Decision ID: f422b949-3388-59f0-b592-55a524328d5b
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1982, seit 2004 als Polizistin bei der
Y._
tätig und damit bei der Unfallversicherung der Stadt Zürich unfallversichert, zog sich am 1
0.
März 2009 bei einem Fallschirmabsprung Verletzungen zu (
Urk.
8/G1).
Die Unfallversicherung der Stadt Zürich stellte die von ihr bis dahin erbrachten Leistungen mit Verfügung vom 1
4.
Dezember 2011 per 2
2.
November 2011 ein (
Urk.
8/G28
=
Urk.
3/3
). Die von der Versicherten dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
8/G30
/1
=
Urk.
3/4
;
Urk.
8/G36/1
=
Urk.
3/5
) wies sie mit
Einspracheent
scheid
vom 1
3.
August 2012 ab (
Urk.
8/G37 =
Urk.
2).
1.2
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
3.
August 2012 (
Urk.
2) erhob die Versi
cherte am 1
7.
September 2012 Beschwerde und beantragte zur Hauptsache, dieser sei aufzuheben und es seien ihr weiterhin die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen, insbesondere Taggelder basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 20
%
, eventuell eine entsprechende Rente, ferner eine
Integritätsentschädi
gung
von 10
%
sowie die Heilungskosten (
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
1).
Die Unfallversicherung der Stadt Zürich beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
5.
Oktober 2012 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde.
Am
7.
Februar 2013 erstattete die Beschwerdeführerin eine Replik (
Urk.
14) und am 1
2.
Februar 2013 (
Urk.
17) reichte sie weitere Unterlagen (
Urk.
18) ein. Am 2
5.
Februar 2013 erstattete die Beschwerdegegnerin eine Duplik (
Urk.
21), was der Beschwerdeführerin am 2
7.
Februar 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
22).
Am
4.
März 2014 (
Urk.
27) reichte die Beschwerdeführerin - auf Aufforderung des Gerichts (
Urk.
25) - weitere Unterlagen (
Urk.
28/1-4) ein.
1.3
Am 1
4.
April 2014 fand eine Instruktionsverhandlung mit persönlicher Befra
gung der Beschwerdeführerin statt (Prot. S. 7 ff. =
Urk.
31).
Am
2.
Juni 2014 stellte die Beschwerdeführerin ein den Referenten betreffendes
Ausstandsbegehren
(
Urk.
33). Mit Beschluss vom 1
1.
August 2014, an welchem der Referent nicht mitwirkte, wurde das
Ausstandsbegehren
abgewiesen (
Urk.
37). Dieser
Beschluss
ist in Rechtskraft erwachsen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Vorab ist auf prozessuale Anträge der Beschwerdeführerin einzugehen.
Mit der Beschwerde beantragte sie unter anderem, es „sei eine öffentliche Ver
handlung durchzuführen, mit Befragung der angegebenen Zeugen und der Beschwerdeführerin“ (
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
3).
Auf
Nachfrage des Gerichts erklärte die Beschwerdeführerin am
8.
Januar 2014, dass sie trotz zweitem Schriftenwechsel am Antrag auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung festhalte (
Urk.
24).
Am 1
2.
März 2014 wurde zur Parteibefragung und Instruktionsverhandlung vor
geladen (
Urk.
29), dies unter anderem mit dem Hinweis auf die Mitwirkung des Referenten und der Gerichtsschreiberin (S. 1 unten). Am
1
4.
April 2014 fand die Instruktionsverhandlung statt (
Urk.
31).
Zusammen mit dem
Ausstandsbegehren
(
Urk.
33) beantragte die Beschwerde
führe
rin, es „sei eine öffentliche Verhandlung des Gerichts durch
zuführen und es seien die beantragten Zeugeneinvernahmen durchzuführen“ (S. 1
Ziff.
2); in der Begründung (S.
1 f.) wurde auf diesen Antrag kein Bezug genommen.
In einer weiteren Stellungnahme vom 2
9.
Juli 2014 (
Urk.
36) wies die Beschwer
deführerin auf
Art.
6
Ziff.
1 der Europäischen
Menschenrechtskonven
tion
(EMRK) hin (S. 1 f.
Ziff.
2)
, aus welchem sie
schloss, vorliegend seien die Zeugen anzuhören und es sei eine öffentliche Gerichtsverhandlung durchzu
führen, keine blosse Referentenaudienz (S. 2 oben).
1.2
Aus der auf das sozialversicherungsgerichtliche Beschwerdeverfahren unmittel
bar anwendbaren Bestimmung von
Art.
6
Ziff.
1 EMRK ergeben sich nach herrschender Rechtsauffassung im Wesentlichen vier Verfahrensgarantien, nämlich der Anspruch auf Zugang zu einem gesetzlich vorgesehenen, unab
hängigen und unparteilich zusammengesetzten Gericht, das Recht auf Fairness im Verfahren, das Recht auf Öffentlichkeit der Verhandlungen und der Urteils
verkündung sowie der Anspruch auf eine angemessene Verfahrensdauer (BGE 122 V 157 E. 2a mit Hinweisen).
Das Gebot der Fairness des Verfahrens beinhaltet insbesondere den Anspruch auf persönliche Teilnahme am Verfahren, das Recht auf Waffengleichheit (wozu namentlich das Recht auf gleichen Aktenzugang und auf Teilnahme am
Beweis
verfahren
gehört) und den Anspruch auf rechtliches Gehör. Die EMRK statuiert jedoch kein umfassendes Recht auf Beweis und spricht sich insbesondere zur Frage der Zulässigkeit und des Beweiswertes von Beweismitteln nicht aus. Nach der Praxis der EMRK-Organe bleibt es Sache der Vertragsstaaten, die Frage der Beweismittel und die Grundsätze der Beweiswürdigung zu regeln. Die Überprü
fung durch die EMRK-Organe beschränkt sich auf die Fairness des Verfahrens
als Ganzes und ändert insbesondere an der aus
Art.
29
Abs.
2
der Bundesver
fassung (
BV
)
(vgl.
Art.
4 der alten Bundesverfassung,
aBV
) abgeleiteten Zuläs
sigkeit der antizipierten Beweiswürdigung durch den Richter nichts. Das Bun
desgericht hat denn auch wiederholt festgestellt, dass
Art.
6 EMRK in Bezug auf die Zulässigkeit antizipierter Beweiswürdigung unter dem Gesichtspunkt des rechtlichen Gehörs keine weitergehenden Rechte verschafft, als sie die Recht
sprechung aus
Art.
4
aBV
hergeleitet hat. Das Gleiche gilt hinsichtlich der von der Konvention garantierten Unparteilichkeit des Gerichts (BGE 122 V 157 f. E.
2b).
Der Antrag auf öffentliche Verhandlung im Sinne von
Art.
6
Ziff.
1 EMRK muss klar und unmissverständlich vorliegen
(BGE 122 V 47 E. 3a)
.
1.3
Die Beschwerdeführerin hat mit ihrer Beschwerde eine öffentliche Verhandlung beantragt und auf Nachfrage darauf bestanden, dass auch nach erfolgtem Schriftenwechsel eine mündliche Verhandlung stattfinde. Als daraufhin zu einer Instruktionsverhandlung vorgeladen wurde, machte die Beschwerdeführerin nicht geltend, dies entspreche nicht dem von
ihr
Verlangten. Auch im Rahmen der Instruktionsverhandlung selber äusserte sie keinerlei Vorbehalte gegen das Format der Verhandlung; insbesondere machte sie auch bei dieser Gelegenheit nicht geltend, ihr Antrag wäre als solcher auf eine Hauptverhandlung zu ver
stehen gewesen.
Vor diesem Hintergrund kann sie nicht mit Erfolg geltend machen, sie habe recht
zeitig eine Verhandlung im Sinne von
Art.
6
Ziff.
1 EMRK beantragt.
Der von ihr zuerst gestellte Antrag war diesbezüglich unspezifisch, und sie
hat sich
in der Folge vorbehaltlos auf das Verfahren eingelassen, wie es vom Gericht gemäss seinem Verständnis des gestellten Antrags geführt wurde.
Dass mit einer abermaligen Verlängerung des Verfahrens auch die
Berufs
inva
li
di
tätsrente
von 20
%
(vgl. E. 4.14) noch länger ausgerichtet
werden dürfte
, wurde von der Beschwerdeführerin zwar nicht ausgeführt;
es wäre jedoch
auch dies kein Grund, nach durchgeführtem zweiten Schriftenwechsel und der bereits erfolgten Instruktionsverhandlung
nun
auch noch eine Haupt
verhandlung
durchzuführ
en.
1.4
Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst auch das Recht, Beweisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Auf weitere Beweisvorkehren kann
unter anderem
dann verzichtet werden, wenn von vornherein gewiss ist, dass der angebotene Beweis keine Abklärun
gen herbeizuführen vermag. Gelangt die Verwaltung oder der Richter bei
pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, der Sachverhalt, den eine Partei beweisen will, sei nicht rechtserheblich oder der angebotene Beweis ver
möge keine Abklärungen herbeizuführen, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. In der damit verbundenen antizipierten Beweiswürdigung kann kein Verstoss gegen das rechtliche Gehör nach
Art.
29
BV erblickt werden (
vgl.
BGE
122 V 157 E. 1d).
1.5
Die Beschwerdeführerin beantragte mit ihrer Beschwerde
(
Urk.
1)
unter anderem die Befragung
der angegebenen Zeugen (S. 2
Ziff.
3). Von den als Zeugen offe
rierten Personen (S. 6
Ziff.
7) haben sich deren drei (die
Mutter,
der
Lebens
partner und ein Arbeitskollege
)
bereits schriftlich geäussert (vgl.
Urk.
8/G30/5-
7)
; ihre Angaben wurden überdies in der Beschwerde noch einmal referiert (S. 6 f.
Ziff.
8)
.
Dass darüber hinaus deren mündliche Aussagen einen
Erkenntnisge
winn
zu vermitteln vermöchten, ist weder ersichtlich noch geltend gemacht worden.
Bei drei weiteren Personen handelt es sich um Vorgesetzte der Beschwerde
führe
rin; dass im Vergleich zur am 1
9.
Dezember 2011 erfolgten Standort
bestimmung und Besprechung mit dem Arbeitgeber, über die am 2
4.
Januar 2012 berichtet wurde (
Urk.
8/G30/4), zusätzliche mündliche Aussa
gen neue Erkenntnisse ergeben könnten, ist nicht ersichtlich und auch nicht geltend gemacht worden.
Auf die beantragte Beweisvorkehr ist deshalb zu verzichten.
2.
2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
setzt zunächst voraus, dass zwischen dem
Unfall
ereignis
und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natür
licher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der einge
tretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittel
bare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene
gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2
.2
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 2
6.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45; BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
). Da es sich
hiebei
um eine
anspruchs
aufhebende
Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu
sammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr. U 142 S.
76).
2.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.4
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Dies gilt mit Blick auf die
im Rahmen der Beweiswürdigung relevante Ver
schiedenheit von Behandlungsauftrag einerseits und Begutachtungsauftrag ande
rer
seits (
Urteil 9C_629/2012 vom 3
1.
Oktober 2012 E. 2.2;
vgl. BGE 124 I
170 E. 4
)
auch für Stellungnahme
n
von langjährig behandelnden medizi
ni
schen Fachpersonen.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus, die erhobenen neurologischen Befunde seien gemäss der Einschätzung des Gut
achters so minim, dass sie nicht zu klinisch relevanten Funktionsstörungen führten (S. 3
lit
. d). Bei der neuropsychologischen Begutachtung im November 2011
habe
eine allgemein
e
kognitive Leistungsfähigkeit im überdurchschnittli
chen Bereich festgestellt werden können. Im Vergleich zu 2009 habe sich eine positive und sehr erfreuliche Entwicklung der kognitiven Funktionen gezeigt (S.
3 f.
lit
. e).
Im von der Beschwerdeführerin im März 2012 bei der früher behan
delnden Neuropsychologin eingeholten Gutachten sei di
e Begründung für die
attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20
%
nicht überzeugend (S. 4
lit
. g).
3.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), es obliege der Beschwerdegegnerin, den behaupteten Wegfall des natürlichen Kausalzusammenhanges zu beweisen (S. 3
Ziff.
4). Mit einer neuropsychologi
schen Untersuchung, die zwei bis maximal vier Stunden dauere, könne unmög
lich festgestellt werden, ob jemand an einer erhöhten Ermüdbarkeit leide, wel
che dann erst nach acht oder zehn Stunden auftrete (S. 5 oben). Im Unterschied dazu basiere das von ihr veranlasste neuropsychologische Gutachten auf einer Untersuchung, die nach sechs bereits absolvierten Arbeitsstunden erfolgt sei (S.
8
Ziff.
11).
3.3
Strittig und zu prüfen ist
in erster Linie
, ob die Beschwerdeführerin im Zeit
punkt des angefochtenen Entscheids noch unter
durch den
200
9
erlittenen Unfall versursachten Beeinträchtigungen leidet, welche die Arbeitsfähigkeit ein
schränken.
4.
4.1
Dr.
med.
Z._
, Neurologie FMH, Physikalische Medizin und Rehabilita
tion FMH, berichtete am
2.
April 2009 über seine Untersuchungen vom 2
5.
März und
1.
April 2009 (
Urk.
8/M2).
Er nannte folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
Status nach Sturz bei Fallschirmabsprung am 1
0.
März 2009 mit
traumatischer Hirnverletzung mit diversen kleinen Läsionen
bifrontal
, links temporal und
occipital
und im Corpus
callosum
Weichteilquetschungen rechtes Bein, Schürfungen im Gesicht
möglicherweise durchgemachte
Contusio
labyrinthi
Insgesamt habe er der Beschwerdeführerin eine gute Prognose gestellt, sie aber gleichzeitig darauf aufmerksam gemacht, dass die Erholung viel Zeit beanspru
chen werde (S. 4 oben).
4.2
Am
6.
April 2009 berichtete
lic
. phil.
A._
, Fachpsychologin für Neuropsy
chologie FSP, an
Dr.
Z._
über ihre am 3
1.
März 2009 durchge
führte Untersuchung (
Urk.
8/M1 Beilage)
und
nannte als neuropsychologische Diagnose eine mittelschwere Störung (S. 1 Mitte).
In der Beurteilung führte sie aus, drei Wochen nach traumatischer
Hirnver
letzung
imponierten vor dem Hintergrund eines guten intellektuellen Leistungs
niveaus vor allem die rasche Ermüdbarkeit, der reduzierte Antrieb, die deutlich verlangsamte Informationsverarbeitung und die rasche affektiv-emotionale Anrührbarkeit (S. 3 unten).
Sollten die bei der voraussichtlich guten Spontanerholung allfällig auftretenden Schwierigkeiten nicht eigenständig überwunden werden können, empfehle sie eine spezifische neuropsychologische Behandlung (S. 4 oben).
4.3
Vom 1
0.
Juni bis 1
0.
September 2009 weilte die Beschwerdeführerin stationär in der
Klinik B._
, worüber am 1
0.
September 2009 berichtet wurde (
Urk.
8/M9
; vgl. auch den neuropsychologischen Bericht vom
7.
September 2009,
Urk.
8/M30
). Darin wurde ein
e
Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab 1
0.
Sep
tember 2009 für 4-6 Monate attestiert, verbunden mit der Empfehlung
zur probeweisen (reduzierten) Arbeitsaufnahme (S. 2 oben).
4.4
Dr.
Z._
(vorstehend E. 4.1) berichtete am 1
6.
November 2009, 8 Monate nach traumatischer Hirnverletzung zeigten sich erfreulicherweise weitere Ver
besserungen (
Urk.
8/M11 S. 2).
Am
7.
Januar 2010 attestierte er eine aktuelle Arbeitsfähigkeit von 30-50
%
(
Urk.
8/M14 S. 2 oben).
Am
1.
Februar 2010 berichtete er über erneut leichte Verbesserungen (
Urk.
8/M16 S. 2 Mitte).
4.5
Am
4.
Februar 2010 berichtete
Dr.
med.
C._
, Innere Medizin FMH, über seine Abklärung im Auftrag der zuständigen Vorsorgeeinrichtung (
Urk.
8/M17). Er
führte unter anderem aus, aufgrund des bisherigen Verlaufs sei weiterhin von einer guten Prognose auszugehen (
Ziff.
10).
4.6
Am 1
2.
August 2010 berichtete
lic
. phil.
A._
(vorstehend E. 4.2) über die gleichentags erfolgte Konsultation (
Urk.
8/M20). Sie führte unter anderem aus, erfreulicherweise leiste die Beschwerdeführerin seit dem
1.
Juli 2010 mittler
weile wieder normalen Streifendienst zu zweit. Dabei falle ihr (der Beschwer
deführerin) noch eine erhöhte Ablenkbarkeit und Ermüdbarkeit auf (S.
1).
Am 1
5.
November 2010 erstattete
lic
. phil.
A._
einen Abschlussbericht (
Urk.
8/M22).
Sie führte aus, anlässlich der letzten Therapiesitzung vom
1
0.
November 2010 sei sie mit der Beschwerdeführerin übereingekommen, die neuropsychologische Behandlung zu sistieren. Die Evaluation der vor einem Jahr vereinbarten Therapieziele habe ergeben, dass sich Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit deutlich verbessert und die Ablenkbarkeit sich zurückge
bildet habe (
Ziff.
1). Die Beschwerdeführerin könne wieder vollumfänglich auf die Fähigkeit zurückgreifen, die eigenen Gefühle und das eigene Befinden wahr
zunehmen und im sozialen Kontakt besser zu regulieren (
Ziff.
2). Sport und Hobbies könne sie ebenfalls nach Massgabe der sonst zu bewältigenden Aufga
ben wieder angemessen in den Alltag integrieren (
Ziff.
3).
4.7
Dr.
Z._
berichtete am
5.
Dezember 2010
, insgesamt zeige sich eine weitere erfreuliche Entwicklung, dies bei (klar ersichtlich am erhöhten Schlafbedarf und den Kopfschmerzen bei noch zu grossen Einsätzen)
sicher noch begrenzter Leistungsfähigkeit
(
Urk.
8/M23
S. 2
)
.
4.8
Dr.
C._
(vorstehend E. 4.5) berichtete
am
2
7.
Januar 2011
unter anderem, das Gespräch mit der Case Managerin und dem Vorgesetzten habe die guten Leis
tungen bei den Arbeitseinsätzen bestätigt, weshalb die probeweise Einteilung in den vollen Dienst im Januar 2011 geplant sei
(
Urk.
8/M24
Ziff.
11
)
.
Dr.
Z._
berichtete am
2.
Februar 2011
, die Arbeitsfähigkeit werde probe
weise auf 100
%
gesetzt
(
Urk.
8/M25)
.
4.9
Dr.
C._
berichtete am
3
1.
Mai 2011
, die Beschwerdeführerin beschreibe eine fortbestehende noch begrenzte Leistungsbereitschaft mit erhöhtem Schlafbedarf und rascherer Ermüdbarkeit. Hauptsächlich nach den Nachtdiensten fehle ihr eine genügende Erholungszeit. Mit dem aktuellen Pensum von 80
%
seit dem
1.
April 2011
, mit 72 Stunden Kompensationszeit nach den Nachtdiensten, stünde ihr nun genügend Zeit zur Verfügung. In der Freizeit bestreite sie wei
terhin ein Jura-Fernstudium, welches nach ihren Angaben einen durchschnittli
chen Zeitaufwand von 11⁄2
Stunden pro Tag bedeute, wobei sie den Lernstoff
während der Anfahrt im Zug zur Arbeit (von
D._
nach
E._
) ohne subjek
tiv empfundene Zusatzbelastung bearbeite
(
Urk.
8/M26
Ziff.
3 am Ende
)
.
4.10
Am
1
5.
November 2011
erstattete Prof.
Dr.
rer
. nat.
F._
ein neuropsy
chologisches Teilgutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/M31)
.
Er hielt zusammenfassend fest, dass sich sämtliche geprüften höheren
Hirn
funkti
onen
in der aktuellen Untersuchung alters- und bildungsadäquat gezeigt hätten. Es hätten sich keine klinisch relevanten neuropsychologischen
Funktions
beeinträchtigungen
objektivieren lassen, welche im Zusammenhang mit der stattgehabten Hirnverletzung am 1
0.
März 2009 stehen könnten. Im Vergleich zu den neuropsychologischen Ergebnissen aus dem Jahr 2009 zeige sich eine positive und sehr erfreuliche
Erholung der kognitiven Funktionen. Die von der Versicherten berichteten subjektiven kognitiven Beeinträchtigungen, insbesondere eine erhöhte Ermüdbarkeit und die verlängerte Erholungszeit nach Nachtdiensten, könne mit neuropsychologischen Untersuchungsmethoden nicht erfasst werden (S. 12 Mitte).
Ein
Zusammenhang
zwischen dem
Unfall
vom 1
0.
März 2009 und der angegebe
nen gesteigerten Ablenkbarkeit und Ermüdbarkeit am Arbeitsplatz, einem erhöhten Schlafbedarf
und längeren Erholungszeiten nach Nachtdiensten könne
gegeben sein
; die Beschwerden seien jedoch mittels neuropsychologi
scher Untersuchungsmethoden nicht objektivierbar gewesen; zur Klärung mög
licher Ursachen werde gegebenenfalls eine fachärztliche
somnologische
Unter
suchung empfohlen
(S. 12
Ziff.
1.1).
4.11
Am
2
2.
November 2011
erstattete
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neuro
logie FMH, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
8/M32)
.
Als aktuelle Beschwerden nannte er eine Tagesmüdigkeit mit erhöhtem Schlafbe
dürfnis von aktuell 10 (bei vor dem Unfall 5-6) Stunden, eine ver
mehrte Ablenkbarkeit und
eine ungewöhnliche Lärmempfindlichkeit (S. 7 f.). Aktu
ell fänden keine Therapien mehr statt. Sämtliche Beschwerden hätten sich inzwischen merklich gebessert, so dass die Beschwerdeführerin auch heute ihre bisherige Tätigkeit als Polizistin wieder zu 80
%
ausüben könne. In der
Präsenz
zeit
am Arbeitsplatz fühle sie sich zu 100
%
belastbar, es fehle jedoch an Aus
dauer, was die fortbestehende Einschränkung von 20
%
begründe (S. 8 Mitte).
Zum am 1
4.
Juli 2009 erstellten MRI führte er unter anderem aus, es fänden sich allenfalls kleinste fokale
Hämosiderinablagerungen
frontal beidseits bei ansonsten regelrechter Darstellung der
Hirnparenchymstrukturen
(S. 7
Ziff
II).
Über das 2006 aufgenommene Jura-Fernstudium berichtete der Gutachter, die Beschwerdeführerin habe dieses bereits erfolgreich zu 2/3 abgeschlossen.
Si
e
habe
diese Ausbildung von Frühling 2008 bis Herbst 2010
unterbrochen, weil sie sich wegen eines traumatischen Erlebnisses im November 2007 psychisch nicht ausreichend belastbar gefunden habe. Aktuell liege sie wieder einigerma
ssen im Zeitplan (S. 9 unten). Sie wende pro Semester fünf Samstage (Präsenz
pflicht) und pro Woche durchschnittlich vier Stunden im Selbststudium - dies meist auf dem Arbeitsweg von etwa dreissig Minuten mi
t
dem öffentlichen Ver
kehr - dafür auf (S. 10 oben).
Zusammenfassend führte der Gutachter aus, die Beschwerdeführerin habe sich am 1
0.
März 2009 eine traumatische Hirnverletzung (TBI) zugezogen. Im Ver
lauf einer stationären Rehabilitation habe sie sich gut von den Verletzungen erholt (S. 12).
Seit April 2011 realisiere sie eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
im normalen Streifendienst im Schichtbetrieb. Im Vordergrund der subjektiven Beschwerden stehe eine erhöhte Ermüdbarkeit, die teilweise mit einer erhöhten Gesamtschlafzeit kompensiert werde (S. 13 oben). Die letzte bildgebende Untersuchung (MRI vom 1
4.
Juli 2009) habe persistierende minimale
Hämo
siderinreste
im Bereich des Frontalhirns auf beiden Seiten als Ausdruck der stattgehabten TBI gezeigt. Die Befunde seien so minim, dass sie nicht zu klinisch relevanten Funktionsstörungen führten (S. 13 Mitte). Bei den zusätzlich durchgeführten
neuropsychologische
n Untersuchungen hätte
n
sich keine klinisch relevanten und obj
ektivierbaren
neuropsychologische
Funktionsbeein
trächtigungen
mehr ergeben, so dass im Ergebnis von einer erfreulichen Erho
lung der kognitiven Funktionen auszugehen sei. Die aktuell zu erhebenden neurologischen und neuropsychologischen
Befunde begründeten keine Ein
schränkung mehr in der angestammten Tätigkeit als Verkehrspolizistin (S. 13 unten).
Die Frage, ob die bestehenden Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlich
keit auf das Ereignis vom 1
0.
März 2009 zurückzuführen seien, verneinte der Gutachter, dies mit dem Hinweis, weder somatisch-neurologisch noch neu
ropsychologisch lägen heute noch objektivierbare Beschwerden vor (S.
14
Ziff.
1.1). Auf neurologischem und neuropsychologische
m
Gebiet sei keine unfallkausale Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr ausgewiesen (S.
14
Ziff.
2.1). Die Arbeitsfähigkeit als Polizistin sei mit 100
%
zu beurteilen (S. 14
Ziff.
2.2a).
Eine Integritätsschädigung bestehe nicht (S. 15
Ziff.
4.1).
4.12
Am 2
4.
Januar 2012 äusserte sich
Dr.
Z._
(vorstehend E. 4.1) zum eingehol
ten Gutachten und zur zwischenzeitlich erfolgten Leistungseinstellung durch die Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/M33 =
Urk.
3/7). Er führte unter anderem aus, er habe der Beschwerdeführerin empfehlen müssen, den Entscheid, der sich auf eine Begutachtung mit absolut nicht nachvollziehbarer Schlussfolgerung stütze,
nicht zu akzeptieren (S. 2 Mitte). Inzwischen (bei der Mutter, dem Lebenspartner und einem Arbeitskollegen) eingeholte Fremdauskünfte
bestätig
ten alle die noch deutlich erhöhte Ermüdbarkeit wie auch eine vermehrte
Lärm
empfindlichkeit
(S. 2).
4.13
Am
2
1.
März 2012
berichtete
lic
. phil.
A._
(vorstehend E. 4.2) über ihre am
2
8.
Februar 2012 durchgeführte neuropsychologische Untersuchung
(
Urk.
8/G36
/1
)
.
Als Angaben der Beschwerdeführerin wurde unter anderem
ausgeführt, der Ver
such, ab Anfang 2011 zu 100
%
zu arbeiten, habe Anfang April 2011 gestoppt werden müssen; sie sei eigentlich nur noch müde gewesen und habe sich nicht mehr erholen können. Seither sei sie zu 80
%
arbeitstätig (S. 3 unten). Das 2006 begonnene Jura-Fernstudium habe sie 2010 nach einem zweijährigen
Unter
bruch
wieder aufgenommen und inzwischen zu 2/3 absolviert (S. 4 oben).
Weiter berichtete
lic
. phil.
A._
über im Fragebogen Fremdbeurteilung von der Mutter und dem Lebenspartner der Beschwerdeführerin angegebene
- näher beschriebene - Verhaltensweisen der Beschwerdeführerin (S. 4 Mitte).
In der
Beurteilung
führte sie aus, wie bei der Abklärung im Oktober 2011 (vorste
hend E. 4.
10
) hätten sich eine gute Konzentrationsleistung, unauffällige Lern- und Gedächtnisleistungen, gute sprachliche und visuell-räumliche Funk
tionen und Hinweise auf eine überdurchschnittliche intellektuelle Leistungsfä
higkeit gezeigt (S. 7 Mitte). Um die Beanspruchung durch die Anforderungen des Alltags bestmöglich abzubilden, sei die Untersuchung an einem Nachmittag (13.00-17.15 Uhr) durchgeführt worden, nachdem die Beschwerdeführerin die erste Hälfte ihres Dienstes (06.30-12.30) gearbeitet habe. Gegen Ende der Untersuchung habe sich bei einzelnen Anforderungen eine erheblich verzögerte Reaktionslatenz auf kritische Stimuli, bei nach wie vor guter Fokussierung der Aufmerksamkeit (kaum Fehler oder Auslassungen) gezeigt (S. 7 unten). Der Ver
gleich mit der ersten neuropsychologischen Untersuchung vom 3
1.
März 2009 (vorstehend E. 4.2) zeige eine sehr weitgehende Erholung der damals ausgeprägt vorliegenden Ermüdbarkeit, der Antriebsreduktion, der verlangsamten Informa
tionsverarbeitung, der affektiv-emotionalen
Labilisierung
und der damals deut
lichen Aufmerksamkeits- und Frischgedächtnisstörungen (
S. 7 f
.).
Insgesamt p
ersistier
e aber
weiterhin
ei
ne leicht herabgesetzte psychomentale Dauerbelastbarkeit
,
mit leicht erhöhter emotionaler Irritierbarkeit und Auf
merksamkeitsteilleistungsstörungen nach längerer Beanspruchung
. Diese Befunde seien als
minimale bis leichte neuropsychologische Funktionsstörung
und als Folge des Schädelhirntraumas vom 1
0.
März 2009 zu beurteilen (S. 8 oben
)
.
Die Beschwerdeführerin könne alle Aufgaben ihrer angestammten Tätigkeit aus
üben. Einschränkungen ergäben sich für die Dauer ihres Arbeitseinsatzes. Sie bedürfe vermehrter
Erholungs- und Regenerationszeit, um die Beanspruchung durch ihre Arbeitstätigkeit regelmässig kompensieren zu können. Aus diesen Gründen sollte das Arbeitspensum 80
%
nicht übersteigen (S. 8 Mitte).
D
ie Höhe des Integritätsschadens gemäss der SUVA-Tabelle 8
betrage
a
us rein neuropsy
chologischer Sicht
10
%
(S. 8).
Anders als von den Vorgutachtern angenommen, könnten die von der Beschwer
deführerin berichteten Beschwerden (unter anderem die erhöhte Ermü
dbarkeit) mit neuropsychologischen Methoden durchaus erfasst werden, indem die entsprechenden Leistungstests
- statt unter „Laborbedingungen“ -
so in den Ablauf des zu bewältigenden Arbeitsalltags eingeplant würden, dass die Mes
sung der Hirnleistungen deren Beanspruchung durch die sonst üblichen Tätig
keiten möglichst valide abbilde (S. 8 f.
Ziff.
1).
Bei der erhöhten Ermüdbarkeit handle es sich nicht einfach um subjektive, heute in unspezifischer Weise vorliegende Beschwerden. Auch lägen eindeutige fremdanamnestische Angaben vor, dass die Reaktionen der Beschwerdeführerin auch heute noch auffällig werden könnten (S. 9
Ziff.
2).
Die insgesamt sehr gute, aber eben nicht vollständige Erholung der
psycho
menta
len
Leistungsfähigkeit sei dem unermüdlichen Üben und Trainieren der Beschwerdeführerin zu verdanken. Mit der
eigeninitiativen
Wiederaufnahme ihres Jura-Fernstudiums, welches sie in ihrer arbeitsfreien Zeit nach Massgabe ihrer Ressourcen und Leistungsgrenzen vorantreibe, gewährleiste sie nach Abschluss der Rehabilitationsbehandlung seither die Stabilisierung und den Erhalt ihres wieder erlangten kognitiven Leistungsvermögens in Eigenregie (S.
10
Ziff.
5).
4.14
Dr.
C._
(vorstehend E. 4.5) erstatte am
1
6.
Juli 2012
einen weiteren Bericht
(
Urk.
8/G39
=
Urk.
3/9
)
. Darin führte er aus, die erneute Kontrolle durch
lic
.
phil.
A._
habe fortbestehende leichte Defizite und Einschränkungen ergeben. Aufgrund dieser Befunderhebungen sei die Attestierung einer
20%igen Arbeitsunfähigkeit weiterhin gerechtfertigt (S. 3
Ziff.
A 3.1).
Bei der Frage, ob bereits Leistungen ausgerichtet würden, erwähnte er eine Berufsinvalidenrente von 20
%
(S. 4 f.
Ziff.
A 6). Zur Prognose führte er aus, es müsse
von
einer langfristigen definitiven Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
ausge
gangen werden (S. 5
Ziff.
A 7.1).
4.15
Prof.
Dr.
H._
, Leitender Arzt, Klinik für Neuroradiologie,
I._
, nahm am 1
1.
Februar 2013 im Auftrag von
Dr.
Z._
zur im März und Juli 2009 erfolgten Bildgebung Stellung (
Urk.
18). Er führte unter anderem aus, dass im MR vom
Juli 2009 nur noch geringe
Hämosiderin
-Reste sichtbar seien, sei einerseits mit dem natürlichen Verlauf erklärbar und andererseits damit, dass dabei relativ grosszügig untersucht wor
den sei und mögliche subtilere Veränderungen nicht erfasst worden seien (S.
2 Mitte). Soweit versicherungsrelevant, könnte man eine neue Untersuchung mit für post
traumatische Läsionen empfindlichen Sequenzen veranlassen (S. 2).
4.16
Auf Aufforderung des Gerichts (
Urk.
25) reichte die Beschwerdeführerin Unterla
gen betreffend ihr Studium ein (
Urk.
28/1-4).
Mit Schreiben vom
6.
Februar 2014
(
Urk.
28/1)
bestätigte der Rektor von
J._
, dass die Beschwerdeführe
rin sich am
1.
Februar 2010 (wieder) immatrikuliert hatte, per 3
1.
Januar 2014 exmatrikuliert wurde und den akademischen Grad Bachelor
of
Law erworben hat
(
S. 1).
Sie erwarb 180 ECTS-Punkte und erzielte einen Notendurchschnitt von 4.58 (S. 2).
Gemäss ihrer eigenen Zusammenstellung vom
3.
März 2014 war die Beschwerde
führerin im Wintersemester 2006/07, im Sommersemester 20
07 und im Herbstsemester 2007
sowie wiederum vom Frühjahrsemester 2010 bis und mit Herbstsemester 2013 regulär immatrikuliert, und während eines - nicht näher datierten Semester
s
- beurlaubt (
Urk.
28/3 S. 1). Laut Angaben der Hochschule hat sie 10 Studiensemester und 2 Urlaubssemester absolviert (
Urk.
28/2).
4.17
Bei der persönlichen Befragung
(
Urk.
31 S. 7-11)
führte die Beschwerdeführerin unter anderem aus,
zwar werde
ein ETCS-Punkt mit 25-30 Arbeitsstunden gleichgesetzt, sie habe aber viel weniger Stunden aufgewendet. Sie habe wäh
rend des Semesters sehr wenig
- ab und zu etwas während der Arbeit -
gemacht,
u
nd habe vor Semesterende eine Woche Ferien bezogen, um die Materialien durchzuarbeiten (S. 9
oben
).
Sodann reichte sie die Bestätigung vom
9.
April 2014 eines zeitweiligen Klassen
kollegen
-
als SVP-Nationalrat eine bekannte Persönlichkeit des öffent
lichen Lebens
-
ein, der 2013 den Bachelor
of
Law erworben hat (
Urk.
32). Er führte aus, die Präsenzveranstaltungen am Samstag habe er besucht, sofern er sich das zeitlich habe einrichten können. Hausaufgaben habe er nur wenige eingereicht. Während der Semester habe er durch sein zeitintensives Engage
ment in verschiedenen politischen
Bereichen keine Zeit in das Studium inves
tieren können. Zur Prüfungsvorbereitung habe er sich jeweils die Woche vor der Prüfung reserviert und in
dieser
Tag und Nacht intensiv gelernt. Damit habe er das Prädikat „magna cum laude“ erreicht.
5.
5.1
Der von der Beschwerdegegnerin beauftragte Gutachter ist zum Schluss gekom
men, die aktuell zu erhebenden neurologischen und neuropsychologischen
Befunde begründeten keine Einschränkung in der angestammten Tätigkeit
mehr
(vorstehend E. 4.11).
Davon abweichend postulierte die von der Beschwerdeführerin beauftragte Neu
ropsychologin eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20
%
infolge ver
mehrter Erholungs- und Regenerationszeit (vorstehend E. 4.13).
5.2
Die Neuropsychologin begründete ihre Aussage damit, dass die von ihr durch
ge
führte Untersuchung nicht unter „Laborbedingungen“ stattgefunden habe, son
dern in den Ablauf des Arbeitsalltags eingegliedert gewesen sei.
Dies ist zweifellos zutreffend: Die Beschwerdeführerin hatte bereits einen Arbeits
einsatz von 6 Stunden hinter sich, als -
n
ur 30 Minuten
später - die neuropsychologische Untersuchung begann, die sich wiederum über
mehr als
4
Stunden erstreckte.
Trotz dieser erschwerten Randbedingungen zeigte
n
sich
eine gute
Kon
zentrations
leistung
, unauffällige Lern- und Gedächtnisleistungen, gute sprachliche und visuell-räumliche Funktionen und Hinweise auf eine über
durchschnittliche intellektuelle Leistungsfähigkeit
. Die einzige Einschränkung bestand in einer
erheblich verzögerte
n
Reaktionslatenz auf kritische Stimuli
bei e
inzelnen Anforderungen
, jedoch auch dies
bei nach wie vor guter Fokussierung der Aufmerksamkeit (kaum Fehler oder Auslassungen)
.
In der Regel finden neuropsychologische Untersuchungen nicht im vorliegend
speziell gestalteten
Rahmen statt, sondern die Probanden treten die Untersu
chung einigermassen ausgeruht an
; darauf hat auch die berichtende Neuropsy
chologin hingewiesen
. Mangels anderslautender Hinweise ist davon ausgehen, dass die verwendeten Testverfahren auf diese
übliche,
normale
Untersuchungs
situation
(und nicht auf gezielt erschwerte Randbedingungen)
ausgerichtet sind, so dass die Referenzwerte für die Validierung der Testverfahren sich ebenfalls
auf solche Normalsituationen
beziehen.
Dass die Beschwerdeführerin selbst unter den gezielt erschwerten Bedingungen die genannten Resultate erzielt hat, ist deshalb bemerkenswert und spricht für ihr überdurchschnittliches kognitives Leistungsvermögen.
Eine - im Vergleich zur Normalpopulation von einigermassen ausgeruhten Pro
banden - erheblich verzögerte Reaktionslatenz auf kritische Stimuli erscheint vor diesem Hintergrund als wenig überraschend: Dass nach einer bis zu 10
Stunden dauernden, nahezu pausenlosen Beanspruchung zuerst im Beruf
und dann
in der
neuropsychologische
n
Testung eine gewisse Verlangsamung ein
tritt, leuchtet ohne weiteres ein. Dass dies eine Normabweichung darstellen sollte, ist weder plausibel noch wurde es in irgendeiner Weise nachvollziehbar begründet
. Dass es implizit geltend gemacht wurde, vermag die fehlende Begründung und Nachvollziehbarkeit nicht zu ersetzen.
5.3
Die durchgeführte Untersuchung hat somit nur, aber immerhin, gezeigt, dass die Beschwerdeführerin selbst unter gezielt erschwerten Bedingungen eindrückliche Testergebnisse erzielt, wobei im Verlauf einer bis zu zehnstündigen, nahezu pausenlosen Beanspruchung eine Verlangsamung der Reaktionen zu beobachten ist. Damit ist der These, die Beschwerdeführerin benötige aus neuropsychologi
scher Sicht begründbar eine längere Erholungszeit (und sie leide weiterhin unter einer minimalen bis leichten Funktionsstörung) der Boden entzogen. Gleiches gilt für die daraus abgeleitete Einschränkung der Arbeitszeit und für die Schätzung des Integritätsschadens.
Damit behält die im von der Beschwerdegegnerin eingeholten Gutachten (vorste
hend E. 4.
11
) abgegebene Beurteilung ihre Schlüssigkeit, und der - darin ist der Beschwerdeführerin zuzustimmen (vorstehend E. 3.2) - von
der
Beschwerdegegnerin zu erbringende Nachweis, dass keine leistungsauslösenden unfallkausalen Beeinträchtigungen
mehr
bestehen
(vorstehend E. 2.2)
, ist effek
tiv geleistet.
5.4
Weitere ärztliche Berichte vermögen keine anderslautende Schlussfolgerung zu begründen.
Dr.
C._
attestierte zwar weiterhin eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20
%
, begründete dies jedoch ausschliesslich mit dem Hin
weis, die erneute Kontrolle durch
die
Neuropsychologin habe fortbestehende leichte Defizite und Einschränkungen ergeben (vorstehend E. 4.14). Nachdem die genannte neuropsychologische Beurteilung hinsichtlich der postulierten Arbeitsunfähigkeit nicht überzeugt (vorstehend E. 5.3), gilt dies auch für die ausschliesslich darauf basierende Einschätzung durch
Dr.
C._
.
Die erneute Beurteilung der 2009 erstellten Bildgebung hat zur Hauptsache erge
ben, dass bereits vier Monate nach dem Unfall nur noch geringe
Hämo
siderin-Reste
sichtbar waren, was unter anderem mit dem natürlichen Verlauf erklärbar war (vorstehend E. 4.15). Dass
- wie von der Beschwerdeführerin im Februar 2013 beantragt (
Urk.
17) - vier Jahre nach dem Unfall noch einmal Aufnahmen erfolgen sollten, lässt sich damit schlecht rechtfertigen, zumal offensichtlich von ärztlicher Seite solches nicht mehr als erforderlich erachtet wurde.
Dass
Dr.
Z._
bestimmte Aspekte anders sieht als der von der
Beschwerdegeg
nerin
beauftragte Gutachter ist soweit nachvollziehbar, als er
die
Beschwerdeführerin seit kurz nach dem Unfall vom 1
0.
März 2009 - erstmals am 2
5.
März 2009 - behandelt (vorstehend E. 4.1) und sich so
engagiert um ihr Wohlergehen kümmert, dass er auch das versicherungsrechtliche Verfahren betreffende Ratschläge erteilt (vorstehend E. 4.12). Allerdings
stellt dies gleich
zeitig die Unvoreingenommenheit der von ihm abgegebenen Beurteilungen empfindlich in Frage (vorstehend E. 2.4). Inhaltlich wenig plausibel ist zudem, dass
Dr.
Z._
im therapeutischen Kontext immer wieder Fortschritte vermel
det und eine gute Prognose abgegeben hat (vorstehend E.
4.1, E. 4.4, 4.7), dann aber - nach Erlass des hier angefochtenen Entscheids - umso grösseren Wert auf die Relevanz der von der Beschwerdeführerin angegebenen erhöhten Ermüdbar
keit
gelegt
und diese ohne weiteres der nunmehr Jahre zurückliegenden
Hirn
verletzung
zugeschrieben hat.
5.5
Weitere Anhaltspunkte belegen die Richtigkeit d
er
gutachterlichen
Einschätzung
(vorstehend E. 5.3)
. Dies gilt insbesondere für die eindrückliche Leistung des Ende 2013 abgeschlossenen berufsbegleitenden Jura-Studiums.
Drei von zehn Semestern (vorstehend E. 4.
16) hat die Beschwerdeführerin noch vor dem Unfall vom März 2009 absolviert, bevor sie aus privaten Gründen das Studium ab Frühling 2008 unterbrochen hat (vorstehend E. 4.11),
alle
übrigen nach dem Unfall. Sie hat sich im Frühjahrssemester 2010 wieder immatrikuliert (vorstehend E. 4.16), mithin zu einem Zeitpunkt, in welchem der behandelnde Neurologe
erst
eine Arbeitsfähigkeit von 30-50
%
attestierte (vorstehend E. 4.4). In der Folge hat sie das Studium fortgesetzt, das sie im November 2011 (vorste
hend E. 4.11) beziehungsweise im März 2012 (vorstehend E. 4.13) als zu 2/3 absolviert einschätzte.
Wie hoch der effektiv erforderliche Zeitaufwand gewesen ist, bleibt ungeklärt. Im Sinne der antizipierten Beweiswürdigung kann insbesondere davon abgese
hen werden, die Hochschule Stellung nehmen zu lassen zu den Angaben der Beschwerdeführerin und zur sinngemässen Aussage ihres Kommilitonen,
der
Erwerb
seines
Bachelorgrades
habe einen höchst bescheidenen Aufwand
erfor
dert
(
vorstehend
E. 4.17)
, denn seitens der Hochschule würde
absehbarerweise
auf die offizielle Darstellung verwiesen, wonach 180
ETCS
Punkte rund 4‘500 bis 5‘400 Arbeitsstunden entsprächen.
Tatsache bleibt, dass die Beschwerdeführerin nebst einer anspruchsvollen Berufs
tätigkeit und nach wie vor
regen
sportlichen Aktivitäten ein universitäres Fernstudium absolviert und erfolgreich abgeschlossen hat.
Dies belegt, über welch überdurchschnittliche Ressourcen sie auch nach dem Unfall verfügte. Der insgesamt gelungene Einsatz dieser Ressourcen ist in individueller Perspektive sehr erfreulich, wobei die Entlastung um 20
%
im erwerblichen Bereich den
Erfolg begünstigt haben mag. Aus Sicht der Versichertengemeinschaft ist aber nicht ohne weiteres einsichtig, dass eine nominelle Einbusse der (erwerblichen)
Leistungsfähigkeit
von 20
%
entschädigt wurde
, während
die vor
handenen Ressourcen anderweitig, nämlich zu Studienzwecken,
Verwendung
fanden.
5.6
Schliesslich dürfen auch die Erkenntnisse erwähnt werden, die aus der von der Beschwerdeführerin ausdrücklich gewünschten persönlichen Befragung (vgl.
Urk.
33 S. 7-11) zu gewinnen sind.
Bemerkenswert ist hier vorab, dass die Beschwerdeführerin zu Beginn (um 10.00 Uhr) - ähnlich der neuropsychologischen Untersuchung - nicht in ausgeruhtem Zustand war, sondern um 06.30 Uhr eine Nachtschicht beendet hatte. Nichts im Verhalten der Beschwerdeführerin - ausser
allenfalls
dem Umstand, dass sie etwas leise sprach - hätte darauf schliessen lassen, dass sie soeben eine Nacht durchgearbeitet hatte. Sie
wirkte während der ganzen Befragung und der wei
teren Verhandlung konzentriert, aufmerksam und präsent.
So war sie auch gegen Ende der Befragung ohne weiteres in der Lage, die Frage ihres Rechtsvertreters die aktuellen Beförderungsperspektiven im Korps beziehungsweise die Gründe für d
eren
Fehlen konzis und verständlich zu erläutern (S. 9 oben).
Erwähnenswert scheint auch, dass sie
die Frage der Beschwerdegegnerin, ob sie noch an Marathons teilnehme, blitzschnell mit der Richtigstellung parierte, an Marathons habe sie nie teilgenommen. Dann präzisierte sie, sie habe 2006 ein einziges Mal an einem Triathlon teilgenommen (S. 10 Mitte). Sie zeigte sich in dieser Befragungssituation trotz dem vorangegangenen nächtlichen Schicht
dienst
alert und schlagfertig, mithin
intellektuell und rhetorisch in
zurück
haltend gewürdigt - guter Form.
5.
7
Zusammengefasst bleibt festzuhalten, dass die gutachterliche Beurteilung,
wonach
im fraglichen Zeitpunkt keine unfallbedingte Beeinträchtigung der kör
perlichen Integrität und keine solche der Arbeitsfähigkeit (mehr) bestand,
über
zeugend ist
, und dass alle zusätzlichen Anhaltspunkte ihre Plausibilität mit Nachdruck bestätigen.
Somit erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens, und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.