Decision ID: 06286cf3-9b22-4d27-854d-bdbe44fcda9e
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, absolvierte nach der Primar- und Sekundar
schule eine Lehre zum kaufmännischen Angestellten mit Fähigkeitsausweis (
Urk.
14/1, 4).
Von 1988 bis 2003 war er wegen
seiner
Angst vor Versagen, Bloss
stellung und Kritik mit teilweise zwanghafter Symptomatik bei einem Psychologen in Behandlungen (
Urk.
14/30,
Urk.
14/58
). Beruflich
war
er nach dem Lehrabschluss
als Sachbearbeiter für eine Bank, als kauf
männischer Angestellter im Möbelgeschäft seines Vaters, als Kurier
im Kan
ton
Y._
sowie als kaufmännischer Angestellter und Sachbearbeiter für ver
schiedene Unter
nehmen und Gemeindebehörden tätig. Diese Arbeitsstellen h
atte er jeweils nur kurzzeitig inne
(vgl. Urk. 14/13-15,
Urk.
14/29
,
Urk.
14/38-39
).
Da
zwischen bezog er Arbeitslosenentschädigung (vgl.
Urk. 14/13-15)
.
Ab 7. No
vember 2001 arbeitete er bei der Genossenschaft
Z._
(nachfolgend:
Z._
)
als Sachbear
beiter Finanzen und war in dieser Eigenschaft bei der Migros-Pensionskasse berufsvor
sorge
ver
si
chert (
Urk.
2/2,
Urk.
14/38)
. Das Arbeits
verhältnis mit der
Z._
endete am
31. März 2004
(
Urk.
14/38). Da
raufhin meldete sich
X._
bei der Arbeits
losenkasse des Kantons
Y._
zur öffentlichen Arbeits
ver
mitt
lung an
. Die Arbeitslosen
kasse richtete ihm während
der Rahmenfrist vom 1.
April 2004 bis 3
1.
März 2006
- erst
mals am
8.
April 2004 -
Taggelder der Arbeits
losenversicherung
aus
(vgl.
Urk.
2/3)
.
1.2
Am 2
7.
Februar 2008
(Eingangsdatum)
meldete sich
X._
unter Hin
weis auf ein seit seiner Jugend bestehendes psychisches Leiden bei der IV-Stelle
Y._
zum Leistungsbezug an (
Urk. 14
/
1 ff.
)
.
Nach medizinischen und be
ruflichen Abklärungen sprach
sie
ihm mit Wirkung ab 1. Januar 200
7
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von
100 % eine
ganze Invalidenrente zu (Verfügung
vom 23
. Dezember 20
09
, Urk.
14/122 ff.
).
In der Folge teilte sie
ihm
am
1.
März 2016
mit, dass er weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente habe (
Urk.
14/163).
1.3
X._
wandte sich m
it Schreiben vom 2
1.
September 2010 an die Migros-Pensionskasse und bat um Abklärung seines Rentenan
spruches
(vgl.
Urk.
9 S. 5)
. Die Migros-Pensionskasse zog die IV-Akten bei
(
Urk.
14/130)
. Hernach lehnte sie mit Schrei
ben vom 2
5.
Februar 2011 ihre Leistungspflicht ab und trat
unter Hinweis auf eine vom Versicherten begangene Anzeige
pflichtverletzung
vom überobligatorischen Vorsorgevertrag zurück (
Urk.
2/7
)
.
2.
Mit Eingabe vom 2
7.
November 2015 erhob
X._
Klage gegen die Migros-Pensionskasse und beantragte, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm die gesetzlichen und reglementarischen Leistungen aus dem Vorsorge
ver
hält
nis (AHV-Nr.: 756.1328.4310.59, Partner-Nr.: 015/0000) zu erbringen, zu
züglich Zins zu 5
%
seit mittlerem Verfall (
Urk.
1 S. 2).
Die Beklagte bean
tragte mit Klageantwort vom 29. März 2016 Abweisung der Klage (Urk. 9 S.
2).
Nachdem das hiesige Gericht die IV-Akten in Sachen des Klägers (Urk.
14/1
164) beigezogen hatte, wurde mit Verfügung vom 1
9.
April 2016 ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
15). Der Kläger reichte innert angesetzter Frist keine Replik ein, was der Beklagten mit Verfügung vom
26. Juli 2016
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
2
0
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 73 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hin
ter
lassenen und Invalidenvorsorge (BVG) bestimmt sich der Gerichtsstand nach dem
schwei
zerischen Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder dem Ort des Betriebes, bei dem der Versicherte angestellt worden war.
Der Kläger war von 7. November
2001 bis 31. März 2004 bei der
Z._
als
Sachbearbeiter
Finanzen
tätig und in dieser Eigen
schaft bei der Be
klagten berufsvorsorgeversichert (Urk.
2/2
, Urk.
2/8
, Urk.
14/38
). Das an
gerufene Gericht ist
für die Beurteilung der vorlie
genden Klage damit örtlich und sachlich zuständig.
2.
2.1
Nach
Art.
24
Abs.
1 BVG hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invaliden
rente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er min
destens zu 40 % invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entspre
chen
den Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (Art. 29 IVG). Die
Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vor
sorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Bereich der obli
gatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsun
fähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsun
fähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG in Verbin
dung mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invali
di
tätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krank
heit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeits
verhältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem Obliga
torium unter
standen hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E.
2b, je mit Hinweisen).
2.2
Nach
Art.
23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in wel
chem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Ver
sicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Ein
klang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeit
nehmerinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
während der Versiche
rungsdauer aufgetretene
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Ent
spre
chend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlö
schungsgrund (
Art.
26
Abs.
3 BVG e contrario; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
Massgebend ist die erhebliche und dauerhafte Ein
busse an funktio
nellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Auf
gabenbereich, wel
che mindestens 20
%
betragen muss (Urteil des Bundes
gerichts 9C_58/2015 vom 1
1.
August 2015 E. 2.1 mit weiteren Hinweisen).
Der Zeitpunkt des Ein
tritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsun
fähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nach
weis darf nicht durch nachträgliche An
nahmen und speku
lative Überle
gungen
ersetzt werden
(Urteil des Bundes
gerichts 9C_91/2013 / 9C_110/2013 vom 17. Juni 2013 E. 4.1.2 mit Hinweisen)
.
2.3
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invali
den
versicherung und demjenigen auf eine Invaliden
leistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruf
lichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grund
sätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hin
weisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der ge
setzli
chen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Fest
setzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrach
tung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offen
sichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vor
sorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invali
denversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Inva
liden
versicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungs
erheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung be
ziehungs
weise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesge
richts 9C_49/201
0 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
2.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zu
stellen
(
Art.
73
Abs.
2 BVG)
und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unab
hängig davon, von wem sie stammen, und danach zu ent
scheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungs
anspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizini
scher Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehl
entwicklungen nötig ist
-
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinan
dersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verun
möglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztli
che Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
3.
3.1
Der Kläger bringt
im Wesentlichen
vor, die IV-Stelle
Y._
habe mit Ver
fü
gung vom 23. De
zem
ber 2009
ausgeführt, dass er seit April 2004 in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt sei, und
den
Beginn der einjährigen Wartezeit auf den 1.
April 2004 festgelegt (
Urk.
1 S. 3
, 12
).
D
ie Arbeitsun
fä
higkeit, welche später zur In
vali
dität geführt habe,
sei
während der Nach
deckungszeit nach dem Ende des Arbeits
verhältnisses mit der
Z._
per 3
1.
März 2004 eingetreten, was zur Leistungspflicht der Beklagten führe
(
Urk.
1 S. 4, 13)
. Der Einwand der Beklagten, wonach die Arbeitsun
fähigkeit nach der An
meldung bei der Arbeitslosenversicherung eingetreten sei,
womit die
Stiftung Auf
fang
ein
richtung BVG
Invalidenleistungen erbrin
gen müsste
, sei unzu
treffend (
Urk.
1 S. 4).
Bezüglich Beginn der Versiche
rung bei der Stiftung Auffangein
richtung BVG
sei nämlich der Bezug
d
es Taggelds der Arbeits
losen
versicherung massgebend, welches er erstmals am
8.
April 2004 erhalten habe (
Urk.
1 S. 3
, 12-13
).
Sodann habe d
ie Beklagte zusätzlich zu den obli
gatorischen Leistungen aus der beruflichen Vorsorge auch ihre regle
mentarischen Leistungen zu erbringen, weil sie nicht wegen einer Anzeige
pflichtverletzung des Klägers vom überobligatorischen Vor
sorgevertrag habe zurücktreten dürfen. Zum einen könne ihm materiell gar keine
An
zeige
pflichtverletzung vorgeworfen werden (
Urk.
1 S. 9-12).
Zum anderen
sei die sechsmonatige Rücktrittsfrist gemäss dem Reglement der Beklagten unge
wöhnlich und deshalb nicht anzuwenden (
Urk.
1 S. 6-8
). Die
seiner Meinung nach massgebende
vier
wöchige Rücktrittsfrist gemäss
a
Art
.
6 VVG sei von der Beklagten aber nicht einge
halten worden (
Urk.
1 S. 8).
3.2
Die Beklagte macht demgegenüber im Wesentlichen geltend,
dass sie keine Leistungspflicht treffe, da eine mindestens 20%ige invalidisierende Arbeits
unfähigkeit erst nach Ende des Vorsorgeverhältnisses eingetreten sei
(
Urk.
9 S. 5,
9
, 13
)
.
Weil sich der Kläger bei der
Eidg
. Invalidenversicherung ver
spä
tet zum Leistungsbezug angemeldet habe, bestehe für
sie
be
züg
lich Beginn der Arbeits
unfähigkeit keine Bindungswirkung an die Ver
fügung der IV
Stelle
Y._
vom 23. De
zem
ber 2009 und sie könne diese Frage frei prüfen
.
Hierbei sei zu beachten, dass d
er Kläger bei der
Z._
durchwegs vollzeitlich gearbeitet
habe
. Leistungseinschränkungen seien keine festge
stellt worden und er sei nur an vereinzelten Tagen krank
gewesen
. Alsdann habe der Kläger während zwei Jahren Arbeitslosentaggeld
er
bezogen. Eine fehlende Ver
mittlungsfähigkeit in dieser Zeit sei nicht belegt und vom Kläger auch nicht geltend gemacht worden (
Urk.
9 S. 6).
Zwar habe der Kläger v
or seiner Anstellung bei der
Z._
seine Arbeitsstellen häufig ge
wech
selt. Es sei ihm jedoch gelungen, bei der
Z._
Fuss zu fassen. Erst einige Zeit später seien durch die belastende Situation der Arbeits
losigkeit und der Aussteuerung
durch die Arbeitslosenversicherung
die Pro
bleme
wieder hoch gekommen, was dann
, als
der Kläger
nicht nur durch die Beziehung zum RAV, sondern auch durch das So
zialamt
belastet gewesen sei, wieder zu Therapien und schliesslich zur Arbeitsunfähigkeit geführt habe (
Urk.
9 S. 7). Weshalb trotz voller Arbeits
fähigkeit nach Ende des Arbeitsver
hältnisses
mit der
Z._
just zwischen
1.
und
8.
April 2004 eine invalidisierende
Arbeitsunfähigkeit eingetreten
sein soll, sei nicht nachvoll
ziehbar (
Urk.
9 S. 8).
Zu berücksichtigen sei schliesslich, dass, f
alls dennoch eine Leistungspflicht
der Beklagten
b
ejaht werden sollte,
infolge Anzeige
pflichtverletzung und Vertragsrücktritt lediglich die Leistungen nach BVG geschuldet
seien
(
Urk.
9 S. 5, 9-
13)
.
4.
4.1
4.1.1
In den Akten lassen sich folgende
entscheidrelevante
medizinische Unter
lagen finden:
4.1.2
M
ed.
pract
.
A._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Bericht vom 2
7.
Juni 2008 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende de
pressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode mit
somatischem Synd
rom (ICD-10: F 33.11) bei zwanghaft-ängstlichen Persönlichkeitszügen sowie chronische Rückenschmerzen bei Skoliose und Kyphose sowie arthritischer Veränderung der Wirbelsäule an. Er attestierte dem Kläger in der zuletzt aus
geübten Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter von 1
2.
Juli bis 1
1.
Au
gust 2007 sowie ab 1
2.
Januar 2008 bis auf weiteres eine
100%ige Arbeits
unfähigkeit (
Urk.
14/25) und hielt weiter fest, dass der Kläger in einer leidensangepassten Tätigkeit (keine Grossraum
büros, wenig bis keine Team
arbeit, kein Zeitdruck, klar struk
turierte Tätig
keit, keine rückenbelastende Tätigkeit) eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
er
rei
chen könnte (
Urk.
14/27
, Urk. 14/31
).
4.1.3
B._
,
dipl.
Psychologe / Psychotherapeut, bei welchem sich der Kläger von Februar 1988 bis Dezember 2003 in psychotherapeutischer Behandlung befand,
schrieb
in seinem Bericht vom 1
2.
März 2009, dass der Kläger bei Beendigung der Psychotherapie im Jahr 2003 in persönlicher Hin
sicht entscheidende Fortschritte gemacht habe. Seine Kontaktängste hät
ten sich auf ein erträgliches Mass gemindert und
er
sei damals auch fähig ge
we
sen, ein eigenständiges
,
von seiner Herkunftsfamilie unabhängiges Leben zu führen. Vor allem in beruflicher Hinsicht
hätten
persönlichkeitsbedingte Einschränkungen
bestanden
. Die Tendenz, in gruppendynamischer Hinsicht phobisch zu reagieren, sei auch in diesem Zeitpunkt nicht gänzlich ver
schwunden ge
wesen und habe ihm beispielsweise eine freie Wahl bei der Suche nach einer geeigneten Arbeitsstelle erschwert (
Urk.
14/61).
4.1.4
Der behandelnde Psychotherapeut,
l
ic
. phil.
C._
,
teilte
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierter medizi
nischer Gutachter, Regionaler Ärzt
licher Dienst (RAD) Zentralschweiz, am
20.
Juli 2009 mit, dass der Kläger die diversen Versuche seitens der invol
vierten Behörden, ihn beruflich abzuklä
ren, als massiv kränkend erlebt habe. Aufgrund des jahrzehntelangen Ver
laufs sei der Kläger beruflich nicht mehr integrierbar (
Urk.
14/85).
4.1.5
Nach seiner Untersuchung des Klägers vom 2
4.
März 2009 diagnostizierte RAD-Arzt
Dr.
D._
im Untersuchungsbericht vom 2
3.
Juli 2009
eine chro
nisch depressive Erkrankung (ICD-10: F33.1) gegenwärtig mittlerer Au
sprä
gung auf dem Hintergrund einer ängstlich ver
meidenden Persönlichkeits
stö
rung (ICD-10: F60.6). Er hielt dazu fest, bereits die schulische und berufliche Entwicklung, inklusive der frühen Aus
mus
terung aus dem Militär
dienst, sei mit ihrem unsteten, überwiegend desin
te
grierten Verlauf Ausdruck einer frühen psychischen
Gestörtheit
und Be
ziehungs
un
fähigkeit in sämtlichen Lebensbereichen
gewesen
.
Damit rechtfertige sich die Diagnose einer Persön
lichkeitsstörung. Die depressive Störung sei Folge der Persönlichkeits
störung (
Urk.
14/89). Aus psychiatrischer Sicht sei
seit Jahren
eine voll
ständige
Arbeits
unfähigkeit für jegliche Tätigkeit anzunehmen (Urk.
14/90
,
Urk.
14/92
).
4.1.6
Dr.
E._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
führte in seinem Gutachten vom 1
2.
Oktober 2009
(
Urk.
14/98-108)
aus, dass der Kläger an einer Angststörung mit generalisierter Angst (ICD-10: F41.1) sowie agora- und so
zialphobischen Anteilen (ICD-10: F40.1/F40.0)
und
an einer Zwangs
stö
rung mit Zwangsgedanken und Zwangshandlungen gemischt (ICD-10: F42.2) auf der Grundlage einer gemischten Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen und paranoiden Anteilen (ICD-10: F61)
leide
.
Es liege ein ge
mischtes, schweres und in der Jugendz
eit beginnendes psychisches Krank
heitsbild vor. Sämtliche Therapie hätten bisher lediglich zur Stabilisierung des Klägers, nicht aber zu einer wesentlichen Symptomver
bes
serung bei
ge
tragen. Im betroffenen Zustand, der vom Kläger und
seinen Therapeuten
als stabil beurteilt werde, sei der Kläger aus psychiatri
scher Sicht zu 100
%
arbeitsunfähig. Der zeitliche Eintritt der Arbeitsun
fähigkeit sei rückwirkend schwer auf ein genaues Datum festzulegen. Mit dem Verlust des letzten Arbeitsplatzes und dem Gang zum RAV sei beim Kläger eine zunehmende psychische Dekom
pensation eingetreten. Er ha
be sich weder mit dem RAV arrangieren können, noch habe
er
wieder eine Stelle auf dem freien Arbeits
markt gefunden. Rückblickend sei vorzuschla
gen, den Beginn der Arbeitsun
fähigkeit auf das Ende der letzten Arbeitsstelle festzulegen
(Urk.
14/105)
.
Nach dem Verlust der letzten Anstellung sei der Kläger unter dem subjekti
ven Druck des RAV zunehmend psychisch
de
kompensiert
. Dabei habe er seine Arbeits- und Leistungsfähigkeit verloren, ohne sie seither wieder zu erlangen (Urk.
14/106).
5.
5.1
Vorab ist festzuhalten, dass eine Bindungswirkung an die
Verfügung
der IV
Stelle
Y._
vom 23. Dezember 2009 (
Urk.
14/122 ff.) entfällt, d
a eine sog. verspätete An
meldung zum Leistungs
bezug bei der
Eidg
. Invalidenversiche
rung vorlag (vgl.
Urk.
14/125 sowie E. 2.3 vorstehend). Der Beginn der rele
vanten Arbeitsun
fähigkeit (E. 2.2 vorstehend) kann
daher
vorliegend frei geprüft werden.
5.2
U
nter Hinweis auf das in SVR 2011 BVG Nr. 30 publizierte Urteil des Bun
desgerichts 9C_793/2010 vom 2
1.
März 2011 macht
d
er
Kläger
geltend, dass - für die Risiken Tod und Invalidität - erst ab Beginn des Arbeitslosen
tag
geldbezugs am
8.
April 2004 ein Vorsorgeverhältnis zur Stiftung Auf
fan
g
einrichtung BVG bestanden habe (
Urk.
1 S. 12 f.).
Weil gemäss den Fest
stellungen der IV-Stelle
Y._
die relevante Arbeitsunfähigkeit
bereits zu
vor, nämlich
ab
1.
April 2004
,
bestanden habe
, sei die Beklagte leistungs
pflichtig
(
Urk.
1 S. 3, 12).
Wohl hat das Bundesgericht erwogen, dass der Beginn der obligatorischen Versicherung für die Bezüger von Taggeldern der Arbeitslo
senversicherung gemäss
Art.
10
Abs.
1 BVG auf den konkreten ent
schädi
gungsberechtigten Tag fällt (SVR 2011 BVG Nr. 30 S. 166 E. 4)
, was vor
liegend eine Vorsorgeversicherung
bei der Stiftung Auffangein
richtung BVG
erst
aufgrund des Taggeldbezugs ab 8. April 2004 bedeuten würde (Urk.
2/3).
Wie den nachfolgenden Erwägungen zu entnehmen
ist
, ist der Beginn der relevanten Arbeitsunfähigkeit während des Vorsorgever
hältnisses zur Beklag
ten (inkl. Nachdeckungsfrist) jedoch nicht mit dem not
wendigen Be
weisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit erfüllt.
5.2
Diesbezüglich ist
zunächst darauf hinzuweisen
,
dass
während des Arbeitsver
hält
nisses des Klägers mit der
Z._
von der Arbeitgeberin keine Leistungs
ein
schränkungen festgestellt worden
sind
(
vgl.
Urk.
9 S. 6). Im Personal
dossier des Klägers bei der
Z._
fanden sich keine entspre
chenden Auf
zeich
nungen (
Urk.
1
0/6). Während der Dauer
dieses Arbeitsver
hältnisses vo
m
7.
November 2001 bis 31.
März 2004 sind insgesamt 33
Absenzen wegen Krankheit verzeichnet, wobei der Kläger im Jahr 2004 im Januar drei Tage und im Februar und März jeweils einen Tag krank
heitsbe
dingt fehlte (Urk.
10/6).
Sodann sind weder für die Zeitdauer dieses Arbeits
verhältnisses noch für den Zeitraum vom
1.
bis
7.
April 2004 echt
zeitliche Arzt
berichte
vorhanden. Auch d
em Bericht des Psychologen
B._
vom 12. März 2009 (
Urk.
14/58 ff.), bei welchem sich der Kläger bis Ende 2003 in Psychotherapie befand, kann nichts hinsichtlich einer
eigentlichen
Arbeits
unfähigkeit des Klägers entnommen werden. Vielmehr ist dort die Rede davon, dass der Kläger im Verlauf der Psychotherapie Vor
schritte erzielt habe (
Urk.
14/61).
Der Psychiater med.
pract
.
A._
, zu wel
chem sich der Kläger später in Behandlung begeben hatte, attestierte ihm erst ab 1
2.
Juli 2007 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
14/25).
Auch wenn die psychi
sche Gesund
heit des Klägers bereits vor und während des Vor
sorge
verhält
nisses mit der Beklagten angeschlagen gewesen sein mag, so liegen doch keine echtzeit
lichen Zeug
nisse vor, welche für eine
relevante
Arbeitsun
fähig
keit des Klägers von 20
%
in psy
chischer Hinsicht bereits während des Vor
sorge
ver
hältnisses (inkl. Nachdeckungsfrist) sprechen wür
den. Es kommt hinzu,
dass
gestützt auf das Gutachten von
Dr.
E._
vom 1
2.
Oktober 2009 - welches
die Anfor
de
rungen an ein beweiskräftiges Gutachten (E. 2.4 vorstehend) erfüllt -
sogar
davon auszugehen wäre, dass der Kläger seine Arbeitsfähigkeit
erst
wäh
rend des Bezugs der Arbeits
losentaggelder verloren hat, weil er unter
dem subjektiven Druck des RAV zunehmend psychisch
dekompen
siert
e
(Urk.
14/106).
Zwar ist
es
generell und
insbesondere
bei psychischen Stö
rungen
schwierig, die Arbeits
fähigkeit rückwirkend zu beur
teilen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_427/2011 vom 1
5.
September 2011 E. 4.2.4 mit Hinweisen), doch erweist sich die Einschätzung von
Dr.
E._
als schlüssig und plausibel.
So
hielt Dr.
E._
fest, dass der Kläger die zweimonatlich stattfindenden und obligatorischen Kontakte mit dem Sozial
amt als reine Schikane und Be
drohung
empfunden habe
(
Urk.
14/102).
Ver
gleichbar
waren auch die Angaben des behandelnde
n
Psychotherapeuten
C._
vom 2
0.
Juli 2009 (
Urk.
14/85).
Zudem hat der Kläger
zuvor
am 2
4.
März 2009 g
egenüber RAD
Arzt
Dr.
D._
an
ge
ge
ben
, durch die Ausei
nan
der
setzungen mit den Behörden in den letzten Jahren verbunden mit der finan
ziellen Knappheit sehr belastet zu sein. Er fühle sich zum Teil schikanös be
handelt. Es habe sich regelrecht eine Aversion gegen „das ganze Zeugs“ entwickelt. Die Androhung von „Zwangsmassnahmen“ hätte ihm den letzten Halt genom
men, quasi den Rest gegeben. In den letzten Jahren fühle er sich zunehmend verloren und alleine in der Welt, bereits die Bewältigung des Alltags sei eine „Herkulesaufgabe“ für ihn, er halte sich für psychisch nicht mehr belastbar (
Urk.
14/88
,
vgl. dazu auch den Bericht der Berufs
beraterin der IV-Stelle
Y._
vom
4.
Dezember 2008
, wonach
sich der Kläger von der Sozialar
beiterin des Sozialdienst
e
s
Y._
unter Druck gesetzt und schi
kaniert fühle [
Urk.
14/41] und mit den verschiedenen Beschäfti
gungsmassnahmen seitens des RAV und des Sozialdienstes schlechte Er
fahrun
gen gemacht habe [
Urk.
14/42]).
Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass gemäss
F._
,
Dr.
der Chiropraktik, das chronisch rezidivierende
lumbo
- und
zervikovertebrale
Syndrom seit Dezember 2007 besteht und gemäss seinem undatierten Bericht an die IV-Stelle
Y._
(Versanddatum: 2
7.
November 2008)
den Kläger in seiner angestammten Tätigkeit als kaufmännischen Angestellten nicht ein
schränkt (
Urk.
14/45, 48, 50).
Sodann erhob die RAD-Ärztin bei der körper
li
chen Untersuchung des Klägers vom 2
6.
März 2009 keinen Gesundheits
scha
den mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
14/79).
Bezüglich Nacken- und Rückenbeschwerden
besteht daher
mangels relevanter Arbeits
unfähigkeit
keine Leistungspflicht der Beklagten.
5.3
Die Beweislosigkeit hinsichtlich des Eintritts der zur Invalidität führenden Arbeits
unfähigkeit während des Vorsorgeverhältnisses mit der Beklagten (inkl. Nachdeckungsfrist) wirkt sich zulasten des Klägers aus, der aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ab
leiten wollte (vgl. Urteil des Bundesgerichts B 35/00 vom 22. Februar 2002 E. 5b mit weiteren Hinwei
sen).
Die Beklagte trifft keine Leistungspflicht.
Bei diesem Ergebnis muss nicht geprüft werden, ob die Beklagte
zu Recht wegen der
geltend gemachte
n
Anzeigepflichtverletzung
vom überobligato
rischen Vorsorgevertrag zurück
ge
treten ist
.
6
.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Klage.
7
.
Der Beklagten steht in ihrer Funktion als Trägerin der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens keine Prozessentschädigung zu (§ 34 Abs. 2
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]
; vgl. statt vieler: BGE 128 V 124 E. 5b).