Decision ID: 17b47516-a467-4c6c-b4b0-ca95c5116000
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend gewerbsmässigen Diebstahl etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, II. Abteilung, vom 30. August 2021 (DG210003)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur-Unterland vom 22. Januar
2021 (Urk. 17) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 43 S. 47 ff.)
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- des gewerbsmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB
i.V.m. Art. 139 Ziff. 2 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 StGB;
- der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB;
- des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB.
2. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe,
wovon bis und mit heute 2 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der
Privatklägerin 3 (B._) im Umfang von Fr. 521.10 zuzüglich 5% Zins ab
13. Januar 2020 anerkannt hat.
5. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der
Privatklägerin 4 (Politische Gemeinde C._) im Umfang von Fr. 621.32
inkl. Mehrwertsteuer und zuzüglich 5% Zins seit 8. Juni 2021 anerkannt hat.
Im Mehrbetrag wird die Zivilforderung der Privatklägerin 4 auf den Zivilweg
verwiesen.
6. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der
Privatklägerin 5 (D._ AG) im Umfang von Fr. 650.– zuzüglich 5% Zins
seit 11. Mai 2021 anerkannt hat. Im Mehrbetrag wird die Zivilforderung der
Privatklägerin 5 auf den Zivilweg verwiesen.
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7. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der
Privatklägerin 6 (E._ AG (Schweiz)) im Umfang von Fr. 350.– anerkannt
hat. Im Mehrbetrag wird die Zivilforderung der Privatklägerin 6 auf den
Zivilweg verwiesen.
8. Die Zivilforderungen der Privatklägerinnen 2 (F._ AG), 7 (G._ AG)
und 8 (H._ AG) werden auf den Zivilweg verwiesen.
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 11.
Dezember 2020 beschlagnahmten Gegenstände:
− Schraubenzieher 8mm "1", (unbek. Marke) Grösse 5, gelb/schwarz,
(Asservat-Nr. A013'865'435);
− Schraubenzieher 10mm "2", (unbek. Marke) Grösse 6, gelb/schwarz,
(Asservat-Nr. A013'865'446);
− Schraubenzieher 10mm "3", PB 100/6, 1.6x10x180mm, (Asservat-
Nr. A013'865'457);
− Schraubenzieher 5.5mm "4", SKG 124/3, 5.5x120mm, (Asservat-
Nr. A013'865'468);
− Schraubenzieher, 3.5mm, rot, (Asservat-Nr. A013'865'479);
− Schraubenzieher, Kreuz, schwarz, (Asservat-Nr. A013'865'480);
− Schraubenzieher, Kreuz, rot, (Asservat-Nr. A013'865'491);
− Schraubenzieher, BIT Einsatz, schwarz/rot, (Asservat-
Nr. A013'865'504);
− Schraubenzieher, BIT Box, Komplet, Marke FACOM (Asservat-
Nr. A013'865'515);
− 22er Nuss mit Verlängerung für Rasche, Marke "JET" "10", (Asservat-
Nr. A013'865'526);
− Seitenschneider, Marke Jet, rot/schwarz, (Asservat-Nr. A013'865'537);
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− Wasserpumpenzange/Polygripzange "12" rote Kunststoffgriffteile,
(Asservat-Nr. A013'865'548);
− Bohrer, Grösse 9mm (Asservat-Nr. A013'865'560);
− Bohrer 6mm (Asservat-Nr. A013'865'571);
− Bohrer 4.5mm (Asservat-Nr. A013'865'582);
− Akkubohrer Marke Bosch (Asservat-Nr. A013'865'593);
− Klappmesser (Asservat-Nr. A013'865'606);
− Mundschutz, schwarz/weiss (Asservat-Nr. A013'865'617);
− Taschenlampe, Marke Kryolights, schwarz (Asservat-
Nr. A013'865'628);
− Taschenlampe "Continental" (Asservat-Nr. A013'865'639);
− Rundzylinder (Doppelzylinder) Aussenteil "22" (Flachwerkzeug Spur)
(Asservat-Nr. A013'865'640);
− Rundzylinder (Doppelzylinder) Aussenteil "23" (Flachwerkzeug Spur)
(Asservat-Nr. A013'865'651);
− 1 Paar Arbeitshandschuhe, Marke Showa, grau/schwarz (Asservat-
Nr. A013'865'720);
− 1 Taschenlampe, schwarz, Nordride (Asservat-Nr. A013'865'731);
werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils definitiv eingezogen und
der Lagerbehörde zur Vernichtung resp. ihr gutscheinenden Verwendung
überlassen.
10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 11.
Dezember 2020 beschlagnahmten Schuhe (Marke Weissenstein, Asservat-
Nr. A013'865'684) und der Rucksack (schwarz, Asservat-Nr. A013'865'662)
werden dem Beschuldigten A._ nach telefonischer Voranmeldung und
nach Vorweisen eines Personalausweises innert einer Frist von drei
Monaten nach Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen
herausgegeben. Nach Ablauf dieser Frist werden die Gegenstände der
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Lagerbehörde zur Vernichtung oder ihr gutscheinenden Verwendung
überlassen.
11. Die gemäss Kurz- und Spurenberichten des FOR vom
− 25. Februar 2020 (G-Nr. 77397649);
− 18. Juni 2020 (G-Nr. 78030918);
− 22. Juni 2020 (G-Nr. 78036370);
− 22. Juni 2020 (G-Nr. 78036278);
− 15. Juli 2020 (G-Nr. 78030918);
− 27. August 2020 (G-Nr. 78030918);
aufgelisteten Sicherstellungen, Asservate, Spuren und Spurenträger können
nach rechtskräftiger Erledigung dieses Verfahrens vernichtet werden.
12. Die Entschädigung von Rechtsanwältin lic. iur. X._ für die amtliche
Verteidigung des Beschuldigten wird auf Fr. 15'405.10 festgesetzt, nämlich
Fr. 7'405.10 für das Vorverfahren (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) und
pauschal Fr. 8'000.– für das gerichtliche Verfahren (inkl. Aufwand,
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
13. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'200.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'000.00 Gebühr für das Vorverfahren Fr. 1'540.00 Auslagen Polizei Fr. -141.65 Anrechnung Kaution/Sicherstellung/Depositum Fr. 15'405.10 amtliche Verteidigung Fr. 24'0003.45 Total
14. Die Kosten und Gebühren des Vorverfahrens und des gerichtlichen
Verfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Vorbehalten bleibt die Verpflichtung des Beschuldigten, dem Kanton diese
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Entschädigungen zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen
Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 426 Abs. 4 StPO).
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 55 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf I._ AG (Dossier 16)
freizusprechen. Eventualiter sei er betreffend I._ AG mit einer
Zusatzstrafe zum Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen v. 22. August
2017 von einer Freiheitsstrafe von 1 Monat unbedingt zu bestrafen.
2. Der Beschuldigte sei hinsichtlich der Dossiers 1-14 mit einer
teilbedingten Strafe betreffend gewerbsmässige Einbruchdiebstähle
von nicht mehr als 17 Monaten Freiheitsstrafe zu betrafen, wobei der
zu vollziehende Strafanteil als auch der bedingte Strafanteil mit 8.5
Monaten festzulegen seien. Es sei eine angemessene Probezeit
anzuordnen.
3. Der Antrag betreffend Herausgabe Akkuschrauber, Marke Bosch
(Asservaten-Nr. A013'865'593) sei als zurückgezogen vorzumerken
bzw. das vorinstanzliche Urteil sei in diesem Punkt zu bestätigen.
4. Kosten und Entschädigung zu Lasten des Staates.
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(schriftlich, Urk. 48)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Verfahrensgang
Mit Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 30. August 2021 wurde der
Beschuldigte im Sinne des eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositivs schuldig
gesprochen und bestraft (Urk. 43 S. 47). Gegen das ihm am 1. September 2021
schriftlich eröffnete Urteil liess der Beschuldigte gleichentags Berufung anmelden
(Urk. 38/5; Urk. 39). Das begründete Urteil wurde der Verteidigung am
23. Dezember 2021 zugestellt (Urk. 42/1). Mit Eingabe vom 12. Januar 2022
reichte diese innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO die
Berufungserklärung ein (Urk. 45). Mit Eingabe vom 27. Januar 2022 beantragte
die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und ersuchte
um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung, was bewilligt
wurde (Urk. 48). Am 17. März 2022 wurde zur Berufungsverhandlung auf den
6. Mai 2022 vorgeladen (Urk. 51).
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte beschränkte die Berufung mit der Berufungserklärung auf die
Bemessung der Strafe und die Nichtgewährung des (teil-) bedingten Strafvollzugs
(Dispositivziffern 2 und 3). Der ursprünglich gestellte Antrag auf Herausgabe des
Akkubohrers der Marke Bosch wurde an der Berufungsverhandlung
zurückgezogen (Urk. 55 S. 1). Die Privatklägerschaft und die Staatsanwaltschaft
haben weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben. Das Urteil des
Bezirksgerichts Dielsdorf vom 30. August 2021 ist daher hinsichtlich der
Dispositivziffern 1 (Schuldpunkt), 4 bis 8 (Zivilpunkt), 9 (Einziehung), 10
(Herausgabe von beschlagnahmten Gegenständen), 11 (Anordnung der
Vernichtung von Sicherstellungen, Asservaten, Spuren und Spurenträgern) sowie
12 bis 14 (Kostendispositiv) in Rechtskraft erwachsen, was vorab festzustellen ist.
Die Beschränkung der Berufung ist verbindlich (Art. 399 Abs. 4 StPO). Der
Gegenstand der Berufung wird damit definitiv festgelegt. Nach Ablauf der
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Rechtsmittelfrist kann der Umfang der Anfechtung nicht mehr ausgedehnt werden
(BSK StPO-Eugster, 2. Auf. 2014, Art. 399 StPO N 6). Der Antrag des
Beschuldigten, er sei vom Vorwurf I._ AG (Dossier 16) gemäss dem
Grundsatz von "ne bis in idem" freizusprechen (Urk. 55 S. 1 ff.), ist damit nicht zu
hören, ist doch der Schuldpunkt nicht mehr Gegenstand des
Berufungsverfahrens, sondern, wie soeben erwähnt, in Rechtskraft erwachsen.
Folgerichtig sind auch die in Bezug auf den Tatvorwurf I._ AG eventualiter
gestellten Beweisanträge des Beschuldigten (a.a.O.) abzuweisen.
II. Sanktion
1. Ausgangslage
Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer unbedingten Freiheitsstrafe
von 30 Monaten (Urk. 43 S. 47). Nachdem einzig der Beschuldigte Berufung
gegen das vorinstanzliche Urteil erhoben hat, fällt aufgrund des
Verschlechterungsverbotes eine strengere Bestrafung ausser Betracht (Art. 391
Abs. 2 StPO).
2. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln
Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Strafzumessung umfassend und zutreffend
dargelegt. Auf die diesbezüglichen Erwägungen kann vorab verwiesen werden
(Urk. 43 S. 22 ff.). Soweit die Verteidigung vorbringt, die Einbruchdiebstähle aus
dem Jahr 2020 (Dossiers 1-14) seien als Gesamtheit zu betrachten und das
Verschulden sei hinsichtlich aller drei Tatbestände in einem
Gesamtzusammenhang zu berücksichtigen (Urk. 55 S. 7), ist festzuhalten, dass
ein solches Vorgehen vom Bundesgericht bereits im Jahre 2018 explizit
ausgeschlossen wurde (BGE 144 IV 217 E. 3.5.3. f., u.a. bestätigt in den Urteilen
des Bundesgerichts 6B_998/2019 vom 20. November 2020, E. 4.2.2. ff. und
6B_496/2020 vom 11. Januar 2021 E. 3.4.2.). Als schwerstes Delikt ist
gewerbsmässiger Diebstahl mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe
nicht unter 90 Tagessätzen bedroht (Art. 139 Ziff. 2 StGB). Mit der Vorinstanz
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(Urk. 43 S. 23) sind keine ausserordentlichen Umstände gegeben, die ein
Verlassen des ordentlichen Strafrahmens als angezeigt erscheinen liessen.
3. Sanktionsart
3.1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen
für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe
der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das
Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei
ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1
StGB). Die Bildung einer Gesamtstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips ist
nur möglich, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden einzelnen
Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt (sog. konkrete Methode). Dass die
anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen,
genügt nicht (BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; BGE 144 IV 217 E. 2.2; BGE 142 IV 265
E. 2.3.2; BGE 138 IV 120 E. 5.2; je mit Hinweisen). Am Vorrang der Geldstrafe
hat der Gesetzgeber im Rahmen der erneuten Revision des Sanktionenrechts
festgehalten (BGE 144 IV 217 E. 3.6 mit Hinweisen). Gemäss Art. 41 Abs. 1 StGB
kann das Gericht statt auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe erkennen, wenn
(lit. a.) eine solche geboten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer
Verbrechen oder Vergehen abzuhalten oder (lit. b) eine Geldstrafe voraussichtlich
nicht vollzogen werden kann. Es hat die Wahl der Freiheitsstrafe näher zu
begründen (Art. 41 Abs. 2 StGB).
3.2. Die Vorinstanz hat für alle zu beurteilenden Delikte Freiheitsstrafen
ausgefällt. Für den gewerbsmässigen Diebstahl kommt bereits angesichts der
Höhe der ausgesprochenen Strafe keine Geldstrafe mehr in Frage. Dass die
Vorinstanz auch für die weiteren Delikte Freiheitsstrafen ausgefällt hat, ist
angesichts der strafrechtlichen Vorbelastung des Beschuldigten nicht zu
beanstanden und wurde auch von der Verteidigung nicht in Frage gestellt (vgl.
Urk. 31 S. 1; Urk. 55 S. 1). Der Beschuldigte war im Zeitpunkt der vorliegend zu
beurteilenden Delikte bereits mehrfach einschlägig vorbestraft. Er wurde mit Urteil
des Obergerichts des Kantons Luzern vom 15. Juni 2010 wegen mehrfachen
gewerbsmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen
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Hausfriedensbruchs, mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer
Datenverarbeitungsanlage sowie Entwendung eines Motofahrzeugs zum
Gebrauch zu einer Freiheitsstrafe von 4 1⁄2 Jahren verurteilt. Weiter wurde er mit
Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen vom 22. August 2017 wegen mehrfachen
gewerbsmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen
Hausfriedensbruchs und weiterer Delikte mit einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten
bestraft. Dem Beschuldigten wurde die bedingte Entlassung aus dem Vollzug
dieser Freiheitsstrafe verweigert und er hatte bis zum Vollzugsende am
24. November 2018 im Strafvollzug zu verbleiben (Verfügung des Departements
des Innern des Kantons Solothurn vom 14. September 2018 in Beizugsakten des
Amtsgerichts Olten-Gösgen; Urk. 33/1). Nur wenige Monate nach der Entlassung
aus dem Vollzug begann der Beschuldigte wieder einschlägig zu delinquieren. Mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 27. August 2019 wurde er
deshalb wegen mehrfachen Diebstahls, mehrfachen versuchten Diebstahls,
mehrfachen Hausfriedensbruchs und mehrfacher Sachbeschädigung mit einer
unbedingten Freiheitsstrafe von 6 Monaten bestraft. Die vorliegend zu
beurteilenden Delikte beging er nur wenige Monate nach dieser Verurteilung. Der
Beschuldigte liess sich durch die bisher gegen ihn verhängten unbedingten
Freiheitsstrafen somit nicht von weiterer Delinquenz abhalten, sondern wurde
innert kürzester Zeit wieder einschlägig rückfällig. Unter diesen Umständen
besteht keine Veranlassung, einzelne der heute zu beurteilenden Straftaten mit
einer Geldstrafe zu sanktionieren. Angesichts der Hartnäckigkeit der Delinquenz
des Beschuldigten und der Tatsache, dass die bisher gegen ihn verhängten
Sanktionen die ihnen zugedachte präventive Wirkung verfehlten, kann nicht
davon ausgegangen werden, dass eine Geldstrafe, selbst wenn sie unbedingt
ausgesprochen würde, die angestrebte Wirkung zu erreichen vermag.
4. Teilweise retrospektive Konkurrenz
4.1. Wie bereits dargelegt, wurde der Beschuldigte mit Urteil des Amtsgerichts
Olten-Gösgen vom 22. August 2017 u.a. wegen Einbruchdiebstählen zu einer
Freiheitsstrafe von 42 Monaten verurteilt (Urk. 44). Die dem Beschuldigten in
Dossier 16 vorgeworfenen Delikte wurden Ende August 2014 und damit vor
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diesem Urteil begangen. Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täter
begangen hat, bevor er wegen einer andern Tat verurteilt worden ist, so bestimmt
es die Zusatzstrafe in der Weise, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als
wenn die strafbaren Handlungen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49
Abs. 2 StGB). Ist über Straftaten zu befinden, welche teils vor und teils nach einer
früheren Verurteilung begangen wurden, ist von einer teilweisen retrospektiven
Konkurrenz auszugehen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind die
Delikte vor dem Ersturteil und die Delikte nach dem Ersturteil bei der teilweisen
retrospektiven Konkurrenz getrennt und selbständig zu behandeln. Zuerst sind die
Straftaten zu sanktionieren, die vor dem rechtskräftigen früheren Urteil begangen
wurden. Kommt die gleiche Strafart wie im Ersturteil in Betracht, hat das Gericht
in Anwendung von Art. 49 Abs. 2 StGB eine Zusatzstrafe auszufällen. Das
Ermessen des Gerichts beschränkt sich dabei auf die von ihm vorzunehmende
Asperation zwischen rechtskräftiger Grundstrafe und der für die noch nicht
beurteilten Taten auszusprechenden Strafe (BGE 142 IV 265 E. 2.4.2). In einem
zweiten Schritt ist die Strafe für die Straftaten nach dem Ersturteil festzusetzen.
Schliesslich sind die ermittelten Strafen zusammenzuzählen, was die zu
verhängende Strafe ergibt (BGE 145 IV 1 E. 1; MATHYS, Leitfaden
Strafzumessung, 2. Aufl. 2019, N 550 ff.).
4.2. Das Amtsgericht Olten-Gösgen sprach im Urteil vom 22. August 2017 für
sämtliche zu beurteilenden Delikte Freiheitsstrafen aus. Angesichts des
Umstands, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt einschlägig vorbestraft und
gegen ihn bereits eine mehrjährige Freiheitsstrafe ausgesprochen worden war,
hätte das Gericht aus spezialpräventiven Gründen für die Delikte gemäss Dossier
16 ebenfalls auf eine Freiheitsstrafe erkannt, wenn es sämtliche Straftaten
gleichzeitig beurteilt hätte. Damit ist für die Delikte gemäss Dossier 16 eine
Zusatzstrafe zum Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen auszufällen. Nachfolgend
sind daher zwei Strafen in Bezug auf die zu beurteilenden Straftaten zu bilden, die
eine für die Delikte gemäss Dossier 16, bei denen retrospektive Konkurrenz zum
Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen besteht, und die andere für die Delikte,
welche nach diesem Urteil verübt wurden. Die ermittelten Strafen sind in der
Folge zu addieren.
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5. Einbruchdiebstahl vor dem 22. August 2017
5.1. Der Einbruchdiebstahl gemäss Dossier 16 gehört zeitlich zur
Einbruchsserie, welche mit Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen vom 22. August
2017 abgeurteilt wurde. In Bezug auf die Tatumstände unterscheidet sich dieses
Delikt indes nicht von den im Jahr 2020 begangenen Delikten. Der Beschuldigte
brach in eine Geschäftsliegenschaft ein, wobei er die Türe zum Gebäude mit
einem Flachwerkzeug und Körpergewalt aufbrach. Ein besonders raffiniertes
Tatvorgehen liegt damit nicht vor. Der Beschuldigte ging indes planmässig und
gezielt vor, was sich bereits darin zeigt, dass er Werkzeug zur Begehung des
Einbruchs mitführte. Sein Vorhaben, Geld oder Wertgegenstände zu erbeuten,
verfolgte er konsequent und hartnäckig. Im Innern des Gebäudes wuchtete er
einen Aktenschrank mittels Flachwerkzeug auf, um diesen ebenfalls nach
Wertsachen durchsuchen zu können. Gemäss erstelltem Sachverhalt kann dem
Beschuldigten in Bezug auf Dossier 16 der Diebstahl einer Tissot Armbanduhr
nachgewiesen werden. Ob auch Bargeld gestohlen wurde und in welcher Höhe,
kann im Nachhinein nicht mehr rechtsgenügend erstellt werden (vgl. dazu die
Vorinstanz, Urk. 43 S. 8, 15 und 17). Insofern ist von einer sehr geringen
Deliktsbeute auszugehen. Diesem Umstand kommt im Rahmen der
Strafzumessung indes keine überragende Bedeutung zu, zumal dem tatsächlich
erzielten Deliktsbetrag bei Einbruchdiebstählen immer etwas Zufälliges anhaftet.
Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Andere als finanzielle und damit
egoistische Beweggründe sind nicht ersichtlichen. Insgesamt ist von einem sehr
leichten Tatverschulden und einer hypothetischen Einsatzstrafe von rund 30
Tagen auszugehen. Die Sachbeschädigungen waren Mittel zum Zweck des
Diebstahls. Der vom Beschuldigten angerichtete Sachschaden ging nicht über
das Nötige hinaus, um den Diebstahl zu ermöglichen und erreichte rund Fr. 500.–,
was ebenfalls sehr gering ist. In subjektiver Hinsicht ist von vorsätzlichem und
egoistischem Handeln auszugehen. In Anwendung des Asperationsprinzips sowie
aufgrund der engen Verknüpfung der Sachbeschädigungen mit dem Diebstahl
rechtfertigt es sich, die Einsatzstrafe aufgrund der verursachten
Sachbeschädigungen um 5 Tage zu erhöhen. Der Hausfriedensbruch war für den
Beschuldigten unverzichtbares Mittel zur Verübung des Diebstahls.
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Verschuldensmindernd wirkt sich aus, dass sich die Tat des Beschuldigten nicht
gegen private Wohnräume, sondern gegen eine Geschäftsliegenschaft richtete.
Der Beschuldigte handelte auch hier direktvorsätzlich und egoistisch. Die für den
gewerbsmässigen Diebstahl und die Sachbeschädigung festgelegte
hypothetische Gesamtstrafe ist um weitere 5 Tage zu erhöhen.
5.2. In Bezug auf das Vorleben und die persönliche Verhältnisse des
Beschuldigten kann auf unten stehende Erwägungen verwiesen werden
(Ziff. II.6.4.1.). Daraus ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten Umstände.
Straferhöhend ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte im Zeitpunkt der
Tatbegehung bereits einschlägig vorbestraft war. Strafmindernd ist sein
Geständnis zu veranschlagen. Zu berücksichtigen ist diesbezüglich indes, dass
die beim Einbruchdiebstahl gestohlene Armbanduhr, welche aufgrund ihrer
Gravur dem beim Einbruch geschädigten Unternehmen zugeordnet werden
konnte, anlässlich der Hausdurchsuchung am Wohnort des Beschuldigte
sichergestellt wurde (Urk. D16/3 S. 3; Urk. 15/3 S. 11), die Beweislage mithin
erdrückend war. Insgesamt wirken sich die Täterkomponenten straferhöhend aus.
Als angemessen erweist sich eine Freiheitsstrafe von 50 Tagen.
5.3. Wie bereits dargelegt, ist für die Delikte gemäss Dossier 16 eine
Zusatzstrafe zur mit Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen vom 22. August 2017
ausgesprochenen Freiheitsstrafe auszufällen. In Anwendung des
Asperationsprinzips erweist sich für die neu zu beurteilenden Delikte sowie die
bereits mit diesem Urteil abgeurteilten Straftaten eine hypothetische Gesamtstrafe
von 43 Monaten Freiheitstrafe als angemessen. Davon sind die bereits mit Urteil
vom 22. August 2017 ausgesprochenen 42 Monaten Freiheitsstrafe abzuziehen.
Damit ist der Beschuldigte für die Delikte gemäss Dossier 16 mit einer
Freiheitsstrafe von einem Monat zu bestrafen. Dies als Zusatzstrafe zum Urteil
des Amtsgerichts Olten-Gösgen vom 22. August 2017.
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6. Einbruchdiebstähle nach dem 22. August 2017
6.1. Tatkomponente gewerbsmässiger Diebstahl
6.1.1. Vorab ist festzuhalten, dass die Gewerbsmässigkeit des Diebstahls nicht
angefochten wurde und damit im Berufungsverfahren nicht mehr Thema sein
kann. Die Argumentation der Verteidigung, in "Phase 1" könne eine
Gewerbsmässigkeit gemäss bundesgerichtlichen Vorgaben noch nicht als erfüllt
angesehen werden (Urk. 55 S. 7 ff.), ist damit nicht zu hören. Wie nachfolgend
aufzuzeigen ist, handelt es sich entgegen der Ansicht der Verteidigung auch in
einer Gesamtbetrachtung nicht um einen Grenzfall der Annahme einer
gewerbsmässigen Delinquenz (Urk. 55 S. 7).
6.1.2. Bei der objektiven Tatschwere des gewerbsmässigen Diebstahls ist
anzumerken, dass es im Zeitraum Mitte Januar bis Mitte Juni 2020, mithin
innerhalb von 5 Monaten, zu 14 Vorfällen gekommen ist, wobei die Deliktsserie
erst durch behördliche Intervention, namentlich durch die Verhaftung des
Beschuldigten, beendet wurde. Teilweise brach der Beschuldigte an einem
Wochenende oder innerhalb weniger Tage in mehrere Geschäftsliegenschaften
ein. Die Anzahl der Deliktsbegehungen zeugt von einer nicht unerheblichen
kriminellen Energie und Rücksichtslosigkeit gegenüber fremdem Eigentum.
Letztlich kam der Beschuldigte nur bei sechs Einbrüchen zum Ziel. Mit der
Vorinstanz ist nicht als erstellt zu erachten, dass in Dossier 3 Bargeld in der Höhe
von Fr. 50.– entwendet wurde (Urk. 43 S. 15 und 17). Demgegenüber ist bei
Dossier 12 – entgegen der Vor- instanz (Urk. 43 S. 15) – nicht von einem
versuchten Diebstahl auszugehen, zumal der Beschuldigte anerkannt hat, einen
Sack mit CBD-Hanf entwendet zu haben (Urk. 15/4 S. 4 f.). Dass dieser der
Geschädigten in der Folge retourniert werden konnte, ändert entgegen der
Verteidigung (Urk. 31 S. 7) nichts daran. Somit blieb es bei insgesamt acht Fällen
beim Versuch. Die versuchten Diebstähle gehen im gewerbsmässigen Delikt auf
und wirken sich nicht wesentlich strafmindernd aus, zumal die versuchte
Tatbegehung nicht auf eigenes Verhalten des Beschuldigen, sondern auf äussere
Einflüsse bzw. Zufall zurückzuführen war. Der Beschuldigte gab in Bezug auf
Dossier 14 an, er sei bei der Tatausführung gestört worden, weshalb er geflüchtet
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sei (Urk. 15/1 S. 2). In den übrigen Fällen fand er gemäss eigenen Angaben keine
Wertsachen vor bzw. flüchtete, als er eine Alarmanlage entdeckte (Urk. 15/4 S. 3
ff.; Urk. 15/6 S. 4; Urk. 15/8 S. 8). Unter diesen Umständen kann entgegen der
Ansicht der Verteidigung keine Rede davon sein, dass der Beschuldigte freiwillig
von seinem Vorhaben abgelassen hätte (Urk. 31 S. 11 und Urk. 55 S. 8). Gemäss
Aussagen des Beschuldigten war es sein vorrangiges Ziel, Bargeld zu erbeuten
(vgl. u.a. Urk. 15/5 S. 2 und 4; Urk. 15/6 S. 2 und 4; Urk. 15/7 S. 2 f.; Urk. 15/8
S. 3 und 4). Dass sich sein Fokus auf Bargeld und nicht auf sperrige
Gegenstände oder Wertsachen richtete, welche erst zu Geld gemacht werden
müssen, spricht für taktisches Verhalten. Entgegen der Verteidigung (Urk. 31
S. 11) ist deshalb nicht ersichtlich, inwiefern der Umstand, dass sich sein Wille
nicht auf "komplizierte Geräte" richtete, strafmindernd zu berücksichtigen wäre.
Die Vorinstanz ging von einem Deliktsbetrag von insgesamt Fr. 19'189.90 aus
(Urk. 43 S. 17), wobei dieser unter Einbezug des Diebstahls des CBD-Hanfs
gemäss Dossier 12 etwas höher liegt. Innerhalb des Tatbestands des
gewerbsmässigen Diebstahls handelt es sich um einen nicht sehr hohen
Deliktsbetrag. Die Vorinstanz hat jedoch zutreffend darauf hingewiesen, dass die
Höhe der Deliktssumme letztlich eine zufällige Komponente aufweist, da sie von
den für den Beschuldigten auffindbaren Wertgegenständen abhängig war (Urk. 43
S. 25). In der Regel dringt ein Einbrecher mit der Absicht in ein Objekt ein,
grösstmögliche Beute zu erzielen. Das Vorliegen einer nicht sehr hohen
Deliktssumme vermag die objektive Tatschwere somit nicht wesentlich zu
mindern. Zu berücksichtigen ist zudem, dass der Deliktsbetrag innert fünf
Monaten erhältlich gemacht werden konnte, was ein deliktisches Einkommen von
umgerechnet rund Fr. 3'800.– pro Monat ergibt. In Bezug auf die Art und Weise
des Tatvorgehens hat die Vorinstanz zutreffend festgehalten, dass der
Beschuldigte trotz eines gewissen spontanen und unorganisierten Elements nicht
einfach planlos irgendwelche Objekte zur Verübung der Einbruchdiebstähle
auswählte. Vielmehr ging er aufgrund seiner Erfahrung routiniert und planmässig
nach einem gefestigtem Muster vor, indem er gezielt in vermeintlich leerstehende,
ungeschützte Industrie- und Gewerbebauten in abgelegenen Teilorten oder
Ortsrandlagen eingebrochen ist. Es handelte sich dabei um Objekte, die
- 16 -
unbewacht und nicht alarmgesichert erschienen (Urk. 43 S. 26). Vor Vorinstanz
führte der Beschuldigte diesbezüglich aus, wenn er kein Geld mehr gehabt habe,
sei er spontan losgefahren. Er sei bevorzugt in ein Industriegebiet gefahren und
habe sein Auto parkiert. Dann sei er zu Fuss losgegangen, um ein Fenster oder
eine Türe aufzubrechen. Dabei habe er darauf geachtet, dass niemand da und
keine Alarmanlage vorhanden war (Urk. 35 S. 16; vgl. auch Urk. 15/1 S. 1 f.;
Urk. 15/3 S. 1 ff.). Der Vorinstanz ist darin zu folgen, dass die Tatausführung mit
einigem Aufwand und Tatkraft erfolgte, namentlich indem der Beschuldigte Türen
und Fenster aufwuchtete, Scheiben einschlug und Schlosszylinder abbrach
(Urk. 43 S. 26). Bei seinen Einbruchstouren führte der Beschuldigte einen
Rucksack voller Werkzeuge mit sich (Urk. 35 S. 16; vgl. auch Urk. 1 S. 3; Urk. 4
S. 4). Je nach Einbruchsobjekt und überwindbaren Hindernis brachte er
unterschiedliche Werkzeuge zum Einsatz (Urk. 15/1 S. 2 und 4; Urk. 15/3 S. 4 ff.),
worin seine Sachkunde und Erfahrung zum Ausdruck kommt. Weiter benutzte der
Beschuldigte Handschuhe, um keine Spuren zu hinterlassen (Urk. 15/3 S. 7). Mit
der Vorinstanz zeugt das Vorgehen des Beschuldigten damit von einer nicht
unerheblichen kriminellen Energie (Urk. 43 S. 26). Dies zeigt sich auch darin,
dass der Beschuldigte sein Vorhaben nach einem ersten erfolglosen Versuch
nicht aufgab, sondern hartnäckig blieb. Gelang es ihm nicht, eine Türe
aufzubrechen, versuchte er durch Einschlagen des Fensters in ein Gebäude zu
gelangen (vgl. dazu auch Urk. 15/1 S. 2; Urk. 15/8 S. 2). Insgesamt ist das
Tatverschulden im Rahmen des qualifizierten Diebstahls als noch leicht zu
bezeichnen. Die von der Vorinstanz festgesetzte Einsatzstrafe von 20 Monaten
erweist sich als angemessen.
6.1.3. Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz. Seinen Taten lagen
finanzielle und damit egoistische Motive zugrunde. In der ersten polizeilichen
Einvernahme kurz nach seiner Verhaftung gab der Beschuldigte an, dass seine
Lebensumstände finanziell und arbeitstechnisch chaotisch seien. Er habe
Betreibungen und Mietrückstände. Bis Ende 2019 sei er beim Sozialamt
angemeldet gewesen, danach habe er sich selbständig gemacht. Er habe 2 1⁄2
Monate arbeiten können, dann sei Corona gekommen. Beim Sozialamt sei
niemand erreichbar gewesen. Seine Rücklagen hätten nicht lange gereicht. Sein
- 17 -
Leben sei ihm entglitten und er sei von allen Seiten unter Druck gestanden
(Urk. 15/1 S. 4 f. und 7; vgl. dazu auch Urk. 15/2 S. 9; Urk. 15/10 S. 36 f.; Urk. 31
S. 11 f.; Urk. 35 S. 10). Dass sich der Beschuldigte im Deliktszeitpunkt in einer
schwierigen persönlichen und finanziellen Lage befunden hat, ist nicht in Frage zu
stellen. Von einer eigentlichen wirtschaftlichen Notlage im Sinne von Art. 18 Abs.
1 StGB und Art. 48 lit. a Ziff. 2 StGB kann entgegen der Argumentation der
Verteidigung (Urk. 55 S. 8 und S. 15) indes nicht ausgegangen werden. Es ist
nicht ersichtlich, inwiefern es dem Beschuldigten nicht möglich gewesen sein soll,
seinen Lebensunterhalt mit legalen Mitteln zu bestreiten. Dass er die mit
staatlicher Unterstützung verbundenen Mitwirkungspflichten anstrengend findet
(Urk. 15/10 S. 36 f.; Urk. 35 S. 9 f.), kann nachvollzogen werden, vermag ihn
jedoch nicht zu entlasten. Gemäss den Aussagen des Beschuldigten war er bis
Ende 2019 beim Sozialamt angemeldet (Prot. II S. 8). Die ersten Diebstähle
beging er bereits ab dem 10. Januar 2020. Vor diesem Hintergrund erscheint er
sich nicht wirklich darum bemüht zu haben, auf andere Weise als mit
Vermögensdelikten für seinen Lebensunterhalt aufzukommen. Die ersten fünf
Einbruchdiebstähle beging er zudem, bevor sich die Corona-Pandemie ab dem
16. März 2020 (1. Lockdown) auf das alltägliche Leben auszuwirken begann.
Zumindest insoweit erweist sich seine Berufung auf die schwierige
Lebenssituation infolge Corona als Schutzbehauptung. Soweit der Beschuldigte
vor Vorinstanz vorbringen liess, er habe an erheblichen gesundheitlichen
Problemen, unter anderem auch an Kniebeschwerden, gelitten und auch aus
diesem Grund nicht arbeiten können (Urk. 31 S. 12), ist anzumerken, dass ihn
dies zumindest nicht davon abhielt, die für die Einbruchdiebstähle erforderliche
körperliche Anstrengung zu leisten. Immerhin ist zu Gunsten des Beschuldigten
davon auszugehen, dass er mit seinen Einkünften aus den Diebstählen kaum ein
luxuriöses Leben führten konnte. Insgesamt ist die subjektive Tatkomponente
neutral zu gewichten. Es bleibt damit bei der Einsatzstrafe von 20 Monaten.
6.2. Tatkomponente mehrfache Sachbeschädigung
In Bezug auf die objektive Tatschwere ist zu bemerken, dass der Beschuldigte
sich nicht nur darauf beschränkte, den für den Zutritt zu den Liegenschaften
- 18 -
erforderlichen Sachschaden anzurichten, sondern teilweise auch im Innern der
Räumlichkeiten Schäden anrichtete. Dies und der Umstand, dass sich der
Beschuldigte den Zutritt in die Liegenschaften auf verschiedene Art und Weise zu
verschaffen suchte, wenn ihm dies auf Anhieb nicht gelang, offenbart eine
beträchtliche kriminelle Energie und erhebliche Rücksichtslosigkeit gegenüber
fremdem Eigentum. Dafür spricht mit der Vorinstanz auch das Mitführen von
Werkzeugen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein (Urk. 43 S. 28).
Entgegen der Argumentation der Verteidigung (Urk. 55 S. 10) stellt es keine
unzulässige Doppelverwertung dar, wenn die Vorinstanz die Vorgehensweise des
Beschuldigten bei den Sachbeschädigungen als professionell würdigt. Ein
professionelles Vorgehen bei den Sachbeschädigungen geht denn auch nicht im
Tatbestandsmerkmal der Gewerbsmässigkeit des Diebstahls auf. Insgesamt
betrug der verursachte Sachschaden rund Fr. 18'000.–, was fast den Wert der
gestohlenen Vermögenswerte erreicht und auch bei schweizerischen
Verhältnissen bestimmt nicht mehr als moderat (vgl. Urk. 55 S. 10 f.) bezeichnet
werden kann. In den Dossiers 1, 2, 4, 5 und 6 betrug der Sachschaden unter
Fr. 500.– und in den Dossiers 3, 7, 8, 9, 13 und 14 zwischen Fr. 600.– und
Fr. 1'800.– (in Dossier 9 ist gestützt auf die von der Privatklägerin eingereichte
Aufstellung von einem Sachschaden von Fr. 1'436.90 auszugehen; Urk. D9/11).
In Dossier 10/11 betrug der Sachschaden über Fr. 5'000.–. Das subjektive
Verschulden relativiert das objektive nicht. Der Beschuldigte handelte
direktvorsätzlich und egoistisch, wobei die Sachbeschädigungen für ihn
unverzichtbare Mittel zum Zwecke der Diebstähle waren. Isoliert betrachtet wäre
eine Einsatzstrafe von je ca. 10 Tagen Freiheitsstrafe für die Tatbegehung
gemäss den Dossiers 1, 2, 4, 5 und 6, eine solche von je ca. 15 Tagen
Freiheitsstrafe für diejenigen gemäss den Dossiers 3, 7, 8, 9, 13 und 14 und eine
solche von 20 Tagen Freiheitsstrafe für diejenige gemäss Dossier 10/11
angemessen. Sämtliche dieser Sachbeschädigungen stehen in sehr engem
örtlichen, zeitlichen und sachlichen Konnex zum gewerbsmässigen Diebstahl. Es
erscheint vor diesem Hintergrund in Anwendung des Asperationsprinzips
gerechtfertigt, die für den gewerbsmässigen Diebstahl festgesetzte Einsatzstrafe
im Ergebnis um moderate 3 Monate auf 23 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.
- 19 -
6.3. Tatkomponente mehrfacher Hausfriedensbruch
Was die objektive Tatschwere anbelangt, ist festzustellen, dass der Beschuldigte
die 14 Vorfälle auf identische Weise beging. Der Beschuldigte drang nachts in
Geschäftsliegenschaften ein und durchsuchte diese nach Wertgegenständen. Mit
diesem Vorgehen konnte der Beschuldigte das Risiko, auf Menschen zu treffen,
reduzieren, was für professionell handelnde, allein an Wertgegenständen
interessierte Einbrecher typisch ist. Gleichzeitig verhinderte der Beschuldigte
damit aber auch, dass die Privatsphäre und das Sicherheitsgefühl der
Geschädigten im gleichen Mass tangiert wurde, wie es bei einem Einbruch in eine
Wohnung der Fall gewesen wäre. Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten,
dass Bewohner nach einem Wohnungseinbruch regelmässig in ihrem
Sicherheitsgefühl beeinträchtigt sind, was sich bei Gewerbeobjekten in der Regel
mehr auf den Ärger über den Einbruch und die damit verbundenen
Unannehmlichkeiten beschränken dürfte (Urk. 43 S. 29). Gemäss den Angaben
des Beschuldigten sei er auch aus Respekt vor Privaträumen nie in solche
eingebrochen. Das sei eine Schwelle, die er nie habe überschreiten wollen.
Privatpersonen seien allenfalls nicht versichert und in einem Haus oder einer
Wohnung herrsche ein gewisse Privatsphäre, die er nicht habe überschreiten
wollen (Urk. 15/3 S. 2). Er habe niemanden treffen und niemandem Angst
machen wollen (Urk. 35 S. 16). Das subjektive Verschulden relativiert das
objektive nicht. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich und egoistisch, auch
wenn er die Delikte insofern nicht zum "Selbstzweck" beging, sondern weil die
Hausfriedensbrüche für ihn unverzichtbare Mittel zur Verübung der Diebstähle
waren. Angesichts des sehr leichten Tatverschuldens erweist sich für die
einzelnen Hausfriedensbrüche eine Einsatzstrafe von je 10 Tagen als
angemessen. Entgegen den Ausführungen der Verteidigung sind die
Hausfriedensbrüche nicht durch den qualifizierten Tatbestand der
Gewerbsmässigkeit abgedeckt (Urk. 55 S. 11). Der Tatbestand des
Hausfriedensbruchs schützt denn auch das Hausrecht, und damit ein anderes
Rechtsgut, als der Tatbestand des gewerbsmässigen Diebstahls, welcher das
Vermögen schützt. Da die Hausfriedensbrüche aber in sehr engem örtlichen,
zeitlichen und sachlichen Konnex zum gewerbsmässigen Diebstahl stehen, ist die
- 20 -
für den gewerbsmässigen Diebstahl und die Sachbeschädigung festgelegte
hypothetische Gesamtstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips wiederum
bloss moderat um 2 Monate auf 25 Monate zu erhöhen.
- 21 -
6.4. Täterkomponente
6.4.1. Aus den Akten und den Befragungen des Beschuldigten ergibt sich
Folgendes zu seinen persönlichen Verhältnissen: Der Beschuldigte ist im Jahr
1968 in J._ AG geboren und zusammen mit zwei Geschwistern in Koblenz
aufgewachsen. Im Jahr 1975 liessen sich seine Eltern scheiden. Vor Vorinstanz
gab der Beschuldigte an, dass er danach lieber bei seinem Vater gelebt hätte.
Das Gericht habe aber anders entschieden. Als der Beschuldigte 14 Jahre alt
war, kam er wegen familiärer und schulischer Probleme in ein Schulinternat im
Kanton Aargau, welches er bis Schulende besuchte. Die Zeit im Internat erlebte
er seinen Aussagen zufolge "ganz entspannt". Er habe gute Erinnerungen daran.
Nach der Schule schloss der Beschuldigte eine zweijährige Lehre als
Autoservicemann ab, wobei er nie auf diesem Beruf arbeitete, da der Beruf
unmittelbar nach seinem Abschluss abgeschafft worden sei und er keinen
Führerschein gehabt habe. Nach der Lehre absolvierte er die Rekrutenschule.
Gemäss Angaben des Beschuldigten habe danach seine deliktische Karriere
begonnen. Er habe nach der Rekrutenschule keine Arbeit und kein Zuhause
gehabt, und nicht gewusst, was er mit seinem Leben anfangen solle. Im
Strafvollzug begann der Beschuldigte eine Lehre als Koch, welche er nach
1 1⁄2 Jahren wieder abbrach. Anschliessend hielt er sich mit diversen
Gelegenheitsjobs über Wasser, wobei er während einiger Jahre auch ein
Restaurant führte. Weiter verdiente der Beschuldigte Geld mit Computern.
Diesbezüglich gab er an, er habe sich während vieler Jahre kontinuierlich Wissen
angeeignet, um defekte Computer reparieren zu können, wodurch er mit der Zeit
Kunden habe gewinnen können. Seit Anfang 2022 arbeitet der Beschuldigte in
einem Integrationsprojekt der Sozialhilfe. Da er gesundheitlich angeschlagen ist,
konnte er sein vertragliches Arbeitspensum von 100% seit März 2022 nicht mehr
erfüllen. Gemäss seinen Angaben vor Vorinstanz erhält er vom Sozialamt
Fr. 1'802.– pro Monat ausbezahlt. Davon müsse er die Miete bezahlen und den
Lebensunterhalt bestreiten. Die Krankenkasse werde vom Sozialamt bezahlt.
Zudem erhalte er vom Sozialamt für Integrationszulagen und ein Entgelt für
Spesen von insgesamt knapp Fr. 400.– pro Monat. Weitere Einnahmen hat der
Beschuldigte nicht. Aktuell gibt der Beschuldigte an, er habe eine neue Stelle als
- 22 -
Kameramann und in der Regie bei der Firma K._, ..., in Aussicht. Der
Stellenantritt hänge aber vom vorliegenden Strafverfahren ab. In den Jahren 2016
und 2019 erlitt der Beschuldigte einen Herzinfarkt und steht deshalb in ärztlicher
Behandlung. Im Sommer 2021 meldete sich der Beschuldigte bei der IV an. Das
Verfahren ist noch pendent. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 11. Dezember 2020 gab der Beschuldigte an, viele Schulden zu haben. Zu
deren Höhe könne er nichts genaueres sagen. Er müsse sich einmal mit der
Schuldenberatung der Gemeinde darum kümmern. Im Zeitpunkt der
vorinstanzlichen Verhandlung am 26. August 2021 war er dieses Thema seinen
Angaben zufolge noch nicht angegangen. Auch rund 8 Monate später gab der
Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung an, keinen Überblick über
seine Schulden zu haben. Der Beschuldigte ist nicht verheiratet und hat keine
Kinder (Urk. 15/2 S. 1 ff.; Urk. 15/10 S. 36 ff.; Urk. 35 S. 1 ff.; 33/1-3; Urk. 49/1-/2,
Prot. II S. 5 ff., Urk. 53/1-6 und Urk. 56 /7-10). Aus der Biographie und den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergeben sich keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren. Zwar liegen keine einfachen persönlichen
und wirtschaftlichen Lebensumstände vor, zumal der Beschuldigte beruflich nie
richtig Fuss fassen konnte. Der Vorinstanz ist indes darin zu folgen, dass diese
Situation nicht nur auf äussere Einflüsse zurückzuführen ist, sondern auch mit
dem Verhalten des Beschuldigten zu tun hat. Es kann diesbezüglich auf die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 43 S. 33 f.).
6.4.2. Der Beschuldigte ist bereits mehrfach einschlägig vorbestraft (Urk. 44).
Diesbezüglich kann auf obenstehende Erwägungen verwiesen werden
(Ziff. II.3.2.). Während die erste Verurteilung im Jahr 2010 erging und im
Tatzeitpunkt schon einige Jahre zurücklag, stammt die letzte Verurteilung vom
27. August 2019. Dass der Beschuldigte nur wenige Monate nach dieser
Verurteilung zur nächsten Einbruchsserie schritt, zeugt von erheblicher
Unbelehrbarkeit und Uneinsichtigkeit. Dies zeigt sich auch darin, dass ihn selbst
der Vollzug von mehrjährigen Freiheitsstrafen nicht von weiterer Delinquenz
abhalten konnte. Mit der Vorinstanz sind die einschlägigen Vorstrafen des
Beschuldigten erheblich straferhöhend zu berücksichtigen.
- 23 -
6.4.3. Die Vorinstanz hat in Bezug auf das Nachtatverhalten zutreffend
ausgeführt, dass sich der Beschuldigte von Anfang an geständig gezeigt hat
(Urk. 43 S. 35 f.). Zu berücksichtigen ist dabei, dass er beim letzten (versuchten)
Einbruchdiebstahl von einer Drittperson beobachtet wurde und anschliessend
verhaftet werden konnte (Urk. 1 S. 2 f.). Anlässlich der in der Folge
durchgeführten Hausdurchsuchung wurden diverse Gegenstände sichergestellt,
welche früheren Einbrüchen zugeordnet werden konnten. Am 29. Juni 2020
wurde nochmals eine Hausdurchsuchung durchgeführt, bei welcher weiteres
Deliktsgut sichergestellt wurde (Urk. 2 S. 3; Urk. 6/3 S. 5 ff.; Urk. 7/4; Urk. 7/8).
Der Beschuldigte war damit mit einer erdrückenden Beweislage konfrontiert. Dies
ändert jedoch nichts daran, dass sein Geständnis erheblich zur Vereinfachung
und Verkürzung des Strafverfahrens beitrug. Positiv zu vermerken ist zudem,
dass sich der Beschuldigte im Verfahren stets kooperativ verhielt, wobei er sich
mit seinen Aussagen teilweise auch selbst belastete. Dies etwa, indem er
Auskunft über das konkrete Vorgehen bei der Verübung der Einbruchsdiebstähle
bzw. über die Verwendung der einzelnen von ihm mitgeführten Werkzeuge gab.
Zudem hat der Beschuldigte auch einige von der Privatklägerschaft geltend
gemachten Zivilansprüche anerkannt. Vor Vorinstanz führte der Beschuldigte aus,
dass ihm leid tue, was er angerichtet habe und dass es so weit gekommen sei
(Prot. I S. 14). Vor dem Hintergrund einiger seiner Aussagen ist indes fraglich, ob
er hinsichtlich des Unrechts seines Taten tatsächlich einsichtig und reuig ist. Die
Verantwortung für seine Straffälligkeit scheint der Beschuldigte zumindest
teilweise dem aus seiner Sicht unkooperativen Verhalten der Sozialbehörden
zuzuschieben (vgl. dazu auch die Vorinstanz, Urk. 43 S. 35). So führte er
anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 11. Dezember 2020
aus, es sei "scheisse" gelaufen. Das Sozialamt habe wieder geklemmt. Sie hätten
immer wieder alles in die Länge gezogen, hätten ihn weggeschickt und diverse
Unterlagen von ihm verlangt (Urk. 15/10 S. 36). Insgesamt ist das
Nachtatverhalten im Umfang von 1/5 leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
6.4.4. Anhaltspunkte für eine erhöhte Strafempfindlichkeit sind mit der Vorinstanz
(Urk. 43 S. 36) nicht ersichtlich. Soweit die Verteidigung vor Vorinstanz geltend
machte, es sei strafreduzierend zu berücksichtigen, dass sich der Beschuldigte
- 24 -
vor einigen Jahren im Strafvollzug gemäss Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen
vom 22. August 2017 wohlverhalten habe (Urk. 31 S. 13), kann ihr nicht gefolgt
werden. Es ist nicht ersichtlich, welchen Zusammenhang die vorgebrachten
Umstände mit dem vorliegenden Verfahren haben. Abgesehen davon ist ein
korrektes Verhalten im Strafvollzug vorauszusetzen. Dieses wird einem
Beschuldigten in erster Linie bei der Frage nach der bedingten Entlassung aus
dem Strafvollzug zugutegehalten. Im Rahmen der Strafzumessung kann es
hingegen nicht als besondere Reue und Einsicht interpretiert und berücksichtigt
werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_27/2020 vom 20. April 2020 E. 3.3.2 mit
Hinweisen).
6.5. Fazit
In Würdigung sämtlicher Strafzumessungsgründe erweist sich für die
Einbruchdiebstähle im Jahr 2020 eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten als
angemessen.
7. Gesamtfazit
Nach Massgabe der vorstehenden Erwägungen zur bundesgerichtlichen
Rechtsprechung sind die vorstehend genannten 30 Monate Freiheitsstrafe und
die Zusatzstrafe von 1 Monat Freiheitsstrafe zum Urteil des Amtsgerichts Olten-
Gösgen vom 22. August 2017 zu addieren (vgl. vorne Ziff. II.4.). Damit würde eine
Strafe von 31 Monaten als teilweise Zusatzstrafe zum erwähnten Urteil
resultieren. Unter Berücksichtigung sämtlicher strafzumessungsrelevanter
Faktoren erweist die von der Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von 30
Monaten in ihrer Höhe deshalb als angemessen. Eine Erhöhung des Strafmasses
kommt bereits aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht in Frage. Es bleibt
damit bei der vorinstanzlichen Freiheitsstrafe von 30 Monaten, wobei diese als
teilweise Zusatzstrafe zum Urteil vom 22. August 2017 auszusprechen ist. Der
Anrechnung der erstandenen Haft von 2 Tagen an die Strafe steht nichts
entgegen (Art. 51 StGB).
- 25 -
8. Vollzug
8.1. Bei einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten sind die objektiven
Voraussetzungen für die Gewährung des teilbedingten Vollzugs erfüllt (Art. 43
Abs. 1 StGB). In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte
mit Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen vom 22. August 2017 zu einer
Freiheitsstrafe von 42 Monaten verurteilt wurde (Urk. 44). Der Aufschub der
Freiheitsstrafe ist daher nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände
vorliegen (Art. 42 Abs. 2 SGB).
8.2. Wie bereits erwähnt, ist der Beschuldigte mehrfach einschlägig vorbestraft
(Urk. 44). Er weist bereits drei Verurteilungen wegen Einbruchdiebstählen auf,
wobei er stets mit unbedingten Freiheitsstrafen bestraft wurde. In den Jahren
2010 und 2017 wurden Freiheitsstrafen von 4 1⁄2 bzw. 3 1⁄2 Jahren gegen ihn
ausgesprochen. Der Beschuldigte hat sich weder durch die bisherigen
strafrechtlichen Verurteilungen noch durch die mehrjährigen Freiheitsentzüge
beeindrucken lassen, sondern jeweils innert kürzester Zeit wieder in gleicher Art
und Weise delinquiert. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See-Oberland
vom 27. August 2019 abgeurteilten Delikte beging er lediglich wenige Monate
nach der Entlassung aus dem Vollzug der Freiheitsstrafe gemäss Urteil des
Amtsgerichts
Olten-Gösgen vom 22. August 2017, welche Ende November 2018 erfolgte. Die
vorliegend zu beurteilenden Straftaten beging der Beschuldigte nur wenige
Monate, nachdem er mit dem erwähnten Strafbefehl vom 27. August 2019 zu
einer unbedingten Freiheitsstrafe von 6 Monaten verurteilt wurde. Vor diesem
Hintergrund ist nicht ersichtlich, wie die Verteidigung geltend machen kann, der
Beschuldigte habe sich nach dem Strafvollzug bis zur heute abzuurteilenden
Deliktsserie einwandfrei verhalten (Urk. 31 S. 15). Das Verhalten des
Beschuldigten zeugt von erheblicher Unbelehrbarkeit und Uneinsichtigkeit.
Negativ zu werten ist auch, dass der Beschuldigte im Verfahren nur bedingt
Verantwortung für seine Delinquenz übernommen hat (Ziff. II.6.4.3.). Auch um
seine Schulden hat er sich bisher nicht gekümmert. Aktuell erhält der
Beschuldigte Leistungen vom Sozialamt und arbeitet in einem Integrationsprojekt
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der Sozialhilfe, wobei er aufgrund seiner gesundheitlichen Situation viele Fehltage
hat. Im Sommer 2021 erfolgte aufgrund gesundheitlicher Probleme eine
Anmeldung bei der IV. Der IV-Entscheid ist noch ausstehend. Insofern scheint
sich seine Situation zumindest in finanzieller Hinsicht verbessert zu haben, was
positiv zu vermerken ist. Allein deshalb kann jedoch nicht von einer längerfristigen
Stabilisierung seiner Lebensverhältnisse und besonders günstigen Umständen
ausgegangen werden, zumal der Beschuldigte bereits früher staatliche
Unterstützungsleistungen bezog, ohne dass ihn dies längerfristig von weiterer
Delinquenz abgehalten hätte. Auch dass der Beschuldigte gemäss eigenen
Angaben eine neue Stelle als Kameramann bzw. Regisseur in Aussicht haben
soll, vermag an dieser Einschätzung nicht zu ändern. Mit der Vorinstanz ist die
Freiheitsstrafe deshalb zu vollziehen.
III. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt
im Berufungsverfahren mit seinen Anträgen vollumfänglich, weshalb ihm die Ko-
sten des Berufungsverfahrens, exklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung,
aufzuerlegen sind. Aufgrund der dargelegten misslichen finanziellen Situation des
Beschuldigten, die sich in absehbarer Zeit nicht entscheidend verbessern dürfte,
sind ihm die Kosten jedoch zu erlassen (Art. 425 StPO). Die Kosten der amtlichen
Verteidigung sind definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Vor dem Hintergrund, dass die Berufung des Beschuldigten auf die
Strafzumessung beschränkt war, erscheint es angemessen, die amtliche
Verteidigung des Beschuldigten für das Berufungsverfahren mit pauschal
Fr. 10'000.– inklusive Mehrwertsteuer zu entschädigen (§ 18 Abs. 1 AnwGebV in
Verbindung mit § 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV).
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