Decision ID: fa97ec25-d568-5d68-9565-c9001b76f563
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer ist Eigentümer der Parzelle Grundbuch Boltigen
Nr. C._ (G._), die u.a. mit einem Wohnhaus bebaut ist. Die Liegenschaft
ist bis anhin nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Das häusliche Abwasser
wird in die Güllegrube des Beschwerdeführers eingeleitet. Etwa zwei Mal pro Jahr verteilt
es der Beschwerdeführer mittels Pumpe und Schlauch auf seinem Grundstück. Alle 4-5
Jahre wird die Grube komplett entleert, wobei der am Grund der abflusslosen Grube
abgesetzte Schlamm durch ein Kanalreinigungsunternehmen abgesogen und in die
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Abwasserreinigungsanlage (ARA) entsorgt wird.1 Seit 2011 strebt der Beschwerdeführer
einen Anschluss an die öffentliche Kanalisation an. Sein Grundstück liegt etwas ausserhalb
der Gemeinde Boltigen. Zwischen seinem Grundstück und den nächsten
Anschlusspunkten an die öffentliche Kanalisation liegen Parzellen in fremdem Eigentum.
Der Beschwerdeführer prüfte verschiedene Möglichkeiten (private Pflanzenkläranlage,
Anschluss an die private Leitung eines Nachbarn, Anschluss an die Gemeindekanalisation
mittels Durchleitung über Nachbarparzellen), wobei er von der Bauverwaltung der
Gemeinde und dem kantonalen Amt für Wasser und Abfall (AWA) unterstützt wurde.2
Der Beschwerdeführer führte insbesondere mit dem Eigentümer der Parzellen Nrn.
D._ und E._, F._, Verhandlungen über die Einräumung eines
Durchleitungsrechts. F._ erklärte sich grundsätzlich dazu bereit. Jedoch konnten
Differenzen über die Vertragsmodalitäten nicht ausgeräumt werden. Bis heute konnte kein
Vertrag betreffend ein Durchleitungsrecht des Beschwerdeführers abgeschlossen werden.
Am 22. Juli 2014 verfügte die Gemeinde Boltigen zunächst, dass der Beschwerdeführer
sein Gebäude bis zum 30. April 2015 beim Schacht Nr. J._ an die öffentliche
Kanalisation anzuschliessen und F._ die dafür notwendige Durchleitung über die
Parzellen Nrn. D._ und E._ zu dulden habe. Am 6. August 2014 teilte der
Rechtsvertreter von F._ mit, dass für die verfügte Duldungspflicht keine
Rechtsgrundlage bestehe, und forderte die Gemeinde zur Wiedererwägung auf. Mit
Verfügung vom 19. August 2014 verpflichtete die Gemeinde den Beschwerdeführer erneut
zum Anschluss seines Gebäudes an die öffentliche Kanalisation beim Schacht
Nr. J._, unter Fristansetzung und Androhung der Ersatzvornahme, verzichtete
jedoch auf die Anordnung einer Duldungspflicht gegenüber F._. Diese Verfügung
ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
2. Auf Wunsch der Gemeinde hat das AWA die Federführung bezüglich Anschluss der
Liegenschaft des Beschwerdeführers an die öffentliche Kanalisation übernommen. Mit
Verfügung vom 3. November 2017 ordnete das AWA an:
1 Vorakten, Register 1, Schreiben des Beschwerdeführers an die Gemeinde Boltigen vom 13. Juli 2015; Vorakten, Register 2, Schreiben des AWA an den Beschwerdeführer vom 28. September 2017 2 Vorakten, Register 1, diverse Korrespondenz der Gemeinde und des AWA
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"3.1 Herr A._ wird verpflichtet, ein Projekt für den Anschluss seiner Liegenschaft
G._, 3766 Boltigen an die öffentliche Kanalisation gemäss den Vorgaben (...)
dieser Verfügung bis spätestens am 31. Mai 2018 auszuarbeiten und dem AWA
einzureichen. Anstelle des Projekts kann Herr A._ auch den unterschriebenen
Dienstbarkeitsvertrag mit Herrn F._ einreichen.
3.2 Wird dem AWA bis zur genannten Frist kein Projekt eingereicht, oder eines, das nicht
den Anforderungen (...) entspricht, so schreitet das AWA ohne weitere Verfügung auf
Kosten von Herrn A._ zur Ersatzvornahme. Dafür holt das AWA Offerten für die
Ausarbeitung eines Projekts von maximal zwei Unternehmungen ein und vergibt den
Auftrag dem günstigeren. Herr A._ hat dabei Gelegenheit, dem AWA eine
zusätzliche dritte Unternehmung seiner Wahl für die Einholung der Offerten bekannt zu
geben.
3.3 Ab sofort dürfen die häuslichen Abwässer nicht mehr ausgetragen bzw. landwirtschaftlich
verwertet werden. Diese müssen durch ein geeignetes Unternehmen aus der
abflusslosen Güllegrube abgesogen und einer Abwasserreinigungsanlage zugeführt
werden. Alle Belege der Entsorgung müssen aufbewahrt und eine Kopie davon innert 30
Tagen ab Belegausstellung dem AWA, zuhanden von Herrn H._, geschickt
werden.
3.4 Betreffend den Verfügungspunkt 3.3 wird einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende
Wirkung entzogen.
3.5 [Androhung der Bestrafung im Falle der Widerhandlung]
3.6 [Eröffnung]"
In den Erwägungen der Verfügung wurden die Anforderungen an das Projekt gemäss
Dispositivziffern 3.1 und 3.2 näher ausgeführt. Dieses sollte eine Linienführung von der
Parzelle des Beschwerdeführers aus in südwestlicher Richtung, zunächst im Zufahrtsweg
zu dieser und von dort bis zum Schacht Nr. K._ oder zum Schacht Nr. J._
vorsehen, ohne dass Grundstücke im Eigentum von F._ tangiert würden. Das
Projekt müsse durch eine dafür qualifizierte Unternehmung detailliert erarbeitet, die
Machbarkeit abgeklärt und nötige Schutzmassnahmen bspw. für vorhandene Quellen
einbezogen werden. Das Vorhaben sei auf einem Situationsplan massstäblich
einzuzeichnen und es müsse eine detaillierte, verbindliche Offerte zusammengestellt
werden.
3. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 5. Dezember 2017
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er
beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung; die Sache sei der Gemeinde
RA Nr. 140/2017/31 4
Boltigen zur Weiterbearbeitung zuzuweisen oder eventuell an das AWA zurückzuweisen.
Der Beschwerdeführer ersuchte zudem um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
der Beschwerde.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet3, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Das AWA schloss in seiner
Stellungnahme vom 22. Dezember 2017 auf Bestätigung der angefochtenen Verfügung
einschliesslich des Entzugs der aufschiebenden Wirkung. Die Gemeinde Boltigen verwies
mit Stellungnahme vom 3. Januar 2017 auf die Verfahrensübernahme durch das AWA und
verzichtete auf Anträge. Zum Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
liess sie sich nicht vernehmen.
Mit Verfügung vom 28. Dezember 2017 stellte das Rechtsamt die aufschiebende Wirkung
der Beschwerde wieder her.
5. Mit Verfügung vom 1. Februar 2018 teilte das Rechtsamt den Verfahrensbeteiligten
mit, es werde eine Anordnung in Betracht gezogen, wonach der Beschwerdeführer zur
Erwirkung der für den Kanalisationsanschluss erforderlichen Durchleitungsrechte durch
Vertrag oder, wenn dies innert Frist nicht möglich sei, durch Einreichung einer Klage nach
Art. 691 ZGB verpflichtet werden solle. Die Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit zur
Vernehmlassung. Die Gemeinde und das AWA verzichteten auf eine Stellungnahme. Der
Beschwerdeführer erklärte mit Eingabe vom 15. März 2018, dass er die beabsichtigte
Anordnung als nachvollziehbar beurteile. Seinem Anliegen werde damit insofern
entsprochen, als mit dieser Vorgehensweise Ziffern 3.1 und 3.2 der angefochtenen
Verfügung aufzuheben seien. Im Übrigen halte er an den Ausführungen in seiner
Beschwerde fest. Der Beschwerdeführer teilte zudem mit, dass die Weggenossenschaft
L._ als Eigentümerin des Zufahrtswegs zur Parzelle des Beschwerdeführers die
Erteilung eines Durchleitungsrechts verweigere. Der Beschwerdeführer legte diesbezüglich
ein Schreiben der fraglichen Weggenossenschaft ins Recht, worin diese ihre Weigerung
damit begründet, dass sie die Linienführung via den Zufahrtsweg als unverhältnismässig
betrachte.
3 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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6. Mit Schreiben vom 23. Februar 2018 beantragte der Sohn von F._, Herr
I._, die Beiladung von F._ zum Verfahren. Das Rechtsamt gewährte den
Verfahrensbeteiligten das rechtliche Gehör zur Frage der Beiladung von Herrn F._
zum Verfahren. Das AWA verzichtete auf eine Stellungnahme. Die Gemeinde liess sich
nicht vernehmen. Der Beschwerdeführer vertrat mit Eingabe vom 21. März 2018 die
Ansicht, dass die Voraussetzungen einer Beiladung nicht erfüllt seien, stellte jedoch keine
Anträge. Mit Verfügung vom 5. April 2018 verzichtete das Rechtsamt auf eine Beiladung
von Herrn F._ zum Verfahren.

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist eine Verfügung des AWA, mit der gewässerschutzrechtliche
Massnahmen getroffen werden. Das AWA stützt sich dabei auf Art. 20 Abs. 4 KGSchG4.
Gemäss Art. 31 KGSchG können gewässerschutzrechtliche Verfügungen nach den Be-
stimmungen des KoG5 und des VRPG6 angefochten werden. Auch die auf die ChemRRV7
gestützte Anordnung gemäss Dispositivziffer 3.3 der angefochtenen Verfügung entspringt
dem Gewässerschutzrecht. Gemäss ihrem Ingress stützt sich die ChemRRV auf Art. 9
Abs. 2 Bst. c GSchG, soweit sie Bestimmungen enthält über Stoffe, die nach Art ihrer
Verwendung ins Wasser gelangen können und die aufgrund ihrer Eigenschaften oder ihrer
Verbrauchsmenge die Gewässer verunreinigen oder für den Betrieb von Abwasseranlagen
schädlich sein können.
Nach Art. 62 Abs. 1 Bst. a VRPG ist demnach die BVE zur Beurteilung der Beschwerde
zuständig.
4 Kantonales Gewässerschutzgesetz vom 11. November 1996 (KGSchG; BSG 821.0) 5 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 7 Verordnung zur Reduktion von Risiken beim Umgang mit bestimmten besonders gefährlichen Stoffen, Zubereitungen und Gegenständen (Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung, ChemRRV; SR 814.81)
RA Nr. 140/2017/31 6
b) Bei der angefochtenen Verfügung handelt es sich gemäss deren Bezeichnung um
eine verfahrensleitende Verfügung, also um eine Zwischenverfügung nach Art. 61 VRPG.
Soweit dem Beschwerdeführer das Austragen bzw. die landwirtschaftliche Verwertung der
häuslichen Abwässer untersagt wird (Dispositivziffer 3.3), wird eine abschliessende
Anordnung getroffen. Diese ist ohne Weiteres selbständig anfechtbar. Anderes gilt für die
Anordnungen betreffend Ausarbeitung eines alternativen Anschlussprojekts
(Dispositivziffern 3.1 und 3.2). Das Verfahren betreffend den Anschluss der Liegenschaft
des Beschwerdeführers an die öffentliche Kanalisation wird damit nicht abgeschlossen,
sondern es werden Zwischenschritte angeordnet.
Zwischenverfügungen sind gemäss Art. 61 Abs. 3 selbständig anfechtbar, wenn sie einen
nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Bst. a) oder wenn die
Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen
bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen
würde (Bst. b).
Mit der angefochtenen Verfügung wird der Beschwerdeführer zur Ausarbeitung eines
alternativen Kanalisationsanschlussprojektes verpflichtet, unter Androhung der
Ersatzvornahme auf seine Kosten. Daraus würden dem Beschwerdeführer erhebliche
Kosten, d.h. ein finanzieller Nachteil entstehen, der im Falle eines Verfahrensausgangs zu
seinen Gunsten nicht beseitigt würde. Der Beschwerdeführer macht zudem die
Unzuständigkeit des AWA zum Erlass der Verfügung geltend. Mit einer Gutheissung der
Beschwerde in diesem Punkt würde das Verfahren, in dem die angefochtene Verfügung
ergangen ist, sofort mit einem Endentscheid abgeschlossen. Die Voraussetzungen der
selbständigen Anfechtbarkeit sind erfüllt.
c) Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Anfechtung legitimiert (Art. 65
VRPG). Die Anforderungen an Form und Frist nach Art. 67 VRPG sind eingehalten. Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2. Zuständigkeit
a) Der Beschwerdeführer bestreitet die Zuständigkeit des AWA zum Erlass der
angefochtenen Verfügung. Das AWA stütze seine Zuständigkeit gemäss der
RA Nr. 140/2017/31 7
angefochtenen Verfügung auf Art. 20 Abs. 2 KGSchG. Daraus ergebe sich jedoch keine
Zuständigkeit des AWA; vielmehr sei gemäss Art. 21 und Art. 22 KGSchG sowie Art. 6
KGV8 die Gemeinde zuständig.
Das AWA führt in seiner Stellungnahme vom 22. Dezember 2017 aus, bei der
Bezugnahme auf Art. 20 Abs. 2 KGSchG handle es sich um einen Tippfehler. Die
Zuständigkeit des AWA stütze sich auf Art. 20 Abs. 4 KGSchG. Nach dieser Bestimmung
kann das AWA als kantonale Fachstelle für Gewässerschutz9 den Gemeinden in
schwierigen Fällen Aufsichts- und Kontrollpflichten abnehmen und die erforderlichen
Verfügungen erlassen. Der Beschwerdeführer bestreitet, dass diese Voraussetzungen
vorliegend erfüllt sind.
b) Nach Art. 21 KGSchG sind die Gemeinden grundsätzlich für den Vollzug des
Gewässerschutzrechts zuständig. Sie üben in ihrem Gebiet die unmittelbare Aufsicht aus
und treffen die erforderlichen Massnahmen; insbesondere erlassen sie die entsprechenden
Verfügungen. Die Verfahrensübernahme durch das AWA ist gemäss Art. 20 Abs. 4
KGSchG zulässig, sofern ein schwieriger Fall vorliegt.
Sowohl der Beschwerdeführer als auch die Gemeinde streben den Anschluss der
Liegenschaft des Beschwerdeführers an die Abwasserkanalisation an. Die Vorakten zeigen
auf, dass die Gemeinde wie auch der Beschwerdeführer seit der Einleitung des Verfahrens
im Jahr 2011 Bemühungen zur Erwirkung des Kanalisationsanschlusses unternommen
haben. Diese mündeten in die Verpflichtung des Beschwerdeführers zum
Kanalisationsanschluss beim Schacht Nr. J._ gemäss Verfügung der Gemeinde
vom 19. August 2014, welche in Rechtskraft erwachsen ist. Als Schwierigkeit bei der
Umsetzung hat sich erwiesen, dass die vorgesehene Linienführung zum Schacht
Nr. J._ über Grundstücke in fremdem Privateigentum führt. Der Beschwerdeführer
hat entsprechende Vertragsverhandlungen mit dem Eigentümer der Durchleitungsparzellen
geführt; auch nach jahrelangen Verhandlungen konnte jedoch keine Einigung getroffen
werden. Für den vorgesehenen Kanalisationsanschluss beim Schacht Nr. J._ fehlt
es demnach am notwendigen Durchleitungsrecht. Auch bei alternativer Linienführung
müsste die Anschlussleitung über Grundstücke in fremdem Eigentum führen, d.h. der
Anschluss der Liegenschaft des Beschwerdeführers an die öffentliche
8 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1) 9 Art. 20 Abs. 1 KGSchG i.V.m. Art. 10 OrV BVE
RA Nr. 140/2017/31 8
Abwasserkanalisation setzt in jedem Fall die Erwirkung eines Durchleitungsrechts voraus.
Die Durchsetzung der Anschlusspflicht stellt demnach besondere Herausforderungen. Da
sich zudem gezeigt hat, dass der Beschwerdeführer das angestrebte vertragliche
Durchleitungsrecht nach jahrelangen Bemühungen nicht beibringen konnte, ist von einem
schwierigen Fall im Sinne von Art. 20 Abs. 4 KGSchG auszugehen.
c) Die Verpflichtungsverfügung vom 19. August 2014 gegen den Beschwerdeführer
vermag Dritte, namentlich die Eigentümerschaft von Durchleitungsgrundstücken, nicht zu
binden. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist in dieser Verfügung kein
Rechtstitel für eine Enteignung der Eigentümerschaft von Durchleitungsgrundstücken zu
erblicken (vgl. unten Ziffer 5c). Da der Kanalisationsanschluss gemäss Verfügung vom
19. August 2014 mangels Durchleitungsrecht bisher nicht vollzogen werden konnte,
bestand im Zeitpunkt der Verfahrensübernahme durch das AWA weiterhin
Handlungsbedarf.
d) Damit waren die Voraussetzungen erfüllt, nach denen das AWA gemäss Art. 20
Abs. 4 KGSchG die Kompetenz zum Vollzug der Gewässerschutzvorschriften übernehmen
kann. Das AWA war zum Erlass der angefochtenen Verfügung zuständig.
3. Öffentliche Kanalisation und Hausanschluss
a) Gemäss Art. 10 Abs. 1 GSchG10 sorgen die Kantone für die Erstellung öffentlicher
Kanalisationen und zentraler Anlagen zur Reinigung von verschmutztem Abwasser aus
Bauzonen sowie aus bestehenden Gebäudegruppen ausserhalb von Bauzonen, für welche
die besonderen Verfahren der Abwasserbeseitigung (Art. 13 GSchG) keinen
ausreichenden Schutz der Gewässer gewährleisten oder nicht wirtschaftlich sind. Mit
dieser Bestimmung wird der Verantwortungsbereich des Gemeinwesens gegen denjenigen
der Privaten abgegrenzt.11 Der Verantwortungsbereich des Gemeinwesens umfasst
Bauzonen sowie bestehende Gebäudegruppen ausserhalb von Bauzonen; in diesen
Gebieten muss das Gemeinwesen eine öffentliche Kanalisation erstellen. Hingegen liegt
10 Bundesgesetz vom 24. Januar 1991 über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG; SR 814.20) 11 Hettich/Jansen/Norer (Hrsg.), Kommentar zum Gewässerschutzgesetz und zum Wasserbaugesetz, Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 10 N. 31
RA Nr. 140/2017/31 9
der Hausanschluss, mit dem eine Liegenschaft mit der öffentlichen Kanalisation verbunden
wird, ausserhalb des Verantwortungsbereichs des Gemeinwesens bzw. im
Verantwortungsbereich der Anschlusspflichtigen.
b) Das kantonale Gewässerschutzrecht umschreibt den Umfang des öffentlichen
Verantwortungsbereichs ausserhalb von Bauzonen (öffentliche Sanierungsgebiete gemäss
Art. 6 Abs. 1 KGSchG) präziser. Nach Art. 9 KGV umfasst er geschlossene grössere
Siedlungen oder Gruppen von mindestens fünf ständig bewohnten Gebäuden, die in der
Regel nicht mehr als 100 m voneinander entfernt sind.12
Im betroffenen Gebiet besteht laut dem Generellen Entwässerungsplan (GEP) der
Gemeinde Boltigen13 eine öffentliche Mischwasserkanalisation. Die Liegenschaft des
Beschwerdeführers liegt etwas ausserhalb in der Landwirtschaftszone. Die Distanz von
seinem Wohnhaus zu den Wohnhäusern des Weilers beträgt über 200 m. Die Liegenschaft
des Beschwerdeführers befindet sich somit ausserhalb bestehender Gebäudegruppen und
damit ausserhalb des öffentlichen Verantwortungsbereiches.
In solchen Gebieten besteht eine Pflicht, das verschmutzte Abwasser in die Kanalisation
einzuleiten, sofern der Anschluss an die Kanalisation zweckmässig und zumutbar ist
(Art. 11 Abs. 2 Bst. c GSchG). Diese Pflicht trifft nicht das Gemeinwesen, sondern die
Privatpersonen, welche das Abwasser erzeugen.14 Diese haben für den Hausanschluss an
die öffentliche Kanalisation zu sorgen. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
handelt es sich beim Hausanschluss nicht um eine Nebenanlage im Sinne von Art. 28 Abs.
1 KGSchG. Mit Nebenanlagen im Sinne dieser Bestimmung sind Schächte, Pumpwerke,
Reservoire, Regenbecken etc. gemeint, welche zu öffentlichen Leitungen gehören.15 Diese
Bestimmung ändert nichts an der Abgrenzung der Verantwortungsbereiche in Art. 10 und
11 GSchG, wonach der Hausanschluss Sache der privaten Abwassererzeuger ist.
12 Vgl. BVR 2008 S. 452 E. 3.2 13 Die von der Gemeinde eingereichten Unterlagen umfassen den GEP-Plan "Landwirtschaftszone, Gebiete Boltigen – Fuchshalten" im Mst. 1:5'000 vom März 2015, rev. 5.10.2015, ein "Kanalisationsverzeichnis aller nicht an die ARA angeschlossenen Liegenschaften" für das "Einzugsgebiet LW" sowie den GEP-Bericht "Landwirtschaftszone" vom März 2015, rev. 5.10.2015 14 Hettich/Jansen/Norer, a.a.O., Art. 10 N. 31 sowie Art. 11 N. 23; vgl. Art. 106 Abs. 3 und 107 Abs. 3 BauG 15 Vgl. AWA-Faktenblatt "Eigentumsabgrenzung und öffentlich-rechtliche Sicherung von öffentlichen Leitungen" vom September 2012, S. 17
RA Nr. 140/2017/31 10
4. Anschlusspflicht
a) Nach Art. 12 Abs. 1 GSchV16 ist der Kanalisationsanschluss im Sinne von Art. 11
Abs. 2 Bst. c GSchG zweckmässig, wenn er sich einwandfrei und mit normalem baulichem
Aufwand herstellen lässt. Er gilt als zumutbar, wenn die Kosten des Anschlusses
diejenigen für vergleichbare Anschlüsse innerhalb der Bauzone nicht wesentlich
überschreiten.
b) Der Beschwerdeführer bestreitet die Zweckmässigkeit des Kanalisationsanschlusses,
den er selbst anstrebt, im Grundsatz nicht. Jedoch erfülle die vom AWA in Betracht
gezogene alternative Linienführung, für die er gemäss der angefochtenen Verfügung ein
Projekt auszuarbeiten habe, die gesetzlichen Anforderungen an die Zweckmässigkeit und
Zumutbarkeit nicht. Diese Linienführung sei technisch schwierig, da eine Steigung
überwunden werden müsse. Zudem müsse die Strasse, unter der die Leitung verlaufen
solle, aufgerissen und nach Verlegung der Leitung wieder hergestellt werden. Dadurch
entstünden hohe Kosten. Gleichzeitig werde aber mit dieser Linienführung das Problem,
dass die Anschlussleitung über fremden Grund verlaufe, nicht vermieden. Sie verlaufe über
die Parzelle Nr. 1867 im Eigentum der Weggenossenschaft L._, welche ein
Durchleitungsrecht verweigere. Im Verhältnis zur von ihm angestrebten Linienführung über
die Parzellen Nrn. D._ und E._ sei die alternative Linienführung somit
deutlich kostenintensiver, ohne Vorteile zu bringen. Entsprechend sei es
unverhältnismässig, ihn zur Projektierung dieser alternativen Linienführung und zur
Tragung der daraus resultierenden Kosten zu verpflichten.
c) Sind die Voraussetzungen der Anschlusspflicht erfüllt, so muss die pflichtige Person
einen technisch einwandfreien Anschluss erstellen lassen und die entsprechenden Kosten
tragen. Die Höhe der anfallenden Kosten ist bei der Beurteilung der Zumutbarkeit
einzubeziehen. Massgeblich ist die Summe der tatsächlich zu tragenden Kosten.17 Diese
umfassen die Projektierungs- und Ausführungskosten und die Anschlussgebühren.
Der Beschwerdeführer beziffert die Ausführungskosten für die von ihm bevorzugte
Linienführung über die Parzellen Nrn. D._ und E._ mit Fr. 15'090.– und
für die Linienführung gemäss der angefochtenen Verfügung mit Fr. 34'074.–. Die
16 Gewässerschutzverordnung des Bundesrates vom 28. Oktober 1998 (GSchV; SR 814.201) 17 BVR 2008, S. 452, E. 5.2; Hettich/Jansen/Norer, a.a.O., Art. 11 N. 20 ff. und 13 ff.
RA Nr. 140/2017/31 11
Anschlussgebühr wird gemäss Art. 30 Abs. 2 des Abwasserentsorgungsreglements der
Gemeinde Boltigen18 aufgrund der Belastungswerte (BW) gemäss den Leitsätzen des
Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches SVGW erhoben.
Die kostenmässige Zumutbarkeit wird in der Regel anhand einer Division der gesamten
durch den Kanalisationsanschluss anfallenden Kosten durch den Einwohnergleichwert
(EGW) der Liegenschaft beurteilt. Der EGW eines Wohnhauses ergibt sich aus der Anzahl
Schlaf-, Wohn- und Arbeitsräume (ohne Küche, Bad, WC etc.).19 Vorliegend gehen die
Gemeinde20 und das AWA21 beim EGW von unterschiedlichen Werten aus. Das AWA
kommt bei seiner Berechnung für die alternative Linienführung auf Gesamtkosten von
Fr. 43'274.– (Ausführungskosten von Fr. 34'074.– zuzüglich Anschlussgebühr von
Fr. 9'200.–). Nach Ansicht des AWA ist von einem EGW von 7 auszugehen. Das ergibt
einen Wert von Fr. 6'182.– pro EGW. Das AWA macht geltend, dass nach der Praxis des
Verwaltungsgerichts des Kantons Bern Kosten bis zu Fr. 8'400.– pro EGW als zumutbar
gälten.22
d) Letztlich kann offen bleiben, bis zu welchem Kostenbetrag die Zumutbarkeit nach
Art. 11 Abs. 2 Bst. c GSchG und Art. 12 Abs. 1 GSchV anzunehmen wäre. Denn umstritten
ist nicht, dass der Beschwerdeführer zum Anschluss an die Kanalisation verpflichtet
werden kann. Die Gemeinde hat dies mit Verfügung vom 19. August 2014 angeordnet; der
Beschwerdeführer hat diese Verpflichtungsverfügung nicht angefochten und diese ist in
Rechtskraft erwachsen. Die Anschlussverpflichtung bildet mithin res iudicata und ist als
solche nicht mehr umstritten. Schwierigkeiten bereitet deren Umsetzung, da die
Anschlussleitung über fremden Grund führt. Es stellt sich also die Frage, ob dem
Beschwerdeführer bei gegebener Anschlussverpflichtung die Anordnungen gemäss Ziffern
3.1 und 3.2 der angefochtenen Verfügung auferlegt werden dürfen, d.h. ob diese
Anordnungen von seiner Verpflichtung, einen technisch einwandfreien Anschluss erstellen
zu lassen und die entsprechenden Kosten zu tragen, umfasst werden.
18 Vom 9. Dezember 1997 / 1. Dezember 2015 19 BVR 2008, S. 452, E. 5.2; Hettich/Jansen/Norer, a.a.O., Art. 11 N. 14 20 GEP-Bericht "Landwirtschaftszone" vom März 2015, rev. 5.10.2015 21 Stellungnahme vom 22. Dezember 2017, S. 4; vgl. auch Installationsanzeige, Vorakten, in Register 2 22 Stellungnahme vom 22. Dezember 2017, S. 4
RA Nr. 140/2017/31 12
5. Verhältnismässigkeit
a) Jedes staatliche Handeln muss verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 BV23).
Verhältnismässigkeit setzt voraus, dass die Verwaltungsmassnahme zur Verwirklichung
des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und erforderlich ist, und dass der
angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis steht zu den Belastungen, die den
Privaten auferlegt werden.24
b) Die Verpflichtung zum Anschluss an die öffentliche Kanalisation bezweckt, die
Gewässer vor nachteiligen Einwirkungen zu schützen, die durch andere Entsorgungsarten
– namentlich das Ausbringen bzw. Versickernlassen – auftreten können.25 Zur Umsetzung
dieses Ziels sind alle Massnahmen geeignet, welche auf den Vollzug der
Anschlussverpflichtung hinwirken. Fraglich ist jedoch, ob das Kriterium der Erforderlichkeit
erfüllt ist.
Der Beschwerdeführer beabsichtigt einen Anschluss an die öffentliche Kanalisation beim
Schacht Nr. J._ via die Parzellen Nrn. D._ und E._. Die
technische Zweckmässigkeit dieser Linienführung ist unbestritten; sie entspricht der
rechtskräftigen Anschlussverfügung der Gemeinde Boltigen vom 19. August 2014. Im
angefochtenen Entscheid nimmt das AWA an, dass ein Alternativprojekt dennoch
erforderlich ist, weil bei der vorgesehenen Linienführung die erforderliche Dienstbarkeit
(Durchleitungsrecht) zu Lasten der Parzellen Nrn. D._ und E._ nicht
beigebracht werden konnte. Die Verfahrensakten zeigen, dass der Beschwerdeführer mit
dem Eigentümer der Durchleitungsparzellen Nrn. D._ und E._ erfolglos
Verhandlungen über die Einräumung eines Durchleitungsrechts geführt hat. Daraus ist
jedoch nicht ohne Weiteres zu schliessen, dass ein Alternativprojekt erforderlich ist.
c) Nach Art. 68 GSchG und Art. 32 KGSchG kann der Kanton die für die Erstellung der
öffentlichen Kanalisation und die Abwasserreinigungsanlagen benötigten Rechte mittels
Enteignung erwerben. In seinem Verantwortungsbereich kann der Kanton die
23 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 24 Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, S. 118 f. 25 Art. 1 GSchG; vgl. auch Art. 6 GSchG
RA Nr. 140/2017/31 13
Enteignungsbefugnis auch Dritten übertragen.26 Die Enteignungsmöglichkeit im
Gewässerschutzrecht erstreckt sich aber nicht auf den Verantwortungsbereich der privaten
Abwasserverursacher. Unter Ziffer 3 hiervor wurde dargelegt, dass die Erstellung des
Hausanschlusses im Verantwortungsbereich des privaten Abwasserverursachers liegt.
Diesem kommt dafür kein Enteignungsrecht zu. Ebenso wenig ist das Gemeinwesen
berechtigt, von seinem für den öffentlichen Verantwortungsbereich geltenden
Enteignungsrecht Gebrauch zu machen, um – namentlich im Rahmen einer
Ersatzvornahme – die für den Hausanschluss nötigen Rechte zu erwerben. Für ein solches
Vorgehen besteht keine gesetzliche Grundlage. Zudem wäre es vom Ergebnis her nicht
sinnvoll, da nicht das Gemeinwesen diese Rechte benötigt, sondern die anschlusspflichtige
Privatperson.
d) Privatpersonen, die zum Zweck der Erschliessung ihres Grundstücks auf die
Durchleitung von Röhren und Leitungen auf fremden Grundstücken angewiesen sind,
können ein entsprechendes Durchleitungsrecht gemäss Art. 691 ZGB27 privatrechtlich
durchsetzen. Vorausgesetzt ist, dass das Grundstück sonst nicht oder nur mit
unverhältnismässigen Kosten erschlossen werden kann. Aufgrund der Ausführungen des
Beschwerdeführers, die vom AWA nicht widerlegt werden, wäre die alternative
Linienführung gemäss der angefochtenen Verfügung aufwendiger und teurer als die
Linienführung via Parzellen Nrn. D._ und E._ zum Schacht
Nr. J._. Zudem würde auch diese alternative Linienführung die Durchleitung über
fremden Grund bedingen.
e) Der Beschwerdeführer hat bisher nicht versucht, die Durchleitung über die Parzellen
Nrn. D._ und E._ zivilgerichtlich zu erstreiten. Aufgrund des Gesagten
erscheinen die Erfolgsaussichten eines solchen Vorgehens als intakt. Unter diesen
Umständen ist die Verfolgung eines alternativen Projekts nicht erforderlich, zumal dieses
aufwendiger und teurer wäre und ebenfalls die Erwirkung privatrechtlicher
Durchleitungsrechte bedingt. Die Anordnungen gemäss Ziffern 3.1 und 3.2 der
angefochtenen Verfügung erweisen sich damit als unverhältnismässig.
6. Vollzug der Anschlussverpflichtung
26 Art. 68 Abs. 1 GSchG 27 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 201)
RA Nr. 140/2017/31 14
a) Die angefochtene Verfügung erging in dem Bestreben, die mit Verfügung der
Gemeinde vom 19. August 2014 verfügte Anschlusspflicht durchzusetzen. Die darin
angesetzte Umsetzungsfrist ist am 30. April 2015 verstrichen, ohne dass der
Beschwerdeführer der Anschlusspflicht nachgekommen wäre.
b) Das Rechtsamt hat den Verfahrensbeteiligten mit Verfügung vom 1. Februar 2018
mitgeteilt, dass eine Verpflichtung des Beschwerdeführers zur Klageeinreichung zwecks
Erstreitung des Durchleitungsrechts für den Fall, dass dieses nicht vertraglich erwirkt
werden kann, in Betracht gezogen werde. Die Gemeinde und das AWA haben sich dazu
nicht geäussert. Der Beschwerdeführer hält in seiner Stellungnahme vom 15. März 2018
fest, dass er – obwohl er eine Enteignung der für die Durchleitung erforderlichen Rechte
als möglich erachte – die beabsichtigte Anordnung nachvollziehen könne. Mit dieser sei
das Ziel, die Liegenschaft des Beschwerdeführers an die öffentliche Kanalisation
anzuschliessen, erreichbar und durchsetzbar. Er begrüsse, dass damit die Umsetzung des
Kanalisationsanschlusses vorangetrieben werde. Unschön sei, dass ihm mit diesem
Vorgehen sämtliche Risiken einer zivilrechtlichen Klage auferlegt würden.
c) Gemäss den Erwägungen in Ziffer 3 hiervor liegt die Verantwortung für die Erstellung
des Hausanschlusses beim Beschwerdeführer als Abwasserverursacher bzw.
Grundeigentümer der anschlusspflichtigen Liegenschaft. Ihm obliegt es entsprechend
auch, die dafür notwendigen Durchleitungsrechte zu erwirken. Es liegt in der Natur der
Sache, dass er die entsprechenden Risiken trägt. Ergreift er nicht von sich aus die
notwendigen Schritte, so kann er dazu verpflichtet werden.
Der Beschwerdeführer hat als ersten Schritt Verhandlungen mit dem Eigentümer der
Durchleitungsparzellen aufgenommen. Nachdem diese erfolglos blieben, stand dem
Beschwerdeführer als nächster Schritt die klageweise Erwirkung des Durchleitungsrechts
offen. Da er in dieser Hinsicht trotz Verstreichens der Frist zur Umsetzung der
Anschlusspflicht untätig geblieben ist, müssen entsprechende Anordnungen getroffen
werden. Der Beschwerdeführer ist daher zu verpflichten, in dem Fall, dass die
Durchleitungsrechte nicht vertraglich erwirkt werden können, eine entsprechende Klage
gemäss Art. 691 ZGB gegen die Eigentümerschaft der Durchleitungsgrundstücke
einzureichen. Dafür erscheint eine Frist von drei Monaten angemessen, damit die
Klageeinreichung vorbereitet werden kann. Der Nachweis der Klageeinreichung – oder des
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Vertragsschlusses, falls dieser innert der Dreimonatsfrist doch noch zustande kommt – ist
an das AWA als zuständige Behörde zu richten. Nach Abschluss des Zivilverfahrens muss
das entsprechende Urteil samt Rechtskraftbescheinigung dem AWA zugestellt werden,
wofür eine Frist von 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft angemessen erscheint. Die
weitere Umsetzung der Anschlussverpflichtung setzt zudem die vollständige Projektierung
des Anschlusses voraus. Zusammen mit der Einreichung des Vertrages oder des
rechtskräftigen Urteils betreffend Einräumung der Durchleitungsrechte hat daher der
Beschwerdeführer dem AWA das vollständige Projekt für den Anschluss an die öffentliche
Kanalisation einzureichen.
7. Entsorgung der häuslichen Abwässer
a) Mit der angefochtenen Verfügung, Ziffer 3.3, hat das AWA angeordnet, dass ab
sofort die häuslichen Abwässer nicht mehr ausgetragen bzw. landwirtschaftlich verwertet
werden dürfen. Diese müssten durch ein geeignetes Unternehmen aus der abflusslosen
Güllegrube abgesogen und einer Abwasserreinigungsanlage zugeführt werden, wobei die
Entsorgungsbelege aufbewahrt und eine Kopie davon dem AWA innert 30 Tagen ab
Belegausstellung zugeschickt werden müssten.
Der Beschwerdeführer rügt, diese Anordnung verstosse gegen das
Verhältnismässigkeitsprinzip. Das AWA stützte sich bei seiner Anordnung auf Anhang 2.6
Ziff. 3.2.3 der ChemRRV.28 Diese lasse das Ausbringen bzw. die landwirtschaftliche
Verwertung von Rückständen aus nichtlandwirtschaftlichen Abwassergruben ohne Abfluss
in weit abgelegenen oder verkehrstechnisch schlecht erschlossenen Gebieten zu. Nach
Sinn und Zweck dieser Bestimmung sollten im Sinne des Verhältnismässigkeitsprinzips
hohe Kosten durch einen Transport des Abwassers vermieden werden können, wenn
zugleich möglichst keine Anwohner durch die Gerüche beim Verteilen der Rückstände
gestört würden. Da der Beschwerdeführer die Abwasserrückstände auf Flächen verteile,
die noch weiter abgelegen seien als seine Liegenschaft, und die Kosten einer Entsorgung
mittels Transport in die ARA jährlich mindestens Fr. 16'185.50 betrügen, seien die
Voraussetzungen des zulässigen Austragens erfüllt bzw. sei die streitige Anordnung
28 Verordnung zur Reduktion von Risiken beim Umgang mit bestimmten besonders gefährlichen Stoffen, Zubereitungen und Gegenständen (Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung, ChemRRV) vom 18. Mai 2005 (SR 814.81)
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unverhältnismässig. Die früheren Eigentümer der Liegenschaft hätten das häusliche
Abwasser schon immer auf dem Feld verteilt. Die Behörden hätten dies, wie bis anhin auch
beim Beschwerdeführer, geduldet.
b) Die Ansicht des Beschwerdeführers, wonach es bei der streitigen Anordnung
hauptsächlich um den Schutz der Nachbarn vor Geruchsbelästigungen gehe, greift zu kurz.
Das Ausbringen von ungereinigten Abwässern birgt die Gefahr, dass Schadstoffe in den
Boden und ins Wasser gelangen und diese verunreinigen. Nach Art. 6 GSchG ist es
untersagt, Stoffe, die Wasser verunreinigen können, mittelbar oder unmittelbar in ein
Gewässer einzubringen oder sie versickern zu lassen. Ebenso ist es untersagt, solche
Stoffe ausserhalb eines Gewässers abzulagern oder auszubringen, sofern dadurch die
konkrete Gefahr einer Verunreinigung des Wassers entsteht. Das Versickernlassen von
ungereinigtem Abwasser ist daher verboten (Art. 8 Abs. 1 GSchV), sofern es nicht nach
den gesetzlichen Vorgaben behördlich bewilligt worden ist (Art. 8 Abs. 2 GSchV). Ein
Versickernlassen liegt vor, wenn Stoffe auf das Erdreich geschüttet werden und durch
dieses hindurch in das Grundwasser oder in Abwasserläufe, welche in offene Gewässer
führen, gelangen könnten.29
Beim Ausbringen von Gülle auf landwirtschaftlich genutzten Flächen zum Zwecke der
Düngung werden die in den Boden eindringenden Nährstoffe normalerweise von den
Pflanzenwurzeln rasch aufgenommen. Der dann noch verbleibende Rest wird überwiegend
an Bodenteilchen gebunden und steht später den Pflanzen ebenfalls wieder zur Verfügung.
Das korrekte Ausbringen von Gülle gilt daher nicht als Versickernlassen im Sinne der
gewässerschutzrechtlichen Vorschriften.30 Der Bundesrat hat gestützt auf Art. 9 Abs. 2 Bst.
c GSchG in der ChemRRV Vorschriften über die Anwendung von Dünger erlassen,31
welche nebst dem Ausbringen von Hofdünger (Gülle, Mist)32 insbesondere auch das
Verwerten von Rückständen aus nichtlandwirtschaftlichen Abwassergruben ohne Abfluss
regeln.
Anhang 2.6 Ziff. 3.2.3 der ChemRRV bestimmt diesbezüglich:
29 Hettich/Jansen/Norer, a.a.O., Art. 6 N. 19 mit Hinweisen auf die Praxis des Bundesgerichts 30 Hettich/Jansen/Norer, a.a.O., Art. 6 N. 22 31 Vgl. Hettich/Jansen/Norer, a.a.O., Art. 9 N. 16 ff. 32 Anhang 2.6 Ziff. 1 der ChemRRV i.V.m. Art. 5 Abs. 2 Bst. a der Verordnung über das Inverkehrbringen von Düngern vom 10. Januar 2001 (Dünger-Verordnung, DüV; SR 916.171)
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"1 Rückstände aus nichtlandwirtschaftlichen Abwasserreinigungsanlagen mit höchstens 200
Einwohnerwerten und aus nichtlandwirtschaftlichen Abwassergruben ohne Abfluss dürfen mit
Bewilligung der kantonalen Behörde ausserhalb von Grundwasserschutzzonen auf Futterflächen
in weit abgelegenen oder verkehrstechnisch schlecht erschlossenen Gebieten verwendet
werden. 2 Sie dürfen nicht auf Gemüseflächen verwendet und in Güllengruben eingefüllt werden;
vorbehalten bleiben ausserdem die Vorschriften nach Ziffer 3.3."
Das Ausbringen von Rückständen aus nichtlandwirtschaftlichen Abwassergruben ohne
Abfluss setzt demnach materiell die weite Abgelegenheit oder verkehrstechnisch schlechte
Erschliessung voraus und formell das Vorliegen einer behördlichen Bewilligung. Der
Beschwerdeführer behauptet nicht, dass eine formelle Bewilligung vorliegt, sondern macht
lediglich die lange Duldung durch die Behörden geltend. Ob bzw. inwiefern er daraus etwas
zu seinen Gunsten ableiten könnte, kann offen bleiben. Wie im Folgenden gezeigt wird,
sind die materiellen Voraussetzungen des zulässigen Ausbringens nicht erfüllt.
c) Das materielle Kriterium der weiten Abgelegenheit oder verkehrstechnisch
schlechten Erschliessung trägt dem Verhältnismässigkeitsprinzip Rechnung. Es lässt eine
Interessenabwägung zwischen dem öffentlichen Interesse am Gewässerschutz und dem
privaten Interesse des Abwasserinhabers an der Vermeidung von Aufwand und Kosten zu.
Dabei ist entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht entscheidend, wie weit
abgelegen die Ausbringungsflächen sind. Massgeblich ist vielmehr der Ort, an dem das
Abwasser anfällt. Dies ergibt sich nicht ohne weiteres aus dem Wortlaut der Bestimmung,
aber aus ihrem Sinn und Zweck. Es wäre unsinnig zu verlangen, dass die Ausbringung an
einem verkehrstechnisch möglichst schlecht erschlossenen Ort erfolgen muss. Im Hinblick
auf die gewässerschutzrechtliche Zielsetzung bringt es zudem keine Vorteile, wenn die
Ausbringung an weit abgelegenen Orten erfolgt. Vielmehr geht es darum, die Austragung
(nur) dort zuzulassen, wo ein Absaugen und ein Abtransport in die ARA faktisch nicht
möglich sind, weil der Ort des Abwasseranfalls für einen Saugwagen gar nicht zugänglich
ist.33 Dies trifft hier nicht zu. Die Liegenschaft des Beschwerdeführers befindet sich gut 200
m vom Siedlungsgebiet entfernt und verfügt über eine Zufahrtsstrasse. Das Absaugen und
der Abtransport in die ARA sind ohne weiteres möglich. Gemäss den Ausführungen des
Beschwerdeführers hat in der Vergangenheit ein Kanalreinigungsunternehmen
33 Vgl. Koordination Nordwestschweiz Landwirtschaft / Umweltschutz, Merkblatt " Entsorgung von Rückständen aus dezentralen Abwasseranlagen"
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Entsorgungsarbeiten mittels Saugwagen ausgeführt.34 Die Entsorgung mittels Absaugen
und Abtransport in die ARA ist zur Erreichung der gewässerschutzrechtlichen Ziele
geeignet.
Häusliche Abwässer können in gewässerschutzrechtlicher Hinsicht nicht mit Hofdünger
gleichgesetzt werden, da sie zusätzliche Belastungen (bspw. aus Reinigungsmitteln oder
Medikamenten) verursachen. Trotz der Bestrebungen des Beschwerdeführers und seiner
Ehepartnerin, die Belastungen möglichst gering zu halten, können diese nicht gänzlich
vermieden werden. Auch bei sorgfältigem Ausbringen besteht daher eine Gefahr der
Verunreinigung des Wassers. Es ist daher im Hinblick auf den Gewässerschutz
erforderlich, das Ausbringen zu unterbinden.
Der Beschwerdeführer beziffert die Kosten der Entsorgung von 8 m3 Inhalt mittels
Absaugen und Abtransport in die ARA mit Fr. 1'118.55. Damit wird gemäss dem vom
Beschwerdeführer eingereichten Beleg einer im Jahr 2014 durchgeführten Entsorgung35
folgender Aufwand abgedeckt: "- Fäkaliengrube entleeren, (ohne Reinigung) und Inhalt in der ARA Boltigen entsorgen
- Inhalt in Regenwasserbecken, ARA Boltigen einleiten (...)
- Anteil für die Reinigung des Saugwagentankes"
Hinzu kommt eine ARA-Entsorgungsgebühr von Fr. 400.–. Die Abrechnung erfolgte
gemäss dem eingereichten Beleg nach Zeitaufwand sowie Art des benötigten Fahrzeugs
(3-Achs-Saugwagen). Nach den Ausführungen des Beschwerdeführers fällt jährlich
erfahrungsgemäss rund 80 m3 Abwasser an, so dass mit jährlichen Entsorgungskosten von
etwa Fr. 15'185.50 zu rechnen ist. Es ist nicht ersichtlich, dass die Entsorgungskosten bei
der Abwassergrube des Beschwerdeführers aufgrund bestimmter Umstände besonders
hoch ausfallen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Entsorgungskosten im üblichen
Umfang anfallen. Dem Beschwerdeführer ist zuzumuten, diese zu tragen.
Der Beschwerdeführer muss höchstens geringfügige Dispositionen treffen, um der
Verpflichtung, seine Abwasserrückstände mittels Absaugen und Abtransport in die ARA zu
entsorgen, nachkommen zu können. Es genügt eine Umsetzungsfrist von rund zwei
Monaten. Die Verpflichtung wird daher ab 15. Juli 2018 angeordnet. Da keine Investitionen
erforderlich sind, spielt es im Hinblick auf die Verhältnismässigkeit auch keine Rolle, dass
34 Beschwerdebeilage 6 35 Beschwerdebeilage 6
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die Art der Abwasserentsorgung nur für die begrenzte Zeit bis zur Erstellung des
Anschlusses geregelt werden muss.
Während das Verbot des Austragens bzw. der landwirtschaftlichen Verwertung ohne
zeitliche Begrenzung auszusprechen ist, kann die Verpflichtung zum Absaugen und
Abtransport der Rückstände auf die Zeit bis zum erfolgten Anschluss an die öffentliche
Kanalisation beschränkt werden, da sie mit diesem ihren Sinn verliert. Die Anordnung
gemäss Ziffer 3.3 der angefochtenen Verfügung ist entsprechend zu präzisieren.
8. Ergebnis und Kosten
a) Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die angefochtene
Verfügung ist aufzuheben. Der Beschwerdeführer ist für den Fall, dass er die nötigen
Durchleitungsrechte nicht auf vertraglichem Weg erlangen kann, zur zivilgerichtlichen
Erstreitung zu verpflichten. Die Anordnung betreffend das Austragungsverbot und die
Verpflichtung zum Absaugen und Abtransport der Abwässer aus der abflusslosen
Güllegrube ist mit den erwähnten Präzisierungen zu bestätigen.
b) Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 2'000.–
(Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV36). Gemäss Art. 108 Abs. 1 VRPG
werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben. Nach dem Gesagten dringt
der Beschwerdeführer mit seinen Anträgen insoweit durch, als die Anordnungen betreffend
Ausarbeitung eines Projekts mit alternativer Linienführung aufgehoben werden. Die
Anordnung, wonach er die Durchleitungsrechte nötigenfalls zivilgerichtlich erstreiten muss,
entspricht nicht seinen Rechtsbegehren, doch hat er sich ihr auch nicht widersetzt.
Hinsichtlich der Anordnung eines Austragungsverbots unterliegt er. Gesamthaft rechtfertigt
es sich daher, dem Beschwerdeführer die Hälfte der Verfahrenskosten, ausmachend
Fr. 1'000.–, aufzuerlegen. Die restlichen Verfahrenskosten trägt der Kanton (Art. 108 Abs.
2 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. a VRPG).
36 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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c) Nach Art. 108 Abs. 3 VRPG hat die unterliegende Partei der Gegenpartei die
Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen
Umstände eine andere Teilung oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der
Parteikosten an das Gemeinwesen als gerechtfertigt erscheint. Der Beschwerdeführer
dringt mit seinen Anträgen in der Hauptsache teilweise durch. Zu berücksichtigen ist ferner,
dass das Begehren des Beschwerdeführers um Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung mit Verfügung vom 28. Dezember 2017 gutgeheissen worden ist.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV37 beträgt das Honorar in
verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro Instanz.
Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache
gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG38). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht für
seine Bemühungen im Beschwerdeverfahren einen Aufwand von gesamthaft Fr. 9'207.15
(Honorar Fr. 8'380.–, Auslagen Fr. 153.70, Mehrwertsteuer von Fr. 673.45) geltend. Für die
Berechnung des Honorars gewichtet er die Schwierigkeit des Prozesses als
überdurchschnittlich und den gebotenen Zeitaufwand sowie die Bedeutung der Streitsache
als jeweils leicht überdurchschnittlich. Es erscheint als angemessen, die Schwierigkeit des
Verfahrens hier als leicht überdurchschnittlich zu werten. Dagegen erscheint der gebotene
Zeitaufwand als durchschnittlich, zumal kein Beweisverfahren durchgeführt wurde. Auch
die Bedeutung der Streitsache ist als durchschnittlich einzustufen. Insgesamt erscheint ein
Honorar von Fr. 6'000.– als angemessen. Hinzu kommen die Auslagen von Fr. 153.70. Es
resultiert ein Betrag von Fr. 6'153.70 (Honorar + Auslagen). Nach der Kostennote entfallen
64 % von Honorar und Auslagen auf das Jahr 2017 (Mehrwertsteuersatz 8 %, ergebend
Fr. 315.05) und 36 % auf das Jahr 2018 (Mehrwertsteuersatz 7,7 %, ergebend Fr. 170.60).
Dies ergibt einen Mehrwertsteuerbetrag von gesamthaft Fr. 485.65. Die massgebenden
Parteikosten betragen demnach insgesamt Fr. 6'639.35 (Honorar Fr. 6'000.–, Auslagen
Fr. 153.70, Mehrwertsteuer Fr. 485.65).
Die Bemühungen betreffend das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung werden in der Kostennote nicht separat ausgewiesen. Es rechtfertigt sich, dafür
37 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 38 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
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pauschal ein Zehntel des Gesamtaufwandes einzusetzen, ausmachend Fr. 663.95. Diese
Kosten sind vom AWA zu tragen. Aufgrund des Verfahrensergebnisses in der Hauptsache
sind die verbleibenden Parteikosten von (Fr. 6'639.35 - Fr. 663.95 =) Fr. 5'975.40 zur
Hälfte, ausmachend Fr. 2'987.70, dem AWA aufzuerlegen. Das AWA hat somit dem
Beschwerdeführer Parteikosten im Umfang von (Fr. 663.95 + Fr. 2'987.70 =) Fr. 3'651.65
zu erstatten. Die übrigen Parteikosten trägt der Beschwerdeführer selbst.
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