Decision ID: 708074aa-ec90-49d2-b22a-0efc681708af
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am 17. August 2012 um acht Uhr morgens lenkte X. seinen Personenwagen mit
dem Kennzeichen SG 000000 auf der Unteren Bahnhofstrasse, Rapperswil, in Richtung
Pfäffikon/SZ. Zu diesem Zeitpunkt herrschte stockender Kolonnenverkehr. Auf der
Höhe der Alpenstrasse kam die Kolonne abrupt zum Stillstand. X. gelang es nicht, sein
Fahrzeug rechtzeitig zum Stillstand zu bringen, so dass es in das Heck des vor ihm
stehenden Opel Corsa prallte. Dessen Lenkerin gab gegenüber der Polizei zu Protokoll,
ihr Fahrzeug sei durch die Wucht des Aufpralls in das vor ihr stehende Auto geschoben
worden. Dieses wiederum kollidierte mit dem vordersten der vier in die Auffahrkollision
verwickelten Motorfahrzeuge. Die Lenkerin des Opels Corsa klagte nach dem Unfall
über starke Schmerzen im Hals- und Nackenbereich. Sie liess sich deshalb wegen
Verdachts auf ein Schleudertrauma im Spital untersuchen. An den vier Fahrzeugen
entstand gemäss Polizeirapport Sachschaden in der Höhe von insgesamt Fr. 24'500.--,
davon Fr. 6'000.-- beim Fahrzeug von X. und Fr. 10'000.-- bei dem vor ihm fahrenden
Opel Corsa.
B.- Wegen des Vorfalls vom 17. August 2012 wurde X. mit Strafbefehl des
Untersuchungsamts Uznach vom 14. Dezember 2012 der Verletzung von
Verkehrsregeln schuldig gesprochen und zu einer Busse von Fr. 500.-- bzw. einer
Ersatzfreiheitsstrafe von fünf Tagen verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten
in Rechtskraft. Mit Verfügung vom 4. Februar 2013 entzog das Strassenverkehrsamt X.
daraufhin den Führerausweis für die Dauer eines Monats wegen mittelschwerer
Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz. Zur Begründung führte es an, X.
habe wegen ungenügender Aufmerksamkeit die Auffahrkollision vom 17. August 2012
verursacht. Die dadurch hervorgerufene Gefahr könne nicht mehr als gering eingestuft
werden. Es liege unabhängig vom Grad des Verschuldens zumindest ein
mittelschwerer Fall vor, weshalb der Führerausweis für mindestens einen Monat zu
entziehen sei.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 4. Februar 2013 erhob X.
durch seinen Vertreter mit Eingabe vom 20. Februar 2013 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, die Verfügung vom 4. Februar 2013 sei
aufzuheben; es sei von einem Führerausweisentzug für die Dauer eines Monats
abzusehen, eventualiter sei eine Verwarnung auszusprechen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse. Auf die Ausführungen zur

Begründung dieser Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Strassenverkehrsamt verzichtete mit Schreiben vom 7. März 2013 auf eine
Vernehmlassung.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 20. Februar 2013 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass der Rekurrent am 17. August 2012
auf der Unteren Bahnhofstrasse in Rapperswil nicht rechtzeitig bremsen konnte und
eine Auffahrkollision verursachte. Umstritten ist, ob es an der notwendigen
Aufmerksamkeit fehlte. Der Rekurrent bringt in diesem Zusammenhang vor, im
Strafbefehl werde ihm weder ungenügende Aufmerksamkeit (Art. 3 Abs. 1 der
Verkehrsregelnverordnung [SR 741.11, abgekürzt: VRV]) noch ungenügender Abstand
beim Hintereinanderfahren (Art. 34 Abs. 4 des Strassenverkehrsgesetzes [SR 741.01,
abgekürzt: SVG] und Art. 12 Abs. 1 VRV) vorgeworfen.
Es trifft zu, dass im Strafbefehl des Untersuchungsamts Uznach nur Art. 90 Ziff. 1 in
Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG (Nichtbeherrschen des Fahrzeuges) erwähnt wird.
Darunter fällt indessen auch der Tatbestand der fehlenden Aufmerksamkeit im
Strassenverkehr. Art. 3 Abs. 1 VRV verweist ausdrücklich auf Art. 31 Abs. 1 SVG. Im
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Strafbefehl wurde im Sachverhaltsabschnitt zudem Folgendes vermerkt: "Zufolge
ungenügender Aufmerksamkeit verursachten Sie eine Auffahrkollision." Dagegen wurde
keine Beschwerde erhoben. Nach der Rechtsprechung muss derjenige, der weiss oder
annehmen muss, dass gegen ihn ein Administrativmassnahmeverfahren durchgeführt
wird, seine Verteidigungsrechte schon im (summarischen) Strafverfahren geltend
machen, und die für den Führerausweisentzug zuständige Behörde darf in der Regel
nicht von Tatsachenfeststellungen des rechtskräftigen Strafentscheids abweichen. Dies
gilt auch für Entscheide, welche im Strafbefehls- oder Bussenverfügungsverfahren
gefällt wurden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_71/2007 vom 11. September 2007, E.
4.2). Die Vorinstanz teilte dem Rekurrenten am 19. September 2012 mit, für die
Beurteilung, ob eine Administrativmassnahme zu verhängen sei, werde zuerst der
rechtskräftige Strafentscheid abgewartet. Im Administrativmassnahmeverfahren werde
wesentlich auf den Strafentscheid abgestützt, da im Strafverfahren umfassende
Verteidigungsrechte zur Verfügung stünden. Der Rekurrent wusste demnach um die
Bedeutung des Ausgangs des Strafverfahrens für das Administrativverfahren, und es
besteht kein Anlass, von der Sachverhaltsfeststellung der Strafbehörde abzuweichen.
In der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts ist die Verwaltungsbehörde hingegen
frei, ausser die rechtliche Qualifikation hänge stark von der Würdigung von Tatsachen
ab, die das Strafgericht besser kennt, etwa weil es den Beschuldigten persönlich
einvernommen hat (Urteile 1C_282/2011 vom 27. September 2011 E. 2.4, 1C_224/2010
vom 6. Oktober 2010 E. 4.2; 1C_71/2008 vom 31. März 2008 E. 2.1; 1C_7/2008 vom
24. Juli 2008 E. 3; BGE 124 II 103 E. 1c/bb S. 107). Dies war vorliegend nicht der Fall,
weshalb der Rekurrent aus dem Umstand, dass im Strafbefehl nur Art. 90 Ziff. 1 SVG
(Nichtbeherrschen des Fahrzeugs) erwähnt wurde, nichts zu seinen Gunsten ableiten
kann.
3.- Zu klären ist, ob die Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz als
mittelschwer oder leicht zu qualifizieren ist.
a) Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a des Strassenverkehrsgesetzes,
SR 741.01, abgekürzt: SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren
Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a
SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Die mittelschwere Widerhandlung
nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG stellt einen Auffangtatbestand dar. Sie liegt vor, wenn
nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten Widerhandlung und nicht alle
qualifizierenden Elemente einer schweren Widerhandlung gegeben sind (BGE 135 III
138 E. 2.2.2).
Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder zumindest abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird dabei zwischen der einfachen und der erhöhten
abstrakten Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahmen
nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann
auszugehen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten
betroffen werden können. Führte dieses hingegen zu einer Verletzung eines Rechtsguts
oder einer konkreten bzw. einer erhöhten abstrakten Gefährdung der körperlichen
Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete
Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich daherkommenden
Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer Körperverletzung
oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12).
Zudem ist das Ausmass der üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der
Rechtsgutverletzung zu berücksichtigen (vgl. VRKE IV-2011/113 vom 24. November
2011 E. 3b, in: www.gerichte.sg.ch/Verwaltungs-rekurskommission). Der Gefährdung
der Sicherheit kommt durch die seit 1. Januar 2005 geltenden Art. 16a bis 16c SVG
eine wesentliche und eigenständige Bedeutung zu. Der Gesetzgeber hat bewusst dem
Gesichtspunkt der Verkehrsgefährdung ein höheres Gewicht beigemessen.
Insbesondere hat er das Recht des Warnungsentzugs verselbständigt und im Hinblick
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auf die Erhöhung der Verkehrssicherheit verschärft (Urteil des Bundesgerichts
1C_267/2010 vom 14. September 2010 E. 3.4).
b) Der Führer muss das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er seinen
Vorsichtspflichten nachkommen kann (Art. 31 Abs. 1 SVG) und seine Aufmerksamkeit
der Strasse und dem Verkehr zuwenden (Art. 3 Abs. 1 VRV). Er hat beim
Hintereinanderfahren einen ausreichenden Abstand zu wahren, so dass er auch bei
überraschendem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs rechtzeitig halten kann.
aa) Der Rekurrent bringt im Wesentlichen vor, er habe alle Verkehrsregeln befolgt. Im
dichten, stockenden Kolonnenverkehr sei an eine zügige Fahrt nicht zu denken
gewesen. Er habe einen ausreichenden Abstand zum nächsten Fahrzeug gehalten, um
rechtzeitig bremsen zu können. Lediglich aufgrund des abrupten Stillstands der vor ihm
fahrenden Fahrzeuge habe er nicht mehr rechtzeitig bremsen können. Das vorderste
am Unfall beteiligte Fahrzeug sei aufgrund des Rückstaus gezwungen gewesen,
unmittelbar nach dem Lichtsignal, das auf Grün gewechselt habe, anzuhalten. Obwohl
er einen Abstand von zehn Metern zum vorderen Fahrzeug eingehalten habe und nicht
abgelenkt gewesen sei, sei es wegen des abrupten Bremsmanövers unmöglich
gewesen, sein Fahrzeug rechtzeitig zum Stillstand zu bringen. In derartigen Situationen
sei es aufgrund des geringen Abstands und der kurzen Reaktionszeit mehr dem Zufall
überlassen, ob ein Fahrzeug rechtzeitig angehalten werden könne oder nicht. Er sei
lediglich im Schritttempo bzw. mit einer Geschwindigkeit von weniger als 10 km/h
gefahren. Bei einer derart niedrigen Geschwindigkeit habe die Kollision weder zu einer
konkreten noch zu einer abstrakten Gefährdung von Personen geführt. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei dies erst ab einer Geschwindigkeit von
10 bis 20 km/h der Fall. Da er alle Verkehrsregeln befolgt habe, könne ihm auch kein
schuldhaftes Verhalten vorgeworfen werden. Da die Ampel von Rot auf Grün
gewechselt habe, sei er berechtigterweise davon ausgegangen, die Kolonne vor ihm
werde sich in Bewegung setzen. Insgesamt sei höchstens von einem leichten
Verschulden und einer geringen Gefahr auszugehen.
bb) Die Kantonspolizei hat den Unfall fotographisch dokumentiert (act. 10 S. 9 ff.).
Daraus ist er ersichtlich, dass sowohl das Fahrzeug des Rekurrenten als auch
dasjenige, mit dem er kollidierte, erheblich beschädigt wurden. Entsprechend schätzte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Polizei den Sachschaden beim Fahrzeug des Rekurrenten auf Fr. 6'000.-- und beim
Opel Corsa auf Fr. 10'000.--. Angesichts des Schadenbildes ist davon auszugehen,
dass er schneller als leicht über Schritttempo fuhr. Bei der angegebenen, derart
niedrigen Geschwindigkeit hätte der von ihm geschätzte Fahrzeugabstand von zehn
Metern ausreichen müssen, um das Fahrzeug rechtzeitig abzubremsen (vgl. zur
Berechnung des Anhaltewegs http://www.stva.sg.ch/home/strassenverkehr/
unfallanalysen/anhalteweg.html); ansonsten die Unaufmerksamkeit umso grösser
gewesen wäre, was ihm den Vorwurf eines nicht mehr leichten Verschuldens eintragen
würde. Unter diesen Umständen kann nicht mehr von einer bloss geringen Gefährdung
gesprochen werden. Das Bundesgericht geht, wie der Rekurrent selbst vorbringt,
bereits bei einer Auffahrgeschwindigkeit von 10 km/h aufgrund drohender schwerer
Verletzungen der Insassen in voranfahrenden Fahrzeugen (wie z.B. Schleudertraumata)
von einer ernsthaften Gefährdung der Gesundheit Dritter aus (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_156/2010 vom 26. Juli 2010 E. 5.1.2). Dass eine konkrete
Verletzungsgefahr bestand, zeigte sich daran, dass die Lenkerin des betroffenen
Fahrzeugs nach dem Unfall über starke Nackenschmerzen klagte und sich im Spital
Lachen/SZ ärztlich untersuchen liess. Selbst wenn angesichts der nicht vollständig
geklärten Umstände - insbesondere hinsichtlich Geschwindigkeit und Abstand - von
einer nur geringen Gefährdung Dritter auszugehen wäre, handelte es sich trotzdem
nicht um eine leichte Widerhandlung. Eine solche setzt zusätzlich ein leichtes
Verschulden voraus. Davon kann jedoch nicht die Rede sein. Der Rekurrent lenkte sein
Fahrzeug, wie er selbst angibt, vor dem Unfallereignis in dichtem, stockendem
Kolonnenverkehr. In einer solchen Situation ist besondere Aufmerksamkeit geboten,
weil der Fluss der Fahrzeugkolonne nicht berechenbar ist. Unerwartete Stockungen im
vorderen Teil der Kolonne können sich weit hinten auswirken, so dass das
Vorwärtskommen trotz grüner Ampel oft verzögert oder gar verhindert wird. Dass der
Wechsel einer Ampel auf Grün eine berechtigte Erwartung auslöse, die Kolonne setze
sich in Bewegung, wie der Rekurrent vorbringt, ist deshalb gerade unter solchen
Umständen nicht zutreffend. Im Übrigen gab der Rekurrent anlässlich der polizeilichen
Befragung vom 17. August 2012 zu Protokoll, er sei wohl durch Fussgänger und die
Ampel abgelenkt gewesen. Soweit er nun geltend macht, es habe sich dabei nicht um
"Ablenkungen im Sinne des Gesetzes" gehandelt, geht er fehl. Ein Fahrzeuglenker
muss in der Lage sein, alle im Strassenverkehr auftretenden Eindrücke und Signale zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verarbeiten und adäquat zu reagieren; unter Umständen ist dazu eine Reduktion der
Geschwindigkeit notwendig. Auch ein langsames Fahrtempo entbindet ihn nicht von
der Pflicht, seine volle Aufmerksamkeit dem Verkehr zu widmen (Urteil des
Bundesgerichts 1C_75/2007 vom 13. September 2007 E. 3.2). Die Argumentation, ob
es in solchen Situationen zu einer Kollision komme oder nicht, bleibe zu einem
wesentlichen Teil dem Zufall überlassen, ist deshalb nicht nachvollziehbar. Unerheblich
ist zudem das vom Rekurrenten monierte Verhalten der übrigen in den Unfall
involvierten Fahrzeuglenker. Namentlich bringt er nicht vor, wegen eines
gesetzeswidrigen Drittverhaltens - etwa wegen eines Schikanestopps - ins Heck des
vor ihm stehenden Fahrzeugs geprallt zu sein. Ob das Verhalten des Rekurrenten
ursächlich für die Kollision der beiden vorderen Fahrzeuge war, ist ohne Relevanz für
das Administrativmassnahmeverfahren und kann deshalb offen bleiben.
c) Da weder von einer geringen Gefährdung noch von einem leichten Verschulden
auszugehen ist, hat die Vorinstanz dem Rekurrenten den Führerausweis zu Recht
gestützt auf Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG wegen einer mittelschweren Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften entzogen.
4.- Gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG sind bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder
Führerausweisentzugs die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen;
die Mindestentzugsdauer darf nicht unterschritten werden. Diese beträgt gemäss
Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG nach einer mittelschweren Widerhandlung mindestens einen
Monat. Die Vorinstanz entzog den Führerausweis für einen Monat. Dabei handelt es
sich um die Mindestentzugsdauer, die nicht unterschritten werden darf.
5.- Der Rekurs ist somit abzuweisen ist. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind
die amtlichen Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu
verrechnen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte