Decision ID: bf89659d-22c1-4a71-be8b-066423c56174
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 19
58
geborene
X._
war
ab 1974
als Schienentraktorführer bei den
Y._
angestellt
(
Urk.
7/16)
.
Am 20.
Februar 1996 erlitt
er
anlässlich eines
Sturz
es
beim Skifahren
eine Berstungsspaltfraktur des 1
2.
Brustwirbelkörpers
(
Urk.
7/3/2
,
Urk.
7/12/29
).
Seit Juni 1998
arbeitete
d
er
Versicherte
im Sinne einer
adaptierten Ver
weist
ätigkeit
als B
üroangestellter
/
Baustellenführer
bei
der bisherigen Arbeit
geberin
;
zwischenzeitlich
im
Vollzeitpensum
und
ab Januar 2006 zu 50%
(vgl.
Urk.
7/16
/2
,
Urk.
7/49
/3
,
Urk.
7/57
/2
)
.
Unter
Hinweis auf
die
Wirbel
säulenverletzung
meldete
sich
der Versicherte
mit Datum vo
m 27
.
August 2003
bei der
Eidgenöss
i
s
chen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/1).
Nach medizinischen und beruflichen Abklärungen sowie nach
Beizug
der Akten der Unfallversicherung (
Urk.
7/12/1-190) sprach
ihm
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
m
it Verfügung
en
vom 2
.
und 2
7.
Juni
2005
rückwirkend
ab dem 1.
März
2004
b
ei einem Invaliditätsgrad von 63
%
eine
Dreiviertelsrente
, zuzüglich einer akzessori
schen Kinderrente,
zu (Urk.
7/30
,
Urk.
7/34
).
1.2
Im Rahmen der in den Jahren 2007 und 2008 durchgeführten ordentlichen Revisionsverfahren (
Urk.
7/46 ff.
,
Urk.
7/55
ff.
) bestätigte die IV-Stelle den unveränderten Anspruch des Versicherten auf die bisherige Rente (vgl. Mit
teilung
en
vo
m 12.
April 2007
und 2
0.
Mai 2008,
Urk.
7/54,
Urk.
7/60).
1.3
Am
4.
Mai 2010 erlitt der Versicherte
bei der Gartenarbeit
eine
proximale
Femur-Fraktur
rechts.
Die operative Sanierung (Reposition und
Schrauben
osteosynthese
) erfolgte selben
tags
im
Z._
. Am 1
6.
August 2011 wurde das
Osteosynthesematerial
entfernt (
Urk.
7/106/
97 ff
). In diesem Zusammenhang
sprach die IV-Stelle dem Versicherten a
nläss
lich des
im Juni
2010 erhobenen ordentlichen Revisionsverfahrens
(
Urk.
7/61 ff.)
aufgrund
ein
er vorübergehenden Verschlechterung
befristet vom 1.
August bis 3
0
.
November
2010 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente
und
unbefristet
ab
dem
1.
Dezember 2010
wiederum eine
Dreiviertelsrente
zu (Verfügungen vom 2
0.
Oktober 2011 und 1
5.
No
vember 2011,
Urk.
7/77 f.).
1.
4
Im Mai 2014 erhob die IV-Stelle abermals ein ordentliche
s
Rev
isionsver
fahren
(
Urk.
7/79 ff.), anlässlich welchem sie insbesondere
das internistisch-rheumatologische Gutachten von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin und Rheumaerkrankungen, vom 2
3.
Mai 2015 (
Urk.
7/106/1-106)
ver
an
lasste
.
N
ach d
urchgefüh
rtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/122
, Urk.
7/124
,
Urk.
7/134 f.
) hob die IV-Stelle die laufende
Drei
vierte
lsrente
mit Verfügung vom
25. April 2016
wiedererwägungsweise auf das Ende des der Verfügung folgenden Monats auf (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
10
.
Mai 2016
Beschwerde und beantragte, es sei die
angefochtene Verfügung vom 25
.
April 2016
aufzuheben und
ihm weiterhin eine
Dreiviertelsrente
auszurichten
. Zudem
gab er
die Lohnabrech
nung vom Mai 2004
zu den Akten (Urk.
3
). Am
13
.
Juni 2016
schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
), was dem Beschwerdeführer am 15.
Juni 2016
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
(Art. 8 Abs. 1 des allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von
Geburts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG])
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG
).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beu
r
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medi
zinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des
Beweiswer
tes
eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizini
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die
rechts
anwendende
Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutacht
en, 4. Auf
lage 2003, S. 24 f.).
1.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines
Einkommensver
gleichs
zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Validen
einkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.6
Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 2 ATSG und Art. 1 Abs. 1
IVG
ist die Verwaltung befugt, jederzeit von Amtes we
gen auf eine formell rechtskräf
tige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese z
weifellos unrichtig und ihre Be
richtigung von erheblicher Bede
utung ist (BGE 110 V 176 E. 2a
). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind. Bei periodischen Leistungen ist die Erheblichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E. 1c; Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hinweisen). Die Wiedererwägung dient der Korrektur einer anfänglich unrichti
gen Rechtsanwendung ein
schliess
lich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachver
halts.
Darunter fällt insbesondere eine unvollständige Sachverhaltsabklärung aufgrund einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (vgl.
Art.
43
Abs.
1 ATSG und
Art.
61
lit
. c ATSG).
Eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfähigkeit beruhende
Inva
liditätsbemessung
ist nicht rechtskonform und die entsprechende Verfügung zweifell
os unrichtig im wiedererwägungs
rechtlichen Sinne (Urteil des Bun
desgerichts 9C_1014/2008 vom 14. April 2009 E. 3.2.2).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die mit der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) erfolgte wiedererw
ägungsweise Aufhebung der ab März
20
04
zuge
sproche
nen
Dreiv
iertelsrente
unter den einschränkenden Voraus
setzungen, dass die ursprüngliche
n
Rentenverfügung
en
vom
2.
und 27.
Juni 2005 zweifellos unrichtig war
en
und ihre Berichtigung von erhebli
cher Bedeutung ist, rech
tens ist (vgl. E.1.6)
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung
im Wesentli
chen, im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
sei die medizinische Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit widersprüchlich und vor allem nicht plausibel begründet gewesen.
Insbesondere sei nicht dokumentiert worden, aufgrund welcher Beeinträchtigungen der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit eingeschränkt sei. Sodann liessen die vorhandenen Berichte Anga
ben zu den Behandlungen sowie zur Frage, ob sämtliche medizinischen Optionen wahrgenommen worden seien, vermissen.
Mithin hätten keine medizinischen Berichte mit Beweiswert vorgelegen. Weitere Abklärungen wären daher unbedingt notwendig gewesen. Da dies unter Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes unterlassen worden sei, sei die
Leistungszuspra
che
gestützt auf einen unvollständigen Sachverhalt erfolgt und damit als zweifellos unrichtig zu qualifizieren.
Gemäss
Gutachten von
Dr.
A._
vom 2
3.
Mai 2015
sei der Beschwerdeführer in einer angepassten
Verweistä
tigkeit
zu 100
%
arbeitsfähig. Der gestützt darauf ermittelte
Einkommensver
gleich
ergebe einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 0
%
.
Selbst unter Berücksichtigung der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Lohn
erhöhung beim
Valideneinkommen
liesse sich kein rentenbegründender Invaliditätsgrad eruieren (
Urk.
2 S. 2 f.).
2.3
Der Beschwerdeführer wandte dagegen ein,
der ursprünglichen
Rentenzu
sprache
hätten div
erse Berichte des behandelnden F
acharztes und des Ärztli
chen Dienstes des
Y._
zugrunde gelegen (
Urk.
1 S. 4). Die Aktenbeurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), welche für die
Rentenzusprache
massgebend gewesen sei, erweise sich aufgrund der damaligen Aktenlage und der seinerzeit herrschenden Verwaltungspraxis als durchaus vertretbar. Insbesondere hätten keine derart divergierenden
Arbeitsfähigkeitsbeurteilun
gen
bestanden, welche zwingend Anlass zu weiteren Abklärungen gegeben hätten. Daraus ergebe sich, dass die
Rentenzusprache
rückblickend nicht als zweifellos unrichtig qualifiziert werden könne, was auch die nachfolgend wiederholten, revisionsweisen Bestätigungen des Rentenanspruchs beweisen würden. Dass heute bei der gegebenen Aktenlage anders entschieden würde, vermöge die vorgesehene wiedererwägungsweise Aufhebung der vormals zugesprochenen Rente unter dem Aspekt der Rechtssicherheit bzw. des Ver
trauensschutzes nicht zu rechtfertigen. Abschliessend stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, es sei im Rahmen des
Einkommens
vergleichs
unter Berücksichtigung
der Lohnentwicklung sowie AHV-pflichti
gen Zulagen auf ein
Valideneinkommen
von
Fr.
99‘747.05 abzustellen
(
Urk.
1 S. 5).
3.
3.1
Den
Renten
verfügungen
vom
2.
und 2
7.
Juni 2005
lag
im Wesentlichen
die nach
folgende medizinische Aktenlage
zugrunde
:
3.2
Mit
Bericht
zuhanden des Ärztlichen Dienstes der
Y._
vom 1
8.
Mai 2002
hielt
der behandelnde
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Innere Medi
zin/Rheumaerkrankungen, fest,
z
urzeit sei der Beschwerdeführer knapp 100
%
arbeitsfähig, allerdings nur, weil er sehr gut motiviert
sei
und auch gelegentl
ich bei Schmerzen weiterarbeite
und
alsdann
na
türlich auf regel
mässige Medikamenteneinnahme angewiesen sei. Mittel- bis langfristig sei von einer 50
%
igen Arbeitsfähigkeit
für leichte
, wechselbelastende Tätigkei
ten, ohne
Heben und Tragen von Lasten
über
5 kg
, ohne Nässe- und
Kälte
expositionen
,
ohne Durchführung monotoner Arbeiten und unter Vermei
dung längeren Sitzens, auszugehen (
Urk.
7/8/6, vgl. auch Bericht von
Dr.
med.
C._
vom
3.
Juni 2002, Ärztlicher Dienst der
Y._
,
Urk.
7/8/5)
.
3.3
Im von der Unfallversicherung veranlassten rheumatologischen Gutachten, inkl. Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL), vom 1
5.
November 2002, stellte
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Innere Medizin/Rheumatologie,
O._
(
O._
), folgende Diagnosen (
Urk.
7/12/28):
Chronisches
thorako-lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit intermittieren
d
en
Ausstrahlungen
bei
Wirbelsäulenfehlform- und
fehlhaltung
, segmentale
Beweglich
keitseinschränkung
postero-anterior
der BWS und LWS
Status nach BWK
12-Fraktur und
Spondylodese
Th
11 - L1 vom 20.02.1996, angrenzende Bandscheiben mit
geringgradigen
bis leicht
gradigen Dehydratationszeichen in älteren MRI-Aufnahmen
funktionell im Vordergrund stehende verminderte Stabilität der L
WS
bekannte leichtgradige
Osteochondrose
L4/5 (Aufnahmen 1998/99)
Neoarthrose linksseitig bei
lumbosakraler
Übergangsanomalie (asympto
ma
tisch)
Unklare Sensibilitätsstörungen und
Missempfinden
der
ulnaren
beiden Fingern beidseits
In der Beurteilung hielt
Dr.
D._
fest, nach der Fraktur des 12.
Brust
wirbelkörpers
anlässlich des Sturzes vom
2
0.
Februar 1996 sei der
Heilungs
verlauf
insofern eher protrahiert, als wiederholt belastungsabhängig lumbale Rückenschmerzen mit rascher Ermüdbarkeit un
d Verkrampfung auf
getreten seien
und die Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit, auch in einer anderen, als leichte Reinigungs- und Umgebungsarbeit beschriebene Tätig
keit
, sich
verzögert
habe
resp. das Arbeitspensum nicht habe gesteigert werden können.
Später habe der Beschwerdeführer allerdings
in einer „ange
passten" Tätigkeit auf einer Baustelle des Zimmerbergtunnels, anfänglich teil
weise und heute im vollen zeitlichen Aufwand (100%ige Arbeitsfähigkeit)
,
eingesetzt werden können. Ein zwischenzeitlicher Arbeitsversuch im Januar 1998 in der angestammten Tätigkeit als Schienentraktorfahrer habe abgebro
chen werden müssen. Aktuell verspüre der Beschwerdeführer am
thorako
-
lumbalen Übergang und lumbal lokalisierte Dauerschmerzen, zeitweise mit Ausstrahlungen in die Oberschenkel, mit einer Belastungsvariabilität sowie einem für ihn unklar parallel zu starken Rückenschmerzen auftretenden surrenden Gefühl an beiden
ulnaren
Fingern. Dabei bestünden Schmerzen bei erhaltener Variabilität mit hohem Maximalwert und eine minimale Selbst
einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit (PACT-Fragebogen). Anderer
seits sei das Schmerzverhalten während der Untersuchung insgesamt unauf
fällig gewesen bei drei aufgrund der strukturellen Veränderungen zum Teil erklärbaren Selbstlimitierungen. Klinisch zeige sich von Seiten der Wirbel
säule eine eher langgezogene BWS-Kyphose mit abgeflachter LWS-Lordose, eine leichtgradige linkskonvexe Skoliose der oberen BWS
sowie
rechtskon
vexe
Skoliose
thorakolumbal
bei leichtgradigem Beckentiefstand rechts, wobei die Wirbelsäule im Lot stehe.
Die
vorgenannten
Skoliosierungen
wür
den
bei Inklination leicht zunehmen mit einem
Shift
nach links und das Aufrichten unharmonisch mit Ausweichbewegungen erscheinen lassen. Ausserdem komme eine leichtgradige Einschränkung der
Wirbelsäulenseit
neigung
am
thorakolumbalen
Übergang zur Darstellung. Insbesondere sei die
postor-anteriore
Beweglichkeit im Bereich der BWS und LWS deutlich ver
mindert. Von Seiten der Weichteile fänden sich
Druckdolenzen
an
Wirbel
körpern
thorakolumbal
sowie ein erhöhter Muskeltonus paravertebral beid
seits und im
thorakolumbalen
Übergangs- und l
umbalen Bereich. An beiden
ulnaren
Fingern habe der Beschwerdeführer eine verminderte
Berührungs
empf
indung
angegeben. Die Prüfung der
Reflexe und M
otorik hätten aller
dings keine
pa
thologischen Befunde ergeben
. Bildgebend zeigten die mehr als drei Jahre zurückliegenden Aufnahmen e
ine leichte Deformation des 12.
Brustwirbelkörpers bei Status
nach Fraktur
,
eine
Spondylodese
von Th11
L1 sowie geringe bis leichtgradige Dehydrationszeichen der angren
zenden Bandscheiben. Ausserdem bestehe
eine
Osteochondrose
L4/5 sowie eine Übergangsanomalie mit Neoarthrose linksseitig
(
Urk.
7/12/
29 f.
)
.
Das a
rbeitsbezogen
relevante Problem bestehe in einer verminderten
Belastungs
toleranz
der
BWS und LWS. Dabei würden hauptsächlich
längere
s
Stehen und Laufen
Probleme verursachen,
welche sich im Verlauf des Tages verschlimmerten. Die Leistungsbereitschaft des Beschwerdeführers sei im Wesentlichen als gut zu beurteilen. Die Konsistenz bei den Tests sei ebenfalls gut gewesen. Die Belastbarkeit liege allgemein im Bereich einer mittel
schweren Arbeit. Die demonstrierte Belastbarkeit liege teilweise etwas unter den Anforderungen bei der Arbeit (
Urk.
7/12/29).
Die Zumutbarkeit der angestammten Tätigkeit als Schienentraktorfahrer sei aufgrund der EFL-Resultate nicht sicher bewertbar. Leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Arbeiten, ohne Lastenheben über 15 kg, seien gemäss EFL zumutbar. Dabei sei zu beachten, dass sich die Beschwerden im Verlauf des Tages kumulierten.
Dr.
D._
empfahl den Verbleib in der angepassten beruf
lichen Tätigkeit als
Büroangestellter/
Baustellenführer. Allerdings sei das Pensum um 1- 2 Stunden täglich zu reduzieren - so habe der Körper etwas mehr Zeit sich zu regenerieren (
Urk.
7/12/30).
In der heutigen beruflichen Tätigkeit
als Büroangestellter/Baustellenführer
sei der Beschwerdeführer zu 80
%
arbeitsfähig. In vollem Arbeitspensum zumut
bar sei eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit mit der Möglichkeit der Wechselbelastung
sowie mit
Einschränkungen beim Gehen und Stehen an Ort. Eine vorwiegend sitzende Tätigkeit mit den üblichen
Entlastungs
pausen
sei ebenfalls in vollem Ausmass zumutbar. Die ursprüngliche Tätig
keit als Schienentraktorfahrer sei theoretisch halbtags zumutbar (
Urk.
7/12/30).
3.4
Mit Bericht vom
9.
April 2003 zuhanden der Unfallversicherung
stellte
Dr.
B._
(1) ein chronisches
Lumbovertebralsyndrom
, (2) einen Status nach
Thorakel
12 Berstungsfraktur, operativ saniert, und (3) eine
Wirbelsäulen
fehlform
fest
(
Urk.
7/12/14). Zur Erhaltung der stationären Verhältnisse und Erwerbsfähigkeit seien regelmässige, aktive Physiotherapiezyklen durchzu
führen. Eine Verbesserung der heutigen Situation sei allerdings eher nicht zu erwarten. In der heutigen Tätigkeit, das heisse in einer leichten, wechselbe
lastenden Tätigkeit, ohne Lastenheben über 5-10 kg, ohne Kälte- und Wärmeexposition
sei von einer 80%igen Arbeits
fähigkeit auszugehen. Für mittelschwere Tätigkeiten bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Für schwere Tätigkeiten betrage die Arbeitsfähigkeit 0
%
. Für andere Tätigkeiten betrage die Arbeitsfähigkeit je nach Arbeit zwischen 70 bis maximal 90
%
(
Urk.
7/12/15).
3.
5
Mit
Schreiben
zuhanden des Ärztlichen Dienstes der
Y._
vom 2
9.
August 2003
führte
Dr.
B._
aus, der Beschwerdeführer leide an
ein
em chronischen
thorak
o-lumbovertebralen
Schmerzsyndrom
mit intermittierenden Aus
strahlungen. Aufgrund des intermittierenden Beschwerdebildes habe die Arbeitsfähi
g
keit mehrheitlich auf 50
%
halb
tags reduziert werden
müssen
.
Die Arbeitsfähigkeit von
50
%
sei
gegeben für wechselseitige
,
leichte bis mittelschwere Arbeit
en, ohne
He
ben von schweren Lasten, ohne monotone Tätigkeiten und ohne
Kälte- und Nässeexposition
. Je nach Situation kö
nn
e
zei
tweilig mit einer höheren, maximal 60 - 70
%
igen
Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Mit e
iner vollen Arbeitsfähigkeit sei
indes nicht zu rechnen (
Urk.
7/8/3).
3.
6
Im Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin vom
6.
September 2003 stellte
Dr.
B._
folgende Diagnosen (
Urk.
7/3/1):
Chronisches
t
horako
-
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
Status nach BWK
12 Fraktur und
Spondylodese
Th12 – L
1 vom 20.02.1996 mit Wirbelsäulenfehlhaltung/-
fehlform
Degenerative Veränderungen der BWS und LWS
Der
Beschwerdeführer
leide seit der
Berstungsfr
aktur des 12.
Brustwirbel
körper
s
vom 2
0.
Februar 19
96
vermehrt unter massiven Schmerzen im
thorako
lumbalen
Bereich, welche bei Belastung zunehmen
würden
. Bis anhin
habe
er eine ideale Arbeit
gehabt
, welche er bis vo
r einem halben Jahr
habe
ausüben könn
e
n
. Aufgrund der
zunehmenden Beschwerden habe
er nun auch diese nur noch beschränkt ausüben
können. Im Vordergrund stünden
Schmerzen im thorakalen wie lumbalen Bereich, welche im Laufe des Tages zunehmen
würden
und
sich vor allem bei Belastung
verstärk
ten. Objektiv zeigten sich ein diskreter Beckentiefstand rechts (
0.5 cm rechts tiefer als links
)
,
eine abgeflachte LWS-Lordose sowie langgezogene BWS-Kyphose mit diskreter l
inkskonvexer Skoliose der oberen BWS und rechtskonvex
thora
kolumbal
.
Ausserdem liege eine d
eutli
che Einschränkung der LWS
Beweg
lichkeit
von
1/
3 in allen Richtungen
vor. A
uch
die BWS
Beweg
li
chkeit
sei in allen Richtungen zu
1/3 eingeschränkt.
Sodann zeige sich ein p
aravertebraler Hartspann thorakal
sowie
lumbal beidseits.
Demgegenüber
bestünden
keine sensi
blen und
motorischen Ausfäll
e.
Als therapeutische Massnahmen notierte
Dr.
B._
regelmässig NSAR (
nichtsteroidale
Antirheumatika)
sowie
gelegent
lich
e Physiotherapiezyklen
.
Bis vor einem halben Jahr
habe der Beschwerdeführer in einer
leichten
, wechselseitigen Tätigkeit eine Arbeits
fähigkeit von 100
%
erreicht. Aufgrund der Exazerbation bestehe zurzeit eine 50
%
ige Arbeitsfähigkeit
. Je nach Ve
r
lauf könne diese
allenf
alls leicht erhöht werden. Es mü
s
ste sich erneut um eine leichte bis mittelschwere, wechsel
seitige Tätigkeit, ohne Lastenheben
über 10 kg handeln (
Urk.
7/3/2).
3.7
Im Verlaufsbericht vom 2
7.
Februar 2004 notierte
Dr.
B._
, es bestehe noch immer eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
für leichte bis mittelschwere, wechsel
belastende Tätigkeiten, ohne Lastenheben über 10 kg. Im Übrigen verwies er auf den Bericht vom
6.
Septe
mber 2003 (E.
3.6
) und empfahl er die Durchführung einer EFL (
Urk.
7/13/5).
3.8
Im Verlaufsbericht vom
8.
März 2005
stellte
Dr.
B._
keine neuen Diagno
sen
und
verwies er
im Übrigen
auf den
Bericht vom
6.
September 2003 (vgl. E.
3.6
). Seither habe sich nichts verändert. Vielmehr sei es zu einem statio
nären bis verschlechternden Verlauf gekommen (
Urk.
7/24).
3.
9
In einer internen Stellungnahme vom
8.
April 2005 kam
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie
, RAD, zum Schluss, aufgrund der Aktenlage müsse von einer 50%igen
Restarbeitsfähig
keit
in einer leidensangepassten Verweistätigkeit ausgegangen werden (
Urk.
7/25/3).
4
.
4
.1
Streitentscheidend ist, ob im Lichte der Sachlage und der massgebenden Rechtsprechung im Zeitpunkt der
Rentenzus
prache
vom
2. und 2
7.
Juni 2005
die damalige Annahme einer
50%igen Erwerbsunfähigkeit
und die dar
aus folgende
Zusprache
einer
Dreiviertel
srente
rückwirkend
ab
März 2004
als zweifellos unrichtig zu qualifizieren ist.
4
.2
Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers
fallen bei der
damalige
n
Aktenlage erhebliche Differenzen in den ärztlichen Beurteilungen der Arbeits
fähigkeit auf. Zudem lassen die Berichte des
behandelnden Dr.
B._
nachvollziehbare Begründungen für die jeweils postulierte Arbeitsunfähigkeit vermissen. Vielmehr stellte
Dr.
B._
vornehmlich auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers ab
und gab er seine Arbeitsfähigkeitsbeur
teilunge
n
offensichtlich
in
Unkenntnis der EFL vom November 2002
ab
(vgl.
E.
3.7
)
. Unklar ist ferner, weshalb
Dr.
B._
dem Beschwerdeführer
mit Bericht vom 1
8.
Mai 2002 langfristig
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit
attestierte, obschon letzterer in dieser Zeit
zu 100
%
arbeitstätig war (vgl. E. 3.2,
Urk.
7/12/29)
. Selbstredend vermag auch die
knapp gehaltene
Stellungnahme des RAD-Psychiaters Dr.
E._
vom 8. April 2005, worin dieser
ausserhalb
seines fachlichen Kompetenz
bereichs
einzig gestützt auf die widersprüchliche, unvollständige medizi
nische Aktenlage und darüber hinaus gänzlich unbegründet auf eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit schloss, den Anforderungen an eine beweiskräftige Entscheidungsgrundlage nicht gerecht zu werden.
Vor diesem Hintergrund hat die Verwaltung die
massgebliche
Arbeitsfähig
keit des Beschwerdeführers gestützt auf eine unzulängliche Beweisgrundlage beurteilt. Mit dem Erlass der auf ungenügenden Grundlagen beruhenden Rentenverfügung
en
vom
2.
und 2
7.
Juni 2005 verletzte sie den
Untersu
chungsgrundsatz
sowie die Beweiswürdigungsregeln. Die Verfügung
en
sind
daher zweifellos unrichtig. Daran ändern
– entgegen dem Beschwerdeführer -
auch die Mitteilungen eines unveränderten Rentenanspruchs vom 1
2.
April 2007 und 2
0.
Mai 2008 (Urk. 7/54,
Urk.
7
/60) sowie die Rentenverfügung
vom 2
0.
Oktober 2011 (
Urk.
7/77) nichts, zumal sie ebenfalls nicht auf
ein
gehenden medizinischen
Abklärungen, sondern einzig auf den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers
in
den
Revisionsfragebogen vom
2.
Februar 2007, 1
4.
April 2008 und 2
7.
Mai 2010 (
Urk.
7/46,
Urk.
7/55,
Urk.
7/61) sowi
e den Verlaufsberichten von Dr.
B._
vom 2
8.
März 2007, 2
4.
April 2008, 9. Juni und 2
5.
November 2010 (
Urk.
7/50,
Urk.
7/58,
Urk.
7/63,
Urk.
7/67/5),
worin
d
em Beschwerdeführer ohne nachvollziehbare
Begrün
dung anhaltend eine 5
0%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wird
, beruhte
n
.
4
.3
Ausser
Frage steht, dass die Berichtigung der ursprünglichen Verfügung von erheblicher Bedeutung ist (vgl. BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen). Damit sind die Voraussetzungen für eine allseitige Überprüfung des Rentenan
spruchs erfüllt.
4
.4
Soweit
sich
der Beschwerdeführer auf den Vertrauensschutz beru
ft (Urk. 1 S. 5
)
,
ist er darauf hinzuweisen, dass
die Wiedererwägung ex
nunc
et pro
futuro
erfolgt und
keine Rückforderung der zu Unrecht ausgerichteten Rentenleistungen
in Frage steht
.
5
.
5
.1
Im Hinblick auf die Herstellung eines ex
nunc
et pro
futuro
rechtskonformen Zustands ist zu prüfen, ob im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung ein invalidisierender Gesundheitsschaden bestand.
5
.
2
Die Beschwerdeführerin stützte sich in der angefochtenen Rentenaufhebung im Wesentlichen auf das
internistisch-
rheumatologische Gut
achten von Dr.
A._
vom 23.
Mai 201
5.
Die medizinische Aktenlage betreffend den Zeitraum vor der Begutachtung wurde im Gutachten vollständig zitier
t (Urk. 7/106/6-62
). Auf die betreffenden Ausführungen wird verwiesen.
5
.3
In ihrem Gutachten vom 2
3.
Mai 2015 stellte
Dr.
A._
f
olgende Diagno
sen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
7/106/71):
Verminderte Belastbarkeit und Beschwerden de
r unteren BWS und der LWS bei
kongenitaler
lumbosakraler
Übergangsanomalie mit partieller
Sakrali
sa
tion
von LWK5 und Neoart
hrose-Bildung L5/S1 links und
breitbasiger
medianer Diskushe
rn
ie L4/ L5 mit
recessaler
Tangierung der absteigenden Nervenwurzeln
L5 beidseits ohne Kompression
bildgebend seit Jahren kaum progredient
MRI 05.2015 gegenüber MRI 08.
1999
Status nach BWK-12-Fraktur am 20.02.1996 oh
ne neurologische Aus
fälle mit
Status nach
Sp
ondylodese
Th11 bis L1
am 22.02.1996 und
Osteosynthesematerial
-Entfernung am 14.03.1997 mit
minimaler Höhenminderung von BWK 12 und knöcher
nem
Durchbau
der Facettengelenk
e Th11 bis L1 beidseits (MRI 05.
2015)
ohne
radikuläre
Zeichen
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielt sie folgende Diagnosen fest (
Urk.
7/106/71):
Nikotin-Abusus
Vitamin D-Mange
l (48
nmol
/ l)
Status nach medialer Femur-Fraktur rechts (
Garden III) am 04.05.2010 mit
Osteosynthese am Unfalltag und
Osteosynth
esematerial
-Entfernung am 16.08.
2011 und
normaler Heilung (
Röntgen 10/2011 und 05/2015)
Anlässlich der Untersuchung habe der Beschwerdeführer
über
starke Schmer
zen i
m Kreuz
geklagt
. Bela
stungen, Stehen und Sitzen würden die Be
schwer
den
verschlimmern. Diese Schmerzen seien
während etwa 90
%
der Zeit
vor
handen
. Dagegen
ver
spüre
er keine Beschwer
den mehr
im Zusammenhang mit der Femur
-F
raktur
(
Urk.
7/106/72).
Klinisch hätten sich
sowohl der
n
ormale Gang als auch
der Zehen-
und
Fersen
gang
als unauffällig erwiesen. Ein Beckenschiefstand sei
n
icht vorhan
den. Alle drei Wirbelsäulen
ab
schnitte (HWS, BWS und LWS) sowie alle
grossen peripheren Gelenke
seien
normal bewe
glich.
Radikuläre
Zeichen, Gelenks
ergüsse,
Synovitiden
oder überwärmte Gelenke
seien
nicht vorhan
den. Beide Hände
würden
deutliche Gebrauchsspuren auf
weisen. Die Hände seien
beidseits seh
r kräftig. Der Beschwerdeführer erziele
mit der rechten Hand eine maximale Handkraft
von 105
%
der Norm und mit der linken Hand sogar 133
%
. Die Bioimpedanz-Analyse zeige
eine aussergewöhnlich grosse Muskelmasse von 65
%
, welche den N
ormwert von 40
%
deutlich übertreffe
. Eine lang andauernde körperl
iche Schonung, wie
sie
vom Beschwer
deführer
berichtet
worden sei
, könne daraus nicht ab
geleitet wer
den. Die
Messung der Beinlänge mittels EOS-Röntgen (05.2015) zeige einen – klinisch irrelevanten - Beckentief
stand
rechts von vier Millimetern
. Bei dieser Unter
suchung hätten sich
beide Hüft- und beide Kniegelen
ke wie auch beide oberen Sprung
gelenke bildgebend
als
normal
ausgewiesen
. D
ie MRI-Untersu
chung der LWS (Mai
2015) zeige
nur eine minimale Höhenminderung des BWK12 mit guter knöche
rn
er
Du
rchbauung
der Facettengelenke Th1
1 bis L1 beidseits bei Status
nach
Spondylodese
und Metallent
fe
rn
ung. Im Vergleich
zur MRI-Untersuchung der
LWS
(August
1999
)
habe sich die
lumbo
sakrale
Ü
bergangsanomalie mit partielle
r
Sakralisation
von LWK5 und
Ne
arthrose
-Bildung links sowie die mediane
Diskusprotrusion
/ Diskushernie L4/ L5 mit Tangierung der Nervenwurzeln L5 beidseits ohne
Kompression bildgebend kaum verändert (
Urk.
7/106/
72).
Die ausgedehnte Bl
utuntersuchung
habe normale Ent
zündungszeichen (Blut
senkung und C-reaktives
Protein) ausgewiesen. Dasselbe gelte für den
Rheu
ma
faktor
und die Anti-
Citrullin
-Antikörper.
Zusammenfassend
bestünden beim Beschwerdeführer tei
ls angeborene, teils erworbene strukturelle Veränderungen im Bereich
der unteren BWS und der LWS
, welche
die
Leistungsfähigkeit vermindert
en. Die vorhandenen Befunde seien seit Jahrzehnten im W
esentlichen unverändert und erklär
t
en das Aus
m
ass seiner Beschwerden nur teilweise
(
Urk.
7/106/73)
.
I
n
eine
r
leichten bis mittelschweren
Tätigkeit
ohne Arbeiten mit repetitiven Rotationsbewegungen des Oberkörpers, ohne längeres Verharren in vornüber geneigter Haltung
-
ob stehen
d
oder sitzend -, ohne asymmetrische
Lasten
einwirkungen
und mit Lastenheben bis 15 kg sei der Beschwerdeführer sei
t
dem Unfall vom 2
0.
Februar 1996
zu 100
%
arbeitsfähig
.
Die aktuelle Tätig
keit als Büroangestellter bei der
Y._
sei angepasst. Wahrscheinlich sei bei der ursprünglichen Tätigkeit als Schienentraktorführer ein Teilbereich nicht angepasst. Diesen Teilbereich könne der Beschwerdeführer nicht mehr ausü
ben (
Urk.
7/106/75).
6.
6.1
Das Gutachten
erging in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorak
ten
und den geklagten Beschwerden so
wie gestützt auf die klinischen
Untersuchung
en
vom 1
1.
Mai 2015
. Es leuchtet in der Darlegung der medizi
nischen Situation und Zusammenhänge ein und ist hinsichtlich der im Ein
klang mit den erhobenen Befunden gestellten Diagnosen schlüssig.
Ausser
dem
hat
Dr.
A._
zu den Beurteilungen in den
Vorakten
Stellung bezo
gen und
-
soweit Diskrepanzen bestanden
-
ihre abweichende Einschätzung plausibel begründet (Urk.
7/106/76 f.
). Damit genügt das
-
unbestritten gebliebene -
Gutachten den
Anforderungen
an eine beweiskräftige
Entschei
dungs
grundlage
(vgl. E. 1.
4
).
6.2
Insbesondere hielt
Dr.
A._
in nachvollziehbarer Weise fest, die
vor
hande
nen Befunde seien seit Jahrzehnten im Wesentlichen unverändert und
würden
das Ausm
ass der subjektiv beklagten
Beschwerden nur teilweise
erklären
(
Urk.
7/106/73).
So
sei
es
seit 2004 weder klinisch noch bildgebend zu einer wesentlichen objektiven Veränderung gekommen
.
D
er mehrfach beschriebene Beckentiefstand rechts von vier Millimetern
habe
keine klini
sche Relevanz. Eine entsprechende Untersuchung im Mai 2015 habe normale Verhältnisse im Bereich beider Hüft- und beider Kniegelenke sowie beider oberen Sprun
ggelenke ausgewiesen. Sodann korreliere die MRI-Untersu
chung der LWS vom
Mai 2015
weitestgehend
mit derjenigen vom
August 199
9.
Im Übrigen
hätten sowohl
die osteosynthetische Versorgung der medi
alen Femur-Fraktur im Mai 2010 als auch die Metallentfernung
im August 2011
einen unauffälligen, normalen Verlauf
gezeitigt
.
Insbesondere
sei
in diesem Zusammenhang
die
Klopfdolenz
der Wirbelsäule in der Unfallchirur
gie des
Z._
geprüft worden
und es
sei
explizit keine
Klopfdolen
z
festgestellt worden
. Entsprechend seien die chirurgischen Ein
griffe im Mai 2010 und August 2011
denn
auch nie durch starke Kreuz
schmerzen erschwert gewesen
(
Urk.
7/106/77 f.
).
Schliesslich
zeigten die deutlichen Gebrauchsspuren an beiden Händen des Beschwerdeführers, dass er aktuell beide Hände langandauernd kraftvoll einsetze. Da dieser Handge
brauch nicht während der beruflichen Tätigkeit stattfinde, stammten die Gebrauchsspuren offensichtlich von seiner Tätigkeit in der Freizeit. Bereits dem Kr
eisarzt der Unfallversicherung seien
im
November 2005 die Gebrauchsspuren an beiden Händen aufgefallen (Urk. 7/106/73).
Die insoweit
überzeugenden Feststellungen
von
Dr.
A._
vermö
g
en denn auch
durch die Berichte von
Dr.
B._
, welcher dem Beschwerdeführer über Jahre hinweg eine 50%ige A
rbeitsunfähigkeit in einer angepassten Ver
weistätigkeit
attestiert hatte,
nicht
in Zweifel gezogen zu werden.
So f
ehlt
seinen Beurteilungen – wie bereits ausgeführt
(vgl. E. 4.2)
–
eine
nachvoll
ziehbare Begründung. K
ommt hinzu, dass das Gericht der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen
hat
, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
6.3
Zusammenfassend
ist
mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrschei
nlichkeit erstellt
, dass dem Beschwerdeführer bei Aufbietung allen guten Willens (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen)
seit dem 2
0.
Februar 1996
eine 100%ige Arbeitstätigkeit in einer angepassten, rückenschonenden Tätigkeit zumutbar ist.
7
.
7
.1
Bei der Ermittlung des ohne Gesundheitsschaden erzielbaren Einkommens (
Valideneinkommen
) ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflicher Fähigkeiten und persönlichen Umstände mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ohne den Gesundheitsschaden, aber sonst bei unverän
derten Verhältnissen verdienen würde (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 E. 3b mit Hinweisen).
Gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 2
9.
September 2015 würde der Beschwer
deführer als Schienen
traktor
führer ohne Gesundheitsschaden
aktu
ell
ein Jahreseinkommen von Fr. 99‘747.05 erzielen (
Urk.
7/119/3)
. Mangels Einfluss auf das Ergebnis
(vgl. nachfolgend E.
7
.3)
gibt letzteres keinerlei Anlass zur gerichtlichen
Überprüfung und kann im Folgenden zugunsten des Beschwerdeführers darauf abgestellt werden.
7
.2
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes E
rwerbseinkommen gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit auf
genommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabe
llenlöhne gemäss den vom Bundes
amt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstruk
turerhebungen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
Zur Ermittlun
g des Invalideneinkommens stell
te die Beschwerdegegnerin
auf die
Angaben seiner Arbeitgeberin
ab, wonach er
in der angepassten Tätigkeit als Büroangestellter
bei einem 50%-Pensum
2015
ein Jahreseinkommen von Fr.
4
4‘242.65
erwirtschaftete
(vgl. Arbeitgeberfra
gebogen vom 2
9.
September 2015
,
Urk.
7/119/3). Da
raus
resultiert
bei einem zumutbaren Vollzeitpensum ein Ja
hreseinkommen von
Fr.
88‘485.20
.
7
.3
Beim Vergleich des
Validene
inkommens
von Fr. 99‘747.05
mit dem
Invali
den
einkommen
von
Fr.
88‘485.20
ist eine Erwerbseinbusse
von Fr.
11‘261.85
auszum
achen. Damit beträgt der Invaliditätsgrad nicht
renten
begründende
11.29
%
.
Eine Anpassung beider Werte entsprechend der
Nomi
nallohn
erhöhung
auf das hier massgebende Jahr 2016 kann mangels Rele
vanz ausser Acht gelassen worden.
Selbst bei
der Annahme, das
effektiv erzielte E
inkommen enthalte einen jährli
chen Soziallohnanteil von 10‘000.-- (vgl.
Urk.
7/119/3)
, liesse sich
k
ein rentenbegründender Invaliditätsgrad ermitteln. So resultiert
auch
aus der Erwerbseinbusse von
Fr.
3
1‘261.85
(
Fr. 99‘747.05
–
Fr.
6
8‘485.20)
ein
ren
tenausschliessender
Invaliditätsgrad von
31
.3
4
%
.
7
.4
Angesichts seiner fortdauernden Erwerbstätigkeit waren
-
ungeachtet dessen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Rentenaufhebung (per Mai 2016) 58 Jahre alt war
-
vor der Rentena
ufhebung
keine
erwerbsbezogene
n
Abklärung
en und/oder berufliche
n
Eingliederungsmassnahmen durchzu
führen
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_752/2013 vom 27. Juni 2014 E. 4.1 mit Hinweisen).
8
.
Da der
ange
fochtene Entscheid
auch hinsichtlich des Zeitpunkts der
Rentenauf
hebung
(vgl. Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. a der Verordnung über die Invali
denversicherung, IVV
) zu keiner gerichtlichen Korrektur Anlass gibt, ist die Beschwerde abzuweisen.
9
.
Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streitwert
auf
Fr. 600.--
festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und
ausgangsgemäss
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.