Decision ID: 424b9515-fe0c-4b91-b767-e19307832945
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die schwedische Staatsanwaltschaft für die Bekämpfung der Wirtschafts-
kriminalität führt gegen A., B., C. und D. ein Strafverfahren wegen schwe-
ren Betrugs und schwerer Unterschlagung nach schwedischem Recht.
Ihnen wird vorgeworfen, im Zeitraum von Januar 2015 bis heute zum Nach-
teil des Pensionskassensystems in Schweden einen Deliktsbetrag von rund
SEK 300 Mio. ertrogen bzw. unterschlagen zu haben. In diesem Zusam-
menhang gelangten die schwedischen Behörden mit Rechtshilfeersuchen
vom 21. Dezember 2017, ergänzt zuletzt am 2. September 2019, an die
Schweiz und ersuchten unter anderem um Erhebung und Übermittlung von
Bankunterlagen zum Konto IBAN 1 bei der Bank E., lautend auf A., sowie
um Durchsuchung der Wohnräumlichkeiten von A. in Z. insbesondere
zwecks Beschlagnahme von schriftlichen und elektronischen Unterlagen im
Zusammenhang mit der F. und G. AG (recte:[...]) für dem Zeitraum ab dem
1. Januar 2015. Zudem wurde um Teilnahme von Vertretern der schwedi-
schen Strafverfolgungsbehörde an den Rechtshilfemassnahmen ersucht
(Verfahrensakten OStA, Urk. 1.0.01-1.0.10.1).
B. Am 9. Januar 2018 ernannte das Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ»)
den Kanton Schwyz zum Leitkanton und betraute die Oberstaatsanwalt-
schaft des Kantons Schwyz (nachfolgend «OStA») mit der Ausführung des
Ersuchens (Verfahrensakten OStA, Urk. 2.0.01).
C. Mit Eintretensverfügung vom 26. April 2018 sowie der Eintretens- und Zwi-
schenverfügung vom 9. Juli 2018 entsprach die OStA dem Rechtshilfeer-
suchen und forderte die Bank E. auf, ihr Unterlagen zum Konto IBAN 1 so-
wie zu weiteren Konten einzureichen, die auf A. lauten oder an welchen er
verfügungsberechtigt ist. Zudem gestattete die OStA den schwedischen
Beamten die Teilnahme an den Hausdurchsuchungen, wobei mit dem Voll-
zug des Ersuchens die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz (nachfol-
gend «StA») beauftragt wurde (Verfahrensakten OStA, Urk. 0.3.01-0.3.03).
Die Bank E. kam der Aufforderung der OStA am 16. Mai 2018 nach.
D. Die StA ordnete am 10. Juli 2018 die Durchsuchung der Räumlichkeiten
der beschuldigten Personen an (Verfahrensakten StA, Urk. 5.4.001/01-04).
Gleichentags wurden die Räumlichkeiten am Wohnort von A. in Anwesen-
heit von schwedischen Beamten durchsucht, wobei die StA diverse elekt-
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ronische Gegenstände bzw. Datenträger sowie schriftliche Unterlagen si-
cherstellte (Verfahrensakten StA, Urk. 5.4.002/01-03).
E. Am 26. Juli 2018 liess A., vertreten durch Rechtsanwalt Bernhard Isenring
(nachfolgend «RA Isenring»), die Siegelung sämtlicher anlässlich der
Hausdurchsuchung sichergestellten Dokumente und Datenträger verlangen
(Verfahrensakten OStA, Urk. 5.4.006/01-04). Das Zwangsmassnahmenge-
richt des Kantons Schwyz trat mit Verfügung vom 23. November 2018 auf
das Entsiegelungsgesuch der StA vom 30. Juli 2018 nicht ein und führte
aus, dass die StA den verspätet gestellten Siegelungsantrag hätte abwei-
sen müssen (Verfahrensakten StA, Urk. 5.4.016/01-08).
F. Am 22. Januar 2019 und 11. Februar 2019 lud die StA A. ein, diejenigen
Gegenstände und Unterlagen zu bezeichnen, die seiner Ansicht nach nicht
an die ersuchende Behörde herauszugeben seien (Verfahrensakten StA,
Urk. 5.4.020, 5.4.024/01-02). Mit Schreiben vom 7. Februar 2019 und
1. März 2019 führte A. aus, dass sämtliche sichergestellten Gegenstände
und Unterlagen unter das Beschlagnahmeverbot fallen würden und ihm
deshalb herauszugeben seien (Verfahrensakten StA, Urk. 5.4.023/01-02,
5.4.026/01-02).
G. Am 2. September 2019 ersuchten die schwedischen Behörden die OStA
um Anwesenheit ihrer Beamten bei der durchzuführenden Triage der an-
lässlich der Hausdurchsuchungen sichergestellten Gegenstände und Un-
terlagen (Verfahrensakten OStA, Urk. 1.0.10.1). Mit Zwischenverfügung
vom 5. September 2019 bewilligte die OStA die Teilnahme der schwedi-
schen Beamten an der bevorstehenden Triage unter der Auflage der vor-
gängigen Unterzeichnung einer Garantieerklärung (Verfahrensakten OStA,
Urk. 0.1.05).
H. Mit E-Mail vom 10. September 2019 ersuchte die StA RA Isenring unter
anderem um baldige Mitteilung, ob er am 10. oder 11. Oktober [2019] für
eine allfällige Triage-Verhandlung der sichergestellten Unterlagen verfüg-
bar wäre (act. 1.6). RA Isenring teilte der StA gleichentags mit, dass er am
10./11. Oktober 2019 ferienhalber abwesend sein werde (act. 1.6). Mit
E-Mail vom 11. September 2019 ersuchte die StA RA Isenring um Mittei-
lung von 3-5 Halbtagen im Oktober, anlässlich welchen eine Triage-Sitzung
nach dem 14. Oktober möglich sei, wobei insbesondere um Termine in der
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Woche vom 14. Oktober [2019] gebeten wurde (act. 1.6). RA Isenring gab
auf die E-Mail der StA vom 11. September 2019 keine Antwort (act. 1,
S. 8).
I. Am 14.-16. Oktober 2019 nahm die StA im Beisein von sechs schwedi-
schen Vertretern der H. die Triage der sichergestellten und edierten
(Bank-)Unterlagen und Gegenstände vor. Der Triage wohnte weder A.
noch sein Rechtsvertreter bei (Verfahrensakten StA, Urk. 5.4.028/1-32).
J. In der Folge forderte die StA A. mit Schreiben vom 24. Oktober 2019 auf,
Unterlagen zu bezeichnen, die seiner Ansicht nach nicht an die ersuchende
Behörde herauszugeben seien. Ihrem Schreiben legte die StA die unter-
zeichneten Garantieerklärungen, eine Aktennotiz betreffend die Triage so-
wie den Bericht zur forensischen Datenauswertung der Zuger Polizei vom
21. Oktober 2019 bei (act. 1.7). A. liess sich innert der angesetzten Frist
nicht vernehmen.
K. Mit Schlussverfügung vom 29. November 2019 entsprach die OStA dem
schwedischen Ersuchen und verfügte die Herausgabe der darin im Einzel-
nen aufgelisteten (Bank-)Unterlagen, Gegenstände und Aufzeichnungen an
die ersuchende Behörde (act. 1.2).
L. Dagegen liess A. am 30. Dezember 2019 bei der Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts Beschwerde erheben. Er beantragt die kostenfällige
Aufhebung der Schlussverfügung vom 29. November 2019. Des Weiteren
beantragt er die Rückweisung des Verfahrens an die OStA, verbunden mit
der Anweisung, eine Triage der herauszugebenden Unterlagen und Daten
unter Mitwirkung von ihm und seiner Rechtsvertretung durchzuführen
(act. 1).
M. Die OStA liess sich zur Beschwerde mit Eingabe vom 31. Januar 2020 ver-
nehmen und beantragt deren kostenfällige Abweisung (act. 9). Mit Schrei-
ben vom 4. Februar 2020 teilte das BJ dem Gericht mit, dass es auf die
Einreichung einer begründeten Beschwerdeantwort verzichte und die kos-
tenfällige Abweisung der Beschwerde beantrage (act. 10). Die Beschwer-
deantworten der OStA und des BJ wurden A. am 5. Februar 2020 zur
Kenntnis gebracht (act. 12).
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Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug ge-
nommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen der Schweiz und Schweden sind in erster Li-
nie das Europäische Übereinkommen vom 20. April 1959 über die Rechts-
hilfe in Strafsachen (EUeR; SR 0.351.1) und das Zweite Zusatzprotokoll
vom 8. November 2001 (ZPII EUeR; SR 0.351.12) massgebend. Im Ver-
hältnis zu Schweden sind ebenfalls in Kraft getreten die Bestimmungen des
Abkommens vom 26. Oktober 2004 über die Zusammenarbeit zwischen
der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen
Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits zur Bekämpfung von
Betrug und sonstigen rechtswidrigen Handlungen, die ihre finanziellen Inte-
ressen beeinträchtigen (Betrugsbekämpfungsabkommen, BBA;
SR 0.351.926.81). Überdies gelangen die Bestimmungen der Art. 48 ff. des
Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkom-
mens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungs-
übereinkommen, SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19-62) zur
Anwendung, wobei die zwischen den Vertragsparteien geltenden weiterge-
henden Bestimmungen aufgrund bilateraler Abkommen unberührt bleiben
(Art. 48 Abs. 2 SDÜ; Art. 26 Absätze 2 und 3 EUeR).
1.2 Soweit die staatsvertraglichen Bestimmungen bestimmte Fragen weder
ausdrücklich noch stillschweigend regeln, bzw. das schweizerische Lan-
desrecht geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (sog.
Günstigkeitsprinzip; BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 136 IV 82
E. 3.1; 135 IV 212 E. 2.3; ZIMMERMANN, La coopération judiciaire interna-
tionale en matière pénale, 5. Aufl. 2019, N. 229), sind das Bundesgesetz
vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG;
SR 351.1) und die dazugehörige Verordnung vom 24. Februar 1982 (IRSV;
SR 351.11) anwendbar (Art. 1 Abs. 1 IRSG, BGE 143 IV 91 E. 1.3; 136 IV
82 E. 3.2; 130 II 337 E. 1; vgl. auch Art. 54 StPO). Vorbehalten bleibt die
Wahrung der Menschenrechte (BGE 139 II 65 E. 5.4 letzter Absatz; 135 IV
212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 211 ff., 223 ff.,
681 ff.).
http://links.weblaw.ch/SR-0.351.926.81 http://links.weblaw.ch/de/EU-Amtsblatt%202000%20L239
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1.3 Auf das vorliegende Beschwerdeverfahren sind zudem die Bestimmungen
des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver-
fahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021) anwendbar
(Art. 37 Abs. 2 lit. a i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b des Bundesgesetzes vom
19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bundes [Straf-
behördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71]; BGE 139 II 404
E. 6/8.2; Urteil des Bundesgerichts 1C_763/2013 vom 27. September 2013
E. 2.2; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 273).
2.
2.1 Die Verfügung der ausführenden kantonalen Behörde oder Bundesbehörde
unterliegt zusammen mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der