Decision ID: 8abaf9fe-dc26-50f7-99c1-7c91a0c86dfe
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich wegen Rückenproblemen und einem Beinleiden links im
November 1995 erstmals bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 1). Wegen eines lumbospondylogenen Syndroms bei
degenerativen Veränderungen attestierte das Zentrum für Medizinische Begutachtung
dem Versicherten eine volle Arbeitsunfähigkeit in seiner angestammten Tätigkeit als
Bauarbeiter. In einer rückenadaptierten Tätigkeit sei er jedoch zu 100 % arbeitsfähig
(ZMB-Gutachten vom 6. Juli 1999, IV-act. 89). Mit Verfügung vom 25. November 1999
wies die IV-Stelle das Rentengesuch mit der Begründung ab, dass der Versicherte in
einer adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei (IV-act. 97). Das Gesuch um
berufliche Eingliederungsmassnahmen wies die IV-Stelle am 6. Januar 2000 ebenfalls
ab (IV-act. 99). Die gegen beide Verfügungen erhobenen Rekurse wurden vom
kantonalen Versicherungsgericht am 28. September 2000 abgewiesen (IV 2000/3 und
IV 2000/41; IV-act. 108).
A.b Am 2. März 2007 meldete sich der Versicherte zum zweiten Mal bei der IV-Stelle
zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 112). Er machte geltend, dass er seit dem
18. April 2006 wegen Nackenproblemen und „weiterer Probleme“ arbeitsunfähig sei.
Die IV-Stelle trat auf die Wiederanmeldung ein und liess den Versicherten im
September 2008 von der SMAB AG polydisziplinär (orthopädisch, psychiatrisch und
internistisch) begutachten (SMAB-Gutachten vom 15. Oktober 2008, IV-act. 215). Die
Gutachter kamen zum Schluss, dass dem Versicherten die während 12 Jahren
ausgeübte körperlich schwere Tätigkeit im Tiefbau und in der Bauisolierung wegen
eines cervico-vertebralen und cervico-spondylogenen Syndroms (cervikale
Diskushernie C5/6) und eines Schlafapnoe-Syndroms (da ungenügend behandelt) seit
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April 2006 nicht mehr zumutbar sei. Die zuletzt bis April 2006 ausgeübte Tätigkeit als
Tankwart gelte hingegen als ausreichend angepasst.
A.c Am 30. März 2009 (IV-act. 244) reichte der Rechtsvertreter weitere Berichte der
behandelnden Ärzte ein und erklärte, dass den SMAB-Gutachtern nicht alle
medizinischen Akten vorgelegen hätten. In der Folge holte die IV-Stelle weitere
Berichte der behandelnden Ärzte ein (siehe IV-act. 246 ff.). Am 16. November 2009
fragte die IV-Stelle die SMAB-Gutachter an, ob die neuen medizinischen Berichte
etwas an der gutachterlich beurteilten Arbeitsfähigkeit änderten (IV-act. 289). Dr. med.
B._, Fachärztin für Innere Medizin FMH, antwortete am 2. Dezember 2009 (IV-
act. 295), dass die SMAB AG an ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung festhalte. Sie führte
u.a. aus, dass die Beschwerden der Achillessehne einer beschwerden- und
symptomorientierten Therapie zugänglich seien und der bildgebende Befund keine
wesentliche Änderung der Arbeitsfähigkeit begründe. Eine chirurgische Revision würde
allenfalls eine kurzfristige, wenige Wochen betragende Arbeitsunfähigkeit nach sich
ziehen.
A.d Mit zwei Verfügungen vom 10. Mai 2010 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf
berufliche Eingliederungsmassnahmen sowie auf eine Invalidenrente mit der
Begründung, dass der Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiter/
Tankwart voll arbeitsfähig sei (IV-act. 318 f.). Die gegen diese Verfügungen erhobenen
Beschwerden wies das kantonale Versicherungsgericht mit Entscheid vom 27. März
2012 ab (IV 2010/245; IV-act. 363).
A.e Bereits am 30. März 2011 hatte der Rechtsvertreter gegenüber der IV-Stelle eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend gemacht und erklärt, diese
sobald als möglich mit den entsprechenden medizinischen Berichten zu belegen (IV-
act. 347). Am 7. Dezember 2011 reichte er einen Bericht von Dr. med. C._ von der
Orthopädie St. Gallen vom 24. November 2011 ein (IV-act. 357 f.), wonach der
Versicherte an einer chronischen Achillodynie beidseits leide. Dr. med. D._ vom RAD
hielt am 18. Juni 2012 fest (IV-act. 365), dass keine medizinischen Unterlagen
eingereicht worden seien, die eine Neubeurteilung der medizinischen Situation nötig
machten. Am 18. Juni 2012 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter mit, dass der Fall
abgeschlossen werde (IV-act. 366). Am 22. Juni 2012 bat der Rechtsvertreter darum,
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den Fall bis auf weiteres nicht abzuschliessen. Er werde sobald als möglich
medizinische Unterlagen einreichen, die eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes belegten (IV-act. 367). Am 24. Oktober 2012 reichte der
Rechtsvertreter einen Bericht von med. pract. E._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, vom 17. Oktober 2012, ein (IV-act. 373 f.). Dem Bericht war zu
entnehmen, dass am 4. Oktober 2012 das Erstgespräch und am 12. Oktober 2012 ein
zweites Gespräch stattgefunden hatten. Med. pract. E._ hatte als Diagnose eine
schwergradige depressive Episode (ICD-10 F32.2) angegeben. Diese Diagnose hatte er
mit einer betrübten Stimmung, einem reduzierten Antrieb, einer Freudlosigkeit, einer
Interessenlosigkeit, einem reduzierten Selbstvertrauen, einem eingeschränkten
Konzentrationsvermögen, einer inneren Hemmung, Ein- und Durchschlafstörungen
sowie mit einem gesteigerten Appetit mit einer entsprechenden Gewichtsveränderung
begründet. Er hatte weiter ausgeführt, dass der Versicherte, ausser mit seiner Familie,
kaum mehr Kontakt mit Leuten habe. Seine Aktivitäten seien sehr gering. Die
depressive Episode dauere gemäss den anamnestischen Angaben bereits seit einigen
Jahren. Spätestens seit dem Jahr 2005, als der Versicherte sich zum ersten Mal in
psychiatrische Behandlung begeben habe und ein Antidepressivum einnehme, bestehe
mindestens eine mittelgradige depressive Episode. Die Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit
als Tankwart sei aktuell zu ca. 70 bis 80 % eingeschränkt. Der Gesundheitszustand sei
zurzeit wesentlich schlechter, als erim SMAB-Gutachten beschrieben worden sei. Am
19. November 2012 berichtete med. pract. E._ (IV-act. 377) über einen stationären
Gesundheitszustand. RAD-Arzt Dr. med. F._ hielt hierzu am 22. Januar 2013 fest,
dass die von med. pract. E._ mitgeteilten Befunde wie auch die diagnostischen
Schlussfolgerungen und Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zur Begründung einer
schweren Depression nicht ausreichten (IV-act. 382). Aufgrund der Ausführungen von
med. pract. E._ könne eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes jedoch
nicht ausgeschlossen werden, weshalb eine erneute MEDAS-Abklärung erforderlich
sei.
A.f Am 22. und 23. April 2013 wurde der Versicherte polydisziplinär
(allgemeininternistisch, orthopädisch und psychiatrisch) durch die ABI GmbH
begutachtet (Gutachten vom 17. Juni 2013, IV-act. 387). Anlässlich der Untersuchung
klagte der Versicherte über Schmerzen im Bereich der Achillessehne beidseits links
mehr als rechts sowie über Nackenschmerzen links mit Ausstrahlung in die linke
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Kopfseite und in die Vorderseite des adominanten linken Arms bis zu den Fingern I und
II der linken Hand. Zudem leide er an Schlafstörungen, Grübelzwängen, morgendlicher
Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Energielosigkeit und Freudlosigkeit. Er könne sich zu
keiner Beschäftigung mehr aufraffen. Den Haushalt erledige seine Ehefrau, da er dafür
zu wenig Kraft habe. Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gaben die
Gutachter an:
· Chronischer Fersenschmerz unter linksseitiger Betonung (M77.3/M76.6/Z98.8)
- Status nach Bursektomie, Tenosynovektomie, Resektion intratendinöser Ver
kalkungen und Glätten des Tuber calcanei links am 18. August 2009 bei
Ansatztendinose;
- radiologisch im Verlauf massive Rückbildung der Befunde an Achillessehne sowie
Kalkaneus links (MRI 5. März 2010 und 15. November 2011);
- klinisch bis auf Verbreiterung im dorsalen Fersenbereich beidseits unauffälliger
Befund;
· chronische Zervikobrachialgie der adominanten linken Seite (M53.1)
- radiologisch Diskushernien HWK4/5/6 ohne Hinweis für Nervenwurzelkompression
(MRI 18. Dezember 2008);
- elektrophysiologisch am 19. Dezember 2008 keine axonale Radikulopathie C5 bis C7
links sowie leichtgradiges, rein sensibles Karpaltunnelsyndrom links;
- klinisch mögliche sensible Radikulopathie C6;
· chronisch rezidivierendes lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne fassbare
radikuläre Symptomatik (M54.5).
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter:
· Protrahierte leichte depressive Episode (F32.0);
· Adipositas (E66.0);
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· arterielle Hypertonie (I10);
· obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (G47.3);
· Status nach Septumsplastik bei Nasenatmungsbehinderung (Z98.8);
· anamnestisch Überempfindlichkeit auf Chromat und Formalin (L23.5).
Dr. med. G._, FMH Allgemeine Innere Medizin, führte aus, dass der allgemein
internistische Status bis auf eine Adipositas und die Angabe von Hyposensibilitäten im
Bereich des linken Arms weitgehend unauffällig gewesen sei. Wegen der Allergie auf
Chromat und Formalin sollten Tätigkeiten, welche einen Kontakt zu diesen Substanzen
beinhalteten, vermieden werden. Ansonsten bestehe aus allgemeininternistischer Sicht
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Dr. med. H._, Fachärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie, gab in der psychiatrischen Beurteilung an, dass der Versicherte
die körperlichen Beschwerden in den Mittelpunkt gestellt habe. Auf dem
psychiatrischen Fachgebiet habe er vorwiegend Symptome von
Antriebsschwierigkeiten, Empfinden von Lustlosigkeit, Sinnlosigkeit und
Schlafstörungen angegeben. Zudem bestehe ein ausgeprägter Ehekonflikt, der sich
insbesondere durch die fehlende Erwerbstätigkeit manifestiert habe. Auch die fehlende
Mithilfe im Haushalt sei offenbar ein Streitthema. Das soziale Leben sei überwiegend
aus finanziellen Gründen praktisch zum Erliegen gekommen. Ein Ausweg aus seiner
Situation sehe der Versicherte auch nach vielen Gesprächen mit seinen jeweiligen
Therapeuten nicht. Er fühle sich auch für leichtere Arbeiten als nicht arbeitsfähig, so
dass sich gewissermassen ein sozialer „Teufelskreis“ aufgebaut habe. Eine
eigenständige schwere affektive Erkrankung liege jedoch nicht vor. Ausschlaggebend
für die schlechte Befindlichkeit sei sicherlich das soziale Umfeld kombiniert mit den
entsprechenden finanziellen Gegebenheiten. Hier habe auch eine gewisse psychische
Dekonditionierung stattgefunden. Allenfalls könne man aufgrund des psychischen
Befundes eine leichte, protrahierte depressive Episode konstatieren. Der Versicherte
sei aus psychiatrischer Sicht jedoch voll arbeitsfähig. Der behandelnde Psychiater
med. pract. E._ habe am 19. November 2012 eine differente Einschätzung
abgegeben. Sie selber habe im Untersuchungszeitpunkt keine affektive Blockierung
wie bei einer schweren depressiven Episode beobachten können. Der affektive
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Rapport sei herstellbar gewesen. Die Psychomotorik und der Antrieb seien nur leicht
eingeschränkt gewesen. Insgesamt entstehe aus dem Bericht von med. pract. E._
der Eindruck, dass die stark vorgetragenen Beschwerden für die Diagnosestellung
ausschlaggebend gewesen seien. Aus gutachterlicher Sicht würden jedoch die
Vorgeschichte und die Abwägung der sozial auslösenden Faktoren im Hinblick und in
Gegenüberstellung auf eine eigenständige psychiatrische Erkrankung mit einbezogen.
Die von med. pract. E._ angeführte jahrlange Einnahme eines Antidepressivums
weise nicht automatisch auf das Vorliegen einer eigenständigen affektiven Erkrankung
hin. Antidepressiva könnten auch zur Stimmungsaufhellung bei durch verschiedene
Ursachen ausgelösten negativen Stimmungen unspezifischer Art, bei einer Insomnie
oder bei Schmerzzuständen eingesetzt werden. Dr. med. I._, FMH Orthopädische
Chirurgie, erklärte im orthopädischen Teilgutachten, dass die Wirbelsäule bei der
Untersuchung in sämtlichen Abschnitten unter Gegenspannung eine deutlich
eingeschränkte Beweglichkeit gezeigt habe. Im Verlauf der Untersuchung hätten sich
jedoch deutliche Inkonsistenzen gezeigt. Neurologisch hätten Hinweise für eine
sensible C6-Symptomatik der adominanten linken Seite bestanden. Ansonsten hätten
keine Hinweise für eine spinale Kompressionsproblematik oder höhergradige Läsion
eines peripheren Nervs vorgelegen. Radiologisch bestünden Diskopathien der unteren
HWS ohne fassbare radikuläre Beeinträchtigung oder nennenswerte Degeneration. An
den distalen Achillessehnen lägen, ebenso wie im kalkanearen Ansatz, Veränderungen
vor. Auf der linken Seite habe eine massive Rückbildung der Befunde dokumentiert
werden können. Zusammenfassend liessen sich die vom Versicherten beklagten
Beschwerden aus orthopädischer Sicht durch die klinischen, radiologischen und
elektrophysiologischen Befunde keinesfalls begründen. Es bestünden deutliche
Inkonsistenzen als klare Hinweise für eine erhebliche nicht-organische
Beschwerdekomponente. Für die als angestammt anzusehende Tätigkeit als Tankwart
und für andere überwiegend im Stehen und Gehen zu verrichtende Tätigkeiten sowie
für körperlich mittelschwere und schwere Tätigkeiten bestehe aus orthopädischer Sicht
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Für körperlich leichte, immer wieder auch sitzende
Tätigkeiten unter Wechselbelastung bestehe aus orthopädischer Sicht jedoch eine
zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Dabei sollten das
wiederholte Überwinden von Treppen, das Gehen auf unebenem Grund sowie das
häufige Tragen von Lasten über 10 kg vermieden werden. Aus polydisziplinärer Sicht
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kamen die Gutachter zum Schluss, dass der Versicherte spätestens seit dem 18.
August 2009 (Eingriff an der linken Ferse) lediglich noch in einer körperlich leichten,
angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Berufliche
Eingliederungsmassnahmen könnten aufgrund der subjektiven Krankheitsüberzeugung
nicht empfohlen werden.
A.g RAD-Arzt Dr. F._ erklärte am 24. Juni 2013 (IV-act. 388), dass das ABI-Gutachten
umfassend und die Arbeitsfähigkeitsschätzung nachvollziehbar sei, weshalb
vollumfänglich auf dieses abgestellt werden könne.
A.h Mit Vorbescheid vom 22. Juli 2013 (IV-act. 394) kündigte die IV-Stelle dem Ver
sicherten bei einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs an. Zur
Begründung führte sie an, dass keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
eingetreten sei.
A.i Am 19. August 2013 reichte der Rechtsvertreter einen neuen Bericht von med.
pract. E._ vom 14. August 2013 ein (IV-act. 395). Dieser hatte berichtet, dass der
Versicherte seines Erachtens weiterhin in allen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig sei.
Die ABI-Gutachterin habe den psychiatrischen Gesundheitszustand völlig anders
angesehen als er. Zwar sei das Gutachten ausführlich, formal korrekt und auch gut
lesbar. Allerdings habe der Versicherte ihm gesagt, dass die psychiatrische
Untersuchung nur ca. 25 Minuten gedauert habe. In einer solch kurzen Zeit dürfte es
kaum möglich sein, den Verlauf der Erkrankungen und die Symptome zu erfragen und
den Psychostatus zu erstellen. Zwar habe die Gutachterin den Psychostatus
ausführlich beschrieben; dieser sei für ihn jedoch nicht nachvollziehbar. Er habe den
Versicherten vollkommen anders erlebt. Er kenne ihn nun seit vielen Monaten, und der
Psychostatus sei in dieser Zeit immer etwa gleich geblieben. Ihn wundere auch, dass
die Gutachterin keine Einschränkung der Konzentration und der Aufmerksamkeit
festgestellt habe. Er selber erlebe es häufig, dass die Konzentration und die
Aufmerksamkeit im Laufe des Gesprächs abnähmen. Weiter erlebe er den Versicherten
jeweils stark in seinem Antrieb eingeschränkt. Der Versicherte sei eigentlich fast immer
innerlich blockiert und auch aus den Angaben zur Tagesstruktur gehe hervor, dass er
wegen seines eingeschränkten Antriebs nur wenig machen könne. Der affektive
Rapport sei eigentlich fast gar nicht vorhanden und der Versicherte könne kaum
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lächeln oder sogar lachen und komme fast nicht aus sich heraus. Die sozialen
Probleme seien vor allem eine Folge der schweren depressiven Episode: Wegen der
Erkrankung könne der Versicherte im Alltag fast nichts machen und sei fast den ganzen
Tag zuhause, könne kein Geld verdienen und habe finanzielle Probleme. Dies sei
wiederum der Auslöser der Eheprobleme. Er könne deshalb weiterhin die Diagnose
einer schwerwiegenden depressiven Episode stellen.
A.j Der Versicherte liess am 30. August 2013 einen Einwand gegen den Vorbescheid
erheben (IV-act. 396). Zur Begründung verwies er auf den Bericht von med. pract.
E._ vom 14. August 2013. RAD-Arzt Dr. F._ hielt in einer Notiz vom 12. September
2013 fest (IV-act. 397), dass dem Bericht von med. pract. E._ keine nachvollziehbar
saubere psychopathologische Befunderhebung zu entnehmen sei. Dessen
Vermutungen stützten sich allein auf die Aussagen des Versicherten, seien sehr
einseitig und parteilich. Dies sei aus der Sicht des Behandlers verständlich, aber für die
Sachaufklärung nach versicherungsmedizinisch relevanten Kriterien wenig hilfreich. Die
Ausführungen von med. pract. E._ seien lediglich eine andere
Sachverhaltswürdigung, enthielten aber keine neuen medizinischen Tatsachen. Es
werde daher an der bisherigen Beurteilung, dass der Versicherte voll arbeitsfähig sei,
festgehalten.
A.k Mit Verfügung vom 27. September 2013 wies die IV-Stelle das Rentengesuch im
Sinne des Vorbescheids ab (IV-act. 399).
A.l Am 11. Oktober 2013 reichte der Rechtsvertreter des Versicherten einen Bericht von
med. pract. E._ vom 9. Oktober 2013 ein und bat um eine Wiedererwägung der
Verfügung vom 27. September 2013 (IV-act. 402). Med. pract. E._ hatte in seinem
Bericht erklärt, dass es Dr. F._ eigentlich gar nicht möglich sei, zu seinen Berichten
und zum ABI-Gutachten Stellung zu nehmen, da er den Versicherten nicht gesehen
habe und deshalb auch nicht beurteilen könne, welcher psychopathologische Befund
richtig sei. Dr. F._ sei zudem ohne Kommentar und ohne Begründung davon
ausgegangen, dass der Befund der Gutachterin richtig sei. Er verstehe nicht, weshalb
Dr. F._ seine Befunde, die von ihm gestellte Diagnose und den beschriebenen
Krankheitsverlauf nicht nachvollziehen könne. Seines Erachtens sei der Versicherte
weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig.
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A.m Am 21. Oktober 2013 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter mit (IV-act. 404),
dass sie nicht auf das Wiedererwägungsgesuch eintrete.
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 27. September 2013 liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 29. Oktober 2013 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer
ganzen Invalidenrente ab wann rechtens; eventualiter sei die Sache zur Vornahme
weiterer Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen. Ausserdem stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für
das Beschwerdeverfahren. Zur Begründung machte der Rechtsvertreter geltend, dass
das psychiatrische Teilgutachten der ABI GmbH nicht überzeuge. So habe die
psychiatrische Untersuchung gerade einmal 25 Minuten gedauert, was viel zu kurz sei.
Des Weiteren verwies der Rechtsvertreter auf die Berichte von med. pract. E._ vom
14. August 2013 und vom 9. Oktober 2013. Mit med. pract. E._ sei von einer 100
%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit auszugehen. Der Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit sei auf Juni 2010 festzulegen. Der Beschwerdeführer habe folglich
ab Juni 2011 Anspruch auf eine ganze Rente. Am 30. Oktober 2013 ging beim Gericht
ein Bericht von med. pract. E._ vom 28. Oktober 2013 ein (act. G 2). Er hatte darin
angegeben, dass er die Beschwerde gegen die Rentenverfügung unterstütze. Der
Beschwerdeführer leide weiterhin an einer schwergradigen depressiven Episode.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 6. Januar 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 9). Zur Begründung führte sie an, dass das ABI-Gutachten
ausführlich sei und dessen Schlussfolgerungen zusammen mit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung begründet erschienen. Die Behauptung des
Beschwerdeführers, die psychiatrische Exploration habe lediglich 25 Minuten gedauert,
werde bestritten. Aufgrund der ausführlichen Angaben über die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten Einschränkungen, der Anamnese und der Befunde sei davon
auszugehen, dass die Exploration länger als 25 Minuten gedauert habe. Im Übrigen sei
nicht die Dauer der Untersuchung massgebend, sondern es komme vielmehr darauf
an, ob ein Gutachten inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig sei. Nichts weise
darauf hin, dass der Beschwerdeführer durch die ABI GmbH nicht ausführlich und
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kompetent psychiatrisch untersucht worden sei. Demgegenüber könne auf die
Beurteilung von med. pract. E._ nicht abgestellt werden. Einerseits trete er als
engagierter Vertreter des Beschwerdeführers auf, was sich nicht mit der von der
Rechtsprechung geforderten Unabhängigkeit und Unparteilichkeit eines Gutachters
vertrage. Andererseits sei der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass
behandelnde Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Stellung zugunsten ihrer
Patienten aussagten. Gemäss dem Bundesgericht sei es nicht Sache der
behandelnden Ärzte, im Streitfall verbindlich zur Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen.
Eine medizinische Administrativexperte könne durch eine andere Ansicht eines
behandelnden Arztes lediglich in Frage gestellt werden, wenn dieser objektiv
feststellbare Gesichtspunkte vorbringe, die im Rahmen einer Begutachtung unerkannt
geblieben und geeignet seien, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen. Die
Berichte von med. pract. E._ enthielten keine solchen Gesichtspunkte. Med. pract.
E._ habe seine Arbeitsfähigkeitsschätzung schwergewichtig auf die Schilderungen
des Beschwerdeführers abgestützt. Die Arbeitsfähigkeit sei jedoch aufgrund von
objektiven Faktoren, namentlich gestützt auf sorgfältig erhobene Befunde, zu
bestimmen.
B.c Mit Replik vom 28. Januar 2014 (act. G 13) hielt der Rechtsvertreter an seinen in
der Beschwerde gemachten Ausführungen fest.
B.d Am 7. März 2014 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren (act. G 17).
B.e Am 28. August 2014 reichte der Rechtsvertreter einen weiteren Bericht von med.
pract. E._ vom 13. August 2014 ein (act. G 19). Dieser hatte darin angegeben, dass
er neue medizinische Informationen zur möglichen Ursache der lang andauernden,
schwergradigen depressiven Episode habe. Der Beschwerdeführer habe ihm mitgeteilt,
dass er die depressiven Symptome nach der Operation wegen des Schlafapnoe-
Syndroms entwickelt habe. Seit dieser Operation habe er Angst zu ersticken. Allerdings
könne die Diagnose einer organischen Depression nicht gestellt werden, da das
Schädel-MRI vom 17. Juli 2013 normal gewesen sei. Eine mögliche organische
Ursache der Erkrankung könnte erklären, warum diese so lange dauere, so schwer
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ausgeprägt und so schwer zu behandeln sei. Die Arbeitsfähigkeit betrage weiterhin für
jegliche Tätigkeit 0 %.

Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer hat im März 2011 gegenüber der Beschwerdegegnerin eine
gesundheitliche Verschlechterung geltend gemacht. Dannzumal ist noch eine
Beschwerde gegen die Abweisung des Rentengesuchs im Rahmen der zweiten
Wiederanmeldung beim kantonalen Versicherungsgericht hängig gewesen. Zu diesem
Zeitpunkt ist daher noch nicht klar gewesen, ob es sich beim Schreiben vom 30. März
2011 um eine Wiederanmeldung oder, im Falle einer Rentenzusprache im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens, um ein Revisionsgesuch gehandelt hat. Nachdem die
Beschwerde gegen die Rentenabweisungsverfügung vom kantonalen
Versicherungsgericht abgewiesen worden war, hat die Beschwerdegegnerin die
geltend gemachte Verschlechterung richtigerweise als Wiederanmeldung behandelt.
Aufgrund eines vom Rechtsvertreter eingereichten Berichts von med. pract. E._ vom
17. Oktober 2012 hat die Beschwerdegegnerin eine erhebliche gesundheitliche
Verschlechterung als glaubhaft betrachtet und ist auf die Wiederanmeldung eingetreten
(siehe Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV, SR 831.201).
Die Beschwerdegegnerin ist zu Recht auf die Wiederanmeldung eingetreten, da der
behandelnde Psychiater med. pract. E._ neu eine schwere psychische Erkrankung in
Form einer schwergradigen depressiven Episode diagnostiziert und dem
Beschwerdeführer eine hohe Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hatte. Die SMAB-
Gutachter, auf dessen Gutachten die Beschwerdegegnerin in ihrer
Rentenabweisungsverfügung vom 10. Mai 2010 abgestellt hatte, hatten nämlich noch
keine psychiatrischen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt. Mit
der angefochtenen Verfügung vom 27. September 2013 hat die Beschwerdegegnerin
dann allerdings eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes verneint und das
Rentengesuch abgewiesen. Das Versicherungsgericht hat in seinem rechtskräftigen
Entscheid vom 27. März 2012 den Gesundheitszustand bis zum Erlass der damals
angefochtenen Verfügung, d.h. bis zum 10. Mai 2010, berücksichtigt. Zu prüfen ist
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somit, ob seit dem 11. Mai 2010 eine wesentliche Verschlechterung der
Erwerbsfähigkeit eingetreten ist, die einen Rentenanspruch auslösen würde.
2.
2.1 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
3.
3.1 Die Höhe des Invalideneinkommens hängt u.a. von der Arbeitsfähigkeit der
versicherten Person ab. Zunächst ist daher zu prüfen, in welchem Ausmass der
Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen in seiner Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt ist.
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3.2 Die Arbeitsfähigkeit in somatischer Hinsicht ist grundsätzlich nicht umstritten. Da
der Sozialversicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht ist, ist
dennoch zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin diese richtig ermittelt hat. Als
somatische Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden im SMAB-
Gutachten vom 15. Oktober 2008, auf welchem der Rentenentscheid vom 10. Mai 2010
basiert, ein cervico-vertebrales und cervico-spondylogenes Syndrom (cervikale
Diskushernie C5/6) sowie ein Schlafapnoe-Syndrom genannt. Die angestammte Arbeit
als Bauarbeiter wurde als unzumutbar betrachtet. In einer wechselbelastenden,
leichten bis mittelschweren Tätigkeit wurde dem Beschwerdeführer hingegen eine volle
Arbeitsfähigkeit attestiert. Im Rahmen einer Rückfrage erklärte die SMAB AG am 2.
Dezember 2009, dass die Beschwerden an der Achillessehne therapierbar seien und
keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit zur Folge hätten. Die ABI-Sachverständigen
haben in ihrem Gutachten vom 17. Juni 2013 als somatische Diagnosen mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit einen chronischen Fersenschmerz unter linksseitiger Betonung,
eine chronische Zervikobrachialgie der adominanten linken Seite (radiologisch
Diskushernien HWK4/5/6 ohne Hinweis auf Nervenwurzelkompression) sowie ein
chronisch rezidivierendes lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne fassbare radikuläre
Symptomatik angegeben. Dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom haben sie keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mehr beigemessen. Diese Schlussfolgerung ist
nachvollziehbar, da der Beschwerdeführer einerseits angegeben hatte, dass sich die
diesbezüglichen Beschwerden seit einer Gaumenoperation (September 2008, siehe
z.B. IV-act. 254-14) gebessert hätten. Andererseits wurde das Schlafapnoe-Syndrom
auch im Zeitpunkt der ABI-Begutachtung weiterhin nicht therapiert, weshalb davon
auszugehen ist, dass dieses keinen grossen Leidensdruck bewirkt. Der orthopädische
Sachverständige Dr. I._ hat, soweit ersichtlich, bezüglich der
Wirbelsäulenproblematik keine wesentliche Veränderung ausmachen können.
Demgegenüber hat er an den distalen Achillessehnen und im kalkanearen Ansatz
Veränderungen festgestellt, wobei sich diese an der linken Seite zwischenzeitlich
massiv zurückgebildet hätten. Dr. I._ ist zum Schluss gekommen, dass der
Beschwerdeführer aus somatischer Sicht nur noch in körperlich leichten, immer wieder
auch sitzenden Tätigkeiten unter Wechselbelastung uneingeschränkt arbeitsfähig sei.
Das wiederholte Überwinden von Treppen, Gehen auf unebenem Grund sowie häufiges
Tragen von Lasten über 10 kg sollte vermieden werden. Dr. I._ hat die qualitativen
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Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit also erhöht. Deshalb hat er auch die
Tätigkeit als Tankwart als nicht mehr zumutbar erachtet, da diese überwiegend
stehende und gehende Arbeiten beinhaltet. Die Einschätzung von Dr. I._ überzeugt,
weshalb auf sie abzustellen ist. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der
physische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers insoweit verschlechtert hat, als
sich die Fersenschmerzen chronifiziert haben. Dadurch ist der Beschwerdeführer in
qualitativer Hinsicht zusätzlich in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, sodass ihm
auch die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Tankwart nicht mehr zumutbar ist. In
quantitativer Hinsicht ist der Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit jedoch
weiterhin zu 100 % arbeitsfähig.
3.3 In psychiatrischer Hinsicht liegen zwei sich diametral widersprechende
Arbeitsfähigkeitsschätzungen im Recht, nämlich diejenige der ABI-Sachverständigen
Dr. H._ und jene des behandelnden Psychiaters med. pract. E._. Während Dr.
H._ am 22./23. April 2013 die Arbeitsfähigkeit aufgrund einer protrahierten leichten
depressiven Episode in psychischer Hinsicht auf 100 % geschätzt hat, hat med. pract.
E._ bereits ab Behandlungsbeginn am 4. Oktober 2012 eine schwergradige
depressive Episode diagnostiziert. Med. pract. E._ hat die Restarbeitsfähigkeit als
Tankwart zunächst auf 20-30 % geschätzt. Im August 2013 hat er dann angegeben,
dass die Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit „weiterhin“ 100 % betrage.
Nachfolgend ist somit die Beweiskraft der unterschiedlichen medizinischen
Einschätzungen zu überprüfen resp. zu beurteilen, welche Einschätzung mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als richtig zu qualifizieren ist. Die
unterschiedlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen sind auf die unterschiedlichen
Diagnosestellungen bzw. die unterschiedliche Einschätzung der Schwere der
Depression zurückzuführen: Med. pract. E._ hat eingeräumt, dass die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H._ aufgrund der von ihr gestellten Diagnose
nachvollziehbar sei. Da sich der psychische Gesundheitszustand gemäss med. pract.
E._ seit Behandlungsbeginn grundsätzlich weder verbessert noch verschlechtert hat,
ist davon auszugehen, dass die unterschiedlichen Beurteilungen nicht auf eine
gesundheitliche Veränderung zurückgeführt werden können. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat geltend gemacht, dass die psychiatrische Begutachtung mit
einer Dauer von 25 Minuten zu kurz ausgefallen sei. Das psychiatrische Teilgutachten
enthält eine Anamnese, den psychiatrischen Befund und eine abschliessende
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psychiatrische Beurteilung. Aus der Sicht eines medizinischen Laien erscheint es
umfassend, sorgfältig und in sich widerspruchsfrei. Sowohl der Rechtsvertreter als
auch med. pract. E._ haben denn auch nicht aufzeigen können, dass das Gutachten
an qualitativen Mängeln leidet. Daher muss mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Exploration deutlich länger
gedauert hat als 25 Minuten, denn diese Zeit benötigt die Gutachterperson wohl allein
schon für die Anamneseerhebung. Im ABI-Gutachten wird denn auch festgehalten,
dass die Untersuchung 40 Minuten gedauert habe (siehe IV-act. 387 S. 17). Die
Argumentation des Rechtsvertreters, wonach das psychiatrische Teilgutachten nicht
beweiskräftig sei, weil die Begutachtung nur 25 Minuten gedauert habe, ist daher nicht
stichhaltig. Weiter geht med. pract. E._ davon aus, dass der Beschwerdeführer
spätestens seit dem Jahr 2005 mindestens an einer mittelgradigen depressiven
Episode leide (Bericht vom 17. Oktober 2012). Der SMAB-Sachverständige Dr. J._
hatte jedoch bei der Begutachtung im September 2008 noch keine Depression
festgestellt. Somit ist med. pract. E._ nicht nur gegenüber der ABI-Sachverständigen,
sondern auch gegenüber dem SMAB-Sachverständigen bei gleicher medizinischer
Sachlage von einem erheblich schlechteren psychischen Gesundheitszustand
ausgegangen. Hinzu kommt, dass RAD-Arzt Dr. F._ bereits am 19. November 2012
und damit vor der ABI-Begutachtung erklärt hat, dass die von med. pract. E._
angegebenen Befunde nicht ausreichten, um eine schwere Depression zu
diagnostizieren. Die Diskrepanz zwischen der Beurteilung von med. pract. E._ und
den Gutachtern bzw. dem RAD-Arzt beruht wohl auf verschiedenen Gründen: Erstens
verfügen Gutachter über mehr Erfahrung hinsichtlich der versicherungsmedizinisch
relevanten Arbeitsfähigkeitsschätzung als die behandelnden Ärzte. Zweitens verfügen
in der Regel nur die Gutachter über die gesamten Vorakten, weshalb ihre Beurteilungen
des Gesundheitszustandes umfassender ausfallen als jene der behandelnden Ärzte.
Auf diese beiden Aspekte hat Dr. H._ denn auch explizit hingewiesen. So hat sie
erklärt, sie habe den Eindruck, dass die stark vorgetragenen Beschwerden für die
Diagnosestellung von med. pract. E._ ausschlaggebend gewesen seien. Aus
gutachterlicher Sicht würden jedoch die Vorgeschichte und eine Abwägung der sozial
auslösenden Faktoren im Hinblick auf und in Gegenüberstellung auf eine eigenständige
psychiatrische Erkrankung mit einbezogen (siehe Ziff. 4.1.8 des Gutachtens).
Schliesslich ist es drittens eine Erfahrungstatsache, dass die behandelnden Ärzte −
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wohl aufgrund ihres Behandlungsauftrags und damit verbunden ihrer therapeutischen
Sichtweise − mitunter im Zweifelsfall eher zu hohe Arbeitsunfähigkeiten attestieren
bzw. die Schwere der Diagnose zu hoch einschätzen und daraus eine allenfalls zu hohe
Arbeitsunfähigkeit ableiten (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5). Unter Berücksichtigung der
aufgezählten Aspekte vermag die Einschätzung von med. pract. E._ keine
ernsthaften Zweifel an der Einschätzung der psychiatrischen Sachverständigen Dr.
H._ zu wecken. Daran vermag auch der aktuellste Bericht von med. pract. E._ vom
13. August 2014 nichts zu ändern. Der Beschwerdeführer hätte die geltend gemachten
Erstickungsängste gegenüber den ABI-Sachverständigen erwähnt, wenn sie ihn im
Alltag wesentlich beeinträchtigen würden. Zudem hat med. pract. E._ selber erklärt,
die Diagnose einer organischen Depression nicht stellen zu können, weil das Schädel-
MRI normal gewesen sei. Hätten weitere Untersuchungen die Diagnose einer
organischen Depression doch noch bestätigen können, ist davon auszugehen, dass
med. pract. E._ dies in seinem Bericht erwähnt und die weiteren Abklärungen in die
Wege geleitet hätte. Somit ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aus psychischen
Gründen in seiner Arbeitsfähigkeit weiterhin nicht eingeschränkt ist. Demnach besteht
in einer körperlich adaptierten Tätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine 100
%ige Arbeitsfähigkeit.
4.
4.1 Somit bleibt noch der Einkommensvergleich zu überprüfen. Die
Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass die Validenkarriere der Tätigkeit als
Tankwart entspricht. Dies ist jedoch nicht richtig, da der Beschwerdeführer seine
Tätigkeit als Bauarbeiter bereits vor Jahren aus gesundheitlichen Gründen hat
aufgeben müssen. Es muss unterstellt werden, dass er heute weiterhin als Bauarbeiter
tätig wäre, wenn keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen eingetreten wären. Der
Beschwerdeführer hat zuletzt im Jahr 1995 als Bauarbeiter gearbeitet. Es erscheint
daher sachgerecht, für die Bemessung das Valideneinkommens nicht auf das zuletzt
erzielte Einkommen als Bauarbeiter, sondern auf Tabellenlöhne abzustellen. Das
durchschnittliche Einkommen eines Bauarbeiters hat im Jahr 2011 (Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns), angepasst an die betriebsübliche wöchentliche
Arbeitszeit von 41.7 Stunden, Fr. 67‘118.-- betragen (Lohnstrukturerhebung des
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Bundesamtes für Statistik [LSE] 2010, T1, Baugewerbe, Anforderungsniveau 4;
angepasst an die Nominallohnentwicklung von 1 %; siehe Lohnentwicklung 2011, T.
1.10, Baugewerbe/Bau; Berechnung: ([12 x Fr. 5‘312.--] / 40 x 41.7) x 1.01). Das
Valideneinkommen beläuft sich somit auf Fr. 67‘118.--. Als Invalidenkarriere kommt nur
eine Hilfsarbeitertätigkeit in Betracht. Zwar hat der Beschwerdeführer angegeben,
zwischen 1991 und 1995 ein Fernstudium in Biologie an der Universität Tirana
abgeschlossen zu haben (IV-act. 386-12). Allerdings hat er nie auf diesem Beruf
gearbeitet. Zudem kann einem Abklärungsbericht der BEFAS vom 29. April 1997
entnommen werden, dass der Beschwerdeführer mit seinen verfügbaren Fertigkeiten
und Fähigkeiten nur äusserst knapp einer Anlehre genügen würde. In schulischen
Aufgaben, Tests und beim Lesen beruflicher Unterlagen habe er immer wieder seine
eigenen Lern- und Wissensgrenzen erfahren, sodass ihm eigentlich nur ein Feld von
einfachen praktischen Arbeiten offen geblieben sei (IV-act. 28-2 f.). Aufgrund dieser
Erkenntnisse muss davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer das im
Biologiestudium erworbene Wissen auf dem Arbeitsmarkt nicht verwerten könnte. Auch
eine qualifizierte Berufsausbildung kommt nicht in Frage. Das durchschnittlich erzielte
Einkommen eines Hilfsarbeiters hat im Jahr 2011, angepasst an die betriebsübliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, Fr. 61‘910.-- betragen (siehe Anhang 2 der
IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2015). Aufgrund der erheblichen
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in qualitativer Hinsicht erscheint ein
Tabellenlohnabzug von 10 % gerechtfertigt. Das Invalideneinkommen beträgt folglich
Fr. 55‘719.-- und der IV-Grad 17 %. Der Beschwerdeführer hat daher keinen Anspruch
auf eine IV-Rente.
4.2 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die
Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 600.-- ist dem unterliegenden Beschwerdeführer
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aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu
befreien.
5.2 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat auf das Einreichen einer
Kostennote verzichtet. Der Rechtsvertreter hat den Beschwerdeführer bereits im
Verfahren betreffend die erste Wiederanmeldung vertreten. Der Grossteil des
umfangreichen Aktendossiers ist ihm daher schon aus diesem Verfahren bekannt
gewesen. Zudem hat sich der Streitgegenstand auf die Würdigung des psychiatrischen
Teilgutachtens der ABI GmbH und der Berichte von med. pract. E._ beschränkt. Der
Aufwand des Rechtsvertreters ist somit klar unterdurchschnittlich gewesen. Eine
Entschädigung von Fr. 2‘500.-- erscheint in diesem Fall als angemessen. Diese ist um
einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit entschädigt der Staat den
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2‘000.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
5.3 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Parteientschädigung
verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1]).