Decision ID: 9eefa83e-9d83-59d1-adb6-0a63aab0c24e
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 3. Juli 2017 ersuchte die A._ AG (nachfolgend: Beschwer-
deführerin) die Zulassungsstelle für Pflanzenschutzmittel (bis 31. Dezem-
ber 2021 das Bundesamt für Landwirtschaft BLW, ab 1. Januar 2022 das
Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV, vgl. E. 4.2;
nachfolgend: Vorinstanz) um eine Verkaufserlaubnis für das Inverkehrbrin-
gen des Produkts C._ der D._. Es handelt sich beim ge-
nannten Produkt um ein Pflanzenschutzmittel mit unter anderem einem
Wirkstoffgehalt von 32.5 % Bromoxynil (402 g/l). Die Vorinstanz bewilligte
der Beschwerdeführerin am 10. Juli 2017 die Verkaufserlaubnis für das In-
verkehrbringen des Produkts B._ bis zum 30. April 2027.
A.b Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und For-
schung (WBF) strich gestützt auf Art. 10 Abs. 1 der Pflanzenschutzmittel-
verordnung vom 12. Mai 2010 (PSMV, SR 916.161) per 1. Juli 2021 u.a.
den Wirkstoff Bromoxynil aus dem Anhang 1 der PSMV, der Liste der für
die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln genehmigten Wirkstoffe.
Gleichzeitig legte das WBF in Art. 86f PSMV folgende Fristen für Pflanzen-
schutzmittel mit dem Wirkstoff Bromoxynil fest:
- Frist für den Ausverkauf: 30. September 2021;
- Frist für den Aufbrauch: 31. Dezember 2021.
A.c Die Vorinstanz zog die Verkaufserlaubnis zum Produkt B._ mit
Verfügung vom 1. Juli 2021 (nachfolgend auch: angefochtene Verfügung)
zurück. Sie ordnete an, dass die Verkaufserlaubnis per 1. Juli 2021 verfalle
(Dispositiv-Ziff. 1) und dass der Beschwerdeführerin eine Ausverkaufsfrist
für Lagerbestände des Produktes B._ bis zum 30. September 2021
gewährt würde (Dispositiv-Ziff. 2). Zur Begründung führte die Vorinstanz
an, dass die Bewilligung des Referenzprodukts C._ der D._
widerrufen worden sei.
B.
Mit Beschwerde vom 25. August 2021 focht die Beschwerdeführerin die
Verfügung der Vorinstanz vom 1. Juli 2021 beim Bundesverwaltungsge-
richt mit den folgenden Begehren an:
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"1. Der Rückzug des Beschwerdegegners vom 01. Juli 2021 sei dahin ab-
zuändern, dass eine angemessen dauernde Frist für das Inverkehrbrin-
gen der Lagerbestände und eine gleichlang geltende Frist für den Ver-
brauch des Produktes B._ von einem Jahr bis zum 01. Juli 2022
gewährt wird.
2. Der Beschwerde in diesem Umfang sei die aufschiebende Wirkung zu
erteilen.
3. Unter Kosten und Entschädigungsfolgen zzgl. von 7.7% Mehrwert-
steuer zu Lasten des Beschwerdegegners."
In der Beschwerdeschrift erläutert die Beschwerdeführerin, dass die im
Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung geltende Aufbrauchfrist bis zum
31. Dezember 2021 für das Produkt B._ nicht mit der angefochte-
nen Verfügung angeordnet worden sei, jedoch in einem engen Zusammen-
hang mit der Ausverkaufsfrist gemäss Dispositiv-Ziff. 2 der angefochtenen
Verfügung stehe und deshalb auch Anfechtungsgegenstand der Be-
schwerde sei. Im Übrigen hält die Beschwerdeführerin explizit fest, dass
sie den Rückzug der Verkaufserlaubnis für das Produkt B._ gemäss
Dispositiv-Ziff. 1 der angefochtenen Verfügung akzeptiere.
C.
Mit Vernehmlassung vom 16. September 2021 nahm die Vorinstanz zur
Beschwerde und zur aufschiebenden Wirkung der Beschwerde Stellung.
Sie stellt das Rechtsbegehren, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten sei und verlangte in verfahrensrechtlicher Hinsicht, der Be-
schwerde sei die aufschiebende Wirkung zu entziehen. In der Sache will
die Vorinstanz für das Produkt B._ der Beschwerdeführerin eine
Ausverkaufsfrist bis zum 30. September 2021 und eine Aufbrauchfrist bis
zum 31. Dezember 2021 zur Anwendung bringen.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 24. September 2021 wies das Bundesverwal-
tungsgericht den verfahrensrechtlichen Antrag der Vorinstanz ab, wonach
der Beschwerde gegen die Verfügung vom 1. Juli 2021 betreffend das
Pflanzenschutzmittel B._ die aufschiebende Wirkung zu entziehen
sei. Gleichzeitig legte das Bundesverwaltungsgericht für das genannte
Produkt einstweilen eine Ausverkaufs- und Aufbrauchfrist bis zum 30. Juni
2022 fest. Darüber hinaus wurde den Parteien Gelegenheit gegeben, eine
abschliessende Stellungnahme einzureichen.
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Seite 4
E.
Mit Schreiben vom 7. Oktober 2021 teilte die Vorinstanz mit, dass sie auf
die Einreichung einer Duplik verzichte. Im Rahmen der Vernehmlassung
vom 16. September 2021 habe sie bereits alle Gründe für den von ihr ge-
fällten Entscheid dargelegt.
F.
Die Beschwerdeführerin reichte keine abschliessende Stellungnahme ein.
G.
Das BLW teilte mit Schreiben vom 21. Dezember 2021 mit, dass es nur
noch bis zum 31. Dezember 2021 als Zulassungsstelle für Pflanzenschutz-
mittel fungiere und ab dem 1. Januar 2022 die Zulassungsstelle für Pflan-
zenschutzmittel neu dem BLV zugewiesen sei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Zu den an-
fechtbaren Verfügungen gehören jene der Vorinstanz in Anwendung des
Bundesgesetzes vom 29. April 1998 über die Landwirtschaft (Landwirt-
schaftsgesetz, LwG, SR 910.1) und dessen Ausführungsbestimmungen,
zumal die Vorinstanz eine Dienststelle der Bundesverwaltung ist (Art. 33
Bst. d VGG i.V.m. Art. 166 Abs. 2 LwG).
1.2 Die individuell an die Beschwerdeführerin gerichtete Verfügung vom
1. Juli 2021 unterliegt als Verfügung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VwVG der
Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht. Eine Ausnahme nach
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist damit zur
Beurteilung der Beschwerde vom 25. August 2021 zuständig.
1.3
1.3.1 Zur Beschwerde ist legitimiert, wer am Verfahren vor der Vorinstanz
teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch die
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angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Gemäss der Praxis des Bundesgerichts ist ein Interesse in der Regel aller-
dings nur schutzwürdig, wenn es im Urteilszeitpunkt aktuell und praktisch
ist, weil der mit der angefochtenen Verfügung verbundene strittige Nachteil
noch besteht (und insofern im Rahmen eines Urteils behoben werden
könnte; vgl. BGE 136 III 497 E. 2.1; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LO-
RENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
2013, Rz. 2.70).
1.3.2 Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin der angefochtenen Verfü-
gung, in welcher ihr gegenüber in Dispositiv-Ziff. 2 eine Ausverkaufsfrist für
das Produkt B._ bis zum 30. September 2021 angeordnet wurde,
berührt und ein schutzwürdiges Interesse ist zu bejahen. Insbesondere be-
steht im Zeitpunkt der Eröffnung des vorliegenden Urteils weiterhin ein ak-
tuelles praktisches Rechtsschutzinteresse, den vorinstanzlichen Entscheid
mit Blick auf die angeordnete Ausverkaufsfrist für das Produkt B._
bis zum 30. September 2021 aufzuheben, nachdem die von der Beschwer-
deführerin vor dem Bundesverwaltungsgericht bis zum 1. Juli 2022 bean-
tragte und mit Zwischenverfügung vom 24. September 2021 einstweilen
bis zum 30. Juni 2022 festgelegte Ausverkaufsfrist für das Produkt
B._ noch nicht abgelaufen ist.
1.3.3 Die Beschwerdeführerin beantragt in der Beschwerde zudem, wie
bereits erwähnt, eine Aufbrauchfrist für das Produkt B._ bis zum 1.
Juli 2022. In der angefochtenen Verfügung vom 1. Juli 2021 wird eine Auf-
brauchfrist nicht thematisiert. Die Vorinstanz hat mit den Vorakten auch
keine Allgemeinverfügung für das Produkt B._ eingereicht, welche
die Aufbrauchfrist zum Gegenstand hat bzw. in der Vernehmlassung eine
solche nicht erwähnt. Es stellt sich vor diesem Hintergrund, dass die Auf-
brauchfrist kein Thema der angefochtenen Verfügung oder einer bei den
Akten liegenden Allgemeinverfügung ist, die Frage, ob ein schutzwürdiges
Interesse der Beschwerdeführerin zur Anfechtung der Aufbrauchfrist für
das Produkt B._ zu bejahen ist.
Mit der Streichung des Wirkstoffs Bromoxynil per 1. Juli 2021 aus dem An-
hang 1 der PSMV wurde für Pflanzenschutzmittel mit einem solchen Wirk-
stoff in Art. 86f PSMV neben der Ausverkaufsfrist bis zum 30. September
2021 gleichzeitig die Aufbrauchfrist bis zum 31. Dezember 2021 festgelegt.
Die gleichzeitige Festlegung dieser beiden Fristen im Zuge der Streichung
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des Wirkstoffs Bromoxynil aus dem Anhang 1 der PSMV zeigt den Rege-
lungsbedarf auf, welcher die Streichung eines Wirkstoffs aus dem Anhang
1 der PSMV für Pflanzenschutzmittel mit einem solchen Wirkstoff mit sich
bringt. Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass der "Nutzen" der Ausver-
kaufsfrist von der Länge der Aufbrauchfrist abhänge. Wenn der Endver-
braucher ein Pflanzenschutzmittel nicht mehr anwenden dürfe, könne ein
solches Produkt kaum noch verkauft werden. Das Bundesverwaltungsge-
richt stimmt der Beschwerdeführerin darin zu, dass zwischen der Ausver-
kaufs- und der Aufbrauchfrist ein enger sachlicher Zusammenhang be-
steht, was im Übrigen von der Vorinstanz nicht bestritten wird. Hieraus
ergibt sich ohne Weiteres, dass die Beschwerdeführerin grundsätzlich
auch von einer unangemessenen Aufbrauchfrist für Pflanzenschutzmittel
mit dem Wirkstoff Bromoxynil nachteilig betroffen wäre. Ein aktuelles und
praktisches schutzwürdiges Interesse der Beschwerdeführerin ist daher
mit Blick auf die Aufbrauchfrist zumindest solange zu bejahen, als über die
Ausverkaufsfrist – wie vorliegend – noch nicht entschieden ist.
1.3.4 Im Übrigen hat die Beschwerdeführerin die Beschwerde vom 25. Au-
gust 2021 frist- und formgerecht erhoben (Art. 50 und Art. 52 VwVG) und
der Kostenvorschuss wurde rechtzeitig geleistet (Art. 63 Abs. 4 VwVG). Auf
die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
Die Vorinstanz möchte gemäss der angefochtenen Verfügung vom 1. Juli
2021 und der Vernehmlassung vom 16. September 2021 eine Ausver-
kaufsfrist bis zum 30. September 2021 und eine Aufbrauchfrist bis zum
31. Dezember 2021 zur Anwendung bringen, während die Beschwerdefüh-
rerin eine Ausverkaufs- und Aufbrauchfrist bis zum 1. Juli 2022 beantragt.
Mit Zwischenverfügung vom 24. September 2021 legte das Bundesverwal-
tungsgericht für das Produkt B._ einstweilen eine Ausverkaufs- und
Aufbrauchfrist bis zum 30. Juni 2022 fest.
Von der Beschwerdeführerin akzeptiert und nicht Streitgegenstand des
vorliegenden Verfahrens ist, wie bereits erwähnt, der Rückzug der Ver-
kaufserlaubnis für das Produkt B._ gemäss Dispositiv-Ziff. 1 der an-
gefochtenen Verfügung.
3.
3.1 Pflanzenschutzmittel sind Wirkstoffe und Zubereitungen, die u.a. dazu
bestimmt sind, Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse vor Schadorganismen
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zu schützen oder deren Einwirkung vorzubeugen, unerwünschte Pflanzen
oder Pflanzenteile zu vernichten oder auf ein unerwünschtes Pflanzen-
wachstum Einfluss zu nehmen (vgl. Art. 4 Abs. 1 Bst. e des Bundesgeset-
zes vom 15. Dezember 2000 über den Schutz vor gefährlichen Stoffen und
Zubereitungen [Chemikaliengesetz, ChemG; SR 813.1]). Das Inverkehr-
bringen von Pflanzenschutzmitteln bedarf einer Zulassung (Art. 6 Bst. b
ChemG). Eine Zulassung bedingt als elementare Voraussetzung, dass das
Pflanzenschutzmittel bei der vorgesehenen Verwendung insbesondere
keine unannehmbaren Nebenwirkungen auf die Gesundheit des Menschen
oder von Nutz- und Haustieren hat (Art. 6 Bst. b i.V.m. Art. 11 Abs. 1
ChemG; zum Ganzen Urteil des BVGer B-6721/2018 vom 30. April 2021
E. 3.3.1).
3.2 Die Zulassungsarten und -verfahren sowie die – vorliegend nicht rele-
vanten – Ausnahmen von der Zulassungspflicht für Pflanzenschutzmittel
bestimmt im Übrigen die Landwirtschaftsgesetzgebung (Art. 11 Abs. 1
ChemG). Diese räumt dem Bundesrat die Kompetenz ein, Vorschriften
über die Einfuhr und das Inverkehrbringen von Produktionsmitteln – wo-
runter auch Pflanzenschutzmittel und Wirkstoffe fallen (Art. 158 Abs. 1
LwG) – zu erlassen (Art. 159a, Art. 160 Abs. 1 LwG). Beim Erlass der ent-
sprechenden Ausführungsbestimmungen hat der Bundesrat den Gesund-
heitsschutz im Sinne des Chemikaliengesetzes zu berücksichtigen (Art. 11
ChemG). Weiter gibt das Landwirtschaftsgesetz den Grundsatz vor, dass
insbesondere nur Produktionsmittel eingeführt oder in Verkehr gebracht
werden dürfen, die bei vorschriftsgemässer Verwendung keine unannehm-
baren Nebenwirkungen haben und Gewähr dafür bieten, dass damit be-
handelte Ausgangsprodukte Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände er-
geben, welche die Anforderungen der Lebensmittelgesetzgebung erfüllen
(Art. 159 Abs. 1 Bst. b und c LwG; Urteil des BVGer B-6721/2018 vom
30. April 2021 E. 3.3.2). Nach Art. 159a LwG kann der Bundesrat insbe-
sondere die Einfuhr, das Inverkehrbringen und die Verwendung von Pro-
duktionsmitteln beschränken oder verbieten. Art. 160 Abs. 2 Bst. a LwG er-
mächtigt den Bundesrat, Produktionsmittel und somit auch Pflanzen-
schutzmittel und Wirkstoffe einer Zulassungspflicht zu unterstellen. Dar-
über hinaus delegiert Art. 177 Abs. 1 LwG den Erlass der erforderlichen
Ausführungsbestimmungen an den Bundesrat, wo das Gesetz die Zustän-
digkeit nicht anders regelt. Gemäss Art. 177 Abs. 2 LwG kann er den Erlass
von Vorschriften vorwiegend technischer oder administrativer Natur auf
das WBF (und seit dem 1. Januar 2022 im Bereich der Zulassung von
Pflanzenschutzmitteln, an das Eidgenössische Departement des Innern)
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oder seine bzw. ihre Dienststellen sowie auf nachgeordnete Bundesämter
übertragen.
3.3 Die (u.a.) gestützt auf diese gesetzlichen Grundlagen erlassene PSMV
enthält detaillierte Vorschriften über die Zulassung, das Inverkehrbringen,
die Verwendung sowie die Kontrolle von Pflanzenschutzmitteln (Art. 1
Abs. 2 PSMV). Übereinstimmend mit den Vorgaben auf Gesetzesstufe soll
die Verordnung sicherstellen, dass Pflanzenschutzmittel hinreichend ge-
eignet sind und bei vorschriftsgemässem Umgang keine unannehmbaren
Nebenwirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt haben. Zudem soll die
PSMV ein hohes Schutzniveau für die Gesundheit von Mensch und Tier
und für die Umwelt gewährleisten und die landwirtschaftliche Produktion
verbessern (Art. 1 Abs. 1 PSMV). Die Bestimmungen der PSMV beruhen
auf dem Vorsorgeprinzip. Mit diesem soll sichergestellt werden, dass in
Verkehr gebrachte Wirkstoffe oder Produkte die Gesundheit von Mensch
und Tier sowie die Umwelt nicht beeinträchtigen (Art. 1 Abs. 4 PSMV; zum
Ganzen Urteil des BVGer B-6721/2018 vom 30. April 2021 E. 3.3.3).
3.4 Für Pflanzenschutzmittel gibt es nach Art. 15 PSMV folgende Arten der
Zulassung: Zulassung aufgrund eines Bewilligungsverfahrens (Bst. a), Zu-
lassung aufgrund der Aufnahme in eine Liste von im Ausland zugelassenen
Pflanzenschutzmitteln, die in der Schweiz bewilligten Pflanzenschutzmit-
teln entsprechen (Bst. b), Zulassung zur Bewältigung einer Notfallsituation
(Bst. c) sowie Zulassung für Pflanzenschutzmittel, die ausschliesslich ge-
nehmigte Grundstoffe enthalten (Bst. d). Die Voraussetzungen für die Be-
willigungserteilung sind in Art. 17 PSMV festgehalten. Art. 18 PSMV enthält
Anforderungen an die Form der Bewilligung, Art. 21 ff. PSMV regeln das
Bewilligungsverfahren.
4.
4.1 Die angefochtene Verfügung datiert vom 1. Juli 2021. Daher ist die
PSMV mit Stand vom 1. Juli 2021 anwendbar und die auf den 1. Januar
2021 und auf den 1. Juli 2021 in Kraft getretenen Änderungen der PSMV
sind zu berücksichtigen (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1).
4.2 Art. 10 Abs. 1 PSMV wurde per 1. Januar 2021 geändert. Die genannte
Bestimmung hält neu fest, dass das Eidgenössische Departement für Wirt-
schaft, Bildung und Forschung (WBF) einen Wirkstoff aus dem Anhang 1
der PSMV streicht, wenn der Wirkstoff in der EU aus der Durchführungs-
verordnung (EU) Nr. 540/2011 gestrichen wird, welche die für die Verwen-
dung in Pflanzenschutzmitteln zugelassenen Wirkstoffe enthält. Zudem
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Seite 9
hält Art. 10 Abs. 1 PSMV fest, dass das WBF für das Inverkehrbringen be-
stehender Lagerbestände von Pflanzenschutzmitteln, die einen solchen
Wirkstoff enthalten, und für deren Verwendung die gleichen Fristen festlegt,
wie sie in der EU gelten. Mit Wirkung per 1. Januar 2021 wurde ausserdem
aArt. 9 PSMV aufgehoben, wonach Wirkstoffe, die Bestandteil eines oder
mehrerer bewilligter Pflanzenschutzmittel sind, reevaluiert werden können.
Mit Änderung der PSMV vom 17. Mai 2021 wurden gewisse Wirkstoffe,
unter anderem Bromoxynil, gestützt auf Art. 10 Abs. 1 PSMV per 1. Juli
2021 aus dem Anhang 1 der PSMV gestrichen. Der Anhang 1 der PSMV
enthält, wie bereits erwähnt, die für die Verwendung in Pflanzenschutzmit-
teln genehmigten Wirkstoffe. Der ebenfalls auf den 1. Juli 2021 in Kraft ge-
tretene Art. 86f PSMV wurde vom WBF explizit als Übergangsbestimmung
zur soeben erwähnten Änderung der PSMV vom 17. Mai 2021 eingeführt
(vgl. AS 2021 321). Er legt in diesem Zusammenhang fest, dass Pflanzen-
schutzmittel, die den Wirkstoff Bromoxynil enthalten, bis zum 30. Septem-
ber 2021 ausverkauft und bis zum 31. Dezember 2021 aufgebraucht wer-
den dürfen.
Mit der auf den 1. Januar 2022 in Kraft getretenen Änderung der PSMV
vom 17. November 2021 wurde die Zulassungsstelle für Pflanzenschutz-
mittel dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen
(BLV) zugewiesen und damit zusammenhängend im ganzen Erlass
«WBF» durch «EDI» ersetzt. Mit anderen Worten streicht gemäss Art. 10
Abs. 1 PSMV neu das Eidgenössisches Departement des Innern (EDI) ei-
nen Wirkstoff aus dem Anhang 1 der PSMV, wenn der Wirkstoff in der EU
aus der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 540/2011 gestrichen wird und
legt für das Inverkehrbringen bestehender Lagerbestände von Pflanzen-
schutzmitteln, die einen solchen Wirkstoff enthalten, und für deren Verwen-
dung die gleichen Fristen fest, wie sie in der EU gelten.
4.3 Mit der am 14. September 2020 im Amtsblatt der Europäischen Union
publizierten Durchführungsverordnung (EU) 2020/1276 der Kommission
vom 11. September 2020 zur Nichterneuerung der Genehmigung für den
Wirkstoff Bromoxynil gemäss der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates über das Inverkehrbringen von
Pflanzenschutzmittel und zur Änderung des Anhangs der Durchführungs-
verordnung (EU) Nr. 540/2011 wurde in der EU der Wirkstoff Bromoxynil
mit Wirkung per 17. September 2020 nicht erneuert und aus dem Anhang
der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 540/2011 gestrichen (vgl. Art. 1, 2
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und 5 der Durchführungsverordnung (EU) 2020/1276). Um den Mitglied-
staaten ausreichend Zeit einzuräumen, liess die Durchführungsverordnung
(EU) 2020/1276 – unter Berücksichtigung einer im Amtsblatt der Europäi-
schen Union L 300 vom 14. September 2020 publizierten Berichtigung – in
den einzelnen Mitgliedstaaten der EU für Pflanzenschutzmittel mit dem
Wirkstoff Bromoxynil eine maximale Frist für den Ausverkauf und den Auf-
brauch bis zum 17. September 2021 zu (vgl. Art. 3 und 4 der Durchfüh-
rungsverordnung (EU) 2020/1276 sowie E. 16 und 17 der Durchführungs-
verordnung (EU) 2020/1276).
5.
5.1 Die Vorinstanz bringt vor, Art. 86f PSMV halte verbindlich fest, dass
Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Bromoxynil bis zum 30. September
2021 ausverkauft und bis zum 31. Dezember 2021 aufgebraucht werden
dürften. Sie sei an diese in Art. 86f PSMV statuierten Fristen gebunden und
könne keine längere Ausverkaufs- und Aufbrauchfrist festlegen.
Die Beschwerdeführerin beanstandet die in Art. 86f PSMV statuierten Fris-
ten, welche im Vergleich zur Regelung in der EU, auf welche Art. 10 Abs. 1
PSMV Bezug nehme, viel zu kurz ausgefallen seien.
Wie bereits erwähnt, haben die von der Vorinstanz für Pflanzenschutzmittel
mit dem Wirkstoff Bromoxynil angewandten Fristen für deren Ausverkauf
bis zum 30. September 2021 bzw. deren Aufbrauch bis zum 31. Dezember
2021 ihre Grundlage in Art. 86f PSMV, womit Dispositiv-Ziff. 2 der ange-
fochtenen Verfügung eine rein deklaratorische Bedeutung zukommt, wel-
che für die Ausverkaufsfrist lediglich die in Art. 86f PSMV festgelegte Frist
wiederholt. Art. 86f PSMV stützt sich seinerseits auf Art. 10 Abs. 1 PSMV
ab. Die Beschwerdeführerin verlangt mit ihren Vorbringen implizit eine
Überprüfung der genannten Bestimmungen.
5.2 Anders als ein Bundesgesetz im formellen Sinn werden die rechtset-
zenden Erlasse unterer Hierarchiestufen vom Anwendungsgebot in
Art. 190 BV nicht erfasst. Dadurch sind insbesondere Verordnungen im
Sinne von Art. 163 Abs. 1 und Art. 182 Abs. 1 BV wie vorliegend die PSMV
– unabhängig davon, ob sie vom Parlament oder vom Bundesrat bzw. der
ihm untergeordneten Departemente erlassen worden sind – durch die
rechtsanwendenden Behörden nicht voraussetzungslos anzuwenden
(vgl. grundlegend: BGE 104 Ib 412 E. 2 ff.). Im Rahmen einer akzessori-
schen Normenkontrolle ist nachfolgend zu prüfen, ob die in Art 86f PSMV
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Seite 11
vorgegebenen Fristen für das Pflanzenschutzmittel B._ gesetzes-
und verfassungskonform sind. Die konkrete bzw. akzessorische Normen-
kontrolle beschränkt sich auf die im Einzelfall zur Anwendung gelangende
Norm, soweit sie für den Fall massgeblich ist (BGE 143 V 208 E. 3.3). Er-
weist sich Art. 86f PSMV nicht als gesetzes- und verfassungskonform, führt
dies nicht zur formellen Aufhebung der Bestimmung, sondern dazu, dass
deren Anwendung im konkreten Fall unterbleibt (MOSER/BEUSCH/KNEU-
BÜHLER, a.a.O., Rz. 2.179a).
5.3 Neben dem öffentlichen Interesse, das hinter jeder Rechtsänderung
stehen muss, sprechen im Übrigen Erwägungen der Rechtsgleichheit und
Rechtseinheit dafür, dass altrechtliche Rechtsverhältnisse möglichst rasch
mit dem neuen Recht in Einklang gebracht werden (BGE 123 II 433 E. 9).
Allerdings kann es vorkommen, dass die rasche Umsetzung neuen Rechts
aus Sicht der Normadressaten eine nicht zu vertretende Härte zur Folge
hätte. Aus Gründen der Rechtsgleichheit, der Verhältnismässigkeit, des
Willkürverbots und des Vertrauensschutzes kann es verfassungsrechtlich
deshalb geboten sein, gegebenenfalls eine geeignete Übergangsregelung
zu schaffen und z.B. das neue Recht gestaffelt oder erst nach Ablauf einer
bestimmten Frist in Kraft treten zu lassen. Damit soll verhindert werden,
dass gutgläubig getätigte Investitionen nutzlos werden (BGE 130 I 26
E. 8.1 m.w.H., BGE 123 II 433 E. 9; BENJAMIN SCHINDLER, in: Die schwei-
zerische Bundesverfassung St. Galler Kommentar, 2014, Art. N 26 m.w.H.;
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2014, § 24
N 17). Übergangsfristen haben nicht den Zweck, die Betroffenen möglichst
lange von der günstigeren bisherigen Regelung profitieren zu lassen, son-
dern einzig, ihnen eine angemessene Frist einzuräumen, um sich an die
neue Regelung anzupassen (BGE 134 I 23 E. 7.6.1 m.w.H.; TSCHAN-
NEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 24 N 17).
Übergangsbestimmungen wie Art. 86f PSMV sehen eine Regelung für die
Ablösung des alten Rechts durch das neue Recht vor. Daher sind die Über-
gangsbestimmungen im Zusammenhang mit der Grundbestimmung zu le-
sen. Dies gilt auch bei Übergangsbestimmungen wie Art. 86f PSMV, die
nicht einen Übergang zwischen einer neuen und einer alten Verordnungs-
bestimmung schaffen möchten, sondern die ein vorgegebenes Normpro-
gramm, vorliegend von Art. 10 Abs. 1 PSMV, konkret anwenden bzw. um-
setzen (vgl. in verwandtem Zusammenhang BGE 139 II 243 E. 9.1).
In casu stellt sich zunächst die Frage, ob die in Art. 86f PSMV vorgesehe-
nen Fristen für den Ausverkauf von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirk-
stoff Bromoxynil bis zum 30. September 2021 bzw. für deren Aufbrauch bis
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zum 31. Dezember 2021 Art. 10 Abs. 1 PSMV standhalten. Zur Beantwor-
tung dieser Frage ist zunächst näher auf die ratio legis von Art. 10 Abs. 1
PSMV einzugehen.
5.3.1 Art. 10 Abs. 1 PSMV lautet wie folgt:
"Das EDI [bis 31. Dezember 2021 das WBF] streicht einen Wirkstoff aus An-
hang 1, wenn der Wirkstoff in der EU aus der Durchführungsverordnung (EU)
Nr. 540/2011 gestrichen wird. Es legt für das Inverkehrbringen bestehender
Lagerbestände von Pflanzenschutzmitteln, die diesen Wirkstoff enthalten, und
für deren Verwendung die gleichen Fristen fest, wie sie in der EU gelten."
Aus dem Wortlaut von Art. 10 Abs. 1 PSMV wird nicht restlos klar, wie die
Bestimmung mit Bezug auf die Festlegung der gleichen Fristen, wie sie in
der EU gelten, genau zu verstehen ist. Unklar ist insbesondere, ob auch
die Streichung eines Wirkstoffs in der Schweiz auf den gleichen Zeitpunkt
wie in der EU zu erfolgen hat (1. Satz von Art. 10 Abs. 1 PSMV) oder nur
die Fristen gleich wie in der EU festgelegt werden müssen (2. Satz von
Art. 10 Abs. 1 PSMV). Es ist nicht eindeutig, ob mit Art. 10 Abs. 1 PSMV
sowohl bezüglich des Zeitpunktes der Streichung eines Wirkstoffs und so-
mit auch hinsichtlich des Beginnes der Fristenläufe für den Ausverkauf und
den Aufbrauch von entsprechenden Pflanzenschutzmitteln mit einem sol-
chen Wirkstoff, als auch bezüglich der jeweiligen Fristenlängen, eine Har-
monisierung mit der EU angestrebt wird oder beispielsweise nur in Bezug
auf das Ende der Auslauffristen.
5.3.2 Die Vernehmlassung vom 3. Februar 2020 zum landwirtschaftlichen
Verordnungspaket liefert Hinweise darauf, wie Art. 10 Abs. 1 PSMV zu ver-
stehen ist. Die Vernehmlassung erläutert zunächst die historische Entwick-
lung, wonach gestützt auf die aArt. 9 und 10 PSMV im Jahr 2006 ein Ver-
fahren zur Neubewertung von Wirkstoffen, die in der EU vom Markt ge-
nommen wurden, eingeführt worden sei. Gemäss Vernehmlassung seien
alle 160 Substanzen, die diesem im Jahr 2006 geschaffenen Verfahren un-
terzogen worden seien, vom Markt genommen worden. Die Vernehmlas-
sung hält weiter fest, dass das im Jahr 2006 geschaffene Widerrufsverfah-
ren zusammen mit der vorgängigen Konsultation der interessierten Kreise
mindestens ein Jahr gedauert habe. Dies habe gemäss Vernehmlassung
zu einer Zeitverzögerung zwischen dem Datum des Widerrufs einer Bewil-
ligung in der EU und dem Datum des Widerrufs in der Schweiz geführt (vgl.
Vernehmlassung vom 3. Februar 2020 zum landwirtschaftlichen Verord-
nungspaket 2020, S. 87).
B-3819/2021
Seite 13
Gemäss der in der Vernehmlassung vorgeschlagenen Neuregelung soll
das Verfahren zur Streichung von Wirkstoffen, die in der EU nicht mehr
zugelassen seien, vereinfacht werden. Die Fristen für das Inverkehrbringen
der Lagerbestände und das Aufbrauchen solcher Produkte sollen gemäss
der Vernehmlassung mit jenen der EU harmonisiert werden (vgl. Vernehm-
lassung vom 3. Februar 2020 zum landwirtschaftlichen Verordnungspaket
2020, S. 87). Die Vernehmlassungserläuterungen zu Art. 10 PSMV präzi-
sieren, dass das WBF (seit 2022 neu das EDI) gemäss vorgeschlagener
Regelung befugt sein solle, Substanzen, die in der EU vom Markt genom-
men worden seien, im Anschluss an die üblichen Konsultationen aus dem
Anhang 1 der PSMV zu streichen. Das WBF (seit 2022 neu das EDI) habe
hierbei die gleichen Fristen einzuräumen, wie sie in der EU für das Inver-
kehrbringen der Lagerbestände und das Aufbrauchen der Produkte ge-
währt würden (vgl. Vernehmlassung vom 3. Februar 2020 zum landwirt-
schaftlichen Verordnungspaket 2020, S. 88).
Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der vorgeschlagenen Anpassun-
gen der PSMV werden in der Vernehmlassung umschrieben als Vereinfa-
chung des Streichungsverfahrens in der Schweiz für Wirkstoffe, die in der
EU nicht mehr zugelassen seien. Damit werde gemäss der Vernehmlas-
sung bewirkt, dass diese Substanzen zur gleichen Zeit wie in der EU vom
Markt genommen würden und die Fristen für das Inverkehrbringen der La-
gerbestände und das Aufbrauchen der Produkte würden die gleichen sein
wie in der EU (vgl. Vernehmlassung vom 3. Februar 2020 zum landwirt-
schaftlichen Verordnungspaket 2020, S. 89). Die vorgeschlagenen Anpas-
sungen der PSMV würden insgesamt eine autonome Anpassung darstel-
len, um die schweizerische Gesetzgebung mit dem europäischen Recht zu
harmonisieren (vgl. Vernehmlassung vom 3. Februar 2020 zum landwirt-
schaftlichen Verordnungspaket 2020, S. 89).
Der in der Vernehmlassung vorgeschlagene Text von Art. 10 Abs. 1 PSMV
lautete:
"Das WBF streicht einen Wirkstoff aus Anhang 1, wenn die Genehmigung die-
ses Wirkstoffs durch die EU in der Verordnung (EU) Nr. 540/2011 nicht erneu-
ert wird. Es räumt die gleichen Fristen ein, wie sie in der EU für das Inverkehr-
bringen bestehender Lagerbestände und die Verwendung der Produkte ge-
währt werden."
Im Vergleich zum in Kraft getretenen Verordnungstext weist der in der Ver-
nehmlassung vorgeschlagene Wortlaut von Art. 10 Abs. 1 PSMV nur ge-
ringfügige Abweichungen auf, sodass für die Beurteilung der Tragweite von
B-3819/2021
Seite 14
Art. 10 Abs. 1 PSMV auf die Vernehmlassung vom 3. Februar 2020 zum
landwirtschaftlichen Verordnungspaket 2020 abgestellt werden kann. Darin
wird, wie soeben erläutert, unmissverständlich dargelegt, dass Wirkstoffe,
die in der EU nicht mehr zugelassen sind, in der Schweiz zur gleichen Zeit
wie in der EU vom Markt genommen würden. In Bezug auf die Absicht,
dass nicht mehr zugelassene Wirkstoffe in der Schweiz nicht länger als in
der EU anzuwenden sind, könnte möglicherweise nicht nur eine Harmoni-
sierung der Enden der Auslauffristen, sondern eine weitgehende Harmoni-
sierung bezüglich der Streichung von Wirkstoffen und der Auslauffristen
angestrebt sein. Insoweit würde mit Art. 10 Abs. 1 PSMV sowohl bezüglich
des Zeitpunktes der Streichung eines Wirkstoffs und somit auch hinsicht-
lich des Beginnes der Fristenläufe für den Ausverkauf und den Aufbrauch
von entsprechenden Pflanzenschutzmitteln mit einem solchen Wirkstoff,
als auch bezüglich der jeweiligen Fristenlängen, eine Harmonisierung mit
der EU angestrebt. Ob dies tatsächlich so zutrifft, muss in casu jedoch, wie
den nachfolgenden Erwägungen entnommen werden kann, nicht ab-
schliessend beurteilt sein.
5.3.3 Wie bereits erwähnt, wurde die Zulassung des Wirkstoffs Bromoxynil
in der EU mit Wirkung auf den 17. September 2020 nicht erneuert und aus
dem Anhang der entsprechenden Durchführungsverordnung (EU)
Nr. 540/2011 gestrichen. Für Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Bro-
moxynil wurde in der EU die maximale Fristdauer für den Ausverkauf und
den Aufbrauch auf den 17. September 2021 gelegt (vgl. E. 4.3). Die mit der
Nichterneuerung der Genehmigung des Wirkstoffs Bromoxynil und dessen
Streichung aus dem Anhang der Durchführungsverordnung (EU)
Nr. 540/2011 per 17. September 2020 einhergehenden Ausverkaufs- und
Aufbrauchfristen betrugen damit, in Bezug auf die Streichung aus diesem
Anhang, maximal 12 Monate.
5.3.4 Als Art. 10 Abs. 1 PSMV am 1. Januar 2021 in Kraft trat, haben sich
die gemäss der genannten Bestimmung nachzuvollziehenden Vorgänge in
der EU, konkret die Streichung des Wirkstoffs Bromoxynil aus der Durch-
führungsverordnung (EU) Nr. 540/2011 per 17. September 2020 sowie der
darauffolgende Fristlauf für den Ausverkauf und den Aufbrauch von Pflan-
zenschutzmitteln mit einem solchen Wirkstoff, bereits realisiert. Mit ande-
ren Worten besteht im vorliegenden Verfahren deshalb eine besondere Si-
tuation, weil die neue Bestimmung in Art. 10 Abs. 1 PSMV grundsätzlich
für die Zukunft einen Nachvollzug bzw. eine Harmonisierung der Vorgänge
in der EU anstrebt, hinsichtlich des Wirkstoffs Bromoxynil diese nachzu-
vollziehenden Vorgänge in der EU im Zeitpunkt des Inkrafttretens von
B-3819/2021
Seite 15
Art. 10 Abs. 1 PSMV aber bereits Tatsache waren bzw. in der Vergangen-
heit lagen. In Zukunft dürfte sich diese Situation kaum wiederholen, weil
sich entsprechende Streichungen von Wirkstoffen aus der Liste im Anhang
1 der PSMV künftig direkt auf die bestehende bundesrätliche Grundnorm
von Art. 10 Abs.1 PSMV werden abstützen können, und das Verfahren
hierzu nicht von der Vorbereitung eines ganzen Verordnungspakets abhän-
gig sein dürfte. Es ist also nicht undenkbar, dass die Streichung eines Wirk-
stoffs in der Schweiz deshalb und aufgrund öffentlich zugänglicher Infor-
mationen über den Prozess in der EU auf den gleichen Zeitpunkt wie in der
EU erfolgen könnte. Die Frage, ob Streichungen und die darauf beruhen-
den Auslauffristen für Vertrieb und Verbrauch in der Schweiz auch künftig
später oder eben zeitgleich mit der EU zu erfolgen haben, kann im vorlie-
genden Fall offen bleiben. Denn es ist – wie bereits erwähnt – vorliegend
die Einzelfallsituation zu berücksichtigen, dass eine zeitgleiche Streichung
und/oder identische Auslauffristen wie in der EU ohnehin nicht möglich wa-
ren, weil Art. 10 Abs. 1 PSMV erst am 1. Januar 2021 und die Streichung
des Wirkstoffs Bromoxynil erst am 1. Juli 2021 in Kraft traten.
In der Schweiz strich das WBF den Wirkstoff Bromoxynil gestützt auf
Art. 10 Abs. 1 PSMV, wie bereits erwähnt, per 1. Juli 2021 aus dem Anhang
1 der PSMV und legte in Art. 86f PSMV für Pflanzenschutzmittel mit dem
Wirkstoff Bromoxynil die Frist für den Ausverkauf auf den 30. September
2021 und jene für den Aufbrauch auf den 31. Dezember 2021 fest.
Im Vergleich zum Verfahren in der EU hat das WBF mit Blick auf den Wirk-
stoff Bromoxynil keine Angleichung an das Streichungsverfahren der EU
erreicht, also abgesehen vom Ende für die Ausverkaufsfrist, das in der
Nähe des Endes der Ausverkaufsfrist der EU liegt, weder den Zeitpunkt der
Streichung des Wirkstoffs aus der Liste, noch die Zeitpunkte, bis wann
Pflanzenschutzmittel mit einem solchen Wirkstoff aufgebraucht werden
dürfen, noch die Fristlängen, in welchen die betroffenen Pflanzenschutz-
mittel nach der Streichung des Wirkstoffs noch ausverkauft und aufge-
braucht werden können, an die EU angeglichen. Unbesehen vom Strei-
chungszeitpunkt per 1. Juli 2021 und der Länge der Fristen, wie sie in der
EU maximal zur Verfügung standen (12 Monate nach dem die Genehmi-
gung für den Wirkstoff Bromoxynil mit Wirkung per 17. September 2020
nicht erneuert wurde und aus dem Anhang der Durchführungsverordnung
(EU) Nr. 540/2011 gestrichen wurde), legte das WBF das Fristende für den
Ausverkauf auf den 30. September 2021 und jenes für den Aufbrauch auf
den 31. Dezember 2021, womit die Fristen rund 3 bzw. 6 Monate nach der
B-3819/2021
Seite 16
in Kraft getretenen Streichung des betroffenen Wirkstoffs aus dem Anhang
1 der PSMV per 1. Juli 2021 ausgelaufen wären.
5.3.5 Die hinter Art. 10 Abs. 1 PSMV möglicherweise liegende Absicht der
Harmonisierung mit der EU sowohl bezüglich der Streichung als auch der
Fristen wurde in Bezug auf den hier fraglichen Wirkstoff Bromoxynil unbe-
streitbar nicht erreicht, da der Wirkstoff Bromoxynil in der Schweiz erst per
1. Juli 2021 aus dem Anhang 1 der PSMV gestrichen wurde und die Strei-
chung somit knapp 10 Monate nach der Streichung des Wirkstoffs aus der
entsprechenden EU-Richtlinie erfolgte. Insofern handelt es sich bei der
Streichung des Wirkstoffs Bromoxynil aus dem Anhang 1 der PSMV in casu
um einen nachträglichen Vollzug der EU-Streichung. Im EU-Verfahren
stand für den Ausverkauf von Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Bro-
moxynil ab der Streichung des genannten Wirkstoffs aus der Durchfüh-
rungsverordnung (EU) Nr. 540/2011 eine Frist von 12 Monaten für den Aus-
verkauf und den Aufbrauch zur Verfügung (vgl. Art. 4 der Durchführungs-
verordnung (EU) 2020/1276 i.V.m. Art. 46 der Verordnung (EG)
Nr. 1107/2009). Würde für den Beginn der Fristen vom Zeitpunkt der Strei-
chung des betroffenen Wirkstoffes ausgegangen, so betrügen die in
Art. 86f PSMV statuierten Fristen gerade mal rund 3 Monate bzw. 6 Mo-
nate.
5.3.6 Es stellt sich die Frage, ob und mit welchen Gründen sich in casu
möglicherweise derart kurze Fristen für den Ausverkauf und den Aufbrauch
von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Bromoxynil rechtfertigen las-
sen.
Wie bereits erwähnt, ist insbesondere unter Berücksichtigung der Ver-
nehmlassung zum landwirtschaftlichen Verordnungspaket 2020 (a.a.O.)
grundsätzlich nicht ausgeschlossen, dass der Verordnungsgeber künftig
einen Wirkstoff gestützt auf Art. 10 Abs. 1 PSMV auf den gleichen Zeitpunkt
aus dem Anhang 1 der PSMV hin streichen möchte, in welchem der be-
troffene Wirkstoff in der EU aus der Durchführungsverordnung (EU)
Nr. 540/2011 gestrichen wird. Vorliegend war jedoch mit der Einführung
von Art. 10 Abs. 1 PSMV per 1. Januar 2021, wie bereits erwähnt
(vgl. E. 5.3.4), eine Übergangssituation betroffen, weil die Streichung des
Wirkstoffs Bromoxynil aus der Durchführungsverordnung (EU)
Nr. 540/2011 bereits per 17. September 2020 erfolgt war. Die Vorinstanz
macht allerdings keine Angaben, weshalb die Streichung des Wirkstoffs
Bromoxynil aus dem Anhang 1 der PSMV erst per 1. Juli 2021 erfolgte bzw.
weshalb Art. 86f PSMV erst am genannten Datum in Kraft trat.
B-3819/2021
Seite 17
Die Vorinstanz macht auch keine Ausführungen dazu, ob und inwiefern
sich die vergleichsweise rigoros kurzen Fristen mit sachlichen Gründen
rechtfertigen liessen. Insbesondere macht sie, wie bereits erwähnt, nicht
geltend – wofür auch für das Bundesverwaltungsgericht keine Anhalts-
punkte ersichtlich sind –, dass von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff
Bromoxynil ein akutes Gefährdungspotential ausgeht (vgl. hiernach
E. 5.3.8).
Nach dem Gesagten ist eine Rechtfertigung für die kurzen Ausverkaufs-
und Aufbrauchfristen von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Bro-
moxynil gemäss Art. 86f PSMV nicht ersichtlich bzw. dargetan.
5.3.7 Die Übergangsbestimmung in Art. 86f PSMV deckt sich im Hinblick
auf Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Bromoxynil nach dem Gesag-
ten nicht mit den Vorgaben gemäss Art. 10 Abs. 1 PSMV, wenn davon aus-
zugehen wäre, dass sowohl bezüglich des Zeitpunktes der Streichung ei-
nes Wirkstoffs und somit auch hinsichtlich des Beginnes der Fristenläufe
für den Ausverkauf und Aufbrauch von entsprechenden Pflanzenschutzmit-
teln mit einem solchen Wirkstoff, als auch bezüglich der jeweiligen Fristen-
längen bzw. dem Ende der jeweiligen Fristen, eine Harmonisierung mit der
EU angestrebt würde. So oder anders findet die Übergangsbestimmung in
Art. 86f PSMV im Hinblick auf Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Bro-
moxynil in Art. 10 Abs. 1 PSMV keine Grundlage.
5.3.8 Im Folgenden wird geprüft, ob die Fristen gemäss Art. 86f PSMV für
Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Bromoxynil den verfassungsrecht-
lichen Grundsätzen, mithin der Verhältnismässigkeit gemäss Art. 5
Abs. 2 BV vereinbar sind. Würde Art. 86f PSMV dem Verhältnismässig-
keitsprinzip gemäss Art. 5 Abs. 2 BV widersprechen, wäre der in Frage ste-
henden Verordnungsbestimmung aus diesem Grund die Anwendbarkeit im
vorliegenden Verfahren zu versagen (vgl. BVGE 2011/15 E. 3.2). Das in
Art. 5 Abs. 2 BV verankerte Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt, dass
jede staatliche Verwaltungsmassnahme für das Erreichen des im öffentli-
chen oder privaten Interesse liegenden Zieles geeignet und erforderlich
sowie bezüglich Eingriffszweck und -wirkung ausgewogen (sog. verhältnis-
mässig im engeren Sinn), mithin der betroffenen Person zumutbar ist
(vgl. BGE 142 14 9 E. 9.1).
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass B._ seit knapp 5 Jahren un-
ter Einhaltung der in der entsprechenden Bewilligung erteilten Auflagen
und Bedingungen angewandt wird und insoweit als unbedenklich gilt. Vor
B-3819/2021
Seite 18
diesem Hintergrund scheint die in Art. 86f PSMV festgelegte Ausverkaufs-
und Aufbrauchfrist von lediglich 3 bzw. 6 Monaten nach der Streichung des
Wirkstoffs Bromoxynil aus dem Anhang 1 der PSMV per 1. Juli 2021, wel-
che für das Produkt für B._ anwendbar wäre, kurz, zumal der Ein-
satz des genannten Pflanzenschutzmittels gemäss unbestrittenen Ausfüh-
rungen der Beschwerdeführerin vorwiegend im Frühling und Sommer er-
folgt und der Einsatz im Herbst nur eine untergeordnete Rolle spielt. Für
das Produkt B._ würden somit in dessen Hauptanwendungszeit im
Frühling und Sommer nach der Streichung des Wirkstoffs Bromoxynil aus
dem Anhang 1 der PSMV per 1. Juli 2021 nur noch 2 Monate bis zum Ende
des Sommers für den Ausverkauf und den Aufbrauch verbleiben, weshalb
die Fristen bereits aus diesem Grund als unverhältnismässig kurz erschei-
nen.
Zu berücksichtigen ist zudem, dass die EU aufgrund des Einsatzes von
Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Bromoxynil nicht von einer dring-
lichen Gefährdung von Mensch, Tier und Umwelt auszugehen scheint, die
einen unverzüglichen Verzicht auf solche Pflanzenschutzmittel nahelegen
würde (vgl. Art. 20 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009). Die Gefährdung
von Mensch, Tier und Umwelt im Zusammenhang mit Bromoxynil-haltigen
Pflanzenschutzmitteln steht auch in der Schweiz nicht zur Debatte bzw.
eine solche Gefährdung wurde, wie bereits erwähnt, von der Vorinstanz
nicht geltend gemacht. Es ist daher entgegen der Ansicht der Vorinstanz
nicht zu erwarten, dass heftige Diskussionen entstehen, weil in der
Schweiz ein Pflanzenschutzmittel, dessen Wirkstoff in der EU nicht mehr
genehmigt ist, weiterhin verkauft und angewendet werden kann. Dies gilt
auch deshalb, weil die Beschwerdeführerin den Widerruf der Verkaufser-
laubnis für das Produkt B._ grundsätzlich akzeptiert und die bean-
tragten Ausverkaufs- und Aufbrauchfristen mit 1. Juli 2022 absehbar sind.
Dass die Fristen gemäss Art. 86f PSMV sehr kurz sind, zeigt schliesslich
auch der bereits erwähnte Vergleich mit dem Verfahrensablauf in der EU
(vgl. E. 5.3.3 und 5.3.4). Demnach räumt Art. 86f PSMV, wie bereits er-
wähnt, in der Schweiz im Vergleich zum Verfahrensablauf in der EU weni-
ger Zeit ein, um nach der rechtsgültigen Streichung des Wirkstoffs Bro-
moxynil aus der entsprechenden Liste Pflanzenschutzmittel mit dem ge-
nannten Wirkstoff auszuverkaufen bzw. aufzubrauchen.
5.3.9 Insgesamt erscheinen die Auslauffristen von Art. 86f PSMV für den
Ausverkauf bis zum 30. September 2021 und für den Aufbrauch bis zum
B-3819/2021
Seite 19
31. Dezember 2021 als unverhältnismässig. Insbesondere würden die sai-
sonalen Hauptanwendungszeiten von B._ im Frühling und Sommer
damit kaum berücksichtigt bzw. die in Art. 86f PSMV vorgesehenen Fristen
hätten keinen praktikablen Aufbrauch von B._ zugelassen. Zudem
war B._ schon lange im Einsatz, eine Gefährdung von Mensch, Tier
und Umwelt ist nicht dargetan und die EU liess für entsprechende Pflan-
zenschutzmittel mit dem Wirkstoff Bromoxynil nach der Nichterneuerung
der Genehmigung des entsprechenden Wirkstoffs und dessen Streichung
aus dem Anhang der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 540/2011 maxi-
mal 12 Monate für den Ausverkauf und für den Aufbrauch zu. Nach dem
Gesagten ist Art. 86f PSMV mit Blick auf die für Pflanzenschutzmittel mit
dem Wirkstoff Bromoxynil festgelegten Ausverkaufs- und Aufbrauchfristen
nicht mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip gemäss Art. 5 Abs. 2 BV ver-
einbar, weshalb die genannte Verordnungsbestimmung im vorliegenden
Verfahren nicht anzuwenden ist.
5.4 Die Nichtanwendung von Art. 86f PSMV führt in casu unter anderem
zum Wegfall der in der angefochtenen Verfügung nicht thematisierten Auf-
brauchfrist für das Produkt B._ der Beschwerdeführerin, das den
Wirkstoff Bromoxynil enthält. Mit Zwischenverfügung vom 24. September
2021 wurde jedoch, wie bereits erwähnt, unter anderem einstweilen eine
Aufbrauchfrist für das Produkt B._ bis zum 30. Juni 2022 festgelegt.
Diejenigen Käufer, die auf der Grundlage der genannten Zwischenverfü-
gung vom 24. September 2021 das Produkt B._ gekauft haben,
dürfen in guten Treuen davon ausgehen, dass sich das Bundesverwal-
tungsgericht materiell mit der Frage der Dauer der Aufbrauchfrist auseinan-
dersetzt. Das öffentliche Interesse hierüber, mithin die in den Umständen
liegenden Kurzfristigkeiten und der offensichtliche Konnex zwischen der
Ausverkaufs- und Aufbrauchfrist gebietet also die Beantwortung der Frage,
welche Aufbrauchfrist in casu infolge der Nichtanwendung von Art. 86f
PSMV stattdessen zur Anwendung kommen soll, konkret wann die Frist zu
laufen beginnt und wie lange der Fristlauf sein soll. Eine derartige Korrektur
liesse sich vertreten, soweit sie sich an die Vorgaben des übergeordneten
Rechts orientiert und/oder dieses schlicht vollzieht. Entsprechend ist hier-
bei – wie im Übrigen auch hinsichtlich der in der angefochtenen Verfügung
vom 1. Juli 2021 thematisierten Ausverkaufsfrist für das Produkt
B._ – zum einen Art. 10 Abs. 1 PSMV zu berücksichtigen, welcher
den Mechanismus für die zu beantwortende Frage festlegt, und zum ande-
ren auch das in Art. 5 Abs. 2 BV verankerte Verhältnismässigkeitsprinzip.
Dieses verlangt, wie bereits erwähnt, dass jede staatliche Verwaltungs-
massnahme für das Erreichen des im öffentlichen oder privaten Interesse
B-3819/2021
Seite 20
liegenden Zieles geeignet und erforderlich sowie bezüglich Eingriffszweck
und -wirkung ausgewogen (sog. verhältnismässig im engeren Sinn), mithin
der betroffenen Person zumutbar ist (vgl. BGE 142 14 9 E. 9.1; Urteil des
BVGer A-6090/2017 vom 28. Juni 2018 E. 5.7.1; je m.w.H.).
Sofern mit Art. 10 Abs. 1 PSMV für den Beginn und der Dauer des Fristen-
laufs für den Ausverkauf und den Aufbrauch solcher Pflanzenschutzmittel
in der Schweiz eine analoge Regelung wie in der EU beabsichtigt ist
(vgl. E. 4.3), müssten diese in der Schweiz grundsätzlich mit der Strei-
chung des Wirkstoffs Bromoxynil aus dem Anhang 1 der PSMV per 1. Juli
2021 beginnen und maximal 12 Monate dauern (vgl. E. 5.3.3). Selbstver-
ständlich setzen Auslauffristen voraus, dass der Wirkstoff zuvor definitiv
gestrichen wurde. Diese Konstellation lässt sich nicht dadurch umgehen,
indem den Verkäufern und Verbrauchern eine frühere Möglichkeit zur
Kenntnisnahme des Revisionsvorhabens zugerechnet wird (vgl. E. 6 ff.).
Auch wenn der schweizerische Fahrplan für das Pflanzenschutzmittel mit
dem Wirkstoff Bromoxynil im Vergleich zur EU zeitlich erheblich nachgela-
gert ist und in casu weder in Bezug auf den Streichungszeitpunkt noch auf
die Auslauffristen eine Harmonisierung erreicht wird – eine solche wurde,
wenn auch mit einer unverhältnismässig kurzen Frist, einzig teilweise in
Bezug auf das Ende der Ausverkaufsfrist vom 17. bzw. 30. September
2021 erreicht –, erscheint es sachgerecht, Art. 10 Abs. 1 PSMV für die er-
satzweise Festlegung von angemessenen Ausverkaufs- und Aufbrauchfris-
ten soweit als noch möglich zu berücksichtigen. Ausgehend von der Rege-
lung der Fristlängen in der EU wäre demnach für das Produkt B._
ab der der Streichung des Wirkstoffs Bromoxynil aus dem Anhang 1 der
PSMV per 1. Juli 2021 in der Schweiz eine Ausverkaufs- und eine Auf-
brauchfrist von 12 Monaten bis zum 1. Juli 2022 einzuräumen. Damit wäre
in der Schweiz zudem sichergestellt, dass das Produkt B._ noch in
dessen Hauptanwendungszeit im Frühling und Sommer aufgebraucht wer-
den könnte. Die in diesem Sinn angepassten Fristen würden sich nach dem
bisher Gesagten als verhältnismässig erweisen, da kein Grund ersichtlich
oder geltend gemacht ist, weshalb in der Schweiz für den Ausverkauf und
den Aufbrauch solcher Pflanzenschutzmittel derart kurze Fristen, wie sie
Art. 86f PSMV festlegt, zur Anwendung kommen sollten bzw. weshalb die
anzuwenden Fristlängen im Vergleich zur EU kürzer sein sollten.
Die Beschwerdeführerin verlangt für das Produkt B._, wie bereits
erwähnt, eine Ausverkaufs- und die Aufbrauchfrist bis zum 1. Juli 2022.
Diese von der Beschwerdeführerin anbegehrte Frist entspricht jener, die
B-3819/2021
Seite 21
ausgehend von der Maximallänge der Regelung in der EU im vorliegenden
Fall festgelegt werden könnte und trägt der Zeitperiode, in welcher der
Wirkstoff üblicherweise zur Anwendung kommt (Frühling und Sommer), ge-
bührend Rechnung. Ein Ansetzen der Ausverkaufs- und der Aufbrauchfrist
auf den ersten Tag eines Monats erscheint jedoch nicht naheliegend, son-
dern es ist angemessen, die Ausverkaufs- und Aufbrauchfrist am 30. Juni
2022 enden zu lassen. Nach dem Gesagten ist für B._ die Ausver-
kaufs- und die Aufbrauchfrist auf den 30. Juni 2022 festzulegen.
6.
Die Vorinstanz bringt dagegen vor, dass die Beschwerdeführerin im Hin-
blick auf B._ mit einer Ausverkaufsfrist bis zum 30. September 2021
und einer Aufbrauchfrist bis zum 31. Dezember 2021 habe rechnen müs-
sen. Sie begründet ihren Standpunkt damit, die Beschwerdeführerin habe
erkennen müssen, dass die Fristen für den Ausverkauf und den Aufbrauch
dieser Pflanzenschutzmittel in der Schweiz grundsätzlich mit der EU har-
monisiert würden. Dies gelte insbesondere deshalb, weil bereits mit der
Vernehmlassung vom 3. Februar 2020 zum landwirtschaftlichen Verord-
nungspaket 2020 durch das BLW angekündigt worden sei, dass das Ver-
fahren zum Widerruf von Bewilligungen von Pflanzenschutzmitteln, deren
Wirkstoffe in der EU nicht mehr zugelassen seien, künftig vereinfacht
würde und die Fristen für den Ausverkauf und den Aufbrauch grundsätzlich
mit jenen der EU harmonisiert werden sollen. Spätestens mit der Veröffent-
lichung des bundesrätlichen Beschlusses betreffend die Änderung der
PSMV am 15. Dezember 2020 (hinsichtlich der Aufhebung von aArt. 9
PSMV mit Wirkung auf den 1. Januar 2021 und des Inkrafttretens des ge-
änderten Art. 10 PSMV auf das gleiche Datum hin) hätte die Beschwerde-
führerin einplanen müssen, dass Bromoxynil-haltige Pflanzenschutzmittel
auch in der Schweiz nur noch für die Saison 2021 gebraucht und somit
verkauft werden dürften. Zudem sei die Beschwerdeführerin mit Schreiben
des BLW vom 4. Februar 2021 über die geplanten Änderungen des An-
hangs 1 der PSMV informiert worden. Mit Erhalt des Schreibens des BLW
vom 4. Februar 2021 (vgl. Vorakten, act. 5) sei gegenüber der Beschwer-
deführerin die bereits absehbare Ausverkaufs- und Aufbrauchfrist für die
Saison 2021 für Bromoxynil-haltige Pflanzenschutzmittel präzisiert worden.
Die Beschwerdeführerin ist nicht der Ansicht, dass sie mit einer in der Sai-
son 2021 endenden Ausverkaufs- und Aufbrauchfrist habe rechnen müs-
sen.
B-3819/2021
Seite 22
6.1 Mit zwei gleichlautenden Schreiben vom 4. bzw. 8. Februar 2021
brachte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin das Schreiben vom 28. Ja-
nuar 2021 zur Kenntnis, mit welchem die Landwirtschaftsämter und inte-
ressierte Kreise eingeladen wurden, sich bis zum 19. Februar 2021 ver-
nehmen zu lassen. Darin informierte die Vorinstanz, dass vorgesehen sei,
20 Wirkstoffe, unter anderem Bromoxynil, aus dem Anhang 1 der PSMV
mittels Änderung der PSMV per 1. Juni 2021 zu streichen und dass für
Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Bromoxynil für den Ausverkauf eine
Frist bis 30. September 2021 und für den Aufbrauch eine Frist bis 31. De-
zember 2021 vorgesehen sei.
6.2 Was das Vorbringen der Vorinstanz betrifft, die Beschwerdeführerin
habe ab dem 4. bzw. 8. Februar 2021 aufgrund des Schreibens vom 28. Ja-
nuar 2021 und aufgrund der Vernehmlassung vom 3. Februar 2020 zum
landwirtschaftlichen Verordnungspaket 2020 zwingend von einer in der
Saison 2021 endenden Aufbrauchfrist ausgehen müssen, sind die nachfol-
genden Aspekte in Betracht zu ziehen.
Die Vorinstanz übersieht, dass die Beschwerdeführerin anhand des am
4. bzw. 8 Februar 2021 zugestellten Schreibens vom 28. Januar 2021 über
eine laufende Konsultation mit den Landwirtschaftsämtern und interessier-
ten Kreisen informiert wird. Eine laufende Konsultation impliziert aber, dass
der Ausgang einer möglichen Anpassung der in Frage stehenden Rechts-
grundlage noch nicht definitiv abgeschlossen bzw. noch offen ist. Beispiel-
haft zeigt sich dies darin, dass die Änderung von Anhang 1 der PSMV letzt-
endlich nicht wie im Schreiben vom 28. Januar 2021 angekündigt auf den
1. Juni 2021, sondern auf den 1. Juli 2021 in Kraft trat. Aus den Akten geht
zudem hervor, dass die interessierten Kreise im Rahmen der Anhörung be-
mängelten, dass die vorgesehenen Fristen unverhältnismässig kurz seien.
Es hätte deshalb durchaus sein können, dass die Vorinstanz nach der An-
hörung längere Übergangsfristen festlegt. Erst seit der Publikation der Ver-
ordnungsänderung vom 17. Mai 2021 am 2. Juni 2021 stand somit definitiv
fest, dass die Ausverkaufsfrist bis zum 30. September 2021 und die Auf-
brauchfrist bis zum 31. Dezember 2021 dauern würden.
Im Schreiben vom 28. Januar 2021 wurde zwar explizit erwähnt, wonach
für den Fall, dass in der EU eine Nichterneuerung der Genehmigung be-
schlossen worden sei, die gleichen Fristen wie in der EU gelten würden.
Allerdings schuf diese im Brief vom 28. Januar 2021 enthaltene Ausführung
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für die Beschwerdeführerin keine Klarheit, da kein konkreter Zeitpunkt ge-
nannt wird, ab wann die Fristen zu laufen beginnen sollen und nicht ersicht-
lich ist, wie lange der jeweilige Fristlauf in der EU war.
Insgesamt waren die Umstände im Zusammenhang mit dem Wirkstoff Bro-
moxynil trotz des von der Vorinstanz an die Beschwerdeführerin weiterge-
leiteten Schreibens vom 28. Januar 2021 und trotz der Vernehmlassung
vom 3. Februar 2020 zum landwirtschaftlichen Verordnungspaket 2020
nicht derart eindeutig, dass die Beschwerdeführerin für das Produkt
B._ in jedem Fall mit einer in der Saison 2021 endenden Aufbrauch-
frist rechnen musste. Diese von der Vorinstanz vertretene Sichtweise wird
durch keine sachlich begründete Notwendigkeit gestützt.
Doch selbst wenn der Standpunkt der Vorinstanz zutreffen würde, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund des am 4. bzw. 8. Februar 2021 weitergelei-
teten Schreibens vom 28. Januar 2021 und aufgrund der Vernehmlassung
vom 3. Februar 2020 zum landwirtschaftlichen Verordnungspaket 2020 mit
den genannten Fristen für den Ausverkauf bis zum 30. September 2021
und für den Aufbrauch bis zum 31. Dezember 2021 habe rechnen müssen,
ergibt sich daraus noch nicht deren Rechtmässigkeit. Zum einen ist auf die
bereits im vorliegenden Urteil dargestellten Überlegungen zu verweisen,
wonach solche Fristen unverhältnismässig kurz wären. Zum anderen über-
sieht die Vorinstanz, dass die Ausverkaufs- und die Aufbrauchfrist nicht mit
der Zustellung des Schreibens vom 28. Januar 2021 am 4. bzw. 8. Februar
2021 oder gar mit der Vernehmlassung vom 3. Februar 2020 zum landwirt-
schaftlichen Verordnungspaket 2020 zu laufen begonnen haben, nachdem
der Wirkstoff erst per 1. Juli 2021 aus der Liste gestrichen wurde. Es steht
der Vorinstanz nicht zu, die Verbindlichkeit einer verpflichtenden Verord-
nungsänderung, welche durch die amtliche Publikation des Inkrafttretens,
hier der Streichung des Wirkstoffs Bromoxynil aus dem Anhang 1 der
PSMV per 1. Juli 2021, gewährleistet wird, durch Zurechnung einer noch
vagen Kenntnisnahme des Revisionsprojektes durch die Normadressaten
um Monate vorzuverschieben bzw. vorzuverlegen.
6.3 Nach dem Gesagten kann die Vorinstanz die Beschwerdeführerin für
das Produkt B._ weder gestützt auf das am 4. bzw. 8 Februar 2021
zugestellte Schreiben vom 28. Januar 2021 noch gestützt auf die Ver-
nehmlassung vom 3. Februar 2020 zum landwirtschaftlichen Verordnungs-
paket 2020 zur Einhaltung einer Ausverkaufsfrist bis zum 30. September
2021 und einer Aufbrauchfrist bis zum 31. Dezember 2021 verpflichten.
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7.
Die Vorinstanz stellt sich ausserdem auf den Standpunkt, dass die Bewilli-
gung gegenüber der D._ für das Referenzprodukt C._ am
1. Juli 2021 widerrufen worden sei, womit sich die Verkaufserlaubnis der
Beschwerdeführerin für B._ nicht mehr auf das Referenzprodukt
abstützen könne. Die Verkaufserlaubnis der Beschwerdeführerin, so die
Vorinstanz weiter, teile nämlich gemäss Art. 43 PSMV das Schicksal der
Bewilligung der D._ für das Referenzprodukt C._.
Art. 43 Abs. 3 PSMV hält fest, dass eine Verkaufserlaubnis mit dem Erlö-
schen der Bewilligung oder mit dem Rückzug des Einverständnisses der
Bewilligungsinhaberin verfällt. Der Regelungsgegenstand von Art. 43
PSMV, konkret, dass eine Verkaufserlaubnis verfällt, wenn die Bewilligung
für das Referenzprodukt erlischt, ist nicht Streitgegenstand des vorliegen-
den Verfahrens, in welchem die Beschwerdeführerin den Rückzug bzw.
den Verfall der Verkaufserlaubnis für das Produkt B._ explizit ak-
zeptiert. Vielmehr geht es im vorliegenden Verfahren darum, wie die Ab-
wicklung nach dem Verfall einer Verkaufserlaubnis zu regeln ist. Es ist ins-
besondere zu beurteilen, welche Fristen für den Ausverkauf und den Auf-
brauch für die betroffenen Produkte zu gewähren sind. Diese Frage der
Einräumung von Ausverkaufs- und Aufbrauchfristen ist kein Regelungsge-
genstand von Art. 43 PSMV. Mit anderen Worten ist Art. 43 PSMV für die
Festlegung der Ausverkaufs- und Aufbrauchfrist für das Produkt B._
gegenüber der Beschwerdeführerin nicht von Relevanz. Die Beschwerde-
führerin als Inhaberin einer Verkaufserlaubnis muss sich im Resultat somit
nicht unverhältnismässige Fristen entgegen halten lassen, die von der Be-
willigungsinhaberin des Referenzprodukts nicht angefochten wurden.
Dass trotz Verfall einer Verkaufserlaubnis grundsätzlich die Einräumung
von Ausverkaufs- und Aufbrauchfristen wie im vorliegenden Fall möglich
sein müssen, zeigt im Übrigen nicht nur der bereits berücksichtigte Art. 10
Abs. 1 PSMV, sondern auch der Vergleich mit anderen Bestimmungen der
PSMV. Solange nämlich, wie bereits erwähnt, keine relevante Gefährdung
von Menschen, Tieren und Umwelt besteht, dürfen Pflanzenschutzmittel in
der Regel auch nach deren Widerruf der Bewilligung noch für eine gewisse
Zeit ausverkauft und aufgebraucht werden bzw. Pflanzenschutzmittel wer-
den in der Regel nur dann sofort verboten, wenn das mit ihnen verbundene
Gefährdungspotential als unannehmbar beurteilt wird (vgl. die Art. 69 i.V.m.
67, 3a, 31 und 38 PSMV).
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Es bleibt somit dabei, dass für B._ die Ausverkaufs- und die Auf-
brauchfrist auf den 30. Juni 2022 festzulegen ist.
8.
Im Ergebnis ist die Beschwerde gutzuheissen. Für das Produkt B._
wird in Bestätigung dessen, was bereits mit vorsorglicher Anordnung vom
24. September 2021 zwischenverfügt wurde, eine Ausverkaufs- und Auf-
brauchfrist bis zum 30. Juni 2022 festgelegt. Ungeachtet des Umstands,
dass für das Produkt B._ hinsichtlich der Aufbrauchfrist keine Allge-
meinverfügung aktenkundig ist (vgl. E. 1.3.3), ist es die Aufgabe der Vo-
rinstanz, die sich mit vorliegendem Urteil gegenüber der in Art. 86f PSMV
geregelten Frist resultierende Verlängerung der Aufbrauchfrist in geeigne-
ter Form bekannt zu machen.
9.
Die Beschwerdeführerin gilt entsprechend dem Verfahrensausgang als ob-
siegende Partei, weshalb ihr keine Kosten aufzuerlegen sind (Art. 63
Abs. 1 VwVG). Die Vorinstanz hat ebenfalls keine Verfahrenskosten zu be-
zahlen (Art. 63 Abs. 2 VwVG). Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe
von Fr. 1'800.– ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des
vorliegenden Urteils zurückzuerstatten.
10.
Die Beschwerdeinstanz kann der obsiegenden Partei eine Parteientschä-
digung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten,
welche im Zusammenhang mit einer berufsmässigen Vertretung anfallen,
zusprechen (vgl. Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR173.320.2]). Da die Beschwerdeführerin im
vorliegenden Verfahren nicht anwaltlich vertreten war und demnach keine
Anwaltskosten geltend zu machen hat, ist ihr praxisgemäss keine Partei-
entschädigung zuzusprechen.
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