Decision ID: 14ccc0ef-8675-5b0f-b7e7-1a5f82072ba1
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1960, ohne berufliche Ausbildung, arbeitete zuletzt bis Ende Dezember 2007 als Mitarbeiterin Molkerei bei Y._ in einem 70%-Pensum (Urk. 7/1). Mit Datum vom 16. Dezember 2008 meldete sie sich unter Hinweis auf starke Kopf- und Bauchschmerzen nach Meningitis und Gebär
mutterentfernung bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1). Die
Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV
Stelle, tätigte medizinische und berufliche Abklärungen (Urk. 7/6-8, Urk. 7/12-15, Urk. 7/24) und zog die Akten der Taggeldversicherung (Urk.
7/16
) bei. Anschliessend veranlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten durch die MEDAS Z._ GmbH
.
Gestützt auf das Gut
achten vom 18. März 2010 (Urk
. 7/32)
verneinte die IV-Stelle nach Durch
führung des Vorbescheidverfahrens (
Urk. 7/39,
Urk.
7/41,
Urk.
7/42) mit Verfü
gung
vom 23. August 2010 (Urk. 7/43) einen Anspruch auf eine Invalidenrente. Die dagegen erhobene Beschwerde vom 23. September 2010 (Urk. 7/45) wies das Sozialversicherungsgericht mit Urteil IV.2010.00931 vom
22. August 2011
ab (Urk. 7/48). Das Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Mit Schreiben vom 25. November 2014 meldete sich die Versicherte
unter Hin
weis auf eine erhebliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes seit 2011
erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 7/57). In der Folge veranlasste die IV
Stelle eine bidisziplinäre Begutachtung (Urk. 7/60, Urk. 7/65), woraufhin die Versi
cherte am 20. April 2015 rheumatologisch und am 13. Juli 2015 psychiatrisch begutachtet wurde (Urk. 7/69, Urk. 7/73, Urk. 7/74). Gestützt auf die gutachter
lichen Beurteilungen wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren nach durchge
führtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/80, Urk. 7/82, Urk. 7/84) mit Verfügung vom 27. November 2015 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 18. Januar 2016 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei unter Rückweisung der Akten zu verpflichten, die gesundheitliche Sachlage unter Anwendung der neuen Rechtsprechung und Durchführung allfälliger zusätzlicher Abklärungen neu zu prüfen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 10. Februar 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-88), was der Beschwer
deführerin am
12. Februar
2016 zur Kenntnis gebracht
wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG)
.
1.2
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art. 87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
) e
ine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2
dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades
oder der Hilflosigkeit
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17
Abs.
1
ATSG
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad
seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und her
nach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prü
fungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erle
digen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung eingetreten und hat den Leistungsanspruch materiell geprüft.
Strittig und zu prüfen ist somit
,
ob die Beschwerdegegnerin eine anspruchsrelevante Veränderung
der tatsächlichen Verhältnisse
seit der leistungsabweisenden Verfügung vom
23. August 2010
zu Recht verneint hat
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, in den in Auf
trag gegebenen Gutachten sei festgehalten worden, dass die Spannungstyp-Kopfschmerzen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien. Es liege klar ein unveränderter Gesundheitszustand vor und der Entscheid sei ebenfalls unter Berücksichtigung der neuen Rechtsprechung gültig. Zusammengefasst sei von der gleichen Grundlage wie beim Stand der letzten Verfügung im August 2010 auszugehen (Urk. 2).
2.3
Die Beschwerdeführerin machte ihrerseits geltend, die Gutachten seien auf der Basis einer in der Zwischenzeit geänderten Rechtsprechung erfolgt. Die Prüfung der massgeblichen Indikatoren habe nicht stattgefunden und die Gutachten liessen auch keine Prüfung und Beantwortung der relevanten Indikatoren zu. Nicht nur ein veränderter Gesundheitszustand, sondern auch eine geänderte Rechtsprechung könne zu einem Anspruch oder geänderten Anspruch führen (Urk. 1).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin
entschied
letztmals mit
Verfügung
vom 23. August 2010 (Urk. 7/43)
über einen Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
Die
se
Verfügung
beruhte im Wesentlichen auf dem polydisziplinären Gutachten
der MEDAS
vom
18. März 2010 (Urk
. 7/32
, vgl. nachfolgend
)
.
3.1.1
Die MEDAS-Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Leicht bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), bestehend seit 2007, sowie Panikstörung (ICD-10 F41.0), Differenzialdiagnose: Panikattacken im Rahmen der depressiven Störung, bestehend seit 2007. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden Kopfschmerzen vom Spannungs
typ (ICD-10 G44.2), psychische und Verhaltensfaktoren bei andern
orts klassifizierten Krankheiten (ICD-10 F54), sowie eine arterielle Hypertonie, medikamentös behandelt (ICD-10 I10), dokumentiert seit 2007 (Urk. 7/32/18-19). Der neurologische Gutachter hielt fest, aufgrund des Gesamtverhaltens während der Untersuchung sowie der objektivierbaren Befunde resultierten auf
grund des Beschwerdebildes keine nennenswerten Beeinträchtigungen. Es ergebe sich eine wesentliche Diskrepanz zwischen der beschriebenen Stärke der Kopfschmerzen und den objektivierbaren Befunden und es bestehe kein Hinweis auf eine nennenswerte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/32/16). Der psychiatrische Gutachter führte aus, die Untersuchung habe anamnestisch wenig Auffälligkeiten ergeben; aktuell bestünden eine gedrückte Stimmung, eine Antriebsminderung, Ängste seit etwa einem Jahr, jedoch wenig Leidens
druck und keine Therapiemotivation. Im Vordergrund hätten die körperlichen Beschwerden gestanden, welche für die Beschwerdeführerin eine Krankheit dar
stellten und sie am Arbeiten hinderten. Die Gutachter hielten weiter fest, dass auf der psychischen Ebene die depressive Symptomatik und die Angstzustände im Vordergrund stünden. Antriebsminderung, Interessenverlust und passiver Rückzug schränkten Aktivität und Teilhabe ein. Auf der somatischen Ebene wirkten physische und psychische Dekonditionierung beeinträchtigend. Die Beschwerdeführerin schränke sich selbst bezüglich körperlicher Aktivitäten durch Rückzugsverhalten weitgehend ein. Sie sei daher auch objektiv weniger belastbar. Dies liesse sich durch Aktivierung und Rekonditionierung ohne Wei
teres beheben (Urk. 7/32/22). Medizinisch-theoretisch seien der Beschwerde
führerin die zuletzt ausgeübte wie auch eine angepasste Tätigkeit in zeitlich eingeschränktem Umfang möglich. Geschätzt seien etwa fünf Stunden insge
samt täglich oder bei längerer Präsenz mit einer entsprechend reduzierten Leis
tung zumutbar (Urk. 7/32/23).
3.1.2
Das hiesige Gericht bestätigte
die Verfügung der Beschwerdegegnerin
mit Urteil vom
22. August 2011
(Urk.
7/48
).
Das rechtskräftige Urteil befasste sich im Detail mit den in diesem Zeitpunkt vorliegenden Akten (Urk. 7/48/5-8). Dabei kam das Gericht gestützt auf das MEDAS-Gutachten zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in somatischer Hinsicht nicht einge
schränkt sei. Die von den MEDAS-Gutachtern vorgenommene Einschätzung, wonach aus psychischen Gründen für sämtliche Tätigkeiten eine Arbeitsunfä
higkeit von 33 % bestehe, trage
der psychischen Problematik äusserst grosszü
gig Rechnung. Dies insbesondere unter Berücksichtigung der bundesgerichtli
chen Rechtsprechung, wonach ein psychischer Gesundheitsschaden invaliden
rechtlich nur relevant sei, wenn die daraus resultierende Einschränkung der Erwerbsfähigkeit auch bei Aufbietung allen guten Willens nicht abgewendet werden könne, sowie der in psychiatrischer Hinsicht festgestellten mangelnden Krankheitseinsicht und dem daraus resultierenden unbehandelten Zustand der Beschwerdeführerin. Angesichts der unbehandelten und aus ärztlicher Sicht überwindbaren Störungen könne nicht von einer andauernden Leistungsein
busse ausgegangen werden (Urk. 7/48/9).
Ausgehend von der Restarbeitsfähig
keit von
66
% ergab die Invaliditätsbemessung einen
rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad von
34
% (Urk. 7/
48/9-10
).
3.2
Für das vorliegende Neuanmeldungsverfahrens präsentiert sich die aktuelle
medi
zinische Aktenlage
im Wesentlichen wie folgt:
3.2.1
Dr. med. A._, Fachärztin Rheumatologie FMH sowie Innere Medi
zin FMH, nannte im rheumatologischen Gutachten vom 30. April 2015 (Urk. 7/69) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine vermin
derte Belastbarkeit und Beschwerden des rechten Knies bei beginnender media
ler Gonarthrose rechts mit intakten Kniebinnenstrukturen (Röntgen 01/2014 und MRI 02/2014; Urk. 7/69/68). Die Gutachterin hielt fest, in der klinischen Untersuchung seien Diskrepanzen aufgefallen. Die Untersuchung des Bewe
gungsapparates sei durch Gegenspannung erschwert gewesen und das inter
mittierende Schmerzstöhnen bei Ablenkung verschwunden. Die Bioimpedanz-Analyse habe trotz der Adipositas eine Muskelmasse von 39 %, welche dem Normwert von 40 % praktisch entspreche, gezeigt. Eine jahrelang andauernde körperliche Schonung, insbesondere ein jahrelanges Liegen, wie die Beschwer
deführerin berichte, könne daraus nicht abgeleitet werden. Im Bereich des rechten Knies habe die Röntgenuntersuchung eine beginnende Gonarthrose und die MRI-Untersuchung intakte Kniebinnenstrukturen ohne Erguss gezeigt. Die bildgebenden Befunde seien sehr gering und praktisch altersentsprechend. Zusammenfassend bestünden geringe strukturelle Veränderungen im rechten Knie, die möglicherweise die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ein
schränkten. Die vorhandenen Befunde würden jedoch weder die Dauer noch das Ausmass der Beschwerden erklären. Im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit führte Dr. A._ aus, die Beschwerdeführerin sei durch die einge
schränkte Funktion des rechten Knies limitiert. Dadurch könnten sich Ein
schränkungen für das Besteigen von Leitern und Gerüsten, das Arbeiten in kauernder, kniender oder (bedingt) stehender Position sowie das Gehen in unebenem Gelände, längeres Abwärtsgehen oder Hinunterspringen ergeben. Meist bestünden keine Einschränkungen für wechselbelastende Tätigkeiten und für im Sitzen zu verrichtende Tätigkeiten ohne Zwangshaltung für das betroffene Bein respektive mit genügender Beinfreiheit für Spontanbewegungen. Die Beschwerdeführerin könne Lasten bis zu 10 kg hantieren. Tätigkeiten, die diesem Profil entsprächen, könne die Beschwerdeführerin zu 100 % ausüben. Die angestammte Tätigkeit bei Y._ sei angepasst, denn es handle sich um eine leichte wechselbelastende Tätigkeit. Im Haushalt bestehe keine Einschrän
kung. In der angestammten Tätigkeit bei Y._ oder in einer angepassten Tätigkeit habe somit nie eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden. Nicht angepasste, Knie-belastende Tätigkeiten habe sie ab 01/2014 nicht mehr ausüben können. Eine medikamentöse Therapie habe grosses Optimierungs
potential. Eine Normalisierung des Gewichtes sei notwendig, denn es sei wahr
scheinlich, dass die Kniebeschwerden bei der vorhandenen beginnenden Gon
arthrose rechts mit intakten Kniebinnenstrukturen durch eine Gewichtsabnahme deutlich bessern würden oder sogar verschwänden (Urk. 7/69/71-73). Schliess
lich hielt die Gutachterin fest, der Befund sei nicht gravierend. Um der Beschwerdeführerin nicht Unrecht zu tun, führe sie ihn dennoch als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf, wobei dies durchaus diskutiert werden könne (Urk. 7/69/74).
3.2.2
Prof. Dr. med. B._, Facharzt für
Psychiatrie und Psycho
the
rapie
FMH sowie
Neurologie
FMH, stellte im Gutachten vom 14. Juli 2015 (Urk. 7/73) folgende Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: Rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somati
schem Syndrom (ICD-10 F33.11). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestün
den eine paroxysmale Angststörung (ICD-10 F41.0) sowie eine Schmerz
ver
arbeitungs
störung (psychologische Faktoren bei andernorts klassifizierten Erkrankungen; ICD-10 F54). Der Gutachter hielt fest, bei der Beschwerdeführe
rin liege seit 2007 ein Triptan- und Analgetika-induzierter Kopfschmerz vor. Ein solch medikamentös induzierter Kopfschmerz sei prinzipiell und mit guter Aussicht auf Erfolg behandelbar. Die Kopfschmerzerkrankung der Beschwerde
führerin sei damit somatisch erklärbar und die Voraussetzung für die Diagno
sestellung einer somatoformen Schmerzstörung sei somit nicht gegeben (Urk. 7/73/16). Der Kopfschmerz halte seit 2007 unverändert an. Auch die bereits im Jahr 2009 diagnostizierte mittelgradige depressive Episode, welche im MEDAS-Gutachten bestätigt worden sei, liege unverändert vor. Bei beiden Erkrankungen handle es sich um behandelbare Störungen, denen sich die Beschwerdeführerin durch mehrfach von verschiedenen Ärzten festgestellte fehlende Compliance entzogen habe. Die Beschwerdeführerin sei weiterhin unbehandelt. Die Beschwerdeführerin lehne eine psychiatrische Behandlung infolge soziokultureller Grundüberzeugung ab (Urk. 7/73/17-19). Dr. B._ hielt zusammenfassend fest, der psychische Gesundheitszustand sei im Ver
gleich zum MEDAS-Vorgutachten im Wesentlichen unverändert. Aus psy
chiatri
scher Sicht seien die seit dem Jahre 2009 unverändert bestehenden Krankheitsbilder der Beschwerdeführerin behandelbar, was bereits im Vorgut
achten festgestellt worden sei. Die Beschwerdeführerin habe sich seit der MEDAS-Be
gutachtung jedoch keiner adäquaten Therapie unterzogen (Urk. 7/73/19-23).
3.2.3
In der bidisziplinäre Beurteilung vom 7. August 2015 hielten die Gutachter fest, der Beschwerdeführerin sei ihre angestammte sowie eine angepasste Tätigkeit zu 66 % zumutbar. Es sei davon auszugehen, dass unter leitliniengerechter Behandlung der psychischen Störungen eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei. Die Arbeitsfä
higkeit sei seit der Verfügung vom 23. August 2010 unverändert (Urk. 7/74).
3.2.4
Der Regionale Ärztlich Dienst (RAD) bezeichnete das rheumatologisch-psychiatri
sche Gutachten mit interdisziplinärer Zusammenfassung in seiner Stellungnahme vom 13. August 2015 als umfassend. Es bestehe in der bisheri
gen Tätigkeit unverändert eine Arbeitsunfähigkeit von 33 %, ebenso in einer angepassten leichten, wechselbelastenden Tätigkeit (Urk. 7/77/3-4).
3.2.5
Mit Schreiben vom 18. September 2015 (Urk. 7/78) teilte die Beschwerdegegne
rin der Beschwerdeführerin mit, die Abklärungen hätten ergeben, dass ihr Gesundheitszustand mit einer fachärztlich psychiatrischen sowie einer medika
mentösen Therapie wesentlich verbessert werden könne. Sie wies die Beschwer
deführerin auf ihre Mitwirkungspflicht hin.
4.
4.1
Sowohl das rheumatologische Gutachten vom
30. April 2015 (E. 3.2.1)
als auch das psychiatrische Gutachten
vom 14. Juli 2015 (E. 3.2.2)
erfüll
t
sämtliche rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (
v
gl. E.
1.3
).
Beide Gutachten beruhen
auf fachärztli
chen Untersuchungen und wurde
n
in Kenntnis
der
rele
v
anten
V
orakten
erstellt. Die Gutachter
nahmen zu früheren medizinischen Beurteilungen Stellung
(Urk. 7/69/74, Urk. 7/73/17-19) und erhoben detaillierte und nachvollziehbare Befunde und Diagnosen.
Die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwer
den wurden berücksichtigt und die Gutachter setzten sich hinreichend mit diesen auseinander.
Zudem haben sie die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerung nachvollziehbar begründet.
Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin (E. 2.3) kann damit auf die Expertisen abgestellt werden.
4.2
In somatischer Hinsicht stellte Dr. A._ eine Entwicklung des Gesundheits
zu
standes der Beschwerdeführerin in der Hinsicht fest, dass im rechten Knie bei der Röntgenuntersuchung im Januar 2014 eine beginnende Gonarthrose festge
stellt worden sei. Dabei hielt die Gutachterin ausdrücklich fest, dass die bildge
benden Befunde im Bereich des rechten Knies sehr gering und praktisch alters
entsprechend seien. Es bestünden geringe strukturelle Ver
änderungen im rechten Knie, die möglicherweise die Leistungsfähigkeit ein
schränkten. Eine Erklärung für die Dauer und das Ausmass der Beschwerden ergebe sich durch die vorhandenen Befunde jedoch nicht. In der klinischen Untersuchung seien sodann Diskrepanzen aufgefallen. Insgesamt sei der Befund nicht gravierend. Die Gutachterin gab an, um der Beschwerdeführerin nicht Unrecht zu tun, führe sie die beginnende Gonarthrose als Diagnose mit Auswir
kung auf die Arbeits
fähigkeit auf, wobei das durchaus diskutiert werden könne (E. 3.2.1). Zusammen
fassend liegt aufgrund der nachvollziehbaren Ausführun
gen von Dr. A._ zwar ein - wenn auch sehr gering - veränderter Gesund
heits
zustand ab Januar 2014 vor. Diesbezüglich ist jedoch festzuhalten, dass nicht jede Änderung der tatsächlichen Verhältnisse einen Leistungsanspruch mit sich bringt. Vielmehr muss sich der Gesundheitszustand seit Erlass der letzt
maligen Verfügung
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG erheblich verändert
haben und hiermit
geeignet
sein
, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen
(vgl. E. 1.2). Eine solche massgebliche Verschlechte
rung des soma
tischen Gesundheitszustandes ist mit Blick auf die erhobenen geringen und prak
tisch altersentsprechenden strukturellen Veränderungen im rechten Knie sowie angesichts der Einschätzung der Gutachterin, die Leistungs
fähigkeit sei durch den Befund am rechten Knie (bloss) möglicherweise einge
schränkt, vor
liegend nicht über
wiegend wahrscheinlich ausgewiesen. Hinzu kommt, dass die angestammte Tätigkeit bei Y._ als angepasst gilt und damit weiterhin zu 100 % zumutbar ist. Auch in
psychi
atri
scher Hinsicht
wird im Gutachten nachvoll
ziehbar dargelegt, dass der psychische Gesundheitszu
stand der Beschwerde
führerin seit der MEDAS-Begutachtung im Januar 2010 im Wesent
li
chen unverändert ist und sowohl die Kopfschmerzerkrankung als auch die rezi
di
vierende Depression mit mittelgradiger Ausprägung unverändert vor
liegen (E. 3.2.2).
4.3
Zusammenfassend steht mit
dem im Sozialversicherungsrecht massgeblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass sich der Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin seit Erlass der Verfügung vom
23. August 2010
nicht
wesentlich verändert hat
.
4.4
4.4.1
Soweit die Beschwerdeführerin vorbrachte, die Gutachten seien auf Basis einer in der Zwischenzeit veralteten Rechtsprechung erfolgt und daher nicht mehr beweiskräftig (E. 2.3), ist festzuhalten, dass
die mit BGE 141 V 281 geänderte Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen respektive äquivalen
ten Beschwerdebildern
auf den vorliegenden Fall keine Anwendung findet. Gemäss Prof. B._ ist die Kopfschmerzerkrankung der Beschwerdeführerin somatisch erklärbar und es liegt keine somatoforme Schmerzstörung vor. Weiter handelt es sich bei der diagnostizierten Schmerzverarbeitungsstörung gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
um eine Verhaltensauffälligkeit, nicht aber um ein psychisches Leiden mit Krankheitswert
(
vgl. Urteil des Bundesgericht
e
s 9C_275/2016 vom 19. August 2016 E. 4.3.4 mit Hinweisen)
.
Nach der Recht
sprechung fallen Stö
rungen im Sinne von ICD-10 F54
zum einen
nicht unter die Schmerzrechtsprechung
(vg
l. Urteil des Bundesgerichtes 9C_646/2015 vom 19. Mai 2016 E. 4.6)
und hat der psychiatrische Gutachter zum anderen das fragliche Beschwerdebild unter die Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit eingereiht. Im Übrigen entfiele die Anwendung der mit BGE 141 V 281 geänderten Rechtsprechung mit Blick auf die erwähnte Malcompliance (vgl. E. 3.2.2 und Urk. 7/73/18, wonach eine mangelnde Compliance ursächlich für das Scheitern einer Behandlung der Kopfschmerzerkrankung ist) im Sinne eines potentiellen Ausschlussgrundes ohnehin. Weitere - wie von der Beschwerde
führerin beantragt - Abklärungen unter besonderer Berücksichtigung von BGE 141 V 281 sind mithin nicht von Nöten.
Bezüglich der festgestellten rezidivierenden depressiven Störung ist festzuhal
ten, dass leichte bis mittelgradige depressive Störungen rezidivierender oder episodischer Natur rechtsprechungsgemäss einzig dann als invalidisierende Krank
heiten in Betracht
fallen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind. Nur in dieser seltenen Konstellation ist den normativen Anforderungen des Art. 7 Abs. 2 ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungs
weise Genüge getan (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_399/2016 vom 24. August 2016 E. 4.2 mit Hinweisen). Vorliegend ist nicht von einer Thera
pieresistenz auszugehen; vielmehr hielt der psychiatrische Gutachter ausdrück
lich fest,
dass die unverändert bestehenden psychischen Störungsbilder der Beschwer
deführerin behandelbar seien, eine Therapierbarkeit aber an der fehlenden Compliance der Beschwerdeführerin
scheitere. Wie Prof. B._ dar
legte, ist diese Noncompliance bereits von verschiedenen Ärzten festgestellt worden, so unter anderem bereits anlässlich der MEDAS-Begutachtung (vgl. E. 3.1.1). Damit ist auch aus dieser Sicht nicht zu beanstanden, dass die Gut
achter die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit der Verfügung vom 23. August 2010 als unverändert bezeichneten und weiterhin eine Arbeitsfähigkeit in bisheriger sowie angepasster Tätigkeit von 66 % für zumutbar erachteten (E. 3.2.3).
4.4.2
Wie dargelegt, findet die neue Rechtsprechung des
BGE 141 V 281
im vor
liegen
den Fall keine Anwendung (E. 4.4.1). D
er Vollständigkeit halber
ist
darauf hinzuweisen, dass
die Änderung der
Rechtsprechung für sich alleine keinen
Neuanmeldung
s- res
pektive Revisionsgrund darstellt
. Grund für eine
Neuanmel
dung
bleibt allemal eine Änderung der tatsächlichen Verhältnisse. Ob ein rechtskräftig beurteilter, unveränderter Sachverhalt nach einer neuen Recht
sprechung rechtlich anders eingeordnet würde, spielt demgegenüber keine Rolle (BGE 141 V 585 E.
5.3).
4.5
Nach dem Gesagten erweist sich die rentenabweisende Verfügung vom 27. No
vember 2015 als rechtens. Die Beschwerde ist abzuweisen.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind ermessensweise auf Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).