Decision ID: 78e1c94c-1055-58de-9baa-7097d304bfaf
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 9. Dezember 2020 in der Schweiz
um Asyl nach. Am 18. Februar 2021 fand die Anhörung nach Art. 29 AsylG
(SR 142.31) statt, an welcher er im Wesentlichen ausführte, er sei syrischer
Staatsangehöriger und ethnischer Kurde aus B._, wo er geboren
sei und bis zu seiner Ausreise auch gelebt habe. Er habe die Schule bis
zur fünften Klasse besucht und später den Beruf des (...) erlernt und aus-
geübt. Den regulären Militärdienst habe er geleistet und am (...) 2003 ab-
geschlossen.
A.b Im Rahmen des kurdischen Aufstandes im Jahr 2004 sei er festgenom-
men und für (...) Tage inhaftiert worden, währenddessen er auch gefoltert
worden sei.
A.c Von 2011 bis zirka 2014 habe er regelmässig an Demonstrationen ge-
gen das syrische Regime teilgenommen. Dabei sei er ein einfacher Mitläu-
fer gewesen, auf Autos gestiegen und habe «nieder mit dem Regime»
skandiert.
A.d Ungefähr im (...) 2019 sei ein Aufgebot zum Reservedienst an seine
Mutter übergeben worden. Nachdem er dieses Aufgebot zunächst nicht
ernst genommen habe, sei drei Monate später ein Anruf eingegangen, wo-
bei seine Mutter darüber informiert worden sei, dass er zum Militärdienst
anzutreten habe, ansonsten die Behörden ihn erwischen und umbringen
würden.
Weitere 20 bis 25 Tage später sei ein Haftbefehl in den Hof seines Hauses
geworfen worden. Er habe dann während 15 Tagen bei einem Freund über-
nachtet. In dieser Zeit hätten mehrmals Männer des syrischen Regimes bei
ihm zuhause nach ihm gefragt. Ein paar Tage nach seiner Rückkehr nach-
hause sei erneut ein Schreiben in den Hof geworfen worden, in welchem
er aufgefordert worden sei, sich zwecks Rekrutierung für den Reserve-
dienst umgehend bei der nächsten Militärbehörde zu melden.
Er habe fortan nicht mehr zuhause übernachtet und sei schliesslich am (...)
2020 illegal in die Türkei ausgereist.
A.e Er reichte folgende Ausweispapiere und Beweismittel, jeweils im Origi-
nal, zu den Akten:
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Seite 3
– Identitätskarte, ausgestellt am (...) 2011
– Militärbüchlein, übergeben am (...) 2000
– Bestätigung Militärdienst, ausgestellt am (...) 2003
– Aufgebot zum Reservedienst, undatiert (Einberufung am [...] 2019)
– Haftbefehl, ausgestellt am (...) 2020
B.
Mit Verfügung vom 19. Mai 2021 stellte die Vorinstanz fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab
und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Vollzug der Wegwei-
sung schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Auf-
nahme auf.
C.
Am 8. Juni 2021 stellte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Ak-
teneinsichtsgesuch beim SEM, welchem mit Verfügung der Vorinstanz vom
28. Juni 2021 entsprochen wurde.
D.
Mit Eingabe vom 21. Juni 2021 erhob der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm Asyl zu ge-
währen, eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihn
als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Weiter sei auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung
zu gewähren. Auf Seite 11 der Beschwerdeschrift findet sich – mitten im
Fliesstext – der Antrag auf Fristansetzung für die Nachreichung eines wei-
teren Beweismittels. Des Weiteren wurde gerügt, die Vorinstanz habe das
Akteneinsichtsgesuch des Beschwerdeführers nicht behandelt und dem
Beschwerdeführer die ersuchten Akten nicht zugestellt.
Auf die Begründung der Beschwerde wird in den Erwägungen eingegan-
gen.
Der Beschwerde wurden folgende Beweismittel beigelegt:
– Vollmacht (Beilage 1)
– angefochtene Verfügung (Beilage 2)
– Kopie des Akteneinsichtsgesuchs vom 8. Juni 2021 (Beilage 3)
– Kopie einer Parteimitgliedskarte (Beilage 4)
E.
Am 24. Juni 2021 bestätigte das Gericht den Eingang der Beschwerde.
E-2878/2021
Seite 4
F.
Mit Zwischenverfügung vom 1. Juli 2021 lehnte die Instruktionsrichterin die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und um Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses aufgrund festgestellter Aussichtslosigkeit
ab und setzte Frist an für die Bezahlung eines Kostenvorschusses. Der
Antrag auf Nachreichung eines weiteren Beweismittels wurde abgewiesen.
Die Instruktionsrichterin stellte im Weiteren fest, dass aus den Akten her-
vorgehe, dass die Vorinstanz das Akteneinsichtsgesuch des Beschwerde-
führers am 28. Juni 2021 behandelt und die editionspflichtigen Akten her-
ausgegeben habe, wobei die diesbezügliche Rüge gegenstandslos werde.
G.
Durch die Sozialberatung und Asylbetreuung C._ wurde am 16. Juli
2021 ein Gesuch um Ratenzahlung hinsichtlich des Kostenvorschusses
gestellt. Der erhobene Kostenvorschuss ging gleichentags, das heisst am
16. Juli 2021 und daher fristgerecht, beim Gericht ein.
H.
Mit Eingabe vom 23. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer zwei Beweis-
mittel im Original zu den Akten:
– Unterlassungserklärung, mit Übersetzung auf Deutsch
– Parteimitgliedskarte, gültig bis (...) 2014, mit Übersetzung auf Deutsch

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
E-2878/2021
Seite 5
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Kostenvor-
schuss wurde am 16. Juli 2021 an die Gerichtskasse überwiesen, wobei
das gleichentags gestellte Gesuch um Ratenzahlung gegenstandslos ge-
worden ist. Folglich ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Untersuchungsgrund-
satzes und der Begründungspflicht durch die Vorinstanz. Er begründet
seine Rügen damit, dass die Vorinstanz vor dem Abschluss des Asylver-
fahrens die notwendigen Abklärungen in seinem Fall nicht durchgeführt
habe. Sie habe in ihrem Entscheid asylrelevante Tatsachen nicht beachtet
und lediglich aufgrund von pauschalen Feststellungen und standardisierten
Begründungen über sein Schicksal entschieden, ohne sich umfassend mit
der Rechtsprechung und vertrauenswürdigen Berichten über die Lage in
Syrien und die behördliche Suche nach Wehrdienstpflichtigen und Deser-
teuren auseinanderzusetzen.
4.2 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-
scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., Rz. 1043).
E-2878/2021
Seite 6
4.2.1 Das SEM ging aufgrund der Parteiauskünfte und der eingereichten
Beweismittel (Art. 12 Bst. a und b VwVG) offensichtlich und zu Recht davon
aus, dass der rechtserhebliche Sachverhalt als erstellt gelten kann und
keine weiteren Beweismassnahmen zu ergreifen sind. So führte es in sei-
nen Feststellungen die in der durchgeführten Anhörung vorgebrachten we-
sentlichen Sachverhaltselemente sowie die im Verlauf des Verfahrens ein-
gereichten rechtserheblichen Beweismittel auf (vgl. SEM act. 1083285-
30/8 [nachfolgend: A30] S. 5). In der Folge wurden die angeführten Vor-
kommnisse der Jahre 2004 (Behauptete Inhaftierung betreffend den kurdi-
schen Aufstand), 2011 bis zirka 2014 (Behauptete Teilnahme an Demonst-
rationen gegen das syrische Regime) und 2019 (Behauptete Einberufung
in den aktiven Reservedienst) explizit geprüft und gewürdigt (vgl. A30
S. 3 ff.). Der Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpraxis zu Syrien
einer anderen Linie als der vom Beschwerdeführer vertretenen folgt und
nach einer gesamtheitlichen Würdigung der aktenkundigen Parteivorbrin-
gen und der Beweismittel auch zu einem anderen Schluss als der Be-
schwerdeführer gelangt, als von ihm gefordert, stellt keine unrichtige oder
unvollständige Sachverhaltsfeststellung dar.
4.2.2 Eine Verletzung der Begründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen
Gehörs – welche es aufgrund der Ausgestaltung der Begründung dem Be-
troffenen ermöglichen soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten, was
nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmitte-
linstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl.
BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2) – liegt nicht vor. Das SEM
hat nachvollziehbar und hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen
Überlegungen es sich vorliegend leiten liess, und sich auch mit sämtlichen
zentralen Vorbringen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Dabei
musste sich das SEM nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Be-
hauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern es
durfte sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Sodann
zeigt die Beschwerdeeingabe deutlich auf, dass eine sachgerechte Anfech-
tung ohne weiteres möglich war.
4.2.3 Mit dem Vorhalt, die Vorinstanz habe seine Argumente und Beweis-
mittel nicht richtig gewürdigt, zumal im Lichte des geltend gemachten Sach-
verhalts von einer relevanten Gefährdung seiner Person infolge seiner po-
litischen Tätigkeit und seiner Wehrdienstverweigerung ausgegangen wer-
den müsse, vermengt der Beschwerdeführer die sich aus dem Untersu-
chungsgrundsatz ergebende Frage der Feststellung des rechtserheblichen
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Seite 7
Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, welche
die materielle Entscheidung über die vorgebrachten Asylgründe betrifft.
4.3 Zusammenfassend erweisen sich die formellen Rügen klarerweise als
unbegründet.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder
Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht
haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
5.2 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche
im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen
der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungs-
motive drohen oder zugefügt worden sein. Weiter ist massgeblich, ob die
geltend gemachte Gefährdungslage noch aktuell ist (vgl. BVGE
2008/12 E. 5., 2010/57 E. 2).
5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/12 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/12
E-2878/2021
Seite 8
6.
6.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen hinsichtlich der geltend gemachten Festnahme im Jahr 2004
und die vorgebrachten Demonstrationsteilnahmen von 2011 bis zirka 2014
seien nach Art. 3 AsylG nicht asylrelevant, folglich würde sich eine Prüfung
betreffend Glaubhaftmachung erübrigen. Unglaubhaft gemäss Art. 7 AsylG
seien die Aussagen betreffend das geltend gemachte Aufgebot zum Re-
servedienst und die anschliessende Verfolgung durch die syrischen Sicher-
heitsbehörden.
6.2 Bezüglich der vorgebrachten Demonstrationsteilnahmen im Jahr 2004
hielt sie zur Begründung fest, dass für die Anerkennung als Flüchtling eine
Verfolgung ausschlaggebend sei, die zum Zeitpunkt des Verlassens des
Heimatstaats bestehe, entweder noch andauere oder hinreichende Hin-
weise auf eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung bestünden.
Seine Ausreise aus Syrien im (...) 2020 scheine nicht im Zusammenhang
mit den Geschehnissen im Jahr 2004 zu stehen. Der Beschwerdeführer
habe diese Vorfälle von 2004 im freien Bericht und auch auf Nachfrage, ob
nun alle Asylgründe aufgezählt seien, spontan nicht erwähnt. Auch mache
er keine weiteren Massnahmen geltend, welche sich auf diese Gescheh-
nisse bezögen. Auf Konsequenzen für die aktuelle Ausreise aus Syrien an-
gesprochen, habe er angegeben, dass man die aktuelle Suche nach ihm
wohl nicht in Verbindung mit den Vorfällen von 2004 setzen könne. Eine
Verfolgung aufgrund der Festnahme im Rahmen des kurdischen Aufstan-
des im Jahr 2004 erscheine zum Zeitpunkt der Ausreise folglich nicht aktu-
ell, da eine solche weder andauere noch eine begründete Furcht vor künf-
tiger Verfolgung bestehe.
6.3 Hinsichtlich der behaupteten Teilnahmen an den Demonstrationen ge-
gen das syrische Regime von 2011 bis zirka 2014 sei anzumerken, dass
er diese spontan und auf mehrfache Nachfrage zu den Fluchtgründen nicht
erwähnt habe. Der Beschwerdeführer vermute einen Zusammenhang zwi-
schen dem Haftbefehl, dessen Grund er nicht kenne, und der Demonstra-
tionsteilnahme. Über eine allfällige Identifizierung durch die Behörden habe
er indes nur mutmassen können. Es bestehe kein begründeter Anlass zur
Annahme, dass die Demonstrationsteilnahmen Jahre zuvor mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft Verfolgungsmassnahmen
gegen den Beschwerdeführer auslösen würden.
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Seite 9
6.4 Im Zusammenhang mit der behaupteten Einberufung in den aktiven
Reservedienst hielt das SEM im Wesentlichen fest, der Beschwerdeführer
habe dazu kaum schlüssige Angaben machen können. Obschon darin als
Einrückungstermin der (...) 2019 genannt werde, habe der Beschwerde-
führer erklärt, das Aufgebot erst zirka im (...) 2019 erhalten zu haben. Eine
schlüssige Erklärung zu dieser Ungereimtheit habe er nicht liefern können.
Ebenso seien die Angaben zum mutmasslichen, gemäss Angabe des Be-
schwerdeführers drei Monate später zugestellten Haftbefehl wenig glaub-
haft. Den fehlenden Ausstellungsort und das Fehlen einer Angabe eines
zuständigen Gerichts auf dem Dokument habe er nicht überzeugend erklä-
ren können.
Die Angaben zum angeblichen Aufgebot und der behördlichen Suche nach
ihm würden insgesamt konstruiert wirken.
Das eingereichte militärische Aufgebot vermöge an der Einschätzung
nichts zu ändern, da das Dokument keine fälschungssicheren Merkmale
aufweise. Gleiches gelte auch für den eingereichten Haftbefehl. Mehrere
Indizien würden auf eine Fälschung der Dokumente hindeuten. Im Weite-
ren sei allgemein bekannt, dass in Syrien praktisch jegliche Art von Doku-
menten käuflich erworben werden könnten und die Beweiskraft solcher Do-
kumente als entsprechend gering einzustufen sei. Ebenso könne auf der
Webseite des Verteidigungsministeriums die Vorlage für ein militärisches
Aufgebot abgerufen und ausgedruckt werden. Somit sei selbst bei einem
formell echten amtlichen Dokument – was vorliegend in Zweifel zu ziehen
sei – nur dann eine relevante Beweiskraft beizumessen, wenn dieses im
Kontext eines hinreichend schlüssigen Sachverhaltsvortrages eingereicht
werde, was aber vorliegend dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei.
Die Vorinstanz wies weiter darauf hin, dass Rekrutierungsmassnahmen für
die syrische Armee im Wirkungsgebiet der kurdischen Truppen als eher
unwahrscheinlich erscheinen würden, da sich die syrische Regierung im
Juli 2012 aus den kurdischen Gebieten Nordsyriens – mit Ausnahme von
Teilen der Städte al-Hassaka und al-Qamishli – zurückgezogen habe.
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Seite 10
7.
Mit umfangreicher Beschwerdebegründung machte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen geltend, er habe glaubhaft dargelegt, dass er in seiner
Heimat an Demonstrationen gegen das syrische Regime teilgenommen
habe und im Jahr 2004 behördlich registriert und zum Reservedienst auf-
gefordert worden sei, dieser Aufforderung nicht Folge geleistet habe, zur
Haft ausgeschrieben worden sei und bis heute gesucht werde. Im Weiteren
habe er aufgezeigt, inwiefern er unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib
und Leben gefährdet sei. Er habe sich nur durch Flucht den tödlichen Ge-
fahren des syrischen Krieges und den Folgen seiner Teilnahmen an Pro-
testaktionen gegen das syrische Regime entziehen können. Ebenfalls nur
durch Flucht habe er sich der Willkür der Behörden und den Vergeltungs-
massnahmen entziehen können.
Insbesondere stehe seine Ausreise aus Syrien im (...) 2020 im Zusammen-
hang mit den Geschehnissen im Jahr 2004. Er sei bereits im Jahr 2004 als
(möglicher) Gegner oder als (möglicher) potentieller Protestteilnehmer be-
hördliche registriert und identifiziert worden. Wer einmal in Syrien in Haft
gewesen sei, gelte als vorbestraft und seine Akten blieben lebenslang bei
den Behörden aufbewahrt, dies, weil sie ihn als potenzielle Gefahr anse-
hen würden. Ein kleines Ereignis könne aufgrund des Hintergrunds einer
Person eine erneute behördliche Verfolgung auslösen. Aufgrund der Ge-
schehnisse im Jahr 2004 bliebe das behördliche Interesse an seiner Per-
son bestehen.
Beschwerdeseitig wird sodann erwähnt, dass er den Behörden seit 2004
bekannt sei, von 2011 bis 2014 an Demonstrationen gegen das Regime
teilgenommen und sich dem Reservedienst entzogen habe. Weshalb die
Behörden nach ihm gesucht und ihn zur Haft ausgeschrieben hätten,
könne offenbleiben.
Zu den eingereichten Dokumenten führt er aus, dass in Kriegszeiten nicht
das Ausstellungsdatum eines Dokuments relevant sei, sondern die Art und
Weise der Rekrutierung. Mit der späten Zustellung wolle die Militärbehörde
Angst und Schrecken verbreiten, um die Dienstunwilligen doch noch zum
Einrücken zu bewegen.
Des Weiteren habe er aus privaten/persönlichen Gründen seine politische
und parteiliche Zugehörigkeit verheimlicht und diese nicht angegeben. Er
gehöre der Kurdischen Demokratischen Partei in Syrien an und habe einen
Mitgliedsausweis für diese Partei. Dieser Ausweis sei allerdings nur bis
E-2878/2021
Seite 11
zum (...) 2014 gültig gewesen. Er sei aber bis heute Mitglied dieser Partei,
den Ausweis habe er aber aus reisebedingten Gründen nicht erneuern kön-
nen. Somit habe er einen politischen Hintergrund und habe sich aus politi-
scher Überzeugung aktiv an Protesten gegen das syrische Regime betei-
ligt und sich dem aktiven Reservedienst entzogen.
Im Weiteren wird auf die Beschwerdeschrift vom 21. Juni 2021 verwiesen.
8.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde-
führers zu Recht verneint und dessen Asylgesuch abgelehnt hat. Zur Ver-
meidung von Wiederholungen kann auf die in jeder Hinsicht zutreffenden
Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Ergän-
zend ist das Folgende festzuhalten:
8.2 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass eine Verfolgungssituation
grundsätzlich aktuell sein muss, um als asylrelevant im Sinne von Art. 3
AsylG zu gelten. Die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt voraus,
dass zwischen Verfolgung und Flucht in zeitlicher und sachlicher Hinsicht
ein genügend enger Kausalzusammenhang besteht (vgl. u.a. Urteil des
BVGer D-3989/2016 vom 12. Februar 2018 E. 5.2.1, m.w.H.).
8.2.1 Anlässlich der Befragung bezeichnete der Beschwerdeführer hin-
sichtlich der Fluchtgründe weder die Inhaftierung im Jahre 2004 noch die
Teilnahme an den Demonstrationen in den Jahren 2011 bis zirka 2014 als
ausschlaggebend für seine Jahre spätere Ausreise, sondern stützte sich
ausschliesslich auf die Einberufung in den aktiven Reservedienst als Aus-
reisegrund (vgl. SEM act. 1083285-22/1 [nachfolgend: A22], F38). Auch auf
Nachfrage hin, ob er alle Asylgründe genannt habe, sagte er:
«Ja, Es geht vor allem um dieses Aufgebot zum Reservistendienst. Ich habe
bereits den regulären Militärdienst geleistet. Wieso muss ich nochmals ins Mi-
litär gehen und unschuldige Zivilisten töten? Das will ich nicht machen.»
(A22/F39).
Auf die Frage, wieso er davon ausgehe, dass die Festnahme mit der Ein-
berufung in den Militärdienst im Zusammenhang stehe, sagte er, dass er
auch später noch an den Demonstrationen teilgenommen habe und es sein
könne, dass er identifiziert worden sei (A22/F90).
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Seite 12
Auch die behaupteten Teilnahmen an den Demonstrationen in den Jahren
2011 bis zirka 2014 gab er in der Befragung zuerst nicht als ausreiserele-
vant an, sagte später hingegen, dass er nicht behaupte, er sei identifiziert
worden, es aber gut sein könne, dass das Regime später Videoaufnahmen
von ihm zu sehen bekommen habe oder er denunziert worden sei
(A22/F95).
Es ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in der Zeit von 2014
bis zu seiner Ausreise im Jahre 2020 weder durch die Behörden behelligt
worden ist, noch konkrete Nachteile durch die syrischen Behörden erfah-
ren hat. Es kann daher angenommen werden, dass die Aktivitäten des Be-
schwerdeführers – wenn sie überhaupt stattgefunden haben – nieder-
schwellig gewesen sind. Hätten die Behörden ihn tatsächlich ins Visier ge-
nommen, wäre zu erwarten gewesen, dass er von den Behörden erneut
aufgesucht worden wäre oder zumindest eine Vorladung erhalten hätte.
Der Beschwerde wurde ein Parteiausweis der Kurdischen Demokratischen
Partei in Syrien im Original beigelegt, der bis zum (...) 2014 gültig war und
den Beschwerdeführer als Mitglied ausweisen soll. Dabei führt er aus, dass
er auch heute noch Mitglied sei, aber eine Erneuerung des Parteiauswei-
ses aus reisebedingten Gründen nicht möglich gewesen sei. Er behauptet,
ohne dies jedoch näher zu begründen, er habe an der Befragung aus pri-
vaten/persönlichen Gründen seine politische und parteiliche Zugehörigkeit
verheimlicht, was deshalb wenig überzeugend erscheint. Aus den Akten
ergeben sich im Weiteren keinerlei Hinweise auf politische Tätigkeiten des
Beschwerdeführers, welche die Aufmerksamkeit der syrischen Behörden
auf ihn gezogen haben könnte. Die behauptete Parteimitgliedschaft bis
heute ist im Übrigen nicht belegt.
Es erschliesst sich daher nicht, inwiefern die Geschehnisse im Jahr 2004
und diejenigen in den Jahren 2011 bis zirka 2014 im Zusammenhang mit
der geltend gemachten Einberufung in den aktiven Reservedienst stehen
würden.
8.2.2 Der zur Stützung seiner Asylvorbringen nachgereichten Unterlas-
sungserklärung ist mit Blick auf das vorstehend Gesagte lediglich eine sehr
eingeschränkte Beweiskraft beizumessen, zumal das Dokument nicht da-
tiert und nummeriert ist (die entsprechenden Stellen auf dem Dokument
sind nicht ausgefüllt worden) und im Allgemeinen solche Dokumente nach
den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts auch auf illegalem
Weg erhältlich gemacht werden können.
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Seite 13
8.2.3 Aus den Akten ergeben sich somit keine Hinweise, wonach der Be-
schwerdeführer politische Tätigkeiten, welche die Aufmerksamkeit der sy-
rischen Behörden auf ihn gezogen hätten, unternommen hat. Auch ist der
beschwerdeseitigen Behauptung, dass ein kleines Ereignis betreffend den
Hintergrund einer Person, eine erneute behördliche Verfolgung auslösen
könne und aufgrund der Geschehnisse im Jahr 2004 das behördliche Inte-
resse am Beschwerdeführer noch bestehe, nicht zu folgen. Der Beschwer-
deführer nahm trotz der Inhaftierung im Jahr 2004 an den Demonstrationen
ab 2011 teil und blieb daraufhin von den Behörden unbehelligt. Daraus
lässt sich schliessen, dass er für die Behörden uninteressant ist und daher
auch kein derartiges Profil ersichtlich ist, als dass er von den syrischen
Behörden ernsthaft als Regimegegner eingestuft wird und deshalb bei ei-
ner (hypothetischen) Rückkehr in seinen Heimatstaat asylrelevante Verfol-
gungsmassnahmen befürchten müsste. Auch sind keine anderen Flucht-
gründe erkennbar, die den erforderlichen zeitlich und sachlich engen Kau-
salzusammenhang zu den Geschehnissen der Jahre 2004 und 2011 bis
2014 aufweisen. Diese Vorbringen sind daher nicht asylrelevant.
8.3 Hinsichtlich der behaupteten Einberufung in den Militärdienst gab der
Beschwerdeführer an, ihm sei das Aufgebot zum Reservedienst zirka im
(...) 2019 zugestellt worden und man habe normalerweise zirka drei Mo-
nate Zeit, dem Aufgebot Folge zu leisten, ansonsten man auf einer Fahn-
dungsliste eingetragen und überall gesucht werde (A22/F50, 51). Ange-
sprochen darauf, dass auf dem Aufgebot stehe, die Einberufung sei am
(...) 2019 und dieses Datum sei zirka ein halbes Jahr vor der Zustellung
gewesen, erklärte er, beim Datum handle es sich nicht um das Einberu-
fungsdatum, sondern um das Ausstellungsdatum. Es dauere manchmal
sechs bis sieben Monate, bis man das Aufgebot bekomme (A22/F52). Auf
die Frage, wann er sich denn zum Dienst hätte melden sollen, antwortete
er, es sei im Aufgebot gestanden, er habe sich möglichst rasch zu melden,
das hiesse, möglichst schnell, nachdem man das Aufgebot erhalten habe.
Die Behörden würden nicht mitteilen, ob man in zwei Tagen oder drei Wo-
chen erscheinen müsse (A22/F53,54).
Er führte weiter aus, dass die auf dem Aufgebot erwähnte Meldefrist für die
Einberufenen nicht interessant sei, die Behörden würden einfach eine Mel-
defrist eintragen, diese aber selber nicht einhalten (A22/F56). Auf die
Frage, ob er wisse, was im Aufgebot stehe, sagte er, er habe das Schreiben
nicht mal gelesen (A22/F57).
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Seite 14
Die Aussagen sind allesamt unglaubhaft. Aus der Übersetzung des Aufge-
bots ist zu entnehmen, dass die Einberufung am (...) 2019 stattgefunden
hätte. Der genaue Wortlaut der Übersetzung des Aufgebots lautet:
«Sie werden für die Einberufung, welche am (...)/2019 stattfindet, zwecks Ein-
rücken, aufgeboten».
Im Weiteren wird eine Meldefrist von 24 Stunden gewährt. Der Beschwer-
deführer begründet sodann nicht, wieso diese Fristen, wie behauptet, un-
verbindlich oder zwecklos seien. Es ist im Übrigen auch nicht nachvollzieh-
bar, weshalb die Behörden ein genaues Datum – den (...) 2021 – und eine
genaue Frist – die Meldefrist von 24 Stunden – hätten auf dem Aufgebot
aufführen sollen, wenn diesen von vornhinein keine Verbindlichkeit zukom-
men.
Der pauschale Einwand des Beschwerdeführers, er habe soweit möglich
detailliert, nachvollziehbar, ohne Übertreibungen, spontan und in zentralen
Punkten logisch ausgesagt, weshalb keine Anhaltspunkte für eine erfun-
dene Darstellung seiner Gesuchsgründe bestünden (vgl. Beschwerde-
schrift S. 13), vermag weder die fehlende Substanz und Logik in seinen
Ausführungen einleuchtend zu erklären noch den Sachverhaltsvortrag als
glaubhaft gemacht erscheinen zu lassen. Da er in seiner Rechtsmittelein-
gabe keine weiteren konkreten Entgegnungen zu den vom SEM aufgezeig-
ten Zweifeln an der Glaubhaftigkeit seines Sachverhaltsvortrags anführt,
vermag er die Geschehnisse um das Aufgebot zum Reservedienst respek-
tive die daran anknüpfenden Ereignisse nicht glaubhaft darzulegen.
8.4 Hinsichtlich des Begehrens um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
und der Gewährung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers in
der Schweiz werden, sofern damit das Bestehen von subjektiven Nach-
fluchtgründen behauptet wird, diese nicht genügend substantiiert begrün-
det. Darauf wird nicht näher eingegangen, zumal den Akten keine entspre-
chenden Hinweise zu entnehmen sind.
8.5 Zusammenfassend ist auch in Berücksichtigung der eingereichten Un-
terlagen festzustellen, dass der Beschwerdeführer nichts vorgebracht hat,
was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zu-
mindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch daher
zu Recht abgelehnt.
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9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
Präzisierend ist festzuhalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägun-
gen nicht der Schluss ergibt, der Beschwerdeführer sei zum heutigen Zeit-
punkt in seinem Heimatstaat nicht gefährdet. Eine solche Gefährdungslage
ist jedoch auf die in Syrien herrschende Bürgerkriegssituation zurückzufüh-
ren. Das SEM hat dieser generellen Gefährdung Rechnung getragen und
den Beschwerdeführer gestützt auf Art. 83 Abs. 1 und 4 AIG wegen Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der am 16. Juli 2021 in gleicher Höhe geleistete
Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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