Decision ID: b7c8ca4a-cee0-4932-b6f0-c482f4b5575b
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1970, war
vor Eintritt der Arbeitslosigkeit
seit
1.
Juni 2014 als AOI Spezialist bei der
Y._
GmbH in einem
100%-Pen
sum angestellt
; ab 30. Januar 2019 war er infolge Krankheit an der Arbeits
leistung verhindert
(vgl. Arbeitgeberbescheinigung, Urk. 7/6). Vom 24. Juli bis 17.
Oktober 2019 wurde er in Untersuchungshaft genommen (
vgl.
Urk. 7/
10/4
, Urk. 7/A
). Mit Schrei
ben vom 13. März 2020 wurde das Arbeitsverhältnis
nach Ablauf der ge
setz
lichen Sperrfrist und unter Einhaltung der vertraglichen Kündi
gungs
frist von drei Monaten per 30. Juni 2020 gekündigt (Urk. 7/6
; letzter ge
leistete Arbeitstag: 29. Januar 2019
). Am 4. Januar 2021 meldete sich der Ver
si
cherte beim regionalen Arbeit
svermittlungszentrum (RAV) Z._
zur Arbeitsver
mittlung (Urk. 7/1) und stellte am 8. Januar 2021 einen Antrag auf Ar
beits
lo
senent
schädi
gung ab dem 1. Januar 2021 (Urk. 7/4).
Am 17. März 2021 verfügte die
Unia
Arbeitslosenkasse, dass der Versicherte wäh
rend der Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 1. Januar 2021 bis
31. De
zember 2022 einen Höchstanspruch von 260 Taggeldern habe (Urk.
7
/D).
Die vom Versicherten dagegen am 22. März 2021 erhobene Einsprache (Urk.
7
/F) wies die
Unia
Arbeitslosenkasse - nach Sistierung des
Einspracheverfahrens
bis zur rechts
kräftigen Erledigung des Strafverfahrens (vgl. Urk. 7/H) - mit Entscheid vom 8. Oktober 2021 ab (Urk. 7/N = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 12. Oktober 2021 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die massgebende Beitragszeit mehr als 18 Monate betrage und entsprechend die Beschwerdegegnerin zu verpflichten
sei
, die Anzahl der Taggelder entsprechend den massgebenden Bestimmungen zu erhöhen (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 11. November 2021 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6; unter Beilage der Akten [Urk. 7/1-16+A-Q]), was dem Beschwer
deführer am 16. November 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit er
for
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung besteht, wenn die Voraussetzungen gemäss Art. 8 Abs. 1
lit
. a bis g des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeits
losen
versicherung und
die
Insolvenzentschädigung (AVIG) gegeben sind. Zu diesen Voraussetzungen gehört gemäss Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG auch, dass die ver
sicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitrags
zeit befreit ist (Art. 13 und Art. 14 AVIG).
1.2
Nach Art. 9 Abs. 1
AVIG
gelten - soweit das Gesetz nichts
anderes
vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit zweijährige Rahmenfristen. Die Rah
menfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 9 Abs. 2 AVIG), und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Art. 9 Abs. 3 AVIG).
Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG).
In Art. 13 Abs. 2 AVIG sind ausserdem diejenigen Zeiten aufgelistet, die den Zeiten einer beitragspflichtigen Beschäfti
gung, obwohl eine solche nicht ausgeübt wird, gleichgestellt sind. Dazu gehören unter anderem die Zeiten, in denen die versi
cherte Person zwar in einem Ar
beitsverhältnis steht, aber wegen Krankheit
(Art. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicher
ungsrechts [ATSG]) oder Unfalls (Art. 4 ATSG) keinen Lohn erhält und daher keine Beiträge bezahlt (Art. 13 Abs. 2
lit
. c AVIG).
Der Anrechnungstatbestand gemäss Art. 13
Abs
. 2
lit
.
c AVIG
kommt dann in Betracht, wenn die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers aufgehört hat (vgl. Art. 324a des Obligationenrechts [OR]) oder an deren Stelle Taggelder der Kranken- oder Unfall
versicherung fliessen (Art. 324b OR
;
Nussbaumer, Arbeitslosenver
sicherung, in: Schweizerisches Bundesverwal
tungsrecht [SBVR], 3. Auflage, Basel 2015, S. 2331
Rz
. 222; vgl. auch
Urteil
des
Sozialversicherungsgericht
s
des Kantons Zürich AL.2015.00253 vom 20. September 2016
E. 6.6).
1.3
Von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind gemäss Art. 14 Abs. 1 AVIG Per
sonen, die innerhalb der Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und die Bei
tragszeit nicht erfüllen konnten wegen:
a.
einer Schulausbildung, einer Umschulung, einer Aus- und Weiterbildung, sofern sie während mindestens zehn Jahren in der Schweiz Wohnsitz hatten;
b.
Krankheit (Art. 3 ATSG), Unfall (Art. 4 ATSG) oder Mutterschaft (Art. 5 ATSG), sofern sie während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz hatten;
c.
eines Aufenthaltes in einer schweizerischen Haft- oder Arbeitserziehungs
anstalt oder in einer ähnlichen schweizerischen Einrichtung.
Nach dem klaren Wortlaut von Art. 14 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person durch einen der in dieser Bestimmung genannten Gründe an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung gehindert worden sein. Zwischen dem Befrei
ungsgrund und der Nichterfüllung der Beitragszeit muss ein Kausalzusammen
hang bestehen. Dabei muss das Hindernis während mehr als zwölf Monaten bestanden haben. Da eine Teilzeitbeschäftigung mit Bezug auf die Erfüllung der Beitragszeit einer Vollzeitbeschäftigung gleichgestellt ist (Art. 11 Abs. 4 Satz 1 AVIV), liegt die erforderliche Kausalität zudem nur vor, wenn es der versicherten Person aus einem der in Art. 14 Abs. 1
lit
. a bis c AVIG genannten Gründe auch nicht möglich und zumutbar war, ein Teilzeitarbeitsverhältnis einzugehen (BGE 139 V 37 E. 5.1 mit Hinweisen).
Die Befreiungstatbestände von Art. 14 Abs. 1 AVIG sind im Verhältnis zur Bei
tragszeit subsidiär. Sie gelangen daher nur
zur Anwendung, wenn die in Art.
13 Abs. 1 AVIG verlangte Erfüllung der Mindestbeitr
agszeit aus den in Art. 14 Abs.
1 AVIG genannten Gründen nicht möglich ist (BGE 141 V 674 E. 2.1). Eine Kumu
lation von Beitragszeiten nach Art. 13 AVIG und beitragsbefreiten Zeiten (Art. 14 Abs. 1 AVIG) ist ausgeschlossen; dies ergibt sich schon aufgrund der ein
deutigen Formulierung in Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG, wonach alternativ voraus
gesetzt wird, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt oder von der Er
füllung der Beitragszeit befreit ist (BGE 141 V 674 E. 4.3.1).
1.4
Gemäss Art. 11 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) zählt als Beitragsmonat jeder volle Kalen
der
monat, in dem die versicherte Person beitragspflichtig ist (Abs. 1). Bei
tragszeiten, die nicht einen vollen Kalendermonat umfassen, werden zusammen
gezählt. Je 30 Kalendertage gelten als Beitragsmonat (Abs. 2). Die den Beitrags
zeiten gleichgesetzten Zeiten (Art. 13 Abs. 2 AVIG) und Zeiten, für die die ver
si
cherte Person einen Ferienlohn bezogen hat, zählen in gleicher Weise (Abs. 3). Die Beitragszeit von Teilzeitbeschäftigten wird nach den gleichen Regeln ermittelt wie bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Vollzeitbeschäftigung. Übt die versicherte Person gleichzeitig mehrere Teilzeitbeschäftigungen aus, so wird die Beitragszeit nur einmal gezählt (Abs. 4).
Für die Bestimmung des Beitragsmonats im Hinblick auf die Ermittlung der Bei
trags
zeit kommt es auf die formale Dauer des Arbeitsverhältnisses an. Dies be
deutet, dass jeder Monat als voller Kalendermonat angerechnet wird, in welchem die versicherte Person aufgrund eines während des ganzen Monats dauernden Arbeitsverhältnisses eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Ausser Betracht fallen jene Kalendermonate innerhalb des Arbeitsverhältnisses, in denen die versicherte Person an gar keinem Tag gearbeitet hat (BGE 130 V 492 E. 2).
Massgebend ist, wann eine versicherte Person im Verlaufe der zweijährigen Rah
men
frist für die Beitragszeit in einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen stand. Innerhalb der rechtlichen Dauer dieser Arbeitsverhältnisse ist von den Werktagen auszugehen, unabhängig davon, ob und wie viel die versicherte Person an ihnen tatsächlich gearbeitet hat; die Zahl dieser Werktage ist mit dem Faktor 1.4 in Kalendertage umzuwandeln. Solchermassen ermittelte Kalendertage entsprechen einem vollen Beitragsmonat, wenn sie die Zahl 30 erreichen (vgl. Art. 11 Abs. 2 AVIV; BGE 122 V 249
E. 2.c
,
122 V
256).
1.5
Die Arbeitslosenentschädigung wird als Taggeld ausgerichtet. Für eine Woche werden fünf Taggelder ausbezahlt (Art. 21 AVIG).
Innerhalb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug (Art. 9 Abs. 2
AVIG
) bestimmt sich die Höchstzahl der Taggelder nach dem Alter der Versicherten sowie nach der Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3; Art. 27 Abs. 1 AVIG). Gemäss Art. 27 Abs. 2 AVIG hat die versicherte Person innerhalb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug Anspruch auf: (a) höchstens 260 Taggelder, wenn sie eine Beitragszeit von ins
gesamt 12 Monaten nachweisen kann; (b) höchstens 400 Taggelder, wenn sie eine Beitragszeit von insgesamt 18 Monaten nachweisen kann; (c) höchstens 520 Tag
gelder, wenn sie eine Beitragszeit von mindestens 24 Monaten nachweisen kann und: 1. das 55. Altersjahr zurückgelegt hat, oder 2. eine Invalidenrente bezieht, die einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent entspricht. Der Bundesrat kann für Versicherte, die innerhalb der letzten vier Jahre vor Erreichen des AHV-Rentenalters arbeitslos geworden sind und deren Vermittlung allgemein oder aus Gründen des Arbeitsmarktes unmöglich oder stark erschwert ist, den Anspruch um höchstens 120 Taggelder erhöhen und die Rahmenfrist für den Leistungs
bezug um längstens zwei Jahre verlängern (Abs. 3). Anspruch auf höchstens 90 Taggelder haben Personen, die von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind (Abs. 4). Anspruch auf höchstens 200 Taggelder haben sodann Per
so
nen bis zum zurückgelegten 25. Altersjahr ohne Unterhaltspflichten gegen
über Kindern (Abs.
5
bis
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
den angefochtenen Entscheid damit, dass der Beschwerdeführer in der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2020 eine Beitragszeit von insgesamt 15.26
0
Monaten nach
weisen könne und damit Anspruch auf höchstens 260 Taggelder habe.
Für die Dauer der Untersuchungshaft vom 24. Juli
bis
16. Oktober 2019 verneinte sie die Anerkennung der Beitragszeit und setzte den Höchstanspruch gemäss Art. 27 Abs. 2
lit
. a AVIG auf 260 Taggelder fest
(Urk. 2)
.
Die Nicht-Anerkennung der Zeitperiode vom 24. Juli bis 16. Oktober 2019 als der Beitragszeit gleichgestellte Zeit begründete sie namentlich unter Hinweis auf die Stellungnahme des Krankentaggeldversicherers vom 30. Juli 2021
(vgl. Urk. 7/K). Darin habe dieser die Leistungspflicht für die krankheitsbedingte Arbeitsunfähig
keit vor und nach der Untersuchungshaft bejaht, für die Dauer der Untersu
chungshaft indessen gestützt auf Art. 4 Ziff. 2
lit
. c der Allgemeinen Bedingun
gen (AB) Leistungen ausgeschlossen. Da weder die Arbeitgeberin eine Lohnfort
zahlung oder einen Lohnersatz
geleistet noch der Krankentaggeldversicherer während der Untersuchungshaft Taggeldleistungen erbracht habe, unterscheide sich der vorliegende Sachverhalt wesentlich von den durch Art. 13 Abs. 2
lit
. c AVIG geregelten Fällen, zumal eine Untersuchungshaft darin nicht aufgeführt werde.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in
seiner Beschwerde vom 1
2. Oktober 2021 (Urk. 1) zusammengefasst geltend, aus dem psychiatrischen Gutachten vom 12. Dezem
ber 2019 gehe hervor, dass er schuldunfähig sei. Damit seien die Voraussetzungen von Art. 13 Abs. 2
lit
. c AVIG, nämlich der Bestand eines Ar
beits
verhältnisses sowie das Vorliegen eines relevanten krankhaften Zustandes erfüllt und die Dauer der Untersuchungshaft sei bei der Berechnung der Bezugs
dauer zu berücksichtigen, wodurch sich eine Beitragszeit von mehr als 18 Mona
ten ergebe und der Beschwerdeführer Anspruch auf 400 Taggelder habe.
3.
3.1
Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer in der massgebenden Rahmenfrist für die Beitragszeit eine Beitragszeit von mindestens 18 Monaten nachweisen kann und damit nicht nur Anspruch auf die von der Beschwerdegegnerin zuerkannten 260 (Art. 27 Abs. 2
lit
. a AVIG), sondern auf 400 Taggelder (Art. 27 Abs. 2
lit
. b AVIG) hat.
Dabei ist unbestritten und kann aufgrund der Akten als erstellt gelten, dass das
Arbeitsverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und der
Y._
GmbH formal vom 1. Juni 2014 bis 30. Juni 2020 gedauert
hat
(Urk. 7/6)
und der
Beschwerdeführer ab 30. Januar 2019 bis zum Ende der Rahmenfrist für die Bei
tragszeit am 31. Dezember 2020 arbeitsunfähig war.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Zeitperiode vom 24. Juli
bis
17. Oktober 2019
, in welcher der Beschwerdeführer sowohl krankheitsbedingt arbeitsunfähig als auch in Untersuchungshaft war,
zu Recht nicht als Beitragszeit angerechnet hat.
3.2
Gemäss Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin
hatte
der Beschwerdeführer zwi
sc
hen 24. Juli und 17. Oktober 2019
«Private Absenz unbezahlt»
(Urk. 7/
10/4
). Aus den Akten geht her
vor, dass der Beschwerdeführer
- nachdem er
bereits vom 4. Februar bis 21. März 2019 in einer psychiatrischen Klinik hospitalisiert
(für
sorgerische Unterbringung, vgl. Art.
426 des schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB]
)
gewesen war (Urk. 3 S. 36) - am 3. Juli 2019 aufgrund Fremdgefährdung in die psychi
atrische Klinik A._
eingewiesen und am 24. Juli 2019 aus der Klinik in die Untersuchungshaft überführt wurde (vgl. Urk. 3 S. 7 ff.
;
Urk. 7/
A
).
Während der Untersuchungshaft wurde der Beschwerdeführer begutachtet (vgl. Urk. 3 S. 3)
. Gemäss dem forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 12. Dezember 2019 litt und leidet der Beschwerdeführer weiterhin an einer anhaltenden wahnhaften Störung (ICD-10 F22.0) und an einer rezidivierenden mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F33.1)
;
die Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht der ihm vorgeworfenen Taten sei im Deliktszeitpunkt
(am 3. Juli 2019) aufgehoben gewesen (Urk. 3 S. 49).
Mit Urteil vom 20. November 2020
erkannte die Einzelrichterin des Bezirksgerichts
Meilen
, dass der Beschwerde
führer den Tatbestand der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 des
schweizerischen
Strafgesetzbuches
(StGB)
in objektiver Hinsicht erfüllt habe; der Beschuldigte sei diesbezüglich zufolge Schuldunfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB nicht strafbar (Urk. 7/J).
Das psychische Leiden des Beschwerdeführers hat somit nicht nur zu einer lang
dauernden Arbeitsunfähigkeit
geführt, sondern war auch Ursache für die Unter
suchungshaft.
Die (unverschuldete) Arbeitsverhinderung wurde primär durch die psychische Störung und nicht durch die Untersuchungshaft verursacht.
Daher
wird in der fraglichen Zeit die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nicht durch die Untersuchungshaft derogiert.
Da die Arbeitgeberin in dieser Zeit keine Lohn
fortzahlung
mehr leistete - wozu sie nach Art. 324a OR auch nicht mehr ver
pflichtet war -, ist die Zeitperiode vom 24. Juli
bis
17. Oktober 2019 gemäss Art. 13 Abs. 2
lit
. c AVIG anzurechnen.
Dass
der
Krankentaggeldversicherer gestützt auf die Ausschlussklausel von Art. 4 Ziff. 2
lit
. c der Allgemeinen Bedin
gungen, wonach
während der Dauer der Untersuchungshaft auch dann kein Anspruch auf Taggeld besteht, wenn die Arbeitsunfähigkeit vorher eingetreten ist
und während der Dauer der Untersuchungshaft
weiterhin besteht,
die Leistungen verweigerte
(
Urk. 7/K;
vgl. zur Zulässigkeit einer solchen Klausel Urteil des Bun
desgerichts 4A_232/2019 vom 18. November 2019)
, ändert - entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
-
nichts
.
Art. 13 Abs. 2
lit
. c AVIG setzt nicht voraus, dass Krankentaggelder ausgerichtet werden (vgl. E. 1.2).
3.3
Demnach kann der Beschwerdeführer in der massgebenden Rahmenfrist für die Beitragszeit eine Beitragszeit vom 1. Januar 2019 bis zum
30. Juni 2020 und somit 18 Monate nachweisen, weshalb er Anspruch auf höchstens 400 Taggelder hat (Art. 27 Abs. 2
lit
. b AVIG). Die Beschwerde ist daher gutzuheissen.
4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat
der vertretene Beschwerdeführer
gestützt auf Art. 61
lit
. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversi
cherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit §
34 Abs.
1 und
Abs.
3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
(
GSVGer
)
Anspruch auf eine Prozessentschä
digung, die unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf Fr. 1‘
3
00.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwert
steuer
) festzusetzen ist
.