Decision ID: a2cf814d-6402-4c78-a193-effee8248b74
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 19
59
geborene
X._
arbeitete zuletzt als
Produktionsmitarbeiterin bei der
Y._
AG
(Urk.
13/20
). Am
6. Juni 2011
meldete sie sich wegen
Arthrose an den Hüftgelenken und verspannter Rückenmuskulatur mit starken Schmerz
en
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
13/11
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle (nach
folgend: IV-Stelle), klärte die erwerblichen und gesund
heit
lichen Ver
hält
nisse ab. Unter anderem holte sie
die Berichte der Rheumaklinik und des In
sti
tuts für Physikalische Medizin des
Z._
vom 17. Juni 2011 über den stationären Aufenthalt vom 23. Mai bis 17. Juni 2011 (Urk. 13/19/6-7) und über das vom 2. August bis 7. September 2011 durch
ge
führte
Arbeitsassessment
(Urk.
13/22
)
,
die Akten der
Krankentaggeldver
siche
rung
der Versicherten
, der
Swica
Gesundheitsorganisation (Urk. 13/26),
mit dem
neurologischen Gutachten
der Klinik
A._
, erstellt
von Prof. D
r.
med.
B._
, Facharzt für Neuro
logie, vom 11.
November 2011
(Urk.
13/
26/4-19
)
und dem psychiatrischen Gutachten der Klinik
A._
, erstellt von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 24. Februar 2012 (Urk. 13/37/4-16)
sowie den Bericht des
D._
vom 13
.
März 2012 (
Urk.
13/38)
ein.
Mit
Vorbe
scheid vom
22. März 2012 kündigte die IV-Stelle
die Ab
weisung des
Renten
be
gehrens
bei einem Invaliditätsgrad von 32 %
an (Urk.
13/42
). Dagegen erhob die Ver
sicherte mit
Schreiben
vom
30. April 2012
Einwände
(Urk. 13/43)
. Mit Ver
fügung vom
5. Juni
2012 wies die IV-Stelle das
Renten
begehren wie ange
kündigt ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
6. Juli 2012 (Urk. 1), ergänzt mit
Eingabe
vom 9. Juli 2012 (Urk. 5),
Be
schwer
de und beantragte,
die Sache
sei
an die Beschwerdegegnerin zur Einholung eines polydisziplinären Gutachtens zu
rückzuweisen oder es sei vom Gericht ein
solches einzuholen. In prozessualer Hinsicht stellte die Be
schwerdeführerin ausserdem das Gesuch, es sei ihr die un
entgeltliche Prozessführung zu gewähren und es sei ihr in der Person von Rechtsanwalt Guy Reich ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen (Urk. 1 S. 2, Urk. 5 S. 3 f.). Mit der Beschwerde reichte d
i
e Beschwerdeführer
in
d
en Bericht des
E._
vom 2.
Juli 2012 ein
(Urk. 3/5).
Die
Beschwerde
gegnerin
schloss in der Beschwerdeantwort vom
5. September
2012 auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk.
12
). In der Replik vom
21. Januar 2013
hielt die Be
schwerdeführerin an ihren Anträgen fest (Urk.
20
S. 2).
Mit Eingabe vom 24. Ja
nuar 2013 (Urk. 21)
gab
sie ausserdem das ärztli
che Zeugnis der
F._
vom 15. Januar 2013
zu den Akten
(Urk. 22).
Mit Verfügung vom 5. Februar 2013
wurde
der Beschwerdeführerin
die unent
gelt
liche Prozess
f
ührung gewährt und Rechtsan
walt Guy Reich
als unent
geltlicher Rechts
vertreter
für das vorliegende Verfah
ren bestellt (Urk. 23 S. 2).
Die Be
schwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom
19. Februar 2013
auf eine Duplik (Urk.
16).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am
1. Januar 2012
sind d
ie im Rahmen der IV-Revision 6a
vorgenommenen
Än
de
rungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten.
In
materiell
rechtlicher
Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Ver
fügung ist am
5. Juni 2012
(Urk. 2) ergangen,
wobei ein Sachverhalt zu beur
teilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestim
mungen
der IV-Revi
sion 6a
am 1. Januar 20
12
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechen
d den allgemeinen intertemporal
rechtlichen Re
geln für die Zeit bis 31. Dezember 20
11
auf die damals
seit der 5. IV-Revision
(
ab dem 1. Januar 2008;
AS 2007 5129
ff.
)
geltenden Bestimmungen und ab
dem 1. Januar 2012
auf die neuen Normen der
IV-Revision 6a
abzustellen
(vgl. zur
5
. IV-Revision: Urteil des Bundesgerichts
8C_829/2008
vom 23.
Dezember 2008
E. 2.1
). Im Folgenden werden die Gesetzesbestimmungen - soweit nichts anderes vermerkt ist - in der seit dem
1.
Januar 20
12
geltenden Fassung zitiert
.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
IVG). Er
werbsunfähigkeit ist der durc
h Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Be
handlung und Ein
gliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkei
ten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der ge
s
undheitlichen Beein
trächtigung zu berück
sichti
gen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Ge
sundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine In
validität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG be
wir
ken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit
invali
denversicherungsrechtlich
nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Er
werbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten
Wi
l
lens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzu
stellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbs
tätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträch
tigung ver
einbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbs
unfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Ver
wertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hin
weisen).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines
Ein
kommensvergleichs
zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkom
men
, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Va
li
den
einkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu er
folgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög
lichst genau ermittelt und ei
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Me
thode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
sei seit dem 2.
Februar 2011 in der angestammten Tätigkeit erheblich eingeschränkt. In einer
leidens
angepassten
Tätigkeit
bestehe eine medizinisch-theoretische 80%ige Arbeits
fä
hig
keit, was
zu einem Invalidit
ätsgrad von 32
% führe, der keinen Anspruch auf eine Rente begründe (Urk. 2 S. 1 f.).
3.2
Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor,
sie sei auch in leidensangepassten Tätig
kei
ten vollständig arbeitsunfähig.
Es sei ihr nicht möglich, eine Arbeits
fä
higkeit von 50
% zu erlangen, obwohl sie dies versucht habe. Nachdem ihr ak
ten
kundig eine Aggravation nicht habe nachgewiesen werden können, seien die eigenen Angaben und die Erschöpfung der eigenen
Möglichkeiten ent
sprechend zu würdigen.
Die Gutachten der Krankentaggeldversicherung ver
möchten nicht zu überzeugen. Die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, eigene Abklärun
gen zu tätigen. Bei den in den Akten liegenden Berichten handle es sich betref
fend die Einschätzung der Erwerbs
fähigkeit um Prognosen. Die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin könne bei gegebener Aktenlage nich
t hinreichend be
urteilt werden
. Zudem habe sich vor dem Erlass des an
ge
fochtenen Entscheides eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes mani
festiert
(Urk. 1 S.
3
, Urk.
5
S. 2 ff.
, Urk. 20
).
3.3
Strittig und zu prüfen ist
der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin und ins
besondere
, ob
und in welchem Umfang sie
arbeits- und erwerbsfähig ist.
4.
4.1
Gemäss dem
A
ustrittsbericht des
Z._
vom 17.
Juni 2011
traten im Oktober 2010 erstmalig lumbale Schmerzen mit Progredienz auf, welche ab Februar 2011 stark
zugenommen
und auch nach
gluteal
beidseits
ausgestrahlt hätten
. Seither sei die Beschwerdeführerin meist nur noch zu 25
% arbeitsfähig gewe
sen. Vom 23.
Mai bis 17.
Juni 2011 sei sie
stationär behandelt
und
ihr
a
n
schliessend
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit bis zum 3
0.
Juni 2011 attestiert worden
(Urk. 13/19 S. 6 f.).
Laut
dem Bericht des
Z._
vom 14. September 2011 über das Ergeb
nis des am 2.
August 2011 durchgeführte
n
Arbeitsassessement
s
mit Basistests vom 24.
und 25. August sowie Nachbesprechung vom
7.
September
2011
wurden die folgenden arbeitsrelevanten Diagnosen gestellt:
1.
Chronisches
lumbovertebrales
bis -
spondylogenes
Syndrom beidseits (ICD-10 M54.86) bei degenerativen Ver
ände
rungen der Lendenwirbelsäule (LWS; Computertomographie LWS vom 15. März 2011:
Spondylarthrose
L4-S1 beid
seits, Morbus
Baastrup
mit breiten sklerotischen
Osteophyten
und kleinen Zysten L2-5, geringe
n
mehrsegmentäre
n
Chondrosen
) mit Facettenüberlastung L4/5 und L5/S1 beidseit
s (Radiofrequenz-Ablation der Rami
medialis
der Facettengelenke L4 bis S1 am 22.
August 2011, Dr.
G._
,
Z._
)
,
Hal
tung
s
insuffizienz
mit Kopf- und
Schulterprotraktio
n
, muskulärer
Dekon
ditio
nierun
g
; 2. anamnestisch und klinisch Verdacht auf
Car
pal
tunnelsyndrom
(CTS) links
(ICD-10 G56.0); 3.
Fingerpolyarthr
ose (ICD-10 M15.1 und M15.2),
betont
Heberden
-Arthrose
. Die funktionelle Leistungs
fähig
keit liege bei weitem unter den Belastungsanforderungen der bis
herigen Arbeit.
Durch die vorwiegend ste
hende Arbeit am Fliessband mit stark repetitiver Tätig
keit kumuliere die Belas
tung während des Arbeitstages. Zumut
bar sei dies
bezüglich ein 50%iges Pen
sum, wobei ein schrittweiser Ein
stieg zu empfehlen sei. In
körperlich
leichten bis mittelschweren Tätigkeiten
sei die Arbeitsfähigkeit bei ganztägiger Präsenz mit zusätzlichen zu den üblichen Pausen von insgesamt
zirka 1,5
Stunden im Tagesverlauf infolge der multiplen
Belastungseinschrän
kungen
der
Köperhal
tungen
(kein häufiges Heben und Tra
gen
von Lasten über 2,5
Kilogramm, kein häufiges vorgeneigtes Stehen, Arbeiten über Kopf und Rotie
ren im Sitzen, kein häufiges Stehen, Ziehen, Stos
sen, Treppensteigen und Gehen)
und der
Be
schwerdekumulation
um 20
% reduziert
(Urk. 13/22).
Die Beschwerdegegnerin
ging
gestützt auf diese Angaben der Ärzte des
Z._
und
gestützt
a
uf die Stellungnahme von
pract
.
med.
H._
sowie
Dr.
med.
I._
vom Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) vom 16.
und
20.
März 2012
unstrittig davon aus, dass in somatischer Hinsicht eine Ein
schränkung der Arbeits
fähig
keit sowohl in der bisherigen als auch in einer
lei
densangepassten
Tätig
keit besteht
. In psychischer Hinsicht stützte sie sich auf
das Gutachten von Dr.
C._
vom 24. Februar 2012
(Urk. 13/37/4-16;
vgl. das Feststellungsblatt vom
22. März 2012, Urk. 13/40/4-5)
,
der die Diagnose
„
Mögliche psycholo
gische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei anderenorts verschlüsselten Krank
heiten (ICD-10 F54)
“
stellte und darauf schloss, dass kein hinreichender Anhalt f
ür ein
die Arbeitsfähigkeit tangierendes depressives Syn
drom vorliege (Urk. 13/37/11).
4.2
Auf das
Gutachten von Dr.
C._
vom 24. Februar 2012 (Urk. 13/37/4-16)
kann abschliessend indes nicht abgestellt werden.
Denn gemäss den
gutachterlichen Ausführungen von Dr.
C._
lag ihm lediglich das Zuweisungszeugnis für eine achtwöchige Intensivbehandlung im
D._
vom 29. Dezember 2011
vom behan
delnden Arzt Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie,
vor
und kein Bericht desselben. Auch nahm er keine Rücksprache mit
Dr.
J._
.
Dies obschon, w
ie
Dr.
C._
ausführte,
dessen
Zuweisungszeugnis zu entnehmen
war
, dass
Dr.
J._
die D
iagnosen
eines
chronische
n
Schmerz
syndrom
s
und eine
r
de
pressiven Episode
aufge
führt und in der Indikationsliste die Stellen „F32 mitt
lere, schwere depressive Episode“ und „F43, Reaktionen auf schwere Belastun
gen und Anpassungs
störungen“ angekreuzt
habe
(Urk. 13/37/6).
Dr.
C._
hielt zudem fest
, Dr.
J._
behandle die Beschwerde
führerin
mit Antidepressiva und
in zirka monatlichen Abständen
seit Mitte Dezember 201
1.
E
in relevantes depres
sives Syndrom lasse sich
aber
nicht bestä
tigen, was auch ein Effekt der dann bereits suffizient greifenden antidepressiven
Medikamentation
sein könne und jeden
falls die Indikation der avisierten stationären Behandlung in Frage stelle
. Bis anhin sei es auch nicht zu einer stationären Behandlung gekommen (Urk. 13/37/13)
.
Das erwähnte
Zuweisungs
zeugnis
und/o
der ein anderer Bericht von Dr.
J._
ist den Akten nicht zu entnehmen.
Aufgrund der Argumentation von
Dr.
C._
, ist ein solcher indes unerlässlich. Denn
Dr.
C._
stellte fest, die von der Beschwerde
führerin geklagten psychischen Symptome hätten von ihm - in der nur einmaligen
Begutachtungs
situation
vom 31. Januar 2012 - nicht be
o
bachten werden können. Aufgrund dessen und a
ufgrund angeblich in ver
schiedenen Unter
suchungen beschrie
benen demonstrativen,
selbstlimi
tieren
den
, inkon
sistenten Verhaltens
weisen
schloss er
auf eine eher
bewusst
seinsnahe
Tendenz, vor allem auch Leistungen seitens der Versicherung einzufordern
(Urk. 13/37/13-14).
Gemäss dem Bericht des
Z._
vom 14.
September 2011 wurde in den Tests des
Arbeits
assess
ments
zwar eine mässige
Leistungs
bereitschaft
und eine
Selbst
li
mitierung
beim Test „Gehen“ festgestellt. Es blieb jedoch bei einem
Inkon
sis
tenzpunkt
(Urk. 13/22/2).
Der
diesen Bericht unter
zeichnende
Ober
arzt
des
Z._
,
Dr. med.
K._
,
erklärte
in einem un
datierten Anschlusssc
hreiben
denn auch nachvollziehbar
,
die Beschwerde
führerin
habe nur in einem von 21
Test
-
items eine
Selbst
limitierung
gezeigt. Ansonsten habe sie gut kooperiert und sei an die funk
tionelle
Limite
gegangen. Daraus eine Aggravation, mithin eine Vor
täuschung einer stärkeren gesund
heitlichen Einschränkung ableiten zu wollen, sei nicht zulässig und entspreche eindeutig nicht der Art und Weise, wie sich die Beschwerdeführerin präsentiert habe.
Selbstlimitierungen seien oft auch Aus
druck einer gewissen Verun
siche
rung, die sich oft auch in
Gutachtens
situa
tion
noch verstärkt darstellen könne (Urk. 13/29/1).
Die von
Dr.
C._
erklärten
Schlussfolgerungen erscheinen vor diesem Hintergrund und angesichts der feh
lenden Stellungnahme des behan
delnden Psychiaters als vorschnell
gezogen
.
Es kann daher nicht abschliessend beurteilt werden, ob die Ein
schätzung von
Dr.
C._
letztlich überzeugt.
Dies gilt umso mehr, als sich den
Berichte
n
des
D._
vom 13.
März 2012 (Urk. 13/38) und des
E._
vom 2.
Juli 2013 (Urk. 3/5)
entnehmen lässt, dass die von Dr.
J._
zugewiesene (interdisziplinäre Schmerz-)Behandlung in der
Tages
klinik
im Jahr 2012
aufgenommen wurde. Gemäss dem Bericht des
D._
vom 13. März 2012
war die Beschwerdeführerin
am 16.
Januar 2012
erstmals im
D._
vorstellig
(Urk. 13/38/1).
In psychi
scher Hinsicht wurde die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) aufgeführt (Urk. 13/38/5).
Im Bericht des
E._
vom 2. Juli 2013
wurde zudem eine schwere depressive Epi
sode (ICD-10 F32.2; Urk. 3/5 S. 1) und eine deutliche Zunahme der Depres
sion (Urk. 3/5 S. 5) festgehalten. Zwar wurde der Bericht des
E._
erst nach Erlass der ange
fochtenen Verfügung vom
5.
Juni 2012 (Urk. 2) verfasst, welcher Zeit
punkt
recht
spre
chungs
gemäss
die zeitliche Grenze der richterlichen
Über
prü
fungs
befugnis
bildet (BGE 132 V 220 E. 3.1.1, BGE
122 V 77 E. 2b, Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 1
9.
Mai 2009 E. 2, je mit Hinweis). Jedoch wurde der Bericht lediglich rund einen Monat nach der angefochtenen Verfü
gung verfasst und
es
ist dem Bericht
zudem
nicht zu entnehmen, wann die psy
chiatrische Untersuchung stattfand, in welcher die aufgeführte Verschlech
terung des Gesundheitszustandes festgestellt wurde. Überhaupt fehlen in den Berichten des
D._
und des
E._
jegliche
Angaben
über
die
Art,
Häufigkeit
und Daten der
einzelnen
Behandlungen.
4.3
Die Sache ist aufgrund dieser unvollständigen Aktenlage an die
Beschwerde
gegnerin
zur ergänzenden medizinischen Abklärung zurückzuweisen. Die
Be
schwerdegegnerin
hat insbesondere einen Bericht des behandelnden Psychiater
s Dr.
J._
,
L._
, einzuholen und zusätzlich abzuklären, an welchen Daten (ge
gebenenfalls in welcher Frequenz
und
seit wann) im
D._
und im
E._
welche Behandlungen erfolgten
. Aufgrund der somatischen und psychischen Be
schwer
den hat sie hernach zu entscheiden, ob eine interdisziplinäre Be
gutach
tung an
gezeigt ist.
D
ie Verfügung vom 5.
Juni 2012 ist folglich aufzuheben und die Beschwerde
ist
gutzuheissen.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zu weiterer Abklärung und neuem Entscheid als vollständiges Obsiegen (vgl. ZAK 1987 S. 268
f. E. 5 mit Hinweisen). Da der Streitgegenstand die Be
willigung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen betrifft, ist das Ver
fahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensauf
wand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
),
er
messens
weise
auf Fr. 600.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
Die Prozessentschädigung nach Art. 61
lit
. g ATSG ist in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzen. Unter Berücksichtigung der Honorarnote von
Rechtsanwalt Guy Reich vom
25. November 2013
,
die ei
nen Zeitaufwand von
14.5
Stunden
und Barauslagen von Fr. 3
74
.--
aufweist (Urk.
27
),
und
des gerichtlichen
Stundenansatzes von Fr. 200.--
(an
statt des geltend gemachten
Ansatzes
von Fr.
250.--
)
ist dem Rechts
vertreter der Be
schwerde
führerin
eine Prozessentschädigung von Fr.
3‘535.90
(inkl. Mehr
wert
steuer und Barauslagen) zuzu
sprechen.