Decision ID: beff53f1-b4b2-586d-ab92-0dbe4ad8812c
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Insolvenzentschädigung
Sachverhalt:
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A.
S._ stand als Drucktechnologe in einem Arbeitsverhältnis zur A._, welches er auf
den 31. März 2007 kündigte (act. G 1.7). Nach erfolgter Kündigung wurde er in
gegenseitigem Einverständnis ab dem 16. Februar 2007 freigestellt (act. G 3.5 und
3.12). Über die Firma wurde am 26. März 2007 der Konkurs eröffnet.
B.
Am 11. April 2007 stellte der Versicherte einen Antrag auf Insolvenzentschädigung bei
der Arbeitslosenkasse des Kantons St. Gallen (ALK) für den Lohn für den Monat März
2007, den anteilmässigen 13. Monatslohn im Jahr 2007 sowie nichtbezogene
Ferientage und erarbeitete Überzeit (act. G 3.1). Am 6. Juni 2007 ermittelte die
Kantonale Arbeitslosenkasse eine Insolvenzentschädigung in der Höhe von Fr. 694.05
(anteiliger 13. Monatslohn vom 1.1.2007 bis 16.2.2007) und zahlte davon 70% aus (act.
G 3.21). Der Versicherte verlangte am 8. Juni 2007 eine detaillierte Verfügung mit
Berechnung und Begründung (act. G 3.22). Mit Verfügung vom 14. Juni 2007 bestätigte
die Arbeitslosenkasse die Teilabrechnung und lehnte den Antrag auf Auszahlung des
März-Lohnes, der nichtbezogenen Ferientage sowie der Überstunden ab, zumal keine
Bestätigung der Arbeitgeberin über Ferien- und Überzeitguthaben und keine
Arbeitszeitrapporte eingereicht worden seien (act. G 3.23). Gegen diese Verfügung
erhob der Versicherte am 1. Juli 2007 Einsprache mit der Begründung, dass der Lohn
nicht nur bis zur Freistellung, sondern bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses
geschuldet sei. Er habe die geforderten Unterlagen jeweils eingereicht und seine
Forderungen glaubhaft dargelegt, wenn auch weitere Unterlagen infolge Konkurs- und
Rechtsstreitigkeiten nicht geliefert werden könnten. Mit Einspracheentscheid vom 4.
Juli 2007 hiess die Arbeitslosenkasse die Einsprache teilweise gut und setzte die
Insolvenzentschädigung auf Fr. 4'601.45 für die Zeit vom 17. Oktober 2006 bis 16.
Februar 2007 fest (act. G 3.28).
C.
Gegen den Einspracheentscheid erhob der Versicherte am 31. Juli 2007 Beschwerde
beim Versicherungsgericht und beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheids
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sowie die Festsetzung der Insolvenzentschädigung auf insgesamt Fr. 21'358.95. Die
Überstunden und Ferienguthaben seien nicht anteilig für die letzten vier Monate,
sondern als Ganzes zu entschädigen, zumal diese mit der Kündigung und damit innert
der letzten vier Monate vor dem Konkurs fällig geworden seien. Der Lohn für den
Monat März 2007 müsse ebenfalls entschädigt werden, weil der Arbeitgeber mit der
Freistellung auf die Arbeitsleistung verzichtet, ihm aber den Lohn dennoch zu
entschädigen habe. Mit den eingereichten Unterlagen seien seine Ansprüche glaubhaft
dargelegt (act. G 1).
D.
In der Beschwerdeantwort vom 31. August 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Für die Zeit der Freistellung bestehe kein Anspruch
auf Insolvenzentschädigung und für deren Berechnung seien nur die vier letzten
Monate des Arbeitsverhältnisses und damit nur die geleisteten Überstunden und die
Ferienanteile für diese vier Monate zu entschädigen (act. G 3).

Erwägungen:
1.
Was vom Beschwerdeführer nach den Bestimmungen des Bundesgesetzes vom
30. März 1911 betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
(Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR; SR 220]) geltend gemacht wird, mag für seine
arbeitsrechtlichen Ansprüche gegenüber der Arbeitgeberin zutreffen. Allfällige
Ansprüche gegenüber der kantonalen Arbeitslosenkasse auf Insolvenzentschädigung
beurteilen sich hingegen in erster Linie nach den Bestimmungen des Bundesgesetzes
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
(AVIG; SR 837.0), weshalb Ansprüche aus dem Arbeitsrecht nicht mit jenen auf
Insolvenzentschädigung gleichzusetzen sind.
2.
2.1 Beitragspflichtige Arbeitnehmer von Arbeitgebern, die in der Schweiz der
Zwangsvollstreckung unterliegen, haben nach Art. 51 Abs. 1 lit. a AVIG Anspruch auf
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Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihren Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und
ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen für geleistete, aber nicht bezahlte Arbeit
zustehen. Die Insolvenzentschädigung deckt die Lohnforderungen für die letzten vier
Monate des Arbeitsverhältnisses vor der Konkurseröffnung sowie allfällige
Lohnforderungen für Arbeitsleistungen nach der Konkurseröffnung, für jeden Monat
jedoch nur bis zum Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 2 (Art. 52 Abs. 1 Satz 1 AVIG).
2.2 Nach dem Willen des Gesetzgebers muss es sich um Lohnansprüche für geleistete
Arbeit handeln. Dazu gehören grundsätzlich alle Forderungen, die eine Gegenleistung
des Arbeitgebers für im Leistungszeitraum erbrachte Arbeit darstellen. Der Zweck der
Insolvenzentschädigung besteht darin, den Versicherten jene Lohnsumme
sicherzustellen, mit der sie in den vier Monaten vor der Konkurseröffnung über den
Arbeitgeber rechnen durfte (SVR 1996 ALV Nr. 73 E. 4b). Die Fälligkeit der Ansprüche
ans Arbeitsrecht ist dabei nicht massgeblich. Der Schutzzweck der
Insolvenzentschädigung erstreckt sich nur auf tatsächlich geleistete, aber nicht
entlöhnte Arbeit (BGE 132 V 84 E. 3.1; ARV 2006 Nr. 6 E. 3.1; Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer (Hrsg.), Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Rz 617 mit weiteren
Hinweisen).
2.3 Die Frage, ob Ansprüche für geleistete Arbeit im Sinn von Art. 51 ff. AVIG in Frage
stehen, beurteilt sich nicht danach, ob qualitativ oder quantitativ vertragsmässig
gearbeitet wurde. Es geht vielmehr um Lohnansprüche für effektive Arbeitszeit,
während welcher die versicherte Person durch die Arbeitsvermittlung nicht vermittelbar
war, weil sie in dieser Zeit dem Arbeitgeber zur Verfügung stehen muss. Massgebend
für die Bestimmung, ob Anspruch auf Insolvenzentschädigung besteht, d.h. ob
geleistete Arbeit im Sinne von Art. 51 ff. AVIG vorliegt, ist somit die Abgrenzung
gegenüber der Arbeitslosenversicherung und damit, ob die versicherte Person in der
fraglichen Zeit vermittlungsfähig war (Art. 15 Abs. 1 AVIG) und sie die
Kontrollvorschriften (Art. 17 AVIG) erfüllen konnte. Wird dies bejaht, so besteht kein
Anspruch auf Insolvenzentschädigung (BGE 132 V 85 E. 3.2). Bei einer Freistellung
kann sich die betroffene Person grundsätzlich wie jede arbeitslose Person sogleich
nach einer neuen Beschäftigung umsehen und ist der vermittlungsfähigen
arbeitnehmenden Person gleichzustellen, die nach Eröffnung des Konkurses Anspruch
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auf den Kündigungslohn hat (BGE 132 V 86 E. 3.2; ARV 2003 S. 256 E. 2.4.1; anderer
Meinung: Nussbaumer, a.a.O., Rz 618).
2.4 Die Insolvenzentschädigung deckt gemäss Art. 51 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 AVIG
jene Lohnforderungen, die für vor dem massgebenden Stichtag des eingetretenen
Konkurses geleistete Arbeit geschuldet sind. Ist das Arbeitsverhältnis vor dem Eintritt
der Zahlungsunfähigkeit aufgelöst, so ist die Rückrechnung vom letzten Tag des
Arbeitsverhältnisses vorzunehmen (Nussbaumer, a.a.O., Rz 622). Im Fall einer
Freistellung erfolgt die Rückrechnung ab dem letzten Arbeitstag. Zu den von der
Insolvenzentschädigung gedeckten Lohnforderungen gehören insbesondere der
Grundlohn und Entschädigungen für Lohnzulagen. Für den 13. Monatslohn besteht
indes nur ein pro rata temporis Anspruch auf die entschädigungsberechtigenden
(maximal vier) Lohnmonate, da er für jeden Monat anteilmässig geschuldet, seine
Fälligkeit indes regelmässig aufgeschoben ist (ARV 1986 Nr. 15 E. 2c; Urs Burgherr,
Die Insolvenzentschädigung, Diss. Zürich 2004, S. 109). Dasselbe gilt für nicht
ausbezahlte Ferienentschädigung, für die auch ein pro rata temporis Anspruch auf die
entschädigungsberechtigenden Lohnmonate besteht (Burgherr, a.a.O., S. 110). Aus
dem Zweck der Insolvenzentschädigung, der versicherten Person jene Lohnsumme
sicherzustellen, mit der sie in den vier Monaten vor der Konkurseröffnung über den
Arbeitgeber rechnen durfte (SVR 1996 ALV Nr. 73 E. 4b), ergibt sich bezüglich der
Überstundenentschädigung dieselbe Regel, dass nur jene Überstunden berücksichtigt
werden, welche innert der letzten vier Monate vor Konkurs geleistet wurden.
3.
3.1 Streitig ist im vorliegenden Fall, ob auch für den Monat März 2007 eine
Insolvenzentschädigung geschuldet ist, inwieweit ein Anspruch auf den 13. Monatslohn
besteht und ob die Überstunden- und Ferienguthaben als Ganzes oder nur anteilig
entschädigt werden müssen.
3.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerdeschrift den Lohn für den Monat
März 2007 in der Höhe von Fr. 5'300.-- geltend. Der Vereinbarung zwischen dem
Beschwerdeführer und seiner Arbeitgeberin vom 15. Februar 2007 ist zu entnehmen,
dass er vom 16. Februar 2007 an vollständig freigestellt war und für die
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Arbeitgeberfirma keinerlei Aktivitäten mehr vorzunehmen hatte (act. G 3.2). Damit gab
es auch keine Arbeitszeit mehr abzudecken, während welcher er der Arbeitsvermittlung
nicht hätte zur Verfügung stehen können. Vielmehr ist der Beschwerdeführer ab dem
16. Februar 2007 als vermittlungsfähig zu betrachten (ARV 2003 S. 257 E. 2.4.3),
weshalb er für den Kündigungslohn des Monats März 2007 keinen Anspruch auf
Insolvenzentschädigung hat.
3.3 Der Beschwerdeführer beantragt den anteiligen 13. Monatslohn für die Monate
Januar bis März 2007 in der Höhe von Fr. 1'324.95. In der Verfügung bzw. im
angefochtenen Einspracheentscheid wurde ein anteiliger 13. Monatslohn für die Zeit
vom 1. Januar bis 16. Februar 2007 von Fr. 694.05 für die Insolvenzentschädigung
angerechnet. Es stellt sich daher lediglich die Frage nach der Berücksichtigung des
anteiligen 13. Monatslohns im Zeitraum vom 17. Februar bis zum 31. März 2007 für die
Insolvenzentschädigung. Für die Berechnung des anteiligen 13. Monatslohns sind
wiederum allein die entschädigungsberechtigenden vier Lohnmonate, in denen der
Lohn anteilmässig geschuldet ist, massgeblich. Aufgrund der Freistellung ab dem 16.
Februar 2007 besteht kein Anspruch auf Ersatz des Kündigungslohns durch die
Insolvenzentschädigung. Daher besteht für den genannten Zeitraum vom 17. Februar
bis zum 31. März 2007 ebenfalls kein Anspruch auf anteiligen 13. Monatslohn.
3.4 Weiter beantragt der Beschwerdeführer für die aufgelaufenen, noch nicht
bezogenen Ferien den Betrag von Fr. 7'392.--. Die Beschwerdegegnerin hat im
Einspracheentscheid einen Anspruch auf anteilige Entschädigung der noch nicht
bezogenen Ferien für vier Monate im Umfang von Fr. 2'086.35 bejaht (act. G 1.1/E. 2d).
Da eine Abgeltung der noch nicht bezogenen Ferien in der Insolvenzentschädigung
auch nur pro rata vorgesehen ist, sind nicht die vom Beschwerdeführer geforderten
gesamten aufgelaufenen Ferientage zu entschädigen.
3.5 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er einen Anspruch aus der
Insolvenzentschädigung auf die gesamten geleisteten und noch nicht ausbezahlten
Überstunden in der Höhe von Fr. 7'342.-- habe. Im Einspracheentscheid wurde ein
Anspruch des Beschwerdeführers auf die im Zeitraum von vier Monaten vor dem
letzten Arbeitstag (17. Oktober 2006 – 16. Februar 2007) geleisteten Überstunden in
der Höhe von Fr. 1'821.05 bejaht (act. G 1.1/E. 2d). Aus der Insolvenzentschädigung
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wird der Versicherten nur jene Lohnsumme entschädigt, mit der sie in den letzten vier
Monaten des Arbeitsverhältnisses vor der Freistellung hätten rechnen dürfen. Dem
Beschwerdeführer steht daher nur die Entschädigung der im Zeitraum zwischen Mitte
Oktober 2006 und Mitte Februar 2007 geleisteten Überstunden zu. Die geltend
gemachten Forderungen aus vor Oktober 2006 geleisteten Überstunden bleiben
demnach unberücksichtigt.
3.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keinen
weitergehenden Anspruch auf Insolvenzentschädigung hat, als der von der
Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid bereits zugesprochene. Die
Berechnungen der Insolvenzentschädigung für den 13. Monatslohn, die Ferien- und die
Überzeitentschädigung sind nicht zu beanstanden.
4.
Im Sinne der oben stehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG