Decision ID: fbb8c9ee-181b-58d0-8fa8-935573d61aa8
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1987, ohne Ausbildung,
leidet an den Geburtsgebrechen gemäss
Ziff.
427 (Begleitschielen) und
Ziff.
404 (kongenitales infantiles POS)
gemäss Anhang
zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
Anhang), weshalb
ihm
seit seiner Erstanmeldung am 15. Januar 1990 (
Urk.
7/1) verschiedene
medizinische Massnahmen der Invalidenversicherung zugesprochen wurden
(
Urk.
7/4,
Urk.
7/6
-8,
Urk.
7/10,
Urk.
10/24
).
1.2
Mit Verfügung vom 18. Juni 2003 erteilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, Kostengutsprache für
die
erstmalige berufliche Aus
bildung
und
übernahm die Mehrkosten für ein Jahr Vorbereitung auf eine be
rufliche Ausbildung im Bereich Schreiner im Rahmen des Jugendförderkurses des
S
pitals
Y._
ab 11. August 2003 bis 31. Juli 2004
(
Urk.
7/43). Zudem erteilte sie mit Verfügung vom 11. August 2003 für die Dauer dieses Jahres Kostengutsprache für eine Psychotherapie (
Urk.
7/49).
Wegen massiven Regel
verstosses (
Urk.
7/51-52)
wurde
die
Ausbildungsv
orbereitung abgebrochen, weshalb die IV-Stelle am 1
2.
September 2003 die Aufhebung der Kostengut
sprache vom 18. Juni 2003 verfügte (
Urk.
7/53).
Am 29. September 2004 ersuchte der Versicherte erneut um
Zusprache
berufli
cher Massnahmen (
Urk.
7/56). In der Folge holte die IV-Stelle
einen
Arztbericht (
Urk.
7/57)
und
ein psychiatrisches Gutachten (
Urk.
7/63)
ein
und führte eine Berufsberatung durch (
Urk.
7/67,
Urk.
7/76). Die
zunächst verfügte
Kostengut
sprache für
ein
e dreiwöchige Vorabklärung beim Beruflichen Trainingszentrum BTZ vom 27. April 2005 (
Urk.
7/72)
hob sie
mit Verfügung vom 16. August 2005 (
Urk.
7/77) wieder auf
,
da der Versicherte eine Lehrstelle als
Betriebsprak
tiker
bei der
Z._
mit Beginn am 15. August 2005 gefunden hatte (
Urk.
7/75)
, welche er jedoch wieder abbrach
.
Am 28. Juli 2006 ersuchte die Einrichtung A._
, in welche
der Versicherte durch die Jugendanwaltschaft der Bezirke
B._
/
C._
platziert worden war, um die Kostenübernahme für eine erstmalige berufliche Ausbildung
(
Urk.
7
/80).
Nach Einholen von
Arztberichte
n
(
Urk.
7/82, 7/94-95
,
Urk.
7/99/2
)
und
von
Standortberichte
n
der Einrichtung A._
(
Urk.
7/91
,
Urk.
7/93
)
sowie
nach
Durchführung einer
Berufsberatung
(
Urk.
7/96
)
verneinte die IV-Stelle m
it Mit
teilung vom 10. Mai 2007 einen Anspruch auf be
rufliche Massnahmen (
Urk.
7/97
)
und
sprach
dem Versicherten
m
it Verfügung vom 27. September 2007 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (
Urk.
7/107-108)
.
Am 7. Februar 2008
wurde
über den Versicherten eine Beistandschaft im Sinne von Art. 392
Ziff.
1 und Art. 292
Ziff.
2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches er
richtet (
Urk.
7/111)
. Nach Eingang eines
weiteren Arztb
erichts
(
Urk.
7/127)
be
stätigte
die IV-Stelle a
m 15. Mai 2009
den
Anspruch auf die bisherige Invali
denrente (
Urk.
7/129).
Am 17. Februar 2010 gab der Versicherte i
m
Rahmen der Rentenrevision
einen seit
der
Einnahme von Antidepressiva verbesserten Gesundheitszustand sowie die Bereitschaft
an
, einen Arbeitsversuch zu unternehmen
(
Urk.
7/132
/1
Ziff.
1.1,
Urk.
7/132/6
)
. In der Folge holte die IV-Stelle einen
Arztbericht
des behandelnden Psychiaters
(
Urk.
7/139)
und einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug;
Urk.
7/152-153) ein und führte eine Abklärung zur berufli
chen Eingliederung durch (
Urk.
7/140-142). Am 30. November 2010 bestätigte
d
ie
IV-Stelle
den Anspruch auf die bisherige Invalidenrente
(
Urk.
7/145)
.
Mit Verfügung vom 7. Februar 2011 verneinte
s
ie einen Anspruch auf berufliche Massnahmen aufgrund des Gesundheitszustandes
des Versicherten
(
Urk.
7/150).
1.
3
Am 16. November 2012 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug (berufliche Integration/Rente) an (
Urk.
7/155). Darauf holte die IV-Stelle Arztbericht
e
(
Urk.
7/158
,
Urk.
7/163
) ein
. Mit Vorbescheid vom 18. März 2013 (
Urk.
7/166) und Verfügung vom 13. Mai 2013 (
Urk.
7/167 =
Urk.
2) verneinte
sie
einen Anspruch auf berufliche Massnahmen, da diese aufgrund des Gesund
heitszustandes
des Versicherten
nicht möglich seien.
2.
Gegen die Verfügung vom 13. Mai 2013
(
Urk.
2)
erhob der Versicherte
am 31. Mai 2013
Beschwerde
und beantragte sinngemäss die Aufhebung des ange
fochtenen Entscheids und die Zusprechung von beruflichen Massnahmen (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 19. August 2013, welche dem Beschwer
deführer am 24. September 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8), bean
tragte die Beschwerdegegnerin unter Verzicht auf eine weitere Stellungnahme die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 16 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invali
dität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zu
sätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Aus
bildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht. Der erstmaligen beruflichen Ausbildung ist u
nter anderem
die Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit
oder auf eine Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte gleichgestellt (
Art. 16
Abs. 2
lit
. a).
Als geschützte Werkstätten gelten kaufmännisch geführte Produktionsbetriebe, deren Hauptzweck darin besteht, Invaliden, die nicht oder noch nicht in der freien Wirtschaft eingegliedert werden können, ein Erwerbseinkommen zu ver
schaffen (Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
2.
Aufl. 2010, S. 183). Die Arbeitsleistung der versicherten Person, die durch die berufliche Aus
bildung b
eziehungsweise
durch die Vorbereitung auf eine Tätigkeit in einer ge
schützten Werkstätte erreicht werden soll, muss eine gewisse wirtschaftliche Verwertbarkeit aufweisen. Die Praxis verlangt im Rahmen von Art. 16 Abs. 2
lit
. a IVG im Hinblick auf die Eingliederungswirksamkeit nur eine minimale sachliche Angemessenheit. Die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Arbeit eines Versicherten nach der Ausbildung in einer geschützten Werkstätte wurde bereits bejaht, wenn der Lohn dem Minimallohn entsprach, der für die Gewährung von Betriebsbeiträgen für Werkstätten nach dem per 1. Januar 2001 aufgehobenen Art. 106
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
erforderlich war (Meyer, a.a.O., S. 184 mit Hinweisen). Diese Praxis gilt weiterhin. Der Minimal
lohn beläuft sich heute auf Fr. 2.55 pro Stunde (
Rz
3010 des Kreisschreibens über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art, KSBE).
1.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b.cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht
auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
1.
4
Ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der explizi
ten gesetzlichen Regelung in
Art.
42 ATSG auch in
Art.
29 Abs. 2 der Bundes
verfassung (BV) garantiert wird (vgl. BGE 124 V 181
Erw
. 1a), ist das Recht auf eine Begründung, welche die versicherte Person in die Lage versetzt, einen Entscheid sachgerecht anzufechten. Um den verfassungsrechtlichen Anforde
rungen zu genügen, muss die Begründung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt. Aus der Begründung muss jedenfalls ersicht
lich werden, ob und weshalb die Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzu
treffend beziehungsweise unerheblich hält oder ob sie es überhaupt in Betracht gezogen hat; sie darf sich nicht auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der versicherten Person seien zur Kenntnis genommen und geprüft worden (ATSG-Kommentar N 23 zu
Art.
49 ATSG, mit Hinweis auf BGE 124 V 180). Die Begründung muss so abgefasst sein, dass eine Anfechtung des Entscheids mög
lich ist (ATSG-Kommentar N 107 zu
Art.
61 ATSG in Verbindung mit N 21 zu
Art.
52 ATSG).
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verlet
zung des rechtlichen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Be
schwerde in der Sache selbst zur Aufhebung des angefochtenen Rechtsaktes. Praxisgemäss kann eine - nicht besonders schwerwiegende - Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglich
keit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sach
verhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Die Heilung eines - allfälligen - Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (vgl. zum Ganzen etwa BGE 127 V 437
Erw
. 3d/
aa
, 126 I 72 und 126 V 132
Erw
. 2b, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf
Leistungen der Invalidenversicherung an die erstmalige berufliche Ausbildung.
2.2
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus, dass aufgrund des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers zur
z
eit keine beruf
liche
n
Massnahmen möglich seien (
Urk.
2).
2.3
Der Beschwerdeführer wandte dagegen ein, dass er seit fast drei Jahren in der Institution
D._
wohne und in dieser Zeit vieles gelernt und sein Leben immer mehr in geordnete Bahnen habe bringen können. In dieser Zeit sei er meist einer Tagesstruktur nachgegangen und habe an verschiedenen Arbeitsorten zwischen 50
%
und 100
%
gearbeitet, wobei zwei dieser Arbeitseinsätze den Vorgaben der I
nvalidenversicherung
entsprochen hätten und die restlichen Ar
beiten zeitlich begrenzt gewesen seien. Demnächst werde er eine neue Stelle antreten, bei der er voraussichtlich mit einem Pensum von 100
%
beginnen werde. Die Arbeitgeber seien stets mit seiner Arbeit zufrieden gewesen und stellten ihm gute Zeugnisse aus.
Wie auch den Berichten der Psychotherapeutin und des Psychiaters zu entnehmen sei, habe sich vieles positiv verändert; dies könnten auch die Betreuer der Institution
D._
be
stätigen (
Urk.
1).
3.
Mit Bericht vom 1
2.
Juli 2010 hielt
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
fest, dass die medikamentöse Unterstützung immer wieder ein Thema sei, der Beschwerdeführer sich bis jetzt aber nicht dafür habe entscheiden können
. In Bezug auf Impulsivität, Konzentration und Aufmerksamkeit
wäre
dies sicher wünschenswert
. Ein Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt erscheine derzeit nicht gegeben. Niederschwellige Tages
strukturangebote wie eine geschützte Arbeitswerkstatt oder Taglohn
seien
indi
ziert. Er beantrage eine volle Berentung, da die Arbeitsfähigkeit nur in ge
schütztem Rahmen bestehe
(
Urk.
7/139 S. 2).
Im Abklärungsbericht zur beruflichen Eingliederung
vom 24. November 2010
hielt die Eingliederungsperson fest, dass der Beschwerdeführer zwar den Wunsch nach einer Ausbildung äussere, er aber noch gar keine konkreten Vor
stellungen davon habe, wie das ablaufen könnte. In den vergangenen drei Jah
ren habe er ausser einem etwa vier Monate dauernden Teilzeiteinsatz auf dem Bau nie regelmässig gearbeitet und nie eine Tagesstruktur gehabt. Für viele Arbeitsangebot
e
sei er nicht motiviert, da sie ihm zu
wenig abwechslungsreich seien. Mit dem Wechsel ins betreute Wohnen der Stiftung
D._
sei e
ine gute Lösung gefunden worden
. Auch die Therapie verfolge
der Beschwerdeführer
zuverlässig und nehme die Medikamente ein. Trotzdem sehe sie, dass er sich wohl eher etwas überschätze. Aufgrund der fehlenden Tagesstruktur und somit
auch nicht vorhandenen Belastbarkeit/Grundfähigkeiten für die Arbeit seien die Anforderungen für die Planung einer erstmaligen beruflichen Ausbil
dung vorerst nicht gegeben. Zudem habe er noch gemeinnützige Arbeit wegen einer Buss
e
zu leisten, was ihn zeitlich noch absorbieren werde
(
Urk.
7/142 S. 4)
.
Gestützt auf diese Berichte verneinte die Beschwerdegegnerin m
it Verfügung vom 7. Februar 2011 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen aufgrund des Gesundheitszustandes
des Versicherten
und hielt fest, dass vorerst ein sechsmo
natiges Aufbautraining, im geschützten Rahmen mit einem Pensum von 80 bis 100
%
oder der Besuch einer Institution, welche auch die Grundarbeitsfähigkeit
auftrainiere
, angezeigt sei; nach gutem Verlauf (nach vier Monaten
)
könne ein neues Gesuch eingereicht werden (
Urk.
7/150).
4.
4
.1
Mit Bericht vom 11. Januar 2013 nannten
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und die Therapeutin
F._
folgende Diagnosen
(
Urk.
3/1 =
Urk.
7/158 S. 1
Ziff.
1.1)
:
ICD-10 F60.8: unreife Persönlichkeit
ICD-10 F91.2: Störung des Sozialverhaltens bei vorhandenen sozialen Bin
dungen
ICD-10 F43.1: Status nach posttraumatischer Belastungsstörung
ICD-10 F90.1: hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens
Dr.
E._
führte aus, dass sich die Lebenssituation des
Beschwerdeführers
insge
samt deutlich beruhigt und stabilisiert habe. Er habe die Wohnsituation erhalten können und arbeite seit bald einem Jahr
regelmässig und zuverlässig in der Einrichtung G._
mit einem Pensum von 50
%
(
Urk.
3/1 S. 2)
. Der Beschwerde
führer bemühe sich sehr um Anpassung, was ihm jedoch nicht immer gleich gut gelinge. Im Nachhinein zeige er sich oft sehr reumütig und einsichtig, in aktu
ellen Sit
uationen bestehe ein drohender K
ontrollverlust. Die Impulsivität sei spürbar, habe sich jedoch deutlich gebessert. Ein Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt scheine derzeit (noch) nicht gegeben
(
Urk.
3/1 S. 3
Ziff.
1.4)
.
Ge
genwärtig werde der Beschwerdeführer einmal wöchentlich bis alle zwei Wo
chen im Einzelsetting psychotherapeutisch und medikamentös (
Cipralex
) behan
delt (
Urk.
3/1 S. 3
Ziff.
1.5).
Zur Arbeitsunfähigkeit hielt er fest, dass der Auf- un
d Ausbau der Arbeitsfähigkeit in der Einrichtung G._
- wie bereits in Angriff ge
nommen - weitergeführt werden solle (
Urk.
3/1 S. 3
Ziff.
1.6).
Der
Beschwerde
führer
sei auf ein unterstützendes und niederschwelliges Angebot angewiesen, um seine Fähigkeiten im praktischen Alltag zu erleben und sich
auch etwas zuzutrauen. Gegenwärtig stünden eine Erhöhung des Arbeitspensums sowie eine berufliche Abklärung zur Diskussion
; dies sei e
in Unterfangen, das mit grossen Versagensängsten einhergehe
(
Urk.
3/1 S. 4
Ziff.
1.7)
. Konzentration, Auffassungsvermögen, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit
seien
alle erheblich reduziert, da der Versicherte aufgrund seiner angeborenen Einschränkungen, aber auch aufgrund der konsekutiven sensorischen „down
regulation
“ nur beschränkt in der Lage sei, Anforderungen, Reize und Belastungen in normal-angemessener Weise zu verarbeiten. E
r beantrage
eine volle Berentung, da die Arbeitsfähigkeit nur im geschützten Rahmen bestehe
(
Urk.
3/1
S. 4 unten
)
.
4
.2
Laut
Arbeitgeberbericht der
Einrichtung G._
vom 25. Februar 2013 (
Urk.
7/160/1-6), welche den Beschwerdeführer
a
m
geschützten
Arbeitsplatz
vom
15.
März 2012 bis zur vom Beschwerdeführer ausgesprochenen Kündigung per 31. Januar 2013 beschäftigte, arbeitete der Beschwerdeführer 17.5 Stunden pro Woche
, wobei er einen Monatslohn für IV-Mitarbeitende von Fr. 342.-- er
zielte
(
Urk.
7/160/1-2
Ziff.
2
.1 und 2.9
,
Urk.
7/160/8-11
).
4
.3
Mit Schreiben vom 1
2.
März 2013 führte
Dr.
med.
H._
, Allge
meine Medizin FMH, aus, dass er den Versicherten lediglich hausärztlich betreue und seine psychiatrisch-psychologische Betreuung nicht durch ihn
wahrgenommen werde
(
Urk.
7/163).
4
.
4
Mit Stellungnahme vom
31. Mai 2013
führte
der Betreuer der
Institution
D._
f
ür betreutes Wohnen
aus,
dass
d
er
B
eschwerdeführer nu
n
seit
knapp
drei Jahren in der Institution
D._
wohne, was ihm ermöglicht habe, Fuss zu fassen und auch bei schwierigen Situationen dran zu bleiben und Neues auszu
probieren. Während dieser Zeit habe er nach Möglichkeit gearbeitet. Die ver
schiedensten Arbeiten, die er erle
d
igt habe, hätten fast ausschliesslich im ge
schützten Rahmen stattgefunden. In dieser Zeit habe er aber die Möglichkeit gehabt, genügend positive Erfahrungen und Rückmeldungen zu sammeln, was er auch aus seinen Arbeitszeugnissen erkenne. Eine Arbeitsintegration des Be
schwerdeführers würde er sehr unterstützen. Er sehe die Bereitschaft und die Motivation im geschützten Rahmen und könne sich daher vorstellen, dass er mittlerweile so weit sei, einen Schritt weiterzukommen
(
Urk.
3/2).
5
.
5
.1
In formeller Hinsicht ist zu bemerken, dass die angefochtene Verfügung
(
Urk.
2)
unzureichend begründet ist. Der pauschale Verweis auf den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers genügt in keiner Weise. Diese Begründung versetzt den Beschwerdeführer nicht in die Lage, den Entscheid sachgerecht anfechten
zu können
, zumal s
ie nicht einmal ansatzweise die Überlegungen nennt, von denen sich die Beschwerdegegnerin bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt
. Damit verletzt die angefochtene Verfügung das recht
liche Gehör
(vgl. vorstehend E. 1.4)
und ist bereits aus formellen Gründen auf
zuheben.
5.2
In materieller Hinsicht
ist festzuhalten, dass i
m
Wesentlichen das Fehlen einer
Tagesstruktur
und einer
regelmässige
n
Arbeit
sowie der Umstand, dass
d
er
Be
schwerdeführer
gemeinnützige Arbeit
leisten musste und dadurch zeitlich ab
sorbiert war (vgl. vorstehend E. 3)
,
zur leistungsabweisenden Verfügung vom 7. Februar 2011
führten
(
Urk.
7/150)
.
Im Vergleich dazu bestanden im Zeitpunkt des Erlasses der vorliegend angefochte
nen Verfügung
vom 13. Mai 2013
d
eutliche Hinweise auf
eine
Ver
besserung
dieser
Umstände
:
So sprach
Dr.
E._
von einer deutlich beruhigten und stabilisierten Lebenssituation des Beschwerdeführers, einem Erhalt der Wohnsituation und einer regelmässige
n und zuverlässigen Tätigkeit in der Einrichtung
G
._
von bald einem Jahr
und erachtete eine Tätigkeit im geschützten Rahmen als sinnvoll
. Auch hielt er
eine regelmässige Medikation und
eine deutlich gebesserte Impulskontrolle
des Beschwerdeführers
fest (vgl. vorstehend E. 4.1).
Weiter ist d
em Arbeitgeberbericht der
Einrichtung
G
._
eine Tätigkeit an ei
nem geschütztem Arbeitsplatz von etwa 17.5 h pro Woche zu entnehmen, was einem Arbeitspensum von rund 42
%
entspricht (vgl. vorstehend E. 4.2). Der Betreuer der Institution
D._
attestiert
e
dem Beschwerdeführer sodann eine stabile Wohnsituation und die Arbeitsmotivation im geschützten Rahmen (vgl. vorstehend E. 4.4).
Dies weist klar auf
eine
Verbesserung der Lebens- und der Gesundheitssituation des Beschwerdeführers
hin
, w
odurch sich
die
Beschwerdegegnerin
- unabhängig von der Erfüllung der von ihr selbst festgesetzten Auflagen in der leistungsab
weisenden Verfügung
(
Urk.
7/150)
-
zur eingehenden Abklärung des Anspruchs auf Leistungen an die berufliche
Eingliederung
im Sinne von
Art.
12 Abs. 2
lit
. a IVG veranlass
t seh
en
musste.
Zur Beurteilung
dieses Anspruchs
holte die Beschwerdegegnerin
jedoch
einzig
d
en Arztbericht von
Dr.
E._
(vgl. vorstehend E. 4.1)
und den Arbeitgeberbericht
der Einrichtung G._
(vgl. vorstehend E. 4.3)
ein, woraus zusammengefasst eine Arbeitsfähigkeit im geschützten Rahmen und ein derzeitiges Pensum von 50
%
beziehungsweise 42
%
(entsprechend
17.5 Wochenstunden)
hervorgeht
.
Was die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Arbeit
angeht, so weisen die dem Arbeitgeberbericht beigefügten Lohnabrechnungen darauf hin, dass der dafür erforderliche Mindestlohn
(vgl. vorstehend E. 1.1)
bei dieser Tätigkeit erfüllt war.
Darüber hinaus
enthält
dies
er
Bericht
jedoch
keine Angaben zur Art und Weise der Aufgabene
rledigung, zur Zuverlässigkeit und
zum Umgang
des Beschwerdeführers
und zu einer allfälligen Steigerungsmöglichkeit des Pensums
(vgl. vorstehend E. 4.4)
, weshalb sich der Anspruch allein gestützt auf diese Unterlagen nicht beurteilen lässt
.
Keinen Anhaltspunkt
liefern
dabei
die
in der Vergangenheit von der Beschwerdegegnerin getätigten
Abklärungen
, denn d
ie
letzten
einlässlicheren
beruflichen Abklärungen l
a
gen
im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
über zwei Jahre zurück (vgl. vorstehend E. 3)
. Die
deutlichen
Hin
weise auf eine
seither eingetretene
Verbesserung
- T
agesstruktur, regelmässige Arbeit, Medikamenteneinnahme -
erfordern jedoch eine
neue Abklärung
.
Unerheblich ist sodann
, ob der Beschwerdeführer mit der Tätigkeit
in der Einrichtung G._ der
mit
Verfügung vom 7. Februar 2011 (
Urk.
7/150)
gestellten Anforderun
gen,
insbesondere im Hinblick auf das verlangte Pensum von mindestens 80
%
,
tatsächlich genügte.
Zunächst lässt sich dies m
angels zuverlässiger Angaben
- der Arbeitgeberbericht geht umgerechnet von einem Pensum von etwa 42
%
, der Arzt von 50
%
und der Beschwerdeführer selber in der Anmeldung von 60
%
aus
(
Urk.
7/155
Ziff.
5.4)
- gar
nicht beurteilen.
Überdies
ist unklar, ob es sich
bei der Einrichtung
G
._
allenfalls um eine Institution handelte, welche die Grundarbeitsfähigkeit trainiert und in welchem Umfang
diesfalls
die Massnahme erfolgen m
üsste
.
Zusammenfassend fehlen nicht nur zuverlässige Angaben zum geleisteten Pen
sum
,
sondern es mangelt auch an weiteren Angaben zur Arbeitsleistung und Eingliederungsfähigkeit des Beschwerdeführers.
Allein gestützt auf de
n Bericht von
Dr.
E._
und den Arbeitgeberbericht
lässt sich
somit
der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen an die erstmalige berufliche Ausbildung im Sinne von
Art.
12 Abs. 2
lit
. a IVG nicht abschliessend beurteilen
,
sodass sich der Sachverhalt als ungenügend abgeklärt erweist
.
Hinzu kommt, dass es f
ür die Motivation des jungen Beschwerdeführers bedenklich
erscheint
, wenn ohne weitere Auseinandersetzung mit seinen Tätigkeiten und mit der Möglichkeit, ihm ein solches Aufbautraining zu gewähren, berufliche Massnahmen abgelehnt werden.
Die Sache ist daher
zur erneuten Abklärung und Neuverfügung
an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen
.
Dabei ist die
Beschwerdegegnerin
darauf hinzuweisen, dass
es gegebenenfalls ihre
Sache
sein
wird,
im Rahmen von
Art.
16 Abs. 2
lit
. a IVG
auch
Aufbau- und Trainingsmöglichkeiten im gefor
derten Ausmass an
zu
bieten
(vgl. vorstehend E. 1.1
)
.
6
.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die Kosten dieses Verfahrens
, die ermessens
weise auf Fr. 700
.—
festzusetzen sind,
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.