Decision ID: 5d1f4863-ca6d-5913-9650-b7d466f9d6ab
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Gemperli, advokatur am brühl,
Scheffelstrasse 2, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
Der 1949 geborene M._ meldete sich am 17. Oktober 2005 zum Bezug von IV-
Leistungen an. Er gab u.a. an, er habe 1976 einen dreiwöchigen Kurs als Kranführer
absolviert. Von 1980 bis Ende August 2005 sei er bei derselben Unternehmung als
Kranführer tätig gewesen. Die Bauunternehmung A._ AG teilte der IV-Stelle am
24. November 2005 mit, sie habe den Versicherten als Kranführer beschäftigt. Im Jahr
2005 habe der Monatslohn Fr. 5185.- betragen. Der letzte effektive Arbeitstag sei der
20. Oktober 2004 gewesen. Im Jahr 2002 habe der Versicherte Fr. 63'634.- verdient, im
Jahr 2003 Fr. 63'416.-. Gemäss dem Kündigungsschreiben vom 20. Oktober 2004
hatten mangelnder Einsatzwille und ungenügende Leistung Anlass zur Auflösung des
Arbeitsverhältnisses gegeben. Die SUVA St. Gallen übermittelte der IV-Stelle am 15.
Dezember 2005 ihre Akten. Diesen war zu entnehmen, dass sich der Versicherte am
10. Mai 2004 bei einem Unfall auf der Baustelle ein Thoraxtrauma links mit Frakturen
der 5., 8. und 9. Rippe mit leichter Dislokation der 5. Rippe, mit Pleuraverletzung und
Lungenkontusion links erlitten hatte. Die Neurologin Dr. med. B._ hatte der SUVA am
8. Juni 2005 berichtet, der Versicherte leide an Augenbrennen, an Nacken- und
Stirnkopfschmerzen, an Schlafstörungen und an einem vordergründig erheblichen,
reaktiv auf die Kündigung nach 24 Jahren aufgetretenen depressiven Zustandsbild bei
St. n. Arbeitsunfall. Klinisch-neurologisch sei der Befund unauffällig. Im Vordergrund
stehe eine erhebliche reaktiv-depressive Symptomatik mit somatoformer
Schmerzstörung und Schlafstörungen. Der Versicherte fühle sich durch die Kündigung
zutiefst verletzt. Dr. med. B._ hatte abschliessend eine stationäre Rehabilitation in
einer psychosomatisch orientierten Einrichtung empfohlen. Mit einer Verfügung vom 7.
Dezember 2005 hatte die SUVA ihre Leistungspflicht verneint.
B.
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Dr. med. C._ berichtete der IV-Stelle am 13. Februar 2006, der Versicherte leide an
einem chronischen degenerativen HWS-Syndrom mit Osteochondrose und
Spondylarthrose C6/7 mit intermittierender Vertigo, Cephalea und pseudoradikulärer
Symptomatik, an einer somatoformen Schmerzstörung und an einem depressiven
Syndrom. Der Versicherte sei aufgrund der mittelschweren bis schweren Depression
mit somatoformer Chronifizierung und Schmerzverarbeitungsstörung für jede Art von
Erwerbstätigkeit zu 100% arbeitsunfähig. Die psychiatrischen Dienste D._
berichteten am 28. Februar 2006, seit Mai 2004 lägen eine Anpassungsstörung mit
längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F 43.21) und eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F 45.4) vor. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte seit
September 2005 bis auf weiteres zu 100% arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand
des Versicherten sei stationär und könne durch medizinische Massnahmen nicht
verbessert werden. Es sei keine ergänzende medizinische Abklärung nötig. Der
Versicherte berichte über multiple Schmerzen (Kopfschmerzen, Schmerzen in Nacken
und Schulter und im Brustbereich links) und über Schlafstörungen. Er werde in seiner
Landessprache integrativ psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelt. Zusätzlich
erfolge eine medikamentöse antidepressive Therapie (Kombination von Efexor und
Remeron). Dem Versicherten fehle die Fähigkeit, seine Handlungen und die
Schmerzproblematik zu hinterfragen. Das Krankheitskonzept sei simpel: Für jedes
Symptom müsse es ein "Gegenmittel" geben. Da sich das Zustandsbild chronifiziert
habe, sei die Prognose schlecht. Der zuständige Arzt des RAD Ostschweiz hielt dazu
am 21. April 2006 fest, die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100% halte einer
versicherungsmedizinischen Evaluierung nicht eindeutig stand. Eine polydisziplinäre
Begutachtung sei notwendig, um die attestierte Arbeitsunfähigkeit zu überprüfen und
invaliditätsfremde Faktoren aus der Bewertung herauslösen zu können.
C.
C.a Die IV-Stelle beauftragte das ABI Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH in Basel
(ABI) mit einer polydisziplinären Abklärung. Das ABI berichtete in seinem Gutachten
vom 13. November 2006, die internistische Abklärung habe einen konstant erhöhten
Blutzuckerspiegel bei beginnendem Diabetes mellitus und deutlichem Übergewicht
ergeben. Ausserdem müsse aufgrund des gemessenen Serumspiegels davon
ausgegangen werden, dass der Versicherte entgegen seinen auf Nachfrage bestätigen
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Aussagen die verordneten Antidepressiva Efexor und Remeron nicht ordnungsgemäss
einnehme. Die psychiatrische Abklärung habe ergeben, dass der Versicherte überzeugt
sei, aufgrund seiner körperlichen Beschwerden nicht mehr arbeiten zu können.
Tatsächlich hätten die Beschwerden aber nicht objektiviert werden können, weshalb
eine psychische Überlagerung anzunehmen sei. Da der Versicherte zu Beginn der
psychischen Überlagerung nicht unter schweren psychosozialen oder emotionalen
Belastungsfaktoren gelitten habe, könne die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung nicht gestellt werden. Es handle sich vielmehr um eine
Schmerzverarbeitungsstörung. Möglicherweise habe der Versicherte die Überzeugung,
in seinem Leben genug gearbeitet zu haben. Ausserdem habe er die Vorstellung, erst
ganz gesund sein zu müssen, um wieder arbeiten zu können. Neben der
Schmerzverarbeitungsstörung könne eine leichte depressive Episode diagnostiziert
werden. Die Stimmung sei leicht herabgesetzt, der Versicherte leide unter dem Verlust
seiner Arbeit und der damit verbundenen sozialen Kontakte. Er fühle sich wertlos, weil
er nicht mehr arbeite. Die Beziehung zur Ehefrau, zu den Kindern und zu den Enkeln sei
aber nach wie vor gut. Der Versicherte gehe regelmässig spazieren, lese und
beschäftige sich mit seinem Aquarium. Mit Hilfe einer halben Tablette Remeron könne
er gut schlafen. Bei der psychiatrischen Untersuchung hätten nur leichte depressive
Verstimmungen festgestellt werden können. Die Psychosomatik und die affektive
Modulationsfähigkeit seien nicht eingeschränkt gewesen. Aus psychiatrischer Sicht
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 20%. Diese sei durch die leichte depressive
Störung bedingt. Die Schmerzverarbeitungsstörung habe keinen Krankheitswert und
schränke die Arbeitsfähigkeit nicht ein. Es gebe keine Hinweise auf unbewusste
Konflikte. Ein primärer Krankheitsgewinn sei nicht gegeben. Es sei dem Versicherten
zumutbar, trotz der geklagten Beschwerden ganztags einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen, wobei die Leistungsfähigkeit um 20% reduziert sei. Würden die
Antidepressiva regelmässig eingenommen, liesse sich diese Arbeitsunfähigkeit noch
verringern. Die von den psychiatrischen Diensten D._ diagnostizierte
Anpassungsstörung sei eine leichte depressive Reaktion. Dies decke sich weitgehend
mit der Diagnose einer leichten depressiven Störung. Die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung könne nicht gestellt werden, weil keine schweren
psychosozialen oder emotionalen Belastungsfaktoren vorhanden gewesen seien. Die
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ausgeprägte subjektive Krankheits- und Behinderungsüberzeugung genüge nicht, um
eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20% zu begründen.
C.b Bei der orthopädischen Abklärung sei festgestellt worden, dass das Gangbild auf
der Treppe und auf ebenem Terrain mitsamt den geprüften Gangvarianten unauffällig
gewesen sei. Mit Ausnahme einer leichten Hyperkyphose der BWS habe im
thorakolumbalen Bereich eine freie und schmerzlose Beweglichkeit bestanden. Die gut
entwickelte paravertebrale Muskulatur sei nicht verspannt gewesen. Im HWS-Bereich
habe sich eine leichte Verlangsamung des Bewegungsablaufs gezeigt, aber die
Rotation sei in beiden Richtungen endgradig ohne Schmerzangabe möglich gewesen.
Im Liegen hätten sich keine tastbaren Verspannungen der Nackenmuskulatur gezeigt
und es seien auch keine Druckdolenzen angegeben worden. Bei der Untersuchung der
Extremitäten seien sämtliche Gelenke bei guter Kraftentfaltung frei und schmerzlos
beweglich gewesen. Beide Handflächen seien deutlich beschwielt gewesen. Der
Versicherte habe angegeben, er arbeite immer wieder in seinem Garten. Auf
neurologischer Ebene habe es keine Hinweise für eine Pathologie des peripheren
Nervensystems gegeben. Die geklagten Schwindelbeschwerden dürften moderat sein,
da der Versicherte sich das Velofahren zutraue. Die erheblichen degenerativen
Veränderungen der HWS vor allem im Segment C6/7 seien die Ursache der
Nackenbeschwerden. Sie führten bei körperlich hohen Belastungen zu Schmerzen. Für
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne Zwangshaltung des Kopfes und
ohne repetitive Überkopfbewegungen beider Arme bestehe eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Bei derartigen Tätigkeiten hätten die objektivierbaren Befunde keine
wesentliche Schmerzprovokation zur Folge. Im übrigen nehme der Versicherte auch
gar keine Analgetika ein. Die Gesamtdiagnose lautete: chronisches zervikozephales
Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik (fortgeschrittene degenerative
Veränderungen vor allem im Segment C6/7), leichte depressive Episode (ICD-10 F 32)
und - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - St. n. Rippenfrakturen ventral links,
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F 59), beginnendes metabolisches Syndrom
und Medikamenten-Malcompliance. Die Gutachter bezifferten die Arbeitsunfähigkeit für
leichte bis mittelschwere adaptierte Tätigkeiten mit 20% (ganztägige Präsenz bei um
20% reduzierter Leistung). Das Gutachten trug die Unterschrift der drei Gutachter.
D.
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Die IV-Stelle ging von einem Valideneinkommen von Fr. 68'079.- und einem
zumutbaren Invalideneinkommen von Fr. 46'656.- aus, was einem Invaliditätsgrad von
32% entsprach. Mit einem Vorbescheid vom 13. Dezember 2006 teilte sie dem
Versicherten mit, dass sie beabsichtige, sein Rentengesuch abzuweisen. Der
Versicherte wandte am 29. Januar 2007 sinngemäss ein, das Gutachten des ABI sei
nicht verwertbar, da Dr. med. E._ als Gutachter nicht tragbar sei und da die Namen
der Gutachter nicht vorweg bekannt gegeben worden seien. Da die Rippenfrakturen
am 20. September 2004 noch nicht ausgeheilt gewesen seien, könne entgegen den
Angaben im Gutachten des ABI nicht ab September 2004 eine Arbeitsfähigkeit von
80% vorgelegen haben. Dies zeige die Unsorgfalt, mit der die Gutachter die Aktenlage
erfasst hätten. Die Behauptung des psychiatrischen Gutachters, zu Beginn der
psychischen Überlagerung hätten keine schweren psychosozialen oder emotionalen
Belastungsfaktoren vorgelegen, sei angesichts der Kündigung des Arbeitsverhältnisses
nach 24 Jahren und der Tatsache, dass eine fehlerhafte Arbeitsfähigkeitsschätzung die
Kündigung bewirkt habe, nicht haltbar. Wenn der psychiatrische Gutachter hier einen
Fehler gemacht habe, dann könnten auch seine anderen Feststellungen und
Schlussfolgerungen nicht als schlüssig betrachtet werden. Vor der Abklärung durch
das ABI habe er, der Versicherte, sich in Bosnien aufgehalten. Dort habe er die beiden
Antidepressiva nicht bei sich gehabt und deshalb ein anderes Mittel eingenommen.
Aus diesem Grund habe die Messung des Serumspiegels keine entsprechenden Stoffe
aufgezeigt. Der zuständige Arzt des RAD Ostschweiz hielt dazu am 26. Februar 2007
fest, die Arbeitsfähigkeitsschätzung des Kreisarztes der SUVA habe sich nicht auf eine
leichte bis mittelschwere, adaptierte Tätigkeit, sondern auf eine Tätigkeit auf dem Bau
bezogen. Die Bewertung der Schwere der psychosozialen Belastung durch den
psychiatrischen Gutachter des ABI sei nachvollziehbar. Mit einer Verfügung vom 1.
März 2007 wies die IV-Stelle das Rentengesuch des Versicherten ab.
E.
Der Versicherte erhob am 18. April 2007 Beschwerde gegen diese Verfügung. Er
beantragte die Zusprache der gesetzlichen Leistungen und die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Letzteres wurde am 30. Mai 2007 bewilligt. Zur
Begründung seines Hauptantrages verwies der Versicherten auf den gegen Dr. med.
E._ erhobenen Vorwurf, er habe Einzelgutachten abgeändert. Weiter führte der
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Versicherte aus, sein Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden, denn die
Zusammensetzung des Gutachterteams sei ihm nicht vorgängig mitgeteilt worden. Ein
weiterer Mangel des Gutachtens bestehe in der Art, wie die Ergebnisse des
gutachterlichen Aktenstudiums präsentiert worden seien. Es sei nicht nachvollziehbar,
welche Angaben tatsächlich von ihm gemacht worden seien und welche aus den Akten
stammten. Die Art und Weise der Präsentation lasse auf eine unsorgfältige Erfassung
der Aktenlage schliessen. Der behandelnde Arzt Dr. med. F._ habe zwar für die Zeit
ab dem 20. September 2004 eine volle Arbeitsfähigkeit angegeben. Tatsächlich habe
aber wegen der noch nicht geheilten und konsolidierten Rippenfrakturen keine
Arbeitsfähigkeit auf dem Bau bestanden, wie der Kreisarzt der SUVA am 20.
September 2004 klargestellt habe. Wegen dieser falschen Arbeitsfähigkeitsschätzung
habe die Arbeitgeberfirma immer wieder widersprüchliche Signale erhalten. Am 19.
Oktober 2004 sei es zu einem Disput auf der Baustelle gekommen. Der zuständige
Mitarbeiter der Arbeitgeberfirma habe sich darüber geärgert, dass die Arbeit auf dem
Bau verweigert worden sei. Tags darauf sei die Kündigung erfolgt und mit fehlendem
Einsatzwillen und mangelnder Leistung begründet worden. Wegen der erzwungenen
verfrühten Arbeitsaufnahme habe er, der Versicherte, wochenlang unter starkem Druck
gelebt. Mit der Kündigung sei für ihn eine Welt zusammengebrochen, denn im Jahr
2009 wäre er regulär pensioniert worden. Der psychiatrische Gutachter des ABI habe
diese Umstände nicht gekannt und nicht gewusst, wie schwer er, der Versicherte, sich
mit dieser Zäsur getan habe. Damit habe der Gutachter diesen offensichtlich
wesentlichen Sachverhaltspunkt völlig verkannt, so dass seine Beurteilung nicht ernst
genommen werden könne. Die Tatsache, dass der Kreisarzt der SUVA damals
angegeben habe, die gebrochenen Rippen seien noch nicht verheilt, hätte den
Gutachtern des ABI bekannt sein müssen. Sie hätten aber ab September 2004 eine
Arbeitsfähigkeit von 80% angegeben. Ein Gutachten, das derartige Fehler aufweise, sei
nicht verlässlich. Abschliessend wies der Versicherte darauf hin, dass er die
Antidepressiva nur deshalb nicht regelrecht eingenommen habe, weil er während des
Aufenthalts in Bosnien auf ein anderes Mittel habe ausweichen müssen. Die
verschriebenen beiden Mittel seien dort nämlich nicht erhältlich gewesen seien. Der
Beschwerde lag u.a. eine Stellungnahme der psychiatrischen Dienste D._ vom
24. Januar 2007 bei. Laut dieser Stellungnahme war es trotz einer antidepressiven
Medikation mit begleitenden Gesprächstherapien zu keiner nennenswerten
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Veränderung des Zustandsbildes gekommen. Aufgrund der Schwere dieses
Zustandsbildes seien eine Chronifizierung und ein Dauerschaden zu erwarten, so dass
kaum mehr mit einer Wiederaufnahme der Arbeit in der freien Wirtschaft zu rechnen
sei.
F.
Die IV-Stelle beantragte am 25. Mai 2007 die Abweisung der Beschwerde. Sie wies
darauf hin, dass eine somatoforme Schmerzstörung nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung vermutungsweise nicht zu einer dauernden Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit führe. Selbst wenn im Gutachten diese Diagnose angegeben worden
wäre, hätte sie also keine Relevanz. Da Efexor und Referon zwei bis vier Stunden nach
der Einnahme die höchste Plasmakonzentration erreichten und die Laboruntersuchung
erst am zweiten Aufenthaltstag erfolgt sei, könne das Ausweichen auf ein anderes
Medikament während des Aufenthalts in Bosnien nicht die Ursache des tiefen
Plasmaspiegels gewesen sein. Im übrigen habe der Versicherte angegeben, er nehme
die Medikamente ordnungsgemäss ein. Da das Gutachten von den drei beteiligten
Sachverständigen unterzeichnet worden sei, könne die vom Versicherten befürchtete
Manipulation ausgeschlossen werden. Das Gutachten des ABI erfülle die an ein
Gutachten zu stellenden Anforderungen. Deshalb sei auf es abzustellen. Damit stehe
fest, dass der Versicherte in einer körperlich leichten bis mittelschweren, adaptierten
Tätigkeit zu 80% arbeitsfähig sei. Ausgehend von einem Durchschnittslohn von Fr.
57'258.- (2004) resultiere ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 45'800.-. Ein
sogenannter "Leidensabzug" sei nicht zu berücksichtigen. Bei einem
Valideneinkommen von Fr. 66'365.- (2004) betrage die Erwerbseinbusse Fr. 20'559.-,
was einen Invaliditätsgrad von 31% ergebe.
G.
In seiner Replik vom 10. September 2007 wandte der Versicherte ein, die IV-Stelle
mache es sich sehr einfach, wenn sie die durch die Fehlleistungen von Dr. med. F._
eingeleitete Leidensgeschichte mit Schweigen übergehe. Sie stelle sich in die lange
Reihe derer, die ihn nicht ernst nähmen. Wenn Dr. med. E._ die erforderliche
Unabhängigkeit fehle, so könne dieser Mangel nicht durch die Mitunterzeichnung
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seitens der anderen beiden Gutachter geheilt werden. Dem Gutachten des ABI sei
vorzuwerfen, dass die Aktenlage unsorgfältig erfasst worden sei und dass im
Anschluss daran Fehlbeurteilungen erfolgt seien. Deshalb sei auf die Einschätzung
durch die psychiatrischen Dienste D._ abzustellen. Es lägen eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung und eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver
Reaktion vor. Die erhebliche Komorbidität bewirke, dass er die Gesundheitsstörung
nicht durch eine zumutbare Willensanstrengung überwinden könne. Aus den tiefen
Spiegelwerten dürfe nicht der Schluss gezogen werden, dass keine nennenswerte
Depression vorliege. Der Grund für diese Werte könnte auch darin bestanden haben,
dass er am Eintrittstag in seiner Aufregung die Einnahme vergessen habe. Im übrigen
sei bekannt, dass nicht selten sogar schwer depressive Personen ihre Medikamente
nicht gewissenhaft einnähmen. Kombiniert mit der unsorgfältig erfassten Aktenlage und
den daraus resultierenden Fehleinschätzungen könne keine verlässliche gutachterliche
Beurteilung erfolgt sein. Im übrigen hätte wegen seines Alters, der Dauer seiner
Betriebszugehörigkeit und seiner Nationalität ein "Leidensabzug" berücksichtigt
werden müssen.
H.
Die IV-Stelle verzichtete am 18. September 2007 auf eine weitere Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss
Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen,
das eine versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung allfälliger notwendiger und zumutbarer Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Grundlage der Bemessung des
zumutbaren Invalideneinkommens - und damit in der Regel ausschlaggebendes
Element der Invaliditätsbemessung - ist die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung. Da
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das Gutachten vom 13. November 2006 von allen an der Abklärung beteiligten
medizinischen Sachverständigen mitunterzeichnet worden ist, hat zum vornherein
keine Möglichkeit bestanden, das Ergebnis einer Teilbegutachtung zu manipulieren. Im
übrigen können die Vorgänge rund um den - inzwischen widerlegten - Vorwurf
gegenüber Dr. med. E._, er manipuliere ABI-Gutachten, nicht Anlass bilden, alle
Gutachten dieser MEDAS pauschal als unglaubwürdig zu qualifizieren. Das ABI ist wie
jede andere MEDAS geeignet, die ihm gestellten Gutachterfragen objektiv zu
beantworten (vgl. etwa die Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 4. Juli 2007, IV 2007/11, vom 20. Dez. 2007, IV 2007/373, und vom 15. Jan. 2008,
IV 2007/128). Dafür, dass Dr. med. E._ gegenüber dem Beschwerdeführer
voreingenommen gewesen wäre, fehlt jeder Hinweis. Der Vorwurf der
Voreingenommenheit ist deshalb genauso unbegründet wie der Vorwurf, die
Sachverständigen des ABI hätten die Akten nicht korrekt gewürdigt. Die Art und Weise
der Präsentation ist zweckmässig gewesen und es ist - entgegen der Meinung des
Beschwerdeführers - immer klargemacht worden, ob die wiedergegebenen
Informationen den Akten oder persönlichen Angaben anlässlich der Untersuchungen
entstammten. Die Tatsache, dass sich die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Sachverständigen des ABI auf eine Zeit bezieht, in welcher der Beschwerdeführer noch
akut an den Folgen der Rippenbrüche gelitten hat, ist kein Indiz für eine unsorgfältige
Begutachtung, denn der Kreisarzt der SUVA hat die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers anhand der Arbeit als Kranführer beurteilt. Die Sachverständigen
des ABI hingegen haben sich auf eine adaptierte Tätigkeit bezogen, an der die Folgen
der Rippenbrüche für die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers weit geringer
gewesen wären. Den Akten lässt sich nicht entnehmen, dass dem Beschwerdeführer in
Anwendung von Art. 44 ATSG vorgängig die Namen der Sachverständigen des ABI
bekannt gegeben worden wären. Der Vorwurf der diesbezüglichen Verletzung des
rechtlichen Gehörs ist von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten worden. Es ist
deshalb davon auszugehen, dass dieser Vorwurf zutrifft. Allerdings führt dies nicht zu
einer Aufhebung der angefochtenen Verfügung, denn der Beschwerdeführer hätte
allfällige Ausstands- und Ablehnungsgründe direkt gegenüber den Sachverständigen
geltend machen können und müssen. Er hat dies unterlassen, womit er praxisgemäss
stillschweigend in die Abklärung durch die Sachverständigen des ABI eingewilligt hat.
Dies schliesst die Möglichkeit aus, sich nachträglich erfolgreich auf eine Verletzung des
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rechtlichen Gehörs gemäss Art. 44 ATSG berufen zu können (vgl. das Urteil des
Bundesgerichts vom 31. August 2007, U 145/06, Erw. 6.2).
2.
Eine ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung weist nicht nur eine "quantitative", i.d.R. in
der Form eines Prozentsatzes ausgedrückte, sondern auch eine "qualitative"
Komponente auf. Letztere besteht in der Umschreibung jener Bedingungen, die eine
Erwerbstätigkeit erfüllen muss, damit sich die Gesundheitsbeeinträchtigung bei ihrer
Ausübung nicht
oder in einem möglichst geringen Ausmass nachteilig auf die Leistungsfähigkeit der
invaliden Person auswirkt. Diejenige Erwerbstätigkeit, welche diese Bedingungen am
besten erfüllt, wird in der Verwaltungspraxis als "adaptiert" bezeichnet. Laut den
Angaben im Gutachten des ABI resultiert die qualitative Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit nur aus der somatischen Gesundheitsbeeinträchtigung. Eine allfällige
quantitative Einschränkung hingegen wäre ausschliesslich auf die psychische
Beeinträchtigung zurückzuführen. Die umfassende klinische Untersuchung durch den
orthopädischen Gutachter hat ein eindeutiges Ergebnis geliefert: Das Gangbild war in
jeder Hinsicht unauffällig, die Wirbelsäule war weitgehend frei und vor allem
schmerzlos beweglich, die Nacken- und Rückenmuskulatur war nicht verspannt und
die unteren Extremitäten konnten ebenfalls frei und ohne Schmerzangaben bei guter
Kraftentfaltung bewegt werden. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der
Beschwerdeführer "die Zähne zusammengebissen hätte", um ja keinen Schmerz und
keine Bewegungseinschränkung zu zeigen. Bestätigt wird die Objektivität des
Untersuchungsergebnisses nicht nur dadurch, dass keine Muskelverspannungen
festzustellen waren, sondern vor allem auch durch den Umstand, dass der
Beschwerdeführer keine Einschränkung im Alltag angegeben hat. Gemäss seinen
glaubhaften Angaben geht der Beschwerdeführer nämlich regelmässig spazieren, er
fährt Velo und er arbeitet in seinem Garten mit so grossem Einsatz seiner Hände, dass
diese eine deutliche Beschwielung aufweisen. Ausserdem nimmt der
Beschwerdeführer keine Analgetika ein. Trotz der radiologisch nachgewiesenen
erheblichen degenerativen Wirbelsäulenveränderungen liegen also keine
Einschränkungen vor, die für eine adaptierte Erwerbstätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit
bewirken würden. Durch den orthopädischen Teil des Gutachtens des ABI ist demnach
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mit dem erforderlichen Beweisgrad erstellt, dass eine erhebliche Diskrepanz zwischen
den anamnestischen Schmerzangaben und den klinischen Befunden besteht. Daraus
folgt, dass sich die Überzeugung des Beschwerdeführers, für sämtliche
Erwerbstätigkeiten vollständig arbeitsunfähig zu sein, nicht mit den somatischen
Einschränkungen begründen lässt. Es liegt eine subjektive Krankheits- bzw.
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung vor, die nachweislich nicht mit der Realität einer
vollumfänglich erhaltenen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit
übereinstimmt.
3.
3.1 Zu prüfen bleibt, ob die - objektiv falsche - Überzeugung, aufgrund einer
somatischen Gesundheitsbeeinträchtigung arbeitsunfähig zu sein, durch eine
zumutbare Willensanstrengung überwunden werden kann oder ob eine
Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit eine solche Willensanstrengung
verhindert, denn nur eine Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit, die eine
zumutbare Willensanstrengung zur Überwindung der subjektiven
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung verhinderte, würde die subjektive
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung zu einer objektiven Arbeitsunfähigkeit machen. Die
sozialpsychiatrischen Dienste D._ haben am 28. Februar 2006 die Diagnose einer
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion und einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung angegeben. Sie sind von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. Am 24. Januar 2007 haben sie diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung bestätigt. Der psychiatrische Sachverständige des ABI hat
darauf hingewiesen, dass zwei Jahre nach dem auslösenden Ereignis nicht mehr von
einer Anpassungsstörung gesprochen werden könne. Unter einer Anpassungsstörung
verstehe man eine leichte depressive Reaktion, die sich weitgehend mit der Diagnose
einer leichten depressiven Störung decke. Zu der von den psychiatrischen Diensten
D._ gestellten Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung hat der
psychiatrische Sachverständige des ABI ausgeführt, es fehlten die schweren
psychosozialen oder emotionalen Belastungsfaktoren als Auslöser der
Gesundheitsbeeinträchtigung. Deshalb liege nur eine einfache
Schmerzverarbeitungsstörung vor. Dem hat der Beschwerdeführer entgegen gehalten,
es seien doch schwere Belastungsfaktoren vorhanden gewesen, denn es sei ihm
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aufgrund eines falschen Arztzeugnisses und deshalb völlig zu Unrecht gekündigt
worden. Er habe die Umstände, die zum Stellenverlust geführt hätten, als schwere
Belastung wahrgenommen. Eine ungerechtfertigte Kündigung in einer akuten
Krankheitsphase, die anschliessende Arbeitslosigkeit und deren soziale Folgen könnten
im Extremfall vielleicht als schwerwiegende Belastungssituation qualifiziert werden. Bei
objektiver Würdigung trifft dies auf die Situation des Beschwerdeführers aber nicht zu.
Aufgrund der bleibenden somatischen Restbeschwerden handelte es sich bei der
Arbeit als Kranführer im Baugewerbe nicht um eine adaptierte, d.h. zumutbare
Erwerbstätigkeit. Der Beschwerdeführer hätte seine Arbeitsstelle also auf jeden Fall
aufgeben müssen, auch wenn der behandelnde Arzt nicht verfrüht eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit angegeben hätte. Der Arbeitgeber hätte keine
adaptierte, gleichwertige Arbeitsstelle anbieten können. Hinzu kommt, dass die
verfrühte Angabe einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Intervention
des Beschwerdeführers, wenn nötig beim Kreisarzt der SUVA, korrigiert worden wäre.
Offenbar empfand es der Beschwerdeführer damals nicht als notwendig, sich intensiv
um eine Korrektur zu bemühen. Unter diesen Umständen kann nicht von einer für den
Beschwerdeführer schweren Belastungssituation ausgegangen werden. Die
Einschätzung der Belastungsfaktoren als leicht durch den psychiatrischen
Sachverständigen des ABI erweist sich als überzeugend. Es ist mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer an einer
leichten depressiven Störung und an einer einfachen Schmerzverarbeitungsstörung
leidet.
3.2 Die grosse Differenz zwischen der Arbeitsfähigkeitsschätzung der psychiatrischen
Dienste D._ (0%) und derjenigen des psychiatrischen Sachverständigen des ABI
(80%) findet ihre Erklärung einerseits in einem unterschiedlichen Verständnis des
Kriteriums der zumutbaren Willensanstrengung zur Überwindung der subjektiven
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung und andererseits darin, dass die psychiatrischen
Dienste D._ den Fall des Beschwerdeführers mit den Augen des Therapeuten
betrachtet, d.h. eine den Beschwerdeführer möglichst schonende Einschätzung
abgegeben haben. Der psychiatrische Sachverständige des ABI hingegen hat an den
Beschwerdeführer jenes hohe Mass an Willensanstrengung zur Überwindung der
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung angelegt, das IV-rechtlich als zumutbar zu betrachten
ist, weil die Ausrichtung einer sehr aufwendigen Leistungen, nämlich einer
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Invalidenrente, in Erfüllung der IV-spezifischen Schadenminderungspflicht zu
verhindern ist. Aus therapeutischer Sicht dürfte sich die zumutbare Willensanstrengung
zur Überwindung der subjektiven Krankheitsüberzeugung darauf beschränken, sich
ernsthaft einer Behandlung zu unterziehen. Ein Therapeut hat in der Regel keine
Veranlassung, von seinem Patienten eine besondere Willensanstrengung zur
Überwindung der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung zu verlangen. Insbesondere bei
psychischen Krankheiten bestehen deshalb häufig besonders grosse Differenzen
zwischen den Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Ärzte und denjenigen
der mit der Begutachtung beauftragten medizinischen Sachverständigen. Deshalb ist
den Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Ärzte gewöhnlich ein deutlich
geringerer Beweiswert beizumessen als denjenigen der Sachverständigen.
Ausnahmsweise kann allerdings auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung eines
behandelnden Arztes aufgrund einer objektiven, am IV-spezifischen Mass der
Zumutbarkeit einer Willensanstrengung zur Überwindung der
Arbeitsunfähigkeitsschätzung orientierten Beurteilung eine hohe Beweiskraft entfalten.
Im vorliegenden Fall fehlt allerdings jedes Indiz dafür, dass sich die psychiatrischen
Dienste D._ bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung aus ihrer Therapeutenrolle hätten
lösen können. Ausserdem ist dem Erfahrungssatz Rechnung zu tragen, dass
behandelnde Ärzte dazu neigen, eine lange und erfolglose Behandlung als
massgebendes Kriterium zu betrachten und aus diesem Grund die subjektive
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung ihrer Patienten als objektiv berechtigt zu qualifizieren.
Auch deshalb erweist sich die Arbeitsfähigkeitsschätzung der psychiatrischen Dienste
D._ als deutlich weniger überzeugend als diejenige des psychiatrischen
Sachverständigen des ABI.
3.3 Bevor zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen des ABI abgestellt
werden kann, ist zu prüfen, ob eine Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit von 80% mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist.
Die bundesgerichtliche Rechtsprechung geht von der Erfahrungstatsache aus, dass
eine somatoforme Schmerzstörung kaum je eine lang dauernde Arbeitsunfähigkeit
bewirkt (vgl. etwa BGE 130 V 354). Dahinter steht die Erkenntnis, dass es den
erkrankten Personen in aller Regel zumutbar ist, durch eine zumutbare
Willensanstrengung die subjektive Krankheits- und Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung zu
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überwinden. Dies muss auch für leichte depressive Störungen und für einfache
Schmerzverarbeitungsstörungen gelten, denn diese weisen definitionsgemäss einen
geringeren Schweregrad als eine somatoforme Schmerzstörung auf. Eine Ausnahme
soll erfahrungsgemäss dann anzunehmen sein, wenn neben der somatoformen
Schmerzstörung eine weitere Krankheit besteht, die eine erhebliche Schwere,
Intensität, Ausprägung und Dauer aufweist, so dass eine Willensanstrengung zur
Überwindung der aus der Kombination beider Krankheiten resultierenden
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung nicht zumutbar oder gar nicht möglich ist (vgl. etwa
BGE 130 V 354 f.). Im Fall des Beschwerdeführers sind zwar zwei verschiedene
psychiatrische Diagnosen gestellt worden, aber von einer im obgenannten Sinn
erheblichen Komorbidität kann nicht ausgegangen werden, denn es handelt sich um
ein zusammengehörendes Krankheitsgeschehen. Die aus diesem Krankheitsgeschehen
entwickelte Überzeugung des Beschwerdeführers, in jeder Art von Erwerbstätigkeit
vollständig arbeitsunfähig zu sein, könnte deshalb durch eine zumutbare
Willensanstrengung zumindest im Ausmass von 80% überwunden werden. Das
Krankheitsgeschehen insgesamt weist nämlich keine besondere Ausprägung, Schwere,
Intensität und Dauer auf. Der psychiatrische Sachverständige des ABI hat nur eine
Arbeitsfähigkeit von 80% angegeben. Er ist davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer auch bei Aufwendung der zumutbaren Willenskraft nicht in der Lage
sei, seine Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung vollständig zu überwinden. Ob diese
Einschätzung angesichts der leichten Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit
richtig ist oder ob die Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung bei einer zumutbaren
Willensanstrengung vollumfänglich zu überwinden wäre, kann offen bleiben. Wie unten
zu zeigen sein wird, resultiert nämlich auch bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 20%
kein Invaliditätsgrad von mindestens 40%. Die Frage, ob der Beschwerdeführer die ihm
verschriebenen Antidepressiva im massgebenden Zeitraum korrekt eingenommen hat
oder nicht, ist für die Invaliditätsbemessung irrelevant, denn der psychiatrische
Sachverständige des ABI hat lediglich die Vermutung geäussert, damit liesse sich die
Arbeitsunfähigkeit allenfalls auf unter 20% senken. Es ist also mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit zu mindestens 80% arbeitsfähig ist.
4.
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Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bis zu seiner Pensionierung als
Kranführer tätig gewesen wäre, wenn er den Unfall nicht erlitten hätte. Seine
(hypothetische) Validenkarriere ist deshalb diejenige eines Kranführers. Da sich der
Unfall im Mai 2004 ereignet hat, bestünde ein allfälliger Rentenanspruch ab Mai 2005.
Massgebend sind deshalb die Löhne im Jahr 2005. Zur Bemessung des
Valideneinkommens kann auf den bei der A._ AG erzielbaren Lohn abgestellt werden.
Die A._ AG hat für das Jahr 2005 einen Jahreslohn von Fr. 67'405.- angegeben. Der
Beschwerdeführer ist nach der Kündigung durch die A._ AG keiner Erwerbstätigkeit
mehr nachgegangen. Sein zumutbares Invalideneinkommen ist deshalb praxisgemäss
anhand statistischer Durchschnittseinkommen zu ermitteln. Massgebend ist das
Durchschnittseinkommen männlicher Hilfsarbeiter, da der Beschwerdeführer keinen
Beruf erlernt hat. Gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen
Lohnstrukturerhebung 2004, Resultate auf nationaler Ebene, Anhang Tabelle TA1,
belief sich das Durchschnittseinkommen aller Branchen auf Fr. 4588.-, umgerechnet
von 40 auf den schweizerischen Durchschnitt von 41,6 Wochenarbeitsstunden auf Fr.
4772.- bzw. Fr. 57'264.-. Da praktisch alle Branchen Arbeitsplätze aufweisen, an denen
der Beschwerdeführer seine verbliebene Arbeitsfähigkeit in behinderungsadaptierter
Weise verwerten könnte, besteht keine Veranlassung, statt auf das
Durchschnittseinkommen aller Branchen auf jenes einer bestimmten Branche oder
auch nur eines bestimmten (privaten) Sektors abzustellen. Entsprechend dem
Arbeitsfähigkeits- bzw. Beschäftigungsgrad von 80% entspräche der obgenannte
Betrag einem Jahreseinkommen von Fr. 45'811.-. Allerdings erleiden männliche
Arbeitnehmer mit einem in diesem Umfang reduzierten Beschäftigungsgrad einen
überproportionalen Lohnnachteil von ca. 7% (vgl. die bereits erwähnte
Lohnstrukturerhebung 2004, S. 25 Tabelle T6*). Da der Beschwerdeführer zudem
insbesondere aufgrund seines Dienstaltersnachteils an einer (fiktiven) adaptierten
Arbeitsstelle einen Konkurrenznachteil gegenüber den anderen Mitarbeitern an
identischen Arbeitsplätzen erleiden würde, den er durch einen Minderlohn ausgleichen
müsste, rechtfertigt es sich, das Jahreseinkommen von Fr. 45'811.- um insgesamt
10% auf Fr. 41'230.- zu reduzieren. Der Nominallohnentwicklung angepasst (vgl. die
vom Bundesamt für Statistik herausgegebene Lohnentwicklung 2006, Tabelle T1.1.93)
beläuft sich das zumutbare Invalideneinkommen 2005 somit auf Fr. 41'597.-. Die
behinderungsbedingte Erwerbseinbusse von Fr. 25'808.- entspricht einem
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Invaliditätsgrad von 38%. Bei einer Arbeitsfähigkeit von mehr als 80% würde ein
entsprechend tieferer Invaliditätsgrad resultieren. Die Beschwerdegegnerin hat also zu
Recht einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint.
5.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Bei diesem
Ausgang des Verfahrens trägt grundsätzlich die unterliegende Partei die
Verfahrenskosten. Diese betragen zwischen Fr. 200.- und Fr. 1000.-. Bemessen
werden sie nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser rechtfertigt im
vorliegenden Fall eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-. Da dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden ist, ist ihm diese Gerichtsgebühr zwar
aufzuerlegen, aber er wird von der Bezahlung befreit. Der Beschwerdeführer ist jedoch
zur Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet, wenn seine wirtschaftlichen
Verhältnisse dies später gestatten sollten. Dasselbe gilt für die als Folge der
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung vom Staat zu übernehmenden
Parteikosten. Diese bemessen sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung dieser
Kriterien rechtfertigt es sich, die Parteikosten grundsätzlich auf Fr. 3500.- festzusetzen.
Die Entschädigung dieser Parteikosten beläuft sich gemäss Art. 31 Abs. 3 des st.
gallischen Anwaltsgesetzes auf 80%. Der Staat hat deshalb den Rechtsbeistand des
Beschwerdeführers mit Fr. 2800.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG