches gab er im Wesentlichen an, er habe
einen Freund (...) beim Kauf eines (...) unterstützt, indem er einen Teil des
Geldes, das dieser von seinem Bruder erhalten habe, über sein Konto habe
laufen lassen. Er sei zweimal zum (...) gegangen, als das (...) zurückge-
kommen sei. Erst später habe er erfahren, dass das (...) den LTTE (Libe-
ration Tigers of Tamil Eelam) gehört habe und sein Freund Mitglied dieser
Organisation gewesen sei. Als er im April 2014 zum zweiten Mal zum (...)
gegangen sei, seien alle Mitarbeiter des (...) durch das TID (Terrorist In-
vestigation Department) beziehungsweise das Militär verhaftet worden. Die
Schwester seines Freundes habe ihm zwei Tage später mitgeteilt, dass
dieser noch am selben Tag ebenfalls verhaftet worden sei. Über die Ver-
haftung sei in der Zeitung berichtet worden, zumal der Bruder seines
Freundes als (...) für Prabakaran gearbeitet habe. In der Zeitung habe ge-
standen, dass der Freund den Kauf des (...) über die Bewegung finanziert
habe. Aus Angst habe er (der Beschwerdeführer) sein Telefon daraufhin
ausgeschaltet. Als er es wieder eingeschaltet habe, habe er einen Anruf
seines Freundes erhalten. Er habe den Anruf nicht entgegengenommen
und seine SIM-Karte weggeworfen beziehungsweise als er zurückgerufen
habe, habe jemand auf Singhalesisch geantwortet, sodass er das Telefon
wieder ausgeschaltet habe. In dieser Zeit habe das TID auch drei junge
Menschen ermordet, weil sie etwas mit seinem Freund zu tun gehabt hät-
ten. Später sei er nicht mehr nach Hause gegangen, weil in der Nähe ein
Mitglied der EPDP (Eelam People's Democratic Party) gewohnt habe. Er
habe sich an verschiedenen Orten versteckt und auf (...) gearbeitet. In die-
ser Zeit habe sich das Militär in seinem Dorf immer wieder nach ihm erkun-
digt. Schliesslich sei er ausgereist. Sein Freund sei im Jahr 2015 oder 2016
wieder freigelassen worden und lebe mit dessen Familie in Sri Lanka.
B.
Mit Verfügung vom 28. Februar 2020 – eröffnet am 4. März 2020 – lehnte
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das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Weg-
weisung sowie den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 26. März 2020 (Poststempel) erhob der Beschwerdefüh-
rer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz für weitere Abklärungen, eventualiter die
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung sowie sub-
eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die Erteilung einer vorläufigen
Aufnahme. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 8. Mai 2020 stellte die Instruktionsrichterin
fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung verschob sie auf einen späteren Zeitpunkt und for-
derte den Beschwerdeführer auf, eine Fürsorgebestätigung einzureichen.
E.
In seiner Vernehmlassung vom 5. Juni 2020 hielt das SEM vollumfänglich
an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2020 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 VwVG aufgrund der eingereichten Fürsorgebestätigung
gut.
G.
Am 25. Juni 2020 wurde das Mandatsverhältnis durch die rubrizierte
Rechtsvertretung angezeigt.
H.
Mit Replik vom 29. Juli 2020 nahm der Beschwerdeführer nach Fristerstre-
ckung zur Vernehmlassung des SEM Stellung.
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Seite 4
I.
Am 14. August 2020 liess der Beschwerdeführer eine Kostennote zu den
Akten reichen.
J.
Mit Eingabe vom 25. September 2020 reichte der Beschwerdeführer ein
mit der Replik eingereichtes Beweismittel im Original zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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Seite 5
3.
Der Beschwerdeführer beantragt in seinem Hauptbegehren, die Sache sei
ans SEM zurückzuweisen. Diese Rüge ist vorab zu prüfen.
3.1 Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich geltend, das SEM habe
den Sachverhalt nicht richtig festgestellt, indem es ihn nicht darauf auf-
merksam gemacht habe, dass er alle notwendigen Beweismittel einreichen
müsse. Er habe schon an der Anhörung Beweismittel angeboten. Das SEM
habe aber gesagt, es sei seine Sache, ob er sie einreichen möchte, wo-
raufhin er dies unterlassen habe. Der Sachbearbeiter wäre verpflichtet ge-
wesen, ihm zu sagen, dass er alle nötigen Beweismittel einreichen müsse.
Das SEM verwies hierzu in seiner Vernehmlassung auf die Mitwirkungs-
pflicht der Asylsuchenden gemäss Art. 8 AsyIG, auf welche der Beschwer-
deführer verschiedentlich aufmerksam gemacht worden sei, wonach auch
Beweismittel zum Sachverhalt von den asylsuchenden Personen unver-
züglich und selbständig einzureichen seien. Zudem sei er im Anschluss an
die Anhörung nicht zu Unrecht im Glauben gelassen worden, der Sachver-
halt sei rechtsgenüglich erstellt, da dies aus Sicht des SEM effektiv zuge-
troffen habe.
In der Replik wurde dem mit Verweis auf die schüchterne Persönlichkeit
des Beschwerdeführers entgegengehalten, dass es angebracht gewesen
wäre, ihn zur Einreichung der Beweismittel zu ermutigen, zu diesen Fragen
zu stellen und ihn auf Widersprüche aufmerksam zu machen.
Hierzu ist festzuhalten, dass es zwar in der Tat nicht ganz nachvollziehbar
ist, dass der Sachbearbeiter dem Beschwerdeführer, als Letzterer an der
Anhörung anfragte, ob die entsprechenden Beweismittel zeigen solle, ant-
wortete, es sei an ihm, die Beweismittel einzureichen, die er für relevant
halte (vgl. A13 F77 f.). Wie das SEM in seiner Vernehmlassung aber richtig
erwähnte, wurde der Beschwerdeführer andererseits explizit auf seine Mit-
wirkungspflicht aufmerksam gemacht. Dazu gehört auch die Einreichung
wichtiger Beweismittel, weshalb in diesem Zusammenhang nicht von einer
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes auszugehen ist. Mit der Be-
schwerde wurden die erwähnten Beweismittel überdies nun zu den Akten
gereicht, sodass der Sachverhalt zumindest auf Beschwerdeebene als
vollständig erstellt erachtet werden kann.
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3.2 Für die Durchführung der Anhörung durch dieselbe Person, die über
das Asylgesuch befindet, gibt es keine zwingende, mit Rechtsfolgen verse-
hene gesetzliche Verpflichtung des SEM. Überdies ist nicht ersichtlich und
wird vom Beschwerdeführer auch nicht substantiiert dargelegt, inwiefern
ihm aus der Behandlung seines Falles durch verschiedene Personen ein
konkreter Nachteil entstanden sein soll.
3.3 In Bezug auf die angeblich zu kurze Dauer der Anhörung kann auf die
Erwägungen in der Vernehmlassung des SEM verwiesen werden, wonach
eine vorgeschriebene Mindestdauer für die Durchführung einer Anhörung
in den gesetzlichen Bestimmungen nicht festgehalten werde. Sofern der
Sachverhalt im Einzelfall vom SEM – unter Berücksichtigung sämtlicher
Akten in einem Dossier – als erstellt erachtet werde, seien die Vorausset-
zungen für das Erlassen eines Asylentscheides erfüllt, was vorliegend der
Fall gewesen sei. Auch das Gericht ist der Ansicht, dass von einem genü-
gend erstellten Sachverhalt auszugehen ist. Der Verweis in der Replik auf
die schüchterne Persönlichkeit des Beschwerdeführers vermag auch hier
nicht zu überzeugen, zumal die Anhörung genügend Raum für Rückfragen
bot und diese auch gestellt wurden.
3.4 Eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist nach dem Gesagten
nicht angezeigt.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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5.
5.1 Das SEM hielt zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen fest,
die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. Zunächst sei
nicht nachvollziehbar, dass er keine Kenntnis von der angeblichen Mitglied-
schaft seines Freundes bei den LTTE gehabt haben wolle, zumal dieser
ihm offen und von sich aus von der Mitgliedschaft seines Bruders und des-
sen Austritt erzählt haben solle. Zudem habe er keine Angaben zur angeb-
lichen Funktion seines Freundes bei den LTTE machen können, obwohl er
nach seiner Verhaftung mit dessen Schwester und ihm selber Kontakt ge-
habt habe und solche Informationen hätte erfragen können. Weiter habe er
an der Befragung angegeben, auf dem (...) hätten Geschwister des Be-
schwerdeführers gearbeitet, wobei er diese verwandtschaftliche Bezie-
hung zu den verhafteten Personen an der Anhörung nicht mehr erwähnt
habe. Auch zu den Behörden, welche die Personen festgenommen bezie-
hungsweise ihn gesucht hätten, habe er sich widersprüchlich geäussert,
indem er an der Befragung vom TID beziehungsweise der Armee und an
der Anhörung von der Armee beziehungsweise dem CID (Criminal Investi-
gation Department) gesprochen habe. Zudem habe er sich in Bezug auf
das Entgegennehmen von Anrufen auf seinem Telefon nach der Verhaf-
tung seines Freundes widersprochen. Des Weiteren sei nicht nachvollzieh-
bar, dass er trotz seiner Furcht vor einer Verhaftung weiterhin zu sich nach
Hause gegangen sei und sich anschliessend lediglich im Grossraum Jaffna
versteckt und regelmässig gearbeitet habe. Das Gleiche gelte für die Tat-
sache, dass er trotzdem noch zwei Jahre in Sri Lanka geblieben und nicht
ausgereist sei. Seine Erklärung, wonach er nicht gewusst habe, wie er sei-
nen Heimatstaat hätte verlassen können, vermöge nur schon deshalb nicht
zu überzeugen, da er seit dem Jahr 2008 im Besitz eines Reisepasses
gewesen sei, mit welchem er im Jahr 2016 dann auch ausgereist sei. Nach
dem Gesagten dränge sich der Verdacht auf, dass er die Vorbringen ge-
stützt auf die von der lokalen Presse verbreiteten Informationen zur Sache
oder auch vom Hörensagen widergegeben habe. Abschliessend gelte es
festzuhalten, dass die LTTE im Jahr 2009 zerschlagen worden seien.
Zu seinem Vorbringen, wonach er wiederholt an Gedenktagen zu Ehren
von gefallenen LTTE-Kämpfern teilgenommen habe, könnten – dessen
Glaubhaftigkeit vorausgesetzt – den Akten keine Hinweise darauf entnom-
men werden, dass er diesbezüglich asylrelevante Nachteile erlebt habe. Er
bringe dieses Vorbringen denn auch nicht in Zusammenhang mit seiner
Ausreise. Zur LTTE selber habe er sonst keinen Bezug gehabt.
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Auch bei einer Rückkehr nach Sir Lanka habe er keine begründete Furcht
vor Verfolgung. Kontrollmassnahmen am Flughafen und am Herkunftsort
bei Rückkehrern, die illegal ausgereist seien, über keine gültigen Identitäts-
dokumente verfügen würden, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen
hätten oder behördlich gesucht würden, nähmen grundsätzlich kein asylre-
levantes Ausmass an. Er habe nicht glaubhaft gemacht, vor seiner Aus-
reise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu
sein. Vielmehr sei er bis Januar 2016 in Sri Lanka wohnhaft gewesen, habe
also nach Kriegsende noch mehr als sechs Jahre in seinem Heimatstaat
gelebt. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren
hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behör-
den auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich,
weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der
Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Dies
gelte auch in Berücksichtigung seiner angeblich in der Schweiz lebhaften
Schwester, zumal er seine Ausreisegründe nicht mit ihr in Zusammenhang
gebracht habe und diese nicht habe ausfindig gemacht werden können.
Auch die im November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl vermöge diese
Einschätzung nicht umzustossen, zumal kein persönlicher Bezug des Be-
schwerdeführers zu diesem Ereignis respektive dessen Folgen vorliege.
5.2 Der Beschwerdeführer hielt dem in seiner Rechtsmitteleingabe entge-
gen, er habe wirklich nicht gewusst, dass sein Freund eine Verbindung zu
den LTTE gehabt habe. Dies sei ihm erst bei dessen Verhaftung bewusst-
geworden. Über so etwas spreche man nicht einfach so. Er habe nur von
dessen Bruder gewusst. Auch an der Anhörung habe er sich nicht getraut,
von den LTTE zu sprechen und habe das Wort Bewegung benutzt. Über
dessen Funktion habe sein Freund nicht sprechen dürfen, sodass er auch
keine entsprechenden Informationen hätte einholen können. Über die ver-
wandtschaftliche Beziehung seines Freundes zu den Leuten auf dem (...)
habe er an der Anhörung nicht gesprochen, weil er es nicht für wichtig er-
achtet habe. Das SEM hätte diesbezüglich nachfragen sollen. Bezüglich
der Behörden, welche seinen Freund festgenommen beziehungsweise ihn
gesucht hätten, könne er keine genaue Auskunft geben, zumal er nicht an-
wesend gewesen sei. Für ihn seien TID, CID und die Armee alle dasselbe.
Bei der Annahme eines Widerspruchs hätte das SEM wiederum nachfra-
gen müssen. Zudem hätten die Befragung und die Anhörung weit ausei-
nandergelegen und er benutze eine einfache Sprache. Auch bezüglich des
Hergangs des Anrufes seines Freundes habe er sich nicht widersprochen.
Nach diesem Vorfall habe er an vielen verschiedenen Orten teils nur tage-
weise gearbeitet und sich nirgends lange aufgehalten. Deshalb sei er nicht
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gefunden worden. Die Ausreise habe er jung und allein nicht zu organisie-
ren gewusst. Nach Erhalt der Verfügung des SEM habe er Dokumente zur
Haft seines Freundes erhalten, welche er hiermit einreiche. Dieser habe
sich nach seiner Entlassung aus der Haft (...) 2015 jeden Monat zwei- bis
dreimal bei den Behörden melden müssen und sei nicht in Ruhe gelassen
worden. Er habe sich bei der Human Rights Commission beschwert (siehe
beiliegende Bestätigung) und sei schliesslich ausgereist. Zum Beleg seiner
Vorbringen könne er auch Zeitungsartikel einreichen, in denen über die
Verhaftung seines Freundes berichtet werde und auch dessen (...) sichtbar
sei. Mit demselben (...) sei er zusammen mit seinem Freund auf der ein-
gereichten Fotografie sichtbar. Die zwei im Zeitungsartikel erwähnten
LTTE-Mitglieder, welche getötet worden seien, seien Freunde seines
Freundes und dessen Bruder gewesen. Im März 2020 sei ein anderer
Freund seines Freundes verhaftet worden, was einem anderen beigeleg-
ten Zeitungsartikel zu entnehmen sei.
5.3 In seiner Vernehmlassung verwies das SEM in Bezug auf die Vorbrin-
gen in der Beschwerde, wonach der Sachverhalt stimmig, korrekt und
glaubhaft dargelegt worden sei, auf die Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung, an welchen es vollumfänglich festhalte. So habe der Beschwer-
deführer aus der Sicht des SEM neben widersprüchlichen auch unsubstan-
tiierte und realitätsfremde Angaben zur Sache geliefert, weshalb er die gel-
tend gemachten Asylgründe nicht glaubhaft darzulegen vermocht habe. An
dieser Schlussfolgerung vermöchten auch die auf Beschwerdeebene
nachgereichten Unterlagen nichts zu ändern; da der Beschwerdeführer da-
rin nicht persönlich erwähnt werde, seien diese nicht geeignet, eine gezielt
gegen ihn gerichtete asylrelevante Verfolgung der heimatlichen Behörden
zu belegen.
5.4 In der Replik wurde ausgeführt, mit den neu eingereichten Beweismit-
teln sei nun belegt, dass sein Freund verhaftet worden sei, er mit diesem
befreundet gewesen sei und dieser sich für die LTTE engagiert habe, was
ihm das SEM bis anhin nicht geglaubt habe. Somit müsse nun geprüft wer-
den, ob die Verfolgung durch die heimatlichen Behörden aufgrund der Ver-
haftung des Freundes glaubhaft sei. Zwar werde er in den eingereichten
Dokumenten selber nicht erwähnt. Da er aber nicht verhaftet worden sei,
sei die Einreichung solcher Dokumente schwierig. Da er das Konto auf sei-
nen Namen errichtet habe und dem verhafteten Freund zum (...)kauf ver-
holfen habe, liege es nahe, dass die sri-lankischen Behörden ihn ebenfalls
verdächtigen würden, ein Mitglied der LTTE zu sein. Belegt habe er, dass
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der Freund und dessen Bruder LTTE-Mitglieder gewesen seien. Die «Be-
wegung» sei auch heute noch ein grosses Thema in Sri Lanka. Es sei da-
her schlichtweg falsch, wenn die Vorinstanz im Asylentscheid schreibe, sie
gelte seit dem Jahr 2009 als zerschlagen. Die beiliegenden Schreiben
habe er von seinem Freund und dessen Bruder erhalten. Sie würden zu-
mindest die Freundschaft bestätigen und dass er LTTE-Mitglieder bei Un-
terstützungsarbeiten unterstützt habe, obwohl er selbst kein Mitglied gewe-
sen sei.
Zur Stützung seiner Replik reichte der Beschwerdeführer ein Schreiben
seines Freundes sowie von dessen Bruder vom 19. Juni 2020 und einen
weiteren Zeitungsartikel zu der Verhaftung seines Freundes zu den Akten.
6.
6.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des
Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit
der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen
oder nicht. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Ge-
samtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentli-
chen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, per-
sönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller bzw.
die Gesuchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung,
wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht
es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist,
aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende
Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
6.2 Das SEM hielt zur Begründung seiner Verfügung zunächst fest, es sei
nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer nichts von der Verbin-
dung seines Freundes zu den LTTE gewusst habe. Diese Argumentation
hält das Gericht nur bedingt für überzeugend. Dabei gilt es auf den Ein-
wand in der Beschwerde hinzuweisen, wonach in Sri Lanka darüber nicht
leichtfertig gesprochen werde. Das Gleiche gilt für die genaue Position und
Aufgabe des Freundes. Der Beschwerdeführer lernte diesen Freund über-
dies erst nach Kriegsende kennen. Dass die LTTE im Jahr 2009 zerschla-
gen worden sei, trifft zwar zu. Weiterhin werden aber Leute verhaftet, die
verdächtigt werden, an Bemühungen zu deren Wiederaufleben beteiligt zu
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sein. Vor diesem Hintergrund scheint die Haft des Freundes plausibel, zu-
mal dieser beim Kauf des (...) auf Gelder seines Bruders zurückgegriffen
hat, der bei den LTTE gewesen sei. In Bezug auf die Behörden, welche
seinen Freund verhaftet beziehungsweise ihn gesucht hätten, ist ebenfalls
nicht unplausibel, dass der Beschwerdeführer bei der Bezeichnung der Si-
cherheitskräfte pauschal blieb und einmal von Militär, TID oder CID sprach,
zumal er jeweils selber nicht anwesend war.
6.3 Bestätigt werden können die Zweifel des SEM jedoch insoweit, dass
der Beschwerdeführer die verwandtschaftliche Beziehung des Freundes
zu den Verhafteten auf dem (...) an der Anhörung nicht mehr erwähnte.
Dass er dies, wie in der Beschwerde ausgeführt nicht als wichtig erachtete,
vermag kaum zu überzeugen. Weiter widersprach sich der Beschwerde-
führer in Bezug auf den Anruf, den er im Anschluss an die Verhaftung vom
Telefon seines Freundes erhalten habe. So sprach er an der Befragung
noch davon, dass er zurückgerufen habe, wobei jemand auf Singhalesisch
geantwortet habe. An der Anhörung erwähnte er diesen Rückruf, der ihm
wohl einigen Respekt hat machen müssen, hingegen mit keinem Wort.
6.4 Gewichtige Zweifel an einer Verfolgung des Beschwerdeführers entste-
hen weiter dadurch, dass er nach der Verhaftung seines Freundes weiter-
hin nach Hause gegangen sei, sich lediglich im Grossraum Jaffna versteckt
habe, wobei er regelmässig gearbeitet habe, und erst zwei Jahre später
ausgereist sei. Dies entspricht in keiner Weise dem Verhalten einer ver-
folgten Person. Der Hinweis auf das Unvermögen zur Organisation der
Ausreise vermag hier nicht zu überzeugen. Der Freund sei im (...) 2014
verhaftet worden, der Beschwerdeführer reiste aber erst im Januar 2016
und somit beinahe zwei Jahre später aus. Dazwischen wurde er abgese-
hen von ein paar Erkundigungen in seinem Dorf von den Sicherheitskräften
in keiner Weise behelligt. Hätten diese Kenntnis von seiner angeblichen
Hilfe bei der Transaktion von vermeintlichen LTTE-Geldern gehabt, wäre
er mit Sicherheit intensiver gesucht worden. Ganz offensichtlich brachten
diese den Beschwerdeführer aber nicht direkt in Zusammenhang mit den
Taten seines Freundes. Dieser wurde gemäss den Angaben denn auch
schon im Jahr 2015 oder 2016 und gemäss der mit der Beschwerde ein-
gereichten Haftbestätigung sogar schon Ende des Jahres 2014 entlassen
und somit schon vor der Ausreise des Beschwerdeführers. Dass dieser den
Zeitpunkt der Entlassung nicht so genau angeben kann, zeigt ebenfalls auf,
dass die Verhaftung seines Freundes ihn wohl persönlich gar nicht betrof-
fen hat. Erst als er in der Schweiz war, erklärte ihm der Freund, weshalb
der falsche Verdacht entstanden sei. Eine objektiv begründete Furcht vor
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Seite 12
Verfolgung vermag der Beschwerdeführer nach dem Gesagten nicht glaub-
haft zu machen.
6.5 Die Schlussfolgerung des SEM, wonach der Beschwerdeführer seine
Vorbringen anhand der erwähnten Zeitungsberichte, welche nun mit der
Beschwerde eingereicht wurden, und vom Hörensagen nacherzähle, ist
nicht von der Hand zu weisen. Die Freundschaft des Beschwerdeführers
zu der in den Zeitungsartikeln und behördlichen Dokumenten erwähnten
Person oder gar seine Verfolgung aufgrund von deren Verhaftung ist je-
denfalls nicht belegt. Daran vermögen auch die mit der Replik eingereich-
ten Schreiben, welche angeblich von seinem Freund beziehungsweise
dessen Bruder verfasst worden seien, nichts zu ändern. Sie sind als Gefäl-
ligkeitsschreiben ohne Beweiswert zu erachten, welche von irgendwem
verfasst worden sein könnten. Auch aus dem Zeitungsartikel zu den LTTE-
Mitgliedern, welche getötet worden und Freunde seines Freundes gewe-
sen seien, kann nichts zu Gunsten einer Verfolgung des Beschwerdefüh-
rers abgeleitet werden. Das Gleiche gilt für den Zeitungsartikel über den im
März 2020 verhafteten weiteren Freund seines Freundes und den mit der
Replik eingereichten weiteren Zeitungsartikel zur Sache. Auf eine Überset-
zung dieser Beweismittel wird angesichts der summarischen Zusammen-
fassung in der Beschwerde in antizipierender Beweiswürdigung verzichtet.
6.6 Wenn der Beschwerdeführer in der Beschwerde behauptet, sein
Freund sei inzwischen ausgereist, weil die Behörden ihn auch nach der
Entlassung aus der Haft nicht in Ruhe lassen würden, ist dem entgegen-
zuhalten, dass er dies an der Anhörung im Jahr 2018 ganz anders dar-
stellte und ausführte, sein Freund lebe zusammen mit seiner Familie wei-
terhin in Sri Lanka. Entsprechende Behelligungen erwähnte er in keiner
Weise (vgl. A13 F62).
6.7 Insgesamt vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers in Bezug
auf seine Verfolgung die Anforderungen an die Glaubhaftmachung im
Sinne von Art. 7 AsylG nicht zu erfüllen.
7.
Nach dem Gesagten erfüllte der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner
Ausreise die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es bleibt zu prüfen, ob er bei ei-
ner Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernst-
hafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, weshalb die
Flüchtlingseigenschaft festzustellen wäre.
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Seite 13
7.1 Gemäss Art. 54 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie
erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen
ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (sog. subjektive Nachfluchtgründe). Personen mit subjektiven
Nachfluchtgründen werden als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Mass-
gebend ist dabei, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten der asylsu-
chenden Person als staatsfeindlich einstufen und diese deswegen bei ei-
ner Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG
befürchten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis
einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG; vgl. zum Gan-
zen auch BVGE 2009/29 E. 5.1 und 2009/28 E. 7.1).
7.2 Im Referenzurteil E-1866/2015 hat das Bundesverwaltungsgericht eine
aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorge-
nommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurück-
kehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden
Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. E-1866/2015
E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von
Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Fol-
ter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um
das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder
vergangenen Verbindung zu den LTTE, um Teilnahme an exilpolitischen
regimekritischen Handlungen und um Vorliegen früherer Verhaftungen
durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit
einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark
risikobegründende Faktoren, vgl. E-1866/2015 E. 8.4.1 – 8.4.3). Einem ge-
steigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen aus-
serdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri
Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt
werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM)
nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben
(sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. E-1866/2015 E. 8.4.4 und
8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemach-
ten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffen-
den Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene
Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne
von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zuge-
schrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatismus wie-
deraufleben zu lassen (vgl. E-1866/2015 E. 8.5.1).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/29 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28
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An dieser Einschätzung vermag die aktuelle – zwar als volatil zu bezeich-
nende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Das Bundesverwaltungsge-
richt ist sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Ent-
wicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfin-
dung. Es gibt zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass
seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv
einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im
Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso-
nen zur Präsidentschaftswahl respektive deren Folgen besteht.
7.3 Wie aus dem Gesagten hervorgeht, ist die vom Beschwerdeführer vor-
gebrachte Vorverfolgung nicht glaubhaft. Vielmehr gilt es darauf hinzuwei-
sen, dass er bis Januar 2016 und damit nach Kriegsende noch über sechs
Jahre in Sri Lanka wohnhaft gewesen ist und das Land offenbar unbehelligt
mit seinem Pass legal verlassen hat. Es ist nicht davon auszugehen, dass
die Behörden dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr eine enge Ver-
bindung zu den LTTE im Sinne obiger Rechtsprechung unterstellen wür-
den. Das SEM wies in seiner Verfügung richtig darauf hin, dass der Be-
schwerdeführer selber keinen Bezug zu den LTTE gehabt habe. Die gel-
tend gemachte Reflexverfolgung wegen seines angeblichen Freundes
konnte ihm nicht geglaubt werden. Die kurzzeitige Verhaftung seines an-
geblichen Freundes, wenn sie denn als glaubhaft zu bezeichnen wäre, ver-
möchte weiter nicht auszureichen, dass die Behörden dem Beschwerde-
führer bei einer Rückkehr eine enge Verbindung zu den LTTE im Sinne
obiger Rechtsprechung unterstellen würden, zumal er in diesem Zusam-
menhang gemäss seinen Aussagen abgesehen von einigen Nachfragen in
seinem Dorf von den Behörden nicht behelligt wurde. Das Gesagte gilt
auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Beschwerdeführer
lange Zeit in der Schweiz geweilt hat, aus diesem Land zurückgeschafft
würde und im Ausland über nahe Verwandte verfügt. Auch die politischen
Veränderungen seit November 2019 vermögen im vorliegenden Verfahren
zu keiner anderen Beurteilung zu führen. Das SEM wies in seiner Verfü-
gung zutreffend darauf hin, dass der Beschwerdeführer keinen persönli-
chen Bezug zu diesen Ereignissen hat. Dass seit dem Machtwechsel in Sri
Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr aus-
gesetzt wären, lässt sich, wie oben ausgeführt, nicht bestätigen.
7.4 Gesamthaft ist es vorliegend nicht überwiegend wahrscheinlich, dass
der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einem erhöhten
Verfolgungsrisiko ausgesetzt wäre und ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 AsylG zu befürchten hätte. Das SEM hat demnach zu Recht
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festgestellt, dass er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, und das Asyl-
gesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
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EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.2.2 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Ak-
ten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaf-
fung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte
dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen sogenannten «Background Check» (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden,
oder dass er persönlich gefährdet wäre.
Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich die
jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter Weise
auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen
Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen (vgl. statt vieler E-
3640/2020 vom 29. Januar 2021 E. 11.2.4).
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
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festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, dies gilt auch unter
Berücksichtigung der aktuellen dortigen Ereignisse und Entwicklungen.
Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri
Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass
der Wegweisungsvollzug in die Ostprovinz zumutbar ist, wenn das Vorlie-
gen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines
tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten
auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann
(vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.4). Diese Einschätzung
hat weiterhin Gültigkeit (vgl. statt vieler E-3640/2020 vom 29. Januar 2021
E. 11.3.2).
9.3.2 Das SEM hielt hierzu fest, der Beschwerdeführer stamme aus Jaffna
und habe somit in der Nordprovinz gelebt. Er sei jung und gesund und ver-
füge im Heimatstaat über Verwandte, welche ihm bei einer Rückkehr bei
der Wiedereingliederung in die Gesellschaft behilflich sein könnten. Er
gebe an, seine Familie lebe in zufriedenstellenden wirtschaftlichen Verhält-
nissen. Zudem verfüge er über eine gute Ausbildung und habe vor der Aus-
reise bereits berufliche Erfahrung als (...) sammeln können.
Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, da er nicht mehr nachhause
zurückkehren könne, wäre er ganz auf sich alleine gestellt. Einem Beruf
könne er nicht länger nachgehen, da er sich ständig verstecken müsste.
Hilfe vom Staat oder seiner Familie würde er keine erhalten. Seine Mutter
sei alt und sehr krank. Zu den übrigen Familienangehörigen habe er keinen
Kontakt mehr. Wenn seine Mutter sterbe, würden diese auch ihn vergessen
und es nicht mehr als ihre Pflicht sehen, ihn zu unterstützen.
9.3.3 Das Gericht erachtet den Vollzug vorliegend ebenfalls als zumutbar.
Diesbezüglich kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf die überzeu-
genden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. Wenn der Be-
schwerdeführer ausführt, er könne aufgrund der Verfolgung nicht mehr
nach Hause zurück und auch nicht mehr arbeiten, ist auf die vorstehenden
Erwägungen zu verweisen, wonach ihm diese Verfolgung nicht hat ge-
glaubt werden können. Auch der pauschale Verweis auf das fehlende fa-
miliäre Beziehungsnetz vermag nicht zu überzeugen. So verfügt er neben
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seiner Mutter über weitere Verwandte in Sri Lanka, insbesondere eine
Tante, bei der er selber aufgewachsen sei. Im Ausland leben zudem seine
Schwester und sein Bruder sowie ein Onkel, der ihm die Ausreise hat be-
zahlen können, welche ihn bei einer Rückkehr finanziell unterstützen könn-
ten.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, welcher über eine sri-
lankische Identitätskarte verfügt, sich bei der zuständigen Vertretung des
Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu be-
schaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12),
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist
(Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom
12. Juni 2020 gutgeheissen wurde, sind jedoch keine Kosten aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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