Decision ID: b08ac4a9-bc3d-429d-98e1-87f400109430
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1976, Mutter von zwei Kindern (Jahrgang 1999 und 2008), war zuletzt
seit
Oktober 2001
in einem Pensum von 60
%
bei
Y._
AG als
Löterin
tätig (
Urk.
6/
16
)
.
Unter Hinweis auf
Rücken
beschwerden
(vgl.
Urk.
6/8)
meldete sich
die Versicherte
am
2
1.
November 2011
bei der Invalidenversicher
ung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
Unfallversicherung bei (
Urk.
6/9) und holte beim
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
1
1.
Dezember 2014
erstattet wurde (
Urk.
6/97
).
Nach
durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
6/10
9
-
120)
sprach die IV-Stelle
der Versicherten
mit Verfügung vom
1
1.
Juni 2015
bei einem
Invali
d
i
tätsgrad
von
55
%
eine
halbe
R
ente ab
1.
August 2014 zu (
Urk.
6/121).
1.2
Am 1
7.
Juni 2015 meldete sich die Versicherte zum Bezug einer
Hilflosenent
schädigung
an (
Urk.
6/122).
Die IV-Stelle führte
eine Abklärung der beeinträchtigen Arbeitsfähigkeit in
Beruf und Haushalt (Urk. 7/105) sowie
eine Abklärung der Hilflosigkeit (Urk
. 6/129) bei der Versicherten zu Hause durch.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/
130-134
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
3.
Dezember 2015 einen Anspruch der Versi
cherten auf eine
Hilflosenentschädigung
(
Urk.
6/135 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
1.
Januar 2016
Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Ver
fügung vom
3.
Dezember 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben (S. 2
Ziff.
1
) und es sei
ihr eine
Hilflosenentschädigung
wegen mindestens leichter Hilflosigkeit
zuzusprechen (S. 2
Ziff.
2
), eventuell sei
nach Abgabe adäquater Hilfsmittel mit entsprechender Instruktion erneut eine recht
s
ver
bindliche Abklärung der
Hilflosenentschädigung
durchzuführen
(S. 2
Ziff.
3
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
2.
Februar
2016
(
Ur
k.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin
am
2
3.
Februar
2016
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Mit Eingabe vom
1.
März
2016 (
Urk.
8) hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest. Mit
Schreiben vom 1
0.
Mai 2016 (
Urk.
10) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
das Einreichen einer weiteren Stellungnahme. Dies wurde der Beschwerde
führerin am 1
1.
Mai 2016 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
11).
Mit Eingabe vom 2
9.
Juli 2016 (
Urk.
12) reichte die Beschwerdeführerin einen medizinischen Bericht (
Urk.
13) zu den Akten. Mit Schreiben vom 1
1.
August
2016 verzich
tete die Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme (
Urk.
15).
Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1
5.
August 2016 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG) haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Über
wachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung ange
wiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV
). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinwei
sen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestim
mung
gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Ab
gabe von
Hilfsmitteln:
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders auf
wendi
gen Pflege bedarf;
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körper
li
chen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleis
tun
gen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Artikel 38 an
gewiesen ist.
1.3
Nach Art. 38 Abs. 1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von Art. 42 Abs. 3 IVG vor, wenn eine volljährige, versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
a.
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
b.
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Beglei
tung einer Drittperson angewiesen ist; oder
c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die An
nahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine
Viertelsrente
bestehen (Art. 38 Abs. 2 IVV).
Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Begleitung, die regel
mäs
sig und im Zusammenhang mit den in Absatz 1 erwähnten Situatio
nen erfor
derlich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretungs- und
Ver
waltungstä
tigkeiten
im Rahmen vormundschaftlicher Massnahmen nach Art. 398-419 des Zivilgesetzbuches (Art. 38 Abs. 3 IVV).
Der Anspruch auf Berücksichtigung des Bedarfs an lebenspraktischer Be
gleitung ist nicht auf Menschen mit Beeinträchtigung der psychischen oder geis
tigen Ge
sundheit beschränkt. Es ist durchaus möglich, dass auch andere Behinderte einen
Bedarf an lebenspraktischer Begleitung geltend machen kön
nen. Zu denken ist ins
besondere an hirnverletzte Menschen (BGE 133 V 450 E. 2.2.3).
Unerheblich ist, in welcher Umgebung sich die versicherte Person - abgesehen da
von, dass sie ausserhalb des Heims wohnen muss - aufhält und ob sie auf die Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder der Eltern zählen kann (BGE 133 V 450 E. 2.2.3 und 5).
Als regelmässig im Sinne von Art. 38 Abs. 3 Satz 1 IVV gilt die
lebensprakti
sche
Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im
Durchschnitt mindestens 2 Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 450
E. 6.2).
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritt
hilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch
die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätz
liches und eigenständiges Insti
tut
der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
Das Gesetz macht den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
nicht davon ab
hängig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 133 V 472 E. 5.3.2).
1.4
Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwische
n ärztlicher Fachperson und Ver
waltung erforderlich. Erstere hat anzugeben, inwiefern die versicherte
Per
son in ihren körperlichen beziehungsweise geistigen Funktionen durch da
s Leiden ein
geschränkt ist. Der Versicherungsträger kann an Ort und Stelle wei
tere Abklä
rungen vornehmen. Bei Unklarheiten über physische oder psy
chische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche
Lebensver
richtungen
sind Rück
fragen an die medizinischen Fachpersonen
nicht nur zulässig, sondern notwen
dig. Weiter sind die Angaben der Hilf
e leistenden Personen zu berück
sichtigen,
wobei divergierende Meinungen der
Beteiligten im Bericht aufzuzei
gen sind. Der
Berichtstext schliesslich muss plausibel, be
gründet und detailliert bezüglich der
einzelnen alltäglichen
Lebensverrichtun
gen
sowie den tatbe
standsmässigen Erfor
der
nissen der dauernden persönlichen Überwachung und der Pflege (Art. 37 IVV
) gemäss sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zu
v
erlässige
Entscheidungsgrund
lage
im eben u
mschrie
benen Sinne darstellt, in das
Ermessen der die Abklä
rung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzunge
n vorliegen. Das gebietet insbe
sondere der Umstand, dass die fachlich kompe
tente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im
Be
schwerdefall
zuständige Gericht (BGE 130 V 61 ff. E. 6.1.1 und 6.2; AHI 2000 S. 319 f. E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) da
von aus, dass die Selbständigkeit gemäss erfolgter Abklärung mittels ange
passte
r
Bewegungsabläufe sowie dem Einsetzen diverser Hilfsmittel in sämt
lichen Lebensverrichtungen erhalten werden könnte. Medizinisch-pflegerisch
e Hilfe sowie Überwachungsbedürftigkeit seien nicht ausgewiesen. Zudem be
stehe kein Anspruch auf lebenspraktische Begleitung
(S. 1)
.
Die versicherte Person sei verpflichtet, geeignete und zumutbare Massnahm
en zu treffen, um ihre Selbständigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Es sei zu erwähnen, dass bis heute keinerlei Anträge für irgendwelche Hilfsmittel eingetroffen seien. Gemäss Gutachten werde die Beschwerdeführerin physio
therapeutisch geschult. Es könne deshalb davon ausgegangen werden, dass
ihr angepa
sste
Bewegungsabläufe gezeigt und angelernt worden seien
(S. 2)
.
Es sei zumutbar, dass die Beschwerdeführerin die Tätigkeiten der alltäglichen Lebensverrichtungen zwischen den Blockaden ausführe. Vor Ort sei zum Beispiel der
Sockenanzieher
ausführlich erklärt worden. Im ärztlichen Gut
achten werde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin morgens selbständig aufst
ehe und ihren Lebensalltag selber bewältige und die Rückenschmerzen selbständig angehe. Zurzeit finde keine Therapie statt, welche die Problema
tik verbessern würde. Das ärztliche Gutachten sei beigezogen worden, da die Hilflosigkeit seit 2011 bestehe und diese in den Entscheidungsprozess einge
bunden sei (S. 3).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (
Urk.
1), dass
sie
in zahlreichen alltäglichen Lebensvorrichtungen -
etwa
in der Körperpflege - massiv eingeschränkt
sei
. Bis heute sei die Beschwerdegegnerin für keines der im Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
vom 2
5.
August 2015 erwähnten Hilfsmit
tel aufgekommen. Sodann sei sie
bis heute nie betreffend angepasste Bewegungsabläufe instruiert geschweige denn geschult worden
(S. 12 f.)
.
Im Übrigen seien weder der von ihr angegebene Arzt
Dr.
med.
A._
in den Entscheidungsprozess eingebunden
,
noch sei der
Regionale Ärztliche Dienst (
RAD
)
beigezogen worden. Die Abklärungsperson, die keine Ärztin sei, habe in Personalunion alleine entschieden, dass keine Hilflosigkeit vorliegen solle. Dieses Vorgehen widerspreche dem Kreisschreiben und der aktuellen höchst
richterlichen Rechtsprechung, weshalb der Abklärungsbericht vom 2
5.
Augus
t 2015 w
ertlos sei
(S. 13 f.)
.
Es müssten zahlreiche Hilfsmittel angeschafft werden, die mehr als
Fr.
400.-- kosteten. Gemäss
Ziff.
14.04 H
VI-Anhang gebe es bei der Anschaffung der - im Abklärungsbericht für notwendig erachteten - Haltestangen für den Ein- und Ausstieg in die Badewanne keinen Selbstbehalt (
Urk.
8).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen An
spruch der Beschwerdeführerin auf
Hilflosenentschädigung
verneint hat.
3.
3.1
Die Ärzte des
Z._
erstatteten ihr polydisziplinäres Gutachten am 1
1.
Dezember 2014 (
Urk.
6/97) gestützt auf die
Akten sowie die Untersuchungen der Beschwerdeführerin in den Bereichen Innere Medizin, Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie. Sie nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 44):
chronisches
lumbovertebrogenes
Schmerzsyndrom
mit aktivierter Facettenarthrose L4/5,
perisakraler
Ligamentopathie
und
residueller
S1-Symptomatik links bei
Status nach Mikrodiskektomie L5/S1 links am
6.
September 2011
Status nach erneuter Mikrodiskektomie L5/S1 links am 2
9.
November 2011 bei Rezidiv-Diskushernie
Status nach Auffahrkollision am 2
2.
Februar 2012 mit verstärkter
Lumboischialgie
links und vorübergehend rechts
Status nach
Spondylodese
L5/S1 mit
autologem
Knochenspan am
6.
Juni 2013
Adipositas per magna
muskuläre Insuffizienz und
Dysbalance
lumboradikuläres
Reizsyndrom S1 links mit
residueller
Sensibili
tätsstörung
S1 links
Angst- und depressive Störung gemischt (
ICD-10
F41.2)
b
eginnende anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung möglich (
ICD-10
F45.4)
Sie führten aus, dass
aus internistischer Sicht ausser einer Adipositas keine pathologischen Befunde hätten erhoben werden können.
Aus rein internis
tischer Sicht lasse sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen (S. 45).
Aus orthopädischer Sicht stehe die komplexe
lumboischialgiforme
Proble
matik linksbetont im Vordergrund. Es handle sich um einen aktivierten Verschleissprozess vor allem der Facetten L4/5 und
um
einen hochgradigen
ligamentären
perisakralen
Reizzustand
(S. 45)
.
In Anbetracht des problemlos möglichen Langsitzes müsse festgestellt werden, dass die Rolle der intra
spinalen Vernarbungen nicht als wesentliches Moment für die
Schmerzer
klärung
angenommen werden könne. Es müsse davon ausgegangen werden, dass diese morphologischen Befunde nur teilweise für die Schmerzen ver
antwortlich seien (S. 45 f.).
Leichte Tätigkeiten in wechselnder Körperposition
unter Vermeidung von häufigem Bücken, Heben und Tragen von Lasten über 5 kg seien der Beschwerdeführerin zumutbar (S. 30).
Im neurologischen Status hätten sich Zeichen eines sensiblen
Ausfallsyn
droms
S1
links mit fehlendem ASR und Hypästhesie im
Dermatom
S1 links bei im Übrigen fehlenden sensomotorischen Defiziten gezeigt.
Die festge
stellten
epiduralen
Adhäsionen und Vernarbungen würden die Beschwerden nur teilweise erklären. Teilweise dürften sie
pseudoradikulär
durch die
de
generativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule (LWS) bedingt sein. Die hohe Ängstlichkeit und das auffällige Verhalten während der klinischen Untersuchung seien zudem Hinweise dafür, dass die Beschwerden noch einen zusätzlichen nicht-somatischen Aspekt aufweisen würden
(S. 46)
.
Aus rein neurologischer Sicht könne aufgrund der chronischen Schmerzsymptomatik eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit auf 50
%
gemäss beschriebenem
Leis
tungsprofil
attestiert werden (S. 33).
Aus psychiatrischer Sicht liege bei der Beschwerdeführerin eine ängstliche Verarbeitung ihres Rückenleidens
, der diversen Rückenoperationen und der nichterfolgten Schmerzfreiheit mit zunehmendem Vermeidungsverhalten
im Vordergrund.
Zeitweilig liege eine leichte Depressivität vor, die allerdings gegenwärtig nur subdepressiv ausgemacht werden könne. Im Vordergrund stünden die Angst und die Sorgen der Beschwerdeführerin mit starker
Beein
druckbarkeit
und erschwerter Fähigkeit adäquat mit den Operationen und der nichterfolgten Schmerzfreiheit umzugehen (S. 46).
Aus psychiatrischer Sicht könne nur eine geringe Arbeitsunfähigkeit im Sinne einer Verminderung der Leistungsfähigkeit von 20
%
angenommen werden (S. 41).
Gesamthaft beurteilt, unter Berücksichtigung der somatischen und psychia
trischen Aspekte
,
sei die Beschwerdeführerin für die angestammte, rein sitz
ende Tätigkeit als Mitarbeiterin der Firma
Y._
AG als zu 100
%
arbeitsunfähig seit der ersten Operation im September 2011 zu betrachten. In adaptierten, körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten, vorwiegend sitzend, mit der Möglichkeit die Position immer wieder zu verändern, ohne körperliche Zwangshaltungen, ohne häufiges Bücken, Heben und Tragen von Lasten über 5 kg, sei die Beschwerdeführerin als zu 50
%
arbeitsfähig seit dem Gutachtensdatum zu beurteilen (S. 46 f.)
. Aus somatischer Sicht sei eine medizinisch überwachte Gewichtsreduktion dringend notwendig, dies würde sich auch positiv auf die Rückenschmerzen auswirken. Auch eine Steigerung der körperlichen Aktivität im Sinne einer muskulären
Rekonditionierung
sei dringend zu empfehlen. Dies sollte im Sinne einer medizinischen
Trainings
therapie
unter Aufsicht eines schmerztherapeutisch erfahrenen Therapeuten erfolgen (S. 47).
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), nahm am 1
5.
Dezember 2014 Stellung (
Urk.
6/107/8) und führte aus, das umfangreiche Gutachten sei unter vollständiger Würdigung der vorhandenen medizinischen Akten nach aus
führlicher Anamneseerhebung, genauem Eingehen auf die geschilderten Beschwerden und umfassender Untersuchun
g erstellt worden. Es sei darauf
abzustellen.
3.3
Die zuständige Abklärungsperson führte am 1
9.
Januar 2015 bei der Be
schwer
de
führerin zu Hause eine Haushaltabklärung an Ort und Stelle durch,
qual
ifizierte sie als zu 60 % im Er
werbsbereich und zu 40 % im Haushalt tätig
und ermittelte eine Einschrän
kung von 22.5 % im Haushalt (Urk. 6/105).
Die Beschwerdeführerin habe anlässlich des Gesprächs ausgeführt, dass sich die Schmerzsituation und die damit einhergehenden Einschränkungen seit Beginn der Krankheitszeit unverändert präsentieren würden. Sie empfinde nebst den Schmerzen die auftretenden Blockaden sehr belastend. Diese würden plötzlich und ohne Vorwarnung auftreten und jeweils 2-3 Minuten dauern. Die Begutachtung habe sich negativ auf das psychische Befinden ausgewirkt. Es sei ihr gesagt worden, dass sie sich die anhaltende
Schmerz
situation
selbst zuzuschreiben habe aufgrund des erhöhten Körpergewichts. Es werde nun versucht, in einer Gesprächstherapie die Schuld wied
er von ihr zu nehmen. Die Sitzungen fänden jetzt in Intervallen von 14 Tagen statt. Am selben Tag finde jeweils auch die Verlaufskontrolle bei der Rheumatologin statt. Die Beschwerdeführerin reise mit den
öffentlichen Verkehrsmitteln (
öV
)
dorthin
(S.
2)
.
3.4
In der Anmeldung zum Bezug von
Hilflosenentschädigung
vom 1
7.
Juni 2015 (
Urk.
6/122) wurde zur Hilflosigkeit ausgeführt, die Beschwerdeführerin brauche seit April 2011 Hilfe beim Anziehen, insbesondere der Unterwäsche, Hosen und Socken (
Ziff.
4.1.1). Sie brauche zudem Hilfe beim Abliegen und Aufstehen, mindestens zweimal am Tag (
Ziff.
4.1.2). Bei der Körperpflege brauche sie Hilfe beim Ein- und Aussteigen in die Badewanne und beim Rücken und
Füsse
w
aschen. Sie habe extra kurze Haa
re. Als Frau brauche sie zudem Hilfe beim Beine rasieren
(
Ziff.
4.1.4)
.
Bei der Fortbewegung brauche sie Hilfe
,
wenn der Rücken und das rechte Bein blockiert seien. Das rechte Bein spüre sie manchmal kaum und sie habe Angst, umzufallen. Sie könne nicht viel unternehmen und fühle sich alleine (
Ziff.
4.1.6).
3.5
Am 2
5.
August 2015 berichtete die Abklärungsperson der
Beschwerdegeg
nerin
über die am 1
1.
August 2015 bei der Beschwerdeführerin zu Hause
durchgeführte Abklärung (
Urk.
6/129).
Diese wurde in Anwesenheit des Rec
htsvertreters, des Ehemannes, der Schwester sowie der Tochter der Be
schwerdeführerin vorgenommen (S. 1).
Die Beschwerdeführerin habe erklärt,
unter wiederkehrenden Blockaden im Rücken zu leiden, welche sehr schm
erzhaft seien. Sie müsse während diesen Blockaden unbedingt ruhig liegen bleiben und abwarten bis sich diese Schmerzen wieder lösen würden. Die Blockaden würden ohne Vorwarnung einsetzen und würden sich innert eini
ger
Minuten wieder lösen. Damit die Schmerzzustände möglichst gering bleiben würden, nehme sie diverse Schmerzmedikamente ein. Am wohlsten sei es ihr, wenn sie seitlich auf dem Sofa liegen könne (S. 2
oben
).
Betreffend den Bereich Ankleiden / Auskleiden führte die Abklärungsperson aus,
dass die Beschwerdeführerin Dritthilfe benötige. Ein T-Shirt oder einen Pullover könne sie selbständig an- und ausziehen. Den BH könne sie hinten am Rücken
nicht selbständig schliessen
. Dabei werde ihr geholfen. Bei den Unterhosen, Hosen und Socken sei sie ebenfalls auf Dritthilfe angewiesen. Sie könne sich nicht bücken sowie auch das Bein nicht anheben, um die Klei
dungsstücke anzuziehen.
Wenn die Kleidungsstücke bis zur Hälfte hochge
zogen würden von Drittpersonen, könne sie diese jeweils selbständig ganz hochziehen. In den Armen sowie Händen bestünden keine Einschränkungen, so dass die Beschwerdeführerin sämtliche Verschlüsse selbständig bedienen könne. Die Schuhe könne sie ebenfalls selbständig an- und ausziehen. Mit einem langen Schuhlöffel funktioniere dies problemlos. Im Winter bei Stiefeln sei es problematisch, deshalb werde ihr dabei geholfen. Die Kleiderwahl treffe sie selbständig. Da
s
ie aufgrund der Medikamente stark schwitze, wechsle sie bis zu dreimal täglich das T-Shirt. Der regelmässige Kleiderwechsel erfolge somit aus eigenem Antrieb
.
Die Abklärungsperson merkte hierzu an, d
amit auf die Dritthilfe beim An
ziehen des
BH's
verzichtet werden k
önne
,
sei
es zumutbar, dass die Kundin einen BH
mit einem Verschluss vorne trage
. Mit angepassten Bewegungsab
läufen sowie Benutzung von Hilfsmitteln, sollte der Kleiderwechsel ebenfalls selbständig mögl
ich sein. Die Hilflosigkeit könne
in diesem Bereich nicht bejaht werden
(S. 2 unten)
.
Betreffend die Berei
che Aufstehen/Absitzen/Abliegen
führte die
Abklärungs
person
aus, dass s
ämtliche Positionswechsel für
die Beschwerdeführerin
schmerzhaft seien. Tagsüber könne sie jedoch sämtliche Positionswechsel selb
ständig vornehmen.
Am Morgen sei das Aufstehen am schlimmsten. Nahezu krieche sie aus dem Bett. Sie benötige
hierbei Dritthilfe. Die Drittperson würde
der Beschwerdeführerin
unter die Arme greifen und
sie
hoch
ziehen
.
In der Nacht könne
sie
maximal zwei Stunden schlafen. Tagsüber lege sie sich unter Aufsicht je nach Gelegenheit nochmals eine halbe Stunde hin. Alleine würde sie sich nicht getrauen zu schlafen, da sich während dieser Zeit extreme Blockaden ergeben würden.
Die Abklärungsperson merkte hierzu an, dass d
ie Positionswechsel tagsüber selbständig möglich
seien
. Mit angebrachten Haltegriffen sollte auch das Aufstehen aus dem Bett selbständig möglich sein. Die Notwendigkeit, d
ass eine Drittperson während des
Nach
mittagsschlaf
s
anwesend sein müsse
,
sei
nicht nachvollzie
hbar. Während den Blockaden könne
der Kundin auf keine Art und
Weise geholfen werden. Sie müsse
die intensive Schmerzb
lockade abwarten und danach könne
sie sich wieder selbständig bewegen
(S. 2 f.)
.
Betreffend den Bereich Essen führte die Abklärungsperson aus, dass
der Be
schwerdeführerin der Umgang mit dem Besteck selbständig gelinge. Sie könne
sämtliche Mahlzeiten selbständig zerkleinern und einnehmen. Das Trinken aus dem Glas
sei
ebenfalls problemlos möglich. Mit dem Kauen habe sie
Schwierigkeiten. Die Beschwerdeführerin habe diverse Zähne entfernen
lasse
n
müssen
, so dass sie aktuell in der oberen Zahnreihe nur noch vorne Zähne habe (8 Stück). Deshalb seien einige Nahrungsmittel schwierig zum Kauen. Sie esse deshalb selten Fleisch. Schluckbeschwerden seien nicht vorhanden.
Die Abklärungsperson merkte an, dass es sich bei
der Kauproblematik um IV-fremde Gründe
handle
(S. 3)
.
Betreffend den Bereich Körperpflege wird ausgeführt, dass die Beschwerde
führerin
mit Hilfe des Ehemannes
dusche
. Der Ein- und Ausstieg sei trotz des vorhandenen Schemels ni
cht alleine möglich. Während des
Duschen
s
stehe
sie
in der Badewanne. Den Oberkörper sowie die
Haarpflege erledige sie
selb
ständig. Der Ehemann sei ihr beim Waschen des Rückens,
der
Unterschenkel und
der
Füsse behilflich. Die Zahnpflege sowie Morgentoilette gelingt
ihr
selbständig. Das Haar lasse die Kundin seit jeher an der Luft trocknen.
Von der Abklärungsperson wird hierzu angemerkt, dass m
it angepassten Bewegungsabläufen sowie Du
schbrett und Haltegriffen
der Ein- und Ausstieg selbständig möglich sein
sollte
. Mittels Hilfsmitteln (Pflegehand,
Fusswasch
bürste
) könnte
die Beschwerdeführerin
ihre Selbständigkeit bei der Körper
pflege aufrechterhalten
(S. 3)
.
Die Abklärungsperson berichtete zum Bereich Reinigung nach Verrichtung der Notdurft, dass
keine
U
rin- oder Stuhlinkontinenz
bestehe
.
Die Beschwer
deführerin
suche die Toilette selbständig auf. Die Reinigung nach dem Wasserlösen gelinge ihr selbständig. Bei der Reinigung nach dem Stuhlgang mit Feuchttücher
n
und Wasser sei sie auf Dritthilfe angewiesen. Dies sei ihr äusserst unangenehm. Die Reinigung sei nicht mehr selbständig möglich, da sie sich nicht nach hinten drehen könne.
Die Abklärungsperson merkte hierzu an, damit die Reinigung nach dem Stu
hl
gang ebenfalls selbständig möglich
sei
,
könne
das Hilfsmittel „Intimreiniger" eingesetzt werden. Damit
sei
die Reinigung von vorne möglich und es
könne
auf das Drehen nach hinten verzichtet werden
(S. 3 f.)
.
Zum Bereich
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte
wird ausge
führt, dass sich die Beschwerdeführerin i
n der Wohnung
s
elbständig fortbe
wegen
könne
. Treppen könne sie mühsam selbständig bewältigen. Im Freien könne sie nur kurze Strecken zurücklegen.
Die Beschwerdeführerin
gehe lediglich alleine zu ihren Arztterminen nach
C._
. Ansonsten werde sie immer von ihrem Ehemann begleitet. Sie fürchte sich vor Stürzen, falls eine Blockade ei
nschiessen würde. Hilfsmittel wü
rden nicht eingesetzt. Der Alltag sei für
sie
belastend. Sie könne viele
Hobby's
nicht mehr ausführen. Ebenfalls sei der Morgen eine Herausforderung, da sie früher immer gearbeitet habe. Am
Nachmittag kämen
die Kinder von der Schule nach Hause und dies bringe etwas Unterhaltung. Ansonsten schaue die
Beschwerdeführerin
TV oder lese ein wenig. Hie und da würde
sie
Doppelbilder sehen, es könnte auf
grund der Medikation sein. Eine augenärztliche Abklärung ha
be
bis anhin noch nicht stattgefunden.
Hierzu wird angemerkt, dass die Beschwerdeführerin
ihre Arzttermine in
C._
selbständig wahr
nehme. Sie reise
mit den öffentlichen Verkehrsmitteln
alleine nach
C._
. Dabei müsse
sie mit dem Bus bis zum Bahnhof
D._
, mit dem Zug nach
C._
und anschliessend mit dem Tram bis
zum
E._
fahren
. Diese
n
Weg lege die Beschwerdeführerin ohne
Hilfsmittel zurück. Es bestehe
somit keine Hilflosigkeit im Sinne der IV
(S. 4)
.
Weiter wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin
ihren Alltag problem
los selbständig planen und strukturieren
könne
. Gemäss
Kreisschreiben über Invalidit
ät und Hilflosigkeit in der IV (KSIH) RZ 8050 bestehe
somit kein Anspruch auf die lebenspraktische Begleitung
(S. 4 unten).
Zur Planung und Organisation des Haushalts führte die Abklärungsperson aus,
dass d
er Ehemann den Wochenkehr
erledige
. Die Kinder würden dem Vater dabei etwas mithelfen.
Die Beschwerdeführerin
erkenne die anfallenden Arbeiten, jedoch könne sie sich daran nicht beteiligen aufgrund der starken Rückenschmerzen.
Im Untergeschoss befinde sich die
Gemeinschaftswasch
küche
inkl. Tumbler. Der Ehemann sowie die Kinder würden die Wäsche transportieren und waschen. Die Wäsche
werde
von der
Beschwerdeführerin
sowie den Kindern zusammengelegt.
Die Beschwerdeführerin
versorge ihre Wäsche selbständig auf
angepasster Höhe. Der Ehemann trag
e berufsbedingt Hemden. Diese wü
rden jeweils von der Schwägerin oder Schwester gebügelt
.
Sämtliche
Mahlzeiten wü
rden von
der Beschwerdeführerin
mit Hilfe der älteren Tochter zubereitet.
Die Beschwerdeführerin
lege sich bei Bedarf zwischendurch auf das Sofa. Die Tochter würde immer wieder Tipps bei der Mutter abhole
n. Sämtliche Termine organisier
e die Beschwerdeführerin
selbständig. Sie trage ihre Termine in der Agenda
ein und erscheine
jeweils zuverlässig. Der Briefkasten werde mehrheitlich von den Kindern geleert, wenn diese von der Schule nach
Hause kämen
.
Die Beschwerdeführerin
öffne
die Couverts
.
Die Rechn
ungen würden seit jeher vom
Ehemann erledigt
(S. 5)
.
Sämtliche Medikamente nehme die Beschwerdeführerin selbständig ein. Sie habe
die Medikamente in
einem Necessaire und nehme
jeweils die notwen
dige
n Tabletten heraus. Sie benötige
keine Aufforderung oder Kontrolle. Sie werde automatisch von den Schmerzen
an die Medikamenteneinnahme
erinnert
(S. 5 f.)
.
Zusammenfassend führte die Abklärungsperson aus, dass die Abklärung vor Ort ergeben habe, dass die
Selbständigkeit in sämtlichen Lebensverrichtungen mit angepassten Bewegungsabläufen sowie Hilfsmittel
n
erhalten werden
könnte
. Medizinisc
h-pflegerische Hilfe sowie Ü
berwachungsbedürftigkeit
sei
nicht ausgewiesen. Die Voraussetzungen für die
lebenspraktische Begleitung seien nicht erfüllt. Es bestehe
somit kein Anspruch auf eine
Hilflosenent
schädigung
. Der Antrag für die
Hilflosenentschädigung
müsse
abgewiesen
werden (S. 6).
3.6
Am
3.
Dezember 2015 nahm die Abklärungsperson Stellung zum Einwand
der Beschwerdeführerin (
Urk.
6/134) und führte aus, dass einfache und zwe
ck
mässige Hilfsmittel von der Invalidenversicherung übernommen würden, wenn
sie in der abschliessenden Liste der Verordnung über die Abgabe von Hilfs
mitteln enthalten seien oder einer dort aufgeführten Hilfsmittelkategorie zu
geordnet werden könnten (
Art.
21 IVG). Gemäss
Kreisschreiben über Invali
dit
ät und Hilflosigkeit in der IV (KSIH)
Rz
8085 sei die versicherte Person verpflichtet, geeignete und zumutbare Massnahmen zu treffen, um ihre Selb
ständigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Es sei zu erwähnen, dass bis heute keinerlei Anträge für irgendwelche Hilfsmittel bei der IV-Stelle einge
troffen seien (S. 1).
Gemäss Gutachten Seite 25 sei
die
Beschwerdeführerin
physiotherapeutisch geschult
worden
. Es k
önne
deshalb davon ausgegangen werden, dass der
Be
schwerdeführerin angepasste Bewegungsabläufe gezeigt und angelernt worden
seien
. Im
Abklärungsbericht
vom 2
1.
Januar 2015
(Beruf und Haushalt)
seien
die Angaben vor Ort aufgeführt
worden: Nebst den Schmerzen empfinde
die Kundin die auftretenden Blockaden als sehr belastend. Plötzlich und ohne Vorwarnung müsse
sie
mit derartigen Ereignissen rechnen. Das Ganze dauere jeweils 2-3 Minuten und löse sich dann unter starken Schmerzen
wieder. Sie fühle
sich in derartigen Momenten vollkommen hilflos.
Diese Aussage sei
nicht beanstandet
worden
. Die Blockaden
würden
sich von selbst
lösen
und jeweils zwei bis drei Minuten
dauern
. Es
sei
zumutbar, dass die
Beschwerdeführerin
die Tätigkeiten der alltäglichen Lebensverrichtungen
zwischen den Blockaden ausführe. Die Blockaden würden
sich nicht regel
mässig
ereignen
.
Vor Ort sei
zum Beispiel der
Sockenanzieher
ausführlich erklärt
worden
. Der Rechtsvertreter sowie die
Beschwerdeführerin seien
sich einig
gewesen
, dieses Hilfsmittel einzusetzen. Im ärztlichen Gutachten vom 0
7.
Juli 2014 werde
auf Seite 37 (Tagesablauf) aufgeführt, dass die
Beschwer
deführerin morgens selbstä
ndig aufstehe. Auf Seite 41 werde
festgehalten, das
s die
Beschwerdeführerin
ihr
en Lebensalltag selber bewältige
und die Rücken
sc
hmerzen selbständig aktiv angehe. Es
fä
nden
seit einiger Zeit keine Thera
pien statt, welche die Problematik verbessern würde
n
.
Zum
Einwandschreiben
, wonach
Dr.
med.
A._
und der RAD
nicht
in den Entscheidungsprozess eingebunden
worden seien und
der
Abklärungsbericht
deshalb wertlos
sei, führte die Abklärungsperson aus, dass d
as ärztliche Gut
achten vom 0
7.
Juli 2014
beigezogen
worden sei
, da die
Hilflosigkeit seit 2011 bestehe
,
sei
diese in den Entscheidungsprozess eingebunden. Es
sei
keine Verschlechterung geltend gemacht
worden
. Der Gesundheitszustand
sei
seit Jahren gleichbleibend. Es sei auf
die Angaben d
es Abklärungsberichtes v
om 2
5.
August
2015 sowie auf das ärztliche Gutachten vom 0
7.
Juli 2014
abzustellen
. Aufgrund der eindeutigen Sach- und Rechtslage
sei
kein anderer Entscheid möglich.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer Verfügung
(
Urk.
2)
auf den Abklärungsbe
richt vom
August 2015 (vorstehend E. 3.5
)
sowie die Stellung
nahme vom Dezember 2015 (vorstehend E. 3.6)
ab,
und verneinte einen Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
.
4.2
Die Abklärung
vor Ort
erfolgte in Kenntnis der diagnostizierten Krankheit
en
de
r
Beschwerdeführer
in (vgl. Urk. 6/129 S. 1
) und unter Berücksichtigun
g der
räumlichen Verhältnisse an
ihrem Wohnort. Der
Ehe
mann sowie die Kinder
de
r
Beschwerdefüh
rer
in
wur
de
n
in die Abklärung einbezogen
und ihre An
gaben wurden im Abklärungsbericht wiedergegeben un
d berücksichtigt. D
ie Ausführungen der Abklärungs
per
son sind detailliert und ausführlich und
ihre Schlussfolgerungen in nach
vollziehbarer Weise begründet.
Der
Abklärungs
bericht
entspricht daher vollumfänglich den praxisgemässen Kriterien (vgl. vor
stehend E. 1.4), weshalb dieser eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im Sinne der Rechtsprechung darstellt.
Insbesondere ergaben auch die vorlie
gen
den medizini
schen Berichte (vgl. vorstehend E. 3.1
-3.2
) nichts
, was auf eine anderweitige Ein
schätzung hin
deuten würde. So wurden keine Diagno
sen
oder Befunde
genannt,
die für sich auf eine bedeutsame Einschränkung in alltäglichen Lebensverrichtungen schliessen lassen würden und
eine Hilfs
bedürf
tigkeit de
r
Beschwerdeführer
in
begründen könnten
. Da im vorliegen
den Fall klare Fehleinsc
hätzungen der Abklärungs
person
nicht ersichtlich sind, besteht kein Anlass, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person einzugreifen, und es kann auf den Bericht vom 25. August 2015 ab
gestellt werden.
4.3
Was die
Beschwerdeführer
in
dagegen vorbringt, vermag an dieser Beurteilun
g nichts zu ändern.
Sie
machte geltend,
sie
sei im Bereich der Körpe
rpflege, dem An- und Auskleiden, bei der Reinigung nach Verrichtung der Notdurft sowie beim Einkaufen
auf Dritt
hilfe angewiesen (Urk. 1
S. 12
).
Was
das An- und Auskleiden
betrifft, so wurde die diesbezüglich
geltende gemachte
Dritthilfe im Abklärungsbericht
ausführlich erläutert und ange
merkt, dass es der Beschwerdeführerin zumutbar sei, einen BH mit Verschluss
vorne
zu tragen
und das Hilfsmittel „
Sockenanzieher
“ zu benutzen
.
Im Übri
gen kann auch ein BH mit Verschluss hinten ganz einfach vorne zu gemacht und anschliessend in die richtige Position gerückt werden.
Der
Kleiderwech
sel
sei mit angepassten Bewegungsabläufen und der Benutzung von Hilfs
mitteln selbständig möglich. Diesbezüglich resultiert keine Hilflosigkeit.
Bezüglich der von der Beschwerdeführerin geklagten weiteren Beeinträch
tigungen wurde im Rahmen der Abklärung bei der Beschwerdeführerin zu Hause
ebenfalls
festgestellt, dass
sie ihre Selbständigkeit
mit angepassten Bewegungsabläufen sowie Hilfsmitteln (Duschbrett, Haltegriffe, Pflegehand, Fusswaschbürste, Intimreiniger)
aufrechterhalten könne. Auch diesbezüglich resultier
t damit keine Hilflosigkeit.
Die vorliegenden medizinischen Berichte ergaben sodann nichts, was e
ine ander
weitige Einschätzung näher legen würde u
nd auch die
Beschwerdefüh
rer
in
reichte keine weiteren Arztberichte ein, gestützt auf welche von einer
Hilflosigkeit ausgegangen werden müsste.
Vielmehr wurde im Gutachten so
wohl
aus orthopädischer als auch internistischer Sicht eine 100%ige Arbeits
fähigkeit in angepassten Tätigkeiten
beschrieben
. Lediglich aus neurologischer
Sicht wurde eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert,
wobei diesbezüglich anzumerken bleibt, dass die entsprechenden Einschränkungen gemäss
Belas
tungsprofil
auch bei
den alltäglichen Lebensverrichtungen
berücksichtigt wurden
. Ausserdem ist es dem Ehemann und den Kindern der Beschwerde
führerin im Rahmen der Schadenminderungspflicht durchaus zumutbar, bei der Zubereitung des Essens, Aufräum- und Abwascharbeiten in der Küche mitzuhelfen, die Bodenreinigung sowie die gründliche Reinigung des Bads zu übernehmen und den Grosseinkauf (der Ehemann arbeitet bei
F._
) zu erledigen. Auch kann dem Ehemann und den Kindern zugemutet werden, den Transport der Wäsche in die Waschküche zu übernehmen sowie diese zu waschen.
Eine solche Mithilfe im Haushalt kann vom Ehemann der Be
schwerdeführerin sowie den Kindern erwartet werden und bedeutet keine
unverhältnismässige
Belastung.
Die Mitwirkungspflicht der
Familienmitglie
der
im Rahmen der Schadenminderungspflicht ist damit nicht zu beanstan
den.
Des Weiteren ist festzuhalten, dass bei der Führung des eigenen Haus
haltes die Möglichkeit besteht, sich die Zeit frei einzuteilen und nach Bedarf Pausen einzuschalten. Somit ist es der Beschwerdeführerin
zumutbar
,
bei einer plötzlich auftretenden Blockade im Rücken eine Pause einzulegen und die
alltäglichen Lebensv
errichtungen etappenweise zu erledigen.
Schliesslich
bleibt festzuhalten, dass d
er
Beizug
einer Stellungnahme des behandelnden Arztes oder des RAD
nicht zwingend ist
(vgl.
Rz
8129 f. KSIH
). So liegt es gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts seit
1.
Januar 2008 im Ermessen der IV-Stelle zu entscheiden, ob eine Konsultation des RAD erfor
derlich sei (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_605/2011 vom 3
1.
Januar 2012
E. 5.3)
.
4.4
Zusammenfassend liegen einerseits ärztliche Einschätzungen aus verschiede
nen Fachrichtungen und über den Verlauf vor, welche einen mehr oder weniger stationären Gesundheitszustand ausweisen, andererseits ist der
Ab
klärungsbericht
vom 2
5.
August 2015 überzeugend und nachvo
llziehbar be
gründet.
In diesem Zusammenhang ist namentlich nicht zu beanstanden, das
s die Abklärungsperson im Rahmen der im Sozialversicherungsbereich gel
ten
den Schadenminderungspflicht (
vgl.
BGE 129 V 460 E. 4.2
;
Kieser
, ATSG-Kommentar,
2.
Auflage 2009, N 48 zu Vorbemerkungen und N 7 zu
Art.
9 ATSG
)
bei verschiedenen Lebensverrichtungen darauf hinwies, dass durch den Einsatz einfacher Hilfsmittel die Selbständigkeit der Beschwerdeführerin erheblich erhöht werden könnte. Die von ihr vorgeschlagenen Massnahmen stellen denn auch weder einzeln noch in ihrer Gesamtheit eine Unzumutbar
keit dar.
Der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Hilfsmittel zulasten der
Beschwer
degegnerin
war nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens, weshalb sich
Ausführungen hierzu erübrigen. Es bleibt der Beschwerdeführerin unbenom
me
n, einen entsprechenden Antrag an die Beschwerdegegnerin zu richten (vgl.
Urk.
6/134 S. 1 unten).
Die angefochtene Verfügung vom
3
.
Dezember
2015
erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- a
nzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.