Decision ID: 41062552-d21d-436c-bb24-aa3a9c24c211
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Die Staatsanwaltschaft Baden erhob am 1. Juni 2021 Anklage gegen den
Beschuldigten wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungs-
mittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG, mehrfachen Fahrens ohne
Berechtigung, mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, mehrfacher
Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG,
Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. d WG
und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
2.
Das Bezirksgericht Baden sprach den Beschuldigten mit Urteil vom
7. September 2021 gemäss Anklage schuldig und verurteilte ihn zu einer
teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten bei einem bedingt vollzieh-
baren Anteil von 15 Monaten, einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen und
einer Busse von Fr. 500.00. Es verzichtete unter Verlängerung der
Probezeit auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Baden vom 10. September 2019 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von
30 Tagessätzen und entschied über die beschlagnahmten Gegenstände.
3.
3.1.
Mit Berufungserklärung vom 6. Februar 2022 beantragte der Beschuldigte
einen Freispruch von den Vorwürfen der qualifizierten Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie der Widerhandlungen gegen das
Waffengesetz. Er beantragte eine Verurteilung zu einer bedingten Geld-
strafe von 120 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 1'000.00 sowie die
Herausgabe des beschlagnahmten Bargelds von Fr. 8'064.80.
3.2.
Der Beschuldigte reichte am 8. April 2022 vorgängig zur Berufungs-
verhandlung seine Berufungsbegründung ein.
3.3.
Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 13. April 2022 beantragte die
Staatsanwaltschaft die Abweisung der Berufung des Beschuldigten.
3.4.
Die Berufungsverhandlung fand am 22. Juni 2022 statt.
- 3 -

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Die Berufung richtet sich gegen die Schuldsprüche wegen qualifizierter
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie mehrfacher
Widerhandlung gegen das Waffengesetz, das Strafmass und die Ein-
ziehung des beschlagnahmten Bargelds. Im Übrigen ist das Urteil der
Vorinstanz unangefochten geblieben. Eine Überprüfung dieser unbe-
strittenen Punkte findet grundsätzlich nicht statt (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.
2.1.
Die Vorinstanz hat den angeklagten Sachverhalt hinsichtlich des Besitzes
sowie der Veräusserungen von Betäubungsmitteln (Kokain, Heroin, Sevre-
Long) gemäss Anklageziffern 1.1 und 1.2 als erstellt erachtet und den
Beschuldigten unter Annahme einer Handlungseinheit der qualifizierten
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 2
lit. a BetmG schuldig gesprochen.
Der Beschuldigte macht im Wesentlichen geltend, er habe eine grössere
Menge Drogen zum Eigenkonsum besessen, damit er während des
«Lockdowns» nicht täglich oder wöchentlich auf den leeren Strassen nach
Händlern habe Ausschau halten müssen. Zu Veräusserungshandlungen
sei es – mit Ausnahme der beiden anerkannten – nicht gekommen.
2.2.
2.2.1.
In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass der
Beschuldigte am 26. August 2020 diverse Drogen besessen (Anklage-
ziffer 1.1 Abs. 1), gleichentags um ca. 13:30 Uhr 0.2 g Heroingemisch an
B. übergeben (Anklageziffer 1.2.4) und im Zeitraum von Juni 2020 bis
26. August 2020 mehrmals Heroingemisch in nicht bestimmbarer Menge
an C. übergeben hat (Anklageziffer 1.2.6).
Umstritten ist, ob bei den übrigen Treffen mit weiteren Personen Über-
gaben von Betäubungsmitteln erfolgt sind und damit, ob der Besitz zu
Veräusserungszwecken oder für den blossen Eigenkonsum bestimmt war.
2.2.2.
Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten
Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen
unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-
setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den
Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss
abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer
möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass
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bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den
Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst
anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen
Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als
Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 144 IV 345; Urteil des Bundes-
gerichts 6B_1395/2019 vom 3. Juni 2020 E. 1.1).
2.2.3.
Zunächst stellen die sichergestellten, aus dem Besitz des Beschuldigten
stammenden grossen Mengen an Betäubungsmitteln von 48.6 g Kokain-
gemisch, 40.55 g Heroingemisch und 45 hauptsächlich rote Kapseln Sevre-
Long (Untersuchungsakten [UA] act. 309 ff., 342 ff.) isoliert betrachtet ein
Indiz für Betäubungsmittelhandel dar. Es ist zwar nicht unüblich, dass
Betäubungsmittelkonsumenten einen gewissen Vorrat für den Eigen-
konsum anhäufen, insbesondere um einen allfälligen unbeabsichtigten
Entzug zu verhindern. Doch liegen die sichergestellten Mengen deutlich
über denjenigen eines konsumentenüblichen Vorrats. Weiter spricht die
Qualität der Stoffe gegen einen Eigenkonsum. Insbesondere das Kokain
wurde mit einem Reinheitsgrad von 86 % kaum gestreckt und weist damit
eine deutlich höhere als die gassenübliche Qualität auf. Auch das Heroin
zeugt mit einem Mindest-Reinheitsgrad von 38 % von einer überdurch-
schnittlichen Qualität (vgl. auch Statistiken der Schweizerischen Gesell-
schaft für Rechtsmedizin SGRM, «Betäubungsmittelstatistik Cocain Heroin
Gehaltswerte 2020»). Dieser Umstand spricht nicht nur gegen einen einzig
beabsichtigen Eigenkonsum, sondern stellt im Gegenteil ein Indiz für eine
höhere Hierarchiestufe des Beschuldigten innerhalb des Betäubungsmittel-
handels dar. Sodann wurden neben Betäubungsmitteln in der Geldkassette
typische Dealer-Utensilien wie eine elektronische Kaffeemühle mit Pulver-
rückständen, benutzte und unbenutzte Minigrip-Säckchen in hoher Anzahl,
ein Filzstift, ein 50 g Gewichtsstein, eine Miniwaage, 2 Löffel mit Pulver-
rückständen (UA act. 110 f., 128 ff.) sowie zwei Minigrip-Säckchen mit
9.9 g Paracetamol (UA act. 314, 342 f.), das als gängiges Streckmittel ver-
wendet wird, aufgefunden. Ebenfalls sichergestellt werden konnte Bargeld
von Fr. 3'540.00, welches in gassenüblicher Stückelung (4 x Fr. 200.00,
16 x Fr. 100.00, 12 x Fr. 50.00, 25 x Fr. 20.00, 4 x Fr. 10.00) zusammen
mit den Betäubungsmitteln in der Geldkassette aufbewahrt wurde. Weiter
spricht auch die Tatsache, dass der Beschuldigte über zwei Mobiltelefone
mit unterschiedlichen Nummern verfügte, von denen eine Nummer auf eine
andere, dem Beschuldigten nicht bekannte Person lautete und ihm somit
vermeintlich nicht zugeordnet werden könne, für eine illegale Tätigkeit und
damit eine Händlertätigkeit mit Betäubungsmitteln.
Der Beschuldigte gesteht zumindest die Abgabe von 0.2 g Heroingemisch
an B. am 26. August 2020 sowie von einer nicht bestimmbaren Menge
Heroingemisch an C. ein. Dabei ist es aber nicht geblieben. Gemäss
Aussagen des Beschuldigten war sein Zweit-Mobiltelefon auch für die
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Kommunikation mit «weniger erwünschten Leuten», die ihn nicht auf dem
anderen Mobiltelefon anrufen sollen (UA act. 266). Über diese Nummer des
Zweit-Mobiltelefons haben denn auch – anders als C. als Mitbewohner des
Beschuldigten – mehrere der vorliegenden Abnehmer von
Betäubungsmitteln verfügt (siehe nachstehend). Am Tag der
Hausdurchsuchung vom 26. August 2020 konnte beim Beschuldigten
«nur» dunkles und kein helles Heroin sichergestellt werden. Dies lässt sich
mit der Antwort des Beschuldigten an «D.» auf eine entsprechende
Bestellung («40 dunkel 20 hell») an demselben Tag in Übereinstimmung
bringen, worauf der Beschuldigte geantwortet hat, dass er zurzeit kein «h»,
also helles Heroin, mehr gehabt habe (UA act. 355, 533; siehe E. 2.2.4.4
nachstehend). Diese Interpretation ist angesichts dessen naheliegender,
als diejenige des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung,
wonach mit «dunkel» Heroin sowie mit «helles» Kokain gemeint gewesen
sein könnte (Protokoll der Berufungsverhandlung [Protokoll], S. 9), denn im
Gegensatz zum hellen Heroin hat der Beschuldigte über Kokain (noch)
verfügt. Bei einer Nachricht von E. vom 26. August 2020 hat der
Beschuldigte die Bestellung «1dunk» offenbar auch verstanden und darauf
den Treffpunkt, die Zeit und mit «120» den Preis bestimmt. Allgemein
sprechen die Kontakte mit «D.» und E. (vgl. hierzu UA act. 354, 523 sowie
E. 2.2.4.4 nachstehend) – insbesondere angesichts der verwendeten und
mangels Rückfrage verstandenen Abkürzungen/Codes sowie des für die
Übergabe teilweise regelmässig verwendeten, gleichen Treffpunkts –
deutlich dafür, dass die sichergestellten Betäubungsmittel nicht nur für den
Eigenkonsum, sondern zur regelmässigen Veräusserung bestimmt waren.
Der konsequente Verzicht auf die Nennung des gelieferten oder gekauften
Produkts bzw. die Verwendung von Abkürzungen oder Codes (vgl. «d»
bzw. «b», «h» bzw. «w», «roti», «braunes», «dunkles», «helles») in
Mitteilungen deutet klar auf eine illegale Substanz hin und ist denn auch im
Drogenhandel üblich. Ein allgemein belastendes Indiz liegt weiter darin,
dass der Beschuldigte – wie sich mitunter aus Observationen ergeben hat
– mehrere Kurzkontakte zu Personen, die nachher mit Drogen angehalten
werden konnten oder bei denen es sich zumindest um Drogen-
konsumenten handelt, gehabt hatte.
Dass die (roten) Sevre-Long Kapseln ausschliesslich für einen ange-
strebten Entzug und damit gesamthaft zum Eigenkonsum bestimmt
gewesen wären, ist nicht glaubhaft. Der Beschuldigte hat folgende
Nachricht von «F.» (Telefonnummer [...]) – entgegen der Verteidigung
handelt es sich nicht um eine vom Beschuldigten verschickte Nachricht –
erhalten: «Ok nimsch e roti mit» (UA act. 355, 534). Auch im Gespräch mit
«D.» wollte dieser dem Beschuldigten das nächste Mal noch 2 bringen und
ergänzte später noch «Rot» (UA act. 355). Diese Nachrichten weisen
darauf hin, dass der Beschuldigte auch solche «Roten» abgegeben bzw.
veräussert und erhältlich gemacht hat, zumal vom Beschuldigten auch
keine Absage (wie beispielsweise vorstehend hinsichtlich «20 hell» bzw.
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des hellen Heroins bei «D.») gekommen ist. Angesichts der Farben der sich
im Besitz des Beschuldigten befindenden Betäubungsmittel wurde mit
«Rot» bzw. «e roti» eine (rote) Sevre-Long Kapsel gemeint, was denn der
Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung als möglich eingeräumt
hat (vgl. Protokoll, S. 10). Widersprüchlich erscheint, wenn der
Beschuldigte die Sevre-Long Kapseln tatsächlich ausschliesslich für einen
Entzug gesammelt oder gespart hätte, dass er diese Kapseln nicht nur an
Dritte abgegeben, sondern auch noch – insoweit an sich verfrüht – selber
trotz genügend vorhandenen Heroins konsumiert hätte.
Die Aussagen des Beschuldigten sind – soweit er nicht die Aussage
verweigert hat – widersprüchlich sowie nicht konstant und damit unglaub-
haft. Er gesteht grundsätzlich ein, Heroin oder Kokain allerhöchstens
«getauscht» zu haben, und zwar angeblich gegen Entzugstabletten (UA
act. 275). Dies widerspricht einerseits dem von ihm festgesetzten Preis von
«120» für «1dunk» und andererseits der kurz darauf erfolgten Aussage,
dass er die Tabletten «gekauft» hätte (UA act. 276), was er dann auf
Nachfrage hin angepasst und noch einzig auf B. beschränkt hatte. Es wäre
auch eher nicht zu erwarten, dass Drogenabhängige einzig oder zumindest
regelmässig Heroin oder Kokain gegen Sevre-Long Kapseln eintauschen
könnten oder würden. Erst auf explizite Nachfrage nach offerierten Drogen
hat der Beschuldigte schliesslich eingestanden, auch dem drogen-
abhängigen C. ab und zu Heroin sowie Kokain unentgeltlich abgegeben zu
haben (UA act. 276 f.).
Zusammenfassend bestehen bei freier Würdigung aller Beweise und einer
aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung keine Zweifel
daran, dass das beim Beschuldigten sichergestellte Heroin und Kokain
sowie die Sevre-Long Kapseln nicht für den blossen Eigenkonsum,
sondern auch für die Weitergabe an diverse, dem Beschuldigten teils nur
flüchtig bekannte Personen bestimmt waren (siehe auch E. 2.2.4).
2.2.4.
2.2.4.1.
Nach einem observierten, rund zweiminütigen Treffen zwischen dem
Beschuldigten und G. am 10. Juni 2020 um 18:38 Uhr (vgl. UA act. 491 ff.,
567 ff.) konnte bei G. ein Minigrip mit 4.7 g netto Heroingemisch (vgl.
Bericht des Instituts für Rechtsmedizin der H. vom 29. Juni 2020, UA
act. 328 f.: Reinheitsgehalt 60 % Hydrochlorid, was 2.8 g reinem Heroin
entspricht) sichergestellt werden, auf welchem sich DNA-Spuren des
Beschuldigten befanden (UA act. 325 ff.).
Es fällt auf, dass das Treffen zwischen diesen beiden ein sehr kurzes war,
denn G. verliess nach lediglich 2 Minuten wieder das Fahrzeug. G. hat
anlässlich der delegierten Einvernahme vom 12. November 2020 (UA
act. 554 ff.) trotz mehrfacher expliziter Nachfrage vehement in Abrede
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gestellt, dass bei diesem kurzen Treffen über etwas anderes als die
Aktionszigaretten im Umfang einer ganzen Stange – eine solche Stange
oder überhaupt eine Tasche haben die observierenden Polizisten aller-
dings nicht bemerkt, was bei der Länge bzw. aufgrund der Anzahl einzelner
Zigarettenpackungen zu erwarten gewesen wäre – gesprochen wurde und
schon gar nicht über Heroin, insbesondere habe der Beschuldigte wohl
nichts von seinem Heroin mitbekommen (UA act. 559 ff.). Erst als G. damit
konfrontiert wurde, dass auf dem Minigrip-Säckchen männliche DNA-
Spuren sichergestellt wurden, hat er neu ausgesagt, dass er das Heroin
dem Beschuldigten gezeigt habe, wobei der Beschuldigte das Heroin
vielleicht in den Fingern gehalten habe. Schliesslich habe G. sich nicht
mehr erinnern können, was im Auto gelaufen sei, während seine Aussagen
hinsichtlich der Zigaretten auffallend umfangreich waren. Insbesondere die
Erwähnung eines möglichen Haltens des Säckchens durch den
Beschuldigten erstaunt doch sehr, wurde G. (noch) nicht mitgeteilt, um
wessen männliche DNA-Spur es sich gehandelt hat. Es wäre im Fall eines
angeblichen Kaufs des Heroins durch G. in Q. von einem unbekannten
Dritten vielmehr zu erwarten gewesen, dass er aussagen würde, dass die
DNA-Spur von einem dieser beiden Personen stammen würde. Wieso G.
unter diesen Umständen ausgerechnet den Beschuldigten als möglichen
Träger des Säckchens erwähnt hat, erschliesst sich unter diesen
Umständen überhaupt nicht. Da G. den Beschuldigten angeblich kaum
gekannt und er nicht gewusst habe, ob der Beschuldigte etwas mit Drogen
zu tun habe oder Drogen konsumiere, wäre kaum zu erwarten, dass G.
dem Beschuldigten sein Heroin zum Angeben zeigen sollte, was er aber
auf den Vorhalt einer DNA-Spur des Beschuldigten am Verschlussbereich
des Minigrip-Säckchens ausgeführt hat. Sich selbst musste er zu diesem
Zeitpunkt nicht mehr decken, denn es war unbestritten, dass er im Besitz
der besagten 4.7 g Heroingemisch war. Es bleibt folglich nur noch die
Schlussfolgerung übrig, dass G. mit seiner nachgeschobenen Aussage den
Beschuldigten decken wollte. Dies lässt sich plausibel dadurch erklären,
dass Konsumenten von Betäubungsmitteln nicht nur von den Betäubungs-
mitteln, sondern auch vom Dealer, der ihnen diese verschafft und allenfalls
auch weiterhin verschaffen soll, abhängig sind.
Die Aussagen des Beschuldigten (UA act. 484 ff.) erweisen sich als ebenso
unglaubhaft, schliessen sie doch, nachdem er an der Einvernahme von G.
teilgenommen hatte, an den nicht glaubhaften Aussagen von G. hinsichtlich
Zigaretten sowie Zeigen von Heroin an. Wieso ausgerechnet der ihm nicht
näher bekannte G. die Aktionszigaretten im Umfang einer Stange hätte
kaufen sollen, erschliesst sich nicht, hätte er, der Beschuldigte, doch
problemlos selber von der angeblich jeweils zwei Wochen dauernden und
in mindestens zwei Läden laufenden Aktion profitieren können. G. habe ihm
das Heroin wegen der sehr guten Qualität zeigen wollen, während G.
(schlussendlich) bloss allgemein mit dem Heroin habe angeben wollen und
sich nicht hinsichtlich der Qualität ausgesprochen hat. Der Beschuldigte
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habe das Heroin «kurz» angeschaut, wobei er es in den Händen gehabt
und wieder zurückgegeben habe. Erst auf den Vorhalt hin, dass seine DNA-
Spur vom Verschlussbereich stamme, will der Beschuldigte das Säckchen
nun auch noch geöffnet haben. Mithin haben sowohl der Beschuldigte als
auch G. ihre Aussagen schrittweise den von der Polizei offengelegten
Erkenntnissen angepasst, ohne dass sich diese Aussagen als
nachvollziehbar oder stringent erweisen würden. Eine in sich nicht
schlüssige und unglaubhafte Aussage wird – entgegen dem Beschuldigten
– nicht deshalb glaubhafter, weil sie von zwei Personen erzählt wird.
In Würdigung dieser Umstände und des nachgewiesenen Drogenhandels
samt zwei eingestandenen Abgaben bestehen daher keine Zweifel daran,
dass die 4.7 g Kokaingemisch vom Beschuldigten stammen und an G. bei
diesem Treffen veräussert wurden.
2.2.4.2.
Es ist weiter zu einem observierten, rund dreiminütigen Treffen zwischen I.
samt Kleinkind im Arm und dem Beschuldigten am 10. Juni 2020 im
Personenwagen des Beschuldigten gekommen (UA act. 330 f.). Die
Vorinstanz ist aufgrund der kurzen Dauer und der sinnwidrigen Aussagen
des Beschuldigten ebenfalls von einer Drogenübergabe ausgegangen. Ein
solcher Verdacht ist aufgrund des modus operandi des Beschuldigten,
Abnehmer für wenige Minuten in sein Fahrzeug einsteigen zu lassen, um
dann das Drogengeschäft abzuwickeln, nicht von der Hand zu weisen. Die
Aussagen des Beschuldigten hinsichtlich des Grunds des Treffens sind
wenig nachvollziehbar. So hat er zunächst an der delegierten Einvernahme
vom 19. November 2020 (UA act. 498 ff.) ausgeführt, dass es beim Treffen
um ein persönliches Gespräch gegangen sei (UA act. 498 ff.), während er
vor Vorinstanz neu ergänzt hat, dass man in diesem persönlichen
Gespräch etwas für später abgemacht habe (vorinstanzliche Akten [VA]
act. 47). Dass eine dem Beschuldigten bloss flüchtig bekannte Frau mit
Kleinkind für drei Minuten in dessen Auto für ein Gespräch oder für ein
Gespräch zum Fixieren eines weiteren Gesprächs sitzt, erscheint sehr
seltsam, zumal sie mit ihrem E-Bike direkt hinter dem in seinem Auto
wartenden Beschuldigten angehalten und direkt zu ihm ins Auto gestiegen
ist. Mithin scheint es sich bereits um ein abgemachtes Treffen gehandelt
zu haben. I. hat demgegenüber durchgehend die Aussage verweigert (UA
act. 599 f.). Allerdings ist sie auch schon am 18. März 2013 wegen Fahrens
in fahrunfähigem Zustand sowie Konsums von Heroin verzeigt worden (vgl.
UA act. 602) und hat gemäss dem Beschuldigten Drogen konsumiert
(Protokoll, S. 12).
In Würdigung dieser Umstände und des nachgewiesenen Drogenhandels
samt zwei eingestandenen Abgaben bestehen daher keine Zweifel daran,
dass I. vom Beschuldigten eine unbekannte Menge Heroingemisch
erhalten hat.
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2.2.4.3.
Es ist überdies zu einem observierten, rund dreiminütigen Treffen zwischen
J. und dem Beschuldigten am 16. Juli 2020 gekommen (UA act. 335 f.). Im
Anschluss an das Treffen ist J. umgehend für 37 Minuten mit einem
Kleinkind auf der WC-Anlage der K. Tankstelle in R. verschwunden und
etwas später für 45 Minuten auf jener beim Friedhof in S.. Bereits die Dauer
dieser WC-Besuche ist auffallend lang. Die Fahrweise mit dem Fahrrad –
im Übrigen mit einem Kleinkind im Kindersitz – nach dem ersten WC-
Besuch war derart auffällig, dass die Polizisten des Fahndungs- und
Aktionsdienstes (FAD) dies in ihrem Bericht mit der Bemerkung «völlig
verladen» kommentiert haben, was als Indiz auf einen vorangehenden
Drogenkonsum hindeutet. Anschliessend an den zweiten WC-Besuch hat
J. Material in einem Robidog-Kübel entsorgt. Darin sind nachträglich eine
Kartonverpackung zum Spritzenset «Flash+», eine Spritzenverpackung,
eine Cellophan-Verpackung, ein blaues Papiertuch mit Blutanhaftungen
von einem Menschen und ein leeres Minigrip mit weiblicher DNA
sichergestellt worden (UA act. 332 ff.). Diese Drogenutensilien sind
aufgrund der Sicherstellung nach dem beobachteten Wegwerfen, der
humanen Blutanhaftungen und der weiblichen DNA-Spur zweifellos J., die
auch einen «völlig verladen» Eindruck gemacht hat, zuzuordnen. Sie hat
denn auch weder einen Hund spazieren geführt noch wäre ersichtlich, was
sie sonst separat in einem Robidog hätte entsorgen sollen, was sie nicht
bereits in einem Abfalleimer bei der WC-Anlage hätte tun können. Sie hat
überdies selber eingestanden, dass sie zumindest vor ca. 12 Jahren
eventuell einmal eine Anzeige wegen einer Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz erhalten habe (UA act. 615). Auch der Beschul-
digte hat bestätigt, dass sie Drogen konsumiere (Protokoll, S. 12). Im
Übrigen hat sie – soweit sie nicht die Aussage verweigert hat – auch keine
annährend plausiblen Gründe für die beiden übermässig langen WC-
Besuche und gar nichts bezüglich der weggeworfenen Materialien geltend
machen können. Der Beschuldigte hat zunächst die Aussage im
Wesentlichen verweigert, wobei er aber nicht mehr gewusst habe, um was
es bei dem Treffen gegangen sei (UA act. 506 ff.), während er vor Vor-
instanz wiederum ausgesagt hat, dass es ein persönliches Gespräch
gewesen sei, wo sie etwas für später abgemacht hätten (VA act. 48).
Erstaunlich erscheint einerseits, dass der Beschuldigte sich zunächst an
gar nichts mehr habe erinnern können, dann immerhin noch daran, dass
es ein «persönliches» Gespräch bzw. ein Gespräch zum Fixieren eines
weiteren Gesprächs gewesen sei. Andererseits erscheint auffällig, dass die
«persönlichen Gespräche» des Beschuldigten häufig nicht mehr als zwei
bis maximal drei Minuten dauern und er fast deckungsgleich wie zum
Treffen mit I. erst vor Vorinstanz ausgesagt hat.
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In Würdigung dieser Umstände und des nachgewiesenen Drogenhandels
samt zwei eingestandenen Abgaben bestehen keine Zweifel daran, dass J.
vom Beschuldigten eine unbekannte Menge Heroingemisch zum sofortigen
Konsum erhalten hat.
2.2.4.4.
Es ist weiter am 26. August 2020 zu einer SMS-Konversation zwischen
dem Beschuldigten sowie E. (Telefonnummer [...]; UA act. 354; vgl. zur
Registration sowie Verwendung: UA act. 586 f.) und zwischen dem
Beschuldigten sowie einem «D.» (Telefonnummer [...]; UA act. 355)
gekommen. Es entbehrt entgegen dem Beschuldigten jeglicher
vernünftigen Betrachtungsweise, dass es sich dabei nicht um Bestellungen
von Drogen gehandelt haben soll.
Mit der Nachricht «40 dunkel 20 hell» unter Mitteilung einer möglichen Zeit
sowie Treffpunkt bzw. der späteren Wiederholung «40 b und 20 h» hat «D.»
zweifellos eine Bestellung aufgegeben. Der Beschuldigte hat diese
Bestellung offenbar verstanden (vgl. hierzu auch Protokoll, S. 9) und so-
dann entgegnet, «hani nüt im momänt», worauf «D.» dann halt «60» hat
haben wollen, also «s brune» einmal. Mit «dunkel», «braun» oder «b» war
dunkles Heroin und mit «hell» oder «h» war helles Heroin gemeint (vgl.
auch das am gleichen Tag sichergestellte Heroin des Beschuldigten, wo-
von er «bloss» dunkles Heroin gehabt hat, E. 2.2.3 vorstehend). Der kon-
sequente Verzicht auf die Nennung des gelieferten oder gekauften Pro-
dukts bzw. die Verwendung von Abkürzungen oder Codes (vgl. «braune»,
«dunkel», «hell», «b», «h») in Mitteilungen deutet klar auf eine illegale
Substanz, vorliegend Heroin, hin und ist denn gerade im Drogenhandel
üblich. Dass es sich auch nicht um die erste Bestellung gehandelt hat, zeigt
sich darin, dass «D.» noch bittet, dass es «So wia gescht» sein soll.
Gleiches gilt für die gleichentags geführte Konversation mit E., in welcher
Letzterer «1dunk» geschrieben und nach Ort und Zeitpunkt gefragt hat. Der
Beschuldigte hat sodann Zeit sowie Treffpunkt durchgegeben und «Bring
120» geschrieben, was von E. wiederum mit «Ok» quittiert wurde. Es ist
offensichtlich um eine weitere Bestellung gegangen. E. ist auch schon am
23. Oktober 2019 wegen Besitzes sowie Konsums von Metamphetamin
verzeigt worden (vgl. UA act. 588).
In Würdigung dieser Umstände und des nachgewiesenen Drogenhandels
samt zwei eingestandenen Abgaben bestehen daher keine Zweifel daran,
dass der Beschuldigte an E. eine unbekannte Menge Heroingemisch
übergeben hat.
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2.3.
2.3.1.
Der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19
Abs. 1 BetmG macht sich schuldig, wer Betäubungsmittel unbefugt
veräussert, verordnet, auf andere Weise einem andern verschafft oder in
Verkehr bringt (lit. c) sowie Betäubungsmittel unbefugt besitzt, aufbewahrt,
erwirbt oder auf andere Weise erlangt (lit. d; vgl. BGE 133 IV 187; BGE
130 IV 131, BGE 145 IV 320 E. 1.4.1).
Der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG macht sich der Täter schuldig, wenn er
weiss oder annehmen muss, dass die Widerhandlung mittelbar oder un-
mittelbar die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann (vgl. BGE
145 IV 312; Urteil des Bundesgerichts 6B_1440/2019 vom 25. Februar
2020 E. 2.3), wovon gemäss Rechtsprechung ab einem Grenzwert von
12 Gramm Heroin und 18 Gramm Kokain auszugehen ist.
2.3.2.
Von der beim Beschuldigten sichergestellten Menge an Heroin und Kokain
sowie Sevre-Long Kapseln war ein Teil zum Eigenkonsum und ein Teil zur
Abgabe an Dritte bestimmt. Hinsichtlich des Eigenkonsums nach seinen
ersten beiden Aussagen im Rahmen des Fahrens in fahrunfähigem Zu-
stand hat der Beschuldigte bei seiner Einvernahme zu den vorgeworfenen
Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz die Menge massiv
erhöht. So hat er am 12. Juni 2020 zum Konsum noch 0.1 g Heroin pro
Monat angegeben (UA act. 208), wobei er noch 3 g Heroingemisch sowie
3.5 g Kokaingemisch bei sich gehabt hat (UA act. 210). Demgegenüber
konnte gemäss Blutanalyse sowohl Kokain (176 μg/l) als auch Heroin
(39 μg/l Morphin) nachgewiesen werden (UA act. 212). Der Beschuldigte
hat am 12. August 2020 zum Konsum nur noch 0.05 g Heroin sowie 0.05 g
Kokain jeweils pro Monat angegeben (UA act. 240). Gemäss Blutanalyse
konnte wiederum sowohl Kokain (142 μg/l) als auch Heroin (82 μg/l
Morphin) nachgewiesen werden (UA act. 243). Anlässlich der delegierten
Einvernahme vom 10. September 2020 (UA act. 255 ff.) hat der
Beschuldigte seine Angabe auf 3-4 g Heroin sowie bis zu 8 g Kokain täglich
gesteigert (UA act. 268). Dies würde pro Monat 90-120 g Heroin sowie bis
zu 240 g Kokain entsprechen, was einer Steigerung um das 4'800-Fache
für Kokain und zwischen dem 900-Fachen bis 2'400-Fachen für Heroin pro
Monat entspricht. Diese Angaben sind unglaubhaft und offensichtlich
dahingehend motiviert, den umfangreichen Besitz möglichst als solcher
zum Eigenkonsum darstellen zu können. Im Übrigen hat der Beschuldigte
daneben noch Sevre-Long Kapseln als Medikamente zur Opiatsubstitution
eingenommen. Abgesehen davon, dass sich bei einer derart enormen
Menge mehrerer Drogen in Kombination mit den Sevre-Long Kapseln
Fragen hinsichtlich der Gesundheit bzw. Verträglichkeit stellen (vgl. auch
der Beschuldigte hinsichtlich 8 g Kokain pro Tag, Protokoll, S. 15), so
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würde diese Menge pro Monat mindestens Fr. 16'800 fürs Kokain und
mindestens Fr. 2'700.00 bis Fr. 3'600.00 fürs Heroin kosten (vgl. Angaben
der Polizei zum Gassenpreis von Fr. 70.00 bis Fr. 110.00 pro Gramm
Kokain sowie Fr. 30.00 bis Fr. 60.00 pro Gramm Heroin, UA act. 166, 168,
172). Auch unter Berücksichtigung eines tieferen Einkaufspreises bei
einem Kauf grösserer Mengen verblieben mehrere Fr. 1'000.00 pro Monat.
Wie dies der damals nach seiner Einreise im August 2018 arbeitslose,
insbesondere von der Mutter unterstützte (u.a. kostenloses Wohnen)
Beschuldigte – selbst wenn sich der Konsum erst kurz vor der
Hausdurchsuchung stark gesteigert hätte – hätte finanzieren können, ist
nicht ersichtlich, zumal die Mutter dem Beschuldigten auch noch zumindest
zum Teil die Krankenkasse habe bezahlen müssen (vgl. VA act. 37), was
bei noch genügend sowie direkt verfügbaren finanziellen Mitteln (wie
eingeführtes Bargeld, ein «symbolischer Zustupf» einer Freundin) nicht zu
erwarten wäre. Anlässlich der Berufungsverhandlung machte der Beschul-
digte schliesslich zu seinem Konsum mit 2 g bzw. 2.5 g, allerhöchstens 3 g
Heroin sowie 5 g Kokain nochmals andere Mengenangaben (Protokoll,
S. 6, 14). Weiter ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte bald-
möglichst einen Entzug habe durchführen wollen. Mithin kann sich der
Zeithorizont nur auf einige Tage beschränkt haben. (vgl. hierzu auch den
Beschuldigten, wonach er ohne Verhaftung innert weniger als einer Woche
nach T. gereist wäre und bereits nach zwei Wochen nichts mehr gebraucht
hätte, Protokoll, S. 10 f., 16). Entsprechend kann nur ein kleiner Teil der
umfangreichen Betäubungsmittel als noch für den Eigenkonsum bestimmt
angesehen werden. Für den Eigenkonsum hätten dem Beschuldigten
weiter auch die am 26. August 2020 in der Wohnung der Mutter
sichergestellten 1.3 g Kokaingemisch, 2 g Heroingemisch sowie 3 Kapseln
Sevre-Long zur Verfügung gestanden. Wenn zugunsten des Beschuldigten
nicht auf seine im Zusammenhang mit dem Fahren in fahrunfähigem
Zustand gemachten tieferen Angaben abgestellt wird, sondern von einem
hohen Eigenkonsumanteil von ermessensweise 15 %, würde dies rund
7.3 g Kokaingemisch sowie rund 6.1 g Heroingemisch bei je überdurch-
schnittlicher Qualität zum Eigenkonsum entsprechen. Der Beschuldigte hat
denn auch noch (zumindest teilweise) Streckmittel verwendet (vgl.
Protokoll, S. 7). Wegen des vom Beschuldigten kurz darauf beabsichtigten
Entzugs werden die Sevre-Long Kapseln dem Beschuldigten voll-
umfänglich als Eigenkonsum angerechnet.
Dies ergibt eine zur Weitergabe bestimmte Menge von 41.3 g Kokain-
gemisch bzw. 35.518 g reinem Kokain (Reinheitsgehalt 86 % Hydrochlorid)
und 34.45 g Heroingemisch bzw. 13.091 g reinem Heroin (Reinheitsgehalt
38 % Hydrochlorid), mithin ein eigentliches Lager. Selbst unter Abzug eines
grosszügigen Anteils zum Eigenkonsum wird sowohl hinsichtlich des
Heroins als auch des Kokains der Grenzwert für einen mengenmässig
schweren Fall überschritten. Wenn auch der Beschuldigte das Kokain
sowie das Heroin nicht zusammen gekauft hat (Protokoll, S. 6), so ist
- 13 -
angesichts des nach Abzug für den Eigenkonsum noch immer sehr
umfangreichen Lagers, der mehrfachen Abgabe an Dritte und die sich
insbesondere aus den elektronischen Nachrichten bei verfügbaren
Betäubungsmitteln ergebende, grundsätzliche Bereitschaft zur Lieferung
von einem Willen zur sukzessiven Veräusserung auszugehen. Für die
Annahme eines qualifizierten Falls ist nicht der Nachweis erforderlich, dass
die Drogen konkret an mindestens 20 verschiedene Personen abgegeben
worden wären, vielmehr genügt der Besitz zwecks Weitergabe an einen
unbestimmten Abnehmerkreis (Urteil des Bundesgerichts 6B_134/2021
vom 20. Juni 2022 E. 1.5). Es ist damit rechtsprechungsgemäss von einer
Gefahr für die Gesundheit vieler Menschen auszugehen. Der Beschuldigte,
dem durch den Eigenkonsum die gesundheitsgefährdende Wirkung der
Betäubungsmittel sogar selber bekannt sein dürfte (vgl. Protokoll, S. 7) –
zumindest wäre die gesundheitsgefährdende Wirkung bei harten Drogen
sowie bei der unbefugten Abgabe von ansonsten rezeptpflichtigen Sevre-
Long Kapseln allgemein bekannt – und der im Übrigen bereits wegen
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a
BetmG verurteilt wurde, hat angesichts seines Vorgehens zweifellos mit
Wissen und Willen gehandelt.
Im Rahmen der rechtlichen Würdigung bleibt zu prüfen, ob die besessenen
und die bereits veräusserten Betäubungsmittel als je separate Handlungen
in echter Konkurrenz stehen oder ebenfalls im mengenmässig schweren
Fall aufgehen. Angesichts des Hinweises «So wia gescht» von «D.» und
auch der vorliegend observierten Veräusserungen, denen keine Bestellung
über das Zweit-Mobiltelefon vorausgegangen ist, ist davon auszugehen,
dass der Beschuldigte auch über andere Kanäle – worauf auch die
Aussagen des Beschuldigten bezüglich seines Erwerbs von Sevre-Long
Kapseln hindeutet, wonach solche (Tausch-)Geschäfte bei C. oder durch
direkten Kontakt mit Personen erfolgt seien (UA act. 276) – die
Drogengeschäfte abgemacht hat. Es liegt ein einheitlicher Willensakt zur
sukzessiven Veräusserung aus einem qualifizierten Vorrat vor. Auch
erscheint das (Tat-)Geschehen angesichts der nachgewiesenen Deliktszeit
vom 10. Juni 2020 bis 26. August 2020 über gut 3 Monate mit Ver-
äusserungen mehrheitlich in R., wo sich auch sein Lager befunden hat, bei
objektiver Betrachtung wegen des engen räumlichen sowie zeitlichen
Zusammenhangs noch als ein einheitliches. Mithin ist eine
Handlungseinheit anzunehmen und die Einzelmengen sind zu addieren.
Dabei geht es vorliegend – da nur bei zwei Veräusserungen die Menge
bekannt ist – «nur» um gesamthaft rund 5 g Heroingemisch, was beim
ohnehin qualifizierten Fall kaum mehr einen Einfluss auf das Strafmass
hätte und vorliegend auch nicht hat (siehe nachstehend). Dies wirkt sich
somit auch bei der Strafzumessung – jedenfalls vorliegend, wo eine Geld-
strafe nicht als unzweckmässig erscheint – zu Gunsten des Beschuldigten
aus, ist doch nicht kumulativ zur Freiheitsstrafe wegen qualifizierter
Widerhandlung eine Geldstrafe auszusprechen.
- 14 -
2.3.3.
Nach dem Gesagten hat sich der Beschuldigte in Bezug auf die
Anklageziffer 1 der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungs-
mittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig gemacht.
3.
3.1.
Die Vorinstanz ist in Bezug auf Anklageziffer 4 sowie 5 im Wesentlichen
davon ausgegangen, dass der Beschuldigte, der über keinen Waffen-
erwerbsschein verfügt habe, durch die Aufbewahrung einer Soft-Air-Pistole
sowie eines Schlagrings in seinem Kofferraum diese Waffen ohne Waffen-
tragbewilligung getragen habe. Hinsichtlich der Soft-Air-Pistole habe er
auch bei einer Gebrauchsleihe einen schriftlichen Vertrag abschliessen
müssen. Dadurch habe sich der Beschuldigte der mehrfachen Wider-
handlung gegen das Waffengesetz schuldig gemacht.
Der Beschuldigte bringt im Wesentlichen vor, dass er beabsichtigt hätte,
die Waffen in seine Wohnung zu nehmen, was nicht als Tragen an öffentlich
zugänglichen Orten angesehen werden könne. Er habe überdies die
Waffen nicht zum Gebrauch übernommen, sondern nur kurzzeitig zur
Begutachtung.
3.2.
Wer vorsätzlich ohne Berechtigung Waffen trägt, macht sich der
Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG
schuldig. Zum Besitz einer Waffe ist berechtigt, wer diese rechtmässig
erworben hat (Art. 12 WG). Der Begriff des Erwerbs im Sinne des Waffen-
gesetzes umfasst alle Formen der Eigentums- bzw. Besitzesübertragung
wie z.B. Kauf, Tausch, Schenkung, Erbschaft, Miete und Gebrauchsleihe.
Unter den Begriff des Erwerbs fällt mithin jede Form der rechtlichen oder
tatsächlichen Übertragung von Waffen, unabhängig davon, ob die
Übertragung zu einem nur vorübergehenden Zweck erfolgt. Wer eine Waffe
– etwa miet- oder leihweise – nur temporär erwirbt, wird Besitzer und hat
die gesetzlichen Erwerbsvorschriften zu beachten. Ein Waffenerwerb im
Sinne des Waffengesetzes liegt immer dann vor, wenn der Erwerber die
tatsächliche Herrschaftsgewalt über die Waffe erhält, ohne dass ein Dritter
diese Herrschaftsgewalt ausübt (BGE 143 IV 347 E. 3.4). Wer eine Waffe
an öffentlich zugänglichen Orten tragen oder sie transportieren will,
benötigt eine Waffentragbewilligung (Art. 27 Abs. 1 Satz 1 WG). Der Begriff
der «öffentlich zugänglichen Orte» bezieht sich u.a. auf öffentlichen oder
fremden Grund, wozu Strassen gehören. Die Beurteilung erfolgt nicht nur
nach rechtlichen (Privateigentum), sondern auch nach faktischen
Gesichtspunkten. In Anlehnung an den Hausfriedensbruch gelten offene
Plätze, auch wenn sie zu einem Haus gehören, (mangels Umfriedung) als
öffentlich zugänglich (BGE 141 IV 132 E. 3.2).
- 15 -
Wer bei einer Übertragung einer Waffe ohne Waffenerwerbsschein (Art. 10
WG) keinen schriftlichen Vertrag abschliesst, macht sich der Wider-
handlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. d WG i.V.m.
Art. 11 Abs. 1 WG schuldig.
3.3.
3.3.1.
In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass der
Beschuldigte die Soft-Air-Pistole sowie den Schlagring zumindest
entgegengenommen hat und über keine Waffentragbewilligung verfügt hat.
Weiter wurde kein schriftlicher Vertrag für die Übertragung der Soft-Air-
Pistole abgeschlossen.
3.3.2.
Bei einem Schlagring handelt es sich um eine verbotene Waffe (Art. 5
Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. d WG; vgl. zum Würdigungsvorbehalt:
Protokoll, S. 2). Eine kantonale Ausnahmebewilligung wird nicht geltend
gemacht. Bei der Soft-Air-Pistole, die aufgrund ihres Aussehens mit echten
Feuerwaffen verwechselt werden kann, handelt es sich um eine Waffe, für
deren Übertragung ein schriftlicher Vertrag abgeschlossen werden muss
(Art. 11 WG i.V.m. Art. 10 Abs. 1 lit. e WG sowie Art. 4 Abs. 1 lit. f WG).
Der Beschuldigte sagte anlässlich der ersten Einvernahme vom 10. Sep-
tember 2020 (UA act. 410) sowie der erstinstanzlichen Hauptverhandlung
(VA act. 49) aus, dass L. die über die Onlineplattform M. erworbenen
Waffen in einem Rucksack mitgebracht und der Beschuldigte sodann selbst
die Waffen in seine Tragtasche zur «Qualitätsbegutachtung» bei sich zu
Hause umgepackt habe, damit L. seinen Rucksack wieder habe nach
Hause nehmen können (vgl. auch Protokoll, S. 15). Der Beschuldigte hat
damit die tatsächliche Herrschaftsgewalt über die Waffen ausgeübt, was
für den Erwerb bzw. Besitz im Sinn des Waffengesetzes genügt. An der
Interpretation dieser unmissverständlichen Aussage vermag auch eine
Befragung von L. nichts zu ändern, weshalb dieser Beweisantrag des
Beschuldigten abzuweisen ist. Ob der Beschuldigte die Waffen allenfalls
nicht bereits in seinem Kofferraum hat verstauen können (vgl. Rapport der
Kantonspolizei Aargau vom 15. März 2021, UA act. 253 f.; Bilder in UA
act. 143), kann offen gelassen werden. Das Fahrzeug des Beschuldigten
war auf einem Parkplatz auf einer öffentlichen Strasse parkiert, was
zweifellos einen öffentlich zugänglichen Ort darstellt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_336/2012 vom 29. Oktober 2012 E. 3.3, wo der
Beschwerdeführer auf einem öffentlichen Parkplatz ein Elektroschockgerät
in einem Fahrzeug ohne Waffentragbewilligung auf sich getragen hat).
Nichts zu seinen Gunsten kann der Beschuldigte aus den Ausnahmen von
der Waffentragbewilligung gemäss Art. 28 Abs. 1 WG ableiten. Die
Befreiung von der (grundsätzlichen) Bewilligungspflicht bezieht sich nur auf
- 16 -
den ziel- und zweckgerichteten, vorübergehenden Transport (vgl. BGE
143 IV 347 E. 3.4). Anders als bei einem Transport nach einem Erwerb
einer Waffe (vgl. für den Weg zu einem Inhaber einer
Waffenhandelsbewilligung: Art. 28 Abs. 1 lit. c WG) fällt eine Entgegen-
nahme von Waffen für eine «Qualitätsbegutachtung» zu Hause jedenfalls
nicht darunter und ist auch nicht gleichwertig (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 6B_311/2020 vom 12. Oktober 2020 E. 2, wo der Beschwerdeführer
von einem nicht bekannten Arbeitskollegen eine Schreckschusspistole
erhalten und ohne Waffentragbewilligung nach Hause verbracht hat).
Durch das Mitführen des Schlagrings sowie der Soft-Air-Pistole auf einem
öffentlichen Parkplatz ohne Waffentragbewilligung hat sich der Beschul-
digte der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss
Art. 33 Abs. 1 lit. a WG schuldig gemacht.
Der Beschuldigte hat durch die Entgegennahme der Soft-Air-Pistole die
tatsächliche Herrschaft über sie erlangt, so dass er über sie verfügen
konnte. Ob er die Waffe zum eigenen Gebrauch oder zur «Qualitäts-
begutachtung» ausgeliehen hat, ist in diesem Kontext unerheblich. Wie
eine Prüfung der Qualität bei einer Soft-Air-Pistole ohne einen Gebrauch in
irgendeiner Weise aussagekräftig sein soll, wäre ohnehin unerfindlich.
Ebenfalls unerfindlich ist, was eine «Qualitätsprüfung» dieser Waffen
hinsichtlich der Qualität anderer, angebotener «Sachen» auf der von
unzähligen Anbietern genutzten Onlineplattform M. aussagen könnte (so
aber der Beschuldigte: Protokoll, S. 15). Wesentlich ist, dass die Waffe in
den Herrschaftsbereich des Beschuldigten gelangt und ihm die Verfü-
gungsgewalt übertragen worden ist (vgl. hierzu BGE 143 IV 347 E. 3.4).
Damit hat der Beschuldigte die Soft-Air-Pistole ohne Abschluss eines
schriftlichen Vertrags als formelle Erwerbsvoraussetzung erworben und
sich gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. d WG strafbar gemacht.
4.
4.1.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE
144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.; je mit
Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden.
4.2.
Für die qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
kommt von Gesetzes wegen nur eine Freiheitsstrafe infrage. Aufgrund des
Verschlechterungsverbots kann offen bleiben, ob für die weiteren Straf-
taten, welche alternativ mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bedroht sind und
für welche die Vorinstanz eine Geldstrafe ausgesprochen hat, aufgrund des
jeweiligen Verschuldens oder unter dem Gesichtspunkt der Zweck-
mässigkeit der Strafart auch eine Freiheitsstrafe infrage gekommen wäre.
- 17 -
4.3.
4.3.1.
Der Beschuldigte hat beabsichtigt, das bei ihm – nach Abzug eines
Eigenkonsumanteils – am 25. August 2020 vorgefundene Kokaingemisch
von 41.3 g sowie Heroingemisch von 34.45 g sukzessive weiterzu-
veräussern, wie er bereits zuvor ab dem 10. Juni 2020 eine mehrheitlich
unbekannte Menge Heroingemisch an sechs bekannte Abnehmer ver-
äussert hat.
Ausgangspunkt für die Bestimmung des Verschuldens ist die Schwere der
Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2
StGB). Massgebend für die Bestimmung der objektiven Tatschwere und
dem damit einhergehenden Verschulden sind zunächst Art und Menge der
Drogen. Bei Heroin und Kokain handelt es sich je um eine sogenannte
harte Droge mit grossem Abhängigkeits- und Gefährdungspotential. Die
Grenzwerte für einen mengenmässig schweren Fall von 12 Gramm (reinem
Wirkstoff) hat der Beschuldigte mit 13.091 g reinem Heroin noch relativ
knapp und von 18 Gramm (reinem Wirkstoff) mit 35.518 g reinem Kokain
um fast das Doppelte überschritten. Mithin hat er bei gleich zwei
Substanzen den jeweiligen Grenzwert für die Annahme eines mengen-
mässig schweren Falls überschritten. Der Drogenmenge ist zwar keine
vorrangige, aber auch nicht eine untergeordnete Bedeutung zuzumessen.
Es wäre verfehlt, im Sinne eines Tarifs überwiegend oder gar allein auf
dieses Kriterium abzustellen. Falsch wäre aber auch die Annahme, diesem
Strafzumessungselement komme eine völlig untergeordnete oder gar keine
Bedeutung zu. Eine erhebliche Drogenmenge – wie allgemein das Aus-
mass qualifizierender Umstände – darf bei der Festsetzung der Strafe
innerhalb des qualifizierten Strafrahmens verschuldenserhöhend gewichtet
werden (BGE 118 IV 342 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts 6B_286/2011
vom 29. August 2011 E. 3.4.1). Auch wenn im Drogenhandel mitunter
deutlich grössere Betäubungsmittelmengen gehandelt werden, sind die
sichergestellten Mengen nicht zu bagatellisieren. Der überdurchschnittlich
hohe Reinheitsgehalt (38 % bei Heroin, 86 % bei Kokain) wirkt sich
ebenfalls verschuldenserhöhend aus, denn der Beschuldigte hat – wenn
überhaupt (siehe vorstehend) – die Betäubungsmittel kaum gestreckt (vgl.
auch die Veräusserung von Heroin an G. mit einem noch höheren
Reinheitsgehalt von 60 %).
Verschuldenserhöhend wirkt sich die Art und Weise bzw. die Verwerflich-
keit des Handelns des Beschuldigten, die erheblich über die Erfüllung des
qualifizierten Tatbestands hinausgegangen ist, aus. Er hat an nahe-
stehende Freunde und ihm nur flüchtig bekannte Personen, für welche er
sodann auch ein nicht auf seinen Namen lautendes Zweit-Mobiltelefon
verwendet hat, veräussert. Für die Bestellungen wurden Abkürzungen oder
Codes verwendet. Der Beschuldige kann angesichts des von ihm
- 18 -
organisierten Handels und des überdurchschnittlich hohen Reinheits-
gehalts der Drogen, was auch auf eine gewisse Vertrauensposition bei
Lieferanten hindeutet, nicht als eigentlicher Gassenverkäufer bezeichnet
werden. Vielmehr hat der Beschuldigte einen Drogenhandel nicht bloss in
hierarchisch untergeordneter Stellung betrieben, was leicht verschuldens-
erhöhend zu berücksichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_687/2016 vom 12. Juli 2017 E. 1.4.3). Der Beschuldigte hat die Drogen
– neben einem kleinen Anteil zum Eigenkonsum, wofür eine Verurteilung
wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss
Art. 19a Ziff. 1 BetmG erfolgt ist – zur Weiterveräusserung besessen. Mit
Blick auf die von Art. 19 Abs. 1 BetmG erfassten Handlungsweisen handelt
es sich beim Besitz von Betäubungsmitteln nicht um eine der schwersten
Formen von Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der
Besitz ist aber auch nicht zu bagatellisieren. Denn auch wer Drogen nur
besitzt bzw. zwischenlagert, insbesondere zur Weiterveräusserung, spielt
eine für das Funktionieren des Drogenhandels massgebliche Rolle.
Der Beschuldigte war zwar während des Tatzeitraums selbst von
Betäubungsmitteln abhängig und hatte beabsichtigt, wenige Tage nach
seiner Verhaftung einen Entzug zu machen. Er behauptet aber selber nicht,
dass er durch die Veräusserung von Drogen ausschliesslich seinen
Eigenkonsum finanziert hätte, sondern er habe vielmehr, wenn überhaupt,
Drogen unentgeltlich abgegeben. Mithin hat die qualifizierte Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz nicht einzig der Finanzierung des
eigenen Betäubungsmittelkonsums dienen sollen, so dass eine Straf-
milderung gemäss Art. 19 Abs. 3 lit. b BetmG deshalb nicht infrage kommt.
Im Übrigen waren die Veräusserungen zweifellos, wenn überhaupt, nicht
grundsätzlich unentgeltlich erfolgt (vgl. den festgesetzten Betrag «120»).
Den Beschuldigten mögen zwar finanzielle Probleme geplagt haben. Dies
ist allerdings darauf zurückzuführen, dass er offenbar wegen eines
hängigen Scheidungsverfahrens in den USA bewusst nicht hat arbeiten
wollen, um einer allfälligen Unterhaltszahlung entgehen zu können, und
daher zumindest zum Teil von seinem Ersparten gelebt habe. Mithin hat er
sich nicht in einer akuten Notlage befunden. Es kann allerdings nicht
gänzlich ausser Acht gelassen werden, dass seine Entscheidungsfreiheit
im Tatzeitpunkt aufgrund seiner Drogensucht zumindest vergleichsweise
leicht eingeschränkt gewesen ist.
Insgesamt ist unter Berücksichtigung der von der qualifizierten Wider-
handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz erfassten Betäubungs-
mitteln, Drogenmengen, Handlungsweisen und Hierarchiestufen von einem
vergleichsweise noch leichten bis mittelschweren Verschulden und in
Relation zum weiten Strafrahmen von 1 bis 20 Jahren Freiheitsstrafe von
einer dafür angemessenen Freiheitsstrafe von 30 Monaten auszugehen.
- 19 -
4.3.2.
Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Straferhöhend ist
zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte mit Strafbefehl der Staats-
anwaltschaft Baden vom 10. September 2019 wegen Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a BetmG und Fahrens
in fahrunfähigem Zustand einschlägig zu einer bedingten Geldstrafe von
30 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 400.00 verurteilt worden ist (BGE
136 IV 1 E. 2.6.2). Die Vorstrafe hat den Beschuldigten offensichtlich un-
beeindruckt gelassen und er hat daraus nicht die nötigen Lehren gezogen.
Es ist allerdings zu beachten, dass aus dem täterbezogenen Strafzu-
messungskriterium der Vorstrafen nicht indirekt ein tatbezogenes Kriterium
gemacht wird. Die Vorstrafen dürfen deshalb nicht wie eigenständige
Delikte gewürdigt werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_510/2015 vom
25. August 2015 E. 1.4).
Der Beschuldigte war hinsichtlich des Fahrens ohne Berechtigung sowie
des Fahrens in fahrunfähigem Zustand geständig. Ein Leugnen wäre
diesbezüglich aber aufgrund der klaren Beweislage durch die beiden
polizeilichen Anhaltungen sowie der Blut- und Urinproben weitgehend
zwecklos gewesen. Dieses Geständnis hat die Strafverfolgung nicht
erleichtert und ist hier daher auch nicht strafmindernd zu berücksichtigen
(Urteil des Bundesgerichts 6B_762/2011 vom 9. Februar 2012 E. 4.4). Wer
im Übrigen wie der Beschuldigte nicht geständig ist, kann hinsichtlich
dieses begangenen Unrechts auch nicht einsichtig und reuig sein. Es ist
bei ihm keine Einsicht oder Reue, die über eine blosse Tatfolgenreue
hinausgeht, auszumachen, was sich anhand des anlässlich der Berufungs-
verhandlung gewonnenen, persönlichen Eindrucks bestätigt hat. Eine
erhebliche Strafminderung, wie sie bei einem von Anfang an vollständig
geständigen und einsichtigen Straftäter möglich ist, kommt vorliegend
somit nicht in Frage.
Positiv zu werten ist, dass der nunmehr in den USA lebende Beschuldigte
nach eigenen Angaben – zumindest seit dem Antritt seiner neuen
Anstellung und wohl nicht zuletzt aufgrund von möglichen Drogentests –
keine harten Betäubungsmittel mehr konsumiert und seit der Haft-
entlassung anfangs 2021 keine Rückfälle erlitten habe. Allerdings habe er
anfangs in den USA noch (legales) Cannabis konsumiert (vgl. Protokoll,
S. 4 f.). Er konnte – soweit ersichtlich – das Drogenmilieu bzw. sein
problematisches Umfeld verlassen und geht nun (wieder) einer geregelten
Arbeit nach, was ihm eine Einkommensgrundlage und eine Zukunfts-
perspektive verschafft. Ob seine positive Veränderung auch von Dauer sein
wird, muss sich aber erst noch zeigen, zumal er seine neue Arbeitsstelle
erst gerade angetreten hat und er bereits einmal nach einem erfolgreichen
Entzug rückfällig wurde. Das Wohlverhalten seit der Tat stellt in der Regel
keine besondere Leistung dar und ist grundsätzlich – so wie vorliegend –
neutral zu werten.
- 20 -
Aus den persönlichen und familiären Verhältnissen des Beschuldigten
ergeben sich keine für die Strafzumessung relevante Faktoren. Er ist
geschieden, hat eine in U. lebende Freundin, hat keine Kinder und ist
erwerbstätig. Die Rechtsprechung hat wiederholt betont, dass ein Freiheits-
entzug für jede beruflich sowie sozial integrierte Person eine (gewisse)
Härte bewirkt und eine erhöhte Strafempfindlichkeit nur bei ausser-
gewöhnlichen Umständen – die in casu nicht vorliegen – zu bejahen ist
(statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1053/2018 vom 26. Februar
2019 E. 3.4).
Insgesamt halten sich die positiven und negativen Faktoren die Waage,
weshalb sich die Täterkomponente neutral auswirkt.
4.4.
4.4.1.
Mit Geldstrafe sind vorliegend die mehrfachen Widerhandlungen gegen
das Strassenverkehrsgesetz sowie die mehrfache Widerhandlung gegen
das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG zu bestrafen.
Die Einsatzstrafe hinsichtlich der Straftaten, die mit einer Geldstrafe zu
bestrafen sind, ist für das Fahren in fahrunfähigem Zustand vom 12. Juni
2020 als – bei gleichen abstrakten Strafrahmen – konkret schwerste
Straftat festzusetzen. Die Festlegung einer einheitlichen Einsatzstrafe für
eine Deliktskategorie ist nicht zulässig (BGE 144 IV 217).
Beim Fahren in fahrunfähigem Zustand, einem abstrakten Gefährdungs-
delikt, ist das unmittelbar geschützte Rechtsgut die Verkehrssicherheit.
Mittelbar werden auch Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer sowie
deren Eigentum geschützt (FAHRNI/HEIMGARTNER, in: Basler Kommentar,
Strassenverkehrsgesetz, 2014, N. 6 zu Art. 91 SVG).
Der Beschuldigte hat am 12. Juni 2020 nach einem positiven Betäubungs-
mittelvortest auf Opiate sowie Kokain gemäss Blutprobe die Nachweis-
Grenzwerte für freies Morphin und Kokain von je 15 μg/l gemäss Art. 34
lit. b und c VSKV-ASTRA mit 39 μg/l Morphin (Vertrauensbereich 27 μg/l -
51 μg/l) klar sowie mit 176 μg/l Kokain (Vertrauensbereich 123 μg/l - 229
μg/l) – selbst ausgehend vom minimalen Wert des Vertrauensbereichs –
sogar um mehr als das Achtfache deutlich überschritten (UA act. 214, 212).
Ein Mischkonsum von harten Drogen kann die Fahrfähigkeit noch stärker
negativ beeinflussen und entsprechend die Verkehrssicherheit gefährden.
Dass der Beschuldigte gemäss Polizeirapport vom 12. Juni 2020 (UA
act. 203 ff.) bei der Verkehrskontrolle u.a. durch Zittern, Unruhe,
Schweissausbruch, unruhiges sowie angetriebenes Verhalten und
flatternde Augenlider auffiel, untermauert die gesetzlich vermutete Fahr-
- 21 -
unfähigkeit und die daraus resultierende Gefährdung der Verkehrs-
sicherheit, zumal der Beschuldigte auch schon zuvor gemäss polizeilicher
Beobachtung bei einem Überholmanöver zur Verhinderung einer Kollision
abrupt habe abbremsen müssen. Gemäss dem rund 45 Minuten nach der
Anhaltung durchgeführten ärztlichen Untersuchungsbefund (UA act. 207)
sei u.a. die örtliche Orientierung gestört, seien die Pupillen verengt und sei
die Lichtreaktion verzögert gewesen, so dass die Ärztin den Beeinträch-
tigungsgrad – wohl infolge von Betäubungsmitteln – als leicht eingeschätzt
hat. Es ist von einer leichten Einschränkung der Fahrfähigkeit auszugehen
und die Verkehrssicherheit sowie die anderen Verkehrsteilnehmer waren
entsprechend gefährdet.
Es handelt sich sodann auch nicht um eine kurze und ungefährliche Fahrt.
Der Beschuldigte ist mit seinem Opel Corsa von V. eine Strecke von rund
4 km bis zur Verkehrskontrolle um rund 23:15 Uhr an der Bruggerstrasse
auf der Höhe des Hotels N. in Baden gefahren (UA act. 208). Gerade an
einem Freitagabend um diese Uhrzeit sind aufgrund des Nachtlebens in
der Stadt und den Nacht-Clubs am Rand der Stadt viele (teilweise auch
alkoholisierte) Personen zu Fuss auf der Bruggerstrasse unterwegs.
Aufgrund der abendlichen Dunkelheit waren die Sichtverhältnisse ohnehin
bereits erschwert. Diese Umstände erfordern von einem Lenker erhöhte
Aufmerksamkeit. Dies wirkt sich insgesamt leicht verschuldenserhöhend
aus.
Der Beschuldigte hat den Entschluss zum Führen seines Personenwagens
im Wissen darum getroffen, dass er kurz zuvor harte Drogen – nach
eigenen Angaben um ca. 20:00 Uhr zumindest Kokain (UA act. 208) –
konsumiert hatte. Dass ein vorgängiger Konsum von verschiedenen
Substanzen die Fahrfähigkeit beeinträchtigen kann und dadurch die
Verkehrssicherheit gefährdet wird, musste dem Beschuldigten spätestens
aufgrund seiner erwähnten Vorstrafe bewusst gewesen sein, wo beim
Beschuldigten u.a. Morphin sowie Benzoylecgonin als Abbauprodukt von
Kokain nachgewiesen wurden (vgl. Sachverhalt aus der Verfügung des
Strassenverkehrsamts des Kantons Aargau vom 20. August 2019
betreffend vorsorgliche Aberkennung des ausländischen Führerausweises
sowie Anordnung einer verkehrsmedizinischen Begutachtung hinsichtlich
einer Suchterkrankung, UA act. 218). Er handelte mit direktem Vorsatz,
was sich jedoch neutral auswirkt.
Der Beschuldigte macht keine nachvollziehbaren Gründe für sein Handeln
geltend, solche sind denn auch nicht ersichtlich. Insbesondere ist es nicht
so, dass er aus beruflichen oder familiären Gründen dringend auf ein
Motorfahrzeug angewiesen gewesen wäre oder er unter dem Druck oder
der Erwartungshaltung anderer Personen gestanden hätte. V. ist gut an das
regionale Busnetz angeschlossen und zur besagten Uhrzeit gibt es gerade
an einem Freitagabend Verbindungen zur Genüge. Es wäre für ihn ein
- 22 -
Leichtes gewesen, sich anders zu organisieren. Die Fahrt erscheint unnötig
und aus reiner Bequemlichkeit erfolgt zu sein, zumal er sich aufgrund des
Entzugs seines ausländischen Führerausweises rund 10 Monate zuvor
bereits anders hätte organisieren müssen. Mit seinem Drogenkonsum hat
zwar der Beschuldigte erst ab Februar 2020 – mithin rund ein halbes Jahr
danach – (erneut) begonnen. Es kann allerdings nicht gänzlich ausser Acht
gelassen werden, dass seine Entscheidungsfreiheit im Tatzeitpunkt
aufgrund seiner Drogensucht zumindest vergleichsweise leicht
eingeschränkt gewesen ist.
Insgesamt ist unter Berücksichtigung des breiten Spektrums möglichen
Fahrens in fahrunfähigem Zustand von einem in Relation zum Strafrahmen
von bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe noch knapp leichten Verschulden und
einer Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen Geldstrafe auszugehen.
4.4.2.
Diese Einsatzstrafe ist nunmehr in Anwendung des Asperationsprinzips für
die weiteren Straftaten angemessen zu erhöhen.
In Bezug auf das Fahren in fahrunfähigem Zustand vom 12. August 2020
ergibt sich Folgendes:
Es kann weitgehend auf die vorstehenden Ausführungen zum Fahren in
fahrunfähigem Zustand vom 12. Juni 2020 verwiesen werden. Der
Beschuldigte hat am 12. August 2020 nach einem positiven Betäubungs-
mittelvortest auf Opiate sowie Kokain gemäss Blutprobe die Nachweis-
Grenzwerte für freies Morphin und Kokain von je 15 μg/l gemäss Art. 34
lit. b und c VSKV-ASTRA – selbst ausgehend vom minimalen Wert des
Vertrauensbereichs – mit 82 μg/l Morphin (Vertrauensbereich 57 μg/l - 107
μg/l) um fast das Vierfache sowie mit 142 μg/l Kokain (Vertrauensbereich
99 μg/l - 185 μg/l) um mehr als das Sechseinhalbfache deutlich
überschritten (UA act. 245, 212). Dass der Beschuldigte gemäss Polizei-
rapport vom 12. August 2020 (UA act. 235 ff.) bei der Verkehrskontrolle
u.a. durch Schweissausbruch, wässerige/glänzende Augen, unruhiges
sowie angetriebenes Verhalten und – im Standtest zusätzlich – flatternde
Augenlider auffiel, untermauert die gesetzlich vermutete Fahrunfähigkeit
und die daraus resultierende Gefährdung der Verkehrssicherheit. Gemäss
dem rund eine halbe Stunde nach der Anhaltung durchgeführten ärztlichen
Untersuchungsbefund (UA act. 239) sei u.a. das Verhalten verlangsamt,
seien die Pupillen verengt, sei der Strichgang leicht schwankend und der
Beschuldigte allgemein bleich sowie schwitzend gewesen, so dass der Arzt
den Beeinträchtigungsgrad – infolge von Betäubungsmitteln – als leicht bis
mittel eingeschätzt hat. Es ist von einer leichten bis mittleren Ein-
schränkung der Fahrfähigkeit auszugehen und die Verkehrssicherheit
sowie die anderen Verkehrsteilnehmer waren entsprechend gefährdet.
- 23 -
Es ist sodann von einer eher kurzen, aber nicht ungefährlichen Strecke
auszugehen. Der Beschuldigte ist mit seinem Opel Corsa von V. eine
Strecke von rund 1.5 km bis zur Verkehrskontrolle um ca. 20:37 Uhr an der
Neuenhoferstrasse in Baden gefahren (UA act. 240). Aufgrund der
Abenddämmerung waren die Sichtverhältnisse bereits eingeschränkter als
bei Tageslicht und es ist bei dieser Uhrzeit von einem maximal durch-
schnittlichen Verkehrsaufkommen auszugehen. Diese Umstände erfordern
von einem Lenker eine noch leicht erhöhte Aufmerksamkeit, was sich
entsprechend noch leicht verschuldenserhöhend auswirkt.
Der Beschuldigte hat den Entschluss zum Fahren seines Personenwagens
im Wissen darum getroffen, dass er wenige Stunden zuvor harte Drogen –
angeblich rund 17 Stunden vorher (UA act. 236), was angesichts der Höhe
der Werte sowie im Vergleich zu den Werten der Fahrt vom 12. Juni 2020
zumindest zweifelhaft erscheint – konsumiert hatte. Er handelte damit auch
vorliegend, erst recht angesichts der wiederholten Tatbegehung 2 Monate
nach der Anhaltung vom 12. Juni 2020, mit direktem Vorsatz, was sich
jedoch neutral auswirkt.
Insgesamt ist unter Berücksichtigung des breiten Spektrums möglichen
Fahrens in fahrunfähigem Zustand von einem in Relation zum Strafrahmen
von bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe leichten Verschulden und einer
angemessenen Einzelstrafe von 90 Tagessätzen Geldstrafe auszugehen.
Im Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass zwar ein enger
sachlicher, nicht aber zeitlicher Zusammenhang zum Fahren in fahr-
unfähigem Zustand vom 12. Juni 2020 besteht. Dennoch ist der Gesamt-
schuldbeitrag des Fahrens in fahrunfähigem Zustand vom 12. August 2020
nicht zu vernachlässigen, zumal es nicht einerlei ist, ob der Beschuldigte
nur einmal oder mehrfach ein Fahrzeug in fahrunfähigem Zustand geführt
und damit ungleich mehr Verkehrsteilnehmer (erhöht abstrakt) gefährdet
hat. Die Einsatzstrafe ist angemessen um 60 Tagessätze zu erhöhen.
4.4.3.
Die Einsatzstrafe wäre für das mehrfache Fahren ohne Berechtigung sowie
die mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33
Abs. 1 lit. a weiter zu erhöhen. Dies ist aber ausgeschlossen, da das
Gericht an das Höchstmass jeder Strafart gebunden ist und die Sanktions-
obergrenze von 180 Tagessätzen Geldstrafe bereits erreicht ist. Das
Gericht kann eine Geldstrafe mithin nicht in eine Freiheitsstrafe um-
wandeln, weil ihm die Geldstrafe bei mehreren Delikten als dem
Verschulden nicht mehr angemessen mild erscheint (BGE 144 IV 313 =
Pra 2019 Nr. 58). Dass dies bei mehrfach begangener leichter Kriminalität
zu unbilligen Ergebnissen führen kann, ist nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts hinzunehmen (so ausdrücklich BGE 144 IV 217 E. 3.6).
Die Täterkomponente wirkt sich auch hinsichtlich der mit einer Geldstrafe
- 24 -
zu bestrafenden Delikte neutral aus. Es kann dazu auf die Erwägungen zur
Täterkomponente bei der Freiheitsstrafe verwiesen werden.
4.4.4.
Ausgehend von einem durchschnittlichen Nettoeinkommen des
Beschuldigten von rund Dollar 7'000.00 (vgl. Protokoll, S. 3 sowie Beilage 5
zur Berufungsverhandlung: rund Dollar 5'900.00 netto pro Monat, worin
bereits Auslagen für Krankenkasse sowie Steuern abgezogen wurden;
Beilage 3 zur Berufungsverhandlung: Gratifikation pro rata temporis von
Dollar 1'250.00 pro Monat), ermessenweise einem allgemeinen Abzug in
Höhe von 5 % für weitere notwendige Auslagen und einem weiteren Abzug
von 20 % wegen der hohen Anzahl Tagessätze (vgl. BGE 134 IV 60
E. 6.5.2) ergibt sich ein Tagessatz von Fr. 170.00 (BGE 134 IV 60 E. 5 f.;
BGE 142 IV 315 E. 5; vgl. zur Berücksichtigung des aktuellen Netto-
einkommens als Tatsache gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO: BGE 144 IV 198
E. 5.4.3).
4.5.
4.5.1.
Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe
von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe
nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer
Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Das Gericht
kann den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr und
höchstens drei Jahren teilweise aufschieben, wenn dies notwendig ist, um
dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu tragen (Art. 43 Abs. 1
StGB). Die subjektiven Voraussetzungen von Art. 42 StGB gelten auch im
Rahmen von Art. 43 StGB, d.h. eine teilbedingte Strafe ist nur möglich,
wenn die Legalprognose nicht negativ ausfällt (vgl. BGE 144 IV 277
E. 3.1.1). Bei der Ausfällung verschiedenartiger Strafen ist – jedenfalls bei
grundsätzlicher Anwendbarkeit von Art. 42 Abs. 1 StGB – in einem ersten
Schritt im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu prüfen, ob nicht bereits ein
aufgeschobener Vollzug der Strafe, allenfalls in Kombination mit einer
Verbindungsbusse und einer erhöhten Probezeit, die Prognose erlaubt,
dass der Beschuldigte von der Begehung weiterer Verbrechen oder
Vergehen abgehalten wird. Das zukünftige Wohlverhalten ist dabei unter
Berücksichtigung der Auswirkungen der neuen Sanktionen auf den Täter
nicht deliktspezifisch und nicht für jede Sanktionsart separat abzuschätzen,
sondern muss hinsichtlich des generellen, zu erwartenden zukünftigen
Verhaltens des Beschuldigten beurteilt werden. Daraus erhellt, dass sich
eine den bedingten Vollzug ausschliessende Schlechtprognose nicht auf
bestimmte Strafarten beschränken kann. Ist dem Beschuldigten bei einer
Gesamtwürdigung keine eigentliche Schlechtprognose zu stellen, so wirkt
sich dies auf alle ausgefällten Strafen aus. Das Nebeneinander von zwei
Sanktionen ist nur dann einer Beurteilung in Varianten zugänglich, wenn
dem Beschuldigten bei einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen
- 25 -
Umstände eine eigentliche Schlechtprognose zu stellen wäre. Denn dann
ist es möglich, dass der Vollzug der Freiheitsstrafe erwarten lässt, der
Beschuldigte werde dadurch von weiterer Straffälligkeit abgehalten,
weshalb es nicht notwendig erscheine, die Geldstrafe ebenfalls unbedingt
auszusprechen. Umgekehrt kann der Vollzug der Geldstrafe dazu führen,
dass eine Schlechtprognose für die Freiheitsstrafe im Sinne von Art. 42
Abs. 1 StGB verneint und diese folglich bedingt ausgesprochen wird.
4.5.2.
Der Beschuldigte verfügt über eine einschlägige Vorstrafe wegen Fahrens
in fahrunfähigem Zustand. Die mit Strafbefehl vom 10. September 2019
ausgesprochene, bedingte Geldstrafe konnte den Beschuldigten nicht
davon abhalten, noch während laufender Probezeit von 2 Jahren mit der
qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz nun sogar
ein Verbrechen zu begehen und sogar direkt die Gesundheit vieler
Menschen zu gefährden. Es ist eine massive Steigerung der Delinquenz
feststellbar. Auch trotz der im Administrativverfahren erfolgten vorläufigen
Aberkennung seines ausländischen Führerausweises als sichernde Mass-
nahme infolge Betäubungsmittelkonsums hat sich der Beschuldigte
mehrfach unbeirrt und mehrheitlich (erneut) in fahrunfähigem Zustand
hinter das Steuer gesetzt. Das Fahren ohne Berechtigung sowie das
Fahren in fahrunfähigem Zustand vom 12. August 2020 hat er nach
polizeilicher Kontrolle sowie Mitteilung der Anzeigeeröffnung an die
Staatsanwaltschaft Baden und (materiell) eröffnetem Strafverfahren (vgl.
Verfügung betreffend Anordnung einer Blut- und Urinprobe vom 15. Juni
2020, UA act. 201 f.), mithin während laufendem Strafverfahren,
begangen. Das bisherige Verhalten des Beschuldigten ist von einem
grossen Mass an Gleichgültigkeit und Unbekümmertheit gegenüber der
Rechtsordnung und insbesondere der für die Gesundheit sowie Verkehrs-
sicherheit aufgestellten Normen geprägt. In Kombination mit der fehlenden
Einsicht und Reue ist auf eine eigentliche Gleichgültigkeit zu schliessen.
Der Beschuldigte verfügt seit Kurzem zwar (wieder) über eine Anstellung
und er habe eine Freundin in U.. Allerdings habe er bei seiner Mutter wenig
Schulden und kenne zurzeit in den USA absolut niemanden. Mithin fehlt
ihm ein soziales Umfeld gänzlich. Ob er aber tatsächlich von Drogen
weggekommen ist, ist angesichts eines zwischenzeitlichen Konsums von
Cannabis in den USA – wenn dort auch legal – zumindest zweifelhaft,
zumal er zurzeit nur wegen (möglichen sowie potentiell drohenden)
Drogentests seines aktuellen Arbeitgebers nicht mehr konsumiere (vgl.
Protokoll, S. 5). Unter diesen Umständen ist stark zu bezweifeln, dass die
ausgestandene Haft von 86 Tagen genügend abschreckende Wirkung hat
entfalten können. Auch habe der Beschuldigte schon mehrmals in seinem
Leben Drogen konsumiert und auch schon einen Entzug im Sommer 2019
durchgemacht (vgl. UA act. 405). Ob diese positiven Veränderungen (im
Wesentlichen die feste Anstellung und der wohl nicht mehr vorhandene
Kontakt zu seinem problematischen Drogenumfeld) von Dauer sind und
- 26 -
den Beschuldigten nachhaltig von der Begehung weiterer Straftaten
abzuhalten vermögen, wird sich jedoch erst noch weisen müssen. Es
bestehen im Rahmen einer Gesamtwürdigung ganz erhebliche Zweifel an
der Legalbewährung des Beschuldigten. Die Ausfällung einer bloss
bedingten Sanktion würde unter den vorliegenden Umständen beim
Beschuldigten offensichtlich jede Warnwirkung verfehlen. Daran könnte
weder eine Erhöhung der Probezeit noch die Ausfällung einer – weniger
eingriffsintensiven – Verbindungsbusse etwas ändern. Dies gilt auch
angesichts des unbedingt zu vollziehenden Anteils der von Gesetzes
wegen zumindest teilbedingt auszusprechenden Freiheitsstrafe von
30 Monaten. Unter diesen Umständen ist dem Beschuldigten eine
eigentliche Schlechtprognose zu stellen, zumal es beim vorinstanzlichen
Verzicht auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden
vom 10. September 2019 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von
30 Tagessätzen aufgrund des Verschlechterungsverbots sein Bewenden
hat. Insgesamt ist davon auszugehen, dass neben einem hohen, zu
vollziehenden Anteil der teilbedingt auszusprechenden Freiheitsstrafe der
Vollzug der Geldstrafe spezialpräventiv ausreichend ist, um den
Beschuldigten von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen
abzuhalten. Der zu vollziehende Anteil der teilbedingten Freiheitsstrafe von
30 Monaten ist – auch angesichts des Verschuldens hinsichtlich der
qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz – zur
Verbesserung der Legalprognose auf 15 Monate festzusetzen. Um den
bestehenden Bedenken genügend Rechnung zu tragen, ist die Probezeit
für den bedingt vollziehbaren Anteil von 15 Monaten auf 3 Jahre
festzusetzen.
4.6.
Dem Beschuldigten ist die ausgestandene Untersuchungshaft von
gesamthaft 86 Tagen (26. August 2020 bis 19. November 2020) auf den
unbedingten Anteil der Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB i.V.m.
Art. 110 Abs. 7 StGB).
4.7.
Die Vorinstanz hat für die mehrfache Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG sowie die
Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. d WG
eine Busse von Fr. 500.00 ausgesprochen. Bereits mit Blick auf den
regelmässigen und über einen langen Zeitraum von fast 7 Monaten
erfolgten Konsum von harten Drogen erweist sich die ausgesprochene
Busse als deutlich zu mild und kann unter keinem Titel herabgesetzt
werden. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang, dass Täter, die
lediglich (einmalig) eine geringfügige Menge Cannabis konsumieren, auch
im ordentlichen Verfahren mit einer Ordnungsbusse von jeweils Fr. 100.00
bestraft werden können (Art. 1 OBG i.V.m. Art. 14 OBG und Ziff. 8001
Anhang OBV). Das Verschulden des Beschuldigten, welcher regelmässig
- 27 -
Heroin und Kokain konsumiert hat, wiegt klar schwerer, weshalb er
gegenüber dem einmaligen Konsumenten von Cannabis nicht privilegiert
werden soll.
Die Busse wäre aufgrund der Widerhandlung gegen das Waffengesetz
gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. d WG zusätzlich zu erhöhen. Aufgrund des
Verschlechterungsverbots bleibt es jedoch bei der von der Vorinstanz
ausgesprochenen Busse von Fr. 500.00. Allerdings ist aufgrund der
aktuellen finanziellen Verhältnisse (siehe E. 4.4.4 vorstehend) die für den
Fall der unentschuldigten Nichtbezahlung der Busse festzusetzende
Ersatzfreiheitsstrafe, ausgehend von einem dem Tagessatz von Fr. 170.00
entsprechenden Umrechnungsschlüssel (vgl. BGE 134 IV 60 E. 7.3.3
S. 77), auf 3 Tage festzusetzen.
4.8.
Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer teilbedingten
Freiheitsstrafe von 30 Monaten bei einem bedingt vollziehbaren Anteil von
15 Monaten, Probezeit 3 Jahre, einer unbedingten Geldstrafe von
180 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 500.00 zu bestrafen.
5.
5.1.
Die Vorinstanz hat die beschlagnahmten Vermögenswerte in der Höhe von
Fr. 8'064.80 als Erlös aus dem Betäubungsmittelhandel eingezogen und
zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
5.2.
Eingezogene Vermögenswerte dürfen – entgegen der Vorinstanz – nicht
zur Deckung der dem Beschuldigten auferlegten Verfahrenskosten inkl.
Entschädigung der amtlichen Verteidigung, der Ersatzforderung und der
Geldstrafe verwendet werden, da der beschuldigten Person damit
ermöglicht würde, ihre Schulden gegenüber dem Staat mit deliktisch
erlangtem Vermögen zu tilgen. Eingezogene Vermögenswerte fallen – hier
nicht zutreffende Ausnahmen vorbehalten – vielmehr an den Staat (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 6B_1362/2020 vom 20. Juni 2022 E. 23.6.2).
Aufgrund des Verschlechterungsverbots sowie der nachstehenden
Ausführungen kann vorliegend offen bleiben, ob das Bargeld deliktischen
Ursprungs ist, denn eine Verrechnung wäre auch bei rechtmässig
erworbenem Vermögen zulässig: Der zur Vermeidung einer allfälligen
Unterhaltspflicht arbeitslose Beschuldigte hat zumindest in Wesentlichem
Umfang auf Kosten seiner Mutter gelebt. Er hat jedenfalls im Zeitpunkt der
Beschlagnahme über weitere Vermögenswerte von rund Dollar 15'000.00
bis Dollar 20'000.00 (vgl. VA act. 34, wonach er u.a. diesen Teil in den USA
gelassen habe) verfügt. Überdies hat sich der Beschuldigte durch das
ganze Verfahren hindurch nie substantiiert über sein Bankkonto bei der O.
- 28 -
ausgewiesen. Angesichts dessen, dass er noch während der
Untersuchungshaft um (temporäre) Aushändigung seines Mobiltelefons
ersucht hat, um offene Verbindlichkeiten aus den USA (zwei
Kreditkartenrechnungen sowie den monatlichen Mietzins für die Lagerung
seiner «Habseligkeiten» von Dollar 200.00) ab ebendiesem Konto
bezahlen zu können (vgl. Eingabe der amtlichen Verteidigerin vom
4. September 2020, UA act. 368), wäre es für ihn ein Leichtes gewesen,
den tatsächlichen Kontostand zu belegen, zumal es nach seinen Angaben
angeblich nur Dollar 1'000.00 bis Dollar 1'500.00 gewesen sein sollen (vgl.
Beschuldigter: VA act. 34). Der Beschuldigte hat damit auch mit der
Beschlagnahme des Bargelds von Fr. 8'064.80 über noch genügend
Vermögenswerte verfügt. Überdies hat er während dem Verfahren – soweit
ersichtlich – sich einzig um die Aufhebung der Kontosperre seines Bank-
kontos bei der P. bemüht (vgl. UA act. 370), was denn auch mit Schreiben
vom 22. Dezember 2020 (UA act. 656) geschehen ist. Angesichts der in
Aussicht gestellten Rückkehr in die USA (vgl. UA act. 290.2, 9) hat
zumindest ein Verdacht auf die Möglichkeit bestanden, dass der
Beschuldigte sich einer möglichen Zahlungspflicht entziehen könnte. Auch
die Höhe der beschlagnahmten Vermögenswerte erweist sich angesichts
der erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten (ohne amtliche
Verteidigung) von über Fr. 16'000.00 auch nicht als übermässig. In
Anbetracht des derzeitigen Nettoeinkommens des (alleinstehenden sowie
kinderlosen) Beschuldigten von rund Dollar 5'900.00 bzw. Dollar 7'000.00
(mit Gratifikation) netto pro Monat kann von einem Eingriff ins
Existenzminimum keine Rede sein, unabhängig davon, wie viel er
angeblich (für Umzugskosten) von den erwähnten Vermögenswerten von
Dollar 15'000.00 bis Dollar 20'000.00 zwischenzeitlich verbraucht habe.
Das beschlagnahmte Bargeld von Fr. 8'064.80 ist gemäss Art. 267 Abs. 3
i.V.m. Art. 422 Abs. 4 StPO mit den Verfahrenskosten zu verrechnen.
6.
6.1.
Die Vorinstanz hat neben den unter das Betäubungsmittelgesetz fallenden
Substanzen u.a. die Einziehung eines Mobiltelefons, einer elektronischen
Kaffeemühle, einer Miniwaage, zweier Löffel, neuer Minigrip-Säckchen
sowie diverser Aluminiumfolien angeordnet, was im Berufungsverfahren
unangefochten geblieben ist, weshalb es damit sein Bewenden hat.
Die Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz sind jedoch – wie bereits in
früheren Fällen – ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass eine Einziehung
gemäss Art. 69 StGB nicht nur voraussetzt, dass ein beschlagnahmter
Gegenstand zur Begehung einer Straftat gedient hat, bestimmt war oder
durch eine Straftat hervorgebracht worden ist. Vielmehr kommt nach dem
klaren Wortlaut von Art. 69 StGB eine Einziehung nur infrage, wenn ein
solcher Gegenstand zusätzlich die Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit
oder die öffentliche Ordnung gefährdet. Mithin genügt ein Deliktkonnex
- 29 -
alleine für eine Einziehung noch nicht. Dass diese Voraussetzungen
vorliegend hinsichtlich des Mobiltelefons, der elektronischen Kaffeemühle,
der Miniwaage und der (neuen) Minigrip-Säckchen erfüllt wären, ist weder
ersichtlich noch von der Staatsanwaltschaft, welche die Einziehung und
Vernichtung beantragt hat, schlüssig dargelegt worden. Es handelt sich
dabei um Gegenstände, die von jedermann legal erworben werden konnten
und können und auch nicht gestohlen oder – soweit ersichtlich – ander-
weitig unrechtmässig in den Besitz des Beschuldigten gelangt sind. Eine
Einziehung muss immer auch verhältnismässig, d.h. geeignet und
erforderlich sein. Der blosse Umstand, dass ein Täter mit einem solchen
Gegenstand erneut eine Tat begehen könnte, rechtfertigt die Einziehung
nicht. Da diese Gegenstände jederzeit und voraussetzungslos von
jedermann und damit auch dem Beschuldigten erworben werden können,
ist die Zwecktauglichkeit einer Einziehung offensichtlich nicht gegeben
(siehe z.B. Urteil des Bundesgerichts 1B_355/2020 vom 19. Mai 2021
E. 5.2), womit von der Einziehung dieser Gegenstände abzusehen
gewesen wäre, zumal sich überdies auch der Beschuldigte auf die
Eigentumsgarantie berufen kann und eine Einziehung nicht der Bestrafung
dient. Komplett unerfindlich ist, weshalb zwei Löffel sowie diverse
Aluminiumfolien eingezogen werden sollen.
Keine Rolle spielt, ob der Beschuldigte der Einziehung zugestimmt hat oder
nicht. Die Voraussetzungen einer Einziehung sind von Amtes wegen zu
prüfen und unterstehen nicht der freien Disposition der Parteien.
6.2.
Was sodann die eingezogenen Waffen betrifft – die Vorinstanz begründete
dies mit keinem Wort –, so ist damit nebst der Widerhandlung gegen das
Waffengesetz keine Straftat verübt worden, so dass diese nicht einzu-
ziehen, auch nicht zuhanden des Polizeikommandos, sondern vielmehr
zuständigkeitshalber gestützt auf Art. 31 WG i.V.m. § 30 Abs. 1 der
Polizeiverordnung (PolV) der Kantonspolizei, Fachstelle SIWAS, zu
überweisen gewesen wären.
7.
7.1.
Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Berufung
des Beschuldigten erweist sich als unbegründet, weshalb dem Beschul-
digten die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD)
vollumfänglich aufzuerlegen sind (Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO).
7.2.
Die amtliche Verteidigerin ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die
von ihr eingereichte Kostennote – jedoch angepasst an die effektive Dauer
der Berufungsverhandlung samt Weg – aus der Staatskasse mit
- 30 -
Fr. 6'850.00 zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und
Abs. 3bis AnwT).
Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es
seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).
7.3.
Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).
Die beschuldigte Person trägt im erstinstanzlichen Verfahren die
Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO).
Der Beschuldigte wurde gemäss Anklageschrift schuldig gesprochen,
weshalb ihm die erstinstanzlichen Verfahrenskosten vollumfänglich
aufzuerlegen sind.
Was die Höhe der erstinstanzlichen Verfahrenskosten betrifft, so können
dem Beschuldigten mangels einer gesetzlichen Grundlage keine
zusätzlichen Spesen für die schriftliche Urteilsbegründung auferlegt
werden. Bund und Kantone regeln die Berechnung der Verfahrenskosten
und legen die Gebühren fest (Art. 424 Abs. 1 StPO). Massgebend ist
vorliegend das Dekret über die Verfahrenskosten des Kantons Aargau
(Verfahrenskostendekret, VKD). Die Kosten für Strafverfahren vor
Bezirksgericht sind in § 17 Abs. 1 VKD geregelt und betragen Fr. 300.00
bis Fr. 20'000.00. Abgedeckt sind damit auch die Aufwendungen, welche
im Rahmen der Urteilsbegründung anfallen. Ein Vorbehalt analog
zivilrechtlicher Streitigkeiten (vgl. § 13 Abs. 3 VKD) ist für Strafverfahren
nicht vorgesehen. Diese können dem Beschuldigten deshalb auch nicht
auferlegt werden. Hinzu kommt, dass die Vorinstanz, nachdem sie eine
Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren ausgesprochen hatte, den
Entscheid ohnehin hätte begründen müssen (Art. 82 Abs. 1 lit. b StPO).
7.4.
Die der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche Verfahren
zugesprochene Entschädigung von Fr. 21'435.40 ist mit Berufung nicht
angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr
zurückgekommen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018
vom 28. Januar 2019).
Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es
seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).
- 31 -
8.
Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es
ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO,
Art. 81 StPO).