Decision ID: 0ef837bf-cd6d-5e57-a9fa-c0731d3c7709
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Eheleute R. und B. K. sind mit den gemeinsamen Kindern A. (geb. 2003) und L.
(geb. 2005) in Goldach wohnhaft. Der Ehemann ist als Maschinist bei der X. AG in St.
Gallen tätig, die Ehefrau arbeitet als Raumpflegerin bei der Y. AG in St. Gallen. R.K. ist
Vater von vier weiteren Kindern, die aus einer am 2. April 2001 geschiedenen Ehe
stammen und in Serbien leben. R. und B. K. deklarierten für die Staats- und
Gemeindesteuern 2007 ein steuerbares Einkommen von Fr. 39'268.--. Die
Veranlagungsbehörde nahm verschiedene Korrekturen vor; namentlich liess sie die für
drei der vier in Serbien lebenden Kinder geltend gemachten Kinderabzüge nicht zum
Abzug zu. Die gegen diese Veranlagung erhobenen Einsprachen vom 4. August 2008
wies das kantonale Steueramt mit Entscheiden vom 23. Juli 2009 ab und legte das
steuerbare Einkommen für die direkte Bundessteuer 2007 auf Fr. 50'400.-- fest. Für die
Staats- und Gemeindesteuern 2007 wurde das steuerbare Einkommen auf Fr. 59'600.--
und das steuerbare Vermögen auf Fr. 0.-- festgelegt.
B./ Gegen die Einspracheentscheide des kantonalen Steueramts erhoben R. und B.K.
mit Eingabe vom 30. Juli 2009 Rekurs und Beschwerde mit dem Antrag, die geltend
gemachten Abzüge für die drei in Serbien lebenden Kinder seien zu gewähren.
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Die Verwaltungsrekurskommission hiess den Rekurs und die Beschwerde mit
separaten Entscheiden vom 29. Juni 2010 teilweise gut, hob die Einspracheentscheide
des kantonalen Steueramts vom 23. Juli 2009 auf und veranlagte die Eheleute R. und
B.K. mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 38'200.- für die direkte Bundessteuer
2007 und von Fr. 46'000.-- für die Staats- und Gemeindesteuern 2007. Sie erwog im
wesentlichen, R.K. habe mit dem Urteil des Amtsgerichts Krusevac (Republik Serbien)
vom 24. Juli 2002, mit welchem ihm die elterliche Sorge für die vier Kinder übertragen
worden sei, in rechtsgenüglicher Weise nachgewiesen, dass er für den Unterhalt der
Kinder aufzukommen habe. Die Mutter der Kinder sei nicht zu Unterhaltszahlungen
verpflichtet worden und es könne den Akten nicht entnommen werden, dass die
staatliche Fürsorge für die Kinder sorge. Es sei daher nicht ersichtlich, wer ausser R.K.
für die in Serbien lebenden Kinder aufgekommen sein solle, weshalb auch ohne
strikten Zahlungsnachweis kein Zweifel bestehe, dass der Steuerpflichtige im Jahre
2007 für die drei Kinder finanziell gesorgt habe. Zudem seien seine Erklärungen
bezüglich der Leistung der Unterhaltszahlungen über Buschauffeure und Bekannte
glaubhaft, da sie der für den Balkanraum bekannten Usanz entsprächen. Für die beiden
im Jahre 2007 noch minderjährigen Kinder Marija und Milos seien folglich die
Kinderabzüge von Fr. 6'100.-- bzw. Fr. 6'800.-- zu gewähren. Es sei R.K. allerdings
zuzumuten, für die folgenden Steuerjahre Bestätigungen derjenigen Personen, denen
er das Geld zur Überbringung nach Serbien anvertraut habe, über die Höhe der
Barmittel beizubringen. In bezug auf die im Jahre 2007 bereits volljährige Tochter
Marina hielt die Verwaltungsrekurskommission fest, dass die eingereichte Bestätigung
lediglich zeige, dass diese im Schuljahr 2006/2007 in der 4. Klasse der Ausbildung zur
Konfektionstechnikerin gewesen sei, jedoch keinen Beweis dafür liefere, dass sich die
volljährige Tochter Ende 2007 immer noch in Ausbildung befunden habe, weshalb der
Kinderabzug für Marina nicht gewährt werden könne.
C./ Mit separaten Eingaben vom 5. und 30. August 2010 erhob das kantonale
Steueramt Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die Entscheide der
Verwaltungsrekurskommission vom 29. Juni 2010 seien aufzuheben und die
Einspracheentscheide vom 23. Juli 2009 seien zu bestätigen, unter Kostenfolgen. Zur
Begründung wird im wesentlichen vorgebracht, dass der Steuerpflichtige für die
Geltendmachung des Kinderabzugs zur Hauptsache für den Unterhalt des Kindes
aufkommen (Staats- und Gemeindesteuern) bzw. mindestens Kosten im Umfang des
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Kinderabzuges tragen müsse (direkte Bundessteuer). Da es sich dabei um
steuermindernde Tatsachen handle, trage nach der allgemeinen Regel der
Steuerpflichtige die Beweislast für deren Vorhandensein, wobei die Steuerbehörden im
internationalen Verhältnis besonders hohe Anforderungen an den Nachweis der geltend
gemachten Unterhalts- und Unterstützungsleistungen stellen dürften. R. und B.K.
hätten jedoch - obwohl sie im Einspracheentscheid zum Steuerjahr 2006 ausdrücklich
darauf hingewiesen worden seien, dass sie künftig nebst den
Ausbildungsbescheinigungen auch Zahlungsbelege für die Unterstützungsleistungen
einzureichen hätten - keine diesbezüglichen Nachweise erbracht. Es sei nicht Sache
des kantonalen Steueramtes, zu beweisen, wer für den Unterhalt der Kinder
aufgekommen sei; namentlich spiele es keine Rolle, ob die Mutter tatsächlich so krank
sei, dass sie keinen finanziellen Beitrag an die Kinder leisten könne, oder ob die Kinder
von der Fürsorge leben oder von Verwandten unterstützt würden. Ferner bringt das
kantonale Steueramt vor, dass die Auffassung der Vorinstanz, wonach die Erklärungen
der Steuerpflichtigen bezüglich der Leistung der Unterhaltszahlungen über
Buschauffeure und Bekannte auch ohne strikten Zahlungsnachweis glaubhaft seien, da
sie der für den Balkanraum bekannten Usanz entsprächen, dem Missbrauch bei
steuerlichen Abzügen Tür und Tor öffnen würde. In bezug auf das Urteil des
Amtsgerichts Krusevac vom 24. Juli 2002 hält das kantonale Steueramt fest, es sei
unverständlich, weshalb damit der Unterhalt der Kinder ohne weiteres nachgewiesen
sei, zumal R.K. seit 1996 Wohnsitz in der Schweiz habe und damit die Betreuung,
Pflege und Erziehung seiner in Serbien lebenden Kinder nicht wahrgenommen haben
könne. Sodann erschienen die weiteren ins Recht gelegten Bestätigungen insgesamt
als wenig aussagekräftig bzw. glaubwürdig.
Die Vorinstanz beantragte in ihren Vernehmlassungen vom 3. September 2010 unter
Verweis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der
Beschwerden.
R. und B.K. beantragten mit separaten Eingaben vom 9. September 2010 die
Abweisung der Beschwerden bzw. den Schutz der angefochtenen Entscheide.
Die Eidg. Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen.
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Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP; Art. 196
Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt StG; Art. 1 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 2
der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1;
Art. 145 des Gesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt DBG). Das
kantonale Steueramt ist zur Beschwerde legitimiert, und seine Eingaben vom 5. und
30. August 2010 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 StG und Art. 161 StG in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1
und Art. 48 Abs. 1 VRP; Art. 145 in Verbindung mit Art. 140 Abs. 1 und 2 DBG). Auf die
Beschwerden ist einzutreten.
Angefochten sind der Rekursentscheid betr. Staats- und Gemeindesteuern sowie der
Beschwerdeentscheid betr. direkte Bundessteuer. Nach der bisherigen Praxis waren in
solchen Fällen zwei separate Urteile zu fällen, die zwar in einem einzigen Akt ergehen
konnten, aber separate Begründungen und Dispositive für die kantonalen Steuern und
die direkte Bundessteuer aufweisen mussten (U. Cavelti, in: Zweifel/Athanas,
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2b, 2. Aufl., Basel 2008, N 10b
zu Art. 143 DBG mit Hinweis auf BGE 130 II 509 E. 8). Dieser Grundsatz wurde in der
neuesten Rechtsprechung relativiert, da die Befugnisse des Bundesgerichts auf dem
Gebiet der direkten Bundessteuer mit jenen übereinstimmen, die es in Bezug auf die in
Art. 73 Abs. 1 des Steuerharmonisierungsgesetzes (SR 642.14, abgekürzt StHG)
aufgeführten Bereiche der Kantons- und Gemeindesteuern hat. Es ist nunmehr
zulässig, dass ein einziger Entscheid ergeht und sogar im Dispositiv nicht mehr
zwischen kantonalen Steuern und der Bundessteuer unterschieden wird, solange sich
der Begründung klar entnehmen lässt, dass das Urteil sämtliche Steuern umfasst.
Gegen solche Entscheide kann künftig mit einer einzigen Eingabe Beschwerde beim
Bundesgericht erhoben werden (BGE 135 II 260, Kommentierung in ZBJV 2010, S. 475
f.).
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Die Voraussetzungen für die Geltendmachung von Kinderabzügen sind nach dem
kantonalen Recht und nach dem Recht der direkten Bundessteuer unterschiedlich.
Während das kantonale Recht für die Zulässigkeit der Kinderabzüge verlangt, dass der
Steuerpflichtige für den Unterhalt zur Hauptsache aufkommt und keinen Abzug nach
Art. 45 Abs. 1 lit. c StG beansprucht (Art. 48 Abs. 1 lit. a StG), genügt es nach dem
Recht der direkten Bundessteuer, wenn der Steuerpflichtige für den Unterhalt des
Kindes sorgt (Art. 213 Abs. 1 lit. a DBG), wobei es gemäss Praxis ausreicht, wenn der
Steuerpflichtige mindestens Kosten im Umfang des geltend gemachten Kinderabzuges
trägt (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl., Zürich
2009, Rz. 27 zu Art. 213 DBG; BGE 2A.536/2001 vom 29. Mai 2002, E.3.2.1.). Diese
unterschiedliche Behandlung würde es an sich rechtfertigen, zwei separate Entscheide
zu fällen. Vorliegend geht es indes um die Frage, ob die Leistung der
Unterhaltsbeiträge der Beschwerdegegner rechtsgenüglich nachgewiesen ist, was
nach kantonalem Recht und nach dem Recht der direkten Bundessteuern nach
denselben Kriterien zu beurteilen ist. Daher können die Beschwerden gegen die beiden
vorinstanzlichen Entscheide im selben Urteil behandelt werden.
2. Streitig ist in den Beschwerdeverfahren einzig die Zulässigkeit der geltend
gemachten Kinderabzüge, namentlich der rechtsgenügliche Nachweis der von den
Beschwerdegegnern für die in Serbien lebenden Kinder Marija und Milos
beanspruchten Unterhaltsbeiträge. Der von den Beschwerdegegnern im Einsprache-
und Rekursverfahren ebenfalls geltend gemachte Kinderabzug für die Tochter Marina
ist hingegen nicht mehr Streitgegenstand.
2.1. Gemäss Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 StG, in der für das vorliegend relevante Jahr
2007 geltenden Fassung, kann der Steuerpflichtige für jedes unter seiner elterlichen
Sorge oder Obhut stehende Kind, für dessen Unterhalt er zur Hauptsache aufkommt
und soweit er keinen Abzug nach Art. 45 Abs. 1 lit. c StG beansprucht, einen
Kinderabzug von Fr. 6'800.-- geltend machen. Nach dem Wortlaut des Gesetzes wird
somit vorausgesetzt, dass der Steuerpflichtige "zur Hauptsache" für den Unterhalt
aufkommt. Dies muss indes nicht notwendigerweise mehr als 50% sein. Wenn der
Pflichtige 40% des Unterhalts übernimmt und die restlichen 60% je zur Hälfte von
Alimentenzahlungen und von eigenem Erwerbseinkommen des Kindes bestritten
werden, liesse sich die Annahme rechtfertigen, der Pflichtige komme zur Hauptsache
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für den Unterhalt auf (VerwGE B 2007/14 vom 9. Mai 2007, E. 2.4., in:
www.gerichte.sg.ch; a.M. StB 48 Nr. 1, Ziff. 2.1). Gemäss der entsprechenden
Bestimmung im Bereich der direkten Bundessteuer können vom Einkommen für jedes
minderjährige oder in der beruflichen Ausbildung stehende Kind, für dessen Unterhalt
der Steuerpflichtige sorgt, Fr. 6'100.-- abgezogen werden (Art. 213 Abs. 1 lit. a DBG).
Anders als im kantonalen Recht verlangt Art. 213 Abs. 1 lit. a DBG nicht, dass der
Steuerpflichtige zur Hauptsache für den Unterhalt des Kindes aufkommt, jedoch muss
der Steuerpflichtige, um den Kinderabzug geltend machen zu können, für das Kind
tatsächlich sorgen (I.P. Baumgartner, in: Zweifel/Athanas, Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/2a, 2. Aufl. Basel 2008, Rz. 12 zu Art. 35 DBG). Wie
ausgeführt, verlangt die Praxis diesbezüglich, dass der Steuerpflichtige mindestens
Kosten im Umfang des Kinderabzugs trägt (vgl. oben E. 1.).
2.2. Nicht erforderlich ist, dass der den Kinderabzug beanspruchende Steuerpflichtige
das elterliche Sorgerecht im Sinne von Art. 296 ff. des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (SR 210) ausübt, da das Steuerrecht, soweit es von "sorgen" spricht,
nicht die elterliche Sorge im Rechtssinne meint, sondern das Sorgen für das leibliche
Wohl. Trotzdem ist die elterliche Sorge nicht völlig bedeutungslos. Aus
Praktikabilitätsgründen darf nämlich davon ausgegangen werden, dass der Inhaber des
elterlichen Sorgerechts, der mit den Kindern zusammenlebt, gleichzeitig auch die
Kosten des Kinderunterhalts trägt und ihm somit der Kinderabzug zusteht (Richner/
Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Rz. 29 f. zu Art. 213 DBG mit weiteren Hinweisen;
Baumgartner, a.a.O., Rz. 20 zu Art. 213 DBG).
R.K. wurde mit Urteil des Amtsgerichts Krusevac vom 24. Juli 2002 das elterliche
Sorgerecht für die vier Kinder übertragen. Nach dem Gesagten dürfte deshalb
grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass er auch die Kosten des
Kinderunterhalts trägt und ihm somit der Kinderabzug zusteht. Der vorliegende Fall
verhält sich jedoch insoweit besonders, als die vier Kinder in Serbien leben und
gemäss den Angaben der Beschwerdegegner beim Vater von R.K. untergebracht sind,
während die Mutter der Kinder zu keinerlei Unterhaltsleistungen verpflichtet worden ist.
Trotz der gerichtlichen Zuteilung der elterlichen Sorge kann somit entgegen der
Auffassung der Vorinstanz nicht unbesehen davon ausgegangen werden, dass damit in
rechtsgenüglicher Weise nachgewiesen ist, dass R.K. für den Unterhalt seiner Kinder
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aufkommt. Die Vorinstanz verkennt, dass sich ein unbesehenes Abstellen auf die
elterliche Sorge einzig dann rechtfertigt, wenn der Inhaber derselben auch tatsächlich
mit den Kindern zusammenlebt. Ist dies nicht der Fall, muss anhand der konkret
geleisteten (Geld-) Beiträge ermittelt werden, ob der betreffende Elternteil zur
Hauptsache für den Unterhalt der Kinder aufkommt bzw. tatsächlich für diese sorgt.
Die Vorinstanz erwog in diesem Zusammenhang, es bestehe auch ohne strikten
Zahlungsnachweis kein Zweifel daran, dass R.K. im Jahre 2007 für seine in Serbien
lebenden Kinder finanziell gesorgt habe, zumal nicht ersichtlich sei, wer ausser ihm
dies getan haben soll. Dieser Auffassung kann sich das Verwaltungsgericht nicht
anschliessen. Selbst wenn davon ausgegangen würde, dass die Beschwerdegegner
finanzielle Leistungen für die in Serbien lebenden Kinder erbracht haben, wäre diese
Tatsache für sich noch nicht ausreichend für die Geltendmachung der Kinderabzüge.
Diese erfordert nämlich nicht nur, dass der Steuerpflichtige seine Kinder finanziell
unterstützt bzw. Unterhaltsleistungen erbringt, sondern er muss dies – nach
kantonalem Recht – auch zur Hauptsache tun, bzw. – nach dem Recht der direkten
Bundessteuer – mindestens im Umfang des geltend gemachten Kinderabzugs. Alleine
aufgrund des Urteils vom 24. Juli 2002 über die Zuteilung der elterlichen Sorge und
angesichts dessen, dass aufgrund der Akten nicht ersichtlich ist, wer ausser R.K. für
die Kinder sorgen könnte, sind jedoch noch keine die Geltendmachung des
Kinderabzugs rechtfertigenden Unterhaltsleistungen hinreichend dargetan. Bei
Personen, die in der Schweiz ansässig sind und Kinder aus erster Ehe in Staaten des
ehemaligen Jugoslawien haben, wird häufig ein Gerichtsurteil über den Wechsel der
elterlichen Sorge erwirkt, um den Familiennachzug der Kinder in die Schweiz zu
ermöglichen. Im Streitfall steht hingegen fest, dass die Kinder in Serbien leben. Nach
Darstellung des Beschwerdegegners leben sie bei dessen Vater.
2.3. Weiter bringt das kantonale Steueramt zu Recht vor, dass es nicht Sache der
Veranlagungsbehörde ist, danach zu forschen, wer für den Unterhalt der Kinder
tatsächlich aufkommt. Ebensowenig muss die Veranlagungsbehörde mangels
anderweitiger Feststellungen bezüglich allfälliger Unterhaltsleistungen der
geschiedenen Ehefrau oder Dritter die geltend gemachten Kinderabzüge der
Beschwerdegegner ohne jeglichen Nachweis zum Abzug zulassen. Nachdem es sich
beim Unterhaltsbeitrag um eine steuermindernde Tatsache handelt, obliegt, ausgehend
vom Grundsatz, dass die Steuerbehörde die Beweislast für die steuerbegründenden
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Tatsachen trägt, während den Steuerpflichtigen die Beweislast für Tatsachen trifft,
welche die Steuerschuld aufheben oder mindern (Weidmann/Grossmann/Zigerlig,
Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl., Muri-Bern 1999, S. 379 f., mit
weiteren Hinweisen), der hinreichende Nachweis der geleisteten Unterhaltsbeiträge
dem Steuerpflichtigen. Zum Beweismass ist festzuhalten, dass im internationalen
Verhältnis an den Nachweis der von den Steuerpflichtigen geltend gemachten
Unterhaltszahlungen strenge Anforderungen gestellt werden können, da diese nicht
einfach nachzuprüfen sind. Leistungen für Kinder im Ausland sind in der Regel durch
Post- oder Bankbelege zu dokumentieren. Bei fehlenden Post- oder Bankbelegen ist es
dem Steuerpflichtigen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zumutbar,
zumindest eine schriftliche Bestätigung (Quittung) des Empfängers beizubringen und in
geeigneter Form (beispielsweise über behördliche Bestätigungen) nachzuweisen, dass
der Empfänger den Unterstützungsbetrag aus der Schweiz erhalten hat. Blosse
Zollbelege über die Einfuhr des Geldes ins Ausland genügen nicht (VerwGE B 2009/203
vom 11. Mai 2010, E. 2.5 mit weiteren Hinweisen, in: www.gerichte.sg.ch; BGE 2A.
609/2003 vom 27. Oktober 2004, E. 2.4; R. Blöchliger, Das Verhältnis vom Kinderabzug
zum Unterstützungsabzug, ST 2009, 154-168, S. 168).
Einen solchen Nachweis haben die Beschwerdegegner nicht beigebracht, obwohl sie
vom kantonalen Steueramt im Einspracheentscheid vom 16. August 2007 zur Staats-
und Gemeindesteuer 2006 ausdrücklich darauf hingewiesen worden waren, dass in
Zukunft die Kinderabzüge nur noch bei Vorlage von entsprechenden Zahlungsbelegen
zugelassen würden. Ungeachtet dieses Hinweises haben es die Beschwerdegegner
unterlassen, irgendeinen Nachweis bezüglich der geleisteten Zahlungen zu erbringen.
Soweit sie das Geld entsprechend der nach den Feststellungen der Vorinstanz für den
Balkanraum üblichen Usanz Bekannten und Buschauffeuren, welche nach Serbien
reisten, mitgegeben haben wollen und aus diesem Grund keine Post-, Bank- oder
anderen Transaktionsbelege vorweisen können, wären es ihnen immerhin zuzumuten
gewesen, die betreffenden Personen wenigstens namentlich zu nennen und allenfalls
eine Bestätigung derselben beizubringen, dass sie das Geld den in Serbien lebenden
Kindern von R.K. bzw. dessen Vater überbracht haben. Unverständlich ist, wie die
Vorinstanz trotz der bereits im Einspracheentscheid betreffend Staats- und
Gemeindesteuern 2006 erfolgten und mit Schreiben vom 14. August 2008 wiederholten
Aufforderung des kantonalen Steueramts zur Einreichung von entsprechenden Belegen
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den Rekurs gutheissen, gleichzeitig aber ebenfalls inskünftig die Beibringung von
Bestätigungen von Personen über die Höhe der ihnen für die Überbringung nach
Serbien übergebenen Barmittel für die folgenden Steuerjahre fordern konnte. Die
Beschwerdegegner waren sich spätestens mit der Eröffnung des erwähnten
Einspracheentscheids vom 16. August 2007 bewusst, dass ihnen die Abzüge nur noch
bei genügendem Nachweis der geleisteten Zahlungen gewährt werden können, und es
wäre ihnen daher möglich gewesen, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.
2.4. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen gelangt das Verwaltungsgericht zum
Schluss, dass keine hinreichenden Anhaltspunkte vorliegen, wonach der
Beschwerdegegner Leistungen für seine in Serbien lebenden Kinder erbracht hat.
Daher hat die Vorinstanz die entsprechenden Abzüge zu Unrecht gewährt. Folglich sind
die Beschwerden gutzuheissen. Der Rekursentscheid vom 29. Juni 2010 und der
Beschwerdeentscheid vom 29. Juni 2010 sind aufzuheben und die
Einspracheentscheide des Kantonalen Steueramts vom 23. Juli 2009 zu bestätigen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten der Beschwerdegegner (Art. 95 Abs. 1 VRP; Art. 145 in
Verbindung mit Art. 144 DBG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen
(Art. 145 in Verbindung mit Art. 144 Abs. 5 DBG; Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Die Beschwerdegegner haften solidarisch für den gesamten Betrag. Die
Gebühr ist bei R.K. zu erheben.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen. Die Beschwerdegegner sind
unterlegen (Art. 98bis VRP), und der Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf
Kostenersatz (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 176).
Die amtlichen Kosten des vorinstanzlichen Rekursentscheids von Fr. 900.-- und des
Beschwerdeentscheids von Fr. 750.-- sind ebenfalls vollumfänglich den
Beschwerdegegnern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP; Art. 144 DBG).
Demnach hat das Verwaltungsgericht