Decision ID: d04b3c6f-6327-4f5d-83b2-920781ad0435
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für Personenwagen seit 30. Januar 1980. Sein
Leumund als Motofahrzeuglenker ist bisher ungetrübt. Am Donnerstag, 30. April 2015,
gegen 17.30 Uhr, lenkte er einen Personenwagen auf der Bahnhofstrasse A von B in
Richtung C. Zu jenem Zeitpunkt herrschte auf der Gegenfahrbahn (Fahrtrichtung C – B)
stockender Kolonnenverkehr. Als X auf einen Fussgängerstreifen zufuhr, überquerte M
(Jahrgang 2009) aus Sicht von X von links den Fussgängerstreifen. Trotz eines sofort
eingeleiteten Bremsmanövers kam es mit M zu einer Kollision, bei welcher letzterer
leichte Verletzungen erlitt.
Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes U vom 9. September 2015 wurde X im
Zusammenhang mit dem Verkehrsunfall vom 30. April 2015 wegen Verletzung der
Verkehrsregeln („Mitverursachen eines Verkehrsunfalles zufolge Nichtgewährens des
Vortritts am Fussgängerstreifen“) zu einer Busse von Fr. 400.– verurteilt. Der Strafbefehl
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (nachfolgend:
Strassenverkehrsamt) leitete wegen des Vorfalls vom 30. April 2015 ein
Administrativmassnahmeverfahren gegen X ein. Es gewährte ihm mit Schreiben vom
19. August 2015 das rechtliche Gehör, worauf dieser mit Brief vom 4. September 2015
um Sistierung des Administrativmassnahmeverfahrens bis zum rechtskräftigen
Abschlusses des Strafverfahrens bat. Mit Schreiben vom 4. November 2015 informierte
das Strassenverkehrsamt X über die Fortsetzung des Verfahrens und gab ihm die
Möglichkeit, eine abschliessende Stellungnahme einzureichen; diese erfolgte am 25.
November 2015. Mit Verfügung vom 8. Dezember 2015 entzog das
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Strassenverkehrsamt X wegen schwerer Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften den Führerausweis für drei Monate.
C.- Dagegen erhob X am 6. Januar 2016 durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er verlangte die Aufhebung der Verfügung des
Strassenverkehrsamtes vom 8. Dezember 2015, eventualiter die Reduktion der
Entzugsdauer auf maximal einen Monat. Sodann beantragte er die Durchführung einer
mündlichen Verhandlung, die Zeugen- bzw. Parteieinvernahme der am Unfall
beteiligten Personen sowie die Erteilung der Erlaubnis, während der Entzugsdauer die
Spezialkategorien G und M zu führen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 1. Februar 2016 auf eine
Vernehmlassung. Der Rechtsvertreter erklärte am 2. Juni 2016 gegenüber dem Gericht,
dass am Antrag auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung nicht festgehalten
werde.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten sowie die Begründung der Vorinstanz in der

angefochtenen Verfügung wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 6. Januar 2016 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Vorab ist auf die formellen Rügen des Rekurrenten einzugehen.
a) Einerseits beanstandet er die unzulässige Doppelsanktionierung durch Straf- und
Administrativmassnahmeverfahren.
bis
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aa) Nach ständiger und langjähriger Rechtsprechung des Bundesgerichts verletzt die
im schweizerischen Recht vorgesehene Zweispurigkeit der Verfahren nach
Strassenverkehrsdelikten den Grundsatz "ne bis in idem" nicht (BGE 137 I 363 E. 2.4
mit weiteren Hinweisen). Die Europäische Kommission für Menschenrechte hat diese
Regelung als mit der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt: EMRK) konform bestätigt (vgl. den Entscheid
des Gerichtshofes Nr. 31982/96 i.S. T. c. Schweiz, in: VPB 64/2000 Nr. 152 S. 1391 f.).
Während der Strafrichter über die strafrechtlichen Sanktionen Busse und Haftstrafe
befindet, entscheidet die zuständige Administrativbehörde über die
Administrativmassnahmen der Verwarnung und des Führerausweisentzuges. Obwohl
der Führerausweisentzug eine gewisse Strafähnlichkeit aufweist, handelt es sich bei
dieser Sanktion um eine im Verwaltungsverfahren ausgesprochene Massnahme,
welche primär die Erziehung des Fehlbaren, nicht dessen Bestrafung bezweckt. Es ist
daher nicht so, dass der Betroffene, der für ein Verkehrsdelikt strafrechtlich belangt
worden ist, mit dem Führerausweisentzug ein zweites Mal für dasselbe Verhalten
bestraft wird (BGE 128 II 133 E. 3a). Mit dem Straf- und dem Massnahmeverfahren
werden unterschiedliche Sanktionen ausgesprochen. Es liegt keine zweimalige
strafrechtliche Verfolgung bzw. Verurteilung mit denselben Strafen (Haft und Busse)
und damit auch kein Verstoss gegen Art. 4 Ziff. 1 des Protokolls Nr. 7 zur EMRK
(SR 0.10107) vor, der besagt, dass niemand wegen einer Straftat, wegen der er bereits
nach dem Gesetz und dem Strafverfahrensrecht eines Staates rechtskräftig verurteilt
oder freigesprochen worden ist, in einem Strafverfahren desselben Staates erneut
verfolgt oder bestraft werden darf.
bb) Von einer unzulässigen Doppelbestrafung kann vor dem Hintergrund dieser
Rechtsprechung somit nicht die Rede sein. Die Vorinstanz ist zum Erlass der
angefochtenen Verfügung zuständig (vgl. Art. 22 Abs. 2 SVG). Der in Art. 6 Ziff. 1 EMRK
verankerte Anspruch auf richterliche Beurteilung verlangt lediglich, dass in derartigen
Verfahren die Möglichkeit besteht, wenigstens einmal an ein Gericht zu gelangen, das
den Fall mit voller Kognition in Tat- und Rechtsfragen prüfen kann (Arthur Haefliger/
Frank Schürmann, Die Europäische Menschenrechtskonvention und die Schweiz, 2.
Aufl., Bern 1999, S. 159 f.). Diesem Erfordernis ist mit der Anfechtungsmöglichkeit des
Entzugsentscheids bei der Verwaltungsrekurskommission und dem Verwaltungsgericht
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Genüge getan (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6A.35/2004 vom 1. September
2004, E. 2.1).
b) Andrerseits macht der Rekurrent eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend,
indem die Vorinstanz auf sein Vorbringen, dass Kind und Mutter den Unfall verursacht
hätten, nicht eingegangen sei und auch sonst keine inhaltliche Auseinandersetzung mit
den sachbezogenen Vorbringen in der Stellungnahme vorgenommen habe.
aa) Art. 29 Abs. 2 BV gewährt den Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus
leitet das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab, ihre
Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3, 133 I 270 E.
3.1, 129 I 236 E. 3.2, 126 I 102 E. 2b). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht
verlangt dieser Grundsatz, dass die Behörde die Vorbringen der vom Entscheid oder
der Verfügung in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und
berücksichtigt und ihren Entscheid vor diesem Hintergrund begründet (vgl. G.
Steinmann, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 49 zu Art. 29 BV). Der von einem
Entscheid oder einer Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen
seinem Antrag entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass
er den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE
133 III 439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1071). Dies ist nur möglich, wenn sowohl der
Betroffene als auch die Rechtsmittel-instanz sich über die Tragweite des Entscheids
ein Bild machen können; in diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr
Entscheid stützt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich
mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O.,
Rz. 1706). Umfang und Dichte der Begründung richten sich generell nach den
Umständen (Steinmann, a.a.O., N 49 zu Art. 29 BV). Ist die Sachlage klar und sind die
anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese Rechtsnormen genügen,
während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von Ermessen oder
unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht fallenden
Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (BGE 112 Ia 110 E. 2b,
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104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., N 49 zu Art. 29 BV; Tschannen/Zimmerli,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl. 2005, § 29 N 13).
bb) Der Rekurrent führte mit Eingabe seiner damaligen Rechtsvertreterin vom 25.
November 2015 aus, es handle sich beim fraglichen Vorfall um eine mittelschwere
Widerhandlung, und verwies zur Begründung dafür auf die Ausführungen im
Polizeirapport inklusive Zeugenaussagen. Die Sicht des Rekurrenten auf den
Fussgängerstreifen sei durch ein anderes Fahrzeug verdeckt gewesen. Ferner sei der
Junge über den Fussgängerstreifen gerannt und habe an der Mittellinie nicht
angehalten. Er selbst sei nicht schnell gefahren und habe sofort gebremst. Mit
Strafbefehl vom 9. September 2015 sei er wegen einfacher Verletzung der
Verkehrsregeln zu einer Busse von Fr. 400.– verurteilt worden. Daran sei die
Verwaltungsbehörde gebunden, nachdem sie keine zusätzlichen Beweise erhoben
habe und sämtliche Rechtsfragen vom Strafrichter abgeklärt worden seien. Der Unfall
sei die nicht beeinflussbare Folge eines im Ansatz grundsätzlich richtigen
Fahrverhaltens (act. 4/32 ff.).
Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung nach Darlegung der auf den
Vorfall anwendbaren Verkehrsregeln aus, es wäre die Pflicht des Rekurrenten gewesen,
vorsichtig an den Fussgängerstreifen heranzufahren bzw. davor anzuhalten, zumal die
Sicht auf die linke Strassenseite durch den Gegenverkehr verunmöglicht worden sei
und er damit habe rechnen müssen, dass von links ein Fussgänger komme. Dieser
Pflicht sei er nicht nachgekommen, indem er rücksichtslos mit einer Geschwindigkeit
von 40 bis 50 km/h darauf zugefahren sei. Durch sein Fehlverhalten habe er grob
schuldhaft einen Verkehrsunfall verursacht und dabei ein Kind konkret gefährdet bzw.
verletzt. Damit liege ein schwerer Fall vor. Weiter legte die Vorinstanz dar, dass sie an
die rechtliche Würdigung des Strafrichters nicht gebunden sei.
cc) Die Vorinstanz äusserte sich damit in der Verfügung sowohl zum massgeblichen
Sachverhalt, als auch zur rechtlichen Qualifikation. Dass sie dabei in Bezug auf die
gefahrene Geschwindigkeit von einer falschen Annahme ausging (vgl. nachfolgend
unter E. 3c/aa), stellt keine Verletzung der Begründungspflicht, sondern eine inhaltliche
Unstimmigkeit dar. Sodann machte die Vorinstanz auch Ausführungen zum Verhältnis
zwischen Straf- und Administrativmassnahmeverfahren. Nachdem es um das Verhalten
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des Rekurrenten und nicht um jenes des Unfallopfers ging und eine
Schuldkompensation grundsätzlich nicht in Frage kommt (vgl. nachfolgend unter E. 3d/
aa), erwiesen sich Ausführungen zum Verhalten von Mutter und Kind nicht als
zwingend notwendig. Die Begründung erweist sich zwar als eher knapp, genügt aber
insgesamt den genannten Anforderungen. Es war dem Rekurrenten ohne weiteres
möglich, die Verfügung sachgerecht anzufechten. Allein der Umstand, dass die
Vorinstanz den Sachverhalt rechtlich anders würdigt als der Strafrichter und der
Rekurrent, stellt keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör dar.
3.- In materieller Hinsicht ist umstritten, ob die Verkehrsregelverletzung vom 30. April
2015 eine mittelschwere oder eine schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften darstellt.
a) Der Rekurrent macht im Wesentlichen geltend, vorliegend hänge die rechtliche
Würdigung derart von den tatsächlichen Umständen ab, dass beide Aspekte nicht
gesondert betrachtet werden könnten. Die Vorinstanz habe in unzulässiger Weise
Mutmassungen über die Feststellung des Sachverhalts, insbesondere über die damals
herrschenden Sichtverhältnisse, angestellt, ohne jedoch zusätzliche Beweise wie
Augenschein oder Zeugenbefragungen abzunehmen. Sie sei daher sowohl an die
Sachverhaltsdarstellung als auch die rechtliche Würdigung der Strafbehörden
gebunden. Solange jedoch unklar sei, ob der Rekurrent hätte erwarten müssen, dass
sich beim Fussgängerstreifen ein unzureichend beaufsichtigtes Kind aufhalte und
unvermittelt vor sein Auto springe, bleibe der Vorwurf des schweren Verschuldens reine
Spekulation. Die Vorinstanz habe das Verhalten des Kindes bei ihrer Beurteilung
gänzlich ausgeblendet. Zudem sei sie zu Unrecht davon ausgegangen, dass er mit
einer Geschwindigkeit von 40 bis 50 km/h unterwegs gewesen sei. Das Verschulden
des Rekurrenten sei vielmehr gering. Er sei zwar vor dem Fussgängerstreifen zu
besonderer Vorsicht angehalten gewesen, mit dem unvorsichtigen Verhalten des
unzureichend beaufsichtigten sechsjährigen Kindes sei aber nicht zu rechnen gewesen.
In Anwendung des Grundsatzes „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten) sei
zugunsten des Rekurrenten davon auszugehen, dass er rechtzeitig hätte bremsen
können und die Kollision vermieden worden wäre, wenn die Mutter das Kind bei sich
gehalten hätte oder dieses den Fussgängerstreifen in Gehgeschwindigkeit überquert
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hätte. Es liege somit höchstens eine mittelschwere Widerhandlung gegen die
Verkehrsvorschriften vor, welche einen maximal einmonatigen Entzug nach sich ziehe.
b) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird
dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf
genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine
mittelschwere Widerhandlung liegt vor, wenn durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen wird (Art. 16b
Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren Widerhandlung ist immer dann
auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten und nicht alle
qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind (vgl. BBl 1999 S. 4487).
Nach Strassenverkehrsdelikten befindet das Strafgericht über die strafrechtlichen
Sanktionen (Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Busse) und die Verwaltungsbehörde in einem
separaten Verfahren über Administrativmassnahmen (insbesondere
Führerausweisentzug, Verwarnung). Die Zweispurigkeit des Verfahrens ist zulässig,
kann aber – bei fehlender Koordination – dazu führen, dass derselbe Lebensvorgang zu
voneinander abweichenden Sachverhaltsfeststellungen von Verwaltungs- und
Justizbehörden führt und die erhobenen Beweise abweichend gewürdigt und rechtlich
beurteilt werden. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, hat die Verwaltungsbehörde im
Interesse von Rechtseinheit und Rechtssicherheit gemäss konstanter
bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich mit ihrem Entscheid zuzuwarten,
bis ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt. Denn das Strafverfahren bietet durch die
verstärkten Mitwirkungsrechte des Beschuldigten, die umfassenderen persönlichen
und sachlichen Ermittlungsinstrumente sowie die weiterreichenden prozessualen
Befugnisse besser Gewähr dafür, dass das Ergebnis der Sachverhaltsermittlung näher
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bei der materiellen Wahrheit liegt als im nicht durchwegs derselben Formstrenge
unterliegenden Verwaltungsverfahren. Massgeblich ist also grundsätzlich der
Sachverhalt, wie er im Strafverfahren festgestellt wurde. Die Verwaltungsbehörde darf
von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil nur dann abweichen, wenn sie
Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter
unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt,
deren Würdigung zu einem anderen Entscheid führt, wenn die Beweiswürdigung durch
den Strafrichter den feststehenden Tatsachen klar widerspricht, oder wenn der
Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche
Rechtsfragen abgeklärt hat, namentlich die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln
übersehen hat (BGE 124 II 103 E. 1c; Urteil der Verwaltungsrekurskommission
IV-2012/126 vom 21. März 2013, im Internet abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Die
Verwaltungsbehörde hat vor allem dann auf die Tatsachen im Strafurteil abzustellen,
wenn dieses im ordentlichen Verfahren ergangen ist (BGE 119 Ib 158 E. 3c/aa). Die
Bindungswirkung an die Sachverhaltsdarstellung besteht aber auch dann, wenn die
Strafsache mit Bussenverfügung erledigt wurde, welche sich ausschliesslich auf den
Polizeirapport stützt, sofern der Betroffene wusste oder angesichts der Schwere der
ihm angelasteten Übertretung voraussehen musste, dass gegen ihn auch ein Verfahren
wegen Führerausweisentzuges eingeleitet wird oder er darüber informiert worden ist,
und er es im Rahmen des summarischen Strafverfahrens unterlassen hat, seine
Verteidigungsrechte wahrzunehmen. Unter diesen Umständen darf er nicht das
Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen vorzubringen und Beweisanträge
zu stellen (BGer 1C_476/2014 vom 29. Mai 2015 E. 2.3; BGE 123 II 97 E. 3c/aa).
In Bezug auf die rechtliche Würdigung des Sachverhalts ist die Verwaltungsbehörde
dann an das Strafurteil gebunden, wenn die rechtliche Beurteilung sehr stark von der
Würdigung von Tatsachen abhängt, die der Strafrichter besser kennt als die
Verwaltung, etwa wenn er den Beschuldigten persönlich einvernommen hat (BGE 119
Ib 158 E. 3c, mit Hinweisen; 136 II 447, E. 3.1). Folglich ist die Verwaltungsbehörde in
Fällen, wo der Strafrichter seine Verfügung lediglich aufgrund eines Polizeirapports und
ohne untersuchungsrichterliche Einvernahme des Betroffenen oder von Zeugen
erlassen hat, nicht an die rechtliche Qualifikation des Sachverhalts im Strafverfahren
gebunden. Die Verwaltungsbehörde hat dabei aber auch den Grundsatz der
Vermeidung widersprüchlicher Urteile gebührend zu berücksichtigen
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(BGer 1C_413/2014 vom 30. März 2015 E. 2.2 mit Hinweis auf 1C_424/2012 vom
15. Januar 2013 E. 2.3). Dies gebietet der Verwaltungsbehörde grundsätzlich, sich
einer vertretbaren Ermessensausübung des Strafrichters anzuschliessen, auch wenn
sie das Verschulden selber anders beurteilen würde (BGer 1C_746/2013 vom 12.
Dezember 2013 E. 3.4). Gibt es andrerseits für den fehlbaren Fahrzeuglenker keinen
Grund, den Strafbescheid anzufechten – etwa weil er den Schuldspruch und die Strafe
akzeptiert –, besteht demnach unter den vorerwähnten Voraussetzungen trotzdem die
Möglichkeit, dass die Verwaltungsbehörde den Sachverhalt anders beurteilt. Insofern
sind unterschiedliche Beurteilungen des Fehlverhaltens im Straf- und
Administrativmassnahmeverfahren hinzunehmen.
c) aa) Nach Art. 33 Abs. 1 und 2 SVG ist den Fussgängern das Überqueren der
Fahrbahn in angemessener Weise zu ermöglichen und hat der Fahrzeugführer vor
Fussgängerstreifen besonders vorsichtig zu fahren und nötigenfalls anzuhalten, um den
Fussgängern den Vortritt zu lassen, die sich schon auf dem Streifen befinden oder im
Begriffe sind, ihn zu betreten. Diese Regelung wird durch Art. 6 Abs. 1 der
Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV) konkretisiert, wonach der
Fahrzeugführer vor Fussgängerstreifen ohne Verkehrsregelung jedem Fussgänger oder
Benützer eines fahrzeugähnlichen Gerätes, der sich bereits auf dem Streifen befindet
oder davor wartet und ersichtlich die Fahrbahn überqueren will, den Vortritt gewähren
muss. Er muss die Geschwindigkeit rechtzeitig mässigen und nötigenfalls anhalten,
damit er dieser Pflicht nachkommen kann. Art. 6 Abs. 1 VRV verweist damit auf die
nach dem Umständen angemessene Geschwindigkeit. Gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG ist
die Geschwindigkeit stets den Umständen anzupassen, namentlich den
Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung sowie den Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnissen. Nach der Rechtsprechung darf die in Ortschaften zulässige
allgemeine Höchstgeschwindigkeit nach Art. 4a Abs. 1 VRV nur bei günstigen
Verhältnissen gefahren werden. Das Mass an Sorgfalt, das vom Fahrzeuglenker
verlangt wird, richtet sich nach den gesamten Umständen, namentlich der
Verkehrsdichte, den örtlichen Verhältnissen, der Zeit, der Sicht und den
voraussehbaren Gefahrenquellen. Nach dem aus der Grundregel von Art. 26 Abs. 1
SVG abgeleiteten Vertrauensgrundsatz darf jeder Strassenbenützer darauf vertrauen,
dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer ordnungsgemäss verhalten. Ein solches
Vertrauen ist jedoch nicht gerechtfertigt, wenn Anzeichen dafür bestehen, dass sich ein
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Strassenbenützer nicht richtig verhalten wird oder wenn ein Fehlverhalten eines
anderen Verkehrsteilnehmers auf Grund einer unklaren Verkehrssituation nach der
allgemeinen Erfahrung unmittelbar in die Nähe rückt. Dies wird von Art. 26 Abs. 2 SVG
dahingehend umschrieben, dass besondere Vorsicht geboten ist gegenüber Kindern,
Gebrechlichen und alten Leuten, ebenso wenn Anzeichen dafür bestehen, dass sich
ein Strassenbenützer nicht richtig verhalten wird. Bei Art. 32 Abs. 1, Art. 33 Abs. 1 und
2 SVG, Art. 4 Abs. 1 und 6 Abs. 1 VRV handelt es sich um grundlegende
Verkehrsregeln. Sie sind wesentlich für die Gewährleistung der Sicherheit des
Strassenverkehrs (vgl. zum Ganzen BGer 6B_377/2007 vom 6. Februar 2008 E. 2.4 mit
zahlreichen Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung).
bb) In tatsächlicher Hinsicht ist in Übereinstimmung mit den Polizeiakten und dem
Strafbefehl von folgendem Sachverhalt auszugehen: Ein knapp sechsjähriger Junge,
der einige Meter vor seiner Mutter herging, überquerte die Bahnhofstrasse auf dem
Fussgängerstreifen von links nach rechts. Er ging dabei sehr schnell, beinahe rennend.
Auf der Fahrspur in Richtung B herrschte Kolonnenverkehr, unmittelbar hinter dem
Fussgängerstreifen stand ein Lieferwagen, der die Sicht des von C herkommenden
Verkehrs auf die linke Hälfte des Fussgängerstreifens verdeckte. Als der Rekurrent, der
sein Fahrzeug in Richtung C lenkte, den Jungen hinter dem Lieferwagen
hervorkommen sah, leitete er sogleich eine Vollbremsung ein. Trotzdem konnte er nicht
mehr vor dem Fussgängerstreifen anhalten, sondern erfasste den Jungen auf diesem
frontal mit der Motorhaube. Der Junge kam zu Fall und verletzte sich leicht.
Nicht erstellt ist in tatsächlicher Hinsicht die Annahme der Vorinstanz, dass der
Rekurrent mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 50 km/h auf den Fussgängerstreifen
zugefahren sei. Es trifft zwar zu, dass der Rekurrent in der polizeilichen Befragung
davon sprach, mit 40 bis 50 km/h in Richtung A unterwegs gewesen zu sein. Ob er
jedoch auch im Bereich vor dem Fussgängerstreifen noch mit dieser Geschwindigkeit
gefahren ist, steht nicht fest. Davon ging auch der Strafrichter nicht aus. Hinzu kommt,
dass solche Geschwindigkeitsschätzungen stets zurückhaltend zu würdigen sind und
ein Zeuge unmittelbar nach dem Unfall davon sprach, dass der Rekurrent nicht sehr
schnell unterwegs gewesen sei. Wäre der Rekurrent sodann tatsächlich mit einer
Geschwindigkeit von 40 km/h unterwegs gewesen, hätte sein Anhalteweg selbst bei
einer kurzen Reaktionszeit von 0.7 Sekunden mindestens 15 Meter betragen. Nachdem
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der Rekurrent, als er den Jungen erblickte, gemäss eigenen Angaben nur noch wenige
Meter vom Fussgängerstreifen entfernt war, hätte der Zusammenstoss bei einer
Geschwindigkeit von 40 km/h oder mehr viel heftiger ausfallen müssen.
Da der Sachverhalt, von welchem im Folgenden bei der rechtlichen Würdigung
auszugehen ist, mit der Schilderung des Rekurrenten übereinstimmt und so auch aus
dem Strafbefehl hervorgeht, erübrigen sich sowohl die beantragte Einvernahme
weiterer Zeugen als auch ein Augenschein vor Ort. Es liegt damit auch keine Verletzung
der Beweislast- und Beweiswürdigungsregel „im Zweifel für den Angeklagten“ vor.
d) aa) Gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG begeht eine schwere Widerhandlung, wer
durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Art. 90 Abs. 2 SVG ist objektiv erfüllt, wenn der
Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerwiegender Weise missachtet
und die Verkehrssicherheit abstrakt oder konkret gefährdet hat. Subjektiv erfordert der
Tatbestand, dass dem Täter aufgrund seines rücksichtslosen oder sonst wie
schwerwiegend regelwidrigen Verhaltens zumindest eine grobe Fahrlässigkeit
vorzuwerfen ist. Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinn von Art. 90
Abs. 2 SVG ist bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Die erhöhte
abstrakte Gefahr setzt die naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder
Verletzung voraus (vgl. BGE 123 II 106 E. 2a und 37 E. 1b). Grobe Fahrlässigkeit ist
immer dann zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner
krass verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Sie kann aber auch vorliegen, wenn er
die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht,
also unbewusst fahrlässig handelt. In solchen Fällen bedarf die Annahme grober
Fahrlässigkeit jedoch einer sorgfältigen Prüfung. Sie wird nur zu bejahen sein, wenn
das Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ebenfalls auf
Rücksichtslosigkeit beruht und daher besonders vorwerfbar ist (vgl. BGE 118 IV 283
E. 4). Die Annahme einer schweren Widerhandlung bedarf damit nach wie vor sowohl
einer qualifizierten objektiven Gefährdung als auch eines qualifizierten Verschuldens. Ist
das Verschulden gross, die Gefährdung aber gering oder umgekehrt das Verschulden
gering und die Gefährdung gross, so handelt es sich um eine mittelschwere
Widerhandlung (BBl 1999 S. 4489). Es gelten damit bezüglich der Abgrenzung dieser
Widerhandlungen die bisherigen bekannten Massstäbe. Für die Abstufung innerhalb
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der erhöhten abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr
abzustellen. Je näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt,
umso schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefährdung (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a).
Eine konkrete Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich
daherkommenden Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer
Körperverletzung oder gar Tötung bestand. Erst recht ist eine konkrete Gefahr zu
bejahen, wenn es zu einem Unfall gekommen ist, mit anderen Worten sich die
hervorgerufene Gefahr verwirklicht hat (J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos
1999, S. 12).
Zu beachten ist sodann, dass es im Administrativmassnahmerecht – gleich wie im
Strafrecht – keine Schuldkompensation gibt (vgl. BGer 6B_377/2007 vom 6. Februar
2008 E. 2.3; VRKE IV-2011/27 vom 30. Juni 2011 E. 3d). Dies bedeutet, dass die einem
Fahrzeuglenker anzulastende Sorgfaltspflichtverletzung durch ein allfälliges
schuldhaftes Verhalten eines Dritten grundsätzlich nicht beseitigt werden kann.
bb) Der Rekurrent wurde im Strafverfahren gestützt auf den Polizeirapport und die
polizeilichen Befragungen von Beteiligten und weiteren Zeugen im Anschluss an den
Unfall mit Strafbefehl vom 9. September 2015 wegen einfacher
Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 1 SVG (Nichtgewähren des Vortritts am
Fussgängerstreifen) schuldig gesprochen. Er wurde durch die Staatsanwaltschaft
weder befragt, noch hat diese weitere Untersuchungen angestellt. Unter diesen
Umständen ist die Verwaltungsbehörde nicht zwingend an die rechtliche Würdigung
der Strafverfolgungsbehörde gebunden. Zu prüfen bleibt gleichwohl, ob die Vorinstanz
zu Recht von der rechtlichen Beurteilung im Strafverfahren abgewichen ist.
Die Vorinstanz begründete die Annahme einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften in ihrer Verfügung vom 8. Dezember 2015 damit, dass
der Rekurrent die Pflicht gehabt habe, vorsichtig an den Fussgängerstreifen heran zu
fahren beziehungsweise vor dem Streifen zu halten, zumal die Sicht auf die linke
Strassenseite durch den Gegenverkehr verunmöglicht worden sei und er damit habe
rechnen müssen, dass von der linken Strassenseite her Fussgänger den
Fussgängerstreifen überqueren könnten. Dieser Pflicht sei er nicht nachgekommen, in
dem er rücksichtslos mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 50 km/h auf den
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unübersichtlichen Fussgängerstreifen zugefahren sei. Durch dieses Fehlverhalten habe
er grob schuldhaft einen Verkehrsunfall verursacht und dabei das Kind konkret
gefährdet beziehungsweise verletzt. Damit liege ein schwerer Fall gemäss Art. 16c Abs.
1 SVG vor.
cc) Der Umfang der Sorgfalt, welche der Rekurrent zu beachten hatte, richtet sich nach
den eingangs genannten Bestimmungen des SVG und der VRV. Der Fahrzeugführer
muss insoweit Sicht auf die gesamte Strasse und das Trottoir in der Nähe des
Fussgängerstreifens haben und hat – sofern dies nicht der Fall ist – die
Geschwindigkeit so zu verlangsamen, dass er jederzeit bei überraschend
auftauchenden Fussgängern anhalten kann (Ph. Weissenberger, Kommentar zum
Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl. 2015, N 5 zu Art. 33
SVG). Dies ergibt sich aus dem Umstand, dass ein Fussgänger, der sich bereits auf
einem Fussgängerstreifen ohne Mittelinsel befindet, auf der gesamten Fahrbahnbreite
uneingeschränkten Vortritt geniesst (BSK SVG-Roth, Basel 2014, N 15 und 19 zu Art.
49 SVG). Demzufolge hätte der Rekurrent die Geschwindigkeit vor dem
Fussgängerstreifen, der für ihn von weitem ersichtlich und dessen eine (von ihm aus
gesehen linke) Hälfte von einem Lieferwagen verdeckt war, soweit verlangsamen
müssen, dass er für den Fall, dass ein Fussgänger die Strasse hinter dem Lieferwagen
überqueren würde, noch vor dem Fussgängerstreifen hätte anhalten und diesem den
Vortritt gewähren können. Kann der Fussgängerstreifen nicht voll überblickt werden, ist
mit Fussgängern im verdeckten Bereich stets zu rechnen (BGer 6P.54/2002 vom
22. November 2002 E. 2.2.5). Dies gilt insbesondere auch für Kinder, die man aufgrund
ihrer Körpergrösse hinter den Fussgängerstreifen verdeckenden Fahrzeugen kaum
erkennen kann. Indem das Fahrzeug des Rekurrenten trotz sofort eingeleiteter
Vollbremsung nicht vor dem Fussgängerstreifen zu stehen kam, hatte dieser seine
Geschwindigkeit nicht den örtlichen Gegebenheiten und Sichtverhältnissen angepasst
und den Vortritt des sich bereits auf dem Fussgängerstreifen befindlichen Jungen nach
Art. 33 Abs. 2 SVG verletzt. Keine Rolle spielt, dass der Junge sehr schnell ging oder
beinahe rannte. Auch wenn der Junge sich in normalem Tempo fortbewegt hätte, wäre
der Rekurrent, nachdem er ihn hinter dem Lieferwagen hätte hervorkommen sehen,
nicht vor dem Fussgängerstreifen zum Stillstand gekommen. Allenfalls wäre es nicht zu
einem Zusammenstoss gekommen, das Vortrittsrecht des Jungen wäre aber auf jeden
Fall verletzt worden. Genau dies – und nicht die daraus folgende Kollision und
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Körperverletzung – wird ihm denn auch vorgeworfen. Hinzu kommt, dass das Verhalten
des Kindes den Kausalzusammenhang nicht zu unterbrechen vermag. Zwar hat dieses
durch sein unvorsichtiges Hervortreten hinter dem Lieferwagen die ihm nach Art. 49
Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRV obliegende Sorgfaltsplicht, wonach
Fussgänger, besonders vor und hinter haltenden Wagen, behutsam auf die Fahrbahn
zu treten haben, verletzt. Ein solches Fehlverhalten liegt jedoch nicht derart weit
ausserhalb der normalen Lebenserfahrung, dass damit schlechterdings nicht gerechnet
werden muss, ist es doch keineswegs aussergewöhnlich, dass vor allem Kinder – aber
bisweilen auch Erwachsene – über den Fussgängerstreifen rennen. Aus dem Umstand,
dass der Junge mit seiner Mutter unterwegs war, kann der Rekurrent ebenfalls nichts
zu seinen Gunsten ableiten. Einerseits konnte er dies überhaupt nicht erkennen,
nachdem die Sicht auf die linke Strassenseite für ihn komplett verdeckt war.
Andrerseits wurde der Junge von der Mutter nicht festgehalten, sondern ging einige
Meter vor ihr her. Aus der blossen Anwesenheit einer erwachsenen Person, die das
Kind beaufsichtigt, darf nicht geschlossen werden, dass das Kind nicht in den Verkehr
geraten oder sich regelkonform verhalten werde (BSK SVG-Fiolka, N 60 zu Art. 26
SVG). Es ist auch nicht so, dass der knapp sechsjährige Junge zwingend auf Schritt
und Tritt von seiner Mutter zu beaufsichtigen gewesen wäre. Kinder, welche den
Kindergarten besuchen, bewegen sich häufig alleine im Strassenverkehr. Es kann
daher nicht von einem Drittverschulden gesprochen werden, welches derart schwer
wiegen würde, dass es den Tatbeitrag des Rekurrenten in den Hintergrund drängen
und dessen Verschulden in einem günstigeren Licht erscheinen lassen würde (vgl.
BGer 6B_377/2007 vom 6. Februar 2008 E. 2.3; 6B_16/2008 vom 11. April 2008 E. 3.2
f.).
dd) Entgegen der rechtlichen Würdigung des Strafrichters, welcher in nicht mehr
vertretbarer Ermessensausübung von einem Mitverschulden des Jungen und damit von
einer unzulässigen Schuldkompensation ausging, missachtete der Rekurrent die
wichtige Verkehrsvorschrift des Gewährens des Vortritts auf dem Fussgängerstreifen in
objektiv schwerwiegender Weise. Die Verkehrssicherheit wurde dadurch konkret
ernstlich gefährdet. Selbst wenn es bei einer langsameren Gehgeschwindigkeit des
Jungen nicht zu einer Kollision gekommen wäre, läge zumindest eine erhöhte abstrakte
Gefährdung der Verkehrssicherheit vor.
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Auch das Verschulden des Rekurrenten wiegt schwer. Angesichts der aufgrund des
Kolonnenverkehrs nicht günstigen Verhältnisse bremste er nicht genügend ab, um
allfälligen Fussgängern den Vortritt zu gewähren. Damit hat er eine elementare
Verkehrsregel verletzt, deren Missachtung zu schweren Verletzungen führen kann.
Nach wie vor ist der Rekurrent der Ansicht, dass der Unfall hauptsächlich vom Jungen
und von dessen diesen nicht genügend beaufsichtigenden Mutter verursacht worden
sei. Da gerade das Verkennen sich aufdrängender Risiken Ausdruck besonderer
Gleichgültigkeit oder Rücksichtslosigkeit sein kann, ist zumindest von
Grobfahrlässigkeit auszugehen (vgl. BGer 6B_377/2007 vom 6. Februar 2008 E. 2.9).
d) Zusammengefasst ist daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz von der
rechtlichen Beurteilung durch die Strafbehörden abwich und das Verhalten des
Rekurrenten als schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im
Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG qualifizierte.
4.- Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Der Führerausweis
wird nach einer schweren Widerhandlung für mindestens drei Monate entzogen (Art.
16c Abs. 2 lit. a SVG). Diese Mindestentzugsdauer hat die Vorinstanz verhängt,
weshalb die angefochtene Verfügung auch hinsichtlich der Massnahmedauer zu
bestätigen und die berufliche Angewiesenheit auf den Führerausweis nicht
massnahmemindernd berücksichtigt werden kann.
5.- Auf den Antrag des Rekurrenten, ihm sei während des Entzugs die Erlaubnis zu
erteilen, die Spezialkategorieten G und M zu führen, ist angesichts der Ausführungen
unter dem Vermerk „Bewilligungen“ in der angefochtenen Verfügung nicht näher
einzugehen. Daraus geht klar hervor, dass der Rekurrent während des
Entzugsverfahrens berechtigt bleibt, sowohl landwirtschaftliche Motorfahrzeuge bis 40
km/h für landwirtschaftliche Fahrten (Kat. G) als auch Motorfahrräder (Kat. M) zu
führen.
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6.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine ausseramtliche
Entschädigung (Art. 98 VRP).