Decision ID: 72122773-9c85-4fe4-acbe-79c8aeed83b2
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1953, ist seit Januar 2015 bei der Kolping Kranken
kasse AG (nachfolgend: Kolping)
nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) gegen Krankheit versichert (Urk. 8
/5
)
.
Am 3
0.
März 2015 machte die Kolping die Versicherte darauf aufmerksam, dass die Voraussetzungen zur Kostenübernahme der erhöhten
Spitex-Pflegeleistun
gen
gemäss KVG erfüllt seien, ab dem
1.
April 2015 jedoch nur noch eine
Leis
tungspflicht
nach dem Pflegetarif (maximal
Fr.
3‘285.-- pro Monat gemäss höchster Pflegeeinstufung) bestehe
(
Urk.
9/2)
.
Mit Schreiben vom
9.
Juli 2015
teilte die Kolping der Versicherten erneut mit, dass für die Pflege zu Hause nicht mehr übernommen werden könne, als w
enn sie im Heim gepflegt würde,
analog der höchsten Pflegeeinstufung im Kanton Zürich. Die Kolping könne sich per
1.
Juni 2015 mit maximal
Fr.
3‘285.-- an den
Spitexkosten
beteiligen
(
Urk.
9/11)
.
Gestützt auf das Wiedererwägungsgesuch der Versicherten vom 2
6.
August 2015 (
Urk.
9/12) hielt die Kolping mit Entscheid vom 2
8.
August 2015 (
Urk.
9/13) an den Ausführungen vom
9.
Juli 2015
fest.
Auch mit Schreiben vom 1
0.
September 2015 hielt die Kolping an i
hrem Entscheid fest (
Urk.
9/15), worauf die Versicherte am
5.
November 2015 den Erlass einer formellen Verfü
gung verlangte (
Urk.
9/16).
Mit
Verfügung vom
8.
Januar 2016 stellte die Kolping fest, dass der Versicher
ten über die bereits bezahlten Spitex-Kosten für die Zeitperiode vom 1
5.
Mai bis 3
1.
Juli 2015 keine weiteren Leistungen mehr zustehen
würden
(
Urk.
9/22).
Da
gegen erhob
die
Versicherte am 1
6
.
Februar
201
6
mündlich
Einsprache
,
worauf die
Kolping mit Entscheid vom 22
.
Februar 2016
(Urk.
9
/
23
= U
rk. 2) mangels Rechtzei
tigkeit
nicht eintrat.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 7. April 2016 Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte sinngemäss, der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 22. Februar 2016 sei aufzuheben und es sei die Kolping zu verpflichten, die bei ihr erbrachten Spitex-Leistungen vollumfänglich zu vergüten. Mit Beschwerdeantwort vom
21
.
April
201
6 beantragte die Kolping die Abweisung der Beschwerde
(Urk.
7
). Eine Kopie dieser Eingabe wurde
der
Versicherten am
19
.
Mai 2016
zugestellt (Urk.
11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im Streite steht vorliegend die Rechtzeitigkei
t der gegen die Verfügung vom 8
. Januar 201
6
(Urk.
9
/
22
) erhobenen Einsprache.
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
22
.
Februar
201
6
hielt
die
Be
-
schwerde
gegnerin
fest
, dass die
eingeschrieben versandte
Verfügung vom
8
. Januar 201
6
vo
n der
Beschwer
deführer
in
am
11
.
Januar
201
6
entgegenge
nommen worden sei, und dass die 30
tägige
Einsprachefrist
dem
nach am 1
0
.
Februar
201
6
geendet habe. Die
mündliche
Einspra
che vom
16
.
Februar
201
6
sei damit verspätet erfolgt (Urk. 2 S.
1
).
Daran hielt die Beschwerdegegne
rin mit Beschwerdeantwort vom 21
.
April 2016
fest (Urk.
7
).
1.2
Die
Beschwerdeführer
in
machte in
ihrer
Beschwerde (Urk. 1)
sinngemäss
materi
elle Einwände
geltend,
zur Rechtzeitigkeit der Einsprache äusserte sie sich
hin
gegen
nicht.
2.
2.1
Richtet sich die Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid
, hat das Ge
richt, ungeachtet der Vorbringen der
beschwerdeführenden
Partei, zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das
Leis
tungs
- oder Feststellungsbegehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sache (Sachentscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situa
tion den formellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegenstand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu befassen (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
2.2
Gegen Verfügungen des Krankenversicherers kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und verfahrensleitende Verfügungen (Art. 52 Abs. 1 des Bundesge
set
zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Gegen
Einspracheentscheide
oder gegen Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann Beschwerde erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 ATSG).
2.3
Gemäss Art. 38 ATSG beginnt die
Einsprachefrist
nach Art. 52 Abs. 1 ATSG am Tag nach ihrer Mitteilung zu laufen (Abs. 1). Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag, ein Sonntag oder ein vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht anerkannter Feiertag, so endet sie am nächstfolgenden Werktag. Massgebend ist das Recht des Kantons, in dem die Partei oder ihr Vertreter beziehungsweise ihre Vertreterin Wohnsitz oder Sitz hat (Abs. 3). Die
Einsprachefrist
steht ge
mäss Abs. 4 dieser Bestimmung während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern (
lit
. a), vom 15. Juli bis und mit dem 15. August (
lit
. b) und vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
lit
. c).
2.4
Nach Art. 39 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 52 Abs. 1 ATSG ist die dreissig
tägige Frist zur Einsprache nur gewahrt, wenn die Einsprache spätestens am letzten Tag der Frist bei der verfügenden Stelle eingereicht oder zu deren
Han
den
der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben wird. Läuft die Frist unbenützt ab, so er
wächst die Verfügung in (formelle) Rechtskraft mit der Wirkung, dass die verfü
gende Stelle auf eine verspätet eingereichte Einsprache nicht eintreten darf (vgl. BGE 124 V 401 E. 1a).
2.5
Nach der Rechtsprechung obliegt der Beweis der Tatsache sowie des Zeitpunktes der Zustellung einer Verfügung der Verwaltung. Nicht eingeschrieben versandte Postsendungen reisen auf Gefahr des Absendenden. Dieser trägt das Risiko, dass die Sendung beim Empfänger ankommt (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Oktober 2004, C 143/04, E. 2.2). Die objektive Beweisführungslast trägt der Absendende, und im Zweifel ist auf die Darstellung des Empfängers abzustellen (Urteil des Bundesgerichts vom 12. Februar 2001, C 446/99 und C 448/99 und
C 382/00 E. 4b).
3.
3.1
Die
Verfügung vom
8.
Janu
ar 2016 (
Urk.
9/22) der Beschwerdegegnerin wurde der Schweizerischen Post als eingeschriebene Sendung übergeben und
der Be
schwerdeführerin
am
1
1.
Januar 2016
zugestellt.
In den Akten befindet sich zwar keine Sendungsbestätigung der Schweizerischen Post, aus dem E-Mail
-
Schreiben der Beschwerdeführerin vom 1
2.
Januar 2016 (vgl.
Urk.
3/2)
geht je
doch hervor, dass sie die Verfügung spätestens am 1
1.
Januar 2016 erhalten haben muss. Des Weiteren wird der Erhalt
von ihr denn
auch nicht bestritten.
Die 30-tägige
Einsprachefrist
begann daher am Tag nach Eröffnung der Verfü
gung und mithin am 12. Januar 2016 zu laufen und endete - wie die
Beschwer
degegnerin
richtig darlegte (vgl. E. 1.1) - am 1
0
. Februar 2016
.
3.2
Die unbestrittenermassen erst am 1
6.
Februar 2016 mündlich erhobene Einspra
che war daher verspätet. Bereits am 1
1.
Februar 2016 war die Verfügung vom
8.
Januar 2016 (
Urk.
9/22) nach Ablauf der
Einsprachefrist
in (formelle) Rechts
kraft erwachsen. Es ist daher grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass die
Be
schwerdegegn
e
rin
mit Entscheid
vom 2
2.
Februar 2016 (
Urk.
2) auf die verspä
tet erhobene Einsprache der Beschwerdeführerin nicht eintrat.
Somit ist die ge
gen den angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 22. Februar 2016 erhobene Beschwerde abzuweisen.
3.3
Daran vermag auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin sich am 1
2.
Ja
-
nuar
2016 per E-Mail (vgl.
Urk.
3/2) an die Beschwerdegegnerin wandte, nichts zu ändern.
So setzt d
ie Annahme einer Einsprache unter anderem voraus, dass der Wille zum Ausdruck gebracht wird, die erlassene Verfügung nicht zu akzeptieren (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 664/03 vom 19. November 2004 E. 2.3 mit Hinweis auf BGE 119 V 347 E. 1b; Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar, a.a.O., Art. 23 N 52).
Ein solcher Anfechtungswille lässt sich gestützt auf die Akten aus dem
E-Mail-Schreiben
vom 1
2
. J
anuar
201
6
nicht
rechtsgenüglich
herleiten.
Denn aus dem besagten E-Mail-Schreiben der Beschwerdeführerin geht in keiner Weise hervor, weshalb sie einen Termin mit der Beschwerdegegnerin wünschte. So brachte sie weder zum Ausdruck, mit der Verfügung vom
8.
Januar
2016
nicht einverstan
den zu sein, noch dass sie diese anzufechten gedenke. Sie fragte lediglich für einen Terminvorschlag betreffend die Verfügung zu den Pflegeleistungen an (vgl.
Urk.
3/2). Aus dieser blossen Aufforderung beziehungsweise Bitte zur
Ter
minvereinbarung
kann nach dem Gesagten kein Anfechtungswille geschlossen werden. Dies gilt umso mehr, als sich die Beschwerdeführerin nach dem Ant
wortschreiben der Beschwerdegegnerin vom 1
4.
Januar 2016 bezüglich mögli
cher Termine (vgl.
Urk.
3/2) knapp einen Monat Zeit liess, um dann am 1
2.
Februar 2016 - bereits nach Ablauf der Rechtsmittelfrist - den Anruf für eine Terminvereinbarung zu tätigen. Wie die Beschwerdegegnerin richtig aus
führte, gab die pauschale Terminanfrage per E-Mail für sie kein
en
Anlass für weitere Rückfragen.
So wird denn auch nicht
jede vom angestrebten
Wunscher
gebnis
abweichende
Leistungszusprache
von den Betroffenen schliesslich
auch
angefochten. Eine gewisse „Hürde“ beziehungsweise ein gewisses Tätigwerden des Einsprechers soll für eine
rechtsgenügliche
Einsprache vorausgesetzt werden können, auch wenn an eine solche keine hohen Anforderungen zu stellen sind.
J
edoch gilt immerhin das Rügeprinzip, was ein Aktivwerden seitens des Ein
spre
chers in Form eines überprüfbaren Anfechtungswillens voraussetzt.
Der Beschwerdeführe
rin wäre es
durchaus möglich gewesen, analog ihrem Schrei
ben vom 1
8.
März 2016 (vgl.
Urk.
3/5) gegenüber der Beschwerdegegnerin zum Ausdruck zu bringen, mit der Verfügung vom
8.
Januar 2016 nicht einverstan
den zu sein beziehungsweise diese nicht akzeptieren zu wollen
.
Die Beschwer
deführerin äusserte im E-Mail-Schreiben vom 1
2.
Januar 2016
jedoch
keinen klar ersichtlichen Willen, den Entscheid der Beschwerdegegnerin nicht akzep
tieren zu wollen. Somit ist diese E-Mail mangels Vorliegens eines hinreichenden
Einsprachewillens
nicht als Einsprache im Sinne von Art. 52 ATSG zu qualifi
zieren.
3.4
Zusammenfassend ist kein fristgerecht geäusserter
rechtsgenüglicher
Ein
spra
che
wille
ersichtlich. Ein solcher ist weder mündlich noch schriftlich belegt. Der
Nichteintretensentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 22. Februar 2016 (Urk. 2) ist nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt.