Decision ID: 23eedadb-9817-4e2a-938c-ace08083aee5
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil der 4. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 11. September 2012; Proz. CG110005
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Rechtsbegehren:
1. Es sei die Beklagte zur Zahlung des Betrages von CHF 463'999.80 zuzüglich Zins von 5% seit dem 15. April 2004 zu verpflichten.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, letztere erhöht um die gesetzliche Mehrwertsteuer, zu Lasten der Beklagten.
Urteil der 4. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 11. September 2012 (act. 54, S. 40 f.):
1. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger Fr. 463'999.80 nebst Zins zu 5% seit 20. Juni 2008 zu bezahlen.
2. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 20'000.- festgesetzt. Allfällige weitere
Auslagen bleiben vorbehalten.
3. Die Gerichtskosten werden der beklagten Partei auferlegt.
4. Die beklagte Partei wird verpflichtet, dem Rechtsvertreter der klagen-
den Partei eine Prozessentschädigung von Fr. 31'800.-- (inkl. 8% MwSt) zu bezahlen.
5./6. Mitteilungen, Rechtsmittel
Berufungsanträge:
der Beklagten (act. 61):
1. Die Klage sei in Aufhebung des Entscheids des Bezirksgerichtes Zürich vom 11. September 2012 abzuweisen.
2. Das Verfahren sei bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids
bezüglich des vertraglichen Anspruchs des Berufungsbeklagten  der Freizügigkeitsstiftung der D._ zu sistieren.
g 3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, letztere zuzüglich
Mehrwertsteuer, zu Lasten der Berufungsbeklagten.
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des Klägers:
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Erwägungen:
1. Der Kläger ist ... Staatsangehöriger [des Staates E._], lebt aber
seit längerem in der Schweiz und war hier auch erwerbstätig. Sein Kapital aus der
so genannten Zweiten Säule war bei der Freizügigkeitsstiftung der D._ (im
Folgenden der Einfachheit halber nur D._) deponiert. Die Beklagte (als Ver-
ein eigentlich männlich; im Folgenden weiblich wie in allen Unterlagen des Pro-
zesses) ist ein nicht gewinnstrebiger Verein schweizerischen Rechts mit dem
Zweck, ... Arbeitnehmer [des Staates E._] und ihre Familien in der Schweiz
beim Ausüben ihrer Rechte im Bereich der Sozialversicherung und der Ansprüche
aus der Erwerbstätigkeit zu betreuen und (auch vor Gericht) zu vertreten. Sie
wurde unter den Namen A2._ mit Sitz an der ... [Adresse] in G._ ge-
gründet und änderte später den Namen in A._ (Hervorhebungen beigefügt).
Seit dem tt.mm.2010 ist sie im Handelsregister eingetragen. Sie wird vom
F._ (= F1._) mit Sitz in ... [Stadt in E._] gefördert, welches auch in
den Statuten bei der Aufzählung, woher der Verein seine finanziellen Mittel be-
zieht, an erster Stelle steht.
Der Kläger hatte sich schon mehrmals bei der Beklagten beraten lassen und
diese auch mit dem Erstellen seiner Steuererklärungen betraut gehabt, als er sich
im April 2004 erneut an die Beklagte wandte. Er wollte sich das Vorsorgegutha-
ben der zweiten Säule auszahlen lassen, um es neu anzulegen. Am 6. April 2004
unterzeichnete er zwei Dokumente: einerseits eine Vollmacht, welches die Be-
klagte allgemein "zum Empfang von Geldern" / "... (...) ... [Übersetzung auf Spra-
che von E._]" ermächtigt. Im Betreff heisst es: "Auflösung FZ-Kto ... und
Ueberweisung Guthaben C._/BC Nr. ... Kto ... lautend auf A._ ... [Post-
leitzahl und Wohnsitz] - Auszahlungsgrund: Pensionierung". Unten neben der Un-
terschriftszeile ist der Stempel der Beklagten angebracht und der Namenszug des
Geschäftsführers von deren Büro in G._, H._ (act. 5/14). Sodann unter-
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zeichnete der Kläger einen an die D._ gerichteten "Zahlungsauftrag" mit den
nämlichen Angaben zur Zahlstelle wie in der Vollmacht (act. 5/15). Diese beiden
Dokumente schickte H._ mit einem Begleitschreiben gleichen Datums (act.
5/16) an die D._. Die Parteien stimmen darin überein, dass das angegebene
Konto ein privates H._s war, und dass das Alterskapital auf dieses Konto
überwiesen wurde.
Ab März 2006 (als der Kläger 62 Jahre alt wurde) erhielt er monatliche Zah-
lungen von Fr. 1'852.--. Er sagt, diese seien "von der Beklagten" gekommen
(act. 2 Rz. 20). Er selber legt aber eine Gutschriftsanzeige ins Recht (act. 34/15),
wo als Einzahler genannt ist "A1._ Inhaber H._", mit der Adresse "...
[Adresse], ... G._" (das ist die Geschäftsadresse der Beklagten). Das war
demnach das auch aus anderen Fällen bekannte und damit gerichtsnotorische
Täuschungsmanöver H._s: Er liess den Betrogenen aus eigenem (resp. von
Anderen ertrogenem) Geld eine zeitlang "Renten" zukommen, um seinen Betrug
so lange als möglich zu verschleiern. Es ist davon auszugehen, dass H._
das ihm von der D._ ausbezahlte Kapital im Mehrbetrag veruntreut hat.
2. Am 11. September 2012 fällte das Bezirksgericht den eingangs im Dis-
positiv wiedergegebenen Entscheid und hiess die Klage gut. Die Zustellung an die
Beklagte erfolgte am 17. September 2012 (act. 58).
Gegen das Urteil vom 11. September 2012 führt die Beklagte mit Schriftsatz
vom 17. Oktober 2012, zur Post gegeben am selben Tag, rechtzeitig Berufung.
Die Beklagte leistete den ihr auferlegten Kostenvorschuss. Weitere pro-
zessuale Anordnungen wurden nicht getroffen.
3. Das Verfahren der Berufung untersteht der neuen schweizerischen Zi-
vilprozessordnung (Art. 405 Abs. 1 ZPO). Die wesentlichsten Neuerungen sind
zum einen die weit gehende Überbindung des Kostenrisikos auf den Berufungs-
kläger (Art. 98 ZPO), die Einschränkung des Novenrechts (Art. 317 ZPO) und die
strenge Rügeobliegenheit (BGE 138 III 374 E. 4.3.: il incombe... au recourant de
motiver son appel (art. 311 al. 1 CPC), c'est-à-dire de démontrer le caractère er-
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roné de la motivation attaquée. Pour satisfaire à cette exigence, il ne lui suffit ce-
pendant pas de renvoyer aux moyens soulevés en première instance, ni de se li-
vrer à des critiques toutes générales de la décision attaquée. Sa motivation doit
être suffisamment explicite pour que l'instance d'appel puisse la comprendre ai-
sément, ce qui suppose une désignation précise des passages de la décision que
le recourant attaque et des pièces du dossier sur lesquelles repose sa critique").
Zum anderen sind wesentlich neu die weit gehende Freiheit des Gerichts in der
Gestaltung und im Umfang des Berufungsverfahrens (Art. 322 und 324 ZPO), fer-
ner der Verzicht auf eine zwingende mündliche und auf eine öffentliche Beratung
(Art. 54 ZPO und § 134 GOG).
4.1 Das Bezirksgericht prüft, ob H._ gegenüber dem Kläger im Namen
der Beklagten auftrat und bejaht das. Es geht davon aus, dass die Beklagte ihren
leitenden Angestellten H._ nicht ermächtigt hatte, in ihrem Namen Freizügig-
keitsleistungen entgegen zu nehmen und Rentenzahlungen zu versprechen, dass
der Kläger auf eine solche Bevollmächtigung aber in guten Treuen schliessen
durfte und sich die Beklagte das entgegen halten lassen muss (Urteil S. 10 ff.).
Die Beklagte lässt das nicht gelten. Sie argumentiert, wenn H._ das
Vorsorgekapital des Klägers auszahlen liess, habe er es alleine als Privatperson
tun wollen und getan und gehe das sie ─ die Beklagte ─ nichts an. Sie biete kos-
tenlose Beratung an, aber schon für das Ausfüllen einer Steuererklärung lasse sie
sich bezahlen; niemand könne daher in guten Treuen annehmen, die Beklagte
wolle Renten versprechen oder auch nur Vermögen verwalten oder verwahren.
Unter Bezugnahme auf einen jüngsten Entscheid des Bundesgerichtes bestreitet
sie, dass dem Kläger überhaupt ein Schaden entstanden sei (im Einzelnen
act. 61).
4.2 a) Welche interne Stellung H._ bei der Beklagten hatte, ist im
Einzelnen nicht bekannt. Seine unbestrittene Anstellung als Geschäftsführer deu-
tet auf eine Organeigenschaft im Sinne von Art. 55 ZGB hin. Allerdings heisst es,
er sei Geschäftsführer (nur?) des Büros G._ gewesen. Auch die Struktur der
Beklagten ist nicht bekannt, ob sie allenfalls weitere Büros führte, und wer im
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Rahmen des Ganzen welche Entscheidungen traf. Das kann allerdings offen blei-
ben. Juristische Personen können nicht nur durch ihre formellen Organe handeln,
sondern wie alle Personen durch eigens bestellte Vertreter oder durch Angestell-
te. Es gelten die obligationenrechtlichen Regeln über die Stellvertretung. Diese
kennen insbesondere die Figur der so genannten Anscheinsvollmacht: die juristi-
sche Person muss es sich nach dem Vertrauensprinzip (Art. 2 ZGB) anrechnen
lassen, wenn sie den (wenn auch objektiv unrichtigen) Eindruck erweckt oder tole-
riert, jemand handle für sie mit ihrer Billigung (Tuor/Schnyder/Schmid, ZGB
13. Aufl. 2009 S. 149; BGer 4C.307/2001 vom 14. März 2002 und 4A_54/2008
vom 29. April 2008).
Entscheidend ist der Unterschied zwischen der tatsächlichen, objektiven
Ermächtigung und einem allfälligen aus der subjektiven Sicht des Klägers beste-
henden weiter gehenden Rechtsschein, zusammen mit einem Handeln oder Dul-
den der Beklagten, bei welchem sie behaftet werden kann. Zu Recht bestreitet die
Beklagte vorweg nicht, dass H._ als ihr Vertreter auftrat: die unterzeichnete
Vollmacht lautet auf "A._ ..." und trägt unten den Stempel "A._ ... [Ad-
resse] ..." (act. 5/14). Dass H._ gar nicht im Namen der Beklagten habe
handeln wollen, wie die Beklagte noch dem Bezirksgericht vortrug (act. 14 S. 8/zu
26), wird in der Berufung so zu Recht nicht mehr behauptet. Man muss zwar da-
von ausgehen, dass H._ sich selber bereichern wollte, und nicht die Beklag-
te; nach Treu und Glauben erweckte die Vollmacht aber den Anschein, H._
handle für die Beklagte ─ das war ja gerade Teil seines Betruges. Die Beklagte
hat ausdrücklich zum Zweck, ... Landsleute [des Staates E._] im Verkehr mit
(Sozial-)Versicherungen zu beraten und ─ selbst vor Gericht ─ zu vertreten.
H._ war (wie soeben ausgeführt) nicht nur bei ihr angestellt, sondern er war
der Geschäftsführer jedenfalls ihres Büros in G._, an welches sich der Kläger
wandte. Die Beklagte hat also, selbst wenn sie das nicht wollte, den Anschein ge-
schaffen und bestehen lassen, dass H._ für sie handeln könne. Der konkrete
Umfang dieser Handlungen bleibt zu diskutieren.
Wo und in welcher Funktion der Kläger erwerbstätig war, ist so weit ersicht-
lich nicht aktenkundig. Die Kundschaft der Beklagten bestand indessen ─ wie aus
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den bei der Kammer hängigen übrigen Fällen bekannt ist ─ vor allem aus einfa-
chen Personen ohne besondere geschäftliche Kenntnisse. Der Kläger liess den
auch seine Steuererklärungen von der Beklagten erstellen (dass diese keine
steuerrechtlichen Beratungen anbiete [act. 14 S. 6 / zu 17.], ist offenkundig halt-
los; die Beklagte bot das jedenfalls früher ausdrücklich an [act. 4/18], und zudem
ist es ist notorisch, dass eine Vielzahl der Kunden die Beklagte gerade zum Er-
stellen der Steuererklärung aufsuchten). Das lässt eher auf administrative Unbe-
holfenheit schliessen. Auch die Höhe der von H._ dem Kläger ausbezahlten
fiktiven Rente von Fr. 1'852.-- monatlich indiziert nicht eine leitende Stellung im
Arbeitsprozess. Vor allem behauptet die Beklagte nicht, der Kläger hätte es auf-
grund besonderer Kenntnisse oder Erfahrungen leicht gehabt, die Machenschaf-
ten H._s zu durchschauen. Die Beklagte bot und bietet die Beratung ihrer
Landsleute im Bereich der Sozialversicherung und des Arbeitsverhältnisses an.
Also musste sie generell damit rechnen, dass sich unerfahrene Personen an sie
wenden. An die Möglichkeiten des Klägers, einer Unkorrektheit oder gar einem
Betrug auf die Spur zu kommen, ist auch daher zu Lasten der Beklagten kein
strenger Massstab anzulegen.
b) Willenserklärungen sind nach dem Vertrauensprinzip auszulegen, also
danach, wie sie ein vernünftiger und korrekter Adressat unter den gegebenen
Umständen nach Treu und Glauben verstehen durfte und musste (Art. 2 ZGB).
Das im Auftrag zum Auszahlen des Kapitals angegebene Konto war mit einer
Nummer und dem Zusatz "lautend auf A1._ CH-... G._" versehen. Da-
mit wurde zum Ausdruck gebracht, es sei ein Konto der Beklagten ─ auch wenn
das in Wahrheit nicht zutraf.
Die Beklagte macht geltend, es gehöre nicht zu ihrem Tätigkeitsbereich,
Geld zu verwahren. Das dürfte zutreffen. Aus der Laien-Sicht eines einfachen Ar-
beiters oder Angestellten musste es aber nicht auffällig sein, dass H._ na-
mens der Beklagten das Geld auf ein (vermeintlich) dieser gehörendes Konto an-
weisen liess. Gerade weil sie sich mit ihrer Beratungstätigkeit an einfache und ge-
schäftlich nicht versierte Personen wandte, muss sich das die Beklagte anrech-
nen lassen. Sie machte es H._ auch insofern einfach, als sie ihn mit Einzel-
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unterschrift gegenüber Sozialversicherungen und Vorsorgeeinrichtungen auftreten
liess. Sie weist richtig darauf hin, dass der fatale Auszahlungsauftrag ja nicht von
H._, sondern vom Kläger selber unterzeichnet wurde. Die übrige Korrespon-
denz hatte H._ allerdings wie auch in anderen Fällen alleine geführt, und das
trug dazu bei, dass ihm der ganze Betrug letztlich gelingen konnte. In der Beru-
fung argumentiert die Beklagte, der Kläger habe sich von der Beklagten (ver-
meintlich) versprechen lassen, diese werde sein Alterskapital nicht nur aufbewah-
ren, sondern neu investieren ─ daran könne man sehen, dass sein Standpunkt
unbegründet sei, denn als Institution zum Beraten von ... Landsleuten [des Staa-
tes E._] könne sie ─ die Beklagte ─ Solches ja gewiss nicht versprechen
(act. 61 S. 7). Das Argument der Beklagten sticht nicht: der Kläger als einfacher
Arbeiter oder Angestellter war gerade nicht in der Lage zu durchschauen, welche
Leistungen im Einzelnen er von der Beklagten erwarten durfte, wenn die Vertre-
tung gegenüber Sozialversicherungen und Arbeitgebern zu ihrem ureigenen Be-
reich gehört, und wenn die ihm vorgelegte Vollmacht noch ausdrücklich das Pro-
zessführen und das Einkassieren von Geld nannte. Ein mit administrativen Din-
gen auch nur wenig Vertrauter hätte sich gewundert ─ und wundern müssen ─,
dass der blosse Auftrag an die Freizügigkeitsstiftung, das Kapital auf ein bestimm-
tes Konto zu zahlen, zwei Jahre später eine Rente auslöste. Darauf beruhte aber
wohl gerade der "Erfolg" H._s, dass er sich als Opfer unbeholfene Landsleu-
te aussuchte, die ihm und dem guten Namen der Beklagten vertrauten.
Der Kläger darf sich immerhin auf seine unrichtige Vorstellung, H._
handle für die Beklagte, nur dann berufen, wenn er nicht nach den Umständen
und nach seinen persönlichen Möglichkeiten erkennen konnte und musste, dass
das nicht der Fall war (Art. 3 Abs. 2 ZGB). Dazu ergibt sich Folgendes: Aus der
laienhaften Sicht des Klägers bestand zunächst darum kein Grund zum Misstrau-
en, weil H._ bei der Angabe des Kontos listig und tückisch seinen Namen un-
terdrückt und der Nummer wie erwähnt den Zusatz "A1._" beigesetzt hatte
(act. 5/14 und 5/15). Die Beklagte bringt mit der Berufung keine weiteren Umstän-
de vor, aufgrund derer der Kläger konkret hätte Verdacht schöpfen müssen. In pa-
rallelen Fällen wird diskutiert, ob die Betrogenen allenfalls anhand der Auszah-
lungsbestätigungen durch die Vorsorgeeinrichtung hätten erkennen können und
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müssen, dass das Geld nicht auf ein Konto der Beklagten, sondern H._s
persönlich ging. Das könnte im Fall des Klägers nicht beurteilt werden, weil diese
Bestätigung nicht bei den Akten liegt. Ebenfalls aus den parallelen Verfahren ist
aber bekannt und insofern gerichtsnotorisch, dass H._ zugab, bei der Post
die Umleitung der für die Betrogenen bestimmten Post erwirkt zu haben (damit
diese es nicht merkten, legte er sie ihnen täglich in den Briefkasten, allerdings
nicht ohne sie vorher zu durchsuchen und Briefe der Vorsorgeeinrichtung heraus-
zunehmen). Gegen diese besondere Rafinesse ist eine einfache Person macht-
los. Und wenn sich der Kläger noch konkret Gedanken hätte machen können und
müssen, ob es denn nicht noch einer Abmachung bedürfe, wie die Beklagte sein
Kapital weiter verwenden werde: ab seinem 62. Geburtstag wurde ihm wie darge-
stellt eine fiktive Rente gutgeschrieben, die dem betrügerischen Anschein nach
von der Beklagten ausbezahlt wurde, aber in Wahrheit von H._ kam. Gegen
so viel Schlechtigkeit kommt ein einfacher Arbeiter oder Angestellter in einem
fremden Land nicht an, der sich von einer offiziösen, von Landsleuten geführten
Stelle beraten und betreut meint. Eine relevante Unsorgfalt kann dem Kläger nicht
vorgeworfen werden.
Damit muss sich die Beklagte dabei behaften lassen, dass H._ ver-
meintlich in ihrem Namen übernommen hatte, das Freizügigkeitsguthaben des
Klägers jedenfalls vorübergehend auf ein auf sie (die Beklagte) lautendes Konto
anweisen zu lassen und damit zur Verfügung zu halten. Rechtlich war das ein
Hinterlegungsvertrag (Art. 472 OR). Ein Rentenvertrag ist nicht behauptet und wä-
re formungültig (Art. 517 und 20 OR). Der Kläger konnte und kann jederzeit die
Herausgabe des Geldes verlangen (Art. 475 OR) ─ die Beklagte teilt übrigens
diese Auffassung dem Grundsatz nach ausdrücklich, auch wenn sie verständli-
cherweise darauf besteht, der Anspruch des Klägers müsse sich gegen H._
richten (act. 61 S. 5 unten/S. 6).
d) Das Verhältnis des Klägers zur D._ spielt unter diesen Umständen
keine Rolle, da er gegenüber der Beklagten aus rechtlicher Sicht (Art. 57 ZPO)
einen vertraglichen Anspruch, und nicht einen Schaden geltend machen kann.
Dieser Anspruch bestünde auch, wenn sich die D._ durch die Auszahlung
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nicht befreit hätte und demnach dem Kläger nach wie vor das Kapital schuldete.
Dabei wird das vorstehend erwähnte Urteil BGer 9C_137/2012 vom 5. April 2012
keineswegs in Frage gestellt. Dort ging es vorweg um einen gefälschten Auftrag
zum Auszahlen des Kapitals, und eingeklagt war direkt die Vorsorgeeinrichtung,
sodass das Bundesgericht keinen Anlass hatte, sich zum Verhältnis der Ansprü-
che gegen die Vorsorgeeinrichtung und gegen die Beklagte zu äussern. Die Be-
klagte stellt sich in der vorliegenden Berufung ─ anders als in gewissen Parallel-
verfahren ─ ausdrücklich auf den Standpunkt, der Kläger habe "offensichtlich ge-
wünscht", dass sein Kapital auf dem ihm empfohlenen Konto deponiert werde
(act. 61 S. 5 unten) ─ damit verbietet sich die Übernahme des zitierten Präjudizes
auf diesen Fall von vorneherein.
Immerhin wäre in Analogie zu den Bestimmungen über die Solidarität und
nach Treu und Glauben der Anspruch des Klägers gegen die Beklagte in dem
Umfang zu reduzieren, als der erstere von der Vorsorgeeinrichtung tatsächlich ei-
ne Zahlung erhalten hätte: der Kläger begründet seine Klage ja ausdrücklich da-
mit, dass ihm das ausbezahlte Kapital zu ersetzen sei. Die Beklagte behauptet
aber nicht, dass ein solcher Geldfluss bereits erfolgt sei. In dieser Situation ist die
Entscheidung des Bezirksgerichts jedenfalls im Ergebnis richtig: weder sind Wei-
terungen im Verfahren noch ist eine Sistierung angezeigt. Es ist müssig, heute mit
der Beklagten darüber zu spekulieren, ob der D._ entsprechende Sorgfalts-
pflichtverletzungen vorzuwerfen sind wie die im erwähnten bundesgerichtlich ent-
schiedenen Fall. Die denkbare Auseinandersetzung der Beklagten mit der
D._ wird erst aktuell, wenn die Beklagte selber etwas bezahlt hat, und sie
braucht den Kläger nicht zu interessieren.
e) Das Quantitativ der eingeklagten Forderung berechnet der Kläger, in-
dem er von dem durch die D._ ausbezahlten Betrag die fiktiven Rentenbe-
treffnisse abzieht ─ im Sinne von Art. 68 OR, dass die Verpflichtung der Beklag-
ten auch durch H._ als Dritten (teilweise) erfüllt werden konnte. Die Beklagte
verzichtet auf Bemerkungen dazu (act. 61 Rz. 17).
Das Bestreiten einer Genugtuung (act. 61 Rz. 18) ist gegenstandslos, weil
der Kläger weder eine Genugtuung verlangt noch zugesprochen erhalten hat.
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5. Die unterliegende Beklagte trägt die Kosten des Verfahrens. Für das
Verfahren der Berufung, in dessen Verlauf der Kläger nicht begrüsst wurde, ist
keine Parteientschädigung geschuldet.