Decision ID: 29226d87-8b59-4a5f-a45c-3fc2dda34de4
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit März 1968. Nach einem am 4. Mai
2005 auf unübersichtlicher Strecke ausgeführten Überholmanöver, bei dem er als
Lenker eines Anhängerzuges gegenüber einem Radfahrer einen ungenügenden
seitlichen Abstand eingehalten und eine Streifkollision verursacht hatte, wurde ihm der
Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von drei Monaten entzogen. Die
Massnahme wurde vom 30. November 2007 bis 29. Februar 2008 vollzogen.
B.- Am Sonntag, 2. Oktober 2011, lenkte X gegen 20.00 Uhr den Personenwagen
"Skoda Octavia" mit dem amtlichen Kennzeichen SG 0001 auf der Autostrasse A13
von Bellinzona in Richtung San Bernardino. Südlich des Anschlusses Mesocco Süd
geriet er in einer langgezogenen Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn, wo es zu einer
frontalen Kollision mit einem entgegenkommenden Personenwagen kam. Dessen
Lenker wurde leicht verletzt. X blieb unverletzt. An beiden Fahrzeugen entstand
Totalschaden. In der polizeilichen Befragung unmittelbar nach dem Ereignis gab X an,
er könne sich an den Verkehrsunfall nicht erinnern. Er wisse noch, dass er bei Soazza
nach der Autobahn auf der Autostrasse mit einer Geschwindigkeit von rund 100 km/h
in Richtung Mesocco gefahren sei. Es sei ihm schwarz geworden vor den Augen. Das
nächste, woran er sich erinnern könne, sei, dass ihm am Unfallort Führer- und
Fahrzeugausweis abgenommen worden seien. Am Abend des 1. Oktober 2011 habe er
um etwa 21.00 Uhr eine Schlaftablette ("Stilnox 10mg") und vor dem Antritt der Fahrt
um etwa 19.30 Uhr Medikamente für den Blutzucker- und den Cholesterinspiegel
("Glucovance 500mg" und "Sortis 20mg") genommen.
Gegenüber der Staatsanwaltschaft Graubünden schilderte X am 6. Dezember 2011,
was passiert sei, habe er erst realisiert, als es "getätscht" habe und der Polizist neben
ihm gestanden sei. Es sei ihm praktisch im Zeitpunkt des Unfalls schwarz vor den
Augen geworden. Bis dahin habe er gar nichts hinsichtlich einer Fahrunfähigkeit – wie
Unwohlsein, Kopfweh, Schwächeanfall oder Müdigkeit – verspürt. Ebensowenig sei er
eingenickt. Er könne sich den Unfall nicht anders erklären, als dass er aus Versehen
anstelle des "Sortis" eine praktisch gleich aussehende und gleich grosse
Schlaftablette, die beide im gleichen Plastiksack auf dem Beifahrersitz gewesen seien,
"erwischt" habe. Daran, dass er dem Arzt unmittelbar nach dem Unfall gesagt habe, er
habe vor der Abfahrt in Bellinzona zwei Tabletten "Stilnox 10mg" eingenommen, könne
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
er sich ebenso wenig erinnern, wie daran, irgendwo vor dem Unfall bereits die
Leitplanke touchiert zu haben oder Schlangenlinie gefahren zu sein. Wegen
fahrlässigen Fahrens in fahrunfähigem Zustand wurde X mit Strafbefehl vom
15. Dezember 2011 zu einer Geldstrafe von sieben Tagessätzen zu je Fr. 270.--,
bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, und zu einer Busse von
Fr. 500.-- verurteilt. Die Strafbehörde ging davon aus, X habe aus Versehen statt einer
Tablette "Sortis" das Schlafmittel "Stilnox" zu sich genommen. Südlich des
Anschlusses Mesocco sei ihm aufgrund der dadurch bewirkten Schläfrigkeit, die er bei
pflichtgemässer Aufmerksamkeit hätte bemerken können und müssen, plötzlich
schwarz vor den Augen geworden und er habe die Kontrolle über das Fahrzeug
verloren. Der Strafbefehl wurde unangefochten rechtskräftig.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen eröffnete
gegenüber X am 18. November 2011 ein Verfahren zur Abklärung der Fahreignung und
entzog ihm den Führerausweis mit sofortiger Wirkung vorsorglich. Nachdem X ein am
25. Juni 2012 ausgestelltes hausärztliches Zeugnis eingereicht hatte, wurde ihm der
Führerausweis am 3. Juli 2012 wieder erteilt mit den Auflagen, regelmässige Kontrollen
und allfällige Behandlungen beim Diabetologen bzw. Hausarzt durchzuführen,
verordnete Medikamente nach Vorschrift einzunehmen, bei gesundheitlichen
Störungen auf das Lenken eines Motorfahrzeuges zu verzichten und einen Arzt
aufzusuchen sowie alle sechs Monate ein ärztliches Zeugnis zur Fahreignung
einzureichen. Gleichzeitig erhielt er Gelegenheit, zum vorgesehenen Warnungsentzug
wegen des Vorfalls vom 2. Oktober 2011 Stellung zu nehmen. Am 17. Juli 2012 entzog
das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt X den Führerausweis wegen einer schweren
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Rückfall für die Dauer von
zwölf Monaten.
D.- Gegen die Verfügung vom 17. Juli 2012 erhob X durch seinen Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 1. August 2012 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit den
Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben und der Führerausweis wegen einer mittelschweren Widerhandlung für die
Dauer von maximal acht Monaten mit Wirkung ab 18. November 2011 zu entziehen.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 21. August 2012 die Abweisung
des Rekurses. Der Rekurrent äusserte sich dazu am 3. September 2012. Auf die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit

erforderlich in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 1. August 2012 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. e, 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine schwere Widerhandlung begeht,
wer wegen Betäubungs- oder Arzneimitteleinflusses oder aus anderen Gründen
fahrunfähig ist und in diesem Zustand ein Motorfahrzeug führt (Art. 16c Abs. 1 lit. c
SVG).
3.- Aus dem unangefochten rechtskräftig gewordenen Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Graubünden vom 15. Dezember 2011 ergibt sich in tatsächlicher
Hinsicht, dass der Rekurrent am 2. Oktober 2011 gegen 20.00 Uhr einen
Personenwagen von Bellinzona kommend über die A13 in Richtung San Bernardino
lenkte. Vor Antritt der Fahrt hatte er versehentlich anstelle einer Tablette "Sortis 20mg"
eine 10mg-Tablette des Schlafmittels "Stilnox" zu sich genommen. Aufgrund der
dadurch bewirkten Schläfrigkeit wurde ihm südlich des Anschlusses Mesocco plötzlich
schwarz vor den Augen, so dass er die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. Es geriet
auf die Gegenfahrbahn und kollidierte mit einem korrekt entgegenkommenden
Personenwagen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
An die tatsächlichen Feststellungen der Strafbehörde ist die Verwaltungsbehörde im
Massnahmeverfahren grundsätzlich gebunden; selbständige Beweiserhebungen hat sie
nötigenfalls dann durchzuführen, wenn klare Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der
Tatsachenfeststellung bestehen. Ohne die Erhebung zusätzlicher Beweise hat sie sich
grundsätzlich an die Würdigung der Strafbehörde zu halten (vgl. BGE 119 Ib 158 E. 3c/
aa; 124 II 103 E. 1c/aa). Die tatsächlichen Feststellungen werden im Rekurs nicht in
Zweifel gezogen. Für die Verwaltungsbehörde besteht deshalb kein Anlass, zusätzliche
Beweise zu erheben oder der Strafbehörde unbekannte oder von ihr nicht beachtete
Tatsachen festzustellen und ihrem Entscheid zugrunde zu legen. Im Rekurs wird
deshalb zu Recht auch nicht mehr geltend gemacht, die Anordnung von Auflagen zur
Gewährleistung der Fahreignung des Rekurrenten stehe einem Warnungsentzug des
Führerausweises entgegen. Zwar gehen beide Massnahmen auf den vom Rekurrenten
am 2. Oktober 2011 verursachten Verkehrsunfall zurück. Indessen stehen die Auflagen
in unmittelbarem Zusammenhang mit der Diabeteserkrankung des Rekurrenten,
während der Unfall unbestrittenermassen auf die Einnahme eines Schlafmittels vor
Antritt der Fahrt zurückzuführen war. Ursache der dem Rekurrenten vorgeworfenen
Fahrunfähigkeit war nicht eine schuldlos ungenügend behandelte Erkrankung, die eine
Beeinträchtigung der Fahrfähigkeit nach sich ziehen kann, sondern die auf das
Schlafmittel zurückzuführende Müdigkeit, aufgrund derer der Rekurrent am Steuer
einschlief.
4.- In rechtlicher Hinsicht würdigte die Strafbehörde das Verhalten des Rekurrenten als
Verletzung von Art. 31 Abs. 2 SVG, wonach der Führer das Fahrzeug ständig so
beherrschen muss, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann, und Art. 2
Abs. 1 VRV, wonach unter anderem kein Fahrzeug führen darf, wer wegen
Übermüdung oder aus einem anderen Grund nicht fahrfähig ist. Sie stützte die
Sanktion auf Art. 91 Abs. 2 SVG, wonach mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
Geldstrafe bestraft wird, wer aus anderen Gründen, d.h. nicht wegen Angetrunkenheit,
fahrunfähig ist und ein Motorfahrzeug führt. Die Strafbehörde hat ihre tatsächlichen
Feststellungen in rechtlicher Hinsicht dahingehend gewürdigt, dass der Rekurrent bei
pflichtgemässer Aufmerksamkeit die durch das Schlafmittel bewirkte Schläfrigkeit hätte
bemerken können und müssen; sie ging nicht von Vorsatz, sondern von Fahrlässigkeit
aus. Insbesondere hielt sie dem Rekurrenten nicht vor, er habe die Fahrt in Kenntnis
der versehentlichen Einnahme eines Schlafmittels angetreten. Da die Strafbehörde den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rekurrenten persönlich befragte, hängt die rechtliche Beurteilung sehr stark von der
Würdigung von Tatsachen ab, welche die Strafbehörde besser kennt als die
Verwaltungsbehörde (vgl. BGE 119 Ib 158 E. 3c/bb; 124 II 103 E. 1c/bb). Im
Verwaltungsverfahren ist deshalb ebenso von Fahrlässigkeit auszugehen.
Der Strafbestimmung von Art. 91 Abs. 2 SVG entspricht im Bereich der
Administrativmassnahme Art. 16c Abs. 1 lit. c SVG. Ebensowenig wie die Strafbehörde
Art. 90 Ziff. 1 (einfache Verkehrsregelverletzung) oder Ziff. 2 SVG (grobe
Verkehrsregelverletzung) angewendet hat, hat die Vorinstanz die Massnahme auf einen
der Auffangtatbestände von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG (schwere Gefährdung und
schweres Verschulden), Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG (geringe Gefahr und leichtes
Verschulden) und Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG (beispielsweise schwere Gefährdung ohne
schweres Verschulden) gestützt. Anders als im Rekurs ausgeführt, ist deshalb nicht zu
prüfen, ob eine Massnahme wegen einer schweren Widerhandlung im Sinn von
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG oder wegen einer mittelschweren Widerhandlung im Sinn von
Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG in Frage steht. In der Literatur wird zwar mit Hinweis auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zum früheren Recht, das noch keinen besonderen
Entzugsgrund für das Fahren trotz Fahrunfähigkeit aus anderen Gründen als einer
Angetrunkenheit kannte, die Auffassung vertreten, Fahren in übermüdetem Zustand
stelle in der Regel eine grobe Verkehrsregelverletzung dar und erfülle zugleich die zwei
Entzugsgründe von Art. 16c Abs. 1 lit. a und c SVG (vgl. Ph. Weissenberger,
Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St. Gallen 2011, N 25 zu Art. 16c SVG
mit Hinweis auf BGE 126 II 206, der zum früheren Recht ergangen ist). Dieser
Standpunkt findet indessen weder im Wortlaut von Art. 16c Abs. 1 lit. c und Art. 91
Abs. 2 SVG noch in der Systematik des Gesetzes und in der Botschaft (vgl. BBl 1999
S. 4462 ff., S. 4489) eine Grundlage. Der Gesetzgeber behandelt das Fahren in
fahrunfähigem Zustand als Vergehen (Art. 91 Abs. 2 SVG) bzw. als schwere
Widerhandlung (Art. 16c Abs. 1 lit. c SVG). Soweit den Betroffenen ein Verschulden
trifft, sind deshalb die Voraussetzungen für die Anwendung von Art. 91 Abs. 2 bzw.
Art. 16c Abs. 1 lit. c SVG erfüllt. Insbesondere muss das Verschulden nicht
notwendigerweise den Grad der groben, unter Umständen bloss unbewussten, aber
auf Rücksichtslosigkeit schliessen lassenden Fahrlässigkeit im Sinn der
Rechtsprechung zu Art. 90 Ziff. 2 und Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG erreichen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Würdigung der unbestrittenen Tatsachen lässt im Übrigen auf ein Verschulden des
Rekurrenten schliessen, welches das in Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG geforderte Mass
erreicht. Das vor der Fahrt versehentlich eingenommene Schlafmittel "Stilnox" enthält
den Wirkstoff Zolpidem aus der Gruppe der sogenannten GABA-Agonisten. Es imitiert
die Wirkung des schlafregulierenden Nervenbotenstoffes GABA, indem es an den
GABA-Rezeptor-Komplex bindet und so zu einem vermehrten Einstrom des zentral
dämpfenden Botenstoffes GABA ins Gehirn führt. Es hat damit eine dämpfende
Wirkung auf das Gehirn und steigert die Schläfrigkeit (vgl. www.ellviva.de/Gesundheit/
Zolpidem-Wirkung.html). Entsprechend führt das Medikament nicht zu einem
plötzlichen Einschlafen, sondern lässt die Müdigkeitserscheinungen nach und nach
eintreten. Aus den Akten wird auch nicht ersichtlich, dass sich der Rekurrent während
der Kontrolle, der anschliessenden Befragung und der ärztlichen Untersuchung nicht
oder nur mit Mühe wachhalten konnte. Zudem wies das Fahrzeug des Rekurrenten auf
der rechten Seite Beschädigungen auf, die nicht mit dem Verkehrsunfall in Verbindung
zu bringen waren, die sich jedoch mit einer rund zehn Minuten vor dem Unfall bei der
Polizei eingegangenen Meldung, ein silberner Kombi fahre komisch und habe die
rechte Leitplanke touchiert, erklären lassen. Dies gilt umso mehr, als der Rekurrent
selbst für diese Beschädigung keine Ursachen angeben kann. Insgesamt ist deshalb –
in Übereinstimmung mit der Würdigung durch die Strafbehörde – davon auszugehen,
dass der Rekurrent bereits vor dem Unfall Müdigkeitserscheinungen (vgl. dazu BGE
126 II 206 E. 1a, Urteil des Bundesgerichts 6B_252/2011 vom 22. August 2011 E. 2.1)
hätte bemerken können und bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit seine Fahrt hätte
unterbrechen müssen. Dass sich der Rekurrent nicht an solche Anzeichen erinnern
kann, entspricht der medizinischen Erfahrungstatsache, dass die einem kurzzeitigen
Einschlafen am Steuer stets vorausgehenden Symptome von Müdigkeit oder
Schläfrigkeit sehr schlecht in der Erinnerung haften bleiben (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_649/2011 vom 26. März 2012 E. 1.3).
5.- Die von der Vorinstanz verfügte Entzugsdauer von zwölf Monaten entspricht der
gesetzlichen Mindestentzugsdauer gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG, die anzuwenden
ist, wenn der Führerausweis in den vorangegangenen fünf Jahren einmal wegen einer
schweren Widerhandlung – im Fall des Rekurrenten wegen einer Streifkollision mit
einem Radfahrer bei einem Überholmanöver mit einem Anhängerzug, begangen am
4. Mai 2005, vom 30. November 2007 bis 29. Februar 2008 – entzogen war. Diese
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mindestentzugsdauer darf gemäss Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG nicht unterschritten
werden. Dies gilt selbst dann, wenn der Betroffene zur Ausübung seines Berufs auf den
Führerausweis angewiesen ist (vgl. BGE 132 II 234 E. 2.3 für einen selbständig
erwerbenden Taxichauffeur).
6.- Der Rekurs ist somit abzuweisen. Diesem Verfahrensausgang entsprechend sind
die amtlichen Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu
verrechnen.