Decision ID: f18962fb-ad7d-4c53-9b8d-0f27457317b0
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1954, war als Schwesternhilfe im Spital
Y._
tätig
,
als sie
sich am 1
7.
März 1994 beim Verschieben der OP-Tische die r
echte Hand ein
klemmte
(Bagatellunfallmeldung vom 2
1.
März 1994,
Urk.
17/A1). Die ELVIA Versicherungen
(heute
:
Allianz Su
isse Versicherungs-Gesellschaft
, fol
gend: Allianz)
erbrachte Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen (vgl. Schrei
ben vom 2
9.
Februar 1996,
Urk.
17/A11).
Mit in Rechtskraft erwachsener Verfü
gung vom
1.
Februar 2000 sprach die ELVIA der Versicherten nebst einer Integritätsentschädigung eine Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 58
%
zu (
Urk.
17/A33).
Mit Verfügung vom 1
6.
November 2001 wurde die Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 62
%
rückwirkend ab dem
1.
Januar 2000 erhöht (
Urk.
17/A43). Die Allianz leitete im Jahr 2009 eine Rentenrevisionsprüfung ein (
Urk.
17/A46) und bestätigte die Rente unverändert (
Schreiben vom 1
8.
November 2009,
Urk.
17/A49).
Im Jahr 2014 leitete die Allianz erneut eine Rentenrevisionsprüfung ein
(vgl.
Urk.
17/A51)
. Mit Schreiben vom
6.
Februar 2015 wurde
n
der Versicher
-
ten
- nachdem ihr bereits mündlich mitgeteilt
worden war
, dass eine poly
-
disziplinäre Begutachtung als notwendig e
rachtet
werde -
drei
Gutachte
ns-
stellen vorge
schlagen (
Urk.
17/A60). Am 1
6.
Februar 2015 meldete sich die Versicherte tele
fonisch und teilte mit, dass sie die Begutachtung gerne in der Gutachtensstelle
Z._
durchführen las
sen würde (
Urk.
17/A63
). Im Anschluss daran erteilte die Allianz den Auftrag
(
Urk.
17/A65).
Die
Z._
erstattete am
8.
Juni 2015 das
bidisziplinäre
(Neu
rologie, Rheumatologie) Gutachten (
Urk.
17/M26), woraufhin die Allianz der Versicherten mit Schreiben vom 1
1.
September 2015 die von ihr in Aussicht genommenen Zu
satzfragen zur Kenntnis brachte und ihr mitteilte
, dass sich auch eine psychiatrische Abklärung durch die
Z._
aufdränge (
Urk.
17/A67).
Die Versicherte zeigte sich damit nicht einverstanden und beantragte, dass die Begutachtung durch
Dr.
med.
A._
, FMH Psychiatrie und Psychothera
pie, durchzuführen sei (Schreiben vom 2
6.
Oktober 2015,
Urk.
17/A70).
Die Allianz teilte der Versicherten am 1
2.
November 2015 die bei der
Z._
für eine psychiatrische Exploration
zur Verfügung stehenden Fachärzte für Psy
chiatrie und Psychotherapie mit (
Urk.
17/A71) und stellte mit gleichentags erlassener Zwischenverfügung die Versicherungsleistungen mit sofortiger Wir
kung vorläufig
ein
(
Urk.
17/A72). Die Versicherte konstatierte mit Schreiben vom 1
5.
Dezember 2015, dass die vorgeschlagenen Fachärzte nicht zumutbar seien (
Urk.
17/A77)
,
woraufhin die Allianz m
it Zwischenverfügung vom 14. Januar 2016
die
psychiatrische Exploration in der
Z._
an
ordnete
und das
Vorliegen von begründeten Einwendungen gegen die entsprechenden psy
chiatrischen Gutachter
verneinte
. Einer allfälligen Beschwerde gegen die
Zwi
schenverfügung
entzog sie die aufschiebende Wirkung (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte a
m 15. Februar 2016 (Urk. 1) Beschwerde
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Beschwerde
gegnerin
sei anzuweisen, die weiteren Gutachter einvernehmlich zu bestimmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 2
1.
März 2016 wurde die
auf
schiebende Wirkung der Beschwerde wiederhergestellt (
Urk.
11). Mit
Beschwer
deantwort
vom
7.
April 2016 (
Urk.
16 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
17/A1-A82 und
Urk.
17/M1-M27) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
1.
April 2016 zur Kenntnis gebracht wurde
(
Urk.
19)
.
Mit Eingabe vom 1
3.
Mai 2016 nahm die Beschwer
deführerin erneut Stellung (
Urk.
23), was der Beschwerdegegnerin am 1
9.
Mai 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
24).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin
stellt sich auf den Standpunkt
(
Urk. 2
und
Urk.
16)
, die Beschwerdeführerin habe sich unter Auswahl von drei Gutachte
ns
stellen für die
Z._
entschieden und die rheumatologische und neurologische Begutachtung habe bereits stattgefunden, so dass zur Beantwortung der Fragen im Konsens die psychiatrische Begutachtung auch durch einen Experten der
Z._
zu erfolgen habe.
Es bestehe kein sachlicher Grund,
Dr.
A._
den
Fachärzte
n
der
Z._
vorzuziehen.
Die vier vorgeschlagenen Fachärzte der
Z._
wür
den die Anforderungen erfüllen
und seien unparteilich
.
Es bestehe kein Anspruch auf Begutachtung durch einen in der Schweiz wohnenden oder prak
tizierenden Experten. Auch verfolge jeder Psychiater, der sich zusätzlich als Gutachter betätige, nicht nur wissenschaftliche, sondern auch finanzielle Inte
ressen, was legitim sei und nicht zu Befangenheit führe.
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor
(
Urk.
1
und
Urk.
23
)
, dass im
Z._
-Gutachten keine gemeinsame Beurteilung abgegeben worden sei und somit weder ein bi- noch ein polydisziplinäres Gutachten vor
liege, sondern es sich um zwei Einzelgutachten handle, woran auch die „Gut
achterliche Konsensbeurteilung“ nichts ändere. Sämtliche psychiatrischen Experten der
Z._
seien vollamtlich in Deutschland tätig und mit Sicherheit auch wohnhaft. Sie habe einen Anspruch
von Ärzten beurteilt zu werden, wel
che in der Schweiz praktizieren würden und mit hiesigen Verhältnissen vertraut seien. Auch sei die Tätigkeit in der Schweiz pekuniär begründet, so dass der Anschein der Befangenheit bestehe. Die Beschwerdegegnerin habe sich bislang auch noch nicht zu ihrem Gutachtervorschlag geäussert, so dass sie anzuweisen sei, den Gutachter einvernehmlich zu bestimmen.
2.
2.1
Zwischenverfügungen können gemäss
Art.
55
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
) bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils (
Art.
46
Abs.
1
lit
. a
VwVG
) unter Erhebung aller gesetzlich vorgesehenen Rügen recht
licher und tatsächlicher Natur angefochten werden. Bei der Beurteilung des Merkmals des nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Kontext der
Gutach
tenanordnung
fällt gemäss der Rechtsprechung (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7) ins Gewicht, dass das Sachverständigengutachten im Rechtsmittelverfahren mit Blick auf die fachfremde Materie faktisch nur beschränkt überprüfbar ist. Mit
-
hin kommt es entscheidend darauf an, dass qualitätsbezogene Rahmen
-
bedingungen durchgesetzt werden können. Greifen die Mitwirkungsrechte erst nachträglich – bei der Beweiswürdigung im Verwaltungs- und
Beschwerdever
-
fahren –, so kann hieraus ein nicht wieder gutzumachender Nachteil entstehen, zumal im Anfechtungsstreitverfahren kein Anspruch auf Einholung von
Ge
-
richtsgutach
ten
besteht. Hinzu kommt, dass die mit medizinischen Unter
-
suchungen einher
gehenden Belastungen zuweilen einen erheblichen Eingriff in die physische oder psychische Integrität bedeuten. Aus diesen Gründen ist gemäss der Recht
sprechung die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzumachenden Nachteils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren zu bejahen, zumal die nicht sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsäc
hlichen Nachteil bewirken wird.
Diese zur Invalidenversicherung ergangene Rechtsprechung findet, soweit sie vorliegend zitiert wurde, auch im Bereich der Unfallversicherung Anwendung (BGE 138 V 318 E. 6.1 und 6.2
).
2.
2
Beschwerdeweise geltend gemacht werden können materielle Einwendungen beispielsweise des Inhalts, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht notwendig, weil sie – mit Blick auf einen bereits umfassend abgeklärten Sach
verhalt – bloss einer Zweitmeinung entspreche (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7 mit Hinweisen; noch anders: BGE 136 V 156). Sodann können personenbezogene
Ausstandsgründe
gerügt werden. Gemäss
Art.
44 ATSG kann die versicherte Person einen Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und Gegenvorschläge machen. Zum einen werden von den triftigen Gründen die eigentlichen gesetzli
chen
Ausstandsgründe
erfasst (vgl.
Art.
10
VwVG
und
Art.
36
Abs.
1 ATSG). Zum anderen zählen auch weitere Aspekte – etwa die fehlende Sachkenntnis – zu den triftigen Gründen (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Aufl.,
2015, N 38 zu
Art.
44 ATSG; vgl.
auch BGE 132 V 93 E. 6.4-6.5).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin setzte die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom
6.
Februar 2015 in Kenntnis, dass sie zur Prüfung des weiteren
Leistungsan
spruchs
eine umfassende medizinische Beguta
chtung in die Wege leiten werde und schlug
drei Gutachte
ns
stellen vor (
Urk.
17/A60). Die Beschwerdeführerin erteilte am 1
6.
Februar 2016 telefonisch ihr Einverständnis zur
Z._
(
Urk.
17/A63).
Nach
Erstattung des Gutachtens und
Mitteilung der
Beschwerde
gegnerin
, dass sie
auch
eine psychiatrische Begutachtung für notwendig erachte (
Urk.
17/A67)
,
teilte die Beschwerdeführerin mit, sie sei mit der
psychiatrischen Begutachtung in der
Z._
nicht mehr einver
standen (
Urk.
17/A70), da diese
im Sold der Versicherungswirtschaft stehe.
Die Beschwerdeführerin erteilte ursprünglich ihr
Einverständnis, bzw. wählte
explizit
die
Z._
aus. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können
Ausstandsgründe
ausschliesslich gegen natürliche Personen vorliegen
, womit
ein
Ausstandsbegehren
gegen die
Z._
vo
n vornherein ausgeschlossen ist
(vgl. BGE 137
V 210 E. 1.3.3 mit Hinweisen).
D
i
e Auftragsvergabe an die
Z._
erscheint auch unter organisatorischen Aspekten bzw. aus
Effizienz
gründen
sinnvoll, da die Erstellung einer interdisziplinären Gesamtbeurteilung
vereinfacht wird.
D
ie Auftragsvergabe an die
Z._
ist daher
nicht zu bean
standen.
3.2
Die Beschwerdeführerin
brachte
vor, dass sie einen Anspruch auf Beurteilung durch in der Schweiz praktizierende und mit den hiesigen Verhältnissen ver
tr
aute Ärzte habe. Auch seien die bei der
Z._
zur Verfügung stehenden psy
chiatrischen Fachärzte
aufgrund ihres pekuniären Interesses befangen.
Nach der Rechtsprechung gelten für Sachverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Par
tei abgestellt werden. Das Miss
trauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im
Sozialversiche
rungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V 93 E. 7.1 mit Hinweis). Deshalb ist ein triftiger Grund auch etwa gegeben, wenn es dem Gutachter an der im konkreten Fall erforderlichen Kompetenz fehlt oder er aus persönlichen Gründen nicht als geeignet erscheint (
Kieser
, a.a.O.,
Rz
39 zu
Art.
44).
Inwieweit
die Fachärzte des
Z._
, welche im Ausland praktizieren,
finanziell und weisungsmässig abhängiger sein soll
en
als ein beigezogener Schweizer Arzt ist nicht nachv
ollziehbar. Des Weiteren verfügen
sie
alle über einen
anerkann
ten Facharzttitel und damit über
die notwendige Quali
fikation zur
Gutach
-
ten
serstellung
. Ein Ausstands- bzw. Ablehnungsgrund
gegen die in Aussicht genommenen Fachärzte (Urk. 2 S. 2)
i
st vorliegend nicht ersichtlich.
3.3
Die angefochtene Zwischenverfügung erweist sich damit als rechtens und die Beschwerde ist abzuweisen.
4.
Der Grundsatz des kostenlosen Verfahrens hat zur Folge, dass der
Beschwerdegeg
nerin
, bzw. dem jeweiligen Versicherungsträger, keine
Partei
entschädigung
zusteht (vgl.
Kieser
,
a.a.O
., N 58 zu
Art.
61).