Decision ID: 2a95b9ea-54cb-42bb-a3bc-dfd1495051fa
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Die A._ GmbH ist Eigentümerin der Parzelle 1283 im Grundbuch der
Gemeinde B._. Dieses Grundstück grenzt an die im hälftigen
Miteigentum von C._ und D._ befindliche Parzelle 1282 im
Grundbuch der Gemeinde B._. Die auf der Parzelle 1282 gelegene
Zufahrtstrasse führt von der Hauptstrasse entlang der Parzelle 1283 zum
Wohnhaus von C._ und D._.
2. Am 7. Juni 2013 reichte die A._ GmbH bei der Gemeinde B._
ein Baugesuch für den Neubau eines Einfamilienhauses auf der
Parzelle 1283 ein. Mit Baubescheid vom 20. Juli 2013 erteilte der
Gemeindevorstand eine entsprechende Baubewilligung. Diese erwuchs
unangefochten in Rechtskraft. In Folge dessen erstellte die A._
GmbH das Einfamilienhaus auf ihrer Parzelle.
3. Bereits in der Planungsphase einigten sich die Parteien im Grundsatz über
ein Fahr- und Wegrecht sowie ein Näher- und Überbaurecht zugunsten
der Parzelle 1283 und zulasten der Parzelle 1282. Zum Abschluss eines
Dienstbarkeitsvertrages und einer entsprechenden grundbuchlichen
Anmerkung kam es mangels definitiver Einigung jedoch nicht.
4. Mit Schreiben vom 26. Mai 2016 forderte die Gemeinde B._ die
A._ GmbH auf, die notwendigen Grenzbereinigungen vorzunehmen
sowie die Näherbaurechte einzuholen und im Grundbuch eintragen zu
lassen. Trotz dieser fehlenden Nachweise wurde der Bau am 24. Juni
2017 abgenommen.
5. Am 9. Januar 2019 reichte die A._ GmbH ein Schlichtungsgesuch
beim Vermittleramt E._ ein und ersuchte unter anderem um
Gewährung eines Notfahr- und Notwegrechts zugunsten der Parzelle
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1283 und zulasten der Parzelle 1282, sodass der jeweilige Eigentümer der
Parzelle 1283 zu Fuss und mit einem Motorfahrzeug zum Haus sowie zur
Garage und zum Parkplatz auf der westlichen Seite gelangen könne. Die
Entschädigung für das Notfahr- und Notwegrecht sei durch das Gericht
festzusetzen und das Grundbuchamt gerichtlich anzuweisen, die
entsprechenden Eintragungen vorzunehmen. Da C._ und D._
nicht zur Schlichtungsverhandlung vom 22. März 2019 erschienen, stellte
das Vermittleramt E._ am 25. März 2019 die Klagebewilligung aus,
woraufhin die A._ GmbH am 24. Juni 2019 eine entsprechende Klage
beim Regionalgericht E._ einreichte. Dieses Verfahren wurde am 11.
Juli 2019 sistiert.
6. Parallel dazu ersuchte die A._ GmbH den Gemeindevorstand der
Gemeinde B._ als Baubehörde am 1. April 2019, ein Notfahr- und
Notwegrecht zulasten der Parzelle 1282 und zugunsten der Parzelle 1283
zu verfügen, sodass der jeweilige Eigentümer der Parzelle 1283 zu Fuss
und mit einem Motorfahrzeug zur Treppe sowie zur Garage und zum
Parkplatz auf der westlichen Seite des Hauses gelangen könne. Weiter
beantragte sie die Festlegung der geschuldeten Entschädigungssumme
für die Gewährung dieses öffentlich-rechtlichen Notfahr- und
Notwegrechts durch den Gemeindevorstand, wobei eine bereits erbrachte
Zahlung über CHF 43'108.40 an C._ und D._ anzurechnen sei.
Die A._ GmbH begründete dies damit, dass sich die Eheleute
C._ und D._ trotz mündlicher Vereinbarung weigerten, einen
Dienstbarkeitsvertrag abzuschliessen und das Zufahrts- und Wegrecht im
Grundbuch eintragen zu lassen. Aufgrund dessen liege eine
unzureichende Erschliessung ihrer Parzelle vor, welche mittels öffentlich-
rechtlichem Notfahr- und Notwegrecht zu beheben sei. Dieses Instrument
erweise sich in der konkreten Situation als sinnvollstes und
zweckmässigstes Mittel und sei im öffentlichen Interesse sowie
verhältnismässig.
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7. C._ und D._ beantragten in ihrer Stellungnahme vom 30. Mai
2019 die Abweisung des Gesuchs der A._ GmbH, sofern darauf
eingetreten werden könne. Vor dem Regionalgericht E._ sei bereits
ein Verfahren über ein zivilrechtliches Notwegrecht hängig, sodass in der
identischen Streitsache nun nicht auch der öffentlich-rechtliche Weg
beschritten werden könne. Ohnehin bestehe vorliegend keine Wegnot. Die
Erschliessung sei faktisch und rechtlich gegeben, da der Bestand des
Zufahrtsrechts zur Garage und das Zugangsrecht zum Haus unbestritten
sei. Strittig sei einzig der Umfang und das Ausmass der Zufahrt, die
Unterhaltsregelung und die Schneeräumung sowie das Entgelt für diese
und andere zusätzliche Dienstbarkeiten. Die Klärung dieser Frage läge
aber in der Zuständigkeit der Zivilgerichte. Zudem seien die Zahlungen
nicht für die Einräumung der Dienstbarkeiten, sondern für die
Werkleistungen der F._ AG im Zusammenhang mit dem Neubau des
Einfamilienhauses der A._ GmbH erfolgt.
8. Mit Entscheid vom 8. Juli 2019 wies der Gemeindevorstand der Gemeinde
B._ das Gesuch ab. Er verneinte darin eine für die Gewährung des
Notfahr- und Notwegrechts erforderliche Wegnot, da der Bestand eines
Fuss- und Fahrwegrechts von keiner Seite bestritten werde. Richtig sei
zwar, dass dieses Recht mittels Dienstbarkeitsvertrag auch rechtlich fixiert
werden müsse, es liege aber nicht in der Kompetenz der Baubehörde,
über das Ausmass der Dienstbarkeit zu entscheiden, wenn deren Bestand
nicht bestritten werde. Diese Angelegenheit müsse deshalb im
Zivilverfahren geklärt werden. Das Gesuch sei deshalb abzuweisen.
Aufgrund der Tatsache, dass die Parzelle 1283 an die Kantonsstrasse
grenze, sei – unabhängig von den dienstbarkeitsrechtlichen Fragen –
ohnehin fraglich, ob eine Wegnot bestehe.
9. Gegen den Entscheid des Gemeindevorstands der Gemeinde B._
erhob die A._ GmbH (nachfolgend Beschwerdeführerin) am 31. Juli
2019 Beschwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und
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beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Die Gemeinde
sei zu verpflichten, ein Notwegrecht zugunsten der Parzelle 1283 und
zulasten der Parzelle 1282 gemäss Situationsplan 1:500 vom 28. März
2013 unter entsprechender Anweisung des Grundbuchamtes zu verfügen,
sodass zu Fuss und mit einem Motorfahrzeug zur Treppe sowie zur
Garage und zum Parkplatz auf der westlichen Seite des Hauses gelangt
werden könne. Zudem sei die von der Beschwerdeführerin an C._
und D._ (nachfolgend Beschwerdegegner) geschuldete
Entschädigungssumme für die grundbuchliche Anmerkung des
Notwegrechts festzusetzen, wobei der von der Beschwerdeführerin an die
Beschwerdegegner geleistete Zahlung von CHF 43'108.40 anzurechnen
sei. Eventualiter sei der Entscheid des Gemeindevorstands der Gemeinde
B._ aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung im Sinne
der Erwägungen zurückzuweisen.
10. Die Gemeinde B._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte in
ihrer Vernehmlassung vom 15. August 2019 die Abweisung der
Beschwerde. Sie halte an ihrem Entscheid fest, da keine Wegnot im
öffentlich-rechtlichen Sinne bestehe.
11. Mit Beschwerdeantwort vom 4. Oktober 2019 beantragten die
Beschwerdegegner die Abweisung der Beschwerde, sofern darauf
eingetreten werden könne. Der Beschwerdeführerin werde weder der
Zugang noch die Zufahrt zum Haus verwehrt. Eine Wegnot bestehe daher
nicht. Einzig der konkrete Umfang dieser Grunddienstbarkeiten sowie die
Entschädigung für die Nutzung und das Unterhaltsreglement seien zurzeit
noch Gegenstand von Meinungsverschiedenheiten. Aufgrund der
anderweitigen noch festzulegenden Grunddienstbarkeiten (Näher- und
Überbaurechte) und der umstrittenen Anrechnung der bereits geleisteten
Zahlungen der Beschwerdeführerin, sei ein Zivilverfahren unumgänglich.
Ein allfälliger positiver Entscheid im öffentlich-rechtlichen Verfahren sei
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daher ohne jeden Nutzen, womit es bereits an einem
Rechtschutzinteresse fehle.
12. Die Beschwerdeführerin hielt am 15. Oktober 2019 replicando an ihren
Anträgen fest. Ein schutzwürdiges Interesse bestehe sehr wohl, da das
Fuss- und Fahrwegrecht bei Gutheissung der Beschwerde nicht mehr
durch den Zivilrichter entschieden werden müsse. Die Entschädigung und
die bereits geleisteten Zahlungen für das Notfahr- und Notwegrecht
könnten auch im öffentlich-rechtlichen Verfahren festgelegt und beurteilt
werden. Für die Verneinung einer Wegnot reiche es nicht aus, wenn die
Beschwerdegegner den Bestand der notwendigen Dienstbarkeiten an sich
zugestünden. Eine Erschliessung könne nur dann als hinreichend
betrachtet werden, wenn das Fuss- und Fahrwegrecht grundbuchlich
gesichert und von dauerndem Bestand sei. Zudem werde die Zufahrt zum
Parkplatz auf der Westseite des Hauses nach wie vor nicht zugestanden.
13. Die Beschwerdegegnerin verwies in ihrer Duplik vom 23. Oktober 2019 auf
den getroffenen Entscheid sowie ihre Vernehmlassung und beantragte
weiterhin die Abweisung der Beschwerde.
14. Die Beschwerdegegner hielten am 18. November 2019 duplicando an
ihren Anträgen und Positionen fest. Sie betonten nochmals, dass keine
Wegnot bestehe. Das Recht auf Zugang zur Garage und zum Haus werde
nicht in Abrede gestellt. Damit sei das Grundstück rechtsgenüglich
erschlossen. Die Zufahrt zum Aussenparkplatz sei dafür nicht notwendig.
Im Weiteren vertieften sie ihren Standpunkt bezüglich der von der
Beschwerdeführerin geleisteten Zahlungen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften sowie
auf die eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechts-
pflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht Beschwerden
gegen Entscheide von Gemeinden, soweit diese nicht bei einer anderen
Instanz angefochten werden können oder nach kantonalem oder
eidgenössischem Recht endgültig sind. Der angefochtene Entscheid der
Beschwerdegegnerin vom 8. Juli 2019, mit welchem diese das Gesuch der
Beschwerdeführerin um Einräumung eines unbeschränkten öffentlichen
Notwegrechts abgewiesen hat, ist weder endgültig noch kann dieser bei
einer anderen Instanz angefochten werden. Folglich stellt er ein taugliches
Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden dar.
2.1. Gemäss Art. 50 Abs. 1 VRG ist zur Beschwerde legitimiert, wer durch den
angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an
seiner Aufhebung oder Änderung hat. Die Beschwerdeführerin ist
Eigentümerin der Parzelle 1283 und Adressatin des angefochtenen
Entscheids. Damit ist sie ohne Weiteres durch diesen berührt.
2.2. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die rechtskräftige
Feststellung der zuständigen Behörde, dass nach öffentlichem Recht eine
hinreichende Zufahrt zu einem Grundstück besteht, Ausgangspunkt der
gerichtlichen Beurteilung der Wegnot im Sinne von Art. 694 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210). Solange nämlich mit
öffentlich-rechtlichen Mitteln eine angemessene Erschliessung erreicht
werden kann, besteht keine Wegnot. Der Grundeigentümer, der einen
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Notweg beanspruchen will, hat insoweit darzulegen, dass er - erfolglos -
alles ihm Mögliche getan hat, um einen Zugang zu seinem Grundstück mit
öffentlich-rechtlichen Mitteln zu erlangen (vgl. BGE 136 III 130 E.3.3.1
m.w.H.). Mit anderen Worten ist der Ausgang des vorliegenden Verfahrens
Voraussetzung für die Geltendmachung eines zivilrechtlichen
Notwegrechts. Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegner
besteht daher ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder
Änderung des angefochtenen Entscheids, sodass die Beschwerdeführerin
zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist. Auf die überdies frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2.3. Strittig und zu prüfen ist im Folgenden, ob die Beschwerdegegnerin das
Gesuch der Beschwerdeführerin um Einräumung eines öffentlichen
Notwegrechts zugunsten der Parzelle 1283 und zulasten der Parzelle
1282 zu Recht abgewiesen hat.
3.1. Vorliegend geht es um die Einräumung eines öffentlich-rechtlichen
Notwegrechts im Sinne des kommunalen Baugesetzes vom 25. Februar
1992 (BG). Der einschlägige Art. 17 BG hat folgenden Wortlaut:
Art. 17 – Feinerschliessung
Die Feinerschliessung umfasst die Erschliessungsstrassen, namentlich Quartierstrassen, sowie Plätze und Fussgängerbereiche wie auch die Anschlüsse der einzelnen Grundstücke an die Hauptstränge der öffentlichen Erschliessungsanlagen. Zur Feinerschliessung zählen ferner Gemeinschaftsanlagen, wie Parkierungsanlagen, Transportanlagen, Energieversorgungsanlagen, Abfallsammelstellen und dgl. Die Baubehörde kann die Grundeigentümer eines Quartiers und benachbarter Grundstücke verpflichten, private Gemeinschaftsanlagen zu erstellen. Für grössere Gemeinschaftsanlagen sind Quartierplanverfahren durchzuführen. Die Eigentümer privater Verkehrs- oder Versorgungsanlagen können von der Baubehörde verpflichtet werden, ihre Anlagen gegen angemessene Entschädigung auch Dritten zur Verfügung zu stellen, soweit diese Mitbenutzung im öffentlichen Interesse liegt. Die Entschädigung wird durch die Baubehörde festgesetzt. Für die Ausgestaltung, die Benützung, den Unterhalt und die Erneuerung der Anlagen der Feinerschliessung gelten im übrigen die Vorschriften der von der Gemeinde erlassenen Erschliessungsreglemente sowie die Bestimmungen der Quartierpläne.
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3.2. Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden hat sich in PVG 2016
Nr. 18 mit dem öffentlichen Notwegrecht auseinandergesetzt. Dabei
wurden die Zulässigkeit dieses Rechtsinstituts (E.2b), dessen Rechtsnatur
–insbesondere das Verhältnis zum privatrechtlichen Notwegrecht
(E.2c/d) –sowie die Voraussetzungen für die Gewährung des öffentlichen
Notwegrechts (E.3-5) vertieft behandelt.
3.3. Bereits in PVG 2002 Nr. 29 hatte das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden entschieden, dass die Einführung eines öffentlich-rechtlichen
Notwegrechts auf kommunaler Ebene zulässig sei, da es sich dabei im
Kern einzig um eine Konkretisierung übergeordneten
Raumplanungsrechts handle (E.3b). An dieser Rechtsprechung wurde
auch nach Inkrafttreten des neuen Raumplanungsgesetzes für den Kanton
Graubünden (KRG; BR 801.100) am 1. November 2005 festgehalten (vgl.
PVG 2016 Nr. 18 E.2b). Die grundsätzliche Anwendbarkeit von Art. 17 BG
wird daher zu Recht von keiner der Parteien bestritten.
3.4. Zur Rechtsnatur des öffentlich-rechtlichen Notwegrechts – und
insbesondere zum Verhältnis zum privatrechtlichen Notwegrecht gemäss
Art. 694 ZGB – gilt es zunächst festzuhalten, dass Bauvorhaben nur auf
baureifen Grundstücken bewilligt werden können (Art. 72 Abs. 1 KRG). Als
baureif gilt ein Grundstück nur dann, wenn es unter anderem
vorschriftsgemäss erschlossen ist oder die Erschliessung bis zum
Abschluss des Bauvorhabens ausgeführt wird (Art. 72 Abs. 2 KRG). Dies
setzt gemäss Art. 19 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Raumplanung
(RPG; SR 700) den Bestand einer für die betreffende Nutzung
hinreichenden Zufahrt voraus. Eine hinreichende Zufahrt liegt dabei vor,
wenn die Zugänglichkeit sowohl für die Benützer der Baute als auch für
die Fahrzeuge der öffentlichen Dienste gewährleistet ist. Aus
bundesrechtlicher Sicht genügt es, wenn eine Zufahrtsstrasse hinreichend
nahe an Bauten und Anlagen heranführt. Die befahrbare Strasse muss
aber nicht bis zum Baugrundstück oder gar zu jedem einzelnen Gebäude
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reichen; vielmehr genügt es, wenn Benützer und Besucher mit dem
Motorfahrzeug in hinreichende Nähe gelangen und von dort über einen
Weg zum Gebäude gehen können. Für Erschliessungsanlagen auf
fremden Grund ist deren rechtliche Sicherstellung nachzuweisen (vgl.
BGE 136 III 130 E.3.3.2 m.w.H.).
3.5. Die Verpflichtung zur Erschliessung der in ihren Baugebieten gelegenen
Grundstücken trifft dabei die Gemeinden (Art. 19 Abs. 2 RPG sowie Art. 58
Abs. 1 KRG). Einer allfälligen Wegnot ist daher primär mit den
Instrumenten des öffentlichen Rechts, und nicht etwa mit dem
zivilrechtlichen Notwegrecht im Sinne von Art. 694 ZGB zu begegnen. Im
Kanton Graubünden steht den Gemeinden hierzu der Generelle
Erschliessungsplan als Teil der Grundordnung (Art. 45 KRG) oder – im
Rahmen der Grundordnung – das Ordnungsinstrument der
Quartierplanung (Art. 51 ff. KRG) zur Verfügung. Gemäss Art. 65 KRG
kann die Quartierplanung sodann mit einer Landumlegung oder einer
Grenzbereinigung verbunden werden, sofern sich eine solche zur
Schaffung von zweckmässig überbaubaren Parzellen als notwendig
erweist. Art. 17 BG sieht mit dem öffentlich-rechtlichen Notwegrecht auf
kommunaler Stufe eine zusätzliche Möglichkeit vor, das für
Erschliessungsanlagen benötigte Land sicherzustellen. Dieses
Instruments soll sich die kommunale Baubehörde zur Regelung einer
Erschliessungssituation bedienen können, wenn sich die anderen
Lösungsvarianten – namentlich die Durchführung eines
Quartierplanverfahrens – unter den gegebenen Umständen als nicht
sinnvoll oder unzweckmässig erweisen. Dies kann etwa dann der Fall sein,
wenn eine Erschliessungslösung für lediglich wenige Parzellen zur
Debatte steht, während das Gebiet bereits weitgehend überbaut und die
Erschliessungssituation ansonsten befriedigend ist, sodass sich die
Durchführung eines ordentlichen Quartierplanverfahrens aus Kosten- und
Effizienzgründen als nicht opportun erweist. Insofern handelt es sich bei
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einem öffentlich-rechtlichen Notwegrecht um ein subsidiäres
kommunalrechtliches Planungsmittel, mit welchem eine Gemeinde – unter
Einhaltung der Vorgaben des übergeordneten Rechts – eine
unzureichende Erschliessung einer "gefangenen" Bauparzelle im
Vergleich zum ordentlichen Quartierplanverfahren einfacher, rascher,
vernünftiger und kostengünstiger beheben kann (vgl. zum Ganzen PVG
2016 Nr. 18 E.2c m.w.H.).
3.6. Für den von der Wegnot betroffenen Grundeigentümer ergibt sich daraus
die Verpflichtung, seine "Notlage" in erster Linie mit den Mitteln des
öffentlichen Rechts zu beheben. Es besteht daher keine zivilrechtliche
Wegnot, solange mit öffentlich-rechtlichen Mitteln eine angemessene
Erschliessung erreicht werden kann (BGE 136 III 130 E.3.3.1 m.w.H.). Das
öffentliche Notwegrecht ist damit kein Rechtsbehelf, um das Zufahrtsrecht
im Sinne von Art. 694 ZGB öffentlich-rechtlich durchsetzen zu können.
Vielmehr handelt es sich beim öffentlich-rechtlichen Notwegrecht um eines
dieser öffentlich-rechtlichen Rechtsinstitute zur Sicherstellung einer
ausreichenden Erschliessung, die ausgeschöpft werden müssen, bevor
überhaupt von einer Wegnot i.S.v. Art. 694 ZGB die Rede sein kann. Die
rechtskräftige Feststellung der zuständigen Behörde, dass nach
öffentlichem Recht eine hinreichende Zufahrt besteht, ist somit
Ausgangspunkt für die zivilrechtliche Beurteilung der Wegnot im Sinne von
Art. 694 ZGB (vgl. zum Ganzen PVG 2016 Nr. 18 E.2d). Dieser Systematik
folgend, erweist sich die Rüge der Beschwerdegegner, dass der gleiche
Streitgegenstand bereits vor dem Zivilrichter hängig sei, als falsch.
Vielmehr kann der Zivilrichter eben gerade nicht über das Notwegrecht im
Sinne von Art. 694 ZGB entscheiden, solange nicht rechtskräftig geklärt
wurde, ob eine öffentlich-rechtliche Wegnot besteht oder nicht.
3.7. Vorliegend erfüllt die vorhandene Erschliessung im von den
Beschwerdegegnern anerkannten und nicht bestrittenen Mass (vgl. dazu
BF-act. 30 [blau bemalte Fläche auf Parzelle 1282]) in tatsächlicher
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Hinsicht das Kriterium der hinreichenden Zufahrt, nicht aber in rechtlicher
Hinsicht. Die Erschliessung verläuft auf fremdem Grund und muss, soll
das Kriterium der hinreichenden Zufahrt in jeder Hinsicht erfüllt sein,
rechtlich sichergestellt sein. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrem
Baubescheid vom 20. Juli 2013 das Gesuch der Beschwerdeführerin zur
Erstellung eines Einfamilienhauses bewilligt, ohne sich darum zu
kümmern, ob die Liegenschaft auch rechtlich hinreichend erschlossen ist.
Sie hätte mittels Auflage dafür sorgen können (und müssen), vor
Baubeginn den Nachweis der hinreichenden Erschliessung zu verlangen.
Sie hat dies unterlassen und das Versäumte nach Treu und Glauben
nachzuholen. Dazu stehen ihr, allenfalls unter Beizug von Fachleuten,
ohne Weiteres die notwendigen Mittel und das Wissen zur Verfügung.
3.8. Die hinreichende Zufahrt ist gemäss den vorstehenden Ausführungen in
erster Linie mit den aus dem öffentlichen Recht stammenden Mitteln und
nicht mit zivilrechtlichen Instrumenten sicherzustellen. Das mildeste
planerische Mittel ist vorliegend, das von den Beschwerdegegnern nicht
bestrittene, aber nicht sichergestellte, Fuss- und Fahrwegrecht (BF-act. 30
[blau bemalte Fläche auf Parzelle 1282]). Dieses ist unter Regelung der
erforderlichen Nebenpunkte als öffentlich-rechtliches Notwegrecht
(unbeschränktes Fuss- und Fahrwegrecht) gemäss Art. 17 BG
auszugestalten und als Eigentumsbeschränkung im Grundbuch anmerken
zu lassen. Dabei hat die Beschwerdegegnerin insbesondere auch die
Entschädigungshöhe festzulegen. Für die Beurteilung der
Anrechenbarkeit von bereits geleisteten Zahlungen sind aber weder die
Beschwerdegegnerin noch das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden zuständig. Diese Frage gilt es durch den Zivilrichter zu
klären.
4. Die Beschwerde ist folglich gemäss Eventualantrag, Ziff. 2 des
beschwerdeführerischen Rechtsbegehrens, teilweise gutzuheissen. Der
Entscheid des Gemeindevorstandes B._ vom 8. Juli 2019 wird
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aufgehoben und die Angelegenheit wird zur Neubeurteilung im Sinne der
Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
5.1. Gemäss Art. 73 Abs. 1 VRG sind die Verfahrenskosten in der Regel durch
die unterliegende Partei zu tragen. Zudem wird diese in der Regel
verpflichtet, der obsiegenden Partei die durch den Rechtsstreit
verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen (Art. 78 Abs. 1 VRG).
5.2. Die Staatsgebühr wird gemäss dem Rahmen von Art. 75 Abs. 2 VRG auf
CHF 2'000.00 festgesetzt. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin
teilweise obsiegt, während die Beschwerdegegner und die
Beschwerdegegnerin teilweise unterlegen sind. Dieses Verfahren wurde
nicht zuletzt auch aufgrund der ungenügenden Abklärung der
hinreichenden Erschliessung im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens
durch die Beschwerdegegnerin ausgelöst. Dies gilt es bei der
Kostenverteilung entsprechend zu berücksichtigen. Vor diesem
Hintergrund rechtfertigt es sich, der Beschwerdegegnerin die Hälfte, der
Beschwerdeführerin einen Viertel und den Beschwerdegegnern ebenfalls
einen Viertel der Gerichtskosten aufzuerlegen. Die Beschwerdegegnerin
wird zudem verpflichtet, der Beschwerdeführerin sowie den
Beschwerdegegnern eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF
4'000.00 zu entrichten.
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