Decision ID: 928e6347-04b1-4aba-9f05-552e1fb8c833
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ (Jahrgang 1968), ursprünglich gelernter Landwirt, erlitt im Jahre
1996 infolge Unfalls eine Talusluxationsfraktur des linken Sprunggelenks,
welche mittels Osteosyntheseoperation versorgt wurde. Die zuständige
obligatorische Unfallversicherung (SUVA) erbrachte die gesetzlichen
Versicherungsleistungen. Gemäss kreisärztlicher Untersuchung vom
Januar 1997 wurde für die angestammte Tätigkeit als Chauffeur wieder
eine volle Arbeitsfähigkeit bei weitergeführter Physiotherapie erreicht. Im
Mai 1998 trat er in den Familienbetrieb ein, wo er die Ausbildung zum
Gipser absolvierte und weitere Diplome erwarb. Im Januar 2002 wurde am
medialen Malleolus eine Schraube samt Unterlagsscheibe entfernt. Bei
diagnostizierter posttraumatischer Arthrose im linken oberen
Sprunggelenk (OSG) mit massiver Exophytenbildung an der ventralen
Kante der Tibia wurde im Juni 2002 eine operative Gelenksrevision, eine
Abtragung der Exophyten sowie eine Synovektomie durchgeführt. Die
SUVA richtete wieder gesetzliche Leistungen aus. Im Mai 2006 sprach sie
A._ eine Integritätsentschädigung auf Basis einer Integritätseinbusse
von 20 % zu. Im Juli 2012 verneinte die SUVA gestützt auf eine
kreisärztliche Beurteilung ihre Leistungspflicht für zwischenzeitlich geltend
gemachte Rückenbeschwerden. Im März 2016 machte A._
gegenüber der SUVA eine Verschlechterung seines medizinischen
Zustandes geltend, wobei er zunehmend Mühe habe, eine
uneingeschränkte Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Im Mai 2016
fand eine weitere kreisärztliche Untersuchung statt und im Juli 2016
erfolgte bei diagnostizierter symptomatischer, posttraumatischer Arthrose
des OSG und unteren Sprunggelenkes (USG) eine Infiltration des OSG
links, was gemäss Bericht des behandelnden Orthopäden vom
8. September 2016 zu einer anhaltenden Beschwerdefreiheit führte.
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2. Im September 2017 meldete sich A._ erstmals bei der IV-Stelle des
Kantons Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Die
IV-Stelle tätigte im Nachgang dazu verschiedene Abklärungen in
erwerblicher und medizinischer Hinsicht.
3. Im Bericht vom 20. September 2017 hielt der behandelnde Hausarzt
Dr. med. B._ fest, dass seit Herbst 2016 bei A._ zunehmende
Schmerzen in der rechten Schulter bestünden und mehrmalige
Infiltrationen jeweils nur eine kurzzeitige Besserung gebracht hätten. Als
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden
Schulterschmerzen rechts bei Läsion der Supraspinatussehne, eine
symptomatische AC-Gelenksarthrose sowie eine leichte Tendinopathie
der Biceps longus-Sehne festgehalten. Dahingegen sei insbesondere eine
Chondropathie im rechten Knie ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit. Ab dem 13. März 2017 bestehe eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit. A._ könne nur Büroarbeiten erledigen und keine
Gewichte heben. Im Bericht vom 19. September 2017 hielt Dr. med.
C._ von der Klinik D._ unter Beilage von zwei
Sprechstundenberichten vom 26. Juli bzw. 6. September 2017 fest, dass
A._ infolge einer Schulterproblematik rechts und einer OSG-Arthrose
links in Behandlung sei. Für administrative Tätigkeiten bestehe eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit, für körperliche Arbeiten hingegen eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit. Am 24. Oktober 2017 erfolgte – nach
ausgeschöpften symptomatisch-konservativen Therapieoptionen – infolge
einer ausgedehnten gelenkseitigen Partialläsion der Supraspinatus- und
anterioren Infraspinatussehne (PASTA-Läsion, Eliman A2 bis 3) der
rechten Schulter mit/bei symptomatischer AC-Gelenksarthrose,
Tendinopathie der Biceps longus-Sehne bei lateraler Pulley-Läsion und
einer subacromialen Reizsymptomatik durch Dr. med. C._ eine
Schulterarthroskopie, eine Tenotomie/Tenodese der langen Bicepssehne,
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eine Rekonstruktion der Supraspinatus- und Infraspinatussehne sowie
eine subacromiale Dekompression und arthroskopische AC-
Gelenksresektion. Im Anschluss daran erfolgte vom 27. Oktober bis
10. November 2017 eine stationäre Rehabilitation im Kurhotel E._ in
F._. Weitere Berichte von Dr. med. C._ datieren vom
20. Dezember 2017, 24. Januar 2018, 25. April 2018 und 25. Oktober
2018, worin ein insgesamt sehr erfreulicher Heilungsverlauf betreffend die
Schulterproblematik beschrieben wurde.
4. Aufgrund von akut aufgetretenen Rückenschmerzen war A._ ab Juli
2018 vollständig arbeitsunfähig geschrieben worden. Am 28. September
2018 erfolgte durch Prof. Dr. med. G._ eine mikrotechnische
Dekompression L4/5 links nach kranial, eine mikrotechnische
Diskushernien-Entfernung L4/5 links und Diskotomie sowie eine
Neurolyse der L4- und L5-Wurzeln links; dies aufgrund einer
diagnostizierten Diskushernie retrocorporeal L4 links, von L4/5 nach
kranial und multiplen lumbalen Osteochondrosen. Berichte von Prof.
Dr. med. G._ datieren vom 3. Oktober 2018, 29. November 2018 und
26. August 2019. In Letzterem diagnostizierte Prof. Dr. med. G._
einen ausgeprägten Morbus Scheuermann der Lendenwirbelsäule, einen
Status nach mikrotechnischer Deko(mpensation) L4/5 links und
Diskushernienentfernung kranial im September 2018, eine
Osteochondrose und leichte Stenosierung L3/4, zusätzlich Lipomatose,
eine Protrusion L4/5 foraminal betont links sowie eine Protrusion L5/S1
foraminal links bei leichter Retrolisthesis. Er erachtete körperlich
belastende Tätigkeiten für A._ als höchstens sehr begrenzt
durchführbar und die Arbeitsfähigkeit im handwerklichen Bereich als
sicherlich eingeschränkt, aktuell schätzungsweise um 50 %.
5. Bereits zuvor war am 3. Januar 2019 eine erneute Anmeldung zum
Leistungsbezug bei der IV-Stelle unter Angabe eines erlittenen
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Bandscheibenvorfalls erfolgt. Im Verlaufsbericht vom 24. Juli 2019 hielt
Dr. med. B._ fest, dass A._ seit der Operation vom
28. September 2018 immer wieder Schmerzen im Rücken und Ischiatikus-
Bereich habe. Die Schmerzen würden durch längeres Stehen und durch
das Heben von nur schon leichten Gewichten ausgelöst. Die bisherige
Tätigkeit sei im zeitlichen Rahmen von 50 % noch zumutbar, wobei eine
verminderte Leistungsfähigkeit von 50 % bestehe. Die Zumutbarkeit von
anderen Tätigkeiten verneinte Dr. med. B._. Gegenüber der
Krankentaggeldversicherung attestierte Dr. med. B._ A._ ab
dem 4. April 2019 eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Im Verlaufsbericht vom
11. Oktober 2019 hielt Dr. med. B._ einen stationären
Gesundheitszustand fest. Zur von der IV-Stelle an Dr. med. B._
gestellten Frage, wie er die Arbeitsfähigkeit von A._ in der
angestammten Tätigkeit als Gipser resp. in einer leidensangepassten
Tätigkeit bis jetzt und auf weiteres beurteile, hielt dieser fest, dass A._
als Chef einer Gipserwerkstatt gewisse Arbeiten delegieren könne. Er sei
aber nur teilarbeitsfähig. Die Arbeit im Büro könne er erledigen, aber dies
sei nur ein Teil.
6. Infolge zunehmender, belastungsabhängiger Schmerzen im linken OSG
war am 3. Juli 2019 in der Klinik D._ durch Dr. med. H._ eine
erneute Infiltration des OSG erfolgt. Am 23. September 2019 fand im
Auftrag der SUVA eine weitere kreisärztliche Untersuchung durch
Dr. med. I._ statt. Im entsprechenden Bericht diagnostizierte dieser
eine OSG-Arthrose und beginnende USG-Arthrose links nach
Talusluxationsfraktur links am 29. Juni 1996 nach Motorradunfall mit
nachfolgender offener Reposition, Schraubenfixation des Talus und
Schrauben-Refixation der ausgerissenen Sehnenscheide des Musculus
tibialis posterius am medialen Malleolus am 29. Juni 1996,
Metallentfernung am 3. Januar 2002 und Gelenksrevision mit
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Osteophytenentfernung am 18. Juni 2002. Als unfallfremde Diagnosen
hielt er einen Status nach Bandscheibenoperation lumbosacral und eine
Schulteroperation rechts fest. Unter Berücksichtigung der Zumutbarkeit für
das linke Sprunggelenk seien leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende Tätigkeiten in überwiegendem Sitzen zumutbar. Nicht
geeignet seien berufliche Tätigkeiten mit überwiegendem Gehen und
Stehen, häufigem Gehen im Gelände, Steigen auf Leitern und Gerüste,
häufigem Treppensteigen und dem Einnehmen einer Kniehockeposition.
Ebenso seien kein körpernahes Heben und Tragen von Lasten über 15 kg
zumutbar.
7. Am 19. November 2019 gelangte Dr. med. J._ vom Regionalen
Ärztlichen Dienst Ostschweiz (RAD) zum Schluss, dass A._ an
erheblichen Problemen des Bewegungsapparates leide, welche eine
eingeschränkte Belastbarkeit begründeten. Die von den behandelnden
Ärzten attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 % in der angestammten Tätigkeit
als Gipser sei nachvollziehbar. Schwere Gipserarbeiten, wie insbesondere
Arbeiten über Schulterhöhe, solche mit Tragen von schweren Materialien
von über 15 kg, mit Leitersteigen und repetitivem Treppensteigen seien
nicht mehr zumutbar. Leichte bis mittelschwere Tätigkeiten seien dagegen
weiterhin zumutbar. Dies gelte ab April 2019, als der Hausarzt für die
angestammte Tätigkeit (als Gipser) eine 50 % Arbeitsfähigkeit attestiert
habe. Die selbständige Erwerbstätigkeit als Gipser erlaube A._ eine
gewisse Delegation von schweren Arbeiten. Welche gewerblichen
Auswirkungen die beschriebenen Einschränkungen zeitigten, müsse
gewerblich abgeklärt werden. Als Defizite mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit hielt Dr. med. J._ eine eingeschränkte Belastbarkeit
der Schulter rechtsbetont, des Rückens, des linken Sprunggelenks und
des rechten Knies fest. Leichte bis mittelschwere, wechselbelastende
Tätigkeiten in überwiegendem Sitzen ganztägig ohne monoton-repetitive
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Bewegungs- und Haltungsmuster des Rückens, ohne repetitive
Überschulterarbeiten, ohne Tätigkeiten in überwiegendem Gehen und
Stehen, ohne häufiges Gehen im Gelände, ohne Steigen auf Leitern und
Gerüste, ohne häufiges Treppensteigen sowie ohne Einnehmen einer
Kniehocke seien hingegen zumutbar. In der angestammten Tätigkeit
bestehe seit dem 13. März 2017 eine Arbeitsunfähigkeit zwischen 100 %
und 50 %; ab April 2019 eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit von 50 %. In
einer adaptierten Tätigkeit bestehe, wie bereits erwähnt, ab April 2019
eine volle Arbeitsfähigkeit. Da sich vorliegend das Zumutbarkeitsprofil
nicht von demjenigen, welches die SUVA ihrer Rentenzusprache
zugrunde gelegt habe, unterscheide, bestimmte die IV-Stelle den
Invaliditätsgrad auf Basis der in der SUVA-Verfügung (vom 13. November
2019) herangezogenen (Vergleichs-)Einkommen.
8. Mit Vorbescheid vom 28. November 2019 stellte die IV-Stelle A._ die
Zusprache einer befristeten halben Invalidenrente für den Zeitraum von
1. März 2018 bis zum 30. September 2018 sowie einer ganzen
Invalidenrente vom 1. Oktober 2018 bis zum 30. Juni 2019 in Aussicht.
Unter Berücksichtigung der Dreimonatsfrist (von Art. 88a Abs. 1 Satz 2
IVV) ab dem Zeitpunkt der Verbesserung des Gesundheitszustandes bzw.
der 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ab April 2019
sei der Rentenanspruch per 30. Juni 2019 zu befristen, da ab dem 1. Juli
2019 –auf Basis des auch der SUVA-Verfügung vom 13. November 2019
zugrunde gelegten Valideneinkommens von CHF 123'645.-- und einem
anhand der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik für
das Jahr 2016 bestimmten Invalideneinkommen von CHF 91'123.-- – nur
noch ein nicht mehr rentenbegründender Invaliditätsgrad von 26.3 %
resultiere.
9. Am 17. Dezember 2019 wurde A._ bei der IV-Stelle vorstellig und
erklärte sich gemäss einer Aktennotiz vom gleichen Tag nach einer
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Erläuterung des Vorbescheides seitens der IV-Stelle grundsätzlich damit
einverstanden. Weiter äusserte er den Wunsch, einen PC-Kurs finanziert
zu bekommen, da er nun offensichtlich mehr Büroarbeiten übernehmen
müsse. Die IV-Stelle teilte ihm mit, dass dies geprüft werde und er gemäss
Grobtriage Anspruch auf berufliche Massnahmen habe. Am 29. Januar
2020 teilte die IV-Stelle der zuständigen Ausgleichskasse den Beschluss
über die Invalidität wie vorbeschieden mit und bat die Ausgleichskasse um
Berechnung der Geldleistungen sowie der Erstellung und dem Versand
der Verfügung. Anlässlich eines Telefongespräches mit der IV-Stelle vom
5. Februar 2020 bemängelte A._ das dem Vorbescheid vom
28. November 2019 (und der SUVA-Verfügung vom 13. November 2019)
zugrunde gelegte Valideneinkommen als zu tief, da dieses CHF 130'000.--
betrage. Mit Mitteilung vom 11. Februar 2020 gewährte die IV-Stelle
A._ eine Berufsberatung und Abklärung der beruflichen
Eingliederungsmöglichkeiten. Am 21. Februar 2020 teilte der
Rechtsvertreter von A._ der IV-Stelle die Mandatsübernahme mit,
ersuchte um Akteneinsicht und stellte aufgrund von neben den SUVA-
versicherten Unfallfolgen am OSG bzw. USG bestehenden
gesundheitlichen Einschränkungen im Rücken und an der Schulter die
volle Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit in Frage. Gleichentags
teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter von A._ mit, dass sowohl
krankheits- als auch die unfallbedingten gesundheitlichen
Einschränkungen von A._ berücksichtigt worden seien. Der Erlass
der Verfügung könne nicht mehr gestoppt werden, da der befristete
Rentenanspruch bereits durch die Ausgleichskasse berechnet werde.
Ausserdem wurden dem Rechtsvertreter die Akten zur Einsicht zugestellt.
Mit Mitteilung vom 2. März 2020 wurde A._ eine Kostengutsprache
für eine externe Bedarfsanalyse/Beratung sowie einen
Informatikanwenderkurs für technische Kaufleute gewährt. Am 3. März
2020 wurde die Rentenverfügung schliesslich wie vorbeschieden
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erlassen. Mit Mitteilung vom 4. Juni 2020 gewährte die IV-Stelle A._
auch noch einen Intensiv-Staplerkurs zu Verbesserung seiner Fähigkeiten
im Bereich der Logistik. Mit Mitteilung vom 1. Juli 2020 schloss die IV-
Stelle die beruflichen Massnahmen ab.
10. Bereits am 11. März 2020 hatte der nunmehr anwaltlich vertretene
A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) Beschwerde ans
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erhoben und die
dahingehende Aufhebung der Verfügung vom 3. März 2020 beantragt, als
ihm ab dem 1. Juli 2019 eine halbe Invalidenrente, eventualiter eine
Viertelsrente auszurichten sei. Zur Begründung wurde im Wesentlichen
das Abstellen auf das Total des Kompetenzniveaus 3 für die Bestimmung
des Invalideneinkommens kritisiert. Es sei der Medianwert des
Kompetenzniveaus 1 für den Sektor 3 (Dienstleistungen) heranzuziehen.
Weil er über Jahre hinweg im gleichen Betrieb gearbeitet habe und auch
in einer adaptierten Tätigkeit mit starken Einschränkungen konfrontiert
bzw. in der Leistungsfähigkeit sicherlich vermindert wäre, sei ein
Leidensabzug von mindestens 10 % gerechtfertigt. Ausserdem wurde ein
Valideneinkommen von CHF 130'000.-- anstelle des der angefochtenen
Verfügung zugrunde gelegten Betrages von CHF 123'645.-- geltend
gemacht.
11. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegner) beantragte in ihrer
Vernehmlassung vom 1. April 2020 die kostenpflichtige Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie im Wesentlichen auf den
angefochtenen Entscheid. Zudem ergänzte sie, dass vorliegend offen
gelassen werden könne, ob das Valideneinkommen auf CHF 130'000.--
zu erhöhen sei, da – bei ansonsten unveränderten Parametern – (ab dem
1. Juli 2019) weiterhin kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiere.
Unter Hinweis auf die vom Beschwerdeführer erlangten beruflichen
Qualifikationen und Erfahrungen als Geschäftsführer sei die Anwendung
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des Totalwerts des Kompetenzniveaus 3 der LSE-2016-Tabelle TA1 zur
Bestimmung des Invalideneinkommens (komplexe praktische Tätigkeiten,
welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen)
angezeigt. Betreffend den vom Beschwerdeführer verlangten
leidensbedingten Abzug von mindestens 10 % kämen von den überhaupt
in Frage kommenden persönlichen und beruflichen Umständen höchstens
leidensbedingte Einschränkungen in Frage. Weil beim Beschwerdeführer
aufgrund der Arztberichte in einer angepassten Tätigkeit weder eine
zeitliche Einschränkung noch eine Verminderung der Leistungsfähigkeit
vorliege, lasse sich kein solcher Abzug rechtfertigen.
12. Bereits mit Verfügung vom 13. November 2019 hatte die SUVA A._
ab dem 1. Oktober 2019 eine Invalidenrente der Unfallversicherung
aufgrund einer Erwerbsunfähigkeit von 26 % bei einem versicherten
Jahresverdienst von CHF 55'543.-- zugesprochen. Das
Valideneinkommen wurde dabei auf Basis der Lohndeklaration 2018 auf
CHF 123'645.-- festgelegt. Das Invalideneinkommen wurde auf Basis der
LSE-Tabellenlöhne für das Jahr 2016 per 2019 mit CHF 91'123.-- beziffert.
Zudem hielt die SUVA fest, dass die Integritätsentschädigung bereits
früher zugesprochen worden sei, wobei diese gemäss kreisärztlicher
Beurteilung unverändert bei 20 % bleibe. Dagegen erhob A._ am
9. Dezember 2019 Einsprache, welche er, nunmehr anwaltlich vertreten,
am 11. März 2020 begründete. Mit Einspracheentscheid vom 24. Juni
2020 hiess die SUVA die Einsprache teilweise gut und änderte die
angefochtene Verfügung in dem Sinne ab, als dass A._ ab dem
1. Oktober 2019 eine Invalidenrente (der Unfallversicherung) von 27 %
zustehe. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab. Dagegen erhob A._
am 24. August 2020 wiederum Beschwerde ans Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden und beantragte die dahingehende Aufhebung des
Einspracheentscheides der SUVA vom 24. Juni 2020, als dass A._
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ab dem 1. Oktober 2019 eine Invalidenrente nach dem Bundesgesetz über
die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) in der Höhe von 56 %,
eventualiter nach richterlichem Ermessen auszurichten sei (Verfahren
S 20 95). Zur Begründung wurden im Wesentlichen die gleichen
Einwendungen erhoben, wie im vorliegenden Verfahren. Am
10. September 2020 beantragte die SUVA die Abweisung der Beschwerde
und die Bestätigung ihres Einspracheentscheides vom 24. Juni 2020.
13. Mit Schreiben vom 14. Juli 2021 wurde dem Beschwerdeführer der Beizug
der SUVA-Akten des Verfahrens S 20 95 angezeigt.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die
angefochtene Verfügung vom 3. März 2020 sowie die weiteren Akten wird,
sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 3. März 2020. Eine solche
Anordnung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das
Versicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann
beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als das örtlich und
sachlich zuständige Versicherungsgericht angefochten werden (vgl.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG;
BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formeller und
materieller Verfügungsadressat ist der Beschwerdeführer von der
angefochtenen Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Er ist somit
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zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59
ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht
(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61
lit. b ATSG). Darauf ist somit einzutreten.
2. Vorliegend ist in erster Linie streitig, ob die Beschwerdegegnerin das
Invalideneinkommen zu Recht auf Basis der Lohnstrukturerhebung (LSE)
des Bundesamtes für Statistik (BfS) für das Jahr 2016, Tabelle TA1,
Kompetenzniveau 3 (Komplexe praktische Tätigkeiten, welche ein
grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen), Zeile "Total"
berechnet und somit für das Jahr 2019 auf einem Betrag von (gerundet)
CHF 91'123.-- festgelegt hat (CHF 7'183.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.004 x 1.005
x 1.005).
2.1.1. Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der
Rechtsprechung – sowohl für die Invaliden- als auch die obligatorische
Unfallversicherung – primär von der beruflich-erwerblichen Situation
auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach
Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ –
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll
ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung
als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich
erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes
Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person
nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an
sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können für
die Festsetzung des Invalideneinkommens insbesondere die (im Zeitpunkt
der angefochtenen Verfügung aktuellsten) LSE-Tabellenlöhne
herangezogen werden (vgl. BGE 143 V 295 E.2.2, 142 V 178 E.2.5.8.1,
135 V 297 E.5.2 und 129 V 472 E.4.2.1; Urteile des Bundesgerichts
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9C_206/2021 vom 10. Juni 2021 E.4.4.2, 9C_752/2017 vom 31. Juli 2018
E.3.1, 9C_15/2018 vom 2. Juli 2018 E.4.3 und 9C_414/2017 vom
21. September 2017 E.4.2).
2.1.2. Bevor die versicherte Person Leistungen verlangt, hat sie aufgrund der
Schadenminderungspflicht alles ihr Zumutbare selber vorzukehren, um die
Folgen der Invalidität bestmöglich zu mindern. Ein Rentenanspruch ist zu
verneinen, wenn sie selbst ohne Eingliederungsmassnahmen, nötigenfalls
mit einem Berufswechsel, zumutbarerweise in der Lage ist, ein
rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen. Für die
Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs der zumutbaren Tätigkeit im
Allgemeinen, wie bei der Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit im
Besonderen, sind die gesamten subjektiven und objektiven
Gegebenheiten des Einzelfalles zu berücksichtigen. Im Vordergrund
stehen bei den subjektiven Umständen die verbliebene Leistungsfähigkeit
sowie die weiteren persönlichen Verhältnisse, wie Alter, berufliche
Stellung, Verwurzelung am Wohnort etc. Bei den objektiven Umständen
sind insbesondere der ausgeglichene Arbeitsmarkt und die noch zu
erwartende Aktivitätsdauer massgeblich (siehe zum Ganzen BGE 141 V
642 E.4.3.2 sowie Urteile des Bundesgerichts 9C_305/2019 vom 30. Juli
2019 E.5.2.1 und 9C_771/2017 vom 29. Mai 2018 E.3.3.1).
2.1.3. Werden für die Bestimmung des Invalideneinkommens eines Versicherten
LSE-Tabellenlöhne herangezogen, ist in der Regel auf die Tabelle TA1
(Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen,
Kompetenzniveau und Geschlecht; Privater Sektor; Ganze Schweiz) und
die dem Geschlecht entsprechende Zeile "Total" – umfassend alle
Wirtschaftszweige – im entsprechenden Kompetenzniveau abzustellen
(vgl. BGE 144 I 103 E.5.2, 124 V 321 E.3b/aa; Urteile des Bundesgerichts
8C_534/2019 vom 18. Dezember 2019 E.5.2, 8C_811/2018 vom 10. April
2019 E.5.3, 9C_444/2018 vom 17. Oktober 2018 E.3.1, 8C_457/2017 vom
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11. Oktober 2017 E.6.2, 8C_176/2012 vom 3. September 2012 E.7 und
9C_237/2007 vom 24. August 2007 E.5.1). Nur wenn der Verwertbarkeit
der verbliebenen Arbeitsfähigkeit enge Grenzen gesetzt sind, etwa wenn
alle produktionsnahen Tätigkeiten ausser Betracht fallen, kann davon
ausnahmsweise abgewichen werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_411/2019 vom 16. Oktober 2019 E.7.2, 8C_227/2018 vom 14. Juni
2018 E.4.2.1, 9C_325/2018 vom 29. Juni 2018 E.3.2.2, 8C_695/2015 vom
19. November 2015 E.4.2 und 9C_633/2013 vom 23. Oktober 2013 E.4.2).
2.2. Der Beschwerdeführer wendet sich nicht gegen die Vorgehensweise der
Beschwerdegegnerin, das Invalideneinkommen aufgrund der LSE 2016,
Tabelle TA1, zu ermitteln. Vielmehr führt er aus, dass er gemäss den
medizinischen Berichten (in einer adaptierten Tätigkeit) voll arbeitsfähig
sein solle, womit bei der Ermittlung des Invalideneinkommens
korrekterweise die LSE-Tabellenlöhne herangezogen worden seien.
2.3. Der Beschwerdeführer ist indes der Ansicht, dass es nicht angehen könne,
auf das Kompetenzniveau 3 abzustellen. Er verfüge zwar über
verschiedene Ausbildungen bzw. Diplome (Gipserlehre, Polier Stuckateur-
Trockenbauer SMGV, Stuckateur-Meister SM, Diplom für
Unternehmensführung SIU; vgl. dazu IV-act. 68 S. 168 ff.), diese stünden
aber alle nachweislich im Zusammenhang mit der angestammten
Tätigkeit. Aufgrund der nachgewiesenen Einschränkungen im
erwerblichen Bereich (leichte bis mittelschwere wechselbelastende
Tätigkeiten ganztags in überwiegendem Sitzen, ohne monoton-repetitive
Bewegungs- und Haltungsmuster des Rückens, ohne repetitive
Überschulterarbeiten, ohne [berufliche] Tätigkeiten mit überwiegendem
Gehen und Stehen, kein häufiges Gehen im Gelände, ohne Steigen auf
Leitern und Gerüste, ohne häufiges Treppensteigen, ohne Einnehmen der
Kniehocke sowie körpernahem Heben und Tragen von Lasten über 15 kg;
vgl. dazu die angefochtene Verfügung vom 3. März 2020 in den Akten des
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Beschwerdeführers [Bf-act.] 2 und die Verfügung der SUVA vom
13. November 2019 [Bf-act. 3]) seien diese Ausbildungen in einer
adaptierten Tätigkeit jedoch völlig nutzlos oder zumindest nur sehr
beschränkt verwertbar. Denn er könne grundsätzlich nur noch einfachste
Tätigkeiten ausführen, welche ihm völlig fremd seien und in denen er als
kompletter Laie bzw. Neuling bezeichnet werden müsse. Er verfüge nur in
der Baubranche, präziser im Bereich von Gipserarbeiten, über ein grosses
Fachwissen, nicht jedoch in anderen Arbeitsbereichen, in denen ihm
anscheinend im Sinne einer leidensadaptierten Tätigkeit eine
Erwerbstätigkeit zumutbar sein soll. Aufgrund der erwähnten
Einschränkungen könne er auch im verarbeitenden Gewerbe nur noch
teilweise Arbeiten ausführen, weil dort normalerweise stets Lasten von
über 15 kg gehoben und vor allem auch dort ständig gegangen und
gestanden werden müsse. In einer (weiteren) leidensangepassten
Tätigkeit wie etwa im Dienstleistungssektor verfüge er über keinerlei
Fachwissen, womit wie üblich das Kompetenzniveau 1 heranzuziehen sei.
Alles andere als einfachste Arbeiten körperlicher oder handwerklicher Art
könne er nicht mehr ausführen. Bei Versicherten, die in einer
jahrzehntelang ausgeübten angestammten Tätigkeit nicht oder nur noch
teilweise arbeitsfähig seien, sei für die Ermittlung des
Invalideneinkommens in der Regel auf das Kompetenzniveau 1 oder
allenfalls auf das Kompetenzniveau 2 abzustellen. Wenn eine versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität nicht auf ihren angestammten Beruf
zurückgreifen könne, rechtfertige sich aber die Anwendung des
Kompetenzniveaus 2 nur dann, wenn diese über besondere Fertigkeiten
und Kenntnisse verfüge. Auch wenn er einige Ausbildungen absolviert und
in seinem eigenen Gipsergeschäft über die Jahre hinweg auch gewisse
organisatorische Fähigkeiten erlangt habe, verfüge er in einer
Verweistätigkeit über keine besondere Fertigkeiten und Kenntnisse.
Schliesslich umfasse das Kompetenzniveau 2 praktische Tätigkeiten wie
- 17 -
Verkauf, Pflege, Administration, Bedienen von Maschinen und
elektronischen Geräten etc., welche er aufgrund seiner gesundheitlichen
Einschränkungen wie namentlich die Beschwerden im oberen
Bewegungsapparat und der Sprunggelenksverletzung realistischerweise
kaum mehr ausführen könne. Weil er nur noch leichte bis maximal
mittelschwere (sitzende) Arbeiten im Sinne von Hilfsarbeiten erbringen
könne, werde ihm auch eine Tätigkeit im Sektor "Produktion"
verunmöglicht, zumal in dieser Berufssparte überwiegend stehend und
gehend gearbeitet werde und erhebliche Gewichte gehoben werden
müssten. Somit sei das Invalideneinkommen einzig anhand des Sektors 3
(Dienstleistungen) im Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten
körperlicher oder handwerklicher Art) zu bestimmen. Daraus ergebe sich
auf Basis der LSE 2016 (Tabelle TA1) per 2019 ein Invalideneinkommen
von CHF 62'224.20 (recte CHF 63'011.15 [CHF 4'967.-- x 12 : 40 x 41.7 x
1.004 x 1.005 x 1.005]).
2.4. Die Beschwerdegegnerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt,
dass dem Beschwerdeführer eine leidensangepasste Tätigkeit ganztägig
und ohne grössere Einschränkungen zumutbar wäre. Ihm stünden in
Anbetracht seiner Aus- und Weiterbildungen wie namentlich dem Diplom
für Unternehmensführung SIU und des beruflichen Werdegangs,
insbesondere unter Berücksichtigung der langjährigen Erfahrung als
Geschäftsführer der K._ GmbH, im Bereich von kleineren und
mittleren Unternehmen (KMU) verschiedene Stellen offen, bei denen ohne
weiteres angenommen werden könne, dass er sie auch in
Berücksichtigung seiner Beschwerden zu verrichten vermöge und auf dem
für ihn in Frage kommenden Arbeitsmarkt mit einem durchschnittlichen
Lohn rechnen dürfe. So verfüge der Beschwerdeführer über fundierte
Kenntnisse und Fähigkeiten als Geschäftsführer. Zudem wären ihm im
mittleren Alter Umschulungsmassnahmen durchaus zumutbar und seien
- 18 -
in casu – etwa in der Form eines Informatikanwenderkurses für technische
Kaufleute – auch tatsächlich an die Hand genommen worden. Somit sei
anhand der Tabelle TA1 der LSE 2016 zu Recht von einem monatlichen
Bruttolohn im privaten Sektor, Total aller Tätigkeiten im
Kompetenzniveau 3 (komplexe praktische Tätigkeiten, welche ein grosses
Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen) für Männer von
CHF 7'183.-- ausgegangen worden. Angepasst an die betriebsübliche
Arbeitszeit und die Nominallohnentwicklung bis ins Jahre 2019 resultiere
daraus ein Jahreseinkommen von CHF 91'123.--.
2.5.1. Gemäss den in den Akten liegenden ärztlichen Berichten und
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen, welchen der Beschwerdeführer nicht
substanziiert widerspricht und an denen er auch keine auch nur geringen
Zweifel zu wecken vermag, leidet er unter einer eingeschränkten
Belastbarkeit der Schultern rechtsbetont, des Rückens, des linken
Sprunggelenks sowie des rechten Knies. Zumutbar sind ihm ab April 2019
gemäss Beurteilung von RAD-Arzt Dr. med. J._ vom 19./November
2019 – namentlich gestützt auf die Arbeitsfähigkeitseinschätzung des
behandelnden Hausarztes Dr. med. B._ vom 4. April 2019 von 50 %
in der angestammten Tätigkeit ab diesem Zeitpunkt (siehe IV-act. 63 S. 4
und IV-act. 64 S. 2; vgl. auch IV-act. 68 S. 153, wo der Beschwerdeführer
im August 2019 ebenfalls von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit berichtete) sowie der kreisärztlichen
Untersuchung vom 23. September 2019 seitens der SUVA durch Dr. med.
I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates – noch leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende Tätigkeiten in überwiegendem Sitzen ganztägig ohne
monoton-repetitive Bewegungs- und Haltungsmuster des Rückens, ohne
repetitive Überschulterarbeiten, ohne Tätigkeiten in überwiegendem
Gehen und Stehen, ohne häufiges Gehen im Gelände, ohne Steigen auf
- 19 -
Leitern und Gerüste, ohne häufiges Treppensteigen sowie ohne
Einnehmen einer Kniehocke zumutbar. Tätigkeiten mit diesem
Anforderungsprofil sind dem Beschwerdeführer in einem 100 %-Pensum
bzw. ganztags ohne zusätzliche Leistungsminderungen zumutbar (siehe
IV-act. 84 S. 10 f. sowie IV-act. 66 S. 9 und IV-act. 68 S. 189).
2.5.2. Die Beschwerdegegnerin bringt aufgrund der Akten zu Recht vor, dass der
Beschwerdeführer nicht nur über eine langjährige Erfahrung als
Geschäftsführer der K._ GmbH mit entsprechenden Kenntnissen im
administrativen Bereich verfügt, sondern im Jahre 2007 namentlich auch
ein entsprechendes Diplom für Unternehmensführung erworben hat (siehe
zu Letzterem: IV-act. 68 S. 169 ff.). Dieser Unternehmerschulungskurs für
Produktions- und Dienstleistungsbetriebe umfasste 440 Lektionen und
behandelte vielfältige administrative Fragen und Themen der
Unternehmensführung. Die Prüfungsthemen umfassten etwa das
Personal- und Steuerwesen, die Finanzbuchhaltung, die
Unternehmensführung im Marketingbereich, die Kostenrechnung, die
Betriebsanalyse, das Schuldbetreibungs- und Konkursrecht sowie auch
das Sachen- und öffentliche Bau- und Planungsrecht (siehe IV-act. 68
S. 170). Daneben erwarb der Beschwerdeführer auch verschiedene
handwerkliche Zusatzausbildungen zum Polier Stuckateur-Trockenbauer
bzw. Vorarbeiter und absolvierte auch zwei Prüfungen zum Stuckateur
Meister (siehe IV-act. 68 S. 165, 168 und 172 ff.). Ein abgeschlossenes
Prüfungsmodul zu Letzterem umfasst speziell auch das Thema
"Preisberechnung". Insofern kann gesagt werden, dass der
Beschwerdeführer über einen grossen Erfahrungsschatz und ein
bedeutendes Ausbildungsportfolio im Baugewerbe, speziell im
Gipserbereich, verfügt. Zwar gab der Beschwerdeführer im November
2018 gegenüber der Krankentaggeldversicherung an, dass seine
Schwester das Büro (für die K._ GmbH) erledige. Im Bericht zur
- 20 -
Besprechung bei der SUVA vom 23. September 2019 wurde
demgegenüber aber festgehalten, dass das Jobprofil des
Beschwerdeführers weiterhin unverändert sei und auch im Umfang von
20 % Administration wie Akquise, Rapporte/Ausmessen, Offertwesen –
neben 80 % manueller Tätigkeit auf den Baustellen – beinhalte (vgl. IV-
act. 50 S. 6 und IV-act. 68 S. 164). Solche Fähigkeiten, welche sowohl die
handwerkliche Praxis als auch die dazugehörigen administrativen
Tätigkeiten wie Preiskalkulation, Arbeitsvorbereitung und -planung sowie
darüber hinaus auch Themenbereiche der Geschäftsführung betreffen,
sind nach Ansicht des Gerichts im Rahmen des hypothetischen,
ausgeglichenen Arbeitsmarkts, etwa als Sachbearbeiter in der
(Aus-)Baubranche, speziell im Gipserbereich, oder als Geschäftsführer
eines handwerklichen (Aus-)Baubetriebes, durchaus nachgefragt. Es ist
naheliegend, dass der Beschwerdeführer, der neben einer grossen
praktischen Erfahrung auf der Baustelle zusätzlich auch Erfahrung in
administrativen Tätigkeiten mitbringt und somit einen ausgeprägten
Praxisbezug aufweist, auch mit einer entsprechenden Entlohnung rechnen
darf. Dies gilt insbesondere dann, wenn während Jahren die Fähigkeiten
als Geschäftsführer der eigenen Firma durchaus erfolgreich und
andauernd unter Beweis gestellt wurden. Zudem sind dem
Beschwerdeführer laut seinem Belastungsprofil auch leichte bis
mittelschwere, handwerkliche Arbeiten in überwiegend sitzenden
Positionen ohne monoton-repetitive Bewegungs- und Handlungsmuster
des Rückens sowie repetitive Überschulterarbeiten zumutbar, welche
vornehmlich im verarbeitenden Gewerbe zu finden sind. Dass die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer trotz seiner Fähigkeiten
noch einen Informatikanwenderkurs für technische Kaufleute als
Umschulungsmassnahme zugesprochen hat, ändert nichts an den
grundsätzlich eingehenden Fähigkeiten des Beschwerdeführers inkl.
praktischer Erfahrung im handwerklichen Bereich. Dieser Kurs soll
- 21 -
vielmehr punktuell die Informatikanwenderkenntnisse des
Beschwerdeführers verbessern bzw. auffrischen, was durchaus als
angezeigt erscheint, weil sich eine adaptierte Tätigkeit namentlich im
Bereich einer Bürotätigkeit bewegen soll, wobei sich die praktische
handwerkliche Erfahrung des Beschwerdeführers im (Aus-)Baugewerbe
sowohl als Sachbearbeiter als auch in geschäftsleitenden Tätigkeiten als
nützlich erwiese. Die seitens der Beschwerdegegnerin gewährte
Massnahme zur besseren Befähigung im Umgang mit Computern bzw.
den gängigen Informatikanwendungen (siehe dazu IV-act. 91 S. 2) mag
wohl auch darauf zurückzuführen sein, dass sich der Beschwerdeführer
gegenüber der Beschwerdegegnerin dahingehend geäussert hatte, dass
er im Umgang mit Computern keinerlei Kenntnisse habe. Dieses Manko
soll demnach mit einer solchen Ausbildungsmassnahme sowohl im
Hinblick auf die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit im eigenen Geschäft als
auch im Hinblick auf eine zumutbare, adaptierte Tätigkeit behoben werden
(vgl. IV-act. 96 S. 5). Daraus kann folglich nicht auf eine fehlende
Befähigung für entsprechend anspruchsvolle Administrativ- bzw.
Bürotätigkeiten geschlossen werden, wobei jeder neuen Stelle ohnehin
eine gewisse Einarbeitungszeit in die konkreten Betriebsabläufe immanent
ist und ein solcher Informatikanwenderkurs, speziell bei noch eher
unerfahrenen Computernutzern, auch dem selbstsichereren Umgang mit
den gängigen Softwareapplikationen dienen kann.
2.5.3.1. Der Beschwerdeführer verweist für die von ihm angenommene Einstufung
der noch zumutbaren, vollzeitlichen Verweistätigkeit in das
Kompetenzniveau 1 bzw. maximal das Kompetenzniveau 2 auf das Urteil
des Bundesgerichts 8C_534/2019 vom 18. Dezember 2019, in welchem
dieses das Invalideneinkommen auf Basis des Kompetenzniveaus 2
anstelle des Kompetenzniveaus 4 ermittelte. Im Unterschied zum
vorliegenden Fall habe der Versicherte im zitierten Bundesgerichtsurteil –
- 22 -
gemäss Ausführungen des Beschwerdeführers – die praktisch
erworbenen Fähigkeiten aber noch teilweise nutzen können. Dazu ist zu
bemerken, dass sich dieser zitierte Fall doch gewichtig von der
vorliegenden Situation unterscheidet. So hielt das Bundesgericht im
zitierten Urteil fest, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid keine
überzeugende Begründung für eine Einstufung in das Kompetenzniveau 4
angegeben habe. Zudem verfügte der Versicherte dort neben der
absolvierten (Grund-)Ausbildung als Dekorationsgestalter über keine
(weiteren) aktenkundigen Aus- oder Weiterbildungen (siehe Urteil des
Bundesgerichts 8C_534/2019 vom 18. Dezember 2019 E.5.3.2 und
5.3.3.1). Ausser der praktisch angeeigneten, langjährigen Berufserfahrung
im (nunmehr nicht mehr zumutbaren) Verkaufsbereich verfügte der dortige
Versicherte aber weder über ein grosses theoretisches Wissen noch über
komplexe Problemlösungskompetenzen oder über spezifische
Berufsausbildungen bzw. Weiterbildungen, womit das Abstellen auf das
oberste Kompetenzniveau 4 – trotz teilweiser Tätigkeit in leitender
Funktion – nach Auffassung des Bundesgerichts nicht gerechtfertigt war.
2.5.3.2. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, dass sich auch das Abstellen auf
das Kompetenzniveau 2 nur dann rechtfertigen liesse, wenn der
Versicherte über besondere Fertigkeiten und Kenntnisse verfüge, trifft dies
zwar grundsätzlich zu (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts 8C_5/2020
vom 22. April 2020 E.5.3.2, 8C_732/2018, 8C_742/2018 vom 26. März
2019 E.8.2.1 und 8C_227/2018 vom 14. Juni 2018 E.4.2.2). Wie in der
vorstehenden Erwägung 2.5.2 dargelegt, verfügt der Beschwerdeführer
aber durchaus auch für adaptierte, leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende Arbeiten mit überwiegend sitzender Haltung über
spezifische (theoretische und praktische) Fähigkeiten und Kenntnisse,
welche, entgegen seiner Ansicht, durchaus mehr als leichte bis maximal
mittelschwere (sitzende) Arbeiten im Sinne von Hilfsarbeiten des
- 23 -
Kompetenzniveaus 1 (im Sektor 3 [Dienstleistungen]) erlauben. Speziell
zu benennen sind etwa Sachbearbeitungs- und/oder
(Geschäfts-)Führungsaufgaben generell im Bereich (Aus-)Bauhandwerk
oder auch im vorgelagerten (Grosshandels-)Vertrieb inkl. Beratung zu
entsprechenden Produkten, wozu ihn seine jahrelangen praktischen
Fachkenntnisse im Ausbaugewerbe besonders qualifizieren. Dabei ist
auch noch darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer zwischenzeitlich mit Mitteilung vom 4. Juni 2020 noch
einen Intensiv-Staplerkurs zur Verbesserung seiner logistischen
Fertigkeiten gewährt hat (siehe SUVA-act. 209 und 217 im Verfahren S 20
95).
2.5.3.3. Die Beschwerdegegnerin verweist auf das Urteil des Bundesgerichts
8C_307/2017 vom 26. September 2017, gemäss welchem bei einer
Physio-/Hippotherapeutin, der trotz unfallbedingter
Gesundheitsschädigung die Ausübung einer leidensangepassten
Tätigkeit ganztägig und ohne grössere Einschränkungen zumutbar war,
das Invalideneinkommen seitens der Unfallversicherung zur Recht anhand
des Kompetenzniveaus 3, Rubrik Gesundheits- und Sozialwesen, ermittelt
worden war. Dabei wurden die absolvierten Aus- und Weiterbildungen, der
berufliche Werdegang (langjährige Erfahrung als Physio- und
Hippotherapeutin und die Tätigkeit in der Administration sowie Leitung
einer Firma) und die Zumutbarkeit von Umschulungsmassnahmen für eine
Person mittleren Alters berücksichtigt (siehe Urteil des Bundesgerichts
8C_307/2017 vom 26. September 2017 E.5.2.1).
2.5.3.4. Zur Einordnung der dem Beschwerdeführer im vorliegenden Fall noch
zumutbaren Verweistätigkeit in ein Kompetenzniveau sind auch noch
folgende Fälle aus der Rechtsprechung richtungsweisend:
- 24 -
2.5.3.5. Im Urteil des Bundesgerichts 8C_832/2019, 8C_3/2020 vom 5. Mai 2020
wurde die vorinstanzliche Bemessung des Invalideneinkommens durch
das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden im Verfahren S 18 49
gestützt auf das Kompetenzniveau 1 geschützt. Der dortige Versicherte
konnte die grobmanuell belastende Bauhandwerkertätigkeit als
(selbständiger) Plattenleger infolge chronischer belastungsabhängiger
Schmerzen nicht mehr ausführen. Die SUVA hatte dannzumal das
Valideneinkommen anhand des Kompetenzniveaus 2 bemessen. In einer
adaptierten Tätigkeit (ohne Heben von Lasten mit einem Gewicht über
einem Kilogramm und Unzumutbarkeit von Tätigkeiten auf Leitern und
Arbeiten mit grobmanuellen Werkzeugen, mit vibrierenden Maschinen
sowie mit dem Ziehen und Schieben von schwereren Lasten über der
Gewichtslimite) bestand hingegen eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bzw.
war eine im Vergleich zur früheren grobmanuellen Bauhandwerkertätigkeit
körperlich weniger belastende Arbeit weiterhin vollschichtig zumutbar. Im
zitierten Fall hatte der Versicherte ausser der Grundschule in Italien keine
Berufsausbildung abgeschlossen und in der Schweiz ausschliesslich
manuell im Baugewerbe gearbeitet. Für die Administration seiner
selbständigen Erwerbstätigkeit war er auf die Unterstützung durch seine
Ehefrau angewiesen und seine Deutschkenntnisse waren mangelhaft,
wodurch auch die von der Invalidenversicherung eingeleiteten
Umschulungsmassnahmen beeinträchtigt wurden. Das Bundesgericht
schloss daraus, dass beim Versicherten, der bisher ausschliesslich auf
dem Bau gearbeitet habe, die Einschränkungen der Leistungsfähigkeit
aufgrund der unbestritten massgebenden Zumutbarkeitsbeurteilung ins
Gewicht fielen. Ausserdem habe die Vorinstanz in nicht zu
beanstandender Beweiswürdigung darauf geschlossen, dass der
Versicherte seine eigentliche Handwerkstätigkeit nicht mehr ausüben
könne, auch wenn ihm körperlich weniger belastende Tätigkeiten noch
vollschichtig zumutbar blieben. Seien dem Versicherten ohne
- 25 -
Berufsausbildung die bisher ausgeübten grobmanuellen
Bauhandwerkertätigkeiten nicht mehr zumutbar, rechtfertige es sich unter
den gegebenen Umständen, das Invalideneinkommen basierend auf dem
massgebenden statistischen Tabellenlohn des Kompetenzniveaus 1 zu
ermitteln (siehe Urteil des Bundesgerichts 8C_832/2019, 8C_3/2020 vom
5. Mai 2020 E.7 ff.; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_53/2019 vom
9. Mai 2019, in welchem dem Versicherten, der in einem Kleinstbetrieb als
selbständigerwerbender, ungelernter Fensterbauer fast ausschliesslich
handwerklich tätig war, bei einer verbleibenden zumutbaren körperlich
leichten, handwerklichen oder arbeitsvorbereitenden Tätigkeit in einem
Pensum von 50 % ein Invalideneinkommen auf Basis des
Kompetenzniveaus 1 angerechnet wurde).
2.5.3.6. Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden entschied im Urteil
S 17 26 vom 27. Februar 2018, dass die Unfallversicherung das
Invalideneinkommen des Versicherten, der auch selbst handwerklich tätig
war, zu Recht anhand des Kompetenzniveaus 3 festgelegt habe. Dem
Versicherten waren aus unfallversicherungsrechtlicher Perspektive noch
leichte bis mittelschwere Arbeitstätigkeiten ganztags ohne häufiges
Treppen- und Leitersteigen und ohne Tätigkeiten, die ein kraftvolles
Zupacken erfordern und bei denen Schläge und Vibrationen auf Hände
und Vorderarme fortgeleitet würden, sowie keine Tätigkeiten mit häufigen
Umwendbewegungen zumutbar. Der dortige Versicherte hatte sowohl
eine Lehre als Maurer als auch als Hochbauzeichner absolviert. Zudem
war er während fünfzehn Jahren als selbständiger Architekt tätig, danach
führte er als Maler und Geschäftsführer eine eigene Firma. Ausserdem
hatte er weitere Ausbildungen in Baubiologie und Spezialisierungskurse
für Harzbeschichtungen absolviert. Nach eigenen Angaben des
Versicherten kümmerte er sich als Geschäftsführer insbesondere um die
Büroarbeiten, das Offertwesen, die Kundenakquisition, die Logistik sowie
- 26 -
das Magazin und half auf der Baustelle bei leichteren Arbeiten mit.
Angesichts dieses beruflichen Werdegangs, bei dem sich der dortige
Versicherte in verschiedenen Gebieten (Architektur, Bau- und
Malergewerbe) vertieftes praktisches und theoretisches Wissen
angeeignet hatte, ging das streitberufene Gericht mit der Ansicht der
Unfallversicherung einig, dass der Versicherte trotz der ausgewiesenen
Beschwerden weiterhin über verwertbare spezifischere Fähigkeiten und
Ressourcen verfüge, die es ihm ermöglichten, auch anspruchsvolleren
Tätigkeiten nachzugehen, die mehr spezialisiertes Wissen erforderten, als
im Kompetenzniveau 2 verlangt werde (siehe Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 17 26 vom
27. Februar 2018 E.6.5.3.3 und 6.6.1 f.).
2.5.3.7. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen legte im Urteil
IV 2016/405 vom 11. September 2018 (unbeurteilt geblieben im Urteil des
Bundesgerichts 8C_759/2018 vom 13. Juni 2019) das
Invalideneinkommen auf Basis des Kompetenzniveaus 1 anstelle des
Kompetenzniveaus 2 (so wie es die IV-Stelle anhand der
Invalideneinkommensberechnung der Unfallversicherung gemachte hatte)
fest. Zur Begründung führte das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen unter anderem unter Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts
8C_227/2018 vom 14. Juni 2018 aus, dass das Heranziehen des
Kompetenzniveaus 2 nicht überzeugend sei. Denn aus den Akten gehe
hervor und werde zudem vom Versicherten plausibel darlegt, dass er vor
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung in seiner eigenen
(Zimmerei-)Unternehmung hauptsächlich auf dem Bau und in der
Werkstatt, mithin handwerklich tätig war und lediglich im Rahmen von etwa
10 % Büroarbeiten ausgeführt habe. Aus den Akten ergäben sich keine
Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer über die übliche
Geschäftsführertätigkeit in einem Kleinbetrieb hinausgehende
- 27 -
betriebswirtschaftliche Kenntnisse erworben hätte, die er in einer
Arbeitnehmertätigkeit nutzbringend einsetzen könnte. Für eine
angepasste, überwiegend sitzende Tätigkeit, unterbrochen von kurzen
Gehstrecken ohne Gewichtsbelastungen bzw. von kurzen Stehepisoden,
bestand eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
2.5.3.8. Mit Urteil 8C_732/2018, 8C_742/2018 vom 26. März 2019 hiess das
Bundesgericht eine Beschwerde der Unfallversicherung gut und bestätigte
den ursprünglichen Einspracheentscheid, in welchem die
Unfallversicherung das Invalideneinkommen anhand des
Kompetenzniveaus 2 ermittelt hatte. Der Fall betraf einen gelernten
Zimmermann, der bei einer von ihm geführten Firma tätig war, die
Polierschule sowie Buchhaltungs- und Personalführungskurse besucht
und vier Mitarbeitende sowie zwei Lehrlinge beschäftigt hatte. Zwar war
ihm die angestammte Tätigkeit als Zimmermann gesundheitsbedingt nicht
mehr zumutbar, jedoch war er immer noch in der Lage, einen eigenen
Betrieb zu führen. Dabei erledigte er (abends und am Wochenende
während ca. 10 Stunden bzw. zu ca. 10 %) auch administrative Aufgaben
und hatte gegenüber seinen vier Angestellten und zwei Lehrlingen
Führungs- und Ausbildungsaufgaben wahrzunehmen. Das Bundesgericht
schloss daraus, dass er über die dazu nötigen, besonderen Fähigkeiten
verfügte (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_457/2017 vom
11. Oktober 2017 E.6.3). In einer leidensadaptierten, überwiegend
sitzenden Tätigkeit, unterbrochen von kurzen Gehstrecken ohne
Gewichtsbelastung und kurzen Stehepisoden, bestand eine 100%ige
arbeitsfähig. Es sei der Unfallversicherung beizupflichten, dass der
Versicherte auch in vorwiegend sitzenden Positionen handwerkliche
Arbeiten ausüben könne, womit es sich rechtfertige, dem Versicherten
beim Invalideneinkommen den Zentralwert (Median) gemäss Zeile Total
des LSE-Kompetenzniveaus 2 anzurechnen (siehe Urteil des
- 28 -
Bundesgerichts 8C_732/2018, 8C_742/2018 vom 26. März 2019 E.5.2
und 8.1 ff.).
2.5.3.9. Im Urteil 8C_624/2018 vom 11. März 2019 erachtete das Bundesgericht
bei einem adaptierten Leistungsprofil, wonach dem über eine
kaufmännische Weiterbildung verfügenden Versicherten – der als Key
Account Manager und später selbständiger Eventmanager tätig war –
noch leichte Bürotätigkeiten in einem Pensum von 60 % mit der
Möglichkeit, die Körperposition zu wechseln und immer wieder eine kleine
Pause einzulegen zumutbar waren, das von der Vorinstanz als
massgebend betrachtete Kompetenzniveau 2 für rechtskonform. Das vom
dortigen Versicherten verlangte Heranziehen des Kompetenzniveaus 1
(einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art) bzw. des
(ehemaligen) Anforderungsniveaus 4 entsprach gemäss Bundesgericht
hingegen weder seinem beruflichen Hintergrund noch dem
gutachterlichen Zumutbarkeitsprofil für eine adaptierte Tätigkeit (siehe
Urteil des Bundesgerichts 8C_624/2018 vom 11. März 2019 E.4.3).
2.5.3.10. Im Urteil 8C_227/2018 vom 14. Juni 2018 hielt das Bundesgericht fest,
dass die Vorinstanz das Invalideneinkommen des Versicherten zu Recht
auf Basis des Kompetenzniveaus 1 bestimmt hat (siehe Urteil des
Bundesgerichts 8C_227/2018 vom 14. Juni 2018 E.4.2.2). Der dortige
Versicherte führte zwar während vielen Jahren seinen Kleinbetrieb
(selbständiger Plattenleger), wobei ihm die handwerklichen Tätigkeiten
nunmehr aber nicht mehr zumutbar waren. Während seiner 30-jährigen
selbständigen Erwerbstätigkeit führte er keinerlei administrative
Tätigkeiten aus, weil seine Ehefrau die Büroarbeiten (vollständig) erledigte
(siehe Urteil des Bundesgerichts 8C_227/2018 vom 14. Juni 2018
E.4.2.2).
- 29 -
2.5.3.11. Im Urteil des Bundesgerichts 8C_878/2018 vom 21. August 2019 wurde
bei einem gelernten Koch/Küchenchef und Chef-Traiteur, der langjährig im
Traiteur-/Comestiblesbereich verschiedener Unternehmungen tätig war
und zuletzt auch eine leitende Funktion im Betrieb besetzte sowie für den
weltweiten Wareneinkauf verantwortlich gewesen war, die Ermittlung des
Invalideneinkommens auf Basis des Kompetenzniveaus 3 im Sektor
Grosshandel (Ziff. 45-46) durch die Vorinstanz geschützt. Die
Voraussetzungen des Kompetenzniveaus 3 (komplexe praktische
Tätigkeiten, die ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen)
sah das Bundesgericht dabei namentlich als erfüllt an, weil sich der dortige
Versicherte im Verlauf der Jahre ein beachtliches Wissen auf diesem
Gebiet erarbeiten konnte. Ausserdem gelangte das Bundesgericht zum
Schluss, dass die Gründe für den vorzeitigen Abbruch einer
kaufmännischen Ausbildung nicht relevant seien und das Fehlen eines
solchen Abschlusses in diesem Fall nicht ins Gewicht falle. So habe der
frühere Geschäftspartner bestätigt, dass der Versicherte durchaus in der
Lage gewesen sei, dessen Stellvertretung zu übernehmen und kleinere
administrative Tätigkeiten ausserhalb der Verantwortlichkeit/Zuständigkeit
des Wareneinkaufs zu übernehmen (siehe Urteil des Bundesgerichts
8C_878/2018 vom 21. August 2019 E.5.1 und 5.2.1 f.).
2.5.3.12. Im Urteil 9C_156/2020 vom 9. Juli 2020 ging das Bundesgericht mit der
Vorinstanz einig, dass für die Bemessung des Invalideneinkommens für
einen gelernten Akkordmetzger, der den Beruf langjährig ausgeübt hatte
und zuletzt als selbständiger Akkordmetzger mit eigener GmbH tätig war,
auf das Kompetenzniveau 3 in der angestammten Branche der Nahrungs-
und Getränkeherstellung abzustellen sei. Dabei hatte der dortige
Versicherte im Entscheidzeitpunkt eine Stelle als technischer Kaufmann in
einem Fleischverarbeitungsbetrieb inne. Das Bundesgericht hielt fest,
dass der erlernte Beruf auch nach gesundheitsbedingter Aufgabe
- 30 -
Bestandteil der Ausbildung bleibe. Angesichts dessen sowie der Erfahrung
des Versicherten aus der Selbständigkeit liege es nahe, dass ihm in der
angestammten Branche der Fleischverarbeitung leidensangepasste
"komplexe praktische Tätigkeiten welche ein grosses Wissen in einem
Spezialgebiet voraussetzen" grundsätzlich offen stünden. Dem dortigen
Versicherten wurden gutachterlich Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
infolge degenerativer Veränderungen an der Hals- und
Lendenwirbelsäule, einen chronischen Tennisellenbogen rechts,
beginnende Kniearthrose beidseits sowie eine nichtentzündliche
Sehnenerkrankung mit Sehnenverkalkung der Achillessehnen beidseits
attestiert. Nach der Expertise bestand eine Arbeitsfähigkeit von
mindestens 80 %, ganztägig umsetzbar bei erhöhtem Pausenbedarf für
leidensangepasste Tätigkeiten (ausschliesslich leichte,
wechselbelastende Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über
zwei bis drei Kilogramm körpernah und nicht repetitiv, keine langen
Gehstrecken, kein repetitives Treppensteigen/Besteigen von Leitern etc.,
keine Einnahme von Zwangspositionen der Kniegelenke, keine repetitive
Beanspruchung des rechten Ellenbogens und der Beachtung
rückenökonomischer Grundsätze bezüglich Arbeitsumgebung). Das
Bundesgericht hielt ausserdem fest, dass der dortige Versicherte bereits
in der orthopädischen Begutachtung von verschiedenen Anstellungen als
Betriebs- bzw. Produktionsleiter in der Fleischverarbeitung berichtet habe,
die jeweils einzig an verlangten Einsätzen "an der Front" als Metzger
gescheitert seien. Gemäss Bundesgericht rechtfertigte sich das Abstellen
auf das Kompetenzniveau 3 in der Branche der Nahrungs- und
Getränkeherstellung bereits ohne Berücksichtigung der (abgebrochenen)
Umschulung zum technischen Kaufmann (siehe Urteil des Bundesgerichts
9C_156/2020 vom 9. Juli 2020 E.3 und 5.2.1 f.).
- 31 -
2.5.4. Aus der vorstehend wiedergegebenen Rechtsprechung lassen sich für die
Wahl des Kompetenzniveaus zur Bestimmung des Invaliden- bzw. der
Vergleichseinkommen die im konkreten Fall bei einer versicherten Person
vorhandenen Aus- und Weiterbildungen, der berufliche Werdegang und
die Berufserfahrung, weitere Kenntnisse und Fähigkeiten, die allfällige
Zumutbarkeit von Umschulungsmassnahmen sowie die verbliebenen
gesundheitlichen Einschränkungen als massgebliche Kriterien
identifizieren. Die in den vorstehenden Erwägungen 2.5.3.1 ff. erwähnte
Rechtsprechungsauswahl spricht für die Wahl eines höheren
Kompetenzniveaus als dasjenige des vom Beschwerdeführer geltend
gemachten Kompetenzniveaus 1. Die immerhin gewisse Parallelen zum
vorliegenden Fall aufweisenden, vorstehend erwähnten Fälle, bei denen
auf das Kompetenzniveau 1 abgestellt wurde, sind beispielsweise mit der
vorliegenden Situation des (muttersprachlich Deutsch sprechenden)
Beschwerdeführers insofern nicht vergleichbar, als dass dieser gemäss
der vorstehenden Erwägung 2.5.2 über seinen breiten, langjährigen
beruflichen Erfahrungsschatz in der Baubranche, insbesondere im
Gipserbereich, hinaus über ein vielfältiges Aus- und
Weiterbildungsportfolio (auch in administrativen Tätigkeiten) verfügt und
dieses mit einem Informatikanwenderkurs für technische Kaufleute weiter
vertieft wurde. Der Beschwerdeführer bringt zwar zu Recht vor, dass sich
das Abstellen auf das Kompetenzniveau 2 gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung nur dann rechtfertigen liesse, wenn der Versicherte über
besondere Fertigkeiten und Kenntnisse verfüge. Letzteres trifft aber
gerade auf ihn in jedem Fall zu, verfügt er doch aufgrund seiner
Erwerbsbiografie mit mehreren Aus- und Weiterbildungen für adaptierte,
leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Arbeiten mit überwiegend
sitzender Haltung über spezifische (theoretische und praktische)
Fähigkeiten und Kenntnisse, welche, entgegen seiner Ansicht, durchaus
mehr als leichte bis maximal mittelschwere (sitzende) Arbeiten im Sinne
- 32 -
von Hilfsarbeiten des Kompetenzniveaus 1 (im Sektor 3
[Dienstleistungen]) erlauben. Speziell zu benennen sind etwa
Sachbearbeitungs- und/oder (Geschäfts-)Führungsaufgaben generell im
Bereich (Aus-)Bauhandwerk oder auch im vorgelagerten
(Grosshandels-)Vertrieb inkl. Beratung zu entsprechenden Produkten,
wozu ihn seine jahrelangen praktischen Fachkenntnisse im
Ausbaugewerbe besonders qualifizieren. Somit rechtfertigt sich jedenfalls
das vom Beschwerdeführer verlangte Abstellen auf das
Kompetenzniveau 1 für die Bemessung des Invalideneinkommens nicht
(vgl. dazu etwa Urteile des Bundesgerichts 8C_832/2019, 8C_3/2020 vom
5. Mai 2020 E.7 ff und 8C_732/2018, 8C_742/2018 vom 26. März 2019
E.8.1 ff.).
2.5.5. Es bleibt die Frage zu beantworten, ob die Beschwerdegegnerin für die
Bemessungen des Invalideneinkommens zu Recht auf das
Kompetenzniveau 3 (Komplexe praktische Tätigkeiten, welche ein
grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen) und somit einem
monatlichen Bruttolohn (Zentralwert bzw. Median) über alle
Wirtschaftszweige (Zeile Total) für Männer gemäss der Tabelle TA1 der
LSE 2016 von CHF 7'183.-- abgestellt hat.
2.5.6. Der Beschwerdeführer verlangt zunächst in Abweichung von der
allgemeinen Regel, dass innerhalb des gewählten Kompetenzniveaus
nicht auf das Total aller Wirtschaftszweige, sondern lediglich auf den Wert
des Sektors 3 (Dienstleistungen) abgestellt wird. Wie in der vorstehenden
Erwägung 2.5.3.2 bereits ausgeführt, beschränkt sich der Fächer der dem
Beschwerdeführer noch offenstehenden Betätigungsmöglichkeiten nicht
nur auf die Wirtschaftszweige des Sektors 3 (Dienstleistungen). Denn in
erster Linie ist mit Blick auf die noch zumutbare Verweistätigkeit an eine
solche als Sachbearbeiter in der (Aus-)Baubranche, speziell im
Gipserbereich, oder auch als Geschäftsführer eines handwerklichen
- 33 -
(Aus-)Baubetriebes zu denken, die den Wirtschaftszweigabteilungen 41-
43 aus dem Sektor 2 (Produktion) zuzuordnen sind (vgl. dazu die NOGA
2008 Klassifizierung der Wirtschaftszweige in der Tabelle TA1 der LSE
2016 des BfS sowie BfS, NOGA 2008 Allgemeine Systematik der
Wirtschaftszweige, Erläuterungen, Neuchâtel 2008, S. 121 ff.). Auch wenn
das ebenfalls bereits erwähnte Betätigungsfeld des vorgelagerten
(Grosshandels-)Vertriebes inkl. Beratung zu entsprechenden Produkten
der Wirtschaftszweigabteilung 46 aus dem Sektor 3 "Dienstleistungen"
zuzuordnen ist (vgl. dazu BfS, NOGA 2008 Allgemeine Systematik der
Wirtschaftszweige, Erläuterungen, Neuchâtel 2008, S. 131 ff.), ist es
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung mangels hinreichend
zuverlässiger, statistischer Aussagekraft unzulässig, aus (zwei)
verschiedenen Zentralwerten (Median) der LSE-Tabellen einen Mittelwert
zu bilden und diesen dann der Validen- oder
Invalideneinkommensberechnung zugrunde zu legen (siehe BGE 142 V
178 E.2.5.7; Urteile des Bundesgerichts 8C_58/2021 vom 30. Juni 2021
E.4.1.2, 9C_72/2017 vom 19. Juli 2017 E.4.2.2 und 8C_192/2013 vom
16. August 2013 E.7.2.2). Zudem ist es dem Beschwerdeführer trotz
seiner körperlichen Einschränkungen laut dem Belastungsprofil weiterhin
möglich, in überwiegend sitzenden Positionen leichte bis mittelschwere
wechselbelastende, handwerkliche Arbeiten ohne monoton-repetitive
Bewegungs- und Haltungsmuster des Rückens sowie ohne repetitive
Überschulterarbeiten auch in Produktions- bzw. produktionsnahen
Betrieben auszuüben. In diesem Sinne sprach die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer mit Mitteilung vom 4. Juni 2020 denn auch einen
Intensiv-Staplerkurs zur Verbesserungen seiner logistischen Fertigkeiten
zu (siehe SUVA-act. 209 und 217 im Verfahren S 20 95). Damit ist – der
Regel entsprechend und entgegen der beschwerdeführerischen Ansicht –
auf den Totalwert der LSE 2016 für das gewählte Kompetenzniveau
- 34 -
abzustellen, weil sich die in Frage kommenden Arbeitsstellen sowohl im
Sektor 2 als auch im Sektor 3 befinden können.
2.5.7.1. Die Beschwerdegegnerin stellt für die Bemessung des
Invalideneinkommens auf das Kompetenzniveau 3 ab, welches komplexe
praktische Tätigkeiten, die ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet
voraussetzen, umfasst. Dafür beruft sie sich – wie in der vorstehenden
Erwägung 2.5.3.3 bereits erwähnt – auf das Urteil des Bundesgerichts
8C_307/2017 vom 26. September 2017. Dieser Fall weist insofern
Parallelen zum vorliegenden auf, als auch die dortige Versicherte über
Aus- und Weiterbildungen verfügte. Ausserdem hat sie an ihrem
Arbeitsplatz langjährige praktische Erfahrungen gesammelt sowie auch
administrative und Leitungsaufgaben in den Firmen übernommen. Nach
den Feststellungen des Bundesgerichts verfügte sie über fundierte
Kenntnisse und Fähigkeiten im Gesundheitswesen, die sie auch im
administrativen Bereich einsetzen könne (siehe Urteil des Bundesgerichts
8C_307/2017 vom 26. September 2017 E.5.2.1). Im Urteil 9C_156/2020
vom 9. Juli 2020 hielt das Bundesgericht fest, dass der erlernte Beruf auch
nach der gesundheitsbedingten Aufgabe Bestandteil der Ausbildung
bleibe und dem dortigen Versicherten – angesichts seiner Erfahrung als
selbständiger Akkordmetzger mit eigener GmbH – in der angestammten
Branche der Fleischverarbeitung leidensangepasste komplexe praktische
Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet
voraussetzten, grundsätzlich offen stünden. Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens rechtfertige sich das Abstellen auf das
Kompetenzniveau 3 in der (angestammten) Branche der Nahrungs- und
Getränkeherstellung (Wirtschaftszweigabteilungen 10-11) bereits ohne
Berücksichtigung der (abgebrochenen) Umschulung zum technischen
Kaufmann und es könne offenbleiben, ob mit Blick auf die abgebrochene
Ausbildung zum technischen Kaufmann nicht allenfalls der Beizug des
- 35 -
Kompetenzniveaus 4 (Tätigkeiten mit komplexer Problemlösung und
Entscheidungsfindung, welche ein grosses Fakten- und theoretisches
Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen) in Frage käme (siehe Urteil
des Bundesgerichts 9C_156/2020 vom 9. Juli 2020 5.2.1 f. sowie die
vorstehende Erwägung 2.5.3.12). Im Urteil 8C_878/2018 vom 21. August
2019 hinderte der Abbruch einer nach dem Unfall begonnen
kaufmännischen Ausbildung ebenfalls nicht die Ermittlung des
Invalideneinkommens auf Basis des Kompetenzniveaus 3, wobei
ausgewiesen war, dass der dortige Versicherte die Stellvertretung seines
früheren Geschäftspartners und kleinere administrative Aufgaben auch
ausserhalb seiner Verantwortlichkeit/Zuständigkeit im Wareneinkauf
übernehmen konnte. Dabei handelte es sich um einen gelernten
Koch/Küchenchef und Chef-Traiteur, der langjährig im
Traiteur-/Comestiblesbereich verschiedener Unternehmungen tätig war
und zuletzt auch eine leitende Funktion in einem Betrieb besetzte sowie
für den weltweiten Wareneinkauf verantwortlich war (siehe Urteil des
Bundesgerichts 8C_878/2018 vom 21. August 2019 E.5.1 und 5.2.1 f.
sowie die vorstehende Erwägung 2.5.3.11).
2.5.7.2. Der Beschwerdeführer verfügt gemäss der vorstehenden Erwägung 2.5.2
ebenfalls über spezifische Kenntnisse und Erfahrungen in administrativen,
arbeitsvorbereitenden und leitenden Tätigkeiten infolge seiner
angestammten Tätigkeit als Geschäftsführer eines Gipserbetriebes. Diese
Fähigkeiten sind namentlich mit dem Diplom für Unternehmensführung
SIU aber auch der bisherigen, durchaus erfolgreichen Tätigkeit als
Geschäftsführer der K._ GmbH ausgewiesen. Das Diplom für
Unternehmensführung SIU umfasste insgesamt 440 Lektionen in den
Bereichen Unternehmensführung (Beschaffung, Qualitäts- und
Projektmanagement, Marketing, Steuern, Versicherungswesen,
Informatik), Personalwesen, Rechnungswesen, Volkswirtschaft und Recht
- 36 -
(siehe IV-act. 68 S. 169 ff. und die vorstehende Erwägung 2.5.2).
Ausserdem enthielten auch noch weitere absolvierte Weiterbildungen
bzw. entsprechende Ausbildungsmodule Themen wie etwa
Preiskalkulation, AVOR und Baustellenlogistik, Konstruktions- und
Baustofflehre sowie Bauphysik und Bauchemie (siehe IV-act. 68 S. 168
und 176). Ausserdem ergibt sich aus dem Bericht zur Besprechung bei der
SUVA vom 23. September 2019 das unveränderte Jobprofil des
Beschwerdeführers, wonach seine Tätigkeit bei der K._ GmbH auch
5 % Akquisition, 5 % Rapportwesen/Ausmessen und 10 % Offertwesen
beinhalte; dies neben 80 % manuellem Wirken auf den Baustellen (siehe
IV-act. 68 S. 164).
2.5.7.3. Schliesslich macht die Beschwerdegegnerin auch zu Recht geltend, dass
dem Beschwerdeführer angesichts seines Alters im massgebenden
Zeitpunkt Umschulungsmassnahmen durchaus zumutbar sein und in casu
–in der Form eines Informatikanwenderkurses für technische Kaufleute
und später auch noch einem Intensiv-Staplerkurs – auch tatsächlich an die
Hand genommen worden sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_792/2019 vom 28. Februar 2020 E.3.2 ff. und 8C_307/2017 vom
26. September 2017 E.5.2.1).
2.5.7.4. Damit ist die Schlussfolgerung der Beschwerdegegnerin, wonach dem
Beschwerdeführer infolge seiner Aus- und Weiterbildung und seiner
gesamten Erwerbskarriere auch komplexe, leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende Sachbearbeitungs- bzw. Führungstätigkeiten, die ein
grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen, sowohl im Sektor 2
des (Aus-)Baugewerbes als auch im gewissen Bereichen des Sektors 3
(namentlich [Grosshandels-]Vertriebes inkl. Beratung zu entsprechenden
Produkten des [Aus-]Baugewerbes) durchaus zumutbar sind, nicht zu
beanstanden (vgl. auch VGU S 17 26 vom 27. Februar 2018 E.6.5.3.3 und
6.6.1 f. sowie die vorstehende Erwägung 2.5.3.6). Damit im Einklang
- 37 -
stehen die einschlägigen Urteile des Bundesgerichts 9C_156/2020 vom
9. Juli 2020, 8C_878/2018 vom 21. August 2019 und 8C_307/2017 vom
26. September 2017. Im Gegensatz etwa zu den Urteilen des
Bundesgerichts 9C_156/2020 vom 9. Juli 2020 und 8C_878/2018 vom
21. August 2019 schloss vorliegend der Beschwerdeführer im Mai 2007
eine Sachbearbeitungs- und Führungsausbildung mit dem Diplom für
Unternehmensführung SIU tatsächlich erfolgreich ab (siehe IV-act. 68
S. 169 ff.), was das Abstellen auf das Kompetenzniveau 3 umso mehr
rechtfertigt. Daran ändert auch nichts, dass in den genannten Urteilen des
Bundesgerichts jeweils auf das Kompetenzniveau 3 der angestammten
Branchen abgestellt wurde. Denn vorliegendenfalls läge der Medianwert
für Männer gemäss der Tabelle TA1 der LSE 2016 für das angestammte
Baugewerbe (Wirtschaftszweigabteilungen 41-43) mit CHF 7'356.--
ohnehin höher als der von der Beschwerdegegnerin – auch gemäss der
vorstehenden Erwägung 2.5.6 zu Recht herangezogene – Totalwert von
CHF 7'183.-- für das Kompetenzniveau 3.
2.5.8. Auf Basis der LSE 2016, Tabelle TA1, Kompetenzniveau 3, Zeile "Total"
für Männer berechnet, ergibt sich somit für das Jahr 2019 ein
Invalideneinkommen von (gerundet) CHF 91'123.-- (CHF 7'183.-- x 12 : 40
x 41.7 x 1.004 x 1.005 x 1.005). Bei einem Valideneinkommen von
CHF 123'645.-- bzw. – wie vom Beschwerdeführer verlangt –
CHF 130'000.-- ergeben sich Invaliditätsgrade von gerundet 26 % bzw.
30 %, welche den Mindestinvaliditätsgrad von 40 % für den Anspruch auf
eine Viertelsrente (Art. 28 Abs. 2 IVG) nicht erreichen.
2.6. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung können persönliche und
berufliche Merkmale der versicherten Person wie Art und Ausmass der
Behinderung, Lebensalter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität
oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad je nach Ausprägung
Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben, weshalb ein – im Einzelfall nach
- 38 -
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzender – auf höchstens
25 % begrenzter Leidensabzug von dem nach den LSE-Tabellenlöhnen
zu ermittelnden Invalideneinkommen vorgenommen werden kann, soweit
anzunehmen ist, dass die trotz des Gesundheitsschadens verbleibende
Leistungsfähigkeit infolge eines oder mehrerer dieser Merkmale auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. dazu BGE 134 V 64 E.4.2.1) nur mit
unterdurchschnittlichem Einkommen verwertet werden kann (siehe
BGE 146 V 16 E.4.1, 135 V 297 E.5.2, 134 V 322 E.5.2, 126 V 75 E.5b/bb-
cc; Urteile des Bundesgerichts 8C_393/2020 vom 21. September 2020
E.3.1, 9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1 und 9C_787/2018,
9C_795/2018 vom 19. Juli 2019 E.6.2).
Betreffend die Anerkennung eines leidensbedingten Abzuges bzw. dessen
Höhe ist grundsätzlich zu beachten, dass ein medizinisches Anforderungs-
und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum
hinzutretende qualitative oder quantitative Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spektrum der
erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter
Berücksichtigung der Fähigkeiten, der Ausbildung und der
Berufserfahrung der versicherten Person realistischerweise noch in Frage
kommen. Nur wenn – auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt – unter
Berücksichtigung solcher personen- oder arbeitsplatzbezogenen
Einschränkungen kein genügend grosses Spektrum an zumutbaren
Verweistätigkeiten besteht, rechtfertigt sich allenfalls ein (zusätzlicher)
Abzug vom (Tabellen-)Lohn (siehe Urteile des Bundesgerichts
8C_433/2020 vom 15. Oktober 2020 E.8.1 und 8.2.2, 8C_151/2020 vom
15. Juli 2020 E.6.2 und 8C_174/2019 vom 9. Juli 2019 E.5.2.2). Die in der
Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltenen
gesundheitlichen Einschränkungen dürfen zudem nicht zusätzlich in die
Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer
- 39 -
doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen (siehe BGE 146
V 16 E.4.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_390/2020 vom 25. November
2020 E.4.3, 8C_393/2020 vom 21. September 2020 E.3.1, 9C_283/2020
vom 17. August 2020 E.7.1.1 und 8C_586/2019 vom 24. Januar 2020
E.4.1).
Betreffend die konkrete Höhe des Leidensabzuges ist auch zu beachten,
dass das streitberufene Gericht sein eigenes Ermessen nicht ohne
Weiteres an dasjenige der Beschwerdegegnerin stellen kann (siehe
BGE 137 V 71 E.5.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_829/2019 vom
6. März 2020 E.4.3.1, 9C_363/2017 vom 22. Juni 2018 E.2.2,
8C_552/2017 vom 18. Januar 2018 E.5.5 und 8C_114/2017 vom 11. Juli
2017 E.3.3).
2.6.1. Der Beschwerdeführer begründet einen leidensbedingten Abzug vom
Tabellenlohn von mindestens 10 % damit, dass er seit Jahren im gleichen
Betrieb gearbeitet habe und nun in einer adaptierten Tätigkeit mit starken
Einschränkungen konfrontiert sei, welche seine Leistungsfähigkeit
sicherlich verminderten. Ein (potenzieller) Arbeitgeber würde die
(gesundheitlichen) Einschränkungen lohnmindernd berücksichtigen,
weshalb höchstens ein Invalideneinkommen von CHF 56'001.80 (recte
CHF 56'710.--) erzielbar sei. Bei einem Valideneinkommen von
CHF 130'000.-- resultiere ein Invaliditätsgrad von 57 % (recte 56 %).
Wollte man den Leidensabzug mit der Begründung nicht gewähren, die
Einschränkungen seien bereits im Kompetenzniveau berücksichtigt, so
müsse zwingend auf das Kompetenzniveau 1 abgestellt werden, womit
ebenfalls ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente bei einem
Invaliditätsgrad von 52 % bestünde.
2.6.2. Der vom Beschwerdeführer geforderte Leidensabzug von mindestens
10 % kann nach Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht gewährt werden.
- 40 -
Denn ihrer Ansicht nach käme vorliegend ohnehin lediglich eine
leidensbedingte Einschränkung bzw. die Art und das Ausmass der
Behinderung resp. des Gesundheitsschadens für einen Abzug in Frage.
Aufgrund der vorliegenden Arztberichte bestehe beim Beschwerdeführer
in einer angepassten Tätigkeit aber weder eine zeitliche Einschränkung
noch eine Verminderung der Leistungsfähigkeit, womit sich kein
leidensbedingter Abzug rechtfertige.
2.6.3. Dem Beschwerdeführer kann nicht gefolgt werden, wenn er aufgrund der
langen Betriebszugehörigkeit und infolge von starken Einschränkungen in
einer adaptierten Tätigkeit einen Abzug vom Tabellenlohn in der Höhe von
mindestens 10 % einfordert. So kann aus der – nicht substanziiert
bestrittenen – RAD-Einschätzung von Dr. med. J._ (siehe dazu
bereits die vorstehende Erwägung 2.5.1), wonach dem Beschwerdeführer
noch leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten in
überwiegendem Sitzen ganztägig ohne monoton-repetitive Bewegungs-
und Haltungsmuster des Rückens, ohne repetitive Überschulterarbeiten,
ohne Tätigkeiten in überwiegendem Gehen und Stehen, ohne häufiges
Gehen im Gelände, ohne Steigen auf Leitern und Gerüste, ohne häufiges
Treppensteigen sowie ohne Einnehmen einer Kniehocke in einem 100 %-
Pensum bzw. ganztags ohne zusätzliche Leistungsminderung zumutbar
sei, kein Leidensabzug infolge qualitativer Einschränkungen abgeleitet
werden. Entgegen der beschwerdeführerischen Ansicht folgt daraus, wie
in den vorstehenden Erwägungen 2.5.1 ff. ausführlich dargelegt, aber
auch nicht, dass bei einer Verweigerung eines entsprechenden Abzuges
zwingend nur das Kompetenzniveau 1 in Frage käme. Der
Beschwerdeführer verkennt damit die ihm noch offenstehenden, objektiv
und realistischerweise zumutbaren Verweistätigkeiten, die dem
Kompetenzniveau 3 zuzuordnen sind. Dies auch, weil das medizinische
Anforderungs- und Belastungsprofil in erster Linie das Spektrum der
- 41 -
erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingrenzt, welches unter
Berücksichtigung der Fähigkeiten, der Ausbildung und der
Berufserfahrung der versicherten Person realistischerweise noch in Frage
kommen. Entscheidend ist also die Frage, ob mit Bezug auf eine konkret
in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer
Lohneinbusse reale Chancen für eine Anstellung bestehen (siehe Urteile
des Bundesgerichts 8C_433/2020 vom 15. Oktober 2020 E.8.2.2,
8C_151/2020 vom 15. Juli 2020 E.6.2 und 8C_174/2019 vom 9. Juli 2019
E.5.2.2). Dafür bestehen angesichts der Fähigkeiten des
Beschwerdeführers in den verbliebenen Betätigungsfeldern keine
hinreichenden Anhaltspunkte. Das Bundesgericht hat in verschiedenen
Entscheiden denn auch festgehalten, dass eine langjährige Betriebstreue
mit Blick auf den Anfangslohn grundsätzlich positiv zu werten ist und somit
einen allfälligen Verlust eines möglichen lohnrelevanten Vorteils infolge
lang dauernder Anstellung abmindern oder sogar aufzuheben vermag (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 9C_407/2019 vom 28. August 2019 E.4.4.3,
8C_552/2017 vom 18. Januar 2018 E.5.4.1, 9C_477/2016 vom
23. November 2016 E.4.2 und 8C_586/2008 vom 15. Januar 2009 E.4.3).
Selbst wenn man – bei Zugrundelegung des Kompetenzniveaus 3 – für
die Berechnung des Invalideneinkommens berücksichtigen wollte, dass
der Beschwerdeführer seine Zusatzausbildungen und Spezialkenntnisse
im (Aus-)Baugewerbe erworben hat und dies in anderen
Wirtschaftszweigen nicht ohne weiteres ohne eine entsprechende
Lohneinbusse wirtschaftlich verwertbaren wären, rechtfertigte sich in
jedem Fall kein Leidensabzug von 15 %, welcher aber – beim ebenfalls
vom Beschwerdeführer geforderten Valideneinkommen von
CHF 130'000.-- – für einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % erforderlich wäre. Andere anerkannte Gründe, die
- 42 -
vorliegend einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen könnten (siehe
dazu die vorstehende Erwägung 2.6), sind nicht ersichtlich.
3. Der Beschwerdeführer kritisiert schliesslich auch das von der
Beschwerdegegnerin der Invaliditätsbemessung per 2019 zugrunde
gelegte Valideneinkommen von CHF 123'645.--. Dieses betrage vielmehr
CHF 130'000.--, so wie es auch der Berechnung der
Krankentaggeldleistungen der Krankentaggeldversicherung zugrunde
gelegt worden sei. Ausserdem erhalte er auch weiterhin von der K._
GmbH monatliche Leistungen von CHF 10'000.-- (zzgl. 13. Monatslohn).
3.1. Die Beschwerdegegnerin stellt sich betreffend das Valideneinkommen auf
den Standpunkt, dass zwar dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-
Auszug) und den Lohnmeldungen (an die Krankentaggeldversicherung)
tatsächlich ein Einkommen von CHF 130'000.-- entnommen werden
könne. Für das vorliegende Verfahren sei dies aber unerheblich, da selbst
bei einem Valideneinkommen von CHF 130'000.-- (bei ansonsten
unveränderten Invaliditätsbemessungsfaktoren) ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 30 % resultierte.
3.2. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen beläuft sich das gerundete
Invalideneinkommen per 2019 auf CHF 91'123.-- (CHF 7'183.-- [LSE
2016, Tabelle TA1, Kompetenzniveau 3, Männer, Zeile Total] x 12 : 40 x
41.7 x 1.004 x 1.005 x 1.005), wobei kein leidensbedingter Abzug zu
gewähren ist. Bei einem Valideneinkommen von CHF 123'645.-- resultiert
ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von (gerundet) 26 %. Bei
einem Valideneinkommen von CHF 130'000.-- ein solcher von (gerundet)
30 %.
3.3. In beiden Fällen resultiert also kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
von mindestens 40 %, welcher gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG einen weiteren
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Anspruch auf eine (Viertels-)Rente ab dem 1. Juli 2019 begründen würde.
Die angefochtene Verfügung vom 3. März 2020 ist somit nicht zu
beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
4. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten über Leistungen aus der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden,
in denen ein durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht
die Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf
CHF 700.-- fest. Aufgrund des Ausgang des Verfahrens, gehen diese
zulasten des Beschwerdeführers. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin
steht kein Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG
e contrario).
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