Decision ID: 338dd1cc-80c5-495d-80aa-116ddeffdd76
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Mit Verfügung vom 17. Oktober 2002 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
X._
, geboren 1967, ab dem 1. Juli 2002 eine halbe Rente zu (
Urk.
6/28).
Mit Verfügung vom 16. September 2010 hob die IV-Stelle die zugesprochene Rente rückwirkend per 1. April 2008
wieder
auf (
Urk.
6/60 Disp
ositiv
Ziff.
1-2)
. Zudem forderte sie
von der Versicherten
mit Verfügung vom 21. September 2010
für von April 2008 bis September 2010 zu Unrecht bezogene Leistunge
n in der Höhe von
Fr.
22‘443.-- zurück (
Urk.
6/61).
Mit Schreiben vom 9. Oktober 2010 ersuchte die Versicherte
die IV-Stelle
um Erlass der Rückforderung und um
die
weitere Ausrichtung
der
Rente (
Urk.
6/67,
Urk.
6/65).
1.2
M
it Verfügung vom 4. August 2011
sprach die IV-Stelle der Versicherten
ab dem 1. Mai 2010 erneut eine halbe Rente zu
.
Die IV-Stelle verrechnete in der Verfügung
die
Rentennachzahlung
zugunsten der Versicherten
von
Fr.
11‘928.-- mit einer Forderung der Ausgleichskasse des Kantons Bern in Höhe von
Fr.
11‘176.--
(
Urk.
6/
100,
Urk.
6/98). Die
gegen die Verfügung vom 4. August 2011
von der Versicherten erhobene Beschwerde (
Urk.
6/104) hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 27. September 2012 wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs der Versicherten im dem Sinne gut, dass die Verfügung aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde (
Urk.
6/124 S. 7 Dispositiv
Ziff.
1).
1.3
Am 5. Dezember 2012 (
Urk.
6/129) stellte die IV-Stelle
der Versicherten
einen neuen
Vorbescheid (
Urk.
6/128
) zu, wogegen
diese
am 7. Dezember 2012
Ein
wände
vorbrachte (
Urk.
6/130).
Am 27. August 2013 nahm d
ie Ausgleichskasse des Kantons Bern zuhanden der IV-Stelle
zur
Rechtmässigkeit der
Verrechnung Stellung (
Urk.
6/137-138). Am 24. September 2013 (
Urk.
6/142) stellte die IV-Stelle der Versicherten
den
korri
gierten Vorbescheid (
Urk.
6/141) zu, wogegen
diese
am 1. Oktober 2013
erneut Einwände vorbrachte
(
Urk.
6/145). Am 17. Dezember 2013 reichte die Aus
gleichskasse des Kantons Bern
eine weitere Stellungnahme
(
Urk.
6/151) zuhan
den der IV-Stelle
ein.
Am 7. April 2014
erliess die IV-Stelle eine neue Verfügung
(
Urk.
6/159 =
Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
28. April 2014 Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Verfü
gung vom 7. April 2014 (
Urk.
2) mit dem Antrag, die IV-Stelle sei anzuweisen, ihr den mit
der Gesamtschuld von
Fr.
22‘443.-- verrechneten Betrag von
Fr.
11‘176.-- ohne Abzug zu überweisen (zuzüglich Verz
ugszins von 5
%
ab 1. Mai 2010,
Urk.
1 S. 1 unten).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Juni 2014 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 8. Septem
ber 2014 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
-
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Die Aufgaben im Zusammenhang mit der Zusprechung von Invalidenrenten sind nach dem Gesetz zwischen den IV-Stellen und den Ausgleichskassen auf
geteilt: Die IV-Stellen klären unter
anderem die versicherungsmässigen Vo
raussetzungen ab, bemessen die Invalidität und verfügen über die Leistungen der Invalidenversicherung (Art. 57
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung, IVG). Die Ausgleichskassen wirken bei der Abklärung der ver
sicherungsmässigen Voraussetzu
ngen mit und es obliegt ihnen die Berechnung und Auszahlung der Renten (Art. 60
Abs.
1
IVG).
2.
2
Art. 50
Abs.
2
IVG
sieht vor, dass hinsichtlich der Verrechnung im Rahmen der Invalidenversicherung Art. 20
Abs.
2 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(
AHVG
) sinngemäss Anwendung findet.
Gemäss Art. 20
Abs.
2 lit. a AHVG können die Forderungen des IVG mit fälligen Leis
tungen verrechnet werden.
2.3
Sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich nachge
kommen ist, werden die Sozialversicherungen für ihre Leistungen nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Mo
nate nach dessen Geltendmachung verzugszinsp
flichtig (Art. 26
Abs.
2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
3
.
3
.1
Die
Beschwerdegegnerin
verrechnete
in der Verfügung
vom 7. April 2014
eine
Rentennachzahlung
an die Beschwerdeführerin
von
Fr.
8‘185.-- mit
einer
Rückforderung
der Ausgleichskasse des Kantons Bern
f
ür die Zeit von 1. Okto
ber bis 31. Dezember 2010 in Höhe
von
Fr.
2‘265.--
(
Urk.
2 S. 2 Mitte)
.
Ausser
dem erwähnte
die Beschwerdegegnerin
in der Verfügung
für die Periode von 1. Mai bis 31. Dezember 2010
eine Verrechnungsforderung von gesamthaft
Fr.
5‘912.--
(
Urk.
2, Verfügungsteil 2 S. 2).
Weiter wird in der Verfügung
ein Anspruch auf
Verzugszins
en
von
Fr.
446.-- ab Januar 2003 erwähnt (
Urk.
2 S. 2).
3
.2
Die Beschwerdeführerin
brachte vor
,
die Beschwerdegegnerin habe bereits im Vorbescheid vom 7. Dezember 2012 auf eine verständliche Begründung für das Festhalten an der Verrechnung von
Fr.
11‘176.-- verzichtet. Ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse hätten sich mit der Nachzahlung der IV-Rente ab 1.
Mai 2010 sicher nicht
ver
bessert
.
Die Beschwerdegegnerin habe sodann mit Schreiben vom 1
2.
Mai 2011 mitgeteilt, dass aufgrund der finanziellen Verhält
nisse der Beschwerdeführerin die Rückforderung von insgesamt
Fr.
22‘443.-- vorläufig als uneinbringlich abzuschreiben sei (
Urk.
1
S. 2
Ziff.
2-
3).
Bei der Berechnung des Existenzminimums sei nur der dafür relevante Zeitraum zu berücksichtigen. Ihr Einkommen vom 1. Januar bis 30. April 2010 dürfe nicht in die Berechnung einfliessen, da man ihr für diese Zeit die IV-Rente rechtmässig gestrichen habe.
Sie
habe erst ab 1. Mai 2010
wieder
eine IV-Rente erhalten. Die verfügbaren Mittel für das Jahr 2010 lägen eindeutig unterhalb des Existenzminimums (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
5).
3.3
Streitgegenstand dieses Verfahrens bilden
der
Bestand und die
Höhe der Rück
-
for
derung der Ausgleichskasse de
s Kantons Bern,
die
die Beschwerdegeg
nerin
mit einer Rentennachzahlung
verrechnete.
4.
4.1
D
ie
Verfügung vom 4. August
2011 sah
einen Anspruch auf eine halbe Rente
rückwirkend ab 1. Mai 2010 vor.
Der
Beschwerdeführerin
sind
jedoch
bis
zur erneuten Entstehung des Rentenanspruchs
per 1. Mai 2010
zu
viel
an
Leistun
gen
ausgerichtet
worden
, wofür
sie grundsätzlich rückerstattungspflichtig ist.
Die
Verfügung vom 4. August 2011
sah
eine
Verrechnungsforderung
der Aus
gleichskasse des Kantons Bern
von
Fr.
11‘176.--
vor
(
Urk.
6/100 S. 2
).
Mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 27. September 2012
wurde
die Verfügung
vom 4. August 2011
auf
gehoben
und die Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs der Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zurück
gewiesen
(
Urk.
6
/124 S. 7 Dispositiv
Ziff.
1).
4.2
Nach Erlass des Vorbescheides der Beschwerdegegnerin vom
5.
Dezember 2012 (
Urk.
6/128)
und den von der Beschwerdeführerin
dagegen
vorgebrachten Ein
wänden (
Urk.
6/130)
nahm die Ausgleichskasse des Kantons Bern am 2
7.
August 2013 zuhanden der Beschwerdegegnerin
zur
Verrechnung
Stellung
(
Urk.
6/137)
.
Die Ausgleichskasse erklärte
in ihrem Schreiben
für die Periode von
1.
Mai bis 3
0.
September 2010 eine Verrechnung von
Fr.
3‘695.-- und
für die Periode von
1.
Oktober bis 3
1.
Dezember 2010
eine solche von
Fr.
2‘217.--
für zulässig, während für die
Zeit
von
1.
Januar
bis 3
1.
Juli 2011 gemäss Be
rechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums keine Verrechnung erfolgen könne. Die Ausgleichskasse
des Kantons Bern
wies in der Stellung
nahme
sodann
eine
Verrechnung von gesamthaft
Fr.
5‘912.-- für die Periode vom
1.
Mai bis 3
1.
Dezember 2010
aus
.
Nach Erlass des
korrigierten
Vorbescheides
der Beschwerdegegnerin
vom 2
4.
September 2013 (
Urk.
6/141) und den
von der Beschwerdeführerin am
1.
Oktober 2013
dagegen erhobenen
Einwänden (
Urk.
6/145) nahm die Aus
gleichskasse des Kantons Bern am 1
7.
Dezember 2013 erneut zuhanden der Be
schwerdegegnerin
zur Frage der Verrechnung
Stellung (
Urk.
6/151).
4.3
Unbestritten ist der Beginn des Rentenanspruchs
per
1.
Mai 201
0.
Gemäss
der
Verfügung vom
7.
April 2014
setzte
die Beschwerdegegnerin
eine
Rückforderung
der Ausgleichskasse
des Kantons Bern
in Höhe
von
Fr.
2‘265.--
in Verrechnung
,
welche
Forderung
die Zeit von
1.
Oktober bis 3
1.
Dezember 2010 betreffen
soll
(
Urk.
2 S. 2).
I
n Verfügungsteil 2 der gleichen Verfügung
wird dagegen
eine Verrechnung von gesamthaft
Fr.
5‘912.-- ausgewiesen,
wel
che für
die Periode von
1.
Mai bis 3
1.
Dezember 2010
g
elten soll
(
Urk.
2, Verfü
gungsteil 2 S. 2).
In den Stellungnahmen vom 2
7.
August und vom 1
7.
Dezember 2013 nannte die Ausgleichskasse des Kantons Bern
überdies
für die Periode von
1.
Oktober bis 3
1.
Dezember 2010 eine Verrechnung von
Fr.
2‘217.-- (
Urk.
6/137 S. 1,
Urk.
6/151 S. 1).
Der angefochtenen Verfügu
ng vom
7.
April 2014 lässt sich, wie dargelegt,
nicht entnehmen,
welchen Betrag und
für
welchen Zeitraum die Beschwerdegegnerin verrechnen
möchte
.
Weiter
finden sich
weder in der Verfügung noch
in den vo
rinstanzlichen Akten Anhaltspunkte,
auf welcher Grundlage
die Beschwerde
gegnerin
einen
Verzugszins von
Fr.
446.-- ab Januar 2003
ermittelte
.
Für den Adressat
en
der Verfügung
bleiben damit
die Höhe der
Verrechnungs
forderung
und die dafür massgebliche Periode
unklar
.
Auch der ausgewiesene Verzugszins ist unzureichend begründet.
Die Verfügung erweist sich daher als widersprüch
lich und mangelhaft begründet
, so dass darauf nicht abgestellt werden kann.
4.4
Die angefochtene Verfügung vom
7.
April 2014 ist daher
aufzuheben und es ist die Sache zur Verbesserung und Neuverfügung
mit
rechtsgenüglicher
Begrün
dung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
In diesem Sinne ist die Be
schwerde gutzuheissen.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschä
digung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
Unter Berücksichtigung der genannten Aspekte ist der Beschwerde
führerin eine Prozessentschädigung von
Fr.
1‘000.
-- (inklusive Mehrwertsteuer und Auslagenersatz) zuzusprechen.