Decision ID: e689c8a6-b958-4fd6-a6ec-bd9ca863b70d
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X überschritt am Dienstag, 1. Juni 2010, um 15.51 Uhr als Lenker des
Personenwagens mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000 auf der A-Strasse in G in
Fahrtrichtung A die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um 22 km/
h. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen entzog ihm
deswegen mit Verfügung vom 27. September 2010 den Führerausweis für die Dauer
eines Monats und forderte ihn auf, den Führerausweis spätestens bis 13. November
2010 einzusenden. Nachdem der Führerausweis eingegangen war, stellte das
Strassenverkehrsamt am 16. November 2010 fest, der Vollzug dauere vom
15. November bis und mit 14. Dezember 2010.
B.- Die Stadtpolizei St. Gallen hielt anlässlich einer Verkehrskontrolle am Dienstag,
14. Dezember 2010, um 20.10 Uhr auf der R-Strasse, Höhe K-Strasse, den von X
gelenkten Personenwagen mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000 an. X konnte
keinen Führerausweis vorweisen. Er gab an, er sei nach einem Führerausweisentzug
"ab heute" wieder fahrberechtigt und habe den Ausweis noch nicht wiedererhalten. Da
die polizeilichen Abklärungen ergaben, dass der Entzug bis und mit 14. Dezember 2010
dauerte, wurde X am 20. Dezember 2010 wegen Führens eines Personenwagens trotz
Entzugs des Führerausweises beim Untersuchungsamt St. Gallen verzeigt. Mit
Strafbefehl des Untersuchungsamts St. Gallen vom 21. Februar 2011 wurde er wegen
Fahrens trotz Entzugs mit Fr. 500.-- gebüsst. Dabei ging die Strafbehörde unter
Berücksichtigung sämtlicher Umstände davon aus, das unberechtigte Fahren sei nicht
bewusst widerrechtlich geschehen, sondern auf einen Flüchtigkeitsfehler beim Lesen
des Schreibens des Strassenverkehrsamts vom 16. November 2010 zurückzuführen.
Es sei von einer einfachen Fahrlässigkeit, also einem geringen Verschulden
auszugehen. Der Strafbefehl wurde unangefochten rechtskräftig.
C.- Das Strassenverkehrsamt entzog X mit Verfügung vom 18. April 2011 den
Führerausweis wegen Lenkens eines Personenwagens trotz Entzugs für die Dauer von
sechs Monaten, da seine Begründung, er habe irrtümlich angenommen, am
14. Dezember 2010 wieder fahren zu dürfen, nicht akzeptiert werden könne. Auf die
Folgen des Fahrens trotz Entzugs sei er in der Verfügung vom 27. September 2010
hingewiesen worden.
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D.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
2. Mai 2011 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und der
Führerausweis dem Rekurrenten höchstens für die Dauer eines Monats zu entziehen.
Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen. Die Vorinstanz verzichtete am 24. Mai 2011 auf eine
Vernehmlassung.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 2. Mai 2011 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist unbestritten, dass der Rekurrent am 14. Dezember 2010 trotz eines
noch geltenden Fahrverbots einen Personenwagen gelenkt hat. Der Führerausweis war
ihm wegen einer am 1. Juni 2010 begangenen Überschreitung der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit mit Verfügung vom 27. September 2010 entzogen worden. Die
Massnahme wurde entsprechend dem Schreiben der Vorinstanz vom 16. November
2010, welches der Rekurrent erhalten hatte und das von der Polizei im Anschluss an
die Kontrolle vom 14. Dezember 2010 am Wohnort behändigt worden war, vom
15. November bis und mit 14. Dezember 2010 vollzogen. Diese Feststellungen stimmen
mit jenen im rechtskräftigen Strafbefehl vom 21. Februar 2011 überein. Unter diesen
Umständen steht fest, dass der Rekurrent während der Dauer eines rechtmässigen
Führerausweisentzugs einen Personenwagen gelenkt hat und die objektiven
Voraussetzungen von Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG, wonach eine schwere Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften begeht, wer ein Motorfahrzeug trotz
Ausweisentzugs führt, erfüllt sind.
In subjektiver Hinsicht macht der Rekurrent einen Sachverhaltsirrtum geltend mit der
Begründung, er habe sich zu jedem Zeitpunkt an das ihm auferlegte Verbot halten
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wollen und tatsächlich auch gehalten, sei aber aufgrund eines Missverständnisses
davon ausgegangen, ab 14. Dezember 2010 wieder Motorfahrzeuge lenken zu dürfen.
Bei einem Sachverhaltsirrtum ist der Täter wegen Fahrlässigkeit strafbar, wenn er den
Irrtum bei pflichtgemässer Vorsicht hätte vermeiden können (vgl. Art. 13 Abs. 2 des
Schweizerischen Strafgesetzbuches; SR 311.0). Im Rekurs wird – zu Recht – nicht
geltend gemacht, der Rekurrent hätte den Irrtum auch bei sorgfältigem Lesen des
Schreibens vom 16. November 2010, mit welchem ihm die Vorinstanz mitteilte, der
Entzug dauere "vom 15.11. bis und mit 14.12.2010", nicht vermeiden können. Als
Adressat der Massnahme war er jedenfalls verpflichtet, das Schreiben vom
16. November 2010 sorgfältig zu lesen. Dabei wäre ihm auch die fett gedruckte und
ohne weiteres klar verständliche Formulierung, der Entzug dauere "bis und mit
14. Dezember 2010" bewusst geworden. Der Rekurrent hat unter diesen Umständen
mit der Fahrt vom 14. Dezember 2010 das Fahrverbot zumindest fahrlässig missachtet.
Das Fahren trotz Entzugs im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG zieht auch bei
fahrlässiger Begehung eine Administrativmassnahme nach sich (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_275/2007 vom 16. Mai 2008 E. 3.9.4; vgl. BGE 124 II 103 zum
früheren Recht, das von Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG inhaltlich übernommen worden ist;
vgl. R. Schaffhauser, Die neuen Administrativmassnahmen des
Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen
2003, S. 197).
3.- Zu klären bleibt die Frage der Dauer des Führerausweisentzugs. Dabei ist zunächst
zu prüfen, ob eine allfällige Mindestentzugsdauer unterschritten werden darf (vgl. dazu
nachfolgend E. 3a) und welche Massnahmedauer unter Berücksichtigung der
konkreten Umstände als angemessen erscheint (vgl. dazu nachfolgend E. 3b).
a) aa) Gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. f in Verbindung mit Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG wird der
Führerausweis beim Fahren trotz Ausweisentzugs mindestens für drei Monate
entzogen. Eine Sonderbestimmung zur Dauer des Ausweisentzugs bei Führen eines
Motorfahrzeugs trotz Entzugs enthält Art. 16c Abs. 3 SVG. Danach tritt die Dauer des
für diese Widerhandlung ausgesprochenen Ausweisentzugs an die Stelle der noch
verbleibenden Dauer des laufenden Entzugs. Entsprechend den Materialien ist daraus
in Verbindung mit den Bestimmungen zur Bemessung im Rückfall gemäss Art. 16c
Abs. 2 lit. b und c SVG abzuleiten, dass die Mindestentzugsdauer sechs oder 12
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Monate beträgt, je nachdem, ob der Führerausweisentzug, gegen den der Betroffene
verstossen hat, wegen einer mittelschweren oder wegen einer schweren
Widerhandlung ausgesprochen wurde (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4491; Urteile des
Bundesgerichts 6A.113/2006 vom 30. April 2007 E. 3 und 1C_275/2007 vom 16. Mai
2008 E. 4.3). Dementsprechend sind Art. 16c Abs. 2 lit. b und c SVG im
Zusammenhang mit der Bemessung der Entzugsdauer beim Fahren trotz Entzugs nicht
nur als Rückfallbestimmungen zu verstehen. Insbesondere ist für die Verschärfung der
Entzugsdauer nicht erforderlich, dass bereits ein entsprechender Warnungsentzug
vollständig vollzogen wurde (vgl. GVP 2007 Nr. 19). Im Übrigen sind bei der
Festsetzung der Dauer des Führerausweisentzugs gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen. Die Mindestentzugsdauer darf
jedoch nicht unterschritten werden.
Der Führerausweis wurde dem Rekurrenten am 27. September 2010 wegen einer
mittelschweren Widerhandlung, nämlich der am 1. Juni 2010 in Gbegangenen
Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um 22
km/h, für die Dauer eines Monats entzogen. Ein Verstoss gegen diese Massnahme
zieht gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG einen Entzug des Führerausweises für
mindestens sechs Monaten nach sich, die nach dem Wortlaut von Art. 16 Abs. 3 SVG
nicht unterschritten werden darf.
bb) Der Rekurrent bringt dagegen vor, er sei irrtümlicherweise der Auffassung
gewesen, ab 14. Dezember 2010 wieder fahren zu dürfen. Er habe den Brief der
Vorinstanz falsch gelesen. Er habe sich zu jedem Zeitpunkt an das ihm auferlegte
Verbot halten wollen und sich mit einigem Aufwand auch entsprechend organisiert. Der
Irrtum sei bedauerlich, aber entschuldbar. Auf jeden Fall habe er nicht vorsätzlich
gegen das Fahrverbot verstossen. Ein Entzug für die Dauer von sechs Monaten
erscheine angesichts des geringen Verschuldens als unangemessen. Nach der st.
gallischen Rechtsprechung (GVP 2007 Nr. 20) könne die gesetzliche
Mindestentzugsdauer unterschritten werden, wenn ein besonders leichter Fall, d.h. ein
geringes Verschulden, vorliege. Es sei kein Grund ersichtlich, beim Rekurrenten anders
zu entscheiden und von der plausiblen Würdigung des Sachverhalts im Strafbefehl vom
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21. Februar 2011, an den die Administrativbehörde in rechtlicher Hinsicht zwar
grundsätzlich nicht gebunden sei, abzuweichen.
Die Rechtsprechung der Verwaltungsrekurskommission geht davon aus, dass Art. 16c
Abs. 1 lit. f in Verbindung mit den Mindestentzugsdauern gemäss Art. 16c Abs. 2 SVG
in erster Linie den Fall des vorsätzlichen Ungehorsams betrifft und die Rechtsprechung
zum "besonders leichten Fall", der nach dem früheren milderen Recht bei geringem
Verschulden zu einer Unterschreitung der Mindestentzugsdauer führte, weiterhin
herangezogen werden darf (vgl. GVP 2007 Nr. 20). Das Bundesgericht hat zum neuen
Recht der Administrativmassnahmen festgehalten, der Gesetzgeber trage dem Grad
der subjektiven Vorwerfbarkeit des Fahrens trotz Ausweisentzugs bei den abgestuften
gesetzlichen Mindestentzugsdauern zwar weiterhin keine Rechnung, jedoch ziele
Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG darauf ab, dass die Mindestentzugsdauern entgegen der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht mehr unterschritten werden dürften. Der
Bundesrat habe diese Konsequenz damit begründet, ansonsten würde die mit der
Revision angestrebte einheitliche Handhabung vereitelt. Das revidierte SVG lasse somit
grundsätzlich keinen Platz für eine Unterschreitung der gesetzlichen
Mindestentzugsdauern. Angefügt wurde, dass das zu beurteilende Fahren trotz
Führerausweisentzug allerdings auf Grobfahrlässigkeit, wenn nicht gar auf
Eventualvorsatz beruhe, so dass selbst nach der altrechtlichen Praxis die gesetzliche
Mindestentzugsdauer nicht unterschritten werden könnte (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_275/2007 vom 16. Mai 2008 E. 4.5.2 mit Hinweis).
Da das Bundesgericht die Frage der Geltung der Mindestentzugsdauer bei Führer
ausweisentzügen wegen Fahrens trotz Ausweisentzugs nicht vertieft prüfen musste
und ein solcher Entzug – anders als die wegen verkehrsgefährdender
Verkehrsregelverletzung ausgesprochenen Massnahmen – nicht der Besserung des
Lenkers im Interesse einer Erhöhung der Verkehrssicherheit dient, erscheint es
gerechtfertigt, an der st. gallischen Rechtsprechung, wie sie in GVP 2007 Nr. 20
veröffentlicht wurde, festzuhalten.
cc) Die Strafbehörde hat im Strafbefehl vom 21. Februar 2011 festgehalten, unter
Berücksichtigung sämtlicher Umstände sei davon auszugehen, dass das unberechtigte
Fahren am 14. Dezember 2010 nicht bewusst widerrechtlich geschehen, sondern auf
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einen Flüchtigkeitsfehler beim Lesen der entsprechenden Verfügung zurückzuführen
sei. Der Rekurrent sei der Meinung und Überzeugung gewesen, bereits an diesem Tag
wieder Motorfahrzeuge lenken zu dürfen. Es ergebe sich, dass die Fahrt des
Rekurrenten trotz Führerausweisentzugs weder auf Vorsatz noch auf Grobfahrlässigkeit
beruhe. Vielmehr sei von einer einfachen Fahrlässigkeit, also einem geringen
Verschulden auszugehen. Die Busse wurde auf Fr. 500.-- festgesetzt.
Unabhängig von der möglichen Bindung der Verwaltungsbehörde an die Würdigung
des Verschuldens durch die Strafbehörde (vgl. dazu BGE 119 Ib 158), führt eine
selbständige Beurteilung der Umstände, wie sie sich aus den Akten ergeben, durch die
Verwaltungsrekurskommission zu keinem anderen Ergebnis. Anlässlich der
polizeilichen Kontrolle am Abend des 14. Dezember 2010 gab der Rekurrent, der
seinen Führerausweis nicht vorweisen konnte, sogleich an, dieser sei ihm entzogen, er
dürfe aber "ab heute" wieder fahren. Das entsprechende Schreiben des
Strassenverkehrsamtes habe er zu Hause. Dieses Schreiben vom 16. November 2010
händigte der Rekurrent der Polizei aus, nachdem sie ihn und sein Fahrzeug an seinen
Wohnort gebracht hatte. In der polizeilichen Befragung führte der Rekurrent aus, er sei
der Meinung gewesen, der Entzug ende am 14. Dezember 2010. Er bedauere es, dass
er den Brief falsch gelesen habe. Es handle sich um ein Missverständnis. Vorher sei er
im Zeitraum des Entzugs immer chauffiert worden. In der Annahme, der Entzug habe
"gestern" geendet, sei er "heute" wieder gefahren, und zwar von seinem Wohnort an
der L-strasse in St. Gallen zur Arbeit nach A und wieder zurück. Er habe im Brief vom
16. November 2010 in der Formulierung "bis und mit 14. Dezember 2010" das Wort
"mit" übersehen.
Im Rekurs werden die Ausführungen des Rekurrenten gegenüber der Polizei, er habe
im Zeitraum des Vollzugs der Massnahme erstmals am 14. Dezember 2010 wieder ein
Motorfahrzeug gelenkt, bestätigt. Nach der Beendigung des Militärdienstes habe er ab
7. Dezember 2010 den Arbeitsweg von St. Gallen nach A an jedem einzelnen
Arbeitstag als Mitfahrer eines in B wohnenden Mitarbeiters zurückgelegt. Dies könne
auch sein Vorgesetzter bestätigen. An den Wochenenden habe seine Freundin ihn
chauffiert. Die Vorinstanz hat dieser Darstellung nicht widersprochen und insbesondere
auch die drei als Zeugen angebotenen Personen nicht befragt. Auch das Verhalten des
Rekurrenten nach der Fahrt vom 14. Dezember 2010 weist darauf hin, dass er nicht mit
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der Absicht, das Fahrverbot zu verletzen, ein Motorfahrzeug lenkte. Nachdem er den
Führerausweis von der Vorinstanz wieder ausgehändigt erhalten hatte, sandte er ihn –
entsprechend der Anweisung der Polizei vom 14. Dezember 2010, die ihn darauf
aufmerksam machte, der Entzug der Fahrerlaubnis werde ab sofort verlängert und er
dürfe auch weiterhin kein Motorfahrzeug lenken – umgehend wieder an das Amt
zurück.
dd) Insgesamt bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Rekurrent am letzten
Tag des Massnahmevollzugs vorsätzlich oder grobfahrlässig über das Fahrverbot
hinweggesetzt hat. Es sind keine Gründe dafür ersichtlich, dass er die glaubhaft
geschilderte Mitfahrgelegenheit, die er für den Arbeitsweg ab 7. Dezember 2010
organisiert hatte, nicht auch am 14. Dezember 2010 benutzt hätte, wäre er nicht
irrtümlicherweise davon ausgegangen, er dürfe ab diesem Datum wieder
Motorfahrzeuge lenken. Bis anhin ist ihm auch noch kein vergleichbarer Fehler
unterlaufen. Dementsprechend ergibt sich, dass die Fahrt des Rekurrenten vom
14. Dezember 2010 trotz Führerausweisentzugs weder auf Vorsatz noch auf grober
Fahrlässigkeit beruht. Es ist vielmehr – in Übereinstimmung mit der Strafbehörde – von
einer einfachen Fahrlässigkeit, also einem geringen Verschulden auszugehen. Daran
ändert auch nichts, dass der Rekurrent am 14. Dezember 2010 noch nicht wieder im
Besitz des Führerausweises war. Im Schreiben vom 16. November 2010 hat die
Vorinstanz ausdrücklich darauf hingewiesen, die Fahrberechtigung bestehe nach dem
Ablaufdatum auch dann, wenn der Führerausweis aus irgendwelchen Gründen nicht
pünktlich beim Lenker eintreffe. Der Rekurrent musste deshalb nicht an seiner
Fahrberechtigung zweifeln und allenfalls bei den Behörden nachfragen, weil er noch
nicht im Besitz des Führerausweises war. Damit sind die Voraussetzungen zur
Unterschreitung der Mindestentzugsdauer von sechs Monaten erfüllt.
b) Die Dauer des Ausweisentzugs richtet sich gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG wie erwähnt
vor allem nach der Gefährdung der Verkehrssicherheit, dem Verschulden, dem
Leumund als Motorfahrzeugführer sowie der beruflichen Notwendigkeit, ein
Motorfahrzeug zu führen.
Da der Führerausweis wegen Fahrens trotz Entzugs und nicht wegen einer
verkehrsgefährdenden Verkehrsregelverletzung anzuordnen ist, ist das Kriterium der
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Gefährdung der Verkehrssicherheit ohne Bedeutung. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird das Fahren trotz Entzugs als schwere Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften behandelt. Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG regelt als
Auffangtatbestand den allgemeinen Fall der verkehrsgefährdenden
Verkehrsregelverletzung und setzt in subjektiver Hinsicht ein schweres Verschulden
voraus, das auch eine unbewusste Fahrlässigkeit umfasst, soweit das Verhalten als
rücksichtslos erscheint (vgl. dazu BGE 131 IV 133 E. 3.2). Diese Umschreibung des
Verschuldens bezieht sich allerdings auf die Beurteilung verkehrsgefährdender
Verkehrsregelverletzungen. Das Verschulden des Rekurrenten beim Fahren trotz
Entzugs erscheint als gering. Zu berücksichtigen ist aber immerhin, dass er seiner
Sorgfaltspflicht in elementarer Weise nicht nachgekommen ist, indem er den einzigen
fett gedruckten und klar formulierten Satz im kurzen Schreiben der Vorinstanz vom
16. November 2010 – "Der Führerausweisentzug dauert somit vom 15.11.2010 bis und
mit 14.12.2010." – nicht genau und allenfalls erneut gelesen hat, bevor er sich wieder
ans Steuer eines Motorfahrzeuges setzte.
Der Rekurrent besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit März 2003. Im
Eidgenössischen Administrativmassnahme-Register ist er bisher einzig mit dem
einmonatigen Entzug des Führerausweises wegen der am 1. Juni 2010 auf dem Weg
zu einem Vorstellungsgespräch begangenen Überschreitung der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit verzeichnet. Die – fahrlässige – Missachtung dieser
Massnahme führt zum erneuten Entzug des Führerausweises gestützt auf Art. 16c
Abs. 1 lit. f SVG, so dass sie bei der Bemessung nicht erneut massnahmeerhöhend
berücksichtigt werden darf. Im Übrigen ist der automobilistische Leumund des
Rekurrenten ungetrübt.
Der Rekurrent wohnt an der L-strasse in St. Gallen und ist als Informatiker bei der Z
AG, deren Räumlichkeiten sich in A befinden, angestellt. Eine berufliche Notwendigkeit,
ein Motorfahrzeug zu führen, insbesondere eine auswärtige Tätigkeit, wird im Rekurs
nicht geltend gemacht. Neben der Möglichkeit, den Arbeitsweg mit öffentlichen
Verkehrsmitteln zurücklegen, kann der Rekurrent – wie er dies während der Dauer des
Vollzugs des Führerausweisentzugs vom 7.-13. Dezember 2010 gemacht hat – eine
Mitfahrgelegenheit organisieren. Die Beeinträchtigungen, die dem Rekurrenten mit dem
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Entzug des Führerausweises bei seiner Berufsausübung entstehen, bewegen sich
deshalb in einem Rahmen, die üblich und in Kauf zu nehmen sind.
In Würdigung aller Umstände, namentlich des geringen Verschuldens, des – abgesehen
von der missachteten Massnahme – ungetrübten automobilistischen Leumundes und
der mangelnden erhöhten Sanktionsempfindlichkeit erachtet die
Verwaltungsrekurskommission eine Entzugsdauer von einem Monat als angemessen
und verhältnismässig.
4.- Dementsprechend ist der Rekurs gutzuheissen und die angefochtene Verfügung der
Vorinstanz vom 18. April 2011 mit Ausnahme des Kostenspruchs aufzuheben. Der
Führerausweis ist dem Rekurrenten für die Dauer eines Monats zu entziehen.
Anzumerken ist, dass der Rekurrent nach der Kontrolle vom 14. Dezember 2010 kein
Fahrzeug mehr gelenkt und den Führerausweis entsprechend der polizeilichen
Aufforderung am 16. Dezember 2010 umgehend nach dessen Wiedererteilung wieder
an die Vorinstanz zurückgeschickt hat, die ihn am 20. Dezember 2010 wieder an den
Rekurrenten zurücksandte. Die Dauer von sechs Tagen, während welcher der
Rekurrent kein Fahrzeug gelenkt hat, ist an den Vollzug der Massnahme anzurechnen.
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist angemessen (vgl.
Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die Finanzverwaltung ist
anzuweisen, dem Rekurrenten den Kostenvorschuss von Fr. 1'200.--
zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang hat der Rekurrent Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP und Art. 98 VRP; GVP 1983 Nr. 56; vgl.
Leuenberger/Uffer-Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern 2010, Rz. 10.36 ff.),
soweit diese aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und angemessen
erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Im Rekursverfahren war der Beizug eines
Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Im
Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet, und zwar liegt der Rahmen zwischen Fr. 1'000.-- und Fr. 12'000.--
(Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS
bis ter
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963.75; abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
bemessen (Art. 19 HonO). Umstritten war bei bescheidenem Aktenumfang die
Rechtsfrage, ob und unter welchen Umständen die vom Gesetz vorgesehene
Mindestentzugsdauer beim Fahren trotz Führerausweisentzugs unterschritten werden
darf. Unter diesen Umständen erscheint ein Honorar von Fr. 1'800.-- (Barauslagen und
Mehrwertsteuer inbegriffen, Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO) als angemessen.
Entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).
Entsprechend der Verlegung der amtlichen Kosten sind dem Rekurrenten die
ausseramtlichen Kosten vollständig zu entschädigen (vgl. Art. 98 und 98 VRP;
Leuenberger/Uffer-Tobler, a.a.O., Rz. 10.38).