Decision ID: ac38ffce-9d94-4c53-8ec0-55ce1a01938d
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
85
,
war als Barkeeper beim
Y._
Club, angestellt
und damit bei der
Solida
Versiche
r
ungen AG (nachfolgend
Solida
)
obligatorisch unfallversichert.
Gemäss
Unfall
meldung
vom 27
.
November 2014
erlitt der
Versicherte an einem Dienstag im Oktober 2014
beim
Essen eines
Landjägers
einen Zahnschaden (Urk.
15
/
A1
).
Mit Verfügung vom
6. Januar 2015
lehnte die
Solida
ihre Leistungspflicht für den
er
littenen Zahnschaden ab (Urk. 15
/
A5
). Die dagegen erhobene Einsprache
(Urk. 1
5
/
A6
) wies sie mit
Einspracheentscheid
vom
1
2.
Mai 2015
ab (Urk. 1
5
/
A10
= Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
12
.
Mai
201
5
(Urk. 2) erhob der Versi
cherte am
9
.
Juni 2015
Beschwerde und beantragte sinngemäss, die
Solida
habe die Kosten für die Zahnbehandlung
im Betrag von
Fr.
2‘209.20
zu übernehmen (Urk. 1). Mit
Be
schwer
deantwort
vom
2
2.
Oktober 2015
schloss die
Solida
auf Abweisung der Be
schwerde (Urk. 14
), was dem Beschwerdeführer am
9. Novem
ber 2015
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 1
6
).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in
die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Gemäss
Art.
6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1).
1.3
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Ein
wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber.
Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere
Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere
Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Le
bensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den mensch
li
chen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Un
gewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.4
Die Verwaltung als verfügende Instanz und
im
Be
schwe
r
defall
das Gericht
dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Be
stehen über
zeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent
scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abwei
chendes vorsieht, nach dem
Be
weis
grad
der über
wiegenden Wahr
scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanfor
derungen nicht. Das Ge
richt folgt vielmehr jener
Sachver
halts
darstel
lung
, die es von allen möglichen
Ge
schehensabläu
fen
als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360 mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3 S. 324 f.).
1.5
Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der versicherten Person
glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser For
derung nicht nach, indem sie un
voll
ständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen ei
nes
unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen las
sen, besteht keine
Leis
tungspflicht
des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu be
urteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der
Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Be
weise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht
we
nig
stens mit Wahrscheinlichkeit erstellt
die blosse Möglichkeit genügt nicht
,
so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Per
son aus
wirkt (BGE 116 V 136 E.
4b, 114 V 298 E.
5b, 111 V 201 E.
6b; RKUV
1990 Nr. U 86 S. 50).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2)
davon aus,
dass der fragliche Gegenstand, auf welchen der Beschwerdeführer ge
bissen habe, vom Beschwerdeführer nicht näher bezeichnet werden könne. Offen
bar habe er das wahrgenommene harte Stück weder gesehen noch sichergestellt (S. 4). Unter diesen Umständen erscheine es zwar möglich, dass der Zahnschaden durch das Beissen auf einen Fremdkörper im Landjäger verursacht worden sei.
Allerdings bleibe ungeklärt, um welchen Gegenstand es sich gehandelt haben soll. Ob dieser als ungewöhnlicher äusserer Faktor zu qualifizieren sei, lasse sich dementsprechend nicht zuverlässig beurteilen.
Zahnteile könnten erfahrungsge
mäss abbrechen, ohne dass in jedem Fall ein ungewöhnlicher äusserer Faktor eingewirkt haben müsse. Die blosse Vermutung, der Zahnschaden sei durch einen Fremdkörper im Landjäger verursacht worden, genüge für die Annahme eines ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht (S. 5).
Daran hielt die Beschwerdegegnerin mit Beschwerdeantwort fest (vgl. Urk.
14
).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt
(Urk. 1)
,
er habe beim Landjäger essen plötzlich einen sehr starken Zahnschmerz verspürt. Er sei so gewaltig erschrocken, dass er alles in einen Kübel spuckte (S. 1). Beim Essen eines Landjägers sei nicht mit derartigen Folgen zu rechnen. Die Wahr
scheinlichkeit sei sehr gross, dass das harte Stück, auf welches er gebissen habe,
aus der Fleischv
erarbeitung
gek
ommen
sei
, also eigentlich nur ein
Knochen
stück
gewesen
sein könne
(S. 3)
.
2.3
Streitig und zu prüfen i
st, ob es sich beim Ereignis von
Oktober 201
4
um einen Unfall im Rechtssinne handelte (Art. 4 ATSG), für welchen die
Beschwer
degeg
nerin
leistungspflichtig ist. Dabei ist insbesondere strittig, ob die
Be
schwer
degeg
nerin
das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors zu Recht als nicht
rechtsgenüglich
nachgewiesen erachtete.
3.
3.1
In der Unfallmeldung vom 27. November 2014 gab der Beschwerdeführer
Fol
-
gen
des
zum Unfallhergang an (Urk. 15/A1
Ziff.
6): „Habe auf einen Landjä
ger gebissen – Zahn abgebrochen“.
Im Weiteren
führte der Beschwerdeführer aus,
im Landjäher habe sich ein
Kno
chenteil
befunden, das zum Zahnschaden geführt habe. Es sei nicht zu erwarten, dass beim Essen eines Landjägers ein Knochen in der Konsistenz vorzufinden sei (Urk. 15/A4).
Mit Einsprache vom
2.
Februar 2015 führte der Beschwerdeführer aus,
dass es zweifellos ein äusserer Faktor sei, der zum Zahnschaden geführt habe. Vorlie
gend sei der äussere Faktor ohnehin ungewöhnlich, da kaum davon ausgegan
gen werden könne, dass beim Essen eines Landjägers irgendwelche Probleme oder Unfälle entstehen könnten
(S. 2)
.
Wenn etwas ungewöhnlich sei, so sei es selten. Und es dürfte wirklich selten sein, dass Zahnschäden beim Verzehr eines Landjägers aufträten (S. 4).
Er habe beim Essen des Landjägers einen plötzlich
auftretenden Schmerz verspürt und aus Schreck alles in einen Eimer gespuckt. Das geforderte „Corpus
delicti
“ könne er entsprechend nicht vorlegen. Damit ein Zahn spalte, müsse jedoch schon etwas „Ungewöhnliches“ vorliegen. Da ein Landjäger bekanntlich ein kleines und fein verarbeitetes Produkt sei, könne da
von ausgegangen werden, dass ein vorhandenes Knochenteil von ziemlich klei
ner Form
gewesen
sein müsse (S. 5).
3.2
Das Bundesgericht hat in ständiger Rechtsprechung erkannt, dass die blosse Ver
mutung, ein Zahnschaden sei durch einen Fremdkörper verursacht worden, nicht
genüge, um einen ungewöhnlichen äusseren Faktor anzunehmen.
Diesfalls
könne
die Frage, ob ein Unfall im Rechtssinn vorliege, nicht beantwortet wer
den, da un
g
eklärt bleibe, um was für einen Gegenstand es sich gehandelt habe und dem
nach nicht zuverlässig beurteilt werden könne, ob dieser als unge
wöhnlicher äusse
rer Faktor zu qualifizieren sei (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1059/2008
vom 27. Februar 2009 E. 3).
In solchen Fällen liegt daher Beweislosigkeit vor, deren Folgen die versicherte Person zu tragen hat, welche aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ablei
ten wollte, und es besteht keine
Leistungs
pflicht
des Unfallversicherers.
In diesem Sinne hat das Bundesgericht zunächst entschieden, wenn die versi
cher
t
e Person lediglich angeben konnte, auf "etwas Hartes" oder "einen Fremd
kör
per"
gebissen zu haben, den Gegenstand jedoch nicht genauer beschreiben konnte (vgl. etwa Urteile U 229/01 vom 21. Februar 2003, U 33/00 vom 26. April 2000, U 268/99 vom 17. Januar 2000; nicht veröffentlichte Urteile U 200/99 vom
20. Dezember 1999, U 186/98 vom 23. Dezember 1998, U 61/96 vom 30. April 1996
,
U 189/95 vom 8. Februar 1996). Eine blosse Vermutung, dass der Schaden
durch einen ungewöhnlichen äusseren Faktor eingetreten sei, lag nach der Recht
spre
chung aber auch dann vor, wenn der fragliche Gegen
stand zwar benannt
wurde ("ein Stein", Urteil U 211/00 vom 16. Juli 2001 so
wie nicht veröffent
lich
tes Urteil K 124/95 vom 9. Februar 1996), der entspre
chende Nachweis aber nich
t erbracht werden konnte.
3.3
Der Ereignishergang an sich erscheint plausibel und ist denn auch unbestritten. Der Beschwerdeführer hat den harten Gegenstand zwar wiederholt als
Kno
chenteil
bezeichnet. Fest steht aber, dass es sich hierbei ledig
lich um eine Ver
mutung respektive Interpretation des Beschwerdeführers han
del
te, da dieser den harten Gegenstand seinen eigenen Angaben zufolge gar nicht
gesehen hatte (vgl. vorangehend E. 3.1). Das blosse Vorbringen, auf ein
kleines Knochenteil
gebissen zu haben, genügt indessen nicht für de
n Nachweis eines ungewöhnlichen Fak
tors. Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass der Beschwerde
führer
nach seiner erstmaligen Äusserung am 1
8.
Dezember 2014 (
Urk.
15/A4)
auch im weiteren Verfahrensgang übereinstimmend äus
serte, es sei
wohl
ein
kleines Knochenteil
gew
esen, worauf er ge
bissen habe.
Be
reits aus dem Wortlaut
der Schilderungen des Beschwerdeführers
„
ein Landjäger sei ein Fleischprodukt und somit dürfte es naheliegend sein, dass ein Knochenteil zum Schaden geführt habe“,
ergibt sich,
dass es sich hierbei lediglich um eine Interpretation handeln kann. Ansonsten hätte
der Beschwerdeführer das Corpus D
elicti exakt bezeich
nen können.
Da der Beschwerdeführer mit dem
Kaugut
zugleich das Objekt
,
von dem
anzu
-
neh
men ist, dass es den Zahnschaden bewirkt hat,
in einen Abfalleimer gespuckt hat,
ist es ihm nicht möglich einen Beleg dafür zu erbringen, dass es sich hierbei tatsächlich um ein
Knochenteil
und damit um einen ungewöhnli
chen äusseren Faktor gehandelt hat.
Dies wäre aber Voraussetzung dafür, dass ein Unfallereignis im Rechtssinne vor
liegt. Infolgedessen lässt sich nicht zuver
lässig beurteilen, ob der harte Ge
gen
stand tatsächlich als ungewöhnlicher Fak
tor im Sinne von Art. 4 ATSG zu qua
lifizieren ist, oder ob es sich dabei nicht viel eher um einen
Nahrungsbe
standteil
handelte.
3.4
Nach dem Gesagten besteht lediglich eine Vermutung, dass ein Fremdkörper Ur
sache des Zahnschadens sein könnte, wobei auch andere Schadensursachen nicht
auszuschliessen sind. Dadurch, dass der Beschwerdeführer den harten Ge
gen
stand aber weder gesehen hat, noch diesen beibringen konnte und auch nicht in der Lage war, diesen genau zu bezeichnen, sondern lediglich mutmass
lich von einem
Knochenteil
ausging, ist aber nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt, dass der Zahnschaden durch ei
nen unge
wöhnlichen äusseren Faktor verursacht wurde. Demnach liegt eine
Beweislosig
keit
vor, deren Folgen der Beschwerde
führer zu tragen hat, welcher aus dem un
be
wiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (vgl. vor
stehend E. 1.5).
Die Beschwerdegegnerin hat in Bezug auf die vom Beschwerdeführer angeführ
ten
Fälle (
Urk.
1 S. 4 f.)
korrekterweise ausgeführt, dass auf die konstante und langjährige Praxis des Bundesgerichts und nicht auf den Entscheid eines kanto
nalen Einzelrichters abzustellen sei und ausserdem ein Vergleich mit dem vor
liegend zu beurteilenden Fall nicht möglich sei.
Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht somit zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
4
.
Das Verfahren ist kostenlos (§ 33
GSVGer
in Verbindung mit
Art.
1 UVG und
Art.
61
lit
. a ATSG). Den Versicherungsträgern und Gemeinwesen steht der Anspruch auf Ersatz der Parteikosten in der Regel nicht zu (§ 34 Abs. 2
GSVGer
; vgl. auch BGE 112 V 356 E. 6). Vorliegend besteht kein Grund, von diesen Grundsätzen abzuweichen, weshalb der Beschwerdegegnerin keine
Pro
zessentschädigung
zuzusprechen ist.