Decision ID: 50b93eab-e213-4b9b-aa3a-f76d29ba2fe1
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1984, absolvierte in
Y._
eine Ausbildung zum Elek
triker (Diplom in
Urk.
6/1)
. In den Jahren 2005 und 2006 und wiederum ab dem Jahr 2015 arbeitete er in der Schweiz; in den letzten Jahren hatte er hauptsächlich Stellen inne, die er über Personalvermittlungsunternehmen erhielt (vgl. den Aus
zug aus dem individuellen Konto vom 1
2.
Januar 2021,
Urk.
6/6).
Ab Ende September
2019 war
X._
, vermittelt durch die
Z._
AG, i
n
verschiedenen Einsatzbetrieben vollzeitlich als Bauarbeiter tätig (vgl. die Aufstellung in
Urk.
6/12/83-86). Am 1
5.
Juni 2020 zog er sich bei der Arbeit mit dem Spitzhammer eine Verletzung am linken Handgelenk zu
(Schadenmeldung UVG vom 2
2.
Juni 2020,
Urk.
6/12/94;
Arztzeugnis UVG von
dipl.
med.
A._
, Fachärztin für Allgemeinmedizin, in
Urk.
6/12/68-69) und war deswegen ab dem Unfalldatum zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben (
vgl. die
ärztlichen
Bescheini
gungen in
Urk.
6/12/
56+64+69). Im weiteren Verlauf wurde eine Sehnenruptur in der linken H
and festgestellt, die am
1.
September 2020 operativ saniert wurde (Berichte von
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Handchirurgie, vom 1
9.
August und vom
2.
September
2020,
Urk.
6/12/44+45). Danach besserte sich der Zustand der linken Hand mit Hilfe von Ergotherapie stetig (Beric
ht von Dr.
B._
vom 1
1.
November
2020,
Urk.
6/12/35
; Protokoll über die Besprechung zwischen
X._
und dem Schadeninspektor der Suva vom 2
3.
November
2020,
Urk.
6/12/28-31).
1.2
Auf die Veranlassung der Suva hin (vgl. die E-Mail-Korrespondenz in
Urk.
6/12/22) meldete sich
X._
, dessen Arbeitsverhältnis bereits per Ende August 2020 von der Arbeitgeberin aufgelöst worden war (
Urk.
6/12/53)
,
am 1
1.
Dezember
2020 bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/
2
).
Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog neben dem Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk.
6/6) die Akten der Suva bei (
Urk.
6/
4/1-76 und
Urk.
6/12/1-94)
und ersah daraus, dass dem Versicherten bis Ende Februar 2021 noch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt gewesen war (vgl. die Berichte
von
Dr.
B._
vom 2
1.
Dezember
202
0 und vom 1
1.
Januar
2021, Urk.
6/12/10+24, und die Zeugnisse in
Urk.
6/
12/
14-16), dass ihm
Dr.
B._
für die
Zeit ab dem
1.
März 2021 hingegen
wieder eine volle Arbeitsfähigkeit attes
tiert hatte (B
ericht vom 2
5.
Februar 2021,
Urk.
6/12/8). Am 1
5.
April 2021 führte die IV-Stelle
ein Telefongespräch mit dem Versicherten (vgl. die Notizen im Fest
stellungsblatt,
Urk.
6/9)
, in welchem dieser die ärztlichen Angaben aus seiner
Sicht bestätigte und mitteilte, dass er ab dem
6.
April 2021 wieder eine Vollzeit
stelle versehe (
vgl. die Gesprächsnotiz in
Urk.
6/10). Gestützt auf diese
Angaben
eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten gleichentags unter der Überschrift «Mit
teilung. Keine IV-Leistungen nötig», dass ein Leistungsanspruch nicht entstehe, da er seine Erwerbstätigkeit vollumfänglich wieder habe aufnehmen können (
Urk.
6/11).
1.3
Am 2
4.
Juni 2021 (versehentlich 2022) reichte der Versicherte der IV-Stelle eine neue Anmeldung ein (
Urk.
6/13) und führte in einem Begleitschreiben
dazu
aus, er könne wegen seiner Hände keinen schweren Beruf mehr ausüben und ersuche um Unterstützung beim Erlernen eines neuen Berufs (
Urk.
6/14). Mit Schreiben vom 2
1.
Juli 2021
wies
die IV-Stelle
ihn
darauf hin,
dass eine Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse «seit der letzten Verfügung»
glaubhaft zu machen sei, und forderte ihn dazu auf, entsprechende Beweismittel einzureichen, beispiels
weise Arzt- oder Spitalberichte (
Urk.
6/17). Der Versicherte li
ess der IV
Stelle auf dieses Schreiben hin verschiedene mediz
i
nische Unterlagen zukommen (
Urk.
6/18/1-6), unter anderem einen Bericht von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Rheumatologie, vom 2
9.
Juni 2021 über Abklärungen wegen beidseitiger Hand
gelenksbeschwe
rden (
Urk.
6/18/1-2).
Mit Vorbescheid vom 1
0.
August
2021 eröffnete die IV-S
telle dem Versicherten, dass sie
auf seine neue Anmeldung nicht einzutreten gedenke
, da eine Verände
rung der Verhältnisse nicht glaubhaft gemacht worden sei (
Urk.
6/20; Feststel
lungsblatt in
Urk.
6/19). Nachdem sich der Versicherte zum Vorbescheid innert Frist nicht hatte vernehmen lassen, entschied die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
8.
September
2021 im angekündigten Sinn und trat auf die neue Anmeldung nicht ein (
Urk.
2 =
Urk.
6/2
2).
2.
X._
erhob gegen die Verfügung vom 2
8.
September
2021 (unrichtig als Verfügung vom 2
9.
Juni 2021 bezeichnet) mit Eingabe vom 2
3.
Oktober 2021 Beschwerde, wies auf seine Handgelenksprobleme hin und stellte erneut den An
trag auf Gewährung von Unterstützung bei der
beruflichen Eingliederung (Urk.
1 und die damit eingereichten Unterlagen,
Urk.
3/1-15
). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
9.
November
2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5). Mit Verfügung vom 3
0.
November 2021 wurde die Beschwerdeantwort dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist
nach
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
d
ie voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Nach
Art.
4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
kann die Invalidität in die
sem Sinne Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Die Invalidi
tät gilt nach
Art.
4
Abs.
2 IVG als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat.
1.2
Zu den Leistungen der Invalidenversicherung gehören der Anspruch auf eine Rente nach
Art.
28 ff. IVG und der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen nach
Art.
8 ff. IVG, unter anderem auf Massnahmen beruflicher
Art.
nach
Art.
15 ff. IVG.
Gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70
%
, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60
%
, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50
%
oder auf eine
Viertels
rente
, wenn sie mindestens zu 40
%
invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Er
werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Ar
beitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
Nach dem Prinzip «Eingliederung vor Rente»
, wie es
in
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG in der ab Januar 2008 geltenden Fassung ausdrücklich festgeschrieben worden ist, aber schon vorher gegolten hat
te
, kann vor der Durchführu
ng von Eingliede
rungsmassnahmen, insbesondere derjenigen beruflicher Art,
eine Rente
grund
sätzlich
nur gewährt werden, wenn die versicherte Person wegen ihres Gesund
heitszustandes (noch) nicht eingliederungsfähig ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_186/2009
vom 2
9.
Juni 2009
E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere
auf BGE 121 V 190 E. 4a und c).
1.3
1.3.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
-gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt rechtsprechungsgemäss
jede wesentliche Änderung
in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditäts
grad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
Als zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob sich der Invalidi
tätsgrad im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG erheblich geändert hat, gilt die letzte rechtskräftige Verfügung - bei einer Bestätigung der bisherigen Rente auch die Mitteilung nach
Art.
74
ter
lit
. f der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) und
Art.
51 ATSG - welche auf einer materiellen Anspruchsprüfung mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den er
werblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (Urteile des Bu
ndes
gerichts 9C_52/2016 vom 23.
März 2016 E. 3.1, 9C_213/2015 vom
5.
November 2015 E. 4.3.2 und 8C_162/2015 vom 3
0.
September 2015 E. 2.1, je mit Hinweis auf BGE 133 V 108).
Die Grundsätze zur Rentenrevision gelten rechtsprechungsgemäss auch dort, wo sich eine versicherte Person, deren Rentenanspruch verneint worden ist, bei der Invalidenversicherung erneut zum Rentenbezug anmeldet. Auch dort ist zu prü
fen, ob seit dem Erlass des rentenabweisenden Entscheids eine wesentliche Än
derung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist (vgl. BGE 130 V 71 E. 3.1 und 3.2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.4).
1.3.2
Wird ein Gesuch um Rentenrevision einger
eicht, so ist darin gemäss
Art.
87 Abs. 2 IVV glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in
einer für den Anspruch erhebli
chen Weise geändert hat. Wurde eine Rente wegen eine
s zu geringen Invalidi
tätsgra
d
es verweigert, so wird eine neue Anmeldung
gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV eben
falls nur geprüft, wenn die Voraussetzungen nach Art. 87 Abs. 2 IVV erfüllt sind.
Die Regelung in
Art.
87
Abs.
2 und
3 IVV
bedeutet,
dass die Rechtskraft der frühe
ren Verfügung einer neuen Prüfung so lange entgegensteht, als
sich
der seiner
z
eit beurteilte Sachverhalt
in der Zwischenzeit nicht verändert hat.
Damit s
oll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechts
kräftiger Anspruchsprüfung immer wieder mit
gleich lautenden
und nicht näher
begründeten, keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befas
sen muss
(BGE 130 V 64 E. 5.2.3).
Verneint die Verwaltung die Glaubhaftigkeit einer Sachverhaltsänderung, so erledigt sie das Revisionsgesuch oder die Neuan
meldung ohne weitere Abklä
rungen durch Erlass einer
Nichteintretensverfügung
.
Ist demgegenüber eine Sachverhaltsänderung glaubhaft gemacht, so hat die
Ver
waltung auf
das Revisionsgesuch oder
die Neuanmeldung ein
zutreten und sich im Rahmen der materiellen Prüfung zu v
ergewissern, ob die glaubhaft gemachte Ver
änderung
auch tatsächlich eingetret
en ist (BGE 109 V 108 E. 2b).
Bei der Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 87 Abs. 2 IVV muss nach höchst
richterlicher Rechtsprechung nicht der Beweis nach dem im Sozialversiche
rungs
recht allgemein massgebenden Grad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit er
bracht sein, sondern die Beweisanforderungen sind herabgesetzt. Es genügt hier nach der Formulierung des Bundesgerichts, wenn für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, dass sich die be
hauptete Sachverhaltsänderung bei eingehender Abklärung nicht erstellen lassen wird (Urteil des Bundesgerichts 8C_531/2013 vom 10. Juni 2014 E. 4.1.3 mit Hin
weisen). Dabei spielt der Untersuchungsgrundsatz, nach
dem
die Verwaltung und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vo
llständige Abklärung des rechts
erheblichen Sachverhalts zu sorgen haben, hier nicht in gleichem Mass. Wird im Revisionsgesuch oder in der Neuanmeldung kein
Eintretenstatbestand
glaubhaft gemacht, sondern bloss auf ergänzende Beweismittel hingewiesen, die noch beigebracht würden oder von der Verwaltung beizuziehen seien, so ist der versicherten Person nach höchstrichterlicher Rechtsprechung eine angemessene Frist zur Einreichung der Beweismittel anzusetzen
und ihr gleichzeitig anzukün
digen
, dass ansonsten gegebenenfalls auf Nichteintreten zu erkennen sei (BGE 130 V 64 E. 5.2.5).
1.3.3
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Regelung zur Revision von Renten (und von
Hilflosenentschädigungen
sowie von Assistenzbeiträgen) mit Glaubhaftmachen einer Änderung als
Eintretensvoraussetzung
und
rechtsgenüg
lichem
Nachweis einer Änderung im Rahmen der materiellen Prüfung der Revi
sionsvoraussetzungen
in analoger Weise auf
die
Eing
liederungsleistungen anzu
wenden (BGE 130 V 64 E. 2 mit Hinweis auf BGE
109 V 119 E. 3a
)
.
1.4
1.4.1
Nach
Art.
49
Abs.
1 ATSG hat der Versicherungsträger ü
ber Leistungen, Forde
rungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Per
son nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen.
Leistungen, For
derungen und Anordnungen, die nicht unter
Art.
49
Abs.
1 ATSG fallen, können gestützt auf
Art.
51
Abs.
1 ATSG in einem formlosen Verfahren behandelt wer
den; dabei kann die betroffene Person nach
Art.
51
Abs.
2 ATSG den Erlass einer Verfügung verlangen.
1.4.2
Gemäss
der spezifischen R
egelung des
invalidenversicherungsrechtlichen V
erfah
rens teilt die IV-Stelle
der
versicherten Person
nach
Art.
57a
Abs.
1 IVG
den vor
gesehenen Endentsch
ei
d über ein Leistungsbegehren oder
über
den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung sowie den vorgesehenen Ent
scheid über die vorsorgliche Einstellung von Leistu
ngen mittels Vorbescheid mit, und die versicherte Person kann gestützt auf
Art.
73
ter
IVV i
nnerhalb einer Frist von 30 Tagen Einwände zum Vorbescheid vorbringen
. Alsdann hat die IV-Stelle
über die Ansprüche Beschluss zu fassen (
Art.
74 IVV) und eine Verfügung zu erlassen (
Art.
57
Abs.
1
lit
. g IVG).
In
Art.
58 IVG wird dem Bundesrat sodann die Kompetenz übertragen, das form
lose Verfahren nach
Art.
51 ATSG
in Abweichung von
Art.
49
Abs.
1 ATSG
auch für bestimmt
e erhebli
che Leistungen
als anwen
d
bar zu erklären
.
Gestützt darauf sind in
Art.
74
ter
IVV diejenigen Leistungen aufgelistet, die
ohne Erlass eines Vor
bescheides oder einer Verfügung zugesprochen oder weiter ausgerichtet werden
können, wenn
die Anspruchsvoraussetzungen offensichtlich erfüllt
sind und den
Begehren der versicherten Person vollumfänglich entsprochen
wird. Darunter fal
len die Massnahmen beruflicher Art (
lit
. b) sowie die
Renten und
Hilflosenent
schädigungen
n
ach einer von Amtes wegen durchgeführ
ten Revision, sofern da
bei keine leistungs
beeinflussende Änderung der Verhältniss
e festgestellt worden ist (
lit
.
f).
1.4.3
Dort, wo die IV-Stelle das Verfahren durch formlose Mitteilung unrichtigerweise in einem Bereich angewandt hat, in dem sie korrekterweise eine förmliche Ver
fügung hätte erlassen müssen,
obliegt es rechtsprechungsgemäss der versicherten Person,
innerhalb eines Jahres
seit der Mitteilung zu intervenieren, ansonsten der
Entscheid rechtlich wirksam
wird, wie wenn er z
ulässigerweise im
formlosen Ver
fahren nach
Art.
51
Abs.
1 ATSG getroffen worden wäre. Das Bundesgericht hat diesen Grundsatz
anlässlich der Beurteilung
eines
unfallversicherungsrechtlichen Verfahren
s
aufgestellt und wendet ihn auch im
Bereich der I
nvalidenversicherung
an (Urteil des Bundesgerichts 9C_682/2017 vom
6.
September 2018 E. 4.1.3 mit Hinweis auf BGE 134 V 145).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin behandelte die zweite Anmeldung des Beschwerdefüh
rers vom 2
4.
Juni 2021
(
Urk.
6/13)
als neue Anmeldung nach rechtskräftiger An
spruchsverneinung im S
inne der Regelung zur Revision von rechtskräftig zuge
sprochenen Leistungen beziehungsweise zur erneuten Prüfung von rechtskräftig abgelehnten Leistungen. Demgemäss verlangte sie vom Beschwerdeführer ge
stützt auf
Art.
87
Abs.
2 und
3 IVV
, dass er eine Sachverhaltsänderung glaubhaft mache
, und nannte in der Aufforderung vom 2
1.
Juli 2021 als massgeblichen Vergleichszeitpunkt den «Erlass der letzten Verfügung» (
Urk.
6/17).
Eine solche Verfügung erging indessen nicht, sondern es liegt lediglich die Mit
teilung vom 1
5.
April 2021 vor, in der die B
eschwerdegegnerin festhielt, dass der Beschwerdeführer seine Erwerbstätigkeit vollumfänglich wieder habe aufnehmen können und somit kein Leistungsanspruch entstehe, und in der sie den Beschwer
deführer überdies darauf hinwies, dass er eine Verfügung v
erlangen könne, wenn er mit d
em En
tscheid nicht einverstanden sei
(
Urk.
6/11).
Dieser sah jedoch von der Anforderung einer derartigen Verfügung ab, sondern wandte sich in seiner nächsten Kontaktaufnahme direkt
mit der neuen Anmeldung vom 24.
Juni 2021
an die Beschwerdegegnerin.
2.2
2.2.1
Die Beschwerdegegnerin verfasste die Mitteilung vom 1
5.
April 2021 an den Be
schwerdeführer, nachdem sie ihn an diesem Tag telefonisch kontaktiert hatte. Gemäss der Gesprächsnotiz der Beschwerdegegnerin h
atte der Beschwerdeführer bei diesem Telefongespräch
bestätigt, seit Ende Februar 2021 wieder voll arbeits
fähig
zu sein
, und ausserdem erklärt, er
stehe
seit dem
6.
April 2021 wieder in einem vollze
itlichen Arbeitsverhältnis
. Zudem hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass sie den Beschwerdeführer über den «Fallabschluss mit Mitteilung» informiert habe und er damit
einverstanden gewesen sei (Urk.
6/10).
2.2.2
Es
steht fest, dass eine Leistungsablehnung mit formloser Mitteilung im Sinne von
Art.
51 ATSG nicht im Einklang mit der gesetzlichen Regelung steht.
Viel
mehr ist e
in Entscheid mit formloser Mitteilung nach dem Ausnahmenkatalog
in
74
ter
IVV von vornherein nur in Fällen zugelassen, in denen die Anspruchsvor
aussetzungen offensichtlich erfüllt sind; eine formlose Mitteilung in Fällen, in denen die Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllt sind, kommt somit selbst
bei
ebensolcher Offensichtlichkeit nicht in Betracht
.
Demgemäss stand es der Be
schwerdegegnerin nicht offen, über den fehlenden Anspruch des Beschwerde
führers auf Leistung
en mit einfacher Mitteilung
zu befinden. Daran än
dert grundsätzlich auch das Einverständnis des Beschwerdeführers nichts, das die Be
schwer
degegnerin protokollierte;
nur bei grundsätzlich erfüllten Anspruchs
vor
ausset
zungen ist die Übereinstimmung mit de
n
Begehren der versicherten Person als zusätzliche Voraussetzung bedeutsam.
Abgesehen davon ist es f
rag
lich
, ob der Beschwerdeführer überhaupt dazu in der Lage war, die rechtliche Tragweite eines telefonisch in Aussicht gestellten «Fallabschlusses mit Mitteilung» zu
erkennen und diesem
Vorgehen
zuzustimmen.
2.2.3
Es fragt sich allerdings auch, ob das als Mitteilung bezeichnete Schreiben vom 1
5.
April 2021 überhaupt als formlose Leistungsablehnung im Sinne von
Art.
51
Abs.
1 ATSG verstanden werden kann.
Denn
die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Feststellung, es entstehe kein Le
istungsanspruch, einzig auf den Umstand
, dass der Beschwerdeführer
gemäss den medizinischen Unterlagen der Suva die
Arbeitsfähigkeit
per Ende Februar/Anfang März
2021
wiedererlangt hatte
, und auf die telefonische
Angabe
des Beschwerdeführers, dass es ihm gut gehe und er wieder eine Arbeit gefunden habe. Hingegen hatte die Besc
hwerdegegnerin kei
nerlei weitergehende
n
eigene
n
Abklärungen getroffen und insbesondere nicht selbst Berichte durch die behandelnden medizinischen Fachpersonen erstellen lassen oder Angaben über die aktuelle und die früheren beruflichen Tätigkeiten des Beschwerdeführers eingeholt.
Bei der Mitteilun
g vom 1
5.
April 2021 stand dementsprechend
gar nicht die Leistungsablehnung im Vordergrund, sondern vielmehr die
Wiedergabe
des einvernehmlichen Dafürhaltens, dass der Beschwer
deführer (
zur Zeit
) keiner Leistungen der Invalidenversicherung bedürfe.
Die Mit
teilung
hat damit weniger den Charakter eines Entscheids über das Fehlen von Ansprüchen, als vielmehr die Natur einer
Bestätigung, dass
der Beschwerdeführer
keine solchen Ansprüche (mehr) geltend mache
, und somit einer Abmeldebe
stätigung
(vgl. hierzu auch das Urteil des Bundesgerichts 8C_876/2017 vom 1
5.
Mai
2018 E. 4.1 mit Hinweisen)
.
2.2.4
Es kann indessen davon abgesehen
werden
, die Frage nach der Rechtsnatur der Mitteilung vom 1
5.
April 2021 abschliessend zu beantworten.
Denn auch
wenn diese M
itteilung als fälschlicherweise nicht in eine Verfügung gekleidete Ablehnung von Leistungen zu verstehen wäre, so hätte der Beschwer
deführer im Sinne der dargelegten Rechtsprechung rechtzeitig innerhalb eines Jahres
darauf
reagiert; d
ie Anmeldung vom 2
4.
Juni 2021
(
Urk.
6/13) wäre
dies
falls
als derartige Reaktion
zu qualifizieren
.
M
it den Ausführungen im B
egleit
schreiben, wonach er zwar arbeitsfähig sei, jedoch nicht mehr für die bisherigen schweren Arbeiten, und deshalb Unterstützung beim Erlernen eines neuen Berufs brauche (
Urk.
6/14), t
at der Beschwerdeführer
nämlich
unmissverständlich kund
, dass
er seinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung - namentlich auf Massnahmen der beruflichen Eingliederung -
entgegen
dem Inhalt der Mit
teilung
vom 1
5.
April 2021
als gegeben erachte.
Und da über einen solchen An
spruch nach dem Dargelegten mit einer Verfügung nach
Art.
49
Abs.
1 ATSG zu entscheiden ist, müssen die Vorbringen des Beschwerdeführers zur neuen Anmel
dung auch als Begehren um Erlass einer solchen formellen Verfügung verstanden werden, wie
es
die bundesgerichtliche R
echtsprechung
in analoger Anwendung von
Art.
51
Abs.
2 ATSG auch im Falle eines unzulässigen
formlosen Entscheids verlangt (vgl. BGE 134 V 145 E. 5.1).
Damit verhinderte die neue Anmeldung
vom 2
4.
Juni 2021
, dass der Inhalt der Mitteilung vom 1
5.
April 2021
rechtswirk
sam
werden und in Rechtskraft erwachsen konnte.
Entgegen der Sichtweise der Beschwerdegegnerin ist somit für die materielle Behandlung der neuen Anmel
dung nicht erforderlich, dass
im Sinne von
Art.
87
Abs.
2 und
3 IVV
eine Verän
derung in den Verhältnissen
seit der
Mitteilung
vom 1
5.
April 2021
glaubhaft gemacht worden ist. Die Beschwerdegegnerin ist daher zu Unrecht mit der ange
fochtenen Verfügung vom 2
8.
September 2021 auf die
neue Anmeldung
nicht
eingetreten.
Nur der
Vollständigkeit halber sei
darauf hingewiesen, dass
der Be
richt
des Rheumatologen
Dr.
C._
vom 2
9.
Juni 2021, den der Beschwerdeführer auf die Aufforderung der Beschwerdegegnerin vom 2
1.
Juli 2021 hin (
Urk.
6/17) zwecks Prüfung der
Eintretensfrage
beigebracht hatte (
Urk.
6/18/1-2), durchaus geeignet dazu
ist
, eine Veränderung seit d
er Mitteilung vom 1
5.
April 2021
als glaubhaft erscheinen zu lassen. Während sich nämlich die ursprüngliche Anmel
dung ein
zig auf die Verletzung
der linken Hand und die mehrmonatige
Arbeits
unfähigkeit deswegen bezogen hatte (
Urk.
6/2/7), wies der Beschwerdeführer in der neuen Anmeldung zusätzlich auf die
Abklärungen durch den
Rheumatologen
Dr.
C._
hin (vgl.
Urk.
6/13/7), die
gemäss dessen Bericht am 2
5.
Mai und am 1
6.
Juni 2021 stattgefunden
und
beidseitige
Handgelenksbeschwerden betroffen hatten, die sich bei der Arbeit auf dem B
au verstärkt hätten
und seit einigen Wochen bestünden (
Urk.
6/18/1). Da der Beschwerdeführer seine Arbeit nach der längerdauernden unfallbedingten Behandlungs- und Heilungsphase erst im April 2021
wieder aufgenommen
hatte, erscheint es als glaubhaft, dass sich die auch rechts geklagten Handgelenksbeschwerden erst in jüngster Zeit, also nach der Mitteilung vom 1
5.
April 2021, im angegebenen verstärkten Ausmass manifes
tiert hatten.
Glaubhaft gemacht ist auch die invalidenversicherungsrechtliche Re
levanz, da
Dr.
C._
von der Weiterführung der belastenden Arbeiten mit starken Vibrationen abriet und eine Umschulung empfahl (
Urk.
6/18/2).
In materieller Hinsicht ist indessen eine Änderung in den Verhältnissen nicht
zwingende
An
spruchsvoraussetzung, da nach dem vorstehend Ausgeführten keine neue Anmel
dung nach rechtskräftiger Anspruchsverneinung vorliegt.
2.3
Damit ist die angefoch
t
ene Verfügung vom 2
8.
September 2021 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben, und die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, auf die neue Anmeldung des Beschwerdeführers vom 2
4.
Juni 2021 einzutreten.
3.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
ist das Verfahren für die
unterliegende
Be
schwerdegegnerin
kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) ermessensweise auf
Fr. 5
00.-- festzusetzen
.