Decision ID: c26e0fa0-9215-4a63-9924-2307fb83a0a0
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
De
r
198
4
geborene
X._
reiste im Juli 1997 in die Schweiz ein
,
schloss
in der Folge keine Berufsausbildung ab und
war zuletzt von Juli
2013
bis
ca.
Juli 2014
für die
Y._
in einem 10-20
%
-Pensum
als Pizza-Kurier tätig
(Urk.
8/1
8
/2
, Urk.
8/25
,
Urk.
8/28/7
).
Am 5.
November
201
3
(Eingangsdatum) mel
dete
er
sich unter Hinweis auf
ein
seit 2007/2008 bestehende
s
psychische
s
Leiden
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk.
8
/
9
). Zur Abklärung der me
dizinischen und erwerblichen Verhältnisse zog die IV-Stelle einen Aus
zug aus dem individuellen Konto (
Urk.
8/19
) bei
und
holte einen
Arbeitge
ber
bericht
(Urk.
8
/
25
)
sowie
Berichte der behandelnden Ärzte ein (Urk.
8/22,
Urk.
8/23
).
In der Folge liess sie den Versicherten psychiatrisch be
gutachten (Gut
achten vom
5.
Oktober 2014
;
Urk.
8/28
)
.
Gestützt darauf
ver
neinte
die IV-Stelle
nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Vorbescheid vom
11
.
November
2014
[Urk.
8
/
30
],
begründeter
Einwand vom
2
.
Februar 2015
[Urk.
8
/
35
]) mit Ver
fügung vom
11.
März 2015
einen Rentenanspruch
des Versicherten
(Urk. 2 [=
Urk.
8/37
]
).
2.
Gegen diese Verfügung legte de
r
Versicherte mit Eingabe vom
1.
April 2015
Be
schwerde ein und beantragte, die angefochtene Verfüg
ung sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, mindestens eine halbe Rente
,
zu
zu
sprechen
(Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom
1
2
.
Mai
2015 beantragte die IV-
Stelle Abweisung der Beschwerde (Urk.
7
), was de
m
Beschwerdeführer am
15
. M
ai
2015 mitgeteilt wurde (Urk.
9
).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychoso
ziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen
werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Be
funde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein inva
lidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
– unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni
2012 E.
3.2 mit Hin
weisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S.
188 E.
2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Un
tersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E.
5.1; 125 V 351 E.
3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
che
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog
im angefochtenen Entscheid, die vorhandenen gesundheitli
chen Einschränkungen
seien
überwindbar
. Dies bedeute, dass
die angestammte Tätigkeit als
Hilfs
arbeit
er
mit einer zumutbaren Willensanstren
g
ung
in einem
100
%
-Pensum
ausgeübt werden könne und somit kein
invalidenver
siche
rungs
rechtlich
rele
vanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei.
Der Beschwerdeführer verfüge
über
Ressourcen,
welche für verschiedene
private Aktivitäten
genutzt würden,
und e
s sei davon aus
zugehen, dass die funktionellen Einschränkungen (Konzentrationsstörung, Agi
tation, Angst) in einer Hilfstätigkeit nicht zu einer reduzierten Arbeitsfähigkeit führten (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde dagegen
im Wesentlichen
vor, das psy
chia
trische Gutachten erfülle nicht sämtliche rechtlichen Kriterien zum
Beweis
wert
eines ärztlichen Gutachtens
; d
er Bericht der
Z._
(
Z._
)
vom 2
5.
Januar 2015 belege
dessen
Unvollständigkeit.
D
ie
Be
schwerde
geg
nerin
habe die
"
Überwindungspraxis
"
nach
Art.
7
Abs.
2 ATSG
u
n
korrekt an
gewendet
(Urk. 1 S. 5). Die zur Diskussion stehenden Diagnosen fielen nicht unter die klassischen
Päusbonog
-Tatbestände (gemäss BGE 130 V 352). Die vor
handene Arbeitsfähigkeit sei deshalb ausschliesslich von einer medizinischen
Fach
person
zu beurteilen.
D
er Gutachter
sowie auch die behan
delnden Ärzte und
selbst der RAD-Arzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für
Allgemeine Innere Medizin,
seien der Auffassung, dass die
beschriebenen
Symptome gerade nicht überwindbar seien
und eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit dauerhaft aus
gewiesen sei (Urk. 1 S. 8 und 9).
2.3
In der Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin aus, die Frage der
Über
windbarkeit
sei eine Rechtsfrage, deren
abschliessende Be
urteilung
ausser
halb des ärzt
lichen Kompetenzbereichs liege.
Beim Beschwerdeführer seien enorme psycho
soziale Faktoren
auszuklammern
, was der Gutachter nicht getan habe. Zu
dem seien
ausreichend Ressourcen
vorhanden
(
Urk.
7
).
3.
3.1
Im Bericht der
Z._
an die Beschwerdegegnerin vom 16. Januar 2014 (Urk. 8/23
) wurden unter dem Titel „Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit“ eine mittelgradige depressive Episode mit atypischen persistierenden psycho
ti
schen Symptomen bei Zustand nach schwerer depressiver Episode mit psycho
ti
schen Symptomen (ICD-10 F32.1), bestehend wahrscheinlich seit 2009, und als
Differentialdiagnose eine
schizoaffektive
Störung, gegenwärtig depressiv (ICD-1
0 F25.1) angeführt (Urk. 8/23/2). Es werde von einer
chronifizierten
depressiven
Erkrankung mit psychotischen Symptomen ausgegangen. Zu diskutieren sei, dass
das Auftreten psychotischer Symptome bei einer mittelgradigen Symptomatik eher untypisch sei und das Auftreten vor dem Schlafengehen für andere Ursa
chen der Phänomene sprechen könnte (zum Beispiel hypnagoge Halluzina
tio
ne
n). Ungeachtet der Ätiologie der psychotisch anmutenden Symptome habe sich daraus eine starke Angstsymptomatik entwickelt. Differentialdiagnostisch müsse auch an eine
schizoaffektive
Störung gedacht werden (Urk. 8/23/4). Zum Ver
lauf hielten die Ärzte der
Z._
fest,
dem Beschwerdeführer sei
i
nitial b
ei V
er
dacht auf
eine schwere depressive Epi
sode mit psychotischen Symptomen sowie zur Schlafregulation
Remeron
(
Mirtazapin
) in niedriger Dosis verordnet
worden
.
Da er sich jedoch morgens noch stärker müde gefühlt habe als vor der Ein
nah
me,
sei
eine Umstellung auf
Tritt
i
co
(
Trazodon
)
erfolgt
, welches bei Bedarf und
in geringer Dosierung mit 50mg eine ausreichende schlaffördernde Wirkung habe
und die Dauer und das Aus
mass der Ängste und Sinnestäuschungen vor dem Ein
schlafen verringere
, wodurch offenbar eine Entlastung habe erreicht werden können.
Zur effektiven Behandlung der depressiven Symptomatik
sei
die Ver
ord
nung von
Efexor
(
Venlafaxin
)
erfolgt
, welches jedoch aufgrund subjektiver Unverträglichkeit ab
gesetzt w
o
rde
n sei
. Seit Mai 2013
sei nun
eine Behandlung mit
Cipralex
(
Esci
talopram
)
erfolgt
. Aufgrund des reduzierten Verständnisses
bezüglich
der medi
zinischen Problematik
sei
diese Medikation zeitweise eben
falls nur bedarfsweise eingenommen
worden
. Eine kontinuierliche Einnahme
von
Cipralex
könne erst gegen Herbst 2013 angenommen werden. Subjektiv
ha
be sich
hierdurch der Antrieb
verbessert
, die weiteren depressiven Symptome sowie die Sinnestäu
schungen
seien
jedoch nicht beeinflusst
worden
. Während der Be
handlung
habe
eine Tätigkeit in einer Pizzeria
mit unterschiedlichen Aufgaben aufgenommen werden
können
. Dies funktioniere, weil er nur stundenweise gegen Mittag ar
beiten müsse und er flexibel seine Einsätze planen und auch häufig kurzfristig absagen könne. Hierdurch habe er einige Tage in der Woche für einige Stunden arbeiten können und könne damit die Zuwendungen durch das Sozialamt redu
zieren. In den Gesprächen
sei
immer wieder die belastende
Wohnsituation und die Scham gegenüber der Familie thematisiert worden. Es sei
eine soziale Bera
tung,
anlässlich derer
aufgrund der länger bestehenden Arbeit
s
unfähigkeit eine IV-Anmeldung vorgenommen w
orden sei
, erfolgt
. Prognostisch günstig
sei
, dass während eines Aufenthaltes bei der Familie in der
B._
eine
vorübergehende leichte Besserung der Beschwerden aufgetreten sei. Zuletzt seien
einige kurze telefonische Konsultationen
erfolgt.
Mittlerweile
habe
die
Wohn
situation
des Beschwerdeführers
verbessert werden
können,
ohne dass sich dies jedoch positiv auf die Befunde ausgewirkt ha
be (Urk. 8/23/3 f.).
Als selb
stän
di
ger Hilfsarbeiter ohne Ausbildung sei der Beschwerdeführer seit November 2012 zu 80 % bis 100 % arbeitsunfähig gewesen. Gegenwärtig bestehe eine Arbeits
unfähigkeit von 90 %. Aktuell erfolge eine Tätigkeit von ca. 10 % bis 20 % (ca. 45 bis 90 Minuten pro Tag) in einem insgesamt als angepasst anzusehenden Rahmen mit durch den Beschwerdeführer weitgehend selber bestimmbaren Einsatzzeiten, einem angenehmen Teamumfeld und einfachen Arbeiten (Urk.
8/23/5-6). Es werde eine Fortsetzung und gegebenenfalls eine Intensivie
rung der ambulanten Behandlung empfohlen (Urk. 8/23/5). Auf längere Sicht gingen sie bei gutem Verlauf im Rahmen von sechs bis zwölf Monaten von einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf noch 40 % bis 60 % aus (8/23/1; vgl. auch Urk. 8/34).
3.2
Dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. Oktober 2014 (Urk. 8/28) können fol
gende Diagnose
n
entnommen werden (Urk. 8/28/
11
):
p
rotrahierte depressive Phase, heute mittleren Schweregrades
(ICD-10
F32.11
)
n
arzisstische Persönlichkeitsstörung
(ICD-10
F60.8
)
Dr.
C._
hielt fest
, d
ie persönliche Erscheinung des
Beschwerdeführers
sei
so auffällig, dass schon nach dem klinischen Eindruck eine narzisstische
Persön
lichkeitsstörung
diagnostiziert werden m
ü
ss
e
: Der
Beschwerdeführer
g
ebe
sich überbetont locker,
sei
aber innerlich sehr gespannt, gereizt, misstrauisch und ger
ate
darob
trotz Dolmetscher immer wieder in Missverständnisse. Er ha
be
ei
nen grossen Stolz und neig
e
zu ausgeprägter Scham, sodass er bei persönlichen Themen eine starke Abwehrhaltung einn
ehme
und viele Beschwerden
–
zum Beispiel Ängste
–
versch
weige. Er
sei
dabei rasch aufgebracht
und
fühle sich stark gekränkt, zum Beispiel durch die Behandlung durch die Behörden. Die zeitweilige starke Agitation und die berichteten Wutausbrüche mit Zerstörung von Gegenständen würden zum gleichen Symptombild gehören. Der
Beschwer
deführer
scheine mit einem überkompensatorischen Ehrgeiz das Ziel einer eige
nen Firma und eines harmonischen Familienlebens verfolgt zu haben. Nur in äusserster Not sei er überhaupt bereit gewesen, medizinische oder andere Hilfe anzunehmen. Bei narzisstischen Persönlichkeitsstörungen bestünden typischer
weise praktisch permanent erhöhte psychische Spannungen mit einer
psychove
getativen
Stresssymptomatik, eine habituelle Angst zu versagen sowie eine Dis
position zu depressiven Störungen
(
Urk.
8/28/10)
.
Zum Tagesablauf des Beschwerdeführers hielt der Gutachter fest,
er sei meist zuhause oder hole die Kinder ab. Er habe keine Hobbys und
übe keine
sozialen Aktivitäten
aus. Er stehe zwischen
12
.00
bis 14
.00
Uhr auf
,
er
nehme das Schlaf
mittel
Trittico
ein. Nach dem Frühstück kümmere er sich um die Kinder oder gehe einkaufen. Er mache mit ihnen die Hausaufgaben, könne aber nicht helfen, wei
l
er wenig davon verstehe. Manchmal sei es ihm langweilig. Er gehe
mit der Familie spazieren und sehe viel fern. Gelesen habe er noch nie und Sp
ort treibe er nicht. Am Abend gehe er sehr unregelmässig ins Bett.
Haushalts
arbei
ten
mache er nicht, es sei nichts für ihn, er habe keine Lust.
Die Beziehung zu seiner
Frau sei gut. Kollegen habe er früher gehabt, heute wolle er nicht, dass ihn jemand so sehe. Mit dem einen Bruder habe er keinen Kontakt, der andere sei in die
B._
zurückgegangen
(
Urk.
8/28/6)
.
Sodann wurde ausgeführt
,
der Beschwerdeführer sei mit dreizehn Jahren in die Schweiz gekommen und habe die restliche Schulzeit absolviert, während die Eltern bald wieder in die
B._
zurückgekehrt seien. Auf sich allein gestellt, habe er keine Berufsausbildung machen können. Er
s
ei
auf eine unauffällige Art für jeweils ein bis zwei Jahre in der Reinigung, als Verkäufer in
einem Lebens
mittelgeschäft
, al
s Chauffeur in einer Transportfi
rma
und
dann wieder in der Reini
gung berufstätig
gewesen
.
Im Jahr
2003
habe
er
geheiratet
,
im Jahr
2006
habe
er auf Vorschlag des früheren Vorgesetzten Transportaufträge auf eigene
Rechnung
übernommen
,
und
im Jahr
2007
seien
Zwillinge geboren
worden
.
Seine
Ehe
f
rau
sei
in der Schweiz nie erwerbstätig gewesen. Die
Transport
auf
träge
seien
danach zurück
gegangen
und
er
sch
eine
mit seiner existenziellen Situation überfordert
worden zu sein
. Er g
ebe
auch für jenen Zeitraum
,
zwar bis zu einem gewissen Punkt bereitwillig, aber doch nicht allumfassend Auskunft. Er
sei in
Schulden und Be
treibungen
geraten
. Schliesslich
sei
im Jahr 2008
seine Wohnung
zwangsge
räumt
geworden
.
Daraufhin
sei
eine Odyssee in Not
w
oh
nungen,
Familienher
berge
n
, Abrisshäusern und so weiter
gefolgt.
Erst an
fang
s
dieses Jahres
scheine der Beschwerdeführer
wieder eine subjektiv akzep
table Unterkunft gefunden zu haben. Er
habe
anfänglich noch eine neue Arbeits
stelle
gesucht
,
sei
aber zu
nehmend in einen psychischen Stresszustand
geraten
, der auch immer mehr de
pressiv gefärbt
gewesen sei
. Beim „Problem m
it Geistern" handl
e
es sich
der Ansicht des Gutachters nach
um hypnagoge Hallu
zi
nationen. Sie
seien
beim
Beschwerdeführer
seit dem Beginn vor einigen Jahren
symptomatisch stets in der Phase des
Dösens aufgetreten. Sie seien
einerseits als neuropsychologische Disposition zu verstehen, oft im Rahmen eines
narkolep
tischen
Syndroms im weiteren Sinne, das beim
Beschwerdeführer
aber nicht eruiert
werden kö
nn
e
.
Andererseits würden sie
gehäuft unter
übermässigem psy
chischem
Stress vor
kommen
, wie es beim
Beschwerdeführer
auf dem Boden der
Persönlichkeitsstö
rung
ausgeprägt der Fall gewesen
sei
. Hierbei geh
e
es in erster Linie um
Panik
zustände
, bei welchen gerade Personen aus dem Kultur
kreis des
Beschwerde
führers
besonders oft ähnliche paranoide Erscheinungen auf
weisen
würden
. Auch beim
Beschwerdeführer
handl
e
es sich um
Panikzu
stände
mit Todesangst, Bedrückung, Atemnot, Muskelblockaden, Herzrhythmus
störungen, Kopfschmer
zen
und
Depersonalisationsphänomene
n.
Typischerweise
würden
der Panik je
weils Schlafstörungen und ein Erschöpfungszustand
folgen
. Der psychische Stresszustand ha
be
sich fixiert und
sei
protrahiert verlaufen. Es
be
stehe
eine permanente psychovegetative Stresssymptomatik mit beispiels
weise
Reden im Schlaf, enor
mer Agitation, Schlaf- und Konzentrationsstörungen,
Kopfschmer
zen, Magenbeschwerden
und
Gereiztheit. Der
Beschwerdeführer
ha
be
zwar im Juli vergangenen Jahres einen Job als Pizzakurier mit einem sehr kleinen Pen
sum antreten können, ha
be
i
hn aber vor drei Monaten wegen
Kon
zentrations
störungen
wieder aufgeben
müssen. Der Hausarzt
Dr.
D._
, Prak
tischer Arzt,
habe
verschiedene Psychopharmaka erfolglos an
gewendet. Seit November 2012
sei
der
Beschwerdeführer
am psychiatrischen Ambulatorium an der
E._
betreut worden. Auch dort
seien
die medikamentösen Ver
suche mit wenig Erfolg
verlaufen
. Trotzdem schein
e
sich der psychische Zu
stand in den letzten Monaten bis zu einem gewissen Grad stabilisiert zu haben. Der depres
sive Teil der psychischen Störung
sei
von den behandelnden Psy
chia
te
rn
im Bericht vom 1
6.
Januar 2014
adäquat beschrieben worden: Gedrückte
Stim
mung, reduzierte Schwingungsfähigkeit, Freudlosigkeit, Insuffizienzge
fühle
, Verzweiflung, innere Unruhe, Zukunftsängste, Müdigkeit, Erschöpfung
sowie
verminderte Konzentration. Die beschriebene Verminderung der Auffassungs
gabe würde
er – so der Experte –
wie oben dargelegt, der narzisstischen, miss
trauischen Beeinträchtigungshaltung zuschreiben. Als Folge de
r
depressiven Zust
ä
nde best
ünden
heute nach
der gutachterlichen
Anamneseerhebung ein Verlust des Tagesrhythmus, eine reduzierte Tagesaktivität, ein Interessenverlust, eine Antriebsminderung, eine zeitweilige lustlose Langeweile und ein sozialer Rückzug. Der
Beschwerdeführer
klag
e
über Verlust der Fröhlichkeit und über Traurigkeit. Er wirk
e
freudlos, innerlich sehr gespannt und agitiert. Die von den behandelnden Psychiatern bescheinigte depressive Störung schweren Grades mit voller Arbeitsunfähigkeit zu Beginn de
r Behandlung im November 2012 kö
nn
e
Dr.
C._
zum Begutachtungszeitpunkt
weder bestätigen noch bestreiten. Zum Zeitpunkt
der Berichterstattung an die Beschwerdegegnerin
im Januar 2014
sei
noch eine „mittelgradige depressive Episode F32.1" festgehalten
worden
, was nach versicherungsmedizinischem Standpunkt eine noch ungefähr 50%ige Ar
beitsunfähigkeit bedingen würde. Die behandelnden Psychiater
hätten
zwar von einer gegenwärtigen Arbeitsunfähigkeit von 90
%
gesprochen, seien
aber prog
nostisch von einer baldigen Verbesserung auf noch 40 bis 60
%
im Rahmen von sechs bis zwölf Monaten aus
gegangen
.
Die gegenwärtige gutachterliche
Ein
schätzung
,
acht Monate nach diesem Bericht
,
stimm
e
damit überein. Auch der Beschwerdeführer
selb
er
s
ehe
heute seine Wohnungs- und familiäre Situation als stabilisiert an und denk
e
selbst an die Wiederaufn
a
hme einer Erwerbstätig
keit, fühl
e
sich subjektiv momentan aber erst in einem kleinen Mass dazu fähig. Den Job als Pizzakurier habe er vor drei Monaten wegen
Konzentrationsstörun
gen
aufgeben müssen und versuche ihn nun wiederaufzunehmen
(
Urk.
8/28/10-12)
.
Zur Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
C._
fest, g
emäss der psychiatrischen Untersu
chung habe mindestens seit Beginn der psychiatrischen Behandlung des Be
schwerdeführers im November 2012 bis heute anhaltend eine mindestens 50%ige generelle Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die von den behandelnden Psy
chiatern attestierte höhere Arbeitsunfähigkeit könne der Gutachter retrospektiv nicht beurteilen. Die Arbeitsunfähigkeit sei bedingt durch eine psychische Stö
rung mit Krankheitswert, nämlich eine protrahierte depressive Phase, insgesamt mittleren Schweregrades, mit starker Agitation, einer psychovegetativen
Stress
symptomatik
im Sinne des depressiven somatischen Syndroms und mit einer
Angst
symptomatik
im Grad von Panik mit entsprechenden paranoiden Erschei
nungen. Die depressive Störung habe sich auf dem Boden einer narziss
tischen Persönlichkeitsstörung gebildet. Da die frühere psychische Anamnese, soweit
eruierbar
,
bland
sei, scheine die langfristige Prognose günstig zu sein, sofern sic
h keine neuen persönlichkeitsbedingten Komplikationen ergeben wür
den. Mittel
fristig könne aber angesichts des bisherigen protrahierten Verlaufs der Depres
sion nicht mit einer raschen und substanziellen Besserung der Ar
beitsfähigkeit gerechnet werden. Dem Beschwerdeführer sei eine kausale psy
chiatrische Be
hand
lung aufgrund des fixierten narzisstischen Stolzes und der Abwehrhaltung
nur bedingt zumutbar. In diesem Rahmen erfolg
e
sie zurzeit adäquat (
Urk.
8/28/13).
4.
4.1
Zunächst ist festzustellen, dass
es entgegen der vom Beschwerdeführer offenbar vertretenen Auffassung in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beeinträchtigung, also auch bei - nicht von der Rechtsprechung des Bundesgerichtes zu den soma
toformen Schmerzstörungen und vergleichbaren psychosomatischen Störungen (BGE 130 V 352 [bisherige Rechtsprechung], BGE 141 V 281 [am 3. Juni 2015 geänderte Rechtsprechung]) erfassten – Depressionen und
Persönlichkeits
stö
rungen
, keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Fall gutachtlich befassten Arztpersonen ist, selber abschliessend und für die rechtsanwendende
Stelle (Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch fest
gestellte Leiden zu einer andauernden oder vorübergehenden Arbeitsun
fähig
keit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt. Dies unter anderem deshalb, weil die
Arbeitsunfähigkeit ein unbestimmter Rechtsbegriff des formellen Gesetzes (Art. 6
ATSG) ist, dessen praktische Handhabung im Einzelfall der rechtsanwendenden Stelle obliegt, welche den durch Gesetz und Rechtsprechung gezogenen norma
tiven Rahmen zu berücksichtigen hat (BGE 140 V 193 E. 3.1; vgl. E.
1.7). Aufgrund der in diesem Leitentscheid näher umschriebenen tatsächlichen und
rechtlichen Gegebenheiten hat die Rechtsprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt.
Sache des (begut
ach
tenden) Mediziners ist es, den Gesund
heits
zustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst
,
mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersu
chung
,
unter Berücksichtigung der sub
jektiven Beschwerden
,
Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen.
Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht zuständig sind.
Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträch
tigungen kommt der Arztperson hinge
gen keine abschliessende
Beur
teilungs
kompetenz
zu. Vielmehr nimmt die
Arzt
person
zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst, sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie mög
lich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grund
lage für die juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeits
leistungen der Pers
on noch zugemutet werden können
(BGE 140 V 193
E. 3.2 mit Hinweisen; vgl.
BGE 141 V 281
E. 5.2).
Die Rechtsanwender prüfen dabei die medizinischen Angaben frei, insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich
an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben. Das heisst
, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), und ob die versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf ob
jek
tiver Grundlage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG; BGE 141 V 281 E. 5.2.2 mit Hinweisen). Die Ärzte und die Organe der Rechtsanwendung prüfen demnach die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_901/2015 vom 8. Juli 2016 E. 3.1).
Ob die vorliegend zur Diskussion stehenden Diagnosen einen invalidisierenden Gesundheitsschaden darstellen, ist eine Rechtsfrage. Aus rechtlicher Sicht kann von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abgewichen werden, ohne dass diese ihren Beweiswert verlöre (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichtes 8C_283/2015 vom 24. Juni 2015 E. 2 mit Hinweis).
4.2
4.2.1
Das Gutachten von Dr.
C._
vom 5. Oktober 2014 (Urk. 8/23) basiert auf einer fachärztlichen Untersuchung und wurde in Kenntnis der und Auseinander
setz
ung mit den
Vorakten
verfasst. Der Gutachter berücksichtigte die geklagten Beschwerden und setzte sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerde
führers auseinander. Er legte die medizinischen Zustände und Zusammenhänge
grundsätzlich einleuchtend dar und begründete seine Schlussfolgerungen grund
sätzlich nachvollziehbar. Das Gutachten von Dr.
C._
erfüllt demnach grund
sätzlich die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige ärzt
liche Beurteilungsgrundlage (vgl. E. 1.6).
4.2.2
Die Beschwerdegegnerin wich vom psychiatrischen Gutachten insoweit ab, als sie auf die von Dr.
C._
attestierte generelle mindestens 50%ige Arbeits
un
fähigkeit nicht abgestellt und stattdessen angenommen hat, die angestammte Tätigkeit in einer Hilfsarbeit sei dem Beschwerdeführer zu 100 % zumutbar. Dies ist aufgrund der nachfolgenden Erwägungen nicht zu beanstanden.
4.3
4.3.1
Gemäss Dr.
C._
ist die von ihm attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit bedingt durch eine protrahierte depressive Phase
mittleren Schweregrades
mit starker Agitation, einer psychovegetativen Stresssymptomatik im Sinne des depressiven somatischen Syndroms und mit einer Angstsymptomatik im Grad von Panik
mit
entsprechenden paranoiden Erscheinungen
.
D
ie depressive Störung
habe
sich auf
dem Boden
ein
er narzisstischen Persönlichkeitsstörung gebildet
(
Urk.
8/28/13).
4.3.2
Betreffend die
vom Gutachter
Dr.
C._
gestellte Diagnose
einer
protrahierte
n
depressive
n
Phase, heute mittleren Schweregrades (ICD-10 F32.11)
,
gilt es zu beachten,
dass n
ach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes leichte bis mittel
gradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episo
disch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht
fallen
, wenn sie
erwiesenermassen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - ge
setzlich verlangten Konstellation ist den no
rmativen Anforderungen des Art. 7 Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und
Prü
fungsweise
Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3
). Ein solcher Sach
verhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszu
schliessen
sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent ge
wesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (am
bulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
4.3.3
Gemäss Aktenlage unterzog sich der Beschwerdeführer seit 2012 einer psychopharmakologischen Behandlung und einer ambulanten Psychotherapie. Die Psychopharmaka wurden dabei offenbar nur teilweise regelmässig und nur in niedriger Dosierung eingenommen. So ist
dem Bericht
der
Z._
vom 1
6.
Januar 2014
(vgl. E.
3.1,
Urk.
8/23)
zu entnehmen
, dass der
Beschwerde
füh
rer initial in niedriger Dosis
mit
Remeron
(
Mirtazapin
)
behandelt
worden war
, bevor auf
Trittico
(
Trazodon
) um
gestellt
worden sei
, welches bei Bedarf und in geringer Dosierung mit 50mg eingenommen
worden sei
und schl
af
för
dernde Wir
kung habe
. Zur effek
tiven Behandlung der depressiven Symptomatik
sei
Efexor
(
Venlafaxin
) und nach dessen Absetzung aufgrund subjektiver Unver
träglichkeit
Cipralex
verord
net worden (Beginn 26.
November 2013, 20mg, 1-0-0-0;
Urk.
8/23/4
-5
).
Sodann wurde festgehalten, dass d
iese Medikation zeitweise
aufgrund des reduzierten Verständnisses des Beschwerdeführers nur
bedarfs
weise
eingenommen
worden sei, seit Herbst 2013 erfolge die Einnahme kontinuierlich
(
Urk.
8/23/4, Urk. 8/28/4).
Zu den aktuell absolvierten Behandlungen wurde im Bericht der
Z._
vom 16.
Januar 2014 festgehalten, dass alle zwei bis vier Wochen Konsultationen von einstündiger Dauer
bei der
Z._
stattfinden würden
(
Urk.
8/23/5)
.
Der
Stel
lungnahme
der
Z._
vom 2
5.
Januar 2015 (
Urk.
8/34) ist zu entnehmen, dass die
letzte ambulante Konsultation am 1
4.
April 2014 stattgefunden habe, was zum Zeit
punkt
der Begutachtung (25. September 2014)
bereits über
fünf
Monate her war.
Der Gutachter kam zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer eine kausale psychiatrische Behand
lung aufgrund des fixierten narzisstischen Stolzes und der Abwehrhaltung nur – aber immerhin – bedingt zumutbar
sei und in diesem Rahmen derzeit adäquat erfolge (Urk. 8/28/13). Dass der Beschwerdeführer nach der letzten Konsultation in der
Z._
im Mai 2014 und damit auch im Zeitpunkt der Begutachtung andernorts in – regelmässiger - psychiatrischer Behandlung stand, geht aus den Akten jedoch nicht hervor und wurde von ihm auch nicht geltend gemacht. So oder so kann von
einer konsequenten
Depressions
therapie
,
deren Scheitern
auf die Resistenz des Leidens
schliessen
liesse (vgl. E.
4.3.2), mangels Ausschöpfung der medikamentösen und therapeutischen Möglichkeiten
(bislang niedrigdosierte psychopharmakologische Medikation; niederfrequente und
bloss ambulante Psychotherapie; vgl. auch Urk. 8/23/5)
nicht gesprochen
werden (vgl.
Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_454/2013 vom 2
9.
Oktober 2013 E.
4.1
,
9C_917/2012 vom 14. August 2012 E.
3.2). Es gilt
zudem
zu beachten, dass sich
trotz der
bloss
niederschwelligen
psychotherapeutische
n
Behandlung offenbar eine
Verbesserung
des
psychischen
Gesundheitszustandes eingestellt hat. So erklärte der
Gutachter,
in den letzten Jahren
scheine trotz der wenig erfolgreichen Medi
k
ation eine gewisse Stabilisierung des psychischen Zustands
eingetreten zu sein (
Urk.
8/28/12)
.
Die Ärzte der
Z._
gingen sodann davon aus, dass bei gutem Verlauf
eine
Verbesserung der depressiven Symptome
erreicht
werden könne (
Urk.
8/23/5).
Die ungenügende Inanspruchnahme von Therapien lässt im Übrigen nicht auf einen ausgeprägten psychischen Leidensdruck
schliessen
.
4.3.4
Ob
die
g
utachterliche
Diagnose einer
narzisstischen Persönlichkeitsstörung
vor
liegend als schlüs
sig zu werten ist,
kann offen bleiben.
Fraglich ist die
se Diag
nose
allerdings nur schon deswegen,
weil sie
erstmals anlässlich der Begut
achtung
im
Septem
ber 2014
gestellt wurde und
sich
die
Ä
rzte der
Z._
, bei welchen der Beschwerdeführer immerhin
von
No
vember 2012
bis April 2014
in Behandlung st
and
(vgl.
Urk.
8/23/1 f.)
,
zuvor nicht veranlasst gesehen hatten, eine Persönlichkeitstestung durchzuführen resp. die Diagnose einer
Persön
lich
keitsstörung
zu stellen (Urk. 8/23 und Urk. 8/34/2).
Aus
serdem
ist darauf hin
zuweisen, dass
selbst
eine fachärztlich
schlüssig
festge
stellte p
sychische Krank
heit nicht ohne
W
eiteres
gleichbedeu
tend mit dem Vor
liegen einer Invali
dität ist. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie aus
gewiesen und in ihrem
Ausmass
bestimmt sein (
vgl.
BGE 136 V 279 E. 3.2.1).
Auch die Diagnose einer
Per
sönlichkeitsstörung
weist, wie die meisten Diag
nosen, keine direkte Korrelation zu einer Arbeitsunfähigkeit auf (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.1).
Vorliegend besteht, wenn überhaupt, jedenfalls keine besonders ausgeprägte Persönlichkeitsstörung, war es dem Beschwerdeführer gemäss gut
achterlicher Feststellung nach der Rückkehr seiner Eltern in die
B._
doch möglich, „auf eine unauffällige Art“ einer Berufstätigkeit nachzugehen und eine Familie zu gründen (Urk. 8/28/11). Gutachter Dr.
C._
begründete denn
die
von ihm evaluierte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
auch nur
mit der de
pressiven Symptomatik und nicht
mit der
narzisstische
n
Persönlichkeits
störung
(vgl. Urk. 8/28/13).
4.3.5
Was die vom Beschwerdeführer beschriebenen (gleichzeitig mit den depressiven Symptomen aufgetretenen [Urk. 8/34/2]) psychotischen Symptome betrifft (laut seinen Angaben gegenüber den Ärzten der
Z._
hat er regelmässig, wenn er schlafen will, das Gefühl, dass „der Teufel in ihn fahre“; er fühle sich dann gelähmt und verliere die Kontrolle über seinen Körper, er werde hin- und her
gefahren und leide unter Todesangst [Urk. 8/23/3]), so wurde die im Bericht der
Z._
vom 16. Januar 2014 deswegen gestellte Differentialdiagnose einer
schizo
affek
tiven
Störung, gegenwärtig depressiv (ICD-10 F25.1), von Gutachter Dr.
C._
nicht bestätigt (Urk. 8/28/11). Eine bloss mögliche Diagnose vermag aber von vornherein keine relevante Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Ausserdem ist auch bezüglich der dieser Diagnose zugrunde liegenden
psychotischen Symp
tome, welche im Übrigen ebenfalls nicht besonders ausgeprägt erscheinen, eine
Therapieresistenz nicht ausgewiesen, konnten doch gemäss dem Bericht der
Z._
vom 16. April 2014 mit der (bloss bedarfsweisen) Einnahme von
Trittico
50 mg di
e Dauer und das Ausmass der Ängste und Sinnestäuschungen vor dem Schla
fen
gehen vermindert werden, wodurch eine Entlastung habe erreicht werden können (Urk. 8/23/3).
4.3.6
Die Beschwerdegegnerin wies sodann zu Recht darauf hin, dass die akten
kun
digen psychischen Beschwerden – zumindest auch – durch invaliditätsfremde psychosoziale Umstände (beruflicher Misserfolg, Schulden und Betreibungen im Rahmen der vom Beschwerdeführer ca. 2006 aufgenommenen selbständigen Tätigkeit, Zwangsräumung der Familienwohnung, in der Folge zahlreiche Um
züge) ausgelöst (laut den Angaben des Beschwerdeführers begannen seine Prob
leme, als er 2008 von der Polizei auf die Strasse gesetzt wurde [Urk. 8/28/6, vgl. Urk. 8/23/3]) und unterhalten wurden (vgl. E. 1.3). Der Einfluss dieser Umstände auf das psychische Beschwerdebild zeigt sich namentlich auch darin, dass es dem Beschwerdeführer laut den Angaben im Bericht der
Z._
vom 16. Januar 2014 während seines Aufenthaltes in seinem Heimatland leicht besser ging (Urk.
8/23/2), und sich laut dem psychiatrischen Gutachten die Arbeitsfähigkeit – zumindest auch – aufgrund der Stabilisierung der Wohnungs- und familiären Situation verbesserte (Urk. 8/28/12).
4.3.7
Schliesslich hielt Dr.
C._
zwar
fest, als Folge des depressiven Zustandes be
stünden heute nach seiner Anamneseerhebung ein Verlust des Tagesrhythmus,
eine reduzierte Tagesaktivität, ein Interessenverlust, eine Antriebsminderung, eine
zeitweilige lustlose Langeweile und ein sozialer Rückzug.
Wie die
Be
schwer
degegnerin
zu Recht bemerkte, sind beim Beschwerdeführer aber durchaus Ressourcen vorhanden: Er ist
seit 2003 verheiratet
(
Urk.
8/7/5)
,
er gibt
an
,
die Beziehung zu seiner Frau
sei
gut, er ist Vater von Zwillingen
,
er gibt an,
sich um diese
zu kümmern
–
sie seien alles für ihn
–
u
nd
er
mache mit ihnen Haus
aufgaben
,
er
gehe mit seiner Familie spazieren und sehe viel fern
; zudem konnt
e
er die instabile Wohnsituation in den Griff kriegen und
erklärte
,
selbständig
ei
ne
neue
Ans
tellung finden
zu wollen
(
Urk.
8/28/9
)
.
4.
4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
die gutachterlichen Diagnosen
einer
pro
trahier
ten depressiven Phase, heute mittleren Schweregrades, sowie
einer
nar
zis
stischen Persönlichkeitsstörung
angesichts der nicht ausgeschöpften
Behand
lungsmöglichkeiten
sowie der vorhandenen Ressourcen keine invalidenver
siche
rungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermögen. Hinzu kommt
, dass das psychische Beschwerdebild massgeblich durch
invaliditäts
fremde
psychosoziale Belastungsfaktoren ausgelöst und
mitbestimmt wurde resp.
wird, was ebenfalls gegen das Vorliegen eines rechtlich relevanten invalidi
sie
renden Gesundheitsschadens spricht (vgl. E. 1.3 und Urteil des Bundesgerichtes 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E. 4.2).
Es ist deshalb davon auszugehen, dass es dem Beschwerdeführer bei Aufbietung allen guten Willens sowie optimaler und nachhaltiger Ausschöpfung der zu
mut
baren Behandlungsmöglichkeiten (vgl. Urk. 8/23/5) trotz der genannten psy
chi
schen Leiden (stets) zuzumuten war und ist, ganztags einer Tätigkeit wie der bisherigen nachzugehen. Dass der Gutachter, der RAD sowie die behandelnden Ärzte der
Z._
dem Beschwerdeführer eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähig
keit attestierten, ändert daran nichts. Bei seiner dahingehenden Argumentation verkennt der Beschwerdeführer, dass nach Art. 7 Abs. 2 ATSG für die Beur
tei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen sind, und dies zudem nur, soweit sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar sind (vgl. E.
4.1 und Urteil des Bundesgerichtes 9C_89/2016 vom 12.
Mai
2016 E.
4.3), welches Merk
mal, wie dargelegt, erst bei überwiegend wahrscheinlicher
Therapieresi
stenz
gegeben ist.
In Bezug auf
die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte der
Z._
ist zudem auch der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass be
handelnde Ärzte und Ärztinnen mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrecht
liche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
4.5
Die angefochtene Verfügung ist demnach nicht zu beanstanden, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
5.
5
.1
Der Beschwerdeführer stellte ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1
S. 2
). Vorliegend sind die Voraussetzungen gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt, wes
halb dem Gesuch des Beschwerdeführers zu entsprechen ist. Er ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der ihm erlassenen Gerichtskosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.
5
.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.