Decision ID: 3b7a0fb3-1b10-41ff-9a2f-400336818c16
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war gemäss Bericht von Dr. med. B._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 20. Dezember 2016 während neun
Jahren bei ihr in ambulanter Therapie (IV-act. 5). Am 11. April 2016 erfolgte eine
Erstkonsultation bei Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
(Bericht vom 12. April 2016, IV-act. 28). Vom 26. Mai bis 2. Juli 2016 war der
Versicherte in der Psychiatrischen Klinik D._ (Austrittsbericht vom 28. Juli 2016, IV-
act. 3) und vom 18. Oktober bis 14. Dezember 2016 in der E._ (Austrittsbericht vom
15. Dezember 2016, IV-act. 4) in stationärer Behandlung. Die bei Dr. B._
durchgeführte ambulante Psychotherapie wurde am 20. Dezember 2016 abgebrochen
und der Versicherte wurde zur Weiterbehandlung an das Psychiatriezentrum F._
überwiesen, da eine längere Abwesenheit der Ärztin bevorstand (Bericht vom
20. Dezember 2016, IV-act. 5). Diagnostiziert bzw. erhoben wurden durch die
behandelnden Fachärzte im Wesentlichen übereinstimmend eine mittelgradige bzw.
schwergradige depressive Episode, eine (vorbestehende) generalisierte Angststörung
sowie auffällige, insbesondere narzisstische Persönlichkeitszüge bzw. eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung (vgl. die zitierten Berichte).
A.a.
Am 26. Januar 2017 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung
(IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). Die IV-Stelle wies mit Mitteilung vom 7. März
2017 das Gesuch um berufliche Massnahmen ab. Da der Versicherte als
Selbständigerwerbender in der Elektrobranche tätig sei, seien berufliche
Eingliederungsmassnahmen zurzeit nicht angezeigt (IV-act. 35).
A.b.
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Gemäss Arztbericht vom 27. März 2017 (IV-act. 39) und Austrittsbericht vom
30. Juni 2017 (IV-act. 49-4 ff.) war der Versicherte vom 30. Januar bis 30. März 2017
erneut in der Psychiatrischen Klinik D._ hospitalisiert. Es wurden eine generalisierte
Angststörung, eine gegenwärtig schwere depressive Episode und der Verdacht auf
eine narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung (kodiert als ICD-10: F60.8) bzw. eine
narzisstische Persönlichkeitsstörung festgehalten. Bei Austritt wurde eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % bis auf Weiteres attestiert (IV-act. 49-4).
A.c.
Dr. med. G._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im
Arztbericht vom 26. April 2017 aus, sie behandle den Versicherten seit Dezember 2016.
Er leide unter einer generalisierten Angststörung (ICD-10: F41.1), einer
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.8) sowie einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10: F33.2) und sei seit Dezember 2016 zu
100 % arbeitsunfähig bzw. sei ihm seine bisherige Tätigkeit während einer Stunde
täglich zumutbar (IV-act. 40). Gemäss Arztzeugnis vom 4. September 2017 attestierte
sie dem Versicherten für den Monat September 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 80 %.
A.d.
Eine Abklärung vor Ort betreffend Selbständigerwerbende vom 18. September
2017 ergab eine geltend gemachte Einschränkung von 84 %. Der Versicherte gab an,
seit Mai 2016 sei er nicht mehr in der Lage, auf Baustellen zu arbeiten. Diese
Verantwortung und Wahrung der Geschäftsinteressen auf den Baustellen habe der
Stiefvater seiner Ehefrau übernommen. Er verrichte gewöhnlich nachmittags während
bis zwei Stunden administrative Arbeiten. Sein Ziel sei, im Sommer 2018 wieder
einigermassen fit zu sein und wieder voll arbeiten zu können (Abklärungsbericht vom
27. September 2017, IV-act. 47). Dr. G._ führte im Verlaufsbericht vom 23. März 2018
aus, es seien immer noch ängstlich-depressive Symptome vorhanden. Der Versicherte
verrichte aktuell während zwei Stunden administrative Arbeiten und fühle sich danach
sehr erschöpft. Zurzeit bestehe in der bisherigen und in einer ideal adaptierten Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 20 % (IV-act. 49-1 ff.). Im Verlaufsbericht vom 30. Juli 2018
gab sie keine Arbeitsfähigkeitsschätzung ab und empfahl eine Begutachtung (IV-
act. 58). Der RAD-Arzt J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in
seiner Stellungnahme vom 3. August 2018 aus, der lange Verlauf der depressiven
Episode ohne eine Remission trotz leitliniengerechter medikamentöser antidepressiver
Behandlung und mehrmaliger stationärer Behandlung sei aus
A.e.
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versicherungsmedizinischer Sicht zu hinterfragen. Die Diskrepanz zwischen der durch
die Psychiatrische Klinik D._ attestierten Arbeitsfähigkeit von 50 % und der anlässlich
der Abklärung an Ort und Stelle geltend gemachten Einschränkung von 84 % sei nicht
nachvollziehbar (IV-act. 64).
Im psychiatrisch-neuropsychologischen Gutachten vom 4. März 2019 (Dr. med.
H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. phil. I._, Fachpsychologe
Neuropsychologie; Untersuchungen 27. November 2018 und 15. Februar 2019; IV-
act. 71) kamen die Gutachter zusammenfassend zum Schluss, eine Diagnostik und
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei nicht möglich, da sie zuverlässige Angaben
voraussetzten, die aufgrund vorhandener Inkonsistenzen vor allem in der
neuropsychologischen Begutachtung nicht vorhanden seien (IV-act. 71-51 ff.). Dies
bedeute jedoch nicht, dass der Versicherte sicherlich gesund sei und keinerlei
Einschränkungen bestünden (IV-act. 71-56).
A.f.
Der RAD-Arzt J._ legte in seiner Stellungnahme vom 23. Mai 2019 dar,
zusammenfassend sei die gutachterliche Beurteilung aus versicherungsmedizinischer
Sicht plausibel und nachvollziehbar. Es sei nicht möglich, medizinisch-theoretisch zu
beurteilen, ob ein dauerhafter Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit vorliege und ob und in welchem Ausmass die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten eingeschränkt sei (IV-act. 72).
A.g.
Mit Vorbescheid vom 24. Mai 2019 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Leistungsbegehrens um Rente (IV-
act. 74). Innert erstreckter Frist (vgl. IV-act. 80 ff., 86) liess der Beschwerdeführer mit
begründetem Einwand vom 29. August 2019 vorbringen, da der Gutachter zum
Ergebnis gelangt sei, keine Diagnose stellen und keine Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit vornehmen zu können, hätte sich die Erhebung von Fremdanamnesen
aufgedrängt. Er leide an einer chronifizierten und jahrelangen Spielsuchtproblematik
und an den Folgen einer Kindheit ohne Liebe und Geborgenheit, was in der Psychiatrie
eine grosse Bedeutung und Rolle spiele (IV-act. 88).
A.h.
Der RAD-Arzt J._ äusserte sich am 16. September 2019, aus dem Einwand gehe
kein neuer medizinischer Sachverhalt hervor, der dem Gutachter nicht bekannt
A.i.
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B.
gewesen sei oder von ihm nicht gewürdigt worden sei. Die Spielsuchtproblematik und
die Kindheitserlebnisse stellten aus versicherungsmedizinischer Sicht keinen
dauerhaften Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit dar (IV-
act. 90).
Der Rechtsdienst der IV-Stelle führte in seiner Stellungnahme vom 30. September
2019 aus, der Gutachter halte fest, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von
einer Aggravation auszugehen sei. Damit falle eine versicherte Gesundheitsschädigung
ausser Betracht und ein Rentenanspruch sei ausgeschlossen. Eine erneute
Begutachtung sei nicht angezeigt. Die vom Rechtsvertreter gerügte behauptete kurze
Explorationsdauer sowie das Nichteinholen von Fremdanamnesen ändere an der
Beweiskraft des Gutachtens nichts, zumal es im pflichtgemässen Ermessen des
Gutachters liege, wie viel Zeit er für die Exploration in Anspruch nehme und ob er das
Einholen einer Fremdanamnese für notwendig erachte (IV-act. 91).
A.j.
Mit Verfügung vom 1. Oktober 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab.
Zur Begründung führte sie aus, aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung sei es dem
Gutachter nicht möglich gewesen, zu beurteilen, ob ein Gesundheitsschaden mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Dies sei aus versicherungsmedizinischer
Sicht plausibel und nachvollziehbar. Ebenfalls spreche die gezeigte und beschriebene
Aktivität im Alltag gegen eine invalidisierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. In
erneuten Stellungnahmen des RAD und des Rechtsdienstes sei festgehalten worden,
dass aus dem Einwand kein neuer medizinischer Sachverhalt hervorgehe, der dem
Gutachter nicht bereits bekannt gewesen sei oder von ihm nicht gewürdigt worden sei.
Aus juristischer Sicht erfülle das Gutachten vom 27. November 2018 die
bundesgerichtlichen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische
Entscheidungsgrundlage. Der Gutachter halte fest, dass mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit von einer Aggravation auszugehen sei. Damit falle eine versicherte
Gesundheitsschädigung und ein Rentenanspruch ausser Betracht. Eine erneute
Begutachtung sei nicht angezeigt (IV-act. 92).
A.k.
Mit Beschwerde vom 29. Oktober 2019 beantragt A._ (fortan:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. K. Glavaš, die Verfügung der
B.a.
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IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 1. Oktober 2019 unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben und die Streitsache sei einer vertieften Abklärung in
medizinischer und erwerblicher Hinsicht zu unterziehen, bevor darüber entschieden
werde. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihm mindestens
eine halbe Rente zu gewähren. Der Gutachter Dr. H._ habe festgehalten, aufgrund
der - ausdrücklich bestrittenen - eingeschränkten Mitwirkung des Beschwerdeführers
sei ihm keine klare Stellungnahme zur Diagnostik und zu Einschränkungen möglich. Die
Beschwerdegegnerin hätte ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchführen müssen.
Indem sie uneingeschränkt auf das Gutachten abgestellt habe, habe sie den
Untersuchungsgrundsatz und die Begründungspflicht verletzt. Angesichts der
angeblich fehlenden Mitwirkung hätte der Gutachter Fremdanamnesen erheben
müssen, insbesondere da der Gutachter ausführe, dass der Beschwerdeführer in
zerrütteten Verhältnissen aufgewachsen sei. Habe der Gutachter keine Diagnose
stellen können, habe er auch keine Aggravation feststellen können. Im Gegensatz zu
Dr. H._ hätten ihn alle behandelnden Psychiater krankgeschrieben. Der Gutachter
habe deren Diagnosen unter Vorwand der fehlenden Mitwirkung ignoriert, statt den
Auftrag zurückzugeben (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 13. Januar 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde sei abzuweisen. Dr. H._ habe in seinem Gutachten anhand
vorliegender Austrittsberichte diverse Inkonsistenzen aufgezeigt. Auch der
neuropsychologische Gutachter sei zum Schluss gekommen, dass die erbrachten
Leistungen des Beschwerdeführers nicht dem eigentlichen Leistungspotential
entsprächen und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Aggravation vorliege. Es
sei zu Recht von einer Aggravation ausgegangen und ein Rentenanspruch deshalb
ausgeschlossen worden (act. G 4).
B.b.
Mit Replik vom 24. Januar 2020 macht der Beschwerdeführer geltend, der
Gutachter habe eine Aggravation ausdrücklich ausgeschlossen. Diese Feststellung sei
für die Beschwerdegegnerin verbindlich. Auf die neuropsychologische Abklärung sei
nicht abzustellen, da solche Untersuchungen manipulierbar seien und die
Untersuchung nicht in seiner Muttersprache erfolgt sei. Indem die Beschwerdegegnerin
nicht auf die fachmedizinische Beurteilung abstelle, verstosse sie gegen den
Untersuchungsgrundsatz und gegen die medizinischen Regeln der Begutachtung.
B.c.
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Erwägungen
1.
Aufgrund der divergierenden Beurteilung des psychiatrischen und des
neuropsychologischen Gutachters bezüglich Aggravation sei die Gesamtbeurteilung
nicht schlüssig und nachvollziehbar, sondern widersprüchlich (act. G 6).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 3. Februar 2020 auf eine Duplik (act. G 8).B.d.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie
die Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
B.e.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 141 V 289 E. 3.2;
Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016, 8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist
zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden objektiviert werden können und sich
auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken (vgl. BGE 143 V 427 E. 6). Für
somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und
gleichgestellte Diagnosen), psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen
und Abhängigkeitserkrankungen ist der Beweis nach dem strukturierten Verfahren
mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 145 V 226 E. 6; BGE 143 V 429 E. 7.2;
BGE 141 V 294 f., E. 3.5 f. und S. 298, E. 4.2).
1.2.
Ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden kann nur gegeben sein,
wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen
1.3.
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Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare
Befunde umfasst. Auch bei einer diagnostizierten Depressionsstörung sind daher das
Beschwerdebild prägende psychosoziale Belastungsfaktoren bei der Beurteilung, ob
ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt, zu beachten und auszuklammern
(Urteil des Bundesgerichts vom 15. März 2017, 8C_14/2017, E. 5.3). Nicht als
invalidisierend zu berücksichtigen sind gesundheitliche Störungen, die bei intakten
sozialen Verhältnissen weitgehend entfielen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom
23. Mai 2020, 9C_171/2020, E. 5.1, vom 7. Mai 2019, 9C_740/2018, E. 5.2.1 f., und
vom 29. Januar 2019, 9C_194/2017, E. 6.3.4 a. E.).
Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Kon
stellation, die eindeutig über die blosse (unbewusste) Tendenz zur Schmerzausweitung
und -verdeutlichung hinausgeht, ohne dass das betreffende Verhalten auf eine
verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre, fällt eine
versicherte Gesundheitsschädigung ausser Betracht und ein Rentenanspruch ist
ausgeschlossen. Ob ein Ausschlussgrund gegeben ist, bedarf einer sorgfältigen
Prüfung auf möglichst breiter Beobachtungsbasis auch in zeitlicher Hinsicht (Urteil des
Bundesgerichts vom 22. Oktober 2019, 9C_520/2019, E. 6.1). Das Vorliegen von
Aggravation führt rechtsprechungsgemäss nicht automatisch zur Verneinung jeglicher
versicherten Gesundheitsschädigung, sondern nur insoweit, als die
Leistungseinschränkung auf der Aggravation beruht oder als deren Folge nicht mit
ausreichender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden kann. Soweit die betreffenden
Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselbständigten Gesundheitsschädigung
auftreten, sind deren Auswirkungen derweil im Umfang der Aggravation zu bereinigen.
Sodann bilden Hinweise auf Inkonsistenzen, Aggravation oder Simulation nicht in
jedem Fall einen Ausschlussgrund, rufen aber jedenfalls nach einer vertiefenden
Prüfung des funktionellen Schweregrads (Urteile des Bundesgerichts vom 22. März
2021, 9C_383/2020, E. 3.2.3, und vom 12. März 2019, 9C_501/2018, E. 5.1). Der
Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte
Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der
massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein
stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für
die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427, E. 6 a. E.).
1.4.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
1.5.
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mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; Urteil des
Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
1.6.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
1.7.
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2.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich auf die Erkenntnisse der Dres. H._ und I._
sowie die Einschätzungen des RAD-Arztes J._ und hält eine IV-rechtlich versicherte
Gesundheitsschädigung aufgrund der überwiegend wahrscheinlich vorhandenen
Aggravation für nicht gegeben. Der Beschwerdeführer bemängelt das Gutachten in
verschiedener Hinsicht und beantragt weitere Abklärungen. Nachfolgend ist zu prüfen,
ob die medizinischen Akten eine zuverlässige Beurteilung erlauben.
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 61 N 107).
In beweisrechtlicher Hinsicht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung.
Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der
Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen).
1.8.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.9.
Dr. H._ erhob die Anamnese, insbesondere die biographischen Angaben, sehr
detailliert (IV-act. 71-33 ff.; was per se auch bereits für die ausreichende Dauer der
Untersuchung spricht). Soweit der Beschwerdeführer einwendet, der Gutachter hätte
Fremdanamnesen erheben müssen, ist dem entgegenzuhalten, dass die Auswahl der
Untersuchungsmethoden grundsätzlich den Sachverständigen obliegt (Urteile des
Bundesgerichts vom 23. April 2019, 8C_8/2019, E. 5.2.1, und vom 13. August 2018,
8C_341/2018, E. 6.1.2).
2.1.
Der Beschwerdeführer gab im Wesentlichen an, er sei in einer schwierigen
Situation. Er sei depressiv, könne sich nicht gut konzentrieren, sei schnell müde,
mache sich viele Gedanken und diese würden sich mischen. Er habe keine Lust zu
2.2.
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leben, mit seinen Kindern zu spielen, er gerate in Angst, Panik und Depressionen. Er
habe auch keine Lust zu arbeiten und das mache ihm noch mehr Angst, weil er nicht
wisse, wie sein Leben (sein) werde mit drei Kindern und Frau (IV-act. 71-33). Sobald er
Probleme in der Familie oder im Geschäft habe, würde er sofort zittern, habe sofort
keine Lust, bekomme sofort Angst und gehe ins Bett. Er sei oft innerlich unruhig. Zum
Einschlafen brauche er manchmal eine halbe Stunde, manchmal eine Stunde,
manchmal eineinhalb Stunden. Er erwache jede Nacht und stehe sicher fünfmal auf.
Dann esse er etwas aus dem Kühlschrank und gehe wieder ins Bett. Tagsüber sei er
müde und er schlafe auch oft. Sobald er mehr Probleme habe, schlafe er, damit er
nicht an die Probleme denken müsse (IV-act. 71-39). Er stehe zwischen 10.00 Uhr und
12.00 Uhr auf, denke nach und lege sich nach dem Mittag wieder hin. Danach mache
er während einer bis zwei Stunden Büroarbeiten. Er nehme sich immer wieder vor, am
Nachmittag etwas zu machen, verschiebe es dann aber wieder (IV-act. 71-45).
Sämtliche Hausarbeiten erledige die Ehefrau. Er würde gerne normal leben und Freude
haben. Es quäle ihn, dass er seinen Kindern keine Liebe zeigen könne. Wenn er mit
Kollegen zusammen sei, würde er nur schweigen und nichts sagen. Er habe auch
Kollegen verloren (IV-act. 71-37). Hobbys habe er nicht. Zum Fernsehen und Lesen
habe er kein Interesse. Besuche mache und bekomme er nur wenig. Nur in den Ferien
könne er sich ein wenig von der Arbeit distanzieren. Meistens mache er in seiner
Heimat Ferien. Seine Mutter habe da ein Haus. Kleider kaufe er nur zweimal im Jahr in
einem Einkaufszentrum ein. Nach einer Stunde werde er sofort nervös und halte es
nicht mehr aus (IV-act. 71-46).
Im Befund erhob Dr. H._ keine Auffälligkeiten bezüglich Aufmerksamkeit,
Konzentration, Auffassung und Langzeitgedächtnis. Es hätten sich leichte
Merkfähigkeitsstörungen gezeigt. Die Grundstimmung war etwas zum depressiven Pol
hin verschoben, die affektive Modulationsfähigkeit war eingeschränkt. Der
Beschwerdeführer habe eine starke Ambivalenz mit Kopfschmerzen beschrieben, wenn
er entscheiden müsse. Gelegentlich sei er gereizt, oft ängstlich und die Stimmung sei
meist schlecht; je nach Situation, wenn er etwas nicht lösen könne, sei die Stimmung
noch schlechter. Beschrieben worden sei auch eine ausgeprägte Minderung des
Antriebs, Mimik und Gestik seien aber nicht auffällig gewesen. Weiter habe er
regelmässige Ein- und Durchschlafstörungen, moderate körperliche
Begleiterscheinungen der Angst und fehlende Energie beklagt (IV-act. 71-41, 49 f.).
Eine Diagnosestellung hielt der Gutachter aufgrund fehlender Zuverlässigkeit der
Angaben des Beschwerdeführers bzw. vorhandener Inkonsistenzen für ausgeschlossen
(IV-act. 71-52). Sodann hielt er zur Diagnostik fest, gemäss ICD-10 würden sich die
Diagnosen einer generalisierten Angststörung und eine mittelgradigen depressive
2.3.
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Episode gegenseitig ausschliessen (IV-act. 71-51). Der RAD-Arzt J._ führte in seiner
Stellungnahme vom 23. Mai 2017 aus, es sei nachvollziehbar, dass es dem Gutachter
aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung des Beschwerdeführers nicht möglich
gewesen sei, eine psychiatrische Diagnose zu stellen oder zu den Einschränkungen
Stellung zu nehmen (IV-act. 72-3).
Der Gutachter zeigte folgende Inkonsistenzen auf: In den Austrittsberichten sei
immer wieder eine Verbesserung beschrieben worden, während der Beschwerdeführer
selber zur Behandlung in der Schweiz pauschal sage, dass diese überhaupt nichts
genützt habe, es sei ihm stattdessen immer nur schlechter gegangen sei. Wiederholt
sei darauf hingewiesen worden, dass der Beschwerdeführer sich nicht auf die
Behandlung habe einlassen können, stattdessen auf die Medikation fixiert gewesen sei
und sogar während der stationären Aufenthalte für sein Geschäft gearbeitet habe.
Dennoch sei er von Dr. G._ zu diesem Zeitpunkt noch zu 100 % arbeitsunfähig
geschrieben gewesen und habe auch angegeben, dass er nicht mehr im Geschäft
arbeite (IV-act. 71-52 f.). Auch im Rahmen der aktuellen Untersuchung hätten sich
Hinweise auf Diskrepanzen und Widersprüche ergeben. So habe der Beschwerdeführer
angegeben, Arbeitsschritte und beispielsweise das Löschen des Lichts bis zu zehn Mal
kontrollieren zu müssen, aber erst, nachdem ihm diese Beispiele bei der Evaluation von
Zwängen aufgezeigt worden seien. Weiter habe er berichtet, sich nur in den Ferien ein
wenig von der Arbeit distanzieren zu können, andrerseits aber, dass er nur am Tisch im
Wohnzimmer sitzen und alles verschieben würde (IV-act. 71-54). Schliesslich ergab die
neuropsychologische Untersuchung, dass verschiedene Auffälligkeiten klar auf
suboptimales Leistungsverhalten hinweisen würden: Einer der
Beschwerdevalidierungstests habe hochauffällige Resultate ergeben, in einem weiteren
entspreche das Resultat genau dem Grenzwert. Die Leistung liege bei einer Aufgabe
bei mehreren Parametern in einem Bereich, der üblicherweise bei randomisierter
Testbearbeitung beobachtet werden könne. Die Reaktionszeiten hätten starke
Schwankungen und eine Verschlechterung gegenüber dem ersten Testdurchgang
aufgewiesen, was bei authentischen Störungen in der Regel nicht zu erwarten sei.
Diskrepant zu den vorgängigen Untersuchungen sei am Ende der Untersuchung eine
Aufgabe zur Erfassung der psychomotorischen Geschwindigkeit durchgeführt worden
mit durchschnittlichem Resultat. Die Leistung beim Abzeichnen einer Figur sei in
Anbetracht der Schulbildung und möglicher vorliegender Störungen ungewöhnlich
deutlich reduziert. Es hätten sich keine Hinweise auf psychische Beschwerden gezeigt,
welche die beschriebenen Auffälligkeiten erklären könnten. Insgesamt könne man nur
festhalten, dass der Beschwerdeführer bei dieser Abklärung nicht mitgewirkt hat. Das
Ausmass von tatsächlich vorliegenden Einschränkungen lasse sich daher nicht sicher
2.4.
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festlegen. Negative Antwortverzerrung resp. Aggravation erscheine überwiegend
wahrscheinlich. Die Kriterien für das wahrscheinliche Vorliegen von suboptimalem
Leistungsverhalten von Slick et al. (1999) seien erfüllt (IV-act. 71-55 f., 69 ff., 72).
Seitens der behandelnden Fachärzte wurden - wenn überhaupt - lediglich leichte
kognitive Einschränkungen festgehalten (Austrittsbericht E._ vom 15. Dezember
2016, IV-act. 4-2; Bericht Dr. B._ vom 20. Dezember 2016, IV-act. 5; Austrittsbericht
Psychiatrische Klinik D._ vom 22. Juni 2017, IV-act. 49-6; vgl. aber Arztbericht
Psychiatrische Klinik D._ vom 27. März 2017, wo Konzentrationsschwierigkeiten
unter den Funktionsausfällen erwähnt werden, IV-act. 39). Die neuropsychologische
Abklärung am Psychiatrischen Zentrum K._ ergab eine psychogen reduzierte mentale
Effizienz (mentale Verlangsamung, Aufmerksamkeitsstörung und
Konzentrationsstörung). Es wurde festgehalten, es bestünde eine "ziemlich grosse
Variabilität der Ergebnisse" (Bericht vom 19. April 2017, IV-act. 55-2 ff.). Auch die
behandelnde Dr. G._ berichtete nicht von relevanten kognitiven Einschränkungen
(vgl. Arztbericht vom 26. April 2017, IV-act. 40-3; Verlaufsberichte vom 23. März 2018,
IV-act. 49-2, und vom 30. Juli 2018, IV-act. 58-2). Im Austrittsbericht der
Psychiatrischen Klinik D._ vom 28. Juli 2016 wurde festgehalten, bei Austritt sei der
Beschwerdeführer stabilisiert gewesen, namentlich seien über mehrere Wochen keine
Panikattacken mehr aufgetreten und der Antrieb sei gebessert gewesen; nach wie vor
vorhanden sei eine Grübelneigung tagsüber (IV-act. 3). In der E._ minimierten sich
zunächst die innere Unruhe und Suizidgedanken. Nach der Geburt des dritten Kindes
habe sich erneut ein Stimmungseinbruch abgezeichnet. Der Beschwerdeführer sei auf
die medikamentöse Behandlung fokussiert gewesen (Austrittsbericht vom
15. Dezember 2016, IV-act. 4). Während des Aufenthaltes in der Psychiatrischen Klinik
D._ vom 30. Januar bis 30. März 2017 stabilisierte sich die Symptomatik Schritt für
Schritt. Der Beschwerdeführer habe mehr Antrieb gezeigt und der Grundaffekt habe
sich aufgehellt. Insgesamt habe sich der Zustand aber lediglich etwas gebessert
(Austrittsbericht vom 22. Juni 2017, IV-act. 49-4 ff.). Dennoch bezeichnete der
Beschwerdeführer diese Behandlungen, insbesondere jene in der E._, als frustran.
Erst die Behandlung in K._ habe insoweit eine Besserung gebracht, als er seither im
zeitlichen Pensum von etwa 20 % für sein Unternehmen administrative Arbeiten
verrichten könne (vgl. Austrittsbericht Psychiatrische Klinik D._ vom 22. Juni 2017,
IV-act. 49-5; Abklärungsbericht Selbständigerwerbende vom 23. Oktober 2017, IV-
act. 47-1 f.; Gutachten, IV-act. 71-36). Allerdings führte der Beschwerdeführer bereits
während des stationären Aufenthalts vom 30. Januar bis 30. März 2017 Arbeiten für
sein Unternehmen aus und liess sich nicht in angeratener Weise auf die Therapie ein
(Austrittsbericht Psychiatrische Klinik D._, vom 22. Juni 2017, IV-act. 49-6). In diesem
2.5.
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Zusammenhang führte der RAD-Arzt J._ bereits in seiner Stellungnahme vom
3. August 2018 an, der lange Verlauf der depressiven Episode ohne eine Remission
trotz leitliniengerechter medikamentöser antidepressiver und mehrmaliger stationärer
Behandlung sei aus versicherungsmedizinischer Sicht zu hinterfragen (IV-act. 64-2). Bei
Austritt aus der Psychiatrischen Klinik D._ sei dem Beschwerdeführer eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert worden (vgl. Austrittsbericht vom 22. Juni 2017,
IV-act. 49-4), was in nicht nachvollziehbarer Diskrepanz zur anlässlich der Abklärung an
Ort und Stelle geltend gemachten Einschränkung von 84 % (vgl. Abklärungsbericht
vom 23. Oktober 2017, IV-act. 47) stehe (IV-act. 64-3). Gegen eine schwere Depression
sprächen auch die regelmässige Teilnahme des Beschwerdeführers an Glückspielen im
Ausland und die uneingeschränkte Fähigkeit, mit seinem Auto in sein Heimatland zu
fahren. Zudem spreche das bewusste mehrwöchige Absetzen von Medikamenten, um
mit seiner Ehefrau sexuell verkehren zu können, gegen einen entsprechenden
Leidensdruck (RAD-Stellungnahme vom 23. Mai 2019, IV-act. 72). Weiter fällt auf, dass
selbst die behandelnde Psychiaterin Dr. G._ im Arztbericht vom 26. April 2017
festhielt, sie empfehle Eingliederungsmassnahmen (IV-act. 40-4), im Verlaufsbericht
vom 23. März 2018, die Diagnose sei unklar (IV-act. 49-3) und im Verlaufsbericht vom
30. Juli 2018, es sei eine Begutachtung erforderlich (IV-act. 58-2), obwohl sie noch
nach dem Klinikaufenthalt in D._ von Anfang 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
und später von 80 % attestierte.
Der Beschwerdeführer macht geltend, Dr. H._ habe eine Aggravation
ausdrücklich ausgeschlossen, während der neuropsychologische Gutachter sie bejaht
habe. Massgeblich ist, ob und wie der psychiatrische Gutachter die Ergebnisse der
neuropsychologischen Untersuchung gewürdigt hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 12. November 2019, 8C_605/2019, E. 3.2.2). Vorliegend hat der psychiatrische
Gutachter das neuropsychologische Teilgutachten visiert (IV-act. 71-73). In seinem
Gutachten hat er zunächst Ungereimtheiten in der Diagnostik und in den Angaben des
Beschwerdeführers bzw. den medizinischen Akten aufgezeigt und daran anschliessend
festgehalten, "ganz eindeutig" habe sich die Situation dann im Rahmen der
neuropsychologischen Abklärung gezeigt (IV-act. 71-55). Damit ist er den
Ausführungen des neuropsychologischen Gutachters gefolgt und hat die
neuropsychologischen Ergebnisse als Hinweis auf eine Aggravation gewertet. Ebenso
kann der Beschwerdeführer mit seiner Behauptung, die neuropsychologische
Abklärung habe nicht in seiner Muttersprache stattgefunden, nichts zu seinen Gunsten
ableiten (act. G 6, S. 3). Denn der neuropsychologischen Beurteilung ist zu entnehmen,
dass ein Dolmetscher anwesend war (IV-act. 71-64) und die Instruktionen und
2.6.
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3.
Anweisungen übersetzt wurden, obwohl der Beschwerdeführer angab, dass er es auch
auf Deutsch verstehe (IV-act. 71-68).
Insgesamt entspricht das Gutachten gemäss Gesagtem den von der
Rechtsprechung geforderten formellen und materiellen Kriterien und es sind keinerlei
konkreten Anhaltspunkte gegen dessen Zuverlässigkeit vorhanden (vgl. E. 1.6). Somit
ist den Gutachtern und dem RAD zu folgen, dass Inkonsistenzen bzw. Hinweise auf
eine Aggravation vorliegen. Ob diese einem invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Gesundheitsschaden im Sinne eines Ausschlussgrundes von vornherein
entgegenstehen, kann offenbleiben, da ein solcher auch aus weiteren Überlegungen als
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen betrachtet werden muss,
wie im Folgenden aufzuzeigen ist.
2.7.
Der Beschwerdeführer schilderte anlässlich der Begutachtung im Wesentlichen,
ein erstes Mal sei er depressiv geworden, nachdem er im Jahr 2003 nach rund 15
Jahren seine damalige Stelle in einem metallurgischen Labor verloren habe (IV-
act. 71-40 f.; vgl. auch Austrittsbericht Psychiatrische Klinik D._ vom 16. April 2004,
IV-act. 27). Einmal sei er einfach mit einem Kollegen spielen gegangen. Dabei habe er
gemerkt, dass es ihm gut gehe und er nicht über die Freundin oder den Job
nachdenke. Er habe gesehen, dass es ihm gut gehe, wenn er spiele. Mittlerweile sei er
in der Schweiz und in umliegenden Ländern ausser L._ gesperrt. Dorthin gehe er nur
noch spielen, wenn er einen starken Reiz verspüre, das letzte Mal vor einer Woche (IV-
act. 71-42). Nach dem Austritt aus der Klinik habe ein Kollege ihm Elektroarbeiten
gezeigt. Ab 1. Mai 2004 habe er sich in diesem Bereich (Vorbereitung
Elektroinstallationen) selbständig gemacht. 2016 sei die Auftragslage nicht gut
gewesen. Als er erfahren habe, dass die Ehefrau wieder schwanger sei, sei er in eine
wirklich tiefe Depression gefallen. Nach der stationären Therapie im Mai und Juni 2016
habe er zu Hause nur noch geweint, gezittert und sich gequält. Im Juni 2017 sei er zu
einem Arzt in ._ gegangen, welcher ihn medikamentös behandelt habe. Er sei über
die rasche Wirkung überrascht gewesen. Seit August 2017 erledige er wieder
administrative Arbeiten im Pensum von 20 % (IV-act. 71-35 ff.). Inzwischen habe er
Schulden in der Höhe von Fr. 300'000.--, wovon etwa 30 % bis 40 % aus dem
Glückspiel stammen würden (IV-act. 71-44). Aufgrund dieser Angaben erscheint
nachvollziehbar, dass sowohl der RAD-Arzt J._ (Stellungnahme vom 3. August 2018,
IV-act. 64) als auch der Gutachter (IV-act. 71-53, 60 f.) betonen, dass gravierende
psychosoziale Belastungsfaktoren am Krankheitsgeschehen beteiligt seien.
3.1.
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Der Beschwerdeführer gab gegenüber den behandelnden Ärzten einen deutlichen
Verlust an Interessen und Freude, an sozialer Teilhabe, an Antrieb, Schlafstörungen,
Gereiztheit, Existenz- und Zukunftsängste sowie wiederkehrende suizidale Gedanken
an. Entsprechend wurden ihm eine mittelgradige bis schwere depressive Erkrankung
bzw. eine generalisierte Angststörung diagnostiziert (Bericht Dr. C._ vom 12. April
2016, IV-act. 28; Austrittsbericht Psychiatrische Klinik D._ vom 28. Juli 2016, IV-
act. 3; Bericht E._ vom 15. Dezember 2016, IV-act. 4-3; Bericht Dr. B._ vom
20. Dezember 2016, IV-act. 5; Austrittsbericht Psychiatrische Klinik D._ vom 22. Juni
2017, IV-act. 49-6; Arztbericht Dr. G._ vom 26. April 2017, IV-act. 40). Der Gutachter
hielt zunächst fest, eine mittelgradige depressive Episode und eine generalisierte
Angststörung könnten nicht gleichzeitig diagnostiziert werden (IV-act. 71-51).
Massgeblich ist im invalidenversicherungsrechtlichen Kontext jedoch nicht, welcher
Diagnose die geklagten Beschwerden zuzuordnen sind, sondern dass diese als die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden lege artis objektivierbar sind
(vgl. BGE 136 V 281 E. 3.2.1; Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2020,
9C_524/2020, E. 5.1 mit weiteren Verweisen). Ob die Beschwerden einer depressiven
Episode oder einer Angststörung zugeschrieben werden, ist somit aus rechtlicher Sicht
nicht relevant.
3.2.
Weiter hielt der Gutachter fest, sofern tatsächlich eine depressive Episode
bestehen würde, würde die Stimmung nicht auf die jeweiligen Lebensumstände
reagieren, wie etwa die vom Beschwerdeführer angegebene Ablenkung durch das
Spielen (IV-act. 71-54). Der RAD-Arzt J._ führte in seiner Stellungnahme vom 23. Mai
2017 aus, im psychiatrischen Befund würden aus versicherungsmedizinischer Sicht
lediglich leichte depressive Symptome beschrieben (IV-act. 72-3), was auf eine wenig
stark ausgeprägte Beeinträchtigung der funktionellen Leistungsfähigkeit hinweist.
Während der gutachterlichen Anamneseerhebung beschrieb der Beschwerdeführer
nicht mehr Panikattacken und Existenzängste, sondern vordergründig ein
immerwährendes Gedankenkreisen, so dass nachvollziehbar erscheint, dass die
geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit nicht primär auf den Symptomen der
generalisierten Angststörung, sondern auf der depressiven Symptomatik beruht. Ein
pathologisches Spielen (ICD-10: F63) wurde dem Beschwerdeführer nie diagnostiziert.
Er betreibt zwar gelegentliches Glücksspiel, jedoch geht aus seinen Angaben nicht
hervor, dass er dadurch in seiner Funktionsfähigkeit im täglichen Leben beeinträchtigt
wäre und er ständig mit entsprechenden Gedanken oder Vorstellungen beschäftigt
wäre (vgl. H. Dilling/H. J. Freyberger, Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation
psychischer Störungen, 9. Aufl., Bern 2019, S. 255 f.).
3.3.
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Dem Beschwerdeführer wurden verschiedentlich Diagnosen im Bereich der
Persönlichkeit gestellt (Austrittsbericht Klinik D._ vom 16. April 2004, IV-act. 27:
auffällige Persönlichkeitszüge, narzisstisch, ängstlich und abhängig; Austrittsbericht
Psychiatrische Klinik D._ vom 28. Juli 2016, IV-act. 3: Verdacht auf sonstige
spezifische Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen Zügen; Austrittsbericht E._
vom 15. Dezember 2016, IV-act. 4: Akzentuierung narzisstischer Persönlichkeitszüge;
Bericht Dr. B._ vom 20. Dezember 2016, IV-act. 5: kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, ängstlichen und abhängigen Zügen; Bericht
Psychologisches Zentrum K._ vom 19. April 2017, IV-act. 55-2 ff.). Der
Beschwerdeführer verlebte seine Kindheit und Jugend bei seiner Grossmutter, da seine
Eltern in Deutschland bzw. in der Schweiz wohnten und arbeiteten. Er berichtete dem
Gutachter von starkem Heimweh mit einmalig Suizidgedanken (IV-act. 71-40 f.). Bei
Persönlichkeitsstörungen handelt es sich um Bedingungen der
Persönlichkeitsentwicklung, die in der späten Kindheit oder Adoleszenz beginnen und
bis ins Erwachsenenleben andauern (Dilling/Freyberger, a.a.O., S. 231). Sie führen
dazu, dass die charakteristischen und dauerhaften inneren Erfahrungs- und
Verhaltensmuster der Betroffenen deutlich vom kulturell erwarteten und akzeptierten
Vorgaben abweichen (Dilling/Freyberger, a.a.O., S. 234 f.). Der Beschwerdeführer hat
nach eigener Angabe das Gymnasium mit Matura abgeschlossen und rund 15 Jahre
lang in einem metallurgischen Labor gearbeitet (IV-act. 71-42, 57, 65). Gemäss Bericht
von Dr. C._ vom 12. April 2016 habe er eine schöne Kindheit ohne traumatische
Ereignisse verbracht (IV-act. 28). Somit ist nachvollziehbar, dass der Gutachter keine
die Arbeitsfähigkeit schmälernde Persönlichkeitsstörung diagnostizierte. Eine
zusätzliche relevant einschränkende Komorbidität oder erschwerende Indikatoren
seitens der Persönlichkeit liegen damit nicht vor. Wie bereits erwähnt sind die
Ressourcen durch verschiedene psychosoziale Belastungsfaktoren beeinträchtigt. Die
Alltagsaktivitäten bewegen sich auf einem niedrigen Niveau und soziale Beziehungen
ausserhalb der Familie bestehen wenige. Aufgrund der bereits aufgezeigten
Inkonsistenzen kann jedoch nicht als überwiegend wahrscheinlich erachtet werden,
dass dies auf einem objektiv nachgewiesenen Gesundheitsschaden beruht. Das
Vorhandensein von psychosozialen Belastungsfaktoren und von Inkonsistenzen erklärt
auch die von den behandelnden Ärzten abweichende Beurteilung des Gutachters.
3.4.
Unabhängig davon, ob die festgestellten Inkonsistenzen bereits IV-rechtlich
relevanten Gesundheitsschaden ausschliessen, ergibt sich unter Berücksichtigung der
vorhandenen psychosozialen Belastungsfaktoren (E. 3.1), des nachweisbaren leichten
Schweregrades der funktionellen Einschränkungen (E. 3.2), der fehlenden
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit unter anderem der Spielsucht (E. 3.3) sowie der
3.5.
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4.
Soweit der Beschwerdeführer rügt, statt Beweislosigkeit anzunehmen, wäre ein Mahn-
und Bedenkzeitverfahren anzuordnen gewesen, kann dem nicht gefolgt werden. Zum
einen enthielt die Mitteilung vom 6. September 2018, wonach sich der
Beschwerdeführer einer medizinischen Abklärung zu untersuchen habe, einen Hinweis
auf die Folgen einer Verletzung der Mitwirkungspflicht gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG und
Art. 7b (Abs. 1 ) IVG (IV-act. 67). Zudem statuiert Art. 7 b Abs. 2 lit. d IVG eine
Ausnahme von der Anwendbarkeit des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens, wenn die
versicherte Person der IV-Stelle Auskünfte nicht erteilt, welche diese zur Erfüllung ihrer
gesetzlichen Aufgabe benötigt. Nach dem Zweck der Norm hat dies auch zu gelten für
Auskünfte gegenüber ärztlichen Gutachtern und auch, wenn eine Mitwirkung oder
Auskunft nicht verweigert, sondern bewusst nicht vollständig oder den Tatsachen
entsprechend erteilt wird. Es ist in solchen Fällen nicht Sinn und Zweck des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens, dass die versicherte Person in solchen Fällen durch ihr
Verhalten eine weitere Begutachtung erwirken kann.
5.