Decision ID: f32f003f-ea79-5389-8f78-8f048862baa2
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.a Der am (...) geborene deutsche Staatsangehörige A._ (nach-
folgend: Versicherter oder Beschwerdeführer) ist diplomierter Krankenpfle-
ger, arbeitete ab Anfang Mai 1989 als Grenzgänger mit Wohnsitz in (.../DE)
in der Klinik B._ (100 %-Pensum) und entrichtete in den Jahren
1989 bis 2000 – mit Unterbrüchen – Beiträge an die schweizerische Alters-
und Hinterlassenenversicherung (AHV; Akten der IV-Stelle des Kantons
Basel-Stadt [nachfolgend: act.] 1, S. 23 - 25; act. 68, S. 2).
A.b Am 31. August 1996 zog sich der Versicherte bei einem Treppensturz
eine Rhinobasisfraktur (Bruch im Bereich Nase/Schädelbasis; PSCHYREM-
BEL, Klinisches Wörterbuch, 264. Aufl. 2013, S. 238 und S. 1814) mit Li-
quorfistel (pathologische Öffnung der Liquorräume nach aussen, meist im
Bereich der Nase, der schädelbasisnahen Nasennebenhöhlen; PSCHYREM-
BEL, a.a.O., S. 1217) und Zerreissung der Dura (Hirnhaut; PSCHYREMBEL,
a.a.O.; S. 517), eine Fraktur und Impression der rechten Orbitawand (Au-
genhöhle; PSCHYREMBEL, a.a.O.; S. 1518) sowie eine Commotio cerebri
(Gehirnerschütterung; PSCHYREMBEL, a.a.O.; S. 407) zu, welche eine län-
gere Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatten. Am 4. September 1996 musste er
sich in der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Kli-
nikum C._ einem operativen Eingriff (transfasciale Ausräumung von
Siebbein- und Stirnhöhle rechts mit Wegnahme des rechten Stirnhöhlen-
bodens und Reposition der Fraktur sowie Versorgung der Liquorfistel und
Duralücke rechts) unterziehen. Am 28. Oktober 1996 unternahm er einen
Arbeitsversuch. Als Folge der persistierenden Beschwerden (ständige
Kopfschmerzen, Doppelbilder und Kreislaufstörungen) wurde ihm ab dem
8. November 1996 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert (act. 1, S. 87
- 97).
A.c Am 1. April 1997 (Datum Posteingang) meldete sich der Versicherte
bei der IV-Stelle des Kantons Basel-Stadt (nachfolgend: IV-Stelle) zum
Leistungsbezug an. In der Anmeldung wurden chronische Kopfschmerzen,
eine Sehstörung rechts, Konzentrationsschwächen und Vergesslichkeit an-
gegeben (act. 1, S. 44). Nach Durchführung erwerblicher und medizini-
scher Abklärungen durch die IV-Stelle, insbesondere nach Beizug der ärzt-
lichen Berichte von Dr. med. D._ vom ärztlichen Dienst des Ge-
sundheitsamtes Basel-Stadt (act. 1, S. 10 f.; act. 11 und 19) – worin dieser
ausschliesslich eine Prüfung der Arbeitsfähigkeit am angestammten Ar-
beitsplatz als Psychiatriepfleger vorgenommen hatte – sprach die Invali-
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denversicherungs-Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: Vor-
instanz oder IVSTA) dem Versicherten mit Wirkung ab 1. August 1997 eine
halbe IV-Rente nebst einer halben Kinderrente und ab 1. Juni 2000 eine
ganze IV-Rente (Invaliditätsgrad: 100 %) nebst einer ganzen Kinderrente
zu (Verfügungen vom 29. April 1999 und 25. September 2001; act. 5, S. 1
f.; act. 30, S. 2 - 5).
A.d Mit Verfügung vom 13. Oktober 1999 (act. 8) sprach ihm die Schwei-
zerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) per 1. September 1999 eine
monatliche Erwerbsunfähigkeitsrente von Fr. 2'719.- zu (Invaliditätsgrad:
50 %).
A.e Mit Revisionsverfügung vom 24. September 2001 (act. 29) erhöhte die
SUVA die Invalidenrente ab 1. April 2001 auf monatlich Fr. 4'467.- (Invali-
ditätsgrad: 80 %).
A.f Nach Einholung eines Berichts des behandelnden Arztes, in welchem
dieser einen stationären Gesundheitszustand festgehalten hatte (act. 41,
S. 1), bestätigte die IV-Stelle den Anspruch auf die ganze Invalidenrente
(Invaliditätsgrad: 100 %; Mitteilung vom 3. Juli 2007; act. 42).
B.
B.a Nachdem die IV-Stelle von diversen kommerziellen Musikauftritten des
Versicherten als Mitglied einer Jazzband (vgl. Internetauftritt: < [...] >, ab-
gerufen am 15.08.2017) erfahren hatte, beauftragte sie ihren Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) am 16. Februar 2010 mit einer medizinischen Be-
urteilung (act. 45, S. 1). Mit Stellungnahme vom 21. April 2010 kam RAD-
Arzt Dr. med. E._, Innere Medizin FMH, zertifizierter medizinischer
Gutachter SIM, im Wesentlichen zum Schluss, dass die Aktivitäten im Rah-
men der Musikband mit zahlreichen öffentlichen Auftritten und der Produk-
tion von Musik-CDs weder mit dem geklagten Krankheitsbild noch mit der
seit 29. März 2000 geltend gemachten vollen Arbeitsunfähigkeit vereinbar
seien. Eine sofortige Renteneinstellung sei aus medizinischer Sicht be-
gründet, und es sei eine Revision von Amtes wegen einzuleiten (act. 45,
S. 2 f.).
B.b Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 25. Juni 2010 und
am 10./11. Juli 2010 observiert (act. 50.10 - 50.14). In der Folge wurde er
am 18. August 2010 – im Beisein eines Mitarbeiters der Überwachungs-
firma – von einer Juristin des Rechtsdienstes der IV-Stelle insbesondere
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zu seinem aktuellen Gesundheitszustand, seiner Leistungsfähigkeit, allfäl-
ligen Erwerbstätigkeiten sowie zur Gestaltung seines Alltags befragt
(act. 50.6, S. 1 - 7).
B.c Am 26. August 2010 erstattete die IV-Stelle gegen den Versicherten
eine Strafanzeige wegen Erwirkens einer nicht geschuldeten Leistung, Ver-
letzung der ihm obliegenden Meldepflichten sowie wegen Betrugs
(act. 50.5, S. 1 - 4).
B.d Mit Verfügung vom 13. Dezember 2010 sistierte die IVSTA die Renten-
leistungen des Versicherten mit sofortiger Wirkung und entzog einer allfäl-
ligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung (act. 51).
B.e Mit Urteil vom 8. September 2011 (B-860/2011) wies das Bundesver-
waltungsgericht eine vom Beschwerdeführer gegen die sofortige (vorsorg-
liche) Renteneinstellung erhobene Beschwerde ab. Zur Begründung führte
das Bundesverwaltungsgericht aus, das Interesse der Verwaltung, admi-
nistrative Erschwernisse und die Gefahr der Nichteinbringlichkeit von
Rückforderungen zu vermeiden, seien in der Regel höher zu gewichten als
das Interesse der versicherten Person an der Weiterausrichtung der Rente,
wenn nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen sei, dass diese im
Beschwerdeverfahren obsiegen werde. Der Beschwerdeführer mache
keine Umstände geltend, welche sein Interesse als überwiegend erschei-
nen liessen (act. 95).
B.f Mit Verfügung vom 15. November 2011 teilte die SUVA dem Versicher-
ten mit, dass sie laut den ihr zur Verfügung stehenden Informationen zu
Unrecht Leistungen im Umfang von Fr. 837'627.30 erbracht habe, weshalb
sie diesen Betrag zurückfordere (act. 103).
B.g Am 23. April 2013 erstattete die Gutachterstelle F._ das von der
IV-Stelle in Auftrag gegebene interdisziplinäre Gutachten (nachfolgend: F.-
Gutachten; Fachbereiche Innere Medizin, Orthopädie, Neurologie, HNO,
Psychiatrie und Neuropsychologie). Im Rahmen ihrer interdisziplinären
Konsensbeurteilung hielten die Gutachter fest, dass aus orthopädischer
Sicht ein chronisch rezidivierendes lumbospondylogenes Syndrom mit
chronisch rezidivierenden Kreuzschmerzen vorliege. Es bestehe bezüglich
der Rückenschmerzen ein organischer Kern mit degenerativen Wirbelsäu-
lenveränderungen, wobei die Symptomatik zusätzlich von nicht-organi-
schen Faktoren überlagert und mitbeeinflusst werde. Bezogen auf die Fol-
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gen des Schädelhirntraumas bestehe aus neurologischer Sicht keine Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus HNO-fachärztlicher Sicht führe die
durchgemachte Rhinobasisfraktur dazu, dass der Versicherte keine intra-
craniellen Druckerhöhungen mit Gefahr der erneuten Durazerreissung an
der ehemaligen Defektstelle riskieren dürfe. Hierzu gehöre auch das He-
ben schwerer Lasten. Aus psychiatrischer Sicht lasse sich eine mittelgra-
dige depressive Episode feststellen. Anlässlich der neuropsychologischen
Untersuchung hätten sich im Testprofil einige Inkonsistenzen gezeigt; die
testpsychologischen Aufgaben hätten starke Hinweise auf eine Verdeutli-
chungstendenz ergeben. Berücksichtige man den Verlauf seit 1997, so
scheine der Anteil der psychischen Komponente an der Arbeitsunfähigkeit
allmählich zugenommen zu haben, was schliesslich zur Annahme einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Die während Jahren erfolgreich
ausgeübte Tätigkeit als Musiker/Produzent/Arrangeur zeige auf, dass
diese Arbeit als adaptierte Tätigkeit einzustufen sei. Bei der Beantwortung
der Frage der Arbeitsfähigkeit hätten sie sich auf die vorliegenden ärztli-
chen Unterlagen abgestützt, zumal eine andere Beurteilung angesichts der
langen Zeit zwischen Unfall und Begutachtung kaum möglich sei (act. 131,
S. 2 - 82).
B.h Mit Stellungnahme vom 26. Juli 2013 kam RAD-Arzt Dr. med.
E._ zum Schluss, dass aus somatischer Sicht spätestens 12 Mo-
nate nach dem Unfall eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tä-
tigkeit nicht mehr nachvollziehbar sei (act. 144, S. 3 f.). RAD-Arzt Dr. med.
G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in einer
Stellungnahme vom 5. August 2013 zudem fest, dass eine Aggravation der
Beschwerden als gesichert anzunehmen sei. Es sei davon auszugehen,
dass der Versicherte spätestens ab Januar 1998 als Musiker/Arran-
geur/Produzent zu 100 % arbeitsfähig gewesen sei. Die Ressourcen, wel-
che er seither als Musiker nutze, hätte er auch zumindest für ein Teilpen-
sum in der angestammten Tätigkeit als Psychiatriepfleger einsetzen kön-
nen. Das Ausmass dieses Teilzeitpensums sei retrospektiv schwer einzu-
schätzen, liege aber wahrscheinlich bei mindestens 50 % (act. 144, S. 1 -
8).
B.i Mit Vorbescheid vom 18. Dezember 2013 stellte die IV-Stelle dem Ver-
sicherten die rückwirkende Aufhebung der IV-Rente per 1. August 1997 in
Aussicht. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die medizini-
schen Abklärungen hätten ergeben, dass er spätestens ab 1. August 1997
im angestammten Beruf sowie in jeder anderen Tätigkeit in der freien Wirt-
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schaft zu 100 % arbeitsfähig sei. Es wäre ihm möglich gewesen, einer ent-
sprechenden Erwerbstätigkeit nachzugehen und damit ein rentenaus-
schliessendes Einkommen (Invaliditätsgrad: 16 %) zu erzielen (act. 153,
S. 1 - 4).
B.j Gegen diesen Vorbescheid erhob der Versicherte mit Eingabe seines
Rechtsvertreters vom 7. Januar 2014 Einwand mit dem Antrag, die Invali-
denrente sei im bisherigen Umfang weiter auszurichten und die aufgelau-
fenen Rückstände seien bis spätestens 20. Januar 2014 nachzuzahlen
(act. 156, S. 1 - 4).
B.k Mit Verfügung vom 30. Juni 2014 teilte die SUVA dem Versicherten mit,
dass sie – gestützt auf ihre inzwischen durchgeführten Abklärungen – ihre
Verfügung vom 15. November 2011 (vgl. Sachverhalt, Bst. B.f hievor) zu-
rücknehme. Entsprechend den Ausführungen der Invalidenversicherung in
deren Verfügung vom 11. Juni 2014 könne eine vollständige Arbeitsunfä-
higkeit in jeglicher Tätigkeit nach maximal 12 Monaten nicht nachvollzogen
werden. Der Vergleich mit und ohne Behinderung ergebe einen Invalidi-
tätsgrad von 16 %. Sie schliesse sich hinsichtlich des Invaliditätsgrades
dem Entscheid der Invalidenversicherung an und spreche ihm für die Fol-
gen des Unfalls eine Rente von 16 % zu (act. 195, S. 5 - 8).
B.l Mit Verfügungen vom 11. Juni/4. Juli 2014 hob die IVSTA die ab 1. Au-
gust 1997 zugesprochenen Invalidenrenten rückwirkend auf und entzog ei-
ner allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügungen die aufschiebende
Wirkung (Akten im Beschwerdeverfahren C-4032/2014 [nachfolgend:
BVGer act.] 1, Beilagen). In Ergänzung zur Begründung im Vorbescheid
führte sie aus, die Gutachter des F._ hätten für die Zeit nach dem
Unfall mit Schädel-Hirn-Trauma während etwa sechs bis maximal zwölf
Monaten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert. Im Anschluss daran
sei "aufgrund der beklagten Kopfschmerzsymptomatik und einer Überlage-
rung durch psychische Faktoren" eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % unter-
stellt worden. Die vom Versicherten geltend gemachte Verschlechterung
um das Jahr 2000 habe nicht mit neuen, objektivierbaren unfallbedingten
Befunden belegt werden können. Er sei in der Lage gewesen, als Musiker,
Arrangeur und Produzent an über hundert Konzerten jährlich teilzunehmen
und sein musikalisches Talent unter Beweis zu stellen, weshalb er mit ge-
wissen, minimalen somatischen Einschränkungen in der gleichen Zeit auch
der früheren Tätigkeit als Psychiatriepfleger hätte nachgehen oder eine an-
dere, seinen Fähigkeiten und Kenntnissen entsprechende Tätigkeit hätte
ausüben können. Das Nebenerwerbseinkommen aus der musikalischen
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Tätigkeit falle bereits deshalb für die Bemessung des Valideneinkommens
ausser Betracht, weil er laut den Erkenntnissen im Strafverfahren seine in
der Schweiz erzielten Einnahmen weder versteuert noch hierauf AHV-Bei-
träge abgerechnet habe.
C.
C.a Mit Eingabe vom 18. Juli 2014 erhob der Beschwerdeführer, weiterhin
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. W. Kuss, gegen die Verfügungen vom
11. Juni/4. Juli 2014 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht mit den
Anträgen, die Verfügungen seien aufzuheben und der Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zu erteilen (BVGer act.1). Zur Begründung brachte
er im Wesentlichen vor, das von der Vorinstanz in Auftrag gegebene Gut-
achten vermöge den Nachweis für die von ihr geltend gemachte volle Ar-
beitsfähigkeit ab 1. August 1997 nicht zu erbringen. Gänzlich unbegründet
sei ihre Schlussfolgerung, wer Musik machen könne, sei auch in der Lage,
der früheren Tätigkeit sowie jeder anderen Tätigkeit nachzugehen. Entge-
gen der Argumentation der Vorinstanz habe er niemals behauptet, er-
werbsunfähig zu sein; im Gegenteil habe er sich gegen eine Verrentung
gewehrt. Die damalige Arbeitgeberin habe ihn allerdings loswerden wollen
und habe hierzu in der Verrentung das geeignete Mittel gesehen. Im Zuge
dieser Bemühungen der Arbeitgeberin sei nie eine "überwiegende gene-
relle Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers" festgestellt worden. Viel-
mehr habe die Vorinstanz von sich aus gegen seinen Willen eine 100%ige
Dienstunfähigkeit an der damaligen Arbeitsstelle verfügt und die Frage ei-
ner anderweitigen Arbeitsstelle niemals gestellt.
C.b Mit Zwischenverfügung vom 4. September 2014 wies das Bundesver-
waltungsgericht das Gesuch des Beschwerdeführers um Wiederherstel-
lung der aufschiebenden Wirkung ab (BVGer act. 4).
C.c Mit Vernehmlassung vom 31. Oktober 2014 beantragte die Vorinstanz
unter Verweis auf eine Stellungnahme der IV-Stelle vom 27. Oktober 2014
die Abweisung der Beschwerde. In ihrer Begründung hob sie insbesondere
hervor, im Strafverfahren habe nachgewiesen werden können, dass der
Beschwerdeführer als Sänger und Gitarrist rund 100 Auftritte pro Jahr habe
absolvieren können. Ferner habe die Observation im Juni/Juli 2010 erge-
ben, dass er in der Lage gewesen sei, ohne Einschränkungen stunden-
lange Auftritte seiner Band aktiv mitzugestalten. Sodann habe er auch wie-
derholt seine Meldepflicht verletzt. Aus dem F.-Gutachten und den Stel-
lungnahmen des RAD gehe hervor, dass er wohl eine Zeit lang somatisch
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beeinträchtigt gewesen sei. In der Tätigkeit als Psychiatriepfleger sei er
zwar vorübergehend, nicht aber während der Dauer der einjährigen War-
tezeit arbeitsunfähig gewesen. In der alternativen Tätigkeit als Musiker,
Bandleader, Produzent, Arrangeur und Organisator sei er indes zu keiner
Zeit relevant beeinträchtigt gewesen. Es habe dementsprechend zu keiner
Zeit eine rentenrelevante Invalidität vorgelegen. Durch sein Verhalten habe
er überdies den Tatbestand der Erwirkung einer ihm nicht zustehenden
Leistung erfüllt (BVGer act. 6 samt Beilage).
C.d Nachdem der Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 5. No-
vember 2014 aufgefordert worden war, einen Kostenvorschuss von
Fr. 600.- zu leisten (BVGer act. 7), liess er mit Eingabe seines Rechtsver-
treters vom 20. November 2014 ein Gesuch um unentgeltliche Rechts-
pflege und Verbeiständung stellen (BVGer act. 10).
C.e Mit Zwischenverfügung vom 28. November 2014 forderte der Instruk-
tionsrichter den Beschwerdeführer auf, das Formular "Gesuch um unent-
geltliche Rechtspflege" ausgefüllt und mit den nötigen Beweismitteln ver-
sehen bis zum 13. Januar 2015 beim Bundesverwaltungsgericht einzu-
reichen. Darüber hinaus ersuchte er den Rechtsvertreter bezüglich seines
Gesuchs um Verbeiständung, den Originalnachweis des Eintrags in ein
kantonales Anwaltsregister einzureichen (BVGer act. 11).
C.f Mit Verfügung vom 10. Dezember 2014 forderte die IVSTA vom Be-
schwerdeführer die ihm in der Zeit vom 1. Juni 2009 bis 31. Dezember
2010 ausgerichteten IV-Rentenleistungen (Haupt- und Kinderrenten) in der
Höhe von Fr. 17‘917.- zurück mit der Begründung, es handle sich hierbei
um zu Unrecht ausgerichtete Leistungen (Beilage zu BVGer act. 1; C-
7520/2014).
C.g Mit Replik seines Rechtsvertreters vom 23. Dezember 2014 machte
der Beschwerdeführer ergänzend geltend, er sei allein aufgrund der bei
ihm festgestellten Arbeitsunfähigkeit voll berentet worden, ohne dass eine
Prüfung im Hinblick auf allenfalls mögliche Verweistätigkeiten erfolgt wäre.
Er habe sich nicht nur gegen die in Aussicht gestellte Verrentung gewehrt,
sondern darüber hinaus auch die Durchführung einer Operation zur Besei-
tigung seiner Kopfschmerzen sowie die Teilnahme an einem Therapiepro-
gramm zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit angeboten. Die ärztlichen
Feststellungen vermöchten zudem die Rentenaufhebung nicht zu rechtfer-
tigen (BVGer act. 14).
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C.h Mit Eingabe vom 26. Dezember 2014 reichte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers beim Bundesverwaltungsgericht das vervollständigte
Formular „Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege“ samt entsprechenden
Beweismitteln ein. Überdies wies er darauf hin, dass er nicht in "ein kanto-
nales Handelsregister" (recte: einem kantonalen Anwaltsregister) eingetra-
gen sei. Allerdings sei im früheren Beschwerdeverfahren (B-860/2011) eine
Verbeiständung verfügt worden, ohne dass ein solcher Nachweis gefordert
worden wäre (BVGer act. 15).
C.i Ebenfalls mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 26. Dezember 2014
erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
gegen die Rückforderungsverfügung der IVSTA vom 10. Dezember 2014.
Darin beantragte er einerseits die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung; anderseits stellte er auch für dieses Beschwerdeverfahren den An-
trag auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung
(BVGer act. 1 samt Beilage; C-7520/2014).
C.j Mit Zwischenverfügung vom 6. Januar 2015 nahm und gab der Instruk-
tionsrichter den Beteiligten zur Kenntnis, dass der Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers in keinem kantonalen Anwaltsregister eingetragen sei.
Ferner teilte er ihnen mit, dass die Frage der Bewilligung der unentgeltli-
chen Rechtsverbeiständung durch einen in Deutschland zugelassenen
Rechtsanwalt vom Bundesverwaltungsgericht als Grundsatzfrage in Fün-
ferbesetzung geprüft werde (BVGer act. 16).
C.k Mit Eingabe vom 15. Januar 2015 teilte der Rechtsvertreter dem Bun-
desverwaltungsgericht mit, dass er den Beschwerdeführer seit dem
10. November 2010 in sämtlichen Verfahren, welche seine Rentenangele-
genheit betreffen würden, vertrete. Seine bisherige Rechtsvertretung habe
zum überwiegenden Teil das vorgerichtliche Stadium betroffen. Nachdem
im vorliegenden Verfahren die wesentliche Arbeit bereits durch ihn erbracht
worden sei, wäre die Inanspruchnahme eines weiteren kantonalen Rechts-
anwaltes unwirtschaftlich. Zudem bedürfe der Beschwerdeführer eines
Rechtsvertreters aus dessen Region, da er nicht ständig zu Besprechun-
gen nach Basel fahren könne (BVGer act. 17).
C.l Unter Verweis auf eine Stellungnahme der IV-Stelle vom 16. Januar
2015 verzichtete die IVSTA am 20. Januar 2015 auf eine Duplik (BVGer
act. 18 samt Beilage).
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C.m Mit Schreiben vom 21. Januar 2015 übermittelte das Sozialversiche-
rungsgericht des Kantons Basel-Stadt dem Bundesverwaltungsgericht –
unter Hinweis auf das Beschwerdeverfahren C-4032/2014 – die Akten be-
treffend eine bei ihm eingereichte Rechtsverweigerungsbeschwerde vom
29. April 2014. Darin liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsver-
treter die folgenden Anträge stellen:
1. Die Beschwerdegegnerin wird angewiesen, dem Beschwerdeführer in seiner
Rentenangelegenheit unter der Versicherten-Nummer 756.4092.8983.18 –
713.47.227.158 unverzüglich einen rechtsmittelfähigen Bescheid zuzustellen.
Es wird festgestellt, dass eine Rechtsverzögerung und Rechtsverweigerung
vorliegt.
2. Sie wird weiter angewiesen, die Sistierung der Rentenansprüche des Be-
schwerdeführers mit sofortiger Wirkung aufzuheben und zu veranlassen,
dass die laufenden Rentenleistungen wieder ausgezahlt werden.
3. Die Kosten des Verfahrens trägt die Beschwerdegegnerin.
Die Streitsache wurde beim Bundesverwaltungsgericht unter der Verfah-
rensnummer C-7605/2014 registriert (BVGer act. 1 samt Beilage; C-
7605/2014).
C.n Mit Verfügung vom 27. Januar 2015 sistierte der Instruktionsrichter des
Bundesverwaltungsgerichts das Beschwerdeverfahren C-7520/2014 bis
zum Entscheid im Beschwerdeverfahren C-4032/2014 (BVGer act. 5; C-
7520/2014).
C.o Mit Zwischenverfügung vom 28. Januar 2015 nahm und gab der In-
struktionsrichter den Verfahrensbeteiligten zur Kenntnis, dass die Eingabe
des Rechtsvertreters vom 15. Januar 2015 zusammen mit den übrigen Ak-
ten dem Bundesverwaltungsgericht zur weiteren Behandlung im Rahmen
des Beschwerdeverfahrens C-4032/2014 überwiesen worden sei. Ferner
erhielt die Vorinstanz Gelegenheit, bis zum 27. Februar 2015 eine Stellung-
nahme zur Eingabe vom 15. Januar 2015 abzugeben. Überdies gab der
Instruktionsrichter den Beteiligten Gelegenheit, sich bis zum 27. Februar
2015 zur Frage der Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Be-
handlung der beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Basel-Stadt
eingereichten Rechtsverweigerungsbeschwerde vom 29. April 2014 ver-
nehmen zu lassen. Schliesslich gab er dem Rechtsvertreter Gelegenheit,
innert gleicher Frist seine ursprüngliche Wahl des Gerichtsstandes in Ba-
sel-Stadt zu erläutern (BVGer act. 19).
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C.p Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. Februar 2015 teilte der
Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht mit, dass gegen die Zu-
ständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts keine Einwendungen erhoben
würden; hinsichtlich der Rechtsverweigerungsbeschwerde habe er sich für
die Wahl des Gerichtsstandes ursprünglich auf Art. 56 Abs. 2 und 58 Abs. 2
ATSG (SR 830.1) berufen (BVGer act. 21).
C.q Die IVSTA teilte dem Bundesverwaltungsgericht am 13. Februar 2015
unter Verweis auf eine Eingabe der IV-Stelle vom 9. Februar 2015 mit, dass
sie dessen Zuständigkeit im vorliegenden Fall anerkenne und auf weitere
Bemerkungen verzichte (BVGer act. 22 samt Beilage).
C.r Mit Zwischenverfügung vom 19. Februar 2015 schrieb der Instruktions-
richter Ziffer 2 des mit Rechtsverweigerungsbeschwerde vom 29. April
2014 eingereichten Begehrens um Aufhebung der Rentensistierung und
sofortige Wiederausrichtung der Rentenleistungen als gegenstandslos ge-
worden ab (Ziff. 1). Ferner orientierte er die Beteiligten über das weitere
Vorgehen, indem er sie namentlich darauf hinwies, dass über die Gesuche
um unentgeltliche Rechtspflege in einem separaten Teilurteil entschieden
und das Begehren um Feststellung einer Rechtsverzögerung und Rechts-
verweigerung (C-7605/2014) aus verfahrensökonomischen Gründen zu-
sammen mit der Hauptsache im vorliegenden Beschwerdeverfahren ent-
schieden werde, sofern und soweit noch ein Rechtsschutzinteresse be-
stehe (Ziff. 2 und 3). Überdies gab er den Beteiligten Gelegenheit, bis zum
19. März 2015 zur vorgesehenen Einsichtnahme in die Strafakten der
Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt Stellung zu nehmen (Ziff. 4;
BVGer act. 23).
C.s Mit Schreiben vom 18. Februar 2015 ersuchte das Strafgericht Basel-
Stadt das Bundesverwaltungsgericht um Zustellung dessen Entscheids be-
treffend die gegen die Rentenaufhebung erhobene Beschwerde (BVGer
act. 24).
C.t Der Beschwerdeführer teilte dem Bundesverwaltungsgericht mit Ein-
gabe vom 1. März 2015 mit, dass er gegen die vorgesehene Einsicht-
nahme in die Strafakten der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt keine Einwen-
dungen erhebe (BVGer act. 26). Mit Schreiben vom 10. März 2015 erhob
auch die Vorinstanz unter Verweis auf eine entsprechende Stellungnahme
der IV-Stelle vom 3. März 2015 keine Einwände gegen die angekündigte
Einsichtnahme in die Strafakten (BVGer act. 30 samt Beilage).
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C.u Mit Zwischenverfügung vom 20. März 2015 stellte das Bundesverwal-
tungsgericht dem Strafgericht Basel-Stadt eine Kopie sämtlicher vom RAD
nach seiner Beurteilung vom 21. April 2010 erstellten Berichte zu (BVGer
act. 31).
C.v Mit Eingabe vom 21. Juli 2015 reichte die IV-Stelle dem Bundesver-
waltungsgericht ein Urteilsdispositiv des Strafgerichts des Kantons Basel-
Stadt vom 25. Juni 2015 (nachfolgend: erstinstanzliches Strafurteil) ein.
Darin wurde der Beschwerdeführer insbesondere in Anwendung von
Art. 70 IVG (SR 831.20) in Verbindung mit Art. 87 Abs. 5 und 8 AHVG
(SR 831.10) und Art. 31 Abs. 1 ATSG des mehrfachen Vergehens gegen
das Bundesgesetz über die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
(recte: Invalidenversicherung) schuldig gesprochen und zu einer bedingten
Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 20.-, bei einer Probezeit von zwei
Jahren, verurteilt; vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs wurde er
demgegenüber freigesprochen (act. 201, S. 2 - 40; Beilage zu BVGer
act. 34).
C.w Mit Zwischenverfügung vom 9. September 2015 ersuchte das Bun-
desverwaltungsgericht den Beschwerdeführer, ihm bis zum 9. Oktober
2015 mitzuteilen, ob gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom
25. Juni 2015 Berufung eingelegt worden sei (BGer act. 37).
C.x Am 5. Oktober 2015 ersuchte der Instruktionsrichter die Vorinstanz,
dem Bundesverwaltungsgericht bis zum 4. November 2015 einen Nach-
weis der Staatsanwaltschaft für die erfolgte Berufung oder eine Rechts-
kraftbescheinigung für das Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt einzu-
reichen (BVGer act. 39).
C.y Mit Schreiben vom 27. Oktober 2015 übermittelte die Vorinstanz dem
Bundesverwaltungsgericht weitere Verfahrensakten (act. 188 - 203) sowie
ein Schreiben der IV-Stelle vom 26. Oktober 2015, worin diese auf eine
Berufungsbestätigung der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt verwies (BVGer
act. 40 samt Beilagen).
C.z Nachdem er den Verfahrensbeteiligten das rechtliche Gehör gewährt
hatte (BVGer act. 41 - 45), sistierte der Instruktionsrichter mit Zwischenver-
fügung vom 18. Dezember 2015 das vorliegende Beschwerdeverfahren bis
zum rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens in der Strafsache der
Staatsanwaltschaft Basel-Stadt gegen den Beschwerdeführer (BVGer
act. 46).
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 13
C.aa Mit Urteil 9C_12/2016 vom 29. Januar 2016 hiess das Bundesgericht
die vom Beschwerdeführer gegen die Sistierung erhobene Beschwerde
gut, hob die Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. Dezember
2015 betreffend Verfahrenssistierung auf und wies die Sache an das Bun-
desverwaltungsgericht zurück, damit es das gegen die Rentenaufhebungs-
verfügung vom 11. Juni/4. Juli 2014 eingeleitete Beschwerdeverfahren fort-
setze (BVGer act. 50).
C.bb Mit Eingabe vom 3. Juli 2016 ersuchte der Rechtsvertreter das Bun-
desverwaltungsgericht um beförderliche Erledigung hinsichtlich der ge-
richtlichen Beurteilung der unentgeltlichen Verbeiständung und des Verfah-
rens in der Hauptsache (BVGer act. 52).
C.cc Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 14. Juli 2016 liess der Be-
schwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht ein Urteilsdispositiv des
Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 23. Juni 2016 zukom-
men. Darin bestätigte das Appellationsgericht sowohl den vorinstanzlichen
Freispruch von der Anklage des gewerbsmässigen Betrugs als auch den
Schuld- und Strafspruch bezüglich des Vorwurfs der mehrfachen Verlet-
zung der Meldepflicht.
In Bezug auf den Antrag auf unentgeltliche Verbeiständung machte er
überdies geltend, dass EU-Anwälte gestützt auf die Dienstleistungsfreiheit
zur unentgeltlichen Vertretung zugelassen werden müssten. Im vorliegen-
den Fall sei zusätzlich in Betracht zu ziehen, dass er bereits im Verfahren
betreffend den vorläufigen Entzug der Rente als Rechtsvertreter bestellt
worden sei (BVGer act. 54 samt Beilage).
C.dd Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 11. respektive 13. Septem-
ber 2016 übermittelte der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsbe-
richt das begründete Urteil des Appellationsgerichts Basel-Stadt vom
23. Juni 2016 (nachfolgend: zweitinstanzliches Strafurteil) und nahm dar-
über hinaus zu diesem Urteil Stellung (BVGer act. 57 samt Beilagen).
C.ee Mit Schreiben vom 14. September 2016 liess auch die IVSTA dem
Bundesverwaltungsgericht das zweitinstanzliche Strafurteil zukommen, mit
dem Ersuchen, ihr zur Einreichung einer Stellungnahme zu diesem Urteil
eine einmonatige Fristerstreckung zu gewähren (BVGer act. 58 samt Bei-
lage).
C.ff Mit Zwischenverfügung vom 30. September 2016 räumte der Instruk-
tionsrichter der Vorinstanz zur Einreichung einer Stellungnahme betreffend
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
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das zweitinstanzliche Strafurteil eine Frist bis zum 31. Oktober 2016 ein.
Ferner orientierte er die Verfahrensbeteiligten dahingehend, dass der Be-
schwerdeführer im Anschluss an die Stellungnahme der Vorinstanz zum
zweitinstanzlichen Strafurteil nochmals Gelegenheit zu ergänzenden Aus-
führungen erhalte (BVGer act. 59).
C.gg Mit Eingabe vom 17. Oktober 2016 hielt die IVSTA unter Verweis auf
die von ihr beigefügte Stellungnahme der IV-Stelle vom 7. Oktober 2016
am Tatbestand der Meldepflichtverletzung und an ihrem Antrag auf Abwei-
sung der Beschwerde fest (BVGer act. 60 samt Beilage).
C.hh Mit Teilurteil vom 3. November 2016 hiess das Bundesverwaltungs-
gericht die in den Verfahren Nrn. C-4032/2014 und C-7520/2014 gestellten
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung gut und
bestellte dem Beschwerdeführer Rechtsanwalt Dr. W. Kuss als unentgeltli-
chen Rechtsbeistand (BVGer act. 63).
C.ii Am 10. November 2016 gab der Instruktionsrichter dem Beschwerde-
führer Gelegenheit, bis zum 12. Dezember 2016 eine abschliessende Stel-
lungnahme einzureichen (BVGer act. 61).
C.jj Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 18. November 2016 liess
sich der Beschwerdeführer abschliessend vernehmen (BVGer act. 67).
C.kk Mit Zwischenverfügung vom 23. Februar 2017 ersuchte der Instrukti-
onsrichter den Beschwerdeführer um Mitteilung darüber, ob die Wiederer-
wägungsverfügung der SUVA vom 30. Juni 2014 in Rechtskraft erwachsen
sei. Ferner gab er den Verfahrensbeteiligten im Hinblick auf die Wahrung
des Gehörsanspruchs Gelegenheit, sich insbesondere zur neuen Recht-
sprechung im Zusammenhang mit der Observation (Urteil des Europäi-
schen Gerichtshofes für Menschenrechte [EGMR] Vukota-Bojic vom
18. Oktober 2016, 61838/10) und zur Urteilsvariante der Aufhebung oder
Herabsetzung der Rente mit der substituierten Begründung der Wiederer-
wägung vernehmen zu lassen (BVGer act. 71).
C.ll Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 15. März 2017 liess sich der
Beschwerdeführer zu den neuen rechtlichen Aspekten vernehmen und
teilte dem Bundesverwaltungsgericht namentlich mit, dass das zweitin-
stanzliche Strafurteil nach einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft an
das Bundesgericht vom 26. September 2016 und die Wiedererwägungs-
verfügung der SUVA vom 30. Juni 2014 aufgrund seiner dagegen erhobe-
nen Einsprache vom 18. Juli 2014 noch nicht in Rechtskraft erwachsen
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 15
seien. Überdies machte er geltend, dass die Ergebnisse der Observation
aufgrund des EGMR-Urteils Vukota-Bojic vom 18. Oktober 2016 als unzu-
lässige Beweismittel nicht verwertbar seien. Ob die – aufgrund der fehlen-
den Koordination zwischen Unfall- und Invalidenversicherung ermittelten –
abweichenden Invaliditätsbemessungen zulässig seien, brauche vorlie-
gend nicht entschieden zu werden (BVGer act. 72).
C.mm Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. April 2017 nahm der
Beschwerdeführer erneut unaufgefordert Stellung (BVGer act. 75).
C.nn Mit Schreiben vom 24. April 2017 hielt die Vorinstanz unter Verweis
auf eine abschliessende Stellungnahme der IV-Stelle vom 20. April 2017
an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Zur Begründung
führte sie ergänzend aus, es bestehe zwischen der Unfall- und der Invali-
denversicherung keine Bindungswirkung. Das Urteil des Appellationsge-
richts Basel-Stadt vom 23. Juni 2016 sei noch nicht rechtskräftig. Die Er-
gebnisse der von ihr veranlassten Observation seien rechtmässig erlangt
worden. Selbst wenn das Urteil Vukota-Bojic auch in der Invalidenversiche-
rung anwendbar wäre, würde dies an der Verwertbarkeit der Observations-
ergebnisse nichts ändern (BVGer act. 77).
C.oo Mit Zwischenverfügung vom 5. Mai 2017 liess der Instruktionsrichter
die Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 15. März 2017 der Vor-
instanz sowie das Schreiben der IVSTA vom 24. April 2017 samt Stellung-
nahme der IV-Stelle vom 20. April 2017 dem Beschwerdeführer zukom-
men. Ferner gab er den Verfahrensbeteiligten insbesondere Gelegenheit,
bis zum 6. Juni 2017 zu den Fragen Stellung zu nehmen, ob die rechts-
kräftige Erledigung des SUVA- und des Strafverfahrens abzuwarten und
das Beschwerdeverfahren zu sistieren sei und ob die Steuerakten des Fi-
nanzamtes Emmendingen/DE beizuziehen seien (BVGer act. 79).
C.pp Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 30. Mai 2017 stellte der Be-
schwerdeführer den Antrag, es sei von einer Sistierung wie auch von einem
Beizug der Steuerakten des Finanzamtes Emmendingen abzusehen. Fer-
ner nahm er zur von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt gegen das zweit-
instanzliche Strafurteil erhobenen Beschwerde vom 26. September 2016
Stellung (BVGer act. 81).
C.qq Unter Verweis auf die Stellungnahme der IV-Stelle vom 30. Mai 2017
hielt die Vorinstanz mit Schreiben vom 2. Juni 2017 an ihren bisherigen
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
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Anträgen fest und beantragte den Verzicht auf die Sistierung des Be-
schwerdeverfahrens (BVGer act. 82).
C.rr Mit Zwischenverfügung vom 15. Juni 2017 forderte der Instruktions-
richter den Beschwerdeführer unter Hinweis auf die Säumnisfolgen im Un-
terlassungsfall auf, dem Bundesverwaltungsgericht die beigefügte Voll-
macht zur Einsichtnahme in die Steuerakten bis zum 17. Juli 2017 zu re-
tournieren (BVGer act. 83).
C.ss Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 5. Juli 2017 teilte der Be-
schwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht mit, dass er die Vollmacht
zur Einsichtnahme in die Steuerakten mit der Begründung nicht retour-
niere, dass die Einholung der Akten für die Beurteilung der Streitsache
nicht notwendig sei und dass dies das Verfahren zudem auch noch weiter
verzögern würde (BVGer act. 85).
C.tt Mit Zwischenverfügung vom 7. Juli 2017 nahm und gab der Instrukti-
onsrichter zur Kenntnis, dass der Beschwerdeführer die ihm mit Verfügung
vom 15. Juni 2017 übermittelte Vollmacht nicht retourniere. Ferner brachte
er dem Beschwerdeführer zur Kenntnis, dass für den Fall des Entscheids
aufgrund der vorliegenden Akten und der Beurteilung der Lohnsituation
aufgrund von lohnstatistischen Angaben im Ergebnis in der Invaliditätsbe-
messung eine Schlechterstellung resultieren könne. Unter Hinweis auf die
Möglichkeit der Änderung der Verfügung zu dessen Ungunsten gab er dem
Beschwerdeführer Gelegenheit, sich hierzu bis zum 7. September 2017
vernehmen zu lassen und innert gleicher Frist die Vollmacht nachzureichen
(BVGer act. 86)
C.uu Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe seines Rechtsvertreters
vom 26. Juli 2017 dahingehend Stellung, dass die Beschwerdegegnerin in
Nachachtung ihrer Abklärungspflicht gehalten gewesen wäre, die nunmehr
vom Bundesverwaltungsgericht geforderten Steuerunterlagen einzuholen.
Im Übrigen lägen „die meisten Steuerbescheide“ ohnehin schon vor. Es
bedürfe keiner Beurteilung der Lohnsituation aufgrund von pauschalen
Schätzungen (BVGer act. 88).
C.vv Mit Verfügung vom 11. August 2017 nahm und gab der Instruktions-
richter den Parteien – unter Verweis auf die einschlägigen Strafbestimmun-
gen – zur Kenntnis, dass der Beschwerdeführer die Auskunft weiterhin ver-
weigere. Ferner wies der Instruktionsrichter auf das (zur Publikation vorge-
sehene) Grundsatzurteil des Bundesgerichts 9C_806/2016 vom 14. Juli
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 17
2017 hin, verbunden mit der Möglichkeit der Verfahrensbeteiligten, mittels
einer Spontaneingabe hierzu Stellung zu nehmen. Ferner wies er die Par-
teien auf die Möglichkeit hin, ein allenfalls noch in der Strafsache einge-
hendes Urteil des Bundesgerichts gegebenenfalls noch bis zur Urteilser-
öffnung einzureichen oder die Sistierung zu beantragen. In Bezug auf die
(allfällige) gerichtliche Beurteilung des Rückforderungsanspruchs verwies
er die Verfahrensbeteiligten ferner auf das Urteil des Bundesgerichts
9C_870/2013 vom 29. April 2014. Schliesslich machte er sie darauf auf-
merksam, dass der Schriftenwechsel am 22. August 2017 abgeschlossen
werde (BVGer act. 89).
C.ww Mit Eingabe vom 21. September 2017 wies die IV-Stelle das Bun-
desverwaltungsgericht auf das im Strafverfahren ergangene Urteil des
Bundesgerichts 6B_1099/2016 vom 1. September 2017 hin (BVGer
act. 90).
C.xx Mit Verfügung vom 25. September 2017 (BVGer act. 91) übermittelte
der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer eine Kopie der Stellung-
nahme der IV-Stelle vom 21. September 2017 samt einer Kopie des Urteils
6B_1099/2016 zur Kenntnisnahme (Ziff. 1). Ferner nahm und gab er den
Parteien zur Kenntnis, dass das Bundesgericht in Gutheissung der Be-
schwerde der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt das Urteil des Appellations-
gerichts des Kantons Basel-Stadt aufgehoben und die Sache an das Ap-
pellationsgericht des Kantons Basel-Stadt zu neuem Entscheid zurückge-
wiesen habe (Ziff. 2). Ferner gab er den Parteien Gelegenheit, bis zum
25. Oktober 2017 zum genannten Urteil und zur Frage der Sistierung des
Beschwerdeverfahrens Stellung zu beziehen. Überdies wies er die Par-
teien auf das Urteil des Bundesgerichts 8C_718/2016 vom 21. August 2017
hin (Ziff. 3 und Ziff. 4). Schliesslich wurden die Parteien noch darüber in
Kenntnis gesetzt, dass der im Teilurteil vom 3. November 2016 aufgeführte
Bundesverwaltungsrichter Michael Peterli durch Bundesverwaltungsrichte-
rin Franziska Schneider ersetzt werden müsse (Ziff. 5).
C.yy Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe seines Rechtsvertreters
vom 3. Oktober 2017 zum Urteil 6B_1099/2016 Stellung. Ferner teilte er
dem Bundesverwaltungsgericht mit, dass er – entsprechend seiner bishe-
rigen Argumentation – eine Sistierung des Beschwerdeverfahrens ablehne.
Ferner drohte er eine Rechtsverweigerungsbeschwerde für den Fall an,
dass bis zum 10. November 2017 noch kein Entscheid in der Sache ergan-
gen sei (BVGer act. 92).
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 18
C.zz Mit Eingabe vom 18. Oktober 2017 liess sich die Vorinstanz unter Ver-
weis auf die Stellungnahme der IV-Stelle vom 16. Oktober 2017 zum ge-
nannten Urteil vernehmen und stellte zudem den Antrag, es sei von einer
Sistierung des Beschwerdeverfahrens abzusehen (BVGer act. 93 samt
Beilage).
C.aaa Mit Verfügung vom 30. Oktober 2017 liess der Instruktionsrichter je
ein Doppel der Stellungnahme vom 3. Oktober 2017 der Vorinstanz sowie
der Eingabe vom 18. Oktober 2017 dem Beschwerdeführer zukommen und
schloss den Schriftenwechsel ab. Ferner wurden die Verfahrensbeteiligten
darauf hingewiesen, dass die Streitsache spruchreif sei und der Urteilsent-
wurf bei der Richterschaft in Zirkulation gesetzt werde (BVGer act. 94).
D.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird
– soweit erforderlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 In den hängigen Beschwerdeverfahren (C-4032/2014, C-7520/2014
und C-7605/2014) stehen die jeweiligen Sachverhalte in einem engen in-
haltlichen Zusammenhang. Die Voraussetzungen für eine Vereinigung der
Verfahren sind daher gegeben (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LO-
RENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
2. Aufl. 2014, S. 144 Rz. 3.17). Die mit Verfügung vom 27. Januar 2015
angeordnete Sistierung des Verfahrens C-7520/2014 (vgl. Sachverhalt,
Bst. C.n hievor) wird damit hinfällig.
1.2 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b IVG (SR 831.20) sowie Art. 5 VwVG beurteilt das Bundesver-
waltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügun-
gen der IV-Stelle für Versicherte im Ausland.
1.2.1 Anfechtungsgegenstand sind im Beschwerdeverfahren C-4032/2014
zunächst die Verfügungen vom 11. Juni/4. Juli 2014, mit welchen die IVSTA
die ab 1. August 1997 zugesprochenen Invalidenrenten rückwirkend auf-
gehoben und einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügungen die
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 19
aufschiebende Wirkung entzogen hat (BVGer act. 1, Beilagen). Gegen-
stand der Anfechtung ist ferner die Verfügung vom 10. Dezember 2014, mit
welcher die Vorinstanz Rentenleistungen im Betrag von total Fr. 17'917.-
zurückgefordert hat (Beilage zu BVGer act. 1; C-7520/2014),
1.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung dieser Beschwer-
den (C-4032/2014 und C-7520/2014) zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d
VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist als
Adressat der angefochtenen Verfügungen durch diese besonders berührt
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Abände-
rung, weshalb er zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59
ATSG [SR 830.1]). Auf die frist- und formgerecht eingereichten Beschwer-
den vom 18. Juli 2014 und vom 26. Dezember 2014 ist einzutreten (Art. 60
Abs. 1 ATSG; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Unter Hinweis auf das Beschwerdeverfahren C-4032/2014 übermittelte
das Sozialversicherungsgericht des Kantons Basel dem Bundesverwal-
tungsgericht mit Schreiben vom 21. Januar 2015 eine vom Beschwerde-
führer mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29. April 2014 eingereichte
Rechtsverzögerungs- und Rechtsverweigerungsbeschwerde (BVGer
act. 1 samt Beilage; C-7605/2014).
1.3.1 Es ist demnach zu prüfen, ob das Bundesverwaltungsgericht auch für
die Beurteilung dieser Beschwerde zuständig ist.
1.3.2 Gemäss Art. 55 Abs. 1 IVG ist in der Regel die IV-Stelle zuständig, in
deren Kantonsgebiet der Versicherte im Zeitpunkt der Anmeldung seinen
Wohnsitz hat. Der Bundesrat ordnet die Zuständigkeit in Sonderfällen. Der
Bundesrat setzt eine IV-Stelle für Versicherte im Ausland ein (Art. 56 IVG).
1.3.3 Gemäss Art. 40 Abs. 1 Bst. a IVV (SR 831.201) ist zur Entgegen-
nahme und Prüfung der Anmeldungen die IV-Stelle zuständig, in deren Tä-
tigkeitsgebiet die Versicherten ihren Wohnsitz haben. Zuständig zur Entge-
gennahme und Prüfung der Anmeldungen von Grenzgängern ist die IV-
Stelle, in deren Tätigkeitsgebiet der Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit
ausübt. Dies gilt auch für ehemalige Grenzgänger, sofern sie bei der An-
meldung ihren ordentlichen Wohnsitz noch in der benachbarten Grenzzone
haben und der Gesundheitsschaden auf die Zeit ihrer Tätigkeit als Grenz-
gänger zurückgeht. Die Verfügungen werden jedoch auch in diesen Fällen
von der IVSTA erlassen (Art. 40 Abs. 2 IVV).
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 20
1.3.4 Laut den Akten hatte der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz im Zeit-
punkt der Revisionsprüfung in (.../DE) (vgl. act. 45 und 49). Sein Gesund-
heitsschaden geht auf seine frühere Tätigkeit als Grenzgänger in der in der
Klinik B._ zurück, weshalb die IV-Stelle zur Entgegennahme der
Anmeldung, zur weiteren Durchführung des Verfahrens sowie auch zur
Einleitung des eingeleiteten Revisionsverfahrens zuständig war. Die Zu-
ständigkeit zum Erlass der Verfügung blieb indes unverändert bei der IV-
STA.
1.3.5 Somit ergibt sich, dass die IVSTA gemäss Art. 40 Abs. 2 IVV zum
Erlass einer Revisionsverfügung und zur Rückforderung von zu viel geleis-
teten IV-Renten zuständig war. Gemäss Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG knüpft die
Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts an die Voraussetzung an,
dass das Anfechtungsobjekt eine Verfügung der IVSTA ist (vgl. dazu Urteil
des BVGer C-3790/2007 vom 28. Mai 2010 E. 1.3.2). Deshalb hat vorlie-
gend auch das Bundesverwaltungsgericht über die Rechtsverweigerungs-
beschwerde zu entscheiden. Das vom Beschwerdeführer ursprünglich an-
gerufene Sozialversicherungsgericht des Kantons Basel-Stadt hat die Ver-
fahrensakten demnach zu Recht dem Bundesverwaltungsgericht zur wei-
teren Behandlung überwiesen (vgl. dazu Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG; Urteile
des BVGer C-6429/2014 vom 19. Mai 2015 E. 1.4; C-6189/2014 vom
4. März 2015 E. 1.3.1).
2.
2.1 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
Beschwerdeverfahrens C-4032/2014 bilden zunächst die Verfügungen
vom 11. Juni/4. Juli 2014, mit welcher die Vorinstanz die seit 1. August 1997
ausgerichteten Invalidenrenten rückwirkend (ab 1. August 1997) aufgeho-
ben hat. In diesem Zusammenhang gilt es zu beachten, dass bei der Her-
absetzung oder Aufhebung einer Invalidenrente die (geänderte) Rente als
solche Streitgegenstand bildet, nicht die rechtliche Begründung für die An-
passung der Leistung. Revision (Art. 17 ATSG) und Wiedererwägung (Art.
53 Abs. 2 ATSG) stellen nicht verschiedene Streitgegenstände dar, son-
dern verschiedene rechtliche Begründungen für den Streitgegenstand „Ab-
änderung des Rentenanspruchs“ (vgl. Urteil des BGer 9C_31/2014 vom
5. September 2014 E. 5).
2.2 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 21
Erlasses der streitigen Verwaltungsverfügung eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 220 E. 3.1.1; 131 V 242 E. 2.1).
Demnach ist vorliegend hinsichtlich der angefochtenen Rentenaufhebung
grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfü-
gungen (hier: 11. Juni/4. Juli 2014 bzw. 10. Dezember 2014) eingetretenen
Sachverhalt abzustellen. Nachdem der Beschwerdeführer am 27. April
2012 das AHV-Rentenalter erreicht hat und damit der Versicherungsfall Al-
ter eingetreten ist, endet der IV-Rentenanspruch von Gesetzes wegen per
30. April 2012 (vgl. dazu Art. 30 IVG i.V.m. Art. 21 Abs. 1 Bst. a und Abs. 2
AHVG). Die vorliegende Prüfung beschränkt sich dementsprechend auf
den IV-rechtlich relevanten Zeitraum bis zur Beendigung des Invalidenren-
tenanspruchs per 30. April 2012.
2.3 Die Sache beurteilt sich nach denjenigen materiellen Rechtssätzen, die
bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung
hatten (vgl. BGE 130 V 329). Ein allfälliger Leistungsanspruch ist für die
Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeit-
punkt nach den neuen Normen zu prüfen (pro rata temporis; vgl. BGE 130
V 445).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger und wohnt in
Deutschland (act. 1, S. 40). Daher sind vorliegend die folgenden Erlasse
anwendbar: das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Freizügigkeitsabkom-
men (nachfolgend: FZA; SR 0.142.112.681), sein Anhang II, die Verord-
nung (EWG) Nr. 1408/71 sowie die Verordnung (EWG) Nr. 574/72 des Ra-
tes vom 21. März 1972 über die Durchführung der Verordnung (EWG) Nr.
1408/71; vgl. Art. 153a AHVG). Diese sind am 1. April 2012 durch die Ver-
ordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicher-
heit (nachfolgend: VO Nr. 883/2004) sowie (EG) Nr. 987/2009 des Europä-
ischen Parlaments und des Rates vom 16. September 2009 zur Festlegung
der Modalitäten für die Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004
über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit abgelöst wor-
den (AS 2012 2345). Sofern in der VO Nr. 883/2004 nichts anderes be-
stimmt ist, haben Personen, für die diese Verordnung gilt, die gleichen
Rechte und Pflichten aufgrund der Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats
wie die Staatsangehörigen dieses Staates (Art. 4 VO Nr. 883/2004). Nor-
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 22
men, welche hinsichtlich der Voraussetzungen des Anspruchs auf eine In-
validenrente vom genannten Grundsatz der Gleichbehandlung abweichen,
finden sich weder in der genannten Verordnung noch in der VO
Nr. 987/2009. Die Bestimmung des anwendbaren Rechts ergibt sich aus
Art. 11 ff. VO Nr. 883/2004. Der Anspruch auf eine Invalidenrente bestimmt
sich auch nach Inkrafttreten des FZA nach schweizerischem Recht (BGE
130 V 253 E. 2.4).
3.2 Die Beurteilung der Fragen, ob die Rentenaufhebung rechtmässig ist,
ob eine Rechtsverzögerung vorliegt und ob die IVSTA zu Recht Renten-
leistungen zurückgefordert hat, bestimmt sich demnach ausschliesslich
nach den schweizerischen Rechtsvorschriften.
4.
4.1 Im Verfahren C-7605/2014 rügt der Beschwerdeführer mit Eingabe sei-
nes Rechtsvertreters vom 29. April 2014 eine Rechtsverzögerung respek-
tive Rechtsverweigerung. Er beantragt sinngemäss, die Vorinstanz sei an-
zuweisen, ihm in seiner Rentenangelegenheit unverzüglich einen rechts-
mittelfähigen Bescheid zuzustellen, und es sei festzustellen, dass eine
Rechtsverzögerung und Rechtsverweigerung vorliege (Ziff. 1 des Rechts-
begehrens). Ferner sei die Vorinstanz anzuweisen, die Sistierung der Ren-
tenansprüche mit sofortiger Wirkung aufzuheben und zu veranlassen, dass
die laufenden Rentenleistungen wieder ausbezahlt würden (Ziff. 2 des
Rechtsbegehrens; Beilage 2 zu BVGer act. 1, C-7605/2014).
4.2 Soweit der Beschwerdeführer die Aufhebung der Sistierung betreffend
Rentenansprüche und die Wiederaufnahme der Auszahlung von Renten-
leistungen beantragt, ist er darauf hinzuweisen, dass dieses Begehren mit
Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Februar
2015 als gegenstandslos geworden abgeschrieben wurde (BVGer act. 2;
C-7605/2014). Hierauf ist folglich nicht mehr weiter einzugehen.
4.3 Gemäss Art. 50 Abs. 2 VwVG kann gegen das ungerechtfertigte Ver-
weigern oder Verzögern einer Verfügung im Grundsatz jederzeit Be-
schwerde geführt werden.
4.3.1 Jedoch ist zur Beschwerde nur legitimiert, wer durch die angefoch-
tene Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhe-
bung respektive an der Abänderung der angefochtenen Verfügung hat
(Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG und Art. 59 ATSG). Im Sinne dieser Bestim-
mung ist ein Interesse schutzwürdig, wenn der Beschwerdeführer nicht nur
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 23
beim Einreichen der Beschwerde, sondern auch noch im Zeitpunkt der Ur-
teilsfällung ein aktuelles, praktisches Interesse an der Aufhebung oder Än-
derung der angefochtenen Verfügung hat, soll sich ein Gericht doch nur
über konkrete und nicht nur theoretische Fragen äussern (vgl. BGE 125 I
394 E. 4a). Liegt das praktische Interesse im Zeitpunkt der Beschwerdeer-
hebung vor, fällt es aber im Laufe des Verfahrens dahin, so ist die Be-
schwerde als gegenstandslos (erledigt) abzuschreiben (vgl. BGE 118 Ia
488 E. 1a; 118 Ib E. 2; Urteile des BGer 9C_502/2012 vom 11. Juli 2012;
2C_10/2009 und 2C_25/2009 vom 5. Februar 2009 E. 2). Eine Ausnahme
von diesem Grundsatz ist nur dann zu machen, wenn die aufgeworfene
Frage sich jederzeit unter gleichen Voraussetzungen wieder stellen könnte,
wenn an deren Beantwortung ein hinreichendes öffentliches Interesse be-
steht und wenn sie im Einzelfall kaum je rechtzeitig überprüft werden
könnte (vgl. VERA MARANTELLI-SONANINI/SAID HUBER, in: Waldmann/Weis-
senberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 48 N. 15).
4.3.2 Vorliegend hat die Vorinstanz während des laufenden Beschwerde-
verfahrens am 11. Juni 2014 respektive 4. Juli 2014 verfügt. Unter diesen
Umständen liegt kein aktuelles und praktisches Rechtsschutzinteresse an
der Beurteilung der vom Beschwerdeführer erhobenen Rechtsverweige-
rungsbeschwerde mehr vor. Plausible Gründe für die Annahme, dass sich
die aufgeworfene Frage jederzeit unter gleichen Voraussetzungen wieder
stellen könnte, und an der Beantwortung ein hinreichendes öffentliches In-
teresse bestehen würde und sie im Einzelfall kaum je rechtzeitig überprüft
werden könnte, sind nicht ersichtlich. Unter diesem Umständen kann die
Rechtsverweigerungsbeschwerde als gegenstandslos geworden abge-
schrieben werden (vgl. dazu Urteil des BVGer C-4507/2014 vom 10. Okto-
ber 2014).
4.4 Mit Blick auf die Kosten- und Entschädigungsfolgen des gegenstands-
los gewordenen Beschwerdeverfahrens ist nachfolgend dennoch zu den
Prozessaussichten, wie sie sich bezüglich der Rechtsverweigerungsbe-
schwerde vor Eintritt der Gegenstandslosigkeit präsentierten, Stellung zu
beziehen. Voraussetzung für die Zusprache einer Parteientschädigung bei
Gegenstandslosigkeit ist einerseits, dass die Prozessaussichten vor Eintritt
der Gegenstandslosigkeit eine solche rechtfertigen und der Beschwerde-
führer anderseits seine Mitwirkungspflichten nicht verletzt und dadurch
nicht einen unnötigen Prozess verursacht haben darf (vgl. dazu auch UELI
KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 61 N. 205). Lässt sich der
mutmassliche Ausgang des Verfahrens nicht ohne Weiteres bestimmen, ist
auf allgemeine prozessrechtliche Kriterien zurückzugreifen. Danach wird in
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 24
erster Linie jene Partei kosten- und entschädigungspflichtig, die das ge-
genstandslos gewordene Verfahren veranlasst hat oder bei der die Gründe
eingetreten sind, die zur Gegenstandslosigkeit des Verfahrens geführt ha-
ben (Urteil des BGer 9C_84/2015 vom 17. März 2015 E. 2).
4.4.1 Verwaltungsbehörden sind aufgrund des Rechtsverzögerungsverbo-
tes gehalten, ihre Arbeit so zu organisieren, dass das Verfahren in allen
ihnen vorgelegten Fällen innerhalb einer angemessenen Frist zum Ab-
schluss gebracht werden kann. Ob eine Prozessdauer als angemessen zu
betrachten ist, muss im Hinblick auf die Natur und den Umfang des Rechts-
streites beurteilt werden (BGE 125 V 188 E. 2a S. 191; 107 Ib 160 E. 3c
S. 165 mit Hinweisen). Im Weiteren bestimmt sich die zulässige Verfah-
rensdauer nach der Gesamtheit der übrigen Umstände (Urteil des BGer
8C_711/2010 vom 14. Januar 2011 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). Ein
Verfahren wird über Gebühr verzögert und Art. 29 Abs. 1 BV verletzt, wenn
die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen,
diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache
(Kompliziertheit) und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als an-
gemessen erscheint, wobei sich die Beurteilung der angemessenen Ver-
fahrensdauer starren Regeln entzieht (Urteil des BGer 9C_83/2012 vom
9. Mai 2012 E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). In der Gerichtspraxis wurde
bei einer Untätigkeit des Versicherungsträgers während neun respektive
zwölf Monaten bis zur Vornahme des nächsten angezeigten Verfahrens-
schrittes eine Rechtsverzögerung bejaht (UELI KIESER, Das Verwaltungs-
verfahren in der Sozialversicherung, Zürich 1999, N. 509, sowie DERS.,
ATSG-Kommentar, Art. 56 N. 31, mit Hinweisen).
4.4.2 Wie vorstehend (vgl. Sachverhalt, Bst. B.e hievor) dargelegt, wies
das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil B-860/2011 vom 8. September
2011 die vom Beschwerdeführer gegen die sofortige (vorsorgliche) Ren-
teneinstellung erhobene Beschwerde ab mit dem Hinweis, dass die Vor-
instanz gehalten sei, das Revisionsverfahren unverzüglich fortzuführen
(E. 4.4.5). Am 7. Oktober 2011 ersuchte der Teamleiter des Rechtsdienstes
der IV-Stelle den RAD um Bestimmung der für die Begutachtung notwen-
digen Fachdisziplinen sowie um Vorschläge für ein Begutachtungsinstitut
und für allfällige Zusatzfragen (act. 101). Mit Schreiben vom 21. November
2011 teilte die IV-Stelle der SUVA und dem Rechtsvertreter mit, dass eine
medizinische Begutachtung bei der Gutachterstelle F._ vorgesehen
sei, und gab diesen gleichzeitig Gelegenheit, zum Fragenkatalog Stellung
zu nehmen (act. 104 f.). Der Rechtsvertreter und die SUVA liessen sich am
16. respektive 18. Januar 2012 vernehmen (act. 110 f.). Am 9. Februar
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=soz&query_words=%2BUnt%E4tigkeit+%2BBeh%F6rde+%2BRechtsverz%F6gerung&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-188%3Ade&number_of_ranks=0#page188 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=soz&query_words=%2BUnt%E4tigkeit+%2BBeh%F6rde+%2BRechtsverz%F6gerung&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F107-IB-160%3Ade&number_of_ranks=0#page160
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 25
2012 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter mit, dass sie an der Zusatz-
frage 1 festhalte und die Zusatzfrage 2 umformuliert habe (act. 112). Mit
Schreiben vom 10. Februar 2012 wurde die Gutachterstelle F._ mit
der Begutachtung beauftragt (act. 113). Am 23. April 2013 erstattete die
Gutachterstelle F._ ihr interdisziplinäres Gutachten (act. 131, S. 2 -
82). Der Beschwerdeführer liess sich mit Eingabe vom 16. Mai 2013 hierzu
vernehmen (act. 139). Mit Schreiben seines Rechtsvertreters vom 2. Juli
2013 ersuchte er die IV-Stelle, die Angelegenheit "kurzfristig, längstens bis
zum 31. Juli 2013, zu entscheiden" (act. 139). Am 16. Juli 2013 teilte die
IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit, dass ein Entscheid bis zum 31. Juli
2013 nicht möglich sei; dennoch werde die Angelegenheit beförderlich er-
ledigt (act. 140). Mit Schreiben vom 17. Juli 2013 unterbreitete der Rechts-
dienst der IV-Stelle dem RAD Zusatzfragen zum F.-Gutachten (act. 141),
welche von diesem am 26. Juli 2013 und am 5. August 2013 beantwortet
wurden (act. 144). Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 1. November
2013 ersuchte der Beschwerdeführer die IV-Stelle, den ausstehenden Ent-
scheid bis spätestens 31. Dezember 2013 zu erlassen, ansonsten er ge-
halten wäre, eine Rechtsverzögerungsbeschwerde zu erheben (act. 150).
Am 18. November 2013 beantwortete die IV-Stelle die ihr von der Staats-
anwaltschaft Basel-Stadt unterbreiteten Fragen zum IV-Verfahren (act.
151). Mit Schreiben vom 18. Dezember 2013 liess die IV-Stelle dem Be-
schwerdeführer den Vorbescheid zukommen, worin sie ihm die rückwir-
kende Aufhebung der IV-Rente per 1. August 1997 in Aussicht stellte (act.
153). Am 21. Januar 2014 forderte die IV-Stelle den Rechtsvertreter auf,
innert der Nachfrist bis zum 3. Februar 2014 eine den Standesregeln ge-
nügende Stellungnahme zum Vorbescheid einzureichen (act. 157). Am 27.
Januar 2014 nahm der Rechtsvertreter erneut Stellung, und am 2. April
2014 forderte er die IV-Stelle auf, bis spätestens 17. April 2014 zu verfügen
(act. 158, S. 2 f.; act. 160).
Aus dem vorstehend dargelegten Sachverhalt geht hervor, dass die IV-
Stelle das Verfahren nach der gerichtlichen Rückweisung der Sache zur
Prüfung der Revisionsvoraussetzungen vom 8. September 2011 jeweils in-
nert nützlicher Frist vorangetrieben hat. Nachdem überdies zwischen dem
Ablauf der bis zum 3. Februar 2014 eingeräumten Nachfrist für die ergän-
zende Begründung des Einwandes und dem Erlass der Verfügung vom
11. Juni 2014 respektive 4. Juli 2014 lediglich etwas mehr als vier Monate
verstrichen sind, bis die IVSTA verfügt hat, kann vorliegend nicht von einer
Rechtsverzögerung gesprochen werden. Auch die Dauer von rund 14 Mo-
naten zwischen Auftragserteilung und Erstellung des Gutachtens ist pra-
xisgemäss in Kauf zu nehmen (vgl. dazu KIESER, ATSG-Kommentar,
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 26
Art. 56 N. 31). Die Rechtsverweigerungsbeschwerde wäre dementspre-
chend abzuweisen gewesen, wenn darauf hätte eingetreten werden kön-
nen.
5.
5.1 Nach dem Gesetz setzt der Anspruch auf eine Invalidenrente Arbeits-
unfähigkeit (Art. 6 ATSG) und Invalidität (Art. 8 ATSG) voraus (Art. 28
Abs. 1 IVG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der kör-
perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte volle oder teil-
weise Unfähigkeit, zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 6 ATSG). Invalidität ist
die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teil-
weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG; der am 1. Januar 2008 in Kraft getretene Abs. 2 hat den Begriff der
Erwerbsunfähigkeit nicht modifiziert, BGE 135 V 215 E. 7.3).
5.2 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fas-
sung) haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbs-
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten
oder verbessern können (Bst. a), und die zusätzlich während eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeits-
unfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und auch nach Ablauf dieses Jahres
zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. b und c).
5.3 Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf
eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindes-
tens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine
ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Nach Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten,
die einem Invaliditätsgrad von weniger als 50 % entsprechen, nur an Ver-
sicherte ausgerichtet, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 27
(Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben, soweit nicht völkerrechtliche Verein-
barungen eine abweichende Regelung vorsehen. Eine solche Ausnahme
gilt seit dem 1. Juni 2002 für Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der
EU/EFTA und der Schweiz, sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU/EFTA
Wohnsitz haben (BGE 130 V 253 E. 2.3 und 3.1).
5.4 Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden In-
validität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich er-
mittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person nach dem
Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und zu-
mutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarkt-
lage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum
Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
5.5
5.5.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-
hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsäch-
lichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den In-
validitätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen (BGE 134 V 131
E. 3). Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Ge-
sundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich ge-
bliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Er-
werbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 134 V 131 E. 3 S. 132;
BGE 130 V 343 E. 3.5, BGE 117 V 198 E. 3b); dazu gehört die Verbesse-
rung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung oder Anpassung an
die Behinderung (Urteile des BGer 9C_410/2015 vom 13. November 2015
E. 2; 9C_349/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 3.1 und 9C_292/2012 vom
7. August 2012 E. 2.3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurtei-
lung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions-
rechtlichen Kontext unbeachtlich (SVR 2011 IV Nr. 1 [8C_972/2009] E. 3.2;
Urteile des BGer 8C_133/2013 vom 29. Mai 2013 E. 4.1 und 9C_928/2010
vom 7. Februar 2011 E. 3.2). Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor,
ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend
("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen be-
steht (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11 mit Hinweisen und E. 6.1 S. 13).
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 28
5.5.2 Ob eine unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten erhebliche Än-
derung eingetreten ist, beurteilt sich durch den Vergleich des Sachverhal-
tes, wie er im Zeitpunkt der letzten, der versicherten Person eröffneten
rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Ren-
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi-
gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten
für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszu-
stands) beruht, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung;
vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessu-
alen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4; Urteil des BGer 9C_213/2015 vom
5. November 2015 E. 4.3.2).
5.5.3 Bei einer in Aussicht genommenen Einstellung respektive Herabset-
zung einer bisher ausgerichteten Leistung trägt diejenige Partei die Be-
weislast, welche daraus Rechte ableiten will. Dies ist in der Regel der Ver-
sicherungsträger (KIESER, ATSG-Kommentar, Art. 43 N. 46 ff.; vgl. auch
BGE 121 V 208 E. 6a). Ergibt die Beweiswürdigung, dass eine rentenauf-
hebende Tatsachenänderung nicht bewiesen ist, trägt daher der Versiche-
rungsträger die Folgen der Beweislosigkeit (URS MÜLLER, Das Verwal-
tungsverfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010, § 25, Rz. 1538).
Dabei gilt der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Dieser
Grad übersteigt einerseits die Annahme einer blossen Möglichkeit bezie-
hungsweise einer Hypothese und liegt anderseits unter demjenigen der
strikten Annahme der zu beweisenden Tatsache. Die Wahrscheinlichkeit ist
insoweit überwiegend, als der begründeten Überzeugung keine konkreten
Einwände entgegenstehen (KIESER, ATSG-Kommentar, Art. 43 N. 50; Urteil
des BGer 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 2 mit Hinweisen).
5.5.4 Nach Art. 88a Abs. 1 IVV ist bei einer Verbesserung der Erwerbsfä-
higkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, die an-
spruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung
der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenom-
men werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit andauern wird; sie
ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unter-
brechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andau-
ern wird. Nach Art. 88bis Abs. 2 Bst. a IVV erfolgt die Herabsetzung oder
Aufhebung einer Rente grundsätzlich frühestens vom ersten Tag des zwei-
ten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an (vgl. dazu auch
BGE 135 V 306; 133 V 67 E. 4.3.5). Die Herabsetzung oder Aufhebung der
Rente erfolgt indes rückwirkend vom Eintritt der für den Anspruch erhebli-
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 29
chen Änderung, wenn die unrichtige Ausrichtung einer Leistung darauf zu-
rückzuführen ist, dass der Bezüger sie unrechtmässig erwirkt hat oder der
ihm gemäss Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist
(Art. 88bis Abs. 2 Bst. b IVV in der vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember
2014 gültig gewesenen Fassung; AS 2011 5679). Eine rückwirkende Ren-
tenaufhebung zufolge Meldepflichtverletzung setzte nach der bis Ende
2014 geltenden Rechtslage voraus, dass die Verletzung für die unrichtige
Leistungserbringung kausal war (KIESER, ATSG-Kommentar, Art. 25 N. 17;
MICHEL VALTERIO, Droit de l'assurance-vieillesse et survivants [AVS] et de
l'assurance-invalidité, 2011, S. 843 Rz. 3115; ULRICH MEYER/MARCO
REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014,
Art. 30 - 31 N. 148; BGE 119 V 431 E. 4a S. 434; 118 V 214 E. 3 S. 221).
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind nach der bis Ende 2014 gelten-
den Rechtslage somit nur dann zurückzuerstatten, wenn zwischen der Mel-
depflichtverletzung und dem unrechtmässigen Leistungsbezug ein Kausal-
zusammenhang besteht (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungs-
gerichts [ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesge-
richts], I 151/94 vom 3. April 1995 [SVR 1995 IV Nr. 58] S. 167 E. 5c). Mit
der am 1. Januar 2015 in Kraft getretenen Änderung der IVV vom 19. Sep-
tember 2014 hat auch Art. 88bis Abs. 2 Bst. b IVV eine Änderung erfahren.
Danach erfolgt die Herabsetzung oder Änderung der Renten, Hilflosenent-
schädigungen und Assistenzbeiträge rückwirkend ab Eintritt der für den An-
spruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu Unrecht
erwirkt hat oder der ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht
nachgekommen ist, und zwar neu unabhängig davon, ob die Verletzung
der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Wei-
terausrichtung der Leistung war (AS 2014 3177, S. 3180 und S. 3182). Mit
der Änderung per 1. Januar 2015 hat der Bundesrat demnach das bishe-
rige Kausalitätserfordernis in Art. 88bis Abs. 2 Bst. b IVV gestrichen.
5.5.5 Gemäss Art. 31 Abs. 1 ATSG muss der Leistungsbezüger jede we-
sentliche Änderung in den für die Leistung massgebenden Verhältnissen
melden. Nach der Spezialnorm von Art. 77 IVV, welche Bestimmung unter
dem Titel der Meldepflicht steht, hat der Berechtigte jede für den Leistungs-
anspruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche des Gesundheits-
zustandes, der Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit und der persönlichen und
gegebenenfalls der wirtschaftlichen Verhältnisse unverzüglich der IV-Stelle
anzuzeigen. Meldepflichtig sind bereits eingetretene oder künftige Verän-
derungen, die sich auf den laufenden Anspruch auf eine Dauerleistung
auszuwirken vermögen. Soweit die Änderung bereits vor der Leistungszu-
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 30
sprache erfolgt ist, kann indes eine Meldepflichtverletzung nicht angenom-
men werden (KIESER, ATSG-Kommentar, Art. 31 N. 10 mit Hinweisen).
Nach KIESER (ATSG-Kommentar, Art. 31 NN. 10 und 16 mit Hinweisen)
sind von der Meldepflicht nur Änderungen erfasst, welche sich auf den
Leistungsanspruch auswirken. Demgegenüber vertreten LOCHER/GÄCH-
TER (Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, S. 533) den
Standpunkt, dass eine Veränderung des Sachverhaltes in jedem Fall zu
melden ist, damit die Behörde die Rechtmässigkeit der Weiterausrichtung
der Dauerleistung prüfen kann.
5.6 Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügungen
oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrich-
tig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53
Abs. 2 ATSG). Vorausgesetzt ist, dass kein vernünftiger Zweifel an der Un-
richtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser einzige Schluss denk-
bar ist. Als in diesem Sinne qualifiziert unrichtig erweist sich eine Verfügung
zum einen dann, wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen über-
haupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt worden
sind. Weiter ist zweifellose Unrichtigkeit in der Regel gegeben, wenn eine
Leistungszusprechung auf Grund falscher Rechtsregeln erfolgt ist oder
massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. So-
weit indessen ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung vor dem
Hintergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im
Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung (bzw. -aufhebung) in
vertretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifello-
ser Unrichtigkeit aus (zum Ganzen: Urteil des BGer 8C_125/2015 vom
26. Juni 2015 E. 9.1 m.w.H.; vgl. auch Urteil des BGer 9C_816/2013 vom
20. Februar 2014 E. 1.1 m.w.H.).
Unter den gleichen Voraussetzungen kann der Versicherungsträger auf
formlos zugesprochene Leistungen (vgl. Art. 51 ATSG und Art. 74ter IVV)
zurückkommen (BGE 129 V 110; Urteil BGer 9C_851/2013 vom 24. Juni
2014 E. 2; Urteil BGer 9C_95/2015 vom 27. Mai 2015 E. 5.3).
Auch die Einstellung einer Rente aufgrund einer Wiedererwägung oder der
prozessualen Revision erfolgt grundsätzlich nur für die Zukunft. Rückwir-
kend kann sie nur im Falle des Tatbestandes der unrechtmässigen Erwir-
kung erfolgen, wogegen der Tatbestand der Meldepflichtverletzung defini-
tionsgemäss Sachverhaltsänderungen während des laufenden Rentenbe-
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 31
zugs betrifft und somit bei der Wiedererwägung oder der prozessualen Re-
vision keinen Anwendungsbereich hat (vgl. Urteil des BGer 9C_870/2013
vom 29. April 2014 E. 5.2).
5.7
5.7.1 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi-
zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Exper-
ten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich
somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder
Gutachten (BGE 134 V 231 E. 2.1; 125 V 352 E. 3a).
5.7.2 Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begeh-
ren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt
die erforderlichen Auskünfte ein (Satz 1). Das Gesetz weist dem Durchfüh-
rungsorgan die Aufgabe zu, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem
Untersuchungsgrundsatz abzuklären, so dass gestützt darauf die Verfü-
gung über die in Frage stehende Leistung ergehen kann (Art. 49 ATSG;
SUSANNE LEUZINGER-NAEF, Die Auswahl der medizinischen Sachverstän-
digen im Sozialversicherungsverfahren [Art. 44 ATSG], in: Riemer-
Kafka/Rumo-Jungo [Hrsg.], Soziale Sicherheit – Soziale Unsicherheit,
Bern 2010, S. 413 f.). Auf dem Gebiet der Invalidenversicherung obliegen
diese Pflichten der (zuständigen) Invalidenversicherungsstelle (Art. 54 - 56
in Verbindung mit Art. 57 Abs. 1 lit. c - g IVG).
5.7.3 Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur
Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs
zur Verfügung. Sie setzen dabei insbesondere die für die Invalidenversi-
cherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit
der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im
Aufgabenbereich auszuüben (Art. 59 Abs. 2bis IVG und Art. 49 Abs. 1 Satz 1
IVV). RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Gut-
achten im Sinn von Art. 44 ATSG nicht erfasst werden, weshalb die in die-
ser Norm enthaltenen Verfahrensregeln bei der Einholung von RAD-Be-
richten keine Wirkung entfalten (BGE 135 V 254 E. 3.4 S. 258 ff.; Urteil des
BGer 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1). Der Beweiswert
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 32
von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist nach der Rechtsprechung
mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleich-
bar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gut-
achten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232) genügen und die Arztperson
über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210
E. 1.2.1 S. 219 f.). Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Ab-
klärungen kann bereits bei Vorliegen geringer Zweifel an ihrer Zuverlässig-
keit und Schlüssigkeit nicht abgestellt werden (BGE 139 V 225 E. 5.2
S. 229; 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.; Urteil 8C_385/2014 E. 4.2.2).
5.8 Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat im Urteil Vukota-
Bojic vom 18. Oktober 2016 (61838/10) im Wesentlichen erkannt, dass die
systematische Überwachung eines Versicherten durch Foto- und Videoauf-
nahmen eines von der Versicherung beauftragten Privatdetektivs sowie die
Aufbewahrung der Informationen einen Eingriff in deren Recht auf Privat-
leben im Sinne von Art. 8 Abs. 1 Konvention vom 4. November 1950 zum
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) dar-
stellt. Dieser Eingriff könne nach Art. 8 Abs. 2 EMRK nur gerechtfertigt wer-
den, wenn und soweit der Eingriff gesetzlich vorgesehen und in einer de-
mokratischen Gesellschaft notwendig sei für die nationale oder öffentliche
Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechterhaltung
der Ordnung, zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit
oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer. Die
gesetzlichen Bestimmungen im schweizerischen Bundesrecht (Art. 28
Abs. 2 und 43 ATSG sowie Art. 96 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981
über die Unfallversicherung [UVG, SR 832.20]) seien nicht genügend und
zu unbestimmt, um einen angemessenen und effektiven Schutz gegen
Missbrauch zu begründen. Den Versicherungsgesellschaften eröffneten
sich (in Erfüllung ihrer öffentlich-rechtlichen Aufgabe) infolge fehlender Re-
gelung der Höchstdauer der Überwachung beziehungsweise infolge feh-
lender Regelung der gerichtlichen Überprüfbarkeit ein weiter Ermessens-
spielraum über den Beschluss, unter welchen Umständen eine Observa-
tion eingeleitet werde und wie lange eine solche dauere (Rz. 74 des
EGMR-Urteils 6138/10 vom 18. Oktober 2016). Die bestehenden gesetzli-
chen Bestimmungen schwiegen sich zudem über die örtliche und zeitliche
Aufbewahrung der Aufzeichnungen, über die Zugangsbefugnis, zu den ge-
samten Daten und über die Anfechtungsmöglichkeit der diesbezüglichen
Handhabung wie auch über die Durchsicht, die Verwendung, die Weiter-
gabe oder die Zerstörung der Aufzeichnungen aus (Rz. 75). Nachdem der
Gerichtshof eine im Gesamten hinreichend klare und detaillierte gesetzli-
che Grundlage nicht ausmachen konnte und eine Verletzung des Rechts
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 33
auf das Privatleben bejahte, erübrigte sich eine Prüfung der Frage, ob die
Massnahme in einem demokratischen Staat notwendig sei, wie dies Art. 8
Abs. 2 EMRK zusätzlich fordere (Rz. 78 des EGMR-Urteils 6138/10 vom
18. Oktober 2016).
5.9 In jüngst publizierten Grundsatzurteil BGE 143 I 377 (9C_806/2016
vom 14. Juli 2017) hat das Bundesgericht – unter Berücksichtigung der
vorstehend (E. 5.7) dargelegten Erwägungen des EGMR – entschieden,
dass Art. 59 Abs. 5 IVG (welche Bestimmung den IV-Stellen "zur Bekämp-
fung des ungerechtfertigten Leistungsbezugs“ den Beizug von Spezialisten
erlaubt) für den Bereich der Invalidenversicherung keine ausreichende ge-
setzliche Grundlage begründe, welche die Observation umfassend klar
und detailliert regeln würde. Folglich fehle es in der Invalidenversicherung
– gleichermassen wie im Unfallversicherungsrecht – an einer genügenden
gesetzlichen Grundlage, welche die verdeckte Überwachung umfassend
klar und detailliert regle. An der in BGE 137 I 327 publizierten Rechtspre-
chung könne daher nicht weiter festgehalten werden (E. 4). Obwohl Art. 59
Abs. 5 IVG keine ausreichende gesetzliche Grundlage für Observationen
in der Invalidenversicherung darstellt, hat das Bundesgericht die Verwert-
barkeit von rechtswidrig erlangtem Observationsmaterial mit Blick auf das
überwiegende öffentliche Interesse an der Bekämpfung des Versiche-
rungsmissbrauchs bejaht, vorausgesetzt dass die versicherte Person nur
im öffentlichen Raum überwacht und nicht beeinflusst, die Observation auf-
grund ausgewiesener Zweifel eingeleitet und die versicherte Person keiner
systematischen oder ständigen Überwachung ausgesetzt worden sei (Ur-
teil 9C_806/2016 E. 5.1.2; bestätigt in den Urteilen des BGer 8C_192/2017
vom 25. August 2017 E. 5.4.3.2 und E. 5.4.3.3 sowie 9C_385/2017 vom
21. August 2017 E. 3.2 und E. 3.3; vgl. hierzu auch THOMAS GÄCHTER/MI-
CHAEL E. MEIER, Rechtswidrige Observationen in der IV – Verwertbarkeit
der Observationserkenntnisse, in: Jusletter 14. August 2017, insbesondere
Rz. 14 und 17 ff.; Jurius, Observation von IV-Bezügern: Keine ausrei-
chende gesetzliche Grundlage, in: Jusletter 7. August 2017).
5.10 In der Regel liegt rechtsprechungsgemäss keine versicherte Gesund-
heitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation
oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und andere
Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns ergeben sich nament-
lich, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten
Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; in-
tensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 34
vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch ge-
nommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständi-
gen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet
werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 141
V 281 E. 2.2.1). Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen
beruhende Leistungseinschränkung vermag eine versicherte Gesundheits-
schädigung indes nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im
Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurtei-
lung die Anhaltspunkte auf eine klar als solche ausgewiesene Aggravation
eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Ver-
haltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das aggravatorische Ver-
halten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zu-
rückzuführen wäre (vgl. Urteile des BGer 9C_154/2016 [SVR 2017 IV
Nr. 21] vom 19. Oktober 2016 E. 4.3 und 9C_899/2015 vom 29. Juni 2015
E. 4.1 und E. 4.2.4 je mit Hinweisen).
6.
Der Revisionsordnung nach Art. 17 ATSG geht die Wiedererwägung im
Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG vor (Urteil BGer 8C_846/2010 vom 10. De-
zember 2010 E. 1.4). Daher ist zunächst zu prüfen, ob die rentenzuspre-
chenden Verfügungen vom 29. April 1999 und 25. September 2001 als
zweifellos unrichtig im Sinne der dargelegten Rechtsprechung zu qualifi-
zieren sind. Die erhebliche Bedeutung der Berichtigung ist bei einer Invali-
denrente als periodische Dauerleistung ohne Weiteres zu bejahen (vgl.
BGE 140 V 85 E. 4.4; in BGE 135 I 1 nicht publizierte E. 5.3 des Urteils
9C_342/2008 vom 20. November 2008).
6.1
6.1.1 Die Vorinstanz stützte sich bei der erstmaligen Zusprache der IV-
Rente im Wesentlichen auf das Ergebnis ihrer damaligen Abklärungen.
Laut Vorbescheid vom 6. April 1998 habe die Arbeitsfähigkeit bisher nicht
über 50 % gesteigert werden können (act. 1, S. 12 f.). Dieser Arbeitsfähig-
keitsbeurteilung lag zum einen der Bericht des Neurologen Dr. med.
G._ vom 24. Juli 1997 zugrunde, worin der Spezialist zum Schluss
kam, dass die chronischen Kopfschmerzen als posttraumatischer Kopf-
schmerz oder als chronischer Spannungskopfschmerz zu deuten seien. Er
vermute einen engen Zusammenhang mit der bestehenden emotional-af-
fektiven Störung. Der Beschwerdeführer sei in seinem bisherigen Beruf als
Krankenpfleger auch weiterhin nur halbschichtig einsetzbar (act. 1, S. 20 -
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 35
22). Zum anderen stützte die IV-Stelle ihre Beurteilung auch auf den Be-
richt von Dr. med. D._, Amtsarzt des Gesundheitsamtes des Kan-
tons Basel-Stadt, vom 12. August 1997 (act. 1, S. 18 f.); danach komme es
bei der 50%igen Einteilung durch wiederholte Kopfwehattacken zu kurz-
fristigen unvorhergesehenen Absenzen, so dass die effektive Arbeitszeit
und Arbeitsfähigkeit deutlich unter 50 % liege. Mit Bericht vom 29. April
1998 hielt Dr. med. D._ sodann fest, dass der Beschwerdeführer
einen schweren Sturz mit Fraktur der Schädelbasis im Bereich der Nasen-
höhlen sowie Zerreissung der Dura (Hirnhaut) erlitten habe. Trotz durchge-
führter operativer Versorgung der Fraktur und des Durarisses habe der Un-
fall zu chronischen, einschiessenden Kopfschmerzen, Doppelbildstörun-
gen und Wetterfühligkeit geführt. Vor allem die Kopfschmerzen bewirkten,
dass der Beschwerdeführer trotz reduzierter Arbeitszeit wiederholt für
ganze Tage ausfalle. Da er wegen seiner mehrmals pro Monat einschies-
senden Kopfschmerzen ein relativ unsicherer Faktor in der Einsatzplanung
bleibe und er nach Ansicht der Stationsleitung nur noch deutlich unter 50 %
leisten könne, sei von dieser Seite der Antrag auf vorzeitige vollständige
Pensionierung gestellt worden. Diesem Antrag könne er nicht entsprechen,
weil erstens effektiv eine Teilarbeitsfähigkeit vorhanden sei, welche in gu-
ten Tagen rund 50 % erreiche, und weil der Beschwerdeführer zweitens
unbedingt an dieser Teilarbeitsfähigkeit festhalten wolle (act. 1, S. 10 f.).
Der behandelnde Hausarzt diagnostizierte in seinen Berichten vom 5. No-
vember 1998 (act. 1, S. 1 f.) und vom 20. Februar 1999 (act. 2, S. 1 f.)
einen Verharrungszustand mit Depression und chronisch rezidivierende
Neuralgien und Dauerkopfschmerzen und attestierte dem Beschwerdefüh-
rer bis auf Weiteres eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
6.1.2 Mit Schreiben vom 15. Juni 2000 ersuchte Dr. med. D._ so-
dann um Durchführung einer Revisionsprüfung, verbunden mit dem Hin-
weis, dass die Leistungsfähigkeit im angestammten Beruf des Beschwer-
deführers deutlich unter 30 % gesunken sei (act. 10). Mit Revisionsverfü-
gung vom 25. September 2001 sprach die Vorinstanz dem Beschwerde-
führer gestützt auf einen IV-Grad von 100 % ab 1. Juni 2000 eine ganze
Rente zu (act. 30, S. 2 f.). Diese Verfügung basierte in medizinischer Hin-
sicht namentlich auf dem Bericht von Dr. med. D._ vom 3. Januar
2001, worin dieser festhielt, dass der Beschwerdeführer trotz grosser
Rücksichtnahme seitens des Arbeitgebers einen 50%igen Arbeitseinsatz
nicht habe erreichen können. Seit März 2000 sei er als Psychiatriepfleger
gänzlich krankgeschrieben. Im Hinblick auf die Tätigkeit als Psychiatrie-
pfleger erachte er den Beschwerdeführer als gänzlich arbeitsunfähig,
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 36
selbst wenn im Rahmen der IV- und SUVA-Abklärung eine gewisse Er-
werbsfähigkeit noch attestiert werden könnte (act. 19). In einem Kurzbe-
richt vom 6. Februar 2001 hielt Dr. med. D._ ferner fest, im neu-
ropsychologischen Zusatzgutachten der Neurologischen Universitätsklinik
vom 24. Juli/18. Oktober 2000 seien dem Beschwerdeführer sehr ausge-
prägte geistige Leistungsstörungen im Alltag attestiert worden (act. 20). Am
19. März 2001 ergänzte Dr. med. D._ seine bisherige Beurteilung
dahingehend, dass er von der SUVA über ein in Aussicht gestelltes Thera-
pieprogramm orientiert worden sei; kurzfristig ändere dies allerdings nichts
an der Dienstunfähigkeit (act. 21, S. 1). Nach durchgeführter Koordination
mit der SUVA (act. 23, S. 1) und entsprechender vorbescheidweiser An-
kündigung (act. 24) erhöhte die Vorinstanz per 1. Juni 2000 die bisherige
halbe auf eine ganze Invalidenrente (act. 30, S. 2 - 5).
6.2
6.2.1 Nach der Rechtsprechung ist eine zweifellose Unrichtigkeit der ur-
sprünglichen Rentenverfügung unter anderem zu bejahen, wenn bis zum
damaligen Verfügungszeitpunkt keine Einschätzung der Leistungsfähigkeit
in einer zumutbaren Verweistätigkeit vorlag und der Invaliditätsgrad allein
nach Massgabe der Arbeitsfähigkeit festgelegt wurde. In einem solchen
Fall wurde bei der erstmaligen Anspruchsprüfung die Invalidität der Arbeits-
unfähigkeit gleichgestellt und damit von einem rechtlich falschen Invalidi-
tätsbegriff ausgegangen. Ein Wiedererwägungsgrund liegt aber nur vor,
wenn gestützt auf eine rechtlich korrekte Invaliditätsbemessung ohne
Zweifel eine tiefere (oder keine) Rente zugesprochen worden wäre (in BGE
135 I 1 nicht publizierte E. 5.3 des Urteils 9C_342/2008 vom 20. November
2008; Urteil des BGer 8C_114/2015 vom 6. Juni 2015 E. 4.2.1; Urteil des
BVGer C-1368/2014 vom 17. August 2015 E. 4).
6.2.2 Eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1
ATSG) mit der Folge, dass die Leistungszusprechung auf einer offenkundig
unvollständigen oder widersprüchlichen Aktenlage erfolgte, bei Renten
etwa die Invaliditätsbemessung auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen
Einschätzung beruhte, kann ein Wiedererwägungsgrund im Sinne von
Art. 53 Abs. 2 ATSG sein (Urteile des BGer 8C_357/2015 vom 20. August
2015 E. 2.1; 9C_882/2014 vom 23. Juni 2015 E. 3.1; 9C_6/2014 vom 15.
Dezember 2014 E. 2.1). Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwä-
gungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren
Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Be-
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 37
urteilung einzelner Schritte bei der Festlegung solcher Anspruchsvoraus-
setzungen (Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweis-
würdigung, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und
Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszuspre-
chung darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrich-
tigkeit aus (Urteil des BGer 8C_469/2013 vom 24. Februar 2014 E. 3.2,
nicht publ. in: BGE 140 V 70).
6.2.3 Bezugspunkt der Erwerbsunfähigkeit ist bei Erwerbstätigen der allge-
meine Arbeitsmarkt (wie es Art. 16 ATSG für die Ermittlung des Invaliditäts-
grades durch Einkommensvergleich mit Blick auf die Rentenberechtigung
ausdrücklich sagt und was darüber hinaus für alle andern erwerblich orien-
tierten Leistungen der IV grundsätzlich und sinngemäss ebenfalls gilt). Das
IVG versichert demnach Erwerbsunfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeits-
markt, nicht Berufsunfähigkeit im Sinne der Unfähigkeit, den bisherigen Be-
ruf weiterhin auszuüben; der Begriff der Berufsinvalidität ist dem IVG somit
fremd (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 4 N. 9 mit Hinweisen auf ZAK 1983
445 und Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 423/01 vom
28. September 1992).
6.3 Aus dem vorstehend dargelegten Sachverhalt (E. 6.1 hievor) geht her-
vor, dass die Vorinstanz die halbe und die ganze Invalidenrente aus-
schliesslich gestützt auf die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit im ange-
stammten Beruf als Psychiatriepfleger zugesprochen hat, ohne dass sie
eine Verweistätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt geprüft hätte. So
hat Dr. med. D._ im Rahmen seiner Einvernahme durch die Staats-
anwaltschaft Basel-Stadt vom 21. September 2011 auch explizit bestätigt,
dass sich seine Leistungsbeurteilung ausschliesslich auf die Dienstunfä-
higkeit des Beschwerdeführers am angestammten Arbeitsplatz als Psychi-
atriepfleger bezogen hatte (act. 149, S. 52 f. und S. 56). Mit ihrer Beschrän-
kung auf die reine Berufsunfähigkeit ist die Vorinstanz mithin von einem
falschen Invaliditätsbegriff ausgegangen.
Aus welchen Gründen die Vorinstanz von der Prüfung der Einsatzmöglich-
keit in einer angepassten Verweistätigkeit abgesehen hat, geht aus den
Akten nicht hervor. Immerhin ist in diesem Zusammenhang festzuhalten,
dass sie im Zeitpunkt der Rentenzusprache keine Kenntnis von der weiter-
hin ausgeübten Tätigkeit als Musiker, Produzent und Organisator der zahl-
reichen Auftritte hatte. Hätte sie hievon Kenntnis gehabt, so hätte auch An-
lass dazu bestanden, zumindest eine Verweistätigkeit für leichte Tätigkei-
ten zu prüfen.
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 38
Allerdings geht aus dem F.-Gutachten (act. 131, S. 73 f.) hervor, dass der
Beschwerdeführer seine Arbeit ab Juni 2000 laut den Akten praktisch nicht
mehr habe erfüllen können, wobei die Ursache für diese gesundheitliche
Verschlechterung nicht habe eruiert werden können. Die Analyse der Akten
ergebe, dass die psychische Komponente immer mehr in den Vordergrund
gerückt sei und sich auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt habe. Unter Be-
rücksichtigung des Verlaufs seit 1997 scheine es, dass der Anteil der psy-
chischen Komponente an der Arbeitsunfähigkeit allmählich zugenommen
und schliesslich zu einer 100%igen Arbeitsfähigkeit geführt habe (act. 131,
S. 74 f.). Die Gutachter der Klinik H._ kamen in ihrer Expertise vom
24. Juli 2000 zum Schluss, dass die Minderung der Erwerbsfähigkeit auf-
grund der Contusio cerebri mit anhaltendem Schmerzsyndrom auf 20 % zu
schätzen sei; allerdings seien in dieser Schätzung die (HNO-ärztlich zu be-
urteilende) Geruchsstörung und das neuropsychologische Defizit noch
nicht eingeschlossen (act. 197.13 S. 44 f.). In einem neuropsychologischen
Gutachten vom 18. Oktober 2000 hielt der Neuropsychiater der Klinik
H._ fest, die nicht-organisch bedingten geistigen Leistungsstörun-
gen seien, soweit sie den Alltag betreffen würden, völlig glaubhaft und nicht
etwa als simuliert anzusehen. Bei der privaten (deutschen) Unfallversiche-
rung sei eine reaktiv-psychische Störung, gleich welcher Art, nicht entschä-
digungsfähig. Die vorliegenden, obwohl sehr ausgeprägten geistigen Leis-
tungsstörungen im Alltag blieben hier deshalb ohne Bedeutung
(act. 197.13 S. 52 ff.).
Mit Blick auf die zur Diskussion stehenden gesundheitlichen Beeinträchti-
gungen, namentlich die gutachterlich festgestellten ausgeprägten geistigen
Leistungsstörungen im Alltag, kann vorliegend nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit der Schluss gezogen werden, dass bei einer rechtlich
korrekten Invaliditätsbemessung ohne Zweifel eine tiefere (oder keine)
Rente zugesprochen worden wäre. Retrospektiv lässt die Aktenlage auch
nicht den Schluss zu, dass Anhaltspunkte auf eine klar als solche ausge-
wiesene Aggravation eindeutig überwiegen würden und die Grenzen eines
bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten seien. Die An-
nahme einer Wiedererwägung fällt aus diesem Grund ausser Betracht.
7.
Im Rahmen der Prüfung einer unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten
erheblichen Änderung ist der Sachverhalt im Zeitpunkt der letzten Renten-
überprüfung (mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi-
gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs) gemäss Verfügung
vom 25. September 2001 (act. 30, S. 2 - 5) mit demjenigen zur Zeit der
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Seite 39
streitigen Revisionsverfügungen vom 11. Juni/4. Juli 2014 zu vergleichen
(Beilagen zu BVGer act. 1). IV-Rechtlich relevant ist mit Blick auf den AHV-
Rentenanspruch ab 1. Mai 2012 lediglich die Zeit bis 30. April 2012. Die in
der Mitteilung vom 3. Juli 2007 (act. 42) erfolgte Bestätigung des Renten-
anspruchs erging nicht gestützt auf eine rechtskonforme Sachverhaltsab-
klärung und ist deshalb für die Ermittlung des massgeblichen Referenzzeit-
punktes (in der Vergangenheit) nicht relevant.
7.1 Nach dem vorstehend Gesagten (E. 5.8 hievor) stellt Art. 59 Abs. 5 IVG
keine ausreichende gesetzliche Grundlage für die Observation in der Inva-
lidenversicherung dar. Die Voraussetzungen für eine Verwertbarkeit sind
indes vorliegend dennoch gegeben. Die Observation wurde gestützt auf
einen im Januar 2010 der IV-Stelle übermittelten Hinweis veranlasst, wo-
nach der Beschwerdeführer seit (...) im professionellem Rahmen Mitglied
einer Band sei und seither ununterbrochen, auch nach dem Unfallereignis,
als Sänger und Gitarrist regelmässig Auftritte absolviere; dabei organisiere
er auch die bis zu 100 Auftritte pro Jahr und sei zudem auch mitverantwort-
lich für die Produktion der bisher herausgegebenen 10 Compact Disks der
Band (act. 50.14, S. 2). Die Überwachung stützt sich mithin auf einen kon-
kreten Anfangsverdacht; mit Blick auf die der IV-Stelle zur Kenntnis ge-
brachten Hinweise lagen Zweifel an der weiteren Rentenberechtigung vor.
Die Observation hat sich ferner auf drei Tage (25. Juni sowie 10./11. Juli
2010) beschränkt, so dass nicht von einer systematischen oder ständigen
Überwachung die Rede sein kann, und die Konzertauftritte wurden im öf-
fentlichen Raum durchgeführt und ohne Beeinflussung der Handlungen
des Beschwerdeführers überwacht (act. 50.11, S. 1 - 9). Die Voraussetzun-
gen für die Verwertbarkeit der Observationsergebnisse sind gegeben; das
erhebliche und gewichtige öffentliche Interesse an der Verhinderung des
Versicherungsmissbrauchs geht jenem an der Wahrung der Privatsphäre
vor. Der vorliegende Observationsbericht kann dementsprechend in die
Beweiswürdigung miteinbezogen werden.
7.2 Die Observation hat im Wesentlichen bestätigt, dass der Beschwerde-
führer die beiden – 1 1⁄2 respektive 2 Stunden dauernden – Konzertauftritte
als Bandleader ohne Anzeichen von gesundheitlichen Einschränkungen o-
der Ermüdungserscheinungen bewältigen konnte. Laut Observationsbe-
richt hat er vielmehr selbst am Morgen um 01:30 Uhr noch einen aktiven,
gut gelaunten Eindruck hinterlassen (act. 50.11, S. 1 - 9).
7.3 Dem Beschwerdeführer wurde am 29. April 1999 mit Wirkung ab 1. Au-
gust 1997 eine halbe Invalidenrente (Invaliditätsgrad: 51 %) zugesprochen
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Seite 40
(act. 5). Dabei stützte sich die Vorinstanz insbesondere auf eine Beurtei-
lung von Dr. med. D._, Amtsarzt beim Gesundheitsamt des Kantons
Basel-Stadt, vom 29. April 1998, wonach dieser gestützt auf die Diagnosen
der Schädelbasisfraktur im Bereich der Nasenhöhlen, der Zerreissung der
Dura, der damit einhergehenden chronischen Kopfschmerzen, Doppelbild-
störungen und Wetterfühligkeit sowie der depressiven Entwicklung eine Ar-
beitsunfähigkeit von 50 % attestierte und nicht mit einer Steigerung der Ar-
beitsfähigkeit rechnete. Deshalb beantragte er "in Übereinstimmung mit
der IV, die vorzeitige Teilpensionierung zu 50 % wegen unverschuldet ein-
getretener, teilweiser Dienstunfähigkeit" (act. 1, S. 10 f.).
Mit Schreiben vom 15. Juni 2000 ersuchte Dr. med. D._ sodann um
Durchführung einer Revisionsprüfung, verbunden mit dem Hinweis, dass
die Leistungsfähigkeit im angestammten Beruf des Beschwerdeführers
deutlich unter 30 % gesunken sei (act. 10). Mit Revisionsverfügung vom
25. September 2001 sprach die Vorinstanz dem Beschwerdeführer bei ei-
nem Invaliditätsgrad von 100 % ab 1. Juni 2000 eine ganze Rente zu
(act. 30, S. 2 f.). Diese Verfügung stützte sich in medizinischer Hinsicht na-
mentlich auf den Bericht von Dr. med. D._ vom 3. Januar 2001,
worin er festhielt, dass der Beschwerdeführer trotz grosser Rücksicht-
nahme seitens des Arbeitgebers einen 50%igen Arbeitseinsatz nicht habe
erreichen können. Seit März 2000 sei er als Psychiatriepfleger gänzlich
krankgeschrieben. Im Hinblick auf die Tätigkeit als Psychiatriepfleger er-
achte er den Beschwerdeführer als gänzlich arbeitsunfähig (act. 19).
7.4 Die Vorinstanz stützte sich bei der Würdigung des medizinischen Sach-
verhaltes im Zeitpunkt der Revisionsverfügungen auf das F.-Gutachten
vom 23. April 2013 (act. 131), die RAD-Stellungnahmen vom 26. Juli 2013
und vom 5. August 2013 (act. 144) sowie die Ergebnisse der Observation
(act. 50.10 - 50.14).
7.4.1 Im Rahmen einer interdisziplinären Konsensbeurteilung stellten die
Gutachter der Gutachterstelle F._ folgende Diagnosen mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit: Status nach Unfall vom 31. August 1996 mit Schä-
delhirntrauma, Frontobasisfraktur rechts mit rhinobasaler Liquorrhoe,
Durazerreissung und Liquorfistel, Fraktur der Orbitawand rechts, Levator-
abriss rechts, Abriss der Fila olafactoria (zumindest rechts), eine milde trau-
matische Hirnschädigung, eine Anosmie rechts, Hyposmie links, Doppel-
bilder beim Blick nach rechts und oben, Sensibilitätsstörung im ersten Tri-
geminusast rechts, Faszialis-Stirnastschwäche rechts, posttraumatische
Kopfschmerzen, ein chronisches rezidivierendes lumbospondylogenes
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Schmerzsyndrom (bei schweren degenerativen LWS-Veränderungen, feh-
lendem Hinweis für ein radikuläres Reiz- oder Ausfallsyndrom, Status nach
Morbus Scheuermann) sowie eine rezidivierende depressive Störung, ak-
tuell mittelgradig bei einer Persönlichkeit mit narzisstisch-akzentuierten Zü-
gen (act. 131, S. 70).
Zusammengefasst kamen sie zum Schluss, dass bezüglich der Rücken-
schmerzen ein organischer Kern mit degenerativen Wirbelsäulenverände-
rungen vorliege, wobei die Symptomatik zusätzlich von nicht-organischen
Faktoren überlagert und mitbeeinflusst werde. Die vom Beschwerdeführer
angegebenen Kopfschmerzen seien aus neurologischer Sicht unter Be-
rücksichtigung der zeitlichen Zusammenhänge im weitesten Sinne nach
wie vor als posttraumatisch zu werten. Sie stünden aber zurzeit nicht mehr
im Vordergrund und seien auch nicht mehr konstant vorhanden. Bezogen
auf die Folgen des Schädelhirntraumas bestehe derzeit aus neurologischer
Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Doppelbilder bestün-
den nur in extremen Blickrichtungen und störten den Beschwerdeführer
nicht. Aufgrund der Anosmie (Verlust des Riechvermögens; PSCHYREMBEL,
a.a.O., S. 106) beziehungsweise Hyposmie (herabgesetztes Riechvermö-
gens; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 965) bestünden sodann Einschränkungen
in Tätigkeiten, bei denen der Geruchsinn im Vordergrund stehe. Mit Blick
auf die Rhinobasisfraktur dürfe der Beschwerdeführer keine intracraniellen
Druckerhöhungen mit Gefahr einer erneuten Durazerreissung riskieren;
dazu gehöre auch das Heben schwerer Lasten. Aus psychiatrischer Sicht
lasse sich aktuell eine mittelgradige depressive Episode feststellen. Es
könne indes nicht beurteilt werden, ob die rezidivierenden depressiven Ver-
stimmungen bereits vor dem Unfall aufgetreten oder ob sie reaktiv auf die
Sistierung von Versicherungsleistungen erfolgt seien. Es gebe überdies
auch Hinweise für einen rezidivierenden Alkoholmissbrauch. Schliesslich
habe die neuropsychologische Untersuchung starke Hinweise auf eine
Verdeutlichungshaltung ergeben (act. 131, S. 71 f.).
Bezeichne man die Tätigkeit als Musiker/Produzent/Arrangeur als adap-
tierte Tätigkeit, so könne festgestellt werden, dass der Beschwerdeführer
in dieser Tätigkeit über Jahre erfolgreich tätig gewesen sei und nach wie
vor sei, womit er seine Arbeitsfähigkeit in dieser Branche bestätigt habe
(act. 131, S. 75). Eine exakte Stellungnahme zur retrospektiven Arbeitsfä-
higkeit seit 1997 bis zum Zeitpunkt der Begutachtung sei schwierig zu for-
mulieren. Stütze man sich auf die ärztlichen Berichte seit dem Unfall bis
heute, so sei nach einer Phase von 100%iger Arbeitsunfähigkeit zunächst
eine 50%ige und ab Juni 2000 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
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worden. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die damals geltend
gemachte gesundheitliche Verschlechterung um die Jahre 1999/2000 mit
einer Zunahme der Depressivität einhergegangen sei. Die Tatsache, dass
der Beschwerdeführer trotz der ihm attestierten 100%igen Arbeitsunfähig-
keit als Psychiatriepfleger dennoch eine bezahlte Aktivität und Tätigkeit als
Musiker/Produzent und Arrangeur habe aufrechterhalten können, werfe die
Frage auf, warum er denn eine adäquate Willensanstrengung habe auf-
bringen können, um seine Beschwerden zu überwinden und um die musi-
kalische Tätigkeit erfolgreich durchführen zu können. Bei der Beantwor-
tung der Frage nach der damaligen Arbeitsunfähigkeit stützten sie sich auf
die vorliegenden ärztlichen Unterlagen. Eine andere Beurteilung sei ange-
sichts der langen Zeit zwischen dem Unfall und der heutigen Beurteilung
kaum möglich (act. 131, S. 76 f.). Aus rein neurologischer Sicht lasse sich
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Bezüglich der Prob-
lematik der durchgemachten Rhinobasisfraktur sei die Einschränkung zu
erwähnen, dass der Explorand lebenslang keine intracraniellen Druckerhö-
hungen mit Gefahr der erneuten Durazerreissung riskieren dürfe; hierzu
gehöre das Heben schwerer Lasten. Weitere unfallbedingte Einschränkun-
gen könnten nicht festgestellt werden (act. 131, S. 80).
7.4.2 RAD-Arzt Dr. med. E._ kam nach Prüfung des F.-Gutachtens
in einer Stellungnahme vom 26. Juli 2013 zum Schluss, dass aus somati-
scher Sicht eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit spä-
testens 12 Monate nach dem Unfall nicht mehr nachvollziehbar sei. Sämt-
liche Beurteilungen aus den Jahren 1996 bis 2008 seien in Unkenntnis der
Tatsache erfolgt, dass der Beschwerdeführer intensiv Musik gespielt und
Musik-CDs produziert habe. Im Gutachten werde sodann wiederholt auf
Inkonsistenzen hingewiesen (act. 144, S. 3 f.). Dr. med. G._ hielt in
einer Stellungnahme vom 5. August 2013 fest, dass eine Aggravation der
Beschwerden als gesichert anzunehmen sei. Eine retrospektive Einschät-
zung der Arbeitsfähigkeit als Psychiatriepfleger sei heute nicht sicher mög-
lich. Die gutachterlichen Einschätzungen beruhten auf nicht vollständigen
Angaben der versicherten Person und seien deshalb nicht vollständig
schlüssig. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer die bei
der Ausübung der Tätigkeit als Musiker gezeigten Fähigkeiten zumindest
in einem Teilpensum auch für eine berufliche Tätigkeit als Psychiatriepfle-
ger hätte nutzen können. Zusammenfassend sei davon auszugehen, dass
er spätestens ab Januar 1998 als Musiker/Arrangeur/Produzent zu 100 %
arbeitsfähig gewesen sei. Das Ausmass dieses Teilzeitpensums sei retro-
spektiv schwer einzuschätzen, liege aber wahrscheinlich bei mindestens
50 % (act. 144, S. 5 ff.).
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7.5 Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens
hängt wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema
– erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts – bezieht. Die Feststellung
des aktuellen gesundheitlichen Befunds und seiner funktionellen Auswir-
kungen ist zwar Ausgangspunkt der Beurteilung; sie erfolgt aber nicht un-
abhängig, sondern wird nur entscheidungserheblich, soweit sie tatsächlich
einen Unterschied auf der Seinsebene zum früheren Zustand wiedergibt.
Gegenstand des (im Revisionsverfahren zu erbringenden) gutachterlichen
Beweises sind also nicht (nur) die gegenwärtigen gesundheitlichen Fakten
als solche, sondern notwendigerweise auch deren Neuheit oder, was vor-
bestandene Tatsachen angeht, deren erhebliche Wandlung in Beschaffen-
heit, Ausmass oder Tragweite. Die Veränderung kann offensichtlich sein,
so wenn völlig neuartige Leiden hinzukommen. In einem derartigen Fall
entstehen keine revisionsspezifischen Beweisprobleme. Bewegt sich die
Veränderung allerdings im Rahmen eines vorbestehenden Zustandes,
kann eine für sich allein betrachtet vollständige, nachvollziehbare und
schlüssige medizinische Einschätzung, die im Hinblick auf eine erstmalige
Beurteilung der Rentenberechtigung ohne Weiteres beweisend wäre, im
Revisionszusammenhang durchaus nicht überzeugungs- und beweiskräf-
tig sein, wenn sie sich nicht ausreichend auf frühere medizinische Schluss-
folgerungen bezieht (Urteil des BGer 9C_418/2010 vom 29. August 2011
E. 4.2; vgl. auch ANDREAS TRAUB, Zum Beweiswert medizinischer Gutach-
ten im Zusammenhang mit der Rentenrevision, SZS 2012 S. 184 f.).
7.6 Die F.-Gutachter hielten in ihrer Konsensbeurteilung fest, dass in Be-
zug auf die Folgen des Schädelhirntraumas derzeit aus neurologischer
Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Ferner be-
stünden die Doppelbilder nur in extremen Blickrichtungen und störten den
Beschwerdeführer nicht. Ausgeschlossen wurden sodann (infolge der A-
nosmie respektive Hyposmie) Tätigkeiten, bei denen der Geruchsinn im
Vordergrund stehe. Mit Blick auf die Rhinobasisfraktur müsse er überdies
intracranielle Druckerhöhungen mit Gefahr einer erneuten Durazerreis-
sung vermeiden, wozu auch das Heben schwerer Lasten gehöre. Aus psy-
chiatrischer Sicht lasse sich zudem eine mittelgradige depressive Episode
feststellen. Schliesslich habe die neuropsychologische Untersuchung
starke Hinweise auf eine Verdeutlichungshaltung ergeben (act. 131,
S. 71 f.). Bezeichne man die Tätigkeit als Musiker/Produzent/Arrangeur
als adaptierte Tätigkeit, so könne festgestellt werden, dass der Beschwer-
deführer in dieser Tätigkeit über Jahre erfolgreich tätig gewesen sei und
nach wie vor sei, womit er seine Arbeitsfähigkeit in dieser Branche bestätigt
habe (act. 131, S. 75).
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Insgesamt ergibt sich aus dem ZBM-Gutachten, dass dem Beschwerde-
führer – jedenfalls ab dem Zeitpunkt der vorsorglichen Renteneinstellung
vom 13. Dezember 2010 – in einer angepassten, die genannten Restrikti-
onen berücksichtigenden Tätigkeit eine 100%ige Leistungsfähigkeit attes-
tiert werden kann. Dies zumal der Beweis einer invalidisierenden Wirkung
der diagnostizierten mittelgradigen depressiven Episode nicht erbracht ist.
Zum einen ergeben sich aus dem F.-Gutachten keine Hinweise für die An-
nahme, dass die Depression die Leistungsfähigkeit des Beschwerdefüh-
rers in einer angepassten Verweistätigkeit wesentlich beeinträchtigen
würde. Zum andern hat auch der Beschwerdeführer weder behauptet noch
rechtsgenüglich nachgewiesen, dass er in Nachachtung seiner sozialver-
sicherungsrechtlichen Schadenminderungspflicht (vgl. dazu BGE 127 V
294 E. 4b/cc S. 297) eine adäquate leitlinienkonforme antidepressive The-
rapie wahrgenommen hätte; die unterlassene Inanspruchnahme entspre-
chender Therapien lässt ebenfalls darauf schliessen, dass die Depression
keinen die Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigenden Schweregrad
aufweist (vgl. dazu zur Publikation bestimmtes Urteil des BGer vom 30. No-
vember 2017 E. 4.5.2 m.H.).
7.7 Hinsichtlich der Jahre vor der vorsorglichen Renteneinstellung (1997
bis 2010) ist vorliegend davon auszugehen, dass beim Beschwerdeführer
nach dem Unfallereignis eine zunächst 50%ige und danach – zumindest
vorübergehend – eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat (vgl. zum
Zeitpunkt der Verbesserung des Gesundheitszustandes respektive der An-
passung an den Gesundheitszustand: nachfolgende E. 8.5 f.).
7.8 Im Zusammenhang mit der Prüfung der Revisionsvoraussetzungen
sind auch veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbe-
reich von Bedeutung (vgl. E. 5.4.1 hievor). Dies trifft insbesondere dann zu,
wenn sich die betreffende Person an den Gesundheitszustand gewöhnt o-
der angepasst hat. Dabei kann auch eine tatsächliche Selbsteingliederung
berücksichtigt werden (KIESER, ATSG-Kommentar, Art. 17 N. 29 m.H.).
Vorliegend konnte aus öffentlich zugänglichen Quellen (Homepage der Mu-
sikband) festgestellt werden, dass der Beschwerdeführer von Januar bis
Juni 2010 38 Konzerte gegeben (act. 131, S. 78) und somit den Tatbeweis
erbracht hat, dass eine Tätigkeit als Musiker, Produzent und Organisator
möglich und zumutbar ist. Diese Schlussfolgerung wird sodann durch das
Ergebnis der Observation bestätigt. In Übereinstimmung mit den Schluss-
folgerungen in der F.-Begutachtung ist damit erstellt, dass der Beschwer-
deführer (spätestens) im Jahr 2010 eine hinreichende Willensanstrengung
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vornehmen konnte, um die gesundheitlichen Beschwerden zu überwinden
(act. 138, S. 78). Damit ist ungeachtet der Veränderung des Gesundheits-
zustandes beweismässig erstellt, dass jedenfalls eine Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Be-
hinderung (vgl. dazu BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen) eingetreten ist
(act. 131, S. 75; act. 144, S. 5 ff.). Daraus folgt, dass der Revisionsgrund
der Änderung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit gegeben ist.
7.9 Dementsprechend ist aufgrund der gutachterlich festgestellten vollen
Leistungsfähigkeit in einer angepassten Verweistätigkeit eine neue Ren-
tenbemessung vorzunehmen.
7.9.1 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Ein-
kommensvergleichs, das heisst mittels eines Vergleichs von Validen- und
Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu bestimmen (vgl.
BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen; BGE 129 V 222. E. 4). Als für die
Invaliditätsbemessung massgeblichen Zeitpunkt hat die Rechtsprechung
den (potenziellen) Beginn des Rentenanspruchs festgelegt, wobei allfällige
rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfü-
gungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 129 V 222 E. 4.1 - 4.2; vgl. auch
MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 28a N. 31). Im Rahmen der Revisionsprü-
fung ist die Einkommensentwicklung bis zur Revisionsprüfung massge-
bend (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 30 - 31 N. 46). In zeitlicher Hinsicht
sind mithin die Verhältnisse im Jahr 2010 entscheidend.
7.9.2 In Bezug auf das Valideneinkommen geht aus dem Arbeitgeberbe-
richt vom 27. Juni 2000 (act. 13, S. 1 - 3) hervor, dass der Beschwerdefüh-
rer im Jahr 2000 – ohne unfallbedingte Gesundheitsbeeinträchtigung – ei-
nen Lohn von jährlich Fr. 82‘134.- (= Fr. 6‘318.- x 13) erzielt hätte. Dieser
Wert wird vom Beschwerdeführer explizit anerkannt (BVGer act. 85). Unter
Berücksichtigung der Lohnentwicklung bis zum Jahr 2010 (vgl. BFS, No-
minallohnindex 1993 – 2010, Tabelle T.1.93, Total, Männer) resultiert ein
aufgewertetes Valideneinkommen von Fr. 95‘167.- (= Fr. 82‘134.- : 106.5 x
123.4).
7.9.3 Nachdem der Beschwerdeführer – abgesehen von seiner Tätigkeit in
der Musikband – seit Jahren keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht, ist das
Invalideneinkommen auf der Grundlage der statistischen Lohnangaben der
Lohnstrukturerhebung (LSE) zu ermitteln (vgl. dazu BGE 139 V 592 E. 2.3
S. 593 f.; 135 V 297 E. 5.2 S. 301; MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 28a
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NN. 90 ff. mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung ist beim anhand der
LSE vorgenommenen Einkommensvergleich von der Tabellengruppe A
(standardisierte Bruttolöhne) auszugehen (BGE 124 V 321 E. 3b/aa
S. 323). Üblich ist die Tabelle TA1 (BGE 126 V 75 E. 7a S. 81; SVR 2003
IV Nr. 1 S. 1). Es besteht jedoch kein Grundsatz, wonach stets die Tabelle
TA1 beizuziehen ist. Welche Tabelle zur Anwendung gelangt, bestimmt
sich nach den konkreten Umständen des Einzelfalls (Urteil des BGer
8C_704/2009 vom 27. Januar 2010 E. 4.2.1.1).
Wird zugunsten des Beschwerdeführers eine einfache repetitive Hilfsarbeit
als zumutbar eingestuft und dementsprechend für die Bemessung des In-
valideneinkommens der entsprechende Totalwert TA 1 im Anforderungsni-
veau 4 von Fr. 4‘901.- zugrunde gelegt, so resultiert – umgerechnet auf
eine betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.6 h – ein Einkommen
von Fr. 61‘164.- (= Fr. 4‘901.-.- x 12 : 40 x 41.6). Gründe, für die Vornahme
eines leidensbedingten Abzugs (vgl. BGE 134 V 322 E. 5.2; 126 V 75
E. 5b/bb) sind nicht ersichtlich, so dass dieser Wert als Invalideneinkom-
men für die Rentenbemessung zu berücksichtigen ist. Ausgehend von ei-
nem Valideneinkommen von Fr. 95‘167.- und diesem Invalideneinkommen
von Fr. 61‘164.- resultiert damit ein IV-Grad von aufgerundet 36 % (=
[Fr. 95‘167.- ./. Fr. 61‘164.-] : Fr. 95‘167.-), welcher unter dem für einen
Teilrentenanspruch erforderlichen gesetzlichen Mindestinvaliditätsgrad
von 40 % (Art. 28 Abs. 1 Bst. c und Abs. 2 IVG) liegt. Damit kann eine
Invalidität respektive ein IV-Rentenanspruch für den Zeitpunkt der Sistie-
rung der Rente (Verfügung vom 13. Dezember 2010; act. 51) ausgeschlos-
sen werden (vgl. dazu Urteil des BGer 9C_768/2010 vom 10. November
2010 E. 2.2 und I 859/05 vom 10. Mai 2006 E. 2.3).
Im Übrigen ist derzeit noch kein rechtskräftiger SUVA-Entscheid in Bezug
auf die Invalidenrente gemäss UVG aktenkundig, so dass eine entspre-
chende Berücksichtigung ausser Betracht fällt. Dies zumal rechtspre-
chungsgemäss keine wechselseitige Bindungswirkung auch rechtskräftig
festgestellter Invaliditätsgrade der Invalidenversicherung oder der Unfall-
versicherung für den jeweils anderen Sozialversicherungsbereich besteht
und ausschliesslich bereits abgeschlossene Invaliditätsfestlegungen mit-
zuberücksichtigen sind (BGE 133 V 549 E. 6 S. 553 ff.).
Aus dem Gesagten folgt, dass die Vorinstanz den Anspruch auf eine Inva-
lidenrente für den Zeitpunkt der Revisionsprüfung im Jahr 2010 zu Recht
verneint und die Rente mit Verfügung vom 13. Dezember 2010 (act. 51) zu
Recht eingestellt hat.
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8.
Zu prüfen bleibt die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht eine rückwirkende
Aufhebung der Invalidenrente verfügt hat.
8.1 Wie vorstehend (E. 5.4.4 hievor) bereits dargelegt, erfolgt die Herab-
setzung oder Aufhebung der Rente nach Art. 88bis Abs. 2 Bst. b IVV (in der
vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2014 gültig gewesenen Fassung)
rückwirkend, wenn die unrichtige Ausrichtung einer Leistung darauf zurück-
zuführen ist, dass der Bezüger sie unrechtmässig erwirkt hat oder der ihm
gemäss Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist.
Eine rückwirkende Rentenaufhebung zufolge Meldepflichtverletzung
setzte mit anderen Worten nach der bis Ende 2014 geltenden Rechtslage
voraus, dass die Verletzung für die unrichtige Leistungserbringung kausal
war (vgl. dazu E. 5.4 hievor). Das (alternative) Tatbestandsmerkmal der
unrechtmässigen Erwirkung von Leistungen der Invalidenversicherung
steht in Übereinstimmung mit der Regelung von Art. 87 Abs. 1 AHVG. Unter
unrechtmässiger Erwirkung einer Leistung ist ein mindestens eventualvor-
sätzliches Verhalten zu verstehen, durch welches die Behörde als Folge
unwahrer oder unvollständiger Angaben oder auf andere Weise zur Erbrin-
gung von ihr nicht zustehenden Leistungen veranlasst wird (vgl. dazu MAR-
KUS HUG, Strafrechtliche Verfolgung bei Versicherungsmissbrauch - insbe-
sondere zum Tatbestand des Betrugs nach Art. 146 StGB, in: Versiche-
rungsmissbrauch - Ursachen/Wirkungen/Massnahmen, 2010, S. 195). Mit
Blick auf die Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer laut Bericht von Dr.
med. D._ vom 29. April 1998 gegen die Gewährung einer ganzen
Rente ausgesprochen hatte (act. 1, S. 10 f.), fehlen vorliegend verlässliche
Anhaltspunkte für die Annahme einer unrechtmässigen Erwirkung der Ver-
sicherungsleistungen. Näher abzuklären ist demgegenüber die Frage der
Kausalität der Meldepflichtverletzung.
8.2 Wie vorstehend ausgeführt (E. 5.5.3 hievor), obliegt es grundsätzlich
dem Versicherungsträger, eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades
nachzuweisen, wenn er eine Rente reduzieren oder aufheben will. Ausnah-
men von diesem Grundsatz ergeben sich nach der Rechtsprechung dort,
wo die versicherte Person ihre Mitwirkung verweigert. Art. 28 Abs. 2 ATSG
verpflichtet sie, unentgeltlich Auskünfte zu erteilen, die zur Abklärung des
Anspruchs und zur Festsetzung der Versicherungsleistungen erforderlich
sind. Überdies haben Personen, die Versicherungsleistungen beanspru-
chen, alle Personen und Stellen, namentlich Arbeitgeber, Ärztinnen und
Ärzte, Versicherungen sowie Amtsstellen im Einzelfällen zu ermächtigen,
die Auskünfte zu erteilen, die für die Abklärung von Leistungsansprüchen
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Seite 48
erforderlich sind (Art. 28 Abs. 3 ATSG; Urteil des BGer 8C_110/2012 vom
16. November 2012 [SVR 2013 UV Nr. 6 S. 21] E. 2 m.H.). Verweigert die
versicherte Person in unentschuldbarer Weise ihre Auskunfts- und Mitwir-
kungspflicht, indem sie den Versicherungsträger bei laufenden Rentenleis-
tungen daran hindert, den rechtserheblichen Sachverhalt festzustellen,
wird die Beweislast umgekehrt, indem die versicherte Person nachzuwei-
sen hat, dass sich entscheidwesentliche Umstände nicht in einem den In-
validitätsgrad beeinflussenden Ausmass verändert haben. Gelingt ihr dies
nicht, ist die Aufhebung der Rentenleistungen rechtens (Urteil des BGer
8C_481/2013 vom 7. November 2013 E. 3.3 m.H.; MEYER/REICHMUTH,
a.a.O., Art. 28a N. 279 m.H.).
8.3 Mit Blick auf die Meldepflicht (Art. 31 Abs. 1 ATSG) ist der Beschwer-
deführer darauf hinzuweisen, dass er sowohl in der Verfügung vom 29. Ap-
ril 1999 als auch in jener vom 25. September 2001 explizit darauf aufmerk-
sam gemacht worden ist, dass er der Verwaltung „jede Änderung der Ver-
hältnisse, welche den Wegfall, die Herabsetzung oder die Erhöhung zuge-
sprochener Leistungen zur Folge haben“ könne, unverzüglich zu melden
habe (act. 5, S. 2; act. 30, S. 4). Nachdem die Erwerbstätigkeit für die Ren-
tenbemessung hätte relevant sein können, wäre der Beschwerdeführer
zweifelsohne zur Meldung der (jährlich unterschiedlich hohen) Einkommen
aus der Bandtätigkeit verpflichtet gewesen. Diese Pflicht hätte ihm ohne
Weiteres bewusst sein müssen, zumal er mehrfach hierauf hingewiesen
worden ist. Insbesondere hat der Beschwerdeführer im Rahmen der Revi-
sionsprüfung im Jahr 2007 die Frage, ob er eine nebenberufliche Tätigkeit
ausübe, explizit verneint und damit auch das ihm aus dieser Tätigkeit zu-
fliessende Einkommen verschwiegen (vgl. dazu act. 40, S. 2). Indem er
sein Einkommen aus der Tätigkeit als Musiker, Produzent und Organisator
von Konzertauftritten nicht gemeldet hat, hat er sich der Verletzung der
Meldepflicht schuldig gemacht.
Diese Feststellung steht im Übrigen auch im Einklang mit der Beurteilung
im (allerdings noch nicht rechtskräftig abgeschlossenen) Strafverfahren
(vgl. erstinstanzliches Strafurteil, act. 201, S. 36 f.; zweitinstanzliches
Strafurteil, Beilage zu BVGer act. 57, S. 12 f.; Rückweisungsurteil des BGer
6B_1099/2016 vom 1. September 2017 E. 4).
8.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat den Beschwerdeführer vorliegend
mit Verfügung vom 15. Juni 2017 aufgefordert, ihm bis zum 17. Juli 2017
die beigefügte Vollmacht zur Einsichtnahme in die Steuerakten zu retour-
nieren (BVGer act. 83). Mit Stellungnahme seines Rechtsvertreters vom
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Seite 49
5. Juli 2017 hat sich der Beschwerdeführer geweigert, dem Gericht die ge-
forderte Vollmacht unterzeichnet zu retournieren (BVGer act. 85). Dadurch
hat er dem Gericht eine Prüfung des in den Jahren 2001 bis 2009 effektiv
erzielten Einkommens verunmöglicht (vgl. hierzu auch Art. 88 Abs. 1
AHVG). Der Beschwerdeführer vermag den ihm obliegenden Beweis, dass
sich die Leistungsfähigkeit respektive das zumutbare Einkommen in dieser
Zeit nicht in rentenausschliessendem Umfang verändert haben – mit Blick
auf die vorliegenden Akten – nicht zu erbringen. Bei dieser Ausgangslage
ist davon auszugehen, dass die Vorinstanz bei rechtzeitiger Meldung sei-
ner Erwerbstätigkeit und seiner Einkommensverhältnisse eine Revisions-
prüfung eingeleitet und den Gesundheitszustand respektive die Erwerbs-
fähigkeit vertieft abgeklärt hätte.
Nachdem ein tatsächliches Einkommen – als Folge der verweigerten Mit-
wirkung – nicht ermittelt und damit auch die Frage der zumutbaren Aus-
schöpfung des Erwerbspotenzials nicht überprüft werden kann, ist das In-
valideneinkommen gestützt auf lohnstatistische Grundlagen der LSE zu er-
mitteln. Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zwar eine
Erwerbstätigkeit als Musiker wahrgenommen, hiermit aber das ihm aus
medizinischer Sicht mögliche und zumutbare Erwerbspotenzial nicht aus-
geschöpft hat. Bei dieser Ausgangslage sind auch für die (zurückliegen-
den) Jahre 2001 bis 2010 die Tabellenlöhne gemäss LSE beizuziehen
(BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; Urteile des BGer 9C_508/2016 vom 21. No-
vember 2016 E. 5.1 und 8C_749/2013 vom 6. März 2014 E. 4.1).
Die Rentenbemessung hat demnach in gleicher Weise wie in E. 7.8 hievor
zu erfolgen, so dass bei einem Invaliditätsgrad von 36 % der Anspruch ab
dem Zeitpunkt der rentenrelevanten Veränderung zu verneinen ist.
8.5 Aufgrund der Verletzung der Auskunfts- und Mitwirkungspflicht obliegt
dem Beschwerdeführer der Nachweis, dass nach der Zusprache der gan-
zen Rente (Verfügung vom 25. September 2001; act. 30 S. 2 - 5) keine
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung oder An-
passung an die Behinderung erfolgt ist. Diesen Beweis vermag er vorlie-
gend nicht zu erbringen. Zur Bestimmung des Zeitpunkts der rentenrele-
vanten Änderung ist bei dieser Sach- und Rechtslage – in analoger Anwen-
dung von Art. 88a Abs. 1 IVV – von einer Verbesserung der Leistungsfä-
higkeit respektive Anpassung an den Gesundheitszustand innert der Frist
von 3 Monaten nach der Rentenerhöhung vom 25. September 2001 aus-
zugehen. Die Berücksichtigung erfolgt demnach mit Wirkung per 1. Januar
2002.
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8.6 Damit ergibt sich, dass die Invalidenrente nicht – wie von der IVSTA in
der angefochtenen Verfügung angenommen – bereits per 1. August 1997,
sondern erst per 1. Januar 2002 rückwirkend aufzuheben ist.
9.
9.1 Nach Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen
zurückzuerstatten. Diese Bestimmung knüpft die Rückerstattungspflicht an
die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs. Eine bereits bezogene Leis-
tung wird nur zu einer unrechtmässig bezogenen, wenn die Korrektur durch
Wiedererwägung respektive Revision rückwirkend erfolgt (KIESER, ATSG-
Kommentar, Art. 25 NN. 14 und 16 f.). Nach Art. 25 Abs. 2 ATSG erlischt
der Rückforderungsanspruch mit Ablauf eines Jahres, nachdem die Versi-
cherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem
Ablauf von 5 Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung (Satz 1).
Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung herge-
leitet, für welche das Strafrecht eine längere Frist vorsieht, so ist diese Frist
massgebend (Satz 2). Bei den genannten Fristen handelt es sich um Ver-
wirkungsfristen (BGE 140 V 521 E. 2 S. 525 mit Hinweisen). Die Fristen
gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG sind gewahrt, wenn vor Ablauf der massge-
benden Frist eine Rückerstattungsverfügung ergeht. Im Bereich der Invali-
denversicherung gilt bereits der Erlass des Vorbescheides als fristwahrend
(Urteil des BGer 8C_699/2010 vom 8. Februar 2011 E. 2).
Nach der Rechtsprechung ist unter der Wendung "nachdem die Versiche-
rungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat" (Art. 25 Abs. 2 ATSG) der
Zeitpunkt zu verstehen, in dem die Verwaltung bei Beachtung der ihr zu-
mutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Vorausset-
zungen für eine Rückerstattung bestehen, oder mit andern Worten, in wel-
chem sich der Versicherungsträger hätte Rechenschaft geben müssen
über Grundsatz, Ausmass und Adressat des Rückforderungsanspruchs
(BGE 139 V 6 E. 4.1 S. 8 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 139 V 570 E. 3.1
S. 572). Die Voraussetzungen für eine Rückforderung müssen demnach
gegeben sein (vgl. auch BGE 112 V 180 E. 4a S. 181; Urteile des BGer
9C_999/2009 vom 7. Juni 2010 E. 3.2.1; Urteil 9C_877/2010 vom 28. März
2011 E. 4.2.1). Der Rückforderungsanspruch muss feststehen (BGE 139 V
570 E. 3.1 S. 572 in fine mit Hinweisen). Das setzt unter anderem voraus,
dass über die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs rechtmässig verfügt
respektive – im Beschwerdefall – gerichtlich entschieden ist. Das Bundes-
gericht hat denn auch wiederholt entschieden, es sei nicht bundesrechts-
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widrig, zuverlässige Kenntnis von der Rechtswidrigkeit des Leistungsbe-
zugs erst nach Eintritt der Rechtskraft der Rentenaufhebung anzunehmen
(Urteile des BGer 8C_262/2017 vom 8. August 2017 E. 3.1 mit Hinweisen;
8C_316/2014 vom 26. August 2014 [SVR 2014 IV Nr. 4] E. 2.2; 9C_68/2011
vom 16. Mai 2011 E. 4.2).
Was die absolute Verjährungsfrist betrifft, gilt, soweit der Rückforderungs-
anspruch aus strafbaren Handlungen hergeleitet wird, die strafrechtliche
(Verfolgungs-)Verjährungsfrist. Diese beträgt im Falle eines Betruges
15 Jahre (Art. 146 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 97 Abs. 1 Bst. b StGB), im Falle
einer (blossen) Meldepflichtverletzung 7 Jahre (Art. 70 IVG i.V.m. Art. 87
Abs. 5 und Abs. 8 AHVG, Art. 31 Abs. 1 ATSG sowie Art. 97 Bst. d StGB).
9.2 In der angefochtenen Verfügung vom 10. Dezember 2014 hat die Vor-
instanz einen Betrag von Fr. 17‘917.- für die Zeit vom 1. Juni 2009 bis
31. Dezember 2010 zurückgefordert. Über den Zeitraum vor dem 1. Juni
2009 liegt – jedenfalls bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt – noch keine Rück-
forderungsverfügung der IVSTA vor, so dass es dem Bundesverwaltungs-
gericht mangels Anfechtungsobjektes verwehrt ist, über einen allfälligen
Rückforderungsanspruch betreffend die vor dem 1. Juni 2009 ausgerichte-
ten Rentenleistungen zu entscheiden.
Die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs steht nach dem vorstehend
Dargelegten (E. 8 hievor) fest. Nachdem über die Berechtigung der Ren-
tenaufhebung erst mit vorliegendem Entscheid befunden wird, ist die rela-
tive Frist von einem Jahr ohne Weiteres gewahrt. Dem Beschwerdeführer
ist eine Meldepflichtverletzung anzulasten (vgl. E. 8.3 hievor), weshalb die
Verwirkungsfrist vorliegend (mindestens) 7 Jahre beträgt. Damit ist die ab-
solute Frist im Sinne von Art. 25 Abs. 2 Satz 2 ATSG gewahrt. Die Rückfor-
derungsverfügung vom 10. Dezember 2014 ist dementsprechend recht-
mässig und nicht zu beanstanden.
9.3 Was die Frage der Rückforderung der vor dem 1. Juni 2009 ausgerich-
teten Rentenleistungen anbelangt, wird die Vorinstanz noch die Vorausset-
zungen nach Art. 25 ATSG von Amtes wegen zu prüfen haben. In diesem
Zusammenhang wird sie in pflichtgemässer Ausübung ihres Ermessens zu
klären haben, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang hinsichtlich des
Zeitraums vom 1. Januar 2002 bis 31. Mai 2009 noch eine Rückerstattung
zu verfügen ist.
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Seite 52
10.
Zu prüfen bleibt die Frage, ob sich der Beschwerdeführer auf einen An-
spruch auf Eingliederungsmassnahmen hätte berufen können.
10.1 Nach ständiger Rechtsprechung ist im Regelfall eine medizinisch at-
testierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit – respektive (bei einer wieder-
erwägungsweisen Rentenaufhebung) – eine vorhandene Arbeitsfähigkeit
grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung verwertbar. Indes kön-
nen nach langjährigem Rentenbezug ausnahmsweise Erfordernisse des
Arbeitsmarktes der sofortigen Anrechnung einer medizinisch vorhandenen
Leistungsfähigkeit und medizinisch möglichen Leistungsentfaltung entge-
genstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Verwer-
tung eines bestimmten Leistungspotenzials ohne vorgängige Durchfüh-
rung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigenanstrengung der
versicherten Person nicht möglich ist (Urteile des BGer 9C_178/2014 vom
29. Juli 2014 E. 7.1, 9C_163/2009 vom 10. September 2010 E. 4.2.2). Bei
Versicherten, die bei Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente das
55. Altersjahr vollendet haben oder die eine Rentenbezugsdauer von min-
destens 15 Jahren aufweisen ist – von Ausnahmen abgesehen – eine
Selbsteingliederung indes grundsätzlich nicht mehr zumutbar. Ausnahmen
im Sinne dieser Rechtsprechung liegen namentlich vor, wenn die langjäh-
rige Abstinenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzu-
führen ist (Urteil des BGer 9C_819/2014 vom 19. Juni 2015 E. 4 mit Hin-
weisen), die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesell-
schaftlichen Leben integriert ist (Urteil des BGer 9C_68/2011 vom 16. Mai
2011 E. 3.3), über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen
(Urteil des BGer 8C_39/2012 vom 24. April 2012 E. 5.2) verfügt oder trotz
eines Rentenbezuges regelmässig gearbeitet hatte und daher auch keine
arbeitsmarktliche Desintegration bestand (Urteil des BGer 8C_597/2014
vom 6. Oktober 2015 E. 3.3 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung).
10.2 Nachdem der (...) geborene Beschwerdeführer das 55. Altersjahr
längst zurückgelegt und im (...) 2012 das AHV-Alter erreicht hat, wäre es
ihm nach dem Gesagten grundsätzlich nicht zumutbar gewesen, die Ar-
beitsfähigkeit auf dem Wege der Selbsteingliederung zu verwerten. Vorlie-
gend liegt indes insoweit eine Ausnahme vor, als der Beschwerdeführer als
Bandleader und Produzent von Musik-CDs agil und im gesellschaftlichen
Leben integriert ist sowie trotz Rentenbezugs bereits regelmässig gearbei-
tet hat. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer bereits vor der per
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1. Juni 2000 vorgenommenen Erhöhung der halben auf eine ganze Invali-
denrente (Verfügung vom 25. September 2001) auch selber von einer
Teilerwerbsfähigkeit ausging und sich laut Bericht von Dr. med. D._
vom 29. April 1998 gegen die Erhöhung der halben auf eine ganze Rente
ausgesprochen hatte (act. 1, S. 10 f.). Es bestehen unter diesen Umstän-
den keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer nur mit Hilfe
medizinisch-rehabilitativer sowie beruflicher Massnahmen wiederum eine
erwerblich verwertbare Leistung hätte erbringen können. Einer Selbstein-
gliederung hätte unter diesen Umständen trotz fortgeschrittenen Alters
nichts entgegengestanden. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer am
23. April 2013, als das F.-Gutachten vorlag und damit auch aus medizini-
scher Sicht die Leistungsfähigkeit in einer angepassten Verweistätigkeit
feststand, bereits das Rentenalter überschritten hatte, weshalb Eingliede-
rungsmassnahmen auch aus diesem Grund ausser Betracht fallen.
11.
Zusammengefasst ergibt sich, dass auf den in der Rechtsverweigerungs-
beschwerde gestellten Antrag, wonach die Vorinstanz anzuweisen sei, die
Sistierung der Rentenansprüche mit sofortiger Wirkung aufzuheben und
die laufenden Rentenleistungen wieder auszurichten (Ziff. 2 des Rechtsbe-
gehrens; Beilage 2 zu BVGer act. 1, C-7605/2014) nicht einzugehen ist,
nachdem dieses Begehren mit rechtskräftiger Zwischenverfügung des
Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Februar 2015 als gegenstandslos ge-
worden abgeschrieben worden ist (BVGer act. 2; C-7605/2014). In Bezug
auf den Antrag auf Feststellung der Rechtsverzögerung (Ziff. 1 des Rechts-
begehrens) ist die Rechtsverweigerungsbeschwerde als gegenstandslos
geworden abzuschreiben.
Bezüglich des Beschwerdeverfahrens C-4032/2014 scheidet ferner die An-
nahme einer Wiedererwägung im Sinn von Art. 53 Abs. 2 ATSG aus, da
aufgrund der Akten nicht der verlässliche Schluss gezogen werden darf,
dass bei einer rechtlich korrekten Invaliditätsbemessung ohne Zweifel eine
tiefere (oder keine) Rente zugesprochen worden wäre. Die Vorinstanz hat
allerdings zu Recht eine Revision im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG vorge-
nommen und die Rentenleistungen am 13. Dezember 2010 mit sofortiger
Wirkung sistiert. Der Beschwerdeführer hat sodann die ihm zumutbare Mel-
depflicht gemäss Art. 77 IVV verletzt. Für den Fall der korrekten Wahrneh-
mung der Meldepflicht hätte die Vorinstanz eine Revisionsprüfung vorge-
nommen. Die Verletzung der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers im
vorliegenden Beschwerdeverfahren führt in Bezug auf das tatsächlich er-
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wirtschafte Einkommen aus der Tätigkeit als Musiker, Produzent und Or-
ganisator und die Entwicklung der Leistungsfähigkeit zu einem beweislo-
sen Zustand. Denn dem Beschwerdeführer gelingt der ihm obliegende Be-
weis, dass sich seine Leistungs- respektive Arbeitsfähigkeit im Anschluss
an die Rentenerhöhung mit Verfügung vom 25. September 2001 nicht in
rentenrelevantem Umfang verbessert und er kein rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen erzielt hat respektive hätte erzielen können, nicht. Mit
Blick auf dieses Ergebnis hat der Beschwerdeführer aufgrund der Umkehr
der Beweislastverteilung die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Der An-
spruch auf Rentenleistungen wird rückwirkend per 1. Januar 2002 aufge-
hoben. Ein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen wäre selbst dann
nicht zu bejahen gewesen, wenn der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der
Rentenaufhebung vom 11. Juni/4. Juli 2014 noch nicht das AHV-Alter er-
reicht hätte, da der Beschwerdeführer gesellschaftlich integriert war und
trotz des Rentenbezuges regelmässig gearbeitet hatte, weshalb keine ar-
beitsmarktliche Desintegration bestand. Die Beschwerde C-4032/2014
wird demnach teilweise gutgeheissen und die angefochtenen Verfügungen
vom 11. Juni/4. Juli 2014 werden insoweit aufgehoben, als darin der Ren-
tenanspruch für die Zeit vom 1. August 1997 bis 31. Dezember 2001 ver-
neint worden ist. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
Die von der Vorinstanz mit Verfügung vom 10. Dezember 2014 angeord-
nete Rückforderung von Fr. 17‘917.- erweist sich als rechtmässig. Die da-
gegen erhobene Beschwerde (C-7520/2014) ist abzuweisen.
12.
12.1 Mit Teilurteil vom 3. November 2016 wurde dem Beschwerdeführer
die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung gewährt, wobei ihm
Rechtsanwalt Dr. W. Kuss als unentgeltlicher Beistand bestellt wurde
(BVGer act. 63). Der Beschwerdeführer ist deshalb davon befreit, für die
entstandenen (ermässigten) Verfahrenskosten aufzukommen.
12.2 Der teilweise obsiegende und anwaltlich vertretene Beschwerdefüh-
rer hat gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine
reduzierte Parteientschädigung zu Lasten der Verwaltung. Soweit der Be-
schwerdeführer unterliegt, hat der Rechtsvertreter, der mit Teilurteil vom 3.
November 2016 als amtlich bestellter Anwalt eingesetzt wurde (Art. 65
C-4032/2014; C-7520/2014; C-7605/2014
Seite 55
Abs. 2 VwVG), Anspruch auf ein amtliches Honorar zu Lasten der Gerichts-
kasse. Die Vorinstanz hat gemäss Art. 7 Abs. 3 VGKE keinen Anspruch auf
eine Parteientschädigung.
12.3 Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädigung auf-
grund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Berück-
sichtigung des gebotenen und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung
der Streitsache und der Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Ver-
fahrens sowie in Anbetracht der in vergleichbaren Fällen gesprochenen
Entschädigungen ist eine Parteientschädigung von Fr. 4‘500.- (inkl. Ausla-
gen) angemessen. Aufgrund der gestellten Anträge und des Verfahrens-
ausgangs ist von einem teilweisen Obsiegen des Beschwerdeführers im
Umfang von einem Neuntel auszugehen, womit er Anspruch auf eine Par-
teientschädigung von Fr. 500.- zulasten der Vorinstanz hat. Acht Neuntel
des obengenannten Betrages, mithin Fr. 4‘000.-, sind als amtliches Hono-
rar aus der Gerichtskasse zu leisten.
12.4 Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer
der Gerichtskasse Ersatz zu leisten hat, wenn er zu hinreichenden Mitteln
gelangt (Art. 65 Abs. 4 VwVG).