Decision ID: 8aa75091-5cf9-4ae7-9df6-71301c386762
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Verwaltungsgericht, 27.09.2016 Sozialhilfe, Leistungskürzung, Beweisanforderungen, Art. 115 BV, Art. 20 Abs. 1 ZUG, Art. 83 Abs. 1 und Art. 86 Abs. 1 AuG, Art. 81, Art. 82 Abs. 1 und 3, Art. 83 Abs. 1 lit. a AsylG, Art. 3 Abs. 1, Art. 4bis, Art. 9, Art. 10 Abs. 1 und 3, Art. 16 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 sowie Art. 17 lit. a SHG, Art. 12 VRP. Der Beschwerdegegner versuchte mittels eines offensichtlich gefälschten Dokuments und falscher Angaben situationsbedingte Leistungen zu erwirken. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz liegt keine fehlerhafte Feststellung des Sachverhalts resp. fehlerhafte Beweiswürdigung seitens der Beschwerdeführerin vor (E. 3.3). Die verfügte Kürzung des Grundbedarfs erweist sich angesichts des schwerwiegenden Fehlverhaltens des Beschwerdegegners als verhältnismässig (E. 3.5), (Verwaltungsgericht, B 2015/60). Entscheid vom 27. September 2016
Besetzung
Präsident Eugster; Verwaltungsrichter Linder, Heer, Bietenharder, Zindel;
Gerichtsschreiber Bischofberger
Verfahrensbeteiligte
Politische Gemeinde St. Gallen, Soziale Dienste St. Gallen, Brühlgasse 1, Postfach
563, 9004 St. Gallen,
Beschwerdeführerin,
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gegen
Departement des Innern des Kantons St. Gallen, Regierungsgebäude, 9001 St.
Gallen,
Vorinstanz,
und
X.Y.,
Beschwerdegegner,
Gegenstand
Kürzung der finanziellen Sozialhilfe
Das Verwaltungsgericht stellt fest
A. X.Y., geboren 1990, ist syrischer Staatsangehöriger. Er reiste am 16. August 2011 in
die Schweiz ein, wo das Staatssekretariat für Migration SEM seine vorläufige Aufnahme
ohne Flüchtlingseigenschaft anordnete. Seit Oktober 2011 wird er von den Sozialen
Diensten der Politischen Gemeinde St. Gallen monatlich mit CHF 450 finanziell
unterstützt. Zusätzlich wurden ihm situationsbedingte Leistungen im Betrag von
CHF 59 monatlich für den Besuch eines Deutschkurses des Vereins A. (fortan: A.)
ausgerichtet (act. 2/7, Beilage 3 und 4 zu act. 7/23, www. ...).
B. Mit Verfügung vom 30. Januar 2014 kürzten die Sozialen Dienste der Politischen
Gemeinde St. Gallen die finanzielle Unterstützung von X.Y. während drei Monaten ab
Rechtskraft der Verfügung um CHF 67.50 (15 Prozent der monatlichen Unterstützung),
da er am 16. Oktober 2013 eine Präsenzkontrolle der A. vorgelegt hatte, welche bereits
bis Ende November 2013 mit den entsprechenden Kontrollstempeln versehen war
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(act. 2/7). Einen dagegen am 3. Februar 2014 von X.Y. erhobenen Rekurs (act. 7/1)
hiess das Departement des Innern mit Entscheid vom 8. April 2015 gut, soweit es
darauf eintrat (act. 2/6). Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die
Stempelungen ab 21. Oktober 2013 seien so offensichtlich falsch gewesen, dass eine
diesbezügliche Täuschung des Sozialarbeiters von X.Y. schon bei einer von diesem
vorgenommenen rudimentären Prüfung ausgeschlossen gewesen sei. Ob X.Y. den
Deutschkurs der A. in der Zeit ab 12. August 2013 bis Ende September 2013
tatsächlich besucht habe, wofür er situationsbedingte Leistungen erhalten habe, sei
aufgrund der eingereichten Akten weder zweifelsfrei erstellt noch sei erwiesen, dass er
nicht am Unterricht teilgenommen habe. Weil die Politische Gemeinde St. Gallen X.Y.
die Leistungen kürzen wolle, trage sie die Folgen der Beweislosigkeit.
C. Gegen den Entscheid des Departements des Innern (Vorinstanz) vom 8. April 2015
erhob die Politische Gemeinde St. Gallen (Beschwerdeführerin) am 23. April 2015
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, in Gutheissung der
Beschwerde sei der angefochtene Entscheid unter Kostenfolge zu Lasten von X.Y.
(Beschwerdegegner) aufzuheben und die Verfügung vom 30. Januar 2014 in allen
Punkten zu bestätigen (act. 1). Mit Vernehmlassung vom 12. Mai 2015 schloss die
Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde (act. 6). Der Beschwerdegegner verzichtete
stillschweigend auf eine Vernehmlassung.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge

und die Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeeingabe vom 23. April 2015 erfolgte rechtzeitig und erfüllt formal und
inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 VRP). Aus dem Grundsatz der Einheit des Verfahrens ergibt sich, dass
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die kantonalrechtlichen Legitimationsschranken nicht enger sein dürfen als die
bundesrechtlichen (vgl. Art. 111 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 89 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht, Bundesgerichtsgesetz; SR 173.110, BGG,
und VerwGE B 2014/203 vom 25. Mai 2016 E. 4.1, www.gerichte.sg.ch). Gemeinden
sind im Bereich der Sozialhilfe in spezifischer Weise in der Wahrnehmung hoheitlicher
Aufgaben betroffen und sollen sich daher gegen Entscheide, die ihr
Verwaltungshandeln in diesem Bereich einschränken, zur Wehr setzen können (vgl.
BGer 8C_764/2015 vom 11. April 2016 E. 3.3 mit Hinweis auf BGE 140 V 328 E. 6.5,
siehe auch BGE 136 V 346 E. 3.5). Im konkreten Fall wirken sich die Erwägungen 3.4.2
ff. des angefochtenen Entscheides (act. 2/6, S. 8 ff.) in Bezug auf das Beweismass für
die strittige Kürzung der finanziellen Sozialhilfe nicht nur auf den Einzelfall, sondern auf
Kürzungen im Allgemeinen aus und schränken die Beschwerdeführerin in ihrem
Verwaltungshandeln ein. Die Beschwerdeführerin, vertreten durch deren Sozialen
Dienste (vgl. Art. 5 Abs. 1 des Sozialhilfegesetzes, sGS 381.1, SHG), ist folglich nach
der allgemeinen Legitimationsklausel gemäss Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP zur Beschwerde legitimiert. Im Übrigen ergibt sich ihre Legitimation auch aus Art.
64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 2 VRP (vgl. VerwGE B 2014/166 vom 17. Dezember
2015 E. 1 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Wie die Vorinstanz in Erwägung 1.3 des angefochtenen Entscheides (act. 2/6, S. 4)
zutreffend ausgeführt hat, bildet vorliegend einzig die Kürzung der finanziellen
Sozialhilfe des Beschwerdegegners in der Höhe von CHF 67.50 für die Dauer von drei
Monaten als Sanktion Verfahrensgegenstand (zur Rechtsnatur der sozialhilferechtlichen
Sanktionen vgl. P. Mösch Payot, „Sozialhilfemissbrauch?!“, in: C. Häfeli [Hrsg.], Das
Schweizerische Sozialhilferecht, Luzern 2008, S. 293). Nicht zu untersuchen sind die
Bemessung der Höhe der finanziellen Sozialhilfe des vorläufig aufgenommenen
Beschwerdegegners ohne Flüchtlingseigenschaft von monatlich CHF 450, die
Rückerstattung von zu viel bezogenen Leistungen bei missbräuchlicher Verwendung in
sozialhilferechtlicher Hinsicht sowie die Frage, ob dem in St. Gallen wohnhaften,
mittlerweile 26-jährigen Beschwerdegegner überhaupt ein Anspruch auf
situationsbedingte Leistungen (Aufwendungen für den öffentlichen Verkehr) für den
Besuch des Deutschkurses in St. Gallen zustand.
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3. Die Beschwerdeführerin macht geltend, der Beschwerdegegner sei verpflichtet
gewesen nachzuweisen, dass er den Deutschkurs an der A. tatsächlich besucht habe.
Er sei deshalb vom zuständigen Sozialberater aufgefordert worden, als Nachweis für
die Teilnahme das Anwesenheits-Stempelblatt der A. einzureichen. Das vom
Beschwerdegegner abgegebene Stempelblatt weise offensichtlich falsche
Stempelungen auf, welche einen zukünftigen Zeitraum betroffen hätten. Überdies habe
die A. mit E-Mail vom 24. April 2014 bestätigt, dass er seit Sommer 2013 nicht mehr als
Schüler registriert und auch nicht auf der Liste der Klasse 4b aufgeführt gewesen sei,
deren Stempelblatt er abgegeben habe. Damit sei hinreichend bewiesen, dass er ab
Sommer 2013 überhaupt nicht am Deutschkurs der A. teilgenommen habe. Der
Beschwerdegegner habe eine Bestätigung für die Teilnahme an einem Deutschkurs
abgegeben, welchen er gar nicht besucht habe. Damit habe er eine unwahre Auskunft
über seine Teilnahme am Deutschkurs gegeben und versucht, situationsbedingte
Leistungen für die Zukunft zu erwirken, obwohl er darauf keinen Anspruch habe. Die
Mangelhaftigkeit der Kontrolle an der A. rechtfertige keinen Missbrauch von Sozialhilfe.
Die Verletzung der sozialhilferechtlichen Auskunftspflicht sei im Übrigen nicht an eine
Täuschungsabsicht geknüpft.
3.1. Laut Art. 115 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR
101, BV) werden Bedürftige von ihrem Wohnkanton unterstützt. Der Bund regelt die
Ausnahmen und Zuständigkeiten (vgl. zum Unterschied zwischen dem
verfassungsmässigen Anspruch auf Hilfe in Notlagen gemäss Art. 12 BV und den
kantonalrechtlichen Sozialhilfeleistungen nach Art. 115 BV BGer 8C_930/2015 vom
15. April 2016 E. 4.1 mit Hinweisen). Gemäss Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger (Zuständigkeitsgesetz; SR 851.1,
ZUG) werden Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz vom Wohnkanton unterstützt (vgl.
zum Unterstützungswohnsitz Art. 4 Abs. 1 ZUG), soweit es dessen Gesetzgebung, das
Bundesrecht oder völkerrechtliche Verträge vorsehen. Nach Art. 86 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (Ausländergesetz; SR 142.20,
AuG) regeln die Kantone die Festsetzung und die Ausrichtung der Sozialhilfe für im
Sinne von Art. 83 Abs. 1 AuG vorläufig aufgenommene Personen. Die Bestimmungen
der Artikel 80-84 des Asylgesetzes (SR 142.31, AsylG) für Asylsuchende sind
anwendbar. Art. 86 Abs. 1 Satz 3 AuG schreibt vor, dass für vorläufig aufgenommene
Ausländer mit Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 83 Abs. 8 AuG bezüglich
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Sozialhilfestandards die gleichen Bestimmungen wie für Flüchtlinge gelten, denen die
Schweiz Asyl gewährt hat (siehe auch Art. 23 des Abkommens über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge, SR 0.142.30, FK). Diese Bestimmung kommt vorliegend indessen nicht
zur Anwendung, da es sich beim Beschwerdegegner um einen vorläufig
aufgenommenen Ausländer ohne Flüchtlingseigenschaft handelt (Beilage 4 zu act.
7/23). Nach Art. 81 AsylG erhalten Personen, die sich gestützt auf das AsylG in der
Schweiz aufhalten und die ihren Unterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können,
die notwendigen Sozialhilfeleistungen, sofern nicht Dritte auf Grund einer gesetzlichen
oder vertraglichen Verpflichtung für sie aufkommen müssen. Für die Ausrichtung von
Sozialhilfeleistungen gilt kantonales Recht (Art. 82 Abs. 1 Satz 1 AsylG). Nach Art. 82
Abs. 3 Satz 1 AsylG ist für Asylsuchende die Unterstützung nach Möglichkeit in Form
von Sachleistungen auszurichten. Mit dieser Massnahme soll insbesondere verhindert
werden, dass Sozialhilfeleistungen für die Unterstützung von Verwandten im
Herkunftsland verwendet werden (vgl. F. Wolffers, Grundriss des Sozialhilferechts, 2.
Aufl. 1999, S. 186). Der Ansatz für die Unterstützung liegt unter dem Ansatz für die
einheimische Bevölkerung (Art. 82 Abs. 3 Satz 2 AsylG, siehe auch BGer
8C_1025/2009 vom 19. August 2010 E. 7.3 mit Hinweis auf BGE 130 I 1 E. 3.6.1 f.,
kritisch: G. Wizent: Das Recht auf Asylsozialhilfe: Ein kritischer Blick auf ein
Sonderrecht, in: Asyl 1/16, S. 3 ff., S. 8). Gemäss Art. 83 Abs. 1 lit. a AsylG sind
Sozialhilfeleistungen insbesondere dann ganz oder teilweise abzulehnen, zu kürzen
oder zu entziehen, wenn die begünstigte Person sie durch unwahre oder
unvollständige Angaben erwirkt oder zu erwirken versucht hat.
Nach kantonalem Recht ist die politische Gemeinde zuständig für die Leistung der
persönlichen (betreuenden und finanziellen) Sozialhilfe (Art. 3 Abs. 1 SHG, vgl. hierzu
Art. 12 Abs. 3 ZUG). Wer für seinen Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht
rechtzeitig aus eigenen Mitteln aufkommen kann, hat Anspruch auf finanzielle
Sozialhilfe (Art. 9 SHG, zum Begriff Bedürftigkeit siehe auch Art. 2 Abs. 1 ZUG), soweit
keine Hilfeleistung durch unterstützungspflichtige Verwandte, andere Private oder
private Sozialhilfeinstitutionen gewährt wird oder diese nicht rechtzeitig verfügbar ist
und kein Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen oder auf Sozialhilfe nach der
besonderen Gesetzgebung besteht (vgl. Art. 2 Abs. 2 SHG). Die finanzielle Sozialhilfe
umfasst Geld- und Naturalleistungen sowie Kostengutsprachen (Art. 10 Abs. 1 SHG).
Sie wird so geleistet, dass sie weder durch die hilfebedürftige Person noch durch ihre
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Familienangehörigen missbraucht werden kann (Art. 10 Abs. 3 SHG). Wer gestützt auf
Art. 9 SHG um finanzielle Sozialhilfe ersucht, erteilt wahrheitsgetreu und vollständig
Auskunft (Art. 16 Abs. 1 lit. a SHG). Wer finanzielle Sozialhilfe bezieht, meldet
umgehend Tatsachen, die Anspruch oder Berechnung verändern (Art. 16 Abs. 2 SHG).
Finanzielle Sozialhilfe wird verweigert, gekürzt oder eingestellt, wenn die hilfesuchende
Person insbesondere keine oder unrichtige Auskünfte erteilt (Art. 17 lit. a SHG).
3.2. Nach Art. 4 SHG ermittelt das mit dem Vollzug des Gesetzes betraute Organ den
Sachverhalt zur Feststellung und Überprüfung des Anspruchs auf persönliche
Sozialhilfe und zur Bemessung der Höhe der finanziellen Sozialhilfe (siehe auch Art. 12
VRP). Aufgrund der Untersuchungspflicht gemäss Art. 4 SHG und Art. 12 VRP muss
die Behörde die entscheidrelevanten Tatsachen mindestens so weit abklären, dass
diese im Rahmen des im konkreten Fall erforderlichen Beweismasses bzw. Beweis-
oder Wahrscheinlichkeitsgrades als erstellt gelten können. Grundsätzlich gilt das
Regelbeweismass der vollen Überzeugung. Demnach gilt ein Beweis dann als erbracht,
wenn die Entscheidinstanz nach objektiven Gesichtspunkten von der Richtigkeit eines
Sachverhaltselements überzeugt ist. Absolute Gewissheit kann dabei nicht verlangt
werden. Es genügt, wenn die Entscheidbehörde am Vorliegen der behaupteten
Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr hat oder allenfalls verbleibende Zweifel als
leicht erscheinen bzw. wenn die Überzeugung von der Lebenserfahrung und Vernunft
getragen und auf sachliche Gründe abgestützt ist (vgl. K. Plüss, in: A. Griffel [Hrsg.],
Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, § 7
N 25 f., und Kiener/Rütsche/Kuhn, öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl. 2015, § 5 N
727).
Nach Art. 21 Abs. 3 VRP würdigt die Entscheidbehörde die Beweise nach freier
Überzeugung. Dies bedeutet, dass die Bewertung der einzelnen Beweismittel nicht
starren Regeln folgt und dass die Entscheidbehörde frei darüber befindet, ob das
gesetzlich geforderte Beweismass erreicht ist. Kann eine Tatsache nicht direkt
bewiesen werden, ist es zulässig, mittelbar auf diese zu schliessen. Diesfalls müssen
Umstände (Vermutungsbasis) vorliegen, die auf die zu beweisende Tatsache
(Vermutungsfolge) mit Sicherheit oder doch mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit
schliessen lassen (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen,
2. Aufl. 2003, N 615 f., 619 und 621, und BGE 130 II 482 E. 3.2 mit Hinweisen).
bis
bis
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Die Beweislast liegt für anspruchsbegründende Tatsachen beim Gesuchsteller, bei der
Kürzung oder beim Entzug von Leistungen und dem damit verbundenen Nachweis
anspruchsaufhebender Tatsachen sowie bei der Rückerstattung bei den
Sozialhilfebehörden (vgl. Ursprung/Riedi Hunold, Verfahrensgrundsätze und
Grundrechtsbeschränkungen in der Sozialhilfe, in: ZBl 116/2015 S. 403 ff., S. 413, und
VerwGE B 2013/172 vom 19. August 2014 E. 2.1 sowie VerwGE B 2014/80 vom 27.
November 2015 E. 3.1.1, www.gerichte.sg.ch).
3.3. Wie die Vorinstanz in Erwägung 3.5 des angefochtenen Entscheides (act. 2/6, S. 8
f.) selbst einräumt, waren die Stempelungen ab 21. Oktober 2013 auf dem vom
Beschwerdegegner am 16. Oktober 2013 bei der Beschwerdeführerin eingereichten
Präsenzblatt offensichtlich gefälscht. Bereits aus diesem Grund ist erstellt, dass der
Beschwerdegegner der Beschwerdeführerin unrichtige Auskünfte im Sinne von Art. 17
lit. a SHG erteilt hat. Diesbezüglich vermag der Beschwerdegegner lediglich mit der
Behauptung, eine ihm namentlich nicht bekannte Person habe das Präsenzblatt im
Schulbüro abgestempelt bzw. gefälscht (vgl. Rekurseingaben vom 3. Februar und 4.
Juni 2014, act. 7/1 und 13), nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Schliesslich musste
die Fälschung auch für ihn offensichtlich gewesen sein. Dies hielt ihn aber nicht davon
ab, das gefälschte Stempelblatt bei der Beschwerdeführerin einzureichen, um
situationsbedingte Leistungen zu erwirken. Folglich tut nichts zur Sache, wer bei der A.
damals für das Abstempeln der Präsenzblätter zuständig war und ob die
Anwesenheitskontrolle der A. damals mangelhaft geregelt war. In sozialhilferechtlicher
Hinsicht nicht weiter von Belang ist sodann, ob beim Beschwerdegegner eine
strafrechtlich relevante Täuschungsabsicht vorlag (vgl. hierzu Art. 146 Abs. 1 des
Schweizerischen Strafgesetzbuches, SR 311.0, StGB).
Weiter stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin aus dem im Rekursverfahren
eingereichten E-Mail der A. vom 24. April 2014 (act. 2/3) zu Recht abgeleitet hat, dass
der Beschwerdegegner ab August 2013 den Deutschkurs der A. nicht mehr besuchte.
In diesem E-Mail und dem Schreiben der A. vom 29. April 2014 (act. 2/4) bestätigte die
A., dass der Beschwerdegegner seit Sommer 2013 nicht mehr als Schüler registriert
und auch nicht auf der Klassenliste 4b gemäss Stempelblatt aufgeführt war. Angesichts
dessen und der Tatsache, dass der Beschwerdegegner vom August 2013 bis
Januar 2014 anstelle des Deutschkurses der A. denjenigen des Vereins B. besuchte
http://www.gerichte.sg.ch
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(act. 7/24, www. ...), ist die von der Beschwerdeführerin getroffene Vermutungsfolge
nicht zu beanstanden. Aufgrund dieser Beweise bestehen keine ernsthaften Zweifel,
dass der Beschwerdegegner den Deutschkurs der A. ab August 2013 nicht mehr
besuchte. Damit erübrigte sich auch die von der Vorinstanz offenbar als notwendig
erachtete Befragung der für die Klasse 4b des Beschwerdegegners (vgl. act. 2/2)
zuständigen Lehrperson durch die Beschwerdeführerin (vgl. E. 3.5 des angefochtenen
Entscheids, act. 2/6, S. 8 f.). Es wäre am Beschwerdegegner gelegen, die
Schlussfolgerung der Beschwerdeführerin, er habe ab August 2013 den Deutschkurs
der A. nicht mehr besucht, im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht zu widerlegen.
Anhaltspunkte, welche die in Frage stehende Schlussfolgerung umzustossen
vermöchten, sind weder ersichtlich noch vom Beschwerdegegner oder der Vorinstanz
dargetan. Vielmehr hat der Beschwerdegegner in seiner Rekursergänzung vom 4. Juni
2014 (act. 7/13) sinngemäss eingeräumt, die ihm für den Besuch des Deutschkurses
der A. gewährten situationsbezogenen Leistungen für den allgemeinen Lebensunterhalt
verwendet zu haben, da er zu wenig Geld für seinen Lebensunterhalt erhalten, deshalb
kein Billett für den öffentlichen Verkehr gekauft und demzufolge mit dem Besuch des
Deutschkurses bei der A. aufgehört habe. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist
keine fehlerhafte Feststellung des Sachverhalts bzw. fehlerhafte Beweiswürdigung
seitens der Beschwerdeführerin erkennbar. Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin
im angefochtenen Entscheid überhöhte Beweisanforderungen auferlegt, indem sie von
ihr einen negativen Beweis erwartet hat, nämlich den Beweis dafür, dass der
Beschwerdegegner im strittigen Zeitraum den A.-Deutschkurs nicht (mehr) besucht hat.
3.4. Das SHG enthält keine Vorschriften zur Dauer und zur Höhe einer Kürzung der
finanziellen Sozialhilfe. Bei den von der Vorinstanz zitierten Richtlinien der
Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe SKOS für die Ausgestaltung und Bemessung
der Sozialhilfe (fortan: SKOS-Richtlinien, skos.ch), welche die Beschwerdeführerin
anwendet, handelt es sich sodann um Empfehlungen. Eine
Allgemeinverbindlicherklärung im Sinne von Art. 11 Abs. 2 lit. a SHG ist für den Kanton
St. Gallen nicht erfolgt (vgl. VerwGE B 2014/54 vom 30. Juni 2015 E. 3.4.1 mit
Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Gleiches gilt für die Richtlinien und Praxishilfe der St.
Gallischen Konferenz der Sozialhilfe KOS (KOS-Richtlinien, www.kos-sg.ch) und die
Richtlinien der Gemeinde im Flüchtlings- und Asylwesen der Vereinigung St. Galler
Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten (VSGP) sowie der KOS
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(nachstehend: Richtlinien Asylwesen, Beilage 5 zu act. 7/23, vgl. Botschaft der
Regierung zum III. Nachtrag zum Sozialhilfegesetz vom 16. Oktober 2012, ABl 2012 S.
3351 ff., S. 3368), welche die Beschwerdeführerin ebenfalls anwendet (vgl. act. 7/23).
Die Voraussetzungen der Leistungskürzung als Sanktion und der Kürzungsumfang
werden in den SKOS- und den KOS-Richtlinien je unter lit. A.8.2 und in den Richtlinien
Asylwesen unter lit. BB/13 umschrieben (vgl. E. 3.5 hiernach, siehe auch C. Hänzi, Die
Richtlinien der schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, Basel 2011, S. 176 ff.). Nach
der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts ist bei der Kürzung von
Unterstützungsleistungen zu berücksichtigen, dass sie zumutbar und die betroffene
Person informiert oder verwarnt worden sein muss. Überdies muss die Kürzung in
angemessenem Verhältnis zum Fehlverhalten stehen und die betroffene Person durch
Änderung ihres Verhaltens dafür sorgen können, dass die Kürzung ab einem späteren
Zeitpunkt rückgängig gemacht werden kann. Des Weiteren können Leistungen gekürzt
oder entzogen werden, wenn sich die unterstützte Person rechtsmissbräuchlich
verhält, indem sie beispielsweise eine Erwerbstätigkeit nur deshalb nicht aufnimmt, um
in den Genuss von Sozialhilfeleistungen zu gelangen. Selbst ohne gesetzliche
Grundlage ist ein vollständiger Leistungsentzug zulässig, wenn sich die unterstützte
Person rechtsmissbräuchlich verhält (vgl. VerwGE B 2013/34 vom 12. Februar 2014 E.
2, VerwGE B 2010/191 vom 30. November 2010 E. 2.1 und VerwGE B 2009/64 vom
19. August 2009 E. 3.1 je mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Bei der individuellen
Ausgestaltung des kantonalrechtlichen Anspruchs auf Sozialhilfe verbleibt den
Gemeinden eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit (vgl. BGE 140 V 328 E. 6.4.1
ff.). In diesem Sachbereich, insbesondere bei der Leistungskürzung, sind die
Gemeinden autonom (vgl. Art. 50 Abs. 1 BV, Art. 89 Abs. 1 der Verfassung des Kantons
St. Gallen, sGS 111.1, KV, sowie BGer 8C_500/2012 vom 22. November 2012 E. 3.2 ff.
mit Hinweisen, einschränkender: G. Wizent, Die sozialhilferechtliche Bedürftigkeit,
Zürich/St. Gallen 2014, S. 154 ff.). Mithin ist die grundsätzlich umfassende Kognition
der Vorinstanz vorliegend auf die Rechtskontrolle beschränkt (vgl. Art. 46 Abs. 2 VRP),
was für das Verwaltungsgericht ohnehin gilt (vgl. Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP sowie
Cavelti/Vögeli, a.a.O., N 740). Unbesehen davon, ob der Beschwerdegegner im
Rekursverfahren die Dauer und Höhe der Leistungskürzung überhaupt rügte (vgl. hierzu
VerwGE B 2015/20 vom 23. August 2016 E. 1.2, www.gerichte.sg.ch), ist daher aus
verfahrensökonomischen Gründen von einer Rückweisung der Sache (vgl. Art. 64 in
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Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP) an die Vorinstanz hinsichtlich der von ihr offen
gelassenen Frage, ob die Dauer und Höhe der Leistungskürzung rechtsfehlerhaft sind,
abzusehen.
3.5. Wie bereits hiervor unter E. 3.3 ausgeführt, hat der Beschwerdegegner mit seinem
Verhalten den Kürzungsgrund nach Art. 17 Abs. 1 lit. a SHG gesetzt. Wie sich aus
seiner Rekurseingabe vom 3. Februar 2014 (act. 7/1) ergibt, war ihm bekannt, dass er
für den Bezug der situationsbedingten Leistungen (SIL) im Sinne von lit. C.I der SKOS-
Richtlinien korrekte Präsenzblätter der A. einreichen musste. Auch wurde er am
29. November 2013 vom zuständigen Sozialberater über die bevorstehende Kürzung
informiert (act. 2/3, S. 3). Sein Fehlverhalten wiegt schwer. Er hat mittels eines
offensichtlich gefälschten Dokuments und falscher Angaben versucht,
situationsbedingte Leistungen zu erwirken. Die von der Beschwerdeführerin am
30. Januar 2014 verfügte Kürzung des Grundbedarfs für den Lebensunterhalt (act. 2/7)
von monatlich CHF 67.50 oder 15 % von CHF 450 während dreier Monate bewegt sich
im unteren Bereich des von der SKOS und der KOS als zulässig erachteten
Kürzungsumfangs von 5 bis 30 % während maximal 12 Monaten (vgl. lit. A.8.2 der
SKOS-Richtlinien sowie der KOS-Richtlinien) und – betragsmässig – an der Obergrenze
von höchstens 15 % des Grundbedarfs gemäss den Richtlinien Asylwesen (vgl. lit. BB/
13 der Richtlinien Asylwesen). Angesichts der Schwere des Fehlverhaltens des
mittlerweile 26-jährigen kinderlosen Beschwerdeführers erweist sich die auf drei
Monate befristete Kürzung gesamthaft betrachtet als verhältnismässig, auch wenn es
sich dabei um eine erstmalige Verfehlung des Beschwerdegegners handeln sollte. Der
Beschwerdeführerin kann weder eine rechtsfehlerhafte Ermessensausübung noch eine
Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 BV) vorgeworfen
werden. Daran vermag die vom Beschwerdegegner geltend gemachte psychische
Erkrankung (vgl. act. 7/17) nichts zu ändern. Abgesehen davon, dass der
Beschwerdegegner diese angebliche Erkrankung nicht weiter belegt, ist die
Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 14a Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (sGS 331.11, EG-KVG)
verpflichtet, fällige Prämien und Kostenbeteiligungen sowie Betreibungskosten und
Verzugszinsen zu übernehmen (vgl. zum Krankenversicherungsobligatorium Art. 86
Abs. 2 AuG in Verbindung mit Art. 82a AsylG und Art. 3 Abs. 1 und 3 des
Bundesgesetzes über die Krankenversicherung, SR 832.10, KVG, in Verbindung mit
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Art. 1 Abs. 2 lit. c und Art. 7 Abs. 5 Satz 2 der Verordnung über die
Krankenversicherung, SR 832.102, KVV). Ungeachtet dessen, ob es dabei um
individuelle Prämienverbilligungen im Sinne einer vollständigen Prämienreduktion (vgl.
G. Wizent, a.a.O., S. 316, sowie Art. 3 Abs. 2 lit. b ZUG, lit. B.5.1 der SKOS- und KOS-
Richtlinien sowie lit. BB/10 der Richtlinien Asylwesen) oder um eine Sachleistung der
Sozialhilfe handelt (vgl. BGE 133 V 353 E. 4.4), bleibt diese Kostenübernahme durch
die politische Gemeinde ohne Einfluss auf die finanzielle Sozialhilfe. Darüber hinaus
wären für krankheitsbedingte Mehrleistungen situationsbedingte Leistungen zu
gewähren (vgl. lit. C.I.I der SKOS- resp. KOS-Richtlinien).
3.6. Die Beschwerde ist gutzuheissen und der angefochtene Entscheid aufzuheben.
Damit gilt die Verfügung der Beschwerdeführerin vom 30. Januar 2014.
4. Die Beschwerdeführerin obsiegt, weshalb die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Beschwerdegegners gehen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von CHF 1500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung seines Kostenanteils ist
angesichts seiner prozessualen Bedürftigkeit in Anwendung von Art. 97 VRP zu
verzichten. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss von CHF
1500 zurückerstattet.
Die Beschwerdeführerin war weder berufsmässig vertreten noch belegt und begründet
sie zu entschädigende Auslagen. Soweit ihr Rechtsbegehren Ziff. 3 – „Unter
Kostenfolge zu Lasten des Beschwerdegegners.“ – einen Antrag auf ausseramtliche
Entschädigung mitenthalten sollte, kann ihr deshalb weder eine Partei- noch eine
Umtriebsentschädigung zugesprochen werden (vgl. 98 VRP in Verbindung mit Art. 95
Abs. 3 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO,
sowie VerwGE K 2014/2 vom 25. Februar 2016 E. 4 mit Hinweis auf VerwGE B
2013/178 vom 12. Februar 2014 E. 4 f., www.gerichte.sg.ch). Damit erübrigt sich
vorliegend auch die Frage, ob der Beschwerdeführerin überhaupt ein Anspruch auf die
Entschädigung ausseramtlicher Kosten zustehen würde (vgl. VerwGE B 2014/203 vom
25. Mai 2016 E. 5.2 mit Hinweisen).
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© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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