Decision ID: 5d46413a-e495-4857-8695-b287773d0b0d
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, war nach einer kaufmännischen Lehre an versch
iedenen Stellen tätig, zuletzt vom
1. Juli bis 12. Oktober 2000 (effek
tiv letzter Arbeitstag) als Speditionssachbearbeiter bei der
Y._
(vgl. zum Sachverhalt im Folgenden
:
Urteil des Sozialversicherungsgerichts IV
.
2007.00370 vom 3
1.
Mai 2009,
Urk.
8/96). Danach war er krank, er löste das Arbeitsverhältnis per 2
8.
Februar 2002 selber auf.
Am 25. Juni 2002 meldete sich der Versicherte wegen Panik- und Angstanfällen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend IV-Stelle)
,
zum Rentenbezug an. Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medi
zinischen Verhältnisse ab und veranlasste ein Gutachten bei Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 11. Juli 200
3.
Ge
stützt darauf sprach sie
X._
gestützt auf ei
nen
Invaliditäts
grad
von 100 %
mit Wirkung ab 1. November 2001 eine ganze Invalidenrente zu
(Verfügung vom 1
0.
September 2003)
. Die von der Personalstiftung der
Y._
am 10. Oktober 2003 erhobene Ein
sprache wies
sie
mit in Rechtskraft erwachsenen
Einsprachee
ntscheid
vom 3. Dezember 2003
ab
.
Im Rahmen eines im September 2006 eingeleiteten Revisionsverfahrens holte die IV-Stelle einen Arztbericht sowie einen Arbeitsvertrag des Versicherten
mit
der
A._
vom 17. Juli 2006 ein. Gestützt darauf sowie
nach
weiteren erwerblichen Abklärungen
setzte
sie
die ganze Invalidenrente
bei einem Invaliditätsgrad von 63 % mit Wirkung ab 1. April 2007
auf
eine
Drei
viertelsrente
herab
(Verfügung vom 16. Februar 2007
)
. Die vom Versicherte
n
da
gegen erhobene Beschwerde hiess
das Sozialversicherungsgericht
mit dem un
angefochten in Rechtskraft erwachsenen Urteil IV.2007.00370 vom 3
1.
Mai 2009 (
Urk.
8/96) in dem Sinne gut, dass es die Sache zwecks
psychiatrischer
und erwerblicher Abklärungen und Neuverfügung im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle zurückwies.
1.2
Im Rahmen eines weiteren, im Juli 2007 eingeleiteten Revisionsverfahrens
(
Urk.
8/67)
hatte
die IV-Stelle ein Gutachten bei
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
1.
Oktober 2008 (
Urk.
8/86/1-35) mitsamt
dessen
Ergänzung vom 1
4.
Oktober 2008 (
Urk.
8/88)
veranlasst
. Gestützt darauf wies sie den Versicherten mit Schreiben vom 1
0.
Oktober 2008
(
Urk.
8/87)
auf die ihm obliegende Schadenminderungspflicht hin
mit der Auf
forderung, sich einer stationären psychiatrischen Behandlung
zu unterziehen
-
mit dem Ziel
einer Entzugs- und nachfolgenden
Entwöh
n
ungsbehandlung
sowie dem Nach
wei
s einer sechsmonatigen Drog
enkarenz
-
, diese Massnahme mit Hilfe des Hausarztes
umzusetzen
und
die IV-Stelle innert zwei Monaten darüber zu in
formieren, verbunden mit der Androhung einer allfälligen
Renten
kürzung
oder –
aufhebung
bei Nichtbefolgung der Schadenminderungspflicht. Nachdem der Versicherte diese
r
Anordnung keine Folge
geleistet hatte
,
holte die IV-Stelle von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie, ein Gut
ac
hten vom 1
9.
Juli 2011
(
Urk.
8/112
) mitsamt
dessen
Ergänzung vom 2
9.
Juli 2011 (
Urk.
8/116) ein
. Gestützt darauf hob sie die Invalidenrente
nach Durch
führung des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
8/124,
Urk.
8/138,
Urk.
8/140) wegen
Verletzung
der
Schaden
minderungspflicht
mit Verfügung vom
5.
März 2012 per Ende des
der Zustel
lung
folgenden Monats auf, unter Entzug der aufschieben
den Wirkung (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte am 2
3.
April 2012 Beschwerde erheben mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben (
Urk.
1). Im Weiteren stellte er
das
Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
der Beschwerde
.
Mit Eingabe vom
2.
Mai 2012 (
Urk.
4) reichte er einen Bericht von
lic
. phil.
D._
, Fachpsychologe für Psychotherapie
, vom 2
6.
April 2012 ein (
Urk.
5).
In ihrer Vernehmlassung vom 1
9.
Juni 2012 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und die Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Mit dem vorliegenden Entscheid in der Sache selbst erübrigt sich die Behand
lung des Gesuchs um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. Nachdem der Versicherte eine
rechtsgenügliche
Beschwerde
(
Urk.
1) eingereicht hatte, bestand kein Anlass für die Anordnung e
ines zweiten Schriftenwechsels, zumal allfällige weitere Stellungnahme
n
jederzeit eingereicht werden konnten.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.2
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 1 IVG).
2.3
Die versicherte Person muss gemäss
Art.
7 IVG alles ihr Zumutbare unterneh
men, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (
Art.
6 ATSG) zu verringern und den Eintritt einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) zu verhindern
(
Abs.
1). Die versicherte Person muss an allen zumutbaren Massnahmen, die zur
Er
haltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Er
werbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich dienen, aktiv tei
lnehmen. Dies sind insbesondere
medizinische Behandlun
gen nach
Art.
25
Abs.
2
lit
. b des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG).
Als zumutbar gilt gemäss
Art.
7a IVG jede Massnahme, die der Eingliederung der versicherten Person dient; ausgenommen sind Massnahmen, die ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen sind.
2.4
Die Leistungen können gemäss
Art.
7b IVG nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach
Art.
7 dieses Gesetzes oder nach
Art.
43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist (
Abs.
1).
Gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG können einer versicherten Person die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden, wenn sie sich ei
ner zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben entzieht oder widersetzt, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder wenn sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu beiträgt. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit ein
zuräumen. Behandlungs- und Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar.
Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (
Abs.
3).
3.
3.1
Mit der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) hob die Beschwerdegegnerin die Invali
denrente im Wesentlichen mit der Begründung auf, bei Einhaltung der Schadenminderungspflicht in Form
d
er auferlegten
Suchtmittelentzugstherapie
wäre der Versicherte
schon lange
wieder
für jegliche Tätigkeit
voll arbeitsfähig
. Streitig und zu prüfen ist somit, ob die Beschwerdegegnerin die Invalidenrente
zu Recht
infolge einer Verletzung der Schadenminderungspflicht aufgehoben hat.
3.2
In medizinische Hinsicht basiert die angefochtene Verfügung im Wesentlichen auf den Gutachten von
Dr.
B._
vom 1.
/1
4.
Oktober 2008 und
von
Dr.
C._
vom 19./2
9.
Juli 2011.
Im Gutachten vom
1.
Oktober 2008 und der Ergänzung vom 1
4.
Oktober 2008 (
Urk.
8/86/1-35,
Urk.
8/88) diagnostizierte
Dr.
B._
aus psychiatrischer Sicht ein Abhängigkeitssyndrom durch multiplen Substanzgebrauch bei gegenwärti
gem Substanzgebrauch von Methadon, von
Cannabinoiden
und insbesondere von Opiaten (ICD-10: F19.24)
,
mit anamnestisch berichteten Angstsymptomen, aktenanamnestisch bestehend seit dem Jahr 2000, sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – einen Verdacht auf Akzentuierung der Persönlichkeit mit narzisstischen Zügen (ICD-10: Z 73.1), bestehen
d
seit der Adoleszenz, sowie einen schädlichen Gebrauch von Tabak (ICD-10: F 17.1).
Zur Arbeitsfähigkeit gab der Gutachter an (
Urk.
8/86/29 ff.), aufgrund des
Abhängigkeitssyndroms sei der
Beschwerdeführer
aktuell in der angestammten und
in
einer
leidensan
gepassten
Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig. Dabei sei in retrospektiver Hin
sicht anzunehmen, da
ss die Abhängigkeitsproblematik
seit längerer Zeit, even
tuell schon seit dem Jahr 2000 ein Ausmass mit einem relevanten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
an
genommen habe (
Urk.
8/88). In therapeutischer Hinsicht empfahl der Gutachter dringend eine stationäre psychiatrische Behandlung mit dem Ziel einer Entzugs- und nachfolgender Entwöhnungsbehandlung
. Nach einer solchen stationären Behandlung sei eine ambulante Behandlung durchaus indiziert; dabei sei der Nachweis einer kontrollierten Abstinenz mit regelmässi
gen, nur kurzfristig anberaumten Drogenurinuntersuchungen eine sinnvolle Massnahme. Bei Durchführung
dieser
für den
Beschwerdeführer
zumutbaren Massnahmen sei aus psychiatrischer Sicht mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit eine
r
Steigerung
der
Arbeitsfähigkeit zu rechnen.
Dr.
C._
führte in seinem Gutachten vom
1
9.
Juli 2011
und dessen Ergänzung vom
2
9.
Juli 2011
(
Urk.
8/112/1-63,
Urk.
8/116) aus psychiatrischer Sicht fol
gende Diagnosen auf: eine narzisstische Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.80), eine Panikstörung (ICD-10: F41.0) und ein Abhängigkeitssyndrom durch Benzodiazepine bei ständigem Substanzgebrauch (ICD-10: F13.25) sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
ein Abhängigkeitssyndrom durch Tabak bei ständigem Substanzgebrauch (ICD-10: F17.25) und einen Status nach einem schädlichen Gebrauch von Cannabis, Methadon und Heroin (ICD-10: F12.1, F10, F11.1).
Weiter führte der Gutachter unter anderem aus
(
Urk.
8/112/59 f
f
.), es sei davon auszugehen, dass in der Vergangenheit zumin
dest ein schädlicher Gebrauch von
Canna
b
inoiden
, Methadon und Heroin be
standen und der Versicherte seit der Dekompensation der narzisstischen
Per
sönlichkeitsstö
rung
entweder Benzodiazepine,
Cannabinoide
, Methadon oder Heroin konsu
miert habe. Er empfehle die Wiederaufnahme einer ambulanten, regelmässigen, psychopharmakologischen Psychotherapie. Auch empfehle er, die Benzodiaze
pine auszuschleichen und
durch
Psychopharmaka zu ersetzen,
welche keine Gefahr ein
er Toleranzentwicklung und kein
Abhängigkeits
-
potential
aufweisen würden. Weiter empfehle er eine regelmässige Kontrolle der Abstinenz von Drogen. Der Versicherte habe bis anhin die subjektive Motiva
tion und
Willens
anstrengung
, ein Leben ohne den Konsum von Benzodiazepi
nen und von Dro
gen zu führen, nicht aufgebracht (
Urk.
8/112/62).
Es wäre ihm bei Aufbietung allen guten Willens bereits seit dem
3.
Dezember
2003 zumut
bar
, den Konsum von Benzodiazepinen und von Drogen zu sistieren und die am 1
8.
Juli 2006 konkret angetretene Arbeitsstelle oder sonst eine Stell
e
im ange
stammten kauf
männischen Bereich oder eine Tätigkeit auch ausserhalb des kaufmännischen Bereichs in einem ve
r
ständnisvollen Umfeld in der freien Wirtschaft zu 50
%
zu verrichten (
Urk.
8/116). Bei Durchführung der oben be
schriebenen Psychothera
pie wäre bereits ab dem
3.
Dezember 2003 innerhalb von einem Jahr eine volle Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft erreichbar ge
wesen (
Urk.
8/116).
4.
4.1
Gemäss den Gutachten
von
Dr.
B._
und
Dr.
C._
und den übrigen medizini
schen Akten steht fest und ist unbestritten, dass der Versicherte
schon seit längerer Zeit schädliche Substanzen respektive Suchtmittel konsumiert.
Dies
bestätigen
auch
lic
. phil.
D._
in seinem Bericht vom 2
6.
April 2012
– gemäss welchem
der Konsum von Suchtmittel
n
durch den Versicherten in den verschie
denen Phasen seines Lebens ausser Frage
stehe (
Urk.
5 S 9) – und der Be
schwerdeführer in seiner Beschwerde, gemäss welcher er krankheitsbedingt nicht in der Lage
sei
, die Drogen und insbesondere das Benzodiazepin abzuset
zen (
Urk.
1 S. 8).
Entsprechend den
Empfehlungen
im Gutachten von
Dr.
B._
vom
1.
Oktober 2008 hat die Beschwerdegegnerin den
Beschwer
deführer
daher
mit Schreiben vom 1
0.
Oktober 2008 (
Urk.
8/87) auf die ihm ob
liegende Schadenminderungspflicht hin
gew
i
e
sen mit der Aufforderung, sich ei
ner stationären psychiatrischen Behandlung
zu unterziehen
und die IV-Stelle innert zwei Monaten darüber zu informieren, verbunden mit der Androhung ei
ner allfälligen Rentenkürzung
oder -
aufhebung bei Nichtbefolgung der
aufer
legten
Schadenminderungspflicht.
4.2
Das
vom Versicherten erhaltene (vgl. Antwortschreiben vom 2
4.
November 2008,
Urk.
8/91)
Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 1
0.
Oktober 2008 er
füllt in formeller Hinsi
cht die von Art. 21 Abs. 4 ATSG
aufgestellten Vorausset
zungen für die Verweigerung von Leistungen. Es stellt eine schriftliche Mah
nung dar
,
und der Beschwerdeführer wurde auf die Rechtsfolgen des vorüberge
henden oder dauernden Leistungsentzugs hingewiesen. Ferner wurde ihm eine
angemessene Bedenkzeit von zwei Monaten eingeräumt. Sodann handelt es sich bei der verlangten Suchtmittelentzug
s
behandlung um keine
Behandlungsmass
nahme
, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen würde respektive seinem Ge
sundheitszu
stand nicht angemessen wäre (Art. 7a IVG).
Schliesslich
ist aufgrund der medizinischen Akten davon auszugehen, dass die Behandlung eine wesentliche Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit
zur Folge gehabt hätte. Ins
besondere ist gestützt auf das Gutachten von
Dr.
C._
vom 19./2
9.
Juli 2011 davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer
bei Durchführung
der
auferleg
ten
Such
t
mittelentzug
s
behandlung innert
einem Jahr
wieder
eine volle Ar
beitsfähigkeit in der freien Wirtschaft erreicht hätte. Sodann geht aus den Akten hervor und ist unbestritten (
Urk.
1), dass der Beschwerdeführer die
geforderte
Compliance im
massgebenden
Zeitraum vermissen
liess
und sich der angeord
neten Suchtmittelentzugstherapie verweigert hat. Daran ändern allfällige kurz
zeitige Behandlungen respektive Behandlungen, die nicht auf einen
Suchtmit
telentzug
ausgerichtet waren
,
nichts, da diese die verlangte konsequente und systematische Suchtmittelentzugstherapie nicht ersetzen konnten.
4.3
4.3
.1
Nach dem Gesagten ist der Rentenanspruch des Versicherten so zu beurtei
len, wie wenn er die ihm obliegende Schadenminderungspflicht wahrge
nommen und die Suchtmittelentzugstherapie
absolviert hätte
.
Diesbezüglich ging die IV-Stelle gestützt auf das Gutachten von
Dr.
C._
von einer 100%igen Arbeitsfä
higkeit aus (
Urk.
2).
Es
liegen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass der Gutachter bezüg
lich der
vom
Versicherten erwähnten (
Urk.
1
S. 8) zwei Arbeitsverhältnisse
– einerseits
dasjenige
bei der Firma
A._
in der Zeit ab 1
8.
Juli 2006 bis
zum
2
1.
Juni 2007 (Arbeitgeberbescheinigung vom 1
9.
November 2007,
Urk.
8/69) und
andererseits
dasjenige
als
Haustür-Telefon
verkäufer
in der Zeit
ab April 2011
-
relevante Umstände nicht berücksichtigt
hätte
, wurden doch
diese beiden Arbeitsverhältnisse
in den vom Beschwerde
führer nicht zitierten Seiten des Gutachtens
rechtsgenüglich
dargelegt (Gutach
ten von
Dr.
C._
,
Urk.
8/112 S. 2, 6, 9 f., 27
).
Konkrete Gründe dafür,
dass
das
Gutachten
wegen der
fehlenden Diagnostizierung einer
wahnhafte
n
Störung
mangelhaft sein soll, sind entgegen der
Auffassung des Versicherten
(
Urk.
1
S. 8) nicht ersichtlich
. Daran ändert auch der fürsorgerische Freiheitsentzug vom 2
1.
und 2
2.
September 2010 nicht
s
, zumal dieser bloss kurzzeitige
Frei
heitsent
zug verschiedene Gründe
hatte
(
Urk.
8/106/7,
Urk.
8/109
/2-4
).
Allein aus dem Umstand
des
diagnostizierten Abhängigkeitssyndroms
und dessen Ver
bindung zu einem psychischen Leiden mit Krankheitswert
kann entgegen der
Auffassung des Versicherten (
Urk.
1 S. 8) nicht auf eine Unüberwindbarke
it der Sucht ge
schlossen werden (
Urk.
8/112/61).
Entscheidend bleibt vielmehr, in
wieweit die Sucht bei
Aufbietung
allen guten Willens und
Wahrnehmung
der zumutbaren Schadenminderungspflicht im Rahmen einer geeignet
en
Entzugs
therapie
über
windbar war
. Dass der Versicherte gemäss dem Gutachten von
Dr.
C._
unter solchen Umständen nach einem Jahr wieder die volle Arbeits
fähigkeit erreicht hätte, stellt daher keine
n
Widerspruch im Gutachten dar.
4.3
.2
Der Bericht von
lic
. phil.
D._
vom 2
6.
April 2012 (
Urk.
5), bei welchem der Versicherte seit dem
7.
Februar 2012 im Rahmen einer delegierten Psychothera
pie in Behandlung ist, vermag die Beweiskraft des Gutachtens von
Dr.
C._
ebenfalls
nicht zu schmälern.
De
r
Einwand von
lic
. phil.
D._
(
Urk.
5 S. 11)
,
dass
man bei einer diagnostizier
ten Persönlichkeitsstörung zwingend von einer deutlichen Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit aus
gehen müsse, ist nicht
stichhaltig
, stellt doch
eine Diagnose im Zusammenhang mit der Festlegung der Arbeitsfähigkeit –
was
im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller relevanten Umstände zu erfol
gen hat - bloss ein einzelnes Element dar.
Dieser Einwand
von
lic
. phil
.
D._
widerspricht
zudem
den von ihm in diesem Zusammenhang zitierten allgemei
nen theoretischen Erörterungen zu Persönlichkeitsstörungen (
Urk.
5
S. 11), gemäss welchen in einem solchen Fall die berufliche Leistungsfähigkeit redu
ziert sein kann
.
M
angels einer näheren Begründung
nicht nachvollziehbar
ist auch der Einwand von
lic
. phil.
D._
,
dass
der Gutachter die Unterscheidung einer 50%igen und
einer
100%igen Arbeitsfähigkeit nicht plausi
bel begründet habe, wird doch diese Differenzierung
in der gutachterlichen
Ergänzung vom 2
9.
Juli 2011 klar und schlüssig dargelegt (
Urk.
8/116). In diesem Zusammen
hang fällt auf, dass
lic
. phil
.
D._
gemäss eigenen Angaben
mangels Zeit
nicht alle
(medizinischen)
Akten
berücksichtigen
konnte (
Urk.
5 S
.
3) und dass er in seinem Bericht jeweils bloss das Hauptgutachten
von
Dr.
C._
vom 1
9.
Juli 2011 zitiert hat (jeweils mit „x/70“; vgl.
Urk.
5 S. 7, 10, 11)
,
nicht je
doch dessen Ergänzung vom 2
9.
Juli 2011 (
Urk.
8/116)
. Dies lässt darauf schliessen, dass
dieser
Einwand
von
lic
. phil
.
D._
auf einer fehlenden
Akten
kenntnis
beruht.
Von vornherein nicht massgebend ist
die von
lic
. phil.
D._
bloss
in
tatsächliche
r Hinsicht beurteilte und
mit 0
%
bezifferten Arbeitsfähig
keit
Versicherten
(
Urk.
5 S. 12).
4.4
Weitere Einwände gegen das Gutachten von
Dr.
C._
brachte der Versicherte nicht vor. Auch durch die übrigen medizinischen Akten wird es nicht ernsthaft in Frage gestellt. Das Gutachten von
Dr.
C._
vom 19./2
9.
Juli 2011 wie
auch dasjenige vom
Dr.
B._
vom 1./1
4.
Oktober 2008 erfüllen
im Übrigen
die
Anforderungen an
beweistaugliche medizinische
Gutachten (BGE 125 V 352
E. 3a). Gestützt darauf ist somit
davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer
bei
Wahrnehmung der
ihm am 1
0.
Oktober 2008 (
Urk.
8/87)
auferlegten
Schaden
minderungspflicht
nach der
Bedenkfrist
von zwei Monaten und der
Suchtmittel
entzugstherapie
von einem Jahr wieder seine volle Arbeitsfähigkeit
auch in
der
angestammten Tätigkeit
erlangt hätte
.
Die im Gutachten beschrie
bene Ein
schränkung, dass der Beschwerdeführer auf einen verständnisvollen Arbeitgeber angewiesen sei, erwähnte
Dr.
C._
im ergänzenden Bericht vom 2
9.
Juli 2011 (
Urk.
8/116) nicht mehr, so dass auch in dieser Hinsicht keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit anzunehmen ist. Somit wäre im
massge
benden Zeitraum keine relevante Invalidität mehr vorhanden gewesen.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5
.
Laut Art. 69 Abs. 1
bis
IVG (in der seit dem 1. Juli 2006 gültigen Fassung) ist abwei
chend von Art. 61
lit
. a ATSG das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kan
to
nalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen
von
200-1000 Fran
ken festgelegt.
Die Gerichtskosten sind auf Fr.
600
.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.