Decision ID: 218bd52b-7383-58b4-b1a2-d87f2f56f00e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1962 geborene
X._
, bis 3
0.
April 2009 als Kassiererin im
Y._
ange
stellt, meldete sich mit Formular vom 2
5.
Februar 2009 zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/5, 7/12/4). Am 2
9.
April 2009 unterzog sie sich der operativen Sanierung einer Diskushernie L5/S1 (
Urk.
7/14/1) und im Januar 2010 einer
Spondylodese
im selben Segment mit Revision derselben im Dezember 2010 (vgl.
Urk.
7/37/9). Es folgte ein stationärer Aufenthalt in der
Z._,
A._
, vom
5.
Mai bis
2.
Juni 2010 (vgl.
Urk.
7/44/2). Darauf veranlasste die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, eine interdisziplinäre Begutachtung (Allgemeine Medizin/Rheumatologie/Neurologie/Psychiatrie) der Versicherten im
B._ (
Gutachten vom 1
7.
Mai 2011,
Urk.
7/58). Mit Verfügungen vom
8.
November und 1
4.
Dezember 2011 sprach sie der Versicherten rückwirkend ab
1.
Februar 2010 eine halbe Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 52 % zu
(
Urk.
7/72
,
Urk.
7/74
-75
).
Anlässlich
einer
2014 durchgeführten
Rentenr
evision wurde ihr mitgeteilt, man habe bei der Überprüfung des Invaliditätsgrades keine Änderung festgestellt, die sich auf die Rente auswirke. Infolge dessen sei,
ausgehend von
einem Invaliditätsgrad von 52 %, der Anspruch auf eine halbe Invalidenrente weiterhin ausgewiesen (Mittei
lung vom
4.
November 2014,
Urk.
7/80)
.
1.2
Mit Schreiben vom 2
3.
Januar 2018 ersuchte die Hausärztin
der Versicherten
, Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, stellvertretend für ihre Patientin um Neubeurteilung
respektive Revision
der Rente
(
Urk.
7/87, vgl. auch
Urk.
7/88).
M
it
Vorbescheid vom
8.
Februar 2018
stellte die IV-Stelle
in Aussicht,
dass sie
mangels glaubhaft gemachter Verände
rung der anspruchsrelevanten Verhältnisse auf das
Revisions
gesuch nicht
eintre
ten werde
(
Urk.
7/90). Dagegen erhob die Versicherte Einwand
und reichte nach
träglich weitere Arztberichte ein
(
Urk.
7/92
,
7/98-99)
. Mit Verfügung vom
2
8.
Juni
201
8
entschied die IV-Stelle im Sinne des Vorbescheids und
trat auf das
Leistungsbegehren
nicht ein
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
8.
August 2018
unter Einreichung weiterer Arzt
berichte (
Urk.
3/4-7)
Beschwerde (
Urk.
1)
und beantragte, die angefochtene Verfügung vom 2
8.
Juni 2018 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, auf das Leistungsgesuch einzutreten und die notwendigen Abklärungen zu tätigen.
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschw
erdeantwort vom
8.
Ok
tober 2018
auf Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
6)
, wovon der Beschwerdefüh
rerin am
9.
Oktober 2018 Kenntnis gegeben wurde
(
Urk.
8)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 87 Abs. 2
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
muss mit einem Revisionsgesuch und gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV mit einer Neu
anmeldung glaubhaft gemacht werden, dass sich der Invaliditätsgrad anspruchs
relevant verändert hat. Der versicherten Person kommt ausnahmsweise eine Beweisführungslast zu (vgl. BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Die
Eintretensvoraussetzung
des Glaubhaftmachens soll verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten, mithin keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1).
Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungs
abweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzu
treten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2).
Ist die Änderung nicht glaubhaft gemacht, wird auf das Revisionsgesuch oder die erneute Anmeldung nicht eingetreten (BGE 133 V 64 E. 5.2.5). Dabei wird die Verwaltung unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen. Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn d
ie Verwaltung gestützt auf Art. 87 Abs.
3 IVV
Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der
Eintretensfrage
, wenn die Verwaltung auf die Neu
anmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.2
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2).
1.3
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des
Invaliditätsgrades bildet
die letzte rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruht. Demgemäss sind die Ver
hältnisse bei Erlass der strittigen Verwaltungsverfügung mit denjenigen im Zeitpunkt der letzten materiellen Abweisung zu vergleichen (BGE 130 V 64 E. 2, 130 V 71 E. 3, 133 V 108 E. 5.2 und E. 5.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt im angefochtenen Entscheid fest
,
die berufliche
und die
medizinische Situation
der Beschwerdeführerin
habe sich
nicht wesent
lich geändert.
Mangels glaubhaft gemachter Veränderung der anspruchsrelevan
ten Verhältnisse werde
deshalb
auf das Leistungsbegehren nicht eingetreten (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin macht
e demgegenüber geltend, ihr Gesundheitszustand habe sich
wesentlich verschlechtert
, weshalb auf ihr
Revisionsgesuch
einzutreten sei. So habe sich
insbesondere
ihr psychischer Gesundheitszustand verschlechtert, ihre
Rückenschmerzenproblematik
habe sich zusätzlich
manifestiert
und
es
seien neue somatische Beschwerdebilder hinzugetreten (
Urk.
1).
3.
3.1
Streitig und zu prüfen ist
, ob die Beschwerdegegnerin auf das Gesuch um Ren
tenrevision vom
2
5.
Januar 2018
zu Recht nicht eingetreten ist. Prozessthema
bildet die Frage nach der Glaubhaftmachung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrads (E.
1.
1
und 1.
2
) im Sinne einer wesentlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes.
3.2
Ob eine anspruchserhebliche Änderung des Invaliditätsgrades glaubhaft gemacht wurde
, ergibt sich aus dem Vergleich des Sachverhalts wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache
am
8.
November
respektive 1
4.
Dezember
2011 (
Urk.
7/72, 7/74
-75
)
bes
tand
,
mit demjenigen, welcher der hier angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) zugrunde liegt
(E. 1.3)
.
A
nlässlich
der 2014 durchgeführten Revision wurde
nur
ein Verlaufsbericht
eingeholt
(
Urk.
7/77)
, was dem Anspruch an eine rechtskonforme Sachverhaltsabklärung nicht zu genügen vermag
(
Urk.
1 S. 4).
4.
4.1
Die V
erfügung
en
vom
8.
November
und 1
4.
Dezember
2011 (
Urk. 7/
72, 7/74
-75
)
basierte
n
im Wesentlichen auf
dem
polydisziplinäre
n
Gutachten des
B._
vom 1
7.
Mai 2011 (Urk. 7/58/3-38).
Die Gutachter
gelangten
dabei zu folgenden Diagnosen (
Urk.
7/58/40):
Mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Chronisch
es
lumbovertebrales
Syndrom
-
mit
spondylogener
Au
s
strahlung
beidseits
-
mit anhaltender Hypästhesie des linken Fusses
-
Status nach mikrochirurgischer Dekompression L5/S1 bei rechtsseitiger
Discushernie
,
Recessotomie
am 29.04.
20
09
-
Status nach ventraler
S
pondylodese
L5/S1 am 13.01.2010
-
Status nach dorsaler
Spondylodese
L5/S1 am 02.12.2010, Revisionsope
ration mit Schraubenneuposition am 04.12.2010
-
K
omb
inierte
Persönlichkeitsstörung
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkei
t
:
-
Episodisches Cluster-Kopfweh rechts
-
Urge
-Inkontinenz
-
Rez
idivierende depressive Störung
-
gegenwärtig
remittiert
-
Abhängig
keitssyndrom von A
lkohol
-
gegenwärtig abstinent
Der internistische
Untersuchungsbefund zeigte
sich im Wesentlichen unauffällig (
Urk.
7/58/20).
Im
rheumatologischen Gutachten
wurde
festgehalten, anlässlich der Untersuchung habe sich die Beschwerdeführerin schmerzgeplagt gezeigt und nur kurz sitzen und stehen können. Ihr Gangbild sei infolge schmerzbedingten
Hinkens links und einer infolge von Fussproblemen auf der linken Seite beste
henden Unsicherheit beim Gehen deutlich beeinträchtigt
gewesen
. Jegliche Belastung und auch jegliche wiederholte Bewegung des Achsenskeletts würde
n
zu Schmerzverstärkungen führen. Zudem sei die Beweglichkeit der Lendenwir
belsäule deutlich eingeschränkt (
Urk.
7/58/25).
In der neurologischen Beurteilung wies der Gutachter auf ein chronisches
Lumbovertebral
-Syndrom
nach mehreren
operative
n
Eingriff
en
hin. Sodann habe sich
residuell
nach der ventralen
Spon
dylodese
im Januar 2010 eine Hyposensibilität am linken Fuss finden lasse
n
, wel
che
nicht klar habe zugeordnet werden können
.
Zu den
krampfartigen Schmerzen in beiden Beinen rechtsbetont
notierte er, diese seien
nicht auf eine
radikuläre
Genese zurückzuführen (
Urk.
7/58/30).
Der psychiatrische Gutachter
hielt fest, die Beschwerdeführerin
erweise sich als psychisch instabil, fragil und ängstlich. Sie befürchte etwa, an Krebs zu leiden, ohne dass diese hypochondrischen Ängste einen überwertigen oder gar wahnhaften Charakter tragen würden. Wahrschein
lich seien diese Ängste im Rahmen der depressiven Störung ausgeprägt gewesen, stünden heute jedoch nicht mehr derart im Vordergrund
(
Urk.
7/58/36-37)
.
Im Rahmen der Konsensbeurteilung schlossen die beteiligten Gutachter gestützt auf die Fachgutachten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund des lumbal beton
ten vertebralen Schmerzgeschehens sowie der fussbetonten Problematik auf der linken Seite in Form eines am ehesten
radikulären
Restzustandes in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kassiererin wie auch der langjährig ausgeübten Tätigkeit im Service nicht mehr arbeitsfähig sei. In einer angepassten, körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit attestierten sie eine 50%ige Arbeitsfähigkeit; dabei sei berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin über nur geringe psychische Ressourcen verfüge. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe keine höhere Arbeits
un
fähigkeit (
Urk.
7/58/40-43).
4.2
Zur Glaubhaftmachung einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes legte die Beschwerdeführerin
im Verwaltungsverfahren
einen Bericht ihrer Hausärztin,
Dr.
C._
, vom 2
3.
Januar 2018 (
Urk.
7/87), einen Bericht von
Dr.
med. D._
, Facharzt für Neurologie
und
für Psychiatrie und Psy
chotherapie, vom
3.
Juni 2018 (
Urk.
7/98) und einen Bericht der
E._
vom 2
7.
März 2018 (
Urk.
7/99)
auf.
4.2.1
Dr.
C._
nannte im Bericht vom 2
3.
Januar 2018 folgende Diag
nosen:
-
Chronisch
rezidivierende
lumboischi
algieforme
Schmerzen rechts
>links
-
Cervicobrachiales
Schmerzsyndrom links>rechts
-
COPD, mittelschwere bronchiale Hyperreagibilität (5/2015)
-
Rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode
-
Bienengiftallergie Grad III
-
Clusterkopfschmerzen seit 10.07.2015
Dr.
C._
hielt fest,
die Beschwerdeführerin leide an
chronifi
zierten
Rückenschmerzen mit St. n. mehrfachen Operationen lumbal und neu auch zunehmend an zervikalen Schmerzen. Diese seien sicherlich zu einem wesent
li
chen Anteil degenerativen Ursprungs,
aggraviert
durch die muskuläre
Dekon
di
tionierung
. Im Rahmen dieser Krankheitsprogredienz habe die Beschwer
de
führe
rin zunehmend
auch
neuere Symptome entwickelt. So leide sie nun an perma
nentem Muskelzittern des rechten Beines und an einer ausgeprägten Krampf
nei
gung in den Muskeln. Im Rahmen der somatischen Verschlechterung sei auch die depressive Störung wieder rezidiviert. Aktuell sei von einer mindes
tens mittel
gradigen Episode auszugehen (
Urk.
7/87/1).
4.2.2
Im Bericht der
E._
vom
2
7.
März 2018
wird
festgehalten
,
aktuell bestehe ein solides Bild nach einer vor acht Jahren
vorge
nommenen
dorsoventralen Stabilisation L5/S
1.
Eine
variante
Schraubenlage könne derzeit nicht objektiviert werden. Die Implantate seien
intraossär
gut ver
ankert. Eine Anschlussdegeneration lasse sich in den heutigen Röntgenbildern nicht nachweisen.
Die Lordose der
L
WS
sei
harmonisch ausgebildet. Eine mini
male Beinverkürzung rechts
sei
seit 2012 unverändert. Die von der Patientin noch angegebenen Restbeschwerden im rechten Bein dürften einer neuralen Restschä
digung im Sinne einer
ganglionären
Irritation durch die
perioperativen
Kompres
sionen entsprechen
und
bereits vor dem ersten Eingriff durch die instabilitätsbe
dingte
ganglionäre
Irritation L5 auf der rechten Seite durch die
foraminäre
Instabi
li
tät L5/S1 rechts
bestanden haben
. Eine operationswürdige Dysfunktion
las
se
sich im LWS-Berei
ch nicht erkennen. Die
residuell
en
Probleme dürften am ehes
ten mit einer neurostatischen Behandlung im Sinne einer
Eindosierung
eines
Neu
ro
statikums
wie
Lyrica
angegangen werden können
(
Urk.
7/99/2).
4.2.3
Dr.
D._
nannte im Bericht vom
3.
Juni 2018 folgende Diagnosen:
-
Persistierende
ischialgieforme
Schmerzen und intermittierende Parese rechtes Bein bei St. n.
multiple
n
LWS-Operationen mit Dekompression und
Spondy
lodese
L5/S1
-
Rez
idivierende
depressive Störung (ICD-10: F33)
Im
Bereich der Schulter-, Arm- und Handmuskulatur habe keine Parese festge
stellt werden können. Nach bislang drei erfolgten LWS-Operationen mit Dekom
pressionen und einer
Spondylodese
im Segment L5/S1 würden weiterhin fortge
schrittene degenerative LW
S-Veränderungen in mehreren Seg
menten bestehen, womit die persistierenden lumbalen und aktuell rechtsbetonten
ischialgieformen
Schmerzen zu erklären seien. Die intermittierende Schwäche des rechten Beines
mit «Einknicken» des rechten Kniegelenkes
deute auf eine
residuale Schädigung im Bereich der lumbalen Nervenwurzeln mit der Folge paroxysmaler Leitungs
störungen
hin
.
Auch könnten Vernarbungen im Bereich der operierten Segmente L5/S1 dafür verantwortlich sein.
Indes hätten sich in der aktuellen Untersuchung keine klaren Hinweise f
ür eine aktuell noch
vorhandene
Neurokompression im Bereich der LWS
ergeben
. Auch sei eine
Fehllage
des
Spondylodesematerials
auf den Bildern der aktuell durchgeführten MRI-Untersuchung der Wirbelsäule nicht erkennbar. Betreffend die
Schmerzen
und Bewegungseinschränkungen am rech
ten Unterarm und an der rechten Hand
sei alsdann festzuhalten, dass
keine neu
rologischen Ursachen, insbesondere keine periphere Leitungsstörung des
Nervus
medianus
rechts nachweisbar gewesen
seien
.
Zur Arbeitsfähigkeit notierte
Dr.
D._
, d
ie
Beschwerdeführerin
sei
- infolge
persistierende
r
Schmerzen in Zusammenhang mit
der
LWS-Problematik
-
in ihrem Alltag
sowie
auch in ihrer Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar und sicher auch länger
fristig erheblich einge
schränkt.
Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
müsse
aber auch die chronisch-rezidivierend auftretende depressive Störung berücksichtigt werden. Es
sei
davon auszugeben, dass sich die psychiatrische Erkrankung und die somatisch bedingte Schmerzsymptomatik gegenseitig beeinfluss
t
en und verstärk
t
en
(Urk.
7/98/3)
.
5.
5.1
Wie dargelegt, hat die versicherte Person die massgeblichen Tatsachenänderun
gen bereits mit der Neuanmeldung
respektive mit
dem
Revisionsgesuch
glaubhaft zu machen (E. 1.1, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2015 vom 25. Feb
ruar 2016 E. 2.2). Wird ihr schon im Verwaltungsverfahren eine angemessene Frist zur Einreichung ergänzender Beweismittel angesetzt, legt das Gericht seiner beschwerdeweisen Überprüfung den Sachverhalt zu Grunde, der sich der Verwal
tung bot (BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Erst im Beschwerdeverfahren eingereichte Arzt
berichte sind gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung demnach unbeachtlich, sofern sich das Verfahren einzig auf die Frage bezieht, ob die Verwaltung auf die Neuanmeldung
respektive das Revisionsgesuch
zu Recht wegen fehlender Glaub
haftmachung veränderter Tatsachen nicht eingetreten ist (Urteil des Bundesge
richts 8C_196/2008 vom 5. Juni 2008).
Nebst dem
als Revisionsgesuch eingereichten Bericht
von
Dr.
C._
vom 2
3.
Januar 2018
(E. 4.2.1)
reichte
die Beschwerdeführerin im
Ein
wandverfahren
den
Bericht der
E._
vom 2
7.
März 2018 (E. 4.2.2)
sowie
denjenigen
von
Dr.
D._
vom
3.
Juni 2018
(E. 4.2.3)
ein
.
Dies, nachdem ihr die Frist
dazu
mehrfach erstreckt worden war
(
Urk.
7/95-97).
Die erst
im Beschwerdeverfahren
eingereichten
Berichte (Urk. 3/3-
7) sind demzufolge für die im vorliegenden Verfahren zu beantwortende Frage, ob eine Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse glaubhaft gemacht worden ist, unbeachtlich.
5.2
In Zusammenhang mit der von
Dr.
C._
diagnostizierten
Cervicobrachialgie
(E. 4.2.1) ist vorweg daran zu erinnern, dass eine neu hinzu
getretene Diagnose nicht unbesehen eine höhere Arbeitsunfähigkeit
bewirkt. Massgebend für den Grad der Arbeitsunfähigkeit ist nicht die Diagnose oder die Zahl der aufgeführten Diagnosen, sondern die daraus resultierende
Leistungsein
schränkung, welche sich auch durch eine zusätzliche Beeinträchtigung
nicht zwangsläufig erhöhen muss (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_804/2015 vom 21. Juni 2016 E. 3.2). Insbesondere genügt eine neu hinzugetretene Diagnose per se nicht, um eine erhebliche Verschlechterung glaubhaft zu machen, da damit über das quantitative Element einer relevanten, die Arbeitsfähigkeit schmälernde Veränderung des
Gesundheits
zustand
es nicht zwingend etwas ausgesagt wird (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_244/2016 vom 21. Juni 2016 E. 3.5).
Betref
fend
die
von
Dr.
C._
als
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin
diagnostizierte
Cervicobrachialgie
ist sodann festzuhalten
, dass
der
Neurologe
,
Dr.
D._
,
zu keiner solchen
Diagnose gelangte
. Vielmehr schloss er gerade neurologische Ursachen in Bezug auf die Schmerzen und Bewe
gungsein
schränkungen am rechten Unterarm so
wie an der rechten Hand aus (E.
4.2.3)
. E
ine relevante Veränderung des G
e
sundheitszustandes
ist damit nicht
glaubhaft gemacht
, zumal
Dr.
C._
keine Befunde anführte, welche auf eine dadurch verursachte höhere Leistungseinschränkung schliessen liessen und
Dr.
D._
somatisch nur die LWS-Problematik als leistungs
einschränkend beurteil
t
e (E. 4.
2.
1 und 4.
2.
3)
. Betreffend die von
Dr.
C._
diagnos
tizierte COPD, mittelschwere bronchiale Hyperreagibilität,
fehlen
aktuelle Anga
ben, insbe
sondere Angaben zum Schweregrad, weshalb
auch dies
be
züglich nicht von einer
glaubhaft gemachten
anspruchsrelevanten Verschlech
terung des Gesundheitszustandes
ausgegangen werden
kann
(vgl. auch Stellung
nahme der RAD-Fachärztin vom
2.
Februar 2018,
Urk.
7/89/3).
Dies gilt auch für die von
Dr.
C._
als seit 1
0.
Juli 2015 beste
hend diagnostizierten Clusterkopfschmerzen (E. 4.2.1), welche bereits im Gutach
ten des
B._
vom 1
7.
Mai 2011
berücksichtigt
worden waren (E. 4.1).
Was sodann die für die ursprüngliche
Rentenzusprache
insbesondere massgebli
che lumbale Situation anbelangt, wird mit den eingereichten ärztlichen Berichten ebenfalls keine wesentliche Verschlechterung glaubhaft gemacht. Vielmehr sprach sich PD
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, im Bericht der
E._
vom 2
7.
März 2018 explizit für ein solides Bild seit mittlerweile
rund acht Jahren aus (E. 4.2.2). Die von ihm als ledig
lich
residuell
beurteilten B
eschwerden im rechten Bein
bieten
jedenfalls
keine Anhaltspunkte für
eine Verschle
chterung der lumbalen Situation
, zumal sich die Gefühlsminderung im linken Fuss, welche ebenfalls mit einer gewissen Schwäche gekoppelt war (
Urk.
7/58/29-30), offensichtlich gebessert hat. Auch
Dr.
D._
schloss eine aktuell relevante Neurokompression in diesem Bereich aus (E. 4.2.3).
Des Weiteren
wurden
die von der Beschwerdeführerin beschriebenen Krampfnei
gungen wie auch die von
Dr.
C._
und
Dr.
D._
angeführ
ten
ischialgieformen
Schmerzen (E. 4.2.1 und 4.2.3) bereits in
den
Anamnesen und Beurteilungen im Gutachten des
B._
berücksichtigt
(
Urk.
7/58/21, 7/58/26-30). Auch bietet das von
Dr.
C._
erwähnte Muskelzittern (E. 4.2.1) keine genügenden Anhaltspunkte, welche auf das Vorhandensein einer massge
blichen Verschlechterung hinweisen würde,
zumal
im
Bericht des Facharztes für Neurologie,
Dr.
D._
,
ein
Muskelzittern
gar nicht erwähnt wurde
(E. 4.2.3)
.
A
uch die
übrigen
somatischen Befunde
weisen
nicht auf
eine
Verschlechterung lumbal
hin.
So
wurde im
Bericht der
E._
ein
e gute Wirbelsäulenfunktion
erwähnt
,
eine Anschlussdegeneration ausgeschlossen und eine freie Passage im Spinalkanal nachgewiesen (E. 4.2.2,
Urk.
7/99/2).
Die
aktuellen Angaben zu den
Lasègue
-Zeichen und zum Fingerbodenabstand
ver
glichen
mit den 2011 erhobenen
Befunden weisen vielmehr gar
auf
eine
Verbes
serung der Beweglichkeit
hin
(vgl.
Urk.
7/99/1 mit
Urk.
7/58/23).
Was sodann
die von
Dr.
C._
und
Dr.
D._
diagnostizierte
depressive Störung
anbelangt
,
welche
im Gutachten des
B._
als dannzumal remittiert beurteilt wurde (E. 4.1), sprach sich
Dr.
C._
im Januar 2018 nunmehr für das Vorliegen einer mittelgradigen Episode (
Urk.
7/87/1),
Dr.
D._
am
3.
Juni 2018 lediglich (noch) für eine leichte Episode der rezidivierenden depressiven Störung aus (
Urk.
7/98/1: ICD-10: F33.0), was bereits gegen eine wesentliche und dauerhafte Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes im Vergleich zum Zustand, welcher dem
B._
-Gutachten vom 1
7.
Mai 2011 zugrunde lag und dannzumal bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt wurde (
E.
4.1), spricht. Für eine Arbeitsunfähigkeit von insgesamt mehr als 50 % sprechen sich denn auch weder
Dr.
C._
noch
Dr.
D._
explizit aus (E. 4.2.1 und E. 4.2.3).
Dass die Diagnosestellung von
Dr.
C._
fachfremd erfolgte und diejenige von
Dr.
D._
lediglich gestützt auf eine neurologische Untersu
chung, mithin ohne Erhebung eines psychiatrischen Untersuchungsbefundes, und die Beschwerdeführerin darauf verzichtete, mit ihrem Revisionsgesuch respektive im
Einwandverfahren
eine psychiatrische Beurteilung einzureichen, obwohl sie gemäss Anamnese im Bericht von
Dr.
D._
und gemäss eigenen Angaben in
psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung stand und weiterhin steht (
Urk.
7/98/2, vgl. auch
Urk.
1 S. 5), steht der Glaubhaftmachung einer psychisch bedingten massgeblichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes zusätzlich entgegen.
Der erst im gerichtlichen Verfahren eingereichte Bericht der
Z._
vom 1
9.
Februar 2015 zur notfallmässigen
Hospitalisation
vom 1
5.
bis 1
6.
Feb
ruar 2015 wegen geäusserter Suizidgedanken (
Urk.
3/7) bleibt in diesem Verfah
ren, wie unter E. 5.1 dargelegt, unbeachtlich.
Nach dem Gesagten ist
somit
auch
nicht glaubhaft gemacht, dass sich
der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
seit der letzten, rechtskräftigen Entscheidung in einem für den Rentenanspruch erheblichen Masse
verschlechtert hat.
6.
Da
folglich
mit den im Verwaltungsverfahren
eingereichten
medizinischen Berichten keine anspruchsrelevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes
glaubhaft gemacht
wurde, ist die Beschwerdegegnerin
auf
das
Revisionsgesuch
der Beschwerdeführerin zu Recht nicht eingetreten. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
7.
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
des
Bundesgesetz
es
über
die Invali
denversicherung [IVG]
) sind auf Fr. 700.-- festzusetzen und entsprechend dessen Ausgang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.