Decision ID: 97a77c89-3563-55a0-a98f-03b083a3c302
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juli 2002 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe keinen Beruf erlernt. Von
Dezember 1997 bis und mit Juni 2002 habe sie als „Angestellte“ für die B._ AG
gearbeitet (vgl. auch IV-act. 7). Der Hausarzt Dr. med. C._ berichtete im September
2002 (IV-act. 9), die Versicherte leide an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und an einer Dysthymia. Sie habe im Juli 2001 bei der Arbeit eine
Kontusion am Rücken erlitten. Die anfänglich genau lokalisierten Schmerzen hätten
sich mit der Zeit zunehmend ausgedehnt. Nach der Geburt eines Kindes im
Spätsommer 2001 sei es der Versicherten zunächst wieder gut gegangen. Mit
zunehmendem Einsatz im eigenen Haushalt seien die Schmerzen dann aber wieder
aufgetreten. Nach dem Ablauf des Schwangerschaftsurlaubes habe die Versicherte
zwei Arbeitsversuche unternommen, die beide nach wenigen Tagen aufgrund starker
Schmerzen wieder hätten abgebrochen werden müssen. Ende Juni 2002 habe die
Versicherte die Kündigung erhalten. An sich wäre sie zu 25 Prozent arbeitsfähig, doch
könne sie diese Arbeitsfähigkeit aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit nicht verwerten. Die
psychische Situation erscheine aus hausärztlicher Sicht noch nicht als festgefahren. Im
November 2002 berichtete Dr. med. D._ von der sozialpsychiatrischen
Beratungsstelle für Erwachsene in E._ (IV-act. 14), der Zustand der Versicherten habe
stabilisiert werden können, sodass die Arbeitsfähigkeit nun wieder bei 50 Prozent liege.
Auch für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten betrage der Arbeitsfähigkeitsgrad 50
Prozent. Die Arbeitsfähigkeit werde durch die anhaltende somatoforme
Schmerzstörung eingeschränkt. Die Versicherte leide auch an einer Dysthymia, die sich
aber nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung wurde
von einem Arzt des IV-internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) als überzeugend
qualifiziert (IV-act. 24). Mit einer Verfügung vom 7. Januar 2004 sprach die IV-Stelle der
Versicherten auf der Grundlage eines ausgehend von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von
50 Prozent ermittelten Invaliditätsgrades von 50 Prozent mit Wirkung ab dem 1. Juli
2002 eine halbe Rente zu (IV-act. 30).
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A.b Wegen Beschwerden am rechten Handgelenk, die mehrfach operativ behandelt
werden mussten, und wegen einer Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes erachtete der RAD-Arzt Dr. med. F._ die Versicherte als ab
Juni 2008 vollständig arbeitsunfähig und ab November 2010 wieder zu 50 Prozent
arbeitsfähig (IV-act. 83). Am 4. April 2011 beschloss die IV-Stelle, der Versicherten für
die Zeit vom 1. Januar 2009 bis zum 31. Oktober 2010 revisionsweise eine ganze
Rente zuzusprechen (IV-act. 91). Am 6. April 2011 erliess sie den die Zeit ab dem 1.
Mai 2011 betreffenden Teil der entsprechenden Revisionsverfügung, wobei sie darauf
hinwies, dass sie nach dem Abschluss der Verrechnungsverfahren noch eine
Verfügung betreffend den Zeitraum vom 1. Januar 2009 bis zum 30. April 2011 erlassen
werde (IV-act. 94 und 109). Im April oder Mai 2011 ging der IV-Stelle ein anonymer,
undatierter (und von der IV-Stelle nicht mit einem Eingangsstempel versehener)
Hinweis zu, wonach die Versicherte im Alltag nicht an Rückenschmerzen zu leiden
scheine und stundenlang Auto fahren und schwere Sachen ohne Hilfe tragen könne
(IV-act. 95). Der RAD-Arzt Dr. med. G._ notierte am 17. Mai 2011, dass die
Rentenzusprache und die vorübergehende Rentenerhöhung retrospektiv aus
medizinischer Sicht als ungerechtfertigt erschienen (IV-act. 96). Die IV-Stelle tätigte in
der Folge allerdings keine weiteren medizinischen Abklärungen, sondern schloss das
Verfahren wie ursprünglich vorgesehen mit dem Erlass der Verfügung vom 9.
November 2011 betreffend den Zeitraum vom 1. Januar 2009 bis zum 30. April 2011 ab
(IV-act. 109).
A.c Im April 2012 füllte die Versicherte einen Fragebogen betreffend die Revision der
Invalidenrente aus (IV-act. 110). Sie gab an, ihr Gesundheitszustand habe sich weiter
verschlechtert. Im August 2012 forderte die IV-Stelle die behandelnden Ärzte auf, einen
Fragebogen zum Gesundheitszustand der Versicherten auszufüllen, wobei sie darauf
hinwies, dass sie den medizinischen Sachverhalt „im Rahmen der Gesetzesrevision 6a
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung“ überprüfen müsse (IV-act. 114 f.).
Der neue Hausarzt der Versicherten, Dr. med. H._, berichtete am 22. September
2012 (IV-act. 118), die somatischen Beschwerden hätten sich nach der
Berichterstattung durch Dr. D._ im November 2002 hauptsächlich auf das linke
Handgelenk verlagert. Die Versicherte leide zudem an Schmerzen in der Schulter,
lumbal und im Becken. Es liege eine Persönlichkeitsstörung mit einer
Somatisierungstendenz vor. Die Versicherte klage über wechselnde Schmerzen des
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Bewegungsapparates. Sie habe sich eine Radiusfraktur links zugezogen. In der Folge
seien mehrere „fragwürdige“ Operationen durchgeführt worden. Zurzeit benötige ihn
die Versicherte „nur als Apotheke für ihre Schmerzmittel und Antidepressiva“. Bei
allfälligen Eingliederungsmassnahmen müsse das Wohl der ganzen Familie
berücksichtigt werden. Die Versicherte sei geschieden oder lebe getrennt von ihrem
Ehemann und sei mit der Betreuung ihrer beiden Kinder emotional und leistungsmässig
überfordert. Die Psychiaterin Dr. med. I._ berichtete am 26. September 2012 (IV-act.
120), sie habe die Versicherte im Zeitraum vom 23. Dezember 2008 bis zum 13.
September 2010 ambulant behandelt. Seit dem Jahr 2001 liege eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung vor. Seit Frühling 2008 leide die Versicherte zusätzlich
an einer Anpassungsstörung mit einer längeren depressiven Reaktion. Sie weise
Merkmale einer Persönlichkeitsstörung der Cluster-Gruppe B auf. Während der
Behandlung, die von der Versicherten unversehens abgebrochen worden sei, habe sich
diese in Trennung von ihrem zweiten, alkoholkranken Ehemann befunden. Sie habe
sich mit der Erziehung der beiden Kinder völlig überfordert gefühlt. Da der Bruder des
Ehemannes seine Frau umgebracht habe, habe die Versicherte massive Angst vor ihm
gehabt und sei sehr besorgt gewesen, weil ihre Tochter den Wunsch geäussert habe,
nach der Scheidung beim Vater leben zu wollen. Am 7. Januar 2013 notierte der RAD-
Arzt Dr. med. J._ (IV-act. 122), die rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit sei mit
einem Leiden gemäss der Schlussbestimmung (zum ersten Massnahmenpaket der 6.
IVG-Revision; „IVG-Revision 6a“) begründet gewesen. Aus den Akten gehe nicht
hervor, dass die sogenannten Foerster’schen Kriterien „zur Willensanstrengung“ erfüllt
gewesen seien. Am 11. Februar 2013 empfahl Dr. J._ die Einholung eines
bidisziplinären Gutachtens bei der medizinisches Gutachtenzentrum Region St. Gallen
(MGSG) GmbH (IV-act. 125). Am 7. März 2013 erteilte die IV-Stelle der MGSG GmbH
einen entsprechenden Auftrag (IV-act. 127). Die Sachverständigen der MGSG GmbH
erstatteten das Gutachten am 27. Mai 2013 (IV-act. 132). Sie führten aus, die
Versicherte leide an einer chronischen depressiven Verstimmung (Dysthymia) bei einem
Zustand nach Anpassungsstörungen mit einer längeren depressiven Reaktion, an einer
Supraspinatussehnenruptur rechts, an einer Chondropathie Grad II radio-carpal links,
an einer Pseudolumboischialgie rechts, an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und an akzentuierten Persönlichkeitszügen mit emotional instabilen
Zügen. Die Tätigkeit bei einem Paketdienst, die die Versicherte aktuell ausübe, sei ihr
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zu 80 Prozent zumutbar. Eine leidensadaptierte Tätigkeit ohne erhöhte emotionale
Belastung, ohne Stressbelastung, ohne Anforderungen an die geistige Flexibilität und
ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung sei ihr uneingeschränkt zumutbar. Der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich im Vergleich zu jenem, den Dr. D._
beschrieben habe, nicht verändert. Die Beurteilungskriterien hinsichtlich der
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten aber geändert. Der RAD-Arzt Dr. J._
erachtete das Gutachten als überzeugend (IV-act. 133).
A.d Mit einem Vorbescheid vom 31. Juli 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie die „Einstellung“ der Invalidenrente vorsehe (IV-act. 139). Zur Begründung
führte sie aus, die Voraussetzungen für eine Rentenaufhebung gestützt auf die
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a seien erfüllt; gemäss dem Gutachten der
MGSG GmbH sei die Versicherte nicht in einem rentenbegründenden Ausmass invalid.
Gleichentags bot sie der Versicherten an, sie bei der beruflichen Eingliederung zu
unterstützen und ihr die Rente bis zum Abschluss der beruflichen Massnahmen,
längstens aber während zwei Jahren, weiter auszurichten (IV-act. 140). Die Versicherte
erklärte am 29. August 2013, sie sei an beruflichen Eingliederungsmassnahmen
interessiert, mit der vorgesehenen Rentenaufhebung aber nicht einverstanden (IV-act.
146). Am 23. Dezember 2013 gewährte die IV-Stelle der Versicherten eine
Arbeitsvermittlung (IV-act. 153). Am 12. Februar 2014 verfügte sie die Aufhebung der
Rente auf das Ende des der Zustellung der Ver¬fügung folgenden Monats (IV-act. 158).
Ebenfalls am 12. Februar 2014 verfügte sie mit Hinweis auf die laufenden
Eingliederungsmassnahmen die Weiterausrichtung der bisherigen Rente für die Zeit
über den 31. März 2014 hinaus, aber längstens für zwei Jahre (IV-act. 157).
B.
B.a Am 11. März 2014 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine
Beschwerde gegen die Rentenaufhebungsverfügung vom 12. Februar 2014 erheben
(act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Weiterausrichtung der bisherigen Rente.
Zur Begründung führte er aus, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe
sich seit der Rentenzusprache nicht verbessert, sondern eher verschlechtert. Es treffe
nicht zu, dass die Rentenzusprache auf einem „unklaren Beschwerdebild“ beruht habe,
denn die Rente sei aus „objektivierbaren Gründen“ zugesprochen worden. Das
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Gutachten der MGSG tauge nicht als Beweismittel, denn es sei einseitig zugunsten der
IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) abgefasst worden und in sich
widersprüchlich. So heisse es einmal, die Beschwerdeführerin könne sich vorstellen,
wieder zu arbeiten, und an einer anderen Stelle, sie könne sich nicht mehr vorstellen,
wieder zu arbeiten.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 22. Mai 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, die Rente sei der
Beschwerdeführerin ursprünglich wegen einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung zugesprochen worden. Dabei handle es sich um ein pathogenetisch-
ätiologisch unklares syndromales Beschwerdebild ohne nachweisbare organische
Grundlage. Gestützt auf das beweiskräftige Gutachten der MGSG GmbH stehe fest,
dass die Beschwerdeführerin nicht an einer „invalidisierenden“
Gesundheitsbeeinträchtigung leide und deshalb uneingeschränkt arbeitsfähig sei.
Folglich stehe ihr keine Rente mehr zu.
B.c Am 7. Juli 2014 gab die Beschwerdeführerin dem Versicherungsgericht persönlich
zwei Arztberichte ab: Der Psychiater Dr. med. K._ hatte am 3. Juli 2014 berichtet
(act. G 9), die Beschwerdeführerin befinde sich seit Januar 2014 bei ihm in
Behandlung. Sie habe aufgrund ihrer körperlichen Probleme Identitätsprobleme
entwickelt und sei mit der depressiven Fehlentwicklung zunehmend in den sozialen
Rückzug geraten. Der Hausarzt Dr. H._ hatte am 19. Juni 2014 ausgeführt (act. G 8),
die Beschwerdeführerin leide seit vielen Jahren an einem chronischen lumbo-
vertebrogenen Schmerzsyndrom, an Schmerzen im rechten Schultergelenk bei einem
bekannten Sehnenschaden und an Schmerzen im linken Handgelenk als Folge einer
Fraktur und verschiedener Korrekturoperationen. Eine aktuelle Untersuchung bei einem
Neurochirurgen habe keine neuen Probleme, aber auch keine neuen
Behandlungsmöglichkeiten ergeben. Die Beschwerdeführerin nehme weiterhin
regelmässig Schmerzmittel, um die Schmerzen besser ertragen zu können.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).

Erwägungen
1.
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1.1 Gemäss lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a werden
Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern
ohne eine nachweisbare organische Grundlage zugesprochen worden sind, innerhalb
von drei Jahren nach dem Inkrafttreten der IVG-Revision 6a (1. Januar 2012) überprüft.
Sind die Voraussetzungen des Art. 7 ATSG nicht erfüllt, wird die Rente herabgesetzt
oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen des Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht
erfüllt sind. Laut lit. a Abs. 2 hat der Rentenbezüger einen Anspruch auf Massnahmen
zur Wiedereingliederung im Sinne des Art. 8a IVG. Dadurch entsteht allerdings kein
Anspruch auf eine Übergangsleistung im Sinne des Art. 32 Abs. 1 lit. c IVG. Werden
solche Massnahmen zur Wiedereingliederung durchgeführt, wird die Rente gemäss lit.
a Abs. 3 bis zum Abschluss der Massnahmen, längstens aber während zwei Jahren ab
dem Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung, weiter ausgerichtet. Sind die
Voraussetzungen sowohl des Abs. 1 als auch der Abs. 2 und 3 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a erfüllt, stellt sich die Frage, auf welchen
Zeitpunkt hin die bisherige, laufende Rente herabzusetzen oder aufzuheben ist: Ist die
Rente vor oder nach dem Beginn der beruflichen Massnahmen herabzusetzen oder
aufzuheben? Das Bundesgericht hat sich zu dieser Frage bislang nicht eindeutig
geäussert. Es hat zwar verschiedentlich auf die Akzessorietät der Geldleistung zur
beruflichen Eingliederung hingewiesen, was auf eine Herabsetzung oder Aufhebung der
Rente vor dem Beginn der beruflichen Massnahmen sprechen würde, die Geldleistung
aber jeweils als Invalidenrente bezeichnet, was für eine Herabsetzung oder Aufhebung
der Rente nach dem Beginn der beruflichen Massnahmen sprechen würde (vgl. BGE
141 V 385 E. 5.3 S. 392 ff. mit Hinweisen).
1.2 Auf den ersten Blick scheint der Wortlaut des Abs. 3 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a nahe zu legen, dass die Rente erst nach
dem Abschluss allfälliger beruflicher Massnahmen herabzusetzen oder aufzuheben sei,
denn im Text ist die Rede von der Weiterausrichtung der Rente. Auf den zweiten Blick
zeigt sich aber, dass die Maximaldauer der Weiterausrichtung ab dem Zeitpunkt zu
laufen beginnt, in dem die Rente herabgesetzt oder aufgehoben worden ist. Diese
Ausdrucksweise wäre unsinnig, wenn die Rente erst nach dem Abschluss der
beruflichen Massnahmen beziehungsweise erst nach zwei Jahren herabgesetzt oder
aufgehoben würde. Der Wortlaut spricht also dafür, dass die Rente unabhängig davon,
ob berufliche Massnahmen durchgeführt werden, „sofort“ herabzusetzen oder
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aufzuheben ist. Das würde bedeuten, dass eine andere, betraglich aber identische
Leistung an die Stelle der bisherigen Rente treten würde. Die versicherte Person
erhielte also nicht mehr ihre bisherige, sich auf den Art. 28 IVG stützende Invalidenrente
(deren Voraussetzungen ja nicht mehr erfüllt sind, weshalb sie herabgesetzt oder
aufgehoben worden ist), sondern eine sich auf den Abs. 3 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a stützende Geldleistung. Dabei würde es
sich um eine mit der IVG-Revision 6a neu eingeführte Leistung der
Invalidenversicherung handeln, die zwar wie eine Rente ausbezahlt würde, ihrem
Wesen nach aber den Zweck eines (zur beruflichen Eingliederung akzessorischen)
Taggeldes erfüllen würde. Ginge man davon aus, dass der Gesetzgeber die
Weiterausrichtung der bisherigen Rente vorgesehen habe, hätte er mit dem Abs. 3 der
lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a eine auflösende Bedingung –
nämlich die laufende berufliche Eingliederung – der formell rechtskräftigen
Invalidenrente oder einen neuen Revisionstatbestand schaffen müssen, der nicht auf
eine Veränderung des Invaliditätsgrades, sondern auf eine Veränderung der beruflichen
Eingliederungssituation abstellen würde. Nur so hätte er die Grundlage dafür liefern
können, dass die Rente sofort mit dem Ende der beruflichen Eingliederung (oder mit
dem Ablauf von zwei Jahren) herabgesetzt oder aufgehoben werden könnte.
1.3 Den Materialien lässt sich zur Frage nach dem Zeitpunkt der Rentenherabsetzung
oder der Rentenaufhebung nichts entnehmen. In der Botschaft des Bundesrates vom
24. Februar 2010 heisst es lediglich, bis zum Abschluss allfälliger Massnahmen im
Sinne der lit. a Abs. 2 der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a werde „die
bisherige Rente“ weiterhin ausgerichtet, wobei bezüglich allfälliger Kinderrenten
erforderlich sei, dass die Kinder „noch im entsprechenden Alter“ seien (BBl 2010 1912).
Der Ständerat hat in seiner Sitzung vom 15. Juni 2010 den Wortlaut der lit. a Abs. 3 des
Entwurfs des Bundesrates ohne Diskussion angenommen (Amtl. Bull. SR 2010 662 ff.).
Der Nationalrat hat sich ebenfalls nicht zur Natur und zur verfahrensrechtlichen
Vorgehensweise hinsichtlich der Rentenweiterausrichtung geäussert (Amt. Bull. NR
2010 2116 ff.).
1.4 In systematischer Hinsicht erscheint der Hinweis im Abs. 2 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a als bedeutsam, laut dem bei einer
beruflichen Eingliederung nach einer Rentenherabsetzung oder einer Rentenaufhebung
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im Sinne des Abs. 1 kein Anspruch auf eine Übergangsleistung entstehe. Bei der
Übergangsleistung im Sinne der Art. 32 f. IVG handelt es sich um eine eigenständige
Leistung, die betraglich zwar einer Rente im Sinne des Art. 28 IVG entspricht (vgl. Art.
33 IVG), jedoch von ganz anderen Voraussetzungen als ein „gewöhnlicher“
Rentenanspruch abhängt und auch einen anderen Zweck als die „gewöhnliche“ Rente
erfüllt. Dem Gesetzgeber ist augenscheinlich bewusst gewesen, dass bei einer
Rentenherabsetzung oder einer Rentenaufhebung gestützt auf den Abs. 1 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a verbunden mit beruflichen
Eingliederungsmassnahmen im Sinne des Abs. 2 an sich die Voraussetzungen des Art.
32 IVG erfüllt sein könnten, dass also die versicherte Person in dieser Situation
allenfalls einen Anspruch auf eine Übergangsleistung begründen könnte. Da dies nicht
seinem Willen entsprochen hätte, hat er im Abs. 2 der lit. a der Schlussbestimmungen
zur IVG-Revision 6a explizit festgehalten, dass in einer solchen Situation auch dann
kein Anspruch auf eine Übergangsleistung entstehe, wenn die Voraussetzungen des
Art. 32 IVG erfüllt seien. Die im Abs. 3 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a vorgesehene Weiterausrichtung der Rente entspricht aber ihrem Wesen
nach der Übergangsleistung; sie erfüllt denselben Zweck, nämlich die flankierende
„Abfederung“ einer Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung. Das spricht dafür, die
„Weiterausrichtung“ der Rente im Sinne des Abs. 3 der lit. a der Schlussbestimmungen
zur IVG-Revision 6a als eine eigenständige Leistung zu qualifizieren, die mit der
Übergangsleistung im Sinne der Art. 32 f. IVG verwandt ist. Folglich hat die Anwendung
des Abs. 3 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a entgegen dem
Wortlaut nicht zur Folge, dass die bisherige Rente weiter – nun aber unter der
Voraussetzung der laufenden beruflichen Eingliederung – ausgerichtet wird, sondern
vielmehr, dass die bisherige Rente „sofort“ herabgesetzt oder aufgehoben wird und
dass ein Anspruch auf eine „neue“ Leistung begründet wird, die den Rentenverlust
betraglich ausgleicht.
1.5 Auch der Sinn und Zweck des Abs. 3 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a spricht für diese Interpretation: Der Gesetzgeber hat mit dem Abs. 1 die
Weiterausrichtung von Renten verhindern wollen, auf die gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kein Anspruch mehr bestanden hat. Ihm ist
bewusst gewesen, dass er damit empfindlich in die Rechtsstellung der betroffenen
Rentenbezüger eingegriffen hat, wie sich den Materialien entnehmen lässt. Um die
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Folgen des Eingriffs abzumildern, hat er die IV-Stellen verpflichtet, die betroffenen
Rentenbezüger bei der beruflichen Eingliederung zu unterstützen. Die entsprechenden
Eingliederungsmassnahmen hat er mit einer vorübergehenden finanziellen Absicherung
der Rentenbezüger flankieren wollen. Bei der im Abs. 3 lit. a der Schlussbestimmungen
zur IVG-Revision 6a vorgesehenen Leistung handelt es sich also um eine zur
beruflichen Eingliederung im Sinne des Abs. 2 akzessorische Leistung, die an die Stelle
des Teils der Rente tritt, den der Rentenbezüger bereits definitiv verloren hat. Damit ist
der Wegfall des Hauptleistungsanspruchs (die beruflichen Eingliederungsmassnahmen)
– wie beim Taggeld – ein Revisionsgrund nach Art. 17 Abs. 2 ATSG.
1.6 Zusammenfassend wird die bisherige Rente bei einer Anwendung der Abs. 1–3 der
lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a also „sofort“ herabgesetzt oder
aufgehoben. Für die Dauer der beruflichen Eingliederung entsteht neu ein Anspruch auf
eine vorübergehende Geldleistung, deren Höhe (zusammen mit dem allenfalls noch
weiter bestehenden Rentenanspruch) der bisherigen Rente entspricht und die damit
den „Verlust“ infolge der Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung ausgleicht. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht bedeutet das, dass die IV-Stelle die bisherige Rente
verfügungsweise aufheben und eine entsprechende vorübergehende Geldleistung im
Sinne des Abs. 3 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a zusprechen
muss, die nahtlos an die bisherige Rente anschliesst. Vorliegend ist die
Beschwerdegegnerin also verfahrensrechtlich korrekt vorgegangen, als sie die Rente
mit der angefochtenen Verfügung aufgehoben und dann mit einer Verfügung vom
selben Tag eine an die Stelle der Rente tretende Leistung zugesprochen hat. Allerdings
stellt sich die Frage nach dem Schicksal der zweiten Verfügung betreffend die
Zusprache der „neuen“ Leistung für den Fall, dass die erste Verfügung betreffend die
Rentenherabsetzung oder die Rentenaufhebung als rechtswidrig aufgehoben wird. Mit
der Aufhebung der ersten Verfügung lebt die Invalidenrente in ihrem ursprünglichen
Umfang nämlich wieder auf. Bleibt die zweite Verfügung verbindlich, erhält die
versicherte Person insgesamt zu hohe Leistungen. Verfahrensrechtlich muss also
gewährleistet sein, dass die zweite Verfügung betreffend die Zusprache der
vorübergehenden Geldleistung im Sinne des Abs. 3 der lit. a der Schlussbestimmungen
zur IVG-Revision 6a sofort ihre Verbindlichkeit verliert, wenn die erste Verfügung
betreffend die Rentenherabsetzung oder die Rentenaufhebung als rechtswidrig
aufgehoben wird. Das kann nur dadurch erreicht werden, dass die neue
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Leistungszusprache im Sinne einer auflösenden Bedingung von der Verbindlichkeit der
Rentenherabsetzung oder der Rentenaufhebung abhängig gemacht wird. Nur so kann
die Grundlage für ein sofortiges Dahinfallen der neuen Leistung bei einer Aufhebung
der Rentenaufhebungs- oder Rentenherabsetzungsverfügung geschaffen und
gleichzeitig getrennt über die beiden separaten Rechtsverhältnisse verfügt werden. Für
den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die zweite Verfügung vom 12. Februar 2014
nicht als mitangefochten qualifiziert werden kann, sondern unangefochten in formelle
Rechtskraft erwachsen ist. Den Streitgegenstand dieses Beschwerdeverfahrens bildet
also nur die Rentenaufhebung.
2.
Da die angefochtene Verfügung weniger als drei Jahre nach dem Inkrafttreten der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a am 1. Januar 2012 ergangen ist und das
durch diese Verfügung abgeschlossene Verwaltungsverfahren folglich ebenfalls
weniger als drei Jahre nach dem Inkrafttreten der Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a eröffnet worden sein muss, ist die entsprechende Voraussetzung des Abs.
1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a erfüllt. Die
Beschwerdeführerin hat die Rente weniger als 15 Jahre bezogen und ist noch nicht 55
Jahre alt, weshalb auch die Voraussetzungen des Abs. 4 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a erfüllt sind.
3.
3.1 Der Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a bezieht sich
auf eine bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach anhaltende somatoforme
Schmerzstörungen (und vergleichbare Krankheiten) grundsätzlich keine
Erwerbseinbusse zur Folge haben sollen, weil es den Versicherten zugemutet werden
könne, trotz Beschwerden uneingeschränkt zu arbeiten. Nur unter qualifizierten
Voraussetzungen, den sogenannten Foerster’schen Kriterien, könne eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (oder eine vergleichbare Krankheit) ausnahmsweise eine
Erwerbseinbusse bewirken (vgl. BGE 130 V 352). Diese Rechtsprechung ist mittlerweile
überholt. Das Bundesgericht hat im von einem Teil der Lehre als Ausdruck „hoher
Justizkultur“ (THOMAS GÄCHTER/MICHAEL MEIER, Einordnung von BGE 141 V 281
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aus rechtswissenschaftlicher Sicht, in: Have 2015, S. 436) gefeierten Entscheid BGE
141 V 281 die sogenannte Überwindbarkeitsvermutung aufgegeben und endlich
eingeräumt, dass für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit die Einschränkungen und die
Ressourcen der versicherten Person massgebend seien. Laut BGE 141 V 281, E. 8 S.
309 sollen Gutachten, die noch vor dieser Änderung der Rechtsprechung eingeholt
worden sind, nicht per se ihren Beweiswert verlieren; vielmehr sei im Einzelfall zu
prüfen, ob ein „altes“ Gutachten eine im Sinne der neuen Rechtsprechung zuverlässige
Arbeitsfähigkeitsschätzung erlaube.
3.2 Die Beschwerdeführerin hatte bei der Rentenzusprache an einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung gelitten, die gemäss Dr. D._ die Arbeitsfähigkeit um
50 Prozent eingeschränkt hatte. Der damals zusätzlich diagnostizierten Dysthymie
hatte Dr. D._ dagegen – zu Recht – keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zugebilligt. Der psychiatrische Sachverständige der MGSG GmbH hat ebenfalls eine
somatoforme Schmerzstörung und eine Dysthymia diagnostiziert und ebenfalls die
überzeugend begründete Auffassung vertreten, letztere wirke sich nicht auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus. Jedoch hat er auch der anhaltenden
somatoformen Schmerz-störung keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr
zugebilligt. Diese Abweichung gegenüber dem Bericht von Dr. D._ hat er
ausschliesslich mit der Überwindbarkeitsvermutung begründet. Er hat nämlich die
Frage, ob die Foerster’schen Kriterien erfüllt seien, verneint und allein daraus
abgeleitet, dass die anhaltende somatoforme Schmerzstörung die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin nicht beeinträchtigen könne. Er hat ausdrücklich festgehalten,
dass der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Wesentlichen jenem
entsprochen habe, den Dr. D._ beschrieben habe und dass seine Beurteilung nur
deshalb anders laute, weil er seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung die
Überwindbarkeitsvermutung und den Foerster’schen Kriterienkatalog im Sinne der
(veralteten) bundesgerichtlichen Rechtsprechung zugrunde lege. In seinem
Teilgutachten hat der psychiatrische Sachverständige zwar auch (knapp) auf die
Einschränkungen und Ressourcen der Beschwerdeführerin hingewiesen, doch hat er
daraus keine Schlussfolgerungen hinsichtlich der Auswirkungen der somatoformen
Schmerzstörung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin abgeleitet. Die
Schmerzstörung ist von ihm vielmehr entsprechend der veralteten Rechtsprechung
ohne weiteres ins „Abstellkämmerchen“ der nicht arbeitsfähigkeitsrelevanten
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Diagnosen gestellt worden. Gesamthaft vermag das Gutachten deshalb im Lichte der
aktuellen Rechtsprechung nicht zu überzeugen. Folglich beruht die angefochtene
Verfügung auf einem unvollständig abgeklärten Sachverhalt. Sie ist also in Verletzung
der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen und deshalb als rechtswidrig
aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin wird abzuklären haben, welche Einschränkungen
der Arbeitsfähigkeit die somatoforme Schmerzstörung allenfalls verursacht und über
welche Ressourcen die Beschwerdeführerin trotz der somatoformen Schmerzstörung
verfügt, die sie für eine Erwerbstätigkeit nutzen kann. Es bleibt der
Beschwerdegegnerin überlassen, ob sie hierfür ein neues Gutachten einholen oder die
Sachverständigen der MGSG GmbH um eine Ergänzung des Gutachtens auffordern
will. Jedenfalls ist die Sache zur Beantwortung der Frage nach der massgebenden
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
Rechtsprechungsgemäss gilt die Rückweisung zur weiteren Abklärung hinsichtlich der
Kosten- und Entschädigungsfolgen als vollständiges Obsiegen der
beschwerdeführenden Partei. Die Gerichtskosten, die angesichts des
durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzen sind, sind
deshalb der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin wird der von
ihr geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken selbstverständlich zurückerstattet. Die
Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung für den
Aufwand ihres früheren Rechtsvertreters (der sein Mandat zwischenzeitlich
niedergelegt hat; vgl. act. G 13) auszurichten. Da der Rechtsvertreter nur die
Beschwerdeschrift, aber keine Replik mehr verfasst hat und da er die
Beschwerdeführerin bereits im Verwaltungsverfahren vertreten hatte, ist insgesamt von
einem unterdurchschnittlichen Vertretungsaufwand auszugehen. Die
Parteientschädigung wird deshalb auf 2’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festgesetzt.