Decision ID: e2b3ec2e-3804-594e-9833-59e915d76ac5
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 10. Oktober 2000 erstmals zum Bezug von IV-Leistungen
an (act. G 5.1/2). Gestützt auf ein Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom
21. November 2001 sprach die IV-Stelle St. Gallen der Versicherten mit Verfügung vom
9. Januar 2003 auf Grund der Auswirkungen einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung, einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode mit
somatischen Symptomen sowie eines diffusen, praktisch generalisierten chronischen
Schmerzsyndroms mit vielen vegetativen Begleitbeschwerden mit Wirkung ab dem
1. Dezember 2000 eine halbe Invalidenrente zu (Invaliditätsgrad 42 %, Härtefall [act.
G 5.1/15 und 34]). Auf Grund einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustands und
eines nunmehrigen Invaliditätsgrads von 100 % wurde der Versicherten ab
1. Dezember 2002 eine ganze Rente ausgerichtet (Verfügung vom 28. Mai 2003 [act.
G 5.1/47]). Diese Rentenhöhe war in zwei Revisionen vom August 2006 und August
2009 bestätigt worden (act. G 5.1/56 und 65), bevor die IV-Stelle der Versicherten am
17. Januar 2013 und 3. April 2013 mitteilte, zur Klärung der Leistungsansprüche sei
eine umfassende medizinische Untersuchung nötig (IV-Revision 6a; act. G 5.1/76 und
81).
A.a.
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B.
Im polydisziplinären Gutachten (Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie und
Rheumatologie) vom 5. August 2013 diagnostizierte die SMAB AG Swiss Medical
Assessment- and Business-Center, St. Gallen, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Erkrankung (F62.1). Ohne
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit (als
Hilfsmonteurin) diagnostizierten die Experten unter anderem eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (F45.4) sowie eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig remittiert (F33.4). In der Konsensbeurteilung kamen sie zum Schluss, die
Versicherte sei nicht mehr für schwere Tätigkeiten einsetzbar. Für leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten bestehe eine 70%ige Leistungsfähigkeit bei voller zeitlicher
Belastung (act. G 5.1/84.23 und 84.26 f.).
A.b.
Gestützt auf dieses Gutachten stellte die IV-Stelle St. Gallen mit Verfügungen
(bzw. Mitteilung) vom 17. Januar 2014 die Rente auf den nächstmöglichen Zeitpunkt
(Ende Februar 2014) ein, gewährte der Versicherten aber gleichzeitig Unterstützung bei
der Stellensuche und richtete die Rente weiterhin, bis maximal 29. Februar 2016, aus
(act. G 5.1/100, 102 und 104). Diese Verfügungen erwuchsen unangefochten in
Rechtskraft. Nach Ablauf der zweijährigen Übergangsfrist und erfolgloser Stellensuche
teilte die IV-Stelle der Versicherten am 8. März 2016 mit, dass die beruflichen
Massnahmen abgeschlossen und die Rentenzahlung per 29. Februar 2016 definitiv
eingestellt würden (act. G 5.1/128). Die Versicherte verlangte keine beschwerdefähige
Verfügung.
A.c.
Auf eine erneute Anmeldung vom 9. August 2016 für berufliche Massnahmen und
Rente trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. Februar 2017 nicht ein, da die geltend
gemachte Verschlechterung des Gesundheitszustands seit Januar 2014 zwar glaubhaft
gemacht worden aber nicht anhaltend sei. Die Revisionskriterien seien somit nicht
erfüllt (act. G 5.1/130 und 153). Auch diese Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
A.d.
Am 5. September 2017 meldete sich die Versicherte abermals bei der Invaliden
versicherung an. Dabei gab sie an, ihr psychischer Gesundheitszustand habe sich
verschlechtert (act. G 5.1/159). Die IV-Stelle betrachtete dies als reines Rentengesuch
B.a.
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und verzichtete auf den Erlass einer Nichteintretensverfügung bezüglich beruflicher
Massnahmen (act. G 5.1/166.3). Auf entsprechende Aufforderung reichte die
Versicherte (bzw. die Leistungserbringer) weitere Arztberichte ein. So gab Dr. med.
B._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Klinik C._, am 3. November 2017 an,
bei der Versicherten bestehe eine andauernde Persönlichkeitsänderung bei
chronischem Schmerzsyndrom (F62.80). Differentialdiagnostisch bestehe eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit vordergründig ängstlichen Anteilen. Weiter
bestehe eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischen Symptomen (F33.11). Nach jahrelangem Krankheitsverlauf bestehe ein
schwer chronifiziertes und therapieresistentes psychisches Leiden mit schweren
Verhaltensauffälligkeiten und jahrelang erheblich eingeschränktem Leistungsniveau
(act. G 5.1/165). Im formalisierten Arztbericht vom 19. April 2018 nannte Dr. B._ als
Differentialdiagnose noch eine vorbestehende kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
schizoid-infantilen Anteilen (F61.0) oder mindestens massiv akzentuierte
Persönlichkeitszüge (Z73.1). Es seien keine medizinischen Massnahmen möglich und
es könne nicht mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden
(act. G 5.1/178). Die Klinik D._ für Psychiatrie, Psychotherapie und Suchtbehandlung
reichte sodann zwei Berichte vom 7. November 2016 und vom 14. September 2017 an
Dr. B._ betreffend zwei stationäre Klinikaufenthalte vom 19. Juli 2016 bis zum
26. Oktober 2016 sowie vom 25. April 2017 bis zum 25. August 2017 ein. Darin
diagnostizierte sie jeweils eine mittelgradige depressive Episode mit anhaltender
Suizidalität (F32.1), eine andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem
Schmerzsyndrom, differentialdiagnostisch eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
(F62.80), eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(F45.41), ein Asthma bronchiale (J45.9) sowie eine Fibromyalgie (M79.70). Im Bericht
vom 14. September 2017 diagnostizierte sie zusätzlich psychische und
Verhaltensstörungen durch Opioide (Abhängigkeitssyndrom; F11.2) sowie eine
Migräne, nicht näher bezeichnet (G43.9 [act. G 5.1/168.1 und 169.1]). Der Hausarzt der
Versicherten, Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, übernahm in
seinem Bericht vom 13. März 2018 (Eingangsstempel SVA) im Wesentlichen die
Diagnosen der Klinik D._. Weder liessen sich die Einschränkungen durch
medizinische Massnahmen vermindern noch könne mit einer Wiederaufnahme der
beruflichen Tätigkeit gerechnet werden (act. G 5.1/172).
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Am 31. Juli 2018 und 7. September 2018 ordnete die IV-Stelle eine erneute poly
disziplinäre Begutachtung (Allgemeine/Innere Medizin, Neurologie, Neuropsychologie,
Psychiatrie, Orthopädie und Pneumologie) bei der Medizinischen Abklärungsstelle
SMAB, Bern, an [act. G 5.1/179 und 186]). In ihrem Gutachten vom 31. Dezember 2018
diagnostizierten die Experten (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung (F61) mit infantil-histrionischen, asthen-dependenten und
einzelnen schizoiden Anteilen, differentialdiagnostisch andauernde
Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (F62.8), sowie eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelschwere depressive
Episode (F33.0/F33.1). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde unter anderem
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) mit fibromyalgiformem
Charakter sowie ein iatrogener Opioidkonsum (F11.1) und ein Zustand nach
schädlichem Konsum von Benzodiazepinen (F13.1) diagnostiziert. Die Versicherte sei in
der Lage, ihrer körperlichen Konstitution angepasste Tätigkeiten einfacher geistiger Art
mit geringer Verantwortung, ohne besonderen Zeitdruck und ohne besondere
Anforderungen an die Team- und Konfliktfähigkeit mit einem Pensum von 50 %
auszuüben. Mit Blick auf die langjährige Abstinenz vom Arbeitsmarkt erscheine eine
Wiedereingliederung bzw. Integrationsmassnahme sinnvoll, um diese Arbeitsfähigkeit
in der Grössenordnung von 50 % auch realisieren zu können. Ob eine weitere
Steigerung noch möglich sei, könne gegenwärtig nicht abgeschätzt werden. Eine
Aggravationstendenz sei als möglich, nicht jedoch als sicher vorliegend anzunehmen.
Nachdem es im Juli 2016 zur Notwendigkeit einer stationären psychiatrischen
Behandlung bei latenter Suizidalität gekommen sei, sei die Arbeitsfähigkeit von 50 %
ab diesem Zeitpunkt anzunehmen. Unter fortgesetzter psychiatrisch-
psychotherapeutischer Fachbehandlung lasse sich eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit
voraussichtlich ermöglichen. Es sei aber mit einem langfristigen Verlauf zu rechnen.
Nach 20 Jahren Abstinenz vom Arbeitsmarkt seien Reintegrationsmassnahmen sinnvoll
und eine Steigerung der attestierten Arbeitsfähigkeit auf die bereits 2013 genannten
70 % dürfte frühestens innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren möglich sein (act.
G 5.1/194.7 ff.).
B.b.
Mit Vorbescheid vom 18. Februar 2019 stellte die IV-Stelle St. Gallen der
Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (act. G 5.1/198). Nachdem
B.c.
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C.
diese einwenden liess, dass ihr der psychiatrische Gutachter eine 50 %
Arbeitsunfähigkeit attestiert habe, womit ein Rentenanspruch gegeben sei, verfügte die
IV-Stelle am 17. Juli 2019 wie angekündigt. Dabei stützte sie sich im Wesentlichen auf
eine Stellungnahme ihrer Rechtsabteilung vom 18. Februar 2019, wonach kein
stimmiges Gesamtbild vorliege, das auf eine therapeutisch nicht angehbare, erhebliche
funktionelle Behinderung schliessen liesse. Damit sei die ressourcenhemmende
Wirkung des insgesamt nicht als schwer zu qualifizierenden psychischen Leidens
beweismässig nicht hinreichend erstellt. Seit Erlass der Renteneinstellungsverfügung
im Januar 2014 sei damit keine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands
und der Arbeitsfähigkeit eingetreten (act. G 5.1/196.2 f., 206 und 209).
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
10. September 2019 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Der
Beschwerdeführerin sei sodann ab dem frühest möglichen Zeitpunkt eine
Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der Beschwerdeführerin sei
schliesslich die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu
bewilligen. Zur Begründung wird vorgebracht, im polydisziplinären Gutachten der
SMAB AG Bern vom 31. Dezember 2018 werde festgestellt, dass sich seit der letzten
Begutachtung im August 2013 zweifelsohne eine Verschlechterung eingestellt habe. So
habe die damals remittierte Depression wieder Aktualität erlangt und zeige sich
gegenwärtig mit Bild einer leichten bis mittelschweren depressiven Episode. Auch die
Persönlichkeitsstörung sei dekompensiert und wirke sich auf die Fähigkeit der
Beschwerdeführerin negativ aus. Die Gutachter legten die Arbeitsfähigkeit sowohl in
angestammter wie in adaptierter Tätigkeit auf 50 % fest. Der RAD-Arzt nehme dazu am
24. Januar 2019 Stellung und komme zum Schluss, dass auf das Gutachten
abzustellen sei. Er halte auch die vom psychiatrischen Gutachter frühestens in zwei
Jahren erwartete Steigerung der Arbeitsfähigkeit für zu optimistisch. Auf die rechtliche
Stellungnahme des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin sei nicht abzustellen. Es
sei dagegen zu halten, dass weder der psychiatrische Gutachter noch der RAD-Arzt
Kritik an der gewählten Therapieform geübt hätten oder eine andere Therapie
vorschlügen. Haltlos sei die Behauptung, es gebe keine Hinweise darauf, dass die im
C.a.
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Vordergrund stehende Persönlichkeitsstörung bzw. Persönlichkeitsänderung durch das
Zusammenwirken mit der depressiven Störung besonders akzentuiert sei, gehe doch
der psychiatrische Gutachter von einer ungünstigen wechselseitigen Beziehung aus.
Zusammenfassend sei auf das Gutachten abzustellen und festzuhalten, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verschlechtert habe und sie deshalb nur
zu 50 % arbeitsfähig sei (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 29. Oktober 2019 beantragt die Verwaltung die
Abweisung der Beschwerde. Der Verlauf und der Ausgang von Therapien dürften als
wichtige Schweregradindikatoren in Anschlag gebracht werden. Zwar sei bei der
Beschwerdeführerin die Prognose auf Grund des chronischen Verlaufs der im
Vordergrund stehenden Persönlichkeitsstörung und der aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht unbeachtlichen subjektiven
Krankheitsüberzeugung als eher ungünstig zu bezeichnen. Von einem definitiven
Scheitern der psychiatrischen Behandlung könne aber nicht gesprochen werden, denn
der psychiatrische SMAB-Gutachter habe eine Fortführung der psychiatrischen
Behandlung empfohlen und eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit für möglich gehalten.
Insbesondere der zweite stationäre Aufenthalt in der Klinik D._ habe eine deutliche
Verbesserung der Symptomatik bewirkt, indem sich die bei Eintritt festgestellte
mittelgradige Episode auf eine leichtgradige Episode verringert habe. Aus den
Ausführungen des psychiatrischen Gutachters, es zeige sich eine ungünstige
wechselseitige Beziehung mit der rezidivierenden Depression, könne nicht geschlossen
werden, die bei der Beschwerdeführerin im Vordergrund stehende
Persönlichkeitsstörung werde durch das Zusammenwirken mit der depressiven
Störung besonders akzentuiert. Vielmehr deute die erwähnte Feststellung darauf hin,
dass die rezidivierende depressive Störung zwar einen ungünstigen Faktor darstelle,
dieser aber letztlich keine bedeutende ressourcenhemmende Wirkung beizumessen
sei. Die depressive Störung stelle somit keine erhebliche psychische Komorbidität dar.
Im Komplex "Persönlichkeit" falle ins Gewicht, dass trotz der diagnostizierten
Persönlichkeitsstörung im psychiatrischen Teilgutachten auf Ressourcen in den
komplexen Ich-Funktionen hingewiesen worden sei. Da die Beschwerdeführerin sozial
gut vernetzt und kein sozialer Rückzug erkennbar sei, weise der soziale Kontext
gewisse Ressourcen auf, auf welche die Beschwerdeführerin zurückgreifen könne.
C.b.
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Beweisrechtlich entscheidend sei der verhaltensbezogene Gesichtspunkt der
"Konsistenz". Diesbezüglich habe der psychiatrische Gutachter deutliche Hinweise auf
eine Selbstlimitierung erwähnt. Die angegebenen Schmerzen seien in keiner Weise
nachvollziehbar. Auch die geschilderten schmerzassoziierten Einschränkungen im
Alltag und in der Freizeitgestaltung seien keineswegs konsistent. Ebenso seien die
geschilderten Heimatreisen mit einer derartigen Schmerzwahrnehmung undenkbar.
Diese Angaben des psychiatrischen Experten seien in die Konsensbeurteilung
eingeflossen und es sei festgehalten worden, es bestehe keine gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen. In der
Gesamtbetrachtung liege kein stimmiges Bild vor, das auf eine therapeutisch nicht
angehbare erhebliche funktionelle Behinderung schliessen liesse. Die
ressourcenhemmende Wirkung des insgesamt nicht als schwer zu qualifizierenden
psychischen Leidens sei beweismässig nicht hinreichend erstellt. Dafür habe die
Beschwerdeführerin als materiell beweisbelastete Partei die Folgen der Beweislosigkeit
zu tragen. Damit sei von der im SMAB-Gutachten festgestellten, psychiatrisch
begründeten Arbeitsunfähigkeit von 50 % abzuweichen, ohne dass die Expertise ihren
Beweiswert verlöre. Es könne auch nicht auf die Arbeitsfähigkeitsschätzungen der
behandelnden Fachärzte abgestellt werden. Zusammengefasst führe die
Indikatorenprüfung zum Ergebnis, dass bei der Beschwerdeführerin keine
invalidenversicherungsrechtlich relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands
und der Arbeitsfähigkeit seit Erlass der Verfügung vom 17. Januar 2014 eingetreten sei
(act. G 5).
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 4. November 2019 wird der
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten
und unentgeltliche Rechtsverbeiständung) gewährt (act. G 6).
C.c.
Mit Replik vom 2. Dezember 2019 bestreitet die Beschwerdeführerin das von der
Beschwerdegegnerin behauptete Fehlen einer psychischen Komorbidität. Der
psychiatrische Gutachter stufe sowohl die Persönlichkeitsstörung als auch die
rezidivierende depressive Störung als Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
ein. Zudem stufe er die Beschwerdeführerin als lediglich 50 % arbeitsfähig ein.
Klarerweise müsse beiden Diagnosen ressourcenhemmende Wirkung beigemessen
werden. Im Weiteren werde die Unterteilung in Diagnosen mit und ohne Relevanz auf
C.d.
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Erwägungen
1.
die Arbeitsfähigkeit den Anforderungen an eine ergebnisoffene Prüfung nicht gerecht.
So wirke sich auch die diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung im
Zusammenspiel mit den Diagnosen mit Relevanz auf die Arbeitsfähigkeit
ressourcenhemmend aus. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin in Bezug auf
die Komorbidität sei nicht nachvollziehbar und im Ergebnis stossend. In Bezug auf die
Inkonsistenzen habe die Beschwerdegegnerin nicht geprüft, welche sozialen Aktivitäten
die Beschwerdeführerin vor Eintritt der Krankheit gepflegt habe, weshalb ihre
Begründung nicht nachvollziehbar sei. Insgesamt müsse bei der Beschwerdeführerin
von einer erheblichen ressourcenhemmenden Wirkung des psychischen Leidens
ausgegangen werden. Dieser Einschätzung folgten auch die Gutachter. Somit müsse
auf die im Gutachten festgestellte Arbeitsunfähigkeit abgestellt werden (act. G 8).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine weitere Stellungnahme und hält an
ihren in der Beschwerdeantwort gemachten Ausführungen und am Antrag fest (act.
G 10).
C.e.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
1.2.
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wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 141 V 289 E. 3.2;
BGE 130 V 396 E. 5.3 und E. 6; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme
Schmerzstörung und gleichgestellte Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie
namentlich Depressionen ist der Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels
Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 143 V 428, E. 7.1 und BGE 141 V 281). Zur
Indikatorenprüfung und zu den Ausführungen des Bundesgerichts über das
Zusammenwirken von Recht und Medizin gemäss vorstehendem BGE 141 V 281 kann
auf die Ausführungen der Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort vom
29. Oktober 2019 verwiesen werden (act. G 5, Ziff. III.2). Der Beweis für eine lang
andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als
geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im
Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer
Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsun
fähigkeit zeigt (BGE 143 V 427, E. 6 a. E.).
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit die
Erwerbsunfähigkeit bzw. den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung
bzw. das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch
andere Fachleute zur Verfügung stellen. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
256 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das Gericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend ist
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a). Im
Sinne einer Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten
Gutachten von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
1.3.
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2.
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/
bb).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
1.4.
Wird eine Neuanmeldung eingereicht, ist analog den für die Rentenrevision
geltenden Regeln zu prüfen, ob eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen eingetreten ist, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Hingegen ist die lediglich
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im
revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3, mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet
die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten
für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht
(BGE 133 V 108 E. 5.4, mit Hinweis auf BGE 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77).
1.5.
Die ursprünglich ausgerichtete ganze Rente wurde mit Verfügung vom 17. Januar
2014 rechtskräftig eingestellt (act. G 5.1/102). Nachdem diese Verfügung auf einer
umfassenden Prüfung des Rentenanspruchs beruhte, bildet sie den massgebenden
Referenzzeitpunkt zur vorliegend angefochtenen Verfügung vom 17. Juli 2019.
2.1.
Vorliegend ist im Wesentlichen die der angefochtenen Verfügung zu Grunde
liegende Indikatorenprüfung gemäss BGE 141 V 281 beanstandet worden, während die
medizinischen Feststellungen und Schlussfolgerungen der Gutachter nicht umstritten
sind. Nachdem das Gutachten vollständig und schlüssig erscheint (wovon auch der
2.2.
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RAD der Beschwerdegegnerin ausgeht [act. G 5.1/195]) sowie die weiteren geforderten
rechtlichen Vorgaben erfüllt, ist grundsätzlich darauf abzustellen.
Die Gutachter diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in erster
Linie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61) mit infantil-histrionischen, asthen-
dependenten und einzelnen schizoiden Anteilen. Differentialdiagnostisch gingen sie
von einer andauernden Persönlichkeitsänderung bei chronischem
Schmerzmittelsyndrom (F62.8) aus. Im Weiteren diagnostizierten sie eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelschwere depressive Episode (F33.0/
F33.1). In den übrigen untersuchten medizinischen Fachgebieten der Orthopädie, der
Allgemeinen Inneren Medizin sowie der Pneumologie ergaben sich keine
arbeitsfähigkeitsrelevanten Einschränkungen. Damit liegt zweifelsohne eine lege artis
gestellte Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor (vgl. BGE 141 V 281 E. 2
S. 285 ff.). Unbestrittenermassen ergibt sich in somatischer Hinsicht keine
Verschlechterung seit dem Referenzzeitpunkt vom Januar 2014, als der medizinische
Sachverhalt letztmalig umfassend abgeklärt und gewürdigt wurde. Zu prüfen ist
hingegen, ob sich der psychische Gesundheitszustand auf Grund der geänderten
Diagnosestellung seit damals in einer revisionserheblichen Weise geändert hat.
2.3.
Beim Komplex "Gesundheitsschädigung" ging die Beschwerdegegnerin zunächst
von einer schwachen Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome aus
(act. G 5.1/196.3). In der Beschwerdeantwort vom 29. Oktober 2019 geht sie sodann
zwar vom Vorhandensein eines gewissen Leidensdrucks aus, wobei sie allerdings nach
wie vor nicht auf eine schwere Ausprägung des psychischen Leidens schliesst.
Tatsächlich führt der psychiatrische Gutachter, Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, Facharzt für Neurologie, unter anderem aus, dass das
Aktivitätsniveau gegen eine erheblich invalidisierende depressive Erkrankung oder eine
schwerwiegend dekompensierte Persönlichkeitsstörung/Persönlichkeitsänderung
spreche. Andererseits erwähnt er aber doch eine gewisse Verschlechterung des
Gesundheitszustands, indem sich bei der rezidivierenden depressiven Störung, die
anlässlich der letzten Begutachtung vom August 2013 noch remittiert war, nunmehr
eine leichte bis allenfalls mittelschwere depressive Episode zeige. Zudem mache sich
die seit der jungen Erwachsenenzeit bestehende Persönlichkeitsstörung auf die
Fähigkeiten der Beschwerdeführerin zur Alltagsbewältigung bemerkbar (act.
G 5.1/194.35). Insgesamt ist damit zwar keine besonders schwere, aber - allein schon
auf Grund der seit sehr langer Zeit bestehenden Beschwerden, die auch zu zwei
längerdauernden stationären Klinikaufenthalten (vgl. Sachverhalt B.a vorstehend)
geführt haben - doch eine zu beachtende Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
2.4.
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und Symptome anzunehmen, was sich letztlich auch in der vom psychiatrischen
Experten postulierten Einbusse in der Arbeitsfähigkeit von 50 % manifestiert.
Beim Indikator "Behandlungserfolg oder -resistenz" geht die Beschwerdegegnerin
davon aus, dass die Prognose zwar auf Grund des chronischen Verlaufs der im
Vordergrund stehenden Persönlichkeitsstörung und der aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht unbeachtlichen subjektiven
Krankheitsüberzeugung als eher ungünstig zu bezeichnen sei. Jedoch könne nicht von
einem definitiven Scheitern der Behandlung gesprochen werden, da der psychiatrische
Gutachter die Fortführung der psychiatrischen Behandlung empfohlen habe und eine
Steigerung der Arbeitsfähigkeit für möglich halte. Wie sich aus dem Gutachten ergibt,
beschreibt Dr. F._ vor allem bei der rezidivierenden depressiven Störung eine
gegenwärtige Verschlechterung, indem eine remittierte Depression wieder Aktualität
erlangt habe und gegenwärtig das Bild einer leichten bis mittelschweren depressiven
Episode zeige. Insbesondere dieses Beschwerdebild dürfte denn der von ihm
angeregten fortgesetzten psychiatrisch-psychotherapeutischen Fachbehandlung
zugänglich sein, wie sich etwa aus den Berichten der Klinik D._ insbesondere
betreffend die erfolgte stationäre Behandlung vom 25. April 2017 bis zum 25. August
2017 ergibt. Demnach verringerte sich die bei Eintritt bestehende mittelgradige
depressive Episode mit anhaltender Suizidalität auf eine leichtgradige depressive
Symptomatik (act. G 5.1/168.1 und 168.3). Der psychiatrische Gutachter differenziert
die Wirksamkeit der von ihm angeregten Fortführung der psychiatrisch-
psychotherapeutischen Fachbehandlung bzw. die nach seiner Ansicht dadurch
erzielbare Steigerung der Arbeitsfähigkeit nicht bezüglich der Beschwerdebilder.
Hinsichtlich der Persönlichkeitsstörung ist aber nach der langen Dauer von rund
20 Jahren - Dr. F._ geht von einer Dekompensation der Persönlichkeitsstörung vor
dem Hintergrund zahlreicher Belastungsfaktoren Ende der 1990er-Jahre aus (act.
G 5.1/194.36) - wohl tatsächlich keine wesentliche Verbesserung mehr zu erwarten,
zumal den Persönlichkeitsstörungen diagnoseinhärent eine gewisse Unveränderbarkeit
innewohnt (vgl. H. Dilling/W. Mombour/M. H. Schmidt, ICD-10, Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, 10. Aufl., Einführung zu F60 - F69, S. 274 ff.). Die
relativ geringe Behandlungskadenz ist vorliegend weniger im Sinn eines geringen
Leidensdrucks zu interpretieren als mehr dahingehend, dass durch eine höhere
Behandlungshäufigkeit wohl kein zusätzlicher therapeutischer Gewinn erzielt werden
könnte. Jedenfalls führen weder der psychiatrische Gutachter noch der RAD aus, dass
die bisher erfolgte ambulante Behandlung nicht genügend konsequent durchgeführt
worden sei. Ersterer verlangt denn auch lediglich die Fortführung der bisherigen
Therapie, allenfalls mit geänderter Medikation (act. G 5.1/194.39). An die weitere
2.5.
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Therapierbarkeit der bei der Beschwerdeführerin vorliegenden Symptomatik und deren
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit dürfen somit keine überhöhten Erwartungen
geknüpft werden. Namentlich erscheint die von Dr. F._ angedachte Steigerung der
Arbeitsfähigkeit auf 70 % zum jetzigen Zeitpunkt als zu vage und mit zu vielen
Unsicherheiten behaftet, geht er doch selber davon aus, dass eine solche
Verbesserung frühestens in zwei Jahren möglich wäre (act. G 5.1/194.39). Im Konsens
haben die Experten zudem die Annahme des psychiatrischen Gutachters relativiert und
ausgeführt, es könne gegenwärtig nicht abgeschätzt werden, ob eine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit (über 50 %) noch möglich sei (act. G 5.1/194.9). Selbst der RAD der
Beschwerdegegnerin hält ein solches Szenario mit Blick auf das sich zuletzt
verschlechternde Störungsbild für sehr optimistisch. Die erwogene Medikation habe
zudem keinen wesentlichen Einfluss auf die Hauptdiagnose der Persönlichkeitsstörung.
Schliesslich erachtet der RAD Behandlungsauflagen als nicht zweckmässig (act.
G 5.1/195.2).
Im Weiteren ist zu prüfen, ob die ebenfalls diagnostizierte rezidivierende
depressive Störung eine relevante psychische Komorbidität darstellt. Die
Beschwerdegegnerin verneint dies damit, dass auf Grund der Angaben des
psychiatrischen Gutachters nicht geschlossen werden könne, die bei der
Beschwerdeführerin im Vordergrund stehende Persönlichkeitsstörung werde durch das
Zusammenwirken mit der depressiven Störung besonders akzentuiert. Vielmehr deute
dessen Feststellung, es zeige sich eine ungünstige wechselseitige Beziehung mit der
rezidivierenden Depression, darauf hin, dass die depressive Störung zwar einen
ungünstigen Faktor darstelle, diesem aber letztlich keine bedeutende
ressourcenhemmende Wirkung beizumessen sei, ansonsten der psychiatrische
Gutachter nicht (allein) die Persönlichkeitsstörung als relevant für die Arbeitsfähigkeit
bezeichnet hätte. Dem ist entgegen zu halten, dass Dr. F._ mit der fraglichen
Formulierung wohl schon gemeint haben dürfte, dass die gegenwärtig vorhandene
leichte bis mittelschwere depressive Episode der Beschwerdeführerin (weitere)
Ressourcen entzieht, ist doch nicht ersichtlich, worin die "ungünstige wechselseitige
Beziehung" sonst bestehen soll. Folgerichtig hat er die rezidivierende depressive
Störung als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (act.
G 5.1/194.34). Das Bundesgericht verlangt sodann in BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 keine
bestimmte Schwere oder "Akzentuierung" der Komorbidität, sondern eine
Gesamtbetrachtung der Beschwerden. Wie gesagt (vgl. vorstehende Erwägung 2.5) ist
immerhin davon auszugehen, dass es sich bei der Depression nicht um ein
therapeutisch nicht mehr angehbares Krankheitsgeschehen handelt, wenn auch
angesichts des langjährigen Verlaufs der rezidivierenden depressiven Störung mit
2.6.
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mehrmaliger psychiatrischer Hospitalisation eine vollständige Remission fraglich
erscheint. Im Resultat ist von einer zu berücksichtigenden Komorbidität auszugehen.
Bei den Komplexen "Persönlichkeit" und "sozialer Kontext" geht die
Beschwerdegegnerin davon aus, dass gemäss Gutachten die komplexen Ich-
Funktionen erhalten seien, und die Beschwerdeführerin sozial gut vernetzt, somit kein
sozialer Rückzug erkennbar sei. Somit sei vom Vorhandensein gewisser Ressourcen
auszugehen. Zwar trifft dies grundsätzlich zu. Indessen ist zu relativieren, dass sich die
regelmässigen sozialen Kontakte im Wesentlichen auf zwei Personen beschränken,
nämlich auf die Mutter der Beschwerdeführerin, die in Bosnien lebt und die sie ein paar
Mal jährlich besucht bzw. von ihr besucht wird, sowie auf eine ehemalige Nachbarin,
die offenbar zur Freundin wurde. Weiter besteht nach Angaben des psychiatrischen
Gutachters ein Kontakt zum Bruder, der ebenfalls in Bosnien lebt, sowie zu einer
weiteren Kollegin, mit der sie gelegentlich, insgesamt wohl eher selten, ins Theater
geht. An anderer Stelle ist von zwei weiteren Freundinnen die Rede (act. G 5.1/194.27
und 194.35). Mithin kann zwar nicht von einem weitgehenden oder gar vollständigen
sozialen Rückzug gesprochen werden. Indessen beschränken sich die Sozialkontakte
im Wesentlichen auf ein paar wenige vertraute Personen aus dem engsten Umfeld.
Zudem erwähnen sowohl der psychiatrische als auch der neurologische Gutachter
mangelnde Ressourcen (act. G 5.1/194.32 und 194.49). Der RAD der
Beschwerdegegnerin geht von einem anforderungsabhängigen Antriebsverlust sowie
davon aus, dass die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Kontaktfähigkeit zu Dritten und
die Gruppenfähigkeit durch die mangelnde Beziehungsfähigkeit herabgesetzt seien
(act. G 5.1/195.1 f.). Insgesamt kann aber die Einschätzung der Beschwerdegegnerin
geteilt werden, wonach die Beschwerdeführerin über "gewisse" (soziale) Ressourcen
verfügt, auf die sie zurückgreifen kann.
2.7.
Hinsichtlich der Kategorie "Konsistenz" weist die Beschwerdegegnerin auf die vom
psychiatrischen Gutachter genannte Selbstlimitierung der Beschwerdeführerin hin.
Demgemäss seien zudem die von ihr angegebene Schmerzintensität von 9/10 auf der
VAS-Skala in keiner Weise nachvollziehbar. Weiter seien die geschilderten
schmerzassoziierten Einschränkungen im Alltag und in der Freizeitgestaltung
keineswegs konsistent, wenn sie berichte, dass sie gelegentlich mit einer Kollegin ins
Theater gehe oder mehrmals monatlich ihre Kollegin und deren Familie zum
gemeinsamen Kartenspiel aufsuche. Auch die von der Beschwerdeführerin
geschilderten Heimatreisen seien mit einer kontinuierlichen derartigen
Schmerzwahrnehmung, wie sie die Beschwerdeführerin vortrage, undenkbar.
Schliesslich spreche das Aktivitätsniveau der Versicherten, wie es im psychiatrischen
2.8.
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Gutachten aufgeführt werde, gegen eine erheblich invalidisierende depressive
Erkrankung oder eine schwerwiegend dekompensierte Persönlichkeitsstörung/
Persönlichkeitsänderung. Auf Grund der dargelegten Inkonsistenzen liege bei der
Beschwerdeführerin in der Gesamtbetrachtung kein stimmiges Gesamtbild vor, das auf
eine therapeutisch nicht angehbare erhebliche funktionelle Behinderung schiessen
liesse. Es sei somit trotz eines gewissen Leidensdrucks nicht auf eine schwere
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome zu schliessen. Bei der
Beschwerdeführerin sei somit eine ressourcenhemmende Wirkung des insgesamt nicht
als schwer zu qualifizierenden psychischen Leidens nicht hinreichend erstellt, wofür die
Beschwerdeführerin die beweisrechtlichen Folgen zu tragen habe. Zwar trifft zu, dass
der psychiatrische Gutachter die vorstehend zitierten Ausführungen gemacht hat (act.
G 5.1/194.35). Folgerichtig geht er nicht von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in
sämtlichen Tätigkeiten aus. Der Umstand, dass die von der Beschwerdeführerin
angegebenen maximalen oder fast maximalen Schmerzen nicht vollständig
objektivierbar sind, bedeutet jedoch nicht, dass überhaupt keine Schmerzen oder
Beeinträchtigungen vorhanden sind. Im Weiteren hat der psychiatrische Gutachter zwar
von deutlichen Hinweisen auf eine Selbstlimitierung gesprochen (act. G 5.1/194.35).
Indessen geht er offensichtlich nicht davon aus, dass sämtliche Einschränkungen der
Beschwerdeführerin allein darauf zurückzuführen sind, hätte er doch sonst keine
50 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die vom psychiatrischen Gutachter aufgeführten
Inkonsistenzen sind denn dahingehend zu relativieren, als die geschilderten Aktivitäten,
wie etwa das Besuchen einer Freundin zum gemeinsamen Kartenspiel - was im
Übrigen wohl keine besondere Anstrengung darstellt - oder der gelegentliche,
insgesamt wohl eher seltene Besuch einer Theatervorstellung, ebenso wie die ein- bis
zweimal jährlich unternommenen Heimatreisen gewissermassen die Höhepunkte
darstellen. Der übrige, während der meisten Zeit des Jahres gelebte Tagesablauf, stellt
sich dagegen sehr viel passiver dar. So gehe die Beschwerdeführerin zwischen 23 und
24 Uhr ins Bett und stehe zwischen 9 und 11 Uhr auf, um sich danach einen Kaffee zu
machen. Danach schalte sie den Fernseher an, um eine Geräuschkulisse zu erzeugen.
Sie lese ein wenig, am liebsten einfache Literatur, Romane oder Illustrierte. Den Einkauf
könne sie selbst besorgen, da die Migros nicht weit entfernt sei. Zum Mittagessen esse
sie eine Kleinigkeit, danach halte sie - je nach Beschwerden und Erschöpfung -
Mittagsschlaf. Nachmittags unternehme sie einen kleinen Spaziergang oder bummle
durch den Ort. Abends schaue sie wieder fern. Hobbies habe sie keine (act.
G 5.1/194.27 f.). Gegenüber dem neuropsychologischen Gutachter schilderte sie, dass
sie zwischen 10 und 12 Uhr aufstehe, danach Kaffee und Frühstück mache. Am
Morgen gehe sie nicht nach draussen, mittags esse sie kalt. Auch an den
Nachmittagen mache sie eigentlich nichts. Erst liege sie, wobei sie gelegentlich
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einschlafe. Selten gehe sie spazieren. Soziale Kontakte nehme sie nur begrenzt wahr,
esse und übernachte aber regelmässig bei einer früheren Nachbarin. Daneben habe sie
noch eine oder zwei weitere Kolleginnen, bei welchen sie esse und übernachte. Andere
regelmässige Aktivitäten oder Hobbies beständen nicht (act. G 5.1/194.89). Aus diesen
Ausführungen erhellt, dass sich der normale Alltag der Beschwerdeführerin äusserst
passiv, reduziert und ohne erkennbare Eigeninitiative gestaltet sowie auf
grösstmögliche Schonung ausgerichtet ist. Dabei lässt die Beschwerdeführerin selbst
ihren Haushalt zumindest teilweise von der Freundin erledigen. Die einzigen
ersichtlichen "Aktivitäten" bestehen in der Wahrnehmung der sozialen Kontakte, die
bereits unter dem Komplex "sozialer Kontext" als Ressourcen berücksichtigt wurden
(vorstehende Erwägung 2.7), und die für sich genommen kaum auf eine vollständige
Arbeitsfähigkeit schliessen lassen. Mithin besteht durchaus eine Konsistenz zwischen
der geltend gemachten - und medizinisch teilweise attestierten - Arbeitsunfähigkeit und
dem in den übrigen Lebensbereichen gezeigten Verhalten. Eine Aggravationstendenz
wird sodann im Konsens des Gutachtens lediglich als möglich, nicht jedoch als sicher
vorliegend, bezeichnet. Insgesamt gehen die Gutachter von einer starken
Verdeutlichungstendenz aus (act. G 5.1/194.9). Der RAD hielt dazu überzeugend fest,
dass die Diskrepanzen zwischen der Selbstwahrnehmung des eigenen
Leistungsniveaus verglichen mit der tatsächlichen Alltagsbewältigung dem
Störungsbild geschuldet und in die Bewertung der Arbeitsunfähigkeit einbezogen
worden seien (IV-act. 195-2).
Zusammenfassend besteht bei der Beschwerdeführerin gegenwärtig eine vor allem
durch ein psychisches Leiden verursachte Gesundheitsschädigung, die durch die
bestehenden Ressourcen nur zum Teil aufgefangen wird. Von der weiteren
(wünschenswerten) Behandlung ist sodann keine unmittelbare und nachhaltige
Verbesserung zu erwarten. Es rechtfertigt sich somit, auf die gutachterlich postulierte
Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer leidensadaptierten Tätigkeit abzustellen. Die
Experten gehen davon aus, dass sich der Gesundheitszustand im Juli 2016, nach der
Notfallkonsultation vom 7. Juni 2016 im Spital Wil bei vermuteter Dekompensation
einer Angststörung und Schmerzexazerbation bei vorbekannter Fibromyalgie sowie der
anschliessenden Notwendigkeit einer stationären psychiatrischen Behandlung bei
latenter Suizidalität in der Klinik D._ vom 19. Juli 2016 bis zum 26. Oktober 2016 (vgl.
act. G 5.1/138 und 169), - welche Behandlungen offenbar am ersten Tag eines
Arbeitsversuchs im Business House erforderlich wurden - verschlechtert hat (act.
G 5.1/194.9). Zudem gehen sie ab diesem Zeitpunkt nur noch von einer Arbeitsfähigkeit
von 50 % aus, nachdem der Beschwerdeführerin im Gutachten vom August 2013 noch
eine Arbeitsfähigkeit von 70 %, jeweils in adaptierten Tätigkeiten, attestiert wurde (act.
2.9.
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3.
4.
G 5.1/84.26 und 194.9). Mithin ist ab Juli 2016 von einer revisionsrechtlich relevanten
Verschlechterung des Gesundheitszustands auszugehen.
Die Beschwerdegegnerin geht von einem Prozentvergleich (unter Parallelisierung
des Invalideneinkommens) aus, da das Valideneinkommen der Beschwerdeführerin als
Hilfsmonteurin deutlich unterdurchschnittlich war (act. G 5.1/197). Dies erscheint sach
angemessen, nachdem nicht davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin
freiwillig auf die Erzielung eines höheren Erwerbseinkommens verzichtet hat (vgl. BGE
135 V 58 E. 3.4.3; Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2014 [9C_192/2014]
E. 3.3). Eine weitere Reduktion des Invalideneinkommens (Leidensabzug) ist jedoch
nicht angezeigt. Unter Berücksichtigung einer Arbeitsunfähigkeit von nunmehr 50 %
besteht demnach Anspruch auf eine halbe Rente.
3.1.
Nachdem die Rentenaufhebung per Ende Februar 2014 bzw. definitiv per Ende
Februar 2016 nicht auf Grund einer "natürlichen" Verminderung des Invaliditätsgrads -
also nicht auf Grund einer gesundheitlichen oder erwerblichen Verbesserung -, sondern
auf Grund von Ziff. a der Schlussbestimmungen der Änderung vom 18. März 2011 (6.
IV-Revision, erstes Massnahmenpaket; abgekürzt: IV-Revision 6a), mithin ohne
Vorliegen eines Revisionsgrundes nach Art. 17 Abs. 1 ATSG, aufgehoben wurde, liegt
kein Wiederaufleben der Invalidität nach Aufhebung der Rente im Sinn von Art. 29
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) vor. Die
Beschwerdeführerin hat damit das Wartejahr (erneut) zu bestehen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Februar 2016 [9C_942/2015] E. 3.3.3; mit Hinweis auf Urteil
des Bundesgerichts vom 3. Juli 2013 [9C_677/2012] E. 2.3). Da sie ab Juli 2016
durchschnittlich zu mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen war (zuvor 30 % gemäss
Gutachten vom 5. August 2013 [act. G 5.1/84.25]), war das Wartejahr gemäss Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG im Juli 2017 abgelaufen. Die vorliegend zu beurteilende Anmeldung
erfolgte am 5. September 2017 (Eingang AHV-Zweigstelle am 26. September 2017 [act.
G 5.1/159]). Der Rentenbeginn ist somit auf den 1. März 2018 festzusetzen (Art. 29
Abs. 1 und 3 IVG).
3.2.
bis
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene
Verfügung vom 17. Juli 2019 aufzuheben und der Beschwerdeführerin eine halbe
Rente, beginnend am 1. März 2018, zuzusprechen. Die Streitsache ist zur betraglichen
Festsetzung und Verfügung der Rente an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.1.
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