Decision ID: 00408214-8744-4710-95f1-d52523c2d5dd
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 3. August 2017 wegen Hüft- und Rückenproblemen bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 4; zur
vorangegangenen Meldung der Arbeitgeberin zur Früherfassung vom 10. Juli 2017
[Datum Posteingang] siehe IV-act. 1). Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, berichtete am 22. August 2017, der Versicherte leide bereits seit
2015 zunehmend an Schmerzen im Bereich der rechten Hüfte, gering auch links. Er
habe ihn seit dem 15. Februar 2017 zu 50 % arbeitsunfähig geschrieben (IV-act. 9;
siehe auch den Bericht von Dr. B._ vom 5. September 2017, worin er dem
Versicherten ab 4. September 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigte, IV-
act. 20). Dem Versicherten wurde am 20. Oktober 2017 links und am 11. Dezember
2017 rechts eine Hüfttotalprothese implantiert (vgl. den Bericht von Dr. med. C._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
vom 2. Januar 2018, IV-act. 27). Nach einer stationären Behandlung in den Kliniken
D._ vom 11. April bis 3. Mai 2018 (siehe hierzu den Austrittsbericht vom 3. Mai 2018,
IV-act. 33) musste der Versicherte am 3. Mai 2018 notfallmässig im Ostschweizer
Gefässzentrum am Kantonsspital St. Gallen (KSSG) abgeklärt werden. Die dortigen
medizinischen Fachpersonen diagnostizierten eine schwerst kritische Beinischämie
beidseits vom Aorten- und Becken-Typ im Fontaine Stadium III beidseits (Bericht vom
5. Mai 2018, IV-act. 32) und operierten den Versicherten am 18. Mai 2018 (juxtarenaler
aorto-bi-iliakaler Ersatz mit Y-Prothese mit temporärer Durchtrennung und
Reanastomosierung der Vena renalis links; Operationsbericht vom 19. Mai 2018, IV-
act. 42-1 ff.; zur vom 18. bis 25. Mai 2018 erfolgten Hospitalisation in der Klinik für
A.a.
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Gefässchirurgie am KSSG siehe den Austrittsbericht vom 25. Mai 2018, IV-
act. 42-7 ff.). Der RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
schätzte die Prognose angesichts des guten Verlaufs optimistisch ein (Stellungnahme
vom 20. August 2018, IV-act. 47).
Am 1. Oktober 2018 stürzte der Versicherte mit seinem Motorrad und erlitt dabei
einen Bruch des rechten Hüftgelenks (siehe die Schadenmeldung UVG vom 4. Oktober
2018, fremd-act. 3), der einen Wechsel der Hüfttotalprothese rechts erforderlich
machte (Operationsbericht vom 10. Oktober 2018, fremd-act. 18-2 f., und
Austrittsbericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates am KSSG vom 19. Oktober 2018 über die Hospitalisation vom
1. bis 18. Oktober 2018, fremd-act. 20).
A.b.
Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 30. Januar 2019 mit, dass er einen
Anspruch auf Arbeitsvermittlung habe (IV-act. 76).
A.c.
Im Bericht des Ostschweizer Gefässzentrums vom 18. April 2019 wurde
festgehalten, dass weiterhin klinisch ein sehr gutes Resultat nach Therapie des
chronischen Lerichesyndroms bestehe (IV-act. 88). Am 5. November 2019 erstatteten
die medizinischen Fachpersonen der Klinik für Angiologie am Universitätsspital Zürich
(USZ) eine Zweitmeinung zum Leiden des Versicherten. Sie diagnostizierten u.a.
unklare bewegungsabhängige Armschmerzen beidseits, DD muskuloskelettal, und eine
periphere arterielle Verschlusskrankheit der unteren Extremitäten im Stadium I
beidseits und vertraten die Auffassung, in der Zusammenschau der Befunde und
Anamnese würden die Beschwerden nicht zu einer vaskulären Ursache passen.
Differentialdiagnostisch falle eine muskuloskelettale Symptomatik in Betracht (fremd-
act. 93).
A.d.
Die Suva ging davon aus, dass der Versicherte aus rein unfallkausaler Sicht ab
1. Dezember 2019 wieder voll arbeitsfähig bezogen auf eine leidensangepasste
Tätigkeit sei, weshalb sie die Taggeldleistungen auf diesen Zeitpunkt einstellte
(Schreiben vom 25. November 2019, fremd-act. 97).
A.e.
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Mit der Begründung, dass sich der Versicherte nicht in der Lage fühle, an
Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken, wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche
Massnahmen ab (Mitteilung vom 16. Januar 2020, IV-act. 106).
A.f.
Dr. B._ gab im Verlaufsbericht vom 3. April 2020 an, der Gesundheitszustand
des Versicherten habe sich verschlechtert (IV-act. 112-2 ff.) und reichte u.a. einen
Bericht der an der Psychiatrie F._ behandelnden Dr. med. G._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 16. Juli 2018 ein. Diese stellte folgende
Diagnosen: eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
depressive Episode (ICD-10: F33.1), einen Status nach Psychischer und
Verhaltensstörung durch Opiate und Benzodiazepine: Schädlicher Gebrauch (ICD-10:
F11.1) und einen Status nach psychischer und Verhaltensstörung durch Cannabinoide:
Schädlicher Gebrauch (ICD-10: F12.1; IV-act. 112-74 f.). Am 9. Juli 2020 wurde der
Versicherte in der Klinik für Psychosomatik und Konsiliarpsychiatrie am KSSG
vorstellig. Die dortigen medizinischen Fachpersonen diagnostizierten eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), eine
rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1)
und eine Störung durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtiger
Substanzgebrauch (ICD-10: F11.24; IV-act. 119).
A.g.
Im Rahmen der unfallversicherungsrechtlichen Leistungsprüfung erfolgte am
13. Oktober 2020 die kreisärztliche Abschlussuntersuchung. Der Kreisarzt Dr. med.
H._, Facharzt für Chirurgie, hielt im Bericht vom 2. November 2020 fest, der durch
den Unfall vom 1. Oktober 2018 verursachte Gesundheitsschaden bestehe aktuell in
einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung des rechten Hüftgelenks und Minder
belastbarkeit. Das rechte Schultergelenk sei vollständig ausgeheilt «mit
Beschwerdefreiheit». Aus rein unfallkausaler Optik bescheinigte der Kreisarzt dem
Versicherten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten (fremd-
act. 146; zum gestützt darauf ermittelten 19%igen Invaliditätsgrad und der
entsprechenden Rentenzusprache siehe die Verfügung der Suva vom 30. April 2021,
fremd-act. 154-2 ff.). Den Integritätsschaden an der rechten Hüfte und am rechten
Oberschenkel schätzte er auf 30 % (fremd-act. 147).
A.h.
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Vom 3. Februar bis 13. März 2021 befand sich der Versicherte zur stationären
Behandlung in der Klinik I._. Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen
führten im Austrittsbericht vom 28. April 2021 aus, dass der Versicherte von der
Tagesstruktur, von den Kontakten zu anderen Menschen und der Beschäftigung mit
sinnhaften Tätigkeiten sehr profitiere. Um die psychische Stabilität weiter zu verbessern
bzw. aufrechtzuerhalten, empfahlen sie dringend die Wiederaufnahme einer beruflichen
Tätigkeit. Aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigungen sei es dem Versicherten
nur schwer möglich, einer regulären Arbeitsstelle gerecht zu werden. Eine Tätigkeit im
sekundären Arbeitsmarkt mit Möglichkeit zur wechselnden Körperhaltung, flexiblen
Zeitgestaltung und Mitbetreuung sei durchaus denkbar (IV-act. 146).
A.i.
Die Sachverständigen der PMEDA AG Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen
erstatteten gestützt auf am 11., 17. und 25. März 2021 erfolgten Untersuchungen am
11. Juni 2021 ein polydisziplinäres (internistisches, angiologisches, orthopädisches und
psychiatrisches) Gutachten über den Versicherten. Als Diagnosen, denen eine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen wurde, erhoben die PMEDA-
Sachverständigen: eine Hüftprothesenimplantation beidseits (2017), eine
Hüftprothesenschaft-Revision bei periprothetischer Femurfraktur rechts (10/2018) mit
gutem operativen Ergebnis; eine Bewegungseinschränkung beider Schultergelenke, am
ehesten im Rahmen eines gestörten Scapulasettings bei haltungsbedingter
Schulterprotraktion beidseits bei fixierter BWS-Kyphose und eine Polytoxikomanie
(Cannabis, Benzodiazepine, Kokain und Heroin, derzeit abstinent; aktuell: Opioid-
Konsum). Für die anamnestisch berichteten intensiven Schmerzen habe sich im
klinischen Eindruck kein korrelierender somatischer oder psychischer Befund ergeben.
Auch spreche die berichtete Alltagsaktivität gegen eine gravierende Limitation durch
Schmerzen. Bezogen auf eine leidensangepasste Tätigkeit bescheinigten die PMEDA-
Sachverständigen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Für «Arbeiten mit Zugriff auf
Suchtmittel und Tätigkeiten mit höherer Verantwortung für Dritte (insbesondere Kinder
oder Jugendliche)» bescheinigte die psychiatrische Gutachterin eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Bezogen auf die angestammte Tätigkeit schätzte der orthopädische
Gutachter die Arbeitsfähigkeit ab Oktober 2018 auf 80 %, da die Arbeit als
Sozialarbeiter auch Inhalte von sportlicher Betätigung mit Kindern und Jugendlichen
sowie häufigem Gehen und Stehen beinhalte (IV-act. 150, insbesondere IV-
A.j.
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act. 150-8 ff.). Der RAD-Arzt Dr. E._ hielt die gutachterliche Beurteilung aus
versicherungsmedizinischer Sicht grundsätzlich für überzeugend. Er erkannte aber eine
Notwendigkeit, die Gutachtenstelle um Beantwortung einer Zusatzfrage zu ersuchen
(«Mit der Aussage der psychiatrischen Gutachterin, [...], auf Seite 183, wonach der
Versicherte nach Initiierung einer Entwöhnungsbehandlung nach drei bis sechs
Monaten einer Re-Evaluation zuzuführen sei, ergibt sich für uns die Frage, ob die
konsensuelle Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten
Tätigkeit, begleitet von der Entwöhnungsbehandlung, per sofort oder aber erst drei bis
sechs Monate nach der erfolgten Entwöhnungsbehandlung in Kraft tritt.»;
Stellungnahme vom 30. Juli 2021, IV-act. 161). Hierauf antwortete die psychiatrische
PMEDA-Gutachterin, die Empfehlung einer Reevaluation in circa drei bis sechs
Monaten beziehe sich - konkludent - nur auf die angestammte Tätigkeit und die sich
aus dem aktiven Suchtmittelkonsum ergebenden Einschränkungen (IV-act. 163).
Auf der Grundlage einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten ermittelte die IV-Stelle unter Berücksichtigung des LSE-Hilfsarbeiterlohns,
Kompetenzniveau 1, ein Invalideneinkommen von Fr. 67'767.--. Dem stellte sie ein
Valideneinkommen von Fr. 102'495.-- gegenüber, sodass ein Invaliditätsgrad von 34 %
resultierte. Mit Vorbescheid vom 25. August 2021 stellte sie dem Versicherten die
Abweisung seines Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 167). Dagegen erhob der
Versicherte am 29. September 2021 Einwand. Die Einschätzung der PMEDA-
Sachverständigen bestritt er ausdrücklich nicht. Demgegenüber rügte er die
Bemessung des Valideneinkommens, da die IV-Stelle ausser Acht gelassen habe, dass
sich das von ihr berücksichtigte Einkommen des Jahres 2017 auf einen 80%igen
Beschäftigungsgrad bezogen habe. Werde der von ihm im Jahr 2016 erzielte Verdienst
an einen 100%igen Beschäftigungsgrad angepasst, resultiere ein Einkommen von
Fr. 111'541.--. Dieses sei noch an die Nominallohnentwicklung anzupassen. Das so zu
ermittelnde Valideneinkommen führe zu einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad
(IV-act. 176). Daraufhin setzte die IV-Stelle nicht bloss das Valideneinkommen
(Fr. 112'547.--), sondern auch das Invalideneinkommen (Fr. 70'669.--), bei dessen
Bestimmung sie nunmehr auf das Kompetenzniveau 2 abstellte, neu fest. Auf diesen
Grundlagen gelangte sie zu einem 37%igen Invaliditätsgrad und wies das
Rentengesuch mit Verfügung vom 1. Oktober 2021 ab (IV-act. 178).
A.k.
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B.
Gegen die Verfügung vom 1. Oktober 2021 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 29. Oktober 2021. Der Beschwerdeführer beantragt darin
sinngemäss deren Aufhebung und die Gewährung einer Rente und beruflicher
Massnahmen. Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, dass das von der
Beschwerdegegnerin herangezogene Invalideneinkommen von Fr. 70'669.-- zu hoch
sei. Aufgrund seiner Schmerzen sei es ihm auch nicht möglich in einem vollen Pensum
zu arbeiten. Insofern sei er mit dem PMEDA-Gutachten nicht einverstanden. Die von
ihm während fünfeinhalb Monaten absolvierte Abklärung im Rahmen eines
Einsatzprogramms des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) J._ bei Transit
in J._ habe ergeben, dass er nur über eine 70%ige Leistungsfähigkeit bei einem
50%igen Pensum verfüge (siehe zum Einsatzprogramm vom 21. Mai bis 26. August
2019 bzw. bis 13. Dezember 2019, act. G 7.3). Zudem habe sich seine psychische
Problematik weiter verschlechtert, sodass er sich im August (2021) notfallmässig ins
Ambulatorium der Klinik K._ habe einweisen lassen. Er stehe dort nicht wegen einer
Suchterkrankung, sondern wegen einer Depression in Behandlung. Bei ihm bestehe
nur ein Status nach Sucht. Aktuell liege in keiner Art und Weise eine Sucht vor.
Aufgrund der massiven Schmerzen nehme er die von den Ärzten verordneten
Medikamente ein, mehr nicht. Für ihn sei es unverständlich, weshalb er von der
Beschwerdegegnerin bei einer Umschulung nicht unterstützt werde, da selbst gemäss
PMEDA-Gutachten bezogen auf die angestammte Tätigkeit eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bestehe (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 11. Januar
2022 die Abweisung der Beschwerde. Auf das Gesuch des Beschwerdeführers um
berufliche Massnahmen sei nicht einzutreten, da es nicht Gegenstand der
angefochtenen Rentenverfügung bilde. Die Beschwerdegegnerin vertritt im
Wesentlichen die Auffassung, die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der PMEDA-
Sachverständigen sei beweiskräftig. Der Beschwerdeführer verfüge über verschiedene
berufliche Aus- und Weiterbildungen und zudem sei die angestammte Tätigkeit aus der
Sicht der psychiatrischen PMEDA-Gutachterin vor dem Hintergrund einer anhaltenden
Polytoxikomanie als nicht mehr geeignet anzusehen. Es sei davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer die im Rahmen der bisherigen Tätigkeiten und Ausbildungen
B.b.
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Erwägungen
1.
Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführt (act. G 7, III. Rz 2), bildet nur der
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente, nicht jedoch derjenige auf berufliche
erworbenen praktischen Fähigkeiten auch in einer leidensangepassten Tätigkeit, etwa
in der Beratung oder Administration, verwerten könne. Es sei ihm weiter möglich, eine
selbstständige und qualifizierte Arbeit zu verrichten, bei der er auch auf seine Berufs-
und Fachkenntnisse zurückgreifen könne. Deshalb sei bei der Festlegung des
Invalideneinkommens zumindest auf das Kompetenzniveau 2 abzustellen (act. G 7).
Am 17. Januar 2022 wird dem Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für das Verfahren vor
Versicherungsgericht entsprochen (act. G 8).
B.c.
In der Replik vom 4. April 2022 lässt der Beschwerdeführer, inzwischen vertreten
durch Rechtsanwalt D. Studer, die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Zusprache einer halben Rente mit Wirkung ab 1. Februar 2018 unter Kosten- und
Entschädigungsfolge beantragen. Im Wesentlichen rügt er, dass die
Beschwerdegegnerin das Invalideneinkommen zu hoch bemessen und zu Unrecht
keinen Tabellenlohnabzug gewährt habe. Aufgrund der konkreten Umstände sei ein
20%iger Abzug gerechtfertigt. Zudem vermöge er die Anforderungen für eine Tätigkeit
mit Kompetenzniveau 2 krankheitsbedingt nicht zu erfüllen. Des Weiteren bemängelt er
den psychiatrischen Teil des PMEDA-Gutachtens (act. G 14). Am 7. April 2022 lässt der
Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtsverbeiständung beantragen und es sei ihm
vor Abschluss des Schriftenwechsels Gelegenheit zu geben, eine Honorarnote
einzureichen (act. G 16). Mit der Replik reicht der Beschwerdeführer u.a. einen
Verlaufsbericht von Dr. B._ vom 23. März 2022 ein (act. G 14.3).
B.d.
Dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch
Rechtsanwalt Studer wird am 21. April 2022 entsprochen (act. G 17).
B.e.
In der Duplik vom 23. Mai 2022 hält die Beschwerdegegnerin unverändert an den
Anträgen gemäss der Beschwerdeantwort vom 11. Januar 2022 fest (act. G 18).
B.f.
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Massnahmen Gegenstand der angefochtenen Verfügung. Da die Beschwerdegegnerin
darin das Rentengesuch abwies, ist der Anspruch auf berufliche Massnahmen auch mit
Blick auf den Grundsatz «Eingliederung vor Rente» nicht notwendigerweise
Gegenstand des Entscheids über das Rentengesuch. Auf den Antrag des
Beschwerdeführers um Gewährung beruflicher Massnahmen (act. G 1, S. 1), der in der
Replik zwar nicht mehr wiederholt, allerdings auch nicht (ausdrücklich) zurückgezogen
wurde (act. G 14), ist daher nicht einzutreten (vgl. etwa den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 29. Mai 2020, IV 2018/79, E. 1).
Am 1. Januar 2022 trat das revidierte Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) in Kraft. Die vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem
1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und
des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1) sind
daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) sowie des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in der bis
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts
vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden nachfolgend in der alten
Fassung zitiert.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
1.3.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=01.01.2022&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=weiv+ivg&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-V-210%3Ade&number_of_ranks=0#page210
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2.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist in einem ersten Schritt
die Frage, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif abgeklärt wurde. Die
Beschwerdegegnerin stützte ihren Entscheid in medizinischer Hinsicht auf die
Beurteilung der PMEDA-Sachverständigen.
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG i.V.m.
Art. 28a Abs. 1 IVG).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.5.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b und BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.6.
Bei den vom Beschwerdeführer beklagten psychischen und psychosomatischen
Krankheitsbildern steht das Beweisproblem im Vordergrund, dass sich die Beurteilung
dieser Gesundheitsschäden und der dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeiten - mangels
zuverlässiger bzw. bewährter Messmethodik - zwangsläufig zunächst auf die Angaben
2.1.
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der versicherten Person und deren Leidenspräsentation stützen, da es an einer
eigentlichen davon unabhängigen, direkten Objektivierbarkeit fehlt. Deshalb ist die
umfassende Prüfung der Konsistenz und der Plausibilität der Leidensschilderung sowie
-präsentation für die möglichst objektive bzw. medizinisch-wirklichkeitsgetreue
Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von zentraler
Bedeutung. Um eine möglichst objektive, von der Selbsteinschätzung der versicherten
Person unabhängige, der tatsächlichen Funktionsfähigkeit entsprechende
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Sinn von Art. 7 Abs. 1 und 2 ATSG zu gewährleisten
(vgl. hierzu bzw. zur Massgeblichkeit des tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens
etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2), haben die
medizinischen Fachpersonen nebst den Erkenntnissen der eigenen Untersuchung
deshalb nach Möglichkeit bei ihrer Expertise sämtliche Lebensaspekte zu würdigen, bei
denen Beeinträchtigungen und Ressourcen einer versicherten Person in Erscheinung
treten. Dabei sich zeigende Umstände wie etwa Inkonsistenzen, die auf
krankheitsfremde Faktoren deuten oder ernsthafte Zweifel am objektiven Umfang der
geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigung begründen, sind zu benennen. Geltend
gemachte Beeinträchtigungen, die auf solchen krankheitsfremden bzw. nicht
krankheitswertigen Faktoren beruhen oder zweifelhaft erscheinen, sind bei der
Beurteilung des Gesundheitsschadens sowie der Arbeitsfähigkeit auszuklammern.
Denn massgebend für die Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität sind nur
gesundheitliche Beeinträchtigungen, deren Vorhandensein aus objektiver Sicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit bejaht werden kann. Aus diesen
Gründen sehen die Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der
Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP, 3. vollständig
überarbeitete und ergänzte Auflage, 16. Juni 2016) denn auch vor, dass eine
Stellungnahme zur Authentizität von Beschwerden, von präsentierten Symptomen und
von Leistungseinschränkungen obligatorischer Bestandteil eines
versicherungspsychiatrischen Gutachtens zu sein hat. Das beinhaltet eine
Stellungnahme zur Frage, ob die berichteten Beschwerden und präsentierten
Symptome in sich konsistent sind oder ob Diskrepanzen, allenfalls sogar Widersprüche
bestehen. Dies gelingt am ehesten durch eine Gegenüberstellung der erhobenen
Informationen mit Hilfe der verschiedensten methodischen Zugänge. Diesbezüglich
sind Hinweise aus der Verhaltensbeobachtung und dem Anamneseverlauf relevant
(Qualitätsleitlinien, S. 29). Eine besondere Bedeutung bei der Exploration kommt der
detaillierten Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch die versicherte Person
zu, da sich hieraus häufig Hinweise auf Interessen, Aktivitäten, Alltagsgewohnheiten
und damit Potential und Ressourcen, jedoch auch Diskrepanzen zu anderen Angaben
oder zum Verhalten in der Untersuchung ergeben (Qualitätsleitlinien, S. 16; siehe zum
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Ganzen den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 5. Juni 2020, IV 2018/124,
E. 3.1).
Gegen die Beurteilung der PMEDA-Sachverständigen bringt der Beschwerdeführer
vor, die gutachterliche Einschätzung lasse sich nicht mit den Erkenntnissen der
beruflichen Abklärung im Rahmen des RAV-Einsatzprogramms vereinbaren (act. G 1).
2.2.
Bei der Würdigung der beruflichen Abklärungsergebnisse ist einerseits von Be
deutung, dass sie nicht von medizinischen Fachpersonen stammen und zudem keine
objektiv wesentlichen medizinischen Gesichtspunkte enthalten, welche die PMEDA-
Sachverständigen ausser Acht gelassen hätten. Andererseits basieren sie nicht auf
einer Konsistenz- und Ressourcenprüfung, sondern sind primär bestimmt von der
Leistungs- und Leidenspräsentation des Beschwerdeführers, der keinen ernsthaften
Versuch unternahm, das 50%ige Pensum im Einsatzprogramm zu steigern (siehe
hierzu das Assessment- und Verlaufsprotokoll der Eingliederungsverantwortlichen,
Eintrag vom 16. Oktober 2019, IV-act. 98-11 unten, sowie die diesbezüglich kritische
Anmerkung der Eingliederungsverantwortlichen in IV-act. 98-12 unten: «Zudem finde
ich es befremdend», dass er sein 50%iges Pensum nie zu steigern versucht habe).
Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer bei feinmotorischen Arbeiten eine Leistung
«nahezu analog zum 1. Arbeitsmarkt» zu erbringen vermochte und sie bei 70 bis 90 %
gelegen habe (act. G 7.3, S. 4 Mitte). Die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung
bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten weicht davon nicht wesentlich ab und wird
dadurch jedenfalls nicht ernsthaft in Zweifel gezogen. Ergänzend kann auf die von der
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort dargestellten Ressourcen des
Beschwerdeführers verwiesen werden, die bei der beruflichen Abklärung in
Erscheinung traten (act. G 7, III. Rz 6). Der Vollständigkeit halber bleibt anzufügen, dass
er zusätzlich den Weg von seinem Wohnort (...) zum Einsatzort ((...); act. G 7.3) und
wieder zurück jeweils mit dem Velo zu bewältigen vermochte (IV-act. 98-9 unten).
2.2.1.
Am psychiatrischen Teilgutachten kritisiert der Beschwerdeführer ausserdem, dass
darin ein Mini-ICF-APP-Rating fehle und sich die gutachterliche Würdigung der
Befunde nicht mit den Ausführungen im Austrittsbericht der Rehaklinik I._ vom
28. April 2021 (IV-act. 146) vereinbaren lasse (act. G 14, III. Rz 5).
2.3.
Das sich ausführlich und eingehend mit der Leidenspräsentation und den
Leidensangaben auseinandersetzende psychiatrische Teilgutachten orientierte sich
bezüglich der Befunderhebung am AMDP-System, das gemäss der bereits in
vorstehender E. 2.1 erwähnten Qualitätsleitlinien zur allgemeinen (orientierenden)
Befunderhebung empfohlen wird (Qualitätsleitlinien, S. 17). Es ist weder erkennbar
2.3.1.
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noch vom Beschwerdeführer überzeugend dargelegt worden, dass die psychiatrische
PMEDA-Gutachterin nicht den erforderlichen Einblick in den psychischen Zustand des
Beschwerdeführers gewonnen, sondern objektive Gesichtspunkte ausser Acht
gelassen hätte, indem sie auf das Mini-ICF-APP-Rating verzichtete. Diesbezüglich ist
darauf hinzuweisen, dass Testverfahren gemäss Rechtsprechung sowieso höchstens
eine ergänzende Funktion zukommt (Urteil vom 21. Oktober 2020, 9C_362/2020,
E. 3.4).
Keine der den Austrittsbericht vom 28. April 2021 mitunterzeichnenden
medizinischen Fachpersonen der Klinik I._ verfügt gemäss Medizinalberuferegister
über den Facharzttitel Psychiatrie und Psychotherapie. Der mitunterzeichnende med.
pract. L._ verfügt lediglich über die Qualifikation «Delegierte Psychotherapie
(FMPP)». Entscheidend ist, dass die vom Beschwerdeführer ins Feld geführten
Fähigkeitsdefizite (act. G 14, III. Rz 5) einer blossen Selbstbeurteilung entspringen (IV-
act. 146-8). Eine objektive Würdigung dieser Ergebnisse im Rahmen einer Konsistenz-
und Ressourcenprüfung durch die medizinischen Fachpersonen der Klinik I._ ist
nicht erkennbar. Anzufügen bleibt, dass eine psychiatrische Exploration von der Natur
der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet einer psychiatrischen
Fachperson daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen
verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu
respektieren sind, sofern die Beurteilung des Experten oder der Expertin die
Beweisanforderungen erfüllt (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.1.2). Zudem hat sich die
psychiatrische PMEDA-Gutachterin eingehend und schlüssig mit den übrigen
medizinischen Vorakten auseinandergesetzt (IV-act. 150-175 ff.). Der Austrittsbericht
der Klinik I._ vom 28. April 2021, der scheinbar der psychiatrischen PMEDA-
Gutachterin nicht zur Kenntnis gebracht worden war, enthält im Vergleich mit den
übrigen, im psychiatrischen Teilgutachten schlüssig diskutierten Vorakten keine neuen
objektiv relevanten Erkenntnisse. Solche werden auch nicht vom Beschwerdeführer
benannt.
2.3.2.
Des Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, sein psychischer
Gesundheitszustand habe sich seit August 2021 verschlechtert (act. G 1). Zunächst
fällt auf, dass der Beschwerdeführer im Einwand vom 29. September 2021 noch keine
gesundheitliche Verschlechterung vorbringen, sondern die Beurteilung der PMEDA-
Sachverständigen ausdrücklich nicht bestreiten liess (IV-act. 176). Erstmals in der
Beschwerde vom 29. Oktober 2021 führte er eine in der Zwischenzeit aufgetretene
Verschlechterung der psychischen Problematik ins Feld, die zu einer notfallmässigen
Behandlung im Ambulatorium der Klinik K._ geführt habe (act. G 1, S. 1). Weder aus
2.4.
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diesen Ausführungen noch - und das ist entscheidend - aus dem Verlaufsbericht von
Dr. B._ vom 23. März 2022 (act. G 14.3) oder der Replik vom 4. April 2022 geht eine
vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung am 1. Oktober 2021 (zum für die
gerichtliche Beurteilung massgebenden Zeitraum siehe BGE 138 V 535 f. E. 2.2)
eingetretene objektiv nachvollziehbare dauerhafte Verschlechterung des psychischen
oder somatischen Gesundheitszustands hervor.
Die Überzeugungskraft des PMEDA-Gutachtens hält der Beschwerdeführer auch
aufgrund der davon abweichenden Beurteilung von Dr. B._ für erschüttert (act. G 14,
III. Rz 3, S. 4 unten). Insbesondere macht er gestützt darauf geltend, dass der
Gesundheitszustand nicht stabil und die Arbeitsfähigkeit schwankend sei (act. G 14, III.
Rz 9). Die von der gutachterlichen Beurteilung abweichende Einschätzung von
Dr. B._ setzt sich inhaltlich nicht mit der gutachterlichen Beurteilung auseinander und
benennt auch keine objektiv wesentlichen Gesichtspunkte, die dort ausser Acht
gelassen worden wären. Sie beruht auch nicht auf einer erkennbaren Ressourcen- und
Konsistenzprüfung, weshalb sie nicht geeignet ist, die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung in Frage zu stellen.
2.5.
Der Beschwerdeführer zieht ausserdem die von der psychiatrischen PMEDA-
Gutachterin vertretene Auffassung in Zweifel, dass eine Suchtverlagerung auf ein
Opioid anzunehmen sei und die Einnahme des Schmerzmittels sich bloss auf die
Arbeitsfähigkeit bezogen auf die angestammte Tätigkeit auswirken würde (act. G 14,
III. Rz 6). In der Tat erscheinen die entsprechenden Ausführungen der psychiatrischen
PMEDA-Gutachterin und die von ihr in diesem Zusammenhang vermuteten qualitativen
Einschränkungen nicht frei von Zweifeln.
2.6.
Der Beschwerdeführer nimmt zur Behandlung des unfallbedingten
Gesundheitsschadens (fremd-act. 146-6 Mitte) u.a. das Medikament Oxycodon
Naloxon Spirig HC Ret Tabl 5/2.5 mg ein (Austrittsbericht der Klinik I._ vom 28. April
2021, IV-act. 146-4; vgl. auch die Medikamentenliste im Bericht der Klinik für
Angiologie am USZ vom 5. November 2019, IV-act. 112-18, oder im Bericht des
Schmerzzentrums am KSSG vom 4. Juni 2020, worin je noch eine höhere Dosierung
angegeben worden war [«10/5mg»], IV-act. 117-3). Gemäss der Fachinformation (siehe
<https://compendium.ch/ product/1154381-oxycodon-sandoz-ret-tabl-5-mg/mpro>,
abgerufen am 30. Juni 2022) kann dieses Medikament die Verkehrstüchtigkeit und die
Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, beeinträchtigen. Dies ist insbesondere zu Beginn
der Therapie, nach einer Dosisanpassung oder einer Umstellung auf Oxycodon sowie
beim Zusammenwirken von Oxycodon mit Alkohol oder anderen zentral dämpfend
2.6.1.
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wirkenden Substanzen zu erwarten. Bei einer stabilen Therapie sind Beschränkungen
nicht zwangsläufig erforderlich. Deshalb sollten Patienten und Patientinnen mit ihrer
behandelnden medizinischen Fachperson besprechen, ob sie Auto fahren oder
Maschinen bedienen dürfen.
Aus der gesamten Voraktenlage ergeben sich keine Hinweise, dass der
Beschwerdeführer aufgrund der Einnahme von Oxycodon in einer Art und Weise in
seinen kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt wäre, die zu einer relevanten -
insbesondere zu der von der psychiatrischen PMEDA-Gutachterin angegebenen
vollständigen - Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bezogen auf seine angestammte
Tätigkeit führen könnte (IV-act. 163). Es sind auch keine Anhaltspunkte erkennbar, die
gegen eine stabile Therapie im Sinn der vorstehend in der Fachinformation enthaltenen
günstigen Prognose sprechen würden. So kann der Beschwerdeführer mit seinen
kognitiven Fähigkeiten sowohl als Velo- als auch als Autofahrer offenbar problemlos
am Strassenverkehr teilnehmen (IV-act. 150-63 und IV-act. 98-9; siehe auch zur An-
und Abreise zur Begutachtung mit dem Auto IV-act. 150-121). Namentlich im Rahmen
der stationären Behandlung vom 3. Februar bis 13. März 2021 wurden lediglich leichte
Konzentrationsstörungen erwähnt (IV-act. 146-2). Im Übrigen blieb der
Beschwerdeführer bezüglich Suchtmittel während der Hospitalisation abstinent, ohne
dass eine Entzugssymptomatik auftrat (IV-act. 146-7). Anlässlich der
psychosomatischen Konsultation vom 24. Juni 2020 in der Klinik für Psychosomatik
und Konsiliarpsychiatrie am KSSG wurden aus objektiver Sicht keine kognitiven
Einschränkungen festgestellt (IV-act. 119). Bei der psychiatrischen Begutachtung
zeigte sich die soziale Interaktion mit dem Beschwerdeführer angemessen (IV-
act. 150-157 unten). Sowohl die Mnestik als auch die Konzentration und
Aufmerksamkeit zeigten sich unauffällig (IV-act. 150-158 Mitte). Nichts anderes gilt
bezüglich des formalen Denkens (IV-act. 150-158 unten). Auch die testpsychologischen
Untersuchungen zeigten - abgesehen von einer unterdurchschnittlichen Reaktionszeit
bei einem Test und einem unterdurchschnittlichen Ergebnis bei einem Symbolsuchtest
- keine Ergebnisse im unterdurchschnittlichen, sondern im durchschnittlichen bis
überdurchschnittlichen Bereich (IV-act. 150-160 ff.; zur zusammenfassenden
Beurteilung siehe IV-act. 150-166 unten). In der Zusammenschau der Testergebnisse
wurde zwar - nur, aber immerhin - ein (blosser) Verdacht auf eine leichte kognitive
Störung geäussert (IV-act. 150-167). Allerdings legte die psychiatrische PMEDA-
Gutachterin nicht überzeugend dar, dass diese zu einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit für jegliche sozialpädagogische Tätigkeit oder Sozialarbeit führen,
insbesondere auch nicht in ihren medikamentösen Therapieempfehlungen (IV-
2.6.2.
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act. 150-169 Mitte). Den von ihr erwähnten Opioid-Effekt (IV-act. 150-169) diskutierte
sie weder mit ihren diesbezüglich blanden klinischen Befunden (IV-act. 150-158 f.)
noch mit den dagegensprechenden Vorakten. Ausserdem steht der von ihr vermuteten
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit entgegen, dass sich im Rahmen des
mehrmonatigen vom RAV organisierten Einsatzprogramms keine Hinweise auf
kognitive Einschränkungen zeigten. Insbesondere vermochte der Beschwerdeführer
angemessen mit Maschinen umzugehen. Arbeitsanweisungen verstand er schnell und
setzte sie selbstständig um. Er hatte auch keine Probleme, andere Teilnehmende
agogisch anzuleiten (act. G 7.3). Für die von ihr der Polytoxikomanie zugeschriebenen
Einschränkungen fehlt ebenfalls eine nähere Begründung, insbesondere mit Blick auf
die Frage, ob es sich hierbei überhaupt um eine gesundheitliche Beeinträchtigung im
Sinn von Art. 7 Abs. 2 ATSG handelt. Eine solche erscheint umso fraglicher, da die
psychiatrische PMEDA-Gutachterin den Standpunkt vertrat, «zusammenfassend wird in
keinen der vorliegenden psychiatrisch/psycho-somatischen Berichten eine schlüssig
begründete dauerhafte Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung
festgestellt. Es lassen sich auch keine Befunde entnehmen, die das Vorliegen eines
invalidisierenden psychiatrischen Krankheitsbildes bestätigen würden» (IV-act. 150-181
Mitte). Zudem bestätigte die psychiatrische PMEDA-Gutachterin eine Abstinenz (IV-
act. 150-168). Im Übrigen erfolgte ihre Einschätzung bezogen auf die angestammte
Tätigkeit nicht vorbehaltlos, da sie die von ihr vermutete qualitative Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit für in circa 3 bis 6 Monaten für
reevaluationsbedürftig hielt. Unter diesen Umständen ist mit dem Beschwerdeführer
davon auszugehen, dass er an keinem ihn einschränkenden Suchtmittel- bzw.
Medikamentenkonsum leide (act. G 1, S. 1). In damit zu vereinbarender Weise ergibt
sich auch aus dem kreisärztlichen Abschlussbericht vom 2. November 2020, worin die
aus unfallkausaler Sicht verordnete Medikation mit Oxycodon erwähnt wurde (fremd-
act. 146-6 Mitte), keine sucht- oder medikamentenbedingte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit (fremd-act. 146). Vielmehr ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nicht im - jedenfalls nicht im gesamten
- Spektrum sozialpädagogischer Tätigkeiten und der Sozialarbeit qualitativ durch den
Medikamenten- oder früheren Suchtmittelkonsum beeinträchtigt ist (vgl. auch die
überzeugende Auffassung der Beschwerdegegnerin in act. G 18, Rz 4). Hierfür
sprechen auch die Wahrnehmungen im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren
(fremd-act. 76-2: «[...] durch seine Erfahrung als Sozial-Pädagoge sehr gut mit
Menschen umgehen kann». «Das Problem liegt aus unserer Sicht sicherlich im
körperlichen Bereich»; «Arbeitsagogen-Tätigkeiten» [...], wo seine grossen Qualitäten
sind und wo er auch körperlich weniger gefordert wäre», fremd-act. 76-2).
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Bei der Würdigung des PMEDA-Gutachtens fällt ins Gewicht, dass es auf
eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend ist. Die
medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Die vom Beschwerdeführer
geklagten Leiden wurden umfassend sowie interdisziplinär berücksichtigt und
namentlich im Rahmen einer Konsistenz sowie Ressourcenprüfung gewürdigt (zur
weitgehend selbstständigen Haushaltserledigung siehe IV-act. 150-156 Mitte und -157;
vgl. auch IV-act. 150-68; zu den Tagesaktivitäten siehe IV-act. 150-71 Mitte; zu den
vielfältigen Berufserfahrungen des Beschwerdeführers siehe den Lebenslauf in fremd-
act. 26-2 f und die in fremd-act. 65-1 dargestellten vielfältigen berufsspezifischen
Fähigkeiten und Fachkenntnisse). Abgesehen von der aus psychiatrischer Sicht
bescheinigten vollständigen Arbeitsunfähigkeit bezogen auf die angestammte Tätigkeit
(siehe hierzu vorstehende E. 2.6.2) und von der retrospektiven
Arbeitsfähigkeitsschätzung (siehe nachstehende E. 2.8) leuchten die gutachterlichen
Schlussfolgerungen ein. Es ist gestützt darauf mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer jedenfalls im Zeitpunkt der
gutachterlichen Beurteilung bezogen auf eine leidensangepasste Tätigkeit über eine
100%ige Arbeitsfähigkeit und bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten im
angestammten Bereich der Sozialpädagogik und Sozialarbeit (aufgrund der aus
orthopädischer Sicht bestehenden Einschränkungen) über eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
verfügt (IV-act. 150-9 f.).
2.7.
Nicht spruchreif abgeklärt ist hingegen der zurückliegende Gesundheits- und
Arbeitsfähigkeitsverlauf. Insbesondere fehlt eine überzeugende Beurteilung aus
somatischer Sicht. Zwar ist eine retrospektive Einschätzung des Gesundheitsverlaufs,
insbesondere wenn inzwischen eine längere Zeit vergangen ist, naturgemäss schwierig.
Dennoch darf verlangt werden, dass die medizinischen Sachverständigen zumindest
die aktenkundigen medizinischen Berichte und die dort gemachten Angaben zum
Gesundheitszustand und zur Arbeitsunfähigkeit diskutieren. Insbesondere im
vorliegenden Fall, indem auch zahlreiche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen im
unfallversicherungsrechtlichen Verfahren ergingen (siehe etwa zur von der Suva erst ab
1. Dezember 2019 angenommenen vollständigen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten fremd-act. 97), ist eine solche würdigende
Auseinandersetzung zur Herstellung der Spruchreife bezogen auf eine retrospektive
Beurteilung erforderlich. Dem kamen die somatischen PMEDA-Sachverständigen nicht
in einem ausreichenden Ausmass nach (IV-act. 150-133 unten; im angiologischen
Teilgutachten findet sich zum retrospektiven Verlauf lediglich die Angabe «nicht
zutreffend», IV-act. 150-103). Der orthopädische PMEDA-Gutachter hielt etwa
bezüglich des retrospektiven Verlaufs lediglich vage fest, im Rahmen von
2.8.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/22
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Akutbehandlungen und deren Rekonvaleszenz habe teilweise eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit bestanden, die sich jedoch nicht mehr genau zeitlich eingrenzen
lasse (IV-act. 150-133). Bereits ab 15. Februar 2017 wurde dem Beschwerdeführer eine
schwankende Arbeitsunfähigkeit zwischen 50 bis 100 % bescheinigt (Bericht von
Dr. B._ vom 26. November 2020, act. G 7.4). Vom 11. April bis 3. Mai 2018 war er
stationär in den Kliniken D._ behandelt worden (IV-act. 33) und ihm Rahmen einer am
3. Mai 2018 erfolgten gefässchirurgischen Notfallkonsultation wurde eine schwerst
kritische Beinischämie beidseits festgestellt (IV-act. 38), die am 18. Mai 2018 eine
fünfstündige Operation erforderlich machte (IV-act. 42; zur Hospitalisation vom 18. bis
25. Mai 2018 in der Klinik für Gefässchirurgie am KSSG siehe IV-act. 42-7 ff.). Der
RAD-Arzt Dr. E._ ging aus versicherungsmedizinischer Sicht - allenfalls vor allem mit
Blick auf die Eingliederungsbemühungen - in der Stellungnahme vom 20. August 2018
von einer lediglich 20%igen Arbeitsfähigkeit, wenn auch «mit jetzt» optimistischer
Prognose aus (IV-act. 47). Der vom orthopädischen PMEDA-Gutachter bereits auf
Oktober 2018 festgesetzte Zeitpunkt der gesundheitlichen Verbesserung lässt sich
zudem nicht leichthin mit den Umständen vereinbaren, dass der Beschwerdeführer am
1. Oktober 2018 verunfallte und sich dabei erhebliche Gesundheitsschäden zuzog
(periprothetische Femurfraktur rechts; siehe den Notfallbericht der Klinik für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates am KSSG vom
2. Oktober 2018, IV-act. 112-82 f.), die u.a. eine am 10. Oktober 2018 durchgeführte
Operation (IV-act. 112-87 f.) mit mehrwöchiger Rekonvaleszenzphase zur Folge hatte
(siehe zum Ganzen sowie zur stationären Rehabilitationsmassnahme vom 18. Oktober
bis 7. November 2018 den Bericht der Rehaklinik M._ AG vom 7. November 2018, IV-
act. 112-93 ff.). Die an der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates am KSSG behandelnden medizinischen Fachpersonen
bescheinigten im Übrigen erst ab Anfang Mai 2019 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit mit
weiterer Steigerungsmöglichkeit (Bericht vom 9. April 2019, IV-act. 112-105). Das
Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) war damit am 1. Februar 2018 erfüllt. Die
Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgte am 3. August 2017 (IV-act. 4). Die
sechsmonatige Frist von Art. 29 Abs. 1 IVG endete anfangs Februar 2018, womit ein
allfälliger Rentenanspruch ab 1. Februar 2018 in Betracht fiele. Die Sache ist nach dem
soeben Dargelegten zur retrospektiven Verlaufsbeurteilung der Arbeitsfähigkeit für die
angestammte und eine leidensangepasste Tätigkeit an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/22
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3.
Des Weiteren ist die zwischen den Parteien umstrittene Höhe des
Invalideneinkommens zu prüfen.
Soweit der Beschwerdeführer kritisiert, die nachträgliche Erhöhung des im Vor
bescheid berücksichtigten Invalideneinkommens stelle ein widersprüchliches Verhalten
dar (act. G 14, Rz 7), übersieht er, dass im Beschwerdeverfahren der
Untersuchungsgrundsatz gilt (Art. 61 lit. c ATSG) und das Versicherungsgericht bei
seiner Beurteilung ohnehin nicht an die Rechtsauffassung der Beschwerdegegnerin
gebunden ist, sondern das Recht von Amtes wegen anwendet (BGE 133 V 200 E. 1.4).
Ausserdem ist der Vorbescheid lediglich ein Instrument des rechtlichen Gehörs, dessen
Begründung keine Verbindlichkeit zukommt. Vielmehr werden die Begründung und die
damit verbundenen Rechtsfolgen im Rahmen des Vorbescheidverfahrens gerade zur
Diskussion gestellt, bevor ein verbindlicher Entscheid ergeht. Ohnehin änderte die
Beschwerdegegnerin das Dispositiv (Abweisung des Rentengesuchs) nicht
zuungunsten des Beschwerdeführers.
3.1.
Angesichts dessen, dass keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgewiesen
sind, welche die kognitive Leistungsfähigkeit dauerhaft und wesentlich beeinträchtigen,
und auch kein psychischer Gesundheitsschaden zu bejahen ist, welcher der Ausübung
jeglicher sozialpädagogischer Tätigkeiten entgegenstünde (siehe vorstehende E. 2.6.2),
fällt ein Prozentvergleich in Betracht (siehe hierzu etwa das Urteil des Bundesgerichts
vom 24. Januar 2019, 9C_492/2018, E. 4.3.2 mit Hinweis auf BGE 114 V 312 f. E. 3a).
Aus orthopädischer Sicht wird dem Beschwerdeführer für den letzten Arbeitsplatz als
«Sozialarbeiter» eine 80%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt. Allerdings erfolgte die
quantitative Einschränkung, unter der Annahme, dass der dortige Arbeitsplatz mit
sportlicher Betätigung mit Kindern und Jugendlichen sowie häufigem Gehen und
Stehen verbunden war (IV-act. 150-33 Mitte). Es kann offenbleiben, ob bei einer
sozialpädagogischen Tätigkeit oder Sozialarbeit ohne sportliche Aktivitäten eine höhere
Arbeitsfähigkeit resultiert. Denn selbst wenn zugunsten des Beschwerdeführers beim
Prozentvergleich auf eine 80%ige Arbeitsfähigkeit abgestellt werden würde, resultiert
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von 40 %. Für einen Tabellenlohnabzug
besteht im Rahmen des Prozentvergleichs vorliegend kein Anlass, da keine besondere
berufliche Umstellungsfähigkeit vorausgesetzt ist und die beruflichen Erfahrungen des
Beschwerdeführers gegen einen lohnwirksamen Nachteil sprechen. Zudem wurde
sämtlichen qualitativen Einschränkungen bereits in der Einschätzung des
orthopädischen Gutachters Rechnung getragen, weshalb sie nicht nochmals beim
3.2.
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4.
Tabellenlohnabzug berücksichtigt werden dürfen. Auch die Suva hat zu Recht
bezüglich der somatisch bedingten Einschränkungen (siehe zu den qualitativen
Anforderungen fremd-act. 154-3) keinen Tabellenlohnabzug gewährt, was vom
Beschwerdeführer denn auch unbestritten blieb. Somit resultiert ein Invaliditätsgrad
von 20 %, der demjenigen von der Suva ermittelten entspricht (19 %, IV-act. 154-3 f.).
Da sich die Sache bezüglich eines Rentenanspruchs noch nicht über den
gesamten für die gerichtliche Beurteilung massgebenden Sachverhalt als spruchreif
erweist (siehe vorstehende E. 2.8) und der Entscheid über den Rentenanspruch ein
einheitliches Rechtsverhältnis darstellt, ist die angefochtene Rentenverfügung
vollumfänglich aufzuheben (vgl. BGE 131 V 166 E. 2.3.3). Die Sache ist zur weiteren
Abklärung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Auf
den Antrag um berufliche Massnahmen ist nicht einzutreten.
4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Da die
Beschwerde lediglich betreffend Abklärungen für einen allenfalls rückwirkend
befristeten Rentenanspruch teilweise gutgeheissen wird, ist von einem Obsiegen des
Beschwerdeführers von einem Fünftel auszugehen. Dem teilweisen Obsiegen
entsprechend bezahlt der Beschwerdeführer einen Anteil von Fr. 480.-- und die
Beschwerdegegnerin einen Anteil von Fr. 120.-- an der Gerichtsgebühr. Zufolge
gewährter unentgeltlicher Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, act. G 8) ist
der Beschwerdeführer von der Bezahlung zu befreien.
4.2.
bis
Da der Beschwerdeführer teilweise obsiegt, hat er einen reduzierten Anspruch auf
eine Parteientschädigung. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht
festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis
Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter beantragte im Antrag um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung, es sei dem Beschwerdeführer vor Abschluss
des Schriftenwechsels Gelegenheit zu geben, eine Honorarnote einzureichen (act.
G 16). Das Versicherungsgericht zeigte dem rechtskundig vertretenen
Beschwerdeführer am 30. Mai 2022 (act. G 19) den Abschluss des Schriftenwechsels
4.3.
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