Decision ID: 9fe78716-4121-40d3-a533-375b16392541
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre
1961
geborene
X._
besuchte im
Y._
die Volksschule und verfügt über keine berufliche Ausbildung. Sie
ist Mutter dreier Kinder (1981, 19
83, 1986) und reiste
1995 in die Schweiz ein, wo sie
zunächst als Reinigungsangestellte und ab 1997 als Packerin erwerbstätig war (
Urk.
7/1). Am 1
4.
März 2004 zog sie sich bei einem Autoauffahrunfall ein
HWS-Dis
tor
sionstrauma
sowie eine
Thoraxkontusion
zu und schied per Ende Novem
ber 2004 aus dem Arbeitsprozess aus (
Urk.
7/11 S. 11,
Urk.
7/7 S.
1).
Eine
Hospitalisation
am
Z._
fan
d
in der Zeit vom 2
3.
November bis 1
0.
Dezember 200
4 statt (
Urk.
7/12 S. 7), weiter weilte die Versicherte i
n der Zeit vom
9.
März bis
6.
April 2005
zur Rehabilitation in der Rehaklinik
A._
(
Urk.
7/11 S. 11).
Am 2
9.
September 2005 meldete
sie
sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Rentenbezug an (
Urk.
7/1 S. 6 f.).
Nach erfolgten Abklärungen sprach diese der Versicherten mit Verfügung vom
9.
Februar 2006 und Wirkung ab
1.
März 2005 – ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 100 % - eine ganze Rente zu (
Urk.
7/24). Nach jeweils summarischer Prüfung des medizi
nischen Sachverhalts wurde dieser Rentenanspruch mit Mitteilungen vom
5.
Februar 2007 und
2.
Juni 2010 be
stätigt (
Urk.
7/34,
Urk.
7/52).
Mit Schreiben vom 1
6.
Januar 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass eine Aufhebung der Rente im Rahmen der Schlussbestimmungen der IVG-Änderung vom 1
8.
März 2011 nicht stattfinde und die zukünftigen Rentenleistungen im ordentlichen Revisionsverfahren überprüft würden (
Urk.
7/60). In diesem Zusammenhang gab die IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag (
B._
-Gutachten vom 1
8.
Juli 2013,
Urk.
7/65) und be
stätigte den Rentenanspruch der Versicherten mit Mitteilung vom 3
1.
Januar 2014,
Urk.
7/71). Im Dezember 2014 wurde seitens der IV-Stelle erneut ein
Revisionsverfahren angestrebt (
Urk.
7/72).
Mit Vorbescheid vom 1
1.
Mai 2015
stellte
die IV-Stelle die Aufhebung der Rente in Aussicht (
Urk.
7/77) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 1
3.
Januar 2016 fest (
Urk.
7/89 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der Versicherten am 1
0.
Februar 2016 Be
schwer
de und beantragte, es sei auch ab
1.
März 2016 eine
„
volle
"
IV-Rente basierend auf einem IV-Grad von 100
%
zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
März 2016 beantragte die
Beschwerdegeg
nerin
unter Hinweis auf die beiliegenden Akten die Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 3
1.
März 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_614/2015 vom 15. Dezember
2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. Novem
ber 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom
30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 20
09 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss
unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unver
ändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer
anspruchser
heblichen
Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskon
former
Sach
ver
haltsabklärung
, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundes
gerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.4
Fehlen die in Art. 17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die
Renten
verfügung
lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger
Ver
waltungsverfügungen
geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Verwaltung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukom
men, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG; BGE 110 V 176 E. 2a
mit Hinweisen). Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene
Revisionsver
fügung
gegebenenfalls mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüngliche Rentenverfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/
bb
; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
bei der Prüfung der ursprünglichen
Rentenzusprache
keine spezialärztlichen Berichte vorgelegen hätten, so dass d
ie
Verfügung vom
9.
Februar 2006 wiedererwägungsweise aufzuheben sei. Spätestens seit dem
B._
-Gutachten vom 1
8.
Juli 2013 sei dabei von einer Verbesserung des Gesundheitszustands aus
zugehen, wobei die Beurteilung des
B._
nicht vollumfänglich nachvoll
zieh
bar sei. Der geringe funktionelle Schweregrad der Erkrankung, die erziel
ten Behandlungserfolge, die vorhanden
en sozialen Ressourcen sowie der fehlende
soziale Rück
zug führe dabei zur Aufhebung des Rentenanspruchs (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesent
lichen geltend, dass gestützt auf das
B._
-Gutachten weiterhin von einem sozi
alen Rückzug der Beschwerdeführerin, von einer unveränderten Arbeits
unfä
higkeit, von fehlenden Ressourcen sowie einer schwer verminderten Belast
barkeit in allen Lebensbereichen auszugehen sei. Es bestehe für jegliche Tä
tigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit; auch sei aufgrund des festgestellten schwer
chronifizierten
Gesundheitszu
standes von einem fehlenden Behandlungserfolg auszugehen (
Urk.
1 S.
7 ff.).
3.
3.1
3.1.1
Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 13. Januar 2016 (Urk. 2) ist in mehrfacher Hinsicht widersprüchlich. So trägt sie den Titel
„Wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 9. Februar 2006“ und
hält im Dispositiv ebenfalls die wiedererwägungsweise Aufhebung der Ver
fügung vom 9. Februar 2006 fest. Die Begründung hierzu erschöpft sich indes in der aktenwidrigen Feststellung, dass bei der
Rentenzusprache
keine spezialärztlichen Untersuchungsberichte vorgelegen hätten. Die
Rentenzu
sprache
basierte auf dem Austrittsbericht der Rehaklinik
A._
vom
11.
April 2005 (Urk. 7/11/11-22), welchem der Bericht von
lic
. phil.
C._
, Psychologin, und Dr. med.
D._
, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, beigelegt war.
Weiter wird ausgeführt, dass es sich nach heutiger Rechtsprechung bei der ursprünglich gestellten Diagnose (leichte depressive Episode mit
Angstsymp
to
matik
und
Somatisierungs
-Tendenz) um ein vorübergehendes Leiden handle
, dem kein Krankheitswert zukomme. Eine Änderung der Rechtsprechung kann indes nicht die zweifellose Unrichtigkeit einer Verfügung begründen (BGE 141 V 585).
3.1.2
Der Hauptteil der Begründung der angefochtenen Verfügung besteht sodann in Ausführungen zu einer Verbesserung der gesundheitlichen Situation, was revisionsrechtlich von Bedeutung wäre, indes nicht zur Begründung einer wiedererwägungsweisen Aufhebung der Rente führen kann. Von einer
revi
sionsweisen
Aufhebung der Rente ist weder im Titel noch im Dispositiv die Rede.
3.2
3.2.1
Zur Thematik der Wiedererwägung ist vorwegzuschicken, dass die Revisionen vom 5. Februar 2007 und 2. Juni 2010 (Urk. 7/34, Urk. 7/52) lediglich auf kurzen Formularberichten der behandelnden Ärzte samt wenig aussage
kräf
tigen Beilagen beruhten (Urk. 7/31 und Urk. 7/48-50). Im Rahmen der im Dezember 2014 initiierten Revision wurde ein psychiatrisches Gutachten eingeholt (beim
B._
, Expertise vom 18. Juli
2013, Urk. 7/65) und nach um
fassender Prüfung (unter anderem durch den regionalen ärztlichen Dienst [RAD] der Beschwerdegegnerin, Urk. 7/70) die Weiterausrichtung der ganzen Rente mitgeteilt (Mitteilung vom 31. Januar 2014, Urk. 7/71). Hierbei handelt es sich um eine
materielle Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung (BGE 133 V 108
).
3.2.2
Wird eine Rente revisionsweise herauf- oder herabgesetzt, so tritt die
Revi
sionsverfügung
an Stelle der zu revidierenden Verfügung. Dasselbe gilt auch dann, wenn in einem Revisionsverfahren die bisherige Rente nach materieller Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs bestätigt wird. Dies bedeutet aber auch, dass selbst dann, wenn nachträglich auf den Wegen der Wiedererwägung oder der Revision auf diese Revisionsverfügung zurückge
kommen wird, die ursprüngliche Verfügung von der
Revisionsver
fügung
konsumiert bleibt und daher nicht wieder auflebt, sondern deren Schicksal teilt
(BGE 140 V 514 E. 5.2).
3.2.3
Eine Wiedererwägung der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung vo
m 9. Februar 2006 war demgemäss nach Erlass der - auf eingehenden Ab
klärungen beruhenden - rentenbestätigenden Mitteilung vom 31. Januar 2014
nicht möglich, weil die Verfügung konsumiert war und nicht mehr aufleben konnte. Raum für eine wiedererwägungsweise Aufhebung bestand damit einzig in Bezug auf die rentenbestätigende Mitteilung vom 31. Januar 2014.
3.3
Damit bleibt vorliegend zu prüfen, ob die Mitteilung vom 31. Januar 2014 zweifellos unrichtig und deren Berichtigung von erheblicher Bedeutung war, bejahendenfalls, wie es sich bei Verfügungserlass mit den gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnissen verhielt und ob allenfalls eine Veränderung
der tatsächlichen Verhältnisse im Sinne eines Revisionsgrundes gegeben sind
.
4.
4.1
Im Rahmen der ursprünglichen
Rentenzusprache
diagnostizierten die Ärzte der Rehaklinik
A._
am 14.
März
2004 (Urk. 7/11/11-22) ein HWS-Distorsionstrauma, eine
Thoraxkontusion
, ein zervikales Schmerzsyndrom linksbetont sowie eine leichte depressive Episode mit Angst und starker
Somatisierungstendenz
. Sie attestierten eine vollumfängliche Arbeitsunfähig
keit in der angestammten Tätigkeit vorwiegend aus psychiatrischer Sicht (Urk. S. 1).
4
.
2
Die für das
B._
-Gutachten vom 1
8.
Juli 2013 verantwortlichen Fachärzte
diag
nostizierten eine andauernde Persönlichkeitsveränderung bei chroni
schem
Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.80) sowie eine rezidivierende depressive Stö
rung
, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10
F33.11). Auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe im ersten Arbeits
markt für jegliche Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Nach dem Unfall sei es zu zwei erfolglosen Arbeitsversuchen gekommen. Es bestehe seit dem 2
6.
Oktober 2004 eine durchgehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Auf
grund ihrer Untersuchung, den ihnen vorliegenden Akten sowie den einge
holten Fremdanamnesen
bestehe
kein Grund, an dieser Einschätzung zu zweifeln. Bei der oben beschriebenen Störung wäre theoretisch eine in
tensive
Psycho
therapie denkbar, um eine
Veränderung herbeizuführen. Je
doch würden im vorliegenden Fall schwere Defizite in der Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie der Introspektions- und
Reflektionsfähigkeit
vor
liegen
, wodurch sie die Aus
sichten auf Erfolg einer Psychotherapie als seh
r gering einschätz
t
en. Dur
ch den ambulanten Behandler,
Dr.
E._
, sei ihnen bestätigt worden, dass eine eigentliche Psychotherapie nicht statt
finde aufgrund der oben ge
nannten Defizite. Die andauernde
Persönlich
keitsstörung
könne medikamen
tös nicht behandelt werden, bezüglich der De
pression würden aktuell Anti
depressiva eingesetzt. Die Arbeitsfähigkeit könne daher durch medizinische Massnahmen nicht verbessert werden. Seit der letzten materiellen Prüfung
sei der Gesundheitszustand stationär, bei le
diglich anderer diagnostischer Ein
ord
nung. Es sei weiterhin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszu
gehe
n; es seien alle Therapieoptionen ausgeschöpft worden (
Urk.
7/65 S. 13-18).
4.
3
In seinem Bericht vom
4.
Februar 2015 diagnostizierte
Dr.
med.
E._
, Fach
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, eine rezidivierende de
pressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symp
to
men (ICD-10 F33.11) sowie eine
chronifizierte
generalisi
erte
Angst
störung
(ICD-10 F41.1,
bestehend seit 2004/2005
)
. Der Gesundheitszustand der Be
schwerdeführerin sei stationär, es sei auch in einer angepassten Tätig
keit von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Trotz jahrelanger intensiver
Behandlung sei es zu einer
Chronifizierung
gekommen
; die
Psychopharma
ko
therapie
werde regelmässig eingenommen. Hinsichtlich der Wiederher
stel
lung der Arbeitsfähigkeit auf dem freien Wirtschaftsmarkt sei von einer ungünstigen Prognose auszugehen (
Urk.
7/75).
5.
5.1
5.1.1
Angesichts der dargelegten medizinischen Einschätzungen kann die
Ren
ten
bestätigung
vom 31. Januar 2014 nicht als zweifellos unrichtig bezeichnet werden. Im ganzen Verfahrensablauf seit der erstmaligen Anmeldung wurde
die Beschwerdeführerin stets als vollumfänglich arbeitsunfähig aus psychi
schen Gründen beurteilt. Dies wiederholte sich im vorliegend relevanten Gutachten der
B._
. Die Gutachter legten anhand der von ihnen erhobenen Befunde ihre diagnostische Einschätzung dar und zeigten auf, aus welchen Gründen eine schwer verminderte Belastbarkeit in allen Lebensbereichen vorliegt, die eine Arbeitstätigkeit verunmöglicht.
Soweit die Beschwerdegegnerin verschiedene gutachterliche Schlussfolge
rung
en relativier
en will (funktioneller Schweregrad, Behandlungserfolg, Zweifel
an der gestellten Diagnose, soziale Ressourcen, sozialer Rückzug, Urk.
2), ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin keine weiteren fach
ärztlichen Abklärungen mehr tätigte sondern es bei einer medizinisch abwei
chenden
Einschätz
ung durch ihre Sachbearbeitung bewenden liess und deren
Einschätz
ung zum Ergebnis ihrer Sachverhaltsabklärung erhob (Urk. 7/76/3-4).
Dies widerspricht elementarsten Beweis- und Rechtsgrundsätzen.
Fest steht, dass der Beschwerdeführerin aus rein psychiatrischer Sicht – ent
sprechend der Einschätzung im Rahmen der zahlreichen Revisionsverfahren – eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde. Nicht massgebend ist dabei, dass die
B._
-Gutachter die Beschwerden diagnostisch anders einord
neten, da im Rahmen der Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit allein der Ein
fluss des Gesundheitsschadens auf die Arbeitsfähigkeit massgebend ist. Auch wenn heute bezüglich einer
Rentenzusprache
bei einer depressiven Erkran
kung ein strengerer Massstab gilt, war aufgrund des seit Jahren - trotz thera
peutischen Massnahmen -
chronifizierten
Zustandes und der ausgeschöpften Therapiemöglichkeiten auch im Zeitpunkt der Begutachtung entsprechend der Einschätzung der Fachärzte von einem
invalidisierenden
Leiden und in einer angepassten Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführer auszugehen.
Auch wenn gewisse Zweifel an der Intensität der Beschwerdesymptomatik im Raum stehen, so begründeten die Gutachter ihre Schlussfolgerungen anhand der getätigten Erhebungen. Dass dieses Gutachten respektive die Schluss
folgerungen (vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit) zweifellos unrichtig sein und kein anderer Schluss denkbar sein sollte, ist jedenfalls nicht der Fall.
5.1.2
Auch aus den übrigen, neu ergangenen Arztberichten kann nicht auf eine zweifellose Unrichtigkeit der Rentenbestätigung geschlossen werden. Im Gegenteil bestätigte Dr.
E._
am 4. Februar 2015 explizit - wenn auch bei abweichender Diagnose (keine Persönlichkeitsstörung) -, dass die Beschwer
deführerin weiterhin vollumfänglich arbeitsunfähig sei (E. 4.3). Gleiches hatte
Hausarzt Dr. med.
F._
, Innere Medizin FMH, mit Formularbericht vom 20. Januar 2015 (Urk. 7/74/1-2) bestätigt.
5.1.3
Bei Fehlen auch nur einer abweichenden fachärztlichen Einschätzung und
einer gewissen Nachvollziehbarkeit der ärztlichen Ausführungen verbietet si
ch der Schluss auf eine zweifellose Unrichtigkeit der Rentenbestätigung vom 31.
Januar 2014. Deren widererwägungsweise Aufhebung fällt damit ausser Betracht.
5.2
In gleicher Weise fehlen jegliche Anhaltspunkte für eine Verbesserung des Gesundheitszustandes seit der Rentenbestätigung vom 31. Januar 2014 bis zum Erlass der nun angefochtenen Renteneinstellung vom 13. Januar 2016 (Urk. 2). Die einzigen neu ergangenen Arztberichte (von Dr.
F._
und Dr.
E._
) bestätigen im Gegenteil eine unveränderte Situation mit vollständiger Arbeitsunfähigkeit.
Bei dieser Ausgangslage entspricht die Einschätzung der Beschwerdegegnerin einer abweichenden Würdigung des unveränderten Sachverhalts durch die eigene Sachbearbeitung, was selbstredend unter keinem Titel eine Revision zu begründen vermag.
5.3
Insgesamt führt dies
– bei fehlenden Voraussetzungen für eine
wieder
er
wägungsweise
Aufhebung der Rentenbestätigung sowie einer Revision -
in Gutheissung der Beschwerde zur Aufhebung der an
ge
fochtenen Verfügung sowie zur Feststellung, dass die Beschwerdeführe
rin
weiterhin
Anspruch auf eine ganze Rente hat.
6
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten
sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 1’0
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwer
deführerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der
Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
2'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.