Decision ID: d478ee8f-cc05-481c-9a25-fe39fcfe7bb0
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorien B und BE sowie der Unterkategorien
D1 und D1E seit dem 29. Mai 1968 und jenen für die Kategorie A seit dem 1. April
2003. Im Administrativmassnahmen-Register ist sie nicht verzeichnet. Der letzte
periodische verkehrsmedizinische Untersuch vom 27. Februar 2018 ergab keine
Auffälligkeiten.
B.- Am 17. März 2018, ca. 13.05 Uhr, fiel X in Lausen auf der Autobahn A22,
Fahrtrichtung Sissach, einer zivilen Polizeipatrouille auf. Gemäss Bericht der
Kantonspolizei Basel-Landschaft vom 25. März 2018 sei X bei einer erlaubten
Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h mit ca. 75 km/h, später mit ca. 90 km/h, teilweise
in leichten Schlangenlinien auf dem Überholstreifen gefahren und habe gebremst. Trotz
Blaulicht, Frontblitzer, Lichthupe und schliesslich Wechselklanghorn habe sie das ihr
unmittelbar folgende Fahrzeug über mehrere hundert Meter nicht bemerkt. Ihre
Fahrweise wurde über die letzten rund 1000 Meter mittels Videoaufzeichnung
festgehalten. Bei der darauffolgenden Kontrolle sei sie geistig unauffällig gewesen und
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habe den Fragen der Polizisten gut folgen können. Die beobachtete Fahrweise lasse
jedoch den Verdacht aufkommen, dass X nicht mehr fähig sei, ein Motorfahrzeug
sicher zu bedienen. Für das Nichtbenützen des rechten Fahrstreifens wurde sie noch
vor Ort mit einer Ordnungsbusse bestraft.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen informierte X am
4. April 2018 darüber, dass aufgrund der am 17. März 2018 beobachteten Fahrweise
und unter Berücksichtigung ihres fortgeschrittenen Alters Zweifel an ihrer Fahreignung
bestünden und eine verkehrsmedizinische Untersuchung der Stufe 3 vorgesehen sei.
Hierzu liess X am 31. Mai 2018 durch ihre Rechtsschutzversicherung Stellung nehmen.
Zusammengefasst wurden die Voraussetzungen zur Anordnung einer solchen
Massnahme als nicht erfüllt erachtet. Mit Verfügung vom 1. Juni 2018 ordnete das
Strassen-verkehrsamt die angekündigte verkehrsmedizinische Untersuchung an und
forderte X auf, innert 20 Tagen einen Termin für eine Fahreignungsabklärung zu
vereinbaren. Gegen diese Verfügung erhob X durch ihre Rechtsvertreterin am 18. Juni
2018 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Sie beantragte die Aufhebung der
Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 1. Juni 2018; eventualiter sei die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das Strassenverkehrsamt
verzichtete am 19. Juli 2018 auf eine Vernehmlassung.

Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 18. Juni 2018 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
bis
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2.- a) Die Rekurrentin macht in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs geltend, weil die Vorinstanz nicht auf die Vorbringen der Rechtsvertreterin vom
31. Mai 2018 eingegangen sei. Für die Rekurrentin sei nicht erkennbar, weshalb ihre
Argumente nach Auffassung des Amts nicht ausschlaggebend gewesen seien. Dies
stelle einen groben Verfahrensfehler dar und sei als Verletzung des rechtlichen Gehörs
zu qualifizieren.
b) Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 BV leitet das
Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab, ihre
Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3, 133 I 270
E. 3.1, 129 I 236 E. 3.2, 126 I 102 E. 2b). Als persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz, dass die Behörde die Vorbringen der vom
Entscheid oder von der Verfügung in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich
hört, prüft und berücksichtigt und ihren Entscheid vor diesem Hintergrund begründet
(vgl. Steinmann, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Die schweizerische
Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, Art. 29 N 49). Der von einem
Entscheid oder einer Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen
seinem Antrag entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass
er den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE
133 III 439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Auflage 2016, N 1038). Dies ist nur möglich, wenn sowohl der
Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein
Bild machen können; in diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr
Entscheid oder ihre Verfügung stützt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich die
Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen
Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid
oder die Verfügung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1;
Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 1071). Umfang und Dichte der Begründung richten
sich generell nach den Umständen (Steinmann, a.a.O., Art. 29 N 49). Ist die Sachlage
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klar und sind die anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese
Rechtsnormen genügen, während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von
Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht
fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (BGE 112 Ia
110 E. 2b, 104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., Art. 29 N 49). Die Begründungspflicht,
welche aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV fliesst,
hat der st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP
ausdrücklich festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die Verfügung unter anderem
die Gründe enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen VerwGE B 2009/211 vom
18. März 2010 E. 2.1, im Internet abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch).
c) Die Vorinstanz orientierte die Rekurrentin am 4. April 2018 über die vorgesehene
Fahreignungsprüfung. Dabei verwies sie auf den Bericht der Kantonspolizei Basel-
Landschaft, wonach sie am 17. März 2018 wegen ihrer unsicheren Fahrweise
verkehrsauffällig geworden sei. Aufgrund der Beobachtungen der Polizei und unter
Berücksichtigung ihres fortgeschrittenen Alters würden Zweifel an ihrer Fahreignung
bestehen. Sodann verwies sie auf die gesetzlichen Grundlagen. In der angefochtenen
Verfügung vom 1. Juni 2018 bestätigte die Vorinstanz, dass sie die Stellungnahme der
Rechtsvertreterin vom 31. Mai 2018 erhalten habe, dem Antrag, von der ärztlichen
Untersuchung der Stufe 3 abzusehen, jedoch nicht entsprochen werden könne.
Ebenso nahm sie auf die letzte periodische medizinische Kontrolle vom 27. Februar
2018 Bezug und ergänzte diesen durch allgemeine Ausführungen zum altersbedingten
Leistungsabfall. Die Vorinstanz erläuterte, dass Fahreignungsabklärungen immer
verschuldensunabhängig durchgeführt würden und durch diese geklärt werden soll, ob
tatsächlich ein Leistungsabfall vorliegt. Die Beobachtungen der Polizei würden eine
ärztliche Kontrolluntersuchung rechtfertigen.
Mit ihren Ausführungen ist die Vorinstanz ihrer Begründungspflicht somit hinreichend
nachgekommen. Die angefochtene Verfügung ist so abgefasst, dass sich die
Rekurrentin über deren Tragweite ein Bild machen und sie sachgerecht anfechten
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konnte. Die massgebenden Überlegungen wurden genannt. Insgesamt genügt die
Begründungsdichte den Anforderungen an das rechtliche Gehör.
3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Voraussetzungen für die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung gegeben sind.
a) Die Vorinstanz stützte sich bei ihrer Anordnung im Wesentlichen auf den Bericht der
Kantonspolizei Basel-Landschaft vom 25. März 2018. Aus diesem geht hervor, dass die
Rekurrentin bei nur geringem Verkehrsaufkommen und guten Sicht- und
Strassenverhältnissen auf der Autobahn A22, Fahrtrichtung Sissach, über mehrere
hundert Meter durch ihre langsame Fahrt auf dem Überholstreifen und leichte
Schlangenlinien aufgefallen war. Über eine längere Strecke habe sie weder das
Blaulicht noch das Wechselklanghorn oder die Lichthupe der ihr unmittelbar folgenden
Polizeipatrouille bemerkt und sei erst nach mehreren hundert Metern auf diese
aufmerksam geworden. Trotz genügender Haltemöglichkeiten auf dem Pannenstreifen
habe sie ihre Fahrt fortgesetzt und einen unbeholfenen und mit der Situation
überforderten Eindruck erweckt. Um von der Autobahn zu gelangen, habe sie beim
Wechsel auf den rechten Fahrstreifen die Sperrfläche überquert. Aufgrund der
Feststellungen der Polizei und unter Berücksichtigung des fortgeschrittenen Alters der
Rekurrentin erachtete die Vorinstanz die Zweifel an der Fahreignung als gegeben
(act. 9/3 ff.).
b) Im Rekurs vom 18. Juni 2018 wird dem entgegengehalten, dass sich der
Polizeirapport vom 25. März 2018 und die vom Ereignis erstellte Videoaufzeichnung
(act. 2/5) zuweilen massiv widersprächen. Es treffe zu, dass die Rekurrentin
fälschlicherweise aus Bequemlichkeit, um einen neuerlichen Spurwechsel zu
vermeiden, den Überhol- statt des Normalstreifens benutzt habe. Dies habe sie bereits
anlässlich der Polizeikontrolle anerkannt und die ihr auferlegte Busse umgehend
bezahlt. Dass sie unsicher und Schlangenlinien gefahren sei, werde hingegen
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bestritten. Zwar sei sie an zwei Stellen für eine kurze Zeit nahe an bzw. auf die Leitlinie
geraten, sie habe jedoch die Spur stets gehalten. Im Video sei zudem gut ersichtlich,
dass die Polizei der Rekurrentin erstaunlich nahe aufgefahren sei und sie dadurch
bedrängt habe. Im Übrigen werde bestritten, dass die zivile Polizeipatrouille der
Rekurrentin mit Frontblitzer, Blaulicht und zuletzt auch mit eingeschaltetem
Wechselklanghorn gefolgt sei. Schliesslich sei auch das Ausmass des Unterschreitens
der Höchstgeschwindigkeit in Anbetracht der tatsächlichen Signalisation – die geltende
Maximalgeschwindigkeit wechselt innerhalb des fraglichen Streckenabschnitts von
anfänglich 100 km/h auf 80 km/h und schliesslich auf 60 km/h – minimal und nicht der
Rede wert. Die Rekurrentin fahre die Strecke von ihrem Wohnort nach Liestal seit 20
Jahren regelmässig rund alle zwei Wochen und sei dementsprechend eine routinierte
Autofahrerin. Anlässlich der letzten periodischen verkehrsmedizinischen Beurteilung
vom 27. Februar 2018 sei ihre Fahreignung nur 18 Tage vor dem Vorfall ohne
Einschränkungen bestätigt worden. Nach einer derart kurzen Zeit eine erneute
Untersuchung anzuordnen, sei als reine Schikane aufgrund des Alters der Rekurrentin
zu bezeichnen. Indem die Vorinstanz ohne hinreichende Hinweise auf eine fehlende
Fahreignung und entgegen anderslautender Belege auf einer
Fahreignungsuntersuchung bestehe, habe sie ihr Ermessen klar überschritten,
willkürlich gehandelt und Bundesrecht verletzt.
4.- a) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist neben der
Fahrkompetenz die Fahreignung (Art. 14 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes,
SR 741.01, abgekürzt: SVG). Dieser Begriff umschreibt die körperlichen und geistigen
Voraussetzungen, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die
Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Gemäss
Art. 14 Abs. 2 SVG verfügt über Fahreignung, wer das Mindestalter erreicht hat (lit. a),
die erforderliche körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen
von Motorfahrzeugen hat (lit. b), frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen beeinträchtigt (lit. c), und wer nach seinem bisherigen Verhalten
Gewähr bietet, als Motorfahrzeugführer die Vorschriften zu beachten und auf die
Mitmenschen Rücksicht zu nehmen (lit. d).
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b) Gemäss Art. 15d Abs. 1 Ingress SVG wird eine Person einer
Fahreignungsuntersuchung unterzogen, wenn Zweifel an ihrer Fahreignung bestehen.
Bei den in Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e SVG genannten Fällen, in denen eine
Fahreignungsuntersuchung angeordnet wird, handelt es sich um eine nicht
abschliessende Aufzählung. Sofern kein Sondertatbestand nach Art. 15d Abs. 1 lit. a
bis e SVG vorliegt, kann eine solche auch gestützt auf die Generalklausel (Abs. 1)
angeordnet werden. Die periodischen Kontrolluntersuchungen für Personen ab dem 70.
Altersjahr (ab 1. Januar 2019: ab dem 75. Altersjahr) genügen nicht immer, um alle Fälle
fehlender Fahreignung rechtzeitig zu erkennen (Ph. Weissenberger, Kommentar
Strassenverkehrsgesetz, 2. Aufl. 2015, Art. 15d SVG N 2 und N 98); dies gilt etwa bei
einem raschen, beträchtlichen Leistungsabbau innert kurzer Zeit. Eine grundsätzliche
Vermutung, dass sich ältere Personen nicht mehr als Fahrzeugführer eignen, besteht
jedoch nicht.
Bestehen Bedenken an der Kenntnis der Verkehrsregeln oder der Fähigkeit, Fahrzeuge
der Kategorie, für die der Ausweis gilt, sicher zu lenken (sog. Fahrkompetenz, Art. 14
Abs. 3 SVG), kann zur Abklärung entsprechender Massnahmen eine Kontrollfahrt
angeordnet werden (Art. 29 Abs. 1 der Verkehrszulassungsverordnung, SR 741.51,
abgekürzt: VZV). Diese Abklärungsmassnahme dient – gleich wie die ärztliche
Kontrolluntersuchung – der Verkehrssicherheit, weshalb ein Blick auf die
höchstrichterliche Rechtsprechung zur Frage der Zulässigkeit der Anordnung einer
Kontrollfahrt zu werfen ist: Eine solche darf nicht ausschliesslich aufgrund des Alters
angeordnet werden. Auf der anderen Seite sind die Anforderungen an die Anordnung
einer Kontrollfahrt auch nicht zu überspannen; denn es handelt sich um eine die
betroffene Person nicht übermässig belastende Massnahme, die dem Schutz wichtiger
Rechtsgüter (Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer) dient und auch im Interesse
des Fahrzeugführers selbst liegt. Es genügt deshalb, wenn ältere Fahrzeuglenker durch
Fahrfehler auffällig geworden sind, die auf einem altersbedingten Leistungsabfall
beruhen könnten (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_110/2011 vom 6. Juni 2011
E. 3.3). Ob tatsächlich ein altersbedingter Leistungsabfall vorliegt, der das sichere
Führen eines Motorfahrzeugs beeinträchtigt, ist mit der Kontrollfahrt gerade abzuklären
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(vgl. BGer 1C_47/2007 vom 2. Mai 2007 E. 3.1); dasselbe gilt hier für die ärztliche
Kontrolluntersuchung.
c) Vorliegend ist unbestritten, dass die Rekurrentin am 17. März 2018 auf der
zweispurigen Autobahn A22, Fahrtrichtung Sissach, über mehrere hundert Meter ohne
ersichtlichen Grund mit teilweise herabgesetzter Geschwindigkeit und entgegen dem
Rechtsfahrgebot auf dem Überhol-, statt auf dem Normalstreifen fuhr (vgl. Art. 8 Abs. 1
der Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11, abgekürzt: VRV); hierfür wurde die
Rekurrentin bereits mit einer Ordnungsbusse bestraft. Zweifel an der Fahreignung
ergaben sich für die Vorinstanz nicht allein aus dem Nichtbenützen des rechten
Fahrstreifens. Vielmehr durfte diese aus der langsamen und unsicheren Fahrweise der
Rekurrentin auf eine mögliche Überforderung schliessen. Diese Beurteilung folgt dem
Leitfaden "Verdachtsgründe fehlender Fahreignung; Massnahmen; Wiederherstellung
der Fahreignung" der Expertengruppe Verkehrssicherheit vom 26. April 2000 (abrufbar
unter http://www.astra.admin.ch; nachfolgend: Leitfaden). Als Richtlinie ist dieser für
die Verwaltungs- und Gerichtsbehörden zwar nicht verbindlich, er kann aber Hinweise
auf allfällige Verhaltensweisen geben, die im Hinblick auf die Fahreignungsprüfung
dienlich sein können (BGer 1C_146/2010 vom 10. August 2010 E. 3.2.2). Ein
Verdachtsgrund für fehlende Fahreignung liegt demnach unter anderem dann vor,
wenn eine allgemeine Verlangsamung, Umständlichkeit, Unbeholfenheit oder
Unbeweglichkeit am Steuer vorliegt. Hinweise darauf ergeben sich oftmals durch
auffälliges Verkehrsverhalten wie beispielsweise Unsicherheit, langsame Fahrweise,
sichtliche Überforderung in komplizierten Verkehrssituationen und Geisterfahrt auf
Autobahnen (Leitfaden S. 5).
d) Gegenüber der Polizei und im Rekurs führte die Rekurrentin ihre Fahrweise auf ein
Telefonat zurück, welches sie kurz vor ihrer Abfahrt sehr aufgeregt und aufgewühlt
habe. Dies hilft ihr jedoch nicht weiter. Im Gegenteil, eine Fahrzeuglenkerin muss
jederzeit in der Lage sein, alle im Strassenverkehr auftretenden Eindrücke und Signale
zu verarbeiten und darauf angemessen zu reagieren (Entscheid der
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Verwaltungsrekurskommission IV-2013/27 vom 25. April 2013 E. 3 b/bb, im Internet
abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Befindet sie sich in einem für sie erkennbaren
Zustand, der dies nicht zulässt, darf sie kein Fahrzeug lenken. Neben der
Geschwindigkeit und der Schlangenlinienfahrt zeigt die Videoaufzeichnung ebenso, wie
die Rekurrentin bei der Autobahnabfahrt eine Sperrfläche überfuhr. Dies war indes
keine zulässige Reaktion, um einem nahe auffahrenden Fahrzeug Platz zu machen
(act. 1, Rz. 16). Selbst Fahrzeugen von Blaulichtorganisationen ist nach Art. 27 Abs. 2
SVG der Vortritt nur zu gewähren, wenn diese mit Blaulicht und Wechselklanghorn
(Martinshorn) unterwegs sind (Art. 16 Abs. 1 VRV). Im Übrigen handelt es sich beim
Überfahren einer Sperrfläche um eine nicht unbedeutende Verkehrsregelverletzung
welche durchaus auch strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann (BGer
6B_110/2012 vom 28. Juni 2012 E. 4.2).
e) Die Rekurrentin bringt weiter vor, dass sich Polizeirapport und Videoaufzeichnung
widersprächen und es keine hinreichenden Hinweise für eine fehlende Fahreignung der
Rekurrentin gebe. Zu berücksichtigen ist, dass die Videoaufnahme nur einen Teil der
von der Polizei tatsächlich beobachteten Fahrt wiedergibt. Die früheren
Beobachtungen sind zwar nicht bildlich, jedoch schriftlich im Polizeibericht
festgehalten. Sie verdeutlichen, dass die Rekurrentin bereits über eine längere Strecke
beobachtet worden war, als sich die Polizisten aufgrund der auffälligen Fahrweise für
eine auf Video festzuhaltende Nachfahrkontrolle entschieden. Das Alter der Rekurrentin
konnte im damaligen Zeitpunkt nicht massgebend sein, denn davon erfuhr die Polizei
erst während der Anhaltung. Der Polizeibericht vom 25. März 2018 ist ausführlich und
detailliert abgefasst. Er berücksichtigt belastende und entlastende Momente. Von einer
einseitigen und unausgewogenen Rapportierung kann deshalb nicht gesprochen
werden. Die Schilderungen stimmen, soweit diese objektiv überprüfbar sind, mit dem
Video überein und es ist nicht ersichtlich, weshalb der Polizeibericht von den
tatsächlichen Gegebenheiten abweichen sollte oder die Polizisten die Rekurrentin
bewusst falsch belasten sollten.
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f) Die Rekurrentin macht weiter geltend, dass die Polizei sie durch das nahe Auffahren
in eine Stresssituation versetzt habe und es sei stossend, die generelle Fahrfähigkeit an
einer solchen ausserordentlichen Situation zu messen. Dies widerspricht ihrer Aussage,
wonach sie das nachfolgende Fahrzeug gar nicht bemerkt habe (act. 9/5). Im Übrigen
sind Verkehrsregelverletzungen durch Polizeibeamte in Fällen, in denen, wie etwa bei
Nachfahrkontrollen, weder Blaulicht noch Wechselklanghorn eingesetzt werden,
gestützt auf Art. 14 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt:
StGB) und allenfalls kantonales Polizeirecht (vgl. für den vorliegenden Fall § 15 Abs. 1
i.V.m. Abs. 2 lit. b PolG/BL) erlaubt und somit nicht strafbar, wenn diese im Rahmen
der Erfüllung polizeilicher Aufgaben erfolgt und verhältnismässig ist (BGE 141 IV 417
E. 3.2). Die Videoaufzeichnung enthält keine Anhaltspunkte dafür, dass die Fahrweise
der Polizeibeamten im Rahmen der gesetzlich vorgesehenen Nachfahrkontrolle
unverhältnismässig gewesen wäre.
g) Keine entscheidende Bedeutung kommt schliesslich dem Umstand zu, dass sich die
Rekurrentin erst kurz vor dem Ereignis einer ärztlichen Untersuchung unterzogen hatte,
die hinsichtlich der Fahreignung nur 18 Tage vor dem fraglichen Ereignis aus
medizinischer Sicht keine Einschränkungen ergab. Es trifft zwar zu, dass solche
Kontrolluntersuchungen im Normalfall alle zwei Jahre stattfinden (Art. 15d Abs. 2
aSVG). Fällt ein über 70-Jähriger jedoch negativ im Strassenverkehr auf, muss die
Fahreignung auch innerhalb eines kürzeren Intervalls überprüft werden können. Gerade
bei älteren Menschen kann sich der gesundheitliche Zustand innert kürzester Zeit
verschlechtern; darauf hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu Recht
hingewiesen. Namentlich treten mit zunehmendem Alter immer häufiger
verkehrsrelevante Krankheitszustände, wie beginnende Demenz-Erkrankungen,
Augenerkrankungen mit nachlassendem Sehvermögen, Folgen von Schlaganfällen,
Kreislauferkrankungen usw., auf (R. Seeger, Fahren im Alter – Hauptprobleme und
sinnvolle Konzepte zur Überprüfung der Fahreignung aus verkehrsmedizinischer Sicht,
in: R. Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2005, S. 14).
Entgegen der Auffassung der Rekurrentin werden häufigere Abklärungen vom Gesetz
nicht ausgeschlossen, zumal sich die vorliegende Anordnung explizit auf die
Generalklausel von Art. 15d Abs. 1 SVG stützt. Dem steht auch ein ungetrübter
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automobilistischer Leumund nicht entgegen. Zudem kam es gemäss den Aussagen der
Rekurrentin in der Vergangenheit wegen ihrer langsamen Fahrweise bereits einmal zu
einer polizeilichen Kontrolle. Auch wenn jener Vorfall weder eine Strafe noch eine
Administrativmassnahme nach sich zog, ändert dies nichts daran, dass sie wegen ihrer
Fahrweise erneut negativ auffiel.
5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass die Zweifel an der Fahreignung der Rekurrentin
berechtigt sind und die Vorinstanz zu Recht eine verkehrsmedizinische Untersuchung
anordnete. Im Hinblick auf den Schutz der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer
erscheint die angeordnete Massnahme angemessen und verhältnismässig. Die
vorinstanzliche Verfügung ist demzufolge zu bestätigen und der Rekurs folglich
abzuweisen.
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens ist keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen (Art. 98 VRP).