Decision ID: 556144c7-df57-4209-9d21-76b0d2014fa2
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. C._, geboren 1996, serbische Staatsangehörige, heiratete am 1. Oktober 2014 in
Serbien den in der Schweiz niedergelassenen Landsmann A._, geboren 1994
(Vorakten Migrationsamt, nachfolgend Dossier, S. 3 ff.). Am 30. Oktober 2014 reiste sie
in die Schweiz ein und erhielt am 6. Januar 2015 eine Aufenthaltsbewilligung zum
Verbleib bei ihrem Ehemann (Dossier, S. 11). Im März 2015 zog sie zu ihrem Bruder
(Dossier, S. 20, 52, 115). Ihr Ehemann reichte am 18. März 2015 in Serbien eine
Scheidungsklage ein. Am 24. Juni 2015 gelangte C._ mit einem Eheschutzbegehren
an das Kreisgericht Rheintal. Dieses stellte mit Entscheid vom 25. August 2015 fest,
dass die Eheleute seit dem 10. März 2015 getrennt leben und verpflichtete A._ zur
Zahlung von Ehegattenunterhalt. Im September 2015 kam die gemeinsame Tochter
B._ zur Welt. A._ meldete sich per 30. September 2015 nach Serbien ab, wobei er
seine Niederlassungsbewilligung aufrechterhalten liess. Mit Entscheid des
Familienrichters des Kreisgerichts Rheintal vom 29. Oktober 2015 wurde B._ unter die
alleinige Obhut der Mutter gestellt. A._ wurde ein Besuchsrecht eingeräumt und er
wurde zur Zahlung von Kinderunterhalt verpflichtet. Gleichzeitig wurde der am
25. August 2015 vorsorglich festgesetzte Ehegattenunterhalt reduziert. Seit anfangs
2016 wohnt A._ wieder in der Schweiz (vgl. act. 12/12.1 und 14.2 Antwort auf Frage
3).
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B. Mit Verfügung vom 10. November 2015 widerrief das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligung von C._ (act. 12/1.1). Das Sicherheits- und Justizdepartement
wies den dagegen erhobenen Rekurs mit Entscheid vom 12. März 2018 ab.
C. C._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 13. März 2018 versandten
Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) durch ihre
Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 11. April 2018 und Ergänzung vom 30. April 2018
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Begehren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid aufzuheben. Es sei von der
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung abzusehen und das Migrationsamt
anzuweisen, der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter eine Aufenthaltsbewilligung zu
erteilen und die Aufenthaltsbewilligungen dem Staatssekretariat für Migration zur
Zustimmung zu unterbreiten. Für das Verfahren vor der Vorinstanz sei die
unentgeltliche Rechtsbeiständin mit CHF 3‘420.45 zu entschädigen. Das Gesuch der
Beschwerdeführerin um Befreiung von den Gerichtskosten im Beschwerdeverfahren
hiess der zuständige Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts am 2. Mai 2018 gut.

Mit Vernehmlassung vom 14. Mai 2018 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen in
ihrem Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das von der
Beschwerdeführerin gegen ihren Ehemann veranlasste Strafverfahren wegen Anstiftung
zum Schwangerschaftsabbruch betreffend die erste Schwangerschaft wurde am
19. Juni 2018 eingestellt (act. 18). Gleichzeitig wurde Anklage wegen mehrfach
versuchter Anstiftung und mehrfach versuchter Nötigung zum Abbruch der zweiten
Schwangerschaft erhoben (act. 15.1). Am 20. Juni 2018 schloss die
Beschwerdeführerin mit der Arbeitgeberin, für welche sie bisher als Leiharbeiterin tätig
war, einen unbefristeten Arbeitsvertrag ab (act. 15.2). Vernehmlassung und zusätzliche
Eingaben wurden den Verfahrensbeteiligten zur Kenntnis gebracht.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressatin des
angefochtenen Entscheids ist die im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführerin
zur Ergreifung der Beschwerde berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde gegen den am 13. März 2018 versandten Rekursentscheid
wurde mit Eingabe vom 11. April 2018 unter Berücksichtigung des Stillstands der
Beschwerdefrist über die Osterfeiertage rechtzeitig erhoben (Art. 64 und Art. 47 Abs. 1
VRP sowie Art. 30 Abs. 1 VRP und Art. 145 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO) und erfüllt zusammen mit der Ergänzung der vom
30. April 2018 formal wie inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2.
2.1. Weder das Migrationsamt noch die Vorinstanz gehen davon aus, dass die
Beschwerdeführerin und ihr in der Schweiz niederlassungsberechtigter Ehemann am 1.
Oktober 2014 in Serbien eine Schein- oder Zwangsehe eingegangen sind. Auch wenn
für die Beschwerdeführerin und deren Familie, die ihrer eigenen Darstellung nach mit
der Familie ihres Ehemannes über die Heirat einig wurde, ausländerrechtliche
Überlegungen mit von Bedeutung gewesen sein mochten, weisen die beiden –
unbestrittenen – Schwangerschaften der Beschwerdeführerin daraufhin, dass die
Ehepartner die Ehe – auch – mit der Absicht eingingen, ein gemeinsames Familienleben
zu führen.
Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann, die am 1. Oktober 2014 in Serbien
heirateten, leben unbestrittenermassen seit Mitte März 2015 nicht mehr in einem
gemeinsamen Haushalt. Der Ehewille ist jedenfalls seitens des Ehemannes, welcher am
18. März 2015 in Serbien eine Scheidungsklage einleitete, erloschen.
Dementsprechend ist davon auszugehen, dass die Ehegemeinschaft die Dauer von drei
Jahren, welche Voraussetzung für den Anspruch der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. a AuG ist, nicht
erreicht hat.
2.2.
bis
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2.2.1. Die Beschwerdeführerin stützt den geltend gemachten Anspruch auf Art. 50
Abs. 1 Ingress und lit. b AuG. Sie bringt vor, sie sei noch vor ihrer Einreise in die
Schweiz schwanger geworden, aber von ihrem Ehemann und ihrer Schwiegerfamilie zu
einer Abtreibung überredet worden, da es als unschicklich empfunden worden sei,
dass sie vor der religiösen Hochzeit in Serbien schwanger geworden sei. Sie habe
schliesslich eingewilligt, aber eine Fehlgeburt erlitten. Kurze Zeit nach der Fehlgeburt
sei sie wieder schwanger geworden. Wiederum habe man Druck auf sie ausgeübt und
sie zu einer Abtreibung genötigt. Man habe ihr zu diesem Zweck auch Angaben von
Gynäkologen bewusst falsch übersetzt. Nach einer Zusammenkunft beider Familien am
14. März 2015 sei sie von ihrem Ehemann verlassen worden. Dieser sei nach Widnau
zurückgekehrt. Nach dem Treffen habe ein Familienmitglied ihres Ehemannes ihren
Vater angerufen und diesem gesagt, wenn sie das Kind abtreibe, könne sie ihre Papiere
(gemeint gewesen sei die Aufenthaltsbewilligung) behalten. Man habe ihr anlässlich
dieses Treffens angekündigt, dass man nach dem dritten Geburtstag des Kindes dafür
sorgen werde, dass das Kind beim Kindsvater aufwachsen könne. Diese Situation habe
die Beschwerdeführerin in eine massive psychische Krise (mit Suizidgedanken)
gestürzt; sie habe psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen. Ab 8. April 2015 sei sie
ungefähr einen Monat in der psychiatrischen Klinik St. Pirminsberg gewesen. Am
22. September 2015 habe sie Strafanzeige gegen den Ehemann erstattet. Die
Beschwerdeführerin bringt sodann vor, dass ihre Wiedereingliederung im Heimatland
gefährdet sei. Sie könne nur in der Schweiz darauf vertrauen, dass ihr das Kind nicht
im Alter von drei Jahren weggenommen werde. In ihrer Mentalität sei das ein sehr
schwieriger Zustand, das gehe nicht. Es werde dort sehr viel herumgesprochen.
Angesichts dessen sei es besser, wenn sie bei ihren Eltern, bei ihrer Familie bleiben
könne. Sie hätte in Serbien grosse Schwierigkeiten, wieder zu heiraten. In Serbien finde
man als alleinerziehende Mutter keine Stelle und könne das Leben nicht selbständig
führen. Die Sorge um einen Sorgerechtsentzug in Serbien sei durchaus begründet.
Denn es gebe noch heute Orte in Serbien, in denen die Kinder bei einer Scheidung
automatisch dem Vater zugesprochen würden. Das Kind habe zudem eine gefestigte
Beziehung zum Vater, der über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz verfüge.
Der Kontakt zwischen Vater und Tochter könne nur in der Schweiz wirksam und
kindgerecht gelebt werden. Es liege deshalb ein Härtefall im Sinne von Art. 50 Abs. 1
lit. b in Verbindung mit Abs. 2 AuG vor.
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2.2.2. Gemäss Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b AuG besteht der Anspruch des
Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
nach den Art. 42 und 43 AuG nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft
weiter, wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz
erforderlich machen. Es geht darum, Härtefälle bei der Bewilligungsverlängerung nach
der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft zu vermeiden. Der nacheheliche Härtefall
knüpft an den abgeleiteten Anwesenheitsanspruch nach Art. 42 Abs. 1
beziehungsweise Art. 43 Abs. 1 AuG an; bei der Beurteilung der "wichtigen
persönlichen Gründe" sind in der Folge aber sämtliche Umstände des Einzelfalles mit
zu berücksichtigen. Im Gegensatz zur Ermessensbewilligung nach Art. 30 Abs. 1
Ingress und lit. b AuG, wonach die kantonale Bewilligungsbehörde unter Zustimmung
des Bundesamts von den Zulassungsvoraussetzungen (Art. 18-29 AuG) abweichen
kann, um "schwerwiegenden persönlichen Härtefällen oder wichtigen öffentlichen
Interessen Rechnung zu tragen" (allgemeiner ausländerrechtlicher Härtefall), ist hier
nicht von Bedeutung, wie stark der einzelne Kanton das öffentliche Interesse an einer
restriktiven Einwanderungspolitik gewichtet, sondern allein, wie sich die Pflicht des
Ausländers, die Schweiz verlassen zu müssen, nach der gescheiterten Ehe auf seine
persönliche Situation auswirkt. Während Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b AuG in
Weiterführung von Art. 13 Ingress und lit. f der Verordnung über die Zahl der
Begrenzung der Ausländer (AS 1986 S. 1791 ff., 1795 f.; BVO, aufgehoben per
1. Januar 2008) als Ermessensbewilligung für sämtliche ausländerrechtliche Härtefälle
gilt, hat der Gesetzgeber in Art. 50 AuG den nachehelichen Härtefall als
Anspruchsbewilligung geregelt, wobei sich die jeweils zu berücksichtigenden
Interessen oder wichtigen Gründe mit den anderen Härtefallregeln überschneiden
können (Dauer der Anwesenheit, Integration, Zumutbarkeit der Rückkehr usw.). Der
Härtefall nach Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b AuG ist für Situationen gedacht, in denen
die Voraussetzungen der Litera a nicht erfüllt sind, sei es, dass der Aufenthalt während
der Ehe von kürzerer Dauer war oder dass die Integration nicht fortgeschritten ist oder
es an beidem fehlt, aber – aufgrund sämtlicher weiterer Umstände – eine
Härtefallsituation vorliegt, welche früher im Rahmen von Art. 13 Ingress und lit. f BVO
hätte berücksichtigt werden können. Der Gesetzgeber wollte mit Art. 50 AuG die
diesbezüglich unterschiedlichen kantonalen Praxen vereinheitlichen (Botschaft AuG,
BBl 2002 S. 3709, S. 3754 Ziff. 1.3.7.6). Der ursprünglich vom schweizerischen
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beziehungsweise niedergelassenen Ehepartner abgeleitete Bewilligungsanspruch soll
in Ausnahmesituationen unter einheitlichen bundesrechtlichen Kriterien verselbständigt
weiterbestehen, wobei für den späteren Erwerb der Niederlassungsberechtigung aber
die allgemeinen Regeln (Art. 50 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 34 AuG) und nicht mehr
die speziellen Bestimmungen von Art. 42 Abs. 3 beziehungsweise Art. 43 Abs. 2 AuG
gelten (BGE 137 II 345 E. 3.2.1 mit zahlreichen Hinweisen).
Wichtige Gründe können gemäss Art. 50 Abs. 2 AuG und der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung namentlich dann vorliegen, wenn die ausländische Person mit
abgeleitetem Aufenthaltsrechtrecht Opfer ehelicher Gewalt wurde oder wenn ihre
soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (BGE 137 II
345 E. 3.2.2). Bei der starken Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung ist etwa an
geschiedene Frauen (mit Kindern) zu denken, welche in ein patriarchalisches
Gesellschaftssystem zurückkehren und dort wegen ihres Status als Geschiedene mit
Diskriminierungen oder Ächtungen rechnen müssten (BGE 137 II 345 E. 3.2.2).
Nach der Rechtsprechung ist im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b in
Verbindung mit Art. 50 Abs. 2 AuG jede Form ehelicher beziehungsweise häuslicher
Gewalt, sei sie körperlicher oder psychischer Natur, ernst zu nehmen. Häusliche
Gewalt bedeutet systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle
auszuüben und nicht eine einmalige Ohrfeige oder eine verbale Beschimpfung im
Verlauf eines eskalierenden Streits. Ein Anspruch nach Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b
AuG wird auch nicht bereits durch eine einmalige tätliche Auseinandersetzung
begründet, in deren Folge der Ausländer in psychischem Ausnahmezustand und mit
mehreren Kratzspuren im Gesicht einen Arzt aufsucht, zumal wenn anschliessend eine
Wiederannäherung der Eheleute stattfindet. Das Gleiche gilt, wenn der Ehepartner den
Ausländer nach einem Streit aus der Wohnung weist, ohne dass das Opfer körperliche
oder psychische Schäden erleidet. Die physische oder psychische Zwangsausübung
und deren Auswirkungen müssen vielmehr von einer gewissen Konstanz
beziehungsweise Intensität sein (BGE 138 II 229 E. 3.2.1).
Auch psychische beziehungsweise sozioökonomische Druckausübung wie dauerndes
Beschimpfen, Erniedrigen, Drohen und Einsperren kann einen für die Annahme eines
nachehelichen Härtefalls relevanten Grad an unzulässiger Oppression erreichen. Dies
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ist praxisgemäss der Fall, wenn die psychische Integrität des Opfers bei einer
Aufrechterhaltung der ehelichen Gemeinschaft schwer beeinträchtigt würde. Nicht jede
unglückliche, belastende und nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende
Entwicklung einer Beziehung begründet indessen bereits einen nachehelichen Härtefall
und ein weiteres Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Beeinträchtigt ein Gatte in
schwerwiegender Weise andauernd grundlegende, verfassungs- und
menschenrechtlich relevante Positionen des andern, hat der Staat dessen Recht, sich
dem entsprechenden oppressiven privaten Verhalten zu entziehen, im
Migrationszusammenhang insofern Rechnung zu tragen, als er keine unzumutbar
hohen Anforderungen an einen möglichen Verbleib im Land stellen darf. Dabei ist eine
Gesamtbetrachtung vorzunehmen. Zwar können die eheliche Gewalt einerseits und die
starke Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung im Herkunftsland anderseits
praxisgemäss je für sich allein einen wichtigen persönlichen Grund im Sinne von Art. 50
Abs. 1 Ingress und lit. b darstellen und sind die beiden Elemente nicht kumulativ zu
verstehen; dies schliesst indessen nicht aus, im Einzelfall beide Elemente zu
berücksichtigen und den Härtefall auch zu bejahen, wenn diese je für sich selber hierzu
nicht genügen würden, ihre Kombination aber wertungsmässig einem wichtigen
persönlichen Grund im Sinn von Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b AuG gleichkommt (vgl.
BGE 138 II 229 E. 3.2.2).
Die Aufzählung der wichtigen Gründe in Art. 50 Abs. 2 AuG ist nicht abschliessend. Ein
wichtiger persönlicher Grund kann sich deshalb auch aus anderen Umständen oder
Aspekten im In- oder Heimatland der betroffenen Person ergeben. Die in Art. 31 Abs. 1
der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE)
erwähnten Gesichtspunkte können bei der entsprechenden Wertung eine Rolle spielen,
auch wenn sie einzeln betrachtet grundsätzlich noch keinen Härtefall begründen, so
etwa der Grad der Integration, die Respektierung der Rechtsordnung, die
Familienverhältnisse, die finanziellen Umstände, die Dauer der Anwesenheit oder der
Gesundheitszustand des Betroffenen und seiner Familie. Da es im Rahmen von Art. 50
Abs. 1 Ingress und lit. b AuG um nacheheliche Härtefälle geht, das heisst an die
ursprünglich aus der Ehe abgeleitete Bewilligung angeknüpft wird, sind auch die
Umstände, die zum Abschluss beziehungsweise zur Auflösung der Ehe geführt haben,
von Bedeutung (BGE 137 II 345 E. 3.2.3).
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Der ausländischen Person obliegt zwar bei den Feststellungen des entsprechenden
Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht. Nach der Praxis wird jedoch –
anders, als im Strafrecht, wo ein strengeres Beweismass gilt (Unschuldsvermutung) –
nicht der direkte Beweis für das Vorliegen anspruchsbegründender ehelicher Gewalt im
Sinn von Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b AuG verlangt. Vielmehr genügt es, wenn die
ausländische Person diese in geeigneter Weise glaubhaft macht (vgl. BGer
2C_765/2013 vom 2. Juni 2014 E. 4.3 mit Hinweisen).
2.2.3. Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte psychische Gewalt hat zwar
vorliegend nicht dazu geführt, dass sie selbst eine Scheidungsklage eingereicht und
auf die Auflösung der Ehe hingewirkt hätte. Die Auflösung der Ehegemeinschaft ist
vielmehr auf den Ehepartner zurückzuführen, dem – und dessen Familie – die
Gewaltausübung angelastet wird. Diese Konstellation entspricht an sich nicht dem
Regelfall, in welchem der Ehegatte, welchem die Ausübung ehelicher Gewalt
vorgeworfen wird, an der Ehe festhalten, und der gewaltbetroffene Ehegatte die
Auflösung der Ehegemeinschaft anstrebt. Ausschlaggebend ist indessen, dass dem
Ehepartner, welcher sich auf den Weiterbestand seines Anspruchs nach Art. 42 und 43
AuG beruft, die Ehegemeinschaft aufgrund der erlittenen psychischen Gewalt nicht
mehr zugemutet werden kann. Die Beschwerdeführerin war gerade deshalb bereit,
entgegen der Scheidungsabsicht ihres Ehegatten an der Ehe festzuhalten, weil sie
befürchtete, andernfalls ihr Anwesenheitsrecht in der Schweiz zu verlieren. Der
Ehegatte der Beschwerdeführerin hat den Ehewillen erst aufgegeben, nachdem die
Beschwerdeführerin entgegen seinem Druck und demjenigen seiner Familie an der
Schwangerschaft festhielt. Zudem führten der Ehemann und seine Familie fort, was sie
bereits während der Ehe begannen. Der Beschwerdeführerin unter diesen Umständen
entgegenzuhalten, ihr Ehemann wolle an der Ehe nicht mehr festhalten, weshalb sie
sich nicht auf Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b in Verbindung mit Art. 50 Abs. 2 AuG
berufen könne, widerspräche deshalb dem Sinn der Härtefallbestimmung (vgl. BGer
2C_515/2016 vom 22. August 2017 E. 2.6).
2.2.4. In tatsächlicher Hinsicht geht das Verwaltungsgericht davon aus, dass die
Beschwerdeführerin von ihrem Ehemann und seiner Familie bei ihren beiden
Schwangerschaften jeweils unter Androhung von Nachteilen aufgefordert wurde, sie
abzubrechen.
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2.2.4.1. Die erste Schwangerschaft, welche im zeitlichen Umfeld der Heirat vom
1. Oktober 2014 eintrat, sollte die Beschwerdeführerin abbrechen, weil die Familie des
Ehemannes eine schwangere Ehefrau anlässlich des Hochzeitsfestes im Dezember
2014 als nicht schicklich erachtete. Dass der Ehemann und seine Familie eine
erkennbar schwangere Braut anlässlich des Hochzeitsfestes als nicht angebracht
erachteten, bestätigen sie mit ihrer Aussage, in ihrer Kultur werde üblicherweise im
Sommer geheiratet. Weil die Beschwerdeführerin schwanger gewesen sei, habe man
innert dreier Tage die Hochzeit im Dezember geplant (vgl. act. 12/14.2 Seite 5/9,
Fragen 40 und 46). Sie hat – nach ihrer Schilderung – diesem Anspruch schliesslich mit
einer Abtreibung in Serbien Rechnung tragen wollen, jedoch vorgängig aufgrund der
psychischen Belastung eine Fehlgeburt erlitten. Dieser Zusammenhang scheint vor
dem Hintergrund der achtenswerten moralischen Ansprüche der Beschwerdeführerin,
wie sie sie im Umgang mit den erneuten Abtreibungsforderungen ihres Ehemannes und
seiner Familie nach Eintritt der zweiten Schwangerschaft zeigte, nachvollziehbar. Das
von der Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang angestrengte Strafverfahren
wurde zwar am 19. Juni 2018 eingestellt, weil für die Strafbehörde unklar blieb, ob es
zu einer Fehlgeburt und einer anschliessenden Ausschabung in Serbien kam oder ob
das Kind in Serbien abgetrieben wurde (act. 15.1 und 18). Die fehlende strafrechtliche
Verurteilung ist indessen für die ausländerrechtliche Beurteilung nicht massgebend (vgl.
BGE 138 II 229 E. 3.3.3; BGer 2C_68/2017 vom 29. November 2017 E. 5.3). Zumal die
Beschwerdeführerin nach ihrer Einreise in die Schweiz mit ihrem Ehemann und seinen
Eltern und drei Geschwistern in einer 3-Zimmer-Wohnung lebte und dabei auch den
Erwartungen an das Verhalten im Haushalt – neben ihrer vollzeitigen Erwerbstätigkeit –
Kaffee machen am Morgen für den Schwiegervater und Zimmer reinigen – nicht
genügen konnte (vgl. act. 6/6, Antwort auf Frage 32), erscheint die Darstellung der
Beschwerdeführerin, immer wieder mit der Forderungen nach einem Abbruch der
Schwangerschaft konfrontiert gewesen zu sein (vgl. Dossier, S. 66, Antworten auf
Fragen 93 und 96), glaubhaft.
2.2.4.2. Die Beschwerdeführerin stellte die zweite Schwangerschaft am 22./23. Januar
2015 fest (Dossier, S. 61, Antwort auf Frage 48). Sie war – gemäss der Schilderung der
Beschwerdeführerin – eingetreten, weil der Ehemann entgegen dem Willen der
Beschwerdeführerin und den ärztlichen Empfehlungen die "ehelichen Pflichten
eingefordert" hatte (Dossier, S. 60, Antwort auf Frage 45).
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Das Untersuchungsamt Altstätten geht in der Anklageschrift vom 19. Juni 2018 davon
aus, der Ehemann habe der Beschwerdeführerin nach Konsultation zweier Ärzte, deren
Ausführungen sie mangels ausreichender Deutschkenntnisse nicht verstanden hatte,
wahrheitswidrig mitgeteilt, mit dem Kind sei "etwas nicht in Ordnung", dass es dem
Kind "nicht gut" gehe und sie einen Termin in St. Gallen für eine Abtreibung
vereinbaren müssten. Nachdem ihre Schwiegereltern ihr jedoch versichert und eine
weitere ärztliche Untersuchung vom 16. Februar 2015 ihr bestätigt hatten, dass mit
dem Kind alles in Ordnung sei, habe sie nichts dergleichen veranlasst (Ziffer 1.2.1 der
Anklageschrift vom 19. Juni 2018, act. 15.1). In der Folge habe der Ehemann über
seinen Onkel dem Vater der Beschwerdeführerin anfangs März 2015 völlig unerwartet
mitteilen lassen, er wolle sich trennen. Die Beschwerdeführerin sei einen Tag, bevor am
14. März 2015 die Trennung im Familienkreis besprochen worden sei, ausgezogen. Der
Ehemann habe sie bei dieser Gelegenheit ein weiteres Mal aufgefordert, das Kind
abzutreiben; dies sei im dritten Monat noch erlaubt. Im Gegenzug sei keine offizielle
Scheidung nach Schweizer Recht, sondern eine Trennung nach serbischer Tradition
beabsichtigt worden. Die Beschwerdeführerin sollte den Familiennamen behalten und
in der Schweiz bleiben können (Ziffer 1.3.1 der Anklageschrift vom 19. Juni 2018,
act. 15.1). Im vierten Monat der Schwangerschaft habe der Ehemann über seinen
Onkel dem Vater der Beschwerdeführerin ausrichten lassen, wenn sie das Kind
behalte, werde sie nach Serbien abgeschoben und er werde ihr dort die Tochter
"wegnehmen". Andernfalls würden sie aber dafür sorgen, dass sie in der Schweiz
bleiben könne (Ziffer 1.4.1 der Anklageschrift vom 19. Juni 2018, act. 15.1).
Der Befragung des Bruders der Beschwerdeführerin im Strafverfahren am 18. April
2017 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin nach wie vor zusammen mit ihren
Schwiegereltern und ihrem Ehemann sowie dessen drei Geschwistern in einer 3-
Zimmer-Wohnung lebte und die Familie des Ehemanns das Verhalten der
Beschwerdeführerin im gemeinsamen Haushalt beanstandete. Sodann ergab die
Befragung, dass in der fraglichen Zeit sowohl ihr Ehemann als auch dessen Vater ohne
Arbeit waren (act. 6/6, Antwort zu Frage 32). Auch aus dem Verfahren betreffend
vorsorgliche Massnahmen im ausländischen Scheidungsverfahren ergibt sich, dass der
Ehemann während der Dauer der ehelichen Gemeinschaft und auch später – jedenfalls
bis 2018 (vgl. Bericht der Sozialen Dienste Oberes Rheintal vom 6. April 2018,
act. 6/19, lit. d) – kein dauerhaftes signifikantes Erwerbseinkommen erzielte (vgl. die
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Unterhaltsberechnung des zuständigen Familienrichters im Eheschutzverfahren
25. August 2015, act. 12/3 Beilage 5; den Hinweis auf die Arbeitslosigkeit im Mai 2017
im Zirkulationsbeschluss der KESB Rheintal vom 7. Juli 2017, act. 6/7 lit. L; die
Aufstellung der Sozialen Dienste Oberes Rheintal vom 23. März 2018 hinsichtlich der
Bevorschussung des Kindesunterhalts, act. 6/11). Der Ehemann selbst machte im
Berufungsverfahren gegen die vom Familienrichter angeordneten vorsorglichen
Massnahmen geltend, er habe in der Schweiz keine beruflichen Perspektiven (act. 12/3
Beilage 8 insbesondere Ziffer 10). Damit übereinstimmend bringt die
Beschwerdeführerin vor, sie habe mit ihrem Einkommen zum grossen Teil den
gemeinsamen Lebensunterhalt bestreiten müssen. Diese Umstände deuten darauf hin,
dass die Beschwerdeführerin auch weiterhin für die wesentlichen Familieneinkünfte
hätte sorgen sollen. Dem standen Schwangerschaft, Niederkunft und anschliessende
Kindesbetreuung entgegen.
Aus den glaubhaften Schilderungen der Beschwerdeführerin ist sodann zu schliessen,
dass der Ehemann ihre mangelnden Sprachkenntnisse ausnützte und die ärztliche
Einschätzungen des Zustandes des Kindes und ihrer eigenen
schwangerschaftsbedingten Gefährdung durch zwei Gynäkologen falsch übersetzte.
Nachdem ein dritter von der Beschwerdeführerin selbst aufgesuchter Gynäkologe die
Gesundheit des Kindes attestierte, ist nicht davon auszugehen, dass die beiden
vorgängig konsultierten Mediziner eine davon abweichende Einschätzung abgegeben
hatten. Diese Umstände deuten – wie auch die Anklageerhebung zeigt – darauf hin,
dass der Ehemann der Beschwerdeführerin nicht daran interessiert war, dass das Kind
zur Welt kam.
Der psychische Druck des Ehegatten und seiner Familie im Zusammenhang mit dem
Bestreben, sie zu einem Abbruch der Schwangerschaft zu veranlassen, erreichte ein
Ausmass, welches die Beschwerdeführerin unmittelbar nach der Trennung im März
2015 – mithin entgegen der Auffassung ihres Ehemannes nicht erst nach der Eröffnung
des Verfahrens betreffend Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung durch das
Migrationsamt am 25. Juni 2015 (Dossier Seite 24) – veranlasste, sich an die Opferhilfe
St. Gallen zu wenden und in psychiatrische Behandlung zu begeben (vgl. 12/3.1 und
12/9). Am 8. April 2015 – in der 17. Schwangerschaftswoche – wurde sie aufgrund
einer mittelgradig depressiven Episode und Suizidgedanken zum stationären Aufenthalt
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der psychiatrischen Klinik St. Pirminsberg zugewiesen. Die Fachpersonen stellten fest,
dass sich die Beschwerdeführerin in einem schlechten psychischen und physischen
Zustand befand und unter der Behandlung durch ihren Mann und seine Familie litt. Der
Zusammenhang zwischen der erlebten psychischen Gewalt und der depressiven
Episode wird als im Sinn des "Vulnerabilitäts-Stress-Modelles" plausibel bezeichnet.
Von anderen Gründen – etwa einer vorbestandenen Erkrankung – gehen die
Fachpersonen, insbesondere die Leiterin des Kompetenzzentrums Gynäkopsychiatrie,
aufgrund der Schilderungen der Beschwerdeführerin und ihrer Familie nicht aus (vgl.
dazu die Berichte der Opferhilfe vom 7. Dezember 2015 und der Psychiatrie-Dienste
Süd vom 17. Dezember 2015, act. 12/3 Beilagen 3 und 9).
Im von der Beschwerdeführerin gegen ihren Ehemann angehobenen
Untersuchungsverfahren bestreiten der Ehemann – und dessen Familie – den Vorwurf
der Nötigung zum Schwangerschaftsabbruch. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der
Ehemann wegen seiner Ausreise nach Serbien nicht persönlich befragt werden konnte
und telefonisch einzig geltend machte, er habe "keine gute Frau geheiratet". Am 5.
März 2016 bestritten er und sein Vater, die Beschwerdeführerin zu einer Abtreibung
genötigt zu haben (act. 12/14.1 Seite 2/3). An der Hauptverhandlung im Verfahren
betreffend vorsorgliche Massnahmen im ausländischen Scheidungsverfahren gab er
am 25. August 2015 an, die Beschwerdeführerin habe ihm gesagt, sie unterhalte eine
Beziehung zu einem anderen Partner und sei in einer Nacht- und Nebelaktion
ausgezogen (act. 12/12.2 S. 7/17). Eine solche Beziehung ist indessen nicht
aktenkundig. Andere Gründe für die vom Ehemann der Beschwerdeführerin
angestrebte Auflösung der Ehe als die Schwangerschaft der Beschwerdeführerin und
den Umstand, dass sie das Kind zur Welt bringen wollte, lassen sich den Akten –
insbesondere auch dem Polizeibericht zum Nötigungsvorwurf vom 1. Dezember 2015
(act. 12/4 Beilage 10) – nicht entnehmen.
2.2.4.3. Die Beschwerdeführerin, gegen die ihr Ehemann das Scheidungsverfahren
eingeleitet hatte, wurde vor die Wahl gestellt, entweder ihr Kind abzutreiben und – auf
welchem Weg auch immer – ihr Anwesenheitsrecht in der Schweiz zu behalten oder
aber in Serbien – wohin sie nach Erlöschen ihres Anspruchs auf ein Aufenthaltsrecht in
der Schweiz ausreisen müsste – einem Sorgerechtsstreit entgegen sehen zu müssen.
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Diese Befürchtung erscheint nicht bloss abstrakt. Der Ehemann der
Beschwerdeführerin hat – sein Niederlassungsrecht in der Schweiz noch ausübend –
am 18. März 2015 das Scheidungsverfahren nicht in der Schweiz, sondern in Serbien
eingeleitet. Er hat sich sodann während des von der Beschwerdeführerin in der
Schweiz veranlassten Eheschutzverfahrens in seine Heimat abgemeldet und diesen
Umstand als Begründung für eine Reduktion seiner Unterhaltspflichten herangezogen.
Nachdem der zuständige Familienrichter im Entscheid vom 29. Oktober 2015 seinem
Begehren entsprochen hatte, kehrte er wieder in die Schweiz zurück. Sollte die
Beschwerdeführerin mit ihrer Tochter nach dem Verlust ihres Anwesenheitsrechts
wieder in Serbien leben, erscheint es deshalb nicht unrealistisch, dass ihr (ehemaliger)
Ehemann – um das Sorge- und Obhutsrecht über seine Tochter zu erlangen – in
Serbien gegen sie ein entsprechendes Verfahren in Gang setzt. Der – in der Schweiz
niederlassungsberechtigte – Ehemann, der davon überzeugt ist, dass die
Beschwerdeführerin in der Schweiz nicht anwesenheitsberechtigt bleiben werde,
sondern unter Ansetzung einer kurzen Frist werde ausreisen müssen (act. 12/3 Beilage
8 Ziffer 8), bemüht sich denn auch – was durchaus im wohlverstandenen Interesse des
Kindes ist, gleichzeitig aber auch die Drohung gegenüber der Beschwerdeführerin
unterstreicht, sich auf gerichtlichem Weg in Serbien das Sorge- und Obhutsrecht zu
erstreiten – um ein ausgedehntes und reibungslos abgewickeltes Besuchsrecht
(vgl. act. 12/16). Zudem hat er in der Abänderung der vorsorglichen Massnahmen im
ausländischen Scheidungsverfahren vom 7. November 2016 durchgesetzt, dass sich
der Aufenthalts- und Wohnort des Kindes in der Schweiz befindet (vgl. act. 12/16.1
Ziffer 4/1 des Dispositivs). In den Überlegungen des Ehemannes der
Beschwerdeführerin scheinen zusätzlich zu den eigenen Vorstellungen die Wünsche
seiner Herkunftsfamilie eine erhebliche Rolle zu spielen. In den Auseinandersetzungen
über das Besuchsrecht hielt er fest, er anerkenne Urteile eines schweizerischen
Gerichts nicht und werde in der Heimat das alleinige Sorgerecht einklagen. Er weigerte
sich zunächst denn auch, der Beschwerdeführerin den Pass der Tochter
auszuhändigen (vgl. Zirkulationsbeschluss der KESB Rheintal vom 7. Juli 2017 lit. L,
act. 6/7 Seite 4/10.).
Nach Auffassung des für die Befragung des Bruders der Beschwerdeführerin
beigezogenen Dolmetschers ist es in gewissen Regionen Serbiens so, dass bei einer
Scheidung das Kind automatisch zum Vater komme (vgl. act. 6/6, Frage 65).
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2.2.5. Insgesamt ergibt sich das ausreichend nachgewiesene Bild einer systematischen
Ausübung psychischen Drucks auf die Beschwerdeführerin durch ihren Ehemann und
dessen Familie. Die zusammen mit ihrem Ehemann, dessen Eltern und drei
Geschwistern lebende Beschwerdeführerin war – nebst Beanstandungen hinsichtlich
der Betreuung der Familie – auch Abtreibungsforderungen ausgesetzt, die sie dazu
brachten, sich mit der Opferhilfe in Verbindung zu setzen, psychiatrische Hilfe in
Anspruch zu nehmen und eine Strafanzeige einzureichen. Nicht von Belang ist, ob die –
erfolglose – Aufforderung, die zweite Schwangerschaft zu unterbrechen, Ursache oder
Folge der absehbaren Scheidung war. So oder anders sollte der beherrschende
Einfluss selbst den höchstpersönlichen Bereich – nämlich das Recht der schwangeren
Frau, über das Schicksal des ungeborenen Kindes zu entscheiden (vgl. BGE 132 III 359
E. 4.3.2) – umfassen. Damit haben der Ehemann und dessen Familie andauernd
grundlegende, verfassungs- und menschenrechtliche Positionen der
Beschwerdeführerin verletzt (vgl. dazu BGer 2C_293/2017 vom 30. Mai 2017 E. 3.3).
Dass der Ehemann der Beschwerdeführerin und dessen Familie die Absicht verfolgten
und verfolgen, der Beschwerdeführerin psychisch zu schaden, erscheint auch deshalb
glaubhaft, weil sie die Tochter der Beschwerdeführerin während der Ausübung des
Besuchsrechts durch den Vater konsequent mit einem anderen Vornamen ansprechen.
Von den zuständigen Behörden wird dies als "klares Machtgebaren" bezeichnet
(act. 6/7 Seite 4/10; vgl. auch Bericht der Sozialen Dienste Oberes Rheintal vom 6. April
2018, act. 6/19, lit. d). Da die Beschwerdeführerin befürchtet, ihr Ehemann könnte sich
mit der Tochter nach Serbien absetzen, verknüpfte er deren Wunsch, ihr den Pass der
Tochter auszuhändigen, mit der Forderung nach Geld und einem Entgegenkommen
beim Besuchsrecht (vgl. Bericht der Sozialen Dienste des Oberen Rheintals vom
6. April 2014 lit. d). Diese Weiterführung des psychischen Drucks auf die
Beschwerdeführerin selbst nach der Auflösung der Ehegemeinschaft deutet ebenfalls
darauf hin, dass die Beschwerdeführerin auch während des ehelichen
Zusammenlebens einer systematischen psychischen Gewaltausübung ausgesetzt war
(vgl. dazu BGer 2C_515/2016 vom 22. August 2017 E. 2.6).
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin sodann erfolgreich bemüht ist, sich in die
schweizerische Gesellschaft zu integrieren. So war sie – trotz der relativ kurzen
Aufenthaltsdauer in der Schweiz – in der Lage, der mündlichen Verhandlung vor der
Familienrichterin am 7. November 2016 ohne Dolmetscher zu folgen und deren Fragen
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in deutscher Sprache klar zu beantworten (vgl. act. 12/16.2). Einen Deutschkurs Stufe
A2 hat sie im Dezember 2016 immerhin mit dem Prädikat "ausreichend" abgeschlossen
(act. 6/17, Hören 11, Sprechen 13 von jeweils 15 Punkten). Sie hat sodann gemäss
Mitteilung des Sozialamtes Altstätten vom 12. Januar 2018 – welches die Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung befürwortet – sämtliche von ihr bezogenen Sozialhilfeleistungen
zurückbezahlt (act. 12/23.1). Dies war ihr dank der konstanten Ausübung einer
vollzeitigen Erwerbstätigkeit möglich. Die Beschwerdeführerin ist weder im
Betreibungsregister noch im Strafregister verzeichnet (vgl. act. 6/15 und 16). Seit 1. Juli
2018 ist sie bei der Arbeitgeberin, für welche sie zunächst als Leiharbeiterin tätig war,
direkt und unbefristet als Anlagenführerin mit einem Bruttolohn von monatlich
CHF 4'250 zuzüglich 13. Monatslohn angestellt.
2.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde in der Sache gutzuheissen
ist. Der angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom 12. März 2018 ist
dementsprechend aufzuheben. Das Migrationsamt ist anzuweisen, die
Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin – und ihrer Tochter B._– zu verlängern
und die Zustimmung des Staatssekretariats für Migration (vgl. Art. 85 Abs. 2 VZAE und
Art. 4 Ingress und lit. d der Verordnung des EJPD über die dem Zustimmungsverfahren
unterliegenden ausländerrechtlichen Bewilligungen und Vorentscheide, SR 142.201.1)
einzuholen.
3. Die Beschwerdeführerin beantragt zudem, dass ihre Rechtsvertreterin für das
Verfahren vor der Vorinstanz entsprechend der Honorarnote mit CHF 3‘420.45 statt
CHF 1‘920 (samt Barauslagen, ohne Mehrwertsteuer) zu entschädigen sei.
Den Behörden kommt bei der Festlegung der ausseramtlichen Entschädigung ein
erheblicher Ermessensspielraum zu (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.
gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen SZ/St. Gallen 2004, S. 202). Bei der
Festsetzung der Honorarpauschale ist die eingereichte Kostennote zu berücksichtigen.
Die Gründe für Kürzungen der Kostennote müssen aber nur summarisch dargelegt
werden, und der Vertreter braucht nicht vorgängig angehört zu werden (vgl. Hirt, a.a.O.,
S. 208). Dies ist namentlich deshalb gerechtfertigt, weil sich die
Pauschalentschädigung nicht nur nach dem Umfang der Bemühungen der
Rechtsvertreterin richtet (VerwGE B 2014/214 vom 27. November 2015 E. 4.2.1,
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www.gerichte.sg.ch). Der Aufwand, der sich aus der Kostennote ergibt, ist lediglich ein
Bemessungsfaktor neben anderen (VerwGE B 2015/108 vom 17. Dezember 2015 E. 5,
VerwGE B 2014/196 vom 25. Februar 2016 E. 5, www.gerichte.sg.ch). Dies gilt umso
mehr, als Art. 98 Abs. 2 VRP für das Rekursverfahren ausdrücklich lediglich eine
"angemessene" – und damit nicht ohne Weiteres eine volle – Entschädigung vorsieht
(vgl. BGer 1C_165/2016 vom 27. März 2017 E. 4.2; Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 848).
Die Vorinstanz hat die Gründe für die Kürzung dargelegt. Der von der
Beschwerdeführerin vorgebrachte besondere Koordinationsaufwand mit verschiedenen
involvierten Stellen ist für ein ausländerrechtliches Verfahren nicht in einem Ausmass
ungewöhnlich, welches bei einem Rahmen von CHF 500 bis 6'000 (Art. 22 Abs. 1
Ingress und lit. a der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtagenten; sGS
963.75, HonO) ein – ungekürztes – Pauschalhonorar inklusive pauschale Barauslagen
für ein Rekursverfahren von CHF 2'400 (zuzüglich acht Prozent Mehrwertsteuer – die
anwaltlichen Leistungen im Rekursverfahren wurden im Wesentlichen vor dem
1. Januar 2018 erbracht (vgl. Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur Steuersatzänderung per
1. Januar 2018, www.estv.admin.ch) – als ausserhalb des vorinstanzlichen
Ermessensbereichs liegend erscheinen liesse. Die Beschwerde erweist sich
dementsprechend bezüglich der Rüge, die Vorinstanz habe das Honorar für das
Rekursverfahren ungerechtfertigt tief festgesetzt, als unbegründet. In diesem Punkt ist
sie abzuweisen.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend hat die Beschwerdeführerin die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens zu einem Fünftel zu tragen; vier Fünftel sowie die
Kosten des Rekursverfahrens werden dem Staat auferlegt (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Entscheidgebühren von CHF 2'000 für das Beschwerde- und – entsprechend der
vorinstanzlichen Festsetzung – von CHF 1000 für das Rekursverfahren sind
angemessen und verhältnismässig (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12; Art. 100 VRP und Nr. 10.10 des Gebührentarifs für die Kantons- und
Gemeindeverwaltung, sGS 821.5). Der von der Beschwerdeführerin im
Beschwerdeverfahren zu tragende Anteil von CHF 400 geht zufolge ihrer Befreiung von
den Gerichtskosten ebenfalls zulasten des Staates (vgl. Art. 99 Abs. 2 VRP in
Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 Ingress und lit. b der Schweizerischen
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Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO). Auf die Erhebung ist insgesamt zu verzichten
(Art. 95 Abs. 3 VRP).
Der Staat (Sicherheits- und Justizdepartement) hat die Beschwerdeführerin für das
Beschwerdeverfahren ermessensweise – die Rechtsvertreterin hat keine Kostennote
eingereicht – ausseramtlich pauschal mit CHF 1'200 – dem Verfahrensausgang
entsprechend drei Fünftel von CHF 2'000 – zuzüglich CHF 48 Barauslagen (vier
Prozent des Honorars) und 7,7 Prozent Mehrwertsteuer zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1
sowie Art. 98 und 98 VRP; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 832; Hirt, a.a.O., S. 183 f.;
Art. 19, Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b, Art. 28 und Art. 29 HonO). Die von der
Vorinstanz festgesetzte ausseramtliche Entschädigung für das Rekursverfahren von
ungekürzt CHF 2'400 zuzüglich acht Prozent Mehrwertsteuer wurde als rechtmässig
beurteilt (vgl. oben Erwägung 4).