Decision ID: a26c2d8c-96a6-4816-9006-e47e73bbb4d8
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 25. Juli 2020 in der Schweiz um Asyl
nach. Anlässlich der Personalienaufnahme vom 25. Juli 2020, dem Dublin-
Gespräch vom 12. August 2020 und der Anhörung vom 9. November 2020
führte er im Wesentlichen aus, er sei tadschikischer Ethnie und stamme
aus B._, Provinz C._. Seine Familie sei in der Landwirt-
schaft tätig gewesen. Seine Mutter sei circa im Jahr 2016 gestorben. Er
habe die Schule, bei welcher sein Vater Schuldirektor gewesen sei, bis zur
zwölften Klasse besucht. Ungefähr ein Jahr nach dem Schulabschluss
habe sein Vater ihm ein Auto gekauft, mit welchem er Dorfbewohner beför-
dert habe. Von den Taliban sei er wiederholt aufgefordert worden, Trans-
porte für sie durchzuführen. Sein Vater habe eine Mädchenschule gründen
wollen. Damit seien die Taliban nicht einverstanden gewesen, weshalb sein
Vater einige Male im Dorf angehalten worden sei. Da sein Vater dieses
Projekt nicht habe aufgeben wollen und er (der Beschwerdeführer) die
Transporte für die Taliban abgelehnt habe, seien er und sein Vater von den
Taliban ein paar Mal bedroht worden. Ungefähr einen Monat vor seiner
Ausreise hätten die Taliban ihn und seinen Vater abgefangen und seinen
Vater zusammengeschlagen. Er habe den Vorfall den Sicherheitskräften
gemeldet, woraufhin es zu einem Kampf gekommen sei, anlässlich wel-
chem einige Taliban getötet worden seien. Als er kurz vor seiner Ausreise
seinen Vater zur Schule gefahren habe, sei eine Mine explodiert. Sein Va-
ter sei dabei getötet worden und er sei aufgrund seiner schweren Verlet-
zungen zunächst in C._ und anschliessend zwei Wochen in Pakis-
tan in einem Krankenhaus behandelt worden. Danach habe er sich bei sei-
nem Onkel mütterlicherseits in Pakistan aufgehalten. Einen Monat nach
dem Vorfall zwischen den Sicherheitskräften und den Taliban habe seine
Familie erfahren, dass die Taliban nach ihm gesucht hätten. Nach sieben
Monaten in Pakistan sei er in die Türkei gereist. Am 8. November 2020 sei
sein Cousin bei einem Bombenanschlag in Afghanistan ums Leben gekom-
men.
Der Beschwerdeführer reichte eine Taskera (in Kopie, inkl. Übersetzung),
Fotos, eine Zuweisung zur medizinischen Abklärung vom 27. Juli 2020, ei-
nen Arztbericht – Rückmeldung an Medic-Help vom 21. August 2020, ei-
nen Konsultationsbericht vom 7. September 2020 sowie zwei Arztberichte
vom 8. September 2020 und 19. Oktober 2020 ein.
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B.
Mit Schreiben vom 16. November 2020 nahm der Beschwerdeführer zum
Entscheidentwurf der Vorinstanz Stellung.
C.
Mit Verfügung vom 23. November 2020 (gleichentags eröffnet) verneinte
die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte
sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, deren
Vollzug aber wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Auf-
nahme aufgeschoben wurde.
D.
Mit Eingabe vom 23. Dezember 2020 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung der
Vorinstanz vom 23. November 2020 sei aufzuheben, er sei als Flüchtling
anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Ihm sei die unentgeltliche
Prozessführung zu gewähren und von der Erhebung eines Kostenvor-
schusses sei abzusehen.
Der Beschwerdeführer legte einen Artikel der Afghanistan Analyst Network
vom 15. Dezember 2014, der National Geographic vom September 2015
und der United Nations Assistance Mission in Afghanistan (UNAMA) vom
10. Oktober 2018 ins Recht.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Januar 2021 wies der Instruktionsrichter
das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ab und forderte den Be-
schwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses auf. Der Kostenvor-
schuss wurde fristgerecht bezahlt.
F.
Mit Schreiben vom 15. Februar 2021 ersucht der Beschwerdeführer um
Wiedererwägung betreffend die nach summarischer Prüfung der Akten
festgestellte Aussichtslosigkeit und die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung. Zudem beantragt er, es sei ein Gutachten einer psychiat-
rischen Fachperson einzuholen oder die Sache sei zur vollständigen Er-
stellung des relevanten Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Dem Schreiben waren zwei Arztberichte vom 4. Dezember 2020 und
8. Dezember 2020 beigelegt.
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Seite 4
G.
Am 21. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer einen Artikel der Zeitschrift
ASYL (in: Asyl 2/2021, S. 22–29) und einen Arztbericht vom 7. Juli 2021
ein.
H.
Das Schreiben vom 17. Dezember 2021 mit einer Beschwerdeergänzung
und der Anfrage nach dem Verfahrensstand wurde mit Schreiben vom
4. Januar 2022 beantwortet.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet
des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG
[SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Ver-
fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer beantragt, zum Nachweis des Zusammenhangs
zwischen dem Erlebten in Afghanistan und der Ursache der posttraumati-
schen Belastungsstörung (PTBS) sei von Amtes wegen ein psychiatrisches
Gutachten in Auftrag zu geben.
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3.2 Der Beschwerdeführer reichte zwei Arztberichte einer Fachärztin für
Kinder- /Jugend - Psychiatrie und Psychotherapie vom 8. September 2020
und 19. Oktober 2020, einen Arztbericht der Inneren Medizin vom 4. De-
zember 2020, einen Arztbericht der Universitären Psychiatrischen Kliniken
Basel vom 8. Dezember 2020 sowie einen Arztbericht einer Psychothera-
peutin vom 7. Juli 2021 ein. In einigen Arztberichten werden mögliche Ur-
sachen der PTBS geäussert. Die Frage kann jedoch nicht abschliessend
beantwortet werden. Auch ein Gutachten könnte nicht mit Sicherheit fest-
stellen, dass der PTBS die Ursache des Erlebten zugrunde liegt (vgl. BVGE
2015/11 E. 7.2.2). Es ist somit nicht angezeigt, ein Gutachten einzuholen.
Insbesondere ist festzustellen, dass seine Asylvorbringen auch unter Be-
rücksichtigung der PTBS als unglaubhaft einzustufen sind (vgl. E. 4 und
6.3).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung der Untersuchungs- und
der Begründungspflicht. Hierbei handelt es sich um formelle Rügen, wel-
che vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassa-
tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
4.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG gerügt werden. Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein
aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt
wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde
trotz der geltenden Untersuchungsmaxime (Art. 12 ff. VwVG) den Sachver-
halt nicht von Amtes wegen abgeklärt, oder nicht alle für den Entscheid
wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. SCHINDLER, in: Kom-
mentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 29).
Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör,
welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein-
zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Be-
gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65
E. 5.2).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Seite 6
4.3 Der Beschwerdeführer begründet die Verletzung der Untersuchungs-
pflicht damit, die Vorinstanz habe nicht abgeklärt, inwiefern seine trauma-
tischen Erlebnisse in seinem Heimatland Auswirkungen auf sein Aussage-
verhalten gehabt hätten. Stattdessen habe sie seine Aussagen als unsub-
stantiiert, ohne Logik und somit als unglaubhaft eingestuft.
Der Beschwerdeführer konnte glaubhaft darlegen, dass er an einer PTBS
leidet. Seine Antworten lassen indes nicht den Eindruck entstehen, er sei
aufgrund seiner glaubhaft gemachten PTBS nicht in der Lage gewesen, die
Fragen zu beantworten oder sich verständlich auszudrücken. In der Anhö-
rung wird zwar angemerkt, dass er bei einigen Fragen immer wieder das
Gesicht in den Händen vergraben habe und bei einer Frage eine Tablette
eingenommen habe (vgl. elektronische SEM-Akten 1070548-35/22 F155 f.
[nachfolgend SEM-Akten 35]). Er gab aber nicht zu verstehen, dass die
Anhörung unter- oder abgebrochen werden muss; auch die mitwirkende
Rechtsbeiständin stellte während der Anhörung keinen entsprechenden
Antrag. Zudem gab er am Ende der Anhörung an, er habe alle seine Asyl-
gründe nennen können und über alles sprechen können. Eine Verletzung
der Untersuchungspflicht ist somit nicht gegeben.
4.4 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung der Begründungspflicht, in-
dem die Vorinstanz den herabgesetzten Beweisanforderungen gemäss
Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen habe. Die Glaubhaf-
tigkeit seiner Vorbringen sei bei einer Gesamtbetrachtung seiner Aussagen
insgesamt zu bejahen. Aufgrund der traumatisierenden Ereignisse und weil
diese bereits über zwei Jahre zurückliegen würden und teilweise nicht
selbst von ihm erlebt, sondern ihm nur berichtet worden seien, habe er
Gedächtnislücken und habe nicht alle Vorbringen detailliert schildern kön-
nen.
Ob die Glaubhaftigkeitsprüfung der Vorinstanz zutreffend ist, beschlägt
nicht die Begründungspflicht, sondern ist eine Frage der rechtlichen Wür-
digung der Sache, welche die materielle Entscheidung über die vorge-
brachten Asylgründe betrifft. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt
somit nicht vor.
4.5 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entspre-
chende Rechtsbegehren ist somit abzuweisen.
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5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken.
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, die Angaben des Be-
schwerdeführers zum Lebenslauf seines Vaters, dessen Plänen zur Grün-
dung einer Mädchenschule sowie dessen Begegnungen mit den Taliban
seien unsubstantiiert. Weiter habe er auch hinsichtlich seiner eigenen
Probleme mit den Taliban nur wenig sagen können. So sei er nicht fähig,
konkrete Angaben zu den Zeitpunkten, zum Verlauf und zu speziellen Er-
eignissen der Begegnungen sowie zur Anzahl und Beschreibung der betei-
ligten Taliban zu machen. Weiter habe er nicht schildern können, wie er
von C._ nach Pakistan gekommen sei und was die medizinische
Behandlung in Pakistan gekostet habe. Es sei realitätsfremd, dass er und
sein Vater sich den Taliban offen widersetzt hätten. Zudem mache er ab-
weichende Angaben bezüglich seiner Reaktion auf die Forderungen der
Taliban. Angesichts der Bedeutung der Gespräche seines Vaters mit den
Taliban betreffend die Gründung einer Mädchenschule sei es realitäts-
fremd, dass er nicht gewusst habe, ob er an einem solchen Gespräch teil-
genommen habe. Insbesondere sei unrealistisch, dass die Taliban eine
Mine eingesetzt hätten, um ihn und seinen Vater zu eliminieren. Seine an-
gebliche Traumatisierung könne die mangelnde Substanz in seinen Aussa-
gen nicht erklären. Seine geltend gemachten Verletzungen würden zahlrei-
che Ursachen haben können. Insgesamt seien die Vorbringen zu seinen
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Asylgründen unglaubhaft, weshalb auch den eingereichten Arztberichten
und Fotos kein Beweiswert zukomme.
6.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, anhand der Schilderung seiner Asyl-
gründe anlässlich der Anhörung sei die diagnostizierte PTBS zu erkennen.
Es erscheine sehr wahrscheinlich, dass seine Traumatisierung durch die
berichteten Erlebnisse verursacht worden sei. Er habe seine Gesuchs-
gründe anlässlich der Anhörung zwar eher knapp geschildert, auf entspre-
chende Nachfragen jedoch weitere Einzelheiten aufgeführt. Seine Aussa-
gen seien widerspruchslos und würden starke Glaubhaftigkeitsmerkmale
aufweisen. Seine Verletzungen durch den Anschlag mit einem Sprengsatz
seien durch die eingereichten Fotos und Arztberichte dokumentiert. Die
von ihm berichteten allgemeinen Umstände in seinem Heimatdorf und das
Vorgehen der Taliban ihm und seinem Vater gegenüber würden in den ein-
gereichten Länderberichten Rückhalt finden. Durch den Anschlag der Tali-
ban sei er ernsthaften Nachteilen ausgesetzt gewesen. Es liege eine ge-
zielte asylrelevante Verfolgung vor.
6.3 Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge-
langt, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers unglaubhaft sind. Seine
Angaben zu seinem Vater, zu dessen Plänen hinsichtlich der Gründung ei-
ner Mädchenschule und dessen Begegnungen mit den Taliban sind unsub-
stantiiert. Zu seinen eigenen Problemen mit den Taliban kann er nur sehr
wenig sagen. Selbst nach mehrmaliger Aufforderung, detaillierte Angaben
zu machen, gelang es ihm nicht, seine Vorbringen mit einem persönlichen
Erlebnisbezug zu versehen. Es darf vom Beschwerdeführer erwartet wer-
den, dass er die Hauptelemente seiner Asylvorbringen nachvollziehbar
schildern kann. Beim Vorliegen eines Traumas kann von Ausfällen in be-
stimmten Bereichen der Erzählung ausgegangen werden, nicht jedoch von
Schilderungen ohne Substanz. Die nach der Beschwerde eingereichten
Arztberichte und der Bericht zur Glaubhaftigkeitsprüfung ändern daran
nichts. Er konnte nicht angeben, was sein Vater vor seiner Tätigkeit als
Lehrer respektive Schuldirektor beruflich gemacht hat und in welcher
Klasse er war, als sein Vater in seiner Schule anfing zu arbeiten. In der
Anhörung gab er an, sein Dorf sei von den Taliban kontrolliert worden; in
seinem Dorf werde das gemacht, was die Taliban wollen würden und jeder,
der sich ihnen in den Weg stelle, werde vernichtet (SEM-Akten 35 F46,
139, F183). Vor diesem Hintergrund und angesichts dessen, dass die Tali-
ban nicht damit einverstanden gewesen sind, dass sein Vater eine Mäd-
chenschule eröffnen wollte, überzeugt nicht, wenn er nur wenige Angaben
zum Inhalt und zum Zeitpunkt der gemäss eigenen Angaben mehrmaligen
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Gespräche zwischen ihm und seinem Vater bezüglich der Mädchenschule
machen kann, nicht in der Lage ist zu berichten, wie die Begegnungen zwi-
schen seinem Vater und den Taliban abgelaufen sind und wann diese statt-
gefunden haben sowie sich nicht daran erinnern kann, ob er an den Dis-
kussionen im Dorf wegen der Mädchenschule beteiligt war. Er gibt an, er
habe wegen der Transporte mit seinem Auto selber Probleme mit den Tali-
ban gehabt. Zu den drei Besuchen der Taliban bei ihm zu Hause und dem
Vorfall, als er und sein Vater von den Taliban angehalten worden seien,
kann er jedoch keine genauen Angaben zu Zeitpunkten, Abläufen, speziel-
len Ereignissen sowie zur Anzahl und zur Beschreibung der Taliban ma-
chen. Sein pauschaler Erklärungsversuch, er habe sehr viele Probleme ge-
habt und vieles durchmachen müssen, ist bei solch einschneidenden Be-
gebenheiten nicht überzeugend. Hinsichtlich der Minenexplosion seines
Autos, anlässlich welcher sein Vater gestorben und er verletzt worden sei,
handelt es sich lediglich um eine Vermutung des Beschwerdeführers, dass
dies ein gezielter Angriff der Taliban gewesen sein soll. Er gab selber an,
dass auf der Strasse auch andere Autos gefahren sind. An dieser Einschät-
zung ändern auch die eingereichten Fotos und Arztberichte nichts; die Fo-
tos lassen keine Rückschlüsse auf die Ursache der Verletzungen und die
Arztberichte keine Rückschlüsse auf die Ursache der PTBS zu. Er macht
zudem widersprüchliche Angaben zum Todeszeitpunkt seines Vaters; ge-
mäss Arztbericht vom 8. September 2020 gab er an, seine Eltern seien im
Jahr 2016 gestorben. Der angebliche Bombenanschlag soll sich gemäss
seinen Angaben jedoch erst kurz vor seiner Ausreise ereignet haben, wel-
che definitiv nicht bereits im Jahr 2016 erfolgte. Angesprochen auf den Wi-
derspruch vermochte er diesen nicht zu beseitigen. Hinzu kommt, dass er
im Arztbericht vom 7. Dezember 2021 angegeben hat, er mache sich Vor-
würfe, da er kurz vor dem Bombenanschlag die Polizei angerufen habe,
als Taliban zu ihnen nach Hause gekommen seien. Er sehe einen Zusam-
menhang zwischen seinem Anruf bei der Polizei und dem Bombenan-
schlag respektive dem Verlust seines Vaters. In der Personalienaufnahme
und der Anhörung gab er zu keinem Zeitpunkt an, dass er sich bei der Po-
lizei gemeldet hat. Er machte nur geltend, er habe den Vorfall, anlässlich
welchem er und sein Vater von den Taliban auf der Strasse angehalten und
geschlagen worden seien, den Sicherheitskräften gemeldet. Überdies er-
scheint es – auch angesichts der absehbaren Konsequenzen – schwer vor-
stellbar, dass er eine solche Meldung offenbar ohne Rücksprache mit dem
Vater vorgenommen haben will. Insgesamt sind seine geltend gemachten
Probleme aufgrund der oberflächlichen Aussagen, Ungereimtheiten und
Widersprüche als unglaubhaft einzustufen. In seiner Rechtsmitteleingabe
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gelingt es ihm nicht, die Oberflächlichkeiten zu präzisieren und die Wider-
sprüche in seinen Aussagen zu beseitigen. Die mit der Beschwerde einge-
reichten allgemeinen Lageberichte zu Afghanistan und die Darstellung der
heimatörtlichen Gegebenheiten vermögen den konkreten Fall nicht zu be-
legen. Aufgrund der Unglaubhaftigkeit seiner Probleme mit den Taliban ist
auch nicht davon auszugehen, dass die Taliban nach der Machtübernahme
im August 2021 nach ihm gesucht haben, wie dies mit Schreiben vom
17. Dezember 2021 geltend gemacht wird.
6.4 Insgesamt hat der Beschwerdeführer keine asylrelevanten Nachteile
erlitten und es besteht auch kein Hinweis darauf, dass ihm eine künftige
asylrelevante Verfolgung drohen würde. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch
des Beschwerdeführers somit zu Recht abgewiesen.
7.
7.1 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt die Vorinstanz in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz, wenn sie das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf
eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht
angeordnet.
7.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung vom 23. November
2020 die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz an-
geordnet. Mit der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs wurde der aktuellen Lage Rechnung getragen. Demnach
erübrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit
und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-
weisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dieser Betrag
ist dem am 2. Februar 2021 geleisteten Kostenvorschuss zu entnehmen.
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