Decision ID: 42210460-93db-408e-84d0-a555a459ac5f
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ hatte seit dem 1. September 2010 bei der Ostschweizerischen
Ausgleichskasse für Handel und Industrie Anspruch auf Familienzulagen für seine drei
Kinder (act. G3.1). Mit Schreiben vom 3. Dezember 2012 teilte die B._ AG als
Arbeitgeberin des Anspruchsberechtigten der Ausgleichskasse mit, dass A._ ab dem
1. Januar 2013 keine Kinderzulagen mehr beziehe, da die Kindsmutter ab diesem
Datum Kinderzulagen in Deutschland beantragen werde (act. G3.2). Ebenfalls am 3.
Dezember 2012 informierte die Familienkasse D._ die Ausgleichskasse darüber, dass
die in Deutschland wohnhafte Kindsmutter vom 11. März 2012 bis 10. März 2013
Bundeserziehungsgeld erhalte, weswegen das Kindergeld ab März 2012 in voller Höhe
vorrangig in Deutschland zu zahlen sei. Die Zahlung der Kinderzulage an den
Kindsvater sei daher ab März 2012 aufzuheben (act. G3.4). Daraufhin bat die
Ausgleichskasse die Familienkasse D._ um die Zusendung eines definitiven
Entscheids in dieser Sache, da sie aufgrund der Angaben des Vaters den Anspruch auf
Kinderzulagen in der Schweiz bis 31. Dezember 2012 befristet habe (act. G3.5).
A.b In einer Mail vom 8. August 2013 erläuterte die Ausgleichskasse dem Vater, der
um eine Bestätigung des Nichterhaltens der Kinderzulagen gebeten hatte, die
Angelegenheit betreffend Bezug von Kinderzulagen durch die Kindsmutter in
Deutschland sei seit Dezember 2012 pendent. Die Sachlage werde geprüft, sobald er
sämtliche Korrespondenz mit der deutschen Familienkasse sowie eine schriftliche
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Mitteilung, aus der hervorgehe, seit wann genau die Kindsmutter in Deutschland
Kinderzulagen beziehe, zugesandt habe. Am 9. August 2013 bat der Vater die
Ausgleichskasse, sich direkt an die zuständige Sachbearbeiterin beim Beistandsamt
E._ zu wenden (act. G3.6). Mit Mail vom 13. August 2013 erklärte die
Ausgleichskasse dem Landratsamt F._, sie warte seit dem 13. Dezember 2012 auf
eine Antwort bzw. eine Bestätigung der deutschen Familienkasse betreffend die Frage,
ab wann genau, in welchem Umfang und für welche Kinder die Kindsmutter in
Deutschland Kinderzulagen beziehe (act. G3.7). Auf eine vom Landratsamt F._
weitergeleitete telefonische Auskunft der Familienkasse D._ hin bat die
Ausgleichskasse die deutsche Familienkasse mit Schreiben vom 22. August 2013 um
die schriftliche Bestätigung des Kindergeldbezuges der Kindsmutter (act. G3.8, G3.9).
A.c Am 6. Februar 2015 ging ein Bescheid der Familienkasse G._ mit dem
Verweis, dass nunmehr die Familienkasse H._ für die Kindergeldzahlung an die
Kindsmutter zuständig sei, bei der Ausgleichskasse ein. Dem „Bescheid“ der
Familienkasse G._ vom 2. Februar 2015 an die Kindsmutter ist zu entnehmen, dass
diese seit April bis Dezember 2012 vorläufig Kindergeld-Unterschiedsbeiträge in Höhe
von € 548.82 für ihre drei Kinder erhalten habe. Aufgrund der abschliessenden
Festsetzung des Kindergeldes nach dem Eingang einer Bestätigung des ausländischen
Trägers über die Höhe der in der Schweiz zustehenden Familienleistungen, werde ihr
noch ein Kindergeld in Höhe von € 4‘473.18 gezahlt (act. G3.10). Daraufhin forderte die
Ausgleichskasse die vom 1. April bis 31. Dezember 2012 geleisteten Familienzulagen
von Fr. 5‘400.-- mit Verfügung vom 1. Mai 2015 vom Vater zurück (act. G3.11).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Einsprache des Vaters vom 21. Juni
2015. Er habe bis 31. Dezember 2012 von keinem anderen Amt Familiengeld erhalten
und die geleisteten Familienzulagen vollumfänglich an die Kindsmutter weitergeleitet.
Sollte diese in Deutschland Kindergeld bezogen haben, so habe sie dies ohne sein
Wissen und unter Angabe falscher Tatsachen getan. Denn sie habe erst mit der
Meldung der Ausgleichskasse, er beziehe ab 1. Januar 2013 keine Familienzulagen
mehr, in Deutschland einen Antrag auf Kindergeld stellen können. Daher sei für die
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Rückerstattung Kontakt mit der zuständigen Familienkasse in Deutschland
aufzunehmen (act. G3.14).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 9. September 2015 wies die Ausgleichskasse die
Einsprache ab. Sobald ein weiterer Anspruch bestehe, seien die zur Auszahlung
gelangten – und mit dem neuen Anspruch unrechtmässig erbrachten Leistungen –
zurückzuerstatten. Die involvierten Amtsstellen hätten es versäumt, auf diverse
Schreiben in Bezug auf die Nachzahlung des Kindergeldes zugunsten der Kindsmutter
zu reagieren und der Ausgleichskasse den Nachzahlungsbetrag zur Verfügung zu
stellen, weswegen die Rückerstattungsforderung beim Vater geltend gemacht werde
(act. G3.15).
C.
C.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 9.
Oktober 2015. Der Beschwerdeführer, vertreten durch RA lic. iur. Angelo Fedi,
beantragt die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids. Es sei
festzustellen, dass der Rückerstattungsanspruch verjährt sei und er die Zulagen nicht
zurückzuerstatten habe. Er habe die ihm zugesprochenen Familienzulagen von
monatlich insgesamt Fr. 600.-- vollumfänglich an die Kindsmutter weitergeleitet. Mit
Kenntnisnahme des Schreibens der Familienkasse D._ vom 3. Dezember 2012 am 7.
Dezember 2012 habe die Beschwerdegegnerin sowohl dem Grundsatz nach wie auch
bezüglich der Höhe zureichend Kenntnis über den Rückerstattungsanspruch gehabt.
Entsprechend habe die einjährige Verjährungsfrist am 8. Dezember 2012 zu laufen
begonnen. Billigte man der Beschwerdegegnerin Zeit für ergänzende Abklärungen zu,
hätte diese praxisgemäss maximal zwei Monate betragen, da der Beschwerdegegnerin
mit dem Schreiben vom 3. Dezember 2012 bereits mehr als nur erste Indizien für eine
Rückerstattung vorgelegen hätten. Die Mitteilung der Familienkasse G._ vom 2.
Februar 2015 könne für den Fristenlauf nicht massgeblich sein, da dies auf eine
Prüfungsfrist von über zwei Jahren hinauslaufe, was unter den gegebenen Umständen
offensichtlich weit übersetzt sei (act. G1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 20. November 2015 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Dem Schreiben vom 3.
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Dezember 2012 seien unterschiedliche Informationen bezüglich des Kindergeldbezugs
der Kindsmutter in Deutschland zu entnehmen gewesen, weswegen sie die
Familienkasse D._ um einen definitiven Entscheid in der Angelegenheit gebeten
habe. Nach unzähligen Rückfragen und Monierungen habe sie dieser mit Schreiben der
Familienkasse G._ am 6. Februar 2015 erreicht. In der Zusammenarbeit mit
deutschen Familienkassen habe sich gezeigt, dass Fälle mit Auslandsbezug eine
ausserordentlich lange Bearbeitungsdauer mit sich brächten. Es sei für sie mangels
telefonischer Erreichbarkeit der Familienkassen sowie wegen eines
Zuständigkeitswechsels nicht möglich gewesen, die Angelegenheit zu beschleunigen.
Unter den gegebenen Umständen sei es nicht möglich gewesen, vor der
Entscheidmitteilung der deutschen Familienkasse eine Rückerstattung in die Wege zu
leiten. Dementsprechend könne erst die Mitteilung vom 2. Februar 2015 als
massgeblich für den Fristenlauf der einjährigen relativen Verwirkungsfrist gelten (act.
G3).
C.c Mit Replik vom 10. Dezember 2015 führt der Beschwerdeführer aus, es sei
unbestritten, dass die Beschwerdegegnerin bereits seit dem 3. Dezember 2012
Kenntnis über das Kindergeld in Deutschland und damit über ihren
Rückerstattungsanspruch besessen habe. Nach ihrem Schreiben vom 13. Dezember
2012 sei sie jedoch während acht Monaten untätig geblieben. Die von der
Beschwerdegegnerin geltend gemachten „unzähligen Rückfragen und Monierungen“
seien nicht belegt. Auch zwischen dem Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 22.
August 2013 bis zum Bescheid der Familienkasse G._ vom 2. Februar 2015 lägen
sodann beinahe eineinhalb Jahre, für welche keine einzige Nachfrage der
Beschwerdegegnerin dokumentiert sei. Funktioniere die Koordination mit den anderen
Behörden nicht, so könne dies nicht auf Kosten des Beschwerdeführers gehen (act.
G5).
C.d Die Beschwerdegegnerin nimmt daraufhin mit Duplik vom 29. Januar 2016
Stellung. Allein die Tatsache, dass die Familienkasse zu Beginn davon ausgegangen
sei, ab März 2012 leisten zu müssen und die Beschwerdegegnerin erst mit dem
endgültigen Bescheid über die Leistungspflicht ab April 2012 informiert worden sei,
zeige, dass es für die Geltendmachung des Rückforderungsanspruches nötig gewesen
sei, den endgültigen Entscheid der Familienkasse abzuwarten (act. G7).
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Erwägungen
1.
1.1 Aufgrund des Verweises in Art. 1 Familienzulagengesetz (FamZG; SR 836.2) sind
zu Unrecht bezogene Familienzulagen nach den Grundlagen des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1)
zurückzuerstatten (Dorothea Riedi Hunold, Familienleistungen, in: Recht der sozialen
Sicherheit Band XI, Steiger-Sackmann/Mosimann [Hrsg.], Basel 2014, Rz 33.75). Der
Anspruch auf die Rückerstattung unrechtmässig bezogener Leistungen erlischt mit
dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis
erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der
einzelnen Leistung (Art. 25 Abs. 1 und 2 ATSG). Die einjährige Verwirkungsfrist gemäss
Art. 25 Abs. 2 ATSG ist gewahrt, wenn vor deren Ablauf eine Rückerstattungsverfügung
ergeht und der rückerstattungspflichtigen Person zugestellt wird (vgl. Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N 65 zu Art. 25 ATSG mit Hinweisen).
1.2 Mit Bezug auf den Beginn der einjährigen relativen Verwirkungsfrist ist nicht die
tatsächliche, sondern die zumutbare Kenntnis des zur Rückerstattung Anlass
gebenden Sachverhalts massgebend, wobei das Eidgenössische Versicherungsgericht
im Zusammenhang mit aArt. 47 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) nicht das erstmalige unrichtige
Handeln der Verwaltung als fristauslösend hat genügen lassen. Vielmehr stellte es auf
jenen Tag ab, an dem sich die Amtsstelle später – beispielsweise anlässlich einer
Rechnungskontrolle – unter Anwendung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit über ihren
Fehler hätte Rechenschaft geben müssen (BGE 110 V 304 E. 2b in fine S. 306; 124 V
383 E. 1; SVR 2002 IV Nr. 2 S. 5, I 678/00 E. 3b). Dieser Grundsatz, wonach nicht der
ursprüngliche Irrtum, sondern erst ein „zweiter Anlass“ die relative einjährige
Verwirkungsfrist auslöst, wurde in der Folge verschiedentlich bestätigt (Urteil
8C_824/2007 vom 15. Mai 2008), und ist auch in Anwendung von Art. 25 Abs. 2 ATSG
zu beachten (Urteil des Bundesgerichts 9C_428/2009 vom 19. Februar 2010 E. 3.3.2).
2.
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Vorliegend ist unbestritten, dass aufgrund der vorrangigen Anspruchsberechtigung der
Kindsmutter in Deutschland seit April 2012 gemäss Art. 68 der Verordnung (EG) Nr.
883/2004 in Verbindung mit Art. 58 der Verordnung (EG) Nr. 987/2009 ein
Rückforderungsanspruch seitens der Beschwerdegegnerin besteht. Die Höhe der
Rückforderung (insgesamt Fr. 5‘400.--) ist ebenfalls unbestritten. Umstritten ist
demgegenüber, ob die Rückerstattungsverfügung vom 1. Mai 2015 betreffend die
Rückforderung der in der Zeit vom 1. April 2012 bis 31. Dezember 2012 ausbezahlten
Zulagen verspätet erfolgt und die Rückerstattung damit verwirkt ist. Zu prüfen ist somit,
wann der massgebliche Zeitpunkt für den Beginn des Fristenlaufs war.
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin ging zunächst gestützt auf ihren Entscheid vom 31.
August 2010 von einem Anspruch des Beschwerdeführers auf Familienzulagen aus
(act. G3.1). Aufgrund des Schreibens der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers vom 3.
Dezember 2012 ging sie – in Unkenntnis über den Leistungsanspruch der Kindsmutter
seit März bzw. April 2012 in Deutschland – irrtümlicherweise von einem Anspruch des
Beschwerdeführers bis Dezember 2012 aus (act. G3.2, G3.3). Art. 25 ATSG setzt für die
Geltendmachung eines Rückerstattungsanspruches eine relative Frist von einem Jahr
nach Kenntnisnahme dessen Bestehens durch den Versicherungsträger fest. Dabei
wird keine tatsächliche Kenntnisnahme verlangt. Die Rechtsprechung bezeichnet es
vielmehr als ausreichend, dass der Versicherungsträger bei Beachtung der zumutbaren
Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine
Rückerstattung bestehen (vgl. Ueli Kieser, a.a.O., N 57 zu Art. 25 ATSG). Mit Schreiben
vom 3. Dezember 2012 bat die Familienkasse D._ die Beschwerdegegnerin, die
Zahlungen der Kinderzulagen an den Beschwerdeführer ab März 2012 aufzuheben. Die
mit den Kindern in Deutschland wohnhafte Kindsmutter erhalte vom 11. März 2012 bis
10. März 2013 Bundeserziehungsgeld, weswegen das Kindergeld für die drei Kinder ab
März 2012 in voller Höhe vorrangig in Deutschland zu zahlen sei (act. G3.4). Seit dem
Entscheid des Europäischen Gerichtshofs in Sachen Hoever und Zachow gegen
Nordrhein-Westfalen vom 10. Oktober 1996 ist Bundeserziehungsgeld eine
Familienleistung im Sinne der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 bzw. neu der Verordnung
Nr. 883/2004. Obwohl die Arbeitgeberin des Beschwerdeführers der
Beschwerdegegnerin mitgeteilt hatte, dass die Kindsmutter erst ab Januar 2013
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Kindergeld in Deutschland beziehen würde, hätte der Beschwerdegegnerin nunmehr
aufgrund des relativ konkreten Schreibens der Familienkasse D._ bekannt sein
müssen, dass die Kindsmutter sowie der Beschwerdeführer über einen gewissen
Zeitraum hinweg parallel Leistungen sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz
bezogen. Somit musste sie mit Kenntnisnahme des Schreibens der Familienkasse
D._ vom 3. Dezember 2012 und bei Beachtung der zumutbaren Aufmerksamkeit
erkannt haben, dass die Voraussetzungen für einen Rückerstattungsanspruch gegeben
sind.
3.2 Der definitive Bescheid der Familienkasse G._ für die Kindergeldzahlungen an
die Kindsmutter in Deutschland für den Zeitraum April 2012 bis Dezember 2012,
anhand dessen die Beschwerdegegnerin ihren Rückerstattungsanspruch mit Verfügung
vom 1. Mai 2015 geltend machte, erging am 2. Februar 2015 (act. G3.10). Diesem ist zu
entnehmen, dass die Kindsmutter seit April 2012 vorläufig Kindergeld-
Unterschiedsbeträge € 548.82 für ihre drei Kinder erhalten habe. Auf den
entsprechenden Bescheid vom 4. Dezember 2012 (nicht in den Akten) werde insoweit
Bezug genommen. Nachdem eine Bestätigung des ausländischen Trägers über die
Höhe der in der Schweiz zustehenden Familienleistungen vorliege, werde der
Kindergeldanspruch der Kindsmutter für die Zeit von April bis Dezember 2012
abschliessend festgesetzt. Es ergebe sich ein noch zu zahlender Differenzbetrag an
Kindergeld von € 4‘473.18 (act. G3.10). Zwar ist mit der Beschwerdegegnerin
anzunehmen, dass sie erst mit Erhalt dieses Bescheides den tatsächlichen Umfang des
Rückerstattungsanspruches hat berechnen können, doch ist mit dem
Beschwerdeführer zu fragen, ob es ihr nicht zumutbar gewesen wäre, bereits zu einem
früheren Zeitpunkt über die entsprechende Kenntnis zu verfügen.
3.3 Hat die von einem Dritten erstattete Meldung die erforderliche Kenntnis der
Verwaltung ausgelöst, so muss die Verwaltung die ihr zumutbare Aufmerksamkeit
insbesondere auch bei den sich allenfalls aufdrängenden Erhebungen anwenden, damit
ihre noch ungenügende Kenntnis so vervollständigt wird, dass der
Rückerstattungsanspruch die nötige Bestimmtheit erhält (vgl. BGE 112 V 182 E. 4b).
Die Beschwerdegegnerin bat die Familienkasse D._ mit Schreiben vom 13.
Dezember 2012 um eine Kopie des Entscheids betreffend die Kindergeldansprüche der
Kindsmutter (act. G3.5). Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass die Familienkasse
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D._ der Beschwerdegegnerin daraufhin einen solchen Entscheid zusandte (z.B. den
im Bescheid vom 2. Februar 2015 genannten vorläufigen Bescheid vom 4. Dezember
2012) oder dass die Beschwerdegegnerin erneut danach fragte. Erst am 8. August
2013, nachdem der Beschwerdeführer sich bei ihr gemeldet hatte, wurde sie erneut
tätig (act. G.3.6). Abermals ersuchte sie am 22. August 2013 schriftlich um einen
Entscheid der Familienkasse D._, worauf gemäss Akten bis zum 2. Februar 2015
weder eine Antwort der deutschen Familienkasse noch weitere Nachfragen der
Beschwerdegegnerin folgten (act. G3.9). Es ist von der Beschwerdegegnerin zu
erwarten, dass sie sich, nachdem eine Nachfrage ihrerseits nicht beantwortet wurde,
nach angemessener Zeit erneut erkundigt. Die Beschwerdegegnerin hätte innerhalb
einer angemessenen Prüfungsfrist, die aufgrund des internationalen Bezugs über eine
zweimonatige Prüfungsfrist hinausgeht, einen konkretisierten Bescheid wie den vom 2.
Februar 2015 erhalten, wenn sie sich ab Dezember 2012 mit zumutbarer
Aufmerksamkeit der Vervollständigung ihrer ungenügenden Kenntnis über den Umfang
des Rückerstattungsanspruchs gewidmet hätte.
4.
Nach dem Gesagten hatte die Beschwerdegegnerin bereits Mitte Dezember 2012
Kenntnis über einen möglichen Rückerstattungstatbestand. Die einjährige
Verwirkungsfrist begann unter Berücksichtigung einer angemessenen Prüfungsfrist
spätestens Ende 2013 zu laufen, sodass der mit Verfügung vom 1. Mai 2015 geltend
gemachte Anspruch der Beschwerdegegnerin bereits verwirkt war. Selbst wenn man
annähme, dass die Verwirkung nicht bereits eingetreten wäre, so wäre die
Rückforderung dennoch aufzuheben, da die Beschwerdegegnerin es versäumt hat, bei
der deutschen Familienkasse ein Gesuch um Verrechnung zu stellen. Gemäss Art. 72
der Verordnung Nr. 883/2004 kann der Träger eines Mitgliedsstaats, der einer Person
eine nicht geschuldete Leistung ausgezahlt hat, den gegenüber der betreffenden
Person zu Leistungen verpflichteten Träger eines anderen Mitgliedsstaats um
Einbehaltung des nicht geschuldeten Betrags von nachzuzahlenden Beiträgen oder
laufenden Zahlungen, die der betreffenden Person geschuldet sind, ersuchen. Ein
solches Gesuch ist den Akten nicht zu entnehmen. Die Beschwerdegegnerin hätte
dieses der deutschen Familienkasse direkt unterbreiten sollen, als dieser eine
Bestätigung über die Höhe der in der Schweiz zustehenden Familienleistungen
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zugesandt wurde (vgl. act. G3.10). Dabei handelt es sich wie im innerstaatlichen Recht
um eine Pflicht des rückfordernden Versicherungsträgers (vgl. Kieser, a.a.O., N 39 zu
Art. 25 ATSG).
5.
5.1 Die geltend gemachte Rückerstattung der Beschwerdegegnerin von insgesamt
Fr. 5‘400.-- ist verwirkt und es besteht kein Rückerstattungsanspruch gegenüber dem
Beschwerdeführer. Die Beschwerde ist gutzuheissen. Es sind keine Gerichtskosten zu
erheben.
5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12‘000.--. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint mit Blick auf die eingeschränkte Fragestellung eine
pauschale Parteientschädigung von Fr. 2‘500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.